# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 45cf440e-7c84-4546-aaca-a113adbae275
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2009
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ A. I., geb. 1974, ist Staatsangehöriger von Kosovo. Er reiste 1995 in die Schweiz ein
und stellte ein Asylgesuch. Dieses wurde am 16. Oktober 1996 abgewiesen und der
Gesuchsteller aus der Schweiz weggewiesen. 1997 heiratete er in Deutschland eine
Landsfrau, mit der er aber nach eigenen Angaben nicht zusammenlebte. Diese Ehe
wurde geschieden. Am 18. März 2005 heiratete A. I. eine österreichische
Staatsangehörige. Diese Ehe wurde am 29. Januar 2007 geschieden. Am 21. März
2007 heiratete A. I. in seinem Heimatstaat die in der Schweiz niedergelassene, in A.
wohnhafte Landsfrau L., geb. 14. Juni 1981. In der Folge reiste er am 6. Juni 2007 im
Rahmen des Familiennachzugs in die Schweiz ein. Aufgrund der Eheschliessung mit
einer Niedergelassenen wurde ihm eine Aufenthaltsbewilligung erteilt. Diese wurde
letztmals bis 5. Juni 2009 verlängert.
Die Ehefrau erhielt am 4. März 2008 die Schweizer Staatsbürgerschaft. Auf ihre
Anzeige hin wurde A. I. am 18. Juni 2008 wegen Verdachts der mehrfachen
Vergewaltigung der Ehefrau in Untersuchungshaft gesetzt. Diese dauerte bis 8. Juli
2008.
Mit Verfügung vom 18. August 2008 widerrief das Ausländeramt die
Aufenthaltsbewilligung von A. I. und setzte ihm eine Frist bis 23. Oktober 2008 an, um
die Schweiz zu verlassen. Zur Begründung führte es aus, A. I. habe nur rund zehn
Monate in ehelicher Gemeinschaft gelebt. Er habe keinen Anspruch auf Verlängerung
der Aufenthaltsbewilligung trotz Auflösung der ehelichen Gemeinschaft. Die Rückkehr
in den Herkunftsstaat sei zumutbar.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/7
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B./ Mit Eingaben seines Rechtsvertreters vom 1. und 18. September 2008 erhob A. I.
gegen die Verfügung des Ausländeramts Rekurs, der vom Sicherheits- und
Justizdepartement mit Entscheid vom 27. Oktober 2008 abgewiesen wurde.
C./ Mit Eingaben seines Rechtsvertreters vom 11. November 2008 und 19. Januar 2009
erhob A. I. Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der Rekursentscheid
vom 27. Oktober 2008 sei aufzuheben und von einem Widerruf der
Aufenthaltsbewilligung sei abzusehen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Zur
Begründung wird vorgebracht, der Widerruf der Aufenthaltsbewilligung sei
offensichtlich unverhältnismässig. Die Verwaltungsbehörden hätten ihr Ermessen klar
überschritten und ihren Entscheid auf Akten gestützt, welche aus dem Recht hätten
gewiesen werden müssen. Die Strafakten seien aus dem Dossier zu entfernen, da
sonst die Gefahr bestehe, dass sich die entscheidenden Instanzen und letztlich auch
das Verwaltungsgericht beeinflussen liessen, womit eine Verletzung des Grundsatzes in
dubio pro reo vorliege. Einzig aufgrund der Strafakten werde auf eine angeblich
definitive Trennung der Eheleute geschlossen, was jedoch mit Sicherheit nicht der Fall
wäre, wenn das Ausländeramt und die Vorinstanz die Strafakten nicht konsultiert
hätten. Auf die weiteren Vorbringen in der Beschwerde wird, soweit wesentlich, in den

## Considerations

nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 22. Januar 2009 unter Hinweis
auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids auf Abweisung der Beschwerde.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingaben vom 11. November 2008
und 19. Januar 2009 wurden rechtzeitig eingereicht und entsprechen formal und
inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47
Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/7
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2. Nach Art. 42 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer
(SR 142.20, abgekürzt AuG) haben ausländische Ehegatten von Schweizerinnen
Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit
diesen zusammen wohnen. Nach Auflösung der Ehe oder der Familiengemeinschaft
besteht nach Art. 50 Abs. 1 AuG der Anspruch des Ehegatten und der Kinder auf
Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nach Art. 42 weiter, wenn die
Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre bestanden hat und eine erfolgreiche
Integration besteht (lit. a), oder wenn wichtige persönliche Gründe einen weiteren
Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen (lit. b).
2.1. Nach Art. 62 lit. d AuG kann die zuständige Behörde Bewilligungen, ausgenommen
die Niederlassungsbewilligung, widerrufen, wenn der Ausländer eine mit der
Bewilligung verbundene Bedingung nicht einhält.
Eine erfolgreiche Integration nach Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG liegt vor, wenn der Ausländer
namentlich die rechtsstaatliche Ordnung und die Werte der Bundesverfassung
respektiert und den Willen zur Teilnahme am Wirtschaftsleben und zum Erwerb der am
Wohnort gesprochenen Landessprache bekundet (vgl. Art. 77 Abs. 4 der Verordnung
über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit, SR 142.201).
2.2. Der Beschwerdeführer heiratete seine Ehefrau am 21. März 2007. Am 6. Juni 2007
reiste er in die Schweiz ein. Die Ehefrau erhielt am 4. März 2008 die Schweizer
Staatsbürgerschaft. Am 18. Juni 2008 wurde der Beschwerdeführer verhaftet. Seither
leben die Eheleute nicht mehr zusammen. Am 1. September 2008 meldete sich der
Beschwerdeführer in Rorschach an. Die Frist von drei Jahren nach Art. 50 Abs. 1 lit. a
AuG ist damit bei weitem nicht erfüllt. Auch kann nach einem Aufenthalt von knapp
zwei Jahren nicht von einer erfolgreichen Integration gesprochen werden.
Die Aufenthaltsbewilligung wurde im Rahmen des Familiennachzugs erteilt und der
Verbleib bei der Ehegattin als Aufenthaltszweck vermerkt. Nach der Trennung der
Eheleute ist diese mit der Erteilung der Bewilligung verbundene Bedingung
weggefallen. Damit ist ein Widerruf der Bewilligung grundsätzlich zulässig.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/7
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Wichtige persönliche Gründe, die den Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung trotz Auflösung der Ehe- oder Familiengemeinschaft weiter
bestehen lassen, können namentlich vorliegen, wenn ein Ehegatte Opfer ehelicher
Gewalt wurde und die soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet
erscheint (Art. 50 Abs. 2 AuG). Solche Umstände sind im vorliegenden Fall nicht
gegeben.
2.3. Unbegründet ist die Rüge des Beschwerdeführers, die Akten der
Strafuntersuchung wegen Verdachts der Vergewaltigung seiner Ehefrau hätten nicht in
die Akten des Ausländeramts Eingang finden dürfen. Grundsätzlich ist es zulässig und
geboten, wenn die Ausländerbehörde über Strafuntersuchungen frühzeitig orientiert
wird. Damit kann die Erteilung oder Verlängerung von Bewilligungen genauer überprüft
oder falls notwendig verschoben werden. Da Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG ausdrücklich
wichtige persönliche Gründe erwähnt, die einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz
erforderlich machen können, ist es auch zweckmässig, wenn die näheren Umstände
des Verhältnisses der Eheleute geprüft werden. Dazu gehört insbesondere auch,
Aussagen der Ehegatten im Rahmen einer Strafuntersuchung zu würdigen. Im
vorliegenden Fall stellte die Vorinstanz nur insoweit auf die Akten der
Strafuntersuchung ab, als sie die Auflösung der ehelichen Gemeinschaft als endgültig
qualifizierte. Auch in der Beschwerdeergänzung wird im übrigen ausdrücklich
festgehalten, dass die eheliche Gemeinschaft aufgelöst ist.
Bei dieser Sachlage war es nicht ausschlaggebend, ob die schweren Vorwürfe der
Ehefrau zutreffend sind oder nicht. Massgebend ist vielmehr, dass die Äusserung
solcher Vorwürfe, ob sie wahr sind oder nicht, ein Indiz für das definitive Scheitern der
Ehe darstellt. Das Ausländeramt hätte die Ehegatten übrigens auch selbst befragen
können. Dies war aber im vorliegenden Fall entbehrlich, da die Akten der
Strafuntersuchung verwendet werden durften. Es spielt daher keine Rolle, dass das
Ausländeramt unter Umständen erst später ein Widerrufsverfahren eingeleitet hätte,
falls es nicht über die Akten der Strafuntersuchung verfügt hätte. Von einer Verletzung
der Unschuldsvermutung kann daher im vorliegenden Fall nicht gesprochen werden.
Auch geht der Vorwurf fehl, das Ausländeramt habe vorschnell gehandelt. Von einer
Ermessensüberschreitung kann nicht die Rede sein. Wenn wie im vorliegenden Fall
eine eheliche Gemeinschaft nur wenige Monate dauerte und von Beginn an von
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/7
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Auseinandersetzungen geprägt war, ist ein beförderliches Vorgehen der
Ausländerbehörden gerechtfertigt.
2.4. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen erweist sich der Widerruf der
Aufenthaltsbewilligung als rechtmässig. Der Entscheid darüber stand daher im
Ermessen der Ausländerbehörde (Art. 96 AuG).
Der Beschwerdeführer hält sich erst knapp zwei Jahre in der Schweiz auf. Mit seiner
Ehefrau lebte er rund ein Jahr zusammen. Aufgrund der kurzen Aufenthaltsdauer in der
Schweiz und der kurzen Dauer der ehelichen Gemeinschaft kann im Widerruf bzw. in
der Verweigerung der Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung kein
Ermessensmissbrauch erblickt werden. Nach dem kurzen Aufenthalt in der Schweiz
kann der Beschwerdeführer ohne überdurchschnittliche Probleme in den
Herkunftsstaat zurückkehren. Dass eine Rückkehr mit einem gewissen finanziellen
Aufwand verbunden ist, ändert daran nichts.
2.5. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde als unbegründet abzuweisen.
3. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif,
sGS 941.12). Sie ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu
verrechnen.
Ausseramtliche Entschädigungen sind nicht zuzusprechen (Art. 98bis VRP).
Demnach hat das Verwaltungsgericht