# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 0ff9c781-ad73-478f-a981-2f3d9226df09
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1965, ohne erlernten Beruf, war
ab Mai
2008
als
Operator
bei der
Y._
AG
in
Z._
angestellt
, welches Arbeitsverhältnis infolge Verlegung des Produktionsstandortes ins Ausland
seitens der Arbeit
geberin
per
3
1.
März 2014
gekündigt wurde
; letzter effektiver Arbeitstag war der
10.
S
eptember 2013
, danach war
X._
krankgeschrieben
(
Urk.
7/3/4,
7/13
)
.
Nebenberuflich ging er
seit
jedenfalls
2010
einer Tätigkeit als Reinigungs
kraft nach (vgl.
IK-Auszug, etwa
Urk.
7/
156
).
Mit Gesuch vom 15.
A
ugust 2014 meldete sich
X._
unter Hinweis auf chronische Nacken-/Kopfschmerzen und Schwindel bei St. nach Unfällen
(Kopfkontusionen)
am 27. September
2011 und
am
2.
Oktober 2009
und
segmentaler Dysfunktion C2/3
sowie
unter Angabe einer
seit dem 24. September 201
3 bestehende
n
vollständige
n
Arbeitsunfähigkeit
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stel
le, zum Leistungs
bezug an (Urk.
7/2).
Die IV-Stelle
tätigte Abklärungen in erwerblicher
und medi
zinischer Hinsicht
und fü
hrte mit dem Versicherten ein Standortgespräch durch (
Urk.
7/
11
).
Nach
Beizug
der Akten der Suva (Urk.
7/16
,
Urk.
7/48
)
und weiterer medizinischer Berichte
behandelnder Ärzte und Institutionen
(
Urk.
7/17,
Urk.
7/20,
Urk.
7/23,
Urk.
7/25,
Urk.
7/29
) gewährte
die IV-Stelle
berufliche
Einglied
erungsmassnahmen (Urk.
7/46, Urk.
7/54 ff:
insbes.
A
rbeitstraining
vom 1.
Juni – 30.
November 2016,
ink
l
. Job Coaching, Akquis
i
tion und Nachbetreu
ung
sowie T
aggelder
). Per 15.
Februar 2017
trat
X._
eine Festanstellung
(100
%)
in der Produktion/Spedition
bei
der
Bäckerei
A._
a
n (U
rk.
7/76 ff.)
.
Da
er
v
erschiedentlich
Anordnungen
des Arbeitgebers
nicht
Folge leistete
,
s
owie
nach
erfolgter
Krankschreibung infolge einer a
m 21.
Februar
2017
erneut
erlittenen
Kopf
k
ontusion
wurde das
Arbeitsverhäl
t
nis
seitens des Arbeitgebers
während der Probezeit gekünd
i
g
t (
Urk.
7/78
,
Urk.
7/88
/17
).
Die IV-Stelle schloss
daraufhin
die beruflichen Massnahmen mit Mittei
lung vom 3
0.
März 2017 ab (Urk.
7/80).
Nach
Beizug
der
Ak
ten des
für den Unfall vom
21.
Februar 2017
zuständigen U
nfallversicherer
s (Urk.
7/88) und Einholung eines hausärztlich
en Berichts (U
rk.
7/89) erliess die IV-
St
elle am 30.
August 2017 einen Vorbescheid,
gemäss
welchem sie einen Anspruch au
f IV-Leistungen
voraussichtlich
verneine
n werde
(Urk.
7/92).
Dagegen
erhob
der Versicherte
am 26. September 2017 Einwand (Urk.
7/98). Nach Einholung von weiteren medizinis
chen Unterlagen (vgl. etwa Urk.
7/105,
Urk.
7/106 ff.,
Urk.
7/121
-123
)
,
welche unter anderem ergaben, dass der Versicherte zwischenzeitlich einen Vorderwandinfarkt erlitte
n hatte (vgl. etwa
Urk.
7/123/1 und
Urk.
7/137
)
,
und Stellungnahme
du
rch den Versicherten dazu (Urk.
7/125)
sowie
weiterer Ergänzung der
Akten
veranlasste die IV-Stelle
eine
polydisziplinäre Untersuchung des Versicherten, mit welcher die
B._
AG,
MEDAS C._
, beauftragt wurde (
Mitteilung
en vom 2
1.
Juni und
vom 2
2.
Juli 2019
,
Urk.
7/140 und Urk.
7/144
). Die
B._
AG
erstat
t
ete ihre Expertise am 29.
N
ovem
ber 2019 (Urk.
7/153).
Mit Eingaben vom 10.
Februar 2020 (
Urk. 7/159) und 13.
Februa
r 2020 (Urk.
7/160
) nahm der Versicherte
dazu
Stellung; am 1
6.
März 2020 reichte
er
ergänzende
medizinische
Unterlagen ein
, unter anderem betreffend
seine
linke Schulter (Urk.
7/166 ff.).
Am 22.
September 2020 erliess die IV-Stelle einen neu
en Vorbescheid, mit welchem sie abermals die Verneinung des
Anspruch
s
auf eine
Invalidenrente
in Aussicht stellte
(Urk.
7
/173). Mit Eingaben vom 23. Oktober
2020
(Urk.
7/177) und 11.
November 2020 (Urk.
7/180) nahm der Versicherte dazu Stellung und reichte weitere
ärzt
liche Berichte
ein
, namentlich einen Bericht der behandelnden Psychiaterin
(Urk. 7/179)
.
Nach Vorlage der U
nterlagen an ihre
n Regionalen Ärztlichen Dienst (
RAD;
Urk.
7/182) hielt die IV-Stelle m
it V
erfügung v
om
12.
Januar 2021 daran fest, dass kein Anspruch auf ei
ne Invalidenrente bestehe (Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
hierorts mit Eingabe vom 15. Februar 2021 Beschwerde (Urk.
1) und beantragte, es sei ihm in Aufhebung der angefochtenen Verfügung rückwirkend eine angemessene Invalidenrente zuzusprechen und auszurichten, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl.
MWSt
) zu Lasten der Beschwerdegegnerin (
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle stellte mit V
ernehmlassung vom 24.
März 2021 Antrag auf Abwei
sung der Beschwerde (U
rk.
6), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
6.
April
202
1 zur Kenntnis gebracht wurde (U
rk
.
8
).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung
haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen Einspracheentscheids eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Rechtsprechungsgemäss liegt regelmässig keine versicherte Gesundheitsschädi
gung vor, soweit die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnli
chen Erscheinung beruht. Hinweise auf solche und andere Äusserungen eines sekundären Krankheitsgewinns ergeben sich namentlich, wenn: eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese besteht; intensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt; keine medizinische Behandlung und Therapie in Anspruch genommen wird; demonstrativ vorgetragene Klagen auf
den Sachverständigen unglaubwürdig wirken; schwere Einschränkungen im Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist. Nicht per se auf Aggravation weist blosses verdeutlichendes Verhalten hin (BGE 141 V 281 E. 2.2.1, 131 V 49 E. 1.2, je mit Hinweisen). Wann ein verdeut
lichendes Verhalten (nur) verdeutlichend und unter welchen Voraussetzungen die Grenze zur Aggravation und vergleichbaren leistungshindernden Konstellationen überschritten ist, bedarf einer einzelfallbezogenen, sorgfältigen Prüfung auf einer möglichst breiten Beobachtungsbasis auch in zeitlicher Hinsicht (Urteil des Bundesgerichts 8C_165/2021 vom 2. Juli 2021 E. 4.2.1 mit Hinweisen).
Besteht im Einzelfall Klarheit darüber, dass solche Ausschlussgründe die Annahme einer Gesundheitsbeeinträchtigung verbieten, so besteht von vorn
herein keine Grundlage für eine Invalidenrente,
selbst
wenn die
klassifikato
ri
schen
Merkmale einer Störung gegeben sein sollten (vgl. Art. 7 Abs. 2 erster Satz ATSG). Soweit die betreffenden Anzeichen neben einer ausgewiesenen verselb
ständigten Gesundheitsschädigung auftreten, sind deren Auswirkungen derweil im Umfang der Aggravation zu bereinigen (BGE 141 V 281 E. 2.2.2, Urteil des Bundesgerichts 8C_165/2021 vom 2. Juli 2021 E. 4.2.1 mit Hinweisen).
1.5
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.6
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommens
vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypotheti
schen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invali
ditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2
, 128 V 29 E. 1
).
1.7
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestat
ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medi
zi
nische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen).
2
.
2
.1
Die IV-Stelle begründete
die angefochtene Verfügung vom 1
2.
Januar 2021
zur Hauptsache damit,
gestützt auf das Gutachten der
B._
AG
sei davon auszu
gehen, dass
in der bisherigen Tätigkeit
eine eingeschränkte
Arbeitsfähigkeit von 50 %
und
i
n einer
leidensangepassten Tätigkeit
eine Arbeitsfähigkeit von
100 %
bestehe
. Die
vom Beschwerdeführer
neu
vorgelegten Unterlagen ergäben keine andere Beurteilung der
(quantitativen)
Arbeitsfähigkeit
, es sei lediglich
aus orthopädisch-rheumatologischer Sicht
das Belastungsprofil
anzupassen
gewesen
.
Auch die weiteren eingereichten Unterlagen der Behandler
ergäben keine neuen Tatsachen.
Der Einkommensvergleich ergebe einen Invaliditätsgrad von 3
%, womit kein rentenbegründender Invaliditätsgrad ausgewiesen sei
(Urk. 2)
.
2
.2
Der Beschwerdeführer lässt dagegen zur Hauptsache
vorbringen, dass das
Gutachten der
B._
AG
aus diversen Gründen mangelhaft
und nicht verwert
bar
sei. Auch überzeugten die Stel
lungnahmen der involvierten RAD
–
Ä
rzte
nicht; i
nsbesondere
setze sich der
zuständige Arzt des
RAD nicht mit der
umfangreichen Kritik
der behandelnden Psychiaterin
am psychiatrischen Gutachten auseinander. Die Auswirkungen des psychischen Gesundheitsschadens blieben unklar,
weshalb
diese
, wie auch das Quantitativ der Arbeitsfähigkeit aus somatischer Sicht,
im Rahmen eines Geric
htsgut
achtens abzuklären sei
en
. Schliesslich sei der Einkom
mensvergleich in mehreren Punk
ten unzu
treffend
(
Urk.
1)
.
3
.
3
.1
3
.1
.1
Am polydisziplinären Gutachten der
B._
AG vom 2
9.
November 2019 waren
Prof.
Dr.
med.
D._
,
Facharzt FMH für Neurologie,
Dr.
med.
E._
, Fa
chär
z
t
in
FMH
für Innere Medizin,
Dr.
med.
F._
, Facharzt FMH für A
llg
e
meine Innere Medizin FMH und Facharzt FMH für Kardiologie,
Dr.
med.
G._
, Facharzt
FMH
für Innere Medizin und Facharzt FMH für Rheumatologie,
Msc
H._
, Fach
psychologin für Neuropsychologie DAS/SVNP
,
sowie med.
pract
.
I._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, beteiligt (
Urk.
7/153 S. 6 f.).
I
m
Rahmen ihrer interdisziplinären Gesamtbeurteilung
stellten sie
die folgenden Diagnosen (
Urk.
7/153 S. 12):
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Chronisches
zervikospondylogenes
Syndrom beidseits (ICD-10 M53.1)
-
M
inima
l
e multisegmentale
Diskopathien
, beginnende
Osteochondrosen
HWK 6/7,
foraminale
Einengung beidseits HWK 6/7
,
links akzentuiert, hierdurch Kompression der Nervenwurzel C7 links, möglicherweise auch rechts. Im Vergleich zur Voruntersuchung zeigt sich keine wesentliche Befundänderung. Bei Zustand nach Trauma sind keine konsekutiven Verletzungen abgrenzbar (MRI HWS nativ 1
5.
März 2017 im Vergleich zu MRI HWS 08.06.2015)
-
Muskuläre
Dysbalance
-
Chronisches
lumbos
pondylogenes
Syndrom links (ICD-
10 M54.4)
-
Lumbosakrale
Übergangsvariante mit
Sakralisation
von LWK5, haupt
sächliche Segmentdegeneration auf Höhe L4/5 mit flacher
breitbasiger
medialer Diskushernie und Tangierung der absteigenden Nervenwurzel L5 beidseits
rezessal
(MRI LWS 08.06.2015)
-
Muskuläre
Dysbalance
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Adipositas WHO Grad I, BMI 33 kg/m
2
(ICD-10 E66.00)
-
Nikotinkonsum, 07/2018 sistiert, kumulativ ca
.
55
py
(ICD-10 Z72.0)
-
Hypercholesterinämie (ICD-10 E78.0)
-
Kleine axiale
Hiatushernie
, Gastroskopie 19.08.2013 (ICD-10 K44.9)
-
Rektumpolyp
,
Colos
kopie
19.08.2013 (ICD-10 K62.1)
-
Urolithiasis
mit Spontanabgang 2010 (ICD-10 N20.9)
-
Knieschmerzen beidseits (ICD-10 M25.56)
-
Beginnende Gonarthrose
-
St. n. akutem Myokardinfarkt am 01.07.2018 auf dem Boden einer koro
naren Zweigefässerkrankung (ICD-10:
I25.2; I25.12)
-
Anamnestisch unspezifischer Schwindel (DD: phobischer Schwindel)
Im Vordergrund der subjektiven Beeinträchtigung stünden die Schmerzen, weshalb der Explorand praktisch nichts mehr unternehmen könne
(S. 13)
. Es hätten sich
jedoch
mehrere Inkonsi
s
tenzen gezeigt
, aufgrund derer
v
on einer Aggravation
,
wenn nicht S
imulati
on ausgegangen werden
müsse
(S. 13 f.).
Zur Arbeitsfähigkeit hielten die Expertinnen und Experten aus interdisziplinärer Sicht zusammenfassend fest, ergebe sich in der angestammten Tätigkeit (aus rheuma
tologischen Gründen) eine Arbeitsunfähigkeit von 50 %. In einer Verweistätigkeit bestehe keine Arbeitsunfähigkeit (S. 15).
3
.1
.2
Im neurologischen Teilgutachten
(
Urk.
7/153 S. 71 ff.)
hielt
Prof.
Dr.
D._
in Würdigung der Akten sowie
gestützt auf seine klinischen und apparativen Untersuchungen
(S.
84)
sowie die Angaben des Beschwerdeführers
im Wesent
li
chen
fest, aus neurologischer Sicht würden sich keine sicheren pathologischen Befunde finden, welche eine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nach sich ziehen würde
n
. Aus anamnestischer Sicht bestehe ein
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom, ein
cervikovertebrales
Syndrom links und ein unspezifischer Schwindel. Bei allen drei anamnestisch basierten D
iagno
sen würden sich in der aktuellen gutachterlichen Untersuchung keine diesbezüglichen pathologischen Befunde finden. Die offensichtliche Diskrepanz von Befunden während der Untersuchung würden sowohl die neurologische Untersuchung als auch die dia
g
nostische Würdigung erschweren.
Zusammenfassend
könne derzeit kein sicherer (wesentlich
er) Befund festgehalten werden (
S.
85 f.
)
. Aufgrund der neurologischen Begutachtung ergäben sich keine Hinweise für eine Beeinträchtigung der A
rbeits
fähigke
i
t
in allen Tätigkeiten (S.
88 f
.
).
3
.
1
.
3
Im internistischen Teilgutachten
(
Urk.
7/153 S. 93 ff
.
)
führte
Dr.
E._
gestützt auf die Vorakten und ihren einlässlichen Untersuch (inkl. durchgeführtes EKG und Laboruntersuchungen; S. 108)
im Wesentlichen aus, die aus internistischer Sicht gestellten Diagnosen seien allesamt mit gängigen Therapieverfahren behan
delbar und die Therapien würden lege
artis
in Art, Umfang und Intensität durch
geführt
.
E
s bestünden keine Hinweise für eine mangelnde Kooperation bezüglich Therapiemassnahmen auf internistischem Fachgebiet, jedoch sei auf den fehlen
den Medikamentenspiegel der angeblich eingenommenen Psychopharmaka hinzuweisen. B
ez
ü
g
li
ch der kardialen Pr
oblematik
werde
auf das kardiologische Teilgu
tachten
verwiesen
. Zur kardialen Problematik
h
i
el
t
Dr.
E._
ergänzend
fest,
der Versicherte
beklage
aktuell keinerlei Einschränkungen, ausser dass er Angst habe
,
nach einem Herzinfarkt zu versterben und deshalb schon 15
x
im Notfall gewesen sei
(S. 111)
. U
nklar seien die
t
icartigen
Bewegungen sowie die
absenzartigen
Zustände, die während der gesamten Exploration zu beobachten gewesen seien. Auffällig sei alsdann ein breitbeiniger und tapsiger Gang sowie das ständige R
eiben
der Oberschenkel
; diesbezüglich könnte ein neurologisches, DD psychogenes Korrelat zugrunde liegen, wofür auf die entsprechenden Fach
gutachten zu verweisen sei (S. 112). Aktuell und auch retr
ospektiv bestehe auf allgemein-i
nternistische
m
Fachgebiet keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
, weder in bisheriger noch in angepasster Tätigkeit
(
Urk.
S. 114
f.
).
3
.
1
.
4
Im kardiologischen Teilgutachten (
Urk.
7/153 S. 118 ff.) hielt der
Experte
Dr.
F._
gestützt auf die Vorakten
, die Angaben des Beschwerdeführers
sowie
eigens durchgeführte a
pparative und labormässige Abkl
ä
r
ungen
(S. 129)
fest, die gestellten kardiolo
gischen Diagn
o
sen
besässen aktuell keine IV-Relevanz. Zwar klage der Versicherte
über fragliche typische kardiale Beschwerden, eine mögliche IV-Relevanz
habe aber mittels einer am 15.
Au
gust 2019 im Spital J._
durchgeführten Stressechokardiografie nicht belegt werden können. Im Rahmen
dieser
Untersuchung hätten sich keine Hinweise für belastungsinduzierte Wand
bewegungsstörungen gezeigt, was für eine
hämodynamisch
relevante Progression der koronaren
Herzkrankheit typisch wäre (S.
130
unter Hinweis auf S. 139
). Es bestehe ein dringlicher Bedarf in der Optimierung der kardiova
s
kulären Risiko
faktoren, insbesondere i
m Sinne eines Nikotinstopps (S.
131
).
Anlässlich der Untersuchung hätten sich Hinweise
auf Verdeutlichung gezeigt (S.
132).
Aus rein kardiologischer Sicht
bestehe
weder in der angestammten noch in einer ange
passten Tätigkeit eine Arbeit
s
unfähigkeit
noch habe
eine
solche bestanden
(S.
133 f.).
3
.
1
.
5
Der rheumatologische Gutachter
Dr.
G._
hielt
gestützt auf die medizinischen Vorakten
, die Angaben des Versicherten
sowie den klinischen Untersuch
in seinem Teilgutachten (Urk.
7/153 S. 141 ff.)
im Wesentlichen fest,
auf Frage nach Beginn und Verlauf der Beschwerden
berichte
der Versicherte
, dass er überall Schmerzen habe. Es gehe ihm vom linken Nacken nicht gut; der Hinterkopf links sei schmerzhaft wie Herzklopfen. Er wisse nicht, dass er einen Unfall gehabt habe und wie das angefangen habe. Der Versicherte berichte auch über Rücken
schmerzen im unteren Rücken, beidseits in die Beine ausstrahlend,
über Schmer
zen im linken Zeh
und über Schwindel. Jedoch sei ein strukturiertes Nachfragen der einzelnen Beschwerdebereiche
weiter
nicht möglich gewesen
, da der Versi
cherte immer wieder
berichte, dass er alles vergessen habe (S
.
149). Gestützt auf die klinische Untersuchung
(S. 153 f.)
hielt der Experte fest, e
ine
kompressive
zervikale oder lumbale
Radikulopathie
habe in der aktuellen klinischen Unter
su
chung nicht festgestellt werden können, korrelierend auch zu den früheren neu
rologischen Untersuchungen (S. 156). Die Symptomatik vor allem im Nacken
arm
bereich erscheine zu den jeweils beschriebenen auslösenden Unfallereignissen nicht in diesem Ausmass und Dauer nachvollziehbar.
Konsistent werde ein Schmerz im linken
Occipitalbereich
angegeben ohne allerdings beschriebenes bildgebendes Korrelat in CT (2/17) und MRI (6/18)
-
Schädeluntersuchungen (S. 158). Das Verhalten des Versicherten im Rahmen der Exploration
habe
demonst
rativ und teilweise auch
aggravierend
erschienen; bei auch weiteren positiven
Waddelzeichen
(axialer Kompressionsschmerz, unterschiedliche
Lasègueprüfung
im Sitzen/Liegen, nicht
dermatombezogene
Hypästhesie) sei, soweit aus rheuma
tologischer Sicht beurteilbar, auch eine mögliche somatoforme Komponente nicht ausgeschlossen (S. 158).
Zur Arbeitsfähigkeit hielt
Dr.
G._
fest, a
us rheumatologischer Sicht bestehe
aufgrund der axial verminderten Belastbarkeit der HWS und LWS
in der bishe
ri
gen Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
,
vor allem für die Dur
chführung von Transportarbeiten (S. 159).
F
ür eine leichte wechselbelastende Tätigkeit
ohn
e das Heben und Tragen von Lasten über 10
kg sowie gehäuftes
Reklinieren
des Kopfes
sei aus rein rheumatologischer Sicht
eine 100%ige Arbeitsfähigkeit gege
ben. Diese Arbeitsfähigkeit sei bereits 2016 so eingeschätz
t
worden (S. 160).
3
.
1
.
6
Im neuropsychologischen Teilg
utachten (
Urk.
7/153 S.
163 ff.
) hielt
die Expertin M
.
sc
.
H._
im Wesentlichen
was
folgt fest
(S. 178 f.)
: Der Versicherte sei wohl pünktlich erschienen,
habe
jedoch von Anfang an demonstrativ nicht mit
ge
macht
. Bereits auf
erste
A
nsprache hin, zur Aufklärung über den geplanten Verlauf,
habe
der Versicherte auf ihre S
chuhe
gestarrt
und
nicht reagiert
;
wieder angesprochen
habe
der Versicherte sie (die Expertin)
an
gestarrt,
dies mit klarem konzentriertem
Blick und straffer Körperhaltung
. Dieses Verhalten
sei
durch
gängig dargestellt
worden
. Weiter
habe
der Versicherte
begonnen,
sie (die Exper
tin) nach ca
.
10 Minuten und dann ständig, unter dem Tisch gegen das Schienbein zu treten. Dies zum Teil auch mehrmals hintereinander. Der Versicherte
habe
wiederholt dermassen übertriebene Schreckreaktionen
gezeigt
, dass er einmalig heftig mit der Hand gegen den Tisch
ge
stosse
n habe
, sodass dieser kurz vibrier
t
und dadurch auch sie
(die Expertin)
erschreck
t hab
e. Anstelle sich auf die Fragen einzulassen,
habe
der Versicherte wiederkehrend Gegenstände
,
welche auf dem T
isch stand
en (Schreiber, Stifte, Glas) in die Hand
genommen
, diese von allen Seiten
betrachte
t und untersucht
,
anstelle sich der Untersucherin zuzuwenden. Auf Fragen im Anamnesegespräch
sei
, wenn überhaupt, nur knapp geantwortet
worden
. Erst nach wiederholtem beharrliche
m
Nachfragen sowie
unter
Erwäh
nung, dass sie (die Exper
t
in)
ihm
seine Absencen nicht ab
n
ehme und sie ihm ansehe, dass er sie genau hö
r
en und verstehen würde,
habe
der Versicherte vorübergehend zu berichten
begonnen
. Der V
ersicherte
habe
vorw
i
e
gend ein
demonstrativ trotziges, ablehn
endes Verhalten
gezeigt
(auf Schuhe oder die Expertin starren, wiederkehrendes Treten gegen das Schienbein, extremes Zusam
menzucken des ganzen Körpers, Gegenstände untersuchen/betrachten).
Der Versicherte
habe
Schmerzen, Ängste und Vergesslichkeit
beklagt
,
habe
aber seine Medikamente nennen und auch retrospektiv Auskunft geben
können
.
Sie habe
versucht, die Beschwerdevalidierung mit TOMM durchzuführen, aber bereits bei den Beispielen
habe
der Versicherte ein dermassen absurdes Verhalten
präsentiert
(höre Instruktionen nicht zu, blättere selber im
Testheft
rum, wieder Starren)
,
so dass die Untersuchung abgebrochen und ihm gesagt
worden sei
, er könne nach Hause gehen. Der Versicherte
sei
spontan nicht auf diesen Hinweis ein
gegangen
und
hab
e
sich stattdessen wieder Wasser in sein Glas
gegossen
,
dieses ausgetrunken
und
sie angestarrt
. Dem Versicherten
sei
die Tür geöffnet und nochmals mitgeteilt
worden
, er dürfe nach Hause gehen. Daraufhin
habe
er den Untersuchungsraum
verlassen
. Aufgrund des sehr befremdenden Auftretens mit im Verlauf auch bei ihr (der Expertin) aufkommenden beklemmenden Gefüh
len, habe sie den Versicherten von seinen Räumlichkeiten aus beobachtet. Er
sei
anschliessend während einer halben Stunde vor dem Gebäude umher
geschlichen
,
habe
dabei eine Zigarette nach der anderen
geraucht
. Dann
sei
er in
Richtung Klinik K._
vis
à
vis
gegangen
und dort weiter umher
gestanden
. Eine Stund
e nachdem sie den Versicherten v
erab
s
chiedet habe, sei dieser n
och immer anwe
send
gewesen
und
in der Gegend herum
geschlichen
.
Als Fazit hielt die
Expertin
fest, die Untersuchung sei abgebrochen worden, weil der Versicherte ein dermassen demonstratives, trotziges und theatralisches Verhalten
dargestellt
und sich nicht auf die U
ntersuchung
und die Untersucherin
eingelassen habe
. Die sogenann
ten Absencen
hätten sich
aufgrund des klaren und zielgerichteten Blickes mit jeweils strammer Körperhaltung
als
nic
ht authentisch
präsentiert
. Der Versicherte
habe
keine
Vigilanzminderung
gezeigt
; b
e
im Starren sei der Blick jeweils klar und fokussiert
gewesen
und auch beim Anstarren der Schuhe
habe sich
nie ein Einsacken der Körperhaltung als Hinweis auf vermin
derte Vigilanz
gezeigt
. Die Schreckreaktionen
hätten
sehr ausgel
e
bt
gewirkt
und es wundere hierbei
,
dass bei Schmerzen der Körp
er
noch zu dermassen starken Schreckreaktionen fähig sei.
Eine
t
estpsychologische Untersuchung
der kognitiven Funktionen
sei aufgrund
Malcompliance
nicht durchführbar
und das Stellen von Diagnosen nicht
möglich
gewesen
. Somit könne auch keine Aussage über den Grad der Arbeitsfähig
keit/Restarbeitsfähigkeit gemacht werden (S
.
179 ff.).
3
.
1
.
7
Der psychi
a
trische Gutachter
med.
pract
.
I._
hielt in seiner T
eilexpert
ise
(
Urk.
7/153 S. 185 ff.
)
gestützt auf die Vorakten und seine Exploration des Beschwerdeführers
im Wesentlichen fest
(S. 204)
,
dieser
habe von Anfang an ein als etwas auffällig zu bezeichnendes Verhalten gezeigt, zunächst nicht auf Ansprache reagiert und insgesamt sei
en die
An
amneseerhebung
und die Unter
suchung mühsam gewesen. Der Versicherte habe jedoch dabei wenig authentisch gewirkt, eher
histrionisch
, theatralisch aufgesetzt. Deutlich sei auch
geworden
, dass er gekränkt und zwischenzeitlich auch gereizt
war
. Der Versicherte habe
später im
Raum in ein leeres Regal
gestarrt
, jedoch Blickkontakt aufgenommen und diesen auch gehalten,
dann
oft den gleichen Satz gesagt
,
ohne dass dies wirklich als Perseveration zu verstehen gewesen sei. Er habe den gleichen Satz auf gestellte Fragen wiederholt und eine gewisse Abwesenheit und Schreck
haftigkeit
demonstriert;
dabei habe er immer wieder mit dem Oberkörper
und
den Armen
gezuckt
und zum Teil mit den Händen an der Tischkante angeschlagen. A
ufgeforder
t, dieses Verhalten
doch
zu unterlassen, sei es zu durchbrechen gewesen, so dass diese
s
über einen Gutteil
der
Untersuchung sistiert und erst wieder am Schluss bestand
en habe
. Insgesamt habe der Versicherte nur einfache Antworten gegeben und häufig geäussert, dass er «nichts wisse» oder «keine Ahnung» habe
(S. 204)
.
Es habe so gewirkt, dass der Versicherte keine adäquaten Antworten
habe
geben wolle
n
, das Vorbeireden und die Schreckhaftigkeit hätten nicht authentisch gewirk
t. B
ei doch eher gering zu bezeichnenden Compliance
hätten
die Angaben allenfalls teilweise verwertbar
erschienen (S. 205)
. Zum
psychischen
Befund gab
med.
pract
.
I._
an,
auch
die
ser sei vor dem Hintergrund der Begebenheiten nur beschränkt
erhebbar
und
verwertbar. Die
Mimik habe etwas eingeschränkt gewirkt, soweit beurteilbar,
möge
der Versi
cherte
auch etwas herabgestimmt gewesen sein
, teilweise gereizt und gekränkt. Inwieweit die Schwingungsfähigkeit abschliessend wirklich eingeschränkt gewe
sen sei, habe sich nicht feststellen lassen. Soweit beurteilbar, sei er bei erhaltener Vigilanz wohl soweit orientiert
g
e
wesen,
von Seiten der Motivation dürfte die
se
zur Aufnahme einer Arbeitstätigkeit als aufgehoben zu bezeichnen sein
(S. 205)
.
S
chlussfolgernd
hielt der Experte
fest,
bei der Untersuchung habe sich ein Versi
cherter gezeigt, der von Seiten seines Verhaltens, des Auftretens, der Beziehungs- und Kontaktgestaltung doch als auffällig zu bezeichnen
gewesen sei
und ein gewisses
bizzares
Verhalten
gezeigt habe
, das jedoch sehr theatralisch, aufgesetzt, wenig authentisch und nicht nachvollziehbar gewirkt habe. Der Versicherte
schien
laien-ätiologisch darzustellen, wie er sich eine psychische Erkrankung
vorstellte. Weder die vom Versicherten gezeigte
«
Schreckhaftigkeit
»
noch das
«
S
tarren
»
habe als in
i
rg
en
d
einer W
eise
bei einer psychischen Erkr
ankung vorkommend mit einer psy
chischen Erkrankung in Verbi
ndung stehend wahrge
nommen und festge
s
tellt werden
können
. Die Angaben des Versicher
t
en, wonach er «vergessen habe», «keine Ahnung habe» und dass er Sätze wiederholt
hab
e,
hätten
sich nicht im Sinne einer Persever
a
tion, einer mnestischen Störung oder eines Vorbeirede
ns gezeigt
. Auch diese hätten aufgesetzt gewirkt und ebenso
,
wie sich der Versicherte die psychische Erkrankung vorstellte. Der Versicherte habe ein sehr auffälliges Verhalten gezeigt,
das
über die Einnahme
eines sogenannten Krankenrolle
nverhaltens hinaus gegangen sei. E
r habe si
ch
demonstrativ theat
ralisch gezeigt, habe bewusstseinsnahe, demons
t
r
ative Symptome im Sinne eines nicht authentischen Verhaltens abschliessend im Sinne einer Simulation
gezeigt (S. 208)
.
Weiter gab der psychiatrische Experte an, v
or dem Hintergrund der Gegeben
heiten
sei
es prinzipiell etwas schwierig
erschienen
, differenzialdiagnostische Überlegungen anzustellen. Letztendlich wäre es natürlich möglich, dass beim Versicherten, wie im Dossier angeführt, eine depressive Störung bestehen könnte, wohl vor dem Hintergrund psychosozialer Belastungsfaktoren, da der Versicherte etwas bedrückt erschien
en sei
. Dies sei jedoch von anderen Gegebenheiten über
lagert worden und habe sich im Einzelnen nicht differenzieren lassen. Auch habe keine Pseudodemenz im Rahmen einer depressiven Störung festgestellt werden können,
welche
eine Diag
no
se einer depressiven Störung stützen würde. Eine Erkrankung aus dem somatoformen Diag
nosespektrum habe nicht festges
t
e
llt
werden können, diese werde im Dossier zum Teil auch nur als Verdachtsdiagnose geäussert.
Die Aufgabe der Behandlung sei auch nicht krankheitsimmanent,
scheine
nicht im Rahmen einer psychischen E
rkrankung zu bestehe
n
(S. 208 f.)
. Vor dem Hintergrund, dass
der
Versicherte
anlässlich der Untersuchung («heute») dieses Verhalten gezeigt habe, wäre es vorstellbar
, dass
wie im Dossier genannt, eine akzentuierte P
ersönlichkeit mit
wohl auch narzisstischen aber wohl auch
histrionischen
Anteilen
b
estehe
. Dies und insbesondere das
Bestehen einer Persönlichkeitsstörung könne aber vor dem Hintergrund der Gegebenheiten so nicht aktuell verifiziert und/oder bestätigt werden.
Vor dem Hintergrund der Umstände und Gegebenheiten könne keine Diagnose gestellt werden und ohne eine andere als die
anlässlich der Untersuchung («heute»)
mangelnde Mitarbeit des Versicherten, die nicht durch eine psychische Störung bedingt sei, werde auch in Zukunft keine Diagnosestellung möglich sein. Somit könne abschliessend die Arbeitsfähigkeit respektive die Arbeitsunfähigkeit
bei dem Versicherten nicht beurteilt werden. Vor dem Hintergrund, dass anzu
nehmen sei,
es bestehe
ein mehr als nicht authentisches Verhalten, müsse rein medizinisch-theoretisch, rein versicherungspsychiatrisch davon ausgegangen werden, dass eine Arbeitsf
ähigkeit bestehe (S. 209
)
.
3
.2
Im Nachgang zum Gutachten der
B._
AG
fanden im Wesentlichen die folgenden
medizinischen
Unterlagen
Eingang in die Akten
:
3
.2
.1
Dr.
med.
L._
, Fachärztin Neurologie FMH,
stellte in ihrem Bericht vom 25.
April
2019
an den Hausarzt die folgenden Diagnosen
(
Urk.
7/169 S. 17 ff.)
:
-
chronisches
zervikozep
hales
und –brachiales Schmerzsy
n
d
rom links
be
tont, mit/bei
-
A
ggraviert
nach 3-maligen
HWS-Distorsionstraumata mit Kopfkontu
sion 2009, 2011 und 02/2017
-
MRI HWS 15.03.2017: mehrsegmentale
D
iskusprotrusionen
, V
.a. C6/C7
bds
. linksbetont mit möglicher Kompression C7 links bei hochgradiger
Neuroforaminalstenose
-
Status nach
radikulärer
I
nfiltration C7 links 201
3 ohne Besserung
Z
usammenfassend
gab
Dr.
L._
an,
bei eingeschränkter Kooperation
sei
keine abschliessende Beurteilung möglich, eine klinisch relevante
radikuläre
Kompression, sowohl zervikal als auch lumbal, erscheine allerdings wenig wahr
scheinlich. Zu erwähnen sei eine wenig
authentische
und durch Aggravation geprägte klinische Präsentation. Der Versicherte habe den W
unsch geäussert, die elekt
r
o
physiologische Untersuchung zu einem späteren Zeitpunkt durchzuführen
, weshalb ein zweiter Termin vorgesehen werde
(S. 18)
.
Im Nachtrag vom 15.
Mai 2019 hielt
Dr.
L._
nach durchgeführten Abklä
rungen in ihrer zusammenfassenden Beurteilung fest, die elektromyographische Untersuchung habe erwartungsgemäss kein
en
Anhalt für eine
Radikulopa
t
hie
C5, C6 und C7
rechts
ergeben. Da die rechtsseitige
Zervikobrachialgie
im Moment im Vordergrund stehe und die Untersuchung als äusserst schmerzhaft empfunden worden sei, sei auf die Untersuchung der linken Seite verzichtet worden. Die Ergebnisse der somatosensoris
c
h evozierten Potentiale seien nicht richtungs
weisend, insbe
s
ondere ohne Anhaltspunkte für
eine
Läsion der
lemniskalen
Afferenzen. Zusammenfassend finde sich aus neurologischer Sicht keine Erklä
rung für die
chronifizierte
Schmerzsymptomat
i
k
,
insbesondere kein Anhalt für eine z
ugrunde
liegende
radi
k
uläre
Kompression
(
Urk.
7/169 S. 19)
.
3
.2
.2
Dr.
med.
M._
, Facharzt für Chirurgie (FMH), Unfallchirurgie, Sportmedi
zin, s
tellte in seinem Bericht vom 4.
März 2020 gestützt auf zwei Bildgebungen (MRI
HWS und MRI Schulter links) je vom 13.
Februar 2020 die folge
n
den Diag
nosen:
Diskushernie Segment HWK 6/7, Kompression der Nervenwurzel C7 links,
Einengung des rechten
Neuroforamens
im Segment HWK 6/7,
Unkovertebral
arthrose
.
Des W
eiteren
diagnostizierte er eine Schulterinstabilität links, Hill-Sachs-
Läsion
links nach Schulterluxati
on, eine Ruptur des inferioren
glenohu
meralen
Ligamentes links sowie eine AC-Gelenksarthrose link
s (Urk. 7/167 S. 1)
.
Dr.
M._
gab im Wesentlichen an, u
rsächlich für die
Beschwerden sei eine Mischsympt
omatik zwischen einer Nervenwurzelkompression im HWS-Bereich durch die Diskushernie und einer verbliebenen Schulterinstabilität lin
k
s nach vermutlicher Schulterluxation in früherer Zeit.
Der Versicherte leide massiv unter Schmerzen.
Zur Differenzierung der HWS-
Beschwerden sei der Patient zu
Dr.
med.
N._
überw
i
e
sen worden
. Angaben zur Arbeitsfähigkeit machte
Dr.
M._
nicht
(
Urk.
7/167
S. 3
)
.
3
.2
.3
Dr.
med.
N._
, Facharzt
FMH
für Orthopädische Chirurgie
, gab in seinem Bericht vom 1
2.
März 2020 an, die Beweglichkeit der HWS
sei mas
siv einge
schränkt. Es bestehe eine leichtgradige Abschwächung
des Faust
schlusses in beiden Händen und eine diffuse Sensibil
i
tätsstörung im Bereich beider Hände.
Im Röntgenbefund zeigten sich
osteochondrotische
Veränderungen bei C 5/6 und C
6/7, jedoch auch im Bereich der mittleren HWS. Eine Instabilität der HWS zeige sich nicht.
Da der Patient unter den Beschwerden sehr stark leide, werde mit ihm die Möglichkeit einer schmerztherapeutischen Interventionsbehandlung bespro
chen. Das Verfahren sei ihm erläutert und ein entsprechen
der Termin vereinbart worden (
Urk.
7/
167
S. 5).
3
.2
.4
Der zuständige RAD-Arzt
Dr.
med.
O._
, Facharzt
für Orthopädische Chirurgie
und Traumatologie, hielt mit Blick auf die Berichte von
Dr.
M._
vom
4.
März 2020 und von
Dr.
N._
vom 1
2.
März 2020
sowie
die darin festge
haltenen bildgebenden Befunde
in seiner Stellungnahme vom 2
2.
Juni 2020
im Wesentlichen fest, neu seien die im Rahmen eines
Arthro
MRI erst 2/2020 erhobenen MR-tomographischen Befunde der linken Schulter.
Hinsichtlich der Beur
teilung der sich letztendlich aus
der Zusammenschau der klinischen und radiolo
gischen Befunde abzuleitenden Einschränkung der
funktionellen Leis
tungsfähig
keit
(Arbeitsfähigkeit)
ergebe sich
auch unter Berücksichtigung dieser neuen Diagnose aus orthopädisch-rheumatologischer Sicht
keine andere Beurtei
lung der
quantitativen Arbeitsfähigkeit. Hingegen sei
das Belastungsprofil um die qualita
tive Einschränkung «keine Arbeiten mit dem linken Arm in oder übe
r Schulter
höhe» zu erweitern
(
Urk.
7/171 S. 1
1 f.
)
.
3
.2
.5
Im Bericht der Universitätsklinik
P._
, wo der Versicherte auf Zuweisung
seines
Hausarztes
untersucht worden war,
stellten
die verantwortlich zeichnenden Ärzte
der Schulterchirurgie
am 8.
September 2020
die folgenden Diagnosen
(
Urk.
7/169 S. 3 f.)
:
-
komplexes chronisches Schmerzsyndrom Schulter/Nacken links mit/bei
-
Cervikovertebralsyndrom
mit Diskushernie HWK 6/7 mit Nerven
wurzelkompression
C7 links
-
Bursitis
sub
acromialis
-
Insuffizienz
periskapuläre
Muskulatur
-
Depression mit
-
V.a. chronische Schmerzst
örung mit somatischen und psych
ischen Faktoren
-
St. nach Myokardinfarkt
2018
Sie führten im Wesentlichen an, es bestehe eine schwierige Situation mit einem komplexen chronischen Schmerzsyndrom im Bereich des Nackens und der linken Schulter. Der Patient leide seit vielen Jahren an den Beschwerden. Obschon sich MR
-
tomo
graphisch im Februar 2020 eine Bursitis
subacromialis
gezeigt habe, gingen die vom Patienten
geltend gemachten Beschwerden weit über dieses Krankheitsbild hinaus. Insofern sähen sie aus schulterchirurgischer Sicht keine Möglichkeit
,
die Beschwerden des Patienten zu verbessern.
Es werde deshalb um Aufgebot in der interdisziplinären Sprechstunde des Universitätsspitals
Q._
gebeten
. Auch
werde keine Verlaufskontrolle vereinbart, eine erneute Zuweisung sei bei Bedarf jederzeit möglich
.
3
.2.6
Im Bericht des
Universitätsspitals Q._
,
Institut für Anästhesiologie,
Schmerzambulatorium
, vom 8.
Oktober 2020
,
stellten
die verantwortlich zeich
nenden Ärzte
neben bekannten Fremddiagnosen
die folgende Diagnose (als Schmerzdiagnose): c
hronische
sekundäre
muskuloskelettale
Schmerzen Schulter links (
ICD-11: MG 30.3
)
mit/bei
Arthro
-MRI 02/2020: Bursitis
subacromialis
,
Tendopathie
der
Supraspinatussehne
, keine
Rotatorenmanschettenruptur
sowie Röntgen Schulterstatus links 08/2020: regelrecht zentriertes
Glenohumeral
gelenk
, geringe
Mehrsklerosierung
am inferioren
Glenoid
.
Sie führten im Wesent
lichen aus, die expliziten Schmerzen in der linken Schulter bestünden seit diesem Jahr, die Schmerzen im Hals
-
und Nackenbereich dagegen schon mehrere Jahre. Bei
einem
zervikoradi
k
ulären
Schmerzsyndrom mit Nervenwurzelkompression der C7-Wurzel sei bereits 2018 eine operative Sanierung empfohlen worden, welche der Patient abgelehnt habe. Mehrmalige Infiltrationen an der HWS (u
.
a
.
Dr.
N._
) seien bisher ohne Verbesserung der Symptomatik gewesen. Anal
getisch nehme
er
Dafalgan
,
N
ovalgin
, und
Nisulid
ein, welche nicht helfen würden. Er sei in regelmässiger psychotherapeutischer Therapie bei
Dr.
R._
. Die medikamentöse antidepressive Therapie habe er jed
och selbständig sistiert
(Urk.
7/176).
3
.2.7
Dr.
med.
R._
, Fachärztin
für Psychiatrie und Psychotherapie
,
Oberärztin am
Zentrum S._, Ambulatorium T._
,
der U._
sowie behandelnde Psychiat
e
rin des Beschwerdeführers
, führte in
ihrem Schreiben vom
12.
Oktober 2020 (Urk. 7/179)
zu
Händen des Rechtsvertreters des
Beschwerde
führers
sowie
in
Beantwortung
von
dessen
Fragen
im W
esentlichen aus, im
psychiatrischen
Teilg
utachten von med.
pract
.
I._
fehle ein psychopa
tho
logischer Befund
nach AMDP
,
des Weiteren
sei
en
kein ausführlicher klinisch-psychiatrischer Befund und
k
ein Status nach AMDP erhoben worden,
auch
fehl
t
e
n
eine volls
tä
ndige Beschreibung der Persönlichkeit und testp
sychologische
Abklärungen.
T
estpsychologische
Zusatzu
ntersuchungen wären sicherlich wünschenswert, allerdings sei tatsächlich auch zu beachten, dass der Versicherte offensichtlich kaum Auskünfte gegeben habe und somit eine solche Erhebung k
aum durchzuführen sei (S. 1).
Weiter gab
Dr.
R._
an, m
ed.
pract
.
I._
umschreibe vornehmlich das Verhalten des Patienten, welches sie (
Dr.
R._
) in den Sitzungen bei
i
hr zwischenzeitlich sehr ähnlich wahr
nehme. Den psychopa
th
ologi
schen Befund beim Versicherten zu erheben se
i
sicherlich schwierig. Er sei einerseits sehr misstrau
i
sch, and
e
rerseits werde die zugrundeliegende Symptomatik tatsächlich durch sein sehr auffälliges theatrali
sches und
histrionisches
Auftreten überdeckt. Hierdurch sei die Diag
nos
t
i
k erschwert und die Vermutung einer Aggravation bis hin zur Simulation nahelie
gend.
Leider würden Patienten mit diffusen Beschwerden und forderndem, teils unangenehmem Verhalten oft nicht ernst genommen, obwohl tatsächlich soma
tische wie auch psychiatrische Erkrankungen vorlägen. Dies sei beim Versicherten eb
enfalls geschehen, so habe zum B
eispiel in einer erneuten Untersuchung der Schulter let
ztendlich ein durchaus schwerw
i
e
gender Befund erhoben werden können (S. 2).
Weiter führte
Dr.
R._
zur Hauptsache aus,
der Versicherte habe anlässlich der Sitzungen immer wieder über Ängste berichtet. Er beschreibe einerseits eine grosse Angst, einen neuen Herzinfarkt zu erleiden. Hinzu kämen nachts auftre
tende Ängste. Bezüglich Affektivität bestehe ihrer Einschätzung
nach
eine deut
lich reduzierte Schwingungsfähigkeit und Freudlosigkeit, auch bestünden deutli
c
he Schuld- und Schamgefühle insbesondere gegenüber seiner Ehefrau (S.
2 f.). I
hres Erachtens
sei
beim Versicherten eine somatoforme Schmerzstörung
zu diagnostizieren
(
F45.4
)
, auch sei eine somatoforme autonome Funktionsstörung des Herzens (F.45.30) zu diskutieren. Ebenfalls bestehe eine mittelgradige depres
sive Episod
e; die Diag
n
o
sekriterien seien erfüllt (S. 3 ff.).
Abschliessend bemerkte
Dr.
R._
, die Befunderhebung sei aufgrund des misstrauischen, teils abwertenden Verhaltens sicherlich nicht einfach. Der Versi
cherte sei nicht in der Lage
, sein V
erhalten zu reflektieren, versuche durch sein theatralisches Verhalten einen Leidensdruck glaubhaft zu machen,
wel
ches leider lediglich dazu führe
, dass er kaum ernst genommen werde und wichtige Infor
mationen verloren gingen. Aus ihrer Sicht sei daher sicherlich ein ausführliches psychiatrisches Einzelgutachten sinnvoll und die Zeitspanne des vorliegenden Gutachtens (Untersuchungszeit 13.00 bis 14.20) zu kurz
(S. 6)
.
3
.2.8
Dr.
med.
V._
, Facharzt für Psychiatrie und Psy
ch
otherapie,
vom RAD, führte
in seiner Stellungnahme vom 17.
Dezember 2020 aus, der psychiatrische Teilgut
achter beschreibe ein Verhalten des Versicherten, das mit Sicherheit als Aggra
vation bezeichnet werden müsse, ebenso die neuropsychologische Teilgut
ach
terin. Der psychiatrische Teilgutachter habe aufgrund des Verhaltens des Versicherten keine Diagnose stellen können, was nachvollziehbar sei. Auch eine allfällige Arbeitsunfähigkeit könne nicht beurteilt werden aufgrund des Verhal
tens des Versicherten. Die Beweislosigkeit gehe zu Lasten des Versicherten (
Urk.
7/182 S. 4).
4
.
4
.1
Das Gutachten der
B._
AG
beruht
auf umfassenden Untersuchungen in den notwendigen medizinische
n
Di
s
zipline
n
und wurde in Kenntnis und in Auseinan
dersetzung mit den Vorakten (Anamnese)
erstellt
.
Die
begutachtenden
Fach
personen setzten
sich mit den vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden
und dessen Verhalten einlässlich auseinander
und stellten – soweit
ihnen
möglich -
nachvollziehbare Diagnosen.
Dabei
legten sie
die
medizinischen Zusammenhänge und die medizinische
Situation einleuchtend dar
und
begründeten
die Schluss
folgerungen
nachvollziehbar.
I
n somatischer Hinsicht legten die
medizinischen Fachpersonen
einleuchtend
dar,
dass weder in internistischer
,
noch in kardiologischer, noch in
neurologischer Hinsicht
eine Einschränkung der A
rbeitsfähigkeit
besteht
;
mit Blick auf die
zeit
nah
zu gleichen Schlüssen gelangenden
Ausführungen von
Dr.
L._
in ihrem Bericht vom 2
5.
April 2019
(vgl. E.
3
.2.1)
erscheint namentlich überzeu
gend, dass bezüglich der
Schmerzen
im Nackenbereich
aus neurologischer Sicht
k
ein
pathologischer und somit
kein
relevanter
Befund
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
zu erheben
war
.
Vor dem Hintergrund der
medizini
schen Akten
sowie
der
anlässlich der
Untersuchung geklagten
Beschwerden
,
der
erhobenen Befunde
und gestellten Diagnosen
leuchtet
aber
auch
in rheumatologischer
Hinsicht
ein,
dass
aufgrund der degenerativen Befunde
an der Hals- und Lenden
wirbelsäule
zwar
e
ine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
in der zuletzt ausge
übten
-
auch
mittel
schwere Arbeiten umfassende
n
(vgl.
Urk.
7/13 S.
5)
–
Tätigkeit
als Operateur
besteht
, hingegen
in einer leidensangepassten (leichten) Tätigkeit
unter Berücksichtigung
des - aufgrund der Schulterproblematik durch RAD Arzt
Dr.
O._
weiter eingeschränkten -
rheumatologischen
Belastungsprofils
keine Arbeitsunfähigkeit
gegeben ist
.
Schliesslich
leuchten
auch die neuropsycholo
gische und die psychiatrische Expertise
ohne W
eitere
s
ein
. I
nsbesondere zeigten
die Fachpersonen
nachvollziehbar
auf, dass
aufgrund der
eingeschränkten
Mitwirk
ung des Versicherten bei den
Untersuchung
en
sowie mit Blick auf
das
von ihm
demonstrierte
–
einhellig
als
wenig
authentisch
eingestufte
-
Verhalten
,
welches
nicht durch ein krankheitswertiges Geschehen
zu erklären
war
,
keine
bzw. keine
zuverlässige Beurteilung des
neuropsychologischen bzw.
psychischen
Gesundheitszustandes
vorgenommen werden
konnte
,
und infolge Überlagerung
allfällig bestehender
Symptomatiken
kein
von diesem Verhalten
verselbständigter
Gesundheitsschaden hinreichend
abzugrenzen und
somit
feststellbar war
. Es leuchtet daher auch ein, dass
es
folglich
nicht möglich war, mit der
erforderlichen
Zuverlässigkeit
eine
Diag
n
o
se
zu stellen
und
eine Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit
vorzunehmen
.
4
.2
4
.2.1
In somatischer Hinsicht stellt der
Beschwerdeführer
den Beweiswert des
B._
-
Gutachten
s
mit der Begründung in Frage,
d
er rheumatologische
Experte habe
als Folge
seiner
oberflächlichen Untersuchung
die vom Beschwerdeführer beklagten progredienten
Schmerzen in der linken Schulter
nicht
bildgebend
abgeklärt;
das von
Dr.
M._
veranlasste
Arthro
-
MRI der linken Schulter vom 1
3.
Februar 2020
habe jedoch
diverse Befunde ergeben
,
bezüglich derer
unwahrscheinlich sei, dass
diese
drei Monate
zuvor
nicht vorgelegen
seien
(
Urk.
1 S. 6).
Dazu ist fest
zustellen,
dass
der Beschwerdeführer anlässlich der rheumatologischen
Begutach
tung durch
Dr.
G._
zwar mannigfaltig
e Beschwerde
n
beklagt
e
(
vgl.
Urk.
7/153/149
).
Beschwerden betreffend die
linke Schulter erwähnt
e
er jedoch nicht
. Alsdann
ergab sich im klinischen Untersuch
(
Urk.
7/153 S. 153 f.)
bezüglich der Schultern
ein im Wesentlichen unauffälliger
Befund
bei nur
mässig
und gleichseitig eingeschränkter Schulterbeweglichkeit
.
V
or
diesem
Hintergrund ist nicht als mangelnde Sorgfalt zu werten, dass
Dr.
G._
von weiterführenden
Abklärungen
abgesehen hat
.
Im Übrigen macht der Beschwerdeführer nicht geltend, dass
dem
nachträglich
befundeten
Gesundheitsschaden
an der linken Schulter
mit dem
durch RAD-
Arzt
Dr.
O._
angepassten Zumutbarkeitsprofil
(vgl.
E.
3
2.4)
i
n qualitativer Hinsicht
nicht hinreichend Rechnung getragen worden
sei. S
oweit
er
in diesem Kontext
hingegen
(
in quantitativer Hinsicht
)
moniert
,
Dr.
O._
sei
in seiner Stellungnahme vom
27.
Juni 2015
noch
von einer
Arbeitsfähigkeit
in
behinderungsangepasste
r
Tätigkeit
von 80
% ausgegangen
, weshalb nicht nachvollziehbar sei, weshalb
er (der Beschwerdeführer)
nun vollständig arbeitsfähig sei
n solle
, zumal zwischen
zeitlich eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes eingetreten sei
(Urk. 1 S.
6 f.)
,
ergibt dies nichts zu seinen Gunsten
. So
begründete
Dr.
O._
die
s
e
Einschätzung
damals
mit einer geringen Leistungsminderung
(
von 10
%
-20
%
)
wegen zeitwei
ligem Schwindel (Urk.
7/40 S. 5). Jedoch liegt auf der Hand, dass
der
reinen
Aktenbeurteilung
von
Dr.
O._
bezüglich der nicht sein Fachgebiet betreffenden (Schwindel
-)P
roblematik kein höherer Bewei
s
wert zu
kommen
kann
als
dem
eingeholte
n
Gutachten
der externen Spezialärzte
, welche auf Grund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatte
te
n und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelang
t
en.
4
.2.2
Der Beschwerdeführer bringt
we
i
ter
v
or, der
fall
zuständige
Psychiater des
RAD
habe
sich
nicht mit der umfangreichen Kritik
der behandelnden Psychiaterin
Dr.
R._
am
psychiatrischen
Gutachten
befasst,
sondern lediglich behaup
tet, es liege Beweislosigkeit vor. Jedoch h
abe
Dr.
R._
in ihrem Schreiben vom 12.
Oktober 2020
ausgeführt, dass
die psychiatrische Expertise
von
med.
pract
.
I._
die
Qualitätsleitlinien für versicherungspsychiatrische Gutachten
ausgerechnet bei der zentralen Befunderhebung
nicht einhalte
,
weshalb
ergän
zende Abklärungen
vorzunehmen seien
(
Urk.
1 S. 7
ff.
)
.
Aufgrund
ihrer jeweiligen
Untersuchung
en
stellten
die Neuropsychologin
M
.
sc
.
H._
und der Psychiater med.
pract
.
I._
– zusammengefasst –
je
fest, der Beschwerdeführer
präsentiere
ein
wenig authentisches,
theatralisch
es und
aufgesetzt
es
Verhalten
sowie
e
in
unkooperatives
Antwort
verhalten
,
was
eine Befunderhebung und
B
e
u
r
teilung
lege
artis
verun
mögliche (E.
3
.
1.6 und
3
.
1.7 hier
vor)
.
Es ist nicht
ersichtl
i
ch
,
inwieweit diese
Feststellungen
durch
das Schreiben von
Dr.
R._
vom 1
2.
Oktober 2020
in Frage gestellt
werden
;
vielmehr
bestätigt
e
sie
darin
,
dass sie das Verhalten des Beschwerdeführers
anlässlich ihrer Sitzungen
sehr
ähnlich wahrnehme und
dass
e
in Befund schwer zu erheben sei
.
I
nsbesondere
geht
aus den
von
Dr.
R._
gestellten D
iag
n
o
sen
und Ausfüh
rungen
weder
hervor
, d
ass
das
vom Beschwerdeführer demonstrierte
Verhalten
Ausdruck
eine
r
verselbständigten
psychische
n
Störung
ist
,
noch
inwiefern
trotz des unkooperativen und täuschenden
Gebarens
e
ine
zuverlässige
Befunderhe
bung und
Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes
sowie
der Arbeits
fähigkeit
mö
glich
gewesen
sein soll
.
Somit werden
im erwähnten Schreiben
vo
n
Dr.
R._
aber
keine
wichtigen
Aspekt
e
benannt
,
welche
seitens der Gutach
ter
allenfalls
unerkannt
oder ungewürdigt
geb
l
ieben
sind
(
vgl. statt vieler
etwa
Urteil
des Bundesgerichts
8C_642/2020 vom 1
6.
Dezember 2020 E. 5.2
)
und
die
daher
geeignet wären, die
Beurteilung
der Gutachter
in Frage
zu stellen. Vielmehr erscheint gerade auch im Lichte der Ausführungen von
Dr.
R._
nachvoll
ziehbar
,
dass
- unabhängig
davon
,
ob
von einem Ausschlussgrund im Sinne von
BGE 141 V 281
E. 2.2.1 (Aggravation oder Simul
a
tion; vgl. E.
1.4
hiervor) auszugehen ist –
aufgrund des Verhaltens des Beschwerdeführers
eine
leitlinien
gerechte Begutachtung
erschwert bzw
.
nachgerade
undurchführbar war
. Dies
mit der Folge
,
dass
ein
allfällig
vorhandener Gesundheitsschaden
– ein
en solchen
schloss med.
pract
.
I._
denn auch
nicht
gänzlich
aus
–
aufgrund der eingeschränkten Mitwirkung des Beschwerdeführers
jedenfalls
nicht mit ausrei
chender Wahrscheinlichkeit
fest
stellbar w
ar.
Wie RAD-
A
r
z
t
Dr.
V._
am 17.
Dezember 2020 daher
im Ergebnis
zutreffend festhielt, geht d
ie
se Beweis
losigkeit
zulasten
des Beschwerdeführers
(vgl. dazu
statt vieler
etwa
Urteil des Bundesgerichts
9C_
836/2019
vom
15. Juni 2020 E. 4.3
mit Hinweisen
)
. Eine
neue Begutachtung, wie der Beschw
e
rdeführer dies beantragt (Urk. 1 S.
9
)
,
fällt
bei diesen Begebenheiten
ausser
Betracht
(vgl. dazu etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_104/2019
vom 2
7.
Juni 2019 E. 4.1 mit Hinweis).
4
.2
.3
Soweit der Beschwerdeführer die
Zuverlässigkeit
der Expertise
der
B._
AG
schliesslich
unter Hinweis darauf in Frage stellt, dass er entgegen den Angaben im neurologischen und internistischen Teilgutachten nicht übergewichtig
,
sondern 23 kg leichter sei als die Gutachter dies
gemäss
Diagnosekatalog in der
interdiszipinären
Beurteilung
behaupten
(
Urk.
1 S. 5)
, ist ihm insoweit zu folgen, als diese
Ungenauigkeit
auf eine gewis
se
Unsorgfalt
in diesem Punkt
schliessen
lässt
. Jedoch
betrifft dieser Mangel
keine
n
für die Beurteilung der Leistungs
fähigkeit zentralen
Aspekt
, weshalb nicht ersichtlich ist und denn auch vo
m Beschwerdeführer nicht
aufgezeigt
wird, inwieweit
er
die Arbeitsfähigkeitsbeur
teilung
gemäss
B._
-Gutachten
nachhaltig
in Frage zu stellen
vermag
. Aber auch soweit der Beschwerdeführer rügen lässt, die Gutachter hätten ihm gestützt auf die Angaben im internistischen Teilgutachten zu Unrecht eine Inkonsistenz bezüglich der Medikamenteneinnahme
zum Vorwurf gema
c
ht
(
Urk.
1 S. 5)
,
ergibt dies nichts zu seinen Gunsten
.
So hatte
er
diesbezüglich
anlässlich der verschie
denen Begutachtungen divergierende
Angaben gemacht und jedenfalls
gegen
über der
internistischen
Gutachterin
wie au
ch dem neurologischen Experten durchaus
angegeben, das
– im Labor
kaum nachweisbare
(S. 108)
-
antidepressive
Medikament
Trittico
einzunehmen (Urk
.
7/153 S.
82 und
Urk.
7/153 S. 101
). Daran
ändert
nichts
,
dass
Dr.
R._
in ihrem Bericht vom 1
2.
Oktober 2020
festhielt
, der Versicherte
habe
zum Zeitpunkt der Begutachtung nicht in psychi
atrischer Behandlung gestanden,
weshalb
es
nicht verwunderlich sei, dass die Medikamentenspiegel unterhalb des Referenzwertes gelegen hätten
(
Urk.
7/179/4)
.
4
.
3
Zusammenfassend ergibt sich daher, dass die gegen das
B._
Gutachten
vom 29.
November 2019
vorgebrachten Einwände nicht geeignet sind,
dessen
Beweis
kraft
in Frage zu stellen. Auf das Gutachten ist daher abzustellen und
gestützt darauf davon auszugehen
, dass der Beschwerdeführer
aus somatischen (rheuma
tologischen) Gründen
- eine Arbeitsunfähigkeit aus
neuropsycholo
gi
schen/
psychi
atri
schen Gründen
liess
sich nicht
rechtsgenüglich
erstellen -
zwar
in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit
als
Operateur
nur noch zu 50
%
arbeitsfähig ist
. In
einer leidensangepas
s
ten Tätigkeit (
leichte wechselbelastende Tätigkeit ohne Heben und Tragen von Lasten über 10
kg
und
ohne
g
ehäuftes
Reklinieren
des Kopfes
sowie
ohne Arbeiten mit dem linken Arm in oder über Schulterhöhe
)
besteht dagegen
eine
100%
ige
Arbeitsfähigkeit
und
dies
– zumal
auch
der Versi
cherte selber geltend macht, sein Gesundheitszustand habe sich im Verlauf
verschlechtert
(
Urk. 1 S.
6
)
–
jedenfalls
seit
dem Zeitpunkt des
frühest
möglichen Rentenbeginns per Februar 2015 (
Art.
29
Abs.
1 und 3 IVG)
ohne längere Unter
brechungen
.
Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen der so festge
stellten Arbeitsfähigkeit.
5
.
5
.1
5
.1.1
Der Beschwerdeführer war
im Zeitpunkt seiner Krankschreibung per 24. Septem
ber 2013
bei der
Y._
AG
angestellt,
welches Arbeitsverhältnis aus invalidi
tätsfremden Gründen (Produktionsverlagerung
ins Ausland) per 31.
März 2014 aufgelöst wurde.
Da der Beschwerdefü
hr
er
die
se
Anstellung
ab diesem Zeitpunkt
somit
unabhängig von seiner gesundheitlichen Situation
nicht mehr innegehabt
hätte,
hat die
Ve
r
waltung
bei der
Festsetzung des
Valideneinkommen
s
zu Recht
die
statistische
n
Werte
der
vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE)
beigezogen
und
da
bei –
der Beschwerdeführer
hat
keinen Beruf
erlernt
, war jedoch häufig als Lagermitar
beiter tätig
(Urk.
7/34)
–
zugunsten des Beschwerdeführers
auf
die
Löhne gemäss dem
untersten Kompetenzniveau
im Bereich
Lagerei
abgestellt
(LSE 2016 Tabel
le
TA1, Monatlicher Bruttolohn [Zentralwert]
nach Wirtschaftszweigen, Kompetenz
niveau und Geschlecht, Privater Sektor,
Ziff.
49-52; Kompetenzniveau 1,
Fr.
5'504.--
)
.
5
.1.2
Der Beschwerdeführer lässt dagegen
einwenden
,
mit Blick auf das bei der
Y._
AG als Operator
erzielte
recht
hohe Einkommen
(von
Fr.
6'134.-- pro Monat; vgl.
Urk.
7/13 S. 2)
erscheine das Abstellen auf das unterste Kompetenzniveau nicht sachgerecht
, vielmehr sei der Lohn im Kompetenzniveau 3 massgebend
(U
rk.
1
S. 11).
Allein daher auf
das Kompetenzniveau 3
(«Komplexe praktische Tätigkeiten, welche ein grosses Wissen in einem
S
pezialgebiet voraussetzen»)
abzustellen
, weil
d
er
Beschwerdeführer
bei der
Y._
AG (
wohl
branchen
b
edingt; v
gl.
Ziff.
19-20 der LSE)
ein
für eine ungelernte Kraft
überdurchschnitt
liches Einkommen er
zielte
,
rechtfertigt
sich
jedoch
nicht
. Denn zum einen war
der Beschwerdeführer
bei der
Y._
AG
nicht mit
komplexen Aufgaben
betraut
(vgl.
Arbeitgeberbericht der
Y._
AG
,
Urk.
7/13 S. 5
:
Verschieben von Rohstoffen mit Lenkdeichselfahrzug, Verwiegen von Ro
hstoffen und Reini
gungsarbeiten
)
. Z
um andern
steht
aber
auch
nicht mit überwiegender Wa
hr
scheinlichkeit fest
, dass
er
- nach
erfolgtem Stellenverlust aus betrieblichen bzw. wirtschaftlichen Gründen
-
im Gesundheitsfall weiterhin ein für ungelernte Arbeitskräfte
überdurchschnittlich hohes
Einkommen
erzielt
hätte
(vgl. etwa Urteil
des Bundesgerichts 8C_745/2020
vom 2
9.
März 2021 E. 6.3)
. Damit ist mit der Verwaltung
vom
erwähnte
n
statistischen
Tabellenlohn
von
Fr. 5'504.-- auszugehen,
was
unter Berücksichtigung der
im Bereich
Lagerei
betriebsüblichen
durchschnittlichen
A
rbeitszeit von 41.8
Stunden pro Woche
im Jahr 2016
(statt 41.7
; vgl. Bundesamt für Statistik, betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschafts
abteilungen, Tabelle T 03.02.03.01.04.01
, Ziffer 52
)
ein
Validenein
k
ommen
in Höhe von Fr.
6
9‘020.20
als Ausgangswert
ergibt
(
Fr. 5'504.--
: 40 x 41.
8
x 12
pro 2016)
.
Wie der Beschwerdeführer hin
g
egen zu Recht einwenden
lässt,
ging er
jedenfalls
seit
2010 einer regelmässigen
Nebenerwerbstätigke
i
t
im Bereich Reinigung
nach (vgl.
IK-Auszug
, Urk.
7/156 S.
3
).
Nach der Rechtsprechung kann ein Neben
einkommen dann als Validenlohn berücksichtigt werden, falls ein solches bereits im Gesundheitsfall erzielt worden ist und weiterhin erzielt worden wäre, wenn die versicherte Person keinen Ge
sundheitsschaden erlitten hätte
(vgl. daz
u etwa
Urteil
des Bundesgerichts
9C_766/2011
vom 3
0.
Dezember 2011
E.
3.1 mit
Hinweisen
).
Diese Voraussetzungen sind im vorliegenden Fall
unstreitig
erfüllt
.
D
as Einkommen aus dem
Neben
erwerb ist daher
zum E
inkommen
aus dem Haupt
erwerb
hinzuzuzählen
, wobei
mit Blick auf die
zwischen
2010
und 2013
erzielten
Einkünfte
aus Nebenerwerbstätigkeit
von einem durchschnittlichen
jährlichen
Wert von Fr. 4'8
30
.-- auszugehen
ist
(2010: Fr. 4'988.-- + Fr. 3'269.--, 2011: Fr. 3'875.--, 2012: Fr. 4'497, 2013: Fr. 2'689.--; vgl.
Urk.
7/156 S. 3)
.
5
.1.3
Damit ergibt sich ein Va
lideneinkommen von
insgesamt
Fr.
73'850.20.
5
.2.
5
.2.1
Da der Beschwerdeführer seit längerem keiner Erwerbs
t
ätigkeit mehr nachgeht, hat die Verwaltung das Invalideneinkommen eben
falls anhand von
statistischen Werten (
Tabellenlöhnen der LSE
)
festgelegt
. Sie
stellte
dabei auf
ein monatliches Einkommen von F
r.
5
‘
340.
-- ab
gemäss
dem
Total der
LSE 2016
Tabelle TA1, Kompetenzniveau 1, Männer, was angepasst an die betriebsübliche Arbeit
s
zeit von 41.7 Stunden
im Jahr 2016
ein Einkommen von F
r.
66‘803.40 ergab
(
Urk.
2
; vgl. auch
Urk.
7/170)
.
5
.2.2
Diese Berechnungsweise wird vom Beschwerdeführer
dahin
beanstandet
,
als vom so ermittelten Invalideneinkommen
kein
leidensbedingter
A
bzug vorgenommen worden
ist
; unter
Hinweis
auf verschiedene Publikationen
macht er
geltend,
s
tatistisch
sei erwiesen
, dass gesundheitlich beeinträchtig
t
e Personen zwischen 10
%
-15
% weniger verdienen
würden
als gesunde Personen in der gleichen Tätigkeit
, weshalb ein Abzug in Höhe von jedenfalls 15
% vorzunehmen sei
(Urk. 1 S.
10).
Auch die höchstrichterliche Rechtsprechung anerkennt, dass in einer versicherten Person liegende individuelle Umstände - worunter auch behinderungsbedingte Einschränkungen fallen - Auswirkungen auf d
ie Verdienstmöglichkeiten haben
können
.
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durchschnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellen
lohn)
daher
rechtsprechungsgemäss
allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf
die Lohnhöhe haben können (BGE
124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgegli
che
nen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerb
lichem Erfolg verwerten. Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen ges
amt
haft zu schätzen und darf 25
% nicht übersteigen (
vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2,
134 V
322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
aa
-cc).
Mit Bezug auf den behinderungs- beziehungsw
eise leidensbedingten Abzug ist
dabei
zu beachten, dass das medizinische Anforderungs- und Belastungsprofil
eine zum zeitlich zumutbaren Arbeitspensum tretende qualitative oder quantita
tive Einschränkung der Arbeitsfähigkeit darstellt, wodurch in erster Linie das Spektrum der erwerblichen Tätigkeiten (weiter) eingegrenzt wird, welche unter Berücksichtigung der Fähigkeiten, Ausbildung und Berufserfahrung der versi
cherten Person
realistischerweise
noch in Frage kommen. Davon zu unter
scheiden ist die Gegenstand des Abzugs vom Tabellenlohn bildende Frage, ob mit Bezug auf eine konkret in Betracht fallende Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarkt
lage verglichen mit einem gesunden Mitbewerber nur bei Inkaufnahme einer Lohneinbusse reale Chancen für eine Anstellung bestehen (Urteil des Bundes
gerichts
8C_297/2018 vom 6. Juli 2018 E. 3.5).
Ist von einem genügend breiten Spektrum an zumutbaren Verweisungstätigkeiten auszugehen, können unter dem Titel leidensbedingter Abzug grundsätzlich nur Umstände berücksichtigt werden, die auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG) als ausser
ordentlich zu bezeichnen sind (
Urteil des Bundesgerichts 8C_725/2020 vom 22. Dezember 2020 E. 4.4.1 mit Hinweis).
Zwar
liegen
beim
Beschwerdeführer
(qualitative) Einschränkungen
auch
bezüg
lich
einer Verweistätigkeit
vor
(vgl.
zum Anforderungsprofil E. 5.3).
J
edoch
sind diese
körperlichen Limitierungen
nicht
als
ausserordentlich zu bezeichnen
,
weshalb
bezogen auf den
ausgeglichenen Arbeitsmarkt
gleichwohl noch von einem genügend breiten Spektrum an zumutbaren Verweistätig
keiten ausge
gangen werden
kann
. Weitere persönliche
Merkmale, die einen Abzug rechtferti
gen, sind alsdann nicht ersichtlich und werden auch vom Beschwerdeführer nicht
konkret
geltend gemacht. Der Verzicht auf einen Abzug vom Invalidenein
kommen ist daher nicht zu beanstanden
.
5
.2.3
Somit resultiert ein Invalideneinkommen von
Fr. 66‘803.40
.
5
.3
Die Gegenüberstellung von Valideneinkommen (
Fr. 73'850.20
) und Invaliden
ein
kommen (
Fr.
66‘803.40)
führt zu einem
Invaliditätsgrad von
9.
54
%
,
(Fr. 73'850.20 –
Fr.
66‘803.40 / Fr. 73'850.20 x 100)
,
was keinen Anspruch auf eine Invalidenrente
ergibt
(vgl. E. 1.5
hievor
)
.
Anzumerken ist, dass selbst
wenn
ein Abzug von 15 % vom Invalideneinkommen vorgenommen würde
, kein
renten
begründender
Invaliditätsgrad
resultiert
.
U
nter diesen Umständen
k
ann offen
bleiben
, ob
die IV-Stelle den
vom Beschwer
deführer
weiterhin erzielten Nebenverdienst
aus mehreren Tätigkeiten
zu Recht
auch
beim Invalideneinkommen
berücksichtig
t
hat
(vgl. Urk. 2 S. 3)
,
was
der
Beschwerdeführer
in Frage stellt (
Urk.
1 S. 10
)
.
Lediglich anzumerken bleibt in diesem Zusammenhang, dass der Beschwerdeführer seine dem IK-Auszug zu entnehmenden Nebenverdienste, welche sich im Jahr 2018 auf
immerhin
Fr.
9'404.-- beliefen
Urk.
7/156
/3), anlässlich der gutachterlichen Berufsanam
nesen mit keinem Wort erwähnte, sondern angab,
abgesehen von der beruflichen Eingliederung in der Bäckerei (Februar 2017, vgl.
Urk.
7/77-78)
seit 2013 nicht mehr
gearbeitet zu haben und auch nicht in der Lage zu sein, im Haushalt zu helfen
(
Urk.
7/153 S. 81
, S. 126 f., S. 151).
6
.
Zusammengefasst hat die Beschwerdegegnerin demnach einen Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente zu Recht verneint. Die
angefochtene
Verfügung vom
1
2.
Januar 2021
erweist sich damit als rechtens, weshalb die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen ist.
7
.
Gestützt auf Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kanto
nalen Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert unter Berücksichtigung des gesetzlichen Rahmens (Fr. 20
0.-- bis Fr. 1’000.--) auf Fr. 9
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.