# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 126be15b-bb55-4fa0-9725-de6d01f8f1d1
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Raufhandel
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Meilen, Abteilung, vom 7. September 2018 (DG180003)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 26. Januar 2018
(Urk. 13) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 45 S. 33 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− des Raufhandels im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte A._ wird mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu CHF 50.– , welche vollumfänglich durch Haft erstanden sind.
3. Der Beschuldigte A._ wird für die Überhaft von 17 Tagen mit CHF 3'400.– entschädigt.
4. Die Genugtuungsforderung des Privatklägers 1 (B._) wird abgewiesen.
5. Die Genugtuungsforderung des Privatklägers 2 (C._) wird abgewiesen.
6. Die Zivilansprüche der Privatklägerin 3 (D._ AG) werden abgewiesen.
7. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
CHF 1'500.00 ; die weiteren Kosten betragen:
CHF 2'000.00 Gebühr für das Vorverfahren
CHF 2'013.70 Auslagen IRM
CHF 3.00 Auslagen (STA Schäfer - Spesen)
CHF 231.50 Auslagen (ärztliche Befunde)
CHF 460.00 Auslagen Polizei (FOR)
CHF 13.00 Entschädigung Zeugen
CHF 23'900.00 Entschädigung amtliche Verteidigung
CHF 30121.20 Kosten total.
8. Die Kosten und Auslagen der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenom-
men diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten A._ auferlegt und mit der Entschädigung für die unrechtmässig erlittene Haft gemäss Ziffer 4 verrechnet.
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Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden einstweilen auf die Gerichtskasse genom-
men. Die Rückzahlungspflicht gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vorbehalten.
9. Rechtsanwalt lic. iur. X._ wird für seine Bemühungen als amtliche Verteidigung des
Beschuldigten in der Zeit vom 18. Juni 2012 bis 10. September 2018 mit CHF 23'900.– (inkl.
8% bzw. 7.7% MwSt) entschädigt. Die Bezirksgerichtskasse wird angewiesen, diese Ent-
schädigung an Rechtsanwalt lic. iur. X._ auszubezahlen.
10. Der Beschuldigte A._ wird (solidarisch mit E._ und F._) verpflichtet, dem  1 (B._) eine Entschädigung für notwendige Aufwendungen im gesamten Ver-
fahren in der Höhe von CHF 19'085.25 (inkl. 8 % bzw. 7.7% MwSt.) zu bezahlen.
11. [Mitteilungen.]
12. [Rechtsmittel.]"
Berufungsanträge: (Prot. II S. 8 f.)
a) Der Verteidigung des Beschuldigten
(Urk. 65 S. 2)
1. Es sei mit Beschluss festzustellen, dass das Urteil des Bezirksgerichts
Meilen vom 7. September 2018 bezüglich der Dispositivziffern 4 (Abweisung
der Genugtuungsforderung des Privatklägers 1), 5 (Abweisung der Genug-
tuungsforderung des Privatklägers 2), 6 (Abweisung der Zivilansprüche der
Privatklägerin 3), 7 (Kostenfestsetzung) und 9 (Festsetzung des Rechtsver-
treterhonorars) in Rechtskraft erwachsen ist.
2. Es sei der Beschuldigte von Schuld und Strafe umfassend frei zu sprechen.
3. Es sei dem Beschuldigten für die ungerechtfertigte Haft von 77 Tagen eine
Genugtuung in Höhe von Fr. 15'400.– zzgl. Zins zu 5% seit dem 29. August
2012 zuzusprechen.
4. Es seien die Kosten des Berufungsverfahrens inkl. derjenigen der amtlichen
Verteidigung auf die Staatskasse zu nehmen.
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b) Der Staatsanwaltschaft
(Urk. 52, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte
1. Mit Urteil der Vorinstanz vom 7. September 2018 wurde der Beschuldigte
des Raufhandels im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB schuldig gesprochen und mit
einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 50.– bestraft, welche vollumfänglich
durch Haft erstanden war. Für die Überhaft von 17 Tagen wurde er mit einem Be-
trag in Höhe von Fr. 3'400.– entschädigt. Die Genugtuungsforderungen der Pri-
vatkläger B._, C._ und der D._ AG wurden abgewiesen. Die Kos-
ten des Verfahrens, ausgenommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, wur-
den dem Beschuldigten auferlegt und mit der Entschädigung für die unrechtmäs-
sig erlittene Haft verrechnet. Die Kosten der amtlichen Verteidigung wurden
einstweilen auf die Gerichtskasse genommen, unter Vorbehalt der Rückzahlungs-
pflicht gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO. Sodann wurde der Beschuldigte unter soli-
darischer Haftung mit F._ und E._ (sep. Verfahren) verpflichtet, dem
Privatkläger B._ eine Entschädigung für notwendige Aufwendungen im ge-
samten Verfahren in der Höhe von Fr. 19'085.25 zu bezahlen.
2. Das vorinstanzliche Urteil wurde den Parteien am 10. September 2018 er-
öffnet (Prot. I S. 79). Mit Eingabe desselben Tages meldete der Beschuldigte frist-
gerecht Berufung gegen den erstinstanzlichen Entscheid an (Urk. 38). Die Beru-
fungserklärung vom 15. Mai 2019 ging innert Frist ein (vgl. Urk. 44/2, Urk. 46).
3. Der Privatkläger B._ war an der erstinstanzlichen Urteilseröffnung
nicht anwesend (Prot. I S. 79). Nach Erhalt des Urteils meldete er mit Eingabe
vom 24. September 2018, welche er als "Berufung/Berichtigung" bezeichnete,
ebenfalls fristgerecht Berufung an (vgl. Urk. 37B/1, Urk. 40). Nachdem jedoch in-
nert Frist keine Berufungserklärung folgte (Urk. 44/3), trat die hiesige Kammer mit
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Beschluss vom 18. Juli 2019 auf seine Berufung nicht ein (Urk. 57). Dieser Ent-
scheid erwuchs in Rechtskraft. Innert Frist wurde sodann keine Anschluss-
berufung erhoben (vgl. Urk. 50; Urk. 52).
4. Hierauf wurde zur heutigen Berufungsverhandlung vorgeladen, welche zu-
sammen mit jener im Berufungsverfahren SB190275-O von F._ durchgeführt
wurde. Zur Verhandlung erschienen der Beschuldigte, der Mitbeschuldigte
F._ sowie deren amtliche Verteidiger (Prot. II S. 6).
II. Prozessuales
1. Umfang der Berufung und Vorbemerkung
1.1. Nach Art. 399 Abs. 4 StPO kann die Berufung auf einzelne Urteilspunkte
eingeschränkt werden. Eine isolierte Anfechtung des Schuldpunktes ist indes
nicht möglich: Bei einem Antrag auf Freispruch gelten für den Fall der Gutheis-
sung automatisch auch die mit der Tat untrennbar zusammenhängenden Folge-
punkte des Urteils (z.B. Kostenfolgen) als angefochten, also alle Punkte nach
Art. 399 Abs. 4 lit. b - g StPO. Bestätigt das Berufungsgericht den Schuldspruch,
sind die weiteren Urteilspunkte – soweit nicht explizit angefochten – nicht zu
überprüfen.
1.2. Der Beschuldigte beschränkt die Berufung auf den Schuldpunkt (Dispositiv-
ziff. 1), die Strafe (Dispositivziff. 2), die Entschädigung für Überhaft (Dispositiv-
ziff. 3) sowie die Kostenauflage und die Verpflichtung zur Bezahlung einer Ent-
schädigung an den Privatkläger B._ (Dispositivziff. 8 und 10). Demnach ist
mit Beschluss festzustellen, dass das Urteil des Bezirksgerichtes Meilen, Abtei-
lung, vom 7. September 2018 bezüglich der Dispositivziffern 4 (Abweisung der
Genugtuungsforderung des Privatklägers 1), 5 (Abweisung der Genugtuungsfor-
derung des Privatklägers 2), 6 (Abweisung der Zivilansprüche der Privatklägerin
3), 7 (Kostenfestsetzung) und 9 (Festsetzung des Verteidigerhonorars) in Rechts-
kraft erwachsen ist.
1.3. Im Sinne einer Vorbemerkung ist an dieser Stelle festzuhalten, dass sich
das Gericht nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und
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jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss. Vielmehr kann sich die
urteilende Instanz auf die seiner Auffassung nach wesentlichen und mass-
geblichen Punkte beschränken (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1. m.H.).
2. Anklageprinzip
2.1. Wie schon vor Vorinstanz macht der Beschuldigte sinngemäss geltend,
das Anklageprinzip sei verletzt. Der Anklageschrift lasse sich entnehmen, dass
sich der Beschuldigte an "einer und/oder beiden tätlichen Auseinandersetzungen"
beteiligt haben solle. Dies zeige, dass die Staatsanwaltschaft vorliegend zwei
voneinander getrennte Teilsachverhalte zur Anklage gebracht habe. Durch diese
Unterteilung seien die Ereignisse verbindlich in zwei getrennte Lebenssachverhal-
te aufgeteilt worden, welche separat zu beurteilen seien. Dabei bleibe unklar, was
dem Beschuldigten überhaupt vorgeworfen werde. So sei im ersten Teil des
Sachverhalts C._ verletzt worden. Der Beschuldigte werde dabei jedoch in
keiner aktiven oder passiven Rolle erwähnt und es deute kein Wort der Sachver-
haltsschilderung auf den Beschuldigten hin. Dieser Teil 1 bilde einen in sich ab-
geschlossenen Lebenssachverhalt, mit welchem der Beschuldigte nichts zu tun
habe. Erst im zweiten Sachverhaltsteil erscheine sodann der Privatkläger
B._, gegen welchen der Beschuldigte einen Fusstritt gerichtet haben soll. In
diesem zweiten Teil werde aber keine wechselseitige Auseinandersetzung be-
schrieben, sondern nur, dass der Privatkläger B._ vom Mitbeschuldigten
F._ einen Faustschlag habe einstecken müssen. Somit sei allein der Privat-
kläger B._ und damit nur eine Person angegangen und verletzt worden. Es
handle sich dabei zwar um eine Körperverletzung, eine Teilnahme an einer sol-
chen Handlung werde dem Beschuldigten aber ebenfalls nicht vorgeworfen (vgl.
Urk. 34 S. 4 f.; Urk. 65 S. 4 f.).
2.2. Nach dem Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand
des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion; Art. 9 und Art. 325 StPO; Art. 29
Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV; Art. 6 Ziff. 1 und Ziff. 3 lit. a und b EMRK). Das
Gericht ist an den in der Anklage wiedergegebenen Sachverhalt gebunden (Im-
mutabilitätsprinzip), nicht aber an dessen rechtliche Würdigung durch die Ankla-
gebehörde (vgl. Art. 350 StPO). Die Anklage hat die der beschuldigten Person zur
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Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die
Vorwürfe in objektiver und subjektiver Hinsicht genügend konkretisiert sind. Das
Akkusationsprinzip bezweckt zugleich den Schutz der Verteidigungsrechte der
beschuldigten Person und dient dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Informa-
tionsfunktion; BGE 141 IV 132 E. 3.4.1; BGE 140 IV 188 E. 1.3 je mit Hinweisen).
Die beschuldigte Person muss unter dem Gesichtspunkt der Informationsfunktion
aus der Anklage ersehen können, wessen sie angeklagt ist. Das bedingt eine zu-
reichende Umschreibung der Tat. Entscheidend ist, dass der Betroffene genau
weiss, welcher konkreter Handlungen er beschuldigt und wie sein Verhalten recht-
lich qualifiziert wird, damit er sich in seiner Verteidigung richtig vorbereiten kann.
Er darf nicht Gefahr laufen, erst an der Gerichtsverhandlung mit neuen Anschul-
digungen konfrontiert zu werden (Urteile 6B_492/2015 vom 2. Dezember 2015
E. 2.2, nicht publiziert in: BGE 141 IV 437; 6B_1151/2015 vom 21. Dezember
2016 E. 2.2; je mit Hinweisen).
2.3. Zusammengefasst wird dem Beschuldigten in der Anklageschrift vorgewor-
fen, dass am 15. Juni 2012 um ca. 03.30 Uhr in der Nähe des Clubs G._ in
Zürich zunächst eine verbale Auseinandersetzung zwischen E._ und
C._ stattgefunden habe, welche in eine tätliche Auseinandersetzung zwi-
schen beiden gemündet habe. F._ sei dieser Auseinandersetzung mit Faust-
schlägen und Fusstritten auf C._ beigetreten, welcher sich seinerseits mit ei-
nem Fusstritt zu wehren versucht habe (Teil 1 der Anklage). In der Folge habe
sich B._ in die Auseinandersetzung eingemischt (sic!) und schliesslich habe
der Beschuldigte als Teil der Gruppe
E._/F._ versucht, B._ zweimal zu treten, diesen aber nicht getrof-
fen (Teil 2 der Anklage). Die Privatkläger C._ und B._ hätten die in der
Anklage umschriebenen Verletzungen erlitten (Urk. 13).
2.4. Der Sachverhalt ist konkret umschrieben, namentlich in zeitlicher, örtlicher,
sachlicher und subjektiver Hinsicht. Entgegen der Ansicht der Verteidigung han-
delt es sich beim ersten Teil der Anklage bis zum Beitritt von F._ um keinen
in sich abgeschlossenen Lebenssachverhalt (Urk. 34 S. 5; Urk. 65 S. 4 f.). Aus
der Formulierung der Anklageschrift, wonach sich B._ "in die Auseinander-
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setzung eingemischt" habe, wird deutlich, dass diese eben gerade noch nicht ab-
geschlossen war. Indem B._ im Rahmen seiner Einmischung geschlagen
wurde, weitete sich die Auseinandersetzung auch auf ihn aus. Daran ändert
nichts, dass die Anklageschrift missverständlich von einer oder mehreren Aus-
einandersetzungen spricht, meint sie doch damit unverkennbar eine erste Phase
der Auseinandersetzung zwischen E._/F._ und C._, und eine zwei-
te Phase zwischen E._/F._ und dem Beschuldigten einerseits, sowie
C._ und B._ andererseits. Damit wird ihm die Beteiligung an einem
Raufhandel vorgeworfen. Als konkrete Tathandlungen werden zweimalige
Fusstritte gegen B._ genannt. Dem Vorwurf des Raufhandels ist gerade ei-
gen, dass ein Betritt zu einem bestehenden Raufhandel erfolgen kann und nicht
schon von Beginn weg geschehen muss. Die unmittelbare Abfolge der Vorkomm-
nisse gebietet es dabei, das Tatgeschehen als Einheit zu betrachten (s.a. BGE
137 IV 1, bei welchem das Tatgeschehen im Rahmen eines Streites mehrerer
junger Männer aufgrund der unmittelbaren Abfolge der Ereignisse [verbale Ausei-
nandersetzung, Faustschlag, Einmischung weiterer Personen] sachlich, räumlich
und zeitlich als Einheit betrachtet wurde).
2.5. Bei dieser Ausgangslage verfangen die Vorbringen der Verteidigung nicht,
gründen sie doch allesamt auf der Annahme von zwei getrennten und in sich ab-
geschlossenen Lebenssachverhalten (Urk. 65 S. 4 ff.). Wenn die Anklageschrift
dem Beschuldigten sodann gleichzeitig auch den Tatbestand des Angriffs zur Last
legt, so handelt es sich dabei nicht um einen Widerspruch in sich, sondern um
eine Eventualanklage für den Fall, dass sich erstellen liesse, dass C._ keine
Gegenwehr geleistet habe (Urk. 34 S. 3). Soweit die Verteidigung weiter geltend
macht, dem Beschuldigten würden laut Anklageschrift lediglich Fusstritte "ins
Leere" vorgeworfen, ist bereits an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass nach
der Rechtsprechung des Bundesgerichts klar zuordenbare Tathandlungen einer
Bestrafung wegen Raufhandels nicht entgegen stehen (vgl. BGE 137 IV 1
E. 4.3.1).
2.6. Zusammenfassend erweist sich die Rüge der Verletzung des Anklage-
prinzips als unbegründet. Der Beschuldigte weiss, was ihm vorgeworfen wird und
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nahm dazu adäquat Stellung. Daran ändert auch nichts, dass die weiteren Betei-
ligten der "gegnerischen" Gruppe nicht angeklagt worden seien, wie dies die Ver-
teidigung moniert. Daraus kann vorliegend ebenfalls keine Verletzung des An-
klageprinzips abgeleitet werden. Für den Beschuldigten ist primär die ihn betref-
fende Anklage massgebend.
III. Sachverhalt
1. Rechtliches
1.1. Vorab ist auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz zu den allge-
meinen Beweiswürdigungsregeln zu verweisen (vgl. Urk. 45 S. 8 ff.). Erneut ist
festzuhalten, dass das Gericht die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten
Verfahren gewonnenen Überzeugung würdigt (Art. 10 Abs. 2 StPO). Bestehen
unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzungen der
angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für die beschuldigte Person günsti-
geren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO).
1.2. Gemäss dem in Art. 8 und 32 Abs. 1 BV sowie Art. 6 Ziff. 2 EMRK veran-
kerten Grundsatz "in dubio pro reo" (im Zweifel für den Beschuldigten) ist bis zum
gesetzlichen Nachweis seiner Schuld zu vermuten, dass der wegen einer strafba-
ren Handlung Beschuldigte unschuldig ist (BGE 127 I 40, 120 Ia 31 E. 2b; Urteil
6S.363/2006 vom 28. Dezember 2006 E. 4; Pra 2002 Nr. 2 S. 4 f. und Nr. 180
S. 957 f.).
Als Beweislastregel bedeutet dieser Grundsatz einerseits, dass es Sache der An-
klagebehörde ist, die Schuld des Beschuldigten zu beweisen, und nicht dieser
seine Unschuld nachweisen muss (SCHMID/JOSITSCH, Handbuch StPO, 3. Auflage
2017, N 216 f.; BGE 127 I 40). Ein Beschuldigter darf nie mit der Begründung
verurteilt werden, er habe seine Unschuld nicht nachgewiesen (BGE 127 I 38
E. 2a mit Hinweis).
Wenn allerdings ein Beschuldigter eine ihn entlastende Behauptung aufstellt,
ohne dass er diese wenigstens in einem Mindestmass glaubhaft machen kann,
findet der Grundsatz "in dubio pro reo" keine Anwendung. Es tritt nämlich insoweit
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eine Beweislastumkehr ein, als nicht jede aus der Luft gegriffene Schutzbehaup-
tung von der Anklagebehörde durch hieb- und stichfesten Beweis widerlegt wer-
den muss. Ein solcher Beweis ist nur dann zu verlangen, wenn gewisse Anhalts-
punkte wie konkrete Indizien oder eine natürliche Vermutung für die Richtigkeit
der Behauptung sprechen bzw. diese zumindest als zweifelhaft erscheinen las-
sen, oder wenn der Beschuldigte sie sonst wie glaubhaft macht (BSK StPO I-
TOPHINKE, Art. 10 N 21; Stefan TRECHSEL, SJZ 77 [1981] S. 320; SCHMID/
JOSITSCH, a.a.O., N 220 m.H.). Andernfalls könnte jede Anklage mit einer ab-
strusen Schutzbehauptung zu Fall gebracht werden.
2. Sachverhaltserstellung
2.1. Die Vorinstanz gab die massgeblichen Aussagen des Beschuldigten und
der weiteren Akteure korrekt wieder und würdigte diese zutreffend. Sie kam zu-
sammengefasst zum Schluss, es sei erstellt, dass der Beschuldigte versucht habe
einen für die Beteiligten sichtbaren Tritt gegen den Privatkläger B._ auszu-
führen, diesen aber nicht getroffen habe (Urk. 45 S. 10-17). Auf diese zutreffen-
den Ausführungen kann zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen vorab vollum-
fänglich verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Die nachfolgenden Erwägungen
verstehen sich als Hervorhebungen und Präzisierungen.
2.2. Es ist erstellt, dass es am 15. Juni 2012, um ca. 03.30 Uhr, in der Nähe
des Clubs G._ in Zürich zu einer tätlichen Auseinandersetzung kam, bei wel-
cher C._ und B._ die in der Anklageschrift beschriebenen Verletzungen
davontrugen (Urk. 13; vgl. Arztzeugnis vom 2. November 2012 in Urk. 27). Der
Beschuldigte führte in der Untersuchung hierzu aus, es habe "gefätzt". Er glaube
nicht, dass nur eine Partei geschlägert habe (Urk. 2/3/2 S. 6). Er hatte sich nach
eigenen Angaben zum Ort des Geschehens begeben, "weil es auch meine Leute
waren, die involviert waren. Ich ging grundsätzlich zum Helfen hin." Er habe ver-
sucht, einen Tritt auszuüben. Als er nicht getroffen habe, habe ihn der Zeuge
H._ bzw. eine Person namens I._ ein bis zwei Meter zur Seite genom-
men und ihm gesagt, er solle aufhören, das seien seine Freunde. Der Beschuldig-
te habe ihm geantwortet, dass das gleichzeitig auch seine Kollegen seien und er
ihnen helfen wolle. Als er sich umgedreht habe, sei der "andere" – der Privatklä-
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ger B._ – schon im Sturzflug gewesen und habe sich nicht mehr bewegt
(Urk. 2/3/2 S. 3 f.; Urk. 25/7/6 S. 3).
Aus dieser Sachdarstellung erhellt deutlich, dass der Beschuldigte die tätliche
Auseinandersetzung zwischen C._ und B._ einerseits und seinen "Kol-
legen" andererseits wahrnahm und Letzteren helfen wollte. Hierzu trat er nach
dem Privatkläger B._, traf diesen aber nicht. Dies bemerkte auch eine weite-
re Person und versuchte, den Beschuldigten von der Einmischung abzuhalten.
Diese war jedoch durch den Tritt bereits erfolgt, auch wenn der Tritt letztlich kei-
nen Kontrahenten traf.
2.3. Der Beschuldigte versuchte gleichwohl, seine eigene Darstellung abzu-
schwächen, indem er geltend machte, er habe zum Geschehen 10 Meter Abstand
gehabt und sei nicht an die Gruppe herangekommen (Prot. I S. 55, vgl. Urk. 2/3/2
S. 7). Auch die Verteidigung geht davon aus, der Beschuldigte sei in mehreren
Metern Distanz zum eigentlichen Geschehen gestanden, sei er doch unverletzt
geblieben (Urk. 34 S. 9; Urk. 65 S. 6). Gegen dieses Vorbringen sprechen jedoch
bereits die weiteren Aussagen des Beschuldigten, wonach er versucht habe, ei-
nen der andern zu schlagen um seinen Kollegen zu helfen (Urk. 25/7/6 S. 2).
Auch führte er ferner aus, er habe den Tritt reflexartig ausgeführt, habe er doch
schon immer zur Verteidigung das Bein hochgehoben, auch als er mit seinem
Bruder gekämpft habe. Damit habe er nur seinen Gegner auf Distanz halten res-
pektive letztlich schlichten wollen (Prot. I S. 56 und S. 58; Urk. 2/3/2 S. 3). Die
diesbezüglichen Aussagen erscheinen indessen unglaubhaft, ergibt doch ein sol-
ches Verhalten aus einer Distanz von 10 Metern zum eigentlichen Geschehen
vorliegend keinen Sinn. Hätte der Beschuldigte einen Tritt in zehn Meter Abstand
zum Geschehen gemacht, hätte ihn kaum eine weitere Person zur Seite genom-
men und gebeten, sich nicht einzumischen. Auch hätte der Beschuldigte jener
Person nicht gesagt, dass er seinen Kollegen helfen wolle, wäre der Tritt bloss zur
Abwehr bzw. aus Reflex erfolgt. Im Gegenteil ist daraus vielmehr zu schliessen,
dass sich der Beschuldigte nicht abseits des Geschehens befand und mit dem
Tritt der Auseinandersetzung anschloss.
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2.4. Soweit die Verteidigung weiter ausführt, der Tritt des Beschuldigten habe
erst stattgefunden, nachdem B._ bereits verletzt worden sei (Urk. 34 S.10;
Urk. 65 S. 7) steht dies im klaren Widerspruch zu den Aussagen des Beschuldig-
ten. Dieser führte selber aus, dass er bei der Intervention von H._ davon
ausgegangen sei, dass seine Gruppe weiterhin seine Hilfe benötigt habe. So
habe er nach eigenen Angaben den Privatkläger B._ "im Sturzflug" bzw. zu
Boden gehen sehen, nachdem er sich von H._ wieder abgewandt gehabt
habe (vgl. bspw. Urk. 25/7/6 S. 3). Der Beschuldigte hatte sich demnach zuvor in
die laufende Auseinandersetzung eingemischt, wovon offenkundig auch H._
ausging. Ebenfalls als irrelevant erweist sich, dass nach Ansicht der Verteidigung
die Teilnahmehandlung des Beschuldigten von keinem der übrigen am Raufhan-
del Beteiligten aktiv bemerkt worden sei (Urk. 65 S. 7). Wie im Rahmen der recht-
lichen Würdigung noch darzulegen sein wird, gilt generell jegliche aktive Teilnah-
me als Beteiligung, soweit der Tatbestand des Raufhandels im Sinne von Art. 133
StGB vorliegt (BSK StGB II-MAEDER, 4. Auflage 2019, Art. 133 N 13). Dies hat
ungeachtet einer allfällig fehlenden Wahrnehmung von Direktbeteiligten zu gelten.
2.5. Zusammenfassend ist gestützt auf die Aussagen des Beschuldigten davon
auszugehen, dass der Beschuldigte sich an der wechselseitigen Auseinander-
setzung zwischen E._ und F._ gegen C._ und B._ mit einem
sichtbaren Tritt gegen B._ beteiligte. Damit wollte er nach eigenen Angaben
"seinen Kollegen" helfen, was er gegenüber einem Dritten ausdrücklich kund tat,
als er von diesem beiseite genommen wurde. Seine späteren Abschwächungen
sind als Schutzbehauptungen zu würdigen. Der Sacherhalt ist insoweit erstellt.
IV. Rechtliche Würdigung
1. Objektiver Tatbestand
1.1. Ein Raufhandel gemäss Art. 133 Abs. 1 StGB ist eine wechselseitige tät-
liche Auseinandersetzung von mindestens drei Personen, die den Tod oder die
Körperverletzung eines Menschen zur Folge hat. Ein Streit zwischen zwei Perso-
nen wird zum Raufhandel, wenn ein Dritter tätlich eingreift. Strafbar ist, wer sich
beteiligt, d.h. wer aktiv am Raufhandel teilnimmt in einer Weise, die geeignet ist,
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die Auseinandersetzung zu fördern bzw. deren Intensität zu steigern. So ist auch
derjenige als Beteiligter anzusehen, der vor der Erfüllung der objektiven Strafbar-
keitsbedingung – dem Tod oder der Körperverletzung eines Menschen – vom
Raufhandel ausscheidet, da seine bisherige Mitwirkung die Streitfreudigkeit der
Beteiligten gesteigert hat, so dass die dadurch erhöhte Gefährlichkeit der Schlä-
gerei regelmässig auch über die Dauer der Beteiligung einzelner Personen hinaus
fortwirkt. Darüber hinaus gilt auch der Abwehrende als Beteiligter. Er ist gemäss
Art. 133 Abs. 2 StGB nicht strafbar. Nur wer sich völlig passiv verhält, ist von der
Bestimmung nicht erfasst (BGE 131 IV 150 E. 2.1; BGE 106 IV 246 E. 3b ff., je
mit Hinweisen).
1.2. Tätliche Auseinandersetzungen zwischen mehr als zwei Personen sind oft
derart unübersichtlich, dass sich nicht nachweisen lässt, wer die Körperverletzung
oder den Tod einer Person verursacht hat. Sinn und Zweck von Art. 133 StGB ist,
in solchen Situationen zu verhindern, dass die Verantwortlichen straflos bleiben.
Aufgrund der Beweisschwierigkeiten ist bereits die Beteiligung an einem Rauf-
handel unter Strafe gestellt. Es handelt sich beim Raufhandel mithin um ein ab-
straktes Gefährdungsdelikt, obschon ein Erfolg eintreten muss. Dieser Ver-
letzungserfolg ist objektive Strafbarkeitsbedingung (BGE 137 IV 1 E. 4.2.2).
2. Subjektiver Tatbestand
2.1. In subjektiver Hinsicht erfordert der Tatbestand Vorsatz, wobei Eventual-
vorsatz genügt (vgl. BSK StGB II-MAEDER, Art. 133 N 21). Nach ständiger bun-
desgerichtlicher Rechtsprechung ist Eventualvorsatz gegeben, wenn der Täter
den Eintritt des Erfolgs beziehungsweise die Tatbestandsverwirklichung für mög-
lich hält, aber dennoch handelt, weil er den Erfolg für den Fall seines Eintritts in
Kauf nimmt, sich mit ihm abfindet, mag er ihm auch unerwünscht sein. Der Rich-
ter darf vom Wissen des Täters auf den Willen schliessen, wenn sich dem Täter
der Eintritt des Erfolgs als so wahrscheinlich aufdrängte, dass die Bereitschaft, ihn
als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des Erfolgs aus-
gelegt werden kann (BGE 133 IV 222 E. 5.3 mit Hinweisen).
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2.2. Der Vorsatz betreffend Raufhandel muss sich nur auf die objektiven Tatbe-
standsmerkmale beziehen, nicht aber auf die Todes- oder Körperverletzungs-
folge, da es sich hierbei um eine objektive Strafbarkeitsbedingung handelt
(BGE 118 IV 227 E. 5b m.H.; BSK StGB II-MAEDER, a.a.O., Art. 133 N 21). Es
genügt, wenn der Täter damit rechnet, dass sich mehr als zwei Personen an der
tätlichen Auseinandersetzung beteiligen (BGE 106 IV 246 E. 3b).
3. Subsumtion
3.1. Wie erwähnt, war anfänglich eine verbale und dann tätliche Auseinander-
setzung zwischen E._ und C._ im Gange, welcher sich zunächst
F._ zu Gunsten von E._ anschloss und hernach B._ zur Unterstüt-
zung von C._. Der Beschuldigte schloss sich dieser Auseinandersetzung mit
einem Tritt gegen B._ bewusst an um seinen Kollegen, bzw. E._ und
F._, zu helfen. Daran ändert nichts, dass er nicht traf. Mit seiner Handlung
nahm er aktiv am Raufhandel in einer Weise teil, welche geeignet war, diesen zu
fördern bzw. dessen Intensität zu steigern. So stand B._ durch den Tritt ein
weiterer Kontrahent gegenüber, weshalb dieser mit C._ nunmehr gegenüber
F._ und E._ sowie dem Beschuldigten in der Unterzahl war. Damit eska-
lierte der Streit weiter, denn der Beschuldigte stärkte mit seinem Vorgehen seine
Gruppe, was die Anklage entgegen der Ansicht der Verteidigung konkret um-
schreibt (Urk. 34 S. 50). Die Verschiebung im Kräfteverhältnis bemerkte auch
H._, welcher den Beschuldigten nach dessen Tritt von der Auseinanderset-
zung wegzog und ihn bat, sich nicht einzumischen. Mit anderen Worten war die
Unterstützung seiner Kollegen für Dritte deutlich erkennbar (so H._ in act.
25/11/5 F/A 34). Es blieb mithin auch nicht nur bei einem Versuch, wie dies die
Verteidigung geltend machen will.
3.2. Die objektive Strafbarkeitsbedingung ist mit den Verletzungen von C._
und B._ erfüllt.
3.3. Auch wenn der Beschuldigte stets geltend machte, dass er seinen Kolle-
gen lediglich habe helfen wollen, befanden sich diese in keiner Notwehrlage. Es
sind mithin auch keine Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründe ersichtlich.
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Der Beschuldigte ist daher mit der Vorinstanz des Raufhandels im Sinne von
Art. 133 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
V. Sanktion
1. Allgemeines
Die Vorinstanz hat die theoretischen Strafzumessungsregeln korrekt dargetan und
den Strafrahmen richtig abgesteckt. Auf diese Erwägungen kann vorab zur Ver-
meidung von unnötigen Wiederholungen verwiesen werden (Urk. 45 S. 21 ff.;
Art. 82 Abs. 4 StPO). Wie die Vorinstanz richtig festhielt, umfasst der Strafrahmen
von Art. 133 Abs. 1 StGB eine Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren oder Geldstrafe bis
360 Tagessätze (Art. 34 Abs. 1 aStGB).
2. Einsatzstrafe
2.1. Beim Raufhandel ist hinsichtlich der objektiven Tatschwere zunächst von
den Verletzungen auszugehen, welche dieser zur Folge hatte. Sowohl C._
wie auch B._ mussten sich in Spitalpflege begeben, wobei B._ einen
Monat lang arbeitsunfähig war und hernach an Krämpfen und epileptischen Anfäl-
len litt. Die entsprechenden Verletzungen sind bei C._ als noch leicht und bei
B._ als erheblich zu qualifizieren. Demgegenüber war der Tatbeitrag des Be-
schuldigten im Raufhandel sehr gering. Einerseits wurde er nach einem einzigen
Tritt von H._ zur Seite genommen, weshalb seine Beteiligung sehr kurz war,
und andererseits traf sein Tritt nicht. Insofern unterstützte er mit seiner Handlung
seine Kollegen nicht tatkräftig sondern lediglich psychisch. Mit der Vorinstanz
kann die objektive Tatschwere trotz der aus dem Raufhandel resultierenden Ver-
letzungen noch als leicht bezeichnet werden.
2.2. In subjektiver Hinsicht ist von direktem Vorsatz auszugehen. Der Be-
schuldigte griff bewusst in die Auseinandersetzung ein, um – wie er dem Zeugen
H._ selbst sagte – seinen Kollegen zu helfen. Soweit die Vorinstanz dem Be-
schuldigten dessen Alkoholisierung und die damit einhergehende Enthemmung
"sehr leicht entlastend" anrechnete, weil ihn der Alkohol schneller zum Handeln
veranlasst habe (Urk. 45 S. 23), ist dem nicht zu folgen. So gab der Beschuldigte
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mehrfach an, dass er keine Eile gehabt habe, sich der Auseinandersetzung anzu-
schliessen (Urk. 2/3/2 S. 3: "Ich rauchte meine Zigarette zu Ende und näherte
mich dieser Szene."; S. 5: "Ich wollte abwarten und ging langsam nach vorne zur
Menge. Dann kam es zu diesem Leertritt und dann hat mich H._ zur Seite
genommen"). Mit anderen Worten erfolgte seine Beteiligung zwar spontan, jedoch
nicht überstürzt oder gar hemmungslos. Letztlich unterscheidet sich die subjektive
Tatschwere des Beschuldigten im vorliegenden Fall nicht von anderen Tätern,
welche sich in eine laufende Auseinandersetzung einmischen. Mithin beeinflusst
die subjektive Tatschwere die objektive Tatschwere weder positiv noch negativ.
2.3. Zusammenfassend rechtfertigt sich eine Einsatzstrafe von 5 Monaten res-
pektive 150 Tagessätzen.
3. Täterkomponenten
3.1. In Bezug auf die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten kann auf die
vorinstanzlichen Erwägungen sowie die Akten verwiesen werden (Urk. 45 S. 23).
Anlässlich der Berufungsverhandlung führte der Beschuldigte aus, seine persön-
lichen Verhältnisse hätten sich seit der Befragung vor Vorinstanz grundsätzlich
nicht verändert. Er arbeite nach wie vor bei einer Firma für sogenannte "Power-
banks" in der Produktion. Jedoch sei es ihm aufgrund der aktuellen Corona-
Pandemie momentan nur erlaubt, in einem Pensum von 40 % zu arbeiten. Er
verdiene deshalb derzeit Fr. 1'600.– pro Monat, womit er den ihn treffenden
Wohnkostenanteil von monatlich Fr. 800.–, die Krankenkasse sowie die nötigen
Nahrungsmittel bezahlen könne. Er habe kein Vermögen, jedoch nach wie vor
Schulden in der Höhe von gesamthaft rund Fr. 15'000.– bis Fr. 17'000.– (Urk. 64
S. 2).
3.2. Die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten sind, ebenso wie seine
Vorstrafenlosigkeit, strafzumessungsneutral zu werten.
3.3. Zu den Täterkomponenten gehört auch das Nachtatverhalten eines Täters.
Darunter fällt das Verhalten nach der Tat sowie im Strafverfahren. Ein Geständ-
nis, das kooperative Verhalten eines Täters bei der Aufklärung von Straftaten so-
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wie die Einsicht und Reue wirken strafmindernd (BSK StGB I-WIPRÄCHTIGER/
KELLER, Art. 47 N 85 und N 168 ff.). Aus der Rechtsprechung des Bundesgerichts
ergibt sich, dass nur ein ausgesprochen positives Nachtatverhalten zu einer er-
heblichen Strafreduktion führen kann. Zu einem solchen gehört ein umfassendes
Geständnis von allem Anfang an und aus eigenem Antrieb, also nicht erst auf
konkrete Vorwürfe hin oder nach dem Vorhalt entsprechender Beweise. Die Be-
rücksichtigung von Geständnissen im Rahmen der Strafzumessung beruht haupt-
sächlich auf zwei Gründen. Zum einen kann das Geständnis (vorbehältlich seiner
kritischen Prüfung im Rahmen der freien richterlichen Beweiswürdigung) zur Ver-
einfachung und Verkürzung des Verfahrens und zur Wahrheitsfindung beitragen.
Zum andern kann das Opfer bzw. die geschädigte Partei durch die Schuldaner-
kenntnis des Täters bereits eine gewisse immaterielle Genugtuung erfahren. Ein
Verzicht auf Strafminderung kann sich allenfalls aufdrängen, wenn das Geständ-
nis die Strafverfolgung nicht erleichtert hat, weil die Täterschaft ohnehin bereits
überführt gewesen wäre. Bei umfangreichen und prozessentscheidenden Ge-
ständnissen kann die Strafreduktion nach der bundesgerichtlichen Praxis hinge-
gen bis zu einem Drittel betragen (vgl. BGE 121 IV 202 E. 2d/cc). Ferner gehört
kooperatives Verhalten in der Untersuchung dazu, beispielsweise wenn aufgrund
des Verhaltens eines Beschuldigten weitere Delikte aufgeklärt oder Mittäter zur
Rechenschaft gezogen werden können, was ohne sein kooperatives Mitwirken
nicht möglich gewesen wäre. Schliesslich stellen auch Einsicht ins Unrecht der
Tat und Reue Strafminderungsgründe dar. Nur wenn all diese Faktoren erfüllt
sind, kann eine massgebliche Strafreduktion erfolgen. Fehlen einzelne Elemente,
ist die Strafe entsprechend weniger stark zu reduzieren (vgl. Urteil 6B_974/2009
vom 18. Februar 2010, E. 5.4.).
Der Beschuldigte gab im Verfahren jenen Sachverhalt zu, für den er heute verur-
teilt wird. So gestand er von Anfang an ein, nach B._ getreten und sich damit
faktisch am Raufhandel beteiligt zu haben, auch wenn er letzteren Umstand wie-
derum bestritt. Insbesondere wird das Geständnis durch die Relativierungen des
Beschuldigten getrübt, wonach er 10 Meter vom Ereignis entfernt gewesen sei.
Gleichwohl ist entgegen der Vorinstanz unter diesem Aspekt eine Strafminderung
vorzunehmen.
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4. Verletzung des Beschleunigungsgebots und Zeitablauf
Zur Verletzung des Beschleunigungsgebotes kann auf die zutreffenden Erwägun-
gen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 45 S. 24 f.). Erneut ist festzuhalten,
dass der Beschuldigte teilweise geständig war. Soweit die Staatsanwaltschaft die
Verfahrensverzögerung mit einer übermässigen Arbeitslast begründete (Prot. I
S. 59), darf dies nicht zu Lasten des Beschuldigten gehen, welcher unnötig lange
über die gegen ihn erhobenen Vorwürfe im Ungewissen gelassen wurde. Ebenso
hat sich der Beschuldigte seit der Tatbegehung im Jahr 2012 wohl verhalten, und
der zu beurteilende Anklagevorwurf wäre im heutigen Zeitpunkt bereits verjährt
(vgl. Art. 97 Abs. 1 lit. c aStGB). Nebst der Verletzung des Beschleunigungs-
gebots sind auch diese Umstände gemäss Art. 48 lit. e StGB zugunsten des
Beschuldigten zu berücksichtigen, was gesamthaft eine deutliche Strafminderung
ergibt.
5. Konkrete Strafe
5.1. Insgesamt erweist sich eine Strafe im Bereich von 60 Tagessätzen mit der
Vorinstanz als angemessen. Die Strafart ist nicht weiter zu diskutieren, würde
doch die Ausfällung einer Freiheitsstrafe gegen das Verschlechterungsverbot
verstossen und besteht gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung lediglich
eine Begründungspflicht, wenn das Gericht an Stelle einer Geldstrafe eine Frei-
heitsstrafe ausfällt (vgl. BGE 144 IV 313 E. 1).
5.2. Aufgrund der persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten erscheint – trotz
des vorübergehend tieferen Einkommens – eine Tagessatzhöhe von Fr. 50.– als
angemessen (BGE 134 IV 69).
6. Anrechnung der Untersuchungshaft und Genugtuung für Überhaft
6.1. Die Verteidigung beantragt unter der Prämisse eines Freispruchs, dem Be-
schuldigten sei für die "ungerechtfertigte" Haft von 77 Tagen eine Genugtuung in
der Höhe von Fr. 15'400.– nebst Zins zuzusprechen (Urk. 65 S. 2).
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6.2. Da der Beschuldigte zu einer Geldstrafe verurteilt wird, hat der Ausgleich
der erstandenen Haft von 77 Tagen primär als Realersatz zu erfolgen (Art. 51
StGB). Damit gilt die Geldstrafe von 60 Tagessätzen als durch Haft geleistet.
6.3. Für die verbleibenden 17 Tage sogenannter Überhaft ist nach Art. 431
Abs. 2 StPO eine Genugtuung auszurichten. Unter Anwendung des gerichtsüb-
lichen Tagessatzes von Fr. 200.– bei kurzer Untersuchungshaft ist die Genugtu-
ung hierfür auf Fr. 3'400.– festzusetzen. Ebenfalls ist Zins ab dem mittleren Verfall
zu entrichten (Urteil 6B_1404/2016 vom 13. Juni 2017, E. 2.2 m.H.). Verfallstag
bildet vorliegend der 20. August 2012, da die ersten 60 Tage der Untersuchungs-
haft aufgrund der Anrechnung an die Strafe nicht als Überhaft gelten und bei der
Berechnung des mittleren Verfalls unberücksichtigt bleiben. Dem Beschuldigten
sind somit Fr. 3'400.– zuzüglich 5 % Zins seit 20. August 2012 als Genugtuung
aus der Gerichtskasse zuzusprechen. Die weitergehenden Genugtuungsan-
sprüche des Beschuldigten sind abzuweisen.
7. Vollzug
7.1. Die Vorinstanz hat sich nicht zum Vollzug der ausgesprochenen Strafe
geäussert. Obwohl die Strafe bereits als durch Haft geleistet gilt, ist gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung über deren Vollzug zu entscheiden (BGE 84
IV 10). Über den Strafaufschub ist ferner auch deshalb zu entscheiden, da eine
bedingt ausgefällte Strafe im Privatauszug des Strafregisters bereits mit Ablauf
der Probezeit nicht mehr ersichtlich ist, unabhängig davon, ob die Strafe als durch
Haft erstanden gilt oder nicht (Art. 371 Abs. 3bis StGB).
7.2. Der Beschuldigte ist Ersttäter und es liegen in subjektiver Hinsicht keinerlei
Anhaltspunkte vor, welche die Vermutung einer günstigen Prognose widerlegen
könnten. Demgemäss sind die Voraussetzungen für die Gewährung des beding-
ten Vollzuges erfüllt, und die Probezeit ist auf das gesetzliche Minimum von zwei
Jahren festzusetzen (Art. 42 Abs. 1 StGB und Art. 44 StGB).
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VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Untersuchung und erstinstanzliches Verfahren
1.1. Die Kritik der Verteidigung ist unbegründet, wonach es die Vorinstanz ver-
säumt habe einen formellen Freispruch in Bezug auf den Vorwurf des Angriffs
auszufällen, und die Kosten deshalb zumindest teilweise auf die Staatskasse hät-
ten genommen werden müssen (Urk. 65 S. 8). Eine anteilsmässige Kostenauf-
erlegung ist nur bei einem Teilfreispruch und lediglich dann zu prüfen, wenn die
genannten Tatvorwürfe nicht in einem engen und direkten Zusammenhang stehen
würden. Legt das Gericht dem Urteil einen anderen als den zur Anklage gebrach-
ten Straftatbestand zugrunde oder führt bei einer Eventualanklage die eine Vari-
ante nicht zur Verurteilung, hat jedoch kein Freispruch zu erfolgen. Damit entfällt
auch vorliegend eine anteilsmässige Kostenverlegung (BSK StPO-DOMEISEN,
2. Aufl. 2014, Art. 426 N 6). Die Kosten der Untersuchung und des erstinstanz-
lichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, sind
deshalb dem Beschuldigten aufzuerlegen (Art. 426 StPO). Die Verteidigerkosten
sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, unter dem Vorbehalt der
Rückforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
1.2. Soweit die Vorinstanz jedoch die Genugtuungsansprüche des Beschuldig-
ten mit der Kostenauflage verrechnet hat, ist mit der Verteidigung darauf hinzu-
weisen, dass Genugtuungsansprüche höchstpersönlicher Natur sind und nicht mit
Verfahrenskosten verrechnet werden können (vgl. Urk. 65 S. 9). Diesbezüglich ist
das erstinstanzliche Kostendispositiv entsprechend anzupassen.
1.3. Die Verteidigung moniert weiter, die dem Privatkläger B._ zuge-
sprochene Entschädigung für die Kosten seines Rechtsvertreters würden den
Rahmen des Notwendigen im Sinne von Art. 433 Abs. 1 StPO übersteigen
(Urk. 65 S. 8 f.). Die konkret zugesprochene Entschädigung bemängelt die Ver-
teidigung jedoch, ohne ihre generelle Rüge auch nur ansatzweise zu begründen.
Damit ist sie ihren Rügepflichten nur ungenügend nachgekommen. Es wäre vor-
liegend Sache des Beschuldigten respektive der Verteidigung gewesen, darzu-
legen, inwiefern die geltend gemachten Aufwendungen des Privatklägervertreters
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den Rahmen des Notwendigen tatsächlich überstiegen haben. In Anbetracht der
Dauer des Verfahrens und der Aufwendungen erscheint die Entschädigung mit
der Vorinstanz denn auch als angemessen. Das erstinstanzliche Entschä-
digungsdispositiv (Ziff. 10) ist somit zu bestätigen.
2. Berufungsverfahren
2.1. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr ist auf Fr. 3'000.– festzusetzen. Die
Kosten für das Berufungserfahren sind dem Beschuldigten ausgangsgemäss
ebenfalls aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ausgenommen davon sind die
Kosten der amtlichen Verteidigung, welche einstweilen auf die Gerichtskasse zu
nehmen sind, unter dem Vorbehalt einer Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO.
2.2. Die mit Honorarnote vom 28. Mai 2020 geltend gemachten Aufwendungen
der amtlichen Verteidigung im Umfang von Fr. 3'205.– (inkl. MwSt.) sind ausge-
wiesen und angemessen (Urk. 62). Darüber hinaus sind die Aufwendungen im
Zusammenhang mit der heutigen Berufungsverhandlung (4 Stunden) samt Weg-
entschädigung (1 Stunde) und Nachbesprechung (1 Stunde) zuzüglich MwSt. zu
vergüten. Es rechtfertigt sich deshalb, dem amtlichen Verteidiger, Rechtsanwalt
lic. iur. X._, gesamthaft und pauschal eine Entschädigung von Fr. 4'600.–
(inkl. MwSt.) zuzusprechen.