# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** a11c0e48-ef94-5de2-86e1-552b420cac33
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1957, war
von 1999
bis 2005 vollzeitig erwerbs
tätig
(
vgl. Urk.
7/
10 und
Urk.
7/
74
). Seit dem
6.
Juli 2006 war die Versicherte bei der
Y._
AG als Reinigungshilfe in einem 45%-Pensum angestellt (
Urk.
7/11)
, wobei sie jeweils von 04.00 bis 08.00 Uhr arbeitete (
Urk.
7/
33
/
27
)
. Am 27.
Dezember 2010 rutschte die Versicherte auf dem Eis aus und stürzte, wo
bei sie sich
Verletzungen im Kopfbereich
zuzog (
vgl. Unfallmeldung vom 29. Dezember 2010;
Urk.
7/14/51).
Am 3
0.
März 2011 (Eingangsdatum) meldete sich die Versicherte bei der Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, unter Hinweis auf ein
e
Hirn
verletzung in
folge des Sturzes vom 2
7.
Dezember 2010 zum Bezug von Leistun
gen der Invalidenversicherung an (
Urk.
7/2). Die IV-Stelle klärte die erwerblichen und medizinischen Verhältnisse ab und zog wiederholt die Akten der Unfallver
sicherung (
Urk.
7/8,
Urk.
7/14,
Urk.
7
/24,
Urk.
7/28,
Urk.
7/33, Urk.
7/36,
Urk.
7/39,
Urk.
7/72,
Urk.
7/76 und
Urk.
7/82) bei, holte Berichte der behandeln
den Ärzte (
Urk.
7/9,
Urk.
7/68 und
Urk.
7/85) sowie einen Auszug aus dem Indi
viduellen Konto der Versicherten (IK-Auszug,
Urk.
7/46) ein und ersuchte die Arbeitgeberin um Auskünfte (Arbeitgeberb
ericht vom 1
2.
April 2011, Urk.
7/11).
Die IV-Stelle führte
im November 2011 eine
Haushal
t
sabklärung durch, welche
im Haushaltsbereich einen
un
gewichteten
Invaliditätsgrad von
30
%
ergab
(Urk. 7/47)
.
Zu diesen Akten nahmen der
Regionale Ärztliche Dienst
(RAD) am
2
0.
August 2012
sowie am
2
4.
April 2013
Stellung (
Urk.
7/49
/7-8
). Mit Vorbe
scheid vom 24.
November 2014 stellte die IV-Stelle der Versicherten die Ausrich
tung einer
halben
Invalidenrente ab
1.
Dezember 2011
befristet
bis zum 31.
Oktober 2012 in Aussicht (
Urk.
7/53). Dagegen erhob die Versicherte mit Schreiben vom
9.
Januar 2015 sowie ergänzend am 3
0.
Juni 2015, 1
4.
Deze
mber 2015,
1
7.
Mai 2016
und 23. August 2016
Einwand (
Urk.
7/60,
Urk.
7/70, Urk.
7/
75,
Urk.
7/81 und Urk. 7/87
). Nach weiteren medizinischen Abklärungen sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Verfügung vom 1
8.
Januar 2017 eine
befri
stete ganze Invalidenrente ab
1.
Dezember 2011 bis zum 3
1.
Oktober 2012 zu
(
Urk.
2).
2.
Die Unfallversicherung ihrerseits hatte die Leistungen per 3
1.
Juli 2012 einge
stellt, wobei die Kosten für die Behandlung bzw. Kontrolle des epileptischen Leidens davon ausgenommen waren (Verfügung vom 1
5.
März 2013,
Urk.
7/36/2-6). Die gegen die Einstellung der Unfallversicherung
sleitungen
erhobene Be
schwerde vom 2
7.
Oktober
2014 (
Urk.
7/76) wies das hiesige Gericht mit Urteil UV.2014.00249 vom 2
5.
April 2016 ab (
Urk.
7/82).
3.
Mit Eingabe vom 2
1.
Februar 2017 erhob die Versicherte Beschwerde (
Urk.
1)
ge
gen den Entscheid der IV-Stelle
und beantragte, es sei die angefochtene Verfü
gung vom 1
8.
Januar 2017 aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu ver
pflichten, ihr über den 3
1.
Oktober 2012 hinaus eine zeitlich unbefristete ganze Invalidenrente auszurichten.
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerde
antwort vom 3
1.
März 2017 (Urk.
6) auf Abweisung der Beschwerde. Mit Verfügung vom
3.
April 2017 wurde der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort zugestellt (
Urk.
8).
4.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Sie kann Folge von Geburtsgebre
chen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
Bundesgesetz über
die Invaliden
versicherung [IVG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu
mut
barer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Ver
lust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Er
werbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die rückwirkend ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Reduktion abgestufte Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der Leistung und andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung (BGE 125 V 413 E. 2d; Urteil des Bundesgerichts 8C_780/2007 vom 27. August 2008 E. 2.3; vgl. Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage 2014,
Rz
11 zu Art. 30–31 IVG). Rechtsprechungsgemäss bildet eine solche Ver
fügung insgesamt den Anfechtungs- und Streitgegenstand und unter
liegt integral der gerichtlichen Prüfung, selbst wenn nur einzelne Punkte davon bestritten sind (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.2, 125 V 413 E. 2d; vgl. Urteile des Bun
desgerichts 8C_440/2017 vom 25. Juni 2018 E. 5.1 [in BGE 144 V 153 nicht pu
bliziert] und 9C_50/2011 vom 25. Mai 2011 E. 2.1).
Nach der Rechtsprechung sind bei rückwirkender Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente die für die Rentenrevision geltenden Bestimmun
gen (Art. 17 ATSG in Verbindung mit Art. 88a IVV) analog anzuwenden (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_399/2016 vom 18. Januar 2017 E. 4.8.1). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Än
derung der tatsächlichen Verhältnisse eingetreten und damit der für die Abstu
fung oder Befristung erforderliche Revisionsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts im Zeitpunkt des Rentenbeginns mit demjeni
gen im – nach Massgabe des analog anwendbaren Art. 88a Abs. 1 IVV festzu
set
zenden – Zeitpunkt der Anspruchsänderung (vgl. BGE 125 V 413 E. 2d mit Hin
weisen; vgl. statt vieler: Urteile des Bundesgerichts 8C_375/2017 vom 25. August 2017 E. 2.2 und 8C_350/2013 vom 5. Juli 2013 E. 2.2 mit Hinweis).
1.
4
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa
rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestell
ten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen be
ruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychi
schen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Aus
einandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfol
gerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deut
lich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) vom 1
8.
Januar 2017 hielt die Be
schwerdegegnerin fest, die medizinischen Abklärungen hätten ergeben, dass ab
August 2012
von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit sowohl in der ange
stammten Tätigkeit als Raumpflegerin als auch in jeglicher angepassten Tätigkeit ausgegan
gen werden könne. Der durchgeführte Einkommensvergleich erg
ebe
keine Er
werbseinbusse, mithin
sei
kein Invaliditätsgrad gegeben. Aus den Arztberichten der behandelnden Psychiaterin seien unfallfremde Leiden mit Krankheitswert nicht ausreichend belegt
, da insbesondere der Mediainfarkt links im April 1998 keinen Gesundheitsschaden im Sinne einer psychiatrischen Störung mit dadurch bedingter Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit zur Folge gehabt habe respektive dies durch Arztberichte und andere Informationen nicht hinreichend belegt sei. Die
neuropsychologischen Störungen hätten sich in einschränkender Weise auf den Beruf oder Alltag der Beschwerdeführerin auswirken müssen, was jedoch nicht belegt
sei
. Die blosse Tatsache, dass ein Mediainfarkt links mit neuro
psy
chologischen Störungen ei
n
hergehen könne, reiche nicht aus, um diese glaubhaft machen zu können. Die hier vorliegenden Indikatoren würden gegen die Tatsache sprechen, dass vor dem Schädel-Hirn-Trauma im Dezember 2010 relevante neu
ropsychologische Störungen vorgelegen
hätten
. Zudem würden die beschriebenen Symptome im Sinne einer
Halluzinose
nicht zum Beschwerdebild eines Mediain
farkts links passen. Beim Schädel-Hirn-Trauma im Dezember 2010 sei es hinge
gen zu schweren Läsionen im Bereich des Frontalhirns gekommen, welche die genannten Verhaltensstörungen ausreichend zu erklären vermögen.
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführe
rin in ihrer Beschwerde vom 21.
Februar 2017 (
Urk.
1) zusammengefasst geltend, die Beschwerdegegnerin sei nicht an den Entscheid der Unfallversicherung gebunden und habe über den Leis
tungsanspruch der Beschwerdeführerin selbständig zu befinden.
Sodann
sei
das hiesige Gericht im Urteil vom 2
5.
April 2016 (UV.2014.00249) zum Schluss ge
lang
t
, dass der UVG-Versicherer für die Folgen der psychischen Beein
trächtigung nicht einzustehen habe
, weil der natürliche Kausalzusammenhang zum Unfall nicht nachgewiesen sei. Dabei habe sich das Gericht auf das Zusatz
gutachten vom Januar 2013 gestützt, in welchem der von der behandelnden Psychiaterin be
schriebene psychische Gesundheitsschaden nicht in Frage gestellt werde. Aus den Arztberichten der behandelnden Psychiaterin gehe hervor, dass d
ie Beschwerde
führerin an einer organischen depressiven Störung (F06.32), einer organischen
Halluzinose
(F06.0) sowie an einer nicht näher bezeichneten organischen
Persön
lichkeits
- und Verhaltensstörung (F07
.9)
leide,
weshalb sie auch in einer leidens
angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig sei. Eine Verbesserung des Ge
sundheitszustandes sei per Ende Juli 2012 nicht nach
gewiesen. Vielmehr sei die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin bereits vor dem Unfall a
m 27.
Dezember 2010 aus gesundheitlichen Gründen beeinträchtigt gewesen,
was im Übrigen auch von den Gutachtern bestätigt werde und
sich
schliesslich
auch in der Reduktion des Beschäftigungsgrads
per Ende 2004
zeige.
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin über den 3
1.
Oktober 2012 hinaus Anspruch auf eine ganze Invalidenrente hat.
3.
3.1
Im
Kurzbericht des Stadtspitals
Z._
über die notfallmässige Erstbe
handlung vom 2
7.
Dezember 2010 (
Urk.
7/14/61
) wurde festgehalten, die
Beschwerde
führerin
sei auf dem Heimweg
von der Arbeit
gestürzt und
dann
auf die Notfallstation gebracht
worden
.
Es wurden die Diagnosen eines schweren Schä
del-Hirn-Traumas mit/bei frontaler
parenchymale
Kontusionsblutung rechts und links sowie Epilepsie mit einfachen und komplex-fokalen Anfällen bei Status nach Status non-
convulsivus
gestellt.
Die Beschwerdeführerin sei
ins
A._
überwiesen worden, wo sie operiert worden sei
(Einlage einer Hirndrucksonde; vgl. Bericht des
A._
vom 20. Januar 2011;
Urk.
7/8/42-44). Am 2
0.
Januar 2011 sei die Beschwerdeführerin in die Rehaklinik
B._
verlegt worden (vgl. Berichte der Rehaklinik
B._
vom 3.
Februar 2011 [Urk.
7/14/59], 1. März 2011 [Urk. 7/14/54], 12. April 2011 [Urk. 7/14/52]), wo man sie in ein multimodales Therapieprogramm mit Physio
therapie, Ergotherapie und Neuropsychologie integriert habe (Urk. 7/14/59).
Nach anfänglichen Fort
schritten sei es zu einer Stagnation vor dem Hintergrund einer Ver
schlechterung des psychischen Zustandsbildes ge
kommen. Die Beschwerde
führerin habe zuneh
mend in depressiver Stimmungs
lage mit ausgeprägten Insuffizienzgefühlen, Ver
unsicherung, Antriebsminderung und Affektlabilität
imponiert
. Zudem sei
en
eine formal
gedankliche Einengung auf Minderwertig
keitsgefühle und Perseverations
tendenzen aufgefallen. Nach
wei
teren Hirn
leistungs
testungen diagnostizierten die behandelnden Ärzte erheb
liche kognitive Defizite (Aufmerksamkeit, exekutiv, Gedächtnis, konstruktiv) und Verhaltens
auffälligkeiten (reduzierter Antrieb, ver
langsamtes Arbeitstempo, re
duzierte Auffassungsgabe, passiv-abwartende Hal
tung, reduzierter Affektaus
druck, In
differenz; vgl.
Urk.
7/14/54). Am 1
9.
Mai 2011 wurde die Beschwerde
führerin aus der Rehaklinik
B._
entlassen (vgl. Austrittsbericht der Reha
klinik
B._
vom 2
3.
Mai 2011;
Urk.
7/15) und an
schliessend an das
C._
über
wiesen, wo die Diagnose einer organischen Persönlichkeits- und Verhaltensstö
rung (ICD-10: F07.8) gestellt wurde (vgl. Bericht des
C._
vom 4. Juli 2011;
Urk.
7/24/23
)
. Die behandelnde Neuro
psychologin wies darauf hin, dass einge
schränkte Aufmerksamkeits
funktionen, ein reduziertes visuell-räumliches Arbeits
gedächtnis,
dysexekutive
Probleme (redu
zierte gedankliche Flexibilität) sowie verminderte
visuokonstruktive
Funktionen im Vordergrund stehen würden. Hin
sicht
lich der Weiterführung der beruflichen Wiedereingliederung führte sie aus, es sei davon auszugehen, dass die psycho
physische Belastbarkeit über mehrere Stun
den reduziert sei. Eine Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit zu einem späteren Zeitpunkt könne aber in Erwägung gezogen werden, wobei zu beachten sei, dass Schichtarbeit (Nachtarbeit) für den Organismus eine zusätzliche Belastung dar
stelle, sodass möglicherweise andere
Arbeitszeiten oder vermehrte Pausen notwen
dig seien. Momentan sei die Beschwerdeführerin jedoch vollständig arbeitsunfähig.
Im Zusammenhang mit der
nach ischämischem Hirninfarkt im Jahr 1998
vor
be
stehenden symptomatischen Epilepsie (EM 1998) wurden
am
A._
, Klinik für Neu
rologie, mehrere Verlaufs
kontrolle
n
durchgeführt, wobei bei mutmasslich anfalls
freiem Verlauf seit
Anfang
2011 und guter Verträglichkeit die Fortsetzung der antikonvulsiven Medikation empfohlen wurde (vgl. Berichte des
A._
vom
7.
Oktober 2013 [Urk. 7/37/16f.]
, vom
7.
Oktober 2014 [Urk.
7/68/17-19], 7.
Oktober 2015 [
Urk.
7/85/7-9]).
3.2
Seit Anfang Oktober 2011 war die Beschwerdeführerin bei Dr. med.
D._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, in Behandlung. Diese berichtete in ihrem Arztbericht vom 1
9.
März 2012 (
Urk.
7/59),
die
Beschwerde
füh
rerin
habe bei Behandlungsbeginn
ein mittelgradiges bis schweres depressives Zu
standsbild
gezeigt
. Ferner präsentiere sich eine leichte Bewusstseins
einengung (ver
minderte Ansprechbarkeit auf Aussenreize), Auffassungs-,
Kon
zentrations
- sowie Merkfähigkeits- und Gedächtnisstörungen. Im formalen Denken sei sie ver
lang
samt sowie teilweise umständlich und gehemmt. Ausserdem habe die Beschwerde
führerin von Gedankengrübeln, hypochondrischen Ängsten, olfaktor
i
schen und akustischen Halluzinationen berichte
t
. Dr.
D._
gab weiter an, die Beschwerde
führerin sei im Affekt ratlos, deprimiert, ängstlich. Phasenweise
dys
phorisch
und innerlich unruhig, was besonders durch eine schwere Ein- und Durchschlafstörung verstärkt werde. Es würden Insuffizienzgefühle, Affektlabilität, Müdigkeit und ra
sche Erschöpfbarkeit bestehen. Aus somatischer Sicht sei ein un
sicherer Gang, Be
wegungseinschränkungen des linken Arms sowie Schmerzen in der linken Schulter und im Arm zu erwähnen. Die Beschwerdeführerin sei in den Bewegungsabläufen generell verlangsamt und habe starken Juckreiz am ganzen Körper (Verdacht auf Medikamentenunverträglichkeit). Ausserdem leide sie an dauernd vorhandenen Kopfschmerzen. Aufgrund der gestellten Befunde diagnos
ti
zierte
Dr.
D._
eine organische depressive Störung (ICD-10: F06.32), organische
Halluzinose
(ICD-10: F06.0), nicht näher bezeichnete organische Persönlichkeits- und Verhaltensstörung (ICD-10: F07.9), Schulterverletzung links, wobei sich die Schmerzen nach einem Sturz im September 2011 akzentuiert hätten, sowie eine arterielle Hypertonie,
Dys
lipidämie
und Adipositas. Sie attestierte der Beschwerde
führerin
eine Arbeitsunfä
higkeit von 100 %. Eine Heilung gebe es nicht. Die kog
nitiven Einschränkungen seien massiv und organisch begründet. Sie empfahl
der Beschwerdeführerin ne
ben einer psychiatrischen Therapie eine Ergotherapie so
wie eine weiterführende Neurorehabilitation.
3.
3
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtene
n
Rentenverfügung vom 1
8.
Januar 2017 (
Urk.
2) im Wesentlichen auf das durch die
Unfallversicherung eingeholte interdisziplinäre Gutachten der
E._
Klini
k vom 1
6.
Juli 2012 (
Urk.
7/33).
Die Untersuchungen fanden am 2
5.
April und 2
3.
Mai 2012 statt.
3.
3
.1
Die
begutachtenden Ärzte der
E._
Klinik
, Prof.
Dr.
med.
F._
, Psychiatrie und Psychotherapie, und
Dr.
med.
G._
, Neurologie hielten fol
gende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbe
itsfähigkeit fest (Urk. 7/33/
4
3
):
-
Unfall vom 2
7.
Dezember 2010 mit/bei:
-
traumatischer Hirnverletzung mit rechts- und basalbetonter frontaler Hirnblutung
-
MRI vom November 2011 mit relativ geringen Residuen im frontalen Marklager rechtsbetont mit kortikal im
Gyrus
rectus
und
orbitalis
rechts
-
nachfolgend non-konvulsiver Status
epilepticus
-
Wahrscheinlich symptomatische Epilepsie mit/bei:
-
Status nach Mediainfarkt links 04/1998
-
einfache- und komplex fokale Anfälle seit 1998, anam
n
estisch aktuell wenig aktiv
-
semiologisch wahrscheinlich Sprachstörung und Armparese rechts
-
Status nach non-konvulsivem Status
epileptici
12/2008 und 12/2010
-
Neuropsychologische Defizite mittelschweren Grades
-
m
ultifaktoriell bedingt
-
n
ur zu einem geringen Teil auf die traumatische Hirnverletzung vom 27. Dezember 2010 zurückzuführen
-
Verdacht auf intermittierend auftretende gemischte affektive Störung, dif
ferentialdiagnostisch hirnorganisch bedingte affektive Störung.
Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit seien:
-
Status nach Carpaltunnelspaltung beidseits 2005
-
aktuell klinisch nicht aktiv
-
Kopfschmerzen am ehesten vom Spannungstyp.
3.3
.2
Dr.
G._
konstatierte,
in den aktuellen Befunden müsse bei nach wie vor vorhan
dener Adipositas ein, bis auf gewisse Mundastschwäche rechts, normaler Neuro
statu
s festgehalten werden. Insbeson
dere lasse sich keine Riechstörung nachwei
sen
(
Urk.
7/33/
40)
.
Die verhaltensneurologische und neuropsycho
logische Unter
suchung zeige mässige Aufmerksamkeits- und Konzentrations
probleme, Defizite im figural-
räumlichen Bereich mit hier Tendenz zur Konfabulation und auch mnestischen Defiziten, einer grenzwertigen Abruf
leistung für verbale Inhalte, einer erhöhten Interferenzanfälligkeit und ein figural betontes
Dysexekutivsyn
drom
. Im Verhalten der Beschwerdeführerin falle ausserdem eine gewisse An
triebsminderung und Affektverflachung auf mit erhöhtem Rededrang
,
aber ohne imponierende massgebende neuropsychiatrische Auffälligkeiten. Insbesondere habe sich kein klassisches Frontalhirnsyndrom gezeigt.
Dr.
G._
führte weiter aus, ein nicht unerheblicher Teil dieser Befunde müsse der relativ niedrigen Bildung und dem Nichtgebrauch von Fähigkeiten attribuiert werden. Zudem müsse die Epilepsie, die Medikation und der Status nach traumatischer Hirnverletzung im Dezember 2010 beachtet werden. Bildungsadaptiert würden die Befunde einer knapp mittelschweren kognitiven Störung entsprechen
(Urk. 7/33/
31)
.
3.
3
.3
Prof.
Dr.
F._
hielt im Rahmen der psychiatrischen Untersuchung fest, die Beschwerdeführerin sei während der Exploration im Gespräch aktiv, nicht in
trusiv und im Gedankengang durchaus beschleunigt. Sie wirke wach, stets bei klarem Bewusstsein und in ihrer Aufmerksamkeit nicht relevant beeinträchtigt. Ihre Intelligenz sei knapp durchschnittlich. Während der Untersuchung zeige sich die Beschwerdeführerin sehr einfach strukturiert und offensichtlich nicht in der Lage ganz zu reflektieren. Allerdings habe sie zwischendurch mit einem necki
schen, zum Teil zynischen Lächeln und Bemerkungen überrascht. Dies deute darauf hin, dass sie durchaus in der Lage sei, auch die Metaphern in der Frage
stel
lung richtig zu interpretieren. Ebenso seien die Antworten teilweise als «tief
sin
nig» zu bezeichnen, was angesichts des Gesamteindrucks sehr überrasche. Die Stimmung wirke während der Untersuchung nicht beeinträchtigt. Dies kontras
tiere mit den Angaben der Beschwerdeführerin, wonach sie depressiv sei. Hin
weise auf relevante Beeinträchtigungen des formalen Denkens würden sich nicht zeigen. Das Denken sei allerdings auch nicht beschleunigt. Im inhaltlichen Den
ken seien keine Auffälligkeiten feststellbar. Weiter habe die Beschwerde
führerin im Rahmen der Exploration keine Wahrnehmungsstörungen angegeben (insbe
sondere keine Geruchswahrnehmungsbeeinträchtigungen). Ebenso wenig seien Ich-Störungen im Sinne der
Derealisation
, Depersonalisation und sonstiger Fremdbeeinflussungserlebnisse vorhanden. Der Antrieb sei nicht reduziert, die Psychomotorik lebhaft und die Beschwerdeführerin habe auch nicht über Er
schöpfung oder Ermüdungserscheinungen geklagt. Insgesamt sei das Verhalten adäquat. Ein offensichtliches affektives Syndrom (im Sinne eines depressiven oder Angstsyndroms)
sei n
icht nachzuweisen (
Urk.
7/33/
32-33). Hinweise auf ein umschriebenes psychopathologisches Syndrom seien keine zu finden. Die Aus
führungen der Beschwerdeführerin könnten auf eine intermittierend auftretende Affektstörung mit gemischter Beeinträchtigung von Gefühlen hindeuten, wobei diesbezüglich darauf hinzuweisen sei, dass von der be
handelnden Institution (
C._
) keine affektive Problematik diagnostiziert worden sei. Somit könne nur der Verdacht auf eine Affektstörung
geäussert werden
. Inwiefern die vom
C._
im Juli 2011 festgehaltene Diagnose einer organischen
Persön
lichkeits
- und Verhal
tensstörung aufrechterhalten werden könne, könne anhand der verfügbaren Informationen mit fehlenden konkreten Hinweisen auf prä
traumatische Verhal
tens
weisen nicht beurteilt werden. Diesbezüglich seien keine Vergleiche mit dem prät
raumatischen Zustand der Beschwerdeführerin möglich. Es sei jedoch darauf hin
zuweisen, dass die Diagnose durch das
C._
nicht wiederholt worden sei
(
Urk.
7/33/
40
-41
).
3.
3
.4
Im Rahmen der interdisziplinären Konsensbesprechung hielten die begut
achten
den Ärzte sodann fest, die psychische Problematik stehe im Vordergrund des Be
schwerdebildes. Es würden zwar somatische Diagnosen (vorbestehende Epilepsie sowie Schädel-Hirn-Trauma) gestellt werden, die Auswirkungen würden sich aber primär im psychischen (insbesondere kognitiven) Bereic
h manifestieren (
Urk.
7/33/
63).
In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit äusserten die Gutachter, beim Unfall vom 27. Dezember 2010 habe die Beschwerdeführerin keine Verletzungen erlitten, welche sich auf die körperliche Funktionsfähigkeit
auswirken würden. Als Folge des Unfalls seien psychische und in erster Linie kognitive Funktions
störungen aufgetreten bzw. es habe eine Verschlechterung der vorbestehenden kognitiven Leistungsfähigkeit stattgefunden. Bei Tätigkeiten vom Typus
der
von der Be
schwerdeführerin seit Jahren ausgeübt
en
würde sich dies jedoch nicht im Sinne einer Beeinträchtigung manifestieren. Zu beachten sei aber, dass sich die Epilepsie aufgrund der traumatisch erworbenen Hirnschädigungen unter Umständen ver
schlechtern
könne, was die Notwendig
keit einer Neubemessung der Arbeitsfähig
ke
it bedingen könne (
Urk.
7/33/
64).
Im Rahmen der Beantwortung der invalidenversicherungsrechtlichen Zusatz
fra
gen äusserten die begutachtenden Ärzte, dass davon auszugehen sei, dass bei der Beschwerdeführerin bereits vor dem Unfall vom 2
7.
Dezember 2010, genauer seit dem Mediainfarkt links im April 1998, neuropsychologische Defizite leichten bis mittelschweren Grades ausgewiesen waren.
Mithin müsse angenommen wer
den, dass
die Arbeitsfähigkeit bereits vor dem Unfall wegen der vor
be
stehenden neu
ropsychologischen Defizite leichten bis mittelschweren Grades beeinträchtigt ge
wesen sei
. Für Tätigkeiten, die die Beschwerdeführerin vor dem Unfall ausgeübt habe, habe jedoch keine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit
bestanden (Urk.
7/33/
65
).
3.4
In der Ergänzung zum Gutachten der
E._
Klinik vom 29. Januar 2013 (Urk. 7/36/9-21) nahmen die Gutachter zum Bericht von
Dr.
D._
vom 19. März 2012 (Urk. 7/59, vgl. vorstehend
E. 3.
2
) Stellung. Sie führten im We
sentlichen aus, Dr.
D._
halte in ihrem Bericht
fest, die Beschwerdeführerin habe zu Beginn der Behandlung (5. September 2011)
ein «mittelgradiges bis schweres depressives Zustandsbild» aufgewiesen.
Diesbezüglich sei
dar
auf
hinzu
weisen, dass
im Bericht der Hausärztin v
om 2
6.
Oktober 2011 (anlässlich
der Kon
sultation vom 1
7.
August 2011) keine psychischen Beschwerden dokumentiert worden seien, sondern auf eine massive Verlangsamung hin
gewiesen worden sei.
Mithin hätte sich die psychische Problematik bis hin zum Beschwerdebild eines «mittel
gradigen
bis schweren depressiven Zustands
bildes
»
innerhalb von rund zwei Wochen ent
wickelt haben müssen (
Untersuchung bei der Hausärztin am 17. August 2011, Beginn der Behandlung bei der Psychiaterin am 5. September 2011
),
was die Assoziation auf eine Stimmungsschwankung wecke.
Diesbezüglich ist vorab anzumerken, dass die zeitliche Fixierung des Behandlungsbeginns bei
Dr.
D._
auf einem Missverständnis beruht. Kurz vor Therapiebeginn, am
5.
September 2011, erlitt die Beschwerdeführerin während den Ferien in Portugal einen Sturzunfall. Nach Angabe von
Dr.
D._
nahm sie die psychiatrische Be
handlung Anfang Oktober auf (vgl.
Urk.
7/59).
Des Weiteren ergänzten die Gutachter jedoch, hinsichtlich
der affektiven Proble
matik sei zudem auf den Bericht der Neurologischen Klinik des
A._
vom 8. Mai 2008
hinzuweisen, wo als «
Nebendiagnosen
»
nebst episodischen Span
nungskopf
schmer
zen eine anamnes
tisch erhärtete depressive Episode erwähnt worden sei. Schon damals (8. Mai 2008) sei eine installierte antidepressive Be
handlung do
ku
mentiert worden. Auch im Bericht vom 21. Dezember 2004 sei die Anam
nese mit depressiver Episode erhoben worden.
Die As
soziation, dass bei der Beschwer
deführerin eine Stimmungsschwankung vor
liege, sei begründet, da beispielsweise im Bericht vom 4. Juli 2011 des
C._
keine affektiven Prob
leme hervorgehoben worden seien. Der Hinweis auf eine Stimmungsschwan
kung ergebe sich auch aus einem weiteren Bericht des
C._
vom 16. September 2011, in welchem neben der allgemeinen Verlangsamung und
Dekonditionierung
, der verminderten Kon
zen
tra
tions
fähigkeit und der re
duzierten Krankheits
ver
arbeitung ausdrücklich auf eine emotionale
Instabilität der Beschwerde
führerin hingewiesen worden sei.
Alle diese aktenkundigen Fakten seien von Bedeutung hinsichtlich der Interpretation der affektiven Probleme
(Urk. 7/36/10f.)
.
Hinsichtlich der kognitiven Beeinträchtigung führten die Gutachter sodann aus (Urk. 7/36/12f.), der ischämische Infarkt im Versorgungsgebiet der
Arteria
cerebri
media
links im April 1998 könne durchaus eine hirnorganische Störung im ent
sprechenden Gebiet hinterlassen haben, die nicht zwingend mit einer bildgeben
den Untersuchung erfasst werden könne. Der Media-Infarkt könne hin
gegen durchaus ein Teilgrund der dokumentierten neurokognitiven und psychischen Störungen sein, wie auch die später diagnostizierte Epilepsie, ins
be
sondere da sie maligne Qualitäten aufweise (stattgehabter Status
epilepticus
). Zusätzlich gelte es, die eingesetzte Medikation zu berücksichtigen, die zwar wegen der Epilepsie nötig sei, jedoch zu diversen psycho-kognitiven Störungen beitragen könne. Auch alle anderen bei der Beschwerdeführerin bereits vor dem Unfall vom 27. Dezember 2010 dokumentierten neuropsychologischen Defizite könnten da
rauf zurückgeführt werden, zumal im Verlauf der Jahre eine nega
tive Wechsel
wirkung der verschiedenen Beschwerden keinesfalls ausgeschlossen sei. Es müsse aufgrund der Aktenlage angenommen werden, dass bei der Be
schwerdeführerin schon vor dem Unfall vom 27. Dezember 2010 eine hirnor
ganische Störung be
standen habe. Die bescheidene schulische Bildung der Beschwerdeführerin werfe ebenfalls Fragen auf betreffend die Grundlagen der
prämorbiden kognitiven Leis
tungsfähigkeit sowohl vor dem ischämischen In
farkt
als auch vor dem Unfall vom 27. Dezember 2010.
3.
5
Dr.
D._
hielt
mit Arztberichten vom 2
5.
August 2014 (
Urk.
7/58) sowie vom 2
0.
April 2015 (
Urk.
7/68)
an ihren im März 2012 (vgl. E. 3.2) gestellten Diagno
sen fest und
führte aus, die Beschwerdeführerin sei auf die Vorstellung fixiert, einen Tumor in ihrem Rachenbereich zu haben. In einer entsprechenden Unter
suchung am
A._
, Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie, konnte die Ursache dieses Fremdkörpergefühls weder anamnestisch noch klinisch eruiert werden, sodass die Ärzte am
A._
von einem Globus
pharyngeus
ausgingen (vgl. Bericht des
A._
vom 1
1.
Juni 201
4
, Urk. 7/68/20). Zu diesem Leiden würden massive Beinbeschwerden hinzukommen, die die Beschwerdeführerin beim Ge
hen ein
schränken würden. Diesbezüglich verwies Dr.
D._
auf den beiliegen
den Arztbericht vom
H._
(vgl. Bericht vom 2
1.
Januar 2013,
Urk.
7/68/15f.), aus welchem sich ergab, dass die von der Beschwerdeführerin empfundenen Beschwerden am rechten Bein auf die primäre Stamm- und Seitenastinsuffizienz der
Vena
saphena
magna
zurückzu
führen seien. Der behandelnde Arzt empfahl, die Beschwerden mittels eines Un
ter
schenkel
kompressionsstrumpfes der Klasse II zu behandeln. Dr.
D._
er
wähnte überdies, dass die Beschwerdeführerin in den Therapiestunden schon suizidale Gedanken geäussert habe. Des Weiteren sei sie motivationslos, habe keine Lebens
freude und fühle sich sozial isoliert, da auch ihre Familie mit der Situation überfordert sei.
3.
6
Zu den gesamten
Vorakten
nahm RAD-Arzt med.
pract
.
I._
, Facharzt für Neurologie FMH, am 1
9.
Oktober 2016 Stellung (
Urk.
7/89 S. 7f.). Dieser führte aus, die blosse Tatsache, dass ein Mediainfarkt links mit neuropsychologi
schen Störungen einhergehen könne, reiche nicht aus, um diese glaubhaft zu ma
chen. Es komme nicht bei jedem Schleudertrauma zu einem andauernden Gesund
heits
schaden. Die vorliegenden Indikatoren würden gegen die Tatsache spre
chen, dass vor dem Schädel-Hirn-Trauma im Dezember 2010 bereits relevante neuropsycho
logische Störungen vorgelegen hätten. Zudem würden die beschrie
benen Symptome im Sinne einer
Halluzinose
nicht zum Beschwerdebild eines links
seitigen Mediainfarkts passen. Die infolge des Schädel-Hirn-Traumas schwe
ren Läsionen im Bereich des Frontalhirns würden die genannten Verhaltensstö
rungen ausreichen
d
zu erklären vermögen.
4.
4.
1
Das Gutachten der
E._
Klinik vom 16. Juli 2012 sowie dessen Ergänzung vom 29. Januar 2013 vermögen die an eine beweiskräftige ärztliche Expertise gestellten Anforderungen vollumfänglich zu erfüllen (
vgl. vorstehend
E. 1.3
).
So tätigten die Gutachter
sorgfäl
tige, umfassende Abklärungen,
untersuchten die Be
schwerde
führerin profund,
berücksich
tig
ten
die ge
klagten Beschwerden und begründeten ihre Einschätzung in nachvoll
zieh
ba
rer Weise sowie in Auseinan
der
setzung mit den
Vorakten
. Sie
beantworteten in schlüssiger Weise die
invali
den
ver
sicherungs
spezifischen Zusatzfragen
der Beschwerdegegnerin,
setzten sich ein
gehend mit dem bei der Beschwerdeführerin bereits vor dem Unfall vom 27. Dezember 2010 be
stehenden krankhaften Vorzustand auseinander und be
gründeten ihre Einschät
zung anschaulich, gut verständlich und detailliert.
Damit erfüllt das Gutachten sämtliche Kriterien, denen ein beweistaugliches Gutachten zu genügen hat. Es ist daher eine zuverlässige Beurteilungsgrundlage.
4.2
4.
2.1
Aus den medizinischen Akten ergibt sich, dass
sich bei der
Beschwerdeführerin
ver
mutlich bereits
nach einem ischämischen Hirninfarkt im Jahr 1998
neuro
psy
chologische Defizite leichten bis mittelschweren Grades manifestiert haben
(vgl. E. 3.3.4).
Hinsichtlich der seither bestehenden symptomatischen Epilepsie zeigt sich unter der antikonvulsiven Medikation seit
Anfang
2011 ein anfallsfreier Ver
lauf (vgl. E. 3.1 in
fine
).
Bei dem Unfall im Dezember 2010 zog sich die Beschwer
de
führerin ein Schädel-Hirn-Trauma zu und war in der Folge vollständig arbeits
unfähig
. Sie wurde
stationär behandelt, zuerst am
A._
, später in der Rehaklinik
B._
und
schliesslich
zur ambulanten Behandlung an das
C._
überwiesen, wo eine organische Persönlichkeits- und Verhaltensstörung (ICD-10: F07.8)
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
diagnostiziert wurde
.
Die Ärzte attestierten ihr eine vollständige Arbeitsunfähigkeit, wobei
sie
e
ine Wiederaufnahme der be
ruf
lichen Tätigkeit zu einem späteren Zeitpunkt
als
wahrscheinlich
erachteten
(vgl. E. 3.1). Spätestens seit der Begutachtung im Juli 2012
,
im Rahmen derer
bei der Beschwerde
führerin neben den somatischen Beschwerden (Epilepsie sowie Schädel-Hirn-Trauma)
auch eine
psychische (insbesondere kognitive) Problema
tik
festgestellt wurde
,
wird
die Beschwerdeführerin in ihrer bisherigen Tätigkeit wieder
als
arbeitsfähig
erachtet
(vgl. E.
3.3.4
).
Damit ist entgegen den Vorbringen der Beschwerdeführerin eine Verbesserung jedenfalls hinsichtlich der Auswirkun
gen ihrer Gesundheitsschäden auf die Arbeitsfähigkeit nachgewiesen, wobei die Gutachter den genauen Zeitpunkt nicht festlegen konnten und daher jedenfalls von einer Verbesserung im Zeitpunkt der Begutachtung auszugehen ist. Wenn die Beschwerdegegnerin dabei nicht auf den Zeitpunkt der gutachterlichen Untersu
chungen (April/Mai 2012), sondern auf das Datum der Verfassung des Gutachtens (Juli 2012) abstellte, ist dies nicht zu korrigieren.
4.
2.2
Soweit die Beschwerdeführerin auf die Einschätzung der behandelnden Psychi
a
terin
Dr.
D._
verwies, wonach die Beschwerdeführerin unter anderem an einer organisch
depressiven
Störung
(ICD-10: F06.32)
leide (vgl. E.
3.2
), ist dem entge
genzuhalten, dass
- wie die Gutachter darlegten -
die medizinische Aktenlage
betreffend
die affektive Pro
blema
tik auf Stimmungs
schwan
kungen hinweist (vgl. E. 3.4).
So berichtete
n
die
Ärzte der
Rehaklinik
B._
am 2
3.
Mai 2011 von einer verhal
tens
bezogenen Affektlabilität (
vgl.
Urk.
7/33/7 und
Urk.
7/33/9),
die Ärzte des
C._
am 16.
September 2011 von einer emotionalen Instabilität (vgl. Urk. 7/33/11),
wobei
sie im Bericht
4.
Juli 2011 noch keine affektiven Probleme hervor
ge
hob
en ha
ben
(vgl. Urk.
7/33/9).
Die Ärzte des
A._
hielt
en
am 21.
Dezember 2004 sowie am
8.
Mai 2008
neben den episodischen Spannungs
kopfschmerzen anamnestisch
eine
depressive Episode fest (vgl. Urk.7/33/13f.).
Die Hausärztin erwähnte am 2
6.
Oktober 2011 keine psychischen Beschwer
den (vgl.
Urk.
7/33/12).
Angesichts dessen, dass
Dr.
F._
im Rahmen seiner Begut
achtung explizit erwähnte, dass ein affektives Syndrom nicht nachzuweisen sei und nur ein Verdacht auf eine Affektstörung
geäussert
werden könne (vgl. E. 3.3.3), wobei eine
blosse
Verdachtsdiagnose
nur eine mögliche Gesundheits
störung impliziert, aber versicherungsmedizinisch keine
rechtsgenügliche
Grund
lage bilden kann, um mögliche Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu be
ur
teilen, ist eine
massgebliche
depressive Störung nicht in genügender Weise ausgewiesen.
Mithin ist
am ehesten
von einer Affektlabilität respektive einer Stimmungsschwankung auszugehen
und auf die Einschätzung der Gut
achter abzustellen
.
4.
2.3
Einig sind sich die
begutachtenden
Ärzte
sowie
Dr.
D._
darüber, dass die Be
schwerdeführerin neuro
psycho
logische Defizite
aufweist (vgl. E.
3.2 und E.
3.3.2)
, vermutlich seit dem ischämischen Hirninfarkt im Jahr 1998, wobei sich die prä
morbide kognitive Leistungsfähigkeit
der Beschwerdeführerin
nicht aus den Akten ergibt und unbekannt ist.
Im Rahmen der Begutachtung konnte die Beschwer
deführerin auch bezüglich ihrer kognitiven Leistungsfähigkeit nur wenig detail
lierte Angaben machen und habe im Wesentlichen auf eine (schwer zu differen
zierende) Vergesslichkeit hingewiesen (vgl.
Urk.
7/33/39f.).
Laut Gutachter war die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin seit 1998 be
ein
trächtigt, jedoch nicht für Tätigkeiten, die sie vor dem Unfall im
Dezember
2010 a
usgeübt hatte (vgl. E. 3.3.4
).
Entsprechend
ist davon auszugehen, dass si
ch die kognitive Beeinträchti
gung im angestammten Tätigkeitsbereich nicht (wesentlich) aus
wirkt
.
4.
2.4
Hinsichtlich des Fremdkörpergefühls im Rachen der Beschwerdeführerin ist von einem Globus
pharyngeus
auszugehen (vgl. E. 3.
5
). Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ist diesbezüglich nicht ausgewiesen.
Auch was die geltend ge
machten Bes
chwerden am Bewegungsapparat
betrifft, ergibt sich aus den Akten keine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit.
Die Beinbeschwerden können mittels Kompressionsstrumpf behoben werden (vgl. E. 3.
5
).
Weitere Verschlechterungen des gesundheitlichen Zustands seit der
Exploration
im
April/Mai 2012 sind keine bekannt.
Dr.
D._
nannte in ihrem Verlaufsbericht vom 2
5.
Juli 2016 (Urk. 7/85) dieselben Beeinträchtigungen wie bereits im März 2012 (vgl. E. 3.2; Urk. 7/59) oder im August 2014 (vgl. E. 3.
5
;
Urk.
7/58) und April 2015 (vgl. E. 3.
5
;
Urk.
7/68).
4.
3
Insgesamt ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin mindestens seit
dem
Zeitpunkt der Begutachtung im Juli 2012 in ihrer angestammten Tätigkeit wieder voll
stän
dig arbeitsfähig war.
Die von der Beschwerdegegnerin für den Zeitraum von Dezember 2010 bis Ende Oktober 2012 zugesprochene befristete
ganze Rente
ist nicht zu beanstanden
und im Übrigen auch nicht bestritten
.
5.
Die Beschwerdeführerin machte geltend,
es sei für die Bestimmung des
Validen
einkommens
auf die Tabellenlöhne
gemäss den vom Bundesamt für Statistik pe
riodisch herausgegebenen Lohn
strukturerhebungen
(LSE) abzustützen (vgl.
Urk.
1 S. 6). Vor dem Hintergrund, dass die Beschwerdeführerin
nur
über eine
beschei
dene schulische
Bildung
verfügt
, ist davon auszugehen, dass sie im Gesundheits
fall in einem 100%-Pensum einer Hilfs
tätigkeit nachgehen würde
, wobei
offen gelassen
werden kann,
aus welchen Gründen
die Beschwerde
führerin ihr Arbeits
pensum im Jahr 200
5
reduziert hatte. In den medizinischen Akten ist nicht
rechts
genüglich
dargelegt,
dass
die Beschwerde
führerin
im Jahr 2005
aus gesundheit
lichen Gründen
nicht mehr in der Lage war, ein Vollzeitpensum zu leisten
. Angesichts dessen, dass ihr ab Juli 2012 wieder eine vollständige Arbeitsfähigkeit im angestammten Tätig
keitsbereich
(wiederum eine Hilfs
tätigkeit)
zumutbar ist, ist davon auszugehen, dass die Beschwerde
führerin ein rentenausschliessendes Einkommen erzielen könnte. Selbst wenn
infolge
der diagnostizierten Stim
mungsschwankungen eine Leistungsminderung
von 25 %
berücksichtigt
werden würde, wäre die Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit zu 75 %
erwerbsfähig
, was nicht zu einem renten
begründenden Invaliditätsgrad führen würde.
Damit erweist sich die
Beschwerde als unbegründet und ist abzuweisen.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig v
om Streitwert festzulegen (Art.
69 Abs.
1
bis
IVG) und auf Fr. 7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie de
r
unterliegenden Beschwerdeführerin
aufzuerlegen.