# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 6806d5ed-deae-40bb-93d2-5efb6240619d
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1967
in Ungarn geborene X._
reiste
im Jahr 2000 in die Schweiz ein
. Am 8. Juli 2015 (Eingangsdatum) meldete
sie
sich wegen Schmerzen in der linken Hüfte, im Kreuzbein und der linken Schulter
, welche sich auf den ganzen Körper ausweiteten,
erst
mals bei der Sozialversicherungsan
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leis
tungsbezug an (
Urk.
7/6). Nach Abklärungen in beruf
lich-erwerblicher sowie medizinischer Hinsicht verneinte die IV-Stelle
nach Durchführung eines Einkommensvergleiches
mit Verfügung vom
4. Oktober 2017
einen Leistungs
anspruch (
Urk.
7/8
4).
1.2
Am
31. Mai 2019
(Eingangs
datum) meld
ete sich die
Versicherte unter Hinweis auf
eine Diskushernie,
eine
Arthrose und
psychische Probleme abermals bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/9
7). Die IV-Stelle klärte in der Folge den medi
zinischen Sachverhalt ab und gab
ein polydisziplinäres Gutachten beim
Y._
in Auftrag (Gutachten vom
22. Juli 2020
[
Urk.
7/152
])
.
Mit Vorbescheid vom 2. Oktober 2020 (
Urk.
7/169)
stellte sie die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht,
woraufhin die Versicherte Einwand erhob (
Urk.
7/179, 7/208)
. Eine am
8. Januar 2021
erlassene, leistungsablehnende Ver
fü
gung
(
Urk.
7/225)
hob die IV-Stelle a
m 12. Januar 2021 währ
e
nd laufender Beschwerdefrist wiedererwägungsweise auf (
Urk.
7/229).
Mit Verfügung vom 22. Januar 2021
verneinte die IV-Stelle
erneut
einen
Anspruch auf
IV-Leistungen
(
Urk.
2 =
Urk.
7/237).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 24. Februar 2021 Beschwerde beim Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich und beantragte, die Verfü
gung vom 22. Januar 2021 sei aufzuheben und die Angelegenheit zur Neu
be
urteilung an die IV-Stelle zurückzuweisen. Eventualiter sei ihr eine volle
(recte: ganze)
Invalidenrente der Invalidenversicherung zuzusprechen. In prozessualer Hinsicht stellte sie ein Gesuch um Durchführung einer öffentlichen Verhandlung und um unentgeltliche Prozess
führung und Rechtsvertretung (
Urk.
1 S. 2
f.
). Mit Beschwer
deantwort vom
26. April 2021
beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Be
schwerde (
Urk.
6
)
.
Am 7. Juni 2021 reichte die Beschwerde
führerin ihre Replik ein (
Urk.
10). Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 26.
Juli 2021
auf eine Duplik (
Urk.
13),
was de
r
Beschwerdeführer
in
mit Verfügung
vom
30. August 2021
angezei
gt wurde. Gleichzeitig wurde ihr
in Bewilligung
ihres
Ge
suchs die unentgeltliche Prozessführung gewährt und Rechtsanwalt
Davide Loss
als unentgeltlicher Rechtsvertreter für das vorliegende Verfahren be
stellt (
Urk.
14
).
Am 23. November 2021
wurde - dem Antrag der Beschwerdeführerin entspre
chend - eine
öffentliche
Verhandlung durchgeführt, wobei die Beschwerdegeg
nerin auf eine Teilnahme an der
Verhandlung verzichtete (
Urk.
19
). Die Be
schwerdeführerin hielt an sämtli
chen Anträgen fest
(
Urk.
21 S. 2, Prot. S. 5 ff.
).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Versichert nach Massgabe des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sin
d Personen, die gemäss den Art.
1a und 2 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHVG) obligatorisch oder freiwillig versichert sind (
Art.
1b IVG). Obligatorisch versichert nach dem AHVG sind unter anderem die natürlichen Personen, die ihren Wohnsitz in der Schweiz haben oder in der Schweiz eine
Erwerbstätigkeit ausüben (Art. 1a Abs. 1
lit
.
a und b AHVG).
1.2
Gemäss Art. 6 Abs.
2 IVG sind ausländische Staat
sangehörige, vorbehältlich Art.
9
Abs.
3 IVG, nur anspruchsberechtigt, solange sie ihren Wohnsitz und
gewöhn
lichen Aufenthalt (Art.
13 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG) in der Schweiz haben und sofern sie bei Eintritt der Invalidität während mindestens eines vollen Jahres Beiträge geleistet oder sich ununterbrochen während zehn Jahren in der Schweiz aufgehalten haben. Anspruch auf eine ordentliche Rente haben Versicherte, die bei Eintritt der In
validität (Versicherungsfall) während mindestens drei Jahren Beiträge
geleistet haben (Art. 36 Abs. 1
IVG). Ist die dreijährige Mindestbeitragsdauer mittels schweizerischer Versicherungszeiten nicht erfüllt, sind für Schweizer Bürger und für Staatsangehörige von EU- und EFTA-Staaten Beitragszeiten, die in einem EU- oder EFTA-Staat zurückgelegt worden sind,
mitzuberücksichtigen
(vgl.
Art.
6 der Verordnung [EG] Nr.
883/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 2
9.
April 2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit).
1.3
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.5
Die Invalidität gilt als eingetreten, sobald sie die für die Begründung des An
spruchs auf die jeweilige Leistung erforderliche Art
und Schwere erreicht hat. (Art. 4 Abs.
2 IVG). Im Falle einer Rente gilt die Invalidität in dem Zeitpunkt als eingetreten, in de
m die Voraussetzungen nach Art. 28 Abs.
1 IVG erfüllt sind.
1.6
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invali
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.7
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen
sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These ab
stellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog, dass die Beschwerdeführerin
gemäss dem Gut
achten des
Y._
vom 22. Juli 2020 psychische und kör
perliche Einschränkungen habe. Da die psychischen
Beeinträchtigungen bereits seit Eintritt ins Arbeitsleben und
folglich schon bei Einreise in die Schweiz im Jahre 2000 bestanden hätten, könnten sie versicherungsrechtlich nicht berück
sichtigt werden. Die körperlichen Beschwerden
würden seit September 2016 vor
liegen und
dazu
führen
, dass die Beschwerdeführerin in ihrer bisherigen Tätigkeit
als Pflegehilfskraft nicht mehr arbeitsfähig sei. In einer gesundheitlich ange
pas
st
en Tätigkeit sei ihr aber weiterhin ein Pensum von 100 % möglich.
Bei Durchführung eines E
inkommensvergleiches resultiere damit
ein renten
aus
schlies
sender Inva
lidi
tätsgrad von 17 %
(
Urk.
2)
.
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte demgegenüber im Wesentlichen vor, dass
die Beschwerdegegnerin diverse Verfahrensfehler begangen, den Sachverhalt unvoll
ständig beziehungsweise unrichtig festgestellt und zu Unrecht einen Invaliditäts
grad von 17 % angenommen habe.
Die Beschwerdeführerin
sei als alleinerzie
hende Mutter mit kleinen Kindern zunächst als Hausfrau tätig gewesen. I
n der Schweiz
habe sie
regelmässig in einem Pensum von insgesamt bis zu 80 % gearbeitet. Erst nachdem sie im Monat Dezember 2004 Opfer von häuslicher Gewalt geworden sei und mit ihrer Tochter in einem Frauenhaus habe unter
gebracht werden müssen, habe sich ihr psychischer Zustand erstmals verschlech
tert.
In der Folge habe sie aufgrund der plötzlich und neu auftretenden Probleme fürsorgerisch untergebracht werden müssen.
Damit lasse sich der Schluss, dass
die heutigen gesundheitlichen Einschränkungen bereits bei der Einreise in die Schweiz bestanden hätten, nicht halten. Auch das Gutachten setze sich mit dieser Frage, wenn überhaupt, so nur am Rande auseinander (
Urk.
1).
3.
3.1
Vorab zu prüfen ist die Rüge der
Bes
chwerdeführerin
, wonach die IV-Stelle das rechtliche Gehör (Art. 29 Abs. 2 der Bun
desverfassung; Art. 42 ATSG) der Be
schwerdeführerin
ve
rletzt haben soll, in
dem sie nach der wiedererwägungsweise
n Aufhebung der Verfügung vom 8. Januar 2021 und vor Erlass der Verfügung vom 22. Januar 2021
k
einen neuen Vorbescheid erlassen habe (
Urk.
1 S. 9 ff.
)
.
3.2
Das formlose
Vo
rbescheidverfahren
im Sinne von Art.
57a IVG
dient in Ver
waltungsverfahren, in welchen keine
Einsprachemöglichkeit
besteht,
de
r Gewäh
rung
des rechtlichen Gehörs bereits
vor
Erlass der endgültigen
Verfügung
; dies im Interesse einer verbesserten Akze
ptanz bei den Betroffenen (vgl.
BGE 134 V 97
E. 2.
6
f
.
; Urteile
des Bundesgerichts
8C_607/2011 vom 16. März 2012 E. 4.1; 2C_733/2010 vom 16. Februar 2011 E.
2.2). Nach der Rechtsprechung liegt eine Ve
rletzung des rechtlichen Gehörs
vor
, wenn die IV-Stelle verfügt, bevor die der versicherten Person gesetzte Frist
, sich zum
Vorbescheid
zu
äussern, abgelaufen ist (Ulric
h
Meyer
, Bundesgesetz über die Invaliden
versicherung,
2.
Aufl. 2011, S.
477
, vgl.
Urteil des Bun
desgerichts 8C_526/2012 vom 19.
September 2012
).
Mit Schreiben vom 9. Dezember 2020 setzte die Beschwerdegegnerin der Be
schwerdeführerin
nach erhobenem Einwand
eine
weitere
Frist von 15
Tagen an, um eine Stellungnahme zu den
neuen
Abklärungsergebnissen einzureichen (
Urk.
7/212). Diese Frist endete in Folge des Fristenstillstandes gemäss Art.
38 Abs. 4
lit
. c ATSG frühestens am 11.
Januar 202
1.
Die
Verfügung vom 8. Januar 2021 (
Urk.
7/225) erfolgte damit
zweifellos
vor Ablauf der gesetzten Frist und verletzte damit das rechtliche Gehör, weshalb sie am 12. Januar 2021 zu Recht wiedererwägungsweise aufgehoben wurde (
Urk.
7/229).
Am 22. Januar 2021 verfügte die Beschwerdegegnerin erneut, diesmal nach Ablauf der am 9. Dezem
ber 2020 angesetzten Frist und unter Berücksichtigung der
zwischenzeitlich
ein
gegangenen Stellungnahme der Beschwerdeführerin vom 8. Januar
2021 (
Urk.
7/226).
Damit hatte die Beschwerdeführerin ausreichend Gelegenheit,
sich
vor Erlass des in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu äussern
und
von der Beschwerdegegnerin
entsprechend
gehört
zu werden
.
Insbesondere setzte sich die Beschwerdegegnerin mit den Ausführungen in der Stellungnahme vom 8. Januar 2021 ausdrücklich auseinander. Demzufolge
wurde der dem
Vor
bescheidverfahren
zugrundeliegende
Sinn und Zweck, eine unkomplizierte Dis
kussion des Sachverhalts zu ermöglichen und dadurch die Akzeptanz des Entscheids bei den Versicherten zu verbessern (
BGE 134 V 97
E. 2.7
)
, vollends erfüllt.
Der Erlass eines
neuen
Vorbescheides hätte vor diesem Hintergrund keinerlei
Zusatznutzen
ergeben
, sondern
lediglich
zu einem formalistischen Leer
lauf
und
unnötigen Verzögerungen geführt,
die mit dem
Interesse der betroffenen Partei an einer
beförderlichen
Beurteilung der Sache
nur schwer
zu vereinbaren
gewesen
wären
und
dem rechtlichen Gehör
in keiner Art und Weise gedient hätten
.
Damit geht
der
im vorliegend
en Beschwerdeverfahren erhobene
Vorwurf einer Gehörsverletzung fehl.
Kommt
hinzu, dass
die Beschwerdeführerin ihr An
lie
gen mit der Beschwerde gegen
die
Verfügung
vom
22. Januar 2021
vor einer Beschwerdeinstanz, die sowohl den Sachverhalt als auch die Rechtslage frei über
prüft, vortragen konnte, womit eine allfällige Verletzung des rechtlichen Gehörs
ohnehin
als geheilt zu betrachten wäre (vgl. BGE 127 V 431 E. 3d/
aa
).
4
.
Die Beschwerdegegnerin stützte ihren Entscheid massgeblich auf das von ihr veranlasste polydisziplinäre Gutachten des
Y._
vom 22.
Juli 2020 (
Urk.
7/152)
, worin die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt wurden (
Urk.
7/152/6 f.)
:
-
Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional-instabilen,
histrioni
schen
und abhängigen Anteilen (ICD-10 F.61.0)
-
Leichtgradige bilaterale
mediale
Gonarthrose (ICD-10 M17.9) und Retro
patellar-Arthrose (ICD-10 M22.4)
mit/bei
-
r
adiomorphologi
sch: Zeichen von beginnenden
art
h
r
otischen
Verände
run
gen beidseits (
Kellgren
-Lawrence 0-1, geringe
osteophytäre
Aus
ziehung am
Patellaoberrand
, geringe
medialbetonte
Gel
e
nkspalt
verschmälerung), keine
Osteochondrose
, keine G
eröll
zysten,
femoroti
bial
kein Nachweis von
Osteophyten
, keine Verkalkung der Menisken, kein Gelenkerguss im
Recessus
suprapatellaris
beidsei
ts, keine akute
ossäre
Läsion (R
öntgen beider Kniegelenke vom 24.02.2020)
-
k
linisch leichtgradig eingeschränkte Beweglichkeit des linken Kniege
lenkes (Flexion/Extension 130/0/0° gegenüber 140/0/0° rechtsseitig) ohne Hinweise auf eine aktivierte Entzündung der degenerativen Ver
änderung
-
MRI Knie beidseits vom 26.04.2017: mässiger Gelenkerguss beidseits, grosse Baker-Zyste beidseits, leichte Knorpelausdünnung in der medi
alen Hauptbelastungszone linkes Kniegelenk, Knorpelausdünnung der Hauptbelastungszone
femoral
und
tibial
lateral, rechtsseitig Knorpel intakt
medialseits
, Knorpelausdünnung
femoral
in der Hauptbelas
tungszone dorsal ohne Knochenmarksödem lateral, mittelschwere
Femor
opatellar-Arthrose
lateral rechtsseitig
-
Lumbovertebrales
Schmerzsyndrom (ICD-10 M54.5)
mit/bei
-
k
ernspintomographisch de
generativen Veränderungen der u
n
t
eren LWS bei geringer rechtskonvexer
skoliotischer
Fehlhaltung sowie anla
gebedingt knapp normal weitem
ossärem
Spinalkanal, im Segment L4/5 geringe linksseit
i
ge
Osteochondrose
Modic
Typ I mit
breitbasiger
, leichter rechtsbetonter, gering nach kaudal geklappter
Diskuspro
trusion
sowie geringen bis mässigen
Spondylarthrosen
mit Hyper
tro
phie der Ligamenta
flava
; konsekutive geringe rechtsbetonte Spinal
ka
nalstenose sowie geringe recht
sbet
onte
rezessale
Stenose mit allenfalls leichter Irritation der Nervenwurzeln L5
rezessal
, rechtsbetont; im Segment L5/S1 Dehydrierung und
Bulging
des Diskus sowie geringe
Spondylarthrosen
(MRI der LWS und untere BWS nativ vom 28.03
.2019)
-
aktuell: klinisch keine Hinweise auf segmentale Dysfunktion der Len
denwirbelsäule bei
myotendinotischen
Verspannungen der para
vertebralen Muskulatur, muskuläre
Dysbalance
mit Insuffizienz der para
vertebralen unteren abdominalen Muskulatur bei muskulärer
Dekondi
tionierung
-
keine Anhaltspunkte für
irritative
lumbale
Radikulopathie
, keine motorischen Ausfälle der unteren Extremitäten
-
klinisch diffuse, ausgeprägte
myotendinotische
Verspannungen der Beinmuskulatur beidseits vom
Musculus
tensor
fasciae
latae
beidseits bis zur
Tibialis
-Muskulatur beidseits mit Möglichkeit
pseudoradikulärer
Schmerzausstrahlung in die unteren Extremitäten
In Folge der
somatischen Diagnosen
wurde
ein Belastungsprofil erstellt und
aus
geführt
, dass jegli
c
h
e körperlich leichte Tätigkeiten ohne Notwendigkeit, Lasten über 5
kg zu heben,
zu
tragen oder
zu
stossen, ohne Notwendigkeit, in die Hocke zu gehen beziehungsweise zu knien, ohne Notwendigkeit, vorwiegend im Stehen und Gehen arbeiten zu müssen,
und
ohne Notwendigkeit, unebene Flächen, Treppen, Leitern oder Gerüste zu betreten
,
möglich sei
en
. Zu vermeiden seien repetitive Drehbewegungen des Rumpfes, sich nach vorne zu bücken beziehungs
weise in monotonen Körperhaltungen arbeiten zu müssen. Idealerweise sollte es sich um eine körperlich leichte Tätigkeit handeln, die alternierend im Stehen, Gehen und Sitzen je nach Bedarf verrichten werden könne. Im Rahmen einer solch adaptierten Tätigkeit lasse sich aus somatischer Sicht keine Einschränkung der L
eistungsfähigkeit begründen
(
Urk.
7/152/10)
.
Im Rahmen der psychiatrischen Untersuchung
wurde
mit Blick auf die kom
binierte
Per
sönlichkeitsstörung festgestellt
, dass die
Erfahru
ngs- und Verhaltens
muster der Beschwerdeführerin
insgesamt deutlich von den akzeptierten Normen ab
weichen
würden
. Die Wurzeln hierfür reich
t
en bis in die Kindheit/Adoleszenz zurück.
A
ls Tochter
eines Sinti
und Roma sei die Beschwerdeführerin
in Ungarn
als Heimkind
auf
gewachsen
und
habe
sich zeitlebens ungeliebt und benachteiligt
gefühlt.
Diese Ausgrenzung empfinde sie immer noch. Sie habe lange eingenässt,
auch heute komme dies immer noch vor.
Die Beziehungsanamnese weise
eine Vielzahl
von
Beziehungsabbrüchen zu ehemaligen Partnern auf. Das Sorgerech
t für die ersten beiden Kinder
und den kleinsten Sohn
seien ihr
entzogen
worden
. Die berufliche Anamnese zeige
eine Vielzahl von Jobwechseln und Tätigkeits
bereichen, auch Kündigungen innerhalb der Probezeit, wobei sich
die Beschwer
deführerin
teilweise von Mobbing beeinträchtigt
ge
fühlt
habe
. Mehrere Suizid
versuche
hätten
jeweils zu Klinikeinweisungen
geführt
(
Urk.
7/152/5
, 7/152/9
).
Die Symptomatik der Persönlichkeitsstörung
betreffe
alle Lebensbereiche der
Be
schwerdeführerin und spiegle
sich in einer verzerrten Wahrnehmung der un
mittel
baren Umgebung un
d zwischenmenschlichen Kontakte
, in einer verän
der
ten Affektivität und Kognition und in einem damit einhergehend veränderten Verhalten im beruflichen als auch im privaten Bereich, wider. Die Tagesstruk
turierung
werde durch das empfundene S
chmerzerleben und die Energielosigkeit geprägt. Es b
estehe
hinsichtlich des Erlebens eine starke Einengung auf erlebte Kr
änkungen durch Ex-Partner. Es wü
rden Defizite bei der Fähigkeit der Planung
und Strukturierung des Tagesablaufs de
utlich. Bestimmte Aktivitäten wü
rden ni
cht durchgeführt, wenn sie nicht von aussen (Tochter)
angeregt beziehungs
weise vorstrukturiert wü
rden. Des Weiteren
falle
es
der Beschwerdeführerin
schwer, sich im Verhalten, Denken und Erleben an wechselnde Situationen anzupassen. Die
p
ersönlichkeitsstörungsbedingten Verhaltensmuster
seien
rigide und wirk
t
en einer individuellen Anpassung der Verhaltensweisen bei Veränderung beruflicher oder privater Umgebung entgegen
.
Das Aufrechterhalten eines durchgehenden Leistungsniveaus
sei
somit nur begrenzt möglich. Aufgrund der Auffälligkeiten im zwischenmenschlichen Bereich gelin
ge
es der
Beschwerdeführerin
nicht in adäquater Weise, in Konfliktsituationen ohne beeinträchtigen
de Befangenheit zu bestehen beziehungsweise
ohne dabei soziale Normen zu verletzen. Gemäss An
gaben der
Beschwerdeführerin
beständen
nur
sehr wenige soziale Kontakte. Es
seie
n
Einschränkungen in der Fähigkeit
erkennbar
, unmittelbare informelle und soziale Kontakte mit anderen Menschen aufzunehmen und mit diesen ange
messen zu interagieren. Auch das Gesprächsverhalten während der Begutachtung
habe
sich auffällig
gezeigt
. Ebenfalls
sei eine
r
eduzierte
Fähi
gkeit, sich in Gruppen
einzufüg
en, die informellen Regeln der Gruppe zu durchschauen und sich darauf einzustellen, zu erwarten. Wie bereits erwähnt,
seien
davon auch familiäre und
intime Beziehungen betroffen. Es gelinge
der
Beschwerdeführerin
nur bedingt, Be
ziehungen zu vertrauten Menschen oder in der Familie aufzunehmen und aufrechtzuerhalten. Ohne Anreiz von aussen
sei
das Initiieren von sozialen Akti
vitäten und das Integrieren in den A
lltag nahezu nicht möglich. Fast jegliche Unternehmungen wü
rden nur mi
t der Tochter durchgeführt (
Urk.
7/152/8).
Das Verhalten und die Angaben der Beschwerdeführerin während der Exploration hätten einige Diskrepanzen und
Inkonsistenzen
aufgewiesen
.
U
nabhängig
da
von
bestände aber
eine erhebliche krankheitswertige Persönlichkeitsstörungssymp
tomatik und ein dadurch ausgelöster Leidensdruck
(Urk. 7/152/9)
.
Aufgrun
d der Persönlichkeitsstörung habe
nie eine
höhergradige
Arbeitsfähigkeit als 50 % in einer angepassten Tätigkeit bestanden. Im Längsschnitt
fänden
sich immer nur nie
drige
Pensen
, kurze Arbeitseinsätze
von Monaten, mit immer wieder dokumentierten Arbeitsabbrüchen. Seit 2012
sei
ihr wiederholt, auch in Praktika,
teilweise auch innerhalb der Probezeit und
mit Freistellungen, gekün
digt worden. Eine
modularisierte
Ausbild
ung zur Bewegungstrainerin habe
sie 2010 gesundheitlich bedingt abgebrochen.
Das sechs
monatige Anerkennung
s
praktikum zur Pflegefachfrau sei
ebenfalls vorzeitig beendet
worden
. In einer maximal angepassten Tätigkeit bestehe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit. Dies be
dingt durch die Persönlichkeitsstörung mit der verringerten Anpassungsfähigkeit und Flexibilität sowie den vermehrten sozialen Konflikten mit den entsprechen
de
n
akuten psychischen und somatischen Reaktionen
(
Urk.
7/152/10).
5
.
5
.1
Das Gutachten des
Y._
, vom 22. Juli 2020 (
Urk.
7/152) beruht auf den erforder
lichen allseitigen Untersuchungen, wurde in Kennt
nis der und in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben, be
ant
wortet sämtliche Fragen, erscheint in der Dar
legung der medizinischen Zu
stände und Zusammen
hänge als einleuchtend
und begründet die Schluss
folge
rungen in nach
vollzieh
barer Weise. Folglich erfüllt
es die formellen An
forde
rungen an eine be
weis
kräftige E
xpertise (vgl. vorstehend E. 1.7
), weshalb darauf ab
zustellen ist.
5
.2
Gemäss den schlüssigen Erwägungen im Gutachten
leidet die Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht an einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit emotional-instabilen,
histrionischen
und abhängigen Anteilen
und ist
a
ufgrund der verringerten Anpassungsfähigkeit und Flexibilität sowie den vermehrten sozialen Konflikten
mit dement
s
p
rechenden akuten psychischen Reaktion
en lediglich
im Umfang von 50 % arbeitsfähig.
Dies
wurde von den Gutachtern nachvollziehbar und überzeugend dargelegt und ist
auch unter den Parteien unbestritten. Die Beschwerdegegnerin schloss aus der genannten Diagnose sowie den weiteren Ausführungen im Gutachten
sodann
, dass die Beschwerdeführerin
bereits
mit einem Gesundheitsschaden
beziehungsweise
mit den heutigen Ein
schränkungen
in die Schweiz eingereist sei, weshalb die versicherungsmässigen Voraussetzu
ngen nicht erfüllt seien (E. 2.1
).
D
emnach gilt im
Folgenden
zu
prüfen
, ob die Beschwerdeführerin bereits bei ihrer Einreise in die Schweiz im Jahr 2000 zu (mindestens) 40 % invalid und damit der rentenspezifische Versi
cherungsfall bereits eingetreten war
:
5.3
Zunächst sind
dem
poly
d
i
sziplinären Gutachten des
Y._
,
vom 22. Juli 2020 (
Urk.
7/152) und
dabei insbesondere
dem psychiatrischen Teilg
utachten
von
Dr.
med. Z._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psy
chotherapie
(
Urk.
7/152/61 ff.)
,
zahlreiche
Anhaltspunkte dafür zu entnehmen, dass die
Beschwerdeführerin
bereits vor ihrer Einreise in die Schweiz unter einem invalidisierenden psychischen Gesundheitsschaden gelitten hat. So gab die Beschwerdeführerin
namentlich
an,
dass ihre Mutter sie nach der Geburt im Spital gelassen habe, da sie kein «Zigeunerkind» gewollt habe. Sie sei
dann
mehr oder weniger bis zu ihrem 18. Altersjahr in einem Heim aufgewachsen.
D
ort
sei sie
geschlagen worden und habe viel arbeiten müssen. Geborgenheit habe ihr immer gefehlt.
Zu ihrem Vater habe ein oberflächlicher Kontakt bestanden.
Sie sei schon immer ein
e
Bettnässer
in
gewesen, was bis heute anhalte.
A
b dem 18.
Lebensjahr habe sie auf eigenen Beinen stehen müssen. Sie habe dann einen Mann kennen
gelernt, welcher Alkoholiker gewesen sei und sie ebenfalls geschlagen habe.
Dennoch
habe
sie
diesen Mann 1986 geheiratet und mit ihm
eine Familie mit zwei Töchtern (
geboren
1987 und 1989
) gegründet
. Nach der Scheidung im Jahr 1991 habe man ihr die Kinder weggenommen und diese seien beim Kindsvater aufgewachsen.
Zwischenzeitlich habe sie keinen Kontakt mehr zu ihren Töchtern aus dieser ersten Ehe.
Sie habe
anschliessend
während ein bis zwei Monaten auf der Strasse gelebt, bis sie ein Zimmer bei einer älteren Dame habe
mieten
können. Sie habe sich
dann
in de
re
n Sohn verliebt und mit diesem Mann
1995
eine
weitere
Tochter bekommen. Etwa 1.5 Jahre nach der Geburt sei auch diese Beziehung auseinandergegangen. 1999 habe sie einen Schweizer in Ungarn kennengelernt, habe diesen 2000 geheiratet und sei dann mit ihrer Tochter zu ihm in die Schweiz
ge
zogen, wo i
m Jahr 2002 der gemeinsame Sohn
zur Welt
gekommen sei
(
Urk.
7/152/62 f
f
.).
Doch nicht nur die Anamnese legt nahe, dass der rentenspezifische Versiche
rungsfall bereits vor der Einreise in die Schweiz eingetreten war. Auch die von den Gutachtern gestellte Diagnose stützt diese Ein
schätzung. Die vorliegend ausgewiesene kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F61.0) zeichnet sich gemäss den diagnostischen Leitlinien nach ICD-10 gerade dadurch aus, dass sie immer in der Kindheit oder Jugend beginnt und sich auf Dauer im Erwach
senenalter manifestiert (vgl.
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.],
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnos
tische Le
itlinien, 10. Auflage, 2015, S.
277; vgl. ferner Urteil des Bundesgerichts
8C_882/2017 vom 9. Mai 2018 E.
3.3.2). Die Gutachter stellen den Ursprung dieser Erkrankung daher überzeugend in Zusammenhang mit den belasteten familiären Verhältnissen in
der Kindheit mit Verstoss, Fre
m
d
platzierung
und Ge
walt
(vgl.
Urk.
7/152/69 ff.
). Da die Versi
cherte erst im Alter von rund 33
Jahren in die Schweiz eingereist ist, ist davon auszugehen, d
ass die Persönlichkeits
stö
rung –
mit ent
sprechenden Auswirk
ungen auf die Erwerbsfähigkeit –
bereits bis zu diesem Zeit
punkt erheblich fortgeschritten und verfestigt war.
Dies wider
spiegelt sich auch in der Vielzahl von Beziehungsabbrüchen zu ehemaligen Partnern und
teilweise
auch
den
eigenen Kindern, dem Bettnässen sowie
einem ersten
Suizidversuch
bereits
im Alter von 17 Jahren (
Urk.
7/79/7).
Im Übrigen spri
cht auch die Erwerbsbiographie
dafür, dass die Beschwerde
füh
rerin aufgrund
ihrer psychi
schen Erkrankung
bereits ab dem jungen Erwachse
nenalter nicht in der Lage war, über einen längeren Zeitraum einer kontinu
ierlichen Arbeit
über 50 %
nachzugehen
. Sowohl
in der Zeit
in Ungarn als auch in der
jenigen in der
Schweiz
zeigen sich
eine Vielzahl von Jobwechseln und Tätigkeitsbereichen
(Krankenschwester,
Service,
Reinigung, häusliche Pflege, Stu
dium)
, wobei sich die Beschwerdeführerin auch teilweise von Mobbing beein
trächtigt fühlte
(vg
l.
Urk.
7/152/72
, 7/105
):
Trotz abgeschlossener Ausbildung zur Krankenschwester arbeitete
die Beschwerdeführerin
in Ungarn nur kurz in dieser Branche und war
in der Folge in wechselnden Anstellungen im Servicebereich
tätig
. Auch in der Schweiz
ist
eine grosse Anzahl
verschiedene
r
Arbeits
-/Aus
bildungs
stellen und A
b
brüche
dokumentiert
und
die Beschwerdeführerin
war
regelm
ä
ssig nur kurze Zeit
oder in niedrigen
Pensen
tätig
(
Urk.
7/
33, 7/36, 7/53, 7/94 f.
, 7/202 ff.
)
. Dies wird durch einen Blick auf den IK-Auszug vom
23. Juli 2019 (
Urk.
7/105)
bestätigt, in welchem vornehmlich tiefe und unregelmässige Einkommen verzeichnet sind.
Die psychiatrische Gutachterin weist in diesem Zusammenhang überzeugend darauf hin, dass
die Beschwerdeführerin aufgrund der Persönlichkeitsstörung nie zu mehr als 50 % arbeitsfähig
gewesen sei
, was
sich im Längsschnitt
mit
immer nur niedrige
n
Pensen
und kurze
n
Arbeitsperioden
von wenigen Monaten, mit immer wieder dokumentierten Arbeitsabbrüchen,
zeig
e, wobei ihr s
eit dem Jahr 2012 wiederholt, auch in Praktika, teilweise sogar inner
halb der Probezeit oder mit Freistellungen, gekündigt worden
sei
(
Urk.
7/
152/
10
, 7/152/16
).
Insoweit die Beschwerdeführerin diesbezüglich einwendet, dass sie als
alleinerziehende
Mutter von zwei in der Schweiz lebenden Kindern keine höheren
Pensen
habe
bekleiden
können
(
Urk.
10 S. 3 f.)
, ist daran zu erinnern, dass
nach der Trennung von ihrem
Schweizer
Ehemann
lediglich ihre Tochter bei ihr
lebte
und im Jahr 2005 bereits 10 Jahre alt war.
Auch
mit
dem
Hinweis auf die
An
stellungen
bei A._
(31,5 Stunden/Woche
[Urk. 7/202]
),
bei der
B._
AG (33.6
Stunden/Woche
[Urk. 7/203]
)
sowie beim
C._
(20 Stunden/Woche
[Urk. 7/204]
) vermag sie nichts zu ihren Gunsten abzuleiten, zeigen
diese unterjährigen Anstellungsverhältnisse
doch
nachgerade auf
, dass die Beschwerdeführerin nicht in der Lage ist und war,
längerfris
tig und stabil über 50 % erwerbs
tätig zu sein.
Vielmehr scheiterten sämtliche Anstellungsverhältnisse stets nach relativ kurzer Zeit.
Schliesslich
kann
auch
aus dem
Umstand, dass den psychischen Beschwerden in der Verfügung vom 4. Oktober 2017
(noch)
keine einschränkende Wirkung zuer
kannt wurde
(Urk. 7/84), kein gegenteiliger Schluss gezogen werden, w
urden die psychischen Beschwerden im damaligen Verwaltungsverfahren doch nicht
ver
tieft
, insbesondere nicht mittels
einer eingehenden
Begutachtung, abgeklärt.
5
.4
Zusammenfassend ist nach dem Gesagten festzuhalten, dass die Beschwerdefüh
rerin bereits seit ihrer Kindheit
beziehungsweise Adoleszenz
unter erhebliche
n
psychischen Problemen
aufgrund einer kombi
nierten Persönlichkeitsstörung
leidet
.
Diese betreffen sämtliche Lebensbereiche und führten
schon früh
zu einer Viel
zahl an Beziehungsabbrüchen sowie Jobwechseln. So war
die Beschwerdeführerin
sowohl
in ihrem Heimatland als auch in der Schweiz krankheits
bedingt nicht in der Lage, kontinuierlich einer Erwerbstätigkeit in einem Arbeits
pensum von über 50 % nachzugehen und erzielte nur geringe Einkommen.
In Anbetracht dieser Umstände ist folglich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
erstellt
, dass die Beschwerdeführerin bereits zum Zeitpunkt ihrer Ein
r
eise in die Schweiz im Jahr 2000
zu mindestens 40 % und somit in einem den Anspruch auf eine Invalidenrente begründenden Ausmass invalid war (vgl. Art. 28 Abs. 1 IVG). Damit war der Versicherungsfall
in Bezug auf die psychischen Beschwerden
bereits zu einem Zeitpunkt eingetreten, als noch nicht während der erforderlichen Mindestdauer Beiträge geleistet worden waren. Die Beschwerdegegnerin hat
die
psychischen Beschwerden bei der Invalid
itäts
bemessung
demnach zu Recht
ausser
Acht gelassen
.
5
.5
In Bezug auf die somatischen Beschwerden attestierten die Gutachter der Be
schwerdeführerin eine 100%ige Arbeits
un
fähigkeit in
der angestammten Tätig
keit
(körperlich schwer) und leiteten diese ab September 2016 her,
als eine akti
vierte
Femoropatellararthrose
links
bei der Konsu
ltation in der Klinik D._
fest
gestellt wurde. Ab März 2019 liess
e
n sich zusätzlich degenerative Verän
derungen der Lendenwirbelsäule feststell
en, welche die Leistungsfähigkei
t der Explorandin bei körperlich schweren Tätigkeiten weite
r beeinträchtigen (
Urk.
7/152/93 f.
).
In optimal leidensangepassten Tätigkeiten (vgl. E
. 4
)
besteht
aus rheumatologischer Sicht demgegenüber keine Einschränkung der Leistungsfähigkeit (
Urk.
7/152/94).
6.
6.1
Zu prüfen bleibt damit
, wie sich die 100
%ige Arbeitsfähigkeit in einer ange
passten Tätigkeit in erwerblicher Hinsicht auswirkt.
6.2
Bei er
werbs
tätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu be
stimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der In
validität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Ein
gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
ge
gli
che
ner Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in
Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie n
icht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Ein
kommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Er
werbs
ein
kom
men ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
über
ge
stellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad be
stim
men lässt (sog. allgemeine Methode des Ein
kommens
ver
gleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2; 128 V 29 E. 1).
6.3
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des früh
est
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
schein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt er
zielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Ein
kom
mens
entwick
lung an
gepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Er
fah
rung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fort
gesetzt worden wäre. Aus
nah
men müssen mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; 135 V 58 E. 3.1; 134 V 322 E. 4.1).
Ist
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die versicherte Person die bisherige Tätigkeit unabhängig vom Eintritt der Invalidität nicht mehr ausgeübt hätte, kann das
Valideneinkommen
auf Grundlage der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) be
rechnet werden, wobei die für die
Entlöhnung
im Einzelfall gegebenenfalls rele
vanten persönlichen und beruflichen Faktoren zu berücksichtigen sind (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage 2014,
Rn
55 f. zu Art.
28a
). Dabei sind grund
sätzlich die im Verfü
gungs
zeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3).
Vorliegend stellte die IV-Stelle zur Ermittlung des
Valideneinkommens
aufgrund der unsteten Erwerbsbiografie auf die Tabellenwerte ab (
Urk.
7/81, 7/167)
, was nicht zu beanstanden ist.
Da die Beschwerdeführerin in Ungarn eine Ausbildung zur Krankensc
hwester absolviert hat, ist die
Tabelle TA
1
(LSE 2018), Ziffer 86–88 «Gesundheits- und Sozialwesen», Kompetenzniveau 2, Frauen, anwendbar. Somit ergibt sich unter Berücksichtigung der durchschnittli
chen Arbeits
zeit im Jahr
2019 von 41,6
Stunden pro Woche (vgl. Bundesamt für Statistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilun
gen [NOGA 2008], in Stun
den pro Woche, 2004-2020, Q 86-88
) sowie der Nominallo
hnentwick
lung bis ins Jahr 2019
(
Bun
des
amt für Statistik [BFS], Tabelle
T1.2
.15,
Nominallohnindex,
Frauen
,
Q 86-88
, Verän
derung gegenüber Vorjahr von 0.7
%) ein Einkommen von
rund
Fr. 64
'
973
.--
(Fr. 5’170
.-- : 40 x 41.6
x 12 x 1.007
).
6.4
Hat die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder je
denfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen, können
zur Ermittlung des Invalideneinkommens die Tabellenlöhne gemäss den vom
Bun
desamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohn
struktur
erhebun
gen (LSE) herangezogen werden. Dabei sind grundsätzlich die im Ver
fügungs
zeit
punkt
aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 2.2 f.).
Mit Blick auf das medizinische Belastungsprofil
und unter Berücksichtigung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, wonach beim Invalidenein
kommen in der Regel
die Monatslöhne gemäss LSE-Tabelle TA1, Z
eile
«
Total Privater Sektor
», beizuziehen sind
(
Urteil des Bundesgerichts
8C_458/2017 vom 6. August 2018;
in
BGE 133 V 545
nicht publizierte E.
5.1
des Urteils 9C_237/2007 vom 24.
August 2007;
Urteil des Bundesgerichts
8C_457/2017
vom 11. Oktober 2017 E. 6.2)
,
ist
vorliegend
auf die LSE 2018
, Tabelle TA1, Kom
petenzniveau 1,
Frauen
, Total, abzustellen. Der Lohn für Hilfsarbeiten betrug unter Berücksichtigung der betriebsü
blichen Arbeitszeit im Jahr 2019
und der Nominallohnentwicklung
bis ins massg
eb
liche Jahr 2019 Fr. 55'228.--
(Fr. 4’371
.
--
:
40 x 41.7 x 12 x 1.01
[Bundes
amt f
ür Statistik [BFS], Tabelle T1.2.15
, Nominallohnindex,
Frauen,
Ziff. 05-96, Total]) für ein voll
schichtiges Pensum.
6.5
Ein basierend auf der Grundlage von statistischen Durchschnittswerten ermit
tel
tes Invalideneinkommen ist allenfalls zu kürzen, da persönliche oder berufliche Merkmale wie Lebensalter, Nationalität oder Beschäftigungsgrad Aus
wirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Indes soll der Abzug nicht automatisch erfolgen; er ist vielmehr unter Würdigung der Um
stände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25 % nicht übersteigen (BGE 135 V 297 E. 5.2; 134 V 332 E. 5.2).
Zunächst führt die gesundheitlich bedingte Unmöglichkeit, weiterhin körperlich
schwere Arbeit zu verrichten, nicht automatisch zu einer V
erminderung
des hypo
thetischen
Invalidenlohns. Vielmehr ist der Umstand allein, dass nur mehr leichte Arbeiten zumutbar sind, sogar bei eingeschränkter Leistungs
fähigkeit kein Grund für einen zusätzlichen leidensbedingten Abzug, weil der Tabellenlohn im Kom
petenzniveau 1 bereits eine Vielzahl von leichten (und mittel
schweren) Tätig
keiten umfasst (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_82/2019 vom 19. September 2019 E. 6.3.2).
Zu beachten ist
weiter
, dass allfällige bereits in der Beur
teilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschrän
kungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliesse
n und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (
BGE 146 V 16 E. 4.1 mit Hinweisen).
Sodann führt ein allfällig fortge
schrittenes
Alter nicht automatisch zu einem Ab
zug, zumal sich dieses im Anfor
derungsniveau 4 (resp. Kompetenzni
veau 1 ge
mäss LSE 2016) sogar eher lohner
höhend auswirkt (Urteil des Bundes
gerichts 9C_455/2013 vom 4. Oktober 2013 E. 4.2).
Schliesslich sind auch mangelnde Sprachkenntnisse oder eine ungenügende Aus
bildung nicht ab
zugsrelevant, da diesen Aspekten bei der Wahl des Kom
pe
tenz
niveaus Rechnung zu tragen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_549/2019 vom 26. November 2019 E. 7.7).
Folglich besteht vorliegend kein Anlass, einen leidensbe
dingten Abzug zu be
rücksichtigen.
6.6
Aus der Gegenüberstellung der Vergleichseinkommen (
Valideneinkommen
Fr. 64'973.
--
; Invalideneinkommen
Fr. 55'228.--
) resultiert eine Erwerbs
ein
busse
von Fr. 9’745
.--, was
mit B
e
zug auf die allein relevanten somatischen Ein
schränkungen
einem rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von gerun
det
15 % ent
spricht.
7.
Nach dem Gesagten erweist sich die angefochtene Verfügung vom 22. Januar 2021 als rechtens, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
8.
Die
Verfahrenskosten sind auf Fr.
1’0
00.-- festzusetzen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und au
sgangsgemäss der
Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
9
.
Der vom Gericht bestellte (
Urk.
14
) unentgeltliche Rechtsvertreter, Rechtsanwalt Davide Loss, hat anlässlich der öffentlichen Verhandl
ung eine Kostennote ein
gereicht
und machte einen Aufwand von 20.6 Stunden sowie Auslagen von Fr. 121.70 geltend (
Urk.
22).
Angesichts der Bedeutung und Schwierigkeit der Streitsache
(§ 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, vgl. auch § 8 in Verbindung mit § 7 Abs. 1 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht)
erscheint
der Aufwand
als übersetzt. Zudem sind darin auch Positionen enthalten, welche grundsätzlich nicht entschädigt werden (vgl. das Merkblatt Amtliche Man
date der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich
, Version 1. Januar 2016
, welches weitgehend den früher massgebenden Richtlinien des Büros für amt
liche Mandate des Bez
irksgerichts Zürich entspricht), wie beispielsweise Bestellung
von Akten
(
administra
tive Arbeit
) und
ausgiebige
Kontakte mit der Mandantschaft (
soziale Betreuung
).
Bei grosszügiger Betrach
tung können
eine Stunde Aufwand für die Instruktion
,
vier Stunden für die Durchsicht der Akten, vier
Stunden für die Redakt
ion der
Beschwerdeschrift, zwei
Stunde
n
für notwendige Korres
pondenz
,
Telefonate
und Besprechungen
,
zwei
Stunde
n für das Abfassen einer
Replik
, zwei Stunden
für die
Vorbereitung
der
Gerichtsverhandlung, eine Stunde für die Gerichtsverhandlung selbst und eine Stunde Fahrt
zeit
ange
rechnet werden. Eine wei
tere
Stunde Aufwand kann zudem anerkannt werden, we
nn berücksichtigt wird, dass der
Rechtsvertreter
das Urteil mit der
Beschwerdeführer
in
noch zu besprechen hat.
Zu entschädigen ist somit ein Gesamt
aufwand von 18
Stunden,
was unter Berücksichtigung des gerichts
üblichen Ansatzes von Fr. 220.-- ein Honorar von Fr. 3‘
96
0
.-- ergibt.
Rechtsanwalt Davide Loss
ist deshalb mit Fr.
4’396
.--
(
Honorar von Fr.
3‘
960
.-- plus
Barauslagen von
Fr. 121.70
, zuzüglich Mehrwertsteuer von 7.7 %) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.