# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b902d6a4-707a-4735-8638-5d6ad3aafe73
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2011
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. X. wurde am _ in L. geboren. Er wuchs zusammen mit drei Schwestern vorerst bei seinen Eltern in L. auf. 1985 kam sein Vater in die Schweiz, die übrigen Familienmitglieder folgten ihm am 13. Januar 1990. X. besuchte in Mazedonien den Kindergarten und ging dort acht Jahre lang in die Schule. Ab dem 18. August 1990 arbeitete er in der Schweiz als Hilfselektroniker und Hilfsmaschinenmechaniker. 1994 begann er bei der Firma E. eine Lehre als Elektromonteur und schloss diese 1998 mit Erfolg ab. Zwischen 1998 und 2005 bildete er sich zum Lehrmeister, Kontrolleur, Projektleiter etc. weiter. Seit dem 1. Juli 2009 arbeitet er bei der Firma F. und verdient monatlich Fr. 8'400.– brutto (mit Nebenerwerb total ca. Fr. 9'600.–). Er besitzt zwei Liegenschaften im Wert von ca. Fr. 1.9 Mio., die mit Hypotheken in Höhe von ca. Fr. 1.43 Mio. belastet sind. X. ist verheiratet und Vater eines Sohnes (*1998) sowie einer Tochter (*2003). X. besitzt in der Firma „G.“ seiner Gattin Y. Einzelunterschrift. Er war nie ernsthaft krank und erlitt bisher keinen schweren Unfall.
B. Im schweizerischen Zentralstrafregister ist X. mit einer Eintragung verzeichnet: Am 30. November 2000 wurde er von der Bezirksanwaltschaft R. wegen Fahrens ohne Haftpflichtversicherung und Verletzung von Verkehrsregeln mit 7 Tagen Gefängnis, Probezeit 2 Jahre, und Fr. 500.00 bestraft.
C. Die Staatsanwaltschaft Graubünden eröffnete am 17. Dezember 2009 ein Strafverfahren gegen X. und betraute das Untersuchungsrichteramt O. mit der Durchführung desselben.
D. Mit Mandatsantrag bei Verbrechen und Vergehen gemäss Art. 49 Abs.1 lit. a i. V. m. Art. 172 StPO vom 24. Februar 2010 beantragte die Staatsanwaltschaft Graubünden dem Kreisamt O., X. sei der Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über Ausländerinnen und Ausländer gemäss Art. 116 Abs. 1 lit. a und b AuG und Art. 117 Abs. 1 AuG schuldig zu sprechen. Dafür sei er zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je Fr. 160.00, bei einer Probezeit von 2 Jahren, sowie zur Bezahlung einer Busse von Fr. 2'900.00, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 15 Tagen, zu verurteilen.
E. Mit Strafmandat bei Vergehen und Verbrechen vom 15. April 2010 verurteilte der Kreispräsident O. den X. der Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über Ausländerinnen und Ausländer gemäss Art. 116 Abs. 1 lit. a und b AuG und Art. 117 Abs. 1 AuG und bestrafte ihn mit einer Geldstrafe von Fr.
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14'400.00, was 90 Tagessätzen zu je Fr. 160.00 entspricht, bei einer Probezeit von 2 Jahren, und mit einer Busse von Fr. 2'900.00, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 15 Tagen.
F. Mit Schreiben vom 29. April 2010 liess X. frist- und formgerecht Einsprache gegen das besagte Strafmandat erheben. Das Kreisamt O. wies in der Folge die Angelegenheit zur Weiterbearbeitung zurück an die Staatsanwaltschaft Graubünden. Am 21. Juli 2010 erging in der Sache die Schlussverfügung.
G. Mit Anklageverfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 6. Oktober 2010 wurde X. wegen Widerhandlungen gegen das Bundesgesetz über Ausländerinnen und Ausländer gemäss Art. 116 Abs. 1 lit. a und b AuG und Art. 117 Abs. 1 AuG in Anklagezustand versetzt. Gemäss Anklageschrift vom gleichen Tag wurde der Anklage folgender Tatbestand zugrunde gelegt:
„Der mazedonische Staatsangehörige A. reiste am 22. Oktober 2009 in die Schweiz ein und wohnte vorwiegend in M. in Herbergen. B., Mazedonien, kam ca. am 14. Oktober 2009 in die Schweiz und wohnte bei verschiedenen Kollegen. C., ebenfalls Mazedonier, reiste am 24. September 2009 in die Schweiz ein und wohnte bei seiner Tante D. in N..
X. sprach an verschiedenen Tagen A., B. und C. in der Moschee von M. an und bat sie um Hilfe beim Umbau einer Wohnung in O.. Die Angefragten sagten, B. nach anfänglichem Zögern, zu. Über ein Entgelt wurde nicht gesprochen. X. kam für Transport, Kost und Logis der drei angefragten Personen auf. Er brachte sie am 25. Oktober 2009 nach O., wo sie an der P.-Strasse in der umzubauenden Wohnung von H. beim Umbau mithalfen und auch dort übernachteten. Die Arbeit bestand im Herausreissen von Einbauschränken und Laminatböden. Zur Beaufsichtigung der drei Personen, und weil diese der deutschen Sprache nicht mächtig waren, hielt sich in der Wohnung auch Z., Vater von X., auf. Die Arbeiten sollten zwischen dem 26. und 28. Oktober 2009 erledigt werden. A., B. und C. verfügten für den genannten Zeitraum über Aufenthaltsbewilligungen für Slowenien, nicht aber über ein Einreisevisum in die Schweiz, welches bei der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit verlangt wird.
Am 27. Oktober 2009 führten I. und K. vom Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit (KIGA) um 13.45 Uhr an der P.-Strasse in O. in der Attikawohnung von H. eine Kontrolle durch. Bevor die Kontrolleure an der Wohnungstüre läuten und um Einlass bitten konnten, waren A., B. und C. verschwunden. Der anwesende Z. bestritt gegenüber der Kantonspolizei Graubünden zunächst, dass sich vor der Kontrolle andere Personen mit ihm in der Wohnung aufgehalten hatten; er wollte erst am 27. Oktober 2009 um 09.00 Uhr eingetroffen und alleine dort gewesen sein. Etwas später gab Z. dann zu, tags zuvor mit seinem Sohn die drei Personen bei ihrer Arbeit kontrolliert zu haben.“
H. An der Hauptverhandlung am 16. November 2010 vor dem Bezirksgerichtsausschuss Plessur erschien der Angeklagte X. in Begleitung seines Rechtsvertreters. Nach Verlesung der Anklageschrift erhielt der Angeklagte
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die Gelegenheit, sich zu der ihm zur Last gelegten Tat zu äussern. Er erklärte dabei, A., B. und C. hätten alle über eine EU-Arbeitsbewilligung für Slowenien bzw. ein Schengen-Visum verfügt. Damit hätten sie problemlos die Schweiz ferienhalber besuchen können. C. habe sich zudem in Q. bei der Gemeinde angemeldet. Diese Informationen habe er (X.) im Nachhinein bei den drei Personen eingeholt. Er habe die drei betreffenden Personen in M. in der Moschee angetroffen und ihnen von seinem Vorhaben erzählt. Alle drei seien Verwandte von ihm, da man in Mazedonien bis zum 7. Grad miteinander verwandt sei. Er wies grundsätzlich daraufhin, dass Mazedonier, welche sich ferienhalber in der Schweiz aufhalten, von ihren mazedonischen Landsleuten in der Schweiz Kost und Logis erhalten würden. Ferner erklärte er, seine drei Verwandten hätten am entsprechenden Tag in O. Angst bekommen als die Kontrolleure aufgetaucht seien. Deshalb hätten sie sich versteckt. Was seinen Vater angehe, so sei dieser einfach in Panik geraten, als er bei der Polizei habe aussagen müssen, weshalb er nicht mehr gewusst habe, was er sage. Sodann bestätigte der Angeklagte, dass er mit Dr. H. vereinbart habe, in dessen Wohnung an der P.-Strasse in O. Abbrucharbeiten für ihn durchzuführen. Er habe dies für Dr. H. kostenlos und aus Dankbarkeit getan. Auch habe er seine drei Verwandten und seinen Vater nach O. chauffiert. Schliesslich erklärte der Angeklagte, im mazedonischen Kulturkreis sei es üblich, für ein bis zwei Tage dauernde Arbeiten keine Entschädigung zu bezahlen. Zu der mit den weiteren Akten verlesenen polizeilichen Einvernahme seines Vaters äusserte sich X. dahingehend, dass er diese nicht akzeptieren könne, da sein Vater die protokollierten Worte – aufgrund seiner sehr bescheidenen Deutschkenntnisse – gar nicht gesagt haben könne. Im Übrigen erwähnte er, seien seine drei Verwandten durch ihn nicht versichert gewesen.
I. Der Untersuchungsrichter stellte und begründete in seinem ins Recht gereichten Plädoyer folgende Anträge:
„1. X. sei der Widerhandlung gegen Art. 116 Abs. 1 lit. a und b sowie Art. 117 Abs. 1 AuG schuldig zu sprechen.
2. X. sei zu verurteilen
- Zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je Fr. 200.–.
- Der Vollzug der Geldstrafe sei aufzuschieben unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren.
- Zur Bezahlung einer Busse von Fr. 3'600.–, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 18 Tagen.
3. Kostenfolge sei die gesetzliche.“
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J. Der Rechtsvertreter des Angeklagten begehrte in seinem Plädoyer das Folgende:
„1. Der Angeklagte sei vom Vorwurf der Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer gemäss Art. 116 Abs. 1 lit. a und b sowie Art. 117 Abs. 1 AuG freizusprechen.
2. Dem Angeklagten sei eine angemessene Entschädigung zuzusprechen.
3. Die Kosten des Verfahrens seien auf die Staatskasse zu nehmen.
4. Eventualiter sei der Angeklagte mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je Fr. 160.– und einer Busse von Fr. 640.– zu bestrafen.“
K. Der Untersuchungsrichter wies in seiner Replik in Bezug auf die Vorstrafe des Angeklagten daraufhin, dass diese innerhalb von 9 Jahren liege. Der Verteidiger entgegnete darauf in seiner Duplik, die Vorstrafe vom 30. November 2000 liege über 10 Jahre zurück, weshalb sie nicht mehr berücksichtigt werden dürfe.
L. In seinem Schlusswort erklärte der Angeklagte, er sei sprachlos. Er habe etwas Gutes tun wollen und sei nun in eine schlimme Sache geraten. Seine gesamte Familie sei noch nie vor einem Richter gestanden. Er wisse nun nicht, wie er sich künftig verhalten solle, da er sich keiner Schuld bewusst sei.
M. Mit Urteil vom 16. November 2010, per Dispositiv eröffnet am 17. November 2010, mitgeteilt am 3. Februar 2011, erkannte der Bezirksgerichtsausschuss Plessur was folgt:
„1. X. ist der Widerhandlung gegen Art. 117 Abs. 1 AuG schuldig.
2.a) Dafür wird er mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen à Fr. 200.00 bestraft.
b) Der Vollzug der Geldstrafe wird unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren aufgeschoben.
3.a) Zudem wird er dafür mit einer Busse von Fr. 2'000.00 bestraft.
b) Die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse beträgt 20 Tage. Sie tritt an die Stelle der Busse, soweit X. dieselbe schuldhaft nicht bezahlt.
4.a) Die Kosten des Verfahrens von Fr. 2'697.25 (Untersuchungskosten der Staatsanwaltschaft Graubünden Fr. 1'197.25, Gerichtskosten Fr. 1'500.00) gehen zu Lasten von X..
b) Die Kosten des Kreisamtes O. von Fr. 300.00 gehen ebenfalls zu Lasten von X. und sind innert 30 Tagen direkt an das Kreisamt O. zu bezahlen.
c) X. schuldet dem Bezirksgericht Plessur folglich Total Fr. 4'697.25 (Busse Fr. 2'000.00; Verfahrenskosten Fr. 2'697.25). Dieser Betrag ist
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innert 30 Tagen seit Zustellung des Urteils auf das Konto des Bezirksgerichts Plessur zu überweisen.

## Considerations