# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 087977a1-d9be-44e2-b9a5-9683daa1ee27
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2012
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Übertretung des Strassenverkehrsgesetzes
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Uster, Einzelgericht, vom 20. Januar 2011 (GU100015)
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Strafverfügung:
Die Strafverfügung des Statthalteramtes des Bezirks Uster vom 20. Mai 2010 ist
diesem Urteil beigeheftet (Urk. 4).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Verzeigte ist einer Übertretung nicht schuldig und wird in Aufhebung der
Strafverfügung Nr. ST... des Statthalteramtes des Bezirkes Uster vom 20.
Mai 2010 freigesprochen.
2. Für das gerichtliche Verfahren wird keine Gerichtsgebühr erhoben.
Die übrigen Kosten bestehend in:
Fr. 620.– Kosten des Statthalteramtes des Bezirkes Uster
werden auf die Staatskasse genommen.
3. Dem Verzeigten wird eine Umtriebsentschädigung von Fr. 100.– aus der Ge-
richtskasse zugesprochen.
Berufungsanträge:
a) Des Statthalteramtes des Bezirkes Uster:
(Urk. 35)
1. Es sei das Urteil der Einzelrichterin des Bezirksgerichtes Uster vom
20. Januar 2011 aufzuheben und der Beschuldigte des Fahrens in fahr-
unfähigem Zustand im Sinne von Art. 91 Abs. 1 SVG schuldig zu spre-
chen sowie angemessen zu bestrafen.
2. Es seien dem Beschuldigten sämtliche Verfahrenskosten aufzuerlegen.
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b) Des Verzeigten:
(Urk. 39 sinngemäss)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils bzw. Freispruch.
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## Considerations

Erwägungen:
I. Anwendbares Recht
Am 1. Januar 2011 trat die neue Schweizerische Strafprozessordnung
(StPO) in Kraft. Da das angefochtene Urteil nach diesem Zeitpunkt gefällt wurde,
gilt für das vorliegende Berufungsverfahren neues Recht (Art. 454 Abs. 1 StPO).
II. Prozessgeschichte und Prozessuales
1. Am 20. Mai 2010 wurde der Verzeigte mittels Strafverfügung des Statthal-
teramtes Uster wegen Lenkens eines Motorfahrzeugs in fahrunfähigem Zustand
unter Alkoholeinwirkung (0.63 Promille) im Sinne von Art. 91 Abs. 1 SVG in Ver-
bindung mit Art. 31 Abs. 2 SVG, Art. 2 Abs. 1 VRV und Art. 1 Abs. 1 der Verord-
nung der Bundesversammlung über Blutalkoholgrenzwerte im Strassenverkehr
(nachfolgend: VOBAW) mit einer Busse von Fr. 800.-- bestraft (Urk. 4). Im Rah-
men der gerichtlichen Beurteilung dieser Strafverfügung wurde der Verzeigte mit
Urteil der Einzelrichterin des Bezirksgerichtes Uster vom 20. Januar 2011 vollum-
fänglich freigesprochen (Urk. 23 S. 10).
2. Gegen diesen Entscheid erhob der Statthalter des Bezirkes Uster mit Ein-
gabe vom 24. Januar 2011 fristgerecht Berufung (Urk. 19). Mit Eingabe vom
27. Juli 2011 liess er dem Obergericht des Kantons Zürich sodann rechtzeitig die
Berufungserklärung zukommen, worin er angab, das vorinstanzliche Urteil sei
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aufzuheben und einen Schuldspruch beantragte (Urk. 24, vgl. Urk. 22). Mit Präsi-
dialverfügung vom 29. August 2011 wurde dem Verzeigten die Berufungserklä-
rung zugestellt und ihm eine Frist angesetzt, um Anschlussberufung zu erheben
oder ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen (Urk. 25). Der Verzeigte
erhob keine Anschlussberufung, beantragte jedoch mit Schreiben vom 2. Novem-
ber 2011, auf die Berufung des Statthalteramtes sei nicht einzutreten (Urk. 31).
Da der Verzeigte in seiner Eingabe keine Nichteintretensgründe geltend machte,
sondern lediglich den der Strafverfügung zugrunde liegenden Sachverhalt bestritt,
wurden die notwendigen Anordnungen zur Durchführung des weiteren Berufungs-
verfahrens getroffen (vgl. Art. 403 Abs. 4 StPO). Insbesondere wurde mit Be-
schluss vom 4. November 2011 das schriftliche Verfahren angeordnet und der
Untersuchungsbehörde Frist angesetzt, um ihre Berufungsanträge zu stellen und
zu begründen (Urk. 33). Mit Eingabe vom 11. November 2011 stellte der Statthal-
ter die eingangs erwähnten Anträge und verwies zu deren Begründung auf seine
Berufungserklärung (Urk. 35). Der Verzeigte erstattete innert der ihm mit Präsidi-
alverfügung vom 15. November 2011 angesetzten Frist die Berufungsantwort und
beantragte sinngemäss die Abweisung der Berufung bzw. die Bestätigung des
vorinstanzlichen Freispruchs.
3. Bilden ausschliesslich Übertretungen Gegenstand des erstinstanzlichen
Hauptverfahrens, so kann mit der Berufung nur geltend gemacht werden, das Ur-
teil sei rechtsfehlerhaft oder die Feststellung des Sachverhaltes sei offensichtlich
unrichtig oder beruhe auf einer Rechtsverletzung. Neue Behauptungen und Be-
weise können nicht vorgebracht werden (Art. 398 Abs. 4 StPO).
III. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
1. Dem Verzeigten wird zur Last gelegt, er habe seinen Personenwagen mit
dem Kennzeichen ZH ... am 22. März 2010 um 21.45 Uhr auf der Autostrasse ...
in B._ in Fahrtrichtung C._ gelenkt, wobei er einen Blutalkoholgehalt
von 0.63 Gewichtspromille aufgewiesen habe.
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2. Der Verzeigte anerkennt, am 22. März 2010 auf der ... [Autostrasse] un-
terwegs gewesen und beim Rastplatz D._ in B._ kontrolliert worden zu
sein, wobei der tiefere Messwert der zwei durchgeführten Atemlufttests eine Blut-
alkoholkonzentration von 0.63 Gewichtspromille ergeben habe. Er macht aber
geltend, dass das Testergebnis nicht aussagekräftig sei bzw. nicht stimmen kön-
ne, und bestreitet, in angetrunkenem Zustand gefahren zu sein. Zur Begründung
gibt er sinngemäss an, dass er - entgegen den zwingend zu beachtenden Vor-
schriften für Atemlufttests - seinen Mund vor den ersten zwei Tests nicht habe
spülen dürfen und dass zwischen seinem letzten Alkoholkonsum und dem ersten
Atemlufttest weniger als 20 Minuten verstrichen seien. Zudem habe die Polizei,
knapp eine Stunde nach den zwei ersten Tests und nachdem er Mineralwasser
habe trinken können, einen dritten Test durchgeführt, welcher nur noch eine Blut-
alkoholkonzentration von 0.34 Gewichtspromille ergeben hätte. Da ein Mensch
nur 0.1 Promille pro Stunde abbaue, spreche dies ebenfalls dafür, dass auf die
ersten beiden Tests nicht abgestellt werden könne (Urk. 5, Urk. 9 S. 1, Prot. I S. 4
ff.).
3. Die Strafverfügung des Statthalteramtes des Bezirkes Uster stützt sich,
ausser auf die Aussagen des Verzeigten selbst, im Wesentlichen auf den Polizei-
rapport (Urk. 1) und das vom Verzeigten unterzeichnete Polizeiprotokoll (Urk. 2).
Wie die Vorinstanz richtig erkannte (Urk. 23 S. 4 f.), sind die im Polizeirap-
port festgehaltenen Wahrnehmungen der im Zeitpunkt der Kontrolle anwesenden
Polizeibeamtin E._ allerdings nicht zulasten des Verzeigten verwertbar, da
Erstere im Laufe der Untersuchung nicht als Zeugin einvernommen wurde, wes-
halb der Verzeigte seine Teilnahme- und Fragerechte nicht ausüben konnte (Art.
147 Abs. 1 und 4 StPO). Als Beweismittel sind vorliegend somit hauptsächlich die
Aussagen des Verzeigten selbst heranzuziehen (Urk. 5, Urk. 9 und Prot. I S. 4 f.).
4. Die Vorinstanz kam zum Schluss, dass sich weder rechtsgenügend
nachweisen lasse, dass die erste Atemalkoholmessung nach der in Art. 55 Abs. 1
SVG vorgeschriebenen Wartefrist von mindestens 20 Minuten erfolgt sei, noch
dass der Verzeigte vor der zweiten Atemalkoholmessung eine Mundspülung
durchführen durfte, weshalb auf die Ergebnisse der Messungen nicht abgestellt
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werden könne. Folgerichtig sprach sie den Verzeigten in Anwendung des Grund-
satzes "in dubio pro reo" vollumfänglich frei (Urk. 23 S. 9 f.).
5. Mit seiner Berufung beantragte der Statthalter des Bezirkes Uster zur
Hauptsache, das freisprechende Urteil sei aufzuheben und der Verzeigte des
Fahrens in fahrunfähigem Zustand schuldig zu sprechen sowie angemessen zu
bestrafen (Urk. 35 in Verbindung mit Urk. 24).
Der Statthalter beanstandete in der Berufungserklärung die Beweiswürdi-
gung durch die Vorinstanz. Insbesondere habe die Vorinstanz den Verzeigten zu
Unrecht nicht auf seiner Anerkennung der Messwerte und des Anhaltezeitpunktes
behaftet. Er machte damit sinngemäss geltend, die Feststellung des Sachverhal-
tes sei offensichtlich unrichtig im Sinne von Art. 398 Abs. 4 StPO (Urk. 24 S. 2 ff.).
6. Die Vorinstanz hat die Anforderungen an einen rechtsgenügenden
Schuldbeweis und die Grundsätze der Beweiswürdigung zutreffend dargelegt
(Urk. 23 S. 4). Ferner hat sie die Aussagen des Verzeigten korrekt wiedergege-
ben (Urk. 23 S. 5-9). Auf die entsprechenden Ausführungen kann zur Vermeidung
unnötiger Wiederholungen verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).
7. Bei der Sachverhaltserstellung ist vorliegend in einem ersten Schritt zu
prüfen, ob davon ausgegangen werden kann, dass die beim Verzeigten durchge-
führten Atemlufttests unter Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben zustande ka-
men. Nur wenn dies bejaht werden kann, stellt sich in einem zweiten Schritt die
Frage, ob sich der in der Strafverfügung festgehaltene Messwert von 0.63 Promil-
le gestützt auf die dem Gericht vorliegenden Beweismittel rechtsgenügend erstel-
len lässt.
7.1 Gemäss Art. 55 Abs. 1 SVG können Fahrzeugführer einer Atemalkoholp-
robe unterzogen werden. Wie die Atemalkoholprobe korrekt durchzuführen ist,
lässt sich Art. 11 der Strassenverkehrskontrollverordnung (nachfolgend: SKV)
entnehmen. Nach dieser Bestimmung darf der Atemtest frühestens 20 Minuten
nach dem Trinkende oder nach Vornahme einer Mundspülung durchgeführt wer-
den (Art. 11 Abs. 1 SKV). Zudem sind für die Probe zwei aufeinanderfolgende
Messungen erforderlich, welche nicht mehr als 0.10 Promille voneinander abwei-
chen dürfen (Art. 11 Abs. 4 SKV).
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Der Verzeigte bestritt vehement, dass ihm vor den ersten zwei Messungen
erlaubt worden sei, seinen Mund mit Wasser zu spülen (Urk. 5, Urk. 9 S. 2, Prot. I
S. 4). Diese Aussage lässt sich nicht widerlegen, da die im Polizeirapport ge-
machten Angaben nicht zulasten des Verzeigten verwertet werden können. In
Übereinstimmung mit den Erwägungen der Vorinstanz (Urk. 23 S. 9) ist diesbe-
züglich somit in dubio pro reo von der Sachdarstellung des Verzeigten auszuge-
hen. Ob die beim Verzeigten durchgeführten Atemtests verwertbar sind, ist somit
davon abhängig, ob zwischen dem Trinkende und dem Atemalkoholtest eine Zeit-
spanne von mindestens 20 Minuten gelegen hat.
Unbestritten ist, dass der Verzeigte im Restaurant F._ beim G._
den letzten Schluck Alkohol getrunken hat und der Atemalkoholtest auf dem
Rastplatz D._ auf dem Gemeindegebiet von B._ durchgeführt wurde.
Zudem gab der Verzeigte an, dass er sich auf der Fahrt vom G._ bis zum
Rastplatz innerhalb der zulässigen Tempolimiten bewegt habe (Prot. I S. 5). Ge-
mäss Routenplan der Internetseite "map.local.ch" werden für das Befahren der
obgenannten, rund 11 Kilometer langen Strecke etwa 13 Minuten benötigt
(Urk. 11), was vom Verzeigten anlässlich der erstinstanzlichen Verhandlung aner-
kannt wurde (Prot. I S. 5). Damit ist erstellt, dass alleine schon aufgrund der Fahr-
zeit mindestens 10 Minuten der vorgeschriebenen Wartefrist im Sinne von Art. 11
Abs. 1 lit. a SKV verstrichen sein müssen.
Hinzuzurechnen ist die Zeitspanne, die zwischen dem Zeitpunkt lag, in wel-
chem der Verzeigte angehalten wurde und demjenigen, in welchem die Atempro-
be durchgeführt wurde. Im Polizeiprotokoll wird hierzu festgehalten, dass der Ver-
zeigte um 21.45 Uhr angehalten wurde, der erste Atemlufttest um 22.00 Uhr und
der zweite um 22.05 Uhr stattfand. Der Verzeigte hat das Polizeiprotokoll am
22. März 2010 unterschrieben und damit dessen Inhalt bestätigt (Urk. 2 S. 3).
Während der Verzeigte die Zeitpunkte der Atemtests weder in der Untersuchung
noch vor Vorinstanz bestritt (vgl. Urk. 5, Urk. 9 S. 2 und Prot. I S. 4 ff.), wechselte
er in Bezug auf den Anhaltezeitpunkt zwischen Anerkennung und Bestreitung der
im Polizeiprotokoll festgehaltenen Uhrzeit hin und her (Urk. 9 S. 2). Aufgrund sei-
nes Aussageverhalten entsteht insgesamt der Eindruck, er passe seine Sachdar-
stellung den jeweiligen Vorwürfen an. So rügte der Verzeigte in seiner Eingabe
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ans Statthalteramt noch lediglich, dass ihm eine Mundspülung verwehrt blieb. Die
Zeitangaben im Polizeiprotokoll bestritt er nicht (Urk. 5). Erst als ihn der Statthal-
ter darüber aufklärte, dass eine Atemprobe auch dann gültig sei, wenn anstelle
der Mundspülung eine Wartefrist von mindestens 20 Minuten eingehalten werde,
begann der Verzeigte, auch den im Rapport festgehaltenen Anhaltezeitpunkt zu
bestreiten, nachdem er anfänglich gesagt hatte, er wisse nicht genau, wann er
angehalten worden sei. Mit der Möglichkeit konfrontiert, dass der Anhaltezeitpunkt
mittels Einvernahme der rapportierenden Polizeibeamtin eruiert werden könnte,
brachte er vor, dass eine Bestreitung des Zeitpunktes offenbar nichts bringe und
anerkannte wiederum, um 21.45 Uhr angehalten worden zu sein, wobei er sich
sofort wieder auf sein ursprüngliches Argument berief, dass er den Mund nicht
habe spülen können (Urk. 9 S. 2). Inzwischen gewahr, dass die Zeitspanne zwi-
schen Trinkende und Atemtest von Relevanz ist, gab der Verzeigte vor Vorinstanz
an, er schätze, rund 10 Minuten vor dem Atemlufttest zuletzt Alkohol getrunken zu
haben (Prot. I S. 4). Diese Aussage lässt sich jedoch nur schwer mit seinen frühe-
ren Angaben beim Statthalter in Einklang bringen, wo er ausführte, 7-10 Minuten
bevor er von der Polizei angehalten worden sei, den letzten Schluck getrunken zu
haben (Urk. 9 S. 1). Von der Einzelrichterin auf diese Ungereimtheit angespro-
chen, erklärte der Verzeigte, er sei angehalten worden und habe unmittelbar da-
nach blasen müssen. Es sei praktisch zeitgleich gewesen (Prot. I S. 4). Diese Er-
klärung überzeugt nicht. Sie lässt sich schlecht mit seiner ersten Aussage verein-
baren, dass er den Anhaltezeitpunkt nicht kenne: war dieser identisch mit dem
Zeitpunkt des ersten Atemlufttests, der korrekt verurkundet worden war, dann
könnte er ihn aus jener Angabe rekonstruieren. Es ist zudem nicht davon auszu-
gehen, dass ein Fahrzeuglenker - nachdem er anlässlich einer Verkehrskontrolle
angehalten wurde - ohne weiteren Wortwechsel zum Atemtest aufgefordert wird.
Dies gilt erst recht, als der Verzeigte selbst angab, er habe vor dem ersten Atem-
test eine Mundspülung verlangt, welche ihm verweigert worden sei (vgl. Urk. 5
S. 1, Prot. I S. 4), was dafür spricht, dass es vor dem Test zu einer Diskussion
kam (vgl. Urk. 24 S. 3 Ziff. 2.2. a. E.). Zudem ist gerichtsnotorisch, dass bei poli-
zeilichen Kontrollen als erstes die Identität des Angehaltenen ermittelt wird, wes-
halb davon auszugehen ist, dass vor dem Atemtest eine Ausweiskontrolle statt-
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fand. Vor diesem Hintergrund erhellt, dass den Bestreitungen des Verzeigten kein
Glaube geschenkt werden kann. Vielmehr ist der Verzeigte bei seiner unterschrift-
lichen Bestätigung des Polizeiprotokolls und seiner ursprünglichen Anerkennung
des Anhaltezeitpunktes anlässlich der Einvernahme des Statthalteramtes zu be-
haften. Der Einwand des Verzeigten, er habe das Protokoll unterschrieben, ohne
dieses durchgelesen zu haben (Prot. I S. 6), ist - wie später noch auszuführen ist
(Erw. II./7.2) - nicht zu hören. Darüber hinaus besteht keinerlei Anlass, an der im
Polizeiprotokoll festgehaltenen Anhaltezeit zu zweifeln. Im Gegenteil ist festzuhal-
ten, dass die im Protokoll angegebene Zeit mit derjenigen im Polizeirapport über-
einstimmt. Damit ist erstellt, dass zur Fahrzeit von mindestens 10 Minuten noch
rund 15 Minuten Wartezeit hinzukommen, welche zwischen dem Anhaltezeitpunkt
um 21.45 Uhr und dem Testzeitpunkt um 22.00 Uhr verstrichen sind.
Nur der Vollständigkeit halber ist anzufügen, dass der Verzeigte - nachdem
er im Restaurant F._ den letzten Schluck Bier getrunken hatte - das Restau-
rant verlassen, zum Parkplatz gehen, ins Auto einsteigen und dieses in den Ver-
kehr einführen musste. Selbst wenn man der Sachdarstellung des Verzeigten
folgt, dass er sein Fahrzeug in unmittelbarer Nähe des Restaurants geparkt hatte,
benötigte er für diese Handlungen eher mehr als die von ihm angegebenen
20 Sekunden (vgl. Prot. I S. 6). Die zwischen Trinkende und Anhaltezeitpunkt
veranschlagten 10 Minuten sind insgesamt sicher klar überschritten worden.
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass der Verzeigte auf sei-
nen anfänglichen Zugaben zu behaften ist und - entgegen den Ausführungen der
Vorinstanz (Urk. 23 S. 9) - keine vernünftigen Zweifel daran bestehen, dass die
vorgeschriebene Wartezeit von 20 Minuten eingehalten wurde. Da die ersten zwei
Tests zudem nur 0.05 Promille voneinander abweichen, ist erstellt, dass die
Messwerte gesetzeskonform zustande gekommen und damit verwertbar sind.
7.2 Auch in Bezug auf die Höhe des Messwertes, ist zu betonen, dass der
Verzeigte das Polizeiprotokoll unterschrieben hat. Die Unterschrift befindet sich
unmittelbar nach der Rechtsbelehrung mit folgendem Inhalt: "Die Anerkennung
des tieferen Messwertes hat beweisrechtliche Folgen. Gestützt auf die Feststel-
lung der Blutalkoholkonzentration werden massnahmerechtliche (Führerausweis-
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entzug, Verwarnung oder Fahrverbot) und strafrechtliche (Busse) Verfahren ein-
geleitet." sowie unter dem angekreuzten Feld, wonach die Messung anerkannt
werde. Das Feld, ob eine Blutprobe verlangt werde, wurde offen gelassen (Urk. 2
S. 3).
Auf dieser unterschriftlichen Anerkennung des tieferen Messwertes der
Atemlufttests von 0.63 Promille ist der Verzeigte - entgegen den Ausführungen
der Vorinstanz (Urk. 23 S. 8) - zu behaften. Der Atemlufttest ist eine gebräuchli-
che Methode zur Feststellung des Alkoholisierungsgrads eines Fahrzeugführers.
Gemäss Art. 10 Abs. 1 und Abs. 5 SKV sowie Art. 11 Abs. 4 SKV kann die Polizei
Vortestgeräte benutzen, welche Auskunft über die Alkoholisierung geben. Ergibt
der Vortest hinsichtlich des Alkoholkonsums ein positives Resultat oder wurde auf
den Einsatz eines solchen Geräts verzichtet, so wird eine Atem-Alkoholprobe
durchgeführt, wobei zwei Messungen erforderlich sind. Entspricht der tiefere Wert
der beiden Messungen einer Blutalkoholkonzentration von 0.50 Promille und
mehr, aber weniger als 0.80 Promille, und wird dieser Wert von der betroffenen
Person unterschriftlich anerkannt, so gilt die Fahrunfähigkeit als festgestellt
(Art. 11 Abs. 5 lit. a SKV). Eine Blutuntersuchung wird nach Messergebnissen von
weniger als 0.8 Promille bei Motorfahrzeugführern nur durchgeführt, wenn die
Person den Testwert nicht anerkennt (Art. 12 Abs. 1 lit. a Ziff. 2 SKV). Der Ge-
setzgeber hat also gewollt, dass es bei einem Atemlufttest sein Bewenden hat,
wenn die betroffene Person das Testresultat unterschriftlich bestätigt.
Wenn der Verzeigte anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vor-
bringt, dass er das Polizeiprotokoll unterzeichnet habe, ohne dessen Inhalt zur
Kenntnis genommen zu haben (Prot. I S. 6), so ist dies als blosse Schutzbehaup-
tung zu qualifizieren. Das Protokoll nimmt klar Bezug auf den Kontrollvorgang, der
unmittelbar vor Unterzeichnung des Protokolls stattgefunden hat und den der
Verzeigte zweifellos mitbekommen hat. Damit wusste der Verzeigte, was es zu
unterzeichnen galt. Dies gilt umso mehr, als es belegtermassen nicht das erste
Mal war, dass der Verzeigte einer Alkoholkontrolle unterzogen wurde (Urk. 3,
Prot. I S. 3).
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Soweit sich der Verzeigte auf den Standpunkt stellt, das Kontrollgerät sei de-
fekt gewesen, hätte er dies unmittelbar nach Durchführung des Tests vorbringen
müssen. Dann hätte nochmals eine Atem-Alkoholprobe mit einem anderen Test-
gerät durchgeführt oder es hätte eine Blutprobe vorgenommen werden können.
Der Verzeigte hätte also die Möglichkeit gehabt, die Alkoholkonzentration durch
ein anderes Beweismittel ermitteln zu lassen. Hat er den durch die Atemluftprobe
ermittelten Wert unterschriftlich anerkannt, kann er später nicht darauf zurück
kommen und diesen Wert in Frage stellen. Dem eindeutigen Ergebnis eines
Atemlufttests den Beweiswert abzusprechen, widerspräche im übrigen auch dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (BGE 116 IV 75 E. 4.b).
Die Argumentation des Verzeigten, der von ihm geforderte und um
22.58 Uhr durchgeführte Atemlufttest habe nur noch einen Wert von 0.43 Promil-
len ergeben (Urk. 5, Prot. I S. 6 f.), ändert nichts an seiner Anerkennung der
Testwerte und vermag diese nicht in Zweifel zu ziehen. Zum einen sind Abbaura-
ten von Mensch zu Mensch verschieden, zum anderen entspricht der dritte Test
nicht den gesetzlichen Vorgaben und wurde nicht durch eine zweite Messung
überprüft (Art. 11 Abs. 4 SKV).
Auch der Einwand des Verzeigten, dass er nur drei Biere à 3 dl getrunken
haben will und nicht - wie im Rapport und im Polizeiprotokoll festgehalten - à
3.5 dl (Urk. 5 S. 2, Urk. 9 S. 3, Prot. I S. 4), vermag keine Zweifel an den Mess-
ergebnissen zu begründen. Selbst wenn von der Sachdarstellung des Verzeigten
auszugehen wäre, liegt es durchaus im Bereich des Wahrscheinlichen, dass nach
dem Konsum von 9 dl Bier eine Blutalkoholkonzentration von über 0.5 Promille er-
reicht wird.
Nicht unerwähnt zu lassen ist, dass das Bundesamt für Strassen (ASTRA) in
den "Weisungen betreffend die Feststellung der Fahrunfähigkeit im Strassenver-
kehr" vom 22. Mai 2008 die Anforderungen an die Geräte zur Durchführung von
Atemalkoholkontrollen und ihre Handhabung geregelt hat (Art. 11 Abs. 3 SKV).
Die Weisungen äussern sich sehr detailliert zum korrekten Vorgehen der Kontroll-
behörde bei Atemalkoholkontrollen (vgl. Weisungen S. 2, Vorgehen der Kontroll-
behörde). Die Anforderungen an die Kontrollgeräte sind im Anhang 1 der Weisun-
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gen ausführlich dargelegt. Bevor die Geräte zum Einsatz kommen, müssen sie
kalibriert werden (Anhang 1, Ziffer 3) und es ist eine Versuchsreihe bezüglich
Messgenauigkeit durchzuführen (Anhang 1, Ziffer 5). Art. 11 Abs. 2 lit. b SKV sta-
tuiert überdies, dass die Geräte in einem Bereich, der einer Blutalkoholkonzentra-
tion von 0.02 - 1.00 Promille entspricht, eine Messungenauigkeit von höchstens
0.05 Promille aufweisen dürfen. Angesichts der hohen Anforderungen, welche an
die Messgeräte gestellt werden, ist ohne konkrete anderslautende Hinweise da-
von auszugehen, dass die heutzutage verwendeten Geräte zuverlässig und ge-
nau sind.
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass aufgrund der obigen Erwä-
gungen keine vernünftigen Zweifel mehr daran bestehen können, dass der Ver-
zeigte mit über 0.63 Promille gefahren ist. Damit ist der Sachverhalt, wie er sich
aus der Strafverfügung ergibt, erstellt.
8. Die rechtliche Würdigung durch das Statthalteramt ist korrekt und wurde
vom Verzeigten auch nicht bemängelt (vgl. Prot. I S. 6). Demnach ist der Verzeig-
te des Fahrens in fahrunfähigem Zustand im Sinne von Art. 91 Abs. 1 SVG in
Verbindung mit Art. 31 Abs. 2 SVG und Art. 2 Abs. 1 VRV schuldig zu sprechen.
IV. Strafzumessung
Wer in angetrunkenem Zustand ein Motorfahrzeug führt, wird mit Busse be-
straft (Art. 91 Abs. 1 Satz 1 SVG). Das Gericht bemisst die Busse und Ersatzfrei-
heitsstrafe je nach den Verhältnissen des Täters so, dass dieser die Strafe erlei-
det, die seinem Verschulden angemessen ist (Art. 106 Abs. 3 StGB). Bestimmt es
das Gesetz nicht anders, so ist der Höchstbetrag der Busse Fr. 10'000.– (Art. 106
Abs. 1 StGB).
Es sind weder Strafschärfungs- noch Strafmilderungsgründe ersichtlich.
Das Tatverschulden des Verzeigten wiegt innerhalb des Tatbestandes der
Übertretung nicht mehr leicht. Mit 0.63 Promille hat er den von der Bundesver-
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sammlung für eine Strafbarkeit gemäss Art. 91 Abs. 1 Satz 1 SVG festgesetzten
Grenzwert von 0.5 Promille klar überschritten (vgl. Art. 1 Abs. 1 VOBAW). Straf-
erhöhend ist zu berücksichtigen, dass der Verzeigte über einen getrübten auto-
mobilistischen Leumund verfügt. So wurde ihm wegen Fahrens in angetrunkenem
Zustand im Februar 2004, mithin vor über sechs Jahren, für sechs Monate der
Führerausweis entzogen. Ein weiterer Ausweisentzug erfolgte im April 2005 auf-
grund unangepasster Geschwindigkeit. Vor rund zwei Jahren wurde der Verzeigte
schliesslich - wiederum wegen Angetrunkenheit am Steuer - verwarnt (Urk. 3, vgl.
auch Urk. 9 S. 3 und Prot. I S. 3). Was die finanziellen Verhältnisse des Verzeig-
ten anbelangt, lässt sich seinen Ausführungen in der Untersuchung und anlässlich
der Hauptverhandlung sowie dem bei den Akten liegenden Datenerfassungsblatt
entnehmen, dass er als selbständiger Vermögensverwalter tätig ist und monatlich
rund Fr. 3'000.-- netto verdient. Seine Mietauslagen betragen Fr. 1'952.–. Vermö-
gen hat der Verzeigte keines, aber Schulden in Höhe von Fr. 30'000.– (Urk. 9 S.
3, Prot. II S. 2 f., Urk. 32/1-6).
Insgesamt bleibt festzuhalten, dass die mit Strafverfügung vom 20. Mai 2010
ausgesprochene Busse den relevanten Strafzumessungsgründen angemessen
Rechnung trägt. Der Verzeigte ist folglich mit einer Busse von Fr. 800.-- zu bestra-
fen.
Der Richter spricht im Urteil für den Fall, dass die Busse schuldhaft nicht be-
zahlt wird, eine Ersatzfreiheitsstrafe von mindestens einem Tag und höchstens
drei Monaten aus (Art. 106 Abs. 2 StGB). Vorliegend erscheint es als gerechtfer-
tigt, die Ersatzfreiheitsstrafe auf 8 Tage festzusetzen.
V. Kosten
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird der Verzeigte für das gesamte
Verfahren kostenpflichtig (Art. 426 Abs. 1 und Art. 428 Abs. 1 StPO). Demgemäss
wird ihm - entgegen Dispositivziffer 3 des vorinstanzlichen Urteils - auch keine
Entschädigung zugesprochen. Somit sind einerseits die erstinstanzlich festgestell-
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ten Untersuchungskosten des Statthalteramtes (Dispositivziffer 2 des vorinstanzli-
chen Urteils) zu bestätigen und andererseits Gerichtsgebühren für beide gerichtli-
chen Verfahren festzusetzen. Sämtliche Kosten der Untersuchung und beider Ge-
richtsinstanzen sind sodann dem Verzeigten aufzuerlegen.