# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 6256e975-2840-5f68-bfd9-dd5ebcd00c94
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdeführer ist Eigentümer der Liegenschaft Sigriswil Gbbl.
Nr. F._. Diese grenzt nicht direkt an eine öffentliche Strasse, sondern ist lediglich
über einen öffentlichen Fussweg erreichbar, und zwar entweder vom oberhalb liegenden
G._weg (Gemeindestrasse) oder von der unterhalb liegenden H._strasse
(Kantonsstrasse) her. Ein privates Wegrecht hat der Beschwerdeführer nicht. Der
öffentliche Fussweg verlief ursprünglich ab dem G._weg über die Parzelle der
Beschwerdegegner (Sigriswil Gbbl. Nr. I._). Kurz vor der Grenze zum
unterliegenden Grundstück (Sigriswil Gbbl. Nr. J._) wies er einen Bogen in
Richtung der östlichen Grundstücksgrenze auf und führte in Richtung Gartentor des
Grundstücks des Beschwerdeführers. Anschliessend verläuft der Weg entlang der bzw. auf
den gemeinsamen Grundstücksgrenzen bis zur H._strasse.
Auf Wunsch der Beschwerdegegner verlegte die Gemeinde den oberen Teil des
öffentlichen Fusswegs im Juli 2013 an die Grundstücksgrenze zur Liegenschaft Sigriswil
Gbbl. Nr. K._. Die Beschwerdegegner bauten den alten Fussweg zurück und
erstellten eine Stützmauer, die bis an den neuen Fussweg heranreicht. Der neue Fussweg
weist eine Steigung von 30 % auf, hat eine lichte Breite von 90 cm bis 95 cm und verfügt
über zehn Treppenstufen. Er wird auf der einen Seite von einem Maschendrahtzaun
begrenzt, der entlang der Grundstückgrenze der Parzelle Sigriswil Gbbl. Nr. K._
verläuft. Auf der anderen Seite bilden ein Mäuerchen, eine Bepflanzung sowie die
Stützmauer der Beschwerdegegner die Begrenzung.
Aufgrund einer Intervention des Beschwerdeführers stellte der Regierungsstatthalter die
Baubewilligungspflicht der Gartenanlage mit Stützmauer fest. Die Beschwerdegegner
reichten deshalb am 30. Oktober 2013 ein nachträgliches Baugesuch für den Neubau
Gartengestaltung mit Stützmauer inkl. Verlegung des öffentlichen Wegs ein. Dagegen
erhob der Beschwerdeführer Einsprache und machte insbesondere geltend, der Zugang zu
seinem Haus werde durch das bereits realisierte Vorhaben ganz massiv eingeschränkt und
die Stützmauer sei zu hoch. Am 16. April 2014 erteilte der Regierungsstatthalter von Thun
die nachträgliche Baubewilligung. Dagegen erhob der Beschwerdeführer am 15. Mai 2014
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) und
beantragte, dem nachträglichen Baugesuch sei der Bauabschlag zu erteilen und die
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Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands sei zu verfügen.1 Mit Entscheid vom 11.
Februar 2015 hob die BVE die Baubewilligung des Regierungsstatthalters von Thun vom
16. April 2014 auf, erteilte dem Vorhaben den Bauabschlag und wies die Sache zur
Fortsetzung des Verfahrens im Sinne der Erwägungen zurück. Dieser Entscheid erwuchs
unangefochten in Rechtskraft.
2. Der Regierungsstatthalter von Thun nahm das Verfahren wieder auf, klärte bei der
Gemeinde den ortsüblichen Ausbaustandard von Fusswegen ab und gab den
Beschwerdegegnern Gelegenheit, eine allfällige Projektänderung oder ein
Ausnahmegesuch für das Bauen im Strassenabstand einzureichen. Von dieser Möglichkeit
machten diese keinen Gebrauch. Am 17. November 2015 verfügte der
Regierungsstatthalter von Thun die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes. Er
verpflichtet die Beschwerdegegner, den Fussweg bzw. die Treppe entlang der Stützmauer
so zu verbreitern, dass er bzw. sie durchgehend 1.50 m breit ist, die Stützmauer
gegenüber dem öffentlichen Fussweg so weit nach Nordwesten zu verschieben, dass im
Fusspunkt der Abstand zur Marche durchgehend 2.00 m oder mehr beträgt und an der
Stützmauer einen durchgehenden Handlauf anzubringen. Die Gemeinde verpflichtete er
als Eigentümerin des Grundstücks Sigriswil Gbbl. Nr. L._ und
Wegrechtsberechtigte zur Duldung der entsprechenden Anpassungen.
3. Gegen diese Wiederherstellungsverfügung hat der Beschwerdeführer am 8.
Dezember 2015 Beschwerde bei der BVE erhoben. Er beantragt, die Beschwerdegegner
seien unter Androhung der Ersatzvornahme zu verpflichten, den ursprünglichen Zustand
wiederherzustellen. Dieser bestehe aus der Entfernung der ohne Baubewilligung erstellten
Stützmauer inklusive der dadurch gesicherten Terrainaufschüttung sowie der
Wiederanlage des Fussweges über das Grundstück Sigriswil Gbbl. Nr. I._
entsprechend dem Wegverlauf vor der Erstellung der Stützmauer, dem natürlichen
Geländeverlauf folgend und ohne Durchsetzung mit Treppenstufen. Zur Begründung führte
er insbesondere aus, für die Erstellung der Stützmauer und die Verlegung des Fussweges
sei vollumfänglich der Bauabschlag erteilt worden. Die rechtswidrige Baute sei deshalb zu
beseitigen und der rechtswidrig beseitigte Fussweg wiederherzustellen. Neben dem
öffentlichen Interesse an der Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands bestehe
1 Verfahren RA Nr. 110/2014/64
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zusätzlich das private Interesse des Beschwerdeführers an einer genügenden
Erschliessung seiner Liegenschaft. Es würden keine Gründe für einen Verzicht auf die
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands vorliegen. Bei einer bloss teilweisen
Wiederherstellung müsste die Treppe mit seitlicher Begrenzung eine Mindestbreite von
2.50 m einhalten. Das Wegstück dürfe keine Treppenstufen aufweisen, so dass das
Grundstück des Beschwerdeführers mit Gepäck- und Handkarren, geschobenem Rollstuhl,
Rollator oder Kinderwagen erreichbar bleibe. Die Stützmauer müsse den Strassenabstand
einhalten. Da die Gemeinde die einzig denkbare alternative Wegführung ohne
Treppenstufen verwerfe, müsse der Weg auf die ursprüngliche Linienführung zurückgeführt
werden.
4. In ihrer Stellungnahme vom 14. Dezember 2015 beantragt die Vorinstanz die
Abweisung der Beschwerde. Die Beschwerdegegner gälten nicht als bösgläubig, da sie vor
Baubeginn von der Baupolizeibehörde die Auskunft erhalten hätten, dass keine
Baubewilligung erforderlich sei. Der betroffene öffentliche Fussweg sei eine von drei
Fussgängerverbindungen vom G._weg zur Post und damit objektiv von
untergeordneter Bedeutung. Er sei im Einvernehmen mit der dienstbarkeitsberechtigten
Gemeinde verlegt worden.
In ihrer Stellungnahme vom 15. Januar 2016 beantragt die Gemeinde die Abweisung der
Beschwerde. Es bestehe kein Anspruch auf die Wiederherstellung der alten Wegführung.
Aus dem Entscheid der BVE gehe vor allem hervor, dass die Sicherheit betreffend
Zugänglichkeit verbessert werden müsse. Durch das Anbringen eines Geländers und der
Verbreiterung des Weges werde dem Sicherheitsaspekt genügend Beachtung geschenkt.
Bei öffentlichen Fusswegen habe die Gemeinde wiederholt auf den gesetzlichen
Strassenabstand von 3.60 m verzichtet. Sie habe eine Änderung des Baureglements
eingeleitet, wonach für solche Wege ein Abstand von 0.5 m vorgesehen sei.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 25. Januar 2016 beantragen die Beschwerdegegner die
Abweisung der Beschwerde. Sie hätten sich bemüht, bei der Umgestaltung ihres Gartens
korrekt vorzugehen, und sich bei der Gemeinde nach der Bewilligungsbedürftigkeit
erkundigt. Die von der Vorinstanz angeordnete Wegführung gehe über den in Sigriswil
vielerorts anzutreffenden Standard hinaus. Mit der Verbreiterung des Weges und der
Montage des Handlaufs werde die Sicherheit deutlich erhöht. Eine Reduktion der Steilheit
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sei mit verhältnismässigen Mitteln nicht zu erreichen. Zu beachten sei auch, dass es in
Sigriswil diverse derart steile Wegstücke gebe. Der Beschwerdeführer habe keinen
Anspruch darauf, dass der neue Weg ohne Treppen auskomme. Unter dem Blickwinkel der
Verhältnismässigkeit könne auch nicht verlangt werden, dass die Stützmauer bei diesem
kaum genutzten Fussweg einen Strassenabstand von 3.60 m einhalten müsse.
5. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, stellte die
Eingaben zu und holte die Kostennoten ein. Auf die Akten und Rechtsschriften wird, soweit
für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Gemäss Art. 49 Abs. 1 BauG3 können baupolizeiliche Verfügungen nach Art. 45 bis
48 BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden.
Die BVE ist somit für die Beurteilung der Beschwerde zuständig.
b) Der Beschwerdeführer war als Anzeiger und Einsprecher am vorinstanzlichen
Verfahren beteiligt. Er ist mit seinen Anträgen hinsichtlich der Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustandes nicht durchgedrungen und ist deshalb zur Beschwerde befugt
(Art. 65 Abs. 1 VRPG4).
c) Die Beschwerde ist innert der Rechtsmittelfrist eingereicht worden (Art. 49 Abs. 1
BauG). Sie enthält einen Antrag und eine Begründung (Art. 32 Abs. 2 VRPG). Auf die form-
und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands
2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0) 4 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
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a) Der Beschwerdeführer macht geltend, da die BVE den Bauabschlag und nicht etwa
eine teilweise Baubewilligung erteilt habe, sei eine vollständige Wiederherstellung
anzuordnen. Es lägen keine Gründe vor, die es ausnahmsweise rechtfertigen würden, auf
die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes zu verzichten. Daher seien die
vollumfängliche Beseitigung der rechtswidrig erstellten Baute sowie die vollumfängliche
Wiederherstellung des rechtswidrig verlegten Weges zu verfügen. Für eine bloss teilweise
Wiederherstellung bleibe kein Raum. Die Mindestanforderungen an den
Erschliessungsweg gemäss Entscheid der BVE könnten nicht anders erfüllt werden, als
durch Rückverlegung des Weges an dessen ursprünglichen Verlauf. Damit verbunden sei
zwingend die Entfernung der Stützmauer und der Geländeauffüllung. Einzig denkbare
Alternative wäre eine Wegführung ohne Treppenstufen unterhalb des Grundstücks des
Beschwerdeführers in den bestehenden Weg des Altersheims X_.
b) Wird einem nachträglichen Baugesuch der Bauabschlag erteilt, so ist darüber zu
befinden, ob und inwieweit der rechtmässige Zustand wiederherzustellen ist (Art. 46 Abs. 2
Bst. e BauG). Der Bauabschlag bedeutet somit nicht, dass die Wiederherstellung
zwangsläufig nachfolgen muss. Es ist denkbar, dass zwar die Baubewilligung verweigert,
aber auf eine Wiederherstellung verzichtet wird.5 Eine bloss teilweise Wiederherstellung
verletzt folglich Art. 46 BauG nicht. Die Wiederherstellungsverfügung muss im öffentlichen
Interesse liegen, verhältnismässig sein und darf den Vertrauensgrundsatz nicht verletzen.
Nach der allgemeinen Formel des Bundesgerichts kann die Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustands unterbleiben, wenn die Abweichung vom Erlaubten nur
unbedeutend ist oder die Wiederherstellung nicht im öffentlichen Interesse liegt, ebenso,
wenn die Bauherrschaft in gutem Glauben angenommen hat, die von ihr erstellte Baute
oder Anlage oder die ausgeübte Nutzung stehe mit der Baubewilligung im Einklang, und
deren Belassung nicht schwerwiegenden öffentlichen Interessen widerspricht. Eine
Wiederherstellungsmassnahme ist verhältnismässig, wenn sie geeignet ist, das
angestrebte Ziel zu erreichen, nicht weiter geht, als zur Herstellung des rechtmässigen
Zustands nötig ist und die Belastung für die pflichtige Person in einem vernünftigen
Verhältnis zum verfolgten Ziel steht.6
5 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 17 6 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 9, mit Hinweis auf BGE 132 II 21 E. 6; BVR 2013 S. 85 E. 5.1
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c) Die Beschwerdegegner erkundigten sich vor der Bauausführung bei der Gemeinde
nach der Baubewilligungspflicht. Die Gemeinde ging nach Abklärungen selber davon aus,
dass die Verlegung des öffentlichen Weges bewilligungsfrei möglich sei.7 Sie gab den
Beschwerdegegnern deshalb die Auskunft, die Verlegung des Weges und der Bau einer
Stützmauer bis zu einer Höhe von 1.20 m seien baubewilligungsfrei.8 Zudem stimmte die
Planungs-, Volkswirtschafts-, Tiefbau- und Umweltkommission der Verlegung des Weges
ausdrücklich zu9 und der Weg wurde in Absprache mit der Gemeinde verlegt10. Es kann
den Beschwerdegegnern somit nicht vorgeworfen werden, sie hätten sich nicht um die
Zulässigkeit ihres Tuns gekümmert. Sie durften im Zeitpunkt der Bauausführung
annehmen, sie seien dazu berechtigt, ohne Baubewilligung den alten Fussweg
zurückzubauen und die Aufschüttung samt Stützmauer bis zu einer Höhe von 1.20 m zu
erstellen. Sie gelten deshalb insoweit als gutgläubig. Daran ändert der Umstand nichts,
dass sie irrtümlicherweise davon ausgingen, die Absturzsicherung werde nicht an die
massgebliche Höhe angerechnet.11 Die Beschwerdegegner haben im Vertrauen auf die
behördliche Auskunft Dispositionen getroffen, die nicht ohne Nachteile rückgängig gemacht
werden können. Sie können sich somit grundsätzlich auf den Vertrauensschutz berufen.
Von der Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands kann deshalb abgesehen werden,
soweit diese nicht durch gewichtige öffentliche oder private Interessen geboten ist.12
Solche Interessen liegen im vorliegenden Fall lediglich insoweit vor, als das Bauvorhaben
die Verkehrssicherheit des öffentlichen Fussweges und die (genügende) Erschliessung des
Grundstücks des Beschwerdeführers betrifft. Wie die BVE im Entscheid vom 11. Februar
2015 ausgeführt hat, darf die Gemeinde einen öffentlichen Fussweg umgestalten oder
verlegen. Die neue Wegstrecke muss aber verkehrssicher sein, grundsätzlich auch von
älteren oder behinderten Personen benutzt werden können und die Funktionen des alten
Weges möglichst gleichwertig erfüllen. Zudem muss das Grundstück des
Beschwerdeführers weiterhin hinreichend erschlossen sein.13 Soweit diese
Voraussetzungen nicht erfüllt sind, kann trotz Gutgläubigkeit der Beschwerdegegner nicht
7 Vgl. Stellungnahme der Bau- und Planungskommission Sigriswil vom 10. Februar 2014 zu den Einsprachen, Akten des Regierungsstatthalteramts Thun bbew 162/2013 (Dossier 1), p. 31 8 Vgl. Schreiben der Baupolizei- und Planungskommission Sigriswil vom 20. Juni 2014, Archivakten RA Nr. 110/2014/64 pag. 37 9 Vgl. Schreiben der Planungs-, Volkswirtschafts-, Tiefbau- und Umweltkommission Sigriswil vom 14. Januar 2013 an die Beschwerdegegner, Baugesuchsakten Nr. 938/064-2013 der Gemeinde Sigriswil, Register 6 10 Vgl. E-Mail des Bauverwalters vom 31. Juli 2013 an die X._ Rechtsschutzversicherung, Baugesuchsakten Nr. 938/064-2013 der Gemeinde Sigriswil, Register 6 11 Vgl. Augenscheinprotokoll vom 28. August 2014, Archivakten RA Nr. 110/2014/64 pag. 50 f., Voten Herr und Frau C._/D._ 12 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 9b; BVR 2000 S. 268 E. 3b/aa 13 BDE 110/2014/64 vom 11. Februar 2015 E. 2d , E. 3b, 4c und 5d
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auf die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands verzichtet werden. Es besteht
hingegen kein genügendes öffentliches oder privates Interesse am vollständigen Rückbau
der neuen Gartengestaltung samt Stützmauer und an der Wiederherstellung der alten
Wegführung. Insbesondere darf die Verbindung zwischen dem Grundstück des
Beschwerdeführers und der öffentlichen Strasse aus einem Weg oder einer Treppe
bestehen (vgl. Art. 6 Abs. 2 BauV14). Das Erstellen einer rollstuhlgängigen
Zugangsmöglichkeit wäre im Übrigen Sache des Beschwerdeführers, da unter dem
erschliessungsrechtlichen Gesichtspunkt eine private Hauszufahrt betroffen ist. Der
Beschwerdeführer hat deshalb keinen Anspruch darauf, dass die Stützmauer und die
Aufschüttung vollständig zurückgebaut werden und die alte Wegführung wiederhergestellt
wird. Die Gemeinde ist auch nicht verpflichtet, dem Beschwerdeführer auf ihre Kosten eine
alternative Wegführung in den bestehenden Weg des Altersheims X._ zur Verfügung
zu stellen.
d) Wie die Beschwerdegegner zutreffend ausführen, hat die BVE im Entscheid vom
11. Februar 2015 vorab die zu berücksichtigenden gesetzlichen Grundlagen und Normen
erwähnt und festgehalten, aufgrund der einschlägigen VSS-Normen müsse die Breite des
Fusswegs an der engsten Stelle mindestens dem erforderlichen Lichtraumprofil der
massgebenden Verkehrsteilnehmenden entsprechen.15 Weitergehende Vorgaben zur
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands hat sie nicht gemacht. Sie hat viel mehr
ausgeführt, es sei vorab Sache der Gemeinde als zuständiges Gemeinwesen, unter
Berücksichtigung der massgeblichen Bestimmungen und einschlägigen VSS-Normen zu
prüfen und zu beurteilen, welche lichte Breite und welche Sicherheitselemente der neue
Teil des öffentlichen Fussweges aufzuweisen habe.16 Werden diese Bestimmungen und
Normen eingehalten, so stellt der neue Fussweg auch eine hinreichende Erschliessung für
das Grundstück des Beschwerdeführers dar. Die BVE hat somit weder eine
Wiederherstellung der alten Wegführung noch eine Verringerung der Neigung bzw. den
Verzicht auf die Treppe verlangt. Wie die Vorinstanz zutreffend ausführt, ist die neue
Wegführung entlang der Parzellengrenze deshalb nicht zu beanstanden. Sie entspricht im
Übrigen auch dem Grundsatz, dass attraktive Fusswege eine möglichst direkte Verbindung
ermöglichen.17 Das Gefälle ist topografisch bedingt. Treppen gehören zu den Elementen
14 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1) 15 Vgl. BDE 110/2014/64 vom 11. Februar 2015 E. 5 16 BDE 110/2014/64 vom 11. Februar 2015 E. 8a 17 Vgl. Bundesamt für Strassen (ASTRA)/Fussverkehr Schweiz (Hrsg.), Handbuch Fusswegnetzplanung, 2015, (nachfolgend: Handbuch Fusswegnetzplanung) S. 3, 10 und 15, einsehbar unter www.astra.admin.ch, Rubriken «Themen, Langsamverkehr, Vollzugshilfen»
http://www.astra.admin.ch
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eines Fusswegnetzes. Sie dienen der Überwindung von Höhenunterschieden.18 Der neue
Fussweg darf deshalb eine Treppe aufweisen.
e) Die Gemeinde erachtete eine Verbreiterung des Wegstücks auf 1.20 m zuzüglich
eines einseitigen Lichtraumprofils von 0.5 m auf der Westseite sowie einem einseitigen,
witterungsbeständigen Handlauf auf der Westseite als genügenden, ortsüblichen
Ausbaustandard.19 Die Vorinstanz hat dazu ausgeführt, der fragliche Fussweg sei eine von
zwei Fussgängerverbindungen auf einer Strecke von unter 100 m zwischen dem
G._weg und der Bushaltestelle Post. Der Weg sei wenig frequentiert. Mit
Begegnungsfällen sei in der Regel nicht zu rechnen. Es genüge somit, wenn der neue Weg
für eine einzelne Person breit genug sei. Wenn der Beschwerdeführer eine Mindestbreite
von 2.50 m fordere, lasse er sowohl die örtlichen Gegebenheiten als auch das geringe
Fussgängeraufkommen ausser Acht. Die geforderte Breite sei unter diesen Umständen
weder verhältnismässig noch im öffentlichen Interesse. Da der Fussweg dem
Beschwerdeführer als Zugang zu seiner Liegenschaft diene und Erschliessungsfunktion
habe, rechtfertige es sich, vom erweiterten Lichtraumprofil auszugehen, das nicht nur
Personen mit Alltagsgepäck berücksichtige, sondern auch das Mitführen von grossem
Reisegepäck oder sperriger Ausrüstung erlaube. Es sei somit von einer Mindestbreite von
1.25 m auszugehen, zu welcher ein Umfeldzuschlag zu addieren sei. Gestützt auf Ziff. 17
der SN 640 07020 hat die Vorinstanz deshalb eine Fussweg- und Treppenbreite von
durchgehend mindestens 1.50 m ermittelt. Dieses Ergebnis ist nicht zu beanstanden.
Fusswege sind in Abhängigkeit ihrer Nutzung zu dimensionieren. Die Wegbreite ist
abhängig vom Fussgängeraufkommen und den Anforderungen an das Lichtraumprofil. Die
Breite der Gehfläche muss an der engsten Stelle mindestens der lichten Breite
entsprechen.21 Da bei der Anwendung der VSS-Normen die konkreten Verhältnisse des
Einzelfalls zu beachten sind,22 ist vorliegend von Bedeutung, dass in der Regel nicht mit
Begegnungsfällen zu rechnen ist und dass das Fussgängeraufkommen gering ist. Der
neue Weg und die neue Treppe müssen deshalb nicht für Begegnungsfälle ausgelegt
werden.
18 Vgl. Handbuch Fusswegnetzplanung, S. 50 19 Vgl. Schreiben der BPK Sigriswil vom 9. Juni 2015 betreffend Mitteilung Ausbaustandard, Akten des Regierungsstatthalteramts Thun bbew 162/2013 (Dossier 2), p. 184 f. 20 SN 640 070 Fussgängerverkehr, Grundnorm 21 Handbuch Fusswegnetzplanung, S. 81 22 BGer 1C_375/2011 vom 28. Dezember 2011, E. 3.3.3
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f) Die neue Stützmauer grenzt unmittelbar an den Fussweg bzw. die Treppe. Sie hält
unbestritten weder den Strassenabstand (vgl. Art. 80 Abs. 1 Bst. b SG23) noch das
Lichtraumprofil des Fussweges ein (vgl. Art. 83 Abs. 3 SG). Da die Beschwerdegegner kein
Ausnahmegesuch nach Art. 81 SG stellten, konnte die Stützmauer nicht nachträglich
bewilligt werden. Die Gemeinde als zuständiges Gemeinwesen erachtet die Einhaltung des
Lichtraumprofils von 0.50 m als genügende und verhältnismässige
Wiederherstellungsmassnahme, da dieser Abstand zu solchen Fusswegen ortsüblich sei.
Mit der angefochtenen Wiederherstellungsverfügung werden die Beschwerdegegner
deshalb verpflichtet, die Stützmauer gegenüber dem öffentlichen Fussweg so weit nach
Nordwesten zu verschieben, dass im Fusspunkt der Abstand zur Marche durchgehend
2.00 m oder mehr beträgt. Das Lichtraumprofil von 0.50 m wird somit auf der Parzelle der
Beschwerdegegner künftig eingehalten sein.
Die Funktion des Strassenabstands besteht hauptsächlich darin, die Verkehrssicherheit zu
gewährleisten und den Ausbau der Strasse zu ermöglichen (vgl. Art. 80 Abs. 2 SG). Wie
die Vorinstanz zu Recht ausführt, werden Stützmauern oberhalb von Strassen und Wegen
regelmässig als Teil der Strassenanlage bewilligt. Sie müssen deshalb keinen
Strassenabstand einhalten. Private Stütz- und Futtermauern, die aufgrund der Hanglage
eines Grundstücks nötig sind, können nach der Praxis unter bestimmten Umständen mit
einer Ausnahmebewilligung nach Art. 81 SG im Strassenabstand erstellt werden.24 Eine
Ausnahme vom Lichtraumprofil ist demgegenüber nicht vorgesehen. Deshalb hat die
Vorinstanz zu Recht angeordnet, dass die Stützmauer so weit zurückzuversetzen ist, dass
sie das Lichtraumprofil einhält. Es sind keine Anhaltspunkte vorhanden, dass die
zurückversetzte Stützmauer die Funktion des Strassenabstands gegenüber dem Fussweg
beeinträchtigen würde. Ein konkretes öffentliches oder nachbarliches Interesse, das einen
weitergehenden Rückbau der Stützmauer und der Terrainaufschüttung rechtfertigen würde,
ist nicht ersichtlich, zumal es dem ortsüblichen Ausbaustandard entspricht, dass
Stützmauern entlang von Fusswegen lediglich das Lichtraumprofil einhalten. Ein
weitergehender Rückbau wäre deshalb unverhältnismässig.
g) Zusammenfassend steht fest, dass der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf den
vollständigen Rückbau der Gartengestaltung samt Stützmauer und auf die
Wiederherstellung der alten Wegführung hat. Für die Herstellung des rechtmässigen
23 Strassengesetz vom 4. Juni 2008 (SG; BSG 732.11) 24 Vgl. BDE 110/2012/153 vom 12. September 2013
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Zustands genügen die Massnahmen, die die Vorinstanz angeordnet hat. Mit der
Verbreiterung des Fusswegs und der Treppe auf durchgehende 1.50 m, der Verschiebung
der Stützmauer nach Nordwesten zwecks Einhaltung des Lichtraumprofils und dem
Anbringen eines durchgehenden Handlaufes genügt der Weg den Anforderungen sowohl
an einen öffentlichen Fussweg als auch an einen genügenden Zugang zum Grundstück
des Beschwerdeführers. Ein vollständiger Rückbau der Stützmauer samt
Terrainaufschüttung und die Wiederherstellung des alten Weges wären
unverhältnismässig. Die Beschwerde ist deshalb als unbegründet abzuweisen.
3. Kosten
a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt der Beschwerdeführer. Er hat deshalb
die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 1'000.00 (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1
GebV25).
b) Der Beschwerdeführer hat zudem den Beschwerdegegnern die Parteikosten zu
ersetzen (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Kostennote des Anwaltes der Beschwerdegegner
gibt zu keinen Bemerkungen Anlass. Der Beschwerdeführer hat deshalb den
Beschwerdegegnern die Parteikosten in der Höhe von Fr. 3'510.00 (Honorar Fr. 3'250.00,
Mehrwertsteuer Fr. 260.00) zu ersetzen.