# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 5dfc5066-f8ae-42a1-8e5c-80e9697b5bf7
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1969,
erlitt am 1
3.
April 2003 einen Unfall (
Urk.
7/17/101) und
mel
dete sich am 1
7.
März 2004 bei der Invalidenversiche
rung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/2
; vgl.
Urk.
7/3
). Die IV-Stelle zog unter anderem Akten der Suva (
Urk.
7/17,
Urk.
7/36,
Urk.
7/40-46,
Urk.
7/59-62,
Urk.
7/68, Urk.
7/70,
Urk.
7/82,
Urk.
7/91, 7/98-100,
Urk.
7/104-105)
bei und holte
beim Zentrum A._
ein Gutachten ein, das am 27.
F
ebruar 2017 erstattet wurde (
Urk.
7/140).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/143,
Urk.
7/148) verneinte sie mit Verfügung vom
3.
Mai 2017 einen Leistungsanspruch der Versicherten (
Urk.
7/151 =
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am
1.
Juni 2017 Beschwerde gegen die Verfügung vom 3.
Mai 2017 (
Urk.
2) und beantragte (
Urk.
1 S. 2), diese sei aufzuheben und es sei ihr ab April 2004 eine ganze und ab Mai 2012 mindestens eine halbe Rente zuzusprechen (
Ziff.
1)
,
und es seien berufliche Massnahmen zu ihrer Wiederein
gliederung im Rahmen ihrer noch vorhandenen Arbeitsfähigkeit anzuordnen (
Ziff.
2). Eventuell sei ein Gerichts
gutachten anzuordnen (
Ziff.
3).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
0.
Juli 2017 (
Urk.
6) die Ab
weisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 1
8.
August 2017 zur Kennt
nis gebracht wurde (
Urk.
8).
Am 2
8.
Mai 2018 (
Urk.
9) holte das Gericht bei den
A._
-Gutachtern eine ergän
zende Stellungnahme ein, die am
9.
Juli 2018 erstattet (
Urk.
12) und am 12.
Juli 2018 den Parteien zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
13).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1
ATSG
). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbs
unfähigkeit sind ausschliesslich die Fol
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
un
fähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG
).
1.2
Gemäss
BGE
143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach
BGE
143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von
BGE
141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung).
Speziell mit Be
zug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in
BGE
143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung
–
fest, dass eine invaliden
versicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz
auszuschliessen
sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler:
BGE
140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundes
gerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfä
higkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshin
dernder
äusserer
Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (
BGE
141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die gesamthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzube
ziehen (
BGE
143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom 7.
März 2018 E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die
funktionellen
Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesund
heit
lichen An
spruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standard
indikatoren schlüssig und wider
spruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahr
scheinlich
keit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbe
lastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (
BGE
141 V 281 E. 6;
vgl.
BGE
144 V 50 E. 4.3
).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erle
digten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.3
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regel
fall beachtlichen Standardindikatoren (
BGE
143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (
BGE
141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie „funktioneller Schweregrad" (E. 4.3)
-
Komplex „Gesundheitsschädigung" (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex „Sozialer Kontext" (E. 4.3.3)
-
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich
entscheidend
ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (
BGE
141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März
2018 E. 7.4).
1.4
Übergangsrechtlich ist bedeutsam, dass die vor der Rechtsprechungsänderung einge
holten Gutachten nicht einfach ihren Beweiswert verlieren. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein
abschliessendes
Abstellen auf die vorhan
denen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (
BGE
141 V 281 E. 8 unter Hin
weis auf
BGE
137 V 210 E. 6). Mithin ist im kon
kreten Fall zu klären, ob die beigezo
genen Gutachten
–
allenfalls zusammen mit weiteren fachärztlichen Berichten
–
eine schlüssige Beurteilung anhand der
massgeblichen
Indikatoren erlauben oder nicht. Je nach Abklärungstiefe und -dichte kann zudem unter Umständen eine punktuelle Ergänzung genügen (vgl.
Urteile des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 5.2.2 und 8C_300/2017 vom 1. Februar 2018 E. 4.2).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
men
hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (
BGE
134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.
6
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16
ATSG
in Ver
bindung mit Art. 28a Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenver
siche
rung (
IVG
)
aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkom
men, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede
rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. In
valideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkom
mens
vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
theti
schen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ein
ander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestim
men lässt (sog. allgemeine Methode des Ein
kommensvergleichs;
BGE
130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) davon aus, es sei eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Epi
sode, diagnostiziert worden (S. 1 f.). Leicht- bis mittelgradige Störungen aus dem depressi
ven Formenkreis seien in der Regel therapierbar. Vorliegend seien die Therapie
optionen noch nicht ausgeschöpft, weshalb die Beschwerdeführerin kei
nen Anspruch auf Leistungen habe (S. 2 oben).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1), die im
A._
-Gutachten angeführten Diagnosen seien unvollständig (S. 3 f. Ziff.
9) und die Feststellung, die Kriterien für eine undifferenzierte Somatisierungs
stö
rung seien erfüllt, sei nicht richtig (S. 4
Ziff.
10). Vorliegend sei aus näher darge
legten Gründen von einer Therapieresistenz auszugehen (S. 8 ff.
Ziff.
21 f.). Der gutachterlichen An
nahme einer Restarbeitsfähigkeit hielt sie die anderslautende Einschätzung des von ihr konsultierten Psychiaters (vgl.
Urk.
3/10) entgegen (S.
11
Ziff.
26).
2.3
Strittig und zu prüfen ist somit, wie es sich mit dem Gesundheitszustand, der Arbeits
fähigkeit und allfälligen Leistungsansprüchen der Beschwerdeführerin verhält.
3.
3.1
Am 1
3.
April 2003
erlitt die Beschwerdeführerin einen Auffahrunfall
(Urk.
7/17/101
)
.
Im Bericht vom 2
7.
Mai 2003 über die Erstbehandlung am Folgetag (Urk.
7/17/99
) wurden eine Commotio cerebri und reaktive muskuläre Verspannungen diagno
stiziert (Ziff. 5), als Behandlung Ruhigstellung und Analgetika angegeben (Ziff. 7a), eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % ab dem Unfalltag attestiert (Ziff. 8) und die Wiederauf
nahme der Arbeit zu 50 % ab 2
6.
Mai 2003 festgehalten (Ziff. 9).
3.2
Am 2
7.
Oktober 2003 berichtete
B._
,
Psychotherapeutin
SBAP
,
dipl.
Psychologin
IAP
, nach ausführlichen Gesprächen am 2
5.
September, am
3.
und am 2
7.
Oktober 2003 komme sie zu folgender Diagnose (Urk.
7/
17/46
):
-
akute Belastungsreaktion (unmittelbar auftretende Reaktion aufgrund des im April 2003 erlittenen Unfalls) mit jetziger Depression, Angst und Ver
zweiflung (ICD-10 F43.0)
3.3
Dr.
C._
, Fachärztin für Neurologie, berichtete am 14.
No
vember 2003 über ihre am 1
3.
November 2003 erfolgte Untersuchung (Urk.
7/
1/2
-4
=
Urk.
7/17/40-42
) und nannte folgende Diagnosen (S. 1):
-
Frontalkollision am 3
1.
(richtig: 13.) April 2003 mit Kontusion der Hals
wirbel
säule (
HWS
) und wahrscheinlicher
Contusio
cerebri links frontal inferior
-
aktuell dabei:
-
therapieresistentes
cervicocephales
Schmerzsyndrom
-
Verdacht auf neuropsychologische Ausfälle
-
vegetative Dysfunktion
-
mögliche reaktive depressive Entwicklung
Sie führte unter anderem aus, das
MRI
des Schädels zeige alte
kortiko
-subkorti
kale kleine Defekte mit dem Hauptanteil im linken
Gyrus
frontalis
inferior und in angren
zender vorderer unterer
Insula
. Der Befund sei trotz fehlender
Hämo
si
derinablagerung
gut vereinbar mit einer posttraumatischen Läsion. Das
MRI
der
HWS
zeige eine auf
fällige Fehlhaltung, aber keine Einengungen, insbeson
dere keine Rückenmarks- und Nervenwurzelkompressionen (S. 2 unten).
Sie schloss aus den genannten Befunden, es sei beim Unfall vom 1
3.
April 2003 zu einer
Contusio
cerebri gekommen (S. 3 oben).
3.
4
D._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, nannte in einem am 1
8.
Juni 200
4
erstatteten Bericht
(
Urk.
3/19)
als Diagnosen (
Ziff.
1) ein
zervicocephales
Schmerzsyn
drom, eine mittlere neuropsychologische Funktions
störung, eine generalisierte Angst
störung mit depressiver schwerer länger dau
ernder Reaktion bei Status nach Auffahr
unfall am 1
3.
April 2003 mit
HWS
Distorsion und Commotio cere
br
i (Kopfkontusion).
Es bestehe nach wie vor eine Arbeitsunfähigkeit von 75
%
mit Phasen einer
Arbeits
unfähigkeit
von 100
%
vom 2
6.
bis 2
9.
März 2004, vom
6.
bis 1
1.
Mai, am 2
1.
Mai, am
1.
Juni sowie vom 1
0.
bis 1
8.
Juni 2004
(
Ziff.
4).
3.
5
Suva-
Kreisarzt Dr.
E._
,
Facharzt für orthopädische Chirurgie
, berichtete am 2. September 2005 über die am Vortag erfolgte Untersuchung (Urk.
7/
105/28-
31
=
Urk.
3/9
). Er führte unter anderem aus, die Beschwerde
führerin beklagte vor allem Kopf- und Nackenschmerzen (S. 2 Mitte); das neu
ropsychologische Training habe man gemäss den Angaben der Beschwerde
führerin eingestellt, es hätte nichts ge
bracht (S. 2 unten).
In seiner Beurteilung wies er darauf hin, dass man initial von einer Commotio cerebri und einer
HWS
-Distorsion ausgegangen sei. Die Patientin habe ihre Ar
beit im Schal
terdienst bei der
F._
rasch
wieder aufgenommen
und eine Arbeitsfähig
keit von 75 % erreicht. Es hätten Beschwerden persistiert, und die neurologische Abklärung inklusive
MRI
habe den Befund einer stattgehabten
Contusio
cerebri ergeben (S. 3 unten). Dass die Beschwerdeführerin wenige Monate nach dem Unfall im Schalterdienst immerhin zu 75 % gearbeitet habe, habe eine gute neu
ropsychologische Leistungsfähigkeit vo
rausgesetzt. Es bestünden fassbare Verän
derungen am Hirnparenchym, so dass zu
mindest ein teilweiser Zusammenhang der depressiven Verstimmung mit dem Unfall bestehe (S. 4 oben).
3.
6
Dr.
C._
(vorstehend E. 3.3) berichtete am 1
9.
Oktober 2005 über ihre erneute Unter
suchung (Urk.
7/
36/32-
34
=
Urk.
3/13
) und führte aus, die aktuell somatisch ori
en
tierte neurologische Standortbestimmung ergebe wie bereits im November 2003 ein linksbetontes
zervikozephales
Schmerzsyndrom und eine ver
änderte Wahrnehmung der Oberflächenqualitäten an der ganzen linken Körper
seite ohne „harte“ neurologi
sche Ausfallsymptome (S. 2 unten).
3.
7
Die
Psycho
therapeutin
B._
berichtete am
3
0.
Januar 2006
über eine Ver
schlechte
rung
(
Urk.
7/
36/17
=
Urk.
3/20)
.
3.
8
Kreisarzt
Dr.
G._
,
Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, berich
tete am 2
6.
September 2006 (Urk.
7/
105/70-
75
=
Urk.
3/16
) über die am
6.
April 2006 erfolgte Exploration (S. 3 ff.) und gab - gestützt darauf und die ihm vorliegenden Akten (S. 1 ff.) - eine psychiatrische Beurteilung ab.
Er führte aus, die vorgefundene psychopathologische Symptomatik lasse sich nicht eindeutig in eine Diagnose gemäss ICD-10 fassen. Aufgrund der bildge
bend erkenn
baren Läsionen des Hirnparenchyms habe sich immer wieder die Frage gestellt, in welchem Ausmass die erkennbare Symptomatik den Folgen einer Schädel-Hirn-Traumatisierung im Sinne einer
Contusio
cerebri zuzuord
nen sei. Unbestritten sei, dass eine gewisse Depressivität vorzufinden sei (S. 5 unten).
Zu Beginn der
psychologischen Behandlung bei
B._
(vorstehend E. 3.2) sei in diagnostischer Hinsicht noch von einer akuten Belastungsreaktion gespro
chen wor
den; im weiteren Verlauf sei keine diesbezügliche spezifische Psychopa
thologie vor
gefunden beziehungsweise dokumentiert worden (S. 6 Mitte).
3.
9
Am 2
8.
Juli 2008 berichtete
Dr.
H._
,
Facharzt für
Neurologie
und für
Physikali
sche Medizin und Rehabilitation
, über seine im Auftrag der
Beschwerdeführerin
erfolgte Untersuchung vom 3
0.
April 2008 (Urk.
7/
44/80-82
=
Urk.
3/15
).
Er führte aus, subjektiv stünden vier (richtig: fünf) Jahre nach dem bekannten Unfall chronische posttraumatische Kopfschmerzen sowie ausgeprägte neuro
psychologische Störungen im Vordergrund. Es bestünden weiterhin auch Zei
chen einer posttrauma
tischen partiellen Belastungsstörung, dies bei sicher durch
ge
machter, im
MR
2003 nachgewiesener und nun klar verifizierter traumatischer Hirnverletzung mit kleineren Läsionen links
fronto
-basa
l,
temporofrontal
und
insulär
(S. 3 Mitte).
In einer Stellungnahme vo
m 1
8.
August 2009
(
Urk.
7/
105/266-
268
=
Urk.
3/14) führte
Dr.
H._
unter anderem aus, seines Erachtens ergebe sich aus den Akten, dass die Beschwerdeführerin beim Unfall während einer bestimmten (kur
zen) Zeit bewusstlos gewesen sei (S. 2 oben).
3.1
0
Am 2. September 2011 erstatteten die Ärzte
der I._
ein Gutachten im Auftrag der
Suva
(Urk.
7/68/2-57
=
Urk.
3/4
), zusammen mit einer Zusammenstellung der Akten
lage und Teilgutachten der Disziplin
en Psychiatrie, Rheumatologie, Neurologie
,
Neuropsychologie
und Neu
roradiologie.
Die Gutachter nannten folgende unfallkausale Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit (S. 34 Ziff. 6.1.1):
-
unspezifische Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.1)
-
Status nach Autounfall 1
3.
April 2003
-
mit
HWS
-Distorsion Québec Task Force (
QTF
) I bis II, mild
traumatic
brain
injury
(
MTBI
) II
-
anamnestisch Verdacht auf initiales psychoorganisches Syndrom nach Schädelhirntrauma (
SHT
)
-
teilweise nicht-authentische, formal leichte bis mittelschwere neuropsy
cholo
gische Funktionsstörungen, möglicherweise auf dem Boden leichter echter neuropsychologischer Beeinträchtigungen
Als nicht unfallkausale Hauptdiagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie (S. 34 Ziff. 6.1.2):
-
anamnestisch Verdacht auf rezidivierende depressive Störung, derzeit weit
ge
hend remittiert unter Medikation
-
Persönlichkeit mit am ehesten sensitiven und ängstlichen Zügen (ICD-10 Z73.1)
-
chronische
Zervikobrachialgie
linksbetont
-
chronischer Spannungskopfschmerz
-
chronisches
Lumbovertebralsyndrom
Als weitere Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie (S. 34 Ziff. 6.2):
-
anamnestisch (generalisierte) Angststörung, derzeit remittiert
-
Plantarfaszienentesopathie
-Beschwerden beider Fersen
-
unspezifische
Hemihypästhesie
links ohne organisches Korrelat
-
unspezifische intermittierende
Schwankschwindelbeschwerden
Die psychische Fehlverarbeitung, die heute als undifferenzierte Somatisierungs
störung diagnostisch zugeordnet werden könne, sei die zentrale Diagnose und erkläre die Per
sistenz der Beschwerden trotz Fehlens von strukturell organi
schen Schäden (S. 46 f.
lit
. j).
Die Arbeitsfähigkeit aus unfallkausaler Sicht werde durch die psychiatri
sche/neuro
psychologische Einschätzung bestimmt. Für eine Verweistätigkeit mit guter Strukturierung und wenig Hektik bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 60 % zeitlich mit voller Leistungsfähigkeit (S. 47
lit
. k).
3.
1
1
Die Psychotherapeutin
B._
(vorstehend E. 3.2) bestätigte in ihrer Stellung
nahme vom 3
0.
November 2011 (Urk.
7/
70/19-
20
=
Urk.
3/10
), dass sie die Beschwer
de
führerin seit dem
6.
November 2003 behandle (Ziff. 1) und diese vor dem Unfall von 2003 als vollständig gesunde Person gekannt habe (Ziff. 3). Auch zog sie die im
I._
-Gutachten genannte Diagnose (undifferenzierte Somatisie
rungsstörung) in Zweifel (Ziff. 4).
4.
4
.1
Am 31.
März 2016 erstatteten Dr. J._
, Facharzt für Allgemeine In
nere Medizin, und Dr. K._
, Facharzt für Rheumatologie, Chefarzt
Medas
M._
,
ein
Gutachten
im Auf
trag des hiesigen Gerichts
(Urk.
7/
104/
92-151
=
Urk.
3/6
)
, dies im Verfahren Nr. UV.2015
.
00008, das mit Urteil vom 1
7.
Mai 2016 abgeschlossen wurde (
Urk.
7/104/195-202).
Sie stützten sich auf die ihnen überlassenen Akten (S. 2 ff.), die Angaben der Beschwerdeführerin (S. 45 ff.), ein neurologisches (S. 50 f.; vgl. Urk.
7/104/72
91
), ein neuropsychologisches (S. 51 f.; vgl. Urk.
7/104/62-71
) und ein psychiatrisches (S. 52 f.; vgl. Urk.
7/104/155-181
) Teilgutachten.
Die Gutachter nannten folgende Diagnosen mit wesentlicher Einschränkung der zu
mutbaren Arbeitsfähigkeit (S. 56 Ziff. 4.1):
Verkehrsunfall (frontal-seitliche Kollision) am 13. April 2003 mit milder traumatischer Hirnverletzung (
MTBI
) und Stauchungstrauma der Halswir
bel
säule (
HWS
) nach Kopfkontusion am Armaturenbrett ohne
ossäre
oder
liga
mentäre
HWS
-Verletzung und ohne neurologische Defizite
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fakto
ren (ICD-10 F45.41)
-
chronische depressive Störung, gegenwärtig leichte bis mittelgradige de
pressive Episode mit somatischem Syndrom (F32.11)
-
komplizierte, protrahierte Trauerreaktion (F38.8)
-
Kopfschmerzen vom Spannungstyp, wahrscheinlich getriggert durch Ein
nahme einer erhöhten Dosis von Analgetika, Differentialdiagnose (DD) posttraumatischer Kopfschmerz
-
mit Ausnahme einer instabilen Lern- und Gedächtnisleistung alters
-
und ausbildungsadäquate kognitive Leistungsfähigkeit
Zur Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit führten die Gutachter aus, die zum Unfallzeitpunkt
(2003) ausgeübte Tätigkeit
sei der Versi
cherten medizinisch-theore
tisch (zwischenzeitlich sei die Kündigung erfolgt) nicht mehr zumutbar, dies aufgrund der geforderten sehr tiefen Fehlertoleranz; als limitierend erwiesen sich diesbezüglich vor allem die psychiatrisch-neu
ro
psy
chologisch bedingten Einschränkungen der Leis
tungsfähigkeit (S. 57 Ziff. 5.1)
.
Zur Arbeitsfähigkeit bei anderer Tätigkeit führten sie aus, in leidensangepasster Tä
tigkeit sei der Versicherten aufgrund der limitierenden psychischen Störungen eine
40%ige Arbeitsunfähigkeit (7 Stunden täglich mit etwa 30%iger Leistungs
einschrän
kung) zu attestieren (S. 57 Ziff. 5.2).
Betreffend Möglichkeiten zur Verbesserung der Arbeitsfähigkeit durch medizi
ni
sche Massnahmen führten sie aus, durch medizinische Massnahmen könne die Arbeits
fähigkeit möglicherweise verbessert werden; die Psychotherapie sei drin
gend indiziert, die bisherige Compliance sei soweit beurteilbar gut, ergänzend sei eine spezifische Traumatherapie zentral im Sinne einer zeitlich begrenzten, hoch spezifischen Ergän
zung (S. 57 Ziff. 5.3).
4.2
4.2
.1
Am
27. Februar 2017
erstatteten die Ärzte des
A._
ein
Gutachten
im Auftrag der Beschwerdegegnerin (
Urk.
7/140)
.
Sie nannten die folgenden
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit S. 49
Ziff.
7.1
):
-
undifferenzierte Somatisierungsstörung (F45.1)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode (F33.11)
Als
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
nannten sie
(S. 49
Ziff.
7.2
):
-
chronisches
cervikales
Schmerzsyndrom bei
-
Status nach
HWS
-Distorsion nach Autounfall vom 13. April 2003
-
Spreiz-/Senkfusskonfiguration beidseits
-
lumbosakrales
Schmerzsyndrom bei
-
Adipositas
-
muskulärer
Dysbalance
und
Dekonditionierung
-
chronischer Spannungstyp-Kopfschmerz
-
Differentialdiagnose (
DD
)
: Medikamentenübergebrauchs-Kopfschmerz
-
sensibles
Hemisyndrom
links, wahrscheinlich funktionell
-
Status nach Autounfall (Frontalkollision am 13. April 2003
)
mit klinisch mög
licher milder traumatischer Hirnschädigung (
MTBI
)
-
cor
ti
cale
und
subcorticale
Defekte
frontobasal
links (mehrere
MRI
Schädel)
4.2
.2
In ihrer Beurteilung führten die Gutachter unter anderem aus, v
on internistischer Seite könnten keine pathologischen Befunde festgestellt werden, es könne keine Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit begründet werden (S. 50
Ziff.
8.1). Aus orthopädischer Sicht könnten keine Einschränkungen für die angestammte Tätig
keit bei der
F._
sowie
auch für andere ad
a
ptierte Tätigkeiten angegeben werden (S. 50 Mitte). Aus neurolo
gischer Sicht könnten keine nennenswerten Funktions
störungen abgeleitet werden, auch aufgrund der chronischen Kopfschmerzen lasse sich per se keine Arbeitsun
fähigkeit begründen (S. 50 f.). Aus psychiatrischer Sicht seien die vielgestaltigen somatoformen Beschwerden der Versicherten auf
grund fehlender adäquater orga
nischer Befunde am ehesten im Rahmen einer Somatisierungsstörung zusammenzu
fassen. Daneben bestehe derzeit und min
destens seit März 2016 eine mittelschwere depressive Sympto
matik. Die beiden psychiatrischen Diagnosen führen kombiniert bei der Ver
sicherten zu diversen Einschränkungen. Zusammenfassend müsse aus psy
chiatrischer Sicht eine weit
gehende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit bei der
F._
festgestellt werden (S. 51 Mitte).
Zur Arbeitsfähigkeit führten
d
ie
Gutachter
aus, g
esamthaft beurteilt sei für die
zuletzt ausgeübte Tätigkeit
von einer vollständigen Arbeitsun
fä
higkeit auszugehen. Die Ein
schränkung sei mit den psychiatrischen Faktoren, ins
besondere mit den erheblich aus
geprägten Beeinträchtigungen im Bereich von Anpassung an Regeln und Routinen, Planung und Strukturierung von Aufgaben, Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, Kompetenz- und Wissensanwendung, Pro
duktivität und Spontanaktivitäten, Wider
stands- und Durchhaltefähigkeit und Selbstbehauptungsfähigkeit zu begründen (S. 52
Ziff.
9.1
).
Adaptierte Tätigkeiten sollten aufgrund des
Z
ervikalsyndroms
körperlich leichter Natur sein, ohne repetitive Überkopftätigkeiten, ohne Heben und Tragen schwerer Lasten über 10
kg und ohne Arbeiten in absturzgefährdeter Position (Leitern, Gerüste, etc.). Aus psychiatrischer Sicht bestünden die Bedingungen einer ange
passten Tätig
keit an einem Arbeitsplatz mit geringem Leistungs- und Zeitdruck und mit wenig Kundenkontakt, sowie mit der Möglichkeit, auf vermehrten Pau
senbedarf und eine erhöhte Fehlerwahrscheinlichkeit verständnisvoll einzugehen. In solchen adaptierten Tätigkeiten sei die Beschwerdeführerin zu 60 % arbeitsfä
hig (S. 52 f.
Ziff.
9.2
).
4.2
.3
Gestützt auf das
M
i
ni-
ICF
-APP
wurde ausgeführt, i
m Kontext „allgemeiner Arbeits
markt" und „individuelles Lebensumfeld" erg
ä
ben
sich Hinweise auf
eine
erheblich ausgeprägte Beeinträch
t
igung im Bereich von Anpassung an Regeln
und Routinen, Planung und Strukturierung von Aufgaben, Flexibilität und Umstellungs
fähigkeit,
Kompetenz- und Wissensanwendung, Produktivität und Spontanaktivitäten, Wider
stands- und
Durchhaltefähigkeit, Selbstbehauptungs
fähigkeit, Mobilität und Ver
kehrsfähigkeit. Leichte
Beein
t
rächtigungen f
ä
nden sich in den Bereichen Konversation und Kontaktfähigkeit zu Dritten
und Gruppenfähigkeit
.
Keine Beeinträchtigungen
erg
ä
ben sich in den Bereichen Fähigkeit zu
engen
duadischen
Beziehungen,
Entschei
dungs
- und Urteilsfähigkeit und Selbstpflege und
Selbs
t
versorgung
(S. 42 Mitte).
In der a
llgemeine
n
Beurteilung
wurde ausgeführt, die Versicherte habe
in der Folge eines Auffahrunfalles
im Jahre 2003 zunächst Beschwerden im Sinne einer organischen Störung noch Sch
ä
del-Hirn-Trauma
entwickelt, welche gemäss ihren An
gaben bereits von Anfang an von
körperlichen Schmerzen über
l
agert
gewes
en
seien
, für die keine ausreichende organische Erklärung
habe gefunden werden können
. Auf
grund der psychischen Belastung durch das vielgestaltige
Beschwer
debild
habe
sich im we
i
teren Verlauf zudem noch eine depressive En
t
wicklung
ergeben. Anlässlich d
er aktuellen Begutachtung
lasse
sich
-
bereits anlässlich der
MEDAS
-Begu
t
achtung im März 2016
-
ein m
i
t
t
elschweres depress
ives Zustands
bi
ld feststellen
. Subjektiv stün
den
laut
Angaben der Versicherten vor all
em die körperlich erlebten Beschwerden,
insbesondere die Körperschmerzen an diversen Lokalisationen
,
im Vordergrund. Die
entsprechende Leidensgeschichte zieh
e
sich inzwischen schon seit 13 Jahren hin, die ständige
Beschäftigung mit den Symp
tomen ha
be
zu einem andauernden Leiden ge
führt, der Versicherten
falle
es schwer, die fehlende soma
t
ische Erklärbarkeit ihrer Beschwerden nachvollziehen und
akzeptieren zu können. Sie erfüll
e
somit die Krite
rien für eine
un
differen
zierte
Somatisierungsstörung
(S. 43
Ziff.
4.4.5.1).
Aufgrund der Aktenlage, insbesondere der Berichte der langjährigen Therapeu
tin
,
und der Erfahrungen in der aktuellen Begutachtungssituation, in
welch
er die Ver
sicherte sich einer
vertieften Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Krankenge
schichte subtil widersetz
e
, entsteh
e
das konsis
t
ente Bild einer der konfrontativen psycho
t
herapeuti
schen Arbeit wenig zugänglich
en neurotischen Krankheitsver
arbeitung, die zu einer somatischen Fixierung des psychisch-traumatisch erlebten Unfalls beigetragen habe (S. 43 f.).
Die Symptomatik
sei mässig bis schwer ausgeprägt (S. 44
Ziff.
4.4.5.2
)
Aufgrund der beschriebenen Beschwerden erg
ä
ben sich diverse Beein
trächti
gun
gen in der
Alltags- und in der potenziellen beruflichen Situation, namentlich im Bereich von Anpassung an
Regeln und Routinen, Planung und S
t
rukturierung von Aufgaben, Fle
xibilität und
Umstellungsfähigkeit, Kompetenz- und Wissens
anwendung, Produktivi
tät und Spon
t
anaktivitäten,
Widers
t
ands- und Durch
hal
te
fähigkeit, Selbs
t
be
hauptungsfähigkeit, Mobilität und
Verkehrs
fähigkeit, welche m
ä
ssig bis deutlich aus
geprägt ersch
ie
nen. Leichte
Beein
trächtigungen best
ünd
en in den Bereichen Konver
sation und Kontaktfähigkeit zu Dritten und
Gruppenfä
higkeit
(S. 44
Ziff.
4.4.5.3)
.
Bezüglich individueller Belastungsfaktoren und Ressourcen (sozialer Kontext) wurde ausgeführt, a
us der aktuellen Exploration
li
essen sich keine vom Krank
heitsgeschehen unabhängigen
belastenden sozialen Kontextfaktoren heraus
arbei
ten. Die durch den sozialen Rückzug bedingte
Vereinsamung der Ver
sicherten wirk
e
sich auf die Bewäl
t
i
gung der erlebten Beschwerden
ungünstig aus
(S. 44
Ziff.
4.4.5.4
, S. 51
Ziff.
8.2
)
.
Zur
Diskussion allfälli
g
er relevanter Persönlichkeitsfaktoren
wurde ausgeführt, a
uf
grund der Vorbefunde und der im Rahmen der aktuellen Exploration erhobe
nen Daten
ergäben
sich gewisse Hinweise auf einen für sich genommen nicht pathologischen
Persönlichkeitsstil mit einer Tendenz zum Vermeidungs- und Rückzugsverhalten
(S. 44
Ziff.
4.4.5.5
, S. 52
Ziff.
8.3).
Aufgrund der Aktenlage und der aktuellen Exploration erg
ä
ben sich keine rele
vanten
In
konsistenzen
(S. 52
Ziff.
8.4)
.
4.3
Am
1
2.
Mai 2017
erstattete
L._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
ein p
sychiatrisches Konsilium
zu
Handen
der Beschwerde
führe
rin
(
Urk.
3/11)
.
Er nannte folgende
Diagnosen (S. 6):
-
anhaltende,
chronifizierte
ängstlich-depressive Störung, im Längsverlauf bis mittleren Grades (F32.11), mit
somatisierten
depressiven Anteilen und disso
ziativen Symptomen
-
DD: Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (F45.41)
-
DD: gemischte dissoziative Störung mit
Derealisationen
und weiteren vorüber
gehenden qualitativen Bewusstseinsveränderungen (F44.88)
Nach Erreichen des stabilen Gesundheitszustandes bleibe die Frage der adäquaten und realistischen Belastbarkeit offen. Die Beurteilung durch das
A._
vo
m
Februar 2017 sei doch reichlich theoretisch und nicht einmal als theoretische Ein
schätzung nach
vollziehbar. Angesichts des gesamten Verlaufs, der langwieri
gen Geschichte, der Jahre, die mit Begutachtungen ins Land gingen, scheine völlig unrealistisch, dass die Beschwerdeführerin ohne jegliche Unterstützung selb
ständig einen beruflichen Ein
stieg schaffen werde (S. 8).
4.4
Am
9.
Juli 2018 erstatteten zwei der
A._
-Gutachter eine ergänzende Stellung
nahme (
Urk.
12). Darin führten sie unter anderem aus,
L._
komme,
abgesehen von für die Fragestellung irrelevan
t
en Abweichungen bei der diagno
stischen
Einordnung
,
zu einer sehr ähnlichen Einschätzung wie die psychiatrische Teilgu
t
achterin.
Wie die be
handelnde Psychiaterin und die Teilgutachterin komm
e
auch er zu dem Ergebnis, dass
ein intensivierter Behandlungsrahmen als nächster Schritt unausweichlich
sei
, um den
Gesund
hei
t
szus
ta
nd und die Arbeits
fähigkeit der Versicherten nachhaltig zu verbes
sern.
Abweichend beurteil
e er
lediglich die aktuelle Arbeitsfähigkeit, welche er für vollständig
aufgehoben befinde. Als Begründung dieser Einschätzung führ
e
er vor allem die faktisch
fehlende Arbeits
t
ätigkeit der Versicherten ins Feld. Diese Begrün
dung
sei
aber keine medizinische
Begründung, so
ndern ein sozialer Sachverhalt (S. 2).
5
.
5.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte einen Leistungsanspruch der Beschwerde
führerin gestützt auf die im Verfügungszeitpunkt gängige Praxis hinsichtlich leicht- und mit
telgradiger depressiver Störungen (
Urk.
2 S. 2 oben). Diese Praxis ist überholt (vorste
hend E. 1.2) und die diagnostizierten Leiden sind im Rahmen eines strukturierten Beweisverfahrens und unter Bezugnahme auf die massge
ben
den Standardindikatoren (vorstehend E. 1.3) zu beurteilen.
5.2
D
as 2016 im unfallversicherungsrechtlichen Verfahren vom Gericht eingeholte Gut
achten der
Medas
M._
(vorstehend E. 4.1)
und
das
A._
-Gutachten
vom
Februar 2017 (vorstehend E. 4.2)
wurde
n
vor der Rechtsprechungsänderung erstattet, weshalb sich nicht die vollständige Begrifflichkeit der Standardindi
ka
toren darin findet.
D
as
A._
-
Gutachten
enthält
aber
zu annähernd allen Indikatoren
substantielle An
gaben
(vorstehend E. 4.
2.3
)
,
und die darin abgegebene Beurteilung von Gesundheits
zustand und Arbeitsfähigkeit entspricht der von der Rechtsprechung geforderten
ver
gleichenden
Betrachtungsweise von Belastungsfaktoren und Ressourcen (
BGE
141 V 281 E.
3.4.2.1 und 3.6). Es ist ihm mithin
voller Beweis
wert zuzuerkennen (vgl. vor
stehend E. 1.4)
, zumal auch die herkömmlichen pra
xisgemässen Kriterien (vorstehend E. 1.5) vollumfänglich erfüllt sind
.
Die abweichende Beurteilung seitens des behandelnden Psychiaters (vorstehend E. 4.3) vermag aus schon dargelegten Gründen (vorstehend E. 4.4) die Schluss
folgerungen des Gutachtens nicht in Zweifel zu ziehen.
5.3
Somit ist der Sachverhalt dahingehend erstellt, dass in der angestammten Tätig
keit keine Arbeitsfähigkeit mehr besteht und in einer angepassten eine solche von 60
%
(vorstehend E. 4.2.2).
Dies stimmt bemerkenswerterweise mit der Beurteilung im
Medas
-Gutachten von 2016 (vorstehend E. 4.1) wie auch derjenigen im 2011 erstatteten
I._
-Gutachten überein (vorstehend E. 3.
10)
.
Als leidensangepasst
zu beurteilen sind
Tätigkeit
en
an einem Arbeitsplatz mit gerin
gem Leistungs- und Zeitdruck und mit wenig Kundenkontakt, sowie mit der Möglich
keit, auf vermehrten Pausenbedarf und eine erhöhte Fehlerwahr
schein
lichkeit ver
ständnisvoll einzugehen
(vorstehend E. 4.2.2)
.
5.4
Für den Einkommensvergleich
(vorstehend E. 1.6)
sind die Verhältnisse im Zeit
punkt des (hypothetischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und Invalideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfällige renten
wirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfü
gungserlass
zu be
rücksichtigen sind
(
BGE
143 V 295 E. 4.1.3,
129 V 222 E.
4.1 und E. 4.2,
128 V 174).
Die Beschwerdeführerin
erlitt am 1
3.
April 2003 einen Unfall (
Urk.
7/17/101) und meldete sich am 1
7.
März 2004 bei der Invalidenversicherung zum Leistungs
be
zug an (
Urk.
7/2).
Nach der damals geltenden Rechtslage war in zeitlicher Hin
sicht für das Entstehen des Rentenanspruchs lediglich das Bestehen des Warte
jahres im Sinne von (damals)
Art.
29 (heute
Art.
28)
Abs.
1
lit
. b
IVG
vorausge
setzt (vgl.
BGE
138 V 475 E. 2.2.1); der heutige
Art.
29
Abs.
1
IVG
, der eine sechsmonatige Karenzzeit nach er
folgter Anmeldung vorsieht, gilt erst seit
1.
Januar 2008.
Nach dem Unfall vom 1
3.
April 2013 wurde vorerst eine Wiederaufnahme der Arbeit im Umfang von 50
%
ab 2
6.
Mai 2003 berichtet (vorstehend E. 3.1).
Die Hausärztin der Beschwerdeführer
in
berichtete 2006
von
eine
r
durchgehende
n
Arbeitsun
fähigkeit von 75
%
(vorstehend E. 3.
4
). Somit ist anzunehmen, dass per 1
4.
April 2014 eine Arbeitsunfähigkeit von jedenfalls 50
%
im Durchschnitt der vorange
gange
nen 12 Monate bestanden hat.
Massgebend für den Einkommensvergleich sind somit die Verhältnisse im Jahr 2004.
5.5
Gemäss dem Bericht der Arbeitgeberin vom 1
4.
April 2004 (
Urk.
7/9) erzielte die Beschwerdeführerin im Jahr 2004 einen Jahreslohn von rund
Fr.
61'637.-- (Ziff.
12), was mit den Angaben im Auszug aus dem Individuellen Konto (
IK
) vom 1
4.
April 2004 (
Urk.
7/11)
eines
Lohn
s
von
Fr.
55'044.-- im Jahr 2001 und von
Fr.
58'327.-- im Jahr 2002 vereinbar ist.
Somit ist das
Valideneinkommen
im Jahr 2004 mit
Fr.
61'6
37
.-- zu beziffern.
5.6
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausge
ge
benen Lohnstrukturerhebungen (
LSE
) herangezogen werden (
BGE
139 V 592
E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1,
126 V 75 E. 3b).
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnitts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kür
zen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und beruf
liche Merkmale, wie Art und
Ausmass
der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäf
ti
gungs
grad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können
(
BGE
124 V 321 E.
3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten
(
BGE
126 V 75 E.
5b/
aa
). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach
pflichtgemässem
Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25
%
nicht übersteigen (
BGE
135 V 297 E. 5.
2; 134 V 322 E.
5.2 und
126 V 75 E.
5b/
bb
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit einge
schränkt ist
(
BGE
126 V 75 E.
5a/
bb
5.7
Das gutachterlich formulierte Belastungsprofil (vorstehend E. 5.3) lässt erkennen, dass der Beschwerdeführerin ein breites Spektrum von Tätigkeiten offensteht, die als leidensangepasst gelten können. Damit rechtfertigt es sich, zur Bestimmung des Invalideneinkommens
auf das mittlere von Frauen mit einfachen und repeti
tiven Tätigkeiten im Total aller Wirtschaftszweige erzielte Einkommen abzu
stel
len, das im Jahr 2004
Fr.
3'893.-- betrug (
LSE
2004 S. 53 TA1, Anforderungs
niveau 4). Auf ein Jahr bezogen und der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeits
zeit von 41.7 Stunden (
www.bfs.admin.ch
>
Betriebs
übliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen
,
T 03.02.03.01.04.01
) angepasst, ergibt dies
rund Fr.
48'701.-- (
Fr.
3'893.-- x
12 :
40.0 x 41.7).
Anhaltspunkte dafür, dass die attestierte Arbeitsfähigkeit in einer abzugs
relevan
ten Weise zusätzlich beeinträchtigt sein könnte, bestehen keine und wurden auch nicht geltend gemacht.
Somit beträgt das Invalideneinkommen bei
einer
Arbeitsfähigkeit von 60
%
rund
Fr.
29'221.-- (
Fr.
48'701.-- x 0.6).
5.8
Der Vergleich des
Valideneinkommens
von
Fr.
61'63
7
.-- (vorstehend E. 5.5) mit dem Invalideneinkommen von
Fr.
29'221.-- (vorstehend E. 5.7) ergibt eine Ein
kommens
einbusse von
Fr.
32'4
16
.--, womit ein Invali
ditätsgrad von
rund
53
% resultiert. Dies begründet den Anspruch auf eine halbe Rente.
Anzumerken ist, dass bei Berücksichtigung eines Leidensabzugs von 10
%
das Inva
lideneinkommen rund
Fr.
26'299.--, die Einkommenseinbusse
Fr.
35'3
38
.-- und der Invaliditätsgrad
rund
57
%
betragen würde, mithin ebenfalls ein Anspruch auf eine
halbe Rente resultieren würde.
5.9
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine halbe Rente ab
1.
April 2004 hat. Mit dieser Feststellung ist die angefochtene Verfügung aufzuheben und die dagegen erhobene Beschwerde gutzuheissen.
Im Übrigen bleibt es der Beschwerdeführerin unbenommen, sich bei der Beschwer
degegnerin für beruf
liche Massnahmen erneut anzumelden.
6.
6.1
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG
sind ermessensweise auf Fr.
900.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzu
erle
gen.
6.2
Der obsiegenden und anwaltlich vertretenen Beschwerdeführerin steht eine Pro
zess
entschädigung zu, die beim praxisgemässen Stundenansatz von
Fr.
220.
- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ermessensweise auf
Fr.
3'100.--
(inklusive Baraus
la
gen und Mehr
wertsteuer) festzusetzen und der Beschwerdegegnerin aufzu
erlegen ist.