# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** bec93ceb-fbae-4db0-9631-6ef78d1d8775
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2011
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A.1. Bei A., geboren am _, wurde im Jahre 2001 ein angeborenes, infantiles psychoorganisches Syndrom (GG 404) diagnostiziert. Als Folge davon fiel er bereits im Kindergarten durch Verhaltensauffälligkeiten und Konzentrationsstörungen auf. Sein Verhalten wurde schnell untragbar, weshalb für ihn eine Förderhilfe eingesetzt wurde. A. verbrachte seine Kindergartenzeit in der Folge in Einzelbetreuung in der Kindergruppe und teils ohne die anderen Kinder. Im Sommer 2003 wurde er in der D. in Z. eingeschult und wohnte auch dort. Im Frühjahr 2004 forderte sein Klassenlehrer eine Umplatzierung von A., um ihn adäquater fördern zu können. Nach einer dreitägigen Schnupperzeit trat er im Mai 2004 ins Sonderschulheim Y. ein.
2. Seit den Sommerferien 2009 vermehrten sich bei A. Gewaltausbrüche. Aus diesem Grund wohnte er seit Anfang September 2009 nicht mehr im Schulheim Y., sondern besuchte die Schule täglich von zu Hause aus nur noch als externer Schüler. Nachdem sich die Situation immer mehr zugespitzt hatte und A. auch als externer Schüler nicht mehr tragbar war, wurde er vom Schulheim Y. im Februar 2010 freigestellt.
Noch während dem Aufenthalt im Schulheim Y. wurde A. im Februar 2010 im Rahmen einer Krisenintervention für vier Wochen in die Time-Out Klasse (TOK) umplatziert. Gemäss Standortbericht vom 12. März 2010 hat sich A. sehr schnell an die Tagesstruktur gewöhnt. Ohne eine 1:1 Bereuung sei es ihm jedoch kaum möglich, Aufträge zu erfüllen. Im emotionalen Bereich falle auf, dass bei ihm kaum eine Selbststeuerung vorhanden sei. Dieser fehlende „Buffer“ könne dazu führen, dass er auf Kleinigkeiten empfindlich und manchmal gar aggressiv reagiere, wodurch er entweder innert Sekunden von Eskalationsstufe 1 auf 10 schalte oder in ein emotionales Tief falle, so dass er depressionsähnliche Züge aufweise. Unter anderem deshalb sowie aufgrund des Umstands, dass per 15. März 2010 ein weiterer Jugendlicher in die TOK integriert wurde, konnte der erwähnte Betreuungsgrad bei A. nicht mehr wahrgenommen werden. Zudem war nach Auffassung der TOK bei A. der Auftrag nach dem Time-Out nicht mehr klar bzw. bezog sich nicht auf den Kernauftrag der TOK, weshalb die Empfehlung abgegeben wurde, auf eine Verlängerung des Aufenthalts zu verzichten.
3. Am 4. März 2010 errichtete die Vormundschaftsbehörde Surselva für A. mit Zustimmung seiner Eltern eine Beistandschaft im Sinne von Art. 308 ZGB und beauftragte Amtsvormund E., den Eltern in der Erziehung ihres Sohnes in Rat und
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Tat beizustehen, ihre Interessen in den laufenden Angelegenheiten der Suche nach einer geeigneten Jugendstation bzw. Jugendheim zu vertreten sowie deren Finanzierung zu wahren und den Abschluss der obligatorischen Schule und der Ausbildung zu überwachen. Am 14. April 2010 stellte E. bei der Vormundschaftsbehörde Surselva den Antrag, die Kinder- und Jugendpsychiatrie Graubünden (KJP) mit der Abklärung zu beauftragen, welche stationäre Institution (Betreuungseinrichtung) A. benötige, um aufgrund seiner Defizite den Schulabschluss und später eine Ausbildung absolvieren zu können. Dieser Antrag wurde Tags darauf genehmigt.
4. Im Gutachten der KJP vom 23. Juni 2010 wurde im Sinne einer gutachterlichen Einschätzung unter anderem festgehalten, dass die Eltern alleine nicht in der Lage seien, die Erziehung von A. zu tragen, die Suche nach einer sinnvollen Platzierung aber unterstützten. Auch A. selbst sei an einer Verbesserung seiner Situation interessiert und bereit, eine Fremdplatzierung mitzutragen und aktiv mitzuarbeiten. Es wurde sodann festgestellt, dass bei A. eine hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens in Kombination mit niedriger Intelligenz vorliege. Die Kardinalsymptome der hyperkinetischen Störung seien beeinträchtigte Aufmerksamkeit, Überaktivität und Impulsivität. Die Störungen des Sozialverhaltens seien durch ein sich wiederholendes und andauerndes Muster dissozialen, aggressiven oder aufsässigen Verhaltens charakterisiert. Es beinhalte Verletzungen alterstypischer sozialer Erwartungen in grober bis gröbster Form. Bei A. stelle sich die Gesamtsituation derart dar, dass bei ihm die ICD 10 Diagnose F90.1 gestellt werden müsse. Er erfülle hierfür alle wichtigen Kriterien, seine Gesamtbelastung werde aber durch die niedrige Intelligenz noch vergrössert. Dies habe zur Folge, dass für ihn Situationen, die mit dauerhafter intellektueller Überforderung einhergingen, auch unter optimaler Betreuung nicht zu bewältigen seien, weshalb eine kontextuelle Adaption bereits frühzeitig erwogen werden müsse. Nach Einschätzung des Gutachters benötige A. weiterhin und dauerhaft eine integrierte kinder- und jugendpsychiatrische Behandlung, welche aus psychotherapeutischen, edukativen und medikamentösen Anteilen bestehen und, wenn immer möglich, die ganze Familie als System miteinschliessen sollte. In Bezug auf die weitere Behandlung und Betreuung von A. gab der Gutachter die Empfehlung ab, ihn weiterhin in einem Schulheim zu platzieren. Die gewählte Einrichtung sollte für ihn eine umfassende und dauerhafte Unterbringung gewährleisten können, die ihn auch beim Aufbau beruflicher Perspektiven unterstütze. Dabei müssten folgende wesentlichen Voraussetzungen Beachtung finden:
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- Sonderpädagogische Förderung in einer Kleinklasse entsprechend seines Leistungsstands;
- sonderpädagogisch betreute Wohnform mit der Möglichkeit der 1:1 Betreuung im Falle krisenhafter Situationen;
- kinder- und jugendpsychiatrisches Therapieangebot mit Sicherstellung der weiteren Überwachung der medikamentösen Einstellung;
- gute kommunikative Vernetzung zwischen Therapie, Schule, Eltern und Wohnheim;
- Time-Out-Platzierung sollte kurzfristig und bedarfsorientiert zur Verfügung stehen.
5. Am 9. August 2010 trat C. ins Internat F. in X. ein, wo er jedoch bereits zu Beginn massive Probleme in der Gruppe hatte. Da er bei Konfliktsituationen mit anderen Jugendlichen regelmässig ausrastete und diese beschimpfte, wurde er per 6. September 2010 wieder freigestellt.
6. Am 13. September 2010 erfolgte sein Eintritt in die sozialpädagogische Zirkusschule „G.“ in W.. Dort bekundete A. von Beginn an Mühe mit der Einhaltung der Hausregeln. In Situationen, die er als frustrierend erlebte, reagierte er mit massiven und lang andauernden Provokationen und Drohungen, welche die gesamte Aufmerksamkeit der Betreuungspersonen erforderten. Aufgrund dieses für die betreffende Institution nicht tragbaren Verhaltens wurde er noch im Verlauf seiner Probezeit per 6. Oktober 2010 aus dem „G.“ ausgeschlossen. Seither befindet er sich zu Hause bei seinen Eltern, wo er seinem Vater bei den Haushaltsarbeiten und im Sommer auf der Alp zur Hand geht.
7. In Beantwortung einer nachträglichen Anfrage teilte die KJP dem Beistand mit Schreiben vom 26. Oktober 2010 mit, dass aus fachmedizinischer Sicht nichts gegen eine Platzierung von A. in einer geschlossenen Institution spreche; dies würde sich nach bisherigem Verlauf gar empfehlen.
8. Am 2. November 2010 fand zwischen A., dessen Eltern, dem Beistand und dem Präsidenten der Vormundschaftsbehörde Surselva eine Standortbestimmung statt, anlässlich welcher sich die anwesenden Personen nach Darstellung des Präsidenten der Vormundschaftsbehörde geeinigt hätten, die Platzierung von A. in eine geschlossene Institution aufzugleisen, um auf diesem Weg den gewünschten Schulabschluss erwirken zu können. Dieser Einigung ist eine Erörterung der schwierigen Situation von A. vorausgegangen, in der dessen Eltern aufgezeigt wurde, dass in Bezug auf eine Platzierung ihres Sohnes zwischenzeitlich mindestens 30 Institutionen angefragt worden und diese entweder aus
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Platzmangel oder aufgrund seiner früheren Verhaltensweisen nicht bereit gewesen seien, ihn aufzunehmen.
Anschliessend erfolgte die Anmeldung von A. im H., woraufhin von den Heimverantwortlichern die Rückmeldung einging, dass A. vorerst auf die Warteliste gesetzt werde und eine Aufnahme desselben frühestens anfangs 2011 möglich sei. Einer erneuten Anfrage bei der sozialpädagogischen Zirkusschule „G.“ wurde eine Absage erteilt, da man dort nicht bereit war, A. wieder aufzunehmen. Es wurde aber in Aussicht gestellt, dass eine Wiederaufnahme durchaus möglich sei, sofern A. in einer anderen Einrichtung einige Monate mit positivem Verlauf verbracht habe. Am 11. Januar 2011 fand in der Institution H. in V. ein Informations-/Aufnahmegespräch statt, an welchem A., dessen Eltern sowie dessen Beistand anwesend waren. Dabei wurde seitens der Heimleitung klargestellt, dass für eine allfällige Aufnahme von A. ein Einweisungsentscheid bzw. ein Obhutsentzug durch die zuständige Vormundschaftsbehörde vorausgesetzt werde.
9. Nachdem der Beistand am 21. Januar 2011 die definitive Bestätigung der Heimleitung des H. erhalten hatte, kam es am 26. Januar 2011 zu einer weiteren Besprechung zwischen A., dessen Eltern, dessen Beistand sowie dem Präsidenten der Vormundschaftsbehörde Surselva. Seitens des Präsidenten der Vormundschaftsbehörde wurde abermals aufgezeigt, dass für die Aufnahme im H. eine Aufhebung der elterlichen Obhut im Sinne von Art. 310 ZGB notwendig sei. Die Eltern von A. erklärten sich daraufhin handschriftlich „einverstanden mit der Ausweitung der Beistandschaft für A. auf Art. 310 ZGB mit Fremdplatzierung und E. als Amtsbeistand“.
10. Unter Berücksichtigung der definitiven Aufnahmebestätigung der Heimleitung des H. verfasste der Beistand am 28. Januar 2011 seinen periodischen Bericht und beantragte gleichzeitig die Ausweitung der vormundschaftlichen Massnahmen auf die Aufhebung der elterlichen Obhut im Sinne von Art. 310 ZGB.
B.1. Mit Beschluss des Präsidenten der Vormundschaftsbehörde Surselva vom 2. Februar 2011 in Sachen A. betreffend Beistandschaft, Obhutsentzug und Unterbringung wurde gestützt auf Art. 53 EGzZGB folgendes beschlossen:
„1. Die für A. bestehende Beistandschaft nach Art. 308 ZGB wird beibehalten.
2. Die Obhut des Vaters und der Mutter über A. wird gestützt auf Art. 310 Abs. 1 ZGB aufgehoben.
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3. Der Amtsbeistand E. wird weiterhin mandatiert. Dieser wird angewiesen:
- den Eltern in ihrer Sorge um A. weiterhin mit Rat und Tat beizustehen;
- die Unterbringung von A. in eine geeignete Institution, wenn nötig auch in eine stationäre geschlossene Einrichtung, mit angemessener schulischer Ausbildung zu vollziehen, zu überwachen und deren Finanzierung sicherzustellen;
- sobald als nötig, ordentlicherweise innert Jahresfrist Bericht zu erstatten.
4. Die Amtskosten der Vormundschaftsbehörde Surselva bleiben bei der Prozedur. Die Mandatsführungskosten gehen zulasten von C. und B..

## Considerations