# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 250be418-1346-49a7-98b2-f1ec99d3c8be
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. X. wurde am 1. Mai 1954 in A. geboren. Er ist verheiratet, hat drei Kinder und hat seinen Wohnsitz in B.. X. ist gelernter Autoelektriker und arbeitet zurzeit als Chauffeur. Er besitzt mit seiner zweiten Ehefrau ein Haus im Wert von ca. 1.2 Mio. Franken, welches mit einer Hypothek belastet ist. Gemäss eigenen Angaben beträgt sein Einkommen rund Fr. 5‘000.-- pro Monat.
B. Im Schweizerischen Zentralstrafregister ist X. mit zwei Einträgen verzeichnet. Das Bezirksgericht Dielsdorf verurteile ihn am 7. Mai 2003 wegen Nichtabgabe von Ausweisen oder Kontrollschildern zu einer Busse von Fr. 300.--. Am 20. September 2006 verurteilte ihn das Obergericht des Kantons Zürich wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, Verletzung von Verkehrsregeln und pflichtwidrigem Verhalten bei Unfall zu einer Busse von Fr. 600.--, bedingt vollziehbar, bei einer Probezeit von zwei Jahren. Im  ist X. mit zwölf Einträgen verzeichnet.
C. Am 14. Februar 2012 eröffnete die Staatsanwaltschaft Graubünden (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) eine Strafuntersuchung gegen X.. Am 25. Mai 2012 teilte die Staatsanwaltschaft ihm mit, dass die Strafuntersuchung abgeschlossen sei. Gleichzeitig wurde die Anklageerhebung beim Gericht gemäss Art. 324 ff. StPO wegen grober Verletzung von Verkehrsregeln etc. in Aussicht gestellt und eine Frist von zehn Tagen eingeräumt, um allfällige Beweisanträge zu stellen.
D. Am 2. August 2012, mitgeteilt am 9. August 2012, erging die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft. In dieser wird in Sachen gegen X. wie folgt Anklage erhoben:
„1.1 Grobe Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 34 Abs. 4 SVG und Art. 35 Abs. 2 und 3 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 2 SVG.
Am 21. Juli 2011 fuhr der Beschuldigte mit dem von ihm gelenkten Lastwagen Renault X Midlum 300-18H, C., bei D. um 08.00 Uhr mit ca. 85 km/h auf der Südspur der E.. Als er sich vor dem Spurabbau einem Lastwagen näherte, wurde der Beschuldigte von einer Gruppe mit fünf Personenwagen überholt. Als das vierte Fahrzeug dieser Gruppe an ihm vorbeigefahren war, hatte der Beschuldigte zum langsam vor ihm fahrenden Lastwagen einen Abstand zwischen 10 und 20 m. Der Beschuldigte scherte auf die Überholspur aus und drängte sich vor F., der im Begriffe war, als fünfter der überholenden Gruppe mit seinem Volvo, G., am Beschuldigten vorbeizufahren und bereits auf dessen Höhe war, was der Beschuldigte bei pflichtgemässer Aufmerksamkeit
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hätte bemerken müssen. Aufgrund dieses Fahrmanövers des Beschuldigten war F. gezwungen, auf die Überholspur der Gegenfahrbahn auszuweichen, ansonsten es zu einer Kollision gekommen wäre. F. schloss sein Überholmanöver ab. Der Beschuldigte blieb auf der Überholspur und überholte den vor ihm fahrenden Lastwagen. Dieses Überholmanöver konnte er nicht rechtzeitig vor dem Spurabbau beenden, sodass er die dortige Sperrfläche überfuhr und zudem F., der mittlerweile vor beiden Lastwagen auf die Normalspur zurückgeschwenkt war, vor der folgenden unübersichtlichen Linkskurve überholte. Dabei drängte er diesen an den rechten Strassenrand ab. Beim Entscheid, an der fraglichen Stelle zu überholen, zog der Beschuldigte zumindest aus grober Pflichtwidrigkeit nicht in Betracht, dass er mit seinem Verhalten in vorhersehbarer Weise eine gefährliche Verkehrssituation schaffen würde.
1.2 Mehrfache Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 34 Abs. 1 SVG und Art. 44 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG.
Die Südspur der E. wird vor dem H. und vor der I. zweispurig geführt. Auf beiden Streckenabschnitten konnte F. am 21. Juli 2011 den Beschuldigten nicht überholen, weil dieser zeitweise mit seinem Lastwagen nach links über die Leitlinie fuhr. Aus Sicherheitsgründen unterliess es F. in der Folge, den Beschuldigten zu überholen.“
E. Die Hauptverhandlung, zu welcher mit prozessleitender Verfügung vom 16. August 2012 vorgeladen wurde, fand am 2. Oktober 2012 vor Bezirksgericht Hinterrhein statt. Anwesend waren X. als Beschuldigter in Begleitung seines privaten Verteidigers, Rechtsanwalt lic. iur. Niklaus Litscher, und die Staatsanwaltschaft, vertreten durch Staatsanwalt lic. iur. Guido Theiler. Die Parteien stellten die folgenden Schlussanträge:
Anträge der Staatsanwaltschaft Graubünden
1. X. sei
- der groben Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 34 Abs. 4 SVG sowie Art. 35 Abs. 2 und 3 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 2 SVG sowie
- der mehrfachen Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 34 Abs. 1 SVG und Art. 44 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG
schuldig zu sprechen.
2. Dafür sei er mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je CHF 150.00, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von 2 Jahren, und einer Busse von Fr. 2‘200.00, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 16 Tagen zu verurteilen.
3. Die Verfahrenskosten seien dem Beschuldigten zu überbinden.
Anträge von X.
1. Der Beschuldigte sei von Schuld und Strafe freizusprechen.
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2. Die Kosten des Strafverfahrens seien auf die Gerichtskasse zu nehmen.
3. Dem Beschuldigten sei eine angemessene Entschädigung zuzusprechen.
F. Gegen das am 2. Oktober 2012 gefällte, gleichentags mündlich eröffnete und ohne schriftliche Begründung im Dispositiv mitgeteilte Urteil des Bezirksgerichts Hinterrhein meldete X. am 8. Oktober 2012 Berufung an.
G. Daraufhin teilte das Bezirksgericht Hinterrhein den Parteien am 4. Dezember 2012 das begründete Urteil mit. Darin erkannte es wie folgt:
„1. X. ist schuldig
- der groben Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 34 Abs. 4 SVG sowie Art. 35 Abs. 2 und 3 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 2 SVG sowie
- der mehrfachen Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 34 Abs. 1 SVG und Art. 44 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG.
2.a) Dafür wird X. mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je CHF 150.00 bestraft.
b) Der Vollzug der Geldstrafe wird unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren aufgeschoben.
3.a) Zudem wird X. mit einer Busse von Fr. 2000.00 bestraft.
b) Die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse beträgt 14 Tage. Sie tritt an die Stelle der Busse, soweit diese schuldhaft nicht bezahlt wird.
4.a) Die Kosten des Verfahrens von CHF 6‘055.00 (Untersuchungsgebühren und Auslagen der Staatsanwaltschaft Graubünden CHF 2‘055.00, Gerichtsgebühren CHF 4‘000.00) gehen zu Lasten von X..
b) X. hat dem Bezirksgericht Hinterrhein folglich zu überweisen:
Busse Fr. 2‘000.00 Fr. 700.--
Verfahrenskosten Fr. 6‘055.00 Fr. 3‘832.50
Total Fr. 8‘055.00
In Rechtskraft erwachsene Bussen und Verfahrenskosten sind innert 30 Tagen auf das Konto J., des Bezirksgerichts Hinterrhein bei der K. zu bezahlen.

## Considerations