# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** defb2701-efe2-5eae-8be4-b43b9f87c236
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. A.Y. wurde per 6. Februar 2012 vom Pflegeheim X. als Aus- und
Weiterbildungsverantwortliche mit einem Beschäftigungsgrad von 100 % angestellt.
Die Einzelheiten der Anstellung ergeben sich aus dem Arbeitsvertrag vom 28.
Dezember 2011. Als Lohn wurde ein Bruttojahreslohn von CHF 98‘800.- inkl. 13.
Monatslohn festgelegt (Monatslohn von CHF 7‘600.00). Die ersten drei Monate galten
als Probezeit. Nach Ablauf der Probezeit sollte die Kündigungsfrist drei Monate
betragen. Im Fall einer unverschuldeten Arbeitsverhinderung infolge Krankheit wurden
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der Arbeitnehmerin für 60 Tage 100 % des Grundlohns, ab dem 61. Tag
Krankentaggelder im Umfang von 90 % des Grundlohns ausbezahlt. Im Übrigen
richteten sich die Anstellungsbedingungen nach dem Dienstrecht des Kantons St.
Gallen (Verfahren K 2015/1 [fortan Verf. 1], act. 9/1).
Anlässlich eines Mitarbeitergesprächs teilte die Geschäftsleiterin des Pflegeheim X.
A.Y. im Beisein des Stationsleiters am 22. März 2013 mit, dass das Vertrauens- und
Kooperationsverhältnis irreparabel erschüttert sei, weshalb sie A.Y. die Kündigung in
Aussicht stellte und sie per sofort bis zur Klärung der Kündigung von der
Arbeitsleistung freistellte (Verf. 1, act. 9/2). Gleichentags suchte A.Y. einen Arzt auf, der
ihr eine hundertprozentige Arbeitsunfähigkeit von voraussichtlich zwei Wochen ab 22.
März 2013 bescheinigte (Verf. 1, act. 9/3).
Die Verhandlungen über eine einvernehmliche Auflösung des Arbeitsverhältnisses
zwischen den Parteien kamen zu keinem Ergebnis. A.Y. blieb bis zum 1. Dezember
2013 zu 100 % arbeitsunfähig. Danach war sie nur noch arbeitsplatzbezogen zu 100 %
arbeitsunfähig, für einen anderen Arbeitsplatz als im Pflegeheim X. war sie 100 %
arbeitsfähig (Verf. 1, act. 9/7). Während der ersten 60 Tage erhielt A.Y. 100 % ihres
Grundlohns, anschliessend aufgrund eines kollektiven Krankenversicherungsvertrags
mit der Visana noch 90 % ihres Grundlohns ausbezahlt.
Die Visana teilte A.Y. am 6. Januar 2014 mit, dass sie ihre Taggeldleistungen aus der
Kollektiv-Krankentaggeldversicherung ab dem 13. Januar 2014 einstellen werde, da sie
seit Dezember 2013 bei einem anderen Arbeitsgeber wieder arbeitsfähig sei (Verf. 1,
act. 9/10). Die Arbeitgeberin teilte A.Y. am 17. Januar 2014 mit, dass ihre
Lohnfortzahlung aufgrund des Briefes der Visana per 12. Januar 2014 ebenfalls ende
und ihr Lohnanspruch damit auch beendet sei (Verf. 1, act. 9/11).
Im Namen ihrer Klientin wehrte sich Frau lic. iur. K.M. von der Infostelle Frau+Arbeit,
Weinfelden, gegen die Lohneinstellung und wandte sich am 30. Januar 2014 an den
damaligen Rechtsvertreter des Pflegeheim X. (Verf. 1, act. 2/6). Die Arbeitgeberin
kündigte das Arbeitsverhältnis mit A.Y. am 25. Februar 2014 per 31. Mai 2014. In der
Kündigung wiederholte sie die Freistellung von A.Y. und wies darauf hin, dass A.Y. für
den Januar 2014 wegen einem Fehler aufgrund eines Mitarbeiterwechsels bei der
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Arbeitgeberin zu viel Lohn ausbezahlt worden sei, weshalb im Februar 2014 keine
Lohnzahlung erfolgen werde (Verfahren K 2015/2 [fortan Verf. 2], act. 2/2). Wegen
begründeter Zweifel über den Lohnanspruch richtete die Kantonale Arbeitslosenkasse
St. Gallen A.Y. von Februar bis Mai 2014 Arbeitslosentaggelder in der Höhe von CHF
16‘995.55 aus.
Am 3. April 2014 wandte sich Frau K.M. abermals im Namen von A.Y. an die
Geschäftsführerin der Arbeitgeberin und forderte diese auf, den ausstehenden Lohn für
die Monate Februar und März 2014 zu bezahlen (Verf. 1, act. 2/9). Der neue
Rechtsvertreter der Arbeitgeberin, Rechtsanwalt Arthur Andermatt, St. Gallen,
antwortete, es werde kein Lohn mehr ausbezahlt, da die Arbeitnehmerin nur noch
arbeitsplatzbezogen arbeitsunfähig sei und es ihr zumutbar sei, eine neue Stelle
anzutreten. Da sie dies unterlassen habe, sei sie ihrer Schadenminderungspflicht nicht
nachgekommen (Verf. 1, act. 2/10).
Die Verhandlungen um eine aussergerichtliche Einigung scheiterten, weshalb A.Y. am
7. Mai 2014 ein Schlichtungsgesuch bei der Schlichtungsstelle für Arbeitsverhältnisse
Q. einreichte. Die kantonale Arbeitslosenkasse machte ebenfalls eine Forderung von
CHF 16‘995.55 gegenüber der Arbeitgeberin geltend (Verf. 2, act. 2/6-8). Die Begehren
von A.Y. wurden zuständigkeitshalber an die für öffentlich-rechtliche
Arbeitsverhältnisse zuständige Schlichtungsstelle für Personalfragen der St. Galler
Gemeinden weitergeleitet. Anlässlich der Schlichtungsverhandlung vom 19. September
2014 machte A.Y. unter Vorbehalt einer Nachklage einen Lohnanspruch von CHF
16‘466.65 abzüglich Soziallasten geltend. Das Pflegeheim X. beantragte die Abweisung
des Begehrens. Die Schlichtungsstelle legte den Beteiligten eine Empfehlung zur
gütlichen Verständigung vor, welche die kantonale Arbeitslosenkasse St. Gallen am 23.
September 2014 ablehnte. Mit Verhandlungsprotokoll vom 21. Oktober 2014 stellte die
Schlichtungsbehörde die Nichteinigung fest (Verf. 2, act. 2/13).
B. Mit Eingabe vom 7. Januar 2015 reichte A.Y. (Klägerin I) personalrechtliche Klage
gegen das Pflegeheim X. (Beklagte) ein, ohne diese zu unterschreiben. Die beigelegten
Akten, darunter das Personalreglement der Beklagten, reichte sie ohne Nummerierung
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ein. Auf gerichtliche Aufforderung reichte die Klägerin I die Klage nochmals
unterschrieben und mit einigen ausgewählten nummerierten Akten ein. Die Klägerin I
beantragte, unter Kostenfolge, es sei die Beklagte anzuweisen, den ausstehenden
Lohn von CHF 37‘873.40 brutto abzurechnen und auszubezahlen, abzüglich des von
der kantonalen Arbeitslosenkasse eingeklagten Betrags. Soweit die BVG-Beträge des
Arbeitgebers von CHF 3‘194.50 nicht mehr in die Vorsorgeeinrichtung einbezahlt
werden könnten, seien sie netto der Klägerin zu überweisen. Zudem sei die Beklagte
anzuweisen, das Arbeitszeugnis gemäss Entwurf abzuändern. Zur Begründung brachte
die Klägerin I vor, dass keine allgemeine Stellensuchpflicht und damit eine
Schadenminderungspflicht während der Freistellung bestehe, weshalb ihr kein
Verhalten vorgeworfen werden könne, das ihren Lohnanspruch verringere oder
verneine (Verf. 1, act. 1).
Mit Eingabe vom 8. Januar 2015 reichte auch die kantonale Arbeitslosenkasse
(Klägerin II) Klage gegen die Beklagte ein und beantragte, es sei festzustellen, dass das
Arbeitsverhältnis der Beklagten mit A.Y. am 31. Mai 2014 beendet wurde und der
vereinbarte Lohn bis zu diesem Datum geschuldet sei. Die Beklagte habe ihr aufgrund
von Art. 29 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und
die Insolvenzentschädigung (Arbeitslosenversicherungsgesetz; SR 837.0, AVIG) CHF
16‘995.55 netto zu bezahlen, das Verfahren sei mit demjenigen von A.Y. zu vereinigen
und A.Y. sei als Zeugin aufzubieten. Die Klägerin II wies zur Begründung auf die
Subrogation eines Teils des Lohnanspruchs von A.Y. an sie hin und argumentierte,
dass bei einer Freistellung seitens der Arbeitgeberin volle Lohnpflicht bestehe (Verf. 2,
act. 1).
Die Beklagte beantragte in ihren Klageantworten vom 3. und vom 26. März 2015 die
Abweisung der Klagen, soweit auf sie eingetreten werden könne, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Die Beklagte machte im Wesentlichen geltend, dass aufgrund
der arbeitsplatzbezogenen Arbeitsunfähigkeit und der Einstellung der Krankentaggelder
durch die Visana keine Arbeitspflicht mehr bestanden habe, von der A.Y. freigestellt
habe werden können, weshalb sie die Lohnzahlungen kürzen oder einstellen durfte
(Verf. 1, act. 8 und Verf. 2, act. 7). In ihrer Replik vom 21. April 2015 machte die
Klägerin I geltend, dass eine Lohnkürzung nur bei grobem Selbstverschulden möglich
sei, was nicht der Fall sei. Ihre Freistellung sei bedingungslos gewesen, weshalb sie
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Anspruch auf die Lohnzahlung habe (Verf. 1, act. 11). Die Beklagte nahm mit Duplik
vom 28. Mai 2015 Stellung und hielt an ihren Begehren fest. Im Verfahren 2 wurde
beidseitig auf einen zweiten Schriftenwechsel verzichtet.
Auf die Ausführungen der Parteien zur Begründung ihrer Anträge wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Verfahren, in denen Rügen erhoben werden, die denselben Streitgegenstand
betreffen und zum Teil ähnlich bzw. gleich begründet werden, können nach der
Rechtsprechung vereinigt werden (vgl. statt vieler VerwGE B 2009/139, 140 vom 11.
Mai 2010 E. 1.1, www.gerichte.sg.ch). Der von der Klägerin II im Verfahren K 2015/2
subrogationsweise geltend gemachte Anspruch hängt davon ab, ob die Beklagte der
Klägerin I für den Zeitraum von der Kündigung bis zum Ende der Kündigungsfrist Lohn
schuldet (K 2015/1). Da sich in beiden Verfahren damit die gleichen Sach- und
Rechtsfragen stellen, ist es gerechtfertigt, die Verfahren zu vereinigen und durch einen
einzigen Entscheid zu erledigen.
2. Das Verwaltungsgericht prüft die Sachurteilsvoraussetzungen von Amtes wegen
(Art. 80 Abs. 1 und Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 6 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [sGS 951.1, VRP]).
2.1. Das Anstellungsverhältnis zwischen der Klägerin I und der Beklagten ist öffentlich-
rechtlicher Natur (vgl. Verf. 1, act. 9/1 S. 2). Für vermögensrechtliche Ansprüche aus
dem durch Verfügung begründeten Angestelltenverhältnis in Gemeinden steht das
Klageverfahren vor Verwaltungsgericht zur Verfügung (Art. 79bis VRP; vgl. auch Art. 78
Abs. 1 i.V.m. Art. 79 Abs. 1 lit. b des Personalgesetzes [sGS 143.1, PersG]). Die
Bestimmung bringt zum Ausdruck, dass die Klage vor Verwaltungsgericht nicht nur
dann gewährleistet sein soll, wenn das Angestelltenverhältnis vertraglich begründet
wurde, sondern auch dann, wenn es durch Verfügung begründet wurde (vgl.
Personalgesetz, Botschaft und Entwurf der Regierung vom 27. April 2010, in: ABl 2010
S. 1585 ff., S. 1656; VerwGE K 2013/3 Teilentscheid vom 28. April 2015 E. 1,
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www.gerichte.sg.ch). Bei der Beklagten handelt es sich um einen Zweckverband nach
Art. 140 ff. des Gemeindegesetzes (sGS 151.2, GG) und damit um eine öffentlich-
rechtliche Körperschaft mit eigener Rechtspersönlichkeit (vgl. Häfelin/Müller/Uhlmann,
Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. A. 2016, Rz. 1965 ff.). Es entspricht dem Sinn und
Zweck von Art. 79bis VRP, den Begriff der Gemeinde ausdehnend auszulegen und
auch Zweckverbände im Sinn von Art. 140 ff. GG zu erfassen (vgl. VerwGE K 2013/2
vom 23. September 2015 E. 1, www.gerichte.sg.ch). Bei den Begehren der Klägerinnen
um Lohnzahlung in der Kündigungsfrist bzw. um Bezahlung der anstelle des Lohns
erbrachten Leistungen während dieser Zeit, handelt es sich unbestritten um
vermögensrechtliche Ansprüche aus dem Anstellungsverhältnis nach Art. 79bis VRP.
Somit ist das Verwaltungsgericht zuständig, die Angelegenheit zu beurteilen.
2.2. Die Beklagte rügt, auf mehrere Rechtsbegehren der Klägerinnen sei nicht
einzutreten, da Prozessvoraussetzungen fehlten. Diese Rügen der Beklagten sind im
Folgenden zu prüfen.
2.2.1. Im Verfahren gegen die Klägerin I rügt die Beklagte, der eingeklagte Betrag von
CHF 37‘873.40 brutto übersteige den im Schlichtungsverfahren angeführten Betrag von
CHF 16‘466.65 brutto, weshalb auf den Teilbetrag, über den nicht geschlichtet wurde,
nicht einzutreten sei. Die Klägerin I hält dem entgegen, sie habe sich in der Schlichtung
ausdrücklich ein Nachklagerecht vorbehalten, da das Arbeitsverhältnis bei der ersten
Eingabe noch nicht beendet gewesen sei und noch nicht alle von ihr geforderten
Monatslöhne fällig gewesen seien. Als ihr Gesuch schlussendlich zur zuständigen
Schlichtungsstelle kam, sei das Arbeitsverhältnis beendet gewesen, und sie habe den
gesamten ausstehenden Lohn eingefordert.
Der öffentlich-rechtlichen Klage vor Verwaltungsgericht in personalrechtlichen
Angelegenheiten muss ein Schlichtungsverfahren vorangehen (Art. 78 Abs. 2 PersG).
Die Schlichtungsverhandlung vor der zuständigen Schlichtungsstelle in Personalsachen
der St. Galler Gemeinden (vgl. www.gerichte.sg.ch/gericht/schlichtungsbehoerden/
schlichtungsstellen-in-oeffentlich-rechtlichen-personalsachen) wurde korrekt
durchgeführt, und es wurde deren Scheitern festgestellt (Verf. 2, act. 2/13). Gemäss
Art. 80 Abs. 1 VRP richten sich Klagen vor dem Verwaltungsgericht sachgemäss nach
den Vorschriften über die Beschwerde, welche wiederum auf die Vorschriften über den
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Rekurs verweisen (Art. 64 VRP) und diese auf die Vorschriften über das Verfahren vor
Verwaltungsbehörden (Art. 58 Abs. 1 VRP). Weder in den Vorschriften zur öffentlich-
rechtlichen Klage vor Verwaltungsgericht noch in den als sachgemäss anwendbar
erklärten Vorschriften im Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege wird die Frage
geklärt, wann der Streitgegenstand fixiert wird. Im Gesetz über die
Verwaltungsrechtspflege bestehen aber diverse Verweise auf eine ergänzende
sachgemässe Anwendung der Vorschriften der Schweizerischen Zivilprozessordnung
(SR 272, ZPO), so beispielsweise in Art. 98ter, Art. 30ter und Art. 30 VRP. Aus diesem
Grund können die Vorschriften der Zivilprozessordnung zur Beantwortung der Frage
des Zeitpunkts der Fixierung des Streitgegenstandes sachgemäss herangezogen
werden, da es offensichtlich im Sinne des Gesetzgebers ist, bei Regelungslücken die
Bestimmungen der Zivilprozessordnung heranzuziehen. Auch die jüngste
bundesgerichtliche Rechtsprechung unterstützt eine sachgemässe Anwendung der
Bundesprozessordnungen im Verwaltungsverfahren (vgl. BGer 1C_457/2015 vom 3.
Mai 2016 E. 2.2).
Im zivilprozessualen Schlichtungsverfahren fixiert die Klagebewilligung bei einer
gescheiterten Schlichtung grundsätzlich den Streitgegenstand. Will eine Partei im
anschliessenden Gerichtsverfahren mehr einklagen, als in der Klagebewilligung
festgehalten ist, so ist dies nur unter der Voraussetzung einer zulässigen
Klageänderung nach Art. 227 ZPO möglich (U. Egli, in: Brunner/Gasser/Schwander
[Hrsg.], Schweizerische Zivilprozessordnung, Kommentar, Zürich/St. Gallen 2011, N 4
zur Art. 209 ZPO; D. Infanger, in: Spühler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Basler Kommentar,
Schweizerische Zivilprozessordnung, Basel 2013, N 4 zu Art. 202 ZPO, N 8 zu Art. 209
ZPO; D. Willisegger, in: Spühler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Basler Kommentar,
Schweizerische Zivilprozessordnung, Basel 2013, N 13 zu Art. 227 ZPO; Leuenberger/
Uffer-Tobler, Schweizerisches Zivilprozessrecht, Bern 2010, Rz. 11.113). Ist eine
Abweichung der beim Gericht eingereichten Klage von der Klagebewilligung nach
Art. 227 ZPO zulässig, so muss für die geänderte Klage kein Schlichtungsverfahren
durchgeführt werden (E. Pahud, in: Brunner/Gasser/Schwander [Hrsg.], Schweizerische
Zivilprozessordnung, Kommentar, Zürich/St. Gallen 2011, N 16 zu Art. 227 ZPO). Der
von der Klägerin I angebrachte Nachklagevorbehalt ändert daran nichts, da es sich
dabei lediglich um einen deklaratorischen Vorbehalt handelt, zu einem späteren
Zeitpunkt aus dem gleichen Anspruch weitere Teilklagen zu erheben (D. Füllemann, in:
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Brunner/Gasser/Schwander [Hrsg.], Schweizerische Zivilprozessordnung, Kommentar,
Zürich/St. Gallen 2011, N 4 zu Art. 86 ZPO). Wie die Beklagte richtig vorbringt, befreit
dieser Vorbehalt die Klägerin I aber nicht davon, bei Erhebung einer allfälligen späteren
Teilklage ebenfalls das Schlichtungsverfahren zu durchlaufen, sondern weist nur darauf
hin, dass sie nicht auf weitere Forderungen aus diesem Anspruch verzichtet.
Eine Klageänderung ist nach Art. 227 ZPO zulässig, wenn der geänderte Anspruch
nach der gleichen Verfahrensart zu beurteilen ist, mit dem bisherigen Anspruch in
einem sachlichen Zusammenhang steht oder die Gegenpartei zustimmt. Die Klägerin I
hat den Streitwert von CHF 16‘466.65 brutto im Schlichtungsverfahren auf
CHF 37‘873.40 brutto im Klageverfahren erhöht. Ab einem Streitwert von CHF 30‘000.-
wird in einem Zivilverfahren nicht mehr das vereinfachte sondern das ordentliche
Verfahren durchgeführt (vgl. Art. 243 Abs. 1 und Art. 219 ff. ZPO). Die Erhöhung des
geforderten Betrags und damit des Streitwerts führt folglich zur Behandlung in einer
anderen Verfahrensart, womit die erste Voraussetzung für eine zulässige
Klageänderung nach Art. 227 ZPO nicht erfüllt ist. Diese Voraussetzung der
Klageänderung im Zivilverfahren ist aber auf eine öffentlich-rechtliche Klage beim
Verwaltungsgericht nicht sachgemäss anwendbar, da vor dem Verwaltungsgericht nur
eine Verfahrensart besteht und diese Unterscheidung deshalb nicht möglich ist. Die
Voraussetzung der gleichen Verfahrensart kann deshalb ausser Acht gelassen werden
vor Verwaltungsgericht, und es muss lediglich eine der beiden alternativen weiteren
Voraussetzungen erfüllt sein. Zwar stimmt die Beklagte der Klageänderung nicht zu, da
sie eben diesen Punkt rügt, doch ist die Konnexität gegeben, da es sich beim
zusätzlich eingeklagten Betrag um weitere inzwischen fällig gewordene
Lohnforderungen handelt, weshalb sich der Anspruch auf das gleiche Rechtsverhältnis
stützt (E. Pahud, a.a.O., N 8 zu Art. 227 ZPO; vgl. BGE 129 III 230 E. 3.1). Der
Klagegrund selbst, die Lohnforderung, bleibt unverändert (vgl. D. Willisegger, a.a.O., N
31 zu Art. 227 ZPO). Die sachgemäss anwendbaren Voraussetzungen einer
Klageänderung nach Art. 227 ZPO sind somit gegeben, die Klägerin I durfte ihr
Rechtsbegehren in Ziff. 1 ihrer Klage in Abweichung des Rechtsbegehrens in der
Schlichtung formulieren und einen höheren Betrag aus Lohnansprüchen fordern. Auf
das Rechtsbegehren in Ziff. 1 der Klage der Klägerin I ist in vollem Umfang einzutreten.
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2.2.2. Im Verfahren gegen die Klägerin II rügt die Beklagte, dass keine
Meinungsäusserung im Sinne von Art. 80 Abs. 2 VRP vorliege, weshalb mangels
Prozessvoraussetzung nicht auf die Klage einzutreten sei.
Richtet sich die Klage gegen ein Gemeinwesen, kann sie gemäss Art. 80 Abs. 2 Satz 1
VRP erst angehoben werden, wenn die oberste in der Sache zuständige
Verwaltungsbehörde des Gemeinwesens den Anspruch abgelehnt hat. In diesem Sinn
setzt das Anhängigmachen der personalrechtlichen Klage beim Verwaltungsgericht
gemäss Art. 78 Abs. 2 PersG das – gescheiterte - Schlichtungsverfahren vor der
Schlichtungsstelle für Personalsachen voraus, welches als Ablehnung gemäss Art. 80
Abs. 2 Satz 1 VRP zu werten ist (vgl. VerwGE K 2012/1 vom 30. Juni 2015 E. 1 Abs. 2,
www.gerichte.sg.ch; VerwGE K 2012/5 vom 23. Dezember 2013 E. 1.1 Abs. 3 e
contrario, www.gerichte.sg.ch; Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 1155).
Die Beklagte ist als Zweckverband ein Gemeinwesen nach Art. 80 Abs. 2 VRP (siehe E.
2.1). Zwar behauptet die Klägerin II nicht ausdrücklich, am Schlichtungsverfahren vor
der Schlichtungsstelle für Personalfragen der St. Galler Gemeinden teilgenommen zu
haben, doch ist dem von ihr als Beilage 13 eingereichten Verhandlungsprotokoll der
Schlichtungsverhandlung vom 19. September 2014 klar zu entnehmen, dass sie sich
am Schlichtungsverfahren beteiligt hat. Kurz vor der Feststellung des Scheiterns des
Schlichtungsverfahrens steht im Verhandlungsprotokoll: „Mit Brief vom 23. September
2014 teilte die Nebenklägerin (Arbeitslosenkasse St. Gallen) der Schlichtungsstelle mit,
dass sie den Einigungsvorschlag ablehne.“ (Verf. 2, act. 2/13). Dies genügt als Beweis,
dass sich die Klägerin II am Schlichtungsverfahren beteiligte und dass dieses
scheiterte. Die Prozessvoraussetzung nach Art. 80 Abs. 2 VRP ist damit erfüllt und auf
die Klage der Klägerin II kann grundsätzlich eingetreten werden.
2.2.3. Zu prüfen ist sodann von Amtes wegen, ob die Klägerin II klagelegitimiert ist. Die
Beschwerdelegitimation ist ein typischer Begriff des Anfechtungsverfahrens, dem
Klageverfahren ist er hingegen fremd. Aus dem Verweis auf die sachgemässe
Anwendung der Vorschriften des Beschwerdeverfahrens in Art. 80 Abs. 1 VRP lässt
sich hinsichtlich der Prüfung der Sachlegitimation deshalb nichts gewinnen. Ob der
Kläger berechtigt ist, das eingeklagte Recht in eigenem Namen geltend zu machen, ist
eine Frage des materiellen Rechts und hat mit der Legitimation als
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Sachurteilsvoraussetzung eines Anfechtungsverfahrens im Sinne von Art. 45 Abs. 1
VRP nichts zu tun. Dieser Grundsatz gilt nicht nur im Zivilprozess, sondern auch im
öffentlich-rechtlichen Klageverfahren (GVP 2002 Nr. 75 E. 3 m.w.H.; bestätigt in
VerwGE K 2014/3 vom 27. April 2016 E. 1 sowie VerwGE K 2013/2 vom 23. September
2015 E. 1 und VerwGE K 2012/5 vom 19. Dezember 2013 E. 3, www.gerichte.sg.ch).
Zur Anhebung eines Klagebegehrens nach Art. 79bis VRP ist deshalb legitimiert, wer
einen vermögensrechtlichen Anspruch in eigenem Namen behauptet (GVP 2002 Nr.
75). Für die prozessuale Legitimation ist unerheblich, ob der Klägerin der behauptete
Anspruch tatsächlich zusteht, diese Frage ist materiell-rechtlich zu klären (GVP 2008
Nr. 1 E. 1.2).
Die Klägerin II macht geltend, dass aufgrund ihrer
Arbeitslosenentschädigungszahlungen an die Klägerin I alle Forderungsrechte der
Klägerin I gegen die Beklagte in diesem Umfang auf sie übergehen. Sie macht damit
einen vermögensrechtlichen Anspruch in eigenem Namen geltend, die
Klagelegitimation ist gegeben. Ob der Anspruch der Klägerin II materiell-rechtlich
tatsächlich besteht, wird im Sachurteil entschieden.
2.2.4. Als letzte Rüge betreffend der Prozessvoraussetzungen bringt die Beklagte im
Verfahren gegen die Klägerin II vor, dass ein Feststellungsinteresse betreffend ihres
Rechtsbegehrens in Ziff. 1 fehle. In diesem Rechtsbegehren stellt die Klägerin II den
Antrag, es sei festzustellen, dass das Arbeitsverhältnis der Beklagten mit A.Y. am 31.
Mai 2014 beendet worden sei und der vereinbarte Lohn bis zu diesem Datum
geschuldet sei.
Im Normalfall ist im Rahmen von Art. 79bis VRP Leistungsklage zu erheben.
Ausnahmsweise ist aber auch eine gegenüber der Leistungsklage subsidiäre
Feststellungsklage möglich. Diese setzt im Allgemeinen ein rechtliches Interesse an der
Feststellung voraus. (VerwGE K 2008/4 vom 16. Juni 2009 E. 1.3.2,
www.gerichte.sg.ch). Das Feststellungsinteresse ist eine besondere Form des
allgemeinen Rechtsschutzinteresses und ist Prozessvoraussetzung (GVP 2008 Nr. 1 E.
1.2.2). Ein solches ist bei Klageverfahren über vermögensrechtliche Ansprüche
denkbar, wenn aus bestimmten Gründen eine Leistungsklage nicht oder noch nicht
erhoben werden kann; ein qualifiziertes Interesse ist jedoch dort zu verneinen, wo die
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Streitigkeit zum Gegenstand eines Leistungsklageverfahrens gemacht werden kann
(ZBl 96/1995, S. 383 f.; BGE 128 V 41 E. 3a m.w.H; VerwGE B 2014/169 vom 28. Mai
2015 E. 1.3 sowie VerwGE B 2014/168 vom 28. April 2015 E. 1.2, www.gerichte.sg.ch).
Um im vorliegenden Fall die Begründetheit der geltend gemachten Forderungen
feststellen zu können, muss geprüft werden, ob die Beklagte der Klägerin I den
vereinbarten Lohn bis zum Ablauf der Kündigungsfrist am 31. Mai 2014 schuldet. Das
Ergebnis dieser Überprüfung bildet dann die Grundlage für die Gutheissung bzw.
Ablehnung der Forderungen (vgl. E. M. Jud, Besonderheiten öffentlichrechtlicher
Dienstverhältnisse nach schweizerischem Recht, insbesondere deren Beendigung aus
nichtdisziplinarischen Gründen, Diss. St. Gallen 1975, S. 294). Insofern ist das
Begehren der Klägerin II, wonach festgestellt werden soll, dass das Arbeitsverhältnis
der Beklagten mit A.Y. am 31. Mai 2014 beendet worden sei und der vereinbarte Lohn
bis zu diesem Datum geschuldet sei, zwar auch vermögensrechtlicher Natur, doch
deckt es sich mit der dem Feststellungsbegehren vorgehenden Leistungsklage (vgl. ZBl
96/1995, S. 383 f.). Ein rechtliches Interesse an der selbständigen Feststellung dieses
Sachverhalts besteht in diesem Zusammenhang somit nicht, die Voraussetzungen für
eine Feststellungsklage sind nicht gegeben. Daraus folgt, dass auf das selbständige
Feststellungsbegehren der Klägerin II in Ziff. 1 ihrer Klageschrift nicht eingetreten
werden kann.
2.2.5. Die Klageschriften entsprechen im Übrigen den gesetzlichen Anforderungen
(Art. 80 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 64 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und Abs. 2 VRP).
Insbesondere waren alle Eingaben ans Gericht fristgerecht. Auf die Klagen ist
einzutreten, soweit nicht die selbständige Feststellung des Bestands des
Arbeitsverhältnisses und der Lohnforderung bis zum 31. Mai 2014 von der Klägerin II
verlangt wird.
3. Die Klägerin I macht in Ziff. 4 ihrer Rechtsbegehren geltend, dass die Beklagte
anzuweisen sei, das Arbeitszeugnis gemäss Entwurf abzuändern. Das von der
Beklagten am 23. Juni 2014 ausgestellte Arbeitszeugnis führt aus, dass das
Arbeitsverhältnis aufgrund „andauernder arbeitsplatzbezogener Arbeitsunfähigkeit“
gekündigt werden musste (Verf. 1, act. 17/13). Die Klägerin I reichte mit ihrer Replik
einen Entwurf eines Arbeitszeugnisses ein, in dem im letzten Absatz eine Korrektur
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hervorgehoben wurde, wonach die Klägerin I die Beklagte „im gegenseitigen guten
Einvernehmen (oder: auf eigenen Wunsch)“ verlasse. Die Variante „im gegenseitigen
guten Einvernehmen“ ist im Entwurf durchgestrichen und die Variante „auf eigenen
Wunsch“ in roter Farbe geschrieben und gelb markiert (Verf. 1, act. 12/11 S. 2).
Abgesehen von dieser Korrektur sind keinerlei Kommentare oder Korrekturen im
Entwurf des Arbeitszeugnisses ersichtlich. Die Klägerin I geht weder in der Klage noch
in der Replik auf ihr Rechtsbegehren ein, inwiefern das Arbeitszeugnis abzuändern sei.
Der von ihr der Replik kommentarlos beigefügte Entwurf des Arbeitszeugnisses weicht
abgesehen von der Beschreibung der Auflösung des Arbeitsverhältnisses an mehreren
Stellen vom ausgestellten Arbeitszeugnis ab, doch werden diese Stellen weder
begründet noch hervorgehoben. Beispielsweise lässt die Beklagte in ihrem Entwurf
folgenden Satz aus dem ausgestellten Arbeitszeugnis kommentarlos weg: „Seit 22.
März 2013 konnte sie diese Funktion wegen ärztlich bescheinigter Arbeitsunfähigkeit
nicht mehr ausüben.“
3.1. Will der Arbeitnehmer die Änderung eines Arbeitszeugnisses gerichtlich
durchsetzen, muss er den verlangten Zeugnistext selbst formulieren (BGer
4A_270/2014 vom 18. September 2014 E. 3.2.2; BGer 4C_23772006 vom 24
November 2006 E. 5; VerwGE K 2009/1 vom 24. März 2009 E. 1 Abs. 4). Die
Klagepunkte müssen klar formuliert sein und präzise Schlussfolgerungen enthalten
(BGer 4C_237/2006 vom 24. November 2006 E. 5). Der Arbeitnehmer muss die
Umstände, welche die Abänderung des Arbeitszeugnisses rechtfertigen, beweisen
(Müller/Thalmann, Streitpunkt Arbeitszeugnis, 2. A. 2016, S.112). Wird die Richtigkeit
des Zeugnisses vom Arbeitnehmer substantiiert bestritten, so trägt der Arbeitgeber die
Beweislast (VerwGE K 2009/1 vom 24. März 2009 E. 1 Abs. 4).
Es ist der Beklagten zuzustimmen, dass das Rechtsbegehren in Ziff. 4 der Klage nicht
substantiiert ist. Zwar hat die Klägerin I einen Entwurf eines Arbeitszeugnisses
ausformuliert, doch ist dieses nicht vollständig und die Abweichungen vom
ausgestellten Arbeitszeugnis werden in den Eingaben der Klägerin I nicht erwähnt und
schon gar nicht substantiiert begründet. Aus dem Entwurf des Arbeitszeugnisses lässt
sich denn auch nicht eindeutig ablesen, welche der beiden Formulierungsvarianten
betreffend die Auflösung des Arbeitsverhältnisses die Klägerin I bevorzugt. Die
Richtigkeit des ausgestellten Arbeitszeugnisses ist nicht substantiiert bestritten,
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weshalb auf dieses Rechtsbegehren mangels ausreichender Begründung nicht
eingetreten wird (vgl. Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 1154).
3.2. Selbst wenn der Entwurf der Klägerin der Substantiierungspflicht genügen würde,
gelten für Arbeitszeugnisse in öffentlich-rechtlichen Arbeitsverhältnissen grundsätzlich
die gleichen Grundsätze wie im Privatrecht, unter anderen die Grundsätze der Wahrheit
und der Vollständigkeit (Müller/Thalmann, a.a.O., S. 21 m.w.H.). Zu beachten ist, dass
in der Schweiz „Wahrheit vor Wohlwollen“ gilt, eine negative Tatsache ist deshalb zu
erwähnen, soweit diese für die Gesamtbeurteilung erheblich ist (Müller/Thalmann,
a.a.O., S. 4, BGE 136 III 510 E. 4.1 m.w.H.). Eine Bemerkung zur Art der
Vertragsauflösung ist notwendig, wenn die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis
kündigen musste, weil die Arbeitnehmerin aufgrund gesundheitlicher Probleme nicht
mehr in der Lage war, ihre Funktion zu erfüllen (Müller/Thalmann, a.a.O., S. 58). Stellt
die Krankheit die Eignung zur Erfüllung der bisherigen Aufgaben in Frage und ist sie
damit ein sachlicher Grund zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses, so muss sie
erwähnt werden. Ebenso sind längere, auch krankheitsbedingte, Arbeitsunterbrüche zu
erwähnen, wenn sie im Verhältnis zur gesamten Vertragsdauer erheblich ins Gewicht
fallen und daher ohne deren Erwähnung ein falscher Eindruck bezüglich der
erworbenen Berufserfahrung entstünde (BGE 136 III 510 E. 4.1 m.w.H.).
Die Klägerin I war während einer Dauer von 28 Monaten bei der Beklagten angestellt. In
dieser Zeit gab es einen krankheitsbedingten Arbeitsunterbruch von 14 Monaten. Der
Arbeitsunterbruch dauerte folglich die Hälfte der Vertragsdauer, weshalb er erheblich
ins Gewicht fällt und aufgrund der Wahrheitspflicht von der Beklagten im
Arbeitszeugnis erwähnt werden musste, da andernfalls ein falscher Eindruck der
erworbenen Berufserfahrung der Klägerin I entstünde. Auch weil die Kündigung der
Klägerin I ausdrücklich aufgrund der arbeitsplatzbezogenen Arbeitsunfähigkeit erfolgte
(Verf. 2, act. 2/2), muss diese im Arbeitszeugnis erwähnt werden. Die Formulierungen
der Klägerin I betreffend die Auflösung des Arbeitsverhältnisses könnten denn auch
nicht akzeptiert werden, da sie objektiv nicht der Wahrheit entsprechen.
3.3. Auf das Rechtsbegehren der Klägerin I in Ziff. 4 bezüglich des Arbeitszeugnisses
wird nicht eingetreten, da das Begehren ungenügend substantiiert ist. Falls darauf
eingetreten worden wäre, wäre es abzuweisen, da es materiell nicht begründet ist.
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4. Die Klägerin II beantragt, die Klägerin I sei als Zeugin aufzubieten. Der Anspruch auf
rechtliches Gehör gebietet, dass rechtzeitig und formrichtig angebotene Beweismittel
abzunehmen sind, es sei denn, diese betreffen eine nicht erhebliche Tatsache oder
seien offensichtlich untauglich, über die streitige Tatsache Beweis zu erbringen (BGE
124 I 242 E. 2; BGE 117 Ia 262 E. 4b).
Im vorliegenden Fall ergeben sich die rechtserheblichen Tatsachen indessen aus den
Akten und insbesondere aus den Rechtsschriften der Klägerin I selbst; die Befragung
der Klägerin I würde nicht dazu beitragen, den Sachverhalt genauer zu klären. Deshalb
kann auf die Abnahme des Beweises verzichtet werden.
5. Im Verfahren gegen die Klägerin I rügt die Beklagte, die Rechtsbegehren in Ziff. 1
und 3 der Klage seien nicht substantiiert, da sich weder aus der Klage noch der Replik
ergebe, wie sich die geforderten Beträge von CHF 37‘873.40 Lohnforderungen und
CHF 3‘194.50 BVG-Beiträge zusammensetzen. Es sei nicht ersichtlich, für welche
Zeitperiode der Lohn gefordert werde, zu welchem Monatslohn, ob mit
Ferienauszahlung oder 13. Monatslohn und ob Überstunden und die Januarauszahlung
einbezogen seien.
5.1. Grundsätzlich gilt der in öffentlich-rechtlichen Verfahren geltende
Untersuchungsgrundsatz auch in Klagefällen, doch wird er mit Blick auf das
weitgehend zweiparteiliche Verfahren zugunsten der Verhandlungsmaxime
eingeschränkt. Der Richter klärt den Sachverhalt nur von Amtes wegen ab, wenn dies
durch wesentliche öffentliche Interessen geboten ist. Ist dies nicht der Fall, bestimmen
die Parteien durch ihre Behauptungen, Bestreitungen und Beweisanträge den
entscheidrelevanten Sachverhalt (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 1158).
Im Rahmen der Verhandlungsmaxime obliegt es der Klägerin, in der Klageschrift die
rechtsbegründenden Tatsachen darzulegen und Beweismittel zu benennen. Die
Beweislast nach Art. 8 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (SR 210, ZGB) trägt,
wer daraus Rechte ableitet. Wer also Lohnansprüche aus einem Arbeitsverhältnis
ableitet, hat dessen Bestand sowie den Bestand und die Höhe der Lohnforderung zu
beweisen (BGE 125 III 78 E. 3b). In erster Linie trifft die Klägerin eine Behauptungslast.
Dieser ist Genüge getan, wenn die Klägerin in ihrem Tatsachenvortrag in allgemeiner
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Weise sämtliche Tatsachen benennt, welche unter die ihr Begehren stützenden
Normen zu subsumieren sind. Ein Tatsachenvortrag ist dann schlüssig, wenn er bei der
Unterstellung, er sei wahr, den Schluss auf die anbegehrte Rechtsfolge zulässt.
Bestreitet die Beklagte den schlüssigen Tatsachenvortrag, so trifft die Klägerin eine
Substantiierungslast. Die Bestreitung muss aber ebenfalls substantiiert erfolgen und
bedingt, dass detailliert und im Hinblick auf jede Behauptung anzugeben ist, was
bestritten ist. Eine Generalbestreitung am Beginn der klägerischen Replik genügt
diesen Anforderungen nicht (Leuenberger/Uffer-Tobler, a.a.O., Rz. 11.82). Die daraus
folgende Substantiierungslast der Klägerin verlangt, dass die Vorbringen nun nicht
mehr nur in den Grundzügen, sondern in Einzeltatsachen zergliedert, so umfassend
und klar dargelegt werden, dass darüber Beweis abgenommen werden kann (BGer
4A_504/2015 vom 28. Januar 2016 E. 2.1.3; BGer 4A_539/2014 vom 7. Mai 2015 E.
3.4; BGE 127 III 365 E. 2b).
5.2. Da die Verfahren vereinigt wurden, müssen zur Erhebung des rechtserheblichen
Sachverhalts alle von den Klägerinnen sowie der Beklagten eingereichten Eingaben
samt Beilagen einbezogen werden. Die Beklagte reichte den Arbeitsvertrag mit der
Klägerin I mit ihrer Klageantwort ein, in dem der Monatslohn von CHF 7‘600 brutto
sowie ein 13. Monatslohn vereinbart wurden (Verf. 1, act. 9/1). Die Klägerin I zeigt
schlüssig den Sachverhalt auf, auf den sie ihre Forderung stützt. Insbesondere reicht
sie die Kündigung ihres Arbeitsverhältnisses ein, mit der sie auch ihre Freistellung bis
zum Ende der Kündigungsfrist – Ende Mai 2014 – beweisen kann. Sie behauptet
sodann, dass sie Ende Januar 2014 die letzte Lohnzahlung von der Beklagten erhalten
habe. Dies bestätigt die Beklagte und reicht selbst die Lohnabrechnung vom Januar
2014 ein (Verf. 1, act. 9/12). Dem Einwand der Beklagten, dass nicht ersichtlich sei, ob
die Klägerin I den ausbezahlten Januarlohn bei ihrer Forderung miteinbezogen habe,
kann deshalb nicht gefolgt werden. Aufgrund der Ausführungen der Klägerin I wird klar
ersichtlich, dass sie den ausgebliebenen Lohn für die Monate Februar bis Mai 2014
einfordert. Die Beklagte bestreitet denn auch weder die Kündigung noch die nicht
erfolgten Lohnzahlungen für die Monate Februar bis Mai 2014. Die Klägerin I beziffert
ihre Forderung auf CHF 37‘873.40 für den ausstehenden Lohn und auf CHF 3‘194.50
für die auf den Lohn geschuldeten BVG-Beiträge des Arbeitgebers. Wie die Beklagte in
ihrer Duplik richtig anmerkt, führt die Klägerin I nicht weiter aus, wie sich diese Beträge
genau zusammensetzen oder wie sie berechnet wurden. Entgegen der Ansicht der
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Beklagten bedeutet dies aber nicht, dass die Rechtsbegehren der Klägerin I in Ziff. 1
und 3 schon deshalb abzuweisen sind. In Anbetracht der Tatsache, dass die
Beschwerdeführerin nicht anwaltlich vertreten war, ist ihr nicht anzulasten, dass sie
keine ausführliche Begründung betreffend die Bezifferung ihrer Forderung einreichte.
Die von der Beklagten aufgeworfenen Fragen, ob Ferienauszahlungen, Überstunden
und 13. Monatslohn in der Forderung inbegriffen seien, sind Fragen des materiellen
Rechts und gehören nicht zum rechtserheblichen Sachverhalt. Deshalb ist vielmehr
materiell zu prüfen, ob der Anspruch der Klägerin I besteht, und in einem zweiten
Schritt ist der etwaige Anspruch zu berechnen.
5.3. Die Klägerin I hat ihre Behauptungs- und Substantiierungslast nicht verletzt, indem
sie die geforderten Beträge nicht weiter begründete. Aufgrund der grundsätzlichen
Geltung der Untersuchungsmaxime kann das Gericht die Beträge selbst berechnen, da
der dafür rechtserhebliche Sachverhalt schlüssig erstellt ist.
6. Der materiell-rechtliche Hauptstreitpunkt besteht in der Frage, ob eine Forderung der
Klägerin I gegen die Beklagte besteht. Sollte der Bestand dieser Forderung bejaht
werden, ist in einem zweiten Schritt der Bestand der davon abhängigen Forderung der
Klägerin II gegen die Beklagte zu prüfen.
6.1. Die Klägerin I stellt sich auf den Standpunkt, dass während der Freistellung von
der Arbeitspflicht keine allgemeine Stellensuchpflicht – Schadenminderungspflicht –
seitens der Arbeitnehmerin bestehe. Gemäss Art. 324 Abs. 2 des Bundesgesetzes
betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches; Fünfter Teil:
Obligationenrecht (SR 220, OR) bestehe lediglich eine Anrechnungspflicht auf den
Lohn, wenn absichtlich Arbeitsbemühungen unterlassen oder eine Stelle nicht
angetreten werde. Dies sei keinesfalls der Fall gewesen, weshalb sie sich kein
Verhalten vorwerfen lassen müsse, das ihren Lohnanspruch verringere oder verneine.
Das Personalreglement der Beklagten schränke weiter die Anwendbarkeit des
Dienstrechts des Kantons St. Gallen ein. Nach Ziff. 7.1 des Personalreglements der
Beklagten (fortan PR) könne der Lohn nur bei grobem Selbstverschulden gekürzt
werden. Diese Regelung gehe Art. 107 der Personalverordnung des Kantons St. Gallen
(sGS 143.11, PersV), welche sowieso nicht anwendbar sei, vor. Zudem könne die
Beklagte ihre Lohnfortzahlungspflicht nicht an eine Versicherung delegieren.
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Die Beklagte stützt die Einstellung der Lohnzahlungen für die Monate Februar bis Mai
2014 demgegenüber auf Art. 107 PersV, wonach der Arbeitgeber die Lohnfortzahlung
kürzen oder einstellen kann, wenn der Versicherer seine Versicherungsleistungen
gekürzt oder eingestellt hat. Dieser Artikel wiederhole zudem lediglich die
Rechtsprechung des Bundesgerichts (BGE 125 V 492 E. 4b). Der Lohnanspruch der
Klägerin I sei im Zeitpunkt der Überschreitung der minimalen Lohnfortzahlungsfristen
durch den Krankentaggeldanspruch ersetzt worden. Die arbeitsplatzbezogene
Arbeitsunfähigkeit der Klägerin I führe nicht zu einem Wiederaufleben des
Lohnanspruchs, wenn der Anspruch auf Lohnersatz erschöpft sei.
Die Parteien sind unterschiedlicher Ansicht, welche Regelungen vorliegend einschlägig
sind, weswegen in einem ersten Schritt zu klären ist, welche Rechtsgrundlage
anwendbar ist, bevor in einem zweiten Schritt über den Bestand der Forderung
entschieden wird.
6.1.1. Unter Ziff. 7 des Arbeitsvertrages der Klägerin I mit der Beklagten wird das
Dienstrecht des Kantons St. Gallen für anwendbar erklärt. Zum integrierten Bestandteil
des Arbeitsverhältnisses werden sodann das Staatsverwaltungsgesetz des Kantons St.
Gallen, das Pensionskassenreglement, das Personalreglement sowie die Verordnung
über den Staatsdienst, die Besoldungsverordnung und die Arbeitszeitverordnung des
Kantons St. Gallen erklärt (Verf. 1, act. 9/1). Die drei zuletzt aufgezählten Verordnungen
sind mit Inkrafttreten der Personalverordnung des Kantons St. Gallen am 1. Juni 2012
aufgehoben und durch diese ersetzt worden (vgl. Art. 165 bis 167 PersV).
Vorliegend handelt es sich nicht um ein Arbeitsverhältnis mit einer Gemeinde, weshalb
die Klägerin I auch nicht direkt zum Verwaltungspersonal nach Art. 95 GG zählt. Das
kantonale Gemeindegesetz enthält aber keine Regelung, welche spezifisch das
Arbeitsverhältnis des Personals von Zweckverbänden regelt. Deshalb ist Art. 95 Abs. 2
GG analog anzuwenden, wonach das öffentlich-rechtliche Arbeitsverhältnis durch
Reglement geordnet wird und solange dieses nichts anderes bestimmt, das kantonale
Personalgesetz sachgemäss angewendet wird. Dieser grundsätzliche Vorrang des
Personalreglements wird denn auch in Ziff. 1 des Personalreglements der Beklagten
wie folgt wiederholt: „Soweit in diesem Personalreglement keine Regelungen getroffen
werden, gelten die Vorschriften für das Staatspersonal des Kantons St. Gallen.“ Weiter
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erklärt Ziff. 8.6 PR die Bestimmungen des Schweizerischen Obligationenrechts über
den Kündigungsschutz für sachgemäss anwendbar. In Art. 8 des Personalgesetzes des
Kantons St. Gallen (sGS 143.1, PersG) wird sodann generell auf die sachgemässe
Anwendung der Bestimmungen des OR über den Arbeitsvertrag verwiesen, soweit das
Personalrecht des Kantons keine abweichende Regelung trifft.
6.1.2. Materiell-rechtlich ist die Frage zu klären, ob eine Einstellung der
Krankentaggeldzahlungen des Versicherers zu einem Wiederaufleben der
Lohnfortzahlungspflicht des Arbeitgebers führt.
Unbestritten ist, dass eine Krankentaggeldversicherung die Lohnfortzahlungspflicht des
Arbeitgebers grundsätzlich ersetzt (vgl. Rudolph/von Kaenel, Arbeitsplatzbezogene
Arbeitsunfähigkeit, in: SJZ 106/2010 S. 364; Rehbinder/Stöckli, in: Berner Kommentar
zum schweizerischen Privatrecht, Band VI/2/2/1, Bern 2010, N 34 zu Art. 324a OR; R.
Papa, Die Lohnfortzahlungspflicht des Arbeitgebers bei Krankheit und Unfall des
Arbeitnehmers und die Koordination von Lohnfortzahlungsleistungen mit
Taggeldleistungen, in: ArbR 2009 S. 86). Auch das Bundesgericht hat festgehalten,
dass der Arbeitnehmer bei Bestand einer obligatorischen Versicherung, unter Vorbehalt
des Leistungsaufschubs, keine Lohnforderung gegen den Arbeitgeber hat. Auch bei
einer gleichwertigen abweichenden Regelung gemäss Art. 324a Abs. 4 OR hat der
Arbeitnehmer gegen seinen Arbeitgeber keine Lohnforderung mehr, da dieser von
seiner Lohnfortzahlungspflicht befreit ist (BGE 125 V 492 E. 4a). Entgegen der Meinung
der Beklagten kann daraus aber keine Antwort auf die Frage abgeleitet werden, ob die
Einstellung der Krankentaggeldzahlungen des Versicherers zu einem Wiederaufleben
der Lohnfortzahlungspflicht des Arbeitgebers führt. Zur Klärung des Anspruchs der
Klägerin I sind die Rechtsgrundlagen in der in E. 6.1.1 eruierten Kaskadenordnung –
Personalreglement vor Personalrecht des Kantons St. Gallen vor Arbeitsrecht im
Obligationenrecht – auf diese Frage hin zu untersuchen.
6.1.2.1. In Ziff. 6 des Arbeitsvertrages wurde vereinbart, dass der Klägerin I im Falle
von unverschuldeter Arbeitsverhinderung infolge Krankheit bis zum 60. Kalendertag
100% des Grundlohns ausbezahlt wird. Ab dem 61. Kalendertag bis zum 730.
Kalendertag sollte sie ein Krankentaggeld erhalten, für welches die Prämien hälftig
zwischen der Klägerin I und der Beklagten geteilt werden (so auch Ziff. 7.1 PR). Nach
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Ziff. 6.3 PR beträgt das Krankentaggeld mindestens 80 % des AHV-pflichtigen
Grundlohns. Gemäss der Beklagten betrug das Krankentaggeld 90 % des Grundlohns
(Verf. 1, act. 8 S. 4), was sie mit den Lohnabrechnungen von Mai bis Dezember 2013
belegt (Verf. 1, act. 9/9). Diese Lösung erscheint nach Art. 324a Abs. 4 OR als
gleichwertig (vgl. Streiff/von Kaenel/Rudolph, Arbeitsvertrag – Praxiskommentar zu Art.
319-362 OR, 7. Aufl. 2012, N 24 zu Art. 324a/b OR). Ziffer 7.1 PR fügt dieser Regelung
im letzten Satz hinzu, dass die Entlöhnung gekürzt oder verweigert werden kann, wenn
die Krankheit auf grobes Selbstverschulden zurückzuführen ist.
Entgegen der Ansicht der Klägerin I, ist aus Ziff. 7.1 PR nicht herauszulesen, dass der
Lohn „nur“ gekürzt oder verweigert werden kann, wenn die Krankheit auf grobes
Selbstverschulden zurückzuführen ist. Diese Bestimmung ist so auszulegen, dass dies
lediglich ein möglicher Kürzungs- oder Einstellungsgrund ist. Legt man den letzten Satz
von Ziff. 7.1 PR sodann im Zusammenhang mit der gesamten Ziff. 7.1 PR aus, so wird
ersichtlich, dass sich die Kürzung oder Verweigerung der Entlöhnung auf die vorher
genannten ersten 60 Tage volle Lohnzahlung des Arbeitgebers und die
anschliessenden 670 Tage Krankentaggeldzahlungen durch den Versicherer bezieht.
Da vorliegend der Lohn in den ersten 60 Tagen durch die Beklagte unstrittig zu 100%
bezahlt wurde und die Rechtmässigkeit der Einstellung der Lohnzahlungen
anschliessend an die Einstellung der Krankentaggelder strittig ist, ist Ziff. 7.1 PR nicht
einschlägig. Ziff. 7.1 PR könnte durch die Klägerin I allenfalls lediglich in einer Klage
gegen den Versicherer betreffend die Einstellung der Krankentaggeldleistungen
angeführt werden.
6.1.2.2. Zu prüfen ist, ob das Personalrecht des Kantons St. Gallen einschlägige
Regelungen betreffend die strittige Frage enthält. Im Personalgesetz findet sich
betreffend dieser spezifischen Frage keine Regelung. Der Gesetzgeber ist aber davon
ausgegangen, dass bei Abschluss einer Krankentaggeldversicherung die Versicherung
das Risiko der Lohnfortzahlungspflicht des Arbeitgebers nach Ablauf des
Leistungsaufschubs übernimmt (vgl. Personalgesetz, Botschaft und Entwurf der
Regierung vom 27. April 2010, in: ABl 2010 S. 1585 ff., S. 1635). Nach Art. 107 PersV
kann der Arbeitgeber die Lohnfortzahlung kürzen oder einstellen, wenn der Versicherer
seine Versicherungsleistungen gekürzt oder eingestellt hat. Diese Bestimmung ist auf
das Arbeitsverhältnis der Klägerin I mit der Beklagten anwendbar, da das
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Personalreglement keine Regelung betreffend die Auswirkung der Kürzung oder
Einstellung von Versicherungsleistungen auf die Lohnfortzahlungspflicht trifft. Nach
dem Kommentar der Regierung zu Art. 107 PersV wird anstelle einer eigenständigen
Beurteilung darauf abgestellt, ob der Versicherer seinerseits die Leistungen kürzt oder
einstellt, was bei Krankheit aufgrund von Art. 21 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (SR 830.1, ATSG) möglich ist
(Kommentar zur Personalverordnung, RRB 2011/850 Beilage, S. 21). Der Arbeitgeber
muss also insbesondere nicht selbst prüfen, ob ein Kürzungs- oder Einstellungsgrund
der Lohnzahlungen nach Art. 21 ATSG besteht.
Die Klägerin I macht geltend, dass Art. 107 PersV nicht Fälle von arbeitsplatzbezogener
Arbeitsunfähigkeit regle, sondern Fälle, die nicht als Arbeitsunfähigkeit anerkannt
werden würden (Verf. 1, act. 11 S. 2 f.). Dieser Ansicht ist nicht zu folgen, da sich den
Materialien zu Art. 107 PersV gerade entnehmen lässt, dass der Arbeitgeber seine
Zahlungen ohne eigene Überprüfung einstellen kann. Aus welchem Grund der
Versicherer die Zahlungen eingestellt hat, sei es wegen Anzweiflung der
Arbeitsunfähigkeit oder einer arbeitsplatzbezogenen Arbeitsunfähigkeit, spielt dafür
keine Rolle.
6.1.2.3. In der Literatur wurde die Frage, ob bei Einstellung der Krankentaggelder durch
den Versicherer die Lohnfortzahlungspflicht des Arbeitgebers wieder auflebt,
kontrovers beurteilt. Nach einem Teil der Lehre ist die Arbeitgeberin nur solange und
soweit von ihrer Lohnfortzahlungspflicht entlastet, wie diese von der Versicherung
tatsächlich übernommen wird. Zahlt eine Versicherung demnach nicht oder nur
teilweise, so lebt die gesetzliche Lohnfortzahlungspflicht grundsätzlich wieder auf (statt
vieler W. Portmann, in: Basler Kommentar, Obligationenrecht I, 6. A. 2015, N 58 zu Art.
324a OR m.w.H; H. Egli, in: AJP 9/2000 S. 1077; T. Geiser, in: AJP 3/2003 S. 329).
Im Gegensatz dazu wird in jüngerer Zeit vermehrt die Meinung vertreten, dass
grundsätzlich die gleichwertige Regelung im Sinne von Art. 324a Abs. 4 OR, und nicht
die tatsächlich erbrachte Leistung des Versicherers, an die Stelle der gesetzlichen
Lohnfortzahlungspflicht des Arbeitgebers tritt (Streiff/von Kaenel/Rudolph, a.a.O., N 14
zu Art. 324a/b OR m.w.H.). Der Arbeitgeber haftet demnach nicht als Garant für die
Versicherungsleistung (A. Staehelin, in: Zürcher Kommentar, Art. 319-330a OR, Der
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Arbeitsvertrag, 4. A. 2006, N 58 zu Art. 324a OR; A. von Kaenel, Verhältnis einer
Krankentaggeldlösung zu Art. 324a OR, in: von Kaenel [Hrsg.]
Krankentaggeldversicherung: Arbeits- und versicherungsrechtliche Aspekte, 2007, S.
130 f.; C. Häberli, Sonderprobleme im Bereich des Arbeitsrechts, in: von Kaenel [Hrsg.]
Krankentaggeldversicherung: Arbeits- und versicherungsrechtliche Aspekte, 2007, S.
146). Der Arbeitnehmer könne sich schon deshalb nicht alternativ an den Arbeitgeber
halten, da dieser von sich aus gar keinen Anspruch gegen den Versicherer geltend
machen könne. Somit hätte der Arbeitgeber für die zu Unrecht nicht leistende
Versicherung einzustehen, ohne den Schaden abwälzen zu können (Häberli, a.a.O., S.
146).
Diese jüngeren Lehrmeinungen werden aber relativiert, indem die Frage des
Wiederauflebens der Lohnfortzahlungspflicht des Arbeitgebers von den Gründen
abhängig gemacht wird, die den Versicherer zur Einstellung oder Kürzung der
Leistungen veranlasste (vgl. Papa, a.a.O., S. 86). So wird bei einer Pflichtverletzung des
Arbeitgebers, etwa beim Abschluss des Vertrages oder bei der Information des
Arbeitnehmers bezüglich der Vertragsbedingungen, eine Schadenersatzpflicht des
Arbeitgebers angenommen (Streiff/von Kaenel/Rudolph, a.a.O., N 14 zu Art. 324a/b
OR; Rehbinder/Stöckli, a.a.O., N 35 zu Art. 324a OR m.w.H., Papa, a.a.O., s. 86 f.;
Häberli, a.a.O., S. 142 ff.). Den Arbeitgeber trifft aber insbesondere dann keine
Verpflichtung, ausfallende Versicherungsleistungen zu ersetzen, wenn die Versicherung
ihre Leistungen wegen Selbstverschulden des Arbeitnehmers einstellt, da er nicht für
das Verhalten des Arbeitnehmers einzustehen hat (Papa, a.a.O., S. 89 f.). Papa greift
den in der Praxis häufig vorkommenden Fall auf, dass der Versicherer seine Leistungen
mit der Begründung einstellt, dass der Arbeitnehmer zur Schadenminderung
verpflichtet sei und er daher eine neue, ihm zumutbare Stelle suchen und nötigenfalls
den Beruf wechseln müsse. Ihrer Meinung nach lebt die Lohnfortzahlungspflicht des
Arbeitgebers, bei Gewährung einer angemessenen Anpassungszeit durch den
Versicherer, nicht wieder auf, da der Arbeitnehmer auch gegenüber dem Arbeitgeber
schadenminderungspflichtig ist. Daran ändert sich ihrer Meinung nach selbst dann
nichts, wenn der Versicherer die Leistungen zu Unrecht verweigert, da der Arbeitgeber
mangels anderer Abrede nicht Garant der Versicherung ist. Vielmehr bleibe er auch in
diesem Fall aufgrund der vereinbarten gleichwertigen Ersatzlösung von seiner
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Lohnfortzahlungspflicht befreit. Der Arbeitnehmer könne in einem solchen Fall nur
gegen den Versicherer vorgehen (Papa, a.a.O., S. 91 f.).
6.1.2.4. Nachdem im Arbeitsvertrag und im Personalreglement keine einschlägigen
Bestimmungen zur Frage der Lohnfortzahlungspflicht des Arbeitgebers bei Einstellung
der Leistungen durch den Versicherer zu finden sind, ist Art. 107 PersV anwendbar.
Entgegen der Meinung der Klägerin I ist es ohne weiteres zulässig, die
Lohnfortzahlungspflicht auf eine Versicherung abzuwälzen (vgl. Geiser, a.a.O., S. 329).
Diese Lösung des Gesetzgebers bringt zum Ausdruck, dass die
Lohnfortzahlungspflicht des Arbeitgebers im Prinzip wieder auflebt, wenn der
Versicherer seine Zahlungen einstellt. Der Arbeitgeber hat im Sinne der „Kann“-
Vorschrift aber die Möglichkeit, seine Lohnzahlungen ebenfalls einzustellen, ohne eine
eigene Beurteilung vorzunehmen. Damit hat sich der Gesetzgeber zwar nach der früher
herrschenden Lehre gerichtet, die die Lohnfortzahlungspflicht wieder aufleben lassen
will. Doch steht die Bestimmung auch im Einklang mit den seit jüngerer Zeit
aufkommenden Lehrmeinungen, dass der Arbeitgeber nur für eigenes Verschulden
einzustehen hat, da er selbst keine eigene Beurteilung vorzunehmen braucht und sich
einzig auf den Entscheid der Versicherung stützen kann. Aus dieser Bestimmung muss
denn auch abgeleitet werden, dass sich der Arbeitnehmer im Sinne der neueren
Lehrmeinungen nur gegen den Versicherer wenden kann, um seine Forderung geltend
zu machen, da der Arbeitgeber seinerseits keine materielle Prüfung der
Rechtmässigkeit der Einstellung der Leistungen vornehmen kann und muss. Die
Beklagte hat ihre Lohnfortzahlungen somit in rechtmässiger Anwendung von Art. 107
PersV eingestellt. Der Klägerin I steht keine Forderung gegen die Beklagte zu. Vielmehr
hätte sie bei Zweifeln an der Rechtmässigkeit der Einstellung der Zahlungen durch die
Versicherung, welche sie selbst bestätigt (Verf. 1, act. 11 S. 3), die Versicherung
belangen müssen, da die Beklagte nicht als Garant für die Versicherungsleistungen
haftet, sondern lediglich für den rechtmässigen Abschluss der Versicherung. Auch die
Ausführungen der Klägerin I zu einer allfälligen Schadenminderungspflicht wären für die
Frage, ob der Versicherer seine Leistungen rechtmässig eingestellt hat, von Bedeutung
(vgl. Rudolph/von Kaenel, Arbeitsplatzbezogene Arbeitsunfähigkeit, in: SJZ 106/2010
S. 364). Diese Frage ist aber vorliegend nicht Prozessgegenstand.
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6.2. Zusammenfassend steht fest, dass die Lohnfortzahlungspflicht der Beklagten
grundsätzlich mit der Einstellung der Krankentaggeldzahlungen der Versicherung
wieder auflebte, die Beklagte ihre Zahlungspflicht aber gemäss Art. 107 PersV
einstellen durfte, ohne selbst die Rechtmässigkeit der Einstellung der Zahlungen durch
die Versicherung zu prüfen. Damit hat die Klägerin I – trotz noch bestehendem
Arbeitsverhältnis – keine Forderung gegen die Beklagte, weshalb ihre Klage
abzuweisen ist.
6.3. Gemäss Art. 29 Abs. 2 des Arbeitslosenversicherungsgesetzes (SR 837.0, AVIG)
tritt die Arbeitslosenkasse mit der Zahlung von Arbeitslosenentschädigung in die Lohn-
und Entschädigungsansprüche ein, die dem Arbeitnehmer gegenüber dem Arbeitgeber
zustehen. Es handelt sich um eine Legalzession, die sich auf allfällige Lohnansprüche
oder auf Entschädigungsansprüche wegen vorzeitiger Kündigung des
Arbeitsverhältnisses bezieht (vgl. Art. 11 Abs. 3 AVIG). Da der Klägerin I keine
Ansprüche gegenüber der Beklagten zustehen, können diese auch nicht im Sinne einer
Legalzession auf die Klägerin II übergegangen sein, weshalb die Klägerin II auch keine
Forderung gegen die Beklagte geltend machen kann. Die Klage der Klägerin II ist
abzuweisen.
7. Die personalrechtliche Klage ist kostenlos, wenn der Streitwert CHF 30‘000.00 nicht
übersteigt (Art. 82 Abs. 2 PersG i.V.m. Art. 114 Abs. 1 lit. c ZPO). Die Klägerin I macht
eine Forderung von CHF 37‘873.40 abzüglich des von der Klägerin II
subrogationsweise geltend gemachten Betrags von CHF 16‘995.55 geltend. Das
geforderte Arbeitszeugnis wird praxisgemäss mit einem Monatslohn beziffert. Die
Subrogation hat zur Folge, dass der Anspruch in dieser Höhe von der Klägerin I auf die
Klägerin II übergegangen ist. Dies ergibt sich aus dem klaren und eindeutigen Wortlaut
von Art. 29 Abs. 1 Satz 1 AVIG, wonach mit der Zahlung (von
Arbeitslosenentschädigung) alle Ansprüche des Versicherten samt dem gesetzlichen
Konkursprivileg im Umfang der ausgerichteten Taggeldentschädigungen auf die Kasse
übergehen. Dementsprechend überschreiten beide Klagen für sich betrachtet die
Streitwertgrenze von CHF 30‘000.00 nicht und es sind keine amtlichen Kosten zu
erheben.
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Zu prüfen bleibt das Begehren der Beklagten um Kostenersatz. Gemäss Art. 98 Abs. 1
VRP besteht in Klagefällen vor Verwaltungsgericht Anspruch auf Ersatz der
ausseramtlichen Kosten. In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass im
Klageverfahren dem Gemeinwesen – im Gegensatz zum Anfechtungsverfahren - ein
Anspruch auf ausseramtliche Entschädigung zuerkannt wird, da das Klageverfahren
wie der Zivilprozess ein Verfahren mit zwei Parteien ist (vgl. VerwGE K 2011/7 vom 23.
August 2012 E. 6.2, www.gerichte.sg.ch; VerwGE K 2003/17 vom 23. April 2004 E. 2b,
www.gerichte.sg.ch). Steht dem Gemeinwesen ein solcher Anspruch zu, ist er auch für
einen Zweckverband anzuerkennen. Folglich hat die Beklagte Anspruch auf Ersatz ihrer
ausseramtlichen Kosten durch die Klägerinnen, nachdem sie mit ihren Anträgen
durchgedrungen ist (Art. 98bis VRP). Ihr Rechtsvertreter hat im Verfahren 1 keine
Kostennote eingereicht. Im Verfahren 2 reichte er hingegen eine Kostennote über CHF
4‘312.45 inkl. Barauslagen sowie Mehrwertsteuer ein. Sein Honorar hat er gemäss
Kostennote nach dem Streitwerttarif nach Art. 14 der Honorarordnung für
Rechtsanwälte und Rechtsagenten (sGS 963.75, HonO) berechnet.
Im Kanton St. Gallen wird das Honorar in der Verwaltungsrechtspflege, auch in
Klagefällen, auf der Grundlage einer Honorarpauschale festgesetzt. Nach Art. 22 Abs.1
lit. b HonO beträgt das Honorar vor Verwaltungsgericht pauschal CHF 1'000.00 bis
CHF 12'000.00. Innerhalb des für eine Pauschale gesetzten Rahmens wird das
Grundhonorar nach den besonderen Umständen, namentlich nach Art und Umfang der
Bemühungen, der Schwierigkeit des Falls und den wirtschaftlichen Verhältnissen der
Beteiligten bemessen (Art. 19 HonO; vgl. dazu BGE 141 I 124 E. 4 und BGer
1C_53/2015 vom 12. Mai 2015 E. 2.5). Bei der Festsetzung der Honorarpauschale ist
die eingereichte Kostennote zu berücksichtigen. Die Gründe für Kürzungen der
Kostennote müssen aber nur summarisch dargelegt werden, und der Vertreter braucht
nicht vorgängig angehört zu werden (vgl. R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st.
gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, Diss. St. Gallen 2004, S. 208). Dies ist
namentlich deshalb gerechtfertigt, weil sich die Pauschalentschädigung nicht nur nach
dem Umfang der Bemühungen richtet (VerwGE B 2014/214 vom 27. November 2015 E.
4.2.1, www.gerichte.sg.ch). Der Aufwand, der sich aus der Kostennote ergibt, ist
lediglich ein Bemessungsfaktor neben anderen (VerwGE B 2015/108 vom 17.
Dezember 2015 E. 5, www.gerichte.sg.ch; VerwGE B 2014/196 vom 25. Februar 2016
E. 5, www.gerichte.sg.ch).Eine ausseramtliche Entschädigung von CHF 4‘000.00
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zuzüglich vier Prozent Barauslagen und Mehrwertsteuer für die beiden Verfahren
scheint in Anbetracht der Umstände und vergleichbarer Fälle als angemessen und ist
von den Klägerinnen je zur Hälfte unter solidarischer Haftbarkeit zu tragen (Art. 28bis
und Art. 29 HonO, Art. 98ter VRP i.V.m. Art. 106 Abs. 3 ZPO).