# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** ddaf94be-58b0-47b7-bfb3-abb99d25b97b
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Der im Jahre 1975 geborene
X._
ist gelernter Tankrevisor und war als solcher ab dem
1.
Januar 2008 für die
Y._
AG tätig (
Urk.
8/6,
Urk.
8/11/89). Am 1
3.
September 2011 kugelte er sich bei der Arbeit die rechte Schulter aus (
Urk.
8/11/89); die operative Ver
sorgung der rechten Schulter bei Status nach mehrfachen Schulterluxationen erfolgte am
5.
Januar 2012 (
Urk.
8/11/13). Im Zusammenhang mit den Schul
terbeschwerden meldete sich der Versicherte am 1
2.
März 2012 bei der Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/6 S.
5
ff.). Mit Verfügung vom
5.
November 2012 wies diese das Leis
tungsbegehren mangels Erfüllens des Wartejahres und unter Hinweis auf die vollständige Erwerbstätigkeit des Versicherten ab (
Urk.
8/32).
1.2
Am 1
8.
Mai 2016 verdrehte sich der Versicherte das linke Knie (
Urk.
8/34/3) und zog sich einen medialen Meniskusriss sowie eine partielle VKB-Ruptur zu; die operative Versorgung erfolgte am 2
3.
Juni 2016 (
Urk.
8/34/22). Die erneute Anmeldung bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug erfolgte am
4.
Oktober 2016 (
Urk.
8/33). Mit Verfügung vom 3
0.
August 2017 sprach die Suva dem Versi
cher
ten für die Schädigung am linken Knie eine Integritätsentschädigung bei einer Integritätseinbusse von 5
%
zu (
Urk.
8/56/128). Mit Mitteilung vom 2
3.
Novem
ber 2017 erteilte die IV-Stelle Kostengutsprache für berufliche Abklärungen (
Urk.
8/59).
1.3
Nachdem der Versicherte im Zusammenhang mit
psychischen Beschwerden
vom
1.
bis 1
1.
Dezember 2017 stationär hatte behandelt werden müssen (
Urk.
8/72), lehnte die IV-Stelle weitere Eingliederungsmassnahmen mit Mitteilung vom 2
0.
Dezember 2017 ab (
Urk.
8/70). Mit Verfügung vom 2
6.
März 2018 sprach die Suva dem Versicherten ausgehend von einer Erwerbsunfähigkeit von 23
%
eine Invalidenrente zu (
Urk.
8/87). Im Zusammenhang mit den psychischen Beschwer
den wurde der Versicherte in der Zeit vom 2
3.
Mai bis 1
3.
Juli 2018 ein zweites Mal stationär behandelt (
Urk.
8/97). Am 2
7.
November 2018 wurde der Versi
cherte von den Fachärzten des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) psychia
trisch sowie orthopädisch/chirurgisch untersucht (Berichte vom 2
9.
November 2018
,
Urk.
8/100,
Urk.
8/101). Im Zusammenhang mit den psychischen Be
schwer
den wurde der Versicherte mit Schreiben vom
3.
Dezember 2018 auf die ihm obliegende Schadenminderungspflicht hingewiesen (
Urk.
8/102).
1.4
Mit Vorbescheid vom 1
7.
Mai 2019 stellte die IV-Stelle die Abweisung des Leis
tungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
8/120). In der Zeit vom 2
8.
Mai bis
2.
August 2019 war der Versicherte aufgrund des depressiven Geschehens das dritte Mal in stationärer Behandlung (
Urk.
8/127); eine tagesklinische Behandlung erfolgte in der Zeit vom 1
6.
August bis
6.
Dezember 2019 (
Urk.
8/158). Aufgrund einer beginnenden
Coxarthrose
unterzog sich der Versicherte am 1
7.
Oktober 2019 einer Operation an der rechten Hüfte (
Urk.
8/143). Mit Verfügung vom 2
2.
Juni 2020 hielt die IV-Stelle an der in Aussicht gestellten Leistungsabweisung fest (
Urk.
8/162 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Vertreterin des Versicherten am 1
9.
August 2020 Beschwerde und beantragte, es sei die Verfügung vom 2
2.
Juni 2020 aufzuheben und dem Beschwerdeführer ab dem 1
2.
Oktober 2016 eine ganze Rente zuzusprechen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 3
0.
September 2020 beantragte die Beschwerde
gegnerin die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
2.
Oktober 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fach
ärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung; IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenan
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Ände
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kon
text unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung des stritti
gen Leistungsanspruches gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztbe
richtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück
sichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar
legung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizi
nischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten be
gründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass ausschliesslich eine unfallbedingte Gesundheitsproblematik vorliege, weshalb eine Koordination zwischen der Unfall- und der Invalidenversicherung vorzu
nehmen und von einem Invaliditätsgrad von 23
%
auszugehen sei. Die Auflage betreffend Behandlung der psychischen Beschwerden sei zwar erfüllt worden, dennoch könne aus versicherungsmedizinischer Sicht die Diagnose einer rezidi
vierenden depressiven Störung nicht nachvollzogen werden. In einer angepassten Tätigkeit sei dementsprechend von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen, was zu einem rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 24
%
führe (
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber machte die Vertreterin des Beschwerdeführers im Wesentlichen geltend, dass von der Erfüllung der auferlegten Schadenminderungspflicht aus
zugehen sei, da sich ihr Mandant in der Zeit vom 2
8.
Mai bis
2.
August 2019 wiederum einem stationären Aufenthalt unterzogen habe; zudem nehme er eine Vielzahl von Medikamenten gegen die schwere Depression ein (
Urk.
1 S. 9). Aus
zugehen sei von einer seit mehreren Jahren andauernden schweren Depression, was zur Zusprechung einer ganzen Rente führe (S. 10). Zudem sei der Beschwer
deführer auch aus somatischer Sicht eingeschränkt, insbesondere aufgrund einer
Coxarthrose
rechts, einer Bandscheibendegeneration L4/5, einer
Rendinitis
cal
carea
an beiden Schultern, einer beginnenden
Omarthrose
sowie einer fortge
schrittenen AC-Gelenksarthrose (S. 10 f.). Sofern nicht ohnehin eine ganze Rente zugesprochen werde, sei ein leidensbedingter Abzug in der Höhe von 25
%
vorzunehmen (S. 12).
3.
3.1
Die behandelnden Fachärzte der
Klinik Z._
diagnostizierten in ihrem Austrittsbericht vom
9.
Januar 2018 aus psychiatrischer Sicht eine schwere depressive Episode ohne psycho
ti
sche Symptome (ICD-10 F32.2). Die Einweisung sei erfolgt, nachdem der Be
schwerdeführer in fraglich suizidaler Absicht im Zick-Zack über die Autobahn gelaufen sei (stationäre Behandlung vom
1.
bis 1
1.
Dezember 2017). Der Be
schwerdeführer habe in stabilisiertem Zustand bei fehlender akuter Selbstge
fähr
dung in die vorbestehende Wohnsituation entlassen werden können (
Urk.
8/82).
3.2
Dr.
med. univ.
A._
, Oberarzt am Psychiatriezentrum
B._
, führte in seinem
Bericht vom 2
3.
Februar 2018 aus, dass sie den Beschwerdeführer im Anschluss an die stationäre Behandlung einmal wöchentlich betreuen würden. Bis zum 3
1.
Dezember 2017 sei dabei von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen,
ab dem
1.
Januar 2018 von einer solchen von 80
%
. Diagnostisch sei von einer mittelgradigen bis schweren depressiven Episode ohne psychotische Symptome auszugehen (ICD-10 F32.2), eine Prognose sei derzeit nicht möglich (
Urk.
8/84).
3.3
Die behandelnden Fachärzte der
Klinik Z._
diagnostizierten in ihrem Austrittsbericht vom
2.
Juli 2018 aus psychiatrischer Sicht eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2). Der Beschwerdeführer sei bei ihnen in der Zeit vom 2
3.
Mai bis 1
3.
Juni 2018 ein zweites Mal stationär behandelt worden. Die Entlassung sei auf Wunsch des Patienten in die angestammten Wohnverhältnisse ohne Anhalt für akute Eigen- oder Fremdgefährdung erfolgt (
Urk.
8/97/7-9).
3.4
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Chirurgie (RAD), stellte aufgrund der durch
geführten orthopädisch/chirurgischen Untersuchung die folgenden Diagnosen mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Vordere Knieinstabilität links mit/bei
-
Status nach Kniegelenksdistorsion links am 1
8.
Mai 2016 mit Riss
bildung des medialen Meniskus an der Basis ohne wesentliche Dislo
kation
-
Status nach Kniearthroskopie mit medialer
Teilmeniskektomie
am 2
3.
Juni 2016
-
Partielle vordere Kreuzbandruptur
-
Partielle Rissbildung des proximalen
Muskulus
popliteus
, aktuell ohne Beschwerden
-
Endgradiger
Bewegungsschmerz und Bewegungseinschränkung rechte Schulter mit/bei
-
Status nach Schulterdistorsion mit Limbus/SLAP-Läsion am 2
9.
Januar 2010
-
Anteriore
Limbusläsion
bei Status nach mehrmaligen Schulterluxationen rechts mit/bei
-
Status nach Schulterarthroskopie rechts mit Limbus/SLAP-
Repair
,
Bursektomie
und
Acromioplastik
am
5.
Januar 2012
-
Unklare Belastungsschmerzen beide Füsse
-
Zurzeit ohne anatomische Befunde, MRI beide Füsse geplant
-
Unklarer Belastungsschmerz rechtes Kniegelenk
-
Zurzeit ohne klinischen Untersuchungsbefund
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit würden die folgenden Diagnosen bleiben:
-
Chronische Tonsil
l
itis 7/2010
-
Status nach
peritonsillärem
Abszess rechts 3/2004
-
Tubenventilationsstörung rechts
-
Konduktive
Störung im Tieftonbereich rechts 7/2010
-
Hochtonabfall beidseits
-
Kortikale
Nephrokalzinose
rechts 12/2007
-
Chondrosen
auf den Ebenen L4/5 und L5/S1
-
LWS mit von kranial gegen kaud
al zunehmenden
Spondylarthrosen
-
Aktuell: ohne klinische Symptomatik
In einer leichten (angepassten) Tätigkeit ohne Heben, Tragen und Tran
s
portieren von mittelschweren und schweren Lasten, ohne rechtsseitiges Arbeiten in Arm
vorhaltepositionen und Überkopfarbeiten sei von einer 100%igen Arbeitsfähig
keit auszugehen (Bericht vom 2
9.
November 2018;
Urk.
8/101).
3.5
Dr.
med.
D._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie (RAD), diagnostizierte in ihrem Bericht vom 2
9.
November 2018 eine mittelgradig bis schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.1/2). So
wohl in der angestammten als auch einer angepassten Tätigkeit sei ab
1.
Dezem
ber 2017 von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Unter adäquater Therapie sollte innerhalb von 6 bis 9 Monaten eine relevante Steigerung der Arbeitsfähigkeit möglich sein, bestenfalls bis zu einer 100%igen Arbeitsfähigkeit. Im aktuellen Zustand sei eine stationäre Einstellung der antidepressiven Medi
kation dringend zu empfehlen, danach eine regelmässige ambulante Weiterbe
handlung (
Urk.
8/100).
3.6
In seinem Bericht vom 1
0.
Januar 2019 führte
Dr.
A._
aus, dass aktuell diagnostisch aus psychiatrischer Sicht von einer rezidivierenden depressiven Stö
rung, gegenwärtig schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome auszugehen sei (ICD-10 F33.2). Seit dem 1
4.
Dezember 2017 stehe der Beschwer
deführer bei ihnen in regelmässiger Behandlung mit monatlich 3-4 Terminen. Trotz der erfolgten zwei
Hospitalisationen
sowie der regelmässigen ambulanten Behandlungen hätte
n
sie keine Verbesserung des Zustandes erreichen können. Der depressive Zustand habe sich
chronifiziert
, sodass der Beschwerdeführer zu 100
%
arbeitsunfähig sei (
Urk.
8/109).
3.7
Die für den neuropsychologischen Bericht der
Klinik Z._
vom 1
5.
Mä
rz 2019 verantwortlichen Fachleu
te hielten nach durchgeführter umfassender neu
ropsychologischer Untersuchung fest, dass sich in nahezu allen geprüften kognitiven Bereichen schwere Defizite ergeben hätten. Dabei seien drei der vier Parameter der Symptom- und
Performanzvalidierung
auffällig ausgefallen, so
dass die Plausibilität der ermittelten Ergebnisse der kognitiven Tests in Frage ge
stellt sei. Das im Rahmen der neuropsychologischen Untersuchung ermittelte kognitive Testprofil besitze somit keine Aussagekraft. Im Zeitpunkt der Unter
suchung habe beim Patienten eine schwere depressive Episode vorgelegen, welche
sich möglicherweise ungünstig auf die Motivation und die Anstrengungsbe
reit
schaft ausgewirkt habe. Sie würden daher primär die Behandlung der depressiven Störung empfehlen, allenfalls in einem stationären Setting (
Urk.
8/115 S. 4).
3.8
In der Zeit vom 2
8.
Mai bis
2.
August 2019 weilte der Beschwerdeführer ein drittes Mal zur stationären Behandlung an der
Klinik Z._
. Die für den Austrittsbericht vom
8.
August 2019 verantwortlichen Fachärzte gingen diagnos
tisch weiterhin von einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig schwer
e Episode ohne psychotische Symptome aus (ICD-10 F33.2). Der Be
schwer
deführer habe anfangs auf der Akutstation im geschlossenen Isolationszimmer aufgenommen werden müssen. Bei fehlender Selbst- und Fremdgefährdung habe der Beschwerdeführer am
2.
August 2019 in die angestammten Wohnverhältnisse entlassen werden können (
Urk.
8/127).
3.9
In seinem Bericht vom 2
7.
September 2019 führte
Dr.
A._
aus, dass bei un
ver
änderter Diagnose auf dem offenen Arbeitsmarkt weiterhin von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei (
Urk.
8/132).
3.10
In der Zeit vom 1
6.
August bis
6.
Dezember 2019 stand der Beschwerdeführer an der
K
linik
E._
in Behandlung. Die für den Austrittsbericht vom
8.
Mai 2020 verantwortliche Fachärztin ging von der Zuweisungsdiagnose einer rezidi
vierenden depressiven Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome aus (ICD-10 F33.2). Der Beschwerdeführer sei ohne Eigen- und Fremd
gefährdung in kaum verbessertem psychischem Zustand in die vorbestehenden Verhältnisse ausgetreten. Sie würden die Weiterführung der ambulanten Behand
lungs
termine im Psychiatriezentrum
B._
empfehlen (
Urk.
8/158).
4.
4.1
Die vorliegend zu prüfende Anmeldung zum Leistungsbezug erfolgte aufgrund seit dem 1
8.
Mai 2016 bestehender Kniebeschwerden. Unter Berücksichtigung der am
4.
Oktober 2016 erfolgten Anmeldung zum Leistungsbezug ergibt sich dabei nach Ablauf des Wartejahres im Mai 2017 ein
frühstmöglicher
Rentenbeginn per
1.
Mai 201
7.
Unbestritten ist, dass aktuell die seit Dezember 2017 aufgetretenen psychischen Beschwerden im Vorder
grund stehen, sodass zunächst zu prüfen ist, ob aufgrund der vorliegenden medizinischen Akten eine Anspruchsprüfung für die Zeit ab Dezember 2017 möglich ist.
4.2
4.2.1
A
us den vorliegenden Akten ist ersichtlich, dass sowohl die im Rahmen der statio
nären, tagesklinischen und ambulanten Behandlungen involvierten Fachärzte als auch
Dr.
D._
vom RAD von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit ausgehen bei einem rezidivierenden schweren depressiven Geschehen.
Auch wenn
der engma
schigen therapeutischen Betreuung des Beschwerdeführers in der Zeit ab Dezem
ber 2017 bis hin zur angefochtenen Verfügung
ein gewisses Gewicht zukommt,
ist diese Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
insbesondere
unter Berücksichtigung
der ausgewiesenen Befunde einer genaueren Überprüfung zu unterziehen.
4.2.2
Vorauszuschicken ist dabei, dass
i
n Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen ist, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
4.2.3
Bezüglich der Einschätzung der Fachärzte der
Klinik Z._
ist neben der Stellung als behandelnde Fachärzte insbesondere auf die in den Berichten fest
gehaltenen Befunde hinzuweisen.
Zwar wird
seitens der Fachärzte
praktisch durchgehend eine schwere depressive Episode bescheinigt, die Befunde sind aber in Sachen Aufmerksamkeit, Auffas
sung und Konzentration grösstenteils unauffällig (
vgl. dazu
Bericht
vom
9.
Janu
ar
2018: keine Aufmerksamkeits- und Auffassungsstörungen, leichte Konzentra
tions
störungen [
Urk.
8/82 S. 2.], Bericht
vom
2.
Juli
2018: keine
Aufmerksam
keits
- und Auffassungsstörungen, keine Konzentrationsstörungen [
Urk.
8/97 S. 8],
Bericht
vom 2
7.
August
2018: Aufmerksamkeit und Konzentration reduziert, Ge
dächtnis leicht reduziert [
Urk.
8/97 S. 3], Bericht
vom 1
0.
Januar
2019: Auf
merk
samkeit und Konzentration r
eduziert, Gedächtnis reduziert
[
Urk.
8/109 S. 1-2
], Bericht vom
8.
August 2019: leichte Aufmerksamkeits- und Auffassungsstö
run
gen, keine Konzentrationsstörungen [
Urk.
8/127 S. 2], Bericht vom 2
7.
September 2019: Aufmerksamkeit und Konzentration etwas reduziert, Gedächtnis leicht reduziert [
Urk.
8/132 S. 3]
).
Weiter konnte auch
während
der
neuropsychologische
n
Abklärung keine Kon
zentratio
nsschwäche festgestellt werden (
Urk.
8/115 S. 3). Auch wenn die
Testung schwere Defizite in allen geprüften Bereiche
ergab
,
ist auf die Auffälligkeit
der Symptom- und
Performanzvalidierung
hinzuweisen, so
dass
gestützt auf die ent
sprechenden Resultate mangels
Aussagekraft
der Testung
keine Schlüsse gezogen werden können (vgl.
Urk.
8/115 S. 4).
N
icht schlüssig erscheint
weiter
, dass
die
behandelnde Ärztin im Dezember 2017 gegenüber der IV-Sachbearbeiterin darauf hinwies, dass keine psychiatrische Krankheit vorliege, sondern belastende Lebensereignisse zusammengekommen seien (
Urk.
8/68 S. 4), im
Austrittsbericht vom
9.
Januar 2018
dann jedoch trotz
dem eine schwere depressive Episode bescheinigt
e
, ohne jedo
ch eine Medikation zu verordnen. Auch die im weiteren Verlauf erfolgte Medikation erscheint der bescheinigten schweren depressiven Erkrankung nicht angemessen. So wurde eine solche zunächst
gar nicht implementiert, dann im Sommer 2018 auf zwei Medikamente eingestellt (
Urk.
8/97 S. 9), im August 2018 leicht erhöht (
Urk.
8/97 S. 4) und dann im Januar 2019 trotz
Chronifizierung
wieder gesenkt (
Urk.
8/109 S. 2). Im Übrigen wurde nie überprüft, ob die Medikamente eingenommen werden, auch nicht von der RAD-Ärztin.
4.2.4
Weiter genügt auch der RAD-Untersuchungsbericht den einschlägigen Beweisan
forderungen nicht.
Anlässlich der
Untersuchung vom 2
9.
November
2018 wurden die folgenden Befunde festgehalten:
Hinweise auf Konzentrationsstörungen und
leichte Aufmerksamkeitsstörungen, Gedächtnisleistungen unauffällig, Beschwer
de
führer berichtet nicht übe
r Grübeln oder Gedankenkreisen (
Urk.
8/100 S. 4). Trotz der festgehaltenen, eher bescheidenen Einschränkungen führte
Dr.
D._
aus
,
dass
das Krankheitsbild einer mittelgradigen bis schweren depressiven Epi
sode gut nachvollziehbar
sei
. Bezüglich
der
Arbeitsfähigkeit
ging
sie
zudem
über die vom behandelnd
en Arzt attestierte Arbeitsunfähigkeit von 80
%
hinaus und bescheinigt eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab
1.
Dezember 201
7.
Nicht gewürdigt wurde
n
weiter die Ergebnisse
der neuropsychologische
n Test
ung
, ins
besondere hinsichtlich der festgestellten Auffälligkeiten der Symptomvalidierung. Zuletzt ergeben sich auch hinsichtlich des
vom
Beschwerdeführer
gegenüber
Dr.
D._
geschilderte
n
Tagesablauf
s
Unstimmigkeiten
(
Urk.
8/10
0 S. 2). So ver
mitteln die Angaben des Beschwerdeführers einen falschen Eindruck, da dieser
zwei Mal pro Woche in die Physiotherapie
geht
und ein Mal pro Woche
psy
chiatrische Behandlung
in Anspruch nimmt
(
vgl.
Urk.
8/101 S. 1)
.
4.3
Insgesamt ist für die verlässliche Einschätzung der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit ein Gutachten in Auftrag zu geben, wozu die Sache an die Be
schwerdegegnerin zurückzuweisen ist. Den neusten medizinischen Akten ist dabei zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer neben
den bekannten
psychischen Problemen
sowie den Knie- und Schulterbeschwerden
auch an Hüft- und Rücken
beschwerden (vgl.
Urk.
8/143 f.) leidet, sodass sich im Sinne einer umfassenden
Abklärung
des Leistungs
anspruches eine
bidisziplinäre
Abklärung
(psychia
trisch/
orthopädisch)
aufdrängt.
4.4
Hinsichtlich der dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom
3.
Dezember 2018 auferlegten Schadenminderungspflicht wies die Beschwerdegegnerin im Rahmen der Verfügung zu Recht darauf hin, dass die entsprechenden Auflagen erfüllt worden sind. So wurde mit Vorbescheid 1
7.
Mai 2019 noch auf die Beendigung einer stationären Massnahme auf eigenen Wunsch hin hingewiesen (
Urk.
8/120). Dies bezog sich auf die zweite stationäre Unterbringung in der Zeit vom 2
3.
Mai bis 1
3.
Juni 2018, sodass eine Auflageverletzung schon aus zeitlicher Sicht ausser Betracht fällt. In der Folge begab sich der Beschwerdeführer bereits am 2
8.
Mai 2019 wieder in stationäre Behandlung, welche bis zum
2.
August 2019 andauerte; sein therapeutisches Verhalten wurde demnach verfügungsweise zu Recht nicht mehr beanstandet.
4.5
Zusammenfassend führt dies zur Gutheissung der Beschwerde in dem Sinn, dass die Sache zur
bidisziplinären
Begutachtung des Beschwerdeführers an die Be
schwerdegegnerin zurückzuweisen ist. Die angefochtene Verfügung ist aufzu
heben.
5
.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Die Rückweisung einer Sache kommt einem Obsiegen des Beschwerdeführers gleich
. Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin demnach zu verpflichten, dem Beschwerdeführer eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, welche in Anwendung von
Art.
61
lit
. g ATSG, namentlich unter Berück
sich
ti
gung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses sowie nach Einsicht in die Honorarnote (
Urk.
10) vom 2
1.
Oktober 2020 auf
Fr.
3'218.85 (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.