# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** cc0b07ad-4ef6-4f97-85af-712f3780c426
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2009
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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A. A. wurde am _ in P. geboren. Er wuchs zusammen mit einem Bruder bei seinen Eltern in P. auf. In P. besuchte er auch die Primarschule und während drei Jahren die Kantonsschule. Danach absolvierte er eine dreijährige Lehre zum kaufmännischen Angestellten. Anschliessend leistete er ein Jahr Militärdienst, war in der Folge eine Zeit lang auf seinem Beruf tätig und begann danach eine vierjährige Ausbildung zum Physiotherapeuten. Nach deren Abschluss arbeitete er als Physiotherapeut bei der Physiotherapie D. in P. und absolvierte berufsbegleitend eine Ausbildung zum Sportphysiotherapeuten. Ab April 2003 war er als Sportphysiotherapeut in der Physiotherapie des medizinischen Fitnesszentrums O. in P. tätig. Heute arbeitet er als Physiotherapeut beim Fussballclub Q.. Dort verdient er monatlich Fr. 6'600.-- brutto. Er hat weder Schulden noch Vermögen und auch keine Unterhaltsverpflichtungen.
Im Schweizerischen Zentralstrafregister ist A. nicht verzeichnet. Gemäss Leumundsbericht der Stadtpolizei P. vom 5. Oktober 2007 geniesst A. einen guten Leumund.
B. Mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 16. Oktober 2008 wurde A. wegen mehrfacher Schändung gemäss Art. 191 StGB in Anklagezustand versetzt. Dieser Anklage liegt gemäss Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 16. Oktober 2008 folgender Sachverhalt zu Grunde:
„A. wird angeklagt
der mehrfachen Schändung gemäss Art. 191 StGB.
A. ist seit April 2003 als Sportphysiotherapeut in der Physiotherapie des medizinischen Fitnesszentrums O. in P. tätig. Von April 2003 bis Dezember 2006 war er sodann als Physiotherapeut und Konditionstrainer für die Nationalliga A Unihockey-Mannschaft von R. zuständig.
1. Zum Nachteil von B., geb. 2. Juni 1987:
Von Mai 2006 bis im August 2006 war B. Unihockeyspielerin der Nationalliga A Mannschaft von R.. Etwa am 28. Mai 2006 wandte sich B. im Verlauf eines Trainings im O. in P. an A., da sie Knieschmerzen hatte. Ab ca. 13.00 Uhr massierte A. in der Folge in einem Behandlungsraum des O. den Oberschenkel von B.. Danach führte er einen Ultraschall am Knie von B. durch. Für die Massage musste sich B. mit Oberteil und Unterhose bekleidet rücklings auf ein Behandlungsbett legen, wo A. sie mit seinen Händen am Oberschenkel massierte. Dabei näherte er sich immer mehr dem Schambereich von B.. Nachdem zwischenzeitlich E., die Schwester von B., und C. an die Türe
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geklopft und danach das O. verlassen hatten, massierte A. weiter. Im Verlauf der Massage streckte er über oder unter der Unterhose mehrmals einen Finger an verschiedenen Stellen an die Scheide von B.. Einmal hatte B. den Eindruck, dass A. in ihre Scheide eindringen wollte. Einmal wusste B. sodann nicht recht, ob er gar in die Scheide eingedrungen war. Einmal streckte er sodann zwei bis drei Finger unter die Unterhose. Als er schlussendlich die ganze Hand auf die Scheide von B. drückte, stützte sie sich auf, worauf A. sie fragte, ob es ihr gefalle oder ob er aufhören solle. Als B. nichts sagte[,] fragte A. erneut, ob er aufhören solle, was B. bejahte.
A. bestreitet, B. während der Massage absichtlich zwischen den Beinen berührt zu haben.
Mit Schreiben vom 23. Oktober 2007 [recte: 3. Dezember 2007] reichte der Rechtsvertreter von B., lic. iur. Martin Suenderhauf, eine Adhäsionsklage ein und verlangte einen Forderungsbetrag von Fr. 2'327.40, zuzüglich 5 % Zins seit 1. November 2007, sowie eine Genugtuung in der Höhe von Fr. 4'000.--, zuzüglich Zins seit 10. Juli 2006.
2. Zum Nachteil von C., geb. 10. Dezember 1988:
Bis im Herbst 2006 war C. Unihockeyspielerin bei R., wobei sie zuerst bei den A-Juniorinnen, dann bei der Elite und schlussendlich bei der Nationalliga A Mannschaft spielte. Im Zusammenhang mit einem Ermüdungsbruch an der Wade verschrieb Dr. med. F., S., C. 9 Entstauungsbehandlungen, welche C. am 9., 14., 16., 21., 23. und 29. Juni 2006 sowie am 4., 6. und 10. Juli 2006 im O. durchführen liess. Die Behandlungen vom 9. und 29. Juni sowie vom 4., 6. und 10. Juli 2006 wurden von A., die anderen Behandlungen von G. durchgeführt. Anlässlich der Behandlungen bei A. musste C. jeweils mit Oberteil, Socken und Unterhose bekleidet auf dem Rücken oder auf dem Bauch auf dem Behandlungsbett liegen. A. massierte immer wieder mit beiden Händen links und rechts das Bein von C. hoch und runter. Anlässlich der letzten Behandlungen kam es dazu, dass A. immer weiter in Richtung Schambereich reinrutschte. Im Rahmen der Behandlung vom 6. Juni [recte: Juli] 2006 massierte A. C. neben oder über dem Schambereich. Auch gab er jeweils mit dem Mittelfinger Druck, so dass der Mittelfinger über der Unterhose die Scheide berührte. Am 10. Juli 2006 hob A. anlässlich der Massage den Slip von C. an und massierte mit zwei Fingern ihre Klitoris. Sodann drang er mit der Spitze des Mittelfingers in die Scheide von C. ein.
A. bestreitet die Beschuldigung von C.. Insbesondere bestreitet er, C. an der Scheide berührt zu haben oder mit dem Finger in ihre Scheide eingedrungen zu sein.
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Mit Schreiben vom 23. Oktober 2007 [recte: 3. Dezember 2007] reichte der Rechtsvertreter von C., lic. iur. Martin Suenderhauf, eine Adhäsionsklage ein und verlangte einen Forderungsbetrag von Fr. 1'941.70, zuzüglich 5 % Zins seit 1. November 2007, sowie eine Genugtuung in der Höhe von Fr. 5'000.--, zuzüglich 5 % Zins seit 10. Juli 2006.“
In den Adhäsionsklagen von B. und C. wird neben der Bezahlung von Schadenersatz und Genugtuung übereinstimmend beantragt, es sei gerichtlich Vormerk zu nehmen, dass die geltend gemachte Schadenersatzforderung eine Teilklage sei, weshalb ins Urteilsdispositiv ein Klagevorbehalt aufzunehmen sei. Weiter sei festzustellen, dass A. für sämtliche Folgekosten der von ihm begangen Straftaten beziehungsweise für den der - jeweiligen - Klägerin entstehenden und entstandenen Schaden vollumfänglich ersatzpflichtig sei (Haftungsquote 100 %). Eventualiter sei über die Haftung von A. dem Grundsatze nach zu entscheiden und der Bestand der vollumfänglichen Haftung bei einer Haftungsquote von 100 % für Schadenersatz- und Genugtuungsansprüche festzustellen beziehungsweise zu bestätigen.
C. An der Hauptverhandlung vor dem Bezirksgericht Plessur am 6. Februar 2009 waren A. in Begleitung seines privaten Verteidigers, Rechtsanwalt Dr. iur. Rudolf Kunz, die Adhäsionsklägerinnen B. und C. mit ihrem Rechtsvertreter, Rechtsanwalt lic. iur. Martin Suenderhauf, sowie die Vertreterin der Anklage, Untersuchungsrichterin lic. iur. Bettina Ott Guyan, anwesend.
a) Die Anklagevertreterin stellte und begründete folgende Anträge:
„1. A. sei der mehrfachen Schändung gemäss Art. 191 StGB schuldig zu sprechen.
2. Dafür sei der Angeklagte mit einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten zu bestrafen.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei aufzuschieben und eine Probezeit von drei Jahren anzusetzen.
4. Kostenfolge gemäss Gesetz.“
b) Der Rechtsvertreter der Adhäsionsklägerinnen hielt im Rahmen seines Plädoyers an den in den Adhäsionsklagen gestellten Rechtsbegehren fest.
c) Der private Verteidiger beantragte, es sei A. von Schuld und Strafe freizusprechen und zwar unter Kosten- und voller Entschädigungsfolge zulasten des Kantons Graubünden. Die Adhäsionsklagen seien wegen fehlender
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Widerrechtlichkeit abzuweisen, eventualiter seien sie auf den Zivilweg zu verweisen.
D. Mit Urteil vom 6. Februar 2009, mitgeteilt am 8. April 2009, erkannte das Bezirksgericht Plessur wie folgt:
„1. A. ist schuldig der mehrfachen Schändung gemäss Art. 191 StGB.
2. Dafür wird er mit einer Geldstrafe von 360 Tagessätzen à CHF 110.-- bestraft.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren aufgeschoben.
4. Adhäsionsklagen:
a) In Gutheissung der Adhäsionsklagen wird A. verpflichtet,
- B. Schadenersatz in Höhe von CHF 2'327.40, zuzüglich 5 % Zins seit 1. November 2007, und eine Genugtuung von CHF 2'000.--, zuzüglich 5 % Zins seit 10. Juli 2006, und
- C. Schadenersatz in Höhe von CHF 1'941.70, zuzüglich 5 % Zins seit 1. November 2007, und eine Genugtuung von CHF. 3'000.--, zuzüglich 5 % Zins seit 10. Juli 2006, zu bezahlen.
b) Es wird gerichtlich davon Vormerk genommen, dass es sich bei den unter Ziffer 4.a) vorstehend geltend gemachten Forderungen um Teilklagen handelt und dass sich B. und C. vorbehalten, zu einem späteren Zeitpunkt weitere Schadenersatzforderungen einzuklagen.
c) Es wird gerichtlich festgestellt, dass A. gegenüber B. und C. für sämtliche Folgekosten der von ihm begangenen Straftaten, bzw. für den ihnen entstandenen und entstehenden Schaden, vollumfänglich ersatzpflichtig ist (Haftungsquote 100 %).
d) A. wird verpflichtet, B. und C. mit jeweils CHF 4'500.-- (inkl. Barauslagen und MWST) zu entschädigen.
5. (Kosten).

## Considerations