# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** fb5d1425-7a58-4f37-9229-5095b232a84d
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
1.1.1
Der 1991 geborene
X._
absolvierte ab dem 5. Juli 2010
die
Rekruten
schule
(RS; Urk. 8
/77 f.).
Am 24. August 2010 suchte er wegen
seit einer Woche anhaltender
beidseitiger Knieschmerzen den Truppenarzt auf
(Urk. 8/74 S. 14)
; eine Woche später wurde er
aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus dem Militärdienst entlassen
, wobei der militärärztliche Dienst
für die Vollendung der RS
eine Karenz von zwölf Monaten vorsah
(Urk. 8/74 S. 2 f.
)
.
In der Folge
war er – im Rahmen verschiedener Arbeitsverhältnisse – wieder vollzeitlich
er
werbstätig
(vgl.
Urk. 8/71,
Urk. 8/78).
1.
1.2
Am 9. August 2
011
teilte der
Versicherte
der Militärversicherung telefonisch mit, dass
er
nach wie vor an
(insbesondere linksseitigen) Kniebeschwerden leide und sich deswegen zwischenzeitlich – auf Verordnung seines Hausarztes – phy
siotherapeutisch habe behandeln lassen (Urk. 8/78).
Am 25. August 2011 gab er
– ebenfalls telefonisch –
an, dass immer noch Beschwerden im Bereich des rechten Knies und auch des Fussgelenks bestünden (Urk. 8/76).
Auf entspre
chende Empfehlung hin meldete er sich schliesslich am 10. September 2011 – unter Hinweis auf einen Rückfall beziehungsweise Spätfolgen
–
schriftlich bei der Militärversicherung an (Urk. 8/56).
Diese hatte bereits zuvor begonnen, einschlägige
Abklärungen
zu treffen
,
und in deren Rahmen
die aktuell und frü
her behandelnden (Haus- beziehungsweise Kinder-)Ärzte um Zustellung der Krankengeschichte (Urk. 8/64, Urk. 8/68)
ersucht sowie
die Akten des
Kranken
versicherers
bei
gezogen
(Urk. 8/65, Urk. 8/60)
. Nach Einholung weiterer
Arzt
berichte
und einer Stellungnahme ihres Kreisarztes Dr. med.
Y._
, Fach
arzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsappa
rats, vom 27. Oktober 2011 (Urk. 8/42) anerkannte die Militärversicherung mit Schreiben vom 9. November 2011 (Urk. 8/41) ihre Leistungspflicht im Zusam
menhang mit de
n beidseitigen Kniebeschwerden und kam für die entsprechen
den Heilbehandlungskosten auf. Am 3. April 2012 wurde die (Physio-)Therapie abgeschlossen (vgl. Urk. 8/32).
1
.1
.3
Am 26. Juli 2013 begab sich der Versicherte – wegen weiterhin gelegentlich auftretender linksseitiger Kniebeschwerden – erneut in ärztliche Behandlung (Urk. 8/33).
Nachdem sie am 22. Oktober 2013
eine
weitere
Beurteilung ihres Kreisarztes Dr.
Y._
(Urk. 8/31) eingeholt hatte, lehnte die
Militärversiche
rung
ihre Haftungs- beziehungsweise Leistungspflicht im Zusammenhang mit den aktuellen (Überlastungs-)Beschwerden mit Schreiben vom 25. Oktober 2013
(Urk. 8/29) ab. Auf Opponieren des Versicherten hin (Urk. 8/26) hielt sie mit Vorbescheid vom 5. Februar 2014 (Urk. 8/25) beziehungsweise Verfügung vom 27. Februar 2014 (Urk. 8/20) und – auf
hiegegen
vom Versicherten erhobene Einsprache (Urk. 8/19) hin – schliesslich mit
Einspracheentscheid
vom
25. März 2015
(Urk. 2) an der Leistungsverweigerung fest.
1.2
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
bei der sich der Versicherte zwischenzeitlich zum
Bezug von Leistungen der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV)
angemeldet hatte, erteilte diesem am 22. Januar 2015 Teilkostengutsprache für berufliche Massnahmen (Umschulung; Urk. 8/8a)
und gewährte
ihm
während deren Dauer
ein (gekürztes) Taggeld (Urk. 3/6).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
der Militärversicherung vom 25. März 2015 (Urk. 2) liess
X._
am 30. April 2015 mit folgenden Anträgen Be
schwerde erheben (Urk. 1 S. 2):
„1.
Der angefochtene
Einspracheentscheid
sei aufzuheben und die
Beschwer
degegnerin
sei zu verpflichten, für die Verschlimmerung der Kniebeschwerden weiterhin die Unfallversicherungsleistungen aus der Militärversicherung zu gewähren.
2.
Eventualiter sei der angefochtene
Einspracheentscheid
aufzuheben und die Streitsache sei an die Beschwerdegegnerin zwecks Neuabklärung zurückzuweisen, worauf neu zu entscheiden sei.
3.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich 8 % Mehrwert
steuer zu Lasten der Beschwerdegegnerin.“
Die Militärversicherung schloss am 29. Mai 2015 auf Abweisung der Be
schwerde (vgl. Beschwerdeantwort, Urk. 7), was dem Beschwerdeführer am 2. Juni 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 9).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen ein
zugehen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 5 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Militärversicherung (MVG) er
streckt sich die Haftung der Militärversicherung auf jede
Gesundheitsschädi
gung
,
die während des Dienstes in Erscheinung tritt und gemeldet oder sonst wie fest
ge
stellt wird. Die Militärversicherung haftet nicht, wenn sie den Beweis er
bringt, dass die Gesundheitsschädigung sicher vordienstlich ist oder sicher nicht während des Dienstes verursacht werden konnte (Art. 5 Abs. 2
lit
. a MVG), und wenn sie zusätzlich den Beweis erbringt, dass die
Gesundheitsschä
digung
sicher während des Dienstes weder verschlimmert noch in ihrem Ablauf beschleunigt worden ist (Art. 5 Abs. 2
lit
. b MVG). Wird der nach
Absatz
2
Buchstabe a ge
forderte Beweis erbracht, dagegen nicht derjenige nach Absatz 2 Buchstabe b, so haftet die Militärversicherung für die Verschlimmerung der
Gesund
heits
schä
digung
(Art. 5 Abs. 3 MVG).
Wird die Gesundheitsschädigung erst nach Schluss des Dienstes durch einen Arzt, Zahnarzt oder
Chiropraktor
festgestellt und bei der Militärversicherung an
gemeldet, so haftet die Militärversicherung nur, wenn die
Gesundheitsschä
digung
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit während des Dienstes verursacht worden ist. Die Militärversicherung haftet auch insoweit, als eine vordienstliche Gesundheitsschädigung wahrscheinlich durch Einwirkungen während des Dienstes verschlimmert worden ist oder wenn es sich mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit um Spätfolgen oder Rückfälle einer versicherten
Gesundheits
schädigung
handelt (Art. 6 MVG).
Laut Art. 64 MVG werden die Leistungen angemessen gekürzt, wenn die versi
cherte Gesundheitsschädigung nur teilweise auf Einwirkungen während des Dien
stes zurückgeht.
1.2
Die eine Haftung begründende Verschlimmerung kann auslösender Natur sein, in
dem sie eine latente Gesundheitsschädigung in eine klinisch manifeste Form überführt, oder sie kann eine klinisch manifeste Gesundheitsschädigung un
günstig beeinflussen. Im zweiten Fall kann die vorbestandene
Gesundheitsschä
digung
stationär oder labil (allenfalls auch progredient) gewesen sein. Die Ver
schlimmerung selbst kann vorübergehend oder dauernd sein; sie kann auch richtunggebend sein. Ist die Verschlimmerung dauernd (oder richtunggebend), haftet die Militärversicherung auf unbestimmte Zeit, ist sie lediglich vorüberge
hend, kann die Haftung befristet werden. Voraussetzung für eine zeitliche Be
grenzung der Haftung ist, dass die Verschlimmerung mit Sicherheit behoben ist (vgl. Jürg
Maeschi
, Kommentar zum Bundesgesetz über die Militärversicherung, Bern 2000, N 40 und N 41 zu Art. 5 MVG mit Hinweisen). Die Verschlimmerung gilt als behoben, wenn der
„
Status quo ante" (Gesundheitszustand, in welchem sich der Versicherte vor dem Dienst befunden hat) oder der
„
Status quo sine" (Ge
sundheitszustand, in welchem sich der Versicherte befinden würde, wenn er
den Einwirkungen während des Dienstes nicht ausgesetzt gewesen wäre) er
reicht
ist (
Maeschi
, a.a.O., N 41 zu Art. 5 MVG mit Hinweisen).
1.3
Die Haftung gemäss Art. 4 und 5 MVG einerseits sowie Art. 6 MVG anderseits unterscheidet sich darin, dass im ersten Fall der adäquate Kausalzusammenhang zwischen den Einwirkungen während des Dienstes und der
Gesundheitsschädi
gung
vermutet wird und nur durch den gegenteiligen Sicherheitsbeweis ausge
schlossen werden kann, während im zweiten Fall das Vorliegen adäquat kausa
ler Folgen von Einwirkungen während des Dienstes erstellt sein muss (BGE 111 V 372 E. 1b, 105 V 229 E. 3a mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Militärversicherung begründete die Leistungsverweigerung im Wesentlichen
– unter Hinweis auf die Beurteilung ihres Kreisarztes Dr.
Y._
vom 22. Oktober 2013 (Urk. 8/31) –
damit,
dass
es während des Diensts zu keinen objektiv nachweisbaren Schädigungen an den Knien gekommen sei. Die durch die körperliche Belastung während der RS im Jahr 2010 verursachte beidseitige
Ansatztendinopathie
sei vorübergehender Natur und spätestens Mitte 2012 wie
der behoben gewesen. Die
– nach einem behandlungs- und beschwerdefreien Intervall von über einem Jahr – ab Juli 2013 behandelten Kniebeschwerden
seien auf
neue belastende Einflüsse und damit auf
dienstfremde Gründe zurück
z
uführen (Urk. 2 S. 4 f.
, Urk. 7 S. 2 f.
).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt,
im Militär
dienst sei es zu einer – nach wie vor anhaltenden – Verschlimmerung der Beschwerden in den Kniegelenken gekommen. Therapeutisch habe in der Folge wohl eine Linderung, aber keine entscheidende Verbesserung der Symptomatik erziel
t
werden können. Aufgrund der persistierenden intensiven Beschwerden habe er sich gar gezwungen gesehen, seine geliebte Tätigkeit als
Auto
m
echani
ker
aufzugeben und sich auf einen weniger belastenden Beruf umschulen zu lassen. Da es seit der Entlassung aus dem Dienst zu keiner „Novation“ der Be
schwerden gekommen sei
, sei die Militärversicherung weiterhin
leistungspflich
tig
dafür (Urk. 1 S. 3 ff.).
3.
3.1.
3.1.1
Betreffend den Zustand der beiden Knie vor Eintritt
des Beschwerdeführers
in den Militärdienst am 5. Juli 2010 geht aus den medizinischen
und weiteren
Akten Folgendes hervor:
Die Ärzte der
Z._
äusserten am 5. Februar 2003 den Verdacht auf Überbelastungsschmerzen am linken Knie. Der Beschwerdeführer, der Fuss
ball spiele, leide seit über einem Jahr an rezidivierenden Schmerzen in der Kniekehle. Die Beschwerden träten jeweils nach einem Spiel auf und hielten dann einige Stunden an. Danach sei er jeweils während einiger Wochen be
schwerdefrei, bevor die Schmerzen – ohne wesentliches Trauma – erneut auf
träten. Die radiologische Untersuchung habe einen unauffälligen Befund erge
ben. Der Fall werde vorerst abgeschlossen (Urk. 8/47 S. 1).
3.1.
2
Die nach einer am 15. Februar 2004 beim Skifahren erlittenen Distorsion des rechten Knies
(vgl. Bericht
A._
, Notfallstation, vom 15. Februar 2004; Urk. 8/58)
am 25. Februar 2004 durchgeführte MRI-Untersuchung ergab einen
Bone
bruise
im Insertionsbereich des lateralen Kollateralbands bezie
hungsweise der
Popliteussehne
und einen – noch deutlichen –
Kniegelenkser
guss
(vgl. Bericht
B._
, Radiologie, vom 25. Februar 2004; Urk. 8/59 S. 1)
.
3.1.3
Am 31. März 2004 diagnostizierten die
Ärzte
der
B._
ei
nen Status nach Kniekontusion. Das Kniegelenk sei intakt. Es bestehe wieder eine volle Sportfähigkeit; eine weitere Vorstellung sei nicht mehr notwendig (Urk. 8/55 S. 3).
3.1.
4
Im Januar 2009 konsultierte der Beschwerdeführer
wegen rechtsseitiger
Kniebe
schwerden
bei Status nach einem Skiunfall
seinen Hausarzt Dr.
C._
. Die
ser stellte eine leichte Instabilität des vorderen Kreuzbands fest; die MRI-Un
tersuchung ergab einen unauffälligen Befund (vgl. Urk. 8/18 S. 4).
3.1.
5
Anlässlich der Rekrutierung bejahte
der
Beschwerdeführer am 2. März 2010 die Frage nach Gelenksverletzungen und setzte dabei bei der Antwort „Knie/Kreuzband/Meniskus“ ein Kreuz; die Läsion sei indes ausgeheilt (Urk. 8/74 S. 29). Der zuständige Militärarzt hielt fest, Mitte 2005 sei es zu ei
nem Trauma am linken Knie gekomme
n; Bänder seien dabei nicht gerissen (S. 27).
Nach der
vordienstlichen Untersuchung für Grenadie
re hielt der zuständige Arzt am 28. April 2010 fest,
gemäss
anamnestischen Angaben bestünden infolge des linksseitigen Knietraumas mit Distorsion im Jahr 200
5
keine Beschwerden mehr (S. 21).
3.2
3.2.1
Während des Militärdiensts konsultierte der Beschwerdeführer a
m 24. August 2010
den Truppenarzt
wegen seit einer Woche anhaltender beidseitiger Knie
schmerzen. Dieser hielt fest, dass die Beschwerden rechts stärker als links seien, und verordnete Physiotherapie.
3.2.2
Am 27. August 2010 diagnostizierte der Truppenarzt eine
Sehnenansatzentzün
dung
und er
t
eilte dem Beschwerdeführer einen Dispens (Urk. 8/74 S. 14).
3.3
3.3.1
Nachdem er am 31. August 2010 vorzeitig aus der RS entlassen worden war, begab sich der Beschwerdeführer i
m April 2011 wegen bei der Arbeit in einem Plattenleger-Geschäft aufgetretener Schmerzen unterhalb des rechten Knies bei
seinem Hausarzt Dr. med.
C._
, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin,
in Behandlung.
Dieser stellte eine
druckdolente
Tuberositas
tibiae
fest; eine
Os
good-Schlatter-Läsion
schloss er aufgrund des radiologischen Befundes aus. Er behandelte den Beschwerdeführer lokal mittels Ultraschall. Eine Nachkontrolle fand nicht statt (vgl. Urk. 8/18 S. 4).
3.3
.2
Am 9. August 2011 gab der Beschwerdeführer gegenüber dem zuständigen Mitar
beiter der Militärversicherung telefonisch an, am 1. September 2010 we
gen Knie- und Fersenbeschwerden vorzeitig aus der RS entlassen worden zu sein. Er habe sich damals beim Truppenarzt gemeldet; einen Unfall habe er nicht erlitten. Wahrscheinlich seien die Beschwerden durch Überbelastung her
vorgerufen worden. Früher habe er nicht an Kniebeschwerden gelitten. Nach
dem ursprünglich beide Kniegelenke betroffen gewesen seien, habe sich
d
er Zu
stand des rechten Knies und auch der Fersen zwischenzeitlich wesentlich ge
bessert; im Bereich des linken Knies träten indes – bei Belastung und Anstren
gung – nach wie vor Beschwerden auf. Die vom deswegen konsultierten Haus
arzt
Dr.
C._
, verordnete Physiotherapie und
medikamentöse Behandlung (
Salbe
)
hätten
eher geschadet; die Behandlungskosten habe er – der Beschwer
deführer – selber getragen. Derzeit stehe er nicht in Behandlung
; er
wolle nun aber Klarheit erhalten über seine Kniebeschwerden
(Urk. 8/79
).
3.
3
.3
Die erstmals am 12. August 2011 konsultierten Ärzte der
Z._
hielten
am 15. August 2011
in der Krankengeschichte fest, der Beschwerdefüh
rer habe während der RS an extremen beidseitigen Knieschmerzen und auch ei
ner Schwellung gelitten; er sei deswegen zuerst
umgeteilt
und dann ausgemus
tert worden
. Bisher
habe er gejobbt; nun trete er per 1. September 2011 eine neue Stelle als Automobilfachmann an. Diagnostisch liege eine
Insertions
tendinopathie
de
r Patellarsehne in der
Tuberosit
as
tibiae
links vor. Dem Be
schwerdeführer sei empfohlen worden, die Knie zu schonen. Es sei ihm Physio
therapie verordnet
und eine
Genutrain
-Bandage abgegeben worden. Es sei eine MRI-Untersuchung in
diziert (Urk. 8/62 S. 2).
3.3
.4
Nach Kenntnisnahme des MRI-Befunds
vom 16. August 2011
(vgl. Urk. 8/61)
stellten die
Ärzte der
Z._
noch gleichentags
die Diagnose einer
Insertionstendinopathie
der Patellarsehne in der
Tuberositas
tibiae
links. Es liege eine – nicht sehr ausgeprägte – Stressreaktion in der
Tuberositas
tibiae
vor. Die Patellarsehne sei absolut in Ord
n
ung, das
Patellagleitlager
sei etwas flach. Die Knorpelüberzüge, Bänder und Menisken seien allseits intakt. Dem Beschwerde
führe
r seien Schonen, Physiotherapie und
Kinesiotaping
über der
Tuberositas
tibiae
verordnet worden; eine Kontrolle erfolge bei Bedarf (Urk. 8/62 S. 2).
3.3
.5
Anlässlich des Gesprächs mit dem Aussendienstmitarbeiter der
Militärversiche
rung
vom 30. August 2011 vermochte sich der Beschwerdeführer nicht mehr daran zu erinnern, wann er
nach der Entlassung aus der RS
erstmals seinen Hausarzt Dr.
C._
wegen rechtsseitiger Kniebeschwerden konsultiert habe. Die Fersenb
e
schwerden rechts seien erst kurz nach
Dienstaustritt
aufgetreten. Dr.
C._
habe zwischenzeitlich eine Röntgenuntersuchung durchgeführt. Mitte August 2011 habe er aus eigener Initiative die Ärzte der Klinik
D._
in
E._
konsultiert. Zu einer Arbeitsunfähigkeit sei es nicht gekommen (Urk. 8/71).
Vor der RS habe er einmal an Knie-Blockaden gelitten; die diesbezügliche medizi
nische Abklärung habe keinen gravierenden Befund ergeben. Beim Einrü
cken in die RS sei er beschwerdefrei gewesen. Dort seien dann in beiden Knie
gelenken, insbesondere aber rechts, ohne eine Unfalleinwirkung Schmerzen aufgetreten, welche er gemeldet habe. Etwa eine Woche später sei er durch den Truppenarzt untersucht worden. Bis dahin sei es indes zu einer weiteren Belas
tung der Kniegelenke und zu Schmerzen in beiden Knien gekommen.
Der Trup
penarzt habe ihm dann Physiotherapie, entzündungshemmende Schmerzmittel sowie eine Salbe verordnet und ihm einen
(temporären)
Dispens betreffend Sport und Heben schwerer Lasten erteilt. Der Physiotherapeut habe die Schmer
zen vor dem Hintergrund einer Überbelastung gesehen. Mit den Fersen habe er damals noc
h keine Probleme gehabt.
Den
30
km
-Marsch
habe er dann dennoch absolvieren müssen, was – insbesondere rechtsseitig – zu einer Verschlimme
rung der Kniebeschwerden geführt habe. Da er daraufhin „nichts mehr“ habe machen können, habe er erneut den
Truppena
rzt konsultiert. In der Folge
s
ei er nach einem Gespräch mit einem Psychologen aus medizinisch/psychologischen Gründen vorzeitig aus der RS entlassen worden. Kurz danach habe er dann wie
der Schmerzen im rechten Knie verspürt; das linke Knie sei fast beschwerdefrei
gewesen. Nach einmaligem Joggen seien dann auch in den Fersen Beschwerden aufgetreten, und er habe gemerkt, dass die Kniegelenke nicht ganz in Ordnung gewesen seien. Seither habe er keinen Sport mehr getrieben
. Seit der Entlassung aus der RS habe er diverse Jobs ausgeübt. Es sei zu weiteren Fersenbeschwerden gekommen. Irgendwann habe er dann Dr.
C._
konsultiert, der davon aus
gegangen sei, dass wahrscheinlich eine Knochenhautentzündung im rechten Knie und an der rechten Ferse vorliege, und eine Salbe verordnet
habe
. Das linke Knie sei in Ordnung gewesen. Nachdem sich keine Besserung eingestellt habe, habe Dr.
C._
Physiotherapie verordnet. Nach drei bis vier Behand
lungen, die keine Besserung
gebracht hätten, habe er es
– ebenfalls erfolglos – mit Ruhe versucht. Schliesslich habe er sich bei der Militärversicherung ange
meldet und nachgefragt, ob allenfalls eine Untersuchung in der Klinik
D._
möglich sei. Dort sei er dann vor
zirka zwei Wochen – auch mittels MRI – untersucht worden. Dabei sei eine Reizung unterhalb der Kniescheibe festge
stellt worden. Der Zustand der Ferse habe sich zwischenzeitlich verbessert, so dass diese nicht untersucht worden sei. Betreffend die Kniebeschwerden sei ihm Physiotherapie verordnet worden. Eine Arbeitsunfähigkeit habe nie bestanden; er habe trotz
der
Beschwerden temporär gearbeitet (Urk. 8/70 S. 2).
3.3.6
In seiner gestützt auf die Akten verfassten Stellungnahme vom 27. Oktober 2011 (Urk. 8/42) gelangte der Kreisarzt Dr.
Y._
zum Schluss, dass beim Be
schwerdeführer bezüglich beider Kniegelenke und der Fersen keine schwerwie
gende vordienstliche Gesundheitsschädigung vorgelegen habe. Die – lediglich im Bericht des Aussendienstmitarbeiters erwähnten – Fersenbeschwerden seien angesichts der Tatsache, dass diesbezüglich aktenkundig keine Behandlung stattgefunden h
abe, zu vernachlässigen (S. 2). Die aktuell geklagten
Kniebe
schwerden
seien mit überwiegender Wahrscheinlichkeit identisch mit der wäh
rend der RS in Erscheinung getretenen entsprechenden Symptomatik (S. 3).
3.4
3.4.1
Am 26. Juli 2013
begab sich der Beschwerdeführer – in
der
Z._
– erneut wegen Knieschmerzen in Behandlung. Die Ärzte diagnostizierten
eine
Tendopathie
der Patellarsehne links distal und hielten
fest, der Beschwerdefüh
rer habe sich bei ihnen gemeldet, weil er (im Hinblick darauf, die RS nicht noch abschliessen zu müssen)
eine Neubeurteilung brauche. Das letzte Aufgebot habe er wegen einer Ausbildung verschieben können. Nun wolle er, weil er nochmals eine Ausbildung begonnen habe, den Militärdienst erneut verschieben. Zudem verspüre er immer noch gelegentlich unregelmässig auftretende Knieschmerzen
infrapatellär
im Bereich der
Tuberositas
tibiae
. Die Zwicke
seien
zwar jeweils von kurzer Dauer, verunsicherten ihn aber derart, dass er jeden Sport (Fussball,
Krafttraining) aufgegeben habe. Er arbeite als Automobil-Mechatroniker.
Die Entzündung sei sicher nicht
vollständig abgeheilt.
Es sei angezeigt, den Be
schwerdeführer m
ittels unterstützender Physiotherapie
wieder in den Sport zu
rückzuführen. Die Funktion als Grenadier sei aufgrund der damit verbundenen körperlichen Belastung ungeeignet; eine
Umteilung
in eine Truppe mit einem weniger kniebelastenden Aufgabenbereich erscheine als sinnvoll
(Urk. 8/33).
3.4.2
Nach Kenntnisnahme der seit seiner Stellungnahme vom 27. Oktober 201
1
(Urk. 8/
42
) eingegange
nen medizinischen Berichte gelangte
der Kreisarzt Dr.
Y._
am 22. Oktober 2013 zum Schluss, dass die durch die Einwirkung während der RS verursachte Gesundheitsschädigung spätestens Mitte 2012 wie
der behoben gewesen sei. Die aktuellen Beschwerden seien als
Überlastungsbe
schwerden
zu interpretieren, die in keinem überwiegend wahrscheinlichen Kausalzusammenhang mehr zur Einwirkung während der RS im Jahr 2010 stünden (Urk. 8/31 S. 2).
3.4.3
In ihrem Schreiben an die IV-Stelle vom 14. Oktober 2014 (Urk. 8/14 S. 6) ga
ben die Ärzte der
Z._
an, den Beschwerdeführer wegen einer während der RS aufgetretenen
Insertionstendopathie
der Patellarsehne in der
Tuberositas
tibiae
links zu behandeln. Er habe das Arbeitspensum als Automo
bil
-M
echatroniker aus eigenem Antrieb auf
60 % reduziert und absolviere jetzt die Berufsmittelschule
. Man denke, dass die IV einen Teil der Ausbildungskosten übernehmen sollte (Urk. 8/14 S. 6).
3.4.4
In ihrem – ebenfalls am 14. Oktober 2014 verfassten – Schreiben
an den Be
schwerdeführer zuhanden der
Militärversicherung gaben die Ärzte der
Z._
an,
dieser
habe sich
, nachdem während der RS starke Knieschmer
zen beidseits aufgetreten
seien
und er deswegen ausgemustert worden sei,
am 12. August 2011
in ihre Behandlung gegeben. Am linken Knie bestünden nach wie vor Schmerzen
infrapatellär
mit hochgradigem Verdacht auf Stressreaktion in der
Tuberositas
tibiae
(nachgewiesen im August 2011 mittels MRI). Die
Mili
tärversicherung
sei demnach weiter leistungspflichtig (Urk. 8/14
S. 3).
4.
4.1
Die Militärversicherung hat ihre Leistungspflicht im Zusammenhang mit den während des Militärdiensts
im Sommer 2010
bestandenen und den zwischen April 20
11 (vgl. Urk. 8/18 S. 4)
und März 2012 (vgl. Urk. 8/37, Urk. 8/21 S. 5) behandelten Kniebeschwerden anerkannt und ist für die entsprechenden
Heilbe
handlungskosten
aufgekommen. Strittig und zu prüfen ist, ob die
Beschwerde
gegnerin
es zu Recht abgelehnt hat,
für die ab 26. Juli 2013 (vgl. Urk. 8/33) be
handelte Kniesymptomatik
Leistungen zu erbringen
.
Da der (weiterhin) voll ar
beitsfähige Beschwerdeführer nach Abschluss der Physiotherapie Mitte März 2012 (Urk. 8/21 S. 5) während über sechzehn Monaten n
ie mehr in Behandlung stand
, hat die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht für die im Sommer 2013 gemeldete Symptomatik zu Recht im Rahmen eines neuen Versicherungs
falls geprüft (Urk. 1 S.
5
).
4.2
Nach Lage der Akten steht fest, dass der Beschwerdeführer sich während des Militärdiensts keinen gravierenden Schaden an den Knien zugezogen hat
(vgl. insbesondere Urk. 8/18 S. 4, Urk. 8/61, Urk. 8/42 S. 3)
. Die damals geklagten Schmerzen, denen kein Unfallereignis zu Grunde lag
(Urk. 8/70 S. 2)
,
sind ge
mäss den medizinischen Berichten als
Symptom einer
–
überbelastungsbeding
te
n
-
Insertionstendopathie
(Sehnenansatzentzündung) zu interpretieren
(
vgl. insbesondere
Urk. 8/74 S. 14
)
.
Auch d
ie
zwischen
April 2011
(dem gleichen Monat, in dem der Beschwerdeführer schon wegen einer beim Fussballspielen erlittenen Läsion des rechten oberen Sprunggelenks seinen Hausarzt Dr.
C._
konsultiert hatte [Urk. 8/18 S. 4])
und März 2012
sowie
die
seit 26. August 2013
behandelten Kniebeschwerden sind gemäss den diesbezüglich übereinstimmenden ärztlichen Beurteilungen vor dem Hintergrund d
ies
er Diag
nose zu sehen
(Urk. 8/
62 S. 2, Urk. 8/61, Urk. 8/42, Urk. 8/33, Urk. 8/14 S. 3 und S. 6
)
.
4.3
Ob
die von April 2011
(
Urk. 8/18 S. 4;
mithin einem rund sieben Monate nach der Entlassung aus der RS liegenden Zeitpunkt)
beziehungsweise August 2011 (Urk. 8/62 S. 2)
bis März 2012
(Urk. 8/
21 S. 5)
behandelte Kniesymptomatik, die nach Angaben des Beschwerdeführers nach Plattenleger-Arbeiten auftrat
(Urk. 8/18 S. 4)
,
tatsächlich
noch
(zumindest teilweise) in einem natürlichen Kausalzusammenhang
zur
Überbelastung während der RS im Sommer 2010
stand, wie dies die Militärversicherung annahm (vgl. Urk. 8/41
, Urk. 8/42 S. 2
),
kann vorliegend offen bleiben.
4.4
Was
indes
die der Militärversicherung Mitte Oktober 2013
gemeldeten
Kniebe
schwerden
(Urk. 8/33)
anbelan
g
t,
lassen sich d
iese aufg
rund der konkreten Um
stände
nicht mehr mit der dienstlichen Einwirkung erklär
en
.
So
konnte die im April 2011 begonnene Behandlung Mitte März 2012 abgeschlossen werden (Urk. 8/21 S. 5). In der Folge stand der
– in der bisherigen (kniebelastenden) Tä
tigkeit als Auto
mobil-M
echatroniker voll arbeitsfähige – Beschwerdeführer
während über sechzehn Monaten
weder in ärztlicher Behandlung, noch unter
zog er sich einer Physiotherapie.
Erst als
er
e
in Aufgebot zur Vollendung der RS erhielt
, dem er wegen einer bereits begonnenen Ausbildung keine Folge leisten wollte,
begab er sich am 26. Juli 2013
– im Hinblick darauf, ein ärztliches At
test für eine Verschiebung zu erhalten –
wieder in ärztliche Behandlung
.
Ledig
lich nebenbei erwähnte er
damals gegenüber den Ärzten
, dass er immer noch gelegentlich Knieschmerzen verspüre (
vgl. Auszug aus der Krankengeschichte der
Z._
,
Urk. 8/33
).
Angesichts der geschilderten Gegebenheiten
erscheint die Ursächlichkeit der dienstlichen Einwirkung im Sommer 2010 für die ab Sommer 2013 behandelten Kniebeschwerden, wenn sie auch nicht gänz
lich ausgeschlossen werden kann, als wenig wahrscheinlich.
Anzumerken ist, dass die Beschwerden bei einer
Ansatztendopathie
durch (irgend)eine Überbe
lastung im Bereich des entsprechenden Sehnen- oder Bandansatzes ausgelöst werden (Urk. 8/31 S. 2), und der
Beschwerdeführer aktenkundig bereits
vor
dienstlich
einmal an rezidivierenden überbelastungsbedingten Knieschmerzen gelitten hatte (vgl. Bericht
Z._
vom 5. Februar 2003, Urk. 8/47 S. 1).
Der Beschwerdeführer machte
denn im Rahmen dieses Verfahrens auch keine dienstliche Verursachung der fraglichen Symptomatik, sondern
lediglich eine dienstliche Verschlimmerung der (
demnach
bereits vor der RS bestandenen) Kniebeschwerden geltend (Urk. 1 S. 2 und S. 3).
Angesichts der Genese der während der RS aufgetretenen Kniebeschwerden und des langen beschwerde- beziehungsweise zumindest behandlungsfreien Intervalls bei voller Arbeitsfä
higkeit können weder die der Militärversicherung im Sommer 2013 gemeldete Symptomatik an sich noch deren Ausprägung als überwiegend wahrscheinliche Folge (zum im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegen
d
en Wahrscheinlichkeit vgl. BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen)
der Knieüberbelastung während der RS im Juli/August 2010
interpretiert werden. Daran vermag die Tatsache, dass die IV-Stelle teil
weise Kostengutsprache für die Kosten einer Umschulung geleistet hat (Urk. 8/8a
; vgl. Urk. 1 S. 3
), schon deshalb nichts zu ändern, weil für den An
spruch auf Leistungen der IV unerheblich ist, ob ein Gesundheitsschaden dienstlicher oder dienstfremder Natur ist.
4.5
Nach dem Gesagten ist
ein
ursächlicher Zusammenhang
zwischen den der Militär
versicherung im Sommer 2013 gemeldeten Knieschmerzen und der
Knie
überbelastung
während der RS im Sommer 2010
höchstens noch möglich, was rechtsprechungsgemäss zur Begründung eines Leistungsanspruchs nicht genügt (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen). Dass weitere Abklärungen zu einem anderen Ergebnis
führten (Urk. 1 S. 2)
, ist nicht
zu erwarten, weshalb davon abgesehen werden kann (antizipierte
Beweis
würdigung
; BGE 122 V 157 E. 1d mit Hinweisen).
Da sich die
Leistungsverwei
gerung
demnach als rechtens erweist, ist die Beschwerde abzuweisen.