# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c62bc0d2-905e-427a-827b-24d097581056
**Court:** CH_BSTG
**Chamber:** CH_BSTG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** CH / Federation
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Prozessgeschichte:
A. Am 15. Februar 2010 reichte die C. Bank AG (heute: C. AG; nachfolgend: C.) bei
der Staatsanwaltschaft Luzern eine Strafanzeige gegen die I. AG (nachfolgend:
I.) sowie deren Verantwortlichen, namentlich A., wegen Betrugs und Geldwä-
scherei ein. Die C. machte in dieser Strafanzeige zusammengefasst geltend,
dass sie seit 2002 geschäftlichen Kontakt mit der I. unterhalte. Der geschäftliche
Kontakt habe darin bestanden, dass die C. die Tätigkeit der I. (den Handel mit
Schmiedepressen) vorfinanziert habe. Hierfür habe die C. der I. die aus dem
Weiterverkauf von Schmiedepressen resultierende Forderungen zu 80 % des
Nominalbetrags abgekauft, damit die I. die Schmiedepressen habe beschaffen
können. Auf dem für den Kundenforderungskauf zu zahlenden Preis habe die I.
der C. einen marktüblichen Zins geschuldet. Am 26. Oktober 2009 sei erstmals
eine fällige Zahlung der I. ausgeblieben. Per Ende 2009 seien Forderungen im
Umfang von EUR 10 Millionen fällig gewesen. Aufgrund dieser Zahlungsaus-
stände habe die C. am 11. Februar 2010 die Schuldner der insgesamt 39 Forde-
rungen, welche der C. abgetreten worden seien, kontaktiert. Die kontaktierten
Schuldner hätten gegenüber der C. erklärt, keine Schmiedepressen gekauft
und/oder keine Geschäftsbeziehungen mit der I. unterhalten zu haben. Die
Schuldner hätten zudem in Abrede gestellt, dass die ihnen zugestellten Doku-
mente Unterschriften von für sie zeichnungsberechtigten Personen aufweisen
würden (zum Ganzen Rubrik BA 05.101).
B. Im Februar und März 2010 erstatteten auch die D. Bank AG (nachfolgend: D.
Bank), die Bank F.SA (nachfolgend: Bank F.) sowie die Bank E. AG (nachfol-
gend: Bank E.) bei den Strafverfolgungsbehörden des Kantons Luzern Strafan-
zeige gegen die I. und deren Verantwortlichen, namentlich die Beschuldigte, ins-
besondere wegen Betrugs (Rubrik BA 05.103 ff.).
C. Am 1. März 2010 erstattete die Meldestelle für Geldwäscherei (MROS) gestützt
auf Art. 23 Abs. 4 des Bundesgesetzes über die Bekämpfung der Geldwäscherei
und der Terrorismusfinanzierung vom 10. Oktober 1997 (Geldwäschereigesetz,
GwG; SR 955.0) eine Meldung an das Untersuchungsrichteramt des Kantons
Luzern. Die zugrundeliegenden Verdachtsmeldungen i.S.v. Art. 9 GwG der Fi-
nanzintermediäre DD. Holding AG und Bank S. betrafen Konten mit Bezug auf
die Beschuldigte (BA Rubrik 5.201 f.). Am 4. und 10. März 2010 gingen beim Un-
tersuchungsrichteramt des Kantons Luzern zwei weitere MROS-Meldungen be-
treffend Konten bei der Bank EE., Bank FF., und der Bank GG. AG mit Bezug auf
die Beschuldigte ein (BA Rubrik 5.203 f.).
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D. Am 18. März 2010 ging eine weitere Strafanzeige der C. ein. Diese richtete sich
gegen den ehemaligen Verantwortlichen für das Kreditgeschäft und stellvertre-
tenden Geschäftsleiter der C., B. Er wurde u.a. der Gehilfenschaft zum Betrug im
Zusammenhang mit den Finanzierungen der Schmiedepresse-Geschäften der I.
beschuldigt (BA 05.102-0001 ff.).
E. Zuständig zur Durchführung des Strafverfahrens war zu Beginn das Untersu-
chungsrichteramt des Kantons Luzern, Abteilung Wirtschaftskriminalität
(BA 02.100-0001). Am 3. März 2010 stellte dieses eine Gerichtsstandanfrage zu
Handen der Bundesanwaltschaft (BA 02.100-0002 ff.), worauf Letztere am
25. März 2010 ein gerichtspolizeiliches Ermittlungsverfahren gegen A. und B.
(nachfolgend zusammen: die Beschuldigten) sowie gegen weitere Personen we-
gen Verdachts des Betrugs (Art. 146 StGB), der Urkundenfälschung (Art. 251
StGB) sowie der Geldwäscherei (Art. 305bis StGB) eröffnete (BA Rubrik 1.100).
Im Laufe der Ermittlungen wurde die Strafuntersuchung gegen die Beschuldigten
auf weitere Straftatbestände ausgedehnt (BA Rubrik 1.200).
F. Die Beschuldigte A. befand sich vom 23. Februar bis 9. Juni 2010 in Untersu-
chungshaft. Nach ihrer Entlassung wurden Ersatzmassnahmen angeordnet
(BA 06.001-0004/0220). Zum Zeitpunkt der Urteilseröffnung blieb die am
9. Juni 2010 angeordnete Pass- und Schriftensperre in Bezug auf sämtliche
Staatsbürgerschaften sowie die Beschlagnahme des deutschen Reisepasses
Nr. [...] lautend auf die Beschuldigte aufrechterhalten.
G. Der Beschuldigte B. befand sich am 24. März 2010 in Polizeihaft (BA 06.005-
0004/0046).
H. Die Strafverfolgungsbehörden des Kantons Luzern sowie die Bundesanwalt-
schaft führten umfangreiche Beweiserhebungen durch, insbesondere Befragun-
gen einer Vielzahl von in die untersuchten Vorgänge involvierten Personen. So-
dann wurden im Vorverfahren diverse Vermögenswerte von der Beschuldigten
und den in die untersuchten Vorgänge involvierten beschwerten Dritten be-
schlagnahmt.
I. Die Bundesanwaltschaft trennte verschiedentlich das Verfahren in Bezug auf ein-
zelne andere beschuldigte Personen vom übrigen Verfahren ab
(BA Rubrik 1.400). Am 30. Juli 2018 stellte sie die Verfahren gegen sämtliche
Mitbeschuldigten von A., einschliesslich B., «im Zusammenhang mit der Finan-
zierung von Schmiedepressen der C. an die I. sowie im Zusammenhang mit Fi-
nanzierungen der D. Bank, der Bank E. sowie der Bank F. an die I.» ein (BA
Rubrik 3.001 ff.). Die besagten Einstellungsverfügungen sind – mit Ausnahme
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der Einstellungsverfügung betreffend B. – inzwischen in Rechtskraft erwachsen.
Gegen die Einstellungsverfügung betreffend B. erhob die Bank E. am 17. Au-
gust 2018 Beschwerde bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts.
Die Beschwerdekammer führte das Verfahren unter der Geschäftsnummer
BB.2018.146 (BA Rubrik 21.116; zum weiteren Verfahrensgang dieses Be-
schwerdeverfahrens vgl. Lit. K).
J. Am 28. September 2018 erhob die Bundesanwaltschaft bei der Strafkammer des
Bundesstrafgerichts Anklage gegen die Beschuldigte A. wegen mehrfacher Ur-
kundenfälschung sowie Versuchs dazu, gewerbsmässigen Betrugs, eventualiter
mehrfacher Veruntreuung, subeventualiter qualifizierter ungetreuer Geschäfts-
besorgung, Misswirtschaft und gewerbsmässiger Geldwäscherei (SK.2018.54,
TPF 100.005 ff.). Die Strafkammer des Bundesstrafgerichts wies mit Beschluss
vom 6. Dezember 2018 die Anklageschrift an die Bundesanwaltschaft zurück,
weil sie nicht dem Anklageprinzip genügte (SK.2018.54, TPF 932.001 ff.).
K. Nach Verbesserung der Anklageschrift im Sinne des Rückweisungsbeschlusses
erhob die Bundesanwaltschaft am 13. Februar 2019 erneut Anklage gegen A.
wegen der genannten Delikte (SK.2019.10, TPF 100.001 ff.). Mit Schreiben vom
14. Mai 2019 erkundigte sich die Strafkammer des Bundesstrafgerichts bei der
Bundesanwaltschaft über den Verfahrensstand der bei der Beschwerdekammer
des Bundesstrafgerichts pendenten verschiedenen Beschwerdeverfahren betref-
fend die von der Bundesanwaltschaft verfügten Einstellungen in Bezug auf mit-
beschuldigte Personen (SK.2019.10, TPF 400.004 f.). Mit Schreiben vom 22. Mai
2019 reichte die Bundesanwaltschaft u.a. den Beschluss der Beschwerdekam-
mer BB.2018.146 vom 7. Mai 2019 mit einer Stellungnahme ein (SK.2019.10,
TPF 510.039 ff.; 510.052 ff.). Die Beschwerdekammer hiess im genannten Ent-
scheid die Beschwerde der Bank E. betreffend die Einstellung des Verfahrens
gegen B. vom 30. Juli 2018 gut und wies die Bundesanwaltschaft an, das Ver-
fahren weiterzuführen und gegen den Beschuldigten B. Anklage zu erheben. In
der Folge wies die Strafkammer des Bundesstrafgerichts mit Beschluss
SK.2019.10 vom 5. Juli 2019 die Anklageschrift zur Ergänzung mit Sachverhalt-
selementen (im Sinne einer Eventualanklage) in Bezug auf eine eventuell dem
Beschuldigten B. zuzurechnende Mitwirkung zurück, weil die Anklageschrift bei
einer eventuellen Beteiligung des Beschuldigten B. nicht dem Anklageprinzip ge-
nügte (SK.2019.10, TPF 932.001 ff.).
L. Die Bundesanwaltschaft erhob am 22. Juli 2020 erneut Anklage gegen die Be-
schuldigte A. wegen der genannten Delikte (SK.2020.28, TPF 100.001 ff.), ver-
zichtete jedoch darauf diese im Sinne des Rückweisungsbeschlusses
SK.2019.10 vom 5. Juli 2019 mit Sachverhaltselementen (im Sinne einer Even-
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tualanklage) zu ergänzen (SK.2020.28, TPF 100.223). In der gleichen Anklage-
schrift erhob die Bundesanwaltschaft zudem Anklage gegen den Beschuldigten
B. wegen Verdachts der Gehilfenschaft zum Betrug. Die Strafkammer des Bun-
desstrafgerichts wies mit Beschluss SK.2020.28 vom 4. August 2020 das Ver-
fahren zwecks Durchführung einer mündlichen Schlusseinvernahme des Be-
schuldigten B. zum bisher nicht vorgehaltenen Vorwurf der Gehilfenschaft zum
Betrug zurück (SK.2020.28, TPF 933.001 ff.).
M. Nach durchgeführter Schlusseinvernahme mit B. erhob die Bundesanwaltschaft
am 20. November 2020 erneut Anklage gegen die Beschuldigten wegen der ge-
nannten Delikte (TPF 100.001 ff.).
N. Mit Verfügungen vom 27. November 2020 lud der Vorsitzende die Parteien ein,
bis zum 11. Dezember 2020 Beweisanträge zu stellen und zu begründen
(TPF 400.001). Auf Gesuch des Verteidigers hin wurde diese Frist mehrmals,
letztmals bis am 27. Februar 2021, erstreckt (TPF 401.001 f.). Der Verteidiger
(mit Schreiben vom 1. März 2021 [TPF 521.003]) und die übrigen Parteien ver-
zichteten auf die Stellung von Beweisanträgen. Im Rahmen der Prozessvorbe-
reitung holte der Vorsitzende von Amtes wegen die erforderlichen Beweismittel
zu den persönlichen Verhältnissen der Beschuldigten (Straf- und Betreibungsre-
gisterauszüge, Steuerunterlagen [TPF 231.1 ff.]) ein. Mit Verfügungen vom
27. April 2021 und 25. Juni 2021 entschied er überdies von Amtes wegen über
die an der Hauptverhandlung durchzuführenden Einvernahmen (TPF 250.003;
255.004).
O. Die Hauptverhandlung fand vom 30. Juni 2021 bis 2. Juli 2021 in Anwesenheit
der Bundesanwaltschaft, der beiden Beschuldigten und ihrer Verteidiger sowie
der Rechtsbeistände der C., der Konkursmassen der G. AG und I. AG, von J.,
der K. AG, der O. Versicherung SA (nachfolgend: O. Versicherung) sowie der P.
Versicherung SA (nachfolgend: P. Versicherung) am Sitz des Bundesstrafge-
richts statt. Persönlich anwesend waren überdies die Drittbetroffenen J. und M.
Die übrigen Privatklägerinnen (D. Bank, Bank F. und Bank E.) und Drittbetroffe-
nen (L. und N. AG) verzichteten auf eine Teilnahme an der Hauptverhandlung.
Das Urteil wurde am 30. August 2021 mündlich eröffnet.
P. In der Folge meldeten die Bundesanwaltschaft (mit Schreiben vom 7. Septem-
ber 2021), die Beschuldigte A. (mit Schreiben vom 6. September 2021), die C.
(mit Schreiben vom 31. August 2021), die Bank F. (mit Schreiben vom 8. Sep-
tember 2021) sowie die Konkursmassen der G. AG und I. AG (mit Schreiben vom
6. September 2021) fristgerecht Berufung gegen das Urteil an. Mit Schreiben
vom 6. September 2021 teilte der amtliche Verteidiger der Beschuldigten A. dem
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Gericht mit, dass er auch L. sowie die N. AG vertrete und meldete gleichzeitig in
deren Namen Berufung gegen das Urteil an.
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## Considerations

Die Strafkammer erwägt:
1. Formelles
1.1 Zuständigkeit
1.1.1 Das Gericht prüft seine Zuständigkeit von Amtes wegen. Gemäss dem zum Zeit-
punkt der Eröffnung des Verfahrens gültigen Art. 337 aStGB (in der bis 31. De-
zember 2010 in Kraft gewesenen Fassung; heute mit gleichem Inhalt:
Art. 24 StPO) unterstehen die vorliegend zur Anklage gebrachten Delikte der
Bundesgerichtsbarkeit, wenn sie zu einem wesentlichen Teil im Ausland oder in
mehreren Kantonen begangen worden sind und dabei kein eindeutiger Schwer-
punkt in einem Kanton besteht; bei der Urkundenfälschung und den angeklagten
Vermögensdelikten ist für die Bundeszuständigkeit ferner vorausgesetzt, dass
keine kantonale Strafverfolgungsbehörde mit der Sache befasst ist oder die zu-
ständige kantonale Strafverfolgungsbehörde die Bundesanwaltschaft um Über-
nahme des Verfahrens ersucht. Diese Voraussetzungen sind vorliegend unstrei-
tig erfüllt, besteht doch aufgrund der im Ausland domizilierten (angeblichen) Ver-
käufer und Käufer der Schmiedepressen ein entsprechender Auslandbezug.
Im Übrigen darf die Strafkammer des Bundesstrafgerichts ihre sachliche Zustän-
digkeit nach Anklageerhebung nur aus besonders triftigen Gründen verneinen
(BGE 133 IV 235 E. 7.1). Solche wurden von den Parteien nicht geltend gemacht
und sind auch sonst nicht ersichtlich. Die Zuständigkeit des Bundesstrafgerichts
für die Beurteilung der angeklagten Straftatbestände ist somit gegeben.
1.1.2 Die Kompetenz der Strafkammer des Bundesstrafgerichts (Kollegialgericht)
ergibt sich aus Art. 19 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 36 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über die Organisation der Strafbehörden des Bundes vom 19. März 2010
(StBOG; SR 173.71).
1.2 Anwendbares Recht
1.2.1 Prozessrecht
Das Vorverfahren wurde zum Teil unter altem Prozessrecht (Bundesgesetz vom
15. Juni 1934 über die Bundesstrafrechtspflege [BStP]) durchgeführt. Seit In-
krafttreten der Schweizerischen Strafprozessordnung vom 5. Oktober 2007
(Strafprozessordnung [StPO]; SR 312.00) gilt für das vorliegende Verfahren die
StPO (Art. 448 Abs. 1 StPO). Die unter altem Prozessrecht angeordneten oder
durchgeführten Verfahrenshandlungen behalten ihre Gültigkeit (Art. 448
Abs. 2 StPO).
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1.2.2 Materielles Recht
1.2.2.1 Gemäss dem strafrechtlichen Rückwirkungsverbot (Art. 2 Abs. 1 StGB) gilt
grundsätzlich das alte Recht. Art. 2 Abs. 2 StGB sieht indes vor, dass das neue
Recht anzuwenden ist, wenn es für den Täter das mildere ist als das zum Zeit-
punkt der Tat geltende (sog. lex mitior; vgl. in Bezug auf die Verjährung auch
Art. 389 StGB). Ob das neue im Vergleich zum alten Gesetz milder ist, beurteilt
sich nicht nach einer abstrakten Betrachtungsweise, sondern in Bezug auf den
konkreten Fall (Grundsatz der konkreten Vergleichsmethode; BGE 134 IV 82
E. 6.2.1). Entsprechend dem Grundsatz der Alternativität gelangt jedoch in Be-
zug auf ein und dieselbe Tat nur entweder das alte oder das neue Recht zur
Anwendung. Hat der Täter indessen mehrere selbständige strafbare Handlungen
begangen, so ist in Bezug auf jede einzelne Handlung gesondert zu prüfen, ob
das alte oder das neue Recht milder ist (BGE 134 IV 82 E. 6.2.3).
1.2.2.2 Die Beschuldigte A. soll die ihr zur Last gelegten Taten in der Zeit zwischen 2002
bis Februar 2010 begangen haben, mithin teils vor und teils nach den Revisionen
des Verjährungsrechts (aArt. 70 ff. StGB) am 1. Oktober 2002 (AS 2002 2993
2996 3146) und des Allgemeinen Teils des Strafgesetzbuchs am 1. Januar 2007
(AS 2006 3459) sowie vor den Revisionen von Art. 97 StGB (Verfolgungsverjäh-
rung) am 1. Januar 2014 (AS 2013 4417), von Art. 305bis StGB am 1. Januar 2016
(AS 2015 1389) und des Sanktionenrechts am 1. Januar 2018 (AS 2016 1249).
Im Übrigen bestehen keine relevanten Unterschiede zwischen dem zum Tatzeit-
punkt und dem heute geltenden Recht. Auf die aus den vorgenannten Revisionen
ergebenden intertemporalen Fragen wird an der entsprechenden Stelle einge-
gangen.
1.2.2.3 Der Beschuldigte B. soll die ihm zur Last gelegte Tat in der Zeit zwischen Oktober
bis November 2009 begangen haben, mithin vor der Revision des Sanktionen-
rechts am 1. Januar 2018 (AS 2016 1249). Der Beschuldigte wird, wie noch zu
zeigen sein wird (vgl. E. 7), vollumfänglich freigesprochen, weshalb die Frage
nach dem anwendbaren Sanktionenrecht offen bleiben kann.
1.3 Verjährung
Wie noch zu zeigen sein wird, sind die der Beschuldigten vorgeworfenen Hand-
lungen teilweise verjährt. Obwohl die Frage nach dem Eintritt der Verjährung pro-
zessualer Natur ist, wird darauf – aus Gründen der besseren Übersichtlichkeit –
jeweils erst im Rahmen der angeklagten Delikte eingegangen (vgl. E. 3.2; 4.2; 0;
6.3 f.).
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1.4 Vorfragen
1.4.1 Der Verteidiger der Beschuldigten A. warf in der Hauptverhandlung diverse Vor-
fragen i.S.v. Art. 339 Abs. 2 StPO auf und beantragte gestützt auf Art. 329
Abs. 4 StPO die Einstellung des Verfahrens gegen die Beschuldigte, eventualiter
die Rückweisung der Anklage gemäss Art. 329 Abs. 2 StPO (TPF 721.001 ff.).
Das Gericht entschied über diese Anträge mit einem prozessleitenden Beschluss
gemäss Art. 339 Abs. 3 StPO, der vom Vorsitzenden summarisch begründet
wurde (TPF 720.004 f.). Eine vollständige Begründung solcher Entscheide er-
folgt grundsätzlich im Endentscheid (HAURI/VENETZ, Basler Kommentar, 2. Aufl.
2014, Art. 339 StPO N. 21).
1.4.2 Unter dem Gesichtspunkt der Achtung der Menschenwürde machte der Verteidi-
ger zusammengefasst geltend, dass das Verfahren nun seit mehr als 11 Jahren
andauere. Dies müsse aufgrund der jahrelangen psychischen Belastung für die
Beschuldigte und der Beschlagnahme sämtlicher Vermögenswerte und Ein-
künfte der Beschuldigten als menschenunwürdige Behandlung beanstandet wer-
den (TPF 721.002).
Hierzu ist festzuhalten, dass es zwar zutrifft, dass die Verfahrensdauer übermäs-
sig lang ist. Dies begründet allerdings kein Verfahrenshindernis, welche die Ein-
stellung des Verfahrens oder die Rückweisung der Anklageschrift i.S.v.
Art. 329 StPO zur Folge hätte. Vielmehr ist die Verfahrensdauer im Rahmen der
Strafzumessung unter dem Aspekt des Beschleunigungsgebots (Art. 5 StPO) zu
berücksichtigten (vgl. E. 8.7). Auch die Beschlagnahme der Vermögenswerte der
Beschuldigten hindert die Durchführung des Hauptverfahrens nicht, ist doch über
den Verbleib der beschlagnahmten Vermögenswerte gerade im Endentscheid zu
befinden (Art. 267 Abs. 3 StPO).
1.4.3 Weiter machte der Verteidiger unter dem Gesichtspunkt des Rechts auf ein faires
Verfahren geltend, dass er als neuer amtlicher Verteidiger aufgrund der Akten-
menge des vorliegenden Falles nicht ausreichend Zeit gehabt habe, um sich an-
gemessen auf die Hauptverhandlung vorzubereiten (TPF 721.002 f.).
Die Beschuldigte war während des gesamten Verfahrens amtlich verteidigt. Nach
der dritten Rückweisung der Anklageschrift durch das Bundesstrafgericht am
4. August 2020 (vgl. Lit. L) beantragte der damals eingesetzte amtliche Verteidi-
ger, Rechtsanwalt HH., gegenüber der Bundesanwaltschaft am 31. August 2020
aus gesundheitlichen Gründen seine Entlassung aus dem amtlichen Mandat und
die Einsetzung des jetzigen amtlichen Verteidigers (BA 16.101-1190). Gleichzei-
tig reichte er eine durch die Beschuldigte am 20. August 2020 unterschriebene
Vollmacht für den jetzigen amtlichen Verteidiger ein (BA 16.101-1191). Mit Ver-
fügung der Bundesanwaltschaft vom 9. September 2020 wurde Rainer L. Fringeli
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als amtlicher Verteidiger der Beschuldigten eingesetzt (BA 16.101-1197 f.). Glei-
chentags wurden ihm die gesamten Verfahrensakten der Bundesanwaltschaft
sowie die (zurückgewiesene) Anklageschrift zugestellt (BA 16.101-1211). Spä-
testens ab diesem Zeitpunkt war es ihm möglich, sich in das vorliegende Verfah-
ren einzuarbeiten. Demnach standen dem amtlichen Verteidiger bis zur am
30. Juni 2021 beginnenden Hauptverhandlung mehr als 9 Monate zur Vorberei-
tung zur Verfügung, was trotz des Aktenvolumens sowohl unter dem Aspekt des
Fairnessgebots als auch dem Recht auf wirksame Verteidigung ausreichend ist.
Überdies wurde er – nach erneuter, im Wesentlichen unveränderter Anklageer-
hebung (vgl. Lit. L, M) – vom Gericht frühzeitig, konkret am 10. Dezember 2020,
über die Daten der Hauptverhandlung informiert (TPF 331.004 f.). Es wäre für
ihn daher möglich gewesen, ein Verschiebungsgesuch (vgl. Art. 331 Abs. 5
StPO) einzureichen, was er aber unterlassen hat.
1.4.4
1.4.4.1 Schliesslich wendete der Verteidiger zusammengefasst ein, dass das Vorverfah-
ren mangels mündlicher Schlusseinvernahme mit der Beschuldigten A. nicht ge-
setzeskonform zum Abschluss gebracht worden sei, weswegen kein Urteil erge-
hen könne. Er verweist dabei insbesondere auch auf den Beschluss des Bun-
desstrafgerichts SK.2020.28 vom 4. August 2020, mit welchem das Gericht im
vorliegenden Fall die Anklage zwecks Durchführung einer mündlichen
Schlusseinvernahme mit dem Mitbeschuldigten B. zurückgewiesen hat (TPF
721.003 f.; vgl. zur Rückweisung Lit. L).
1.4.4.2 In umfangreichen und komplizierten Vorverfahren befragt die Staatsanwaltschaft
die beschuldigte Person vor Abschluss der Untersuchung nochmals in einer
Schlusseinvernahme und fordert sie auf, zu den Ergebnissen Stellung zu neh-
men (Art. 317 StPO). Mit der Durchführung einer Schlusseinvernahme werden
verschiedene Ziele verfolgt: Die Bestimmung dient einerseits dazu, in konzen-
trierter, übersichtlicher Form die Deliktsvorwürfe und die Haltung der beschuldig-
ten Person dazu festzuhalten. Die im weiteren Verfahrensverlauf mit den Akten
befasste Strafbehörde soll sich anhand der Schlusseinvernahme sofort ein Bild
über den Fall machen können. Andererseits stellt die Schlusseinvernahme eine
Selbstkontrolle für den Staatsanwalt dar, der dadurch veranlasst wird festzustel-
len, ob die Deliktsvorwürfe genügend abgeklärt sind. Darüber hinaus bildet die
Schlusseinvernahme Teil des rechtlichen Gehörs (Urteil des Bundesgerichts
6B_676/2013 vom 28. April 2014 E. 3.2.4 mit Hinweisen; BOSSHARD/LANDSHUT,
Zürcher Kommentar, 3. Aufl. 2020, Art. 317 StPO N. 1). Nach der Rechtspre-
chung handelt es sich bei Art. 317 StPO um eine Ordnungsvorschrift. Eine
Schlusseinvernahme ist demnach nicht zwingend und ihr Unterbleiben hat keine
Auswirkungen auf die Gültigkeit der Anklage (Urteil des Bundesgerichts
6B_98/2016 E. 3.4.2 mit Hinweisen). Möglich ist allerdings, dass das Gericht das
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Fehlen einer Schlusseinvernahme als behebbaren Mangel betrachtet und den
Fall an die Staatsanwaltschaft zurückweist (BOSSHARD/LANDSHUT, Zürcher Kom-
mentar, 3. Aufl. 2020, Art. 317 StPO N. 1; Beschluss des Bundesstrafgerichts
SK.2020.28 vom 4. August 2020).
1.4.4.3 Dem Verteidiger ist beizupflichten, dass es sich beim vorliegenden Verfahren um
ein umfangreiches und kompliziertes Verfahren handelt, bei welchem die Durch-
führung einer Schlusseinvernahme geboten erscheint. Vorliegend ergibt sich aus
den Akten und ist unbestritten, dass keine mündliche Schlusseinvernahme mit
der Beschuldigten A. stattgefunden hat. Vielmehr hat die Bundesanwaltschaft
bewusst auf eine solche verzichtet und stattdessen – wie bereits am 19. Novem-
ber 2014 angekündigt (BA 16.101-0829 f.) – dem damaligen amtlichen Verteidi-
ger mit Verfügung vom 19. Dezember 2017 einen Entwurf der Anklageschrift
übermittelt und diesem eine Frist bis zum 16. Februar 2018 gesetzt, um sich im
Sinne einer Schlusseinvernahme schriftlich zu äussern und Beweisanträge zu
stellen (BA 16.101-1099 f.). Auf Gesuch des damaligen amtlichen Verteidigers
vom 16. Februar 2018 wurde diese Frist bis zum 16. April 2018 verlängert
(BA 16.101-1111 ff.). Anschliessend erfolgten mehrere schriftliche Eingaben des
damaligen amtlichen Verteidigers, in denen er zum Anklageentwurf und den im
Vorverfahren getätigten Ermittlungen Stellung nahm, auf Beweisanträge verzich-
tete und mitteilte, dass er auf die Anklageerhebung warte (Schreiben vom 16. Ap-
ril 2018 [BA 16.101-1115 ff.], 11. Mai 2018 [BA 16.101-1119] und 12. Septem-
ber 2018 [BA 16.101-1147 ff.]). Mit Schreiben vom 14. Dezember 2018 wandte
er sich erneut an die Bundesanwaltschaft und gab u.a. an, dass das Verfahren
gegen die Beschuldigte hätte eingestellt werden müssen; diesen Mangel könne
man jetzt noch heilen, indem der zuständige a.o. Staatsanwalt des Bundes «statt
sich in unlösbaren Irrungen und Wirrungen des grossen Aktenberges zu verlie-
ren», die von ihm (dem Verteidiger) beantragte Schlusseinvernahme durchführe,
sodass dieser ihn davon überzeugen könne, dass das Verfahren einzustellen sei
(BA 16.101-1150 f.). Anschliessend stellte der damalige amtliche Verteidiger ei-
nen Antrag auf Einsichtnahme in geschäftliche E-Mailkorrespondenz des Mitbe-
schuldigten, welcher abgewiesen wurde (BA 16.101-1158 ff.; 1171 ff.). Nach wei-
terer Korrespondenz und inzwischen erfolgter zweiter Rückweisung der Ankla-
geschrift beantragte der damalige amtliche Verteidiger am 30. Oktober 2019 er-
neut die Einstellung des Verfahrens, eventualiter die Vorlage einer dritten Ver-
sion der Anklageschrift (BA 16.101-1181 ff.).
Unter Berücksichtigung der verschiedenen Ziele einer Schlusseinvernahme ist
die Beschuldigte bei nicht durchgeführter mündlicher Schlusseinvernahme einzig
in ihrem Anspruch auf rechtliches Gehör betroffen. Dieser Anspruch gilt nicht ab-
solut und es kann darauf verzichtet werden (vgl. BGE 137 IV 33 E. 9.2). Wie ge-
zeigt, reichte der damalige amtliche Verteidiger der Beschuldigten nach der von
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der Bundesanwaltschaft angesetzten Frist zur Durchführung einer schriftlichen
Schlusseinvernahme mehrere Stellungnahmen ein, mit welchen er sich unter an-
derem zum Anklageentwurf und den darin enthaltenen Vorwürfen äusserte. Da-
mit nahm er im Namen der Beschuldigten das von der Bundesanwaltschaft offe-
rierte Angebot zur Durchführung einer schriftlichen Schlusseinvernahme an und
verzichtete implizit auf eine mündliche Schlusseinvernahme. Im Schreiben vom
14. Dezember 2018 gab er zwar an, eine Schlusseinvernahme beantragt zu ha-
ben, ein entsprechender ausdrücklicher Antrag zur Durchführung einer mündli-
chen Schlusseinvernahme findet sich in den Akten jedoch nicht. Zudem bean-
tragte er in diesem Schreiben – wie bereits zuvor – ausdrücklich die Anklageer-
hebung. Insgesamt hat die Beschuldigte deshalb, insbesondere unter Berück-
sichtigung des Charakters von Art. 317 StPO als Ordnungsvorschrift, der tat-
sächlich eingereichten schriftlichen Stellungnahmen und dem ausdrücklichen Er-
suchen um Anklageerhebung, auf die Durchführung einer mündlichen
Schlusseinvernahme verzichtet. Bereits deshalb bildet die fehlende mündliche
Schlusseinvernahme kein Verfahrenshindernis, welche die Einstellung des Ver-
fahrens oder Rückweisung des Verfahrens zur Folge hätte. Im Übrigen konnte
sich die Beschuldigte auch anlässlich des Hauptverfahrens ausführlich zu den ihr
seit Jahren bekannten Anklagevorwürfen äussern, was sie auch getan hat
(TPF 731.008 ff.).
Dass das Gericht in seinem Beschluss vom 4. August 2020 betreffend den Mit-
beschuldigten B. zum Schluss gekommen ist, mangels mündlicher Schlussein-
vernahmen von B. sei das Vorverfahren nicht gesetzeskonform abgeschlossen
worden und die Anklageschrift zurückgewiesen hat (vgl. Lit. L), ändert daran
nichts. Der Verteidiger der Beschuldigten A. übersieht, dass die Rückweisung
nicht alleine aufgrund der fehlenden mündlichen Schlusseinvernahme des Mit-
beschuldigten erfolgte, sondern vielmehr, weil dieser im Vorverfahren gar nie
zum angeklagten Vorwurf der Gehilfenschaft zum Betrug befragt worden ist (vgl.
Beschluss des Bundesstrafgerichts SK.2020.28 vom 4. August 2020 E. 3.4).
Demgegenüber wurde die Beschuldigte im Vorverfahren mehrfach und ausgiebig
zu den angeklagten Vorwürfen mündlich einvernommen (BA 13.001-0001 ff.).
Die Durchführung einer mündlichen Schlusseinvernahme mit der Beschuldigten
hätte es dem hiesigen Gericht zwar – im Sinne der weiteren Zielsetzungen von
Art. 317 StPO – erlaubt, sich schneller ein Bild über den Fall zu machen. Dieser
Umstand allein ändert am gesetzeskonformen Abschluss des Vorverfahrens
aber nichts. Im Übrigen war sich das Gericht bei Fällung seines Beschlusses vom
4. August 2020 dieser Sachlage durchaus bewusst. Aufgrund des impliziten Ver-
zichts der Beschuldigten auf Durchführung einer mündlichen Schlusseinver-
nahme, der ohnehin bereits langen Verfahrensdauer und den im Vorverfahren
durchgeführten und für das Hauptverfahren noch geplanten Einvernahmen hat
- 25 -
SK.2020.57
es aber darauf verzichtet, die Anklageschrift auch wegen der fehlenden mündli-
chen Schlusseinvernahme der Beschuldigten zurückzuweisen.
1.4.5 Als Ergebnis ist festzuhalten, dass die vom Verteidiger der Beschuldigten vorge-
brachten Vorfragen weder einzeln noch in ihrer Gesamtheit ein Verfahrenshin-
dernis bilden, das die Einstellung des Verfahrens oder die Rückweisung der An-
klageschrift erfordert.
1.5 Anklagegrundsatz
1.5.1 Der Verteidiger der Beschuldigten machte in seinem Parteivortrag eine Verlet-
zung des Anklagegrundsatzes wie folgt geltend: Die Eventualanklage wegen
mehrfacher Veruntreuung umschreibe nicht genügend klar, inwiefern der Be-
schuldigten Vermögenswerte anvertraut worden seien (TPF 721.289).
1.5.2 Da die Beschuldigte – wie noch zu zeigen sein wird – im Sinne der Hauptanklage
wegen gewerbsmässigen Betrugs schuldig gesprochen wird, erübrigt sich die
Prüfung der Eventualanklage (vgl. E. 4.9.2). Es kann demnach offen bleiben, ob
die Eventualanklage dem Anklagegrundsatz genügt. Eine weitergehende Verlet-
zung des Anklagegrundsatzes wurde nicht geltend gemacht und ist auch nicht
ersichtlich (vgl. aber E. 3.5.2.2 betreffend den durch die Anklageschrift bei der
Falschbeurkundung umgrenzten Gegenstand).
1.6 Beweisverwertbarkeit
1.6.1 Bericht «II.» der Abteilung Forensische Finanzanalyse vom 30. Novem-
ber 2017
1.6.1.1 Die Abteilung Forensische Finanzanalyse der Bundesanwaltschaft (nachfolgend:
FFA) erhielt von der Bundesanwaltschaft den Auftrag, die Mittelflüsse und die
Buchungssystematik der I. sowie deren Muttergesellschaft und Schwestergesell-
schaften zu analysieren (BA 11.104-0008; vgl. E. 3.4.2.4). Die Ergebnisse hat
die FFA in ihrem Bericht «II.» vom 30. November 2017 (nachfolgend: FFA-Be-
richt II., Teil I bis V [BA 11.104-0001 ff.]) festgehalten. Der Verteidiger der Be-
schuldigten A. machte in seinem Parteivortrag geltend, dass dieser Bericht man-
gelhaft und als Parteigutachten zu bezeichnen sei. Zudem sei das Gutachten
nicht automatisierter Bestandteil der Anklage (TPF 721.290).
1.6.1.2 Die FFA ist Teil der Bundesanwaltschaft und erbringt Analyse- und Unterstüt-
zungsleistungen in verschiedenen Kompetenzbereichen (Art. 1 Abs. 1 lit. b und
Art. 11 des Reglements über die Organisation und Verwaltung der Bundesan-
waltschaft vom 26. Februar 2021 [SR 173.712.22]). Beim FFA-Bericht II. handelt
- 26 -
SK.2020.57
es sich aufgrund der Ausstellerin des Berichts nicht um ein Gutachten i.S.v.
Art. 182 ff. StPO, sondern um einen amtlichen Bericht gemäss Art. 195
Abs. 1 StPO. Als solcher ist er als sachliches Beweismittel (Art. 192 ff. StPO) ver-
wertbar. Dass der Bericht unverwertbar wäre, wird von der Verteidigung sodann
auch nicht explizit geltend gemacht. Welcher Beweiswert dem Bericht zukommt,
ist im Übrigen eine Frage der Beweiswürdigung (Art. 10 Abs. 2 StPO).
1.6.2 Rechtshilfeweise eingeholte Auskünfte
1.6.2.1 Die Bundesanwaltschaft hat bei den im Ausland domizilierten (angeblichen) Ver-
tragspartnern der I. auf dem Rechtshilfeweg Auskünfte zu den (angeblich) mit
diesen abgeschlossenen Kaufverträgen eingeholt, welche in Form von (nach
ausländischem Recht durchgeführten) Einvernahmen erstattet wurden
(BA Rubrik 18.309 ff.; vgl. E. 3.4.2.2). Da die Beschuldigte und ihre Verteidigung
an diesen Einvernahmen nicht teilgenommen haben, stellt sich die Frage nach
deren Verwertbarkeit.
1.6.2.2 Die Parteien haben nach Art. 147 Abs. 1 StPO das Recht, bei Beweiserhebun-
gen durch die Staatsanwaltschaft und die Gerichte anwesend zu sein und ein-
vernommenen Personen Fragen zu stellen. Im Rechtshilfeverfahren ist gemäss
Art. 148 Abs. 1 StPO dem Teilnahmerecht der Parteien Genüge getan, wenn
diese zuhanden der ersuchten ausländischen Behörde Fragen formulieren kön-
nen, nach Eingang des erledigten Rechtshilfegesuchs Einsicht in das Protokoll
erhalten und schriftliche Ergänzungsfragen stellen können. Beweise, die in Ver-
letzung dieser Bestimmungen erhoben worden sind, dürfen nicht zulasten der
Partei verwertet werden, deren Teilnahmerecht nicht gewährt worden ist
(Art. 148 Abs. 2 i.V.m. Art. 147 Abs. 4 StPO). Gemäss Art. 145 StPO kann die
Strafbehörde eine einzuvernehmende Person einladen, an Stelle einer Einver-
nahme oder zu ihrer Ergänzung einen schriftlichen Bericht abzugeben. Nach der
Rechtsprechung sind schriftliche Berichte im Sinne von Art. 145 StPO nur mit
Zurückhaltung einzuholen. Sie dürften im Wesentlichen nur in Fällen, bei denen
technische oder komplexe, nur im Zusammenhang mit Belegen verständliche
Vorgänge darzustellen sind (Bankabfragen), oder bei Massendelikten Bedeutung
erlangen (Urteil des Bundesgerichts 6B_835/2014 vom 8. Dezember 2014 E. 2.2
m.w.H.). Die Einholung eines schriftlichen Berichts darf die Rechte der Parteien
nicht einschränken. Danach ist einerseits die schriftlich befragte Person etwa auf
ihre Rechte und Pflichten hinzuweisen. Andererseits sind bei der Einholung
schriftlicher Berichte die Teilnahmerechte der beschuldigten Person zu wahren.
Dabei ergibt sich freilich aus der Sache, dass das Recht der Parteien, bei Be-
weiserhebungen anwesend zu sein und der einvernommenen Person Fragen zu
stellen, bei schriftlichen Berichten nicht unmittelbar gewahrt werden kann. Sofern
die berechtigte Person auf ihre Rechte nicht ausdrücklich verzichtet, genügt es
- 27 -
SK.2020.57
daher, ihr Gelegenheit zu geben, sich zu den schriftlichen Ausführungen zu äus-
sern und eine ergänzende Einvernahme des Verfassers des Berichts zu bean-
tragen (Urteil des Bundesgerichts 6B_690/2015 vom 25. November 2015
E. 3.3.1). Dies muss auch für im Ausland rechtshilfeweise eingeholte schriftliche
Berichte gelten, sind gemäss Art. 148 StPO in Bezug auf das Teilnahmerecht bei
im Ausland erfolgten Beweisabnahme doch weniger strenge Anforderungen zu
beachten, als bei Beweisabnahmen, die im Inland erfolgen (vgl. E. 1.6.2.2).
1.6.2.3 Die Bundesanwaltschaft hat in den entsprechenden internationalen Rechtshil-
feersuchen ausdrücklich um Auskunftserteilung – und nicht um rechtshilfeweise
Durchführung einer Einvernahme – von rund 50 in verschiedenen Staaten domi-
zilierten Gesellschaften ersucht (vgl. BA Rubrik 18.309 ff.; vgl. E. 3.4.2.2). Auf-
grund der rechtshilfeweise erbetenen Massnahme und der Vielzahl von erbete-
nen Auskunftserteilungen sind die von diesen Gesellschaften erstatteten Aus-
künfte formell als schriftliche Berichte im Sinne von Art. 145 StPO zu qualifizie-
ren. Der Verteidigung der Beschuldigten wurde Gelegenheit gegeben, Stellung
zu diesen eingeholten Berichten zu nehmen und Ergänzungsanträge zu stellen
(BA 16.101-0868; -0894). Damit wurde dem Teilnahmerecht Genüge getan. Ge-
genteiliges wurde von der Verteidigung sodann auch nicht geltend gemacht. Die
rechtshilfeweise eingeholten Auskünfte sind demnach verwertbar.
1.7 Beweisanträge
1.7.1 Der Verteidiger der Beschuldigten A. beantragte anlässlich der Hauptverhand-
lung Kopien von Handnotizen zu den Akten einzureichen, welche von J. (vgl. zu
seiner Person und Rolle E. 2.1.3; 2.3.3.2d) stammen sollen. Er machte sinnge-
mäss geltend, die Notizen seien dazu geeignet, die Echtheit der der Beschuldig-
ten vorgeworfenen Geschäfte betreffend Verkauf von Schmiedepressen zu be-
weisen. Diese Dokumente wurden zu den Akten genommen (TPF 720.007 f.)
und J. wurde anlässlich der Hauptverhandlung zu diesen befragt (TPF 763.016).
Da Letzterer anlässlich seiner Zeugenbefragung die Authentizität dieser Doku-
mente teilweise bestritt, beantragte der Verteidiger überdies die Erstellung eines
Gutachtens über deren Echtheit (TPF 720.009).
1.7.2 J. bestritt die Echtheit der Dokumente nur teilweise, indem er den bestrittenen
Teil dieser Notizen anlässlich seiner Zeugenbefragung durchstrich (TPF
763.016). Nicht durchgestrichen und folglich nicht bestritten wurde insbesondere
der Teil der Notizen, welcher die Namen von (angeblichen) Vertragspartnern der
I. aufführt (vgl. TPF 763.031 ff.). Diese Teile sind bei den Akten und unterliegen
der freien Beweiswürdigung des Gerichts (Art. 10 Abs. 2 StPO). Inwiefern dem
bestrittenen Teil der Handnotizen zusätzlicher Beweiswert zukommen soll, hat
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SK.2020.57
der Verteidiger weder im Beweisverfahren, namentlich anlässlich der Zeugenbe-
fragung von J., noch in seinem Parteivortrag hinreichend dargetan und ist auch
nicht ersichtlich. Zudem sind die Vorgänge, auf die sich der Beweisantrag be-
zieht, nach Auffassung des Gerichts aufgrund des vorhandenen Beweismaterials
bereits hinreichend geklärt (vgl. E. 3.4.3). Es ist nicht zu erwarten, dass die Er-
stellung eines Gutachtens über die Echtheit der Notizen zu relevanten zusätzli-
chen Erkenntnissen führen würde. Im Übrigen erscheint der Antrag aufgrund des
über 10 Jahre andauernden Verfahrens und der mehrmaligen Möglichkeit Be-
weisanträge zu stellen (vgl. insbesondere BA 16.101-1099; TPF 400.001-002),
auch verspätet. Der entsprechende Beweisantrag wird daher abgewiesen.
2. Überblick über die I. und die mit ihr verbundenen Gesellschaften
Die der Beschuldigten A. vorgeworfenen Delikte weisen einen engen Zusam-
menhang zur I. und zu mit ihr verbundenen Gesellschaften auf. In tatsächlicher
Hinsicht ist deshalb vorab Folgendes festzuhalten:
2.1 Gründung und Struktur der Unternehmens-Gruppe
2.1.1 Muttergesellschaft der I. ist die G. AG (nachfolgend: G.). Aus dem Handelsregis-
ter ergibt sich Folgendes: Sie wurde am 6. November 2003 im Handelsregister
eingetragen. Deren Zweck bestand im Erwerb, der Veräusserung und Verwal-
tung von Beteiligungen, dem Abschluss von Joint Ventures sowie dem Kauf, der
Verwaltung und der Veräusserung von Liegenschaften. Einziger Verwaltungsrat
mit Einzelunterschrift war im anklagerelevanten Zeitraum ab Gründung bis zum
23. November 2009 JJ. und ab dem 23. November 2009 KK. (BA B11.104.001-
0280). Mit Entscheid des Amtsgerichtspräsidenten III von Luzern-Stadt vom
22. September 2010 wurde über die G. der Konkurs eröffnet (BA B11.104.001-
0280).
Nach der FFA ist L., Ehemann der Beschuldigten A., Alleinaktionär der G.
(BA 11.104-0006). Die G. selbst hielt gemäss Jahresrechnungen für die Jahre
2004 bis 2008 100 %-ige Beteiligungen an folgenden Gesellschaften: I., Q. SpA
(nachfolgend: Q.), LL. AG, MM. AG (früher: MM.a. AG [bis 2005 Beteiligung von
83 %]), NN. GmbH sowie – ab 2008 zusätzlich – an der OO. AG (heute: OO.a.
AG in Liquidation) und an der R. AG (nachfolgend zusammen: die Tochtergesell-
schaften [BA B11.104.001-0355; -0361; -0368; -0375; 0383]). Nachfolgend ist le-
diglich näher auf die I. und die Q. einzugehen. Die übrigen Tochtergesellschaften
sind, wie noch zu zeigen sein wird (vgl. E. 2.2.6 in fine), für den Anklagesachver-
halt nicht von entscheidender Bedeutung, weshalb auf diese nicht bzw. nur ver-
einzelt bei entsprechender Relevanz eingegangen wird.
- 29 -
SK.2020.57
2.1.2 Hinsichtlich der I. ergibt sich aus dem Handelsregister Folgendes: Sie wurde am
11. Juli 1994 im Handelsregister eingetragen. Bei der Gründung der G. wurden
sämtliche Aktien der I. als Sacheinlage in die G. eingebracht. Der Zweck der I.
bestand im Handel mit und der Vermittlung von Waren, Maschinen und Anlagen
aller Art sowie im Erwerb und der Verwaltung von Beteiligungen von Immobilien.
Einziger Verwaltungsrat mit Einzelunterschrift war ab Gründung bis zum 26. Ja-
nuar 2004 JJ., in der Zeit vom 26. Januar 2004 bis 23. November 2009 KK. und
anschliessend ab dem 23. November 2009 PP. Zudem verfügte die Beschuldigte
A. in der Zeit vom 16. März 2000 bis 29. April 2010 über eine Einzelprokura. Mit
Urteil des Bundesgerichts vom 30. April 2010 wurde über die I. der Konkurs er-
öffnet (BA B11.104.001-0001).
2.1.3 Die Q. bestand gemäss den Auszügen aus dem Handelsregister bereits vor der
Gründung der G. Sie wurde am 8. Mai 2001 als Q. SrL im italienischen Handels-
register eingetragen, spätestens am 21. Oktober 2004 in die Q. SpA umgewan-
delt und anschliessend in die G. integriert. Einzige Gesellschafterin («socio
unico») war seit 2004 die G. Der Zweck der Q. bestand u.a. im Verkauf, Kauf,
Export, Import und der Installation von Werkzeugmaschinen und Maschinen aller
Art («vendita, acquisto, esportatzione, importazione [...] di macchine utensili e
macchinari di ogni tipo [...]»). Einziger Geschäftsführer («amministratore unico»)
der Q. war J., u.a. für die Zeit vom 26. März 2004 für drei Jahre sowie vom
29. Mai 2007 bis zur Genehmigung der Bilanz am 31. Dezember 2009
(BA B11.104.002-0100 ff.; -0110 ff.).
2.2 Operatives Geschäft: Handel mit Schmiedepressen
2.2.1 Die Bundesanwaltschaft wirft der Beschuldigten vor, die angeklagten Handlun-
gen im Zusammenhang mit angeblichen Scheingeschäften der I. und G. im Be-
reich des Handels mit Schmiedepressen begangen zu haben, wobei jedenfalls
die Q. tatsächlich auch in diesem Bereich tätig gewesen sein soll (vgl. Anklage-
schrift S. 16). Nachfolgend ist in allgemeiner Hinsicht näher auf diesen Handel
mit Schmiedepressen einzugehen.
2.2.2 Im bei den Akten liegenden Internetauftritt der I. steht hierzu Folgendes: «Seit
1995 [...] bietet die I. AG eine grosse Auswahl an schweren Maschinen für die
Metallverarbeitungsindustrie. [...] Im Jahr 2001 [wurde] die Firma Q. s.p.a. über-
nommen und zu einer umfassenden Service-Gesellschaft als Komplettanbieter
ausgebaut. [...] Mehr Informationen über Produkte und Dienstleistungen erhalten
Sie bei der Q. s.p.a.» (BA B11.104.001-0006). Auf der Internetseite der Q. wer-
den die Produkte und Dienstleistungen sodann detailliert beschrieben (vgl. BA
B11.104.002-0122 ff.).
- 30 -
SK.2020.57
2.2.3 Die Beschuldigte gab im Vorverfahren an, die I. handle mit Schmiedepressen.
Diese Schmiedepressen habe die I. schwerpunktmässig bei «QQ.» in Z. einge-
kauft. Der Einkauf sei dabei über die Q. abgewickelt worden, welche die Fiskal-
vertretung der I. in Italien gewesen sei. Das Geld für den Einkauf der Schmiede-
pressen habe die Q. von der G. aus dem Cash-Pool erhalten. Für das Manage-
ment des Cash-Pools sei sie selbst zuständig gewesen, insbesondere habe sie
– nach Prüfung, dass entsprechendes Guthaben vorhanden gewesen sei – die
Zahlungen des Cash-Pools ausgelöst (BA 13.001-0387 Z. 15; -0388 Z. 1 ff.; -
0860 Z. 1 ff.; -0988 Z. 24 f.); dies sei «ausführlich auch im IKS beschrieben» (BA
13.001-0387 Z. 15). Die QQ. habe die Schmiedepresse immer nur an die Q. ge-
liefert. Neben den Einkäufen für die I., habe die Q. aber auch Schmiedepressen
für sich selbst eingekauft (BA 13.001-0005 f. Z. 27; -0009 Z. 43; -0612 Z. 9 ff.).
Anlässlich der Hauptverhandlung bestätigte die Beschuldigte diese Aussagen
(TPF 731.009 ff.). Hierbei präzisierte sie, dass die I. selbst nicht mit Maschinen
gehandelt habe, sondern deren operatives Geschäft lediglich in der Finanzierung
der Schmiedepressen bestanden habe; für den Einkauf und Verkauf sei die Q.
zuständig gewesen (TPF 731.016).
Der anschliessende Weiterverkauf der so beschafften Schmiedepressen an die
Käufer sei über die Q. erfolgt. Bei den Käufern habe es sich um Kunden der Q.
gehandelt, d.h. die Kaufverträge – bzw. die Auftragsbestätigungen, welche ei-
gentliche Kaufverträge substituierten (BA 13.001-0024 Z. 2; -0228 Z. 4 ff.) –
seien jeweils zwischen der Q. und den Käufern abgeschlossen worden
(BA 13.001-0005 f. Z. 27; -0006 Z. 30; -0013 Z. 75; -0014 Z. 79; -0016 Z. 98).
Buchhalterisch habe es sich aber um Kunden der I. gehandelt (BA 13.001-0006
Z. 30). Die Kunden hätten den Kaufpreis für die Schmiedepressen sodann immer
an die Q. bezahlt, welche das Geld an die G. weitergeleitet habe. Letztere habe
das Geld anschliessend an die I. weitergeleitet, sodass diese das Geld an die
das Geschäft finanzierenden Banken zurückzahlen konnte (BA 13.001-0009
Z. 44; -0612 Z. 9 ff.). Die I. habe selbst kein Geld von Vertragspartnern erhalten
(BA 13.001-0600 Z. 19). Dies bestätigte die Beschuldigte im Wesentlichen auch
an der Hauptverhandlung, soweit sie sich daran erinnern konnte
(TPF 731.011 f.). Den konkreten Ablauf eines Verkaufsgeschäfts beschrieb die
Beschuldigte wie folgt: Als externe Partner seien beim operativen Geschäft auch
zwei Versicherungsgesellschaften (O. Versicherung und P. Versicherung), wel-
che die Geschäfte versichert hätten, sowie die C., welche die Geschäfte vorfi-
nanziert habe, beteiligt gewesen (vgl. hierzu näher E. 4.4.1). Sobald ein Verkauf
stattgefunden habe, sei sie hierüber durch J. informiert worden. Diese Informa-
tion habe sie der Assistenz der Geschäftsleitung weitergegeben. Diese habe an-
schliessend bei den Versicherungsgesellschaften abgeklärt, ob das Geschäft
versicherbar sei. Sofern dies möglich gewesen sei, habe sie anschliessend bei
der C. nachgefragt, ob eine Finanzierung des Geschäfts möglich sei (BA 13.001-
- 31 -
SK.2020.57
0065 Z. 244; -0226 Z. 30 ff.). Die C. habe im Rahmen der Prüfung der Finanzie-
rung fortlaufend Unterlagen von der I. verlangt, namentlich die vorliegend rele-
vanten Auftragsbestätigungen (BA 13.001-0026 Z. 11; -0033 Z. 132; -0856
Z. 1 f.), Notifikationsschreiben (BA 13.001-0060 Z. 228 ff.; -0856 Z. 1 f.) und Ac-
ceptance Certificates (BA 13.001-1084 Z. 2 ff.; -1104 Z. 34 ff.; vgl. zu diesen Do-
kumenten E. 3.4.2.1). Diese der C. einzureichenden Unterlagen habe die Be-
schuldigte zusammen mit den bei der I. arbeitenden RR. und SS. entgegenge-
nommen und gesammelt. Anschliessend seien diese Unterlagen an die C. ge-
sendet worden. Ab 2009 habe die I. betreffend die Finanzierung eines Geschäfts
mit dem Vertragspartner DDD1. SpA (nachfolgend: DDD1.) Kontakte mit der
Bank E. gepflegt. Der Ablauf sei dabei im Wesentlichen gleich wie mit der C.
gewesen (BA 13.001-0078 Z. 344 ff.; -0227 Z. 8 ff.). Auch diese Ausführungen
zum Ablauf der Finanzierungen und des Verkaufs einer Maschine bestätigte sie
anlässlich der Hauptverhandlung im Wesentlichen (TPF 731.016/018/020 ff.).
2.2.4 J. gab im Vorverfahren an, die Q. habe mit Schmiedepressen gehandelt (BA
13.004-0359). Im Zeitraum von 2002 bis 2010 habe die Q. nur Schmiedepressen
vom Hersteller QQ. über verschiedene Händler gekauft. Diese Geschäfte habe
er selbst geführt und abgeschlossen (BA 13.004-0680 f.; -0683). Teilweise seien
Schmiedepressen auch für das Lager bestellt worden, d.h. obwohl noch kein
Käufer vorhanden gewesen sei. Für den Entscheid zum Einkauf von Schmiede-
pressen auf Lager seien er und die Beschuldigte zuständig gewesen (13.004-
0682; -0684). Die Einkäufe der Schmiedepressen seien nach der Übernahme der
Q. durch G. im Jahr 2004 teilweise über italienische Banken und teilweise durch
die Holding finanziert worden (BA 13.004-0686 f.; -0699; -0711). In letzterem Fall
habe er das Geld jeweils bei der Beschuldigten angefordert (BA 13.004-0690; -
0705). Woher die G. das entsprechende Geld hatte, wisse er nicht; er habe ver-
mutet aus dem persönlichen Vermögen und von Banken (BA 13.004-0707). Ent-
gegen der Beschuldigten machte J. allerdings geltend, mit dem von der G. bzw.
aus dem Cash-Pool erhaltenen Geld nie Schmiedepressen für die I. gekauft zu
haben, sondern immer nur Schmiedepressen für die Q. selbst (BA 13.004-0715
f.). Er habe lediglich in den Jahren 1999 bis 2003 im Namen und Auftrag der I.
Schmiedepressen eingekauft und verkauft (BA 13.004-0091 f.). Diese Ausfüh-
rungen bestätigte J. anlässlich seiner Zeugeneinvernahme an der Hauptverhand-
lung (TPF 763.006 ff.). Hierbei präzisierte er, dass die Q. zwar Geld vom Cash-
Pool der G. erhalten habe. Bei diesen Zahlungen habe es sich aber nicht um
Einzelfinanzierungen von Maschinen gehandelt, sondern um ganz allgemeine
Zahlungen der Muttergesellschaft an die Tochtergesellschaft (TPF 763.007 f.).
2.2.5 In den Akten befinden sich u.a. folgende Verträge zwischen den Gesellschaften
der Unternehmens-Gruppe:
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SK.2020.57
2.2.5.1 Vertrag mit dem Titel «Auftrag gemäss Artikel 17 DPR 633 vom 26. Oktober
1972» zwischen der I. und der Q. vom 5. Dezember 2001 mit folgendem Inhalt
(BA B11.104.002-0176):
«Gemäss Artikel 17 Absatz 2 DPR 633 vom 26.10.1972 mit Änderun-
gen durch DPR 687 vom 23.12.1971 und DPR 793 vom 30.12.1981
können die Pflichten und Rechte der italienischen Mehrwertsteuerge-
setzgebung im Zusammenhang mit Operationen, die in Italien von oder
gegenüber Subjekten ohne Wohnsitz und stabile Organisation in Italien
durchgeführt werden, im ordentlichen Verfahren auch durch einen in
Italien niedergelassenen Vertreter erfüllt oder ausgeübt werden.
[...]
I. ernennt und konstituiert Q. als ihren Vertreter im Sinne von Artikel 17
Absatz 2 DPR 633 vom 26.10.1972 mit Änderungen durch DPR 687
vom 23.12.1973 und DPR 793 vom 30.12.1981, und Q. nimmt diese
Ernennung an.»
2.2.5.2 Vertrag mit dem Titel «Globaler Treasury- und Cash-Pooling-Vertrag» zwischen
der G. als Treasury-Management-Company einerseits und der I., der Q. und wei-
teren Tochtergesellschaften als Betriebsgesellschaften andererseits. Dieser Ver-
trag datiert vom 22. März 2004 und wurde am 1. Dezember 2006 um weitere
Tochtergesellschaften als Betriebsgesellschaften ergänzt (nachfolgend: Cash-
Pooling-Vertrag [B11.104.001-0451 ff.]). Nach dem Cash-Pooling-Vertrag sei die
Verantwortung für die globale Treasury- und Cash-Management-Funktion der G.
übertragen worden. Weiter ist festgehalten, dass die Tochter- bzw. Betriebsge-
sellschaften bereit seien, ihre liquiden Mittel über den kurzfristigen Bedarf an Um-
laufkapital hinaus der G. zu überlassen und diese Mittel dann bei Bedarf als In-
vestition und kurzfristiges Umlaufvermögen wieder einzusetzen (vgl. Präambel
und Ziff. 3 des Cash-Pooling-Vertrags). Gemäss dem sich in den Akten befinden-
den und bei der I. sichergestellten Dokument betreffend das interne Kontrollsys-
tem der G. Gruppe sei Ziel und Nutzen eines internen Kontrollsystems u.a. der
Schutz des Geschäftsvermögens (BA B08.106.0438-0002 ff.). Das dazugehörige
Dokument «Schutz des Geschäftsvermögens» hält unter dem Titel «Liquiditäts-
planung» fest, dass die Beschuldigte die Liquidität plane und die Kontrolle über
die Zahlungsausgänge über den Cash-Pool habe (BA B08.106.0438-0014).
2.2.6 Nach dem Gesagten ist Folgendes unbestritten und kann als erstellt betrachtet
werden: Von der Unternehmensgruppe waren lediglich die Q., I. und G. in den
Handel mit Schmiedepressen involviert. Gegenüber der QQ. sowie den Käufern
der Schmiedepressen ist jeweils nur die Q. aufgetreten. Die I. und die G. waren
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SK.2020.57
mittelbar in den Schmiedepressenhandel involviert, indem sich diese um die Fi-
nanzierung der entsprechenden Geschäfte gekümmert haben. Der I. kam dabei
die Aufgabe zu, mit den Banken, namentlich der C. und der Bank E., Finanzie-
rungsverträge auszuhandeln. Das so erhaltene Geld wurde jeweils in den von
der G. betriebenen Cash-Pool einbezahlt, wovon zumindest ein Teil an die Q.
floss. Ob es sich dabei um Einzelfinanzierungen – wie von der Beschuldigten
geltend gemacht wird – oder um allgemeine Finanzierungen – wie von J. geltend
gemacht wird – handelte, kann offengelassen werden.
Die übrigen Tochtergesellschaften waren in diesen Handel mit Schmiedepressen
nicht involviert, weshalb sie für den Anklagesachverhalt nicht von Relevanz sind.
Dies ergibt sich für die LL. AG, die MM. AG und die OO. AG bereits aus dem im
Handelsregister eingetragenen Zweck (BA B11.104.002-0001; -0195; -0205). In
Bezug auf die NN. GmbH ergibt sich aus dem Handelsregistereintrag, dass deren
Zweck zwar u.a. auch im Handel mit Industriemaschinen bestand. Gestützt auf
die Akten und die Aussagen der Beschuldigten ist aber erstellt, dass die NN.
GmbH keine externe Geschäftstätigkeit im Zusammenhang mit dem Handel von
Schmiedepressen ausübte, sondern lediglich für die Unternehmens-Gruppe Ser-
viceleistungen – wie etwa die Vermietung von Fahrzeugen – erbracht hat
(BA B11.104.002-0055 ff.; 13.001-005; 13.002-0118). Schliesslich ist auch in Be-
zug auf die R. AG im Handelsregister erwähnt, dass diese bezweckt mit Maschi-
nen und Anlagen aller Art zu handeln. Die R. AG wurde allerdings erst am 4. Sep-
tember 2008 gegründet und war gemäss Aussagen der Beschuldigten – wie die
übrigen Tochtergesellschaften – nicht in den Handel mit Schmiedepressen invol-
viert (TPF 731.013).
2.3 Stellung der Beschuldigten innerhalb der I.
2.3.1 Die Bundesanwaltschaft wirft der Beschuldigten vor, im anklagerelevanten Zeit-
raum Einzelzeichnungsberechtigte und Geschäftsführerin bzw. faktisches Organ
der I. gewesen zu sein. Insbesondere habe sie als einzige die Übersicht über
sämtliche Abläufe und Geschäftsvorgänge gehabt und habe die Unternehmung
gelenkt und die obersten und verbindlichen Weisungen erteilt (Anklage-
schrift S. 12).
2.3.2 Als mit der Geschäftsführung befasst gelten nicht nur Personen, die ausdrücklich
als Verwaltungsrat ernannt worden sind (Art. 716 Abs. 2 OR) oder denen die Ge-
schäftsführung nach Art. 716b OR übertragen worden ist. Dazu gehören vielmehr
auch Personen, die faktisch die Funktion eines Geschäftsführers ausüben, indem
sie etwa diesem vorbehaltene Entscheide treffen oder die eigentliche Geschäfts-
führung besorgen und so die Willensbildung der Gesellschaft massgebend be-
einflussen (faktische Organe; vgl. BGE 126 IV 237 E. 4 mit Hinweisen).
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SK.2020.57
2.3.3 Unbestritten ist, dass die Beschuldigte im Anklagezeitraum formell lediglich über
eine Einzelprokura verfügte (vgl. E. 2.1.2) und somit weder eine formelle Organ-
stellung innerhalb der I. inne hatte noch ihr die Geschäftsführung formell übertra-
gen worden ist. Zu prüfen bleibt, ob die Beschuldigte faktisch die Geschäftsfüh-
rung ausübte und deshalb als faktisches Organ der I. zu qualifizieren ist:
2.3.3.1 Die folgenden Aussagen der Beschuldigten sowie ihres Ehemanns sprechen ge-
gen eine faktische Organstellung der Beschuldigten:
a) Die Beschuldigte machte im Vorverfahren zusammengefasst Folgendes gel-
tend: Es treffe zwar zu, dass sie über eine Einzelzeichnungsberechtigung verfügt
habe (BA 13.001-0003 Z. 16), sie sei aber nie Geschäftsführerin der I. gewesen
(BA 13.001-0050 Z. 192; -0383 Z. 8 ff.). Die I. habe ohnehin gar nicht über einen
Geschäftsführer verfügt, sondern lediglich über einen Verwaltungsrat
(BA 13.001-0296 Z. 22 ff.). Ihre Tätigkeit bei der I. habe sich vielmehr auf Ver-
waltungstätigkeiten und Koordinationsaufgaben innerhalb der I. beschränkt
(BA 13.001-0033 Z. 132; 0064 Z. 236). Insbesondere habe sie sich um das Per-
sonal gekümmert, dieses «in gewisser Weise» geführt. Zudem mache sie «noch
ein bisschen» die Koordination des Aussenauftritts der I. Ihre Position beschrieb
sie als «Chefsekretärin» mit «ein paar Kompetenzen mehr» bzw. «Büroleiterin»
(BA 13.001-0003 Z. 12 ff.; -0296 Z. 15). Andere hätten sie allenfalls als Ge-
schäftsführerin wahrgenommen, da sie überall dabei und präsent gewesen sei
bzw. ihre Mitarbeitenden immer unterstützt habe. Sie habe aber lediglich die Ent-
scheide der Verwaltungsräte ausgeführt (BA 13.001-0065 Z. 236; -0074 Z. 313;
-0296 Z. 20 ff.; -0386 Z. 19 ff.). Auch anlässlich der Hauptverhandlung bestritt die
Beschuldigte, Geschäftsführerin gewesen zu sein. Auf Frage nach ihrer Funktion
gab sie an «alles gemacht» zu haben, insbesondere habe sie sich um personelle
Angelegenheiten und den Cash-Pool gekümmert und sei für die Kommunikation
nach aussen sowie zwischen den Tochtergesellschaften zuständig gewesen
(TPF 731.013 f.). Ihre Ansprechperson sei aber immer JJ. gewesen, auch später
als KK. Verwaltungsrat gewesen sei (TPF 731.014). Weiter gab sie zu Protokoll,
dass für den Einkauf und Verkauf der Schmiedepressen J. und für die Finanzie-
rung – das operative Geschäft der I. – KK. zuständig gewesen sei (TPF 731.016).
b) Auch L. gab im Vorverfahren an, dass die Beschuldigte keinen «Chefposten»
bei der I. gehabt habe. Es habe keine Geschäftsführung gegeben; der Verwal-
tungsrat habe die operativen Entscheide gefällt (BA 12.001-0018; -0034; -0039).
2.3.3.2 Die übrigen, sich im engsten geschäftlichen Umfeld der Beschuldigten befinden-
den Personen bezeichneten diese hingegen durchwegs als Geschäftsführerin
der I:
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SK.2020.57
a) JJ., welcher im Zeitraum von 1994 bis 2004 einziger Verwaltungsrat der I. und
im Zeitraum von 2003 bis 2009 einziger Verwaltungsrat der G. war, führte im
Vorverfahren aus, dass er für die Buchhaltung zuständig gewesen sei; die Bu-
chungen habe er aber nicht selbst vorgenommen (BA 12.007-0067 f.; -0097 ff.).
Die Beschuldigte habe im Zusammenhang mit der Buchführung keine Aufgaben
wahrgenommen, hierfür sei die Buchhaltungsabteilung zuständig gewesen (BA
12.007-0100 Z. 5). Sie sei aber Geschäftsführerin der I. gewesen. Er selbst sei
mit dem operativen Geschäft nicht befasst gewesen, insbesondere habe er kei-
nen Kundenkontakt gehabt und folglich auch keine Einkaufs- und Verkaufsge-
spräche geführt (BA 12.007-0068 Z. 10 ff.; -0072 Z. 30 ff.). Die Einkaufs-, Ver-
kaufs- und Finanzierungsgeschäfte seien von der Beschuldigten geführt worden
(BA 12.007-0074 Z. 1 ff.; -0079 Z. 16 ff.). L. habe ihm gesagt, dass er sich be-
treffend das Tagesgeschäft an sie halten solle (BA 12.007-0007 Z. 14 ff.; -0066
Z. 16 ff.; -0202 Z. 18 ff.). Rapportiert habe er aber immer der Beschuldigten, von
welcher er auch Weisungen erhalten habe (BA 12.007-0070 Z. 10 ff.; -0072
Z. 11 f.). Kongruent zu diesen Aussagen gab er in einem zivilrechtlichen Paral-
lelverfahren vor Bezirksgericht Zürich als Zeuge an, die Beschuldigte sei die Ge-
schäftsführerin der I. gewesen und habe das tägliche Geschäft organisiert, be-
gleitet und verantwortet. Sie habe die Maschinenhandelsgeschäfte getätigt und
sei der Kopf der I. gewesen (vgl. Urteil und Beschluss des Bezirksgerichts Zürich
CG140069-L/U vom 5. Februar 2021 S. 24 [TPF 551.118]).
b) KK., der im Zeitraum von 2004 bis 2009 einziger Verwaltungsrat der I. und ab
2009 einziger Verwaltungsrat der G. war, führte im Vorverfahren zusammenge-
fasst aus, dass er sich lediglich um das Rechnungswesen gekümmert habe, ohne
aber selbst Buchungen vorzunehmen (BA 13.003-0145; -0158). Für Letzteres sei
TT. (siehe unten lit. g) zuständig gewesen (BA 13.003-0159 f.). Um das operative
Geschäft, die Maschinengeschäfte und deren Versicherung und Finanzierung,
habe sich die Beschuldigte gekümmert; dies ergebe sich auch aus dem Treu-
handvertrag zwischen ihm und L. (BA 13.003-0091 f.; -0101; -0163 Z. 23 f.). Die
Beschuldigte sei Geschäftsführerin der I. gewesen; auch schon als JJ. Verwal-
tungsrat gewesen sei (BA 13.003-0092; -0160). Diese Aussagen stimmen im We-
sentlichen mit den Zeugenaussagen von KK. im erwähnten Zivilverfahren vor Be-
zirksgericht Zürich überein: Er führte damals aus, er sei immer davon ausgegan-
gen, dass die Beschuldigte das Unternehmen geführt habe. Es seien ihm keine
anderen starken Persönlichkeiten innerhalb der I. bewusst gewesen (vgl. Urteil
und Beschluss des Bezirksgerichts Zürich CG140069-L/U vom 5. Februar 2021
S. 23 [TPF 551.117]). Anlässlich der Hauptverhandlung bestätigte KK. seine
Aussagen. Hierbei präzisierte er, dass er zwar – wie dies schon JJ. gemacht
habe – die Verträge, die im vorgelegt worden seien, unterschrieben habe, die
Geschäfte aber durch die Beschuldigte geführt worden seien
(TPF 761.004/008/013).
- 36 -
SK.2020.57
c) PP., der im Zeitraum von 2009 bis 2010 einziger Verwaltungsrat der I. war,
führte im Vorverfahren aus, dass er selbst für die Buchhaltung zuständig gewe-
sen sei (BA 13.002-0169; -0173). Er habe sich mit den täglichen Abläufen nicht
befasst (BA 13.002-0115 Z. 12). Die Beschuldigte sei seine Chefin gewesen.
Diese sei Dreh- und Angelpunkt und – mit Ausnahme der NN. GmbH und der Q.
– Geschäftsführerin der gesamten G. Gruppe gewesen (BA 13.002-0111 Z. 17;
-0113 Z. 8 f.; -0117 Z. 18 f.; -0125). Er habe die Geschäftsführung zwar nicht
ausdrücklich der Beschuldigten übertragen, diese habe die Geschäftsführung
aber ausgeführt (BA 13.002-0115 Z. 27 f.). Auch im erwähnten Zivilverfahren vor
Bezirksgericht Zürich führte er aus, die Beschuldigte sei Dreh- und Angelpunkt
des gesamten Unternehmens gewesen. Alle Entscheidungen seien über sie ge-
laufen. Seines Wissens sei sie nicht weisungsgebunden gewesen. Weitere Per-
sonen, die in das operative Geschäft der I. Einfluss genommen hätten, seien ihm
nicht bekannt (vgl. Urteil und Beschluss des Bezirksgerichts Zürich CG140069-
L/U vom 5. Februar 2021 S. 24 [TPF 551.118]).
d) J., der im anklagerelevanten Zeitraum Geschäftsführer der Q. war, führte im
Vorverfahren in Bezug auf die Stellung der Beschuldigten zusammengefasst Fol-
gendes aus: Die Beschuldigte habe ihm nie genau gesagt, wem die G. bzw. die
I. gehöre. Aufgrund der Kompetenzen bzw. Befugnisse der Beschuldigten habe
er aber angenommen, dass die Beschuldigte Teilhaberin sei (BA 13.004-0349
Z. 14 ff.; -0358 Z. 18 ff.). Für ihn sei die Beschuldigte die Besitzerin der Unter-
nehmensgruppe und folglich auch der Q. gewesen. Die Beschuldigte sei immer
einzig und allein seine Bezugsperson zur G. gewesen (BA 13.004-0357 Z. 39 ff.;
-0691 Z. 5). Weiter habe er sie «fast täglich» über die Tätigkeit der Q. informiert,
sodass diese «detailliert, regelmässig und vollständig» informiert gewesen sei
(BA 13.004-0357 Z. 25 ff.). Insbesondere habe er sie über praktisch alle Ver-
kaufsverhandlungen, welche er geführt habe, informiert (BA 13.004-0359
Z. 42 ff.; -0710). Direkt sei die Beschuldigte aber nie an den Einkaufs- und Ver-
kaufsgesprächen bzw. an den entsprechenden Verhandlungen der Q. beteiligt
gewesen (BA 13.004-0704). Anlässlich der Hauptverhandlung gab J. zu Proto-
koll, dass A. seine Ansprechperson gewesen sei; er habe «alles immer nur mit
ihr» besprochen (TPF 763.004). Die ehemaligen Verwaltungsräte JJ., PP. und
KK. kenne er, habe aber praktisch keinen Kontakt zu ihnen gehabt (TPF
763.004 f.).
e) RR. gab im Vorverfahren an, 14 Jahre bei der I. gearbeitet zu haben; zuerst
als kaufmännische Mitarbeiterin und ab 2005/2006 als Assistentin der Geschäfts-
leitung (BA 12.002-0031 Z. 15; -0035 Z. 12). Die Geschäftsleitung habe aus der
Beschuldigten bestanden und diese sei ihre Vorgesetzte gewesen (BA 12.002-
0035 Z. 36; -0043 Z. 30). Diese Aussagen stehen im Einklang mit den von ihr als
- 37 -
SK.2020.57
Zeugin im erwähnten Zivilverfahren vor Bezirksgericht Zürich gemachten Aussa-
gen, wonach die Beschuldigte «(alleinige) Geschäftsführerin» gewesen sei (vgl.
Urteil und Beschluss des Bezirksgerichts Zürich CG140069-L/U vom 5. Feb-
ruar 2021 S. 25 [TPF 551.118]). Anlässlich der Hauptverhandlung gab RR. zu
Protokoll, dass nicht nur die Beschuldigte zuständig gewesen sei, sondern auch
KK. als Verwaltungsrat (TPF 762.003). Weiter führte sie aus, dass sie nicht ge-
nau wisse, wer verantwortlich gewesen sei. Sie sei zu KK. oder der Beschuldig-
ten gegangen, wenn etwas gewesen sei; es sei «immer wieder verschieden» ge-
wesen (TPF 762.004). Im Übrigen bestätigte sie ihre Aussagen im Wesentlichen
(TPF 762.003 ff.).
f) SS. gab im Vorverfahren an, seit April 2005 bei der I. gearbeitet zu haben;
zuerst als Telefonistin und ab Herbst 2005 habe sie die Assistenz der Geschäfts-
leitung, RR., unterstützt (BA 12.004-0029; -0050 Z. 5 ff.). Die Beschuldigte sei
ihre Chefin und Geschäftsführerin der I. gewesen (BA 12.004-0028). Diese Aus-
sagen wiederholte sie als Zeugin auch im vorgenannten Zivilverfahren vor Be-
zirksgericht Zürich. Ergänzend führte sie aus, die Beschuldigte sei eine starke
Führungsperson gewesen. Dass sie vom Verwaltungsrat enge Vorgaben gehabt
habe, denke sie nicht. Sie habe nicht das Gefühl gehabt, die Beschuldigte sei
KK. untergeordnet gewesen – schon eher umgekehrt. Die Beschuldigte habe ge-
wusst, was sie mache; sie habe die Geschäfte gemacht und dann die Unterschrif-
ten der Verwaltungsräte benötigt, weil das die Geschäftsform gewesen sei. Das
Ganze sei von der Beschuldigten ausgegangen; sie habe die Fäden gezogen bei
der I. (vgl. Urteil und Beschluss des Bezirksgerichts Zürich CG140069-L/U vom
5. Februar 2021 S. 26 [TPF 551.119]).
g) TT. gab im Vorverfahren zusammengefasst an, dass sie seit 2001 u.a. – zu-
sammen mit ihrem Team der Buchhaltungsabteilung – zuständig für die Verbu-
chung von Debitoren und Kreditoren der I. zuständig gewesen sei (BA 12.003-
0018 Z. 19 ff.; -0025 Z. 1 ff.). Die Beschuldigte habe sie als Geschäftsführerin
wahrgenommen, da sie alles unterschrieben und die Orders verteilt habe (BA
12.003-0020 Z. 7/12).
2.3.3.3 Überdies sprechen folgende Sachbeweise für eine faktische Geschäftsführungs-
und Organstellung der Beschuldigten innerhalb der I.:
a) Bereits dem Urteil des Obergerichts des Kantons Luzern 11 01 125 vom
29. Juli 2002 (BA 18.105-0124 f.), welchem eine zivilrechtliche Leistungsklage
gegen die I. im Zusammenhang mit der Bestellung mehrerer Schmiedepressen
aus den Jahren 1996 und 1998 zugrunde lag, ist zu entnehmen, dass das Amts-
gericht Luzern-Land als Vorinstanz die Beschuldigte in diesem Verfahren als fak-
tisches Organ der I. qualifiziert hatte. Dies begründete die Vorinstanz damit, dass
- 38 -
SK.2020.57
die faktische Organstellung der Beschuldigten aufgrund eines anderen Verfah-
rens im Kanton Luzern bereits gerichtsnotorisch sei und sich im Übrigen auch
daraus ergebe, dass die Beschuldigte im Namen der I. mehrere Dokumente allein
unterschrieben habe. Das Obergericht des Kantons Luzern bestätigte in seinem
Urteil, dass die Beschuldigte faktisches Organ der I. war (BA 18.105-0030). Die-
ses Urteil ist in Rechtskraft erwachsen.
b) In den Akten befinden sich ferner zwei Treuhandverträge zwischen dem Ehe-
mann der Beschuldigten, L., als Auftragsgeber und den jeweiligen Verwaltungs-
räten der I., JJ. und KK., als Beauftragte (Treuhandvertrag mit JJ. vom
22. Juni 1994 [BA B08.109.013-0451 ff.]; Treuhandvertrag mit KK. vom 14. Ja-
nuar 2004 [BA B08.109.014-0411 ff.]). Nach diesen Treuhandverträgen sei L. Ei-
gentümer sämtlicher Aktien der I. (Ziff. 1 der Treuhandverträge). Den Treuhand-
verträgen ist u.a. auch Folgendes zu entnehmen: «Der Auftraggeber übergibt
dem Beauftragten sämtliche Aktien [der I.] zur treuhänderischen Verwaltung und
setzt ihn als Verwaltungsrat dieser Gesellschaft ein. Dieser verpflichtet sich,
sämtliche Funktionen nach bestem Wissen und Gewissen, zu erfüllen die nach
Gesetz und Statuten der Gesellschaft einem Verwaltungsratsmitglied obliegen.
Er übt diese Funktion als Vertreter des Auftraggebers gemäss dessen Weisun-
gen aus, die laufend und rechtzeitig durch ihn persönlich oder durch eine von ihm
bevollmächtigte Mittelsperson erteilt werden» (Ziff. 2 der Treuhandverträge).
Weiter: «Der Beauftragte wird sich mit den laufenden Geschäften der Gesell-
schaft in der Regel nicht zu befassen haben und ist nicht verpflichtet, irgendwel-
che Handlungen zu vollziehen, sofern er nicht vom Auftraggeber entsprechend
angewiesen oder aufgrund schweizerischer Bestimmungen dazu gehalten ist»
(Ziff. 4 des Treuhandvertrags). JJ. und KK. haben übereinstimmend angegeben,
dass L. als sogenannte «Mittelsperson» gemäss Ziff. 2 der jeweiligen Treuhand-
verträge die Beschuldigte eingesetzt habe. Diese habe den Verwaltungsräten die
entsprechenden Weisungen für das operative Geschäft erteilt (BA 12.007-0069
Z. 27 ff.; 13.003-0151 f.;-0155 Z. 5 ff., TPF 761.005).
c) Die vorgenannten Aussagen von JJ. und KK., wonach sie sich nicht mit dem
operativen Geschäft zu befassen hatten, werden auch durch Art. 28 der Statuten
der I. gestützt, wonach der Verwaltungsrat einzelne seiner Funktionen einem o-
der mehreren Mitgliedern (Delegierten) oder Dritten, die nicht unbedingt Aktio-
näre zu sein brauchen (Direktoren), übertragen kann (BA B11.104.001-0019 ff.).
Auch das Organisationsreglement der G. Gruppe vom 1. Januar 2008 (BA B08-
106-0438-0006 ff.) stützt deren Aussagen. Diesem ist zu entnehmen, dass der
Verwaltungsrat die Leitung und Aufsicht sowie die Kontrolle über die Geschäfts-
führung ausübt. Er lässt sich durch die Direktion regelmässig über den Ge-
schäftsgang orientieren (Ziff. 2.4 des Organisationsreglements). Weiter wird im
Organisationsreglement festgehalten, dass der Direktion die Geschäftsführung
- 39 -
SK.2020.57
vollumfänglich delegiert ist (Ziff. 4.1 des Organisationsreglements). Dies deckt
sich auch mit dem Organigramm der G. und den angeschlossenen Tochterge-
sellschaften (BA B11.104.001-0045).
d) In den Akten befindet sich sodann ein sog. Fact Book über die G. Gruppe vom
April 2009 (BA B05.103-0023 ff.). Diesem ist u.a. Folgendes zu entnehmen:
«Das Fact Book wurde von der AAA. GmbH [...] in Zusammenarbeit mit der
G. AG und ihrer verbundenen Unternehmen [...] erstellt [...]» (S. 24 des Fact
Books). Die Mandatsvereinbarung mit der AAA. GmbH, die zur Herstellung des
Fact Book führte, wurde durch die Beschuldigte unterschrieben
(BA B08.106.0493-0017). Hinsichtlich der Organisation der G. Gruppe wird Fol-
gendes ausgeführt: «Die G. Gruppe ist über die einzelnen Gesellschaften in zwei
wesentlichen Bereichen organisiert. Die kaufmännische Leitung mit Marketing
und Finanzen obliegt der Geschäftsführerin Frau A. Die technische Leitung mit
den Schwerpunkten Planung, Koordination und Ausführung sowie Verkauf wird
durch Herrn J. wahrgenommen» (S. 42 des Fact Book). Das Fact Book führt die
Beschuldigte sodann sowohl ausdrücklich als Geschäftsführerin der G. als auch
der I. auf (S. 15 f. des Fact Book).
2.3.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sowohl die Verwaltungsräte der I. als
auch die anderen in oder mit der I. arbeitenden Personen die Beschuldigte in
mehreren Einvernahmen vor unterschiedlichen Behörden konstant und überein-
stimmend als Geschäftsführerin der I. bezeichneten (vgl. E. 2.3.3.2). Diese Aus-
sagen decken sich sodann mit den vorhandenen Sachbeweisen, namentlich Ge-
sellschafts- und Geschäftsunterlagen der I. (vgl. E. 2.3.3.3). Hiervon
massgebend sind insbesondere die erwähnten Treuhandverträge, welche im Zu-
sammenhang mit den Aussagen der Beschuldigten zu lesen sind. In den jeweili-
gen Verträgen ist klar ausgeführt, dass sich die Verwaltungsräte nicht mit der
operativen Geschäftstätigkeit der I. zu befassen hatten, sondern entweder durch
L. selbst oder eine sog. Mittelsperson instruiert worden sind. Die Beschuldigte
gab selbst mehrmals zu Protokoll, dass ihr Ehemann L. keine operative Funktion
innerhalb der I. ausgeübt habe. Dieser habe «null Ahnung» vom Geschäft gehabt
und sich auch nicht um dieses gekümmert (BA 13.001-0018 Z. 115; -0245
Z. 6 ff./24 ff.; TPF 731.014). Dies lässt den Schluss zu, dass L. die Weisungen
nicht selbst den jeweiligen Verwaltungsräten gegeben, sondern vielmehr eine
Mittelsperson hierfür eingesetzt hatte. Dies stützt sich auch auf das Organisati-
onsreglement und Organigramm der I., wonach der Direktion – wenn auch nicht
formell korrekt, sondern nur faktisch – die gesamte Geschäftsführung delegiert
worden ist. Welche andere Person als die Beschuldigte die Funktion dieser Mit-
telsperson hätte wahrnehmen sollen, wird von der Beschuldigten nicht geltend
gemacht und ist auch aus den Akten nicht ersichtlich. Schliesslich wird die Be-
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SK.2020.57
schuldigte im Fact Book, welches sie selbst in Auftrag gegeben hatte, ausdrück-
lich als Geschäftsführerin der I. bezeichnet. Nach dem Gesagten bestehen für
das Gericht keine Zweifel, dass die Beschuldigte im anklagerelevanten Zeitraum
faktisches Organ der I. gewesen ist, welche weisungsungebunden von den Ver-
waltungsräten und den anderen Mitarbeitenden der I. und mit ihr verbundenen
Tochtergesellschaften handeln konnte.
2.3.5 Die gegen diese faktische Organstellung vorgebrachten entlastenden Einwände
vermögen weder einzeln noch in ihrer Gesamtheit an diesem Ergebnis etwas zu
ändern:
2.3.5.1 Die Aussagen der Beschuldigten selbst erscheinen für das Gericht nicht glaub-
haft und sind als Schutzbehauptungen zu werten. Dies insbesondere deshalb,
da sie nicht nur im Widerspruch zu den übrigen Personal- und Sachbeweisen,
sondern in gewissem Masse bereits im Widerspruch zu sich selbst stehen: So-
wohl im Vor- als auch im Hauptverfahren war es der Beschuldigten problemlos
möglich, den Ablauf eines Maschinenhandelsgeschäfts und die hierfür nötigen
Dokumente zu beschreiben (vgl. E. 2.2.3). Ihre diesbezüglichen Aussagen zei-
gen, dass sie die (angebliche) operative Geschäftstätigkeit der I. durchaus ver-
standen hat und darin auch verwickelt war, hätte sie andernfalls doch nicht in
einem so hohen Detaillierungsgrad und mit entsprechender Präzision Aussagen
treffen können. Ferner war die Beschuldigte gemäss eigenen Aussagen nicht nur
für die gesamte (konzern-)interne und externe Kommunikation der I. (vgl.
E. 2.3.3.1) und somit für typische Geschäftsführungsaufgaben zuständig. Sie war
überdies auch alleine für das Management des Cash-Pools der gesamten Unter-
nehmensgruppe verantwortlich (vgl. E. 2.3.3.1). Über diesen Cash-Pool sind im
anklagerelevanten Zeitraum Beträge im dreistelligen Millionenbetrag geflossen
(vgl. E. 3.4.2.4). Dass eine Person, welche in eigener Kompetenz über solch
hohe Beträge verfügen kann, lediglich eine untergeordnete Stellung innerhalb
eines Unternehmens haben soll, ist realitätsfremd und divergiert mit üblichen un-
ternehmerischen Kompetenzregelungen. Die Widersprüchlichkeit ihrer Aussa-
gen zeigt sich auch darin, dass sie im Hauptverfahren zwar einerseits angab, KK.
sei für das operative Geschäft der I. – die Finanzierungen für den Schmiedepres-
sehandel – zuständig gewesen; gleichzeitig aber einwendet, sich stets – auch
nachdem KK. Verwaltungsrat wurde – an JJ. gehalten zu haben (vgl. E. 2.3.3.1).
Festzuhalten ist schliesslich, dass auch der an der Hauptverhandlung vorge-
brachte Einwand, der Treuhandvertrag zwischen L. und KK. sei gefälscht, nicht
überzeugt. Die Beschuldigte gab an, man sehe eindeutig, dass der ursprüngliche
Vertrag zwischen L. und JJ. auf «KK. und L.» redigiert worden sei (TPF 731.015);
dies wurde von KK. bestritten (TPF 761.004). Die beiden Treuhandverträge lie-
gen bei den Akten (BA B08.109.013-0451 ff.; BA B08.109.014-0411 ff.). Diese
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SK.2020.57
stimmen zwar inhaltlich überein, unterscheiden sich aber in ihrer Form voneinan-
der, namentlich Schriftart, Formatierung und Länge des Vertrags, was gegen
eine Verfälschung spricht. Auch L. selbst hat im Vorverfahren nie vorgebracht,
dass der Vertrag gefälscht sei (vgl. BA 13.006-0001 ff.), obwohl ihm dieser vor-
gelegt worden ist (vgl. BA 13.006-0012 Z. 115 ff.). Es liegen daher keine Anhalts-
punkte für eine Fälschung des Treuhandvertrages mit KK. vor.
2.3.5.2 Auch die entlastenden Aussagen vom Ehemann der Beschuldigten, L., können
das Beweisergebnis nicht umstossen. Diese sind bereits deshalb nicht glaubhaft,
da L. doch sowohl gemäss eigenen Aussagen (BA 12.001-0002; 0004) als auch
gemäss Aussagen der Beschuldigten (BA 13.001-0018 Z. 115; -0245
Z. 6 ff./24 ff.; TPF 731.004) gar nicht in die operative Tätigkeit der I. involviert war
und entsprechend nicht wissen konnte, wer faktisch operative Entscheide gefällt
hat.
2.3.5.3 Die vom Verteidiger im Parteivortrag vorgebrachten Einwände gehen an der Sa-
che vorbei: Dieser machte einerseits geltend, die Beschuldigte sei im Handels-
register lediglich als Prokuristin mit Einzelunterschrift eingetragen. Die Ge-
schäftsführung sei ihr weder durch den Verwaltungsrat delegiert worden noch
existiere ein entsprechendes Organisationsreglement mit Fixierung der Delega-
tionsgrundsätze (TPF 721.248 f./251/253). Damit macht er sinngemäss geltend,
dass der Beschuldigten formell keine Organstellung zukam und ihr die Ge-
schäftsführung nicht formell gültig (Art. 716b OR) übertragen war. Bei dieser Ar-
gumentation übersieht er, dass er mit diesen Einwänden lediglich eine formelle,
nicht aber eine faktische Organstellung der Beschuldigten widerlegen könnte, ist
für Letztere doch gerade nicht massgebend, ob die Beschuldigte im Handelsre-
gister als Organ eingetragen oder ihr die Geschäftsführung gemäss Art. 716b OR
gültig übertragen worden ist. Andererseits brachte der Verteidiger vor, dass eine
Vielzahl von Verträgen gerade nicht durch die Beschuldigte, sondern durch die
Verwaltungsräte unterschrieben worden seien (TPF 721.250/254). Der alleinige
Umstand, dass die I. über einen Verwaltungsrat verfügte und dieser auch tat-
sächlich in gewissem Ausmass für die I. tätig war, kann am vorgenannten Ergeb-
nis nichts ändern, ist der Verwaltungsrat doch ein gesetzlich vorgeschriebenes
Organ jeder Aktiengesellschaft (Art. 707 ff. OR). Überdies gab KK. gegenüber
dem Gericht anlässlich seiner Zeugeneinvernahme zu Protokoll, dass er zwar
Verträge, namentlich Finanzierungsverträge, unterschrieben habe. Die Ge-
schäfte habe er aber nicht geführt; hierfür sei alleine die Beschuldigte zuständig
gewesen (vgl. E. 2.3.3.2b). Es mag zwar von einer gewissen Naivität und beruf-
lichen Nachlässigkeit zeugen, als Verwaltungsrat einer Aktiengesellschaft ohne
Kenntnis der operativen Tätigkeit die hierfür nötigen Finanzierungsverträge zu
unterzeichnen. Für das Gericht erscheinen die Aussagen von KK. insbesondere
auch wegen des vorhandenen Treuhandvertrags aber durchaus als glaubhaft.
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SK.2020.57
Dies deckt sich mit den aus den genannten Beweismitteln erzeugtem Gesamt-
bild, wonach die Beschuldigte weisungsungebunden von sämtlichen Verwal-
tungsräten und Mitarbeitenden agieren konnte.
2.3.5.4 Schliesslich gab RR. im Hauptverfahren an, dass neben der Beschuldigten auch
der Verwaltungsrat KK. an der Geschäftsführung beteiligt gewesen sei. Vorab ist
festzuhalten, dass dieser Umstand – sollte er zutreffen – an der faktischen Or-
ganstellung der Beschuldigten per se nichts ändern würde, bestritt sie doch nicht,
dass auch die Beschuldigte Geschäftsführerin gewesen sei. Sie machte lediglich
geltend, dass diese nicht alleine, sondern zusammen mit KK. verantwortlich ge-
wesen sei. Diese im Hauptverfahren erstmals gemachte Aussage von RR. steht
zudem nicht nur im Widerspruch zu den von ihr im Vorverfahren gemachten Aus-
sagen, wonach die Beschuldigte alleinige Geschäftsführerin gewesen sein soll,
sondern – mit Ausnahme der Aussagen der Beschuldigten und ihres Ehemannes
– auch zu den übrigen Personal- und Sachbeweisen (vgl. E. 2.3.3.1 ff.). Bereits
deshalb erscheint die singuläre Aussage von RR., welche rund 10 Jahre nach
Ende ihrer Tätigkeit bei der I. gemacht wurde, für das Gericht nicht plausibel. Im
Übrigen ist auf das Gesagte zur Rolle von KK. und dem Verhältnis zwischen der
Beschuldigten und den einzelnen Verwaltungsräten zu verweisen (vgl. E. 2.3.4,
2.3.5.3).
3. Mehrfache Urkundenfälschung
3.1 Zusammengefasster Anklagevorwurf (Anklagepunkte 2.1-2.2)
3.1.1 Im Anklagepunkt 2.1 wirft die Bundesanwaltschaft der Beschuldigten A. zusam-
mengefasst vor, im Zeitraum ab 2002 (angeklagt ab 1. Januar 2006) bis Februar
2010, als Einzelzeichnungsberechtigte und Geschäftsführerin der I. entweder
selbst oder durch ihre Mitarbeitenden mehrere unechte und unwahre Urkunden
hergestellt zu haben. Bei diesen Urkunden soll es sich um Dokumente im Zu-
sammenhang mit der Bestellung und Lieferung von industriellen Schmiedepres-
sen durch die I. an Vertragspartner handeln; diese Verkaufsgeschäfte seien fiktiv
gewesen.
Zumindest soll die Beschuldigte im vorgenannten Zeitraum die vorgenannten Ur-
kunden selbst oder durch ihre Mitarbeitenden der C., der Bank F. und der Bank
E. eingereicht haben.
3.1.2 Im Anklagepunkt 2.2 wirft die Anklage der Beschuldigten A. weiter vor, die Buch-
haltung bzw. die Jahresrechnungen der I. für die Jahre 2005 bis 2008 inhaltlich
- 43 -
SK.2020.57
gefälscht zu haben, indem sie den mit den Buchungen betrauten Personen fal-
sche Weisungen erteilt und inhaltlich falsche Listen und Belege für die Buchhal-
tung der I. geliefert haben soll.
3.2 Verjährung
3.2.1 Vorab stellt sich die Frage nach der Verjährung. Die Beschuldigte soll die ihr vor-
geworfenen Urkundenfälschungen in der Zeit von 2002 (angeklagt ab 1. Ja-
nuar 2006) bis Februar 2010 begangen haben, mithin teils vor und teils nach der
Revision des Verjährungsrechts (aArt. 70 ff. StGB) am 1. Oktober 2002 (AS 2002
2993 2996 3146) und der Revision des Allgemeinen Teils des Strafgesetzbuchs
am 1. Januar 2007 (AS 2006 3459), durchwegs aber vor der Revision von
Art. 97 StGB (Verfolgungsverjährung) am 1. Januar 2014 (AS 2013 4417).
3.2.2 Die Verfolgungsverjährung bestimmt sich grundsätzlich nach dem zur Zeit der
inkriminierten Taten geltenden Recht. Der Grundsatz der lex mitior (Art. 2
Abs. 2 StGB) gilt auch in Bezug auf die Verfolgungsverjährung (Art. 389
Abs. 1 StGB). Ist das im Zeitpunkt der Beurteilung geltende Verjährungsrecht
milder als das zur Zeit der inkriminierten Taten geltende Recht, ist das neue Ver-
jährungsrecht anwendbar.
3.2.3
3.2.3.1 Gemäss dem bis zum 30. September 2002 geltenden Recht verjährte die Straf-
verfolgung wegen Urkundenfälschung relativ in 10 Jahren (aArt. 70 al. 2 StGB).
Die Verjährung wurde durch jede Untersuchungshandlung einer Strafverfol-
gungsbehörde oder Verfügung des Gerichts gegenüber dem Täter unterbrochen.
Mit jeder Unterbrechungshandlung begann die Verjährungsfrist neu zu laufen.
Die Strafverfolgung war jedoch in jedem Fall verjährt, wenn die ordentliche Frist
um die Hälfte überschritten war (aArt. 72 Ziff. 2 StGB). Vorliegend ist die ordent-
liche 10-jährige Verjährungsfrist nicht anwendbar, da sie durch die nach der Er-
öffnung des Strafverfahrens erfolgten Untersuchungshandlungen der Strafverfol-
gungsbehörden unterbrochen wurde. Nach altem Recht betrug die Verjährungs-
frist folglich 15 Jahre.
3.2.3.2 Nach dem seit 1. Oktober 2002 geltenden Recht verjährte die Strafverfolgung
wegen Urkundenfälschung in 15 Jahren (aArt. 70 Abs. 1 lit. b StGB). Diese Be-
stimmung wurde inhaltlich unverändert in den neuen Allgemeinen Teil des Straf-
gesetzbuches übernommen, der am 1. Januar 2007 in Kraft getreten ist und auch
heute nach der am 1. Januar 2014 in Kraft getretenen Revision von Art. 97 StGB
noch gilt (Art. 97 Abs. 1 lit. b StGB). Dieses Recht sieht Unterbrechungen der
Verjährung nicht vor und unterscheidet nicht zwischen relativen und absoluten
Verjährungsfristen. Die Verjährungsfrist beträgt somit auch nach neuem Recht
15 Jahre.
- 44 -
SK.2020.57
3.2.3.3 Die Strafverfolgung wegen Urkundenfälschung verjährt somit sowohl nach altem
als auch nach neuem Recht in jedem Fall nach 15 Jahren. Anzuwenden ist man-
gels eines milderen Rechts i.S.v. Art. 389 StGB das jeweils zum Tatzeitpunkt
geltende Recht.
3.2.3.4 In Bezug auf den Beginn der Verjährung ist Folgendes festzuhalten: Die vorlie-
genden (angeblichen) Urkundenfälschungen und Falschbeurkundungen bilden
keine natürliche Handlungseinheit, soll die Beschuldigte diese gemäss Anklage-
schrift doch über einen Zeitraum von insgesamt über 8 Jahren begangen haben
(vgl. BGE 131 IV 83 E. 2.4.6, bei welchem bei einem Zeitraum von 6 Jahren keine
Handlungseinheit angenommen worden ist; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts
6B_238/2013 vom 22. November 2013 E. 2.6.2). Auch bilden die Delikte keine
tatbestandliche Handlungseinheit, setzt die Urkundenfälschung doch begrifflich,
faktisch oder typischerweise nicht mehrere Einzelhandlungen voraus (vgl.
BGE 132 IV 49 E. 3.1.1.3; 131 IV 83 E. 2.4.5). Die Verjährung beginnt mit dem
Tag, an dem die strafbare Tätigkeit ausgeführt wurde (aArt. 71 Abs. 1 lit. a StGB
in der bis zum 31. Dezember 2006 geltenden Fassung; Art. 98 lit. a StGB).
3.2.3.5 Demnach sind die Handlungen, die vor dem 31. August 2006 begangen wurden,
zum Urteilszeitpunkt verjährt. Das Verfahren ist insoweit einzustellen (Art. 329
Abs. 4 und Abs. 5 StPO). Zusätzlich zu den in der Anklageschrift erwähnten, aber
nicht angeklagten Delikte (vgl. Anklageschrift S. 19 ff.) sind folgende Handlungen
verjährt:
a) die Herstellung – nicht jedoch der ab dem 24. November 2006 angeklagte
Gebrauch – der folgenden, angeblich gefälschten Urkunden:
Nr. Dokumente Angeklagte Fälschung Vertrags-
partner
Geschäft BA B15.102.
1. Acceptance Certificate
vom 15.02.2005
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J.
DDD2. 6 08-00056
2. Acceptance Certificate
vom 15.02.2005
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J.
DDD3. 7 09-00059
3. Acceptance Certificate
vom 15.12.2005
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J.
DDD4. 9 11-00052
4. Acceptance Certificate
vom 07.12.2005
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J.
DDD3. 11 13-00171
5. Acceptance Certificate
vom 15.04.2005
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J.
DDD5. 12 14-00060
6. Acceptance Certificate
vom 30.03.2005
Unterschriften DDD6. 13 15-00043
7. Acceptance Certificate
vom 15.02.2006
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J.
DDD2. 15 17-00170
8. Acceptance Certificate
vom 20.04.2006
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J.
DDD7. 17 19-00056
- 45 -
SK.2020.57
Nr. Dokumente Angeklagte Fälschung Vertrags-
partner
Geschäft BA B15.102.
9. Acceptance Certificate
vom 20.05.2006 (recte:
20.04.2006)
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J.
DDD5. 18 20-00164
10. Acceptance Certificate
vom 24.07.2006
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J.
DDD5. 19 21-00063
11. Acceptance Certificate
vom 25.03.2006
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J.
DDD8. 20 22-00028
b) sämtliche angeklagten Handlungen im Zusammenhang mit den folgenden, an-
geblich gefälschten Urkunden:
Nr. Dokumente Angeklagte Fälschung Vertrags-
partner
Geschäft BA B15.102.
1. Bestätigungsschreiben
der I. vom 09.02.2005
Inhalt DDD9. 24 26-0069
2. Auftragsbestätigung vom
02.11.2005;
am 29.11. 2008 (recte:
29.11.2005) durch die Be-
schuldigte bestätigt und
der C. eingereicht
Unterschrift Vertrags-
partner, Adresse Vertrags-
partner
DDD6. 33 35-00087
3. Notifikationsschreiben
vom 21.11.2005
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD6. 33 35-00065
4. Notifikationsschreiben
vom 15.12.2005
Unterschrift Vertrags-
partner, Inhalt
DDD10. 35 37-00088
5. Auftragsbestätigung vom
18.01.2006;
am 10.02.2006 durch die
Beschuldigte bestätigt
und der C. eingereicht
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular, Q.-Stempel, In-
halt
DDD11. 37 39-00066
6. Bestätigung Q. zur Auf-
tragsbestätigung vom
18.01.2006
Unterschrift J., Inhalt DDD11. 37 39-00067
7. Notifikationsschreiben
vom 23.01.2006;
am 10.02.2006 der C. ein-
gereicht
Unterschrift Vertrags-
partner, Inhalt
DDD11. 37 39-00057
8. Auftragsbestätigung vom
01.02.2006;
am 22.02.2006 durch die
Beschuldigte bestätigt
und der C. eingereicht
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular, Q.-Stempel, In-
halt
DDD12. 38 40-00074
9. Notifikationsschreiben
vom 15.02.2006;
Unterschrift Vertrags-
partner, Inhalt
DDD12. 38 40-00066
- 46 -
SK.2020.57
Nr. Dokumente Angeklagte Fälschung Vertrags-
partner
Geschäft BA B15.102.
am 22.02.2006 der C. ein-
gereicht
10. Bestätigung der I. ohne
Datum als Zusatz zur Auf-
tragsbestätigung vom
22.02.2006
Inhalt DDD12. 38 40-00075
11. Auftragsbestätigung vom
22.02.2006;
am 10.03.2006 durch die
Beschuldigte bestätigt
und der C. eingereicht
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., In-
halt
DDD10. 39 41-00070
12. Bestätigung Q. zur Auf-
tragsbestätigung ohne
Datum als Zusatz zur Auf-
tragsbestätigung vom
22.02.2006
Unterschrift J., Inhalt DDD10. 39 41-00071
13. Notifikationsschreiben
vom 07.03.2006;
am 10.03.2006 der C. ein-
gereicht
Unterschrift Vertrags-
partner, Inhalt
DDD10. 39 41-00060
14. Auftragsbestätigung vom
28.02.2006;
am 05.04.2006 durch die
Beschuldigte bestätigt
und der C. eingereicht
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular, Q.-Stempel, In-
halt
DDD13. 40 42-00084
15. Bestätigung Q. zur Auf-
tragsbestätigung ohne
Datum als Zusatz zur Auf-
tragsbestätigung vom
28.02.2006
Unterschrift J., Inhalt DDD13. 40 42-00085
16. Notifikationsschreiben
vom 29.03.2006;
am 05.04.2006 der C. ein-
gereicht
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD13. 40 42-00051
17. Auftragsbestätigung vom
28.04.2006;
am 05.04.2006 durch die
Beschuldigte bestätigt
und der C. eingereicht
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular, Inhalt
DDD5. 41 43-00073
18. Notifikationsschreiben
ohne Datum;
am 19.05.2006 der C. ein-
gereicht
Versuch, die Unterschrift
des Vertragspartners zu
fälschen
DDD5. 41 43-00048
- 47 -
SK.2020.57
Nr. Dokumente Angeklagte Fälschung Vertrags-
partner
Geschäft BA B15.102.
19. Auftragsbestätigung vom
14.06.2006;
am 13.07.2006 der C. ein-
gereicht
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular, Q.-Stempel
DDD14. 42 44-00078
20. Bestätigung der I. ohne
Datum als Zusatz zur Auf-
tragsbestätigung vom
14.06.2006
Inhalt DDD14. 42 44-00079
21. Notifikationsschreiben
vom 11.07.2006;
am 13.07.2006 der C. ein-
gereicht
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD14. 42 44-00046
3.3 Rechtliches
3.3.1 Der Urkundenfälschung macht sich strafbar, wer in der Absicht, jemanden am
Vermögen oder an andern Rechten zu schädigen oder sich oder einem andern
einen unrechtmässigen Vorteil zu verschaffen, eine Urkunde fälscht oder ver-
fälscht, die echte Unterschrift oder das echte Handzeichen eines andern zur Her-
stellung einer unechten Urkunde benützt oder eine rechtlich erhebliche Tatsache
unrichtig beurkundet oder beurkunden lässt, oder eine Urkunde dieser Art zur
Täuschung gebraucht (Art. 251 Ziff. 1 StGB). Urkunden sind Schriften, die be-
stimmt und geeignet sind, oder Zeichen, die bestimmt sind, eine Tatsache von
rechtlicher Bedeutung zu beweisen (Art. 110 Abs. 4 StGB). Nicht als Urkunde gilt
ein Entwurf, soweit er erkennbar eine unfertige Erklärung ist. Dem Entwurf fehlt
es entweder schon am Erklärungswert oder jedenfalls an der Beweisbestim-
mung. Hingegen kann einem fertigen Entwurf Urkundenqualität zukommen, so-
weit er in den Rechtsverkehr gelangt (BOOG, Basler Kommentar, 4. Aufl. 2019,
Art. 110 Abs. 4 StGB N. 54 mit Hinweisen).
3.3.2
3.3.2.1 Hinsichtlich der Tathandlung ist wie folgt zu unterscheiden: Die Urkundenfäl-
schung im engeren Sinne erfasst das Herstellen einer unechten Urkunde. Eine
solche liegt vor, wenn deren wirklicher Urheber nicht mit dem aus ihr ersichtlichen
angeblichen Aussteller übereinstimmt bzw. wenn sie den Anschein erweckt, sie
rühre von einem anderen als ihrem tatsächlichen Urheber her (BGE 137 IV 167
E. 2.3.1). Angeblicher Aussteller einer Urkunde ist derjenige, der aus ihr als Aus-
steller ersichtlich ist. Eine Unterschrift ist nicht zwingend erforderlich. Der angeb-
liche Aussteller ist unter Berücksichtigung des gesamten Urkundeninhalts sowie
der Umstände, unter denen die Urkunde angeblich hergestellt wurde, zu ermitteln
(WOHLERS, in: Wohlers/Godenzi/Schlegel [Hrsg.], Schweizerisches Strafgesetz-
buch, Handkommentar, 4. Aufl. 2020, Art. 251 StGB N. 3). Wirklicher Aussteller
- 48 -
SK.2020.57
einer Urkunde ist derjenige, dem sie im Rechtsverkehr als von ihm autorisierte
Erklärung zugerechnet wird. Dies ist gemäss der vorherrschenden «Geistigkeits-
theorie» derjenige, auf dessen Willen die Urkunde nach Existenz und Inhalt zu-
rückgeht (BGE 137 IV 167 E. 2.3.1; 132 IV 57 E. 5.1.1). Bei Erklärungen von
Organen oder Handlungsbevollmächtigten einer juristischen Person misst der
Rechtsverkehr nach allgemeiner Auffassung dieser in der Regel grössere Be-
deutung bei und betrachtet daher die juristische Person und nicht den Unter-
zeichnenden als Aussteller. Der Name des körperlichen Herstellers tritt somit ge-
genüber der Firma als angeblicher Ausstellerin zurück (BOOG, Basler Kommen-
tar, 4. Aufl. 2019, Art. 251 StGB N. 14 mit Hinweisen; vgl. BGE 128 IV 265
E. 1.1.2). Eine Urkunde kann auch mehrere Aussteller haben (BOOG, a.a.O.,
Art. 110 Abs. 4 StGB N. 41).
3.3.2.2 Demgegenüber betrifft die Falschbeurkundung die Errichtung einer echten, aber
unwahren Urkunde, bei der der wirkliche und der in der Urkunde enthaltene
Sachverhalt nicht übereinstimmen. Die Falschbeurkundung erfordert eine quali-
fizierte schriftliche Lüge. Eine solche wird nur angenommen, wenn dem Schrift-
stück eine erhöhte Glaubwürdigkeit zukommt und der Adressat ihm daher ein
besonderes Vertrauen entgegenbringt. Das ist der Fall, wenn allgemeingültige
objektive Garantien die Wahrheit der Erklärung gegenüber Dritten gewährleisten,
die gerade den Inhalt bestimmter Schriftstücke näher festlegen. Blosse Erfah-
rungsregeln hinsichtlich der Glaubwürdigkeit irgendwelcher schriftlicher Äusse-
rungen genügen dagegen nicht, mögen sie auch zur Folge haben, dass sich der
Geschäftsverkehr in gewissem Umfang auf die entsprechenden Angaben ver-
lässt (BGE 138 IV 130 E. 2.1; 132 IV 12 E. 8.1). Auch ein Vertrauensverhältnis
aufgrund einer langjährigen geschäftlichen Beziehung begründet im Kontext der
Falschbeurkundung noch keine garantenähnliche Stellung (BOOG, a.a.O.,
Art. 251 StGB N. 101). Der Urkundencharakter eines Schriftstücks ist folglich re-
lativ. Das Schriftstück kann mit Bezug auf bestimmte Aspekte Urkundenqualität
haben, hinsichtlich anderer Gesichtspunkte nicht (BGE 142 IV 119 E. 2.2; 138 IV
130 E. 2.2.1). Im Rahmen der Falschbeurkundung gelten etwa die kaufmänni-
sche Buchführung und ihre Bestandteile (Belege, Bücher, Bilanzen oder Erfolgs-
rechnungen) als Urkunden (BGE 138 IV 130 E. 2.2.1). Ist ein Schriftstück bereits
bei der Erstellung objektiv und subjektiv dazu bestimmt, Bestandteil der kaufmän-
nischen Buchführung zu sein, kommt ihm nicht erst mit der Verbuchung der darin
enthaltenen Angaben, sondern bereits mit dessen Ausfertigung Urkundencha-
rakter zu (BGE 138 IV 130 E. 2.2.1; 129 IV 130 E. 3.2 f.). Hingegen kommt ein-
seitigen Erklärungen, welche der Aussteller in eigenem Interesse macht, in der
Regel kein Urkundencharakter zu (BGE 144 IV 13 E. 2.2.3; BOOG, a.a.O.,
Art. 251 StGB N. 104).
- 49 -
SK.2020.57
3.3.2.3 Schliesslich ist strafbar, wer eine unechte oder unwahre Urkunde zur Täuschung
gebraucht. Gebrauchen bedeutet, dass die Urkunde als solche der zu täuschen-
den Person zugänglich gemacht wird. Der Gebrauch ist für den Fälscher mitbe-
strafte Nachtat. Wird die Urkunde allerdings durch eine andere Person als den
Hersteller gebraucht, ist der Gebrauch auch strafbar, wenn der Hersteller der Ur-
kunde nicht als Fälscher strafbar ist (BGE 120 IV 122 E. 5c/cc; BOOG, a.a.O.,
Art. 251 StGB N. 163, 165).
3.3.3 In subjektiver Hinsicht erfordert Art. 251 Ziff. 1 StGB Vorsatz in Bezug auf alle
objektiven Merkmale, wobei Eventualvorsatz genügt (Art. 12 Abs. 1 und 2 StGB).
Im Weiteren verlangt der Tatbestand ein Handeln in der Absicht, jemanden am
Vermögen oder an anderen Rechten zu schädigen oder sich oder einem anderen
einen unrechtmässigen Vorteil zu verschaffen. Der Täter muss die Urkunde im
Rechtsverkehr als echt oder wahr verwenden wollen, was eine Täuschungsab-
sicht voraussetzt (BGE 141 IV 369 E. 7.4; 138 IV 130 E. 3.2.4).
3.4 Urkundenfälschung im engeren Sinn
3.4.1 Anklagevorwurf (Anklagepunkt 2.1)
Die Anklage wirft der Beschuldigten A. vor, als Einzelzeichnungsberechtigte und
Geschäftsführerin der I. entweder selbst oder durch ihre Mitarbeitenden unten-
stehende Dokumente gefälscht und dadurch unechte Urkunden hergestellt zu
haben. Auch wenn ein Teil dieser Dokumente (konkret die nachfolgenden Doku-
mente Ziff. 1-13 [ohne Ziff. 4, 8]) im von der Verjährung betroffenen Zeitraum
hergestellt worden sind, soll die Beschuldigte sämtliche Dokumente im (noch
nicht von der Verjährung betroffenen) Zeitraum ab 31. August 2006 der C. – bzw.
die drei letztgenannten Dokumente (Ziff. 197-199) der Bank E. – zur Täuschung
eingereicht haben (zum Gebrauch unechter Urkunden vgl. E. 3.6).
Nr. Dokumente (der C. ein-
gereicht)
Angeklagte Fälschung Vertrags-
partner
Geschäft BA B15.102.
1. Acceptance Certificate
vom 15.02.2005; einge-
reicht am 24.11.2006
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J.
DDD2. 6 08-00056
2. Acceptance Certificate
vom 15.02.2005; einge-
reicht am 24.11.2006
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J.
DDD3. 7 09-00059
3. Acceptance Certificate
vom 15.12.2005; einge-
reicht am 24.11.2006
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J.
DDD4. 9 11-00052
4. Acceptance Certificate
vom 31.08.2006
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J.
DDD15. 10 12-00048
- 50 -
SK.2020.57
Nr. Dokumente (der C. ein-
gereicht)
Angeklagte Fälschung Vertrags-
partner
Geschäft BA B15.102.
5. Acceptance Certificate
vom 07.12.2005; einge-
reicht am 24.11.2006
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J.
DDD3. 11 13-00171
6. Acceptance Certificate
vom 15.04.2005; einge-
reicht am 24.11.2006
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J.
DDD5. 12 14-00060
7. Acceptance Certificate
vom 30.03.2005; einge-
reicht am 24.11.2006
Unterschriften DDD6. 13 15-00043
8. Acceptance Certificate
vom 15.10.2006
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular
DDD6. 14 16-00052
9. Acceptance Certificate
vom 15.02.2006; einge-
reicht am 24.11.2006
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J.
DDD2. 15 17-00170
10. Acceptance Certificate
vom 20.04.2006; einge-
reicht am 24.11.2006
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J.
DDD7. 17 19-00056
11. Acceptance Certificate
vom 20.04.2006; einge-
reicht am 24.11.2006
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J.
DDD5. 18 20-00164
12. Acceptance Certificate
vom 24.07.2006; einge-
reicht am 24.11.2006
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J.
DDD5. 19 21-00063
13. Acceptance Certificate
vom 25.03.2006; einge-
reicht am 24.11.2006
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J.
DDD8. 20 22-00028
14. Acceptance Certificate
vom 30.11.2006
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J.
DDD16. 21 23-00032
15. Acceptance Certificate
vom 30.10.2006
Unterschrift Vertrags-
partner, Stempel Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Stempel
DDD17. 22 24-00045
16. Acceptance Certificate
vom 30.11.2006
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD12. 23 25-00039
17. Acceptance Certificate
vom 20.12.2006
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J.
DDD9. 24 26-00048
18. Acceptance Certificate
vom 26.01.2007
Unterschrift Vertrags-
partner, Stempel Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Stempel
DDD17. 25 27-00148
19. Acceptance Certificate
vom 28.09.2008
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular
DDD18. 26 28-00045
- 51 -
SK.2020.57
Nr. Dokumente (der C. ein-
gereicht)
Angeklagte Fälschung Vertrags-
partner
Geschäft BA B15.102.
20. Acceptance Certificate
vom 30.04.2007
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J.
DDD2. 27 29-00032
21. Acceptance Certificate
vom 30.04.2007
Unterschrift Vertrags-
partner, Stempel Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Stempel
DDD17. 28 30-00039
22. Acceptance Certificate
vom 28.05.2007
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J.
DDD5. 29 31-00034
23. Acceptance Certificate
vom 31.07.2007
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD12. 30 32-00044
24. Acceptance Certificate
vom 24.09.2007
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J.
DDD3. 31 33-00042
25. Acceptance Certificate
vom 26.10.2007
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J.
DDD5. 32 34-00041
26. Acceptance Certificate
vom 26.01.2007
Unterschrift Vertrags-
partner, Stempel Vertrags-
partner, Q. Stempel, Un-
terschrift J.
DDD17. 34 36-00055
27. Acceptance Certificate
vom 26.03.2007
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J.
DDD10. 35 37-00052
28. Acceptance Certificate
vom 23.11.2007
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J.
DDD15. 36 38-00045
29. Acceptance Certificate
vom 25.04.2007
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J.,
nicht von Q.
DDD11. 37 39-00050
30. Acceptance Certificate
vom 28.01.2008
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD12. 38 40-00045
31. Acceptance Certificate
vom 25.02.2008
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J.
DDD10. 39 41-00049
32. Acceptance Certificate
vom 28.05.2007
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular, Q.-Stempel
DDD13. 40 42-00050
33. Acceptance Certificate
vom 28.04.2008
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD5. 41 43-00043
34. Auftragsbestätigung
vom 22.09.2006
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J.
DDD2. 43 45-00082
35. Notifikationsschreiben
vom 02.10.2006
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD2. 43 45-00080
36. Auftragsbestätigung
vom 28.09.2006
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J.
DDD19. 44 46-00085
37. Notifikationsschreiben
vom 11.10.2006
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD19. 44 46-00055
38. Auftragsbestätigung
vom 30.10.2006
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Stempel
DDD3. 45 47-00080
- 52 -
SK.2020.57
Nr. Dokumente (der C. ein-
gereicht)
Angeklagte Fälschung Vertrags-
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39. Notifikationsschreiben
vom 06.11.2006
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD3. 45 47-00050
40. Auftragsbestätigung
vom 25.10.2006
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular, Q.-Stempel
DDD20. 46 48-00087
41. Bestätigung Q. zur Auf-
tragsbestätigung
Unterschrift J. DDD20. 46 48-00088
42. Notifikationsschreiben
vom 06.11.2006
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD20. 46 48-00079
43. Auftragsbestätigung
vom 31.10.2006
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Stempel
DDD21. 47 49-00082
44. Bestätigung Q. zur Auf-
tragsbestätigung
Unterschrift J. DDD21. 47 49-00058
45. Notifikationsschreiben
vom 09.11.2006
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD21. 47 49-00057
46. Auftragsbestätigung
vom 10.11.2006
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular, Q.-Stempel
DDD22. 48 50-00080
47. Bestätigung Q. zur Auf-
tragsbestätigung
Unterschrift J. DDD22. 48 50-00059
48. Notifikationsschreiben
vom 22.11.2006
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD22. 48 50-00078
49. Auftragsbestätigung
vom 19.12.2006
Unterschrift und Stempel
Vertragspartner, Unter-
schrift J., Q.-Stempel
DDD17. 49 51-00087
50. Notifikationsschreiben
vom 08.01.2007
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD17. 49 51-00062
51. Auftragsbestätigung
vom 10.01.2007
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular, Q.-Stempel
DDD13. 50 52-00093
52. Notifikationsscheiben
vom 18.01.2007
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD13. 50 52-00074
53. Auftragsbestätigung
vom 06.03.2007
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular, Q.-Stempel
DDD23. 51 53-00087
54. Notifikationsschreiben
vom 21.03.2007
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD23. 51 53-00084
55. Auftragsbestätigung
vom 28.03.2007
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular, Q.-Stempel
DDD24. 52 54-00098
56. Notifikationsschreiben
vom 13.04.2007
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD24. 52 54-00095
- 53 -
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gereicht)
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57. Auftragsbestätigung
vom 11.04.2007
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular
DDD9. 53 55-00085
58. Notifikationsschreiben
vom 23.04.2007
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD9. 53 55-00078
59. Auftragsbestätigung
vom 03.05.2007
Unterschrift und Stempel
Vertragspartner, Unter-
schrift J., Q.-Formular, Q.-
Stempel
DDD7. 54 56-00084
60. Notifikationsschreiben
vom 11.05.2007
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD7. 54 56-00061
61. Auftragsbestätigung
vom 11.05.2007
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J.
DDD2. 55 57-00078
62. Notifikationsschreiben
vom 21.05.2007
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD2. 55 57-00053
63. Auftragsbestätigung
vom 11.06.2007
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular, Q.-Stempel
DDD5. 56 58-00061
64. Notifikationsschreiben
vom 20.06.2007
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD5. 56 58-00040
65. Auftragsbestätigung
vom 14.06.2007
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular, Q.-Stempel
DDD13. 57 59-00057
66. Notifikationsschreiben
vom 20.06.2007
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD13. 57 59-00040
67. Auftragsbestätigung
vom 02.07.2007
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular, Q.-Stempel
DDD25. 58 60-00119
68. Notifikationsschreiben
vom 02.07.2007
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD25. 58 60-00112
69. Auftragsbestätigung
vom 09.07.2007
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular, Q.-Stempel
DDD11. 59 61-00097
70. Notifikationsschreiben
vom 16.07.2007
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD11. 59 61-00093
71. Auftragsbestätigung
vom 22.08.2007
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular, Q.-Stempel
DDD25. 60 62-00107
72. Notifikationsschreiben
vom 31.08.2007
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD25. 60 62-00059
73. Auftragsbestätigung
vom 17.08.2007
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular, Q.-Stempel
DDD14. 61 63-00098
74. Notifikationsschreiben
vom 31.08.2007
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD14. 61 63-00053
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gereicht)
Angeklagte Fälschung Vertrags-
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75. Auftragsbestätigung
vom 18.06.2007
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J.
DDD2. 62 64-00115
76. Notifikationsschreiben
vom 24.09.2007
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD2. 62 64-00099
77. Auftragsbestätigung
vom 03.10.2007
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular
DDD26. 63 65-00082
78. Notifikationsschreiben
vom 12.10.2007
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD26. 63 65-00079
79. Auftragsbestätigung
vom 04.10.2007
Unterschrift und Stempel
Vertragspartner, Unter-
schrift J., Q.-Stempel
DDD17. 64 66-00079
80. Notifikationsschreiben
vom 18.10.2007
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD17. 64 66-00057
81. Auftragsbestätigung
vom 09.10.2007
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular
DDD27. 65 67-00075
82. Notifikationsschreiben
vom 23.10.2007
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD27. 65 67-00049
83. Auftragsbestätigung
vom 15.02.2008
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J.
DDD28. 66 68-00069
84. Notifikationsschreiben
vom 25.02.2008
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD28. 66 68-00041
85. Auftragsbestätigung
vom 12.03.2008
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular, Q.-Stempel
DDD23. 67 69-00101
86. Notifikationsschreiben
vom 20.03.2008
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD23. 67 69-00053
87. Auftragsbestätigung
vom 10.03.2008
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J.
DDD28. 68 70-00082
88. Notifikationsschreiben
vom 20.03.2008
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD28. 68 70-00049
89. Auftragsbestätigung
vom 16.06.2006
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J.
DDD28. 69 80-00069
90. Auftragsbestätigung
vom 18.01.2007
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular, Q.-Stempel
DDD29. 70 81-00061
91. Notifikationsschreiben
vom 05.03.2007
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD29. 70 81-00002
92. Zahlungseingangsbe-
stätigung vom
30.01.2007
Unterschrift J. DDD29. 70 B08.106.0313-
0393
93. Auftragsbestätigung
vom 02.10.2007
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular, Q.-Stempel
DDD23. 71 82-00059
- 55 -
SK.2020.57
Nr. Dokumente (der C. ein-
gereicht)
Angeklagte Fälschung Vertrags-
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Geschäft BA B15.102.
94. Notifikationsschreiben
vom 06.11.2007
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD23. 71 82-00034
95. Saldobestätigung Ver-
tragspartner vom Feb-
ruar 2010
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD23. 71 BA B08.106.
0339-0012
96. Auftragsbestätigung
vom 09.11.2007
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular
DDD4. 72 118-00071
97. Notifikationsschreiben
vom 23.11.2007
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD4. 72 118-00067
98. Saldobestätigung Ver-
tragspartner vom Feb-
ruar 2010
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD4. 72 BA B08.106.
0339-0011
99. Auftragsbestätigung
vom 08.11.2007
Unterschrift und Stempel
Vertragspartner, Unter-
schrift J., Q.-Formular, Q.-
Stempel
DDD12. 73 83-00060
100. Notifikationsschreiben
vom 23.11.2007
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD12. 73 83-00058
101. Auftragsbestätigung
vom 22.11.2007
Unterschrift und Stempel
Vertragspartner, Unter-
schrift J., Q.-Formular, Q.-
Stempel
DDD7. 74 84-00059
102. Notifikationsschreiben
vom 07.12.2007
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD7. 74 84-00052
103. Auftragsbestätigung
vom 21.11.2007
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular
DDD30. 75 85-00051
104. Notifikationsschreiben
vom 07.12.2007
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD30. 75 85-00005
105. Auftragsbestätigung
vom 13.12.2007
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular
DDD31. 76 86-00078
106. Notifikationsschreiben
vom 07.01.2008
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD31. 76 86-00065
107. Saldobestätigung Ver-
tragspartner vom Feb-
ruar 2010
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD31. 76 BA B08.106.
0339-0014
108. Auftragsbestätigung
vom 17.12.2007
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Stempel
DDD10. 77 87-00076
109. Notifikationsschreiben
vom 07.01.2008
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD10. 77 87-00059
- 56 -
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Nr. Dokumente (der C. ein-
gereicht)
Angeklagte Fälschung Vertrags-
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110. Auftragsbestätigung
vom 14.01.2008
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular, Q.-Stempel
DDD18. 78 88-00074
111. Notifikationsschreiben
vom 05.02.2008
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD18. 78 88-00054
112. Auftragsbestätigung
vom 11.01.2008
Unterschrift und Stempel
Vertragspartner, Unter-
schrift J., Q.-Formular, Q.-
Stempel
DDD8. 79 89-00089
113. Notifikationsschreiben
vom 30.01.2008
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD8. 79 89-00076
114. Saldobestätigung Ver-
tragspartner vom Feb-
ruar 2010
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD8. 79 BA B08.106.
0339-0013
115. Auftragsbestätigung
vom 10.01.2008
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Stempel
DDD3. 80 90-00069
116. Notifikationsschreiben
vom 30.01.2008
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD3. 80 90-00063
117. Auftragsbestätigung
vom 13.02.2008
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Stempel
DDD10. 81 91-00052
118. Notifikationsschreiben
vom 22.02.2008
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD10. 81 91-00043
119. Auftragsbestätigung
vom 13.03.2008
Unterschrift und Stempel
Vertragspartner, Unter-
schrift J., Q.-Stempel
DDD17. 82 92-00048
120. Notifikationsschreiben
vom 28.03.2008
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD17. 82 92-00036
121. Auftragsbestätigung
vom 09.04.2008
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Stempel
DDD32. 83 93-00052
122. Notifikationsschreiben
vom 18.04.2008
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD32. 83 93-00040
123. Auftragsbestätigung
vom 14.04.2008
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular
DDD31. 84 94-00050
124. Notifikationsschreiben
vom 06.05.2008
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD31. 84 94-00052
125. Auftragsbestätigung
vom 08.05.2008
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular
DDD31. 85 95-00044
126. Notifikationsschreiben
vom 20.05.2008
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD31. 85 95-00043
- 57 -
SK.2020.57
Nr. Dokumente (der C. ein-
gereicht)
Angeklagte Fälschung Vertrags-
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Geschäft BA B15.102.
127. Auftragsbestätigung
vom 10.06.2008
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular, Q.-Stempel
DDD9. 86 96-00054
128. Notifikationsschreiben
vom 20.06.2008
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD9. 86 96-00038
129. Auftragsbestätigung
vom 09.06.2008
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular, Q.-Stempel
DDD5. 87 97-00047
130. Notifikationsschreiben
vom 20.06.2008
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD5. 87 97-00033
131. Auftragsbestätigung
vom 18.06.2008
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular, Q.-Stempel
DDD9. 88 98-00042
132. Notifikationsschreiben
vom 04.07.2008
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD9. 88 98-00031
133. Auftragsbestätigung
vom 16.07.2008
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J.
DDD2. 89 99-00041
134. Notifikationsschreiben
vom 28.07.2008
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD2. 89 99-00035
135. Auftragsbestätigung
vom 15.09.2008
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular, Q.-Stempel
DDD33. 90 100-00043
136. Notifikationsschreiben
vom 25.09.2008
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD33. 90 100-00037
137. Auftragsbestätigung
vom 19.09.2008
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular, Q.-Stempel
DDD34 91 101-00045
138. Notifikationsschreiben
vom 01.10.2008
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD34 91 101-00036
139. Auftragsbestätigung
vom 09.10.2008
Unterschrift und Stempel
Vertragspartner, Unter-
schrift J., Q.-Formular, Q.-
Stempel
DDD7. 92 102-00052
140. Notifikationsschreiben
vom 20.10.2008
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD7. 92 102-00029
141. Auftragsbestätigung
vom 05.01.2009
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular, Q.-Stempel
DDD12. 93 103-00040
142. Notifikationsschreiben
vom 27.01.2009
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD12. 93 103-00043
143. Auftragsbestätigung
vom 06.01.2009
Unterschrift und Stempel
Vertragspartner, Unter-
schrift J., Q.-Stempel
DDD17. 94 104-00036
144. Notifikationsschreiben
vom 27.01.2009
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD17. 94 104-00039
- 58 -
SK.2020.57
Nr. Dokumente (der C. ein-
gereicht)
Angeklagte Fälschung Vertrags-
partner
Geschäft BA B15.102.
145. Auftragsbestätigung
vom 24.02.2009
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular, Q.-Stempel
DDD22. 95 105-00040
146. Bestellbestätigung Ver-
tragspartner vom
18.02.2009
Unterschrift Vertrags-
partner, Q.-Formular
DDD22. 95 105-00041
147. Notarielle Unterschrif-
tenbeglaubigung vom
17.04.2009
Unterschrift Notar, Unter-
schrift Vertragspartner
DDD22. 95 105-00056
148. Notifikationsschreiben
vom 10.03.2009
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD22. 95 105-00030
149. Auftragsbestätigung
vom 26.02.2009
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Stempel
DDD15. 96 106-00047
150. Notifikationsschreiben
vom 10.03.2009
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD15. 96 106-00038
151. Bestellbestätigung Ver-
tragspartner vom
20.02.2009
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD15. 96 106-00040
152. Auftragsbestätigung
vom 27.02.2009
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Stempel
DDD21. 97 107-00039
153. Bestellbestätigung Ver-
tragspartner vom
24.02.2009
Unterschrift Vertrags-
partner, Q.-Formular
DDD21. 97 107-00111
154. Notifikationsschreiben
vom 10.03.2009
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD21. 97 107-0034
155. Auftragsbestätigung
vom 14.04.2009
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Stempel
DDD3. 98 108-00099
156. Notifikationsschreiben
vom 29.04.2009
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD3. 98 108-00074
157. Bestellbestätigung Ver-
tragspartner vom
27.03.2009
Unterschrift Vertrags-
partner, Q.-Formular
DDD3. 98 108-00101
158. Auftragsbestätigung
vom 17.04.2009
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular, Q.-Stempel
DDD35. 99 109-00047
159. Notifikationsschreiben
vom 01.05.2009
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD35. 99 109-00037
160. Bestellbestätigung Ver-
tragspartner vom
10.04.2009
Unterschrift Vertrags-
partner, Q.-Formular
DDD35. 99 109-00048
- 59 -
SK.2020.57
Nr. Dokumente (der C. ein-
gereicht)
Angeklagte Fälschung Vertrags-
partner
Geschäft BA B15.102.
161. Notarielle Unterschrif-
tenbeglaubigung vom
11.05.2009
Unterschrift Notar, Unter-
schrift Vertragspartner
bzw. Klient des Notars
DDD35. 99 109-00045
162. Erste Auftragsbestäti-
gung vom 13.05.2009
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular, Q.-Stempel
DDD5. 100 110-00029
163. Zweite Auftragsbestäti-
gung vom 13.05.2009
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular, Q.-Stempel
DDD5. 100 110-00030
164. Dritte Auftragsbestäti-
gung vom 13.05.2009
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular, Q.-Stempel
DDD5. 100 110-00031
165. Notifikationsschreiben
vom 27.05.2009
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD5. 100 110-00045
166. Erste Bestellbestätigung
Vertragspartner vom
20.05.2009
Unterschrift Vertrags-
partner, Q.-Papier
DDD5. 100 110-00040
167. Zweite Bestellbestäti-
gung Vertragspartner
vom 20.05.2009
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD5. 100 110-00041
168. Notarielle Unterschrif-
tenbeglaubigung vom
29.05.2009
Beurkundung falsch DDD5. 100 110-00039
169. Auftragsbestätigung
vom 25.05.2009
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular
DDD4. 101 111-00032
170. Notifikationsschreiben
vom 23.06.2009
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD4. 101 111-00020
171. Bestellbestätigung Ver-
tragspartner vom
25.05.2009
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD4. 101 111-00033
172. Notarielle Unterschrif-
tenbeglaubigung vom
19.06.2009
Unterschrift Vertrags-
partner bzw. Klient des No-
tars
DDD4. 101 111-00034
173. Auftragsbestätigung
vom 29.05.2009
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular, Q.-Stempel
DDD7. 102 112-00032
174. Notifikationsschreiben
vom 23.06.2009
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD7. 102 112-00030
175. Bestellbestätigung Ver-
tragspartner vom
29.05.2009
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD7. 102 112-00034
176. Notarielle Unterschrif-
tenbeglaubigung vom
18.06.2009
Unterschrift Vertrags-
partner bzw. Klient des No-
tars
DDD7. 102 112-00033
- 60 -
SK.2020.57
Nr. Dokumente (der C. ein-
gereicht)
Angeklagte Fälschung Vertrags-
partner
Geschäft BA B15.102.
177. Auftragsbestätigung
vom 04.06.2009
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular, Q.-Stempel
DDD36. 103 113-00051
178. Notifikationsschreiben
vom 23.06.2009
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD36. 103 113-00036
179. Bestellbestätigung Ver-
tragspartner vom
04.06.2009
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD36. 103 113-0053
180. Notarielle Unterschrif-
tenbeglaubigung vom
19.06.2009
Unterschrift Vertrags-
partner bzw. Klient des No-
tars
DDD36. 103 113-00052
181. Auftragsbestätigung
ohne Datum
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular, Q.-Stempel
DDD37. 104 114-00030
182. Notifikationsschreiben
vom 18.08.2009
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD37. 104 114-00029
183. Bestellbestätigung Ver-
tragspartner vom
18.08.2009
Unterschrift und Stempel
Vertragspartner
DDD37. 104 114-00023
184. Notarielle Unterschrif-
tenbeglaubigung vom
24.06.2009
Unterschrift Vertrags-
partner bzw. Klient des No-
tars
DDD37. 104 114-00024
185. Auftragsbestätigung
ohne Datum
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular, Q.-Stempel
DDD38. 105 115-00032
186. Notifikationsschreiben
vom 18.08.2009
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD38. 105 115-00022
187. Bestellbestätigung Ver-
tragspartner vom
18.08.2009
Unterschrift und Stempel
Vertragspartner
DDD38. 105 115-00045
188. Notarielle Unterschrif-
tenbeglaubigung vom
01.07.2009
Unterschrift Vertrags-
partner bzw. Klient des No-
tars
DDD38. 105 115-00044
189. Auftragsbestätigung
vom 26.08.2009
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular, Q.-Stempel
DDD39. 106 116-00042
190. Notifikationsschreiben
vom 10.09.2009
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD39. 106 116-00020
191. Bestellbestätigung Ver-
tragspartner vom
26.08.2009
Unterschrift und Stempel
Vertragspartner
DDD39. 106 116-00043
192. Notarielle Unterschrif-
tenbeglaubigung vom
10.09.2009
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD39. 106 116-00044
- 61 -
SK.2020.57
Nr. Dokumente (der C. ein-
gereicht)
Angeklagte Fälschung Vertrags-
partner
Geschäft BA B15.102.
193. Auftragsbestätigung
vom 08.09.2009
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular, Q.-Stempel
DDD36. 107 117-00029
194. Notifikationsschreiben
vom 01.10.2009
Unterschrift Vertrags-
partner
DDD36. 107 117-00015
195. Bestellbestätigung Ver-
tragspartner vom
08.09.2009
Unterschrift und Stempel
Vertragspartner
DDD36. 107 117-00024
196. Notarielle Unterschrif-
tenbeglaubigung vom
19.06.2009
Unterschrift Vertrags-
partner bzw. Klient des No-
tars
DDD36. 107 117-00023
Nr. Dokument (der Bank
E. eingereicht)
Angeklagte Fälschung Vertrags-
partner
Geschäft BA 05.104
197. Auftragsbestätigung
vom 23.10.2009
Unterschrift Vertrags-
partner, Unterschrift J., Q.-
Formular, Q.-Stempel
DDD1. N/A -0020
198. Forderungsabtretung
vom 23.10.2009
Unterschrift J., Q.-Stempel DDD1. N/A -0021
199. Notarielle Unterschrifts-
beglaubigung vom
23.10.2009
Beurkundung falsch, Un-
terschrift Vertragspartner
bzw. Klient des Notars
DDD1. N/A -0046
3.4.2 Beweismittel
3.4.2.1 Zur Last gelegte Dokumente
Die der Beschuldigten zur Last gelegten Dokumente liegen bei den Akten. In tat-
sächlicher Hinsicht lassen sich diese in folgende Dokument-Typen unterteilen:
a) Auftragsbestätigungen
Hierbei handelt es sich um insgesamt 68 Dokumente mit dem Titel conferma
d’ordine (zu Deutsch: Auftragsbestätigung). Die Dokumente enthalten in der
Kopf- bzw. Fusszeile jeweils das Logo bzw. die Kontaktangaben der Q. Neben
dem Logo der Q. steht zudem «RAPPRESENTANTE PER LA I.». Die Doku-
mente sind adressiert an einen der jeweiligen Vertragspartner und (angeblichen)
Käufer der Schmiedepressen. Unterschrieben sind sie im Namen des jeweiligen
Vertragspartners durch eine in der Regel nicht namentlich genannte Person so-
wie im Namen der Q. durch eine nicht namentlich genannte Person. Zudem ist
auf den Auftragsbestätigungen jeweils entweder handschriftlich oder mittels
Stempel Folgendes vermerkt: «Diese Kopie entspricht dem Original»; bei diesem
- 62 -
SK.2020.57
Vermerk befindet sich überdies die Unterschrift der Beschuldigten. Inhaltlich ent-
halten die Dokumente eine Tabelle, in welcher im Wesentlichen in italienischer
Sprache die jeweiligen Auftragsmodalitäten hinsichtlich des Verkaufs der in den
Dokumenten spezifizierten Schmiedepresse beschrieben werden.
b) Notifikationsschreiben
Hierbei handelt es sich um insgesamt 64 Dokumente, welche in der Kopfzeile
jeweils das Logo und die Kontaktangaben der I. enthalten. Die Dokumente sind
adressiert an einen der jeweiligen Vertragspartner. Sie sind jeweils im Namen
der I. von einer nicht namentlich genannten Person unterschrieben; mit Aus-
nahme des Dokuments Nr. 88, welches lediglich die Firma der I. aufweist, aber
nicht in deren Namen unterschrieben ist. Bei allen Dokumenten befindet sich ne-
ben dieser Unterschrift (bzw. in letzterem Fall neben der Firma) zusätzlich eine
weitere Unterschrift einer jeweils nicht namentlich genannten Person. In den Do-
kumenten werden die jeweiligen Vertragspartner in englischer Sprache im We-
sentlichen darüber informiert, dass die I. die Forderungen in Bezug auf den im
Schreiben genannten Vertrag an die C. abgetreten haben («With reference to the
above mentioned transaction we would like to advise you that we irrevocably and
unconditionally assigned all our rights, claims and demands under the above
mentioned contract [...] to Messrs. C. Bank AG [...]»). Weiter bittet die I. die je-
weiligen Vertragspartner unter anderem um Bestätigung der Kenntnisnahme der
Abtretung («We therefore kindly ask you to take notice of this assignment, to
effect payments under this transaction as per the instructions of C. AG and to
confirm your acknowledgement of this assignment to C. AG directly»).
c) Acceptance Certificate
Hierbei handelt es sich um insgesamt 33 Dokumente mit dem Titel «Acceptance
Certifcate», welche in der Kopf- bzw. Fusszeile jeweils das Logo bzw. die Kon-
taktangaben der I. enthalten. Die Dokumente sind jeweils im Namen des Ver-
tragspartners (im Dokument als «Importer» bezeichnet) von einer jeweils nicht
namentlich genannten Person sowie im Namen der Q. von einer nicht namentlich
genannten Person unterschrieben. Zudem ist auf den Acceptance Certificates
jeweils handschriftlich Folgendes vermerkt: «Diese Kopie entspricht dem Origi-
nal»; bei diesem Vermerk befindet sich überdies die Unterschrift der Beschuldig-
ten. In den Dokumenten bestätigen die jeweiligen Vertragspartner in englischer
Sprache im Wesentlichen, dass sie die im Schreiben genannte Schmiedepresse
erhalten bzw. akzeptiert haben («[...] we hereby confirm that: the delivery has
taken place in full conformity with the Contract; the above machinery has been
duly received and installed at the Importer's premises [...]. The Importer has ac-
cepted the machine»).
- 63 -
SK.2020.57
d) Bestätigung Q. zur Auftragsbestätigung
Hierbei handelt es sich um insgesamt drei Dokumente, welche in der Kopf- bzw.
Fusszeile jeweils das Logo bzw. die Kontaktangaben der Q. enthalten. Die Do-
kumente enthalten jeweils eine Unterschrift einer nicht namentlich genannten
Person. In den Dokumenten wird in italienischer und deutscher Sprache jeweils
im Wesentlichen auf eine Auftragsbestätigung Bezug genommen und diesbezüg-
lich bestätigt, dass diese im Beisein der unterzeichnenden Person durch eine
einzelunterschriftsberechtigte Person des jeweiligen Vertragspartners unter-
schrieben worden ist.
e) Zahlungseingangsbestätigung
Hierbei handelt es sich um ein Dokument, welches in der Kopf- bzw. Fusszeile
das Logo bzw. die Kontaktangaben der Q. enthält. Das Dokument ist an die G.
adressiert und im Namen der Q. durch eine nicht namentlich genannte Person
unterschrieben. Im Dokument wird der Adressatin in italienischer Sprache mitge-
teilt, dass die Einzahlung des Vertragspartners DDD29. AB in der Höhe von
EUR 2'500'000.– auf ihr Konto überwiesen wird («Con la presente Vi informiamo
che trasferiamo sul Vostro conto la caparra confirmatoria ricevuta da DDD29 per
il contratto in essere, di euro 2,500,000.00»).
f) Saldobestätigung Vertragspartner
Hierbei handelt es sich um insgesamt vier Dokumente, welche in der Kopfzeile
das Logo sowie die Kontaktdaten der Q. enthalten. Die Dokumente sind jeweils
an einen der Vertragspartner adressiert. Sie sind jeweils im Namen des adres-
sierten Vertragspartners von einer nicht namentlich genannten Person unter-
schrieben. In den Dokumenten bestätigen die jeweiligen Vertragspartner in eng-
lischer bzw. italienischer Sprache, dass per 31. Dezember 2009 ihnen gegen-
über eine Schuld in einer im Dokument genannten Höhe bestanden hat («We
confirm that on the above indicated date, 31st December 2009 we were debtors
for the amount of € [...]»; «Confermiamo che alla data suindicata del 31 dicembre
2009 eravamo debitori per € [...]»).
g) Bestellbestätigung Vertragspartner
Hierbei handelt es sich um insgesamt 14 Dokumente, welche in der Kopf- bzw.
Fusszeile das Logo bzw. die Kontaktdaten der Q. enthalten. Die Dokumente sind
im Namen des Vertragspartners von einer jeweils nicht namentlich genannten
Person unterschrieben. Zudem ist auf den Dokumenten – mit zwei Ausnahmen
(Dokument gemäss E. 3.4.1, Ziff. 151 und 153) – jeweils handschriftlich Folgen-
- 64 -
SK.2020.57
des vermerkt: «Diese Kopie entspricht dem Original»; bei diesem Vermerk befin-
det sich überdies die Unterschrift der Beschuldigten. In den Dokumenten bestä-
tigen die Vertragspartner jeweils in englischer Sprache im Wesentlichen die Be-
stellung der im Dokument genannten Schmiedepressen («Herewith we confirm
our order [...] for the following machine [...]»).
h) Notarielle Unterschriftenbeglaubigung
Hierbei handelt es sich um insgesamt 11 Dokumente, auf welchen jeweils eine
Unterschrift eines Geschäftsführers («Amministratore») sowie ein Stempel und
die angebliche Unterschrift des Notars Dr. BBB. in UU. enthalten ist. Zudem ist
auf zwei Dokumenten (Dokument gemäss E. 3.4.1, Ziff. 196 und 199) – jeweils
mittels Stempel Folgendes vermerkt: «Diese Kopie entspricht dem Original»; bei
diesem Vermerk befindet sich überdies die Unterschrift der Beschuldigten. In den
Dokumenten wird jeweils in italienischer Sprache die Unterschrift des Geschäfts-
führers beglaubigt.
i) Forderungsabtretung
Hierbei handelt es sich um ein Dokument, welches in der Kopfzeile das Logo der
Bank E. aufweist und im Namen der I. und der Q. durch eine jeweils nicht na-
mentlich genannte Person unterschrieben ist. Im Dokument wird im Wesentli-
chen darüber informiert, dass die I. eine Forderung an die Bank E. abtritt und die
Q. von dieser Abtretung Kenntnis nimmt.
3.4.2.2 Auskünfte der Vertragspartner
a) Gemäss den im Vorverfahren rechtshilfeweise eingeholten Auskünfte haben
untenstehende Vertragspartner nach Vorlegung der untenstehenden Dokumente
angegeben, dass die darauf in ihrem jeweiligen Namen angebrachten Unter-
schriften nicht ihnen zugeordnet werden können bzw. gefälscht seien:
Vertragspartner Auskunft (Vertreter/in | Datum) Dokument gem. E. 3.4.1, Ziff. BA 18.
DDD39. Verwaltungsratsmitglied [...] vom
11. Februar 2014
189, 190, 192 323-0971
DDD20. Deputy General Manager [...] vom
11. April 2014
40, 42 319-0237
DDD23. Vice President [...] vom 11. April
2014
53, 54, 85, 86, 93, 94, 95 319-0233 ff.
DDD31. Chief Executive Officer [...] vom
31. Januar 2014
105, 106, 123, 124, 125, 126 321-0113
DDD3. Geschäftsführer [...] vom 20. März
2014
2, 24, 38, 39, 115, 116, 155,
156, 157
322-0276 f.
- 65 -
SK.2020.57
Vertragspartner Auskunft (Vertreter/in | Datum) Dokument gem. E. 3.4.1, Ziff. BA 18.
DDD18. Senior Managers [...] vom 9. April
2014
19, 110, 111 319-0239 f.
DDD9. Vertreter [...] vom 3. Februar 2014 17, 57, 58, 127, 128, 131, 132 320-0060 f.;
-0165 f.
DDD21. Generaldirektor [...] vom
18. April 2014
43, 45, 152, 153, 154 322-0279
DDD37. Verwaltungs- und Finanzverant-
wortliche [...] vom 24. März 2014
181, 182, 183, 184 323-0993
DDD19. Geschäftsführerin [...] vom
26. März 2014
36, 37 323-0997
DDD26. Leiterin Rechtsabteilung [...] vom
21. März 2014
77, 78 317-0039
DDD34 Vertreter [...] vom 27. November
2013
137, 138 315-0061 f.
DDD27. Einkaufsleiter [...] vom 31. Oktober
2013
81, 82 312-0055
DDD2. Geschäftsführer [...] vom 13. Mai
2014
1, 9, 20, 34, 35, 61, 62, 75, 76,
133, 134
323-1005 ff.
DDD36. Hauptbuchhalter und Prokurist [...]
vom 17. Februar 2014
177, 178, 179, 180, 193, 194,
195, 196
323-0979
DDD24. Geschäftsführer [...] vom 7. April
2014
55, 56 325-0019
DDD5. Geschäftsführer [...] vom 19. Juni
2014
11, 12, 22, 25, 33, 63, 129,
162, 163, 164
322-0288 f.;
BA 12.019-
0033; -0035;
-0041
DDD14. Ehemaliger Geschäftsführer [...]
vom 9. April 2014
73, 74 326-0039
DDD10. Leiter des Rechnungswesens [...]
vom 9. April 2014
27, 31, 108, 109, 117, 118 319-0228 ff.
DDD12. Verwaltungsverantwortlicher [...]
vom 20. März 2014
99, 100, 141, 142 323-0960
DDD4. Verwaltungsratspräsident [...] vom
4. April 2014
3, 96, 97, 98, 169, 170, 171,
172
323-1000
DDD17. Geschäftsführendes Vorstandmit-
glied [...] vom 12. Februar 2014
15, 18, 21, 26, 49, 50, 79, 80,
119, 120, 143, 144
323-0388 ff.;
-0973 f.
DDD22. Ehemaliges Generaldirektionsmit-
glied [...] vom 20. Mai 2014
147 314-0123
DDD15. Alleinverwalter [...] vom 13. Februar
2014
4, 149
323-0976
- 66 -
SK.2020.57
Vertragspartner Auskunft (Vertreter/in | Datum) Dokument gem. E. 3.4.1, Ziff. BA 18.
DDD38. Verwaltungsdirektor [...] vom
18. April 2014
185, 186, 187, 188 323-1002
DDD25. Prokuristin [...] vom 12. März 2014 67, 68, 71, 72 324-0028
DDD6. Ehemaliger Generaldirektor der
DDD6. Gruppe und Präsident deren
Tochtergesellschaft [...] vom
14. September 2012
8 309-0156
DDD7. Betriebsleiter [...] vom 20. Mai 2014 10, 59, 60, 101, 102, 139, 140,
173, 174, 175, 176
322-0282
DDD11. Vice President [...] vom 9. April
2014
29, 69, 70 319-0224 f.
DDD16. Inhaber [...] vom 22.04.2015 14 322-0206
DDD1. Rechtsbeistand Avvocato [...] vom
19.02.2010;
Amministratore Delegato [...] vom
22. Februar 2010
197 BA.05.104-
0070; -0074
DDD33. Teamleiter Einkauf [...] vom 4. April
2014
135, 136 318-0075
DDD32. Verwaltungsratspräsident [...] vom
10. Februar 2014
121 323-0969
b) Gemäss den im Vorverfahren rechtshilfeweise eingeholten Auskünften hat le-
diglich der folgende Vertragspartner nach Vorlegung des untenstehenden Doku-
ments angegeben, dass die darauf in seinem Namen angebrachte Unterschrift
echt sei:
Vertragspartner Auskunft (Vertreter | Datum) Dokument gem. E. 3.4.1, Ziff. BA 18.
DDD6. Ehemaliger Generaldirektor der
DDD6. Gruppe und Präsident deren
Tochtergesellschaft [...] vom
14. September 2012
7 309-0156
c) Gemäss den im Vorverfahren rechtshilfeweise eingeholten Auskünften haben
folgende Vertragspartner, welche nicht in Bezug auf alle ihnen vorgelegten Do-
kumente Angaben über die Echtheit der sich darauf befindenden Unterschrift ge-
macht hatten, zusammengefasst folgende Auskunft über ihre Geschäftsbezie-
hungen zur G., I. und Q. gegeben:
- 67 -
SK.2020.57
Vertragspartner Auskunft (Vertreter/in | Datum) Inhalt der Auskunft BA 18.
DDD39. Verwaltungsratsmitglied [...] vom
11. Februar 2014
Keine Geschäftsbeziehungen
zur G. und I. Lediglich Ge-
schäftsbeziehungen zur Q.
323-0971
DDD31. Chief Executive Officer [...] vom
31. Januar 2014
Keine Geschäftsbeziehungen
zur G., I. und Q.
321-0113
DDD13. Finanzchefs [...] vom 20. August
2012
Keine Geschäftsbeziehungen
zur G., I. und Q.
310-0046
DDD28. Vertreterin [...], v.d. [...], vom
18. Dezember 2014
Keine Geschäftsbeziehungen
zur G., I. und Q.
313-0631
DDD30. Vertreter [...] vom 14. März 2014 Keine Geschäftsbeziehungen
zur G., I. und Q.
321-0115;
-0120
DDD5. Geschäftsführer [...] vom 19. Juni
2014
Keine Geschäftsbeziehungen
zur G. Geschäftsbeziehungen
zur I. und Q. ab 2002.
322-0287 f.
DDD12. Verwaltungsverantwortlicher [...]
vom 20. März 2014
Keine Geschäftsbeziehungen
zur G. und I. Geschäftsbezie-
hungen zur Q. ab dem Jahr
2009.
323-0959
DDD22. Ehemaliges Generaldirektionsmit-
glied [...] vom 20. Mai 2014
Keine Geschäftsbeziehungen
zur G., I. und Q.
314-0122 f.
DDD8. Geschäftsführer [...] vom 17. April
2014
Keine Geschäftsbeziehungen
zur G., I. und Q.
323-0984
DDD15. Alleinverwalter [...] vom 13. Februar
2014
Keine Geschäftsbeziehungen
zur G. und I. Geschäftsbezie-
hungen zur Q. ab dem Jahr
2003.
323-0976
DDD29. Vertreter [...] vom 20. August 2012 Keine Geschäftsbeziehungen
zur G., I. und Q.
310-0048
DDD6. Ehemaliger Verwaltungs- und Fi-
nanzdirektor der DDD6. Gruppe [...]
und ehemaliger Generaldirektor der
DDD6. Gruppe und Präsident deren
Tochtergesellschaft [...] vom
14. September 2012
Geschäftsbeziehungen zur I. im
Rahmen des Kaufs einer 6300-
Tonnen-Presse im Jahr 2004.
Keine Angaben über Ge-
schäftsbeziehungen zur G. und
Q.
309-0143;
-0155 f.
DDD11. Vice President [...] vom 9. April
2014
Keine Geschäftsbeziehungen
zur G., I. und Q.
319-0223
DDD35. Vertreterin [...] vom 7. Mai 2014 Keine Geschäftsbeziehungen
zur G. und I. Geschäftsbezie-
hungen lediglich zur Q. im Jahr
2006.
314-0106
- 68 -
SK.2020.57
3.4.2.3 Gutachterliche Feststellungen
Die Untersuchung der Unterschriften von J. auf ihre Echtheit ergab gemäss Gut-
achten des Sachverständigen CCC., Forensisches Institut Zürich, vom 20. Ja-
nuar 2012 (BA 11.202.002-0241) und 28. Mai 2014 (BA 11.202.003-0164) Fol-
gendes:
a) Die jeweiligen Unterschriften auf den Dokumenten gemäss E. 3.4.1, Ziff. 41,
44, 47, 71, 73, 81, 92, 135, 173, 181, 185 sind mit hoher Wahrscheinlichkeit
falsch bzw. gefälscht.
b) Es bestehen Anhaltspunkte, dass die jeweiligen Unterschriften auf den Doku-
menten gemäss E. 3.4.1, Ziff. 40, 43, 46, 169, 177 falsch bzw. gefälscht sind.
3.4.2.4 Geldflussanalyse
Die FFA hat gestützt auf die durch die Bundesanwaltschaft im In- und Ausland
edierten Buchhaltungsunterlagen und Bankunterlagen die ein- und ausgehenden
Geldflüsse im Betrag ab 1'000.– (unabhängig der Währung) der G., I. und Q. und
der übrigen Tochtergesellschaften für den Zeitraum ab 1. Januar 2002 bis
31. März 2010 (BA 11.104-0008 ff.; -0159 Fn. 699) analysiert (hierzu unten lit. a).
Im Besonderen hat die FFA analysiert, welche Zahlungen von den angeblichen,
vorliegend relevanten Vertragspartnern auf die Konten der G., I. und Q. einge-
gangen sind (hierzu unten lit. b bis d).
a) Allgemeine Feststellungen
In allgemeiner Hinsicht seien über die Bankverbindungen der G. und I. zusam-
mengefasst folgende Beträge (jeweils gerundet und umgerechnet in EUR ge-
mäss dem durchschnittlichen Wechselkurs zwischen 2002 und 2009 von
CHF/EUR 0.6474 bzw. CHF/USD 0.8081 [gemäss www.oanda.com]) an unten-
stehende Personen zu- bzw. abgeflossen (FFA-Bericht II., Teil I, S. 159):
Konsolidierter Mittelfluss Mittelzufluss Mittelabfluss
absolut in % absolut in % in % zum to-
talen Mittel-
zufluss
Finanzierung C. (inkl. Ver-
sicherungen)
280'295’973 73.8 % 193’250’145 49.7 % 50.9 %
Weitere Finanzierungen 2’0845’995 5.5 % 13'176’348 3.4 % 3.5 %
Maschinengeschäfte 6’530’514 1.7 % 13'887’400 3.6 % 3.7 %
Dritte 164’740 0.04 % 9’598’983 2.5 % 2.5 %
Beschuldigte A. 1'061’785 0.3 % 20’178’424 5.2 % 5.3 %
- 69 -
SK.2020.57
L. 2’066’564 0.5 % 8’188’605 2.1 % 2.2 %
Gesellschaften der Unter-
nehmens-Gruppe (ohne I.,
G., Q.)
9’014’787 2.4 % 15’257’504 3.9 % 4.0 %
Betriebsaufwand 1’639’606 0.4 % 32’167’868 8.3 % 8.5 %
Nahestehende Personen 129’480 0.03 % 2’754’766 0.7 % 0.7 %
Q. 58’175‘849 15.3 % 80’712’730 20.7 % 21.2 %
Total 379’925’295 100 % 389’172’773 100 %
b) Zahlungen der Vertragspartner an die G.
Gemäss Ausführungen im FFA-Bericht II. seien gestützt auf die edierten Bank-
unterlagen (vgl. TPF 510.068 ff.) überhaupt keine Zahlungen irgendeines Ver-
tragspartners auf die Konten der G. eingegangen, d.h. keine Zahlungen der fol-
genden Vertragspartner: DDD39., DDD20., DDD23., DDD31., DDD3., DDD18.,
DDD13., DDD9., DDD21., DDD28., DDD37., DDD19., DDD26., DDD34, DDD27.,
DDD2., DDD36., DDD30., DDD24., DDD5., DDD14., DDD10., DDD12., DDD4.,
DDD17., DDD22., DDD8., DDD15., DDD38., DDD29., DDD25., DDD6., DDD7.,
DDD11., DDD35., DDD33., DDD16., DDD32. (siehe FFA-Bericht II., Teil III-V,
jeweils Untertitel «Mittelfluss: Zahlungen [des Vertragspartners]»).
c) Zahlungen der Vertragspartner an die I.
Gemäss Ausführungen im FFA-Bericht II. seien gestützt auf die edierten Bank-
unterlagen (vgl. TPF 510.068 ff.) keine Zahlungen der folgenden Vertragspartner
auf die Konten der I. eingegangen: DDD39., DDD20., DDD23., DDD31., DDD3.,
DDD18., DDD13., DDD9., DDD21., DDD28., DDD37., DDD19., DDD26., DDD34,
DDD27., DDD2., DDD36., DDD30., DDD24., DDD14., DDD10., DDD12., DDD4.,
DDD17., DDD22., DDD8., DDD15., DDD38., DDD29., DDD25., DDD7., DDD11.,
DDD35., DDD33., DDD16., DDD32. (siehe FFA-Bericht II., Teil III-V, jeweils Un-
tertitel «Mittelfluss: Zahlungen [des Vertragspartners]»).
Es seien jedoch Zahlungen der folgenden Vertragspartner auf die Konten der I.
erfolgt:
Vertragspartner Gesamtbetrag Zeitraum der Zahlungen BA
DDD5. EUR 1’109’650 2003 – 2006 11.104-0189 mit Hinweis
auf die jeweiligen Konto-
auszüge in Fn. 811.
DDD6. EUR 1’665’000 März 2005 11.104-1057 mit Hinweis
auf den Kontoauszug in
Fn. 984.
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SK.2020.57
d) Zahlungen der Vertragspartner an die Q.
Gemäss Ausführungen im FFA-Bericht II. seien gestützt auf die edierten Bank-
unterlagen (vgl. TPF 510.068 ff.) und die edierten Buchhaltungsunterlagen
(BA B11.104.004-0013 bis 0029) keine Zahlungen der folgenden Vertragspartner
auf die Konten der Q. eingegangen: DDD20., DDD23., DDD31., DDD13.,
DDD21., DDD28., DDD37., DDD19., DDD26., DDD34, DDD27., DDD36.,
DDD30., DDD24., DDD5., DDD14., DDD10., DDD4., DDD22., DDD8., DDD38.,
DDD29., DDD25., DDD6., DDD7., DDD11., DDD33., DDD32. (siehe FFA-Bericht
II., Teil II, S. 18-33; Teil III-V, insbesondere jeweils Untertitel «Mittelfluss: Zahlun-
gen [des Vertragspartners]»).
Es seien jedoch Zahlungen der folgenden Vertragspartner auf die Konten der Q.
erfolgt:
Vertragspartner Gesamtbetrag Zeitraum der Zahlungen vgl. BA
DDD39. EUR 308'469.70 2005 – 2009 11.104-0570 mit Hinweis
auf die jeweiligen Konto-
auszüge in Fn. 725.
DDD3. EUR 6'365’00.– 2004 – 2008 11.104-0716 ff. mit Hinweis
auf die jeweiligen Konto-
auszüge in Fn. 181; 184.
DDD18. EUR 3'149'476.– 2005 11.104-0907 ff. mit Hinweis
auf die jeweiligen Konto-
auszüge in Fn. 190; 191;
193; 196; 197; 198; 202;
203; 207; 208; 212; 213.
DDD9. EUR 4'107'794.– 2007 – 2009 11.104-0866 ff. mit Hinweis
auf die jeweiligen Konto-
auszüge in Fn. 962; 965;
968; 973; 977; 978; 979.
DDD2. EUR 4’698’324.– 2004 – 2011 11.104-0490 ff. mit Hinweis
auf die jeweiligen Konto-
auszüge in Fn. 280; 290;
299; 312.
DDD12. EUR 375.– 2009 11.104-0633 mit Hinweis
auf den Kontoauszug in
Fn. 1036.
DDD17. EUR 7’585’500.– 2005 – 2009 11.104-0558 ff. mit Hinweis
auf die jeweiligen Konto-
auszüge in Fn. 675; 679;
683; 688; 692.
- 71 -
SK.2020.57
DDD15. EUR 2'196.– 2008 11.104-0615 mit Hinweis
auf den Kontoauszug in
Fn. 943.
DDD16. EUR 30'000.– Oktober/November 2004 11.104-0812 mit Hinweis
auf Kontoauszüge in
Fn. 696.
DDD35. EUR 271’981.– 2006 11.104-1006 f. mit Hinweis
auf die jeweiligen Konto-
auszüge in Fn. 722.
3.4.2.5 Aussagen Beschuldigte
Die Beschuldigte stritt den Anklagevorwurf im Vor- und Hauptverfahren durch-
wegs ab. Sie habe keine Dokumente gefälscht oder Dritte mit Fälschungen be-
auftragt und habe auch keine Kenntnis von angeblichen Scheingeschäften
(BA 13.001-0028 Z. 16; -0082 Z. 378; -0119 Z. 637 ff.; -0132 ff.; -0228 ff.; -0241
Z. 26 ff.; -0967 f.; TPF 731.017 f.). Allgemein zu den ihr zur Last gelegten Doku-
menten und den sich darauf befindenden Unterschriften gab sie im Vorverfahren
Folgendes an: Grundsätzlich seien alle Dokumente von der C. vordiktiert gewe-
sen und der I. auf neutralem Papier zugesendet worden. Anschliessend hätten
die «Damen dort, die gerade zuständig waren» den Text auf entsprechendem
Papier der I. oder Q. abgetippt (BA 13.001-1084 Z. 3 ff.).
Konkretere Angaben machte sie in Bezug auf Auftragsbestätigungen, Accep-
tance Certficates und Notifikationsschreiben: Die Auftragsbestätigungen seien
als Ersatz für eigentliche Kaufverträge mit den Vertragspartnern erstellt worden.
Zu Beginn des Vorverfahrens gab sie an, dass die Auftragsbestätigungen auf
ihre Anweisungen durch SS. – teilweise auch RR. – erstellt worden seien. An-
schliessend seien diese an die Q. bzw. J. übergeben worden, welcher die Unter-
schrift der Vertragspartner eingeholt habe und die unterschriebenen Auftragsbe-
stätigungen an die I. retourniert habe (BA 13.001-0065 Z. 244/246 f.; -0098
Z. 496; -0141 ff.; -0226 f.; -0240 Z. 19 ff.). Später und auf Vorhalt dieser Aussa-
gen erwiderte die Beschuldigte, SS. und RR. nicht ausdrücklich mit der Erstellung
von Auftragsbestätigungen beauftragt zu haben. Hierbei habe es sich vielmehr
um automatisierte Vorgänge gehandelt (BA 13.001-0980 f.). Es treffe aber zu,
dass die Auftragsbestätigungen in der I. erstellt worden seien (BA 13.001-0684
Z. 27 ff.; 0981 Z. 1). Sie wisse nicht, was anschliessend mit den Auftragsbestäti-
gungen passiert sei. Sie habe nie Originale gesehen und wisse nicht, wer die
Auftragsbestätigungen unterschrieben habe (BA 13.001-0685 Z. 30 ff.; -0686
Z. 1 ff.). Zu einem späteren Zeitpunkt habe sie Kopien der Auftragsbestätigungen
erhalten. Auf diesen Kopien habe sie anschliessend Folgendes vermerkt: «Diese
Kopie entspricht dem Original» (BA 13.001-0684 Z. 30 ff.). Bei der Unterschrift
- 72 -
SK.2020.57
der Auftragsbestätigungen sei sie nie anwesend gewesen. Den Vermerk habe
sie auf den ihr vorgelegten Kopien auf Anweisungen der C. bzw. B. angebracht,
da dies gemäss dessen Aussagen banküblich gewesen sei (BA 13.01-0686
Z. 23 ff.; -0687 Z. ff.; -0698 Z. 3 ff.). Ob die Kopien tatsächlich mit dem Original
übereinstimmten, habe sie nicht kontrolliert. Allgemein habe sie keine inhaltliche
Kontrolle der Auftragsbestätigungen vorgenommen (BA 13.001-0970 Z. 6 ff.;
-1082 Z. 22 ff.). Ähnliche Ausführungen machte die Beschuldigte hinsichtlich der
ihr vorgehaltenen Acceptance Certificates: Auch hiervon sollen ihr Kopien vorge-
legt worden sein, auf welchen sie den Vermerk «Diese Kopie entspricht dem Ori-
ginal» angebracht habe. Wer die Dokumente erstellt und unterschrieben habe,
wisse sie nicht (BA 13.001-1084 Z. 28 ff.; -1096 Z. 21 ff.; -1104 Z. 24 ff.). Auch
die Notifikationsschreiben seien jeweils bei der I. erstellt und anschliessend an
die Q. gesendet worden. Die Q. habe jeweils die Unterschrift der Vertragspartner
eingeholt und die Notifikationsschreiben an die I. retourniert. Anschliessend
seien diese an die C. gesendet worden (BA 13.001-0060 Z. 230; 0065 Z. 243).
An der Hauptverhandlung wiederholte sie ihre im Vorverfahren gemachten Aus-
sagen im Wesentlichen (TPF 731.021 ff.).
3.4.2.6 Aussagen L.
L. machte in Bezug auf die Vorwürfe gegen die Beschuldigte keine relevanten
Aussagen, sondern machte vielmehr von seinem Aussageverweigerungsrecht
Gebrauch (BA 13.006-0044 f.).
3.4.2.7 Aussagen JJ.
JJ. war im Zeitraum von 1994 bis 2004 einziger Verwaltungsrat der I. und im
Zeitraum von 2003 bis 2009 einziger Verwaltungsrat der G. (vgl. E. 2.1.1 f.). Hin-
sichtlich seiner Tätigkeit kann auf das Vorgenannte verwiesen werden (vgl.
E. 2.3.3.2a).
Konkrete Angaben zu den vorliegend relevanten Dokumenten aus seiner Ver-
waltungsratstätigkeit bis im Jahr 2004 konnte er im Vorverfahren lediglich in Be-
zug auf Notifikationsschreiben machen. Diese seien durch das Sekretariat der
Beschuldigten erstellt und an ihn weitergeleitet worden. Danach habe er die No-
tifikationsschreiben im Namen der I. unterschrieben, er könne sich aber nicht
mehr an die einzelnen Notifikationsschreiben erinnern. Nach der Unterschrift
habe er die Schreiben der Beschuldigten gegeben. Wer die Dokumente zur Un-
terschrift an die Vertragspartner weitergeleitet habe, wisse er nicht. Im Zeitpunkt
als er die Notifikationsschreiben unterschrieben habe, seien die Unterschriften
der Vertragspartner noch nicht vorhanden gewesen (BA 12.007-0219 ff.;
-0287 ff.).
- 73 -
SK.2020.57
3.4.2.8 Aussagen KK.
KK. war im Zeitraum von 2004 bis 2009 einziger Verwaltungsrat der I. und ab
2009 einziger Verwaltungsrat der G. (vgl. E. 2.1.1 f.). Hinsichtlich seiner Tätigkeit
innerhalb der I. kann auf das Vorgenannte verwiesen werden (vgl. E. 2.3.3.2b).
Konkrete Angaben zu den vorliegend relevanten Dokumenten konnte er im Vor-
verfahren lediglich in Bezug auf Notifikationsschreiben machen. Hierzu führte er
im Vorverfahren aus, diese jeweils im Namen der I. unterschrieben zu haben, da
auch sein Vorgänger JJ. dies getan habe. Die Notifikationsschreiben habe er je-
weils entweder von SS. oder RR. erhalten. Im Zeitpunkt als er die Notifikations-
schreiben unterschrieben habe, seien die Unterschriften der Vertragspartner
noch nicht darauf angebracht gewesen. Was danach mit den Notifikationsschrei-
ben passiert sei, wisse er nicht (BA 12.003-0102; -0214 ff.). Anlässlich der Haupt-
verhandlung gab KK. in allgemeiner Hinsicht an, dass sicherlich die Beschuldigte
und noch weitere Mitarbeiter Zugriff auf die Auftragsbestätigungen und die Noti-
fikationsschreiben gehabt hätten (TPF 761.009 f.). Er selbst habe – ausser der
Unterschreibung der Notifikationsschreiben und Finanzierungsverträge – keine
Aufgaben im Zusammenhang mit den vorliegend relevanten Dokumenten inne-
gehabt (TPF 761.008 f.).
3.4.2.9 Aussagen PP.
PP. war im Zeitraum von 2009 bis 2010 einziger Verwaltungsrat der I. (vgl. E.
2.1.2). Hinsichtlich seiner Tätigkeit innerhalb der I. kann auf das Vorgenannte
verwiesen werden (vgl. E. 2.3.3.2c). Zu den vorliegend relevanten Dokumenten
machte PP. im Vorverfahren keine wesentlichen Aussagen.
3.4.2.10 Aussagen RR.
RR. war Assistentin der Beschuldigten (vgl. E. 2.3.3.2e). Allgemein zu den vor-
liegend relevanten Dokumenten gab RR. im Vorverfahren Folgendes an: Die Do-
kumente im Zusammenhang mit der Finanzierung durch die C. seien lediglich
durch sie und SS. erstellt worden (BA 12.002-0162 Z. 11 ff.). Konkretere Anga-
ben machte RR. in Bezug auf Auftragsbestätigungen und Notifikationsschreiben.
Erstere habe sie jeweils zusammen mit SS. für die C. im Auftrag der Beschuldig-
ten erstellt (BA 12.002-0041 f.; -0123). Die Vorlage für diese Auftragsbestätigun-
gen habe sie von der Q. erhalten und zusammen mit J. entworfen (BA 12.002-
0124). Nach der Erstellung der Auftragsbestätigungen habe sie diese jeweils der
Beschuldigten übergeben. In diesem Zeitpunkt seien die Auftragsbestätigungen
noch nicht unterschrieben gewesen (BA 12.002-0125 Z. 12 ff.). Wer die Doku-
mente unterschrieben habe, wisse sie nicht. Die Beschuldigte habe ihr diesbe-
züglich nur jeweils gesagt, dass die Auftragsbestätigungen bei J. zur Unterschrift
- 74 -
SK.2020.57
seien (BA 12.002-0041 f.; -0123). Zu einem späteren Zeitpunkt seien Kopien der
durch J. und den jeweiligen Vertragspartner unterschriebenen Auftragsbestäti-
gungen an sie retourniert worden. In Bezug auf die Notifikationsschreiben gab
RR. an, diese zusammen mit SS. im Auftrag der C. bzw. B. erstellt zu haben
(BA 12.002-0111 f.). Diese Notifikationsschreiben seien ihr jeweils von der C.
bzw. B. zugesendet worden. Sie habe die Dokumente dann auf Papier mit dem
Logo der I. ausgedruckt und anschliessend KK. zur Unterschrift gegeben (BA
12.002-0113). Nachdem KK. die Notifikationsschreiben unterschrieben habe,
seien diese an die C. gesendet worden. Wie die Unterschriften der Vertrags-
partner auf die Dokumente gekommen seien, wisse sie nicht (BA 12.002-0114 f.).
Anlässlich der Hauptverhandlung gab RR. zu Protokoll, dass die Auftragsbestä-
tigungen und Notifikationsschreiben durch SS. vorbereitet und erstellt worden
seien; die Auftragsbestätigungen teilweise auch durch sie selbst (TPF
762.006/008). Wie die Unterschriften von J. und den Käufern der Schmiedepres-
sen auf die Dokumente gekommen sei, wisse sie nicht (TPF 762.006 ff.).
3.4.2.11 Aussagen SS.
SS. hat die Assistenz der Geschäftsleitung, RR., unterstützt (vgl. E. 2.3.3.2f). In
dieser Funktion habe sie u.a. Briefe für die Beschuldigte geschrieben und sei in
Kontakt zu den Banken und Versicherungen gestanden (BA 12.004-0029
Z. 28 ff.).
Konkrete Angaben machte SS. in Bezug auf Auftragsbestätigungen und Notifi-
kationsschreiben. Erstere habe sie im Auftrag der Beschuldigten auf Q.-Papier
geschrieben (BA 12.004-0032 Z. 17 ff.). Zu Beginn ihrer Tätigkeit habe auch RR.
Auftragsbestätigungen erstellt. Auf Vorhalt einer Auftragsbestätigung vom 2. Ok-
tober 2007 führte SS. aus, dass zu dieser Zeit ausser ihr niemand anderes Auf-
tragsbestätigungen erstellt habe; ausser ausnahmsweise RR., falls sie selbst
nicht anwesend gewesen sei (BA 12.004-0033). Nach Erstellung der Auftragsbe-
stätigungen habe sie diese der Beschuldigten weitergegeben. Zu einem späteren
Zeitpunkt habe die Beschuldigte die von J. und den Vertragspartnern unterschrie-
benen Auftragsbestätigungen an sie retourniert. Sie habe nie gesehen, wie die
Auftragsbestätigungen unterschrieben worden seien (BA 12.004-0032 Z. 17 ff.; -
0127 f.). Kopien der unterschriebenen Auftragsbestätigungen seien anschlies-
send an die Bank gesendet worden. Auf diesen Kopien sei jeweils der Vermerk
«Diese Kopie entspricht dem Original» sowie ein I.-Stempel angebracht worden.
In diesem Zeitpunkt seien die Auftragsbestätigungen bereits durch J. und die je-
weiligen Vertragspartner unterschrieben gewesen (BA 12.004-0037 Z. 2 ff.). In
- 75 -
SK.2020.57
Bezug auf Notifikationsschreiben gab SS. lediglich an, solche Dokumente zu-
sammen mit RR. im Auftrag der Beschuldigten erstellt zu haben (BA 12.004-
0121 ff.).
3.4.2.12 Aussagen J.
J. war im anklagerelevanten Zeitraum Geschäftsführer der Q. (vgl. E. 2.1.3). In
Bezug auf seine Aussagen zum Tätigkeitsbereich der Q. und seiner Stellung
kann auf das Vorgenannte verwiesen werden (vgl. E. 2.3.3.2d).
Hinsichtlich der vorliegend relevanten Dokumente gab er im Vorverfahren an,
dass es sich bei sämtlichen im vorliegenden Strafverfahren interessierenden Auf-
tragsbestätigungen um Fälschungen handle, indem unter anderem sowohl seine
Unterschrift als auch die Unterschrift der Vertragspartner gefälscht worden seien.
Er wisse nicht, wer diese Unterschriften gefälscht habe (BA 13.004-0377
Z. 20 f./32). Die in den Dokumenten erwähnten Gesellschaften hätten sodann
teilweise auch weder zur I. noch zur Q. Geschäftsbeziehungen gepflegt
(BA 13.004-0422 Z. 28 ff./-0423 Z. 1 f.; -0432 Z. 3 ff.; -0432 Z. 24 f.; -0433
Z. 2 ff.). Im Vorverfahren präzisierte J. in Bezug auf einzelne ihm vorgehaltene
Auftragsbestätigungen, Notifikationsschreiben und Acceptance Certificates,
dass die darauf enthaltenen Unterschriften gefälscht seien (vgl. BA 13.004-0430
Z. 8 f.; -0430 Z. 25 f.; -0431 Z. 5; -0421 Z. 1 ff.; -0431 Z. 23 [betreffend Auftrags-
bestätigungen gemäss E. 3.4.1, Ziff. 34, 61, 75, 89, 133]; BA 13.004-0425 Z. 39
f.; -0430 Z. 12 bzw. -0430 Z. 32; -0431 Z. 12 f.; -0421 Z. 28; -0422 Z. 5 f.; -0426
Z. 25 ff.; -0427 Z. 10 ff.; -0431 Z. 25 f. [betreffend Notifikationsschreiben gemäss
E. 3.4.1, Ziff. 35, 62, 76, 84, 88, 109, 118, 134]; BA 13.004-0410 Z. 37 ff.; 0413
Z. 17 ff.; -0415 Z. 25 ff.; -0417 Z. 2 ff.; 0418 Z. 32 ff.; -0424 Z. 6 ff.; -0425 Z. 34 f.
[betreffend Acceptance Certificates gemäss E. 3.4.1, Ziff. 1, 2, 3, 4, 5, 27, 31]).
Auch anlässlich seiner Zeugeneinvernahme an der Hauptverhandlung gab er an,
dass sämtliche Auftragsbestätigungen, die er gesehen habe, gefälscht seien; er
wisse aber nicht, wer diese gefälscht habe (TPF 763.008).
3.4.2.13 Aussagen Beschuldigter B.
B. gab im Vorverfahren an, er sei als Vizedirektor der C. angestellt worden und
sei schliesslich zum stellvertretenden Direktor aufgestiegen. In diesen Funktio-
nen habe er bis zu seiner fristlosen Kündigung Mitte März 2010 sich mit der Han-
delsfinanzierung, d.h. mit dem Ankauf von Forderungen aus Exportgeschäften,
befasst (BA 13.005-0043 ff.). Er habe in diesen Funktionen insbesondere seit
2001 die Geschäfte der I. betreut (BA 13.005-0057; -0059). Während der Ge-
schäftsbeziehung sei die Beschuldigte seine einzige Ansprechperson innerhalb
der I. gewesen (BA 13.005-0057).
- 76 -
SK.2020.57
Befragt zur Geschäftsbeziehung zwischen der C. und der I. gab B. im Vorverfah-
ren zusammengefasst Folgendes an: Die C. habe für die I. den Einkauf von
Schmiedepressen und deren Auffrischung und Transport vorfinanziert (BA
13.005-0062 f.). Er habe mit der Beschuldigten seit 2001 über Jahre hinweg in
guten Treuen Geschäfte gemacht. Es sei für ihn ein riesiger Schock gewesen,
als er erfahren habe, dass es betrügerische Geschäfte gewesen seien. Er habe
immer an die Echtheit der Geschäfte geglaubt (BA 13.005-0047; -0057; -0081; -
0252). Die Finanzierungsgeschäfte seien während der Geschäftsbeziehung im
Wesentlichen gleich abgelaufen: Es habe für jedes zu finanzierende Geschäft
einen separaten Vertrag gegeben (BA 13.005-0060; -0068; detailliert in Bezug
auf die Finanzierungsverträge vgl. E. 4.4.1). Insbesondere hätte die I. für jedes
Geschäft die gleichen Dokumente einreichen müssen (BA 13.005-0061). Vorab
habe er die Zusage der Kreditversicherung erhalten, dass das Geschäft gedeckt
sei (BA 13.005-0061). Anschliessend seien ihm unter anderem die vorliegend
relevanten Auftragsbestätigungen (BA 13.005-0061; -0160) und Notifikations-
schreiben (BA 13.005-0160; -0168) zugestellt worden. Ab dem Jahr 2009 seien
jeweils auch zusätzlich Bestätigungen der Vertragspartner verlangt worden (BA
13.005-0266 f.). Konkretere Angaben zu den vorliegend relevanten Dokumenten
konnte er im Vorverfahren nicht machen (BA 13.005-0161 f.; -0177 f.). Anlässlich
der Hauptverhandlung machte B. von seinem Aussageverweigerungsrecht Ge-
brauch (TPF 732.001 ff.).
3.4.2.14 Aussagen Zeuge Dr. BBB.
Dr. BBB. ist Notar in UU. Im Vorverfahren machte er geltend, dass sämtliche Un-
terschriftenbeglaubigungen, d.h. die Dokumente gemäss E. 3.4.1, Ziff. 147, 161,
168, 172, 176, 180, 184, 188, 192, 186 – mit Ausnahme des Dokuments Ziff. 199,
zu welchem er nicht befragt worden ist – gefälscht seien (BA 12.041-0053
Z. 32 ff.; -0054 Z. 6 ff.; -0054 Z. 27 ff.; -0055 Z. 36 ff.;-0055 Z. 15 ff.; -0056
Z. 16 ff.; -0057 Z. 10 ff.; -0057 Z. 31 ff.; -0058 Z. 12 ff.;-0056 Z. 25 ff.). Hierzu
präzisierte er zusammengefasst, dass der Inhalt dieser Beglaubigungen – insbe-
sondere die darin verwendeten Begriffe bzw. Wortreihenfolge – nicht mit dem
Inhalt seiner echten Beglaubigungen übereinstimmen würde (BA 12.041-0054
Z. 9 ff./33 ff.).
3.4.3 Zu den einzelnen Tatbestandselementen
3.4.3.1 Urkundencharakter
Die der Beschuldigten im Zusammenhang mit der Herstellung unechter Urkun-
den zur Last gelegten Dokumenten liegen bei den Akten. Diese sind im Rahmen
der Urkundenfälschung i.e.S. aus nachfolgenden Gründen allesamt als Urkun-
den i.S.v. Art. 110 Abs. 4 StGB zu qualifizieren: Die nötige Beweiseignung und
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SK.2020.57
Beweisbestimmung ergibt sich direkt aus dem Inhalt der jeweiligen Dokumente
(vgl. E. 3.4.2.1), sind diese doch dazu geeignet und bestimmt, Tatsachen im Zu-
sammenhang mit den Geschäften der I. und Q. bzw. den diesen zugrundeliegen-
den Finanzierungen durch die C. und die Bank E. zu beweisen; namentlich die
Bestellung, die Lieferung, den Empfang und die Bezahlung von Schmiedepres-
sen durch die Vertragspartner (Auftragsbestätigung, Acceptance Certificate, Be-
stätigung Q. zur Auftragsbestätigung, Zahlungseingangsbestätigung, Saldobe-
stätigung Vertragspartner, Bestellbestätigung Vertragspartner, notarielle Unter-
schriftenbeglaubigung) sowie die Abtretung der aus diesen Geschäften entstan-
denen Forderung an die C. und die Bank E. (Notifikationsschreiben, Forderungs-
abtretung). Ob es sich bei den Dokumenten um Kopien oder Originale handelt ist
im Übrigen nicht massgebend, da gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung
auch Kopien Urkundenqualität zukommt (BGE 120 IV 179 E. 1c/aa).
3.4.3.2 Unechtheit der Urkunden
Eine Urkunde ist unecht, wenn deren wirklicher Urheber nicht mit dem aus ihr
ersichtlichen angeblichen Aussteller übereinstimmt bzw. wenn sie den Anschein
erweckt, sie rühre von einem anderen als ihrem tatsächlichen Urheber her (vgl.
E. 3.3). Um bestimmen zu können, ob die der Beschuldigten zur Last gelegten
Urkunden unecht sind, ist demnach zu prüfen, wer erkennbarer Aussteller der
Urkunden ist, und ob die Urkunden nicht vom erkennbaren Aussteller erstellt wor-
den sind. Hierbei ist zwischen den unterschiedlichen, vorliegend relevanten, Do-
kument-Typen zu differenzieren.
a) Auftragsbestätigungen
aa) In Bezug auf die 68 Auftragsbestätigungen erhebt die Bundesanwaltschaft
den Vorwurf, dass die Unterschriften im Namen des jeweiligen (angeblichen) Ver-
tragspartners sowie die Unterschriften von J. bzw. der Stempel im Namen der Q.
gefälscht seien.
bb) Aus den Dokumenten ergibt sich Folgendes: Angebliche Ausstellerin der Auf-
tragsbestätigungen ist einerseits die Q., was sich aus dem Briefkopf und dem
jeweils auf den Dokumenten angebrachten Firmenstempel der Q. ergibt. Unab-
hängig davon, dass die Dokumente auf Briefpapier der Q. gedruckt sind, gelten
andererseits auch die jeweiligen (angeblichen) Vertragspartner als angebliche
Aussteller der Auftragsbestätigungen. Dies ergibt sich daraus, dass der jeweilige
(angebliche) Vertragspartner durch das Anbringen einer Unterschrift in seinem
Namen zu erkennen gibt, dass er dem in der Auftragsbestätigung enthaltenen
Angebot in Bezug auf den Kauf und die Lieferung der Schmiedepresse zustimmt.
Es liegt demnach dem Anschein nach eine übereinstimmende gegenseitige Wil-
lensäusserung zwischen dem jeweiligen (angeblichen) Vertragspartner und der
- 78 -
SK.2020.57
I. bzw. der Q. vor (Art. 1 Abs. 1 OR). Insofern handelt es sich bei den Dokumen-
ten nicht lediglich um einseitige Bestätigungen, sondern – wie die Beschuldigte
selbst ausführte (vgl. E. 2.2.3) – um Verträge zum Kauf bzw. Verkauf von
Schmiedepressen. Somit sind die in den Auftragsbestätigungen enthaltenen Er-
klärungen auch dem jeweiligen (angeblichen) Vertragspartner zuzurechnen.
cc) Hinsichtlich des wirklichen Ausstellers ist Folgendes festzuhalten: Die jewei-
ligen Vertragspartner machten anlässlich der im Vorverfahren eingeholten Aus-
künfte in Bezug auf 57 der insgesamt 68 Auftragsbestätigungen ausdrücklich gel-
tend, dass die sich darauf befindenden Unterschriften resp. Firmenstempel ge-
fälscht seien (vgl. E. 3.4.2.2); dies betrifft Auskünfte von insgesamt 30 Vertrags-
partnern (konkret Auskünfte der DDD39., DDD20., DDD23., DDD31., DDD3.,
DDD18., DDD9., DDD21., DDD37., DDD19., DDD26., DDD34, DDD27., DDD2.,
DDD36., DDD24., DDD5., DDD14., DDD10., DDD12., DDD4., DDD17., DDD15.,
DDD38., DDD25., DDD7., DDD11., DDD1., DDD33., DDD32.). In Bezug auf die
übrigen 11 Auftragsbestätigungen konnten die jeweiligen Vertragspartner keine
Auskünfte hinsichtlich der Echtheit der darauf in ihrem Namen angebrachten Un-
terschriften machen oder sie wurden hierzu nicht explizit befragt. 6 der jeweiligen
Vertragspartner (DDD13., DDD28., DDD30., DDD22., DDD8., DDD29.) gaben
allerdings ausdrücklich an, keine Geschäftsbeziehungen zur G., I. und Q. ge-
pflegt zu haben (vgl. E. 3.4.2.2); dies betrifft insgesamt weitere 10 Auftragsbe-
stätigungen (konkret die Dokumente gemäss E. 3.4.1, Ziff. 46, 51, 65, 83, 87, 89,
90, 103, 112, 145). Das Gericht geht bereits gestützt auf diese unabhängig von-
einander erfolgten und für das Gericht glaubhaften Aussagen von insgesamt 36
befragten Vertragspartner davon aus, dass die auf insgesamt 67 Auftragsbestä-
tigungen angebrachten Unterschriften im Namen der Vertragspartner gefälscht
sind. Dies stimmt sodann auch mit der Auswertung der eingeholten Kontoaus-
züge und Buchhaltungsunterlagen überein: Von insgesamt 27 der vorgenannten
36 Vertragspartnern sind keine Zahlungen an die Q. – welche gemäss Aussagen
der Beschuldigten alle Kundenzahlungen erhalten haben soll (vgl. E. 2.2.3) – er-
folgt und verbucht worden (DDD20., DDD23., DDD31., DDD13., DDD21.,
DDD28., DDD37., DDD19., DDD26., DDD34, DDD27., DDD36., DDD30.,
DDD24., DDD5., DDD14., DDD10., DDD4., DDD22., DDD8., DDD38., DDD29.,
DDD25., DDD7., DDD11., DDD33., DDD32.; vgl. E. 3.4.2.4d). Dass nicht be-
kannt ist, ob Zahlungen der DDD1. erfolgten bzw. dass Zahlungen der übrigen 8
Vertragspartner an die Q. erfolgt sind, ändert daran nichts, stehen die Zahlungen
– wie sich aus den bezahlten Beträgen, dem Zeitpunkt der Zahlung sowie den
von den Vertragspartnern eingereichten Unterlagen ergibt – doch nicht im Zu-
sammenhang mit den in den Auftragsbestätigungen erwähnten Schmiede-
presse-Käufen (siehe BA 11.104-0570 [betreffend DDD39.]; -0716 ff. [betreffend
DDD3.]; -0907 ff. [betreffend DDD18.]; -0866 ff. [betreffend DDD9.];
-0490 ff. [betreffend DDD2.]; -0633 [betreffend DDD12.]; -0558 ff. [betreffend
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SK.2020.57
DDD17.]; -0615 [betreffend DDD15.]). Im Übrigen sind – mit Ausnahme der
DDD5., die Zahlungen an die I. geleistet hat – auch keine Zahlungen an die an-
deren in das operative Geschäft involvierten Gesellschaften, d.h. an die G. und
die I., erfolgt (vgl. E. 3.4.2.4b/c).
In der Folge ist lediglich noch näher auf die verbleibende Auftragsbestätigung
einzugehen, zu welcher sich der angebliche Vertragspartner nicht geäussert hat,
konkret auf die Auftragsbestätigung vom 17. April 2009 (BA B15.102.109-00047,
Dokument gemäss E. 3.4.1, Ziff. 158). Diese betrifft ein Geschäft zwischen der
Q. und der DDD35. betreffend eine 8'000 Tonnen Presse zum Preis von
EUR 5,4 Millionen. Die zuständige Vertreterin der DDD35., EEE., gab am
7. Mai 2014 an, dass die DDD35. keine Geschäftsbeziehungen zur I. und G. ge-
pflegt habe. Überdies gab sie an, dass zur Q. lediglich eine Geschäftsbeziehung
im Jahr 2006 bestanden habe, wofür sie entsprechende Unterlagen (Auftragsbe-
stätigung und Rechnung) einreichte; für das Jahr 2009 konnten keine entspre-
chenden Unterlagen erhältlich gemacht werden (BA 18.314-0106 ff.). Diese Aus-
sagen decken sich sodann mit der Analyse der Kontoauszüge und Buchhaltungs-
unterlagen, wonach lediglich im Jahr 2006 Zahlungen der DDD35. auf die Konten
der Q. erfolgten (vgl. E. 3.4.2.4d). Im Übrigen gingen auch keine Zahlungen der
DDD35. an die G. und die I. ein. Da die DDD35. keine Unterlagen für ein allfälli-
ges Geschäft im Jahr 2009 einreichen konnte und überdies keine Zahlung ab
dem Jahr 2009 bei der in das operative Geschäft involvierten Gesellschaften ein-
ging, ist für das Gericht erstellt, dass das in der Auftragsbestätigung vom 17. Ap-
ril 2009 erwähnte Geschäft zwischen der Q. und der DDD35. nicht stattgefunden
hat und die im Namen der DDD35. angebrachte Unterschrift folglich gefälscht ist.
dd) Nach dem Gesagten bestehen für das Gericht keine Zweifel, dass sämtliche
auf den Auftragsbestätigungen im Namen der jeweiligen Vertragspartner ange-
brachten Unterschriften resp. Firmenstempel gefälscht sind. Der wirkliche Aus-
steller der Auftragsbestätigungen stimmt somit nicht mit dem erkennbaren Aus-
steller überein. Sämtliche 68 Auftragsbestätigungen sind daher als unechte Ur-
kunden zu qualifizieren. Ob darüber hinaus auch die Unterschrift von J. – wie die
Bundesanwaltschaft geltend macht – gefälscht ist, kann offenbleiben. Wie noch
zu zeigen sein wird (vgl. E. 3.4.3.3, 3.6), kann der Beschuldigten lediglich der
Gebrauch, nicht aber die Herstellung der unechten Urkunden nachgewiesen wer-
den. Aus diesem Grund ist nicht massgebend, ob diese eine oder zwei gefälschte
Unterschriften aufweisen, wirkt sich die Anzahl gefälschter Unterschriften beim
Gebrauch unechter Urkunden doch weder auf die Strafbarkeit noch das Ver-
schulden der Beschuldigten aus.
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SK.2020.57
b) Notifikationsschreiben
aa) In Bezug auf die 64 Notifikationsschreiben erhebt die Bundesanwaltschaft
den Vorwurf, dass die Unterschriften im Namen des jeweiligen (angeblichen) Ver-
tragspartners gefälscht seien.
bb) Aus den Dokumenten ergibt sich Folgendes: Angebliche Ausstellerin der Auf-
tragsbestätigungen ist einerseits die I., was sich aus dem Briefpapier und der
jeweils auf den Dokumenten angebrachten Signatur der I. ergibt. Darüber hinaus
gelten aber auch die jeweiligen (angeblichen) Vertragspartner als angebliche
Aussteller der Notifikationsschreiben. Die jeweils neben der Signatur der I. ange-
brachte Unterschriften sind zwar nicht explizit in deren Namen angebracht. Die
Notifikationsschreiben sind allerdings jeweils an die (angeblichen) Vertrags-
partner adressiert und fordern diese auf, die Abtretung der Forderung an die C.
zu bestätigen und zur Kenntnis zu nehmen. Mit der Unterschrift wird diese Be-
stätigung und Kenntnisnahme durch die (angeblichen) Vertragspartner zum Aus-
druck gebracht, wodurch diese Erklärung ihnen zurechenbar wird.
cc) Hinsichtlich des wirklichen Ausstellers ist Folgendes festzuhalten: Die jewei-
ligen Vertragspartner machten anlässlich der im Vorverfahren eingeholten Aus-
künfte in Bezug auf 49 der insgesamt 64 Notifikationsschreiben ausdrücklich gel-
tend, dass die sich darauf befindenden Unterschriften resp. Firmenstempel ge-
fälscht seien (vgl. E. 3.4.2.2); dies betrifft Auskünfte von insgesamt 26 Vertrags-
partnern (konkret Auskünfte der DDD39., DDD20., DDD23., DDD31., DDD3.,
DDD18., DDD9., DDD21., DDD37., DDD19., DDD26., DDD34, DDD27., DDD2.,
DDD36., DDD24., DDD14., DDD10., DDD12., DDD4., DDD17., DDD38.,
DDD25., DDD7., DDD11., DDD33.). In Bezug auf die übrigen 15 Notifikations-
schreiben konnten die jeweiligen Vertragspartner keine Auskünfte hinsichtlich
der Echtheit der darauf in ihrem Namen angebrachten Unterschriften machen
oder sie wurden hierzu nicht explizit befragt. 5 der jeweiligen Vertragspartner
(DDD13., DDD28., DDD30., DDD22., DDD29.) gaben allerdings ausdrücklich an,
keine Geschäftsbeziehungen zur G., I. und Q. gepflegt zu haben (vgl. E. 3.4.2.2);
dies betrifft insgesamt weitere 8 Notifikationsschreiben (konkret die Dokumente
gemäss E. 3.4.1, Ziff. 48, 52, 66, 84, 88, 91, 104, 148). Das Gericht geht bereits
gestützt auf diese unabhängig voneinander erfolgten und für das Gericht glaub-
haften Aussagen von insgesamt 31 befragten Vertragspartner davon aus, dass
die auf insgesamt 57 Notifikationsschreiben angebrachten Unterschriften im Na-
men der Vertragspartner gefälscht sind. Dies stimmt sodann auch mit der Aus-
wertung der eingeholten Kontoauszüge und Buchhaltungsunterlagen überein:
Von insgesamt 24 der vorgenannten 31 Vertragspartnern sind keine Zahlungen
an die Q. – welche gemäss Aussagen der Beschuldigten alle Kundenzahlungen
erhalten haben soll (vgl. E. 2.2.3) – erfolgt und verbucht worden (DDD20.,
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SK.2020.57
DDD23., DDD31., DDD13., DDD21., DDD28., DDD37., DDD19., DDD34.,
DDD26., DDD27., DDD36., DDD30., DDD24., DDD14., DDD10., DDD4.,
DDD22., DDD38., DDD29., DDD25., DDD7., DDD11., DDD33.; vgl. E. 3.4.2.4d).
Dass Zahlungen der übrigen 7 Vertragspartner an die Q. erfolgt sind, ändert da-
ran nichts, stehen die Zahlungen – wie sich aus den bezahlten Beträgen, dem
Zeitpunkt der Zahlung sowie den von den Vertragspartnern eingereichten Unter-
lagen ergibt – doch nicht im Zusammenhang mit den in den Notifikationsschrei-
ben erwähnten Schmiedepresse-Käufen (siehe BA 11.104-0570 [betreffend
DDD39.]; -0716 ff. [betreffend DDD3.]; -0907 ff. [betreffend DDD18.];
-0866 ff. [betreffend DDD9.]; -0490 ff. [betreffend DDD2.]; -0633 [betreffend
DDD12.]; -0558 ff. [betreffend DDD17.]). Im Übrigen sind von diesen Vertrags-
partnern auch keine Zahlungen an die anderen in das operative Geschäft invol-
vierten Gesellschaften, d.h. an die G. und die I., erfolgt (vgl. E. 3.4.2.4b/c).
In Bezug auf die verbleibenden 7 Notifikationsschreiben, zu welchen sich die an-
geblichen Vertragspartner nicht konkret geäussert haben (konkret die Doku-
mente gemäss E. 3.4.1, Ziff. 64, 113, 122, 130, 150, 159, 165), ist zu erwähnen,
dass sich diese inhaltlich jeweils auf ein in einer gefälschten Auftragsbestätigung
festgehaltenes Geschäft zwischen der Q. und einem Vertragspartner beziehen.
Insofern kann auf das Vorgenannte verwiesen werden (vgl. dazu E. 3.4.3.2a).
Bereits deshalb ist davon auszugehen, dass die entsprechenden Unterschriften
auf den Notifikationsschreiben gefälscht sind; ist doch nicht ersichtlich wieso der
jeweilige Vertragspartner die Abtretung einer Forderung aus einem nicht zu-
stande gekommenen bzw. nicht existenten Kaufvertrag zur Kenntnis nehmen
sollte. Folglich hat das Gericht auch in Bezug auf diese 7 Notifikationsschreiben
keine Zweifel, dass die im Namen der Vertragspartner angebrachten Unterschrif-
ten gefälscht sind. Dies stimmt für die Unterschriften im Namen der DDD8. und
DDD32. (Dokumente gemäss E. 3.4.1, Ziff. 113 und 122) sodann auch mit der
Analyse des Geldflusses überein, wonach von diesen Vertragspartnern keine
Zahlungen an die Q., I. und G. eingegangen sind (vgl. E. 3.4.2.4). In Bezug auf
die Unterschriften im Namen der DDD5. (Dokumente gemäss E. 3.4.1, Ziff. 130
und 165) ergibt sich im Übrigen auch bereits aus dem in sich schlüssigen und
nachvollziehbaren Gutachten des Forensischen Institutes Zürich, dass die ent-
sprechenden Unterschriften von FFF. im Namen der DDD5. gefälscht sind (vgl.
E. 3.4.2.3).
dd) Nach dem Gesagten hat das Gericht keine Zweifel, dass sämtliche auf den
Notifikationsschreiben im Namen der jeweiligen Vertragspartner angebrachten
Unterschriften resp. Firmenstempel gefälscht sind. Der wirkliche Aussteller der
Auftragsbestätigungen stimmt somit nicht mit dem erkennbaren Aussteller über-
ein. Sämtliche 64 Notifikationsschreiben sind daher unechte Urkunden.
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SK.2020.57
c) Acceptance Certificates
aa) In Bezug auf die 33 Acceptance Certificates erhebt die Bundesanwaltschaft
den Vorwurf, dass die Unterschriften im Namen des jeweiligen (angeblichen) Ver-
tragspartners sowie die Unterschriften von J. resp. der Firmenstempel der Q. ge-
fälscht seien.
bb) Aus den Dokumenten ergibt sich Folgendes: Angeblicher Aussteller der
Acceptance Certificates sind die jeweiligen (angeblichen) Vertragspartner. Die
Dokumente sind zwar auf Briefpapier der I. gedruckt und enthalten deren Kon-
taktdaten. Aufgrund des Inhalts ergibt sich jedoch, dass die jeweiligen (angebli-
chen) Vertragspartner mit den Acceptance Certificates dem Anschein nach die
Lieferung bzw. den Erhalt der jeweiligen Schmiedepresse bestätigen. Die Doku-
mente sind sodann auch im Namen des jeweiligen (angeblichen) Vertragspart-
ners unterschrieben, wodurch diese Erklärung ihm zurechenbar wird.
cc) Hinsichtlich des wirklichen Ausstellers ist Folgendes festzuhalten: Die jewei-
ligen Vertragspartner machten anlässlich der im Vorverfahren eingeholten Aus-
künfte in Bezug auf 24 der insgesamt 33 Acceptance Certificates ausdrücklich
geltend, dass die sich darauf befindenden Unterschriften resp. Firmenstempel
gefälscht seien (vgl. E. 3.4.2.2); dies betrifft Auskünfte von insgesamt 13 Ver-
tragspartnern (konkret Auskünfte der DDD3., DDD18., DDD9., DDD2., DDD5.,
DDD10., DDD4., DDD17., DDD15., DDD6., DDD7., DDD11., DDD16.). In Bezug
auf die übrigen 12 Acceptance Certificates konnten die jeweiligen Vertrags-
partner keine Auskünfte hinsichtlich der Echtheit der darauf in ihrem Namen an-
gebrachten Unterschriften machen oder sie wurden hierzu nicht explizit befragt.
Einer der jeweiligen Vertragspartner (DDD13.) gab allerdings ausdrücklich an,
keine Geschäftsbeziehungen zur G., I. und Q. gepflegt zu haben (vgl. E. 3.4.2.2);
dies betrifft ein weiteres Acceptance Certificate (konkret das Dokument gemäss
E. 3.4.1, Ziff. 40). Das Gericht geht bereits gestützt auf diese unabhängig vonei-
nander erfolgten und für das Gericht glaubhaften Aussagen von insgesamt
14 befragten Vertragspartner davon aus, dass die auf insgesamt 25 Acceptance
Certificates angebrachten Unterschriften im Namen der Vertragspartner ge-
fälscht sind. Dies stimmt sodann auch mit der Auswertung der eingeholten Kon-
toauszüge und Buchhaltungsunterlagen überein: Von insgesamt 7 der vorge-
nannten 14 Vertragspartnern sind keine Zahlungen an die Q. – welche gemäss
Aussagen der Beschuldigten alle Kundenzahlungen erhalten haben soll (vgl.
E. 2.2.3) – erfolgt und verbucht worden (DDD13., DDD5., DDD10., DDD4.,
DDD6., DDD7., DDD11.). Dass Zahlungen der übrigen 7 Vertragspartner an die
Q. erfolgt sind, ändert daran nichts, stehen die Zahlungen – wie sich aus den
bezahlten Beträgen, dem Zeitpunkt der Zahlung sowie den von den Vertragspart-
nern eingereichten Unterlagen ergibt – doch nicht im Zusammenhang mit den in
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SK.2020.57
den Acceptance Certificates erwähnten Schmiedepresse-Käufen (siehe BA
11.104-0716 ff. [betreffend DDD3.];-0907 ff. [betreffend DDD18.]; -0866 ff. [be-
treffend DDD9.];-0490 ff. [betreffend DDD2.]; -0558 ff. [betreffend
DDD17.]; 0615 [betreffend DDD15.]; -0812 [betreffend DDD16.]; -1006 f. [betref-
fend DDD35.]). Im Übrigen sind – mit Ausnahme der DDD5. und der DDD6., die
Zahlungen an die I. geleistet haben – auch keine Zahlungen an die anderen in
das operative Geschäft involvierten Gesellschaften, d.h. an die G. und I., erfolgt
(vgl. E. 3.4.2.4b/c).
In Bezug auf die verbleibenden 8 Acceptance Certificates (konkret die Doku-
mente gemäss E. 3.4.1, Ziff. 5, 6, 7, 13, 16, 23, 28, 30) ist Folgendes festzuhal-
ten: Die jeweiligen Vertragspartner haben sich zwar nicht zu den darauf enthal-
tenen Unterschriften geäussert bzw. wurden hierzu nicht befragt. Allerdings wur-
den sie zu den dazugehörigen, inhaltlich den Kauf derselben Schmiedepresse
betreffenden Auftragsbestätigungen und mehrheitlich auch zu den Notifikations-
schreiben befragt. Dabei gaben sie – mit einer Ausnahme – an, dass die auf
diesen Dokumenten angebrachten Unterschriften gefälscht seien (BA 18.322-
0267 f. [betreffend Auftragsbestätigung und Notifikationsschreiben zum Doku-
ment Ziff. 5]; BA 12.019-0031 f. [betreffend Auftragsbestätigung und Notifikati-
onsschreiben zum Dokument Ziff. 6]; BA 18.323-0983 ff. [betreffend Auftragsbe-
stätigung und Notifikationsschreiben zum Dokument Ziff. 13], -0389/0973 [betref-
fend Auftragsbestätigung zum Dokument Ziff. 16], -0960 [betreffend Auftragsbe-
stätigung zum Dokument Ziff. 23]; -0976 [betreffend Auftragsbestätigung und No-
tifikationsschreiben zum Dokument Ziff. 28]; -0960 [betreffend Auftragsbestäti-
gung zum Dokument Ziff. 30]). Daraus lässt sich schliessen, dass die zeitlich
nachfolgenden und sich auf die vorgenannten, gefälschten Dokumente abstüt-
zenden Acceptance Certificates auch gefälscht sein müssen.
Lediglich in Bezug auf das Acceptance Certificate vom 30. März 2005 gemäss
E. 3.4.1, Ziff. 7, ist aufgrund der Aussage des ehemaligen Vertreters der DDD6.
(vgl. E. 3.4.2.2) sowie der Zahlung an die I. (vgl. E. 3.4.2.4) zugunsten der Be-
schuldigten davon auszugehen, dass dieses Dokument tatsächlich im Namen
der DDD6. durch deren Vertreter unterschrieben worden ist. Hingegen gab J.
anlässlich seiner Zeugeneinvernahme in der Hauptverhandlung ausdrücklich an,
die in seinem bzw. im Namen der Q. darauf angebrachte Unterschrift sei ge-
fälscht (TPF 763.008 f.). Dies deckt sich damit, dass das Acceptance Certificate
Bezug auf einen Vertrag vom 21. Januar 2004 zwischen der DDD6. und der Q.
nimmt; ein solcher Vertrag aber nicht existiert. Vielmehr wurde die zum
Acceptance Certificate dazugehörige Auftragsbestätigung vom 21. Januar 2004
– in Abweichung zu allen anderen Fällen – gerade nicht im Namen der Q., son-
dern der I. unterschrieben und sie nimmt auch sonst nicht auf die Q. Bezug
(BA B15.102.15-00079 f.). Überdies erfolgte von der DDD6. nie eine Zahlung an
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SK.2020.57
die Q. (vgl. E. 3.4.2.4d). Die Unterschrift von J. erfolgte schliesslich im Namen
der «Q. Srl», obwohl diese damals schon in die «Q. SpA» umgewandelt war (vgl.
E. 2.1.3). Insofern ist nicht ersichtlich, inwiefern die Q. bzw. J. am Verkauf an die
DDD6. beteiligt gewesen sein soll und folglich auch nicht, wieso J. im Namen der
– bereits in die «Q. SpA» umgewandelte – «Q. Srl» ein Acceptance Certificate
hätte unterschreiben sollen. Selbst wenn dieser Verkauf tatsächlich stattgefun-
den hätte, ist aufgrund des Gesagten für das Gericht zweifelsfrei erstellt, dass
jedenfalls die Unterschrift von J. im Namen der «Q. Srl» auf dem genannten Ac-
ceptance Certificate gefälscht ist.
dd) Nach dem Gesagten bestehen für das Gericht keine Zweifel, dass die im
Namen der jeweiligen Vertragspartner angebrachten 32 Unterschriften bzw.
Stempel sowie (in Bezug auf das Dokument gemäss E. 3.4.1, Ziff. 7) die Unter-
schrift von J. im Namen der Q. gefälscht sind. Der wirkliche Aussteller dieser
Dokumente stimmt somit nicht mit dem erkennbaren Aussteller überein. Folglich
sind sämtliche Acceptance Certificates unechte Urkunden. Ob auch bei den üb-
rigen Acceptance Certificates die Unterschrift von J. im Namen der Q. gefälscht
ist, kann offenbleiben (vgl. E. 3.4.3.2a/dd).
d) Bestätigungen Q. zur Auftragsbestätigung
In Bezug auf die drei Bestätigungen der Q. erhebt die Bundesanwaltschaft den
Vorwurf, dass die Unterschriften von J. im Namen der Q. gefälscht seien. Die
gutachterliche Untersuchung der auf diesen Dokumenten angebrachten Unter-
schriften hat ergeben, dass diese mit hoher Wahrscheinlichkeit falsch bzw. ge-
fälscht sind (vgl. E. 3.4.2.3a). Das Gutachten ist in sich schlüssig und nachvoll-
ziehbar. Die drei Dokumente beziehen sich überdies inhaltlich auf gefälschte Auf-
tragsbestätigungen und Notifikationsschreiben (vgl. vorne lit. a und b [Doku-
mente gemäss E. 3.4.1, Ziff. 40, 42, 43, 45, 46, 48]), sodass bereits sachlogisch
auch die nachfolgenden Dokumente gefälscht sein müssen. Schliesslich bestä-
tigte auch J. anlässlich der Hauptverhandlung, dass seine Unterschrift auf den
Dokumenten gefälscht sei (TPF 763.009). Für das Gericht ist deshalb zweifelsfrei
erstellt, dass die auf den vorgenannten drei Dokumenten angebrachten Unter-
schriften von J. im Namen der Q. gefälscht sind. Der wirkliche Aussteller stimmt
somit nicht mit dem erkennbaren Aussteller überein. Die Dokumente sind als un-
echte Urkunden zu qualifizieren.
e) Zahlungseingangsbestätigung
In Bezug auf die Zahlungseingangsbestätigung kann auf das Gesagte verwiesen
werden (vgl. vorne lit. d): Auch die darauf angebrachte Unterschrift von J. im Na-
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men der Q. ist gemäss Gutachten gefälscht. Überdies bezieht sich die Zahlungs-
eingangsbestätigung inhaltlich auf gefälschte Dokumente (vgl. vorne lit. a und b
[Dokumente gemäss E. 3.4.1, Ziff. 90, 91]). Schliesslich bestätigte J. anlässlich
der Hauptverhandlung, dass seine Unterschrift auf dem Dokument gefälscht sei
(TPF 763.009). Für das Gericht ist deshalb erstellt, dass die Unterschrift von J.
im Namen der Q. gefälscht ist. Die Zahlungseingangsbestätigung ist somit als
unechte Urkunde zu qualifizieren.
f) Saldobestätigungen Vertragspartner
aa) In Bezug auf die vier Saldobestätigungen erhebt die Bundesanwaltschaft den
Vorwurf, dass die Unterschriften im Namen des jeweiligen (angeblichen) Ver-
tragspartners gefälscht seien.
bb) Aus den Dokumenten ergibt sich Folgendes: Die Vertragspartner können –
unabhängig davon, ob diese auf Papier der Q. gedruckt sind – als angebliche
Aussteller der Saldobestätigungen qualifiziert werden, sind diese doch in deren
Namen unterschrieben. Dadurch werden die darin festgehaltenen Erklärungen
den Vertragspartnern zurechenbar.
cc) Hinsichtlich des wirklichen Ausstellers ist Folgendes festzuhalten: Die jewei-
ligen Vertragspartner machten anlässlich der im Vorverfahren eingeholten Aus-
künfte in Bezug auf zwei der vier Dokumente ausdrücklich geltend, dass die sich
darauf befindenden Unterschriften oder Stempel in ihrem Namen gefälscht seien
(vgl. E. 3.4.2.2); dies betrifft die Auskünfte der Vertragspartner DDD23. und
DDD4. Der Vertragspartner DDD31. gab an, keine Beziehungen zur G., I. und Q.
gepflegt zu haben (vgl. E. 3.4.2.2); dies betrifft eine weitere Saldobestätigung
(das Dokument gemäss E. 3.4.1, Ziff. 76). Die verbleibende Saldobestätigung,
hinsichtlich welcher sich der Vertragspartner DDD8. nicht geäussert hat, bezieht
sich inhaltlich – wie die übrigen drei Saldobestätigungen – auf gefälschte Auf-
tragsbestätigungen und Notifikationsschreiben (vgl. vorne lit. a und b [Doku-
mente gemäss E. 3.4.1, Ziff. 93, 94, 96, 97, 105, 106, 112, 113]). Das Gericht
geht bereits gestützt auf diesen Umstand davon aus, dass auch die Unterschrif-
ten auf den Saldobestätigungen im Namen der jeweiligen fiktiven Vertragspartner
gefälscht sind. Dies stimmt sodann auch mit der Auswertung der eingeholten
Kontoauszüge und Buchhaltungsunterlagen überein: Von den vorgenannten vier
Vertragspartnern sind keine Zahlungen an die Q. erfolgt und verbucht worden.
Überdies sind auch keine Zahlungen an die I. und G. erfolgt.
dd) Nach dem Gesagten bestehen für das Gericht keine Zweifel, dass die Unter-
schriften auf den vier Saldobestätigungen im Namen der jeweiligen Vertrags-
partner gefälscht sind. Der wirkliche Aussteller der Auftragsbestätigungen stimmt
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SK.2020.57
somit nicht mit dem erkennbaren Aussteller überein. Die vier Saldobestätigungen
sind unechte Urkunden.
g) Bestellbestätigungen Vertragspartner
aa) In Bezug auf die 14 Bestellbestätigungen erhebt die Bundesanwaltschaft den
Vorwurf, dass die Unterschriften im Namen des jeweiligen Vertragspartners ge-
fälscht seien.
bb) Aus den Dokumenten ergibt sich Folgendes: Die Vertragspartner können –
unabhängig davon, ob diese auf Papier der Q. gedruckt sind – als angebliche
Aussteller der Dokumente qualifiziert werden, sind diese doch in deren Namen
unterschrieben. Dadurch werden die darin festgehaltenen Erklärungen den Ver-
tragspartnern zurechenbar.
cc) Hinsichtlich des wirklichen Ausstellers ist Folgendes festzuhalten: Die jewei-
ligen Vertragspartner machten anlässlich der im Vorverfahren eingeholten Aus-
künfte in Bezug auf 8 der 14 Dokumente ausdrücklich geltend, dass die sich da-
rauf befindenden Unterschriften resp. Firmenstempel gefälscht seien (vgl.
E. 3.4.2.2); dies betrifft Auskünfte von insgesamt 7 Vertragspartner (DDD3.,
DDD21., DDD37., DDD36., DDD4., DDD38., DDD7.). Der Vertragspartner
DDD22. gab überdies an, keine Beziehungen zur G., I. und Q. gepflegt zu haben
(vgl. E. 3.4.2.2); dies betrifft ein weiteres Dokument (konkret das Dokument ge-
mäss E. 3.4.1, Ziff. 146). Die verbleibenden 5 Dokumente, hinsichtlich welcher
sich die Vertragspartner (DDD39., DDD5., DDD15., DDD35.) nicht geäussert ha-
ben, beziehen sich inhaltlich – wie die übrigen Dokumente – auf gefälschte Auf-
tragsbestätigungen und Notifikationsschreiben (vgl. vorne lit. a und b [Doku-
mente gemäss E. 3.4.1, Ziff. 149, 150, 158, 159, 162 bis 165, 189, 190]). Das
Gericht geht bereits gestützt auf diese Umstände davon aus, dass die Unter-
schriften im Namen der jeweiligen Vertragspartner gefälscht sind. Dies stimmt
sodann auch mit der Auswertung der eingeholten Kontoauszüge und Buchhal-
tungsunterlagen überein: Von insgesamt 8 der vorgenannten 12 Vertragspart-
nern sind keine Zahlungen an die Q. – welche gemäss Aussagen der Beschul-
digten alle Kundenzahlungen erhalten haben soll (vgl. E. 2.2.3) – erfolgt und ver-
bucht worden (DDD21., DDD37., DDD36., DDD5., DDD4., DDD22., DDD38.,
DDD7.). Dass Zahlungen der übrigen vier Vertragspartner an die Q. erfolgt sind,
ändert daran nichts, stehen die Zahlungen – wie sich aus den bezahlten Beträ-
gen, dem Zeitpunkt der Zahlung sowie den von den Vertragspartnern eingereich-
ten Unterlagen ergibt – doch nicht im Zusammenhang mit den in den Acceptance
Certificates erwähnten Schmiedepresse-Käufen (siehe BA 11.104-0570 [betref-
fend DDD39.]; -0716 ff. [betreffend DDD3.]; -0615 [betreffend DDD15.]; -1006 f.
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SK.2020.57
[betreffend DDD35.]). Im Übrigen sind – mit Ausnahme der DDD5., die Zahlun-
gen an die I. geleistet hat – auch keine Zahlungen an die anderen in das opera-
tive Geschäft involvierten Gesellschaften, d.h. an die G. und I., erfolgt (vgl.
E. 3.4.2.4b/c).
dd) Nach dem Gesagten hat das Gericht keine Zweifel, dass die Unterschriften
auf den 14 Dokumenten im Namen der jeweiligen Vertragspartner gefälscht sind.
Der wirkliche Aussteller der Dokumente stimmt somit nicht mit dem erkennbaren
Aussteller überein. Sämtliche Bestellbestätigungen sind unechte Urkunden.
h) Notarielle Unterschriftenbeglaubigungen
In Bezug auf die 11 notariellen Unterschriftenbeglaubigungen erhebt die Bundes-
anwaltschaft den Vorwurf, dass die Unterschrift im Namen des Notars bzw. die
Beurkundung als solches gefälscht sei. Der Notar Dr. BBB., in dessen Namen
die Dokumente unterschrieben sind, gab auf Vorhalt der Dokumente an, dass
davon 10 Dokumente gefälscht seien (vgl. E. 3.4.2.14). Das Gericht geht bereits
gestützt auf die Aussagen der Urkundsperson davon aus, dass die in deren Na-
men angebrachten Unterschriften gefälscht sind und die Urkunden folglich un-
echt sind. Gleiches gilt im Ergebnis auch für die verbleibende Unterschriftenbe-
glaubigung (Dokument gemäss E. 3.4.1, Ziff. 199), zu welcher der Notar nicht
befragt worden ist. Dieses Dokument entspricht in seinem Aufbau und Sprach-
gebrauch den gefälschten Dokumenten. Überdies steht es – wie auch die ande-
ren Dokumente – im Zusammenhang mit einer gefälschten Auftragsbestätigung
(vgl. vorne lit. a [Dokumente gemäss E. 3.4.1, Ziff. 145, 158, 162-164, 169, 173,
177, 181, 185, 189, 193, 197]). Aus diesen Gründen ist für das Gericht erstellt,
dass die darauf enthaltenen Unterschriften gefälscht und die Urkunden somit un-
echt sind.
Der von der Beschuldigten vorgebrachte Einwand, J. und der Notar Dr. BBB. hät-
ten sich vor der Einvernahme des Letzteren abgesprochen (TPF 731.024), än-
dert daran nichts. Zwar ist aufgrund der Aussagen der beiden erstellt, dass sie
vor der Einvernahme bei der Bundesanwaltschaft in Kontakt standen als J. er-
fahren hat, dass Dr. BBB. zur Zeugeneinvernahme eingeladen worden ist (BA
12.041-0060; TPF 763.015 f.). Beide streiten aber ab, sich inhaltlich abgespro-
chen zu haben (BA 12.041-0060; TPF 763.015 f.). Dies erscheint aus nachfol-
genden Gründen glaubhaft: Bereits am 6. September 2013 – und somit rund 1.5
Jahre vor seiner Einladung zur Zeugeneinvernahme vom 20. Februar 2015 (BA
12.041-0001) – reichte Dr. BBB. wegen einzelner der vorgenannten gefälschten
Beglaubigungen Strafanzeige in Italien ein (BA 12.041-0064). In Übereinstim-
mung mit den darin gemachten Ausführungen, erklärte er anlässlich der Zeugen-
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SK.2020.57
einvernahme im Vorverfahren ausführlich und in nachvollziehbarer Weise, wes-
halb seine Unterschriften auf den vorliegend relevanten Dokumenten gefälscht
seien (vgl. E. 3.4.2.14). Sodann gab er transparent an, dass er vor der Einver-
nahme mit J. in Kontakt stand, obwohl hierfür keine Beweise vorlagen
(BA 12.041-0060). Schliesslich ist zu erwähnen, dass es sich bei ihm um eine
italienische Urkundsperson handelt, welche auf die Wahrheitspflicht sowie die
strafrechtlichen Folgen einer Falschaussage aufmerksam gemacht worden ist
(BA 12.041-0047 f.). Mithin bestehen an seiner Glaubwürdigkeit keine Zweifel.
Insgesamt liegen somit keine Anhaltspunkte für eine Absprache zwischen
Dr. BBB. und J. oder andere Gründe vor, welche dessen Aussagen unglaubhaft
erscheinen lassen würden.
i) Forderungsabtretung
In Bezug auf die Forderungsabtretung erhebt die Bundesanwaltschaft den Vor-
wurf, dass die Unterschrift von J. im Namen der Q. gefälscht sei. J. bestätigte im
Hauptverfahren, dass diese Unterschrift gefälscht sei (TPF 763.009 f.). Das Do-
kument bezieht sich inhaltlich sodann auf eine gefälschte Auftragsbestätigung
(vgl. vorne lit. a [Dokumente gemäss E. 3.4.1, Ziff. 197]). Daraus ergibt sich für
das Gericht zweifelsfrei, dass die Unterschrift von J. im Namen der Q. gefälscht
sein muss und das Dokument somit unecht ist.
3.4.3.3 Tathandlung
a) Nachdem erstellt worden ist, dass es sich bei sämtlichen in der Anklage um-
schriebenen Dokumenten um unechte Urkunden handelt, ist festzustellen, wer
diese hergestellt hat. Die Bundesanwaltschaft erhebt den Vorwurf, die Beschul-
digte habe diese entweder selbst oder durch ihre «bloss als Werkzeuge und im
arbeitsteiligen Zusammenwirken nur für Teilaufgaben handelnden Mitarbeiter der
I.» hergestellt. Sie wirft ihr somit in rechtlicher Hinsicht vor, die Urkunden entwe-
der in unmittelbarer oder in mittelbarer Täterschaft hergestellt zu haben.
b) Hinsichtlich der Herstellung der unechten Urkunden in unmittelbarer Täter-
schaft ist Folgendes festzuhalten: Es bestehen keinerlei sachlichen Beweismittel,
welche es erlauben würden, die Urheberschaft für die gefälschten Urkunden der
Beschuldigten zuzurechnen. Zudem hat keiner der einvernommenen Personen
gesehen, dass die Beschuldigte die Urkunden gefälscht hat (vgl. E. 3.4.2.6 ff.).
Schliesslich ergibt sich gestützt auf die im Vor- und Hauptverfahren gemachten
und im Grundsatz übereinstimmenden Aussagen der einvernommenen Perso-
nen, dass innerhalb der G. Gruppe, namentlich der I. und der Q., mehrere Per-
sonen Zugriff auf die gefälschten Urkunden hatten (vgl. E. 3.4.2.5 ff.). Es trifft
zwar zu, dass auch die Beschuldigte mit den Dokumenten Kontakt gehabt hatte.
- 89 -
SK.2020.57
JJ. und SS. führten diesbezüglich aus (vgl. E. 3.4.2.7; 3.4.2.11), sie habe die Do-
kumente von den einzelnen Mitarbeitenden nach Vollendung eines Arbeitsschrit-
tes bzw. gemäss eigenen Aussagen auch von der Q. (vgl. E. 3.4.2.5) entgegen-
genommen und weitergegeben. Auch wenn dies zutreffen würde, lässt sich der
Beschuldigten gestützt darauf nicht nachweisen, dass sie die gefälschten Unter-
schriften bzw. Stempel auf den jeweiligen Dokumenten angebracht hat. Dass sie
die Schnittstelle zwischen Assistenz der Geschäftsleitung und Verwaltungsrat
der I. einerseits sowie zwischen der I. und der Q. andererseits koordiniert haben
soll, ist vielmehr typisch für ihre Stellung als Geschäftsführerin. Demnach kann
der Beschuldigten weder allgemein in Bezug auf die verschiedenen Arten von
Urkunden noch in Bezug auf eine einzelne Urkunde rechtsgenügend nachgewie-
sen werden, diese eigenhändig, d.h. unmittelbar gefälscht oder verfälscht zu ha-
ben.
c) In Bezug auf die der Beschuldigten vorgeworfene mittelbare Täterschaft ist
Folgendes festzuhalten: Die Bundesanwaltschaft wirft der Beschuldigten vor, die
unechten Urkunden – wenn nicht selbst – jedenfalls durch RR. und SS. herge-
stellt zu haben (siehe Anklageschrift S. 17 f.). Weitere Mitarbeiter der I. erwähnt
die Anklageschrift in diesem Zusammenhang nicht. Es ist somit vorab in tatsäch-
licher Hinsicht festzustellen, ob die Beschuldigte die unechten Urkunden durch
RR. oder SS. hat erstellen lassen. Mittelbarer Täter ist, wer einen anderen Men-
schen (den sog. Tatmittler) als sein willenloses oder wenigstens nicht vorsätzlich
handelndes Werkzeug benutzt, um durch ihn die beabsichtigte strafbare Hand-
lung ausführen zu lassen (BGE 138 IV 70 E. 1.4; 120 IV 17 E. 2d; Urteil des Bun-
desgerichts 6B_904/2010 vom 16. Juni 2011 E. 3.4; je mit Hinweisen). Der mit-
telbare Täter nutzt dabei entweder intellektuelle Defizite des Tatmittlers aus (z.B.
Sachverhaltsirrtum, Mängel der Zurechnungsfähigkeit usw.) oder er nötigt den
Tatmittler zur Tatausführung (Urteile des Bundesgerichts 1C_592/2019 vom
16. Dezember 2019 E. 4.4; 1B_467/2016 vom 16. Mai 2017 E. 4.5; je mit Hinwei-
sen).
RR. und SS. gaben unter anderem an, dass sie – jedenfalls teilweise – die vor-
liegenden Dokumente auf Q.-Papier vorbereitet hätten, wobei jedenfalls RR. da-
rauf auch bereits den Q.-Stempel angebracht habe. Allerdings gaben beide auch
übereinstimmend an, nie eine der gefälschten Unterschriften auf den Dokumen-
ten angebracht zu haben. Vielmehr hätten sie die Dokumente nach deren (vor-
bereitenden) Erstellung weitergegeben und zu einem späteren Zeitpunkt unter-
schrieben zurückerhalten (vgl. E. 3.4.2.10 f.). Daraus folgt, dass es sich bei den
Dokumenten im Zeitpunkt der Handlungen von RR. und SS. lediglich um zu-
nächst intern verwendete Entwürfe handelte. Den Dokumenten kam als Entwürfe
im Zeitpunkt der Handlungen von RR. und SS. folglich noch keine Urkundenqua-
- 90 -
SK.2020.57
lität zu, waren diese doch nicht unterschrieben – und somit unfertig – und ver-
mochten sie in diesem Zustand auch nicht in den Rechtsverkehr zu gelangen.
Die in diesem Vorbereitungsstadium vorgenommenen Handlungen von RR. und
SS. stellen folglich auch in objektiver Hinsicht keine Urkundenfälschung dar, wes-
halb es diesbezüglich an einer der Beschuldigten zurechenbaren strafbaren
Handlung fehlt. Im Übrigen ist aufgrund der übereinstimmenden Aussagen von
RR. und SS. in tatsächlicher Hinsicht nicht erstellt, dass RR. und SS. (im Auftrag
der Beschuldigten) gefälschte Unterschriften auf den Dokumenten angebracht
haben. Vielmehr ist unklar, wer diese Urkunden konkret gefälscht hat. Eine Ur-
kundenfälschung in mittelbarer Täterschaft kann der Beschuldigten demnach we-
der nachgewiesen noch zugerechnet werden.
3.4.4 Ergebnis
3.4.4.1 Zusammenfassend ergibt sich, dass sämtliche der Beschuldigten im Rahmen der
Urkundenfälschung i.e.S. vorgeworfenen Dokumente als Urkunden zu qualifizie-
ren sind. Für das Gericht ist nach dem Gesagten überdies zweifelsfrei erstellt,
dass die darauf angebrachten Unterschriften bzw. Stempel gefälscht sind und es
sich bei den der Beschuldigten vorgeworfenen 199 Dokumenten somit um un-
echte Urkunden handelt. Deshalb und mangels anderer Vertragsunterlagen, wel-
che die Echtheit der in diesen Urkunden verkörperten Verkäufe von Schmiede-
pressen nachweisen könnten, ist auch erstellt, dass die entsprechenden Schmie-
depresse-Verkäufe nie stattgefunden haben. Allerdings kann der Beschuldigten
nicht rechtsgenügend nachgewiesen werden und auch nicht im Rahmen der mit-
telbaren Täterschaft zugerechnet werden, die vorgenannten unechten Urkunden
hergestellt zu haben. Wie noch zu zeigen sein wird (vgl. E. 3.6), ist die Beschul-
digte allerdings des Gebrauchs dieser unechten Urkunden schuldig zu sprechen,
was den gleichen angeklagten Sachverhalt und Tatbestand betrifft, weshalb kein
Freispruch zu erfolgen hat.
3.4.4.2 Die vom Verteidiger anlässlich der Hauptverhandlung eingereichten (angeblich)
von J. stammenden Handnotizen, auf welchen u.a. die Namen von 6 von insge-
samt rund 50 angeblichen Käufern von Schmiedepressen (DDD23., DDD3.,
DDD28., DDD2., DDD17., DDD35.) aufgeführt sind (vgl. E. 1.7;
TPF 763.032/034), ändern im Übrigen nichts an der Unechtheit der Urkunden.
Diese Handnotizen weisen weder ein Datum noch sonst einen Bezug zu einem
der in den vorgenannten gefälschten Urkunden verkörperten Schmiedepresse-
Verkäufe auf. Wie diese Notizen den Abschluss eines Kaufvertrages und somit
die Echtheit der Urkunden beweisen sollen, ist nicht ersichtlich.
- 91 -
SK.2020.57
3.5 Falschbeurkundung
3.5.1 Anklagevorwurf (Anklagepunkte 2.1-2.2)
3.5.1.1 Im Anklagepunkt 2.1 wirft die Anklage der Beschuldigten vor, mehrere Doku-
mente inhaltlich gefälscht und dadurch unwahre Urkunden hergestellt zu haben.
Dies wirft die Anklage ihr einerseits in Bezug auf einzelne Dokumente vor, welche
gemäss vorgenannten Ausführungen bereits unecht sind. Auf diese ist nicht nä-
her einzugehen, da der Tatbestand der Falschbeurkundung ausschliesslich
echte, aber inhaltlich unwahre Urkunden betrifft, sodass sich bei unechten Ur-
kunden die Frage nach der Wahrheit der Urkunde gar nicht mehr stellt (BGE 138
IV 209 E. 5.3; 131 IV 125 E. 4.3). Da die Dokumente bereits unecht sind
(vgl. E. 3.4.3.2) und die Beschuldigte, wie noch zu zeigen sein wird (vgl. E. 3.6),
sich in Bezug auf diese Dokumente des Gebrauchs unechter Urkunden strafbar
gemacht hat, ist nicht massgebend, ob diese unwahr sind.
Andererseits wirft die Anklage der Beschuldigten auch in Bezug auf untenste-
hende Dokumente, wegen welchen sie nicht der Urkundenfälschung i.e.S. und
des Gebrauchs unechter Urkunden angeklagt worden ist, die Herstellung unwah-
rer Urkunden vor. Diese Dokumente soll sie nach der Fälschung zudem der C.
zur Täuschung eingereicht haben.
Nr. Dokument Angeklagte
Fälschung
Vertrags-
partner
Geschäft BA B15.102.
1 Bestätigungsschreiben der I. an die
P. Versicherung vom 11.01.2017
über vollständige Zahlung der
DDD17. vor Fälligkeit
Inhalt falsch DDD17. 34 36-00056
2 Bestätigungsschreiben der I. an C.
vom 20.07.2007 über eingegangene
Anzahlung der DDD24.
Inhalt falsch DDD24. 52 54-00096
3 Bestätigungsschreiben der I. an C.
vom 20.07.2007 über eingegangene
Anzahlung der DDD25.
Inhalt falsch DDD25. 58 60-00113
4 Bestätigungsschreiben der I. an C.
vom 20.07.2007 über eingegangene
Anzahlung der DDD11.
Inhalt falsch DDD11. 59 61-00095
3.5.1.2 Im Anklagepunkt 2.2 wird der Beschuldigten vorgeworfen, als Einzelzeichnungs-
berechtigte und Geschäftsführerin der I. selbst oder durch ihre Mitarbeitenden
die Buchhaltung bzw. die Jahresrechnungen der I. für die Jahre 2005 bis 2008
inhaltlich gefälscht zu haben, indem sie gegenüber ihren Angestellten oder den
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SK.2020.57
mit den Buchungen betrauten Personen falsche Angaben gemacht, darauf abge-
stimmte Weisungen erteilt und gefälschte bzw. inhaltlich falsche Listen und Be-
lege für die Buchhaltungen geliefert habe (Anklageschrift S. 65 f.).
3.5.2 Tatsächliches
3.5.2.1 Die der Beschuldigten im Anklagepunkt 2.1 zur Last gelegten Dokumente (vgl.
Dokumente gemäss E. 3.5.1.1, Ziff. 1 bis 4) liegen bei den Akten. Inhaltlich han-
delt es sich hierbei um einseitige Bestätigungen der I., wonach Zahlungen von
Vertragspartnern im Zusammenhang mit Geschäften der I. eingegangen sein sol-
len. Die Dokumente sind im Namen der I. durch die Beschuldigte unterschrieben.
Auf diese Dokumente ist in tatsächlicher Hinsicht nicht weiter einzugehen, kommt
ihnen doch – wie zu zeigen sein wird (vgl. E. 3.5.3) – im Rahmen der Falschbe-
urkundung kein Urkundencharakter zu.
3.5.2.2 a) In Bezug auf die Falschbeurkundung gemäss Anklagepunkt 2.2 kann der Be-
schuldigten bereits in tatsächlicher Hinsicht nicht nachgewiesen werden, dass
sie diese (angeblich) unwahren Jahresrechnungen unmittelbar hergestellt hat: Es
ist aufgrund der übereinstimmenden Aussagen der Beschuldigten, der ehemali-
gen Verwaltungsräte JJ., KK. und PP. sowie der für die Buchhaltungsabteilung
zuständigen TT. erstellt und unbestritten, dass die Verwaltungsräte und die Mit-
arbeiter der Buchhaltungsabteilung sich um das Rechnungswesen gekümmert
haben und die Beschuldigte somit selbst keine Buchungen vorgenommen hat
(TPF 731.026 f.; vgl. E. 2.3.3.1 f.). Ein Schuldspruch wegen unmittelbarer
Falschbeurkundung käme deshalb nur in Betracht, wenn ihr nachgewiesen wer-
den könnte, dass sie ein inhaltlich falsches Schriftstück erstellt hat, das objektiv
und subjektiv dazu bestimmt war, als Buchungsbeleg Bestandteil der kaufmän-
nischen Buchführung zu sein (vgl. E. 3.3). Die Anklage umschreibt nicht, welche
«falschen Listen und Belege» die Beschuldigte hergestellt haben soll. Aus dem
Gesamtzusammenhang der Anklageschrift ergibt sich einzig, dass die unter
E. 3.4.1 erwähnten Dokumente, insbesondere die Auftragsbestätigungen, als
Beleg für die (angeblich) falschen Buchungen gedient haben könnten. Die Her-
stellung dieser Dokumente kann der Beschuldigten aber gerade nicht nachge-
wiesen werden (vgl. E. 3.4.3.3). Gestützt auf die übereinstimmenden Aussagen
der Beschuldigten, TT., RR. und SS. ist überdies erstellt und unbestritten, dass
die Buchungen nicht aufgrund dieser Dokumente, sondern auf Basis von sog.
Kalkulationen vorgenommen worden sind (BA 13.001-0389; TPF 731.027 [Be-
schuldigte], BA 12.003-0026 f.; -0134 f.; -0140 [TT.], BA 12.002-0153 [RR.];
BA 12.004-0030; -0127 [SS.]; siehe auch FFA-Bericht II., Teil II, S. 37 f. [BA
11.104-0363 f.]). Da die Anklage aber weder in allgemeiner Hinsicht noch in Be-
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SK.2020.57
zug auf ein konkretes Dokument umschreibt, dass die Beschuldigte solche Kal-
kulationen hergestellt haben soll, kann das Gericht dies auch nicht prüfen (Art. 9
Abs. 1 StPO).
b) Hinsichtlich der angeklagten mittelbaren Falschbeurkundung ist Folgendes
massgebend: Die Anklage umschreibt nicht, welche Tatmittler bzw. Angestellten
die Falschbeurkundung im Auftrag der Beschuldigten vorgenommen haben sol-
len. Dolch selbst wenn diese – im Einklang mit dem Anklagegrundsatz (Art. 9
Abs. 1 StPO; Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO) – als genügend präzise umschrieben
gelten würden, wäre ein Schuldspruch wegen mittelbarer Falschbeurkundung
ausgeschlossen, umschreibt die Anklage doch auch nicht hinreichend konkret,
welche falschen Angaben und Weisungen die Beschuldigte erteilt bzw. welche
falschen Listen und Belege sie der Buchhaltung übermittelt haben soll. Aus dem
Gesamtzusammenhang ergibt sich – wie bereits aufgezeigt (vgl. vorne lit. a) –
einzig, dass sie die unter E. 3.4.1 erwähnten Dokumente, insbesondere die Auf-
tragsbestätigungen, der Buchhaltung weitergeleitet hat (vgl. vorne lit. a). Da
diese Dokumente aber nicht Grundlage für die Verbuchung bildeten, konnten die
allfälligen Tatmittler gestützt auf diese Dokumente auch keine Falschbeurkun-
dungen begehen.
c) Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass der Beschuldigten gestützt auf den
angeklagten Sachverhalt nicht nachgewiesen werden kann, die Buchhaltung
bzw. die Jahresrechnungen der I. für die Jahre 2005 bis 2008 unmittelbar oder
mittelbar gefälscht zu haben. Da sie aber des Gebrauchs der gefälschten Jah-
resrechnungen für die Jahre 2007 und 2008 schuldig zu sprechen ist (vgl. hierzu
E. 3.6), hat kein vollumfänglicher Freispruch im Anklagepunkt 2.2 zu erfolgen.
Die Beschuldigte ist demnach im Anklagepunkt 2.2 lediglich vom Vorwurf der Ur-
kundenfälschung gemäss Art. 251 StGB betreffend die Jahresrechnungen für die
Jahre 2005 und 2006 freizusprechen.
3.5.3 Rechtliche Würdigung
Bei den der Beschuldigten im Anklagepunkt 2.1 im Rahmen der Falschbeurkun-
dung vorgeworfenen Dokumenten handelt es sich inhaltlich um einseitige Erklä-
rungen der I. (vgl. E. 3.5.2.1). Solchen kommt in der Regel keine erhöhte Glaub-
würdigkeit zu (vgl. E. 3.3). Vorliegend sind auch keine besonderen Gründe er-
sichtlich, diesen Dokumenten erhöhte Glaubwürdigkeit zuzusprechen. Insbeson-
dere ist irrelevant, dass diese gemäss Anklageschrift der C., einer langjährigen
Geschäftspartnerin der I., eingereicht worden sein sollen, begründet doch auch
eine langjährige geschäftliche Beziehung im Kontext der Falschbeurkundung
noch keine garantenähnliche Stellung (vgl. E. 3.3). Demnach kommt den unter
- 94 -
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E. 3.5.1.1 erwähnten Dokumenten im Rahmen der Falschbeurkundung keine Ur-
kundenqualität zu. Mangels Urkundencharakter kann die Beschuldigte sich auch
nicht des Gebrauchs unwahrer Urkunden strafbar machen. Die Beschuldigte ist
in Bezug auf diese Dokumente vom Vorwurf der Urkundenfälschung freizuspre-
chen.
3.5.4 Ergebnis
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich die Beschuldigte im Anklage-
punkt 2 nicht der Falschbeurkundung strafbar gemacht hat. Im Umfang, in dem
sie des Gebrauchs der unechten und unwahren Urkunden schuldig zu sprechen
sein wird (vgl. E. 3.6), hat kein Freispruch zu erfolgen. Die Beschuldigte ist dem-
nach nur vom Vorwurf der Urkundenfälschung gemäss Art. 251 StGB im Ankla-
gepunkt 2.1 betreffend Handlungen in Bezug auf die Dokumente BA B15.102-
36-00056; -54-00096; -60-00113 und -61-00095 bezüglich der Geschäfte Nr. 34,
52, 58 und 59 gemäss Anklageschrift sowie im Anklagepunkt 2.2 betreffend die
Jahresrechnungen für die Jahre 2005 und 2006 freizusprechen.
3.6 Gebrauch unechter und unwahrer Urkunden zur Täuschung
3.6.1 Anklagevorwurf (Anklagepunkte 2.1)
Die Anklage wirft der Beschuldigten vor, als Einzelzeichnungsberechtigte und
Geschäftsführerin der I. entweder selbst oder durch ihre Mitarbeitenden im Zeit-
raum ab 31. August 2006 bis Februar 2010 folgende gefälschte Dokumente un-
tenstehenden Banken zur Täuschung eingereicht zu haben (Anklageschrift
S. 17-65, 68 f.):
a) an die Bank C. die Dokumente gemäss E. 3.4.1 Ziff. 1-196;
b) an die Bank E. die Dokumente gemäss E. 3.4.1 Ziff. 197-199;
c) an die Bank F. die testierten Bilanzen bzw. Jahresrechnungen der I. per
31. Dezember 2007 und 31. Dezember 2008.
3.6.2 Beweismittel
Hinsichtlich der Beweismittel kann im Wesentlichen auf das unter E. 3.4.2 Ge-
sagte verwiesen werden. Sofern erforderlich, erfolgen weitere Ausführungen tat-
sächlicher Natur direkt bei den nachstehenden Ausführungen zu den entspre-
chenden Tatbestandselementen.
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3.6.3 Zu den einzelnen objektiven Tatbestandselementen
3.6.3.1 Unechte und unwahre Urkunde
a) Bei den der Bank C. und der Bank E. eingereichten Dokumenten handelt es
sich – wie bereits gezeigt (vgl. E. 3.4.3.2) – um unechte Urkunden.
b) Zu prüfen bleibt, ob es sich bei den der Bank F. eingereichten Jahresrechnun-
gen um unwahre Urkunden handelt. Die Anklage erhebt den Vorwurf, dass diese
inhaltlich unwahr seien, da sie einen Nettoerlös (Fr. 175‘935‘025.– [2007];
Fr. 141‘730‘107.– [2008]) ausgewiesen hätten, der in einem Teilumfang
(Fr. 171‘801‘000.– [2007]; Fr. 139‘035‘000.– [2008]) auf tatsächlich nicht abge-
schlossenen Geschäften beruhe, welcher jeweils über das Konto Nr. 32000 («Er-
trag») verbucht worden sei (Anklageschrift S. 68 f.).
aa) Die Jahresrechnungen 2007 und 2008, welche die vorgenannten Nettoerlöse
aufführen, liegen bei den Akten (B05.105.01-0015 ff. [2007]; -0023 ff. [2008]).
Aus den Unterlagen zum Buchhaltungskonto Nr. 32000 («Ertrag») für die Jahre
2007 und 2008 ergibt sich u.a., dass in diesem Konto ein Erlös von insgesamt
Fr. 171‘801‘000.– für das Jahr 2007 (bestehend aus insgesamt 23 Buchungen
[BA B08.106.0616-0170]) bzw. Fr. 139‘035‘000.– für das Jahr 2008 (bestehend
aus insgesamt 20 Buchungen [BA B08.106.0610-0239]) verbucht worden ist. Im
Buchungstext ist jeweils der Name eines Vertragspartners sowie der Vermerk
«Vertr.», gefolgt von einem Datum, sowie ein Betrag in Euro vermerkt. Dieser
Buchungstext korrespondiert jeweils mit den gefälschten Auftragsbestätigungen
hinsichtlich Name des Vertragspartners, Datum (mit zwei Ausnahmen, die aber
in den gleichen Zeitraum fallen [Dokumente zu Geschäften Nr. 40 und 50]) sowie
Betrag; konkret mit den Auftragsbestätigungen für die Geschäfte Nr. 49 - 65 und
70-75 (betreffend das Jahr 2007) bzw. 66-68 und 76-92 (betreffend das Jahr
2008). Die Buchungen beziehen sich demnach auf die diesen Auftragsbestäti-
gungen zugrunde liegenden Geschäfte. Da diese nicht stattgefunden haben (vgl.
E. 3.4.4), ist die Verbuchung eines entsprechenden Erlöses daraus unberechtigt.
Da die Jahresrechnungen bzw. konkret die Erfolgsrechnungen der I. für die Jahre
2007 und 2008 diese Erlöse widerspiegeln, sind diese inhaltlich falsch.
bb) Den inhaltlich falschen und somit unwahren Erfolgsrechnungen kommt er-
höhte Glaubwürdigkeit zu (vgl. E. 3.3). Diese sind demnach als unwahre Urkun-
den zu qualifizieren.
3.6.3.2 Gebrauch
a) Die vorliegend relevanten Urkunden wurden nachweislich der Bank C., der
Bank E. und der Bank F. eingereicht und damit diesen und ihren Mitarbeitern
- 96 -
SK.2020.57
zugänglich gemacht (BA 05.101-0012; B05.101-001 ff.; B15.102.01 ff. [betref-
fend C.]; BA 05.104-0020 ff. [betreffend Bank E.]; B05.105.01-0015 ff. [betreffend
Bank F.]).
b) Zu prüfen bleibt, ob diese Urkunden durch die Beschuldigte eingereicht wor-
den sind.
aa) In Bezug auf die der Bank C. eingereichten Unterlagen gab die Beschuldigte
im Vorverfahren zu Protokoll, diese zusammen mit RR. und SS. bei der I. gesam-
melt und anschliessend an die C. geschickt zu haben (BA 13.001-0026 Z. 11; -
0033 Z. 132; -0060 Z. 230; 0065 Z. 244; -0246 Z. 23 ff.; -1084 Z. 36 ff.). Die Do-
kumente, auf welchen sie vermerkt habe, dass die Kopie dem Original entspre-
che, habe sicher sie selbst an die C. geschickt (BA 13.001-0691 Z. 5 ff.; -1082
Z. 22 ff.). Dabei präzisierte sie, dass die Dokumente aber allgemein oft von ihr
selbst verschickt worden seien, da sie Ansprechperson für die C. und B. gewesen
sei (BA 13.001-1085 Z. 1 f.; -1094 Z. 3 ff.). Anlässlich der Hauptverhandlung gab
die Beschuldigte zu Protokoll, dass sie nicht mehr genau wisse, wer die Doku-
mente an die C. weitergeleitet habe; meistens sei es aber «natürlich» sie selbst
gewesen, welche diese mit einem Begleitschreiben verschickt habe
(TPF 731.022 ff.). Diese Aussage deckt sich mit den von ihr erwähnten Begleit-
schreiben (vgl. BA B15.102.01 ff.; vgl. exemplarisch B15.102.45-00081; 46-
00084; 47-00078 f.; 48-00080 f.; 49-00059/00076; 50-00079/00097; 51-00085 f.;
52-00084; 53-00086; 54-00097).
In tatsächlicher Hinsicht ist somit erstellt und unbestritten, dass die Beschuldigte
die ihr vorgeworfenen 196 Urkunden der C. eingereicht hat. Dies gilt insbeson-
dere für über die Hälfte der Dokumente (115 Dokumente [sämtliche 68 Auftrags-
bestätigungen, sämtliche 33 Acceptance Certificates, 12 Bestätigungen Ver-
tragspartner, zwei notarielle Unterschriftenbeglaubigungen]; vgl. E. 3.4.2.1), wel-
che den Vermerk «Diese Kopie entspricht dem Original» aufweisen. Diesbezüg-
lich hat die Beschuldigte ausdrücklich zugegeben, diese selbst der C. eingereicht
zu haben. Allerdings ist auch in Bezug auf die übrigen Dokumente im Grundsatz
unbestritten, dass diese durch die Beschuldigte als direkte Ansprechperson von
B. der C. eingereicht wurden. Aber selbst wenn RR. oder SS. einzelne Urkunden
davon der C. eingereicht hätten, wären diese Handlungen der Beschuldigten zu-
zurechnen: RR. und SS. waren als Mitarbeiter der Assistenz der Geschäftsleitung
der Beschuldigten direkt unterstellt (vgl. E. 2.3.3.2e/f) und handelten somit in de-
ren Auftrag. Es bestehen keine Anhaltspunkte, dass RR. und SS. wussten, dass
es sich bei den eingereichten Dokumenten um unechte Urkunden handelte. So-
fern einzelne Urkunden demnach im Auftrag der Beschuldigten durch die – im
- 97 -
SK.2020.57
Gegensatz zur Beschuldigten (hierzu sogleich E. 3.6.4) – nicht vorsätzlich han-
delnden SS. oder RR. der C. zugänglich gemacht worden wären, wären ihr diese
Handlungen im Rahmen der mittelbaren Täterschaft zuzurechnen.
bb) Gleiches gilt in Bezug auf die der Bank E. eingereichten drei Urkunden: Dies
ergibt sich bereits aus den Aussagen der Beschuldigten, wonach die Abläufe
(und somit auch der Prozess des Sammelns und Einreichens der Dokumente)
bei der Bank E. gleich wie bei der C. gewesen seien (BA 13.001-0078 Z. 344 ff.;
-0227 Z. 8 ff.). Demnach war es die Beschuldigte, welche die Urkunden, wovon
zwei den Vermerk «Diese Kopie entspricht dem Original», unmittelbar oder je-
denfalls mittelbar durch RR. oder SS. der Bank E. einreichte. Dies deckt sich
überdies mit den Ausführungen der Bank E., wonach die Beschuldigte die Urkun-
den persönlich oder postalisch der Bank übergeben habe (BA 05.104-0003;
-0010). In tatsächlicher Hinsicht ist somit erstellt und im Grundsatz unbestritten,
dass die Beschuldigte die drei unechten Urkunden der Bank E. eingereicht hat.
cc) Betreffend die der Bank F. eingereichten unwahren Urkunden ist Folgendes
relevant: Gemäss den Ausführungen der Bank F. sei sie von der I. im Septem-
ber 2009 um die Gewährung eines Kontokorrentkredites angefragt worden. In
diesem Zusammenhang seien der Bank F. u.a. die unwahren Jahresrechnungen
der I. betreffend die Jahre 2007 und 2008 vorgelegt worden (BA 05.105-004).
Die Beschuldigte wurde im Vorverfahren nicht dazu befragt, ob sie die unwahren
Urkunden der Bank F. eingereicht hat. Sie gab aber bereits am 29. Mai 2013 an,
sich nicht mehr an die Details dieses Kredits erinnern zu können (BA 13.001-
0610). Anlässlich der Hauptverhandlung stritt sie ab, die unwahren Jahresrech-
nungen eingereicht zu haben und machte geltend, ohne Auftrag gar keinen Zu-
griff auf Jahresrechnungen gehabt zu haben. Sie habe ohnehin – ausser 5 Minu-
ten – nichts mit der Bank F. zu tun gehabt (TPF 731.034). Aus den Akten ergibt
sich, dass die Beschuldigte am 19. November 2009 dem zuständigen Mitarbeiter
der Bank F. diverse Unterlagen, u.a. Auftragsbestätigungen und Einkaufsver-
träge übermittelt hat (BA B05.105-0119; TPF 731.034). Der Kreditvertrag zwi-
schen der Bank F. und der I., der Anlass für die Einreichung der unwahren Ur-
kunden war, wurde schliesslich von der Beschuldigten und von PP. unterschrie-
ben, wobei sich die Unterschrift der Beschuldigten jeweils an erster Stelle befin-
det (BA B05.105-0158). PP. gab im Vorverfahren an, dass er zusammen mit der
Beschuldigten an einem von mehreren Gesprächen mit der Bank F. teilgenom-
men habe (BA 13.002-0178 f.). Er habe zwar den Vertrag zusammen mit der Be-
schuldigten unterzeichnet, sei aber davon ausgegangen, dass die Details alle
vorher zwischen der Beschuldigten und dem Bankmitarbeiter der Bank F. geklärt
worden seien (BA 13.002-0181 Z. 14 ff.).
- 98 -
SK.2020.57
Die Beschuldigte war alleinige, faktische Geschäftsführerin der I. (vgl. E. 2.3.4).
Zudem war sie sowohl in allgemeiner Hinsicht (vgl. E. 2.3.3.1) sowie – wie sie
selbst geltend machte (TPF 731.034) – auch im Zusammenhang mit der Bank F.
für die Aussenkommunikation zuständig. Dies zeigt sich auch daran, dass sie
nachweislich gewisse Unterlagen der Bank F. zukommen liess (BA B05.105-
0119). Aus diesen Gründen hat das Gericht keine Zweifel, dass die Beschuldigte
Zugriff auf die gefälschten Jahresrechnungen hatte und diese auch dem Bank-
mitarbeiter der Bank F. zukommen liess. Hierzu hatte die Beschuldigte auch ein
entsprechendes Motiv, wollte sie damit doch bei der Bank F. auf betrügerische
Weise einen Kredit aufnehmen (vgl. hierzu E. 4.7). Aber selbst wenn sie – wie
sie geltend machte – nur gestützt auf einen Auftrag Zugriff auf die Jahresrech-
nungen gehabt hätte, liegt es doch nahe, dass PP. ihr als Kommunikationsver-
antwortliche diesen Auftrag erteilt hat, war er doch selbst gemäss eigenen Aus-
sagen nicht mit den Detailfragen – wozu der Versand von Jahresrechnungen klar
zählt – beschäftigt. Nach dem Gesagten bestehen keine Zweifel, dass die Be-
schuldigte die gefälschten Jahresrechnungen der I. für die Jahre 2007 und 2008
der Bank F. eingereicht hat.
3.6.3.3 Als Ergebnis ist festzuhalten, dass die Beschuldigte 199 unechte und zwei un-
wahre Urkunden den vorgenannten Banken eingereicht, zugänglich gemacht und
gebraucht hat. Durch diese Handlungen hat die Beschuldigte den Tatbestand der
Urkundenfälschung gemäss Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1 und Abs. 3 StGB in objektiver
Hinsicht erfüllt.
3.6.4 Subjektiver Tatbestand
Die Beschuldigte machte mehrmals geltend, nichts von den vorgenannten
Scheingeschäften und folglich nichts von der Unechtheit und Unwahrheit der den
Banken eingereichten Urkunden gewusst zu haben (vgl. E. 3.4.2.5). Dem kann
aus nachfolgenden Gründen nicht gefolgt werden: Die Beschuldigte war im an-
klagerelevanten Zeitraum über Jahre hinweg alleinige faktische Geschäftsführe-
rin der I. und konnte weisungsungebunden von sämtlichen Mitarbeitern und Or-
ganen dieser Gesellschaft handeln (vgl. E. 2.3). Bereits deshalb und aufgrund
der Vielzahl der über Jahre hinweg eingereichten Urkunden kann nicht ernsthaft
in Abrede gestellt werden, dass die Beschuldigte wusste, dass die entsprechen-
den Urkunden gefälscht waren. Das von der Beschuldigten vorgebrachte Argu-
ment, sie selber sei grundsätzlich nicht im Kontakt mit Käufern der Schmiede-
pressen gestanden, sondern J. sei im Namen der Q. gegenüber den Verkäufern
und Käufern der Schmiedepressen aufgetreten (vgl. E. 2.2), geht ins Leere, han-
delte es sich eben doch um fiktive Geschäfte. Bei diesen sich rein intern – und
damit im Machtbereich der Beschuldigten – abspielenden «Geschäfte» brauchte
es gerade keinen Kontakt zu den Käufern und Verkäufern der Schmiedepressen.
- 99 -
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Zudem war es die Beschuldigte, die den Cash-Pool der gesamten Unterneh-
mensgruppe alleine verwaltete. Über diesen Cash-Pool flossen zur Finanzierung
der fiktiven Maschinenverkäufe konsolidiert rund EUR 280 Millionen von der C.
auf die Konten der I. und G. Im gleichen Zeitraum flossen vom Cash-Pool nur
rund EUR 80 Millionen an die Q., obwohl diese nach den Darstellungen der Be-
schuldigten (vgl. E. 2.2) eigentlich die gesamten EUR 280 Millionen zur Finan-
zierung der Maschinenverkäufe benötigt hätte. Zurückgeflossen sind schliesslich
nur rund EUR 58 Millionen und somit lediglich knapp 20 % der von der C. für die
(fiktiven) Maschinengeschäfte der Q. zur Verfügung gestellten Mittel (vgl. zum
Geldfluss E. 3.4.2.4). Der Umstand, dass die Beschuldigte über Jahre hinweg
diese evidente Differenz zwischen Mittelzufluss und Mittelabfluss nicht zur Spra-
che gebracht hat, lässt einzig den Schluss zu, dass sie wusste, dass die Q. die
entsprechenden Maschinengeschäfte gar nie abschloss und deshalb auch nur
Rückzahlungen in vermindertem Umfang leisten konnte. Schliesslich ermöglichte
die Einreichung der unechten und unwahren Urkunden es der Beschuldigten
auch, bei den entsprechenden Banken betrügerisch Gelder zu erlangen (vgl.
hierzu E. 4.4 ff.). Hiervon floss an sie und ihren Ehemann unmittelbar ein Betrag
in mindestens zweistelliger Millionenhöhe (BA 11.104-0233 ff.; -0275 ff.), was
ihre tatbestandliche Absicht untermauert, jemanden am Vermögen zu schädigen
resp. sich oder einem anderen einen unrechtmässigen Vorteil zu verschaffen.
Nach dem Gesagten steht ausser Frage, dass die Beschuldigte mit direktem Vor-
satz gehandelt hat. Indem sie die unechten und unwahren Urkunden überdies
den Banken zur betrügerischen Erlangungen der entsprechenden Gelder zukom-
men liess, handelte sie auch in Täuschungsabsicht. Die Beschuldigte hat dem-
nach auch den subjektiven Tatbestand von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1 und
Abs. 3 StGB erfüllt.
3.6.5 Ergebnis
Nach dem Gesagten hat die Beschuldigte den objektiven und subjektiven Tatbe-
stand der Urkundenfälschung erfüllt. Rechtfertigungs- und Schuldausschluss-
gründe sind keine ersichtlich. Die Beschuldigte ist, soweit das Verfahren nicht
infolge Verjährung eingestellt wird, der mehrfachen Urkundenfälschung gemäss
Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1 und Abs. 3 StGB schuldig zu sprechen.
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SK.2020.57
4. Gewerbsmässiger Betrug, eventualiter mehrfache Veruntreuung, subeven-
tualiter qualifizierte ungetreue Geschäftsbesorgung
4.1 Zusammengefasster Anklagevorwurf (Anklagepunkte 3-5)
4.1.1 Die Anklage wirft der Beschuldigten A. im Anklagepunkt 3 zusammengefasst ge-
werbsmässigen Betrug zum Nachteil der sich als Privatklägerschaft konstituier-
ten Banken vor, indem sie entweder selbst oder durch ihre Mitarbeitenden:
a) zwischen Juni 2002 bis Ende 2009 Bankmitarbeiter der C. über den Bestand
von Forderungen der I. gegenüber Käufern von Schmiedepressen arglistig ge-
täuscht und dadurch die Bankmitarbeiter dazu bestimmt habe, insgesamt
107 Verträge zwischen der I. und der C. abzuschliessen, auf deren Grundlage
ein Betrag von insgesamt umgerechnet Fr. 432'539'812.05 an die I. ausbezahlt
worden sei;
b) zwischen Juni bis August 2009 Bankmitarbeiter der D. Bank über den Bestand
von Forderungen der I. aus Verkäufen von Schmiedepressen und über die Kre-
ditwürdigkeit der I. arglistig getäuscht und dadurch die Bankmitarbeiter dazu be-
stimmt habe, einen Vertrag zwischen der I. und der D. Bank abzuschliessen, mit
welchem die Kreditlimite des Kontos der I. bei der D. Bank von Fr. 200'000.– auf
umgerechnet Fr. 15'000'000.– erhöht worden und diese Limite bis zum Betrag
von umgerechnet Fr. 14'027'971.52 ausgeschöpft worden sei;
c) zwischen Oktober und November 2009 Bankmitarbeiter der Bank E. u.a. über
den Bestand einer Forderung der I. aus dem Verkauf einer Schmiedepresse arg-
listig getäuscht und dadurch die Bankmitarbeiter dazu bestimmt habe, einen Ver-
trag zwischen der I. und der Bank E. abzuschliessen, auf dessen Grundlage dem
Konto der I. bei der Bank E. ein Betrag in Höhe von umgerechnet Fr. 6'809'600.–
ausbezahlt worden sei;
d) zwischen September bis Dezember 2009 Bankmitarbeiter der Bank F. insbe-
sondere über den geplanten Ankauf und anschliessenden Weiterverkauf von
Schmiedepressen durch die I. arglistig getäuscht und dadurch den Bankmitarbei-
ter dazu bestimmt habe, einen Vertrag zwischen der I. und der Bank F. abzu-
schliessen, auf dessen Grundlage dem Konto der I. bei der C. ein Betrag in Höhe
von Fr. 4'500'000.– ausbezahlt worden sei.
4.1.2 Eventualiter wirft die Anklage der Beschuldigten in den Anklagepunkten 4-5 vor,
sich wegen des vorne beschriebenen Verhaltens der mehrfachen Veruntreuung
zum Nachteil der Banken bzw. subeventualiter der qualifizierten ungetreuen Ge-
schäftsbesorgung strafbar gemacht zu haben.
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SK.2020.57
4.2 Verjährung
4.2.1 Die Beschuldigte soll den ihr vorgeworfenen gewerbsmässigen Betrug in der Zeit
von Juni 2002 bis Dezember 2009 begangen haben, mithin teils vor und teils
nach der Revision des Verjährungsrechts (aArt. 70 ff. StGB) am 1. Oktober 2002
(AS 2002 2993 2996 3146) und der Revision des Allgemeinen Teils des Strafge-
setzbuchs am 1. Januar 2007 (AS 2006 3459), durchwegs aber vor der Revision
von Art. 97 StGB (Verfolgungsverjährung) am 1. Januar 2014 (AS 2013 4417).
4.2.2 Die Strafverfolgung wegen gewerbsmässigen Betrugs verjährt sowohl nach al-
tem als auch nach neuem Recht in jedem Fall nach 15 Jahren (aArt. 72 Ziff. 2
StGB in der bis zum 30. September 2002 geltenden Fassung; aArt. 70 Abs. 1
lit. b StGB in der vom 1. Oktober 2002 bis zum 31. Dezember 2006 geltenden
Fassung; Art. 97 Abs. 1 lit. b StGB, siehe ausführlich E. 3.2). Anzuwenden ist
mangels eines milderen Rechts i.S.v. Art. 389 StGB das jeweils zum Tatzeitpunkt
geltende Recht.
4.2.3 In Bezug auf den Beginn der Verjährung ist Folgendes festzuhalten: Die vorlie-
genden (angeblichen) Betrugshandlungen bilden keine natürliche Handlungsein-
heit, soll die Beschuldigte diese gemäss Anklageschrift doch über einen Zeitraum
von insgesamt über 7 Jahren begangen haben (vgl. BGE 131 IV 83 E. 2.4.6, bei
welchem bei einem Zeitraum von 6 Jahren keine Handlungseinheit angenommen
worden ist; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 6B_238/2013 vom 22. November
2013 E. 2.6.2). Auch bilden die Delikte keine tatbestandliche Handlungseinheit,
setzt der gewerbsmässige Betrug doch begrifflich, faktisch oder typisch nicht
mehrere Einzelhandlungen voraus (BGE 124 IV 59 E. 3). Die Verjährung beginnt
folglich mit dem Tag, an dem die strafbare Tätigkeit ausgeführt wurde (aArt. 71
al. 1 StGB in der bis zum 30. September 2002 geltenden Fassung; aArt. 71
Abs. 1 lit. a StGB in der vom 1. Oktober 2002 bis 31. Dezember 2006 geltenden
Fassung; Art. 98 lit. a StGB).
4.2.4 Demnach sind die Handlungen, die vor dem 31. August 2006 begangen wurden,
zum heutigen Zeitpunkt verjährt.
4.2.5 Die Frage der Verjährung stellt sich lediglich in Bezug auf die zum Nachteil der
C. angeklagten Delikte; die angeblich zum Nachteil der übrigen Banken began-
genen Taten wurden gemäss Anklageschrift erst im Jahr 2009 begangen. Hin-
sichtlich ersterer Taten ergibt sich gestützt auf die in der Anklageschrift zitierten
Beweise, dass die C. die Kredite im Zusammenhang mit den Geschäften Nr. 1-
42 vor dem 31. August 2006 an die I. ausbezahlt hat; konkret im Zeitraum vom
11. Juli 2002 bis 18. Juli 2006 (vgl. Anklageschrift S. 74-82). Dies gilt auch für die
Auszahlung im Zusammenhang mit dem Geschäft Nr. 37, welche – entgegen den
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SK.2020.57
Ausführungen in der Anklageschrift (vgl. S. 81) – nicht am 26. Januar 2008, son-
dern nachweislich schon am 26. Januar 2006 erfolgte (BA B08.106.0578-
0056 f.). Die angeblichen Täuschungshandlungen, welche zu diesen Auszahlun-
gen geführt haben sollen, mussten folglich auch vor dem 31. August 2006 be-
gangen worden sein und sind somit verjährt. Ob die Beschuldigte – wie die Bun-
desanwaltschaft geltend macht – nach den Auszahlungen jeweils weitere Täu-
schungshandlungen begangen hat, ist in Bezug auf diese Geschäfte nicht rele-
vant, wären diese Handlungen doch nicht kausal für den im Zeitpunkt der Aus-
zahlung bereits vollendeten und beendeten Betrug (vgl. BGE 133 IV 171 E. 6.5).
Das Verfahren gegen die Beschuldigte ist somit hinsichtlich des Vorwurfs des
Betrugs zum Nachteil der C. im Zusammenhang mit den Finanzierungsgeschäf-
ten Nr. 1-42 einzustellen (Art. 329 Abs. 4 und 5 StPO). Auf die übrigen angeklag-
ten Handlungen ist nachfolgend in materieller Hinsicht einzugehen.
4.3 Rechtliches
4.3.1 Gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB macht sich des Betrugs schuldig, wer in der Ab-
sicht, sich oder einen andern unrechtmässig zu bereichern, jemanden durch Vor-
spiegelung oder Unterdrückung von Tatsachen arglistig irreführt und so den Ir-
renden zu einem Verhalten bestimmt, wodurch dieser sich selbst oder einen an-
dern am Vermögen schädigt.
4.3.2 Angriffsmittel beim Betrug ist die Täuschung des Opfers. Täuschung ist jedes
Verhalten, das darauf gerichtet ist, bei einem andern eine von der Wirklichkeit
abweichende Vorstellung hervorzurufen. Sie ist eine unrichtige Erklärung über
Tatsachen, d.h. über objektiv feststehende, vergangene oder gegenwärtige Ge-
schehnisse oder Zustände. Äusserungen oder Prognosen über künftige Vor-
gänge können zu einer Täuschung führen, wenn sie – in Bezug auf die vom Täter
zugrunde gelegten gegenwärtigen Verhältnisse (Prognosegrundlage) – Tatsa-
chen wiedergeben (BGE 135 IV 76 E. 5.1 m.w.H.).
4.3.3 Die Erfüllung des Tatbestands erfordert eine arglistige Täuschung. Dieses Erfor-
dernis ist nach der Rechtsprechung einerseits erfüllt, wenn der Täter ein ganzes
Lügengebäude errichtet oder sich besonderer Machenschaften oder Kniffe (ma-
noeuvres frauduleuses; mise en scène) bedient. Ein Lügengebäude liegt vor,
wenn mehrere Lügen derart raffiniert aufeinander abgestimmt sind und von be-
sonderer Hinterhältigkeit zeugen, dass sich selbst eine kritische Person täuschen
lässt. Als besondere Machenschaften (machinations) gelten Erfindungen und
Vorkehren sowie das Ausnützen von Begebenheiten, die allein oder gestützt
durch Lügen oder Kniffe geeignet sind, das Opfer irrezuführen. Machenschaften
sind eigentliche Inszenierungen; sie bestehen aus einem ganzen System von
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SK.2020.57
Lügen und setzen damit gegenüber einer blossen Summierung von Lügen hö-
here Anforderungen an die Vorbereitung, Durchführung und Wirkung der Täu-
schungshandlung voraus. Sie sind gekennzeichnet durch intensive, planmässige
und systematische Vorkehren, nicht aber notwendigerweise durch eine beson-
dere tatsächliche oder intellektuelle Komplexität. Eine mit rechtswidrig erlangten
oder gefälschten Urkunden verübte Täuschung ist grundsätzlich arglistig
(BGE 133 IV 256 E. 4.4.3 mit Hinweisen). Anders kann es sich verhalten, wenn
sich aus den vorgelegten Urkunden selbst ernsthafte Anhaltspunkte für deren
Unechtheit ergeben (Urteil des Bundesgerichts 6B_1342/2015 vom 28. Okto-
ber 2016 E. 4.3.1 mit Hinweisen). Arglist ist aber auch schon bei einfachen fal-
schen Angaben gegeben, wenn deren Überprüfung nicht oder nur mit besonde-
rer Mühe möglich oder nicht zumutbar ist, und wenn der Täter das Opfer von der
möglichen Überprüfung abhält oder er nach den Umständen voraussieht, dass
dieses die Überprüfung der Angaben aufgrund eines besonderen Vertrauensver-
hältnisses unterlassen werde. Das Kriterium der Überprüfbarkeit ist auch bei ei-
nem Lügengebäude und bei besonderen betrügerischen Machenschaften von
Bedeutung (BGE 142 IV 153 E. 2.2.2; 126 IV 165 E. 2a).
Arglist wird verneint, wenn das Täuschungsopfer den Irrtum mit einem Mindest-
mass an Aufmerksamkeit hätte vermeiden können. Dies beurteilt sich unter Be-
rücksichtigung der jeweiligen Lage und Schutzbedürftigkeit des Betroffenen im
Einzelfall. Dabei wird einerseits auf besonders schutzbedürftige Opfer Rücksicht
genommen und andererseits deren gegebenenfalls vorhandene besondere
Fachkenntnis und Geschäftserfahrung in Rechnung gestellt. Auch unter Berück-
sichtigung des Gesichtspunkts der Opfermitverantwortung erfordert der Tatbe-
stand indes nicht, dass das Täuschungsopfer die grösstmögliche Sorgfalt walten
lässt und alle erdenklichen Vorkehren trifft. Arglist scheidet lediglich aus, wenn
es die grundlegendsten Vorsichtsmassnahmen nicht beachtet. Entsprechend
entfällt der strafrechtliche Schutz nicht bei jeder Fahrlässigkeit des Opfers, son-
dern nur bei Leichtfertigkeit, welche das betrügerische Verhalten des Täters in
den Hintergrund treten lässt (BGE 135 IV 76 E. 5.2; 128 IV 18 E. 3a; 126 IV 165
E. 2a, 122 IV 197 E. 3d, je m.w.H.). Dies gilt auch bei Banken: Auch wenn diese
zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen und aufgrund des Fachwissens ihrer Or-
gane ein erhöhter Sorgfaltsmassstab angesetzt werden kann, bleibt die zur Straf-
losigkeit des Beschuldigten führende Eigenverantwortung des Opfers dennoch
die Ausnahme (Urteil des Bundesgerichts 6S.167/2006 und 6S.219/2006 vom
1. Februar 2007 E. 3.4 mit Hinweis auf BGE 124 IV 34 E. 2a; 122 IV 17 E. 2c).
4.3.4 Die arglistige Täuschung muss bei einem anderen einen Irrtum hervorrufen, eine
Vorstellung, die von der Wirklichkeit abweicht, wobei nicht notwendig ist, dass
sich der Getäuschte eine konkrete Vorstellung bildet (BGE 118 IV 35 E. 2; TRECH-
SEL/CRAMERI, Praxiskommentar, 4. Aufl. 2021, Art. 146 N. 14 StGB).
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4.3.5 Der Getäuschte muss sodann als Folge des Irrtums eine Vermögensverfügung
treffen. Diese kann das eigene Vermögen des Irrenden oder ein Drittvermögen
betreffen (BGE 118 IV 35 E. 2; TRECHSEL/CRAMERI, a.a.O., Art. 146 StGB N. 15).
4.3.6 Betrug wird vollendet mit dem Eintritt eines Vermögensschadens. Dieser kann
auch in einer qualifizierten Vermögensgefährdung liegen, wenn dieser im Rah-
men einer sorgfältigen Bilanzierung durch Wertberichtigung oder Rückstellung
Rechnung getragen werden muss (vgl. BGE 129 IV 124 E. 3.1; 123 IV 17 E. 3d).
Bei wirtschaftlicher Betrachtungsweise liegt ein objektiver Schaden vor, wenn
das Vermögen nach Vornahme der täuschungsbedingten Vermögensverfügung
in seinem Gesamtwert wertmässig vermindert ist (BGE 120 IV 122 E. 6b/bb; Ur-
teil des Bundesgerichts 6B_173/2014 vom 2. Juli 2015 E. 2.3.1). Ein bloss
vorübergehender Schaden genügt. Späterer Ersatz schliesst Betrug mithin nicht
aus; selbst eine vertragsgemässe Rückzahlung kann die schon beim Vertrags-
abschluss eingetretene Vermögensverminderung nicht ungeschehen machen
(BGE 123 IV 17 E. 3d; 122 II 422 E. 3b/aa; Urteil des Bundesgerichts
6B_112/2018 vom 4. März 2019 E. 6.2.2 m.w.H.).
4.3.7 In subjektiver Hinsicht wird nebst dem Vorsatz (Art. 12 Abs. 1 und 2 StGB) die
Absicht unrechtmässiger Bereicherung vorausgesetzt. Zwischen der angestreb-
ten Bereicherung und dem Schaden muss ein innerer Zusammenhang bestehen,
d.h. der Täter muss den Vorteil unmittelbar aus dem Vermögen des Geschädig-
ten anstreben, so dass die Bereicherung als Kehrseite des Schadens erscheint.
Dies drückt sich im Erfordernis der Stoffgleichheit aus. Danach müssen Vorteil
und Schaden auf derselben Verfügung beruhen und muss der Vorteil zu Lasten
des geschädigten Vermögens gehen (BGE 134 IV 210 E. 5.3; Urteil des Bundes-
gerichts 6B_462/2014 vom 27. August 2015 E. 2.3.2). Unrechtmässig ist die be-
absichtigte Bereicherung immer dann, wenn sie von der Rechtsordnung missbil-
ligt wird (TRECHSEL/CRAMERI, a.a.O., Vor Art. 137 StGB N. 15; Urteil des Bun-
desstrafgerichts SK.2017.58 vom 4. Dezember 2018 E. 2.2.7 m.w.H.).
4.4 Betrug zum Nachteil der C. (Anklagepunkt 3.2)
4.4.1 Geschäftsbeziehungen zwischen der I. und der C.
4.4.1.1 In Bezug auf die vorliegend relevanten Geschäftsbeziehungen zwischen der I.
und der C. ist zusammengefasst Folgendes dokumentarisch belegt: Die C. hat
der I. im nicht verjährten Zeitraum ab 31. August 2006 bis 12. Oktober 2009 mit
insgesamt 65 Zahlungen EUR 189‘734‘043.– ausbezahlt. Die entsprechenden
Zahlungsbestätigungen der C. sowie die Gutschriftanzeigen liegen bei den Akten
(vgl. die auf den S. 82 ff. der Anklageschrift referenzierten Beweise). Grundlage
für diese Zahlungen waren insgesamt 65 Verträge zwischen der C. und der I.
- 105 -
SK.2020.57
(nachfolgend: Finanzierungsverträge). Darin bestätigte die C. jeweils im Wesent-
lichen eine Buchforderung der I. zu bestimmten Konditionen und unter Vorbehalt
des Erhalts gewisser Dokumente anzukaufen. Bei den angekauften Buchforde-
rungen hat es sich nach den Finanzierungsverträgen jeweils um Forderungen
der I. aus dem Verkauf von Schmiedepressen an einen Vertragspartner gehan-
delt. Diese Finanzierungsverträge liegen bei den Akten (vgl. die auf S. 82 ff. der
Anklageschrift referenzierten Beweise).
4.4.1.2 Hinsichtlich des Ablaufs der jeweiligen Finanzierungsgeschäfte ergibt sich aus
den vorhandenen Akten Folgendes:
a) Am Anfang des Ablaufs stand jeweils ein (angeblicher) Verkauf einer Schmie-
depresse durch die I. bzw. die Q. an einen jeweiligen Vertragspartner. Dieser
wurde in einer sog. Auftragsbestätigung festgehalten (vgl. E. 3.4.2.1a). Die in
diesen Auftragsbestätigungen festgehaltenen Verkäufe stimmen inhaltlich mit
den in den Finanzierungsverträgen erwähnten Schmiedepresse-Verkäufen über-
ein. Da die Auftragsbestätigungen, wie bereits aufgezeigt (E. 3.4.4), gefälscht
sind, entstanden aus diesen (inexistenten) Geschäften keine realen Forderungen
zugunsten der I.
b) Ungeachtet der Inexistenz der Verkäufe, schloss die I. für jedes einzelne Ge-
schäft eine Versicherung bei der P. Versicherung und der O. Versicherung ab.
Die entsprechenden Versicherungsunterlagen liegen bei den Akten (vgl. die auf
S. 103 ff. der Anklageschrift referenzierten Beweise). Die Versicherungsverträge
der P. Versicherung halten im Wesentlichen fest, dass diese der I. Forderungs-
ausfälle bzgl. der Schmiedepresse-Verkäufe im Umfang von 80-90 % der Versi-
cherungssumme deckt. Ähnliches halten die Verträge der O. Versicherung fest:
Demnach hat die I. das Risiko von Leistungsstörungen («Contract Frustration»)
sowie das Zahlungsrisiko («Non-Payment» bzw. «Non-Transfer») aus diesen
Geschäften im Umfang von 50-90 % bei der O. Versicherung versichert. Die ent-
sprechenden Versicherungsprämien wurden von der I. sodann auch tatsächlich
bezahlt (vgl. die auf S. 103 ff. der Anklageschrift referenzierten Beweise).
c) Anschliessend übermittelte die I. jeweils den Deckungsnachweis der Versiche-
rungen an die C. (vgl. E. 2.2.3). Die C. setzte in der Folge jeweils die entspre-
chenden, im Wesentlichen identischen Finanzierungsverträge auf. Diese hielten
u.a. Folgendes fest:
 In Ziffer I: Eine Umschreibung des durch die C. finanzierten Geschäfts, na-
mentlich der Parteien, der Kaufsache, des Kaufpreises und des Kaufvertrags-
datums.
- 106 -
SK.2020.57
 In Ziffer II: Eine Liste mit den von der I. einzureichenden Dokumente, nament-
lich der unterschriebene Finanzierungsvertrag, die durch eine Handelsrech-
nung dokumentierte Buchforderung, der Einkaufvertrag, Versanddokumente
sowie die Schutzzusage der Versicherungsgesellschaft.
 Unter Ziffer III: Die Bedingungen der Finanzierung (Betrag, Fälligkeit, Diskont-
satz, Zins) und das Datum bis zu welchem die Dokumente nach Ziffer II spä-
testens vorzuliegen haben.
 Unter Ziffer IV: Die Bedingung, dass die I. der C. ihre Rechte und Ansprüche
aus der Buchforderung und der Schutzzusage der P. Versicherung bzw. der
O. Versicherung abtritt.
 Unter Ziffer V: Die Bedingung, dass die I. u.a. Gewähr dafür übernimmt, dass
die Buchforderung und die Ansprüche aus der Schutzzusage der P. Versiche-
rung bzw. der O. Versicherung zu Recht bestehen.
e) Nach Eingang eines Teils der erforderlichen Dokumente (vgl. hierzu
E. 4.4.2.2b) überwies die C. der I. den Finanzierungsbetrag (abzüglich eines zu-
rückbehaltenen Diskonts). Diese Zahlungsaufträge und die damit korrespondie-
renden Gutschriftsanzeigen liegen bei den Akten (vgl. die auf S. 81 ff. der Ankla-
geschrift referenzierten Beweise). Ob die I. nach der Auszahlung des jeweiligen
Finanzierungsvertrages – wie die Bundesanwaltschaft geltend macht (vgl. Ankla-
geschrift S. 125) – weitere Dokumente an die C. übermittelte, ist, wie noch zu
zeigen sein wird, nicht relevant (vgl. E. 4.4.2.1).
f) Von den ihr so gewährten Finanzierungen zahlte die I. die Beträge aus insge-
samt 26 Geschäften (Geschäfte Nr. 43-68) zurück. Die Verpflichtungen aus den
übrigen Finanzierungsverträgen im Umfang von EUR 123‘147‘986.44 wurden
nicht zurückbezahlt (vgl. die auf den S. 88 ff. der Anklageschrift referenzierten
Beweise).
4.4.1.3 Die Geschäftsbeziehungen zwischen der I. und der C. sowie der geschilderte
Ablauf der Finanzierungsgeschäfte wurde von der Beschuldigten sowohl im Vor-
verfahren als auch anlässlich der Hauptverhandlung im Wesentlichen bestätigt
(BA 13.001-0065 Z. 244; -0226 Z. 30 ff.; TPF 731.016 ff.; vgl. auch E. 2.2.3) und
diese gelten somit infolge Übereinstimmung mit den Akten als erstellt. Die Be-
schuldigte gab hinsichtlich der Geschäftsbeziehungen lediglich zu Protokoll, dass
es sich bei den durch die C. vorfinanzierten Geschäften um reale Geschäfte ge-
handelt habe; letztmals an der Hauptverhandlung (TPF 731.018). Dies wurde be-
reits widerlegt (vgl. E. 3.4.4). Auf die übrigen von ihr im Zusammenhang mit die-
sem Anklagevorwurf vorgebrachten Einwände wird im Rahmen der einzelnen
Tatbestandsmerkmale eingegangen.
- 107 -
SK.2020.57
4.4.2 Zu den einzelnen Tatbestandselementen
4.4.2.1 Täuschung
a) Die Bundesanwaltschaft wirft der Beschuldigten vor, die für die Kreditvergabe
zuständigen Mitarbeiter der C., namentlich B., GGG. und JJJ. über die Existenz
und somit die Werthaltigkeit der von der C. angekauften bzw. an sie abgetretenen
65 Forderungen der I. aus Schmiedepresse-Verkäufen getäuscht zu haben. Die
Täuschung soll sie durch folgende Handlungen begangen haben (Anklageschrift
S. 96):
1) Sie habe jedes einzelne, diesen Forderungen zugrundeliegende Geschäft der
bei der P. Versicherung oder der O. Versicherung versichern lassen und an-
schliessend die jeweiligen Versicherungsunterlagen den vorgenannten Mitarbei-
tern der C. zugestellt (Anklageschrift S. 96-110).
2) Zudem soll sie den Bankmitarbeitern eine Vielzahl von Unterlagen betreffend
die Schmiedepresse-Verkäufe zukommen gelassen haben, u.a. die unterzeich-
nete Fassung des Finanzierungsvertrages sowie die unter dem Anklagepunkt 2.1
erwähnten gefälschten Urkunden (Anklageschrift S. 110-117). Ob – wie die Bun-
desanwaltschaft geltend macht – darüber hinaus auch nach der Auszahlung des
jeweiligen Finanzierungsbetrages noch weitere Unterlagen der C. zugestellt wor-
den sind, kann offenbleiben, wäre ein dadurch entstandener Irrtum doch weder
für den Abschluss des Finanzierungsvertrages noch die darauf erfolgte Auszah-
lung kausal.
b) In tatsächlicher Hinsicht ist erstellt, dass die gemäss den jeweiligen Finanzie-
rungsverträgen von der I. an die C. abgetretenen Forderungen nie bestanden
haben, der Ausfall dieser Forderungen dennoch bei den genannten Versiche-
rungsgesellschaften versichert worden ist und die entsprechenden Versiche-
rungsunterlagen, die unterschriebenen Finanzierungsverträge sowie die ge-
fälschten Urkunden der C. zugestellt worden sind (vgl. E. 3.4.3.2, 3.6, 4.4.1.2).
Demnach ist der Anklagesachverhalt in Bezug auf den Inhalt der Täuschung er-
stellt.
Der Beschuldigten konnte überdies bereits nachgewiesen werden, dass sie
sämtliche gefälschten Urkunden der C. zugestellt hat. Von besonderer Bedeu-
tung ist dabei, dass sie sämtliche Auftragsbestätigungen unmittelbar selbst der
C. eingereicht hat (vgl. E. 3.6.3.2). Ob sie darüber hinaus auch die Versiche-
rungsunterlagen und die Finanzierungsverträge selber, d.h. eigenhändig den
Bankmitarbeitern zugestellt hat, ist bei diesem Beweisergebnis nicht von Bedeu-
tung. Diesbezüglich ist jedenfalls erstellt, dass die Beschuldigte Kenntnis davon
- 108 -
SK.2020.57
hatte, dass diese Unterlagen der C. zugestellt worden sind (vgl. E. 2.2.3). Den-
noch hat sie es als zentrale Ansprechperson für die C. (BA 13.001-1085 Z. 1 f.; -
1094 Z. 3 ff.; TPF 731.024) unterlassen, die entsprechenden Bankmitarbeiter
darüber zu informieren, dass die mit diesen Finanzierungsunterlagen finanzierten
bzw. die mit den Versicherungsverträgen versicherten Schmiedepresse-Ver-
käufe nicht existent sind. Unter der Prämisse, dass die betreffenden Mitarbeiter
nicht in die inkriminierten Vorgänge involviert waren (vgl. dazu E. 4.4.2.3), ergibt
sich dies bereits daraus, dass ansonsten die Beträge nie ausbezahlt worden wä-
ren. Im vorliegenden Strafverfahren hat sie sodann auch nie geltend gemacht,
die Bankmitarbeiter über diesen Umstand informiert zu haben.
c) Bei den Auftragsbestätigungen handelt es sich um die eigentlichen Verträge
zum Kauf bzw. Verkauf von Schmiedepressen (vgl. E. 3.4.3.2a). Diese sollten
die rechtsgeschäftliche Grundlage für die Entstehung der an die C. abgetretenen
65 Forderungen bilden. Da diese Kaufverträge in Wirklichkeit aber nie abge-
schlossen worden sind, entstanden die entsprechenden Forderungen auch nicht.
Indem die Beschuldigte diese Auftragsbestätigungen im Rahmen der Kreditge-
währung dennoch den Bankmitarbeitern der C. einreichte, täuschte sie diese
über den Abschluss dieser Verträge und folglich auch über die damit bezweckte
Entstehung sowie den Bestand dieser Forderungen. Über diese Tatsachen hat
die Beschuldigte aber nicht bloss aktiv getäuscht. Darüber hinaus unterliess sie
es auch konstant die Bankmitarbeiter über diesen Umstand zu informieren, ob-
wohl sie direkte Ansprechperson für die C. war und von der Nichtexistenz der
Forderungen wusste (vgl. vorne lit. b). Nach dem Gesagten hat die Beschuldigte
die Bankmitarbeiter der C. über den Bestand von insgesamt 65 Forderungen der
I. gegenüber den jeweiligen Käufern der Schmiedepressen getäuscht. Der Um-
stand, dass die Finanzierungsverträge in der Regel nicht von der Beschuldigten,
sondern vom Verwaltungsrat der I. unterzeichnet worden sind, ändert daran
nichts. Zwar hat auch der Unterzeichner der Finanzierungsverträge – jedenfalls
in objektiver Hinsicht – die Bankmitarbeiter über den Bestand der Forderung ge-
täuscht. Dies ist aufgrund des Anklagesachverhalts aber nicht Gegenstand des
vorliegenden Strafverfahrens und ändert im Übrigen auch nichts daran, dass
auch die Beschuldigte selbst Täuschungshandlungen begangen hat.
4.4.2.2 Arglist
a) Wie bereits gezeigt, hat die Beschuldigte den Bankmitarbeitern für jedes ein-
zelne Finanzierungsgeschäft entsprechend der Bestimmungen des Finanzie-
rungsvertrages mindestens eine gefälschte Auftragsbestätigung und ein ge-
fälschtes Notifikationsschreiben eingereicht; bei einzelnen Geschäften hat sie zu-
dem noch weitere gefälschte Dokumente eingereicht oder einreichen lassen
(vgl. E. 3.6.3.2). Bereits die Verwendung dieser gefälschten Urkunden indiziert
- 109 -
SK.2020.57
Arglist. Anders würde es sich nur verhalten, wenn die Urkunden selbst ernsthafte
Anhaltspunkte für deren Unechtheit geben würden (vgl. E. 4.3.3). Dass dies bei
den durch die Beschuldigte eingereichten Unterlagen der Fall gewesen sein soll,
wird weder von ihr noch ihrem Verteidiger geltend gemacht (vgl. TPF 721.260 ff.).
Derartige Fälschungsanzeichen sind den eingereichten Fälschungen – insbeson-
dere den Auftragsbestätigungen, welche zentraler Ausgangspunkt des jeweiligen
Geschäfts bildeten – auch nicht zu entnehmen. Die übrigen gefälschten Urkun-
den wirken ex post zwar in gewissem Masse veraltet und unprofessionell, für ein
in der Zeit von 2006-2009 im Maschinenhandel tätiges Unternehmen aber au-
thentisch. Die Beschuldigte bediente sich zudem weiterer Machenschaften: Je-
des einzelne Schmiedepresse-Geschäft liess sie trotz dessen Nichtbestands tat-
sächlich bei der P. Versicherung oder der O. Versicherung versichern bzw.
wusste sie jedenfalls, dass diese Geschäfte versichert waren und auch die Bank-
mitarbeiter hiervon Kenntnis hatten (vgl. E. 2.2.3). Der Abschluss dieser Versi-
cherungen war gemäss den jeweiligen Finanzierungsverträgen wesentliche Be-
dingung für die Finanzierung durch die C. (vgl. E. 4.4.1.2c). Aus diesem Grund
war es für die Beschuldigte voraussehbar, dass die Bankmitarbeiter aufgrund der
ihnen eingereichten Versicherungsunterlagen auf eine eingehende Prüfung der
finanzierten Geschäfte verzichten und auf die Vorprüfung durch die Versiche-
rungsgesellschaften vertrauen würden. Dies umso mehr, als die I. die Versiche-
rungsprämien in Millionenhöhe auch tatsächlich bezahlte (vgl. die auf S. 103 ff.
der Anklageschrift referenzierten Beweise). Auch die von der Beschuldigten als
Cash-Pool-Verantwortliche – nach dem Muster des Ponzi-Systems – getätigten
Rückzahlungen (vgl. E. 4.4.1.2f) waren für die Vertrauensbildung seitens der C.
von grosser Bedeutung. Hinzu kommt, dass die I. in eine gegen aussen schein-
bar funktionierende Holding-Struktur mit zahlreichen Tochtergesellschaften ein-
gebettet war. Dieses Setting erschien auch deshalb plausibel, weil die Tochter
Q. tatsächlich in gewissem Umfang im Handel mit Schmiedepressen tätig war
(vgl. E. 2.1 f.). Damit hat sie sich eines eigens für die Täuschungen kreierten Lü-
gengebäudes bedient.
b) Zu prüfen bleibt, ob Arglist aufgrund der Missachtung grundlegendster Vor-
sichtsmassnahmen ausscheidet. Der Verteidiger bringt in diesem Zusammen-
hang in allgemeiner Hinsicht vor, dass in der C. sowohl personelle als auch or-
ganisatorische Missstände bestanden hätten und verweist diesbezüglich im We-
sentlichen auf den Bericht der HHH. AG betreffend Sonderuntersuchung bei der
C. Bank AG vom 26. Mai 2010 (nachfolgend: HHH.-Bericht; [BA B18.104.01-
0002 ff.]). Ohne diese Missstände wäre es der I. gar nicht möglich gewesen, die
entsprechenden Geschäfte mit der C. abzuschliessen (TPF 721.264 ff.). Der
HHH.-Bericht wurde im Auftrag des Aufsichtsrats der Bank III. mit Sitz in VV.
(Deutschland), welche über ihre luxemburgische 100 %-ige Tochtergesellschaft
- 110 -
SK.2020.57
die C. beherrschte, im Zusammenhang mit den vorliegenden Geschäften zwi-
schen der I. und der C. erstellt; untersucht wurde das Forfaitierungsgeschäft der
C. im Zeitraum von 2002 bis 2010 (HHH.-Bericht S. 8). Dieser bestätigte im All-
gemeinen Missstände hinsichtlich der Organisation, des internen Kontrollsys-
tems und des Risikomanagements der C. (HHH.-Bericht S. 14, 17). In Bezug auf
die Geschäfte mit der I. hält dieser zusammengefasst Folgendes fest: «Die Ge-
schäftsbeziehungen sowie Transaktionen mit I. sind nicht den internen Vorschrif-
ten entsprechend abgewickelt und Auffälligkeiten nicht hinterfragt worden. [...]
Bei den Kreditdossiers [...] ist kein den Anforderungen an eine ordnungsge-
mässe Kreditbearbeitung genügendes Ablagesystem zu erkennen. Keine der bei
unserer Prüfung als Stichprobe ausgewählten Kredite sind kompetenzgerecht
bewilligt worden. [...] Die Auszahlung der Kredite erfolgten trotz fehlender Unter-
lagen unter Vorbehalt der Einreichung sämtlicher Dokumente, welche zum Zeit-
punkt unserer Prüfung nicht vorlagen. [...] Die [C.] hat im Bereich der I.-Ge-
schäfte nie direkten Kontakt mit den Endkunden aufgenommen und keine Kun-
denidentifikationshandlungen vorgenommen. Als Grundlage für die Stammda-
tenerfassung im Bankensystem dienten die Versicherungspolicen, welche von
der I. selbst geliefert worden sind (HHH.-Bericht S. 14 ff.)». Konkret zu den feh-
lenden Dokumenten wird ausgeführt, dass jeweils der Kaufvertrag, der Nach-
weis, dass die Maschine bis zur Bezahlung durch den Käufer im Eigentum der I.
ist, sowie Transport- und Zollpapiere fehlten (HHH. Bericht, S. 74, 108). Dies
deckt sich im Wesentlichen mit den vorhandenen Akten (vgl. BA B15.102.01 ff.)
sowie den Feststellungen der FFA (vgl. FFA-Bericht II., Teil I, S. 319 f.
[BA 11.104-0319 f.]). Überdies macht der Verteidiger unter Berufung auf den er-
wähnten Bericht geltend, die zuständigen Bankmitarbeiter, namentlich der für
das I.-Geschäft hauptverantwortliche B., hätten von den gefälschten Urkunden
gewusst, diese aber bewusst ignoriert (TPF 721.263 f.; 721.267; HHH.-Bericht,
S. 16, 81 f.). Im Vorverfahren gab insbesondere der Bankmitarbeiter JJJ. an,
dass innerhalb der C. die Authentizität der auf den von der I. eingereichten Do-
kumente enthaltenen Unterschriften diskutiert worden sei; erstmals ab 2004 (BA
12.010-0027 f.). Er habe auch B. hierauf angesprochen. Dieser habe sich die
Dokumente angesehen und ihm gestützt auf die Aussagen der Beschuldigten
dargelegt, dass mit den Geschäften der I. und den entsprechenden Dokumenten
alles stimme (BA 12.010-0029 f.). Diese Aussagen hätten ihn zu 90 % überzeugt,
insbesondere auch, weil B. ihm mitgeteilt habe, dass er die Maschinen gesehen
habe (BA 12.010-0030). Die ebenfalls in die I.-Geschäfte involvierten Bankmitar-
beiter GGG. und KKK. bestätigten im Vorverfahren, dass die Echtheit der Doku-
mente diskutiert worden sei (BA 12.011-0026 ff.; -012-0024 f.). Beide gaben
überdies zu Protokoll, dass B. zur Verifizierung der Geschäfte mit der Beschul-
digten nach Italien gereist sei und dort die Maschinen gesehen habe (BA 12.011-
- 111 -
SK.2020.57
0032; -012-0024). Letzteres bestätigten auch B. sowie die Beschuldigte selbst
(BA 13.005-0174 Z. 19 ff.; 13.001-0024 Z. 3 f.; -0032 Z. 129 f.).
Nach dem Gesagten kann festgehalten werden, dass dem Verteidiger beizu-
pflichten ist, dass seitens der C. gewisse Vorsichtsmassnahmen nicht getroffen
worden sind. Diese Verfehlungen sind in der Folge dem Verhalten der Beschul-
digten gegenüberzustellen. Hingegen sind die Einwände des Verteidigers betref-
fend die der I. (zusätzlich) gewährten vier Lombardkredite nicht zu hören (TPF
721.267 f.; vgl. hierzu FFA-Bericht II., Teil I, S. 173 ff. [BA 11.104-0173 ff.]), bil-
den diese doch nicht Gegenstand des vorliegenden Strafverfahrens.
c) Die C. ist als Bank zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen und aufgrund des
Fachwissens ihrer Organe ist ein erhöhter Sorgfaltsmassstab anzusetzen. Den-
noch bleibt die zur Straflosigkeit der Beschuldigten führende Eigenverantwortung
des Opfers die Ausnahme. Das Selbstverschulden des Opfers schliesst den Tat-
bestand nur aus, wenn dieses die Betrugsmachenschaften völlig in den Hinter-
grund treten lässt (vgl. E. 4.3.3). Dies trifft vorliegend nicht zu. Die Beschuldigte
hat im Rahmen der von ihr eigens hierfür als faktisches Organ geführten juristi-
schen Person in den Jahren 2002-2009 insgesamt 107 Kredite aufgenommen,
wovon tatsächlich auch 68 fristgerecht zurückbezahlt worden sind. Es bestand
demnach eine langjährige und bis zum Ausbleiben der Zahlung an sich funktio-
nierende Geschäftsbeziehung zwischen der C. und der I., wodurch ein gewisses
Vertrauensverhältnis zwischen ihnen sowie ihren Organen entstand. In Kenntnis
dieses Vertrauensverhältnisses hat die Beschuldigte die bei der C. bestehenden
Schwachstellen systematisch ausgenutzt und hierfür beträchtliche zeitliche und
finanzielle Mittel aufgewendet, namentlich indem sie – wie gezeigt – die Täu-
schungen im Rahmen eines gegen aussen funktionierend auftretenden Unter-
nehmens einbettete und für die finanzierten Geschäfte tatsächlich Versicherun-
gen abschloss und Versicherungsprämien in Millionenhöhe bezahlte. Es trifft
zwar zu, dass der C. entgegen den Finanzierungsverträgen nie sämtliche gefor-
derten Dokumente zur Verfügung standen. Unbestritten ist allerdings, dass die
Deckungsnachweise der Versicherungen, welche wesentlicher Bestandteil des
Systems der Beschuldigten bildeten, jeweils vorlagen. Es erscheint zu einem ge-
wissen Grad nachvollziehbar, dass die Bankmitarbeiter aufgrund der durch die I.
abgeschlossenen Versicherungen, welche Prämien in Millionenhöhe nach sich
zogen, von realen, abgesicherten Geschäften ausgingen und darauf verzichteten
auf sämtliche vertragliche Dokumente und eine Kontaktaufnahme mit den Käu-
fern der Schmiedepressen zu beharren. Dies umso mehr aufgrund des beste-
henden Vertrauensverhältnisses und tatsächlich zurückbezahlten Krediten.
Hinzu kommt, dass sie ihre Betrugsmachenschaften mittels gefälschter Urkun-
den betrieb, was sich zusätzlich zu ihren Lasten auswirkt. Auch wenn es zutreffen
- 112 -
SK.2020.57
mag, dass die Mitarbeiter der C. die Echtheit der eingereichten Urkunden disku-
tiert haben, ist aufgrund der Aussagen der Bankmitarbeiter sowie der Beschul-
digten selbst doch erstellt, dass B. bereits ab 2004 zur Verifizierung der entspre-
chenden Geschäfte entsprechende Vorkehrungen getroffen hat, namentlich nach
Italien zur tatsächlich zu einem gewissen Grad im Schmiedepresse-Handel täti-
gen Q. gereist ist und entsprechende Maschinen gesehen hat. Durch diese Ver-
netzung zwischen fiktiven und tatsächlich stattfindenden Geschäften sowie den
tatsächlich erfolgten Rückzahlungen war es B. und den übrigen Bankmitarbeitern
nicht möglich, das Lügengebäude der Beschuldigten zu durchschauen. Zusam-
menfassend ist festzuhalten, dass die Täuschungen geprägt von zeitlich und fi-
nanziell intensiven und systematisch aufeinander abgestimmten Vorkehrungen
waren. Dieses von der Beschuldigten so errichtete und betriebene Lügenge-
bäude und ihre Machenschaften waren ohne weiteres geeignet, auch geschäfts-
erfahrene Mitarbeiter einer Bank irrezuführen. Das Tatbestandsmerkmal der Arg-
list ist nach dem Gesagten erfüllt.
4.4.2.3 Irrtum
Die Bundesanwaltschaft wirft der Beschuldigten vor, dass die zuständigen Mitar-
beiter der C., namentlich B., GGG. und JJJ., aufgrund der Täuschungshandlun-
gen über den Bestand der Forderungen der I. gegenüber den jeweiligen Käufern
der Schmiedepressen irrten (Anklageschrift S. 126). Der Vorwurf trifft in der Sa-
che zu: Dies ergibt sich nicht nur aus den Aussagen der genannten Bankmitar-
beiter (BA 13.005-0081; -0252 [B.]; 12.011-0033 f. [GGG.]; 12.010-0029 [JJJ.]),
sondern auch aus dem Umstand, dass die Mitarbeiter der C. die Finanzierungs-
verträge, in welchen die I.-Geschäfte mit den Käufern der Schmiedepressen um-
schrieben wurden, abgeschlossen und vollzogen haben. Dass sich B. über den
Bestand der Grundgeschäfte geirrt hat, stimmt im Übrigen auch mit den diesbe-
züglichen Erwägungen der rechtskräftigen Einstellungsverfügung der Bundesan-
waltschaft vom 30. Juli 2018 überein (BA 03.004-0010).
4.4.2.4 Vermögensdisposition und Schaden
Es ist durch die sich in den Akten befindenden Zahlungsbestätigungen und Gut-
schriftanzeigen erstellt und von der Beschuldigten unbestritten, dass die C. der
I. mit insgesamt 65 Zahlungen insgesamt EUR 189‘734‘043.– ausbezahlt hat
(vgl. die auf S. 82 ff. der Anklageschrift referenzierten Beweise). Diese Zahlun-
gen erfolgten als Folge der bei den C.-Mitarbeitern bestehenden Irrtümern über
die Echtheit der I.-Geschäfte. Da diese Schmiedepresse-Verkäufe nie stattge-
funden haben, erhielt die C. bei der Abtretung der dem Anschein nach entstan-
denen Forderungen keinen Gegenwert und die entsprechenden Kredite waren
zu keinem Zeitpunkt gesichert. Das Vermögen der C. war demnach bereits im
- 113 -
SK.2020.57
Zeitpunkt der Auszahlung jeweils im Umfang des Auszahlungsbetrages vermin-
dert. Der C. entstand aus dieser qualifizierten Vermögensgefährdung somit (bei
Anwendung eines durchschnittlichen EUR/CHF Umrechnungskurses von
1.57808275 gestützt auf die Jahresmittelkurse gemäss Eidg. Steuerverwaltung
für die Jahre 2006 [1.57293], 2007 [1.64267], 2008 [1.58666] und 2009
[1.510071]) insgesamt ein Schaden in der Höhe von Fr. 299‘416‘020.35. Dass
ein Teil der Kredite zurückgezahlt wurde, ist im Rahmen der Strafbarkeit nicht
relevant (vgl. E. 4.3.6).
4.4.2.5 Subjektiver Tatbestand
Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Beschuldigte über Jahre
hinweg der C. vorsätzlich gefälschte Urkunden eingereicht (vgl. E. 3.6) und mit
grossem zeitlichem und finanziellem Aufwand eine Art Schneeballsystem betrie-
ben und zu diesem Zweck ein raffiniertes Lügengebäude errichtet und aufrecht-
erhalten hat (vgl. E. 4.4.2.2). Es war nur eine Frage der Zeit, bis dieses System
kollabieren würde. Es muss ihr von Anfang an klar gewesen sein, dass die An-
sprüche der C. erheblich geschmälert waren. Es steht damit ausser Frage, dass
sie mit direktem Vorsatz handelte (vgl. auch E. 3.6.4).
Weiter steht fest, dass die Beschuldigte sich und insbesondere ihrem Ehemann
Vermögensvorteile in mindestens zweistelliger Millionenhöhe (BA 11.104-
0233 ff.; -0275 ff.) unmittelbar aus dem Vermögen der C. verschaffte (Stoffgleich-
heit). Gleiches gilt für die übrigen betrügerisch erlangten Vermögenswerte, wel-
che sie für ihr nahestehende Personen oder zur Aufrechterhaltung ihres betrüge-
rischen Systems verwendete. Diese Vermögensverschiebungen standen klarer-
weise im Widerspruch zur Rechtsordnung, was für die Beschuldigte ohne weite-
res erkennbar war. Sie handelte somit mit unrechtmässiger Bereicherungsab-
sicht.
4.4.3 Zwischenfazit
Als Zwischenfazit ist festzuhalten, dass die Beschuldigte den objektiven und sub-
jektiven Tatbestand des Betrugs zum Nachteil der C. in mehrfacher Hinsicht er-
füllt hat.
4.5 Betrug zum Nachteil der D. Bank (Anklagepunkt 3.3)
4.5.1 Geschäftsbeziehung zwischen der I. und der D. Bank
4.5.1.1 In Bezug auf die vorliegend relevanten Geschäftsbeziehungen ist zusammenge-
fasst Folgendes dokumentarisch belegt:
- 114 -
SK.2020.57
a) Mit Kreditvertrag vom 18. Dezember 2003 (BA B05.103.01-0009 ff.) gewährte
die Bank QQQQ. der I. einen Kredit in laufender Rechnung (Kontokorrent [Konto-
Nr. 167.210.264.00; CHF-Konto]) bis zum Betrag von höchstens Fr. 200‘000.–.
Infolge Fusion gingen die Aktiven und das Fremdkapital von der Luzerner auf die
D. Bank über (SHAB Nr. 5 vom 7. Januar 2005, S. 11, Id 2629798). Damit ging
auch der vorgenannte Kreditvertrag auf die D. Bank über (BA B07.102.001.01.E-
0043 ff.).
b) Gemäss Kreditantrag vom 25. Juni 2009 (BA B07.102.001.01.E-0055 ff.) fand
am Sitz der I. eine Besprechung zwischen einerseits der Beschuldigten, welche
als Geschäftsführerin bezeichnet wird, KK. und einem Treuhänder sowie ande-
rerseits den Mitarbeitern der D. Bank statt. In diesem Rahmen wurde ein Antrag
um Einräumung einer Betriebskreditlimite zwecks Mitfinanzierung der operativen
Tätigkeit eingereicht. Unter dem Titel «Verwendungszweck» ist Folgendes ange-
geben:
«Für die Vorfinanzierung von bestellten Maschinen benötigt die I. AG
gelegentlich kurzfristig und saisonal Liquidität. Die Kerntätigkeit der I.
AG liegt im Einkauf von älteren, mechanischen Schmiedepressen
und anschliessendem Verkauf [...]. 80 % des jeweiligen Kaufpreises
werden durch die P. Versicherung Kreditversicherung abgesichert
(Einzelpolicen). Deshalb beantragen wir die Gewährung einer „Maxi-
malzessionslimite“ über CHF 15 Mio. (nutzbar auch in Euro im ent-
sprechenden Gegenwert) mit folgenden Benützungsauflagen: max.
Einzelbevorschussung von 80 % der Investitionsgüterkreditversiche-
rung der jeweiligen Police [...] = 64 % des Kaufpreises».
c) Mit Kreditvertrag vom 14. Juli 2009 (BA B05.103.01-0100 ff.) gewährte die D.
Bank der I. – zusätzlich zum vorgenannten Kontokorrent-Kredit – einen weiteren
Kredit in laufender Rechnung (Kontokorrent [Konto-Nr. [...]; EUR-Konto]) für die
gewerblichen oder beruflichen Bedürfnisse bis zum Betrag von höchstens
Fr. 15‘000‘000.–; benutzbar als ordentliche Limite im entsprechenden Euro-Be-
trag (Ziff. 1 des Kreditvertrages). Der Vertrag ist im Namen der I. durch die Be-
schuldigte unterschrieben. Er enthält unter Ziff. 10 u.a. folgende Bestimmungen:
«1. Kreditbenützung
Die Benützung der Kreditlimite erfolgt nur unter folgenden Bedingun-
gen:
a) Einreichung eines entsprechenden Kreditversicherungs-Vertrages
der Firma P. Versicherung AG, mit Zahlungsvermerk/Begünstigte
D. Bank AG in den „Besonderen Versicherungsbedingungen“.
- 115 -
SK.2020.57
b) Maximaler Kreditbetrag: jeweils 80 % der im Kreditversicherungs-
Vertrag festgelegten Versicherungssumme.
c) maximale Laufzeit der Kreditbenützung: 6 Monate pro Kreditversi-
cherungs-Vertrag ab Auszahlung.
2. Exklusiv-Klausel der Kreditnehmerin
Der Kreditnehmer bestätigt, dass die Bank einzige kreditgebende
Bank ist und verpflichtet sich, ohne ausdrückliche Zustimmung der
Bank keinerlei Verpflichtungen bei einem anderen Finanzinstitut ein-
zugehen.»
d) Nach Erhalt der entsprechenden Versicherungsunterlagen wurde die Kreditli-
mite per 10. August 2009 im Betrag von EUR 9‘600‘000.–, was beim damaligen
und angewendeten EUR/CHF Wechselkurs von 1.5625 der maximalen Kreditli-
mite von Fr. 15‘000‘000.– entsprach, verfügbar gemacht (BA B07.102.001.01.E-
0077 bis 0080).
4.5.1.2 Die vorne dargelegte Geschäftsbeziehung zwischen der I. und der D. Bank wurde
von der Beschuldigten im Wesentlichen nicht bestritten (vgl. BA 13.001-0088 ff.;
TPF 731.027 ff.) und gilt somit infolge Übereinstimmung mit den Akten als er-
stellt. Auf die von ihr im Zusammenhang mit diesem Anklagevorwurf vorgebrach-
ten Einwände wird im Rahmen der einzelnen Tatbestandsmerkmale eingegan-
gen.
4.5.2 Zu den einzelnen Tatbestandselementen
4.5.2.1 Täuschung
a) Die Bundesanwaltschaft wirft der Beschuldigten vor, im Rahmen der Gewäh-
rung des Kredits die zuständigen Mitarbeiter der D. Bank über folgende Tatsa-
chen getäuscht zu haben:
1) Sie soll über den Bestand von vier Forderungen der I. aus dem Verkauf von
Schmiedepressen im Gesamtbetrag von EUR 15‘425‘000.– getäuscht haben, in-
dem sie den Ausfall dieser Forderungen bei der P. Versicherung habe versichern
lassen und anschliessend die Versicherungsunterlagen den Mitarbeitern der D.
Bank zugestellt habe (Anklageschrift S. 71, 128 f.). Es soll sich dabei um fingierte
Geschäfte mit den Gesellschaften DDD19. SRL, VVV. (Italien), LLL. SpA, UU.,
MMM. SA, Paris (Frankreich), und NNN., UUU. (Frankreich), handeln (Anklage-
schrift S. 128 f.).
- 116 -
SK.2020.57
2) Zudem soll sie über die Kreditwürdigkeit der I. getäuscht haben, indem sie
gegenüber der D. Bank wahrheitswidrig bestätigt habe, diese sei die einzige kre-
ditgebende Bank der I. Diese Täuschung soll sie überdies begangen haben, in-
dem sie der D. Bank inhaltlich falsche Dokumente (Fact Book und Bilanz der I.
betreffend das Geschäftsjahr 2008) eingereicht habe (Anklageschrift S. 129 f.).
Auch soll sie den Kredit entgegen dem vereinbarten Zweck nicht zur Finanzie-
rung der vorgenannten Geschäfte, sondern zur Rückzahlung von bestehenden
Verpflichtungen gegenüber der C. und zur Bezahlung von Versicherungsprämien
für andere Geschäfte verwendet haben (Anklageschrift S. 128).
b) In tatsächlicher Hinsicht ist wie folgt zu differenzieren:
1) In Bezug auf die gemäss Anklageschrift fingierten Geschäfte ist erstellt, dass
der D. Bank die entsprechenden Versicherungsunterlagen zugestellt worden sind
(BA B05.103-0247 ff.). Zu prüfen bleibt, ob die in diesen Unterlagen umschriebe-
nen Geschäfte existierten. Betreffend das Geschäft mit der DDD19. SRL ergibt
sich aus den Versicherungsunterlagen, dass die I. dieser im Jahr 2009 eine
Schmiedepresse zum Preis von EUR 2‘800‘000.– verkauft habe, welche im Juni
2010 geliefert werde (BA B05.103-0318 f.). Die Geschäftsführerin der DDD19.
SRL gab am 26. März 2014 auf Vorhalt einer Auftragsbestätigung und eines No-
tifikationsschreibens aus dem Jahr 2006 an, dass diese Dokumente gefälscht
seien (vgl. E. 3.4.2.2). Zudem führte sie aus, dass die DDD19. SRL nie in einer
wirtschaftlichen Beziehung zur I. oder anderer Gesellschaften der G. gestanden
habe; mit Ausnahme eines Kontaktes mit der Q. im Jahr 2006. Diese habe ihr
damals Schmiedepressen angeboten. Diese waren aber nicht kompatibel mit ih-
rem Geschäftsbetrieb, weshalb es zu keiner wirtschaftlichen Beziehung gekom-
men sei (BA 18.323-0996 f.). Dass die DDD19. SRL keine Geschäftsbeziehun-
gen mit der I. oder der Q. pflegte, stimmt auch mit den Erkenntnissen der FFA
und den Aussagen von J. überein (BA 11.104-0578 ff.; 16.401-0453). Für das
Gericht bestehen deshalb keine Zweifel, dass das in den Versicherungsunterla-
gen umschriebene Geschäft nicht abgeschlossen worden ist. Der Anklagesach-
verhalt ist diesbezüglich erstellt. Hingegen kann der Beschuldigten aufgrund der
vorhandenen Akten nicht nachgewiesen werden, dass auch die übrigen Ge-
schäfte fingiert sind, zumal die entsprechenden Gesellschaften bzw. deren Ver-
treter hierzu nie befragt wurden (vgl. BA 18.323-0001 ff.; 11.104-0445 ff. [betref-
fend LLL. SpA]; 18.309-0001 ff.; 11.104-1049 ff. [betreffend MMM. SA und
NNN.]).
2) Hinsichtlich der Täuschung über die Kreditwürdigkeit ergibt sich Folgendes:
Der von der Beschuldigten unterschriebene Kreditvertrag sowie die dazugehöri-
gen Unterlagen liegen bei den Akten (vgl. E. 4.5.1.1c). Daraus ergibt sich, dass
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SK.2020.57
die Beschuldigte die Erklärung abgegeben hat, dass die D. Bank die einzige kre-
ditgebende Bank der I. sei (vgl. E. 4.5.1.1c). Diese Erklärung ist erwiesenermas-
sen unrichtig, bestanden zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses doch Verpflich-
tungen gegenüber der C. in dreistelligem Millionenbetrag (vgl. E. 4.4.1). Aus dem
Kreditantrag ergibt sich zudem, dass anlässlich der Besprechung im Juni 2009,
an welcher u.a. auch die Beschuldigte teilgenommen hat, die Jahresrechnung
der I. betreffend das Geschäftsjahr 2008 der D. Bank eingereicht worden ist (BA
B07.102.001.01.E-0055 ff.; BA 05.103-0003). Dies wurde von der Beschuldigten
anlässlich der Hauptverhandlung auch bestätigt; sie machte aber geltend, diese
seien vom ebenfalls anwesenden KK. eingereicht worden (TPF 731.028). Ob die
Beschuldigte oder KK. die Jahresrechnung eingereicht hat, ist – wie noch zu zei-
gen sein wird (vgl. unten lit. c) – nicht massgebend. Wesentlich ist, dass die Be-
schuldigte bei der Einreichung anwesend war.
Nicht nachgewiesen werden kann der Beschuldigten, dass sie unmittelbar oder
über ihre Mitarbeitenden auch das sog. Fact Book, welches von der AAA. GmbH
erstellt worden ist (vgl. dazu näher E. 2.3.3.3d), der D. Bank eingereicht hat. Die
D. Bank machte zwar geltend, dieses sei dem damals zuständigen Kundenbera-
ter persönlich und streng vertraulich ausgehändigt worden (BA 05.103-004).
Dass die Beschuldigte oder ihre Mitarbeitenden dieses ausgehändigt haben soll,
wird von der D. Bank aber gerade nicht geltend gemacht. Die Beschuldigte gab
zu Protokoll, dass das Fact Book direkt durch die genannte Gesellschaft an Ban-
ken versandt worden sei (BA 13.001-0089 Z. 438 f.). Dies deckt sich mit den Ak-
ten: Das Fact Book hält ausdrücklich fest, dass dieses durch die AAA. GmbH an
eine begrenzte Anzahl von Finanzinstituten versandt wird und jegliche Kommu-
nikation im Zusammenhang mit diesem direkt über die AAA. GmbH zu erfolgen
habe (BA B05.103-0024). Überdies befindet sich in den Akten eine E-Mail vom
6. Mai 2009 eines Mitarbeitenden der AAA. GmbH, wonach dieser das Fact Book
an die D. Bank gesendet hat (BA B07.102.001.01.E-0075 f.). Nach dem Gesag-
ten ergibt sich, dass das Fact Book durch die AAA. GmbH und gerade nicht durch
die Beschuldigte an die D. Bank gesendet worden ist. Da es sich bei der AAA.
GmbH um eine von der G. Unternehmens-Gruppe unabhängige Gesellschaft
handelt, können deren Angestellte auch nicht als Mitarbeitende der Beschuldig-
ten qualifiziert werden. Entsprechend kann der Beschuldigten auch nicht nach-
gewiesen werden, dass sie das Fact Book mittelbar über ihre Mitarbeitenden ein-
gereicht hat. Erstellt ist aber, dass dieses im Zusammenhang mit der Kreditge-
währung der D. Bank zugänglich gemacht worden ist.
Zu welchem Zweck der gewährte Kredit tatsächlich verwendet wurde, ergibt sich
aus den bei den Akten liegenden Kontounterlagen (BA B07.102.001.01.02-
0085 bis 0168): Danach wurde mit dem Kredit mehrheitlich Verpflichtungen ge-
genüber der C. und der P. Versicherung betreffend andere als die vorgenannten
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SK.2020.57
vier Geschäfte getilgt. Weiter wurden Überweisungen an Drittpersonen, welche
mit den vorgenannten vier Gesellschaften in keinem Verhältnis standen, getätigt.
Schliesslich wurde vom entsprechenden Konto bei der D. Bank Bargeld in der
Höhe von insgesamt EUR 53‘000.– bezogen. Aufgrund des im Vergleich zum
Einkaufspreises der Schmiedepressen, welcher sich im Millionenbereich bewegt,
geringen Bargeldbetrags erscheint es ausgeschlossen, dass dieses Geld zur Fi-
nanzierung der vorgenannten Maschinen-Käufe verwendet wurde. Gegenteiliges
wurde von der Beschuldigten auch nicht geltend gemacht und erschiene im Üb-
rigen auch praxisfremd. Es kann somit festgehalten werden, dass der Kredit nicht
zur Finanzierung der genannten Schmiedepresse-Geschäfte verwendet wurde;
unabhängig davon, ob diese Geschäfte tatsächlich abgeschlossen wurden. Da
lediglich die Beschuldigte über die E-Banking-Berechtigung zur Freigabe von
Zahlungen für das entsprechende Konto der D. Bank verfügte (BA B11.104.001-
0236 bis 0241), musste sie es gewesen sein, die über diese Verwendung ent-
schied. Auch die Barbezüge wurden durch die Beschuldigte selbst oder aufgrund
einer von ihr ausgestellten Vollmacht getätigt (BA B07.102.001.01.02-0106; -
0108; -0118; -0125 f.; -0131; -0139). Auf die Frage, ob diese Verwendung im
Widerspruch zum vereinbarten Vertragszweck steht, wird nachfolgend eingegan-
gen.
c) Während die Beschuldigte sowie der Verteidiger geltend machten, es sei gar
kein Kreditzweck vereinbart worden (BA 13.001-0088; TPF 731.028;
721.270/273), führte die D. Bank aus, der Kredit sei zur Finanzierung der vorge-
nannten vier Schmiedepresse-Geschäfte gewährt worden (BA 05.103-0003 ff.;
TPF 552.006). Fehlt es – wie vorliegend – an einem übereinstimmenden wirkli-
chen Parteiwillen (Art. 18 Abs. 1 OR), sind die Erklärungen der Parteien aufgrund
des Vertrauensprinzips so auszulegen, wie sie nach ihrem Wortlaut und Zusam-
menhang sowie den gesamten Umständen verstanden werden durften und
mussten (statt vieler BGE 138 III 659 E. 4.2.1). Dem Verteidiger ist dahingehend
zuzustimmen, dass der Kreditvertrag keine ausdrückliche Bestimmung zu einem
Verwendungszweck enthält (vgl. BA B05.103.01-0100 ff.). Ein solcher ergibt sich
aber aus den übrigen Vertragsbestimmungen sowie insbesondere auch aus der
vor- und nachvertraglichen Dokumentation: Bereits im Kreditantrag ist festgehal-
ten, dass der Kredit zur Einzelbevorschussung von eingekauften Maschinen die-
nen soll (vgl. E. 4.5.1.1b). Dies stimmt mit den Vertragsbestimmungen zur Kre-
ditbenützung überein, wonach die Benützung nur nach Einreichung der entspre-
chenden Versicherungsunterlagen erfolgen darf (vgl. E. 4.5.1.1c). Sodann wurde
die Kreditlimite auch erst verfügbar gemacht, nachdem der D. Bank die Unterla-
gen der P. Versicherung zu den vorgenannten vier Geschäften vorlagen (vgl.
E. 4.5.1.1d). Es steht damit fest, dass die D. Bank der I. den Kredit zur Vorfinan-
zierung der bestellten Schmiedepressen gewährte. Dass die Beschuldigte vor
Abschluss dieses Vertrages über das entsprechende D. Bank Konto andere
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SK.2020.57
Rechnungen betreffend den «ganz normalen Geschäftsbetrieb» bezahlte oder
im Nachhinein feststellte, dass der Vertrag falsch aufgesetzt worden sei
(TPF 731.028), ändert daran nichts.
Demnach finanzierte die D. Bank mit dem gewährten Kredit vier Schmiede-
presse-Geschäfte der I. Wesentliche Bedingung zur Gewährung des Kredits war
primär der Abschluss einer entsprechenden Kreditversicherung für diese Ge-
schäfte. Im Übrigen stützte sich die D. Bank AG bei der Beurteilung der Kredit-
würdigkeit – wie sich insbesondere aus dem Kreditantrag ergibt – im Wesentli-
chen auf die Jahresrechnung der I. für das Jahr 2008 und die Sicherheit, dass
sie die einzige Kredit gebende Bank der I. war, ab. Der vereinbarte Verwen-
dungszweck, die in der Jahresrechnung festgehaltene Finanzlage sowie die ge-
währte Sicherheit sind geeignet, die Kreditwürdigkeit der I. zu beeinflussen. In-
dem die Beschuldigte als Unterzeichnerin des Kreditvertrages wahrheitswidrig
angab, den Kredit zur Finanzierung der versicherten Geschäfte zu verwenden
und überdies vorspiegelte, dass die D. Bank die einzige Kredit gebende Bank der
I. sei, stellte sie die Kreditwürdigkeit der I. jedenfalls beschönigt dar. Letzteres
wurde überdies mit der gefälschten Jahresrechnung der I. aus dem Jahr 2008
(vgl. E. 3.6.3.1b) untermauert, welche die Verbindlichkeiten gegenüber Banken
mit lediglich Fr. 204'345.– quantifizierte (BA B05.103-0114). Obschon die Be-
schuldigte bei der Einreichung dieser Jahresrechnung anwesend war, unterliess
sie es, die Mitarbeiter der D. Bank über diese Fälschung aufzuklären, um so die
Kreditwürdigkeit der I. weiter zu beschönigen. Damit hat sie das Tatbestands-
merkmal der Täuschung erfüllt.
4.5.2.2 Arglist
Wie bereits aufgezeigt, wurden der D. Bank zu jedem der vier Geschäfte entspre-
chende Versicherungsunterlagen eingereicht, um damit vorzuspiegeln, dass der
Kredit zur Finanzierung dieser Geschäfte verwendet werden wird. Mindestens
die Versicherungsunterlagen zum Geschäft mit der DDD19. SRL sind unwahr,
fand dieses Geschäft doch erwiesenermassen nicht statt (vgl. E. 4.5.2.1b). Un-
abhängig davon, ob die anderen drei Geschäfte tatsächlich stattgefunden haben,
erklärte die Beschuldigte mit der Unterzeichnung des Kreditvertrages überdies
wahrheitswidrig, dass die D. Bank die einzige Kredit gebende Bank der I. sei.
Den Bankmitarbeitern war es nicht möglich, diese Erklärung zu verifizieren. Über-
dies wurde diese Erklärung auch durch die gefälschte Jahresrechnung der I. ge-
stützt, welche die Verbindlichkeiten gegenüber Banken mit lediglich Fr. 204'345.–
quantifizierte (BA B05.103-0114). Obschon die Beschuldigte wusste, dass ge-
genüber der C. Verbindlichkeiten in dreistelligem Millionenbetrag bestehen, hat
sie es unterlassen, die Bankmitarbeiter über diesen wesentlichen Umstand und
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SK.2020.57
insbesondere auch über die darin enthaltenen gefälschten Angaben zum Netto-
umsatzerlös aufzuklären. Hinzu kommt, dass die Beschuldigte ihr ganzes Vorge-
hen – wie auch bereits gegenüber der C. – in die von ihr als faktisches Organ
geführte I. einbettete und sich dem eigens für die Kapitalbeschaffung errichteten
Lügengebäude bediente (vgl. hierzu E. 4.4.2.2a). Weiter liess die Beschuldigte
das sog. Fact Book betreffend die gegen aussen ohnehin schon als funktionie-
rend auftretende I. und die dahinterstehende Unternehmens-Gruppe erstellen
(vgl. E. 2.3.3.3d). Dieses Fact Book wirkt höchst professionell: Es wurde von ei-
ner im Finanzbereich bekannten Drittgesellschaft durch ein Projektteam von drei
Personen erstellt, beschreibt die Unternehmens-Gruppe sowie deren Tätigkeits-
bereich eingehend auf 77 Seiten und enthält überdies einen Vertraulichkeitshin-
weis (BA B05.103-0023 ff.). Unabhängig davon, ob die Beschuldigte von der Ein-
reichung dieses Fact Book wusste, hat sie durch die Unterzeichnung der Man-
datsvereinbarung (BA B08.106.0493-0017), welche schliesslich zur Schaffung
des Fact Book führte, ein Instrument geschaffen, welches zur Plausibilität des
von ihr errichteten Setting zusätzlich zuträglich war, sodass die Bankmitarbeiter
der D. Bank dieses umso weniger durchschauen konnten.
Im Unterschied zur C. bestehen bei der D. Bank sodann keine Anhaltspunkte für
systematische organisatorische und/oder personelle Schwachstellen in der Com-
pliance. Der Kreditvertrag zwischen der I. und der D. Bank erscheint für die da-
malige Zeit angemessen und branchenkonform. Insbesondere hat die D. Bank
die Auszahlung des Kredits von mehreren Sicherheiten abhängig gemacht (vgl.
E. 4.5.1.1c). Es sind demnach unter dem Aspekt der Opfermitverantwortung a
priori keine Umstände ersichtlich, welche die Arglist entfallen lassen würden.
Dies gilt umso mehr, weil zwischen der D. Bank und der I. – wie der Verteidiger
selbst vorbringt (TPF 721.272) – aufgrund der langjährigen, seit 2001 bestehen-
den Geschäftsbeziehung und dem Umstand, dass JJ. als ehemaliger Verwal-
tungsrat der D. Bank dieser bekannt war (BA B07.102.001.01.E-0001; -0052). Es
war demnach voraussehbar, dass die Bankmitarbeiter – trotz bestehendem Ne-
gativsaldo auf dem Konto der I. bei der D. Bank (TPF 721.272) – auf die von der
I. gelieferten Informationen vertraute. Das Tatbestandsmerkmal der Arglist ist
nach dem Gesagten erfüllt.
4.5.2.3 Irrtum
Die Bundesanwaltschaft wirft der Beschuldigten vor, sie habe durch die arglistige
Täuschung bei den Mitarbeitern der D. Bank eine Fehlvorstellung in Bezug auf
die Werthaltigkeit bzw. Kreditwürdigkeit der I. erweckt (Anklageschrift S. 131).
Dies trifft zu und ergibt sich insbesondere aus dem Kreditantrag, in welchem die
D. Bank gestützt auf die falschen Informationen eine detaillierte Überprüfung der
Bonität der I. vorgenommen hat (BA B07.001.01.E-0054).
- 121 -
SK.2020.57
4.5.2.4 Vermögensdisposition und Schaden
Die Kreditlimite wurde per 10. August 2009 im Betrag von EUR 9‘600‘000.–, was
beim damaligen und angewendeten EUR/CHF Wechselkurs von 1.5625 der ma-
ximalen Kreditlimite von Fr. 15‘000‘000.– entsprach, vollständig verfügbar ge-
macht (vgl. E. 4.5.1.1d). Aufgrund der bestehenden Verbindlichkeiten gegenüber
der C. war es weder der Beschuldigten noch der I. zu diesem Zeitpunkt möglich,
den gewährten Kredit jemals zurückzuzahlen. Das Vermögen der D. Bank war
somit bereits ab Auszahlung in qualifiziertem Masse gefährdet. Der D. Bank ent-
stand demnach gemäss dem tatsächlich angewendeten Wechselkurs ein Scha-
den in der Höhe von Fr. 15‘000‘000.–.
4.5.2.5 Subjektiver Tatbestand
Aus dem gesamten Vorgehen ergibt sich, dass die Beschuldigte mit direktem
Vorsatz handelte: Insbesondere war es sie selbst, die den Kreditvertrag unter-
schrieb und damit wahrheitswidrige Erklärungen zur Finanzlage der I. machte
(vgl. weiter E. 4.5.1.1c). Überdies wusste sie, dass das Geschäft mit der DDD19.
SRL nicht bestand (vgl. E. 3.4.3.2a; 3.6.4) und demnach gar nicht durch die D.
Bank hätte finanziert werden können. Aufgrund der tatsächlichen Verwendung
des Kredits (vgl. BA B07.102.001.01.02-0084 ff.) steht überdies fest, dass sie
den Kredit zu ihren Gunsten oder zu Gunsten ihr nahestehende Personen oder
diesen zur Aufrechterhaltung ihres betrügerischen Systems verwendete. Damit
handelte sie in unrechtmässiger Bereicherungsabsicht.
4.5.3 Zwischenfazit
Als Zwischenfazit ist festzuhalten, dass die Beschuldigte den objektiven und sub-
jektiven Tatbestand des Betrugs zum Nachteil der C. erfüllt hat.
4.6 Betrug zum Nachteil der Bank E. (Anklagepunkt 3.4)
4.6.1 Geschäftsbeziehung zwischen der I. und der Bank E.
4.6.1.1 In Bezug auf die Geschäftsbeziehungen ist zusammengefasst Folgendes doku-
mentarisch belegt:
a) Die Bank E. hat am 29. September 2009 bzw. 6. Oktober 2009 mit der I. einen
Rahmenvertrag für einen Investitionskredit im Betrag von Fr. 7‘500‘000.– oder
den entsprechenden Gegenwert in EUR in Form von festen Vorschüssen abge-
schlossen (BA 05.104-0017 ff.). Der Vertrag ist durch die Beschuldigte unter-
zeichnet und enthält unter anderem folgende Bedingungen:
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SK.2020.57
«Kreditzweck: Verkauf von Investitionsgütern [Schmiedepressen] in
diesem Vertrag „Maschinenfinanzierungen“ genannt.»
«Sicherheiten: Der Kreditnehmer verpflichtet sich für jede Maschinenfi-
nanzierung zum Abschluss einer Investitionsgüterkreditversicherung bei
der P. Versicherung AG, unter Einschluss der Fabrikationskosten. Der
Schuldner übergibt der Bank – vor Auszahlung der Kredittranche – für
jede zu tätigende Transaktion ein Exemplar des entsprechenden Versi-
cherungsvertrages inkl. Prämienzahlungsnachweis, welcher die Bank E.
AG als Begünstigte ausweist. [...]
Der Schuldner tritt seine Ansprüche aus allen von der Bank finanzierten
Transaktionen gegenüber seinem Endkunden an die Bank E. AG ab.
Diese Zession erfolgt einzeln für jede zu tätigende Transaktion mittels
separatem Formular „Forderungsabtretung" [...]»
«Übrige Bedingungen: Vor Benutzung eines Festen Vorschusses wird
der Kreditnehmer der Bank ein Exemplar des unterzeichneten Kaufver-
trages zukommen lassen, welches von allen involvierten Parteien
rechtsgültig unterzeichnet ist. [...]»
b) Der Bank E. wurde Ende Oktober 2009 u.a. eine Auftragsbestätigung zwi-
schen der Q. und der DDD1. über den Verkauf einer Schmiedepresse im Betrag
von EUR 5'600'000.– eingereicht (BA 05.104-0020). Diese Auftragsbestätigung
stellt, wie aufgezeigt (vgl E. 3.4.3.2; 3.4.4), eine unechte Urkunde dar: der Ver-
kauf der Schmiedepresse kam nie zustande und die entsprechende Forderung
der I. entstand nicht (vgl. E. 3.4.4).
c) Obwohl die Forderung nicht bestand, wurde deren Ausfall bei der P. Versiche-
rung mit Einschlussantrag vom 23. Oktober 2009 gegen Bezahlung einer Prämie
von insgesamt EUR 266'112.– versichert. Die Unterlagen wurden gleichentags
durch die Beschuldigte der Bank E. zugestellt (BA B07.105.01-0318 ff.).
d) Gestützt auf zwei von der Beschuldigten im Namen der I. unterschriebene
Zahlungsaufträge vom 3. November 2009 überwies die Bank E. vom Konto der
I. am 4. November 2009 in zwei Zahlungen insgesamt EUR 4'480'000.– an die
C. als Begünstigte (BA 05.104-0058 f.; B07.105.001.01.02-0001). Anschliessend
zahlte die Bank E. am 6. November 2009 insgesamt EUR 4'480'000.– auf das
Konto der I. bei der Bank E. aus. Als Zahlungsgrund wurde «Produktevereinba-
rung zum Kreditvertrag vom 29. September 2009» aufgeführt
(BA B07.105.001.01.02-0001).
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4.6.1.2 Die vorne dargelegte Geschäftsbeziehung zwischen der I. und der Bank E. wurde
von der Beschuldigten im Wesentlichen nicht bestritten (vgl. BA 13.001-0078 ff.;
TPF 731.031 ff.), korrespondiert mit der übrigen Aktenlage und gilt demnach als
erstellt. Auf die von ihr im Zusammenhang mit diesem Anklagevorwurf vorge-
brachten Einwände wird im Rahmen der einzelnen Tatbestandsmerkmale einge-
gangen.
4.6.2 Zu den einzelnen Tatbestandsmerkmalen
4.6.2.1 Täuschung
a) Die Bundesanwaltschaft wirft der Beschuldigten vor, im Rahmen der Gewäh-
rung des Kredits die zuständigen Mitarbeiter der Bank E. über folgende Tatsa-
chen getäuscht zu haben:
1) Sie soll über den Bestand von einer Forderung der I. aus dem Verkauf einer
Schmiedepresse an die DDD1. im Betrag von EUR 5‘600‘000.– getäuscht haben,
indem sie der Bank E. einerseits gefälschte Urkunden eingereicht habe. Ande-
rerseits soll sie den Ausfall dieser Forderung bei der P. Versicherung versichern
lassen und anschliessend die Versicherungsunterlagen den Mitarbeitern der
Bank E. zugestellt haben (Anklageschrift S. 133 f.).
2) Weiter soll sie die Bankmitarbeiter über den Verwendungszweck des Kredits
getäuscht haben. Sie habe nie beabsichtigt, diesen zur Finanzierung einer
Schmiedepresse zu verwenden, sondern zur Rückzahlung ihrer Verpflichtungen
bei der C. (Anklageschrift S. 133 f.).
b) Hinsichtlich des ersten Anklagevorwurfs konnte der Beschuldigten bereits
nachgewiesen werden, dass sie die gefälschte Auftragsbestätigung betreffend
das Geschäft mit der DDD1. der Bank E. selbst eingereicht hat (vgl. E. 3.6.3.2).
Mit Schreiben vom 23. Oktober 2009 (BA B07.105.01-0318) hat sie der Bank E.
zudem die Versicherungsunterlagen der P. Versicherung zu diesem Geschäft
sowie die gefälschte Forderungsabtretung eingereicht; im November 2009 so-
dann die gefälschte notarielle Unterschriftenbeglaubigung (vgl. E. 3.6.3.2,
4.6.1.1). Durch das Einreichen der gefälschten Urkunden, insbesondere der Auf-
tragsbestätigung, und der Versicherungsunterlagen hat die Beschuldigte der
Bank E. vorgespiegelt, dass das entsprechende Geschäft mit der DDD1. und so-
mit die Forderung ihr gegenüber bestehen würde. Der Anklagesachverhalt ist in
dieser Hinsicht erstellt.
In Bezug auf den zweiten Vorwurf ergibt sich aus dem Kreditvertrag ausdrücklich,
dass der Kredit zur Finanzierung des Verkaufs von Schmiedepressen gewährt
wurde. Gemäss dem Kreditvertrag verpflichtete sich die I. zudem zum Abschluss
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einer Investitionskreditversicherung sowie zur Vorlage des Kaufvertrags für das
durch die Bank E. finanzierte Geschäft (vgl. E. 4.6.1.1a). Durch diese Unterlagen
wurde das finanzierte Geschäft im Einzelfall konkretisiert. Indem die Beschul-
digte den Bankmitarbeitern die gefälschte Auftragsbestätigung sowie die ent-
sprechenden Versicherungsunterlagen einreichte, gab sie vor, dass der Kredit
für die Finanzierung des Verkaufs einer Schmiedepresse an die DDD1. diente.
Aus dem Vorgenannten ergibt sich aber, dass dieser entgegen dem angegebe-
nen Zweck nicht zur Finanzierung des Geschäfts mit der DDD1. verwendet wor-
den ist und aufgrund der Inexistenz des Geschäfts auch nicht hätte dafür ver-
wendet werden können. Vielmehr wurde der von der Bank E. gewährte Kredit zur
Rückzahlung von Krediten an die C. verwendet. Dies wurde von der Beschuldig-
ten im Vorverfahren auch bestätigt (BA 13.001-0080 Z. 365) und ergibt sich über-
dies auch aus den durch die Beschuldigte vorgenommenen Zahlungsaufträge
vom 3. November 2009 (vgl. E. 4.6.1.1d). Wenn der Verteidiger in seinem Par-
teivortrag geltend macht, dass die Bank E. die Beträge auf ein Nostro-Konto der
C. überwiesen habe und über deren Verwendung erst in einem zweiten Schritt
von einem C.-Mitarbeiter entschieden worden sei (TPF 721.273 f.), ändert dies
nichts am Umstand, dass die Gelder nicht zur Finanzierung des Geschäfts mit
der DDD1. verwendet wurden. Demnach ist der Anklagesachverhalt auch in Be-
zug auf den zweiten Vorwurf erstellt.
c) In Bezug auf die rechtliche Würdigung kann im Wesentlichen auf das Vorge-
nannte verwiesen werden (vgl. E. 4.4.2.1): Indem die Beschuldigte die gefälschte
Auftragsbestätigung den Bankmitarbeitern der Bank E. einreichte, täuschte sie
diese über den Abschluss dieses Vertrages und folglich über die damit be-
zweckte Entstehung sowie den Bestand dieser Forderung. Da sie den Kreditver-
trag selbst unterschrieben und die entsprechenden Unterlagen zum inexistenten
Geschäft mit der DDD1. eingereicht hat, täuschte sie die Bankmitarbeiter über-
dies auch über den Verwendungszweck des Kredits.
4.6.2.2 Arglist
Das Verhalten der Beschuldigten entspricht im Wesentlichen der bei der C. ge-
wählten Vorgehensweise, weshalb auf die dort gemachten Ausführungen zur
Arglist verwiesen werden kann (vgl. E. 4.2.2.2): Auch gegenüber der Bank E. hat
die Beschuldigte mehrere gefälschte Urkunden eingereicht, das inexistente Ge-
schäft tatsächlich versichert bzw. versichern lassen und ihr Verhalten in die von
ihr als faktisches Organ geführte I. eingebettet. Damit hat sie sich eines eigens
für die Täuschungen kreiertes Lügengebäude bedient.
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Anders als bei der C. bestehen sodann keine Anhaltspunkte für systematische
organisatorische oder personelle Schwachstellen in der Compliance. Der Kredit-
vertrag zwischen der I. und der Bank E. erscheint für die damalige Zeit angemes-
sen und branchenkonform. Insbesondere hat die Bank E. die Auszahlung des
Kredits – entgegen dem Vorbringen des Verteidigers (TPF 721.280) – von meh-
reren Sicherheiten (Forderungsabtretung und Abschluss einer Investitionsgüter-
kreditversicherung) sowie der Einreichung für das (fingierte) Geschäft wesentli-
chen Unterlagen abhängig gemacht. Der Kredit wurde vertragskonform erst aus-
bezahlt, nachdem diese Sicherheiten geleistet und sämtliche erforderlichen Un-
terlagen eingereicht wurden. Dass die Bank E., wie der Verteidiger zur Entlastung
der Beschuldigten vorbringt, nicht noch weitere Überprüfungsmassnahmen ge-
troffen hat – wie etwa das Einholen eines Businessplans, von Auskünften zur Q.
betreffend deren Finanzlage und Warenlager, detaillierten Angaben zur Holding-
Struktur sowie von Einschätzungen von Rating-Agenturen (vgl. TPF 721.280 ff.)
–, ändert aufgrund der zeitlich und finanziell intensiven und systematisch aufei-
nander abgestimmten und von der Beschuldigten getroffenen Vorkehrungen
nichts. Auch bei Einholen der entsprechenden Auskünfte und Angaben wäre es
den Bankmitarbeitern nicht möglich gewesen, das Lügengebäude zu durch-
schauen. Zusammenfassend steht demnach fest, dass die Beschuldigte arglistig
gehandelt hat.
4.6.2.3 Irrtum
Die Bundesanwaltschaft wirft der Beschuldigten vor, sie habe durch die arglistige
Täuschung bei der Bank E. bzw. ihren Vertretern eine Fehlvorstellung in Bezug
auf die Existenz des vorgespiegelten Geschäfts mit der DDD1. sowie den Willen
der Beschuldigten erweckt, den Kredit entsprechend seines Zwecks zu verwen-
den (Anklageschrift S. 135). Der Vorwurf trifft in der Sache zu: Aus den von der
Bank E. im Vorverfahren gemachten Eingaben (BA 05.104-0009 ff.) sowie aus
dem Kreditvertrag selbst, namentlich dem darin festgehaltenen Kreditzweck (vgl.
E. 4.6.1.1a), ergibt sich ohne Weiteres, dass die Bankmitarbeiter aufgrund der
Täuschungshandlungen einem Irrtum im vorgenannten Umfang unterlegen sind.
4.6.2.4 Vermögensdisposition und Schaden
Es ist durch die sich in den Akten befindenden Kontounterlagen erstellt und von
der Beschuldigten unbestritten, dass die Bank E. der I. am 6. November 2009
gestützt auf den eingegangenen Kreditvertrag EUR 4‘480‘000.– ausbezahlt hat
(vgl. E. 4.6.1.1d). Da der mit diesem Kreditvertrag vorfinanzierte Schmiede-
presse-Verkauf nie stattgefunden hat, war der entsprechende Kredit zu keinem
Zeitpunkt gesichert. Das Vermögen der Bank E. war demnach bereits im Zeit-
punkt der Auszahlung im Umfang von EUR 4‘480‘000.– vermindert. Ihr entstand
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aus dieser qualifizierten Vermögensgefährdung somit (bei Anwendung des da-
mals geltenden EUR/CHF Umrechnungskurses von 1.5112 [www.
oanda.com]) ein Schaden in der Höhe von Fr. 6‘770‘176.–
4.6.2.5 Subjektiver Tatbestand
Es war die Beschuldigte selbst, die den Kreditvertrag unterzeichnete, bewusst
die gefälschten Urkunden sowie die Versicherungsunterlagen einreichte und ent-
gegen des ihr bekannten Kreditzwecks die zwei Zahlungen zur Begleichung von
Verpflichtungen bei der C. in Auftrag gab (vgl. E. 4.6.1.1d). Im Übrigen kann in
Bezug auf ihren Vorsatz auf das Vorgenannte verwiesen werden (vgl. E. 4.4.2.5).
Es steht damit ausser Frage, dass sie mit direktem Vorsatz und in unrechtmäs-
siger Bereicherungsabsicht handelte.
4.6.3 Zwischenfazit
Als Zwischenfazit ist festzuhalten, dass die Beschuldigte den objektiven und sub-
jektiven Tatbestand des Betrugs zum Nachteil der Bank E. erfüllt hat.
4.7 Betrug zum Nachteil der Bank F. (Anklagepunkt 3.5)
4.7.1 Geschäftsbeziehungen zwischen der I. und der Bank F.
4.7.1.1 In Bezug auf die Geschäftsbeziehung zwischen der I. und der Bank F. ist zusam-
mengefasst Folgendes dokumentarisch belegt:
a) Der Bank F. wurden im September 2009 Jahresrechnungen der G., I., Q. und
weiterer Tochtergesellschaften eingereicht (BA 05.105-0004; B05.105.0005 ff.).
Am 19. November 2009 übermittelte die Beschuldigte dem zuständigen Bankmit-
arbeiter der Bank F. zudem weitere Unterlagen im Zusammenhang mit dem Kauf
und Verkauf von Schmiedepressen (u.a. Einkaufsverträge, Auftragsbestätigun-
gen, Zollpapiere) sowie eine Lagerliste der I. und der Q. (BA B05.105-0119 f.).
b) Die Bank F. hat am 23. Dezember 2009 mit der I. einen Kreditvertrag im Betrag
von Fr. 4‘500‘000.– abgeschlossen. Der Vertrag ist durch die Beschuldigte und
PP. unterzeichnet (BA B05.105-0158 ff.). Im Vertrag wurde u.a. von der I. auch
bestätigt, dass die Bank F. – mit Ausnahme der D. Bank – die einzige kreditge-
bende Bank der I. sei (BA B05.105-0159).
c) Als Sicherheiten für den Kredit wurde einerseits die Abtretung sämtlicher ge-
genwärtiger und zukünftiger Forderungen der I. an die Bank F. und andererseits
eine Solidarbürgschaft der G. in der Höhe des Kreditbetrags vereinbart (BA
B05.105-0159). Die Abtretungserklärung wurde am 23. Dezember 2009 durch
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die Beschuldigte und PP. unterzeichnet (BA B05.105-0161 f.). Die Solidarbürg-
schaft wurde von der G. am 24. Dezember 2009 ausgestellt (BA B05.105-
0163 f.).
d) Gestützt auf einen Zahlungsauftrag vom 30. Dezember 2009 überwies die
Bank F. vom Konto der I. gleichentags einen Betrag von Fr. 4'500'000.– an die
C. (BA B05.105-0168 f.).
e) Mit Schreiben vom 1. März 2010 kündigte die Bank F. den Kreditvertrag per
3. März 2010 und forderte die I. gleichzeitig auf, den ausbezahlten Kredit (inkl.
Zinsen und Spesen) zu begleichen (BA B05.105-0172). Da die Zahlung bis zum
genannten Datum nicht erfolgte, machte die Bank F. mit Schreiben vom
3. März 2010 diese Forderung gegenüber der G. geltend und forderte diese auf,
den Kredit (inkl. Zinsen und Spesen) bis am 5. März 2010 zurückzuzahlen
(BA B05.105-0174 ff.).
4.7.1.2 Die vorne dargelegte Geschäftsbeziehung zwischen der I. und der Bank F. wurde
von der Beschuldigten im Wesentlichen nicht bestritten (vgl. BA 13.001-0128 ff.;
-0610 f.; TPF 731.033 ff.) und gilt somit infolge Übereinstimmung mit den Akten
als erstellt. Auf die von ihr im Zusammenhang mit diesem Anklagevorwurf vorge-
brachten Einwände wird im Rahmen der einzelnen Tatbestandsmerkmale einge-
gangen.
4.7.2 Zu den einzelnen Tatbestandselementen
4.7.2.1 Täuschung
a) Die Bundesanwaltschaft wirft der Beschuldigten vor, im Rahmen der Gewäh-
rung des Kredits die zuständigen Mitarbeiter der Bank F. über den Verwendungs-
zweck des Kredits, als welcher die Finanzierung des Ankaufs von Schmiedepres-
sen vereinbart worden sei, sowie über ihren Willen zur Rückzahlung des Kredits
getäuscht zu haben. Diese Täuschungen soll sie begangen haben, indem sie der
Bank F. die vorgenannten Unterlagen zum Geschäftsbetrieb der G. und deren
Tochtergesellschaften, die Solidarbürgschaft der G. sowie die durch sie unter-
zeichnete Abtretungserklärung eingereicht habe. Weiter soll sie die Bankmitar-
beiter getäuscht haben, indem sie im Kreditvertrag überdies angegeben habe,
dass diese – mit Ausnahme der D. Bank – die einzige kreditgebende Bank der I.
sei (Anklageschrift S. 138 ff.).
b) Hinsichtlich des Verwendungszwecks des Kredits machte die Bank F. geltend,
dass die Beschuldigte im Rahmen der Vertragsverhandlungen angegeben habe,
der Kredit diene zum Ankauf von Schmiedepressen. Diese Absicht habe sie un-
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termauert, indem sie entsprechende Dokumente eingereicht habe, die exempla-
risch für die Geschäftstätigkeit betreffend den Handel mit Schmiedepressen ste-
hen würden (BA 05.105-0004). Demgegenüber gab die Beschuldigte im Vorver-
fahren zu Protokoll, es habe sich um einen reinen Betriebsmittelkredit gehandelt
(BA 13.001-0610 Z. 10 ff.). An der Hauptverhandlung erklärte sie, sich vorstellen
zu können, dass der Kredit für Maschineneinkäufe der Q. aufgenommen worden
sei; sie könne sich aber nicht mehr genau daran erinnern (TPF 731.034). PP.
gab im Vorverfahren an, dass der Kredit als «freier Kredit» ohne Zweckbindung
gewährt worden sei (BA 13.002-0178 Z. 21 ff.). Der Kreditvertrag selbst enthält
keine Bestimmungen über den Verwendungszweck (BA B05.105-0158 ff.). Für
das Gericht bestehen aufgrund der übereinstimmenden Aussagen der Beschul-
digten und PP. sowie mangels ausdrücklicher Vereinbarung über den Verwen-
dungszweck Zweifel, dass der in der Anklage umschriebene Verwendungszweck
tatsächlich vereinbart worden ist. Deshalb ist zugunsten der Beschuldigten davon
auszugehen, dass kein Verwendungszweck vereinbart worden ist. Mangels einer
solchen Vereinbarung konnte die Beschuldigte die Bankmitarbeiter hierüber auch
nicht täuschen.
Betreffend den Rückzahlungswillen der Beschuldigten ist Folgendes massge-
bend: Bereits der Abschluss des Kreditvertrags erweckt den Anschein, dass die
Beschuldigte als Cash-Pool-Verantwortliche und faktisches Organ der I. (vgl.
hierzu E. 2.2 f.) den Kredit entsprechend den vereinbarten Bedingungen zurück-
zahlen werde. Im Vorverfahren wurde die Beschuldigte nicht zu ihrem Rückzah-
lungswillen befragt (vgl. BA 13.001-0127 ff.; -0610 f.). Anlässlich der Hauptver-
handlung gab sie an, dass es sich beim Vorwurf des fehlenden Rückzahlungs-
willens lediglich um eine Hypothese der Bundesanwaltschaft handle
(TPF 731.034). Für das Gericht ist aus nachfolgenden Gründen aber zweifelsfrei
erstellt, dass diese Behauptung zutrifft: Die Beschuldigte wusste, dass die durch
die C. finanzierten Geschäfte nicht existent waren (vgl. E. 4.4) und die I. somit
mangels eigentlicher Geschäftstätigkeit zum Zeitpunkt der Aufnahme des Kredi-
tes bei der Bank F. gar nicht in der Lage war, diesen zurückzuzahlen. Um die I.
dennoch – wahrheitswidrig – als solvente Gesellschaft darzustellen, wurden der
Bank F. deshalb gefälschte Jahresrechnungen betreffend die Geschäftsjahre
2007 und 2008 eingereicht (vgl. E. 3.6). Überdies bestanden zum Zeitpunkt der
Kreditgewährung – entgegen den Angaben der Beschuldigten im Kreditvertrag –
mehrere Verpflichtungen gegenüber der C. im dreistelligen Millionenbereich (vgl.
E. 4.4), welche die Rückzahlung weiter verunmöglichten. Der Kredit wurde so-
dann auch nur wenige Tage nach Unterzeichnung des Kreditvertrages zur Rück-
zahlung eines Teils dieser Verpflichtungen verwendet (vgl. E. 4.7.1.1), was indi-
ziert, dass es der Beschuldigten bei der Kreditaufnahme einzig darum ging, be-
stehende Verpflichtungen ihres grössten Geldgebers zurückzuzahlen. Schliess-
lich wurde der Kredit trotz Kündigung des Kreditvertrages und Geltendmachung
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der Solidarbürgschaft (vgl. E. 4.7.1.1) tatsächlich auch nicht zurückbezahlt. Das
Gericht hat nach dem Gesagten keine Zweifel daran, dass die Beschuldigte den
Kredit von Anfang an nicht zurückzahlen wollte und ihr aufgrund fehlender Ge-
schäftstätigkeit überdies bewusst gewesen sein musste, dass sie diesen (mit le-
gal erworbenen Mitteln) auch nicht zurückzahlen konnte.
c) Indem die Beschuldigte als faktisches Organ – wenn auch zusammen mit PP.
– den Kreditvertrag im Namen der I. unterzeichnete und die entsprechenden Un-
terlagen, insbesondere die gefälschten Jahresrechnungen der I., einreichte, er-
klärte sie gegenüber den Vertretern der Bank F. wahrheitswidrig, dass die I. bzw.
sie als Cash-Pool-Verantwortliche den Kredit zurückzahlen werde. Da sie den
Kredit aber von Anfang an nicht zurückzahlen wollte (vgl. vorne lit. b), täuschte
sie die Bankmitarbeiter über ihren Rückzahlungswillen. Damit hat sie das Tatbe-
standsmerkmal der Täuschung erfüllt.
4.7.2.2 Arglist
Beim Rückzahlungswillen handelt es sich um eine innere Tatsache, welche einer
Überprüfung durch die Bank F. nicht zugänglich war. Bereits dies spricht für die
Annahme von Arglist. Die Beschuldigte bettete ihr ganzes Vorgehen sodann –
wie bereits bei den anderen Fällen – in die von ihr als faktisches Organ geführte
I. ein und bediente sich des eigens hierfür errichteten Lügengebäudes (vgl. hierzu
E. 4.4.2.2). Die angebliche Solvenz der I., welche den Rückzahlungswillen
stützte, untermauerte sie sodann mit gefälschten, revidierten Jahresrechnungen.
Diese wiesen wahrheitswidrig einen Nettoumsatzerlös von rund Fr. 175 Millionen
(2007) bzw. Fr. 141 Millionen (2008) auf (BA B05.105-0020 ff.). Die Verpflichtun-
gen gegenüber Banken waren – trotz bestehender Verpflichtungen im dreistelli-
gen Millionenbereich gegenüber der C. – mit lediglich Fr. 3‘144’00.– (2007) bzw.
204‘345.– (2008) quantifiziert (BA B05.105-0025). Die Bankmitarbeiter der Bank
F. durften gestützt auf diese Angaben damit rechnen, dass es der I. möglich und
sie willens war, den Kredit von Fr. 4‘500‘000.– entsprechend den Konditionen im
Kreditvertrag zurückzuzahlen.
Auch bei der Bank F. bestehen sodann keine Anhaltspunkte für systematische
organisatorische oder personelle Defizite in der Compliance. Der Kreditvertrag
zwischen der I. und der Bank F. erscheint für die damalige Zeit angemessen und
branchenkonform. Insbesondere hat die Bank F. die Auszahlung des Kredits von
mehreren Sicherheiten abhängig gemacht (vgl. E. 4.7.1.1). Demnach ist das Vor-
gehen der Beschuldigten als arglistig zu qualifizieren. Daran ändern die Ein-
wände des Verteidigers nichts: Dieser bringt vor, die Bank F. hätte aufgrund des
Umsatzrückganges der I. von 20 % im Jahr 2008 noch weitere Jahresrechnun-
- 130 -
SK.2020.57
gen vergangener Jahre einholen müssen (TPF 721.285). Inwiefern diese Jahres-
rechnungen geeignet gewesen wären, den Rückzahlungswillen der I. und deren
Kreditwürdigkeit abzusprechen, ist nicht ersichtlich, weisen diese doch seit 2001
eine kontinuierliche Steigerung des Jahresergebnisses aus (BA B11.103.01-
0022; -0113; B11.104.001-0147 bis 0190). Auch der Umstand, dass die Bank F.
sich nicht noch zusätzlich – wie der Verteidiger geltend macht (TPF 721.285) –
Bilanzen der Q. hat aushändigen lassen, ändert nichts. Es mag zwar zutreffen,
dass sich die Bank F. dadurch ein besseres Bild von der Finanzlage der in den
Handel mit Schmiedepressen involvierten Gesellschaft hätte machen können.
Diese Unvorsichtigkeit allein kann die Arglist insgesamt aber nicht aufheben; dies
umso weniger, als in der revidierten Jahresrechnung der I. aus dem Jahr 2008
die Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen mit Fr. 0 (Null)
quantifiziert wurde (BA B05.105-0025). Darauf durften die Bankmitarbeiter ver-
trauen.
4.7.2.3 Irrtum
Die Bundesanwaltschaft wirft der Beschuldigten vor, sie habe durch die arglistige
Täuschung bei den Bankmitarbeitern der Bank F. eine Fehlvorstellung hinsicht-
lich des Rückzahlungswillens erweckt (Anklageschrift S. 139). Dies ergibt sich
ohne Weiteres aus den von der Bank F. im Vorverfahren gemachten Eingaben
(BA 05.105-0001 ff.) sowie aus dem Kreditvertrag bzw. der Gewährung des Kre-
dits selbst.
4.7.2.4 Vermögensdisposition und Schaden
Die Bank F. überwies gestützt auf den infolge des Irrtums eingegangen Kredit-
vertrag am 30. Dezember 2009 vom Konto der I. einen Betrag von
Fr. 4'500'000.– an die C. (vgl. E. 4.7.1.1). Weder der I. noch der Beschuldigten
selbst war es zu diesem Zeitpunkt möglich, diesen Betrag je zurückzahlen zu
können, sodass das Vermögen der Bank F. bereits bei Auszahlung in qualifizier-
tem Masse gefährdet war. Der Bank F. entstand somit am 30. Dezember 2009
ein Schaden von Fr. 4‘500‘000.–.
4.7.2.5 Subjektiver Tatbestand
Aus dem fehlenden Rückzahlungswillen der Beschuldigten ergibt sich ohne Wei-
teres, dass sie mit direktem Vorsatz in Bezug auf sämtliche objektiven Tatbe-
standsmerkmale handelte. Indem sie von Anfang an beabsichtigte, den Kredit in
vollem Umfang zur Rückzahlung von Verpflichtungen gegenüber der C. zu ver-
wenden, was schliesslich auch geschah, handelte sie in unrechtmässiger Berei-
cherungsabsicht.
- 131 -
SK.2020.57
4.7.3 Zwischenfazit
Als Zwischenfazit ist festzuhalten, dass die Beschuldigte den objektiven und sub-
jektiven Tatbestand des Betrugs zum Nachteil der Bank F. erfüllt hat.
4.8 Gewerbsmässigkeit
Der Beschuldigten wird gewerbsmässiges Handeln im Sinne von Art. 146
Abs. 2 StGB vorgeworfen (Anklageschrift S. 141 f.). Dafür ist berufsmässiges
Handeln vorausgesetzt, welches sich dadurch kennzeichnet, dass der Täter ei-
nen erheblichen Aufwand zur Tatverübung aufwendet, innerhalb eines bestimm-
ten Zeitraums häufig handelt und dabei Einkünfte anstrebt resp. erzielt, welche
einen wesentlichen Teil seiner realen Lebensführungskosten abdecken (statt vie-
ler BGE 123 IV 113 E. 2c).
Es ist offensichtlich, dass sie die inkriminierte Tätigkeit nach Art eines Berufs
ausübte. Dies ergibt sich neben der Deliktssumme namentlich auch aus folgen-
den Umständen: Die Beschuldigte übte die Handlungen im Rahmen der von ihr
als faktisches Organ geführten I. aus (vgl. E. 2.3). Weiter steht fest, dass die
Beschuldigte sich aus den Taten Vermögensvorteile in mindestens zweistelliger
Millionenhöhe verschaffte (BA 11.104-0233 ff.; -0275 ff.). Sie verfügte gemäss
eigenen Angaben über keine anderen Einkünfte (TPF 731.003 ff.) und bestritt
demnach damit ihren Lebensunterhalt. Die Gewerbsmässigkeit ist daher gege-
ben.
4.9 Ergebnis
4.9.1 Die Beschuldigte hat den objektiven und subjektiven Tatbestand des gewerbs-
mässigen Betrugs erfüllt. Rechtfertigungs- und Schuldausschlussgründe sind
keine ersichtlich. Sie ist demnach, soweit das Verfahren nicht infolge Verjährung
einzustellen ist, des gewerbsmässigen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1
i.V.m. Abs. 2 StGB schuldig zu sprechen.
4.9.2 Bei diesem Ergebnis erübrigt sich die Prüfung der Eventualanklagen der mehr-
fachen Veruntreuung (Anklagepunkt 4) und der qualifizierten ungetreuen Ge-
schäftsbesorgung (Anklagepunkt 5).
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SK.2020.57
5. Misswirtschaft
5.1 Anklagevorwurf (Anklagepunkt 6)
Die Bundesanwaltschaft wirft der Beschuldigten A. Misswirtschaft vor, indem sie
als Geschäftsführerin der I. zwischen 2002 bis Februar 2010 trotz faktisch feh-
lender Geschäftstätigkeit und im Bewusstsein über deren bestehende Zahlungs-
unfähigkeit nachstehende Handlungen begangen haben soll, wodurch sie die
Überschuldung der I. verschlimmert bzw. diese Verschlimmerung in jedem Fall
in Kauf genommen habe:
5.1.1 Unverhältnismässige Lohnbezüge von der I. und der OOO. AG, namentlich jähr-
lich Lohn im Betrag von rund Fr. 500'000.– bzw. in den Jahren 2008 und 2009
von je rund Fr. 348'000.– (Anklageschrift S. 158 mit Hinweis auf S. 141).
5.1.2 Folgende unverhältnismässige Privatbezüge für sich selbst (Anklageschrift
S. 158 mit Hinweis auf S. 141 ff.):
Angeklagte Handlungen Zeitpunkt | Zeitraum Betrag in Fr. Betrag in EUR
a) Provisionszahlungen von
der I. an die OOO. AG und
damit schliesslich an die Be-
schuldigte aus dem Handel
mit und der Vermittlung von
effektiv nicht existierenden
Maschinengeschäften
30. September 2003 bis
1. Oktober 2009
Fr. 7'755'939.20
EUR 84'000.–
b) Weitere Provisionszahlun-
gen von der I. an die OOO.
AG und damit schliesslich an
die Beschuldigte aus nicht
existenten Geschäften
1. Januar 2002 bis
31. Dezember 2008
Fr. 14'051’0873.61
c) Einkäufe beim Modeunter-
nehmen QQQ.
26. September 2002 bis
7. September 2009
Fr. 21'472.65 EUR 659'487.13
d) Zahlungen an SSS. für PPP. 3. November 2005
3. Februar 2006
16. März 2006
Fr. 20'000.–
Fr. 10'000.–
Fr. 50'000.–
e) Einkauf beim TTT. 11. Juni 2007
20. Juli 2007
EUR 21'413.95
EUR 22'719.89
f) Einkauf beim Modeunter-
nehmen AAAA.
4. Februar 2009 Fr. 21'660.–
g) Behandlung beim Schön-
heitschirurgen Prof. BBBB.
22. Dezember 2003 Fr. 30'000.–
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SK.2020.57
h) Zahlung für Aufenthalt in der
CCCC. Klinik
17. April 2007 Fr. 30'000.–
i) Zahlung für Aufenthalt in der
Rehaklinik DDDD.
8. Mai 2008 Fr. 129'000.–
j) Bargeldbezüge 1. Januar 2002 bis
31. März 2010
Fr. 9'385'186.50 EUR 2'141'820.46
k) Zahlung für Innenausstat-
tungen an RRRR.
15. Dezember 2005 Fr. 50'000.–
l) Zahlung für Innenausstat-
tungen an EEEE.
20. Dezember 2004 Fr. 20'000.–
m) Zahlungen für Innenausstat-
tungen an FFFF.
19. September 2005
29. November 2005
22. Dezember 2005
Fr. 47'600.–
Fr. 30'000.–
Fr. 15'000.–
n) Immobilienkäufe 23. Januar 2007 bis
13. November 2008
EUR 4'400'000.–
5.1.3 Folgende unverhältnismässige Gewinnausschüttungen und Privatbezüge zu
Gunsten ihres Ehemanns L. (Anklageschrift S. 158 mit Hinweis auf S. 141 ff.):
Angeklagte Handlungen Zeitpunkt | Zeitraum Betrag in Fr. Betrag in EUR
a) Überweisungen an L. 27. Oktober 2004
7. November 2007
Fr. 250'000.–
Fr. 300'000.–
b) Überweisungen auf das Treu-
handkonto GGGG. zu Guns-
ten des Aktionärs der G., L.
10. September 2004
27. Oktober 2004
2. Februar 2006
13. Oktober 2006
16. März 2007
14. Juli 2008
Fr. 1'500'000.–
Fr. 250'000.–
Fr. 100'000.–
Fr. 1'500'000.–
Fr. 3'500'000.–
EUR 300'000.–
c) Ausrichtungen von Dividen-
den an L.
1. Januar 2006 bis
31. Dezember 2008
Fr. 10'000'000.–
5.1.4 Abschluss von Versicherungen für Scheingeschäfte der I. in der Zeit von 2002
bis 2009 und Bezahlung der Versicherungsprämien in der Höhe von
Fr. 530'434.– und EUR 13'654'730.85 bzw. umgerechnet von insgesamt
Fr. 21'695'266.05 (Anklageschrift S. 158).
5.1.5 Nicht-Einreichung der Überschuldungsanzeige gemäss Art. 725 OR trotz klarer
Überschuldung der I. (Anklageschrift S. 159).
- 134 -
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5.2 Verjährung
5.2.1 Vorab stellt sich die Frage nach der Verjährung. Die Beschuldigte soll die ihr vor-
geworfene Misswirtschaft in der Zeit von 2002 bis Februar 2010 begangen ha-
ben, mithin teils vor und teils nach der Revision des Verjährungsrechts (aArt. 70
ff. StGB) am 1. Oktober 2002 (AS 2002 2993 2996 3146) und der Revision des
Allgemeinen Teils des Strafgesetzbuchs am 1. Januar 2007 (AS 2006 3459),
durchwegs aber vor der Revision von Art. 97 StGB (Verfolgungsverjährung) am
1. Januar 2014 (AS 2013 4417).
5.2.2 Die Strafverfolgung wegen Misswirtschaft verjährt sowohl nach altem als auch
nach neuem Recht in jedem Fall nach 15 Jahren (siehe auch E. 3.2).
5.2.3 In Bezug auf den Beginn der Verjährung ist Folgendes festzuhalten: Nach der
Rechtsprechung umschreibt der Tatbestand der Misswirtschaft ein typischer-
weise länger dauerndes Verhalten, sodass die einzelnen Handlungen eine tatbe-
standliche Handlungseinheit bilden. In diesen Fällen beginnt die Verjährung ge-
mäss Art. 98 lit. b StGB (bzw. aArt. 71 al. 2 StGB resp. aArt. 71 lit. b StGB, in der
bis zum 31. Dezember 2006 geltenden Fassung) erst mit der Ausführung der
letzten Tätigkeit zu laufen (BGE 132 IV 49 E. 3.1.1.3; 131 IV 83 E. 2.4.5).
5.2.4 Wie noch zu zeigen sein wird (vgl. E. 5.4.2), kann der Beschuldigten nachgewie-
sen werden, zuletzt im Jahr 2010 Bankrotthandlungen vorgenommen zu haben.
Die 15-jährige Verjährungsfrist hat folglich zu diesem Zeitpunkt begonnen. Folg-
lich sind sämtliche angeklagten Handlungen im Urteilszeitpunkt noch nicht ver-
jährt.
5.3 Rechtliches
5.3.1 Der Schuldner, der in anderer Weise als nach Art. 164 StGB, durch Misswirt-
schaft, namentlich durch ungenügende Kapitalausstattung, unverhältnismässi-
gen Aufwand, gewagte Spekulationen, leichtsinniges Gewähren oder Benützen
von Kredit, Verschleudern von Vermögenswerten oder arge Nachlässigkeit in der
Berufsausübung oder Vermögensverwaltung, seine Überschuldung herbeiführt
oder verschlimmert, seine Zahlungsunfähigkeit herbeiführt oder im Bewusstsein
seiner Zahlungsunfähigkeit seine Vermögenslage verschlimmert, wird, wenn
über ihn der Konkurs eröffnet oder gegen ihn ein Verlustschein ausgestellt wor-
den ist, mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 165
Ziff. 1 StGB).
5.3.2 Beim Tatbestand der Misswirtschaft handelt es sich um ein echtes Sonderdelikt.
Als Täter nach Art. 165 StGB kommt nur der Schuldner selbst in Frage. Handelt
- 135 -
SK.2020.57
es sich beim Schuldner um eine juristische Person, kann die Schuldnereigen-
schaft einer natürlichen Person zugerechnet werden, wenn diese als (formelles
oder faktisches) Organ, als Mitarbeiter mit selbständigen Entscheidungsbefug-
nissen oder als tatsächlicher Leiter dieser juristischen Person handelt
(Art. 29 StGB; aArt. 172 StGB in der bis zum 31. Dezember 2006 geltenden Fas-
sung; zum Ganzen WEISSENBERGER, Basler Kommentar, 4. Aufl. 2019, Art. 29
StGB N. 10 ff.; BGE 106 IV 20 E. 2c).
5.3.3 Der Misswirtschaftstatbestand stellt weniger eine einzelne Sorgfaltspflichtverlet-
zung denn ein allgemein pflichtwidriges Globalverhalten in den Vordergrund (HA-
GENSTEIN, Basler Kommentar, 4. Aufl. 2019, Art. 165 StGB N. 11). Tatbestands-
mässig ist nur ein krasses wirtschaftliches Fehlverhalten. Das Eingehen eines
jeder Geschäftstätigkeit inhärenten Risikos ist nicht strafbar, auch wenn sich ex
post herausstellt, dass eine Fehlentscheidung getroffen worden ist (BGE
144 IV 52 E. 7.3; Urteil des Bundesgerichts 6B_1047/2015 vom 28. April 2016
E. 4.3). Neben der Generalklausel enthält Art. 165 StGB eine beispielhafte Auf-
zählung verschiedener Tatbestandsvarianten. Erfasst sind etwa die folgenden
Bankrotthandlungen:
a) unverhältnismässiger Aufwand: Die Unverhältnismässigkeit betrieblichen Auf-
wandes ergibt sich aus dem Vergleich des Aufwandes der Gesellschaft in Rela-
tion zu den vorhandenen Vermögenswerten und Einkünften (HAGENSTEIN,
a.a.O., Art. 165 StGB N. 15; Urteil des Bundesstrafgerichts SK.2015.55 vom
28. Oktober 2016 E. 4.1.2). Allgemein erfasst ist der Verbrauch von Gesell-
schaftsvermögen ausschliesslich zu privaten Zwecken (HAGENSTEIN, a.a.O.,
Art. 165 StGB N. 20a; Urteil des Bundesgerichts 1B_272/2012 vom 31. Mai 2012
E. 4.2). Als unverhältnismässig beurteilte das Bundesgericht etwa die Privatent-
nahme von Fr. 124'700.– durch die einzige Verwaltungsrätin und deren private
Reise nach Mauritius, die in keinem Zusammenhang mit der Unternehmungsfüh-
rung stand (Urteil des Bundesgerichts 6S.24/2007 vom 6. März 2007 E. 3.3).
b) Arge Nachlässigkeit in der Berufsausübung: Nach der Rechtsprechung liegt
diese Tatbestandsvariante vor, wenn gesetzliche Bestimmungen der Unterneh-
mensführung missachtet werden. Dazu gehören insbesondere die Vernachlässi-
gung der Rechnungslegung oder die Verletzung der Pflicht des Verwaltungsrats
einer Aktiengesellschaft, den Richter im Falle der Überschuldung zu benachrich-
tigen (BGE 144 IV 52 E. 7.3; HAGENSTEIN, a.a.O., Art. 165 StGB N. 33).
5.3.4 Tatbestandsmässig handelt nur derjenige Schuldner, der seine Überschuldung
oder Zahlungsunfähigkeit herbeiführt oder verschlimmert. Die Definition der
Überschuldung geht auf Art. 725 Abs. 2 OR zurück. Überschuldung liegt vor,
/6B_1047-2015
- 136 -
SK.2020.57
wenn sich aus der Zwischenbilanz ergibt oder ergeben müsste, dass die Forde-
rungen der Gesellschaftsgläubiger weder zu Fortführungs- noch zu Veräusse-
rungswerten gedeckt sind (BGE 144 IV 52 E. 7.5). Von Zahlungsunfähigkeit wird
gesprochen, wenn ein Schuldner ausserstande ist, fällige Schulden nicht nur
vorübergehend nicht mehr zu begleichen (HAGENSTEIN, a.a.O., Art. 165 StGB
N. 54). Aus dem Gesagten folgt, dass zwischen der Bankrott- bzw. Tathandlung
und der Überschuldung resp. Zahlungsunfähigkeit bzw. deren Verschlimmerung
ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang vorausgesetzt wird (Urteile
des Bundesgerichts 6B_775/2020 vom 23. November 2020 E. 3.1; 6B_748/2017
vom 30. Mai 2018 E. 3.2.2).
5.3.5 Der subjektive Tatbestand erfordert Vorsatz hinsichtlich der Bankrotthandlung; in
Bezug auf die Vermögenseinbusse genügt grobe Fahrlässigkeit (BGE 144 IV 52
E. 7.3; Urteil des Bundesgerichts 6B_775/2020 vom 23. November 2020 E. 3.1).
5.4 Zu den einzelnen Tatbestandselementen
5.4.1 Schuldnereigenschaft
Wie bereits aufgezeigt, war die Beschuldigte im anklagerelevanten Zeitraum
zwar nie formelles Organ, allerdings Geschäftsführerin und faktisches Organ der
I. (vgl. E. 2.3). Gestützt auf Art. 29 StGB kann die Schuldnereigenschaft der Be-
schuldigten für Handlungen, welche sie in dieser Funktion vorgenommen bzw.
unterlassen hat, zugerechnet werden.
5.4.2 Bankrotthandlungen
Anlässlich der Hauptverhandlung wurden der Beschuldigten die einzelnen Trans-
aktionen vorgehalten, sofern sie nicht ausdrücklich darauf verzichtete
(TPF 731.036 ff.). Nachfolgend ist auf die einzelnen Bankrotthandlungen einzu-
gehen:
5.4.2.1 Lohnbezüge
Anlässlich der Hauptverhandlung bestritt die Beschuldigte die Höhe der vorge-
worfenen Lohnbezüge (TPF 731.036). Gestützt auf die Akten ist erwiesen, dass
die Beschuldigte in den Jahren 2002 bis 2009 bei der I. einen Lohn von insge-
samt Fr. 2'125’767.– bezogen hat, wovon der Lohn für die Zeit ab Juni 2007 bis
Dezember 2009 im Betrag von insgesamt Fr. 868'555.– auch tatsächlich ausbe-
zahlt worden ist; der Rest wurde mit ihrem Spesenkonto bei der I. verrechnet
(BA B11.104.001-0087 bis 0121; vgl. auch FFA-Bericht II., Teil I, S. 38
[BA 11.104-0038]). In diesem Umfang ist der Anklagesachverhalt erstellt.
- 137 -
SK.2020.57
Ob sie darüber hinaus auch noch Lohn für die OOO. AG bezogen hat, ist für eine
allfällige Misswirtschaft zum Nachteil der I. mangels Kausalzusammenhang (vgl.
E. 5.4.4 in fine) irrelevant und kann deshalb offenbleiben.
5.4.2.2 Privatbezüge für die Beschuldigte
a) Von den eigenen Privatbezügen bestritt die Beschuldigte anlässlich der Haupt-
verhandlung lediglich die Zahlungen betreffend PPP.; die Vornahme der übrigen
Transaktionen bestätigte sie bzw. stritt diese jedenfalls nicht ab (TPF 731.036 ff.).
Dass die angeklagten Transaktionen, namentlich auch die bestrittenen Zahlun-
gen betreffend PPP., tatsächlich stattgefunden haben, ergibt sich mit einer Aus-
nahme nachweislich aus den Akten (betreffend die Bankrotthandlungen gemäss
E. 5.1.2 lit. a [vgl. die im FFA-Bericht II., Teil I, S. 239 ff. referenzierten Akten;
BA 11.104-0239 ff.]; lit. c [vgl. die im FFA-Bericht II., Teil I, S. 258 ff. referenzier-
ten Akten; BA 11.104-0258 ff.]; lit. d [BA B07.103.001.01.01-0097; -0102;
B08.106.0833-0095]; lit. e [BA B07.103.001.01.03-0008; -0010]; lit. f [BA
B07.103.002.01.01-0021]; lit. g [BA B07.103.001.01.03-0052]; lit. h und i [BA
B07.103.002.01.01-0012 f.]; lit. j [vgl. die im FFA-Bericht II., Teil II, S. 115 ff. re-
ferenzierten Akten; BA 11.104-0441 ff.]; lit. k-m [BA B07.103.001.01.01-0085; -
0094; -0098 f.] und lit. n [vgl. die in der Anklageschrift auf S. 144, Fn. 1682, refe-
renzierten Akten]). Aus den zitierten Belegen ist ersichtlich, dass hiervon lediglich
folgende Zahlungen in nachstehenden Beträgen von den Konten der I. geflossen
sind; die übrigen Zahlungen erfolgten von Konten der G.:
Handlungen Zeitpunkt | Zeitraum Betrag in Fr. Betrag in EUR
a) Provisionszahlungen von
der I. an die OOO. AG und
damit schliesslich an die Be-
schuldigte aus dem Handel
mit und der Vermittlung von
effektiv nicht existierenden
Maschinengeschäften
30. September 2003 bis
1. Oktober 2009
Fr. 7'755'939.20
EUR 84'000.–
b) Einkäufe beim Modeunter-
nehmen QQQ.
26. September 2002 bis
7. September 2009
EUR 535'993.94
c) Zahlungen an SSS. für PPP. 3. November 2005
3. Februar 2006
16. März 2006
Fr. 20'000.–
Fr. 10'000.–
Fr. 50'000.–
d) Einkauf beim TTT. 11. Juni 2007
20. Juli 2007
EUR 21'413.95
EUR 22'719.89
e) Behandlung beim Schön-
heitschirurgen Prof. BBBB.
22. Dezember 2003 Fr. 30'000.–
- 138 -
SK.2020.57
f) Bargeldbezüge 1. Januar 2002 bis
31. März 2010
Fr. 9'385'186.50 EUR 2'141'820.46
g) Zahlung für Innenausstat-
tungen an RRRR.
15. Dezember 2005 Fr. 50'000.–
h) Zahlung für Innenausstat-
tungen an EEEE.
20. Dezember 2004 Fr. 20'000.–
i) Zahlungen für Innenausstat-
tungen an FFFF.
19. September 2005
29. November 2005
22. Dezember 2005
Fr. 47'600.–
Fr. 30'000.–
Fr. 15'000.–
Gesamtbetrag Fr. 17'413'725.70 EUR 2'805'948.24
b) Lediglich in Bezug auf die Provisionszahlungen gemäss E. 5.1.2 lit. b ist ge-
stützt auf die vorhandenen Akten nicht zweifelsfrei erstellt, dass diese tatsächlich
ausbezahlt worden sind. Diese wurden zwar in der Buchhaltung verbucht; Aus-
zahlungs- oder Transaktionsbelege fehlen allerdings. Selbst wenn ein Teil dieser
Provisionen tatsächlich ausgerichtet wurde, ist dies gemäss der Auswertung der
FFA – zumindest teilweise – mit dem Geld aus vorgenannten Bargeldbezügen
geschehen (vgl. FFA-Bericht II., Teil II, S. 109 ff. [BA 11.104-0436 ff.). Zugunsten
der Beschuldigten ist deshalb davon auszugehen, dass keine weiteren Mittel für
diese Provisionen von der I. abgeflossen sind. Der Anklagesachverhalt ist dem-
nach in dieser Hinsicht nicht erstellt.
5.4.2.3 Gewinnausschüttungen und Privatbezüge für L.
Anlässlich der Hauptverhandlung verzichtete die Beschuldigte, sich zu diesen
Handlungen zu äussern (TPF 731.038). In tatsächlicher Hinsicht sind diese ge-
stützt auf die Akten erstellt (betreffend die Bankrotthandlungen gemäss E. 5.1.3
lit. a [BA B07.103.002.01.01-0008; -0029]; lit. b [BA B07 103.001.01.01-0101;
B07.103.002.01.01-0015; -0028; f.; -0044]; lit. c [BA B07.103.002.01.01-0010]).
Aus den zitierten Belegen ist ersichtlich, dass hiervon lediglich folgende Zahlung
in nachstehendem Betrag vom Konto der I. geflossen ist; die übrigen Zahlungen
erfolgten von Konten der G.:
Handlungen Zeitpunkt Betrag in Fr.
Überweisungen auf das Treuhandkonto GGGG. zu
Gunsten des Aktionärs der G., L.
2. Februar 2006
Fr. 100'000.–
5.4.2.4 Abschluss von Versicherungen für Scheingeschäfte
Auch hinsichtlich dieses Vorwurfs verzichtete die Beschuldigte anlässlich der
Hauptverhandlung auf Äusserungen (TPF 731.038). Der Abschluss der Versi-
cherungen sowie die Bezahlung der Versicherungsprämien im Gesamtbetrag
- 139 -
SK.2020.57
von Fr. 530'434.– und EUR 13'654'730.85 ergibt sich aber nachweislich aus den
vorhandenen Versicherungsunterlagen (vgl. die in der Anklageschrift S. 98 ff. zi-
tierten Akten). Es wurde bereits dargelegt, dass die Mehrheit der Geschäfte (Ge-
schäfte Nr. 6-7, 9-12, 14-107 gemäss Anklageschrift), für welche diese Versiche-
rungen abgeschlossen wurden, fiktiv waren (vgl. E. 3.5.4, 4.4.1). Gleiches gilt ge-
stützt auf die Aussagen der (angeblichen) Käufer der Schmiedepressen auch für
die Geschäfte Nr. 1-5 und 8 (vgl. die in der Anklageschrift S. 20-25 zitierten Ak-
ten). Lediglich das Geschäft Nr. 13 hat erwiesenermassen einen echten Hinter-
grund. Abzüglich der Versicherungsprämie für letzteres Geschäft sind demnach
in der Zeit von 2002 bis 2009 Versicherungsprämien von Fr. 530'434.– und
EUR 13'623'677.10 für Scheingeschäfte bezahlt worden.
5.4.2.5 Nicht-Einreichung der Überschuldungsanzeige
In Bezug auf den Vorwurf, die Beschuldigte habe es unterlassen, die gemäss
Art. 725 OR notwendige Überschuldungsanzeige einzureichen, ist Folgendes
festzuhalten: Die Verletzung der Pflicht des Verwaltungsrats einer Aktiengesell-
schaft, den Richter im Falle der Überschuldung zu benachrichtigen, gilt zwar als
Bankrotthandlung (BGE 144 IV 52 E. 7.3). Eine strafrechtliche Verantwortlichkeit
kann aber nur im Falle der Verletzung zivilrechtlicher Pflichten entstehen (HA-
GENSTEIN, a.a.O., Art. 165 StGB N. 33). Bei der Pflicht, den Richter im Fall der
Überschuldung zu benachrichtigen, handelt es sich um eine unübertragbare und
unentziehbare Aufgabe des Verwaltungsrates (Art. 716a Abs. 1 Ziff. 7 OR;
Art. 725 Abs. 2 OR). Nach der (zivilrechtlichen) Rechtsprechung des Bundesge-
richts können daher selbst faktische Organe nicht für eine verspätete Benach-
richtigung des Richters zur Rechenschaft gezogen werden, es sei denn, sie hät-
ten den Verwaltungsrat von der Benachrichtigung abgehalten oder ihn über das
Bestehen der Überschuldung zu informieren unterlassen (Urteile des Bundesge-
richts 4C.366/2000 vom 19. Juni 2001 E. 6b/bb; 4A_474/2011 vom 4. Ja-
nuar 2012 E. 3.4). Die Beschuldigte ist unbestrittenermassen nicht Verwaltungs-
rätin der I., sondern nur (aber immerhin) faktisches Organ. Somit könnte sie zi-
vilrechtlich – und somit auch strafrechtlich – nur zur Rechenschaft gezogen wer-
den, wenn sie den Verwaltungsrat von der Benachrichtigung abgehalten oder ihn
über das Bestehen der Überschuldung zu informieren unterlassen hätte. Dies
wirft die Bundesanwaltschaft der Beschuldigten aber nicht vor und kann vom Ge-
richt daher nicht geprüft werden (Art. 9 Abs. 1 StPO). Durch die der Beschuldig-
ten vorgeworfenen, unterlassenen Überschuldungsanzeige nach Art. 725
Abs. 2 OR hat sich die Beschuldigte demzufolge nicht strafbar gemacht.
- 140 -
SK.2020.57
5.4.2.6 Zwischenergebnis
a) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Anklagesachverhalt insoweit er-
stellt ist, dass durch die Handlungen der Beschuldigten im Zeitraum von 2002 bis
2010 ein Betrag von insgesamt Fr. 18'912'714.70 und EUR 16'429'625.34 von
den Konten der I. abgeflossen sind. Dies wurde von der Beschuldigten im Grund-
satz auch nicht bestritten (TPF 731.036 ff.) bzw. konnte – sofern bestritten – wi-
derlegt werden. Im Übrigen hat sie es in ihrer Funktion als alleinige faktische
Geschäftsführerin auch nicht verhindert, dass diese Mittel abgeflossen sind.
b) In Bezug auf die Privatbezüge wendete die Beschuldigte anlässlich der Haupt-
verhandlung ein, dass sie über ein Kontokorrentkonto bei der I. verfügt habe,
welches Ende Jahr jeweils mit dem Aktionärskonto ihres Mannes verrechnet wor-
den sei. Zudem habe sie zur Begleichung dieses Kontos Ende 2009 der I. einen
Betrag von Fr. 800'000.– überwiesen (TPF 731.036). Ihr Verteidiger verwies be-
treffend die genannte Zahlung auf einen Kontoauszug vom 28. Februar 2010 des
Kontos bei der D. Bank Nr. [...], lautend auf die Beschuldigte
(BA B07.102.007.01.01-0084; TPF 721.290). Aus diesem Kontoauszug ist zwar
ersichtlich, dass die Beschuldigte die von ihr geltend gemachte Zahlung von
Fr. 800'000.– geleistet hat. Die vorliegend relevanten Privatbezüge wurden aber
aus anderen geschäftlichen Konten (Konten bei der Bank GG. Nr. [...] und
Nr. [...], jeweils lautend auf die I.; Konto bei der D. Bank Nr. [...], lautend auf die
I.) getätigt. Mit den geleisteten Fr. 800'000.– wurden demnach andere, in vorlie-
gendem Strafverfahren nicht von der Anklage umfasste Privatbezüge zurücker-
stattet, sodass die geltend gemachte Rückerstattung weder in Bezug auf die
Strafbarkeit noch auf das Verschulden (vgl. E. 8.6.2) relevant ist.
5.4.3 Unverhältnismässigkeit der Handlungen
Gemäss nachvollziehbarer Auswertung der FFA flossen der I. und der G. im Zeit-
raum von 1. Januar 2002 bis 31. März 2010 gemeinsam insgesamt
EUR 379'925'295.– zu. Hiervon stammten EUR 301'141'968.– aus Finanzierun-
gen von Banken (BA 11.104-0159). Bei der I. und der G. verblieb demnach ge-
meinsam ein effektiver Mittelzufluss von insgesamt EUR 78'783'327.–, welcher
sich aus Zuflüssen aus ihrer Geschäftstätigkeit, der Geschäftstätigkeit der Ge-
sellschaften der G. Gruppe sowie aus eigenen Mitteln der Beschuldigten, ihres
Ehemannes oder ihnen nahestehenden Personen zusammensetzt. Dabei flos-
sen im gleichen Zeitraum an die Gruppengesellschaften aber auch insgesamt
EUR 95'970'234.– ab (BA 11.104-0159). Dies zeigt, dass aus den Einkünften aus
der Geschäftstätigkeit der I. und der G. und dem privat in die I. und G. einge-
schleusten Vermögen insgesamt kein positiver Cash-Flow erwirtschaftet wurde
- 141 -
SK.2020.57
(vgl. auch BA 11.104-0159 ff.). Die Lohnbezüge sowie die Privatbezüge zuguns-
ten der Beschuldigten und ihres Ehemanns stellen mangels einer Einkünfte ge-
nerierender Geschäftstätigkeit ohne Weiteres einen unverhältnismässigen be-
trieblichen Aufwand dar. Die Unverhältnismässigkeit der Aufwände ergibt sich
überdies auch aus deren privaten Charakter (vgl. E. 5.3.3), den die Beschuldigte
– mit nachfolgenden zwei Ausnahmen – nicht bestritt (TPF 731.036 ff.). Dass die
Zahlungen an den TTT. im Betrag von EUR 44'133.84 sowie der Aufwand für die
Innenausstattungen im Betrag von Fr. 162'600.–, in einem betrieblichen Zusam-
menhang stehen würden, da es sich um ein Firmengeschenk bzw. um die Innen-
ausstattung für das Büro gehandelt habe (TPF 731.037), ändert an deren Unver-
hältnismässigkeit nichts. Selbst wenn dies zutreffen würde, sind diese Aufwände
bei Ausweis eines negativen Cash-Flows klar unverhältnismässig. Schliesslich
ist auch die Bezahlung von Versicherungsprämien für nicht existierende Ge-
schäfte als unverhältnismässiger Aufwand zu qualifizieren, diente dies doch ein-
zig der Aufrechterhaltung des betrügerischen Systems der Beschuldigten (vgl.
E. 4.4.2.2) und erfüllte keinen betrieblichen Zweck.
5.4.4 Verschlimmerung der Vermögenslage durch die Bankrotthandlungen
Die FFA hat die finanzielle Situation der I. per 11. Juli 2002 analysiert und ihre
Ergebnisse im Bericht vom 30. November 2017 festgehalten (nachfolgend: FFA-
Bericht finanzielle Situation [BA 11.103-0001 ff.]). Dabei hat sie auch die voran-
gehenden Geschäftsjahre 2000 und 2001 analysiert (BA 11.103-0005). Aus dem
Bericht ergibt sich Folgendes: Die finanziellen Schwierigkeiten der I. begannen
spätestens im Jahr 2001. Gemäss revidiertem Jahresabschluss per 31. Dezem-
ber 2001 wies die I. einen Jahresverlust von Fr. 546'385.49 und ein Eigenkapital
von Fr. 1'729'246.44 aus (BA B11.103.01-0110 ff.). Einfluss auf diesen Jahres-
verlust hatten insbesondere die Auflösung von stillen Reserven von
Fr. 915'000'000.– sowie die Aktivierung von Provisionsaufwendungen von
Fr. 384'000'000.–, wodurch der Jahresverlust geringer ausgefallen ist. Ob diese
Buchungsvorgänge berechtigt waren bzw. die Aktivierung werthaltig war, konnte
anhand der zur Verfügung stehenden Unterlagen zwar nicht abschliessend be-
urteilt werden. Klar ist aber, dass ohne diese Buchungsvorgänge der Jahresver-
lust Fr. 1'845'385.49 betragen hätte und damit das vorhandene Eigenkapital nicht
mehr gedeckt gewesen wäre und Sanierungsmassnahmen gemäss Art. 725 OR
hätten eingeleitet werden müssen (vgl. BA 11.103-0012). Für das Geschäfts-
jahr 2002 wurde der Jahresverlust gemäss Jahresabschluss bei einem Eigenka-
pital von Fr. 1'554'839.07 auf Fr. 174'407.37 reduziert (BA B11.103.01-0243 ff.).
Auch dieser Jahresverlust wäre ohne Aktivierung von stillen Reserven und aus-
serordentlichem Aufwand deutlich höher, konkret im Betrag von Fr. 1'338'055.62,
ausgefallen und es hätten Sanierungsmassnahmen ergriffen werden müssen
(vgl. BA 11.103-0015 ff.).
- 142 -
SK.2020.57
Gemäss der Auswertung der FFA habe die I. trotz bis zum 10. Juli 2002 beste-
hender Kreditverpflichtungen im Umfang von umgerechnet Fr. 8'693'667.77,
operativen Verpflichtungen von umgerechnet Fr. 2'548'004.57 und liquiden Mit-
teln von maximal Fr. 95'000.– in den Jahren 2001 gar keine Einkünfte aus der
operativen Geschäftstätigkeit und im Jahr 2002 lediglich Einkünfte aus einer ein-
zigen Kundenzahlung im Umfang von Fr. 41'764.35 erwirtschaftet (vgl.
BA 11.103-00020 ff.; -00045 f.; -00056 ff.; -00074 ff.). Diese Auswertung ist ge-
stützt auf die im FFA-Bericht finanzielle Situation referenzierten Akten und die
übrigen Unterlagen nachvollziehbar und in sich schlüssig. Im Übrigen bestritt die
Beschuldigte – mit Ausnahme der vorgenannten durch die Banken vorfinanzier-
ten Geschäfte, die erwiesenermassen nicht real waren (vgl. E. 3.4.4, 4.4.1) –
auch nicht, dass die I. einer anderen Geschäftstätigkeit nachgegangen ist
(TPF 731.035). Bereits dies zeigt, dass die I. spätestens im Jahr 2002 nicht mehr
im Stande war, die fälligen Schulden zu begleichen. Die fälligen Kreditverpflich-
tungen hat sie aus diesem Grund nachweislich auch durch die Aufnahme von
neuen Krediten, u.a. den bei der C. betrügerisch erlangten Geldern, zurückbe-
zahlt (vgl. die im FFA-Bericht finanzielle Situation referenzierten Akten, S. 26 ff.
[BA 11.103-00026 ff.]). Es steht demnach ausser Frage, dass die I. spätestens
im Jahr 2002 zahlungsunfähig, wenn nicht gar überschuldet war. Da in den fol-
genden Jahren lediglich Scheingeschäfte abgeschlossen wurden bzw. die allen-
falls tatsächlich im kleinen Rahmen stattgefundene Geschäftstätigkeit nicht die
notwendigen Einkünfte generierte, verschlimmerte sich die Vermögenslage wei-
ter. Dies namentlich auch durch die vorgenannten Bankrotthandlungen, mit wel-
chen von den Konten der I. insgesamt Fr. 18'912'714.70 und EUR 16'429'625.34
als unverhältnismässige Aufwände abflossen.
Die übrigen von der Anklage umfassten Handlungen, namentlich die Zahlungen
von Konten der OOO. AG (vgl. 5.4.2.1) und der G. (vgl. E. 5.4.2.2, 5.4.2.3), haben
die Vermögenslage der I. allerdings nicht unmittelbar verschlimmert. Der diesbe-
züglich erforderliche Kausalzusammenhang fehlt somit.
5.4.5 Subjektiver Tatbestand
Die Beschuldigte verwendete die I. zum Betrieb und zur Aufrechterhaltung ihres
betrügerischen Systems (vgl. E. 4.4.2.2). Ihr war dabei bewusst, dass die I. die
seit 2002 bei der C. vorfinanzierten Geschäfte in Wirklichkeit gar nicht abschloss,
sondern es sich dabei um fiktive Geschäfte handelte (vgl. E. 3.5.4, 4.4.1). Die
Beschuldigte tätigte die erwähnten Bankrotthandlungen dennoch und zwar mit
dem einzigen Ziel ihr betrügerisches System aufrechtzuerhalten oder sich oder
ihren Ehemann Vermögensvorteile zukommen zu lassen. Dass sich die finanzi-
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elle Situation der I. dadurch weiter verschlechterte, war ihr mithin vollends be-
wusst. Es steht somit ausser Frage, dass die Beschuldigte mit direktem Vorsatz
handelte.
5.4.6 Nach dem Gesagten hat die Beschuldigte den objektiven und subjektiven Tatbe-
stand der Misswirtschaft erfüllt. Rechtfertigungs- und Schuldausschlussgründe
sind keine ersichtlich. Über die I. wurde mit Urteil des Bundesgerichts vom
30. April 2010 der Konkurs eröffnet (BA B11.104.001-0001), sodass auch die ob-
jektive Strafbarkeitsbedingung von Art. 165 StGB eingetreten ist. Die Beschul-
digte ist somit der Misswirtschaft gemäss Art. 165 Ziff. 1 StGB schuldig zu spre-
chen.
6. Gewerbsmässige Geldwäscherei
6.1 Anklagevorwurf (Anklagepunkt 6)
Die Anklage wirft der Beschuldigten A. gewerbsmässige Geldwäscherei vor, in-
dem sie in der Zeit von 2002 bis Februar 2010 als Einzelzeichnungsberechtigte
und Geschäftsführerin der I. entweder selbst oder durch ihre Mitarbeitenden
Handlungen vorgenommen haben soll, welche geeignet gewesen seien, die Er-
mittlung der Herkunft, die Auffindung oder die Einziehung der betrügerisch er-
langten Vermögenswerte zu vereiteln. Im Einzelnen werden der Beschuldigten
folgende Handlungen vorgeworfen (Anklageschrift S. 160-174):
a) Verbuchung von fiktiven Umsatzerlösen, fiktiven Aufwendungen sowie fiktiven
Bilanzpositionen in der Buchhaltung der I.;
b) Transferierung von Vermögenswerten der I. direkt oder indirekt über die G. in
der Höhe von insgesamt Fr. 125'104'731.50 nach Italien bzw. in der Höhe von
insgesamt Fr. 2'790’187.55 nach Deutschland;
c) mehrere Bargeldbezüge von Konten der I. und der G. in der Höhe von insge-
samt Fr. 9'385'186.50 sowie EUR 2'141'820.46;
d) Kauf von Immobilien im In- und Ausland;
e) Transferierung von Vermögenswerten der I. und der G. direkt oder indirekt an
ihr nahestehende Personen in der Höhe von insgesamt Fr. 13'457'383.–;
f) Verbuchung von tatsächlich vorgenommenen Zahlungen in der Höhe von
EUR 4'270'000.–, EUR 940'000.– und Fr. 4'590'000.– als angebliche Schmiede-
presse-Käufe in der Buchhaltung der I.;
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SK.2020.57
g) Verwendung von Vermögenswerten der I. von insgesamt Fr. 1'043'677.50 für
private Luxuskäufe und anschliessende Verbuchung als angebliche Vorauszah-
lungen an Lieferanten in der Buchhaltung der I.;
h) Transferierung von Vermögenswerten von insgesamt Fr. 7'755'939.20 und
EUR 84'000.– der I. an die OOO. AG als angebliche Provisionen, welche an-
schliessend der Beschuldigten selbst oder ihrem Bruder, HHHH., zugekommen
seien;
i) Vornahme von diversen Fälschungen der Buchführung oder Bilanzierung in
der Buchhaltung der I. (Verbuchung von angeblichen Reduktionen der transfe-
rierten Debitoren, Umwandlung von nicht existierenden Debitoren in nicht exis-
tierendes Warenlager oder nicht existierende Vorauszahlungen an Lieferanten).
6.2 Rechtliches
6.2.1 Die Beschuldigte soll die ihr vorgeworfenen Geldwäschereihandlungen in der
Zeit von 2002 bis Februar 2010 begangen haben, mithin vor der Revision von
Art. 305bis StGB am 1. Januar 2016 (AS 2015 1389). Mit der Revision von
Art. 305bis StGB wurde die Strafbarkeit ausgedehnt, indem als Vortat zur Geld-
wäscherei nun auch qualifizierte Steuervergehen in Betracht kommen. Das neue
Recht ist insofern nicht milder, weshalb unter Berücksichtigung des strafrechtli-
chen Rückwirkungsverbots (Art. 2 Abs. 1 StGB) das alte Recht zur Anwendung
kommt. Ansonsten entspricht der im Tatzeitpunkt geltende Straftatbestand ge-
mäss Art. 305bis StGB dem Recht im Urteilszeitpunkt.
6.2.2 Der Geldwäscherei macht sich strafbar, wer eine Handlung vornimmt, die geeig-
net ist, die Ermittlung der Herkunft, die Auffindung oder die Einziehung von Ver-
mögenswerten zu vereiteln, die, wie er weiss oder annehmen muss, aus einem
Verbrechen herrühren (aArt. 305bis Ziff. 1 StGB, in der bis 31. Dezember 2015
geltenden Fassung). Ein schwerer Fall der Geldwäscherei liegt insbesondere
vor, wenn der Täter als Mitglied einer Verbrechensorganisation handelt (Ziff. 2
lit. a), als Mitglied einer Bande handelt, die sich zur fortgesetzten Ausübung der
Geldwäscherei zusammengefunden hat (Ziff. 2 lit. b) oder durch gewerbsmäs-
sige Geldwäscherei einen grossen Umsatz oder einen erheblichen Gewinn er-
zielt (Ziff. 2 lit. c).
6.2.3 Der Täter handelt gewerbsmässig i.S.v. Art. 305bis Ziff. 2 lit. c StGB, wenn sich
aus der Zeit und den Mitteln, die er für die deliktische Tätigkeit aufwendet, aus
der Häufigkeit der Einzelakte innerhalb eines bestimmten Zeitraums sowie aus
den angestrebten und erzielten Einkünften ergibt, dass er die deliktische Tätigkeit
nach der Art eines Berufes ausübt. Wesentlich ist ausserdem, dass der Täter
- 145 -
SK.2020.57
sich darauf einrichtet, durch sein deliktisches Handeln relativ regelmässige Ein-
nahmen zu erzielen, die einen namhaften Beitrag an die Kosten seiner Lebens-
gestaltung darstellen, und dass er die Tat bereits mehrfach begangen hat. Ein
grosser Umsatz liegt ab Fr. 100'000.–, ein grosser Gewinn ab Fr. 10'000.– vor
(Urteil des Bundesgerichts 6B_1013/2010 vom 17. Mai 2011 E. 6.2 mit Verweis
auf BGE 129 IV 188 E. 3.1.3). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung
kann auch der Vortäter sein eigener Geldwäscher sein (BGE 120 IV 323 E. 3c;
124 IV 274 E. 3). In diesem Fall muss das im Rahmen der Gewerbsmässigkeit
massgebende Einkommen aus den Geldwäschereihandlungen und nicht nur aus
der Vortat erzielt werden, andernfalls fehlt es bereits an der Gewerbsmässigkeit
und die Qualifikation nach Art. 305bis Ziff. 2 lit. c StGB ist nicht gegeben (Urteil
des Bundesgerichts 6B_217/2013 vom 28. Juli 2014 E. 4.2; Urteil des Bun-
desstrafgerichts SK.2015.55 vom 28. Oktober 2016 E. 3.3.1; ACKERMANN/ZEHN-
DER, in: Jürg-Beat Ackermann (Hrsg.), Kommentar Kriminelles Vermögen – Kri-
minelle Organisation – Band II, 2018, Art. 305bis StGB N. 732). In diesem Sinne
hat die Rechtsprechung gewerbsmässige Geldwäscherei unter anderem ver-
neint, wenn der Vortäter lediglich den Verbrechenserlös aus der Vortat von einem
auf ein anderes Konto überträgt oder den Verbrechenserlös verbraucht (Urteil
des Bundesgerichts 6B_217/2013 vom 28. Juli 2014 E. 4.2).
6.2.4 Aus der Formulierung des Gesetzes («insbesondere») ergibt sich, dass es sich
bei Art. 305bis Ziff. 2 lit. a-c StGB nicht um eine abschliessende Aufzählung han-
delt. Auch andere als die aufgezählten schweren Fälle sind denkbar. Dabei müs-
sen die Taten in objektiver und subjektiver Hinsicht gleich schwer wiegen wie die
im Gesetz genannten Beispiele (Urteile des Bundesgerichts 6B_535/2014 vom
5. Januar 2016 E. 3.2.1; 6B_217/2013 vom 28. Juli 2014 E. 4.1; 6B_1013/2010
vom 17. Mai 2011 E. 6.2 mit Verweis auf BGE 114 IV 164 E. 2b).
Soweit ersichtlich, hat das Bundesgericht bisher in einem einzigen Fall, im nicht
publizierten Urteil 6B_1013/2010 vom 17. Mai 2011, einen schweren Fall sui ge-
neris angenommen. Gegenstand waren Handlungen, welche der Täter im Rah-
men seiner anwaltlichen Tätigkeit verübt hatte, um drei aus einem Anlagebetrug
stammende Checks einzulösen und die Gelder auf seinen Klienten zurück zu
übertragen. Das Bundesgericht erwog insbesondere, dass bei einem Deliktsbe-
trag von rund Fr. 3'400'000.–, der Eröffnung und Verwaltung eines Bankkontos
eigens zum Zwecke der Geldwäscherei, der Ausübung der deliktischen Tätigkeit
während rund dreieinhalb Monaten, der Vornahme einer Reihe von Weiterlei-
tungstransaktionen und der Erzielung eines Honorars von Fr. 20'000.– für diesel-
ben das objektive Tatbild mit der gewerbsmässigen Geldwäscherei nach
Art. 305bis Ziff. 2 lit. c StGB vergleichbar sei (Urteil des Bundesgerichts
6B_1013/2010 vom 17. Mai 2011 E. 6.3).
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SK.2020.57
Gleichermassen hat das Bundesstrafgericht einen durch berufsmässiges Han-
deln erzielten Gewinn als unerlässlich für die Qualifikation eines schweren Falles
sui generis erklärt (vgl. TPF 2014 1 E. 9.2; Urteil des Bundesstrafgerichts
SK.2013.32 vom 4. Februar 2014 E. 7.2). Das Bundesgericht bestätigte diese
zwei Urteile (Urteile des Bundesgerichts 6B_217/2013 vom 28. Juli 2014 E. 4.3
und 6B_535/2014 vom 5. Januar 2016 E. 3.2.3).
6.3 Qualifikation als schwerer Fall von Geldwäscherei
6.3.1 Im Hinblick auf die Verjährungsfrage ist vorab zu prüfen, ob die Handlungen, wie
sie angeklagt worden sind, den Tatbestand der qualifizierten Geldwäscherei er-
füllen. Die Anklageschrift umschreibt die Elemente der schweren Fälle nach
Art. 305bis Ziff. 2 lit. a und b nicht. Vielmehr macht die Bundesanwaltschaft gel-
tend, es liege ein Fall von gewerbsmässiger Geldwäscherei nach Art. 305bis
Ziff. 2 lit. c StGB vor. Ob die Anklageschrift auch den schweren Fall sui generis
genügend umschreibt, kann vorliegend, wie aufgezeigt wird, offengelassen wer-
den.
6.3.2 Bei den angeklagten Geldwäschereihandlungen handelt es sich um buchhalteri-
sche Massnahmen (vgl. E. 6.1a/f/i) sowie um die Transferierungen ins In- und
Ausland (vgl. E. 6.1b/e/h), den Bezug (vgl. E. 6.1c) und die Verwendung
(vgl. E. 6.1d/g) von Vermögenswerten. Diese Handlungen sind, auch wenn sie
der Beschuldigten nachgewiesen werden könnten, trotz deren Häufigkeit über
einen langen Zeitraum nicht dazu geeignet für die Beschuldigte ein Einkommen
zu erzielen. Es trifft zwar zu, dass sie erhebliche finanzielle Vorteile erzielt hat.
Diese sind ihr allerdings nicht aus den angeklagten Geldwäschereihandlungen,
sondern vielmehr aus den Taten zugeflossen, derentwegen sie wegen gewerbs-
mässigen Betrugs schuldig gesprochen worden ist (vgl. E. 4). Die Gewerbsmäs-
sigkeit liegt vorliegend nicht in den Geldwäschereihandlungen. Ein schwerer Fall
i.S.v. Art. 305bis Ziff. 2 lit. c StGB liegt somit nicht vor.
6.3.3 Auch ein schwerer Fall sui generis kann vorliegend – unabhängig davon, ob die
Anklage diesen genügend umschreiben würde – aus den vorgenannten Gründen
nicht angenommen werden, fehlt es doch an einem durch berufsmässiges Han-
deln erzielten Gewinn. Im Ergebnis fehlen somit objektive und subjektive Mo-
mente, welche den angeklagten Handlungen ein Gewicht gäben, das den spezi-
fischen Gründen von Art. 305bis Ziff. 2 lit. a–c StGB gleichkommen und einen
schweren Fall sui generis begründen würde.
6.3.4 Die Voraussetzungen eines schweren Falles der Geldwäscherei sind demnach
nicht erfüllt.
- 147 -
SK.2020.57
6.4 Verjährung der einfachen Geldwäscherei
6.4.1 Bleibt es damit beim Grundtatbestand nach Art. 305bis Ziff. 1 StGB, stellt sich die
Frage nach der Verjährung. Die Beschuldigte soll die ihr vorgeworfenen Geldwä-
schereihandlungen in der Zeit von 2002 bis Februar 2010 begangen haben, mit-
hin teils vor und teils nach der Revision des Verjährungsrechts (aArt. 70 ff. StGB)
am 1. Oktober 2002 (AS 2002 2993 2996 3146) und der Revision des Allgemei-
nen Teils des Strafgesetzbuchs am 1. Januar 2007 (AS 2006 3459), durchwegs
aber vor der Revision von Art. 97 StGB (Verfolgungsverjährung) am 1. Ja-
nuar 2014 (AS 2013 4417).
Die Verfolgungsverjährung bestimmt sich grundsätzlich nach dem zur Zeit der
inkriminierten Taten geltenden Recht. Der Grundsatz der lex mitior (Art. 2 Abs. 2
StGB) gilt auch in Bezug auf die Verfolgungsverjährung (Art. 389 Abs. 1 StGB).
Ist das im Zeitpunkt der Beurteilung geltende Verjährungsrecht milder als das zur
Zeit der inkriminierten Taten geltende Recht, ist das neue Verjährungsrecht an-
wendbar. Zudem bilden mehrere inkriminierte Geldwäschereihandlungen keine
natürliche oder tatbestandliche Handlungseinheit, bei welcher die Verjährung für
sämtliche Akte erst mit der letzten Handlung beginnt (Urteil des Bundesgerichts
6B_1152/2013 vom 28. August 2014 E. 11.4.3; Urteil des Bundesstrafgerichts
SK.2018.73 vom 8. Oktober 2019 E. 4.2).
6.4.2
6.4.2.1 Gemäss dem bis zum 30. September 2002 geltenden Recht verjährte die Straf-
verfolgung wegen einfacher Geldwäscherei relativ in 5 Jahren (aArt. 70 al. 3
StGB). Die Verjährung wurde durch jede Untersuchungshandlung einer Strafver-
folgungsbehörde oder Verfügung des Gerichts gegenüber dem Täter unterbro-
chen. Mit jeder Unterbrechungshandlung begann die Verjährungsfrist neu zu lau-
fen. Die Strafverfolgung war jedoch in jedem Fall verjährt, wenn die ordentliche
Frist um die Hälfte überschritten war (aArt. 72 Ziff. 2 StGB). Die absolute Verjäh-
rungsfrist betrug somit 7 1⁄2 Jahre.
6.4.2.2 Nach dem seit 1. Oktober 2002 geltenden Recht verjährte die Strafverfolgung
wegen einfacher Geldwäscherei in 7 Jahren (aArt. 70 Abs. 1 lit. c StGB). Diese
Bestimmung wurde inhaltlich unverändert in den neuen Allgemeinen Teil des
Strafgesetzbuches übernommen, der am 1. Januar 2007 in Kraft getreten ist
(aArt. 97 Abs. 1 lit. c StGB). Dieses Recht sieht Unterbrechungen der Verjährung
nicht vor und unterscheidet nicht zwischen relativen und absoluten Verjährungs-
fristen. Die Verjährungsfrist betrug somit 7 Jahre.
6.4.2.3 Mit der Revision von Art. 97 StGB, welche am 1. Januar 2014 in Kraft getreten
ist, wurden die Verjährungsfristen verlängert. Für die einfache Geldwäscherei gilt
neu eine Verjährungsfrist von 10 Jahren (Art. 97 Abs. 1 lit. c StGB). Dieses neue,
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nach den vorgeworfenen Taten in Kraft getretene Recht ist nicht milder und findet
somit vorliegend keine Anwendung.
6.4.3 Die Strafverfolgung wegen einfacher Geldwäscherei verjährt nach den zur jewei-
ligen Tatzeit massgeblichen Bestimmungen somit in jedem Fall in 7 1⁄2 Jahren
(aArt. 70 al. 3 i.V.m. aArt. 72 Ziff. 2 StGB in der bis 30. September 2002 gelten-
den Fassung) resp. in 7 Jahren nach der Tatausführung (aArt. 70 Abs. 1 lit. c
StGB in der vom 1. Oktober 2002 bis 31. Dezember 2006 geltenden Fassung
bzw. aArt. 97 Abs. 1 lit. c StGB in der vom 1. Januar 2007 bis 31. Dezember 2013
geltenden Fassung).
6.4.4 Die angeklagten Geldwäschereihandlungen liegen rund 10 oder mehr Jahre zu-
rück und sind somit verjährt. Demzufolge ist das Verfahren in diesem Anklage-
punkt einzustellen (Art. 329 Abs. 4 und 5 StPO).
7. Gehilfenschaft zum Betrug
7.1 Anklagevorwurf (Anklagepunkt 3.4.2)
Die Bundesanwaltschaft wirft dem Beschuldigten B. vor, als Mitarbeiter der C.
zwischen Oktober und November 2009 an den Betrugshandlungen von A. im
Zusammenhang mit der Gewährung des Kredits der Bank E. an die I. als Gehilfe
mitgewirkt zu haben, indem er die Tat von A. unterstützt und gefördert haben soll.
Insbesondere habe der Beschuldigte von den Vertragsverhandlungen und dem
Vertragsschluss zwischen der I. und der Bank E. gewusst und dabei an der Kre-
ditbeschaffung mitgewirkt, indem er tatfördernd auf A. eingewirkt habe. Dies er-
gebe sich namentlich aus der Rolle des Beschuldigten bei der C., insbesondere
daraus, dass er für die Beziehung zur I. mehrheitlich alleine zuständig gewesen
sei. Zudem habe er nach Abschluss des Kreditvertrages zwischen der Bank E.
und der I. von der Beschuldigten oder ihrem Umfeld Provisionszahlungen erhal-
ten (Anklageschrift S. 136 f.).
7.2 Rechtliches
7.2.1 Als Gehilfe ist nach Art. 25 StGB strafbar, wer zu einem Verbrechen oder Verge-
hen vorsätzlich Hilfe leistet. Als Hilfeleistung gilt jeder kausale Beitrag, der die
Tat fördert, so dass sich diese ohne Mitwirkung des Gehilfen anders abgespielt
hätte. Der Gehilfe fördert eine Tat, wenn er sie durch einen untergeordneten Tat-
beitrag unterstützt bzw. wenn er die Ausführung der Haupttat durch irgendwelche
Vorkehren oder durch psychische Hilfe erleichtert. Die Hilfeleistung muss tat-
sächlich zur Tat beitragen und die Erfolgschancen der tatbestandserfüllenden
/StGB_25
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SK.2020.57
Handlung erhöhen. Nicht erforderlich ist, dass es ohne die Beihilfe nicht zur Tat
gekommen wäre (BGE 132 IV 49 E. 1.1; 129 IV 124 E. 3.2).
7.2.2 Subjektiv ist erforderlich, dass der Gehilfe weiss oder damit rechnet, eine be-
stimmt geartete Straftat zu unterstützen, und dass er dies will oder in Kauf nimmt.
Zum Vorsatz des Gehilfen gehört die Voraussicht des Geschehensablaufs, das
heisst, er erkennt die wesentlichen Merkmale des vom Täter zu verwirklichenden
strafbaren Tuns. Einzelheiten der Tat braucht er hingegen nicht zu kennen
(BGE 132 IV 49 E. 1.1; 128 IV 53 E. 5f/cc).
7.3 Tatsächliches
7.3.1 Personalbeweise
Der Beschuldigte stritt den Vorwurf während des Vorverfahrens integral ab, so-
weit er nicht von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machte (vgl.
BA 13.005-0282 ff.; -0372 ff.). Insbesondere gab er an, weder gewusst zu haben,
dass die I. in geschäftlichen Beziehungen zur Bank E. gestanden habe, noch
habe er am Zustandekommen des Kreditvertrages zwischen der I. und der
Bank E. mitgewirkt (BA 13.005-0372 Z. 25 ff.). Anlässlich der Hauptverhandlung
machte er von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch (TPF 732.001 ff.).
A. erwähnte im Vorverfahren nicht, dass der Beschuldigte B. an den Kreditver-
handlungen mit der Bank E. bzw. allgemein an der Geschäftsbeziehung zwi-
schen der I. und der Bank E. beteiligt gewesen ist (vgl. BA 13.001-0078 ff.; -0387;
-0609 ff.). Anlässlich der Hauptverhandlung erklärte sie sodann ausdrücklich,
dass weder B. noch andere Mitarbeiter der C. wussten, dass die I. in Verhand-
lungen mit der Bank E. standen bzw. bei dieser einen Kredit aufgenommen ha-
ben (TPF 731.032). Auch die im Zeitpunkt der Kreditaufnahme amtierenden Ver-
waltungsräte der I. und der G., PP. und KK., erwähnten B. bei ihrer Befragung im
Zusammenhang mit der Geschäftsbeziehung zur Bank E. mit keinem Wort (vgl.
BA 13.002-0058 ff.; -0112 ff.; -0121 f.; -0176 ff.; 13.003-0303 ff.). Gleiches gilt für
die übrigen zu diesem Themenbereich einvernommenen Personen.
7.3.2 Sachbeweise
Auch in den von der Bank E. eingereichten Unterlagen finden sich keine Hin-
weise, dass der Beschuldigte an den Kreditverhandlungen zwischen der I. und
der Bank E. teilgenommen hat oder hiervon wusste (vgl. BA 05.104-0001 ff.). Die
von PP. und M. geäusserte, aber nicht konkretisierte Vermutung, B. habe Provi-
sionen von der Beschuldigten A. erhalten (vgl. BA 13.002-0052; -0059 ff.; 12.015-
0216 ff.), was allenfalls eine solches Wissen indizieren könnte, soll dem Beschul-
file://///ss00009a/129-IV-124
- 150 -
SK.2020.57
digten gemäss den von der FFA hierzu gemachten Ermittlungen und Auswertun-
gen nicht nachgewiesen werden können (BA 11.105-0020 ff.; siehe auch die
Aussagen von A. [BA 13.001-0035 ff.], PP. [BA 13.002-0166 f.]; KK. [BA 13.003-
0051; -0300 f.]). Im Übrigen ist festzuhalten, dass gemäss rechtskräftiger Einstel-
lungsverfügung der Bundesanwaltschaft vom 30. Juli 2018, B. nicht nachgewie-
sen werden konnte, Kenntnis von den Betrugshandlungen zu Lasten der C. ge-
habt zu haben (BA 03.004-0014; vgl. auch Beschluss der Beschwerdekammer
des Bundesstrafgerichts BB.2018.146 vom 7. Mai 2019 E. 2.3).
7.3.3 Beweiswürdigung und Beweisergebnis
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass weder die Mitarbeitenden und Organe
der I. noch der Bank E. geltend gemacht haben, der Beschuldigte habe von der
Geschäftsbeziehung zwischen der I. und der Bank E. oder vom konkreten Kre-
ditvertrag gewusst oder haben dies teilweise ausdrücklich bestritten. Dies er-
scheint nachvollziehbar, war der Beschuldigte doch nicht bei der Bank E., son-
dern bei der C. tätig. Es bestehen keine Beweise oder Indizien, welche eine sol-
che Kenntnis des Beschuldigten nachweisen könnte: Namentlich kann dessen
Rolle in der Beziehung zwischen der C. und der I. daran nichts ändern. Auch
wenn er mehrheitlich alleine für das Geschäft mit der I. verantwortlich war, ist
nicht ersichtlich, wie er dadurch von der Beziehung der I. zu einer Drittbank oder
von einer Betrugshandlung zu deren Nachteil erfahren haben soll. Dies gilt umso
mehr als der Beschuldigte gemäss rechtskräftiger Feststellung der Bundesan-
waltschaft auch nichts vom Betrug zum Nachteil der C. wusste. Hiervon ist auch
das Gericht überzeugt (vgl. E. 4.4.2.3). In Bezug auf die angeblich an den Be-
schuldigten geflossenen Provisionszahlungen ist festzuhalten, dass diese ge-
mäss den Ermittlungen der FFA nicht nachweisbar sind. Diese Feststellungen
der FFA sind nachvollziehbar und in sich schlüssig. Die zu den Provisionszah-
lungen geäusserten Vermutungen sind sodann lediglich von zwei Personen er-
hoben worden, konnten aber nicht anhand konkreter Anhaltspunkte erhärtet wer-
den.
Insgesamt kann dem Beschuldigten nicht nachgewiesen werden, im Zusammen-
hang mit dem Kreditvertrag zwischen der I. und der Bank E. Provisionszahlungen
von der Beschuldigten A. oder ihrem Umfeld erhalten zu haben. Dem Beschul-
digten kann demnach weder nachgewiesen werden, von der Geschäftsbezie-
hung zwischen der I. und der Bank E. noch einem Betrug zum Nachteil Letzterer
gewusst zu haben. Mangels einer solchen Kenntnis kann der Beschuldigte auch
nicht vorsätzlich an dem Betrug als Gehilfe mitgewirkt haben.
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SK.2020.57
7.4 Ergebnis
Der Beschuldigte ist vom Vorwurf der Gehilfenschaft zum Betrug gemäss
Art. 146 i.V.m. Art. 25 StGB freizusprechen.
8. Strafzumessung A.
8.1
8.1.1 Die verfahrensgegenständlichen Straftaten wurden im Zeitraum von 2002 bis
Februar 2010 begangen, mithin teils vor und teils nach der Revision des Allge-
meinen Teils des Strafgesetzbuchs am 1. Januar 2007 (AS 2006 3459) sowie vor
der Revision des Sanktionenrechts am 1. Januar 2018 (AS 2016 1249). Das
neue, seit 1. Januar 2007 geltende Recht erweist sich in concreto insofern mil-
der, als es eine obligatorische Strafmilderung infolge Zeitablaufs vorschreibt
(Art. 48 lit. a StGB), während das alte Recht diesbezüglich lediglich eine fakulta-
tive Strafmilderung vorsah (Art. 64 aStGB). Wie noch zu zeigen sein wird, führt
die Anwendung des seit dem 1. Januar 2007 geltenden Sanktionenrechts zum
gleichen Ergebnis wie das neue Recht, weshalb die Strafzumessung nach Ers-
terem vorzunehmen ist.
8.1.2 Das Gericht misst die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu. Es berück-
sichtigt das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der
Strafe auf das Leben des Täters (Art. 47 Abs. 1 StGB). Das Verschulden wird
nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts,
nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Tä-
ters sowie danach bestimmt, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren
Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden
(Art. 47 Abs. 2 StGB). Das Gesetz führt weder alle in Betracht zu ziehenden Ele-
mente detailliert und abschliessend auf noch regelt es deren exakte Auswirkun-
gen bei der Bemessung der Strafe. Es liegt im Ermessen des Gerichts, in wel-
chem Umfang es die verschiedenen Strafzumessungsfaktoren berücksichtigt
(BGE 134 IV 17 E. 2.1 m.w.H.).
8.1.3 Die Täterkomponenten (Art. 47 Abs. 1 Satz 2 StGB) – die mit der konkreten Straf-
tat nicht im unmittelbaren Tatzusammenhang stehen – sind dabei erst (und nur
einmal) nach der Festlegung der (hypothetischen) Gesamtstrafe für sämtliche
Delikte zu berücksichtigen (Urteile des Bundesgerichts 6B_105/2015 vom 13. Ja-
nuar 2016 E. 1.4.2; 6B_375/2014 vom 28. August 2014 E. 2.6).
8.1.4 Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen für
mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu der Strafe der
schwersten Straftat, d.h. derjenigen Tat, die mit der schwersten Strafe bedroht
- 152 -
SK.2020.57
ist, und erhöht sie angemessen (Asperationsprinzip). Es darf jedoch das Höchst-
mass der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhöhen. Dabei ist es
an das gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 49 Abs. 1 StGB).
8.2 Die Beschuldigte hat vorliegend mehrere Straftatbestände verwirklicht. Abstrakt
schwerste Tat ist der gewerbsmässige Betrug nach Art. 146 Abs. 1 i.V.m.
Abs. 2 StGB; die Strafandrohung für dieses Delikt lautet Freiheitsstrafe bis zu
zehn Jahren oder Geldstrafe nicht unter 90 Tagessätzen. Die Urkundenfäl-
schung (Art. 251 Ziff. 1 StGB) und die Misswirtschaft (Art. 165 Ziff. 1 StGB) sind
mit Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft. In Anwendung
des Asperationsprinzips beträgt der obere Strafrahmen mithin Freiheitsstrafe bis
zu 15 Jahre und Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen. Aufgrund Vorliegens eines
Strafmilderungsgrundes (vgl. E. 8.7.1) ist das Gericht nicht an die angedrohte
Mindeststrafe gebunden (Art. 48a Abs. 1 StGB).
8.3 Der Ausgangspunkt der Strafzumessung bildet demnach der gewerbsmässige
Betrug nach Art. 146 Abs. 1 i.V.m. Abs. 2 StGB.
8.3.1 Die Beschuldigte hat über einen Zeitraum von 2006 bis Ende 2009 delinquiert
und die sich als Privatklägerschaft konstituierten Banken im Umfang von insge-
samt Fr. 325'686’196.35 geschädigt. Dies stellt ein ausserordentlich hoher De-
liktsbetrag dar, wobei zu berücksichtigen ist, dass es sich hierbei nur – aber im-
merhin – um einen Schaden im Sinne einer qualifizierten Vermögensgefährdung
handelt. Einen Teil dieses Deliktsbetrags hat die Beschuldigte zur Aufrechterhal-
tung ihres betrügerischen Systems zurückgezahlt (vgl. E. 4.4.1.2f). In Bezug auf
das Tatvorgehen ist festzuhalten, dass die Beschuldigte selbständig in ihrer
Funktion als faktische, alleinige Geschäftsführerin der I. gehandelt hat und – wie
namentlich das unter E. 3.6.4, 4.4.2 Ausgeführte manifestiert – Spiritus Rector
des ganzen Betrugskonstrukts gewesen ist. Dabei hat sie skrupellos gehandelt,
indem sie nicht nur die Bankangestellten, sondern auch ihre eigenen Mitarbei-
tenden sowie die jeweiligen Verwaltungsräte der I. manipuliert hat, um ihr Be-
trugskonstrukt so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Darüber hinaus hat sie
auch die Angestellten der beiden für das Betrugskonstrukt genutzten Versiche-
rungen für ihre eigene Zwecke missbraucht. Strafmindernd ist das Mitverschul-
den der C. (vgl. E. 4.4.2.2) zu berücksichtigen. Dieses fällt allerdings gering aus,
hat die Beschuldigte dieses doch gezielt mit ihrem komplexen Lügengebäude
(vgl. E. 4.4.2.2) ausgenutzt. Das objektive Tatverschulden ist insgesamt als sehr
schwer zu gewichten.
8.3.2 In subjektiver Hinsicht ist zu beachten, dass die Beschuldigte direkt vorsätzlich
gehandelt hat. Die Anzahl und Vielfalt der über Jahre hinweg begangenen Täu-
schungshandlungen machen die Erheblichkeit der Intensität ihres Handelns
- 153 -
SK.2020.57
deutlich. Ihr Vorgehen manifestiert aber – wie das komplexe Lügengebäude zeigt
(vgl. E. 4.4.2.2) – auch eine erhebliche kriminelle Energie. Straferhöhend fällt so-
dann ins Gewicht, dass die Beschuldigte nach anfänglichen Betrugshandlungen
einzig zum Nachteil der C. am Ende ihrer deliktischen Tätigkeiten im Jahr 2009
auch begonnen hat, drei andere Banken zu täuschen. Dies manifestiert, dass die
Beschuldigte keine Skrupel hatte, weitere Rechtsgutträger zu schädigen, um ihr
System zu perpetuieren. Die Handlungen hat sie zudem aus rein egoistischen
Motiven begangen: Sie handelte aus Profitgier und mit dem Ziel, für sich ein lu-
xuriöses Leben mit dem damit einhergehenden gesellschaftlichen Ansehen auf-
zubauen und aufrechtzuerhalten. Letzteres zeigte sich deutlich an der Hauptver-
handlung, anlässlich welcher sie den ihr im Rahmen der Misswirtschaft vorge-
worfene Einkauf von Kleidern im Betrag von über EUR 650'000.– über einen Zeit-
raum von rund 7 Jahren als «nicht übertrieben» bewertete (TPF 731.036) und
stolz erklärte, Kleider von der Designer-Boutique Akris zu tragen (TPF 731.039).
Die Handlungen wären schliesslich auch ohne Weiteres vermeidbar gewesen.
Insgesamt gewichtet das Gericht das subjektive Tatverschulden ebenfalls als
sehr schwer.
8.3.3 Das Tatverschulden ist im Ergebnis als sehr schwer zu gewichten. Die gedankli-
che Einsatzstrafe ist auf 84 Monate (7 Jahre) Freiheitsstrafe festzulegen.
8.4 Diese Strafe ist in Anwendung des Asperationsprinzips – soweit gleichartige Stra-
fen gemäss Art. 49 Abs.1 StGB auszusprechen sind – angemessen zu erhöhen.
Dabei ist in Ergänzung zum gewerbsmässigen Betrug die mehrfache Urkunden-
fälschung nach Art. 251 Ziff. 1 StGB sowie die Misswirtschaft nach
Art. 165 Ziff. 1 StGB zu bewerten.
8.4.1 Betreffend die Urkundenfälschung ist vorab anzumerken, dass die Beschuldigte
sich lediglich des Gebrauchs gefälschter Urkunden strafbar gemacht hat. Die Ur-
kunden hat sie sodann im Sinne einer Vorbereitungshandlung im Rahmen des
gewerbsmässigen Betrugs eingesetzt, sodass das Verschulden bereits teilweise
durch die für den Betrug auszusprechende Strafe abgegolten ist. Zu ihren Guns-
ten fällt zudem ins Gewicht, dass die Art der Fälschung jeweils nicht besonders
raffiniert war. Nichtsdestotrotz hat sie sich insgesamt 199 unechter und 2 unwah-
ren Urkunden und somit einer sehr hohen Anzahl von Urkunden verschiedenster
Dokumenttypen bedient, was unter Berücksichtigung der durch Art. 251 StGB
zusätzlich geschützten Rechtsgüter strafschärfend ins Gewicht fällt. In subjekti-
ver Hinsicht ist zu erwähnen, dass die Beschuldigte wie beim Betrug direkt vor-
sätzlich gehandelt hat. Die für den Gebrauch gefälschter Urkunden verwendete
kriminelle Energie ist geringer als wenn sie die Urkunden selbst hergestellt hätte.
Diese ist aber dennoch nicht unerheblich, was sich darin zeigt, dass sie gegen
- 154 -
SK.2020.57
Ende ihrer deliktischen Tätigkeit im Jahr 2009 ihr Repertoire an gefälschten Ur-
kunden namentlich um gefälschte notarielle Unterschriftenbeglaubigungen er-
weitert hat. Insofern ist eine Steigerung ihrer kriminellen Energie erkennbar. Das
Verschulden ist jeweils als mittelschwer zu qualifizieren, wobei dieses durch den
in Idealkonkurrenz begangenen Betrug bereits teilweise abgegolten ist. Nach
dem Gesagten und aufgrund des Umstandes, dass die Urkundenfälschungen in
einem engen sachlichen Zusammenhang mit dem gewerbsmässigen Betrug ste-
hen, erscheint insgesamt eine Erhöhung der Freiheitsstrafe um weitere 6 Monate
angemessen.
8.4.2 Auch hinsichtlich der Misswirtschaft ist zu erwähnen, dass das Verschulden teil-
weise bereits durch die für den gewerbsmässigen Betrug auszusprechende
Strafe abgegolten ist, wurden die Bankrotthandlungen doch weitestgehend mit
dem durch Letzteren erlangten Vermögen begangen. Strafmindernd ist zudem
zu berücksichtigen, dass die durch den Tatbestand von Art. 165 StGB geschütz-
ten Gläubiger der I. – jedenfalls in quantitativer Hinsicht – weitgehend mit den
durch den Betrug geschädigten Personen oder den hiervon finanziell profitieren-
den Personen, namentlich des beherrschenden Aktionärs und Ehemanns der
Beschuldigten, identisch sind. Die Verletzung des betroffenen Rechtsguts ist da-
her als eher leicht einzustufen, obschon die Beschuldigte über rund 7 Jahre Miss-
wirtschaft betrieben hat. In subjektiver Hinsicht kann sinngemäss auf das beim
Betrug Gesagte verwiesen werden: die Beschuldigte handelte vorsätzlich und
aus rein egoistischen Gründen (vgl. E. 8.3.2). Nach dem Gesagten und aufgrund
der teilweisen Abgeltung des Verschuldens durch den Betrug kann das Verschul-
den insgesamt als gerade noch leicht qualifiziert werden. Da auch die Misswirt-
schaft in einem engen sachlichen Konnex zum gewerbsmässigen Betrug steht,
kann dem von der Beschuldigten begangenen Unrecht einzig mit einer Freiheits-
strafe angemessen begegnet werden. Insgesamt erscheint eine Erhöhung der
Freiheitsstrafe um weitere 3 Monate angemessen.
8.5 Die hypothetische Gesamtstrafe beträgt somit 93 Monate Freiheitsstrafe.
8.6 Täterkomponente
8.6.1 Die heute 71-jährige Beschuldigte ist verheiratet; das Ehepaar ist kinderlos
(TPF 731.003). Sie machte anlässlich der Hauptverhandlung geltend, sie sei ge-
sundheitlich angeschlagen. Dies stehe im Zusammenhang mit einer Operation
betreffend ihre Bauchschlagader. Seither habe sie eine Seheinschränkung auf
30 % sowie weitere Nebenerscheinungen, die mit täglichen Schmerzen einher-
gehen. Man hoffe aber, dass diese wieder weggehen werden (TPF 731.006).
Entsprechende Arztzeugnisse oder –berichte wurden weder von ihr noch ihrem
- 155 -
SK.2020.57
Verteidiger eingereicht. In Bezug auf ihren schulischen und beruflichen Werde-
gang ist Folgendes relevant: Nach Abschluss der obligatorischen Schulen in
Deutschland absolvierte sie eine Ausbildung als medizinisch-technische Assis-
tentin. Anschliessend hat sie in Deutschland in der Praxis bei ihrem Vater, dann
bei einem Augenarzt und Orthopäden und schliesslich beim Unternehmen IIII.
als Pharmareferentin gearbeitet. In der Folge ist sie in die Schweiz ausgewan-
dert, wo sie seit rund 30 Jahren lebt, aktuell in V. (TPF 731.003). Seit etwa 1995
arbeitete sie in der I. (TPF 731.013). Die Beschuldigte und ihr Ehemann erhalten
monatlich eine AHV-Rente von insgesamt Fr. 1'109.00 (TPF 521.007 f.). Weitere
Einkünfte hat sie gemäss eigenen Aussagen nicht; sie werde aber von ihren Ge-
schwistern und Freunden finanziell unterstützt (TPF 731.003 f.). Weiter gab sie
an, mit Ausnahme des beschlagnahmten Vermögens (vgl. E. 9.1) über keine wei-
teren Vermögenswerte zu verfügen (TPF 731.004 f.). Aus den Steuerunterlagen
ergibt sich, dass die Beschuldigte zuletzt für das Jahr 2016 eine Steuererklärung
eingereicht hat; seither wird sie nach Ermessen veranlagt (TPF 231.2.004 ff.).
Gemäss der letzten rechtskräftigen Ermessensveranlagung hatten sie und ihr
Ehemann zusammen gemeinsam ein Einkommen von Fr. 13'700.– und ein Ver-
mögen von Fr. 11'911’000.– (TPF 231.2.005). Gemäss Betreibungsregisteraus-
zug sind gegen sie Betreibungen im Umfang von ca. Fr. 1.6 Millionen hängig
(TPF 231.3.002 ff.). Schliesslich ist festzuhalten, dass sie weder im Schweizeri-
schen Strafregister noch im Deutschen Zentralregister verzeichnet ist
(TPF 231.1.003 ff.).
Das relativ hohe Alter der Beschuldigten ist unter dem Aspekt der Strafempfind-
lichkeit leicht strafmindernd zu berücksichtigen (vgl. Urteil des Bundesgerichts
6B_291/2012 vom 16. Juli 2013 E. 6.3). Im Übrigen ergeben sich aus ihrem Vor-
leben und den persönlichen Verhältnissen weder belastende noch entlastende
Momente. Die Vorstrafenlosigkeit wirkt sich neutral aus (BGE 136 IV 1 E. 2.6.4).
Gleiches gilt für die vorgebrachte (nicht belegte) Gesundheitsbeeinträchtigung;
diese erscheint nicht erheblich und ist gemäss eigenen Aussagen voraussichtlich
nicht dauerhaft, sodass aufgrund dieser keine besondere, zusätzliche Strafemp-
findlichkeit zu erkennen ist.
8.6.2 In Bezug auf das Nachttatverhalten gilt Folgendes: Die Beschuldigte zeigte sich
im Strafverfahren weder geständig noch liess sie Einsicht und Reue erkennen.
Zwar wurden gegenüber der C. Rückzahlungen getätigt, dies jedoch nur zur Auf-
rechterhaltung ihres betrügerischen Systems (vgl. E. 4.4.1, 0). Diese stellen
demnach weder Einsicht oder Reue noch Wiedergutmachung dar. Gleiches gilt
für die im Februar 2010 an die I. geleistete Zahlung von Fr. 800'000.–. Mit dieser
Zahlung wurden für das vorliegende Strafverfahren nicht relevante Privatbezüge
zurückerstattet und nicht ein Schaden wiedergutgemacht (vgl. E. 0).
- 156 -
SK.2020.57
8.6.3 Die Täterkomponente gibt nach dem Gesagten Anlass zu einer Reduktion der
Freiheitsstrafe um insgesamt 3 Monate.
8.7 Strafmilderung | Strafreduktion
8.7.1 Art. 48 lit. e StGB sieht eine Strafmilderung vor, wenn das Strafbedürfnis in An-
betracht der seit der Tat verstrichenen Zeit deutlich vermindert ist und der Täter
sich in dieser Zeit wohl verhalten hat. Nach der Rechtsprechung ist dieser Milde-
rungsgrund auf jeden Fall zu beachten, wenn 2⁄3 der Verjährungsfrist verstrichen
sind (BGE 140 IV 147 E. 3.1).
Diese Voraussetzungen sind vorliegend erfüllt. Die zeitjüngsten Straftaten der
Beschuldigten liegen mehr als 11 Jahre zurück. Es sind somit rund 3⁄4 der in casu
massgeblichen 15-jährigen Verjährungsfrist verstrichen. Die Beschuldigte hat
sich in dieser Zeit nichts zu Schulden kommen lassen. Dies führt zu einer erheb-
lichen Strafreduktion.
8.7.2 Im Rahmen der Strafzumessung sind die Verfahrensdauer und deren Wirkung
auf den Beschuldigten zu berücksichtigen. Das in Art. 29 Abs. 1 BV, Art. 6 Ziff. 1
EMRK, Art. 14 Ziff. 3 lit. c UNO-Pakt II sowie in Art. 5 StPO verankerte Beschleu-
nigungsgebot verpflichtet die Behörden, das Strafverfahren während seiner ge-
samten Dauer zügig voranzutreiben. Der Beschuldigte soll nicht länger als not-
wendig den Belastungen des Strafverfahrens ausgesetzt sein. Die Beurteilung
der angemessenen Verfahrensdauer entzieht sich starren Regeln. Ob sich die
Dauer als angemessen erweist, ist in jedem Einzelfall unter Würdigung aller kon-
kreten Umstände zu prüfen (BGE 143 IV 373 E. 1.3.1). Verfahrensverzögerun-
gen oder eine überlange Verfahrensdauer können nachträglich nicht geheilt wer-
den und führen deshalb in der Regel zu einer Strafreduktion, gegebenenfalls zu
einem Verzicht auf Bestrafung oder sogar zu einer Verfahrenseinstellung
(BGE 133 IV 158 E. 8).
Zum Zeitpunkt der Urteilseröffnung liegt die Verfahrensdauer bei rund 11 1⁄2 Jah-
ren. Die lange Dauer erklärt sich zum Teil objektiv durch den aussergewöhnli-
chen Umfang des Falles mit einem Aktenbestand von ca. 1’550 Bundesordnern.
Zudem mussten Geschäftsvorgänge untersucht werden, in die zahlreiche Perso-
nen, Bankinstitute und im Ausland domizilierte Gesellschaften involviert waren.
Vielfach mussten die Beweismittel in verschiedenen Ländern auf dem (zeitauf-
wändigen) Rechtshilfeweg erhoben werden. Ferner liegt die Mitverantwortung für
die lange Dauer des Vorverfahrens auch bei der Bundesanwaltschaft: Nach ers-
ten Ermittlungshandlungen durch die Strafverfolgungsbehörden des Kantons Lu-
zern im Februar und März 2010 wurde das Verfahren am 25. März 2010 durch
die Bundesanwaltschaft übernommen. Diese hat anschliessend bis Anfang 2015
Einvernahmen mit den in die Vorgänge involvierten Personen durchgeführt bzw.
- 157 -
SK.2020.57
bei ihnen rechtshilfeweise die erforderlichen Auskünfte einholen lassen (siehe
BA Rubrik 12 f.; 18.3) sowie weitere Beweismassnahmen, namentlich Editionen
und Beschlagnahmen (siehe BA Rubrik 7 f.), angeordnet. Im April 2015 wurde
den Parteien sodann die Abschlussmitteilung nach Art. 318 StPO per Juli 2015
angekündigt (BA 16.101-0868). Aufgrund Verzögerungen bei der Erarbeitung der
Berichte der FFA wurden die Parteien im Juni 2015 darüber informiert, dass die
Abschlussmitteilung erst im Oktober 2015 versandt werden kann (BA 16.101-
0878). Per 1. Oktober 2015 wurde sodann der a.o. Staatsanwalt des Bundes als
neue Verfahrensleitung eingesetzt (BA 1.300-0001). Der Wechsel der Verfah-
rensleitung führte in der Folge zwangsläufig zu einer weiteren Verfahrensverzö-
gerung, musste sich dieser doch in das ausserordentlich umfangreiche Dossier
einarbeiten. Ab der Einsetzung des a.o. Staatsanwaltes des Bundes fanden mit
Ausnahme der Arbeiten der FFA keine wesentlichen Verfahrenshandlungen
mehr statt. Nach Erstattung der Berichte der FFA per 30. November 2017
(BA 11.103; -104) erfolgte die Abschlussmitteilung schliesslich am 19. Dezem-
ber 2017 (BA 16.101-1099). Die Verfahrenseinstellungen gegen die Mitbeschul-
digten erfolgten sodann am 30. Juli 2018 und die erste Anklageerhebung gegen
die Beschuldigte am 28. September 2018 (vgl. Prozessgeschichte Lit. J). Der
Bundesanwaltschaft kann nach dem Gesagten zwar keine eigentliche Untätigkeit
vorgeworfen werden. Es wird aber deutlich, dass bei der Bundesanwaltschaft,
namentlich innerhalb ihrer FFA, angemessene Ressourcen zur Bearbeitung des
vorliegenden Verfahrens fehlten. Das hiesige Gericht musste die Anklageschrift
sodann u.a. auch wegen eines Entscheids der Beschwerdekammer des Bun-
desstrafgerichts mehrmals zurückweisen; die endgültige Anklageschrift ging erst
am 20. November 2020 beim Gericht ein (vgl. Prozessgeschichte Lit. M). Das
Prozessverhalten der Beschuldigten hat selbst nicht wesentlich zur Verlängerung
des Verfahrens beigetragen. Der Verletzung des Beschleunigungsgebots ist
demnach mit einer erheblichen Strafminderung Rechnung zu tragen.
8.7.3 Infolge des Zeitablaufs (im Sinne von Art. 48 lit. e StGB) und der überlangen
Verfahrensdauer ist eine Reduktion der Strafe um die Hälfte angezeigt.
8.8 Unter Würdigung aller Umstände und Strafzumessungsfaktoren ist für die vorge-
nannten Delikte eine Gesamtfreiheitsstrafe von 45 Monaten schuldangemessen.
Die Strafe ist zu vollziehen (Art. 42 ff. StGB e contrario).
8.9
8.9.1 Die ausgestandene Haft von 107 Tagen (23. Februar 2010 bis 9. Juni 2010
[BA 06.001-0004; -0220]) ist auf den Vollzug der Freiheitsstrafe anzurechnen
(Art. 51 StGB).
- 158 -
SK.2020.57
8.9.2 Zusammen mit der Haftentlassung wurden mit Verfügung vom 9. Juni 2010 ge-
stützt auf Art. 53 ff. BStP (vgl. TPF 2006 313; 2008 103) Ersatzmassnahmen
(Pass- und Schriftensperre in Bezug auf sämtliche Staatsbürgerschaften der Be-
schuldigten; wöchentliche persönliche Meldepflicht) verfügt (BA 06.001-0220 ff.).
Die wöchentliche persönliche Meldepflicht wurde per 4. September 2012 in eine
wöchentliche telefonische Meldepflicht umgewandelt (BA 06.001-0289 f.) und
schliesslich mit Verfügung vom 25. September 2015 aufgehoben (BA 06.001-
0312 f.). Die am 9. Juni 2010 angeordnete Pass- und Schriftensperre bestand –
mit Unterbruch vom 4.-8. Oktober 2012 (BA 06.100-0300 f.) – bis zum Urteilszeit-
punkt ununterbrochen (BA 6.100-0312 f.) und somit für insgesamt 4'096 Tage.
Diese hat nach wie vor Gültigkeit (Art. 448 Abs. 2 StPO). Die für die vorgenannte
Dauer bestehenden Ersatzmassnahmen sind aufgrund ihrer geringen Intensität,
namentlich nach Wegfall der persönlichen Meldepflicht und aufgrund ihrer be-
schränkten Wirkung für die deutsche Staatsangehörige (vgl. Urteil des Bundes-
gerichts 1B_348/2018 vom 9. August 2018 E. 6.2.5 m.w.H.), in reduziertem Um-
fang von 5 % bzw. 205 Tagen auf den Vollzug der Freiheitsstrafe anzurechnen.
Die Pass- und Schriftensperre ist in Anbetracht der gegen die Beschuldigte aus-
gesprochenen unbedingten Freiheitsstrafe, ihrer deutschen Staatsangehörigkeit
und den nach wie vor sehr engen Beziehung zu ihren Verwandten in Deutschland
(TPF 731.003/006) einerseits sowie der mit der Pass- und Schriftensperre nur
sehr leicht einhergehenden Einschränkung für die Beschuldigte (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 1B_348/2018 vom 9. August 2018 E. 6.2.5 m.w.H.) aufrechtzu-
erhalten bzw. nicht aufzuheben (Art. 448 Abs. 2 StPO).
9. Restitution | Einziehung | Ersatzforderungen | Beschlagnahmen
9.1 Beschlagnahmte Vermögenswerte
9.1.1 Im Vorverfahren wurden Vermögenswerte im Umfang von Fr. 16'728'126.75 (ge-
mäss Schätzungen der Bundesanwaltschaft) beschlagnahmt. Neben Vermö-
genswerten der Beschuldigten wurden auch Vermögenswerte ihres Ehemannes
L., ihres Neffen M., der N. AG sowie von J. und der K. AG beschlagnahmt
(vgl. Anklageschrift S. 177; Anhang 1 der Anklageschrift). Zu prüfen ist demnach
vorab, ob diese Personen als rechtlich selbständig, mithin als unbeteiligte Dritte
i.S.v. Art. 197 Abs. 2 StPO, zu gelten haben, oder ob deren Vermögenswerte der
Beschuldigten zuzurechnen sind. Letzteres erfordert, dass die genannten «Dritt-
personen» mit der Beschuldigten wirtschaftlich identisch sind und demgemäss
die Voraussetzungen für einen strafprozessualen «Durchgriff» vorliegen oder de-
ren Vermögenswerte wirtschaftlich betrachtet im Eigentum der Beschuldigten
stehen, weil sie etwa nur durch ein Scheingeschäft an diese «Strohpersonen»
- 159 -
SK.2020.57
übertragen worden sind (BGE 140 IV 57 E. 4.1.2; Urteile des Bundesgerichts
1B_255/2018 vom 6. August 2018 E. 2.6; 1B_463/2016 vom 10. April 2017
E. 4.6).
9.1.1.1 L.
Die beschlagnahmten Vermögenswerte von L. sind der Beschuldigten zuzurech-
nen, bilden die Ehegatten vorliegend doch wirtschaftlich eine Einheit. Dies ergibt
sich nicht nur daraus, dass die beschlagnahmten Gegenstände an den gemein-
samen Wohnorten in W. und V. beschlagnahmt worden sind (vgl. Anhang 1,
Ziff. 18.1 f. der Anklageschrift), sondern auch daraus, dass die Beschuldigte –
jedenfalls teilweise – auch an den beschlagnahmten, auf L. lautenden Bankkonti
berechtigt war bzw. es sich hierbei um gemeinsame Konti handelte (vgl.
BA B07.104.006.01.E-0001 ff.). Zudem ging L. gemäss eigenen Aussagen kei-
ner Erwerbstätigkeit nach; sein Einkommen setzte sich vielmehr aus den Bezü-
gen von der G. Gruppe zusammen (BA 13.0006-0035). Im Übrigen hat L. im
Hauptverfahren auch darauf verzichtet, seine Berechtigung an den beschlag-
nahmten Gütern geltend zu machen. Die Vermögenswerte können demnach der
Beschuldigten zugerechnet werden.
9.1.1.2 N. AG
Betreffend die von der N. AG beschlagnahmten Vermögenswerte ergibt sich Fol-
gendes: Gemäss Gründungsurkunde wurde die N. AG am 17. April 2002 mit ei-
nem Aktienkapital von Fr. 100'000.– (100 Aktien zu je Fr. 1'000.–) gegründet.
Hiervon hielt die Beschuldigte 98 Aktien; die übrigen zwei Aktien wurden von
GGGG. und JJJJ. gehalten (BA B11.104.002-0308 ff.). Das Aktienkapital wurde
mit öffentlicher Urkunde vom 14. November 2002 auf Fr. 1'250'000.– (1'250 Ak-
tien zu je Fr. 1'000.–) erhöht (BA B11.104.002-0347 ff.). Dem Protokoll der auf
die Kapitalerhöhung folgenden ordentlichen Generalversammlung ist zu entneh-
men, dass L. hiervon 1'249 Aktien hielt; eine Aktie wurde treuhänderisch durch
GGGG. gehalten (BA B11.104.002-0410 ff.). Am 29. März 2004 und 7. Juli 2005
erklärte das Ehepaar A.-L. persönlich im Besitz sämtlicher Aktien der N. AG zu
sein (BA B11.104.002-0413 f.). Gleiches bestätigten sie auch in der letzten vor-
handenen Steuererklärung (TPF 231.2.019). Aus dem Gesagten ergibt sich,
dass die Vermögenswerte der N. AG im Eigentum der Beschuldigten und ihres
Ehemannes stehen. Da weder die N. AG noch L. ihre Berechtigung an den von
der N. AG beschlagnahmten Vermögenswerten geltend gemacht haben, sind
diese der Beschuldigten zuzurechnen.
- 160 -
SK.2020.57
9.1.1.3 M.
Von M. wurden Guthaben zweier auf ihn lautenden Konten bei der Bank KKKK.
AG beschlagnahmt (Guthaben im Umfang von Fr. 2'161.69 auf dem Konto
Nr. [...]; Guthaben im Umfang von Fr. 216'258.21 auf dem Konto Nr. [...]; vgl.
Anhang 1, Ziff. 18.3 der Anklageschrift). Auf Vorhalt von Zahlungsaufträgen vom
März 2010 im Umfang von Fr. 50'000.– auf erstgenanntes und von
EUR 215'000.– auf zweitgenanntes Konto (BA 12.015-0033 f.) gab M. im Vorver-
fahren an, dass zu diesem Zeitpunkt die Konti seines Onkels L. gesperrt gewesen
seien. Er habe ihm deshalb angeboten, diese Zahlungen über seine Konti laufen
zu lassen (BA 12.015-0017 Z. 29 ff.). Bei dem überwiesenen Geld habe es sich
um den Erlös aus dem Verkauf eines Schiffes gehandelt, welches seinem Onkel
bzw. wirtschaftlich der N. AG gehört habe (BA 12.015-0127 Z. 8 ff.;
-0210 Z. 15 ff.; -0211 Z. 6 ff.). Die Bank KKKK. AG habe er darüber informiert,
dass die N. AG an den Geldern wirtschaftlich berechtigt sei (BA 12.015-0017
Z. 29 ff.). Letzteres ergibt sich – jedenfalls für die Überweisung in Euro – auch
aus dem in den Akten liegenden Formular A, datiert vom 14. Mai 2010
(BA B07.106.001.01.E-0003). Im Hauptverfahren verzichtete M. auf weitere Aus-
führungen und machte namentlich auch nicht geltend, wirtschaftlich an den Kon-
ten berechtigt zu sein (TPF 720.010). Nach dem Gesagten ergibt sich, dass die
sich noch auf den Konti befindenden Guthaben von M. lediglich als «Strohmann»
gehalten wurden. Wirtschaftlich berechtigt daran ist demnach die N. AG und so-
mit letztlich die Beschuldigte (vgl. E. 9.1.1.2).
9.1.1.4 J.
Gemäss Beschlagnahmegutsliste wurde von J. das Konto Nr. [...], IBAN [...], bei
der D. Bank beschlagnahmt (vgl. Anhang 1, Ziff. 18.3 der Anklageschrift). Aus
den Bankunterlagen ergibt sich, dass das Konto auf J. lautete. Überdies wird im
entsprechenden «Formular A» bestätigt, dass J. allein an den Vermögenswerten
wirtschaftlich berechtigt ist (BA B07.102.009.01.E-0002 f.). Es bestehen keine
Anhaltspunkte an diesen Angaben zu zweifeln. Das Konto ist demnach wirt-
schaftlich J. zuzuordnen.
J. verfügte bei der D. Bank u.a. auch über das Tresorfach Nr. [...]
(BA B07.102.009.01.E-0004). In diesem Schrankfach wurden im Vorverfahren
insgesamt 4 Barren à 1'000 g Gold (AB 1, 2, 3, 4), 4 Zertifikate für Goldbarren à
1'000 g (AB 5, 6, 7, 8) sowie 1 Goldbarren à 500 g Gold mit entsprechendem
Zertifikat (AB 9) beschlagnahmt (vgl. Anhang 1, Ziff. 18.2 der Anklageschrift;
BA 08.111-0041 ff.). Letztgenannter Goldbarren à 500 g inkl. entsprechenden
Zertifikats ist wirtschaftlich J. zuordenbar, wurde dieser doch in seinem, aus-
- 161 -
SK.2020.57
schliesslich von ihm geöffneten (BA B07.102.009.01.02-0001), Tresorfach be-
schlagnahmt; Anhaltspunkte auf einen anderen wirtschaftlichen Berechtigten be-
stehen nicht. Betreffend das übrige Gold ist Folgendes relevant: Die auf den
Goldbarren à 1'000 g eingravierten Nummern korrespondieren nicht mit den ent-
sprechenden Zertifikaten. Aus den Akten ergibt sich jedoch, dass die korrespon-
dierenden Goldbarren (AB 5, 6, 7, 8) bzw. Zertifikate (AB 2, 3, 1, 4) im Schrank-
fach Nr. [...] bei der D. Bank, lautend auf die Beschuldigte, beschlagnahmt wor-
den sind (BA 10.206-0001 ff.). Gestützt auf die Bankunterlagen ergibt sich zu-
dem, dass J. am 26. Februar 2009 vom auf ihn lautenden Konto persönlich 4 kg
Gold bei der D. Bank gekauft und dieses gleichentags in seinem Schrankfach
Nr. [...] deponiert hat (BA B07.102.009.01.01-0054 f.; B07.102.009.01.02-0001;
13.004-1002). Es ist demnach davon auszugehen, dass es bei der Deponierung
der entsprechenden Zertifikate zu einer Verwechslung kam. Folglich sind J. ne-
ben dem Goldbarren à 500 g inkl. Zertifikat (AB 9) auch die 4 Barren à 1'000 g
Gold inkl. dazugehöriger Zertifikate (AB 1, 2, 3, 4) zuzuordnen. Die anderen, sich
in seinem Tresorfach befindenden Zertifikate (AB 5, 6, 7, 8) sind demgegenüber
der Beschuldigten zuzurechnen.
9.1.1.5 K. AG
Gemäss Beschlagnahmegutsliste wurden von der K. AG Grundstücke beschlag-
nahmt (vgl. Anhang 1, Ziff. 18.4 der Anklageschrift). Aus den entsprechenden
Grundbuchauszügen ergibt sich, dass die K. AG Eigentümerin dieser Grundstü-
cke ist (BA 07.302.004-0001 ff.; 07.303.003-0001 ff.). Da die Beschuldigte nicht
an der K. AG beteiligt ist (vgl. BA B08.109.029-0217 ff.), können ihr diese Grund-
stücke wirtschaftlich nicht zugeordnet werden. Die Voraussetzungen für einen
strafrechtlichen Durchgriff liegen demnach in Bezug auf diese Vermögenswerte
nicht vor.
9.1.1.6 Die antragsstellenden Banken sowie die Bundesanwaltschaft beantragten, es
seien zusätzlich zu den bereits beschlagnahmten Vermögenswerten noch die
zugunsten der Beschuldigten und ihres Ehemanns gegenüber der N. AG beste-
henden Darlehensforderungen in Höhe von insgesamt Fr. 13'164'901.– zu be-
schlagnahmen. Ausgeführt wird, dass sämtliche Darlehensauszahlungen, wel-
che die N. AG auf Rechnung der Eheleute A. und L. erhalten habe, aus deliktisch
erlangten Geldern stammten (TPF 551.066 f.; 552.008; 553.004). Wie noch auf-
gezeigt wird, kann aufgrund der Vermischung von einziehbaren und (aufgrund
Verjährung) nicht mehr einziehbaren Geldern bei der I. bzw. der Beschuldigten
nicht ausgeschlossen werden, dass die Zahlungen mit nicht mehr einziehbaren
Vermögenswerten geleistet wurden (vgl. E. 9.3.3). Eine Beschlagnahme käme
deshalb nur noch gestützt auf Art. 71 Abs. 3 StGB zur Durchsetzung von Ersatz-
forderungen in Betracht. Die Beschlagnahme der blossen Darlehensforderungen
- 162 -
SK.2020.57
wäre hierzu allerdings nicht geeignet, sind doch – soweit ersichtlich – bereits
sämtliche Vermögenswerte der Beschuldigten, ihres Ehemanns und der N. AG
beschlagnahmt. Die Anträge auf Beschlagnahme der Darlehensforderungen ist
demnach abzuweisen.
9.1.2 Nach dem Gesagten sind folgenden Personen nachstehende beschlagnahmten
Vermögenswerte zuzurechnen:
9.1.2.1 Vermögenswerte der Beschuldigten
a) Bargeld im Umfang von insgesamt Fr. 56'192.72 (vgl. Anhang 1, Ziff. 18.1 der
Anklageschrift).
b) Wertsachen im Wert von insgesamt Fr. 400'254.73 (vgl. Anhang 1, Ziff. 18.2
der Anklageschrift).
c) Bankguthaben von insgesamt Fr. 11'092'048.70 (vgl. Anhang 1, Ziff. 18.3 der
Anklageschrift).
d) Immobilien im Wert von insgesamt Fr. 1'280'000.–, eingetragen auf die N. AG
(vgl. Anhang 1, Ziff. 18.4 der Anklageschrift).
e) Guthaben der Freizügigkeitspolice bei der RRR. AG Nr. [...], lautend auf die
Beschuldigte, im Umfang von Fr. 522'349.– (vgl. Anhang 1, Ziff. 18.5 der Ankla-
geschrift).
9.1.2.2 Vermögenswerte von J.
a) 4 Barren à 1'000 g Gold (AB 1, 2, 3, 4) sowie 1 Barren à 500 g Gold (AB 9),
inkl. entsprechender Zertifikate (vgl. Anhang 1, Ziff. 18.2 der Anklageschrift).
b) Guthaben im Umfang von Fr. 1'585.40 auf dem Konto Nr. [...], IBAN [...], bei
der D. Bank AG, lautend auf J. (vgl. Anhang 1, Ziff. 18.3 der Anklageschrift).
9.1.2.3 Vermögenswerte der K. AG
a) Grundstücke Nr. [...], [...] und [...] in U., eingetragen auf die K. AG im Wert
von Fr. 1'170'000.– (vgl. Anhang 1, Ziff. 18.4 der Anklageschrift; BA 7.303-003).
b) Grundstücke Nr. [...] (74/100 comprorietà part. 387), 1/25 des Grundstücks
Nr. [...] (50/1000 comproprietà part. [...]) und 2/25 des Grundstücks Nr. [...]
(50/1000 comproprietà part. [...]) in V., eingetragen auf die K. AG im Wert von
insgesamt Fr. 950'000.– (vgl. Anhang 1, Ziff. 18.4 der Anklageschrift).
- 163 -
SK.2020.57
9.2 Rechtliches
9.2.1 Das Gericht verfügt die Einziehung von Vermögenswerten, die durch eine Straf-
tat erlangt worden sind oder dazu bestimmt waren, eine Straftat zu veranlassen
oder zu belohnen, sofern sie nicht dem Verletzten zur Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustandes ausgehändigt werden (Art. 70 Abs. 1 StGB). Die Ein-
ziehung ist ausgeschlossen, wenn ein Dritter die Vermögenswerte in Unkenntnis
der Einziehungsgründe erworben hat und soweit er für sie eine gleichwertige Ge-
genleistung erbracht hat oder die Einziehung ihm gegenüber sonst eine unver-
hältnismässige Härte darstellen würde (Art. 70 Abs. 2 StGB). Auch wenn sich der
Dritte im Einziehungsverfahren nicht auf die Unschuldsvermutung berufen kann,
hat der Staat sämtliche Voraussetzungen für eine Einziehung beim Dritten zu
beweisen. Der Dritte, der behauptet, eine gleichwertige Gegenleistung im Sinne
von Art. 70 Abs. 2 StGB erbracht zu haben, muss bei der Beweiserhebung in
zumutbarer Weise mitwirken (Urteile des Bundesgerichts 6B_334/2019 vom
28. Januar 2020 E. 4.3.4; 6B_285/2018 vom 17. Mai 2019 E. 1.4.3).
9.2.2 Die Regelung von Art. 70 Abs. 1 StGB bezieht sich in erster Linie auf direkt aus
dem Vermögen eines Geschädigten stammende, deliktisch erlangten Vermö-
genswerte (sog. Originalwerte). Eingezogen werden können nach der Rechtspre-
chung aber auch deren unechten Surrogate (in gleichartigen Wertträgern verkör-
perte Ersatzwerte) und echten Surrogate (in anderen, nicht vergleichbaren Wert-
trägern verkörperte Ersatzwerte), sofern die von den Original zu den Ersatzwer-
ten führenden Transaktionen identifiziert und dokumentiert werden können. Es
ist mithin anhand einer «Papierspur» («paper trail») nachzuweisen, dass die ein-
zuziehenden Werte an Stelle der deliktisch erlangten Originalwerte getreten sind
(BGE 126 I 97 E. 3c/cc; Urteil des Bundesgerichts 6B_180/2016 vom 28. Oktober
2016 E. 4.4.1; je mit Hinweisen). Unter den gleichen Voraussetzungen sind so-
dann zumindest unechte Surrogate restituierbar (Urteile des Bundesgerichts
1B_255/2018 vom 6. August 2018 E. 2.5; 1B_109/2016 vom 12. Oktober 2016
E. 4.7; Urteil des Bundesstrafgerichts SK.2018.73 vom 8. Oktober 2019
E. 4.3.1.1; je mit Hinweisen). Ob auch echte Surrogate restituierbar sind, wenn
sie nachweislich an die Stelle des Originalwerts getreten sind, kann offengelas-
sen werden (vgl. hierzu Urteile des Bundesgerichts 6S.709/2000 und
6S.710/2000 vom 26. Mai 2003 E. 6.3; 6S.68/2004 und 6P.119/2004 vom 9. Au-
gust 2005 E. 7.2.3; BGE 145 IV 237 E. 4.1).
Selbst wenn man für den Nachweis, dass ein bestimmter Vermögenswert den
Originalwert ersetzt hat, neben einer eigentlichen «Papierspur» auch andere Be-
weismittel zulassen will, muss das den Originalwert ablösende Surrogat als sol-
ches eindeutig bestimmbar sein; andernfalls ist auf eine Ersatzforderung in ent-
- 164 -
SK.2020.57
sprechender Höhe zu erkennen (BGE 126 I 97 E. 3c/cc; Urteil des Bundesge-
richts 6S.298/2005 vom 24. Februar 2006 E. 3.1; SCHOLL, in: Ackermann [Hrsg.],
Kommentar Kriminelles Vermögen - Kriminelle Organisationen - Band I, 2018,
Art. 70 StGB N. 234 mit Hinweisen). Auf eine Ersatzforderung ist auch zu erken-
nen, wenn der Ersatzwert bloss in einer Verminderung der Passiven beim Täter
oder Begünstigten besteht. Verwendet beispielsweise der Täter den Erlös aus
der Straftat zur Bezahlung anderweitiger Schulden, so bleiben weder der Origi-
nalwert noch ein unechtes oder echtes Surrogat übrig, sodass weder eine Ein-
ziehung noch eine Restitution möglich ist (BGE 126 I 97 E. 3c/cc).
9.2.3 Sind die der Einziehung unterliegenden Vermögenswerte nicht mehr vorhanden,
so erkennt das Gericht auf eine Ersatzforderung des Staates in gleicher Höhe,
gegenüber einem Dritten jedoch nur, soweit dies nicht nach Art. 70 Abs. 2 StGB
ausgeschlossen ist (Art. 71 Abs. 1 StGB). Das Gericht kann von einer Ersatzfor-
derung ganz oder teilweise absehen, wenn diese voraussichtlich uneinbringlich
wäre oder die Wiedereingliederung des Betroffenen ernstlich behindern würde
(Art. 71 Abs. 2 StGB).
Die Vermögenseinziehung steht wesentlich im Dienst des sozialethischen Ge-
bots, dass sich strafbares Verhalten nicht lohnen soll (BGE 139 IV 209 E. 5.3;
129 IV 322 E. 2.2.4). Durch die Festlegung einer Ersatzforderung wird verhin-
dert, dass derjenige, welcher die Vermögenswerte bereits verbraucht bezie-
hungsweise sich ihrer entledigt hat, besser gestellt wird als jener, der sie noch
hat (BGE 140 IV 57 E. 4.1.2; 123 IV 70 E. 3). Die Ersatzforderung entspricht da-
her in ihrer Höhe grundsätzlich den Vermögenswerten, die durch die strafbaren
Handlungen erlangt worden sind und somit der Vermögenseinziehung unterlä-
gen, wenn sie noch vorhanden wären. Das Gericht kann aber die Ersatzforde-
rung reduzieren, um dem Gedanken der Resozialisierung des Täters Rechnung
zu tragen. Dem Verurteilten soll nicht durch übermässige Schulden die Wieder-
eingliederung zusätzlich erheblich erschwert werden (BGE 122 IV 299 E. 3b;
119 IV 17 E. 3). Die Ersatzforderung darf allerdings erst herabgesetzt werden,
wenn bestimmte Gründe zuverlässig erkennen lassen, dass die ernsthafte Ge-
fährdung der Resozialisierung des Täters durch Zahlungserleichterungen nicht
behoben werden kann und dass für eine erfolgreiche Wiedereingliederung des
Täters die Ermässigung der Ersatzforderung unerlässlich ist (Urteile des Bundes-
gerichts 6B_236/2015 vom 30. April 2015 E. 1.4.2; 6B_538/2007 vom
2. Juni 2008 E. 6.2, nicht publ. in: BGE 134 IV 241). Unter dem Aspekt der Un-
einbringlichkeit hat die Ausfällung einer Ersatzforderung generell zu unterblei-
ben, wenn sie das Vollstreckungssubstrat des konkursiten Einziehungsbetroffe-
nen zulasten dessen Privatgläubigern schmälern würde (BAUMANN, Basler Kom-
mentar, 4. Aufl. 2019, Art. 70/71 StGB N. 66; vgl. BGE 126 I 97 E. 3d/dd).
- 165 -
SK.2020.57
9.2.4 Das Recht zur Einziehung verjährt nach 7 Jahren; ist jedoch die Verfolgung der
Straftat einer längeren Verjährungsfrist unterworfen, so findet diese Frist auch
auf die Einziehung Anwendung (Art. 70 Abs. 3 StGB). Gleiches gilt in analoger
Anwendung dieser Norm auch für die Restitution und Ersatzforderung (BAUMANN,
a.a.O., Art. 70/71 StGB N. 63). Die Verfolgungsverjährungsfrist beträgt vorlie-
gend 15 Jahre (vgl. E. 4.2). Massgebend ist somit diese längere Frist.
9.2.5 Lässt sich der Umfang der einzuziehenden Vermögenswerte nicht oder nur mit
unverhältnismässigem Aufwand ermitteln, so kann das Gericht ihn schätzen
(Art. 70 Abs. 5 StGB). Diese Bestimmung ist auch analog auf die Festsetzung
von Ersatzforderungen anwendbar (TRECHSEL/JEAN-RICHARD, Praxiskommen-
tar, 4. Aufl. 2021, Art. 70 StGB N. 17).
9.3 Restitution und Einziehung zugunsten der C.
9.3.1 Die C. beantragte, dass sämtliche beschlagnahmten Vermögenswerte ihr zu re-
stituieren seien; eventualiter seien sie einzuziehen und gemäss Art. 73 StGB zu
ihren Gunsten zu verwenden (TPF 551.029 ff.).
9.3.2 Vorab ist festzuhalten, dass es sich bei den beschlagnahmten Vermögenswerten
nicht um Originalwerte handelt. Die C. hat die der I. im Zeitraum von 11. Juli 2002
bis 12. Oktober 2009 gewährten Kredite jeweils auf ein auf die I. lautendes Konto
ausbezahlt (vgl. Anklageschrift S. 74 ff., Tabelle 3, referenzierte Akten in der
Spalte «Auszahlungssumme der SFB»). Zum Urteilszeitpunkt sind keine allfälli-
gen sich auf diesen Konti befindenden Guthaben beschlagnahmt (vgl. Anhang 1,
Ziff. 18.3 der Anklageschrift). Zu prüfen ist folglich, ob die beschlagnahmten Ver-
mögenswerte eindeutig – insbesondere anhand einer «Papierspur» – als die Ori-
ginalwerte ablösende Surrogate bestimmt werden können. Hierbei ist wie folgt zu
differenzieren:
9.3.3 Vermögenswerte der Beschuldigten
9.3.3.1 Betreffend die der Beschuldigten zurechenbaren Vermögenswerte machte die C.
als Begründung für die Restitution bzw. Einziehung zusammengefasst geltend,
dass weder die Beschuldigte noch ihr Ehemann in den Jahren 2002 bis 2009
Einkünfte erzielt hätten, die nicht von der I. oder Gesellschaften der G. Gruppe
stammten (TPF 551.050 f.). Da die genannten Gesellschaften im vorgenannten
Zeitraum aber keine reale Geschäftstätigkeit ausgeübt hätten, sondern bis Ende
Juni 2009 ausschliesslich durch die C. finanziert worden seien und sämtliche be-
schlagnahmten Vermögenswerte in der Zeit von 2002 bis Ende Juni 2009 der
Beschuldigten und ihrem Ehemann zugeflossen seien, könne es sich bei diesen
Beschlagnahmungen nur um Vermögenswerte aus dem Vermögen der C. und
somit um Surrogate der deliktisch erlangten Gelder handeln (TPF 551.062 ff.).
- 166 -
SK.2020.57
Der Nachweis des deliktischen Ursprungs der beschlagnahmten Vermögens-
werte sei somit auch ohne spezifische Erstellung des Papertrails erbracht
(TPF 551.067 ff./070).
9.3.3.2 Vorab ist festzuhalten, dass die Surrogate, welche Ersatzwerte für die aus den
verjährten (angeblichen) Delikten stammenden Originalwerte darstellen, auf-
grund eingetretener Verjährung nicht mehr restituiert und eingezogen werden
können. Die erste nicht verjährte Auszahlung der C. erfolgte gestützt auf das Fi-
nanzierungsgeschäft Nr. 43 am 10. Oktober 2006 (BA B08.106.0580-0005 f.).
Unter der Annahme, dass die Beschuldigte und ihr Ehemann tatsächlich nicht
über legales Einkommen verfügt haben, muss es sich folglich bei sämtlichen be-
schlagnahmten Vermögenswerten, die vor dem 10. Oktober 2006 erworben wor-
den sind, um Surrogate aus verjährten Delikten handeln. Diese können nicht
mehr eingezogen werden. Dies betrifft die Surrogate für die in der Zeit von
11. Juli 2002 bis 18. Juli 2006 ausbezahlten Gelder im Umfang von insgesamt
EUR 89’055’522.72 und US-Dollar 1'837'166.67 (Geschäfte Nr. 1-42 gemäss Ta-
belle 3 der Anklageschrift S. 74 ff.). Mit den aus den verjährten (angeblichen) De-
likten erhaltenen Geldern wurden bis zum 10. Oktober 2006 (inkl. Zinsen und
Spesen) die Kredite für die Geschäfte Nr. 1-20 und Nr. 33 im Gesamtbetrag von
EUR 37'149'907.56 und US-Dollar 2'000'023.92 zurückbezahlt (vgl. Anklage-
schrift S. 74 ff., Tabelle 3, referenzierte Akten in der Spalte «Finanzierungsver-
trag über nicht existierendes Geschäft»). Gemäss Analyse der FFA wurden im
Zeitraum vom 10. Juli 2002 bis 30. November 2005 – und somit mit Geldern aus
den verjährten Delikten zum Nachteil der C. – auch sämtliche vor 2002 begrün-
deten Verpflichtungen der I. im Gesamtbetrag von Fr. 9’406‘911.46 bzw. (bei ei-
nem historischen EUR/CHF Durchschnittskurs in diesem Zeitraum von 0.655040
[gemäss www.oanda.com]) von umgerechnet EUR 6'161'903.28 beglichen
(BA 11.103-00026 ff.).
Somit verbleiben rund EUR 45 Millionen, welche der I. aus den verjährten (an-
geblichen) Delikten zugeflossen sind. Selbst wenn diese tatsächlich deliktisch
erlangt worden sind, können diese infolge Verjährung nicht mehr restituiert und
eingezogen werden. Sie wurden über den Cash-Pool mit den tatsächlich delik-
tisch erlangten Geldern (aus den Geschäften Nr. 43-107) vermischt. Rein wert-
mässig kann deshalb gerade nicht ausgeschlossen werden, dass die von der
Beschuldigten beschlagnahmten Vermögenswerte im Umfang von lediglich
Fr. 13'350'845.15 (E. 9.1.2.1) mit diesen – wenn auch allenfalls deliktisch erlang-
ten, aber nicht mehr restituierbaren und einziehbaren – Geldern erworben wor-
den sind. Entgegen der Ansicht der C. kann der Nachweis des deliktischen Ur-
sprungs der beschlagnahmten Vermögenswerte deshalb im vorliegenden Fall
nicht ohne Erstellung einer Papierspur erbracht werden. In Bezug auf die einzel-
- 167 -
SK.2020.57
nen Vermögenswerte wird ein solcher «Papertrail» von der C. – mit nachfolgen-
der Ausnahme – auch nicht geltend gemacht. Ein solcher ergibt sich auch nicht
aus den vorhandenen Akten. Die beschlagnahmten Vermögenswerte können
demnach nicht eindeutig als (echte oder unechte) Surrogate der deliktisch er-
langten Gelder qualifiziert werden.
9.3.3.3 Den Nachweis mittels Papierspur machte die C. nur in Bezug auf die beschlag-
nahmten Inhaberaktien der N. AG (TPF 551.052/069) sowie die Liegenschaften
der N. AG (TPF 551.071 ff.) geltend. Soweit sie einen «Papertrail» in Bezug auf
vor dem 31. August 2006 erlangten Vermögenswerte darlegt, gehen ihre Ausfüh-
rungen von vornherein an der Sache vorbei. Selbst wenn hierfür deliktisch er-
langte Gelder verwendet worden wären, muss es sich um Vermögenswerte han-
deln, welche vor dem 31. August 2006 deliktisch erlangt worden sind. Sowohl die
Originalwerte als auch allfällige Ersatzwerte sind demnach infolge eingetretener
Verjährung nicht mehr restituierbar und einziehbar. Dies gilt für die am 11. No-
vember 2002 voll liberierten Aktien der N. AG (BA 11.101-0025 ff.; 17.205-0001),
die in den Jahren 1998-2002 bezahlte Liegenschaft in WW. (BA 11.101-0341 f.;
B07.101.001.01-0364), die spätestens im Februar 2006 vollständig bezahlte Lie-
genschaft in XX. (BA 11.101-0439 ff.; B07.101.001.01.01-0397 ff.) sowie das
spätestens im Mai 2005 vollständig bezahlte Stockwerkeigentum in V.
(BA 11.101-0345 ff.; 07.101.001.01.01-0433; -0436; -0445; -0457). Die genann-
ten Erwerbszeitpunkte werden auch von der C. als richtig anerkannt
(TPF 551.052 ff./073 ff.). Zu prüfen bleibt demnach lediglich noch, ob eine Pa-
pierspur für folgende zwei Liegenschaften erstellt werden kann:
a) Betreffend die Liegenschaft in YY. ist Folgendes relevant: Die N. AG erwarb
diese Liegenschaft mit Vertrag vom 17. Dezember 2008 zum Kaufpreis von
Fr. 2.5 Millionen von der Erbengemeinschaft LLLL. Erben (BA 11.101-0516 ff.).
Hierzu wurden am 17. Dezember 2008 ein Betrag von Fr. 200'000.– sowie am
31. Dezember 2008 ein Betrag von Fr. 2.3 Millionen vom Konto Nr. [...] der N.
AG bei der Bank S. an die Verkäufer überwiesen (BA 11.101-0292; -0226 ff.).
Die C. machte zusammengefasst geltend, dass dieses Geld ursprünglich von
zwei Überweisungen der C. an die I. vom 25. Juni 2008 und 11. Juli 2008 im
Umfang von insgesamt rund EUR 8.5 Millionen stammen würde. Dieses Geld sei
an die G. und danach mit einer Zahlung vom 14. Juli 2008 über ein Konto von
GGGG. am 21. August 2008 in reduziertem Umfang von Fr. 3.5 Millionen auf das
vorgenannte Konto der N. AG überwiesen worden (TPF 551.071 f.).
Selbst wenn der geltend gemachte «Papertrail» von den Überweisungen der C.
bis zu GGGG. als erstellt betrachtet werden könnte, fehlte es vorliegend an einer
Papierspur für die letzte Überweisung von GGGG. an die N. AG. Es trifft zwar zu,
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dass die G. am 14. Juli 2008 einen Betrag von Fr. 3.5 Millionen an GGGG. über-
wiesen hat (BA 11.101-0230) und dieser am 21. August 2008 einen Betrag von
Fr. 3.5 Millionen auf das vorgenannte Konto der N. AG überwiesen hat
(BA 11.101-0229). Jedoch ergibt sich aus den Bankunterlagen nicht, ob die bei-
den Konti von GGGG. identisch sind. Auch die Auswertungen der FFA hierzu
haben lediglich ergeben, dass es sich bei diesen zwei Konti von GGGG. um «ver-
mutlich gleiche» Konti handelt (BA 11.101-0292). Es bestehen demnach zwar
gewisse Indizien für einen «Papertrail». Mangels entsprechender Bankunterla-
gen sind die für die Liegenschaft verwendeten Kaufpreiszahlungen aber nicht
eindeutig im Sinne der Rechtsprechung als Surrogate für die von der C. ertroge-
nen Gelder bestimmbar. Die Liegenschaft in YY. ist demnach weder restituierbar
noch einziehbar.
b) In Bezug auf die Liegenschaft in WW. gilt Folgendes: Die N. AG erwarb diese
Liegenschaft mit Vertrag vom 17. Oktober 2006 zum Kaufpreis von Fr. 1.3 Milli-
onen von der Erbengemeinschaft SSSS. Erben (BA B08.114.018-0070 ff.). Der
Kaufpreis wurde am 18. Oktober 2006 vom Konto Nr. [...] der N. AG bei der Bank
S. an die Verkäufer überwiesen (BA 11.101-0206; -0290 f.). Die C. machte zu-
sammengefasst geltend, dass dieses Geld ursprünglich von einer Überweisung
der C. an die I. vom 11. Oktober 2006 (recte: 10. Oktober 2006
[BA B07.103.001.01.03-0097]) im Umfang von rund EUR 2.8 Millionen stammen
würde. Dieses Geld sei an die G. und danach mittels zwei Zahlungen vom
12. Oktober 2006 über ein Konto von GGGG. am 17. Oktober 2006 in reduzier-
tem Umfang von Fr. 1.5 Millionen auf das vorgenannte Konto der N. AG überwie-
sen worden (TPF 551.072 f.).
Selbst wenn der geltend gemachte «Papertrail» von der Überweisung der C. bis
zu GGGG. als erstellt betrachtet werden könnte, fehlte es auch hier an einer Pa-
pierspur für die letzte Überweisung von GGGG. an die N. AG. Es trifft zwar zu,
dass die G. am 12. Oktober 2006 einen Betrag von insgesamt Fr. 1.5 Millionen
an GGGG. überwiesen hat (BA 11.101-0208) und dieser am 17. Oktober 2006
einen Betrag von Fr. 1.5 Millionen auf das vorgenannte Konto der N. AG über-
wiesen hat (BA 11.101-0509). Jedoch ergibt sich aus den Bankunterlagen und
den Auswertungen der FFA (BA 11.101-0290 f.) nicht, ob die beiden Konti von
GGGG. identisch sind. Es bestehen zwar auch in diesem Fall gewisse Indizien
für einen «Papertrail». Mangels entsprechender Bankunterlagen sind die für die
Liegenschaft verwendeten Kaufpreiszahlungen aber nicht eindeutig im Sinne der
Rechtsprechung als Surrogate für die von der C. ertrogenen Gelder bestimmbar.
Auch die Liegenschaft in WW. ist demnach weder restituierbar noch einziehbar.
9.3.3.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sämtliche der Beschuldigten zurechen-
baren, beschlagnahmten Vermögenswerte nicht eindeutig als Ersatzwerte für die
- 169 -
SK.2020.57
deliktisch erlangten Gelder bestimmt werden können. Diese können demnach
weder restituiert noch eingezogen werden. Der Antrag auf Restitution, eventuali-
ter Einziehung, ist somit abzuweisen.
9.3.4 Vermögenswerte von J. und der K. AG
9.3.4.1 Die C. beantragt auch die Restitution, eventualiter die Einziehung, sämtlicher von
J. und der K. AG beschlagnahmten Vermögenswerten (TPF 551.082 ff.). Hierbei
ist zwischen den einzelnen ihnen zurechenbaren Vermögenswerten (vgl.
E. 9.1.2.2 f.) zu unterscheiden:
9.3.4.2 Das Gold wurde nachweislich am 26. Februar 2009 durch J. mit Geld aus dem
auf ihn lautenden Konto Nr. [...] zum Preis von Fr. 152'305.20 gekauft
(BA B07.102.009.01.01-0054 f.). Die C. machte zusammengefasst geltend, dass
das hierfür verwendete Geld ausschliesslich aus Kreditzahlungen der C. und aus
Rückzahlungen der Q. und daher nachweislich aus deliktisch erlangten Geldern
zum Nachteil der C. stammen würde (TPF 551.086 f.). Aus den bis zum 26. Feb-
ruar 2009 vorhandenen Bankunterlagen ergibt sich, dass lediglich die I. Zahlun-
gen auf dieses Konto getätigt hat (BA B07.102.009.01.01-0001 ff.). Sofern es
sich bei diesen Überweisungen ursprünglich um Kreditzahlungen der C. oder
Rückzahlungen der Q. gehandelt hat, müssten diese über das Konto der I. ge-
laufen sein. Wie aufgezeigt, wurden die an die I. geflossenen, deliktisch erlangten
Gelder mit den nicht mehr restituierbaren und einziehbaren Vermögenswerten
aus verjährten Delikten in der Höhe von rund EUR 45 Millionen vermischt (vgl.
E. 9.3.3.2). Unter Berücksichtigung des deutlich tiefer liegenden Wertes sämtli-
cher beschlagnahmten Vermögenswerte, kann somit nicht ausgeschlossen wer-
den, dass es sich bei dem für den Kauf des Goldes verwendeten Betrages um
Gelder aus verjährten (angeblichen) Delikten handelt. Das beschlagnahmte Gold
ist somit nicht eindeutig als Ersatzwert für deliktisch erlangte Gelder bestimmbar
und kann demnach weder restituiert noch eingezogen werden.
9.3.4.3 Hinsichtlich des sich auf dem Konto von J. bei der D. Bank befindenden Gutha-
bens machte die C. geltend, dieses sei als Surrogat zu betrachten, da das Gut-
haben ausschliesslich durch Zahlungen der I. zustande gekommen sei. Soweit
die Vermögenswerte der I. deliktisch seien, sei auch das Guthaben auf dem
Konto von J. deliktischen Ursprungs (TPF 551.087). Wie gezeigt, wurden die an
die I. geflossenen, deliktisch erlangten Gelder mit den nicht mehr restituierbaren
und einziehbaren Vermögenswerten aus verjährten (angeblichen) Delikten in der
Höhe von rund EUR 45 Millionen vermischt (vgl. E. 9.3.3.2). Unter Berücksichti-
gung des deutlich tiefer liegenden Wertes sämtlicher beschlagnahmten Vermö-
genswerte, kann somit nicht ausgeschlossen werden, dass es sich beim Gutha-
ben auf vorgenanntem Konto um Gelder aus solchen verjährten (angeblichen)
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Delikten handelt. Das Guthaben auf dem Konto Nr. [...] bei der D. Bank AG kann
demnach weder restituiert noch eingezogen werden.
9.3.4.4 Der Kaufpreis für die Grundstücke in U. in der Höhe von Fr. 1.17 Millionen wurde
von der K. AG am 1. September 2009 bezahlt (BA B07.102.014.01.01-0011). Die
C. macht zusammengefasst geltend, dass der für die Zahlung des Kaufpreises
verwendete Betrag aus Krediten der C. stammen würde, namentlich aus den
Zahlungen vom 28. Februar 2008 im Umfang von rund EUR 3.2 Millionen und
vom 6. Februar 2009 im Umfang von rund EUR 6.4 Millionen. Die C. überwies
die Kredite jeweils immer auf Konten der I. Gemäss Darstellung der C. seien die
Gelder erstens nicht in voller Höhe und zweitens nicht direkt, sondern jeweils
nach vorgängiger Überweisung an die G. und anschliessender Rücküberweisung
an die I. bzw. nach Überweisung an die Q. und J., an die K. AG geflossen
(TPF 551.084 ff.). Wie gezeigt, wurden die an die I. geflossenen, deliktisch er-
langten Gelder mit den nicht mehr restituierbaren und einziehbaren Vermögens-
werten aus verjährten Delikten in der Höhe von rund EUR 45 Millionen vermischt
(vgl. E. 9.3.3.2). Unter Berücksichtigung des deutlich tiefer liegenden Wertes
sämtlicher beschlagnahmten Vermögenswerte, kann somit nicht ausgeschlossen
werden, dass es sich beim für die Kaufpreiszahlung verwendeten Betrages um
Gelder aus solchen verjährten (angeblichen) Delikten handelt. Die Grundstücke
in U. sind somit nicht eindeutig als Ersatzwerte für deliktisch erlangte Gelder be-
stimmbar und können demnach weder restituiert noch eingezogen werden.
9.3.4.5 Betreffend die Grundstücke in V., welche von der C. fälschlicherweise als «Lie-
genschaft ZZ.» bezeichnet wird, ist Folgendes relevant: Gemäss den überein-
stimmenden Äusserungen der Parteivertreter der C. und der K. AG hat Letztere
für den Erwerb dieser Liegenschaften am 25. April 2005 von ihrem Konto bei der
D. Bank Fr. 950'000.– als Kaufpreis an die N. AG überwiesen (TPF 551.082;
626.040). Dies deckt sich mit den vorhandenen Bankunterlagen
(BA B07.102.014.01.01-0002). Selbst wenn hierfür deliktisch erlangte Gelder
verwendet worden wären, muss es sich um Vermögenswerte handeln, welche
vor dem 31. August 2006 deliktisch erlangt worden sind. Diese sowie allfällige
Ersatzwerte, in casu die Grundstücke in V., sind demnach infolge eingetretener
Verjährung nicht mehr restituierbar und einziehbar.
9.3.4.6 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Grundstücke der K. AG in V. infolge Ver-
jährung nicht mehr restituierbar und einziehbar sind. Die übrigen beschlagnahm-
ten Vermögenswerte von J. und der K. AG sind nicht eindeutig als Ersatzwerte
für deliktisch erlangte Gelder bestimmbar, weshalb auch diese weder restituiert
noch eingezogen werden können. Im Übrigen ist eine Einziehung auch aufgrund
Vorliegens der Voraussetzungen gemäss Art. 70 Abs. 2 StGB ausgeschlossen
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SK.2020.57
(vgl. hierzu E. 9.7.3). Der Antrag auf Restitution, eventualiter Einziehung, ist so-
mit abzuweisen.
9.4 Einziehung zugunsten der D. Bank
9.4.1 Die D. Bank beantragte, dass sämtliche beschlagnahmten Vermögenswerte ein-
zuziehen und gemäss Art. 73 StGB zu ihren Gunsten, gegebenenfalls unter pro-
portionaler Berücksichtigung der übrigen Privatklägerinnen, zu verwenden seien
(TPF 552.002). Sie machte geltend, dass es sich hierbei um Surrogate deliktisch
erlangter Vermögenswerte handle. Eine Begründung hierfür brachte sie nicht vor,
sondern verwies lediglich auf die Ausführungen der C. (TPF 552.009 f.).
9.4.2 Der Kreditvertrag zwischen der I. und der D. Bank, welcher die Vermögensschä-
digung zum Nachteil Letzterer ermöglichte, datiert vom 14. Juli 2009 (vgl.
E. 4.5.1.1c). Aus den Bankunterlagen ergibt sich, dass ab dem genannten Datum
Überweisungen im Umfang von insgesamt EUR 21'023'556.17 getätigt worden
sind (BA B07.102.001.01.02-0085 bis 0169). Hiervon wurden insgesamt
EUR 15'933'836.42 zur Rückzahlung von Krediten bei der C. und
EUR 1'978'075.– zur Bezahlung von Versicherungsprämien bei der P. Versiche-
rung verwendet (siehe BA B07.102.001.01.02-0085; -0088; -0090; -0093 f.;
-0095; -0110; -0112 f.; -0120; -0127; -0140; -0142 f.; -0153; -0156; -0158; -0168
[betreffend C.] bzw. BA B07.102.001.01.02-0096; -0121 f.; -0132 f.;
-0134; -0161; -0163; -0165 f. [betreffend P. Versicherung]). In diesem Umfang
wurden die deliktisch erlangten Vermögenswerte zur Bezahlung von Schulden
verbraucht, sodass weder Originalwerte noch Ersatzwerte übrig bleiben (vgl.
E. 9.2.2). Eine Einziehung wäre somit theoretisch nur für Surrogate der übrigen
deliktisch erlangten Vermögenswerte im Umfang von EUR 3'111'644.75, beste-
hend aus Bargeldbezügen sowie Überweisungen an die I., G., OOO. AG und
Drittpersonen, möglich. Inwiefern die beschlagnahmten Vermögenswerte Surro-
gate für diese ertrogenen Gelder sein sollen, wird von der D. Bank nicht dargelegt
und ergibt sich auch nicht aus den vorhandenen Akten. Soweit sie auf die Be-
gründung der C. verweist, kann auf das Ausgeführte verwiesen werden (vgl.
E. 9.3).
9.4.3 Im Ergebnis sind die beschlagnahmten Vermögenswerte demnach nicht eindeu-
tig als Surrogate für die zum Nachteil der D. Bank deliktisch erlangten Gelder
bestimmbar. Sie können daher nicht eingezogen werden. Der Antrag auf Einzie-
hung ist somit abzuweisen.
9.5 Einziehung zugunsten der Bank E.
Die Bank E. stellte keinen Antrag auf Restitution oder Einziehung. Von Amtes
wegen ist dennoch festzuhalten, dass die zu ihren Lasten deliktisch erlangten
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SK.2020.57
Vermögenswerte am 4. November 2009 vollständig zur Begleichung von fälligen
Verpflichtungen verbraucht worden sind (BA 05.104-0058 f.; B07.105.001.01.02-
0001; vgl. E. 4.6). Die deliktisch erlangten Vermögenswerte sowie allfällige Er-
satzwerte bestehen demnach nicht mehr. Eine Einziehung kommt somit nicht in
Betracht (vgl. E. 9.2.2).
9.6 Einziehung zugunsten der Bank F.
9.6.1 Die Bank F. beantragte, dass sämtliche beschlagnahmten Vermögenswerte ein-
zuziehen und gemäss Art. 73 StGB zu ihren Gunsten, gegebenenfalls unter pro-
portionaler Berücksichtigung der übrigen Privatklägerinnen, zu verwenden seien
(TPF 553.002). Hinsichtlich der Begründung verwies sie auf die Ausführungen
der C. (TPF 553.004 f.).
9.6.2 Aus den Akten ergibt sich, dass die zu ihrem Nachteil deliktisch erlangten Ver-
mögenswerte am 30. Dezember 2009 vollständig zur Begleichung von fälligen
Verpflichtungen verbraucht worden sind (BA B05.105-0168 f.). Die deliktisch er-
langten Vermögenswerte sowie allfällige Ersatzwerte bestehen demnach nicht
mehr. Eine Einziehung kommt somit nicht in Betracht (vgl. E. 9.2.2). Der Antrag
auf Einziehung ist demnach abzuweisen.
9.7 Ersatzforderungen
9.7.1 Höhe der Ersatzforderung
9.7.1.1 Die der Einziehung unterliegenden Vermögenswerte sind, wie aufgezeigt wurde
(vgl. E. 9.3.2), nicht mehr vorhanden. Es ist deshalb auf eine Ersatzforderung
des Staates zu erkennen. Die Höhe der Ersatzforderung entspricht dem Betrag
der nicht mehr vorhandenen, deliktisch erlangten und einziehbaren Vermögens-
werten (Art. 71 Abs. 1 StGB). Vorliegend setzt sich dieser aus den zum Nachteil
der Banken ausbezahlten Geldern zusammen:
9.7.1.2 Die C. hat nach Berücksichtigung der verjährten (angeblichen) Delikte und der
zurückbezahlten Kredite der I. bei Anwendung des jeweils effektiv angewendeten
Umrechnungskurses einen Betrag von insgesamt umgerech-
net Fr. 194'544'481.76 ausbezahlt (Geschäfte Nr. 69-107; vgl. die auf S. 88 ff.
der Anklageschrift referenzierten Beweise; TPF 551.175).
9.7.1.3 Betreffend die von der D. Bank ausbezahlten Gelder ist relevant, dass das ent-
sprechende Bankkonto bereits vor Abschluss des Kreditvertrags einen Negativ-
saldo von EUR 2'351’886.23 aufwies (BA B07.102.001.01.02-0081). Ab Ver-
tragsabschluss, d.h. ab dem 14. Juli 2009, wurden anschliessend bis zur Saldie-
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SK.2020.57
rung des Kontos Ende 2009 insgesamt EUR 21'023'556.17 vom Konto ausbe-
zahlt und EUR 13'968'963.52 dem Konto gutgeschrieben (BA B07.102.001.01.
02-0084 bis 0169). Abzüglich der Gutschriften wurden also tatsächlich
EUR 7'054'592.65 bzw. (bei Anwendung des EUR/CHF Jahresmittelkurses 2009
von 1.510071 [Jahresmittelkurs gemäss Eidgenössischer Steuerverwaltung; ab-
rufbar unter <https://www.estv.admin.ch/dam/estv/de/dokumente/wpe/Jahres-
mittelkurse/Jahresmittelkurse2009.pdf.download.pdf/Kurse2009d.pdf>]) umge-
rechnet Fr. 10'652'935.80 ausbezahlt. Diese Gelder wären, sofern noch vorhan-
den, einziehbar gewesen und sind somit für die Berechnung der Höhe der Er-
satzforderung von Bedeutung. Für die Ersatzforderung nicht relevant ist hinge-
gen der bereits vor Abschluss des Kreditvertrags bestehende Negativsaldo, ent-
stand dieser doch vor den angeklagten Täuschungshandlungen. Ebenfalls nicht
relevant sind die dem Konto belasteten Kontogebühren: Diese können zwar zi-
vilrechtlich für die Schadensbestimmung von Bedeutung sein. Sie sind der Be-
schuldigten aber nie zugeflossen und demnach nicht im Sinne von Art. 70
Abs. 1 StGB durch eine Straftat erlangt worden.
9.7.1.4 Hinzu kommen die von der Bank E. und der Bank F. ausbezahlten Beträge von
Fr. 6‘770‘176.– (vgl. E. 4.6) bzw. Fr. 4‘500‘000.– (vgl. E. 4.7).
9.7.1.5 Insgesamt kann somit auf eine Ersatzforderung in der Höhe von maximal
Fr. 216'467'593.54 zugunsten der Eidgenossenschaft erkannt werden. Zu prüfen
bleibt, zulasten welcher Personen diese auszufällen ist. Von einem Teil der Par-
teien wurde beantragt, nicht nur zulasten der Beschuldigten, sondern teilweise
auch zulasten von Drittpersonen auf eine Ersatzforderung zu erkennen (vgl. zu
den Anträgen vorne vor der Prozessgeschichte).
9.7.2 Ersatzforderung zulasten der G.
Die C. und die Bank F. machten geltend, es sei auf eine Ersatzforderung zulasten
der G. zu erkennen, da an diese deliktisch erlangte Gelder weitergeleitet worden
seien (TPF 551.097; 553.005 f.). Selbst wenn dies zutreffen würde, erscheint es
vorliegend nicht angezeigt, zulasten der G. auf eine Ersatzforderung zu erken-
nen. Mit Entscheid des Amtsgerichtspräsidenten III von Luzern-Stadt vom
22. September 2010 wurde über die G. der Konkurs eröffnet (BA B11.104.001-
0280). Im Konkursverfahren wurden gemäss Kollokationsplan Forderungen im
Umfang von insgesamt Fr. 138'739'470.17 zugelassen (BA 15.900-0017 ff.). Ge-
mäss Inventar bestehen lediglich Vermögenswerte in der Gesamtschätzungs-
summe von Fr. 26'034'843.07 (BA 15.900-0031 ff.). Dies zeigt, dass die G. illi-
quid und eine Ersatzforderung demnach voraussichtlich uneinbringlich ist. Zu-
dem würde eine solche das Vollstreckungssubstrat zulasten der Privatgläubiger
zusätzlich schmälern, weshalb vorliegend gestützt auf Art. 71 Abs. 2 StGB auf
- 174 -
SK.2020.57
die Begründung einer Ersatzforderung zulasten der G. verzichtet wird. Die ent-
sprechenden Anträge sind demnach abzuweisen.
9.7.3 Ersatzforderung zulasten J. und der K. AG
9.7.3.1 Die sich als Privatklägerschaft konstituierten und antragsstellenden Banken
machten geltend, es sei auf eine Ersatzforderung zulasten J. und der K. AG zu
erkennen, da an diese deliktisch erlangte Gelder weitergeleitet worden seien
(TPF 551.101 f.; 552.013 f.; 553.002 f.). Als Begründung hierfür führte die C. zu-
sammengefasst aus, dass von Konten der G. und der I. insgesamt
EUR 2'128'792.– an die K. AG überwiesen worden seien; hiervon Fr. 2'583'218.–
(bzw. EUR 1'672'375.–) auf Rechnung von J. Da sich J. und die K. AG mangels
erbrachter Gegenleistung nicht auf das Drittenprivileg berufen könnten, sei in die-
ser Höhe auf eine Ersatzforderung zu erkennen (TPF 551.087 ff./101). Die übri-
gen antragsstellenden Banken verwiesen mehrheitlich auf die Begründung der
C. (TPF 552.013 f.; 553.002 f.).
Dem hielt die Rechtsvertreterin von J. und der K. AG u.a. entgegen, dass es sich
bei den an die K. AG geleisteten Zahlungen namentlich um Entgelt für den Ver-
kauf der Q. an die G. handle und er sich deshalb auf das Drittenprivileg nach
Art. 70 Abs. 2 StGB berufen könne. Im schriftlichen Kaufvertrag sei zwar lediglich
ein Kaufpreis in der Höhe von EUR 10'000.– vereinbart worden. Es sei jedoch
mündlich vereinbart worden, dass die G. den wahren Unternehmenswert der Q.
von EUR 4 Millionen erst in den Folgejahren, entsprechend dem sich realisieren-
den Erfolg der Q., sukzessive vergüten werde. Solche Zahlungen seien gemäss
ergänzender Vereinbarung an die von J. beherrschte K. AG erfolgt (TPF 626.024
ff.).
9.7.3.2 Gemäss Analyse der FFA haben die G. und die I. im Zeitraum von Februar 2002
bis März 2010 insgesamt EUR 2'128'792.– an die K. AG überwiesen; hiervon
Fr. 2'583'218.– auf Rechnung von J. (vgl. BA 11.104-0232; B11.104.001-
0259 ff.). Sofern Zahlungen nach dem für die Verjährung relevanten 30. Au-
gust 2006 geleistet worden sind, kann aufgrund der Vermischung von nicht mehr
einziehbaren Geldern mit deliktisch erlangten Vermögenswerten bei der I. und G.
(vgl. E. 9.3.3.2) nicht nachgewiesen werden, dass es sich bei den überwiesenen
Beträgen um deliktisch erlangte Vermögenswerte handelte. Aufgrund deren
Höhe könnten nämlich auch diese mit nicht mehr einziehbaren Geldern aus ver-
jährten (angeblichen) Delikten bezahlt worden sein. Doch selbst wenn es sich
hierbei um deliktisch erlangte Gelder handeln würde, haben J. und die K. AG
nachvollziehbar dargelegt, dass sie für die empfangenen Vermögenswerte eine
gleichwertige Gegenleistung erbracht haben. Die Gegenleistung bestand im Ver-
kauf der Q. Gemäss dem von Dr. MMMM. erstellten Privatgutachten hatte die Q.
- 175 -
SK.2020.57
per 31. Dezember 2006 einen Unternehmenswert von EUR 5'988'785.–
(TPF 626.085 ff./108); diese Bewertung blieb im Hauptverfahren unbestritten.
Die Analyse der FFA ergab sodann, dass die Q. in den Jahren 2002 bis 2009
einen Umsatz von insgesamt EUR 70'831'000.– erzielte (BA 11.104-0343 ff.),
was die Unternehmensbewertung indirekt stützt. Bereits unter Berücksichtigung
dieser Umstände erscheint es glaubhaft, dass J. die Q. – entgegen dem schriftli-
chen Vertrag vom 15. Dezember 2003 (BA B08.106.0481-0065 ff.) – nicht ledig-
lich zum Preis von EUR 10'000.– an die G. verkauft hat. Aufgrund der vorhande-
nen Aktenlage kann demnach nicht ausgeschlossen werden, dass es sich bei
den an J. und die K. AG geleisteten Zahlungen, welche den Unternehmenswert
der Q. bei weitem nicht erreichen, um sukzessive Kaufpreiszahlungen handelte;
Gegenteiliges kann ihnen nicht nachgewiesen werden. Dass solche Zahlungen
nicht schriftlich vereinbart worden sind, erscheint aufgrund der langjährigen Ge-
schäftsbeziehung zwischen J. und dem Ehepaar A.-L. (vgl. BA B16.401.02-0108
f.; B08.106.0467-0006 f. [Arbeitsverträge vom 1. Oktober 1999 und 1. Ja-
nuar 2004]; TPF 763.003) bzw. dem damit einhergehenden Vertrauensverhältnis
nicht unplausibel. Da J. und die K. AG die Gelder zudem unbestrittenermassen
in Unkenntnis der deliktischen Herkunft erworben haben, was sich namentlich
aus den diesbezüglichen Erwägungen der Einstellungsverfügung der Bundesan-
waltschaft vom 30. Juli 2018 ergibt (BA 03.003-0001 ff.), können sich beide auf
das Drittenprivileg gemäss Art. 71 Abs. 1 i.V.m. Art. 70 Abs. 2 StGB berufen. Zu
ihren Lasten kann demnach nicht auf eine Ersatzforderung erkannt werden. Die
entsprechenden Anträge sind abzuweisen.
9.7.4 Ersatzforderung zulasten der O. Versicherung und P. Versicherung
9.7.4.1 Die C. beantragte, es sei zulasten der O. Versicherung und der P. Versicherung
auf eine Ersatzforderung im Umfang, in welchem die I. an diese Versicherungs-
prämien geleistet habe, zu erkennen. Solche Versicherungsprämien seien mit
deliktisch erlangten Geldern der C. bezahlt worden. Es sei zwar unbestritten,
dass die Versicherungsgesellschaften die Gelder in Unkenntnis der betrügeri-
schen Machenschaften entgegengenommen hätten; sie hätten hierfür aber keine
gleichwertige Gegenleistung erbracht. Letzteres begründete die C. zusammen-
gefasst wie folgt: Bei den zwischen der I. und den Versicherungsgesellschaften
abgeschlossenen Verträgen handle es sich um Versicherungsverträge im Sinne
des VVG. Bei solchen Verträgen bestehe die Gegenleistung des Versicherers
nicht direkt im Erbringen einer Leistung, sondern in der Übernahme eines Risi-
kos, d.h. im Eingehen einer bedingten rechtlichen Verpflichtung, nämlich derjeni-
gen im Versicherungsfall eine Geldleistung zu erbringen. Da vorliegend mit den
entsprechenden Verträgen fiktive Forderungen aus angeblichen Maschinenver-
käufen der I. abgesichert worden seien, hätten die genannten Versicherungsge-
sellschaften objektiv unmöglich in die Lage geraten können, gegenüber der I. für
- 176 -
SK.2020.57
uneinbringliche Forderungen aus den Kaufverträgen oder für Fabrikationskosten
einstehen zu müssen. Es liegt daher ein Anwendungsfall der objektiven anfäng-
lichen Unmöglichkeit gemäss Art. 20 Abs. 1 OR vor, sodass die Verträge von
Anfang an (ex tunc) nichtig seien. Infolge Nichtigkeit fehle es ohne weiteres an
einer Gegenleistung i.S.v. Art. 70 StGB der Versicherungsgesellschaften gegen-
über der I., entstand für diese doch nie eine Verpflichtung, im Falle des Eintritts
des versicherten Ereignisses zu leisten bzw. Versicherungsschutz zu gewähr-
leisten (TPF 721.108 ff.).
9.7.4.2 Unbestritten ist, dass die Versicherungsgesellschaften die ihnen zugeflossenen
Gelder in Unkenntnis der Einziehungsgründe erworben haben. Zu prüfen bleibt
daher lediglich, ob sie eine gleichwertige Gegenleistung für die erhaltenen Ver-
mögenswerte erbracht haben. Mit dieser Frage hat sich das Bundesgericht be-
treffend das Verhältnis zwischen der I. und der P. Versicherung – wenn auch aus
der Perspektive des Zwangsvollstreckungsrechts – bereits auseinandergesetzt:
Die C. und weitere Kläger erhoben gegen die P. Versicherung vor Bezirksgericht
Luzern eine paulianische Anfechtungsklage, welche letztlich zum Erlass des Ur-
teils des Bundesgerichts 5A_843/2015 vom 6. Februar 2017 (publ. als BGE 143
III 167) führte. In diesem Verfahren stellte sich u.a. die Frage, ob die Prämien-
zahlungen unentgeltliche Verfügungen gemäss Art. 286 Abs. 1 SchKG darstel-
len. Hierzu führte das Bundesgericht zusammengefasst Folgendes aus: «Mit der
Zahlung der [I.] für die Versicherungsprämien wurde über ihr Vermögen verfügt.
Diese Geldzahlung kann nicht als unentgeltlich im Sinne der massgebenden Be-
stimmung bezeichnet werden. Ein Versicherungsvertrag und die Versicherungs-
prämien sind für die Versicherungsgesellschaft keine Freigebigkeit (Liberalität),
da der Vertrag entgeltlich ist, der Umfang der sich gegenüberstehenden Leistun-
gen feststeht und die Versicherungsprämien zur Erfüllung der Verbindlichkeit aus
dem Vertrag geleistet werden [...]. Der Umstand, dass die kreditversicherten For-
derungen der [I.] gegenüber den Kunden, wie sich später herausgestellt hat, an-
geblich nicht bestanden haben, vermag nichts daran zu ändern, dass die [P. Ver-
sicherung] für die bezahlten Versicherungsprämien zugunsten der [I.] objektiv
eine Gegenleistung – das Versprechen der Geldleistung im Versicherungsfall
bzw. die Risikoübernahme für Kreditausfall – vorgesehen hat. Die Prämienzah-
lung ist anfechtungs- bzw. zwangsvollstreckungsrechtlich unbedenklich. [...]»
(E. 3.4.2 des genannten Urteils).
Diese Ausführungen sind – wie die Drittbetroffenen zu Recht geltend machen
(TPF 721.211 ff.; 721.240 ff.) – mutatis mutandis auch auf den vorliegenden Fall
anwendbar: Die jeweilige Gegenleistung der Versicherungsgesellschaften be-
standen demnach im «Versprechen der Geldleistung im Versicherungsfall», was
von der C. auch nicht bestritten wird. Dieses Versprechen wird typischerweise –
wie es auch vorliegend der Fall war (zu den Versicherungsverträgen vgl.
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SK.2020.57
E. 4.4.1.1 f.) – bei Abschluss des Versicherungsvertrags abgegeben. Die Versi-
cherer haben ihre Gegenleistung – das Versprechen zur Leistung im Versiche-
rungsfall – demnach bereits mit Abschluss der entsprechenden Verträge er-
bracht. Entgegen dem Vorbringen der C. (TPF 721.117) wurde die Gegenleistung
demnach nicht bloss «vorgesehen», sondern auch tatsächlich im Sinne von
Art. 70 Abs. 2 StGB erbracht. Dass die Versicherungsgesellschaften letztlich
nicht leistungspflichtig wurden bzw. werden konnten, ist nicht relevant: Das Ver-
sprechen der Versicherer als bedingte Gegenleistung hängt naturgemäss vom
Eintritt des Versicherungsfalles ab. Das ändert aber nichts daran, dass das Ver-
sprechen faktisch (mit den damit einhergehenden administrativen und finanziel-
len Aufwänden) sowie im Zeitpunkt des Vertragsabschlusses im Übrigen auch
rechtlich bindend abgegeben worden ist. Letzteres ergibt sich daraus, dass die
Versicherungsverträge – entgegen dem Vorbringen der C. – selbst bei Annahme
von Nichtigkeit erst nachträglich, d.h. als faktische Vertragsverhältnisse, auf de-
ren Bestand Dritte vertraut haben, mit Wirkung ex nunc dahinfallen würden (vgl.
das genannte Urteil des Bundesgerichts 5A_843/2015 vom 6. Februar 2017
E. 3.3.3 mit Hinweis auf BGE 140 III 115 E. 6.4.2 und FUHRER, Schweizerisches
Privatversicherungsrecht, 2011, Rz. 5.30). Nach dem Gesagten haben sowohl
die O. Versicherung als auch die P. Versicherung für die von der I. empfangenen
Geldleistungen eine gleichwertige Gegenleistung gemäss Art. 70 Abs. 2 StGB
erbracht. Es kann demnach – selbst wenn es sich bei den erhaltenen Vermö-
genswerten um deliktisch erlangte Gelder handeln würde – nicht auf eine Ersatz-
forderung zu ihren Lasten erkannt werden. Die Anträge sind abzuweisen.
9.7.5 Ersatzforderung zulasten der C.
Die D. Bank beantragte, es sei auf eine Ersatzforderung zulasten der C. zu er-
kennen, falls dieser die beschlagnahmten Vermögenswerte ganz oder teilweise
nach Massgabe von Art. 70 Abs. 1 in fine StGB ausschliesslich zugewiesen oder
gemäss Art. 73 StGB zu ihren Gunsten verwendet werden sollten. Da eine sol-
che Zuweisung oder Verwendung vorliegend nicht erfolgt (vgl. E. 9.3), ist der An-
trag als gegenstandslos abzuschreiben. Es ist auch nicht von Amtes wegen auf
eine Ersatzforderung zulasten der C. zu erkennen. Es trifft zwar zu, dass – wie
die D. Bank geltend machte (TPF 552.012 f.) – mit den zu ihrem Nachteil erlang-
ten Geldern teilweise Rückzahlungen an die C. getätigt worden sind (vgl.
E. 9.4.2). Es ist aber unbestritten, dass die C. die Vermögenswerte in Unkenntnis
der Einziehungsgründe erworben hat. Überdies handelte es sich bei den an sie
gerichteten Beträgen um Rückzahlungen von gewährten Krediten. Sie hat dem-
nach auch eine gleichwertige Gegenleistung erbracht.
- 178 -
SK.2020.57
9.7.6 Ersatzforderung zulasten L. und der N. AG
9.7.6.1 Die sich als Privatklägerschaft konstituierten und antragsstellenden Banken
machten geltend, es sei auf eine Ersatzforderung zulasten L. und der N. AG zu
erkennen. Als Begründung führte die C. zusammengefasst aus, dass gemäss
Mittelflussanalyse der FFA zwischen dem 1. Januar 2002 bis 31. März 2010 an
L. insgesamt (direkt und indirekt als Zahlungen an die N. AG) rund
EUR 8'188'605.– über die Bankverbindungen der I. und der G. geflossen seien;
die übrigen Banken schlossen sich dieser Begründung im Wesentlichen an (TPF
551.098 ff.; 552.013 f.; 553.005 f.).
9.7.6.2 Aus den Akten ergibt sich, dass im vorgenannten Zeitraum insgesamt
EUR 7'994'385.– bzw. umgerechnet Fr. 11'885'054.85 über die Bankverbindun-
gen der I. und der G. an L. bzw. die N. AG geflossen sind (BA 11.104-0275 ff.;
B11.104.003-0011). Entgegen dem Vorbringen der C. (TPF 551.099) ist jedoch
nicht erstellt, dass die G. L. ein Darlehen von EUR 194'220.– bzw. Fr. 300'000.–
gewährte. Ein solches wird zwar in der Mittelflussanalyse der FFA erwähnt
(BA 11.104-0275; B11.104.003-0011); diese Hypothese wird aber nicht mit Be-
weisen unterlegt. Deshalb ist in tatsächlicher Hinsicht nicht erstellt, ob und – falls
ja – zu welchem Zeitpunkt eine solche Darlehensgewährung stattgefunden hat.
9.7.6.3 Soweit es sich bei den vorgenannten Zahlungen um Transaktionen vor dem
31. August 2006 handelt, sind die damit übertragenen Vermögenswerte infolge
Verjährung nicht mehr einziehbar. Folglich kann in deren Höhe auch keine Er-
satzforderung begründet werden. Nachfolgend ist auf die verbleibenden Zahlun-
gen einzugehen, wobei zwischen den direkt an L. und den an die N. AG geleis-
teten Zahlungen zu unterscheiden ist.
a) An L. direkt wurde ab dem 31. August 2006 lediglich eine Zahlung getätigt:
Hierbei handelt es sich um die Zahlung vom Konto der G. vom 10. Septem-
ber 2009 in der Höhe von Fr. 200'000.– (BA 11.104-0299 f.; B07.102.002.01.02-
0025; B07.102.008.01.01-0087). Aus der Mittelflussanalyse der FFA ergibt sich,
dass die G. zu 79.06 % durch die I. finanziert worden ist (BA 11.104-0105), wel-
che wiederum zu mindestens 88.71 % aus deliktisch erlangten Geldern der sich
als Privatklägerschaft konstituierten Banken finanziert worden ist (BA 11.104-
0066). Soweit also Zahlungen von der G. geleistet wurden, waren diese schät-
zungsweise (Art. 70 Abs. 5 StGB analog) zu mindestens 70 % kontaminiert.
Dass L. für diese Zahlung eine gleichwertige Gegenleistung erbracht hätte oder
die Begründung einer Ersatzforderung eine unverhältnismässige Härte darstellen
würde, wird weder geltend gemacht (vgl. BA 12.001-0001 ff.; 13.006-0001 ff.)
noch ergibt sich dies aus den Akten (BA 11.104-0299). Aufgrund der Höhe der
ihm über die Jahre insgesamt zugeflossenen Vermögenswerte besteht auch kein
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SK.2020.57
Raum, um gestützt auf Art. 71 Abs. 2 StGB von einer Ersatzforderung abzuse-
hen. Demnach ist zulasten von L. auf eine Ersatzforderung von Fr. 140'000.– zu
erkennen.
b) Im relevanten Zeitraum wurden insgesamt fünf Zahlungen an die N. AG getä-
tigt: Am 25. Juli 2007 sowie am 11. Januar 2008 überwies die G. insgesamt
Fr. 3'000'000.– direkt an die N. AG (BA 11.104-0284 f.; B07.103.002.01.01-
0005/0010; B07.101.001.01.01-0040/0046/0077). Die mit diesen Transaktionen
überwiesenen Vermögenswerte stammen zu 100 % aus dem zum Nachteil der
C. begangenen Delikten (BA 11.104-0285 f.; -0839; -0931; -0949). Sodann über-
wies die G. am 13. Oktober 2006 sowie am 14. Juli 2008 mit insgesamt drei Zah-
lungen insgesamt Fr. 5'000'000.– an GGGG. (BA 11.104-0293 f.;
B07.103.002.01.01-0044/0015; B08.106.0779-0076/0079; B08.106.0384-0016),
welcher diese jedenfalls betragsmässig am 17. Oktober 2006 und am 21. Au-
gust 2008 in gleicher Höhe an die N. AG weiterleitete (BA 11.104-0293 f.;
B07.101.001.01.01-0136/0142/0409/0485). Diese Zahlungen der G. sind ge-
mäss Mittelflussanalyse der FFA zu mindestens 70 % kontaminiert (vgl. vorne,
lit. a). Dass die N. AG für diese Zahlung eine gleichwertige Gegenleistung er-
bracht hätte oder die Begründung einer Ersatzforderung eine unverhältnismäs-
sige Härte darstellen würde, wird vom wirtschaftlich Berechtigten L. weder gel-
tend gemacht (vgl. BA 12.001-0001 ff.; 13.006-0001 ff.) noch ergibt sich dies aus
den Akten (BA 11.104-0284 f.; -0285 f.). Vielmehr gab die Beschuldigte an, die
N. AG sei gar nicht in die Geschäfte der G. involviert gewesen und hätte hiermit
nichts zu tun (BA 13.001-0121). Aufgrund der Höhe der an die N. AG über die
Jahre insgesamt zugeflossenen Vermögenswerte besteht auch kein Raum, um
gestützt auf Art. 71 Abs. 2 StGB von einer Ersatzforderung abzusehen. Demnach
ist zulasten der N. AG auf eine Ersatzforderung von Fr. 6’500'000.– zu erkennen.
9.7.7 Ersatzforderung zulasten der Beschuldigten A.
Wie vorne erwähnt, kann insgesamt auf eine Ersatzforderung in der Höhe von
Fr. 216'467'593.54 zugunsten der Eidgenossenschaft erkannt werden (vgl.
E. 9.7.1). Es trifft zwar zu, dass Vermögenswerte in dieser Höhe durch die betrü-
gerischen Handlungen der Beschuldigten erlangt worden sind. Wie aufgezeigt,
wurden hiervon aber nachweislich Fr. 6'640'000.– an Dritte (L. und N. AG) wei-
tergeleitet und es ist ihnen gegenüber auch auf eine Ersatzforderung im genann-
ten Betrag zu erkennen (vgl. E. 0). Dieser Betrag ist bei der Berechnung der Er-
satzforderung gegenüber der Beschuldigten in Abzug zu bringen, sodass nicht
auf eine den deliktisch erlangten Betrag überschreitende Ersatzforderung er-
kannt wird (vgl. hierzu SCHOLL, in: Ackermann [Hrsg.], Kommentar Kriminelles
Vermögen – Kriminelle Organisationen: Einziehung, Kriminelle Organisationen,
Finanzierung des Terrorismus, Geldwäscherei, Bd. I, 2018, § 5, Art. 71 StGB
- 180 -
SK.2020.57
N. 129; BAUMANN, a.a.O., Art. 70/71 StGB N. 68). Unter Berücksichtigung von
Währungs- und Rundungsdifferenzen ist demnach im Restbetrag von
Fr. 209'827'590.– eine Ersatzforderung zulasten der Beschuldigten zugunsten
der Eidgenossenschaft zu begründen.
Angesichts der von der Beschuldigten dargelegten Einkommens- und Vermö-
genslage (vgl. E. 8.6) handelt es sich zwar um eine ausserordentlich hohe Er-
satzforderung. Die Beschuldigte wurde aber für den von ihr begangenen ge-
werbsmässigen Betrug bisher – mit Ausnahme der mit diesem Urteil gutgeheis-
senen Zivilklage der Bank F. in der Höhe von Fr. 4.5 Millionen zzgl. Zinsen (vgl.
E. 10.5) sowie dem bei den Zürcher Behörden hängigen zivilrechtlichen Verfah-
ren betreffend Schadenersatz von rund Fr. 6.5 Millionen (TPF 551.106 ff.) – zivil-
rechtlich nicht belangt. Bereits deshalb erschiene es daher nicht gerechtfertigt,
gestützt auf Art. 71 Abs. 2 StGB ganz oder teilweise von einer Ersatzforderung
abzusehen. Dies umso mehr als die Beschuldigte sich auf skrupellose Weise mit
dem deliktisch erlangten Geld über viele Jahre hinweg ein luxuriöses Leben fi-
nanziert hat (vgl. E. 8.3.2). Im Übrigen ist die Beschuldigte weder unterstützungs-
noch unterhaltspflichtig (vgl. E. 8.6). Die Ersatzforderung wirkt sich somit effektiv
nur zu ihren Lasten sowie allenfalls zulasten ihres – finanziell ebenfalls vom Be-
trug profitierenden – Ehemanns aus. Im Übrigen werden die von der Beschuldig-
ten beschlagnahmten Vermögenswerte teilweise zur Deckung der Ersatzforde-
rung verwendet (vgl. sogleich E. 9.9.2.2). Insgesamt bleibt daher kein Raum für
die Anwendung von Art. 71 Abs. 2 StGB. Den entstehenden Zahlungsschwierig-
keiten wird vielmehr mit Zahlungserleichterungen zu begegnen sein.
9.8 Verwendung der Ersatzforderung zu Gunsten der Geschädigten
9.8.1 Die C., die D. Bank und die Bank F. beantragten, dass ihnen die Ersatzforderun-
gen gemäss Art. 73 StGB zuzusprechen seien (vgl. zu den Anträgen vorne vor
der Prozessgeschichte).
9.8.2 Erleidet jemand durch ein Verbrechen oder ein Vergehen einen Schaden, der
nicht durch eine Versicherung gedeckt ist, und ist anzunehmen, dass der Täter
den Schaden nicht ersetzen oder eine Genugtuung nicht leisten wird, so spricht
das Gericht dem Geschädigten auf dessen Verlangen bis zur Höhe des Scha-
denersatzes beziehungsweise der Genugtuung, die gerichtlich oder durch Ver-
gleich festgesetzt worden sind, u.a. die Ersatzforderungen zu (Art. 73 Abs. 1
lit. c StGB). Das Gericht kann die Verwendung zu Gunsten des Geschädigten
jedoch nur anordnen, wenn der Geschädigte den entsprechenden Teil seiner
Forderung an den Staat abtritt (Art. 73 Abs. 2 StGB). Für den Fall, dass die Zu-
sprechung nicht schon im Strafurteil möglich ist, ist ein einfaches und rasches
Verfahren vorzusehen (Art. 73 Abs. 3 StGB).
- 181 -
SK.2020.57
Ersatzforderungen können in der Regel noch nicht im Strafurteil zugesprochen
werden, da diese nicht i.S.v. Art. 44 SchKG gegenüber Forderungen anderer
Gläubiger privilegiert sind (BAUMANN, a.a.O., Art. 70/71 StGB N. 15/69) und – bei
fehlendem beschlagnahmten Ersatzforderungssubstrat – zuerst vom Verurteilten
bezahlt oder bei ihm eingetrieben werden müssen (vgl. auch THOMMEN, in: Acker-
mann [Hrsg.], Kommentar Kriminelles Vermögen – Kriminelle Organisationen:
Einziehung, Kriminelle Organisationen, Finanzierung des Terrorismus, Geldwä-
scherei, Bd. I, 2018, § 7, Art. 73 StGB N. 95/108; vgl. Urteil des Bundesgerichts
6S.203/2004 vom 15. Juni 2006 E. 4.1). Letzteres erfolgt im Betreibungs- resp.
Konkursverfahren und setzt in der Regel einen Rechtsöffnungstitel in Form eines
rechtskräftigen (adhäsionsweisen) Zivilurteils voraus. Die Zusprechung von Er-
satzforderungen hat demnach in einem selbständigen nachträglichen Entscheid
zu erfolgen.
9.8.3 Wie noch zu zeigen sein wird, sind die Zivilklagen der C. und der D. Bank auf
den Zivilweg zu verweisen (vgl. E. 10.2 f.). Da für die von ihnen geltend gemach-
ten Forderungen auch sonst weder ein rechtskräftiger gerichtlicher Entscheid
noch eine Vergleichsvereinbarung besteht, fehlt es somit von vornherein an einer
Voraussetzung für die Zusprechung von Ersatzforderungen zu ihren Gunsten.
Ihre entsprechenden Anträge um Zusprechung der Ersatzforderungen sind somit
abzuweisen.
9.8.4 Betreffend die von der Bank F. beantragte Zusprechung der Ersatzforderung gilt
Folgendes: Ihr ist durch den von der Beschuldigten begangenen gewerbsmässi-
gen Betrug ein Schaden entstanden und ihre entsprechende Zivilklage ist, wie
noch aufgezeigt wird, gutzuheissen (vgl. E. 10.5). Aufgrund der finanziellen Situ-
ation der Beschuldigten (vgl. E. 8.6) und ihrer Aussage an der Hauptverhandlung,
die Zivilklage der Bank F. nicht anzuerkennen (TPF 731.034), ist nicht zu erwar-
ten, dass die Beschuldigte für den Schaden Ersatz leisten wird. Auch eine Er-
satzleistung durch eine Versicherung erscheint ausgeschlossen. Da die zulasten
der Beschuldigten ausgefällte Ersatzforderung zum Urteilszeitpunkt aber weder
bezahlt noch sonst – insbesondere mangels erfolgter konkursrechtlicher Vertei-
lung und Verwertung der beschlagnahmten Vermögenswerte (hierzu E. 9.9.2.2)
– gedeckt ist, kann auch der Bank F. die Ersatzforderung noch nicht definitiv zu-
gesprochen werden. Es ist jedoch davon Vormerk zu nehmen, dass die Bank F.
ihre Schadensersatzforderung gegenüber der Beschuldigten im Umfang, in dem
ihr der Erlös aus der Ersatzforderung zulasten der Beschuldigten zugesprochen
wird, an die Eidgenossenschaft abgetreten hat (TPF 553.005). Da, wie gezeigt,
auch die übrigen formellen und materiellen Voraussetzungen von Art. 73 StGB
erfüllt sind, kann überdies bereits jetzt festgehalten werden, dass die Bank F.
unter Vorbehalt allfälliger in einem Nachverfahren hinzukommender Geschädig-
- 182 -
SK.2020.57
ter Anspruch auf anteilsmässige Zusprechung des Erlöses aus der Ersatzforde-
rung zulasten der Beschuldigten zur Deckung ihres noch offenen Schadenersatz-
anspruches gegenüber der Beschuldigten hat. Über die definitive Zusprechung
ist jedoch im Rahmen eines Nachverfahrens zu entscheiden.
9.9 Entscheid über die Beschlagnahmen
9.9.1 Gegenstände und Vermögenswerte von B.
Am 24. März 2010 wurde am Wohnort von B. eine Hausdurchsuchung durchge-
führt, anlässlich welcher mehrere Gegenstände beschlagnahmt wurden
(BA 08.105-0001 ff.; -0013 ff.). Da B. vollumfänglich freigesprochen wurde (vgl.
E. 0) und die Gegenstände auch nicht als Beweismittel bei den Akten zu lassen
sind, ist die Beschlagnahme dieser Gegenstände – sofern nicht bereits gesche-
hen (BA 08.105-0015) – zwecks Rückgabe der Gegenstände aufzuheben.
9.9.2 Gegenstände und Vermögenswerte gemäss Beschlagnahmegutsliste
9.9.2.1 Die in der Beschlagnahmegutsliste aufgeführten und J. oder der K. AG zuorden-
baren Gegenstände und Vermögenswerte (vgl. E. 9.1.2.2 f.) sind, wie gezeigt,
nicht Surrogate für deliktisch erlangte Gelder (vgl. E. 9.3.4). Sodann ist zulasten
von J. und der K. AG auch nicht auf eine Ersatzforderung zu erkennen (vgl.
E. 9.7.3). Der Grund für die Beschlagnahme ist demnach weggefallen, sodass
die Beschlagnahme der genannten Gegenstände und Vermögenswerte aufzuhe-
ben und diese freizugeben sind.
9.9.2.2 Sämtliche übrigen beschlagnahmten Gegenstände und Vermögenswerte ge-
mäss Beschlagnahmegutsliste sind direkt oder indirekt (als Vermögenswerte von
L. oder der N. AG) der Beschuldigten zuzurechnen (vgl. E. 9.1.1 f.). Diese sind
zu verwerten und der Verwertungserlös ist primär zur Deckung der A. auferlegten
Verfahrenskosten (vgl. E. 11.6) zu verwenden (vgl. Art. 268 Abs. 1 lit. a StPO;
Art. 442 Abs. 4 StPO). Im Restbetrag ist der Verwertungserlös anteilsmässig zur
Deckung der zulasten der Beschuldigten, L. und der N. AG ausgesprochenen
Ersatzforderungen zu verwenden (vgl. Art. 71 Abs. 3 StGB). Die Beschlagnahme
dieser Gegenstände und Vermögenswerte ist zu diesen Zwecken aufrechtzuer-
halten (Art. 267 Abs. 1 StPO e contrario).
9.9.3 Übrige Gegenstände
Sämtliche übrigen im Vorverfahren beschlagnahmten Gegenstände, namentlich
die Buchhaltungsunterlagen und weitere geschäftliche Dokumente (vgl.
- 183 -
SK.2020.57
BA 07.201 ff.; 08.100 ff.; 08.200 ff.), sind als Beweismittel bei den Akten zu be-
lassen und die Beschlagnahme ist zu diesem Zweck aufrechtzuerhalten (Art. 263
Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 267 Abs. 1 StPO e contrario).
10. Zivilklagen
10.1 Rechtliches
10.1.1 Die geschädigte Person kann zivilrechtliche Ansprüche aus der Straftat als Pri-
vatklägerschaft adhäsionsweise im Strafverfahren geltend machen (Art. 122
Abs. 1 StPO). Die in der Zivilklage geltend gemachte Forderung ist zu beziffern
und, unter Angabe der angerufenen Beweismittel, kurz schriftlich zu begründen;
Bezifferung und Begründung haben spätestens im Parteivortrag zu erfolgen
(Art. 123 StPO). Das Gericht entscheidet über die anhängig gemachte Zivilklage,
wenn es die beschuldigte Person schuldig spricht oder freispricht und der Sach-
verhalt spruchreif ist (Art. 126 Abs. 1 StPO). Die Zivilklage wird u.a. auf den Zi-
vilweg verwiesen, wenn die Privatklägerschaft ihre Klage nicht hinreichend be-
gründet oder beziffert hat (Art. 126 Abs. 2 StPO).
10.1.2 Nach allgemeinen zivilprozessualen Grundsätzen hat die Schadenersatz bean-
spruchende Partei den Schaden zu beweisen (Art. 8 ZGB). Inwieweit Tatsachen
zu behaupten und zu substantiieren sind, ergibt sich einerseits aus den Tatbe-
standsmerkmalen der angerufenen Norm und anderseits aus dem prozessualen
Verhalten der Gegenpartei (BGE 127 III 365 E. 2b; Urteil des Bundesgerichts
4A_443/2017 vom 30. April 2018 E. 2). Eine Tatsachenbehauptung braucht nicht
alle Einzelheiten zu enthalten; es genügt, wenn die Tatsache in einer den Ge-
wohnheiten des Lebens entsprechenden Weise in ihren wesentlichen Zügen
oder Umrissen behauptet worden ist. Immerhin muss die Tatsachenbehauptung
so konkret formuliert sein, dass ein substantiiertes Bestreiten möglich ist oder der
Gegenbeweis angetreten werden kann (BGE 136 II 322 E. 3.4.2; 127 III 365
E. 2b). Bestreitet der Prozessgegner das an sich schlüssige Vorbringen der be-
hauptungsbelasteten Partei, kann diese gezwungen sein, die rechtserheblichen
Tatsachen nicht nur in den Grundzügen, sondern so umfassend und klar darzu-
legen, dass darüber Beweis abgenommen werden kann (BGE 127 III 365 E. 2b;
Urteil des Bundesgerichts 4A_588/2011 vom 3. Mai 2012 E. 2.2.1). Die Tatsa-
chen müssen in der Rechtsschrift selbst dargelegt bzw. behauptet werden
(Art. 221 Abs. 1 lit. d ZPO); der pauschale Verweis auf Beilagen genügt in aller
Regel nicht (Urteil des Bundesgerichts 4A_281/2017 vom 22. Januar 2018 E. 5
mit Hinweisen).
- 184 -
SK.2020.57
Auch im Adhäsionsprozess bleibt es der geschädigten Person überlassen, ob
und in welchem Umfang sie einen Anspruch geltend machen will. Sie muss ihre
Ansprüche selbst geltend machen und trägt dafür die Beweislast. Ihre Behaup-
tungs-, Substantiierungs- und Beweisführungslast ist aber dadurch gemindert,
dass sie von den Ergebnissen der Strafuntersuchung profitieren und darauf ver-
weisen kann. Das Strafgericht hat sich im Zivilpunkt auch auf die im Strafverfah-
ren getroffenen tatsächlichen Feststellungen zu stützen. Sachverhalte, welche
für die Straftat nicht wesentlich sind und deshalb nicht durch die Strafbehörden
ermittelt werden, hat die Privatklägerschaft hingegen zu substantiieren, d.h. de-
tailliert darzulegen, und zu beweisen. Das gilt z.B. für die genaue Höhe des erlit-
tenen Schadens und den Kausalzusammenhang zwischen Straftat und Schaden.
Ungenügende Begründung führt dazu, dass die Zivilklage auf den Zivilweg ver-
wiesen wird (DOLGE, Basler Kommentar, 2. Aufl., 2014, Art. 122 StPO N. 22; LIE-
BER, Zürcher Kommentar, 3. Aufl., 2020, Art. 122 StPO N. 4 ff.).
10.1.3 Die Privatklägerinnen machen Ansprüche aus unerlaubter Handlung
(Art. 41 Abs. 1 OR) und aktienrechtlicher Verantwortlichkeit (Art. 754 ff. OR) gel-
tend. Es ist daher, soweit erforderlich, auf die entsprechenden Haftungsvoraus-
setzungen einzugehen:
10.1.3.1 Wer einem andern widerrechtlich Schaden zufügt, sei es mit Absicht, sei es aus
Fahrlässigkeit, wird ihm zum Ersatze verpflichtet (Art. 41 Abs. 1 OR). Der Scha-
den ist die ungewollte bzw. unfreiwillige Vermögensverminderung. Er kann in ei-
ner Vermehrung der Passiven, einer Verminderung der Aktiven oder in entgan-
genem Gewinn bestehen (BGE 132 III 359 E. 4). Zum Schaden gehört nach kon-
stanter Rechtsprechung der Zins vom Zeitpunkt an, in dem das schädigende Er-
eignis sich finanziell ausgewirkt hat. Er läuft bis zum Tag der Zahlung des Scha-
denersatzes (BGE 131 III 12 E. 9.1) Die Schadenszufügung ist widerrechtlich,
wenn sie gegen eine allgemeine gesetzliche Pflicht verstösst, d.h. wenn entwe-
der ein absolutes Recht des Geschädigten verletzt (Erfolgsunrecht) oder eine
reine Vermögensschädigung durch Verstoss gegen eine einschlägige Schutz-
norm bewirkt wird (Verhaltensunrecht). Da das Vermögen kein absolutes subjek-
tives Rechtsgut darstellt, ist eine reine Vermögensschädigung nur rechtswidrig,
wenn sie auf einen Verstoss gegen eine Verhaltensnorm zurückgeht, die dem
Schutz vor solchen Schädigungen dient. Solche Normen können sich aus der
gesamten schweizerischen Rechtsordnung ergeben, einerlei, ob es sich um Pri-
vat-, Verwaltungs- oder Strafrecht handelt, ob sie geschriebenes oder unge-
schriebenes Recht darstellen oder dem Bundes- oder kantonalen Recht entstam-
men (BGE 146 IV 211 E. 3.2). Als Schutznorm gilt namentlich der Betrugstatbe-
stand nach Art. 146 StGB (BREHM, Berner Kommentar, 4. Aufl., 2013, Art. 41 OR
N. 39 mit Hinweisen). Die Konkurs- und Betreibungsdelikte von Art. 163 ff. StGB
sind hingegen keine Schutznormen im Sinne von Art. 41 Abs. 1 OR (BGE 141 III
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527 E. 3). Die schädigende Handlung muss sodann natürlich und adäquat kausal
für den eingetretenen Schaden sein (BREHM, a.a.O., Art. 41 OR N. 103 ff.). Gro-
bes Selbstverschulden kann die Kausalität unterbrechen (BREHM, a.a.O.,
Art. 41 OR N. 136 ff.). Schliesslich setzt Art. 41 Abs. 1 OR ein Verschulden des
Haftpflichtigen voraus.
10.1.3.2 Nach Art. 754 Abs. 1 OR sind die Mitglieder des Verwaltungsrates und alle mit
der Geschäftsführung oder mit der Liquidation befassten Personen sowohl der
Gesellschaft als den einzelnen Aktionären und Gesellschaftsgläubigern für den
Schaden verantwortlich, den sie durch absichtliche oder fahrlässige Verletzung
ihrer Pflichten verursachen. Im Konkurs der geschädigten Gesellschaft sind auch
die Gesellschaftsgläubiger berechtigt, Ersatz des Schadens an die Gesellschaft
zu verlangen. Zunächst steht es jedoch der Konkursverwaltung zu, die Ansprü-
che von Aktionären und Gesellschaftsgläubigern geltend zu machen (Art. 757
Abs. 1 OR).
10.2 Zivilklage der C.
10.2.1 Die C. stützte ihre Zivilklage auf Art. 41 Abs. 1 OR. Den Schaden bezifferte sie
mit Fr. 184'674'341.– (zzgl. 5 % Zins) und machte geltend, es handle sich hierbei
um den Gesamtbetrag der von der I. nicht mehr zurückbezahlten Finanzierungen
(ohne Geschäfte Nr. 104 und 105, wegen welchen ein zivilrechtliches Verfahren
im Kanton Zürich hängig ist; TPF 551.035; 721.087). Die einzelnen Haftungsvo-
raussetzungen von Art. 41 Abs. 1 OR (Schaden, Widerrechtlichkeit, Kausalzu-
sammenhang, Verschulden) seien bei einer strafrechtlichen Verurteilung der Be-
schuldigten ohne weiteres erfüllt. Die Widerrechtlichkeit bestehe im (objektiv und
subjektiv) tatbestandsmassigen Verhalten der Beschuldigten im Sinne von
Art. 146 StGB. Schaden, Kausalität und Verschulden seien mit einer Verurteilung
ebenfalls erstellt, weil der genannte Straftatbestand ein Vorsatzdelikt sei und eine
kausale Schadensverursachung voraussetze (TPF 551.035). Der amtliche Ver-
teidiger der Beschuldigten beantragte, die Zivilklage der C. sei vollumfänglich ab-
zuweisen. Er führte hierzu u.a. zusammengefasst aus, ein allfälliger Schaden
könne infolge Selbstverschulden der C. nicht der Beschuldigten zugerechnet
werden. Dieses (im Rahmen seines Parteivortrags betreffend Arglist dargelegte)
Selbstverschulden sei derart schwer, dass es den Kausalzusammenhang voll-
ständig unterbreche (TPF 721.269 f.; -294 f.; vgl. E. 4.4.2.2). Die C. verzichtete
in ihrem zweiten Parteivortrag ausdrücklich, zu den Ausführungen des amtlichen
Verteidigers Stellung zu nehmen (TPF 720.019).
10.2.2 Nach dem Gesagten ist zwischen den Parteien u.a. strittig, ob der für die Haftung
nach Art. 41 Abs. 1 OR erforderliche Kausalzusammenhang besteht. Beweis-
pflichtig hierfür ist die C. (Art. 8 ZGB). Die Beweislast für die Unterbrechung des
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SK.2020.57
an sich gegebenen Kausalzusammenhangs liegt hingegen bei der Beschuldigten
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 4A_385/2013 vom 20. Februar 2014 E. 6.2). Letz-
tere bestritt das Vorliegen der Kausalität, indem sie substantiiert geltend machte,
diese sei wegen der vorhandenen Missstände bei der C. infolge Selbstverschul-
dens unterbrochen worden. Solche Missstände sind aktenkundig (vgl.
E. 4.4.2.2). Die C. setzte sich dennoch weder in ihren schriftlichen Eingaben noch
in ihren Parteivorträgen mit einem allfälligen Selbstverschulden auseinander.
Vielmehr machte sie geltend, die Kausalität sei bei einer strafrechtlichen Verur-
teilung der Beschuldigten wegen Betrugs ohne weiteres gegeben, da der Tatbe-
stand eine kausale Schadensverursachung voraussetze. Mit einer solchen pau-
schalen Begründung kommt die C. ihrer Begründungspflicht nicht nach. Sie hätte
sich vielmehr zivilrechtlich mit dem Einwand des Selbstverschuldens auseinan-
dersetzen müssen. Es trifft zwar zu, dass der Tatbestand des Betrugs eine kau-
sale Schadensverursachung voraussetzt. Der für den strafrechtlichen Schaden
relevante Kausalzusammenhang besteht indirekt zwar auch zwischen der schä-
digenden Täuschungshandlung und dem Schaden; unmittelbar aber nur zur vom
Irrtumsbetroffenen vorgenommenen Vermögensdisposition (vgl. E. 4.3). Bei ei-
ner Verurteilung wegen Betrugs kann daher wohl in der Regel davon ausgegan-
gen werden, dass die Täuschungshandlung auch zivilrechtlich kausal für den bei
der Geschädigten eingetretenen Schaden ist. Dies gilt jedoch nicht, wenn – wie
im vorliegenden Fall – ein Selbstverschulden geltend gemacht und auch ersicht-
lich ist. Dieses war zwar auch im Strafverfahren von Bedeutung. Dessen Rele-
vanz beschränkte sich jedoch auf die Frage der Arglist der Täuschungshandlun-
gen der Beschuldigten und nicht direkt auf die Kausalität. Insofern war die hier
strittige zivilrechtliche Frage für die Straftat nicht wesentlich, weshalb hierzu auch
nicht auf die Ergebnisse der Strafuntersuchung verwiesen werden kann. Indem
es die C. unterlassen hat, sich mit dem Einwand des den Kausalzusammenhang
unterbrechenden Selbstverschuldens – und damit letztlich auch mit der konkre-
ten Schadenshöhe – auseinanderzusetzen, kommt sie ihrer Begründungsoblie-
genheit nicht nach. Dem Strafgericht ist es daher nicht möglich die Zivilklage zu
beurteilen. Die Zivilklage ist folglich auf den Zivilweg zu verweisen (Art. 126
Abs. 2 lit. b StPO). Dass das Bezirksgericht Zürich in seinem Urteil vom 5. Feb-
ruar 2021 ein grobes, den Kausalzusammenhang unterbrechendes Selbstver-
schulden verneint hat (TPF 551.169), ändert daran nichts, betrifft dieses doch
andere Finanzierungsgeschäfte und ist im Übrigen auch (noch) nicht rechtskräf-
tig (TPF 551.402).
10.3 Zivilklage der D. Bank
10.3.1 Die D. Bank stützte ihre Zivilklage auf Art. 41 Abs. 1 OR. Den Schaden bezifferte
sie mit Fr. 13'827'971.52 (zzgl. 5 % Zins) und machte geltend, es handle sich
hierbei um den in Schweizer Franken umgerechneten Gesamtbetrag, in dessen
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SK.2020.57
Höhe der der I. gewährte Kredit ausgeschöpft worden und schliesslich – nach
verschiedentlichen Gutschriften auf das entsprechende Konto – ausstehend ge-
blieben sei (TPF 552.005 ff.). Die einzelnen Haftungsvoraussetzungen von
Art. 41 Abs. 1 OR (Schaden, Widerrechtlichkeit, Kausalzusammenhang, Ver-
schulden) seien bei einer strafrechtlichen Verurteilung der Beschuldigten ohne
weiteres erfüllt (TPF 552.005); eine weitergehende Begründung machte sie nicht
geltend. Der amtliche Verteidiger der Beschuldigten beantragte, die Zivilklage der
D. Bank sei vollumfänglich abzuweisen. Er führte hierzu aus, dass das betref-
fende Bankkonto bereits vor Unterzeichnung des Kreditvertrages einen Negativ-
saldo von EUR 5'807'909.32 aufgewiesen habe, welcher sich bis zur Freischal-
tung des Kredits auf EUR 7'832'946.65 erhöht habe (TPF 721.270). Im Wissen
um diesen erheblichen Negativsaldo hätte die D. Bank die Prüfung der wirtschaft-
lichen Lage der I. mit mehr Sorgfalt ausüben müssen. Indem sie dies unterlassen
habe, sei sie ihrer Prüfpflicht der Kreditwürdigkeit und ihrer Schadensminde-
rungspflicht nicht nachgekommen (TPF 721.272 f.).
10.3.2 Nach dem Gesagten ist zwischen den Parteien namentlich die Höhe des kausal
verursachten (zivilrechtlichen) Schadens strittig. Hierzu kann nicht auf das Be-
weisergebnis des Strafverfahrens abgestellt werden, bestand der Schaden vor-
liegend doch lediglich in einer qualifizierten Vermögensgefährdung (vgl.
E. 4.6.2.4). Der tatsächlich der D. Bank entstandene Schaden war demnach für
die Strafbarkeit der Beschuldigten nicht wesentlich. Um dies zu berechnen ist
u.a. der von der Verteidigung behauptete Negativsaldo sowie die von der D. Bank
selbst eingeräumten Gutschriften auf das entsprechende Konto zu berücksichti-
gen. Mit diesen Umständen setzt sich die D. Bank in ihrer schriftlichen Eingabe
nicht substantiiert auseinander, sodass es dem Gericht nicht möglich ist, die kon-
krete Schadenshöhe zu beurteilen. Der Verteidiger machte zudem sinngemäss
ein Selbstverschulden der D. Bank geltend, indem es diese unterlassen habe,
die Kreditwürdigkeit der I. sorgfältig zu prüfen. Es stellt sich demnach überdies
auch die Frage nach einem die Kausalität unterbrechenden Selbstverschulden.
Auch mit Letzterem setzt sich die D. Bank nicht auseinander; hierfür kann, wie
gezeigt, auch nicht talis qualis auf die Ergebnisse des strafrechtlichen Verfahrens
abgestellt werden (vgl. E. 10.2.2). Indem die D. Bank es unterlassen hat, sich mit
diesen Einwänden auseinanderzusetzen, kommt sie ihrer Begründungsobliegen-
heit nicht nach. Dem Strafgericht ist es daher nicht möglich die Zivilklage zu be-
urteilen. Die Zivilklage ist folglich auf den Zivilweg zu verweisen (Art. 126 Abs. 2
lit. b StPO).
10.4 Zivilklage der Bank E.
10.4.1 Zusammen mit der Strafanzeige vom 24. Februar 2010 machte die Bank E.
Schadenersatz geltend (BA 05.104-0022 ff.; -0006). Die Strafanzeige richtete
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sich gegen Unbekannt; als Verdachtspersonen nannte sie die I., die Beschuldigte
und PP. (BA 05.104-0005 f.). Die Bank E. behielt sich vor, diese Personen zu
belangen, sollte sich der Tatverdacht erhärten (BA 05.104-0006). Als Begrün-
dung führte sie zusammengefasst aus, dass die Tatbestände des Betrugs
(Art. 146 StGB) und der Urkundenfälschung (Art. 251 StGB) als erfüllt erschei-
nen; eine ausführliche Begründung behielt sie sich vor (BA 05.104-0006). Ge-
stützt auf die Aufforderung der Bundesanwaltschaft vom 16. April 2013
(BA 15.301-0054) bezifferte die Bank E. ihre Forderung, ohne diese jedoch – wie
im Schreiben ihres Rechtsbeistandes ausgeführt wird – zu substantiieren
(BA 15.301-0057). Zur Begründung verwies sie vielmehr auf ihre Strafanzeige
(BA 15.301-0057). Das Gericht lud die Bank E. bzw. ihren Rechtsvertreter mit
Schreiben vom 10. Dezember 2020 zur Teilnahme an der Hauptverhandlung ein
und informierte sie gleichzeitig über ihre Stellung als Privatklägerin
(TPF 350.001 f.). Die Bank E. erschien weder zur Hauptverhandlung noch
reichte sie dem Gericht schriftliche Eingaben ein.
10.4.2 Die Zivilklage wurde demnach zwar beziffert, aber – wie die Bank E. selbst ein-
geräumt hat – nicht substantiiert. Unklar bleibt insbesondere, ob die Bank E. ne-
ben der Beschuldigten auch die übrigen in der Strafanzeige genannten Ver-
dachtspersonen in Anspruch nehmen will. Im Übrigen wird auch nicht begründet,
auf welche zivilrechtliche Anspruchsgrundlage sich ihre Klage stützen soll. Na-
mentlich wird das Vorliegen der Haftungsvoraussetzungen von Art. 41 Abs. 1 OR
weder behauptet noch begründet. Die Zivilklage ist demnach mangels hinrei-
chender Begründung auf den Zivilweg zu verweisen (Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO).
10.5 Zivilklage der Bank F.
10.5.1 Die Bank F. stützte ihre Zivilklage auf Art. 41 Abs. 1 OR. Den Schaden bezifferte
sie mit Fr. 4'500'000.–, zzgl. 5 % Zins (zum darüber hinaus geltend gemachten
Schaden vgl. E. 10.5.3) und machte zusammengefasst geltend, es handle sich
hierbei um den am 30. Dezember 2009 infolge des strafbaren Verhaltens der Be-
schuldigten ausbezahlten und verlorenen Betrag (TPF 553.003). Die Beschul-
digte anerkennt die Zivilklage nicht (TPF 553.003). Der amtliche Verteidiger be-
antragte zwar, die Zivilklage sei abzuweisen, bestritt die einzelnen zivilrechtli-
chen Haftungsvoraussetzungen jedoch nicht. In seinem Parteivortrag be-
schränkte er sich lediglich auf Ausführungen zum Tatbestand des Betrugs
(TPF 721.284 ff.).
10.5.2 Mangels (substantiierter) Bestreitung der Haftungsvoraussetzungen von Art. 41
Abs. 1 OR konnte die Bank F. ohne weiteres auf die strafrechtlichen Ergebnisse
verweisen. Danach ist erstellt, dass die Bank F. der I. am 30. Dezember 2009
einen Betrag von Fr. 4.5 Millionen überwiesen hat, welcher bis heute ausstehend
- 189 -
SK.2020.57
ist (E. 4.7.1). In diesem Umfang (zzgl. des beantragten gesetzlichen Verzugszin-
ses von 5 % [Art. 104 Abs. 1 OR]) wurde die Bank F. geschädigt und ist daher
aktivlegitimiert. Hinsichtlich der Passivlegitimation ist relevant, dass der Kredit
der I. und nicht der Beschuldigten bzw. zivilrechtlich Beklagten gewährt worden
ist. Da die Beschuldigte die schädigende Handlung aber als faktisches Organ der
I. (vgl. E. 2.3) begangen hat, ist sie hierfür auch persönlich verantwortlich (Art. 55
Abs. 3 OR) und demnach passivlegitimiert. Wie gezeigt, entstand der Schaden
durch die Handlungen der Beschuldigten, wegen welcher sie des Betrugs
(Art. 146 StGB) schuldig gesprochen worden ist (vgl. E. 4.7.2 f., 4.9). Die Wider-
rechtlichkeit ist demnach gegeben. Die betrügerischen Handlungen der Beschul-
digten sind überdies kausal: Hätte sie die Bank F. bzw. deren Bankmitarbeiter
nicht rechtswidrig über den Rückzahlungswillen getäuscht, hätte die Bank F. die
Auszahlung nicht vorgenommen und wäre nicht zu Schaden gekommen. Ein die
Kausalität unterbrechendes Selbstverschulden ist zudem weder ersichtlich (vgl.
E. 4.7.2.2) noch wird ein solches behauptet (vgl. TPF 721.284). Die Beschuldigte
war zum Zeitpunkt der schädigenden Handlung urteilsfähig (Art. 16 ZGB) und
beging diese überdies vorsätzlich (vgl. E. 4.7.2.5); Verschulden liegt vor. Nach
dem Gesagten sind die Haftungsvoraussetzungen von Art. 41 Abs. 1 OR erfüllt.
Die Beschuldigte ist demnach zu verpflichten, der Bank F. Schadenersatz von
Fr. 4'500'000.– zuzüglich 5 % Zins seit 30. Dezember 2009 zu bezahlen. Die Zi-
vilklage ist in diesem Punkt gutzuheissen.
10.5.3 Die Bank F. machte darüber hinaus noch einen Schaden von Fr. 165'877.65 als
Ersatz infolge von Rechtsverfolgungskosten ausserhalb des Strafverfahrens gel-
tend. Dieser setze sich aus dem Anwaltsaufwand zur Wahrung der zivilrechtli-
chen Interessen zusammen und ergebe sich aus den als Beilage eingereichten
Zahlungsübersichten der Bank F. (TPF 553.003). Auch wenn Anwalts- und an-
dere Rechtsverfolgungskosten nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung in be-
schränktem Mass Bestandteil eines Schadens bilden und mittels zivilrechtlicher
Ansprüche separat eingeklagt werden können (vgl. hierzu BGE 139 III 190 E. 4;
133 II 361 E. 4.1), muss die Partei, die solche Kosten einfordert, substantiiert
dartun, dass die geltend gemachten Aufwendungen haftpflichtrechtlich als Be-
standteil des Schadens zu betrachten sind (Urteile des Bundesgerichts
4A_264/2015 vom 10. August 2015 E. 4.2.2; 4A_692/2015 vom 1. März 2017
E. 6.1; je mit Hinweisen). Diesbezügliche Ausführungen lässt die Bank F. in ihrer
Eingabe durchwegs vermissen. Sie nannte lediglich den Gesamtbetrag und ver-
wies auf die als Beilagen eingereichte Übersicht über die von der Bank F. geleis-
teten Zahlungen an ihre Rechtsbeistände. Damit kommt sie ihrer Behauptungs-
und Substantiierungslast nicht nach, weshalb die Zivilklage in diesem Punkt auf
den Zivilweg zu verweisen ist (Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO).
- 190 -
SK.2020.57
10.6 Zivilklagen der Konkursmassen der G. und I.
10.6.1 Die Konkursmassen der G. und I. machten adhäsionsweise Ansprüche aus ak-
tienrechtlicher Verantwortlichkeit (Art. 754 ff. OR) geltend. Als Schaden wurde
ein Betrag von Fr. 112'704'627.10, eventualiter Fr. 4'701'160.65 (jeweils zuzüg-
lich 5 % Zins), zum Nachteil der G. bzw. von Fr. 205'867'944.33, eventualiter
Fr. 57'381'582.15 (jeweils zuzüglich 5 % Zins), zum Nachteil der I. geltend ge-
macht. Als Begründung wurde zusammengefasst geltend gemacht, dass die
Schadenspositionen gemäss den Hauptanträgen sich aus den gemäss Kolloka-
tionsplänen zugelassenen und ungedeckten Verbindlichkeiten ergeben würden;
hierzu verwiesen die Konkursmassen auf die im Vorverfahren eingereichten Kol-
lokationspläne. Diesen habe die Beschuldigte als Geschäftsführerin der I. durch
die in der Anklageschrift umschriebenen Straftaten der ungetreuen Geschäftsbe-
sorgung und Misswirtschaft verursacht (TPF 555.002; 556.003; 721.172 f.). Der
eventualiter geltend gemachte Schaden ergebe sich gemäss den Ausführungen
der Vertreterin der Konkursmassen aus den der Beschuldigten direkt zugeflos-
senen Vermögenswerten sowie den Zahlungen für sinnlose bzw. unnütze Versi-
cherungsprämien; hierzu verwies sie im Wesentlichen auf die entsprechenden
Ausführungen in der Anklageschrift (TPF 555.001 ff.; 556.001 ff.; 721.172 f.). Der
amtliche Verteidiger beantragte, dass die Zivilklage abzuweisen sei
(TPF 721.295).
10.6.2 Unabhängig von der zweifelhaften Frage, ob ein Anspruch nach Art. 754 ff. OR
überhaupt adhäsionsweise im Strafverfahren geltend gemacht werden kann, ist
die Zivilklage der Konkursmassen mangels substantiierter Begründung auf den
Zivilweg zu verweisen. Hinsichtlich des im Hauptantrag geltend gemachten
Schadens nennt die Privatklägerschaft in ihrer Rechtsschrift lediglich den Ge-
samtbetrag des angeblich eingetretenen Schadens und verweist im Übrigen auf
den als Beilage eingereichten Kollokationsplan. Ein solcher Verweis ist nicht ge-
eignet, einen Gesellschaftsschaden zu substantiieren (vgl. BGE 122 III 195 E. 9b;
Urteil des Bundesgerichts 4C.275/2000 vom 24. April 2001 E. 3a). In allgemeiner
Hinsicht sowie hinsichtlich des in den Eventualanträgen geltend gemachten
Schadenspositionen ist aber ohnehin fraglich, ob die G. und I. als Geschädigte
im zivilrechtlichen Sinne und damit als aktivlegitimiert angesehen werden kön-
nen, wurden diese doch – zumindest vorwiegend – als Vehikel für die betrügeri-
schen Machenschaften der Beschuldigten verwendet (vgl. E. 4.4.2.2). Dies an-
erkennt auch die Vertreterin der Konkursmassen, wenn sie geltend macht, die
beiden Gesellschaften hätten gar keine reale Geschäftstätigkeit ausgeübt
(TPF 721.172). Inwiefern die Gesellschaften somit einen Schaden i.S.v.
Art. 754 ff. OR erlitten haben sollen, ist prima vista nicht ersichtlich und wird von
den Privatklägerinnen auch nicht begründet. Überdies unterlassen sie es, die
Haftungsvoraussetzungen von Art. 754 ff. OR, namentlich die Pflichtwidrigkeit
- 191 -
SK.2020.57
und Kausalität, substantiiert zu begründen, sondern verweisen vielmehr pau-
schal auf die Ausführungen in der Anklageschrift zum Tatbestand der (strafrecht-
lich nicht geprüften [vgl. E. 4.9]) ungetreuen Geschäftsführung und zum Tatbe-
stand der (nur zu Lasten der I. angeklagten und begangenen [vgl. E. 5]) Miss-
wirtschaft. Damit kommt sie ihrer Begründungsobliegenheit nicht nach, weshalb
die Zivilklagen auf den Zivilweg zu verweisen sind (Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO).
11. Verfahrenskosten
11.1 Die Verfahrenskosten setzen sich zusammen aus den Gebühren zur Deckung
des Aufwands und den Auslagen im konkreten Straffall (Art. 422 Abs. 1 StPO;
Art. 1 Abs. 1 des Reglements des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über
die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR;
SR 173.713.162]). Die Gebühren sind für die Verfahrenshandlungen geschuldet,
die im Vorverfahren von der Bundeskriminalpolizei und von der Bundesanwalt-
schaft sowie im erstinstanzlichen Hauptverfahren von der Strafkammer des Bun-
desstrafgerichts durchgeführt oder angeordnet worden sind (Art. 1 Abs. 2
BStKR). Die Höhe der Gebühr richtet sich nach Bedeutung und Schwierigkeit der
Sache, der Vorgehensweise der Parteien, ihrer finanziellen Situation und dem
Kanzleiaufwand (Art. 5 BStKR); sie bemisst sich nach Art. 6 und Art. 7 BStKR.
Die Auslagen umfassen die vom Bund vorausbezahlten Beträge, namentlich die
Kosten für die amtliche Verteidigung, Übersetzungen, Gutachten, Mitwirkung an-
derer Behörden, Porti, Telefonspesen und andere entsprechende Kosten
(Art. 422 Abs. 2 StPO; Art. 1 Abs. 3 BStKR).
11.2
11.2.1 Im Vorverfahren beträgt die Gebühr für die polizeilichen Ermittlungen Fr. 200.–
bis Fr. 50'000.– und für die Untersuchung im Falle einer Anklageerhebung
Fr. 1'000.– bis Fr. 100'000.– (Art. 6 Abs. 3 lit. b und Abs. 4 lit. c BStKR). Die
Bundesanwaltschaft machte weder für die polizeilichen Ermittlungen noch ihre
Untersuchung eine eigene Gebühr geltend (vgl. Anhang 3 der Anklageschrift).
Damit unterschreitet sie den gesetzlichen Rahmen, sodass die Gebühr von Am-
tes wegen festzusetzen ist. Unter Berücksichtigung der in E. 11.1 erwähnten Kri-
terien, namentlich in Anbetracht der Dauer des Verfahrens, der Aktenmenge so-
wie den durch die FFA erbrachten Aufwendungen, erscheint eine Gebühr von
insgesamt Fr. 50'000.– angemessen.
11.2.2 Die Bundesanwaltschaft bezifferte die auferlegbaren Auslagen mit
Fr. 453'577.90. Hierzu zählt sie u.a. auch die Kosten des Gefangenentransports
von Fr. 975.– sowie die Kosten für die amtliche Verteidigung der Beschuldigten
im Umfang von Fr. 249'500.70 (vgl. Anhang 3 der Anklageschrift). Erstere sind
- 192 -
SK.2020.57
als Teil der Haftkosten (Art. 9 Abs. 2 BStKR) nicht auferlegbar (Urteil des Bun-
desstrafgerichts SK.2017.31 vom 26. September 2017 E. 8.3 m.w.H.). Die Kos-
ten der amtlichen Verteidigung trägt der Staat, vorbehalten bleibt eine Rücker-
stattung nach Art. 135 Abs. 4 StPO. Die übrigen Auslagen des Vorverfahrens im
Umfang von Fr. 203'102.20 sind ausgewiesen (BA 24.100-0001 ff.), stehen im
Zusammenhang mit den Untersuchungshandlungen (Art. 422 Abs. 2 StPO) und
sind demnach auferlegbar.
11.3
11.3.1 Im Hauptverfahren vor dem Kollegialgericht beträgt die Gebühr Fr. 1'000.– bis
Fr. 100'000.– (Art. 7 lit. b BStKR). Unter Berücksichtigung der in E. 11.1 erwähn-
ten Kriterien wird die Gerichtsgebühr auf Fr. 50'000.– festgesetzt.
11.3.2 Hinzu kommen die im Hauptverfahren entstanden Auslagen von insgesamt
Fr. 1'107.60 im Zusammenhang mit den durchgeführten Zeugenbefragungen
(TPF 761.017; 762.013; 891.001 ff.).
11.4 Die auferlegbaren Verfahrenskosten (ohne Kosten der amtlichen Verteidigung)
betragen insgesamt Fr. 304'209.80.
Die Aufwendungen, welche zu diesen Kosten geführt haben, stehen in überwie-
gendem Umfang im Zusammenhang mit den gegen A. erhobenen Vorwürfen. Für
das Verfahren gegen B. sind hiervon deshalb anteilsmässig nur Fr. 1'000.– aus-
zuscheiden.
11.5 Die beschuldigte Person trägt die Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird
(Art. 426 Abs. 1 StPO). Bei Einstellung des Verfahrens oder bei Freispruch ge-
hen die Kosten grundsätzlich zu Lasten des Staates (Art. 426 Abs. 1 und
Abs. 2 StPO e contrario).
11.6 Die Verfahrenskosten im Zusammenhang mit dem Verfahren gegen die Beschul-
digte A. in der Höhe von Fr. 303'209.80 sind ihr aufgrund der teilweisen Einstel-
lung des Verfahrens sowie der teilweisen Freisprüche in einem reduzierten Um-
fang von 2⁄3 aufzuerlegen. Im Restbetrag werden sie von der Eidgenossenschaft
getragen.
11.7 Die Verfahrenskosten im Zusammenhang mit dem Verfahren gegen den Be-
schuldigten B. von Fr. 1'000.– gehen aufgrund des vollumfänglichen Freispruchs
zu Lasten der Eidgenossenschaft.
- 193 -
SK.2020.57
12. Entschädigung der beschuldigten Personen
12.1
12.1.1 Wird die beschuldigte Person ganz oder teilweise freigesprochen oder wird das
Verfahren gegen sie eingestellt, so hat sie Anspruch auf Entschädigung ihrer
Aufwendungen für die angemessene Ausübung ihrer Verfahrensrechte (Art. 429
Abs. 1 lit. a StPO) und der wirtschaftlichen Einbussen, die ihr aus ihrer notwen-
digen Beteiligung am Strafverfahren entstanden sind (Art. 429 Abs. 1 lit. b StPO)
sowie auf Genugtuung für besonders schwere Verletzungen ihrer persönlichen
Verhältnisse, insbesondere bei Freiheitsentzug (Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO). Die
Strafbehörde prüft den Anspruch von Amtes wegen. Sie kann die beschuldigte
Person auffordern, ihre Ansprüche zu beziffern und zu belegen (Art. 429
Abs. 2 StPO).
12.1.2 Bei der Entschädigung nach Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO geht es primär um die
Kosten der frei gewählten Verteidigung. Diese müssen verhältnismässig und an-
gemessen sein (SCHMID/JOSITSCH, Praxiskommentar, 3. Aufl. 2018, Art. 429
StPO N. 7 m.w.H.). Das Honorar als Teil der Anwaltskosten wird nach dem not-
wendigen und ausgewiesenen Zeitaufwand der Anwältin oder des Anwalts be-
messen. Der Stundenansatz beträgt mindestens Fr. 200.– und höchstens
Fr. 300.– (Art. 12 Abs. 1 BStKR). In Ermangelung ausserordentlicher Umstände
betragen die Stundenansätze für Rechtsanwälte praxisgemäss Fr. 230.– für An-
waltstätigkeit und Fr. 200.– für Reise- und Wartezeit (statt vieler: Entscheide des
Bundesstrafgerichts BB.2019.45 vom 18. September 2019 E. 3.1 und
SK.2018.47 vom 26. April 2019 E. 6.1). Diese Regelung gilt für die amtliche Ver-
teidigung (Art. 11 ff. BStKR), die Wahlverteidigung sowie für den Rechtsbeistand
der Privatklägerschaft und der Drittbetroffenen (Art. 10 i.V.m. Art. 11 ff. BStKR).
12.1.3 Bereits an dieser Stelle ist festzuhalten, dass aufgrund der besonderen Um-
stände (internationaler Sachverhalt, Mehrsprachigkeit, hohe Deliktssumme, Be-
schlagnahme von Vermögen in beträchtlichem Umfang) und der etwas erhöhten
Komplexität des vorliegenden Verfahrens der praxisgemässe Stundenansatz für
die Anwaltstätigkeit leicht zu erhöhen ist. Angemessen erscheint ein Betrag von
Fr. 240.– pro Stunde (vgl. auch BA 16.101-0322; Beschluss der Beschwerde-
kammer des Bundesstrafgerichts BB.2018.149 vom 5. August 2019 E. 7.5). Ein
darüber hinausgehender Stundenansatz ist nicht angezeigt. Zwar handelt es sich
beim vorliegenden Fall aufgrund des Aktenbestandes und der langen Verfah-
rensdauer um einen sehr umfangreichen Fall. Die lange Verfahrensdauer sowie
das grosse Aktenvolumen und der damit verbundene Zeitaufwand sind aber nicht
im Rahmen der Festlegung des Stundenansatzes, sondern des Stundenaufwan-
- 194 -
SK.2020.57
des zu berücksichtigen (Beschlüsse der Beschwerdekammer des Bundesstraf-
gerichts BB.2011.32 vom 23. August 2011 E. 3.2.2 in fine; BB.2018.149 vom
5. August 2019 E. 7.5.3).
12.2 Beschuldigte A.
12.2.1 Der amtliche Verteidiger der Beschuldigten A. machte – neben seinen eigenen
Aufwendungen (hierzu E. 13.3 ff.) – in ihrem Namen eine Entschädigung von
Fr. 300.– pro ausgestandenen Hafttag sowie eine Genugtuung von Fr. 10'000.–
geltend (TPF 721.297).
12.2.2 Die Beschuldigte ist amtlich verteidigt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung
trägt der Staat, vorbehalten einer Rückerstattung nach Art. 135 Abs. 4 StPO.
Eine Entschädigung für allfällige weitergehende private Verteidigungskosten o-
der sonstiger Aufwendungen nach Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO ist daher nicht zu-
zusprechen. Da die Beschuldigte zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wird und die
ausgestandene Haft anzurechnen ist (E. 8.9.1), entfällt überdies eine Entschädi-
gung für die Haft. Da die Beschuldigte mehrheitlich schuldig gesprochen wird, ist
auch nicht ersichtlich, inwiefern sie Anspruch auf anderweitige Genugtuung hätte
(Art. 429 Abs. 1 StPO e contrario). Dies wird im Übrigen auch nicht begründet.
Auch sonst sind anderweitige Entschädigungsansprüche nicht ersichtlich. Dem-
nach ist der Beschuldigten weder eine Entschädigung noch eine Genugtuung
zuzusprechen.
12.3 Beschuldigter B.
12.3.1 Der erbetene Verteidiger des Beschuldigten B. machte in dessen Namen einen
Aufwand von 77.08 Stunden einem Stundensatz von Fr. 300.– (Arbeitszeit), ei-
nen Aufwand von 8 Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 200.– (Reisezeit)
sowie aus Auslagen von Fr. 918.85 (exkl. MWST), ausmachend insgesamt
Fr. 27'426.58 (inkl. 7.7 % MWST) für dessen Verteidigungskosten geltend
(TPF 721.332; 822.008 ff.).
12.3.2 Aufgrund des vollumfänglichen Freispruchs hat B. einen Anspruch auf Entschä-
digung nach Art. 429 Abs. 1 StPO. Die beantragte Entschädigung erscheint
grundsätzlich angemessen, mit folgenden Korrekturen:
Der Stundenansatz für die geleistete Arbeitszeit ist auf Fr. 240.– zu reduzieren
(vgl. E. 12.1.3). Im Zusammenhang mit der Teilnahme an der Hauptverhandlung,
einschliesslich Urteilseröffnung, wurden insgesamt 27.15 Stunden geltend ge-
macht. Die Hauptverhandlung dauerte effektiv insgesamt, einschliesslich Ur-
- 195 -
SK.2020.57
teilseröffnung sowie einer praxisgemäss auf 1 Stunde anzusetzenden Nachbe-
sprechung, 27.5 Stunden. Der Aufwand für die geleistete Arbeitszeit ist demnach
um 0.35 Stunden auf insgesamt 77.43 Stunden zu erhöhen.
Insgesamt ist B. demnach für die angemessene Ausübung seiner Verfahrens-
rechte mit Fr. 22'726.90 (inkl. 7.7 % MWST) zu entschädigen.
12.3.3 Der Beschuldigte B. befand sich einen Tag in Haft (24. März 2010, 6.00 - 17.15
Uhr [BA 06.005-0004 ff.]). Dies ist zu entschädigen; angemessen erscheint eine
Entschädigung von Fr. 200.– (BGE 143 IV 339 E. 3.1). Anderweitige Entschädi-
gungsansprüche wurden weder geltend gemacht noch sind solche ersichtlich.
12.3.4 Nach dem Gesagten ist B. durch die Eidgenossenschaft mit Fr. 22'926.90 (inkl.
7.7 % MWST) zu entschädigen.
13. Entschädigung der amtlichen Verteidigung
13.1 Die Entschädigung der amtlichen Verteidigung wird in Bundesstrafverfahren
nach dem Anwaltstarif des Bundes festgesetzt (Art. 135 Abs. 1 StPO).
13.2 Im Verlaufe des Verfahrens sind verschiedene Anwältinnen und Anwälte mit der
amtlichen Verteidigung der Beschuldigten betraut worden. Im Vorverfahren
sprach die Bundesanwaltschaft den Verteidigerinnen und Verteidigern bei Been-
digung des Mandatsverhältnisses jeweils eine Entschädigung zu, namentlich wie
folgt (je inkl. jeweiliger MWST):
 für Rechtsanwältin NNNN. Fr. 60'852.50 (BA 24.100-0135 f.);
 für Advokat HH. Fr. 218'294.54 (BA 24.100-0344 ff.);
 für Rechtsanwältin OOOO. Fr. 1'765.89 (BA 24.100-0340 ff.).
Gemäss Art. 135 Abs. 2 StPO liegt die Kompetenz für die Festlegung der Ent-
schädigung der amtlichen Verteidigung vorliegend beim urteilenden Gericht. Bei
den oben aufgeführten Beträgen handelt es sich folglich lediglich um Akontozah-
lungen. Die von der Bundesanwaltschaft zugesprochenen Beträge erscheinen
indes sowohl aufgrund der geleisteten Stunden als auch des Stundenansatzes
angemessen. Es rechtfertigt sich daher die Entschädigungen der ehemaligen
amtlichen Verteidigerinnen bzw. des ehemaligen amtlichen Verteidigers jeweils
in der Höhe der geleisteten Akontozahlungen festzulegen.
13.3 Der aktuelle amtliche Verteidiger der Beschuldigten, Rechtsanwalt Rainer
L. Fringeli, machte in seiner Kostennote einen Aufwand von 471.8 Stunden zu
- 196 -
SK.2020.57
einem Stundenansatz von Fr. 300.– (Arbeitszeit), einen Aufwand von 28.75 Stun-
den zu einem Stundenansatz von Fr. 200.– (Reise- und Wartezeit), einen Auf-
wand von 124.6 Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 100.– (Arbeits-, Reise-
und Wartezeit Praktikantin) sowie Auslagen von insgesamt Fr. 5'481.10 (exkl.
MWST), ausmachend insgesamt Fr. 177'953.90 (inkl. 7.7 % MWST), geltend
(TPF 821.012 ff.).
13.4 Das beantragte Honorar erscheint grundsätzlich angemessen, mit folgenden
Korrekturen:
Der Stundenansatz für die geleistete Arbeitszeit des Rechtsanwaltes ist auf
Fr. 240.– zu reduzieren (vgl. E. 12.1.3).
Der Verteidiger machte u.a. eine Reisezeit von insgesamt 14 Stunden sowie
Übernachtungskosten in V. im Umfang von insgesamt Fr. 1'000.– geltend
(TPF 821.015/018). Gemäss seinem Schreiben vom 23. März 2021 sei die Be-
schuldigte aufgrund ihrer finanziellen Notlage und ihrer gesundheitlichen Verfas-
sung nicht in der Lage gewesen, in sein Büro nach Basel zu kommen, weshalb
er zur Besprechung des Verfahrens zu ihr nach V. gereist sei (TPF 821.003 f.).
Bei diesen Kosten handelt es sich nicht um notwendige Auslagen, welche zu
entschädigen wären, ist doch eine Reiseunfähigkeit der Beschuldigten gestützt
auf die vorhandenen Akten nicht erstellt. Im Übrigen ist auch nicht ersichtlich,
weshalb diese Besprechungen nicht – wie sonst vom Verteidiger und der Be-
schuldigten praktiziert – telefonisch oder auf anderem (elektronischen) Weg hät-
ten durchgeführt werden können.
Im Zusammenhang mit der Teilnahme an der Hauptverhandlung, einschliesslich
Urteilseröffnung und Nachbesprechung, machte der Verteidiger für sich einen
Aufwand von insgesamt 25 Stunden geltend. Die Hauptverhandlung dauerte ef-
fektiv insgesamt, einschliesslich Urteilseröffnung sowie einer praxisgemäss auf
1 Stunde anzusetzenden Nachbesprechung, 27.5 Stunden. Der Aufwand ist
demnach um 2.5 Stunden zu einem Stundensatz von Fr. 240.– zu erhöhen.
In Abzug zu bringen sind allerdings die aufgrund der vorzeitigen, am
29. Juni 2021 stattgefundenen Anreise des Verteidigers entstandenen Auslagen
in der Höhe von Fr. 277.50 (TPF 821.019). Die Hauptverhandlung begann am
30. Juni 2021 um 10.30 Uhr. Es wäre dem in Basel domizilierten Verteidiger
problemlos möglich gewesen, erst am 30. Juni 2021 nach Bellinzona zu reisen,
weshalb die vorgenannten Auslagen nicht zu entschädigen sind.
Für seine Praktikantin machte er im Zusammenhang mit der Teilnahme an der
Hauptverhandlung, einschliesslich Urteilseröffnung (inkl. jeweilige An- und Rück-
reise), zudem einen Aufwand von 35 Stunden sowie Auslagen im Umfang von
- 197 -
SK.2020.57
insgesamt Fr. 1'239.60 geltend (TPF 821.013). Bei diesen Kosten handelt es sich
nicht um notwendige Auslagen, welche zu entschädigen wären, wurde die Prak-
tikantin vom Verteidiger doch als Besucherin angemeldet (TPF 310.007) und hat
sie auch in dieser Funktion – ohne jegliche Parteivertreterfunktion – an der
Hauptverhandlung teilgenommen. Diese Kosten sind folglich in Abzug zu brin-
gen.
13.5 Nach dem Gesagten besteht der notwendige, zu entschädigende Aufwand des
amtlichen Verteidigers aus folgenden Positionen: Aufwand von 474.3 Stunden zu
einem Stundenansatz von Fr. 240.– (Arbeitszeit), einen Aufwand von 14.5 Stun-
den zu einem Stundenansatz von Fr. 200.– (Reise- und Wartezeit), einen Auf-
wand von 89.6 Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 100.– (Arbeits-, Reise-
und Wartezeit Praktikantin) sowie Auslagen von insgesamt Fr. 2'964 (exkl.
MWST). Die von der Eidgenossenschaft an Rechtsanwalt Rainer L. Fringeli aus-
zurichtende Entschädigung wird somit auf Fr. 138'562.50 (inkl. 7.7 % MWST)
festgesetzt.
13.6 Die Beschuldigte hat der Eidgenossenschaft hierfür im reduzierten Umfang
von 2⁄3 (vgl. E. 11.6) Ersatz zu leisten, sobald es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse
erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO).
14. Entschädigung der Privatklägerschaft
14.1 Die Privatklägerschaft hat gegenüber der beschuldigten Person Anspruch auf
angemessene Entschädigung für notwendige Aufwendungen im Verfahren,
wenn sie obsiegt oder die beschuldigte Person nach Art. 426 Abs. 2 StPO kos-
tenpflichtig ist (Art. 433 Abs. 1 StPO). Die Privatklägerschaft hat ihre Entschädi-
gungsforderung bei der Strafbehörde zu beantragen, zu beziffern und zu bele-
gen. Kommt sie dieser Pflicht nicht nach, so tritt die Strafbehörde auf den Antrag
nicht ein (Art. 433 Abs. 2 StPO). Die Ansprüche der Privatklägerschaft nach
Art. 433 Abs.1 StPO beschränken sich auf die für ihre Interessenwahrung im
Strafverfahren selbst erforderlichen Aufwendungen. Diese betreffen in erster Li-
nie die Anwaltskosten, soweit diese durch die Beteiligung am Strafverfahren
selbst verursacht wurden und für die Wahrung der Interessen der Privatkläger-
schaft notwendig waren (SCHMID/JOSITSCH, Praxiskommentar, 3. Aufl. 2018,
Art. 433 StPO N. 3). Betreffend Berechnung der Anwaltskosten kann auf das Vor-
genannte verwiesen werden (vgl. E. 12.1.2).
14.2 C.
14.2.1 Die C. hat sich als Straf- und Zivilklägerin konstituiert. Da die Beschuldigte wegen
gewerbsmässigen Betrugs schuldig gesprochen wurde (vgl. E. 4.4), obsiegt die
- 198 -
SK.2020.57
C. vollumfänglich im Schuldpunkt. Im Strafpunkt unterliegt sie im Umfang, in dem
sie die Restitution und Einziehung der beschlagnahmten Vermögenswerte bean-
tragte; obsiegt allerdings im Grundsatz in Bezug auf die beantragten Ersatzfor-
derungen (vgl. E. 9.3, 9.7). Schliesslich unterliegt sie vollumfänglich im Zivil-
punkt, wird ihre Zivilklage doch auf den Zivilweg verwiesen (vgl. E. 10.2; BGE
139 IV 102 E. 4.4). Aufgrund des Verhältnisses von Obsiegen zu Unterliegen hat
die C. einen Anspruch auf Entschädigung im reduzierten Umfang von 2⁄3 gegen
die Beschuldigte.
14.2.2 Der Rechtsbeistand der C. machte in seiner Kostennote einen Aufwand von
307 Stunden (2.1 Stunden für das Jahr 2010, 61.9 Stunden für die Jahre 2011-
2017; 243 Stunden ab dem Jahr 2018) zu einem Stundenansatz von 230.– (Ar-
beits- und Reisezeit) sowie Auslagen im Umfang von Fr. 2'118.30 (exkl. MWST),
ausmachend insgesamt Fr. 78'370.60 (inkl. jeweiliger MWST [7.6 % betreffend
das Jahr 2010; 8 % betreffend die Jahre 2011-2017; 7.7 % betreffend die Jahre
ab 2018]), geltend (TPF 851.006 ff.).
14.2.3 Die beantragte Entschädigung erscheint grundsätzlich angemessen, mit folgen-
den Korrekturen:
Die Reisezeit wird im Zusammenhang mit der Teilnahme an Einvernahmen im
Vorverfahren in der Kostennote nicht gesondert ausgeschieden (vgl. Positionen
vom 28.-30. Mai 2013, 4. Juli 2014, 16. Oktober 2014 und 11. Dezember 2014).
Aufgrund der in den jeweiligen Protokollen festgehaltenen Dauer der Einvernah-
men (vgl. BA 13.001-0380 ff.; -0593 ff.; -0666 ff.; -0847 ff.; -0960 ff.; -1073 ff.)
ergibt sich jedoch, dass sich die Reisezeit hierfür auf insgesamt rund 12 Stunden
belief. Diese Reisezeit ist – wie auch die separat ausgeschiedene Reisezeit von
10 Stunden im Zusammenhang mit der Hauptverhandlung – zum Stundenansatz
von Fr. 200.– zu entschädigen; die Arbeitszeit zum Stundenansatz von Fr. 240.–
(vgl. E. 12.1.3).
Im Zusammenhang mit der Teilnahme an der Hauptverhandlung, einschliesslich
Urteilseröffnung, wird ein Aufwand von insgesamt 24.5 Stunden geltend ge-
macht. Die Hauptverhandlung dauerte effektiv insgesamt, einschliesslich Ur-
teilseröffnung sowie einer praxisgemäss auf 1 Stunde anzusetzenden Nachbe-
sprechung, 27.5 Stunden. Der Aufwand ist demnach um 3 Stunden zu einem
Stundensatz von Fr. 240.– zu erhöhen.
14.2.4 Im Ergebnis ergibt sich für das Jahr 2010 ein Aufwand von 2.1 Stunden zu einem
Stundensatz von Fr. 240.– (Arbeitszeit), für die Jahre 2011-2017 ein Aufwand
von 49.9 Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 240.– und von 12 Stunden zu
einem Stundenansatz von Fr. 200.– (Reisezeit) sowie für die Jahre ab 2018 ein
Aufwand von 236 Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 240.– (Arbeitszeit)
- 199 -
SK.2020.57
und von 10 Stunden zu einem Stundensatz von Fr. 200.– (Reisezeit). Hinzu kom-
men noch die Auslagen von Fr. 2'118.30 (exkl. MWST), sodass im Ergebnis ein
Aufwand von Fr. 81'505.05 (inkl. jeweiliger MWST) resultiert.
Die Beschuldigte A. wird verpflichtet, der C. hiervon eine Entschädigung im Um-
fang von 2⁄3, ausmachend Fr. 54'336.70 (inkl. MWST), zu bezahlen.
14.3 D. Bank
14.3.1 Die D. Bank hat sich als Straf- und Zivilklägerin konstituiert. Da die Beschuldigte
wegen gewerbsmässigen Betrugs schuldig gesprochen wurde (vgl. E. 4.5.3), ob-
siegt die D. Bank vollumfänglich im Schuldpunkt. Im Strafpunkt unterliegt sie im
Umfang, in dem sie die Einziehung der beschlagnahmten Vermögenswerte be-
antragte; obsiegt allerdings im Grundsatz in Bezug auf die beantragten Ersatz-
forderungen (vgl. E. 9.4, 9.7). Schliesslich unterliegt sie vollumfänglich im Zivil-
punkt, wird ihre Zivilklage doch auf den Zivilweg verwiesen (vgl. E. 10.3; BGE
139 IV 102 E. 4.4). Aufgrund des Verhältnisses von Obsiegen zu Unterliegen hat
die D. Bank einen Anspruch auf Entschädigung in reduziertem Umfang von 2⁄3
gegen die Beschuldigte.
14.3.2 Der Rechtsbeistand der D. Bank machte in seiner Kostennote einen Aufwand
von 55.5 Stunden (3.66 Stunden für das Jahr 2010, 15.34 Stunden für die
Jahre 2011-2017; 36.5 Stunden ab dem Jahr 2018) zu einem Stundenansatz von
280.– (Arbeitszeit) sowie Auslagen im Umfang von Fr. 466.20 (exkl. MWST), aus-
machend insgesamt Fr. 17'257.65 (inkl. jeweiliger MWST), geltend
(TPF 852.001 ff.).
14.3.3 Die beantragte Entschädigung erscheint grundsätzlich angemessen, mit folgen-
den Korrekturen:
Der Stundenansatz für die geleistete Arbeit ist auf Fr. 240.– zu reduzieren (vgl.
E. 12.1.3). Anzuwenden ist sodann der zum Zeitpunkt der Leistungserbringung
jeweils geltende Mehrwertsteuersatz: 7.6 % (statt wie geltend gemacht 8 %) be-
treffend das Jahr 2010 (aArt. 25 Abs. 1 MWSTG, in der bis zum 31. Dezem-
ber 2010 geltenden Fassung), 8 % betreffend die Jahre 2011-2017 (aArt. 25
Abs. 1 MWSTG, in der vom 1. Januar 2011 bis zum 31. Dezember 2017 gelten-
den Fassung) und 7.7 % (statt wie teilweise geltend gemacht 8 %) betreffend die
Jahre ab 2018 (Art. 25 Abs. 1 MWSTG).
14.3.4 Im Ergebnis resultiert demnach, einschliesslich Auslagen, ein Aufwand von
Fr. 14'858.40 (inkl. jeweiliger MWST).
- 200 -
SK.2020.57
Die Beschuldigte A. wird verpflichtet, der D. Bank hiervon eine Entschädigung im
Umfang von 2⁄3, ausmachend Fr. 9'905.60 (inkl. MWST), zu bezahlen.
14.4 Bank E.
Die Bank E. hat sich als Straf- und Zivilklägerin konstituiert. Sie ist anwaltlich
vertreten. Ihr Rechtsbeistand wurde mit Schreiben vom 10. Dezember 2020 zur
Hauptverhandlung eingeladen und dabei ausdrücklich auf die Stellung der Pri-
vatklägerschaft im Verfahren sowie mittels gerichtlichen Merkblatts auch auf die
Thematik der Entschädigung der Privatklägerschaft und deren Rechtsbeistand
aufmerksam gemacht (TPF 350.001 f.). Der Rechtsbeistand der Bank E. hat
zwar im Vorverfahren mit Schreiben vom 7. Mai 2013 Rechtsverfolgungskosten
in der Höhe von rund Fr. 77'000.– angemeldet (BA 15.301-0057). Sofern darin
ein Antrag um Zusprechung einer Prozessentschädigung zu sehen ist, kann auf
diesen mangels Beleg nicht eingetreten werden (Art. 433 Abs. 2 Satz 2 StPO).
Ansonsten hat weder die Bank E. noch deren Rechtsbeistand eine Entschädi-
gungsforderung beantragt. Der Bank E. wird demnach keine Entschädigung zu-
gesprochen.
14.5 Bank F.
14.5.1 Die Bank F. hat sich als Straf- und Zivilklägerin konstituiert. Da die Beschuldigte
wegen gewerbsmässigen Betrugs schuldig gesprochen wurde (vgl. E. 4.7.3), ob-
siegt die Bank F. vollumfänglich im Schuldpunkt. Im Strafpunkt unterliegt sie im
Umfang, in dem sie die Einziehung der beschlagnahmten Vermögenswerte be-
antragte; obsiegt allerdings im Grundsatz in Bezug auf die beantragten Ersatz-
forderungen (vgl. E. 9.6 f.). Schliesslich obsiegt sie auch vollumfänglich im Zivil-
punkt (vgl. E. 10.5). Aufgrund des bloss marginalen Unterliegens im Strafpunkt,
der ohnehin von Amtes wegen zu prüfen gewesen wäre, hat die Bank F. einen
vollumfänglichen Anspruch auf Entschädigung gegen die Beschuldigte.
14.5.2 Der Rechtsbeistand der Bank F. machte in seiner Kostennote einen Aufwand von
113.25 Stunden (34.37 Stunden für das Jahr 2010, 54.73 Stunden für die
Jahre 2011-2017; 24.15 Stunden ab dem Jahr 2018) zu einem Stundenansatz
von 300.– (Arbeitszeit) sowie Auslagen im Umfang von Fr. 653.25 (exkl. MWST),
ausmachend insgesamt Fr. 37'378.60 (inkl. jeweiliger MWST), geltend
(TPF 553.015 ff.).
14.5.3 Die beantragte Entschädigung erscheint grundsätzlich angemessen, mit folgen-
den Korrekturen:
Der Stundenansatz für die geleistete Arbeit ist auf Fr. 240.– zu reduzieren (vgl.
E. 12.1.3). Anzuwenden ist sodann der zum Zeitpunkt der Leistungserbringung
- 201 -
SK.2020.57
jeweils geltende Mehrwertsteuersatz: 7.6 % (statt wie geltend gemacht 8 %) be-
treffend das Jahr 2010, 8 % betreffend die Jahre 2011-2017 und 7.7 % betref-
fend die Jahre ab 2018 (vgl. Art. 25 Abs. 1 MWSTG, in der jeweils geltenden
Fassung).
14.5.4 Im Ergebnis resultiert demnach, einschliesslich Auslagen, ein Aufwand von
Fr. 30'007.10 (inkl. jeweiliger MWST).
Die Beschuldigte A. wird verpflichtet, der Bank F. eine Entschädigung in dieser
Höhe zu bezahlen.
14.6 Konkursmasse der G.
Die Konkursmasse der G. hat sich lediglich als Zivilklägerin konstituiert. Ihre Zi-
vilklage wurde auf den Zivilweg verwiesen (vgl. E. 0). Demnach hat sie nicht ob-
siegt (BGE 139 IV 102 E. 4.4). Die Beschuldigte ist auch nicht kostenpflichtig
nach Art. 426 Abs. 2 StPO. Die Zivilklägerin hat somit keinen Anspruch auf eine
Entschädigung nach Art. 433 Abs. 1 StPO.
14.7 Konkursmasse der I.
Die Konkursmasse der I. hat sich lediglich als Zivilklägerin konstituiert. Ihre Zivil-
klage wurde auf den Zivilweg verwiesen (vgl. E. 0). Demnach hat sie nicht obsiegt
(BGE 139 IV 102 E. 4.4). Die Beschuldigte ist auch nicht kostenpflichtig nach
Art. 426 Abs. 2 StPO. Die Zivilklägerin hat somit keinen Anspruch auf eine Ent-
schädigung nach Art. 433 Abs. 1 StPO.
15. Entschädigung der Drittbetroffenen
15.1 Die Drittbetroffenen machten ihre Entschädigungsansprüche zulasten der
Staatskasse oder der antragsstellenden Privatklägerschaft geltend (vgl. zu den
Anträgen vorne vor der Prozessgeschichte).
15.2
15.2.1 Gesetzliche Grundlage für den Entschädigungsanspruch des Dritten bildet
Art. 434 StPO. Demnach haben Dritte Anspruch auf angemessenen Ersatz ihres
nicht auf andere Weise gedeckten Schadens sowie auf Genugtuung, wenn sie
durch Verfahrenshandlungen oder bei der Unterstützung von Strafbehörden
Schaden erlitten haben (Art. 434 Abs. 1 Satz 1 StPO). Hiervon werden nament-
lich die notwendigen Anwaltskosten der Dritten erfasst (SCHMID/JOSITSCH, Pra-
xiskommentar, 3. Aufl. 2018, Art. 434 StPO N. 4). Die Forderung ist bei der Straf-
behörde zu beantragen, zu beziffern und zu belegen. Wird dieser Pflicht nicht
- 202 -
SK.2020.57
nachgekommen, so tritt die Strafbehörde auf den Antrag nicht ein (Art. 434 Abs. 1
Satz 2 i.V.m. Art. 433 Abs. 2 StPO). In Bezug auf die Berechnung der Entschä-
digung kann auf das Vorgenannte verwiesen werden (vgl. E. 12.1.2 f.).
15.2.2 Der Wortlaut von Art. 434 Abs. 1 StPO nennt lediglich den Anspruchsberechtig-
ten Dritten, schweigt jedoch darüber, wer ihm gegenüber ersatzpflichtig wird. Li-
teratur und Rechtsprechung vertreten – soweit ersichtlich – einhellig die Ansicht,
dass der Entschädigungsanspruch sich in jedem Fall gegen den Staat richte. Als
Begründung wird im Wesentlich angeführt, es fehle an einer Rechtsgrundlage,
um die Kosten der beschuldigten Person oder der Privatklägerschaft aufzuerle-
gen (WEHRENBERG/FRANK, Basler Kommentar, 2. Aufl. 2014, Art. 434 StPO N. 7;
SCHMID/JOSITSCH, a.a.O., Art. 434 StPO N. 7; SCHÖDLER, Dritte im Beschlag-
nahme- und Einziehungsverfahren, Diss., 2012, S. 212 f.; ARNOLD, Die Verfah-
renskosten gemäss Schweizerischer Strafprozessordnung, 2018, Diss., S. 84;
gleicher Ansicht ohne Begründung GRIESSER, Zürcher Kommentar, 3. Aufl. 2020,
Art. 434 StPO N. 1; Urteil des Bundesgerichts 6B_1331/2018 vom 28. Novem-
ber 2019 E. 3.1). Vereinzelt wird zudem geltend gemacht, es erscheine im Hin-
blick auf die Privatklägerschaft unbillig, diese zum Parteikostenersatz an den ob-
siegenden Dritterwerber zu verpflichten, habe diese doch bereits den Nachteil zu
tragen, dass ihr entzogene Vermögenswerte endgültig verloren bleiben (WEH-
RENBERG/FRANK, a.a.O., Art. 434 StPO N. 7; SCHÖDLER, a.a.O., S. 212 f.)
15.2.3 Gestützt auf den Wortlaut von Art. 434 Abs. 1 StPO erscheint eine Ersatzpflicht
der Privatklägerschaft mangels Nennung des Ersatzpflichtigen jedoch zumindest
nicht ausgeschlossen. Eine solche ist der Strafprozessordnung auch nicht unbe-
kannt: Nach Art. 432 Abs. 1 StPO hat die obsiegende beschuldigte Person ge-
genüber der Privatklägerschaft Anspruch auf angemessene Entschädigung für
die durch die Anträge zum Zivilpunkt verursachten Aufwendungen. In seiner
Rechtsprechung zu Art. 432 StPO betonte das Bundesgericht, der Grundsatz,
wonach die Verteidigungskosten der freigesprochenen beschuldigten Person in
erster Linie vom Staat getragen werden, gelte (nur) solange, wie der Staat für die
strafrechtliche Verfolgung verantwortlich sei. Deshalb habe der Gesetzgeber für
Verfahrenslagen, in denen das Verfahren vorwiegend auf Initiative und im Inte-
resse der Privatklägerschaft (weiter-)geführt wird, Korrektive, namentlich Art. 432
Abs. 2 StPO, entworfen (BGE 147 IV 47 E. 4.2.4; 139 IV 45 E. 1.2). Während die
Strafprozessordnung eine solche Ausnahmeregelung für das Verhältnis zwi-
schen der beschuldigten Person und der Privatklägerschaft ausdrücklich vor-
sieht, schweigt sie über allfällige Korrektive für Situationen, in denen ein Verfah-
ren gegen einen Dritten vorwiegend auf Initiative und im Interesse der Privatklä-
gerschaft geführt wird. Es ist daher im Folgenden zu prüfen, ob die methodischen
Voraussetzungen einer Analogie von Art. 432 StPO auf das Verhältnis zwischen
der Privatklägerschaft und eines Dritten gegeben sind.
- 203 -
SK.2020.57
15.2.4 Voraussetzung für eine analoge Anwendung eines Rechtssatzes ist das Vorlie-
gen einer Lücke im Gesetz. Eine solche besteht, wenn sich eine Regelung als
unvollständig erweist, weil sie jede Antwort auf die sich stellende Rechtsfrage
schuldig bleibt. Hat der Gesetzgeber eine Rechtsfrage nicht übersehen, sondern
stillschweigend – im negativen Sinn – mitentschieden (qualifiziertes Schweigen),
bleibt kein Raum für richterliche Lückenfüllung. Eine Gesetzeslücke, die vom Ge-
richt zu füllen ist, liegt nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts dann vor,
wenn der Gesetzgeber etwas zu regeln unterlassen hat, was er hätte regeln sol-
len, und dem Gesetz diesbezüglich weder nach seinem Wortlaut noch nach dem
durch Auslegung zu ermittelnden Inhalt eine Vorschrift entnommen werden kann.
Ist ein lückenhaftes Gesetz zu ergänzen, gelten als Massstab die dem Gesetz
selbst zugrunde liegenden Zielsetzungen und Werte. Lücken können oftmals auf
dem Weg der Analogie geschlossen werden (BGE 145 IV 252 E. 1.6.1; 141 III 43
E. 2.5.1; 141 IV 298 1.3.1; je mit Hinweisen).
15.2.5 Die Strafprozessordnung regelt die Frage nach der Entschädigung Dritter in eher
rudimentärer Form in lediglich einem Artikel (Art. 434 StPO). Der Wortlaut der
Bestimmung lässt, wie gezeigt, offen, wer dem Dritten gegenüber ersatzpflichtig
wird. Weder der Vorentwurf (vgl. Art. 486 ff. des Vorentwurfs zu einer Schweize-
rischen Strafprozessordnung vom Juni 2001) noch die Botschaft (Botschaft zur
Vereinheitlichung des Strafprozessrechts vom 21. Dezember 2005, BBl 2006
1085, 1323 ff.) setzen sich näher mit der vorliegenden Frage auseinander. Die
zitierte bundesgerichtliche Rechtsprechung (vgl. E. 15.2.3) zeigt jedoch, dass es
dem gesetzgeberischen Willen entspricht, die unterliegende Privatklägerschaft
bei Verfahren, welche vorwiegend auf ihre Initiative hin und in ihrem Interesse
geführt wurden, ausnahmsweise entschädigungspflichtig werden zu lassen. Dies
ergibt sich auch aus dem allgemeinen, im Prozessrecht anwendbaren Unterlie-
gens- bzw. Erfolgsprinzip. In diesem Sinne ist der vorgenannten Literatur und
Rechtsprechung (vgl. E. 15.2.2) im Grundsatz zuzustimmen, dass sich der Ent-
schädigungsanspruch des Dritten im Regelfall – namentlich bei Schaden infolge
von (staatlich angeordneten) Zwangsmassnahmen oder Unterstützung von Straf-
behörden – gegen den Staat zu richten hat. Der Dritte kann allerdings nicht nur
durch staatliche, sondern durch Verfahrenshandlung sämtlicher Parteien, na-
mentlich auch der Privatklägerschaft, beschwert und geschädigt werden
(Art. 105 Abs. 1 lit. f StPO; Art. 434 Abs. 1 StPO). So kann die Privatklägerschaft
zwar gegen den Dritten keine Zivilklage erheben. Sie kann jedoch beantragen,
dass dessen Vermögenswerte in Anwendung von Art. 70 Abs. 1 in fine StGB ihr
restituiert oder bei Vorliegen der Voraussetzungen von Art. 73 StGB zu ihren
Gunsten eingezogen werden. Sind die einziehbaren Vermögenswerte nicht mehr
vorhanden, kann sie schliesslich beantragen, dass zulasten des Dritten auf eine
Ersatzforderung erkannt wird (Art. 71 StGB), welche wiederum zu ihren Gunsten
verwendet werden kann (Art. 73 StGB). Solche Anträge erfolgen jedenfalls bei
- 204 -
SK.2020.57
Delikten gegen Individualinteressen hauptsächlich im Interesse der Geschädig-
ten und weisen Züge eines Zivilprozesses auf (vgl. SCHÖDLER, a.a.O., S. 212).
Insofern sind die Verfahrensposition der mit Zivilanträgen belasteten beschuldig-
ten Person und dem mit Restituierungs-, Einziehungs- oder Ersatzforderungsan-
trägen belasteten Dritten im Wesentlichen gleich. Weshalb in solchen Fällen vom
allgemeinen Unterliegens- bzw. Erfolgsprinzip abgewichen werden soll, ist daher
nicht ersichtlich. Unter Berücksichtigung des staatlichen Strafmonopols und dem
daraus folgenden Umstand, dass die Verfahrensanträge der Privatklägerschaft
bei Gutheissung durch die Strafbehörden umgesetzt werden (vgl. Botschaft zur
Vereinheitlichung des Strafprozessrechts vom 21. Dezember 2005, BBl 2006
1085, 1330), muss die Entschädigungspflicht der Privatklägerschaft aber die
Ausnahme bleiben. Bei Abweisung von privatklägerischen Restituierungs-, Ein-
ziehungs- oder Ersatzforderungsanträgen spricht jedoch nichts dagegen, die
dem Dritten damit verursachten Kosten in analoger Anwendung von Art. 432
Abs. 1 StPO ausnahmsweise der Privatklägerschaft aufzuerlegen. Eine solche
Lösung erscheint – entgegen den Ansichten von WEHRENBERG/FRANK und
SCHÖDLER (vgl. E. 15.2.2) – auch nicht unbillig. Dieses Entschädigungsrisiko ist
vielmehr das Gegenstück zum der Privatklägerschaft bei Gutheissung des An-
trags zukommenden Vorteils. Nachfolgend wird zu prüfen sein, ob die Dritten
durch den Staat oder die Privatklägerschaft zu entschädigen sind.
15.3 J. und K. AG
15.3.1 Im Vorverfahren wurden Vermögenswerte von J. und der K. AG beschlagnahmt.
Anlässlich der Hauptverhandlung hat u.a. die Bundesanwaltschaft deren Einzie-
hung beantragt. Mangels Vorliegen der Voraussetzungen nach Art. 69 ff. StGB
konnten diese nicht eingezogen werden. Das Gericht hat die Vermögenswerte
freigegeben (vgl. E. 9.9.2.1). Für den in diesem Zusammenhang entstandenen
Schaden haben J. und die K. AG einen Anspruch auf Entschädigung nach
Art. 434 StPO.
15.3.2 Die Rechtsvertreterin von J. und der K. AG machte für beide Drittbetroffenen ge-
meinsam in ihren Kostennoten einen Aufwand von 134.1 Stunden zu einem Stun-
denansatz von Fr. 240.– (Arbeitszeit und 5 Stunden Reisezeit), 57.6 Stunden zu
einem Stundenansatz von Fr. 300.– (Arbeitszeit) sowie Auslagen von insgesamt
Fr. 2'910.30 (exkl. MWST), ausmachend insgesamt Fr. 56'407.12 (inkl. 7.7 %
MWST), geltend (TPF 857.6.002 ff.). Weiterer Schaden wird nicht geltend ge-
macht.
15.3.3 Die beantragte Entschädigung erscheint grundsätzlich angemessen, mit folgen-
den Korrekturen:
- 205 -
SK.2020.57
Die im Zusammenhang mit der Hauptverhandlung geltend gemachte Reisezeit
von 5 Stunden ist zwar in der detaillierten Kostennote mit einem Stundenansatz
von Fr. 200.– ausgeschieden. Bei der Berechnung des geltend gemachten Auf-
wandes wird aber auch hierfür ein Stundenansatz von Fr. 240.– angewendet. Der
Stundenansatz für diese 5 Stunden ist daher praxisgemäss auf Fr. 200.– zu re-
duzieren (vgl. E. 12.1.2).
Die Rechtsvertreterin machte im Zusammenhang mit den Anträgen der Bundes-
anwaltschaft auf Einziehung des Vermögens von J. und der K. AG richtigerweise
einen Stundenansatz von Fr. 240.– geltend. Den Aufwand betreffend die Anträge
der Privatklägerschaft, namentlich der C., gegen ihre Klienten verrechnete sie
mit einem erhöhten Stundenansatz von Fr. 300.–. Dies begründete sie im We-
sentlichen damit, dass es um einen Streitwert von mehreren Millionen gehe.
Überdies führt sie aus, dass die C. ihre Anträge äussert komplex gestaltet und in
weiten Teilen mit «Beweisketten» versehen habe, deren Nachprüfung mit be-
trächtlichem Aufwand verbunden gewesen sei (TPF 857.6.002 f.). Es trifft zwar
zu, dass die C. sich in ihren Eingaben ausführlich zur Restitution und Einziehung
von Vermögenswerten von J. und der K. AG geäussert hat. Allerdings hat auch
die Bundesanwaltschaft im Ergebnis die Einziehung dieser Vermögenswerte be-
antragt. Inwiefern es sich bei den Anträgen der Privatklägerschaft um komplexere
Anträge gehandelt haben soll, deren Behandlung einen höheren Stundenansatz
erforderlich machen würden, ist demnach nicht ersichtlich. Der aufgrund der aus-
führlich begründeten Anträge der C. erforderliche Aufwand der Rechtsvertreterin
widerspiegelt sich vielmehr bereits in den geleisteten Stunden und nicht im Stun-
denansatz. Insgesamt erscheint deshalb für die gesamte Arbeitszeit ein Stun-
denansatz von Fr. 240.– als ausreichend und angemessen (vgl. E. 12.1.3).
Im Zusammenhang mit der Hauptverhandlung machte die Rechtsvertreterin
Fahrtkosten im Betrag von insgesamt Fr. 372.– (372 km zu je Fr. 1.–) geltend.
Für Reisen in der Schweiz werden grundsätzlich die Kosten eines Halbtax-Bahn-
billetts erster Klasse entschädigt (Art. 13 Abs. 2 lit. a BStKR). Anstelle einer Ent-
schädigung der Bahnkosten kann ausnahmsweise, insbesondere bei erheblicher
Zeitersparnis, für die Benutzung des privaten Motorfahrzeuges eine Entschädi-
gung ausgerichtet werden; der Kilometeransatz beträgt 70 Rappen (Art. 13
Abs. 3 BStKR i.V.m. Art. 46 VBPV). Die Benutzung des Motorfahrzeuges dauert
vorliegend wie die Reisezeit mit dem öffentlichen Verkehr rund 2.5 Stunden. Eine
Zeitersparnis ist demnach nicht ersichtlich. Weshalb es der Rechtsvertreterin
nicht möglich war, mit dem öffentlichen Verkehr anzureisen, wird weder dargetan
noch ist dies ersichtlich. Die Auslagen sind demnach auf die Bahnkosten von
Fr. 52.–pro Weg zu reduzieren.
- 206 -
SK.2020.57
Nicht geltend gemacht wurden der Zeitaufwand sowie die Auslagen für die Teil-
nahme an der Urteilseröffnung. Aufgrund der Teilnahme der Rechtsvertreterin an
der Urteilseröffnung ist die Entschädigung zusätzlich um 5 Stunden zu einem
Stundenansatz von Fr. 200.– (An- und Rückreise), 2 Stunden zu einem Stunden-
ansatz von Fr. 240.– (Urteilseröffnung, inkl. Nachbesprechung) sowie Reisekos-
ten von Fr. 104.– zu erhöhen.
15.3.4 Im Ergebnis resultiert somit ein notwendiger Aufwand von 188.7 Stunden zu ei-
nem Stundenansatz von Fr. 240.– (Arbeitszeit), 10 Stunden zu einem Stunden-
ansatz von Fr. 200.– (Reisezeit) sowie Auslagen von insgesamt Fr. 2'746.30
(exkl. MWST), ausmachend insgesamt Fr. 53'886.95 (inkl. 7.7 % MWST). Die
Rechtsvertreterin unterscheidet in ihren Kostennoten nicht zwischen dem für J.
und dem für die K. AG erbrachten Aufwand. Aufgrund dessen und des Umstan-
des, dass die Sachverhalte eng miteinander verknüpft und schwer voneinander
trennbar sind, erscheint es angemessen, die Anwaltskosten je zur Hälfte zuzu-
sprechen. Aufgrund der Rundungsdifferenzen wird J. mit Fr. 26'943.50 (inkl.
7.7 % MWST) und die K. AG mit Fr. 26'943.45 (inkl. 7.7 % MWST) entschädigt.
15.3.5 Die Vermögenswerte von J. und der K. AG wurden von der Bundesanwaltschaft
beschlagnahmt. Diese hat überdies den Antrag gestellt, diese Vermögenswerte
einzuziehen. Obschon auch die Privatklägerschaft gleichlautende Anträge ge-
stellt haben, besteht vorliegend aufgrund der staatlichen Verfahrenshandlungen
kein Raum, vom Grundsatz der staatlichen Ersatzpflicht abzuweichen. J. und die
K. AG sind demnach durch die Eidgenossenschaft zu entschädigen.
15.4 O. Versicherung
15.4.1 Aufgrund des während des Hauptverfahrens in Aussicht gestellten und anlässlich
der Hauptverhandlung gestellten Antrags der C. auf Begründung einer Ersatzfor-
derung zulasten der O. Versicherung wurde Letztere durch das Gericht ins Ver-
fahren einbezogen, namentlich zur Teilnahme an der Hauptverhandlung einge-
laden (TPF 551.004 ff.; TPF 357.1.001 ff.). Der Antrag der C. wurde abgewiesen
(vgl. E. 9.7.3.2). Für den in diesem Zusammenhang entstandenen Schaden hat
sie einen Anspruch auf Entschädigung nach Art. 434 StPO.
15.4.2 Der Rechtsbeistand der O. Versicherung machte in seiner Kostennote einen Auf-
wand von 90.25 Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 300.– (84.75 Stunden
Arbeitszeit; 5.5 Stunden Reisezeit) sowie Auslagen von Fr. 809.30 (exkl. MWST),
ausmachend insgesamt Fr. 30'031.40 (inkl. 7.7 % MWST), geltend
(TPF 857.2.001 ff.).
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15.4.3 Die beantragte Entschädigung ist wie folgt anzupassen:
Der Stundenansatz ist auf Fr. 240.– für Arbeitszeit und Fr. 200.– für Reisezeit zu
reduzieren (vgl. hierzu E. 12.1.2 f.).
Hinsichtlich des Stundenaufwandes für die erbrachte Arbeitsleistung ist Folgen-
des relevant: Der Antrag auf Begründung einer Ersatzforderung zu Lasten der O.
Versicherung ist inhaltlich mit dem Antrag gegen die P. Versicherung identisch.
Es stellen sich damit sowohl in rechtlicher als auch in tatsächlicher Hinsicht wei-
testgehend die gleichen Fragen. Dies wird auch durch die Kostennote sichtbar,
welcher zu entnehmen ist, dass sich die Rechtsbeistände der O. Versicherung
und der P. Versicherung vor der Hauptverhandlung in nicht unwesentlichem Um-
fang miteinander ausgetauscht haben (vgl. die Positionen vom 16.-18., 22., 25.,
28.-29. Juni 2021 sowie vom 1. Juli 2021). Auch während der Hauptverhandlung
haben die beiden Rechtsvertreter in ihren Parteivorträgen jeweils gegenseitig auf
die Ausführungen des anderen verwiesen (vgl. TPF 721.209 ff.; 720.019). Dieses
gemeinsame, teilweise überschneidende Vorgehen hatte zur Folge, dass sich
zwei Rechtsvertreter in nicht unerheblichem Ausmass zeitgleich mit identischen
Sachverhalts- und Rechtsfragen befasst haben. Dieser Kooperationsaufwand
stellt keinen notwendigen, zu entschädigenden Schaden nach Art. 434
Abs. 1 StPO dar. Es erscheint deshalb angemessen, den als Arbeitszeit geltend
gemachten Stundenaufwand von 84.75 Stunden um 1⁄3 zu kürzen.
15.4.4 Im Ergebnis resultiert somit ein notwendiger Aufwand von 56.5 Stunden zu einem
Stundenansatz von Fr. 240.– (Arbeitszeit), 5.5 Stunden zu einem Stundenansatz
von Fr. 200.– (Reisezeit) sowie Auslagen von Fr. 809.30 (exkl. MWST), ausma-
chend insgesamt Fr. 16'660.45 (inkl. 7.7 % MWST).
15.4.5 Zu prüfen bleibt, wer diese Entschädigung zu leisten hat. Bereits mit Schreiben
vom 22. März 2012 beantragte die C., Vermögenswerte der O. Versicherung und
der P. Versicherung zur Einziehung, eventualiter zur Durchsetzung einer Ersatz-
forderung, zu beschlagnahmen, da es sich hierbei um zum Nachteil der C. delik-
tisch erlangte Gelder handeln würde (BA 15.102-0714 ff.). Auf telefonische
Nachfrage der C., teilte der damals zuständige Staatsanwalt ihr mit, dass er eine
solche Beschlagnahme als nicht verhältnismässig erachte. Er werde aber vo-
raussichtlich im Rahmen der Gerichtsverhandlung die Einziehung dieser Vermö-
genswerte beantragen (BA 15.102-0734). In der Anklageschrift, in welcher be-
reits Anträge zur Einziehung und zu Ersatzforderungen enthalten sind, verzich-
tete die Bundesanwaltschaft jedoch darauf (TPF 100.177 f.). Die O. Versiche-
rung war demnach bis zur Anklageerhebung nicht als Drittbetroffene im Verfah-
ren involviert. Mit Schreiben vom 30. März 2020 kündigte die C. sodann an, an-
lässlich der Hauptverhandlung einen entsprechenden Antrag auf Einziehung von
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Vermögenswerten bei der O. Versicherung und P. Versicherung zu stellen und
beantragte, die Versicherungsgesellschaft zur Hauptverhandlung einzuladen
(TPF 551.004 f.). Das Gericht hiess letztgenannten Antrag gut und lud die beiden
Versicherungsgesellschaften zur Wahrung ihrer Verfahrensrechte zur Hauptver-
handlung ein (TPF 357.1.001 ff.). Anlässlich der Hauptverhandlung machte die
Bundesanwaltschaft geltend, dass entgegen dem Vorbringen der C. keine Ein-
ziehung von Vermögenswerten der O. Versicherung und P. Versicherung erfol-
gen könne und beantragte sinngemäss die Abweisung eines entsprechenden
Antrages der C. (TPF 721.076 ff.). Demgegenüber beantragte die C. in ihrem
Parteivortrag, dass zulasten der genannten Versicherungsgesellschaften auf
eine Ersatzforderung zu erkennen sei, welche ihr in Anwendung von Art. 73 StGB
zuzusprechen sei (TPF 721.089 f.). Dieser Antrag wurde abgewiesen (vgl.
E. 9.7.4). Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die O. Versicherung einzig auf-
grund der Anträge der C. ins Verfahren einbezogen worden ist. Es gab demnach
weder auf Seiten der Bundesanwaltschaft noch des Gerichts einen staatlichen
Eingriff hinsichtlich der Ausdehnung des Verfahrens auf die O. Versicherung. Das
Verfahren betreffend Begründung einer Ersatzforderung zulasten der O. Versi-
cherung wurde demnach ausschliesslich auf Initiative und im Interesse der C.
geführt. In diesem Fall rechtfertigt es sich, die der O. Versicherung hierdurch ver-
ursachten Kosten in analoger Anwendung von Art. 432 Abs. 1 StPO der C. auf-
zuerlegen (vgl. E. 15.2). Die C. ist demnach zu verpflichten, der O. Versicherung
eine Entschädigung von Fr. 16'660.45 (inkl. MWST) zu bezahlen.
15.5 P. Versicherung
15.5.1 Aufgrund des während des Hauptverfahrens in Aussicht gestellten und anlässlich
der Hauptverhandlung gestellten Antrags der C. auf Begründung einer Ersatzfor-
derung zulasten der P. Versicherung wurde Letztere durch das Gericht ins Ver-
fahren einbezogen, namentlich zur Teilnahme an der Hauptverhandlung einge-
laden (TPF 551.004 ff.; TPF 357.1.001 ff.). Der Antrag der C. wurde abgewiesen
(vgl. E. 9.7.3.2). Für den in diesem Zusammenhang entstandenen Schaden hat
sie einen Anspruch auf Entschädigung nach Art. 434 StPO.
15.5.2 Der Rechtsbeistand der P. Versicherung machte in seiner Kostennote einen Auf-
wand von 72.7 Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 500.– (Arbeits- und
Reisezeit), einen Aufwand von 4.5 Stunden zu einem Stundenansatz von
Fr. 400.– (Arbeitszeit eines Mitarbeiters), einen Aufwand von 23.3 Stunden zu
einem Stundenansatz von Fr. 300.– (Arbeitszeit einer Mitarbeiterin) sowie Aus-
lagen von Fr. 1'810.20 (exkl. MWST), ausmachend insgesamt Fr. 50'565.40 (inkl.
7.7 % MWST), geltend (TPF 857.1.002 ff.).
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15.5.3 Die beantragte Entschädigung ist wie folgt anzupassen:
Der Stundenansatz ist auf Fr. 240.– für Arbeitszeit und Fr. 200.– für Reisezeit zu
reduzieren (vgl. hierzu E. 12.1.2 f.).
Die Reisezeit wird in der Kostennote nicht separat ausgeschieden. Aufgrund des
Arbeitsortes des Rechtsbeistandes in Zürich ist von einer Reisezeit von 5 Stun-
den auszugehen.
Hinsichtlich des verbleibenden Stundenaufwandes für die erbrachte Arbeitsleis-
tung von ihm und seinen Mitarbeitenden von insgesamt 95.5 Stunden ist Folgen-
des relevant: Die einzelnen geleisteten Arbeitsstunden sind in der Kostennote
nicht im Detail nachvollziehbar. Diese scheidet den Aufwand lediglich nach Ar-
beitstagen aus, ohne zu beziffern, an welchem Tag, wie viele Stunden geleistet
worden sind. Dem Gericht ist es deshalb nicht möglich, die Angemessenheit des
beantragten Stundenaufwandes im Detail zu beurteilen. Es erstaunt jedoch, dass
der Rechtsbeistand rund 10 Stunden mehr Arbeitszeit als der Rechtsbeistand der
O. Versicherung geltend macht, obwohl die P. Versicherung während des ge-
samten Verfahrens vom gleichen Rechtsbeistand vertreten war (vgl. BA 15.501-
0001), welcher überdies – anders als der Rechtsbeistand der O. Versicherung –
intensiv in das Vorverfahren involviert war (vgl. nur schon die Strafanzeige der P.
Versicherung [BA 05.106-0001 ff.], diverse Eingaben [BA 15.501-0001 ff.], und
das wahrgenommene Akteneinsichtsrecht [BA 20.106-0001 ff.]). Deshalb und
mangels detaillierter Kostennote ist der Stundenansatz in einem ersten Schritt
auf den vom Rechtsbeistand der O. Versicherung erbrachten Aufwand von
84.75 Stunden zu kürzen.
Wie bereits dargelegt, ist der Antrag auf Begründung einer Ersatzforderung zu
Lasten der P. Versicherung inhaltlich mit dem Antrag gegen die O. Versicherung
identisch. Es stellen sich damit sowohl in rechtlicher als auch in tatsächlicher
Hinsicht weitestgehend die gleichen Fragen. Dies wird auch durch die Kosten-
note sichtbar, welcher zu entnehmen ist, dass sich die Rechtsbeistände der O.
Versicherung und der P. Versicherung vor der Hauptverhandlung in nicht unwe-
sentlichem Umfang miteinander ausgetauscht haben (vgl. die Positionen vom
16., 18., 20., 22., 24.-29. Juni 2021 sowie vom 2. Juli 2021). Auch während der
Hauptverhandlung haben die beiden Rechtsvertreter in ihren Parteivorträgen je-
weils gegenseitig auf die Ausführungen des anderen verwiesen (vgl. TPF
721.209 ff.; 720.019). Dieser Kooperationsaufwand stellt keinen notwendigen, zu
entschädigenden Schaden nach Art. 434 Abs. 1 StPO dar. Es erscheint deshalb
angemessen, den verbleibenden Stundenaufwand von 84.75 Stunden um 1⁄3 zu
kürzen.
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15.5.4 Im Ergebnis resultiert somit ein notwendiger Aufwand von 56.5 Stunden zu einem
Stundenansatz von Fr. 240.– (Arbeitszeit), 5 Stunden zu einem Stundenansatz
von Fr. 200.– (Reisezeit) sowie Auslagen von Fr. 1'810.20 (exkl. MWST), aus-
machend insgesamt Fr. 17'630.70 (inkl. 7.7 % MWST).
15.5.5 Zu prüfen bleibt, wer diese Entschädigung zu leisten hat. Bereits mit Schreiben
vom 22. März 2012 beantragte die C., Vermögenswerte der O. Versicherung und
der P. Versicherung zur Einziehung, eventualiter zur Durchsetzung einer Ersatz-
forderung, zu beschlagnahmen, da es sich hierbei um zum Nachteil der C. delik-
tisch erlangte Gelder handeln würde (BA 15.102-0714 ff.). Auf telefonische
Nachfrage der C., teilte der damals zuständige Staatsanwalt ihr mit, dass er eine
solche Beschlagnahme als nicht verhältnismässig erachte. Er werde aber vo-
raussichtlich im Rahmen der Gerichtsverhandlung die Einziehung dieser Vermö-
genswerte beantragen (BA 15.102-0734). In der Anklageschrift, in welcher be-
reits Anträge zur Einziehung und zu Ersatzforderungen enthalten sind, verzich-
tete die Bundesanwaltschaft jedoch darauf (TPF 100.177 f.). Die P. Versicherung
war demnach bis zur Anklageerhebung nicht als Drittbetroffene im Verfahren in-
volviert. Mit Schreiben vom 30. März 2020 kündigte die C. sodann an, anlässlich
der Hauptverhandlung einen entsprechenden Antrag auf Einziehung von Vermö-
genswerten bei der O. Versicherung und P. Versicherung zu stellen und bean-
tragte, die Versicherungsgesellschaft zur Hauptverhandlung einzuladen
(TPF 551.004 f.). Das Gericht hiess letztgenannten Antrag gut und lud die beiden
Versicherungsgesellschaften zur Wahrung ihrer Verfahrensrechte zur Hauptver-
handlung ein (TPF 357.1.001 ff.). Anlässlich der Hauptverhandlung machte die
Bundesanwaltschaft geltend, dass entgegen dem Vorbringen der C. keine Ein-
ziehung von Vermögenswerten der O. Versicherung und P. Versicherung erfol-
gen könne und beantragte sinngemäss die Abweisung eines entsprechenden
Antrages der C. (TPF 721.076 ff.). Demgegenüber beantragte die C. in ihrem
Parteivortrag, dass zulasten der genannten Versicherungsgesellschaften auf
eine Ersatzforderung zu erkennen sei, welche ihr in Anwendung von Art. 73 StGB
zuzusprechen sei (TPF 721.089 f.). Dieser Antrag wurde abgewiesen (vgl.
E. 9.7.4). Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die P. Versicherung einzig auf-
grund der Anträge der C. ins Verfahren einbezogen worden ist. Es gab demnach
weder auf Seiten der Bundesanwaltschaft noch des Gerichts einen staatlichen
Eingriff hinsichtlich der Ausdehnung des Verfahrens auf die P. Versicherung. Das
Verfahren betreffend Begründung einer Ersatzforderung zulasten der P. Versi-
cherung wurde demnach ausschliesslich auf Initiative und im Interesse der C.
geführt. In diesem Fall rechtfertigt es sich, die der P. Versicherung hierdurch ver-
ursachten Kosten in analoger Anwendung von Art. 432 Abs. 1 StPO der C. auf-
zuerlegen (vgl. E. 15.2). Die C. ist demnach zu verpflichten, der P. Versicherung
eine Entschädigung von Fr. 17'630.70 (inkl. MWST) zu bezahlen.
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15.6 Übrige Drittbetroffene
Die übrigen Drittbetroffenen, L., N. AG und M., haben keinen Antrag auf Zuspre-
chung einer Entschädigung gestellt. Eine solche ist aufgrund des Ausgangs des
Verfahrens (vgl. E. Erreur ! Source du renvoi introuvable.-Erreur ! Source du
renvoi introuvable., 0) im Übrigen auch nicht angezeigt.
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