# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 5a760c6a-ec22-45c4-b19f-807449f84be5
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Vergehen gegen das Ausländergesetz
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dietikon, Einzelgericht, vom 25. April 2018 (GG180004)
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Anklage (Strafbefehl):
Der Strafbefehl, Unt. Nr. A-3/2017/10033844, vom 16. Oktober 2017 der Staats-
anwaltschaft Limmattal / Albis (Urk. 7) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 40 S. 18 f.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist einer strafbaren Handlung nicht schuldig und wird freigesprochen.
2. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 16. Oktober 2017
beschlagnahmte Barschaft in Höhe von Fr. 1'000.00 (eingebucht bei der Bezirksgerichts-
kasse Dietikon) wird nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils auf erstes Verlangen an den
Beschuldigten überwiesen.
3. Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz.
4. Die Kosten des Strafbefehls Unt. Nr. A-3/2017/10033844, vom 16. Oktober 2017 werden
der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis zur Abschreibung belassen.
5. Die übrigen Kosten werden auf die Gerichtskasse genommen.
6. Dem Beschuldigten wird für die zu Unrecht erlittene Haft eine Genugtuung von Fr. 200.–
aus der Gerichtskasse zugesprochen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren
abgewiesen.
7. Dem Beschuldigten wird eine Prozessentschädigung von Fr. 3'048.40 für anwaltliche Ver-
teidigung aus der Gerichtskasse zugesprochen.
8. (Mitteilungen)
9. (Rechtsmittel)"
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Berufungsanträge: (Prot. II S. 5 f.)
a) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 62 S. 1)
1. Der beschuldigte A._ sei schuldig zu sprechen
♦ der Beschäftigung von Ausländerinnen und Ausländern ohne Be-
willigung im Sinne von Art. 117 Abs. 1 AuG in Verbindung mit Art. 11
Abs. 1 AuG und Art. 91 Abs. 1 AuG.
2. Die beschuldigte Person sei mit einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je
CHF 100.00, entsprechend CHF 8'000.00, wovon 1 Tagessatz durch Haft
erstanden ist zu bestrafen.
3. Der Vollzug der Geldstrafe sei aufzuschieben, unter Ansetzung einer Probe-
zeit von 3 Jahren.
4. Die beschuldigte Person sei zu bestrafen mit einer Busse von CHF 1'600.00.
Für den Fall der Nichtleistung der Busse beträgt die Ersatzfreiheitsstrafe
16 Tage.
5. Die Barschaft in der Höhe von total CHF 1'000.00 sei einzuziehen und zur
Deckung der Sanktions- und Verfahrenskosten zu verwenden.
6. Die Verfahrenskosten seien der beschuldigten Person aufzuerlegen.
b) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 63 S. 1)
1. Es sei der Beschuldigte im Sinne des vorinstanzlichen Urteils vom Vorwurf
der Beschäftigung von Ausländerinnen und Ausländern ohne Bewilligung
freizusprechen; unter Rückgabe der beschlagnahmten Barschaft von
Fr. 1'000.00;
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2. Es sei dem Beschuldigten in Aufhebung von Dispositiv-Ziffer 7 des vor-
instanzlichen Urteils für das erstinstanzliche Verfahren eine Prozess-
entschädigung von CHF 4'601.95 für anwaltliche Verteidigung aus der Ge-
richtskasse zuzusprechen;
3. Es sei der Beschuldigte für das Verfahren vor Obergericht mit CHF 3'270.95
für anwaltliche Verteidigung aus der Gerichtskasse zu entschädigen;
4. Es sei der Beschuldigte mit einer Genugtuung von CHF 200.00 zu entschä-
digen;
5. Es seien die Kosten des Vorverfahrens, des erstinstanzlichen sowie des Be-
rufungsverfahrens auf die Staatskasse zu nehmen.

## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte und Gegenstand der Berufung
1. Die Prozessgeschichte bis zum vorinstanzlichen Urteil ergibt sich aus jenem
Entscheid (Urk. 40 S. 3 f.).
2. Mit Urteil des Bezirksgerichts Dietikon, Einzelgericht in Strafsachen, vom
25. April 2018 wurde der Beschuldigte einer strafbaren Handlung für nicht schul-
dig befunden und freigesprochen. Hinsichtlich der durch die Staatsanwaltschaft
beschlagnahmten Barschaft in Höhe von Fr. 1'000.– entschied das Gericht, dass
diese nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils auf erstes Verlangen an den Be-
schuldigten überwiesen werde. Für die zu Unrecht erlittene Haft wurde dem Be-
schuldigten eine Genugtuung von Fr. 200.– und für anwaltliche Verteidigung eine
Prozessentschädigung von Fr. 3'048.40 aus der Gerichtskasse zugesprochen
(Urk. 40 S. 18 f.).
3. Gegen dieses Urteil meldete die Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis am
2. Mai 2018 rechtzeitig Berufung an (Urk. 35) und reichte ebenfalls fristgerecht mit
Eingabe vom 6. Juli 2018, Poststempel 11. Juli 2018, beim Obergericht die Beru-
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fungserklärung ein (Urk. 46; Urk. 39/1). Sie beantragt, den Beschuldigten schuldig
zu sprechen und ihn mit einer bedingten Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je
Fr. 100.– unter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren sowie mit einer Busse
von Fr. 1'600.– zu bestrafen. Die beschlagnahmte Barschaft von Fr. 1'000.– sei
einzuziehen und zur Deckung der Sanktions- und Verfahrenskosten zu verwen-
den (Urk. 46 S. 1 f.).
Der Beschuldigte erhob rechtzeitig Anschlussberufung mit dem Antrag, es sei in
Aufhebung von Urteilsdispositiv-Ziffer 7 dem Beschuldigten für das erstinstanz-
liche Verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 4'137.15 für anwaltliche Ver-
teidigung aus der Gerichtskasse zuzusprechen (Urk. 49 und 50). Innert erstreck-
ter Frist reichte der Beschuldigte am 23. August 2018 das Datenerfassungsblatt,
die Steuererklärungen 2015/16 und die Lohnabrechnungen Mai bis Juli 2018 ein
(Urk. 55-57). Beweisanträge wurden keine gestellt.
4. Das erstinstanzliche Urteil ist vollumfänglich angefochten und daher in kei-
nem Teil rechtskräftig geworden.
5. Auf die Argumente des Beschuldigten und der Verteidigung ist im Rahmen
der nachstehenden Erwägungen einzugehen. Das rechtliche Gehör nach Art. 29
Abs. 2 BV verlangt, dass die Behörde die Vorbringen des von einem Entscheid in
seiner Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich hört, prüft und in seiner Ent-
scheidfindung berücksichtigt. Nicht erforderlich ist, dass sie sich mit allen Partei-
standpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen aus-
drücklich widerlegt. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen
Punkte beschränken. Es müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt
werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Ent-
scheid stützt (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_46/2018
vom 14. Februar 2018 E. 4 mit Hinweisen).
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II. Schuldpunkt – eingeklagter Sachverhalt
1. Anklagevorwurf
Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, die albanische Staatsangehörige B._,
gegen die ein separates Verfahren stattfand, vom 7. Oktober 2017 bis zu deren
Verhaftung am 15. Oktober 2017 als Serviceangestellte in seinem C._ Club
an der D._-strasse 1 in E._ zu einem Lohn von Fr. 200.– angestellt zu
haben, wobei er auch deren Reisekosten sowie die Zimmerkosten im Hotel
F._ an der D._-strasse 2 in E._ übernommen und ihr 500 Euro für
die Reise gegeben habe. Der Beschuldigte habe dies trotz seinem Wissen getan,
dass B._ als Staatsangehörige von Albanien nicht über die für die Aufnahme
einer Erwerbstätigkeit in der Schweiz erforderliche Arbeitsbewilligung und das für
ihre in diesem Zusammenhang erfolgte Einreise und den Aufenthalt in der
Schweiz notwendige Visum verfügt habe (Urk. 7 S. 3).
2. Standpunkt des Beschuldigten
Der Beschuldigte bestreitet, dass B._ im C._ Club für ihn gearbeitet hat.
Sie habe ihm auch nicht bei der Arbeit geholfen (Urk. 2/1 S. 4-6; Urk. 2/4 S. 4 f.;
Urk. 2/5 S. 4-6; Prot. I S. 18; Urk. 61 S. 12).
3. Ausführungen der Parteivertreter
3.1. Die Anklagebehörde liess an der Berufungsverhandlung zusammengefasst
ausführen, es sei zur Sachverhaltserstellung entgegen der Auffassung der Vor-
instanz auf die sehr detaillierten, konstanten und glaubhaften Aussagen von
B._ abzustellen. Es gebe keinen Grund dafür, dass B._ lügen und sich
selber zu Unrecht belasten sollte. Die Aussagen des Beschuldigten seien dage-
gen widersprüchlich. Der Beschuldigte habe kein überzeugendes Motiv nennen
können, weshalb B._ ihn zu Unrecht hätte belasten sollen (Urk. 62).
3.2. Die Verteidigung führte an der Berufungsverhandlung zusammengefasst
aus, dass sich die Staatsanwaltschaft allein auf die Aussagen von B._ stütze,
welche in beiden Einvernahmen als beschuldigte Person - und nicht als Aus-
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kunftsperson - einvernommen worden sei, und damit nicht auf die möglichen
Straffolgen einer falschen Anschuldigung, der Irreführung der Rechtspflege oder
der Begünstigung hingewiesen worden sei (Art. 181 Abs. 2 StPO), was aus Sicht
der Verteidigung eine Gültigkeitsvoraussetzung darstelle. Den Aussagen von
B._ stünden zudem die im Kerngehalt glaubhaften Aussagen des Beschul-
digten, des Mitbeschuldigten G._ und der Zeugen H._, I._ und
J._ gegenüber, wonach B._ nie im C._ Club gearbeitet habe
(Urk. 63).
4. Beweismittel
Als Beweismittel zur Verfügung stehen einerseits die Aussagen von B._ als
beschuldigte Person bei der Polizei und der Staatsanwaltschaft (Urk. 2/3 und 2/4),
die Aussagen des Beschuldigten bei der Polizei, der Staatsanwaltschaft und im
Haupt- und Berufungsverfahren (Urk. 2/1, 2/4, 2/5 und Prot. I S. 18 f.; Urk. 61)
und jene von G._ als Beschuldigtem bei der Staatsanwaltschaft (Urk. 2/2).
Weiter liegen drei Zeugenaussagen bei den Akten: jene von H._ (Prot. I S. 7-
10), von I._ (Prot. I S. 11-14) und von J._ (Prot. I S. 14-17).
4.1. Aussagen von B._
4.1.1. Gestützt auf eine – separat abgehandelte – Anzeige vom 15. Oktober
2017, 22.31 Uhr, durch die damals 22-jährige B._ gegen G._ wegen
Tätlichkeiten, wonach sie von diesem geschlagen worden sei, weil sie eine von
ihm zugewiesene Arbeit nicht habe ausführen wollen (Urk. 1 S. 2; Urk. 2/3 S. 1),
wurde B._ am 16. Oktober 2017 kurz nach Mitternacht als Beschuldigte poli-
zeilich befragt. Im Zuge dieser Einvernahme (vgl. Urk. 2/3) schilderte sie, am
7. Oktober 2017 von Pristina kommend im Flughafen Zürich-Kloten in die Schweiz
eingereist zu sein. Sie habe seit ihrer Einreise in die Schweiz im Lokal von
A._ (und G._) als Putzhilfe und Servicefrau gearbeitet und am ersten
Arbeitstag vom Beschuldigten Fr. 100.– resp. Fr. 200.– erhalten (Urk. 2/3 S. 2 und
4). Im Service habe sie auch Trinkgeld bekommen und dieses behalten dürfen
(Urk. 2/3 S. 2 f.). Einen Tag habe sie nicht gearbeitet, sonst aber jeden Abend von
18:00 Uhr bis 23:00 oder 24:00 Uhr und an den Wochenenden jeweils von 18:00
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Uhr bis 06:00 Uhr (Urk. 2/3 S. 2). Ihr Zimmer im etwa 100 Meter vom Lokal ent-
fernten Hotel F._ werde vom Beschuldigten bezahlt. Dieser habe auch ihr
Flugticket bezahlt. Sie verneinte, schon ein Retourbillett zu besitzen. Der Be-
schuldigte habe ihr aber versprochen, es ihr zu bezahlen, wenn sie nach Hause
wolle, ebenso den Rest des nicht genau abgemachten Lohnes (Urk. 2/3 S. 3).
Auf die Frage, wie es zum Kontakt gekommen sei, erklärte sie, der Beschuldigte
habe sie kurz vor ihrer Reise in die Schweiz telefonisch kontaktiert. Sie hätten te-
lefonisch alles vereinbart. Persönlich habe sie ihn vorher nicht gekannt. Sie habe
über Youtube ein Inserat gemacht, dass sie Arbeit suche (Urk. 2/3 S. 2 und 4). In
Albanien habe sie keine Arbeit (Urk. 2/3 S. 5). Vor ihrer Einreise habe sie ge-
wusst, dass sie im Lokal des Beschuldigten als Servicefrau und Putzhilfe arbeiten
könne und sich gedacht, dies so für eine Woche zu tun. Sie sei in die Schweiz
gekommen, weil sie Geld brauche. Ihr Vater sei gestorben und ihre Mutter sei
krank; sie wolle ihr finanziell helfen (Urk. 2/3 S. 2 f.). Nach ihren Arbeiten im Lokal
gefragt, nannte B._: Geschirr abgewaschen und andere Sachen geputzt, die
Kaffeemaschine bedient sowie ab und zu auch Gäste bedient (Urk. 2/3 S. 3).
Weiter räumte B._ auf die entsprechende Frage ein, sich nach ihrer Einreise
nicht bei einer Amtsstelle gemeldet zu haben. Das habe sie nicht gewusst, sonst
wäre sie nicht gekommen. Der Beschuldigte habe ihr nichts gesagt, dass sie Pa-
piere brauche zum Arbeiten. Er habe ihr aber gesagt, dass sie in der Schweiz nur
Papiere bekomme, wenn sie jemanden in der Schweiz heirate (Urk. 2/3 S. 3 f.).
Ferner verneinte sie, sich selber um eine Aufenthalts- oder Arbeitsbewilligung
bemüht zu haben. Auf ihre aktuell verfügbaren Geldmittel angesprochen, erwähn-
te sie auch 500 Euro, die sie von zu Hause mitgebracht habe. Es sei ihr gesagt
worden, dass sie beim Einreisen genug Geld haben müsse. Sie zeigte sich ge-
ständig der Widerhandlung gegen das Ausländergesetz (rechtswidrige Einreise
und rechtswidriger Aufenthalt). Sie sei sich aber nicht bewusst gewesen, dass sie
etwas Verbotenes tue. Sie wolle so schnell wie möglich nach Hause (Urk. 2/3
S. 4 f.). Darauf hingewiesen, dass sie sich aufgrund ihrer Angaben illegal in der
Schweiz befinde und verhaftet werden müsse, bat sie, freigelassen zu werden.
Sie habe doch nur gearbeitet (Urk. 2/3 S. 3).
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4.1.2. Bei der Staatsanwaltschaft in der Konfrontationseinvernahme mit dem Be-
schuldigten vom 16. Oktober 2017 (Urk. 2/4) bestätigte B._ weitestgehend
ihre bisherigen Aussagen rund um die Einreise in die Schweiz und ihren hiesigen
Aufenthalt, namentlich dass sie am 7. Oktober 2017 per Flugzeug von Pristina
eingereist sei, der Beschuldigte ihre Reisekosten übernommen und das Hotel be-
zahlt habe und dass sie ohne die nötige Bewilligung hier gearbeitet habe. Danach
gefragt, wie sie nach E._ gelangt sei, ergänzte sie, der Beschuldigte habe sie
mit dem Auto am Flughafen Zürich, wo sie ihn zum ersten Mal gesehen habe, ab-
geholt und direkt ins Hotel gefahren. Sie sei in die Schweiz gekommen, um zu
helfen, zu arbeiten, wie mit dem Beschuldigten abgemacht. Es sei über das Tele-
fon abgemacht gewesen, dass sie im Lokal putze und saubermache. Den Lohn
habe man nicht vereinbart. Der Beschuldigte habe ihr am Abend des ersten Ar-
beitstages Fr. 100.– gegeben und zudem habe sie Fr. 100.– zum Essen von ihm
erhalten, ansonsten noch Geschenke, gemeint Trinkgeld, von Gästen. Auf ihre
Tätigkeit in der Schweiz angesprochen gab sie an, gearbeitet und im Hotel
F._ in der Nähe des Arbeitsplatzes gewohnt zu haben (Urk. 2/4 S. 2 f.).
Zur beabsichtigten Dauer ihres Aufenthalts in der Schweiz konnte sie keine ge-
naue Angabe machen. Sie habe eigentlich Papiere besorgen wollen, aber ohne
eine Heirat komme sie nicht an Papiere. Was sie brauche, um in der Schweiz le-
gal zu arbeiten, wisse sie nicht (Urk. 2/4 S. 2 f.). Auf die Notwendigkeit einer Ar-
beitsbewilligung angesprochen, erwiderte sie, das habe er ihr nicht gesagt, und
sie verneinte, sich entsprechend erkundigt zu haben. Aufmerksam gemacht auf
ihre Pflicht als Arbeitnehmerin, sich entsprechend zu informieren, gab sie zur
Antwort: "Ich wollte nur helfen und nicht arbeiten" (Urk. 2/4 S. 4). Der Erläuterung
der Verfahrensleiterin, Putzen und im Service arbeiten nenne man in der Schweiz
und auch anderswo arbeiten, hielt B._ entgegen, sie habe ja nicht viel ge-
macht und sie habe das ja auch nicht gewusst. Jedoch bejahte sie das Wissen
des Beschuldigten, dass sie nicht über eine Arbeitsbilligung verfüge. Das sei aber
kein Thema zwischen ihnen gewesen.
Die abweichenden Darstellungen des Beschuldigten, sie solle in die Schweiz ge-
kommen sein, um den Beschuldigten kennenzulernen bzw. sie habe kommen
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wollen, um zu heiraten, bezeichnete B._ als nicht wahr. Sie habe im Hotel
gewohnt und gearbeitet. Sie habe ihn nicht heiraten wollen, sondern sei nur ge-
kommen, um zu arbeiten, und sie hob erneut hervor, nicht gewusst zu haben,
dass sie kein Recht habe zu arbeiten (Urk. 2/4 S. 4 f.).
In Beantwortung von Ergänzungsfragen des Beschuldigten erklärte sie, die
500 Euro habe sie vom Beschuldigten erhalten, damit sie Geld habe, wenn sie im
Flughafen kontrolliert werde. Ein Kollege des Beschuldigten habe ihr in Pristina
das Geld übergeben, da man im Flughafen Geld dabei haben müsse (Urk. 2/4
S. 5).
4.2. Aussagen des Beschuldigten
4.2.1. Der Beschuldigte führte in der polizeilichen Befragung vom 16. Oktober
2017 (Urk. 2/1) aus, er habe im Oktober 2017 den Mietvertrag für ein
200 Quadratmeter grosses Lokal an der D._-strasse 1 in E._ übernom-
men. Er betreibe darin einen C._ club und sei der Vereinsverantwortliche.
Zuvor sei er ca. seit Januar 2017 Untermieter der früheren, ihm persönlich be-
kannten drei Mieter dieser Räumlichkeit gewesen, unter anderem des früheren
Vereinspräsidenten bzw. seines Vorgängers. Diese hätten den Club nicht mehr
führen wollen. Es sei ein mündlicher Mietvertrag, Statuten existierten nicht und es
gebe keine festen Öffnungszeiten. Er öffne das Lokal für Vereinsmitglieder nach
Bedarf (Urk. 2/1 S. 1 ff.).
Auf seine Beziehung zu B._ angesprochen, die am 15. Oktober 2017 verhaf-
tet worden sei, erklärte er, sie sei seine Freundin. Sie sollte eigentlich im Hotel
F._ sein. Er habe sie durch das Internet kennengelernt und zu sich ein-
geladen. Irgend jemand seiner Kollegen, er wisse es nicht mehr genau, habe ihm
ihre Nummer gegeben. So seien sie in Kontakt gekommen und er habe sie einge-
laden. Sie sei am 7. Oktober 2017 als Touristin in die Schweiz gekommen und er
habe ihren Logisort, das Hotel F._, organisiert (Urk. 2/1 S. 3 ff.).
Auf Vorhalt der entsprechenden Schilderungen von B._ verneinte er wieder-
holt, dass sie in seinem C._ club gearbeitet oder ihm bei der Arbeit geholfen
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und dafür von ihm eine Entschädigung erhalten habe. Er habe sie nicht ge-
braucht, um zu arbeiten, sie habe nie mit ihm etwas abgemacht. Sie hätte auch
gar nicht arbeiten dürfen, weshalb sie auch nicht gearbeitet habe (Urk. 2/1 S. 6).
Er räumte aber ein, dass B._ zwei bis drei Mal im Vereinslokal gewesen sei.
Wenn er sich dort aufgehalten habe, sei sie bei ihm gewesen und habe sich mit
ihm unterhalten. Er habe keine Ahnung, aus welchem Grund sie ihn falsch be-
schuldigen sollte (Urk. 2/1 S. 4). Er habe ihr Geld gegeben, um zu essen. Sie ha-
be von ihm ca. 500 Euro und Fr. 500.– erhalten. Er habe nur von G._ mitbe-
kommen, dass B._ am 15. Oktober 2017 den Barhintergrund habe betreten
und Geld klauen wollen. Niemals sei diese Frau geschlagen worden. Er selber sei
nicht dort gewesen. Die Frau sei nur zu Besuch gewesen und möchte ihm Prob-
leme machen, weil er nicht immer in ihrer Nähe sein könne (Urk. 2/1 S. 6).
4.2.2. Anlässlich der Konfrontationseinvernahme mit B._ bei der Staatsan-
waltschaft am 16. Oktober 2017 (Urk. 2/4) äusserte sich der Beschuldigte folgen-
dermassen zu B._s Darstellung (Urk. 2/4 S. 2-4): "Sie sagte, dass sie als
Servicemitarbeiterin bestellt wurde, aber sie wurde als Reinigungskraft eingela-
den. [...] Wir haben uns kennengelernt und sie kam lediglich auf Besuch zu mir.
[...] Ich habe den Club lediglich benutzt, um mit ihr Zeit zu verbringen" (Urk. 2/4
S. 4). Aufmerksam gemacht auf die eindeutige Belastung durch B._ fügte der
Beschuldigte an: "Sie wollte, dass wir miteinander Zeit verbringen. Ich habe ihr
gesagt, dass es nur gehe, wenn ich Zeit habe. Wenn sie etwas gemacht hat, hat
sie mich als Freund bedient. Das Hotel war von Samstag bis Montag gebucht. Sie
wollte es aber verlängern. [...] Ich [...] weiss genau was nötig ist um ausländische
Arbeitskräfte anzustellen. Ich würde so etwas nie machen, sie war hier, um mich
kennenzulernen" (Urk. 2/4 S. 4). Er habe alles finanziert, dass sie hierher komme
und ihn kennenlerne. Sie habe kommen wollen, um zu heiraten und zu arbeiten
(Urk. 2/4 S. 5).
4.2.3. Am 14. Dezember 2017 in der Befragung durch die Staatsanwältin
(vgl. Urk. 2/5) hielt der Beschuldigte an seinen bisherigen Aussagen fest. Insbe-
sondere bezeichnete er als richtig, ihr 500 Euro für die Einreise in die Schweiz
gegeben zu haben, sie am Flughafen abgeholt und die Hotelkosten für sie über-
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nommen zu haben (Urk. 2/5 S. 6). Zur Kontaktnahme mit und Einreise von
B._ in die Schweiz machte er sodann geltend, sie hätten sich gegenseitig
kennenlernen wollen. Durch Kollegen in der Schweiz sei er mit ihr in Kontakt ge-
treten. Jemand habe ihm ein Bild gezeigt und er habe sie dann angerufen und sie
eingeladen. Am Anfang habe er sich eine Freundschaft erhofft. Sie sei einver-
standen gewesen und er habe einem Kollegen 600 Euro nach Albanien überwie-
sen, davon 500 Euro für B._, denn anscheinend brauche man Taschengeld
wenn man in die Schweiz einreise. Ob sie eigenes Geld hatte, habe er gar nicht
gefragt (Urk. 2/5 S. 2 f.). Die Frage, was B._ in der Schweiz machen sollte,
beantwortete der Beschuldigte mit "Nichts". Sie hätten sich einfach kennenlernen
wollen und mal schauen was sich daraus ergebe. Dass sie im von ihm bezahlten
Hotel F._ gewohnt habe und nicht bei ihm, erklärte er damit, dass er in einer
andern Beziehung sei. Wieso er eine neue Frau habe kennenlernen wollen, wuss-
te er nicht. Das sei halt Männersache. Wenn er Zeit gehabt und seine Arbeit es
zugelassen habe, hätten sie sowohl im C._ club als auch auswärts Sachen
unternommen, seien zusammen essen oder spazieren gegangen. Es habe sich
nichts zwischen ihnen entwickelt (Urk. 2/5 S. 3).
Im Club habe B._ das gemacht, was jeder andere Gast auch: einfach etwas
an der Bar getrunken. Sie seien teilweise zusammen dort gewesen oder sie sei
ihn besuchen gekommen. Sie habe weder für ihn noch in diesem Club gearbeitet.
Er erinnere sich nicht, ihr über die für das Essen gedachten Fr. 100.– hinaus Geld
gegeben zu haben, er glaube eher nein. Sie hätte drei Tage in der Schweiz blei-
ben sollen, dann aber nicht mehr weg gewollt. Er habe das Hotel weiter bezahlt.
Nach dem Grund dafür gefragt, obwohl offensichtlich gewesen sei, dass nichts
werde, erklärte der Beschuldigte: Das Hotel sei immer wieder verlängert worden.
Das sehe man auf den Buchungen. Er habe ihr klar gemacht, dass sie gehen
müsse, aber sie habe einfach nicht gehen wollen. Schliesslich sei es zum Eklat
mit G._ gekommen. Dieser und andere Leute hätten ihm erzählt, dass sie
Geld aus der Kasse habe stehlen wollen, weshalb G._ sie aus dem Club ge-
worfen habe. Er selber habe wegen Abwesenheit nichts davon gesehen.
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Gefragt, ob B._ an ihm interessiert gewesen sei oder warum sie nicht mehr
habe gehen wollen, meinte der Beschuldigte, sie sei anscheinend an vielen Män-
nern interessiert gewesen, nicht nur an ihm. Trotzdem habe er das Hotel weiter
bezahlt, er habe sie nicht einfach auf die Strasse setzen können. Sie habe be-
hauptet, Verwandte hier zu haben und allenfalls dort wohnen zu können, dann
aber gesagt, sie gehe zurück. Er habe ihr Verhalten einfach nicht verstanden
(Urk. 2/5 S. 4 f.).
Er wisse, dass B._ gänzlich andere Aussagen gemacht habe. Er vermute,
dass irgendwo jemand ihr dies so gesagt habe, weil er einfach zu wenig Zeit für
sie gehabt habe und sie ihm damit eins auswischen wolle. Es sei ja klar, dass sie
ihm mit diesen Aussagen schade. Wer das gewesen sein könnte, wisse er nicht.
Er habe aber gehört, dass sie von weiteren Personen Geld genommen habe.
Dass B._ die von ihr aufgezählten Arbeiten im C._ club verrichtet und
dafür von ihm zunächst Fr. 200.– erhalten habe, verneinte er erneut. Er sei sicher,
dass es nur ihr Ziel gewesen sei, ihm zu schaden. Er habe ihr ja bereits nach
drei Tagen gesagt, dass aus ihnen beiden nichts werde. Sie habe dies einfach
nicht akzeptieren wollen. Er habe eine Woche mit ihr verbracht und gesehen, wie
sie ticke. Sie habe nämlich lediglich Geld machen wollen. Er wisse, dass aus-
ländische Arbeitnehmer eine Arbeitsbewilligung benötigten. Er könne sich nicht
vorstellen, dass B._ eine Arbeitsbewilligung gehabt habe, so wie sie es ge-
schildert habe und was der Sinn der Reise gewesen sei. Sie habe ja auch keine
gebraucht (Urk 2/5 S. 5 f.).
4.2.4. Vor Vorinstanz (Prot. I S. 18 f.) blieb der Beschuldigte dabei, dass B._
nie zum Arbeiten hier gewesen sei. Sonst wäre es nie zum Streit mit G._ ge-
kommen und dieser hätte sie nicht rausgeworfen. Der Vorfall zeige, dass sie hin-
ter der Bar nichts zu suchen gehabt habe. Die Frau sei hier gewesen, um ihn (den
Beschuldigten) kennen zu lernen. Sie sei sicher von jemandem überredet worden,
so etwas zu sagen, um so eventuell an Geld zu kommen. Sie sei nur an Geld inte-
ressiert gewesen und an einem Aufenthaltstitel für die Schweiz.
4.2.5. An der Berufungsverhandlung gab der Beschuldigte zusammengefasst an,
die Nummer von B._ von einem Kollegen namens K._ erhalten zu ha-
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ben (Urk. 61 S. 13). Sie hätten, bevor B._ in die Schweiz gekommen sei,
mehrere Male telefoniert und auch über das Internet geschrieben sowie online
miteinander gesprochen (Urk. 61 S. 9, S. 14). Er habe B._ im Hotel F._
einquartiert, weil er viel im Club gewesen sei. Die ersten zwei Tage habe er mit ihr
Zeit verbracht. Am dritten Tag habe er gemerkt, dass B._ gar keine Bezie-
hung gewollt habe, sondern ein Leben hier [in der Schweiz] und Geld (Urk. 61
S. 10). Wiederum verneinte er, dass B._ im Club gearbeitet habe. Er denke,
jemand habe sie sicher überredet, zur Polizei zu gehen, und sie sei sehr wahr-
scheinlich nicht richtig informiert worden (Urk. 61 S. 13). Insgesamt habe er etwa
Fr. 1'500.– für B._ ausgegeben, wobei er die 500 Euro noch zurückerhalten
hätte, wenn sie zurückginge (Urk. 61 S. 12).
4.3. Aussagen G._
G._ beschrieb als Beschuldigter in der polizeilichen Einvernahme vom
16. Oktober 2017 (Urk. 2/2) seine Beziehung zum C._ club als sehr nah. Er
sei dort Vereinsmitglied. Manchmal schaue er auf den Club, manchmal sei er nur
Gast. Er sei viel dort, habe viel zu sagen, sei aber nicht der Chef. Als Vereins-
präsident bzw. Geschäftsführer oder Inhaber bezeichnete er neben dem Beschul-
digten auch dessen Vorgänger, L._; es sei grad ein Wechsel im Gang. Der
Beschuldigte und er seien Kollegen, die zusammen arbeiten (Urk. 2/2 S. 1 ff.).
Zu B._ stehe er in keiner Beziehung. Er wisse nicht, wann und zu welchem
Zweck sie in die Schweiz eingereist und wie sie erstmals in den Club gekommen
sei. Er kenne sie eigentlich nicht. Man habe ihm gesagt, sie wohne im Hotel
F._ (Urk. 2/2 S. 1 ff.). Er habe keine Ahnung von ihrer Staatsbürgerschaft
und ob sie über eine Aufenthalts- oder Arbeitsbewilligung für die Schweiz verfüge.
Ob sie die Freundin von jemandem sei, wisse er nicht, seine sicher nicht (Urk. 2/2
S. 3 f.). In der vergangenen Woche habe er sie das erste Mal im Lokal gesehen
und seit dann zwei, drei Mal, wie sie mit verschiedenen Leuten einfach gesessen
sei und etwas getrunken habe. Nach der Tätigkeit von B._ gefragt, führte er
aus, sie sei immer mit jemanden dort gewesen, immer am Telefon, immer bei
Leuten am Hocken (Urk. 2/2 S. 3). Das dritte Mal habe er sie gestern gesehen. An
dem Abend sei er auf Bitte und anstelle des Beschuldigten der 'Chef' des Lokals
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gewesen mit dem Auftrag, für den Laden zu schauen. Er besitze einen Schlüssel
zum Lokal. B._ habe hinter die Bar laufen wollen, was er ihr unter Hinweis
auf seine Zuständigkeit für das Lokal verwehrt habe. B._ habe geschrien und
sei immer lauter geworden. Er habe sie dann zur Seite gestossen, ihr ihre Tasche
gegeben und sie rausgeschmissen. Er gebe zu, dass er sie bei der Eingangstüre
gestossen ("geschupft") habe. Geschlagen habe er sie sicher nicht. Sie habe ihm
gesagt, dass sie die Polizei rufen werde (Urk. 2/2 S. 2 ff.).
Auf Vorhalt der Aussagen von B._, dass sie seit ihrer Einreise vom
7. Oktober 2017 bis zu ihrer Verhaftung am 15. Oktober 2017 täglich, mit Unter-
bruch von einem Tag, im Lokal gearbeitet habe, äusserte G._: "Nein. Also
dies weiss ich nicht. Arbeiten tun nur ich, M._, A._ (der Beschuldigte)
und so. Wir haben ja kein Geld, um eine Person einzustellen" (Urk. 2/2 S. 2). Am
Ende der Befragung zur Sache ergänzte G._ von sich aus, B._ arbeite
nicht in diesem Lokal. Dies wüsste er (Urk. 2/2 S. 4).
4.4. Zeugenaussage H._
H._ gab als Zeuge am 25. April 2018 zu Protokoll (Prot. I S. 7 ff.), den Be-
schuldigten durch seinen Bruder zu kennen. Diese seien Kollegen. Da er noch nie
einen solchen Brief vom Gericht erhalten und da er den Namen des Beschuldig-
ten darauf gesehen habe, habe er im Hinblick auf die heutige Verhandlung den
Beschuldigten gefragt, was das solle. Der Anklagesachverhalt bzw. der Inhalt des
Strafbefehls sei ihm nicht bekannt (Prot. I S. 8).
Die Frage, ob er B._ kenne, verneinte er. Auch der Name sage ihm nichts
(Prot. I S. 8). An die Zeitspanne zwischen dem 7. und dem 15. Oktober 2017 kön-
ne er sich teilweise erinnern. Er habe damals als Gast im C._ Club verkehrt.
An das genaue Datum könne er sich nicht erinnern. Gefragt, ob er B._ wäh-
rend seiner Anwesenheit im C._ Club gesehen habe oder ob ihm sonst eine
Frau aus dem albanischen Raum aufgefallen sei, erklärte der Zeuge, es komme
ab und zu vor, dass einer seine Freundin mitnehme. Er habe den Beschuldigten
mit ihr gesehen, wisse aber nicht genau, welche Frau das gewesen sei. Auch
wisse er nicht, ob sie dort mit ihm (dem Beschuldigten) zusammengekommen sei.
- 16 -
Ihn habe dort keine Frau bedient, dies hätten nur der Beschuldigte und teilweise
G._ getan. Er verneinte, dass er eine Frau arbeiten gesehen habe. Er sei
nicht jeden Tag dort gewesen (Prot. I S. 9).
Vom Verteidiger nach seinem Wissen auf eine Auseinandersetzung zwischen
G._ und B._ angesprochen, berichtete H._, während des C._-
spiels mitbekommen zu haben, wie eine Frau hinter die Theke habe gehen wol-
len. Sie sei ohne den Beschuldigten dort gewesen und er glaube, sie habe auf ihn
gewartet. Sie habe dann wieder versucht, hinter die Theke zu gehen, als G._
diese kurz verlassen habe. G._ habe die Frau gewarnt, das nicht mehr zu
machen und diese, als sie erneut hinter die Theke gegangen sei, gepackt und
rausgebracht. Als es laut geworden sei, habe er hingeschaut und gesehen, dass
es sich um die Frau gehandelt habe, die mit dem Beschuldigen schon zwei, drei
Mal im Club gewesen sei und neben ihm sitzend etwas getrunken habe. Er habe
sie nicht gesehen, etwas anderes machen (Prot. I S. 10).
4.5. Zeugenaussage I._
Zeuge I._ (vgl. Prot. I S. 11 ff.) bezeichnete sich als Kollege des Beschuldi-
gen. Er verneinte, mit dem Beschuldigten oder jemand anderem, zum Beispiel
dessen Verteidiger, im Hinblick auf die Einvernahme die Sache besprochen zu
haben, ebenso, dass ihm der Anklagesachverhalt bzw. der Inhalt des Strafbefehls
bekannt sei. G._ sei ein guter Freund von ihm (Prot. I S. 12).
Im Zeitraum zwischen dem 7. und dem 15. Oktober 2017 sei er als Gast im
C._ Club gewesen. Das sei schon länger her. Der Name B._ sage ihm
etwas. Er kenne sie flüchtig (Prot. I S. 12 ). Die Frage, ob er sie während seiner
Anwesenheit im C._ Club gesehen habe, beantwortete er mit ja, er habe sie
sicher gesehen, und fügte von sich aus an, sie habe aber nicht dort gearbeitet, es
habe keine Frau dort gearbeitet. Entweder habe der Beschuldigte gearbeitet oder
sonst eigentlich niemand. Danach gefragt, wie lange B._ jeweils anwesend
gewesen sei, erwähnte er, keine Ahnung zu haben, er habe nicht darauf geachtet.
Dazu, was sie dort gemacht habe, führte der Zeuge aus, sie habe am Telefon dis-
kutiert, wenn der Beschuldigte noch nicht anwesend gewesen sei. Sie sei einfach
- 17 -
dort gewesen. Auf die weitere Frage, ob sie Gäste bedient, geputzt und/oder die
Kaffeemaschine bedient habe, entgegnete er: "Nein, gar nicht". Sie habe definitiv
nicht gearbeitet (Prot. I S. 13). Von einem Vorfall zwischen B._ und G._
wusste der Zeuge nichts. Er bekundete keine Ahnung zu haben, ob B._ im
erwähnten Zeitraum aus dem Lokal geworfen sei. Die Beziehung zwischen dem
Beschuldigten und B._ bezeichnete Zeuge I._ als mutmassliches
"Gschleick" (Prot. I S. 13 f.).
4.6. Zeugenaussage J._
Zeuge J._ (Prot. I S. 14 ff.) bezeichnete den Beschuldigten ebenfalls als Kol-
legen. Eine Besprechung mit dem Beschuldigten im Vorfeld der Einvernahme
verneinte er. Zum Anklagesachverhalt bzw. dem Inhalt des Strafbefehls gab er
an, diesen "nicht ganz genau" zu kennen (Prot. I S. 15).
Was B._ betrifft, bemerkte der Zeuge, den Namen nicht zu kennen und die-
sen zum ersten Mal zu hören. Aber vom Aussehen her kenne er sie. G._ sei
auch ein Kollege. An den Zeitraum zwischen dem 7. und dem 15. Oktober 2017
könne er sich nicht erinnern. Er sei viel im C._ Club. Sie seien Freunde und
würden sich oft am Wochenende dort treffen. Ob er auch konkret in diesem Zeit-
raum dort gewesen sei, wisse er nicht mehr. Er bejahte jedoch, B._ zusam-
men mit dem Beschuldigten während seiner Anwesenheit im Lokal gesehen zu
haben. Ab und zu hätten die zwei C._ gespielt und etwas getrunken. Ehrlich
gesagt, er habe kein Interesse gehabt, B._ kennenzulernen (Prot. I S. 16 f.).
Die Frage, ob er gesehen habe, dass sie Gäste bedient, geputzt und/oder die Kaf-
feemaschine bedient habe, beantwortete der Zeuge mit nein. Er glaube auch
nicht, dass sie im C._ Club gearbeitet habe. Er habe gehört, dass B._
und G._ sich nicht verstanden hätten, aber selber nichts gesehen. Auf die
Beziehung zwischen dem Beschuldigten und B._ angesprochen, erklärte er
schliesslich, die beiden zusammen gesehen zu haben. Den Beschuldigten habe
er nie dazu befragt. Er sei davon ausgegangen, dass sie Partner oder Freunde
seien. Interessiert habe es ihn nicht (Prot. I S. 17).
- 18 -
5. Beweiswürdigung
5.1. Glaubwürdigkeit und Glaubhaftigkeit
Der Beschuldigte ist im Strafprozess Objekt und Subjekt zugleich. Seine Doppel-
stellung bedeutet, dass sich einerseits das Strafverfahren gegen ihn richtet, an-
derseits, dass seine Aussagen als Beweismittel für und gegen ihn selbst wie auch
allfällige Mitbeschuldigte verwendet werden können. Er ist aber weder zu Aus-
sagen, zu einer andern aktiven Mitwirkung noch zur Wahrheit verpflichtet (Art. 113
StPO; vgl. Donatsch/Schmid, Handbuch des Schweizerischen Strafprozessrechts,
3. Aufl. 2017, Rz 855 f.). Diese besondere Stellung und der Umstand, dass er ein
– durchaus legitimes – Interesse daran hat, die Geschehnisse in einem für ihn
günstigen Licht darzustellen, dürfen aber nicht bereits zum Schluss führen, seine
Glaubwürdigkeit sei beeinträchtigt bzw. seine Aussagen seien mit (grosser oder
einer gewissen) Zurückhaltung zu würdigen. Für die Wahrheitsfindung kommt es
primär auf die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussage an und nicht auf die allge-
meine Glaubwürdigkeit einer Person (BGE 133 I 33 E. 4.3 mit Hinweisen; Urteil
des Bundesgerichts 6B_1026/2017 vom 1. Juni 2018 E. 2.3.2.) und auch nicht auf
ihre Stellung im Verfahren. Das gilt nicht nur für die beschuldigte Person, sondern
auch für andere Verfahrensbeteiligte wie Privatkläger, Auskunftspersonen und
Zeugen. Die jeweilige Aussage ist auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. Es ist dem-
nach herauszufinden, ob die auf ein bestimmtes Geschehen bezogenen Angaben
einem tatsächlichen Erleben der Person entspringen, wie überzeugend eine Per-
son Aussagen gemacht bzw. ihre Wahrnehmungen dargelegt hat.
5.2. Verwertbarkeit der Einvernahmen
5.2.1. Der Verteidiger bemängelte vor Vorinstanz (vgl. Urk. 30 S. 6) und auch im
Berufungsverfahren (Urk. 63 Rz. 3), dass B._ hinsichtlich des Strafverfah-
rens des Beschuldigten nicht wie in der Strafprozessordnung vorgeschrieben als
Auskunftsperson, sondern ebenfalls als Beschuldigte einvernommen wurde
(Art. 178 lit. f StPO; Urk. 2/3-4.).
- 19 -
Es trifft zwar zu, dass B._ – soweit ihre Aussagen später dem Beschuldigten
zwecks Verwertbarkeit zur Stellungnahme vorgelegt wurden – als Auskunftsper-
son hätte befragt und dabei – soweit sie sich bereit erklärte, Aussagen zu machen
– grundsätzlich auf die möglichen Straffolgen einer falschen Anschuldigung, der
Irreführung der Rechtspflege sowie der Begünstigung aufmerksam gemacht wer-
den sollen (Art. 181 Abs. 2 StPO i.V.m. Art. 303, Art. 304 und Art. 305 StGB). Das
geschah weder an der polizeilichen Einvernahme noch an der staatsanwaltschaft-
lichen Konfrontationseinvernahme. Jedoch sind als Auskunftsperson zu befra-
gende Mitbeschuldigte gemäss Art. 178 lit. e und f StPO mit Blick auf Aussagen,
die ihre Mitbeschuldigten belasten können, nicht zwingend auf Art. 303 StGB hin-
zuweisen, da und soweit – wie hier – gegen beide bereits eine Strafuntersuchung
eröffnet worden ist und weil Beschuldigte nicht zwingend auf diese Strafbe-
stimmung hinzuweisen sind (vgl. ZR 89 (1990) Nr. 56, S. 105, 106; Donatsch, in
Donatsch/Hansjakob/Lieber, StPO Komm., 2. Aufl. 2014, Art. 181 N 21).
Art. 178 lit. e StPO ist im vorliegenden Fall nicht anwendbar, da die Staatsan-
waltschaft zwei separate Strafverfahren führte (vgl. Urk. 2/4; Verfahrensnummer
A-3/2017/10033844 als auch die Nummer A-3/2017/10033799) und es auch nicht
um einen Tatvorwurf ging, der nicht auch B._ zur Last gelegt worden wäre
(unbewilligte Ausübung einer Gewerbstätikeit). Soweit B._ im Verfahren ge-
gen den Beschuldigten sinngemäss als Auskunftsperson im Sinne von Art. 178
lit. f StPO befragt wurde, war ein Hinweis auf Art. 303-305 StGB, wie dargelegt,
nicht zwingend erforderlich. Das Unterbleiben der gesetzlich vorgeschriebenen
Orientierungspflicht stellt in einer solchen Situation kein Gültigkeitserfordernis ei-
ner Einvernahme dar. Vielmehr handelt es sich um eine Ordnungsvorschrift, de-
ren Verletzung die Verwertbarkeit der Aussagen nicht berührt (Art. 141 Abs. 3
StPO; Donatsch, a.a.O. Art. 181 N 22; BSK StPO-Kerner, Art. 181 N 4). Unver-
wertbarkeit wird denn auch nicht geltend gemacht (Urk. 30 S. 6).
Im Übrigen gilt es an dieser Stelle entgegen der von der Verteidigung implizit ver-
tretenen Auffassung zu erwähnen, dass auch Auskunftspersonen keiner Aus-
sage- bzw. Mitwirkungspflicht unterliegen, soweit sie sich – wie B._ –nicht als
Privatkläger konstituiert haben (Urk. 63 Rz. 3, Art. 180 Abs. 1 StPO).
- 20 -
5.2.2. Es kann auch entgegen den Ausführungen der Verteidigung nicht gesagt
werden, die Glaubwürdigkeit von B._ sei deswegen tangiert oder ihre Aus-
sagen seien daher mit der entsprechenden Vorsicht zu würdigen (vgl. Urk. 63
S. 4, Urk. 40 S. 9; ähnlich Urk. 30 S. 7). Die Anzeige von B._ richtete sich,
wie eingangs dargelegt, nur gegen G._ wegen Tätlichkeiten (vgl. vorne
II. 4.1.1). Dass B._ mit ihren Schilderungen zugleich sich selbst belastete
und ebenso den Beschuldigten, war ihr offensichtlich weder bewusst noch wollte
sie dies. Ähnlich sieht es der Beschuldigte: Sicherlich habe sie bei all diesen Aus-
sagen nicht begriffen, dass auch sie selber bestraft werde (Urk. 2/5 S. 6; Prot. I
S. 19; Urk. 61 S. 13). Tatsache ist, dass B._ auch unmittelbar im Anschluss
an die Information des einvernehmenden Polizisten, aufgrund ihrer Angaben
müsse sie verhaftet werden, da sie sich illegal in der Schweiz aufhalte, nicht von
ihrer Darstellung abrückte, sich trotz der in Aussicht stehenden Nachteile gestän-
dig zeigte und auch anlässlich der Konfrontation mit dem Beschuldigten bei der
Staatsanwaltschaft rund 16 Stunden später, als sie noch inhaftiert war, ihre bishe-
rigen Aussagen im Wesentlichen bestätigte (Urk. 2/3 S. 3 und 5; Urk. 2/4 S. 2 ff.
und 5). Das ist umso beachtlicher, als der polizeiliche Hinweis sie offenkundig
sehr erschreckt hatte, die Befragung nach nur rund einer Viertelstunde für 17 Mi-
nuten unterbrochen wurde und B._ anschliessend sogleich die Bitte anbrach-
te, sie frei zu lassen, sie habe doch nur gearbeitet (Urk. 2/3 S. 3). Diese Umstän-
de sprechen ganz klar gegen die vom Beschuldigten geltend gemachte bewusste
Falschanschuldigung durch B._ (Urk. 61 S. 13).
5.3. Würdigung der Aussagen von B._
5.3.1. Die Aussagen von B._ (vgl. vorne II. 4.1) erweisen sich als sehr detail-
liert, weitestgehend konstant, in sich stimmig, nachvollziehbar und authentisch.
Sie hat durchwegs beschrieben, nur zum Arbeiten in die Schweiz gekommen zu
sein. Das beginnt schon mit ihrer Erläuterung, dass der Kontakt zum Beschuldig-
ten über ein von ihr geschaltetes Youtube-Inserat mit dem Inhalt, dass sie Arbeit
suche, zustande gekommen sei. Diese Suche korrespondiert mit ihren Hinweisen,
in Albanien keine Arbeit zu haben und dass sie ihrer kranken Mutter finanziell hel-
fen wolle. Sie sei in die Schweiz gekommen, weil sie Geld brauche und um zu
- 21 -
helfen, zu arbeiten, wie mit dem Beschuldigten am Telefon abgemacht. Nach ihrer
Aussage lautete die Abmachung, dass sie im Lokal des Beschuldigten putze und
saubermache. So habe sie vor ihrer Einreise in die Schweiz gewusst, dass sie im
Lokal des Beschuldigten als Servicefrau und Putzhilfe arbeiten könne.
Dass offenbar keine lückenlose Vereinbarung mit dem Beschuldigten bestand,
namentlich der genaue Lohn und die Dauer ihres Aufenthaltes bzw. ihrer Tätigkeit
in der Schweiz beim Telefongespräch (noch) nicht festgelegt worden waren,
spricht nicht gegen eine vereinbarte Erwerbstätigkeit. Es darf als notorisch gelten,
dass selbst eine bescheidene Entlöhnung in der Schweiz klar höher liegen dürfte
als entsprechendes Einkommen im Kosovo, wobei B._ laut ihrer Aussage im
Herkunftsland arbeitslos und gerade aus diesem Grund im Internet auf Arbeits-
suche war. Betreffend ihren Aufenthalt in der Schweiz ergibt sich selbst aus der
Darstellung des Beschuldigten keine fixe Dauer (vgl. vorne II. 4.2). Die Unvoll-
ständigkeit der telefonischen Abmachungen schadet auch nicht der Glaubhaf-
tigkeit von B._s Äusserungen. Vielmehr spricht es für wahrheitsgetreue Aus-
sage, dass sie unterschied zwischen bereits im voraus abgemachten und offenge-
lassenen Punkten und dass sie keine vollständige Vereinbarung behauptete oder
diesbezüglich gar beliebige Ergänzungen vornahm.
5.3.2. Die Einreise von B._ in die Schweiz am 7. Oktober 2017 stimmt zeit-
lich überein mit der Übernahme des C._ clubs und des Mietvertrages durch
den Beschuldigten. Zuvor, von März 2016 bis Anfang Oktober 2017, waren
L._, N._ und O._ (daher der Name C._ club
L._N._O._) Mieter der Räumlichkeiten und Betreiber des Clubs
gewesen, wobei der Beschuldigte seit ca. Januar 2017 Untermieter gewesen war.
Wie der Beschuldigte ausführte, übernahm er den Mietvertrag, weil seine Vorgän-
ger keine Mieter mehr sein bzw. den Club nicht mehr führen wollten. Er gab an,
dass gar keine Personen in diesem ca. 200 m2 grossen Lokal arbeiten würden, er
die Arbeiten und den Service selber verrichte, bei gelegentlicher Mithilfe von Kol-
legen (Urk. 2/1 S. 1 ff.). Wenn nun Kollegen, bzw. irgend jemand, er wisse es
nicht mehr genau, ihm die Telefonnummer der über Internet arbeitsuchenden Al-
banerin B._ gab, der Beschuldigte mit B._ in Kontakt trat und sie unter
- 22 -
Übernahme auch ihrer Reisekosten zuzüglich 500 Euro in bar in die Schweiz
kommen liess (Urk. 2/1 S. 4 f.; Urk. 2/5 S. 2 und 5), so passt auch die von
B._ beschriebene Anwerbung gut zur damaligen Situation des Beschuldigten
als neuer Mieter und Betreiber eines Freizeit-Vereinslokals, welches teilweise an
Abenden unter der Woche und an Wochenenden jeden Abend geöffnet hat
(Urk. 2/1 S. 2).
5.3.3. Nach ihrer Tätigkeit in der Schweiz gefragt, gab B._ an, sie habe ge-
arbeitet und im Hotel F._ in der Nähe ihres Arbeitsplatzes gewohnt. Dass sie
im Hotel F._ in E._ logierte – anerkanntermassen organisiert, dorthin
chauffiert und bezahlt durch den Beschuldigten (Urk. 2/4 S. 4; Urk. 2/5 S. 3 ff.) –,
nur ca. 100 Meter entfernt vom Vereinslokal des Beschuldigten und an derselben
Strasse gelegen, bekräftigt den von B._ hervorgehobenen räumlichen Zu-
sammenhang von Wohnen und Arbeiten. Hätte der Beschuldigte B._, wie er
behauptet, tatsächlich einzig zum Kennenlernen und als (potentielle) Freun-
din/Lebenspartnerin in die Schweiz eingeladen, wäre fraglos deren Unterbringung
in deutlich kürzerer Distanz als 16-17 Kilometer entfernt von seinem Wohn- und
Arbeitsort (beides in ... [Ort]; vgl. Urk. 57/1-6; www.viamichelin.com), wo er sich
täglich aufhält, nahe gelegen, zumal er laut seinen Angaben unter der Woche
während der Berufstätigkeit nur ab und zu am Abend im Lokal gewesen sei, ein-
zig am Wochenende jeden Abend (Urk. 2/1 S. 2). Das gilt umso mehr angesichts
der Tatsache, dass der Beschuldigte in Flughafennähe wohnt, wo bekanntlich
sehr viele Unterkunftsmöglichkeiten existieren.
5.3.4. B._ führte in der Folge praktisch gleichbleibend aus, dass sie im Lokal
des Beschuldigten als Putzhilfe und Servicefrau gearbeitet habe, und sie präzi-
sierte auf Nachfrage ihre konkreten Tätigkeiten wie dargelegt (vgl. vorne II. 4.1.1).
Ihren – mit der zu erwähnenden Ausnahme (vgl. hinten II. 5.3.5) – beständigen
Ausführungen ist weiter zu entnehmen, dass sie dafür am ersten Arbeitstag vom
Beschuldigten mit Fr. 100.– resp. Fr. 200.– entlöhnt wurde und darüber hinaus im
Service von den Gästen Trinkgelder erhalten habe, welche sie habe behalten dür-
fen. Sie sprach von einmal Fr. 180.– und sonst eher kleineren Beträgen um die
Fr. 10.– (Urk. 2/4 S. 3). Es ist nicht einzusehen, weshalb B._ von sich aus
- 23 -
Trinkgelder erwähnen sollte, wenn sie keine solchen finanziellen Zustupfe für ihre
Tätigkeit bekommen hätte. Bekanntlich erhält im Gastgewerbe Trinkgeld, wer die
Gäste zu deren Zufriedenheit bedient hat.
5.3.5. Im Rahmen der Konfrontationseinvernahme wurde B._ durch die
Staatsanwältin erläutert, dass es ihre Pflicht als Arbeitnehmerin sei, sich betref-
fend die Notwendigkeit einer Arbeitsbewilligung zu erkundigen (Urk. 2/4 S. 3 f.).
Darauf antwortete B._, sie habe nur helfen und nicht arbeiten wollen. Nach
Hinweis der Staatsanwältin, putzen und im Service arbeiten nenne man in der
Schweiz und auch anderswo arbeiten, erwiderte B._: "Ich habe ja nicht viel
gemacht. Ich habe das ja auch nicht gewusst" (Urk. 2/4 S. 4). In dieser Passage
hat B._ zwar ihre bisher einheitlichen Schilderungen mit der ersten Antwort
relativiert, sogleich aber die vorgehaltene Definition ihrer Tätigkeit als Arbeit ak-
zeptiert und lediglich noch das geringe Ausmass ihrer Verfehlung hervorgehoben.
Dieses einmalige Kleinreden hat nicht zur Folge, dass die ansonsten sehr konsis-
tenten und realistisch wirkenden Aussagen B._s als Ganzes an Glaub-
haftigkeit einbüssen, zumal sie wenig später gegen Ende der Einvernahme in Er-
widerung von Aussagen des Beschuldigten erneut und dezidiert betonte, sie sei
nur hierher gekommen, um zu arbeiten (Urk. 2/4 S. 5).
5.3.6. Zu ihren Arbeitseinsätzen in der fraglichen Zeitspanne vom 7. bis
15. Oktober 2017 finden sich ebenfalls exakte Angaben von B._. Auf die of-
fene Frage, ob sie jeden Tag seit ihrer Einreise im Lokal gearbeitet habe, erwähn-
te sie als erstes, dass dies an einem Tag nicht der Fall gewesen sei, sonst aber
jeden Abend von 18:00 Uhr bis 23:00 oder 24:00 Uhr und an den Wochenenden
jeweils von 18:00 bis 06:00 Uhr (Urk. 2/3 S. 2). Diese differenzierten, auf ein Club-
lokal wie das vorliegende passenden und damit plausiblen Zeitangaben stehen
wiederum im Einklang mit den vom Beschuldigten skizzierten Öffnungszeiten
(Urk. 2/1 S. 2).
5.3.7. Weiter basiert auch der Anlass zum vorliegenden Verfahren, der Zwist zwi-
schen B._ und G._, laut B._ auf ihrer Erwerbstätigkeit im C._
club. G._ habe sie geschlagen, weil sie eine von ihm zugewiesene Arbeit
nicht habe ausführen wollen (vgl. vorne II. 4.1.1). Gleichermassen ergibt sich aus
- 24 -
G._s Befragung, dass die Auseinandersetzung bei der Bar im C._ club
stattfand, wo er gemäss seiner Darstellung als damaliger Hüter des Lokals
B._ zurechtwies und schliesslich vor die Tür stellte (vgl. vorne II. 4.3).
Dass sich B._ am Sonntag Abend, 15. Oktober 2017, um ca. 22:30 Uhr
(vgl. Urk. 1 S. 2) trotz Abwesenheit des Beschuldigten im C._ club aufhielt,
nach Angaben zweier vorliegend befragter, nicht täglich im Club anwesender
Zeugen nicht zum ersten Mal bzw. zum zweiten oder dritten Mal (vgl. Prot. I S. 10
und 13), und dabei mehrfach versucht habe, hinter die Bar resp. die Theke zu ge-
hen, ist jedenfalls als zusätzliches Indiz für ihre dortige Erwerbsarbeit zu werten.
Gestützt auf die detailreichen, insgesamt gleichbleibenden und einleuchtenden
Schilderungen von B._ erscheint es naheliegend, dass sie dorthin gelangen
wollte, um weiterhin (wie schon an Abenden zuvor und mit dem Beschuldigten
vereinbart) Arbeiten zu verrichten, etwa Geschirr abzuwaschen oder Reinigungen
vorzunehmen. Wie es sich mit dem besagten Vorfall verhält, lässt sich aber nicht
mehr klären und kann auch offen bleiben. Die durch mehrere der Befragten depo-
nierte blosse Mutmassung, sie habe wohl Geld stehlen wollen, erscheint demge-
genüber aus der Luft gegriffen und ist jedenfalls nicht geeignet, die beständige
und stimmige Sachdarstellung von B._ zu beeinträchtigen.
5.3.8. Abschliessend ist nochmals festzuhalten, dass sich B._ mit ihren Aus-
sagen selber belastete und dass sie sich auch dann nicht von ihren Darlegungen
distanzierte, als sie dessen Gewahr wurde und schon von ersten Konsequenzen
betroffen war.
5.3.9. Alles in allem erweisen sich die Aussagen von B._ schon für sich al-
lein betrachtet als sehr überzeugend.
5.4. Würdigung der Aussagen des Beschuldigten
5.4.1. Die Aussagen des Beschuldigten sind insoweit konstant, als er jegliche Er-
werbstätigkeit von B._ in seinem C._ club oder Hilfeleistung für ihn bei
der Arbeit gegen Geld verneint und ebenso in Abrede stellt, dass B._ je et-
was mit ihm abgemacht habe. Sie habe wie jeder andere Gast auch einfach et-
- 25 -
was an der Bar getrunken. Er habe den Club lediglich benutzt, um mit ihr Zeit zu
verbringen. Sie seien teilweise zusammen dort gewesen oder sie sei ihn besu-
chen gekommen. B._ sei als Touristin in die Schweiz gereist, habe hier
nichts machen sollen. Sodann gab er mehrmals zu Protokoll, er wisse, dass aus-
ländische Arbeitnehmer eine Arbeitsbewilligung benötigten, dass B._ man-
gels einer solchen gar nicht habe arbeiten dürfen und dass er das (gemeint: sie
beschäftigen) nie machen würde.
Über die konstante Bestreitung des eigentlichen Tatvorwurfs hinaus erweisen sich
die Aussagen des Beschuldigten aber in vielfacher Hinsicht als inkonsistent, teil-
weise widersprüchlich, kaum einleuchtend oder nicht nachvollziehbar und damit
wenig glaubhaft.
5.4.2. Schon auf die Frage, wie er B._ kennengelernt und was für eine Be-
ziehung er zu ihr habe, antwortete der Beschuldigte unterschiedlich.
Einerseits gab er an, sie durch das Internet kennengelernt zu haben, indem ir-
gend jemand seiner Kollegen ihm ihre Nummer gegeben habe, worauf er sie ein-
geladen habe. Nachdem ihm in der Befragung, welche am achten Tag nach
B._s Einreise stattfand, mitgeteilt worden war, B._ sei verhaftet worden,
bezeichnete er sie als seine Freundin, die eigentlich im Hotel F._ sein sollte
(Urk. 2/1 S. 3). Sie hätten sich kennengelernt und sie sei zu ihm auf Besuch ge-
kommen (Urk. 2/4 S. 4).
Anderseits führte der Beschuldigte aus, B._ sei gekommen, um ihn kennen-
zulernen. Er habe alles finanziert, damit sie hierher komme und ihn kennenlerne.
Sie habe kommen wollen, um zu heiraten und zu arbeiten (Urk. 2/4 S. 4 f.; Prot. I
S. 18).
Sodann erklärte er zur Kontaktnahme und B._s Einreise, sie hätten sich ge-
genseitig kennenlernen und schauen wollen, was sich daraus ergebe. Jemand
seiner Kollegen in der Schweiz habe ihm ein Bild von ihr gezeigt und er habe sie
angerufen und eingeladen. Am Anfang habe er sich eine Freundschaft erhofft. Sie
sei einverstanden gewesen. Es habe sich aber nichts zwischen ihnen entwickelt
- 26 -
(Urk. 2/5 S. 3). Er habe ihr bereits nach drei Tagen gesagt, dass aus ihnen beiden
nichts werde und dass sie gehen müsse, was sie einfach nicht habe akzeptieren
wollen (Urk. 2/5 S. 4 und 6). Sie sei anscheinend an vielen Männern interessiert
gewesen, nicht nur an ihm (Urk. 2/5 S. 4 f.).
An der Berufungsverhandlung gab er an, er habe mit B._ vor ihrer Einreise
mehrmals telefoniert und auch mit ihr über das Internet geschrieben. Dabei habe
er das Gefühl bekommen, es könnte mehr sein. Nach dem dritten Tag habe er
gemerkt, dass sie keine Beziehung gewollt habe, sondern ein Leben in der
Schweiz und Geld (Urk. 61 S. 9).
Es ist unverkennbar, dass der Beschuldigte sein Aussageverhalten dem Verfah-
rensgang anpasste und B._ von der geladenen Freundin, die im Hotel sein
sollte, zur unerwünschten Person mutierte, die das Hotel längst verlassen haben
sollte, aber sich dagegen sperrte, weil sie das Scheitern einer erhofften Be-
ziehung nicht hinzunehmen gewillt war.
5.4.3. Eine weitere Unstimmigkeit ergibt sich aus den Aussagen des Beschuldig-
ten zum Geld, das er B._ gegeben habe: Gemäss seiner Aussage bei der
Polizei hat sie von ihm 500 Euro und Fr. 500.– erhalten. Eine Entschädigung von
Fr. 100.– für Arbeit von ihm und Fr. 100.– Trinkgelder von Gästen verneinte er
(Urk. 2/1 S. 5). Gegenüber der Staatsanwaltschaft erklärte er hingegen, es sei
korrekt, dass er B._ 500 Euro für die Reise und Fr. 100.– für auswärtige Ver-
pflegung gegeben habe und ihr zudem die Reise, d.h. das Flugticket, bezahlt und
ebenso die Kosten des Hotels übernommen habe (Urk. 2/5 S. 3 ff.). An der Beru-
fungsverhandlung gab er an, insgesamt ungefähr Fr. 1'500.– ausgegeben zu ha-
ben, wobei er die 500 Euro zurückerhalten hätte, wenn sie zurückginge (Urk. 61
S. 12).
5.4.4. Uneinheitlich äusserte sich der Beschuldigte ferner auf die Frage nach ei-
nem Motiv B._s für eine Falschbelastung. Zunächst erklärte er, keine Ah-
nung zu haben. Dann sagte er, sie möchte ihm Probleme machen, weil er nicht
immer in ihrer Nähe sein könne. Später mutmasste er, irgend jemand habe ihr
dies gesagt, weil er einfach zu wenig Zeit für sie gehabt habe, und dass sie ihm
- 27 -
eins auswischen wolle. Es sei sicher nur ihr Ziel gewesen, ihm zu schaden. Sicher
habe sie jemand überredet, so etwas zu sagen, um so eventuell an Geld zu
kommen. Sie sei nur an Geld interessiert gewesen und anscheinend an vielen
Männern. Er habe ihr Verhalten einfach nicht verstanden.
Auf Nachfrage des Präsidenten, weshalb B._ ihn zu Unrecht belasten sollte,
gab er an der Berufungsverhandlung teilweise widersprüchlich zu seiner vorheri-
gen Aussage, wonach B._ keine Beziehung gewollt habe, an, sie sei sauer
gewesen, dass es nicht länger gelaufen sei und sie nicht mehr Zeit miteinander
verbracht hätten (Urk. 61 S. 13).
Diese Ausführungen beinhalten zum einen eine Steigerung von Ahnungslosigkeit
bis hin zur Unterstellung boshafter Absichten und Schlechtmachen der Person,
wozu auch die vom Beschuldigten übernommene Diebstahlsthese und die von
ihm angedeuteten Männergeschichten zählen. Solche offensichtlichen Über-
treibungen stellen Lügensignale dar. Anderseits stehen die Aussagen im Wider-
spruch zur Feststellung, dass sich B._s Strafanzeige gar nicht gegen den
Beschuldigten richtete (sondern gegen G._) und dass B._ um die
gleichzeitige Belastung des Beschuldigten und die Selbstbelastung offensichtlich
nicht wusste.
5.4.5. Wie schon erwähnt (vgl. vorne II. 5.3.3), wirft die Hotelwahl in geo-
grafischer Hinsicht Fragen auf, nachdem der Beschuldigte mit B._ eine po-
tentielle Freundin/Lebenspartnerin und nicht eine Arbeitskraft für sein Lokal in die
Schweiz eingeladen haben will. Auch erstaunt, dass das Hotel laut dem Beschul-
digten lediglich für Samstag bis Montag gebucht war, ein ambitiöser Zeitrahmen
für die Suche nach einer Lebensgefährtin, abgesehen davon, dass der Beschul-
digte nach seiner Darstellung bereits in einer festen Beziehung lebte und zudem
aufgrund der Öffnungszeiten seines C._ clubs speziell an Wochenenden
sehr ausgelastet war (Urk. 2/1 S. 2). Vollends unverständlich ist, dass der Be-
schuldigte aus Pietätsgründen (er habe sie nicht einfach auf die Strasse setzen
können) die Hotelkosten für B._ weiter bezahlte, wenn er sie doch loswerden
wollte, weil keine Beziehung zwischen ihnen entstanden war, dies überdies vor
dem Hintergrund, dass B._ es im von ihm bezahlten Hotelzimmer auch noch
- 28 -
mit andern Männern "getrieben" haben soll (Urk. 30 S. 5). Dass das Hotel immer
wieder verlängert wurde, was man auf den Buchungen sehe (vgl. Urk. 2/5 S. 4),
ist wohl auf das Handeln des Beschuldigten zurückzuführen, der die Unterkunft
für B._ als seine Angestellte im C._ club prolongierte. Die vom Beschul-
digten vorgebrachte Behauptung einer (eventuellen) Romanze mit B._ ist
nicht plausibel.
Die Aussage des Beschuldigten, B._ habe es in der Schweiz (nur) auf Geld
abgesehen, dürfte aber im Wesentlichen zutreffen, nachdem B._ gleich-
bleibend und glaubhaft erklärt hat, dass sie wegen ihrer Erwerbslosigkeit in der
Heimat im Internet Arbeit gesucht habe und aufgrund der telefonischen Anfrage
und Abmachung mit dem Beschuldigten zum Arbeiten und Geldverdienen in die
Schweiz gekommen sei.
5.4.6. Ergänzend ist auf die Aussagenwürdigung zu B._ zu verweisen
(vgl. vorne II. 5.3)
5.4.7. Schliesslich führte der Beschuldigte im Rahmen der Konfrontationseinver-
nahme vom 16. Oktober 2017 selber aus, B._ sei als Reinigungskraft einge-
laden worden.
Anlässlich der Konfrontationseinvernahme schilderte zunächst B._ einläss-
lich, dass sie in die Schweiz gekommen sei, um zu arbeiten, gemäss Abmachung
mit dem Beschuldigten im Lokal zu putzen und sauber zu machen, und dass sie
nebst Putzarbeiten als Servicefrau gearbeitet und Trinkgeld von den Gästen er-
halten habe. Obwohl der Beschuldigte im vorliegenden Verfahren jegliche Er-
werbsarbeit oder Hilfeleistung B._s bei seiner Arbeit ansonsten bestritt,
nahm er anschliessend auf Vorhalt der Staatsanwältin, was er zu B._s Schil-
derungen sage, mit den Worten Stellung: "Sie sagte, dass sie als Servicemitarbei-
terin bestellt wurde, aber sie wurde als Reinigungskraft eingeladen" (Urk. 2/4
S. 4). Die – damals nicht anwesende – Verteidigung des Beschuldigten machte
Monate später, am 27. März 2018, geltend, diese Aussage sei missverständlich
protokolliert worden. Der Beschuldigte habe sich damals dahingehend geäussert,
dass er B._ weder als Servicemitarbeiterin noch als Reinigungskraft geladen
- 29 -
hätte. Diese so protokollierte Aussage mache im Gesamtkontext keinen Sinn.
Leider habe der Beschuldigte das Protokoll nicht aufmerksam genug durchgele-
sen und so unterzeichnet. Wohl spreche der Beschuldigte leidlich Deutsch, be-
kunde aber Mühe mit dem Schreiben und insbesondere mit dem Verständnis des
Geschriebenen (vgl. Urk. 24 S. 2). An der Haupt- und Berufungsverhandlung hielt
die Verteidigung an diesem Standpunkt fest (Urk. 30 S. 4 f.; Prot. II S. 8 f.). Die
Vorinstanz schloss sich der Argumentation der Verteidigung an und ging davon
aus, dass es sich um eine missverständliche Protokollierung des Gesagten oder
um ein Missverständnis zwischen dem Einvernehmenden und dem Beschuldigten
handle – in andern Worten um eine materiell falsche Protokollierung –, und nicht
um einen eigentlichen Versprecher des Beschuldigten (Urk. 40 S. 7 f.).
Dem ist aus mehreren Gründen nicht beizupflichten.
5.4.7.1. Die Berufung der Verteidigung auf sprachliche Schwierigkeiten des Be-
schuldigten ist nicht zu hören. Der Beschuldigte, der über eine Niederlassungs-
bewilligung C verfügt, seit 1991 in der Schweiz lebt und arbeitet, Familienvater ist
und auch nicht zum ersten Mal mit der Justiz zu tun hat, hat im vorliegenden Ver-
fahren auf konkrete Frage stets verneint, eine Übersetzung zu benötigen (Urk. 2/1
S. 1; Urk. 2/4 S. 1; Urk. 61 S. 6 f.). Sämtliche Einvernahmen im Vorverfahren,
auch die Konfrontationseinvernahme, wurden von ihm als gelesen und bestätigt
unterzeichnet. Insbesondere hatte der Beschuldigte trotz ausdrücklichem Hinweis
seitens der Staatsanwältin keine Ergänzung oder Berichtigung zum Protokoll der
Konfrontationseinvernahme anzubringen (Urk. 2/4 S. 6).
Als dem Beschuldigten anlässlich der Konfrontationseinvernahme das Wort erteilt
wurde, nahm er auf die Sachdarstellung B._s Bezug, welche ihm im Übrigen
bereits am Vormittag des gleichen Tages anlässlich seiner polizeilichen Befra-
gung eine erstes Mal zur Kenntnis gebracht worden und daher für ihn nicht neu
war (Urk. 2/1). Er unterschied präzis zwischen Servicemitarbeit und der Tätigkeit
als Reinigungskraft und betonte, dass B._ "als Reinigungskraft" gekommen
sei (Urk. 2/4 S. 4). Eine missverständliche Protokollierung des Gesagten oder ein
Missverständnis zwischen der einvernehmenden Staatsanwältin und dem Be-
schuldigten ist zu verneinen. Das wird auch untermauert durch die Antwort
- 30 -
des Beschuldigten auf Nachhaken der Staatsanwältin, dass B._ ihn eindeutig
belaste. Der Beschuldigte erwiderte darauf unter anderem, wenn sie (gemeint
B._) etwas gemacht habe, habe sie ihn als Freund bedient (Urk. 2/4 S. 4).
Demnach hat B._ nicht nur als Gast im Lokal des Beschuldigten verkehrt.
5.4.7.2. Der erbetene Verteidiger wurde mit Vollmacht vom 23. Oktober 2017
durch den Beschuldigten mandatiert (Urk. 5/2) und erhob am 24. Oktober 2017
Einsprache gegen den Strafbefehl (Urk. 5/1). Ab dem 26. Oktober 2017 standen
die Akten dem Verteidiger für sieben Arbeitstage zur Verfügung. Mit Schreiben
vom 3. November 2017 teilte der Verteidiger der Staatsanwaltschaft als damaliger
Verfahrensleitung mit, der Beschuldigte sei weiterhin nicht geständig und halte an
seinem Standpunkt fest. Zudem reichte der Verteidiger eine Liste mit 11 Personen
ein, welche die Behauptungen des Beschuldigten aufgrund eigener Feststellun-
gen bestätigen und gegebenenfalls vorgeladen werden könnten (Urk. 5/3 und
5/4). Unter diesen Umständen ist davon auszugehen, dass der Verteidiger Anfang
November 2017 die Akten vollständig gesichtet und insbesondere auch den Inhalt
der Konfrontationseinvernahme zur Kenntnis genommen hatte. Auf Teilnahme an
der folgenden Einvernahme des Beschuldigten bei der Staatsanwaltschaft vom
14. Dezember 2017 verzichtete der Verteidiger (Urk. 2/5 S. 1).
Gesuche um Protokollberichtigung bei inhaltlicher, materieller Berichtigung sind
gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung sofort nach Entdeckung des mut-
masslichen Fehlers in einem förmlichen Protokollberichtigungsverfahren geltend
zu machen und der Verfahrensleitung, hier der Staatsanwaltschaft, zum Ent-
scheid zu unterbreiten (Art. 79 Abs. 2 StPO; BSK StPO-Philippe Näpfli. 2. Aufl.
Basel 2014, Art. 79 N 3 mit Hinweisen). Jedenfalls verlangen Treu und Glauben,
dass solche Anträge innert vernünftiger Frist nach Kenntnisnahme gestellt wer-
den, ansonsten sie verwirkt sind (Schmid/Jositsch, Handbuch StPO, 3. Aufl.,
Zürich/St. Gallen 2017, Rz 579 Fn 421 mit Hinweis auf Urteil des Bundesgerichts
1B_311/2011 vom 30. August 2011 E. 3; Brüschweiler, in: Donatsch/Hansjakob/
Lieber, StPO Komm. Art. 79 N 3 mit Hinweisen). Das geschah vorliegend nicht,
weder innert vernünftiger Frist noch bei der dafür zuständigen Verfahrensleitung.
- 31 -
Der Antrag um Protokollberichtigung ist daher verwirkt bzw. eine formlose Ände-
rung des Protokolls der Konfrontationseinvernahme abzulehnen.
5.4.7.3. Schliesslich deutet auch aufgrund der eigenen, insgesamt wenig glaub-
haften Aussagen des Beschuldigten sowie der zeitlichen Koinzidenz von
B._s Einreise im Oktober 2017 und der damaligen Übernahme des Lokals
durch den Beschuldigten als Chef und Verantwortlicher des C._ clubs vieles
darauf hin, dass der Beschuldigte B._ nicht als Touristin oder allfällige
Freundin auf seine Kosten in die Schweiz kommen liess, sondern als Arbeitskraft
für sein Lokal, vornehmlich für Reinigungsarbeiten. Das entspricht auch der
Sachdarstellung B._s, wonach sie im C._ club hauptsächlich Geschirr
abgewaschen und geputzt habe, wie telefonisch mit dem Beschuldigten verein-
bart (Urk. 2/3 S. 2 f.).
Selbst wenn, wie geltend gemacht, von einem Missverständnis im Protokoll der
Konfrontationseinvernahme ausgegangen würde, stünde den wenig plausiblen
Aussagen des Beschuldigten die auf der ganzen Linie stringente und überzeu-
gende Sachdarstellung B._s gegenüber.
5.5. Würdigung der Aussagen von G._
Der als Beschuldigter befragte G._ bezeichnet sich als Kollege des Beschul-
digten und Vereinsmitglied mit einer sehr nahen Beziehung zum C._ club, wo
er sich viel aufhalte. Am Abend des 15. Oktober 2017, als es zum Vorfall zwi-
schen ihm und B._ kam, vertrat er im Lokal den abwesenden Beschuldigten.
Er gab an, B._ eigentlich nicht zu kennen, in keiner Beziehung zu ihr zu ste-
hen. Zu ihrer Person konnte er sich überhaupt nicht äussern: Weder kannte er ih-
re Staatsbürgerschaft, noch den Zeitpunkt oder den Zweck ihrer Einreise in die
Schweiz, noch ihr erstmaliges Erscheinen im Club, wo er sie zwei bis drei Mal ge-
sehen habe, erstmals in der Woche zuvor. Ob sie die Freundin von jemandem
sei, war ihm ebenfalls nicht bekannt. Daraus ergibt sich, dass er nichts weiss über
die konkrete Beziehung von B._ und dem Beschuldigten und allfällige Abma-
chungen zwischen den beiden.
- 32 -
Auf Vorhalt der Aussagen B._s, seit ihrer Einreise vom 7. Oktober 2017 bis
zu ihrer Verhaftung am 15. Oktober 2017 täglich, mit Unterbruch von einem Tag,
im Lokal gearbeitet zu haben, erwiderte er zuerst mit "Nein", fügte aber sogleich
an, dies wisse er nicht. Arbeiten würden nur er, M._, der Beschuldigte und
so. Sie hätten ja kein Geld um eine Person anzustellen (Urk. 2/2 S. 2). Diese
Antwort widerspiegelt fehlende Kenntnis zur gestellten Frage. Das gilt auch für
G._s ergänzende Bemerkung am Ende der Einvernahme: Sie arbeite nicht in
diesem Lokal. Dies wüsste er (Urk. 2/2 S. 4). G._s Ausführungen erweisen
sich – abweichend zur Vorinstanz (Urk. 40 S. 10 f.) – als wenig aussagekräftig
und stützen im Ergebnis weder den Standpunkt von B._ noch jenen des Be-
schuldigten. Die apodiktischen Hinweise von G._, wenn er B._ im Lokal
gesehen habe, habe sie einfach gesessen und etwas getrunken, sei sie immer mit
jemandem da gewesen, immer am Telefon, immer bei Leuten am Hocken
(Urk. 2/2 S. 3), ändern daran nichts. Sie erscheinen eher übertrieben und als Lü-
gensignal.
5.6. Würdigung der Zeugenaussage von H._
H._ ist ein Gast des C._ clubs und konnte sich an die Zeitspanne zwi-
schen dem 7. und dem 15. Oktober 2017 – als er auch anwesend gewesen sei,
aber nicht jeden Tag – teilweise erinnern. Ihn habe im Club keine Frau bedient
und er habe keine Frau dort arbeiten gesehen. Er verneinte zunächst, B._ zu
kennen, konnte dann aber im Zusammenhang mit dem ihm von der Verteidigung
unterbreiteten Vorfall zwischen einer Frau und G._ bestätigen, diese Frau
zwei, drei Mal im Club neben dem Beschuldigten sitzend etwas trinken gesehen
zu haben. Auch sie habe er nicht gesehen etwas anderes zu machen (Prot. I
S. 9 f.).
Der Zeuge bestätigt zwar den Standpunkt des Beschuldigten, dass B._ nicht
im Club gearbeitet habe, doch gilt es zu bedenken, dass er in der fraglichen Zeit
selber nicht täglich anwesend war und sich auch nur teilweise erinnern kann. Es
kommt hinzu, dass B._ aussagte, nur ab und zu Gäste bedient, primär je-
doch Geschirr gespült und geputzt zu haben. Somit hielt sie sich bei ihrer Arbeit
überwiegend fern von den Gästen im Hintergrund auf. Dass B._ im massge-
- 33 -
blichen Zeitraum keiner Tätigkeit im C._ club nachgegangen ist, lässt sich
durch H._s Aussagen jedenfalls nicht erstellen. Dass sie mit dem Beschul-
digten auch einmal ein Getränk konsumiert haben mag, steht einer Erwerbsarbeit
von B._ im Lokal nicht entgegen. Überdies macht hellhörig, dass der Zeuge
gemäss seiner Aussage nach Erhalt der Vorladung mit dem Beschuldigten Kon-
takt aufnahm und von ihm Informationen erhielt (Prot. I S. 8; vgl. auch II. 5.7 hier-
nach).
5.7. Würdigung der Zeugenaussage von I._
Beim Zeugen I._ handelt es sich um einen Kollegen des Beschuldigten und
guten Freund von G._, der nach seinen Aussagen ebenfalls zwischen dem 7.
und 15. Oktober 2017 als Gast im C._ club verkehrte. Zu seiner Erinnerung
an diese Zeit erklärte er, dies sei schon länger her. Er gab an, B._ flüchtig zu
kennen und bestätigte auf die Frage, ob er sie während seiner Anwesenheit ge-
sehen habe, dass dies sicher der Fall sei und fügte von sich aus an, "..., aber sie
arbeitete nicht dort". Es habe keine Frau dort gearbeitet. Danach gefragt, wie lan-
ge B._ jeweils anwesend gewesen sei, gab er zu Protokoll, keine Ahnung zu
haben, er habe nicht darauf geachtet (Prot. I S. 13).
Es stellt sich die Frage, gestützt worauf der Zeuge I._, der B._ nur flüch-
tig kannte, nicht auf ihre Anwesenheit achtete und auch nicht den Zwist zwischen
G._ und B._ mitbekommen hat (Prot. I S. 14), nach Ablauf von rund
sechs Monaten mit derartiger Gewissheit sagen kann, dass B._ nicht im
C._ club gearbeitet hat. Gleichermassen erstaunt die Antwort des Zeugen
"Nein, gar nicht" auf den Vorhalt, ob B._ die Gäste bedient, geputzt und/oder
die Kaffeemaschine bedient habe und sein Nachdoppeln, sie habe definitiv nicht
gearbeitet (Prot. I S. 13). Wenn I._ bei seinen Aufenthalten im C._ club
der ihm ohnehin nur oberflächlich bekannten B._ keine oder kaum Beach-
tung schenkte – was ihm nicht anzukreiden ist –, kann er indessen auch nicht aus
eigener Wahrnehmung wissen, ob sie dort Arbeiten verrichtete, zumal sich Tätig-
keiten wie Geschirr spülen und Putzarbeiten eher im Hintergrund und nicht inmit-
ten von Gästen abspielen. Unter den gegebenen Umständen liegt es auf der
Hand, dass der Zeuge die Thematik der Befragung entweder vorgängig aus dem
- 34 -
Umfeld des Beschuldigten erfahren haben muss, obwohl er dies eingangs der
Einvernahme verneinte (Prot. I S. 12), oder dass er im Club oder von anderen
Clubmitgliedern davon hörte.
Dass der Strafbefehl bzw. der diesem zugrundeliegende Sachverhalt im C._
club Gesprächsgegenstand gebildet haben muss, ergibt sich auch aus dem Be-
weisantrag der Verteidigung. Schon mit Eingabe vom 3. November 2017 übermit-
telte die Verteidigung der Staatsanwaltschaft eine Liste derjenigen Personen,
welche die Behauptungen des Beschuldigten – dass er B._ in diesem Lokal
nicht beschäftigt habe und dass sie dort auch keiner Erwerbstätigkeit nachgegan-
gen sei – auch aufgrund ihrer eigenen Feststellungen bestätigen könnten
(Urk. 5/3 und 5/4). Laut besagter Liste und der mit Schreiben vom 27. März 2018
nachgereichten Adressübersicht (Urk. 24 und 25) wurden insgesamt 12 Personen
aus dem Kreise der Club-Gäste als Zeugen offeriert. Es ist nicht anders vorstell-
bar, als dass all diese Personen Kenntnis hatten vom vorliegenden Verfahren ge-
gen den Beschuldigten, ist es doch – zumal unter Freunden und Bekannten –
nicht unüblich, jemanden vorgängig auf die Bereitschaft zu einer Zeugenaussage
anzusprechen. Das ist erst recht der Fall, wenn ein Sachverhalt in einem Vereins-
lokal zur Debatte steht und die dort verkehrenden Mitglieder durch gemeinsame
Beschäftigungen und Interessen miteinander verbunden sind. Diese Überlegun-
gen gelten auch für die andern hier angerufenen und teilweise gehörten Zeugen.
Dem Zeugen I._ fehlt es nach dem Gesagten offensichtlich an mehr als nur
geringer eigener Wahrnehmung zur vorliegenden Fragestellung, weshalb sich
seine Aussage nicht eignet, den Standpunkt des Beschuldigen zu stärken.
5.8. Würdigung der Zeugenaussage von J._
Auch J._ zählt zu den Kollegen des Beschuldigten. Er gab an, B._ nicht
vom Namen, aber vom Aussehen her zu kennen. Er sei viel im C._ club. Mit
den Freunden treffe er sich meistens an Wochenenden dort. An den Zeitraum
zwischen dem 7. und dem 15. Oktober 2017 konnte er sich nicht erinnern, wusste
nicht mehr, ob er dann konkret im C._ club gewesen war. Er bejahte aber,
während seiner Anwesenheit B._ mit dem Beschuldigten dort ab und zu
- 35 -
C._ spielen und etwas trinken gesehen zu haben. Ehrlich gesagt, er habe
kein Interesse gehabt, B._ kennenzulernen. Die Frage, ob er gesehen habe,
dass B._ Gäste bediente, putzte und/oder die Kaffeemaschine bediente, be-
antwortete er mit "Nein, das habe ich nie gesehen" (Prot. I S. 17). Ebenso ver-
neinte er die weitere Frage, ob er glaube, dass B._ im C._ club des Be-
schuldigten gearbeitet habe.
Nachdem der Zeuge J._ keine Erinnerung an die Zeitspanne vom 7. bis
15. Oktober hat, insbesondere nicht mehr weiss, ob er konkret dann im C._
club war und auch sonst meistens an Wochenenden dort verkehrte, ist seine Aus-
sage zum vornherein schlecht geeignet, zur allfälligen damaligen Erwerbstätigkeit
von B._ im Lokal Aufschluss zu erteilen. Es kommt hinzu, dass er sich nicht
für B._ interessierte und ihr folglich kaum Beachtung geschenkt haben dürf-
te. Wenn er sie das eine oder andere Mal mit dem Beschuldigten zusammen im
Club sah, bedeutet das nicht, das sich B._ (nur) als Gast dort aufhielt. Viel-
mehr kann sie die dem Zeugen J._ vorgehaltenen und von ihm dezidiert in
Abrede gestellten Tätigkeiten ausserhalb seiner Anwesenheit im Club verrichtet
haben. Denkbar ist auch, dass er zwar dort war, aber die ihn nicht interessierende
Frau schlicht übersehen hat oder er es nicht mehr weiss. Wiederum ist daran zu
erinnern, dass die in Frage stehenden Arbeiten erfahrungsgemäss im Hintergrund
stattfinden und oftmals kaum wahrgenommen werden.
Als J._ darauf angesprochen wurde, ob ihm der Anklagesachverhalt bzw. der
Inhalt des Strafbefehls bekannt sei, erwiderte er: "Nicht ganz genau" (Prot. I
S. 15). Daraus ergibt sich zweifelsfrei, dass ihm vor der Zeugeneinvernahme der
Verfahrensgegenstand mindestens in groben Zügen bekannt war, was ihm –
wenn nicht direkt durch den Beschuldigten zugetragen (was J._ verneinte;
vgl. Prot. I S. 15) – im Rahmen des C._ clubs oder über andere Vereins-
mitglieder zu Ohren gekommen sein muss (vgl. vorne II. 4.6). Auch wenn J._
B._ nie bei Arbeiten im Lokal gesehen hat oder gesehen haben will, kann mit
der nur sehr beschränkt sachdienlichen Zeugenaussage der Standpunkt des Be-
schuldigten nicht untermauert werden.
- 36 -
5.9. Gesamtwürdigung
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass den detaillierten, weitestgehend kon-
stanten, stringenten und damit glaubhaften und überzeugenden Aussagen von
B._ wenig plausible, teilweise widersprüchliche und zuweilen kaum nachvoll-
ziehbare Schilderungen des Beschuldigten gegenüberstehen. Auch die Ausfüh-
rungen des als beschuldigte Person befragten G._, für den die vorstehende
Erwägung II. 4.7 betreffend Gesprächsgegenstand des vorliegend zu beurteilen-
den Anklagesachverhalts im Umfeld des C._ clubs ebenfalls Gültigkeit hat,
und der überdies nicht zur wahrheitsgemässen Aussage verpflichtet war, erwei-
sen sich nur als beschränkt stichhaltig. Ebenso wenig kann nach dem Gesagten
zur Kernfrage auf die Aussagen der drei Zeugen abgestellt werden, die aus dem
Kollegenkreis des Beschuldigten stammen und fraglos über Informationen zum
vorliegenden Verfahren verfügten, abgesehen davon, dass deren persönliche
Wahrnehmung begrenzt, die Erinnerung teilweise verblasst war und die Aussagen
– ausserhalb der im Wesentlichen übereinstimmenden Verneinung von B._s
Erwerbstätigkeit im Lokal – vage ausfielen. Anzufügen ist, dass die Zeugen ent-
gegen der Ankündigung der Verteidigung (vgl. Urk. 24) nicht Bescheid wussten
betreffend die Beziehung zwischen dem Beschuldigten und B._. Ihren Aus-
sagen ist zwar zu entnehmen, dass sie den Beschuldigten und B._ beim Zu-
sammensein im Club sahen. Weiter bekundeten sie aber kein Interesse und ga-
ben nicht mehr als Mutmassungen zu Protokoll (Zeuge I._: Sie hätten wohl
ein "Gschleick", vgl. Prot. I S. 14; Zeuge J._: Er habe den Beschuldigten nie
dazu befragt und sei davon ausgegangen, dass sie Partner oder Freunde seien,
es habe ihn nicht interessiert, vgl. Prot. I S. 17).
6. Fazit
Der eingeklagte Sachverhalt ist erstellt.
III. Schuldpunkt – rechtliche Würdigung
1. Die Staatsanwaltschaft würdigt das Verhalten des Beschuldigten als Wider-
handlung gegen das Ausländergesetz im Sinne des Tatbestandes der Beschäf-
- 37 -
tigung von Ausländerinnen und Ausländern ohne Bewilligung nach Art. 117 Abs. 1
AuG in Verbindung mit Art. 11 Abs. 1 AuG und Art. 91 Abs. 1 AuG (Urk. 62 S. 1).
2. Gemäss Art. 117 Abs. 1 AuG macht sich unter anderem schuldig, wer als
Arbeitgeberin oder Arbeitgeber vorsätzlich Ausländerinnen und Ausländer be-
schäftigt, die in der Schweiz nicht zur Ausübung einer Erwerbstätigkeit berechtigt
sind. Die Staatsanwaltschaft würdigt das Verhalten des Beschuldigten demnach
zutreffend als Beschäftigung einer Ausländerin ohne Bewilligung. Diese rechtliche
Würdigung wird seitens der Verteidigung auch nicht beanstandet (Urk. 30;
Urk. 63; Prot. II S. 8 f.). Der Beschuldigte wusste, dass ausländische Arbeitneh-
mer eine Arbeitsbewilligung benötigten und dass B._ mangels einer solchen
nicht hätte arbeiten dürfen (Urk. 2/1 S. 6; Urk. 2/4 S. 4; Urk. 2/5 S. 5 f.). Daher ist
der Beschuldigte der Beschäftigung von Ausländerinnen und Ausländern ohne
Bewilligung im Sinne von Art. 117 Abs. 1 AuG in Verbindung mit Art. 11
Abs. 1 AuG und Art. 91 Abs. 1 AuG schuldig zu sprechen.
3. Anzumerken bleibt, dass per 1. Januar 2019 das Ausländergesetz (AuG) in
das Ausländer- und Integrationsgesetz (AIG) umbenannt wurde. Die Strafbestim-
mungen haben indessen weder inhaltlich noch in der Nummerierung geändert,
weshalb es im vorliegenden Fall bei der Terminologie "AuG" zu belassen ist.
IV. Strafzumessung und Vollzug
1. Strafrahmen
Wer als Arbeitgeberin oder Arbeitgeber vorsätzlich Ausländerinnen und Ausländer
beschäftigt, die in der Schweiz nicht zur Ausübung einer Erwerbstätigkeit berech-
tigt sind, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe bestraft. In
schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe.
Mit der Freiheitsstrafe ist eine Geldstrafe zu verbinden (Art. 117 Abs. 1 AuG).
Ein schwerer Fall liegt nicht vor und es besteht auch kein Grund, den ordentlichen
Strafrahmen zu verlassen.
- 38 -
2. Strafzumessung
2.1. Innerhalb des genannten Strafrahmens ist die Strafe nach dem Verschulden
des Täters zu bemessen, wobei das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse
sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters zu berücksichtigen sind
(Art. 47 Abs. 1 StGB). Das Verschulden wird nach der Schwere der Verletzung
oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Han-
delns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie
weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die
Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Art. 47 Abs. 2 StGB). Der Begriff des
Verschuldens muss sich jedenfalls auf den gesamten Unrechts- und Schuldgehalt
der konkreten Straftat beziehen. Zu unterscheiden ist zwischen der Tat- und der
Täterkomponente (OFK StGB-Heimgartner, 20. Aufl. Zürich 2018, Art. 47 N 6).
Bei der Tatkomponente sind das Ausmass des verschuldeten Erfolges, die Art
und Weise der Herbeiführung dieses Erfolges, die Willensrichtung, mit der der Tä-
ter gehandelt hat, und die Beweggründe des Schuldigen zu beachten. Sodann
sind für das Verschulden auch das "Mass an Entscheidungsfreiheit" beim Täter
sowie die so genannte Intensität des deliktischen Willens bedeutsam (OFK StGB-
Heimgartner, a.a.O., Art. 47 N 11). Je leichter es für ihn gewesen wäre, die Norm
zu respektieren, desto schwerer wiegt die Entscheidung gegen sie und damit sei-
ne Schuld (Praxiskommentar StGB-Trechsel/Thommen, 3. A., Zürich/St. Gallen
2018, Art. 47 N 21 mit Hinweisen).
2.2. Vorerst ist die objektive Tatschwere als Ausgangskriterium für die Verschul-
densbewertung festzulegen und zu bemessen. Es gilt zu prüfen, wie stark das
strafrechtlich geschützte Rechtsgut überhaupt beeinträchtigt worden ist. Darunter
fallen etwa das Ausmass des Erfolges (Deliktsbetrag, Gefährdung, Risiko, Sach-
schaden etc.) sowie die Art und Weise des Vorgehens. Von Bedeutung ist auch
die kriminelle Energie, wie sie durch die Tat und die Tatausführung offenbart wird
(Praxiskommentar StGB-Trechsel/Thommen, a.a.O., Art. 47 N 18 ff.).
Bei der Bewertung des subjektiven Verschuldens stellt sich die Frage, wie dem
Täter die objektive Tatschwere tatsächlich anzurechnen ist. Der Richter hat im Ur-
teil darzutun, welche verschuldensmindernden und welche verschuldens-
- 39 -
erhöhenden Gründe im konkreten Fall gegeben sind, um so zu einer Gesamt-
einschätzung des Tatverschuldens zu gelangen. Dazu gehören das Motiv.
2.3. Tatkomponente
Hinsichtlich der objektiven Tatschwere ist festzustellen, dass der Beschuldigte
B._ rund eine Woche ohne die erforderliche Bewilligung in seinem Vereinslo-
kal beschäftigt hat. Das ist eine eher kurze Zeit. Jedoch bewirkte der Beschuldig-
te, der um das Erfordernis einer Arbeitsbewilligung und um deren Fehlen wusste,
mit seinem Vorgehen, dass auch die mit den hiesigen Gepflogenheiten und Ge-
setzen nicht vertraute, in ihrer Heimat erwerbslose, 22-jährige B._ sich straf-
bar machte und sich ihre Hoffnung sehr rasch zerschlug, hierorts legal arbeiten,
Geld verdienen und eventuell eine Zukunft aufbauen zu können. Die geldmässige
Entlöhnung von B._ fiel überdies gemessen am absolvierten Arbeitspensum
sehr knapp aus, doch ist anderseits zu berücksichtigen, dass der Beschuldige da-
neben für Kost und Logis von B._ aufkam. Das strafrechtlich geschützte
Rechtsgut ist im Ergebnis eher geringfügig tangiert. Von grosser krimineller Ener-
gie des Beschuldigten kann nicht gesprochen werden.
In subjektiver Hinsicht ergibt sich, dass der Beschuldigte mit direktem Vorsatz
handelte. Zu seinem Motiv steht im Vordergrund, dass er bezweckte, mit B._,
der Arbeit suchenden Staatsangehörigen von Albanien, eine billige Arbeitskraft für
den von ihm neu übernommenen, C._ club zur Verfügung zu haben. Es wäre
indessen für den Beschuldigten ein Leichtes gewesen, sich vorgängig um die für
die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit von B._ in der Schweiz erforderliche
Arbeitsbewilligung zu bemühen. Er verfügte über ein hinreichendes Mass an Ent-
scheidungsfreiheit.
Das Tatverschulden ist als noch relativ leicht einzustufen. Die hypothetische Ein-
satzstrafe liegt bei ca. 80 Tagessätzen Geldstrafe.
2.4. Täterkomponente
2.4.1. Zum Werdegang des Beschuldigten und den persönlichen Verhältnissen
ergibt sich Folgendes aus den Akten (vgl. Urk. 2/5; Prot. I S. 20; Urk. 55 und 57/1-
- 40 -
6; Urk. 61): Der Beschuldigte ist Staatsangehöriger von Kosovo. Seit 1991 lebt er
in der Schweiz. Er besitzt die Niederlassungsbewilligung C. Bis vor vier Monaten,
als er einen Arbeitsunfall erlitt, war er bei der Firma P._ GmbH in ... [Ort], ei-
nem Transport und Abbruchunternehmen, welches seinem Bruder gehört, als All-
rounder tätig. Beim Unfall wurde sein rechtes Auge erheblich verletzt. Sein monat-
licher Nettolohn beträgt Fr. 6'526.–, wobei er bis dato zusätzlich regelmässig ei-
nen Bonus in der Höhe eines Monatslohnes erhielt (Urk. 57/4-6; Urk. 61 S. 2). Ak-
tuell wird ihm sein Lohn weiterhin bezahlt, wobei er seinen bisherigen Beruf in Zu-
kunft aufgrund des Unfalls höchstwahrscheinlich nicht mehr ausüben kann (vgl.
Urk. 61 S. 7). Der Beschuldigte ist unverheiratet und Vater zweier Kinder, geboren
in den Jahren 2000 und 2007. Er lebt mehrheitlich mit den Kindern und deren
Mutter, seiner Lebenspartnerin, zusammen und hat monatlich rund Fr. 2'600.–
Unterhaltskosten und noch weitere Ausgaben (Urk. 61 S. 3). Er hat zudem ein
Vermögen von Fr. 230'088.– (Urk. 57/3 S. 4; Urk. 61 S. 4). Dass der Beschuldigte
seinen Beruf als Allrounder höchstwahrscheinlich nicht mehr ausüben kann und
durch seinen Arbeitsunfall beeinträchtigt bleiben wird, ist leicht strafmindernd zu
veranschlagen.
2.4.2. Der Beschuldigte weist eine Vorstrafe auf: Mit Strafbefehl der Staatsan-
waltschaft Winterthur/Unterland, Zweigstelle Flughafen, vom 27. April 2015 wurde
er der groben Verletzung von Verkehrsregeln schuldig gesprochen und mit einer
Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu Fr. 60.– bestraft (Urk. 62). Diese Vorstrafe ist
leicht straferhöhend zu werten.
2.4.3. Da der Beschuldigte weder geständig ist noch Einsicht oder Reue zeigt,
erweist sich das Nachtatverhalten als strafzumessungsneutral.
2.4.4. Eine besondere Strafempfindlichkeit beim Beschuldigten ist nicht ersicht-
lich.
2.4.5. Die Täterkomponente wirkt sich im Ergebnis strafzumessungsneutral auf
das Strafmass aus. Es resultiert eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen.
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2.4.6. Der Beschuldigte verfügt über ein Nettoeinkommen von Fr. 6'526.–. Die
Krankenkassenprämie beträgt Fr. 300.– pro Monat, die Steuern ca. Fr. 330.–
(Urk. 57/1). Für seine Kinder bezahlt er monatlich Fr. 2'600.–. Sein Vermögen be-
trägt Fr. 230'088.– (Urk. 57/3 S. 4). Mit Blick auf die unsichere berufliche Zukunft
des Beschuldigten rechtfertigt sich bei diesen wirtschaftlichen Verhältnissen ein
Tagessatz in der Höhe von Fr. 80.–.
2.5. Für eine Verbindungsbusse, wie von der Staatsanwaltschaft beantragt, be-
steht vorliegend kein Anlass. Art. 42 Abs. 4 StGB dient in erster Linie dazu, die
Schnittstellenproblematik zwischen der Busse (für Übertretungen) und der beding-
ten Geldstrafe (für Vergehen oder gar Verbrechen) zu entschärfen (Botschaft
2005, S. 4695, 4699 ff. und 4705 ff.). Vorliegend geht es nicht um eine Schnitt-
stellenproblematik bei Massendelikten, sondern es steht die Verbindung einer be-
dingten Geldstrafe (wegen eines Vergehens) mit einer "Denkzettel"-Busse zur
Diskussion. Auf Massendelikte, die im untersten Bereich bloss mit Bussen geahn-
det werden, soll – auch – mit einer unbedingten Sanktion reagiert werden können,
wenn sie die Schwelle zum Vergehen überschreiten. Insoweit, d.h. im Bereich der
leichteren Kriminalität, verhilft Art. 42 Abs. 4 StGB zu einer rechtsgleichen Sank-
tionierung (BGE 134 IV 82 E. 8) und übernimmt auch Aufgaben der General-
prävention (BGE 134 IV 1 E. 4.5.1). Die Busse trägt ferner dazu bei, das unter
spezial- und generalpräventiven Gesichtspunkten eher geringe Drohpotential der
bedingten Geldstrafe zu erhöhen. Sie kommt in Betracht, wenn man dem Täter
den bedingten Vollzug der Freiheits- oder Geldstrafe gewähren möchte, ihm aber
dennoch in gewissen Fällen mit der Auferlegung einer zu bezahlenden Busse ei-
nen spürbaren Denkzettel verabreichen möchte, um ihm den Ernst der Lage vor
Augen zu führen und zugleich zu demonstrieren, was bei Nichtbewährung droht.
In Anlehnung an die zitierte bundesgerichtliche Rechtsprechung erscheint die
Ausfällung einer Busse gegen den Beschuldigten nicht als notwendig. Damit eine
Verbindungsbusse ausgesprochen werden könnte, müssten gewisse Zweifel an
der Legalbewährung bestehen. Beim Beschuldigten ist anzunehmen, dass er sich
durch die bedingte Geldstrafe und die weiteren Konsequenzen dieses Strafver-
fahrens – namentlich auch die Kostenfolgen und seine Aufwendungen für die er-
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betene Verteidigung – genügend beeindrucken lassen wird, um sich künftig wohl
zu verhalten. Vom Aussprechen einer Busse ist daher abzusehen. Verbleibenden
Bedenken ist bei der Dauer der Probezeit Rechnung zu tragen (vgl. nachstehend
IV. 2.7).
2.6. Der Beschuldigte ist mit einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu Fr. 80.– zu
bestrafen. Ein Tag erstandener Haft ist an diese Strafe anzurechnen.
2.7. Die objektiven und subjektiven Voraussetzungen für die Gewährung des be-
dingten Strafvollzugs sind vorliegend erfüllt (Art. 42 Abs. 1 StGB). Der Staats-
anwaltschaft folgend ist dem Beschuldigten daher der bedingte Strafvollzug zu
gewähren, unter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren (vgl. vorne IV. 2.5).
V. Beschlagnahmung
1. Ist die Beschlagnahme eines Gegenstandes oder Vermögenswertes nicht
vorher aufgehoben worden, so ist über seine Rückgabe an die berechtigte Per-
son, seine Verwendung zur Kostendeckung oder über seine Einziehung im End-
entscheid zu befinden (Art. 267 Abs. 3 StPO).
2. Da der Beschuldigte vorliegend schuldig zu sprechen ist, ist die mit Be-
schlagnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft vom 16. Oktober 2017 (Urk. 3/1)
beschlagnahmte Barschaft von Fr. 1'000.– zur Deckung der Verfahrenskosten zu
verwenden (Art. 268 Abs. 1 StPO).
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Der Beschuldigte unterliegt im Berufungsverfahren und mit seiner An-
schlussberufung. Eine Prozessentschädigung für seine anwaltliche Verteidigung
entfällt.
2. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschuldigte die Kosten der
Untersuchung (Gebühr für das Vorverfahren, Fr. 1'000.–, vgl. Urk. 7), des erst-
instanzlichen Gerichtsverfahrens und des Berufungsverfahrens zu tragen. Die
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erstinstanzliche Gerichtsgebühr ist auf Fr. 1'500.– festzusetzen, die Gebühr für
das Berufungsverfahren auf Fr. 3'000.–.