# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 9b911e32-f589-4884-864a-c6280166f417
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1962,
war zuletzt in einem Programm für Stellensuchende und Sozialhilfebezüger tätig
(vgl. Urk. 7/6 Ziff. 6.2 und Ziff. 6.3; Urk. 7/11/1-2; Urk. 7/12).
Am 2
9.
August 2007
meldete sich der Versicherte
wegen psychischen Problemen bei der Invalidenver
siche
rung an (Urk. 7/6).
Die Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
sprach
ihm
mit Verfügung vom
2
5.
Januar 2010
bei einem Invaliditätsgrad von 60
%
eine Dreiviertelsrente ab dem
1.
August 2008
zu (Urk. 7/48 und Urk. 7/55).
Nach
einer im Februar
2010
eingeleiteten Revision
(
vgl.
Urk. 7/
59
)
hob
die IV-Stelle
die bisherige Rente des Versicherten mit
Verfügung vom
3
0.
April
2012
per Ende des auf die Zustellung der Verfügung folgenden Monats
auf
(
Urk. 7/92
). Die dagegen am
30.
Mai
2012
erhobene
Beschwerde
hiess
das hiesige Gericht mit Urteil vom 1
9.
November 2013 in dem Sinne gut, als es
den Anspruch des Ver
sicherten auf die bisherige Dreiviertelsrente bestätigte und die Sache hin
sichtlich des Anspruchs auf eine ganze Rente zur erneuten Prüfung zurückwies (Prozess Nr. IV.2012.00579;
Urk.
7/98).
Der Versicherte bezieht seit
1.
Juni 2014 eine Entschädigung wegen leichter Hilflosigkeit (
Urk.
7/137).
1.2
In
Umsetzung des Rückweisungsurteils
veranlasste
die IV-Stelle
eine Begut
ach
tung durch Prof.
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Neurologie sowie für Psychiatrie und Psychotherapie, der sein Gutachten am 2
0.
März 2015 erstattete (
Urk.
7/155)
. Nachdem der Versicherte eine Bereitsc
haftserklärung betreffend
seine
Mitwirkungspflicht unterzeichnet hatte (
Urk.
7/169),
wurde er erneut durch
Prof.
Y._
begutachtet (Gutachten vom
13./
3
0.
September 2016;
Urk.
7/172
).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
7/180
;
Urk.
7/183;
Urk.
7/186
)
, in dessen Rahmen der Beschwerdeführer seinen Antrag auf Rentenerhöhung zurückzog,
hob die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
8.
November 2017
die bisher aus
gerichtete Dreiviertelsrente
auf das Ende des der Zustellung folgenden Monats
auf (
Urk.
7/187 =
Urk.
2).
2.
Am 1
2.
Januar 2018 erhob der Versicherte Beschwerde g
egen die Verfügung vom 2
8.
November 2017 (
Urk.
2) mit dem Antrag
auf deren Aufhebung und auf Weiterausrichtung der Dreiviertelsrente (
Urk.
1 S. 2).
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
2.
Februar 2018 die Abweisung der Be
schwerde (
Urk.
6). Dies wurde dem Beschwerdeführer am
9.
März
2018
zur
Kenntnis gebracht; gleichzeitig wurde ihm
antragsgemäss
(
Urk.
1 S. 2) die unen
t
geltliche Prozessführung bewilligt (
Urk.
8).
Mit Beschluss vom 1
2.
Juni 2018 nahm das hiesige Gericht die Einholung eines
bidisziplinären
(psychiatrisch-neuropsychologischen) Gerichtsgutachtens in Aus
sich
t (
Urk.
10). Nach durchgeführten
Schriftenwechseln (
Urk.
12,
Urk.
21,
Urk.
23
;
Urk.
32-33) ordnete das Gericht mit Beschluss vom
8.
Mai 2019 das Gutach
ten an und beauftragte die Z._
mit der Begutachtung
(
Urk.
34). Das Gutachten wurde am 2
8.
Oktober 2019 von Prof.
Dr.
med.
A._
, Leitender Arzt der Forensisch-Psychiatrischen Klinik, und Prof.
Dr.
rer
. nat. med. habil. Dipl. Psych.
B._
erstattet (
Urk.
38). Die Parteien verzichteten auf eine Stellungnahme zum Gutachten (
Urk.
42;
Urk.
44), worüber sie am 2
2.
Januar 2020 gegenseitig in Kenntnis gesetzt wurden (
Urk.
45).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbe
zü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1
des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenan
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesent
li
chen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidierbar, wenn
sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesund
heits
zustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinwei
sen).
Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich ge
blie
bener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bundesgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai
2009 E.
1.2 und I 212/03 vom 28. August
2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswir
kung
en eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechts
kräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Einspracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskon
former Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung be
ruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesge
richts 9
C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.
1 mit Hinweisen).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
akten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.4
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das
tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invalidi
tätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) über
wie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweis
losig
keit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_
580/2017 vom 16. Januar 2018 E.
3.1 mit Hinweisen).
1.5
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im
Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281)
hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz
(BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März
2018 E. 7.4).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) wie folgt:
Eine psychische Erkrankung habe beim Beschwerdeführer im Rahmen der
Begutachtung im März 2015 weder bestätigt noch ausgeschlossen werden können
. Aufgrund seiner w
idersprüchlichen Angaben, seines
auffällig passiven Verhalten
s
und der tendenziellen Antwortmanipulationen im neuropsycholo
gischen Test seien eine objektive Diagnosestellung und eine Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit nicht möglich gewesen.
Bei der Untersuchung vom August 2016
habe eine bewusstseinsnahe Selbstlimitierung bei angestrebtem Krankheits
ge
winn vorgelegen. Es liege Beweislosigkeit vor, die sich zulasten des Beschwer
deführers auswirke. Der Beschwerdeführer habe durch sein eigenes Verhalten eine Situation herbeigeführt, die es dem Gutachter zweimal verunmöglicht habe,
eine Diagnose zu stellen und eine Beurteilung vorzunehmen. Der Gesundheits
schaden habe nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit belegt werden können.
Demnach bestehe kein Rentenanspruch mehr (S. 2). Der Beschwerdeführer sei
seiner Mitwirkungspflicht nicht nachgekommen, weshalb eine Beweislastum
kehr eingetreten sei (S. 3).
2.2
Der Beschwerdeführer macht
e
demgegenüber geltend,
er habe seine Mitwir
kungspflicht nicht verletzt, sondern sein Verhalten sei auf seinen schlechten Gesundheitszustand zurückzuführen. Prof.
Y._
habe in seinem ersten Gut
achten keine Hinweise auf Aggravation, Verdeutlichung oder Simulation festge
stellt.
Weiter habe er im Vergleich zu den Vorbefunden einen nahezu unver
änderten Status gefunden. Auch bei der zweiten Begutachtung habe er sich in einem ähnlich schlechten Zustand befunden. Der Psychostatus sei gemäss Prof.
Y._
gleich wie in den Vorbegutachtungen der Jahre 2008 und
2011 (
Urk.
1
S.
5
ff.). Weiter bestehe für die Aufhebung der Dreiviertelsrente keine Rechtsgrundlage.
Dazu nehme die Beschwerdegegnerin keine Stellung. Jedoch habe das Sozialversicherungsgericht die Dreiviertelsrente bestätigt und einzig eine Rückweisung zur Klärung der Frage einer Verschlechterung und zur Prü
fung des Erhöhungsgesuches vorgenommen
. Es liege jedoch weder ein - von der
Beschwerdegegnerin nicht geltend gemachter - Revisionsgrund noch ein Wieder
erwägungsgrund vor (S. 9 f.).
3.
3.1
Im
Urteil vom 1
9.
November 2013
(
Urk.
7/98) ging es zunächst um die Frage,
ob die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom
3
0.
April 2012
die bisherige Drei
viertelsrente des Beschwerdeführers aufgrund
einer nicht vorgenommenen Be
handlung (
Art.
21
Abs.
4 ATSG
in Verbindung mit
Art.
7b des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung,
IVG)
einstellen durfte
. Dies wurde aufgrund der ärztlichen Angaben verneint und festgestellt, dass die Kürzung oder Verwei
ge
rung
der Leistung davon abhänge, ob die
fragliche
Massnahme
eine
wesentliche
Verbesserung der Erwerbsfähigkeit verspreche. Aufgrund der ärztlichen Einschät
zung sei jedoch nicht davon auszugehen, dass eine psychiatrische Behandlung im Sinne von
Art.
21
Abs.
4 ATSG eine wesentliche Verbesserung der Arbeits
fähigkeit erbracht hätte.
Schliesslich
könne die Rentenaufhebung auch nicht mit der substituierten Begründung einer Revision nach
Art.
1
7 ATSG
geschützt
werden, da sich aus den vorliegenden Berichten
unbestrittenermassen
keine Ver
besserung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers zeige
. Dies führe zur
Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 3
0.
April 2012 (E. 4.3 f.).
Damit bestand ab April 2012 weiterhin Anspruch auf eine Dreiviertelsrente bei einem Invaliditätsgrad von
60
%
(vgl.
Urk.
7/48).
In einem zweiten Schritt
prüfte
das hiesige Gericht aufgrund des Antrags des Beschwerdeführers auf Zusprache einer ganzen Rente
(vgl.
Urk.
7/90/2;
Urk.
7/93/
4
)
,
ob sich der Gesundheitszustand
und die Arbeitsfähigkeit
des Be
schwerdeführers
massgebend verändert haben (vgl. E. 5 des genannten Urteils)
,
und kam zum Schluss, dass diese Frage mittels der vorhandenen Arztberichte nicht beurteilt werden könne. Es wies die Angelegenheit deshalb
hinsichtlich des Rentenerhöhungsgesuchs zur erneuten Prüfung zurück.
Dieses zog der Be
schwerdeführer in der Folge
im
E
inspracheverfahren
(vgl.
Urk.
7/186
) zurück.
Dies ändert jedoch nichts daran, dass die
Beschwerdegegnerin
vom Gericht
aus
drücklich angewiesen
wurde, eine Veränderung der Arbeitsfähigkeit
zu prüfen.
A
us dieser Prüfung
kann
auch eine Rentenaufhebung für die Zukunft resul
tie
ren. Durch das hiesige Gericht wurde einzig der Anspruch auf eine Dreivier
tels
rente über den April 2012 hinaus (bis zum Abschluss des neuen Revi
sions
ver
fahrens) bestätigt.
3.2
Somit
ist streitig und zu prüfen, ob
im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom
2
8.
November 2017 (
Urk.
2)
im Vergleich zur
gesundheitlichen Situation im April 2012
eine
Verbesserung
der Arbeitsfähigkeit
in dem
Sinne eingetreten ist, dass der
Beschwerdeführer nun
keinen Anspruch auf eine Rente mehr hat.
Zu prüfen ist auch, ob der Beschwerdeführer im Rahmen der Begutachtungen bei Prof.
Y._
seine Mitwirkungspflicht schuldhaft verletzt hat und wenn ja, ob die Rente deshalb aufgehoben werden durfte.
Dementsprechend
ist nachfolgend die medizinische Aktenlage, die
im Januar 2010
zur Zusprache einer Dreiviertelsrente führte, mit der nach dem Rück
wei
sungsurteil vom 1
9.
November 2013 ergangen Berichterstattung zu vergleichen
(vgl. vorstehend E.
1.1)
.
Dabei ist a
uf die in E.
3.5 ff.
des genannten Urteils erwähnten B
erichte
(vgl. E. 5.2-5.3 des genannten Urteils)
nicht nochmals ein
zu
gehen
,
da sie als nicht genügend aussagekräftig beurteilt wurden
.
4.
4.1
Die im Jahr 2010 verfügte Zusprache einer Dreiviertelsrente ab August 2008 (
Urk.
7/48 und
Urk.
7/55) erging gestützt auf folgende Arztberichte:
4.2
Die Ärzte des
C._
nannten im Bericht vom 12. November 2007 zuhanden der Beschwerdegegnerin (
Urk. 7/14/3-10) als Diagnose eine depressive Störung
, gegenwärtig schwere
Epi
sode
,
bei psychosozialer Belastungssituation (Ziff. 2.1). Sie attestierten dem Be
schwerdeführer seit dem
7.
August 2007 (Behandlungsbeginn) eine 100%ige Ar
beitsunfähigkeit als Angestellter in der Lebensmittelverarbeitung (Ziff. 3). Ge
mäss Angaben des Beschwerdeführers bestehe die depressive Störung seit länge
rer Zeit, vermutlich seit Beginn der Arbeitslosigkeit im Jahr 200
1.
Er lebe völlig isoliert. Ausser zu seiner in der
Türkei lebenden zweiten Ehefrau und den dort lebenden zwei Töchtern aus erster Ehe und zwei Söhnen aus der zweiten Ehe habe er keine Kontakte (Ziff. 4.3). Zu den Befunden wurde ausgeführt, Auf
merk
samkeit und Gedächtnisleistung seien reduziert, formal sei er verlang
samt im Denken, es bestünden jedoch keine inhaltlichen Denkstörungen. Psycho
mo
torisch sei er verlangsamt, affekti
v traurig, affektstarr. Es bestü
nden eine deutlich
gedrückte Grundstimmung, deutliche Insuffizienzge
fühle und ein negatives Selbs
twert
gefühl. Der Beschwerdeführer spreche von Medikamenten
abhängig
keit
und Schlafstörungen, nehme allerdings seine Medikamente nur unregelmässig
ein
. Er beschreibe Suizidgedanken, jedoch keine konkreten Absichten (Ziff. 4.5). Vor
läufig sei dem Beschwerdeführer keine Erwerbstätigkeit zumutbar (Ziff. 6.2).
4.3
Med. pract.
D._
,
Facharzt für
Allgemeine
Innere Medizin
, führte im Bericht vom
1
5.
Oktober
2007 zuhanden der Beschwerdegegnerin (Urk. 7/15/7-8) aus, er habe
den Beschwerdeführer bisher wegen verschiedener kleinerer Sachen be
handelt. Es bestehe eine schwere depressive Entwicklung. Seines Wissens habe bisher keine entsprechende Behandlung etabliert werden können. Antidepres
sive Medi
kamente seien nach kurzer Zeit wieder abgesetzt worden, weil sie nicht gewirkt hätten. Körperlich wäre der Beschwerdeführer min
destens für leichte Arbeiten mit Wechselbelastung voll arbeitsfähig (S. 1).
4.4
Dr. med.
E._
,
Facharzt für
Ps
ychiatrie und Psychotherapie
, führte im
Gutachten vom
1.
März 2008 zuhanden der Beschwerdegegnerin (Urk. 7/18) aus,
das Zu
standsbild des Beschwerdeführers sei offensichtlich dasjenige eines schwer
de
pressiven, sich von der Welt zurückziehenden, in seine Gedanken und Fanta
siewelt sich einspinnenden Mannes, der aber keine Wahnideen oder sonstige psychotische Störungen aufweise. Alle seine Symptome wiesen auf eine schwere Depression hin. So sei er verlangsamt im Denken, seine Ideen kreisten ständig um die gleichen Komplexe, er habe Insuffizienzgefühle, seine Grundstimmung sei gedrückt, er habe kein Selbstwertgefühl mehr, fühle sich unnütz (S.
7
f.).
Nach
dem seitens der Ärzte der psychiatrischen K
li
nik
F._
noch eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome diagnostiziert wor
den sei, müsse man – nachdem die Depression mehrere Jahre unverändert an
gehalten habe – die Diagnose revidieren im Sinne einer
Dysthy
mia
. Die Depression zeige keine Schwankungen oder zyklischen Veränderungen, sie halte unvermindert stark an, unabhängig auch von den Bemühungen von ärztlicher
und sozialer Seite um eine Integration oder Verbesserung der Symptomatik, auch
durch Medikamente (S.
8 Mitte). Der Beschwer
deführer sei kör
perlich voll ar
beits
fähig. Infolge der chronischen und schweren nichtzyklischen Depression be
stehe jedoch eine volle Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit. Alle bishe
ri
gen Versuche zur Wiedereingliederung seien gescheitert (S. 10 Mitte).
4
.5
Dr. med.
G._
,
Facharzt für
Ps
ychiatrie und Psychotherapie, nannte im Gut
achten vom
6.
Dezember
2008 zuhanden der Beschwerdegegnerin (Urk. 7/31) als Diagnose eine
Dysthymia
bei einer Persönlichkeit mit narziss
ti
schen Zügen und beträchtlichen psychosozialen Problemen
(S. 11 Mitte). Zum psychopatholo
gischen Befund führte er aus, Aufmerksamk
eit und Konzentration seien wäh
rend der Untersuchung leicht eingeschränkt, di
e Auffassung sei intakt, der An
trieb vermindert. Psychomotorisch sei der Beschwerdeführer deutlich ver
langs
amt,
das Verhalten passiv, abwartend. Das Denken sei formal leicht ver
langs
amt, manchmal etwas umständlich, inhaltlich themenzentriert. Affektiv sei der Beschwerdeführer mittelschwer bedrückt, die affektive Modulationsfä
higkeit sei eingeschränkt; er
klage
über Lustlosigkeit, Unfähigkeit, Freude zu empfinden und Zukunftsängste. Es bestehe eine Tendenz zu sozialem Rückzug, er äussere
ein Gefühl des Lebensüberdrusses, jedoch keine konkreten Suizidab
sichten (S. 10
Mitte). Diagnostisch könne in Übereinstimmung mit dem Gut
achten von Dr.
E._
von einer
Dysthymia
ausgegangen werden. Gemäss Defini
tion der ICD-10 handle
es sich bei dieser Diagnose um eine lang anhaltende de
pressive Verstimm
ung, die jedoch nur selten schwer genug sei, um die Kriterien einer depressiven Stö
rung zu erfüllen. Früher seien phasenweise als schwer ein
geschätzte depressive Episoden aufgetreten (S. 12 Mitte).
Dr.
G._
hielt weiter fest, dass ab 2008 eine Arbeitsfähigkeit von 50 % in der angestammten Tätigkeit in der Gastronomie oder in einer vergleichbaren Tätigkeit bestehe (S. 13 unten). Die Arbeitsfähigkeit könne durch medizinische Massnahmen verbessert werden. Es könne erwartet werden, dass eine konse
quente psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung inklusive medikamen
töser Therapie mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu einer Verbesserung des psychischen Gesundheitszustandes führen würde. Damit könne eine Arbeitsfä
higkeit von 80 % erreicht werden, allenfalls eine Präsenzzeit von acht Stunden pro Tag bei leicht eingeschränkter Leistungsfähigkeit. Es sei dem Beschwerde
führer im Sinne einer Schadenminderungspflicht durchaus zuzumuten, eine regel
mässige psychiatrische Behandlung in Anspruch
zu nehmen (S. 14 oben/ Mitte).
Mit Bericht vom 2
8.
September 2009 (Urk. 7/44) nahm Dr.
G._
Stellung zu ergänzenden Fragen der Beschwerdegegnerin. Er hielt zusammenfassend fest, dass die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit überwiegend durch psychosoziale Faktoren und eine ausgewiesen schlechte Behandlungssituation bestimmt sei. Der psychische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers habe sich durch eine adäquate antidepressive Medikation nachweislich verbessert. Die Möglichkeiten einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit seien also bei weitem noch nicht aus
geschöpft (S. 2 unten).
4.6
Dr.
med.
H._
, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), hielt am
9.
Januar 2009 (
Urk.
7/38/3) fest,
der Beschwerdeführer leide an einer
Dysthy
mie
bei narzisstischer Persönlichkeit und beträchtlichen psychosozialen Proble
men. Die psychische Störung schränke die Leistungsfähigkeit derzeit ein. Aller
dings sei das Leiden therapierbar, durch erhebliche psychosoziale Faktoren über
lagert, und unter adäquater Therapie sei mit einer Wiederherstellung einer vollständigen Arbeitsfähigkeit überwiegend wahrscheinlich zu rechnen. Aus medi
zinischer Sicht sei es deshalb notwendig, dass sich der Beschwerdeführer einer intensiven fachärztlichen Therapie unterziehe.
Er
sei seit 2008 in allen Tätigkeiten in der freien Wirtschaft zu 50
%
arbeitsunfähig. Möglich seien zeit
lich flexible Tätigkeiten ohne permanenten Zeit- und Termindruck, bei
gerin
gem
Publikumsverkehr und
ohne besondere Anforderungen an das
Umstel
lungs
- und Anpassungsvermögen
.
5.
5.1
Am 3
1.
Oktober 2012 fand an der p
sychiatrischen
K
linik
F._
eine neuropsychologische Untersuchung des Beschwerdeführers statt, über welche am
8.
November 2012 berichtet wurde (
Urk.
7/96). Als Diagnosen wurden ge
nannt:
-
schizotype
Störung (ICD-10 F60.1)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode (ICD-10 F33.2)
-
Dysthymia
(ICD-10 F34.1)
Der Beschwerdeführer sei zumindest vordergründig kooperativ. A
ufgrund der eingeschränkten Kon
takt
fähigkeit und auch der sprachlichen Schwierigkeiten bleibe unklar, ob
er
die Testinstruktionen nicht verstehe oder sich aus anderen Gründen teilweise nicht daran halte.
Deshalb
hätten einige Tests nicht durch
geführt werden können (S. 2). Er zeige massive Defizite in allen überprüften Leistungsbereichen, mit Ausnahme der Neugedächtnisfunktionen, wo ein weit
gehend unauffälliges Resultat erzielt werde. Allerdings schränke ein dynami
sches
Wechselspiel von krankheitsbedingten, motivationalen, kulturell beding
ten und sprachlichen Faktoren die Validität der Testung dermassen ein, dass eine ab
schliessende Beurteilung nicht erfolgen könne
(S. 3)
.
5.2
Prof.
Y._
erstattete sein Gutachten vom 2
0.
März 2015 (
Urk.
7/155
/1-65
) unter Berücksichtigung der Akten,
Erhebung der Anamnese und Durchführung einer
psychiatrischen sowie einer neuropsychologischen Untersuchung (vgl. An
hang zum Gutachten;
Urk.
7/155/66-71). Prof.
Y._
stellte keine Diagnose
und
äusserte sich nicht zur
Arbeitsfähigkeit, sondern hielt fest,
es müsse vor allem aufgrund der Feststellungen der Neuropsychologin von einem Mani
pu
lationsversuch des Versicherten im Rahmen der Begutachtung ausgegangen werden, welcher eine korrekte medizinische Diagnostik unmöglich mache. Es müsse betont werden, dass nicht davon ausgegangen werden könne, dass dieses Verhalten krankheitsbedingt sei. Es sei von einem bewusstseinsnahen Ver
halten auszugehen (S. 64 oben).
Es bestünden keine Hinweise auf Verdeutlichung, keine Aggravation und keine Simulation.
Der Rapport zum deutlich
vigilanzgeminderten
Exploranden könne während der gesamten etwa zweistündigen Exploration nur mässig hergestellt werden. Er nehme nur selten Augenkontakt auf, welchen er dann kaum fixiere. Er spreche mit sehr leiser, kaum vernehmbarer Stimme. Es habe sich der Hin
weis auf aktuellen und chronischen Gebrauch von Benzodiazepinen ergeben (S.
55).
Die Vigilanz sei eingeschränkt und der Beschwerdeführer sei zeitlich unscharf orientiert. Störungen des Kurz- oder Langzeitgedächtnis seien nicht objekti
vierbar, wobei der Beschwerdeführer nur bedingt auskunftswillig erscheine. Es
bestünden Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen; es falle ihm schwer
, wach zu bleiben und sich auf das Gespräch zu konzentrieren. Er könne die
Kog
nition nur mit Mühe aufrecht
erhalten. Der formale Gedankengang sei deutlich verzögert.
Die kognitive Begabung liege soweit feststellbar im Normbereich. Während des Untersuchungsverlaufs sei die Stimmungssituation zum negativen Pol verschoben. Die Schwingungsfähigkeit sei aufgehoben, jedoch bei starker Müdigkeit des Exploranden. Es bestehe Hoffnungslosigkeit und Ratlosigkeit mit deutlichem Antriebsmangel. Anamnestisch liege kein
Libidoverlust
und keine Appetitreduktion vor. Das Selbstwerterleben sei gemindert; Gefühle der Schuld und der Wertlosigkeit würden auf Befragen nicht geäussert.
Es würden Schlaf
störungen beklagt; Suizidgedanken würden verneint (S. 56).
Laborchemisch seien Benzodiazepine nachgewiesen worden (S. 57 Mitte).
5.3
In seinem zweiten Gutachten vom 13.
/3
0.
September 2016 (
Urk.
7/172/1-107) hielt Prof.
Y._
fest, der Beschwerdeführer habe sich - wie bereits anlässlich der ersten Begutachtung; vgl.
Urk.
7/155/70 oben - eingenässt (S. 68 oben). Er wirke körperlich erschöpft und in der Vigilanz deutlich gemindert. Beim Be
treten der Praxis habe er sehr stark geschlurft und ein deutlich schwankendes Gangbild gezeigt. Beim Verlassen der Praxis sei ein unauffälliges Gangbild mit raschen und sicheren Schritten zu beobachten gewesen, wobei er in der Lage ge
wesen sei, auf den an der stark befahrenen Hauptstrasse vorhandenen Ver
kehr gut zu reagieren (S. 68 unten).
Es hätten sich erneut erhebliche Inkon
sistenzen ergeben. Anlässlich der neuropsychologischen Untersuchung seien die Ergebnisse in sich nicht konsistent und hätten im Zufallsbereich gelegen. Es
habe ein
unplausibles
Leistungsmuster bestanden mit Auffälligkeiten, welche auf
eine verminderte Anstrengungsbereitschaft hinweisen würden (S. 101 unten). Es sei von einer bewusstseinsnahen Selbstlimitierung bei angestrebtem Krank
heits
gewinn auszugehen (S. 102 unten). Das Drogenscreening sei wiederum posi
tiv auf Benzodiazepine gewesen. Zwar erhalte der Versicherte seit Jahren derartige
Substanzen verordnet, dennoch könne davon ausgegangen werden, dass bei einer
Gewöhnung an diese Substanzen in den angegebenen Dosen keine
Vigilanz
minderung
auftrete.
Auch sei zu bemerken, dass die stundenlangen Spazier
gänge nicht mit der in den Untersuchungen gezeigten Müdigkeit vereinbar seien
(S. 103). Der Psychostatus sei nahezu unverändert zur Vorbegutachtung. Die Mi
t
arbeit des Versicherten sei erneut unzureichend gewesen, um eine ab
schliess
ende Aussage zur Diagnose und zur Arbeitsfähigkeit machen zu können (S. 104 unten). Aufgrund der Aktenlage sei nicht auszuschliessen, dass eine
chroni
fi
zierte
Depression und gegebenenfalls eine Störung aus dem schizophrenen Formenkreis mit Negativsymptomatik vorliege. Differentialdiagnostisch könne
die
Verhangenheit
auch durch die multiplen sedierenden Präparate verursacht se
in. Allerdings sei die Mitarbeit des Exploranden ungeeignet, seine Fähig
keits
störungen zu beurteilen und damit die Arbeitsfähigkeit abschliessend festz
u
le
gen.
Es hätten sich aber keine Hinweise darauf ergeben, dass der Versicherte
nur zum Untersuchungszeitpunkt sedierende Psychopharmaka eingenommen hab
e. Prof.
Y._
hielt fest, wiederum keine Diagnose zu stellen. Es müsse vor allem aufgrund der neuropsychologischen Resultate erneut von einer bewusst
seinsnahen Selbstlimitierung bei angestrebtem Krankheitsgewinn ausgegangen werden, der eine medizinisch korrekte Diagnostik verunmögliche. Es sei aber nicht davon auszugehen, dass dieses Verhalten krankheitsbedingt sei (S. 105).
Um dem Versicherten nicht Unrecht zu tun, sei ein stationärer Aufenthalt mit Herabdosierung der sedierenden Medikamente und Wiederholung der Begut
ach
tung zu empfehlen. Es müsse eine
low
-
dose
Abhängigkeit von Benzodiazepinen (ICD-10 F13.24) als einzige Diagnose ausgesprochen werden (S. 106).
6.
6.1
Prof.
A._
und Prof.
B._
,
Z._
, stellten in ihrem
am 2
8.
Oktober 2019 nach
Berücksichtigung der Akten,
Erhebung der Anam
nese
, Durchführung eigener Untersuchungen, Veranlassung einer laborchemi
schen Ab
klärung sowie Einholung weiterer Akten erstatteten
bidisziplinäre
n
(ps
ychia
trisch-
neuropsychologischen) G
erichtsg
utachten (
Urk.
38) folgende Diagnosen mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 6
Ziff.
4.2):
-
Dysthymia
(ICD-10 F34.1)
-
rezidivierende depressive Störung, aktuell remittiert (ICD-10 F33.4)
Die folgenden Diagnosen hätten keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 6
Ziff.
4.2)
:
-
anamnestisch Verdacht auf Alkohol-/
Sedativamissbrauch
/ Differential
diagnose Alkohol-/
Sedativaabhängigkeit
(maximal wohl 1995 bis 2005, unklarer Verlauf)
-
leichtgradige neuropsychologische Einschränkung
6.2
Gesamthaft zeige die ab 2004 aufgenommene psychiatrisch-psychologische Be
handlung ein ausgesprochen heterogenes Bild. Aktuell werde aufgrund der im Längsschnitt mehrfach beschriebenen schweren depressiven Zustandsbilder die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, aktuell remittiert, gestellt,
die hierfür erforderlichen Diagnosekriterien seien aktuell nicht erfüllt, liessen sich
aber - aus den Akten nicht durchgehend überzeugend -
aus den vorliegenden Akten heraus nachlesen. Faktisch weise der Explorand eine ausgesprochen ge
ringe Behandlungsfrequenz auf bei einer auch von den Therapeuten gesehenen
fraglichen Compliance, insbesondere bezüglich der medikamentösen Behand
lu
ng und aufgrund von langen Auslandaufenthalten. Der Verlauf bis heute unter Be
rücksichtigung der therapeutischen Berichte zeige trotz der 2011 von den Be
handlern geltend gemachten klinischen Verschlechterung bis hin zur Diagnose
von Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis keine gutachterlich be
last
baren Hinweise auf eine schwere psychische Störung, zumal der Explorand kaum Termine wahrgenommen habe und die dokumentierten Befunde in sich widersprüchlich seien. Insgesamt würden die sporadischen therapeutischen Kon
takte keine ausreichend sichere Dokumentationsbasis ergeben, auf die man sich gutachterlich bezi
ehen könne.
Dr.
G._
erhebe im Jahr 2011 weitgehend ähnliche Befunde wie 2008 und diagnostiziere wiederum eine
Dysthymia
, wobei der psychopathologische Befund hierzu nicht passe. Diese massiv divergierende psychiatrische Einschätzung setze sich dann auch in aktuelleren Begutach
tung
en durch Prof.
Y._
fort, der sich konkret aufgrund mangelnder Beschwer
devalidierung, insbesondere neuropsychologisch gestützt, in seinen Gutachten nicht
imstande sehe, überhaupt eine Diagnose zu stellen. Aktuell sei eine
Dys
thymia
zu diagnostizieren, ohne Hinweise auf eine aktuell schwerer wiegende depressive Störung. In Anbetracht der Vorbegutachtung fast erstaunlich habe
sich aktuell eine durchaus konstruktive Explorationssituation mit einem gut spür
baren Exploranden ergeben, der bereits zu seinem Interaktionsverhalten rele
vante Ressourcen, einschliesslich einer guten Kommunikation in deutscher Sprache
, aufgewiesen habe, die auch mit den berichteten Alltagsaktivitäten korreliert hätten. Es sei wahrscheinlich, dass er phasenweise in den Jahren seit 2004, vielleicht auch etwas früher, einmal die Kriterien einer depressiven Stö
rung erfüllt habe, so dass diese Diagnose auch berücksichtigt worden sei. Die Symptomatik sei aktuell remittiert. Stationäre Aufenthalte 2018/2019 liessen zumindest mittelgradige depressive Episoden annehmen, wobei der reaktive Be
zug zu der eingetretenen schwierigen Situation durch den Rentenentzug
offen
sichtlich scheine. Die im April 2019 von den Ärzten der
F._
gestellte Diagnose einer
schizoaffektiven
Störung sei aus heutiger Sicht absolut nicht haltbar und in keiner Weise nachvollziehbar (S. 5 f.).
6.3
Unter Berücksichtigung der aktuell erkennbaren Ressourcen des Exploranden sei der Schweregrad der ges
ehenen psychischen Störung als leichtgradig einzu
schätzen, allenfalls im Verlauf auch einmal mittelgradig und punktuell in Pha
sen der depressiven Exazerbation auch einmal kurzfristig
schwergradig
. Die retro
spektive Beurteilung sei jedoch schwierig und unsicher, da doch erhebliche Dis
krepanzen und zum Teil auch nicht nachvollziehbare Stellungnahmen vor
lie
gen würden. Die divergierende Beurteilung des Exploranden stehe sehr wahr
schein
lich auch in Verbindung mit der von den Therapeuten immer wieder attestierten Einschränkung der
Behandlungscompliance
.
So seien die Angaben bezüglich des Gebrauches von Suchtmitteln offensichtlich nicht verlässlich, so dass hier auch der Verdacht einer Abhängigkeitskomponente, wi
e auch 2019 von der K
linik
F._
dokumentiert, verbleibe, die aber sehr wahrscheinlich keinen relevanten Einfluss auf d
ie Schwere der Erkrankung habe.
Es ergäben sich in der aktuellen Exploration keine Korrelate der in der Ver
gangenheit durchgeführten neuropsychologischen
Untersuchungen
,
die eine ge
zielte und bewusste Manipulation hätten validieren können. In der aktuellen neuropsychologischen Untersuchung hätten sich valide Testergebnisse gezeigt. Eigentlich ähnlich wie in den Vorbegutachtungen werde auch ein positiver Leis
tungsausweis gegeben mit den ausgedehnten Aufenthalten in der Stadt bis tief
in die Nacht hinein, aktuell limitiert durch irgendwann nicht mehr fahrende Busse.
Die leichtgradigen Defizite im Bereich der einfachen und komplexen
Auf
merksamkeits
- und Konzentrationsleistungen sowie der kognitiven Flexibili
tät könnten im Rahmen der psychiatrischen Diagnosen sowie der kognitiven
Dekonditionierung
(soziale Deprivation, Vereinsamung) gesehen werden (S. 6).
6.4
Hinsichtlich der Konsistenzprüfung hielten die Gutachter fest, der Explorand
verhalte sich im Rahmen der Exploration grundsätzlich kooperativ und es er
gä
ben sich in der Interaktion keine Hinweise für eine Aggravation im Rahmen der
Symptompräsentation. Diese sei sicherlich in der Tendenz ostentativ und auch die Erzählungen des Alltages («sitze stundenlang auf dem Bett und schaue mir die Flugzeuge an») seien nicht immer überzeugend, entsprächen jedoch nach
vollziehbar der subjektiven Wahrnehmung eines langweiligen, wenig erfüllten Alltags vor dem Hintergrund des gesehenen psychiatrischen Gesamtbildes. Auf
fällig sei sicherlich, wie in den Vorbegutachtungen auch, dass die erzählte Bio
graph
ie sehr viele Fragen offen
lasse
bezüglich verschiedener Motive, bezüglich der Art der Beziehungsgestaltung und so weiter, die jedoch weniger das Krank
heitsgeschehen selbst beträfen als vielmehr versicherungsmedizinisch nicht prio
ritäre Bereiche. Es ergäben sich jedoch aktuell keine Korrelate der in der Ver
gangenheit durchgeführten neuropsychologischen Untersuchungen, die eine ge
zielte und bewusste Manipulation hätten validieren können. In der aktuellen
neuropsychologischen Untersuchung hätten sich die Ergebnisse
valide gezeigt
(S. 8
Ziff.
4.6).
6.5
Zur Arbeitsfähigkeit in der angestammten und in angepassten Tätigkeiten hiel
ten die Gutachter fest, aus psychiatrischer Sicht unter Integration und in Ein
klang mit den erhobenen neuropsychologischen Befunden sei trotz des geringen Schweregrades aufgrund der
chronifizierten
, langjährigen Persistenz eine Ein
schrän
kung der Arbeitsfähigkeit um etwa 30
%
auf 70
%
anzunehmen. Diese Einschätzung gelte für alle Tätigkeiten, die dem Exploranden im Rahmen seines Ausbildungsgrades zumutbar seien (S. 8 unten f.).
6.6
Es sei gut zu erkennen, dass der Explorand eine eingeschränkte Compliance aufweise bezüglich einer Behandlung, was aufgrund des neurotischen Hinter
grundes mit der führend gestellten Diagnose einer
Dysthymie
auch nicht unge
wöhnlich sei. Bei dem führend
dysphorisch-dysthymen
Zustandsbild mit ge
ringer Motivierbarkeit, einer völlig verfahrenen psychosozialen Gesamtsituation und
chronifiziertem
Krankheitsbild werde sich auch durch eine Intensivierung der psychiatrischen Therapie keine Verbesserung erzielen lassen.
Die
Noncom
pliance
sei nicht in dem Sinne krankheitsbedingt, wie es beispielsweise bei einer schweren depressiven Erkrankung möglich sein könne, aber sie passe durchaus zu einer
Dysthymie
mit störungsbedingt missmutig-demotiviert-widerwilligen Anteilen (S. 9).
6.7
Es sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sich ge
samthaft seit April 2012 und seit Dezember 2017 bis heute neben vorüber
geh
enden Krisen, die über Wochen, vielleicht Monate
,
angehalten hätten, keine wes
entliche Änderung der gesundheitlichen Verhältnisse eingestellt habe.
Er
schwert werde die retrospektive Beurteilung dadurch, dass die Behandlungsberichte nicht immer schlüssig seien und die Einschätzung des Schweregrades der Stö
rung nicht belegt werde. Auch die vorübergehende Einschätzung als schizo
phrene Erkrankung, als
schizoaffektive
Erkrankung oder auch als
schizotype
Störung durch die Behandler habe auf der Dokumentationsebene keine begrün
de
nd
en, nachvollziehbaren Befunde, so dass auf diese versicherungsmedizinisch nicht abgestellt werden könne. Diese Einschätzung werde unterstützt durch die aktuelle Fremdanamnese des zuletzt mehrjährig ambulant behandelnden
leiten
den Arztes, der ebenfalls keinen Anhalt für eine schizophrene Störung sehe und auch den rezidivierenden Charakter der Störung bezüglich der depressiven An
teile bestätige, mit vielen verbliebenen Ressourcen des Exploranden. Es sei da
von auszugehen, dass bereits langjährig, zumindest seit 2012, aber überwiegend wahrscheinlich bereits vorher führend eine
Dysthymie
als Störung vorliege und die schwerer wiegenden depressiven Episoden lediglich reaktiv bei Spitzen in der
psychosozialen Belastu
ng, wie zuletzt nach dem erfolgten Rentenentzug, eingetreten seie
n. Aktuell sei der Beschwerdeführer jedoch trotz erheblicher Belastungen auf die «
dysthyme
Ebene» zurückgekehrt mit entsprechend gutem Funktionsniveau; eine Vulnerabilität sei jedoch ersichtlich (S. 10 Mitte).
6.8
Bereits aus den Gutachten von
Dr.
G._
von 2008 und Ende 2011 sei abzuleiten, dass der Explorand grundsätzlich über ein relevantes Funktions
ni
veau verfüge, das er in den damaligen Explorationen auch angebe und das mit einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit eigentlich nicht vereinbar sei. Die Be
funde von
Dr.
G._
passten nicht zu den gestellten Diagnosen, was auch schon von anderen Fachärzten angemerkt worden sei. Auf die Befunde der zwei Begutachtungen
durch Prof.
Y._
könne nicht Bezug genommen werden, da er sich nicht in der Lage gesehen habe, aufgrund der gesehenen Aggravation valide Befunde zu erheben, was sich heute anders darstelle. Im Vergleich zu den gesehenen Arbeitsunfähigkeiten durch
Dr.
G._
bestehe heute klar eine verbesserte Arbeitsfähigkeit in angestammter und angepasster Tätigkeit von 70
%
. Ob dies einer klinischen Verbesserung entspreche oder zumindest partiell einer anderen medizinischen Einschätzung, bleibe unklar (S. 10 unten).
Die im Vergleich zur Aktenlage unterschiedliche Beurteilung
ergebe sich sehr
wahrscheinlich dadurch, dass krankheitswerte Anteile immer wieder mit nor
mal
psychologischen,
dysphorisch
-missmutigen Anteilen, sekundärem Krank
heits
ge
winn und kulturell bedingtem Verhalten durchmischt würden. Besonders deut
lich werde dies in den Begutachtungen
durch
Dr.
G._
, der diese Anteile zwar sehr gut benenne, dann aber in seiner Beurteilung nicht differenzierend abgrenze, wodurch dann auch die hohe Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit bedingt sein könnte (S. 11 oben).
6.9
In den aktuellen Explorationen ergäben sich keinerlei Hinweise auf ein
aggra
vierendes
Verhalten. Der erkennbare Leidensdruck des Exploranden sei durch
aus authentisch nachvollziehbar gewesen und habe sich im Wesentlichen auf die in der Tat desolate psychosoziale Situation bezogen. Die fehlenden Hinweise auf eine Aggravation seien in Anbetracht der vorliegenden psychiatrischen Fach
gutachten von Prof.
Y._
, der aus diesem Grund nicht in der Lage gewesen sei, valide Befunde zu erheben,
sowie der früher stattgehabten neu
ro
psychologischen Untersuchungen mit eingeschränkter Beschwerdevalidität
durch
aus überraschend gewesen
(S. 11 Mitte).
7.
7.1
Bei Gerichtsgutachten weicht das Gericht nach der Pra
xis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Fachleute ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen
bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schluss
folgerungen gelangt. Abweichende Beurteilung kann ferner gerecht
fertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachleute dem Gericht als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung durch eine weitere Fachperson im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne eine solche vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 351 E. 3b/
aa
).
7.2
Es ist vorliegend kein Grund ersichtlich, der ein Abweichen von der Beurteilung durch Prof.
A._
und Prof.
B._
rechtfertigen würde. Das Gutachten ver
mag den praxisgemässen Anforderungen (vgl. vorstehend E. 1.3) vollum
fäng
lich zu genügen.
Es ist somit darauf abzustellen. Der Beweiswert des Gerichts
gutachtens wird denn auch von den Parteien nicht in Frage gestellt.
7.3
Die Gutachter kamen darin unter sorgfältiger Herleitung der Diagnosen zum Schluss, dass der Beschwerdeführer an einer die Arbeitsfähigkeit beein
flus
sen
den
Dysthymia
sowie einer
aktuell remittierten
rezidivierende
n
depressive
n Stö
rung leidet.
Sie legten dar, dass der Schweregrad der psychischen Störung leichtgradig, allenfalls im Verlauf einmal mittelgradig und punktuell in Phasen der depressiven Exazerbation auch einmal kurzfristig
schwergradig
gewesen sei. Die retrospektive Beurteilung sei jedoch schwierig und unsicher, da erhebliche Diskrepanzen und auch divergierende Beurteilungen vorlägen (E.
6.3). Es sei bereits durch
Dr.
G._
eine
widersprüchliche
psychiatrische Einschätzung
vorgenommen worden, der im Jahr 2011 weitgehend ähnliche Befunde erhoben habe wie 2008 und wiederum eine
Dysthymia
diagnostiziert habe, wobei der psychopathologische Befund hierzu nicht passe. Diese massiv divergierende psy
chiatrische Einschätzung setze sich dann in der Begutachtung durch Prof.
Y._
fort, der sich konkret aufgrund mangelnder Beschwerdevalidierung, ins
besondere neuropsychologisch gestützt, nicht in der Lage gesehen habe, über
haupt eine Diagnose zu stellen. Aktuell sei eine durchaus konstruktive Explo
ra
tionssituation gegeben gewesen. Die Diagnose einer
schizoaffektiven
Störung sei nicht haltbar
(E. 6.2).
Die aktuelle neuropsychologische Untersuchung habe valide Testergebnisse erbracht, und es sei ähnlich wie in der Vorbegutachtung ein positiver Leistungsausweis mit den ausgedehnten Aufenthalten in der Stadt gegeben. Die leichtgradigen Defizite im Bereich der einfachen und komplexen Aufmerksamkeits- und Konzentrationsleistungen sowie der kognitiven Flexibi
lität könnten im Rahmen der psychiatrischen Diagnosen sowie der kognitiven
Dekonditionierung
gesehen werden (E. 6.3).
Zur Therapierbarkeit hielten die Gutachter fest, die eingeschränkte Compliance passe durchaus zu einer
Dysthymie
mit störungsbedingt missmutig-demotiviert-
widerwilligen Anteilen, und angesichts der Gesamtsituation werde sich auch durch eine Intensivierung der Therapie keine Verbesserung erzielen lassen (E.
6.6).
7.4
Zum Verlauf wurde festgehalten, dass seit April 2012 keine wesentliche Ver
änderung der gesundheitlichen Verhältnisse eingetreten sei, diese Beurteilung werde aber erschwert durch nicht immer schlüssige Behandlungsberichte und fehlende Belege zum Schweregrad der Störung.
Aus dieser Darlegung
ist jedoch nicht auf eine revisionsrechtlich unerhebliche lediglich andere Beurteilung eines unveränderten Sachverhaltes zu schliessen. Im Gegenteil erbrachte erst das Ge
richtsgutachten eine diagnostisch korrekte Einordnung der
mindestens
seit 2012 vorhandenen Befunde, sah sich doch Prof.
Y._
ausserstande, eine Diag
nose zu stellen. Soweit die Gutachter festhielten, es bestehe heute im Vergleich zur Beurteilung durch
Dr.
G._
eine klar verbesserte Arbeitsfähigkeit, und in Frage stellten, ob dies einer klinischen Verbesserung entspreche oder zu
mindest partiell einer anderen medizinischen Einschätzung (vgl. vorstehend E.
6.8), so ist
auch
dazu f
estzuhalten, dass mit dem Gerichtsgutachten erstmals eine fundierte medizinische Einschätzung vorliegt. Die Gutachter wiesen
denn
auch darauf hin, dass die im Vergleich zur Aktenlage unterschiedliche Beurtei
lung auch auf
eine
bisher ungenügende Abgrenzung von krankheitswertigen und anderen Anteilen zurückzuführen sei (E. 6.8). Es liegt nach dem Gesagten somit keine lediglich andere Beurteilung eines unveränderten Sachverhalts vor, zumal die Gutachter bestätigten, dass der Beschwerdeführer auf eine «
dysthyme
Ebene»
mit entsprechend gutem Fu
nktionsniveau zurückgekehrt sei, und somit von einer Verbesserung auszugehen ist
(E. 6.7).
7.5
Die gutachterliche Beurteilung umfasste das ganze Leistungsprofil mit sowohl negativen als auch positiven Anteilen (vorstehend E.
1.
4-
5
) und ist so verfasst, dass die attestierte Arbeitsunfähigkeit «gleichsam aus dem Saldo aller wesent
lichen Belastungen und Ressourcen» (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1) abgeleitet wurde.
Der psychiatrische Gutachter ist bei der Beantwortung der Frage, wie er das Leistungsvermögen einschätzte, den einschlägigen Indikatoren gefolgt, er hat ausschliesslich funktionelle Ausfälle berücksichtigt, welche Folge der gesund
heitlichen Beeinträchtigung sind, und seine versicherungsmedizinische Zumut
barkeitsbeurteilung ist auf objektivierter Grundlage erfolgt. Die von der Rechtsanwendung zu prüfende Frage, ob er sich an die massgebenden nor
ma
tiven Rahmenbedingungen gehalten und das Leistungsvermögen in Berück
sich
tigung der einschlägigen Indikatoren eingeschätzt hat (BGE 141 V 281 E. 5.2.2), ist klar zu bejahen. Die funktionellen Auswirkungen der medizinisch fest
ge
stellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage lassen sich anhand der Standard
indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahrschein
lich
keit nachweisen, weshalb auf das Gutachten abzustellen ist.
Demzufolge ist von einer Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
von 70
%
in
der angestammten und in angepassten Tätigkeiten a
uszugehen (vorstehend E.
6.5),
womit eine anspruchsrelevante Verbesserung eingetreten ist (vgl. vor
stehend E. 3.1). Es liegt somit ein Revisionsgrund vor.
7.6
Zu den Gutachten von Prof.
Y._
ist festzuhalten, dass diese keine ge
nü
gende Grundlage für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwer
de
führers bildeten
. Zwar
wurde vermutet,
dass der Beschwerdeführer nach Ein
schätzung der beteiligten Neuropsychologin einen Manipulationsversuch began
gen habe. Prof.
Y._
ging
deshalb
von einem bewusstseinsnahen Verhalten aus, hielt
aber gleichzeitig fest, dass keine Hinweise auf Verdeutlichung, Aggra
vation ode
r Simulation bestünden (vgl. vorstehend E. 5.2). Dies ist zumindest wider
sprüch
lich. Weiter erhob Prof.
Y._
bei der ersten Begutachtung nicht uner
heb
li
che Befunde wie Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, einge
schrän
kte Vigilanz und Hoffnungs- und Ratlosigkeit mit deutlichem Antriebs
mangel (E.
5.2) und führte anlässlich der zweiten Begutachtung aus, der Psy
chostatus sei nahezu unverändert zur Vorbegutachtung.
Die
von ihm
als schwer einge
stufte
Vigilanzminderung
führte
Prof.
Y._
nicht
auf die eingenommenen
Medikamente zurück
.
Es sei weiter aufgrund der Aktenlage nicht auszu
schlies
s
en, dass eine
chronifizierte
Depression und gegebenenfalls eine Störung aus dem schizophrenen Formenkreis vorliege, und es hätten sich keine Hinweise darauf
ergeben, dass der Versicherte nur zum Untersuchungszeitpunkt sedierende Psy
chopharmaka eingenommen habe (E. 5.3). Trotz der festgestellten Diskrepanzen ist nicht nachvollziehbar, weshalb Prof.
Y._
sich nicht in der Lage sah, eine Diagnose zu stellen, beziehungsweise der neuropsychologischen Abklärung - die lediglich einen Teil der Untersuchung ausmachte - ein so grosses Gewicht beimass, dass er die von ihm erhobenen Befunde diagnostisch nicht einordnete. Auch wäre angesichts der Feststellungen zum Medikamentengebrauch eine
Suchterkrankung zu diskutieren gewesen.
Auch e
ine Indikatorenprüfung erfolg
t
e
nicht. Angesichts des Umstands, dass Prof.
Y._
teilweise
krankheitswertige
Befunde erhob, die durchaus hätten beurteilt werden können, kann dem Be
schwerdeführer nicht die volle Verantwortung für das Misslingen der Begut
ach
tung
überbunden
werden. Vielmehr wollte sich Prof.
Y._
offenbar nicht festlegen. Für eine Verletzung der Mitwirkungspflicht bestehen
daher
nicht ge
nü
gend Anhaltspunkte
, weshalb eine Rentenaufhebung
einzig gestützt auf
diese
n
Grund ausser Betracht fällt
.
8.
8.1
Bei einer Arbeitsfähigkeit von 70
%
in der angestammten und in einer ange
passten Tätigkeit seit Dezember 2017 besteht ein Invaliditätsgrad von 30
%
und damit
grundsätzlich
kein Rentenanspruch mehr (Prozentvergleich;
Urteil des Bundesgerichts 9C_492/2018 vom 2
4.
Januar 2019 E. 4.3.2 mit Hinweis auf Urteil 8C_333/2013 vom 1
1.
Dezember 2013 E. 5.3 mit Hinweisen)
.
8.2
Bei Personen, deren Rente revisionsweise herabgesetzt oder aufgehoben werden soll, sind nach mindestens fünfzehn Jahren Bezugsdauer oder wenn sie das 55. Altersjahr zurückgelegt haben, praxisgemäss in der Regel vorgängig Ein
glie
derungsmassnahmen durchzuführen, bis sie in der Lage sind, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial mittels Eigenanstrengung
aus
zuschöpfen und erwerblich zu verwerten. Ausnahmen von der
diesfalls
grun
d
sätzlich («vermutungsweise») anzunehmenden Unzumutbarkeit einer Selbstein
gliederung liegen namentlich dann vor, wenn die langjährige Absenz vom Arbeitsmarkt auf invaliditätsfremde Gründe zurückzuführen ist, wenn die ver
sicherte Person besonders agil, gewandt und im gesellschaftlichen Leben inte
griert ist oder wenn sie über besonders breite Ausbildungen und Berufser
fah
rungen verfügt. Verlangt sind immer konkrete Anhaltspunkte, die den Schluss zulassen, die versicherte Person könne sich trotz ihres fortgeschrittenen Alters und/oder der langen Rentenbezugsdauer mit entsprechender Absenz vom Arbeitsmarkt ohne Hilfestellungen wieder in das Erwerbsleben integrieren. Die IV-Stelle trägt die Beweislast dafür, dass entgegen der Regel die versicherte Per
son in der Lage ist, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leis
tungs
potenzial auf dem Weg der Selbsteingliederung erwerblich zu verwerten (BGE 145 V 209 E. 5.1).
8.3
Der Beschwerdeführer ist 1962 geboren und bezieht seit August 2008 eine Drei
viertelsrente.
Bereits i
m Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom 2
8.
Novem
ber 2017 (
Urk.
2) war er 55 Jahre alt und fällt damit unter den besonders geschützten
Bezügerkreis
.
Deshalb kann er nicht ohne weiteres auf den Weg der Selbsteingliederung verwiesen werden und ist vor einer Rentenaufhebung die Eingliederungsfrage zu prüfen.
Aufgrund des Umstands, dass die Beschwerdegegnerin die Rentenaufhebung auf die aus ihrer Sicht gegebene Verletzung der Mitwirkungspflicht stützte, wurden Eingliederungsmassnahmen bislang gar nicht geprüft. Prof.
A._
wies diesbezüglich darauf hin, dass die früh ersichtliche
eingeschränkte
Compliance
und mangelnde Motivierbarkeit b
ezüglich Integrationsmassnahmen
schwer wiege
und auch die frühe Berentung daran ihren Anteil
und zur
Chronifizierung
bei
getragen habe (S. 46 unten des Teilgutachtens). Gleichzeitig ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer lediglich unter leichten Beeinträchtigungen - die
zudem teilweise auf normalpsychologische Reaktionen einer nachvollziehbar bel
astenden Lebenssituation zurückzuführen sind - leidet und mit einer
doch
substantiellen zumutbaren
Arbeitsfähigkeit von 70
%
auch in der ange
stam
mte
n Tätigkeit grundsätzlich geeignete Voraussetzungen für einen
beruflichen
Wie
der
einstieg mitbringt.
Konkrete Anhaltspunkte dafür, dass sich der Beschwer
deführer trotz seines fortgeschrittenen Alters ohne Hilfestellungen wieder in das Erwerbsleben integrieren könnte und deshalb ausnahmsweise von der Zumut
barkeit einer Selbsteingliederung auszugehen ist, ergeben sich
jedoch
keine. Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere nicht über besonders breite Ausbil
dung
en und Berufserfahrungen
.
8.4
Die Beschwerdegegnerin
konnte
bislang ihrem Eingliederungsau
ftrag (noch) nicht
nach
kommen. Daraus ergibt sich, dass die Renteneinstellung so lange nicht gerechtfertigt ist, als die Wiedereingliederung nicht aktiv gefördert wurde oder der Beschwerdeführer, der an dieser Stelle auf seine Schadenminderungspflicht hinzuweisen ist, sich nach durchgeführtem Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
gegebenenfalls
geweigert hat, an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen.
Dies führt im Ergebnis zur Gutheissung der Beschwerde mit der Feststellung, dass der Beschwerdeführer auch nach dem 2
8.
November
2017 einstweilen wei
ter
hin Anspruch auf die bisherige Dreiviertelsrente hat.
9.
9.1
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind auf
Fr.
1’0
00.
--
fest
zu
setzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
9.2
Die Kosten eines Gerichtsgutachtens können dem Versicherungsträger auferlegt
werden, wenn die Abklärungsergebnisse aus dem Verwaltungsverfahren in rechts
erheblichen Punkten nicht ausreichend beweiswertig sind, und zur Durch
führung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick auf die Wah
rung der Verfahrensfairness entfällt (vgl. BGE 139 V 225 E. 4.2 m
it Verweis auf BGE 137 V 210).
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in de
r angefochtenen Verfügung auf die
Gutachten
von Prof.
Y._
, obwohl diese nicht zu überzeugen
vermögen (vgl. vorstehend E. 7.6
), und leitete daraus ab, dass der Beschwerdeführer seiner Mitwirkungspflicht nicht nachgekommen sei. Angesichts der auch von Prof.
Y._
berichteten
Befunde wäre jedoch eine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit möglich und notwendig gewesen, was nun durch das Gerichtsgutachten nach
geholt wurde.
Dementsprechend sind
der Beschwerdegegnerin
die Kosten für das
Gerichtsgutachten in Höhe von
Fr.
12'064.--
aufzuerlegen.