# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 16930252-2a2a-47ad-ba0a-ba9e4a27ec3a
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Verletzung der Verkehrsregeln
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur, Einzelgericht Strafsachen, vom 30. Juni 2020 (GC180030)
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Strafbefehl:
Der Strafbefehl des Stadtrichteramtes Winterthur vom 26. März 2018 (Urk. 2) ist
diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig der einfachen Verletzung der Ver-
kehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 27 Abs. 1 SVG,
Art. 32 Abs. 2 SVG, Art. 4a Abs. 1 und 5 VRV sowie Art. 22 Abs. 1 SSV.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Busse von Fr. 370.–.
3. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft
nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen.
4. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 1'800.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 330.00 Kosten Strafbefehl; Fr. 150.00 Kosten Überweisung; Fr. 530.00 nachträgliche Untersuchungskosten; Fr. 2'300.00 Kosten forensisches Gutachten; Fr. 10'851.85 Kosten Gutachten I._; Fr. 15'961.85 Total.
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert
sich die Entscheidgebühr auf zwei Drittel.
5. Die Entscheidgebühr sowie die Kosten für die beiden Gutachten werden
dem Beschuldigten auferlegt. Über diese Kosten stellt die Bezirksgerichts-
kasse Rechnung.
Die Kosten des Strafbefehls in der Höhe von Fr. 330.–, die Kosten der
Überweisung in der Höhe von Fr. 150.– sowie die nachträglichen Untersu-
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chungskosten in der Höhe von Fr. 530.– werden ebenfalls dem Beschuldig-
ten auferlegt. Diese Kosten sowie die Busse von Fr. 370.– werden durch das
Stadtrichteramt Winterthur eingefordert.
Berufungsanträge:
a) Des Beschuldigten:
(Urk. 100 S. 1)
1. Das Urteil vom 30. Juni 2020 sei vollumfänglich aufzuheben.
2. Der Beschuldigte sei von Schuld und Strafe freizusprechen.
3. Es sei dem Beschuldigten für das erstinstanzliche Verfahren eine Ent-
schädigung von Fr. 7'874.80 zuzusprechen.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.
b) Des Stadtrichteramtes Winterthur:
Keine Anträge
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## Considerations

Erwägungen:
I. Verfahrensgang
1. Das Bezirksgericht Winterthur, Einzelgericht Strafsachen, sprach den Be-
schuldigten mit Urteil vom 30. Juni 2020 der einfachen Verletzung der Verkehrs-
regeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 32 Abs. 2
SVG, Art. 4a Abs. 1 und 5 VRV sowie Art. 22 Abs. 1 SSV (Überschreiten Höchst-
geschwindigkeit) schuldig. Es verurteilte ihn zu einer Busse von Fr. 370.– und
setzte eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen fest. Ferner wurde über die Kosten
und Entschädigungsfolgen entschieden.
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2. Gegen dieses mündlich eröffnete Urteil liess der Beschuldigte mit Eingabe
vom 1. Juli 2020 fristgerecht Berufung anmelden (Urk. 81; Prot. I S. 39 ff.). Nach
Erhalt des begründeten Urteils am 26. Oktober 2020 (Urk. 85, Seite 1) reichte die
Verteidigung innert Frist die Berufungserklärung vom 16. November 2020 ein
(Urk. 89). Anschlussberufung wurde keine erhoben. Am 21. Dezember 2020 liess
der Beschuldigte das ausgefüllte Datenerfassungsblatt einreichen, wozu er mit
Präsidialverfügung vom 18. November 2020 aufgefordert worden war (Urk. 96).
Mit Beschluss vom 16. Dezember 2020 ordnete das Obergericht das schriftliche
Verfahren an und setzte dem Beschuldigten Frist an, um seine Berufungsanträge
zu stellen und zu begründen (Urk. 93). Innert mehrfach erstreckter Frist liess die-
ser am 17. März 2021 seine Berufungsbegründung einreichen, mit welcher er
gleichzeitig um eine mündliche Berufungsverhandlung ersuchte und diverse Be-
weisanträge stellte (Urk. 100). Dem Stadtrichteramt Winterthur wurde in der Folge
mit Präsidialverfügung vom 29. März 2021 Frist zur Einreichung der Berufungs-
antwort angesetzt. Die Vorinstanz erhielt Gelegenheit zur freigestellten Vernehm-
lassung (Urk. 102). Weder das Stadtrichteramt noch die Vorinstanz liessen sich
vernehmen. Mit Präsidialverfügung vom 11. August 2021 wurde der Antrag auf
Durchführung einer mündlichen Berufungsverhandlung abgewiesen (Urk. 104).
Wie sich aus den nachstehenden Erwägungen ergibt, erübrigen sich weitere Be-
weisabnahmen. Das Verfahren erweist sich als spruchreif.
II. Prozessuales
1. Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechts-
kraft des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Da das
erstinstanzliche Urteil durch den Beschuldigten vollumfänglich angefochten wird
(Urk. 100 S. 1), erwächst keine Dispositivziffer in Rechtskraft.
2.1 Bilden ausschliesslich Übertretungen Gegenstand des erstinstanzlichen
Hauptverfahrens, so kann mit der Berufung nur geltend gemacht werden, das Ur-
teil sei rechtsfehlerhaft oder die Feststellung des Sachverhaltes sei offensichtlich
unrichtig oder beruhe auf einer Rechtsverletzung. Neue Behauptungen und Be-
weise können nicht vorgebracht werden (Art. 398 Abs. 4 StPO).
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2.2 Neu im Sinne dieser Bestimmung sind Tatsachen und Beweise, die im
erstinstanzlichen Verfahren nicht vorgebracht wurden. Nicht darunter fallen dem-
gegenüber Beweise, die beantragt, erstinstanzlich jedoch abgewiesen oder gar
nicht geprüft wurden. Der Berufungskläger kann im Berufungsverfahren nament-
lich rügen, die erstinstanzlich angebotenen Beweise seien in antizipierter Be-
weiswürdigung willkürlich abgewiesen oder nicht abgenommen worden. Desglei-
chen kann auch der Berufungsgegner seine erstinstanzlichen Beweisanträge im
Berufungsverfahren erneuern. Die Berufungsinstanz entscheidet aufgrund der be-
reits vor erster Instanz vorgebrachten Behauptungen und der bestehenden Be-
weisgrundlage. Gelangt die Berufungsinstanz zum Schluss, dass die erste Instanz
Beweise willkürlich nicht abgenommen hat, so kann sie den Entscheid nur aufhe-
ben und muss den Fall zur Beweisabnahme und neuer Entscheidung an die Vo-
rin-stanz zurückweisen (Urteil des Bundesgerichts 6B_362/2012 vom 29. Oktober
2012, Erw. 8.4.1; Eugster, in: Niggli/Heer/ Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar
StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 398 N 3a).
2.3 Was den Sachverhalt betrifft, hat das Berufungsgericht konkret nur zu
prüfen, ob dieser durch die Vorinstanz offensichtlich unrichtig, d.h. willkürlich,
festgestellt wurde. Relevant sind dabei klare Fehler bei der Sachverhaltsermitt-
lung, wie namentlich Versehen, Irrtümer oder offensichtliche Diskrepanzen zwi-
schen der sich aus den Akten sowie der Hauptverhandlung ergebenden Beweis-
lage auf der einen und der Urteilsbegründung auf der anderen Seite. Weiter in Be-
tracht kommen insbesondere Fälle, in denen die gerügte Sachverhaltsfeststellung
auf einer Verletzung von Bundesrecht, in erster Linie von Verfahrensvorschriften
der StPO selbst, beruht. Gesamthaft gesehen sind Konstellationen relevant, die
als willkürliche Sachverhaltserstellung zu qualifizieren sind (vgl. Schmid/Jositsch,
Praxiskommentar StPO, 3. Aufl., Zürich/St. Gallen 2018, Art. 398 N 12 f.; Eugster,
a.a.O., Art. 398 N 3a; Urteil des Bundesgerichts 6B_696/ 2011 vom 6. März 2012
E. 2.1). Willkür bei der Beweiswürdigung liegt vor, wenn der angefochtene Ent-
scheid offensichtlich unhaltbar ist oder mit der tatsächlichen Situation in klarem
Widerspruch steht. Dass eine andere Lösung oder Würdigung ebenfalls vertretbar
erscheint oder gar vorzuziehen wäre, genügt nicht (vgl. BGE 134 I 140 E. 5.4
m.H.). Das Berufungsgericht darf und muss sich in Sachverhaltsfragen auf eine
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Willkürprüfung beschränken und hat keine erneute Beweiswürdigung vorzuneh-
men (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_696/ 2011 vom 6. März 2012, E. 4.1).
3.1 Im Rahmen seiner Berufungsbegründung liess der Beschuldigte die fol-
genden Beweisanträge stellen (Urk. 100 S. 2 f.):
1. Die Aufnahmen der Verkehrsüberwachungsanlage A0000087.JPG und
B0000087.JPG seien im Originalformat (RAW) zusammen mit einem
geeigneten Viewer oder RAW-Konverter zu edieren und es sei eine
neue Beurteilung unter Verwendung der Originalaufnahmen vorzu-
nehmen;
2. Es seien die für das Gutachten erstellten Bilder und Auswertungen
(Abbildungen 1 - 7) im Originalformat (RAW und/oder PSD) zusammen
mit einem geeigneten Viewer oder RAW-Konverter zu edieren;
3. Es sei eine Befragung des Sachverständigen B._ vorzunehmen;
4. Es sei eine Befragung des Sachverständigen C._ vorzunehmen;
5. Es sei die vollständige exportierte Takeout Datenbank von 2.71 GB
beizuziehen;
6. Eventualiter sei ein Obergutachten zur Auswertung des Standort- und
Aktivitätenverlaufs des Google Kontos lautend auf
A._@gmail.com in Auftrag zu geben. Im Obergutachten sei insbe-
sondere auch die Frage zu beantworten, ob der Standort "zuhause" am
22. September 2017 zwischen 17.49 Uhr und 17.51 Uhr geändert wur-
de.
3.2 Die Beweisanträge 1 bis 3, welche die Frage der Identifizierung des Be-
schuldigten anhand der Fotografien der automatischen Verkehrsüberwachungs-
anlage betreffen, liess der Beschuldigte bereits vor Vorinstanz mit Eingabe vom
28. Februar 2019 stellen (Urk. 41 S. 1). Die Vorinstanz wies diese in der Folge mit
Verfügung vom 5. März 2019 ab (Urk. 43). Im Rahmen der vorinstanzlichen
Hauptverhandlung liess der Beschuldigte diese Beweisanträge erneuern (Prot. I
S. 20), worauf die Vorinstanz diese wiederum abwies (Prot. I S. 22 f.). Zwar liess
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der Beschuldigte nicht bereits vor Vorinstanz ein Obergutachten betreffend die
Auswertung des Standort- und Aktivitätenverlaufs seines Google-Kontos beantra-
gen, er liess aber die Ergänzung des bereits bestehenden Gutachtens in Bezug
auf die Frage, ob die Google-Aktivität vom 22. September 2017, 17:51 Uhr, wel-
che eine Suchanfrage vom Standort zuhause aufweise, im Aktivitätsverlauf ent-
halten gewesen sei, bereits im Rahmen der Fortsetzung der vorinstanzlichen
Hauptverhandlung beantragen. Auch dieser Beweisantrag wurde von der Vorin-
stanz abgewiesen (Prot. I S. 35 ff.). Zwar sind die im vor Vorinstanz gestellten
Beweisantrag betreffend eine ergänzende Begutachtung und die im nun gestell-
ten Beweisantrag betreffend ein Obergutachten formulierten Fragestellungen
nicht identisch. Dennoch betreffen beide die Frage, ob sich aus einer geltend ge-
machten Google-Aktivität des Beschuldigten vom 22. September 2017, 17.51 Uhr,
Rückschlüsse darauf ergeben würden, ob er sich zum fraglichen Zeitpunkt zu
Hause aufgehalten haben könnte. Insofern ist der Beweisantrag 6 nicht als neu im
Sinne von Art. 398 Abs. 4 StPO zu erachten. Die Beweisanträge 1 bis 3 und 6
sind demnach im Rahmen dieses Berufungsverfahrens einer Überprüfung zu-
gänglich. Es kann jedoch lediglich vorgebracht werden, die erstinstanzlich ange-
botenen Beweise seien in antizipierter Beweiswürdigung willkürlich abgewiesen
oder nicht abgenommen worden. Eine entsprechende Prüfung wird im Rahmen
der Sachverhaltserstellung erfolgen.
3.3 Demgegenüber wurden die Beweisanträge 4 und 5, welche das von der
Vorinstanz bereits eingeholte Gutachten betreffend die Auswertung der Aktivitäten
des Beschuldigten auf seinem Google-Konto und auf seinem Mobiltelefon zum
Tatzeitpunkt, betreffen, in der Untersuchung und vor Vorinstanz noch nicht ge-
stellt. Diese angebotenen Beweise sind somit als neu im Sinne von Art. 398
Abs. 4 StPO zu erachten und können daher aufgrund der eingeschränkten Kogni-
tion im Berufungsverfahren von Vornherein nicht vorgebracht werden. Eine ent-
sprechende Überprüfung hat somit zu entfallen.
4.1 Mit seiner Berufung macht der Beschuldigte sodann im Wesentlichen
geltend, dass die vorhandenen Radarfotos seine Identifizierung als Täter zwar
nicht ausschliessen würden, sie aber auch keine Identifizierung erlauben würden.
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Entsprechend sei nicht erstellt, dass er das in Frage stehende Fahrzeug gelenkt
habe. Demgegenüber zeige seine Aktivität auf seinem Mobiltelefon zum fragli-
chen Zeitpunkt, dass er nicht am Ort der begangenen Geschwindigkeitsübertre-
tung habe gewesen sein können (Urk. 100 S. 5 f.). Mithin richtet sich seine Beru-
fung gegen die vorinstanzliche Sachverhaltsfeststellung. Ob das vorinstanzliche
Urteil auf willkürlicher Sachverhaltserstellung beruht, ist somit im Folgenden zu
überprüfen.
III. Sachverhalt
1. Dem Beschuldigten wird im Strafbefehl vom 26. März 2018 zusammenge-
fasst vorgeworfen, am 22. September 2017, um 17:49 Uhr, als Lenker des Liefer-
wagens, Peugeot, ZH ..., auf der D._-strasse in Winterthur die signalisierte
Geschwindigkeit von 50 km/h um 18 km/h überschritten zu haben (act. 2).
2. Dass es zum damaligen Zeitpunkt an der in Frage stehenden Stelle zu ei-
ner Überschreitung der signalisierten Geschwindigkeit von 50 km/h um 18 km/h
gekommen sein soll, wurde vom Beschuldigten nicht bestritten. Hingegen stellte
er stets in Abrede, dass er der dafür verantwortliche Fahrzeuglenker gewesen sei.
Es ist demnach zu prüfen, ob die Vorinstanz bei ihrer Feststellung, dass es der
Beschuldigte gewesen sei, welcher damals jenen Lieferwagen gefahren habe
(Urk. 87 S. 25), in Willkür verfallen ist.
3.1.1 Bei den Akten liegen die durch das automatische Verkehrsüberwa-
chungsgerät generierten Fotografien des Fahrzeugs, welches zum fraglichen
Zeitpunkt zu schnell gefahren war. Wie bei solchen Radarfotos üblich ist das gan-
ze Fahrzeug abgebildet. Entsprechend klein ist der Bildausschnitt, in welchem der
Fahrzeuglenker zu sehen ist. Dessen Erkennbarkeit wird weiter durch eine gewis-
se Spiegelung in der Frontscheibe eingeschränkt. Dennoch lässt die Qualität der
vorliegenden Fotos die Feststellung zu, dass das Fahrzeug von einer männlichen
Person gelenkt wurde, welche Kopfhörer mit weissen Kabeln trug. Überdies ist zu
erkennen, dass der Lenker seine linke Hand am Steuer hatte und die beiden Bei-
fahrersitze zum fraglichen Zeitpunkt nicht besetzt waren (Urk. 1). Die Qualität der
Fotografien lässt weiter zu, dass grobe Gesichtszüge erkennbar sind. Gleichwohl
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sind die Bilder zu unscharf, als dass sie eine zweifelsfreie Identifizierung des Len-
kers von blossem Auge zuliessen. Immerhin erweist sich bei einem Vergleich die-
ser Radarfotografien mit den sich bei den Akten befindenden aktuellen Portraitfo-
tografien des Beschuldigten (Urk. 1; Urk. 38 S.15) als plausibel, dass es sich beim
gesuchten Lenker um den Beschuldigten handelt.
3.1.2 Zur Klärung der Frage, ob es sich beim abgebildeten Fahrzeuglenker
um den Beschuldigten handelt, gab die Vorinstanz ein morphologisches Bildver-
gleichsgutachten in Auftrag (Urk. 27). Aus dem vom Forensischen Institut Zürich
am 21. Februar 2019 erstatteten Bildvergleichsgutachten geht hervor, dass bei
einer Gegenüberstellung des Bezugsbilds und der Vergleichsbilder des Beschul-
digten keine Ausprägungsunterschiede ermittelt wurden, die eine Identität des
Beschuldigten mit der im Beweisbild dargestellten Bezugsperson ausschliessen
(Urk. 38 S. 10). Weiter wird darauf hingewiesen, dass die morphologische Analy-
se 41 bewertbare Einzelmerkmale ergeben habe, wobei alle diese 41 morphologi-
schen Einzelmerkmale bei der Gegenüberstellung als gleichförmig bewertet wor-
den seien (Urk. 38 S. 9). Überdies ist dem Gutachten zu entnehmen, dass auch
eine Proportionsanalyse gezeigt habe, dass die Gesichtsproportionen und die
Proportionen der linken Hand der Bezugsperson und der Vergleichsperson gleich-
förmig verlaufen würden (Urk. 38 S. 10). Abschliessend gelangte der Gutachter
zum Schluss, dass der Bildvergleich mit dem Ergebnis "eine Identität ist wahr-
scheinlich" bewertet werde (Urk. 38 S. 10 f.). Aus den Erläuterungen zum Gutach-
ten geht hervor, dass es sich bei dieser Einstufung der Identitätswahrscheinlich-
keit innerhalb der Vergleichsergebnisse, welche für eine positive Identitätstendenz
sprechen, um die tiefste mögliche Wahrscheinlichkeitseinstufung handelt (Urk. 38
S. 7). Der Gutachter weist auch darauf hin, dass die Qualität der vorliegenden
Radarfotos in den Ausschnittsvergrösserungen als mangelhaft zu beschreiben
sei. So sei das Gesicht der abgebildeten Bezugsperson teilweise verdeckt und die
morphologischen Gesichtsmerkmale seien mit niedriger Auflösung, vergleichs-
weise unscharf und undeutlich dargestellt. Dennoch wurden die Ausgangsvoraus-
setzungen für einen Bildvergleich aber als noch ausreichend geeignet einge-
schätzt (Urk. 38 S. 10). Dass es angesichts der als mangelhaft bezeichneten
Bildqualität nicht möglich war, eine der höchsten Wahrscheinlichkeitseinstufungen
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zu erreichen, leuchtet ein. Dass aber dennoch 41 Einzelmerkmale als bewertbar
eingestuft werden konnten und sich keines dieser Merkmale als mit den Ver-
gleichsbildern des Beschuldigten unvereinbar erwies, lässt es als umso unwahr-
scheinlicher erscheinen, dass jemand anderes als der Beschuldigte das Fahrzeug
gelenkt haben könnte. Gleichwohl kann nicht ausser Acht gelassen werden, dass
eine theoretische Möglichkeit verbleibt, dass eine andere Person, die dem Be-
schuldigten sehr ähnlich sieht, das Fahrzeug gelenkt haben könnte.
3.2 Als möglicher Täter wurde der Beschuldigte jedoch nicht alleine auf-
grund der Ähnlichkeit seines äusserlichen Erscheinungsbilds mit demjenigen des
Fahrzeuglenkers eruiert. Vielmehr ergab eine Nachfrage bei der Halterin des in
Frage stehenden Fahrzeuges, der E._ AG in F._, dass jenes Dienst-
fahrzeug am 22. September 2017 dem Beschuldigten zugeteilt gewesen sei (Urk.
1). Eine bei der E._ AG erhältlich gemachte Aufzeichnung der Standortdaten
jenes Fahrzeuges vom 22. September 2017 hat zudem gezeigt, dass der Liefer-
wagen am Morgen jenes Tages am damaligen Wohnort des Beschuldigten, am
G._-weg ... in Winterthur, losgefahren und am Abend auch wieder dorthin
zurückgekehrt war (Urk. 10; Urk. 18). Dass ihm jener Lieferwagen am fraglichen
Tag zugeteilt gewesen sei, er diesen am Vorabend an seinem Wohnort parkiert
und er ihn auch am Abend des 22. September 2017 dort gesehen habe, bestätig-
te denn auch der Beschuldigte (Prot. I S. 17 f.). Angesichts dieser Fahrzeugzutei-
lung und der Ähnlichkeit des Beschuldigten mit dem abgebildeten Lenker bleibt
kaum mehr Raum für Zweifel an der Täterschaft des Beschuldigten.
3.3.1 Der Beschuldigte macht indes geltend, dass er das Fahrzeug an jenem
Tag nicht gelenkt habe, da er krank gewesen sei und daher nicht habe arbeiten
können (Urk. 14 S. 2; Prot. I S. 14). Er habe zwei Finger breit von seinem Schritt
entfernt einen Abszess gehabt, welcher dazu geführt habe, dass es für ihn
schwierig gewesen sei, ein Schaltfahrzeug zu führen. Er sei wegen des Abszes-
ses am 6. September 2017 beim Arzt gewesen. Die Pflege des Abszesses habe
sich aber in die Länge gezogen (Urk. 14 S. 2). Der Beschuldigte stellte weiter in
den Raum, dass ein Arbeitskollege den Lieferwagen mit dem Zweitschlüssel ge-
fahren und diesen am Abend wieder bei ihm parkiert haben könnte (Urk. 14
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S. 2 f.; Prot. I S. 14). Einen konkreten Verdacht, wer diesen Lieferwagen gelenkt
haben könnte, äusserte er aber nicht. Er gab dazu an, dass ihm am Abend des
22. September 2017 aufgefallen sei, dass der Lieferwagen nicht mehr so abge-
stellt gewesen sei, wie er ihn am Abend zuvor parkiert gehabt habe (Urk. 14 S. 2
f.; Prot. I S. 14). Gleichzeitig erklärte er, dass er seinen Chef nicht auf diese Fest-
stellung angesprochen habe (Prot. I S. 15).
3.3.2 Dieses Vorbringen des Beschuldigten, wonach er an jenem Tag krank
gewesen sei und er den Lieferwagen daher nicht gelenkt haben könne, vermag
nicht zu überzeugen. Insbesondere ergab eine Nachfrage der Stadtpolizei Win-
terthur bei der Arbeitgeberin des Beschuldigten, dass für den 22. September 2017
weder in ihrer Agenda noch in den Lohnunterlagen des Beschuldigten ein Eintrag
betreffend eine Krankmeldung zu finden sei (Urk. 19). Abgesehen davon, dass
sich nicht durch einen entsprechenden Vermerk bei seiner Arbeitgeberin belegen
lässt, dass der Beschuldigte damals keine Dienstfahrten übernommen hatte, wei-
sen auch erheblich Ungereimtheiten in seinen Aussagen darauf hin, dass sich die
Ereignisse nicht so zugetragen hatten, wie er sie schilderte. So gab er an, dass er
nicht mehr wisse, bei wem oder wie er sich krank gemeldet habe (Urk. 14 S. 3;
Prot. I S. 18 f.). Detaillierend erklärte er dazu in seiner polizeilichen Einvernahme
vom 14. Juni 2018, dass es am Abend zuvor gewesen sein müsse, da er starke
Schmerzen gehabt habe (Urk. 14 S. 3). Vor Vorinstanz merkte er dann an, dass
das mit den Schmerzen – wie er glaube – am Mittwoch angefangen habe und er
deshalb in der Firma gesagt habe, dass er am Freitag nicht arbeiten könne (Prot. I
S. 14). Im weiteren Verlauf der vorinstanzlichen Einvernahme erklärte er schliess-
lich, dass er am Donnerstag gesagt habe, dass er schauen müsse, ob es gehe
oder nicht. Er sei dann jedenfalls mit dem Fahrzeug nach Hause gefahren am
Donnerstag (Prot. I S. 18). In Anbetracht dessen, dass der Beschuldigte sich zwar
noch daran erinnern konnte, dass er genau am fraglichen Tag aufgrund starker
Schmerzen wegen eines Abszesses nicht habe arbeiten können, erstaunt es,
dass er sich nicht mehr daran zu erinnern vermochte, auf welche Weise und bei
wem er sich damals krank gemeldet hatte. Weiter weisen auch seine Angaben zu
den geltend gemachten Schmerzen Ungereimtheiten auf. So ist insbesondere
nicht nachvollziehbar, weshalb er am Donnerstagabend noch mit seinem Dienst-
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fahrzeug nach Hause gefahren sein soll, wenn er doch gemäss seinen Angaben
bereits damals solche Schmerzen gehabt hatte, dass er sich nicht sicher war, ob
er jenes Fahrzeug am nächsten Tag überhaupt würde lenken können. Viel eher
wäre zu erwarten gewesen, dass er zur Vermeidung von Schmerzen mit den öf-
fentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Taxi nach Hause gefahren wäre. Um
darzulegen, dass er am fraglichen Tag nicht am Arbeiten war, gab der Beschul-
digte im Rahmen der polizeilichen Einvernahme vom 14. Juni 2018 weiter an,
dass er am fraglichen Tag am Chatten gewesen sei und dies am Steuer schwierig
gewesen wäre. In diesem Zusammenhang bot er an, jene Nachrichten in seinem
Mobiltelefon zu zeigen (Urk. 14 S. 2). Auch gab er in jener Einvernahme an ande-
rer Stelle an, dass eine Kollegin damals zwei oder drei Nachrichten gesendet ha-
be und er darauf geantwortet habe (Urk. 14 S. 3). Dass er diesen Chatverlauf o-
der die weiteren erwähnten Nachrichten in der Folge offen gelegt hätte, geht aus
den Akten nicht hervor. Hätte er zur tatrelevanten Zeit aber tatsächlich aktiv ge-
chattet, wäre zu erwarten gewesen, dass er die entsprechenden Nachrichten zu
seiner Entlastung gegenüber den Strafverfolgungsbehörden zur Kenntnis ge-
bracht hätte, zumal er im Laufe des Verfahrens andere Ausdrucke seiner Aktivitä-
ten auf seinem Mobiltelefon einreichen liess. Schliesslich erweist sich auch seine
Angabe, wonach er am Abend des 22. September 2017 bemerkt habe, dass der
Lieferwagen nicht mehr an derselben Stelle gewesen sei, an welcher er diesen
am Abend zuvor parkiert habe, nicht als glaubhaft. So machte er, wie dies bereits
die Vorinstanz erwog (Urk. 87 S. 19), unterschiedliche Angaben dazu, wie er das
Fahrzeug üblicherweise parkiert habe und zur Position, in welcher sich dieses am
Abend des 22. September 2017 nunmehr befunden habe (Urk. 14 S. 2 f.; Prot. II
S. 14). Ausserdem erweist es sich als wenig plausibel, dass der Beschuldigte sei-
nen Chef nicht über diese Beobachtung informiert haben soll. Hätte er tatsächlich
den Verdacht gehegt, dass jemand anderes an jenem Tag den ihm zugeteilten
Lieferwagen gelenkt hätte, so wäre zu erwarten gewesen, dass er dies seiner Ar-
beitgeberin gemeldet oder sich zumindest darüber informiert hätte, wer das Fahr-
zeug an seiner Stelle benutzt haben könnte. So hätte ihn einerseits als Arbeit-
nehmer eine gewisse Pflicht gegenüber seiner Arbeitgeberin getroffen, diese dar-
über in Kenntnis zu setzen, dass möglicherweise unberechtigte Dritte das Firmen-
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fahrzeug gelenkt haben könnten. Andererseits wäre es insbesondere in seinem
Interesse gewesen, seine Arbeitgeberin zu informieren, dass nicht er gefahren
war, um sich hinsichtlich allfälliger an jenem Tag mit dem Fahrzeug begangener
Verfehlungen aus der Verantwortung ziehen zu können. Auch vor diesem Hinter-
grund erweisen sich die Bestreitungen des Beschuldigten daher als unglaubhaft.
3.4.1 Mit Eingabe vom 14. August 2018 an das Stadtrichteramt Winterthur
liess der Beschuldigte sodann erstmals geltend machen, dass aus dem Aktivitä-
ten- und Standortverlauf seines Google-Kontos ersichtlich sei, dass sich sein Mo-
biltelefon zum Tatzeitpunkt an seinem Wohnort befunden habe und dieses über-
dies zwei Minuten nach der Geschwindigkeitsübertretung auch benutzt worden
sei. Um dieses Vorbringen zu stützen, liess der Beschuldigte jener Eingabe zwei
Ausdrucke beilegen. Auf einem dieser Ausdrucke sind unter dem Titel "Zeitachse"
unter anderem das Datum des 22. September 2017 sowie die Schriftzüge "War
hier: G._-weg ..." und "17:09 - 02:00" zu erkennen. Der zweite Ausdruck
weist auf eine Google-Suchanfrage nach dem Begriff "H._-strasse ... win-
terthur" vom 22. September 2017 um 17.51 Uhr hin. Ausserdem ist unter dem Ti-
tel "Details" zu dieser Suchanfrage der Schriftzug "Von dir zu Hause aus" ver-
merkt (Urk. 21). Im Rahmen der vorinstanzlichen Hauptverhandlung liess er dann
die Auswertung des Aktivitäten- und Standortverlaufs seines Google-Kontos be-
antragen, um nachweisen zu können, dass es sich beim abgebildeten Lenker
doch nicht um ihn handeln kann (Prot. I S. 20). Die Vorinstanz hiess diesen Be-
weisantrag in Folge gut, unterbrach die Hauptverhandlung und ordnete ein ent-
sprechendes Gutachten an (Prot. I S. 22 ff.). Das in Auftrag gegebene Gutachten
zur Auswertung des Mobiltelefons und des Google-Kontos des Beschuldigten
wurde schliesslich am 10. Februar 2020 von C._, I._ AG, erstattet
(Urk. 67). Der Gutachter gelangte dabei zum Schluss, dass sich für den relevan-
ten Zeitpunkt weder im relevanten Google-Konto noch im vom Beschuldigten zur
Verfügung gestellten Mobiltelefon Standortdaten finden lassen würden. Entspre-
chend könne auch keine Aussage dazu getroffen werden, wo sich das Mobiltele-
fon am 22. September 2017 um 17.49 Uhr befunden habe (Urk. 67 Rz. 42). Die
weitere Frage danach, welcher Standort bzw. welche Adresse am 22. September
2017 auf jenem Google-Konto als "zu Hause" hinterlegt gewesen sei, wurde im
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Gutachten damit beantwortet, dass diese Frage nachträglich nicht beantwortet
werden könne, weil die Daten zu jenem Stichtag nicht vorliegen und auch keine
späteren Daten darauf hinweisen würden (Urk. 67 Rz. 41). Überdies geht aus
dem Gutachten hervor, dass sich die aufgezeichneten Aktivitäten und auch
Standorte nachträglich löschen lassen würden, was für jeden Nutzer mit Zugriff
auf das Konto möglich sei und in einem Google Takeout Archiv nicht sichtbar sei.
Weiter wurde darauf hingewiesen, dass es im vorliegenden Fall keine Hinweise
darauf gebe, dass die Standortdaten bearbeitet worden seien, wobei die Vollstän-
digkeit der Daten nicht abschliessend bestätigt werden könne (Urk. 67 Rz. 43 f.).
In diesem Zusammenhang wurde vom Gutachter auf die Beilage 3 zum Gutach-
ten verwiesen, aus welcher wiederum hervorgeht, dass auf der Google Maps-
Zeitachse einzelne Einträge des Standortverlaufs bearbeitet und die Daten für be-
stimmte Zeiträume bzw. für den gesamten Standortverlauf gelöscht werden könn-
ten (Urk. 67 Beilage 3 S. 1). Schliesslich wies der Gutachter darauf hin, dass mit
dem iPhone des Beschuldigten am Vormittag des 22. September 2017 drei Vi-
deos und drei Fotos erstellt worden seien, wobei auf den Fotos ein Tacho-
Kombiinstrument eines Peugeot Boxer mit dem Baujahr 2017 sowie der Innen-
raum eines weissen Lieferwagens der Marke Peugeot zu sehen seien (Urk. 67
Rz. 47).
3.4.2 Der Beschuldigte macht mit seiner Berufung nun geltend, dass dem
Gutachten zu entnehmen sei, dass am 22. September 2017 um 17.09 Uhr, mithin
40 Minuten vor dem Tatzeitpunkt, in seinem Google-Konto die Wohnadresse be-
stätigt worden sei. Es sei daher nicht nachvollziehbar, dass der Gutachter gleich-
zeitig ausgeführt habe, dass nicht bekannt sei, welcher Standort in seinem
Google-Konto als "zu Hause" festgelegt worden sei, so sei die Wohnadresse mit
dem Standort "zu Hause" identisch. Weiter gehe aus dem Gutachten nicht hervor,
dass am 22. September 2017 nach 17.12 Uhr eine Modifikation der Wohnadresse
erfolgt sei, weshalb es sich um 17.51 Uhr immer noch um dieselbe Wohnadresse
gehandelt haben müsse. Der Gutachter habe sich sodann nicht dazu geäussert,
ob die geltend gemachte Suchanfrage vom 22. September 2017 um 17.51 Uhr
vom Standort "zu Hause" aus im Takeout der Daten vorhanden gewesen sei. In
Anbetracht dessen, dass diese Aktivität im Gutachten nicht bestritten werde und
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zudem gemäss dem Gutachten auch keine Anzeichen für eine Manipulation der
Daten vorliege, werde diese Aktivität des Beschuldigten implizit bejaht. Da es ihm
nicht möglich gewesen wäre, innerhalb von zwei Minuten vom Tatort zu sich nach
Hause zu gelangen, sei entsprechend auszuschliessen, dass es sich beim ge-
suchten Lenker um ihn gehandelt habe (Urk. 100 S. 5 f.). Überdies machte der
Beschuldigte geltend, dass er die im Gutachten aufgeführten Fotos nicht selber
erstellt, sondern per What'sApp zugeschickt erhalten habe (Urk. 100 S. 3).
3.4.3 Aus dem Gutachten der I._ AG vom 10. Februar 2020 geht un-
missverständlich hervor, dass weder aus dem Google-Konto des Beschuldigten
noch aus dem von ihm zur Verfügung gestellten Mobiltelefon in Bezug auf den
fraglichen Zeitpunkt Standortdaten hätten ausgelesen werden können, welche ei-
ne Aussage zur Frage zugelassen hätte, wo sich das Mobiltelefon am 22. Sep-
tember 2017 um 17.49 Uhr befunden habe (Urk. 67 Rz. 42). Wie bereits die Vo-
rinstanz zu Recht erwog, erweisen sich die gutachterlichen Schlussfolgerungen
als sorgfältig erarbeitet und nachvollziehbar dargelegt (Urk. 87 S. 23). An dieser
Einschätzung vermag auch der Umstand nichts zu ändern, dass nicht ausdrück-
lich auf die vom Beschuldigten geltend gemachte Suchanfrage vom 22. Septem-
ber 2017 um 17.51 Uhr vom Standort "zu Hause" aus Bezug genommen wurde.
Dem Gutachter wurden zur Erstattung des Gutachtens zusammen mit dem Gut-
achtensauftrag vom 5. Dezember 2019 auch die bis zu jenem Zeitpunkt vorlie-
genden Verfahrensakten zur Verfügung gestellt (Urk. 63 S. 4). Der Gutachter hat-
te demnach Kenntnis von den Ausdrucken des Beschuldigten betreffend jene gel-
tend gemachte Suchanfrage nach dem Begriff "H._-strasse ... winterthur",
welche er erstmals mit Eingabe vom 14. August 2018 dem Stadtrichteramt Win-
terthur einreichen liess (Urk. 21). Da der Gutachter generell verneinte, dass in
Bezug auf den fraglichen Zeitpunkt Standortdaten vorhanden seien, brauchte er
nicht ausdrücklich zu erwähnen, dass auch die vom Beschuldigten geltend ge-
machte Aktivität keine Rückschlüsse auf den damaligen Standort seines Mobilte-
lefons zulassen würde. Schon die Vorinstanz wies sodann darauf hin, dass aus
den vom Beschuldigten am 14. August 2018 sowie anlässlich der Fortsetzung der
vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 30. Juni 2020 eingereichten Ausdrucken,
welche seine Suchanfrage hätten bestätigen sollen, nicht erkennbar ist, wessen
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Google-Konto jene Anfragen zuzuordnen sind (Urk. 21; Urk. 78/1-3; Urk. 87 S. 24;
Prot. I S. 35). Überdies geht aus dem Gutachten der I._ AG hervor, dass die
Zeitachse des Google-Kontos nachträglich bearbeitbar sei (Urk. 67 Rz. 43, Urk.
67 Beilage 3) . Zwar wies der Gutachter gleichzeitig darauf hin, dass keine Hin-
weise darauf bestehen würden, dass die Standortdaten bearbeitet worden seien.
Da er aber auch anmerkte, dass die Vollständigkeit der Daten nicht abschliessend
bestätigt werden könne (Urk. 67 Rz. 44), kann gleichwohl auch aus diesem Grund
nicht ohne Weiteres auf den vom Beschuldigten vorgelegten Ausdruck einer
Google-Konto Zeitachse abgestellt werden. Hinzu kommt, dass der Beschuldigte
unter Hinweis auf die eingereichten Ausdrucke zwar geltend machen liess, dass
er entsprechend eines darauf zu findenden Vermerks auch im weiteren Verlauf
jenes Abends, mindestens bis um 2.00 Uhr nachts, zu Hause geblieben sei
(Urk. 21; Urk. 78/3; Prot. I S. 21, 35). Im Rahmen seiner Einvernahme vor Vo-
rinstanz zeigte er sich dann aber selber unsicher darüber, ob er jenen Abend tat-
sächlich nur zu Hause verbracht hatte. So gab er an, dass er am Abend des 22.
September 2017 oder am nächsten Tag, er wisse es nicht mehr so genau, mit
seinem Auto nach J._ zu Verwandten gefahren sei. Ausserdem merkte er an,
dass er um ca. halb sieben raus gegangen sei und dabei den Lieferwagen gese-
hen habe (Prot. I S. 15). Auch vor diesem Hintergrund ist daher nicht zu bean-
standen, dass die Vorinstanz zur Erstellung des Sachverhalts nicht auf jene vom
Beschuldigten eingereichten Ausdrucke betreffend die von ihm geltend gemachte
Suchanfrage abgestellt hatte. Sollte die geltend gemachte Suchanfrage tatsäch-
lich dem Google-Konto des Beschuldigten zuzuordnen sein, ist schliesslich darauf
hinzuweisen, dass der Beschuldigte diese in Anbetracht dessen, dass gemäss
dem Gutachten der I._ AG keine Standortdaten damit verknüpft sein konn-
ten, auch im fraglichen Lieferwagen gemacht haben könnte. So liegt angesichts
der getragenen Kopfhörer nahe, dass der auf den Radarfotos abgebildete Lenker
auch ein Mobiltelefon bei sich hatte, in welchem die Kopfhörer eingesteckt waren.
Das Vorbringen des Beschuldigten, wonach er am 22. September 2017 um
17.51 Uhr bei sich zu Hause eine Google-Suchanfrage nach "H._-strasse ...
winterthur" gemacht habe und anschliessend den ganzen Abend bis mindestens
um 2.00 Uhr nachts bei sich zu Hause geblieben sei, vermag jedenfalls nicht zu
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überzeugen und entsprechend auch das Gutachten der I._ AG nicht in Zwei-
fel zu ziehen. Was das Vorbringen des Beschuldigten betrifft, wonach er die im
Gutachten erwähnten Fotos eines Peugeot Lieferwagens nicht selber erstellt,
sondern zugeschickt erhalten habe, ist im Übrigen entsprechend den zutreffenden
Erwägungen der Vorinstanz anzumerken (Urk. 87 S. 24), dass im Gutachten der
I._ AG ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass jene Fotos mit dem iPho-
ne des Beschuldigten erstellt worden seien (Urk. 67 Rz. 47).
3.5 Abgesehen davon, dass sich die Bestreitungen des Beschuldigten als
unglaubhaft erweisen, finden sie auch in den vorhandenen objektiven Beweismit-
teln keine Entsprechung. Demgegenüber lässt sich der Sachverhalt, welcher dem
Strafbefehl zugrunde liegt, ohne Weiteres mit dem objektiven Beweisergebnis in
Einklang bringen. So ergibt sich aus sämtlichen überprüfbaren Anklagesachver-
haltselementen wie der Zuteilung des Lieferwagens an den Beschuldigten, dem
Fehlen eines Abwesenheitsvermerks in der Agenda der Arbeitgeberin des Be-
schuldigten, der Start- und Zielpositionen der mit dem Lieferwagen gefahrenen
Route und der als "wahrscheinlich" eingestuften Identität des Beschuldigten mit
dem auf dem Radarfoto abgebildeten Lenker, ein stimmiges Bild. Darin, dass die
Vorinstanz vor diesem Hintergrund zur Schlussfolgerung gelangte, dass es sich
beim gesuchten Fahrzeuglenker um den Beschuldigten handelt und sie den An-
klagesachverhalt entsprechend als erstellt erachtete, ist daher keine Willkür zu
erkennen. Angesichts des deutlichen Beweisergebnisses und in Anbetracht des
von der Vorinstanz bereits getätigten erheblichen Aufwands zur Identifizierung
des Beschuldigten und dabei insbesondere auch zur Überprüfung seiner entlas-
tenden Vorbringen verfiel diese im Übrigen auch dadurch, dass sie auf die Ab-
nahme der weiteren seitens des Beschuldigten beantragten Beweismittel verzich-
tete, nicht in Willkür.
IV. Rechtliche Würdigung
Die rechtliche Würdigung des eingeklagten Sachverhaltes durch die
Untersuchungsbehörde und die Vorinstanz ist zutreffend. Auf die diesbezüglichen
Erwägungen der Vorinstanz kann verwiesen werden (Urk. 87 S. 25 f.; Art. 82
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Abs. 4 StPO). Der Beschuldigte ist demnach in Bestätigung des angefochteten
Urteils der einfachen Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1
SVG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 32 Abs. 2 SVG, Art. 4a Abs. 1
und 5 VRV sowie Art. 22 Abs. 1 SSV schuldig zu sprechen.
V. Strafe
1. Die Vorinstanz hat den Strafrahmen für die einfache Verletzung der Ver-
kehrsregeln korrekt festgelegt, wonach dieser sich auf Busse bis Fr. 10'000.– er-
streckt (Urk. 87 S. 26; Art. 82 Abs. 4 StPO).
2. Die Vorinstanz ging bei der Bemessung der Busse zu Recht von einem
noch leichten Verschulden aus, zumal auf den Radarfotos zu erkennen ist, dass
sich zum fraglichen Zeitpunkt keine anderen Verkehrsteilnehmer in unmittelbarer
Nähe des vom Beschuldigten gelenkten Fahrzeugs aufgehalten hatten. Wie dies
die Vorinstanz ebenfalls zutreffend erwog, wirkt sich der vorbelastete automobilis-
tische Leumund straferhöhend aus (Urk. 75). Aus dem im Rahmen des Beru-
fungsverfahrens durch den Beschuldigten ausgefüllten Datenerfassungsblatt geht
hervor, dass sich sein derzeitiges monatliches Einkommen aus einer IV-Rente
von Fr. 1'185.– und Ergänzungsleistungen in der Höhe von Fr. 772.– zusammen-
setzt. Zudem ist daraus ersichtlich, dass er Schulden in der Höhe von ca.
Fr. 9'000.– hat (Urk. 96). Die von der Vorinstanz festgesetzte Busse von Fr. 370.–
erweist sich vor diesem Hintergrund auch unter Berücksichtigung seiner aktuellen
Finanzlage als seinem Verschulden und seinen finanziellen Verhältnissen ange-
messen. Sie ist zu bestätigen und die Ersatzfreiheitsstrafe praxisgemäss auf
3 Tage festzusetzen.
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Ausgangsgemäss ist das erstinstanzliche Kostendispositiv (Dispositivzif-
fern 4 und 5) zu bestätigen.
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2. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr ist auf Fr. 1'000.– festzusetzen. Der
Beschuldigte unterliegt mit seinen Anträgen, weshalb ihm die Kosten des Beru-
fungsverfahrens vollumfänglich aufzuerlegen sind (Art. 428 Abs. 1 StPO).