# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** eec8723e-cf25-493b-a08f-7d6ffd790eef
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2012
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Vergewaltigung etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 1. Abteilung, vom 20. September 2011 (DG110096)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich - Limmat vom 6. April 2011 ist
diesem Urteil beigeheftet (Urk. 27).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB,
− der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB,
− der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1
StGB,
− der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB sowie des Versuchs dazu im
Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB,
− der vorsätzlichen Widerhandlung gegen Art. 19 Ziff. 1 Abs. 4 und 5
BetmG,
− des geringfügigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in Ver-
bindung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB sowie
− der mehrfachen vorsätzlichen Übertretung des BetmG im Sinne von
Art. 19a Ziff. 1 BetmG.
2. Die mit Entscheid des Amtes für Justizvollzug des Kantons Zürich vom
23. März 2009 für eine Freiheitsstrafe von 136 Tagen unter Ansetzung einer
Probezeit von einem Jahr verfügte bedingte Entlassung wird widerrufen und
der Beschuldigte wird in den Vollzug der Reststrafe von 56 Tagen rückver-
setzt.
3. Der Beschuldigte wird unter Einbezug der Reststrafe von 56 Tagen bestraft
mit einer Gesamtstrafe von 3 1/2 Jahren Freiheitsstrafe (wovon 340 Tage
durch Haft erstanden sind) sowie mit einer Busse von Fr. 900.–.
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Es wird davon Vormerk genommen, dass sich der Beschuldigte seit dem
11. August 2011 im vorzeitigen Strafvollzug befindet.
4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 9 Tagen.
5. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen. Die Busse ist zu bezahlen.
6. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 23. März 2011
beschlagnahmten 1 Duvetbezug (...), 1 Kopfkissenbezug (...), 1 Jeanshose
(dunkelblau, "..." ...), 1 Jacke (schwarz, "...", ...), 1 T-Shirt (hellgrau, "...",
...), 1 Unterhose (lang, dunkelgrau, ...), 2 Paar Socken (1 Paar hellgrau, 1
Paar dunkelblau mit beigen Ringen um den Sockenhals), 1 Paar Freizeit-
schuhe (schwarz, "...",...), 1 Pullover "..." (hellgrau, blau gestreift, Schurwol-
le) und 1 Jeanshose "..." (blau, ...) werden dem Beschuldigten nach Eintritt
der Rechtskraft auf erstes Verlangen herausgegeben.
7. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 23. März 2011
beschlagnahmten 1 Mantel (schwarz, "...", ...), 1 Jeanshose (blau, "...", ...),
1 Strickjacke (grau/braun/blau/senf, "...", ...) sowie 1 Pullover
(rot/rosa/blau/orange/hellgrau, "...", ...) werden der Geschädigten B._
nach Eintritt der Rechtskraft auf erstes Verlangen herausgegeben.
8. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 23. März 2011
beschlagnahmten 1 Spannbetttuch (orange, "..."), 1 Tanga (grau mit roter
Einfassung), 1 Jeanshose ("...", ...), 1 Langarm-Shirt (schwarz, am Saum
mit bunten Stickereien,...), 2 Ohranhänger (mit je einem blauen Schmuck-
stein) werden der Geschädigten C._ nach Eintritt der Rechtskraft auf
erstes Verlangen herausgegeben.
9. a) Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Geschädigten
B._ aus dem Vorfall vom 5./6. Januar 2010 vollumfänglich schadener-
satzpflichtig ist, und es wird vorgemerkt, dass sich die Geschädigte B._
die spätere Geltendmachung von Schadenersatzforderungen vorbehält.
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b) Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Geschädigten B._ eine Ge-
nugtuungssumme von Fr. 8'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 6. Januar 2010 zu
bezahlen.
10. a) Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Geschädigten
C._ aus dem Vorfall vom 22. März 2010 grundsätzlich schadenersatz-
pflichtig ist, und es wird vorgemerkt, dass die spätere Geltendmachung einer
Schadenersatzforderung vorbehalten bleibt.
b) Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Geschädigten C._ eine Ge-
nugtuungssumme von Fr. 15'000.– zuzüglich 5 % Zins seit 22. März 2010 zu
bezahlen.
11. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 5'000.-- ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 4'425.-- Kosten Kantonspolizei
Fr. 3'500.-- Gebühr Anklagebehörde
Fr. 12'887.85 Auslagen Untersuchung
Fr. 3'572.85 amtliche Verteidigung Untersuchung
Fr. 26'341.85 amtliche Verteidigung
Fr. unentgeltliche Vertretung RAin Y._ (ausstehend)
Fr. unentgeltliche Vertretung RAin Z._ (ausstehend)
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
12. Die Kosten, mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung, jedoch
einschliesslich derjenigen der unentgeltlichen Vertretung der Geschädigten,
werden dem Beschuldigten auferlegt.
13. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte in der Zeit vom 20. Juli 2011 bis
4. August 2011 nicht gemäss den Bestimmungen der Strafprozessordnung
in Haft gehalten wurde.
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten: (Urk. 103)
1. Hauptantrag
1.1.
Der Beschuldigte sei
- der vorsätzlichen Widerhandlung gegen Art. 19 Ziff. 1 Abs. 4 und 5
- der mehrfachen vorsätzlichen Übertretung des BetmG im Sinne von Art. 19
lit. a Ziff.1 BetmG
schuldig zu sprechen.
1.2.
In den übrigen Anklagepunkten sei der Beschuldigte freizusprechen.
1.3.
Die mit Entscheid des Amtes für Justizvollzug des Kantons Zürich vom 23.3.2009
für eine Freiheitsstrafe von 136 Tagen unter Ansetzung einer Probezeit von einem
Jahr verfügte bedingte Entlassung sei nicht zu widerrufen.
1.4.
Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 30 Tagen und einer Busse von
Fr. 300.– zu bestrafen, unter Anrechnung der erstandenen Untersuchungs- und
Sicherheitshaft sowie des vorzeitigen Strafvollzugs.
Für den Fall des schuldhaften Nichtbezahlens der Busse sei eine Ersatzfreiheits-
strafe von 3 Tagen anzusetzen.
1.5.
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Auf die Schadenersatz- und Genugtuungsforderungen der Privatklägerinnen sei
nicht einzutreten.
1.6.
Dem Beschuldigten sei für die insgesamt erlittene Überhaft eine Entschädigung
von Fr. 200.– pro Tag und eine Genugtuung von Fr. 400.– pro Tag zuzusprechen.
1.7.
Alles unter gesetzlicher Kostenfolge.
2. Eventualantrag
2.1.
Der Beschuldigte sei vom Vorwurf des geringfügigen Diebstahls im Sinne von
Art. 139 Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 172ter Abs. 1 StGB freizusprechen.
2.2.
Im Übrigen sei der Beschuldigte im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen.
2.3.
Die mit Entscheid des Amtes für Justizvollzug des Kantons Zürich vom 23.3.2009
für eine Freiheitsstrafe von 136 Tagen unter Ansetzung einer Probezeit von einem
Jahr verfügte bedingte Entlassung sei zu widerrufen.
2.4.
Der Beschuldigte sei unter dem Einbezug der Reststrafe von 56 Tagen gemäss
Antrag 2.3. vorstehend mit einer Gesamtstrafe von 2 1⁄4 Jahren Freiheitsstrafe und
einer Busse von Fr. 300.– zu bestrafen, alles unter Anrechnung von Untersu-
chungs- und Sicherheitshaft sowie vorzeitigem Strafantritt.
2.5.
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Für den Fall des schuldhaften Nichtbezahlens der Busse sei eine Ersatzfreiheits-
strafe von 3 Tagen anzusetzen.
2.6.
Es sei festzustellen, dass der Beschuldigte gegenüber der Geschädigten B._
aus dem Vorfall vom 5./6.1.2010 vollumfänglich schadenersatzpflichtig ist, und es
sei vorzumerken, dass die Geschädigte B._ die spätere Geltendmachung
von Schadenersatzforderungen vorbehält.
Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Geschädigten B._ eine Genugtuung
von Fr. 4'000.– zuzüglich Zins zu 5% ab 6.1.2010 zu bezahlen.
2.7.
Es sei festzustellen, dass der Beschuldigte gegenüber der Geschädigten C._
aus dem Vorfall vom 22.3.2010 grundsätzlich schadenersatzpflichtig ist, und es
sei vorzumerken, dass die spätere Geltendmachung von Schadenersatzforderun-
gen vorbehalten bleibt.
Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Geschädigten C._ eine Genugtuung
von Fr. 7'500.– zuzüglich Zins zu 5% ab 22.3.2010 zu bezahlen.
2.8.
Alles unter gesetzlicher Kostenfolge.
b) Der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat:
(Urk. 93, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
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## Considerations

Das Gericht erwägt:
1. Prozessuales
Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 1. Abteilung, vom 20. September 2011 wur-
de der Beschuldigte A._ der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1
StGB, der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB, der einfachen
Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, der Nötigung im Sin-
ne von Art. 181 StGB sowie des Versuchs dazu im Sinne von Art. 22 Abs. 1
StGB, der vorsätzlichen Widerhandlung gegen Art. 19 Ziff. 1 Abs. 4 und 5 BetmG,
des geringfügigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit
Art. 172ter Abs. 1 StGB sowie der mehrfachen vorsätzlichen Übertretung des
BetmG im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG schuldig gesprochen. Gleichzeitig
wurde die mit Entscheid des Amtes für Justizvollzug des Kantons Zürich vom
23. März 2009 für eine Freiheitsstrafe von 136 Tagen unter Ansetzung einer Pro-
bezeit von einem Jahr verfügte bedingte Entlassung widerrufen und der Beschul-
digte wurde in den Vollzug der Reststrafe von 56 Tagen rückversetzt. Schliesslich
wurde der Beschuldigte unter Einbezug dieser Reststrafe mit einer Gesamtstrafe
von 3 1⁄2 Jahren Freiheitsstrafe sowie mit einer Busse von Fr. 900.– bestraft
(Urk. 80 S. 97).
1.1. Gegen dieses Urteil liess der Beschuldigte durch Eingabe seines damaligen
amtlichen Verteidigers vom 21. September 2011 (Urk. 66) und somit rechtzeitig
Berufung anmelden. Ebenfalls fristgerecht reichte die Verteidigung nach Erhalt
des begründeten Entscheids am 21. Dezember 2011 die Berufungserklärung ein
(Urk. 81). Weder die Staatsanwaltschaft noch die beiden Privatklägerinnen erho-
ben Anschlussberufung (act. 86-88).
1.2. Der Beschuldigte verlangt, mit Ausnahme der Betäubungsmitteldelikte, ei-
nen Freispruch und eine entsprechend mildere Bestrafung, Verzicht auf den Wi-
derruf der bedingten Entlassung aus dem Strafvollzug, Nichteintreten auf die Zivil-
forderungen der beiden Privatklägerinnen sowie die Leistung von Entschädigung
und Genugtuung wegen erlittener Überhaft und von Genugtuung wegen unge-
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setzlicher Haft. Überdies seien sämtliche Verfahrenskosten auf die Staatskasse
zu nehmen (Urk. 81 S. 2 f.).
1.3. Der vormalige amtliche Verteidiger des Beschuldigten beantragte zunächst,
die Privatklägerinnen C._ und B._ seien als Auskunftspersonen direkt
durch das Gericht zu befragen (Urk. 81 S. 3). Nachdem dieser Antrag durch Prä-
sidialverfügung vom 7. März 2012 einstweilen abgewiesen wurde (Prot. II S. 3),
wurde er vom jetzigen amtlichen Verteidiger des Beschuldigten anlässlich der
Hauptverhandlung nicht erneut eingebracht. Damit erübrigen sich weitere Ausfüh-
rungen bzw. Beweisabnahmen.
1.4. Ausdrücklich nicht angefochten und damit in Rechtskraft erwachsen ist der
Schuldspruch betreffend die vorsätzliche Widerhandlung gegen Art. 19 Ziff. 1
Abs. 4 und 5 BetmG sowie betreffend die mehrfache vorsätzliche Übertretung des
BetmG im Sinne von dessen Art. 19a Ziff. 1. Davon ist vorab Vormerk zu nehmen
(Art. 404 Abs. 1 i.V.m. Art. 402 StPO).
2. Sachverhalt
2.1. Da der Beschuldigte die verbleibenden, ihm vorgeworfenen Taten bestreitet,
ist der massgebliche Sachverhalt vorab durch Würdigung der einzelnen Beweis-
mittel zu erstellen (vgl. hierzu die allgemeinen Ausführungen der Vorinstanz,
Urk. 80 S. 16 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
2.2. Anklageziffer 1, Vorwurf der sexuellen Nötigung, einfachen Körperverletzung
und Nötigung (Hauptdossier)
2.2.1. Die Vorinstanz hat in ihrem Urteil den Anklagevorwurf sowie die Aussagen
der Beteiligten im Untersuchungsverfahren wie auch den Inhalt der weiteren vor-
liegenden Beweismittel korrekt und äusserst detailliert wiedergegeben (Urk. 80
S. 17 ff.). Darauf kann vollumfänglich verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StGB).
2.2.2. Ebenso ist den Ausführungen des angefochtenen Urteils betreffend die
Glaubwürdigkeit der aussagenden Personen nichts anzufügen (Urk. 80 S. 45;
Art. 82 Abs. 4 StPO). Was die Würdigung der vorliegenden Aussagen und damit
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die Glaubhaftigkeit der verschiedenen Versionen betreffend die Tatnacht angeht,
hat die Vorinstanz zu Recht auf das stringente Aussageverhalten der Geschädig-
ten B._ hingewiesen, deren Darstellung – soweit bei einem Vieraugendelikt
überhaupt möglich – von den vorliegenden Sachbeweisen (Urk. HD 14/9 und
15/11) und den von keiner Seite als unglaubhaft bezeichneten Aussagen des
Zeugen D._ bekräftigt wird. Überdies hat die Vorinstanz auch zutreffend er-
kannt, dass bestehende Widersprüche hinsichtlich nebensächlicher Tatumstände
die übereinstimmende, lebensnahe und detaillierte Schilderung im Kerngehalt der
Vorfälle nicht in Zweifel zu ziehen vermag. Für die Geschädigte B._ spricht
sodann in grossem Masse, dass sie jegliche Übertreibungen unterlässt und auch
den Beschuldigten Entlastendes vorgebracht hat (Urk. 80 S. 46 f.; Art. 82 Abs. 4
StPO). Insgesamt sind die Aussagen der Geschädigten B._ damit als äus-
serst glaubhaft zu qualifizieren. Demgegenüber hat sich der Beschuldigte hin-
sichtlich des Kennenlernens der Geschädigten B._ in Widersprüche ver-
strickt und mehrfach versucht, gegen diese in den Akten nicht fundierte Anschul-
digungen zu erheben (angeblicher Kokainkonsum, Urk. HD 5 S. 6 und 12; sie sei
aggressiv geworden, Urk. HD 5 S. 9) und alternative Begründungen zu liefern (ihr
Freund würde sie stressen/der Freund schlage sie immer/sie habe Probleme mit
ihrem Freund und vielen Leuten, Urk. HD 5 S. 9 und 11; HD 22/7 S. 5; sie habe
einen Unfall gehabt, Urk. HD 22/7 S. 5), was nach Bender/Nack/Treuer (Tatsa-
chenfeststellung vor Gericht, Glaubwürdigkeits- und Beweislehre, Vernehmungs-
lehre, 3. Aufl., München 2007, N 429 ff.) als Fantasiesignal und damit als Indiz für
eine unrichtige Aussage zu werten ist. Ebenso ist – mit der Vorinstanz – darauf
hinzuweisen, dass die Darstellung des Beschuldigten an sich, insbesondere dass
die Geschädigte B._ trotz bestehender Schmerzen durch einen frisch gebro-
chenen Arm zu ihm nach Hause mitgegangen sei und anschliessend noch in den
Ausgang habe gehen wollen, als lebensfremd und nicht nachvollziehbar er-
scheint. Sodann kann - entgegen der Auffassung der Verteidigung (Prot. II S. 14)
- der Geschädigten B._ aufgrund des Umstandes, dass diese während ihres
Aufenthaltes in der Wohnung des Beschuldigten stets ihren Mantel und ihre Müt-
ze trug, keine Unglaubwürdigkeit attestiert werden. Dass die Geschädigte ihre
Aussenbekleidung am Ort des Geschehens nicht auszog, deutet viel mehr darauf
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hin, dass sie von Beginn an dem vom Beschuldigten geschilderten Plan Glauben
schenkte und davon ausging, nur für einen kurzen Augenblick in der Wohnung
des Beschuldigten zu verweilen. Vor diesem Hintergrund bestehen keine unüber-
windbaren Zweifel daran, dass sich die Ereignisse so wie von der Geschädigten
B._ geschildert und der Anklage zugrunde gelegt, ereignet haben.
2.3. Anklageziffer 2, Vorwurf der Vergewaltigung (Nebendossier 1)
2.3.1. Die Vorinstanz hat auch diesbezüglich den Anklagevorwurf, die Aussagen
der Beteiligten im Untersuchungsverfahren sowie den Inhalt der weiteren vorlie-
genden Beweismittel korrekt und umfassend wiedergegeben (Urk. 80 S. 52 ff.).
Darauf kann wiederum verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StGB).
2.3.2. Ebenso ist den Ausführungen des angefochtenen Urteils betreffend die
Glaubwürdigkeit der aussagenden Personen nichts anzufügen (Urk. 80 S. 68 f.;
Art. 82 Abs. 4 StPO). Insbesondere hat die Vorinstanz nicht ausser Acht gelas-
sen, dass die Geschädigte C._ drogensüchtig ist, zum Tatzeitpunkt regel-
mässig Methadon einnahm und zudem mit psychischen Problemen (Angstatta-
cken) kämpfte, wogegen sie ebenfalls regelmässig Temesta einnahm. Nicht unbe-
rücksichtigt blieb zudem, dass die Geschädigte im Rahmen ihrer Einvernahmen
teils aggressiv, ungeduldig und aufgebracht reagierte. Zu Recht hat die Vo-
rinstanz aus diesen Persönlichkeitszügen indessen keine grundlegende Ein-
schränkung der Glaubwürdigkeit der Geschädigten abgeleitet.
2.3.3. Was die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Geschädigten C._ angeht,
ist vorab zu betonen, dass sie im Kerngehalt widerspruchsfrei geblieben sind und
äusserst authentisch wirken. Insbesondere den ersten Aussagen bei der Polizei
kann der Originalton bzw. die hektische und verwirrte Gemütslage der Geschädig-
ten C._ mit sprunghaftem Gedankengang sehr wirklichkeitsnah entnommen
werden. Eine Gemütslage, die durch den Zeugen E._ explizit bestätigt wird
(Sie habe am Telefon einen Nervenzusammenbruch gehabt, geweint und ge-
schrien und er habe erst mit der Zeit aus dem Zusammenhang begriffen, dass sie
vergewaltigt worden sei, Urk. ND 1/12 S. 7). Anlässlich der staatsanwaltlichen
Einvernahme vom 8. Dezember 2010 legte sie zudem ihren Widerwillen und Ekel
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gegenüber dem Beschuldigten offen (Urk. ND 1/10 S. 5). Hinzu kommt, dass sich
die Geschädigte C._ von Beginn an selbst nicht geschont und den vorange-
gangenen Kokainkonsum samt zugrunde liegender Gemütslage (sie habe wegen
Streit mit dem Freund nichts fühlen wollen, Urk. ND 1/3 S. 1) unaufgefordert vor-
gebracht hat (wobei das angebliche Kokain ihrer Meinung nach keine Wirkung
gezeigt habe). Die Intensität ihrer Anschuldigungen ist in allen Einvernahmen
konstant geblieben und sie hat auch Überlegungen zur Motivlage des Beschuldig-
ten und ihn entlastende Präzisierungen vorgebracht. So wiederholte sie mehrfach,
er habe ein nettes/liebes Gesicht gehabt, sie habe den Eindruck gehabt, er sei ein
lieber Mann (Urk. ND 1/3 S. 1 f., ND 1/8 S. 1, ND 1/10 S. 7). Sie habe an ihm
nichts machen müssen, er habe ihr nicht gedroht oder sie unter den Kleidern/am
Geschlecht berührt (Urk. ND 1/3 S. 6), etc.. Insgesamt ergibt sich ein äusserst re-
alistisches, in sich geschlossenes Bild des Erlebten, wobei Indizien für bewusste
oder unbewusste Falschaussagen gänzlich fehlen.
Demgegenüber fällt der Beschuldigte auch hier durch anfängliche Widersprüche
auf. So erinnerte er sich erst anlässlich seiner vierten Einvernahme explizit daran,
die Geschädigte C._ zu kennen und mit ihr (gemäss seiner Darstellung) ein-
vernehmlichen Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. Mit der Vorinstanz ist hier-
bei insbesondere auf den fehlenden Detaillierungsgrad seiner Schilderung hinzu-
weisen. Insgesamt bleiben grosse Zweifel an der Glaubhaftigkeit seiner Aussa-
gen. Kommt hinzu, dass den Akten keinerlei Grund dafür zu entnehmen ist, wes-
halb die Geschädigte C._ den ihr zuvor unbekannten Beschuldigten zu Un-
recht belasten und die Mühsal eines langwierigen Strafverfahrens mit mehreren,
sie offensichtlich belastenden Einvernahmen auf sich nehmen sollte. Bei dieser
Sachlage ist von der glaubhaften Schilderung der Geschädigten C._ auszu-
gehen.
2.4. Anklageziffer 3, Vorwurf des Diebstahls (Nebendossier 2)
2.5.1. Wiederum hat die Vorinstanz den Anklagevorwurf sowie die Aussagen der
Beteiligten im Untersuchungsverfahren korrekt wiedergegeben (Urk. 80 S. 77 ff.).
Darauf, wie auch auf die nachfolgenden Erwägungen hinsichtlich Glaubwürdigkeit
der einvernommenen Personen und Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen kann vollum-
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fänglich verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StGB). Wie bereits im erstinstanzlichen
Urteil erörtert, wurde der Anklagevorwurf des Diebstahls einzig durch die Schilde-
rungen der Privatklägerin C._ sowie des Zeugen E._ erstellt. Um Wie-
derholungen zu vermeiden, kann hier weitgehend auf die dazu gemachten Aus-
führungen verwiesen werden. Ergänzend muss allerdings Folgendes festgehalten
werden:
Der Beschuldigte selbst gab konstant an, vom Diebstahl des Natels nichts zu wis-
sen (vgl. ND 2/3 S. 5, HD 12 S. 13 f., HD 64 S. 6, Urk. 102 S. 6). Die Privatkläge-
rin C._ führte am 23. März 2010 vor der Stadtpolizei Zürich sowie erneut an-
lässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 8. Dezember 2010 aus,
der Beschuldigte habe ihr das Natel gestohlen. Sie habe am Abend des Gesche-
hens auf dem Bett gesessen und auf die Wirkung des Kokains gewartet. Dabei
habe sie ihrem Ex-Freund eine SMS geschrieben. Als sie nach dem Vorfall das
Natel gesucht habe, um Letzteren anzurufen, habe sie es nicht gefunden und ha-
be schliesslich aus einer Telefonzelle anrufen müssen (ND 1/3 S. 7 f, ND 1/10
S. 12). Die letzte Darstellung der Geschädigten C._ wird durch die Aussagen
des Zeugen E._ bestätigt. Er habe am Abend des 22. März 2010 einen Tele-
fonanruf erhalten, dabei habe es sich um einen Anschluss mit den Ziffern 99 am
Schluss gehandelt, das heisst, es habe sich um eine Telefonkabine gehandelt. An
die an ihn geschriebene und von der Geschädigten C._ erwähnten SMS
konnte er sich indessen nicht mehr erinnern (ND 1/12 S. 6 ff.). Gemäss dem Poli-
zeirapport fanden die Beamten vor Ort ein grosses Durcheinander vor (ND 1/1
S. 6). Der Zeuge E._ führte hierzu aus, Ordnung sei Ansichtssache. Es
handle sich bei der Wohnung von Frau C._ um eine 12 oder 14 Quadratme-
ter grosse Wohnung. Sie – gemeint ist die Geschädigte C._ – habe die Klei-
der neben dem Bett deponiert. Zudem sei das Geschirr nicht abgewaschen und
der Tisch sei voller Aschenbecher und Gläser gewesen, von daher könne man
durchaus von Unordnung sprechen (ND 1/12 S. 10).
2.5.2. Angesichts der Tatsache, dass der Besitz des Natels kurz vor den tatge-
genständlichen Ereignissen nicht positiv nachgewiesen ist, im Zimmer bzw. der
Wohnung der Privatklägerin C._ ein grosses Durcheinander herrschte und
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unter Berücksichtigung der angeschlagenen Psyche der Privatklägerin (insbeson-
dere) direkt nach dem erzwungenen Geschlechtsverkehr, kann nicht mit rechts-
genügender Sicherheit ausgeschlossen werden, dass die Privatklägerin ihr Natel
lediglich verlegt bzw. schon in einem früheren Zeitpunkt verloren hatte oder es ihr
gestohlen wurde. Dabei erscheint es als naheliegend und insbesondere nicht als
Hinweis auf generell unglaubhafte Aussagen, dass die Privatklägerin in dem Zeit-
punkt, als ihr der Verlust des Natels erstmals auffiel, den Beschuldigten (auch)
des Diebstahls verdächtigte.
2.5.3. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich anhand der vorhandenen
Beweismittel nicht mit hinreichender Sicherheit feststellen lässt, wie sich die Ge-
schehnisse in Bezug auf das Natel im Einzelnen abgespielt haben. Auf dieser
Grundlage lässt sich nicht zweifelsfrei erstellen, ab welchem Zeitpunkt die Privat-
klägerin ihr Natel tatsächlich nicht mehr bei sich hatte. Auch wenn die Aussagen
der Privatklägerin grundsätzlich glaubhaft erscheinen, muss folglich offen bleiben,
wo und wann das Natel der Privatklägerin abhanden gekommen ist.
Weitere Beweismittel, welche der Klärung des Sachverhaltes dienlich wären, lie-
gen dem Gericht nicht vor, weshalb nach dem Gesagten erhebliche und unüber-
windbare Zweifel daran verbleiben, dass sich der Sachverhalt so zugetragen hat,
wie er in der Anklageschrift geschildert wird. Der Beschuldigte ist deshalb vom
Vorwurf des geringfügigen Diebstahl im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbin-
dung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB freizusprechen.
3. Rechtliche Würdigung
Die Vorinstanz hat das noch zur Qualifizierung verbleibende Verhalten des Be-
schuldigten mit einlässlicher Begründung als sexuelle Nötigung im Sinne von
Art. 189 Abs. 1 StGB, als vollendete und versuchte Nötigung im Sinne von
Art. 181 StGB (in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB), als einfache Körperverlet-
zung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (HD) sowie als Vergewaltigung im
Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB (ND 1) beurteilt (Urk. 80 S. 80 ff.).
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Hinsichtlich der Tatvorwürfe der (sexuellen und einfachen) Nötigung und der Ver-
gewaltigung kritisierte der Beschuldigte vor Vorinstanz, dass die in der Anklage-
schrift umschriebenen Vorgänge eine Subsumtion unter die angerufenen Straftat-
bestände nicht zuliessen (Urk. 63 S. 3 f. und S. 10 f.). Vor Obergericht wurde die
rechtliche Würdigung seitens des neuen Verteidigers allerdings zu Recht nicht
mehr beanstandet (vgl. Prot. II S. 9 ff.).
So ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass der in der Anklageschrift klar um-
schriebene und sachverhaltsmässig erstellte Griff in den Schritt der Geschädigten
B._ samt mehrmaligem, kräftigem Drücken des Genitalbereichs während ca.
20 bis 30 Sekunden sehr wohl als sexuelle Handlung im Sinne von Art. 189 Abs.
1 StGB zu qualifizieren ist. Ebenso erfüllt das zeitweilige Einsperren der Geschä-
digten B._ offensichtlich den Tatbestand der Nötigung. Dass die Vorinstanz
sodann auch den Tatbestand einer versuchten Nötigung als erfüllt ansah, indem
der Beschuldigte versucht habe, die Geschädigte B._ mit der sinngemässen
Androhung einer Vergewaltigung sowie mit seinen aggressiven und gewalttätigen
Attacken dazu zu bringen, Obszönitäten auszusprechen, was sie jedoch nicht ge-
tan habe, gibt ebenfalls zu keinen Beanstandungen Anlass. In beiden Fällen war
zumindest das vom Täter verwendete Mittel unerlaubt, womit die Rechtswidrigkeit
offensichtlich gegeben ist. Dass die Anklagebehörde in diesem Zusammenhang
einzig eine vollendete Nötigung als erfüllt ansah, ändert daran nichts, ist es doch
Sache des Gerichts, den eingeklagten und erwiesenen Sachverhalt rechtlich zu
würdigen (Art. 350 Abs. 1 StPO).
Was den Tatvorwurf der Vergewaltigung angeht, so befremdet der erstinstanzli-
che Vorwurf des Beschuldigten, die Anklageschrift behaupte keine Nötigungs-
handlung bzw. keine Kausalität zwischen einer solchen und dem Beischlaf (Urk.
63 S. 10). Wie schon die Vorinstanz zu Recht festgehalten hat, setzt der Tatbe-
stand der Vergewaltigung voraus, dass eine weibliche Person zur Duldung des
Beischlafs genötigt wird, was namentlich durch Drohung (auch implizite), Gewalt
oder psychischen Druck geschehen kann (Art. 190 Abs. 1 StGB). Genau Solches
ist in der Anklageschrift umschrieben und beweismässig erstellt. Nicht nur de-
monstrierte der Beschuldigte der Geschädigten C._ seine massive körperli-
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che Überlegenheit, indem er ihr Hose und Unterhose herunterzog und sie aufs
Bett drückte, er überging auch ihren verbal wiederholt (auch nach Aushändigung
des Kondoms) geäusserten Widerstand, indem er gleichwohl in die Geschädigte
eindrang und den Geschlechtsverkehr bis zum Erguss vollzog. Unter diesen Um-
ständen (deutliche verbale und nonverbale Äusserung von Ablehnung, Wegstoss-
versuche) musste dem Beschuldigten klar sein, dass die Geschädigte mit dem
Geschlechtsverkehr nicht einverstanden war. Entsprechend ist die Verurteilung
wegen Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB zu schützen.
Die rechtliche Würdigung der weiteren Tatvorwürfe wurde nicht gerügt und gibt
auch zu keinen Beanstandungen Anlass. Damit kann der rechtlichen Würdigung
und dem Schuldspruch der Vorinstanz – mit Ausnahme des Vorwurfs des gering-
fügigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 172ter
Abs. 1 StGB – gefolgt werden.
4. Rückversetzung
4.1. Das für die Beurteilung der neuen Tat zuständige Gericht ordnet die Rück-
versetzung in den Strafvollzug an, wenn der bedingt Entlassene während der
Probezeit ein Vergehen oder Verbrechen begeht (Art. 89 Abs. 1 StGB). Es ver-
zichtet auf die Rückversetzung nur dann, wenn zu erwarten ist, der Verurteilte
werde keine weiteren Straftaten begehen (Art. 89 Abs. 2 StGB). Für den Fall,
dass die zu widerrufende Reststrafe mit einer unbedingt zu vollziehenden neuen
Strafe zusammen fällt, ist unter Anwendung von Art. 49 StGB eine Gesamtstrafe
zu bilden (Art. 89 Abs. 6 StGB).
4.2. Der Beschuldigte befand sich seit 13. Januar 2009 wegen diverser Verurtei-
lungen im Strafvollzug, woraus er mit Verfügung des Justizvollzugs des Kantons
Zürich vom 23. März 2009 am 3. April 2009 bedingt entlassen wurde. Die Probe-
zeit für die Reststrafe von 56 Tagen wurde auf ein Jahr bzw. bis 2. April 2010
festgelegt (Urk. HD 23/5/10) und bereits am 25. August 2009 durch die Staatsan-
waltschaft Zürich-Sihl um sechs Monate verlängert (Urk. 83 S. 3). Da der Be-
schuldigte die heute zu beurteilenden Delikte noch während der laufenden Probe-
zeit beging, kommt eine Rückversetzung grundsätzlich in Frage.
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Die Anforderungen an eine günstige Prognose im Sinne von Art. 89 Abs. 1 StGB
sind zwar strenger als bei der Gewährung des bedingten Strafvollzuges eines
Ersttäters, dagegen grosszügiger als beim Wiederholungstäter nach Art. 42
Abs. 2 StGB (SCHWARZENEGGER/HUG/JOSITSCH, Strafrecht II, Strafen und Mass-
nahmen, 8. Aufl., Zürich 2007, S. 222). Gleichwohl steht vorliegend aufgrund der
deliktischen Vorgeschichte des Beschuldigten (vgl. den Strafregisterauszug vom
2. Februar 2012: 7 Verurteilungen seit 2003, in der Regel wegen Betäubungsmit-
teldelikten, teilweise unbedingt verbüsst) und der Tatsache, dass er während der
laufenden Probezeit nicht nur einmal, sondern mehrfach (mithin auch während
der für das erste Delikt neu angehobenen Untersuchung, in deren Rahmen er be-
reits im Januar und Februar 2010 mehrfach einvernommen worden war) – und
massiv – delinquiert hat, das Vorliegen einer günstigen Prognose ausser Frage.
Der Beschuldigte ist deshalb in den Strafvollzug zurückzuversetzen, und die
Reststrafe von 56 Tagen ist zu vollziehen. Der Vollzug dieser Reststrafe ist indes
gemäss Art. 89 StGB in Anwendung des Asperationsprinzips mit der neu auszu-
fällenden Strafe in einer Gesamtstrafe zusammenzufassen, was nachfolgend bei
der Strafzumessung zu berücksichtigen ist (vgl. BGE 135 IV 146).
5. Strafzumessung
5.1. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 3 1⁄2 Jah-
ren und einer Busse von Fr. 900.– als Gesamtstrafe bestraft (Urk. 80 Dispositivzif-
fer 3).
5.2. Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung liess der Beschuldigte aus-
führen, er sei mit einer Gesamtstrafe von 2 1⁄4 Jahren Freiheitsstrafe und einer
Busse von Fr. 300.– zu bestrafen. Die Vorinstanz habe seine angebliche kriminel-
le Energie viel zu hoch eingestuft und sei entsprechend von einem viel zu schwe-
ren Verschulden ausgegangen. Zudem seien die falschen Signale, welche von
den Geschädigten gesendet worden seien, strafmindernd und das Geständnis im
Betäubungsmittelbereich leicht strafmindernd zu berücksichtigen. Weiter sei eine
in leichtem Grad verminderte Schuldfähigkeit im Betäubungsmittelbereich zu be-
rücksichtigen (Prot. II S. 7 und 17).
- 18 -
5.3. Die Vorinstanz hat – unter Hinweis auf die einschlägige Rechtsprechung des
Bundesgerichts – die allgemeinen Grundsätze der Strafzumessung korrekt darge-
stellt und auf den vorliegenden Fall angewandt. Ihre Ausführungen zu den Tat-
komponenten der einzelnen Delikte und auch zu den Täterkomponenten sind um-
fassend (Urk. 80 S. 84 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Korrekterweise ging sie bei ihren
Ausführungen von der Vergewaltigung als schwerstem Delikt aus, wobei sie das
Verschulden des Beschuldigten zutreffend als nicht mehr leicht bezeichnete und
so dem konkreten Vorgehen des Beschuldigten wie auch seiner Motivlage hinrei-
chend Rechnung trug. Auch die auf zwei Jahre festgelegte (hypothetische) Ein-
satzstrafe ist nicht zu beanstanden (Urk. 80 S. 86). Die weiteren, im Verschulden
variierenden Taten führten zu einer Erhöhung der Einsatzstrafe um die Hälfte,
was ebenfalls zu keiner Kritik Anlass gibt (Urk. 80 S. 86 f.). Auf Seiten der Täter-
komponenten sind die vielen Vorstrafen des Beschuldigten (einschlägig hinsicht-
lich der bereits abgeurteilten Betäubungsmitteldelikte, nicht einschlägig, was Se-
xualdelikte angeht, vgl. Urk. 13) hervorzuheben. Stark erhöhend fällt sodann ins
Gewicht, dass der Beschuldigte nicht nur während laufender Probezeit hinsichtlich
der bedingten Entlassung aus dem Strafvollzug, sondern überdies während lau-
fender Untersuchung und auf der Flucht aus dem Strafvollzug erneut straffällig
wurde. Diesbezüglich ist sodann darauf hinzuweisen, dass hinsichtlich der Sexu-
aldelikte eine Eskalation des Vorgehens vorliegt, welchem Umstand allerdings be-
reits im Rahmen der Tatkomponenten Rechnung getragen wurde. Dass sich das
Geständnis des Beschuldigten hinsichtlich der Betäubungsmitteldelikte insgesamt
nur in sehr leichtem Masse strafmindernd auswirkt, hat die Vorinstanz richtig ge-
sehen. Insgesamt ist die Einsatzstrafe aufgrund der Täterkomponenten merklich
zu erhöhen. Vor diesem Hintergrund erscheint die ausgesprochene Freiheitsstrafe
jedenfalls als angemessen, wobei dem Beschuldigten 738 Tage, die er bis zum
heutigen Urteil in Polizeiverhaft, Untersuchungs- und Sicherheitshaft sowie im
vorzeitigen Strafvollzug erstanden hat, an die Strafe anzurechnen sind. Indessen
ist die Busse infolge des Freispruchs vom Vorwurf des geringfügigen Diebstahls
auf Fr. 300.– für die mehrfachen Übertretungen des Betäubungsmittelgesetzes zu
reduzieren. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbezahlung der Busse
ist auf 3 Tage festzulegen.
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6. Vollzug
Angesichts der Höhe der heute auszufällenden Strafe fällt ein Aufschub des Voll-
zugs der Freiheitsstrafe ausser Betracht (Art. 42 und 43 StGB). Auch die Busse
ist zu bezahlen.
7. Zivilansprüche
7.1. Nachdem der Beschuldigte – mit Ausnahme des Diebstahlvorwurfs – sämtli-
cher ihm vorgeworfenen Delikte schuldig zu sprechen ist, ist auch auf die geltend
gemachten Zivilansprüche einzutreten (Art. 126 Abs. 1 lit. a StPO).
7.2. Beide Privatklägerinnen beantragen nebst der Zusprechung von Genugtu-
ungsleistungen, dass hinsichtlich der Leistung von Schadenersatz ein Entscheid
dem Grundsatze nach zu fällen und im Übrigen vorzumerken sei, dass sich die
Privatklägerinnen die spätere Geltendmachung von Schadenersatzansprüchen
vorbehalten (Urk. 61 S. 2 und Urk. 62 S. 1). Dieses Vorgehen ist ohne Weiteres
zulässig (BSK StPO-Dolge, N 44 zu Art. 126).
7.3. Die Vorinstanz hat hierzu zusammengefasst festgehalten, beide Privatkläge-
rinnen seien durch den Beschuldigten durch die im jeweiligen Zusammenhang zu
beurteilenden Delikte in ihrer psychischen und physischen Integrität unmittelbar
und in schwerer Weise beeinträchtigt worden. Da eine Bezifferung des dadurch
entstandenen Schadens heute noch nicht möglich sei, sei der Beschuldigte ge-
genüber der Privatklägerin B._ aus dem Vorfall vom 5./6. Januar 2010 und
gegenüber der Privatklägerin C._ aus dem Vorfall vom 22. März 2010 grund-
sätzlich schadenersatzpflichtig zu erklären und es sei vorzumerken, dass die spä-
tere Geltendmachung von Schadenersatz vorbehalten bleibe (Urk. 80 S. 91 ff.).
Weiter führte die Vorinstanz mit überzeugender Begründung, auf welche verwie-
sen werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO), aus, der Beschuldigte sei zu verpflichten,
der Privatklägerin B._ eine Genugtuung von Fr. 8'000.– zuzüglich 5 % Zins
seit dem 6. Januar 2010 und der Privatklägerin C._ eine Genugtuung von
Fr. 15'000.– zuzüglich 5 % Zins seit 22. März 2010 zu bezahlen (Urk. 80 S. 93 ff.).
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7.4. Vor Vorinstanz hat sich der Beschuldigte zu den geltend gemachten Zivilfor-
derungen materiell nicht geäussert (Urk. 63 S. 29). Anlässlich der Berufungsver-
handlung führte der Verteidiger im Eventualantrag aus, die Genugtuungsansprü-
che der Geschädigten B._ seien auf Fr. 4'000.– und diejenigen der Geschä-
digten C._ auf Fr. 7'500.– festzulegen (Prot. II S. 7). Grund dafür sei das tie-
fer anzusetzende Verschulden des Beschuldigten, sofern überhaupt von einer
Tatbegehung ausgegangen werden könne (Prot. II S. 17).
Die Vorinstanz hat sich eingehend mit der Frage des Verschuldens des Beschul-
digten sowie mit den Genugtuungsansprüchen der Geschädigten B._ und
C._ auseinandergesetzt und gelangte zum Schluss, dass eine Genugtuung
in der Höhe von Fr. 8'000.– (B._) bzw. Fr. 15'000.– (C._) in Anbetracht
der Intensität der erlittenen Unbill und des Verschuldens des Beschuldigten an-
gemessen sei. Dem ist nichts anzufügen. Insbesondere ist – entgegen der An-
sicht der Verteidigung – das Verschulden des Beschuldigten heute nicht als weni-
ger schwerwiegend zu qualifizieren, als dies die Vorinstanz getan hat. Damit
bleibt es beim angefochtenen Entscheid.
8. Einziehungen
Hinsichtlich der beschlagnahmten Gegenstände ist antragsgemäss zu verfahren
(vgl. hierzu auch Urk. 81 S. 95 f.).
9. Kosten- und Entschädigungsfolgen
9.1. Da keine Einwendungen gegen die vorinstanzliche Kostenfestsetzung vor-
liegen, ist diese zu bestätigen. Ausgangsgemäss sind dem Beschuldigten die
Kosten der Untersuchung und der gerichtlichen Verfahren beider Instanzen auf-
zuerlegen. Davon ausgenommen sind die Kosten der amtlichen Verteidigung des
Beschuldigten. Diese sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die
Rückzahlungspflicht gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vorbehalten. Die Kosten
der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft sind aufgrund der schlech-
ten finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten auf die Gerichtskasse zu nehmen
(Art. 426 Abs. 4 StPO).
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9.2. Wie die Vorinstanz sodann zu Recht festgestellt hat, war der Beschuldigte
vom 20. Juli 2011 bis 4. August 2011 inhaftiert, ohne dass dies durch eine ent-
sprechende Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts angeordnet worden wä-
re. Konkret hätte, einem kurz zuvor ergangenen Bundesgerichtsentscheid ent-
sprechend, spätestens bis am 20. Juli 2011 durch das Zwangsmassnahmenge-
richt die Verlängerung der bereits mit Entscheid vom 20. April 2011, damals pra-
xisgemäss noch unbefristet angeordneten Sicherheitshaft ausgesprochen werden
müssen (vgl. BGer 1B_222/2011=BGE 137 IV 180=Pra 2012 Nr. 12; BGer
1B_386/2011).
9.2.1. Die Vorinstanz liess es als Genugtuung bei der expliziten Feststellung, dass
der Beschuldigte in der besagten Zeitperiode nicht gemäss den Bestimmungen
der Strafprozessordnung in Haft gehalten worden sei, bewenden (Urk. 80 S. 14 f.
und Dispositivziffer 13). Der Beschuldigte beantragt im Berufungsverfahren – wie
schon vor dem Bezirksgericht – ihm sei für die erlittene ungesetzliche Haft von
15 Tagen eine Genugtuung von Fr. 400.– pro Tag zuzusprechen (Urk. 81). Vor
Vorinstanz führte er als Begründung an, die Verweigerung der gesetzmässigen
Überprüfung einer Freiheitsentziehung stelle eine besonders schwerwiegende
Verletzung der Persönlichkeit dar, weshalb der übliche Ansatz für eine Genugtu-
ung bei Überhaft zu verdoppeln sei (Urk. 63 S. 32). Anlässlich der Berufungsver-
handlung führte der Verteidiger lediglich weiter aus, dass der Antrag auf Genug-
tuung für die Tage der Überhaft den üblichen Regeln entspreche (Prot. II S. 16).
9.2.2. Sind gegenüber einer beschuldigten Person rechtswidrig Zwangsmass-
nahmen angewandt worden, so spricht ihr die Strafbehörde eine angemessene
Entschädigung und Genugtuung zu (Art. 431 Abs. 1 StPO). Der Entschädigungs-
anspruch besteht unabhängig von der Auferlegung der Verfahrenskosten. Die
Höhe der auszurichtenden Entschädigung richtet sich nach den allgemeinen zivil-
rechtlichen Grundsätzen gemäss Art. 41 ff. OR. Art. 49 OR bestimmt, dass, wer in
seiner Persönlichkeit widerrechtlich verletzt wird, Anspruch auf Leistung einer
Geldsumme als Genugtuung hat, sofern die Schwere der Verletzung es rechtfer-
tigt und diese nicht anders wieder gut gemacht worden ist. Bei Vorliegen einer
ungesetzlichen Haft wird die besonders schwere Verletzung der persönlichen
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Verhältnisse vermutet. Vorliegend beruhte die Inhaftierung des Beschuldigten
während 15 Tagen nicht auf einer gesetzeskonformen Grundlage, was gegenüber
dem Tatbestand der zwar gesetzmässigen aber ungerechtfertigten Überhaft als
schwererer Eingriff in die Persönlichkeit erscheint. Darüber hinaus werden keine,
die Genugtuung erhöhende besondere Umstände geltend gemacht. Bei dieser
Sachlage erscheint die Zusprechung einer Genugtuung von pauschal Fr. 3'500.–
als angemessen, während das Begehren im Mehrbetrag abzuweisen ist.