# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** e732a525-3639-45e2-af2d-528715d348fa
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1979,
war
in den Jahren 2006 und 2007
über ein Personalvermittlungsbüro in befristeten Arbeitseinsätzen tätig (Urk. 8/20 Ziff. 2.1 und 2.7), als er
sich
erstmals
am 21. Dezember 2007 unter Hinweis auf seit einem Verkehrsunfall am 5. März 2007 bestehende somatische Beschwerden sowie psychische Probleme bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an
mel
dete
(Urk. 8/4 Ziff. 7.2-3).
Ab dem
4. August 2008 war der
Versicherte zunächst
in einem Pensum von 50 % für die
Y._
tätig (Urk. 8/38/52-53)
, später erhöhte er das Pensum auf 100 %
.
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihm mit Verfügung vom 16. Juni 2011
bei einem Invaliditätsgrad von 100 % eine vom 1. März bis 30. Juni 2008 befristete ganze Rente sowie bei einem Invaliditätsgrad von 55 % eine vom 1. Juli 2008 bis 30. April 2009 befristete halbe Rente zu (Urk. 8/60).
Im August 2013 kündigte der Versicherte seine Anstellung bei der
Y._
(vgl. Urk. 8/66/12, Urk. 8/89/36).
Unter Hinweis auf psychische Beschwerden meldete sich der Versicherte am
23. März 2015
wieder
bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (Urk. 8/62 Ziff. 6.2)
, wobei die IV-Stelle n
ach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 8/70
-71)
mit Verfügung vom
7.
Januar 2016
auf das Leistungsbegehren nicht eintrat (Urk. 8/80).
1.2
Am 7. Juli 2017 meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf eine Panikstö
rung, Angstzustände und weitere psychische Probleme erneut zum Leistungs
bezug an (Urk. 8/85)
. Nach einem Standortgespräch am 21. August 2017 (Urk. 8/91) teilte die IV-Stelle mit Schreiben vom 26. März 2018 mit, aufgrund des Gesundheitszustandes seien derzeit keine Eingliederungsmassnahmen mög
lich (Urk. 8/97).
Nach
durchgeführtem Vorbescheidverfahren
(Urk. 8/118-119, Urk. 8/126, Urk. 8/129, Urk. 8/134, Urk. 8/140-141, Urk. 8/144) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 26. Juni 2019 einen Rentenanspruch des Versicherten (Urk. 8/148 = Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am 31. Juli 2019 Beschwerde gegen die Verfügung vom 26. Juni 2019 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und die Sache sei zur materiellen Abklärung des Rentenanspruchs an die Beschwerdegegnerin zurück
zuweisen (Urk. 1 S. 2 Ziff. 1). Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 11. September 2019 die Abweisung der Beschwerde (Urk. 7). Mit Gerichts
verfügung
vom 3. Oktober 2019 wurden antragsgemäss die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung
bewilligt und dem Beschwerdeführer die Beschwerdeantwort zugestellt (Urk. 12).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Erwerbsunfähigkeit ist gemäss
Art.
7
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (
Abs.
1). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsun
fähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3 IVV eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Vorausset
zungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisions
gesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass
die Vorbringen
der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der ver
sicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des
Invaliditätsgrades auch
tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachver
halts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.
5
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V
409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1,
130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht
ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.
6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte in der angefochtenen Verfügung vom 26. Juni 2019 (Urk. 2) aus, der Beschwerdeführer sei seit dem Jahre 2007 gesundheitlich eingeschränkt. Von März bis Juni 2008 habe er eine ganze Rente erhalten, von Juli 2008 bis April 2009 eine halbe Rente. Auf die erneute Anmeldung vom 24. März 2015 sei mangels einer wesentlichen gesundheitlichen Veränderung nicht eingetreten worden (S. 1). Seit dem letzten Gesuch hätten sich die gesund
heitlichen Einschränkungen nicht verändert. Die vom Beschwerdeführer bean
tragte Begutachtung in den Fachgebieten Psychiatrie, Neuropsychologie und
I
nnere Medizin sei nicht notwendig. Es seien keine neuen medizinischen Tat
sachen vorgebracht worden, welche eine Änderung des Entscheides zur Folge hätten (S. 2).
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer geltend
(
Urk.
1)
, im Anschluss an den Unfall vom 5. März 2007, welcher für die Dauer von März 2008 bis April 2009 eine befristete Invalidenrente ausgelöst habe, hätten typische Beschwerden nach einem HWS-Trauma im Vordergrund gestanden.
Zudem hätten bereits damals psychische Probleme bestanden. Von Januar bis Mai 2008 sei er in einer Akuttagesklinik behandelt worden, auf eine zunächst geplante polydisziplinäre Begutachtung sei aufgrund der Wiedererlangung einer 100%igen Arbeitsfähigkeit im Mai 2009 jedoch verzichtet worden (S. 4 Ziff. 4). Gestützt auf die medizi
nischen Unterlagen sei davon
auszugehen, dass zum Zeitpunkt der Verfügung vom 16. Juni 2011 keine invalidisierende psychische Erkrankung vorgelegen habe. Es habe zwar bereits eine gewisse depressive Symptomatik und eine Angst
störung bestanden, eine längerdauernde Arbeitsunfähigkeit sei in diesem Zusam
menhang aber nicht attestiert worden. Im Gegenteil habe er ab Mai 2009 wieder eine 100%ige Arbeitsfähigkeit erlangt, welche er zumindest bis zum Stellenver
lust im August 2013 habe aufrechterhalten können (S. 5 Ziff. 6). Die weiteren psychiatrischen Stellungnahmen
aus den Jahren 2013 und 2015 würden noch keine wesentliche Verschlechterung in psychischer Hinsicht erkennen lassen. Anders stelle sich die Situation aufgrund der Berichte des
Z._
aus dem Jahre 2017 beziehungsweise 2018 dar. Darin werde gestützt auf die anlässlich der intensiven Behandlung gemachten Feststellungen nachvollziehbar eine invalidisierende psychische Störung diagnostiziert und beschrieben. Diese Berichte würden durch die Feststellungen der behandelnden Allgemeinärztin und der beigezogenen Neurologin untermauert, sodass zumin
dest ab Anfang 2017 von einer wesentlich verschlechterten psychischen Situation auszugehen sei. Weiter würden gesundheitliche Beschwerden im Zusammenhang mit den inneren Organen bestehen, ob diese eine invalidisierende Wirkung hätten, bleibe im Abklärungsverfahren zu beantworten (S. 5 f. Ziff. 6).
2.3
Strittig und zu prüfen ist demnach
die Frage, ob
sich seit Erlass der Verfügung vom 1
6.
Juni 2011 (
Urk.
8/60) der Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in anspruchsrelevanter Weise verändert haben und ob die Aktenlage einen entsprechenden Vergleich zulässt
.
Entgegen der beschwerde
weise vorgebrachten Argumentation (
Urk.
1 S. 3, S. 6) bildet die Frage des Ein
tretens auf die Neuanmeldung nicht Prozessthema.
3.
3.
1
In ihrem Bericht vom 22. Oktober 2007 (Urk. 8/21/37-38) nannte die Hausärztin
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, folgende Diagnosen (S. 1):
-
HWS Beschleunigungstrauma
am 5. März 2007 mit
-
posttraumatisch persistierendem
zervikozephalem
und
zervikoverteb
ralem
Schmerzsyndrom
-
posttraumatischen Angstzuständen mit erhöhter Reizbarkeit
-
DD: Angstsyndrom im Rahmen einer reaktiven Depression
Im Verlauf sei es beim Beschwerdeführer zu zunehmenden Kopf-/Nackenschmer
zen gekommen, parallel dazu habe er an einer starken Obstipation gelitten, die
Hämorrhoiden hervorgerufen habe, welche später mehrmals behandelt worden seien. Der Beschwerdeführer
klage
über Kopfschmerzen, Verspannungen der Nackenmuskeln und leide an einer auffallenden psychischen Veränderung mit Reizbarkeit, Konzentrationsmangel, starker Nervosität und Erschöpfungszustän
den. Da er zunehmend erschöpft gewesen sei und sich eine psychische Krise im Rahmen der reaktiven Depression angebahnt habe, habe sie ihn seit dem 25. Sep
tember 2007 zu 100 % krankgeschrieben. Ideal wäre eine Teilzeittätigkeit von vier Stunden pro Tag (S. 1 f.).
3.
2
In ihrem Bericht vom 27. Februar 2007 (richtig vermutlich: 2008; Urk. 8/22) diagnostizierten die Ärzte der
B._
eine post
traumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1; Ziff. 2.1) und hielten fest,
der Beschwerdeführer leide an Befürchtungen, nicht mehr arbeiten zu können. Es bestehe eine affektive Störung der Vitalgefühle, eine innere Unruhe, teilweise sei er
dysphorisch
und gereiz
t. Der Antrieb sei unauffällig.
E
s bestünden ein
hyper
arousal
, ein
wiederkehrendes Erleben des Unfalls in Träumen sowie tagsüber ein flashbackartiges Wiedererleben des Unfalls verbunden mit starken Angstgefühlen (Ziff. 4.5). Er werde medikamentös behandelt und besuche Gruppentherapien
so
wie psychotherapeutische Einzelgespräche (Ziff. 4.7). S
eit dem Eintritt in die Akuttagesklinik sei der Beschwerdeführer zu 100 % arbeitsunfähig. Auf längere Sicht sei mit einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit zu rechnen, wobei ein längerfristiges Arbeitstraining mit einer langsamen Steigerung des Arbeitspen
sums im geschützten Rahmen notwendig sei, um die Arbeitsfähigkeit zu verbes
sern und den Beschwerdeführer auf eine Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt vorzu
bereiten (Ziff. 1.2.a-b).
In einer behinderungsangepassten Tätigkeit sei ab April 2008 ein Pensum von 20 Stunden pro Woche zumutbar (Ziff. 6.2).
3.
3
Vom 7. Januar bis 8. Mai 2008 wurde der Beschwerdeführer in der Akuttages
klinik
der
B._
behandelt. In ihrem Bericht vom 9. Mai 2008 (Urk. 8/66/6-7) nannten die Ärzte folgende Diagnosen (S. 1):
-
Anpassungsstörungen, Angst und depressive Reaktion, gemischt (ICD-10
:
F43.22)
-
DD:
posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1)
Die Präsenzzeit in der Akuttagesklinik habe 60 % betragen und sei bis zum Aus
tritt beibehalten worden.
Der Beschwerdeführer
klage
über Konzentrationsstörun
gen
,
sei im formalen Denken auf den erlebten Unfall eingeengt
und habe Angst um seine Familie. Die Vitalgefühle seien gestört, der Beschwerdeführer sei unruhig, teilweise
dysphorisch
und gereizt. Der Antrieb sei unauffällig. Es bestünden ein
wiederkehrendes Wiedererleben des Unfalls in Träumen, tagsüber teilweise ein flashbackartiges Wiedererleben des Unfalls, verbunden mit starken Angstgefühlen sowie ein leichtes
Hyperarousal
. Der Beschwerdeführer
habe regelmässig mit unterschiedlichem Engagement am Gruppentherapieprogramm teilgenommen (Schwerpunkt: Angst-, Bewegungs- und Achtsamkeitsgruppe; Teilnahme am internen Arbeitstrainingsprogramm). Da der Beschwerdeführer nur rudimentär deutsch spreche, seien die Gespräche erschwert und die Anbindung an Gruppen mit differenziertem Verbalisierungsanspruch nur ansatzweise mög
lich. Die Medikation wirke sich günstig auf das Angsterleben aus (S. 2).
3
.
4
Eine
neurologische Begutachtung durch
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Neurologie, vom 1
0.
November 2008 (
Urk.
8/38/21-23) ergab die Diagnose eines Verdachts auf Kopfschmerz bei
Analgetikaübergebrauch
(S. 3).
Kreisarzt
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, hielt in seinem Be
richt vom 2
6.
Januar 200
9 (
Urk.
8/38/12-
16) fest, die Untersuchung habe keine unfallkausalen pathologischen organischen Befunde ergeben. Die
g
eklagten Restbeschwerden seien schwierig zu interpretieren, sie könnten einer
seits im Rahmen des typischen Beschwerdebildes nach Beschleunigungstrauma der HWS und andererseits auch aufgrund der psychischen Entwicklung erklärt werden (S. 5).
3.5
Gestützt auf diese Aktenlage ging die Beschwerdegegnerin davon aus, dass der Beschwerdeführer
vom
Unfalldatum am
5.
März 2007 bis Ende März 2008 in jeder Tätigkeit zu 100
%
arbeits
unfähig gewesen sei.
Von
April 2008 bis April 2009 habe eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
bestanden. Danach sei der Beschwer
deführer wieder vollständig arbeitsfähig gewesen (vgl.
Urk.
8/56/2).
4.
4.1
In seinem Abklärungsbericht vom 4. Juli 2013 (Urk. 8/66/3-5) nannte
Dr.
med.
E._
, Oberarzt,
B._
, folgende Diagnosen (S. 1):
-
Panikstörung (ICD-10 F41.0)
-
Verdacht auf rezidivierende depressive Störung, aktuell leichtgradige Epi
sode (ICD-10 F33.0)
Der Beschwerdeführer arbeite als Angestellter bei der
Y._
, die Anstellung bestehe seit dem Jahre 2009, damals habe er in einem Pensum von 100 % gearbeitet. Seit März 2013 arbeite er nicht mehr
. Es habe
lediglich ein drei Tage dauernder
Arbeitsversuch stattgefunden,
welcher
nach kurzer Zeit jedoch wegen
Konzentrationsstörungen und Angstsymptomatik aufgegeben worden sei. Aktuell sei der Beschwerdeführer krankgeschrieben, in seiner Freizeit betätige er sich jedoch weitgehend aktiv, lediglich hinsichtlich Sozialkontakten zeige er ein Rückzugsverhalten (S. 2).
Im Querschnittsbefund gebe es Hinweis
e
für eine länger bestehende Affektstörung, aktuell am ehesten eine bestehende Panikstörung. Es bestünden jedoch keine Hinweise für eine posttraumatische Belastungsstörung oder eine ausgeprägte Persönlichkeitsstörung. Angesichts der Anamnese gebe es Hinweise für eine rezidivierende depressive Störung
, aktuell sei der Ausprägungs
grad leichtgradig. Problematisch erscheine das Vermeidungsverhalten bezüglich der Arbeitssituation. So rechne der Beschwerdeführer zum gegenwärtigen Zeit
punkt auch erst mit einer Wiederaufnahme der Arbeitstätigkeit nach seinen Ferien im August. Hier stelle sich auch eine motivationale Problematik dar. Positiv sei der bestehende Kontakt zum Vorgesetzten, der bezüglich des Wiedereinstiegs auch Hand biete. Er halte einen möglichst raschen Wiedereinstieg beispielsweise zu 50 % mit einem Tagespensum von vier bis acht Stunden, möglicherweise bei verlängerten Pausen, für sinnvoll. Die medikamentöse Behandlung der Angst
symptomatik sei bei diesem Patienten schwierig. Falls sich die Symptomatik nicht nachhaltig bessere, empfehle er einen Wechsel des Präparates (S. 3).
4.2
Nach einem ambulanten Assessment am 17. März 2015 führten die Ärzte der
F._
in ihrem Bericht vom 25. März 2015 (Urk. 8/66/10-19) aus,
beim Beschwerdeführer sei seit Jahren eine Angststörung und Depression bekannt, er sei in regelmässiger
p
sychotherapeutischer Behandlung, die ihm
gut tue
und helfe. Seit
ein
em Treppensturz am 15. Oktober 2014 habe er vermehrt Albträume, die sich im Verlauf
regredient
zeigten (S. 3). Für aktive und passive Therapiemassnahmen habe ein mässiger Zugang gefunden werden können, der Beschwerdeführer zeige eine mässige Leistungsbereitschaft. Bis auf die Hand
kraftmessung habe die minimale Performance erreicht werden können. Es werde eine medizinische Trainingstherapie dreimal wöchentlich empfohlen. Ergänzend zur körperbezogenen Behandlung werde die Fortführung der psychologisch-psychiatrischen Mitbehandlung als sinnvoll erachtet. Bezüglich Medikation werde die Reduktion der Schmerzmedikation empfohlen, vor allem bei fraglicher Schmerzlinderung. Unter obiger Therapieempfehlung und im Hinblick auf den bisherigen Verlauf und die aktuellen Resultate spreche rein unfallkausal nichts gegen die Attestierung einer Arbeitsfähigkeit. Es sei von einer
guten Prognose auszugehen, wobei die weitere Entwicklung auch
von
der psychischen Situation abhängen werde (S. 4).
4.3
Dr.
A._
nannte in ihrem Bericht vom 20. April 2015 folgende Diagnosen (
Urk. 8/66/1-2
S. 1):
-
Verdacht auf psychische Störung, DD: posttraumatische Belastungsstö
rung, Angst- und Panikstörung, psychotische Zustände
-
HWS Distorsion und BWS Kontusion nach Sturz von der Treppe
-
c
hronische Kopfschmerzen und Nackenschmerzen bei Status nach Auf
fahrkollision 2007 mit Lastwagen und posttraumatischer Belastungsstö
rung mit Angstzuständen
-
Hämorrhoidalerkrankung, Status nach
Botoxinjektionen
, chronische Analfissuren
Seit mehreren Jahren versuche der Beschwerdeführer im Arbeitsprozess Fuss zu fassen, was trotz regelmässiger psychotherapeutischer Unterstützung nicht gelinge. Die psychische Störung habe bisher nicht definiert werden können (S. 1). Aufgrund der bisherigen Abklärungen liege aus hausärztlicher Sicht eine psychi
sche Erkrankung vor, die am ehesten in die Sparte affektive Störungen passe. Die Arbeitsunfähigkeit liege aus hausärztlicher Sicht bei 50 %, die restlichen 50 % sollten unter geschützten Verhältnissen durchgeführt werden. Davon erhoffe sie sich eine geeignete Begleitung des Beschwerdeführers und weniger Leistungs
druck (S. 2).
4.4
Kreisarzt
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Phy
s
ikalische Medizin und Rehabilitation,
diagnostizierte nach einer Untersuchung vom 12. Mai 2015 in seinem gleichentags erstellten Bericht (Urk. 8/89/84-89) ein mit den Unfallfolgen nicht erklärbares Beschwerdebild mit
Zephalgien
,
Zervikalgien
,
Thorakalgien
und Lumbalgien sowie eine unfallfremde vorbestehende Depression (S. 4). Nach dem Sturz vom 15. Oktober 2015 habe eine intensive und teilweise wiederholte radiologische Diagnostik keinerlei unfallbedingte strukturelle Läsionen erbracht. Initial seien keine äusseren Verletzungen wie Kontusionsmarken, Hämatome und Abschürfungen beschrieben worden. Es sei davon auszugehen, dass sämtliche Prellungsfolgen vollständig und ohne Residuen ausgeheilt seien. Das gezeigte Beschwerdebild mit Inkonsistenzen und erheblicher Symptomausweitung könne nicht Unfallfolgen zugeordnet werden, da es damals keinerlei strukturelle Verlet
zungen gegeben habe, die ein solches Beschwerdebild erklären würden. Das angegebene Beschwerdebild korreliere auch nicht
mit
einer typischen orthopä
dischen Diagnose und sei von einer ausgeprägten Symptomausweitung gekenn
zeichnet. Möglicherweise sei die Ursache auf psychischer
Ebene zu suchen
. Da alle bisherigen Behandlungen keinerlei Verbesserungen erbracht hätten und auch das aktuelle Fitnesstraining vom Beschwerdeführer als erheblich belastend und schmerzverstärkend
beschrieben
werde, sehe er keinen Sinn in irgendwelchen weiteren Behandlungen. Auch die analgetische Medikation sei zu überdenken (S. 5).
4.5
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Neurologie, nannte in seinem Bericht vom 2
4.
August 2015 folgende Diagnosen (Urk. 8/77 S. 1):
-
multimodales
chronifiziertes
zervikales/
zervikozephales
und Kopf
schmerzsyndrom linksbetont
-
erstmalig nach einem Unfall mit HWS-Distorsionstrauma am 7. März 2007 aufgetreten, im Verlauf persistierend, nach einem zweiten Unfall am 15. Oktober 2014
exacerbiert
, therapie
re
fraktär
-
mit
zerviko
-vertebralen und überwiegenden
zerviko-myofaszialen
, Spannungstyp-artigen und
migräniformen
Elementen, Komponente eine
s
Medikamenten-induzierten Kopfschmerzes bei chroni
schem/täglichem Schmerzmittelkonsum
-
funktionell-somatoforme Überlagerung bei posttraumatischer Belas
tungsstörung und depressivem Syndrom
Phänomenologisch bestünden sowohl
zervikovertebrale
als auch (klinisch überwiegende)
zerviko-myofasziale
links betonte Elemente, im Kopfbereich überwiegende Spannungstyp-artige Kopfschmerzen mit häufig wiederkehrenden, intensiven
migräniformen
Elementen. Das Vorliegen einer
konkomitierenden
strukturell-
kompressiven
zerebralen oder zervikalen Affektion anderer Zuord
nung sei klinisch überprüft worden, ohne jegliche Anhaltspunkte in diese Richtung. Dazu bestehe eine erhebliche funktionell-somatoforme Überlagerung bei bereits bekannter Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung mit damit assoziiertem depressivem Syndrom (S. 2 f.). Die therapeutische Situation sei in hohem Mass erschwert
. Die allgemeinen Körperfunktionen und die Leistungsfähigkeit im Alltag seien durch ein strukturiertes, dem Beschwerdebild angepasstes Training graduell zu steigern. Es sei eine erneute schmerzlindernde und lockernde Physiotherapie aufzunehmen. Er habe dem Beschwerdeführer nahegelegt, den Schmerzmittelkonsum zu reduzieren und allenfalls zu sistieren. Die Fortsetzung einer strukturierten psychiatrischen Betreuung sei als relevante Begleitmassnahme zu befürworten. Al
s
«ultimo
ratio
» sei eine Beurteilung und Betreuung in einer interdisziplinären Sprechstunde denkbar (S. 3).
4.6
In ihrem Bericht vom 1. Dezember 2015 nannte Dr.
A._
folgende Diag
nosen (Urk. 8/78 S. 1):
-
Angst/Paniksyndrom mit Hyperventilation
-
posttraumatische Belastungsstörung mit depressiver Entwicklung
-
multimodales
chronifiziertes
zervikales/
zervikozephales
Schmerzsyndrom bei Status nach HWS Distorsionstrauma am 7. März 2007 mit Exazerba
tion nach einem Treppensturz im Oktober 2014 und chronischem Kopf
schmerz
-
DD: Spannungskopfschmerzen, Migräne sowie Schmerzmittelabusus
Derzeit liege eine Aggravation der psychischen Erkrankung vor, es zeichne sich eine vermehrte Angstkomponente ab, die dazu führe, dass der Beschwerdeführer auf soziale Kontakte verzichte. Er gerate häufiger in eine Hyperventilation, hinzu kämen auch depressive Symptome mit deutlicher Antriebsarmut (S. 1). Der Beschwerdeführer sei derzeit in intensiver psychiatrischer Behandlung, wobei derzeit die Medikation angepasst werde. Aus hausärztlicher Sicht bestehe eine 100%ige Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit (S. 2).
4.7
Gestützt auf diese Aktenlage verneinte die Beschwerdegegnerin eine Verschlech
terung und trat mit Verfügung vom
7.
Januar 2016 (
Urk.
8/80) auf das neue Leistungsgesuch nicht ein.
5.
5
.
1
Der Wiederanmeldung vom
7.
Juli 2017 (
Urk.
8/85) lagen folgende Berichte zugrunde:
In ihrem Bericht vom 1. Februar 2017 (Urk. 8/95) nannten die Ärzte des
Z._
folgende Diagnosen (S. 1):
-
r
ezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
Panikstörung (ICD-10 F41.0)
-
Status nach Unfall am 5. März 2007 mit/bei Status nach HWS-Distorsion QTF II
-
Status nach Unfall am 15. Oktober 2014 mit/bei
Contusio
HWS
und
BWS
sowie ventrale
Spondylophyten
C4 und C6
Der Beschwerdeführer klage seit dem Unfall im Jahre 2007 über HWS-Schmerzen, in der Folge seien Depressionen und deutliche Ängste aufgetreten. Trotz zwei tagesklinischen Behandlungen sei es bisher leider zu keinen Veränderungen gekommen. Eine stationäre Behandlung sei nicht indiziert. Die Prognose sei schlecht. Der Beschwerdeführer könne sich nicht konzentrieren, sei vollständig verunsichert
und sehe keine Möglichkeit, an einem gerichteten Arbeitsprozess teilzunehmen. Er habe kein Durchhaltevermögen und sei nicht belastbar (S. 2).
5.2
In ihrem Bericht vom 22. Juni 2017 nannten d
ie Ärzte des
I._
folgende Diagnosen
(Urk. 8/84
S. 1
)
:
-
Status nach Unfall am 5. März 2007 (seitlicher Zusammenstoss mit LKW, Kopfanprall links, hausärztliche Versorgung, keine Frakturen) mit/bei
-
Status nach HWS-Distorsion
-
zervikozephales
und
zervikovertebrales
Schmerzsyndrom
-
posttraumatische Angstzustände mit erhöhter Reizbarkeit
-
Status nach Unfall 2008 (Treppensturz) mit/bei
-
LWS Kontusion
-
Status nach Unfall 15. Oktober 2014 (Treppensturz) mit/bei
-
Contusio
HWS
und
BWS
-
Hämorrhoidalerkrankung, Status nach
Botoxinjektionen
-
chronische Analfissuren
-
chronischer Kopfschmerz, DD: Spannungskopfschmerzen, Migräne
-
posttraumatische Belastungsstörung
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode
-
Panikstörung
A
us schmerztherapeutischer Sicht sei der Beschwerdeführer aufgrund der
chroni
fizierten
Schmerzen, die bei körperlicher Belastung (Stehen/Gehen/Heben) zuneh
men würden, für die bisherige Tätigkeit als Briefträger zu 50 % arbeitsunfähig. Eine dem Leiden angepasste leichte Tätigkeit, mit Wechselbelastung ohne langes Stehen/Gehen und unter Vermeidung von monoformen Belastungsmustern und ohne schweres Heben sei möglich, nach schmerztherapeutischen Kriterien alleine aber nicht quantifizierbar. Aus rheumatologischer Sicht sei der Beschwerdeführer vollständig arbeitsfähig
. Aus rein orthopädisch chirurgischer Sicht könne bei nicht nachweisbaren morphologischen Veränderungen keine anhaltende Arbeits
unfähigkeit attestiert werden. Die nachweisbaren Unfallfolgen seien zwar als muskulärer Hartspann objektivierbar und ein Grund zur Teilentlastung. Ob dies als Briefträger möglich sei, müsse in einer Berufsberatung geklärt werden. Aus psychiatrischer Sicht sei der Beschwerdeführer aufgrund der Stärke der posttrau
matischen Belastungssymptome und der rezidivierenden Panikattacken derzeitig zu 100 % arbeitsunfähig. Der bisherige Arbeitsversuch im Jahre 2014 habe eindeutig gezeigt, dass der
Beschwerdeführer derzeit aus psychischen Gründen keiner Arbeit nachgehen könne (S. 6). Sowohl als Briefträger als auch für ange
passte Tätigkeiten sei der Beschwerdeführer vollständig arbeitsunfähig, es könne ihm aktuell keine Arbeitstätigkeit zugemutet werden. Seit dem Jahre 2013 sei es zu keiner Verbesserung des körperlichen und psychischen Zustandsbildes gekom
men und es bestünden posttraumatische Belastungssymptome und rezidivierende Panikattacken. Ein Rehabilitationspotenzial sei deshalb nicht ersichtlich (S.
7).
5.3
Bei bekannten Diagnosen führten die Ärzte des
Z._
in ihrem Bericht vom 12. Juli 2017 (Urk. 8/83
Ziff. 6
) aus,
diese Störungen hätten Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Subjektiv sei der Beschwerdeführer auch in angepasster Tätigkeit vollständig arbeitsunfähig. Aus objektiver Sicht sei er aufgrund der neuropsychologisch bestätigten Depression und der restlichen Diagnosen, des positiven und negativen Leistungsbildes sowie der Fremdanamnese auch für angepasste Tätigkeiten
vollständig arbeitsunfähig. Insgesamt habe sich der Zustand seit Januar 2016 weiter und deutlich verschlechtert, der Zustand sei nicht mehr vergleichbar mit der Situation im Januar 2016
(S. 5 Ziff. 7).
5.4
Nach einer
Abdomensonographie
hielt
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Radiologie, in seinem Bericht vom 15. September 2017 fest, es liege eine leichte
Hepatomegalie
mit grenzwertiger Milzgrösse sowie ein Verdacht auf
eine
nutri
tiv-toxische Lebersteatose vor (Urk. 8/108/15).
5.5
In ihrem Bericht vom 20. Oktober 2017 nannte
eine
Ärztin des
K._
folgende Diagnosen (Urk. 8/109/18-19 S. 1):
-
anale Schmerzen, DD: am ehesten im Rahmen von Diagnose 2
-
Depression und Angststörung, Verdacht auf posttraumatische Belastungs
störung
Anamnestisch würden die analen Schmerzen nicht im Vordergrund stehen, sondern die aus Sicht
des Beschwerdeführers
aktuell zugenommene psychosoziale Belastung (Jobverlust, Ressourcenverminderung etc
.
; S. 2).
5.6
Am 28. März 2018 wurde der Beschwerdeführer wegen starken, krampfartigen Schmerzen im Mittelbauch
mit Ausstrahlung in den rechten und linken Ober
bauch und Rücken
auf die chirurgische Notfallstation des
K._
überwiesen. In ihrem Bericht vom 6. April 2018 interpretierten die Ärzte nach klinischer, radio
logischer und laborchemischer Kontrolle
die Beschwerden im Rahmen einer Gastritis. Für Mitte April sei eine Gastroskopie vorgesehen (Urk. 8/108/16-17 S. 2).
5.7
Dr.
A._
nannte in ihrem Bericht vom 21. April 2018 bei ansonsten unveränderten Diagnosen zusätzlich eine Vergesslichkeit mit sozialer Auswir
kung (Urk. 8/107 S. 1) und führte aus, im vergangenen Jahr sei es zu einem Brand in der neuen Wohnung der Familie gekommen, für den der Beschwerdeführer verantwortlich gewesen sei.
Einen neuen Arbeitsplatz habe er nach kurzer Zeit wieder verloren (S. 2).
5.8
Am 19. Juli 2018 wurde der Beschwerdeführer im
L._
untersucht. In ihrem Bericht vom 26. Juli 2018
(Urk. 8/108/10-14)
hielt
Dr.
med. M._
, Fachärztin für Neurologie, fest, beim allseits orientierten, ernsten und belastet wirkenden, auf seine multiplen Beschwerden und seine schlechte Befindlichkeit fixierten Beschwerdeführer mit normalem Antrieb sowie guter kognitiver und psychomotorischer Geschwindig
keit zeigten sich leichte
verbalmnestische
Einschränkungen sowie eine Beein
trächtigung der frontal-exekutiven und
attentionalen
Funktionen. Die sonstigen kognitiven Funktionen seien erfreulicherweise unauffällig. Die Befunde würden sich einer leichten bis zum Teil mittelschweren Funktionsstörung vor allem
fronto
-limbischer Regelkreise zuordnen und prinzipiell gut im Rahmen der affektpathologischen Störung (assoziiert an die komplexe psychiatrische Symp
tomatik) erklären. Das kognitive Ausfallsmuster sei nicht typisch für das Vorlie
gen einer progredienten neurodegenerativen Erkrankung. Die subjektiven mnestischen Einschränkungen seien am ehesten durch Stressfaktoren sowie die Beeinträchtigung der Aufmerksamkeitsfunktion bedingt. Die kognitive Leistungs
fähigkeit sei glaubhaft eingeschränkt und seine Vermittelbarkeit aufgrund der neuropsychiatrischen Symptomatik auf dem ersten Arbeitsmarkt aktuell sicher eingeschränkt. Bei vordergründiger affektpathologischer Störung müsse jedoch hinsichtlich Arbeitsfähigkeit primär aus fachpsychiatrischer Sicht Stellung genommen werden (S. 3; vgl. auch Bericht hierzu von med.
pract
.
N._
vom 13. August 2018, Urk. 8/109/7-9).
5.9
Bei im Übrigen unveränderten Diagnosen nannte
med.
pract
.
N._
in ihrem Bericht vom 14. August 2018 (Urk. 8/108/1-6) eine chronische Depression sowie eine leichte beziehungsweise mittelschwere Funktionsstörung der
fronto
-limbischen Regelkreise (Ziff. 2.5). Eine Prognose zur Arbeitsfähigkeit könne sie nicht stellen, da der Beschwerdeführer psychiatrisch beeinträchtigt sei und die kognitiven Störungen als Folge dessen zu wer
t
en seien (Ziff. 2.7).
Eine MRI-Untersuchung des Schädels am 5. Juni 2018 hatte einen unauffälligen Befund ergeben (vgl. Urk. 8/108/7).
5.10
Die Hausärztin
Dr.
A._
nannte in ihrem Bericht vom 26. September 2018 (Urk. 8/109/1-2) folgende Diagnosen (S. 1):
-
Vergesslichkeit und Aufmerksamkeitsstörung mit weitreichenden sozialen Folgen mit neurophysiologisch nachweisbaren, zum Teil mittelschweren
frontolimbischen
Funktionsstörungen des Gehirns
-
Panikstörung
-
c
hronischer C2-Abusus, aktuell mit Transaminasenerhöhungen und deut
licher
Hyperferritinämie
und
Hyperbilirubinämie
-
s
chmerzhafte komplizierte Analerkrankung mit
Anismus
, chronischen Analfissuren und Hämorrhoidalerkrankung, DD: im Rahmen einer chronischen Obstipation bis C2-Abusus
-
p
osttraumatische Belastungsstörung mit
den
Alltag
beeinträchtigenden Schlafstörungen infolge von Albträumen und Stören des Tagesablaufs und der Konzentration durch Flashbacks
-
Entwicklung einer Schmerzverarbeitungsstörung
-
Status nach Autounfall mit einem grossen LKW mit Verletzung der Fami
lie am 5. März 2007 mit chronischer reaktiver Depression
Seit dem letzten Jahr habe sich die Situation beim Beschwerdeführer zugespitzt. Seit dem Jahre 2013 seien zunehmend Vergesslichkeit und Konzentrationsstö
rungen vorhanden. Neu finde sich klinisch eine deutliche Lebervergrösserung mit chronisch erhöhten Transaminasen und neu einer
Hyperferritinämie
und
Hyper
bilirubinämie
. Es sei dem Beschwerdeführer bisher sehr schwer gefallen, über einen regelmässigen Alkoholkonsum zu sprechen, aber in den letzten Sprechstun
den habe sich doch das Bild eines möglichen C2-Abusus gezeigt
. Insgesamt bestehe eine Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit von 100 %. Die Ursache der Leber
problematik werde weiter abgeklärt, eventuell werde eine Leberbiopsie nötig (S. 2).
5.11
Dr.
med. O._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte im Auftrag des Strassenverkehrsamtes des Kantons Zürich eine Fahreignungsunter
suchung durch, über welche er am 8. April 2019 Bericht erstattete (Urk. 8/146).
Gemäss den Angaben des Beschwerdeführers seien die medizinischen Hauptprob
leme die andauernde Müdigkeit, gelegentlicher Schwindel, ein Hämorrhoidal
leiden sowie eine allgemeine Vergesslichkeit. Diese Beschwerde würden allerdings beim Autofahren keine Rolle spielen (S. 1). Die etwas unübliche Konstellation von normalem TMT B und pathologischem TMT A spreche trotz den Übungsbeispielen für einen Übungseffekt und es sei nicht von einer verkehrs-relevanten kognitiven Störung auszugehen. Die massive Diskrepanz zu den Befunden im Sommer 2018 erschein
e
ihm multifaktoriell.
Es könne tatsächlich eine Reduktion der Benzo
diazepine eine Rolle spielen, eine Verbesserung der psychischen Krankheit oder dann doch ein differenzierender Grad der Kollaboration. Die Leberwerterhöhung sei seit dem Jahre 2013 stabil. Ein relevantes Alkoholproblem könne zwar nicht ausgeschlossen werden, es würden sich aber insbesondere in den Laborunter
suchungen keine relevanten Hinweise dafür finden (S. 2). Die Fahreignung für alle Ausweiskategorien der ersten medizinischen Gruppe sei weiterhin gegeben (S. 3).
5.12
Die übrigen bei den Akten liegenden Arztberichte (
Urk. 8/21/42,
Urk. 8/21/68, Urk. 8/32/31-34, Urk. 8/38/12-16, Urk. 8/38/21-23,
Urk. 8/38/46,
Urk. 8/66/8,
Urk. 8/89/23-24, Urk. 89/28, Urk. 8/108/28, Urk. 8/112/11-16) enthalten keine für die Beurteilung der vorliegend strittigen Fragen relevanten Angaben und insbesondere keine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit, so dass auf deren detaillierte Wiedergabe verzichtet werden kann.
6
.
6
.1
Die Berichte zum psychischen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers vermögen, wie nachfolgend zu zeigen ist, keine
anspruchsrelevante
Verschlech
terung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zu belegen. So gingen die Ärzte des
Z._
von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers aus und führten diese auf die Stärke von posttraumatischen Belastungssympto
men und rezidivierende Panikattacken zurück (vgl. vorstehend E. 5.2). Die Diag
nose einer posttraumatischen Belastungsstörung
(PTBS)
ist jedoch, auch wenn sie in früheren Berichten immer wieder genannt wurde (vgl. vorstehend E. 3.2 ff.), in keiner Weise nachvollziehbar, wurde sie doch einzig auf den Verkehrsunfall vom
5.
März 2007 zurückgeführt.
Dies ist nicht glaubhaft, denn e
ine
posttraumatische Belastungsstörung entsteht als verzögerte oder protrahierte Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation
aussergewöhnlicher
Bedrohung oder katastrophenartigen
Ausmasses
(kurz oder
lang anhaltend
), die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde. Hierzu gehören eine durch Naturer
eignisse oder von Menschen verursachte Katastrophe, eine Kampfhandlung, ein schwerer Unfall oder Zeuge des gewaltsamen Todes anderer oder selbst Opfer von Folterung, Terrorismus, Vergewaltigung o
der anderen Verbrechen zu sein
(
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.],
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen; ICD-10 Kapitel V (F) Klinisch-diagnostische Leitlinien, 10. Aufl. 2015, S. 207 f.).
Der erlittene Verkehrsunfall lässt sich kaum mit den genannten traumatischen
Ereignissen vergleichen. Weiter wurde seitens des
Z._
die Symp
tome einer Panikstörung soweit ersichtlich einzig aus anamnestischen Schilde
rungen hergeleitet,
was nicht zu überzeugen vermag.
Diese Überlegungen gelten auch für die Berichte von Hausärztin
Dr.
A._
, die mit ihrer Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aus psychi
atrischer Sicht ihr Fachgebiet der Allgemeinen
Inneren Medizin ohnehin verliess
.
Hier
ist der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass nicht nur allgemein
praktizierende Hausärzte, sondern auch behandelnde Spezialärzte im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (vgl.
BGE 125 V 353
E
. 3b/cc mit Hinweisen).
Es ist zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer 2008 trotz vergleichbaren Sympto
men und ärztlicherseits angenommener eingeschränkter Arbeitsfähigkeit (vgl. vorstehend E. 3.2-3.3) aus eigenem Antrieb fähig war, eine Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt anzunehmen, die er auf 100
%
zu steigern vermochte
(vgl. Urk. 8/38/52-53, Urk. 8/66/4, Urk. 8/66/12, Urk. 8/89/36), wobei gemäss den Angaben im IK-Auszug (Urk. 8/87) davon auszugehen ist, dass er im Laufe des Jahres 2010 das Pensum auf 100 % erhöht und damit während rund drei Jahren in einer Vollzeitanstellung gearbeitet hat.
Dies weist auf eine erhebliche psycho
soziale Beteiligung des Beschwerdebildes hin
, was der Beschwerdeführer selbst bestätigte (vgl. vorstehend E.
5.5)
.
6.2
I
n somatischer Hinsicht
wurde sodann im Juli 2018 eine neuropsychologische Untersuchung durchgeführt, welche eine leichte bis teilweise mittelschwere Funk
tionsstörung vor allem
fronto
-limbischer Regelkreise ergab. Die untersuchende Neurologin
Dr.
M._
hielt sowohl die Leistungsfähigkeit als auch die Vermit
telbarkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt für sicher eingeschränkt
, verwies f
ür die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit jedoch auf die psychiatrische Beurteilung
(E.
5.8
).
Dazu kann auf das oben Gesagte (E. 6.1) verwiesen werden.
Den Feststel
lungen von
Dr.
M._
widerspricht
jedoch
der Bericht von Dr.
O._
, welcher im April 2019 eine Fahreignungsuntersuchung durchgeführt hatte. Gemäss den eigenen Angaben des Beschwerdeführers anlässlich dieser Unter
suchung spielten die bestehenden Beschwerden wie andauernde Müdigkeit, gelegentlicher Schwindel, ein Hämorrhoidalleiden sowie die allgemeine Vergess
lichkeit beim Autofahren keine Rolle.
Dr.
O._
stellte sodann keine verkehrs-relevante kognitive Störung fest und wies auf eine massive Diskrepanz zu den Befunden im Sommer 2018, für welche er
keine sichere Erklärung fand
und einen differenzierenden Grad der Kollaboration für möglich hielt
(E.
5.11
).
6.3
Was sodann die
vom Beschwerdeführer geltend gemachten
weiteren
somatischen Beschwerden betrifft,
fanden in den Jahren 2017 sowie 2018 Abklärungen betreffend Magen, Leber und Milz statt
.
Die Berichte vom 15. September 2017 (E.
5.4
) sowie 6. April 2018 (E.
5.6
) enthalten keine Hinweise auf Erkrankungen, welche sich auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auswirken.
Eine bild
gebende Untersuchung des Schädels ergab einen unauffälligen Befund (vorste
hend E.
5.9), und dem Hämorrhoidalleiden mass der Beschwerdeführer selbst
geringe
Bedeutung zu (vgl. vorstehend E. 5.5, 5.11).
6.
4
Das Vorliegen eines die Arbeitsfähigkeit längerdauernden einschränkenden Gesundheitsschadens kann nach dem Gesagten
mit überwiegender Wahrschein
lichkeit
ausgeschlossen werden und der medizinische Sachverhalt erweist sich insgesamt als genügend abgeklärt.
Eine anspruchsrelevante Änderung zur Situa
tion im Jahr 2011 (vorstehend E. 2.3) und ein
Revisionsgrund
sind
somit
zu verneinen. Die Prüfung der Standardindikatoren
(
BGE 143 V 418
)
erübrigt sich, da eine geänderte Rechtsprechung für sich allein keinen Revisionsgrund bildet
(
BGE
141 V 585
E. 5.3
).
Der angefochtene Entscheid ist rechtens.
Dies führt zur
Abweisung
der Beschwerde.
7
.
7
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
8
00.-- anzusetzen.
Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie dem
un
terliegenden Beschwerdeführer
aufzuerlegen, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
7
.2
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikos
ten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemes
sen (§ 34 Abs. 3 GSVGer).
Für das Beschwerdeverfahren wurde das Gesuch des Beschwerdeführers um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsvertretung mit Verfügung vom 3. Oktober
2019
gutgeheissen
(Urk. 12). Mit Honorarnote vom
14. November 2019
machte Rechtsanwalt Daniel
Christe
, Winterthur, Aufwendungen von insgesamt
7.7
Stunden sowie Auslagen von Fr.
109.70
geltend (Urk.
14
), was angemessen erscheint. Unter Berücksichtigung eines Stundenansatzes von
Fr.
220.-- (zuzüg
lich Mehrwertsteuer) ist
Rechtsanwalt Daniel
Christe
, Winterthur, mit
Fr.
1‘942.60
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) aus der Gerichtskasse zu entschädigen
.
Der Beschwerdeführer
ist auf § 16 Abs. 4 GSVGer hinzuweisen, wonach
er
zur Nachzahlung der Auslagen für die Vertretung verpflichtet werden kann, sofern
er
dazu in der Lage ist.