# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 0ec0f772-3d6a-4d31-b06c-11f450971d3a
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1964, meldete sich am 29. Oktober 1997
unter Hinweis auf eine Diskushernie
erstmals bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 13/5). Die IV-Stelle des Kantons Thurgau sprach ihm mit Verfügung vom 21. Dezember 1999 bei einem Invaliditätsgrad von 100 % eine ganze Rente ab 1. Dezember 1998 zu (Urk. 13/72; Verfügungsteil 2 vgl. Urk. 13/69).
Mit Verfügung vom 11. Januar 2001
setzte die mittlerweile zuständige Sozial
vers
i
cherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, bei einem Invaliditätsgrad von 65 % die bisherige ganze auf eine halbe Rente herab (Urk. 13/101).
Das Revisionsgesuch des Versicherten vom 25. April 2002 (Urk. 13/130)
wies die IV-Stelle mit Verfügung vom 14. Januar 2003 (Urk. 13/165) und das Revisions
gesuch vom Februar 2003 (Urk. 13/1
6
7) mit Verfügung vom 24. Juni 2003 (Urk. 13/186) ab.
Nach dem erneuten Revisionsgesuch des Versicherten vom 18. August 2003 (Urk. 13/191) holte die I
V-Stelle unter anderem beim Zentrum Y._
ein polydisziplinäres Gutachten ein, welches am 12. Juli 2004 erstattet wurde (Urk. 13/215; Teilgutachten vgl. Urk. 13/213-214). Mit Verfügung
vom 11. Oktober 2004 hob die IV-Stelle die Verfügung vom 2
4
. Juni 2003 wie
der
erwägungsweise auf und hob die Rente bei eine Invaliditätsgrad von 24 %
per
Ende November 2004 auf (Urk. 7/223).
Am 26. April 2005 meldete sich der Versicherte erneut bei der IV-Stelle zum
Leistungsbezug an (Urk. 13/226), worauf die IV-Stelle mit Verfügung vom 8. Dezem
ber 2005 einen Rentenanspruch bei einem Invaliditätsgrad von 20 % verneinte (Urk. 13/243).
Am 8. Februar 2011 erteilte die IV-Stelle Kostengutsprache für zwei Hörgeräte (Urk. 13/253)
.
Nach erneuter Anmeldung vom 28. Oktober 2015 (Urk. 13/256)
teilte die IV-Stelle dem Versicherten am 21. März 2016 mit, dieser sei rentenausschliessend einge
gliedert, nachdem er wieder im angestammten 100%-Pensum für den bisherigen Arbeitgeber tätig sei (Urk. 13/268).
Am 10. Januar 2018 sprach die IV-Stelle
dem Versicherten eine
binaurale
Hörge
räte
pauschale (Urk. 13/278) und am 1. Februar 2019 die Mehrkosten der Hörge
räteversorgung gut (Urk. 13/297).
1.2
Am 7. November 2019 meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf einen Herz
infarkt und einen Bandscheibenvorfall erneut bei der IV-Stelle zum Leistungs
bezug an (Urk. 13/300). Nach einem Telefongespräch vom 28. November 2019 mit dem Versicherten (Urk. 13/305) teilte die IV-Stelle diesem gleichentags mit, es seien aufgrund seines Gesundheitszustands zurzeit keine Eingliederungs
mass
nahmen möglich (Urk. 13/306). In der Folge klärte die IV-Stelle die medizinische und erwerbliche Situation ab, zog die Akten der Krankentaggeldversicherung bei (Urk. 13/307)
und holte bei der MEDAS
Z._
GmbH ein
bidis
zi
plinäres
rheumatologisch-kardiologisch
es Gutachten ein, welches am 15. März 2021 erstattet wurde (Urk. 13/333).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
13/338; Urk. 13/346
)
lehnte
die IV-Stelle
das Leistungsbegehren
mit Verfügung vom
9. Juli
2021
ab (Urk.
13/352
= Urk. 2).
Am 17. August 2021 ersuchte der Versicherte die IV-Stelle um nochmalige Prüfung von beruflichen Massnahmen (Urk. 13/357
= Urk. 3/3
), worauf diese am 20. August 2021 (Urk. 13/359) erklärte, an der Verfügung vom 9. Juli 2021 festzuhalten.
2.
Der Versicherte erhob am
9. September 2021
Beschwerde gegen die Verfügung vom
9. Juli 2021
(Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
en ihm berufliche Massnahmen zuzusprechen, eventuell sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
(Urk. 1 S. 2).
Am 4. November 2021 (Urk. 9) reichte de
r
Beschwerdeführer
aufforderungs
ge
mäss (vgl. Urk. 5)
das
ausgefüllte
Formular zur Abklärung der prozessualen Be
dürftigkeit
samt Unterlagen
ein (Urk. 10
; Urk. 11/1-14
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
8. November 2021
(Urk.
12
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am
9. Novem
ber 2021 mit dem Hinweis
zur Kenntnis gebracht
, dass über den Antrag auf unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werde
(Urk.
14
).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Abs. 1
bis
).
Drohende Invalidität liegt gemäss Art. 1
novies
der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV)
vor, wenn der Eintritt einer Erwerbsunfähigkeit überwiegend wahrscheinlich ist. Der Zeitpunkt des Eintritts der Erwerbsunfähigkeit ist uner
heblich.
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Ein
gliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige be
ruf
liche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
Eine Eingliederungsmassnahme hat neben den in Art. 8 Abs. 1 ATSG aus
drück
lich genannten Erfordernissen der Geeignetheit und Notwendigkeit auch demjeni
gen der Angemessenheit (Verhält
nis
mässigkeit im engeren Sinne) als drittem Teil
gehalt des Verhältnismässig
keits
grundsatzes zu genügen. Danach muss sie unter Berücksichtigung der gesamten tatsächlichen und rechtlichen Umstände des Ein
zelfalles in einem angemessenen Verhältnis zum angestrebten Eingliede
rungs
ziel stehen. Hinsichtlich der Ange
mes
senheit lassen sich vier Teilaspekte unter
schei
den, nämlich die sachliche, die zeitliche, die finanzielle und die persönliche Ange
messenheit. Danach muss die
Massnahme prognostisch ein bestimmtes Mass an Eingliederungswirksamkeit auf
weisen; sodann muss gewährleistet sein, dass der angestrebte Eingliederungs
erfolg voraussichtlich von einer gewissen Dauer ist; des Weiteren muss der zu erwartende Erfolg in einem vernünftigen Verhältnis zu den Kosten der konkreten
Eingliederungsmassnahme stehen; schliesslich muss die Massnahme dem Betrof
fe
nen auch zumutb
ar sein (BGE 142 V 523 E. 2.3).
1.
3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus, dass der Beschwerdeführer in seiner bisherigen Tätigkeit seit Dezember 2005 voll arbeitsunfähig sei. In einer optimal angepassten Tätigkeit sei er seit jeher zu 100
% arbeitsfähig (S. 1 unten). Der Invaliditätsgrad betrage 9 %, ein leidensbe
dingter Abzug aufgrund der Schwerhörigkeit sei nicht angezeigt, da der Be
schwerdeführer kein Hörgerät trage und gemäss Gutachten keine Probleme bei der Verständigung habe (S. 2 Mitte). Ein Umschulungsanspruch bestehe nicht, da die Erwerbseinbusse unter 20 % liege und der Beschwerdeführer keine Lehre ab
solviert habe. Mangels Einschränkung bei der Stellensuche sei hier das Regionale Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) zuständig. Aus dem
i
ndividuellen Konto (IK) gehe hervor, dass der Beschwerdeführer immer wieder verschiedene Arbeitgeber gehabt habe. Er habe damit bewiesen, dass er fähig sei, eine neue Anstellung zu suchen und zu finden
.
Ein
Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen bestehe nicht (S. 2 oben).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1
), es sei zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin
angesichts der zahlreichen zur Verfügung stehenden
Eingliederungsmassnahmen
einzig
auf
eine Umschulung fokussiert habe und dabei von falschen Anspruchsvoraussetzungen ausgegangen sei, habe er doch nachweislich eine Ausbildung absolviert (S. 5 Ziff. 6 mit Verweis auf Urk. 3/3). Die Beschwerdegegnerin verletze den Grundsatz «Eingliederung vor
Rente». Er habe alles darangesetzt, möglichst bald in den Arbeitsprozess zurück
zukehren. Ende 2020 habe er zwar auf eigene Initiative eine Stelle gefunden, welche aber nicht geeignet gewesen sei. Offensichtlich habe er eine Stelle in einem ihm vertrauten Berufsumfeld gesucht und
nicht
von sich aus abzuschätzen gewusst, welche Tätigkeiten angepasst seien. Gerade in solchen Fällen sei die Eingliederungsberatung der Beschwerdegegnerin mit ihrem spezifischen Fach
wissen gefragt (S. 6 Ziff. 7).
Zum im Einwand kritisierten Invalideneinkommen habe die Beschwerdegegnerin in der Verfügung zwar ausgeführt, es werde neu auf Tätigkeiten für Hilfsar
beitertätigkeiten abgestellt, habe aber den Einkommensvergleich zahlenmässig genau gleich wie im Vorbescheid belassen. Eine korrigierte Berechnung unter Be
rücksichtigung des Kompetenzniveaus 1 statt 2 finde sich in den Akten und ergebe einen Invaliditätsgrad von 12 % (S. 7 Ziff. 8).
Der Leidensabzug werde zu Unrecht nur vor dem Hintergrund der Schwer
hörig
keit geprüft und mit dem aktenwidrigen Hinweis abgelehnt, wonach gemäss
Gut
achten keine Verständigungsprobleme bestanden hätten. Aufgrund des fortge
schrittenen Alters, der lan
gen Abwesenheit vom Arbeitsmarkt
, des ein
ge
schränk
ten Tätigkeitsprofils und der Hörbeeinträchtigung sei ein Leidensabzug
von 25 % gerechtfertigt. So sei denn auch im Jahr 2005 ein Leidensabzug von 15
%
gewährt worden (S. 8 f. Ziff. 9). Nachdem eine Erwerbseinbusse von mehr als 20 % resultiere, bestehe ein Anspruch auf Umschulungsmassnahmen (S. 8 Ziff. 10).
Die getätigten Abklärungen seien ungenau und ungenügend, was den Unter
su
chungsgrundsatz verletze (S. 8 Ziff. 11). Das MEDAS-Gutachten sei aus näher dargelegten Gründen zu kritisieren (S. 8 ff. Ziff. 11-13
).
Es sei noch verfrüht,
den Rentenanspruch zu beurteilen (S. 10 Ziff. 14).
2.3
Strittig und zu prüfen ist somit der Leistungsanspruch des Beschwerdeführers. Dabei steht die Frage im Zentrum, ob ein Anspruch auf berufliche Eingliederungs
massnahmen
besteht.
3.
Die Ärzte des
Y._
nannten in ihrem multidisziplinären internistisch-rheu
ma
tologisch-psychiatrischen Gutachten vom 12. Juli 2004 (Urk. 13/215) folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 14 Ziff. 4):
-
lumbospondylogenes
Syndrom rechts bei
-
Status nach
Sequestrotomie
wegen Diskushernie zwischen dem 5. Len
denwirbel und dem Kreuzbein (L5/S1) rechts (1999)
-
stabiler
Spondylolyse
L5/S1, Tendenz zur Hypermobilität L3/L4 und L4/L5
Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurden genannt:
-
Status nach
subcapitaler
Humerusfraktur
rechts 1998
-
beidseitige Innenohrschwerhörigkeit, apparativ versorgt
-
multiple Lipome
Nach der obligatorischen Schulzeit habe der Beschwerdeführer eine
Anlehre
zum Keramiker gemacht. Während etwa 2 Jahren habe er auf diesem B
eruf gearbeitet, später sei er Lastwagen- und Busschauffeur gewesen. Ab Dezember 1998 habe er eine ganze, ab Januar 2001 eine halbe Invalidenrente erhalten. Seit Jan
uar 2004 arbeite er als Aushilfs
chauffeur für Containertransporte auf Abruf mit einem etwa halben Pensum (S. 14 Ziff. 5).
Seit etwa 1996 bestünden lumbale Rückenschmerzen (S. 15 oben Ziff. 5). Bei Beurteilung aller Gegebenheiten und Befunde sei der Beschwerdeführer für kör
perliche Schwerarbeit nicht mehr arbeitsfähig. Für leichte bis maximal mittel
schwere Tätigkeiten, bei welchen nicht Gewichte über 20 kg gehoben werden müssten und bei welchen der Beschwerdeführer nicht in ergonomisch ungüns
ti
gen Positionen arbeiten müsse – dazu gehöre auch das ununterbrochene Last
wa
genfahren über 2 Stunden – bestehe eine normale Arbeitsfähigkeit
(S. 16 Ziff. 5).
4.
4.1
Die Ärzte der Klinik für Ka
rdiologie des Kantonsspitals A._
nannten im Austrittsbericht vom 4. August 2019 (Urk. 13/307/45-49) über die
Hospita
li
sation
des Beschwerdeführers vom 23. bis 27. Juli 2019 folgende Diagnosen (S. 1):
-
koronare Zweigefässerkrankung (Erstdiagnose),
Nicht-ST-Hebungsinfarkt
(NSTEMI) am 23. Juli 2019
-
grenzwertige Stenose des mittleren
Ramus
interventricularis
anterior
(RIVA),
iFR
0.95 und entsprechend keine Intervention
-
Arteria
coronaria
dextra
(ACD) wandunregelmässig, teilweise
aneurys
matisch
erweitert
-
links-ventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF) 60 %
-
kardiovaskuläre Risikofaktoren (
kvRF
): Nikotinkonsum 40py, arterielle Hypertonie,
Dyslipidämie
-
Aktuell:
-
transthorakale Echokardiographie (TTE) 23. Juli 2019: LVEF
60 %,
Hypokinesie
inferobasal
bis
midventrikulär
-
Koronarangiographie 24. Juli 2019:
Ramus
circumflexus
(RCX) proxi
mal bis distal mit erfolgreicher perkutaner koronarer Intervention (PCI)/
2x DES bei seriell schweren Stenosen
-
Ergometrie 26. Juli 2019: subjektiv und formal elektrisch negativ
-
Arterielle Hypertonie
Es sei eine notfallmässige Zuweisung mit der Rettungssanität bei linksseitigen Thorax- und Schulterschmerzen erfolgt (S. 2 oben). Die schweren RCX-Stenosen seien erfolgreich dilatiert und mit zwei Stents behandelt worden (S. 2 Mitte).
4.2
Die Ärzte der Abteilung Rheumatologie des
Kantonsspitals B._
nannten im Bericht zur Erstkonsultation vom 15. Oktober 2019 (Urk. 13/307/51-55
) folgende
, hier verkürzt wiedergegebene
n
Diagnosen (S. 1):
-
lumbospondylogenes
bis
radikuläres
Syndrom am ehesten S1 mit sensi
b
ler Ausfallsymptomatik rechts
-
bei
Diskopathie
mit
rezessalem
Kontakt
-
Differentialdiagnose (DD) zusätzliches
lumboradikuläres
Syndrom (LR
S) L5 rechts bei
osteodiskaler
Forameneinengung
und
Spondylolyse
-
Muskeldekonditionierung
mit muskulärer
Dysbalance
Bildgebung:
-
Digitales Röntgen (
Rx
) Lendenwirbelsäule (LWS) Oktober 2019:
Spon
dylolyse
5. Lendenwirbelkörper (LWK) ohne relevante
Listhese
,
Spon
dyl
arthrose
tieflumbal
-
Magnetresonanztomographie (MRI) LWS Oktober 2019: L5/S1 fokale Diskushernie mit
rezessalem
Kontakt und möglicher geringer Reizung der Wurzel S1 rechts respektive L5/S1 beidseitig mit geringem Kontakt, ohne Kompression der Wurzeln L5
foraminal
beidseitig. Status nach Operation L5-S1 rechts. Postoperativ keine pathologische Narben
bil
dung
Therapie:
-
Status nach Computertomographie (CT)-gesteuerter
periradikulärer
Therapie (PRT) L5/S1 rechts November 2019 mit 80 mg
Kenacort
(relevante Schmerzreduktion
für ein halbes Jahr)
-
Status nach
Sequestrektomie
L5/S1 1999
-
Periarthropathia
humeroscapularis
links
-
Bursitis
subacromialis
und
Tendinopathie
der langen
Bizepssehne
(Sonographie Oktober 2019)
-
myofasziale
Begleitreaktion der Nacken- und Schultermuskulatur res
pektive der Brustmuskulatur
-
DD Überlagerung durch ein funktionelles
Thoracic
-outlet-Syndrom (TOS) bei
posturaler
Haltungsinsuffizienz; AC-Gelenksirritation bei positiver
Sonopalpation
-
koronare Zweigefässerkrankung
-
arterielle Hypertonie
Empfohlen werde unter anderem eine Physiotherapie zur Verbesserung der Rumpf
stabilisation mit konsequentem Heimprogramm
. Zu evaluieren sei eine allfällige
periradikuläre
Infiltration respektive Infiltration der Bursitis
subacro
mialis
(S. 4 unten).
4.3
Dr. med. C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte im Bericht vom 8. November 2019 (Urk. 13/307/39-40) aus, der Beschwerdeführer sei seit dem 23. Juli bis vorerst 30. November 2019 zu 100 arbeitsunfähig (S. 2 Ziff. 5). Möglicherweise könne bei einer Arbeitstätigkeit ohne körperliche Belas
tung eine Arbeitsfähigkeit bis zu 50 % (zeitlich) erreicht werden (S. 2 Ziff. 6). Bezüglich der kardialen Geschichte könne wohl mit einer Erhöhung der Arbeits
fähigkeit in den nächsten Wochen gerechnet werden. Bezügl
ich der
skelettären
und
rheumato
formen
Weichteilschmerzen erscheine die Prognose bei dem chro
nisch progredienten Symptombild eher recht ungünstig (S. 2 Ziff. 7).
4.4
Dr. med. D._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, berichtete am 14. Mai 2020 (Urk. 13/312), aus ihrer Sicht werde noch eine verlängerte Arbeits
unfähigkeit vor allem aufgrund der
Periarthropathia
humeroscapularis
links sowie der LWS-Beschwerden bestehen. Die aktuellen Abklärungen bezögen sich vor allem auf
die
Probleme mit dem Herzkreislaufsystem
. Aufgrund der doppelten
Thrombozytenaggregationshemmer
, welche
d
er
Beschwerdeführer
derzeit ein
neh
men müsse, seien die Möglichkeiten einer allfälligen weiteren Behandlung der
Periarthropathia
stark begrenzt. Eine Tätigkeit mit schwerer oder mittelschwerer körperlicher Belastung sei aus Sicht von Dr.
D._
nicht möglich
.
4.5
Dr. med. E._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Kar
diologie, führte in seinem Bericht vom 26. Juni 2020 (Urk. 13/314) aus, er habe den Patienten am 27. April und am 11. Juni 2020 gesehen (Ziff. 1.1-2). Aus kar
dialer Sicht bestehe keine Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 1.3
).
5.
5.1
Dr. med. F._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für
Kardiologie, und Dr. med. G._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Rheumatologie, MEDAS
Z._
, erstatteten am 15. März 2021 ihr
bidisziplinäres
rheumatologisch-kardiologisches Gutachten (Urk. 13/333).
5.2
Im Rahmen der
bidisziplinären
Gesamtbeurteilung (Urk. 13/333/1-25) wurden folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit genannt (S. 6 Ziff. 4.2):
-
chronisches
lumbospondylogenes
Syndrom
myofaszialer
Ausprägung beidseits, rechtsbetont:
-
Fehlstatik mit Haltungsinsuffizienz und muskulärer
Dysbalance
-
Segmentdegeneration L5/S1 mit
Osteochondrose
und
Spondylarthrose
-
Spondylolyse
L5 beidseits ohne
Spondylolisthesis
-
Status nach
Sequestrektomie
Januar 1999 bei die Wurzel S1 kom
primierender Diskushernie L5/S1 rechts
-
Rezidivhernie
L5/S1 ohne Neurokompression 2010
-
Periarthropathia
humeroscapularis
links mit fraglicher
Impingement
-Symptomatik:
-
Tendinopathie
der
Supraspinatus
- und der langen Bizeps-Sehne links (MRI Schulter links Juli 2020)
-
Adipositas Body Mass Index (BMI) 30.2 kg/m
2
Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit wurden genannt:
-
koronare Zweigefässerkrankung
-
NSTEMI 23. Juli 2019
-
Koronarangiographie Februar 2020: sehr gutes Resultat nach PCI RCX Juli 2019. Hochgradige Stenose distale RCX:
Koronarangioplastie
(PCTA)
/Stent; hochgradige mittlere RIVA-Stenose: PCTA/DES; Muskel
brücke mittlerer RIVA
-
kardiovaskuläre Risikofaktoren: arterielle Hypertonie, Nikotinabusus 40
py
, aktuell 3-4 Zigaretten täglich,
Dyslipidämie
, Adipositas, Bewe
gungsmangel
-
Status nach subkapitaler
Humerusfraktur
rechts August 1998, aktuell beschwerdefrei und ohne Funktionseinschränkung
Aus kardiologischer Sicht sei der Beschwerdeführer ohne Einschränkungen arbeit
s
fähig. Aus rheumatologischer Sicht könnten ihm keine körperlichen Schwerar
beiten und keine den Rücken und die linke Schulter belastenden Arbeits
po
si
tionen zugemutet werden. Insbesondere sei er nicht geeignet für rückenbelastende Tätigkeiten mit häufig vorgeneigtem oder abgedrehtem Oberkörper, für aus
schliesslich sitzende oder ausschliesslich stehende Zwangshaltungen ohne die Möglichkeit für Wechselpositionen, für kraftaufwendige Arbeiten mit dem linken Arm an beziehungsweise über der Schulterhorizontalen sowie für Tätigkeiten auf Leitern, Gerüsten oder Dächern und für Arbeiten, welche mit Schläge
n und Vibrationen verbunden seien
(S. 6 f. Ziff. 4.3).
Zur Konsistenzprüfung (S. 7 Ziff. 4.6) wurde ausgeführt, aus kardiologischer Sicht
sei die subjektiv geklagte persistierende Leistungseinschränkung nicht nachvoll
ziehbar. Aus rheumatologischer Sicht habe sich der Beschwerdeführer während der Anamneseerhebung und Untersuchung durchwegs kooperativ verhalten. Dis
krepant habe er jedoch in der gezielten
Untersuchungssituation eine wesentlich schlechtere Funktion des Achsenorgans und der linken Schulter gezeigt, als dies beim
Ent
- und Ankleiden zu beobachten gewesen sei. Auch sei kein relevanter Leidensdruck zu verspüren. Trotz seiner Beschwerden könne er problemlos Auto fahren,
gehe
regelmässig im Sommerhalbjahr fischen und helfe auch im Haushalt
aktiv mit. Insgesamt sei das Ausmass der als invalidisierend geschilderten Be
schwerden allein abgestützt auf die Befundebene am Bewegungsapparat nicht hinreichend zu erklären (S. 7 Ziff. 4.6).
Die Arbeitsfähigkeit in den zuletzt ausgeübten Tätigkeiten in einer Firma für Räumungen und als Lastwagen-Chauffeur mit regelmässigem
Ent
- und Beladen mit Stückgut betrage 0 %. Diese Beurteilung sei übereinstimmend mit dem Gut
achten vom 12. Juli 2004 und gelte damit seit dem Referenzdatum vom 8. Dezem
ber 2005 (S. 7 Ziff. 4.7). Für eine körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit bestehe unter Beachtung des genannten Belastungsprofils eine Arbeitsfähigkeit von 100 %. Diese Beurteilung gelte unverändert seit dem 8. Dezember 2005, wo
bei neu Einschränkungen in der Funktion der linken Schulter zu beachten seien (S. 7 Ziff. 4.8).
Sodann sei es zu einer im natürlichen Verlauf progredienten Zunahme der Segmentdegeneration L5/S1 gekommen (S. 5 Mitte Ziff. 4.1).
Mög
liche Therapiemassnahmen bestünden und dienten der Erhaltung der angege
benen Arbeitsfähigkeit, eine Verbesserung derselben sei nicht zu erwarten (S. 8 Ziff. 4.10).
5.3
Im Fachgutachten Kardiologie (Urk. 13/333/36-46) wurde festgehalten, trotz der Schwerhörigkeit habe es bei der Begutachtung nur selten Verständnisprobleme gegeben (S. 6 Ziff.
4
.2). Die Leistungseinschränkung sei aus kardiologischer Sicht nicht nachvollziehbar. Eine Herzinsuffizienz könne anhand der getätigten Unter
suchungen und laborchemisch ausgeschlossen werden, eine Koronarinsuffizienz sei bei vollständiger koronarer
Revaskularisation
(Juli 2019 und Februar 2020) sowie anhand der Anamnese und der durchgeführten Untersuchungen sehr un
wahrscheinlich (S. 8 Ziff. 7).
5.4
Im Fachgutachten Rheumatologie (Urk. 13/333/47-71)
wurde zur Sozial- und Be
rufsanamnese (S. 8) festgehalten, seit etwa 2003 habe der Beschwerdeführer Voll
zeit als Lastwagenchauffeur gearbeitet, die Stelle jedoch anfangs 2019 wegen zunehmender Rückenschmerzen aufgegeben. Zuletzt habe er als Leiter Räumung und Reinigung in einem 100%-Pensum gearbeitet. Es habe sich aber auch hier um eine körperlich schwere Arbeit mit immer wieder rückenbedingten Arbeits
ausfällen gehandelt. Durch das RAV vermittelt habe er wiederum als Lastwagen
chauffeur in einem 20%-Pensum dreimal einen halben Tag pro Woche zu arbeiten begonnen. Er habe dabei als Chauffeur keine langen Fahrten machen müssen, hingegen als Stückgut wieder schweres Holz auf- und entladen müssen. Dies sei
Ende Dezember (gemeint: 2020) beschwerdebedingt nicht mehr gegangen. Welche
Tätigkeiten er in seinem Alter noch ausüben könne, sei ihm schleierhaft. Selbst im Haushalt sei er für die körperlich etwas anspruchsvolleren Arbeiten
gemäss eigener Einschätzung
nicht einsetzbar
.
Grosse Schwierigkeiten hinsichtlich der
Stellensuche würde
gemäss dem Beschwerdeführer
wohl auch seine Schwer
hörigkeit bereiten.
Insgesamt wirke der Beschwerdeführer intellektuell einfach strukturiert und in der Kommunikation bestünden deutliche Schwierigkeiten aufgrund seiner ausge
prägten Schwerhörigkeit, obwohl er Hörhilfen trage (S. 11 Ziff. 4.1, S. 12 Ziff. 4.2)
.
6.
6.1
Das MEDAS-Gutachten vom 15. März 2021 (E. 5) erfüllt die Voraussetzungen eines beweiskräftigen Berichts (E. 1.3), weshalb grundsätzlich darauf abgestellt werden kann. Demnach beträgt die Arbeitsfähigkeit in den zuletzt ausgeübten Tätigkeiten in einer Firma für Räumungen und als Lastwagen-Chauffeur mit regelmässigem
Ent
- und Beladen mit Stückgut 0 % (E. 5.2). Dies deckt sich denn auch mit den Einschätzungen durch die Parteien sowie die behandelnden Internisten Dr.
C._
und Dr.
D._
(E. 4.3-4).
6.2
Während die Beschwerdegegnerin vollständig auf das MEDAS-Gutachten abstel
len möchte (E. 2.1), wird dieses vom Beschwerdeführer in mancherlei Hinsicht kritisiert (E. 2.2), ohne dass er dessen Beweiskraft indes explizit in Frage stellen
würde.
Seine Vorbringen
vermögen denn auch keine Zweifel an diesem zu wecken
.
So erwähnt Dr.
C._
entgegen dem Beschwerdeführer (Urk. 1 Ziff. 13) im zitier
ten Arztbericht (E. 4.3) keine negativen Auswirkungen von Herzmedi
ka
menten auf die übrigen Beschwerdebilder und auch Dr.
D._
führte lediglich aus,
die Möglichkeiten einer allfälligen weiteren Behandlung der
Periarthropathia
seien
durch die Einnahme der Herzmedikamente erschwert (E. 4.4). Ihr Bericht ist aller
dings bereits älteren Datums – er stammt noch aus dem Mai 2020 -, und es ist unklar, welche weitere Behandlung der Schulter die Internistin hier überhaupt meinte, nachdem mögliche Therapiemassnahmen gemäss gutachterlichen Fest
stellungen ohnehin nicht zu einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit führen würden (E. 5.2). Zu wenig substantiiert ist nicht nur diese Kritik des Beschwer
deführers, sondern auch dessen Bemerkung, der Hinweis auf ein fehlendes orga
nisches Korrelat sei «nicht sachgerecht» und der von ihm geschilderten Schmerz
problematik werde «nicht angemessen Rechnung getragen». Der Vorwurf schliess
lich, die seit dem Herzinfarkt aufgetretenen Beschwerden seien zu wenig berück
sichtigt worden (vgl. zum Ganzen Urk. 1 Ziff. 13), verfängt bereits deshalb nicht, weil selbst der behandelnde Kardiologe aus fachspezifischer Sicht von einer vollen Arbeitsfähigkeit ausgeht (E. 4.5).
Unzutreffend ist das Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach die Beschwerde
gegnerin zu Unrecht zwei
bidisziplinäre
Begutachtungen beim selben Institut an
geordnet habe (Urk. 1 S. 8 Ziff. 11). Offenkundig wurde durch die MEDAS
Z._
lediglich ein
bidisziplinäres
rheumatologisch-kardiologisches Gutachten erstattet (E. 5), dieses aber gegenüber dem Beschwerdeführer zunächst – wohl versehentlich - als Untersuchung in den verwandten Disziplinen Ortho
pädie und Innere Medizin angekündigt (Urk. 13/325). Bei rein somatischen Ge
sundheitsschäden ist sodann entgegen dem Beschwerdeführer (Urk. 1 S. 9 f. Ziff. 13) kein strukturiertes Beweisverfahren im Sinne von
BGE 141 V 281
vor
geschrieben.
6.3
Die sorgfältig und schlüssig hergeleitete gutachterliche Einschätzung einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit deckt sich insoweit auch mit der Beurteilung durch die behandelnde Dr.
D._
, als diese im Mai 2020 lediglich schwere oder mittelschwere Tätigkeiten als nicht möglich bezeichnet, sich zur Zumutbarkeit von leichten Tätigkeiten hingegen nicht negativ geäussert hatte (E. 4.4). Stimmig ist auch die Beurteilung durch Dr.
E._
, welcher aus kardiolo
gischer Sicht keine Arbeitsunfähigkeit attestierte (E. 4.5).
Der Hausarzt Dr.
C._
attestierte dem Beschwerdeführer im November 2019 zwar lediglich eine erreichbare Arbeitsfähigkeit in leichter Tätigkeit bis zu 50 %, begründete dies jedoch nicht näher und stand offenbar noch unter dem Eindruck der – immerhin auch von ihm als verbesserungsfähig erachteten – attestierten vollen Arbeitsunfähigkeit aus kardialer Sicht (E. 4.3). Dieser Bericht ist sodann bereits älteren Datums, und es ist bei Berichten von behandelnden Ärzten der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifels
fall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3a/cc S. 353 mit weiteren Hinweisen), sprich deren Arbeitsfähigkeit tendenziell eher tiefer ein
schätzen
,
als dies objektiv gerechtfertigt wäre. So berücksichtigte Dr.
C._
als behandelnder Arzt etwa auch keine Inkonsistenzen betreffend das geschilderte Ausmass der Beschwerden,
wie sie vom rheumatologischen MEDAS-Teilgutachter jedoch anschaulich heraus
gearbeitet wurden (E. 5.2). Der Beweiswert des MEDAS-Gutachtens wird demnach auch durch den Bericht von Dr.
C._
vom November 2019 nicht erschüttert.
6.4
Somit ist erstellt, dass eine angepasste Tätigkeit mit dem beschriebenen Belas
tungsprofil (E. 5.2) dem Beschwerdeführer zu 100 % zumutbar ist.
7.
7
.
1
Gemäss Art. 17 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann (Abs. 1). Als Umschulung gelten gemäss Art. 6 Abs. 1 IVV Ausbil
dungsmassnahmen, die Versicherte nach Abschluss einer erstmaligen beruflichen Ausbildung oder nach Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ohne vorgängige beruf
liche Ausbildung wegen ihrer Invalidität zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit benötigen.
7
.
2
Nach der Rechtsprechung ist unter Umschulung grundsätzlich die Summe der Eingliederungsmassnahmen berufsbildender Art zu verstehen, die notwendig und geeignet sind, der vor Eintritt der Invalidität bereits erwerbstätig gewesenen versicherten Person eine ihrer früheren annähernd gleichwertige Erwerbsmög
lichkeit zu vermitteln.
D
er Anspruch auf Umschulung
setzt
voraus, dass die ver
sicherte Person wegen der Art und Schwere des Gesundheitsschadens im bisher ausgeübten und in den für sie ohne zusätzliche berufliche Ausbildung offen ste
henden zumutbaren Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dau
ernde Erwerbseinbusse von etwa 20 % erleidet, wobei es sich um einen blossen Richt
wert handelt (BGE 130 V 488 E. 4.2, 124 V 108 E. 2a und b mit Hinweisen auf u.a. AHI 1997 S. 80 E. 1b; ZAK 1984 S. 91 oben, 1966 S. 439 E. 3).
7
.
3
Eine
generelle Unterscheidung zwischen Versicherten mit und ohne Berufsaus
bildung ist bei der Prüfung des Umschulungsanspruchs
entgegen der Beschwer
degegnerin (E. 2.1)
nicht zulässig
(vgl. E. 7
.1 sowie Urteil des Bundesgerichts I 210/05 vom 10. November 2005 E. 3.3.2), weshalb offenbleiben kann, ob die vom Beschwerdeführer
im Jahr
1984
abgeschlossene
Anlehre
als Ziegeleikeramiker
(vgl
.
Urk. 3/3)
als erstmalige
berufliche Ausbildung im Sinne von Art. 6 Abs. 1 IVV gelten kann oder nicht.
Nachfolgend ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer die Voraussetzung einer dauernden Erwerbseinbusse – sprich Invalidität – von etwa 20 % erfüllt (E.
7
.2).
7
.
4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
ver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Er
w
erbs
einkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
über
gestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
7
.
5
Das
Valideneinkommen
berechnete die Beschwerdegegnerin gestützt auf die An
gaben im Arbeitgeberfragebogen vom 12. Februar 2020 (Urk. 7/310), gemäss welchem der Beschwerdeführer im Jahr 2019 als Leiter Räumung und Reinigung einen Monatslohn von Fr. 6'000.-- beziehungsweise einen Jahreslohn von
Fr. 78'000.-- erzielt
hatt
e (Ziff. 5.1). Unter Berücksichtigung der allgemeinen Lohn
entwicklung im Jahr 2020 gelangte die Beschwerdegegnerin im Einkommens
ver
gleich vom 9. Juli 2021 (Urk. 7/351) zu einem unbestrittenen
Validenein
kommen
von Fr. 78'624.--, was nicht zu beanstanden ist.
7
.
6
Das Invalideneinkommen setzte die Beschwerdegegnerin im Einkommensver
gleich
und Vorbescheid
vom 22. April 2021 (Urk. 7/336
; Urk. 7/338
) zunächst auf Fr. 71'946.
75 fest, wobei sie
– grundsätzlich
zu Recht (vgl. statt vieler BGE 142 V 178 E. 2.5.7)
-
auf statistische Daten gemäss den Lohnstrukturerhebungen (LSE) des Bundes 2018, Tabelle TA1_tirage_skill_level, abstellte.
Dabei
stützte
sich
die Beschwerdegegnerin
auf die Löhne für praktische Tätig
keiten
(Kompetenzniveau 2), was sie nach erhobenem Einwand (Urk. 7/346) im Einkommensvergleich vom 9. Juli 2021 (Urk. 7/351) anpasste, indem sie sich nun zu Recht auf die Löhne für Hilfsarbeiten (Kompetenzniveau 1) stützte und so unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung für das Jahr 2020 ein Invaliden
einkommen von Fr. 68'923.50 errechnete. Entsprechend ergab der Einkommens
ver
gleich vom 9. Juli 2021 einen Invaliditätsgrad von rund 12 %.
In der angefochtenen Verfügung gab die Beschwerdegegnerin ebenfalls an, auf das Kompetenzniveau 1 («Hilfsarbeiter») abstellen zu wollen (Urk. 2 S. 2 oben), passte die noch dem Kompetenzniveau 2 entsprechenden Zahlen gemäss Einkom
mensvergleich und Vorbescheid vom 22. April 2021 (Urk. 7/336; Urk. 7/338; vgl. oben) jedoch bei der Berechnung des Invaliditätsgrades nicht an, worauf der Beschwerdeführer zu Recht hinwies (E. 2.2). Diese Abweichung wurde von der Beschwerdegegnerin nicht begründet, weshalb hier von einem Versehen auszu
gehen ist.
Ein Invalideneinkommen von Fr. 68'923.50 vor einem allfälligen leidensbe
din
gten Abzug (vgl. dazu sogleich) ist somit ausgewiesen.
7
.
7
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durchschnit
ts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienst
jahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswir
kun
gen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurch
schnitt
lichem erwerblichem Erfolg verwerten. Der Abzug soll aber nicht auto
matisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtge
mässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25 % nicht übersteigen (vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2, 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
aa
-cc). Die Recht
sprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkom
men, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsar
beitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der
medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen nicht
zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (BGE 146 V 16 E. 4.1 mit Hinweisen).
Nach ständiger Rechtsprechung darf das (kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges gemäss BGE 126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Ver
waltung setzen; es muss
sich
auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 137 V 71 E. 5.2 und 126 V 75 E. 6). Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt oder zu Unrecht berücksichtigt, hat die Beschwerde
instanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_808/2015 vom 29. Februar 2016 E. 3.4.3 und
8C_113/2015 vom 26. Mai 2015 E. 3.2
).
7
.8
Dem Beschwerdeführer können gemäss dem gutachterlich erstellten Belastungs
profil (E. 5.2) keine körperlichen Schwerarbeiten und keine den Rücken und die linke Schulter belastenden Arbeitspositionen zugemutet werden. Insbesondere ist er nicht geeignet für rückenbelastende Tätigkeiten mit häufig vorgeneigtem oder
abgedrehtem Oberkörper, für ausschliesslich sitzende oder ausschliesslich stehen
d
e Zwangshaltungen ohne die Möglichkeit für Wechselpositionen, für kraftauf
wen
dige Arbeiten mit dem linken Arm an beziehungsweise über der Schulterhori
zontalen sowie für Tätigkeiten auf Leitern, Gerüsten oder Dächern und für Arbeiten, welche mit Schlägen und Vibrationen verbunden sind.
Körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten
beinhalten die erwähnten Zwangshaltungen in der Regel nicht und
sind dem Beschwerdeführer somit
mehrheitlich
zumutbar
. Unter Berücksichtigung des Belastungsprofils sind ihm sodann auch mittelschwere Tätigkeiten zumutbar.
Dementsprechend steht dem Beschwerdeführer mit der
Beschwerdegegnerin
(vgl. Urk. 7/351) doch eine genügend breite Palette an denkbaren Verweis
-
tätig
keiten offen, ohne dass er damit rechnen müsste, seine Arbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlic
hen Erfolg verwerten zu können.
Uneinheitlich äusserten sich die MEDAS-Teilgutachter betreffend die Schwer
hörigkeit des Beschwerdeführers. Während der Kardiologe angab, es habe trotz der Schwerhörigkeit bei der Begutachtung nur selten Verständnisprobleme ge
ge
ben (E. 5.3), stellte der Rheumatologe deutliche Schwierigkeiten in der Kommuni
kation aufgrund der ausgeprägten Schwerhörigkeit fest (E. 5.4). Nachdem die Thematik der Schwerhörigkeit keinen Eingang in die
bidisziplinäre
Gesamtbeur
tei
lung und auch nicht in das Belastungsprofil fand, kann nicht von einer derart erheblichen Ausprägung derselben ausgegangen werden, dass sie einen leidens
be
dingten Abzug rechtfertigen würde.
Es fehlt demnach für das urteilende Gericht an einem triftigen Grund, sein Er
messen an die Stelle desjenigen der
Beschwerdegegnerin
zu setzen (E. 7.7). Diese hat einen leidensbedingten Abzug im Einkommensvergleich vom 9. Juli 2021
(Urk. 7/351)
zu Recht verneint.
Nicht gebunden war sie dabei an ihre
frühere
Beurteilung im Oktober 2004, als sie dem Beschwerdeführer noch einen leidens
bedingten Abzug von 15 % gewährt hatte (
vgl.
Urk. 7/220)
.
7.9
Bei einem
Valideneinkommen
von Fr. 78'624.--, einem Invalideneinkommen von Fr. 68'923.50 und somit einem
Invaliditätsgrad von
rund
12 % besteht kein An
spruch des Beschwerdeführers auf
eine
Umschulung
gemäss Art. 17 IVG
(E.
7.
1-
2)
.
Dem Beschwerdeführer ist indes darin zuzustimmen, dass bei der Prüfung von Eingliederungsmassnahmen
im Sinne von Art. 8 IVG (E. 1.2)
nicht nur auf die Umschulung zu fokussieren ist.
Gesichert ist nach dem Gesagten, dass der Beschwerdeführer zum Verfügungs
zeitpunkt nicht nur von einer Invalidität bedroht, sondern
erwiesener
m
assen
zu 12 % invalid war. Ob auch die weiteren allgemeinen Anspruchs
vor
aussetzungen
für Eingliederungs
massnahmen nach Art. 8 Abs. 1 IVG erfüllt sind (vgl. E. 1.2), ist nachfolgend im Rahmen der exemplarischen Prüfung des naheliegenden An
spruchs auf Arbeitsvermittlung zu untersuchen.
8
.
8.1
Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bis
herigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Art. 6 Abs. 1 Satz 1 ATSG).
Arbeitsunfähige (Art. 6 ATSG) Versicherte, welche eingliederungsfähig sind, h
aben gemäss Art. 18 Abs. 1 IVG Anspruch auf aktive Unterstützung bei der Suche eines geeigneten Arbeitsplatzes (
lit
. a) und auf begleitende Beratung im Hinblick auf die Aufrechterhaltung ihres Arbeitsplatzes (
lit
. b). Die IV-Stelle ver
anlasst diese Massnahmen unverzüglich, sobald eine summarische Prüfung ergibt, dass die Voraussetzungen dafür erfüllt sind (Abs. 2).
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung
bedarf der Anspruch auf Arbeitsver
mittlung weder der Invalidität noch eines Mindestinvaliditätsgrades
(Urteil des Bundesgerichts 8C_641/2015 vom 12. Januar 2016, E. 2).
Vorausgesetzt ist schliesslich die Eingliederungsfähigkeit des Versicherten, das heisst seine objektive Möglichkeit und subjektive Bereitschaft, von einem durch
schnittlichen Arbeitgeber angestellt zu werden (Urteil des Bundesgerichts 9C_594/2016 vom 18. November 2016, E. 3.2).
8
.
2
Aufgrund der Unzumutbarkeit der bisherigen Tätigkeit handelt es sich beim Be
schwerdeführer um einen arbeitsunfähigen Versicherten im Sinne von Art. 6 ATSG
(vgl. vorstehend E.
8
.
1
). Hinsichtlich der Eingliederungsfähigkeit besteht seiner
seits die subjektive Bereitschaft, von einem durchschnittlichen Arbeitgeber ange
stellt zu werden.
Dies zeigt sich etwa an seiner langjährigen Berufstätigkeit als Chauffeur, welche er rund 16 Jahre lang
trotz
persistierender Rückenbeschwerden
in einem Vollzeitpensum ausübte
,
und insbesondere auch darin, dass er im Ja
hr 2019
eine
Tätigkeit als Leiter Räumung und Reinigung
und
von November bis Dezember 2020 (vgl. Urk. 13/333/52 oben)
auch wieder als Chauffeur
ein
schliess
lich
schwerer
Be
- und Entladungsarbeiten
annahm, obwohl diese Tätigkeiten
weder
dem
im Jahr 2005 (E. 3) noch dem 2021 rückwirkend für den Zeitraum ab 2005 (E. 5.4)
gutachterlich
festgestellten Belastungsprofil entsprachen
.
Es ginge denn auch fehl, aus dem inkonsistenten Verhalten anlässlich der spe
ziellen Situation
der
versicherungsmedizinischen Untersuchung
im Jahr 2021
(vgl. E. 5.2) auf
eine mangelnde Bereitschaft zu schliessen, von einem Arbeitgeber für eine leidensangepasste Tätigkeit angestellt und dafür entlohnt zu werden. Dass beim Beschwerdeführer genügend Arbeitsmotivation vorhanden ist
und er unbedingt arbeiten
möchte
,
wird etwa auch durch einen Arbeitgeberfragebogen im Jahr 2005 (Urk. 13/229) oder
ein Telefonat zwischen
dem Arbeitgeber und der Kranken
ta
g
geldversicherung vom 4. November 2019
(Urk. 13/307/17)
belegt
.
Die objektive Möglichkeit, von einem durchschnittlichen Arbeitgeber angestellt zu werden (vgl. vorstehend E.
8
.
1
), besteht, auch wenn dies
im realen Arbeits
markt
kein einfaches Unterfangen darstellten dürfte. In objektiver Hinsicht gibt es
jedoch
durchaus Arbeitsstellen, welche für den Beschwerdeführer in Berück
sichtigung seiner Fähigkeiten und des erstellten Be
las
tungsprofils
in Frage kom
men
(vgl. E. 7.8)
8
.
3
Die Eingliederungsfähigkeit des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 18 Abs. 1 IVG ist nach dem Gesagten also gegeben.
Angesichts der bestehenden Einschränkungen im Rücken und in der linken Schulter, dem sich daraus ergeben
den spezifischen Belastungsprofil
(vgl. E. 5.2)
und der fehlenden Berufserfahrung des Be
schwe
rdeführers in anderen Bereichen als in der dem Belastungsprofil
grundsätzlich
widerspre
chenden
Transport
bran
che
ist
die
Evaluation in Frage kommender Arbeitsstellen relativ komplex
und
der entsprechende Bewerbungsprozess mit einigen Tücken behaftet. Je nachdem muss etwa ein potentieller Arbeitgeber im Detail über das Belastungsprofil orien
tiert und müssen mit
diesem konkrete Einsatzmöglichkeiten
evaluiert werden, was
den Bewerbungsprozess umständli
cher macht und seine Erfolgsaussichten schmä
lert.
Zwar ist der Beschwerdegegnerin darin zuzustimmen, dass der Beschwerdeführer immer wieder verschiedene Arbeitgeber gehabt habe (E. 2.1). Offenkundiger Weise fällt es ihm indes schwer, eine Tätigkeit zu suchen und zu finden, die lei
densangepasst ist.
So war schon im
Y._
-Gutachten im Jahr 2004 festgehalten
worden, der Beschwerdeführer sei für körperliche Schwerarbeit nicht mehr arbeits
fähig, Gewichte über 20 kg solle er nicht heben
, ergonomisch ungünstige Posi
tionen
,
wie das ununterbrochene Lastwagenfahren über 2 Stunden
,
seien zu ver
meiden
(E. 3). Es ist nicht
im Detail aktenkundig
, aber angesichts der wiederholten Anmeldungen zum Leistungsbezug (vgl. Sachverhalt E. 1.1
)
eher
unwahrschein
lich, dass
die
vom Beschwerdeführe
r in den Jahren 2004 bis 2018 (vgl. etwa
Urk. 13/308)
bei verschiedenen Arbeitgebern verr
ichteten Chauffeurdienste diesem
Belastungsprofil
entsprachen
,
berichtete doch Dr.
C._
etwa im Oktober 2015, die bisherige Tätigkeit sei nicht mehr zumutbar, eine körperlich wenig belastende
Tätigkeit mit häufigen Lagewechseln hingegen sollte möglich sein (Urk. 13/259
/2-3).
Gemäss Verlaufsprotokoll Eingliederungsberatung der Beschwerdegegnerin vom 21. März 2016 (Urk. 13/269) war der Beschwerdeführer damals indes noch nicht bereit, die aktuelle Arbeitsstelle aufzugeben, um eine angepasste zu suchen, da ihm die Ungewissheit, ob eine neue Stelle gefunden werde, zu gross sei (S. 2); so lange es gehe, wolle er weiterarbeiten (S. 4 Ziff. 2).
Sicherlich
nicht leidensangepasst war die körperlich schwere
Tätigkeit als Leiter Räumung und Reinigung, welche der Beschwerdeführer
von März bis Juli 2019
noch ausübte
,
und wo er gemäss Angaben des Arbeitgebers
unter anderem
mehrere Stunden täglich das Auto beladen und entladen sowie mit schwerem Material Treppen steigen musste (Urk. 13/310 Ziff. 3).
Gleiches gilt für
die letzte Tätigkeit als Lastwagenchauffeur, wo er wieder schweres Holz auf- und entladen musste
(vgl. E. 5.4)
, dies notabene auf Vermittlung des RAV, an welches die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer nun erneut verweisen möchte (E. 2.1).
Es ist daher authentisch, wenn der Beschwerdeführer gegenüber dem rheu
ma
tologischen MEDAS-Teilgutachter äusserte, es sei ihm schleierhaft, welche Tätig
keiten er noch ausüben könne (E. 5.4), und
in der Beschwerdeschrift ausführen liess, offensichtlich habe er eine Stelle in einem ihm vertrauten Berufsumfeld gesucht und nicht von sich aus abzuschätzen gewusst, welche Tätigkeiten an
gepasst seien. Es ist ihm daher darin zuzustimmen (E. 2.2), dass gerade in solchen
Fällen die Eingliederungsberatung der Beschwerdegegnerin mit ihrem spezifi
sc
hen Fachwissen gefragt ist.
Diese
argumentiert
zu oberflächlich und
handelt
wider
sprüchlich, wenn sie heute aus der Tatsache, dass der Beschwer
de
führer immer wieder verschiedene Arbeitgeber gehabt habe, auf dessen Selbst
einglie
derungs
fähigkeit schliessen möchte, nachdem sie
im März 2016
anlässlich der damaligen Eingliederungsberatung
dem Beschwerdeführer noch
erklärt
hatte, die aktuelle Tätigkeit sei aus medizinischer Sicht nicht sinnvoll, er müsse kurz- oder lang
fristig mit einer Beschwerdezunahme rechnen, falls dies eintrete, sei es wichtig, dass er sich wieder bei der Beschwerdegegnerin melde (Urk. 13/269 S. 2 und 4).
8
.
4
Eine Arbeitsvermittlung im Sinne von
Art. 18 Abs. 1 IVG ist also notwendig und grundsätzlich geeignet, um die Erwer
bs
fähigkeit wiederherzustellen, zu erhalten od
er zu verbessern. Angesichts der immerhin verbleibenden Aktivitätsdauer von rund 8 Jahren
bis zum Erreichen des ordentlichen Pensionsalters
und der
voll
zeitlichen
Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers
in einer angepassten Tätigkeit erweisen sich vorliegend berufliche Massnahmen auch ohne Weiteres als ange
messen (vgl.
vorstehend E. 1.2
).
Prognostisch weist eine Unterstützung in Form von Arbeitsvermittlung wie gefor
dert ein bestimmtes Mass an Eingliederungswirksamkeit auf, da sie die Chancen auf eine Anstellung im ersten Arbeitsmarkt erheblich steigern dürfte. Ob sie indes effektiv ausreichen wird für eine erfolgreiche Eingliederung, ist bei der aktuellen Aktenlage allerdings schwierig zu beurteilen. Die Erforderlichkeit weiterer oder anderer Massnahmen berufli
cher Art (vgl. vorstehend E. 1.2
) kann daher zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden.
8
.
5
Damit ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer die Anspruchsvoraussetzungen
für Eingliederungsmassnahmen erfüllt. Mangels weitergehender Erhebungen durch
die Beschwerdegegnerin kann allerdings nicht restlos geklärt werden, welche konkreten Massnahmen beruflicher Art im Sinne
von Art. 8 Abs. 3
lit
. b bezie
h
ungsweise Art. 15-18d IVG vorliegend geeignet sind.
Festzuhalten
bleibt, dass ein Anspruch auf eine Umschulung nach Art. 17 IVG jedenfalls nicht besteht (vgl. E.
7
.
9
).
Die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese nach
ent
sprechender Abklärung die geeigneten Eingliederungsmassnahmen beruflicher
Art prüfe und durchführe.
8
.
6
Zusammenfassend
ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, dass der Be
schwerdeführer Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen beruflicher Art
, nicht aber auf eine Umschulung
hat, wo
bei die Beschwerdegegnerin im Rahmen der Rückweisung der Sache die erfor
derlichen Abklärungen zu tätigen und über die konkreten Massnahmen zu be
finden hat.
9
.
9
.1
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 700.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
9
.2
Nach § 34 Abs. 1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person An
spruch auf Ersatz der Partei
kos
ten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streit
wert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem
Mass des Obsiegens be
messen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
Nach ständiger Recht
spre
chung gilt die Rück
wei
sung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung
und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2
), weshalb der vertretene Be
schwer
deführer Anspruch auf eine Prozessent
schädigung hat.
Beim praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 185.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ist
die Prozessentschädigung ermessensweise auf Fr. 2’400.-- (inklusive Baraus
lagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen und der Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
Das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Prozessführung und Rechts
vertretung vom 9. September 2021 (Urk. 1) wird bei diesem Verfahrensausgang gegenstandslos.