# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 05d0b59e-471d-59e3-a0fc-11302769c055
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der
1988 geborene
X._
hatte nach abgeschlossener Lehre zum Koch
(
Urk.
12/6/12)
die Berufsmaturität erlangt
(
Urk.
12/6/8-9)
und anschlies
sen
d
ein
en Studienlehrgang Kommunikation
begonnen
, welche
n
er aber nicht abschloss
(
Urk.
12/
6/13,
Urk.
12/10/3).
Ab Ende August 2016 wurde er seitens seines Hausarztes in unterschiedlichem Ausmass arbeitsunfähig geschrieben (
Urk.
12/3/14). A
b Dezember 2016
arbeitete er
in der Wirtschaft
A._
in Zürich als Koch (
Urk.
12/7/7,
Urk.
12/10/2). Am 2
2.
Januar 2017 meldete er sich unter Hinweis auf eine Hepatitis-E-Infektion
mit ausgeprägter Abgeschla
genheit
und
auf die
ab August 2016
w
iederkehrenden
Phasen von Arbeitsun
fähigkeit bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
12/7).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
führte mit dem Versicherten am
6.
Februar
2017 ein Standortgespräch durch. Dabei ersuchte der Versicherte die IV-Stelle zu prüfen, ob er einen Anspruch auf Umschulung habe. Er glaube nicht, dass er noch die Kraft habe, um im stressigen Beruf als Koch tätig sein zu können (
Urk.
12/10). Die IV-Stelle
traf
in der Folge
berufliche Abklärungen (
Urk.
12/15
)
und holte
Berichte der behandelnden Ärzte ein (
Urk.
12/3,
Urk.
12/14). Mit Vorbescheid vom 1
6.
März 2017 stellte sie dem Ver
sicherten die Abweisung seines Leistungsbegehrens in Aussicht. Zur Begrün
dung
gab
sie an, bei der Hepatitis E
ha
n
dle es sich
um eine Infektionserkran
kung, welche nach maximal sechs Wochen nicht mehr infektiös sei. Ab dann könne der Versicherte seine angestammte Tätigkeit als Koch wi
e
der uneinge
schränkt ausüben
(
Urk.
12/17).
Nachdem der Versicherte unter Beilage eines Verlaufsberichts seines Hausarztes
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin
(
Urk.
12/22)
,
dagegen Einwand erhoben hatte (
Urk.
12/20
; vgl. auch
Urk.
12/28-30
)
, erkundigt
e
sich die IV-Stelle beim Hausarzt telefonisch über den weiteren Verlauf (
Urk.
12/31/2). Mit Verfügung vom 2
3.
Juni 2017 verneinte sie ankündigungsgemäss
das Bestehen
eines
Anspruch
s
auf
Leistun
gen (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte, vertreten durch
Z._
von den Sozialen Diensten der Stadt
Y._
,
mit Eingabe vom
2
8.
August 2017 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Sache
sei
an die IV-Stelle zur weiteren Abklärung des Sachverhalts zurück
zuweisen (
Urk.
1
S. 2). Am 2
9.
August 2017 liess er dem Gericht die gleichen
tags erstellte Stellungnahme seines Hausarztes einreichen (
Urk.
5/4). Mit Beschwerdeantwort vom 2
8.
September 2017 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
11).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach
te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Invalide o
der von einer Invalidität (Art.
8 ATSG) bedroht
e Versicherte haben gemäss Art.
8 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit
(Abs. 1)
:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelne
n Massnahmen erfüllt sind
.
1.3
Gemäss
Art.
43 ATSG hat der Versicherungsträger die notwendigen Abklärun
gen von Amtes wegen vorzunehmen. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz hat er den Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass über den Leistungsanspruch zumindest mit dem im Sozialversicherungsrecht massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden werden kann. Die Annahme einer Beweislosigkeit ist erst möglich, wenn es sich als unmöglich erweist, auf
grund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen. Es müssen insoweit alle zur Verfügung stehenden Beweismittel eingeholt werden.
Ein Ver
zicht auf weitere Beweisvorkehren hält dann nicht stand, wenn eine
entscheid
wesentliche
Tatsache vor
Beizug
des notwendigen und vorhandenen medizi
nischen Fachwissens beantwortet wird
(
Urteil des Bundesgerichts 8C_760/2015 E. 3.1 und 5.2 mit Hinweisen;
Ueli
Kieser
,
ATSG
-Kommentar,
3.
Auflage, Zürich 2015,
Art.
43
Rz
20 und 59
mit Hinweisen auf die Rechtsprechung
).
1.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, wenn der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
2.
2.1
Die IV-Stelle begründete die Abweisung des Leistungsbegehrens in der ange
fochtenen Verfügung damit, dass kein langandauernder Gesundheitsschaden vorliege.
Bei der Hepatitis E handle es sich um eine Infektionserkrankung, welche nach maximal sechs Wochen nicht mehr infektiös sei.
Die weiteren medizinischen Abklärungen seien gemäss Telefonat vom 1
4.
Juni 2015 mit
Dr.
B._
erfolglos geblieben.
Dr.
B._
habe nach Rücksprache mit der Labor
leitung und dem
Infektiologen
entschieden, dass keine weiteren Untersuchun
gen vorzunehmen seien.
Mangels eines langandauernden Gesundheitsschadens
könne der Beschwerdeführer die angestammte Tätigkeit als Koch weiterhin aus
üben (
Urk.
2; vgl. auch
Urk.
11).
2.2
Der Beschwerdeführer stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt
, die Verneinung eines Leistungsanspruchs durch die IV-Stelle sei zu früh erfolgt. Er leide noch heute unter starken Erschöpfungsgefühlen und sei deshalb in seiner angestammten Tätigkeit als Koch nach wie vor arbeitsunfähig. Sein Hausarzt habe aufgrund der anhaltend erhöhten Leberwerte
, welche seine Müdigkeit erklärten, zunächst
vorgeschlagen
, weitere
infektiologische
Abklärungen zu treffen. Eine Besprechung mit dem
Infektiologen
habe ergeben, dass die erhöh
ten Leberwerte nicht auf die Hepatitis zurückzuführen seien und diesbezüglich keine weiteren Untersuchungen nötig seien. Auf dieser Basis habe die IV-Stelle die angefochtene Verfügung erlassen. Die Laborwerte seien aber weiterhin auf
fällig. Die Besprechung von
Dr.
B._
mit seiner behandelnden Psychiaterin habe ergeben, dass die Erschöpfung nicht auf eine Depression zurückzuführen sei, da das Kriterium der Antriebslosigkeit nicht erfüllt sei. Morgens sei er näm
lich motiviert und auch in der Lage, Dinge zu erledigen. Er ermüde dann aber rasch und sei auch schon zusammengebrochen. Aus diesem Grund habe ihn
Dr.
B._
zur Durchführung
gastroenterologischer
Untersuchungen an das
C._
überwiesen. Es sei aktuell noch unklar, ob ein invalidisie
render Gesundheitsschaden bestehe.
Bevor über seinen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung entschieden werde, müssten zumindest die Resultate der laufenden Untersuchungen abgewartet werden (
Urk.
1).
3.
3.1
In seinem Bericht vom
1.
März 2017 zu
Handen
der IV-Stelle diagnostizierte der Hausarzt
Dr.
B._
eine protrahierte Hepatitis-E-Infektion, bestehend seit August 2016
, welche zu Abgeschlagenheit, schneller Erschöpfbarkeit und feh
lender körperlicher Leistungsfähigkeit führe. Der Beschwerdeführer wirke aktu
ell müde, aber nicht depressiv. Wegen der starken Erschöpfung sei er aktuell und auf absehbare Zeit in jeglicher Tätigkeit zu 1
00
%
a
rbeitsunfähig (
Urk.
12/14/1-4)
Im Bericht
vom 2
0.
März
2017
hielt
Dr.
B._
fest, aufgrund der nun seit mehr als sechs Monaten anhaltenden Symptomatik mit Abgeschlagenheit stelle er
die Diagnose einer Hepatitis-E-Infektion als Ursache für die protrahierten Beschwerden zwar in Frage. Wegen der nach wie vor vorhandenen laboranaly
tischen Hinweise sei er aber weiterhin der Auffassung, dass der Beschwerdefüh
rer an einer Hepatopathie leide und seine Beschwerden somatisch begründbar seien. Weitere medizinische Untersuchungen zur Klärung der Ursache respektive Diagnose seien geplant. Deshalb bitte er die IV-Stelle
,
mit ihrem Entscheid zuzuwarten (
Urk.
12/22/1-2). Am 1
4.
Juni 2017
berichtete
Dr.
B._
der IV-Stelle telefonisch
über den neuen Laborbefund. Gemäss Aktennotiz der IV-Stelle gab er an, dass
bezüglich Blutbild und Leberwerten gewisse Werte leicht zu hoch oder zu niedrig gewesen seien, aber nicht
in richtungsweisendem Aus
mass.
N
ach Rücksprache mit der Laborleitung und der
Infektiologie
seien
keine weiteren Abklärungen geplant (
Urk.
12/28,
Urk.
12/31/2
; vgl. auch
Urk.
12/35
).
Nach Erlass der leistungsabweisenden angefochtenen Verfügung verfasste
Dr.
B._
den Bericht vom 2
9.
August 201
7.
Darin hielt er fest,
d
ie
g
esundheit
liche Situation sei unverändert; der Beschwerdeführer habe weiterhin erhöhte Leberwerte, welche wohl mit der schnellen Erschöpfbarkeit
zusammen hingen
. Es fehle aber nach wie vor eine somatische oder psychische Ursache für die Symptomatik beziehungsweise eine Diagnose, worauf diese zurückgeführt wer
den könne. Geplant sei nun eine
gastroenterologische
Abklärung im
C._
, welche möglicherweise eine Erklärung bringen könne für die erhöhten Leberwerte (
Urk.
12/35).
3.
2
Der Neurologe
Dr.
D._
vom RAD hatte mit Blick auf die vom Hausarzt
Dr.
B._
eingereichten Berichte festgehalten, dass eine Hepatitis E in der Regel keine lang dauernde, zu einer Invalidität führende Einschränkung der Arbeits
fähigkeit zu bewir
ken vermö
g
e
. Dieser Einschätzung
hielt der Internist
Dr.
B._
entgegen, dass es auch chronisch verlaufende Hepatitis-E–Infektionen gebe, die zwar vor allem bei immuninkompetenten Patienten vorkämen, dennoch könn
ten Beschwerden wie Abgeschlagenheit grundsätzlich auch viele weitere
Wochen oder Monate vorhanden sein (
Urk.
12/18/1). Der von ihm wegen der erhöhten Leberwerte veranlasste neue Laborbefund ergab allerdings keine rich
tungsweisenden Werte, was der Arzt der IV-Stelle am 1
4.
Juni 2017 telefonisch mitteilte (
Urk.
12/28).
3.3
Der Hausarzt betonte immer wieder, der Versicherte sei glaubhaft in seinen Ausführungen und Darstellungen. Aus den von
Dr.
B._
eingereichten Berich
ten über die Behandlungen gehen konstante Schilderungen über enorme Müdigkeit und teilweise starke Kopfschmerzen hervor (
Urk.
12/14). Der Ver
sicherte schilderte im Schreiben vom
3.
April 2017, er habe immer wieder Schwächeanfälle gehabt, habe kaum stehen können und habe zu zittern begon
nen. Er sei öfters von den Arbeitskollegen darauf aufmerksam gemacht worden, dass er sehr bleich aussehe, sein Chef habe gar gesagt, er sehe aus wie ein Dro
gensüchtiger. Er habe sich an den Wochenenden und auch nach einer Woche Krankschreibung nicht erholen können. Als er wieder einen Tag gearbeitet habe, sei der Tag eine einzige Qual gewesen (
Urk.
12/20). Aufgrund seines gesund
heitlichen Zustandes wurde ihm die Stelle in der Probezeit per Ende Januar 2017 gekündigt. Der Hausarzt betonte seinerseits, der Versicherte wolle durch
aus arbeiten, er habe jedoch in deutlich reduziertem Allgemeinzustand Mitte Dezember 2016 die neue Stelle als Koch in einem neuen Restaurant angetreten und habe sich durch die immense Arbeitsbelastung nicht erholen können (
Urk.
12/18/1).
Bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung am 2
3.
Juni 2017 waren keine weiteren Untersuchungen veranlasst worden. Kurz danach allerdings, im Schreiben des Hausarztes vom 2
9.
August 2017, berichtete dieser von der Über
weisung des Versicherten zur
gastroenterologischen
Abklärung ans
C._
zur Klärung des noch immer gleichen, reduzierten, die Arbeitsfähigkeit als gelernter Koch verunmöglichenden Gesundheitszustandes.
Der neuste Bericht bezieht sich somit auf den
noch ungeklärten
medizinischen Sachverhalt bei Erlass der angefochtenen Verfügung, welcher die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis bildet.
Aus dem Umstand, dass
Dr.
B._
weitere
f
achärztliche (
gastroenterologische
) Abklärungen veranlasste,
ist zu schliessen
, dass bei Erlass der angefochtenen Verfügung noch nicht sämt
liche medizinischen Abklärungen getätigt worden waren
,
die
für die Beurteilung
des gesundheitlichen Zustandes und
des Leistungsanspruchs
notwendig sind
.
Die Sache ist deshalb an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit sie die Resultate der von
Dr.
B._
veranlassten
medizinischen
Abklärungen abwarte, falls nötig weitere fachärztliche Untersuchungen in Auftrag gebe und danach gestützt
darauf erneut über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers verfüge. Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde.
4.
Ausgangsgemäss gehen die Ve
rfahrenskosten von
Fr.
5
00.
--
zulasten der
unter
liegenden
IV-Stelle
(
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).