# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 8402ebd4-17c6-47c4-b500-27f6920962c9
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
Seite 2 — 27
I. Sachverhalt
A. X._ wurde am _1964 in O.1_ geboren und wuchs zusammen mit seinem jüngeren Bruder in geordneten Familienverhältnissen bei seinen Eltern in O.2_ auf, wo er die Grundschule besuchte und die Matura machte. Nachdem er das Studium an der Hochschule O.2_ abgebrochen hatte, bildete er sich in O.3_ zum Informatiker aus. Im Anschluss an eine zweijährige Tätigkeit bei der Firma A._ machte er sich selbständig (B._ AG). X._ erwirbt nach Angaben des Gemeindesteueramtes O.4_ ein monatliches Nettoeinkommen von Fr. 2‘685.00 und weist ein Vermögen von rund Fr. 80‘000.00 aus.
Im schweizerischen Zentralstrafregister ist X._ nicht verzeichnet. Im  sind folgende Massnahmen gegen X._ aufgeführt:
- Führerausweisentzug vom 29. September 2007 bis 28. Januar 2008 (Grund: Geschwindigkeit);
- Führerausweisentzug vom 20. Januar 2007 bis 19. Februar 2007 (Grund: Geschwindigkeit, Überholen).
B. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Graubünden (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) vom 27. Mai 2011, mitgeteilt am 31. Mai 2011 (vgl. act. E.2/1.13), wurde X._ der groben Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 34 Abs. 4 SVG, Art. 35 Abs. 2 und 3 SVG sowie Art. 10 Abs. 2 VRV in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 2 SVG für schuldig befunden. Dafür wurde er bestraft mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je Fr. 70.00, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von zwei Jahren, sowie einer Busse von Fr. 300.00, bei schuldhafter Nichtbezahlung ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von fünf Tagen, alles unter Kostenfolge zu Lasten von X._.
C. Gegen diesen Strafbefehl erhob X._ am 8. Juni 2011 Einsprache (vgl. act. E.2/1.14). Die Staatsanwaltschaft ergänzte in der Folge die Strafuntersuchung. Am 19. Januar 2012 fanden staatsanwaltschaftliche Konfronteinvernahmen zwischen X._ und C._ einerseits (vgl. act. E.2/1.28) und X._ und D._ andererseits (vgl. act. E.2/1.29) statt.
D. Am 10. Februar 2012 teilte die Staatsanwaltschaft X._ mit, dass die Strafuntersuchung abgeschlossen sei. Gleichzeitig stellte sie auf Grund der
Seite 3 — 27
tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse die Anklageerhebung beim Gericht gemäss Art. 324 ff. StPO wegen grober Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 90 Ziff. 2 SVG in Aussicht. X._ wurde eine Frist von zehn Tagen angesetzt, um allfällige Beweisanträge geltend zu machen (vgl. act. E.2/1.32).
E. Am 4. Juni 2012 übermittelte die Staatsanwaltschaft die Verfahrensakten ans Bezirksgericht Prättigau/Davos. Ihrer Anklageschrift legt die Staatsanwaltschaft folgenden Sachverhalt zu Grunde (vgl. act. E.2/1.38):
„Am Montag, 21. März 2011, um ca. 09.00 Uhr, fuhr der Beschuldigte mit seinem Personenwagen E._, Kontrollschild _ (CH), auf der _strasse von O.5_ kommend in Richtung O.6_. Zwischen O.7_ und O.8_, auf Gemeindegebiet O.7_, überholte er mit einer Geschwindigkeit von über 80 km/h vier ihm vorausfahrende Fahrzeuge. Während des Überholmanövers bemerkte der Beschuldigte Gegenverkehr. Trotz dieses Gegenverkehrs überholte der Beschuldigte auch noch das letzte der vier ihm vorausfahrenden Fahrzeuge und konnte letztlich nur noch weniger als 50 Meter vor dem entgegenkommenden Fahrzeug brüsk und mit geringem Abstand vor das überholte Fahrzeug auf seine Fahrspur zurückschwenken. Der entgegenfahrende Fahrzeuglenker, welcher mit ca. 75 km/h fuhr, hatte seinen Fuss vom Gaspedal genommen, um eine drohende Kollision mit dem Beschuldigten zu vermeiden. Beim Entscheid, das begonnene Überholmanöver trotz Gegenverkehr zu beenden und auch noch das letzte der vier vor ihm fahrenden Fahrzeuge zu überholen, zog der Beschuldigte zumindest aus grober Pflichtwidrigkeit nicht in Betracht, dass er mit seinem Verhalten in vorhersehbarer Weise eine gefährliche Verkehrssituation schaffen würde.“
Ferner stellte die Staatsanwaltschaft in Ziffer 3. der Anklageschrift die folgenden Anträge:
„3.1.Der Beschuldigte sei schuldig zu sprechen der groben Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 34 Abs. 4 SVG, Art. 35 Abs. 2 und 3 SVG, Art. 4a Abs. 1 lit. b VRV und Art. 10 Abs. 2 VRV in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 2 SVG.
3.2. Dafür sei er zu einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je CHF 70.00, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von zwei Jahren, und einer Busse von CHF 300.00, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 5 Tagen, zu bestrafen.
3.3. Kostenfolge sei die gesetzliche.“
F. Die Hauptverhandlung, zu der mit prozessleitender Verfügung vom 28. Februar 2013 (vgl. act. E.2/5) vorgeladen wurde, fand am 30. Mai 2013 statt. X._ war dazu persönlich erschienen. Er wurde von seinem privaten Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. iur. Jürg Domenig, begleitet. Die Staatsanwaltschaft war nicht zugegen. X._ stellte die folgenden Schlussanträge (vgl. act. E.2/7):
„Anträge von X._:
Seite 4 — 27
1. Der Angeklagte ist vom Vorwurf der groben Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 34 Abs. 4 SVG, Art. 35 Abs. 2 und 3 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 2 SVG freizusprechen.
2. Unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge.“
G. Das am 30. Mai 2013 gefällte und gleichentags mündlich eröffnete Urteil des Bezirksgerichts Prättigau/Davos wurde X._ am 31. Mai 2013 ohne schriftliche Begründung im Dispositiv mitgeteilt. Gegen dieses Urteil meldete X._ am 6. Juni 2013 Berufung beim Bezirksgericht Prättigau/Davos an (vgl. act. E.2/11). Daraufhin teilte das Bezirksgericht Prättigau/Davos den Parteien am 28. August 2013 das begründete Urteil mit. Darin erkannte es wie folgt:
„1. X._ ist schuldig der groben Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 34 Abs. 4 SVG, Art. 35 Abs. 2 und 3 SVG, Art. 4a Abs. 1 lit. b VRV und Art. 10 Abs. 2 VRV in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 2 SVG.
2. Dafür wird X._ bestraft mit
a) einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je CHF 70.00. Der Vollzug der Geldstrafe wird unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren aufgeschoben.
b) einer Busse von CHF 300.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse beträgt 5 Tage. Sie tritt an die Stelle der Busse, soweit dieselbe schuldhaft nicht bezahlt wird.
3. a) Die Kosten des Verfahrens von CHF 4‘361.00 (Untersuchungsgebühren und Auslagen der Staatsanwaltschaft Graubünden CHF 2‘561.00, Gerichtsgebühren CHF 1‘800.00) gehen zu Lasten des X._.
b) X._ schuldet dem Bezirksgericht Prättigau/Davos folglich:
Busse CHF 300.00
Verfahrenskosten CHF 4‘361.00
Total CHF 4‘661.00
In Rechtskraft erwachsene Bussen und Verfahrenskosten sind innert 30 Tagen nach der Zustellung des Entscheids mit beiliegendem Einzahlungsschein zu bezahlen.

## Considerations