# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 4b4f4633-4707-4fae-a183-078ad8af297c
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_007
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt
A. Der Kläger B._ ist ein deutscher Steueranwalt mit Wohnsitz in C._. Er wird von deutschen Strafverfolgungsbehörden strafbarer Handlungen in seiner Rolle als Berater/Gutachter bei gewissen Aktien-Transaktionen beschuldigt, welche dem deutschen Staat einen sehr erheblichen Schaden zugefügt haben sollen.
Die vor Regionalgericht ins Recht gefassten L._ (in erster Instanz Beklagte 1) und A._ GmbH (in erster Instanz Beklagte 2) sind Versicherungsgesellschaften mit Sitz in E._. Der Streit geht darum, ob der Kläger in einem gegen ihn hängigen Strafverfahren in H._ vertraglich Rechtsschutz zugut hat.
B. Die dem vorliegenden Verfahren materiell zugrunde liegenden Vorgänge beschlagen das deutsche Steuerrecht. Nach einer summarischen Recherche im Internet, namentlich in der populären Plattform "Wikipedia", lässt sich die Problematik grob und unter allen Vorbehalten etwa so zusammenfassen:
Die Kombination des Verkaufs einer Aktie kurz vor dem Termin der Dividendenzahlung ("cum") und dem Rück- oder Weiterverkauf der Aktie kurz nach dem Dividendentermin ("ex") scheint bisweilen durch die Erlangung von Steuervorteilen motiviert gewesen zu sein. So waren "cum-ex"-Geschäfte eine bestimmte Form von Transaktionen mit Aktien um den Tag der Dividendenauszahlung herum. Investoren und Banken handelten Aktien mit („cum“) Dividendenanspruch, also vor dem Auszahlungstag und wenn die Dividende noch nicht ausbezahlt war, und ohne („ex“) Dividendenanspruch nach dem Auszahlungstag, wenn die Dividende gerade geflossen war. Auf Dividenden wird in Deutschland eine substanzielle Steuer erhoben, vergleichbar der schweizerischen Verrechnungssteuer. Institutionelle Investoren, wie zum Beispiel Fonds oder Banken, können diese Steuer vom Staat zurückfordern. Offenbar wurde in der Vergangenheit aufgrund von "cum/ex"-Transaktionen die mehrfache Erstattung von nur einmal abgeführten Steuern verlangt. Die Strafverfolgungsbehörden gehen davon aus, die an solchen Geschäften Beteiligten hätten das bewusst und systematisch betrieben, und B._ sei dafür mitverantwortlich. Von 2001 bis 2016 sollen dem deutschen Staat mit "cum/ex"- Transaktionen mindestens 10 Mrd. Euro und mit ähnlichen ("cum/cum" genannten) Geschäften weitere 20 Mrd. Euro an Steuereinnahmen entgangen sein. Es besteht Konsens darüber, dass die vom Staat einmal vereinnahmte Abzugsteuer aus wirtschaftlicher Sicht auch nur einmal zurückerstattet werden
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soll. Ob das systematisch betriebene mehrfache Zurückfordern darüber hinaus nach dem geltenden Recht im Zeitpunkt der heute zur Diskussion stehenden Geschäfte und für die heute diskutierten Handlungen von B._ strafbar war, ist weniger klar. B._ streitet das ab. Es sind Bestrebungen im Gang, das Steuerrecht zu reformieren: als Folge eines parlamentarischen Vorstosses vom 13. November 2018 (Drucksache Bundestag 19/5765) legte die deutsche Regierung mit der Drucksache 19/27632 vom 17. März 2021 den Entwurf für ein "Abzugssteuerentlastungsmodifizierungsgesetz (AbzStEntlModG)" vor. Das beweist nicht, dass das Verhalten B._ straflos war; das geplante Gesetz kann auch das Verfolgen bisher bereits strafbaren Verhaltens erleichtern. Es wird aber doch ausdrücklich erwähnt, dass eine in der Presse als "Steuer-Schlupfloch" bezeichnete Lücke in der Gesetzgebung geschlossen werden soll – was ein gewisses Indiz dafür ist, das Ausnützen dieser Lücke könnte der strafrechtlichen Ahndung entgehen. Das kann allerdings vorliegend offen bleiben, wie sich zeigen wird.
C. Das angefochtene Urteil ist nicht leicht lesbar. Es gibt auf siebzehn einander folgenden Seiten in indirekter Rede Standpunkte der Parteien wieder, was auch eine sorgfältige und aufmerksame Leserin überfordert. Sinnvoller (und Art. 238 lit. g ZPO besser nachkommend) wäre es gewesen, einen knappen Überblick über die Situation zu geben und dann die von Amtes wegen zu prüfenden und die strittigen Fragen einzeln abzuarbeiten – selbstredend soweit nötig mit dem Referieren der Parteivorbringen. So soll es im Folgenden gehalten werden. - Generell soll ein Urteil aus sich heraus und ohne Studium der Akten zu verstehen sein, nicht nur, um der oberen Instanz ihre Arbeit zu ermöglichen, sondern ebenso im Interesse der Parteien, welche das Urteil konkret und substanziert müssen kritisieren können. Das Bundesgericht kann ungenügend redigierte kantonale Entscheide gestützt auf Art. 112 Abs. 3 BGG von Amtes wegen zurückweisen: "es steht ihm nicht zu, sich an die Stelle der Vorinstanz zu setzen, die ihrer Aufgabe nicht nachgekommen ist" (BGer 5A_913/2018 v. 14.5.2019 E. 2 und BGer 5A_1016/2018 v. 9.10.2019 E. 2). Das ist analog auch für kantonale Rechtsmittelverfahren anzunehmen (OGer ZH LB200003 v. 16.12.2020 und OGer ZH LB190052 v. 14.9.2020).
In diesem Sinn genügt es einstweilen darauf hinzuweisen, dass B._ Partner der Anwaltskanzlei K._ war (im Folgenden abgekürzt mit "K._"). Diese erhielt am 24. Februar 2011 von einer im Kopf des Dokumentes nicht weiter spezifizierten "L._" einen Versicherungsschein zur " PRS G._". Der Versicherungsumfang wurde mit "Straf-
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Rechtsschutz für Unternehmen" angegeben. Für die Vertragsbestimmungen im Detail wurde auf vorformulierte Versicherungsbedingungen verwiesen, welche in dem Versicherungsschein und auch im Folgenden mit "ABStU" abgekürzt werden (Allgemeine Bedingungen zum Straf-Rechtsschutz für Unternehmen). Das versicherte Unternehmen wurde bezeichnet als "Rechtsanwalts- /Steuerberatungskanzlei". Als Besonderheit wurde vereinbart, dass "mögliche weitere Verfahren die aus dem Verfahren gegen Herrn B._ wegen der Beihilfe zur Steuerhinterziehung (AZ 3 032 07) resultieren" von der Versicherung ausgenommen seien (act. B.4).
D. Dem angefochtenen Urteil ist nicht zu entnehmen, ob Schlichtungsverfahren stattgefunden haben. Allerdings ist es wahrscheinlich, dass ein Verzicht von B._ oder aller Beteiligten im Sinne von Art. 199 ZPO vorlag. Auf Weiterungen kann verzichtet werden, unter Hinweis an das Regionalgericht, dass von Amtes wegen zu prüfende Prozessvoraussetzungen in der Begründung eines Urteils erwähnt werden sollten, wenn eine Besonderheit vorliegt, und das ist beim Verzicht auf das Schlichtungsverfahren der Fall.
E. B._ leitete zwei Verfahren ein, das erste gegen die L._, das zweite gegen die A._ GmbH. In beiden Fällen soll er laut dem angefochtenen Urteil die Feststellung verlangt haben, die Gegenpartei schulde ihm bedingungs- /tarifgemässe Deckung für den Versicherungsfall vom 10. April 2013, unter Hinweis auf das unter dem Aktenzeichen 113 Js 952 / 13 von der Staatsanwaltschaft H._ gegen ihn geführte Verfahren. Im Sinne der Hinweise in den vorhergehenden Abschnitten wäre es wünschbar gewesen, dass das Regionalgericht die Rechtsbegehren im Wortlaut wiedergegeben hätte. In diesem Fall mag die indirekte Rede ausnahmsweise genügen.
F. Die Verfahren wurden vereinigt. Die weitere Prozessgeschichte ist im angefochtenen Urteil referiert und hier nicht zu wiederholen.
G. Mit Urteil vom 10. Dezember 2019, mitgeteilt am 11. Februar 2021, entschied das Regionalgericht über die beiden Klagen wie folgt:
1. Die Klage gegen die Beklagte 1 wird abgewiesen.
Die Klage gegen die Beklagte 2 wird gutgeheissen, und es wird festgestellt, dass sie verpflichtet ist, dem Kläger bedingungs-/tarifgemässe Deckung für den Versicherungsfall vom 10. April 2013 (Ermittlungsverfahren gegen den Kläger; Aktenzeichen der Staatsanwaltschaft H._: 113 Js 952 / 13; Schadensnummer der Beklagten: 90 RS I._) aufgrund des unter der Versicherungsschein-Nr. PRS G._ der L._ abgeschlossenen Versicherungsvertrages zu gewähren.
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2. Die Gerichtskosten von CHF 15'000.— werden anteilsmässig zu 1/3 dem Kläger und zu 2/3 der Beklagten 2 auferlegt und mit den klägerischerseits geleisteten Vorschüssen von CHF 10'000.— verrechnet, unter Erteilung des Regressrechts auf die Beklagte 2 im Umfang von CHF 5'000.--.
Der Kläger wird verpflichtet, die Beklagte 1 ausseramtlich pauschal mit CHF 2'500.— zu entschädigen.
Die Beklagte 2 wird verpflichtet, den Kläger ausseramtlich pauschal mit CHF 5'000.— zu entschädigen.

## Considerations