# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 4ae8cee1-acba-483f-9827-eec27cc1ee97
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1982 geborene und zuletzt als
Pflegehelferin tätig gewesene X._
meldete sich am 4. September 2017 unter Hinweis auf eine Stich
verletzung über dem MCP II
radialseits
der linken Hand bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/8). Die Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte Abklärungen in erwerblicher und medizinischer Hinsicht
und teilte der Versicherten am 5. Februar 2018 (
Urk.
7/28) mit, dass keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien. Die IV-Stelle zog sodann die Akten des Unfallversicherers (
Urk.
7/51-52) mitsamt dem von ihm bei der
Y._
eingeholten interdisziplinären Gutachten vom 23. Mai 2019 (
Urk.
7/52/120-153) bei. Mit Vorbescheid vom 3. September 2019 (
Urk.
7/57) stellte sie der Versicherten die Abweisung des Leistungs
begehrens in Aussicht. Nach erhobenen Einwänden (
Urk.
7/58 und
Urk.
7/61) und Eingang neuer medizinischer Unterlagen (
Urk.
7/68,
Urk.
7/72) führte die IV
Stelle am 8. Juli 2020 (
Urk.
7/79) eine Haushaltabklärung durch. Am 4. und 5. sowie 7. Oktober 2020 liess sich die Versicherte erneut vernehmen (
Urk.
7/91
92 und
Urk.
7/95). Die IV-Stelle verneinte mit Verfügung vom 13. Oktober 2020 (
Urk.
7/98) den Anspruch auf eine Invalidenrente
, wogegen die Versicherte am 1
2.
November 2020 (
Urk.
7/100/3-56) Beschwerde erhob. Das Verfahren wurde mit Verfügung des hiesigen Gerichts vom
3.
Dezember 2020 (
Urk.
7
/109/1-4) im Prozess-Nr. IV.2020.00798 als gegenstandslos abgeschrieben, nachdem die IV-Stelle am 2
0.
November 2020 (
Urk.
7
/101) die angefochtene Verfügung wieder
erwägungsweise aufgehoben und nach Abschluss weiterer Abklärungen eine neue Verfügung in Aussicht gestellt hatte.
1.2
Die
IV-Stelle
tätigte sodann
weitere medizinische Abklärungen und stellte mit Vorbescheid vom 2. Februar 2021 (Urk.
7/
124) die erneute Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht. Am 25. Februar 2021 (Urk.
7/
128/3-11) erhob die Beschwerdeführerin Rechtsverweigerungsbeschwerde mit dem Hauptbegehren um Anweisung der Beschwerdegegnerin, innert einer vom Gericht angemessen festzusetzenden Frist, höchstens aber zwanzig Tagen, einen anfechtbaren Entscheid zu erlassen. Mit Urteil vom 1
6.
Juli 2021 (
Prozess Nr. IV.2021.00130,
Urk.
7/
139) wies das hiesige Gericht die Rechtsverweigerung
s
beschwerde ab unter dem Hinweis, dass das
Vorbescheidverfahren
gesetzlich vorgesehen und zwingend zu durchlaufen sei.
In der Folge liess sich die Versicherte am 1
4.
Sep
tember
2021 (
Urk.
7/
141/3-5) zum Vorbescheid vernehmen. Mit Verfügung vom
5.
November 2021 (
Urk.
2) wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab.
2.
Hiergegen erhob die Versicherte am
9.
Dezember
2021 Beschwerde mit den Anträgen, es sei der Entscheid
aufzuheben
und es sei ihr rückwirkend ab 1
7.
März
2018 eine Dreiviertel
s
-, mindestens aber eine halbe Rente zuzuspr
e
chen
; even
tualiter sei die Angelegenheit zur erneuten
Entscheidfindung
an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unent
geltlichen Rechtspflege sowie um Bestellung von
Advogada
Pontes
Clavadetscher
als unentgeltliche Rechtsvertreterin (
Urk.
1 S. 2). Die IV-Stelle schloss am 3
1.
Januar 2022 (
Urk.
6) auf Abweisung der Beschwerde, was der
Beschwerde
führerin
mit Verfügung vom
8.
Februar 2022 (
Urk.
12) zur Kenntnis gebracht wurde. Gleichzeitig wurde das Gesuch um unentgeltliche Rechtsvertretung und unentgeltliche Prozessführung aufgrund verspäteter Substantiierung abgewiesen.
3.
Die
Visana
Versicherungen AG als Unfallversicherer
sprach
der
Beschwerdefüh
rerin
mit
Einspracheentscheid
vom 2
3.
Dezember 2021
mit Wirkung ab
1.
Mai 2018 eine Invalidenrente basierend auf einer Erwerbsunfähigkeit von 23
%
bei einem versicherten Verdienst von
Fr.
44'610.60 (80
%
) im Betrag von
Fr.
855.05 sowie eine Integritätsentschädigung für eine Integritätseinbusse von 25
%
im Betrag von
Fr.
37'050.-- zu. Der Entscheid im dagegen angestrengten Beschwer
deverfahren ergeht am heutigen Tag im Prozess Nr. UV.2022.0001
9.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da die angefochtene Verfügung vor dem
1.
Januar 2022 erging, sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden (vgl. statt vieler: Urteile des
Bundesgerichts 8C_251/2022 vom 11. Juli 2022 E. 3.1 und 8C_804/2021 vom 1. Juni 2022 E. 2.2).
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.5
Gemäss dem in Art. 27
bis
Abs. 2–4 IVV per 1. Januar 2018 eingeführten neuen Berechnungsmodell für die Festlegung des Invaliditätsgrads von teilerwerbstäti
gen Versicherten nach der gemischten Methode (Art. 28a Abs. 3 IVG) werden der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Erwerbstätigkeit und der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich – weiterhin – summiert (
Art.
27
bis
Abs. 2 IVV). Die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Erwerbstätig
keit richtet sich nach
Art.
16 ATSG, wobei das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person durch die Teilerwerbstätigkeit erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, auf eine Vollerwerbstätigkeit hochgerechnet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. a IVV) und die prozentuale Erwerbseinbusse anhand des Beschäftigungsgrads,
den
die versicherte Person hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, gewichtet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. b IVV). Für die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich wird der prozentuale Anteil der Einschränkungen bei der Betätigung im Aufgabenbereich im Vergleich zur Situation, wenn die versicherte Person nicht invalid geworden wäre, ermittelt. Der Anteil wird anhand der Differenz zwischen dem Beschäfti
gungsgrad nach Absatz 3
lit
. b und einer Vollerwerbstätigkeit gewichtet (
Art.
27
bis
Abs. 4 IVV).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung vom
5.
November 2021 (
Urk.
2) davon aus, dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall nach wie vor zu 80
%
erwerbstätig
und zu
20
%
im
Haushalt
tätig wäre
(S. 1 f.). In angepasster Tätigkeit bestehe eine vollumfängliche Arbeitsfähigkeit (S. 2)
, wobei d
ie linke Hand
für unterstützende Handlungen genutzt werden
könne (S. 4). Die geklagte Schlaflosigkeit und Übermüdung führ
t
e
n
nicht zu einer schweren Aufmerksamkeitsstörung. Eine psychische Erkrankung liege nicht vor (S. 4). Bei Teilinvaliditä
t
sgraden von 18
%
im Erwerb und 34
%
im Haushalt resultiere ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 21
%
(S. 5).
2.2
Die Beschwerdeführerin kritisierte das Gutachten
der
Y._
in verschiedener Hinsicht (
Urk.
1
Ziff.
9,
Ziff.
18
ff.
und
Ziff.
36 ff.
).
Sodann brachte sie vor, die linke Hand könne nur bei Schmerzfreiheit grobe Gegenhaltefunktionen erfüllen, was die Ausnahme sei. Sie sei in der Aufmerksamkeit und den kognitiven Fähig
keiten beeinträchtigt und leide an einer chronischen Erschöpfung (
Ziff.
13 ff.
, vgl. auch
Urk.
7/100/3-56
Ziff.
44-61
).
Zum «Tabellenlohn» brachte sie vor, dass sie als in einem Niedriglohnberuf arbeitende Ausländerin die statistischen Werte nicht erzielen könne (
Ziff.
43
ff.). Sie schloss auf einen Abzug von 15
%
wegen der «Ausländereigenschaft» sowie 30
%
für «Behinderung», mithin das einge
schränkte Profil und die verminderte Leistungsfähigkeit (
Ziff.
65
).
Im Haushalt ging sie von einer Einschränkung von 60
%
aus und bei Annahme einer Arbeits
tätigkeit im Umfang von 50
%
(neben dem Haushalt) von einer solchen von 90
%
wegen des Erschöpfungssyndroms (
Ziff.
61 f.).
3.
3.1
3.
1.
1
Dem Gutachten der Fachleute der
Y._
vom 2
3.
Mai 2019
(
Urk.
7/52/120-153)
lagen Untersuchungen in den Bereichen Neurologie, Neuropsychologie, Chirurgie und Psychiatrie zu Grunde. Sie stellten folgend
e
Diagnosen (S. 29):
-
Stichverletzung über MPC II
radialseits
der linken Hand mit Sehnenbeteili
gung mit/bei
-
Wundexploration, Gelenkspülung und Naht
Dorsalaponeurose
am 18.3.2017
-
Rekonstruktion/Zentrierung
Streckerhaube
mittels distal
gestielter
Zügelungsplastik am 14.4.2017
-
Entwicklung eines CRPS (erstmalige Erwähnung am 1
2.
Mai
2017) bei allerdings nicht ganz eindeutig dokumentierter Befundlage
-
frustran
verlaufenden schmerztherapeutischen Massnahmen (medika
mentös inkl
usive
Opi
oide,
Ketamintherapie
, Neuromodu
lation mit Einpflanzung von E
l
ektroden ze
r
vikal)
Aktuell:
-
Chronifiziertes
Schmerzsyndrom der linken Hand nach Stichverletzung und wiederholten operativen Eingriffen (ne
u
rologische Diagnose)
-
CRPS I im Endstadium an der linken Hand mit
Einsteifung
sämtlicher Lang
fin
ger und persistier
e
nder Schmerzsymptomatik (handchirurgische Diagnose)
-
ohne krankheitswertige psychiatrische oder neuropsychologische gesundheitliche Beeinträchtigung
-
depressiv gefärbte Anpassungsstörung
(unfallfremd)
3.
1.
2
Die Gutachter führten in hand-/unfallchirurgischer Hinsicht aus (S. 25 f.), beim Unfall sei es
zu einer Längsläsion der radial streckseitigen Anteile der
Strecker
haube
gekommen. Bei der Erstversorgung der Wunde
sei
diese Läsion nicht definitiv versorgt worden, so dass es in der Folge zu einer
Dezentrierung
der Streckse
hne über das Grundgliedköpfchen
hinweg nach
ulnar
gekommen
sei
. In einem zweiten Eingriff
sei
die dislozierte Strecksehne mittels distal gestellter Z
ü
gelungsplastik
rezentriert
worden. Zu diesem Zeitpunkt
habe
man wegen der starken Schm
e
rzhaftigkeit in diesem Bereich ein drohendes CRPS
I
vermutet und trotz fehlender weiterer Kriterien für ein solches eine entsprechende medikamen
töse Therapie eingeleitet. Im weiteren Verlauf
sei
es dann zum Vollbild eines CRPS gekommen, wegen der erheblichen Schmerzsymptomatik
habe
die indizierte ergotherapeutische
Ü
bungs-Behandlung nicht durchgeführt werden
können
, zumal die dann in der Schmerzambulanz des Universitätss
pitals Z._
aufge
nommene medi
kamentöse Therapie keinerlei Besserung der Beschwerdesympto
matik erbracht
ha
be
. Die nachfolgende
Einsteifung
der Langf
in
ger
sei
durch unterschiedlichste Schmerz
t
herapieverfahren nicht zu verhindern gewesen und
habe
letztendlich zum jetzigen Zustand geführt. Im Verlauf
sei
weder durch eine fünfmalige
Ketamininfusion
noch durch Modifikation der Schmerzmedikation
noch
durch eine Neuromodulation mit Einpflanzung von Elektroden zervikal eine
Ä
nderung des Zustandsbildes zu erreichen gewesen.
Es
bestünden
nach wie vor persistierend eine Ruhe- und Belastungsschmerzhaf
tigkeit, eine aktiv und passiv nicht beeinflussbare
Einsteifung
der Langfinger sowie Zeichen einer
Allodynie
. Die vegetativen und trophischen Zeichen eines akuten CRPS
bestünden
aktuell nicht mehr. Die Beugekontraktur im PIP-Gelenk des Zeigefingers resultier
e
zum einen aus einer wohl
längerstreckigen
Verklebung des Strecksehnenapparates von der
Streckerhaube
bis auf das Grundglied reichend bei
Rezentrierung
der Strecksehne und der zu keinem Zeitpunkt durch
führbaren ergotherapeutischen Mobilisation. Konsekutiv
sei
es hier zu einer Schrumpfung der
palmaren
Platte (beugeseitige Gelenkskapselanteile) gekom
men, so dass sich jetzt die vorgefundene fixierte Beugekontraktur ausgebildet ha
be
. Im Bereich des Mittel- und Ringfingers finde sich eine fixierte sogenannte Schwanenhalsdeformität ohne relevante Restbe
w
eglichkeit der Grund-, Mittel- und Endgelenke bei
Ü
berstreckstellung des PIP-Gelenks. Die beginnende
Palmar
fibromatose
ha
be
keinen Einfluss auf diese Deformität. Diese Fehlstellung
sei
nicht simulierbar und Folge einer Störung des Gleichgewichts zwischen dem Beuge- und Strecksehn
e
napparat.
Die Experten führ
t
en weiter aus, e
s resultier
e
eine erhebliche Einschränkung der linken Hand mit Aufhebung sämtlicher Greiffunktionen und eine glaubhaft vorgetragene persistierende Schmerzsymptomatik mit Hyperästhesie und
Allo
dynie
unter Betonung des Zeigefingers. Bei gut erhaltener Beweglichkeit und Schmerzfreiheit des Daumens könn
t
en grobe Gegenhalt
ef
unktionen erfüllt werden, dies jedoch nur kurzzeitig wegen der bestehenden Schmerzsymptomatik. Insgesamt entspr
e
ch
e
das Bild einem CRPS im Endstadium. Somit
seien
sämtliche Tätigkeiten mit Anforderung an jegliche Greiff
u
nktionen linksseitig nicht mehr durchführbar, möglich s
e
i
e
n lediglich noch einhändige manuelle Tätigkeiten. Bezüglich der Schmerzsymptomatik
sei
die Prognose unsicher, operative Korrek
tu
rm
assnahmen der Langfingerfehlstellungen s
e
i
e
n beim derzeitigen Endzustand des CRPS als sehr riskant einzustufen. Die Schmerztherapie
sei
bereits im April 2018 wegen Ausbleiben
s
jeglichen Erfolges abgebrochen
worden
.
3.
1.
3
Betreffend die neurologische Untersuchung hielten die Gutachter fest (S. 26 f.),
die
Beschwerdeführerin beklage gegenwärtig
einen Ruhedauerschmerz maxima
ler Intensität. Die Finger seien verkrampft, sie habe Kribbelerscheinungen in der gesamten linken Hand. Es w
e
rd
e
eine totale Gebrauchsunfähigkeit der linken Hand angegeben. Klinisch-neurologisch finde sich ein unauffälliger Hi
rn
nerven
stat
u
s. Im motorischen System imponier
t
e
n
die Fehlhaltung der Finger D2-5 der linken Hand sowie äusserlich die knotige Veränderung der
Palmaraponeurose
links. Eine Kraftpr
ü
fung l
a
ss
e
sich nicht durchführen, da selbst bei einfachen Berührungen durch den Untersucher die Hand schmerzhaft weggezogen w
e
rd
e
, während die Probandin selbst diese wiederum berühren k
ö
nn
e
. Im sensiblen System w
e
rd
e
ein klopfender, pulsierender Dauerschmerz der gesamten Hand sowie des Armes angegeben. Eine Minderung des Vibrationsempf
in
dens l
a
ss
e
sich schmerzbedingt am Handgelenk links nicht objektivieren. Trophische Verände
rungen bes
tünden
nicht.
Die Gutachter konstatierten,
initial
sei
keine relevante Verletzung im Rahmen der explorativen Operation festgestellt
worden
,
später habe sich
MR-tomographisch sowie während der Zweitrevision eine Ruptur des sagittalen Bandes von D2
gefunden
. Es
sei
bereits vor der zweiten Operation der Verdacht ein
e
s CRPS gestellt
worden
, wobei die subjektiv seitens der
Beschwerdeführerin
genannten Veränderungen (Rötung, Schwellung, übermässiges Haarwachst
u
m) sich nur teilweise in der Aktenlage widerspiegel
te
n; zwar
sei
initial von Schwellung und Rötung die Rede, später jedoch von einer allgemeinen
Regredienz
beider Symp
tome. Eine veränderte
Trophik
mit Beteiligung des Nagelwachstums, Behaarung oder Temperaturunterschiede
n
w
e
rd
e
in den Akten nicht eindeutig dokumentiert.
Sämtliche medikamentöse
n
Therapien
hätten
versag
t
, wobei eine Erstlinienthera
pie mit
Bisphosphonaten
oder Steroiden nicht durchgef
ü
hrt w
orden sei.
Spätere Versuche mit
Trizyklika
,
Ketamininfusionen
und Opiaten
hätten
keinerlei Effekte
erbracht
; auch ein invasives
neuromodulatorisches
Herangehen über mehrere Wochen
habe
keine Entlastung
gezeigt
. In der heutigen Untersuchung fehl
t
en sämtliche objektivierbare
n
Kriterien eines CRPS; weder Schwellung
,
seitendiffe
rentes Hautkolorit, veränderte Behaarung oder
Temperaturunterschiede f
ä
nden sich an der betroffenen Hand. Des Weiteren w
e
rd
e
eine für
ein
CRPS untypische Schmerzqualität angegeben und nicht begründbar
sei
die selektive Ber
ü
hrungs
empfindlichk
e
it (heftige Reaktion nur durch die Hand des Untersuchers; Führen eines PKW mit Scha
l
tgetriebe jedoch möglich). Von dem Ka
rdinalsymptom einer
Allodynie
kö
nn
e
demnach nicht ausgegangen werden. Der äusserliche Aspekt der
Palmaraponeurose
erinner
e
gegenwärtig vielmehr an einen posttrauma
tisch/pos
toperativ entstandenen M.
Dupuy
tren
, welcher zur jetzigen Fehlhaltung der Finger beitr
a
g
e
.
Unerklärlich aus neurologischer Sicht
sei
die Planung und Durchführung eines operativen/invasiven Eingriffes w
ä
hrend bereits der Verdacht eines CRPS vor
ge
l
egen habe. Ferner müs
s
e
als äuss
e
rst problematisch die Einschätzung des Schmerztherapeuten
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin sowie Facharzt für Manuelle Medizin und Akupunk
tur, vom Institut B._
,
gewertet werden. Es
sei
die Rede von einem CRPS Typ
II
(einschliesslich Nervenläsion
;
vgl. hierzu Bericht vom 1
4.
Januar 2019
[
Urk.
7/52/170-171
]
, vgl. auch Bericht
e
vom
2
8.
Januar 2018 [
Urk.
7/95/7-8
]
und
1
4.
November 2019
[
Urk.
7/68
]
), wovon bei
fehlenden neurologischen klini
s
c
hen und elektrophysiologischen Untersuchun
gen zu keinem Zeitpunkt ausgegangen werden
könne
. Des Weiteren w
e
rd
e
der
Beschwerdeführerin
ein sehr schwerwiegendes Krankheitsbild mit schlechtester Prognose sowie Ausbreitung der Schmerzen und Arbeitsuntauglichkeit dargelegt
(vgl. Bericht vom 1
4.
Januar 2019,
Urk.
7/52/170-171
)
, welches einer möglichen Gesundung nur gegenteilig entgegenwirken k
ö
nn
e
. Erwiesenermassen
sei
eine Limitierung der Erkrankung und eine
Beschw
er
deregredienz
möglich und nicht ausgeschlossen.
Auf
neurologischer Ebene
seien
die jetzigen Beschwerden in Zusammenschau nicht mehr ausreichend begründbar; es
sei
von einem
chronifizierten
Schmerzsyndrom mit posttraumatisch/postoperativ ent
stande
nem
M.
Dup
u
ytren
der linken Hand mit hierdurch bedingter Fehlhaltung der Finger auszuge
h
en. Aufgrund der Angaben und der heutigen Untersuchung s
e
i
e
n ausserdem Symptomausweitung und -verdeutlichung anzunehmen. In Anbetracht der mas
siven Schmerzen
sei
aus neurologischer Sicht ein Integritätsschaden von 10
%
anzurechnen; eine völlige Funktionsuntauglichkeit der linken Hand (wie geltend gemacht) lieg
e
jedoch nicht vor. Eine Arbeitstätigkeit im Bereich des Gastro
nomieservices schein
e
eingeschränkt möglich (b
eispielsweise
Aufnahme von Bestellungen, Kassieren); durchaus vorste
l
lbar schi
e
nen überdies organisatorische Tätigkeiten in überwiegend sitzender Position ohne besonderen Bedarf einer Beidhändigkeit (b
eispielsweise
Telefonistin).
3.
1.
4
Zur
neuropsychologischen
Untersuchung führten die Gutachter aus (S. 27 f.), es
erg
e
b
e
sich ein sehr heterogenes Bild mit einerseits klinisch unauffälligen kogni
tiv-intellektuellen Fähigkeiten und andererseits diversen Minderleistungen in mehreren neuropsychologischen
T
ests. Aufgrund fehlender Hinweise auf eine hirnorganis
c
he Beteiligung l
ie
ssen sich die testpsychologisch gemessenen Minderleistungen nicht auf eine hirnorganisch begründbare Problematik zurück
führen. Vielmehr zeig
e
die durchgeführte Messung der verba
l
en Intelligenz im MWT-B einen IQ von 86 Punkten, der nur knapp im Normbereich lieg
e
(85 bis 115 Punkte). Es
sei
deshalb davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin
über eine lediglich knapp im Normbereich liegende sprachliche Intelligenz verfüg
e
, sodass die übrigen neuropsychologis
c
hen Testleistungen in diesem Kontext zu beurteilen s
e
i
e
n. Bei grenzwertiger Intelligenz
se
i erfahrungsgemäss zu erwarten, dass auch andere kognitive Fähigkeiten eher niedrig ausgebildet s
e
i
e
n, was sich im vorliegenden Fall bestätig
e
. Eine spezifische kognitiv-in
tellektuelle Beeinträchtigung kö
nn
e
deshalb nicht postuliert werden, zumal auch von n
e
uro
logische
r
Seite keine hirnorganische Begr
ü
nd
u
ng für eine solche Beeinträchti
gung vorlieg
e.
Damit könn
t
en aus neuropsychologischer Sicht krankheitswertige intellekt
u
ell-kognitive Störungen bei nachgewiesenermassen eher niedrigem intellektuellem Leistungsniveau ausgeschlossen werden. Eine neuropsychologisch begr
ü
ndbare Minderung der Arbeitsf
ä
higkeit lieg
e
nicht vor.
3.
1.
5
Anlässlich der psychiatrischen Untersuchung
(S. 28)
präsentiert
e
sich
laut den Gutachtern
eine affektiv leicht gedämpfte, ansonsten aber adäquate
Beschwerde
führerin
mit
dysthymer
Stimmung, wobei jedoch die diagnostisch
e
n Kriterien einer d
e
pressiven Störung nicht erfüllt
seien
. Die
dysthyme
Stimmung l
a
ss
e
sich im vorliegenden Fall gut erklären durch die unbefriedigende gesundheitliche und unklare berufliche und finanzielle Perspektive. Konkrete Aussichten auf eine berufliche Wiedereingliederung
bestünden
derzeit nach Angaben der
Beschwer
deführerin
nicht, zudem
sei
sie in Sorge, dass ihre Beschwerden noch schlimmer werden könnten, was ihr von Seiten eines behandelnden Arztes suggeriert worden sei. Eine ständige Traurigkeit vernein
e
sie, zudem schildere sie, sich auf ihr Baby zu freuen (sie
sei
derzeit in der 1
5.
Sch
w
angerschaftswoche). Depressive Symptome w
ü
rden verneint.
Aus der Vorgeschichte
sei
zu erwähnen, dass die
Beschwerdeführerin
vor 13 Jahren im Rahmen der Scheidung während eines halben Jahres in psychiatrisch-psychotherapeutische
r
Behandlung gewesen sei und
Cipralex
bekommen habe. Sie sei damals w
ahrend ca. 6 Monaten arbeitsunfä
hig gewesen. Die Gespräc
he
mit der Psychiaterin hätten ihr gutgetan, und sie habe nach ca. einem halben Jahr die Therapie beenden können. Vorübergehend sei sie damals fürsorgeabhängig gewesen
.
Aktuell s
e
i
e
n die diagnostischen Kriterien für eine depressive Stör
ung oder eine anhaltende somato
forme Schmerzstörung nicht erfüllt. Es
hätten
keine psychosozialen Belastungen oder Konflikte zum Zeitpunkt des Unfalls
bestanden, die so gravierend waren, dass sie geeignet wären, um als aufrechterhaltende Faktoren f
ü
r die Schmerzen zu fungieren. Es
lägen
anamnestisch auch keine Hinweise auf eine Störung der Persönlichkeit vor.
Zusammenfassend zeig
e
die aktuelle psychiatrische Untersuchung das unfal
l
fremde Vorliegen einer depressiv gefärbten Anpassungsstörung als Folge der unbefriedigenden gesundheitlichen Situation, der fehlenden beruflichen Perspek
tiven und der unklaren zukünftigen
sozioökonomischen
Situation. Dass sich die
Beschwerdeführerin
diesbezüglich Sorgen mache, sei
nachvollziehbar. Es erschein
e
deshalb auch sinnvoll, dass sie sich psychotherapeutisch unterstützen l
a
ss
e
. Eine unfallkausale psychiatrische Beeinträchtigung lieg
e
nicht vor, aus psychiatrischer Sicht l
a
ss
e
sich auch keine Arbeitsunf
ä
higkeit begründen.
3.
1.
6
Die Gutachter attestierten eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit in der ange
stammten Tätigkeit als Pflegehelferin aufgrund der Schmerzen und Funktions
einschränkungen in der linken Hand. Für eine ausschliesslich einhändige (rechts
händige) Tätigkeit bestünden keine Einschränkungen in zeitlicher Hinsicht, es bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Vorstellbar seien Tätigkeiten, bei denen der hochgradig eingeschränkten linken Hand nur zeitlich begrenzte Hilfsfunk
tionen abverlangt würden, wie etwa Überwachungsfunktionen, eine Tätigkeit als Telefonistin oder in einem Empfang ohne Notwendigkeit des Bedienens einer Tastatur (S. 31).
3.2
Im
B
ericht der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt vom
9.
Juli 2020 (
Urk.
7/79) über die Abklärung vom
8.
Juli 2020 führte die zustän
dige Abklärungsperson aus, im Bereich Ernährung (Gewichtung: 38
%
) werde nach Angaben der Beschwerdeführerin seit Eintritt des Gesundheitsschadens ein Grossteil der Arbeiten von Dritten durchgeführt. Die Mahlzeiten bereite heute der Ehemann vor, er koche auch für den anderen
(gemeint: nächsten)
Mittag. So brauche sie die Mahlzeiten am Mittag nur noch
aufzuwärmen
. Im Rahmen der Mitwirkungs- und Schadenminderungspflicht könne dem Ehemann und den beiden Söhnen
(2005 und 2007;
Tisch decken, abräumen,
Geschirrspüler
befüllen
und ausräumen) zugemutet werden, die Beschwerdeführerin bei den Reinigungs
arbeiten und beim Heben und
T
ransportieren von schweren Pfannen und Geschirr zu entlasten. Sie bemass die Einschränkung mit 40
%
.
Gestützt
auf die Schilderungen der Kundin sei
sie
im Bereich der Wohnungspflege (Gewichtung:
22
%
) deutlich eingeschränkt. Sämtliche körperlich
anspruchs
volleren
Tätigkeiten seien ihr seit dem erlittenen Unfall nicht mehr möglich.
Sie versuche, weiterhin körperlich leichte Tätigkeiten, wie z.B. abstauben oder Lavabo/WC reinigen, selbständig durchzuführen.
Anschliessend verstärkten sich jedoch die Schmerzen, so dass sie sich ausruhen müsse.
Die Beschwerdeführerin werde von ihrem Ehemann und der Schwägerin bei ihren Besuchen entsprechend bei den Reinigungsarbeiten entlastet. Unter Berücksichtigung der Schadenminde
rungspflicht und der Mitwirkungspflicht des Ehemannes und der beiden Söhne bezifferte sie die Einschränkung mit 50
%
.
Im Bereich Einkauf und weitere Besorgungen (Gewichtung: 7
%
) stosse die Beschwerdeführerin nach eigenen Angaben beim Tragen von schweren Einkaufs
taschen an ihre Grenzen, weshalb sie einmal pro Woche von ihrem Ehemann zu den Grosseinkäufen begleitet werde oder diese selber erledige, wenn es ihr aufgrund der Schmerzen nicht möglich sei. Die Abklärungsperson rechnete keine Einschränkung an unter Hinweis auf die zumutbare Mitwirkungspflicht des Ehemannes.
Pro Woche fielen laut Schilderung der Beschwerdeführerin drei bis vier Maschi
nen voll Schmutzwäsche an. Im Zweifamilienhaus könne sie an Tagen waschen, an denen es ihr gutgehe. Die Söhne oder der Ehemann würden die Schmutz
wäsche von der Wohnung im ersten Stock in die Waschküche im Keller tragen. Sie sortiere die Wäsche, fülle sie in die Maschine und wähle die Programme und gebe die Wäsche in den Tumbler. Die trockene Wäsche werde
wiederum
von den Söhnen oder dem Ehemann in die Wohnung getragen. Das Falten der Wäsche gelinge weiterhin in Etappen
. Die Abklärungsperson bezifferte die Einschränkung bei der Wäsche und Kleiderpflege (Gewichtung: 15
%
) mit 30
%.
Im Bereich
Betreuung
von Kindern (Gewichtung: 18
%
) erkläre die Beschwerde
führerin, das Baby (2019) besuche zu ihrer Entlastung an zwei Tagen in der Woche die Kinderkrippe. Sie könne es nicht herumtragen, indes wickeln, weil sie Pants verwende. Sie sei mit der Kleinen mehrheitlich zu Hause, es reiche daher aus, wenn sie Strumpfhosen und einen Body anhabe. Ihr Ehemann ziehe die Kleine mehrheitlich an. Auch sei sie nicht in der Lage, das Baby zu baden, ihr Ehemann übernehme dies. Die beiden Jungs seien selbständig. Sie vermöge die
erzieherischen Aufgaben weiterhin zu übernehmen. Die Abklärungsperson bemass die Einschränkung mit 20
%
.
Gesamthaft resultierte eine Einschränkung im Haushalt von 34.3
%
und gewich
tet mit der Haushalttätigkeit von 20
%
eine solche von 6.86
%
.
4.
4.1
Zur gesundheitlichen Situation und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin nahmen die Gutachter der
Y._
ausführlich Stellung. Die Expertise erfüllt die praxisgemässen Anforderungen an den Beweiswert. So ist sie für die
streitigen Belange umfassend, gibt sie doch Auskunft über die gesundheitliche Situation sowie zur verbleibenden Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
(
Urk.
7/52/120-153
S. 29 ff.). Das Gutachten beruht sodann auf den notwendigen Untersuchun
gen in neurologischer, neuropsychologischer, hand-/unfall
chirurgischer und psychiatrischer Hinsicht (S. 14 ff.). Die Experten berücksichtigten detailliert die geklagten Beschwerden (S. 15, S. 17 und S. 26 ff.) und ihnen waren die
Vorakten
bekannt (S. 3 ff.), welche sie entsprechend kritisch würdigten (S. 25 ff., insbeson
dere S. 27). Das Gutachten leuchtet weiter in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und die Schlussfolgerungen der Experten sind begründet. In diesem Sinne zeigten die Gutachter nachvollziehbar auf, dass aufgrund des verbleibenden chronischen Schmerzsyndroms sowie des CRPS I mit
Einsteifung
sämtlicher Langfinger die bisherige Tätigkeit nicht mehr zumutbar, indessen eine angepasste (einhändige) Arbeit vollzeitlich möglich ist.
4.2
Soweit die Beschwerdeführerin das neurologische Teilgutachten kritisiert und dabei insbesondere die Diagnose eines M.
Dupuytren
in Frage stellt (
Urk.
1
Ziff.
9
f.
und
Ziff.
18 ff.
), ist zu bemerken, dass nach
konsensualer
Einigung der Gutachter diese Diagnose im Hauptgutachten nicht gestellt wurde. Der neurolo
gische Teilgutachter beschrieb aber immerhin gewisse Auffälligkeiten, welche an der Diagnose eines CRPS hätten zweifeln lassen können. Die Diagnosestellung des - bei dieser Frage federführenden - Chirurgen wurde von den Experten als korrekt beurteilt und in die Diagnoseliste aufgenommen (
CRPS I im Endstadium an der linken Hand mit
Einsteifung
sämtlicher Lang
fin
ger und persistier
e
nder Schmerzsymptomatik)
. Es bestehen betreffend Diagnose demnach keine Differen
zen zwischen den Gutachtern und der Beschwerdeführerin. Anzufügen bleibt, dass
für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
nicht die
Diagnosen als solche, sondern deren konkrete
n
funktionelle
n
Auswirkungen auf das Leistungsvermö
gen der betroffenen Person entscheidend
sind
(Urteil des Bundesgerichts
9C_851/2018 vom 23. Mai 2019 E. 4.1.4 mit Hinweisen).
Die Beschwerdeführerin nannte denn auch
keine funktionellen Einschränkungen
,
welche die Gutachter
in Bezug auf die linke Hand
nicht berücksichtigt haben.
Im Zentrum der Kritik der Beschwerdeführerin steht die mangelnde Berücksichti
gung eines Erschöpfungssyndroms (
Urk.
1
Ziff.
15 ff.). Hierzu ist zu bemerken, dass den Gutachtern e
ine
eigentliche Erschöpfung offensichtlich nicht auf
fiel
(vgl. etwa
Urk.
7/52/141
) und die Beschwerdeführerin schilderte auch
lediglich unspezifisch eine allgemeine Erschöpfung
(
Urk.
7/52/136 unten)
. Aus dem Hinweis auf schmerzbedingte Schlafstörungen (
Urk.
7/52/129
unten f.) ergibt sich
ebenfalls keine relevante Pathologie
,
j
edenfalls nicht in einem Ausmass, welches die Arbeitsfähigkeit zusätzlich beeinträchtigt. So thematisierte
n
insbesondere weder
Dr.
A._
noch die Ärzte der Uni
versitäts
klinik
C._
(
Urk.
7/68
und
Urk.
7/72
) ein Erschöpfungssyndrom.
Auch wenn die Beschwerdeführerin unbestrittenermassen an einem Schmerzsyndrom der linken Hand leidet, führt dies nach der plausiblen Einschätzung der Gutachter nicht zu einer Arbeitsun
fähigkeit in angepasster Tätigkeit.
In Bezug auf die von der Beschwerdeführerin vermutete
Widersprüchlichkeit
des neuropsychologischen Gutachtens in Bezug auf die sprachliche Intelligenz (
Urk.
1
Ziff.
23 ff.) ist zu bemerken, dass eine knapp im Normalbereich liegende sprach
liche Intelligenz festgestellt wurde, welcher bei der Arbeitsfähigkeitsbeurteilung keine Bedeutung zugemessen wurde. Bei diesem Test geht es indes nicht um die Fähigkeit, beispielsweise telefonieren zu können, sondern um das schnelle Verständnis eines Textes sowie den Wortschatz. Dass einfachere Telefonate etwa an einem Empfang (vgl. hierzu den Vorhalt der Beschwerdeführerin,
Urk.
1
Ziff.
38) deshalb nicht möglich sein sollten, ist dem Gutachten und den übrigen Akten nicht zu entnehmen. Immerhin wurden bei der Untersuchung keine Hinweise auf eine
aphasische
Störung gefunden und das verbale Kommunika
tionsverhalten als unauffällig beurteilt (
Urk.
7/142).
4.3
Ausgewiesen ist, dass der linken Hand nur zeitlich begrenzte Hilfsfunktionen abverlangt werden können. In diesem Sinne ist nicht näher auf das von der Beschwerdeführerin thematisierte Schmerzsyndrom einzugehen, weil dies von den Gutachtern gerade berücksichtigt und deswegen nur noch ein ganz unterge
ordneter Einsatz der linken Hand als zumutbar erachtet wurde. Eine psychische Erkrankung wurde sodann ausgeschlossen und die Beschwerdeführerin machte auch selber nicht geltend, psychisch krank zu sein.
Damit erweist sich das durch die Gutachter umschriebene Profil für eine noch zumutbare Arbeitstätigkeit (Tätigkeiten, bei denen der hochgradig eingeschränk
ten linken Hand nur zeitlich begrenzte Hilfsfunktionen abverlangt werden, E. 3.
1.
6) als nachvollziehbar. Die Beschwerdeführerin bestritt denn auch weder dieses Profil noch die Restarbeitsfähigkeit von 100
%
substantiiert. Auf das unbegründete Bestreiten einer Arbeitsfähigkeit von gar lediglich 80
%
(
Urk.
1
Ziff.
65
)
respektive die in den Raum gestellte Arbeitsfähigkeit von 50
%
(
Urk.
1
Ziff.
62)
ist angesichts der eindeutigen Aktenlage nicht weiter einzugehen
,
zumal auch die Ärzte der Universitätsklinik
C._
eine Tätigkeit mit Gebrauch der rechten Hand mit Heben von Lasten bis 5 kg als zumutbar erachteten, ohne eine zeitliche Einschrä
n
kung zu formulieren (Bericht vom 1
8.
Dezember 2019,
Urk.
7/72).
5.
5.1
Die Kritik der Beschwerdeführerin an der durch die Abklärungsperson festgestell
ten Einschränkung im Haushalt (
Urk.
1
Ziff.
54 ff.) erschöpft sich im Wesent
lichen i
m
der ihrer Ansicht nach zu hohen Einbezug der Mithilfe des Ehemannes und der beiden Söhne. Sie brachte sodann vor, dass sie bereits heut
e
(ohne weitere
Erwerbstätigkeit
) mindestens 60
%
der Arbeiten, die sie früher allein erledigt hat, gar nicht mehr erbringen könne. Bei weiteren 30
%
könne sie die Arbeit unter Schmerzen und mit Pausen mit deutlich erhöhtem Zeitbedarf erledigen. Hierbei dauerten die meisten Arbeiten etwa dreimal länger als vor dem Unfall. Unter diesem Blickwinkel sei ihr für den Haushalt eine Einschränkung von deutlich über 60
%
anzurechnen. Würde sie aber noch zusätzlich 50
%
oder
mehr
arbeiten
, wäre angesichts der psychischen und physischen Einschränkungen und der Erschöpfungssyndrome an Hausarbeit und Kinderbetreuung gar nicht mehr zu denken. Es sei ihr eine Einschränkung von mindestens 90
%
zuzuerkennen (
Ziff.
61 f.).
5.2
Die Arbeitsunfähigkeit im Sinne von
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG entspricht der Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich (Art. 6 ATSG; BGE 130 V 97 E. 3.2). Bei der Bemessung der Invalidität von im Haushalt tätigen Versicherten ist die Schadenminderungs
pflicht von erheblicher Relevanz. Nach der Rechtsprechung ist dabei vom Grund
satz auszugehen, dass einem Leistungsansprecher im Rahmen der Schadenmin
derungspflicht Massnahmen zuzumuten sind, die ein vernünftiger Mensch in der gleichen Lage ergreifen würde, wenn er keinerlei Entschädigung zu erwarten
hätte. Für die im Haushalt tätigen Versicherten bedeutet dies, dass sie Verhaltens
weisen zu entwickeln haben, welche die Auswirkungen der Behinderung im hauswirtschaftlichen Bereich reduzieren und ihnen eine möglichst vollständige und unabhängige Erledigung der Haushaltarbeiten ermöglichen. Kann die versicherte Person wegen ihrer Behinderung gewisse Haushaltarbeiten nur noch mühsam und mit viel höherem Zeitaufwand erledigen, so muss sie in erster Linie ihre Arbeit einteilen und in üblichem Umfang die Mithilfe von Familienangehö
rigen in Anspruch nehmen. Ein invaliditätsbedingter Ausfall darf bei im Haushalt tätigen Personen nur insoweit angenommen werden, als die Aufgaben, welche nicht mehr erfüllt werden können, durch Drittpersonen gegen
Entlöhnung
oder durch Angehörige verrichtet werden, denen dadurch nachgewiesenermassen eine Erwerbseinbusse oder doch eine unverhältnismässige Belastung entsteht. Die im Rahmen der Invaliditätsbemessung bei einer Hausfrau zu berücksichtigende Mithilfe von Familienangehörigen geht daher weiter als die ohne Gesundheits
schädigung üblicherweise zu erwartende Unterstützung. Geht es um die Mitarbeit von Familienangehörigen, ist danach zu fragen, wie sich eine vernünftige Familiengemeinschaft einrichten würde, wenn keine Versicherungsleistungen zu erwarten wären. Dabei darf nach der Rechtsprechung unter dem Titel der Schadenminderungspflicht nicht etwa die Bewältigung der Haushalttätigkeit in einzelnen Funktionen oder insgesamt auf die übrigen Familienmitglieder überwälzt werden mit der Folge, dass gleichsam bei jeder festgestellten Einschränkung danach gefragt werden müsste, ob sich ein Familienmitglied finden lässt, das allenfalls für eine ersatzweise Ausführung der entsprechenden Teilfunktion in Frage kommt.
5.3
Die von der Abklärungsperson umschriebenen Mithilfen von Ehemann und Söhnen spreng
en
den Rahmen des Üblichen in keiner Weise. Vorauszuschicken ist, dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall mit 80
%
nur gering weniger als ihr Ehemann arbeiten würde und dieser bereits einschlägige Erfahrung in der Haushaltarbeit hat. Dies nicht zuletzt deshalb, weil die Beschwerdeführerin
beruflich
oftmals am Abend und am Wochenende eingesetzt wurde und nicht anzunehmen ist, dass der Ehemann in diesen Zeiten (wie auch sonst) jegliche Beteil
ig
ung verweigert hätte. Im Gegenteil zeigt die von der Beschwerdeführerin geschilderte effektive Mithilfe des Ehemannes, dass dieser aktiv zur Haushaltfüh
rung beizutragen gewillt ist.
Eine Einschränkung von 40
%
bei der Ernährung erscheint insofern als schlüssig, als die Arbeiten neben dem Kochen, namentlich Tisch decken, abräumen und Spülmaschine befüllen/leeren durchaus den Söhnen zugemutet werden k
ö
nn
en
. Eingeschränkt ist die Beschwerdeführerin lediglich mit dem Einsatz der linken
Hand, was etwa beim Schneiden von Gemüse oder Fleisch der Fall ist. Bei Anpassung der Esswaren ist kochen aber immer noch möglich und eine Mithilfe des Ehemannes bei dessen Anwesenheit zu Hause weder zu beanstanden noch
sonst wie
unüblich.
Die hälftige Einschränkung in der Wohnungspflege erscheint ebenfalls als nach
vollziehbar. Dass viele Tätigkeit
en
nicht mehr möglich sind, liegt auf der Hand und führt auch zur massiven Einschränkung in diesem Bereich. Es verbleiben aber weiterhin einige Tätigkeiten, welche die Beschwerdeführerin noch erledigen kann. Dass der Ehemann schwerere Tätigkeiten übernimmt, kann durchaus erwartet werden, zumal die einschlägigen Arbeiten (Staubsaugen, Boden aufnehmen) nicht täglich anfallen.
Die fehlende Einschränkung im Bereich Einkaufen wurde nicht bestritten und ist nicht zu beanstanden, da Online-Einkäufe problemlos möglich sind und der Wocheneinkauf dem Ehemann zumutbar ist.
In Bezug auf die Wäsche wurde mit 30
%
ebenfalls ein markanter Wert anerkannt.
Dass der Ehemann und die Söhne bei drei bis vier Maschinen pro Woche die Wäsche in den Keller und nach dem Trocknen wieder
hinauftragen
, entspricht keiner übertriebenen Mithilfe. Den Waschgang starten und die nasse Wäsche in den Tumbler legen kann die Beschwerdeführerin ebenso selber wie die Kleidungs
stücke zusammenlegen.
Die festgestellte Einschränkung von 20
%
bei der Betreuung der Kinder wurde ebenfalls nicht beanstande
t
und erscheint als schlüssig.
Damit ist die von einer qualifizierten Fachperson erhobene und detailliert begründete sowie schlüssige Einschränkung im Haushalt von 34.3
%
nicht zu beanstanden.
5.4
Der Einwand der Beschwerdeführerin, wonach sie bei effektiver Ausübung einer ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit gar nicht mehr einsetzbar wäre im Haushalt, scheitert an der von den Gutachtern festgestellten vollumfänglichen Arbeits
fähigkeit der Beschwerdeführerin (in angepasster Tätigkeit). Es ist demnach nicht zu schliessen, dass die Beschwerdeführerin nach vier Tagen Arbeit (oder nach Arbeitsende an einem verkürzten Arbeitstag)
derart
erschöpft
ist, dass sie nicht
s
mehr tun kann. Die von der Beschwerdeführerin genannten Zahlen (60
%
Einschränkung bei 50%iger ausserhäuslicher Arbeitstätigkeit respektive 90
%
Einschränkung bei 80%iger beruflicher Beschäftigung) entbehr
en
jeder fach
lichen Grundlage.
6.
6.1
6.1.1
Die Beschwerdeführerin brachte vor,
k
eine Stelle zu finden, die derart adaptiert werden könne, dass sie diese antreten könne (
Urk.
1
Ziff.
64).
6.1.2
Das trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung
zumutbarerweise
erzielbare Einkommen ist bezogen auf einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu ermitteln (Art. 16 ATSG; BGE 138 V 457 E. 3.1 mit Hinweis). Dabei ist nicht von realitäts
fremden Einsatzmöglichkeiten auszugehen. Es können nur Vorkehren verlangt werden, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalles zumutbar sind. An die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten sind jedoch rechtsprechungs
gemäss keine übermässigen Anforderungen zu stellen (Urteil des Bundesgerichts 9C_910/2011 vom 30. März 2012 E. 3.1 mit Hinweis; vgl. BGE 138 V 457 E. 3.1). Der ausgeglichene Arbeitsmarkt umfasst auch soge
nannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei denen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen können. Von einer Arbeitsgelegenheit kann nicht mehr gesprochen werden, wenn die zumutbare Tätigkeit nur noch in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle daher von vornherein als ausgeschlossen erscheint (vgl. statt vieler: Urteile des Bundesge
richts 8C_434/2017 vom 3. Januar 2018 E. 7.2.1 und 9C_253/2017 vom 6. Juli 2017 E. 2.2.1, je mit weiteren Hinweisen).
Die faktische
Einhändigkeit
oder die Beschränkung der dominanten Hand als
Zudienhand
stellen zwar praxisgemäss Tatbestände einer erheblich erschwerten Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit dar. Doch hat die Rechtsprechung wiederholt bestätigt, dass auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt genügend realistische Betätigungsmöglichkeiten für Personen bestehen, die funktionell als Einarmige zu betrachten sind und überdies nur noch leichte Arbeit verrichten können. Zu denken ist etwa an einfache Überwachungs-, Prüf- und Kontrolltätigkeiten sowie an die Bedienung und Überwachung von (halb-) automatischen Maschinen oder Produktionseinheiten, die keinen Einsatz von rechtem Arm und rechter Hand voraussetzen (Urteil des Bundesgericht 8C_37/2016 vom 8. Juli 2016 E. 5.1.2 mit Hinweisen; vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_628/2017 vom 12. Januar 2018 E. 6.4 und 8C_622/2016 vom 21. Dezember 2016 E. 5.2.2 mit weiteren Hinwei
sen).
6.1.3
Die Beschwerdeführerin ist in erster Linie aufgrund der pathologischen
adomi
nanten
linken Hand eingeschränkt. Einhändige Tätigkeiten kann sie ausüben und die linke Hand zeitlich begrenzt für Hilfsfunktionen einsetzen (E. 3.1.6). D
ies
aufgrund der erhaltenen Beweglichkeit sowie Schmerzfreiheit des Daumens (
Urk.
7/52/145 oben). Die Interpretation der Beschwerdeführerin, dass nur bei Schmerzfreiheit eine Hilfsfunktion ausgeübt werden könne (
Urk.
1
Ziff.
13), entspricht nicht der Aussage der Gutachter.
Ein Erschöpfungssyndrom, welches die Beschwerdeführerin über Gebühr beeinträchtigen würde (
Urk.
1
Ziff.
64), ist nicht erstellt. Auch zeigte sich wohl eine geringere
Aufmerksamkeit
, aber keine solche, welche einer Arbeitstätigkeit entgegenstehen würde. D
er
niedrige
IQ bezog sich sodann nur
auf die sprachliche Intelligenz und steht einer Arbeitstätigkeit in einer einfachen Tätigkeit körperlicher oder handwerklicher Art nicht entgegen. Auch die Leistung des Langzeitgedächtnisses ist nicht
derart
reduziert, als dass mit einer erheblichen Einschränkung zu rechnen wäre. Dass die Restarbeitsfähig
keit nicht mehr verwertbar wäre, ist demgemäss nicht
naheliegend und nicht
erstellt.
Es verbleibt der Beschwerdeführerin ein genügend breites Spektrum an Einsatzmöglichkeiten.
Anzufügen bleibt, dass zur Anrechnung eines Invalideneinkommens keine konkrete Stelle
durch die Verwaltung
genannt werden muss, die entsprechenden Ausführungen der Beschwerdeführerin (
Urk.
1
Ziff.
35 ff.) erweisen sich dem
gemäss als
irrelevant
. Es genügt, dass der ausgeglichene Arbeitsmarkt
mögliche Stellen
anbietet, was
vorliegend
der Fall ist.
6.2
Die Beschwerdegegnerin bemass das
Valideneinkommen
mit
Fr.
67'546.06 (100
%) und stützte sich dabei auf den im Lohnausweis 2017 (
Urk.
7/89) dekla
rierten Lohn von
Fr.
53'768.-- unter Aufrechnung auf ein Vollzeitpensum und Anpassung an die Nominallohnentwicklung (
Urk.
2 S. 3 oben). Dies wurde von der Beschwerdeführerin nicht bestritten (
Urk.
1
Ziff.
65).
Indessen erweist sich das Einkommen als unzutreffend. Einerseits war die Beschwerdeführerin im Jahr 2017 bereits verunfallt und arbeitsunfähig geschrie
ben. Sodann sind im Lohn gemäss Lohnausweis offenkundig Kinderzulagen und sonstige Entschädigungen enthalten. So weist etwa der Lohnausweis 2016 (
Urk.
7/90) einen Lohn von
Fr.
57'985.-- aus, wogegen mit der Ausgleichskasse nur
Fr.
51'185.-- abgerechnet wurden (Auszug aus dem individuellen Konto vom
2.
Oktober 2017,
Urk.
7/18). Die Arbeitgeberin bestätigte denn auch am 1
9.
Februar 2018 (
Urk.
7/31) einen Monatslohn von
Fr.
3'773.80 und legte die Lohnjournale der Jahre 2016 und 2017 bei, woraus sich für die Periode März 2016 bis Februar 2017 (Jahr vor dem Unfall) schwankende Zulagen von
Fr.
2'636.75
ergeben.
Wenn
im Folgenden vom (unzutreffenden und zu hohen)
Valideneinkommen
von
Fr.
67'546.-- aus
gegangen würde, ergäbe sich
nachfolgende Berechnung.
6.3
6.3.1
Das von der Beschwerdegegnerin auf der Basis der Tabellenlöhne des Bundesamtes für Statistik errechnete In
v
alideneinkommen von
Fr.
55'073.--
blieb - abgesehen vom leidensbedingten Abzug - grundsätzlich
unbestritten
.
Während
dem
die Beschwerdegegnerin keinen Abzug vom Tabellenlohn gewährte,
forderte die Beschwerdeführerin einen solchen von 40.5
%
unter Hinweis auf ein zu gewärtigendes Mindereinkommen wegen ihres Status als Ausländerin von 15
% und verlangte von diesem Ergebnis einen weiteren Abzug von 30
%
aufgrund des eingeschränkten Arbeitsprofils (
Urk.
1
Ziff.
65).
Die LSE 2018 weist im Jahr 2018 für Frauen im Kompetenzniveau 1 einen Monatslohn von
Fr.
4'371.-- aus, was angepasst an die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden einem Jahreseinkommen von
Fr.
54'681.-- entspricht. Es ist von diesem Betrag auszugehen.
6.3.2
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäfti
gungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten. Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25 % nicht übersteigen (vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2, 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
aa
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (BGE 146 V 16 E. 4.1 mit Hinweisen).
Nach ständiger Rechtsprechung darf das (kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges gemäss BGE 126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen; es muss
sich
auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 137 V 71 E. 5.2 und 126 V 75 E. 6). Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt oder zu Unrecht berücksichtigt, hat die Beschwerdeinstanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_808/2015 vom 29. Februar 2016 E. 3.4.3 und
8C_113/2015 vom 26. Mai 2015 E. 3.2
).
6.3.3
Dafür, dass die Beschwerdeführerin als
seit 2000 (
Urk.
7/2) respektive
dauerhaft
seit 2004 (
Urk.
7/8) in der Schweiz lebende
Ausländerin auf dem Arbeitsmarkt eine Lohneinbusse hinnehmen müsste, sind keine Anhaltspunkte ersichtlich, entsprach doch ihr Einkommen bei Eintritt der teilweisen Invalidität durchaus branchenüblichen Ansätzen (
vgl. hierzu Urteil des Bundesgerichts 9C_382/2007 vom 1
3.
November 2007 E. 6.4 mit Hinweis
).
Damit besteht auch für eine allfällige Parallelisierung von vornherein kein Raum. Da die LSE auf den Einkommen von Schweizern und Ausländern beruht, ist auch das Vorbringen der Beschwerdeführerin unhaltbar, es werde ihr ein 15
%
bis 20
%
höherer Lohn angerechnet als ihren Landsleuten, da diese entsprechend weniger als Schweizer verdienten (S. 1
Ziff.
42 ff.). Die Beschwerdeführerin spricht zudem gut Deutsch (
Urk.
7/52/141) und lebt schon lange in der Schweiz. Es ist nicht davon auszu
gehen, dass sie lohnmässig benachteiligt wird.
Da die Beschwerdeführerin nicht als einarmig einsetzbar beurteilt wurde, rechtfertigt sich der maximale Abzug von 25
%
aufgrund der Einschränkungen nicht (vgl. hierzu Urteil des Bundesgerichts 8C_174/2019 vom
9.
Juli 2019
E. 5.1.2 mit Hinweis). Z
u bedenken
ist sodann
, dass das Bundesgericht bei funktio
neller
Einarmigkeit
oder
Einhändigkeit
auch schon
Abzüge
von 10
%
als angemessen bezeichnet hat
(Urteil des Bundesgerichts 8C_800/2017 vom 2
1.
Juni 2018 E. 6 mit Hinweisen). Die Beschwerdeführerin kann je nach Zustand die
adominante
linke Hand mehr oder weniger einsetzen. Dass ein
Zuhilfenehmen
des Armes nicht möglich wäre, wurde nicht vorgebracht und ergibt sich nicht aus den Akten. Sodann ist die dominante rechte Hand unversehrt und kann uneinge
schränkt eingesetzt werden.
6.3.4
Angesichts der ausgewiesenen Einschränkungen erweist sich die Verweigerung jeglichen Abzugs durch die Beschwerdegegnerin als unangemessen. Auch wenn die
adominante
Hand betroffen ist und diese zeitweise als Hilfshand eingesetzt
werden kann, ist angesichts der eindeutigen Rechtsprechung ein Abzug zwingend und dieser jedenfalls mit 10
%
zu bemessen. Damit resultiert ein Invalidenei
n
kommen von
Fr.
49'213.-- (
Fr.
54'681
.-- x 0.9).
6.4
Bei der Gegenüberstellung des
Valideneinkommens
von
Fr.
67'546.-- und d
es Invalideneinkommens
resultiert eine Erwerbseinbusse
von
Fr.
18’333
.-- und damit ein Invaliditätsgrad von
27.1
%
im mit 80
%
gewichteten Erwerbsbereich. Es resultiert ein Teilinvaliditätsgrad von 21.
7
%
. Zusammen mit dem Invaliditäts
grad von 6.9
%
im Haushalt (34.3
%
zu 20
%
gewichtet) resultiert ein Gesamtin
validitätsgrad von 28.
6
%
. Dieser Wert liegt unter der anspruchsbegründenden Schwelle von 40
%
, weshalb die Beschwerdeführerin kein Anrecht auf eine Rente der Invalidenversicherung hat. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
7.
Die Verfahrenskosten
gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind auf Fr. 600.-- festzu
setzen und entsprechend dem Verfahrensausgang der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.