# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 64ebc77a-5bf0-4f04-b6ae-0ccb5d9d2c8d
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1962, arbeitete seit dem Jahre 1981 in einem Pensum von 100 % als Produktionsmitarbeiterin bei der
Y._
AG (Urk. 7/2 Ziff. 3), als am 10. Oktober 2014 die Meldung zur Früherfassung bei der Invali
denversicherung erfolgte (Urk. 7/2). Nach einem Gespräch zwischen der Arbeit
geberin und der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, mel
dete sich die Versicherte am 15. Dezember 2014 zum Leistungsbezug an (Urk. 7/7).
Nach erneuter Rücksprache mit der Arbeitgeberin teilte die IV-Stelle mit Schreiben vom 10. Februar 2015 mit, es seien keine beruflichen Eingliede
rungsmassnahmen möglich (Urk. 7/14). Die IV-Stelle klärte die medizinische (Urk. 7/31, Urk. 7/34, Urk. 7/36, Urk. 7/41) und erwerbliche Situation (Urk. 7/16, Urk. 7/21) ab und zog Akten der Kranken
taggeld
versicherung bei (Urk. 7/15, Urk. 7/30).
Nach
durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
(Urk. 7/51, Urk. 7/54) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 9. Juni 2016 einen Rentenanspruch der Versi
cherten (Urk. 7/58 = Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am 14. Juni 2016 Beschwerde gegen die Verfügung vom 9. Juni 2016 (Urk. 2) und beantragte sinngemäss die
Zusprache
einer Invali
denrente (
Urk. 1/1-2
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 5. September 2016 die Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was der Beschwer
deführerin am 16. September 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8)
.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG (seit 1. Januar 2004: in Verbindung mit
Art.
28
Abs.
2
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
) aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom 9. Juni 2016 begründete die
Beschwer
degegnerin
die Abweisung des Rentenbegehrens damit, dass der Beschwerde
führerin aufgrund der gesundheitlichen Einschränkungen eine
behinderungsan
gepasste
Tätigkeit noch in einem Umfang von 70 % zumutbar sei.
Daraus resultiere ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 33 % (Urk. 2 S. 2).
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin geltend, sie leide unter Rücken- und Kopfschmerzen sowie Schmerzen im Arm und an der rechten Schulter
und könne daher höchstens 50 % arbeiten (Urk. 1).
2.3
Strittig und zu prüfen ist demnach der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin.
3.
3.1
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Orthopädie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
nannte in seinem Bericht vom 13. November 2014 fol
gende Diagnosen (Urk. 7/5/1):
-
Femurkopfnekrose
Stadium II nach
Ficat
und Arlette rechts
-
Coxarthrose
mit
Azetabulumzyste
ventral, Labrumzyste ventral rechts
Die Patientin habe im Augu
st im Rahmen einer
infiltrativen
Behandlung der Halswirbelsäule
(HWS)
Steroide erhalten und klage nun über zunehmende Hüftschmerzen, welche im September sehr ausgeprägt gewesen seien, jetzt all
mählich bessern würden. Entweder als Folge der Arthrose oder als Risikofaktor der Steroid-Applikation habe sich eine
Femurkopfnekrose
entwickelt. Er rate zur regelmässigen Einnahme der antientzündlichen Therapie, zudem könnten mit physiotherapeutischen Massnahmen die muskulären Komponenten beruhigt werden. Sollte dies alles nicht funktionieren, sei die Beschwerdeführerin wahr
scheinlich mit einem Hüftgelenksersatz besser beraten (Urk. 7/5/1).
3.2
PD
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Chirurgie,
führte am 12. Dezember 2014 (Urk. 7/15/3-5) aus, im Vordergrund stehe die
Femurkopfnekrose
rechts mit beginnender
Coxarthrose
, welche zweifelsohne in absehbarer Zukunft einen Hüftgelenksersatz rechts notwendig machen werde. Die diskreten Veränderun
gen im Bereich der HWS und der Schulterfunktion rechts dürften sich unter der eingeschlagenen Therapie bis zirka Ende Januar 2015 verbessern (S. 2 Mitte). Die subjektiv beklagten Beschwerden seien objektivierbar (S. 2 Ziff. 4). Eine Besserung der Gesundheitsschädigung sei im Bereich des rechten Hüftgelenkes erst nach dem Gelenkersatz zu erwarten (S. 3 Ziff. 6). Die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit sei glaubhaft auf 50 % bis mindestens Ende Januar 2015 eingestuft. Je nach Entwicklung des Hüftleidens rechts könne eine Änderung auf zirka Februar 2015 erwartet werden (S. 3 Ziff. 7.1). Unabhängig von der beruflichen Tätigkeit vor der Krankheit sei die Beschwerdeführerin für längeres Gehen, Stehen sowie für Verrichtungen in gebeugter oder vor allem kniender Stellung, ferner für Heben und Tragen von Lasten über 5 kg vor allem
körper
fern
und über Schulterhöhe eingeschränkt. Die Einschränkung betrage zirka 50 % in Bezug auf ein volles Pensum (S. 3 Ziff. 7.2). Unabhängig von der beruflichen Tätigkeit seien der Patientin Tätigkeiten zumutbar mit einge
schränkter Gehleistung vor allem sitzender Art unter Vermeidung von Tragen von Lasten und von Heben von Gewichten über 10 kg über Schulterhöhe.
Es sei e
in Rendement von maximal
50 % zu erwarten (S. 3 Ziff. 7.3).
Am 16. Januar 2015 hielt er ergänzend dazu fest, die Beschwerdeführerin sei vor allem eingeschränkt und behindert durch die
Femurkopfnekrose
rechts mit beginnender Hüftarthrose und deutlich weniger durch das vorbestehende Schulterleiden rechts bei Verdacht auf degenerative Veränderungen der HWS.
Aufgrund dieser Beschwerden habe er angenommen, dass die Patientin vor allem für längeres Stehen, Gehen oder Verrichtungen in gebeugter oder knien
der Stellung behindert sei, vor allem wenn dabei Lasten über 5 kg getragen oder
gehoben werden müssten (gemäss Ziff. 7.2 des Berichts vom 12. Dezember 2014). Aufgrund der deutlich verbesserten Symptomatik im Schultergelenk rechts scheine ihm dagegen vor allem bei sitzender Tätigkeit mit eingeschränk
ter Gehleistung denkbar, dass gegenüber der Beurteilung in Ziff. 7.2 etwas schwerere Lasten und Gewichte bewegt werden könnten (bis maximal 10 kg). Im Zweifelsfalle könne er sich aber mit Gewichtslimitationen von 10 kg zufrie
den geben (Urk. 7/15/2).
3.3
In seinem Bericht vom 5. Mai 2015 führte
Dr.
med.
B._
, Fach
arzt für Orthopädische Chirurgie und Unfallchirurgie, aus, fünf Wochen nach dem operativen Einsetzen einer Hüft-Totalprothese rechts sei die Beschwerde
führerin mit dem Verlauf sehr zufrieden, die präoperativen Schmerzen seien vollständig verschwunden. Die Beschwerdeführerin sei für weitere vier Wochen vollständig arbeitsunfähig, anschliessend könne mit einem Arbeitsaufbau von etwa 50 % angefangen werden (Urk. 7/30/4).
3.4
Der Hausarzt
Dr.
med.
C._
, Facharzt für
Allgemeine
Innere Medizin
und für
Nierenkrankheiten, attestierte am 15. Juni 2015 eine vollstän
dige Arbeitsunfähigkeit bis 30. Juni 2015 und anschliessend eine solche von 50 % (Urk. 7/30/3 Ziff. 3). Die Beschwerdeführerin würde gerne an den bisheri
gen Arbeitsplatz zurückkehren (Urk. 7/30/3 Ziff. 4).
3.5
Dr.
Z._
nannte in seinem Bericht vom 23. Juni 2015 folgende Diagnosen (Urk. 7/31/1):
-
anhaltende Schulterschmerzen rechts bei AC-Gelenksarthrose,
subacro
minales
Impingement
und
Tendinose
der
Supraspinatussehne
,
Bi
z
eps
anker
mit
Rezessus
, keine deutliche SLAP II-Läsion
Die Beschwerdeführerin berichte über einen starken Schulterschmerz rechts, den sie regelmässig bei den Verrichtungen der Überkopfarbeiten behindere. Er favo
risiere eine physiotherapeutische Nachbehandlung, allfällig ergänzt mit einer Infiltration. Sollte dies nicht erfolgreich sein, wäre eine
arthroskopische
Akro
mioplastik
und AC-Gelenksresektion indiziert, dann könne man auch die
Bizepssehne
betrachten und allfällige Veränderungen behandeln (Urk.
7/31/1).
3.6
In ihrem Bericht vom 19. Oktober 2015 (Urk. 7/41/3-4) nannten die Ärzte der
D._
Klinik im Wesentlichen folgende Diagnosen (S. 1):
-
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom linksbetont mit/bei
-
konventionell radiologisch Übergangsanomalie und
Spondylarthrosen
der unteren beiden Segmente
-
kernspintomographisch keine Hinweise für eine Kompression neuraler Strukturen
-
röntgenologisch Sakralisierung von L5, degenerative Veränderung betont L4/5 und L5/S1
-
Status nach
zerviko-radikulärem
Reizsyndrom
-
Status nach Hüft-Totalprothese rechts am 20. März 2015
Die Beschwerdeführerin berichte, an einigen Tagen habe sie deutlich weniger Lumbalgien, an anderen Tagen nur leicht reduzierte Schmerzen (S. 1). Bei aktu
ell reduzierten Schmerzen sei der Beginn einer Physiotherapie mit Aufbau der autochthonen Wirbelsäulenmuskulatur und Stabilisierung der Rumpfmuskulatur für den weiteren Verlauf essentiell und eine Therapieserie rezeptiert. Bei Bedarf werde sich die Beschwerdeführerin selbständig für weitere Infiltrationstherapien melden, gegebenenfalls könne dann eine Sakralblockade durchgeführt werden (S. 2).
3.7
Am 20. Oktober 2015 führte Dr.
B._
aus, sechs Monate postoperativ sei die Patientin mit dem bisherigen Verlauf zufrieden, es persistierten
jedoch
be
lastungsabhängige
Beschwerden im rechten Hüftgelenk beim Heben von Lasten im Rahmen ihrer bisherigen Tätigkeit. Dabei müsse sie regelmässig Lasten bis zu 20 kg heben und sich dabei zur Seite drehen. Bei einer chronischen
Wirbelsäu
lenproblematik
mit Infiltrationstherapie führe die starke Belastung zu rezidivie
render Beschwerdezunahme (Urk. 7/34 Ziff. 1.4). Seitens des Hüftgelenks bestehe aktuell keine weitere Medikation (Ziff. 1.5).
I
n Zusammenschau mit den LWS-Beschwerden
solle
das Heben von Lasten auf etwa 10 kg reduziert we
rden
, um eine Progredienz der Symptomatik zu vermeiden (Ziff. 1.6).
Das
Heben von Lasten
müsse reduziert werden, das
Tragen und Heben von Lasten bis 20 kg
sei
aktuell nicht indiziert (Ziff. 1.7).
Durch eine reduzierte Belastung ohne
Umher
heben
grösserer, schwerer Gegenstände über 10 kg wäre der Beschwerdeführerin deutlich geholfen und eine Wiedereingliederung möglich (Ziff. 1.8).
Auf entsprechende telefonische Rückfrage der Beschwerdegegnerin erklärte Dr.
B._
, rein aufgrund der Hüftproblematik sollte in einer angepassten Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit möglich sein. Ob dies auch mit den Problemen am Rücken möglich sei, könne er nicht beurteilen (Urk. 7/36).
3.
8
Dr.
C._
nannte in seinem Bericht vom 1. November 2015 (Urk. 7/41/1-2) fol
gende Diagnosen (S. 1):
-
Status nach Hüft-Totalprothese rechts am 20. März 2015
-
Status nach
zerviko-radikulärem
Reizsyndrom
-
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom linksbetont
In Zusammenschau aller vorliegenden Befunde liege aktuell bei der Beschwer
deführerin ein multiples Schmerzsyndrom vor, weshalb sie in ihrer Arbeitsfä
higkeit eingeschränkt sei und vorerst nur zu 50 % arbeiten könne. Mehrere Versuche einer vollen Arbeitsfähigkeit hätten zu einer Exazerbation der Schmerzen geführt. Die Patientin nutze die Arbeitsfähigkeit von 50 % und
werde in der Physiotherapie wie auch in der
D._
-Klinik behandelt. Er gehe bis auf weiteres von einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % für die nächsten sechs Monate aus (S. 2).
3.9
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trau
ma
tolo
gie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin, beurteilte den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin als weitestgehend stabil. Hin
sichtlich der Bewertung der Arbeitsunfähigkeit für die bisherige beziehungs
weise weiterhin ausgeübte Tätigkeit als Produktionsmitarbeiterin sei der ange
gebene Verlauf der Arbeitsunfähigkeit nachvollziehbar, weshalb empfohlen werde, darauf abzustellen. Angaben zur Arbeitsfähigkeit beziehungsweise Arbeitsunfähigkeit in einer (theoretischen) angepassten Tätigkeit fehlten. Im Hinblick auf das im Arbeit
geb
erfragebogen enthaltene Anforderungsprofil der ausgeübten Tätigkeit sei davon auszugehen, dass diese nicht unbedingt einer angepassten Tätigkeit entspreche, da sie zwar körperlich leicht sei, jedoch über
wiegend im Stehen und Gehen ausgeführt werden müsse. Medizintheoretisch sei unter gesamthafter Berücksichtigung aller ausgewiesenen Gesundheitsschäden davon auszugehen, dass eine optimal angepasste Tätigkeit ab 1. Juli 2015 in einem etwas höheren Prozentsatz von 70 % (Präsenz sechs Stunden täglich, Leistungsminderung um zirka 10 % wegen der Notwendigkeit häufigerer, kurzer Ruhepausen) möglich wäre, sofern dabei das folgende Belastungsprofil beachtet werde: körperlich leichte Arbeiten ohne Heben und Tragen von Lasten von über sechs bis acht Kilogramm, überwiegend sitzend, aber mit der Möglichkeit, zwi
schendurch aufzustehen und einige Schritte zu gehen, ohne Arbeiten über Kopf, im Knien, Kauern oder Hocken, ohne häufiges Treppensteigen oder längeres Verharren
in vornübergebeugter Haltung (Urk. 7/50 S. 4).
3.10
Die übrigen bei den Akten liegenden Arztberichte (Urk. 7/5/9, Urk. 7/5/2-3) ent
halten keine für die Beurteilung der vorliegend strittigen Fragen relevanten Angaben und insbesondere keine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit, so dass auf deren detaillierte Wiedergabe verzichtet werden kann.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Abweisung des Begehrens insbe
sondere auf die Würdigung der medizinischen Akten durch Dr.
E._
und ging von einer Arbeitsfähigkeit von 70 % in einer angepassten Tätigkeit aus (Urk. 2 S. 2). Diese Beurteilung vermag indessen nicht zu überzeugen.
4.2
Bei den Akten
befinden sich medizinische Berichte des Hausarztes Dr.
C._
,
von
PD Dr.
A._
, Dr.
B._
,
Dr.
Z._
sowie der Ärzte der
D._
Klinik. Dabei
machte
n
Dr.
Z._
, welcher die Beschwerdeführe
rin aufgrund der Schulterbeschwerden behandelte, wie auch die Ärzte der
D._
Klinik keine Ausführungen zur Arbeitsfähigkeit, weder in der bishe
rigen noch in einer angepassten Tätigkeit (E. 3.1, E. 3.5-6).
Die Beurteilung durch Dr.
A._
, welcher von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % ausging, erfolgte sodann vor der Hüftoperation im März 2015 (E. 3.2).
Auf diese Berichte kann somit nicht abgestellt werden.
Was die Angaben des Hausarztes Dr.
C._
anbelangt, ist davon auszugehen, dass sich dessen Einschätzung, wonach die Beschwerdeführerin in einem Pensum von 50 % arbeitsfähig ist, auf die bisherige Tätigkeit als
Produktions
mitar
beiterin
bezieht. In seinem Bericht vom 15. Juni 2015 wies er denn auch aus
drücklich darauf hin, dass die Beschwerdeführerin gerne wieder an den bis
herigen Arbeitsplatz zurückkehren wolle (E. 3.4). Auch aus seinem zweiten Bericht vom 1. November 2015 ergeben sich keine Angaben bezüglich der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit (E. 3.8).
Einzig Dr.
B._
, welcher die Hüftoperation ausführte, äusserte sich zur Arbeitsfähigkeit sowohl in der bisherigen als auch in einer angepassten Tätig
keit und hielt unter Beachtung des Belastungsprofils ein Pensum von 100 % in einer behinderungsangepassten Tätigkeit für zumutbar. Allerdings wies Dr.
B._
explizit darauf hin,
er könne nicht beurteilen, ob dies auch mit den bestehenden Rückenbeschwerden möglich sei (E. 3.7).
Zusammenfassend liegen damit keine Beurteilungen der Arbeitsfähigkeit in einer behinderungsangepassten Tätigkeit vor, welche alle bestehenden gesund
heitlichen Beschwerden der Beschwerdeführerin mitberücksichtigen. Dies ist auch Dr.
E._
bewusst, hielt er doch selber fest, Angaben zur Arbeitsfähigkeit beziehungsweise Arbeitsunfähigkeit in einer (theoretischen) angepassten Tätig
keit würden fehlen (E. 3.9). Damit kann aber gerade keine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit vorgenommen werden.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung haben Ärzte den Gesundheits
zu
stand einer versicherten Person zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeit diese noch arbeitsfähig ist (
vgl. vorstehend E. 1.4
). Es ist nicht Aufgabe einer Behörde beziehungsweise eines behördeninternen Arztes, lediglich aufgrund der in den Akten beschriebe
nen Befunde festzulegen, welche Tätigkeiten dieser in welchem Umfang noch zugemutet werden können, zumal in aller Regel
- wie auch im vorliegenden Fall
keine eigenen Untersuchungen durchgeführt werden.
4.3
Nachdem sich die für die Berechnung des Invaliditätsgrades der Beschwerde
führerin notwendigen Angaben aus den vorliegenden Akten nicht ergeben
und
die von der Beschwerdegegnerin auf 70 % festgelegte Arbeitsfähigkeit in ange
passter Tätigkeit in den Akten keine Stütze finden
, sind weitere geeignete Abklärungen notwendig. Zu diesem Zweck ist die Sache an die
Beschwerdegeg
nerin
zurückzuweisen. Diese wird gestützt auf die weiteren Abklärungen über den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin neu zu befinden haben.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung einer Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten entsprechend dem Ausgang des
Verfahrens der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen
sind.