# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 2e352d8f-0c9e-4e5b-b886-19c71b258b82
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend
Vergewaltigung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Uster vom 19. März 2015
(DG140022)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 19. September
2014 (Urk. 46) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 69 S. 63 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1
StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 18 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 1 Tag durch Haft er-
standen ist.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre fest-
gesetzt.
4. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._ eine Genugtuung von
Fr. 12'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 8. September 2011 zu bezahlen.
5. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf Fr. 3'000.–.
Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert sich die
Gerichtsgebühr um einen Drittel.
Die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'508.40 Auslagen Vorverfahren;
Fr. 3'280.– Kosten der Kantonspolizei
Fr. 1'800.– Gebühr Strafuntersuchung (§ 4 Abs. 1 Bst. d GebV StrV).
6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Beschuldigten
auferlegt, aber abgeschrieben.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehal-
ten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
Die Kosten der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft werden auf die Gerichts-
kasse genommen.
7. Rechtsanwalt lic. iur. X._ wird für seine Bemühungen als amtlicher Verteidiger des Be-
schuldigten mit Fr. 15'500.– (inkl. Barauslagen und 8 % MwSt) aus der Gerichtskasse ent-
schädigt.
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8. Rechtsanwältin lic. iur. Y._ wird für ihre Bemühungen als unentgeltliche Rechtsbei-
ständin der Privatklägerin mit Fr. 16'000.– (inkl. Barauslagen und 8 % MwSt) aus der Ge-
richtskasse entschädigt.
9. (Mitteilungen)
10. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge: (Prot. II S. 6)
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 94 S. 2)
1. Es sei der Berufungskläger von Schuld und Strafe freizusprechen.
2. Es seien ihm keine Kosten aufzuerlegen.
3. Es sei ihm eine angemessen Genugtuung und Entschädigung zuzu-
sprechen.
4. Es sei die Genugtuungsforderung der Privatklägerin abzuweisen, ev.
auf den Zivilweg zu verweisen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 84)
Keine Anträge
c) Der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft:
(Urk. 77 S. 2)
keine materiellen Anträge
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## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Hinsichtlich des Verfahrensganges bis zum Abschluss des erstinstanz-
lichen Verfahrens kann vollumfänglich auf die vollständigen und zutreffenden Er-
wägungen im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 71 S. 4 f.; Art. 82
Abs. 4 StPO).
1.2. Mit vorstehend wiedergegebenem Urteil vom 19. März 2015 wurde der Be-
schuldigte der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB schuldig ge-
sprochen und mit einer auf 2 Jahre bedingt aufgeschobenen Freiheitsstrafe von
18 Monaten Freiheitsstrafe (wovon ein Tag durch Haft erstanden wurde) bestraft.
Weiter wurde er verpflichtet, der Privatklägerin B._ eine Genugtuung von
Fr. 12'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 8. September 2011 zu bezahlen. Schliesslich
auferlegte die Vorinstanz dem Beschuldigten die Verfahrenskosten (Urk. 71 S. 63
ff.).
1.3. Gegen dieses Urteil meldete die Verteidigung des Beschuldigten mit Ein-
gabe vom 25. März 2015 Berufung an (Urk. 65). Die Berufungserklärung ging am
16. September 2015 fristgerecht ein. Weiter liess er beantragen, die polizeiliche
Einvernahme des Beschuldigten vom 10. September 2011 (Urk. 3/1) als nicht
verwertbar aus dem Recht zu weisen (Urk. 72). Mit Präsidialverfügung vom 23.
September 2015 wurde der Privatklägerin sowie der Staatsanwaltschaft Frist an-
gesetzt, um Anschlussberufung zu erheben oder ein Nichteintreten auf die Be-
rufung des Beschuldigten zu beantragen sowie Stellung zum prozessualen Antrag
des Beschuldigten zu nehmen (Urk. 75). Mit Eingabe vom 6. Oktober 2015 liess
die Privatklägerin mitteilen, dass sie auf Anschlussberufung und Anträge ebenso
verzichte, wie auf eine Stellungnahme zum prozessualen Antrag. Gleichzeitig be-
antragte sie die Publikumsöffentlichkeit von der Verhandlung auszuschliessen
(Urk. 77). Mit Präsidialverfügung vom 28. Oktober 2015 wurde diesem Antrag
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stattgegeben. Gleichzeitig wurde der Antrag, die polizeiliche Einvernahme sei aus
dem Recht zu weisen, abgewiesen (Urk. 79). Die Staatsanwaltschaft
See/Oberland teilte mit Eingabe vom 7. Dezember 2015 mit, dass sie an der
Hauptverhandlung nicht teilnehmen werde und liess sich zur Präsidialverfügung
vom 23. September 2015 nicht weiter vernehmen (Urk. 84).
1.4. Auf das Stellen von Beweisanträgen wurde im Vorverfahren allseits ver-
zichtet.
1.5. In der Folge wurde zur Berufungsverhandlung vorgeladen (Urk. 120), wel-
che am 11. Februar 2016 im Beisein des Beschuldigten und seines Verteidigers
sowie der Vertreterin der Privatklägerin stattfand (Prot. II S. 6).
2. Umfang der Berufung
2.1. Die Verteidigung ficht das Urteil mit folgenden Ausnahmen vollumfänglich
an (Urk. 72; Prot. II S. 7 f.):
− Sollte dem Beschuldigten im Berufungsverfahren Kosten auferlegt werden, wird die Abschreibung der Untersuchungs- und Gerichtskosten gemäss Ziffer 6 Abs. 1 des Urteilsdispositivs anerkannt.
− Anerkannt wird die Übernahme der Kosten der unentgeltlichen  der Privatklägerschaft auf die Gerichtskasse gemäss Ziffer 6. Abs. 3 des Urteilsdispositivs der Vorinstanz.
− Anerkannt werden die Entschädigungsbemessungen für die amtliche Verteidigung und die unentgeltliche Rechtsbeiständin der Privatklägerin gemäss Ziff. 7 und 8 des Urteilsdispositivs der Vorinstanz.
2.2. Anlässlich der Berufungsverhandlung erklärte die Verteidigung, dass es
sich hinsichtlich Dispositiv-Ziffer 6 um einen Eventualantrag handle und diese
Dispositiv-Ziffer im Falle eines Schuldspruchs anerkannt würde. Dem Hauptantrag
entsprechend hat somit Dispositiv-Ziffer 6 ebenfalls als angefochten zu gelten.
2.3. Damit sind einzig die Ziffern 7 und 8 des vorinstanzlichen Urteils in Rechts-
kraft erwachsen, wovon Vormerk zu nehmen ist. Im übrigen Umfang steht der an-
gefochtene Entscheid im Rahmen des Berufungsverfahrens zur Disposition.
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3. Formales
3.1. Soweit für die tatsächliche und die rechtliche Würdigung des eingeklagten
Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies
in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne, dass dies jeweils explizit Er-
wähnung findet.
3.2. Im Übrigen ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende
Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und je-
des einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (vgl. Urteil des Bundes-
gerichts 6B_170/2011 vom 10. November 2011 E. 1.2.). Die Berufungsinstanz
kann sich somit auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte beschränken.
3.3. In der Berufungserklärung liess der Beschuldigte beantragen, dass die
polizeiliche Einvernahme vom 10. September 2011 zu Folge Unverwertbarkeit
aus dem Recht zu weisen sei. Sie sei ohne amtliche Verteidigung durchgeführt
worden, obwohl auf Grund des Vergewaltigungsvorwurfs bereits vor der Ein-
vernahme erkennbar gewesen sei, dass ein Fall notwendiger Verteidigung vorge-
legen habe (Urk. 72 S. 2). Auch anlässlich der Berufungsverhandlung monierte
die Verteidigung die Unverwertbarkeit der genannten Einvernahme (Urk. 94 S. 2
und 13; Prot. II S. 14).
3.4. Art. 131 Abs. 3 StPO sieht für Beweiserhebungen in Fällen in denen die
Verteidigung notwendig gewesen wäre, bevor ein Verteidiger bestellt wurde, vor,
dass diese nur dann gültig sind, wenn die beschuldigte Person auf ihre Wieder-
holung verzichtet. Diese Regelung gilt indessen nicht für jede Beweiserhebung
und insbesondere nicht zu jedem Zeitpunkt des Verfahrens, sondern sie gilt erst
dann, wenn die Voraussetzungen zur notwenigen Verteidigung erfüllt sind. Dies
ist zu Beginn des Vorverfahrens noch nicht der Fall. Liegen die Voraussetzungen
notwendiger Verteidigung bei Einleitung des Vorverfahrens vor, so ist diese nach
der ersten staatsanwaltschaftlichen Einvernahme sicherzustellen (LIEBER, in:
Donatsch/Hansjakob/Lieber, Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessord-
nung, Art. 131 N 5). Einzig der Hinweis auf das Recht auf formelle Verteidigung ist
notwendig (Art. 158 Abs. 1 lit. c. StPO), welcher vorliegend gemacht wurde
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(Urk. 3/1 S. 1). Bei der beanstandeten polizeilichen Einvernahme handelte es sich
indessen um die erste polizeiliche Befragung unmittelbar nach der Verhaftung. Zu
diesem Zeitpunkt bestand also noch keine Pflicht zur Sicherstellung der Verteidi-
gung. Bestand zum Zeitpunkt der polizeilichen Einvernahme keine solche Pflicht,
so liegt auch keine Verletzung der Sicherstellungspflicht mit den entsprechenden
Folgen im Sinne von Art. 131 Abs. 3 StPO vor. Die Einvernahme ist somit ver-
wertbar und der Antrag der Verteidigung abzuweisen.
II. Sachverhalt
1. Anklagesachverhalt
Dieser ergibt sich aus der Anklageschrift vom 19. September 2014, welche dem
vorinstanzlichen Urteil beigeheftet ist (Urk. 46). Darauf kann vollumfänglich ver-
wiesen werden.
2. Grundsätze der Sachverhaltserstellung und Beweiswürdigung
Die allgemeinen Grundsätze der Beweiswürdigung sind im Urteil der Vorinstanz
korrekt aufgeführt (Urk. 69 S. 4 ff.). Anzufügen ist, dass bei der Würdigung von
Aussagen in erster Linie nicht die allgemeine Glaubwürdigkeit der Person mass-
gebend ist, sondern die Glaubhaftigkeit der im Prozess relevanten Aussagen mit
Bezug auf den konkret zu beurteilenden Vorfall (BGE 133 I 33 E. 4.3; Urteil des
Bundesgerichts 6B_692/2011 vom 9. Februar 2012 E. 1.4, je mit Hinweisen). Da-
bei geht es um die Beurteilung, ob auf ein bestimmtes Geschehen bezogene An-
gaben zutreffen, d.h. einem tatsächlichen Erleben der aussagenden Personen
entsprechen.
3. Unbestrittener Sachverhalt
Unbestritten und durch die Akten erstellt ist, dass sich der Beschuldigte und die
Privatklägerin vor dem Tatzeitpunkt unabhängig voneinander in der "C._" Bar
in D._ aufhielten, diese ebenso unabhängig voneinander verliessen und es
danach auf dem angrenzenden Parkplatz der Pizzeria "E._" zu sexuellen
Handlungen kam. Während dem die Privatklägerin die Umstände der sexuellen
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Handlungen als unfreiwillige und gegen ihren Willen erzwungene im Sinne der
Anklageschrift schildert, macht der Beschuldigte im Wesentlichen geltend, dass
die Privatklägerin ihm nachgestellt, die Initiative ergriffen und den Geschlechts-
verkehr gewollt habe.
4. Aussagen der Privatklägerin
4.1. Die Vorinstanz hat die Ausführungen der Privatklägerin ausführlich und
korrekt wieder gegeben (Urk. 69 S. 6 - 22). Sie wurde drei Mal einlässlich befragt,
einmal polizeilich, unmittelbar nach der Tat (Urk. 2/3), dann 7 Monate später bei
der Staatsanwaltschaft und dann fast ein Jahr später nochmals anlässlich der
erstinstanzlichen Hauptverhandlung (Urk. 56).
4.2. Ihre Schilderungen des Tagesablaufes vor der Tat ergeben ein einheit-
liches, widerspruchsfreies und stimmiges Bild. So schilderte sie konstant, dass sie
mit ihrem Mann zusammen in der Form eines ausgedehnten spät nachmittägli-
chen Besuches der "F._ Bar" beim Bahnhof D._ den Hochzeitstag ge-
feiert habe. Dabei habe sie insgesamt 2,4 Liter Bier getrunken. Betrunken habe
sie sich dabei nicht gefühlt, sie würde das gut "verliide" (Urk. 2/3 S. 6; Urk. 4/6
S. 8). In einem Zeitrahmen von 20:00 Uhr bis 21:00 hätten sie das Lokal verlas-
sen, wobei sich ihr Ehemann direkt nach Hause begeben habe, da dieser bereits
betrunken, sie hingegen noch in Feierlaune gewesen sei. Dies sei nicht weiter
ungewöhnlich gewesen und auch schon in der Vergangenheit vorgekommen.
Auch den Lauf der Dinge in der C._ Bar schilderte sie übereinstimmend und
klar. So sei sie nach dem Betreten des Lokals an einen Tisch zu einer Personen-
gruppe gesessen, unter welcher sich auch ein Bekannter von ihr befunden habe.
Zur getrunkenen Menge machte sie leicht uneinheitliche Angaben, nämlich
2 Cocktails und 2 oder 4 Bier (Urk. 2/3 S. 6; Urk. 4/6 S. 11). Den Angeschuldigten
habe sie im Lokal gesehen, mit diesem jedoch keinen Kontakt, auch keinen Blick-
kontakt, gehabt (Urk. 2/3 S. 6; Urk. 4/6 S. 11). In der Folge habe sie gemerkt,
dass die Zeit bereits fortgeschritten und es 1:00 Uhr gewesen sei, weshalb sie
sich von der Runde verabschiedet und das Lokal alleine verlassen habe mit der
Absicht, zu Fuss nach Hause zu gehen. Es seien ja nur ca. 300 Meter und es sei
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ihr noch nie etwas passiert, weshalb sie auch keine Angst gehabt habe, nachts
alleine nach Hause zu gehen.
Diese Angaben decken sich auch mit den Angaben weiterer anwesender Per-
sonen (G._, H._ und I._) (Urk. 4/1-3).
4.3. Die Privatklägerin schilderte in ihrer ersten polizeilichen Befragung, knapp
drei Stunden nach dem Vorfall, das Folgende (Urk. 2/3 S. 7 Antwort 36 ff.):
"(...) nach ca. 150 Meter, als ich auf dem Trottoir beim E._ vorbeigehen
wollte, hatte ich plötzlich ein komisches Gefühl und habe einen Blick nach
Hinten geworfen und dabei gemerkt, dass dieser tamilisch aussehende
Mann, der zuvor am Tisch nebenan sass, mir offenbar gefolgt war und direkt
hinter mir war, er kam dann neben mich. Er hat mich auf den Parkplatz des
E._ Restaurants gedrängt und hat begonnen mich zu küssen und so
und ich habe ihm gesagt: 'Nein, Nein, hör auf, ich möchte das nicht, ich bin
verheiratet, hör auf! Das habe ich auch weiter immer wieder wiederholt. Er
hat angefangen meine Pulloverjacke zu öffnen. Ich war vor Schreck erstmal
wie gelähmt und konnte mich nicht wehren. Dann hat er mir auch die Hose
aufgemacht und meinen Body aufgemacht und den Slip runtergeschoben.
Dann ging er in mich hinein. Nachher wo er fertig war ist er gegangen und
ich habe sofort mein Natel hervorgesucht aus der Handtasche und habe so-
fort die 117 gewählt und bin ihm mit einem Abstand hinterher, weil ich wollte
dass die Polizei ihn gleich fassen kann. Weil er Nebenstrassen entlang ging
wo es stockfinster war, habe ich ihn aus den Augen verloren."
Auf die Frage, wo sie vom Täter berührt worden sei, gab die Privatklägerin an
(Urk. 2/3 S. 8 ff. Antwort 38 ff.):
"Als erstes am Busen und danach direkt am Schritt, zu dem Zeitpunkt war
ich bekleidet. Jedes Detail weiss ich aber, da ich nicht 100% nüchtern war,
nicht mehr, aber an das meiste kann ich mich gut erinnern. (...). Er öffnete
den Reissverschluss nicht bis ganz unten, nur so dass er an die Brust ran-
kam. Unter der Kapuzenpulloverjacke trug ich ein T-Shirt mit 3/4-Ärmeln, er
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zog vom Halsausschnitt her das Shirt und den darunterliegenden Body-BH
und Unterhemd mit seinen Händen nach unten und begann meine linke frei-
gelegte Brust zu küssen, das machte er ein paar Sekunden. Ich habe weiter
auf ihn eingeredet, eben dass ich gehen wolle, nach Hause und dass ich
Angst hätte und er aufhören soll und ich das nicht wolle. Er hat mir dann, auf
dem Parkplatz stehend, vor mir, meine Hose aufgemacht, also zuerst den
Gurt geöffnet, dann den Knopf und Reissverschluss der Jeans geöffnet,
dann die Jeans nach unten geschoben, dann hat er bemerkt dass ich einen
dieser schlankmachenden beigen Bodys mit Knöpfen im Schritt trug und er
musste dann noch diese Knöpfe öffnen, er machte das erstaunlich schnell,
er schien sich damit auszukennen. Dann hat er den Body raufgeschoben
damit er an den Slip rankam und den Slip hat er dann runtergeschoben,
alles bis zu den Schuhen runtergeschoben. Er drückte mich dann auf den
Boden. Ich hatte extreme Angst.
[Frage] Vor was hatten Sie extreme Angst?
Angst vor ihm, vor diesem Kerl, er hat mir wirklich Angst gemacht. Als er
mich aber so sexuell anging, wusste ich schon was er wollte und was
passieren würde, ich hatte aber keine Chance gegen ihn, zudem war ich wie
gelähmt vor Angst.
[Frage] Wie und wo auf dem Parkplatz kamen Sie zu liegen?
Es ist meines Wissens ein Kiesparkplatz, nach den Glascontainern hat er
mich vom Bürgersteig abgedrängt auf den Parkplatz und in Richtung der
Hecken vor dem Restaurant, dort drängte er mich dann auf dem schmalen
Streifen Wiese vor der Hecke zu Boden.
[Frage] Wie kamen Sie dorthin?
Er hat mich bedrängt ich hatte gar keine andere Möglichkeit als in die Rich-
tung zu gehen.
[Frage] Wie hat er Sie bedrängt?
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Puh es ist so schwierig sich an solche Details zu erinnern. Also er hat mich
vom Trottoir einfach regelrecht Richtung Parkplatz gedrängt und geschubst
und gemacht.
[Frage] Demnach nicht gezogen?
Nein, sondern von hinten hat er mich gestossen und geschubst.
[Frage] Haben Sie noch weitere Personen gesehen, ev. weitere Passanten,
Autofahrer, Leute vom Restaurant?
Ich habe niemanden gesehen."
Diese Aussage wirkt wie eine Schilderung einer Person, welche tatsächlich Erleb-
tes wiedergibt. Sie ist in sich stimmig, plausibel und ohne Lücken oder Struktur-
brüche. Nach allgemeiner Lebenserfahrung kann sich jemand nicht alle Details
wie eine Videokamera merken; andererseits enthalten wahre und ereignisnahe
Darstellungen nach empirischen Erkenntnissen relativ viele Details. Genau diese
realitätsnahe Dichte von Details weist die Schilderung der Privatklägerin auf. Die
Aussage enthält auch nicht bloss reine Sachdarstellungen, sondern die Privat-
klägerin schilderte an verschiedenen Stellen, wie sie sich gefühlt habe, ebenfalls
ein Realitätskennzeichen. Zudem fehlt es an pauschalen Anschuldigungen oder
Werturteilen, welche den Verdacht einer falschen Aussage erwecken könnten.
In ihrer staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 12. April 2012 schilderte die
Privatklägerin den Ablauf des Vorfalles im Wesentlichen gleich (Urk. 4/6).
4.4. Die Verteidigung wendet ein, es sei unglaubhaft, dass der Beschuldigte die
damals 78 kg schwere Privatklägerin gegen deren Willen durch Schubsen und
Schieben das Bord hinauf auf den Parkplatz habe befördern können (Urk. 60 S. 3;
Urk. 94 S. 4 f.). Zum einen handelt es sich jedoch um ein sehr flaches Bord, man
erkennt auf dem Foto nur auf den zweiten Blick, dass der Parkplatz überhaupt ge-
ringfügig höher liegt als das Trottoir. Zum anderen ist es zwanglos möglich, dass
ein körperlich stärkerer Mann eine angetrunkene Frau nachts auf der Strasse auf
einen angrenzenden Parkplatz drängen kann. Es ist nur eine Frage genügender
Überrumpelung und Einschüchterung sowie der Angst des Opfers.
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4.5. Weiter wird von der Verteidigung die mangelnde physische Gegenwehr
des Opfers zugunsten des Beschuldigten ins Feld geführt (Urk. 60 S. 4 und 7 f.;
Urk. 94 S. 4, 5 f. und 16). Diesbezüglich ist jedoch allgemein und hinlänglich be-
kannt, dass Opfer von schweren Sexualstraftaten oftmals vor Schreck und Angst
so gelähmt sind, dass sie nicht zu einer physischen Gegenwehr imstande sind.
Die Privatklägerin hat dies denn auch in ihrer Darstellung sehr plausibel und le-
bensnah dargestellt. In diesem Zusammenhang ist zudem folgende Aussage zu
zitieren: "als er mich aber so sexuell anging, wusste ich schon was er wollte und
was passieren würde" (Urk. 2/3 S. 9 Antwort 50). Solche Aussagen, welche innere
Gedankengänge eines Opfers im Tatzeitpunkt offenlegen, macht typischerweise
nur ein tatsächliches Opfer.
4.6. Die Verteidigung ist der Ansicht, dass sich die Privatklägerin mit Bestimmt-
heit besser an die Details hätte erinnern können, wie sie auf den Parkplatz abge-
drängt worden sei. Diese Erinnerungsschwierigkeiten seien nicht nachvollziehbar
und weckten erhebliche Zweifel an ihrer Glaubhaftigkeit (Urk. 60 S. 4; Urk. 94 S. 5
und 15 f.). Diese Auffassung kann nicht geteilt werden. Für eine Person, welche
vergewaltigt wurde, sind solche Verletzungen der Bewegungsfreiheit im Vergleich
zur schweren Verletzung der sexuellen Integrität durch die nachfolgende Verge-
waltigung vollkommen unwesentlich. Es ist deshalb – entgegen dem Einwand der
Verteidigung – eher ein Realitätskennzeichen, dass die Privatklägerin diesen Um-
stand nicht in den Vordergrund stellte. Zudem handelt es sich beim Abdrängen
auf den Parkplatz genau um jene Sekunden im Verlauf des Geschehens, in wel-
chem ein Opfer völlig überrumpelt wird. Nach psychologischen Erkenntnissen
memoriert ein Mensch in diesem Moment primär oder sogar fast ausschliesslich
seine Gefühle, seinen Schrecken und nicht subjektiv völlig unwesentliche Sach-
verhaltsdetails.
4.7. Dasselbe gilt für die Antwort der Privatklägerin auf die Frage, wie sie vom
Täter auf den Boden gedrückt worden sei (Urk. 2/3 S. 10 Antwort 53): "So ge-
drückt, nach unten gedrückt, an meinen Schultern mit seinen Händen sowie ich
weiss, aber es ging alles so ruckzuck, das ist jetzt ein Punkt, den ich nicht mehr
ganz genau weiss. Er drückte mich ganz auf den Boden, so dass ich mit dem Rü-
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cken auf dem Boden lag." Die Verteidigung macht geltend, diese Ungenauigkeit
stelle die Glaubhaftigkeit der Vorwürfe massiv in Frage (Urk. 60 S. 7; Urk. 94
S. 6 f.). Das Gegenteil ist der Fall; diese Darstellung ist im Wesentlich genau und
lebensnah, aber eben nicht übertrieben detailreich. Der Verteidiger geht wiederum
von der irrigen Vorstellung aus, das Opfer eines Verbrechens könne sämtliche
Details wie eine Videokamera aufzeichnen und später aus dem Gedächtnis
hundertprozentig exakt wieder abrufen. Einfügungen wie "es ging eben alles so
ruckzuck" sind nach der Lehre der Aussagenpsychologie Wahrheitsindizien, eben
eine plausible Begründung, weshalb nicht jede einzelne Bewegung des Täters
rezitiert werden kann (BENDER/NACK/TREUER, Tatsachenfeststellung vor Gericht,
4. Aufl., München 2014, Rz. 430). Wer jemanden zu Unrecht beschuldigt, macht
solche Einschübe typischerweise nicht.
4.8. Nicht zuzustimmen ist der Argumentation des Verteidigers, dass die Aus-
sage der Privatklägerin unglaubhaft sei, wonach sie immer noch vor Schreck ge-
lähmt gewesen sei, als es auf dem Parkplatz zu Intimitäten gekommen sei,
schliesslich hätten sie und der Beschuldigte ja zwischen dem ersten Schrecken
auf dem Trottoir und dem Parkplatz bereits ca. 45 Meter zurückgelegt (Urk. 60
S. 7; Urk. 94 S. 6). Neurologisch gesehen ist zwar zu unterscheiden zwischen der
ersten Schrecksekunde infolge Auftretens bzw. Wahrnehmens eines völlig
unerwartet erfolgten äusseren Ereignisses und dem Schrecken im Sinne eines
lähmenden Schocks infolge einer nachfolgenden Vergewaltigung. Im Volksmund
wird beides mit "Schrecken" betitelt; hier eine verfängliche Äusserung der Privat-
klägerin zu erblicken, ist lebensfremd.
4.9. Sehr gesucht wirkt schliesslich auch der Einwand der Verteidigung, mit
heruntergelassenen Hosen hätte die Privatklägerin beim Zubodengedrängtwerden
aus statischen Gründen nach hinten stürzen müssen. Der Umstand, dass sie kei-
ne Prellungen aufgewiesen habe, lasse nur den Schluss zu, dass sie mit den
Händen habe abstützen müssen, was wiederum belege, dass sie sich freiwillig in
Rückenlage zu Boden gelegt habe (Urk. 60 S. 8). Zu erinnern ist, dass der Vorfall
auf einem Wiesenstreifen auf dem Parkplatz stattgefunden hat. Auch mit einge-
schränkter Bewegungsfreiheit bei den Füssen ist es zwanglos möglich, die Knie
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zu biegen und sich ohne Prellungen und Schürfungen auf den Boden zu setzen,
selbst mit Fremdeinwirkung.
4.10. Die Privatklägerin wurde in ihrer staatsanwaltschaftlichen Einvernahme ge-
fragt, ob sie das Glied des Täters gesehen habe, als er in sie eingedrungen sei
(Urk. 4/6 S. 17 Antwort 142). Darauf gab sie zur Antwort: "Ja, ich habe es genau
angeguckt in diesem Moment. Es war schrecklich." Die Verteidigung moniert, es
gebe in den Schilderungen der Privatklägerin und auch nach dem angeklagten
Sachverhalt keinen Moment, in dem die Privatklägerin das Glied des Beschul-
digten genau hätte angucken können, zumal der Beschuldigte umgehend in sie
eingedrungen sein soll (Urk. 60 S. 10). Auch dieser Einwand ist nicht nachvoll-
ziehbar. Es ist lebensnah und plausibel, dass ein Täter, während er seine Hose
öffnet und sein Glied herausnimmt und in Position führt, einen geringen Abstand
zum Körper des Opfers hat, so dass das Opfer mit einem Blick nach unten das
Geschlechtsteil sehen kann. Abgesehen davon ist auch diese Aussage der Pri-
vatklägerin wiederum ein Schulbeispiel für eine wahre Schilderung von tatsächlich
Erlebtem: Die gewählte Formulierung drückt realitätsnah aus, mit welchem Schre-
cken und Ekel das Opfer einer Vergewaltigung das Geschlechtsteil des Täters
wahrnimmt und das das menschliche Gedächtnis sehr bildlich assoziiert (BENDER/
NACK/TREUER, a.a.O., Rz. 399 f.). Wer eine falsche Anschuldigung erhebt und
lügt, würde typischerweise einfach sachlich und neutral behaupten, ich habe das
Glied gesehen. Auch der Beschuldigte hat nie in Abrede gestellt, dass die Privat-
klägerin sein Glied hätte sehen können (Urk. 3/1 S. 13 Antwort 97).
4.11. Nicht überzeugend ist auch die Auffassung der Verteidigung (vgl. zuletzt
Urk. 93 S. 8), die Privatklägerin habe in ihrem Polizeinotruf gesagt, der Täter ste-
he immer noch auf dem Parkplatz, während dem sie in der staatsanwaltschaftli-
chen Befragung (dort Urk. 4/6 S. 11) ausgesagt habe, der Beschuldigte sei nach
dem Vorfall gegangen. Der Beschuldigte stellt ja selbst auch nicht in Abrede, dass
er nach dem Vorfall gegangen ist. Diese Ausdrucksweise schliesst nach allge-
meinem Sprachverständnis keinesfalls aus, dass der Täter zunächst noch einen
kurzen Moment auf dem Parkplatz stehen geblieben ist.
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4.12. Die Privatklägerin führte in ihrer polizeilichen Befragung aus, der Täter ha-
be sie auf den Boden gedrückt, so dass sie auf dem Rücken zu liegen gekommen
sei. Dann habe er ihre Oberschenkel auseinandergedrückt und sei in sie einge-
drungen (Urk. 2/3 S. 10 Antwort 52 - 56). In der staatsanwaltschaftlichen Befra-
gung sagte sie dann aus, sie sei gestanden, als der Täter in sie eingedrungen sei
(Urk. 4/6 Antwort 138). Auf die Frage des Staatsanwaltes, ob sie sicher sei, dass
sie gestanden sei, als der Täter vaginal in sie eingedrungen sei, gab die Privat-
klägerin zu Protokoll: "Da bin ich mir sicher. Aber ich weiss nicht, ob ich auch
noch gelegen bin. Ich habe heute einfach immer das Bild im Kopf, dass ich dabei
gestanden bin" (Urk. 4/6 S. 16 Antwort 149). Auch wenn hier eine gewisse Inkons-
tanz der Aussage festgestellt werden kann, kann daraus nicht abgeleitet werden,
dass die Aussagen der Privatklägerin generell nicht glaubhaft seien. Der Beschul-
digte sagte nämlich selbst aus, zunächst habe er im Stehen versucht, in sie [ein-
vernehmlich] einzudringen, das sei aber nicht gegangen. Danach seien sie beide
auf dem Boden gelegen (Urk. 3/1 S. 12 Antwort 91 und 97). In der staatsanwalt-
schaftlichen Befragung gab der Beschuldigte zu Protokoll: "Wir standen Gesicht
zu Gesicht zueinander. Es gelang ihr nicht, mein Glied bei ihr einzuführen. Dann
hat sie sich plötzlich auf den Boden gelegt. Es hat dort Rasen gehabt" (Urk. 3/2
S. 10 Antwort 82). Die Aussagen passen deshalb stimmig zueinander. Auch hier
ist im Übrigen wieder ein Realitätskennzeichen in der Aussage der Privatklägerin:
Sie gibt eine vernünftige Erklärung ab, weshalb sie nur noch das Stehen in Erin-
nerung hat, nämlich das Bild, welches sich in ihr Gedächtnis gleichsam ein-
gebrannt hat. Solche assoziativen Bilder, welche im Langzeitgedächtnis haften
bleiben und Erinnerungen an weitere Details langsam verdrängen, entsprechen
den empirischen Erkenntnissen der Aussagenpsychologie. Es ist auch hinlänglich
bekannt, dass Gewaltopfer während der Tat häufig versuchen, ihre Wahrneh-
mung möglichst auszuschalten, eine völlig natürliche Schutzreaktion, um zumin-
dest geistig der körperlichen und psychisch unerträglichen Belastung zu ent-
fliehen. Aus diesem Grund sind assoziative Darstellungen weitaus glaubhafter als
die übertriebene, fast fotografisch exakte Schilderung einzelner Details, welche
ein Opfer typischerweise nie memorieren würde.
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4.13. Die Aussagen der Privatklägerin weisen noch eine Fülle von weiteren Rea-
litätskriterien auf. Nachfolgend nur drei weitere Beispiele.
4.13.1. Die Privatklägerin antwortete auf die Frage des Staatsanwaltes, weshalb
sie denn nicht um Hilfe geschrien habe mit den Worten: "Mein Hals war sie zuge-
schnürt, ich konnte gar nicht schreien" (Urk. 4/6 S. 14 Antwort 116). Solche
Kenntlichmachungen des psychischen Empfindens während eines Vorfalls sind
ganz typische, starke Realitätskennzeichen. Sie finden sich sehr selten in Dar-
stellungen von falschen Anschuldigungen (vgl. BENDER/NACK/TREUER, a.a.O.,
Rz. 399 f.).
4.13.2. Auf Hinweis der Polizeibeamten in der ersten Befragung, dass sich die
Privatklägerin für eine medizinische Untersuchung zur Verfügung halten müsse,
sagte sie aus: "Es bleibt mir wohl nichts anderes übrig. Am liebsten würde ich jetzt
sofort duschen gehen, mich einfach waschen, aber das ist ja nicht möglich
(Urk. 2/3 S. 3 Antwort 15). Wer jemand anderen zu Unrecht eines Gewaltverbre-
chens beschuldigen will, macht keine solche Aussagen. Eine solche Person wür-
den den direkten Weg suchen, ihrem Ziel – die falsche Anschuldigung – möglichst
schnell zum Erfolg zu verhelfen. Sie äussert sicher kein Unbehagen gegenüber
der Beweissicherung, der medizinischen Untersuchung. Umgekehrt ist hinlänglich
bekannt, dass Vergewaltigungsopfer einen unwiderstehlichen Drang verspüren,
sich durch Waschen von der Tat und deren Spuren klinisch zu säubern.
4.13.3. Zum genauen Tatort gab die Privatklägerin an, es sei auf einem der Wie-
senstreifen des Parkplatzes gewesen: "Also unter meinem Po war Wiese, eher
eine magere Wiese, keine richtige Wiese" (Urk. 2/3 S. 10 Antwort 53). Solche
Koppelungen einer Ortsbeschreibung mit sensitiven Eindrücken am Po sind ganz
starke Indizien für wahrheitsgetreue Aussagen (BENDER/NACK/TREUER, a.a.O.,
Rz. 388 f. und Rz. 390 ff.). Sie illustrieren schulbuchmässig die klassische Ein-
schränkung bzw. Reduzierung der Wahrnehmung eines Vergewaltigungsopfers
von nüchternen Ortsbeschreibungen – wenn möglich unter Angabe von Koordina-
ten oder Distanzangaben im Metern – auf rein subjektive Gefühlsempfindungen.
Auch hier gilt, wer in der Absicht jemanden falsch anzuschuldigen aussagt, macht
inhaltlich keine solchen Aussagen.
- 17 -
5. Aussagen des Beschuldigten
5.1. Der Beschuldigte machte zu Beginn seiner ersten Befragung geltend, er
habe das Lokal verlassen und sei direkt nach Hause gegangen (Urk. 3/1 S. 9
Antwort 66 f.). Einer Frau sei er nach dem Verlassen des Lokals nicht gefolgt
(Urk. 3/1 S. 9 Antwort 68). Von einer Vergewaltigung wisse er nichts. Erst auf
Hinweis, dass die Abteilung Spurensicherung die Kleider des Opfers untersuchen
werde, gab der Beschuldigte dann zu, der Privatklägerin gefolgt zu sein. Er sagte
Folgendes aus (Urk. 3/1 S. 10 Antwort 74):
"Als das Restaurant zu gegangen ist, da wollte ich in ein anderes Restaurant
gehen, um nochmals ein Bier zu trinken. In diesem Moment hat sie mich ge-
rufen. Sie kam auch zu mir und hat mich umarmt. Dann hat sie ihre Hand in
meine Hose, in die Unterhose gesteckt. Dann hat sie ihre Hose runter ge-
lassen und am Strassenrand löste sie Wasser, also urinierte. Als ich das ge-
sehen habe, war mir das unangenehm. Ich wollte gehen. Ich sagte ihr auch
"Sorry ich muss morgen zur Arbeit". Sie liess mich nicht gehen. Das war
alles."
Entgegen dieser zweiten Darstellung des Beschuldigten, war dies nicht "alles".
Erst auf Nachfrage der einvernehmenden Polizeibeamten, was danach ge-
kommen sei, sagte der Beschuldigte: "Dann hatten wir Geschlechtsverkehr"
(Urk. 3/1 S. 10 Antwort 75).
5.2. Dieses Aussageverhalten, das anfängliche Bestreiten, die Privatklägerin
nach dem Verlassen des Lokals getroffen zu haben und dann das zögerliche Zu-
geben, dass es zum Geschlechtsverkehr gekommen ist, lässt sich schlecht mit
der späteren Behauptung des Beschuldigten vereinbaren, dass der Sex einver-
nehmlich gewesen sei. Weshalb hat er dies dann nicht von Beginn an ausgesagt?
Ein solches Aussageverhalten lässt sich demgegenüber gut – und entgegen der
Verteidigung (Urk. 94 S. 13) – damit erklären, dass dem Beschuldigten im Zeit-
punkt seiner Befragung ganz klar bewusst war, dass er sich etwas hat zu Schul-
den kommen lassen. Stattdessen behauptete der Beschuldigte: "Am Anfang habe
ich mich geschämt, hatte Angst. Als sie mir das von den Spuren erzählt haben,
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dachte ich bei mir, dass ich nun die Wahrheit erzählen will" (Urk. 3/1 S. 14 Ant-
wort 110). Die Erklärung mit der Scham ist unglaubhaft, aber zumindest nicht
ganz auszuschliessen, aber weshalb sollte der Beschuldigte Angst haben? Und
selbst wenn es eine Erklärung für dieses Aussageverhalten gibt, zeigt es doch,
dass der Beschuldigte keine Hemmungen hat, die Unwahrheit zu sagen, wenn
etwas zu seinem Nachteil ausfällt.
5.3. Lebensfremd ist die Behauptung, die Privatklägerin habe dem Beschul-
digten völlig unvermittelt in die Hosen an den Penis gegriffen. Wohl verstanden
kannten sich die Privatklägerin und der Beschuldigte nicht (Urk. 3/2 S. 5 Antwort
30). Es gibt nicht die geringsten Hinweise in den Akten, dass die Privatklägerin
promiskuitiv oder nymphomanisch veranlagt wäre und trotzdem soll sie einem
wildfremden Mann spontan in die Hosen an den Penis gegriffen und dann Sex
verlangt haben?
5.4. Auch die zahlreichen Hinweise des Beschuldigten, wie abwehrend er sich
verhalten habe, wirken künstlich und lebensfremd (vgl. auch zuletzt die in die glei-
che Richtung gehenden Aussagen anlässlich der Berufungsverhandlung, Urk. 93
S. 6 ff.). Nachdem ihm die Privatklägerin an den Penis gegriffen habe, habe er
gesagt "sorry, ich muss morgen zur Arbeit" (Urk. 3/1 S. 10 Antwort 74) oder "mir
war nicht mehr wohl dabei und ich wollte gehen" (Urk. 3/1 S. 11 Antwort 81), "Sie
hat meinen Penis angefasst. Ich habe ihr sogar einmal ihre Hand weggenommen.
Dann hat sie eben uriniert." (Urk. 3/1 S. 11 Antwort 83) oder "Ich habe ihre Hand
weg genommen und habe mich entschuldigt" (Urk. 3/1 S. 12 Antwort 89), "ich ha-
be ihr gesagt, dass das so nicht gehen würde" (Urk. 3/1 S. 12 Antwort 91), dann
"einmal hat sie es ausgezogen und ich habe ihr wieder geholfen, diese anzu-
ziehen, was sie nicht gewollt hatte" (Urk. 3/1 S. 13 Antwort 96). Wenn sich der
Beschuldigte derart geziert hat, taucht unweigerlich die Frage auf, weshalb er
denn selbst den Knopf und den Reissverschluss seiner Hose geöffnet hat, wie er
selbst zugab (Urk. 3/1 S. 12 Antwort 86). Unglaubhaft tönen diese Ausführungen
auch weil der Beschuldigte weiter behauptete, "Sie liess mich nicht gehen"
(Urk. 3/1 S. 10 Antwort 74) und "ich wollte dann gehen und sagte ihr das auch
(Urk. 3/1 S. 11 Antwort 80) und schliesslich "ich war in einer komischen Situation,
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ich konnte nicht nach Hause und auch nicht, sie nach Hause begleiten" (Urk. 3/1
S. 11 Antwort 81). Einem Mann, dem es derart unangenehm ist, wenn ihm eine
Frau in den Schritt fasst und der unbedingt gehen will, tut dies und folgt dieser
Frau nicht über eine längere Distanz bis zum nächsten Restaurant. Dieses angeb-
lich widerstrebende Verhalten des Beschuldigten lässt sich auch schlecht mit dem
Umstand vereinbaren, dass er zunächst geltend machte, er habe nach Hause ge-
hen wollen und vor dem Schliessen des C._ noch eine Bierdose gekauft
(Urk. 3/1 S. 10 Antwort 73), dann aber in der staatsanwaltschaftlichen Befragung
aussagte: "Ich bin mit der Frau mitgegangen, weil ich dachte, sie wolle im Restau-
rant E._ weiter vorne noch ein Bier trinken. Ich wäre dort auch ein Bier trin-
ken gegangen (...)." (Urk. 3/2 S. 7 Antwort 45; ähnlich auch Urk. 93 S. 6).
5.5. Der Beschuldigte gab an, nach dem einvernehmlichen Geschlechtsverkehr
habe man noch gemeinsam eine Zigarette geraucht, dann sei er auf dem direkten
Wege nach Hause gegangen (Urk. 3/2 S. 11 Antwort 90; Urk. 93 S. 10). Auf einer
Karte ist unschwer erkennbar, dass der direkte Weg vom Parkplatz am Ort des
Vorfalls über die ...strasse und dann direkt in den ...weg führt, wo der Beschuldig-
te wohnhaft war und ist. Demgegenüber gab die Beschuldigte in ihrem Notruf an
die Polizei unmittelbar nach dem Vorfall an, der Täter sei in die entgegen gesetzte
Richtung durch die ...strasse geflohen (Urk. 7/1). Diese Aussage ist glaubhaft,
weil die Privatklägerin keinen Grund gehabt hätte, diesen Fluchtweg zu erfinden.
Da sie den Beschuldigten gar nicht kannte, wusste sie auch nicht, dass dieser am
...weg in D._ wohnte. Geht man demgegenüber von ihrer Behauptung einer
Vergewaltigung aus, macht es durchaus Sinn, dass der Beschuldigte nicht auf
dem direkten Weg nach Hause ging, nämlich weil er sich zuerst vergewissern
musste, dass ihm niemand folgte.
5.6. Die Verteidigung wendete ein, dass es lebensfremd sei, dass ein Verge-
waltigungsopfer einem Täter folge, wie dies die Privatklägerin bei ihrem Telefon-
anruf an die Polizei äusserte (ähnlich zuletzt Urk. 94 S. 8). Dafür gibt es jedoch
eine plausible Erklärung. Zum einen ist die Bedrohungssituation vorüber und ein
Vergewaltiger, welcher flüchtet, der flüchtet und greift in der Regel nicht mehr an.
Zum anderen löst sich bei einem Opfer oft die lähmende Schockstarre, nachdem
- 20 -
der Täter von ihm abgelassen hat. Abgesehen davon steht hier keine eigentliche
Verfolgungsjagd zur Diskussion. Die Privatklägerin versuchte vielmehr in grösse-
rem Abstand zum Beschuldigten diesen von der Ferne aus nicht aus den Augen
zu verlieren, was ihr aber unbestritten ohnehin nicht gelang.
6. Motivlage
6.1. Die Privatklägerin ist seit dem Vorfall im September 2011 in psychiatrischer
Behandlung. Es wurden deshalb Akten der psychiatrischen Kliniken Schlössli und
Littenheid, der Tagesklinik für Psychotherapie in Uster und von Dr. med. J._
beigezogen (Urk. 8/1-11). Verschiedentlich ist von einer posttraumatischen Belas-
tungsstörung aufgrund des hier angeklagten Vorfalles die Rede, von Depressio-
nen und Alkoholmissbrauch und Problemen mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der
Lebensbewältigung (Aufnahmebericht Schlössli vom 9.1.2012, Urk. 8/2). Im Ja-
nuar 2012 kam es auch zu einer fürsorgerischen Freiheitsentziehung wegen Sui-
zidalität (Urk. 8/2 und Urk. 4/6 Antwort 57 - 64). Weder wird eine Erkrankung aus
dem Bereich der Schizophrenie noch eine Persönlichkeitsstörung erwähnt. Es gibt
zudem nicht die geringsten Hinweise auf sexuelle Promiskuität der Beschuldigten
oder eine paranoide Gedankenwelt.
Der Ehemann der Privatklägerin bezeichnete die Ehe als gut (Urk. 4/4 S. 3 und 8
Antwort 14 und 56). Es gebe keine Probleme. Die Frage, ob die Privatklägerin
gegenüber anderen Männern schon einmal anzügliche Bemerkungen gemacht
habe, verneinte er (Urk. 4/5 S. 2 Antwort 6). Auf die Frage, ob seine Frau einmal
in psychiatrischer Behandlung gewesen sei, erwähnte er, dass die Privatklägerin
einmal in Behandlung wegen Bulimie gewesen sei; letztlich habe sie die Bulimie
aber ohne Hilfe überwinden können (Urk. 4/5 S. 1 Antwort 5).
Die Privatklägerin wurde gefragt, wie sie ihr Sexualleben bezeichnen würde
(Urk. 4/6 S. 5 Frage 26). Darauf gab sie spontan zur Antwort: "Vor oder nach dem
Vorfall?" Aus aussagenpsychologischer Sicht eine äusserst bemerkenswerte Ge-
genfrage, weil völlig nachvollziehbar und gerechtfertigt. Auch dies ist ein Indiz für
eine wahre Schilderung. Nach der Präzisierung, wonach sich die Frage auf die
Zeit vor dem Vorfall beziehe, fuhr die Privatklägerin dann fort (Urk. 4/6 S. 5 Ant-
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wort 27): "Eigentlich normal. Ich weiss nicht, was für andere Ehepaare normal ist.
Für mich war das Sexualleben vor dem Vorfall normal." Auf die Frage nach der
Häufigkeit gab sie zu Protokoll: "Genau kann ich das nicht sagen. Ich habe nie
Buch geführt. Mein Mann arbeitet Schichtbetrieb. Ich war auch arbeitstätig. Wir
hatten sicher einmal im Monat oder sicher alle zwei Monate Geschlechtsverkehr,
das bestimmt" (Urk. 4/6 S. 5 Antwort 28). Solche Aussagen macht keine Person,
welche derart promiskuitiv ist wie der Beschuldigte von der Privatklägerin glauben
machen will.
Es kann ausgeschlossen werden, dass eine Frau aus heiterem Himmel ohne jeg-
liche frühere Indizien eines Nachts zur hemmungslosen Nymphomanin wird und
einen wildfremden Mann an den Penis greift und praktisch zum Sex nötigt. Kenn-
zeichnend ist auch, dass die Privatklägerin schildert, wie psychisch belastend es
für sie sei, mit ihrem Ehemann über das Vorgefallene zu sprechen, was auch der
Ehemann sinngemäss bestätigte (Urk. 4/6 S. 21 Antwort 192 f. und Urk. 4/4 S. 6
Antwort 38). Das sind typische Aussagen eines Vergewaltigungsopfers.
6.2. Selbst wenn man aber davon ausginge, dass die Privatklägerin die Initia-
tive zu Sexualverkehr ergriffen hätte, bleibt – entgegen der Verteidigung (Urk. 94
S. 12) – schlechterdings unerklärbar, weshalb sie dann den Beschuldigten wahr-
heitswidrig der Vergewaltigung bezichtigen sollte. Es gab unbestritten gar keine
Zeugen und selbst der Beschuldigte machte mit keinem Wort geltend, er habe
den Vorfall beispielsweise dem Ehemann der Privatklägerin erzählen wollen.
Wenn die Privatklägerin mit anderen Worten auf ein sexuelles Abenteuer aus ge-
wesen wäre, hätte sie einfach nach Hause gehen und den Vorfall mit keinem Wort
erwähnen müssen. Wie festgestellt, finden sich in den Krankenakten keine Hin-
weise auf paranoide Vorstellungen oder etwa eine Borderline-Persönlich-
keitsstörung der Privatklägerin, welche Anlass böten zu vermuten, dass sie in
krankhafter Weise Opfermitleid erreichen wolle. Zwar hat die Beschuldigte er-
wähnt, dass sie in früheren Jahren in ihrem Elternhaus von ihrem damaligen
Freund vergewaltigt worden sei, dass sie sich damals aber weder ihm widersetzt
noch ihn angezeigt habe, weil sie damals gemeint habe, als ihr Freund habe er
das Recht dazu gehabt (Urk. 4/6 S. 19 f. Antwort 173 - 180). Alleine daraus nun
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abzuleiten, sie habe deshalb Jahre später den ihr völlig unbekannten Beschul-
digten aus heiterem Himmel zum Sex genötigt, um ihn dann wahrheitswidrig der
Vergewaltigung zu bezichtigen, entbehrt jeglicher Grundlage. Solche Handlungen,
ohne Hinweise auf eine schwerwiegende psychische Erkrankung im Sinne einer
massiven Persönlichkeitsstörung, sind schlechterdings nicht denkbar. Ganz ab-
gesehen davon, hätte sich dies mit Sicherheit in irgendeiner Form in den Aussa-
gen niedergeschlagen. Wie erwähnt, führt eine Analyse der Aussagen der Privat-
klägerin zum gegenteiligen Schluss.
6.3. Zu alledem kommt hinzu, dass die Beschuldigte nicht etwas Stunden oder
sogar Tage später Anzeige bei der Polizei gemacht hat, sondern unmittelbar nach
der Tat. Ein derart plötzlicher Sinneswandel – zuerst einvernehmlicher Sex, dann
eine gemeinsame Zigarette rauchen und dann einen Polizeinotruf mit der Schilde-
rung einer Vergewaltigung, ist völlig lebensfremd und nicht vorstellbar. Kommt
hinzu, dass auf der aufgezeichneten Tonaufnahme des telefonischen Notrufs
(Urk. 7/1) unschwer erkennbar ist, wie aufgeregt und psychisch destabilisiert die
Privatklägerin war. Dies passt ins Bild einer erlebnisbasierten Schilderung der Er-
eignisse. Dass die Privatklägerin über derart eindrückliche professionelle Schau-
spieltalente verfügt, ist auszuschliessen. Entgegen der Verteidigung (Urk. 94
S. 16) lässt sich aus den Aussagen der Privatklägerin im Rahmen des Notrufs
("Der Tamile hat irgendwie das Gefühl gehabt, ich hätte es gewollt.") auch nicht
zwingend ableiten, die Privatklägerin habe damit eingeräumt, dass der Beschul-
digte (zu Recht) davon ausgegangen sei, sie – die Privatklägerin – habe den Ge-
schlechtsverkehr ebenfalls gewollt. Auch der Schluss, sie habe damit quasi eige-
nes "Fehlverhalten" eingestanden, nämlich dass sie dem Beschuldigten ihre Ein-
willigung zum Geschlechtsverkehr signalisiert hätte, mutet konstruiert an. Einer-
seits weist die Vorinstanz zu Recht darauf hin, die Privatklägerin habe in auf-
gewühltem Zustand nach einer Erklärung gesucht (Urk. 71 S. 47). Mit dieser Äus-
serung im Rahmen des Notrufs gibt die Privatklägerin vielmehr und vor allem aber
schlicht das wieder, was ihr der Beschuldigte während resp. im Vorfeld der Ver-
gewaltigung gesagt hatte, nämlich dass sie es doch auch wolle (Urk. 2/3 S. 8
Antwort 41). Diese Äusserung gegenüber dem Polizeibeamten in der Notruf-
zentrale unmittelbar nach der Tat steht im Einklang mit ihren späteren Aussagen,
- 23 -
wonach ihr der Beschuldigte gesagt hätte, sie wolle es doch auch (vgl. z.B.
Urk. 2/3 S. 8 Antwort 41). Dieses, als "Binnenbestätigung" bezeichnetes Reali-
tätskennzeichen (wechselseitige Stützung/Bestätigung verschiedener Aussagen;
dazu BENDER/NACK/TREUER, a.a.O., Rz. 442), ist vielmehr ein weiteres Merkmal,
das für die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin spricht.
7. Fazit
Eine Beweiswürdigung, insbesondere bei der Aussagenanalyse, ist stets ein Mo-
saik aus zahlreichen Indizien (anstelle vieler: BGE 133 I 33, Urteil des Bun-
desgerichts 6P.4/2007 vom 6. März 2007). Dies bedeutet, dass einzelne Indizien
allein die Schuld meist nicht zu beweisen vermögen, weil nicht immer mit Sicher-
heit feststeht, ob dem Indiz die vermutete Ursache zugrunde liegt. Fügen sich je-
doch zahlreiche solcher Indizien zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen, so
addieren sich die Wahrscheinlichkeiten der Annahmen letztlich zur zweifelsfreien
Gewissheit. Dies ist vorliegend der Fall. Den Aussagen des Beschuldigten fehlen
gewisse Realitätskennzeichen und sie enthalten einige wenige Lügensignale. Ins-
gesamt vermögen seine Aussagen alleine den Anklagesachverhalt noch nicht zu
beweisen. Demgegenüber finden sich in den Aussagen der Beschuldigten eine
aussergewöhnlich hohe Anzahl von Realitätskriterien und es fehlen Lügensignale.
Dass die Privatklägerin eine massive nymphomanische Veranlagung hat oder
aufgrund eines psychischen Problems in krankhafter Weise zu falschen Anschul-
digungen neige, kann gestützt auf die Akten und die allgemeine Lebenserfahrung
mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Die Aussagen der Privatklägerin sind in
hohem Masse glaubhaft und zuverlässig. Der Anklagesachverhalt, welcher sich
auf ihre Darstellung stützt, ist deshalb rechtsgenügend erwiesen. Vernünftige
Zweifel können ausgeschlossen werden. Davon ausgenommen werden muss
einzig der Vorwurf, es sei bereits im Stehen zum ersten Mal zu einer Penetration
gekommen. Rechtsgenügend erwiesen ist einzig der Geschlechtsverkehr im Lie-
gen. Letztlich bleibt diese Einschränkung am Anklagesachverhalt aber ohne we-
sentliche Bedeutung.
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III. Rechtliche Würdigung
1. Vergewaltigung nach Art. 190 StGB
1.1. Wer eine Person weiblichen Geschlechts zur Duldung des Beischlafs nö-
tigt, namentlich indem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter psychischen
Druck setzt oder zum Widerstand unfähig macht, wird mit Freiheitsstrafe von ei-
nem Jahr bis zu zehn Jahren bestraft (Art. 190 Abs. 1 StGB). Prinzipiell genügt
der ausdrückliche Wille, den Geschlechtsverkehr nicht zu wollen. Der entgegen-
stehende Wille muss unzweideutig manifestiert werden. Die von der Rechtspre-
chung geforderte Widersetzlichkeit des Opfers ist nichts anderes als eine tatkräf-
tige und manifeste Willensbezeugung, mit welcher dem Täter unmissverständlich
klargemacht wird, mit dem Geschlechtsverkehr nicht einverstanden zu sein. Unter
dem Nötigungsmittel der Gewalt ist nicht mehr verlangt als das Mass an körper-
licher Kraftentfaltung, das notwendig ist, um sich über die entgegenstehende Wil-
lensbetätigung des Opfers hinwegzusetzen. Dass ein Täter allenfalls nur ver-
hältnismässig geringe Kraft aufwenden muss, ist ohne Belang. Es bedarf keiner
rohen Gewalt oder körperlicher Misshandlung etwa in Form von Schlägen oder
Würgen. Vielmehr genügt diejenige Gewalt, die erforderlich ist, um den Willen des
konkreten Opfers zu brechen (relativer Massstab). Zur Verwirklichung des Tat-
bestands kann schon ein Niederdrücken oder ein Festhalten des Opfers mit über-
legener Körperkraft ausreichen. Der Tatbestand der Vergewaltigung ist schliess-
lich nur erfüllt, wenn der Täter vorsätzlich handelt. Dieser muss wissen, dass das
Opfer mit dem Beischlaf nicht einverstanden ist. Es genügt jedoch auch eventual-
vorsätzliches Handeln (zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts 6B_494/2012 vom
21. Februar 2013 E. 2.2 und 2.3, je mit zahlreichen Hinweisen; jüngst auch Urteil
des Bundesgerichts 6B_95/2015, 6B_112/2015 und 6B_113/2015 vom 25. Januar
2016 E. 5.1 sowie Urteil des Bundesgerichts vom 25. Januar 2016 Urteil des
Bundesgerichts 6B_1149/2014 vom 16. Juli 2015 E. 5.1.2 und E. 5.1.3).
1.2. Zur rechtlichen Würdigung hat die Vorinstanz zusammengefasst erwogen,
die Privatklägerin habe dem Beschuldigten mehrfach und unmissverständlich
klargemacht, dass sie mit dem Geschlechtsverkehr nicht einverstanden sei. Somit
- 25 -
habe sie den erforderlichen Widerstand geleistet. Ein weitergehender, körper-
licher Widerstand oder ein lautes Schreien sei weder zumutbar noch erfolgsver-
sprechend gewesen, da die unmissverständlichen Äusserungen der Privatklägerin
den Beschuldigten nicht von seinem Tun abgehalten hätten. Gegen diesen – ver-
bal – manifestierten Willen/Widerstand, habe der Beschuldigte die notwendigen
Nötigungshandlungen vorgenommen und zwar dergestalt, dass er die Privat-
klägerin auf den Parkplatz gedrängt bzw. gestossen und schliesslich an den
Schultern (ganz) nach unten auf den Boden gedrückt habe. Indem sich der Be-
schuldigte gegen den verbal manifestierten und von ihm verstandenen Wider-
stand in der beschriebenen gewaltsamen Art hinweggesetzt habe und den Ge-
schlechtsverkehr mit der Privatklägerin vollzog, habe er zumindest eventual-
vorsätzlich gehandelt (Urk. 71 S. 50 ff.).
1.3. Die Verteidigung wendet hiergegen zusammengefasst – und ähnlich wie
bereits vor Vorinstanz (Urk. 60 S. 17-19) – ein, es habe sich für die Privatklägerin
nicht um eine ausweglose Situation gehandelt. Es sei keine Verweigerungs-
handlung oder Gegenwehr der Privatklägerin erfolgt, obwohl ihr dies zumutbar
gewesen wäre, da der Beschuldigte keine Gewalt angewendet habe und die Pri-
vatklägerin weder eingeschüchtert noch ihr gedroht habe. Eine handfeste Reak-
tion, allenfalls ein Anschreien hätte genügt oder ein Alarmieren der Nachbarschaft
durch Schreien oder Rufen. Es fehle im Weiteren auch an einer tatkräftigen und
manifesten Willensbezeugung. Sie habe zumindest mit sich machen lassen, was
für den Beschuldigten eine Zustimmung impliziert habe. Der Beschuldigte be-
streite, dass die Privatklägerin "nein" gesagt habe bzw. wendet eventualiter ein,
das angebliche "Nein" der Privatklägerin nicht habe wahrnehmen können. Auch
liege seitens des Beschuldigten keine Handlung vor, die als tatbestandsmässige
Nötigungshandlung zu qualifizieren sei. Es werde bestritten, dass der Beschul-
digte die Privatklägerin auf den Parkplatz abgedrängt habe, eventualiter, dass das
Abdrängen die Intensität einer Nötigungshandlung erreicht hätte. Das Nieder-
drücken sei beweismässig nicht erstellt (Urk. 94 S. 21-25).
1.4. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass für die rechtliche Würdigung vom
beweismässig erstellen Anklagesachverhalt auszugehen ist, mit einziger Aus-
- 26 -
nahme, dass sich ein Eindringen im Stehen nicht rechtsgenügend erstellen lässt.
Demgemäss sind die von der Verteidigung unter dem Titel der rechtlichen Würdi-
gung vorgetragenen Einwände, welche den Sachverhalt betreffen, bereits durch
vorstehend vorgenommene Sachverhaltserstellung widerlegt (so z.B., dass die
Beschuldigte kein "Nein" etc. von sich gegeben habe resp. der Beschuldigte dies
nicht gehört habe, dass kein Abdrängen auf den Parkplatz stattgefunden habe,
dass das Niederdrücken nicht erstellt sei etc.).
1.5. Die vorinstanzlichen Ausführungen zur rechtlichen Würdigung erweisen
sich als zutreffend, weshalb darauf zu verweisen ist (Urk. 71 S. 50 ff.; Art. 82
Abs. 4 StPO) mit folgenden Ergänzungen:
1.5.1. Nicht zu folgen ist der Verteidigung darin, dass vorliegend keine tatkräftige
und manifeste Willensbekundung seitens der Privatklägerin vorliege, mit der sie
dem Beschuldigten unmissverständlich zu verstehen gab, sie wolle den Beischlaf
nicht. Indem die Privatklägerin mehrfach verbal klar und unzweideutig zum Aus-
druck gebracht hat, sie wolle das nicht, der Beschuldigte solle aufhören, sie wolle
nach Hause etc. (im Detail dazu die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz,
Urk. 71 S. 50 f.), hat die Privatklägerin erkennbar und unmissverständlich ihren
entgegenstehenden Willen, nämlich mit dem Geschlechtsverkehr nicht einver-
standen zu sein, zum Ausdruck gebracht.
1.5.2. Richtig ist, dass vorliegend keine (auch nicht implizite) Drohung zu er-
blicken ist, die als tatbestandsmässige Nötigungshandlung zu qualifizieren wäre.
Eine tatbestandsmässige Nötigungshandlung ist indes dennoch ohne Weiteres zu
bejahen. Wenn die Verteidigung ausführt, es sei seitens des Beschuldigten zu
keiner relevanten Gewaltanwendung gekommen, so verkennt sie den Gewalt-
begriff im Sinne des Art. 190 StGB. Es bedarf keiner eigentlichen Körperver-
letzungen oder dergleichen. Der Beschuldigte hat die Privatklägerin gemäss dem
erstellten Anklagesachverhalt zu Boden gedrückt, sie dort weiter mit beiden Hän-
den an ihren Schultern am Boden fixiert und ihr sodann die Beine auseinander-
gedrückt. Dieser Einsatz physischer Kraft durch den Beschuldigten ist gemäss der
vorstehend widergegebenen bundesgerichtlichen Rechtsprechung als Gewalt im
Sinne von Art. 190 StGB zu qualifizieren. Dass diese konkret angewandte Gewalt
- 27 -
ausreichte, um den manifestierten entgegenstehenden Willen der Privatklägerin
zu brechen, wird weiter auch aufgrund der konkreten Umstände deutlich. So hat
der Beschuldigte mit seinem Übergriff mitten in der Nacht eine eigentliche Über-
rumpelungssituation geschaffen, in der es der Privatklägerin weder möglich noch
zumutbar war, grösseren Widerstand zu leisten. Diese Beurteilung verstärkt sich,
wenn man sich den doch erheblichen Alkoholisierungsgrad der Privatklägerin vor
Augen führt.
1.5.3. In der beschriebenen Weise hat der Beschuldigte schliesslich der Privat-
klägerin liegend den Beischlaf abgenötigt und damit den objektiven Tatbestand
der Vergewaltigung erfüllt.
1.5.4. Der Beschuldigte handelte schliesslich vorsätzlich. Nach dem erstellten
Sachverhalt hat der Beschuldigte den entgegenstehenden Willen der Privatkläge-
rin klar erkannt, indem diese ihm mehrfach verbal explizit gesagt hatte, sie wolle
das nicht. Dass es hierbei zu Verständigungs- resp. Sprachproblemen gekommen
sein soll, ist ausgeschlossen. Der Beschuldigte weilte bereits im Tatzeitpunkt
während ca. fünf Jahren in der Schweiz und hätte ein "Nein" verstanden. So hat
er denn auch anlässlich der Berufungsverhandlung ausgeführt, er hätte ein "Nein"
verstanden resp. wäre nicht "auf solche Handlungen" eingegangen, wenn die Pri-
vatklägerin das gesagt hätte (Urk. 93 S. 8). Der Beschuldigte wusste damit um
das fehlende Einverständnis der Privatklägerin, weshalb er Gewalt einsetzte mit
dem Ziel, den Willen der Privatklägerin zu brechen, sie zu Boden zu bringen und
dort den Geschlechtsverkehr zu vollziehen, was ihm schliesslich auch gelang.
2. Fazit
Damit hat der Beschuldigte den Tatbestand der Vergewaltigung im Sinne von
Art. 190 StGB in objektiver wie subjektiver Hinsicht erfüllt.
- 28 -
IV. Strafzumessung und Vollzug
1. Strafzumessung
1.1. Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung gemäss
Art. 47 ff. StGB wiederholt dargelegt (BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.; 135 IV 130
E. 5.3.1; 132 IV 102 E. 8.1; je mit Hinweisen). Darauf kann verwiesen werden. Da
lediglich der Beschuldigte Berufung erhoben hat, gilt es das Verschlechterungs-
verbot zu beachten (Art. 391 Abs. 2 Satz 1 StPO).
1.2. Die Vorinstanz hat die Grundsätze, nach welchen eine Strafe zuzumessen
ist, richtig zusammengefasst und angewendet sowie in nachvollziehbarer Weise
eine Strafe von 18 Monaten Freiheitsstrafe (unter Anrechnung von 1 Tag Haft)
festgesetzt (vgl. Urk. 71 S. 54 ff.). Zur Vermeidung von Wiederholungen kann da-
rauf – mit nachfolgenden Ergänzungen – verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).
1.3. Die Vorinstanz beurteilt die objektive Tatschwere als leicht, das subjektive
Verschulden als strafzumessungsneutral und gelangt so zu einer Einsatzstrafe
von 2 Jahren Freiheitsstrafe. In Würdigung der Täterkomponenten berücksichtigt
die Vorinstanz die lange Verfahrensdauer als strafmindernd und beurteilt die übri-
gen Täterkomponenten als strafzumessungsneutral. Sie gelangt schliesslich so zu
einer Freiheitstrafe von 18 Monaten. Hierzu ist Folgendes anzumerken:
1.3.1. Eine Strafminderung wegen verminderter Zurechnungsfähigkeit aufgrund
des Alkoholkonsums – wie von der Verteidigung erneut moniert (Urk. 94 S. 27) –
kommt entgegen der Vorinstanz nicht in Betracht.
Entscheidend für die Beeinträchtigung der Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit ist
der psycho-pathologische Zustand (der Rausch), und nicht dessen Ursache, die
Alkoholisierung (grundlegend BGE 122 IV 49 E. 1b; vgl. jüngst Urteil des Bundes-
gerichts 6B_648/2014 vom 28. Januar 2015 E. 2.2 [nicht publiziert in: BGE 141 IV
34]; zum Ganzen auch BSK StGB I-BOMMER/DITTMANN, Art. 19 N 61 ff.). Wenn
auch der Beschuldigte durchaus beachtliche Mengen alkoholischer Getränke am
fraglichen Abend zu sich genommen haben will und sich als betrunken bezeich-
nete (vgl. dazu Urk. 3/2 S. 12; Urk. 55 S. 10), so fällt doch auf, dass sich der Be-
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schuldigte offenbar im Stande sieht, detaillierte (wenn auch unglaubhafte) Ausfüh-
rungen zu den Abläufen des Tatgeschehens zu machen. Auch sonst macht der
Beschuldigte keine typische, durch den Alkoholkonsum hervorgerufene Ausfall-
erscheinungen resp. Symptome geltend (vgl. dazu bspw. DETTMEYER/VERHOFF,
Rechtsmedizin, Heidelberg 2011, S. 162 [Tabelle]), die eine rechtserhebliche Be-
einträchtigung der Einsichts- und/oder Steuerungsfähigkeit nahelegen würden.
Der Beschuldigte ist überdies auch nicht unverhofft in eine Situation geraten, in
der es ihm aufgrund verminderter Zurechnungsfähigkeit infolge Alkoholkonsums
viel schwerer gefallen wäre, sich norm- und moralgerecht zu verhalten. Er wurde
in keiner Weise vom Opfer in Versuchung geführt oder sexuell angeregt, was in
Kombination mit dem (behaupteten) Rauschzustand allenfalls eine gewisse Her-
absetzung der Einsichts- und/oder Steuerungsfähigkeit indizieren könnte; viel-
mehr hat der Beschuldigte ganz berechnend und vorsätzlich das Opfer verfolgt,
überrumpelt und vergewaltigt. Nach alledem ist eine verminderte Zurechnungs-
fähigkeit im Tatzeitpunkt aufgrund des Alkoholkonsums beim (zumindest dann-
zumal trinkgewohnten; vgl. dazu nur Urk. 3/1 S. 8; Urk. 93 S. 5) Beschuldigten
nicht ersichtlich. Diese von der Vorinstanz abweichende Einschätzung kann dem
Beschuldigten aufgrund des Verschlechterungsverbots indes nicht zum Nachteil
gereichen.
1.4. Mit Blick auf die Täterkomponenten haben sich seit dem erstinstanzlichen
Urteil keine wesentlichen Änderungen ergeben (Urk. 93 S. 2). Es bleibt damit bei
der zutreffenden vorinstanzlichen Feststellung, dass die lange Verfahrensdauer
strafmindernd zu veranschlagen ist, im Übrigen sich die Täterkomponenten straf-
zumessungsneutral auswirken.
1.5. Die von der Vorinstanz – allerdings sehr tief angesetzte – Strafe ist nach
alledem nicht zu beanstanden, auf keinen Fall erscheint sie als überhöht. Die Vor-
instanz setzte mit 18 Monaten eine Strafe fest, die sich in der unteren Hälfte des
unteren Drittels des Strafrahmens (1-10 Jahre Freiheitsstrafe) bewegt. Im Lichte
der objektiven und subjektiven Tatkomponenten im vorliegenden Fall ist das Ver-
schulden ohne Weiteres als erheblich zu qualifizieren, womit eine deutlich höhere
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Strafe auszufällen gewesen wäre. Dies verbietet sich indes vorliegend aufgrund
des Verschlechterungsverbots.
1.6. Damit bleibt es bei der vorinstanzlich festgelegten Freiheitsstrafe von
18 Monaten unter Anrechnung von 1 Tag erstandener Haft.
2. Vollzug
Die Vorinstanz hat den Vollzug der Freiheitsstrafe unter Ansetzung einer (minima-
len) Probezeit von 2 Jahren aufgeschoben. Dabei bleibt es allein schon aufgrund
des Verschlechterungsverbots.
V. Zivilansprüche
Die Regelung der Vorinstanz hinsichtlich des Genugtuungsanspruchs der Privat-
klägerin erweist sich als zutreffend und ist bei diesem Verfahrensausgang des-
halb ohne Weiteres zu bestätigen (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 71 S. 59 ff.). Der
sinngemässe Einwand der Verteidigung, der geltend gemachte immaterielle
Schaden, also die physischen und/oder seelischen Schmerzen, seien nicht auf
die Vergewaltigung zurückzuführen, sondern auf vorbestehende psychische Prob-
leme, geht fehl. So geht bspw. aus den vertrauensärztlichen Angaben des behan-
delnden Arztes, Dr. J._, gegenüber der SUVA (Urk. 8/8) klar hervor, dass bei
der Privatklägerin eine "traumatische Belastungsstörung nach Vergewaltigung
(ICD 10; F 43 .1) diagnostiziert und massive damit verbundene Symptome fest-
gestellt wurden. Die von der Vorinstanz festgesetzte Genugtuungssumme von
Fr. 12'000.– als Ausgleich für den erlittenen seelischen Unbill ist folglich nicht zu
beanstanden.
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsfolgen
Ausgangsgemäss ist die vorinstanzliche Kostenregelung (Disp.-Ziff. 5 und 6) zu
bestätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO).
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2. Kosten- und Entschädigungsfolgen im Berufungsverfahren
2.1. Im Berufungsverfahren werden die Kosten nach Obsiegen und Unterliegen
auferlegt (Art. 428 Abs. 1 StPO).
2.2. Nachdem der Beschuldigte mit seiner Berufung vollumfänglich unterliegt,
sind ihm die Kosten – mit Ausnahme derjenigen für die amtliche Verteidigung und
die unentgeltliche Vertretung der Privatklägerschaft – aufzuerlegen. Bezüglich der
Kosten für die amtliche Verteidigung ist er auf Art. 135 Abs. 4 StPO hinzuweisen,
wonach er verpflichtet ist, die der Verteidigung vom Staat ausbezahlte Entschädi-
gung zurückzubezahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben.