# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c7a908bf-16d2-42de-8fa7-860c9c027f3b
**Court:** BL_SG
**Chamber:** BL_SG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** BL / Northwestern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Tax

## Facts

Sachverhalt:
1. Mit Veranlagungsverfügung der direkten Bundessteuer 2013 Amtliche Einschätzung
vom 19. November 2015 wurden die Beschwerdeführer mit einem im Kanton Basel-Landschaft
steuerbaren Einkommen von Fr. 196‘000.-- amtlich eingeschätzt.
2. Mit Eingabe vom 13. Dezember 2015 erhoben die Pflichtigen Einsprache, reichten
Lohnausweise nach und wiesen darauf hin, dass es ihnen infolge Krankheit und Spitalaufent-
halten bisher nicht möglich gewesen sei, die gewünschten Unterlagen zu erstellen. Dass die
Veranlagung offensichtlich unrichtig sei, ergebe sich aus den Lohnausweisen. Die Ein-
sprachebegründung samt Steuererklärung mit Unterlagen werde man bis zum 31. Januar 2016
nachreichen.
3. Mit Einsprache-Entscheid vom 6. Januar 2016 trat die Steuerverwaltung nicht auf die
Einsprache ein. Zur Begründung führte sie aus, innerhalb der Rechtsmittelfrist sei keine Steuer-
erklärung eingereicht worden.
4. Mit Eingabe vom 31. Januar 2016 erhoben die Pflichtigen mit dem sinngemässen Be-
gehren, die amtliche Einschätzung sei aufzuheben und die Angelegenheit zur neuen Veranla-
gung an die Steuerverwaltung zurückzuweisen, Beschwerde. Zur Begründung machten sie gel-
tend, die Einsprache sei mit den Krankheitsperioden und Spitalaufenthalten sowie den Lohn-
ausweisen dokumentiert worden. Mit letzteren habe man aufgezeigt, dass die Einkünfte weit
unter der amtlichen Einschätzung gelegen seien. Da einige Unterlagen gefehlt hätten, habe
man die Einreichungsfrist für die Gesamtsteuererklärung verpasst. Die Steuererklärung mit al-
len erforderlichen Unterlagen sei aber, wie versprochen, inzwischen eingereicht worden. Seit
Juni 2014 sei der Ehemann ganz oder teilweise krankgeschrieben gewesen. Ab Oktober 2015
habe er mit mässigem Erfolg versucht, teilweise wieder erwerbstätig zu sein.
5. Mit Vernehmlassung vom 12. April 2016 beantragte die Steuerverwaltung die Abweisung
der Beschwerde. Zur Begründung führte sie aus, auch wenn man den Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers bzw. die damit verbundene teilweise Arbeitsunfähigkeit entsprechend wür-
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digen würde, ändere dies nichts an der Tatsache, dass es dem Pflichtigen zumutbar gewesen
wäre, dass er bzw. die Ehefrau im Rahmen ihrer Beistandspflicht die Steuererklärung ausgefüllt
hätte oder aber eine Drittperson mit dieser Aufgabe betraut worden wäre. Da bei Einsprachen
gegen Ermessensveranlagungen der Unrichtigkeitsnachweis umfassend und innert der Ein-
sprachefrist zu führen sei, hätten die mit Schreiben vom 13. Dezember 2015 eingereichten
Lohnausweise nicht ausgereicht. Entsprechend sei man zu Recht nicht auf die Einsprache ein-
getreten.
6. Anlässlich der heutigen Verhandlung hielten die Parteien an ihren Begehren fest.

## Considerations

Das Steuergericht zieht in Erwägung:
1. Das Steuergericht ist gemäss Art. 140 des Bundesgesetzes über die direkte Bundes-
steuer (DBG) vom 14. Dezember 1990 zur Anhandnahme der vorliegenden Streitsache zustän-
dig, wobei gemäss § 4 der Vollzugsverordnung DBG vom 13. Dezember 1994 i.V.m. § 129 Abs.
1 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteuern (Steuergesetz) vom 7. Februar 1974
(StG) Beschwerden, deren umstrittener Steuerbetrag wie im vorliegenden Fall Fr. 8’000.-- über-
steigt, vom Präsidenten und vier Richterinnen und Richtern des Steuergerichts beurteilt werden.
Da die in formeller Hinsicht an eine Beschwerde zu stellenden Anforderungen erfüllt sind, ist
ohne weiteres darauf einzutreten.
2. Ist die Vorinstanz wie vorliegend auf eine Einsprache nicht eingetreten, hat das Steuer-
gericht praxisgemäss lediglich zu prüfen, ob dieser Nichteintretensentscheid zu Recht erfolgt
ist. Deshalb sind nur solche Rügen zu berücksichtigen, die sich auf die Eintretensfrage bezie-
hen. Ausgeschlossen von der richterlichen Prüfung bleiben jene Rügen, welche die materielle
Seite betreffen. Kommt das Gericht zum Schluss, dass auf die Einsprache hätte eingetreten
werden müssen, ist die Beschwerde gutzuheissen und der Fall zur materiellen Beurteilung an
die Vorinstanz zurückzuweisen. Andernfalls muss die Beschwerde abgewiesen und der vor-
instanzliche Entscheid bestätigt werden (Entscheid des Steuergerichts [StGE] Nr. 44/2008 vom
30. Mai 2008, E. 2, www.bl.ch/steuergericht).
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3. Gemäss Art. 130 Abs. 2 DBG wird der Steuerpflichtige, wenn er innerhalb der festge-
setzten Nachfrist und Mahnung die Steuererklärung nicht einreicht oder vervollständigt, von
Amtes wegen eingeschätzt.
a) Eine amtliche Einschätzung kann der Steuerpflichtige gemäss Art. 132 Abs. 3
DBG nur wegen offensichtlicher Unrichtigkeit anfechten. Die Einsprache gegen die amtliche
Einschätzung ist gemäss Art. 132 Abs. 1 und 3 DBG innert der Einsprachefrist von 30 Tagen zu
begründen und muss allfällige Beweismittel nennen (sog. Unrichtigkeitsnachweis). Diese von
Art. 132 Abs. 3 DBG geforderte Begründung der Einsprache gegen eine amtliche Veranlagung
stellt nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung eine Prozessvoraussetzung dar, deren
Fehlen zur Folge hat, dass auf die Einsprache nicht eingetreten werden kann (vgl. Entscheid
des Bundesgerichts [BGE] 2C_579/2008 vom 29. April 2009, E. 2.1 mit weiteren Hinweisen,
publ. in: Steuerentscheid [StE] 8-9/2009, B. 95.1 Nr. 14). Die genannten erhöhten prozessualen
Anforderungen finden ihre Erklärung in der besonderen Natur der Ermessensveranlagung. Da
die Steuerbehörde mangels genügender Unterlagen nicht alle Steuerfaktoren genau ermitteln
kann, muss sie diese schätzen. Dabei hat sie notwendigerweise auf Annahmen und Vermutun-
gen abzustellen. Weil eine Ermessenseinschätzung somit naturgemäss eine gewisse Unschärfe
aufweist, ist die Möglichkeit sie anzufechten entsprechend eingeschränkt. Der Steuerpflichtige
kann sie nur wegen offensichtlicher Unrichtigkeit in Frage stellen. Er hat nachzuweisen, dass
die Ermessensveranlagung den tatsächlichen Verhältnissen nicht entspricht. Mittels umfassen-
dem Unrichtigkeitsnachweis hat er die bisher vorhandene Ungewissheit bezüglich des Sach-
verhalts zu beseitigen, blosse Teilnachweise genügen nicht. In der Begründung der Einsprache
ist daher der Sachverhalt in substantiierter Weise darzulegen und es sind die Beweismittel für
diese Sachverhaltsdarstellung zu nennen. Es reicht nicht aus, die Einschätzung bloss in pau-
schaler Weise zu bestreiten oder lediglich einzelne Positionen der Einschätzung als zu hoch zu
bezeichnen. Vielmehr wird der Steuerpflichtige, der seine Mitwirkungspflichten im Veranla-
gungsverfahren nicht erfüllt und dadurch eine Ermessensveranlagung bewirkt hat, in der Regel
die versäumten Mitwirkungshandlungen nachholen, also eine bisher nicht vorgelegte Steuerer-
klärung nachträglich einreichen müssen, um die Einsprache genügend zu begründen (BGE
2C_579/2008, a.a.O., E. 2.1 mit weiteren Hinweisen).
b) Das Bundesgericht hat seine frühere, nicht immer einheitliche, Rechtsprechung
in dem Sinne verdeutlich, als dass die erwähnten gesetzlichen Bestimmungen nicht vorschrei-
ben, dass eine Einsprache gegen eine Ermessenseinschätzung wegen versäumter Mitwir-
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kungshandlungen nur gültig ist, wenn damit gleichzeitig das Versäumte nachgeholt wird. Nach
der neueren Rechtsprechung ist daher das Nachreichen einer bisher nicht vorgelegten Steuer-
erklärung nicht Gültigkeitsvoraussetzung der Einsprache (BGE 2C_579/2008, a.a.O., E. 2.2 mit
weiteren Hinweisen). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung lebt die Untersuchungs-
pflicht der Steuerbehörde wieder auf, wenn die Ungewissheit des Sachverhalts, die zur ermes-
sensweisen Einschätzung geführt hat, durch den Steuerpflichtigen beseitigt worden ist (BGE
2C_579/2008, a.a.O., E. 2.4).
c) Die vorstehend zitierte Bundesgerichtspraxis wurde zwischenzeitlich präzisiert.
So wurde in BGE 2C_307/2013 vom 28. Juni 2013 festgehalten, dass es nicht genüge, auf die
Steuerklärung zu verweisen, die nachgereicht werde und als Beweismittel diene, wenn die
Steuerklärung nach Ablauf der Einsprachefrist nachgereicht werde. Vielmehr hätten die Pflichti-
gen gegen die ihnen obliegenden Pflichten der Begründung und Beweisnennung verstossen
(vgl. E. 2.2). Auch Laien müsse bewusst sein, dass sie sich nicht darauf beschränken könnten,
die amtliche Veranlagung innert der Einsprachefrist mit pauschalen und gänzlich unbegründe-
ten bzw. unbelegt gebliebenen Behauptungen in Zweifel zu ziehen (vgl. E. 2.3.1). Auch aus
dem bereits zitierten BGE 2C_579/2008 könnten die Steuerpflichtigen nichts zu ihren Gunsten
ableiten. Das Bundesgericht stelle dort zwar klar, dass die offensichtliche Unrichtigkeit der Er-
messensveranlagung auch ohne Nachreichen der Steuererklärung dargetan werden könne. In
jenem Fall belege der Pflichtige indes seine Behauptung, er habe ein Einkommen von Fr. 0.--,
mit der Jahresrechnung. Diese habe er der Einsprache beigefügt, welche somit rechtzeitig und
genügend begründet gewesen sei. Im Gegensatz dazu sei hier eine hinreichende Begründung
bzw. eine auch nur ansatzweise substantiierte Darlegung erst der verspätet eingereichten
Steuerklärung zu entnehmen gewesen (vgl. E. 2.3.2). Weiter wurde in BGE 2C_714/2013,
2C_716/2013 vom 3. September 2014 klargestellt, dass, wie bei der Steuerklärung, die Ermes-
sensveranlagung auf einer Gesamtbetrachtung der Einkommens- und Vermögenssituation ba-
siere. Mit dem Einreichen lediglich eines Lohnausweises könne diese nicht umfassend darge-
stellt und somit auch nicht substantiiert begründet werden (vgl. E. 2.2).
d) Vorliegend hat die amtliche Veranlagung ihre Ursache darin, dass die Beschwer-
deführer trotz mit A-Post Plus-Sendung versandter letzter Mahnung vom 13. Mai 2015 die in
Frage stehende Steuererklärung innert der gesetzten Frist bis 31. Mai 2015 nicht eingereicht
haben. Die den Beschwerdeführern mit Veranlagungsverfügung der direkten Bundessteuer