# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f0e552ca-70e5-40b1-a5c8-89ed689a967d
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_004
**Year:** 2005
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Beschwerde gegen die Verrechnung der Prozessentschädigung im Prozess GR03... des Bezirksgerichts Winterthur (Verfügung vom 27. September 2004)
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Die Verwaltungskommission zieht in Erwägung:
I.
1. Mit Verfügung vom 27. September 2004 hiess der Einzelrichter in  des Bezirks Winterthur den Rekurs von W., vertreten durch Rechts-
anwältin N., gegen die Bezirksanwaltschaft I für den Kanton Zürich (BAK I)
sowie gegen B., M., C. und G. betreffend die Einstellungsverfügung vom
20. November 2003 gut und wies die Sache zur weiteren Behandlung an die
BAK I zurück. Die Kosten von Fr. 1'527.-- wurden auf die Staatskasse ge-
nommen; dem Rekurrenten sprach der Einzelrichter eine Entschädigung von
Fr. 3'228.-- (inkl. 7,6% MWST) aus der Gerichtskasse zu. Am 9. November
2004 erklärte das Zentrale Inkasso des Obergerichts gegenüber der von der
Rechtsvertreterin des Rekurrenten geforderten Auszahlung der Prozessent-
schädigung von Fr. 3'228.-- die Verrechnung mit geschuldeten Gerichts-
kosten. Zur Begründung wurde angeführt, die zur Verrechnung gebrachten
Gerichtskosten seien vor der Zession (Anwaltsvollmacht) entstanden, wes-
halb die Verrechnung gestützt auf Art. 120 i.V.m. Art. 169 Ziff. 2 OR zu
Recht erfolgt sei.
2. Mit Beschwerde vom 25. November 2004 wurde beantragt, die  anzuweisen, der Beschwerdeführerin 2 Fr. 3'228.-- zuzüglich 5% Ver-
zugszins ab 25. November 2004 zu bezahlen. Zur Begründung wurde im
Wesentlichen vorgetragen, beim Honorar des Anwalts handle es sich ge-
stützt auf die Verordnung über die Anwaltsgebühren um eine Verpflichtung,
deren besondere Natur die tatsächliche Erfüllung an den Gläubiger (Anwalt)
i.S. von Art. 125 Ziff. 2 OR verlange. Schuldner der öffentlich-rechtlichen Ge-
richtskosten sei der Beschwerdeführer 1, der diese in monatlichen Raten
von Fr. 35.-- abzahle, während der zedierte, privatrechtliche Entschädi-
gungsanspruch der Beschwerdeführerin 2 selber zustehe. Zur Verrechnung
fehle es an der Identität der "verrechnenden" Parteien. Zudem sei das Zen-
trale Inkasso als "rein ausführende Instanz" zur Verrechnungserklärung nicht
berechtigt. Die angewandte Verrechnungspraxis verletze Art. 6 Ziff. 1
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EMRK, da sie dem ungehinderten Zugang des bedürftigen Klienten zum Ge-
richt entgegenstehe. Das Verbot für Rechtsanwälte, neben dem Honorar aus
unentgeltlicher Prozessführung zusätzlich Honorar vom Klienten entgegen-
zunehmen, gefährde deren Einkommen, wenn Entschädigungen aus unent-
geltlichen Rechtsvertretungen mit vorbestehenden Schulden des Klienten
verrechnet werden könnten.
3. (...)
II.
1. Nach § 108 Abs. 1 Satz 1 GVG kann wegen Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung der Gerichtsbehörden sowie wegen anderer Verletzun-
gen von Amtspflichten bei der nächst übergeordneten Aufsichtsbehörde Be-
schwerde geführt werden. Aufsichtsbehörde über das Zentrale Inkasso ist
das Obergericht (§ 106 GVG), das diese Aufgabe in seiner Organisations-
verordnung vom 8. Dezember 1999 (LS 212.51) der Verwaltungskom-
mission übertragen hat. Nach § 109 Abs. 1 GVG ist die Beschwerde innert
zehn Tagen seit der Mitteilung oder Kenntnisnahme einzureichen, wenn sie
sich gegen einen bestimmten Entscheid oder eine bestimmte Handlung
richtet (Satz 1). In andern Fällen ist sie so lange zulässig, als ein rechtliches
Interesse des Beschwerdeführers besteht (Satz 2). Die bevollmächtigte Be-
schwerdeführerin beanstandete die Verrechnungserklärung des Zentralen
Inkassos vom 9. November 2004 (act. 2/5). Das Zentrale Inkasso wies das
Wiedererwägungsgesuch am 15. November 2004 ab (act. 2/6), worauf am
25. November 2004 die ausführlich begründete Beschwerde bei der Ver-
waltungskommission eingereicht wurde (act. 1). Auf die rechtzeitig erhobene
Beschwerde ist einzutreten.
4. Der Einzelrichter in Strafsachen des Bezirkes Winterthur sprach die  im Betrage von Fr. 3'228.-- dem obsiegenden und anwaltlich
vertretenen Rekurrenten (Beschwerdeführer 1) zu. Diese Forderung ent-
stand mit der richterlichen Anordnung in Dispositiv Ziff. 4 des Urteils vom
27. September 2004. Sie wurde bereits im Zeitpunkt der Unterzeichnung der
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Anwaltsvollmacht am 21. Januar 2003 als künftige Forderung gültig abge-
treten (GAUCH/SCHLUEP/SCHMID/REY, Schweizerisches Obligationen-
recht, Allg. Teil, 8. A. 2003, Band II, N 3645 f.; BGE 111 III 73 E. 3a; Be-
schlüsse der Verwaltungskommission vom 8. März 2004 i.S. C. [VB030050]
und vom 19. August 1997 i.S. J. gegen Obergerichtskasse des Kantons
Zürich [VB970029]) (...). Mit der Vorlage der Vollmacht zur Rekurseingabe
vom 6. Dezember 2003 wurde die Zession dem Schuldner (Gericht) rechts-
genügend notifiziert (Beschluss des Kassationsgerichts vom 5. Mai 1987 i.S.
B. gegen Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich, E. 4 S. 8 [Kass.-
Nr. 19/87). Die zedierte Forderung war aber mit den Einreden gemäss
Art. 169 Abs. 1 OR belastet, zu welchen auch die Verrechnung gehört, so-
weit die Gegenforderungen im Zeitpunkt der Notifikation bereits bestanden
und nicht später als die abgetretene Forderung fällig wurden
(GAUCH/SCHLUEP/ SCHMID/REY, a.a.O., N 3686; OR-GIRSBERGER,
Art. 169 N 9 f.; ZK-SPIRIG, N 94; BGE 95 II 238 E. 3 m. Hinw.). Diese Vor-
aussetzungen sind im vorliegenden Fall erfüllt, sind doch die am 9. Novem-
ber 2004 zur Verrechnung erklärten Gerichtskosten von insgesamt
Fr. 11'786.80 im Zeitraum vom 25. September 2002 bis 21. November 2003
entstanden, womit sie - jedenfalls im Umfang von Fr. 3'228.-- - auch längst
fällig waren (Beschluss der Verwaltungskommission vom 19. August 1997
[VB970029] a.a.O.). Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin 2 ist
das Zentrale Inkasso sodann als Teil der Justizverwaltung, die dem Oberge-
richt zukommt, zur Abgabe einer derartigen Verrechnungserklärung ermäch-
tigt; an die rechtskräftigen Kosten-Dispositive ist es gebunden und damit zur
Verrechnung auch verpflichtet.
5. Nach § 10 Abs. 5 StPO wird dem Geschädigten auf sein Verlangen ein  Rechtsbeistand beigegeben, wenn es seine Interessen und die
persönlichen Verhältnisse erfordern (vgl. auch Art. 6 KV und Art. 29 Abs. 3
BV; HAURI, Die Bestellung des unentgeltlichen Rechtsbeistandes für Ge-
schädigte im Zürcher Strafprozess, 2002, S. 20 f.). Zuständig ist - wie für die
Bestellung eines amtlichen Verteidigers - der Präsident des Bezirksgerichts
(§ 12 Abs. 5 i.V.m. § 13 Abs. 2 StPO). Da die Beschwerdeführerin nicht zur
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unentgeltlichen Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers 1 bestellt wurde,
fehlt es an einer Rechtsgrundlage für einen prozessrechtlichen Anspruch auf
direkte Zusprache der Parteientschädigung. Die Rechtslage stellt sich wie
folgt dar:
6. Die Ernennung des unentgeltlichen Rechtsvertreters ist als  zu qualifizieren, weshalb die daraus fliessenden Rechte und
Pflichten öffentlich-rechtlicher Natur sind (BGE 113 Ia 69 E. 6 m. Hinw.).
Daher ist der Staat unter bestimmten Voraussetzungen auch verpflichtet,
den bestellten Rechtsvertreter aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Die
Prozessentschädigung ist dem unentgeltlichen Rechtsbeistand des Geschä-
digten demzufolge in Anwendung von § 188 Abs. 1 Satz 2 StPO und in
Analogie zu § 89 Abs. 1 ZPO direkt zuzusprechen (vgl. HAURI, a.a.O., S.
294 Fn 1311; Beschluss vom 21. Februar 2001 i.S. H. gegen Bezirksgericht
Zürich [VB000041]). Diese Regelung gewährleistet die rechtsgleiche Be-
handlung von unentgeltlichem Rechtsbeistand des Geschädigten im Straf-
prozess und unentgeltlichem Rechtsvertreter einer Partei im Zivilprozess,
mit dem Ziel, die Honorarzahlung des unentgeltlichen Rechtsbeistands si-
cherzustellen (vgl. dazu FRANK/STRÄULI/ MESSMER, Kommentar zur zür-
cherischen Zivilprozessordnung, 3. A. 1997, N 1 zu § 89 ZPO). Die Ent-
schädigung des unentgeltlichen Rechtsbeistands des Geschädigten im
Strafprozess ist vom zuständigen Richter sodann mittels separater Verfü-
gung festzusetzen. Während dieser Akt ebenfalls als Justizverwaltung gilt,
der mit Aufsichtsbeschwerde an die Verwaltungskommission angefochten
werden kann, ist die Kostenauflage betreffend die Entschädigung des un-
entgeltlichen Rechtsbeistands des Geschädigten gemäss § 188 Abs. 1 Satz
1 i.V.m. § 10 Abs. 5 StPO indessen als Rechtsprechung zu qualifizieren
(HAURI, a.a.O., S. 293; vgl. auch FRANK/STRÄULI/ MESSMER, a.a.O., N
7, 11 zu § 89 ZPO und ZR 94 Nr. 38 E. 5c). Da das aus der Gewaltenteilung
fliessende Verfassungsprinzip der Unabhängigkeit der Gerichte ein Eingrei-
fen der Justizverwaltungsbehörde in die richterliche Rechtsprechung ver-
bietet (Art 6 Ziff. 1 EMRK; Art. 56 KV; § 104 Abs. 1 GVG), ist eine Änderung
der Kostenauflage nicht zulässig. Eine Korrektur der unrichtigen Kostenauf-
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lage im Urteilsdispositiv muss der unentgeltliche Rechtsvertreter daher in ei-
genem Namen mit Rekurs nach § 402 Ziff. 9 StPO an die III. Strafkammer
des Obergerichts durchsetzen (vgl. Beschluss vom 21. Februar 2001, E. 4
[VB000041]).
7. (...)
8. (...)

## Considerations