# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 3c7828a3-f496-5a2e-b495-5cc807b6b652
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdeführenden reichten am 19. September 2017 bei der Gemeinde
Roggwil ein Baugesuch ein für den Ersatz der Einzel-Elektrospeicherheizung durch ein
Hybrid-Heizsystem. Geplant ist, ein Warmluft-Pelletofen im Erdgeschoss des
dreigeschossigen Reiheneinfamilienhauses zu platzieren.1 In Ergänzung dazu sollen in
acht Räumen Infrarotheizelemente eingebaut werden, die zentral gesteuert werden
können. Das Reiheneinfamilienhaus der Beschwerdeführenden befindet sich auf der
Parzelle Roggwil Grundbuchblatt Nr. G._ und liegt in der Überbauungsordnung Nr.
I._ H._. Mit Entscheid vom 20. Dezember 2017 erteilte die Gemeinde
Roggwil für den Warmluft-Pelletofen die Baubewilligung. Für die Infrarotheizung erteilte sie
den Bauabschlag.
2. Gegen den Bauabschlag reichten die Beschwerdeführenden am 9. Januar 2018
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie
stellen folgende Anträge: "a) Die Teilbaubewilligung 2017-0048 datiert vom 20.12.207 (richtig: 2017) ist aufzuheben. b) Der dem Baugesuch beiliegende Energieausweis EN-103 ist vollumfänglich als richtig zu
akzeptieren. c) Der Baubehörde Roggwil ist anzuweisen, zur Beurteilung des Baugesuchs 2017-0048
den Art. 38, Abs. 3 aus KEnV-2016 anzuwenden. d) Es soll eine Baubewilligung für das ganze Heizsystem (Stückholzfeuerung mit
elektrischer Notheizung gemäss Art. 38, Abs. 3 KEnV-2016) erteilt werden. e) Die Energienachweis Kontrollstelle der Region Oberaargau soll einen neuen Prüfbericht
ausstellen (inhaltlich analog der Angaben unter d), welcher die beiden bisherigen Berichte ersetzt: Prüfbericht von 25.10.2017 Nachtrag zu Prüfbericht 27.11.2017."
Zur Begründung bringen sie vor, die Vorinstanz habe die Infrarotheizelemente als
Zusatzheizung qualifiziert. Dies sei falsch. Richtigerweise seien die Infrarotheizelemente
gestützt auf Art. 38 Abs. 3 KEnV2 als elektrische Notheizung zu beurteilen und vom Verbot
ortsfe–ster elektrischer Widerstandheizungen befreit.
1 Vgl. Grundrissplan des Erdgeschosses mit Stempel der Bau- und Betriebskommission der Gemeinde Roggwil vom 20. Dezember 2017 ganz hinten im durchsichtigen Mäppli der Vorakten der Gemeinde Roggwil 2 Kantonale Energieverordnung vom 26. Oktober 2011 (KEnV; BSG 741.111)
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3. In ihrer Stellungnahme vom 15. Februar 2018 beantragt die Gemeinde sinngemäss
die Abweisung der Beschwerde und hält im Wesentlichen an ihrer Beurteilung im angefo-
chtenen Entscheid fest.
4. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet3, führte den
Schriftenwechsel durch und holte bei der Gemeinde Roggwil die Vorakten ein. Zudem holte
es beim Amt für Umweltkoordination und Energie (AUE) einen Bericht zum geplanten
Hybrid-Heizsystem ein. Die Parteien erhielten die Möglichkeit, sich zum Bericht des AUE
zu äussern und Schlussbemerkungen einzureichen. Von dieser Möglichkeit machten die
Beschwerdeführenden Gebrauch. Die Gemeinde Roggwil verzichtete darauf, weitere
Stellungnahmen einzureichen. Auf die Rechtsschriften, vorliegenden Akten sowie den
Bericht des AUE wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Bauentscheide können nach Art. 40 BauG4 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit für die Beurteilung
der Beschwerde zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen, die Baugesuchsteller, die
Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 40 Abs. 2
BauG). Die Beschwerdeführenden, deren Baugesuch teilweise abgewiesen wurde, sind
durch den vorinstanzlichen Bauentscheid beschwert und daher zur Beschwerdeführung
legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
3 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 4 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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2. Verbot ortsfester elektrischer Widerstandheizungen
a) Das dreigeschossige Reiheneinfamilienhaus der Beschwerdeführenden wurde
anfangs der 80-Jahre erstellt. Es umfasst gemäss den Angaben der Beschwerdeführenden
eine Energiebezugsfläche5 von 143 m2.6 Das Gebäude wird raumweise mit Einzel-
Elektrospeicherheizungen beheizt. Ein wassergeführtes Wärmeverteilsystem ist nicht
vorhanden. Im Erdgeschoss befindet sich überdies ein Schwedenofen, der die Beheizung
des Wohnzimmers unterstützt. In den zwei vergangenen Jahren haben die
Beschwerdeführenden bereits die Gebäudehülle der Liegenschaft energetisch saniert.7
Nun planen sie, die Einzel-Elektrospeicherheizungen durch ein Hybrid-Heizsystem zu
ersetzen. Dieses besteht zum einen aus einem Warmluft-Pelletofen des Typs "Thermorossi
Slimquadro 11". Dessen Heizleistung beträgt nach den Akten 11 Kilowatt (kW).8 Die
Warmluft des Pelletofens soll mit Rohren ins Ober- und Dachgeschoss geführt werden.
Zum anderen sollen in acht Räumen elektrische Infrarotheizelemente eingebaut werden,
die nach Angaben der Beschwerdeführenden als Schutz- und Notheizung bei Abwesenheit
der Bewohnerinnen und Bewohner betrieben werden sollen. Die acht Infrarotheizelemente
werden über Temperaturfühler in den einzelnen Räumen gesteuert und sind mit einer
zentralen Steuereinheit verbunden.
b) Unstreitig ist vorliegend der geplante Warmluft-Pelletofen. Dafür erteilte die
Gemeinde die Baubewilligung. Strittig ist hingegen, ob die neue elektrische Infrarotheizung
zulässig ist (vgl. Ziff. 2 des Dispositivs des angefochtenen Entscheids). Gestützt auf Art. 40
Abs. 2 Bst. a KEnG9 sowie mit Verweis auf die Vollzugshilfe EN-103 der Konferenz
Kantonaler Energiefachstellen (EnFK) verweigerte die Gemeinde die Baubewilligung für die
Infrarotheizelemente. Zur Begründung führte sie aus, elektrische Notheizungen seien vom
Verbot ortsfester elektrischer Widerstandheizungen nur bei wassergeführten Heizsystemen
befreit. Es handle sich bei den Infrarotheizelementen um eine neue ortsfeste elektrische
Zusatzheizung, die nicht bewilligungsfähig sei.
5 In der SIA-Norm 380, "Grundlagen für energetische Berechnungen von Gebäuden", Ausgabe 2015, Ziff. 1.1.2.4 und Ziff. 3.2 ist definiert, welche Flächen an die Energiebezugsfläche anzurechnen sind 6 Vgl. Energienachweisformular EN-103 pag. 31 der Vorakten der Gemeinde Roggwil 7 Vgl. S. 7 der Präsentation der Beschwerdeführenden an der Anhörung vom 8. Dezember 2017 im gelben Mäppli ganz hinten im Dossier der Vorakten der Gemeinde Roggwil 8 Vgl. Energienachweisformular EN-103 pag. 31 der Vorakten der Gemeinde Roggwil 9 Kantonales Energiegesetz vom 15. Mai 2011 (KEnG; BSG 741.1)
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c) Die Beschwerdeführenden kritisieren, bei der geplanten Infrarotheizung handle es
sich nicht um eine Zusatzheizung. Nach der Definition der Vollzugshilfe EN-103 werde eine
Zusatzheizung als eine Heizung bezeichnet, die die fehlende Leistung der Hauptheizung
abdecke. Das sei hier nicht der Fall. Der geplante Warmluft-Pelletofen verfüge über eine
Heizleistung von 11 kW und decke den erforderlichen Heizleistungsbedarf des Gebäudes
von 6 kW, d.h. die Norm-Heizlast10, vollumfänglich ab. Bei der geplanten Infrarotheizung
könne es sich somit nicht um eine Zusatzheizung handeln. Die Infrarotheizung sei vielmehr
als Notheizung im Sinn von Art. 38 Abs. 3 KEnV zu qualifizieren. Deren Heizleistung
betrage nicht mehr als 50 Prozent des Heizleistungsbedarfs des Gebäudes und sei daher
vom Verbot nach Art. 40 Abs. 2 KEnG befreit. Hinzu komme, dass die KEnV nicht
zwischen wasser- und luftgeführten Wärmeverteilsystemen unterscheide. Diese
Beurteilung der Gemeinde führe dazu, dass ein zentraler handbeschickter Holzofen ohne
Wasserverteilsystem nicht mehr installiert und betrieben werden dürfe, weil der
Gebäudeschutz ohne Notheizung nicht mehr gewährleistet wäre. Das führe zum Verbot
des geplanten Heizsystems, was in Widerspruch zur kantonalen Energiegesetzgebung
stehe.
d) Die geplante elektrische Infrarotheizung ist eine neue ortsfeste elektrische
Widerstandsheizung zur Beheizung des Gebäudes, die nach Art. 40 Abs. 2 Bst. a KEnG
nicht gestattet ist.11 Das bestreiten die Beschwerdeführenden zu Recht nicht. Sie berufen
sich jedoch auf den Befreiungstatbestand von Art. 38 Abs. 3 KEnV. Danach sind ortsfeste
elektrische Widerstandheizungen bei handbeschickten Holzheizungen als Notheizung
zulässig, wenn deren installierte Leistung nicht grösser ist als 50 Prozent des
Heizleistungsbedarfs (Norm-Heizlast) des Gebäudes.
e) Das Rechtsamt hat zur Beurteilung des umstrittenen Heizsystems das Amt für
Umweltkoordination und Energie (AUE) beigezogen. Es ist die zuständige kantonale
Fachbehörde für den Vollzug der kantonalen Energiegesetzgebung (Art. 65 Abs. 1 KEnG).
Der Antrag der Beschwerdeführenden, wonach die regionale Energieberatungsstelle
Oberaargau beizuziehen sei, damit diese neue Prüfberichte verfasse, ist nicht nötig. Der
diesbezügliche Antrag ist abzuweisen.
10 Unter Norm-Heizlast wird der Wärmestrom, der für das Einhalten der festgelegten Sollbedingungen erforderlich ist, verstanden (vgl. SIA 384.201 Ziff. 3.1.8) 11 Vgl. VGE 2016/239 vom 24. März 2017 E. 5.2; BSIG Nr. 7/741.111/3.1, Ziff. 2
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Das AUE ist in seinem Bericht vom 14. März 2018 zum Schluss gelangt, dass das
umstrittene Heizsystem die gesetzlichen Anforderungen an eine Gebäudeheizung nicht
erfülle. Es hielt unter anderem fest, die Infrarotheizung könne unabhängig von der
Hauptheizung, d.h. dem Warmluft-Pelletofen, betrieben werden. Zudem könne die
Infrarotheizung mit der maximal zulässigen Heizleistung während ca. 60 bis 70 Prozent des
Winters genügend Wärme zur Verfügung stellen, sodass die Holzheizung nicht in Betrieb
genommen werden müsse. Dadurch werde die elektrische Notheizung zur Hauptheizung.
f) Die Einschätzung des AUE ist nachvollziehbar und überzeugt: Der
Heizleistungsbedarf des Gebäudes oder besser die Norm-Heizlast wird unter Annahme
einer Norm-Aussentemperatur berechnet. Diese beträgt für Wynau -7°Celsius.12 Bei dieser
Aussentemperatur muss die Heizung noch in der Lage sein, das Gebäude auf die
gewünschte Innentemperatur zu erwärmen (z.B. 20°Celsius). Solch tiefe
Aussentemperaturen sind jedoch nicht die Regel. Das Gebäude kann an normalen
Heiztagen einzig mit der geplanten elektrischen Infrarotheizung auf die gewünschte
Wohnraumtemperatur erwärmt werden. Dass die Infrarotheizung als Gebäudeheizung
konzipiert ist, geht übrigens auch aus der ursprünglichen Beschreibung des Heizsystems
hervor.13 Darin wird das Hybrid-Heizsystem als Einzelraumheizsystem (Strahlungswärme)
kombiniert mit einem zentralen Warmlufterzeuger beschrieben. Diese Beschreibung bringt
zum Ausdruck, dass die elektrische Infrarotheizung die eigentliche Gebäudeheizung ist.
Diesen Funktionsbeschrieb haben die Beschwerdeführenden angepasst, nach dem sie
Kenntnis vom Bericht des AUE erhielten. Weiter fällt auf, dass die Beschwerdeführenden
im Energienachweisformular EN-103 unter der Rubrik "Wärmeabgabe" erklärten, dass die
Raumtemperatur mit Einzelraum-Temperaturfühlern elektronisch geregelt werden kann.14
Diese Anforderung gilt für die Hauptheizung (Art. 22 Abs. 3 KEnV). Im vorliegenden Fall
kann diese Anforderung jedoch nur von der Infrarotheizung, nicht aber vom Warmluft-
Pelletofen, der nach der Beschreibung der Beschwerdeführenden die Hauptheizung ist,
erfüllt werden. Das ist ein Widerspruch. In den Schlussbemerkungen verweisen die
Beschwerdeführenden auf die neu eingereichte Funktionsbeschreibung des ecoMIB
Hybrid-Heizsystems. Sie bringen vor, darin sei ausdrücklich festgehalten, dass mit der
Notheizung lediglich eine maximale Raumtemperatur von 14°Celsius erreicht werden
könne. Diese Einstellung sei passwortgeschützt und könne nur von einem
12 Vgl. SIA Merkblatt 2028 Ziff. 3.5, Tabelle 6, zweite Spalte, Station Wynau 13 Vgl. pag. 43 der Vorakten der Gemeinde Roggwil 14 Vgl. pag. 31 der Vorakten der Gemeinde Roggwil
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"Steuerungsfachmann" verändert werden. Aus diesen Vorbringen können die
Beschwerdeführenden nichts zu ihren Gunsten ableiten. Zum einen räumen sie in der
Funktionsbeschreibung selber ein, dass die programmierte Raumtemperatur nach oben
verändert werden kann.15 Zum anderen kann auch mit einem Passwortschutz nicht
verhindert werden, dass die programmierte Raumtemperatur nicht verändert wird. Es ist
damit nicht sichergestellt, dass die elektrische Infrarotheizung nur als Notheizung betrieben
werden kann.
g) Entscheidend ist hier, dass die strittige Infrarotheizung aufgrund der Dimensionierung
sowie der raumweisen Steuerung ebenso gut als eigenständige Gebäudeheizung
betrieben werden kann. Dass auch der Warmluft-Pelletofen den erforderlichen
Heizleistungsbedarf des Gebäudes decken kann, führt nicht dazu, dass bei der geplanten
Infrarotheizung nicht von einer zusätzlichen Gebäudeheizung gesprochen werden kann.
Hinzu kommt, dass die geplante Infrarotheizung über eine vollautomatische Heizregelung
verfügt. Sie schaltet automatisch ein, wenn mit dem Warmluft-Pelletofen keine oder nicht
genügend Wärme erzeugt wird.16 Damit hebt sich die geplante Infrarotheizung gegenüber
dem Warmluft-Pelletofen sogar noch ab, weil sie für die Gebäudenutzer einen besseren
Heizkomfort bietet. Eine derartige elektrische Gebäudeheizung ist nach Art. 40 Abs. 2
KEnG nicht zulässig. Das ergibt sich auch aus den Materialien zu Art. 40 Abs. 2 KEnG.17
Danach sind Notheizungen nur in begrenztem Umfang vom Verbot ortsfester elektrischer
Widerstandheizungen befreit, weil sie wenig Strom verbrauchen und für die
Versorgungssicherheit von untergeordneter Bedeutung sind. Diese Voraussetzung erfüllt
die umstrittene Infrarotheizung nach dem Gesagten nicht. Sie kann als eigenständige
Gebäudeheizung betrieben werden und braucht so deutlich mehr Strom als eine reine
Frostschutzheizung, die nur bei kurzfristigen Abwesenheiten zum Einsatz kommt. Unter
diesen Umständen fällt eine Befreiung nach Art. 38 Abs. 3 KEnV nicht in Betracht. Denn es
würde Sinn und Zweck der Regelung von Art. 40 Abs. 2 KEnG widersprechen, wenn eine
elektrische Heizung als Notheizung bewilligt wird, die ebenso gut als Gebäudeheizung
genutzt werden kann. Nicht in Betracht kommt ausserdem eine Auflage, wonach die
Räume mit der Infrarotheizung höchstens auf eine Frostschutztemperatur beheizt werden
15 Vgl. Funktionsbeschreibung ecoMIB hH vom 15. September 2016 S. 5 in der Beilage der Schlussbemerkungen der Beschwerdeführenden vom 21. März 2018 16 Vgl. Funktionsbeschreibung ecoMIB hH vom 15. September 2016 S. 5 in der Beilage zu den Schlussbemerkungen der Beschwerdeführenden vom 21. März 2018 17 Vgl. Vortrag des Regierungsrats zum Kantonalen Energiegesetz, in Tagblatt des Grossen Rates 2009, Beilage 33, S. 21, Erläuterungen zu Art. 41 Abs. 2
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dürfen. Der Vollzug einer solchen Auflage wäre für die Behörden mit vernünftigem Aufwand
nicht möglich.18 Die Vor-instanz und das AUE sind somit zu Recht davon ausgegangen,
dass die Infrarotheizelemente gestützt auf Art. 40 Abs. 2 KEnG nicht bewilligungsfähig
sind.
h) Selbst wenn sich hier die Beschwerdeführenden auf den Befreiungstatbestand von
Art. 38 Abs. 3 KEnV berufen könnten, wäre dieser nicht erfüllt: Im vorliegenden Fall gehen
die Beschwerdeführenden von einer Norm-Heizlast oder einem Heizleistungsbedarf von
6.65 kW aus.19 Die Berechnung dieses Werts ist nicht nachvollziehbar: Die
Beschwerdeführenden haben die Norm-Heizlast nach der Empfehlung von
EnergieSchweiz, "Ermittlung der Wärmeerzeugerleistung" anhand des Verbrauchs des
alten Heizsystems ermittelt.20 Diese Berechnungsmethode gilt jedoch nur für gleichartige
Ersatzsysteme. Diese Bedingung ist hier nicht erfüllt: Vorliegend soll eine Einzel-
Elektrospeicherheizung durch einen zentralen Holzofen (Warmluft-Pelletofen) mit einer
sogenannten elektrischen Notheizung ersetzt werden. Das sind zwei unterschiedliche
Heizsysteme. Die von den Beschwerdeführenden gewählte Berechnungsmethode eignet
sich somit nicht, um in der vorliegenden Konstellation die Wärmeerzeugerleistung des
Ersatzsystems zu ermitteln. Anzumerken ist ausserdem, dass die Beschwerdeführenden
zur Ermittlung der Wärmeerzeugerleistung als jährliche Volllastzeit des
Ersatzwärmeerzeuger 1'000 Stunden einsetzten, ohne dies näher zu begründen.
EnergieSchweiz empfiehlt bei Standorthöhen bis 800 Meter über Meer eine jährliche
Volllastzeit von 2'300 Stunden (ohne Wassererwärmung).21 Mit der empfohlenen
Volllastzeit würde sich der Wert der Norm-Heizlast um die Hälfte reduzieren. Zudem fällt
auf, dass im Energienachweisformular EN-103 für die "spezifische Heizleistung" ein Wert
von 77 Watt pro Quadratmeter Energiebezugsfläche (W/m2EBF) ausgewiesen wird.22 Dieser
Wert entspricht gemäss der Empfehlung von EnergieSchweiz einem schlecht gedämmten
Wohnhaus.23 Das widerspricht den Akten: Der Präsentation anlässlich der Anhörung vom
8. Dezember 2017 ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführenden in den letzten Jahren
die Gebäudehülle energetisch saniert haben. Das ist in der Präsentation sogar mit Fotos
18 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 38-39 N. 15a Bst. d 19 Vgl. pag. 47 der Vorakten der Gemeinde Roggwil 20 Vgl. pag. 47 und pag. 61 ff. der Vorakten der Gemeinde Roggwil 21 Vgl. pag. 61 der Vorkaten der Gemeinde Roggwil 22 Vgl. pag. 31 der Vorakten der Gemeinde Roggwil 23 Vgl. Tabelle mit den Kontrollwerten pag. 65 der Vorakten der Gemeinde Roggwil
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belegt.24 Es bestehen somit erhebliche Zweifel, ob der berechnete Heizleistungsbedarf von
6.65 kW korrekt ermittelt wurde. Diese Zweifel werden durch die separate
Energieberechnung der ecoMIB GmbH noch erhärtet.25 Nach dieser Berechnung beträgt
der Heizleistungsbedarf des Gebäudes 3.74 kW. Aus der Energieberechnung der ecoMIB
GmbH folgt ausserdem, dass die Leistung der elektrischen Infrarot-Schutzheizung für die
acht Räume 1.97 kW beträgt. Das sind 52.6 Prozent des Heizleistungsbedarfs. Nach
Art. 38 Abs. 3 KEnV sind elektrischen Notheizung jedoch nur bis zur einer Leistung von 50
Prozent des Heizleistungsbedarfs zulässig. Die geplante Infrarotheizung erfüllt den
Befreiungstatbestand von Art. 38 Abs. 3 KEnV nach dieser Berechnung nicht und wäre
auch aus diesem Grund nicht bewilligungsfähig.
i) Zusammengefasst steht somit fest, dass die strittige Infrarotheizung nicht
bewilligungsfähig ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. Der Bauabschlag der Gemeinde
Roggwil wird bestätigt.
3. Kosten
Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführenden. Sie haben die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 1'300.– (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV26). Für
eine andere Verteilung der Verfahrenskosten besteht entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführenden keine Veranlassung. Eine Reduktion der Verfahrenskosten hätte
allenfalls mit einem Beschwerderückzug erreicht werden können. Darüber wurden die
Beschwerdeführenden mit Instruktionsverfügung vom 16. März 2018 orientiert.
Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 Abs. 3 VRPG).
24 Vgl. S. 7 der Präsentation der Beschwerdeführenden an der Anhörung vom 8. Dezember 2017, ganz hinten im gelben Mäppli der Vorakten der Gemeinde Roggwil 25 Vgl. pag. 48 der Vorakten der Gemeinde Roggwil 26 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
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