# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 7dd404fd-1eba-489c-8e9f-988cb530e4ce
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2006
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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A. Mit Strafmandat des Kreispräsidenten X. vom 7. Mai 2004, mitgeteilt am 12. Mai 2004, wurde A. der Vernachlässigung von Unterhaltspflichten gemäss Art. 217 Abs. 1 und 2 StGB für schuldig befunden und dafür mit 30 Tagen Gefängnis bestraft. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wurde unter Ansetzung einer 2-jährigen Probezeit aufgeschoben. A. erhielt die Weisung, bis zur Tilgung der gesamten Schuld, die Fr. 20'699.-- betrug, monatlich Fr. 1'000.-- zu überweisen, ansonsten die Strafe vollzogen werde. Für die Kontrolle über die Einhaltung der Weisung war die Schutzaufsicht Graubünden zuständig.
B. Am 16. Juni 2004 stellte A. in einem Gespräch mit der Schutzaufsicht Graubünden eine Zahlung von Fr. 500.-- in Aussicht. Mit Brief vom 15. Juli 2004 erinnerte die Schutzaufsicht A. an diese Vereinbarung, weil noch keine Zahlung eingegangen war und setzte ihm eine Frist bis 26. Juli 2004, um ihr mitzuteilen, wann und in welcher Höhe mit einer Zahlung gerechnet werden könne. Nachdem diese Frist ungenutzt verstrichen war, wandte sich die Schutzaufsicht mit Schreiben vom 2. August 2004 erneut an A., indem sie ihn erneut aufforderte, über seine finanzielle Situation bis 16. August 2004 Auskunft zu geben. Als bis zum 10. September 2004 keine Antwort erfolgte, setzte die Schutzaufsicht A. schriftlich erneut eine Frist bis zum 20. September 2004, ansonsten sie die Justiz informieren müsse. In einem zweiten Gespräch mit der Schutzaufsicht vom 22. September 2004 sicherte A. zu, dass er ihr jeweils am Ende eines Monates den Bankkontoauszug zustellen und die Mitteilung machen würde, wann und wie viel er einzahlen könne. Diese Vereinbarung bestätigte die Schutzaufsicht mit Schreiben vom 23. September 2004. Ausserdem legte A. Bankkontoauszüge für die Zeit von April 2004 bis Juni 2004 vor, gemäss denen ersichtlich war, dass ihm monatliche Zahlungen von mindestens Fr. 500.-- möglich gewesen wären. Nachdem wieder keine Einzahlung eingetroffen war, versprach A. am 11. Oktober 2004 telefonisch gegenüber der Schutzaufsicht, dass er am nächsten Tag Fr. 500.-- zahlen würde, was wiederum nicht geschah. In der Zeit von Juni bis November 2004 erfolgte also keine einzige Einzahlung.
C. Hierauf stellte die Schutzaufsicht Graubünden am 15. November 2004 dem Kreispräsidenten X. den Antrag, A. im Sinne von Art. 41 Ziff. 3 Abs. 1 StGB förmlich zu ermahnen. Mit Schreiben vom 3. Dezember 2004 kam der Kreispräsident dem Antrag nach und ermahnte A. förmlich, sich an die Weisung gemäss Strafmandat vom 7. Mai 2004 zu halten und forderte ihn auf, monatlich Fr. 1000.-- an die Sozialen Dienste der Stadt Y. zu überweisen, ansonsten die  Gefängnisstrafe zu vollziehen sei.
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D. A. zahlte trotz förmlicher Ermahnung des Kreispräsidenten wieder nicht, worauf ihn die Schutzaufsicht mit Schreiben vom 7. Februar 2005 erneut aufforderte, ihr bis zum 28. Februar 2005 schriftlich seine finanzielle Situation darzulegen, die Bankauszüge sämtlicher Konti seit Juli 2004 beizulegen und einen Zahlungsvorschlag zu unterbreiten.
E. Am 9. Februar 2005 zahlte A. zum ersten Mal Fr. 500.-- an die Sozialen Dienste der Stadt Y. Er meldete sich jedoch nicht bei der Schutzaufsicht, um die eingeforderten Unterlagen zu übergeben.
F. Mit eingeschriebenem Brief vom 4. April 2005 setzte die Schutzaufsicht erneut eine Frist, ihr die verlangten Bankauszüge und alle Quittungen über Bareinnahmen einzureichen. Dieser Brief wurde nicht bei der Post abgeholt. Erneut lud die Schutzaufsicht A. zu einem Gespräch ein, das auf den 29. April 2005 angesetzt wurde. Sie bat auch um die Vorlage sämtlicher Bankauszüge und Quittungen. Diesen Termin nahm A. wahr.
G. Im Gespräch vom 29. April 2005 vereinbarten die Schutzaufsicht und A., dass er jeweils anfangs Monat den Bankkontoauszug, sämtliche Quittungen über Bareinnahmen sowie Kopien seiner Kundenrechnungen zustellen werde. Die Schutzaufsicht bestätigte das Vereinbarte gleichentags schriftlich und bat ihn, sich bei wesentlicher Veränderung seiner finanziellen Situation zu melden. In der Folge liess A. der Schutzaufsicht die Bankauszüge für die Zeit vom 8. Februar 2005 bis 30. Juni 2005 zukommen.
H. Die Schutzaufsicht wollte diese Bankauszüge mit A. besprechen, weshalb sie ihn bat, am 12. August 2005 bei ihr vorbeizukommen. A. nahm den Termin nicht wahr, worauf die Schutzaufsicht einen neuen Termin ansetzte. Das Gespräch fand am 26. August 2005 statt. Wieder wurde vereinbart, dass A. jeweils anfangs Monat pünktlich den Bankkontoauszug unterbreiten werde. Ausserdem gab A. im Gespräch an, dass er momentan monatliche Einkünfte von etwa Fr. 4000.- - habe.
I. Mit Schreiben vom 3. Oktober 2005 ermahnte die Schutzaufsicht A., die Bankkontoauszüge für die Monate Juli bis September 2005 sowie einen Gesamtauszug von Januar bis September 2005 bis spätestens 24. Oktober 2005 einzureichen. Wieder kündigte die Schutzaufsicht an, bei mangelhafter Kooperation das Gericht informieren zu müssen. Bis zum 31. Oktober 2005 erhielt die Schutzaufsicht keine der verlangten Unterlagen, worauf sie sich erneut schriftlich
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an A. wandte, mit ausdrücklich letzter Aufforderung, sich an die Vereinbarungen zu halten und die Bankkontoauszüge für die Zeit von Juli bis September 2005 sowie sämtliche Belege über Bareinnahmen einzureichen. Die letzte Frist wurde auf den 11. November 2005 angesetzt mit der Androhung, dass sonst das Kreisamt X. informiert werde. Auch diese Frist verstrich, ohne dass A. die verlangten Bankkontoauszüge einreichte.
J. Mit Schreiben vom 18. November 2005 beantragte die Schutzaufsicht Graubünden beim Kreisamt X. die Anordnung des Strafvollzugs. Sie begründete den Antrag damit, dass A. sich nicht an die Weisung gemäss Strafmandat vom 7. Mai 2004 gehalten habe. Er habe dies mit seiner schlechten finanziellen Situation begründet, diese aber mit den Bankauszügen von April 2004 bis Juni 2004 und von Februar 2005 bis Juni 2005 nur ungenügend belegt; die restliche Zeit sei nicht dokumentiert. Ausserdem habe A. im Gespräch vom 26. August 2005 angegeben, über ein monatliches Einkommen von ca. Fr. 4'000.-- zu verfügen. Überwiesen habe er bis anhin lediglich Fr. 500.--.
K. Das Kreisamt X. sandte das Schreiben der Schutzaufsicht vom 18. November 2005 A. und gab ihm Gelegenheit zur schriftlichen Stellungnahme bis am 8. Dezember 2005. Dieser antwortete mit Schreiben vom 6. Dezember 2005, dass er bis zu diesem Zeitpunkt finanziell vollständig am Boden gewesen sei und deshalb nicht in der Lage gewesen sei, etwas zu zahlen. Seit Juni 2005 habe sich seine Situation gebessert, und er habe ab jetzt Aufträge für Montage über ca. Fr. 30'000.--, weshalb er nun die Zahlungen leisten werde. Er bat auch um einen Termin für eine Besprechung. In der Anlage befand sich ein Kontoauszug für die Zeit von 1. Juni 2005 bis 31. Oktober 2005. Ausserdem zahlte A. am 7. Dezember 2005 Fr. 500.-- ein.
L. Das Kreisamt X. leitete die Stellungnahme von A. der Schutzaufsicht weiter und fragte an, ob sie am Antrag um Anordnung des Strafvollzuges festhalte oder nochmals ein weiteres Gespräch mit ihm führen wolle. Die Schutzaufsicht Graubünden lehnte ein nochmaliges Gespräch sinngemäss mit der Begründung ab, A. habe seit Beginn der Probezeit am 12. Mai 2004 schlecht mit dem Amt kooperiert, es würden bis heute immer noch die Bankkontoauszüge von Juli 2004 bis Januar 2005 sowie sämtliche Quittungen über Bareinnahmen fehlen. Ausserdem habe er in der Zeit von 1. Juni 2005 bis 31. Oktober 2005 über ein Einkommen von fast Fr. 40'000.-- verfügt, doch keine einzige Alimentenzahlung geleistet. Es sei
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offensichtlich, dass A. die Weisung des Kreisamtes X. nicht ernst nehme. Deshalb hielt die Schutzaufsicht im Schreiben vom 15. Dezember 2005 an ihrem Antrag fest.
M. A. zahlte am 21. Februar 2006 und am 16. März 2006 jeweils Fr. 500.-- an die Sozialen Dienste der Stadt Y.
N. Der Kreispräsident X. verfügte am 4. April 2006, mitgeteilt am 7. April 2006, wie folgt:
„1. Die mit Strafmandat des Kreispräsidenten X. vom 7. Mai 2004 bedingt ausgesprochene Gefängnisstrafe von 30 Tagen wird widerrufen.
2. Die Verfahrenskosten, bestehend aus der Gebühr des Kreisamtes X. von Fr. 100.--, werden dem Angeschuldigten auferlegt und sind innert 30 Tagen an das Kreisamt X. zu überweisen.
3. Gegen diese Verfügung können der Angeschuldigte und die Staatsanwaltschaft gemäss Art. 174 StPO innert 10 Tagen seit Zustellung beim Kreispräsidenten schriftlich Einsprache erheben, worauf das ordentliche Strafverfahren durchgeführt wird. Wird keine Einsprache erhoben, so erwächst das Strafmandat in Rechtskraft und ist gleich einem strafgerichtlichen Urteil vollziehbar.
4. (Mitteilung)“
Im Wesentlichen begründete der Kreispräsident diese Verfügung damit, dass A. der Weisung, monatlich Fr. 1'000.-- der rückständigen Alimente abzuzahlen, nicht nachgekommen sei. Es wäre ihm durchaus möglich gewesen, mehr als die insgesamt Fr. 1'500.-- (recte Fr. 2'000.--) zu zahlen. Insbesondere in den Monaten Juni 2005 bis Oktober 2005, als er insgesamt Zahlungseingänge von mehr als Fr. 39'000.-- habe verbuchen können, habe er keinen Rappen bezahlt. Auch sei A. den vielfachen Aufforderungen, seine Lohneingänge offen zu legen, nur bemühend und nur teilweise nachgekommen. Von den Monaten Juli 2004 bis Januar 2005 lägen nach wie vor keine Bankbelege vor. Es wäre A. sehr wohl möglich gewesen, seine finanzielle Lage offen zu legen und mehr Zahlungen zu leisten. Daher würde es sich rechtfertigen, den Widerruf des bedingten Strafvollzugs anzuordnen. Folglich seien die 30 Tage Gefängnis zu vollziehen.
Diese eingeschrieben zugestellte Verfügung wurde am 11. April 2006 auf der Post abgeholt.
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O. Dagegen erhob A. mit eingeschriebenem Brief vom 22. April 2006 schriftlich Einsprache. Darin machte er geltend, dass er im Dezember 2005 um einen Termin gebeten habe, um eine Lösung zu finden, da er nicht in der Lage gewesen sei, so viel auf einmal zu bezahlen. Er sei sich seiner Schuld bewusst und werde auch alles zahlen, brauche aber ein wenig Zeit.
P. Der Kreispräsident X. antwortete darauf am 26. April 2006 zunächst, dass die Einsprache verspätet sei. Dies weil die Verfügung vom 4. April 2006 von A. am 11. April 2006 abgeholt worden sei. Die Einsprachefrist habe somit am 12. April 2006 zu laufen begonnen und habe am 21. April 2006 geendet. Die Einsprache sei jedoch erst am 22. April 2006 bei der Post aufgegeben worden, weshalb die Frist um einen Tag verpasst worden sei.
Q. Am 3. Mai 2006 leitete der Kreispräsident X. die Akten jedoch an den Kantonsgerichtsausschuss von Graubünden weiter, weil er der Ansicht war, dass gegen seine Verfügung vom 4. April 2006 die strafrechtliche Berufung im Sinne von Art. 191 Abs. 3 StPO in Verbindung mit Art. 141 StPO das zulässige Rechtsmittel sei. Am 16. Mai 2006 leitete der Kreispräsident den Schlussbericht der Schutzaufsicht Graubünden vom 15. Mai 2006 an den Kantonsgerichtsausschuss weiter. Darin teilte die Schutzaufsicht mit, dass die Probezeit von A. am 12. Mai 2006 abgelaufen sei. Während dieser Zeit habe A. insgesamt Fr. 2'500.-- zur Tilgung der gesamten Schuld geleistet und schlechte Kooperation gezeigt. Sie erachtete, dass damit den Weisungen des Kreisamtes nicht nachgekommen worden sei.
R. Der Vizepräsident des Kantonsgerichts forderte daraufhin den Kreispräsidenten X. sowie die Staatsanwaltschaft zur Vernehmlassung auf, auf welche beide mit Schreiben vom 10. bzw. 15. Mai 2006 verzichteten. Diese Schreiben wurden A. per Einschreiben am 16. Mai 2006 zur Kenntnisnahme zugesendet; der Brief kam jedoch mit dem Vermerk „Nicht abgeholt“ zurück.
Auf die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung sowie auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
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## Considerations

Der Kantonsgerichtsausschuss zieht in Erwägung :