# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 650c483c-90bc-51b4-93cb-857fa865bdab
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdeführer erwarb im Jahr 2008 die Liegenschaft D._ 9 auf
Parzelle Burgdorf Grundbuchblatt Nr. E._. Die Parzelle liegt in der Mischzone 3a.
Mit Gesamtbauenscheid vom 4. August 2010 bewilligte die Gemeinde Burgdorf die
Sanierung von zwei Nebengebäuden sowie das Erstellen von Auto- und
Fahrradabstellplätzen. Die Gemeinde verweigerte hingegen die Erteilung von
Ausnahmebewilligungen für das Erstellen von Wohnraum unter fertigem Terrain und für
das Ausgestalten der Küche als gefangener Raum. Daher erteilte sie für den beantragten
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Einbau einer Nasszelle und Kochnische zum bestehenden Zimmer im UG den
Bauabschlag.
Mit Schreiben vom 2. Juli 2018 teilte die Gemeinde dem Beschwerdeführer mit, sie habe
unlängst erfahren, dass sich jemand in der Wohnung im UG seiner Liegenschaft am
D._ 9 angemeldet habe und bat ihn um eine schriftliche Stellungnahme. Mit
Schreiben vom 15. August 2018 bestätigte der Beschwerdeführer, er habe für das Studio
im Gartengeschoss einen Mietvertrag abgeschlossen. Auf Nachfrage der Gemeinde führte
er aus, das "Gartenzimmer" verfüge über keine eigentliche Küche. In einem separaten
Raum habe der Beschwerdeführer Dusche, WC und Spülbecken eingebaut. Auf einer
Abstellfläche habe der Mieter eine mobile Induktionsplatte aufgestellt. Weiter gebe es
einen Kühlschrank. Nachdem die Gemeinde darauf hingewiesen hatte, dass sie im Jahr
2010 für den Einbau einer Nasszelle den Bauabschlag erteilt hatte und daher die
Wiederherstellung anstehe, reichte der Beschwerdeführer am 11. Januar 2019 ein
nachträgliches Baugesuch für den Einbau einer Nasszelle zum bestehenden Zimmer im
UG ein.
Am 13. Februar 2019 erliess die Gemeinde Burgdorf folgende Verfügung:
"1. Die Bau- und Planungskommission hat an ihrer Sitzung vom 6. Februar 2019 Folgendes
beschlossen:
- Der Einbau von Dusche/WC im UG fällt nicht in die Baubewilligungspflicht.
- Eine separate Wohneinheit im UG wird nicht bewilligt. Die Mieterschaft der zugehörigen
Wohnung muss durch die Eigentümerschaft des Gebäudes darüber orientiert werden,
dass niemand in dem separaten Zimmer mit WC/Dusche wohnen darf.
- Auf eine Anzeige gegen den Gesuchsteller wird vorläufig verzichtet.
- Das Baugesuch Nr. 2019-B0008 ist formlos abzuschreiben und somit von der
Geschäftsliste der Baudirektion zu streichen.
2. Kosten für die Aufwendungen in diesem Verfahren werden nicht erhoben.
3. [Rechtsmittelbelehrung]
4. [Eröffnung]"
2. Dagegen reichte der Beschwerdeführer am 15. März 2019 Beschwerde bei der Bau-,
Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er beantragt die kostenfällige
Aufhebung der Ziffer 1, zweites Lemma, der Verfügung vom 13. Februar 2019. Er macht
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insbesondere eine Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend. Er ist zudem der Ansicht,
dass er Anspruch hat, das Zimmer im UG mit der Nasszelle uneingeschränkt als Wohnung
zu nutzen.
3. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, holte die Vorakten
ein und führte den Schriftenwechsel durch. Es beteiligte den Mieter des streitbetroffenen
Wohnraums im UG von Amtes wegen am Verfahren. Zudem teilte es den Parteien mit, es
erwäge für den Fall der Abweisung der Beschwerde die folgende Präzisierung von Ziffer 1
Lemma 2 des angefochtenen Entscheids: "Soweit mit dem Baugesuch 2019-B0008 die
Nutzung der Wohneinheit im UG der Liegenschaft am D._ 9 in Burgdorf als
selbständige Wohneinheit beantragt wird, wird darauf nicht eingetreten. Die zurzeit
selbständig vermietete Wohneinheit im UG der Liegenschaft am D._ 9 in Burgdorf
darf nach Ablauf einer Frist von 6 Monaten seit Rechtskraft des vorliegenden Entscheids
nicht als selbständige Wohneinheit genutzt werden." Die Gemeinde stimmte dem Wortlaut
der Präzisierung zu. Der Beschwerdeführer bestätigte das bereits gestellte
Rechtsbegehren und beantragte zusammenfassend die Erteilung einer
Ausnahmebewilligung. Der von Amtes wegen am Verfahren Beteiligte äusserte sich nicht.
Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Prozessvoraussetzungen
Nach Art. 40 Abs. 1 und Art. 49 Abs. 1 BauG2 können Bauentscheide und baupolizeiliche
Verfügungen innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE angefochten
werden. Der Beschwerdeführer ist als Adressat des vorinstanzlichen Entscheids beschwert
und daher zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf seine form- und fristgerecht eingereichte
Beschwerde wird eingetreten.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (Organisationsverordnung BVE, OrV BVE; BSG 152.221.191) 2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721).
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2. Streitgegenstand
Der Beschwerdeführer beantragt die Aufhebung der Ziffer 1, zweites Lemma, der
Verfügung vom 13. Februar 2019. Der Beschwerdeführer stellt damit das nachträgliche
Baugesuch sowie das Nutzungsverbot zur Diskussion. Innerhalb dieses
Streitgegenstandes ist die BVE nicht an die Parteianträge gebunden und kann die
gebotenen Rechtsfolgen unabhängig von den Parteibegehren anordnen.3
3. Rechtliches Gehör
a) Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung des rechtlichen Gehörs, da die
angefochtene Verfügung keine Begründung enthalte.
Die Gemeinde führt dazu aus, dem Beschwerdeführer seien die wesentlichen Umstände
bereits bekannt gewesen. Daher sei an die Begründungspflicht keine hohen Anforderungen
zu stellen. Zudem könnte im Verfahren vor der BVE eine allfällige Verletzung der
Begründungspflicht geheilt werden.
Der Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt, dass die Behörde die Vorbringen der
Betroffenen sorgfältig prüft und beim Entscheid berücksichtigt. Daraus ergibt sich die
Pflicht der Behörde, ihre Verfügung zu begründen (Art. 52 Abs. 1 Bst. b VRPG4). Die
Begründung muss so abgefasst sein, dass die Betroffenen die Verfügung sachgerecht
anfechten können. Es müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von
denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt. Die Behörde
muss jedoch nicht auf jedes Argument der Parteien eingehen; es genügt, wenn sie sich mit
den wesentlichen Gesichtspunkten auseinandergesetzt hat.5
3 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 73 N. 2; vgl. auch VGE 22794 vom 15.08.2007, E. 4.6.1 4 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 5 BVR 2013 S. 443 E. 3.1.1; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 52 N. 5
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Die angefochtene Verfügung ist nicht begründet. Da sich die Begründung nicht ohne
Weiteres aus den Begleitumständen des Verfahrens ergibt (Art. 52 Abs. 2 Bst. c VRPG),
stellt das Fehlen einer Begründung eine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar.
Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist ein formeller Anspruch; die Verletzung des
rechtlichen Gehörs führt deshalb grundsätzlich zur Aufhebung des angefochtenen
Entscheids. Eine Gehörsverletzung kann aber dann geheilt werden, wenn die
Rechtsmittelinstanz dieselbe Kognition hat wie die Vorinstanz und der
beschwerdeführenden Person aus der Heilung kein Nachteil erwächst. Bei besonders
schwerwiegenden Gehörsverletzungen schliesst die Rechtsprechung jedoch eine Heilung
grundsätzlich aus.6 Die Heilung des rechtlichen Gehörs ist allenfalls bei der
Kostenverlegung zu berücksichtigen.7 Im vorliegenden Fall hat die Gemeinde im Verfahren
vor der BVE ausführlich Stellung genommen. Da die BVE über dieselbe Kognition wie die
Vorinstanz verfügt, würde eine Rückweisung an die Vorinstanz nur zu einer unnötigen
Verfahrensverzögerung führen. Die Gehörsverletzung wird jedoch bei der Kostenverlegung
zu berücksichtigen sein.
b) Der Beschwerdeführer rügt zudem eine Verletzung des rechtlichen Gehörs, da die
nun verfügte Nutzungseinschränkung vorher kein Thema gewesen sei.
Der Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 21 ff. VRPG gibt den Parteien das Recht,
sich zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu
nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung
wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu
äussern.
Die Gemeinde teilte dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 2. Juli 2018 mit, sie habe
erfahren, dass sich bei der Einwohnerkontrolle jemand in einer Wohnung im UG der
Liegenschaft am D._ 9 angemeldet habe und gewährte ihm dazu das rechtliche
Gehör. Zudem stellte die Gemeinde im Schreiben vom 4. September 2018 fest, dass im
Baubewilligungsverfahren aus dem Jahr 2010 der Einbau einer Nasszelle zum
bestehenden beheizten Zimmer im UG des Wohnhauses Nr. 9 ausdrücklich nicht bewilligt
worden sei und die Pläne (für das übrige Bauvorhaben) nur mit Änderungen bewilligt
worden seien. Sie führt weiter aus: "Wenn die Situation zutrifft, dass trotz ablehnendem
6 BVR 2012 S. 28 E. 2.3.5; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 21 N. 16 7 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 108 N. 9
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Bauentscheid und geändertem Projektplan eine Nasszelle eingebaut worden war, dürfte
nun die Wiederherstellung fällig sein und die Baupolizeibehörde hat über allenfalls weitere
Schritte zu entscheiden. Es fragt sich, ob Herr C._ zu Recht über einen
Mietvertrag zu einer Wohnung verfügt? Problematisch erscheint uns, dass Herr
C._ die Nasszelle offenbar gemietet hat. Welche weiteren Schritte sehen Sie in
welcher zeitlichen Abfolge vor?"
Die Gemeinde gab dem Beschwerdeführer zweimal die Gelegenheit, sich zu äussern. Sie
erwähnte in ihrem zweiten Schreiben eine mögliche Wiederherstellung und zweifelte die
Rechtmässigkeit der Vermietung als Wohnung an. Daher konnte der Beschwerdeführer
zum baupolizeiwidrigen Zustand Stellung nehmen. Aufgrund der Formulierung der
Gemeinde musste er dabei mit einem Nutzungsverbot als Wiederherstellungsmassnahme
rechnen. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt daher nicht vor.
4. Gesamtbauentscheid vom 4. August 2010 / nachträgliches Baugesuch
a) Das Gebäude des Beschwerdeführers steht in leichter Hanglage. Der Fussboden des
Zimmers im UG liegt rund 30-40 cm unter dem fertigen Terrain. Keine der Aussenwände ist
vollständig freigelegt, weshalb eine Wohnnutzung gegen die Bestimmungen von Art. 66
Abs. 2 und 3 BauV8 verstösst. Gemäss den Angaben der Gemeinde existiert das Zimmer
(ohne sanitäre Einrichtungen) seit rund hundert Jahren und fällt damit unter die
Bestandesgarantie gemäss Art. 3 BauG. Es wurde bisher nicht als selbständige
Wohneinheit genutzt.
b) Mit Baugesuch vom 8. April 2010 plante der Beschwerdeführer unter anderem den
Einbau einer Nasszelle und einer Kochnische zum bestehenden beheizten Zimmer im UG
der Liegenschaft am D._ 9 (Verfahren 2010-B0037). Dabei beantragte er die
Erteilung einer Ausnahme von Art. 66 Abs. 2 BauV, wonach in ebenem Terrain die
Fussböden der Wohnräume nicht unter dem fertigen Terrain liegen dürfen. Im
Gesamtbauentscheid vom 4. August 2010, E. 2 Lemma 2, differenzierte die Gemeinde in
Bezug auf die Erteilung von Ausnahmebewilligungen beim Wohnraum unter dem fertigen
Terrain, ob es sich dabei um einzelne Zimmer handelt, die zu einer vorschriftsgemässen
8 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1)
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Wohnung gehören, oder um selbständige Wohneinheiten, die dem dauernden Aufenthalt
von Personen dienen. Bei ersteren stelle sie nicht besonders hohe Anforderungen. Bei
einer eigenständigen Wohnung – wie im vorliegenden Fall – müssten besondere
Verhältnisse im Sinne von Art. 26 BauG vorliegen. Solche vermöge die Bauherrschaft nicht
darzulegen. Sie verweigerte daher die Erteilung der entsprechenden Ausnahmebewilligung
und bewilligte den Einbau einer Nasszelle und Kochnische zum bestehenden beheizten
Zimmer im UG des Wohnhauses nicht. Dieser Entscheid ist in Rechtskraft erwachsen.
c) Der Beschwerdeführer hat im UG in einem separaten Raum Dusche, WC und
Waschbecken eingebaut und dieses zusammen mit dem Zimmer im UG als Studio an den
von Amtes wegen am Verfahren Beteiligten vermietet. Gemäss den Angaben des
Beschwerdeführers verfügt dieser separate Raum über einen Kühlschrank und eine mobile
Induktionsplatte, welche auf einer Abstellfläche in der Nasszelle steht.9
Nachdem die Gemeinde wegen der selbständigen Vermietung des Zimmers im UG die
Wiederherstellung in Aussicht gestellt hatte, reichte der Beschwerdeführer am 11. Januar
2019 ein nachträgliches Baugesuch für den Einbau einer Nasszelle zum bestehenden
Zimmer im Untergeschoss ein (Verfahren 2019-B0008). Im angefochtenen Entscheid hielt
die Gemeinde fest, der Einbau von Dusche/WC im UG falle nicht in die
Baubewilligungspflicht. Eine separate Wohneinheit im UG werde nicht bewilligt und das
Baugesuch Nr. 2019-B0008 sei formlos abzuschreiben und somit von der Geschäftsliste zu
streichen.
d) Die Nutzung als selbständige Wohneinheit geht über die bewilligte bzw.
vorbestehende Nutzung als beheiztes Zimmer zu einer Wohnung oberhalb des fertigen
Terrains hinaus. Wird der Raum im UG als selbständige Wohneinheit benützt, entfallen die
bisherigen Ausweichmöglichkeiten in den Rest der Wohnung. Die Rechtswidrigkeit wird
insoweit verstärkt. Es handelt sich damit um eine Nutzungsänderung, auf welche Art. 3
BauG keinen Anspruch vermittelt.10 Die Nutzung als selbständige Wohneinheit ist deshalb
ohne entsprechende (Ausnahme-)Bewilligung rechtswidrig. Der Beschwerdeführer stellte –
wie er in der Beschwerde selber ausführt – das nachträgliche Baugesuch unter dem Druck
des drohenden Wiederherstellungsverfahrens. Im Beschwerdeverfahren beantragt der
9 Pag. 20 und 28 Vorakten Gemeinde baupolizeiliche Massnahmen 10 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 3 N. 2a mit Hinweisen
RA Nr. 110/2019/46 8
Beschwerdeführer auch ausdrücklich die Erteilung einer Ausnahme von Art. 66 Abs. 2
BauV.11 Damit umfasst das nachträgliche Baugesuch nicht nur den (bewilligungsfreien)
Einbau der Nasszelle, sondern auch die selbständige Nutzung des Zimmers im UG als
Wohneinheit.
e) Die Frage, ob für das bestehende Zimmer im UG eine Ausnahme von Art. 66 Abs. 2
BauV erteilt bzw. eine Nutzung als selbständige Wohneinheit bewilligt werden kann, hat die
Gemeinde im Gesamtbauentscheid vom 4. August 2010 bereits rechtskräftig entschieden.
Damit ist diesbezüglich ein nachträgliches Baugesuch gemäss Art. 46 Abs. 2 Bst. b BauG
ausgeschlossen. Die Gemeinde hätte darauf nicht eintreten sollen, zumal keine
Wiederaufnahmegründe gemäss Art 56 VRPG vorliegen.12 Ziffer 1 Lemma 2 des
angefochtenen Entscheids wird daher wie folgt präzisiert: "Soweit mit dem Baugesuch
2019-B0008 die Nutzung der Wohneinheit im UG der Liegenschaft am D._ 9 in
Burgdorf als selbständige Wohneinheit beantragt wird, wird darauf nicht eingetreten." Ziffer
1 Lemma 4, wird zudem wie folgt präzisiert: "Das Baugesuch Nr. 2019-B0008 wird insoweit
abgeschrieben, als es den bewilligungsfreien Einbau der Dusche betrifft."
5. Benützungsverbot
a) Die Gemeinde verfügte im angefochtenen Entscheid, die Mieterschaft der
zugehörigen Wohnung müsse durch die Eigentümerschaft des Gebäudes darüber orientiert
werden, dass niemand in dem separaten Zimmer mit WC/Dusche wohnen dürfe. Damit
spricht sie sinngemäss ein Benützungsverbot aus.
b) Als Wiederherstellungsmassnahme im Sinne von Art. 46 Abs. 2 BauG kann ein
definitives Benützungsverbot erlassen werden, wenn feststeht, dass die zu verbietende
Nutzung nicht bewilligungsfähig ist. Wie jede Wiederherstellungsmassnahme muss auch
11 Gemäss Beschwerde sei das Ausnahmegesuch bereits mit Schreiben vom 27. September 2018 gestellt worden. Gemäss diesem Schreiben sollte für die Nutzung als Wohnraum unter gewachsenem Terrain "eine Ausnahmebewilligung erteilt werden können, sofern dies überhaupt erforderlich ist." Damit handelt es sich nicht um ein Gesuch um Erteilung einer Ausnahmebewilligung, zumal das Schreiben vor Einreichung des Baugesuchs erfolgte. 12 Vgl. BVR 1999 S. 315 E. 3a und Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 34 N. 8
RA Nr. 110/2019/46 9
das Benützungsverbot verhältnismässig sein.13 Zudem braucht es eine angemessene Frist
zur Umsetzung des Benützungsverbots. Sind Mieter vom Benützungsverbot betroffen, ist
auf die üblichen Kündigungsfristen und -termine Rücksicht zu nehmen.14
c) Aufgrund des rechtskräftigen Gesamtbauentscheids vom 4. August 2010 steht fest,
dass das Zimmer im UG nicht selbständig als Wohnraum vermietet werden darf (vgl.
Erwägung 4). Die selbständige Vermietung als Wohnung ist daher widerrechtlich. Ein
entsprechendes Benützungsverbot ist geeignet, den rechtmässigen Zustand
wiederherzustellen. In der Regel werden Benützungsverbote mit baulichen Massnahmen
kombiniert. Da die Wohnnutzung an sich zulässig ist, kann kein Rückbau der Nasszelle
verlangt werden. Andere bauliche Massnahmen sind nicht ersichtlich, insbesondere da der
Beschwerdeführer keine Küche eingebaut hat. Angesichts der Bösgläubigkeit des
Beschwerdeführers ist das Verbot, das Zimmer selbständig zu vermieten, auch zumutbar.
Da Art. 46 BauG präzise Wiederherstellungsmassnahmen und eine Frist zur Umsetzung
verlangt, wird Satz 2 der Ziffer 1 Lemma 2 der angefochtenen Verfügung wie folgt
präzisiert: "Die zurzeit selbständig vermietete Wohneinheit im UG der Liegenschaft am
D._ 9 in Burgdorf darf nach Ablauf einer Frist von 6 Monaten seit Rechtskraft des
vorliegenden Entscheids nicht als selbständige Wohneinheit genutzt werden."
6. Verfahrenskosten
a) Die Grundsätze der Kostenverlegung sind in Art. 108 VRPG geregelt. Demnach
werden die Verfahrenskosten der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG).
Die Verfahrenskosten werden bestimmt auf eine Pauschalgebühr von Fr. 1'000.-- (Art. 103
Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 GebV15). Bei diesem Ausgang des
Verfahrens unterliegt der Beschwerdeführer. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass
13 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 10 mit Hinweisen 14 Heidi Walther, Das Rechtsamt kommentiert aktuelle Entscheide, Das baupolizeiliche Benützungsverbot/Teil II, KPG-Bulletin 5/1992, S. 33 15 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21).
RA Nr. 110/2019/46 10
vorliegend auch ein Verfahrensmangel (Verletzung des rechtlichen Gehörs) geheilt werden
musste. Es rechtfertigt sich daher, dafür einen Fünftel der Verfahrenskosten bzw. Fr. 200.--
auszuscheiden.16 Dieser Betrag trägt der Kanton, da der Vorinstanz keine
Verfahrenskosten auferlegt werden können (Art. 108 Abs. 2 VRPG). Der Beschwerdeführer
hat Verfahrenskosten von Fr. 800.-- zu bezahlen.
b) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Nach der verwaltungsgerichtlichen
Rechtsprechung darf die Heilung einer Gehörsverletzung für die Betroffenen keine
Nachteile, insbesondere keine Mehrkosten aus der Beschwerdeführung vor oberer Instanz,
zeitigen.17 Die Gemeinde hat daher dem Beschwerdeführer einen Fünftel ihrer Parteikosten
zu ersetzen. Der Beschwerdeführer macht Parteikosten von Fr. 2'198.10 (Honorar Fr.
2'000.--, Auslagen Fr. 40.95, Mehrwertsteuer Fr. 157.15) geltend. Davon hat die Gemeinde
ihm einen Fünftel, ausmachend Fr. 439.60, zu ersetzen.