# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 11390a1a-4ac7-5cb8-a0e5-b32d4f49ce9b
**Court:** AR_OG
**Chamber:** AR_OG_003
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** AR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt
A. Die am XX.XX.76 geborene A_ wurde durch ihre behandelnde Psychiaterin, med. pract.
C_, Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie, Herisau, am 14. November 2011 im
Rahmen der Früherfassung bei der IV-Stelle des Kantons Appenzell Ausserrhoden
angemeldet. Die IV-Stelle nahm am 17. Dezember 2012 in einem Erstgespräch eine
berufliche und medizinische Standortbestimmung vor. Mit Schreiben vom 18. Dezember
2012 forderte sie A_ zur Anmeldung auf.
B. Am 21. Dezember 2012 meldete sich A_ wegen Depressionen, Angstzuständen,
Schmerzen, Hautproblemen sowie Schlafstörungen bei der IV-Stelle an. Die IV-Stelle klärte
in der Folge den medizinischen und erwerblichen Sachverhalt ab. In der Mitteilung vom 2.
Oktober 2014 wurde A_ eröffnet, dass mit ihrem Einverständnis die Unterstützung der
IV-Stelle in Sachen berufliche Wiedereingliederung beendet und ihr Anspruch auf eine
Rente geprüft werde.
C. Mit Vorbescheid vom 29. März 2016 kündigte die IV-Stelle A_ an, sie habe ab 1. Juli
2013 Anspruch auf eine Viertelsrente. In der Verfügung vom 3. Juni 2016 bestätigte die IV-
Stelle ihren Entscheid und sprach A_ mit Wirkung ab 1. Juli 2013 eine Viertelsrente zu.
D. Gegen die Verfügung vom 3. Juni 2016 liess A_ am 4. Juli 2016 mit den eingangs
erwähnten Anträgen Beschwerde beim Obergericht des Kantons Appenzell Ausserrhoden
erheben.
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E. Mit Verfügung vom 6. Juli 2016 gewährte der Einzelrichter des Obergerichts A_ im
Verfahren ERV 16 32 die unentgeltliche Rechtspflege und unentgeltliche Verbeiständung
durch Rechtsanwalt B_ für das vorliegende Beschwerdeverfahren.
F. Die IV-Stelle beantragte mit Vernehmlassung vom 31. August 2016 die Abweisung der Be-
schwerde.
G. Innert erstreckter Frist liess A_ am 18. Oktober 2016 die Replik einreichen. Die IV-Stelle
verzichtete auf die Einreichung einer Duplik.

## Considerations

Erwägungen
1. Formelles
Gemäss Art. 57 ATSG1 i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. b JG2 beurteilt das Obergericht als kantona-
les Versicherungsgericht Beschwerden aus dem Bereich der Sozialversicherungen. Die ört-
liche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a IVG3).
Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der weiteren Prozessvoraussetzungen
ergibt, dass diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der
Form- und Fristerfordernisse erfüllt sind.4
Auf die Beschwerde ist einzutreten.
1 Bundesgesetz vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG,
SR 830.1) 2 Justizgesetz vom 13. September 2010 (JG, bGS 145.31) 3 Bundesgesetz vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20) 4 Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59, Art. 60 Abs. 1 und Art. 61 lit. b ATSG sowie Art. 54, Art. 56 und Art. 59
des Gesetzes vom 9. September 2002 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG, bGS 143.1)
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2. Materielles
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin.
2.1
Nach Art. 8 Abs. 1 ATSG ist Invalidität die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Die Invalidität kann nach Art. 4 Abs. 1 IVG
Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein. Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust
der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG).
Nach Art. 28 IVG haben versicherte Personen Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu
mindestens 70 %, auf eine Dreiviertelrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe
Rente, wenn sie zu mindestens 50 %, und auf eine Viertelrente, wenn sie zu mindestens
40 % invalid sind.
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind, wird für diesen Teil die Invalidität nach
Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich tätig, so wird die
Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind nach
Art. 28a Abs. 3 IVG der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufga-
benbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad in beiden Bereichen zu bemessen.
2.2
Die Parteien sind sich unter anderem nicht einig darüber, in welchem Umfang die
Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall einer Erwerbstätigkeit nachginge. Während die
Vorinstanz (per 1. Januar 2017: Sozialversicherungen Appenzell Ausserrhoden) in der
angefochtenen Verfügung von einer Teilerwerbstätigkeit – 80% Erwerb/20% Haushalt –
ausging, stellt sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt, schon allein aus finanziel-
len Gründen sei sie auf eine Vollzeitbeschäftigung angewiesen.
2.2.1
Die Statusfrage, das heisst ob eine versicherte Person im Gesundheitsfall ganz, teilzeitlich
oder überhaupt nicht erwerbstätig wäre, ist hypothetisch zu beurteilen, unter Berücksichti-
gung ihrer ebenfalls hypothetischen Willensentscheidungen. Diese Entscheidungen sind als
innere Tatsachen einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in aller Regel
aus äusseren Indizien erschlossen werden. Soweit die Beurteilung hypothetischer Gesche-
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hensabläufe auf Beweiswürdigung beruht, handelt es sich um eine Tatfrage, selbst wenn
darin auch Schlussfolgerungen aus der allgemeinen Lebenserfahrung mitberücksichtigt
werden.5 Rechtsprechungsgemäss ist nicht allein entscheidend, inwieweit die Ausübung
einer Erwerbstätigkeit im Lichte der bestehenden finanziellen Verhältnisse als notwendig
erscheint, sondern inwieweit sie unter Berücksichtigung der gesamten persönlichen, famili-
ären, beruflichen und sozialen Situation als überwiegend wahrscheinlich zu betrachten ist.6
2.2.2
Gemäss ihrer Psychiaterin arbeitet die Beschwerdeführerin seit ca. 2009 krankheitsbedingt
nur noch 20% als Haushaltshilfe.7 Im Rahmen der Früherfassung gab die Beschwerde-
führerin am 17. Dezember 2012 zu Protokoll, sie müsste im Gesundheitsfall aus finanziel-
len Gründen ein 80%-Pensum ausüben. Die Kinder würden einen Tag pro Woche durch
ihre Mutter betreut und die restliche Zeit würden sie im Kinderhort sein.8 Anlässlich der
Haushaltsabklärung am 11. Februar 2016 erklärte die Beschwerdeführerin, ohne gesund-
heitliche Beeinträchtigung würde sie maximal 50 – 60% einem Erwerb nachgehen wollen.
Das genannte Pensum müsste sie aus finanziellen Gründen arbeiten und die übrige Zeit sei
für die Kinderbetreuung notwendig.9 Weiter gab die Beschwerdeführerin an, sie leide seit
2007 unter psychischen Problemen.10 Die Trennung von ihrem Lebenspartner sei 2008
erfolgt.11 Im Jahr 2003 – zeitgleich mit Schwangerschaft und Geburt ihrer ersten Tochter –
habe sie eine Tätigkeit als Haushaltshilfe in einem Privathaushalt mit einem 20%-Pensum
aufgenommen. Ab 2009 habe sie mit dem Wiedereinstieg ins Erwerbsleben begonnen.12
Aus den Akten ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin bis zur Geburt der ersten Tochter
und damit bis 2003 zu 100% erwerbstätig war. Im gleichen Jahr nahm sie eine Tätigkeit als
Haushaltshilfe auf.13 Nachher war sie – über die bereits erwähnte Tätigkeit als Haushalts-
hilfe hinaus – erst wieder ab 2009 erwerbstätig, zunächst als Teilzeitmitarbeiterin im Nach-
mittag- und Abendservice im D_.14 Während der Fasnacht 2010 arbeitete sie als
Servicemitarbeiterin und ab April 2010 während 8 Monaten mit einem 50%-Pensum bei der
E_ AG.15
5 Urteil des Bundesgerichts 9C_926/2015 vom 17. Oktober 2016 E. 1.2 6 Urteil des Bundesgerichts 9C_926/2015 vom 17. Oktober 2016 E. 4.2 mit Hinweisen 7 IV-act. 1 8 IV-act. 3-2/10 9 IV-act. 66-7/8 10 IV-act. 3-2/10 11 IV-act. 24-3/5 und act. 33-6/17 12 IV-act. 3-2/10 13 IV-act. 3-2 und 8/10 und act. 33-8/17 14 IV-act. 3-8/10 und act. 9-4/14 15 IV-act. 3-8/10, act. 24-3/5, act. 33-6/17 und act. 9-1/14
Seite 6
Eine volle Erwerbstätigkeit ist somit – wenn überhaupt – während ca. 2 Monaten im Jahr
2010 anzunehmen, währenddem im 2009 von einer Teilzeiterwerbstätigkeit auszugehen ist.
Zusammenfassend ist demnach aufgrund der Erwerbsbiographie sowie den Angaben der
Beschwerdeführerin trotz der geltend gemachten finanziellen Verhältnisse keine volle
Erwerbsfähigkeit im Gesundheitsfall anzunehmen. Die von der Vorinstanz getroffene
Annahme, dass die Beschwerdeführerin unter den gegebenen Umständen im Gesund-
heitsfall zu 80% erwerbstätig und zu 20% im Haushalt beschäftigt wäre, erscheint gerecht-
fertigt.
Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin liegt zudem ihrem Fall kein Sachverhalt
zugrunde, der mit jenem des Urteils des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte
vom 2. Februar 2016, welches am 4. Juli 2016 endgültig geworden ist, vergleichbar wäre.16
In jenem Fall sprachen allein familiäre Gründe (die Geburt von Kindern und die damit ein-
hergehende Reduktion des Erwerbspensums) für einen Statuswechsel von „vollerwerbs-
tätig“ zu „teilerwerbstätig mit Aufgabenbereich“.17 Wie vorgängig dargelegt wurde, war die
Beschwerdeführerin bis zur Geburt ihrer ersten Tochter voll erwerbstätig, gab ihre
Erwerbstätigkeit dann – mit Ausnahme eines Kleinpensums als Haushaltshilfe – vollständig
auf und nahm diese erst rund 5 Jahre später wieder auf. Ungefähr zu diesem Zeitpunkt
entstanden bzw. manifestierten sich ihre gesundheitlichen Beeinträchtigungen.18 Insoweit
ist die vorerwähnte Rechtsprechung auf den hier zu beurteilenden Fall nicht anwendbar.19
2.3
Die Beschwerdeführerin erachtet weiter das von der Vorinstanz veranlasste psychiatrische
Gutachten von Dr. med. F_, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, Buchs,
als nicht beweistauglich. Unter anderem kritisiert sie die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
durch den Gutachter und die mangelnde Auseinandersetzung mit anderslautenden
Beurteilungen.
2.3.1
Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad bemes-
sen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen
angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu
stellen haben. Aufgabe der Ärztin oder des Arztes ist es, den Gesundheitszustand zu
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätig-
16 Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) Di Trizio gegen Schweiz vom
2. Februar 2016 (7186/09) 17 Urteil des Bundesgerichts 9C_604/2016 vom 1. Februar 2017 E. 3.3.3 und E. 3.3.4; Urteil des
Bundesgerichts 9F_8/2016 vom 20. Dezember 2016 E. 4.1 und E. 4.2 18 IV-act. 1 und IV-act. 3-2/10 19 IV-Rundschreiben Nr. 355 des Bundesamtes für Sozialversicherungen (BSV) vom 31. Oktober 2016
Seite 7
keiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte
eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person
noch zugemutet werden können.20
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und Sozialver-
sicherungsgerichte die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie
umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies,
dass das Sozialversicherungsgericht die Beweismittel unabhängig davon, von wem sie
stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unter-
lagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbeson-
dere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht
erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben,
warum es auf die eine und nicht die andere medizinische These abstellt.21 Hinsichtlich des
Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle-
gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa-
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind.22
2.3.2
In medizinischer Hinsicht stützt sich die angefochtene Verfügung vom 3. Juni 2016 auf das
forensisch-psychiatrische Gutachten von Dr. med. F_. Er diagnostizierte bei der
Beschwerdeführerin eine rezidivierende depressive Störung gegenwärtig mittelgradige
Episode (ICD-10: F33.1) ohne somatisches Syndrom.23 Werde als zuletzt ausgeübte Tätig-
keit ihre nach wie vor bestehende Tätigkeit der Reinigungskraft angenommen, so sei die
Arbeitsfähigkeit zum jetzigen Zeitpunkt 40% und im weiteren Verlauf nach ungefähr fünf bis
sechs Monaten 50%. Die körperlich belastende Tätigkeit in der Fensterfabrik sei für die
Beschwerdeführerin derzeit eine zu grosse Belastung. Im Bereich Service sei ebenfalls
eine eingeschränkte Arbeitsfähigkeit vorhanden. Zum jetzigen Zeitpunkt sei ein Pensum
von zunächst 40% und später 50% grundsätzlich zumutbar. Aufgrund ihrer depressiven
Symptomatik leide die Beschwerdeführerin unter einem verminderten Antrieb und einer
erhöhten Ermüdbarkeit. Dies führe zu Konzentrationsstörungen und somit einer erhöhten
Fehlerquote. Die von ihr berichteten Durchschlafstörungen verstärken diese Symptomatik.
Die Beschwerdeführerin fühle sich schnell überfordert, werde dann reizbar und reagiere mit
vermehrtem Rückzug und vermehrter depressiver Symptomatik, was zu einer erneuten
20 BGE 132 V 99 E. 4 21 BGE 125 V 351 E. 3a 22 BGE 134 V 231 E. 5.1 23 IV-act. 33-13/17
Seite 8
Verschlechterung ihres Zustandsbildes hin zu einer schwergradigen depressiven Episode
führen könne. Die bisherige Tätigkeit sei vier Stunden pro Tag an zunächst vier Tagen pro
Woche, mittelfristig an fünf Tagen pro Woche möglich. Dabei benötige die Beschwerdefüh-
rerin einen leicht erhöhten Pausenbedarf, weil sie schneller ermüde. Das Ausmass der
Verminderung der Leistungsfähigkeit dürfte dabei rund 20% betragen. Ab Januar 2012
könne von dem erwähnten 40% Pensum ausgegangen werden. Ihre angestammte Tätigkeit
sei der leidensadaptierten Tätigkeit gleichzusetzen. Andere, dem Funktionsdefizit ange-
passte Tätigkeiten könne die Beschwerdeführerin ausüben.24
Im Übrigen lagen folgende weitere medizinischen Berichte vor:
Dr. med. G_, Facharzt Allgemeine Innere Medizin, Herisau, stellte als Diagnosen mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit: chronisches HWS Syndrom, Diskopathie C5/6 mit
leichter Osteochondrose; chronisches lumbospondylogenes Syndrom, beginnende
Osteochondrose L4/5 sowie mehrsegmentäre Facettengelenksdegenerationen; Verdacht
auf Inpingementssyndrom Schulter rechts; Verdacht auf Fibormyalgia incipiens; Verdacht
auf Anpassungsstörung sowie chronische Belastungsreaktion bei Persönlichkeitskonflikt
und Mutter/Kinderkonflikt.
Im Arztbericht vom 7. März 2013 diagnostizierte med. pract. C_ eine rezidivierende
depressive Störung, aktuell schwere Episode (seit mind. 2010); eine kombinierte
Persönlichkeitsstörung, emotional instabile und zwanghafte Anteile (seit der Jugend) sowie
eine somatoforme Schmerzstörung (seit Jahren, schon seit der Kindheit chronische rezidi-
vierende Kopfschmerzen). Die Beschwerdeführerin sei seit 2010 ca. 80% arbeitsunfähig.25
Für das Psychiatrische Zentrum Appenzell Ausserrhoden stellte die damalige Oberärztin
H_, Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie, im Arztbericht vom 15. Mai 2013 die
Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, schwere Episode ohne psychotische
Symptome (ICD-10: F33.2). Die ambulante Behandlung habe vom 2. August 2010 bis 21.
März 2011 stattgefunden. Dannzumal sei die Prognose als gut zu beurteilen gewesen, die
aktuelle Prognose könne nicht beurteilt werden. Ab 1. Januar 2011 sei die Beschwer-
deführerin als Serviceangestellte, Haushaltshilfe voll arbeitsfähig gewesen.26
Med. pract. C_ nahm mit Schreiben vom 10. September 2013 dahingehend Stellung zu
den ergänzenden Eingliederungsfragen der Vorinstanz, dass die Möglichkeiten der
beruflichen Beschäftigung der Beschwerdeführerin bereits bis an die Grenzen ausgeschöpft
24 IV-act. 33-16/17 25 IV-act. 21-2f/5 26 IV-act. 24
Seite 9
seien. Der psychische Zustand habe sich im Wesentlichen nicht verändert und daher habe
sich die Arbeitsfähigkeit auch nicht verbessert.27
Im Bericht vom med. pract. C_ vom 2. Juli 2014 an die Krankenkasse der
Beschwerdeführerin wurde eine rezidivierende depressive Störung, mittel- bis schwergra-
dige Episoden (ICD-10: F33.1/2); eine kombinierte Persönlichkeitsstörung, emotional insta-
bile und zwanghafte Anteile (ICD-10: F61); eine Somatisierungsstörung (ICD-10: F45.0)
sowie eine Rosazea diagnostiziert. Angesichts des seit Jahren chronischen Verlaufs und
des instabilen Befindens sei eine langfristige psychiatrische Begleitung erforderlich.28
Dr. med. J_, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie, Herisau, wies in seinem
Arztbericht von Ende November 2015 darauf hin, dass keine Änderung in Bezug auf die
Diagnose seit dem Gutachten von Dr. med. F_ eingetreten sei. Auch in Bezug auf die
Anamnese verwies er auf das Gutachten sowie auf med. pract. C_. Ergänzend wies er
darauf hin, dass die therapeutische Compliance sehr hoch und verlässlich sei, auch in
Bezug auf die Medikamenteneinnahme. Die Möglichkeiten für Tätigkeiten ausser Haus
(Putzen 2x/Woche, Gemeindearbeiten bei Bedarf) seien ausgeschöpft und aus
psychiatrischer Sicht nicht ausbaufähig, solange sich ihre Kinder im schulpflichtigen Alter
befänden. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Kosmetikerin, Fotolaborantin und
Pflegehelferin sei sie zu 80% arbeitsunfähig. Als Reinigungskraft sei ihr ein 20%-Pensum
pro Woche zumutbar. Es bestehe dabei eine verminderte Leistungsfähigkeit, welche in
Bezug auf den Grund und das Ausmass nicht spezifiziert werden könne. Mit einer Wieder-
aufnahme der beruflichen Tätigkeit bzw. Erhöhung der Einsatzfähigkeit könne nicht
gerechnet werden.29
2.3.3
Den Vorbringen der Beschwerdeführerin, wonach sich der Gutachter Dr. med. F_ mit der
aktuellsten medizinischen Beurteilung von Dr. med. J_ nicht auseinandersetze und das
Gutachten ohnehin veraltet sei, ist zum einen entgegenzuhalten, dass das Gutachten vom
6. Januar 2014 auf sämtlichen damals verfügbaren Akten beruht. Der Bericht von Dr. med.
J_, welcher die Beschwerdeführerin seit 10. Januar 2015 behandelt und med. pract.
C_ ablöste, ging Ende November 2015 bei der Vorinstanz ein und wurde damit erst rund
22 Monate nach dem Gutachten erstellt. Zum anderen ist darauf hinzuweisen, dass sich Dr.
med. J_ hinsichtlich der Diagnose und der Anamnese auf das Gutachten von Dr. med.
F_ bezieht.30 Insofern kann nicht die Rede davon sein, dass das Gutachten veraltet und
nicht mehr aktuell sei. Vielmehr bestätigt der nunmehr behandelnde Psychiater erneut die
27 IV-act. 29 28 IV-act. 56-8/9 29 IV-act. 64 30 IV-act. 64-1/4
Seite 10
bereits im Gutachten gestellte Diagnose. Sodann setzt sich Dr. med. F_ im Gutachten
entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin auch mit anderslautenden Beurteilungen
auseinander, indem er beispielsweise ausführt, die Diagnose des Psychiatrischen Zent-
rums Appenzell Ausserrhoden könne aus gutachterlicher Sicht aufgrund der beschriebenen
Symptomatik für den damaligen Zeitpunkt durchaus zutreffend gewesen sein. Die aktuelle
diagnostische Einschätzung entspreche hingegen weitgehend der Einschätzung der
behandelnden Therapeutin.31 Er legt auch – belegt durch die vorhandenen Akten – ein-
leuchtend dar, dass die Beschwerdeführerin entgegen der Meinung der damals behandeln-
den Therapeutin nicht bereits seit 2009 zu 80% arbeitsunfähig gewesen sein kann.32 Ande-
rerseits weist er darauf hin, dass die damalige Einschätzung des Psychiatrischen Zentrums
Appenzell Ausserrhoden, wonach die Beschwerdeführerin ab 1. Januar 2011 bis Behand-
lungsschluss im Mai 2011 voll arbeitsfähig gewesen sei, aufgrund der doch noch vorhan-
denen Symptomatik wohl zu optimistisch gewesen sei.33 Weiter erklärt er, es sei aufgrund
zu wenig klarer Angaben schwierig, den genauen Zeitpunkt der Arbeitsfähigkeit anzugeben.
Da die Beschwerdeführerin aber im Herbst 2011 nebst ihrer Reinigungstätigkeit auch noch
den SRK-Kurs abgeschlossen habe, dürfte ab Januar 2012 ein 40%-Pensum zumutbar
gewesen sein.34 Der Gutachter führt sodann aus, dass mittelfristig – nach etwa fünf bis
sechs Monaten – eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 50% realistisch sei. Aufgrund des
benötigten leicht erhöhten Pausenbedarfs sei aber von einer verminderten Leistungsfähig-
keit von etwa 20% auszugehen.35 Mit diesen Ausführungen begründet Dr. med. F_
einleuchtend, schlüssig und nachvollziehbar, wie er zu seiner Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit gelangt.36 Eine willkürliche Einschätzung kann dem Gutachter somit entge-
gen der Ansicht der Beschwerdeführerin nicht vorgeworfen werden. Somit ist zusammen-
fassend festzuhalten, dass das Gutachten von Dr. med. F_ für die streitigen Belange
umfassend ist, auf einer eigenen Untersuchung von 2 Stunden und 40 Minuten beruht und
die subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin berücksichtigt. Es wurde in Kenntnis der
damals vorliegenden Akten abgegeben und leuchtet in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge sowie der medizinischen Situation ein. Die Schlussfolgerungen des
Gutachters sind sodann schlüssig begründet und nachvollziehbar. Dem Gutachten kommt
somit volle Beweiskraft zu.
31 IV-act. 33-14/17 32 IV-act. 33-15/17 33 IV-act. 33-15/17 34 IV-act. 33-15f/17 35 IV-act. 33-16/17 36 Urteil des Bundesgerichts 9C_901/2015 vom 8. Juli 2016 E. 3.1
Seite 11
2.3.4
Aufgrund der 80%-igen Erwerbs- und der 20%-igen Haushalttätigkeit ist der Invaliditätsgrad
in Übereinstimmung mit der Vorinstanz nach der gemischten Methode zu berechnen
(Art. 28a Abs. 3 IVG).
Für den Erwerbsanteil wird ein Einkommensvergleich vorgenommen.37 In der angefochte-
nen Verfügung vom 3. Juni 2016 geht die Vorinstanz von einer zumutbaren leidensange-
passten Tätigkeit von 40% aus.38 Unter Berücksichtigung des von der Vorinstanz festgeleg-
ten Valideneinkommens von Fr. 42‘604.00, zu dessen Überprüfung mangels entsprechen-
der Vorbringen der Beschwerdeführerin oder anderer Anhaltspunkte kein Anlass besteht,
errechnete sie ein Invalideneinkommen von Fr. 21‘302.00 und somit im Ergebnis eine
Erwerbseinbusse von Fr. 21‘302.00 bzw. 50%.39 Dabei übersah die Vorinstanz, dass der
Gutachter Dr. med. F_ ab Januar 2012 von einem zumutbaren Pensum von 40%
ausgeht, mittelfristig steigerbar auf 50%, jedoch bei einer verminderten Leistungsfähigkeit
von etwa 20%.40 Gemäss dem Gutachten leidet die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer
depressiven Symptomatik unter einem verminderten Antrieb und einer erhöhten
Ermüdbarkeit. Dies führe zu Konzentrationsstörungen und somit zu einer erhöhten Fehler-
quote. Weil sie schneller ermüde, benötige die Beschwerdeführerin einen leicht erhöhten
Pausenbedarf, wobei die verminderte Leistungsfähigkeit rund 20% betrage.41 Im Vergleich
zu einem im gleichen Arbeitspensum arbeitenden gesunden Versicherten ist der vermin-
derten Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin, die im Grundsatz auch von Dr. med.
J_ bestätigt wurde,42 durch Gewährung eines sogenannten leidensbedingten Abzugs bei
der Ermittlung des trotz Gesundheitsschadens zumutbaren erzielbaren Einkommens
Rechnung zu tragen.43 Das Invalideneinkommen beträgt daher unter Berücksichtigung
eines Leidensabzug von 20% Fr. 17‘041.60, woraus eine Erwerbseinbusse von
Fr. 25‘562.40 bzw. 60% resultiert.44 Daraus resultiert für die Erwerbstätigkeit von 80% ein
massgebender Teilinvaliditätsgrad von 48%.45
Für den Aufgabenbereich wird auf die Methode des Betätigungsvergleichs zurückgegriffen;
es ist abzuklären, in welchem Ausmass bei einer psychischen Beeinträchtigung die Haus-
37 UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, N. 90 zu Art. 16 ATSG 38 IV-act. 73-4f./6 39 IV-act. 75-3/5; Valideneinkommen Fr. 42‘604.00 – Invalideneinkommen Fr. 21‘302.00 =
Erwerbseinbusse Fr. 21‘302.00; BGE 125 V 413 E. 2c 40 IV-act. 33-16/17 41 IV-act. 33-16/17 42 IV-act. 64 43 Urteil des Bundesgerichts I 379/02 vom 23. Januar 2003 E. 2.2 und E. 3.1 44 Valideneinkommen Fr. 42‘604.00 - Invalideneinkommen Fr. 17‘041.60 (Invalideneinkommen AUF 40%
= Fr. 21‘302.00 - Abzug 20% (= Fr. 4‘260.40) = Erwerbseinbusse Fr. 25‘562.40 bzw. 60% 45 0.8 x 60% = 48%
Seite 12
haltsführung eingeschränkt ist.46 Für die Tätigkeit im Aufgabenbereich im Umfang von 20%
errechnet sich – unter Berücksichtigung einer unbestritten gebliebenen Einschränkung von
14.50 % –47 ein massgebender Teilinvaliditätsgrad von 2.90%.48
Insgesamt ist somit von einem Gesamtinvaliditätsgrad von 50.9% auszugehen, womit
Anspruch auf eine halbe Rente besteht.49
2.4
Schliesslich ist zwischen den Parteien der Rentenbeginn strittig. Während die Vorinstanz
vom 1. Juli 2013 ausgeht, ist nach der Beschwerdeführerin der 1. Juni 2013 massgebend.
2.4.1
Nach Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs
Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG, jedoch
frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Altersjahres folgt. Die Rente wird vom
Beginn des Monats an ausbezahlt, in dem der Rentenanspruch entsteht (Art. 29 Abs. 3
IVG).
2.4.2
Die IV-Anmeldung wurde am 21. Dezember 2012 von der Beschwerdeführerin unterzeich-
net und ging gemäss Eingangsstempel der Vorinstanz am 3. Januar 2013 bei ihr ein.50 Die
Vorinstanz bewahrte den Briefumschlag, in welchem ihr die IV-Anmeldung zuging, trotz
ihrer Aktenführungspflicht nicht auf, weshalb das massgebende Aufgabedatum der Anmel-
dung nicht mehr eruiert werden kann.51 Aufgrund dieser Sachlage ist auf die glaubwürdigen
und nachvollziehbaren Ausführungen der Beschwerdeführerin abzustellen,52 wonach sie
die IV-Anmeldung noch im Dezember 2012 aufgab. Der Rentenanspruch entstand damit
gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten, d.h. im Juni 2013.
Beginn der Rentenzahlung ist somit gemäss Abs. 3 von Art. 29 IVG am 1. Juni 2013.53
46 UELI KIESER, a.a.O., N. 91 zu Art. 16 ATSG mit Hinweis 47 IV-act. 66-5/8 48 0.2 x 14.50% = 2.90% 49 BGE 125 V 146 E. 6; Art. 28 Abs. 2 IVG 50 IV-act. 5-1/7 und 7/7 51 UELI KIESER, a.a.O., N. 35 zu Art. 29 ATSG 52 UELI KIESER, a.a.O., N. 37 zu Art. 29 ATSG und N. 11 zu Art. 46 ATSG 53 MEYER/REICHMUTH, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Aufl. 2014, N. 19 zu Art. 29 IVG
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3. Fazit
Zusammenfassend ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen und der Beschwerdeführerin
mit Wirkung am 1. Juni 2013 eine halbe Invalidenrente zuzusprechen. Die Vorinstanz wird
angewiesen, die Rente neu zu berechnen.
4. Kosten und Entschädigung
4.1
Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung
oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung kostenpflichtig. Die
Beschwerdeführerin und die Vorinstanz obsiegen bzw. unterliegen je zur Hälfte. Der
Beschwerdeführerin ist daher ausgangsgemäss die Hälfte der in vergleichbaren Fällen
üblichen Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 800.--, mithin Fr. 400.--, aufzuerlegen. Diese
Verfahrenskosten sind jedoch wegen der gewährten unentgeltlichen Rechtspflege vorläufig
auf die Staatskasse zu nehmen, unter Vorbehalt der Rückforderung bei der Beschwerde-
führerin für den Fall günstigerer wirtschaftlicher Verhältnisse.
Der Vorinstanz können gemäss Art. 22 Abs. 1 VRPG keine Verfahrenskosten auferlegt
werden.
4.2
Gemäss Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdefüh-
rende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Versicherungs-
gericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit-
sache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. Durch Art. 61 lit. g ATSG
nicht geregelt ist, wie bei teilweisem Obsiegen zu verfahren ist. Nach Lehre und Rechtspre-
chung wird auch bei teilweisem Obsiegen ein Anspruch auf eine Parteientschädigung
bejaht.54
Vorliegend haben die Beschwerdeführerin und die Vorinstanz je zur Hälfte obsiegt. In die-
ser Konstellation werden die Parteikosten nicht etwa wettgeschlagen, sondern die
Beschwerdeführerin hat Anspruch auf eine halbe Parteientschädigung von der Vorin-
stanz.55 Die Bemessung der Entschädigung richtet sich im Rahmen von Art. 61 lit. g ATSG
54 UELI KIESER, a.a.O., N. 205 zu Art. 61 ATSG; GEORG WILHELM, in: Zünd/Pfiffner Rauber, Gesetz über
das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich, 2. Aufl. 2009, N. 8 zu § 34 GSVGer; Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2010 vom 16. November 2010 E. 4; ZAK 1980 S. 124
55 Urteil des Obergerichts Appenzell Ausserrhoden O4V 13 42 vom 2. Juli 2014 E. 7
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nach kantonalem Recht, mithin nach der Verordnung vom 14. März 1995 über den
Anwaltstarif (AT, bGS 145.53), wobei Art. 16 AT und nicht Art. 24 AT Anwendung findet.56
Der Beschwerdeführerin wird unter Berücksichtigung des für diesen eher leichten Fall not-
wendigen Zeitaufwandes für die Instruktion, das Aktenstudium sowie das Abfassen der
Rechtsschriften zulasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung von Fr. 1‘404.-- (inklu-
sive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zugesprochen.57
4.3
Der Beschwerdeführerin wurde die unentgeltliche Rechtsverbeiständung durch Rechtsan-
walt B_ gewährt, weshalb diesem für den durch die Parteientschädigung (E. 4.2) nicht
gedeckten hälftigen Aufwand zulasten der Staatskasse eine Entschädigung zuzusprechen
ist. Die hierfür auszurichtende Entschädigung richtet sich ebenfalls nach kantonalem
Recht.58 Art. 13 Abs. 1 lit. c AT legt als Spezialbestimmung für das
Verwaltungsgerichtsverfahren fest, dass die pauschale Bemessung des Honorars
anzuwenden ist. Das Honorar des unentgeltlichen Rechtsvertreters darf dabei insgesamt
nicht höher sein als das im Verwaltungsgerichtsverfahren pauschal zu bemessende Hono-
rar (Art. 24 Abs. 2 AT). Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat keine Kostennote
eingereicht. Praxisgemäss wird daher ein pauschales Honorar zugesprochen, das in ver-
gleichbaren Fällen üblich ist und den mutmasslich notwendigen Aufwand des unentgelt-
lichen Rechtsvertreters abdeckt. Das Obergericht orientiert sich bei der Festlegung der
Honorarpauschale zusätzlich zu den kantonalen (vgl. Art. 17 AT) auch an den in Art. 61 lit.
g ATSG genannten Kriterien. Wie bereits erwähnt, handelt es sich um einen eher leichten
Fall mit kleiner bis durchschnittlicher Menge an Akten sowie keinen besonders aufwändig
zu beantwortenden Sachverhalts- und Rechtsfragen. Auszugehen ist von einem gesamten
Stundenaufwand von 12.5 Stunden. Unter diesen Umständen ist der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin mit Fr. 1‘193.40 (Honorar inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
aus der Staatskasse zu entschädigen,59 unter Vorbehalt der Rückforderung bei der
Beschwerdeführerin für den Fall günstigerer wirtschaftlicher Verhältnisse.
Der zur Hälfte obsiegenden Vorinstanz wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.60
56 UELI KIESER, a.a.O., N. 208 ff zu Art. 61 ATSG; Urteil des Bundesgerichts 5A_39/2014 vom 12. Mai
2014 E. 2.3 57 Pauschalentschädigung von (1/2 von Fr. 2‘500.-- =) Fr. 1‘250.-- + 4% Barauslagen (= Fr. 50.--) = Fr.
1‘300.--, + 8% MWSt (= Fr. 104.--) = Fr. 1‘404.-- 58 UELI KIESER, a.a.O., N. 173 und N. 184 zu Art. 61 ATSG 59 Entschädigung (6.25 Std. à Fr. 170.-- =) Fr. 1‘062.50 + 4% Barauslagen (= Fr. 42.50) = Fr. 1‘105.--, +
8% MWSt (= Fr. 88.40) = Fr. 1‘193.40 60 BGE 126 V 143 E. 4a; UELI KIESER, a.a.O., N. 199f. zu Art. 61 ATSG
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