# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 004f2041-e515-4f44-a47f-9697980a7b7f
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_004
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Public Administration

## Facts

Sachverhalt
A.
Am 5. Juni 2015 reichte Fürsprecher und Notar A. beim Grundbuchamt eine Aus-
fertigung seiner Urschrift vom 20. Mai 2015 zur grundbuchlichen Behandlung ein.
Gemäss Ziffer II dieser Urschrift sollen die Grundstücke Gemeinde B. Grund-
buchblatt (Gbbl.) Nrn. 1000, 2000 und Gemeinde B. Gbbl. Nr. 3000 mit Gemein-
de B. Gbbl. Nr. 4000, allesamt im Eigentum der Z. AG, Aktiengesellschaft mit Sitz
in der Gemeinde B, vereinigt werden. Im Rahmen der Bereinigung der Dienstbar-
keiten sollen u.a. die auf dem Grundstück Gemeinde B. Gbbl. Nr. 4000 eingetra-
genen Dienstbarkeitsrechte «Wasserleitungsrecht zl. Gemeinde B. Gbbl. Nrn.
5000, 6000, 7000, 8000, 9000, 1100, 1200, 1300, 1500» und «Brunnstubenrecht
zl. Gemeinde B. Gbbl. Nr. 8000» auf die hinzukommende Fläche ausgedehnt
werden. Des Weiteren beinhaltet die Urschrift eine Grundpfandbereinigung und -
erhöhung sowie eine Dienstbarkeitsbegründung (beschränktes Fahrwegrecht).
Mit Schreiben vom 10. November 2015 ersuchte das Grundbuchamt Fürsprecher
und Notar A. um Ergänzung der Unterlagen, so um einen Nachtrag betreffend
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Bereinigung des dominierten Grundstücks Selbständig Dauerndes Recht (SDR)
Quellenrecht Gemeinde B. Gbbl. Nr. 1400 und um die Zustimmung der Miteigen-
tümer des SDR Quellenrechts Gemeinde B. Gbbl. Nr. 1400 zu dieser Bereini-
gung. Zudem verlangte das Grundbuchamt, dass die Dienstbarkeitsbelasteten in
öffentlicher Urkunde der durch die Vereinigung entstehenden Mehrbelastung zu-
stimmen.
Im öffentlich beurkundeten Nachtrag vom 26. November 2015 zur Urschrift er-
klärte die Z. AG, das durch Gemeinde B. Gbbl. Nr. 4000 zu 36/150 dominierte
Quellenrecht SDR Gemeinde B Gbbl. Nr. 1400 sei formell auf die zu Gemeinde
B. Gbbl. Nr. 4000 hinzugeschlagenen Abschnitte auszudehnen, wodurch keine
Mehrbelastung der Miteigentümer am Quellenrecht entstehen, d.h. die Zustim-
mung der Miteigentümer am Quellenrecht nicht notwendig sei. Des Weiteren hält
die Z. AG für den Fall fest, dass das Grundbuchamt die Anmeldung der öffentli-
chen Urkunde «Zusammenlegung mit Grundpfand- und Dienstbarkeitserrich-
tung» vom 20. Mai 2015 abweise, die Grundpfandbereinigung gemäss Ziffer
II./2.5 dennoch auszuführen sei.
Mit Verfügung vom 7. Januar 2016 wies das Grundbuchamt die Grundbuchan-
meldung ab.
B.
Gegen die Verfügung des Grundbuchamts führt die Z. AG, vertreten durch Für-
sprecher A._, mit Eingabe vom 21. Januar 2016 Beschwerde bei der Jus-
tiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion des Kantons Bern (JGK) mit folgenden
Rechtsbegehren:
1. Die Verfügung des Grundbuchamtes vom 07.01.2016 betreffend die  des Geschäfts vom 05.06.2015 sei aufzuheben.
2. Die Parzellierung Gemeinde B. gemäss Plan und Messurkunde vom 09.03.2015 und Urschrift Notar A. vom 20.05.2015 mit Nachtrag vom 26.11.2015 sei im Grundbuch einzutragen.
3. Eventualiter sei die beantragte Grundpfandbereinigung mit Neuaufteilung und Pfanderhöhung vom 05.06.2015 und Nachtrag vom 26.11.2015 im Grundbuch einzutragen.
- unter Kosten- und Entschädigungsfolge -
In seiner Vernehmlassung vom 23. Februar 2016 beantragt das Grundbuchamt
die Abweisung der Beschwerde. In Bezug auf die Bereinigung der Grundpfand-
rechte wird festgehalten, dass diese eintragungsfähig sei und somit nicht auf der
Abweisungsverfügung beharrt werde.
Die Z. AG hält in ihrer Stellungnahme vom 25. Februar 2016 an ihren Rechtsbe-
gehren fest.
In ihren weiteren Eingaben vom 8. bzw. 14. April 2016 halten das Grundbuchamt
und die Z. AG an ihren Positionen fest.
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## Considerations

Die Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gegen Verfügungen des Grundbuchamts kann Beschwerde bei der JGK
geführt werden (Art. 956a Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [ZGB;
SR 210] i.V.m. Art. 124 Abs. 1 des Gesetzes vom 28. Mai 1911 betreffend die
Einführung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [EG ZGB; BSG 211.1]). Für
das Verfahren gelten nach Art. 10 Abs. 3 Satz 1 EG ZGB die Bestimmungen des
Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG
155.21).
1.2 Zur Beschwerde ist befugt, wer vor der Vorinstanz am Verfahren teilge-
nommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist und ein
schutzwürdiges Interesse an deren Änderung oder Aufhebung hat (Art. 956a
Abs. 2 Ziff. 1 ZGB, Art. 65 Abs. 1 VRPG).
Die Beschwerdeführerin ist als Urkundspartei durch die Abweisung der Grund-
buchanmeldung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an de-
ren Aufhebung. Sie ist somit zur Erhebung der Grundbuchbeschwerde befugt.
Auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutre-
ten.
2.
Die Beschwerdeführerin macht zunächst geltend, die angefochtene Verfügung
sei von Amtes wegen als formell ungültig zu erklären. Sie bestreitet die Zeich-
nungsberechtigung von Grundbuchverwalterin E. zum alleinigen Erlass einer
Verfügung des Grundbuchamts.
Wie das Grundbuchamt in seiner Stellungnahme vom 8. April 2016 ausführt,
wurde Frau E. mit Arbeitsvertrag vom 29. September 2014 ab 1. Dezember 2014
als Grundbuchverwalterin angestellt.
Die Zeichnungsberechtigung der Grundbuchverwalterin oder des Grundbuchver-
walters ist nirgends positiv-rechtlich geregelt.
Sowohl das ZGB in der heute geltenden Fassung auch die Grundbuchverord-
nung vom 23. September 2011 (GBV; SR 211.432.1) bezeichnen als verfügende
Behörde das Grundbuchamt. Vor der seit dem 1. Januar 2012 gültigen Fassung
sprach das ZGB jeweils vom Grundbuchverwalter in Einzahl. Art. 24 Abs. 1 der
bis am 31. Dezember 2011 gültigen Fassung der Verordnung betreffend das
Grundbuch vom 22. Februar 1910 (aGBV) bestimmte folglich, dass der Grund-
buchverwalter eine Anmeldung, welche den gesetzliche Anforderungen nicht
entspricht, abzuweisen hat. Damit war aber unbestritten jede einzelne Grund-
buchverwalterin und jeder einzelne Grundbuchverwalter in ihrer bzw. seiner
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Funktion zum Erlass entsprechender Verfügungen befugt. Dass mit den heutigen
Fassungen dieser beiden Erlasse eine Änderung dieser Verfügungsbefugnis be-
absichtigt wurde, kann den entsprechenden Materialien (insb. der Botschaft zur
Änderung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [Register-Schuldbrief und wei-
tere Änderungen im Sachenrecht] vom 27. Juni 2007) nicht entnommen werden.
Vielmehr ist dem Grundbuchamt zuzustimmen, dass die entsprechenden Ände-
rungen auf dem Bestreben des Gesetzgebers, geschlechtsneutrale Formulierun-
gen zu verwenden, gründen dürften. So wurde im Kanton Bern bereits im Rah-
men der Reform der dezentralen kantonalen Verwaltung mit der Revision des
Gesetzes über die Regierungsstatthalterinnen und Regierungsstatthalter vom 28.
März 2006 (in Kraft seit dem 1. Januar 2010) in verschiedenen Erlassen der Be-
griff «Grundbuchverwalter» mit «Grundbuchamt» ersetzt. Begründet wurde dies
mit einer textlichen Vereinfachung bzw. mit einer Verbesserung der Terminologie
(vgl. Tagblatt des Grossen Rates 2006, Beilage 5 S. 29ff.). Dass damit die Verfü-
gungsbefugnis der einzelnen Grundbuchverwalterinnen und Grundbuchverwalter
beschnitten werden sollte, ist nicht ersichtlich. Dem steht auch nicht entgegen,
dass mit der Schaffung von regionalen Grundbuchämtern die JGK nunmehr für
jedes Grundbuchamt eine geschäftsleitende Grundbuchverwalterin oder einen
geschäftsleitenden Grundbuchverwalter ernennt (Art. 122 Abs. 2 des Gesetzes
vom 28.05.1911 betreffend die Einführung des Schweizerischen Zivilgesetzbu-
ches [EG ZGB; BSG 211.1]). Die JGK führt nicht mehr alle Grundbuchverwalte-
rinnen und Grundbuchverwalter direkt, sondern nur noch die geschäftsleitenden
Grundbuchverwalterinnen und Grundbuchverwalter, als administrative, organisa-
torische und fachliche Führungen der Grundbuchämter. Deren Einsetzung dient
daher lediglich als Aufsichtsinstrument. Damit ist aber keine ausschliessliche
Zeichnungsberechtigung für das Amt verbunden.
Es ist somit nicht zu beanstanden, dass die angefochtene Verfügung des Grund-
buchamtes durch Frau E. in ihrer Funktion als Grundbuchverwalterin alleine un-
terzeichnet wurde.
3.
3.1 Das Grundbuchamt begründete die Abweisung der Grundbuchanmeldung
zunächst mit der fehlenden Zustimmung der Miteigentümerinnen und Miteigen-
tümer des SDR Quellenrechts Gemeinde B. Gbbl. Nr. 1400 zu dessen Bereini-
gung. Es führte dazu aus, sei ein Grundstück im Grundbuch als unselbständiges
Miteigentum von mehreren Hauptgrundstücken eingetragen, so könne die Bezie-
hung zwischen diesen Grundstücken ohne Zustimmung sämtlicher Miteigentüme-
rinnen und Miteigentümer nicht geändert werden. Eine solche Änderung liege
nicht nur vor, wenn ein Miteigentumsanteil von einem Hauptgrundstück losgelöst
werde, sondern auch wenn ein Hauptgrundstück geteilt werde und der daran
gebundene unselbständige Miteigentumsanteil vollständig auf eine aus der Tei-
lung hervorgegangene Liegenschaft übertragen werde. Eine einseitige Umwid-
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mung sei ebenso unzulässig, wenn der Flächenperimeter der herrschenden
Grundstücke vergrössert werde.
3.2 Ein Grundstück kann mit einem anderen Grundstück derart verknüpft wer-
den, dass die jeweilige Eigentümerin oder der jeweilige Eigentümer des Haupt-
grundstücks auch Eigentümerin oder Eigentümer des dazugehörenden Anmer-
kungsgrundstücks ist (Art. 655a Abs. 1 ZGB). Die Verknüpfung wird im Grund-
buch auf dem Blatt des Hauptgrundstücks entweder in der Grundstücksbeschrei-
bung oder in der Abteilung «Anmerkungen» dargestellt (vgl. Art. 95 Abs. 5 GBV).
Auf dem Blatt des Anmerkungsgrundstücks (dominierten Grundstücks) wird die
Verknüpfung dargestellt, indem in der Abteilung «Eigentum» statt des Namens
der Eigentümerin oder des Eigentümers die Bezeichnung des Hauptgrundstücks
(dominierende Grundstück) eingetragen wird.
Ist das Anmerkungsgrundstück in Miteigentum aufgeteilt, so können unter Vorbe-
halt einer Änderung des Grundbucheintrages, die nur mit Zustimmung aller Mitei-
gentümerinnen und Miteigentümer beantragt werden kann, die Beziehungen zwi-
schen den betreffenden Grundstücken nicht geändert werden; das begünstigte
Grundstück darf ohne den Miteigentumsanteil nicht veräussert werden, und die-
ser darf ohne Zustimmung aller Miteigentümerinnen und Miteigentümer weder an
Dritte übertragen noch an ein anderes Grundstück gebunden werden (BGE 130 II
13 E. 5.2.3).
Das Handbuch für den Verkehr mit den Grundbuchämtern und die Grundbuch-
führung der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion, «http://www.jgk.be.ch/jgk/
de/index/direktion/organisation/gba/handbuch.assetref/dam/documents/JGK/GBA
/de/GBA_Handbuch_de.pdf» (nachfolgend: Handbuch) hält in Ziff. 3.8.5 Seite 56
fest, dass für den Fall, dass das Hauptgrundstück geteilt oder vergrössert wird,
auch die Verknüpfung mit dem Anmerkungsgrundstück zu bereinigen ist. Die
Änderung der Zuordnung von Miteigentumsanteilen zu Hauptgrundstücken be-
darf der einfachen schriftlichen Zustimmung sämtlicher Miteigentümerinnen und
Miteigentümer. Die Zustimmung kann im Widmungsakt oder in der Nutzungs-
und Verwaltungsordnung enthalten sein. Das Zustimmungserfordernis gilt auch
bei vollumfänglicher Übertragung eines Anteils auf ein bereits berechtigtes
Hauptgrundstück oder bei einseitigem Verzicht auf einen Anteil mit Auflösung der
subjektiv-dinglichen Verknüpfung. Bleibt der im Widmungsakt definierte Flächen-
perimeter der Hauptgrundstücke trotz Änderung der Zuordnung der Anteile
gleich, kann auf die Zustimmung der anderen Miteigentümerinnen und Miteigen-
tümer verzichtet werden (z.B. bei Übertragung auf sämtliche aus einer Teilung
hervorgehenden Hauptgrundstücke). Die Zustimmung der anderen Miteigentü-
merinnen und Miteigentümer erübrigt sich bei geringfügigen Flächenveränderun-
gen beim Hauptgrundstück, z.B. im Rahmen einer Grenzbereinigung oder einer
Strassenkorrektion (Handbuch, Ziff. 3.2.1.2, S. 20).
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3.3 Mit der im vorliegenden Fall zur Anmeldung gelangten Vereinigung der
Grundstücke Gemeinde B. Gbbl. Nrn. 1000, 2000 und Gemeinde B. Grundbuch-
blatt (Gbbl.) Nr. 3000 mit Gemeinde B. Gbbl. Nr. 4000 kommt es zu keiner Ände-
rung der Zuordnung von Miteigentumsanteilen. Auch zeigt ein Vergleich aller am
Anmerkungsgrundstück mitbeteiligten Hauptgrundstücke, dass der Miteigen-
tumsanteil der einzelnen Hauptgrundstücke nicht von deren Fläche abhängig ist.
Die Flächenzuwachs der Parzelle Gemeinde B. Gbbl. Nr. 4000 hat somit keine
Änderung der Beziehung zwischen den Grundstücken zu Folge.
Soweit sich die Vorinstanz auf die bundegerichtliche Rechtsprechung in BGE 113
III 13 beruft, so ist der Beschwerdeführerin zuzustimmen, dass der diesem Ge-
richtsurteil zugrunde liegende Sachverhalt (Teilung eines Hauptgrundstückes) mit
dem vorliegend zu beurteilenden nicht zu vergleichen ist. Ein zwingendes Zu-
stimmungserfordernis aller Miteigentümerinnen und Miteigentümer bei Zusam-
menlegung eines Hauptgrundstücks mit anderen Grundstücken kann dem Urteil
nicht entnommen werden.
Eine Zustimmung aller Miteigentümerinnen und Miteigentümer des SDR Quellen-
rechts Gemeinde B. Gbbl. Nr. 1400 zu dessen Bereinigung ist daher nicht erfor-
derlich.
4.
4.1
Die Vorinstanz begründet die Abweisung der Grundbuchanmeldung weiter mit
der fehlenden öffentlich beurkundeten Zustimmung der Dienstbarkeitsbelasteten
zu der durch die Vereinigung entstehenden Mehrbelastung. Von der Mehrbelas-
tung betroffen seien die zugunsten des Grundstücks Gemeinde B. Gbbl. Nr. 4000
bestehenden Wasserleitungsrechte sowie ein Brunnstubenrecht und somit die
Eigentümerinnen und Eigentümer der Grundstücke Gemeinde B. Gbbl. Nrn.
5000, 6000, 7000, 8000, 9000, 1100, 1200, 1300, 1500 und 8000. Die Vorinstanz
führt dabei aus, dass die Vereinigung von Grundstücken, von denen nicht alle
aus einer Dienstbarkeit berechtigt seien, nicht zu einer erheblichen Mehrbelas-
tung des aus dieser Dienstbarkeit belasteten Grundstücks führen dürfe. Stimmten
die betroffenen Eigentümerinnen oder Eigentümer einer erheblichen Mehrbelas-
tung nicht zu, so habe die Grundbuchverwalterin oder der Grundbuchverwalter
das Gesuch um Vereinigung abzuweisen. Es sei nicht allein erforderlich, dass die
Vereinigung von Grundstücken eine unmittelbare, aktuelle Mehrbelastung zur
Folge habe, vielmehr genüge schon, dass die (realistische) Möglichkeit einer
späteren Mehrbelastung bestehe. Bei Wegrechten führe eine Vereinigung von
Grundstücken in der Regel zu einer Mehrbelastung, wobei deren Erheblichkeit
massgeblich vom fraglichen Flächenzuwachs abhänge. Auch bei Leitungsrechten
könne durch eine Vereinigung von Grundstücken eine Mehrbelastung entstehen.
Die Bedürfnisse des neuen, grösseren Grundstücks seine (potentiell) auch in
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diesem Fall grösser als zuvor. So könne ein grösseres Grundstück, rein aufgrund
der grösseren Fläche, stärker genutzt werden als das bisherige kleinere. Im vor-
liegenden Fall betrage der Flächenzuwachs zu Gemeinde B. Gbbl. Nr. 4000 bei-
nahe 60 % der ursprünglich berechtigten Fläche. Für ein Wegrecht wäre die
Mehrbelastung damit offensichtlich. Aber auch für die vorliegend betroffenen
Wasserleitungs- bzw. Brunnstubenrechte könne eine erhebliche Mehrbelastung
der Dienstbarkeitsbelasteten nicht ausgeschlossen werden.
4.2 Wie die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerdeschrift ausführt, ist sie mit
36/150 am selbständigen Wasserrecht Gemeinde B. Gbbl. Nr. 1400 beteiligt.
Dieses berechtigt zum Bezug von 150 Minutenliter zulasten des Quellenrechts
Gemeinde B. Gbbl. Nr. 1600. Die Miteigentumsanteile wurden den berechtigten
Grundstücken gewidmet. Gemeinde B. Gbbl. Nr. 4000 dominiert B Gbbl. Nr. 1400
zu 36/150, d.h. ist berechtigt zum Bezug von 36 Minutenlitern aus der Quelle
Gemeinde B. Gbbl. Nr. 1600. Das Quellwasser wird in einer bestehenden Brunn-
stube gefasst und durch heute bestehende, im Boden verlegte Leitungen von
dieser auf Gemeinde B. Gbbl. Nr. 4000 geleitet. Das Brunnstubenrecht und die
Leitungsrechte zum Transport des Wassers aus der Quelle Gemeinde B. Gbbl.
Nr. 1600 zur berechtigten Parzelle wurden zu deren Gunsten als Dienstbarkeiten
begründet und im Grundbuch eingetragen. Die durch die eingetragenen Dienst-
barkeit begründeten Brunnstuben- und Leitungsrechte wurden in den entspre-
chenden Dienstbarkeitsbelegen resp. werden auf Grund der heute bestehenden
Anlagen (Grösse, Durchmesser, Materialisierung, Lage etc.) definiert. Wird die
Brunnstube vergrössert, die Leitung verlegt oder grösser dimensioniert, würde
eine Mehrbelastung eintreten. Dies ist jedoch durch die Zusammenlegung der
vier Grundstücke nicht der Fall. Die durchfliessende Wassermenge bleibt die
gleiche, Brunnstube und Leitungen werden durch die Zusammenlegung nicht
tangiert. Durch die Zusammenlegung der Grundstücke wird die Belastung nicht
erhöht. Diese hängt ausschliesslich vom Umfang des Quellenrechts resp. des
Wasserrechts ab und nicht von der Grösse des berechtigten Grundstücks.
4.3 Wer Eigentümerin oder Eigentümer einer Sache ist, kann in den Schranken
der Rechtsordnung über sie nach ihrem bzw. seinem Belieben verfügen (Art. 641
Abs. 1 ZGB). Die Teilung eines Grundstücks oder die Vereinigung mehrerer
Grundstücke wird in verfahrensrechtlicher Hinsicht durch die GBV geregelt (vgl.
Art. 945 Abs. 2 ZGB). Die Voraussetzungen für die Vereinigung von Grundstü-
cken richten sich nach Artikel 974b ZGB (vgl. Art. 158 Abs. 1 GBV). Bei der Ver-
einigung mehrerer aneinander grenzender Grundstücke, die der gleichen Eigen-
tümerin bzw. dem gleichen Eigentümer gehören, werden verschiedene Arten
unterschieden. Bei der Vereinigung im engen Sinne, auch Zusammenlegung ge-
nannt, erhalten die zusammengelegten Grundstücke ein neues Grundbuchblatt
mit neuer Nummer und ihre bisherigen Grundbuchblätter werden geschlossen.
https://swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/c903d5eb-4033-4861-972d-48bf2b13c0eb/f9a796ed-b013-4660-82cc-4eceee87d627?source=document-link&SP=3|4fcgyn https://swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/c903d5eb-4033-4861-972d-48bf2b13c0eb/f9a796ed-b013-4660-82cc-4eceee87d627?source=document-link&SP=3|4fcgyn https://swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/c903d5eb-4033-4861-972d-48bf2b13c0eb/c2f98479-5ff7-4d9c-bf69-d6689080ee10?source=document-link&SP=3|4fcgyn
9
Eine Zuschreibung liegt vor, wenn ein Grundstück unter Beibehaltung seiner bis-
herigen Nummer um die Fläche eines anderen Grundstücks oder eines Teils da-
von vergrössert wird (URS FASEL, Kommentar zur Grundbuchverordnung, 2. Aufl.
2013, Art. 158 N.7).
Sind Dienstbarkeiten, Vormerkungen oder Anmerkungen zugunsten der Grund-
stücke eingetragen, so kann die Vereinigung gemäss Art. 974b Abs. 3 ZGB nur
stattfinden, wenn die Eigentümerinnen bzw. die Eigentümer der belasteten
Grundstücke dazu einwilligen oder wenn durch die Vereinigung keine Vergrösse-
rung der Belastung eintritt. Die Vorschrift schützt die belasteten Eigentümerinnen
und Eigentümer. Jede Dienstbarkeit berechtigt und belastet stets das ganze
Grundstück (vgl. PETER LIVER, Zürcher Kommentar, 1980, Art. 730 ZGB N. 24
und N. 30 und Art. 743 ZGB N. 17). Die Einwilligung bewirkt eine materielle Aus-
dehnung des Dienstbarkeitsrechts auf das ganze neue Grundstück. Diese Aus-
dehnung der Berechtigung bedarf eines Rechtsgrundausweises in derselben
Form, wie er für die Errichtung der Dienstbarkeit vorgeschrieben ist (öffentliche
Beurkundung). Ist diese Einwilligung nicht erhältlich, so ist eine Vereinigung der
Grundstücke dennoch möglich, wenn das Dienstbarkeitsrecht formell auf das
ganze neue Grundstück übertragen wird und klar zum Ausdruck gebracht wird,
dass das Recht materiell nur der bisher berechtigten Grundstücksfläche zusteht.
Die Eigentümerin oder der Eigentümer des belasteten Grundstücks erfährt durch
die Übertragung der Dienstbarkeitsberechtigung auf das zusammengelegte
Grundstück keine grösserer Belastung, wenn das Recht gemessen ist und sich
die Berechtigung unabhängig von der Grösse des Grundstücks ergibt (z.B. Quel-
lenrecht für 50 Minutenliter), oder die Ausübung bereits bisher auf die Befriedi-
gung der Bedürfnisse eines Teils des berechtigten Grundstücks beschränkt ist. In
diesem Fall steht einer Vereinigung der Grundstücke und der Übertragung der
Dienstbarkeitsrechte auf das neue Grundstück nichts entgegen (JÜRG SCHMID, in
Basler Kommentar, 4. Auflage 2011, Art. 974b ZGB N. 7). Eine Zustimmung ist
grundsätzlich dann entbehrlich, wenn die Rechtsstellung der anderen Parteien
nicht beeinträchtigt wird (vgl. CHRISTIAN BRÜCKNER/MATHIAS KUSTER, Die Grund-
stückgeschäfte, 2016, N. 2790 ff.).
4.4 Der von der Beschwerdeführerin dargelegte Ausgangslage (vgl. Ziff. 4.2
hiervor) wird von der Vorinstanz nichts entgegen gesetzt und wird von dieser
auch nicht in Zweifel gezogen. Es kann daher davon ausgegangen werden, dass
im vorliegenden Fall die Belastung der durch die Leitungsrechte und das Brunn-
stubenrecht zu Gunsten Gemeinde B. Gbbl. Nr. 4000 betroffenen Grundstücke
nicht von Fläche des berechtigten Grundstückes abhängt, sondern vielmehr vom
Umfang des dieser Dienstbarkeiten zu Grunde liegenden Quellenrechts resp.
Wasserrechts. Dieser wird durch die Zusammenlegung der Grundstücke jedoch
nicht tangiert. Auch wenn mit der Vereinigung der Grundstücke Gemeinde B.
Gbbl. Nrn. 1000, 2000 und Gemeinde B. Gbbl. Nr. 3000 zu Gemeinde B. Gbbl.
https://swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/c903d5eb-4033-4861-972d-48bf2b13c0eb/f57752c9-3431-4969-bbd3-4998c32ae421?source=document-link&SP=3|4fcgyn
10
Nr. 4000 zusätzliche Überbauungsmöglichkeiten bestehend werden und daraus
ein erhöhter und Wasserverbrauch auf dem Grundstück Gemeinde B. Gbbl. Nr.
4000 resultieren dürfte, führt dies nicht zu einer verstärkten Inanspruchnahme
der Leitungen oder der Brunnstube. Der zusätzliche Wasserbedarf wird aufgrund
der Beschränkung des Quellenrechts bzw. des Wasserrechts anderweitig zu de-
cken sein.
Der Beschwerdeführerin ist daher zuzustimmen, dass die Eigentümerinnen und
Eigentümer der von den Wasserleitungsrechten und dem Brunnstubenrecht zu
Gunsten Gemeinde B. Gbbl. Nr. 4000 betroffenen Grundstücke durch die Verei-
nigung der vier Grundstücke keine grössere Belastung erfahren. Ihre Zustim-
mung ist daher für die Eintragung im Grundbuch nicht erforderlich.
5.
Die Beschwerdeführerin brachte mit der Urschrift eine Grundpfandbereinigung
und -erhöhung zu Anmeldung. Die angefochtene Verfügung, mit welcher die
Grundbuchanmeldung als Ganzes abgewiesen wurde, enthält dazu keine Aus-
führungen.
In seiner Vernehmlassung vom 23. Februar 2016 führt das Grundbuchamt aus,
die Bereinigung der Grundpfandrechte sei eintragungsfähig. Auf die Abwei-
sungsverfügung betreffend die Bereinigung der Grundpfandrechte werde nicht
festgehalten.
6.
Die JGK gelangt nach dem Gesagten zum Schluss, dass das Grundbuchamt in
seiner Verfügung vom 7. Januar 2016 die Grundbuchanmeldung von Notar A.
vom 5. Juni 2015 zu Unrecht abgewiesen hat.
Die Beschwerde ist daher gutzuheissen. Die Verfügung des Grundbuchamts vom
7. Januar 2016 ist aufzuheben, und das Grundbuchamt ist anzuweisen, der
Grundbuchanmeldung vom 5. Juni 2015 mit Nachtrag vom 26. November 2015
stattzugeben und die verlangten Einschreibungen vorzunehmen.
7.
7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens trägt der Kanton die Verfahrenskosten
(Art. 108 Abs. 1 und 2 VRPG).
7.2 Die Beschwerdeführerin hat sich im vorliegenden Beschwerdeverfahren
anwaltlich vertreten lassen. Sie hat deshalb Anspruch auf Parteikostenersatz
(Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Kostennote von Fürsprecher A. vom 27. Januar
2017 gibt zu keinen Bemerkungen Anlass und die Parteientschädigung wird auf
total Fr. ...... (inkl. Auslagen) festgesetzt. Mehrwertsteuern sind keine zu erset-
zen, da die Beschwerdeführerin selber mehrwertsteuerpflichtig ist und sie ge-
11
stützt auf Art. 38 MWSTG grundsätzlich die ihrem Parteivertreter bezahlten
Mehrwertsteuern als Vorsteuer von ihrer eigenen Mehrwertsteuerrechnung ab-
ziehen kann (vgl. JÖRG R. BÜHLMANN, Parteikostenentschädigung und Mehrwert-
steuer, in Anwaltsrevue 1/2008, S. 9 f., mit Hinweisen). Dass sie ausnahmsweise
für die anwaltliche Leistung nicht vorsteuerabzugsberechtigt ist, wird nicht gel-
tend gemacht.
Demnach entscheidet die Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion:
1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen, und die Verfügung des Grundbuchamts vom
7. Januar 2016 wird aufgehoben.
2.
Das Grundbuchamt wird angewiesen, der Grundbuchanmeldung vom 5. Juni
2015 mit Nachtrag vom 26. November 2015 stattzugeben und die verlangten
Einschreibungen vorzunehmen.
3.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.
4.
Der Kanton Bern richtet der Beschwerdeführerin für das Beschwerdeverfahren
vor der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion einen Parteikostenersatz von
insgesamt Fr. ...... aus. Dieser ist beim Grundbuchamt einzufordern.