# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** a84b1e98-7690-4e99-87fb-6d963c6d82d6
**Court:** BE_SRK
**Chamber:** BE_SRK_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Tax

## Facts

den Akten entnommen:
A. A._ (Rekurrentin) geht einer selbstständigen Erwerbstätigkeit als Künstlerin nach. Am 8. November 2017 reichte sie für das Steuerjahr 2016 eine Steuererklärung und eine
Jahresrechnung ein (Akten Vorinstanz, pag. 45-26). Der deklarierte steuerbare Gewinn belief
sich auf CHF 57'520.-- und das Eigenkapital auf CHF 3'975.-- (pag. 36).
B. Mit auf den 10. Juli 2018 vordatierten Verfügungen (pag. 61-52) wurde die Rekurrentin von der Steuerverwaltung des Kantons Bern, Region _ (Steuerverwaltung), für das
Jahr 2016 auf ein steuerbares Einkommen von CHF 93'265.-- (satzbestimmend CHF 94'115.--)
bei den kantonalen Steuern und von CHF 102'514.-- (satzbestimmend CHF 103'441.--) bei der
direkten Bundessteuer veranlagt. Das steuerbare Vermögen wurde auf CHF 134'628.--
(satzbestimmend CHF 140'030.--) veranlagt. Dabei wurden der Erfolg und das Eigenkapital aus
selbstständiger Erwerbstätigkeit entsprechend der Steuererklärung vom 8. November 2017
übernommen.
C. Bereits am 12. Juni 2018 teilte die B._ Treuhandgesellschaft (Vertreterin) dem Steuerbüro der Gemeinde C._ mit, dass sie neuerdings zuständig sei für die Erstellung
der Jahresrechnungen und Steuererklärungen der Rekurrentin (pag. 66). Sie reichte eine
überarbeitete Jahresrechnung ein (pag. 64-62) und ersuchte darum, in der Veranlagung pro
2016 einen steuerbaren Gewinn aus selbstständiger Erwerbstätigkeit von CHF 36'480.-- und ein
Eigenkapital von CHF 19'215.-- zu berücksichtigen. Die zweite Jahresrechnung unterscheidet
sich von der ursprünglichen namentlich durch ein um CHF 16'940.-- höheres Anlagevermögen
und durch um den gleichen Betrag erhöhte Abschreibungen. Die Eingabe vom 12. Juni 2018
wurde an die Steuerverwaltung weitergeleitet, wo sie am 19. Juni 2018 eintraf
(Eingangsstempel, pag. 66). Die Steuerverwaltung teilte daraufhin der Rekurrentin mit
Schreiben vom 20. Juni 2018 (pag. 67) mit, dass sie "zur Bearbeitung Ihrer Einsprache 2016"
weitere Unterlagen benötige. Mit einem weiteren, systemgenerierten, Schreiben vom
28. Juni 2018 (pag. 68) bestätigte die Steuerverwaltung der Rekurrentin den Empfang der
Einsprache gegen die definitive Steuerveranlagung 2016 (pag. 68).
D. Mit Schreiben an die Steuerverwaltung vom 9. Juli 2018 (pag. 69) bestätigte die Vertreterin den Erhalt der Veranlagungsverfügungen vom 10. Juli 2018. Sie erklärte, dass sie
aufgrund der Belegeinforderung vom 20. Juni 2018 davon ausgehe, die Veranlagung sei nicht
rechtskräftig verfügt worden, sondern habe sich "technisch eingeschlichen". Sollte jedoch die
Steuerverwaltung an den Veranlagungsverfügungen festhalten, sei das vorliegende Schreiben
als Einsprache zu betrachten. Mit E-Mail vom 11. Juli 2018 (pag. 95) antwortete die
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Steuerverwaltung, dass die Eingabe vom 12. Juni 2018 als Einsprache behandelt werde, weil
sie sich mit der Produktion der Veranlagungsverfügungen überschnitten habe.
E. Nach dem Austausch weiterer E-Mails und Schreiben zwischen Steuerverwaltung, Vertreterin und Rekurrentin (pag. 110-73) teilte die Steuerverwaltung mit auf den
21. August 2018 datiertem Vorabdruck (pag. 117-111) der Rekurrentin mit, dass sie gedenke,
die Einsprache teilweise gutzuheissen. Nicht berücksichtigt würden hingegen die in der
überarbeiteten Jahresrechnung aktivierten Anlagekosten und darauf vorgenommenen
Abschreibungen, weil weder Rechnungskopien noch Zahlungsnachweise eingereicht worden
seien (pag. 115, Code 6). Nachdem die Vertreterin mit E-Mail vom 22. August 2018 (pag. 127 f.)
auf den Vorabdruck reagiert hatte, passte die Steuerverwaltung die Veranlagung geringfügig an
(Vorabdruck vom 27. August 2018, pag. 124-118), bestätigte jedoch ihren Standpunkt
betreffend Anlagekosten und Abschreibungen (pag. 123, Code 7). Weitere E-Mails der
Vertreterin vom 28. August 2018 und vom 5. September 2018 (pag. 132-128) vermochten an
der Beurteilung der Steuerverwaltung nichts zu ändern. Mit Einspracheentscheiden vom
4. Dezember 2018 (pag. 144-133) wurde die Rekurrentin auf ein steuerbares Einkommen von
CHF 93'357.-- (satzbestimmend CHF 94'249.--) bei den kantonalen Steuern und von
CHF 102'465.-- (satzbestimmend CHF 103'438.--) bei der direkten Bundessteuer veranlagt. Das
steuerbare Vermögen wurde auf CHF 258'539.-- (satzbestimmend CHF 267'429.--) festgesetzt.
F. Mit Eingabe vom 27. Dezember 2018 hat die Vertreterin im Namen der Rekurrentin bei der Steuerrekurskommission des Kantons Bern (Steuerrekurskommission) gegen die
Einspracheentscheide vom 4. Dezember 2018 Rekurs betreffend die kantonalen Steuern und
Beschwerde betreffend die direkte Bundessteuer erhoben. Die Rechtsbegehren lauten wie folgt:
Begehren Nr. 1 (Veranlagungsverfahren)
Der Einspracheentscheid vom 4.12.2018 ist aufzuheben.
Sollte unser Begehren Nr. 2 durch die Steuerrekurskommission anerkannt werden, müsste keine Aufhebung des Einspracheentscheides vom 4.12.2018 erfolgen.
Auf jeden Fall ist die Steuerpflichtige von allen Gebühren und Kosten im Zusammenhang mit diesem Rekurs an die Steuerrekurskommission zu befreien.
Begehren Nr. 2 (Abschreibungen)
Die Abschreibungen auf den eingebrachten Gegenständen von CHF 16'940.-- sind zu anerkennen.
Auf formeller Ebene stellt sich die Vertreterin auf den Standpunkt, dass die Steuerverwaltung
die Nachdeklaration vom 12. Juni 2018 zu Unrecht als Einsprache behandelt habe. In
materieller Hinsicht bringt die Vertreterin vor, die Rekurrentin habe geschäftlichen Zwecken
dienende Maschinen und Mobilien bis anhin nicht in der Bilanz erfasst und dementsprechend
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darauf keine Abschreibungen geltend machen können. Dies sei ihr nun im Jahr 2016 zu
ermöglichen.
G. Am 19. Februar 2019 hat sich die Steuerverwaltung vernehmen lassen und die kostenpflichtige Abweisung von Rekurs und Beschwerde beantragt. Hinsichtlich der formellen
Rüge betreffend Einspracheentscheid stellt sie sich auf den Standpunkt, dass die Rekurrentin
und ihre Vertreterin durch das gewählte Vorgehen keine Nachteile erlitten hätten. In materieller
Hinsicht erachtet die Steuerverwaltung die Aktivierung der Einrichtungen und die darauf
vorgenommenen Abschreibungen als handelsrechtlich unzulässig. Dementsprechend sei die
Steuerverwaltung berechtigt gewesen, eine sogenannte Bilanzberichtigung vorzunehmen.
H. Die Vertreterin hat mit Schreiben vom 12. März 2019 zur Vernehmlassung Stellung genommen und an ihren Standpunkten festgehalten.
I. Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat sich nicht vernehmen lassen.
Auf weitere Vorbringen der Parteien wird, soweit für den Entscheid von Bedeutung, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Die Steuerrekurskommission zieht in Erwägung:
1. Einspracheentscheide der Steuerverwaltung betreffend die Einkommens- und Vermögensveranlagung können bei der Steuerrekurskommission durch Rekurs bzw.
Beschwerde angefochten werden (Art. 195 ff. des Steuergesetzes vom 21. Mai 2000 [StG; BSG
661.11] und Art. 140 des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 über die direkte
Bundessteuer [DBG; SR 642.11] i.V.m. Art. 9 der Verordnung vom 18. Oktober 2000 über den
Vollzug der direkten Bundessteuer [BStV; BSG 668.11]). Die Steuerrekurskommission ist
deshalb sachlich und örtlich zuständig. Die Rekurrentin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit
ihren Anträgen nicht durchgedrungen. Sie ist daher beschwert und zur Anfechtung befugt
(Art. 195 Abs. 2 StG und Art. 140 ff. DBG i.V.m. Art. 3 BStV i.V.m. Art. 86 und 65 des Gesetzes
vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]).
1.1 Die Rechtsbegehren der Rekurrentin sind so zu verstehen, dass in erster Linie die Zulassung der geltend gemachten Abschreibungen als geschäftsmässig bedingte
Aufwendungen beantragt wird, also ein Entscheid in der Sache. Nur für den Fall, dass die
Steuerrekurskommission dieses materielle Begehren nicht gutheissen würde, wird die
Aufhebung der Einspracheentscheide beantragt, mit der Begründung, diese seien zu Unrecht
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ergangen. Sollte die Steuerverwaltung indes tatsächlich keine rechtswirksamen
Einspracheentscheide eröffnet haben, fehlte es für das vorliegende Verfahren an einem
zulässigen Anfechtungsobjekt und damit an einer notwendigen Prozessvoraussetzung. In
diesem Fall wäre auf die Rechtsmittel nicht einzutreten und die Sache ohne inhaltliche Prüfung
zur Fortsetzung des Einspracheverfahrens an die Steuerverwaltung zurückzuweisen. Daher ist
die Gültigkeit der Einspracheentscheide vorab zu klären.
1.2 Die Vertreterin macht geltend, dass die Steuerverwaltung im Rahmen des Veranlagungsverfahrens auf die am 12. Juni 2018 eingereichte zweite Jahresrechnung hätte
eingehen müssen. Dass die Steuerverwaltung diese Eingabe stattdessen als Einsprache
entgegengenommen habe, stelle eine Verletzung zwingenden Verfahrensrechts dar. Der
Rekurrentin werde auf diese Weise eine Rechtsmittelinstanz vorenthalten.
1.3 Die Veranlagung der periodischen Steuern wird im Normallfall durch die Zustellung des Formulars für die Steuererklärung (bzw. der Zugangsdaten für die Online-Erfassung) an die
steuerpflichtige Person eingeleitet. Dieser obliegt es anschliessend, die Steuererklärung samt
Beilagen fristgerecht einzureichen (Art. 170 StG). Die Steuerverwaltung veranlagt sodann die
Steuern auf Grund der Steuererklärung, der eingereichten Belege und der durchgeführten
Untersuchungen (Art. 174 Abs. 1 StG) und schliesst das Veranlagungsverfahren mit einer
Veranlagungsverfügung ab, welche die Steuerfaktoren, den Steuersatz und die Steuerbeträge
enthält und der steuerpflichtigen Person zu eröffnen ist (Art. 175 StG). Weder das Steuergesetz
noch die Verordnung vom 30. Januar 2002 über das Veranlagungsverfahren (VVV;
BSG 661.521.1) enthalten Vorschriften betreffend Dauer des Veranlagungsverfahrens. Die
Steuerverwaltung ist daher berechtigt, das Veranlagungsverfahren abzuschliessen, sobald sie
der Auffassung ist, die dazu notwendigen Informationen seien vorhanden.
1.4 Vorliegend berücksichtigte die Steuerverwaltung die Eingabe vom 12. Juni 2018 nicht mehr, obwohl sie vor dem aufgedruckten Datum der Veranlagungsverfügungen vom 10. Juli
2018 bei ihr eingegangen war. Ob diese Nichtberücksichtigung aus technischen Gründen
erfolgte – wie von der Steuerverwaltung vorgebracht – oder aufgrund eines Versäumnisses,
kann offen bleiben. So oder anders resultierten Veranlagungsverfügungen, die aus Sicht der
Rekurrentin unrichtig waren. Die Situation ist vergleichbar mit jenen Konstellationen, in denen
die Steuerverwaltung bei der Erfassung einer Steuererklärung eine Zahl falsch überträgt, eine
Beilage übersieht oder sonst einen Fehler macht. Wird in solchen Fällen die
Veranlagungsverfügung nicht mittels Einsprache angefochten, erwächst sie ungeachtet ihrer
materiellen Unrichtigkeit in Rechtskraft. Nur wenn eine Verfügung an einem besonders
schweren und offensichtlichen Mangel leidet, ist sie nicht bloss anfechtbar, sondern nichtig und
entfaltet damit keinerlei Rechtswirkungen (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar
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zum DBG, 3. Aufl., 2016, N. 52 und 55 zu Art. 116 DBG). Dies ist vorliegend offensichtlich nicht
der Fall und wird auch von der Rekurrentin nicht geltend gemacht. Demnach wurde mit den
Veranlagungsverfügungen vom 10. Juli 2018 das Veranlagungsverfahren pro 2016 gültig
abgeschlossen.
1.5 Dass die Steuerverwaltung Eingaben, die vor der Eröffnung der Veranlagungsverfügungen aber nach dem internen Abschluss der dazu erforderlichen
Vorarbeiten bei ihr eingehen, als Einsprache entgegennimmt, entspricht gängiger Praxis und ist
im Interesse der steuerpflichtigen Person, die ansonsten innerhalb der Einsprachefrist eine
zweite Eingabe machen müsste. Weiter ist nicht ersichtlich, inwiefern die Rekurrentin durch das
Vorgehen der Steuerverwaltung benachteiligt worden wäre. Die Steuerverwaltung hat im
Rahmen des Einspracheverfahrens mit der Vertreterin ausführlich per E-Mail korrespondiert und
zudem zwei schriftliche Vorabdrucke versandt, zu denen sich die Rekurrentin hat äussern
können. Das rechtliche Gehör ist ihr somit gewährt worden. Es ist zudem offensichtlich, dass
sich die Steuerverwaltung durch die Vorbringen der Rekurrentin nicht von ihrem materiellen
Standpunkt betreffend Unzulässigkeit der Abschreibungen hat abbringen lassen. Wären die
Argumente der Parteien bereits im Veranlagungsverfahren anstatt erst im Einspracheverfahren
ausgetauscht worden, hätte es daher Sinn ergeben, auf letzteres zu verzichten und direkt an
die Steuerrekurskommission zu gelangen (sogenannter Sprungrekurs, Art. 192 Abs. 3 StG),
wozu allerdings die Zustimmung der Rekurrentin erforderlich gewesen wäre. Schliesslich sind
der Rekurrentin durch das Einspracheverfahren auch keine höheren Kosten entstanden.
Vorzuwerfen ist der Steuerverwaltung hingegen, dass sie auch nach Eingang des Schreibens
der Vertreterin vom 12. Juni 2018, dem eine von der Rekurrentin unterschriebene Vollmacht
beigelegen hatte (pag. 65), die schriftlichen Unterlagen inkl. die Einspracheentscheide vom
4. Dezember 2018 weiterhin an die Rekurrentin adressierte (anstatt an die Vertreterin, vgl. BGer
2C_901/2017 vom 9.8.2019, E. 2.3.3), während sie mit der Vertreterin per E-Mail
korrespondierte. Aus diesem Eröffnungsmangel ist der Rekurrentin indes offensichtlich kein
Nachteil entstanden, weshalb er für das vorliegende Verfahren nicht von Belang ist (vgl.
BGer 2C_901/2017 vom 9.8.2019, E. 2.2.4). Im Ergebnis ist auf die form- und fristgerecht
eingereichte Eingabe einzutreten.
1.6 Da der Streitwert unter CHF 10'000.-- liegt, fällt der vorliegende Entscheid in die einzelrichterliche Zuständigkeit (Art. 70 Abs. 4 Bst. c des Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die
Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]).
2. Materiell ist strittig, mit welchem Betrag die Rekurrentin Anlagevermögen in der Bilanz per 31. Dezember 2016 aktivieren kann und, damit zusammenhängend, wie hoch die in der
Steuerperiode 2016 erfolgsmindernd zu berücksichtigenden Abschreibungen ausfallen.
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3. Die Rekurrentin führt als selbstständig Erwerbstätige eine (grundsätzlich)  Buchhaltung, weshalb betreffend Ermittlung des steuerbaren Gewinns auf die
Bestimmungen für juristische Personen abgestellt wird (Art. 21 Abs. 5 StG; Art. 18 Abs. 3 DBG).
Ausgangspunkt für die Ermittlung des steuerbaren Reingewinns ist somit der Saldo der
Erfolgsrechnung (Art. 85 Abs. 2 Bst. a StG; Art. 58 Abs. 1 Bst. a DBG). Mit diesem gesetzlichen
Verweis auf die kaufmännische Jahresrechnung wird das sogenannte Massgeblichkeitsprinzip
begründet, das besagt, dass die handelsrechtlichen Bilanz- und Bewertungsgrundsätze
grundsätzlich auch für das Steuerrecht verbindlich sind. Die in Übereinstimmung mit den
handelsrechtlichen Vorschriften erstellte Jahresrechnung, bestehend aus Bilanz und
Erfolgsrechnung, bildet Ausgangspunkt und Grundlage der steuerlichen Gewinnermittlung
(Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N. 6 zu Art. 58 DBG; Brülisauer/Mühlemann in:
Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer
[DBG], 3. Aufl., 2017, N. 12 zu Art. 58 DBG). Das Massgeblichkeitsprinzip kommt auch bei der
Bemessung des steuerbaren Kapitals zur Anwendung (Leuch/Burgunder in: Praxiskommentar
zum Berner Steuergesetz, Band 1, Artikel 1 bis 125, 2014, N. 2 zu Art. 102 StG;
Altorfer/Duss/Felber, Die steuerliche Gewinnermittlung unter neuem Rechnungslegungsrecht,
in: ASA 83, S. 521 ff., S. 551). Abweichungen von einer handelsrechtskonformen
Jahresrechnung sind nur aufgrund von steuerrechtlichen Korrekturvorschriften zulässig.
Demgegenüber sind handelsrechtswidrig erstellte Jahresrechnungen von Amtes wegen zu
korrigieren. Das bedeutet, dass ein wirtschaftlicher Sachverhalt steuerlich so beurteilt wird, wie
er nach den Vorschriften des Handelsrechts dargestellt werden muss und nicht so, wie er in
einer konkreten Jahresrechnung pflichtwidrig dargestellt worden ist (sogenannte
Bilanzberichtigung, vgl. Brülisauer/Mühlemann, a.a.O., N. 120 zu Art. 58 DBG).
3.1 Das Handelsrecht schreibt vor, dass Vermögenswerte bilanziert werden müssen, wenn aufgrund vergangener Ereignisse über sie verfügt werden kann, ein Mittelzufluss wahrscheinlich
ist und ihr Wert verlässlich geschätzt werden kann. Andere Vermögenswerte dürfen nicht
bilanziert werden (Art. 959 Abs. 2 des Schweizerischen Obligationenrechts [OR; SR 220]).
Aktiven dürfen bei der Ersterfassung höchstens zu den Anschaffungs- oder Herstellungskosten
bewertet werden. Der nutzungs- und altersbedingte Wertverlust ist durch Abschreibungen zu
berücksichtigen (Art. 960a Abs. 1 und 3 OR). Darunter sind planmässige, systematische, sich
wiederholende und in der Regel auf die Nutzungsdauer ausgerichtete Wertkorrekturen auf
Aktiven zu verstehen (Neuhaus/Haag in: Basler Kommentar zum Obligationenrecht II, 5. Aufl.,
2016, N. 10 zu Art. 960a OR). Das Steuerrecht anerkennt Abschreibungen als geschäfts- und
berufsmässig begründete Kosten, die von selbstständig Erwerbstätigen von den steuerbaren
Einkünften abgezogen werden können (Art. 32 Abs. 2 Bst. a StG; Art. 27 Abs. 2 Bst. a DBG).
Vorausgesetzt wird, dass die Abschreibungen buchmässig oder, bei vereinfachter Buchführung
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nach Art. 957 Abs. 2 OR, in besonderen Abschreibungstabellen ausgewiesen sind (Art. 33
Abs. 1 StG; Art. 28 Abs. 1 DBG). In der Veranlagungspraxis von grosser Bedeutung ist die
Abschreibungsverordnung vom 18. Oktober 2000 (AbV; BSG 661.312.59), die sowohl für die
kantonalen Steuern als auch für die direkte Bundessteuer angewendet wird und namentlich
festlegt, wie hoch die Abschreibungssätze für diverse Kategorien von Anlagegütern maximal
sein dürfen.
3.2 Die Rekurrentin hat der Steuererklärung zwei Jahresrechnungen pro 2016 eingereicht (siehe Bst. A und C hiervor). Soweit hier interessierend, unterscheidet sich die zweite
Jahresrechnung von ersten dadurch, dass in der Bilanz nunmehr "Werkzeuge und Geräte" mit
einem Buchwert von CHF 16'940.-- aktiviert sind und dass die Abschreibungen von CHF 3'975.-
- auf CHF 20'915.-- erhöht wurden (Differenz ebenfalls CHF 16'940.--). Damit wurden die neu
bilanzierten Gegenstände im Jahr 2016 zum Wert von CHF 33'880.-- in das Einzelunternehmen
eingebracht. Die Hälfte dieses Einbringungswerts, ausmachend CHF 16'940.--, wurde sodann
erfolgsmindernd abgeschrieben. Die Vertreterin macht im Wesentlichen geltend, dass die bis
anhin nicht professionell beratene Rekurrentin in der Vergangenheit die geschäftlich genutzten
Maschinen und Geräte zu Unrecht nicht buchhalterisch erfasst habe. Dies sei bei der Erstellung
des Jahresabschlusses 2016 nachgeholt worden, indem diese Gegenstände zum Zeitwert
eingebracht worden seien. Die Steuerverwaltung akzeptiert diese Buchungen nicht. Sie erachtet
es nicht als nachgewiesen, dass die neu bilanzierten Objekte per 1. Januar 2016 überhaupt
einen aktivierbaren Verkehrswert aufgewiesen haben, geschweige denn einen solchen von
CHF 33'880.--. Damit seien die handelsrechtlichen Voraussetzungen für die Aktivierung und die
darauf vorgenommenen Abschreibungen nicht erfüllt.
4. Der geltend gemachte Einbringungswert von CHF 33'880.-- basiert auf einer E-Mail der Rekurrentin an die Vertreterin vom 5. Juni 2018, die folgende Zusammenstellung enthält
(pag. 102):
Neuwert Zeitwert
Anlagegut 1 36'000 21'000
Anlagegut 2 12'000 5'600
Anlagegut 3 2'400 1'780
Anlagegut 4 2'600 1'600
Kleinwerkzeuge --- 3'900
Total 53'000 33'880
Weil sich die Höhe des Anlagevermögens direkt auf die gewinnreduzierenden Abschreibungen
auswirkt, handelt es sich dabei um eine steuermindernde Tatsache (RKE 100 2018 518 vom
18.7.2019, E. 5.3, nicht publiziert), die durch die steuerpflichtige Person bewiesen werden muss
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(statt vieler: BGE 133 lI 153 E. 4.3). Grundsätzlich muss jede erstmalige Aktivierung eines
Vermögensgegenstands auf einem Beleg beruhen, aus dem die Anschaffungs- oder
Herstellungskosten hervorgehen (vgl. E. 3.1 hiervor). Die Rekurrentin ist offenbar ausserstande,
solche Nachweise beizubringen. Die Vertreterin führt in der Rekursschrift vom 27. Dezember
2018 dazu aus, dass die Anschaffungen "teils über 10 Jahre zurück" lägen und daher keine
Belege mehr vorhanden seien. Dies dürfe jedoch nicht dazu führen, dass die Abschreibungen
grundsätzlich verweigert würden. Ein solches Vorgehen widerspreche Treu und Glauben, zumal
die Rekurrentin in den Vorjahren von sich aus auf Abschreibungen verzichtet habe und der
geschäftliche Zweck der aktivierten Gegenstände unbestritten sei.
4.1 Der Vertreterin kann insoweit zugestimmt werden, dass es grundsätzlich zulässig ist, Gegenstände des Anlagevermögens in einem späteren Zeitpunkt zu aktivieren, falls dies im
Anschaffungsjahr unterblieben ist. Auch in einem solchen Fall obliegt es jedoch der
steuerpflichtigen Person, den Einbringungswert nachzuweisen. Dazu reicht die in E. 4 hiervor
aufgeführte Zusammenstellung nicht ansatzweise aus: Die einzelnen Vermögensgegenstände
sind darin, wenn überhaupt, nur rudimentär umschrieben. Unklar ist, welche Gegenstände zu
welchem Preis beschafft wurden und ob es sich dabei um Neu- oder Gebrauchtgüter handelt.
Ebenso fehlen Angaben zu Anschaffungszeitpunkt und voraussichtlicher Nutzungsdauer. Es ist
nicht nachvollziehbar, wie die Rekurrentin ohne diese Angaben in der Lage gewesen sein soll,
den jeweiligen Neuwert und Zeitwert zu bestimmen. Dass letzterer insgesamt rund 60 % des
Neuwerts ausmachen soll (wenn man diesen für die Kleinwerkzeuge auf CHF 3'900.--
bestimmt), obwohl die Anschaffungen zumindest teilweise länger als zehn Jahre zurückliegen,
erscheint zudem unglaubwürdig. Die Vertreterin macht weiter geltend, dass die
Steuerverwaltung anstelle von Rechnungsbelegen "Schätzungen oder Wertnachweise" hätte
verlangen können. Sie übersieht, dass es der Rekurrentin obliegt, die steuermindernden
Tatsachen nachzuweisen. Auch im Verfahren vor der Steuerrekurskommission sind keine
zusätzlichen Angaben gemacht worden, die zumindest eine Plausibilisierung der geltend
gemachten Anschaffungskosten ermöglicht hätten. Damit misslingt der Rekurrentin der
Nachweis, dass die in der Jahresrechnung erstmals aktivierten Gegenstände überhaupt einen
bilanzfähigen Wert aufweisen.
4.2 Doch selbst wenn man bezüglich der Anschaffungskosten der Rekurrentin folgen wollte, könnten die per 2016 vorgenommenen Abschreibungen aus folgenden Überlegungen nicht
anerkannt werden: Laut Angaben der Rekurrentin hat der Wert der fraglichen
Vermögensgegenstände zwischen der teilweise mehr als 10 Jahre zurückliegenden
Anschaffung und dem Jahr 2016 nur um rund 40 % abgenommen. Für das Jahr 2016 hat die
Rekurrentin jedoch eine Abschreibung von 50 % vom Buchwert vorgenommen, entsprechend
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dem Maximalsatz für Maschinen und Geräte gemäss Art. 4 Abs. 1 Ziff. 5 AbV. Entgegen den
Ausführungen der Vertreterin in der Stellungnahme vom 12. März 2019 versucht die
Rekurrentin auf diese Weise, unterlassene Abschreibungen in der Vergangenheit zulasten der
Erfolgsrechnung 2016 nachzuholen. Ein solches Vorgehen widerspricht dem
Periodizitätsprinzip und ist unzulässig (die Ausnahme von Art. 14 AbV kommt vorliegend
offensichtlich nicht in Betracht). Wenn Gegenstände des Anlagevermögens in einer späteren
Rechnungsperiode bilanziert werden sollen, ist für jedes einzelne Objekt wie folgt vorzugehen:
(1) Nachweis des ursprünglichen Anschaffungswerts und -zeitpunkts, (2) Definition einer
realistischen Nutzungsdauer, (3) Entscheid für eine Abschreibungsmethode und einen
steuerlich zulässigen Abschreibungssatz, (4) Einbringung zu dem anhand dieser Angaben
ermittelten Zeitwert, (5) Verbuchung der Abschreibung für das laufende Jahr zu Lasten der
Erfolgsrechnung nach der gleichen Methode und zum gleichen Satz. Angelehnt an den
vorliegenden Fall würde bei einem angenommenen Anschaffungswert von CHF 50'000.-- und
einem zehn Jahre zurückliegenden Anschaffungszeitpunkt nach der von der Rekurrentin
gewählten Methode (degressiv, 50 % vom Buchwert) bloss noch ein symbolischer Zeitwert von
CHF 49.-- resultieren.
4.3 Vorliegend kommt hinzu, dass aufgrund der offenbar lange zurückliegenden Anschaffungszeitpunkte nicht ausgeschlossen werden kann, dass die im Jahr 2016 neu
eingebuchten Vermögensgegenstände nicht schon früher bilanziert und in der Folge
gewinnreduzierend auf CHF Null abgeschrieben oder aber bei der Beschaffung direkt der
Erfolgsrechnung belastet worden sind (zulässige Sofortabschreibung nach Art. 13 AbV).
Entgegen dem Eindruck, den die Vertreterin zu erwecken versucht, enthielt auch die erste
eingereichte Jahresrechnung Abschreibungen, nämlich CHF 3'975.-- auf einem
Geschäftsfahrzeug (pag. 31). Dies zeigt, dass der Rekurrentin, bzw. ihrem vorherigen
Treuhänder, das Konzept der Abschreibungen durchaus bekannt war. Zudem nahm die
Rekurrentin bereits in den Jahren 2002 bis 2004 Abschreibungen vor (siehe Beilagen zur
Vernehmlassung vom 19.2.2019). Ob diese Abschreibungen mit den hier strittigen
Vermögensgegenständen in einem Zusammenhang stehen, ist nicht erwiesen aber auch nicht
ausgeschlossen. Es wäre Sache der Rekurrentin gewesen, diesbezüglich Klarheit zu schaffen.
4.4 Im Ergebnis ist festzuhalten, dass die Steuerverwaltung die im Jahr 2016 bilanzierten "Werkzeuge und Geräte" und die darauf vorgenommenen Abschreibungen zu Recht nicht
akzeptiert hat. Rekurs und Beschwerde sind abzuweisen.
5. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird die Rekurrentin kostenpflichtig. Sie hat die gesamten Verfahrenskosten zu tragen einschliesslich allfälliger Auslagen für Gutachten oder
andere externe Kosten (Art. 144 Abs. 1 und 5 DBG sowie Art. 200 Abs. 1 StG i.V.m. Art. 1, 2,
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53, 58 und 59 des Dekrets vom 24. März 2010 betreffend die Verfahrenskosten und die
Verwaltungsgebühren der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft
[Verfahrenskostendekret, VKD; BSG 161.12]).
Da die Rekurrentin im vorliegenden Fall unterliegt, werden keine Parteikosten gesprochen
(Art. 200 Abs. 4 StG sowie Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom
20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren [Verwaltungsverfahrensgesetz, VwVG;
SR 172.021]).