# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 0d381ce6-fa09-5f3f-b05f-e2f43a74813e
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Am 9. Juli 2013 erteilte die Gemeinde Hagneck der Beschwerdegegnerschaft die
Baubewilligung für den Neubau eines Einfamilienhauses auf der Parzelle Hagneck
Grundbuchblatt Nr. E._. Am 20. November 2014 erfolgte die Bewilligung einer
Projektänderung. Im Erdgeschoss befindet sich eine Vierzimmerwohnung und im
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Obergeschoss ein Studio. Mit Schreiben vom 19. Oktober 2018 teilten die
Beschwerdeführenden der Gemeinde mit, sie sähen sich veranlasst, den Bau des
Einfamilienhauses zu überprüfen und baten um die Zustellung der Protokolle der
Rohbauabnahme und der Schlusskontrolle. Mit Schreiben vom 22. Oktober 2018 teilte die
Gemeinde den Beschwerdeführenden mit, ein Protokoll des Rohbaus sei nicht erstellt und
da das Studio im Obergeschoss noch nicht fertig gestellt sei, verfüge sie auch noch nicht
über die baupolizeiliche Selbstdeklaration. Mit Schreiben vom 1. November 2018 reichten
die Beschwerdeführenden eine baupolizeiliche Anzeige ein mit der Begründung, das
Einfamilienhaus der Beschwerdegegnerschaft sei vermutlich an verschiedenen Orten zu
hoch gebaut und verstosse gegen verschiedene öffentlich-rechtliche Vorschriften. Am 12.
November 2018 antwortete die Gemeinde, eine Vermutung reiche ihres Erachtens für eine
baupolizeiliche Anzeige nicht und bat die Beschwerdeführenden, konkrete Anhaltspunkte
zu nennen, weshalb das Gebäude nicht den bewilligten Plänen entsprechen solle. Mit
Schreiben vom 7. Dezember 2018 erklärten die Beschwerdeführenden, sie hielten an ihrer
Anzeige fest und verlangten, dass ein baupolizeiliches Verfahren durchgeführt werde.
Andernfalls sähen sie sich veranlasst, bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion
Beschwerde einzureichen.
2. Am 10. Januar 2019 reichten die Beschwerdeführenden Beschwerde wegen
Rechtsverweigerung bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE)
ein. Sie beantragen, die Gemeinde sei anzuweisen, ein baupolizeiliches Verfahren
durchzuführen.
3. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, gab der
Beschwerdegegnerschaft Gelegenheit, sich am Verfahren zu beteiligen und sich zur
eingereichten Beschwerde zu äussern. Zudem bat es die Gemeinde, eine Stellungnahme
sowie die Vorakten zum Verfahren einzureichen.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (Organisationsverordnung BVE, OrV BVE; BSG 152.221.191).
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4. Sowohl die Beschwerdegegnerschaft als auch die Gemeinde reichten je eine
Stellungnahme ein. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in
den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Gemäss Art. 49 Abs. 1 BauG2 können baupolizeiliche Verfügungen nach Art. 45 bis
48 BauG mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden. Die Beschwerde nach Art. 49
BauG kann bei Untätigkeit der Baupolizeibehörde auch als
Rechtsverweigerungsbeschwerde eingelegt werden.3 Die BVE ist somit zur Beurteilung der
Beschwerde zuständig.
b) Bei einer Rechtsverweigerungsbeschwerde gilt das Verweigern oder Verzögern einer
Verfügung als Anfechtungsobjekt.4 Die Beschwerde bezieht sich nicht auf eine bestimmte
Handlung oder Äusserung der erstinstanzlichen Behörde, sondern auf deren Untätigkeit.
Die Rechtsverweigerungsbeschwerde konnte daher ohne Einhaltung einer bestimmten
Frist eingelegt werden.5 Die Beschwerdeführenden, die eine baupolizeiliche Anzeige
eingereicht haben, sind zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf die formgerecht
eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Rechtsverweigerung
a) Die Beschwerdeführenden machen geltend, sie hätten die Gemeinde gebeten, die
Gebäudehöhe der Liegenschaft der Beschwerdegegnerschaft nachzumessen. Die
Gemeinde habe aber ihre Anzeige abgewiesen, resp. indem die Gemeinde der Sache nicht
nachgehe und kein baupolizeiliches Verfahren eröffne, verweigere sie ihnen zu Unrecht ihr
Recht.
2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0). 3 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 49 N. 2. 4 Art. 60 Abs. 1 Bst. a i.V.m. Art. 49 VRPG (Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege; BSG 155.21); Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 49 N. 67. 5 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., 1997, Art. 49 N. 72.
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b) Bürgerinnen und Bürger haben Anspruch darauf, dass die Behörden
Rechtsverhältnisse mit Verfügung regeln. Will eine Behörde in einer Sache keine
Verfügung erlassen oder behandelt sie eine Sache nicht, obwohl sie dazu verpflichtet wäre,
liegt eine Rechtsverweigerung vor. Das Verbot der Rechtsverweigerung wird verletzt, wenn
die zuständige Behörde untätig bleibt und eine Sache nicht behandelt, obschon sie zum
Tätigwerden verpflichtet wäre. Eine Rechtsverweigerung ist somit nur dann möglich, wenn
ein Anspruch auf Behandlung eines Begehrens besteht.6
Ein baupolizeiliches Verfahren ist von Amtes wegen einzuleiten, sobald die
Baupolizeibehörde Kenntnis von wesentlichen baurechtswidrigen Tatbeständen erhält. Sie
hat dementsprechend einer Anzeige nachzugehen, wenn sie auf solche Verhältnisse
hingewiesen wird, resp. sie hat zumindest zu prüfen, ob ein wesentlicher unrechtmässiger
Zustand besteht, ohne dass ihr diesbezüglich ein Ermessen zukäme.7 Das Schreiben der
Beschwerdeführenden, mit welchem sie eine baupolizeiliche Anzeige erstatteten,
verpflichtete dementsprechend die Gemeinde, zumindest zu prüfen, ob ein wesentlicher
baurechtswidriger Zustand besteht.
c) Die Gemeinde Hagneck hat die Schreiben der Beschwerdeführenden vom Oktober
resp. November 2018 immer beantwortet. Sie hat jeweils innert einiger Tage oder Wochen
auf deren Schreiben reagiert, in dem sie Präzisierungen oder weitere Informationen
verlangte. Auch nach der unmissverständlichen Mitteilung der Beschwerdeführenden vom
7. Dezember 2018, mit der sie die Gemeinde aufforderten, ein baupolizeiliches Verfahren
einzuleiten, blieb die Gemeinde nicht untätig: Am 17. Dezember 2018 forderte die
Gemeinde die Beschwerdegegnerschaft auf, zu den Vorbringen der Beschwerdeführenden
Stellung zu nehmen.8 Obwohl die Gemeinde die Beschwerdeführenden darüber nicht
informierte, hat die Gemeinde damit ein baupolizeiliches Verfahren eingeleitet. Sie ist
daher dem Anliegen der Beschwerdeführenden vollumfänglich nachgekommen. Der
Gemeinde ist entsprechend nicht vorzuwerfen, sie verweigere den Beschwerdeführenden
ein ihnen zustehendes Recht. Die Rüge der Rechtsverweigerung der
Beschwerdeführenden erweist sich damit als unbegründet.
6 Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016, N. 1045 f. mit Hinweisen auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung. 7 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 2. 8 Vgl. Vorakten, Beilage Nr. 10.
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3. Rechtsverzögerung
a) Im Rahmen eines baupolizeilichen Verfahrens ist den Anzeigenden Gelegenheit zur
Teilnahme als Partei einzuräumen (Art. 46 Abs. 2 Bst. a BauG). Dies bedingt, die
Anzeigenden über das Verfahren zu informieren und sie in einem ersten Schritt am
Verfahren zu beteiligen. Da die Gemeinde den Beschwerdeführenden nicht mitteilte, dass
sie ein baupolizeiliches Verfahren eröffnet hat, resp. ihnen keine Kopie des Schreibens an
die Beschwerdegegnerschaft vom 17. Dezember 2018 zukommen liess, ist sie ihrer
entsprechenden Informations- und Einbeziehungspflicht nicht nachgekommen. Die
Beschwerdeführenden wussten zum Zeitpunkt ihrer Beschwerdeeinreichung nicht, dass die
Gemeinde ein baupolizeiliches Verfahren eingeleitet hatte. Es bleibt somit zu prüfen, ob die
Beschwerdeführenden auf Grund ihres damaligen Wissensstands zu Recht eine
Beschwerde wegen Rechtsverweigerung resp. Rechtsverzögerung eingereicht haben.
b) Art. 26 KV9 gibt den Parteien eines Verfahrens das Recht auf einen begründeten
Entscheid innert angemessener Frist. Dementsprechend begeht eine Gemeinde eine
Rechtsverweigerung oder eine Rechtsverzögerung, wenn sie dem aus Art. 26 KV
abgeleiteten, für alle Verfahren geltenden Beschleunigungsgebot nicht genügend
nachkommt. Von Rechtsverweigerung oder Rechtsverzögerung kann allerdings nicht
schon dann die Rede sein, wenn die Behörde eine Eingabe nicht sofort behandelt. Die
Angemessenheit einer Verfahrensdauer resp. der zwischen den einzelnen
Verfahrensschritten liegenden Zeit ergibt sich aus den einschlägigen Vorschriften oder falls
solche fehlen, sind die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen. Dazu gehört
beispielsweise die Schwierigkeit der Sache, der allenfalls drohende Schaden, aber auch,
wie stark eine Angelegenheit die Beteiligten belastet. Eine Verzögerung eines
Beschwerdeverfahrens um einige Monate muss im Allgemeinen hingenommen werden.
Eine Rechtsverzögerung liegt nur vor, wenn sich die Behörde zwar bereit zeigt, den
Entscheid zu fällen, ihn aber nicht binnen der Frist trifft, die nach der Natur der Sache, dem
Umfang des Rechtsstreits und nach der Gesamtheit der übrigen Umstände noch als
angemessen erscheint.10
c) Es bestehen keine Vorschriften, die vorgeben würden, innert welcher Frist eine
baupolizeiliche Anzeige zu behandeln ist. Wird ein Bauvorhaben ohne Baubewilligung oder
9 Verfassung des Kantons Bern vom 6. Juni 1993 (KV; BSG 101.1). 10 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., 1997, Art. 49 N. 69 ff.
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in Überschreitung einer Baubewilligung ausgeführt und besteht die Möglichkeit, während
dessen Ausführung die Arbeiten einzustellen, ist eine Baupolizeibehörde gehalten, innert
kurzer Frist zu reagieren, um dem baurechtswidrigen Zustand nicht Vorschub zu leisten.
Bezieht sich eine Anzeige hingegen auf ein bereits abgeschlossenes Bauvorhaben und
sind beispielsweise weder Polizeigüter in Gefahr noch droht der Verjährungseintritt, handelt
es sich nicht um ein dringendes Anliegen, das unverzüglich zu bearbeiten ist.
d) Die Beschwerdeführenden haben der Gemeinde mit Schreiben vom 7. Dezember
2018 mitgeteilt, dass sie ihre Eingaben definitiv als baupolizeiliche Anzeige verstanden
haben wollen. Ab 10. Januar 2019 haben sie bei der BVE Beschwerde wegen
Rechtsverzögerung resp. Rechtsverweigerung eingereicht. Das Schreiben vom Freitag, 7.
Dezember 2018 ist bei der Gemeinde frühestens am Montag, 10. Dezember 2018
eingegangen. Die Beschwerdeführenden haben der Gemeinde somit nur gerade einen
Monat Zeit eingeräumt, um zu reagieren, bevor sie Beschwerde wegen
Rechtsverweigerung resp. Rechtsverzögerung eingereicht haben. Dies ist unter der
Berücksichtigung der Vorgeschichte und Dringlichkeit des Anliegens zu wenig, um der
Gemeinde vorzuwerfen, sie verzögere ein Verfahren unnötig. Insbesondere drohte im
vorliegenden Fall weder der Eintritt der Verjährung noch waren andere nicht
wiedergutzumachende Nachteile zu befürchten. Zudem ist zu berücksichtigen, dass in
diese Zeit die Weihnachts- und Festtage fielen. Zwar stehen die kantonalen
Verwaltungsfristen während dieser Zeit nicht still, praxisgemäss bleiben jedoch viele
Geschäfte und Gemeinden während dieser Zeit geschlossen, resp. die Bearbeitung von
nicht fristgebundenen Eingaben dauert wegen reduziertem Personal eher etwas länger.
Auch wenn die Gemeinde am 10. Januar 2019 noch kein baupolizeiliches Verfahren
eingeleitet gehabt hätte, wäre der Vorwurf der Rechtsverweigerung resp.
Rechtsverzögerung ungerechtfertigt. Dementsprechend wäre die Beschwerde auch dann
abzuweisen, wenn sich der Sachverhalt so zugetragen hätte, wie er sich aus der Optik der
Beschwerdeführenden zum Zeitpunkt der Beschwerdeeinreichung präsentierte.
e) Die Gemeinde hätte allerdings die Beschwerdeführenden über das Schreiben an die
Beschwerdegegnerschaft vom 17. Dezember 2018 informieren müssen. Den
Beschwerdeführenden ist aber aus dieser Unterlassung kein Nachteil erwachsen. Es bleibt
allerdings darauf hinzuweisen, dass die Gemeinde den Beschwerdeführenden Gelegenheit
zu geben hat, sich am baupolizeilichen Verfahren zu beteiligen, und nach Würdigung der
Umstände resp. Abschluss des Verfahrens eine anfechtbare Verfügung zu erlassen.
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3. Verfahrenskosten
a) Die Verfahrenskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten es, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG).
b) Der Gemeinde Hagneck ist weder eine Rechtsverweigerung noch eine
Rechtsverzögerung vorzuwerfen. Die Beschwerdeführenden gelten deshalb als
unterliegend. Da die Gemeinde aber fälschlicherweise die Beschwerdeführenden (noch
nicht) am baupolizeilichen Verfahren beteiligte, liegen besondere Umstände vor und es
wird auf die Erhebung von Verfahrenskosten verzichtet.
c) Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 Abs. 1 VRPG).