# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 56dd6cc9-c01c-5d7e-ab8e-3a99a7e77aea
**Court:** AG_OGA
**Chamber:** AG_OGA_002
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** AG / Northwestern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Der Vizepräsident entnimmt den Akten:
1.
Die Gesuchstellerin ist eine Aktiengesellschaft mit Sitz in H. (AG). Sie be-
zweckte _ (Gesuchsbeilage [GB] 1).
2.
Der Gesuchsgegner ist eine natürliche Person mit Wohnsitz in O. (AG). Er
amtet als Verwaltungsratspräsident der Gesuchstellerin (GB 1).
3.
Mit Strafurteil vom 29. März 2019 erklärte das Bezirksgerichts Laufenburg
den Gesuchsgegner der mehrfachen qualifizierten ungetreuen Geschäfts-
führung, teilweise begangen in Mittäterschaft sowie der mehrfachen
Falschbeurkundung in Mittäterschaft für schuldig (GB 3 S. 239 Ziff. 1.2).
Gegen dieses Urteil hat der Gesuchsgegner kein Rechtsmittel eingereicht.
4.
Mit Schreiben vom 14. Juni 2019 konfrontierte die vom Konkursamt Aargau
als Hilfsperson eingesetzte T. AG den Gesuchsgegner mit Verantwortlich-
keitsansprüchen in Höhe von insgesamt Fr. 764'886.35 (GB 4). Nach einer
ersten telefonischen Kontaktaufnahme, in welcher der Gesuchsgegner le-
diglich erklärte, kein Geld für auch nur eine vergleichsweisen Betrag zur
Tilgung der Verantwortlichkeitsansprüche zur Verfügung zu haben, mel-
dete sich der Gesuchsgegner nicht mehr bei der T. AG.
5.
Mit Gesuch im Verfahren um Rechtsschutz in klaren Fällen (Art. 257 ZPO)
vom 30. Juli 2019 (Postaufgabe: 30. Juli 2019) stellte die Gesuchstellerin
folgende Rechtsbegehren:
" 1. Es sei der Gesuchsgegner zur Bezahlung von CHF 23'397.00 zuzüg-
lich Zins zu 5 % seit 1. Januar 2013 an die Gesuchstellerin zu .
2. Es sei der Gesuchsgegner zur Bezahlung von CHF 31'350.00 zuzüg-
lich Zins zu 5 % seit 1. Januar 2014 an die Gesuchstellerin zu .
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Gesuchsgeg-
ners."
Zur Begründung führte die Gesuchstellerin im Wesentlichen aus, im Ge-
gensatz zu seinem teilweisen Mittäter M.H. habe der Gesuchsgegner ge-
gen das Strafurteil des Bezirksgerichts Laufenburg vom 29. März 2019 kein
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Rechtsmittel ergriffen und dieses somit anerkannt. Die Delikte "Kreditkar-
tenbezüge" mit einer Schadenssumme von Fr. 23'397.00 sowie "Treibstoff-
bezüge" mit einer Schadenssumme von Fr. 31'350.00 habe der Gesuchs-
gegner alleine begangen. Diese Strafsachen seien endgültig abgeurteilt
und die Sachlage somit klar. Zudem sei der Gesuchsgegner diesbezüglich
vollumfänglich geständig (Gesuch Rz. 5 lit. d) und e) sowie Rz. 7). Sollte
der Gesuchsgegner den vorgebrachten Sachverhalt wider Erwarten be-
streiten, sei dieser mittels der eingereichten Gesuchsbeilagen sofort be-
weisbar. Auch die Rechtslage sei klar (Gesuch Rz. 10).
6.
Mit Gesuchsantwort vom 21. August 2019 stellte der Gesuchsgegner fol-
gende Rechtsbegehren:
" 1. Auf das Gesuch vom 30. Juli 2019 sei nicht einzutreten.
2. Dem Gesuchsgegner sei die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen
und der Unterzeichnete sei als dessen Vertreter einzusetzen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich Ersatz der Mehr-
wertsteuer)."
Der Gesuchsgegner begründete seine Rechtsbegehren vorab mit der sach-
lichen Unzuständigkeit des Handelsgerichts. Der Gesuchsgegner sei eine
natürliche Person und natürliche Personen könnten gemäss ZPO als Be-
klagte nicht vor das Handelsgericht gezogen werden (Gesuchsantwort
Rz. 5 ff.). Zudem seien die Voraussetzungen für den Rechtsschutz in klaren
Fällen nicht gegeben, da insbesondere die geltend gemachten zivilrechtli-
chen Forderungen unklar seien. Die im Strafverfahren errechneten Delikts-
summen würden nicht zwingend einen zivilrechtlichen Schaden darstellen.
Der Zivilrichter sei auch nicht an das Urteil des Strafrichters gebunden (Ge-
suchsantwort Rz. 11 ff.).
7.
In ihrer Stellungnahme vom 29. August 2019 hielt die Gesuchstellerin an
ihren Rechtsbegehren und Begründungen fest.
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## Considerations

Der Vizepräsident zieht in Erwägung:
1. Zuständigkeit
1.1. Örtliche Zuständigkeit
Gemäss Art. 40 ZPO ist für Klagen aus gesellschaftsrechtlicher Verantwort-
lichkeit das Gericht am Wohnsitz oder Sitz der beklagten Partei oder am
Sitz der Gesellschaft zuständig. Da vorliegend sowohl der Gesuchsgegner
seien Wohnsitz (O.) als auch die Gesuchstellerin ihren Sitz (H.) im Kanton
Aargau haben (vgl. GB 1), ist die örtliche Zuständigkeit der aargauischen
Gerichte gegeben.
1.2. Sachliche und funktionelle Zuständigkeit
Gemäss Art. 6 Abs. 4 lit. b ZPO können die Kantone das Handelsgericht
auch für Streitigkeiten aus dem Recht der Handelsgesellschaften und Ge-
nossenschaften als zuständig erklären. Davon erfasst sind sämtliche Kla-
gen, die ihr Fundament in den Art. 552-926 OR haben, insbesondere auch
Verantwortlichkeitsklagen.1 Ob es sich beim Beklagten einer Verantwort-
lichkeitsklage um eine juristische oder natürliche Person handelt, ist dabei
irrelevant.2 Der Kanton Aargau hat in § 12 Abs. 1 lit. a EG ZPO von der
Kompetenz gemäss Art. 6 Abs. 4 lit. b ZPO Gebrauch gemacht und das
Handelsgericht für Streitigkeiten aus dem Recht der Handelsgesellschaften
und Genossenschaften als zuständig erklärt.3 Die sachliche Zuständigkeit
des Handelsgerichts für die vorliegende Verantwortlichkeitsklage ist damit
entgegen den Ausführungen des Gesuchsgegners gegeben.
Für den Rechtsschutz in klaren Fällen ist das summarische Verfahren an-
wendbar. Gestützt auf Art. 248 lit. b i.V.m. Art. 257 ZPO i.V.m. § 13 Abs. 1
lit. a EG ZPO ist der Vizepräsident des Handelsgerichts funktionell zustän-
dig.
2. Rechtsschutz in klaren Fällen
2.1.
Die Gesuchstellerin vertritt die Auffassung, das Gericht gewähre Rechts-
schutz im summarischen Verfahren, wenn der Sachverhalt unbestritten o-
der sofort beweisbar und die Rechtslage klar sei (Art. 257 Abs. 1 ZPO).
Falls der Gesuchsgegner den vorgebrachten Sachverhalt wider Erwarten
bestreiten sollte, sei dieser mittels der eingereichten Gesuchsbeilagen den-
noch sofort beweisbar. Ausserdem sei die Rechtslage klar (Gesuch
Rz. 10).
1 BSK ZPO-VOCK/NATER, 3. Aufl. 2017, Art. 6 N. 16; VETTER, in; Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuen-
berger (Hrsg.), Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, 3. Aufl. 2016, Art. 6 N. 36; BRUNNER, in: Brunner/Gasser/Schwander (Hrsg.), Schweizerische Zivilprozessordnung (ZPO), 2. Aufl. 2016, Art. 6 N. 46; BK ZPO I-BERGER, 2012, Art. 6 N. 46 je m.w.N.
2 Vgl. bspw. HGer ZH HG160037 vom 10. Mai 2016. 3 VETTER/BRUNNER, Sachliche Zuständigkeit der Handelsgerichte, ZZZ 2013, S. 259.
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2.2.
Das Gericht gewährt Rechtsschutz im summarischen Verfahren, wenn der
Sachverhalt unbestritten oder sofort beweisbar und die Rechtslage klar ist
(Art. 257 Abs. 1 ZPO). Die Voraussetzung des unbestrittenen oder sofort
beweisbaren Sachverhalts wird auch als Liquidität des Sachverhalts be-
zeichnet.4 Ausgeschlossen ist dieser Rechtsschutz, wenn die Angelegen-
heit dem Offizialgrundsatz unterliegt (Art. 257 Abs. 2 ZPO). Gemäss bun-
desgerichtlicher Rechtsprechung ist weiter vorausgesetzt, dass alle gestell-
ten Rechtsbegehren vollständig gutgeheissen werden.5 Kann dieser
Rechtsschutz nicht gewährt werden, so tritt das Gericht auf das Gesuch
nicht ein (Art. 257 Abs. 3 ZPO).
2.3.
Ein unbestrittener Sachverhalt liegt vor, wenn eine Partei die Tatsachenbe-
hauptung ihres Gegners nicht bestreitet bzw. sich gar nicht äusserst bzw.
säumig ist. Eine blosse allgemeine, pauschale Bestreitung ist dabei irrele-
vant.6 Diesfalls gilt dieser als unbestritten und die betreffende (schlüssig
behauptete) Tatsache7 kann dem Entscheid ohne Weiteres zugrunde ge-
legt werden, da über nicht bestrittene Tatsachen kein Beweis geführt zu
werden braucht (vgl. Art. 150 Abs. 1 ZPO).8
2.4.
Ein Sachverhalt ist dann sofort beweisbar, wenn er ohne zeitliche Verzö-
gerung und ohne besonderen Aufwand nachgewiesen werden kann. Der
Beweis ist in der Regel durch Urkunden zu erbringen, wobei andere sofort
greifbare Beweismittel nicht ausgeschlossen sind.9 Der Rechtsschutz in
klaren Fällen unterliegt keiner Beweisstrengebeschränkung. Blosses
Glaubhaftmachen genügt für die Geltendmachung des Anspruchs nicht,
sondern die Gesuchstellerin hat den vollen Beweis der anspruchsbegrün-
denden Tatsachen zu erbringen.10 Demgegenüber genügt für die Vernei-
nung eines klaren Falls, dass der Gesuchsgegner substantiiert und schlüs-
sig Einwendungen vorträgt, die in tatsächlicher Hinsicht nicht sofort wider-
legt werden können und die geeignet sind, die bereits gebildete richterliche
4 SUTTER-SOMM/LÖTSCHER, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger (Fn. 1), Art. 257 N. 5. 5 BGE 141 III 23 E. 3.3; BGer 5A_768/2012 vom 17. Mai 2013 E. 4.3; BSK ZPO-HOFMANN, 3. Aufl.
2017, Art. 257 8a. 6 BSK ZPO-HOFMANN (Fn. 5), Art. 257 N. 10. 7 Siehe dazu SUTTER-SOMM/SCHRANK, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger (Fn. 1), Art. 257
N. 21 m.w.N. 8 BK ZPO I-HURNI, 2012, Art. 55 N. 37 mit Verweis auf Art. 150 Abs. 1 ZPO. 9 BGE 138 III 620 E. 5.1.1; SUTTER-SOMM/LÖTSCHER (Fn. 4), Art. 257 N. 5. 10 BGE 138 III 620 E. 5.1.1; SUTTER-SOMM/LÖTSCHER (Fn. 4), Art. 257 N. 6; LEUPOLD, Der Rechts-
schutz in klaren Fällen nach der neuen Schweizerischen Zivilprozessordnung, in: Leupold//Stauber/Vetter (Hrsg.), Der Weg zum Recht, Festschrift für Alfred Bühler, 2008, S. 70 ff.
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Überzeugung zu erschüttern.11 Nicht erforderlich ist, dass sie ihre Einwen-
dungen glaubhaft macht.12
2.5.
Die Rechtslage ist klar, wenn die Anwendung und Auslegung einer Norm,
namentlich auf Grund ihres Wortlauts, der Rechtsprechung und der be-
währten Lehre, zu keinem Zweifel Anlass gibt.13 Die Rechtsfolge muss sich
bei der Anwendung des Gesetzes unter Berücksichtigung der Lehre und
Rechtsprechung ohne Weiteres ergeben und die Rechtsanwendung zu ei-
nem eindeutigen Ergebnis führen.14 Dagegen ist die Rechtslage in der Re-
gel nicht klar, wenn die Anwendung einer Norm einen Ermessens- oder
Billigkeitsentscheid des Gerichts mit wertender Berücksichtigung der ge-
samten Umstände erfordert, wie dies beispielsweise bei der Beurteilung
von Treu und Glauben zutrifft.15
3. Zivilgericht ist nicht an das Urteil des Strafgerichts gebunden
Gemäss Art. 53 Abs. 2 OR ist das strafrechtliche Erkenntnis (insbesondere)
bezüglich der Beurteilung der Schuld und der Bestimmung des Schadens