# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 394675a7-8cfb-4b7c-b517-b13e3d6dad84
**Court:** CH_BSTG
**Chamber:** CH_BSTG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** CH / Federation
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
A. Das Fürstliche Landgericht in Liechtenstein führt unter anderen gegen den
österreichischen Staatsangehörigen A. eine Strafuntersuchung wegen des
Verdachts von Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz. In die-
sem Zusammenhang ist das Fürstliche Landgericht mit Rechtshilfeersuchen
vom 15. Juli 2020 an das Kantonale Untersuchungsamt der Staatsanwalt-
schaft des Kantons St. Gallen (nachfolgend «Staatsanwaltschaft») gelangt
und hat um Bewilligung und Durchführung der mit der Landespolizei Liech-
tenstein koordinierten (grenzüberschreitenden) Observation von A. sowie
der verdeckten Ermittlung betreffend A. ersucht (Verfahrensakten SG
RH.2020.412 [nachfolgend «Verfahrensakten»], Urk. 1).
B. Mit Eintretens- und Zwischenverfügung vom 16. Juli 2020 trat die Staatsan-
waltschaft auf das Rechtshilfeersuchen ein und verfügte unter anderem,
dass die erbetene Genehmigung des Einsatzes eines verdeckten Ermittlers
auf schweizerischem Hoheitsgebiet dem Zwangsmassnahmengericht des
Kantons St. Gallen (nachfolgend «Zwangsmassnahmengericht») zur Durch-
führung des Genehmigungsverfahrens unterbreitet werde (Verfahrensakten,
Urk. 7).
C. Mit separater Verfügung vom 16. Juli 2020 bewilligte die Staatsanwaltschaft
zudem die Teilnahme von liechtensteinischen Polizeibeamten an der Obser-
vation von A. bis zum 15. Oktober 2020 und beauftragte die Kantonspolizei
St. Gallen, den Einsatz der liechtensteinischen Polizeibeamten auf dem Ge-
biet des Kantons St. Gallen zu leiten und der Staatsanwaltschaft einen Un-
tersuchungsbericht einzureichen (Verfahrensakten, Urk. 8).
D. Mit Entscheid vom 21. Juli 2020 genehmigte das Zwangsmassnahmenge-
richt die verdeckte Ermittlung für die Zeit vom 16. Juli bis 15. Oktober 2020
(Verfahrensakten, Urk. 10).
E. Die Staatsanwaltschaft teilte den liechtensteinischen Behörden am
21. Juli 2020 den Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts mit und infor-
mierte diese, dass sie die Bewilligung der Teilnahme der liechtensteinischen
Polizeibeamten an der Observation von A. erteilt habe (Verfahrensakten,
Urk. 11).
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F. Am 13. Oktober 2020 ersuchten die liechtensteinischen Behörden um Ver-
längerung der Observation und der verdeckten Ermittlung um weitere drei
Monate (Verfahrensakten, Urk. 14).
G. Mit Eintretens- und Zwischenverfügung vom 13. Oktober 2020 verfügte die
Staatsanwaltschaft die Unterbreitung des Gesuchs an das Zwangsmassnah-
mengericht, soweit es die Verlängerung des Gesuchs um verdeckte Ermitt-
lung betraf (Verfahrensakten, Urk. 19).
H. Die Staatsanwaltschaft bewilligte ferner mit Verfügung vom 14. Okto-
ber 2020 die Teilnahme von liechtensteinischen Polizeibeamten an der Ob-
servation von A. bis zum 13. Januar 2021 (Verfahrensakten SG, Urk. 20).
I. Mit Entscheid vom 14. Oktober 2020 genehmigte das Zwangsmassnahmen-
gericht die Verlängerung der verdeckten Ermittlung von A. bis zum 13. Ja-
nuar 2021 (Verfahrensakten, Urk. 21).
J. Die liechtensteinischen Behörden wurden von der Staatsanwaltschaft am
15. Oktober 2020 über die genehmigten Verlängerungen (vgl. supra lit. H.
und I.) informiert (Verfahrensakten, Urk. 22).
K. Am 18. Dezember 2020 teilten die liechtensteinischen Behörden der Staats-
anwaltschaft mit, dass A. am 17. Dezember 2020 verhaftet worden sei, wes-
halb eine weitere Observation nicht mehr notwendig sei (Verfahrensakten,
Urk. 24).
L. Mit Schlussverfügung vom 28. Dezember 2020 verfügte die Staatsanwalt-
schaft unter anderem Folgendes (Verfahrensakten, Urk. 25):
«1. Dem Rechtshilfeersuchen wird [...] vollumfänglich entsprochen.
2. Es wird festgestellt, dass die Erkenntnisse aus den vom Fürstlichen
Landgericht des Fürstentums Liechtenstein beantragten und von der
Staatsanwaltschaft St. Gallen genehmigten grenzüberschreitenden
Observationen nach schweizerischem Recht rechtmässig erworben
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wurden, sodass die auf schweizerischem Hoheitsgebiet gewonnen
Erkenntnisse daraus verwendet werden dürfen.
3. Es wird festgestellt, dass die gesetzlichen Voraussetzungen für die
vom Fürstlichen Landgericht des Fürstentums Liechtenstein ange-
ordneten und innerstaatliche genehmigten verdeckten Ermittlung
nach schweizerischem Recht rechtmässig erworben wurden, sodass
die auf schweizerischem Hoheitsgebiet gewonnen Erkenntnisse dar-
aus verwendet werden dürfen.
4. Gemäss Art. 283 Abs. 1 StPO teilt die Staatsanwaltschaft den von
einer Observation direkt betroffenen Personen spätestens mit Ab-
schluss des Vorverfahrens Grund, Art und Dauer der Observation mit.
Gemäss Art. 298 Abs. 1 StPO teilt die Staatsanwaltschaft der be-
schuldigten Person spätestens mit Abschluss des Vorverfahrens mit,
dass gegen sie verdeckt ermittelt worden ist.
Die überwachten Personen und Personen, gegen die verdeckt ermit-
telt wurde, können gegen die verfügten Massnahmen Beschwerde
nach den Artikel[n] 393-397 StPO erheben. Die Beschwerdefrist be-
ginnt mit Erhalt der Mitteilung zu laufen.
Das Fürstliche Landgericht des Fürstentums Liechtenstein wird des-
halb dazu angehalten, den Beschuldigten sobald es der Stand der
Ermittlungen erlaubt, schriftlich über Grund, Art und Dauer der Über-
wachung zu informieren und ihn auf die Möglichkeit hinzuweisen, in-
nert 10 Tagen seit der Zustellung der Mitteilung oder der mündlichen
Eröffnung der Überwachung Beschwerde beim Präsidium der Ankla-
gekammer, [...], zu erheben.
[5] ...».
M. Mit E-Mail vom 29. Dezember 2020 teilte das Bundesamt für Justiz (nachfol-
gend «BJ») der Staatsanwaltschaft mit, dass auf eine Beschwerde gegen die
Schlussverfügung verzichtet werde (Verfahrensakten, Urk. 26).
N. Die Kantonspolizei St. Gallen erliess am 30. Dezember 2020 ein Voll-
zugsprotokoll, welchem unter anderem zu entnehmen ist, dass während der
ganzen Dauer auf schweizerischem Hoheitsgebiet weder Observationen
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noch verdeckte Ermittlungen stattgefunden hätten (Verfahrensakten,
Urk. 27).
O. Mit Schreiben vom 30. Dezember 2020 teilte die Staatsanwaltschaft dem
Fürstlichen Landgericht unter anderem mit, dass die Schlussverfügung vom
28. Dezember 2020 in Rechtskraft erwachsen sei und dass die Erkenntnisse
aus den Observationen und verdeckten Ermittlungen verwendet werden
dürften (Verfahrensakten, Urk. 28).
P. Die liechtensteinischen Behörden stellten A. am 7. Januar 2021 die Schrei-
ben der Staatsanwaltschaft vom 21. Juli, 15. Oktober und 30. Dezember
2020 (vgl. supra lit. D, J und O) zu. Sie wiesen ferner explizit auf S. 2 des
Schreibens vom 30. Dezember 2020 hin, wonach innert 10 Tagen ab Zustel-
lung des betreffenden Schreibens hinsichtlich der erfolgten Überwachung
beim Präsidium der Anklagekammer des Kantons St. Gallen Beschwerde
erhoben werden könne (act. 1.4).
Q. Mit Eingaben vom 19. Januar 2021 liess A. durch seinen Rechtsvertreter bei
der Anklagekammer des Kantons St. Gallen (nachfolgend «Anklagekam-
mer») gegen die Eintretens- und Zwischenverfügungen der Staatsanwalt-
schaft vom 16. Juli und 13. Oktober 2020 je separat Beschwerden erheben.
Er beantragte, dass die Verfügungen dergestalt abzuändern seien, dass das
Rechtshilfeersuchen des Fürstlichen Landgerichts vom 15. Juli und 13. Ok-
tober 2020 abgewiesen werde bzw. dass festgestellt werde, dass die inzwi-
schen durchgeführte Observation/verdeckte Ermittlung widerrechtlich und
ungesetzlich gewesen sei (act. 1 und RR.2021.44 act. 1).
R. Nach durchgeführtem einfachen Schriftenwechsel übermittelte die Anklage-
kammer am 16. Januar 2021 A. die Vernehmlassung der Staatsanwaltschaft
zusammen mit dem vollständigen Verzeichnis der Akten der Staatsanwalt-
schaft (act. 1.8). Mit Entscheid vom 10. März 2021 überwies die Anklage-
kammer die Beschwerden zuständigkeitshalber an das Bundesstrafgericht
(act. 2 und RR.2021.44 act. 2).
S. Die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts forderte die Staatsanwalt-
schaft und das BJ mit Schreiben vom 23. März 2021 zur Einreichung einer
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Beschwerdeantwort auf (act. 3). Die Staatsanwaltschaft und das BJ bean-
tragten mit Eingaben vom 25. und 26. März 2021 die Abweisung der Be-
schwerde bzw. deren Abweisung, soweit darauf einzutreten sei, und verzich-
teten je auf eine weitergehende Begründung (act. 4 und 5, RR.2021.44 act. 4
und 5). Die Beschwerdeantworten wurden A. am 29. März 2021 zur Kenntnis
zugestellt (act. 6 und RR.2021.44 act. 6).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit
erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genom-
men.

## Considerations

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1. Da beide Beschwerden von derselben Person erhoben wurden, ihnen der-
selbe Sachverhalt zu Grunde liegt und sich die gleichen Rechtsfragen stel-
len, rechtfertigt es sich, die beiden Verfahren RR.2021.43 und RR.2021.44
zu vereinigen und in einem einzigen Entscheid zu erledigen.
2.
2.1 Für die Rechtshilfe zwischen der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein
sind primär das Europäische Übereinkommen vom 20. April 1959 über die
Rechtshilfe in Strafsachen (EUeR; SR 0.351.1) und das hierzu ergangene
zweite Zusatzprotokoll vom 8. November 2001 (ZP II EUeR; SR 0.351.12)
massgebend. Ausserdem gelangen die Bestimmungen der Art. 48 ff. des
Übereinkommens vom 19. Juni 1990 zur Durchführung des Übereinkom-
mens von Schengen vom 14. Juni 1985 (Schengener Durchführungs-
übereinkommen [SDÜ]; CELEXNr. 42000A0922(02); Abl. L 239 vom
22. September 2000, S. 19–62; Text nicht publiziert in der SR, jedoch abruf-
bar auf der Website der Schweizerischen Eidgenossenschaft unter «Rechts-
sammlung zu den bilateralen Abkommen», 8.1 Anhang A; https://www.ad-
min.ch/opc/de/european-union/international-agreements/008.html) zur An-
wendung. Günstigere Bestimmungen bilateraler oder multilateraler Überein-
künfte zwischen den Vertragsparteien bleiben unberührt (Art. 48 Abs. 2 SDÜ;
Art. 26 Abs. 2 und 3 EUeR).
2.2 Soweit diese Staatsverträge bestimmte Fragen nicht abschliessend regeln,
finden das Bundesgesetz vom 20. März 1981 (Rechtshilfegesetz, IRSG;
SR 351.1) und die Verordnung vom 24. Februar 1982 über internationale
Rechtshilfe in Strafsachen (Rechtshilfeverordnung, IRSV; SR 351.11) An-
wendung (Art. 1 Abs. 1 lit. b IRSG). Das innerstaatliche Recht gelangt nach
https://www.admin.ch/opc/de/european-union/international-agreements/008.html https://www.admin.ch/opc/de/european-union/international-agreements/008.html
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dem Günstigkeitsprinzip auch dann zur Anwendung, wenn dieses geringere
Anforderungen an die Rechtshilfe stellt (BGE 145 IV 294 E. 2.1; 142 IV 250
E. 3; 140 IV 123 E. 2 ; jeweils m.w.H.). Vorbehalten bleibt die Wahrung der
Menschenrechte (BGE 145 IV 294 E. 2.1; 123 II 595 E. 7c; TPF 2020 64
E. 1.1).
Auf Beschwerdeverfahren in internationalen Rechtshilfeangelegenheiten
sind zudem die Bestimmungen des Bundesgesetzes vom 20. Dezem-
ber 1968 über das Verwaltungsverfahren (Verwaltungsverfahrensgesetz,
VwVG; SR 172.021) anwendbar (Art. 39 Abs. 2 lit. b i.V.m. Art. 37 Abs. 2
lit. a Ziff. 1 StBOG), wenn das IRSG nichts anderes bestimmt (siehe Art. 12
Abs. 1 IRSG). Für Prozesshandlungen gilt gemäss Art. 12 Abs. 1 IRSG das
in Strafsachen massgebende Verfahrensrecht, mithin die StPO.
3.
3.1 Die Verfügung der ausführenden Behörde, mit der das Rechtshilfeverfahren
abgeschlossen wird, unterliegt zusammen mit den vorangehenden Zwi-
schenverfügungen innert 30 Tagen der Beschwerde an die Beschwerdekam-
mer des Bundesstrafgerichts (Art. 80e Abs. 1 und 80k IRSG). Der Schluss-
verfügung vorangehende Zwischenverfügungen können gemäss Art. 80e
Abs. 2 und 80k IRSG selbstständig innert 10 Tagen angefochten werden,
sofern sie einen unmittelbaren und nicht wieder gutzumachenden Nachteil
bewirken durch die Beschlagnahme von Vermögenswerten und Wertgegen-
ständen (lit. a) oder durch die Anwesenheit von Personen, die am ausländi-
schen Prozess beteiligt sind (lit. b). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtspre-
chung gilt die vom IRSG vorgesehene Rechtsmittelordnung auch in einem
kantonalen Verfahren betreffend Zwangsmassnahmen, sobald es ein nach
dem IRSG abzuwickelndes Rechtshilfeverfahren und damit den Umfang der
allenfalls zu leistenden Rechtshilfe betrifft (BGE 126 II 495). Zur Beschwerde
ist sodann berechtigt, wer persönlich und direkt von einer Rechtshilfemass-
nahme betroffen ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung
oder Änderung hat (Art. 80h Abs. lit. b IRSG). Gemäss Rechtsprechung ist
dies bei Personen, gegen die unmittelbar Zwangsmassnahmen angeordnet
wurden, zu bejahen (BGE 128 II 211 E. 2.3-2.5; 123 II 153 E. 2b).
3.2 Der Beschwerdeführer ficht die «Verfügung des kantonalen Untersuchungs-
amtes der Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen zu RH.2020.412 v.
16.07.2020» sowie die «Verfügung des kantonalen Untersuchungsamtes der
Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen zu RH.2020.412 v. 14.10.2020»
an. Es handelt sich hierbei um die Verfügungen der Staatsanwaltschaft mit
welcher sie die Observation des Beschwerdeführers unter Teilnahme von
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liechtensteinischen Polizeibeamten bewilligt bzw. die entsprechende Bewil-
ligung verlängert hat. Der Beschwerdeführer wendet sich in der Beschwer-
debegründung zudem gegen die Entscheide des Zwangsmassnahmenge-
richts vom 21. Juli und 14. Oktober 2020, mit welchem dieses die verdeckte
Ermittlung bzw. deren Verlängerung bewilligt hat. Die angefochtenen Verfü-
gungen und Entscheide dienen der Ausführung des liechtensteinischen
Rechtshilfeersuchens und gelten daher als Zwischenentscheide bzw. –ver-
fügungen. Als solche sind sie grundsätzlich – entgegen der expliziten