# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** ff44d300-c67a-4c2b-b15c-4c7665ef9ddf
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1978, erlitt am 7. August 2009 einen Unfall (Urk. 6/6/59) und meldete sich am 16. Dezember 2009 (Urk. 6/3) sowie erneut am 1. September 2010
(Urk. 6/23)
bei der Invalidenversicherung an. Die Sozial
ver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zog unter anderem Akten der Suva bei (Urk. 6/6, Urk. 6/37, Urk. 6/61, Urk. 6/102) und verneinte mit Ver
fügung vom 21. Mai 2014 einen Rentenanspruch (Urk. 6/122). Am 13. Oktober 2014 hob sie diese Verfügung wiedererwägungsweise auf (Urk. 6/134) und das eingeleitete Gerichtsverfahren wurde am 17. Oktober 2014 als gegenstandslos geworden abgeschrieben (Urk. 6/138).
In der Folge veranlasste die IV-Stelle ein polydisziplinäres Gutachten, das am
26. Oktober 2015 erstattet (Urk. 6/172) und am 4. April 2016 ergänzt (Urk. 6/189
)
wurde. Mit Vorbescheid vom 12. November 2015 stellte sie dem Versicherten di
e
Zusprache
einer Rente in Aussicht (Urk. 6/178) und mit dem diesen ersetzenden Vorbescheid vom 27. Mai 2016 die
Zusprache
einer ganzen,
von April 2011 bis März 2012 befristeten Rente (Urk. 6/192). Nach dagegen v
om Versicherten erhobenen Einwänden (Urk. 6/195) sprach ihm die IV-Stelle mit
Ver
fügung vom 30. August 2016 eine Rente im genannten Umfang zu (Urk. 6/
203 = Urk. 2/1; vgl. Urk. 6/199 = Urk. 6/201 = Urk. 2/3).
2.
Der Versicherte erhob am 3. Oktober 2016 Beschwerde gegen die Verfügung vom 30. August 2016 (Urk. 2) und beantragte, es sei ihm zusätzlich von August bis März 2011 und sodann unbefristet ab April 2012 eine halbe Rente zuzu
sprechen (Urk. 1 S. 2 Ziff. 1).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 28. Oktober 2016 (Urk. 5) die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 24. Januar 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 7).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Be
tracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die
Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwind
bar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Im Hinblick auf ihre Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind alle psychischen Erkrankungen den somatoformen Schmerzstörungen und ver
gleichbaren psychosomatischen Leiden gleich zu stellen (zur amtlichen Publi
kation als BGE vorgesehenes Urteil des Bundesgerichts 8C_841/2016 vom 30. Novem
ber 2017 E. 4.5.1). Mithin sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen. Diese Abklärungen enden stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (
zur
amt
-
lichen
Publikation als BGE vorgesehenes Urteil des Bundesgerichts 8C_130/201
7 vom 30. November 2017 E. 7.2).
1.3
Im Rahmen eines strukturierten Beweisverfahrens wird im Regelfall anhand von auf den funktionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren (nachsteh
end E. 1.4) das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen ergebnisoffen
und symmetrisch beurteilt, indem gleichermassen den äusseren Belastungsfaktoren
wie den vorhandenen Ressourcen Rechnung getragen wird (BGE 141 V 574 E.
4.2
). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten ge
sundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindi
katoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahr-
scheinlichkeit
nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweis
losigkeit nach wie vor die materiell beweisbelastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; BGE 141 V 547 E. 2).
Im Einzelfall ist
es Aufgabe der medizinischen Sachverständigen, nachvoll
zieh
bar aufzuzeigen, weshalb trotz lediglich leichter bis mittelschwerer Depression und an sich guter Therapierbarkeit der Störung funktionelle Leistungsein
schränkungen resultieren, die sich auf di
e Arbeitsfähigkeit auswirken (zur amtlichen Publikation als BGE vorgesehenes Urteil des Bundesgerichts 8C_841/2016 vom 30. November 2017
E. 4.5.2).
Nicht mehr anwendbar ist die frühere
bundesgerichtliche
Praxis, wonach leichte bis höchstens mittelschwere Störungen aus dem depressiven Formenkreis in der Regel therapierbar
seien
und invalidenversicherungsrechtlich zu keiner Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führ
t
en (
zur amtlichen Publikation als BGE vorgesehenes Urteil des Bundes
gerichts 8C_841/2016 vom 30. November 2017 E. 4.4
)
.
1.4
Im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens sind als Standardindikatoren die folgenden
Aspekte
massgebend
(BGE 141 V 281 E. 4.1.3
):
funktioneller Schweregrad
-
Gesundheitsschädigung
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz
-
Komorbiditäten
-
Persönlichkeit: Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Ressourcen
-
sozialer Kontext
Konsistenz (Gesichtspunkte des Verhaltens):
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck
1.5
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Recht
spre
chung
Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch heraus
ge
ge
benen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, BGE 135 V 297 E. 5.2; BGE 129 V 472 E. 4.2.1; BGE 126 V 75 E. 3b).
Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffent
lichten Tabellen der LSE zu verwenden (Urteile des Bundesgerichts 9C_699/2015 vom 6. Juli 2016 E. 5.2, 8C_78/2015 vom 10. Juli 2015 E. 4 und 9C_526/2015 vom 11. September 2015 E. 3.2.2
).
1.6
Für die Invaliditätsbemessung wird bei Anwendung der LSE-Tabellen bis 2010 praxisgemäss auf die standardisierten Bruttolöhne (Tabellengruppe A) abgestellt (BGE 129 V 472 E. 4.2.1 mit Hinweis), wobei jeweils vom sogenannten Zentral
wert (Median) auszugehen ist. Bei der Anwendung der Tabellengruppe A gilt es
aus
serdem zu berücksichtigen, dass ihr generell eine Arbeitszeit von 40 Woche
n
stunden zugrunde liegt, weshalb der massgebliche Tabellenlohn auf die ent
sprechende betriebsübliche Wochenarbeitszeit aufzurechnen ist (BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 75 E. 3b/
bb
, 124 V 321 E. 3b/
aa
; AHI 2000 S. 81 E. 2a).
In der LSE 2012 erfolgten vielfältige Anpassungen der erhobenen Daten an die entsprechenden Reglemente der Europäischen Union (EU). Neu wird darunter nun nach Berufen (
Skill
Levels) differenziert statt nach den bisherigen
Anfor
de
-
rungsniveaus
1 bis 4 der Stelle.
I
m Übergang von LSE 2010 zu LSE 2012
gibt es einen
„
Serienbruch"
: In der Tabelle TA1 sind die Löhne von
Kompetenzniveau 1 der LSE 2012
im Vergleich zu den Löhnen von
Anforderungsniveau 4 der LSE 2010 bei Männern
6.3 % höher
, bei Frauen
2.7 %
tiefer
und beim Total
5.4 %
höher (BGE 142 V 178 E. 2.5.3.1).
Das Bundesgericht
hat erkannt, dass die LSE 2012 im Rahmen einer erstmaligen Invaliditätsbemessung (Art. 28 ff.
des Bun
des
gesetzes über die Invalidenversicherung
, IVG
) und im
Neuanmeldungsver
-
fahren nach vorausgegangener rechtskräftiger Ablehnung oder nach Aufhebung der Invalidenrente sowie grundsätzlich auch im Revisionsverfahren (mit Ent
steh
ung des potentiellen oder Veränderung des laufenden Rentenanspruchs im Jahr 2012 oder später) zur Festlegung der Vergleichseinkommen nach Art. 16 ATSG dennoch grundsätzlich als Beweis geeignet ist (
BGE 142 V 178
E. 2.5.7 und E. 2.5.8.1;
vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_343/2016 vom 12. September 2016 E. 6 und 9C_369/2016 vom
6.
September 2016 E. 2.1).
Laufende, gestützt auf die LSE 2010 rechtskräftig zugesprochene Invaliden
-
renten dürfen aber nicht allein aufgrund der Tabellenlohnwerte
gemäss
LSE 2012 in Revision gezogen werden (BGE 142 V 178 E. 2.5.7 und 2.5.8.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_277/2016 vom 20. Juli 2016
E. 4.2)
. ).
]
1.7
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch-schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kürzen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass versicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwerarbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten nurmehr beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht erreichen. Der ursprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug entwickelte sich in der Folge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Rechtsprechung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen verwerten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25 % des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75).
1.8
Der Umstand, dass eine grundsätzlich vollzeitlich arbeitsfähige versicherte Person krank
heitsbedingt lediglich reduziert leistungsfähig ist, rechtfertigt keinen über die Berücksichtigung der eingeschränkten Leistungsfähigkeit und damit des Rendements hinausgehenden Abzug (Urteil des Bundesgerichts 8C_176/2012 vom 3. September 2012 E. 8 mit Hinweis auf 8C_20/2012 vo
m 4. April 2012 E. 3.2, E. 3.3), ebenso d
er Umstand, dass die versicherte Person gemäss den medizinischen Angaben auf eine Tätigkeit angewiesen ist, die im Sitzen ver
richtet werden kann und die Möglichkeit zu gelegentlichen Positionswechseln bietet, ihre Einsatzmöglichkeiten daher begrenzt sind (vgl. Urteil des Bundes
gerichts 8C_176/2012 vom 3. September 2012 E. 8).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der Begründung der angefochtenen Verfügung davon aus (Urk. 2/3), dass der Beschwerdeführer seit August 2009 als
Belader
nicht mehr arbeitsfähig sei (S. 1 unten). Gemäss der medizinischen Einschätzung seien ihm aus rein somatischer Sicht näher umschriebene Tätigkeiten zu 80 % zumutbar. Weiter führte die Beschwerdegegnerin aus, aus psychiatrischer Sicht gehe sie nicht davon aus, dass der Beschwerdeführer an einer
langan
-dauernden Krankheit im Sinne der Invalidenversicherung leide (S. 2 oben). Sie ermittelte einen Invaliditätsgrad von 21 %, sodann aufgrund einer Operation im April 2011 einen solchen von 100 % und schliesslich ab Januar 2012 einen solchen von 33 % (S. 2 f.).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, es sei - auch in psychiatrischer Hinsicht - auf die Ausführungen im eingeholten Gut
achten abzustellen (Urk. 1 S. 4), das auch von Seiten des Regionalen Ärztlichen Dienstes als nachvollziehbar und medizinisch plausibel beurteilt worden sei (S. 5). Das
Valideneinkommen
sei unbestritten, hingegen sei die Bemessung des Invalideneinkommens in verschiedener Hinsicht abzuändern (S. 6 Ziff. 8).
2.3
Strittig und zu prüfen ist somit, wie es sich mit dem Gesundheitszustand, der Arbeitsfähigkeit und einem allfälligen Rentenanspruch verhält.
3.
3.1
Dr. med. Y._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte in seinem Bericht vom 21. Februar 2015 (Urk. 6/150 = Urk. 6/151) aus, dass er den Beschwerdeführer seit dem 23. März 2012 behandle (Ziff. 1.2); es erfolge eine methodenintegrative depressionsspezifische Behandlung, vor allem
stützend und verhaltenstherapeutisch, zweimal monatlich eine Stunde (Ziff. 1.5)
. Er nannte folgende Diagnosen (Ziff. 1.1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
schwergradig
(ICD-10 F33.2), mit psychotischen Symptomen
-
Wesensveränderung
-
Status nach posttraumatischer Belastungsstörung
-
Status nach offener
Tibiafraktur
rechts August 2009 bei Einklemm
ungs
trauma
-
Status nach Osteosynthese mit
Tibianagel
August 2009
-
Status nach
Osteosynthesematerialentfernung
(OSME)
Tibianagel
und
Tenolyse
des M.
tibialis
anterior in der Frakturzone April 2011
-
postoperative
Fussheberparese
durch narbige Umwandlungen und Atrophie des M.
tibialis
anterior bei
axonaler
Nervenschädigung
-
Status nach Sehnentransfer M.
tibialis
posterior
rechts
Er attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % als Altpapierbelader seit
7. August 2009 (Ziff. 1.6) und bezeichnete die Prognose als unverändert ungün
stig
(vor Ziff. 1.5).
3.2
Dr. med. Z._, Leitender Arzt, Neurologie, A._, nannte in seinem Bericht vom 5. März 2015 (Urk. 6/155) über die am 3. März 2015 erfolgte klinisch-neurologische Untersuchung als Diagnose einen
Residual
zu-stand
bei Status nach offener
Tibiaschaftfraktur
rechts 2009 mit N.
peronaeus
Läsion rechts und Quetschtrauma des M.
tibialis
anterior rechts (S. 2 Mitte).
3.3
Dr. med. B._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Medizi-nischer
Dienst der Axa Versicherungen AG (dem Haftpflichtversicherer), erstattete am 8. Juni 2015 eine Aktenbeurteilung (Urk. 6/159/2-13). Darin setzte er sich kritisch mit den vom behandelnden Psychiater gestellten Diagnosen (vor
stehend E. 3.1) auseinander (S. 6 ff.) und führte aus, dass in diagnostischer Hinsicht als Arbeitshypothese das Vorliegen von chronischen Schmerzen mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) anzunehmen sei (S. 9 unten). Die attestierte Arbeitsunfähigkeit erachtete er als nicht nachvollziehbar (S. 11 Ziff. 3).
3.4
Dr. med. C._, Leitender Arzt, Handchirurgie, A._, be
richtete am 19. Juni 2015, die vom Patienten angegebene schmerzhafte Schwel
lung
antero
-lateral am oberen Sprunggelenk (OSG) rechts könne im aktuell erstellten MRI (vgl. Urk. 6/168/2) nicht dargestellt werden, was auch dem aktuellen klinischen Befund entspreche (Urk. 6/168/1).
3.5
3.5.1
Am 26. Oktober 2015 erstatteten die Ärzte des
D._ ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (Urk. 6/172). Sie stützten sich auf die ihnen
überlassenen Akten (S. 3 ff.), die Angaben des Versicherten (S. 24 ff.) und die von ihnen in den Fachgebieten Innere Medizin,
Orthopädie, Neurologie und Psychiatrie (S. 3 oben) erhobenen Befunde (S. 29 ff.
).
3.5.2
Berufsanamnestisch wurde unter anderen ausgeführt, der Beschwerdeführer ar
bei
te seit zirka sechs Monaten dreimal drei Stunden pro Woche. Er müsse Ge
würze einpacken. Diese Arbeit sei sitzend und er müsse keine schweren Lasten heben, es handle sich um leichte Arbeit (S. 26 Mitte).
Der Beschwerdeführer stehe zirka um 7 Uhr auf, bereite das Morgenessen für sich und die Kinder vor, dann arbeite er dreimal in der Woche von 9 bis 12 Uhr, später gehe er nach Hause und bereite das vorgekochte Essen für sich und die Kinder zu, danach erledige er die Küchenarbeiten oder weitere Haushaltarbeiten, am Nachmittag lege er sich hin, lese oder schaue fern, zweimal in der Woche werde Physiotherapie durchgeführt, am Abend esse er mit den Kindern und der Ehefrau, er lese oder diskutiere mit der Ehefrau und gehe zirka um 22 Uhr ins Bett (S. 27).
3.5.3
Im Rahmen der psychiatrischen Beurteilung wurde unter anderem ausgeführt, es lasse sich aktuell eine eindeutige depressive Symptomatik im Sinne einer apa
thisch-gehemmten Depressivität mit Suizidalität als Folge der multiplen Be
schwer
den sowie Behinderungen durch den Unfall feststellen, die Konsequenzen dieses Unfalles seien auch für jeden Laien nachvollziehbar in einem Verlust einerseits gesundheitlicher Qualitäten (der Versicherte sei eindeutig in seiner Geh- und Stehfähigkeit behindert und leide unter chronischen Schmerzen), andererseits habe er diese Einschränkungen und den Verlust seiner alten Arbeitsfähigkeit in einem körperlichen Betätigungsfeld nicht adäquat psychisch verarbeiten können und es sei zu einem sozialen Rückzug gekommen und - mit jeder begrabenen Hoffnung auf eine Besserung nach einem operativen Eingriff -
zu einer weiteren Verschlechterung des psychischen Zustandes (S.
53 Ziff. 4.4
.5). Konsekutiv bestünden nun auch Eheprobleme, der Versicherte befürchte, dass sich seine Frau von ihm trennen werde, da sie die Belastungen durch ihn und seinen sozialen Rückzug, seine depressive Stimmung und sein Sich-isolieren nicht mehr ertragen könne (S. 53 f.). Es handle sich um einen
circulus
vitiosus
, der sich langsam eingestellt und immer mehr verschärft habe, je schlechter sich die gesundheitliche Situation für den Versicherten entwickelt habe, der letztlich immer darauf gehofft habe, dass sich sein Gesundheitszustand mit moderner Medizin wieder vollständig reparieren liesse und er wieder so arbeiten könnte, wie er dies früher einmal getan habe (S. 54 oben).
3.5.4
Die Gutachter nannten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (S. 56 f. Ziff. 7):
-
sensomotorisches Ausfallsyndrom mit dominierender
Fussheberparese
und persistierendem Schmerzsyndrom am rechten Unterschenkel bei
-
Status nach Unfallereignis mit Einklemmung des rechten Unter
schen
kels und offener
Tibiaschaftfraktur
am 7. August 2009
-
nach Osteosynthese mit
unaufgebohrtem
Tibianagel
am 7. August 200
9
-
nach Entfernung des
Osteosynthesematerials
und
Tenolyse
des M.
tibialis
anterior im Frakturbereich am 18. April 2011
-
nach Sehnentransfer des M.
tibialis
posterior
am 5. Oktober 2011
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelschwere Episode
-
im Sinne einer chronifizierten depressiven Entwicklung im Rahmen einer Anpassungsstörung an Unfallfolgen mit sozialen,
gesund
heit-lichen
und psychologisch negativen Folgen
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie einen schädlichen Gebrauch von nichtabhängigkeitserzeugenden Substanzen (Analge
tika), Probleme in der Beziehung zum Ehepartner, ein nicht fusioniertes
Ossikel
an der rechten
Fibulaspitze
und einen Verdacht auf Sinus
tarsis
-Syndrom (S. 57 Ziff. 8).
3.5.5
Zur Arbeitsfähigkeit führten die Gutachter aus, dass aus näher dargelegten
Gründen die früheren Tätigkeiten des Beschwerdeführers im Gartenbau, als Hil
fs
dachdecker oder als Kehrichtmann nicht mehr in Frage kämen (S. 59 Ziff. 10). Bezüglich einer adaptierten Tätigkeit führten sie aus, vom Bewegungsapparat her könnte der Versicherte in einer vorwiegend sitzenden, teils auch gehenden oder teils stehenden Tätigkeit, die näher genannte Einschränkungen berück-sichtige, beruflich aktiv werden. Allerdings interferiere von somatischer Seite her auch eine chronische Schmerzproblematik, so dass sie dem Versicher
ten rein somatisch eine Reduktion der Arbeitsfähigkeit im Sinne einer Verminderung des Rendements um 20 % zubilligten. Dazu komme eine aktuell deutliche, mittel
schwere depressive Symptomatik im Sinne einer depressiven Entwicklung und Maladaption an die schwierige gesundheitliche und soziale Situation des Ver
sicherten im Gefolge des Unfalls. All seine Hoffnungen auf eine Verbesserung
seiner Schmerzproblematik und seiner Gehbehinderung durch medizinische Mass
nahmen seien enttäuscht worden, er habe ganz offensichtlich grosse Probleme damit, sich an diese neue, objektiv auch belastende Situation, adaptieren zu können. Insgesamt beurteilten sie den Versicherten deshalb auch in einer opti
mal adaptierten Tätigkeit als zu 40 % in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt (S. 59 Ziff. 11).
Rein somatisch gesehen sei ein Endzustand erreicht, hier sei leider keine Ver
besserung zu erwarten und es könnten deshalb auch keine therapeutischen Empfehlungen gemacht werden. Psychiatrisch sei die Prognose offen, sie werde wesentlich davon abhängen, wie die weitere psychiatrische Therapie verlaufen werde. Hier sei zumindest mit einem Verbesserungspotential zu rechnen. In welchem Zeitrahmen und in welchem Ausmass eine solche Verbesserung mög
lich sei, könne aber nicht prognostiziert werden (S. 60 Ziff. 13).
3.6
Dr. B._ (vorstehend E. 3.3) führte in einer Stellungnahme vom 16. November 2015 (Urk. 6/181) zum D._-Gutachten unter anderem aus, wohl werde bezüg
lich der depressiven Symptomatik auch auf eine Maladaption des Exploranden hingewiesen. Es fehle aber eine kritische Würdigung bezüglich einer möglichen Symptomausweitung. Ebenso fehle eine Auseinandersetzung bezüglich der Gewich
tung dieser depressiven Symptome bezogen auf die Alltagsgestaltung und das Leistungsvermögen des Exploranden. Dass, wie im Gutachten
aufge
-führt, der Explorand doch zwischen 7 Uhr bis 22 Uhr einer geregelten famili
ären Alltagsstruktur und einer doch regelmässigen Tätigkeit nachgehen könne, hätte bezogen auf eine allfällige depressive Leistungseinschränkung diskutiert werden müssen. Zusammenfassend dürfe festgehalten werden, dass eine depres
sive Symptomatik mit einem Schweregrad einer mittelgradigen depressiven Episode (F 32.1) im Gutachten dokumentiert und nachvollziehbar ausgewiesen worden sei (S. 2 unten).
Im Grundsatz könne einer krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit aufgrund der Depression zugestimmt werden, dies allerdings angesichts des in prognostischer Hinsicht festgestellte therapeutische Potentials nicht auf Dauer (S. 3
lit
. b).
3.7
Dipl. med. E._, Facharzt für Neurologie sowie Facharzt für Psychia
trie und Psychotherapie, RAD, setzte sich in seiner Stellungnahme vom 7. Dezember 2015 (Urk. 6/182) vor allem mit der Kausalitätsbeurteilung durch Dr. B._ auseinander (S. 2 f.) und kam zum Schluss, die anhaltende depressive Störung sei klar als Folge der unfallbedingten körperlichen Einschränkungen zu sehen. Das D._-Gutachten sei nachvollziehbar und medizinisch plausibel (S. 3 Mitte).
3.8
Die D._-Gutachter führten in einer ergänzenden Stellungnahme vom 4. April 2016 (Urk. 6/189) aus, die Festlegung einer Arbeitsfähigkeit von mindestens 60 % im neurologischen Teilgutachten sei in nicht korrekter
Weise unter
Be-
rück
sichtigung
auch der anlässlich der neurologischen Untersuchung unver
kenn
baren psychischen Problematik des Versicherten erfolgt. Dies sei in Überein
stimmung mit der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im Gesamtgutachten,
näm-lich
einer Einschränkung von 40 % in einer optimal angepassten Tätigkeit (S. 2 Mitte).
3.9
Im Feststellungsblatt vom 27. Mai 2016 (Urk. 6/191) wurde nach einer - ohne Beteiligung des RAD erfolgten - Besprechung vom 28. April 2016 unter ande
rem ausgeführt, das Gutachten sei nicht ausreichend nachvollziehbar. Der Be
schwerdeführer nehme gemäss Gutachten 12 verschiedene Schmerzmittel ein. Laut Recherchen hätten viele dieser Medikamente als Nebenwirkung unter anderem Schlaflosigkeit und Depressionen. Die Gutachter würden ebenfalls be
stätigen, dass es sich hier um einen Schmerzmittelabusus handle. Zudem werde der Beschwerdeführer seit Jahren gleich therapiert und trotz fehlender Verbes
serung sei nie ein stationärer Aufenthalt gemacht oder eine andere Therapie
form ausprobiert worden. Der Leidensdruck sei hier fraglich. Es bestünden noch Möglichkeiten zur Optimierung der Therapie und damit könnte einer Verbes
serung erreicht werden. Der Beschwerdeführer arbeite dreimal wöchentlich und erledige nebenher den Haushalt, koche und kümmere sich um die Kinder. Ein sozialer Rückzug gegenüber der Familie sei damit nicht vorhanden. Die 20%ige Einschränkung wegen der somatischen Beeinträchtigung sei ausgewiesen. Die psychiatrischen Diagnosen seien aufgrund der vorliegenden Akten nicht nachvollziehbar. Die Gesprächsbeteiligen gingen davon aus, dass es dabei um keinen invalidisierenden Gesundheitsschaden im Sinne der Invalidenver
siche
rung handle (S. 2 Mitte).
4.
4.1
Im D._-Gutachten wurde aus polydisziplinärer Sicht eine Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit von 60 %
attestiert (vorstehend E. 3.5.5), wobei aus dem Zusammenhang deutlich wird, dass den somatisch begründeten Einschrän
kung
en mit der Formulierung eines entsprechenden Anforderungsprofils und einem um 20 % verminderten Rendement Rechnung getragen wurde, die Einschrän
kung somit als im Umfang von weiteren 20 % (und damit gesamthaft 40 %) durch die psychischen Beeinträchtigungen bedingt erachtet wurde.
4.2
Die Beschwerdegegnerin ist - abgesehen von einer Phase einer operationsbe
dingten vollständigen Arbeitsunfähigkeit von April bis Dezember 2011 - von einer somatisch begründeten Einschränkung um 20 % ausgegangen und hat der Invaliditätsbemessung eine Arbeitsfähigkeit von 80 %
zugrundegelegt
. Die Begrün
dung dafür lautete, aus psychiatrischer Sicht gehe sie nicht davon aus, dass der Beschwerdeführer an einer langandauernden Erkrankung im Sinne der Invalidenversicherung leide (vorstehend E. 2.1).
4.3
Dem Standpunkt und insbesondere der Argumentation der Beschwerdegegnerin kann nicht gefolgt werden. Sie hat ohne Einbezug des seitens des RAD verfüg
ba
ren medizinischen Sachverstandes befunden, die im
D._
-Gutachten gestell
ten
psychiatrischen Diagnosen seien „nicht nachvollziehbar“. Zu diesem Schluss gelangte sie unter anderem, weil laut „Recherchen“ (wohl im Internet) unter anderem Depressionen Nebenwirkungen der vom Beschwerdeführer eingenom
me
nen Medikamente sein könnten (vorstehend E. 3.9). Inwiefern eine solche von medizinischen Laien getroffene Feststellung die gutachterlichen Diagnosen in Frage stellen und zum Schluss veranlassen sollen können, es bestehe in psychischer Hinsicht gar kein invalidisierender Gesundheitsschaden (vorstehend E. 3.9) beziehungsweise keine langandauernde Erkrankung (vorstehend E. 2.1), bleibt rätselhaft.
4.4
Zu prüfen ist nunmehr anhand der Standardindikatoren (vorstehend E. 1.4), ob ausgehend von den im Gutachten dargelegten Befunden und den dort gestellten Diagnosen
deren funktionelle Auswirkungen - nämlich die von den Gutachtern mit 40 % bezifferte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit - mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind (vorstehend E. 1.3).
4.5
Hinsichtlich der
Gesundheitsschädigung
ergibt sich aus den Akten, dass die diagnoserelevanten Befunde auf eine mittelgradig ausgeprägte Depressivität schliessen lassen; dies stellten sowohl die D._-Gutachter (vorstehend E. 3.5.4) als auch der beratende Psychiater des Haftpflichtversicherers (vorstehend E. 3.6) fest.
Trotz der erfolgten Behandlung - unter anderem drei operative Eingriffe (vor
steh
end E. 3.5.4) - halten somatische Beschwerden an, dies ohne Aussicht auf weitere therapeutische Optionen (vorstehend E. 3.5.5), was nach Einschätzung der Gutachter einen bedeutenden ressourcenzehrenden Faktor darstellt (vorsteh
end E. 3.5.3). Eine psychiatrische Behandlung fand im Verfügungszeitpunkt seit gut 4 Jahren statt, dies jedenfalls im Berichtszeitpunkt in einer mittleren Fre
quenz von monatlich zwei Terminen (vorstehend E. 3.1).
Als ausgewiesene Komorbidität sind die Beeinträchtigungen am rechten Fuss und Unterschenkel zu nennen, welche chronische Schmerzen verursachen und die Geh- und Stehfähigkeit beeinträchtigen (vorstehend E. 3.5.3).
Hinsichtlich der
Persönlichkeitsdiagnostik
erscheint erwähnenswert, dass nebst anderem auch eine Suizidalität festgestellt wurde (vorstehend E. 3.5.3). Sodann verfügt der Beschwerdeführer über einige
persönliche Ressourcen
, die er aktuell auch ausschöpft, wie das Erwerbspensum von rund 20 % und sein Besorgen des Haushalts (vorstehend E. 3.5.2) deutlich machen.
Hinsichtlich des
soziale
n
Kontext
es zeigt sich ein gemischtes Bild: Zwar und
immerhin begibt sich der Beschwerdeführer dreimal wöchentlich an eine Arbeits
stelle, andererseits erscheint das Familien- und insbesondere das Eheleben durch die aktuellen Umstände erheblich belastet (vorstehend E. 3.5.3).
Hinsichtlich der
Konsistenz
im Sinne von
Gesichtspunkte
n
des Verhaltens
ist von Belang, ob eine gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen festzustellen ist. Massstab dafür ist hier die gutachterliche Feststellung, die - erwerbliche - Leistungsfähigkeit sei um 40 % eingeschränkt, betrage mithin 60 % (vorstehend E. 3.5.5). Dass der Beschwer
deführer bemüht ist, die vorhandenen Ressourcen zu nutzen und damit ein Erwerbspensum von rund 20 % versieht und den Haushalt besorgt, ist ein Akti
vitätsniveau, das mit der attestierten Restarbeitsfähigkeit von 60 % durchaus vereinbar ist, so dass die gutachterliche Feststellung dadurch nicht in Frage gestellt wird (vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_354/2015 vom 2
9.
Februar 2016
E. 6.3). Was - ebenfalls hinsichtlich der Konsistenz - den behandlungs- und ein
gliederungsanamnestisch ausgewiesenen Leidensdruck betrifft, weist die (in redu
ziertem Umfang) effektiv ausgeübte Erwerbstätigkeit darauf hin, dass das Be
kunden des Beschwerdeführers, er würde gerne wieder so arbeiten wie früher (vorstehend E. 3.5.3), zum Nennwert genommen werden kann. Dass in soma
tischer Hinsicht keine aktuellen Behandlungen mehr erfolgen, sagt nichts über einen allfälligen
Leidensdruck aus, sondern ist dem Erreichen des medizinischen Endzustands (vorstehend E. 3.5.5) geschuldet. Schliesslich ist der Beschwerde-führer seit rund 4 Jahren in regelmässiger psychotherapeutischer Behandlung. Dass es sich dabei unverändert um eine ambulante Behandlung handelt, wurde von der Beschwerdegegnerin als Hinweis auf einen fraglichen Leidensdruck ge
wertet (vorstehend E. 3.9). Eine solche Beurteilung übersieht allerdings, dass die Therapieform ganz offensichtlich vom behandelnden Arzt so gewählt wurde und dass nicht etwa der Beschwerdeführer eine ihm vorgeschlagene stationäre Behandlung abgelehnt hat.
4.6
Zusammengefasst führt die Prüfung der einzelnen Indikatoren zum Schluss, dass der gutachterlichen Beurteilung, wonach das diagnostizierte psychische Leiden eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit um 40 % bewirkt, schlüssig und widerspruchsfrei gefolgt werden kann und somit mit (zumindest) über
wie
gen
der Wahrscheinlichkeit feststeht, dass in näher umschriebenen angepassten Tätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von 60 % besteht.
Von diesem Sachverhalt ist auszugehen.
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin ist von einem
Valideneinkommen
im Jahr 2010 von Fr. 62‘078.-- ausgegangen (Urk. 6/175 S. 1, Urk. 6/190 S. 1), was unbestritten (Urk. 1 S. 6 oben) und nicht zu beanstanden ist.
5.2
Das Invalideneinkommen betreffend ging die Beschwerdegegnerin sowohl im
am 12. November 2015 vorgenommenen Einkommensvergleich (Urk. 6/175) als auch
in demjenigen vom 27. Mai 2016 (Urk. 6/190) für das Jahr 2011 von der LSE 2010 und für das Jahr 2012 von der LSE 2012 aus. Vom Tabellenlohn gemäss LSE 2012 nahm sie einen Abzug von 10 % mit der Begründung vor, es sei als lohnmindernder Faktor zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer nur noch körperlich leichte Tätigkeiten
ausüben könne (Urk. 6/175 S. 3 oben, Urk. 6/190 S. 2 unten).
Die beiden Einkommensvergleiche unterscheiden sich jedoch - entscheidend -darin, dass 2015 von einer Restarbeitsfähigkeit von 60 %, 2016 hingegen einer solchen von 80 % ausgegangen wurde.
5.3
Massgebend ist die Sachverhaltsfeststellung, dass die Arbeitsfähigkeit 60 % beträgt (vorstehend E. 4.6). Sodann sind bezogen auf das Jahr 2011 die Daten der LSE 2010 die
aktuellst
verfügbaren, weshalb deren Verwendung nicht zu beanstanden ist (vorstehend E. 1.5).
Die Verwendung der LSE 2012 hingegen ist in der hier gegebenen Konstellation nicht angezeigt. Denn der methodisch bedingte Serienbruch mit einem 2012 um 6.3 % höheren Lohnniveau (vorstehend E. 1.6) hätte zur Folge, dass bei im Übrigen unveränderten Parametern lediglich infolge des statistischen Metho
den
wechsels ein anderer Invaliditätsgrad und allenfalls Rentenanspruch
resul
-tieren würde. Dies ist, ebenso wie beim in BGE 142 V 178 E. 2.5.7 genannten Sachverhalt, nicht zulässig. Die LSE 2010 ist demnach auch für die spätere Perioden betreffende Invaliditätsbemessung zu verwenden. Dies ist überdies die methodisch konsequentere Herangehensweise als auf die LSE 2012 abzustellen, aber neu - anders als noch bei Verwendung der LSE 2010 - einen Leidensabzug zu gewähren.
5.4
Einem Abzug vom Tabellenlohn aus den vom Beschwerdeführer angeführten Gründen (Urk. 1 S. 6) steht die diesbezügliche gefestigte Praxis (vorstehend E. 1.8) entgegen. Ob aus den von der Beschwerdegegnerin betreffend 2012 an-ge
führten Gründen ein Abzug von 10 % sowohl 2011 als auch 2012 angezeigt ist, kann vorerst offen bleiben.
5.5
Die Beschwerdegegnerin hat unter Verwendung der Tabellenlöhne der LSE 2010 und ausgehend von einer Arbeitsfähigkeit von 60 % einen Invaliditätsgrad von
41 % ermittelt (Urk. 6/175 S. 1 oben). Würde beim Invalideneinkommen ein Abzug von 10 % erfolgen, ergäbe dies einen Invaliditätsgrad von 47 %. In beiden Fällen resultiert ein Anspruch auf eine
Viertelsrente
, so dass die Frage des Abzugs unbeantwortet bleiben kann.
Für den Einkommensvergleich ab 1. Januar 2012 ist, wie dargelegt, weiterhin die LSE 2010 massgebend (vorstehend E. 5.3). Nachdem die Arbeitsfähigkeit unver
ändert 60 % beträgt und auch beim
Valideneinkommen
von der gleichen Datenbasis auszugehen ist, könnten einzig unterschiedliche Werte betreffend die Reallohnentwicklung beim Validen- und beim Invalideneinkommen eine Ände
rung des Invaliditätsgrades bewirken. Diese wäre mit Sicherheit derart marginal, dass sie ohne Einfluss auf den Rentenanspruch bliebe. Somit resultiert
wiede
-rum ein Anspruch auf eine
Viertelsrente
.
5.6
Dies führt zusammengefasst zur Feststellung, dass dem Beschwerdeführer - nebst
dem unbestrittenen Anspruch auf eine ganze Rente von April 2011 bis März 2012 - eine
Viertelsrente
zusteht, dies von August 2010 bis März 2011 und sodann ab April 2012 (vgl. Urk. 6/178).
Mit der genannten Feststellung ist die angefochtene Verfügung abzuändern und in diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
6.
6.1
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 800.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuer
legen.
6.2
Dem obsiegenden und anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer steht eine Pro
zess
entschädigung zu, die beim praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 220.-- ermessensweise auf Fr. 2‘700.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen und der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen ist.