# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 88305079-9e65-4b1c-8c31-ec31023a116e
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1959, stand bei der
Y._
als Erwach
senenbildner in einem Arbeitsverhältnis, als er sich am 18. November 2013 unter Hinweis auf psychische Beschwerden bei der Invalidenversicherung zum Leis
tungsbezug anmeldete (Urk. 11/3).
Nach medizinischen Abklärungen verneinte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, mit Verfügung vom 6. Juni 2014 einen Leistungsanspruch (Urk. 11/22).
1.2
Am 24. Juni 2017 meldete sich
der Versicherte, vo
m
1.
Dezember 2016 bis 30. April 2017 als Personalcoach erwerbstätig
(vgl. Urk. 11/37/27)
, erneut zum Leistungsbezug an (Urk. 11/27).
Die IV-Stelle
klärte den medizinischen und erwerblichen Sachverhalt ab und
sprach dem Versicherten nach durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
(Urk. 11/70
, Urk. 11/77
)
mit Verfügung vom 25. Septem
ber 2019
eine befristete ganze Rente vom 1. April 2018 bis 28. Februar 2019
zu
(Urk. 11/107, Urk. 11/120 = Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am 28. Oktober 201
9
Beschwerde gegen die Verfügung vom 25. September 2019 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und
es sei ihm mit Wirkung ab 1. April 2018 eine ganze
(unbefristete)
Invaliden
r
ente zuzu
sprechen, eventuell mit Wirkung ab 1. April 2018 eine ganze und ab 1. Mai 2018 zumindest eine Teilrente bei einem Inv
aliditätsgrad von mindestens 50
%. Subeventuell sei die Sache an die IV-Stelle zu weiteren Abklärungen zurückzu
weisen (Urk. 1 S. 2 Ziff. 1-4).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 25. November 2019 (Urk. 10) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom 2. Dezember 2019 (Urk. 12) wurden das Gesuch um unentgeltliche Rechtsvertretung und Prozessführung abgewiesen und dem Beschwerdeführer die Beschwerdeantwort zugestellt.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die rückwirkend ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Reduktion abgestufte Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der Leis
tung und andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung (BGE 125 V 413 E. 2d; Urteil des Bundesgerichts 8C_780/2007 vom 27. August 2008 E. 2.3; vgl. Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflag
e 2014,
Rn
11 zu Art. 30–31
). Rechtsprechungsgemäss bildet eine solche Verfügung insgesamt den Anfechtungs- und Streitgegenstand und unterliegt integral der gerichtlichen Prüfung, selbst wenn nur einzelne Punkte davon bestritten sind (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.2, 125 V 413 E. 2d; vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_440/2017 vom 25. Juni 2018 E. 5.1 [in BGE 144 V 153 nicht publiziert] und 9C_50/2011 vom 25. Mai 2011 E. 2.1).
Spricht die Verwaltung der versicherten Person eine abgestufte oder befristete Rente zu und wird beschwerdeweise einzig die Abstufung oder die Befristung der Leistungen angefochten, hat dies nicht eine Einschränkung des Gegenstandes des Rechtsmittelverfahrens in dem Sinne zur Folge, dass die unbestritten gebliebenen Bezugszeiten von der Beurteilung ausgeklammert blieben. Die gerichtliche Prü
fung hat vielmehr den Rentenanspruch für den gesamten verfügungsweise gere
gelten Zeitraum und damit sowohl die Zusprechung als auch die Abstufung oder Aufhebung der Rente zu erfassen (BGE 131 V 164 E. 2.2, 125 V 413 E. 2d; Urteile des Bundesgerichts 8C_765/2007 vom 11. Juli 2008 E. 2 und I 526/06 vom 31. Oktober 2006 E. 2.3 mit Hinweisen). Dabei ist in anfechtungs- und streitge
genständlicher Hinsicht irrelevant, ob eine rückwirkende Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente in einer oder in mehreren Verfügun
gen gleichen Datums eröffnet wird (BGE 131 V 164 Regeste; Urteil des Bundes
gerichts 8C_489/2009 vom 23. Okt
ober 2009 E. 4.1 mit Hinweis).
1.4
Nach der Rechtsprechung sind bei rückwirkender Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente die für die Rentenrevision geltenden Bestimmun
gen (Art. 17 ATSG in Verbindung mit Art. 88a IVV) analog anzuwenden (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_399/2016 vom 18. Januar 2017 E. 4.8.1). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse eingetreten und damit der für die Abstufung oder Befristung erforderliche Revisionsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts im Zeitpunkt des Rentenbeginns mit dem
jenigen im – nach Massgabe des ana
log anwendbaren Art. 88a Abs. 1
der Ver
ordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
festzusetzenden – Zeitpunkt der Anspruchsänderung (vgl. BGE 125 V 413 E. 2d mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteile des Bundesgerichts 8C_375/2017 vom 25. August 2017 E. 2.2 und 8C_350/2013 vom 5. Juli 2013 E. 2.2 mit Hinweis
).
1.5
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenan
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Ände
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann
ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kon
text unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3
IVV
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Vorausset
zungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisions
gesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass
die Vorbringen
der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versi
cherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des
Invaliditätsgrades auch
tat
sächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2).
1.6
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.7
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet si
nd (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V
351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin begründete ihren Entscheid (Urk. 2) damit, dass der Beschwerdeführer seit Mitte Dezember 2016 zuerst krankheits- und dann unfall
bedingt in der Ausübung der Tätigkeit als Fachkraft Bewerbung und Sprachför
derung (Personal-/
Jobcoach
) eingeschränkt gewesen sei. Nach Ablauf des Warte
jahres und unter Berücksichtigung der verspäteten Anmeldung vom 3. Oktober 2017 bestehe mit Wirkung ab 1. April 2018 Ans
pruch auf eine ganze Rente (Begründungsteil, S. 1). Ab dem 4. November 2018 sei die Ausübung der ange
stammten Tätigkeit wieder zu 80 % zumu
tbar, was nach durchgeführtem Ein
kommensvergleich zu einem rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 20 % führe, weshalb die ganze Rente per 28. Februar 2019 befristet werde (S. 3).
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer geltend (Urk. 1), gemäss den ärztli
chen Behandlungsberichten verhindere die multifaktorielle Schmerzerkrankung eine Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt (S. 8 ff.). Da er inzwischen über 60 Jahre alt und gesundheitlich stark angeschlagen sowie gesundheitsbedingt län
gere Zeit gän
zlich vom Arbeitsmarkt abwesend
gewesen sei
, sei selbst bei Anrechnung einer medizinisch-theoretisch
en Resterwerbsfähigkeit diese nicht mehr verwertbar (S. 10 f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invali
denrente.
Dabei steht fest, dass die Beschwerdegegnerin auf die
erneute A
nmeldung vom
24. Juni 2017
eingetreten i
st (vgl. vorstehend E. 1.5
).
3.
3.1
Die letzte materielle Beurteilung des Gesundheitszustandes fand mit Verfügung vom 6. Juni 2014, mit welcher
ein Leistungsa
nspruch verneint wurde
(Urk. 11/22)
,
ihren Abs
c
hluss.
Dabei waren die folgenden relevanten medizini
schen Berichte
aktenkundig
:
3.2
Den Akten ist zu entnehmen
, dass der Beschwerdeführer
sich im Mai 2008 die Hüfte behandeln lassen musste (vgl. Bericht
Z._
vom 22. Mai 2009, Urk. 11/8/7-8), an
entzündlichen Veränderungen der Achillessehne links mit Umgebungsödem litt (vgl. Bericht
A._
vom 22. Januar 2013, Urk. 11/8/9-10), aufgrund eines Treppensturzes am 24. Mai 2013 sich eine dorsale
proximale
Interphalangealgelenks
(
PIP
)
-Luxation des
Digitus
III Hand links zuzog (vgl. Bericht
B._
vom 9. August 2013, Urk. 11/8/15) und notfallmässig wegen einer bestehenden
Unguis
incarnatus
Dig
itus
1 Fuss rechts lateral operiert wurde (vgl. Bericht
C._
vom 25. November 2013, Urk. 11/8/13).
3.3
Der Beschwer
deführer wurde zur Alkoholentzu
gsbehandlung vom 29. Oktober bis 28. November 2013 stationär behandelt.
Die Ärzte der
D._
nannten in ihrem
Austrittsbericht vom 29
. November 2013 (Urk. 11/
10-
14) die folgenden Diagnosen (S. 1):
-
m
ittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
-
p
sychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol: Abhängigkeitssyn
drom (ICD-10 F10.2)
-
e
ntgleister
Diabetes mellitus Typ 2, a
rterielle Hypertonie, Adipositas, Schlafapnoe-Syndrom, Tendinitis de
r linken Achillessehne,
gastroöso
phagealer
Reflux, Wundheilungsstörung mit
Unguis
incarnatus
Dig
I Fuss rechts
ätiologisch
posttraumatisch und diabetisch bedingt
Der Beschwerdeführer
habe seit Anfang 2013 seinen Alkoholkonsum sukzessive gesteigert. Auslösend und aufrechterhaltend für die Abhängigkeitserkrankung seien finanzielle Sorgen im Zusammenhang mit der zurückliegenden Scheidung, Arbeitsbelastung und sozialer Rückzug.
Die Belastungserprobungen in der gewohnten Umgebung gegen Ende der stationären Therapie seien ohne Kon
sumereignisse verlaufen, obschon sich der Beschwerdeführer noch sehr unsicher gefühlt habe (S. 3).
Während der Zeit des stationären Aufenthaltes habe eine voll
ständige Arbeitsunfähigkeit bestanden (Urk. 11/9/3 Ziff. 1.6).
3.4
Die Weiterbehandlung fand
stationär vom 28.
November 2013 bis 10. März 2014 und ab dem 11. März 2014
ambulant in der E._
statt, deren Oberärztin
,
Dr. med.
F._
,
am 7. April 2014 berichtete (Urk. 11/21). Sie nannte als psychiatrische Diagnosen ein Alkoholabhängigkeitssyndrom, gegenwärtig absti
nent in beschützender Umgebung (ICD-10 F10.21), eine leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0) sowie einen Status nach Suizidvers
u
ch im Jahr 2003 (Ziff. 1 S. 1).
Aktuell bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (S. 6 Ziff. 10). Nach einem erfolgreichen Abschluss der tagesklinischen Behandlung sollte es dem Beschwer
deführer aus psychiatrischer Sicht grundsätzlich möglich sein, auch seine Tätig
keit als Erwachsenenausbilder wieder erfüllen zu können (S. 5 Ziff. 7 f.).
4.
4.1
Der aktuelle Gesundheitszustand ergibt sich aus den folgenden medizinischen Berichten:
4.2
Dr. med.
G._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, verwies in seinem Bericht vom 19. Oktober 2017 (Urk. 11/35/1-4) auf Berichte der
H._
, in welcher der Beschwerdeführer wegen Rückenschmerze
n behandelt wurde (persistierende Lumbalgien rechtsbetont bei verheilter B
rustwir
belkörper
[
BWK
]
11-Kompressionsfraktur nach Stolpersturz am 9. Januar 2017, degenerative Veränderungen der Lendenwirbel
säule [LWS] mit
Spondylarthrosen
und
Bandscheibenprotrusionen
L3/4 und L4/5 und Neurokompression und
ödematöser
Reizung der rechten lateralen Rückenmusku
latur, Status nach Fac
et
tengelenksinfiltration L3/4 und L4/5 am 24. Februar 2017; vgl. Urk. 11/35/5-11). Es bestünden Einschränkungen und eine Wiederaufnahme der beruflichen Tätig
keit sei fraglich
(Ziff
. 1.7; Ziff. 1.9).
4.3
Die Ärzte der
Z._
berichteten der Beschwerdegegnerin am
25. Oktober 2017 (Urk. 11/40/6-9). Sie nannten als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Kompressionsfraktur BWK 11 nach Stolpersturz am 9. Januar 2017 sowie eine Facettengelenksarthrose L3/4, L4/5 beidseits (S. 1 oben).
Der Beschwerdeführer habe aufgrund einer langjährigen, in letzter Zeit zunehmenden Lumbalgie eine Infiltration
epidural
L3/4 am 6. Januar 2017 erhal
ten. Danach seien die Beschwerden
regredient
gewesen. Am 9. Januar 2017 sei es zu einem Stolpersturz mit direktem Anprall der BWS gekommen, woraufhin sich die Symptomatik wieder verstärkt habe. Seither habe der Beschwerdeführer wie
der zunehmende Rückenschmerzen im LWS-Bereich mit teilweiser Ausstrahlung in beide Beine.
In der Bildgebung
zeige sich eine vorbestehende Facettengelenks
arthrose L3/4 und L4/5 beidseits, wobei die klinische Symptomatik anhand der klinischen Untersuchung nicht eindeutig einer der beiden zuvor beschriebenen Pathologien zugeschrieben werden könne
. Der Beschwerdeführer benötige wei
terhin Schmerzmittel (S. 1 f.). Es bestehe keine medizinisch begründete Arbeits
unfähigkeit und die bisherige Tätigkeit sei ihm zumutbar (S. 2).
4.4
Dr. med. univ. I._
, Facharzt für Anästhesiologie, führte am 15.
Januar 2018 (Urk. 11/56/7-10)
zur bekannten Hauptdiagnose
einer
persistie
rende
n
Lumbalgie rechtsbetont seit Kompressionsfraktur BWK 11 am 9. Januar 2017 (S. 1) aus, die orale analgetische Therapie sei gut ausgebaut, jedoch leide der Beschwerdeführer weiterhin
an Schmerzen. Zur vegetativen Stabilisierung schlage er eine Akupunkturbehandlung vor (S. 3).
4.5
Der Beschwerdeführer
liess sich bei Dr. med. J._
, Facharzt für Anästhesiologie, behandeln. Dieser nannte in seinem Erstkonsultationsbericht vom 19. März 2018 (Urk. 11/59/7-9) die folgenden Diagnosen (S. 1):
-
c
hronisch posttraumatisch persistierende tiefthorakale Rückenschmerzen mit lateraler Ausstrahlung nach rechts bis in die
Skapularlinie
(aber nicht weiter lateral) mit/bei
-
BWK 11-
Kompressionsfraktur nach Stolpersturz
am 9. Januar 2017
-
Status nach Facettengelenksinfiltration LWK3/4 und LWK4/5 am 24. Februar 2017
-
r
epetitive Schmerzreduktion auf Ohr-/Laserakupunktur bis 2.5 Tage
-
Diabetes mellitus Typ II, oral therapiert
-
Status nach 6 Knieoperationen rechts
-
Operation oberes Sprunggelenk (OSG) rechts vor 30 Jahren
-
Hüftoperation links
Er schlug
verschiedene,
näher ausgeführte Behandlungsmethoden vor (S.
2 f.).
Mit Zwischenbericht vom 23. April 2018 (Urk. 11/62/27-29)
hielt er fest, die
periartikuläre
Infiltration der Facettengelenke BWK 10/11 und BWK 11/12 rechts hätten glei
ch
postinterventionell
nach 60
Minuten zu einem verspäteten sch
merzreduzierenden Effekt von 50
% geführt. Der Beschwerdeführer habe anschliessend auch einen deutlichen Steroideffekt verspürt. Die Schmerzen seien aber nun in den letzten Tagen wieder
leicht
zunehmend
, was auf den abnehmen
den Steroideffekt hindeute (S. 1).
4.6
Dr.
G._
(vgl. vorstehend E. 4.2)
attestierte
in seinem Bericht vom 30. März 2018
zuhanden der Beschwerdegegnerin (Urk. 11/56/2-5) eine vollständige Arbeitsun
fähigkeit des Beschwerdeführers seit 9. Januar 2017 (Ziff. 1.3) und verwies im
Ü
brigen auf
die Berichte von Dr.
I._
(vgl. vorstehend E. 4.4) und Dr.
J._
(vgl. vorstehend E. 4.5).
4.7
Der am 9. Juli 2018 erhobene bildgebende Befund (Magnetresonanztomographie, MRI; Urk. 11/62/16-17) der Lendenwirbelsäule ergab im Vergleich zur Vorunter
suchung vom 29. Juni 2017 eine minimale Progredienz der Höhenminderung d
e
s Wirbelkörpers TH11 bei Status nach Deckplattenimpressionsfraktur ohne Zeichen einer Instabilität und bei vollständiger
Regredienz
des Knochenmarködems TH11
,
e
benso eine leicht progrediente
breitbas
ige
Diskusprotru
sion
auf Höhe L4/L5 links mit möglicher
foraminaler
Affektion der Radix L4 links. Die übrigen lumbalen Segmentdegenerationen seien unverändert (S. 1 unten).
4.8
Am 5. November 2018 wurde der Beschwerdeführer chirurgisch-/
traumatologisch
vom beratenden Arzt der Krankentaggel
dversicherung, Dr. med. K._
, Facharzt für Chirurgie, untersucht. In seinem gleichentags erstellten Bericht (Urk. 11/65/6-11)
nannte
dies
er die folgenden Diagnosen mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit (S. 5 Ziff. 4.1):
-
Sturz am 9. Januar 2017 mit/bei
-
BWK 11-
Fraktur mit geringer Sinterung und erhaltener Hinterkante
-
rezessale
Enge rechts in Höhe von LWK 3/4 mit möglicher Irritation der Wurzel L4 rechts
-
links
mediolateraler
Bandscheibenprotrusion
in Höhe von LWK 4/5 mit
rezessaler
Enge
-
Facettengelenksarthrose L3/4, L4/5 beidseits
-
Status nach konservativer Behandlung
Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannte er einen Status nach Kreuzbandriss und Riss der Patellarsehne rechts, einen Status nach
fibularer
Bandruptur rechts und einen Status bei Osteosynthese (Schraube) nach Schenkelhalsfraktur links (S. 5 Ziff. 4.2).
Die jetzt noch vorhandenen Beschwerden könnten nur noch zu einem geringen Teil als posttraumatisch angesehen werden. Im Wesentlichen zeigten sich dege
nerative Veränderungen im Bereich der LWS. Es bestehe unfallbedingt ab dem Untersuchungstag eine 80%ige Arbeitsfähigkeit für die zuletzt ausgeü
bte Tätig
keit. Die fehlenden 20
% seien einem erhöhten Pausenbedarf nach der Wirbel
körperfraktur bei der überwiegend sitzenden Tätigkeit geschuldet. Bis spätestens in einem halben Jahr sollte nach Stärkung der Rückenmuskulatur eine volle Arbeitsfähigkeit erreicht werden können. Eine leidensangepasste Tätigkeit unter Beachtung des Belastungsprofils (wechselbelastende leichte bis mittelschwere Arbeiten ohne längere Zwangshaltungen für den Rücken, ohne vornüber geneig
tes Arbeiten und ohne Rotationsbelastungen für die Wirbelsäule bei weitgehend frei zu wählender Position) seit ab 5. November 2018 unfallbedingt wieder zu 100 % zumutbar (S. 5 Ziff. 5.1 f., S. 6 Ziff. 7).
4.9
Auf Zuweisung des Hausarztes erfolgte
n
ab 11. Dezember 2018 Behandlungen i
m L._
,
M._
. Die Ärzte nannten in ihren Bericht vom 20. Dezember 2018 (Urk. 11/84) die folgen
den Diagnosen (S. 1):
-
Kreuzschmerz rechts betont nach BWK-Fraktur
-
c
hronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
a
namnestisch: Alkoholabhängigkeit (ICD-10 F10.20), anamnestisch remit
tiert, Differentialdiagnose (DD): aktuell schädlicher Gebrauch, Abhängig
keit
-
v
egetative Dysregulation
-
a
nd
e
re Kontaktanlässe mit Bezug auf den engeren Familienkreis
(ICD-10 Z63.0)
-
Kontaktanlässe mit Bezug auf das Wohnumfeld oder die wirtschaftliche Lage
(ICD-10 Z59.0)
-
Sensibilitätsstörung
der Haut der rechten unteren Extremität
-
Verdacht auf rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2)
Zusammenfassend führten die Ärzte aus, die Untersuchung und Beurteilung sei interdisziplinär durch die Fachdisziplinen Neurochirurgie, Orthopädie und Schmerzpsychologie erfolgt. Aus schmerzmedizinischer Sicht trage in erster Linie die schmerzhafte Verspannung des
Musculus
quadratus
lumborum
zur Aufrecht
haltung der Beschwerden bei. Diese bestehe vor dem Hintergrund einer insuffi
zienten, aktiven muskulären Rumpfstabilisation. Die vegetative Dysregulation komme als schmerzverstärkender Faktor hinzu.
Der Beschwerdeführer zeige das klinische Bild
chronifizierter
Schmerzen (S. 1).
Aus schmerzpsychologischer Sicht sei von einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) auszugehen. Der B
eschwerdeführer beschreibe, sich
seinen Schmerzen, unter welchen er seit dem Unfall anfangs 2017 leide, hilflos ausgeliefert zu fühlen. I
h
m stünden zurzeit nicht genügend adaptive Schmerzbe
wältigungsstrategien zur Verfügung. Es werde ein hoher schmerzbedingter Leidensdruck deutlich. Zudem schildere der Beschwerdeführer eine mindestens mittelschwere bis schwere depressive Symptomatik, wahrscheinlich rezidivierend (mit Suizidversuch währen der Zeit der Scheidung und anschliessendem Aufent
halt in der
N._
). Lebensgeschichtlich würden viele verletzende zwischenmenschliche Erfahrungen und Kontaktabbrüche zu Bezugspersonen deutlich. Allfällige Persönlichkeitsaspekte oder posttraumatische Belastungs
symptome könnten nicht abschliessend diagnostisch eingeschätzt werden. Nach drei Jahren
Alkoholabstinenz
habe der Beschwerdeführer vor eineinhalb Jahren wieder begonnen, Alkohol zu konsumieren. Bezüglich der finanziellen berufli
chen Situation sowie der Wohnsituation seien grosse Sorgen und Ungerechtig
keitserleben deutlich (S. 2 oben).
Es werde ein stationärer Aufenthalt zur multimodalen Schmerztherapie sowie Berücksichtigung der Äthylabhängigkeit empfohlen, ebenso eine Psychotherapie im Einzelsetting (S. 2 Mitte).
4.10
Mit Bericht vom 5. März 2019 (Urk. 11/93/1-5) zuhanden der Beschwerdegegne
rin hielten die Ärzte de
s
L._
fest, zum aktuellen Zeitpunkt sei eine Prognose zur A
r
beitsfähigkeit nicht möglich. Diese könne erst sinnvoll nach dem empfohlenen Rehabilitationsaufenthalt evaluiert werden. Bis dahin sei eine Wiederaufnahme der Tätigkeit als Job-
Coach
aus schmerzthera
peutischer Sicht unrealistisch (Ziff. 2.7).
Im Übrigen verwiesen sie auf ihren
psychiatrischen Untersuchungsbericht vom 20. Februar 2019 (Urk. 11/93/8-9) und den
Bericht
über das Case-Management
vom 5. März 2
019 (Urk. 11/93/6-7), in welchen
sie
als Diagnosen eine sensomo
torische
axonale
Polyneuropathie, einen Kreuzschmerz rechts betont, eine vegetative Dysregulation
, eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41), eine nichtorganische Insomnie (ICD-10 F51.0), eine Alkoholabhängigkeit (ICD-10 F10.20)
sowie die beiden bekannten Z-Diagnosen (andere Kontaktanlässe mit Bezug auf den engeren Familienkreis, Kontaktanlässe mit Bezug auf das Wohnumfeld oder die wirtschaftliche Lage)
nannten
(
jeweils
S. 1 oben).
4.11
Die Unfallversicherung liess den Beschwerdeführer am 4. April 201
9
bei Dr. med.
O._
, Facharzt für Rheumatologie und Innere Medizin, rheumatologisch konsiliarisch untersuchen. Dr.
O._
nannte in seinem Bericht vom 18. April 2019 (Urk. 11/97/47-56) die folgenden Diagnosen (S. 9 oben):
-
chronisches
lumbovertebrales
Syndrom mit/bei
-
Status nach Stolpersturz mit BWK 11-Fraktur am 9. Januar 2017
-
v
orbestehenden Rückenschmerzen lumbal seit Dezember 2016
-
k
ernspintomographischer Untersuchung vom 6. Januar 2017 (unfallfremd) mit
diskospondylogen
bedingter
rezessalen
Enge rechts in Höhe der LWK 3/4 mit möglicher Irritation der asymmetrisch verdickten L4-Wurzel rechts bei ansonsten mässigen degenerativen Veränderungen der LWS mit
Osteochondrosen
un
d
Spondylarthrosen
ohne weitere
Neurokompression
-
k
ernspintomographischer Untersuchung vom 19. Januar 2017 neu aufgetretener Sinterungsfraktur mit Ödem und einer deckplattennahen Frakturlinie von BWK 11 (minimale Sinterung des Wirbelkörpers zentral auf aktuell 18 mm [Voruntersuchung 22 mm] ohne
Hinterkan
tenbeteiligung
)
-
kernspintomographischer Untersuchung vom 29. Juni 2017 mit aktuell nur leichter zunehmende Sinterung von BWK 11 bis auf 13.7 mm mit diskreter Knickkyphose, jedoch weiterhin
Reizödem
deckplattennah in BWK 11
anterior
und diskret auch grundplattennah in Höhe von BWK 10 bei stabiler Hinterkante
-
kernspintomographischer Untersuchung vom 9. Juli 2018 mit im Ver
gleich zur MRI-Voruntersuchung vom 29. Juni 2017 minimaler Progredienz (um ca. 1 mm in der Mitte) der Höhenminderung der Wirbelkörper Th11 bei Status nach Deckplattenimpressionsfraktur ohne Zeigen einer Instabilität bei vollständiger
Regredienz
des Knochenmarködems Th11 ohne Ödem im
Musculus
erector
spinae
rechts
-
myofaszialen
Schmerzen paravertebral rechtsbetont
-
psychosozialen Belastungsfaktoren (Job)
Aktuell gebe der Beschwerdeführer noch immer dieselben Beschwerden wie nach dem Unfall im Januar 2017 an. Es bestünden vor allem
thorakolumbale
Schmer
zen paravertebral rechts im Bereich der Flanke mit Schmerzverstärkung bei
längerem
Sitzen und Stehen. Schmerzlindernd sei das Liegen. Eine Schmerz
ausstrah
lung werde verneint, ebenso eine Kraftminderung oder Gefühlsstörung (S. 10 oben). In der klinischen Untersuchung bestehe eine nur geringe schmerz
hafte Bewegungseinschränkung im Bereich der BWS und LWS. Im Neurostatus könnten keine Auffälligkeiten beziehungsweise keine Hinweise für eine
lumbo
radikuläre
Problematik gefunden werden. Es bestünden vorwiegend
myofasziale
Schmerzen paravertebral lumbal mit
Triggerpunkten
vor allem im
Musculus
quadratus
lomborum
rechts sowie im Schulter-Nackenbereich beidseits (S. 10 Mitte).
Zusammenfassend könnten die aktuell vom Beschwerdeführer angegebenen Beschwerden nicht mehr dem Unfallereignis vom 9. Januar 2017 zugeordnet wer
den. Aufgrund der radiologischen Untersuchung und auch der Meinung der Wirbelsäulenchirurgen in der
H._
sei die Fraktur abgeheilt und dürfte nach über zwei Jahren für die Schmerzen nicht mehr verantwortlich sein. Die Beschwerden könnten ohne weiteres durch die psychosozialen Belastungs
faktoren beziehungsweise
myofaszialen
Schmerzen paravertebral beidseits rechtsbetont und aufgrund der degenerativen Veränderungen erklärt werden. Auch die Ärzte vom
L._
sähen die Beschwerden vor allem in der psychosozialen Problematik begründet (S. 10 Mitte).
Da die vorliegenden Beschwerden unfallfremd seien, könne aus unfallkausaler Sicht keine unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit mehr attestiert werden. Der Beschwerdeführer sei aus rheumatologischer Sicht 100 % arbeitsfähig, dies seit anfangs Februar 201
9.
Zudem habe im Herbst 2018 kernspintomographisch ein stabiler Zustand objektiviert werden können. Aus medizinischer Sicht sei aber eine aktive, stabilisierende Therapie dringendst zu empfehlen, zudem auch eine rigorose Gewichtsreduktion. Die schwierige psychosoziale Situation (Job) hinge
gen müsst
e
über die IV allenfalls mit einem Berufsberater oder einem Case Manager angegangen werden.
Dr.
O._
zeigte sich
überzeugt, dass die Beschwer
den rasch abklingen würden, sollte der Beschwerdeführer wieder eine berufliche Perspektive haben (S. 10
unten
).
4.12
Dr. med. P._
, Facharzt für Orthopädie und Traumatologie
, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD),
führte in seiner Stellungnahme vom 19. Juni 2019 (Urk. 11/105/6) aus,
im Bericht von Dr.
O._
werde festgestellt, dass eine voll
ständige Arbeitsunfähigkeit ab 15. Dezember 2016 bestehe. Seit Februar 2019 sei die Arbeitsunfähigkeit in angestammter Tätigkeit nicht durch die Unfallfolgen verursacht, sondern unfallunabhängig. Die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit unterscheide sich nicht wesentlich von der Einschätzung durch Dr.
K._
, dessen erhobener Befund dem Befund des Dr.
O._
gleiche, sodass die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit ab dem 5. November 2018 übernommen werden könne. Demzu
folge bestünden in der bisherigen Tätigkeit als Fachkraft Bewerbung als auch in einer angepassten Tätigkeit mit Belastungsprofil eine vollständige Arbeitsunfä
higkeit vom 9. Januar 2017 (richtig: 15. Dezember 2016) bis 4. November 2018 und hernach eine solche von 20 %.
4.13
Vom
4.
bis 24. Juli 2019 liess sich der
Beschwerdeführer in der
Q._
behandeln. Die Ärzte nannten in ihrem Bericht vom 8. August 2019 (Urk. 3/5) die folgenden Diagnosen (S. 1):
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
Status nach mittelschwere
r
depressive
r
Episode
-
vegetative Dysregulation
-
Polyneuropathie
-
Alkoholabhängigkeit (ICD-10 F10.2)
Der Beschwerdeführer sei vom
L._
zur psychosomatischen Rehabilitation zugewiesen worden (S. 1).
E
r
beschreibe seine Schmerzen so, dass er sich seit dem Unfall anfangs 2017 ausgeliefert fühle.
Es werde ein hoher schmerzbedingter Leidensdruck deutlich (S. 1
unten
). Zudem zeige der Beschwer
deführer eine mindestens mittelschwere bis schwere depressive Symptomatik
, w
ahrscheinlich rezidivierend (mit Suizidversuch während der Zeit der Scheidung und anschliessendem Aufenthalt in der
N._
). Beschäftigen würden den Beschwerdeführer nachts Zukunftssorgen, beispielsweise bezüglich seiner Situation
und der Auswirkung der Schmerzen und seine weitere Gesundheit sowie seine jetzige Partnerschaft (S. 2 oben).
Der Beschwerdeführer habe sich bei Eintritt in reduziertem Allgemein- und adipösem Ernährungszustand präsentiert. Seit 2018 habe er 10 kg zugenommen, unter anderem aufgrund der antidepressiven Therapie mit
Saroten
. Bei Eintritt seien keine Bewusst
s
eins-, Gedächtnis- oder Orientierungsstörungen objektivier
bar. Das formale Denken sei unauffällig. Im Gespräch zeige sich der Beschwerde
führer ängstlich und depressiv. Die Herz- und Lungenauskultation seien soweit beurteilbar unauffällig, ebenso die restliche internistische Untersuchung. Bei der neurologischen
Untersuchung
zeigten sich keine Sensibilitätsstörungen bei vor
handenem positiven
La
s
ègue
rechts bei 60 Grad sowie eine patellar
Hyporeflexie
beidseits. In der Untersuchung im
L._
habe in erster Linie die schmerzhafte Verspannung des
musculus
qua
dratus
lumborum
zur rechten Haltung
(richtig wohl: Aufrechterhaltung)
der Beschwerden beigetragen. Diese bestünden im Vordergrund einer insuffizienten, aktiven muskulären Rumpfstabi
lisation. Die vegetative Dysregulation
komme als schmerzverstärkten
(richtig wohl: schmerzverstärkender)
Faktor hinzu.
Er
zeige ein klassisches Bild von
chronifizierten
Schmerzen.
E
r sei ohne analgetische Therapie eingetreten (S. 2 Mitte).
Der Beschwerdeführer habe regelmässig psychotherapeutische Gespräche gehabt. Er beschreibe sich zu Beginn seines Aufenthaltes als körperlich und psy
chisch erschöpft. Er könne aufgrund der Rückenschmerzen, die bei jeder kleinen Bewegung
aufträten,
nur sehr wenig schlafen
. Zudem leide er unter Existenz
ängsten aufgrund seiner finanziell prekären Situation, welche ihn auch hinsicht
lich seines Selbstwertes und gegenüber der Partnerin sehr belaste. Während der Gespräche (aufgrund der kurzen Aufenthaltsdauer nur beschränkt) sei es vor allem darum gegangen, ein relativ einseitiges, somatisch begründetes Schmerz
verständnis zu erweitern. Am Ende seines Aufenthalts beschreibe sich der Beschwerdeführer als psychisch und körperlich etwas verbessert, wobei der Durchschlaf noch gestört sei (S. 2 unten).
Obwohl medizinisch eine stationäre Behandlung indiziert gewesen sei, habe der Beschwerdeführer aus privaten Gründen den psychosomatischen Aufenthalt vor
zeitig beendet. Er sei in verbessertem und stabilen Allgemeinzustand in die ambulante Weiterbetreuung entlassen worden (S. 3 oben).
Während des stationären Aufenthaltes habe eine vollständige Ar
beitsunfähigkeit bestanden (S. 3
Mitte).
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin ist auf die
erneute A
nmeldung
vom Juni 2017 eingetre
ten. Es ist nach einhelliger ärztlicher Einschätzung erstellt, dass seit Mitte Dezem
ber 2016
,
zuerst krankheitsbedingt, danach unfallbedingt, eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
mit
Zusprache
einer befristeten ganzen Rente eingetreten ist und
somit
sich der massgebliche Sachverhalt
im Gegensatz zur medizinischen Aktenlage im Jahr 2014 (vgl. vorstehend E. 3)
in einer für den Rentenanspruch erheblichen Weise geändert hat
(vgl. vorstehend E. 1.5)
.
Dies ist
, wie auch der Anspruchsbeginn ab April 2018,
unbestritten, weshalb sich Weiterungen hierzu erübrigen.
5.2
Die Beschwerdegegnerin
stützte sich in ihrem Entscheid auf
die Einschätzungen der Ärzte der
Krankentaggeld- und
Unfallversicherung, Dr.
K._
(vgl. vorste
hend E. 4.8)
und Dr.
O._
(vgl. vorstehend E. 4.11),
sowie auf die Beurteilung ihres RAD (vgl. vorstehend E.
4.
12
), wonach seit
November
2018 von einer gesundheitlichen Verbesserung mit einer Arbeitsfähigkeit von 80 % in allen Tätigkeiten mit Belastungsprofil auszugehen sei.
5.3
5.3.1
I
n Bezug auf die durch den beratenden Arzt der
Krankentaggeldversicherung
, Dr.
K._
erstellten Untersuchungsbericht vom
5. November 2018
(
vgl. vorste
hend E. 4.8
) und
von Dr.
O._
vom 18
. April 2019
(
vgl.
vorstehend
E. 4.11
) gilt es zu berücksichtigen, dass diese Berichte nicht von der Beschwerde
gegnerin im Verfahren nach Art.
44 ATSG, sondern von der
Krankentaggeld
-
beziehungswiese der
Unfallversicherung der Beschwerdegegnerin eingeholt wurden.
5.3.2
Beratende Ärzte sind, was den Beweiswert ihrer ärztlichen Beurteilung angeht, versicherungsinternen Ärzten gleichzusetzen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_608/2015 vom 1
7.
Dezember 2015 E. 3.3.3). Deren Berichten und Gutachten wird nach der Rechtsprechung Beweiswert zugemessen, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Trotz dieser grundsätzlichen Beweiseignung kommt den Berichten versicherungs
interner medizinischer Fachpersonen praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach
Art.
44 ATSG vom Versiche
rungsträger veranlassten Gutachten unabhängiger Sachverständiger. Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden wer
den, so sind an die
Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versiche
rungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzu
nehmen (BGE 139 V 225 E. 5.2 S. 229; 135 V 465 E. 4.4 S. 469; Urteil des Bundesgerichts 8C_348/2016 vom
9.
Dezember 2016 E. 2.4). Auf Aktenberichte kann abgestellt werden, wenn ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesent
lichen nur um die ärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht (vgl. SVR 2010 UV Nr. 17, E. 7.2; Urteil des Bundesgerichts 8C_737/2011 vom
2.
April 2012 E. 5.2).
5.3.3
In Bezug auf die Untersuchungsberichte
vom 5. November 2018 sowie 18. April 2019 gilt es zu beachten, dass sich Dr.
K._
und Dr.
O._
bei der Beurteilung der Leistungsfähigkeit
des Beschwerdeführers
unter anderem auf die von
ihnen
durchgeführten medizinischen Tests
und Befunde
stützte
n
.
Sie
setzte
n
sich mit allen Aspekten der gesundheitlichen Beeinträchtigungen auseinander und berücksichtigte
n
insbesondere auch die geklagten Beschwerden bzw. Leiden de
s Beschwerdeführers
aus subjektiver Sicht.
Die Schlussfolgerungen von Dr.
K._
und Dr.
O._
sind insgesamt nachvollziehbar. Damit
erfüllen
ihre Untersu
chungsberichte
die Anforderungen an den Beweiswert medizinischer Berichte im Sinne der Rechtsprechung (vgl.
vorstehend E. 1.
7
), weshalb darauf abzustell
en ist.
5.3.4
Was die Arbeitsfähigkeit b
etrifft, gelangte RAD-Arzt Dr.
P._
gestützt auf die Einschätzungen des beratenden Arztes der
Krankentaggeldversicherung, wel
cher
unter Berücksichtigung des Belastungsprofils
von einer 80%igen
bis voll
ständigen
Arbeitsfähigkeit ausging, sowie aufgrund der aktenkundigen medizini
schen Berichte zum überzeugenden Schluss, dass ab November 2018 eine um 80 % verbesserte Arbeitsfähigkeit vorliege. Darauf ist abzustellen, zumal die damaligen Ärzte schon damals als Hinderungsgrund eine
schmerzhafte Verspan
nung
sahen
und sich von einer aktiven Stärkung der Rückenmuskulatur und Gewichtsabnahme Linderung erhofften
sowie die Beschwerden aufgrund der degenerativen, indes stabil gebliebenen Veränderungen erklärbar seien (vgl. auch vorstehend E. 4.11).
5.4
Soweit der Beschwerdeführer geltend machte,
die behandelnden Ärzte seien der Ansicht, er sei vollständig ar
beitsunfähig (Urk. 1 S. 7 oben), ist auf die
Erfah
rungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftrags
rechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientin
nen und Patienten aussagen (BGE
135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E.
3b/cc).
Wohl kann die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Behandlung oft wertvolle Erkenntnisse zeitigen; doch lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Person einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Expert
en ander
seits (BGE 124 I 170 E.
4) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen bzw. Therapiekräfte zu anderslautenden Ein
schätzungen gelangen (Urteil des Bundesgerichts 8C_677/2014 vom 2
9.
Oktober 2014 E. 7.2 mit Hinweisen, u.a. auf
Urteil
I 514/06
vom 2
5.
Mai 2007 =
SVR 2008 IV Nr. 15 E. 2.2.1).
Darüber hinaus fehlt es vorliegend an Ärzten, welche den Beschwerdeführer über einen längeren Zeitraum umfassend behandelten, war dieser bei
den unterschiedlichsten Medizinern in Behandlung.
Ebenfalls zielt der Vorwurf ins Leere, wonach psychische Abklärungen fehlten (Urk. 1 S. 8).
Eine psychotherapeutische Behandlung hat
– mit Ausnahme der stationären Behandlung -
im Rahmen der
erneuten A
nmeldung
nicht stattgefun
den
.
Die Frage, ob die in den Berichten des
L._
(vorstehend E. 4.9 und E.
4.10) und der
Q._
(vorstehend E. 4.13) erwähnte Diagnose
einer chronische
n
Schmerzstörung mit somatischen und psyc
hischen Faktoren (ICD-10 F45.41
)
zu einer Arbeitsunfähigkeit führe, welche auch recht
lich bedeutsam ist, beurtei
lt sich in Nachachtung von Art. 7 Abs.
2 ATSG grund
sätzlich auf der Grundlage eines strukturierten Beweisverfahrens (
Standardindi
katorenprüf
ung
) nach BGE 141 V 281 und BGE
143 V 41
8.
Dabei geht es darum, das unter Berücksichtigung sowohl leistungshindernder äusserer Belastungs
faktoren als auch von Kompensationspotentialen (Ressourcen) tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen
einzuschätzen (BGE 141 V 281 E.
3.6; Urteil
des Bundesgerichts 9C_289/2018 vom 11. Dezember 2018 E.
6.1).
Die Notwendigkeit, ein strukturiertes Beweisverfahren durchzuführen, bestimmt sich nach den Umständen des konkreten Falles. Davon kann etwa abgesehen werden, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte eine Arbeitsunfähigkeit in nach
vollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen Ein
schätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden k
ann (BGE 143 V 418 E.
7.1
).
Die psychiatrische Diagnose wurde
nach der erfolgten Renteneinstellung
per März 2019
in keine
m
der Berichte von einer Fachärztin, sondern
lediglich von einer Psychologin des
L._
_
gestellt. Auch lässt sich dem Aufenthalt in der
Q._
entnehmen, dass lediglich beschränkt psychothera
peutische Gespräche
stattfanden
,
der Beschwerdeführer vorzeitig
die Therapie beendete und nur während des Aufenthaltes eine Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde (vgl. vorstehend E.
4.13
). Vor dem Hintergrund der übrigen medizinischen Berichte, wonach vor
allem - aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht nicht zu berücksichtigende
(BGE 127 V
294 E.
5a; Urteil des Bundesgerichts 8
C_730/2008 vom 23. März 2009 E.
2
)
-
psychosoziale Faktoren das Leiden auf
rechthielten, besteht
kein Grund
zu eine
r
Prüfung nach Massgabe des strukturier
ten Beweisverfahrens (
vgl.
BGE 143 V 418 E.
7.1
), zumal im Februar 2019 explizit festgehalten wurde, dass der Beschwerdeführer im Rahmen der heutigen Explo
ration einen weitgehend unauffälligen
psychischen
Befund zeige
(Urk. 11/93/9)
.
Gleiches hat für die Alkoho
labhängigkeit zu gelten, welche stationär in der
E._
von November 2013 bis März 2014 und hernach ambulant behandelt wurde (vgl. vorstehend E. 3.4). Eine solche wurde erst im Juli 2019 in der
Q._
(
nicht fachärztlich
)
diagnostiziert
(vgl. vorstehend E. 4.13) und es wurde anlässlich des Aufenthaltes nur berichtet, dass der Beschwerdeführer bis zum Eintritt jeden Abend einen halben Liter Wein zusammen mit seiner Partnerin getrunken habe. Eine diesbezügliche
Abklärung oder
Behandlung wurde indes
nicht durchgeführt, weshalb es damit sein Bewenden hat und
von eine
m
struktu
rierten Beweisverfahren zu
r
Ermittlung der
Auswirkung eines
(vorliegend gerade nicht)
fachärztlich diagnostizierte
n
Abhängigkeitssyndroms auf die Arbeitsfähig
keit des Beschwerdeführers
einstweilen
abgese
hen werden kann (vgl. BGE 145 V
215).
5.5
Es ist somit festzuhalten, dass für die Beurteilung auf die bewe
iskräftige Einschät
zung von Dr.
K._
und Dr.
O._
abzustellen und
– der Beurteilung des RAD folgend -
somit seit
November 2018
von einer
80
%igen Arbeitsfähigkeit
in jegli
chen Tätigkeiten
unter Berücksichtigung des umschriebenen Zumutbarkeits
profils auszugehen ist.
5.6
Der Beschwerdeführer macht jedoch geltend, diese Arbeitsfähigkeit nicht mehr verwerten zu können (Urk. 1 S. 10 f.).
Die Rechtsprechung hat für die Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit älterer Menschen relativ hohe Hürd
en aufgestellt (
Urteile des Bundesgerichts 8C_910/2015
vom 1
9.
Mai 2016
=
SVR 2016 IV Nr.
5
8 E.
4.3
.4
,
9C_574/2019 vom 16. Oktober 2019 E. 2.5 und 9C_864/2018 vom 22.
Juli 2019; vgl. Meyer/
Reichmuth
, Rechtsprechung des Bundesgeri
chts zum IVG,
3.
Aufl. 2014, N.
13 f. zu
Art.
28; Marco Weiss, a.a.O., S. 635 ff. und 639 f.; Hans-Jakob
Mosimann
, Problemzone Invalideneinkommen -
Alter, Leidensabzug, Selbstein
gliederung, Parallelisierung, in: Sozialversicherungsrechtstagung 2018
, Ueli
Kieser
[Hrsg.], 2019, S.
161 ff., 164 ff.).
Der Beschwerdeführer war im massgeblichen Zeitpunkt (November 2018)
59 Jahre alt. Im Hinblick darauf ist bei einer Gesamtbetrachtung
(80%ige Arbeitsfähigkeit in sowohl angestammter als auch angepasster Tätigkeit)
u
nter Beachtung des Belastungsprofils
(wechselbelastende leichte bis mittelschwere Arbeiten ohne längere Zwangshaltungen für den Rücken, ohne vornüber geneigtes Arbeiten und ohne Rotationsbelastungen für die Wirbelsäule bei weitgehend frei zu wählender Position)
der Zugang zum Arbeitsmarkt weiterhin gegeben, weshalb unter dem Gesichtspunkt des Lebensalters die Verwertbarkeit de
r
Restarbeitsfähigkeit zu bejahen ist, wa
s gemäss
Bundesgericht
selbst
bei einem 61.5-jährigen Versicher
ten
noch der Fall ist
(vgl. Urteil des Bundesgericht 9C_797/2019 vom 6. Januar 2020 E. 5).
6.
6.1
Zu
prüfen bleibt, wie sich die 80
%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit in erwerblicher Hinsicht auswirkt.
6.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
Bei der Invaliditätsbemessung kommt der allgemeinen Methode des Einkom
mensvergleichs gemäss
Art.
28a
Abs.
1 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG grundsätzlich Vorrang zu. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffern
mässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie indes nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annähe
rungswerte
miteinander zu vergleichen. Wird eine Schätzung vorgenommen, so muss diese nicht unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annähe
rungswerten bestehen. Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen genügen. Das ohne eine Invalidität erzielbare hypothetische Erwerbs
einkommen ist alsdann mit 100 % zu bewerten, während das Invaliden
einkom
men auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt (sog. Prozentver
gleich; Urteil des Bundesgerichts 8C_131/2011 vom 5. Juli 2011 E. 10.2.1 mit Hinweis auf BGE 114 V 310 E. 3a).
Der Invaliditätsgrad ist namentlich dann durch Prozentvergleich zu ermitteln, wenn Validen- und Invalideneinkommen sich nicht hinreichend genau oder nur mit unverhältnismässig grossem Aufwand bestimmen lassen und in letzterem Fall zudem angenommen werden kann, die Gegenüberstellung der nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände geschätzten, mit Prozentzahlen bewerteten hypothetischen Einkommen ergebe ein ausreichend zuverlässiges Resultat. Diese Berechnungsweise ist insbesondere anwendbar, wenn die konkreten Verhältnisse so liegen, dass die Differenz zwischen Validen- und Invalideneinkommen die für den Umfang des Rentenanspruchs massgebenden Grenzwerte von 70, 60, 50 und 40 % (Art. 28 Abs. 2 IVG) eindeutig über- oder unterschreitet (Urteil des Bundes
gerichts
9C_492/2018 vom 24. Januar 2019 E. 4.3.2 mit Hinweis auf Urteil
8C_333/2013 vom 11. Dezember 2013 E. 5.3).
Sind indessen Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom gleichen Tabellenlohn zu berechnen, erübrigt sich deren genaue Ermittlung.
Diesfalls
entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berück
sichti
gung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn. Dies stellt keinen «Pro
zentver
gleich» dar, sondern eine rein rechnerische Vereinfachung (Urteil des Bundesge
richts 8C_148/2017 vom 19. Juni 2017 E. 4 unter Hinweis auf Urteil 9C_675/2016 vom 18. April 2017 E. 3.2.1).
6.3
Der dargelegte Einkommensvergleich (Urk. 11/66) wurde vom Beschwerdeführer nicht bestritten und ist angesichts dessen, dass die Beschwerdegegnerin bei der Ermittlung des hypothetischen
Valideneinkommens
auf die Angab
en aus dem IK-Auszug (Urk. 11/88
)
, hochgerechnet auf eine 100 %-Stelle
,
abstellte,
und zur Berechnung des Invalideneinkommens
ebenfalls
d
en IK-Durchschnittslohn heranzog
, mithin einen Prozentvergleich erstellte
(vgl. vorstehend E. 6.2)
,
nicht zu beanstanden. Der von der Beschwerdegegnerin ab dem massgeblichen Zeit
punkt errechnete Invaliditätsgrad
erweist sich dementsprechend als zutreffend und e
s ist darauf abzustellen.
6.4
Der Rent
enanspruch entstand gemäss Art. 29 Abs.
1 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach der Geltendmachung des Leistungsanspruchs (Anmel
dung vom
24. Juni 2017, Urk. 11/27)
sowie nach Ablauf des sogenannten Wartejahres
gemäss
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG
(aktenkundige Arbeitsunfähigkeit seit
Dezember 2016, vgl.
vorstehend E. 4.
12
), mithin frühestens am
1. April 201
8.
Angesichts dessen, dass bis
November 2018
auch in einer leidensangepass
ten Tätigkeit keine Arbeitsfähigkeit attestiert wurde, hat
der Beschwerdeführer
seit
1. April 2018 An
spruch auf eine ganz
e Invalidenrente (vgl. E.
1.2).
6.5
Nach der Rechtsprechung ist bei rückwirkender Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente nebst d
er Revisionsbestimmung des Art.
17
Abs.
1 ATSG die Regelung in Art. 88a Abs.
1
IVV
über die Änderung des Leistungsan
spruchs bei einer Verbesserung der Erwerbsfähigkeit analog anzuwenden, wenn noch vor Erlass der ersten Rentenverfügung eine anspruchsbeeinflussende Ände
rung eingetreten ist (Urteile des Bundesgerichts
9C_687/2018 vom 16. Mai 2019 E.
2; 8C_94/2013 vom
8.
Juli 2013 E. 4.1). Nach Art. 88a Abs.
1 Satz 1 IVV ist namentlich eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit für die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem ange
nommen werden kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird (Satz 2).
Das Bundesgericht wendet in der
Regel den zweiten Satz von Art. 88a Abs.
1 IVV an und gewährt die bisherige Rente drei Monate über die Veränderung des Gesundheitszustandes hinaus (Urteile des B
undesgerichts 8C_94/2013 vom 8. Juli 2013 E.
4.1; 8C_6
70/2011 vom 1
0.
Februar 2012 E.
5.1; 9C_491/2008 vom 21
. April 2009 E.
2;
zuletzt etwa 9C_544/2018 vom 5. Februar 2019 E. 7.3; 8C_220/2018 vom 14.
Nove
mber 2018 E.
5.3; 9C_112
/2018 vom 2
0.
September 2018 E. 4.2; 8C_309/2018 vom 2. August 2018 E.
6).
Unter Berücksichtigung von Art.
88a
Abs.
1
Satz 1 IVV besteht somit ab dem
1. März 2019
kein Anspruch auf eine ganze Invalidenrente mehr.
Dem Beschwerdeführer steht es indes frei, sich bei der Beschwerdegegnerin bei einer
allfälligen
gesundheitlich relevanten Verschlechterung neu anzumelden.
Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Beschwerde.
7.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Strei
twert festzulegen (Art. 69 Abs.
1
bis
IVG) und auf Fr.
8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie
dem Beschwerdeführer
aufzuerlegen.