# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f1d02ceb-69f5-5c6d-8d48-1bdad2566073
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin ist Eigentümerin der Parzelle Lengnau Grundbuchblatt
Nr. D._. Sie beabsichtigt, einen Abschnitt der sich auf der Parzelle befindenden
Strasse (teilweise bezeichnet als E._weg, teilweise als F._strasse; in der
Folge: F._strasse) zu sanieren. Die Beschwerdeführerin ist Eigentümerin der
Parzelle Lengnau Grundbuchblatt Nr. G._. Ihre Parzelle wird über die Strasse
"H._" erschlossen, welche nach rund 300 m in die F._strasse mündet. Mit
Schreiben vom 4. April 2017 wandte sich unter anderem die Beschwerdeführerin an das
Regierungsstatthalteramt Biel/Bienne und beantragte den Erlass einer superprovisorischen
Verfügung, bis Klarheit bestehe, welche Behörde zuständig sei und welche
Einsprachemöglichkeit mit welcher Frist bestehe. Sie machte geltend, die Sanierung der
F._strasse, welche teilweise eine Verengung der bestehenden Strasse beinhalte,
sei für die Öffentlichkeit und die Bewohner des H._ nicht zumutbar. Mit Schreiben
vom 27. Mai 2017 wandte sich die Beschwerdeführerin erneut an das
Regierungsstatthalteramt und brachte insbesondere vor, für die Sanierung der
F._strasse müsse ein Baugesuch eingereicht werden. Ausserdem müsse die
Strasse "werkseitig" so saniert werden, dass die Einwohnergemeinde diese in ihr Eigentum
übernehmen könne. Die Einwohnergemeinde habe die dazugehörenden Rechte zu
erwerben. Weiter müsse die Verkehrssituation an der F._strasse neu beurteilt
werden.
2. Am 3. Juli 2017 erliess das Regierungsstatthalteramt Biel/Bienne einen Entscheid
betreffend "Baubewilligungsfreiheit/Baubewilligungspflicht". Diesen Entscheid stützte es auf
Art. 48 Abs. 2 Bst. a BewD1. Das Regierungsstatthalteramt kam darin zum Schluss, dass
die vorgesehene Sanierung und Instandhaltung der F._strasse mit den
Verengungen an mehreren Stellen der Baubewilligungspflicht unterstehe.
3. Gegen diesen Entscheid reichte die Beschwerdeführerin am 29. Juli 2017
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie
beantragt die Rückweisung an das Regierungsstatthalteramt Biel/Bienne. Dies mit der
1 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1)
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Auflage, das Regierungsstatthalteramt habe die in ihrem Schreiben vom 27. Mai 2017
vorgebrachten Anliegen in den Entscheid aufzunehmen. Der Entscheid enthalte auch keine
Rechtsmittelbelehrung, was unüblich sei.
4. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Das Regierungsstatthalteramt
Biel/Bienne beantragt in seiner Vernehmlassung vom 29. August 2017, die Beschwerde sei
vollumfänglich abzuweisen, sollte wider Erwarten auf diese eingetreten werden. Die
Einwohnergemeinde Lengnau stellt in ihrer Stellungnahme vom 12. September 2017
keinen Antrag. Die Beschwerdegegnerin beantragt in ihrer Beschwerdeantwort vom
19. September 2017, auf die Beschwerde sei nicht einzutreten. Eventuell sei der Entscheid
des Regierungsstatthalteramts von Amtes wegen aufzuheben.
5. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Zuständigkeit
Angefochten ist ein Entscheid des Regierungsstatthalteramts nach Art. 48 Abs. 2 Bst. a
BewD, mit welchem dieses die Baubewilligungspflicht des Vorhabens feststellte. Ein
solcher Entscheid unterliegt der Beschwerde nach Art. 49 BauG3.4 Nach dieser
Bestimmung können baupolizeiliche Verfügungen nach Art. 45 bis 48 BauG innert 30
Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden. Somit ist die BVE
für die Beurteilung der Beschwerde zuständig.
2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0) 4 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 49 N. 2a
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2. Legitimation
a) Zur Beschwerde befugt ist, wer vor der Vorinstanz am Verfahren teilgenommen hat,
durch den angefochtenen Entscheid besonders berührt ist und ein schutzwürdiges
Interesse an der Aufhebung des Entscheids hat (Art. 65 Abs. 1 VRPG5). Das
schutzwürdige Interesse beinhaltet unter anderem die formelle Beschwer. Voraussetzung
für die formelle Beschwer ist insbesondere, dass die beschwerdeführende Person mit ihren
Anträgen im vorinstanzlichen Verfahren nicht vollumfänglich durchgedrungen ist.6
b) Welche Verfügung in welchem Verfahren die Beschwerdeführerin vom
Regierungsstatthalteramt Biel/Bienne in ihren Eingaben vom 4. April und 27. Mai 2017
beantragte, lässt sich diesen Eingaben nicht eindeutig entnehmen. Allerdings ergibt sich
aus dem Schreiben vom 4. April 2017, dass sich die Beschwerdeführerin Klarheit darüber
wünschte, welche Behörde für die von der Beschwerdegegnerin beabsichtigte Sanierung
der F._strasse zuständig sei und welche Einsprachemöglichkeit mit welcher Frist
bestehe.
Diese Fragen lassen sich mit einer Feststellung der Baubewilligungspflicht beantworten.
Damit wird entschieden, dass für die Prüfung der Sanierung der F._strasse die
Baubewilligungsbehörde zuständig ist und die im Baubewilligungsverfahren bestehende
Einsprachemöglichkeit mit den entsprechenden Modalitäten (Form und Frist) offen steht.
Somit ist nicht zu beanstanden, dass das Regierungsstatthalteramt die Eingabe der
Beschwerdeführerin vom 4. April 2017 als Gesuch um einen Entscheid über die
Baubewilligungspflicht des Bauvorhabens der Beschwerdegegnerin verstanden hat, zumal
es dafür gemäss Art. 48 Abs. 2 Bst. b BewD auch zuständig ist.
In der Eingabe vom 27. Mai 2017 hat die Beschwerdeführerin denn auch ausdrücklich
verlangt, für die Sanierung der F._strasse müsse ein Baugesuch eingereicht
werden. Zwar verlangte die Beschwerdeführerin darin ausserdem, die Strasse müsse
"werkseitig" so saniert werden, dass die Gemeinde diese in ihr Eigentum übernehmen
könne; die Gemeinde habe die dazugehörenden Rechte zu erwerben. Weiter müsse die
Verkehrssituation an der F._strasse neu beurteilt werden. Dies sind jedoch
5 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 6 Markus Müller, Bernische Verwaltungsrechtspflege, 2. Auflage, Bern 2011, S. 162 ff.
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Punkte, die allenfalls im Baubewilligungsverfahren geltend gemacht werden können.
Inwiefern das Regierungsstatthalteramt darüber ausserhalb eines solchen Verfahrens
entscheiden könnte, ist nicht erkennbar. Somit ist nicht zu beanstanden, dass das
Regierungsstatthalteramt auch in Kenntnis der Eingabe vom 27. Mai 2017 davon
ausgegangen ist, die Beschwerdeführerin verlange einen Entscheid über die
Baubewilligungspflicht des Bauvorhabens der Beschwerdegegnerin. Diese Annahme
wurde von der Beschwerdeführerin im Beschwerdeverfahren nachträglich bestätigt. Sie
betont in ihrer Stellungnahme vom 9. Oktober 2017 zur Beschwerdeantwort des
Regierungsstatthalteramts, für sie sei wichtig gewesen, dass bei einer Abänderung der
F._strasse ein Baugesuch eingereicht werden müsse.
c) Dieses Gesuch der Beschwerdeführerin um einen Entscheid gemäss Art. 48 Abs. 2
Bst. b BewD hat das Regierungsstatthalteramt Biel/Bienne in seinem angefochtenen
Entscheid behandelt. Da die weiteren im Schreiben vom 27. Mai 2017 von der
Beschwerdeführerin vorgebrachten Anliegen dafür nicht entscheidwesentlich waren, war
das Regierungsstatthalteramt nicht verpflichtet, sich damit auseinanderzusetzen. Dies
umso mehr, als es in seinem Entscheid die Baubewilligungspflicht festgestellt hat, wie dies
die Beschwerdeführerin beantragt hatte. Die Beschwerdeführerin ist also mit ihrem Antrag
durchgedrungen und es fehlt ihr damit an der formellen Beschwer. Sie ist demzufolge nicht
zur Beschwerde legitimiert, weshalb auf die Beschwerde nicht eingetreten werden kann.
d) Ob die Beschwerdeführerin als Nachbarin überhaupt berechtigt war, ein Gesuch um
einen Entscheid gemäss Art. 48 Abs. 2 Bst. b BewD einzureichen, braucht unter diesen
Umständen nicht geprüft zu werden. Ebenso wenig muss geprüft werden, ob das vor-
instanzliche Verfahren korrekt durchgeführt wurde und ob der angefochtene Entscheid an
formellen Mängeln leidet, wie dies von den Parteien vorgebracht wird.
3. Kosten
a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt die Beschwerdeführerin. Sie hat die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 400.-- (Art. 103 Abs. 2 VRPG i. V. m. Art. 19 Abs. 1 GebV7).
7 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
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b) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG).
Der obsiegenden Beschwerdegegnerin sind Parteikosten im Sinne des Gesetzes
entstanden, da sie anwaltlich vertreten war (vgl. Art. 104 Abs. 1 VRPG). Behörden im
Sinne von Artikel 2 Absatz 1 Buchstabe b haben aber in der Regel keinen Anspruch auf
Parteikostenersatz (Art. 104 Abs. 4 VRPG). Als Behörden gelten dabei unter anderem
Organe von Körperschaften, soweit diese dem Gemeindegesetz unterstellt sind (Art. 2
Abs. 1 Bst. b VRPG), was auf I._ und damit die Beschwerdegegnerin zutrifft (Art. 2
Abs. 1 Bst. b GG8).
Praxisgemäss werden dem Gemeinwesen die Parteikosten dann ausnahmsweise ersetzt,
wenn es nicht in erster Linie hoheitliche Interessen wahrt, sondern wie eine Privatperson
betroffen ist. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn eine Gemeinde als Bauherrin auftritt
oder als Grundeigentümerin berührt ist.9 Gemäss verwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung
ist eine Gemeinde aber nicht wie eine Privatperson betroffen, wenn sie als Bauherrin eines
Strassenbauvorhabens an einer Strasse im Sinne des Strassengesetzes auftritt. Das
Verwaltungsgericht hat dies damit begründet, dass solche Strassenbauvorhaben gemäss
Art. 43 Abs. 1 SG10 in der Regel mit einer Überbauungsordnung bewilligt werden. Zwar
handelte es sich im verwaltungsgerichtlichen Entscheid um ein Strassenbauvorhaben an
einer öffentlichen Strasse.11 Vorliegend bestreitet die Beschwerdegegnerin in ihrer
Beschwerdeantwort, dass die F._strasse dem Gemeingebrauch gewidmet ist.
Allerdings sind auch nicht dem Gemeingebrauch gewidmete Privatstrassen dem
Strassengesetz unterstellt, wenn es das Gesetz vorschreibt (Art. 2 Abs. 2 SG), und werden
auch solche nicht öffentlichen Privatstrassen in der Regel mit einer Überbauungsordnung
bewilligt (Überschrift zu Art. 43 SG und Art. 43 Abs. 1 SG). Somit spielt es letztlich keine
Rolle, ob es sich vorliegend um eine öffentliche Privatstrasse handelt oder nicht. So oder
anders ist die Beschwerdegegnerin nicht wie eine Privatperson betroffen und hat daher
8 Gemeindegesetz vom 16. März 1998 (GG, BSG 170.11) 9 BVR 2001 S. 563 E. 4b; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 104 N. 15 10 Strassengesetz vom 4. Juni 2008 (SG; BSG 732.11) 11 VGE 2012/16 vom 12.02.2013, E. 5
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keinen Anspruch auf Parteikostenersatz. Demzufolge werden keine Parteikosten
gesprochen.