# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 32c75bc0-e912-408b-b9da-ede857d9c14c
**Court:** ZH_VG
**Chamber:** ZH_VG_001
**Year:** 2009
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

hat sich ergeben:
I.
A befindet sich in der Strafanstalt B im Strafvollzug. Mit Disziplinarverfügung vom 27. Oktober 2008 büsste ihn der Abteilungsleiter mit Fr. 20.-, da er am 25. Oktober 2008 mit langen Unterhosen unter seiner gekürzten, privaten Trainerhose den Pavillon verlassen habe. Als Rechtsmittel wurde die Beschwerde an die Direktion der Strafanstalt angegeben. Am 3. November 2008 beantragte A der Direktion die Aufhebung der Disziplinarmassnahme, was am 6. November 2008 abgewiesen wurde.
II.
Gegen die Verfügung des Amts für Justizvollzug (Strafanstalt B) vom 6. November 2008 erhob A am 17. November 2008 Rekurs an die Direktion der Justiz und des Innern (hernach: Justizdirektion). Er beantragte im Wesentlichen, dass die Disziplinarmassnahme vom 27. Oktober 2008 aufzuheben und in seinen Akten zu vermerken sei, dass die Disziplinarverfügung externen Stellen nicht mitgeteilt werden dürfe. Die Strafanstalt B sei anzuweisen, dass neue Weisungen schriftlich und sichtbar für alle Betroffenen zugänglich gemacht oder persönlich vom Anstaltspersonal kommuniziert werden. Schliesslich sei zu überprüfen und klarzustellen, wer Disziplinarverfügungen aussprechen dürfe. Die Justizdirektion wies den Rekurs am 30. Januar 2009 ab, soweit sie darauf eintrat.
III.
Dagegen erhob A am 23. Februar 2009 Beschwerde ans Verwaltungsgericht. Er beantragt, dass der Rekursentscheid vom 30. Januar 2009 aufzuheben sei (Ziff. 1), ihm die Busse von Fr. 20.-, die trotz laufendem Verfahren bereits von der Direktion der Strafanstalt B eingezogen worden sei, zurückzuerstatten sei (Ziff. 2), ihm Kopien aller Rapporte, Stellungnahmen und Schriftstücke betreffend das laufende Verfahren auszuhändigen seien (Ziff. 3), bei Gutheissung des Rekurses die Anstaltsleitung anzuweisen sei, dass das vorliegende Verfahren nicht bei externen Stellen (z.B. Vollzugsbehörden) erwähnt werde (Ziff. 4) sowie der Direktion der Strafanstalt B der juristische "Ratschlag" zu erteilen sei, ihre Informationspolitik gegenüber Strafgefangenen zu überdenken und zu verbessern (Ziff. 5).
Die Justizdirektion und der Beschwerdegegner beantragten am 3. März 2009 bzw. 27. März 2009 Abweisung der Beschwerde.
Der Beschwerdeführer reichte am 14. April 2009 unaufgefordert eine Stellungnahme ein.
Die Einzelrichterin

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Das Verwaltungsgericht prüft seine Zuständigkeit von Amtes wegen und nach dem bei Anhängigmachung der Beschwerde geltenden Recht (§ 70 in Verbindung mit § 5 Abs. 1 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959, VRG; RB 2004 Nr. 8). Die Beschwerde wurde am 23. Februar 2009 erhoben, weshalb für die Bestimmung der Zuständigkeit das Anfang 2007 in Kraft getretene Bundesgerichtsgesetz vom 17. Juni 2005 (BGG) zu berücksichtigen ist. Bis Ende 2006 hatte Folgendes gegolten: Gemäss § 43 Abs. 1 lit. g VRG war die Beschwerde an das Verwaltungsgericht gegen Anordnungen betreffend den Vollzug von Strafen und Massnahmen grundsätzlich ausgeschlossen. Sie war jedoch unter anderem zulässig, wenn gegen solche Anordnungen die Verwaltungsgerichtsbeschwerde an das Bundesgericht offenstand (§ 43 Abs. 2 VRG). Das Anfang 2007 in Kraft getretene Bundesgerichtsgesetz gestattet gegen ab diesem Zeitpunkt ergangene, kantonal letztinstanzliche Entscheide über den Vollzug von Strafen und Massnahmen ganz allgemein die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 Abs. 2 lit. b in Verbindung mit Art. 80 Abs. 1 BGG). Laut § 5 der ebenfalls auf 1. Januar 2007 in Kraft gesetzten regierungsrätlichen Verordnung über die Anpassung des kantonalen Rechts an das Bundesgesetz über das Bundesgericht vom 29. November 2006 (VO BGG) ist unter Verwaltungsgerichtsbeschwerde in § 43 Abs. 2 VRG die ordentliche Beschwerde an das Bundesgericht im Sinn der Art. 72–89 BGG zu verstehen (ausdrücklich für die Beschwerde in Strafsachen vgl. BGr, 22. Dezember 2008, 6B_707/2008, E. 2.2, 2.4, www.bger.ch). Entsprechend ist die Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts zu bejahen. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde grundsätzlich einzutreten.
1.2
Der Beschwerdeführer beantragt in den Ziffn. 4 und 5 der Beschwerde, dass die Anstaltsleitung anzuweisen sei, externen Stellen vom vorliegenden Verfahren keine Kenntnis zu geben, und dass ihr der Ratschlag zu erteilen sei, ihre Informationspolitik gegenüber Strafgefangenen zu verbessern. Dabei handelt es sich um aufsichtsrechtliche Anordnungen, für die das Verwaltungsgericht, welches nicht Aufsichtsinstanz über die Verwaltungsbehörden ist (Alfred Kölz/Jürg Bosshart/Martin Röhl, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 2. A., Zürich 1999, § 41 N. 16), nicht zuständig ist. Auf die Beschwerde ist diesbezüglich nicht einzutreten.
1.3
Beschwerden, die Anordnungen aufgrund des kantonalen Straf- und Vollzugsgesetzes betreffen, fallen in die einzelrichterliche Kompetenz, sofern nicht ein Fall von grundsätzlicher Bedeutung zu beurteilen ist (§ 38 Abs. 2 lit. b und Abs. 3 VRG). Das kantonale Straf- und Vollzugsgesetz vom 30. Juni 1974 (StVG; GS II 687 ff.) wurde zwar Anfang 2007 aufgehoben, ohne dass § 38 Abs. 2 lit. b revidiert worden wäre (§ 42 des Straf- und Justizvollzugsgesetzes vom 19. Juni 2006, StJVG). Es gibt aber keine Hinweise, dass der Einzelrichter damit seine bisherige Zuständigkeit im Bereich des Straf- und Massnahmenvollzugs hätte verlieren sollen (zum Ganzen RB 2007 Nr. 21 E. 1). Da dem vorliegenden Fall keine grundsätzliche Bedeutung zukommt, ist demnach die Einzelrichterin zum Entscheid berufen.
2.
Gemäss § 153 Abs. 1 der Justizvollzugsverordnung vom 6. Dezember 2006 (JVV) werden Verstösse gegen diese Verordnung, die Hausordnung und andere Regelungen der Vollzugseinrichtungen sowie Verstösse gegen den Vollzugsplan als Disziplinarvergehen geahndet. In leichten Fällen kann von Disziplinarmassnahmen abgesehen werden (§ 153 Abs. 2 JVV). § 153 Abs. 3 JVV listet auf, welche Disziplinarvergehen als schwer gelten. Folgende Disziplinarmassnahmen sind gemäss § 154 JVV zulässig: Verweis (lit. a), Einschränkung oder Entzug der Verfügung über Geldmittel bis zu drei Monaten (lit. b), Ausschluss vom Gemeinschaftsbetrieb und von Veranstaltungen sowie von Schule (ausgenommen Berufsschule), Freizeitkursen und Sport bis zu drei Monaten, im Wiederholungsfall bis zu sechs Monaten (lit. c), Einschränkung oder Entzug schriftlicher oder elektronischer Medien sowie des Besitzes von Ton- und Bildwiedergabegeräten bis zu zwei Monaten, im Wiederholungsfall bis zu sechs Monaten (lit. d), Einschränkung oder Entzug des Besuchs- und Korrespondenzrechts bis zu drei Monaten (lit. e), Ausgangs- und Urlaubssperre bis zu sechs Monaten (lit. f), Busse bis Fr. 200.- (lit. g), Zellen- oder Zimmereinschluss bis zu 14 Tagen (lit. h) sowie Arrest bis zu 20 Tagen (lit. i). Für die Anordnung von Disziplinarmassnahmen sind gemäss § 163 Abs. 1 JVV die Leitungen der Vollzugseinrichtungen zuständig. Arrest von mehr als fünf Tagen und die vorsorgliche Versetzung gemäss § 159 JVV werden von der für die Vollzugseinrichtung zuständigen Hauptabteilungsleitung angeordnet (§ 163 Abs. 2 JVV).
3.
3.1
Die Justizdirektion führt in ihrem Rekursentscheid aus, dass der Beschwerdeführer die neue Vorschrift, dass unter einer kurzen Trainerhose nicht sichtbar eine lange Unterhose getragen werden dürfe, gekannt habe. Angesichts dieses Umstands hätte er sich – insbesondere aufgrund der ihm bekannten Disziplinierung eines Mitinsassen – bei einem Betreuer versichern müssen, ob das Tragen der langen Unterhose unter der gekürzten Trainerhose zulässig sei. Dass er dennoch die lange Unterhose unter der gekürzten Trainerhose getragen habe, könne nur als Provokation des Anstaltspersonals und damit als rechtsmissbräuchlich gewertet werden. Damit habe ein Verstoss gegen Vollzugsvorschriften vorgelegen, welcher disziplinarisch zu ahnden sei. Die ausgesprochene Busse von Fr. 20.- erweise sich dabei als angemessen.
3.2
Der Beschwerdeführer macht geltend, dass er vor dem Vorfall, der zu seiner Sanktionierung geführt habe, durch das Anstaltspersonal weder schriftlich noch mündlich über die neue Kleidervorschrift informiert worden sei. Es treffe zu, dass ihm ein Mitinsasse mitgeteilt habe, dass das Tragen von langen Unterhosen unter den
kurzen
Trainerhosen verboten sei. Es sei aber nicht darüber gesprochen worden, dass entscheidend sei, dass man die langen Unterhosen nicht sichtbar trage. Er habe während seines Aufenthalts in der Strafanstalt B ungefähr zwanzigmal die langen Unterhosen unter seinen abgeschnittenen, dreiviertel langen Trainerhosen getragen. Erst am 29. Oktober 2008, also vier Tage nach dem strittigen Vorfall, sei die neue Regelung mittels schriftlichem Anschlag bekannt gemacht worden. Stossend sei, dass er durch die Aufseher beim Verlassen des Pavillons nicht auf die neue Regelung aufmerksam gemacht worden sei. Im Übrigen sei die Busse von Fr. 20.- nicht verhältnismässig, wäre doch auch ein Verweis in Betracht gekommen.
3.3
Der Beschwerdegegner macht geltend, dass der Beschwerdeführer über die Disziplinierung eines Mitinsassen, der sich der neuen Kleidervorschrift nicht habe fügen wollen, informiert gewesen sei. So habe er sich mit einem Mitinsassen darüber bzw. über die gegen den Mitinsassen ergriffenen Sanktionen unterhalten. Es sei zudem davon auszugehen, dass auch bei anderen Gelegenheiten darüber gesprochen worden sei. Weil den Aufsehern die Verbotskenntnis des Beschwerdeführers bekannt gewesen sei, sei eine Mahnung nicht notwendige Voraussetzung für eine Disziplinarmassnahme gewesen. Die Aufseher hätten das Verhalten des Beschwerdeführers, der die langen Unterhosen unter seinen Dreiviertelhosen getragen habe, zu Recht als Provokationsszenario erkannt.
4.