# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 60790ece-2dce-4732-8e93-fe2398a25ce9
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Die 1983 geborene
X._
meldete sich am
1. Oktober 2002
unter Hinweis auf eine durchgemachte Kinderlähmung im Alter von drei Jahren und eine anschliessende Wachstumsstörung
am
linken Fuss
bei der Sozialversiche
rungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zum Leistungsbezug an (Urk. 6/4). Nach
dem sämtliche berufliche Massnahmen erfolglos geblieben waren, sprach ihr die IV-Stelle mit Verfügung vom 27. August 2004 rückwirkend per 1.
Juni 2003 bei einem Invaliditätsgrad von 95% eine ganze Rente zu (Urk. 6/78). Nach der Geburt ihres Sohnes wurde
der Versicherten
mit Verfügung vom 5. Februar 2007 rück
wirkend
ab
1.
Dezember 2006 zusätzlich eine Kinderrente zugesprochen (
Urk.
6/104). Im Zuge einer im August 2010 eingeleiteten Rentenrevision (Urk. 6/109-1
1
0) veranlasste die IV-Stelle
eine
erstmalig
e polydisziplinäre
(inter
nistisch
e
, orthopädisch
e
, neurologisch
e
, psychiatrisch
e
)
Begutachtung, durchge
führt durch
das Zentrum
Y._
(Expertise vom
3.
Januar 2012, Urk. 6/136). In der Folge informierte die IV-Stelle die Versicherte mit Mitteilung vom 13.
Februar 2012, dass sie aufgrund
eines unveränderten Invaliditätsgrad
es
weiterhin Anspruch auf eine ganze Rente habe (Urk. 6/139). Im April 2015 leitete die IV-Stelle eine erneute Rentenrevision ein (Urk. 6/145) und zog Auszüge aus dem individuellen Konto bei (Urk. 6/147 und Urk. 6/157). Des Weiteren holte sie Arztberichte (
Urk.
6/149, Urk. 6/152 und Urk. 6/155) sowie Abrechnungen
über die
vorübergehende Telefonberatungstätigkeit der Versicher
ten (Urk. 6/150) ein und führte am 9. Juni 2015 eine Haushaltsabklärung durch (Urk. 6/158). Nach mehreren Standortgesprächen teilte die IV-Stelle der Versi
cherten am 24. Mai 2016 mit, dass aufgrund ihres Gesundheitszustandes zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien (Urk. 6/162). Anschliessend verlangte sie weitere Arztberichte ein (Urk. 6/164 und Urk. 6/166) und liess die Versicherte durch das
Z
entrum
Z._
bidisziplinär
(orthopädisch und psychiatrisch) begutachten (Expertise vom 1
6.
November 2016, Urk. 6/177).
Danach
versuchte die IV-Stelle die Versicherte erneut einzugliedern. Mit Mitteilung vom 1
8.
Mai 2017
stellte sie
die Massnahmen
ein, da sich die Versicherte aus gesundheitlichen und privaten Gründen nicht in der Lage gefühlt habe, an Eingliederungsmassnahmen teilzu
nehmen
(Urk. 6/190). Mit Vorbescheid vom 22. Mai 2017 stellte die IV-Stelle der Versicherten die Aufhebung der Invalidenrente wegen ihres verbesserten Gesund
heitszustands in Aussicht (Urk. 6/194). Dagegen erhob die Versicherte am 1. Juni und am
6. Juli
2017 Einwände (Urk. 6/195 und Urk. 6/19
8
). Diese veranlassten die IV-Stelle am 20. März 2018
zur Durchführung
eine
r
erneute
n
Haushaltsab
klärung (Urk. 6/206). Nach
diesbezüglicher
Stellungnahme der Versicherten vom 30. April 2018 (Urk. 6/202) und
ihrer
Äusserung zu allfälligen Eingliederungs
massnahmen
vom 16. August 2018
(Urk. 6/205
)
wurde die Rente mit Verfügung vom
3.
September 2018 auf Ende des folgenden Monats aufgehoben (Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am
3.
Oktober 2018 Beschwerde gegen die Verfügung vom 3. September 2018 beim hiesigen Sozialversicherungsgericht und beantragte, ihr sei in Aufhebung der angefochtenen Verfügung weiterhin eine ganze Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen. Mit Beschwerdeantwort vom 7. November 2018 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 1
2.
November 2018 angezeigt wurde (Urk. 7).
Mit Verfügung vom 1
5.
Januar 2020 wurde der Beschwerdeführerin Gelegenheit
zur Stellungnahme
zu einer allfälligen Motivsubstitution gewährt (
Urk.
8)
,
welche die Beschwerdeführerin wahrnahm
(
Stellungnahme vom 2
0.
März 2020
,
Urk.
12).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hin
weisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesent
lichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbe
achtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.
4
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, wel
che auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
Dabei braucht es sich nicht um eine formelle Verfügung (Art. 49 ATSG) zu han
deln. Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer mate
riellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle deswegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit
. f
der Verordnung über die Inva
lidenversicherung (IVV)
auf dem Weg der blossen Mitteilung (Art. 51 ATSG), ist im darauffolgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangssach
verhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bundesgerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E. 3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E. 3.1.2).
1.
5
Unabhängig von einem materiellen Revisionsgrund kann die IV-Stelle auf formell rechtskräftige Verfügungen, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher
Überprüfung gebildet haben, zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn – was auf periodische Dauerleistungen regelmässig zutrifft (BGE 119 V 475 E. 1c mit Hinweisen) – ihre Berichtigung von erheblicher Bedeu
tung ist (Art. 53 Abs. 2 und 3 ATSG; BGE 141 V 405 E. 5.2, 138 V 147 E. 2.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_819/2017 vom 13. Februar 2017 E. 2.2). Die Wiedererwägung im Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG dient der Korrektur einer anfänglich unrichtigen Rechtsanwendung einschliesslich unrichtiger Feststellung im Sinne der Würdigung des Sachverhaltes (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_121/2017 vom 5. Juli 2018 E. 8.2).
Die Wiedererwägung nach
Art.
53
Abs.
2 ATSG setzt voraus, dass kein ver
nünftiger Zweifel an der Unrichtigkeit der Verfügung möglich, folglich nur dieser einzige Schluss denkbar ist. In diesem Sinne qualifiziert unrichtig ist eine Verfü
gung, wenn eine Leistung aufgrund falscher Rechtsregeln beziehungsweise ohne oder in unrichtiger Anwendung der massgeblichen Bestimmungen zugesprochen wurde (BGE 141 V 405 E. 5.2, 140 V 77 E. 3.1 mit Hinweis). Gleiches gilt bei einer klaren Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes, insbesondere wenn die notwendigen fachärztlichen Abklärungen überhaupt nicht oder nicht mit der erforderlichen Sorgfalt durchgeführt wurden (vgl. Art. 43 ATSG; BGE 141 V 405 E. 5.2; Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2017 vom
2.
August 2018 E. 3.2 mit Hinweisen). Soweit ermessensgeprägte Teile der Anspruchsprüfung vor dem Hin
tergrund der Sach- und Rechtslage einschliesslich der Rechtspraxis im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung in vertretbarer Weise beurteilt worden sind, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus (BGE 141 V 405 E. 5.2 mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_766/2016 vom 3. April 2017 E. 1.1.2 mit Hinweisen).
Nach ständiger Rechtsprechung kann das Gericht eine zunächst auf
Art.
17 ATSG gestützte Rentenaufhebung oder -herabsetzung gegebenenfalls mit der (substi
tuierten) Begründung schützen, dass die ursprüngliche (bzw. die letzte auf einer umfassenden materiellen Prüfung beruhende, vgl. BGE 140 V 514, 133 V 108) Rentenverfügung oder Mitteilung zweifellos unrichtig und die Berichtigung von erheblicher Bedeutung sei (BGE 144 I 103 E. 2.2, 140 V 85 E. 4.2, 125 V 368 E. 2, je mit Hinweisen; vgl. Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversi
cherung, 3. Aufl
age 2014,
Rn
77 zu Art. 30–31)
1.6
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.7
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid wurde erwogen, dass
sich der Gesundheitszustand
der Beschwerdeführerin
ausweislich des
bidisziplinären
Gutachtens
verbessert habe.
Weder aus orthopädischer noch aus psychiatrischer Sicht lägen Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit vor. Seit Juli 2015 sei die Beschwerde
führerin
in einer angepassten Tätigkeit
voll arbeitsfähig.
Ein Revisionsgrund bestehe aufgrund der im
November 2014 aufgenommenen Erwerbstätigkeit
als Telefonberaterin
im ersten Arbeitsmarkt bei der
A._
in Deutschland
. Dabei verdiene die Beschwerdeführerin
ein erheblich höheres Ein
kommen als das
bei der Rentenberechnung
berücksichtigte jährliche Invaliden
einkommen von Fr. 2'400.-- im geschützten Rahmen. Im
Umfang
dieser
Revision könne
auch
der
Status
auf 50
% erwerbstätig und 50
% im Haushalt tätig geän
dert werden. Nach Durchführung des
neuen
Einkommensvergleichs bestehe bei einem Invaliditätsgrad von 18.43
%
kein Anspruch mehr auf eine Rente
. Da die Beschwerdeführerin weder über 55 Jahre alt sei
noch
seit über 15 Jahren eine Rente beziehe, müssten vor der Rentenaufhebung nicht zwingend Eingliede
rungsmassnahmen durchgeführt werden
(
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin geltend, dass
kein Revisionsgrund ausgewiesen sei. Es liege
keine Änderung des erwerblichen Sachverhalts vor. De
n
in Heimarbeit ausgeübte
n
Arbeitsversuch
habe
sie
nach kurzer Zeit wieder
abbre
chen müssen
, da sie mit den Anforderungen überfordert gewesen sei. Sie habe nur kurz einen nennenswerten Verdien
s
t erzielen können.
Somit dürfe auch kein Statuswechsel durchgeführt werden. Zudem habe die
bidisziplinäre
Begutachtung ergeben, dass sich der Gesundheitszustand nicht wesentlich verändert habe.
Wegen
diverser M
ängel könne aber überhaupt nicht auf das Gutachten abgestellt werden
. Des Weiteren beziehe sie mithin seit über 15 Jahren eine Rente. Ange
sichts der gescheiterten Erstausbildung und der selbst an einem geschützten Arbeitsplatz nicht aufrechterhaltenen Tätigkeit sei in diesem Einzelfall davon auszugehen, dass die Erfordernisse des Arbeitsmarktes der Anrechnung einer medizinisch-theoretisch vorhandenen
Leistungsfähigkeit
weiterhin entgegen
stünden
(
Urk.
1).
3.
3.1
Der Verfügung vom 2
7.
August 2004
(Urk. 6/78)
liegt
im Wesentlichen
der Bericht der
IV-Berufsberatung
vom
1.
Oktober 2003 zugrunde
(
Urk.
6/
55
)
.
3.2
Im Bericht vom
1.
Oktober 2003 wurde festgehalten
, dass die Beschwerdeführerin die
Handelsschule
per
1.
Juni 2003 abgebrochen habe. In der
Besprechung
vom 12. Juni 2003 mit der
Beschwerdeführerin
,
Herrn
B._
(
Jugendwohngruppe
C._
) und Frau
D._
(Pro
Infirmis
)
sei
erkennbar
geworden
, dass die
Beschwerdeführerin
aufgrund der
stark eingeschränkten Belastungsfähigkeit dem
Druck nicht mehr gewachsen
gewesen sei
. Neben der
Ausbildung
hätten familiäre Probleme im Mittelpunkt gestanden. Es sei
vereinbart
worden, dass Frau
D._
sich um
e
inen geschützten Arbeitsplatz u
nd
d
ie
Fürsorge kü
mmere. Die IV-Stelle prüfe die Rentenfrage. Solange eine
Tagesstruktur
vorhanden
sei,
werde
die Beschwerdeführerin weiterhin
von Herrn
B._
betreut
. Seit
dem
1
1.
August 2003 arbeite die Beschwerdeführern
an
einem geschützten
Arbeitsplatz
mit einem 50%-Pensum im
Ausbildungs
- und D
ienst
l
eistu
n
g
sze
n
trum
E._
. Es
sei nun
die Rentenfrage
zu prüfen
. Die Beschwerdeführerin habe aus
gesundheitlichen Gründen im Ber
e
i
ch der Psyche die
Ausbildung
abgebrochen
. Bevor das Invali
deneinkommen festgelegt werden könne
sowie
im Hinblick auf eine
zukünftige
b
erufliche Massnah
m
e
, werde die
Einholung
eines psychiatrischen Gutachtens
empfohlen (
Urk.
6/
55
/1
)
. Der
Validenlohn
betrage
Fr.
48'650.
--
(Tabellenlohn) un
d der Invalidenlohn
Fr.
2'400.--
gemäss Arbeitsvertrag vom 18
.
März 2003
,
das ein
geschützter Arbeitsplatz mit 50%-Pensum
sei
(
Urk.
6/55/2).
4.
4.1
Der
Mitteilung
vom
13.
Februar 2012
(
Urk.
6/139
)
liegt
in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen
das interdisziplinäre Gutachten
des
Y._
v
om 3. Januar 2012 zugrunde
(Urk. 6/136)
.
4
.2
Dr.
F._
, Facharzt für Innere Medizin,
Dr.
G._
, Facharzt für
Hand- und orthopädische Chirurgie,
H._
, Fachärztin für Neurologie und
Dr.
I._
, Facharzt für Psychiatrie und P
sychotherapie
,
hielten im Gut
achten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (Urk. 6/136/27-28):
-
Chronische Schmerzen im linken Fuss bei
-
St. n. wahrscheinlicher Poliomyelitis
-
Spitz-Hohl-Fuss
-
St. n.
valgisierender
Calcaneusosteotomie
,
Pseudoarthrosenrevision
talonavikular
und Metallentfernung (01/2002)
-
St. n. Arthrodese nach
Lambrinudi
und
Plantarfasciotomie
nach
S
t
eindler
links (07
/200
1) wegen
-
B
eginnende
r
arthrotische
r
Veränderungen im oberen
Sprunggelenk
und den nicht
arthrosierten
Gelenken des Vorfusses
-
Lumbosakrales
und
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom bei
-
Beckenschiefstand nach links
-
Muskulärer Dysbalance infolge Beinverkürzung links
Ohne Relevanz für die Arbeitsfähigkeit diagnostizierten sie folgendes:
-
Micrognathia
inferior
-
Rhinitis
allergica
-
Probleme durch negative Kindheitserlebnisse, Herauslösen aus dem Elternhaus in der Kindheit
-
Leichte Schwäche der linken oberen Extremität, wahrscheinlich nach Poliomyelitis
-
Aufenthalt und Erziehung in Heimen
-
Feindseligkeit gegenüber Kindern und ständige Schuldzuweisung
-
Problem in Verbindung mit Bildung und Ausbildung
Dazu führten die Gutachter in der interdisziplinären Zusammenfassung aus,
d
urch die vorgenommenen Operationen
habe
eine gewisse Verbesserung der Fe
hl
stellung erreicht werden
können
, nicht hingegen eine Verbesserung der gesamten Atrophie des linken Beines und der deutlichen Verkürzung desselben. Auch habe sich der
Schmerzzustand der Beschwerdeführerin nicht verbessert
. Die
geklagten Schmerzen seien an sich plausibel, wobei es wie immer bei Schmerzen keine Möglichkeit gebe, diese objektiv zu messen. Es bestehe aber kein typisches psychosomatisches Beschwerdebild und keine Hinweise auf eine Ausweitungs
symptomatik
(
Urk.
6/136/28)
.
Subjektiv klage die Beschwerde
führerin über eine Zunahme ihrer Schmerzen. Objektiv bestehe nur eine diskrete Verschlechterung im Bereich der beginnenden Arthrosen im linken Fuss. Es sei davon auszugehen, dass sich in den kommenden Jahren infolge multipler Fehlbelastungen Arthrosen ausbilden würden. Zurzeit hätten sich aber gegenüber früheren Beurteilungen keine wesentlichen Veränderungen des medizinischen Befundes ergeben (
Urk.
6/136/30).
Zur Arbeitsfähigkeit wurde festgehalten, dass
die Gehfähigkeit und die
-
dauer deutlich eingeschränkt
seien
.
Grössere
Strecken müss
t
e
n
mit einem Auto zurück
g
eleg
t werden
.
V
orwiegend stehende Tätigkeiten
seien
nicht
zumutbar. Ausge
schlossen seien
das Gehen in unwegsamem Gelände, das Besteigen von Leitern und das regelmässige Treppengehen. Weiter sei auch das Halten und Heben von schweren Lasten deutlich eingeschränkt
.
Die Beschwerdeführerin habe keine Berufsausbildung. Berufliche Eingliederungsversuche vorwiegend in den Bürobe
reichen seien
hinsichtlich
der Schmerzproblematik
sowie der
mangelnde
n
schulischen Voraussetzungen gescheitert. Theoretisch könne die Beschwerde
führerin r
ein medizinisch beurteilt eine vorwiegend sitzende Tätigkeit
in einem 50%-Pensum ausüben
. Die Einschränkung resultiere aus der chronischen Schmerzproblematik. Davon betroffen sei sowohl das Bein wie der Rücken. Aus diesem Grund solle sich die
Beschwerdeführerin
bei einer entsprechenden Tätig
keit immer wieder bewegen und ihre Sitz- und Arbeitsposition wechseln können
(
Urk.
6/136/29).
5
.
5
.1
In Bezug auf den aktuellen Gesundheitszustand stützt sich die Beschwerdegegne
rin
auf die im November 2014 aufgenommene Erwerbstätigkeit als Telefonbera
terin (Urk. 6/141) sowie in medizinischer Hinsicht
auf das
Z._
-Gutachten
vom 16. November 2016
(Urk.
6/177
)
.
5
.2
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Orthopädie
,
und
Dr.
med.
K._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
erhoben
in ihrem Gutach
ten
k
eine
Diagnosen mit Auswirkun
g auf die Arbeitsfähigkeit.
Unter den Diagno
sen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurde
n folgende genannt (
Urk.
6/177/42):
-
F
ortgeschrittene Chondropathie des
linken oberen Sprunggelenks nach w
ahrscheinlicher Poliomyelitis und Zustand
n
ach Achillessehnenver
längerung
,
S
teindlerscher
Durchtrennung der
Plantaraponeuros
e
, d
orsaler
Capsulotomie
tibiot
alar
und
talocalcanear
sowie Transfixation Calc
aneus/Talus/Tibia links
(
03/1999
)
,
Entfernung de
s
K-Nagels
(
03/1999
)
,
Arthrodese nach
Lambrinudi
und
Plantarfasc
iotomie
nach
Steindler
(
07/2001
),
Metallentfernung und
valgisierender
Calcaneusosteoto
mie
nach Dwyer sowie Revision einer
Pseuda
rthrose des
Talonaviculargelenk
s
(
01/2002
),
Verlängerungsosteotomie der Fibula und OSG-Arthroskopie mit Abtragung ventraler
Tibiaosteophyten
(
10/2014
) sowie
Oste
o
synthesematerialentfernung der Fibula
(
05/2015
)
mit Senk
-
/Spreizfuss
und
Verkürzung des linken Fusses sowie eine Beinv
e
rkürzung links
-
Pseudolumbofe
moral
g
ie
links bei
kleiner
nicht
neurokompressiver
Discushernie
L5/S1 links
-
Allergie auf Dafalgan und Pollen
Zur Arbeitsfähigkeit wurde
festgestellt, dass diese
von Mai bis Juni 2015 im Rahmen der postoperativen Rehabilitation als Telefonberaterin oder in einer angepassten Tätigkeit 0
%
betragen habe. Seit Juli 2015 sei die Beschwerde
führerin jedoch voll arbeitsfähig (
Urk.
6/177/43).
Im Gegensatz zum Gutachten des
Y._
hätten die arthrotischen
Veränderungen
im oberen Sprunggelenk links zugenommen. Des Weiteren seien seither zwei chirurgische Eingriffe am linken OSG durchgeführt worden. Im orthopädischen
Gutachten
des
Y._
sei allerdings keine explizite Arbeitsfäh
ig
keit in bisherige
r
und in adaptierter
Tätigkeit
fest
gehalten
, so dass ein direkter Vergleich nicht möglich sei.
Aus psychiatrischer Sicht
seien
im
psychiatrischen
Gutachten
des
Y._
01/2012
lediglich
psychosoziale
Probleme
beschrieben
worden. Es hätten
jedoch
bereits
damals keine psychischen
Störungen
mit
Auswirkung
auf die
Arbeitsfähigkeit bestanden
. Im
Verlauf
lasse
sich
weiterhin
keine psychische Störung mit Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit
erheben. Damit handle es sich aus
rein
psychiatrischer Sicht um einen im Wesentlichen unveränderten psychi
schen
Gesundheitszustand (
Urk.
6/177/44).
6
.
6
.1
Bevor geprüft werden kann, ob die Voraussetzungen für eine
Revision der Rente
vorliegend
gegeben sind, stellt sich aufgrund de
s im
August 2010
und des
zweiten im April 2015
eingeleiteten Rentenrevisionsverfahrens
(
Urk. 6/109-1
1
0
und
Urk.
6/145
) die Frage nach der Vergleichsbasis
. Dabei bildet der zeitliche Refe
renz
zeit
punkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung die letzte (der
versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung
oder Mitteilung
, wel
che auf
einer umfassenden materiellen Prüfung
beruht
(E. 1
.
4)
.
6
.2
A
nlässlich des mit Mitteilung vom 1
3.
Februar 2012
(
Urk.
6/139
)
abgeschlosse
nen Revisionsverfahrens erfolgte
durch die
polydisziplinäre Begutachtung (Expertise vom
3.
Januar 2012,
Urk.
6/136)
zwar in medizinischer Hinsicht
eine rechtskonforme Sachverhaltsabklärung
,
nicht
aber in erwerblicher Hinsicht
. So
zog die
IV-Stelle
eine Überprüfung der
Qualifikation
der Beschwerdeführerin
als Vollerwerbstätige
trotz
Kenntnis der Geburt des Sohnes
nicht einmal in Erwägung
(
Urk.
6/103-104)
.
Des
Weiteren
v
erzichtete sie
auf
die Durchführung eines
Ein
kommensvergleich
s
(
Urk.
6/138/4), obwohl
die Beschwerdeführerin
neu gemäss dem Gutachten
sitzend
als zu
50
%
arbeitsfähig
beurteilt wurde
(
Urk.
6/136/29
)
.
Spätestens d
adurch hatte die IV-Stelle einen klaren Anhaltspunkt
für eine Ände
rung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands
. Sie hätte daher anhand eines Einkommensvergleich
s
prüfen müssen, ob daraus eine kleinere als eine ganze Rente resultiert.
Alleine aufgrund der Attestierung der
Arbeitsfähigkeit im geschützten Rahmen
(
Urk.
6/136/17
)
, wurde die IV-Stelle nicht davon ent
bunden,
zumal
die rechtliche Frage der erwerblichen Verwertbarkeit
der (ver
bliebenen) Arbeitsfähigkeit bezogen auf ei
nen ausgeglichenen Arbeitsmarkt
nicht von den Medizinern zu beantworten ist (vgl. zur Aufgabenver
t
eilung zwischen Rechtsanwender und Arztperson im Allgemeinen BGE 140 V 193; Urteil 9C_899/2017 vom
9.
Mai 2018 E. 2.2).
6
.3
Zeitliche Vergleichsbasis für die Revision bildet somit die ursprüngliche Verfü
gung der
Rentenzusprache
vom 2
7.
August 2004 (
Urk.
6/78
)
und nicht wie von der Beschwerdegegnerin angenommen die M
itteilung vom 1
3.
Februar 201
2
(
Urk.
6/139
)
.
7
.
7
.1
Das Gericht kann eine zunächst auf
Art.
17 ATSG gestützte Rentenaufhebung gegebenenfalls mit der substituierten Begründung schützen, wenn die ursprüng
liche
Rentenverfügung zweifellos unrichtig und die Berichtigung von erheblicher Bedeutung
ist.
Ohne Weiteres ist dabei mit Blick auf den Charakter der zugespro
chenen Invalidenrente als periodische Dauerleistung die Voraussetzung der erheblichen Bedeutung der Berichtigung zu bejahen. Zu prüfen bleibt, ob die
Ver
fügung
vom
2
7.
August 2004
zweifellos unrichtig und daher der Wiedererwägung zugänglich
ist
(E. 1.
4
)
.
7
.2
Über die
Fussleiden
sind
lediglich
zwei Berichte der Orthopädischen Universitäts
klinik
L._
vom 2
7.
Juli und
3.
August 2000 ohne Beurteilung der
Arbeitsfä
higkeit (
Urk.
6/2) sowie ein Zwischenbericht über den Bedarf
an orthopädischen Hilfsmitteln
vom 1
9.
b
zw. 2
6.
August 2002
(
Urk.
6/24)
aktenkundig
. Im Ver
laufsprotokoll der Berufsberatung vom 2
5.
Oktober 2002 hielt die IV
Berufs
beratung als künftige Erwerbaussichten ein 100%
-
Pensum im administra
tiven Bereich fest (
Urk.
6/29
/3
). Mit Verfügung vom 2
9.
Oktober 2002 wurde als berufliche Massnahme ein lerntechnischer Vorbereitungskurs im Hinblick auf eine verspätete erstmalige berufliche Ausbildung im administrativen Bereich gewährt (
Urk.
6/31). Anschliessend wurden mit Verfügung vom 2
6.
März 2003 die Mehrkosten der erstmaligen beruflichen Ausbildung zur Büroangestellte
n
ab 25. Februar 2003
an der
Schule M._
übernommen
(
Urk.
6/38). Das Rektorat berichtete
schliesslich
mit
Brief vom 11.
Juli 2003
, dass die Beschwerdeführerin
dem Druck (weniger durch die schulische Belastung als durch die persönlichen Umstände wie Familie, Geldprobleme etc. verursacht) nicht mehr gewachsen gewesen sei, weshalb sie begonnen habe, dem Unterricht fernzubleiben. Damit habe sie den schulischen Anschluss und den Boden völlig unter den Füssen verloren, weshalb es gegeben gewesen sei, die Massnahme im Mai 2003 abzubrechen. Eine neuerliche Massnahme käme nur in Frage, wenn die psychosozialen Probleme einigermassen entschärft seien
(
Urk.
6/48)
. Am 1
8.
Juli 2003 unterzeichnete die Beschwerdeführerin einen Arbeitsvertrag für einen geschützten Arbeitsplatz (Urk.
6/51). Mit Bericht vom
1.
Oktober 2003 stellte die IV-Berufsberatung fest, dass
die Beschwerdeführerin
aus gesundheitlichen Grün
den im Bereich der Psyche die
Ausbildung an der
M._
abgebrochen habe und empfahl
zur Festlegung des Invalideneinkommens
die Einholung ei
nes psychiatrischen Gutachtens
(
Urk.
6/54)
. Gleichwohl
wurde der Beschwerdeführe
rin
eine ganze
Rente zugesprochen
, wobei die IV-Stelle
im Einkommensvergleich für das Invalideneinkommen
einfach den Lohn des geschützten Arbeitsplatzes
, wie im Berufsberatungsbericht festgehalten,
einsetzte
(Urk.
6/6
1-62
).
7
.3
Nach dem Gesagten
erfolgte
die
erstmalige
Rentenzusprache
ohne jegliche akten
kundige ärztliche St
ellungnahme zur Arbeits- und Leistungsfähigkeit. Wie von der Beschwerdeführerin richtig erkannt, setzt die Wiedererwägung voraus, dass
kein vernünftiger Zweifel an der Unrichtigkeit der Verfügung möglich, folglich nur dieser einzige Schluss denkbar ist
(
Urk.
12)
.
Dabei ist jedoch zu
berück
sichtigen
, dass
bei einer klaren Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes
,
insbe
sondere wenn die notwendigen fachärztlichen Abklärungen überhaupt nicht durchgeführt wurden
, die Verfügung bereits als in diesem Sinne qualifiziert unrichtig
gilt
(vgl.
E. 1.4
; BGE 141 V 405 E. 5.2; Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2017 vom
2.
August 2018 E. 3.2 mit
Hinweisen).
Deshalb war vorliegend die gestützt auf die Verfügung vom
27. August 2004
(
Urk.
6/78) erfolgte
Renten
zusprache
zweifellos unrichtig.
7.4
Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin (Urk. 12) kann auch nicht davon die Rede sein, dass das Fehlen jeglicher medizinischen Abklärungen anlässlich der Revision 2010 bis 2012 «geheilt» worden wäre. Zwar wurde damals eine polydisziplinäre
Begutachtung durchgeführt und
die Gutachter
stellten
einen im Vergleich zum Zeitpunkt der erstmaligen
Rentenzusprache
unveränderten Gesundheitszustand fest (Urk. 6/136/30). Indem die Beschwerdegegnerin die Weiterausrichtung der ganzen Rente auf den unveränderten Gesundheitszustand abstützte und insoweit folgerichtig auf die Vornahme eines Einkommensver
gleichs verzichtete (vgl. Feststellungsblatt vom 13. Februar 2012, Urk. 6/138/4), perpetuierte sie damit aber die ursprünglich zweifellos unrichtige
Rentenzuspra
che
, zumal dort ausschliesslich – überhaupt nicht abgeklärte – psychische Ein
schränkungen als invalidisierend taxiert wurden (E. 3.2), während im polydis
ziplinären Gutachten aus dem Jahre 2012 keine psychiatrische Diagnose mit Ein
fluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt und die 50%ige Einschränkung der Arbeits
fähigkeit neu ausschliesslich mit somatischen Leiden begründet wurde (Urk. 6/136/27-28).
8
.
8.1
Bei zweifelloser Unrichtigkeit wegen einer klaren Verletzung des Untersuchungs
grundsatzes erübrigt es sich, den damals rechtserheblichen Sachverhalt weiter abzuklären und auf dieser nunmehr hinreichenden tatsächlichen Grundlage den Invaliditätsgrad zu ermitteln. Abgesehen davon, dass Abklärungen, welche einen weiter zurückliegenden Zeitraum betreffen, häufig keine verwertbaren Ergebnisse zu liefern vermögen, geht es im Kontext darum, mit Wirkung ex
nunc
et pro
futuro
einen rechtskonformen Zustand herzustellen (Urteile des Bundesgerichts 8C_789/2017 vom 3
0.
Mai 2018 E. 3.2.1 und 9C_633/2015 vom
3.
Novemebr
2015 E. 3.2 mit Hinweisen).
Der Beschwerdegegnerin ist
daher
beizupflichten, dass sie auf das neue
Z._
Gutachten vom 1
6.
November 2016 abstellen kann
, sofern sich dieses als beweiskräftig erweist
(Urk.
6/177)
.
8.2
Das Gutachten
beruht
auf für die streitigen Belange umfassenden fachärzt
lichen Untersuchungen und wurde
in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) verfasst
(
Urk.
6/177/2-4 und Urk.
6/177/13-18). Die vorhandenen Arztberichte wu
rden sorgfältig gewürdigt (
Urk.
6/177/11, Urk.
6/177/15-18 und
Urk.
6/177/34). Die Gutachter haben detaillierte Befunde und hieraus begründeten Diagnosen erho
ben, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten des Beschwerdeführers ausführlich auseinandergesetzt. Zudem haben sie die medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtend dargelegt und ihre Schlussfolgerungen nachvollziehbar begründet.
Das Gutachten erfüllt
daher die
rechtsprechungsgemässen Anforderungen an beweistaugliche ärztliche Ent
s
cheidungsgrundlagen (vgl. E. 1.
7
).
Bezüglich der Dauer der Begutachtung gilt es anzumerken, dass es
gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts für den Aussagegehalt eines medizinischen Gutachtens grundsätzlich nicht auf die Dauer der Untersuchung an
kommt
. Massgebend ist in erster Linie, ob die Expertise inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist (Bundesgerichtsurteil 8C_768/2011 vom
7.
Februar 2012 E.
5.3.2), was vorliegend der Fall ist
.
8.3
In diesem Sinne ist der medizinische Sachverhalt erstellt, und es ergeben sich zudem keine hinreichenden Anhaltspunkte, dass
die Beschwerdeführerin in
der Tätigkeit als Telefonberaterin oder in einer
anderen
angepassten Tätigkeit
in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist.
Aus dem Bericht «Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt» vom 26. März 2018 ergibt sich im Haushaltsbereich keinerlei Ein
schränkung (Urk. 6/206), was unbestritten geblieben ist und worauf abzustellen ist.
9.
9.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
9.2
Bei der Invaliditätsbemessung kommt der allgemeinen Methode des Ein
kommensvergleichs gemäss
Art.
28a
Abs.
1 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG grundsätzlich Vorrang zu. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffern
mässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie indes nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annähe
rungswerte miteinander zu vergleichen. Wird eine Schätzung vorgenommen, so muss diese
nicht unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annähe
rungswerten bestehen. Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen genügen. Das ohne eine Invalidität erzielbare hypothetische Erwerbs
einkommen ist alsdann mit 100 % zu bewerten, während das Invalidenein
kommen auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt (sog. Prozentvergleich; Urteil des Bundesgerichts 8C_131/2011 vom 5. Juli 2011 E. 10.2.1 mit Hinweis auf BGE 114 V 310 E. 3a).
Der Invaliditätsgrad ist namentlich dann durch Prozentvergleich zu ermitteln, wenn Validen- und Invalideneinkommen sich nicht hinreichend genau oder nur mit unverhältnismässig grossem Aufwand bestimmen lassen und in letzterem Fall zudem angenommen werden kann, die Gegenüberstellung der nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände geschätzten, mit Prozentzahlen bewerteten hypothetischen Einkommen ergebe ein ausreichend zuverlässiges Resultat. Diese Berechnungsweise ist insbesondere anwendbar, wenn die konkreten Verhältnisse so liegen, dass die Differenz zwischen Validen- und Invalideneinkommen die für den Umfang des Rentenanspruchs massgebenden Grenzwerte von 70, 60, 50 und 40 % (Art. 28 Abs. 2 IVG) eindeutig über- oder unterschreitet (Urteil des Bundes
gerichts 9C_492/2018 vom 24. Januar 2019 E. 4.3.2 mit Hinweis auf Urteil 8C_333/2013 vom 11. Dezember 2013 E. 5.3 mit Hinweisen).
Sind indessen Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom gleichen Tabellenlohn zu berechnen, erübrigt sich deren genaue Ermittlung. Diesfalls ent
spricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichti
gung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn. Dies stellt keinen «Prozentver
gleich» dar, sondern eine rein rechnerische Vereinfachung (Urteil des Bundesge
richts 8C_148/2017 vom 19. Juni 2017 E. 4 unter Hinweis auf Urteil 9C_675/2016 vom 18. April 2017 E. 3.2.1).
9.3
Gemäss der Aktenlage verdiente die Beschwerdeführerin
als Telefonberaterin
überdurchschnittlich zu anderen Medianen, weshalb vorliegend das
Validenein
kommen
als auch das Invalideneinkommen anhand von Tabellenlöhnen
(LSE
2016)
zu ermitteln
sind
.
Deshalb ist prozentual geschätzt davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin jedenfalls in der Lage wäre, mindestens 70
%
des durch
schnittlich im privaten Sektor von Frauen ohne berufliche Ausbildung erzielbaren
monatliche
n
Einkommen
s
von
Fr.
4'363.
—zu erzielen
.
Daraus resultiert
e – würde die Beschwerdeführerin als Vollerwerbstätige qualifiziert -
ein Invaliditätsgrad von 30
%
, wodurch
kein rentenbegründender Invaliditätsgrad besteht.
Da im
Haushaltsbereich keinerlei Einschränkung besteht (E. 8.3), kann die Frage der Qualifikation offen gelassen werden.
10.
10.1
Abschliessend bleibt auf den Einwand einzugehen, wonach die Beschwerde
gegnerin die Rente aufgrund
der 15
-
jährigen-Bezugsdauer
zu Unrecht aufge
hoben habe, ohne zuvor Eingliederungsmassnahmen zu prüfen beziehungsweise durchzuführen (
Urk.
1 S.
10
).
10.2
Das Bundesgericht geht in ständiger Rechtsprechung vom Regelfall aus, dass eine medizinisch attestierte Verbesserung der Arbeitsfähigkeit grundsätzlich auf dem Weg der Selbsteingliederung zu verwerten ist. Wenn die versicherte Person das 5
5.
Altersjahr zurückgelegt oder die Rente mehr als 15 Jahre bezogen hat, muss sich die Verwaltung aber vor der Herabsetzung oder Aufhebung einer Invaliden
rente in jedem Fall vergewissern, ob sich ein medizinisch-theoretisch wiederge
wonnenes Leistungsvermögen ohne Weiteres in einem entsprechend tieferen Invaliditätsgrad niederschlägt oder ob dafür ausnahmsweise im Einzelfall eine erwerbsbezogene Abklärung und/oder die Durchführung von Eingliederungs
massnahmen im Rechtssinn vorausgesetzt ist. Aus den beiden Kriterien können die Betroffenen im Kontext einer Revision oder Wiedererwägung jedoch nicht ohne Weiteres einen Besitzstandsanspruch ableiten, sondern es wird ihnen ledig
lich zugestanden, dass infolge des fortgeschrittenen Alters oder der langen Rentendauer die Selbsteingliederung grundsätzlich als nicht
mehr zumutbar ein
zustufen ist
8C_842/2016 vom 1
8.
Mai 2017 E. 5.3.1 mit Hinweisen).
10.
3
Im Zeitpunkt der Renteneinstellung mit Verfügung vom 3. September 2018 bezog die Beschwerdeführerin seit dem
1.
Juni 2003
eine Invalidenrente. M
assgebend ist der Zeitpunkt, ab welchem eine Rente zugesprochen wurde (Urteil des Bun
desgerichts
8C_446/2014
vom 1
2.
Januar 2015)
.
Eine revisions- oder wiederer
wägungsweise Herabsetzung oder Aufhebung der Rente ist damit gemäss zitierter bundesgerichtlicher Praxis grundsätzlich nur zulässig, wenn die Beschwerdegeg
nerin zuvor Eingl
iederungsmassnahmen durchführte.
Die Beschwerdeführerin
brachte
allerdings
nicht nur gegenüber der Eingl
iederungsberatung zum Aus
druck
, dass es für sie schwierig sei, einer regelmässigen Arbeit nachzugehen
(
Urk.
6/162 und
Urk.
6
163/1
). Auch gegenüber dem psychiatrischen Gutachter erwähnte sie, dass sie sich eine regelmässige Arbeit nicht vorstellen könne, ideal wäre eine Heimarbeit (Urk.
6/177/22). In der orthopädischen Begutachtung gab sie an, sie wisse nicht, ob sie je wieder arbeiten könne (
Urk.
6/177/5).
Nach
dem die IV-Stelle das Gutachten erhalten hatte, lud sie die Beschwerdeführerin zu einem
persönlichen Gespräch ein (
Urk.
6/180)
,
a
nlässlich welchem die Beschwer
deführerin erneut angab, sie könne sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorstellen einer Tätigkeit
nachzugehen (Urk.
6/191/2-3), woraufhin die IV-Stelle die Ein
gliederungsmassnahmen mit Mitteilung vom
8.
Mai 2017 einstellte, da sich die Beschwerdeführerin aus gesundheitlichen und privaten Gründen subjektiv nicht in der Lage dafür fühle (
Urk.
6/190).
Hinzu
ko
m
mt, dass die Beschwerdeführerin im
Vorbescheidverfahren
grundsätzlich die
Bestätigung
des Rentenanspruchs
verlangte, an zweiter Stelle
ein medizinisches Obergutachten und
nur an dritter Stelle
gegebenenfalls berufliche Massnahmen
(
Urk.
6/
198/6
)
.
Trotzdem bot die IV-Stelle
der Beschwerdeführerin
mit S
chr
e
i
ben vom 1
5.
August 2018
nochmals an, Eingli
ederu
n
g
smassnahmen
durchzuführen
,
sofern
diese gewünscht seien (Urk.
6/204).
Diese wurden
von der Beschwerdeführerin erneut mit der Begrün
dung abgelehnt, es sei primär die Rentenfrage zu prüfen, da sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert habe
(
Urk.
6/205).
10.4
Vor diesem Hintergrund ist bei der Beschwerdeführerin weder der Wille noch die Motivation zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit zu erkennen. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit fehlt es infolge der subjektiven Krankheitsüberzeugung an einem Eingliederungswillen, welcher indes für die Durchführung von beruflichen Massnahmen unabdingbar ist. Folglich ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin den Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen verneint und direkt die Rentenaufhebung verfügt hat (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_231/2015 vom
7.
September 2015 E. 4.2, 8C_569/2015 vom 1
7.
Februar 2016 E. 5.2 und 9C_491/2017 vom 2
6.
September 2017 E. 4.3 mit Hinweisen).
11.
Zusammenfassend ergibt sich daher, dass die Aufhebung der bisher ausge
richte
ten ganzen Rente mit der substituierten Begründung der zweifellosen Unrichtig
keit der Verfügung vom
27. August 2004
geschützt werden kann. Somit erweist sich die angefochtene Verfü
gung im Ergebnis als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
1
2
.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
8
00.-- anzusetzen.
Das Gericht
erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Yolanda
Schweri
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
unter Beilage des Doppels von
Urk.
12
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4
.