# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 434332a5-8498-4b13-b907-7ed97a4cc0e3
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der 1959 geborene X._
war seit dem
1.
September 2010
bei der Y._
AG als
Kaminfegermeister
tätig und in dieser Eigenschaft bei der Suva gegen die Folgen von Unfällen versichert. Mit Schadenmeldung vom 2
4.
Juni 2019 wurde der Suva gemeldet, der Versicherte sei am 15. Juni 2019 beim Überqueren einer Strasse über den Rands
tein gestolpert und habe sich an der Schulter, dem Ellbogen sowie am Handgelenk links
Quetschung
en
und Prel
lung
en
zugezogen (Urk. 9/1). Die Suva a
nerkannte mit Schreiben vom 28.
Juni 2019 ihre Leistungspflicht und erbrachte die gesetzlichen Versicherungsleis
tungen (Urk. 9/2).
Am 3
1.
Juli 2019 erteilte die Suva Kostengutsprache für die Spitalbehandlung
(Urk. 9/9)
im Zusammenhang mit der operativen Behandlung der
Rotatorenmanschettenruptur
(Urk. 9/5). Am 7. August 2019 wurde beim Beschwerdeführer eine Arthroskopie der Schulter links mit
Rotatorenman
schetten-Rekonstruktion
(
Supraspinatus
/
Infraspinatus
) sowie eine
Acromio
plastik
durchgeführt (Urk. 9/17).
Am 16. September 2019 teilte die Ehefrau des Versicherten mit, er habe sich beim Sturz auf die Schulter auch den Kopf verletzt; in letzter Zeit habe er einen komischen Gang sowie ab und zu sprachliche Aus
setzer
gehabt
. Die Unt
ersuchung im Spital Z._
vom 1
3.
September 2019 habe ergeben, dass der Versicherte Blut im Hirn habe und operiert werde
n müsse
(Urk. 9/19).
Am 1
9.
September 2019 wurde eine endoskopisch assistierte Entlee
rung des Hämatoms durch eine links parietale Minikraniotomie
mit
Anlage einer
subgalealen
Redondrainage
durchgeführt (Urk. 9/26).
Nach Eingang der kreisärzt
lichen Stellungnahme vom
3.
Oktober 2019 (Urk. 9/33) teilte die Suva dem Versicherten mit Schreiben vom 4. Oktober 2019 mit, der Zustand, wie er sich auch ohne den Unfall vom 15. Juni 2019 betreffend die Schulter links eingestellt hätte, sei spätestens sechs Wochen nach dem Unfallereignis erreicht, weshalb sie den Fall per 15. Oktober 2019 abschliesse und die Versicherungsleistungen (Tag
geld und Heilkosten) auf diesen Zeitpunkt einstelle. Des Weiter
e
n bestehe aufgrund der medizinischen
U
nterlagen kein sicherer oder wahrscheinlicher Kausalzusam
menhang zwischen dem Ereignis vom 15. Juni 2019 und den gemeldeten Kopf
beschwerden; diesbezüglich sei sie nicht leistungspflichtig (Urk. 9/35).
Der Versi
cherte erklärte am 14. Oktober 2019 mit der Einstellung der Leistungen nicht einverstanden zu sein und beantragte die erneute Prüfung seines Anspruchs (Urk. 9/41). Nach Einholung weitere
r kreisärztlicher
Beurteilung
en
(Urk. 9/43
, 9/56, 9/58
)
und Arztberichte (9/54) verfügte die Suva am 31. Januar 2020 im angekündigten Sinne und stellte die Leistungen (Taggeld und Heilkosten) betref
fend die linksseitigen Schulterbeschwerden per 15. Oktober 2019 ein (Urk. 9/59). Dagegen liess der Versicherte am 1
8.
Februar 2020 Einsprache
erheben (Urk. 9/63). Am
2.
Februar 2021 nahm Kreisarzt PD
Dr.
med.
A._
, Facharzt Orthopädische Chirurgie
und Traumatologie des
Bewegungsappartes
, erneut eine orthopädisch-chirurgische Beurteilung vor (Urk. 9/69). Mit Entscheid vom 2
9.
März 2021 wies die Suva die Einsprache ab (Urk. 2 [= Urk. 9/71]).
2.
Dagegen liess der Versicherte am 10. Mai 2021 Beschwerde erheben und bean
tragen, der angefochtene Einspracheentscheid sei aufzuheben und ihm seien auch nach dem 15. Oktober 2019 Leistungen aus der obligatorischen Unfallversiche
rung
auszurichten; eventualiter sei er fachärztlich zu begutachten, und über den Anspruch auf Leistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung sei neu zu entscheiden (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 1
1.
August 2021 schloss die Beschwerdegegnerin
unter Beilage einer erneuten kreisärztlichen Beurteilung vom 4. August 2021
auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 8
, 10
), worüber der Beschwerdeführer mit Verfügung vom 13. August 2021 in Kenntnis gesetzt wurde (Urk. 11). Mit Verfügung vom 26. A
ugust 2021 wurde ein
zweiter Schriften
wechsel angeordnet (Urk. 13).
Mit Replik vom 7. September 2021
(Urk. 14) sowie
Duplik vom
1.
Oktober 2021
(Urk. 17)
hielten die Parteien an ihren jeweiligen Anträgen fest.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit
zur Entscheidfindung
erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen einge
gan
gen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 10 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG)
hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung ihrer Unfall
folgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu min
destens 10 % invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente, sofern sich der Unfall vor Erreichen des ordentlichen Rentenalters
ereignet hat (Art. 18 Abs. 1 UVG).
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invali
dität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhanden
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.3
Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit nachge
wiesen, entfällt die deswegen anerkannte Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht die natürliche und adäquate Ursache des Gesundheits
schadens darstellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfall
fremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der leistungsbegrün
dende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatsache handelt, liegt die entsprechende Beweis
last
anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausal
zusammenhang gegeben ist
nicht beim Versicherten, sondern beim Unfall
versicherer. Diese Beweisgrundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten massgebend (Urteile des Bundesgerichts 8C_600/2021 vom 3. März 2022 E. 3.2 und 8C_669/2019 vom 25. März 2020 E. 2.2, je mit Hinweisen).
Mit dem Erreichen des Status quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch dieser Zustand noch nicht wieder
erreicht
ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG Leis
tungen zu erbringen (Urteil des Bundesgerichts 8C_589/2017 vom 21. Februar 2018 E. 3.2.3 mit Hinweisen).
1.
4
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versiche
rungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungs
fall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzu
nehmen (BGE 145 V 97 E. 8.5, 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt im angefochtenen Entscheid fest,
in der ärztlichen Beurteilung sei der Kreisarzt zum Schluss gekommen, dass der Unfall vom 15. Juni 2019 nicht überwiegend wahrscheinlich zu strukturellen Läsionen geführt habe. Der am 7. August 2019 operierte Schaden sei nicht mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit auf den Unfall zurückzuführen; der
Gesundheits
zustand, wie er auch ohne Unfall vorliegen würde, sei als Status quo sine nach Prellung und Zerrung nach vier bis sechs Wochen erreicht gewesen
(
Urk.
2 S. 6)
.
Gestützt auf die Beurteilung des Kreisarztes sei davon auszugehen, dass die beim Beschwerdeführer festgestellten Gesundheitsschäden im Bereich der linken Schul
ter nicht auf das Ereignis vom 15. Juni 2019 zurückzuführen seien und der durch dieses Ereignis ausgelöste Beschwerdeschub nach kurzer Zeit abgeklungen
sei
.
Solange dieser Beschwerdeschub
angedauert habe
, habe sie die zweckmässige Behandlung des krankhaften Vorzustandes zu übernehmen, was auch die Opera
tion vom 7. August 2019 umfasse. Die Übernahme der Operation bedeute jedoch nicht, dass ein Kausalzusammenhang des operierten Gesundheitsschadens zum Unfall vom 15. Juni 2019 anerkannt werde. Trotz der Operation könne sie die Versicherungsleistungen einstellen, wenn der unfallbedingte Beschwerdeschub abgelaufen sei (Urk. 2 S. 7 f.).
Bezüglich des aufgetretenen
Subduralhämatoms
erwog die Beschwerdegegnerin sodann, dass echtzeitlich nichts dokumentiert sei, das auf ein Anschlagen des Kopfes beim Ereignis vom
15. Juni 2019 hindeuten würde.
Für ein anderes Unfallereignis mit Kopfbeteiligung würden sodann keine Hinweise bestehen; ein solches werde auch nicht geltend gemacht. Die Beweislast für ein Schädeltrauma liege beim Beschwerdeführer (Urk. 2 S. 10). Gestützt auf die Beurteilung des Kreisarztes sei davon auszugehen, dass die beim Beschwer
deführer festgestellten Gesundheitsschäden im Bereich des Kopfes nicht auf das Ereignis vom 15. Juni 2019 zurückzuführen seien, weshalb eine Leistungspflicht zu verneinen sei (Urk. 2 S. 11).
2.2
Demgegenüber brachte der Beschwerdeführer vor, unbestritten sei, dass er am 15. Juni 2019 einen Unfall erlitten hatte, als er beim Überqueren einer Strasse über den Randstein gestolpert und gestürzt sei. Streitig sei, ob die Verletzungen an der Schulter und am Kopf im Zeitpunkt der Verfügung unfallkausal waren. Bezüglich der Kopfverletzung akzeptiere er den ablehnenden Entscheid. Er
sei jedoch nicht damit einverstanden,
dass – nachdem die Beschwerdegegnerin anfänglich ihre Leistungspflicht anerkannt habe – die Kausalität der heute noch persistierenden Schulterbeschwerden nunmehr verneint werde (Urk. 1 S. 3).
Der Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin stützte sich alleine auf die Akten
beurteilungen der Kreisärzte, die in diametralem Widerspruch zur Beurteilung des behandelnden Arztes, einem ausgewiesenen und renommierten Schulterspezia
lis
ten, stehe. Die Behauptung, es handle sich um eine alte, degenerativ bedingte vorbestehende Läsion, sei widersprüchlich. Gemäss MRI vom 4. Juli 2019 habe keine Muskelatrophie bestanden. Der behandelnde Arzt habe beschrieben, dass sowohl das Muskelvolumen wie auch die Muskelqualität gegen eine ältere RM-Läsion spreche (Urk. 1 S. 7). Das Unfallgeschehen und die festgestellte Schulter
verletzung würden sowohl sachlich wie auch
zeitlich zusammen
passen. Bei der Tätigkeit als Kaminfeger handle es sich zudem um eine schwere Tätigkeit mit häufigen Überkopfarbeiten, weshalb eine vorbestehende RM-Läsion kaum über einen längeren Zeitraum gänzlich asymptomatisch verlaufen wäre (
Urk.
1 S. 8).
Ferner sei nicht nachvollziehbar, inwiefern der Status quo sine nach einer angeb
lichen Aktivierung einer vorbestehenden RM-Läsion nach vier bis sechs Wochen
erreicht sein sollte. Es habe auch im Zeitpunkt der Verfügung infolge der Schul
terverletzung eine (Teil-)Arbeitsunfähigkeit bestanden. Insgesamt sei die Behaup
tung der Beschwerdegegnerin, wonach die RM-Läsion rein degenerativ bedingt und vorbestehend gewesen sei, unhaltbar und die RM-Läsion sei mit überwie
gen
der Wahrscheinlichkeit beim Stolpersturz vom 15. Juni 2019 entstanden (Urk. 1 S. 11).
2.3
Mit Beschwerdeantwort vom 11. August 2021 ergänzte die Beschwerdegegnerin, wegen den neuen medizinischen Unterlagen sei nochmals eine fachärztliche Stel
lungnahme eingeholt worden. Die Beweislast bezüglich der Frage, ob das Ereignis vom 15. Juni 2019 zu einer
Rotatorenmanschettenruptur
führte
, liege beim Beschwerdeführer. Aus der Übernahme der Operation vom
7.
August 2019 wäh
rend des unfallbedingten Beschwerdeschubs könne nichts Gegenteiliges abge
leitet werden. Strittig sei somit einzig, ob das Ereignis vom 15. Juni 2019 lediglich eine Prellung beziehungsweise Zerrung der Schulter oder zu einer
Rotatorenman
schettenruptur
geführt habe (Urk. 8 S. 3). Gemäss Operationsbericht vom
7.
Au
gust 2019 seien die
Supraspinatus
-, die
Infraspinatus
- sowie die lange
Bizepssehne
rupturiert
gewesen. Aufgrund der unterschiedlichen Aufgaben dieser Sehnen beziehungsweise der dazugehörigen Muskeln lasse sich nicht überzeu
gend nachvollziehen, wie ein einzelner Mechanismus diese drei Sehnen gleich
zeitig geschädigt haben sollte (Urk. 8 S. 4).
2.4
Mit
Replik
vom 7. September 2021 brachte der Beschwerdeführer vor, das genaue Ausmass der Schulterverletzung, mithin der Befund, wonach er die
Rotatoren
manschette
ruptiert
habe, sei spätestens mit Bericht der
Klinik B._
vom 1
1.
Juli 2019 sowie dem
Arthro
-MRI- und Sonograp
hie-Befund des Spitals C._
vom
4.
Juli 2019 im Detail bekannt gewesen. Im Wissen um diese konkreten Befunde im linken Schultergelenk habe die Beschwerdegegnerin Kostengutsprache für die am
7.
August 2019 durchgeführte operative Rekon
struktion der Rotatorenmanschette erteilt. Damit habe sie erneut ihre Leistungs
pflicht sowie die Unfallkausalität in Bezug auf die konkreten Befunde bestätigt.
Der Wegfall des Kausalzusammenhangs sei alleine von der Beschwerdegegnerin zu beweisen; dieser sei nicht erbracht worden (Urk. 14 S. 2).
2.5
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die Leistungen betreffend die Schulterbeschwerden links zu Recht per 15. Oktober 2019 eingestellt hat. Die Ablehnung der Leistungspflicht im Zusammenhang mit der geltend gemachten Kopfverletzung wurde
vom Beschwerdeführer akzeptiert.
D
ie Leistungsverweige
rung
im Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom 15. Juni 2019
bezüglich der Kopfbeschwerden
ist daher
in Rechtskraft erwachsen.
3.
3.1
Der behandelnde Hausarzt
Dr.
med. D._
, Facharzt Allgemeine Innere Medizin, berichtete am 24. Juli 2019, die Erstbehandlung habe am 24. Juni 2019 stattgefunden. Der Beschwerdeführer sei am 15. Juni 2019 gestolpert und gestürzt, dabei habe er sich mit dem linken Arm aufgefangen. Der Handrücken links sei geschwollen gewesen, der Ellbogen links etwas
dolent
,
die
Elevation und Abduktion der Schulter links sei bis 40° möglich.
Er diagnostizierte
eine Ru
ptur der Rotatorenmanschette und att
estierte
dem Beschwerdeführer
eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit ab dem 15. Juni 201
9.
Zudem führte er aus, die Behandlung werde voraussichtlich in sechs b
is acht Monaten abgeschlossen sein
(Urk. 9/7).
3.2
Mit Bericht vom 11. Juli 2019 nannten die
behandelnden
Ärzte der
Klinik B._
eine traumatische
transmurale
Ruptur der Sehne des M.
supraspinatus
mit Retraktionen sowie den Verdacht auf Partialruptur der kranialen Anteile der Sehne des M.
infraspinatus
der Schulter links (
adominant
) nach einem Sturz am 15. Juni 2019 als Hauptdiagnosen. Als Nebendiagnosen führten sie eine arterielle Hypertonie, eine Hypercholesterinämie, korona
re Herzerkrankung mit zwei
fachem
Stenting
im November 2018, ein Asthma bronchiale sowie ein Diabetes mellitus Typ II auf. Der Beschwerdeführer habe in der Sprechstunde über einen Sturz auf die linke Schulter im Juni 2019 berichtet. Unmittelbar danach seien Schmerzen und Bewegungseinschränkungen aufgetreten; aktuell verspüre er noch einen Kraftverlust der linken Schulter
(Urk. 9/5 S. 1)
. Bisher hätten keine Therapien, Medikamenteneinnahmen oder Infiltrationen stattgefunden.
Es
liege eine frische, traumatische,
transmurale
Ruptur der
Supraspinatussehne
vor, even
tuell mit Beteiligung d
er
Infraspinatussehne
(
Urk.
9/5 S. 2).
Im Operationsbericht vom 8. August 2019 berichteten die Behandler von der Arthroskopie der Schulter links mit
Rotatorenmanschetten
-Rekonstruktion (
Sup
raspinatus
/
Infraspinatus
) sowie der
Acromioplastik
. Indikation für die Operation sei der Sturz auf die linke Schulter mit einschiessendem Schmerz und sofortiger Pseudoparalyse/Pseudoparese im Juni 2019 gewesen. Die Abklärungen hätten in der Folge den Befund einer frischen
transmuralen
Ruptur
Supras
p
inatus
und
Infraspinatus
ohne muskuläre Atrophie respektive
fettige Degeneration ergeben
; Status nach Ruptur lange
Bizepssehne
(
Urk.
9/17).
Im Austrittbericht vom 26. Au
gust 2019 führten die Ärzte der
Klinik B._
aus, Komplikationen seien keine aufgetreten. Der
peri
- und postoperative Verlauf habe sich insgesamt regelrecht gestaltet. Die periphere Durchblutung, Motorik und Sensibilität habe sich im Ver
gleich zum präoperativen Zustand unverändert gezeigt. Nach physiotherapeu
tischer Anleitung habe der Beschwerdeführer in gutem Allgemeinzustand in die ambulante Weiterbehandlung entla
ssen werden können (Urk. 9/15).
Am 29. Au
gust 2019 berichteten die Ärzte der
Klinik B._
, nach drei Wochen zeige sich ein guter postoperativer Verlauf
. Die nächste klinische und bildgebende Kontrolle sei in drei Wochen; bis dahin bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 9/23). Am 30. September 2019 ergänzten die Behandler, von Seiten der linken Schulter entwickle sich die Sache ideal. Die
A
bduktionsschiene könne ab
sofort
weggelassen werden (Urk. 9/40).
3.3
Am
30. September
2019 gab
Dr.
med. E._
, Facharzt Orthopädische Chirurgie
und Traumatologie des Bewegungsapparates,
erstmals
eine kreisärzt
liche Stellungnahme
ab
. In seiner Beurteilung führte
Dr.
E._
aus, bildgebend hätten keine strukturellen Läsionen festgestellt werden können, die nach derzei
tigem medizinischem Wissensstand überwiegend wahrscheinlich unfallkausal zum Ereignis vom 15. Juni 2019 gewesen seien
(Urk. 9/52 S.4)
.
Am 1
8.
Oktober 2019 ergänzte
Dr.
E._
, b
ildgebend sei drei Wochen nach dem Ereignis eine fettige Degeneration der Muskulatur des
Supraspinatus
(
Goutallier
Grad II
)
, eine Volumenminderung des M.
supraspinatus
mit Retraktionen und positivem Tangentenzeichen sowie eine deutlich
retrahierte
Supraspinatussehne
festgestellt
worden. Nach derzeitigem medizinische
m Wissensstand hand
le es sich mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit um ein
e
bereits vor dem Ereignis vorhanden gewesene pathologische Veränderung, die vorübergehend verschlimmert worden sei. Die Bildgebung sowie die Abnahme des Muskelvolumens und die Verfettung des Muskels durch fehlende Aktivierung bei Bewegung des Arms seien
pathog
nomonisch
[kennzeichnend]
für eine mindestens ein Jahr oder länger zurück
liegende Kontinuitätsdurchtrennung der Rotatorenmanschette. Da der Beschwer
deführer angegeben
habe
, zuvor beschwerdefrei gewesen zu sein, könne mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass es sich um eine chronische
Delaminierung
der
Rotatorenmanschette
über Jahre handle und die bildgebend dargestellte Kontinuitätsdurchtrennung ein Befund sei, der nicht in kausalem Zusammenhang mit dem Ereignis vom 15. Juni 2019 stehe.
Die Erstbe
handlung sei am 24. Juni 2019 dokumentiert worden, der Beschwerdeführer habe sich zum Zeitpunkt des Unfalls in der Toskana befunden, zwischen dem Unfall und der Erstkonsultation seien neun Tage vergangen. Eine zeitnahe Arztkonsul
tation habe nicht
statt gefunden
. Der Gesundheitszustand, wie er auch ohne Unfall vorliegen würde (Status quo sine), sei
vier bis sechs Wochen nach
Prel
lung/Zerrung erreicht. Bei komplikationslosem Verlauf nach der durchgeführten
Operation sei mit einer vollen Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätig
keit frühes
tens nach einem Jahr zu rechnen, d
ies aufgrund des Altes des Beschwerdeführers sowie der Komorbidität (arterielle Hypertonie, Hypercholes
terinämie, koronare Herzkrankheit, Asthma bro
n
chiale und Diabetes mel
li
tus Typ 2
). Es sei
mit einer erheblichen Verlängerung der
Rekonvaleszenzzeit
zu rechnen. In Anbetracht der Unfallfolgen bestehe vier bis sechs Wochen nach dem Ereignis eine 100%ige Arbeitsfähigkeit als
Kaminfegermeister
. Ab diesem Zeitpunkt sei der Gesundheitszustand erreicht, wie er auch ohne Unfall vorliegen würde (Urk. 9/43 S. 5 f.).
3.4
Am 17. Dezember 2019 nahm
Dr.
med. F._
, Facharzt Ortho
pädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, zu
Handen
der Rechtsschutzversicherung des Beschwerdeführers Stellung zur Unfallkausalität. Er führte aus, der genaue Unfallmechanismus sei ihm au
fgrund des Berichtes vom 1
1.
Jul
i 2019 nicht mehr klar ersichtlich. Der Beschwerdeführer habe jedoch einen Sturz auf die linke Schulter im Juni 2019 mit unmittelbar aufgetretenen Schmer
zen sowie eine Bewegungseinschränkung im Sinne einer Pseudoparalyse beschrieben, welche in der Folge
regredient
gewesen seien, anhaltend sei ein Kraftverlust bei Anheben des linken Armes gewesen. Vor dem Unfall hätten keinerlei Beschwerden bestanden. Die unmittelbar nach dem Trauma aufgetretene Pseudoparalyse spreche für eine relevante Verletzung; in diesem Fall sei dies eine
Rotatorenmanschetten
-Ruptur
gewesen
. Aufgrund des
Arthro
-MRI vom
4.
Juli 2019 könne keine zumindest wesentliche fettige Degeneration von
Supraspinatus
und
Infraspinatus
gefunden werden (
Goutallier
höchstens I). Das Tangenten
zeichen sei den
Supraspinatus
-Muskel betreffend trotz der grossen Retraktion negativ gewesen. Das Vorhandensein einer
retrahierten
Ruptur lasse nicht auf ein degeneratives Geschehen schliessen. Die Operation sei direkt auf das Unfaller
eignis zurückzuführen. Das im
Arthro
-MRI vom
4.
Juli 2019
vorgefundene
Muskelvolumen und die praktisch erhaltene Muskelqualität
würden einen länger dauernden degenerativen Schaden (respektive
Rotatorenmanschetten
-Ruptur) ausschli
essen, weshalb e
r der Argumentation von
Dr.
E._
nicht folgen
könne
(Urk. 9/54 S. 4 f.).
3.5
Am 21. Januar 2020 nahm
Dr.
E._
erneut eine kreisärztliche Beurteilung vor. Er
hielt fest
, aus der Stellungnahme von
Dr.
F._
würden sich keine veränderten tatsächlichen Verhältnisse ergeben
,
sie enthalte keine neuen medizi
nischen Aspekte.
Er erklärte
, er habe die Bildgebung eingesehen und
seiner Ansicht nach könne
dem radiologischen Befund besser gefolgt werden. Es habe sich ein hochpositives Tangentenzeichen finden lassen, der Muskelbauch sei unter dem Niveau der
Fossa
supraspinata
.
B
ei einer zeitnahen Ruptur würde der
Muskelbauch die
Fossa
überwiegend wahrscheinlich überragen
, weshalb d
er Beurteilung von
Dr.
F._
nach dem derzeitigen medizinischen Wissensstand nicht gefolgt werden
könne: Er halte
an
seiner
versicherungsmedizinischen Eins
chätzung vom 1
8.
Juli 2019
(richtig 18. Oktober 2019)
fest
(
Urk.
9/56).
3.6
Am
2. Februar 2020 ergänzte
Dr.
A._
in seiner kreisärztlichen Beur
teilung
,
die Rotatorenmanschette werde von Sehnen von vier Muskeln gebildet,
welche
vom Schulterblatt zum Ober
arm
kopf ziehen und diese wie eine Haube oder Manschette umfassen
würden
. In der Literatur sei unbestritten und unlängst bestätigt
worden
, dass die meisten Läsionen der Rotatorenmanschette auf der Grundlage degenerativer Veränderungen entstehen würden, und dass diese ebenso bei beschwerdefreien Personen festzustellen seien. Eine traumatisch nach akuter Gewalteinwirkung verursachte Zerreissung der Rotatorenmanschette würde unmittelbar zu Schmerzen, Kraft- und Funktionsverlust mit einem charak
teristischen zeitlichen Verlauf
führen. In der akuten Phase (etwa bis drei Tage nach dem Unfallereignis) würden heftige Schmerzen bestehen. Da bei einer Zerreissung
die
Kraftübert
ragung vom Muskel auf die Sehne
und
von ihr auf Knochen und Gelenke unterbrochen sei, sei die aktive Beweglichkeit der Schulter in typischer Weise so massiv eingeschränkt, dass von einer Pseudoparalyse, einer scheinbaren Lähmung des Armes, gesprochen werde. Eine subjektiv als plötzliche Lähmung wahrgenommene P
seudoparalyse werde
von Betroffenen t
ypischer
weise und nachvollziehbar als beunruhigend
bedrohlich empfunden, weshalb
s
ie
kurzfristig zur Inanspruchnahme von ärztlicher Hilfe führe. Dass der Beschwer
deführer neun Tage habe verstreichen lassen, bevor er ärztliche Hilfe aufgesucht
habe
, lasse im Licht
e
der publizierten Literatur eine akut gewaltsame Zerreissung von Sehnen unwahrscheinlich erscheinen und eine in den Akten unbelegte als deren Folge «unmittelbar nach dem Trauma aufgetretene Pseudoparalyse» anzweifeln lassen. Das sich dem behandelnden Arzt präsentierende klinische Bild habe scheinbar keinen Verdacht auf eine relevante Verletzung erregt, der eine kurzfristig weiterfüh
rende bildgebende Diagnostik be
gründet hätte; konventio
nelle Röntgenaufnahmen seien nicht angefertigt worden. Erst weitere elf Tage später sei eine Kernspintomografie erfolgt.
Es seien dabei
degenerative Verände
rungen zur Darstellung gelangt, wie sie bei einem 60-jährigen, in seinem Beruf körperlich beanspruchten Mann durchaus zu erwarten gewesen seien.
Befunde, die als Ausdruck einer stattgehabten Gewalteinwirkung zu interpretieren gewesen wären, seien nicht zu erheben gewesen. Die Einschätzung des Operateurs könne nicht gestützt werden. Von einer Läsion der Rotatorenmanschette betroffene Muskeln könnten nicht mehr ihrer physiologischen Funktion mit Kraftentwi
ck
lung durch Kontraktion entspre
chen, in der Folge
würden sie
im Sinne einer
Hypo- oder Atrophie
verkümmern
und eine fettige Infiltration entwickeln. Dieses Phänomen
lasse
sich bildgebend belegen
. Zusammenfassend hielt
Dr.
A._
fest, das Geschehen vom 15.
Juni 2019 sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht geeignet, Verletzungen der
Supraspinatus
-, der
Infraspinatus
- und der langen
Bizepssehne
zu bewirken. Sodann spreche die Latenz von neun Tagen zwischen dem Unfallereignis und der ersten ärztlichen Konsultation gegen eine akute gewaltsame Zerreissung der Sehnen. Des Weiteren seien mit dem
Kernspin
tomogramm
vom
4.
Juli 2019 erhebliche degenerative Vorschäden
,
ohne Hinweise auf eine knapp drei Wochen zuvor erlebte Gewalteinwirkung,
zur Darstellung gelangt. Die am
7.
August 2019 operierten Gesundheitsschäden seien nicht mindestens mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ganz oder teilweise auf das Ereignis vom 1
5.
Juni 2019, sondern mindestens mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen
(Urk. 9/69 S. 3-
7
).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin anerkannte hinsichtlich des Ereignisses vom 1
5.
Juni 2019 grundsätzlich ihre Leistungspflicht in Bezug auf die Schulterbeschwerden (vgl. Urk.
9/3)
. Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin ihre Leis
tungspflicht zu Recht mit
der
Begründung, die noch bestehenden linksseitigen Schulterbeschwerden seien nicht mehr unfallbedingt
,
per 15. Oktober 2019 eingestellt hat.
Vorab ist festzuhalten, dass es dem
Unfall
versicherer grundsätzlich unbenommen ist, zunächst im Rahmen einer formlosen Deckungsanerkennung Leistungen wie Heilbehandlung und Taggelder zu erbringen und diese nach einer eingehenden Prüfung der Anspruchsvoraussetzungen (
Unfall
tatbestand, Kausalität) bei ent
sprechendem Untersuchungsergebnis ohne Berufung auf den
Rückkommenstitel
der Wiedererwägung oder der prozessualen Revision «ex
nunc
et pro
futuro
» - das heisst unter Verzicht auf eine Rückforderung der bisher gewährten Versiche
rungsleistungen - einzustellen (BGE 130 V 380 E. 2.3.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_1019/2009 vom 26. Mai 2010 E. 4.2).
4.2
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in ihrem Entscheid vom 29. März 2021 auf die Beurteilung ihrer Kreisärzte
Dr.
E._
(Urk. 9/43, 9/52, 9/56) und
Dr.
A._
(Urk. 9/69). Die kreisärztlichen Beurteilungen wurden in Kenntnis der relevanten Vorakten erstellt, leuchten in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und enthalten jewei
l
s eine nachvollziehbar begründete Schlussfolgerung. Mit seiner im Rahmen des
Beschwerdeverfahrens erstatteten Beurteilung vom 5. August 2021 bestätigte
Dr.
A._
seine bisherige Einschätzung
auch nach K
enntnisnahme
(vgl. Urk. 10 S. 2 f.)
des
Verlaufberichts
vom 6. Februar 2020 und dem Schreiben zu
Handen
des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers vom 2
0.
April 2021 von
Dr.
F._
(Urk. 3/3 und 3/6), der E-Mailkorrespondenz zwischen dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers sowie dem Radiologen
Dr.
med. G._
(Urk. 3/4) sowie
der
Stellungnahme
der H._
zu
Handen
des Bundesgerichts vom
1.
Oktober 2020 (Urk. 3/5).
Somit liegt eine den rechtsprechungsgemäss erforderlichen Kriterien entsprechende ärztliche En
tscheidungsgrundlage vor (E. 1.4
).
Aus der Einschätzung von
Dr.
E._
geht hervor, dass bildgebend keine struk
turellen Läsionen festgestellt wurden, die nach dem derzeitigen medizinischen Wissensstand überwiegend wahrscheinlich unfallkausal zum Ereignis vom 15. Juni 2019 gewesen sind. Aufgrund der drei Wochen nach dem Unfallereignis bildgebend festgestellten fettigen Degeneration der Muskulatur des
Supraspinatus
(
Goutallier
Grad II), der Volumenminderung des Muskels und dem positiven Ta
n
gentenzeichen sowie der deutlich
retrahierten
Sehne kam
Dr.
E._
zum Schluss, dass es sich um eine pathologische Veränderung handeln muss, die bereits vor dem Ereignis vorhanden war, sich
dadurch
jedoch vorübergehend verschlimmert hat (E. 3.3).
Die Einschätzung von
Dr.
E._
steht im Einklang mit den am 4. Juli 2019 erhobenen Befunden und ist nachvollziehbar und schlüs
sig.
Soweit der behandelnde Arzt
Dr.
F._
ausführte, es sei unmittelbar nach dem Sturzereignis zu Schmerzen und einer Bewegungseinschränkung im Sinne einer Pseudoparalyse gekommen, kann ihm nicht gefolgt werden (E. 3.4).
Aus der Schadenmeldung vom 24. Juni 2019 geht lediglich hervor, dass der B
eschwerde
führer gestür
zt war und sich dabei eine Verletzung der Schulter links sowie de
n
Ellbogen und das Handgelenk links gequetscht beziehungsweise geprellt hatte.
Auch der erstbehandelnde Hausarzt Dr.
D._
nannte
in seinem Arztzeugnis
keine Bewegungseinschränkungen
im Sinne einer Pseudoparalyse
(Urk. 9/7).
Erst
mit
Arztbericht der
Klinik B._
vom 11. Juli 2019
wurde notiert, dass der Beschwerdeführer von einer Bewegungseinschränkung unmittelbar nach dem Unfallereignis berichtet habe
(Urk. 9/5)
.
Echtzeitliche Arztberichte, welche eine Bewegungseinschränkung der linken Schulter direkt nach dem Unfallereignis vom 15. Juni 2019 belegen würden, liegen nicht vor. Übereinstimmend mit der Beschwerdegegnerin ist daher davon auszugehen, dass es nach dem Sturzereignis nicht zu einer unmittelbaren Pseudoparalyse gekommen ist, nachdem der Beschwerdeführer trotz geltend gemachten Schmerzen und Bewegungseinschrän
kungen bis zu seiner Rückkehr in die Schweiz zugewartet und erst am 24. Juni
2019, mithin neun Tage nach dem Sturz, einen Arzt aufgesucht hatte.
Die Stel
lungnahme von
Dr.
F._
vom 20. April 2021 vermag hieran nichts zu ändern, zumal er insbesondere ausführte, dass die Frage letztlich nur gutachter
lich beantwortet werden
könne
(Urk. 3/6).
Im Übrigen ist die Erfahrungstatsache zu berücksichtigen, dass behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auf
tragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Pati
entinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Auch das Schreiben vom
1.
Oktober 2020 zu
Handen
des Bundesgerichts lässt keinen anderen Schluss zu. Zum einen handelt es sich um eine Stellungnahme zum Urteil des Bundesgerichts 8C_446/2019 vom 2
2.
Oktober 2019, wobei die Schlussfolgerungen des Bundesgerichts aus medizinischer Sicht in Zweifel gezo
gen wurden. Zum anderen wurde im Allgemeinen die Ansicht vertreten, dass die aktuelle internationale Literatur von akuten, rein traumatisch bedingten
Rotato
renmansc
hetten-Rupturen
berichtet hätte
. Daraus lässt sich jedoch – wie die Beschwerdegegnerin zu Recht vorbrachte (Urk. 8 S. 6) – nichts zu Gunsten des Beschwerdeführers ableiten.
Gestützt auf die erhobenen Befunde sowie die bildgebend festgestellten degene
rativen Veränderungen ist nachvollziehbar, dass sowohl
Dr.
E._
als auch
Dr.
A._
zum Schluss kamen, dass durch das Sturzereignis vom 15. Juni 2019 ein zuvor stummer Vorzustand aktiviert wurde.
Gestützt auf die Einschätzung von
Dr.
A._
ist sodann erstellt, dass die am 7. August 2019 operierten Gesund
heitsschäden nicht überwiegend wahrscheinlich auf das Unfallereignis vom 15. Juni 2019 zurückzuführen sind, sondern vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung (E. 3.6). Durch das Ereignis vom 15. Juni 2019 kam es lediglich zu einer vorübergehenden Verschlimmerung eines krankhaften Vorzustandes, wobei der Status quo sine bei Quetschungen beziehungsweise Prellungen spätestens vier bis sechs Wochen danach erreicht war (vgl. E. 3.3).
Treten im Anschluss an einen Unfall Beschwerden auf, ist aber davon auszugehen, dass durch den Unfall ledig
lich ein (zuvor stummer) Vorzustand aktiviert, nicht aber verursacht worden ist, so hat
der (aktuelle) Unfallversicherer nur Leistungen für das unmittelbar im Zusam
me
n
hang mit dem Unfall stehende Schmerzsyndrom gemäss Art. 36 Abs. 1 UVG zu erbringen und es entfällt bei Erreichen des Status quo sine
vel
ante eine Teilur
sächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden (
Urteile des Bundes
gerichts 8C_816/2009 vom 21. Mai 2010 E. 4.3, 8C_181/2009 vom 30. September 2009 E. 5.4 f., 8C_326/2008 vom 24. Juni 2008 E. 3.2 und 4 sowie U 266/99 vom 14. März 2000 E. 1).
Im Lichte dieser Rechtsprechung
und unter Berücksichti
gung, dass
Dr.
E._
vorbrachte, aufgrund der Komorbidität sei mit einer erheblichen
Rekonvaleszenzzeit
zu rechnen
(E. 3.3)
,
ist nicht zu beanstanden,
dass die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 31. Januar 2020 den Status quo sine am 15. Oktober 2019 als erreicht betrachtete.
Abschliessend ist festzuhalten, dass die vorliegenden medizinischen Stellung
nahmen die Beantwortung der rechtserheblichen Tatfrage ausreichend zuver
lässig zulassen, weshalb in antizipierter Beweiswürdigung (BGE 134 I 140 E. 5.3) auf weitere Abklärungen verzichtet werden kann. Es ist mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit erstellt, dass es durch das Unfallereignis vom 15. Juni 2019 ledig
lich zu einer vorübergehenden Verschlimmerung kam. Gestützt auf die Einschät
zungen von
Dr.
E._
und
Dr.
A._
war der Status quo sine spätestens
per
Oktober 2019 erreicht. Entsprechend waren keine weiteren Leistungen geschuldet.
5
.
Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin die Leistungen zu Recht mit
Einspracheentscheid vom 2
9.
März 2021
nach Erreichen des Status quo sine per
15. Oktober 2019
ein
stellte
.
Die Beschwerde
erweist sich
damit
als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist.