# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 11ebfcc3-5abd-44c9-8f9e-dc04448b53b4
**Court:** CH_BSTG
**Chamber:** CH_BSTG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** CH / Federation
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
A. Am 9. Juni 2016 verfügte die Bundesanwaltschaft, die Strafanzeige von A.
gegen B., Richter am Bundesverwaltungsgericht, wegen Amtsmissbrauchs
i.S.v. Art. 312 StGB nicht an die Hand zu nehmen (Verfahren OAB.16.0027):
Aus dem in der Strafanzeige geschilderten Sachverhalt sei keinerlei strafba-
res bzw. tatbestandsrelevantes Verhalten ersichtlich (act. 1.1).
B. Mit Eingabe vom 28. Juni 2016 erhebt A. dagegen Beschwerde und bean-
tragt (act. 1):
"1. Es sei die Nichtanhandnahmeverfügung vom 09.06.2016 aufzuhe-
ben und die Vorinstanz anzuweisen, Vorermittlungen in Hinblick auf
die Aufhebung der relativen Immunität durch das Wahlorgan und auf
ein Vorverfahren nach Art. 299 i.V. mit Art. 303 Abs. 1 StPO zu täti-
gen.
2. Es sei unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung an-
zuordnen."
C. Aus den Akten ergibt sich zum Sachverhalt Folgendes:
Die Strafanzeige nahm ihren Anfang im Wegweisungsverfahren gegen die
Beschwerdeführerin und ihre Tochter nach Nigeria, nachdem das Bundes-
amt für Migration mit Verfügung vom 30. Januar 2013 ihr Asylgesuch vom
25. Mai 2012 abgelehnt hatte. Gegen diese Verfügung erhob sie Be-
schwerde, welche das Bundesverwaltungsgericht am 15. Mai 2013 abwies.
Danach suchte sie, soweit ersichtlich, fünf Mal die Wiedererwägung des Ent-
scheides des Bundesamtes für Migration (inzwischen: Staatssekretariat für
Migration) zu erreichen. Gegen die jeweiligen Ablehnungen rief sie das Bun-
desverwaltungsgericht an.
Mit Zwischenverfügung vom 17. Dezember 2015 (Verfahren D-7958/2015)
wies Instruktionsrichter B. im Rahmen einer solchen Beschwerde ans Bun-
desverwaltungsgericht die Gesuche um Erteilung der aufschiebenden Wir-
kung bezüglich des Vollzugs der Wegweisung und unentgeltlichen Prozess-
führung ab. Die Zwischenverfügung stellte weiter fest, dass die Einreichung
wiederholt gleich begründeter Wiedererwägungsgesuche, insbesondere des
vorliegenden Gesuchs zwei Tage vor dem geplanten Sonderflug, als mutwil-
lige Prozessführung zu qualifizieren sei. Es wurde ein Kostenvorschuss von
Fr. 1'800.-- erhoben. Bei Ausbleiben der Zahlung und unveränderter Sach-
lage werde ohne Ansetzen einer Nachfrist auf die Beschwerde nicht einge-
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treten. Der Vollzug der Wegweisung werde nicht ausgesetzt und die Be-
schwerdeführerinnen hätten den Ausgang des Verfahrens im Ausland abzu-
warten (act. 1.6 S. S. 8 f.).
Dagegen scheint die Beschwerdeführerin den Ausstand u.a. von Bundesver-
waltungsrichter B. verlangt zu haben (act. 1.7). Am 18. Februar 2016 schrieb
das Staatssekretariat ein 6. Wiedererwägungsgesuch formlos ab (act. 1.11),
wogegen Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht erhoben wurde
(act. 1.12).
Die Beschwerdeführerin wirft Bundesverwaltungsrichter B. zusammenge-
fasst vor, rechtsmissbräuchlich zu handeln, indem er sich weigere, Bestim-
mungen der UNO-Kinderrechtskonvention anzuwenden und die Beschwer-
deführerin und ihre Tochter durch amtsmissbräuchliches Vorenthalten einer
praxisgemässen Prüfung des Kindeswohls kindesschutzrechtlicher Mass-
nahmen beraube. Dabei gehe er vor ohne Rücksicht auf massgebliche
Rechtsbestimmungen oder Fakten und Beweismittel (act. 1.1 S. 1 Nichtan-
handnahmeverfügung; vgl. auch act. 1 S. 2–4).
In der Eingabe an das Bundesstrafgericht führt die Beschwerdeführerin dazu
aus, dass in der Schweiz mit ihrer Zustimmung aufgrund ihrer fehlenden Er-
ziehungs- und Betreuungsfähigkeit eine Beistandschaft mit Fremdplatzie-
rung für ihre Tochter angeordnet worden sei. In Nigeria bestehe jedoch kein
staatliches Kindesschutzsystem, was der Staat selbst in seinem Länderbe-
richt an den Uno-Kinderrechtsausschuss eingestanden habe. Die Weiterfüh-
rung der Kindesschutzmassnahme sei so nach einer Ausweisung nicht mehr
gewährleistet (act. 1 S. 2).
Die Zwischenverfügung vom 17. Dezember 2015, S. 7 f., gibt ein nicht in den
Akten liegendes Urteil wieder, welches das Kindeswohl nach einem Weg-
weisungsvollzug prüfte. Eine konkrete Gefährdung wurde demnach verneint
mit Verweis auf die grossen familiären Beziehungsnetze in Nigeria, dem vom
UNICEF betriebenen Child Protection Network sowie der Tatsache, dass bei
einem Signatarstaat der UN-Kinderrechtskonvention davon ausgegangen
werden dürfe, dass er seine Verpflichtungen einhalte.
D. Die Bundesanwaltschaft verzichtete am 5. August 2016 auf eine Stellung-
nahme (act. 4), was der Beschwerdeführerin am 8. August 2016 zur Kennt-
nis gebracht wurde (act. 5).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit
erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genom-
men.
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## Considerations

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gegen eine Nichtanhandnahmeverfügung der Bundesanwaltschaft ist die
Beschwerde nach den Vorschriften der Art. 393 ff. StPO an die Beschwer-
dekammer des Bundesstrafgerichts zulässig (Art. 310 Abs. 2 i.V.m. Art. 322
Abs. 2 StPO und Art. 37 Abs. 1 StBOG). Zur Beschwerde legitimiert sind die
Parteien, sofern sie ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung
oder Änderung des angefochtenen Entscheides haben (Art. 310 Abs. 2
i.V.m. Art. 322 Abs. 2 und Art. 382 Abs. 1 StPO). Als Privatklägerschaft und
damit Partei gilt die geschädigte Person, die ausdrücklich erklärt, sich am
Strafverfahren als Straf- oder Zivilklägerin zu beteiligen (Art. 118 Abs. 1
StPO). An die Konstituierung der Privatklägerschaft sind in einem frühen Sta-
dium des Verfahrens keine hohen Anforderungen zu stellen (BGE 137 IV
246 E. 1.3.1). Geschädigte Person ist, wer durch die Straftat in ihren Rechten
unmittelbar verletzt worden ist (Art. 115 Abs. 1 StPO).
Die Umschreibung der unmittelbaren Verletzung in eigenen Rechten geht
vom Begriff des Rechtsgutes aus. Unmittelbar verletzt und geschädigt im
Sinne von Art. 115 StPO ist, wer Träger des durch die verletzte Strafnorm
geschützten oder zumindest mitgeschützten Rechtsgutes ist. Im Zusammen-
hang mit Strafnormen, die nicht primär Individualrechtsgüter schützen, gel-
ten praxisgemäss nur diejenigen Personen als Geschädigte, die durch die
darin umschriebenen Tatbestände in ihren Rechten beeinträchtigt werden,
sofern diese Beeinträchtigung unmittelbare Folge der tatbestandsmässigen
Handlung ist (BGE 141 IV 454 S. 457 E. 2.3.1; 140 IV 155 E. 3.2; 139 IV 78
E. 3.3.3; 138 IV 258 E. 2.2 und 2.3; je mit Hinweisen).
1.2 Art. 312 StGB schützt (auch) den einzelnen Bürger vor dem missbräuchli-
chen Einsatz der Staatsgewalt durch Amtsträger (HEIMGARTNER, Basler
Kommentar zum StGB, 3. Aufl., Basel 2013, Art. 312 N. 4). Die Beschwer-
deführerin legt in ihrer Strafanzeige dar, sie sei Ziel von missbräuchlicher
Staatsgewalt geworden. Sie könnte somit nach ihren Vorbringen grundsätz-
lich in eigenen Rechten geschädigt sein, was in diesem frühen Verfahrens-
stadium genügt, um ihre Beschwerdelegitimation zu begründen.
Auch die weiteren Voraussetzungen für einen Sachentscheid (anfechtbarer
Entscheid einer Vorinstanz; Einhaltung der Frist- und Formerfordernisse)
sind erfüllt (zu den Voraussetzungen vgl. den Entscheid des Bundesstrafge-
richts BB.2011.120 vom 20. April 2012, E. 1). Auf die Beschwerde ist daher
einzutreten.
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2. Die vorliegende Strafanzeige erging im Zusammenhang mit der rechtsstaat-
lichen Überprüfung des Asyl-Status der Beschwerdeführerin resp. ihrer Weg-
weisung. Die für die Beschwerdeführerin nachteilige Zwischenverfügung
vom 17. Dezember 2015 begründet mit Verweis auf Art. 63 und 65 VwVG
sowie auf Art. 2 Abs. 2 VGKE und auf die Lehre, warum von ihr ein Kosten-
vorschuss erhoben wird. Sie begründet ebenso ausführlich, weshalb die
Wegweisung nicht ausgesetzt wird. Die Beschwerdeführerin kann den Ent-
scheid für unrichtig halten, Amtsmissbrauch ist darin nicht ansatzweise zu
erkennen. Die Nichtanhandnahme der Bundesanwaltschaft vom 9. Juni 2016
verletzt kein Bundesrecht. Die erhobenen Rügen der Beschwerdeführerin
gehen klarerweise fehl.
3.
3.1 Die Beschwerdeführerin beantragt die unentgeltliche Prozessführung und
die unentgeltliche Rechtsverbeiständung (act. 1).
3.2 Die Verfahrensleitung gewährt der Privatklägerschaft für die Durchsetzung
ihrer Zivilansprüche ganz oder teilweise die unentgeltliche Rechtspflege,
wenn die Privatklägerschaft nicht über die erforderlichen Mittel verfügt
(Art. 136 Abs. 1 lit. a StPO) und die Zivilklage nicht aussichtslos erscheint
(Art. 136 Abs. 1 lit. b StPO). An die Konstituierung der Privatklägerschaft sind
in einem frühen Stadium des Verfahrens keine hohen Anforderungen zu stel-
len (BGE 137 IV 246 E. 1.3.1). Die unentgeltliche Rechtspflege umfasst die
Befreiung von den Verfahrenskosten (Art. 136 Abs. 2 lit. b StPO) sowie die
Bestellung eines Rechtsbeistands, wenn dies zur Wahrung der Rechte der
Privatklägerschaft notwendig ist (Art. 136 Abs. 2 lit. c StPO).
3.3 Vorliegend lag Amtsmissbrauch nicht ansatzweise vor und die erhobenen
Rügen gingen klar fehl; die Beschwerde muss demnach als aussichtslos an-
gesehen werden. Fehlen somit die Voraussetzungen, ist das Gesuch um un-
entgeltliche Prozessführung und unentgeltliche Rechtsverbeiständung abzu-
weisen.
4. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin die Ge-
richtskosten zu tragen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die aufgrund der finanziellen
Verhältnisse reduzierte Gerichtsgebühr ist auf Fr. 200.-- festzusetzen
(vgl. Art. 73 StBOG i.V.m. Art. 5 und 8 Abs. 1 des Reglements des Bun-
desstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Ent-
schädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]).
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