# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d36cde1e-f12e-4d3c-8b12-d48187737d7f
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Hausfriedensbruch
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - , vom 22. August 2018 (GG180122)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 22. Mai 2018
(Urk. 16/4) ist diesem Urteil beigeheftet.
Verfügung der Vorinstanz:
1. Der Prozess Nr. GG180123-L wird mit dem vorliegenden Prozess
Nr. GG180122-L vereinigt und unter der letztgenannten Prozessnummer
weitergeführt.
2. Der Prozess Nr. GG180123-L wird als dadurch erledigt abgeschrieben.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig des Hausfriedensbruchs im Sinne von
Art. 186 StGB.
2. Die Beschuldigte B._ ist nicht schuldig und wird vom Vorwurf des Haus-
friedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB freigesprochen.
3. Der Beschuldigte A._ wird bestraft mit einer Geldstrafe von
60 Tagessätzen zu Fr. 430.–.
4. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt.
5. Das Schadenersatzbegehren der Privatklägerin wird auf den Zivilweg ver-
wiesen.
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6. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 3'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'500.– Gebühr für das Vorverfahren i.S. A._
Fr. 1'500.– Gebühr für das Vorverfahren i.S. B._
Fr. 94.80 Zeugenentschädigung
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
7. Die Kosten der Untersuchung sowie des gerichtlichen Verfahrens werden
dem Beschuldigten A._ zur Hälfte auferlegt und zur Hälfte auf die
Staatskasse genommen.
8. Der Beschuldigten B._ wird eine Entschädigung von Fr. 2'677.90 (inkl.
MwSt.) für anwaltliche Verteidigung aus der Gerichtskasse zugesprochen.
Berufungsanträge:
a) Der erbetenen Verteidigung:
(Urk. 39 S. 2)
1. Unter vollständiger Ersetzung der Ziff. 1, 3, 4 und 7 des Erkenntnisses
im Dispositiv der Verfügung und des Urteils des Bezirksgerichts Zürich
vom 22. August 2018 (Geschäfts-Nr.: GG180122) und der zugehörigen
Erwägungen sei das Verfahren gegen A._ einzustellen
eventualiter
sei dieser freizusprechen
subeventualiter
sei von einer Bestrafung abzusehen.
2. Dies unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Kantons
Zürich.
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b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat:
(Urk. 33, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
_

## Considerations

Erwägungen:
I. (Prozessgeschichte/Prozessuales)
1. Am 17. Mai 2017 stellte C._ (nachfolgend Privatklägerin) gegen
A._, Beschuldigter und Berufungskläger (nachfolgend Beschuldigter), sowie
allfällige Mitbeschuldigte, namentlich B._, Strafantrag und Strafanzeige we-
gen Hausfriedensbruchs bei der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat (Urk. 1/1).
Nach durchgeführter Untersuchung erhob die Staatsanwaltschaft mit je separater
Eingabe vom 22. Mai 2018 deswegen Anklage gegen den Beschuldigten und
B._ beim Bezirksgericht Zürich (Urk. 16/4 und 16/6).
2. Das Bezirksgericht Zürich, 10. Abteilung, Einzelgericht, vereinigte die beiden
Verfahren und bestrafte den Beschuldigten mit Urteil vom 22. August 2018 wegen
Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB mit einer Geldstrafe von
60 Tagessätzen zu je Fr. 430.– (entsprechend Fr. 25'800.–), unter Ansetzung ei-
ner Probezeit von zwei Jahren, während es B._ freisprach (Urk. 28).
3. Am 24. August 2018 meldete der Beschuldigte rechtzeitig Berufung gegen
das Urteil an (Urk. 24). In seiner Berufungserklärung vom 17. Januar 2019 ficht er
das Urteil der Vorinstanz in den Dispositivziffern 1 (Schuldspruch), 3 (Strafe),
4 (bedingter Strafvollzug) und 7 (Kostenauferlegung) an. Mit der Berufung ver-
langt der Beschuldigte, es sei das Verfahren einzustellen, eventualiter sei er frei-
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zusprechen und subeventualiter sei von einer Bestrafung abzusehen (Urk. 30 und
39 S. 2).
4. Die II. Strafkammer des Obergerichtes holte einen aktuellen Strafregister-
auszug des Beschuldigten ein (Urk. 29) und forderte ihn auf, Unterlagen zu sei-
nen finanziellen Verhältnissen einzureichen (Urk. 31), worauf der Beschuldigte ein
Schreiben, das ausgefüllte Datenerfassungsblatt sowie seinen Mietvertrag ein-
reichte (Urk. 34, 35/1 und 35/2).
5. Mit Eingabe vom 1. Februar 2019 verzichtete die Staatsanwaltschaft auf An-
schlussberufung, beantragte, das vorinstanzliche Urteil sei zu bestätigen, und er-
suchte um Dispensation von der Berufungsverhandlung (Urk. 33). Da die Ankla-
gebehörde selber kein Rechtsmittel ergriffen hat und bei einem allfälligen Schuld-
spruch aufgrund des Verbotes der Schlechterstellung (reformatio in peius,
Art. 391 Abs. 2 StPO) eine Bestrafung mit maximal 60 Tagessätzen Geldstrafe
droht, besteht keine Erscheinungspflicht für die Staatsanwaltschaft (Art. 405
Abs. 3 StPO i.V.m. Art. 337 Abs. 3 StPO), weshalb sich eine Dispensation erüb-
rigt und deren Vertreter das Erscheinen in der Vorladung freigestellt wurde
(Urk. 37).
6. Gemäss Art. 402 i.V.m. Art. 437 StPO wird die Rechtskraft des angefochte-
nen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Da der Beschuldigte seine Beru-
fung auf die Ziffern 1, 3, 4 und 7 des Dispositivs beschränkt, bleibt das vorinstanz-
liche Urteil bezüglich der Dispositivziffern 5 (Schadenersatzbegehren Privatkläge-
rin) und 6 (Kostenfestsetzung) unangefochten. Es ist daher vorab mit Beschluss
festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil hinsichtlich der vorliegend relevanten
Ziffern 5 und 6 in Rechtskraft erwachsen ist. Die Dispositivziffern 2 und 8 des erst-
instanzlichen Urteils beziehen sich nicht auf den Beschuldigten, sondern auf die
frühere Mitbeschuldigte B._, welche freigesprochen wurde und kein Rechts-
mittel erhoben hat. Auch diese Ziffern sind deshalb in Rechtskraft erwachsen, was
vorab festzustellen ist . In den angefochtenen Punkten ist das Urteil im Sinne von
Art. 398 Abs. 2 StPO umfassend zu prüfen.
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7. Die Parteien wurden auf den 11. Juni 2019 zur Berufungsverhandlung vor-
geladen (Urk. 37), zu welcher der Beschuldigte in Begleitung seines erbetenen
Verteidigers erschien (Prot. II S. 3).
II. (Zur Berufung im Einzelnen)
1. Der Strafsache liegt folgender Sachverhalt zu Grunde: Die Privatklägerin
und ihr Ehemann, D._(nachfolgend Erblasser), waren je zur Hälfte Miteigen-
tümer einer 31⁄2- sowie einer 21⁄2-Zimmerwohnung an der ...-strasse ... in Zürich.
Die Ehe der beiden unterstand dem Güterstand der Gütertrennung (Urk. 2/2 S. 2).
Am 13. Juli 2016 verstarb der Erblasser. Er hinterliess drei Kinder aus erster Ehe,
nämlich F._, den Beschuldigten und G._, Ehemann von B._, sowie
seine Ehefrau, die Privatklägerin, welche zusammen die Erbengemeinschaft bil-
deten. Der dem Erblasser gehörende hälftige Anteil an den beiden Wohnungen
fiel in die Erbmasse. Der Erblasser und die Privatklägerin hatten einen Tag vor
dem Versterben des Erblassers, am 12. Juli 2016, einen Erbvertrag abgeschlos-
sen, worin der Erblasser einseitig H._ als Willensvollstrecker einsetzte und
diesen mit den Aufgaben betraute, den Erbvertrag sowie allfällige ergänzende
Verfügungen von Todes wegen zu vollziehen und über den Nachlass ein Inventar
zu erstellen. Im Erbvertrag erliess der Erblasser im Falle seines Vorversterbens
Teilungsvorschriften und gewährte der Privatklägerin ein unentgeltliches Nutz-
niessungsrecht für die Dauer von zwei Jahren am ehelichen Domizil in seiner Lie-
genschaft in E._. Zudem sah er in Ziffer 2 des Erbteilungsvertrags als Tei-
lungsvorschrift ein Wahlrecht der Privatklägerin vor, wonach diese den Anteil des
Erblassers an den 31⁄2- und 21⁄2- Zimmerwohnungen an der ...-strasse ... in Zürich
auf Anrechnung an ihren Erbteil zu Eigentum erwerben könne (Urk. 2/1, 2/2).
2. Dem Beschuldigten wird in der Anklage zusammengefasst vorgeworfen, er
habe am 13. April 2017 den Mieter der 21⁄2-Zimmerwohnung, I._, nach dem
Schlüssel der 31⁄2-Zimmerwohnung gefragt und anschliessend zusammen mit
B._ sowie einem unbekannt gebliebenen Schätzer die 31⁄2-Zimmerwohnung
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für drei bis fünf Minuten betreten. Dies habe er getan, obwohl er gewusst habe,
dass die Wohnung von der Privatklägerin als Zweitwohnung benützt werde, voll
eingerichtet sei und die Privatklägerin mit dem Betreten der Wohnung nicht ein-
verstanden sei (Urk. 16/4).
3. Die Vorinstanz erachtete den angeklagten Sachverhalt aufgrund der teilwei-
sen Zugeständnisse der beiden Beschuldigten sowie den Aussagen der Privat-
klägerin, von I._, G._ und des Willensvollstreckers H._ als erwie-
sen, nämlich, dass der Beschuldigte am besagten Tag den Schlüssel von I._
verlangt und erhalten habe, daraufhin die 31⁄2-Zimmer-wohnung mit B._ und
einem Gutachter betreten und sich dort während einiger Minuten aufgehalten ha-
be. Weiter stellte die Vorinstanz fest, dass es sich bei der Wohnung nicht um den
Hauptwohnsitz der Privatklägerin, sondern um deren "Zweitwohnsitz" gehandelt
habe. Der Mittelpunkt des Familienlebens des Erblassers und der Privatklägerin
habe sich in E._ befunden. Ein Mietverhältnis zwischen der Privatklägerin
und der Erbengemeinschaft habe bezüglich der 31⁄2-Zimmerwohnung nicht be-
standen. Die Behauptung des Beschuldigten, die Verwaltungsaufgaben für sämt-
liche Immobilien im Nachlass seien ab August 2016 vom Willensvollstrecker sei-
nem Bruder und Miterben, G._, übertragen worden, erachtete die Vorinstanz
als unbewiesen (Urk. 28 S. 13 - 16).
Im Rahmen der rechtlichen Würdigung erwog die Vorinstanz, es sei im Sinne von
Art. 186 StGB zum Betreten einer Örtlichkeit berechtigt, wer die rechtmässige
Verfügungsgewalt über die Räume aus einem dinglichen oder obligatorischen
Recht ableiten könne. Der Beschuldigte sei nicht alleine und exklusiv, sondern nur
als Teil der Erbengemeinschaft und damit als gesamthänderischer Eigentümer an
der fraglichen Wohnung berechtigt gewesen. Um als Teil der Erbengemeinschaft
handeln zu dürfen, bedürfe es der Zustimmung sämtlicher Erben. Da die Privat-
klägerin zur Erbengemeinschaft gehöre und mit dem Betreten der Wohnung nicht
einverstanden gewesen sei, fehle es an der nötigen Zustimmung aller, damit der
Beschuldigte die Wohnung hätte betreten dürfen. Dies gelte umso mehr, als der
Erblasser einen Willensvollstrecker eingesetzt habe, der im Zeitpunkt des Vorfalls
noch geamtet habe. Die Rechte des Willensvollstreckers im Rahmen der Verwal-
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tung der Erbmasse und der Erbteilung stünden diesem exklusiv zu, weshalb den
Erben die Verwaltungs- und Verfügungsbefugnis an der Erbmasse insoweit voll-
ständig entzogen sei. Der Willensvollstrecker habe vorliegend von der Besichti-
gung der 31⁄2-Zimmerwohnung keine Kenntnis gehabt und diese auch nicht bewil-
ligt. Es hätten keine Hinweise dafür bestanden, dass der Wohnung und damit der
Erbmasse ein unmittelbarer Schaden drohe und das Betreten der Wohnung ohne
vorgängige Absprache mit den andern Erben zur Abwendung eines Schadens
dringend nötig gewesen wäre. Das Informationsrecht eines Erben gemäss
Art. 607 Abs. 3 und Art. 610 Abs. 2 ZGB berechtige einen Miterben im Übrigen
nicht, sich die entsprechenden Informationen eigenmächtig einzuholen. Der Erbe
müsse seinen Auskunftsanspruch auf gerichtlichem Weg durchsetzen. Der Mieter
I._ sei der Überzeugung gewesen, der Beschuldigte und B._ seien als
Vertreter der Erbengemeinschaft berechtigt gewesen, die andere Wohnung zu be-
treten. Er habe deshalb auch keine Bewilligung zum Besichtigen der Wohnung
geben können. Der Beschuldigte sei unter diesen Umständen nicht berechtigt
gewesen, die Wohnung zu betreten (Urk. 28 S. 17 ff.).
4.1. Zunächst rügt der Beschuldigte, die Vorinstanz habe übersehen, dass die
Anzeigeerstatterin alleine nicht berechtigt gewesen sei, sich gegenüber dem Be-
schuldigten auf das Hausrecht zu berufen, weil nur die Miteigentümergemein-
schaft über das Hausrecht gemeinsam verfüge und dieses nur gegenüber Dritten,
nicht aber gegenüber einem Miteigentümer geltend gemacht werden könne. Das
Verfahren sei deshalb einzustellen.
4.2. Die Verteidigung macht zudem geltend, die Vorinstanz habe das Recht
falsch angewendet. Der Beschuldigte sei Mitglied der Erbengemeinschaft, welche
hälftig alle Kosten der Wohnung bezahle. Er sei deshalb nicht im Sinne von
Art. 186 StGB unrechtmässig in die Wohnung eingedrungen. Als Gesamteigen-
tümer habe ihm ebenfalls die Verfügungsgewalt über die Wohnung zugestanden.
Durch den Erbgang sei ihm das Hausrecht gleich wie den anderen Miterben ver-
erbt worden. Alle Erben seien in Bezug auf die Nutzung der Wohnung gleichbe-
rechtigt und könnten sich gegeneinander nicht auf das Hausrecht berufen. Es be-
stehe keine Sonderregelung für die Nutzung der 31⁄2-Zimmerwohnung zu Gunsten
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der Privatklägerin. Sie habe die Wohnung weder vor noch nach dem Tod des Erb-
lassers tatsächlich genutzt. Ein Mietvertrag über die 31⁄2-Zimmer-Wohnung sei mit
ihr nie abgeschlossen worden. Ihrer Wahlobligation im Erbvertrag komme als Tei-
lungsvorschrift nur obligatorische Wirkung zu und begründe lediglich einen
schuldrechtlichen Anspruch gegenüber den Miterben. Erst im Zeitpunkt der Erbtei-
lung habe sie Anspruch auf die ihr gemäss erblasserischer Teilungsvorschrift zu-
gewiesene Erbschaftssache. Beschuldigter wie Privatklägerin seien deshalb nur
Miteigentümer ohne exklusives Recht auf Benutzung der Wohnung. Gemäss
Art. 646 Abs. 3 ZGB habe jeder Miteigentümer für seinen Anteil die Rechte und
Pflichten eines Eigentümers. Ebenso sei jeder zu gewöhnlichen Verwaltungs-
handlungen befugt, wozu auch das Betreten einer Wohnung zähle. Der Beschul-
digte sei deshalb entgegen der Auffassung der Vorinstanz berechtigt gewesen,
die Wohnung zu betreten (Urk. 30 und 39).
4.3. Der Beschuldigte bemängelt überdies, die Vorinstanz habe den Rechtferti-
gungsgrund der Einwilligung nicht berücksichtigt. Der Mieter I._ sei mit Willen
der Privatklägerin Inhaber eines Schlüssels zur 31⁄2-Zimmerwohnung gewesen.
Dieser sei berechtigt und einverstanden gewesen, den Beschuldigten sowie seine
Begleiter in die Wohnung zu lassen. Zudem habe der eingesetzte Willensvollstre-
cker die Verwaltung der Immobilien im Einverständnis mit der Privatklägerin seit
August 2016 weitestgehend dem Miterben G._ überlassen gehabt. Dieser sei
damit einverstanden gewesen, dass der Beschuldigte die Wohnung betrete.
4.4. Der Beschuldigte scheint schliesslich sinngemäss den Rechtfertigungsgrund
der Wahrung höherer Interessen vorzubringen. Die Privatklägerin versuche, die
Erbteilung zu verzögern, um sich einen illegitimen Vorteil zu verschaffen. Sie ha-
be bis heute ihr Wahlrecht über die 31⁄2- Zimmerwohnung nicht ausgeübt. Ein Tei-
lungsvertrag sei ebenfalls nicht zustande gekommen. Da die Privatklägerin das
Wahlrecht nicht ausübe, stehe ihr Anteil am Erbe nicht fest. Möglicherweise ver-
letzten die Teilungsvorschriften den Pflichtteil des Beschuldigten und der Miter-
ben. Er und seine Geschwister hätten deshalb eine Herabsetzungsklage «ins
Blaue hinaus» erheben müssen, um ihren Herabsetzungsansprüchen nicht ver-
lustig zu gehen. Um ihr Prozessrisiko abschätzen zu können, hätten sich die Kin-
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der des Erblassers entschlossen, mit einem Gutachter die 21⁄2-Zimmerwohnung
und der Beschuldigte spontan die 31⁄2-Zimmerwohnung zu besichtigen.
5.1. Gemäss Art. 186 StGB macht sich unter anderem des Hausfriedensbruchs
schuldig, wer gegen den Willen des Berechtigten in eine Wohnung unrechtmässig
eindringt. Geschütztes Rechtsgut ist der Wille des Berechtigten, d.h. die Befugnis,
über die bestimmten Räume ungestört zu herrschen und darin den eigenen Willen
frei zu betätigen. Das Hausrecht garantiert die Unverletzlichkeit des eigenen
Heims (BGE 103 IV 162, E.2). Ausschlaggebend für die Frage der Berechtigung
zur Ausübung des Hausrechts ist die tatsächliche Verfügungsmacht. Berechtigter
ist demnach derjenige, dem die faktische Verfügungsgewalt über die Wohnung
als Schutzobjekt zusteht. Diese Verfügungsgewalt muss auf einem dinglichen
oder obligatorischen oder öffentlich-rechtlichen Verhältnis beruhen und rechtmäs-
sig erlangt sein. Auf die Eigentumsverhältnisse kommt es demnach nicht an. So
hat der Mieter das Hausrecht an der Wohnung gegenüber dem Vermieter, sofern
ersterer das Hausrecht rechtmässig erlangt hat. Das Hausrecht ist kein höchst-
persönliches, sondern ein einfachpersönliches Recht, das wie ein Vermögens-
recht zu behandeln und vererbbar ist. Als Eindringen gilt bereits das Betreten des
Schutzobjekts bzw. der Wohnung (BGE 83 IV 154 E.1, vgl. beim Pachtverhältnis:
BGE 112 IV 31 E. 3; OFK/StGB-ANDREAS DONATSCH, 20. Auflage, 2018, Art. 186
N 2, 8 und 11; ANDREAS DONATSCH, Strafrecht III, 10. Auflage, 2013, S. 477; BSK
StGB-VERA DELON/BERNHARD RÜDY, Art. 186 N 5 f. und 17).
5.2. Ist eine Tat nur auf Antrag strafbar, so kann jede Person, die durch sie ver-
letzt worden ist, die Bestrafung des Täters beantragen (Art. 30 Abs. 1 StGB). Als
geschädigte Person gilt die Person, die durch die Straftat in ihren Rechten unmit-
telbar verletzt worden ist (Art. 115 Abs. 1 StPO). Der Strafantrag stellt eine Pro-
zessvoraussetzung dar, weshalb das bereits anhand genommene Verfahren bei
fehlendem rechtsgültigem Strafantrag einzustellen ist (vgl. OFK/StGB-ANDREAS
DONATSCH, Art. 30 N 1 f.). Der Inhaber der tatsächlichen Gewalt über das
Schutzobjekt gilt beim Hausfriedensbruch als geschädigte Person und ist zum
Strafantrag gemäss Art. 186 StGB berechtigt.
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6.1. Vorliegend ist zunächst die Frage zu klären, ob die Privatklägerin berechtigt
war, Strafantrag gegen den Beschuldigten zu stellen. Dies ist gleichbedeutend mit
der Frage, ob die Privatklägerin Inhaberin des Hausrechts über die 31⁄2-Zimmer-
wohnung war und ihr die tatsächliche Verfügungsmacht zustand. Die Frage beur-
teilt sich nach privatrechtlichen, namentlich erb-, sachen- sowie allenfalls ver-
tragsrechtlichen Grundsätzen. Sofern das Haus- bzw. Antragsrecht der Privatklä-
gerin bejaht wird, bliebe zu beurteilen, ob der Beschuldigte seinerseits unrecht-
mässig die fragliche Wohnung betreten und für wenige Minuten darin verweilt hat.
6.2. Da das Hausrecht im Sinne von Art. 186 StGB die tatsächliche Verfügungs-
gewalt über das Schutzobjekt voraussetzt, stellen sich in erster Linie besitzes-
rechtliche Fragen.
Die Erben erwerben mit dem Tod des Erblassers nicht nur das Eigentum an den
Sachen der Erbmasse, sondern auch den gemeinsamen Besitz daran (Art. 560
Abs. 1 und 2 ZGB). Besitzer einer Sache ist gemäss Art. 919 Abs. 1 ZGB, wer die
tatsächliche Gewalt über eine Sache hat. Diese gesetzliche Definition des Besit-
zes wird der Institution des Besitzes nach allgemein anerkannter Meinung aller-
dings nicht gerecht. Besitz wird vielmehr als ein relativer Status betrachtet, der je
nach Umständen verschiedene Funktionen erfüllt und verschiedene Rechtswir-
kungen nach sich zieht. Besitz setzt im Allgemeinen voraus, dass die Beziehung
zur Sache fest und auf Dauer gerichtet ist und der Besitzer den inneren Willen zur
Sachherrschaft (Besitzerwille) hat (BSK ZGB-WOLFGANG ERNST, Art. 919 N 4;
HRUBESCH-MILLAUER/GRAHAM-SIEGENTHALER/ROBERTO, Das Sachenrecht, Stämpfli
Verlag, 5. Auflage, S. 29 ff. N 02.05 ff.).
In der Lehre und Rechtsprechung werden verschiedene Arten von Besitz unter-
schieden: Wer eine Sache als Eigentümer besitzt, hat von Gesetzes wegen selb-
ständigen Besitz daran (Art. 920 Abs. 2 ZGB). Derjenige, der die tatsächliche
Gewalt über eine Sache hat, ist der unmittelbare Besitzer (BSK ZGB-WOLFGANG
ERNST, Art. 920 N 2). Eine Person ohne tatsächliche, direkte Gewalt ist mittelbarer
Besitzer. Dies ist bei mehrstufigem Besitz wie beim Eigentümer, der seine Sache
vermietet, der Fall (BSK ZGB-WOLFGANG ERNST, Art. 919 N 7 und Art. 920 N 4).
Mehrere Personen können gleichzeitig Besitzer derselben Sache sein. Sind sie
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gleichgestellt, sind sie Mitbesitzer. Kann die Sachherrschaft nur gemeinsam aus-
geübt werden, liegt Gesamtbesitz vor (HRUBESCH-MILLAUER/GRAHAM-
SIEGENTHALER/ROBERTO, a.a.O., S. 37 N 02.52 f.). Ein solcher Fall ist unter ande-
rem gegeben, wenn für einen Tresor verschiedene Schlüssel benötigt werden.
Erben sind bezüglich der Sachen der Erbschaftsmasse Gesamteigentümer im
Sinne von Art. 652 ff. ZGB (und nicht Miteigentümer im Sinne von Art. 646 ff.
ZGB, wie vom Verteidiger teilweise fälschlicherweise angenommen). Sie erhalten
an den Erbschaftssachen selbständigen, oft mittelbaren Besitz, weil sie mit dem
Erbgang Eigentum erlangen, aber häufig keine tatsächliche Gewalt über die ver-
erbten Sachen haben (vgl. HRUBESCH-MILLAUER/GRAHAM-SIEGENTHALER/ROBERTO,
a.a.O., S. 39 N 02.62). Trotz Gesamteigentum werden sie in der Regel nicht Ge-
samtbesitzer an den Erbschaftssachen, da meist eine Person oder ein Erbe die
tatsächliche Sachherrschaft und damit den unmittelbaren Besitz an den Sachen
haben kann und nicht alle Erben die tatsächliche Verfügungsgewalt gemeinsam
ausüben müssen. So kann beispielsweise ein Dritter oder nur einer der Erben die
zur Erbmasse gehörende Wohnung bewohnen oder intensiv nutzen. Der Inhaber
eines Wohnungsschlüssels ist nicht notwendigerweise unmittelbarer Besitzer der
Wohnung. Auch der Vermieter kann einen Wohnungsschlüssel haben, ist aber
trotzdem nicht unmittelbarer Besitzer der Wohnung.
Die Willensvollstreckung im Sinne von Art. 517 f. ZGB unterliegt subsidiär den
Regeln des Auftragsrechts. Beauftragte erhalten unselbständigen Besitz (HRUBE-
SCH-MILLAUER/GRAHAM-SIEGENTHALER/ROBERTO, a.a.O., S. 32 N 02.25). Der Wil-
lensvollstrecker besitzt die Sachen der Erbmasse in der Regel mittelbar, weil er
die Sachen nicht bei sich hat oder eine Wohnung weder bewohnt noch intensiv
nutzt. Die Willensvollstreckung wirkt sich weiter insoweit auf den Besitz aus, als
dem Willensvollstrecker im gesetzlichen oder testamentarischen Umfang das
Recht zur Verwaltung des Nachlasses und zu den mit der Abwicklung des Man-
dats verbundenen Verfügungen ausschliesslich zusteht. In diesem Umfang sind
die Rechte, auch diejenigen aus Besitz, den Erben entzogen (BGE 90 II 376
S. 381 E. 2).
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6.3. Der Vollständigkeit halber seien noch folgende rechtlichen Bemerkungen er-
laubt: Dem Strafrecht kommt gegenüber dem Zivilrecht allgemein subsidiäre Na-
tur zu und dient nicht der Durchsetzung von zivilen, namentlich erbrechtlichen An-
sprüchen. Art. 186 StGB hat die Funktion, die Privat- und Geheimsphäre (Haus-
recht) des Wohnungsinhabers zu schützen, nicht aber dem Eigentümer die
Durchsetzung seiner Ansprüche aus Erb- oder Sachenrecht mit Hilfe des Straf-
rechts zu erleichtern. Art. 186 StGB knüpft einzig an den Berechtigten und damit
an den rechtmässigen Inhaber der tatsächlichen Verfügungsmacht an (BSK
StGB-VERA DELNON/BERHARD RÜDY, Art. 186 N 5 f.). Dagegen stellen die Besit-
zesschutzklagen im Sinne von Art. 926 ff. ZGB allgemein auf den Besitz ab. Dem
Erben stehen deshalb die zivilen Klagen aus Besitzesentziehung und Besitzesstö-
rung gemäss Art. 927 und 928 ZGB grundsätzlich auch zu, wenn er mangels tat-
sächlicher Verfügungsmacht kein Hausrecht gemäss Art. 186 StGB hat.
6.4. Die Vorinstanz stellte nachvollziehbar fest, dass ein Mietverhältnis zwischen
der Privatklägerin und dem Erblasser bzw. der Erbengemeinschaft bezüglich der
31⁄2-Zimmerwohnung nicht bestand und die Privatklägerin auch nicht in diesem
Objekt wohnte. Sie lebte wie vor dem Tod des Erblassers weiterhin in der Liegen-
schaft in E._. Entsprechend den glaubhaften Angaben des Beschuldigten,
der Privatklägerin selbst (Urk. 7/1 N 45), von G._ (Urk. 7/5 N 49 ff.) sowie
von I._ (Urk. 7/3 N 33) ist anzunehmen, dass sich die Privatklägerin seit dem
Tod des Erblassers nicht mehr in der 31⁄2-Zimmerwohnung aufhielt. Auch lässt
sich die Behauptung des Beschuldigten nicht widerlegen, dass sie ihr im Erbver-
trag erteiltes Wahlrecht, die 31⁄2-Zimmerwohnung unter Anrechnung an ihren Erb-
teil zu Eigentum zu erwerben, im fraglichen Zeitpunkt noch nicht ausgeübt hatte.
Zudem ist von den ebenfalls nicht widerlegbaren Aussagen des Beschuldigten
auszugehen, die Erbteilung sei im fraglichen Zeitpunkt (und bis heute) noch nicht
erfolgt. Auch ein Nutzniessungsrecht der Privatklägerin am hälftigen Miteigen-
tumsanteil des Erblassers an der 31⁄2-Zimmerwohnung wurde, soweit ersichtlich,
weder vereinbart noch behauptet. Ein solches auf zwei Jahre befristetes Nut-
zungsrecht der Privatklägerin bestand einzig an der von ihr bewohnten Liegen-
schaft des Erblassers in E._. Die Privatklägerin verfügte damit weder über
einen Mietvertrag noch ein Nutzungsrecht bezüglich der fraglichen Wohnung.
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Dies gilt ungeachtet dessen, dass die Privatklägerin, wie in der Untersuchung
ausgeführt, beabsichtigte, nach Ablauf ihres zweijährigen unentgeltlichen Nutz-
niessungsrechts an der Liegenschaft des Erblassers in E._ in die 31⁄2-
Zimmerwohnung in Zürich zu ziehen und sich dort ihre Möbel befanden.
6.5. Damit präsentiert sich die besitzesrechtliche Situation im Zeitpunkt des Be-
tretens der Wohnung durch den Beschuldigten wie folgt: Die Erbengemeinschaft,
zu welcher Beschuldigter wie Privatklägerin gehörten, bestand nach wie vor. Die
Erben waren somit selbständige Besitzer am hälftigen Anteil der 31⁄2-Zimmer-
wohnung des Erblassers. Sämtliche Erben besassen den Wohnungsanteil des
Erblassers gleichberechtigt und waren diesbezüglich Mitbesitzer. Die Privatkläge-
rin war zusätzlich Eigentümerin und damit selbständige Besitzerin des ihr gehö-
renden anderen hälftigen Anteils der Wohnung und somit Mitbesitzerin der ge-
samten Wohnung. Die Wohnung war nicht vermietet und wurde von niemandem
regelmässig genutzt; sie war deshalb faktisch unbewohnt. Mangels gestuftem Be-
sitz waren die Erben somit unmittelbare Besitzer, d.h. jeder Erbe besass gleichbe-
rechtigt die unmittelbare Verfügungsgewalt am hälftigen Wohnungsanteil. Die Pri-
vatklägerin war zusätzlich unmittelbare Besitzerin ihres Anteils. Sie hatte dem-
nach die unmittelbare, tatsächliche Verfügungsmacht über die gesamte Wohnung,
weshalb ihr das Hausrecht im Sinne von Art. 186 StGB ohne Weiteres zuzuge-
stehen ist. Aus diesen Gründen war sie zum Antrag und zur Anzeigeerstattung
wegen Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB berechtigt.
6.6. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass der Erblasser im Erbvertrag ei-
nen Willensvollstrecker eingesetzt hatte. Dieser war vom Erblasser mit den Auf-
gaben betraut worden, den Erbvertrag sowie allfällige ergänzende Verfügungen
von Todes wegen zu vollziehen und über den Nachlass ein Inventar zu erstellen
(Urk. 2/2 S. 3 Ziffer 4). Die Ausübung des strafrechtlich relevanten Hausrechts im
Sinne von Art. 186 StGB war für die zivilrechtliche Erfüllung der Aufgaben des
Willensvollstreckers nicht notwendig und tangierte seine Verwaltungsaufgaben
nicht. Das Recht zur Ausübung des Hausrechts gemäss Art. 186 StGB stand folg-
lich der Privatklägerin unbeschränkt zu und war ihr durch die Einsetzung des Wil-
lensvollstreckers nicht entzogen.
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6.7. Der Beschuldigte kann sich auf keine gesetzliche Bestimmung berufen, wel-
che ihm Immunität gegen Strafanzeigen bzw. ein Strafverfahren wegen Hausfrie-
densbruchs im Sinne von Art. 186 StGB gewährt. Es sind deshalb entgegen der
Auffassung der Verteidigung (Urk. 39) keine Gründe ersichtlich, weshalb die Pri-
vatklägerin gegen ihn nicht hätte Strafantrag bzw. Strafanzeige erheben können.
Der Strafantrag erfolgte ferner fristgerecht. Dem Antrag des Beschuldigten, es sei
die Untersuchung einzustellen, kann deshalb nicht gefolgt werden.
7.1. Folglich bleibt zu prüfen, ob der Beschuldigte mit dem Verweilen in der 31⁄2-
Zimmerwohnung während einiger Minuten das Hausrecht unrechtmässig verletzt
hat.
7.2. Wie oben dargestellt, war der Beschuldigte im Zeitpunkt des Betretens und
Verweilens in der Wohnung am 13. April 2017 wie alle Erben der Erbengemein-
schaft selbständiger und unmittelbarer Mitbesitzer des hälftigen Wohnungsanteils,
zumal kein gestufter Besitz vorlag. Gesamtbesitz lag ebenfalls nicht vor, weil über
die Wohnung nicht nur gemeinsam faktisch verfügt werden konnte, sondern ein
einzelner Erbe die tatsächliche Verfügungsgewalt auch alleine hätte ausüben
können. Als solcher Besitzer war der Beschuldigte berechtigt, den unmittelbaren
Besitz an der Sache kurzfristig zu manifestieren, d.h. den Wohnungsschlüssel zu
verlangen, die Wohnung für einige Minuten zu betreten und zu besichtigen.
Dadurch wurden die Besitzesrechte der übrigen Erben nicht verletzt, zumal der
Beschuldigte damit keine verbotene Eigenmacht ausübte. Die faktische Besitz-
nahme war nur von sehr kurzer Dauer und der Beschuldigte begab sich offen-
sichtlich nicht mit dem Willen in die Wohnung, diese auf Dauer zu besetzen oder
zu ersitzen, zu verändern oder vernichten. Der Beschuldigte war deshalb auf-
grund seines Besitzstandes zum Betreten und kurzfristigen Verweilen in der 31⁄2-
Zimmerwohnung berechtigt. Keine Rolle spielte, ob er selber bereits im Besitz ei-
nes Wohnungsschlüssels war oder einen solchen vorgängig organisieren musste.
Dass der Beschuldigte gewaltsam einen solchen behändigt hätte, steht nicht zur
Debatte.
7.3. Weiter ist zu prüfen, ob diesem Besitzstand Rechte der Erbengemeinschaft
aus Gesamteigentum oder des Willensvollstreckers entgegenstanden. Gemäss
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Art. 653 Abs. 1 ZGB richten sich die Rechte und Plichten der Gesamteigentümer
nach den Regeln, unter denen ihre gesetzliche oder vertragsgemässe Gemein-
schaft steht. Art. 602 Abs. 2 ZGB sieht vor, dass die Erben Gesamteigentümer
der Erbschaftsgegenstände werden und unter Vorbehalt der vertraglichen oder
gesetzlichen Vertretungs- und Verwaltungsbefugnisse über die Rechte der Erb-
schaft gemeinsam verfügen. Unter Verfügen wird grundsätzlich jedes Rechtsge-
schäft verstanden, durch welches ein Recht oder ein Rechtsverhältnis unmittelbar
betroffen wird, bsp. durch Veräussern, Belasten etc. Es wird in der Lehre einhellig
die Meinung vertreten, dass Art. 602 Abs. 1 ZGB den Verfügungsbegriff nicht in
streng juristischem Sinne verwende, sondern dass darunter jegliche Verwaltungs-
tätigkeit zu subsumieren sei. Unter Verwalten wird jedes tatsächliche oder rechtli-
che Gebaren mit dem verwalteten Vermögen verstanden, das nach typischer Be-
schaffenheit dazu bestimmt ist, dieses zu erhalten, zu mehren oder der seinem
Zweck entsprechenden Verwendung zuzuführen (THOMAS LEIMGRUBER, Die Be-
fugnisse des Einzelnen Miterben beim Erbgang und bei der Nachlassverwaltung,
in: Basler Studien zur Rechtswissenschaft, Heft 114, S. 42 ff., mit Verweisen, BSK
ZGB-PETER C. SCHAUFELBERGER/KATRIN KELLER LÜTSCHER, Art. 602 N 11 ff.). Sol-
che Tätigkeiten sind der Gesamthandsgemeinschaft vorbehalten und benötigen
die Zustimmung aller Erben oder des Erbenvertreters. Sofern eine Tätigkeit
gleichzeitig zum Aufgabenbereich des Willensvollstreckers zählt, kommt allein
diesem das Recht zur konkreten Verwaltungshandlung zu.
7.4. Gemäss Aktenlage habe der Beschuldigte am fraglichen Tag zusammen mit
B._ sowie einem Gutachter die Wohnung betreten. Man habe die Fenster
geprüft und einen kurzen Blick in Küche und Bad geworfen, um den Zustand fest-
zustellen. Nach wenigen Minuten hätten sie die Wohnung wieder verlassen (Urk.
5/4, Ziff. 13; Urk. 7 /2, Ziff. 52). Das in der Anklage vorgeworfene Betreten und
Verweilen für wenige Minuten in der hälftig zur Erbschaftsmasse gehörenden
Wohnung durch den Beschuldigten stellt weder ein rechtlich relevantes Verfügen
noch ein Akt des Verwaltens der Wohnung dar, weil dieses Verhalten weder direkt
zur Erhaltung oder Mehrung der Erbschaftssache noch zur zweckgemässen Zu-
führung zur Verwendung bestimmt war. Insbesondere wird dem Beschuldigten
nicht vorgeworfen, er habe an der Wohnungseinrichtung etwas vorgenommen
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oder auf Kosten der Erbengemeinschaft eine Schätzung der Wohnung in Auftrag
gegeben oder Reparaturarbeiten angeordnet oder selber ausgeführt.
7.5. Ein Erbe benötigt die Zustimmung weder aller Erben noch des Erbenvertre-
ters oder des Willensvollstreckers, um eine Sache der Erbschaftsmasse zu be-
trachten. Bei der Erbengemeinschaft handelt es sich um eine Zwangsgemein-
schaft, die nur vorübergehend und nicht auf Dauer angelegt ist. Ziel der Erben-
gemeinschaft ist die Liquidation und Verteilung der Erbmasse. Zur Erreichung
dieses Zieles sowie zur Prüfung allfälliger erbrechtlicher Klagen muss es dem
unmittelbar besitzenden Erben gestattet sein, sich selber ein Bild über den Zu-
stand der Erbschaftssachen zu machen und diese zu besichtigen. Der Beschul-
digte hat deshalb mit dem in der Anklage umschriebenen Betreten und kurzen
Verweilen in der Wohnung nicht gegen geschützte Rechte der erbrechtlichen Ge-
samthandsgemeinschaft oder gegen dem Willensvollstrecker vorbehaltene Be-
fugnisse verstossen. Es ist unter diesen Umständen nicht weiter bedeutsam, wem
zur fraglichen Zeit die Aufgabe des Willensvollstreckers zukam bzw. ob die Auf-
gaben des Willensvollstreckers bezüglich Immobilien vom Erben G._ über-
nommen worden waren.
8. Zusammenfassend bedeutet das Betreten und Verweilen des Beschuldigten
kein strafrechtlich relevantes Verhalten im Sinne von Art. 186 StGB. Aus diesen
Gründen ist der Beschuldigte des Hausfriedensbruchs nicht schuldig und deshalb
freizusprechen.
III. (Kosten und Entschädigung)
1. Bei diesem Ausgang des Berufungsverfahrens sind die Kosten des Vorver-
fahrens sowie des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens auf die Staatskasse zu
nehmen (Art. 426 Abs. 2 StPO). Die Kosten des Berufungsverfahrens fallen aus-
ser Ansatz (vgl. Art. 428 Abs. 1 StPO). Dem Beschuldigten ist ferner für seine
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anwaltlichen Aufwendungen im Vor- und in den beiden gerichtlichen Verfahren je
eine angemessene Entschädigung zu bezahlen (Art. 429 Abs. 1 StPO).
2. Der Verteidiger des Beschuldigten hat im erstinstanzlichen Verfahren eine
Kostennote für seine Aufwendungen für die Zeit vom 19. Juni 2017 bis 13. Juni
2018 betreffend die Verteidigung des Beschuldigten über insgesamt Fr. 8'671.30
eingereicht (Urk. 20/1). Weiter hat er für die gemeinsame Verteidigung des Be-
schuldigten und von B._ für die Zeit von 14. Juni 2018 bis 22. August 2018
eine gemeinsame Kostennote von gesamthaft Fr. 5'355.80 vorgelegt, ohne eine
genaue Ausscheidung der Aufwendungen für jeden einzelnen Mandanten vorzu-
nehmen (Urk. 20/2). Darin sind die Aufwendungen der vierstündigen Hauptver-
handlung, soweit ersichtlich, noch nicht enthalten. Zufolge des Freispruchs wurde
B._ von der Vorinstanz eine Entschädigung von Fr. 2'677.90 (die Hälfte von
Fr. 5'355.80) für anwaltliche Verteidigung zugesprochen (Dispositivziffer 8). An-
lässlich der Berufungsverhandlung reichte die Verteidigung 3 Honorarnoten für
anwaltliche Aufwendungen für das gesamte Verfahren ein (Urk. 41/1-3). Insge-
samt rechtfertigt es sich, dem Beschuldigten für das gesamte Verfahren eine Pro-
zessentschädigung von Fr. 16'000.– (inkl. Mehrwertsteuer) für anwaltliche Auf-
wendungen sowie eine persönliche Umtriebsentschädigung von Fr. 500.– aus der
Gerichtskasse zuzusprechen.