# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 0f577a6d-7582-4c98-9102-3022b7cf82d6
**Court:** CH_BSTG
**Chamber:** CH_BSTG_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** CH / Federation
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
A. Mit Schreiben vom 9. Januar 2014 ersuchte das ungarische Justizministe-
rium die Schweiz um Auslieferung von A. für die ihm in den Haftbefehlen
des Amtsgerichts Berrettyoujfalu vom 30. Januar 2013 und des Landge-
richts Debrecen vom 4. Juni 2013 zur Last gelegten Straftaten, wie Zuhälte-
rei (act. 7.1). A. war am 12. Juni 2012 von Österreich an die Schweiz aus-
geliefert worden wegen in unserem Land verübter Delikte. Am 16. Janu-
ar 2014 erliess das Bundesamt für Justiz (nachfolgend "BJ") einen Auslie-
ferungshaftbefehl (act. 7.5), gegen den keine Beschwerde erhoben wurde.
Im Zusammenhang mit seiner Einvernahme vom 20. Januar 2014 erklärte
A., mit einer vereinfachten Auslieferung nicht einverstanden zu sein
(act. 7.4), was er indes mit Schreiben vom 14. Februar 2014 widerrief
(act. 7.7). Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Befragung am 26. Feb-
ruar 2014 hielt der Beschwerdeführer erneut an der Durchführung des or-
dentlichen Auslieferungsverfahrens fest (act. 7.8).
Mit Verfügung vom 5. März 2014 bewilligte das BJ die Auslieferung von A.
an Ungarn für die dem Auslieferungsersuchen vom 9. Januar 2014 zugrun-
de liegenden Straftaten (act. 7.9).
B. A. gelangt mit Beschwerde vom 15. März 2014 an die Beschwerdekammer
des Bundesstrafgerichts und beantragt sinngemäss die Aufhebung des
Auslieferungsentscheides (act. 1).
C. Das BJ beantragt in seiner Beschwerdeantwort vom 15. April 2014 die Ab-
weisung der Beschwerde (act. 7). A. hält in seiner Replik vom
26. April 2014 sinngemäss an seiner Beschwerde fest (act. 9), was dem BJ
mit Schreiben vom 28. April 2014 zur Kenntnis gebracht wird (act. 10).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, so-
weit erforderlich, in den rechtlichen Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
1.1 Für den Auslieferungsverkehr zwischen der Schweiz und Ungarn sind pri-
mär das Europäische Auslieferungsübereinkommen vom 13. Dezem-
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ber 1957 (EAUe; SR 0.353.1) sowie das zu diesem Übereinkommen am
15. Oktober 1975 ergangene erste Zusatzprotokoll (1. ZP; SR 0.353.11)
und das am 17. März 1978 ergangene zweite Zusatzprotokoll (2. ZP;
SR 0.353.12) massgebend. Überdies sind für die Auslieferung zwischen
der Schweiz und Ungarn die Bestimmungen der Art. 59 ff. des Überein-
kommens vom 19. Juni 1990 zur Durchführung des Übereinkommens von
Schengen vom 14. Juni 1985 (Schengener Durchführungsübereinkommen,
SDÜ; ABl. L 239 vom 22. September 2000, S. 19-62) zwecks Ergänzung
und Erleichterung der Anwendung des EAUe massgebend.
1.2 Soweit die einleitend genannten Staatsverträge bestimmte Fragen nicht
abschliessend regeln, findet auf das Auslieferungsverfahren ausschliesslich
das Recht des ersuchten Staates Anwendung (Art. 22 EAUe), vorliegend
also das Bundesgesetz vom 20. März 1981 über internationale Rechtshilfe
in Strafsachen (IRSG; SR 351.1) und die Verordnung vom
24. Februar 1982 über internationale Rechtshilfe in Strafsachen (IRSV;
SR 351.11). Das innerstaatliche Recht gelangt nach dem Günstigkeitsprin-
zip auch dann zur Anwendung, wenn dieses geringere Anforderungen an
die Auslieferung stellt (BGE 137 IV 33, E. 2.2.2; 136 IV 82, E. 3.1; 129 II
462 E. 1.1; 122 II 140 E. 2). Das Günstigkeitsprinzip gilt auch innerhalb der
massgebenden internationalen Rechtsquellen (vgl. Art. 59 SDÜ). Vorbehal-
ten bleibt die Wahrung der Menschenrechte (BGE 135 IV 212 E. 2.3; 123 II
595 E. 7c, je m.w.H.).
2.
2.1 Gegen Auslieferungsentscheide des BJ kann innert 30 Tagen seit der Er-
öffnung des Entscheids bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafge-
richts Beschwerde geführt werden (Art. 55 Abs. 3 i.V.m. Art. 25
Abs. 1 IRSG; Art. 12 Abs. 1 IRSG i.V.m. Art. 50 Abs. 1 VwVG; Art. 37
Abs. 2 lit. a Ziff. 1 des Bundesgesetzes vom 19. März 2010 über die Orga-
nisation der Strafbehörden des Bundes, StBOG; SR 173.71; Art. 19 Abs. 2
des Organisationsreglements vom 31. August 2010 für das Bundesstrafge-
richt, BStGerOR; SR 173.713.161). Der Auslieferungsentscheid ist inner-
halb der Beschwerdefrist angefochten worden, weshalb auf die Beschwer-
de einzutreten ist.
2.2 Die Beschwerdekammer ist nicht an die Begehren der Parteien gebunden
(Art. 25 Abs. 6 IRSG). Sie prüft die Auslieferungsvoraussetzungen grund-
sätzlich mit freier Kognition. Die Beschwerdekammer befasst sich jedoch
nur mit Tat- und Rechtsfragen, die Streitgegenstand der Beschwerde bilden
(Entscheide des Bundesstrafgerichts RR.2009.2 vom 9. Juli 2009, E. 2.4;
http://links.weblaw.ch/BGE-129-II-462 http://links.weblaw.ch/BGE-129-II-462 http://links.weblaw.ch/BGE-122-II-140
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RR.2007.34 vom 29. März 2007, E.3, je m.w.H.). Nach der bundesgerichtli-
chen Rechtsprechung muss sich die urteilende Instanz sodann nicht mit al-
len Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und jedes einzelne
Vorbringen ausdrücklich widerlegen. Sie kann sich auf die für ihren Ent-
scheid wesentlichen Punkte beschränken. Es genügt, wenn die Behörde
wenigstens kurz die Überlegungen nennt, von denen sie sich leiten liess
und auf welche sich ihr Entscheid stützt (BGE 124 II 146 E. 2a; 122 IV 8
E. 2c; Urteil des Bundesgerichts 1A.59/2004 vom 16. Juli 2004, E. 5.2,
m.w.H.).
3.
3.1 Der Beschwerdeführer macht in einem ersten Punkt geltend, als Angehöri-
ger der Minderheit der Roma in Ungarn als Mensch zweiter Klasse behan-
delt und strenger bestraft zu werden. Es sei zu erwarten, dass er in Ungarn
Repressalien und Misshandlungen ausgeliefert sei und dass insbesondere
die Polizei ihn mit unerlaubten Mitteln zu einem Geständnis zwingen werde.
Ausserdem würden in ungarischen Gefängnissen regelmässig acht bis
zwölf Personen auf engstem Raum zusammengepfercht, und Tätlichkeiten
und Vergewaltigungen kämen häufig vor (act. 1 S. 3 und act. 9 S. 4 f.).
3.2 Die Schweiz prüft die Auslieferungsvoraussetzungen des EAUe insbeson-
dere auch im Lichte ihrer grundrechtlichen, völkerrechtlichen Verpflichtun-
gen. Nach internationalem Völkerrecht sind Folter und jede andere Art
grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Bestra-
fung verboten (Art. 10 Abs. 3 BV, Art. 3 EMRK, Art. 7 und Art. 10 Ziff. 1
UNO-Pakt II [SR 0.103.2]). Es handelt sich um massive Verstösse gegen
die Menschenwürde, die den Betroffenen seelisch und meist auch körper-
lich schwer treffen. Niemand darf in einen Staat ausgeliefert werden, in
dem ihm Folter oder eine andere Art grausamer und unmenschlicher Be-
handlung oder Bestrafung droht (Art. 25 Abs. 3 BV; BGE 133 IV 76 E. 4.1;
123 II 161 E. 6a, je m.w.H.). In Strafprozessen sind ausserdem die minima-
len prozessualen Verfahrensrechte des Angeschuldigten zu gewährleisten
(vgl. Art. 6 EMRK, Art. 14 UNO-Pakt II). Jeder Vertragsstaat der UNO-
Folterschutzkonvention (SR 0.105) hat dafür Sorge zu tragen, dass Aussa-
gen, die nachweislich durch Folter herbeigeführt worden sind, nicht als Be-
weis in einem Verfahren verwendet werden, es sei denn gegen eine der
Folter angeklagte Person als Beweis dafür, dass die Aussage gemacht
wurde (Art. 15 UNO-Folterschutzkonvention). Nach konstanter Rechtspre-
chung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) führt
die Zulassung eines aufgrund von Misshandlungen, d.h. in Verletzung von
Art. 3 EMRK erfolgten Geständnisses dazu, dass das Strafverfahren in sei-
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ner Gesamtheit – unabhängig von der Bedeutung des Geständnisses für
den Ausgang des Verfahrens – als unfair zu bezeichnen ist und somit ge-
gen Art. 6 Abs. 1 EMRK verstösst (s. EGMR vom 18. November 2011 i.d.S.
Stanimirovic gg. Serbien, Ziff. 113). Der im ausländischen Strafverfahren
Beschuldigte muss glaubhaft machen, dass objektiv und ernsthaft eine
schwerwiegende Verletzung der Menschenrechte im ersuchenden Staat zu
befürchten ist (BGE 130 II 217 E. 8.1; BGE 129 II 268 E. 6.1, je m.w.H.).
Abstrakte Behauptungen genügen nicht. Der Beschwerdeführer muss seine
Vorbringen im Einzelnen präzisieren (Urteil des Bundesgerichts
1A.210/1999 vom 12. Dezember 1999, E. 8b)
3.3 Die pauschalen Hinweise des Beschwerdeführers auf seine angebli-
che Abstammung zur Ethnie der Roma sowie auf die Überbelegungen und
Gewalttätigkeiten in den ungarischen Gefängnissen genügen nicht, um be-
reits eine konkrete Diskriminierung aus rassistischen Gründen bzw. eine
grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung des Beschwer-
deführers anzunehmen. Es ist zwar nicht auszuschliessen, dass der unga-
rische Staat – obwohl seit vielen Jahren Vertragsstaat des UNO-Pakt II, der
UNO-Folterschutzkonvention und der EMRK – Roma-Angehörige in gewis-
sen Bereichen diskriminiert. Dem Country Report on Human Rights Prac-
tices 2013 [ID 270725] des US Department of State vom 27. Februar 2014
(verfügbar auf: http://www.ecoi.net/local_link/270725/400809_de.html) ist
jedoch zu entnehmen, dass die Diskriminierung von Roma-Angehörigen
vorwiegend in den Bereichen des Ausbildungs-, Gesundheits- und Sozial-
wesens stattfinde. Was die Situation in den ungarischen Gefängnissen an-
belangt, wird im besagten Bericht positiv vermerkt, dass die ungarische
Regierung per Ende 2013 die Anzahl der Gefängnisplätze um 1.26% er-
höht und die unabhängige Überwachung der Gefängnisbedingungen durch
internationale Menschenrechtsorganisationen, wie dem Hungarian Helsinki
Committee (nachfolgend "HHC"), sowie durch die Medien zugesichert habe
und derartige Überwachungen, insbesondere durch das HHC, bereits
durchgeführt worden seien. Ausserdem habe die ungarische Regierung
konkrete Schritte unternommen, um von Beamten begangene Misshand-
lungen zu verfolgen und zu bestrafen. Ernsthafte Gründe, dass der Be-
schwerdeführer staatliche Repressalien fürchten muss, oder dass ihm eine
grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung durch die unga-
rischen Strafverfolgungsbehörden droht, sind damit weder konkret dargetan
noch generell anzunehmen. Die Beschwerde erweist sich daher in diesem
Punkt als unbegründet.
http://www.ecoi.net/local_link/270725/400809_de.html
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4.
4.1 Soweit sodann der Beschwerdeführer das Auslieferungsverfahren
der österreichischen Behörden an die Schweiz rügt, indem er geltend
macht, man hätte ihn direkt an Ungarn ausliefern müssen, da die ihm in der
Schweiz vorgeworfenen Delikte – Förderung der Prostitution und Men-
schenhandel – eng mit den in Ungarn verübten Straftaten zusammenhän-
gen würden, und er sei im österreichischen Auslieferungsverfahren nicht
rechtsgenügend vertreten gewesen (act. 1 S. 4 ff. und act. 9 S. 2 ff.), ist er
im vorliegenden Verfahren nicht zu hören. Diese Rügen mussten vom Be-
schwerdeführer im österreichischen Auslieferungsverfahren geltend ge-
macht werden.
4.2 Ebensowenig ist im vorliegenden Verfahren auf die Rüge des Beschwerde-
führers, er sei in der Schweiz zu Unrecht wegen Menschenhandels verur-
teilt worden (act. 9 S. 2), einzugehen. Vorliegend ist einzig zu prüfen, ob
die Voraussetzungen für eine Auslieferung des Beschwerdeführers nach
Ungarn gegeben sind.
5. Andere Auslieferungshindernisse werden weder geltend gemacht noch sind
solche ersichtlich. Die Auslieferung des Beschwerdeführers an Ungarn ist
daher zulässig. Die Beschwerde ist nach dem Gesagten in allen Punkten
als unbegründet abzuweisen.
6.
6.1 Der Beschwerdeführer stellt das Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Rechtspflege (RP.2014.44, act. 1).
6.2 Die Beschwerdekammer befreit eine Partei, die nicht über die erforderli-
chen Mittel verfügt, auf Antrag von den Verfahrenskosten, sofern ihr Be-
gehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 65 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 39
Abs. 2 lit. b StBOG).
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind Prozessbegehren als
aussichtslos anzusehen, wenn die Gewinnaussichten beträchtlich geringer
erscheinen als die Verlustgefahren und sie deshalb kaum als ernsthaft be-
zeichnet werden können. Dagegen gilt ein Begehren nicht als aussichtslos,
wenn sich Gewinnaussichten und Verlustgefahren ungefähr die Waage hal-
ten oder jene nur wenig geringer sind als diese. Massgebend ist, ob eine
Partei, die über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger
Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde. Ob im Einzelfall genü-
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gende Erfolgsaussichten bestehen, beurteilt sich nach den Verhältnissen
zur Zeit, zu der das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege gestellt wird
(BGE 129 I 129 E. 2.3.1; 128 I 225 E. 2.5.3; 124 I 304 E. 2c).
6.3 Den vorstehenden Erwägungen ist zu entnehmen, dass die Beschwerde
offensichtlich unbegründet war und demgemäss keine Aussicht auf Erfolg
hatte. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist
deshalb aus diesem Grund abzuweisen.
7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird der Beschwerdeführer kosten-
pflichtig (Art. 63 VwVG i.V.m. Art. 39 Abs. 2 lit. b StBOG). Für die Berech-
nung der Gerichtsgebühr gelangt das BStKR (i.V.m. Art. 63 Abs. 5 VwVG)
zur Anwendung. Der vermutungsweise schwierigen finanziellen Situation
(Haft) ist mit einer reduzierten Gerichtsgebühr von Fr. 1'500.-- Rechnung zu
tragen.
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