# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 20d9b3fc-6281-49bc-81fa-cc33acd0be76
**Court:** ZH_HG
**Chamber:** ZH_HG_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Forderung
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Inhaltsverzeichnis
Sachverhalt und Verfahren .................................................................................... 4
A. Sachverhaltsübersicht .................................................................................... 4
B. Prozessverlauf ................................................................................................ 5
Erwägungen ........................................................................................................ 15
1. Formelles ...................................................................................................... 15
1.1. Zuständigkeit ......................................................................................... 15 1.2. Anwendbares Prozessrecht .................................................................. 15 1.3. Prozessfähigkeit der Klägerin ................................................................ 15 1.4. Verhalten der Parteien im Prozess (§ 50 ZPO/ZH) ............................... 21 1.5. Fazit ...................................................................................................... 21
2. Haftungsvoraussetzungen ............................................................................ 21
2.1. Im Allgemeinen ..................................................................................... 21 2.2. Natürlicher Kausalzusammenhang ....................................................... 22 2.3. Bei HWS-Schleuderverletzungen im Besonderen ................................. 22
3. Unfall vom 30. Juli 1997 ............................................................................... 23
3.1. Unbestrittener Sachverhalt .................................................................... 23 3.2. Umstrittene Heftigkeit des Aufpralls ...................................................... 24 3.2.1. Darstellung der Klägerin ......................................................................... 24 3.2.2. Darstellung der Beklagten ...................................................................... 26 3.2.3. Bedeutung der Unfallschwere ................................................................ 27 3.2.4. Beweisverfahren zum Unfallhergang ..................................................... 27 3.2.5. Kollisionsgeschwindigkeit und delta-v .................................................... 27 3.2.6. Gefasstsein / Zahnschäden ................................................................... 28 3.2.7. Out of position, Bewegungsablauf, kurzes Schwarz-werden-vor-Augen 33 3.3. Fazit zum Unfallhergang ....................................................................... 37
4. Mitursache für Invalidisierung: Fehlverhalten Beklagte 1/"Psychoterror"...... 38
4.1. Übersicht und rechtliche Relevanz ........................................................ 38 4.2. Die Sachverhalte "Fehlverhalten" im Einzelnen .................................... 39 4.2.1. Fallbearbeitung bis zur Leistungseinstellung im Frühjahr 2000 ............. 39 4.2.2. Leistungseinstellung im März 2000 ........................................................ 44 4.2.3. Versuchte Nötigung (biomechanisches Gutachten) ............................... 57 4.2.4. Anonyme Schreiben / Überfälle (Sachverhalte vor Klageeinreichung) ... 60
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4.2.5. Drohbriefe / „Unterstützungsschreiben“ nach Klageeinleitung ............... 62 4.2.6. Schläge und Handverletzung (Beweissätze 17 bis 20) .......................... 64 4.2.7. Entfernung von Replikbeilagen (Beweissätze 41 bis 44) ....................... 65 4.2.8. Observation/Mailverkehr/Telefonabhörung (Beweissätze 37 bis 40) ..... 68 4.3. Fazit ...................................................................................................... 69
5. Vorliegen einer HWS-Schleuderverletzung .................................................. 70
5.1. Sachdarstellung der Parteien im ordentlichen Schriftenwechsel ........... 70 5.1.1. Darstellung gemäss Klageschrift ............................................................ 70 5.1.2. Darstellung gemäss Klageantwortschrift ................................................ 72 5.1.3. Stellungnahme mit Replik ...................................................................... 75 5.2. Substantiierungshinweis zum Auftreten initialer Beschwerden ............. 76 5.3. Substantiierungseingabe vom 30. März 2006 (act. 105) ....................... 77 5.4. Fähigkeit zur Darlegung von Art und Zeitpunkt des initialen Auftretens
geklagter Beschwerden (Beweissätze 10 und 11) ................................ 78 5.5. Anforderungen an das Vorliegen einer HWS-Schleuderverletzung ....... 83 5.6. Angerufene Beweismittel ....................................................................... 84 5.7. Würdigung der Beweismittel zum Beschwerdebild ................................ 92 5.8. Weitere relevante Fakten (Unfallhergang, unmittelbar folgender Verlauf,
Erwerbsfähigkeit, Behandlung, Vorzustand) ....................................... 110 5.8.1. Arztkonsultationen nach Schadenereignis ........................................... 110 5.8.2. Medizinische Behandlung im weiteren Verlauf ..................................... 111 5.8.3. Erwerbsfähigkeit nach dem Schadenereignis ...................................... 111 5.8.4. Gründe für Abnahme der Erwerbsfähigkeit .......................................... 113 5.8.5. Widerspruch zwischen geklagter und tatsächlicher Leistungsfähigkeit 113 5.8.6. Weiteres Nachunfallverhalten .............................................................. 114 5.8.7. Unfallschwere ...................................................................................... 115 5.8.8. Vorzustand ........................................................................................... 115 5.9. Zusammenfassung Beweislage zum Kausalzusammenhang ............. 115 5.10. Absehen von weiteren Beweisabnahmen (antizipierte Würdigung) .... 119 5.10.1. Zum behaupteten Beschwerdebild einer HWS-Schleuderverletzung . 119 5.10.2. Zum Kausalzusammenhang betreffend paranoide Schizophrenie ..... 123 5.11. Fazit natürlicher Kausalzusammenhang ............................................. 126
6. Adäquanz der schweren psychischen Störung ........................................... 127
6.1. Rechtsprechung zur Adäquanz von psychischen Folgen .................... 127 6.2. Zurechenbarkeit im vorliegenden Fall ................................................. 128
7. Zusammenfassung der Tat- und Rechtsfragen .......................................... 130
8. Kosten- und Entschädigungsfolgen ............................................................ 132
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Rechtsbegehren: (act. 1 S. 2)
"1. Die Beklagten haben der Klägerin aus dem Unfallereignis vom 30. Juli 1997 in solidarischer Haftbarkeit Fr. 6'717'842.15 zu .
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beklagten 1 und 2 in solidarischer Haftbarkeit."
Sachverhalt und Verfahren
A. Sachverhaltsübersicht
1. Am 30. Juli 1997 fuhr der Beklagte 2 mit seinem Personenwagen der Marke
Jeep von hinten auf den vor einem Rotlicht stehenden Porsche der Klägerin auf.
Motorhaftpflichtversicherer des Beklagten 2 ist die Beklagte 1. Es ist unbestritten,
dass dieser Unfall durch den Beklagten 2 allein verschuldet wurde und die Be-
klagte 1 als obligatorische Haftpflichtversicherung für einen daraus entstandenen
Schaden grundsätzlich aufzukommen hat. Mit der vorliegenden Klage fordert
die Klägerin Schadenersatz und Genugtuung in Höhe von insgesamt
CHF 6'717'842.15 (act. 1 S. 2, 4 f., 41 ff.; act. 32 S. 2). Am 3. März 2000 wurde
die Klägerin erneut Opfer einer Auffahrkollision. Sie hat dem Unfallverursacher
C._ und dessen Haftpflichtversicherer, den F._, den Streit verkündet
(act. 1 S. 2). Die Beklagte 1 erbrachte ab dem Unfallfolgemonat (August 1997)
zunächst monatliche Akontozahlungen für den geltend gemachten Erwerbsausfall
der Klägerin als selbständig Erwerbende in den Bereichen Mobbing-Beratung und
Vermittlung von sog. Liebesnestern (Vermittlung und Einrichtung von Räumlich-
keiten für Geschäftsherren mit ausserehelichen Beziehungen) und ab Oktober
1998 sodann die von der Klägerin errechneten Mindereinnahmen auf der Annah-
me eines monatlichen Bruttohonorarumsatzes von CHF 17'500.-. Im März 2000
stellte die Beklagte 1 ihre Leistungen wegen zunehmender Zweifel am Vorliegen
unfallbedingter Beschwerden resp. einer unfallbedingten Arbeitsunfähigkeit ein.
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Die Klägerin wurde mit Verfügung der IV vom 24. April 2001 rückwirkend per 1.
Juli 1998 bei einem Invaliditätsgrad von 70% berentet (act. 1 S. 32).
2. Die Klägerin macht im Wesentlichen geltend, seit dem ersten Auffahrunfall
vom 30. Juli 1997 an verschiedenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu lei-
den, die zum einen auf ein beim ersten Auffahrunfall erlittenes HWS-Beschleuni-
gungstrauma und zum anderen auf ein gravierendes Fehlverhalten der Beklagten
1 sowohl bei als auch ausserhalb der Schadenfallbearbeitung zurückzuführen
seien. Dieses Fehlverhalten habe die Invalidisierung mitverursacht. Als Folge der
geklagten Beeinträchtigungen macht sie – unter Berücksichtigung der ab August
1997 bis Ende 1999 von der Beklagten 1 geleisteten Entschädigungen für Er-
werbsausfall – geltend, seit dem 1. Januar 2000 zu 70% und seit dem 13. No-
vember 2002 zu 100% erwerbsunfähig und in ihrer Fähigkeit zur Haushaltführung
eingeschränkt zu sein.
3. Die Beklagten plädieren auf Klageabweisung. Sie bestreiten das Vorliegen
von Gesundheitsschäden der Klägerin als Folge des Erstunfalls vom 30. Juli 1997
wie auch jegliches Fehlverhalten von Mitarbeitenden der Beklagten 1 gegenüber
der Klägerin bei oder ausserhalb der Bearbeitung des Schadenfalls. Allfällige ge-
klagte Beschwerden seien auf den zweiten Unfall vom 3. März 2000 zurückzufüh-
ren resp. allfällige Beeinträchtigungen psychischer Natur vorbestehend oder auf
vorbestehende Leiden zurückzuführen. Schliesslich bemängeln sie die Substanti-
ierung des (bestrittenen) Schadens.
4. Auf diese und weitere Vorbringen der Parteien ist, soweit für die Entscheid-
findung relevant, nachfolgend einzugehen.
B. Prozessverlauf
1. Am 13. November 2002 (Datum Poststempel) reichte die Klägerin Weisung
und Klageschrift ein (act. 1 und 3). Mit Verfügung vom 15. November 2002 wurde
von der Streitverkündung der Klägerin an den Verursacher des Auffahrunfalls vom
3. März 2000, C._, sowie dessen Haftpflichtversicherung (F._) Vormerk
genommen (Prot. S. 2). Nach Eingang der Klageantwortschrift vom 24. März 2003
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(act. 16) wurden die Parteien auf den 5. Juni 2003 zur Referentenaudienz und
Vergleichsverhandlung vorgeladen (act. 18). Mit Eingabe vom 27. Mai 2003 (act.
21) und unter Hinweis auf ein zwischenzeitlich von der Klägerin (persönlich) ein-
gereichtes Buch ("G._", act. 19), welches diese resp. deren Eltern hatten er-
scheinen lassen und durch welches sich die Beklagte 1 verunglimpft fühle, erklär-
ten die Beklagten, zurzeit nicht vergleichsbereit zu sein, woraufhin die Verhand-
lung abgesagt wurde.
2. Mit Verfügung vom 3. Juni 2003 wurde die schriftliche Fortsetzung des
Hauptverfahrens angeordnet und wurden den Parteien ausführliche Substantiie-
rungshinweise erteilt (Prot. S. 10 f.). Die Klägerin liess Rechtsanwältin Dr.
X1._ mit Eingabe vom 19. Juni 2003 (act. 27) zur Absage der Vergleichsge-
spräche durch die Beklagte Stellung nehmen und reichte eine Einstellungsverfü-
gung resp. Anklageschrift aus einem Strafverfahren der Klägerin gegen Mitarbei-
ter der Beklagten (act. 28/1-2) sowie drei der Klägerin zugegangene anonyme
Drohbriefe ein (act. 28/5.1-3).
3. Mit Verfügung des Instruktionsrichters vom 24. Juni 2003 (Prot. S. 16) wur-
den die Eingaben act. 21 und 27 als nicht zum Prozessstoff gehörig bezeichnet
und wurde der Klägerin Frist angesetzt, um sich zu den Vertretungsverhältnissen
im vorliegenden Verfahren zu äussern (Prot. S. 16), welcher Aufforderung die
Klägerin mit Eingabe vom 4. Juli 2003 (act. 31) nachkam.
4. Die Replikschrift datiert vom 4. Juli 2003 (act. 32), die Duplikschrift vom
7. November 2003 (act. 36).
5. Nach abgeschlossenem zweitem Schriftenwechsel ergingen folgende weite-
ren Eingaben der Parteien und Dritter:
a) Mit Eingabe vom 23. Dezember 2003 (act. 39) reichten die Beklagten ein
Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 23. Oktober 2003 (act. 40) ein, mit welchem
zwei Angestellte der Beklagten 1 vom von der Klägerin erhobenen Vorwurf der
Nötigung freigesprochen wurden (act. 40). Am 5. Januar 2004 ging eine Postkarte
der Klägerin persönlich betreffend die H._-Medienberichterstattung über das
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Strafverfahren betreffend Nötigung ein (act. 41). Mit Verfügung vom 5. Januar
2004 (Prot. S. 19 f.) wurde der Klägerin Frist zur Stellungnahme zur beklagtischen
Noveneingabe (act. 39) sowie zur Erklärung der Bedeutung von act. 41 angesetzt.
b) Seitens der Klägerin persönlich wurden in der Folge mehrere anonyme,
an sie gerichtete, mehrheitlich mit „D._“ auf der untersten Zeile versehene,
Schreiben eingereicht, wobei es sich zum Teil um Schmäh- und Drohbriefe, zum
Teil um "Unterstützungsschreiben" handelt (act. 44, 50, 51, 60, 61, 65). Am 2.
Februar 2004 gingen sodann ein die Klägerin unterstützendes, undatiertes ano-
nymes Schreiben an das Gericht (act. 47) und diesem beiliegend ein anonymes,
undatiertes Schreiben an die Klägerin ein (act. 48).
c) Mit Eingabe vom 27. Januar 2004 (act. 45) nahm die Klägerin fristgerecht
Stellung zur Noveneingabe der Beklagten vom 23. Dezember 2003 (act. 39 und
40) und orientierte über eine Ehrverletzungsklage, welche sie bezüglich der Be-
richterstattung der H._ über das vorerwähnte Strafverfahren erhoben habe.
Sodann reichte sie drei weitere anonyme Drohbriefe ein (act. 46/14-16). Mit
Schreiben vom 20. Februar 2004 (act. 49) orientierte Prof. Dr. I._, damaliger
Direktor des Bundesamtes für Privatversicherungen (BPV), darüber, nicht mit der
vorliegenden Streitsache befasst (gewesen) zu sein.
d) Mit Eingabe vom 28. Juli 2004 (act. 52) ersuchte der Vertreter der Kläge-
rin um Zustellung einer Eingabe der Beklagten 1 an das Handelsgericht, von der
die Klägerin vernommen habe, und reichte ein weiteres, anonym an die Klägerin
gerichtetes Unterstützungsschreiben ein (act. 53). Mit Schreiben des Instruktions-
richters vom 29. Juli 2004 (act. 54) wurde mitgeteilt, dass die letzte Eingabe der
Beklagten 1 vom 23. Dezember 2003 datiere (act. 39) und mit Verfügung vom
5. Januar 2004 zugestellt worden sei.
e) Es folgten zwischen dem 12. Mai 2004 und dem 15. August 2005 eine
Vielzahl von Eingaben der Klägerin persönlich in Form von Faxübermittlungen
(Zeitungsartikel mit Handkommentaren, Faxe an Behörden etc.), Briefen und
(Post)Karten (act 25/2-14, 57, 62/1-6, 64, 67/1-3, 68-71, 76), teils an das Gericht,
teils an Politiker und Ämter gerichtet, mit Meinungsbekundungen der Klägerin zu
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einer Reihe von Themen (Buch "G._", Verhalten der Beklagen 1, als bedroh-
lich wahrgenommene Situation der Klägerin, BPV, Mitgliedschaft Club, Strafver-
fahren, Dankesbekundung etc.), die ohne Weiterungen blieben.
f) Mit Fax vom 4. November 2004 (act. 58/1) reichte die Klägerin persönlich
eine an das BPV gerichtete Anfrage von Rechtsanwältin Dr. X1._ vom 13.
September 2004 ein, womit um Zustellung einer Kopie eines vermeintlichen
Rundschreibens der Beklagten 1 vom Juli 2004 betreffend die Klägerin und deren
Schadenfall ersucht wurde (act. 58/2-3). Mit weiteren Faxeingaben orientierte die
Klägerin (persönlich) über ein anonymes Telefonat betreffend die Entfernung von
Replikbeilagen/Buchhaltungsunterlagen (act. 59), weitere anonyme Schreiben
(act. 60, 61, 65) und sodann über Schläge, die sie erhalten habe (act. 60A).
6. Mit Beschluss vom 23. März 2005 (act. 72) wurde über die Zulässigkeit der
Noveneingaben act. 39, 40, 45 und 58/1-3 entschieden und wurden der Klägerin
in Ausübung der richterlichen Fragepflicht ausführliche Substantiierungshinweise
(Dispositivziffern II.1-14) erteilt. Weiter wurde der Klägerin Frist zur Stellungnah-
me zu neuen Behauptungen und Beilagen der Duplik, die jeweils integral zu zitie-
ren seien, angesetzt, sowie beiden Parteien zur Stellungnahme zu den Novenein-
gaben der jeweiligen Gegenseite.
7. Einem mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 31. März 2005 (act. 74) ge-
stellten Begehren der Klägerin um Überprüfung der Aktenvollständigkeit (Replik-
beilagen) wurde mit Verfügung vom 4. April 2005 (Prot. S. 31) unter Hinweis auf
die lediglich nach Ordnern, nicht nach einzelnen Dokumenten erfolgte Nummerie-
rung und Auflistung im Beilagenverzeichnis zur Replik nicht stattgegeben.
8. Mit Eingabe vom 4. Mai 2005 stellte die Klägerin einen Antrag auf unentgelt-
liche Prozessführung und Bestellung ihres Rechtsvertreters Dr. X._ als un-
entgeltlicher Rechtsbeistand (act. 86). Mit Verfügung vom 6. Mai 2005 wurden die
laufenden Fristen gemäss Beschluss vom 23. März 2005 (act. 72) abgenommen
und der Klägerin Frist zur Einreichung von spezifizierten Unterlagen zu ihren fi-
nanziellen Verhältnissen angesetzt (Prot. S. 36 ff.), was mit Eingabe vom 30. Mai
2005 erfolgte (act. 90 mit Beilagen act. 91/1-14). Nachdem die Klägerin am 4. Juli
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2005 zu ihren finanziellen Verhältnissen ausführlich persönlich befragt worden
war (Prot. S. 39 - 74), wurde ihr mit Beschluss vom 9. Januar 2006 (act. 99) mit
Wirkung ab 4. Mai 2005 die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt und Rechtsan-
walt Dr. X._ als unentgeltlicher Rechtsbeistand bestellt. Mit nämlichem Be-
schluss wurden die Fristen gemäss Beschluss vom 23. März 2005 (act. 72) neu
angesetzt und wurde der Klägerin überdies Frist angesetzt, um in den zehn von
ihr mit der Replik eingereichten Ordnern und in der Sammelbeilage act. 91/1 je-
des einzelne Dokument mit einer durchlaufenden Nummer zu versehen (act. 99;
vgl. auch Prot. S. 34).
9. Mit Faxeingabe der Klägerin persönlich vom 5. Mai 2005 (act. 85/2) orien-
tierte diese darüber, das sie am 2. Mai 2005 erneut unverschuldet einen Unfall er-
litten habe und wiederum die Beklagte 1 Haftpflichtversicherer des Unfallverursa-
chers sei. Mit weiterer Faxeingabe vom 9. Dezember 2005 (act. 96, 97) teilte die
Klägerin (persönlich) die Einstellung eines sie betreffenden Strafverfahrens we-
gen des von der Beklagten 1 zur Anzeige gebrachten Vorwurfs der Fälschung ei-
nes vermeintlich von Dr. J._ (Beklagte 1) stammenden Schreibens (act.
106/17) mit. Die diesbezügliche Stellungnahme der Beklagten datiert vom 30.
März 2006 (act. 107).
10. Mit Eingabe vom 25. Januar 2006 (act. 101) reichte die Klägerin ein Arzt-
zeugnis ihrer behandelnden Psychiaterin Dr. K._ vom 17. Januar 2006
(act. 102) ein.
11. Mit Eingabe vom 30. März 2006 (act. 105 sowie Ergänzung act. 109 und
110) erfolgte die Stellungnahme der Klägerin zu den mit Beschluss vom 23. März
2005 erteilten Substantiierungsaufforderungen (act. 72 S. 10 f. Ziff. II.1-14). Wei-
ter reichte die Klägerin aufforderungsgemäss (act. 99) die durchnummerierten Be-
lege (Replikbeilagen, Sammelbeilage 91) ein und monierte das Fehlen gewisser
von ihr eingereichter Replikbeilagen. Weiter wurden drei anonyme Schreiben
(act. 106/9-11) eingereicht und deren Bedeutung in Zusammenhang mit einem
vermeintlichen Rundschreiben der Beklagten 1 über die Klägerin resp. deren
Schadenfall erläutert. Gleichentags erfolgte auch die Eingabe der Beklagten
(act. 107).
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12. Mit Eingabe vom 9. Juni 2006 ersuchte der Vertreter der Klägerin unter Hin-
weis auf die gesundheitliche Situation der Klägerin erneut dringend um Einberu-
fung einer Referentenaudienz (act. 111). Mit Verfügung vom 13. Juni 2006 (act.
112) nahm der Instruktionsrichter hierzu einlässlich Stellung und stellte eine Ver-
handlung nach Eingang der Beweisantretungsschriften in Aussicht. Weiter wurde
den Beklagten Frist angesetzt, um zu den Ausführungen der Klägerin (act. 105)
zu den ihr nach § 55 ZPO/ZH unterbreiteten Fragen Stellung zu nehmen, was mit
Eingabe vom 4. September 2006 fristgerecht erfolgte (act. 116).
13. In der Folge machte die Klägerin persönlich eine Reihe von weiteren Einga-
ben (act. 25/15-20, act. 117-118, Beilagen act. 119 und 120/1-69; 121; 123), da-
runter auch betreffend eine von ihr beim Europäischen Gerichtshof für Menschen-
rechte erhobenen Beschwerde sowie eine Bestätigung ihrer behandelnden Psy-
chiaterin Dr. K._ vom 12. Oktober 2006, wonach die Klägerin „grundsätzlich
nicht einvernahmefähig“ sei (act. 117). Es folgte eine Eingabe vom 9. Februar
2007 (act. 122-123) des Vertreters der Klägerin betreffend die Herausgabe eines
Menschenrechtsgutachtens. Mit Schreiben des Instruktionsrichters vom 21. Feb-
ruar 2007 (act. 124) wurde der Klägerin u.a. aufgegeben zu erläutern, welche Be-
deutung der Beschwerde an den EGMR sowie weiteren Schreiben für das vorlie-
gende Verfahren zukomme, und wurde zur Frage eines Vergleichsvorschlags
beim gegebenen Verfahrensstand Stellung genommen. Das Schreiben des In-
struktionsrichters blieb unbeantwortet seitens des klägerischen Vertreters. Statt-
dessen folgten weitere Eingaben der Klägerin persönlich zum Verfahren vor
EMGR und diversen Schreiben an Ämter und Personen des öffentlichen Lebens
(act. 126-134), darunter ein Arztzeugnis der behandelnden Psychiaterin Dr.
K._ vom 11. August 2007 (act. 131/1), wonach die Klägerin aus gesundheitli-
chen Gründen nicht einvernahmefähig sei und dies eventuell nach Beendigung
des Verfahrens wieder sein werde.
14. Mit Präsidialverfügung vom 1. Oktober 2007 wurde das Verfahren zur weite-
ren Bearbeitung einem neuen Instruktionsrichter zugeteilt (Prot. S. 92). Gleichen-
tags erging der (beschränkte) Beweisauflagebeschluss (act. 135), womit der Klä-
gerin (auch) Frist angesetzt wurde, sich im Lichte von § 115 ZPO/ZH zu den vor-
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erwähnten Eingaben (act. 25/15-25, 117-119, 120/1-69, 121, 126-134) zu äus-
sern, widrigenfalls diese unbeachtet blieben (act. 135 S. 10). Die diesbezügliche
Stellungnahme der Klägerin datiert vom 5. Dezember 2007 (act. 141 S. 3 f). In
dieser wurde die Sistierung des Verfahrens bis zum Vorliegen des Entscheids des
EGMR betreffend die Menschenrechtssituation der Klägerin beantragt und darge-
legt, dass die Klägerin derzeit nicht in der Lage sei, ihren Rechtsvertreter zu in-
struieren (act. 141 S. 3).
15. Mit Präsidialverfügung vom 17. Dezember 2007 (act. 143; Prot. S.101) wur-
de der Klägerin Frist angesetzt, um sich zur Frage der Anordnung einer vormund-
schaftlichen Massnahme zu äussern, und wurden den Parteien die laufenden
Fristen abgenommen. Mit Eingabe vom 25. Januar 2008 (act. 145) lehnte die Klä-
gerin die Anordnung einer Massnahme ab.
16. Mit Beschluss vom 7. Februar 2008 (act. 146) wurde das Sistierungsbegeh-
ren der Klägerin abgewiesen. Von der Benachrichtigung der Vormundschaftsbe-
hörde wurde einstweilen abgesehen und die den Parteien mit Beschluss vom
1. Oktober 2007 angesetzten (act. 135) und mit Verfügung vom 17. Dezember
2007 (act. 143) wieder abgenommenen Fristen wurden neu angesetzt. Weiter
wurde der Klägerin erneut Frist angesetzt, um sich hinsichtlich jeder einzelnen der
vorerwähnten Eingaben (act. 25/15-25, 117-119, 120/1-69, 121, 126-134) zu de-
ren Bedeutung im Lichte von § 115 ZPO/ZH zu äussern.
17. Am 1. April 2008 erfolgte die Beweisantretungsschrift der Beklagten
(act. 150 und 151/1-6), am 18. April 2008 jene der Klägerin einschliesslich einer
(aufforderungsgemäss neuerlichen) Erklärung im Sinne von § 115 ZPO/ZH zur
Relevanz der vorerwähnten Eingaben (act. 25/15-25, 117-119, 120/1-69, 121,
126-134) für das vorliegende Verfahren.
18. Mit Präsidialverfügung vom 2. Oktober 2008 (act. 154) wurde der Klägerin
im Hinblick auf die Durchführung einer Vergleichsverhandlung und die damit ein-
hergehende Notwendigkeit einer entsprechenden Instruktion des klägerischen
Rechtsvertreters (erneut) Frist angesetzt, um eine Beistandschaft in die Wege zu
leiten, widrigenfalls die Beweisabnahme ohne vorgängige Vergleichsverhandlung
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vorgenommen würde. Mit unaufgeforderter Eingabe vom 24. Oktober 2008 (act.
156) lehnten die Beklagten die Teilnahme an einer Vergleichsverhandlung ab. Mit
Eingabe vom 2. Dezember 2008 (act. 159) teilte der klägerische Rechtsvertreter
mit, dass die Klägerin eine Beistandschaft nicht akzeptiere und dass eine Ver-
gleichsverhandlung auch in deren Abwesenheit stattfinden könne. Androhungs-
gemäss wurde mit Präsidialverfügung vom 4. Dezember 2008 (Prot. S. 105) die
Durchführung der Beweisabnahme ohne vorgängige Vergleichsverhandlung an-
geordnet.
19. Am 11. November 2009 erging der Beweisabnahmebeschluss (act. 163) und
wurden die Eingaben act. 25/15-25, 117-119, 120/1-69, 121, 126-134 andro-
hungsgemäss als unbeachtlich erklärt. Am 4. Dezember 2009 (act. 165) erging
die Stellungnahme der Klägerin zu den Gutachtervorschlägen der Gegenseite, am
10. Dezember 2009 diejenige der Beklagten (act. 167). Mit Beschluss vom 21.
Oktober 2010 (act. 170) erfolgte die Gutachterbestellung hinsichtlich der Be-
weissätze 1 und 7. Mit Eingabe der Klägerin vom 2. November 2010 (act. 172)
resp. der Beklagten vom 4. November 2010 (act. 174) reichten die Parteien frist-
gerecht Originalunterlagen zu den Unfallfahrzeugen, wo vorhanden, ins Recht.
Am 18. November 2010 (act. 176) erfolgte die schriftliche Experteninstruktion.
Das unfalltechnische Gutachten der AGU datiert vom 14. April 2011 (act. 194),
das biomechanische vom 31. Mai 2011 (act. 193). Mit Eingabe der Beklagten vom
4. Juli 2011 (act. 198) resp. der Klägerin vom 19. August 2011 (act. 200-201)
nahmen die Parteien fristgerecht dazu Stellung.
20. Mit Präsidialverfügung vom 27. Februar 2012 wurde ein neuerlicher Instruk-
tionsrichterwechsel angeordnet (Prot. S. 128). In der Folge erstattete die Klägerin
persönlich zwischen dem 11. Juni 2012 und dem 12. Juli 2012 wiederum eine
Vielzahl von handschriftlichen Eingaben (act. 206 bis 229), welche – soweit lesbar
resp. inhaltlich nachvollziehbar – mangels erkennbarem Zusammenhang mit dem
vorliegenden Verfahren mit Verfügung vom 13. Juli 2012 aus dem Recht gewie-
sen, jedoch bei den Akten belassen wurden mit dem Hinweis an die Parteien auf
die Möglichkeit der Einsichtnahme (Prot. S. 129 f.).
- 13 -
21. Mit Eingabe vom 24. Oktober 2012 (act. 254) teilte der klägerische Rechts-
vertreter unter Beilage des diesbezüglichen Beschlusses der Sozialkommission
L._ vom 20. Juli 2012 (act. 255/1) mit, dass der Klägerin mit Wirkung ab dem
2. August 2012 die Handlungsfähigkeit vorläufig entzogen und ihr in der Person
von M._ eine vorläufige gesetzliche Vertreterin bestellt worden sei. Weiter
wurde eine Vollmacht der vorläufigen Vertreterin an den Vertreter der Klägerin ins
Recht gelegt (act. 255/2). Mit Beschluss vom 25. Januar 2013 (act. 263) wurden
die zwischenzeitlich seit Eintritt der Rechtskraft des vorgenannten Beschlusses
der Sozialkommission L._ eingegangenen Eingaben der Klägerin persönlich
(act. 247 bis 251, 252/1-79, 257/1-3, 261/1-2) als zufolge vorläufigen Entzugs der
Handlungsfähigkeit unbeachtlich erklärt. Weiter wurde der Klägerin Frist ange-
setzt, um bezüglich ihrer vor Entzug der Handlungsfähigkeit erfolgten persönli-
chen Eingaben act. 231 bis 246 zu erklären, unter welchem Titel (§ 115 ZPO/ZH)
diese erfolgt seien, widrigenfalls diese unbeachtlich blieben. Weiter wurde der
Klägerin Frist angesetzt, um das von ihr persönlich mit Eingabe vom 23. August
2012 (act. 252/27/1) – und damit nach vorläufigem Entzug der Handlungsfähigkeit
– eingereichte Gutachten der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich (Gutachten
PUK) vom 16. August 2012 ordentlich in den Prozess einzuführen und die von ihr
angerufenen Zeugen zu den Beweissätzen 8 bis 11 vom Berufsgeheimnis zu ent-
binden. Mit entsprechender Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 20. Februar 2013
(act. 268, 269/1-2) wurde auf Weiterungen betreffend die vorerwähnten Eingaben
(act. 231-246) verzichtet, das Gutachten PUK vom 16. August 2012 (act. 269/1)
kommentarlos eingereicht und wurden die angerufenen Zeugen vom Arztgeheim-
nis entbunden. Mit Eingabe vom 25. April 2013 (act. 270) reichte die Klägerin ei-
nen Bericht ihrer behandelnden Psychiaterin Dr. N._ vom 22. April 2013 zu
den Akten und rief mit weiterer Eingabe vom 6. Mai 2013 (act. 274) das Gutach-
ten PUK innert der ihr mit Verfügung vom 30. April 2013 (act. 272) angesetzten
Frist als Beweismittel zu den Beweissätzen 8, 9 und 11 bis 16 (vgl. act. 135) an.
22. Mit Eingabe vom 14. Mai 2013 (act. 275) reichte die Klägerin den Entscheid
der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) des Bezirks Meilen vom
2. Mai 2013 (act. 276) betreffend die Aufhebung des vorläufigen Entzugs der
Handlungsfähigkeit der Klägerin ins Recht, wovon mit Verfügung vom 20. Juni
- 14 -
2013 (act. 282) per Eintritt der Rechtskraft des Entscheids der KESB am 7. Juni
2013 (Prot. S. 137) Vormerk genommen wurde.
23. Am 7. Juni 2013 (Prot. S. 139-179, act. 284) sowie am 5. November 2013
(Prot. S. 181-196, act. 287) fanden die Einvernahmen der zu den Beweissätzen
8 bis 11 angerufenen Zeugen Dr. O._, Dr. K._ und Prof. Dr. P._
statt. Zu der anlässlich der Beweisverhandlung vom 5. November 2013 (erneut)
thematisierten Durchführung einer Vergleichsverhandlung nahm die Klägerin mit
persönlicher Eingabe vom 6. November 2013 (act. 286/1-2) sowie mit den Einga-
ben ihres Rechtsvertreters vom 26. November 2013 (act. 289) resp. vom 4. De-
zember 2013 (act. 293) und die Beklagte mit Eingabe vom 2. Dezember 2013
(act. 291) Stellung. Im Lichte der Stellungnahmen der Parteien wurde mit Verfü-
gung vom 10. Dezember 2013 von der Durchführung einer Vergleichsverhandlung
abgesehen (Prot. S. 201).
24. Der mit Verfügung vom 21. November 2013 (act. 287) bestellte und mit
Schreiben vom 10. Dezember 2013 (act. 294) instruierte Gutachter Prof. Dr.
Q._ erstattete am 27. Dezember 2013 (act. 298) die Analyse zu Beweissatz
6.
25. Mit den Verfügungen vom 25. Februar und vom 6. März 2014 (Prot.
S. 205 f.) wurde der Klägerin in Ausübung von § 55 ZPO/ZH wiederum Frist zur
Erläuterung ihrer zwischenzeitlichen Eingaben act. 304 und 309 (je samt Beila-
gen) angesetzt. Die Parteien erstatteten ihre Stellungnahmen zum einstweiligen
Beweisergebnis (und die Klägerin überdies zu den vorerwähnten Eingaben) innert
der mit Beschluss vom 14. Februar 2014 (act. 302) angesetzten, mehrfach er-
streckten Frist mit Eingaben vom 24. März 2014 (Klägerin, act. 316) resp. vom
22. und 29. April 2014 (act. 320 und 324). Mit Verfügung vom 14. Mai 2014 wur-
den die Stellungnahmen der Parteien je der Gegenseite zugestellt (act. 327). Das
Verfahren ist spruchreif.
- 15 -

## Considerations

Erwägungen
1. Formelles
1.1. Zuständigkeit
Die örtliche Zuständigkeit bestimmt sich nach dem neuen Recht, wobei eine be-
stehende Zuständigkeit nach dem alten Recht erhalten bleibt (Art. 404 Abs. 2
ZPO). Das angerufene Gericht ist sowohl örtlich (26 Abs. 1 GestG) als auch
sachlich (§ 62 GVG resp. § 64 Ziff. 1 GVG, act. 7) zuständig. Der Streitwert
beträgt CHF 6'717'842.15 (§ 18 ff. ZPO/ZH). Die Klage wurde gehörig eingeleitet
(act. 3; § 102 ZPO/ZH).
1.2. Anwendbares Prozessrecht
Gemäss Art. 404 Abs. 1 der am 1. Januar 2011 in Kraft getretenen eidgenössi-
schen Zivilprozessordung (ZPO) gilt für Verfahren, die bei Inkrafttreten dieses
Gesetzes rechtshängig sind, das bisherige Verfahrensrecht bis zum Abschluss
vor der betroffenen Instanz. Auf das vorliegende Verfahren sind demnach die Zi-
vilprozessordnung des Kantons Zürich (ZPO/ZH) und das Gerichtsverfassungs-
gesetz des Kantons Zürich (GVG) anwendbar. Für die Rechtsmittel gilt hingegen
das Recht, das bei der Eröffnung des Entscheides in Kraft ist (Art. 405 Abs. 1
ZPO), somit das neue Prozessrecht.
1.3. Prozessfähigkeit der Klägerin
a) Die Klägerin wirft mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 5. Dezember 2007
(act. 141) sowie erneut mit Beweisantretungsschrift vom 18. April 2008 (act. 153)
die Frage ihrer Prozess- resp. Instruktionsfähigkeit auf, beide Male in Stellung-
nahme zu vorgängigen Aufforderungen des Gerichts, den Zweck diverser, per-
sönlich eingereichter Eingaben der Klägerin im Rahmen dieses Verfahrens darzu-
legen (act. 135 S. 10; act. 146 S. 11). Sie macht im Wesentlichen geltend, sich
zufolge des gegen sie gerichteten Psychoterrors (Drohbriefe mit klarem, sich aus
deren Inhalt erschliessendem Zusammenhang mit diesem Verfahren, Anrufe,
Überwachung etc. ) in einem psychischen Ausnahmezustand zu befinden (act.
- 16 -
141 S. 2 f.; ebenso act. 153 S. 1 f.). Die Klägerin sei mit Zeugnis ihrer behandeln-
den Psychiaterin Dr. K._ vom 5. November 2007 einvernahmeunfähig erklärt
worden. Materielle Prozessinstruktionen könnten daher derzeit nicht erhältlich
gemacht werden, was ein Prozessieren in eigener Sache verunmögliche (act. 141
S. 2 f.). Bereits mit Eingabe vom 30. März 2006 hatte die Klägerin in Stellung-
nahme zur Substantiierungsaufforderung hinsichtlich des Auftretens von Be-
schwerden geltend gemacht, an psychischen Störungen infolge massiver Unfall-
beschwerden, des gleichgültigen Verhaltens der Beklagten, ständiger Drohbriefe
und dauernder Überwachung zu leiden (act. 105 S. 7).
b) Auf Aufforderung des Gerichts vom 17. Dezember 2008, sich zur Anordnung
einer vormundschaftlichen Massnahme zu äussern (Prot. S. 101), resp. vom
2. Oktober 2008 (act. 154), eine solche im Hinblick auf die Durchführung einer –
von der Klägerin wiederholt gewünschten – Vergleichsverhandlung in die Wege
zu leiten, lehnte die Klägerin eine solche in beiden Stellungnahmen ab; mit Ein-
gabe vom 25. Januar 2008 (act. 145) zunächst mit der Begründung, dass die In-
struktion zu Fragen des Schadenereignisses und dessen Folgen nur durch die
Klägerin persönlich erfolgen und eine Vormundschaft bei der Dossierbearbeitung
nicht weiterhelfen könne, und mit Eingabe vom 2. Dezember 2008 (act. 159) so-
dann ohne jegliche Begründung bei gleichzeitigem Festhalten – trotz behaupteter
Instruktionsunfähigkeit – am Wunsch nach Durchführung einer Vergleichsver-
handlung.
c) Mit Eingabe vom 20. Februar 2013 (act. 268) reichte die Klägerin das auftrags
der Sozialkommission L._ im Hinblick auf die Prüfung der Anordnung einer
Vormundschaft im Sinne von aArt. 369 ZGB (Geisteskrankheit resp.-schwäche)
erstellte Gutachten der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich vom 16. August
2012 (act. 269/1) ins Recht, in welchem eine schwere psychische Erkrankung in
Form einer paranoiden Schizophrenie mit kontinuierlichem Verlauf diagnostiziert
wurde (act. 267/1 S. 62). Das Gutachten hält unter Heranziehung früherer Gut-
achten sowie der Auskünfte der langjährigen behandelnden Psychiaterin Dr.
K._ fest, dass seit mindestens zehn Jahren ein Verfolgungs- und Beeinträch-
tigungserleben und damit Symptome der diagnostizierten Erkrankung vorhanden
- 17 -
seien. Entgegen der Empfehlung im Gutachten PUK (act. 269/1 S. 71 f.) wurde
mit Entscheid der KESB Bezirk Meilen vom 2. Mai 2013 (act. 276) aufgrund der
Stellungnahme der Gutachterin der PUK – und neu behandelnden Psychothera-
peutin der Klägerin – Dr. med. N._ vom 11. März 2013 auf die Anordnung ei-
ner die Handlungsfähigkeit tangierenden vormundschaftlichen Massnahme ver-
zichtet und lediglich eine Begleitbeistandschaft im Sinne von Art. 393 ZGB ange-
ordnet. Begründet wurde dies im Wesentlichen damit, dass die Klägerin gemäss
Bericht ihrer behandelnden Psychiaterin und Psychotherapeutin Dr. med.
N._ vom 11. März 2013 auf die antipsychotische Depotmedikation sehr gut
angesprochen habe, dass keine Hinweise auf psychotisches Erleben mehr vor-
handen seien und die Klägerin jetzt in der Lage sei, die Folgen ihres Handelns
adäquat abzuschätzen (act. 276 S. 2 ff.). Aufgrund der Einschätzung der Fachärz-
tin und behandelnden Psychiaterin der Klägerin sei die Anordnung von Mass-
nahmen des Erwachsenenschutzrechts gegen den Willen der Klägerin nicht ge-
rechtfertigt. Die Klägerin verhalte sich gemäss ärztlicher Einschätzung auch be-
züglich ihrer Finanzen adäquat. Die KESB bejahte sodann die Urteilsfähigkeit der
Klägerin als weitere Voraussetzung für eine Begleitbeistandschaft. Verwiesen
wurde schliesslich auf die Stellungnahme des klägerischen Rechtsvertreters ge-
genüber der KESB, wonach aus seiner Sicht keine Notwendigkeit für eine zusätz-
liche Unterstützung der Klägerin für das laufende Verfahren (in Form einer Er-
wachsenenschutzmassnahme) bestehe (act. 276 S. 5).
d) Die Fähigkeit, einen Prozess in eigenem Namen zu führen oder durch eine
selbst gewählte Vertretung führen zu lassen, ist als Prozessvoraussetzung von
Amtes wegen zu prüfen (§ 108 ZPO/ZH). Als prozessuales Pendant zur Hand-
lungsfähigkeit setzt sie wie diese Urteilsfähigkeit und Mündigkeit voraus (§ 27
ZPO/ZH). Die Mündigkeit der seit Beginn des Verfahrens anwaltlich und mit Wir-
kung ab dem 4. Mai 2005 (act. 99) unentgeltlich vertretenen Klägerin war mit
Ausnahme der Dauer des vorläufigen Entzugs der Handlungsfähigkeit vom 2. Au-
gust 2012 bis 7. Juni 2013 während der Prozessdauer gegeben (Beschluss der
Sozialkommission L._ vom 20. Juli 2012, act. 255/1; Entscheid der KESB
Bezirk Meilen vom 2. Mai 2013, act 276; ferner act. 259, 263, 276, 282). Während
der vorerwähnten Dauer der vorübergehenden Handlungsunfähigkeit war der
- 18 -
Klägerin mit M._ (Fachstelle Erwachsenenschutz Bezirk Meilen) eine vorläu-
fige gesetzliche Vertreterin bestellt, die den klägerischen Rechtsvertreter mit
Vollmacht vom 22. Oktober 2012 zur Weiterführung dieses Verfahrens im Rah-
men der unentgeltlichen Rechtspflege ermächtigte (act. 255/2 und 256).
e) Urteilsfähig ist, wem nicht infolge Geisteskrankheit oder -schwäche oder eines
anderen in Art. 16 ZGB genannten Zustands die Fähigkeit mangelt, vernunftge-
mäss zu handeln. Gemäss Rechtsprechung bedeutet das Vorliegen einer Geis-
teskrankheit als solches nicht zwangsläufig auch Urteilsunfähigkeit, sondern muss
kumulativ aufgrund der konkreten Umstände im Einzelfall geprüft werden, ob eine
daraus fliessende Unfähigkeit, Sinn, Nutzen und Tragweite einer bestimmten
Handlung zu erkennen und gemäss dieser Erkenntnis nach seinem freien Willen
zu handeln, gegeben ist (BGE 127 I 6, 19 E. 7b; 124 III 7 E. 1a; 117 II 231; HANS
BINDER, Die Urteilsfähigkeit in psychologischer, psychiarischer und juristischer
Hinsicht, Zürich 1964, S. 87). Es bedarf eines aufgrund konkreter Umstände ge-
führten Nachweises, dass es mit Bezug auf einen konkreten Prozessgegenstand
resp. Rechtsakt im Zeitpunkt von dessen Vornahme an der Fähigkeit vernünftiger
Einsicht und vernünftigen Handelns fehlt; die Urteilsfähigkeit lässt sich mithin nicht
losgelöst von der individuellen, konkreten Situation beurteilen. Selbst eine Ent-
mündigung wegen Geisteskrankheit (aArt. 369 ZGB) stösst für sich allein die
Vermutung der Urteilsfähigkeit nicht um (BSK ZGB I-BIGLER-EGGENBERGER Art. 16
Rz. 25 ff. m.w.H.). Einer Partei bleibt bis zur endgültigen gerichtlichen Feststel-
lung der Prozessunfähigkeit die Möglichkeit der Prozessführung gewahrt (BGE
108 Ia 236 E. 3a). Die Bestimmungen über die Handlungsfähigkeit dienen dem
Schutz des Urteilsunfähigen selbst und nicht jenem von Drittpersonen (BGE 55 II
157 f. und 89 II 389 f.).
f) Im vorliegenden Verfahren, mittels dessen die Klägerin aufgrund eines unstrei-
tig stattgehabten Heckauffahrunfalls Schadenersatz- und Genugtuungsansprüche
geltend macht, finden sich keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass die Klägerin Sinn,
Zweckmässigkeit und wirtschaftliche Tragweite ihrer Klage resp. der in ihrem Na-
men erstatteten Vorbringen zum eigentlichen Prozessthema – dem Unfallereignis
und dessen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen – nicht zu erkennen
- 19 -
oder nicht dieser Erkenntnis gemäss zu handeln vermöchte (vgl. zur Mitursache
eines Fehlverhaltens der Beklagten 1 resp. den Sachverhalten "Psychoterror" so-
gleich lit g). Was die Frage der Instruktionsfähigkeit der Klägerin betrifft, ist zu-
nächst festzuhalten, dass die Instruktion des Klagefundaments im Rahmen des
Hauptverfahrens, vorliegend somit im November 2002 (act. 1) und Juli 2003 (act.
32), erfolgte und – wie von der Klägerin zutreffend geschildert (act. 145) – im We-
sentlichen Vorbringen zum Ablauf des Unfallereignisses, zum Auftreten von initia-
len Beschwerden und deren Auswirkungen erforderte. Weiter ist auf die gerichts-
notorische Tatsache zu verweisen, dass sich die Vorbringen der behauptungs-
und beweisbelasteten Klagepartei zu den genannten Anspruchsfundamenten in
einem Jahre nach dem Schadenereignis angehobenen Haftpflichtverfahren wie
dem vorliegenden regelmässig auf die im Nachgang zum Ereignis verfassten Ur-
kunden (Polizeirapport, Notfalbericht, medizinische Berichte, Korrespondenz etc.)
stützen. Im vorliegenden Fall teilte die Klägerin ihre Wahrnehmung des Unfallge-
schehens und seiner unmittelbaren Folgen erstmals 13 Tage (act. 4/7 vom
12. August 1997) und – nach Geltendmachung von Erwerbsausfallansprüchen –
sodann erneut und ausführlich drei Wochen nach dem Schadenereignis (act. 4/6,
"Unfallerlebnisbericht" vom 21. August 1997) der nunmehr belangten Haftpflicht-
versicherung mit. Was die mit späterer Eingabe (act. 105 vom 30. März 2006) be-
hauptete – und in der Folge zum Beweis verstellte – psychisch bedingte Unfähig-
keit zur chronologischen Darstellung der nach dem Schadenereignis aufgetrete-
nen Beschwerden anbetrifft, ist schon an dieser Stelle auf die nachfolgenden Er-
wägungen zu verweisen, wonach aufgrund der offerierten Beweismittel, ein-
schliesslich der Aussagen der die Klägerin vergleichsweise zeitnah behandelnden
Ärzte Prof. Dr. P._ (behandelnder Neurologe von November 1997 bis 2000)
und Dr. K._ (behandelnde Psychiaterin 1998 bis 2009) sowie der Neuropsy-
chologin Dr. phil. O._ (Untersuchung im April 1998), eine solche Unfähigkeit
in der jeweils beurteilbaren Zeitperiode nicht vorlag (vgl. im Einzelnen nachfol-
gend 5.4.). Zu ergänzen bleibt, wie bereits mit Beschluss vom 7. Februar 2008
(act. 146 S. 8 f.) hinsichtlich der Verhandlung betreffend unentgeltliche Prozess-
führung festgehalten, dass die Klägerin, soweit für das Gericht aus den Verhand-
lungen mit der Klägerin beurteilbar, in der Lage zu sein scheint, die Prozesssitua-
- 20 -
tion und die möglichen Risiken grundsätzlich zu erfassen. Ergänzend ist darauf
hinzuweisen, dass gemäss eigenem Vorbringen der Klägerin noch dem psychiat-
rischen Teilgutachten Dr. R._ vom 18. Juli 2002 (act. 4/66 S. 7) zu entneh-
men ist, dass sich zum damaligen Zeitpunkt keine Hinweise auf Wahn, Halluzina-
tionen und psychotische Phänomene fanden (act. 1 S. 64).
g) Anders verhält es sich hinsichtlich der von der Klägerin als zusätzliches, die
Invalidisierung mitverursachendes Element angeführten Sachverhalte zum The-
menbereich "Fehlverhalten der Beklagten 1" resp. erlittene Drangsale. Die Vor-
bringen in den diversen Eingaben der Klägerin persönlich resp. ihres Rechtsver-
treters nach abgeschlossenem Schriftenwechsel, soweit nicht in Beantwortung
von Substantiierungsaufforderungen (§ 55 ZPO/ZH) erfolgt, hatten durchwegs von
der Klägerin als Psychoterror vorgetragene Vorgänge (Drohbriefe, Überfälle,
Überwachung, Abhörung etc.), welche in einen Zusammenhang mit dem (ver-
meintlichen) Verhalten der Gegenseite gestellt wurden, sowie daraus resultieren-
de Vorkehren der Klägerin (Schreiben an Ämter, Personen des öffentlichen Le-
bens, Anwälte; gerichtliche Schritte; Petitionen etc.) zum Gegenstand. Den Sach-
verhalten dieses Themenkomplexes kommt nach Darstellung der Klägerin indes,
wie dargelegt, die Bedeutung eines ihre Invalidisierung mitverursachenden Ele-
ments zu (vgl. nachfolgend im Einzelnen 4.1. bis 4.3.). Aufgrund des – wiederholt
nicht oder nur schwer nachvollziehbaren – Inhalts der Vielzahl von Eingaben un-
ter diesem Titel, die zu einer extensiven Ausübung der richterlichen Fragepflicht
führte, sowie vor dem Hintergrund der Feststellungen im Gutachten PUK vom
16. August 2012, wonach sich bei der Klägerin über Jahre schleichend eine
schwere psychiatrische Erkrankung mit Wahn- und Verfolgungserleben entwickelt
habe, ist der Klägerin ab dem Zeitpunkt und in dem Umfang, in dem sie aus ihrem
Wahn- und Verfolgungserleben heraus entsprechende Sachverhalte behauptet,
die Fähigkeit zu deren richtigen Beurteilung abzusprechen. Die Urteilsunfähigkeit
der Klägerin ist mithin eine partielle und ist aufgrund des Dargelegten beschränkt
auf die genannten Themenkreise zu bejahen (vgl. BGE 76 IV 143 und 88 IV 114;
ZK-EGGER, Art. 13 ZGB N 13; BINDER, a.a.O., S. 43 f.).
- 21 -
h) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Urteilsfähigkeit der Klägerin hin-
sichtlich des unstreitig stattgehabten Schadenereignisses vom 30. Juli 1997 und
seiner unmittelbaren gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen gegeben und
ihre Fähigkeit, die Bedeutung und Tragweite ihrer Klage auf Schadenersatz und
Genugtuung aus diesem Schadenereignis zu erkennen, zu bejahen ist. Soweit
sich in der Vielzahl von Eingaben und Vorbringen das krankheitsbedingte Wahn-
und Verfolgungserleben manifestiert, ist der Klägerin die Fähigkeit zu vernünftiger
Einsicht und ebensolchem Handeln abzusprechen.
1.4. Verhalten der Parteien im Prozess (§ 50 ZPO/ZH)
Die Klägerin erblickt sodann in einer Reihe von Sachverhalten Verstösse der Be-
klagten resp. ihres Rechtsvertreters gegen das prozessuale Fairnessgebot und
beantragt u.a. als zwingend bezeichnete Beweisvorkehr die Unterlassung neuerli-
cher Begutachtung. Hierauf wird in Zusammenhang mit den betreffenden Sach-
verhalten, soweit erforderlich, eingegangen.
1.5. Fazit
Die Prozessvoraussetzungen sind damit im Ergebnis erfüllt (§ 108 ZPO/ZH).
2. Haftungsvoraussetzungen
2.1. Im Allgemeinen
Wird durch den Betrieb eines Motorfahrzeuges ein Mensch getötet oder verletzt
oder Sachschaden verursacht, so haftet der Halter für den Schaden (Art. 58 Abs.
1 SVG). Art. 58 SVG statuiert eine Gefährdungshaftung. Art und Umfang des
Schadenersatzes sowie die Zusprechung einer Genugtuung richten sich nach den
Grundsätzen des Obligationenrechts für unerlaubte Handlungen (Art. 62 Abs. 1
SVG). Der Geschädigte hat im Rahmen der vertraglichen Versicherungsdeckung
der obligatorischen Haftpflichtversicherung für Motorfahrzeughalter ein Forde-
rungsrecht unmittelbar gegen den Versicherer (Art. 65 Abs. 1 i.V.m. Art. 63 Abs. 1
- 22 -
SVG). Die Beweislast für die positiven Haftungsvoraussetzungen trägt der kla-
gende Geschädigte.
2.2. Natürlicher Kausalzusammenhang
a) Gemäss ständiger Praxis ist der natürlicher Kausalzusammenhang gegeben,
wenn das schadensstiftende Verhalten eine notwendige Bedingung für den einge-
tretenen Schaden ist (BGE 132 III 715 E. 2.2 S. 718; 128 III 180 E. 2d S. 184 mit
Hinweisen), das fragliche Verhalten demnach nicht weggedacht werden kann,
ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele bzw. nicht als in
gleicher Weise bzw. zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden könnte. Nicht
erforderlich ist, dass ein Schadenereignis die alleinige oder unmittelbare Ursache
gesundheitlicher Störungen ist; vielmehr genügt es, dass dieses zusammen mit
anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten
Person beeinträchtigt hat (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen).
b) Soweit der Kausalzusammenhang nicht mit wissenschaftlicher Genauigkeit
nachgewiesen werden kann, genügt, dass er als überwiegend wahrscheinlich er-
scheint (BGE 107 II 269 E. 1b S. 272 f.; 128 III 271 E. 2b/aa S. 275 f.; je mit Hin-
weisen). Dies ist zu bejahen, wenn für die Richtigkeit der Sachbehauptung nach
objektiven Gesichtspunkten derart gewichtige Gründe sprechen, dass andere
denkbare Möglichkeiten vernünftigerweise nicht massgeblich in Betracht fallen
(BGE 130 III 321 E. 3.3 S. 325).
2.3. Bei HWS-Schleuderverletzungen im Besonderen
a) Gemäss ständiger Praxis des Bundesgerichts (BGE 117 V359 E. 4b, bestätigt
u.a mit BGE 134 V 109) kann ein Unfall mit Distorsion der Halswirbelsäule (HWS)
in der charakteristischen Erscheinungsform einer Häufung von typischen Be-
schwerden eine Arbeits- resp. Erwerbsunfähigkeit verursachen, auch wenn die
festgestellten Funktionsausfälle organisch nicht nachweisbar sind. Sind für beste-
hende Beschwerden keine organischen Ursachen nachweisbar, so wird der natür-
liche Kausalzusammenhang vermutet, wenn ein für diese Verletzung als typisch
bezeichnetes "buntes" Beschwerdebild – diffuse Kopfschmerzen, Schwindel,
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- 23 -
Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit, Visus-
störungen, Reizbarkeit, Schlafstörungen, Affektlabilität, Depression, Wesensver-
änderung usw. (BGE 134 V 116 E. 6.2.1, 117 V 360 E. 4a) – vorliegt, welches im
Sinne einer der medizinischen Forschung entnommenen Vermutung annehmen
lässt, die Beschwerden seien durch die diagnostizierte HWS-Verletzung verur-
sacht worden (BGE 117 V 364 E.5b/bb).
b) Im Gegenzug zu dieser Kausalitätsvermutung sind an die Grundlagen für den
Schluss auf das Vorliegen solcher typischer Verletzungen hohe Anforderungen zu
stellen. Zum einen können HWS-Schleuderverletzungen zwar klinisch untersucht,
aber abgesehen von ossären Läsionen und dergleichen nicht bildgebend objekti-
viert werden, weshalb den Angaben des Geschädigten über bestehende Be-
schwerden eine besondere Bedeutung zukommt, was ein gewisses Missbrauchs-
potenzial birgt. Zum anderen können die erhobenen Befunde aus dem Katalog
des für derartige Verletzungen als typisch erachteten Beschwerdebildes bei iden-
tischer Symptomatik auch nichttraumatischer Genese sein. Aus den genannten
Gründen kommt der möglichst genauen und verifizierbaren Dokumentation des
Unfallhergangs einerseits und der anschliessend auftretenden Beschwerden an-
dererseits als den ersten tatbeständlichen Grundlagen gemäss Praxis grosses
Gewicht zu (BGE 134 V 109).
c) Es ist nachfolgend zunächst auf das Unfallereignis vom 30. Juli 1997, sodann
auf die geltend gemachte Mitursache eines Fehlverhaltens der Beklagten 1 und
schliesslich auf das Vorliegen der behaupteten Beschwerden und deren Unfall-
kausalität einzugehen.
3. Unfall vom 30. Juli 1997
3.1. Unbestrittener Sachverhalt
3.1.1. Der Beklagte 2 fuhr am 30. Juli 1997 als Lenker eines Personenwagens
der Marke "Jeep" von Küsnacht herkommend auf der Seestrasse stadteinwärts.
Vor der Lichtsignalanlage an der See- bzw. ...strasse, Höhe ...strasse ... in Zü-
- 24 -
rich, bremste er aufgrund des für ihn geltenden Rotlichts ab und liess sich dann
von einem Plakat ablenken, das sich auf der rechten Seite befand. Aufgrund die-
ser Unachtsamkeit fuhr er in der Folge auf den Personenwagen der Klägerin der
Marke "Porsche" auf, der korrekt vor der nach wie vor rot zeigenden Lichtsignal-
anlage stand (act. 1 S. 4). Diese Sachdarstellung gemäss Strafbefehl der damali-
gen Bezirksanwaltschaft Zürich vom 22. März 1999 gegen den Beklagten 2 (act.
4/5), aus dem die Klägerin – einerseits, vgl. sogleich unten 3.2 – zur Schilderung
des Unfallhergangs zitiert, wird seitens der Beklagten anerkannt (act. 16 S. 3).
3.1.2. Unbestritten ist weiter, dass die fotographisch dokumentierten Schäden an
den beiden Fahrzeugen sich im Wesentlichen auf eine hinten rechts nach unten
abgeknickte Stossstange am Fahrzeug der Klägerin sowie auf einige Kratzspuren
am Fahrzeug des Beklagten 2 beschränkten und auf eine leichte Kollision hindeu-
teten (act. 16 S. 4; act. 32 S. 4). Weiter ist unbestritten, dass die Klägerin ange-
schnallt und ihr Sitz mit Kopfstützen ausgerüstet war (act. 1 S. 5; act. 193 S. 3;
act. 194 S. 9; act. 200 i.V.m. act. 201 S. 1).
3.2. Umstrittene Heftigkeit des Aufpralls
3.2.1. Darstellung der Klägerin
a) Nebst der Sachdarstellung im vorerwähnten Strafmandat (3.1.1 hiervor) zitiert
die Klägerin zur Schilderung des Unfallhergangs aus ihrem drei Wochen nach
dem Unfall verfassten Bericht vom 21. August 1997 zuhanden der Beklagten 1
(act. 4/6; nachfolgend Unfallerlebnisschilderung): Sie habe nach dem Anhalten
vor dem Rotlicht ganz kurz in den Rückspiegel geschaut, habe ein grosses Auto
(Jeep) kommen sehen und den Fahrer des Fahrzeugs gesehen. Sie habe wieder
nach vorne geschaut, leicht nach rechts geneigt, und habe weiter am Radio ge-
dreht auf der Suche nach dem Sender Z. Plötzlich habe es "gekracht". Sie sei er-
schrocken und habe sich auf die Zähne gebissen, es sei "kurz schwarz im Kopf"
geworden und sie sei einfach im Auto sitzen geblieben. Sie habe einen Schock
gehabt. Sie sei angeschnallt gewesen und es habe sie “kurz nach vorne genom-
men und dann ganz fest in den Sitz“ gedrückt. Der Unfallverursacher und sie sei-
en auf das Trottoir gefahren, wo sie zunächst noch etwas sitzen geblieben und
- 25 -
dann ausgestiegen sei. Nachdem man die erste Seite des Unfallprotokolls ausge-
füllt habe, sei sie zur Arbeit gefahren. Der Aufbiss der Zähne habe noch weh ge-
tan (act. 1 S. 6).
b) Weiter bringt die Klägerin zur Heftigkeit des Aufpralls vor, dass sie sich beim
Unfall die Zähne verletzt habe, was die Wucht des Aufpralls dokumentiere (act. 1
Rz 7). Die Behandlungskosten gemäss Voranschlag ihres Zahnarztes Dr. med.
dent. S._ vom 3. Oktober 1997 zuhanden der T._ Versicherung seien
vom Vertrauensarzt der Letzteren zur Übernahme empfohlen und die Behandlung
im Ausmass der korrigierten Kostenorientierung von Dr. med. dent. S._ vom
6. November 1997 schliesslich ausgeführt worden (act. 1 Rz. 8 f.). Die Behand-
lung der vier schadhaften Zähne sei ausschliesslich unfallbedingt notwendig ge-
worden; die T._ als sozialer Unfallversicherer der Klägerin habe die Kausali-
tät zwischen Zahnschaden und Unfallereignis hinlänglich abgeklärt und der Re-
gress sei von der Beklagten 1 akzeptiert worden. Der Klägerin sei im Übrigen zu-
folge Zeitablaufs nicht mehr zumutbar, alle Details im Zusammenhang mit der
Zahnschadenkausalität vorzubringen (act. 32 S. 4, 7 und 22).
c) Replicando hält die Klägerin an ihrer Darstellung fest mit der Klarstellung, dass
von einem ungebremsten Aufprall auf das klägerische Fahrzeug auszugehen sei.
Wenngleich die Klägerin das Kollisionsfahrzeug habe kommen sehen, habe sie
nicht mit einem Aufprall gerechnet und sei daher nicht auf einen solchen gefasst
gewesen (act. 32 S. 4 ff., 16 und 22).
d) Innert der ihr mit Beschluss vom 23. März 2005 (act. 72 S. 10 Ziff. II.3.) ange-
setzten Frist zur Erklärung, von welcher Aufprallgeschwindigkeit (in km/h) sie bei
der Behauptung, der Beklagte 2 sei „ungebremst“ auf ihr Fahrzeug aufgefahren,
ausgehe, schätzte die Klägerin diese mit Eingabe vom 30. März 2006 (act. 105
S. 6) auf 30 bis 40 km/h.
- 26 -
3.2.2. Darstellung der Beklagten
a) Nach Darstellung der Beklagten sprechen sowohl die vom Experten der Be-
klagten 1 erstellte Unfallanalyse vom 25. November 1999 (act. 17/1) als auch die
Schadensbilder für das Vorliegen einer leichten Kollision: Der Jeep des Beklagten
2 sei mit einer Restgeschwindigkeit von höchstens 10.5 km/h auf den Porsche der
Klägerin aufgefahren; die kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung (Delta-v)
des Porsches durch Heckanstoss werde auf maximal 7.5 km/h beziffert (act. 16
S. 4 a.E.). Die klägerische Schätzung der Auffahrgeschwindigkeit auf 30 bis 40
km/h sei unzutreffend und im Widerspruch zur Aktenlage stehend (act. 116 S. 3).
Bestritten werden weiter die leicht nach rechts geneigte Sitzhaltung im Augenblick
der Kollision; das geschilderte Erschrecken wie auch das „Kurz schwarz werden“
werden angesichts des Umstands, dass die Klägerin das auffahrende Fahrzeug
eigener Schilderung zufolge habe kommen sehen, als wenig glaubhaft bezeichnet
(act. 16 S. 5). Sowohl die Out-of-Position-Sitzhaltung als auch das mangelnde
Gefasstsein auf den Aufprall seien bei der Beurteilung der Kollisionsschwere im
internen Gutachten der Beklagten 1 im Übrigen bereits berücksichtigt (act. 36
S. 5).
b) Nicht glaubhaft angesichts der geringen Kollisionsgeschwindigkeit seien so-
dann der behauptete heftige Aufbiss sowie das Auftreten der Zahnschäden ge-
mäss Kostenorientierung von Dr. med. dent. S._. Die Zahnschäden hätten
wohl vorbestanden (act. 16 S. 5; act. 36 S. 5). Der Entscheid der T._ Versi-
cherung zur Übernahme der Behandlungskosten sei ohne Rücksprache mit der
Beklagten 1 erfolgt und die Kostenübernahme durch Letztere gegenüber der re-
gressierenden T._ Versicherung angesichts des relativ bescheidenen Be-
trags unpräjudiziell und unter Anrechnung an die Gesamtkosten erfolgt. Es müsse
zudem angesichts der lapidaren Feststellung des Vertrauensarztes in dessen
Schreiben vom 22. Oktober 1997, „das Unfallereignis ist gegeben“, geschlossen
werden, dass dieser sich nicht auf Unterlagen zum Unfallhergang habe stützen
können. Unterlagen zum Vorunfallzustand der Zähne der Klägerin seien nicht ins
Recht gelegt worden (act. 16 S. 8).
- 27 -
3.2.3. Bedeutung der Unfallschwere
Wie eingangs dargelegt, kommt angesichts der fehlenden Objektivierbarkeit von
HWS-Schleuderverletzungen der möglichst genauen und verifizierbar dokumen-
tierten Abklärung nicht nur der initial aufgetretenen Beschwerden und von deren
Verlauf, sondern auch des Unfallhergangs, grosses Gewicht zu. Die hohen Anfor-
derungen an die Grundlagen für den Schluss auf das Vorliegen von Schleuderver-
letzungen setzen eine verlässliche Feststellung des Unfallhergangs als einer der
tatbeständlichen Grundlagen voraus.
3.2.4. Beweisverfahren zum Unfallhergang
Der Klägerin wurde in Zusammenhang mit dem Unfallereignis der Nachweis der
bestrittenen Umstände – Auffahrgeschwindigkeit von 30 bis 40 km/h, leicht nach
rechts geneigte Sitzposition, Erschrecken, Bewegung beim Aufprall, Zahnaufbiss
vor Schreck, Verletzung von vier Zähnen hierbei, kurzes Schwarz werden vor Au-
gen – überbunden (act. 135 S. 4 f., Beweissätze 1 bis 7). Aus den von den Par-
teien mit Beweisantretungsschrift vom 1. April 2008 (act. 150, Beklagte) resp. vom
18. April 2008 (act. 153, Klägerin) angerufenen und mit Beschluss vom 11. No-
vember 2009 (act. 163) abgenommenen Beweismitteln ergibt sich das Folgende:
3.2.5. Kollisionsgeschwindigkeit und delta-v
a) Zur Behauptung, wonach das Fahrzeug des Beklagten 2 mit einer Geschwin-
digkeit von 30 – 40 km/h auf das Fahrzeug der Klägerin aufprallte (Beweissatz 1),
ergab die als einziges Beweismittel klägerischerseits angerufene unfalltechnische
Analyse der AGU ... vom 14. April 2011 einen frontalen Heckaufprall mit einer re-
lativen Kollisionsgeschwindigkeit von rund 7 bis 13 km/h, bei dem das klägerische
Fahrzeug eine kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung (delta-v) von rund 5
bis 9 km/h erfuhr. Die angegebenen Bandbreiten sind gemäss Analyse aus Be-
rechnungen mit Extremwerten festgelegt. Da die Kontrollwerte teilweise unrealis-
tische Grössen annehmen würden, seien die Geschwindigkeitswerte nahe der
Grenzen der Bandbreiten als wenig wahrscheinlich zu bezeichnen (act. 194).
- 28 -
b) Mit Stellungnahme vom 19. August 2011 (act. 200) belässt es die Klägerin
beim nicht weiter begründeten Vorbringen, dass Dr. U._ in seiner von der
Klägerin eingeholten Fachmeinung vom 17. Juli 2011 zum AGU-Gutachten (act.
201) „mit plausibler Begründung zu einem delta-v-Wert von 7 bis 10 km/h“ gelan-
ge, auf den abzustellen sei. Dem Parteigutachten U._, dem der Stellenwert
von substantiiert vorgetragenen Einwänden zukommt (BGE 125 V 351), lässt sich
zur unfalltechnischen Analyse entnehmen, dass sich unter Berücksichtigung der
relevanten Daten wie Leermassen, Umfang der Fahrzeugschäden, Steifigkeit der
Strukturen etc. eine Kollisionsgeschwindigkeit von 10-15 km/h und ein delta-v-
Wert von 7,11 bis 9.85 km/h ergebe. Da Vorbringen dazu, inwiefern das Gerichts-
gutachten AGU auf unzutreffenden Grundlagen beruht, gänzlich fehlen, sondern
Ziffer 1 des Parteigutachtens U._ vielmehr zu entnehmen ist, dass die tech-
nische Unfallanalyse der AGU ... überprüft worden sei und die dort angenomme-
ne Anstosskonstellation zutreffe (vgl. act. 201 S. 1 Ziff. 1), ist das Parteigutachten
nicht geeignet, Zweifel an der Richtigkeit der unfalltechnischen Analyse der AGU
zu wecken. Angesichts des Beweisergebnisses und der Stellungnahme der Be-
klagten zur unfalltechnischen Analyse AGU (act. 198) erübrigt es sich, auf die
Gegenbeweismittel der Beklagten (Parteigutachten Ing. HTL V._, act. 17/1,
sowie Erläuterungen dazu, act. 4/70; Strafbefehl, act. 4/5, sowie Zeugeneinver-
nahme V._) einzugehen.
c) Damit ist der Nachweis eines ungebremsten Aufpralls mit 30 bis 40 km/h – der,
wie aufgezeigt, überdies im Widerspruch zum von der Klägerin ebenfalls aner-
kannten Sachverhalt gemäss Strafbefehl steht – misslungen. Gemäss erstelltem
Sachverhalt ist von einer Kollisionsgeschwindigkeit von rund 7 bis 13 km/h und
einer kollisionsbedingten Geschwindigkeitsänderung (delta-v) von rund 5 bis 9
km/h resp. höchstwahrscheinlich max. 8 km/h auszugehen.
3.2.6. Gefasstsein / Zahnschäden
a) Hinsichtlich der weiteren zur Heftigkeit des Aufpralls vorgebrachten und zum
Beweis verstellten Vorbringen, wonach die Klägerin durch das plötzliche Krachen
[des Aufpralls] erschrak (Beweissatz 3), vor Schreck auf die Zähne biss (Beweis-
satz 5) und sich dabei vier Zähne verletzte (Beweissatz 6), ist zunächst auf Wi-
- 29 -
dersprüche in den klägerischen Vorbringen, sodann auf die Hauptbeweismittel der
Klägerin (163 S. 20: act. 4/6-8, act. 4/10-12) und schliesslich auf die als Gegen-
beweismittel zu Beweissatz 6 eingeholte Analyse (Gerichtsgutachten) der zahn-
ärztlichen Kostenorientierungen einzugehen.
b) Die Klägerin hat sich eigener Darstellung zufolge vor Schreck – und nicht etwa
zufolge der nunmehr als gering erstellten Heftigkeit des Heckanstosses und eines
hierdurch ausgelösten Bewegungsablaufs – auf die Zähne gebissen. Nichtsdes-
totrotz beruft sie sich zur Dokumentation der „Wucht des Aufpralls“ wiederholt auf
einen Zahnaufbiss und eine hierdurch bewirkte Zahnschädigung (vgl. 3.2.1. hier-
vor). Im zu den Beweissätzen 3 und 5 angerufenen, 13 Tage nach dem Unfaller-
eignis verfassten Schreiben der Klägerin vom 12. August 1997 an die Beklagte 1
(act. 4/7) bezieht sich die Klägerin auf den Zahnaufbiss, auf den sie das Auftreten
erster Schmerzen nach zwei bis drei Tagen zunächst zurückgeführt habe, und
führt aus, dass sie nun noch beim Zahnarzt angemeldet werde und „der kleine
abgebissene Ecken an 2 Zähnen [...] wohl keine grosse Sache sein [werde]“,
dass sie über perfekte Zähne verfüge, keine einzige Amalgamfüllung habe und
dass jährliche Röntgenbilder vorhanden seien. Der zu den nämlichen Beweissät-
zen 3 und 5 angerufenen Unfallerlebnisschilderung der Klägerin vom 21. August
1997, wiederum zuhanden der Beklagten 1 (act. 4/6), ist nebst den zum Beweis
verstellten Behauptungen – dass die Klägerin erschrak und sich auf die Zähne
biss – zu entnehmen, dass die Klägerin nach dem Anhalten kurz in den Rück-
spiegel blickte und das herannahende Hinterfahrzeug sowie dessen Fahrer sah.
Wenngleich aus diesem Umstand nicht auf ein eigentliches Gefasstsein der Klä-
gerin im Moment des Auffahrens zu schliessen ist, so ist doch der gerichtsnotori-
schen Tatsache Rechnung zu tragen, dass ein gewisses Mass an Erschrecken
jedem, selbst einem geringfügigen, Auffahrereignis eigen ist (vgl. auch act. 193
S. 4). Angesichts der unbestrittenen Wahrnehmung des herannahenden Fahr-
zeugs samt Fahrer durch die Klägerin, der erstellten Auffahrgeschwindigkeit von
7 bis 13 km/h sowie den unstreitig geringfügigen Schäden an beiden Fahrzeugen
ist vorliegend nicht von einem dieses übliche Mass übersteigenden Erschrecken
auszugehen und verbleibt unklar, was die Klägerin aus einem gewissen Erschre-
- 30 -
cken – abgesehen von einer Zahnschädigung infolge Erschreckens (hierzu so-
gleich) – für die Heftigkeit des Unfallereignisses ableiten will.
c) Zum Nachweis dafür, dass sie sich beim durch das Erschrecken ausgelösten
Aufbiss vier Zähne verletzte (Beweissatz 6) und die Behandlung gemäss Kos-
tenorientierung ihres Zahnarztes Dr. med. dent. S._ vom 3. Oktober 1997
(act. 4/9) resp. deren korrigierter Fassung vom 6. November 1997 (act. 4/11) da-
mit unfallbedingt notwendig geworden sei (act. 32 S. 7 f.), ruft die Klägerin die
Klagebeilagen act. 4/8 sowie 4/10-12 an (act. 163 S. 20). Dem Austrittsbericht des
Kantonsspitals Luzern vom 8. August 1997 (act. 4/8) ebenso wie dem Erstkonsul-
tationsberichts des Neurologen Prof. Dr. P._ vom 24. November 1997 (act.
4/12) lässt sich hierzu nichts entnehmen. Die Kostenorientierung des Zahnarztes
Dr. med. dent. S._ vom 6. November 1997 zuhanden der T._-Ver-
sicherung (act. 4/11) nimmt im Deckblatt betreffend Kostengutsprache, nicht aber
in der Kostenorientierung zuhanden der Klägerin Bezug auf das Unfallereignis
vom 30. Juli 1997 und enthält folgende Leistungen: Stiftaufbau, zwei Keramik-
Inlays sowie eine Krone. Der Kostenübernahmeempfehlung des Vertrauensarztes
der T._, Dr. med. dent. W._, vom 22. Oktober 1997, die sich aufgrund
der Chronologie nur auf die – nicht als Beweismittel angerufene – ursprüngliche
Kostenorientierung des Zahnarztes Dr. med. dent. S._ vom 25. August 1997
(act. 4/9) und nicht die erst im November erstellte korrigierte Fassung vom 6. No-
vember 1997 (act. 4/11) beziehen kann, ist zur Frage der Unfallbedingtheit der zu
behandelnden Zahnschäden lediglich der Hinweis „das Unfallereignis ist gege-
ben“ sowie die Ablehnung einer Position „Aufpolieren alter Füllungen“ zu entneh-
men. Weitere Beweismittel, insbesondere die vorerwähnten, jährlich erstellten
Röntgenbilder zum Vorzustand der Zähne, wurden zu Beweissatz 6 nicht angeru-
fen.
d) Die Beklagten rufen zum Gegenbeweis dafür, dass die Zahnschäden schon vor
dem Unfall vom 30. Juli 1997 bestanden hätten, eine Analyse der zahnärztlichen
Kostenorientierungen an. Dem unter der Strafandrohung von Art. 307 StGB er-
stellten Gerichtsgutachten von Prof. Dr. Q._, ... der Klinik für rekonstruktive
Zahnmedizin und Myoarthropathien der Universität Basel, vom 27. Dezember
- 31 -
2013 (act. 298) ist zunächst zu entnehmen, dass die ursprüngliche Kostenorien-
tierung (act. 4/9, Seiten 3 und 4), datierend vom 25. August 1997 und an die Klä-
gerin adressiert, keinen Hinweis auf eine unfallbedingte zahnärztliche Behandlung
enthält und sich ein solcher Hinweis erst auf Seite 1 der an die T._ adressier-
ten Kostenorientierung vom 3. Oktober 1997 als Grundlage für eine Kostengut-
sprache finde. Die Kostenorientierung (act. 4/9, Seiten 3 und 4) enthalte grund-
sätzlich alle Positionen, die einem Privatpatienten für diese Art der Versorgung
korrekterweise berechnet werden könnten, wobei hierbei sowohl der Taxpunkt-
wert wie auch die im Vergleich zum SUVA-Tarif erhöhte Taxpunktzahl des Pri-
vattarifs ausgenutzt werde (act. 298 S. 1 f.). Die korrigierte Kostenorientierung
(act. 4/11) enthalte die gleichen detaillierten Leistungspositionen, doch seien Tax-
punktwert und -zahl reduziert, da für die Versicherung lediglich die SUVA-
Positionen hätten berücksichtigt werden können. Sodann begründet der Gutach-
ter einlässlich, weshalb sich aus den beiden Kostenorientierungen allein keine
Schlüsse auf eine unfallbedingte Ursache der behandelten Zahnschäden ziehen
liessen: Dazu bedürfe es minimal der Röntgenbilder kurz vor dem Unfalldatum im
Vergleich zu denjenigen, die nach dem Unfall angefertigt worden seien, sowie ei-
ner klinischen Befundaufnahme. Gemäss Gutachten fehlen zudem das im Nor-
malfall bei Unfällen vorhandene Unfallprotokoll mit Angaben dazu, welche Zähne
vom Unfall betroffen seien und wie der Zustand der Restdentition aussehe, weiter
Röntgenbilder sowie eine photographische Dokumentation bei Behandlungsbe-
ginn. Bei der an die Klägerin gerichteten Kostenorientierung vom 25. August 1997
sei offensichtlich weder von Patienten- noch von Zahnarztseite davon ausgegan-
gen worden, dass die Kosten von einer Versicherung übernommen würden (Pri-
vatpatiententarif sowie keine Erwähnung des Unfalls). Unter dieser Annahme –
keine Thematisierung des Unfalls bei Erstellung der Kostenorientierung vom
25. August 1997 – sei das Vorgehen bezüglich Kostenorientierung und minima-
lem klinischem Befund völlig korrekt gewesen.
e) Zum aus den Kostenorientierungen hervorgehenden Schadensbild führt der
Gutachter sodann aus, dass die behandelten drei – und nicht vier – Zähne sich al-
le im Seitenzahnbereich befänden und ihm keine zahnmedizinischen Berichte
über Auffahrunfälle (ohne Fremdkörper zwischen den Zähnen) und konsekutive
- 32 -
Füllungs- und /oder Höckerfrakturen im Seitenzahnbereich bekannt seien. Dieses
unübliche Resultat, das zudem über den Ober- und Unterkiefer diagonalversetzt
erfolgt sei, könne spekulativ kaum ohne bestehende Vorschädigung des Zahnes
passiert sein. Zumindest bei Zahn 15 müsse bereits eine Wurzelbehandlung be-
standen haben, da dieser Zahn mit einem Stift und Aufbau versorgt worden sei.
Es lasse sich aus den Kostenorientierungen nicht erschliessen, ob die Schäden
an drei Zähnen durch ein „vor Schreck auf die Zähne beissen“ entstanden seien
oder ob es sich um Schäden handle, die schon vor dem Unfallereignis bestanden
hätten.
f) Die Klägerin wendet gegen das Gutachten ein, dass sich der Gutachter in Spe-
kulationen darüber ergehe, dass die Klägerin dem Zahnarzt nichts vom Unfall ge-
sagt habe, dass sie als bei ihrer Krankenkasse auch UVG-Versicherte einen Hin-
weis auf den Unfall nicht habe anbringen müssen, dass der Gutachter den Vorun-
fallstatus nicht geprüft habe sowie schliesslich, dass gemäss Rechtsprechung der
Kausalitätsnachweis auch aufgrund der zeitlichen Koinzidenz erbracht werden
könne. Es sei daher ein Obergutachten in Auftrag zu geben (act. 316 S. 3 f.).
g) Den Einwänden, die sich ausschliesslich mit den Feststellungen des Gutach-
ters zu im Normalfall vorhandenen Unterlagen resp. Angaben befassen, kann
nicht gefolgt werden: Einen Vorunfallstatus konnte der Gutachter mangels Einrei-
chen der gemäss Klägerin jährlich erstellten Röntgenbilder nicht feststellen, was
im Gutachten ausdrücklich festgehalten ist. Sodann verkennt die Klägerin, dass
es sich um ein als Gegenbeweismittel angerufenes Gutachten zu den eingereich-
ten Kostenschätzungen des Zahnarztes der Klägerin handelt, auf die sich die Klä-
gerin zum Nachweis der Unfallbedingtheit der Zahnschäden beruft. Der Gutachter
beurteilt daher nicht primär die formellen Aspekte, sondern die sich aus den Kos-
tenorientierungen inhaltlich ergebenden Zahnschäden und führt schlüssig und
nachvollziehbar aus, dass die Kostenorientierungen von Dr. med. dent. S._
Schäden an drei (und nicht vier) diagonal versetzten Zähnen im Seitenzahnbe-
reich betreffen, was keinem bekannten Bild von zahnmedizinischen Berichten
nach Auffahrunfällen entspreche, und dass dem Gutachter keine zahnmedizini-
schen Berichte über Auffahrunfälle mit konsekutiver, diagonal über den Ober- und
- 33 -
Unterkiefer versetzten Füllungs- und Höckerfrakturen bekannt seien. Die Frage,
ob sich aus den Kostenorientierungen ableiten lasse, dass die betreffenden
Zahnschäden durch einen unfallbedingten Zahnaufbiss verursacht wurden, ver-
neint der Gutachter. Damit vermag die von den Beklagten als Gegenbeweismittel
angerufene Analyse der zahnärztlichen Kostenorientierungen begründete Zweifel
an der Sachdarstellung der Klägerin, wonach sie beim erschreckensbedingten
Aufbiss anlässlich des Unfalls vier Zähne beschädigte, resp. den als Hauptbe-
weismitteln angerufenen Kostenorientierungen zu wecken. Dazu kommt, dass die
Klägerin im zum Aufbiss der Zähne angerufenen Schreiben an die Beklagte vom
12. August 1997 (act. 4/7) von „kleinen abgebissenen Ecken an zwei Zähnen“,
von bislang perfekten Zähnen ohne Füllungen sowie jährlich erstellten Röntgen-
bildern berichtet, was im Widerspruch nicht nur zur Kostenorientierung von
Dr. med. dent. S._ (act. 4/11) und zu den Feststellungen des Gutachters,
sondern auch der abgelehnten Kostenübernahme für das Aufpolieren alter Fül-
lungen gemäss Vertrauensarzt der T._ (act. 4/10) steht. Wie von den Beklag-
ten zutreffend festgestellt, fehlt es an Unterlagen zum Zustand der Zähne der
Klägerin vor dem Unfallereignis und verbleibt unklar, welche Unterlagen dem Ver-
trauensarzt der T._ Versicherung für dessen Stellungnahme vorgelegen ha-
ben (act. 16 S. 8; act. 36 S. 5). Zum Argument der zeitlichen Koinzidenz als Kau-
salitätsnachweis ist auf die Rechtsprechung zum unzulässigen Beweisschluss im
Sinne von "post hoc ergo propter hoc" zu verweisen.
h) Damit ist der Klägerin der Nachweis, dass ein (erschreckensbedingter) Aufbiss
der Zähne beim Auffahrereignis zu Zahnschädigungen führte, anhand der offerier-
ten Urkunden nicht gelungen und ist dem klägerischen Argument einer dadurch
dokumentierten besonderen Wucht des Aufpralls – auch angesichts der wider-
sprüchlichen diesbezüglichen Vorbringen („vor Schreck“) – der Boden entzogen.
3.2.7. Out of position, Bewegungsablauf, kurzes Schwarz-werden-vor-Augen
a) Zum Nachweis ihrer Vorbringen, wonach sie im Moment der Kollision eine
leicht nach rechts geneigte Sitzhaltung inne gehabt, am Radio gedreht und einen
Sender gesucht habe (sog. Out of position, Beweissatz 2), es sie "kurz nach vor-
ne nahm und dann ganz fest in den Sitz" (Beweissatz 4) und ihr „kurz schwarz
- 34 -
geworden“ sei (Beweissatz 7), ruft die beweisbelastete Klägerin zum einen wiede-
rum ihr vorzitiertes Schreiben an die Beklagte 1 vom 12. August 1997 (act. 4/7)
an. Die genannten Umstände finden darin keinerlei Erwähnung. Weiter ruft die
Klägerin ihre ebenfalls vorerwähnte Unfallerlebnisschilderung zuhanden der Be-
klagten 1 vom 21. August 1997 (act. 4/6) an, aus der die zum Beweis verstellten
Behauptungen zitiert wurden. Darüber hinaus lässt sich aus der Urkunde nichts
für den Standpunkt der Klägerin ableiten.
b) Zu Beweissatz 4 – der von der Klägerin geschilderten Vor- und Rückwärtsbe-
wegung – ist zunächst die gerichtsnotorische Tatsache zu wiederholen, dass ein
solcher Bewegungsablauf bei jeder frontalen Heckkollision, wenn auch in unter-
schiedlicher Intensität, stattfindet und dementsprechend in jede technische Un-
fallanalyse – so auch im vorliegenden Verfahren (vgl. act. 194 S. 9) – Eingang
findet. Im konkreten Fall ist angesichts eines wahrscheinlichen maximalen delta-v-
Werts von 8 km/h unwahrscheinlich, dass diese Bewegung, wie von der Klägerin
ihrer subjektiven Wahrnehmung entsprechend vorgebracht, „ganz fest“ gewesen
wäre: Zu erinnern ist daran, dass sich die klägerische Sachdarstellung zur Heftig-
keit des Unfallereignisses – „ungebremster“ Aufprall mit Auffahrgeschwindigkeit
von 30 bis 40 km/h sowie Zahnschäden als Dokumentation der Wucht des Auf-
pralls resp. des dadurch ausgelösten Erschreckens – im Beweisverfahren nicht
erhärten liess.
c) Zu Beweissatz 2 – der geltend gemachten „out-of-position“-Sitzhaltung der Klä-
gerin, die für die Verletzungsintensität nebst dem mangelnden Gefasstsein auf
den Aufprall massgebend sei (act. 32 S. 4) – ist zunächst die gerichtsnotorische
Tatsache festzuhalten, dass diesem Aspekt einzig im Rahmen eines biomechani-
schen Gutachtens zur Frage der Erklärbarkeit von geklagten Beschwerden an-
hand des konkreten Unfallereignisses eine gewisse Bedeutung zukommen mag;
bei einer kollisionsbedingten Geschwindigkeitsänderung mit Extremwerten von
5 bis 9 km/h, wie vorliegend, allerdings eine lediglich geringfügige (vgl. sogleich).
Ein solches biomechanisches Gutachten hat die Klägerin allerdings nicht angeru-
fen (act. 153 S. 5 f.), sondern sich gegenteils bereits vorprozessual wie auch in
diesem Verfahren mit Nachdruck gegen dessen Einholung ausgesprochen (vgl.
- 35 -
insbesondere nachfolgend 4.2. betreffend Fehlverhalten der Beklagten 1 u.a. we-
gen versuchter Nötigung zu einem biomechanischen Gutachten). Da ausser den
von der Klägerin selbstverfassten Schreiben an die Beklagte 1 vom 12. resp. vom
21. August 1997 (act. 4/6-7) keine weiteren Beweismittel offeriert sind, lässt sich
die Behauptung zur Sitzhaltung im Moment des Auffahrens nicht objektivieren.
d) Ob die klägerische Behauptung angesichts der aufgezeigten Widersprüche be-
treffend die Heftigkeit des Unfallereignisses (gebremst/ungebremst, Zahnschäden
infolge Erschreckens resp. Wucht des Aufpralls), aber auch zu Art und Zeitpunkt
des Auftretens von initialen Beschwerden (vgl. nachfolgend 5.), als glaubhaft zu
qualifizieren ist, kann vorliegend offenbleiben: Zum einen wurde, wie dargelegt,
ein biomechanisches Gutachten zum Kausalzusammenhang zwischen Beschwer-
debild und erstelltem Unfallhergang von der Klägerin nicht angerufen resp. aus-
drücklich abgelehnt; zum anderen ist wissenschaftlich umstritten, ob eine „out of
position“-Sitzhaltung bei geringfügigem Aufprall mit einer kollisionsbedingten Ge-
schwindigkeitsänderung von weniger als 10 km/h überhaupt ein höheres Verlet-
zungsrisiko birgt (vgl. FÜRBETH/GROSSER/MÜLLER: HWS - Biomechanik 98. Son-
derfälle zum Verletzungsrisiko, in: Verkehrsunfall und Fahrzeugtechnik 2/1999,
S. 32 ff. insbesondere zur Frage der Auswirkung auf das Verletzungsrisiko, wenn
sich der Fahrer z.B. in Richtung Radio beugt), zumal dann, wenn es sich, wie vor-
liegend, um eine im Zeitpunkt des Ereignisses 35-jährige und nach eigenem Be-
kunden an keinerlei aufprallrelevanten Beschwerden oder Vorzuständen leidende
Fahrzeuginsassin handelt (vgl. act. 4/7 S. 2, wonach die Klägerin ausser Frauen-
und Zahnarzt seit 20 Jahren nie einen Arzt aufgesucht habe).
e) Zu Beweissatz 7 – dass der Klägerin kurz schwarz wurde – ruft die beweisbe-
lastete Klägerin wiederum ihre vorerwähnten Schreiben an die Beklagte 1 vom
12. resp. 21. August 1997 (act. 4/6-7) an, denen sich hierzu nichts (act. 4/7) resp.
die zum Beweis verstellte Behauptung (act. 4/6) entnehmen lässt. Das von den
Beklagten als Gegenbeweismittel angerufene biomechanische Gutachten der
AGU ... vom 31. Mai 2011 (act. 193), das unter der Strafandrohung von Art. 307
StGB und auf der Grundlage der technischen Unfallanalyse (act. 194) sowie wei-
terer zur Verfügung gestellter Akten einschliesslich Schadensbilder erstellt wurde
- 36 -
(vgl. act. 193 S. 1 f.), kommt zum Schluss, dass ein mechanisches Trauma im
Rahmen der Kollision als Ursache für ein „Schwarz-werden-vor-den-Augen“ aus-
geschlossen werden könne (act. 193 S. 5). Bei einer kollisionsbedingten Ge-
schwindigkeitsänderung von 5 bis max. 9 km/h habe ein Beschleunigungsmecha-
nismus bezüglich des Gehirns in einem nur unerheblichen Ausmass stattfinden
können und sei ein echter, hirnorganisch bedingter Bewusstseinsverlust, welcher
allenfalls auf eine „milde traumatische Hirnverletzung“ (MTBI) hinweisen hätte
können, auszuschliessen. Insbesondere sei vorliegend, gestützt auf die techni-
sche Unfallanalyse, beim beschriebenen Ereignis nicht von einem Kopfanprall
(Ausnahme Kopfstütze) als wesentliche Voraussetzung für eine MTBI auszuge-
hen.
f) Mit Stellungnahme vom 19. August 2011 (act. 200) wendet die Klägerin ein,
dass das biomechanische Gutachten vom Normalfall ausgehe, mithin weder die
„out-of-position“-Sitzhaltung der Klägerin beim Aufprall noch den von den Beklag-
ten als Ursache für die heutigen Beschwerden der Klägerin geltend gemachten,
medizinisch nicht abgeklärten Vorzustand berücksichtige (act. 200 S. 2 f.). Zum
ersteren Einwand ist auf die Erwägungen hiervor zu verweisen (sehr geringe Be-
deutung einer vom Normalfall abweichenden Sitzhaltung bei delta-v von weniger
als 10 km/h bei im Übrigen dem Normalfall entsprechenden Verhältnissen). Der
zweite Einwand ist unbehelflich, da die Beklagten einen biomechanisch zu be-
rücksichtigenden Vorzustand im Sinne einer „mehr als unerheblichen krankhaften
oder traumatisch bedingten Veränderung im Halswirbelsäulenbereich“ (vgl. act.
193 S. 3) nicht geltend machen, sondern vielmehr vorbringen, dass die psychi-
schen Beschwerden der Klägerin vorbestehend gewesen oder auf vorbestehende
Leiden zurückzuführen seien (vgl. Beweisbeschlüsse zu Gegenbeweissatz 9, act.
135 S. 5 und act. 163 S. 23). Das biomechanische Gutachten zu Beweissatz 7
äussert sich klarerweise einzig zur Frage, ob die Kollision gemäss erstelltem
Sachverhalt Ursache für ein „Kurz-schwarz-werden“ im Zeitpunkt des Heckan-
stosses habe sein können. Da weder ein biomechanisch zu berücksichtigender
Vorzustand unberücksichtigt blieb und die damals 35-jährige Klägerin im Übrigen
eigener, zu Beweissatz 7 angerufener Schilderung zufolge im Zeitpunkt des Auf-
fahrereignisses gesund und beschwerdefrei war (act. 4/7), vermögen die klägeri-
- 37 -
schen Einwände keine Zweifel an der Stichhaltigkeit des Gutachtens zu wecken.
Ein Eingehen auf die übrigen Einwände klägerischerseits – Feststellungen des
biomechanischen Gutachters könnten höchstens für einen Zeitraum von einem
halben Jahr zutreffen und keine Aussagen zu Unfallverarbeitung, zu psychischen
Problemen in Zusammenhang mit dem Unfall und zur Mitverursachung der ge-
sundheitlichen Schäden durch das Fehlverhalten des Haftpflichtversicherers ma-
chen (act. 200 S. 3 ff.) – erübrigt sich angesichts des auf ein „Kurz-schwarz-
werden“ im Kollisionsmoment beschränkten Gegenstands des Gutachtens. Zu er-
gänzen bleibt, dass die Beklagten bereits mit Eingabe vom 4. Juli 2011 auf eine
Stellungnahme zur biomechanischen Begutachtung verzichteten (act. 198).
g) Als Ergebnis des als Gegenbeweismittel zu Beweissatz 7 eingeholten biome-
chanischen Gerichtsgutachtens AGU, das erhebliche Zweifel an einem kollisions-
bedingten „Kurz-schwarz-werden-im Kopf“ zu wecken geeignet ist, ist auszu-
schliessen, dass ein allfälliges „Kurz-schwarz-werden-im-Kopf“, soweit ein sol-
ches allein aufgrund der nicht objektivierbaren klägerischen Angaben als tatsäch-
lich stattgehabt anzusehen wäre, auf ein mechanisches Trauma im Rahmen der
leichten Kollision zurückzuführen ist.
3.3. Fazit zum Unfallhergang
a) Gemäss unbestrittenem resp. erstelltem Sachverhalt ist von folgendem Unfall-
hergang auszugehen: Der Beklagte 2 fuhr abgebremst mit einer Restgeschwin-
digkeit von 7 bis maximal 13 km/h frontal auf das Heck des stehenden Fahrzeugs
der Klägerin auf, welches durch den Aufprall eine kollisionsbedingte Geschwin-
digkeitsänderung (delta-v) von 5 bis 9 km/h erfuhr, wobei ein maximaler delta-v-
Wert von 8 km/h sehr wahrscheinlich ist. In Übereinstimmung damit zeigen die
Schadenbilder eine geringfügige Beschädigung der beiden Fahrzeuge. Die Kläge-
rin war im Zeitpunkt des Aufpralls angeschnallt und ihr Fahrzeug mit Kopfstützen
ausgerüstet. Die Klägerin fuhr nach dem Ausfüllen des Schadenformulars zur Ar-
beit, wobei ihr der durch das lärmbedingte Erschrecken ausgelöste Aufbiss der
Zähne noch weh tat. Offen bleiben kann an dieser Stelle der – nicht objektiv über-
prüfbare – Umstand einer Out-of-position-Sitzhaltung. Die in den Folgemonaten
- 38 -
behandelten Zahnschäden gemäss Kostenorientierungen Dr. med. dent. S._
(act. 4/9 resp. 4/11) waren nicht unfallkausal.
b) Auf den erstellten Unfallsachverhalt als einer der tatbeständlichen Grundlagen
für die Prüfung des Kausalzusammenhangs zwischen Unfallereignis und geklag-
ten Beschwerden resp. dadurch ausgelöster Erwerbsunfähigkeit ist nachfolgend
u.a. bei der Würdigung der medizinischen Berichte zurückzukommen.
4. Mitursache für Invalidisierung: Fehlverhalten Beklagte 1/"Psychoterror"
4.1. Übersicht und rechtliche Relevanz
a) Unter dem Titel eines Fehlverhaltens der Beklagten 1 trägt die Klägerin sodann
eine Reihe von Sachverhalten vor, denen – nebst dem Unfallereignis vom 30. Juli
1997 – die Bedeutung eines mitverursachenden Elements für die Invalidisierung
der Klägerin zukomme. Diese von den Beklagten durchwegs detailliert bestritte-
nen Sachverhalte haben vermeintliche Handlungen von Mitarbeitern der Beklag-
ten 1 oder auf deren Veranlassung hin, sowohl bei als auch ausserhalb der Scha-
denfallbearbeitung, zum Gegenstand und beschlagen eine bereits vor Klageein-
reichung einsetzende Zeitperiode von mehreren Jahren. Nach Darstellung der
Klägerin im vorliegenden Verfahren kommt dieser Mitursache erhebliche Ent-
scheidrelevanz zu, da die vorgebrachten Sachverhalte in gravierender Weise zu
einer Verschlechterung ihres Gesundheitszustands in psychischer Hinsicht beige-
tragen hätten (act. 1 S. 19 f., 63; act. 32 S. 2, 15, 39, 49 und 51).
b) Die Erledigung eines Versicherungsfalls, sei es durch die Behandlung als Natu-
ralleistung der Versicherung, sei es durch die Abklärungen der Kreis- und ande-
ren beigezogenen Ärzte, kann zur Verschlimmerung oder Verfestigung psychoge-
ner Beschwerden beitragen (Entscheid des EVG vom 11. Juli 1995, publ. in: SVR
10/1996 UV-Nr. 58, S. 194 Erw. 4e; ). Zu denken ist etwa an Umstände wie eine
schikanöse Behandlung, persönliche Kränkung oder das Nichternstnehmen des
Geschädigten seitens untersuchender Ärzte oder Mitarbeitender der Versiche-
rung.
- 39 -
c) Gemäss ständiger Praxis ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusam-
menhangs nicht erforderlich, dass ein Unfallereignis die alleinige oder unmittelba-
re Ursache gesundheitlicher Störungen ist und es folglich genügt, dass das schä-
digende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis-
tige Integrität des Geschädigten beeinträchtigt hat, so kommt einem allfälligen
Fehlverhalten von Mitarbeitenden der Beklagten 1 vorliegend doch in zweifacher
Hinsicht Bedeutung zu: Wenn die von der Klägerin unter diesem Titel geltend ge-
machten Sachverhalte gegenüber dem Unfallereignis – in seiner nunmehr be-
weismässig erstellten Form – überwiegen oder diese zumindest den ausschlag-
gebenden Charakter des Auffahrereignisses als Ursache zweifelhaft erscheinen
lassen, so ist der natürliche Kausalzusammenhang zwischen Unfall und Erwerbs-
unfähigkeit nicht erstellt (BGE 119 Ib 334 E.3.c, m.w.H.). Zudem hat der Beklagte
2 für die wirtschaftlichen Folgen eines von der Beklagten 1 zu vertretenden Fehl-
verhaltens nicht einzustehen.
d) Es ist nachfolgend zu prüfen, ob die Klägerin ein der Sphäre der Beklagten 1
zuzurechnendes Fehlverhalten hinreichend konkret vorbringt, ob gegebenenfalls
rechtsgenüglich dargelegt wird, inwiefern sich der betreffende Sachverhalt auf
den Gesundheitszustand der Klägerin und infolgedessen deren Erwerbsfähigkeit
ausgewirkt hat und schliesslich, soweit nach abgeschlossenem Schriftenwechsel
in den Prozess eingeführt, ob die Vorbringen im Lichte der Eventualmaxime von
§ 115 ZPO/ZH beachtlich sind. Behauptungs- und beweisbelastet ist die Klägerin,
die (auch) aus den geschilderten Sachverhalten Rechte (Genugtuungs- und
Schadenersatzforderung) ableitet (Art. 8 ZGB).
4.2. Die Sachverhalte "Fehlverhalten" im Einzelnen
4.2.1. Fallbearbeitung bis zur Leistungseinstellung im Frühjahr 2000
a) Darstellung der Klägerin
Unter Zitierung einer Vielzahl von ins Recht gelegten Urkunden (interne Berichte,
Memoranden und Schreiben der Beklagten 1 resp. des fallführenden Schadensin-
spektors, Schreiben der Klägerin an Letzteren, an behandelnde Ärzte und die IV-
- 40 -
Stelle, act. 4/20-35; act. 1 S. 18 ff; act. 32 S. 8 ff.), welche aus einem Zeitraum
von knapp zweieinhalb Jahren (25. August 1997 bis 28. November 1999) datie-
ren, schildert die Klägerin zunächst die Fallführung durch die Beklagte 1 ab dem
Unfallfolgemonat August 1997 bis zum Zeitpunkt der Leistungseinstellung im
Frühjahr 2000. Nach anfänglich korrektem Handeln der mit der Fallführung be-
fassten Mitarbeiter der Beklagten 1 hätten sich mit Übergabe des Falles vom bis
anhin federführenden Schadensinspektor (AA._) an einen neuen Sachbear-
beiter (AB._) per Ende März 1999 Unkorrektheiten ergeben resp. habe "of-
fenbar ein neues Regime" eingesetzt (act. 1 Rz 19; act. 32 S. 8). Zwar habe die
getroffene Ertragsausfallregelung weitergegolten, doch habe sich gemäss Bericht
der behandelnden Psychiaterin Dr. K._ vom 28. November 1999 der Zustand
der Klägerin in den letzten Monaten verschlechtert und habe sich ein schwerer
psychophysischer Erschöpfungszustand eingestellt „mit Zunahme von Schmer-
zen, Angst und depressiven Symptomen“ in Zusammenhang mit für die Klägerin
ungünstig lautenden Briefen der Beklagten 1 (act. 1 Rz 19; act. 4/18).
b) Darstellung der Beklagten
Die Beklagte 1 bestreitet jegliches Fehlverhalten seitens ihrer Mitarbeiter. Die von
der Klägerin eingereichten internen Berichte des Schadensinspektors würden
nebst der uneingeschränkt gewährten Akteneinsicht insbesondere dokumentie-
ren, dass die Beklagte 1 sich der Bearbeitung des angemeldeten Schadenfalls
von Beginn weg mit Ernsthaftigkeit und entgegenkommendem Verständnis ge-
widmet habe (act. 16 S. 12). Die Klägerin habe sich denn auch verschiedentlich
äusserst anerkennend zum Verhalten der Beklagten 1 geäussert, so noch in ihren
Schreiben vom 23. September 1999 an den Neurologen Prof. Dr. P._ (act.
17/2) resp. vom Oktober 1999 an den Sachbearbeiter (AB._) der Beklagten 1
(act. 17/3). Bestritten werde daher, dass die Dossierübergabe bei der Beklagten 1
per Ende März 1999 in irgend einer Form zu einer Verschlechterung des Zu-
stands der Klägerin geführt habe. Für die von der Psychiaterin Dr. K._ am
28. November 1999 beschriebene Verschlechterung depressiver Symptome be-
stehe keine objektiv erkennbare Veranlassung. Die Klägerin habe denn auch kei-
- 41 -
nerlei Beispiele der von Dr. K._ in ihrem Bericht erwähnten „ungünstig lau-
tenden Briefe“ der Beklagten 1 angeführt oder eingereicht (act. 16 S. 17 f.).
c) Erstellter Sachverhalt aufgrund der Parteivorbringen
aa) Zunächst ergibt sich aus der Darstellung der Klägerin resp. aus den unbestrit-
ten gebliebenen Vorbringen der Beklagten zur Handhabung der Ertragsausfallre-
gelung durch die Beklagte 1 ab dem Unfallfolgemonat (August 1997), dass die
Klägerin bereits kurz nach dem Unfallereignis von der Beklagten 1 Ersatz eines
unfallbedingten Ertragsausfalls als selbständig Erwerbende (vgl. act. 105 S. 7)
verlangte und die Beklagte 1 gestützt auf die Angaben der Klägerin (10 Sitzungen
pro Tag à CHF 120.–) bereits am 25. August 1997 einen monatlichen Bruttoertrag
an Honorareinnahmen der Klägerin von ca. CHF 15'000.– errechnete (act. 1
S. 12; act. 16 S. 14; act. 32 S. 9). Ab August 1997 wurden Ertragsausfallzahlun-
gen geleistet und im November 1997 eine Akontozahlung verabredet. Ab Herbst
1998 bezahlte die Beklagte sodann auf der Annahme eines monatlichen Brutto-
umsatzes an Honorareinnahmen von CHF 17'500.– jeweils monatlich die Diffe-
renz zwischen diesem Betrag und dem tatsächlich erzielten Geschäftsumsatz
gemäss den Angaben der Klägerin (act. 16 S. 17; act. 32 S. 10). Dazu kamen u.a
Zahlungen zur Abdeckung der Umbaukosten der klägerischen Praxis (sog. Neu-
ausrichtung auf Kartenlegen, act. 105 S. 7; act. 1 S. 19; act. 16 S. 17 f. und 21).
bb) Unbestritten blieb weiter, dass die Beklagte 1 bis zur Einstellung jeglicher
Leistungen gegenüber der Klägerin Akontozahlungen von rund CHF 430'000.–
erbrachte als Entschädigung des behaupteten Erwerbsausfalls und für weitere
Kosten einschliesslich berufliche Umorientierung (act. 16 S. 12 und 14; act. 32
S. 8).
cc) Unstreitig ist sodann, dass sich die Klägerin lange nach dem Wechsel in der
Sachbearbeitung per Ende März 1999 und bei unverändert weiter geltender Er-
tragsausfallregelung in ihren aktenkundigen Schreiben vom 23. September 1999
an den Neurologen Prof. Dr. P._ (act. 17/2) resp. vom Oktober 1999 just an
den neuen Sachbearbeiter der Beklagten 1 (AB._; act. 17/3, Eingangsdatum
- 42 -
28. Oktober 1997) äusserst anerkennend zum Verhalten der Beklagten 1 äusserte
(act. 16 S. 12; act. 32 S. 8).
dd) Eigener Darstellung der Klägerin zufolge bestätigte die Beklagte 1 am
25. März 1999 gegenüber der IV (act. 4/33) und am 22. September 1999 (act.
4/34) gegenüber der Klägerin schriftlich, dass sie unpräjudiziell von einer monatli-
chen Honorarbasis der Klägerin von CHF 17'500.- ausgehe (act. 1 Rz 20 f.). Mit
Schreiben vom 22. Oktober 1999 (act. 4/35), mithin über ein halbes Jahr nach
dem Wechsel in der Sachbearbeitung, bestätigte die Beklagte 1 – wiederum eige-
ner Darstellung der Klägerin zufolge – ein telefonisches Vergleichsgespräch mit
der Klägerin, wonach man sich auf ein Jahresbruttoeinkommen für das Ge-
schäftsjahr 1998/1999 von CHF 240'000.–, einschliesslich einer ausserordentli-
chen Zahlung von CHF 30'000.-, geeinigt habe (act. 1 Rz 21).
ee) Damit lässt die Handhabung des von der Klägerin geltend gemachten Er-
tragsausfalls durch die Beklagte 1 in keiner Hinsicht auf ein Fehlverhalten von de-
ren Mitarbeitern sowohl vor als auch nach dem Wechsel des Sachbearbeiters
schliessen. Soweit die Klägerin anhand der zitierten Dokumente ihre gegenüber
dem Schadensinspektor bekundete Existenzangst als Selbständigerwerbende
resp. ihren Willen und ihre Bemühungen zur Aufrechterhaltung ihres Geschäfts in
der Mobbing-Beratung schildert (act. 1 S. 12 ff.), ist nicht ersichtlich, was die Klä-
gerin daraus hinsichtlich eines angeblichen Fehlverhaltens der Beklagten 1 ablei-
ten will. Dasselbe gilt, soweit sie sich – wiederum anhand der zitierten Dokumente
– über die gegenüber dem Schadensinspektor bekundeten Beschwerden aus-
lässt, die Eingang in dessen Rapporte und Memoranden fanden oder aber in ei-
genen Briefen der Klägerin an den Schadensinspektor zum Ausdruck kamen (vgl.
act. 1 S. 12 ff.).
ff) Zum verbleibenden Vorbringen, wonach sich der Gesundheitszustand der Klä-
gerin gemäss Bericht ihrer behandelnden Psychiaterin Dr. K._ vom 28. No-
vember 1999 in Zusammenhang mit für die Klägerin ungünstig lautenden Briefen
der Beklagten 1 in den vorangegangenen Monaten verschlechtert habe (act. 1 S.
16), wurde der Klägerin mit Beschluss vom 23. März 2005 (act. 72 S. 11 Ziff. II.6)
aufgegeben, diese ungünstig lautenden Briefe der Beklagten 1 aus der Zeit vor
- 43 -
dem 28. November 1999 (Datum Bericht Dr. K._) genauer zu bezeichnen
und einzureichen (§ 113 ZPO/ZH). Mit Stellungnahme vom 30. März 2006 (act.
105 S. 8) erklärte die Klägerin, es seien "nicht eigentlich Briefe, sondern Diskussi-
onen, Telefonate etc." gewesen, aus denen die Klägerin habe schliessen müssen,
dass sich das Verhältnis zur Beklagten 1 verschlechtere und sie durch den
"Rückzug" der Beklagten 1 um ihre Existenz habe bangen müssen. Dies gehe
aus den Rapporten des Schadensinspektors der Beklagten 1 vom 25. März 1999
(act. 4/29) und vom 31. März 1999 (act. 4/30) hervor.
gg) Wie von den Beklagten mit Stellungnahme dazu (act. 116) zutreffend ausge-
führt, fallen die angeführten beklagten-internen Schadensinspektorenberichte
(act. 4/29-30 vom März 1999) und ein Memorandum vom 22. November 1999
(act. 4/41), welche der Klägerin erst später im Rahmen der Akteneinsicht zur Ver-
fügung gestellt wurden, von vornherein nicht in Betracht als der Klägerin in den
Monaten vor Erstellung des ärztlichen Berichts von Dr. K._ vom 28. Novem-
ber 1999 zugegangene, vermeintlich ungünstig lautende Briefe der Beklagten 1,
die zu dem von Dr. K._ beschriebenen Erschöpfungszustand hätten führen
können. Hinsichtlich des allein verbleibenden Schreibens der Beklagten 1 vom 22.
Oktober 1999 (act. 4/35) schliesslich ist auf die eigene Darstellung der Klägerin im
Rahmen des ordentlichen Schriftenwechsels zu verweisen, wonach die Beklagte
1 just mittels dieses Schreibens gegenüber der Klägerin bestätigt habe, dass sie
von einem monatlichen Honorarertrag der Klägerin von CHF 17'500.- ausgehe
und der Klägerin überdies einen zusätzlichen Erwerbsausfall von CHF 30'000.-
ersetze, um der (entgangenen) Umsatz- und Verdienststeigerung der Klägerin
Rechnung zu tragen (act. 1 Rz 20 f.; act. 32 S. 10). Soweit die Klägerin aus die-
sem Schreiben, das weder im Ton unkorrekt ist, noch ein Druck ausübendes
Element enthält, "namhafte Differenzen" ableiten möchte, ist dies vor dem Hinter-
grund eigener Vorbringen der Klägerin zum besagten Schreiben vom 22. Oktober
1999 nicht nachvollziehbar und widersprüchlich. Zu erinnern ist daran, dass eine
Partei an ihre tatsächlichen Vorbringen gebunden ist, auch soweit sie sich in an-
derem Zusammenhang ungünstig für sie auswirken, und dass das Aufrechterhal-
ten von widersprechenden tatsächlichen Darstellungen – ausserhalb von hier
nicht interessierenden Ausnahmefällen – unzulässig ist.
- 44 -
hh) Das zu sich widersprechenden Vorbringen Gesagte gilt auch, soweit die Klä-
gerin an anderer Stelle aus dem nämlichen Bericht der behandelnden Psychiate-
rin vom 28. November 1999 (act. 4/18) zitiert, dass die Klägerin in den vergange-
nen Monaten viel Elan bei der Neuordnung ihrer beruflichen Zukunft entwickelt
und mit finanzieller Unterstützung der Beklagten 1 ihr Büro neu eingerichtet und
eine neue Broschüre gestaltet habe (act. 1 S. 11 und 19). (Auch) dieses Vorbrin-
gen lässt sich mit einem behaupteten Fehlverhalten von Mitarbeitenden der Be-
klagten 1 und einer dadurch verursachten Verschlechterung des Gesundheitszu-
stands in psychischer Hinsicht nicht in Einklang bringen.
d) Fazit
Die Vorbringen der Klägerin zur Fallbetreuung durch Mitarbeitende der Be-
klagten 1 ab dem Unfallfolgemonat bis zum Zeitpunkt der Leistungseinstellung
lassen auf keinerlei Fehlverhalten von Mitarbeitenden der Beklagten 1 schliessen.
Zu verweisen ist u.a. auf das zur Ertragsausfallregelung und zu den anerkennen-
den Dankesschreiben der Klägerin u.a. an den fallführenden Sachbearbeiter noch
Ende Oktober 1999 hiervor Ausgeführte. Damit stellt das Verhalten der Fallbe-
treuer der Beklagten 1 bis zur Leistungseinstellung kein die Invalidisierung mit-
verursachendes Element im Sinne einer iatrogen-artigen Schädigung dar. Es
konnte somit auch nicht Ursache des von der behandelnden Psychiaterin am
28. November 1999 festgestellten "schweren psychophysischen Erschöpfungszu-
stands" mit Zunahme von Angst und depressiven Symptomen sein.
4.2.2. Leistungseinstellung im März 2000
a) Darstellung Klägerin
aa) Unter dem Titel eines Fehlverhaltens der Beklagten 1 als Mitursache für die
Invalidisierung macht die Klägerin weiter geltend, die Beklagte 1 habe mit Schrei-
ben vom 20. März 2000 plötzlich und unvermittelt die Ursächlichkeit des Unfaller-
eignisses für die geltend gemachten Beschwerden bestritten und ihre Leistungen
eingestellt. Begründet worden sei dies zur Hauptsache damit, dass die Klägerin
die Erstellung eines biomechanischen Gutachtens verweigere (act. 1 Rz. 21 f.;
- 45 -
act. 32 S. 8). Diese Leistungseinstellung sei im Wissen der Beklagten 1 um die
hohen monatlichen Auslagen der Klägerin (Büro- und Wohnungsmiete) und den
Umstand erfolgt, dass die Klägerin aus ihrem Selbständigenerwerb unfallbedingt
praktisch kein Einkommen erzielt habe und die IV-Leistungen noch nicht ausge-
richtet worden seien (act. 1 Rz 23).
bb) Mit dem plötzlichen und unangekündigten Entzug jeglicher finanziellen Grund-
lage habe die Beklagte 1 der Klägerin "das Genick gebrochen". Nachdem die
Klägerin, die leidensbedingt an ihre anspruchsvolle Tätigkeit im Mobbingbereich
(resp. ihre bisherigen Haupttätigkeiten der Vermittlung von "Liebesnestern" und
Mobbing-Beratung, act. 105 S. 7) nicht mehr habe anknüpfen können, zuvor noch
eine Neuausrichtung ihres Geschäftes mit finanzieller Unterstützung der Beklag-
ten 1 vorangetrieben habe, habe sie infolge der Leistungsverweigerung das Ver-
trauen in ihre selbständige Erwerbstätigkeit und damit ihre berufliche Zukunft ver-
loren und sich per 30. September 2000 als Selbständigerwerbende bei den Äm-
tern abgemeldet (act. 1 S. 19 f.).
cc) Mit ihrer Leistungseinstellung per März 2000 habe die Beklagte die vertragli-
che Vereinbarung vom 22. September 1999 (act. 4/34), wonach bis Ende Sep-
tember 2000 auf der Basis eines monatlichen Erwerbsausfalls von CHF 17'500
abgerechnet werde, gebrochen (act. 1 Rz 25; act. 32 S. 14). Die vertragliche Na-
tur des Schreibens erhelle auch aus der Saldoklausel im späteren Schreiben der
Beklagten 1 vom 22. Oktober 1999 (act. 4/35). Zudem habe die Beklagte 1 die
vorgenannte Entschädigungsbasis im März 1999 auch gegenüber der IV-Stelle
bestätigt (act. 32 S. 14).
dd) Aus medizinischer Sicht habe kein Anlass zur Leistungseinstellung bestan-
den: Der Beklagten 1 hätten sowohl der beim Neurologen Prof. Dr. P._ ein-
geholte ausführliche Zwischenbericht vom 1. Dezember 1999 als auch die Rönt-
genbilder und -berichte der Klinik Hirslanden vom 6. Oktober 1998 und vom 5.
Oktober 1999 vorgelegen, so dass – auch aus Sicht der medizinischen Berater
der Beklagten 1 gemäss beklagteninterner E-Mail vom 16. März 2000 (act. 4/45) –
keine medizinische Veranlassung zu Zweifeln an der weiteren unfallbedingten Ar-
beitsunfähigkeit der Klägerin bestanden habe (act. 1 S. 23). Dies dokumentiere
- 46 -
auch der ärztliche Zwischenbericht gemäss beklagteninterner Memo vom 22. No-
vember 1999 (act. 4/41). Zudem hätten sämtliche vorliegenden Arztberichte eine
nach wie vor bestehende Arbeitsunfähigkeit dokumentiert (act. 32 S. 15).
ee) Unzutreffend sei sodann, dass die Klägerin eine mangelnde Kooperationsbe-
reitschaft für die von der Beklagten 1 geforderte Begutachtung an den Tag gelegt
habe: Ihre Opposition gegen die Einholung eines biomechanischen Gutachtens
sei zu Recht erfolgt, da sich eine solche ausserhalb der höchstrichterlichen Recht-
sprechung bewege und ethisch bedenklich sei. Was die geforderte psychiatrische
Abklärung betreffe, so habe sich die Klägerin auf Weisung der Beklagten 1 in Be-
handlung beim Psychiater Dr. AC._ und auf dessen Empfehlung hin bei
Dr. K._ begeben. Die Klägerin habe weder die Einholung von Zwischenbe-
richten bei den Dres. P._ und K._ noch Zusatzfragen an die ...-
Gutachter verhindert. Aus den Schreiben ihres damaligen Rechtsvertreters vom
31. März, 28. April und 24. Mai 2000 erhelle vielmehr, dass die Klägerin sich einer
psychiatrischen Begutachtung habe stellen wollen und lediglich gegen die unfaire
und sachlich nicht gerechtfertigte Fragestellung der Beklagten 1 gegenüber der ...
opponiert habe (act. 32 S. 11 f.; act. 33/114-116).
ff) Die Klägerin stellt sodann in Abrede, dass sie ab dem 30. Juli 1997 in der Lage
gewesen wäre, trotz Unfallfolgen ein Erwerbseinkommen zu generieren. Da sie im
Zeitpunkt der Lancierung ihrer neuen Broschüre im September 1999 bereits seit
zweieinviertel Jahren gesundheitlich angeschlagen und "faktisch aus dem Er-
werbsleben hinauskatapultiert" gewesen sei, habe ein Neustart offensichtlich nicht
erfolgreich angegangen werden können (act. 32 S. 14). Worin die nach dem Un-
fall angestrebte Neuausrichtung bestanden habe, legte die Klägerin mit Eingabe
vom 30. März 2006 innert der ihr hierzu angesetzten Frist (act. 72 S. 10 Ziff. II.5)
wie folgt dar (act. 105 S. 7 f.): Nachdem sie wegen kognitiver Schwierigkeiten ihre
bisherigen Haupttätigkeiten, das Vermitteln von "Liebesnestern" und die Mob-
bingberatung, habe aufgeben müssen, habe sie eine Neuausrichtung mit Karten-
legen versucht. Die Beklagte 1 sei für die Neueinrichtung der Büroräumlichkeiten
teilweise aufgekommen. Nachdem die Ärzte durchgehend eine weitgehend voll-
- 47 -
ständige Arbeitsunfähigkeit attestiert hätten, sei die Neuausrichtung des Unter-
nehmens in den Anfangsbemühungen stecken geblieben.
b) Darstellung Beklagte
aa) Die Beklagten bestreiten die Auswirkungen der Leistungseinstellung, die zu-
dem weder „plötzlich und unvermittelt“ noch hauptsächlich infolge Verweigerung
eines biomechanischen Gutachtens erfolgt sei und überdies keinen Vertragsbruch
darstelle.
bb) Zum einen legen die Beklagten anhand der von der Klägerin angeführten Be-
richte des erstbefassten Schadensinspektors dar, dass Letzterer die Klägerin
wiederholt auf die ungeklärte Frage der Kausalität hingewiesen habe (act. 16
S. 13 ff.).
cc) Zum anderen hätten die von der Beklagten 1 im Herbst 1999 eingeholte inter-
ne Unfallanalyse vom 25. November 1999 (act. 17/1), die ein Delta-v des Heck-
anstosses von weniger als 7.5 km/h ergeben habe, und die vorbehaltlose Prüfung
der dannzumal vorliegenden Berichte der behandelnden Ärzte Dres. P._
(act. 4/12-14), K._ (act. 4/16-18) und O._ (act. 4/19) bestehende Zweifel
an der Kausalität verstärkt (act. 16 S. 19). Weiter sei dazugekommen, dass die
Klägerin nach dem Schreiben vom 22. September 1999 (act. 4/34) in der TV-
Sendung „...“ auf ... [TV-Sender] aufgetreten und von der geltend gemachten
körperlichen Beeinträchtigung resp. von Gedächtnis- und Konzentrationsstörun-
gen nichts zu sehen gewesen sei (act. 36 S. 12). Auch anlässlich des längeren
Gesprächs der Klägerin vom 23. November 1999 mit Herrn AD._ von der
Beklagten 1, der selber HWS-Patient sei, habe diese nicht den Eindruck einer an-
geschlagenen Person mit Anzeichen von Gedächtnisstörungen oder Erinnerungs-
lücken gemacht (act. 36 S. 13). Unzutreffend sei weiter, dass die Beklagte 1 von
schweren Verletzungsfolgen ausgegangen sei: Die von der Klägerin diesbezüg-
lich angeführte beklagteninterne E-Mail vom 16. März 2000 (act. 4/45) dokumen-
tiere gegenteils, dass es an der Nachweisbarkeit einer Schädigung resp. der Kau-
salität gerade gefehlt habe (act. 16 S. 22 f.).
- 48 -
dd) Um die von der Klägerin nachzuweisende Haftung einer Klärung zuzuführen,
habe die Beklagte 1 daher im Dezember 1999 eine ausführliche psychiatrisch-
psychologische Beurteilung der Klägerin sowie die Einholung eines biomechani-
schen Gutachtens vorgeschlagen. Dieses zumutbare Vorgehen sei seitens der
Klägerin abgelehnt worden. Bereits im November 1999 habe sich letztere wenig
kooperativ gezeigt, indem sie grundlos die Einholung ausführlicher Zwischenbe-
richte bei den Dres. P._ und K._ erschwert (act. 4/41) und die Stellung
von Zusatzfragen an die zwischenzeitlich seitens der Invalidenversicherung be-
auftragten Gutachter der ... der Universitätskliniken Basel verhindert habe (act. 16
S. 19). So gehe aus der von der Klägerin angeführten beklagteninternen Memo
vom 22. November 1999 (act. 4/41, entsprechend act. 37/7) hervor, dass sich der
klägerische Rechtsvertreter darüber beschwert habe, dass den behandelnden
Ärzten Fragen unterbreitet und nicht bloss Formularberichte eingeholt worden
seien (act. 36 S. 9).
ee) Schliesslich seien die Zweifel der Beklagten an der Adäquanz des Unfalls
vom 30. Juli 1997 umso angebrachter gewesen, als die Klägerin am 3. März 2000
erneut in einen Auffahrunfall involviert gewesen sei und auch als Folge dieses Un-
falls gesundheitliche Beschwerden und Haftpflichtansprüche (gegen die Streitbe-
rufenen 1 und 2) geltend gemacht habe (act. 16 S. 6).
ff) Der Klägerin sei es im Übrigen durchaus möglich gewesen, aus eigener Kraft
ein ausreichendes Einkommen zu erzielen. Selbst wenn die Klägerin, wie behaup-
tet, nicht mehr im "medialen" Bereich – resp. im Bereich Mobbing-Beratung oder
Kartenlegen – hätte tätig sein können, so sei ihr immer noch ihr übriges Tätig-
keitsfeld, die sehr einträgliche Vermittlung von "Liebesnestern" und Partner-
schaftsvermittlungen zu Stundenansätzen zwischen CHF 150.- und CHF 300.-,
wie sich aus dem von der Klägerin ins Recht gelegten "..."-Artikel vom
21. März 1997 ergebe, verblieben (act. 16 S. 44 ad 74).
gg) Die Leistungseinstellung stelle schliesslich keinen Vertragsbruch dar: Mit
Schreiben vom 22. September 1999 (act. 4/34) sei die als "unpräjudiziell" be-
zeichnete Zusage erfolgt, vorläufig weiterhin einen Minderertrag unter
CHF 17'500.– auszugleichen resp. vorläufig weiterhin auf der Annahme abzu-
- 49 -
rechnen, dass die Klägerin ohne (bestrittene) unfallbedingte Beeinträchtigung ei-
nen Bruttoertrag von CHF 17'500.– erzielen würde. Die Leistung der Beklagten 1
sei demnach einerseits vom tatsächlich erzielten Verdienst der Klägerin, deren
Abrechnung und davon abhängig gewesen, dass die Beklagte guten Gewissens
habe annehmen dürfen, die Haftungsvoraussetzungen für eine Ersatzpflicht seien
gegeben (act. 16 S. 18 und 22, act. 36 S. 12). Die Saldoerklärung im späteren
Schreiben vom 22. Oktober 1999 (act. 4/35) beziehe sich gemäss klarem Wortlaut
ausschliesslich auf die bis zum 30. September 1999 ausgerichteten Leistungen
(act. 16 S. 22). Mit dem von der Klägerin angeführten Schreiben der Beklagten 1
vom 25. März 1999 gegenüber der IV-Stelle (act. 4/33) habe die Beklagte 1 die
Zahl von CHF 17'500.- wiederum nicht vorbehaltlos, sondern ausdrücklich als An-
nahme eines möglichen monatlichen Verdiensts bezeichnet (act. 16 S. 18 und
22). Dass keine vertragliche Grundlage bestanden habe, zeige schliesslich der
Umstand, dass die Klägerin nie einen Versuch zur Durchsetzung einer solchen
gemacht habe (act. 36 S. 11 f.).
hh) Die Leistungseinstellung sei die Folge der Gesamtheit dieser Umstände und
Ereignisabläufe gewesen, aufgrund derer sich die Beklagte 1 gezwungenermas-
sen auf den Standpunkt des Rechts zurückgezogen und ihrerseits ab Juli 2000
sämtliche Leistungen bis zur endgültigen Klärung der Haftungsfrage eingestellt
habe (act. 16 S. 6 und 20; act. 36 S. 7 und 40).
c) Erstellter Sachverhalt aufgrund der Parteivorbringen
aa) Wie hiervor dargelegt, leistete die Beklagte 1 ab dem Unfallfolgemonat August
1997 Entschädigungszahlungen für geltend gemachten Erwerbsausfall der Kläge-
rin (vgl. 4.2.1.c). Gemäss übereinstimmender Darstellung der Parteien gab die
Beklagte 1 der Klägerin auf deren Wunsch mit aktenkundigem Schreiben vom
22. September 1999 unter dem Betreff "Erwerbsausfall" folgende Zusage ab
(act. 4/34): "Die [Beklagte 1] geht weiterhin davon aus, dass Sie ohne Unfallfolgen einen
mutmasslichen monatlichen Umsatz von Fr. 17'500.– erzielt hätten und wird Ihnen
die Differenz zwischen diesem Betrag und dem tatsächlich erzielten Umsatz erset-
- 50 -
zen. Diese in jeglicher Hinsicht unpräjudizielle Zusage gilt vorläufig bis zum
30. September 2000 resp. bis zu einem allenfalls früheren Abschluss des Falls."
bb) Unbestritten ist weiter, dass die Beklagte 1 mit Schreiben vom 20. März 2000
(act. 4/36) die Einstellung der Ertragsausfallzahlungen wegen Zweifeln an der Ur-
sächlichkeit des Unfallereignisses für die geltend gemachten Beschwerden mitteil-
te.
cc) Während nach Darstellung der Klägerin alleiniger Grund für die Leistungsein-
stellung deren Weigerung zur Einholung eines biomechanischen Gutachtens war,
führen die Beklagten eine Reihe von nach der Zusage vom 22. September 1999
neu hinzugetretenen Umständen und Erkenntnissen an, die bestehende Zweifel
an der Ursächlichkeit des Schadenereignisses für die behauptete Erwerbsunfä-
higkeit verstärkt und zu medizinischen Abklärungen Anlass gegeben hätten. Die-
se neuen Umstände und Erkenntnisse hätten zusammen mit der mangelnden Be-
reitschaft der Klägerin zur Kooperation bei der medizinischen Abklärung zur Leis-
tungseinstellung geführt.
dd) Der vorliegende Sachverhalt wird, wie eingangs dargelegt (vgl. 4.1.), als Teil
eines die Invalidisierung mitverursachenden Fehlverhaltens der Beklagten vorge-
tragen. Allein massgeblicher Gesichtspunkt ist daher, ob sich die Beklagte 1 ein
ihr vorwerfbares Verhalten anrechnen lassen muss, das zu einer Verschlechte-
rung des Gesundheitszustands der Klägerin in psychischer Hinsicht beigetragen
und sich infolgedessen auf deren Erwerbsfähigkeit ausgewirkt hat.
ee) Es kann offen bleiben, ob die Klägerin in ihrem Verständnis der vorzitierten
Willenserklärung der Beklagten 1 vom 22. September 1999 zu schützen wäre,
wonach darin eine auf Ende September 2000 befristete, verbindliche Zusage für
monatliche Ertragsausfallentschädigungen auf der Annahme von monatlichen
Honorareinnahmen von CHF 17'500 zu sehen sei, die unter dem alleinigen Vor-
behalt eines früheren Fallabschlusses stand und auf die überdies – unabhängig
vom Nachweis der Haftung – nicht zurückzukommen war (act. 1 S. 21; act. 32 S.
14). Die Kausalitätsfrage war im September 1999 unbestrittenermassen nach wie
vor ungeklärt; der im Schreiben vom 22. September 1999 (act. 4/34) vorbehaltene
- 51 -
"frühere Fallabschluss" setzt schon begrifflich voraus, dass die Haftungsfrage
überhaupt einer Klärung zugeführt werden kann, was notwendigerweise eine Ko-
operation der Klägerin, wo sachlich gerechtfertigt und zumutbar, erforderlich
macht.
ff) Zur Frage, ob nach dem 22. September 1999 neu hinzugetretene Umstände
und neue Erkenntnisse begründeten Anlass zur Abklärung der Kausalitätsfrage
gaben, ergibt sich aus den Parteivorbringen das Folgende:
i) Der Beklagten 1 lagen Ende 1999 der Bericht der Erst- bzw. Notfallkonsul-
tation im Kantonsspital Luzern betreffend Steissbeinbeschwerden und geschwol-
lene Knöchel vom 8. August 1997 (act. 4/8) sowie die Berichte der behandelnden
Ärzte Dres. P._ (act. 4/12-14 samt Röntgenbilder und -berichte Klinik Hirs-
landen) und K._ (act. 4/16-18) sowie der neuropsychologische Testbericht
Dr. O._ vom 25. Mai 1998 (act. 4/19) vor. Andere medizinische Berichte aus
den ersten zweieinhalb Jahren ab Unfalldatum bis zur Leistungseinstellung wur-
den denn auch in diesem Verfahren nicht ins Recht gelegt.
ii) Unbestritten sind sodann die folgenden, nach dem 22. September 1999
neu hinzugetretenen Erkenntnisse resp. Umstände: Das von der Beklagten 1 ein-
geholte unfalltechnische Gutachten vom 25. November 1999 (act. 17/1) ergab ei-
ne kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung (delta-v) von weniger als 7.5
km/h und wich damit im Ergebnis stark von der Unfalldarstellung der Klägerin ge-
genüber der Beklagten 1 ("Unfallerlebnisschilderung" vom 21. August 1997 sowie
Meldung vom 12. August 1997, act. 4/7), aber auch gegenüber ihren beiden be-
handelnden Ärzten Dres. P._ und K._ sowie gegenüber der Neuropsy-
chologin Dr. O._ ab, deren Berichte sich hinsichtlich des Unfallhergangs
ausschliesslich auf die Anamnese stützten. Unbestritten blieb weiter, dass die
Klägerin nach dem Schreiben vom 22. September 1999 (act. 4/34) einen Fern-
sehauftritt in der Sendung „...“ auf ... [TV-Sender] bestritt und von der geltend
gemachten körperlichen Beeinträchtigung resp. von Gedächtnis- und Konzentrati-
onsstörungen nichts zu sehen war (act. 36 S. 12; act. 105 S. 13). Eigener Darstel-
lung der Klägerin zufolge war sie sodann am 3. März 2000 in einen weiteren Auf-
fahrunfall involviert und machte auch hieraus Haftpflichtansprüche geltend. Nicht
- 52 -
substantiiert bestritten wurde schliesslich, dass – entgegen den Vorbringen der
Klägerin – der von ihr angeführten beklagteninternen E-Mail vom 16. März 2000
(act. 4/45) zu entnehmen ist, dass aus Sicht der medizinischen Berater der Be-
klagten 1 im März 2000 weder eine Schädigung noch die Kausalität anhand der
Röntgenbilder der Klinik Hirslanden nachweisbar waren (act. 16 S. 22 f. ad 26;
act. 32 S. 15 ad 26).
iii) Diese nach dem Schreiben vom 22. September 1999 neu hinzugetrete-
nen Umstände resp. Erkenntnisse, insbesondere zur Unfallschwere, waren
durchaus geeignet, bestehende Zweifel an der Kausalität der behaupteten Be-
schwerden zu verstärken; die Beklagte hatte somit begründeten Anlass für die
Anhandnahme entsprechender Abklärungen im Dezember 1999.
gg) Zur Frage der behaupteten mangelnden Bereitschaft der Klägerin, zu sachlich
gerechtfertigten und zumutbaren Abklärungen Hand zu bieten, ergibt sich aus den
Parteivorbringen das Folgende:
i) Übereinstimmender Schilderung der Parteien zufolge schlug die Beklagte
1 im Dezember 1999 eine ausführliche psychiatrisch-psychologische Beurteilung
der Klägerin sowie die Einholung eines biomechanischen Gutachtens vor. Nach
Darstellung der Beklagten behinderte die Klägerin die Einholung ausführlicher
Zwischenberichte bei den behandelnden Ärzten Dres. P._ und K._, ver-
hinderte die Unterbreitung von Zusatzfragen betreffend die psychiatrische Seite
der geklagten Beschwerden an die ... und unterband die Einholung eines biome-
chanischen Gutachtens mittels vorsorglichem Verbot.
ii) Zum ersteren Vorbringen betreffend die Einholung ausführlicher Zwi-
schenberichte bei den behandelnden Ärzten Dres. P._ und K._ blieb
Folgendes unbestritten: Dem Ersuchen der Beklagten 1 vom 22. Oktober 1999
um Einsichtnahme in die medizinischen Unterlagen der Klägerin wurde vom da-
maligen Rechtsvertreter der Klägerin zunächst lediglich hinsichtlich der Akten der
beiden behandelnden Ärzte Dres. P._ und K._, nicht aber jener der IV
und der T._, stattgegeben (act. 36 S. 8 f.; act. 105 S. 13; act. 37/1-2). Nach-
dem die Beklagte 1 am 1. November 1999 mit diversen Fragen an Prof. Dr.
- 53 -
P._ und am 11. November 1999 an Dr. K._ gelangt war, beschwerte
sich der klägerische Rechtsvertreter telefonisch darüber, dass den Ärzten Fragen
gestellt und nicht nur Formularberichte eingeholt würden (act. 36 S. 8 f.; act. 105
S. 13; act. 37/4-7).
iii) Nicht bestritten ist sodann, dass die Beklagte 1 nach erfolgtem Hinweis
vom 1. November 1999 an die Klägerin die IV mit den Schreiben vom 29. Novem-
ber 1999 sowie vom 2. Februar 2000 ersuchte, der mittlerweile beauftragten ... ...
im Rahmen der Begutachtung zusätzliche Fragen zur Klärung der psychiatrischen
Seite der geklagten Beschwerden zur Beantwortung zu unterbreiten (act. 36 S. 8
f.; act. 105 S. 13; act. 37/8-9). Mit Schreiben vom 11. Februar 2000 – und gleicher
Mitteilung an die IV-Stelle – erklärte sich der klägerische Rechtsvertreter mit den
Zusatzfragen nicht einverstanden und unterband deren Beantwortung (act. 36 S.
8 f.; act. 105 S. 13; act. 37/10).
iv) Unbehelflich ist das unsubstantiiert gebliebene Vorbringen der Klägerin,
mit den Schreiben ihres damaligen Rechtsvertreters vom 31. März 2000 und vom
28. April 2000, mithin nach Leistungseinstellung, lediglich gegen die – nicht dar-
gelegte – unfaire und sachlich nicht gerechtfertigte Fragestellung der Beklagten 1
an die ... opponiert zu haben (act. 32 S 11 f.).
v) Dasselbe gilt für die weiteren Vorbringen der Klägerin zur Illustrierung ih-
rer Bereitschaft zu einer psychiatrisch-psychologischen Beurteilung: Sie beruft
sich zum einen darauf, sich auf Weisung der Beklagten 1 zum Psychiater Dr.
AC._ und auf dessen Empfehlung zu Dr. K._ in Behandlung begeben zu
haben, und zum anderen darauf, dass sie mit Schreiben ihres damaligen Rechts-
vertreters vom 31. März 2000 und vom 24. Mai 2000 mitgeteilt habe, sich einer
psychiatrischen Begutachtung stellen zu wollen, doch sei die Beklagte 1 während
Monaten nicht auf ihre konkreten Gutachtervorschläge eingegangen resp. habe
diese abgelehnt (act. 32 S. 11 f.). Diese – bestrittenen – Vorbringen sind allein
schon aufgrund der Chronologie nicht geeignet, den Einwand der mangelnden
Kooperation vor der Leistungseinstellung zu einer medizinischen Abklärung in
psychiatrisch-psychologischer Hinsicht zu entkräften: Unbestritten blieb, dass die
Klägerin im Frühjahr 1998 den ihr vom Schleudertraumaverband empfohlenen
- 54 -
Psychiater Dr. AC._ aufsuchte und dies der Beklagten 1 mit aktenkundigem
Schreiben vom 16. Februar 1998 mitteilte (act. 16 S. 14; act. 32 S. 9; act. 4/22).
Damit erscheint nicht glaubhaft, dass die Klägerin, wie an anderer Stelle behaup-
tet, Dr. AC._ "auf Weisung" der Beklagten 1 aufgesucht habe (act. 32 S. 8)
resp. wiederum an anderer Stelle, dass die Beklagte 1 "klar damit einverstanden"
gewesen sei, dass die Klägerin Dr. AC._ aufsuche (act. 32 S. 9). So oder
anders aber kann aus dem Aufsuchen eines ihr empfohlenen behandelnden Psy-
chiaters im Frühling 1998 nichts für die behauptete Bereitschaft zur psychiatri-
schen Begutachtung im Dezember 1999 – nach Vorliegen der auf ein Bagateller-
eignis hindeutenden Unfallanalyse – abgeleitet werden. Was schliesslich die bei-
den angeführten Schreiben des damaligen klägerischen Rechtsvertreters anbe-
trifft, so ergingen diese, wie dargelegt, erst nach erfolgter Leistungseinstellung.
vi) Unbestritten ist schliesslich, dass die Klägerin die Einholung eines bio-
mechanischen Gutachtens verhindert hat: Nach Übermittlung eines Auftragsent-
wurfs für eine gemeinsame Beauftragung des Ingenieursbüros AE._ in ...
(Deutschland) mit Schreiben der Beklagten vom 10. Januar 2000 an den klägeri-
schen Rechtsvertreter zwecks Gewährleistung der Mitwirkungsrechte der Klägerin
liess Letztere die Übermittlung ihrer Personendaten an die Gutachterstelle mittels
vorsorglichem Verbot vom 10. März 2000 untersagen (act. 16 S. 19 f.; act. 32 S.
12 f.; act. 4/49; act. 17/7-8).
hh) Nach unbestritten gebliebener Darstellung der Beklagten erfolgte die Leis-
tungseinstellung sodann nicht plötzlich und unerwartet. Der fallführende Sachbe-
arbeiter der Beklagten 1 habe die Klägerin, wie sich aus den von Letzterer ange-
rufenen Berichten und Memos ergebe, wiederholt auf die offene Kausalitätsfrage
resp. die Einschätzung des Unfalls als geringfügig hingewiesen: Aus dem Bericht
vom 9. November 1997 (act. 4/20) geht nebst der Feststellung einer nur minimen
Beschädigung der Fahrzeuge gemäss den Schadensbildern der Hinweis an die
Klägerin hervor, dass aufgrund der leichten Kollision „kaum mit einer allzu langen
Heilungsdauer“ zu rechnen sei und weitere Akontozahlungen auch deshalb vor-
genommen würden, um den Heilungsverlauf nicht negativ durch eine Verweige-
rungshaltung zu erschweren (act. 16 S. 13; act. 32 S. 9). Dem Bericht des Scha-
- 55 -
densinspektors vom 27. März 1998 (act. 4/24) ist einerseits zu entnehmen, dass
letzterer bei allem Entgegenkommen an einer sauberen medizinischen Abklärung
der Beschwerden und der Überprüfung des behaupteten Erwerbausfalls festhielt,
sowie andererseits die Ankündigung der Klägerin von diversen Zeitungsartikeln
über ihr „Schicksal“ (act. 16 S. 14 f.; act. 32 S. 9). Dem Bericht des Schadensin-
spektors vom 3. Mai 1998 (act. 4/27) ist – nebst der Verweigerung des Ersatzes
von verkochter Wäsche wegen mangelnder Kausalität – unter "weiteres Vorge-
hen" der Vermerk zu entnehmen, dass die Kausalitätsfrage im Auge zu behalten
ist (act. 16 S. 16; act. 32 S. 9). Zu verweisen ist sodann auf den Widerspruch zum
Vorbringen der Klägerin an anderer Stelle, wonach die Gespräche mit dem ab Ap-
ril 1999 zuständigen neuen Sachbearbeiter (AB._) – an welchen sie, wie
dargelegt, noch im Oktober 1999 ein äusserst anerkennendes Schreiben richtete
– "für die Klägerin von Anfang an völlig unbefriedigend" verlaufen seien (act. 105
S. 8).
jj) Aufgrund des Gesagten ist festzuhalten, dass die Leistungseinstellung der Be-
klagten 1 mit Schreiben vom 22. März 2000 weder plötzlich noch unerwartet noch
ohne sachliche Gründe erfolgt ist, sondern die Folge der mangelhaften Bereit-
schaft der Klägerin war, bei zumutbaren und aufgrund neuer Erkenntnisse resp.
neu hinzugetretener Umstände sachlich gerechtfertigten Abklärungen der Haf-
tungs- und insbesondere der Kausalitätsfrage mitzuwirken.
kk) Selbst wenn man davon ausgehen wollte, dass – ungeachtet der aufgezeigten
neuen Erkenntnisse und Umstände (delta-v, neuerlicher Unfall), die Zweifel hin-
sichtlich der Kausalität zu verursachen geeignet waren, und ungeachtet der Ko-
operation der Klägerin bei der Abklärung der Haftungsvoraussetzungen – Er-
tragsausfallentschädigungen bis Ende September 2000 zu leisten gewesen wä-
ren, fehlt es vorliegend angesichts der sich widersprechenden Vorbringen der
Klägerin an nachvollziehbaren Auswirkungen im Sinne eines die Invalidisierung
mitverursachenden Elements:
i) Mit Klageschrift lässt die Klägerin ausführen, dass sie die Neuausrichtung
ihres Geschäfts auf Kartenlegen mit finanzieller Hilfe der Beklagten 1 vorangetrie-
ben habe und "all diese berechtigten Hoffnungen" in der Folge durch die Hand-
- 56 -
lungsweise der Beklagten 1 "mit einem Schlag zunichte gemacht" worden seien,
sodass sie ihr Vertrauen in ihre selbständige Erwerbstätigkeit und damit ihre be-
rufliche Zukunft verloren habe (act. 1 S. 19 f.). Demgegenüber trägt die Klägerin
replicando zur nämlichen Randziffer vor, ein Neustart mit Kartenlegen habe offen-
sichtlich gar nicht erfolgreich sein können, nachdem die Klägerin im Zeitpunkt der
Lancierung ihrer neuen Broschüre im September 1999 bereits seit zweieinviertel
Jahren gesundheitlich angeschlagen und "aus dem Erwerbsleben hinauskatapul-
tiert" gewesen sei (act. 32 S. 14 ad 22.-24.). Einer Neuausrichtung konnte mithin
bereits bei Lancierung der Broschüre im September 1999 – Monate vor der Leis-
tungseinstellung durch die Beklagte und insbesondere auch vor Verfassen des
vorerwähnten anerkennenden Dankesschreibens der Klägerin an den (neuen)
Sachbearbeiter der Beklagten – eigener Darstellung der Klägerin zufolge gar kein
Erfolg beschieden sein. Wiederum an anderer Stelle schliesslich wird ausgeführt,
die Neuausrichtung auf Kartenlegen sei in den Anfangsphasen und -bemühungen
stecken geblieben, nachdem die Ärzte der Klägerin durchgehend eine weitgehen-
de Arbeitsunfähigkeit attestiert hätten (act. 105 S. 8). Nach dieser Sachdarstel-
lung wäre die Neuausrichtung demnach wegen der ärztlich attestierten Arbeitsun-
fähigkeit – und damit indirekt wohl wegen (geklagter) Beschwerden – gescheitert.
Es mangelt somit vorliegend an einer nachvollziehbaren Begründung, inwiefern
die mit Schreiben vom 20. März 2000 mitgeteilte Leistungseinstellung sich auf die
Klägerin resp. deren Erwerbstätigkeit ausgewirkt hätte. Zu erinnern ist daran,
dass die Klägerin in anderem Zusammenhang – Fehlverhalten bei der Schaden-
fallbearbeitung ab März 1999 (vgl. hiervor 4.2.1.) – eine bereits vor November
1999 eingetretene Verschlechterung ihres Gesundheitszustands ("schwerer
psychophysischer Erschöpfungszustand") wegen – auf Nachfrage nicht benenn-
barer – "ungünstig lautender Briefe" der Beklagten 1 geltend machte. Dahinge-
stellt bleiben kann, wie sich obiges Vorbringen mit dem unbestritten gebliebenen
Fernsehauftritt der Klägerin im September 1999 in Einklang bringen lässt. Es wird
auf das zu sich widersprechenden Vorbringen Gesagte verwiesen.
ii) Aufgrund der Parteivorbringen erstellt ist schliesslich, dass es schon an
einer Neuausrichtung des klägerischen Geschäfts mangelte, die hätte "zunichte
gemacht" werden können: Eigener Darstellung der Klägerin zufolge war ihr die
- 57 -
Weiterverfolgung ihrer bisherigen Tätigkeiten (Vermittlung von "Liebesnestern",
Mobbing-Beratung) wegen kognitiver Schwierigkeiten verwehrt, was Anlass für
die angestrebte "Neuausrichtung auf Kartenlegen" war (act. 1 S. 19 f.; act. 105
S. 8). An anderer Stelle führte die Klägerin aus, wegen der Schmerzen und "ins-
besondere mit den Beklagten erlebten Frustrationen" nicht mehr im medialen Be-
reich tätig sein zu können (act. 1 S. 19 Rz 24 und S. 49 Rz 74). Unbestritten blieb
das Vorbringen der Beklagten, dass sich die vermeintliche Neuausrichtung der
klägerischen Tätigkeit in einer äusserlichen Umgestaltung des Geschäftslokals
und im Druck neuer Broschüren und Briefpapier erschöpft, das Dienstleistungs-
angebot nach dem Umbau im Übrigen aber vollumfänglich der angeblichen bishe-
rigen Tätigkeit entsprochen habe, wie der Vergleich der im September 1999 neu
erstellten Broschüre mit den Tätigkeitsbeschrieben in den eingereichten Zei-
tungsberichten verdeutliche (act. 16 S. 21 ad 22-24; act. 32 S. 13 f. ad 22-24).
d) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass aufgrund der (auch) diesbezüglich
ungereimten Vorbringen der Klägerin nicht nachvollziehbar dargelegt wurde, dass
und wie sich die Leistungseinstellung per März 2000 auf die Klägerin resp. deren
Erwerbstätigkeit ausgewirkt hätte, sodass eine dadurch verursachte iatrogen-
artige Schädigung zu verneinen ist.
4.2.3. Versuchte Nötigung (biomechanisches Gutachten)
a) Die Klägerin wirft – wiederum unter dem Titel eines Fehlverhaltens der Beklag-
ten 1 – weiter die Frage auf, ob in der mit Schreiben vom 29. November 1999
kommunizierten Absicht der Letzteren, beim deutschen Institut AE._ ein bio-
mechanisches Gutachten einzuholen, eine versuchte Nötigung zu sehen sei (act.
1 S. 23 ff.). Diese strafrechtliche Seite dürfe in vorliegenden Verfahren nicht aus-
geblendet werden, da das Fehlverhalten der Beklagten 1 entscheidrelevant sei
(act. 32 S. 15). Die Klägerin habe ein solches Gutachten als ein irrelevantes und
sachfremdes Vorgehen abgelehnt. Es folgen sodann Ausführungen zur ethischen
und rechtsstaatlichen Bedenklichkeit von biomechanischen Gutachten und damit
des Vorgehens der Beklagten 1 (act. 32 S. 17).
- 58 -
b) Die Beklagten verweisen im Wesentlichen auf das Ergebnis des Strafverfah-
rens, auf die Rechtsprechung des Bundesgerichts zur Relevanz von biomechani-
schen Gutachten in Fällen, wo die medizinische Aktenlage für die Abklärung des
Kausalzusammenhangs nicht aussagekräftig sei, auf die Natur eines biomechani-
schen Gutachtes als eines Aktengutachtens und schliesslich auf die von der Klä-
gerin u.a. auf deren Homepage öffentlich gemachte, als verfehlt bezeichnete Auf-
fassung, die Beklagte 1 wolle sie gegen ihren Willen einem eigentlichen Crash-
Test unterziehen (act. 16 S. 26; act. 36 S. 14 ).
c) Die Klägerin erstattete am 21. Dezember 2001 Strafanzeige gegen zwei Mitar-
beitende der Beklagten 1 (act. 1 Rz 27 ff.). Nach Erledigung von Vorwürfen u.a.
wegen Drohung, Diebstahl, Hausfriedensbruch und Rassendiskriminierung mittels
Einstellungsverfügung wurde am 29. April 2003 Anklage wegen versuchter Nöti-
gung erhoben, nach unbestritten gebliebener Darstellung der Beklagten nach vo-
rangegangener erfolgloser Empfehlung des Bezirksanwalts, die Strafanzeige zu-
rückzuziehen (act. 36 S. 3; act. 105 S. 13). Mit Eingabe vom 23. Dezember 2003
informierte die Beklagte 1 darüber, dass ihre beiden Mitarbeiter mit Urteil des Be-
zirksgerichts Zürich vom 23. Oktober 2003 vom Vorwurf der Nötigung freigespro-
chen worden seien (act. 39, 40). Die Klägerin zog ihre Berufung gegen den Ent-
scheid (vgl. act. 45 S. 2 ff.) in der Folge zurück, gemäss Stellungnahme vom 30.
März 2006 (act. 105 S. 11 f. Ziff. 11) aus gesundheitlichen Gründen und „im Lich-
te der Schadenminderungspflicht".
d) Relevanz für vorliegendes Verfahren
Unter dem hier allein interessierenden Blickwinkel eines die Invalidität der Kläge-
rin mitverursachenden Fehlverhaltens der Beklagten 1 kommt dem Nebenschau-
platz des Strafverfahrens im vorliegenden Verfahren keine eigenständige Bedeu-
tung zu: Es fehlt an jeglichen Behauptungen dazu, inwiefern der Vorschlag der
Beklagten 1 zur Einholung eines biomechanischen Gutachtens sich in Form einer
Verschlechterung des (psychischen) Gesundheitszustands der Klägerin und/oder
deren Erwerbsfähigkeit ausgewirkt haben soll: Eigener Darstellung zufolge lehnte
die Klägerin die Einholung eines biomechanischen Gutachtens im Dezember
1999 als irrelevant (act. 1 S. 23) sowie in der Folge wiederholt aus ethischen und
- 59 -
rechtsstaatlichen Bedenken ab (act. 32 S. 17). Es werden somit keine Auswirkun-
gen geltend gemacht, die über das hiervor zu den Auswirkungen der Leistungs-
einstellung im März 2000 bereits Berücksichtigte hinausgehen würden.
e) H._-Berichterstattung zum Nötigungsprozess
Der Vollständigkeit halber ist auf das Vorbringen der Klägerin in diesem Zusam-
menhang einzugehen (act. 45 S. 2 ff.), wonach die Beklagte 1 und ihr Rechtsver-
treter auf dem Nebenschauplatz des Nötigungsprozesses versucht hätten, die
Klägerin "mit gütiger Hilfe der H._ als ihre Dienerschaft [...] durch unkorrekte
Berichterstattung" in ein schlechtes Licht zu rücken und gegenüber Richtern und
Medien gezielt an deren Glaubwürdigkeit zu rütteln, dies vor dem Hintergrund,
dass es bei Schleudertraumafolgen ohne organischen Nachweis der Beschwer-
den weitgehend auf die Glaubwürdigkeit der geschädigten Person ankomme.
Soweit die Klägerin die Berichterstattung der H._ über das Strafverfahren als
unkorrekt kritisiert, ist das vorliegende Verfahren nicht der Ort, um dies zu korri-
gieren. Die Klägerin legt denn auch selber dar, direkt bei der H._ (erfolglos)
interveniert und in der Folge mithilfe des Medienrechtsspezialisten Prof. Dr.
AF._ eine Ehrverletzungsklage angestrengt zu haben (act. 45 S. 4 f.). Kein
prozessual unzulässiges Verhalten ist in der Nennung des Bezirksrichters resp.
des Bezirksanwalts als Zeugen für die aktive Teilnahme resp. den mündlichen
Vortrag der Klägerin an einer Einvernahme resp. einer Verhandlung mit Duplik-
schrift zu sehen. Ebenso wenig liegt darin ein – wiederum nicht in diesem Verfah-
ren zu monierender – Eingriff in ein hängiges Strafverfahren, zumal das besagte
erstinstanzliche Verfahren mit Urteil vom 23. Oktober 2003 (act. 40) – und damit
vor Publikation des ersten H._-Artikels vom 24. Oktober 2003 und vor Einrei-
chung der Duplikschrift vom 7. November 2003 – abgeschlossen war. Die daraus
abgeleitete Beweisvorkehr, dass angesichts der Beeinträchtigung der Glaubwür-
digkeit der Klägerin durch die Medienberichterstattung von einer erneuten Begut-
achtung abzusehen sei, ist angesichts der Beweisantretungsschrift der Klägerin
(act. 153) hinfällig.
- 60 -
4.2.4. Anonyme Schreiben / Überfälle (Sachverhalte vor Klageeinreichung)
a) Wie hiervor erwähnt, diagnostizierte die Gutachterin der PUK bei der Klägerin
im August 2012 (act. 269/1) eine schwere psychiatrische Erkrankung (paranoide
Schizophrenie), die sich seit mindestens 10 Jahren schleichend entwickelt habe
und sich u.a. in Wahn- und Verfolgungserleben äussere. Aus dem Gutachten geht
im Einzelnen nicht hervor, welche der von der Klägerin in diesem Verfahren ein-
gebrachten und in der Folge zum Beweis verstellten Sachverhalte dem krank-
heitsbedingten Erleben der Klägerin zuzuordnen sind. Um dem Einwand der Klä-
gerin, unfallbedingt zu genauerer Schilderung der Vorgänge nicht in der Lage zu
sein, Rechnung zu tragen, wurden die nachfolgenden Sachverhalte, die zeitlich
vor Klageeinreichung anzusiedelnde Vorfälle und Urkunden (wohl 1996 bis 8. No-
vember 2002) beschlagen, trotz ungenügender Substantiierung zum Beweis ver-
stellt.
b) Die Beklagten stellen jede Involvierung in die von der Klägerin geschilderten
Vorgänge und Sachverhalte - auch gemäss den weiteren Beweissätzen 17 bis 20
sowie 29 bis 44 - im Einzelnen in Abrede und äussern grösste Zweifel an deren
Wahrhaftigkeit resp. an der Echtheit der eingereichten Drohbriefe. Sie bestreiten
dementsprechend auch die in diesem Zusammenhang geltend gemachte enorme
Belastungssituation der Klägerin und stellen wiederholt jegliches Fehlverhalten
von Mitarbeitenden der Beklagten 1 bei der Schadenfallbearbeitung in Abrede
(act. 16 S. 26 f.). Es grenze daher an eine Verunglimpfung der Versicherungsan-
gestellten anzunehmen, dass die nicht im Original vorgelegten Drohbriefe nicht
von der Klägerin selber verfasst worden seien, um sich als Opfer auch von psy-
chischen Angriffen hinzustellen (act. 36 S. 3 f. und 15).
c) Mit Beschluss vom 1. Oktober 2007 (act. 135 S. ) wurde der Klägerin der Be-
weis auferlegt (Beweissätze 21 bis 28),
„21. dass die Klägerin am 20. April 2000 in ihrem Büro überfallen wurde und ihr dabei alle
ihre Unterlagen zur vorliegenden Streitigkeit entwendet wurden,
22. dass die Beklagte mit diesem Überfall vom 20. April 2000 etwas zu tun hat,
- 61 -
23. dass die Klägerin am 8. November 2002 in ihrem Büro überfallen wurde,
24. dass die Beklagte mit diesem Überfall vom 8. November 2002 etwas zu tun hat,
25. dass das „Schreiben von Verwaltungsratspräsident Dr. iur. AG._ intern an
Dr. AH._ vom 3. Juni 1996“ (act. 4/74) von Dr. AG._ stammt,
26. dass das „Interne Schreiben AI._ an Dr. AH._ vom 14. Juni 1996“ (act. 4/75)
von Dr. AI._ stammt,
27. dass die „ZIS-Meldung F._ vom 16. März 1998“ (act. 4/76) von der F._
stammt,
28. dass das Schreiben „AJ._“ act. 4/77 aus der F._ stammt.“
d) Die Klägerin anerbot als Beweismittel ihre persönliche Befragung sowie – zu
den Beweissätzen 25 bis 28 – ein Schriftgutachten (act. 153). Mit Beweisabnah-
mebeschluss vom 11. November 2009 wurde festgehalten, dass die Klägerin mit
Zeugnis ihrer behandelnden Psychiaterin Dr. K._ vom 17. Januar 2006 (act.
102) sowie erneut vom 5. November 2007 (act. 142/5) für einvernahmeunfähig
erklärt und festgehalten worden sei, dass sich dieser Zustand während der Dauer
des Prozesses nicht ändern werde. Weiter wurde erwogen, dass ein Schriftgut-
achten nicht beweistauglich sei, nachdem weder die Echtheit der Unterschriften
noch jene der verwendeten Briefköpfe als solche zur Diskussion stünden, sondern
diese in die als offensichtliche Collagen daherkommenden Briefe hineinkopiert
worden seien (vgl. im Einzelnen act. 163 S. 3 ff. und 14 f.; ebenso act. 72 S. 5).
Damit liegt, wie im Beweisabnahmebeschluss festgehalten, zu den Beweissätzen
21 bis 28 kein abzunehmendes Beweismittel vor, weshalb die betreffenden Sach-
verhalte als nicht verwirklicht zu gelten haben. Anzumerken bleibt zur Beweislage,
dass die Klägerin im Hauptverfahren wiederholt auf erstattete Anzeigen und lau-
fende Ermittlungen zu Täterschaft und der Herkunft von diversen Schreiben ver-
weist (so bei Dr. AK._, Bezirksanwaltschaft Zürich, act. 1 S. 27, 28, 40;
ebenso Tatortbesichtigung durch Kriminalpolizei Zürich, act. 1 S. 63), entspre-
chende Beweisofferten mit Beweisantretungsschrift indes unterblieben sind.
e) Zu ergänzen bleibt, dass es hinsichtlich der obigen Sachverhalte ohnehin an
hinreichend substantiierten resp. nachvollziehbaren Vorbringen dazu fehlt, inwie-
- 62 -
fern diese ein der Beklagten 1 zuordenbares Fehlverhalten darstellen. So führt die
Klägerin zu den Sachverhalten gemäss den Beweissätzen 21 bis 24 (Überfälle)
aus, dass sich die Beklagte mit Schreiben vom 16. Mai 2000 (act. 4/59) zwar von
der Überwachung und Telefonabhörung, nicht aber dem Überfall vom 20. April
2000 selbst distanziert habe, resp., zum weiteren Überfall (8. November 2002),
dass der Täter gemäss seinen Äusserungen „über diverse Einzelheiten in diesem
Schadenfall bestens im Bilde“ gewesen sei und offenbar versucht werden solle,
die Klägerin als „Spinnerin“ abzuqualifizieren. Indem die Klägerin diese Vorfälle
einerseits in diesem Verfahren unter dem Titel eines Fehlverhaltens der Beklag-
ten 1 vortragen lässt, andererseits „mit Erwähnung dieses Vorfalls [...] keine
Schuldzuweisung“ vornehmen, sondern „einzig die enorme Belastungssituation
für die Klägerin dokumentieren“ will (act. 1 S. 27 f.), verletzt ihr Vorgehen den
Grundsatz von Treu und Glauben im Prozess.
f) Zurückzukommen wäre sodann auf die Beweissätze 25 bis 28, welche ver-
meintlich der Streitberufenen 1 zuzurechnende Dokumente betreffen (act. 4/74-
77), sodass es an Vorbringen dazu fehlt, inwiefern darin ein der Beklagten 1 zu-
ordenbares Fehlverhalten erblickt werden könnte (act. 1 Rz 57). Angesichts der
unterbleibenden Beweisabnahme erübrigen sich hier Weiterungen.
4.2.5. Drohbriefe / „Unterstützungsschreiben“ nach Klageeinleitung
a) Eingang in das Beweisverfahren fanden sodann diverse Drohbriefe und „Unter-
stützungsschreiben“ mit (behauptetem) Eingang nach Klageanhebung. Die Be-
klagten bestreiten durchwegs und detailliert, mit den anonymen Drohbriefen und
„Unterstützungsschreiben“ etwas zu tun zu haben (act. 36 S. 44, act. 107 S. 5 f.
act. 116 S. 6 f. und 12), und dass ein Rundschreiben der Beklagten 1 betreffend
die Klägerin oder deren Schadenfall je existiert habe (107 S. 5 f.). Sie halten da-
für, dass die Echtheit der Schreiben zu hinterfragen sei resp. diese eindeutig
fabrizierte, gefälschte Urkunden und die Behauptungen der Klägerin eine massi-
ve, durch nichts indizierte Unterstellung seien. Es falle auf, dass die in den
Schreiben jeweils gewählte Abkürzung für die Beklagte 1, „...“, nur von der Kläge-
rin selbst verwendet werde. Die Abkürzung sei für die Beklagte 1 völlig unge-
bräuchlich (act. 107 S. 5 f.). Letztere Behauptung fand Eingang in Beweissatz 45.
- 63 -
b) Trotz widersprüchlichen resp. nicht schlüssigen Vorbringen zu den nachfolgend
aufgezählten Dokumenten wurde, um der behaupteten unfallbedingten Unfähig-
keit der Klägerin zur genaueren Darlegung Rechnung zu tragen, der Klägerin der
Beweis auferlegt (act. 135, Beweissätze 29 bis 36),
„29. dass die Schreiben act. 28/5.1-5.3 aus der Sphäre der Beklagten bzw. der T._ Versicherung stammen,
30. dass das Schreiben act. 33/176 aus der Sphäre der Beklagten stammt,
31. dass die Schreiben act. 46/14-16 aus der Sphäre der Beklagten stammen,
32. dass die Schreiben act. 43, 44, 47, 48, 50, 51, 53, 60, 61 und 65 aus der Sphäre der Beklagten stammen,
33. dass die Schreiben act. 106/9-11 aus der Sphäre der Beklagten stammen,
34. dass das Schreiben J._ vom Juli 2004 act. 106/17 von Dr. J._ stammt,
35. dass das Schreiben act. 106/18 aus der Sphäre der Beklagten stammt,
36. dass das Schreiben act. 106/24 aus der Sphäre der Beklagten stammt.“
c) Nachdem die Klägerin als Beweismittel ihre persönliche Befragung sowie ein
Schriftgutachten anerbot (act. 153), ist auf die Erwägungen im Beweisabnahme-
beschluss vom 11. November 2009 zu verweisen, wonach zu den Beweissätzen
29 bis 36 kein abzunehmendes Beweismittel vorliegt und die betreffenden Sach-
verhalte als nicht verwirklicht zu gelten haben (act. 163 S. 3 ff. und 13 ff.).
d) Im Übrigen wäre auch auf diese Beweissätze wegen fehlender Vorbringen zur
Zuordenbarkeit zur Beklagten (betreffend act. 28/5.2, act. 33/176, act. 43), zu
Auswirkungen auf die Klägerin (act. 47 und 48, beim Gericht eingegangen), man-
gelnder Schlüssigkeit resp. Substantiierung der Vorbringen (act. 46/14-16; act.
106/9-11; 106/17-18, 106/24) zurückzukommen, was angesichts der unterblei-
benden Beweisabnahme indes hinfällig ist.
e) Damit ist nicht erstellt, dass die genannten Drohbriefe und Unterstützungs-
schreiben der Sphäre der Beklagten zuzuordnen sind, und gelten die betreffenden
Sachverhalte als nicht verwirklicht. Damit erübrigt sich eine Beweisabnahme zu
Beweissatz 45.
- 64 -
4.2.6. Schläge und Handverletzung (Beweissätze 17 bis 20)
a) Der Faxeingabe der Klägerin persönlich vom 2. Dezember 2004 (act. 60A) sind
u.a. Ausführungen dazu zu entnehmen, dass die Klägerin an der Hand verletzt
und sie angeblich mehrmals geschlagen worden sei. Der Klägerin wurde daher im
Rahmen von § 55 ZPO/ZH aufgegeben darzulegen, wann und wie ihr die Hand
verletzt wurde resp. wann die Schläge wo und bei welchen Gelegenheiten gegen
sie erfolgten sowie, soweit möglich, darzulegen, vom wem sie an der Hand ver-
letzt resp. geschlagen wurde (Beschluss vom 23. März 2005; act. 72 Ziff. II.7.- 8.).
Die Stellungnahme ihres Rechtsvertreters vom 30. März 2006 zur behaupteten
Handverletzung beschränkt sich auf die Bestätigung, dass eine solche erfolgt sei,
die Klägerin hierzu im Übrigen keine weiteren Angaben machen wolle und dürfe,
um nicht den Vorwurf falscher Anschuldigung zu provozieren. Hinsichtlich der be-
haupteten (Vielzahl von erlittenen) Schlägen findet sich lediglich ein Antrag zum
Beizug der Akten der Kriminalpolizei, die der Klägerin aus Untersuchungsgründen
nicht zur Verfügung stünden (act. 105 S. 8).
b) Die Argumentation der anwaltlich vertretenen Klägerin in ihrer unsubstantiiert
gebliebenen Stellungnahme kann nicht nachvollzogen werden: Weder hätte die
Klägerin mit Angabe von Ort und Zeitpunkt der Handverletzung oder der Schläge
eine Anschuldigung erhoben. Noch hätte sie sich – selbst bei Nennung einer
möglichen Täterschaft – dem Vorwurf der falschen Anschuldigung ausgesetzt, der
eine wissentlich falsche Bezichtigung einer bestimmten Person verlangt. Zum
Dritten fehlt jede Erklärung dafür, weshalb die Klägerin einerseits wegen behaup-
teter Schläge offenbar Anzeige erstattet hat, andererseits zur behaupteten Hand-
verletzung gar keine zeitlichen und örtlichen Angaben machen will und kann, um
nicht den Vorwurf falscher Anschuldigung zu provozieren. Damit fehlt es an einer
sinnigen Begründung resp. einer zumutbaren Substantiierung der behaupteten
Verletzungen in zeitlicher und örtlicher Hinsicht. Da der Beizug polizeilicher Akten
eine minimale Substantiierung, wie vorliegend im Rahmen von § 55 ZPO/ZH er-
fragt, voraussetzt, wären die Vorbringen der Klägerin grundsätzlich nicht zum Be-
weis zu verstellen, was indes - wiederum vor dem Hintergrund der behaupteten
Substantiierungsunfähigkeit – erfolgt ist.
- 65 -
c) Mit Beweisantretungsschrift (act. 153) wurden weder die vorerwähnte Edition
polizeilicher Akten noch Arztberichte oder Zeugen, sondern wiederum einzig die
persönliche Befragung offeriert. Aus den vorerwähnten Erwägungen gemäss Be-
weisabnahmebeschluss (act. 163 S. 3 ff.) gelten die Sachverhalte gemäss den
Beweissätzen 17 bis 20 damit als nicht verwirklicht. Offen bleiben kann, inwiefern
auch diese Sachverhalte Ausdruck des krankheitsbedingten Erlebens der Kläge-
rin sind.
4.2.7. Entfernung von Replikbeilagen (Beweissätze 41 bis 44)
a) Die Klägerin macht weiter geltend, dass der beklagtische Rechtsvertreter die
ihm zwecks Erstellung der Duplik zur Einsichtnahme überlassenen Replik-Ordner
(Buchhaltungsunterlagen) der Firma AL._ zur Prüfung übergeben habe und
dort auf Veranlassung der Beklagten diverse Dokumente entfernt worden seien,
so insbesondere Kontakt- und Kundenlisten. Der Klägerin sei es acht Jahre nach
den Ereignissen unmöglich, sich an sämtliche Kundennamen zu erinnern, zumal
sie unfallbedingte Gedächtnisschwächen beklage. Aus Diskretionsgründen wür-
den keine schriftlichen Verträge existieren, die aufgelegt werden könnten, und die
Klägerin könne nun Kundenverbindungen nicht mehr reproduzieren (act. 105 S.
5).
b) Die Klägerin reichte eigener Darstellung zufolge mit Replikschrift Originalakten,
darunter zehn lediglich mit einer allgemeinen Inhaltsangabe versehene Ordner
(act. 33/128, 129, 136, 137, 143, 144, 156, 157, 160 und 163) ein, da ihr ein Ko-
pieren der mehreren tausend Belege nicht zumutbar sei (act. 32 S. 25 f. und S. 53
ff.). Die Beklagten retournierten die Replikbeilagen (act. 33/110-176, darunter 10
Ordner mit Quittungen) nach Erstellen der Duplikschrift vom 7. November 2003
(act. 36) am 10. November 2003 (Empfangsschein, act. 75/1).
c) Ihre Kenntnis von der Entfernung von Akten durch AL._ anlässlich der
Prüfung ihrer Buchhaltungsunterlagen und im Auftrag der Beklagten 1 habe die
Klägerin aufgrund eines anonymen Telefonanrufs dieses Inhalts, der gemäss den
Recherchen der Klägerin von der Nummer (058 / ... .. ..) der AL._ (act. 59,
act. 74) gekommen sei. Dem Ersuchen um Überprüfung der Aktenvollständigkeit
- 66 -
durch das Gericht und Klärung der Frage, ob die zehn Originalordner stets im Be-
sitz des Gegenanwalts gewesen oder aber herausgegeben worden seien, wurde
nicht stattgegeben, da die Beilagen zur Replik gemäss dortigem Verzeichnis le-
diglich nach Ordnern, nicht nach einzelnen Dokumenten, aufgeführt waren (Prot.
S. 31 und 34). Die Klägerin nummerierte innert der ihr dazu angesetzten Frist
(act. 99) die Dokumente in den zehn vorerwähnten Ordnern sowie der Sammel-
beilage act. 91/1 durch und reichte sie, je mit einem Beilagenverzeichnis verse-
hen, mit Eingabe vom 30. März 2006 wieder ein. Dabei monierte die Klägerin das
Fehlen von Unterlagen betreffend Mobbing, Kontaktlisten, Grafologie (Geschäfts-
jahr 1995/1996), Akten unter der Rubrik H._ (Geschäftsjahr 1996) und Teil-
nehmerlisten Parapsychologie (Geschäftsjahr 1996/1997). Sie müsse daher ver-
muten, dass der beklagtische Rechtsvertreter ihre Buchhaltungsunterlagen an
diese Firma herausgegeben habe und dort Akten entfernt worden seien ( act. 105
S. 2 f.), was die Beklagten detailliert von sich weisen (act. 116 S. 2 ff.).
d) Soweit die Klägerin argumentiert, dass die Beklagten mit Duplik nicht moniert
hätten, dass die Buchhaltung nicht vollständig und korrekt sei und sie bei dieser
Nichtbestreitung zu behaften seien (act. 105 S. 1f.), ist dies verfehlt, waren die
Beklagten doch keineswegs gehalten, Replikbeilagen resp. Buchhaltungsunterla-
gen auf Vollständigkeit und Korrektheit zu prüfen, und haben sie sich dazu auch
nicht geäussert. Verfehlt ist die klägerische Argumentation insbesondere ange-
sichts der als fehlend monierten Dokumente. Nachdem die Klägerin mit den zehn
Replikordnern jeweils eine „handschriftliche Kassaauflistung einschliesslich sämt-
licher dazugehöriger Quittungen für Bareinnahmen sowie sämtliche Ausgabenbe-
lege“ eingereicht hat (act. 32 S. 26), sollen auf Veranlassung der Beklagten nicht
etwa Kassaaufzeichnungen oder dazugehörige Belege über Bareinnahmen, son-
dern Unterlagen betreffend Mobbing, Grafologie, Parapsychologie und damit Ur-
kunden entfernt worden sein, deren Eignung zum Nachweis des Erwerbseinkom-
mens nicht auf der Hand liegt und auf die in den Rechtsschriften der Klägerin bei
der Schadenssubstantiierung denn auch nicht Bezug genommen wird.
- 67 -
e) Da der behauptete Sachverhalt vorliegend allerdings (auch) unter dem Ge-
sichtspunkt eines Fehlverhaltens der Beklagten zu prüfen ist, wurde der Klägerin
der Beweis auferlegt (act. 135, Beweissätze 41 bis 44),
41. dass die von ihr mit der Replik eingereichten Ordner zusätzlich zu den heute dort vor-
handenen Dokumenten folgende weiteren Unterlagen enthielten:
o Ordner act. 33/136: Unterlagen betreffend Mobbing, Kontaktlisten, Kurslisten-
Teilnehmer für Grafologie
o Ordner act. 33/137: Akten unter der Rubrik H._ inklusive Verträge
o Ordner act. 33/143: Listen/Unterlagen betreffend Teilnehmer; Liste Parapsycho-
logie.
42. dass RA DR. Y._ die Replik-Ordner AL._ zur Prüfung übergeben hat
43. dass dort die in Beweissatz 41 genannten Unterlagen entfernt wurden,
44. dass dies auf Veranlassung der Beklagten geschah,
f) Mit Beweisantretungsschrift offeriert die Klägerin zum Nachweis für das Fehlen
der von ihr bezeichneten Replikbeilagen (Beweissatz 41) einzig ihre persönliche
Befragung (act. 153). Mangels eines abnehmbaren Beweismittels hat der Sach-
verhalt gemäss Beweissatz 41 damit als nicht verwirklicht zu gelten. Damit entfällt
– entgegen den Erwägungen im Beweisabnahmebeschluss (act. 163 S. 9), auf
den diesbezüglich zurückzukommen wäre – auch die Beweisabnahme zu den
Beweissätzen 42 bis 44, nämlich dass ebendiese angeblich fehlenden Replikbei-
lagen (Beweissatz 41) bei der Firma AL._ auf Veranlassung der Beklagten
entfernt wurden, nachdem der beklagtische Rechtsvertreter dieser die Ordner zur
Prüfung übergebe habe. Eine Abnahme der offerierten Zeugen führte im Übrigen
zu keinem anderen Ergebnis: Die Klägerin offeriert zu den Beweissätzen 42 und
43 just und ausschliesslich den beklagtischen Rechtsvertreter als Zeugen und zu
Beweissatz 44 die Befragung ihrer eigenen Mutter sowie ihrer langjährigen be-
handelnden Psychiaterin Dr. K._ (act. 153). Nachdem der beklagtische
Rechtsvertreter die behaupteten Vorgänge wiederholt und unmissverständlich in
Abrede gestellt hat und das Ergebnis einer Befragung daher fraglos antizipiert
werden kann, wäre auf dessen Einvernahme ohnehin zu verzichten. Die behan-
delnde Psychiaterin Dr. K._ bestätigte anlässlich der Zeugenbefragung auf
- 68 -
Vorhalt ihres Verlaufsberichts vom 20. März 1999 (act. 4/17), dass die Klägerin ihr
gesagt habe, ihre Unterlagen zu ihrer Mobbingtätigkeit – und damit angeblich von
AL._ auf Veranlassung der Beklagten entfernte Unterlagen gemäss Beweis-
satz 41 – selber weggegeben zu haben. Im Übrigen verneinte die Zeugin jegliche
Wahrnehmungen zum Themenkreis "entfernte Replikbeilagen" (Prot. S. 173 f.).
Eine Zeugenaussage der Mutter der Klägerin schliesslich vermöchte am Beweis-
ergebnis nichts zu ändern: Zum einen ist sie die Herausgeberin des von der Klä-
gerin eingereichten und von der Beklagten 1 als ehrenrührig bezeichneten Bu-
ches „G._“ (act. 19) über das Schicksal der Klägerin als Opfer u.a. der Ma-
chenschaften der Beklagten 1 (vgl. act. 27), zum anderen ist sie einzig angerufen
zu Beweissatz 44 – mithin isoliert zur Frage, wer die behauptete Aktenentfernung
veranlasst habe.
g) Damit gelten die Sachverhalte gemäss den Beweissätzen 41 bis 44 als nicht
verwirklicht.
4.2.8. Observation/Mailverkehr/Telefonabhörung (Beweissätze 37 bis 40)
a) Mit Stellungnahme vom 30. März 2006 (act. 105 S. 13 ff.) brachte die Klägerin
unter dem Titel „Noven“ u.a. vor, sie fühle sich praktisch rund um die Uhr obser-
viert (act. 105 S. 15). Mit aktenkundigem Schreiben ihres Rechtsvertreters von
30. März 2006 (act. 110) habe die Beklagte 1 auf Anfrage der Klägerin hin erklärt,
dass seitens der Beklagten 1 mit Bestimmtheit keine Observation der Klägerin er-
folge und auch keine Kenntnis von Observationsaufträgen anderer Gesellschaften
bestehe. Da die Klägerin in diesem Verfahren vorbringt, dass diese Observation
sie psychisch krank mache und die Suizidgefahr erhöhe (act. 105 S. 15), wurde
ihr der Beweis dafür auferlegt, dass sie praktisch rund um die Uhr observiert wird
bzw. wurde (Beweissatz 37) und diese Observationen auf einem Auftrag der Be-
klagten beruh(t)en (Beweissatz 38). Mit vorerwähnter Eingabe (act. 105) reichte
der klägerische Rechtsvertreter sodann eine schriftliche Stellungnahme der Klä-
gerin (persönlich) ein, worin diese unter anderem vorbringt, dass ihr Telefon seit
einiger Zeit abgehört und ihre Mails "abgezügelt" würden, welch letztere – unsub-
stantiierten - Behauptungen, um einer allfälligen unfallbedingten Substantiie-
- 69 -
rungsunfähigkeit Rechnung zu tragen, ebenfalls Eingang in das Beweisverfahren
fanden (Beweissätze 39 und 40).
b) Wie mit Beweisabnahmebeschluss erwogen (act. 163 S. 6 und 8 f.), offerierte
die Klägerin mit Beweisantretungsschrift zu den Beweissätzen 38 bis 40 wiede-
rum einzig ihre persönliche Befragung (act. 153 S. 16 f.). Mangels eines abnehm-
baren Beweismittels haben diese Sachverhalte damit als nicht verwirklicht zu gel-
ten. Damit entfällt auch die Beweisabnahme zu Beweissatz 37 (Observation rund
um die Uhr) bzw. die Einvernahme der als Zeuginnen angerufenen Mutter der
Klägerin und der behandelnden Psychiaterin Dr. K._, da der Nachweis die-
ses Sachverhalts zufolge Unterbleibens der Beweisabnahme zu Beweissatz 38
(Zuordenbarkeit der Observation zur Beklagten) nicht mehr prozessrelevant ist.
c) Damit gelten die Sachverhalte zum Themenkreis "Überwachung" als nicht ver-
wirklicht.
4.3. Fazit
Aufgrund des Beweisergebnisses ist festzuhalten, dass die Vielzahl der ein (gra-
vierendes) Fehlverhalten von Mitarbeitenden der Beklagten 1 beschlagenden
Sachverhalte, die wie dargelegt überwiegend unsubstantiiert geblieben sind, nicht
erstellt sind. Damit fehlt es am behaupteten, die Invalidisierung der Klägerin mit-
verursachenden Element. Dem ist vor dem Hintergrund der wiederholten klägeri-
schen Vorbringen Rechnung zu tragen, wonach diese Vorfälle (Überwachung,
Überfälle, Drohbriefe etc.) zu einer gravierenden Verschlechterung ihres psychi-
schen Zustands beigetragen und die Verarbeitung des Schadenereignisses ver-
unmöglicht hätten, ja die Klägerin nachgerade in den Suizid treiben würden. Hie-
rauf ist nachfolgend zurückzukommen.
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5. Vorliegen einer HWS-Schleuderverletzung
5.1. Sachdarstellung der Parteien im ordentlichen Schriftenwechsel
5.1.1. Darstellung gemäss Klageschrift
a) Die Klägerin zitiert zunächst ihre 13 Tage nach dem Unfall verfasste Mitteilung
an die Beklagte 1 vom 12. August 1997 (act. 4/7), wonach sie von der Auffahrkol-
lision offenbar doch mehr betroffen worden sei, als sie bisher angenommen habe,
und sich am 8. August 1997 "zur Behandlung der Unfallfolgen notfallmässig ins
Kantonsspital Luzern" in die Notfallchirurgie habe einweisen lassen müssen
(act. 1 Rz 5 f.).
b) Weiter bringt die Klägerin – unter Zitierung ihrer ebenfalls selbstverfassten,
rund drei Wochen nach dem Unfall erstellten Unfallerlebnisschilderung vom
21. August 1997, wiederum zuhanden der Beklagten 1 (act. 4/6) – vor, dass sie
am Unfalltag nach dem Ausfüllen des Unfallformulars zur Arbeit gegangen und
der Aufbiss der Zähne noch weh getan habe. Am Abend seien Kopfschmerzen
aufgetreten und sie habe Tabletten genommen. Das Kopfweh sei am Unfallfolge-
tag infolge der Einnahme von Tabletten verschwunden und es habe plötzlich [...]
ganz wenig weh im Rücken" getan, worauf sie einfach wieder Tabletten genom-
men habe. Am dritten Tag seien die Rückenschmerzen und vor allem das Steiss-
bein derart schlimm geworden, dass sie immer mehr Tabletten genommen habe.
Sie habe kaum mehr denken können, das Gedächtnis habe nachgelassen, sie
habe sich nicht mehr konzentrieren und nicht mehr stehen und kaum mehr sitzen
können. Sie habe sich dann notfallmässig in die Chirurgie begeben müssen und
sei seither unter Medikamenten einigermassen "regefähig". Das Gedächtnis sei
schlecht und die Konzentration sehr schlecht; beides funktioniere jeweils für eine
Stunde, gefolgt von drei Stunden des Ausruhens (act. 1 Rz. 4).
c) Weiter bringt die Klägerin vor, seit dem 24. November 1997 – auf ausdrückli-
chen Wunsch der Beklagten 1 – in Behandlung beim Neurologen Prof. Dr.
P._ (Schulthess Klinik) zu stehen anstelle des die Klägerin bis zu diesem
Zeitpunkt behandelnden Chiropraktors Dr. AM._ (...). Prof. Dr. P._ habe
im Bericht zur Erstkonsultation vom 24. November 1997 weitergehende Unfallfol-
- 71 -
gen bestätigt und festgehalten, dass die subjektive Symptomatik sich gebessert
habe, aber weit von einer Beschwerdefreiheit entfernt sei.
d) Sodann habe die Klägerin – wiederum auf ausdrücklichen Wunsch der Beklag-
ten 1 – am 5. März 1998 den Psychiater Dr. med. AC._ (...) aufgesucht, der
eine neuropsychologische Untersuchung sowie die psychotherapeutische Weiter-
betreuung durch die Psychiaterin Dr. med. K._ veranlasst habe. Gemäss
Schreiben von Dr. med. AC._ vom 9. März 1998 (act. 4/15) reagiere die Klä-
gerin auf die Konsequenzen ihrer eingeschränkten Leistungsfähigkeit auf ihr Ge-
schäft zunehmend mit psychischen Symptomen, vor allem in Form von Angst und
depressiven Verstimmungen (act. 1 Rz 13; act. 4/15). Die behandelnde Psycho-
therapeutin Dr. med. K._ habe der Beklagten laufend Bericht erstattet: Ge-
mäss Bericht vom 23. Juli 1998 bestehe bei der Klägerin als einer selbständigen
Geschäftsfrau ein psychisches Zustandsbild nach HWS-Trauma oder milder
Schädel-Hirnverletzung, das vor allem ein gestörtes Selbstverständnis, ein Verlust
an Selbstvertrauen und die Schwierigkeit, die eigenen verbliebenen Fähigkeiten
ab- und einzuschätzen, beschreibe. Konsekutiv würden sich Angstsymptome und
depressive Störungen entwickeln (act. 1 Rz 14; act. 4/16).
e) Die Neuropsychologin Dr. phil. O._ habe in ihrem Abklärungsbericht vom
25. Mai 1998 eine leichte neuropsychologische Funktionsstörung diagnostiziert
(act. 1 Rz 17; 32 S. 8; act. 4/19).
f) Die Klägerin zitiert sodann unter dem Titel der „gutachterlichen Bestätigung des
unfallbedingten Gesundheitsschadens und der Invalidität“ aus mehreren ins Recht
gelegten Gutachten aus den Jahren 2000 (...) und 2002 (Dres.
AN._/R._), die sie in der Folge allerdings weder zu den behaupteten
Beschwerden (Beweissatz 8) noch deren Kausalzusammenhang mit dem Unfall-
ereignis einerseits und dem Fehlverhalten der Beklagten 1 andererseits (Beweis-
satz 9) anruft (act. 1 Rz. 33 ff.; act. 32 S. 19 ff.; act. 153).
- 72 -
5.1.2. Darstellung gemäss Klageantwortschrift
a) Da die Klägerin sich in der Klageschrift – mit Ausnahme der Wiedergabe ihres
selbstverfassten Unfallerlebnisberichts zuhanden der Beklagten 1 vom 21. August
1997 (act. 4/6) – nicht zu Art, Umfang und insbesondere Zeitpunkt des erstmali-
gen Auftretens der Beschwerden äussert, sondern sich auf die Wiedergabe von
Diagnosen, Arbeitsunfähigkeitsgraden und Feststellungen zur Kausalität verlegt,
nimmt die Beklagte ihrerseits mit Klageantwort Stellung zu den hierzu zitierten
medizinischen Berichten einschliesslich der darin enthaltenen Beschwerdeschil-
derungen der Klägerin.
b) Gemäss Austrittsbericht des Kantonsspitals Luzern (act. 4/8) habe die Klägerin
über Schmerzen im Bereich des Steissbeins sowie über Knöchelschwellungen
beidseits geklagt, was nicht geeignet sei, eine bleibende und in kausalem Zu-
sammenhang mit dem Unfallereignis stehende Verletzung zu dokumentieren. Der
behandelnde Arzt habe in der Folge das subjektive Beschwerdebild gemäss
Schilderung der Klägerin seiner Beurteilung zugrunde gelegt und die Diagnose
„Coccygodynie“ gestellt, obgleich er die Inspektion als unauffällig bezeichnet ha-
be. Angesichts des Befunds sei kaum nachvollziehbar, weshalb die Klägerin die
Notaufnahme aufgesucht habe (act. 16 S. 7). Die Angabe der Klägerin in der Not-
fallaufnahme stehe sodann in Widerspruch zu ihren Angaben sowohl in ihrem Un-
fallerlebnisbericht vom 21. August 1997 (act. 4/6) als auch ihrer Mitteilung an die
Beklagte 1 vom 12. August 1997 (act. 4/7).
c) Die von Prof. Dr. P._ im Bericht vom 1. Dezember 1999 gestellte Diagno-
se „Status nach indirekter HWS- und LWS-Verletzung“ und der von ihm geschätz-
te Grad der Arbeitsunfähigkeit seien aus mehreren Gründen in Zweifel zu ziehen:
Zum einen stütze sich die Diagnosestellung praktisch ausschliesslich auf die sub-
jektive Eigendarstellung der Patientin. Zum anderen sei die durch den Neurologen
festgestellte Druckdolenz im Bereich der mittleren HWS und über den Iliosakral-
gelenken naturgemäss nicht überprüfbar. Zum Dritten finde die Diagnose keine
erkennbare Bestätigung in den beigehefteten MRI/CT-Berichten der Dres. med.
AO._ und AP._, datierend vom 6. Oktober 1998 resp. vom 5. Oktober
1999. Die von Dr. AO._ festgestellte diskrete oder leichte Erschlaffung der
- 73 -
Bandscheiben C5-7 entspreche einem Befund, der auch bei absolut gesunden
Personen häufig vorkomme; weiter werde zu den MRI-Bildern festgehalten, dass
kein Nachweis einer Spinalkanalstenose, einer Diskushernie oder Foraminalste-
nose vorhanden sei. Dr. AP._ habe aufgrund der ihm vorliegenden CT-Bilder
den Zustand der LWS als unauffällig bezeichnet, habe nur minime degenerative,
mithin nicht unfallbedingte, Veränderungen erkannt sowie auch an den Iliosacral-
gelenken lediglich eine leichte arthrotische Veränderung festgestellt und insbe-
sondere auch eine Neurokompression verneint. Zusammenfassend sei festzuhal-
ten, dass die Klägerin aus somatischer Sicht einen gesunden Rücken habe und
für die Schmerzsymptomatik im Bereich der HWS und LWS keine schlüssige Ur-
sache erkennbar sei.
d) Die Klägerin habe sich nach dem angeblichen Auftreten psychischer Sympto-
me auf eigenen Wunsch in psychiatrisch-psychologische Behandlung begeben.
Das Unfallereignis habe zu den psychiatrischen und neuropsychologischen Be-
funden nicht Anlass geboten. Sowohl der Bestand der fraglichen Befunde als
auch deren Zusammenhang mit dem Unfallereignis werde bestritten (act. 16
S. 10; act. 36 S. 7). Die Befunde von Dr. K._ (act. 4/16-18) würden aus-
schliesslich auf Aussagen der Klägerin beruhen und umfassend bestritten.
e) Der neuropsychologische Untersuchungsbericht von Dr. phil. O._ vom 25.
Mai 1998 (act. 4/19) halte ausdrücklich die mangelhafte Aktenlage fest. Die Un-
tersuchende stützte sich praktisch ausschliesslich auf die Angaben der Klägerin
zu einer heftigen Kollision. Über die erwähnte Behandlung durch Chiropraktor Dr.
AM._ in ... seien die Beklagten völlig ungenügend informiert, weshalb diese
Vorbringen bestritten würden. Das geschilderte Beschwerdebild entspreche der
persönlichen Schilderung der Klägerin und werde bestritten. Die aufgelisteten de-
fizitären Testergebnisse würden keinen Schluss auf unfallbedingte Einschränkun-
gen zulassen; wahrscheinlich sei, dass diese Defizite vorbestanden hätten. In ih-
rer Zusammenfassung halte Dr. O._ fest, aus neuropsychologischer Sicht sei
das Gesamtleistungsniveau „insgesamt gut durchschnittlich“, die Merkfähigkeit
und das Neugedächtnisvermögen gar „gut bis sehr gut“. Nicht stringent sei der
Bericht, wenn einerseits von leichten Leistungsminderungen in den Bereichen
- 74 -
Konzentrations- und Aufmerksamkeitsvermögen und (ebenfalls auf S. 6), sodann
von „deutlichen Leistungseinbrüchen“ die Rede sei, ebenso, soweit einerseits von
einer erhöhten Ermüdbarkeit und Stressintoleranz gesprochen und andererseits
eine erhöhte Ermüdbarkeit nach längerer Untersuchungsdauer verneint werde
(act. 16 S. 11). Der Bericht und die darin gemachten Befunde würden angesichts
dieser Widersprüche bestritten (act. 16 S. 11; act. 36 S. 7).
f) Zu den zitierten Gutachten ... sowie der Dres. AN._/R._ führen die
Beklagten aus, dass diese ausschliesslich auf der Schilderung der Klägerin zu ei-
nem heftigen Unfallereignis und der subjektiven Eigendarstellung von Beschwer-
den beruhen würden (act. 16 S. 27 f). Die Klägerin bringe sodann bei der ... ver-
schiedene neue Behauptungen vor, die in klarem Widerspruch zu ihrem Unfaller-
lebnisbericht stünden: So fänden sich neu die Vorbringen, sie habe unmittelbar im
Anschluss an den Unfall ein „komisches Gefühl“ im Nacken gehabt; drei Stunden
später seien Kopfschmerzen aufgetreten, in der Nacht vom 30. auf den 31. Juli
1997 sei ihr übel geworden und sie habe die ganze Nacht erbrechen müssen (act.
16 S. 28 unter Verweis auf act. 4/61 S. 6; act. 36 S. 16). Die subjektiven Schilde-
rungen der Klägerin anlässlich der Untersuchungen bei den Gutachtern Dres.
AN._ und R._ widersprächen erneut ihren früheren Behauptungen:
Plötzlich sei die Rede von vier Zähnen, die beschädigt worden seien. Weiter habe
die Klägerin gegenüber den Gutachtern nun behauptet, es hätten sich nach dem
Unfall „sofort Schmerzen im Bereiche der Flanke und Hüfte rechts“ resp. nachmit-
tags nach dem Unfall „extreme“ Schmerzen im cervikalen Bereich eingestellt (act.
4/65 S. 12; act. 4/66 S. 3 unten), beides im Widerspruch zum klägerischen Unfall-
bericht vom 21. August 1997 (act. 4/6). Gegenüber Dr. AN._ sei erneut von
Übelkeit und Erbrechen in der Nacht nach dem Unfall (act. 4/65 S. 12) berichtet
worden, eine Behauptung, die vor der Untersuchung bei der ... nie aufgestellt
worden sei (act. 16 S. 30 f.; act. 36 S. 17 f.).
g) Die bisherigen Gutachter und anderen Ärzte, die Zeugnisse abgegeben hät-
ten, seien von falschen Vorgaben betreffend das Unfallereignis und dessen unmit-
telbare Folgen ausgegangen. Zudem sei ein allfälliger Vorzustand der Klägerin
nicht abgeklärt. Dies gelte insbesondere hinsichtlich der bestrittenen Befunde von
- 75 -
psychischen Beeinträchtigungen: Sofern diese als bestehend angesehen würden,
seien diese vorbestehend gewesen bzw. auf vorbestehende Leiden zurückzufüh-
ren (act. 16 S. 34).
5.1.3. Stellungnahme mit Replik
a) Den von den Beklagten vorgebrachten Widersprüchen in den verschiedenen
Darstellungen der Klägerin betreffend Initialschmerzen in den zitierten medizini-
schen Berichten hält diese replicando entgegen, dass sich geringfügige Differen-
zen bei Unfallschilderungen immer ergäben; entscheidend sei einzig, dass Kon-
sistenz bei der Schilderung insofern vorliege, als die Beschwerden während den
ersten drei Tagen aufgetreten seien. Die Klägerin beruft sich sodann auf das
„medizinische Basisprinzip, wonach die Beschwerden in der Regel innert 72
Stunden auftreten“, was bei ihr der Fall sei. Die Beschwerden seien gemäss
Schilderung der Klägerin „bereits initial nach wenigen Stunden/Tagen vorhanden“
gewesen und hätten sich in der Folge exazerbiert, was zur Notfallaufnahme ins
Kantonsspital Luzern geführt habe (act. 32 S. 6). Zu den von den Beklagten auf-
gezeigten Widersprüchen gegenüber den Gutachtern der ... sowie den Dres.
AN._ und R._ (act. 16 S. 28 und 30) nimmt die Klägerin nicht Stellung
(act. 32 S. 19 f. und 22).
b) Im Übrigen hält die Klägerin daran fest, sich auf Befehl der Beklagten 1 zur
konsiliarischen Abklärung und Behandlung zu Prof. Dr. P._ begeben zu ha-
ben, ebenso wie daran, dass die Zuweisung an den Psychiater Dr. med.
AC._ auf Weisung der Beklagten 1 erfolgt (act. 32 S. 8) resp. Letztere damit
einverstanden gewesen sei (act. 32 S. 9).
c) Dem Einwand des Fehlens von objektiv nachweisbaren Beschwerden hält die
Klägerin entgegen, dass auch dann, wenn ein Röntgenbild keine Pathologie auf-
zeige, auch Jahre nach einem HWS-Schleudertrauma noch Beschwerden vor-
handen sein könnten und neurologische Ausfälle nicht erforderlich seien, um Fol-
gen einer HWS-Schleuderverletzung aus klinischer Sicht bestätigen zu können,
wie vorliegend geschehen (act. 32 S. 7 f.).
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d) Die Vorbringen zum Kausalzusammenhang im Rahmen des ordentlichen
Schriftenwechsels beschränken sich auf die Feststellung, dass die Kausalität auf-
grund der Gutachten der ... sowie der Dres. AN._ und R._ gegeben sei,
die allerdings weder zum Vorliegen der Beschwerden (Beweissatz 8) noch zu de-
ren Kausalzusammenhang mit dem Schadenereignis einerseits und den Fehlver-
haltenssachverhalten andererseits (Beweissatz 9) angerufen wurden (act. 153).
Soweit als Folge des Unfalls und der damit verbundenen Beschwerden, aber
auch als Folge des Fehlverhaltens der Beklagten 1, psychische Beschwerden
aufgetreten seien, seien diese ebenfalls unfallkausal. Die Auseinandersetzungen
mit der Beklagten 1 hätten das Abgleiten der Klägerin in die Invalidität zusätzlich
geschürt (act. 1 S. 33; act. 32 S. 23). Das massive Unfallereignis, das sogar zu
unfallbedingten Zahnschäden geführt habe, sei sodann auf jeden Fall geeignet
gewesen, die heutigen Beschwerden mit vollständiger Erwerbsunfähigkeit auszu-
lösen (32 S. 23).
5.2. Substantiierungshinweis zum Auftreten initialer Beschwerden
Die Klägerin beschränkte ihre Vorbringen zu Art und Zeitpunkt des Auftretens ini-
tialen Beschwerden mit Klageschrift im Wesentlichen auf einen Hinweis auf eine
Notfallkonsultation neun Tage nach dem Schadenereignis (act. 4/8) und aus-
zugsweise Zitate aus ihrem drei Wochen nach dem Schadenereignis selbstver-
fassten Unfallerlebnisbericht zuhanden der Beklagten 1 (act. 4/6). Im Übrigen ver-
legte sie sich auf die Wiedergabe von Diagnosen und Arbeitsunfähigkeitsgraden.
Den von den Beklagten mit Klageantwort aufgezeigten Widersprüchen in den ver-
schiedenen Schilderungen der Klägerin gegenüber behandelnden und untersu-
chenden Ärzten betreffend Initialschmerzen hielt letztere replicando lediglich ent-
gegen, dass einzig entscheidend sei, dass gemäss diesbezüglich konstanter
Schilderungen der Klägerin die Beschwerden während den ersten drei Tagen
aufgetreten und sich kleinere Abweichungen stets ergäben, resp. dass "bereits
initial nach wenigen Stunden/Tagen" Beschwerden vorhanden gewesen seien
und sich in der Folge exazerbiert hätten, was zur vorerwähnten Notfallkonsultation
im Kantonsspital Luzern geführt habe (act. 32 S. 6). Eine Substantiierung im Sin-
ne einer chronologischen Darstellung des Auftretens der behaupteten Beschwer-
- 77 -
de erfolgte nicht. Mit Beschluss vom 23. März 2005 wurde der Klägerin im Sinne
von § 55 ZPO/ZHFrist angesetzt, um eine vollständige und widerspruchsfreie
Darstellung über die Chronologie des Auftretens der diversen Schmerzen und
Symptome ab dem Unfalltag 30. Juli 1997 bis heute vorzunehmen (act. 72).
5.3. Substantiierungseingabe vom 30. März 2006 (act. 105)
a) Mit Eingabe vom 30. März 2006 (act. 105) bezeichnet die Klägerin das Vorge-
hen des Gerichts als eine Überstrapazierung der Substantiierungspflicht. Die
massiven Unfallbeschwerden, das gleichgültige Verhalten der Beklagten, die
ständigen Drohbriefe und die dauernden Beobachtungen hätten zu schweren
psychischen Störungen der Klägerin geführt, weshalb der Klägerin und deren
Rechtsvertreter daher nicht möglich und zumutbar sei, die Unfallbeschwerden in
der verlangten Detaillierung nach acht Jahren auf den Tag genau anzugeben. Der
heutige Zustand der Klägerin, welcher die Erfüllung des Substantiierungsbegeh-
rens verunmögliche, sei gerade auf den Unfall und seine mittel- und unmittelbaren
Folgen zurückzuführen. Letztlich wurde geltend gemacht und – angesichts der
ebenfalls behaupteten, psychisch bedingten Unfähigkeit zur chronologischen
Schilderung des initialen Auftretens der geklagten Beschwerden wegen massiver
Unfallbeschwerden sowie Fehlverhaltens der Beklagten 1 – in der Folge zum Be-
weis verstellt (Beweissatz 8; act. 135), dass die Klägerin ab Unfalltag bis heute
leide an:
- Täglichen zum Teil unausstehlichen Kopfschmerzen von morgens früh bis
abends spät
- Rückenschmerzen im HWS-Bereich mit Ausstrahlung der Schmerzen in den
ganzen Rücken- und Schulterbereich
- Kognitiven Ausfällen, vor allem Konzentrationsstörungen und Gedächtnisstörun-
gen
- Depressionen
- Antriebsverlust
- Rasche Ermüdbarkeit
b) Weiter wurde der Klägerin der Nachweis auferlegt, dass die genannten Symp-
tome auf den Unfall vom 30. Juli 1997 und das seitherige Verhalten der Beklagten
- 78 -
zurückgehen, wobei den Beklagten der Gegenbeweis insbesondere dafür offen-
stehe, dass alle diese Symptome - soweit bewiesen - ausschliesslich auf den Un-
fall vom 3. März 2000 zurückgehen oder, was die psychischen Leiden betrifft,
vorbestehend gewesen bzw. auf vorbestehende Leiden zurückzuführen seien
(Beweissatz 9). Zum Beweis verstellt wurde sodann, dass die Klägerin aus psy-
chischen Gründen nicht in der Lage ist, eine vollständige und widerspruchsfreie
Darstellung über die Chronologie des Auftretens der diversen Schmerzen und
Symptome ab dem Unfalltag bis heute vorzunehmen (Beweisatz 10) und dass ei-
ne solche Unfähigkeit ihrerseits eine Folge des Unfalls vom 30. Juli 1997 darstellt
(Beweissatz 11).
c) Die Beklagten monieren mit Stellungnahme vom 4. September 2006 (act. 116
S. 3 f.), dass die Klägerin es bei rein subjektiven Behauptungen belasse, die im
freien Raum stünden, und bestreiten erneut das Bestehen der behaupteten mas-
siven Unfallbeschwerden resp. eines "gleichgültiges Verhalten der Beklagten“,
„ständige Drohbriefe“ und „dauernde Beobachtungen“, welche Umstände daher
auch nicht zu schweren psychischen Störungen geführt hätten.
5.4. Fähigkeit zur Darlegung von Art und Zeitpunkt des initialen Auftretens ge-
klagter Beschwerden (Beweissätze 10 und 11)
a) Bevor zu prüfen ist, ob aufgrund des Behauptungssubstrats und der Beweisla-
ge auf das Vorliegen einer HWS-Schleuderverletzung resp. der geltend gemach-
ten Beschwerden zu schliessen ist, ist zunächst auf das Beweisergebnis zu den
Beweissätzen 10 und 11 einzugehen.
b) Die Klägerin ruft zum Nachweis einer psychisch bedingten Unfähigkeit, das ini-
tiale Auftreten der geltend gemachten Beschwerden chronologisch zu schildern,
ihre eigenen Berichte an die Beklagte 1 vom 12. bzw. 21. August 1997 (act. 4/6-
7), die medizinischen Berichte der Erstkonsultation (act. 4/8) und des behandeln-
den Neurologen Prof. Dr. P._ (act. 4/12-14) sowie die Einvernahme ihrer be-
handelnden Ärzte Prof. Dr. P._ und Dr. K._ und der Neuropsycholgoin
Dr. O._ als Zeugen an (act. 153).
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c) Aus den angerufenen Beweismitteln ergibt sich zur Frage einer psychisch be-
dingten Unfähigkeit im Sinne von Beweissatz 10 das Folgende:
Mitteilungen der Klägerin an die Beklagte 1 (act. 4/6-7)
Aus den Mitteilungen der Klägerin vom 12. resp. 21. August 1997 ergeben sich
keine Hinweise auf eine psychisch bedingte Unfähigkeit zur Schilderung des Auf-
tretens von Beschwerden. Der ersten, 13 Tage nach dem Schadenereignis an die
Beklagte 1 gerichteten Mitteilung der Klägerin vom 12. August 1997 (act. 4/7) ist
zu entnehmen, dass die Klägerin nun doch etwas stärker "erwadelt" (gemeint
wohl: betroffen) sei vom Schadenereignis, dass sie nach zwei drei Tagen erste
Schmerzen verspürt habe, die sie zunächst auf den Zahnaufbiss zurückgeführt
habe und die sie dann wegen Beschwerden beim Sitzen und Laufen schliesslich
zum Aufsuchen der "Notfallchirurgie" veranlasst hätten. Dem rund zehn Tage spä-
ter verfassten "Unfallerlebnisbericht" vom 21. August 1997 (act. 4/6) ist zu ent-
nehmen, dass zunächst Kopf- und sodann leichte Rückenschmerzen aufgetreten
seien, die sich vor allem im Bereich Steissbein verstärkt hätten und zur genannten
Notfallkonsultation geführt hätten.
Bericht Erstkonsultation vom 8. August 1997 (act. 4/8)
Aus dem Bericht der Erstkonsultation im Kantonsspital Luzern, welches die Kläge-
rin neun Tage nach dem Schadenereignis wegen der Unfallfolgen aufgesucht ha-
ben will, ergeben sich keinerlei Hinweise auf eine psychisch bedingte Unfähigkeit
im Sinne von Beweissatz 10. Dem Bericht ist lediglich zu entnehmen, dass die
Klägerin über am Vortag "wie angeworfen" aufgetretene Steissbeinbeschwerden
sowie geschwollene Knöchel geklagt habe, ohne dass ein objektiver Befund hätte
erhoben werden können.
Berichte (act. 4/12-14) und Zeugenaussage des behandelnden Neurologen Prof.
Dr. P._
Dem Bericht des Neurologen Prof. Dr. P._ zur Erstkonsultation vom 24. No-
vember 1997 (act. 4/12), dessen Schreiben an die Beklagte 1 vom 21. Januar
- 80 -
1998 (act. 4/13) sowie schliesslich dem Verlaufsbericht vom 1. Dezember 1999
zuhanden der Beklagten 1 (act. 4/14) lassen sich wiederum keinerlei Hinweise auf
eine psychisch bedingte Unfähigkeit im Sinne von Beweissatz 10 entnehmen. Die
Anamnese anlässlich der Erstkonsultation vom 24. November 1997 enthält denn
auch Angaben der Klägerin zu Art und Zeitpunkt des erstmaligen Auftretens von
Beschwerden (act. 4/12 S. 1), die im vorliegenden Verfahren indes nicht wieder-
gegeben wurden. Mit Blick auf die als (Mit-)Ursache für eine Unfähigkeit im Sinne
von Beweissatz 10 geltend gemachten "massiven Unfallfolgen" geht aus den an-
gerufenen Urkunden sodann hervor, dass sich die subjektive Symptomatik ge-
bessert habe (Erstkonsultationsbericht vom 24. November 1997, act. 4/12 S.1 ).
Eine gewisse Linderung der Beschwerden ist auch den Folgeberichten zu ent-
nehmen (act. 4/13-14).
Als Zeuge erklärte Prof. Dr. P._, der die Klägerin vom 24. November 1997
(Erstkonsultation) bis 2000 im Rahmen von drei bis vier Kontrollen pro Jahr sah
(Prot. S. 184 f.), dass die Klägerin aufgrund seiner Wahrnehmung fähig gewesen
sei, das Auftreten ihrer Beschwerden chronologisch zu schildern. Sie sei weder
verwirrt noch aus dem Kontext gewesen in dem Sinne, dass sie zusammenhän-
gende Ereignisse nicht hätte darstellen können. Während der Dauer der Behand-
lung hat sich diese Fähigkeit nach Einschätzung des Neurologen auch "nicht un-
bedingt" verändert (Prot. S. 193).
Zeugeneinvernahme Dr. O._ (Neuropsychologin)
Die Wahrnehmungen der als Zeugin angerufenen Neuropsychologin Dr. phil.
O._ beschränken sich auf zwei Testuntersuchungen mit der Klägerin im April
1998 nach erfolgter Überweisung durch den Psychiater Dr. AC._ (Prot. S.
143 und 146). Gemäss Aussage der Zeugin an der Einvernahme vom 27. Juni
2013 ist die Fähigkeit zur chronologischen Schilderung im Sinne von Beweissatz
10 mit den in ihrem Bericht dargestellten leichten neuropsychologischen Defiziten
der Klägerin in den Bereichen Konzentration und Aufmerksamkeitsvermögen nicht
beeinträchtigt. Weiter führt die Zeugin aus, dass mit dem Aufgebot zum Test je-
weils ein Fragebogen verschickt werde, der u.a. Fragen zum Unfallereignis,
durchgeführten Therapien, besuchten Ärzten sowie Beschwerden abdecke. Nach
- 81 -
diesem von den Patienten ausgefüllten und mitgebrachten Fragebogen richte sie
sich bei der Anamnese. Weiter erklärte die Zeugin auf die Frage, ob die Klägerin
nach ihrer Wahrnehmung zum damaligen Zeitpunkt aus psychischen, mithin nicht
neuropsychologischen, Gründen Probleme gehabt habe, chronologisch zu schil-
dern, dass sie dieses Gefühl nicht habe (Prot. S. 148 und 150 f.).
Zeugeneinvernahme Dr. K._ (behandelnde Psychiaterin)
Dr. K._ war ab der Überweisung durch Dr. AC._ (März 1998) bis 2009
die behandelnde Psychiaterin der Klägerin. Die Frage, ob die Klägerin aus ihrer
Sicht in der Lage gewesen sei, das Auftreten ihrer Beschwerden in einer chrono-
logischen Reihenfolge zu schildern, bejahte Dr. K._ als Zeugin (Prot. S. 171
f.). Auf die Frage, ob sich dies während des Behandlungszeitraums verändert ha-
be oder gleich geblieben sei, erklärte die Zeugin, dass sie nicht jedes Mal gefragt
habe, wie es nun mit diesen und jenen Beschwerden stehe, sondern es hätten
andere Themen im Vordergrund gestanden resp. es seien die jeweils aktuell an-
stehenden Probleme behandelt worden (Prot S. 171 f.).
d) Zusammenfassung des Beweisergebnisses zu Beweissatz 10:
aa) Aus den angerufenen Urkunden (act. 4/6-8 sowie act. 4/12-14), welche aus
dem Zeitraum zwischen August 1997 und Dezember 1999 datieren, lässt sich für
das Vorhandensein einer psychisch bedingten Unfähigkeit zur chronologischen
Schilderung von Art und Zeitpunkt des Auftretens initialer Beschwerden im jewei-
ligen Zeitpunkt nichts ableiten. Für die Frage einer Substantiierungsunfähigkeit
der Klägerin im Zeitpunkt des Hauptverfahrens (November 2002 sowie Sommer
2003) aufgrund schwerer psychischer Störungen lässt sich im Übrigen schon
chronologisch nichts ableiten aus Urkunden, die zwischen 1997 bis 1999 datieren
resp. Aussagen von Zeugen, deren eigene Wahrnehmungen sich auf April 1998
(Neuropsychologin Dr. O._) resp. November 1997 bis (wohl) anfangs 2000
(Neurologe Prof. Dr. P._) beschränken. Die klägerische Behauptung findet
indes, wie hiervor dargelegt, auch in den diesbezüglichen Aussagen der langjäh-
rigen behandelnden Psychiaterin Dr. K._ (1998 bis 2009) keine Stütze.
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bb) Insbesondere aber lassen sich widersprüchliche Angaben zu Art und Zeit-
punkt des initialen Auftretens von Beschwerden, welche die Klägerin in eigenen
Mitteilungen an die Beklagte 1 im Unfallfolgemonat (August 1997; act. 4/6-7), ge-
genüber dem erstuntersuchenden Arzt neun Tage nach dem Schadenereignis
(act. 4/8) resp. gegenüber dem behandelnden Neurologen in den Jahren 1997 bis
1999 deponierte, schon chronologisch nicht mit den als Ursache geltend gemach-
ten schweren psychischen Störungen aufgrund des gleichgültigen Verhaltens der
Beklagten, der ständigen Drohbriefe und der dauernden Beobachtungen (vgl. act.
105 S. 7) erklären: Die angeführten Umstände – gleichgültiges Verhalten der Be-
klagten, Drohbriefe, Beobachtungen – fielen (angeblich) erst ab der Leistungsein-
stellung resp. danach, mithin frühestens ab Ende 1999 an.
cc) Wie hiervor erwogen (vgl. 1.3.) ist gerichtsnotorisch, dass die Darlegung von
Art, Umfang und Zeitpunkt des (erstmaligen) Auftretens von Beschwerden nach
einem Schadenereignis in einem Jahre nach dem Schadenereignis angehobenen
Haftpflichtprozess durch den behauptungs- und beweisbelasteten Geschädigten
anhand einer Vielzahl von Urkunden erfolgt. Soweit sich in bzw. zwischen den
vorerwähnten echtzeitlichen Urkunden Widersprüche in den Schilderungen zum
initialen Auftreten von Beschwerden finden, entbindet dies den behauptungs- und
beweisbelasteten Geschädigten nicht von einer substantiierten Schilderung im
Verfahren. Vielmehr ist dem betreffenden Umstand bei der Beweiswürdigung
Rechnung zu tragen. Ebenso wenig lässt sich aus diesem Umstand als solchem
auf eine Unfähigkeit zur chronologischen Schilderung schliessen.
e) Fazit zu Beweissatz 10
Der Klägerin ist der Nachweis einer psychisch bedingten Unfähigkeit zur chrono-
logischen Schilderung des Auftretens der Beschwerden im vorliegenden Verfah-
ren nicht gelungen. Damit entfällt die Beweisabnahme zum Beweissatz 11 und ist
allfälligen Widersprüchen in den Angaben der Klägerin zu initialen Beschwerden
im vorliegenden Verfahren, aber auch gegenüber Ärzten resp. der Neuropsycho-
login, bei der Beweiswürdigung Rechnung zu tragen.
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5.5. Anforderungen an das Vorliegen einer HWS-Schleuderverletzung
a) Wie hiervor dargelegt, ist der natürliche Kausalzusammenhang zwischen Unfall
und danach eingetretener Erwerbsunfähigkeit auch bei einem nicht objektivierba-
ren Befund in der Regel anzunehmen, wenn ein für HWS-Schleuderverletzungen
typisches Beschwerdebild vorliegt und ein Schleudertrauma der HWS diagnosti-
ziert ist (BGE 117 V 360).
b) Mit BGE 119 V 340 ff. wurde klargestellt, dass bei HWS-Schleuderverletzungen
der Normalverlauf durch eine initiale Symptomatik mit schmerzhafter Bewegungs-
hemmung im Nacken-/Kopfbereich und Begleiterscheinungen wie Schwindel ge-
prägt seien, sowie weiter, dass blosse Klagen über diffuse Beschwerden, die
nach einem Unfall aufgetreten seien, für den Beweis der Unfallkausalität nicht ge-
nügen, sondern auch bei Schleuderverletzungen zuallererst die medizinischen
Fakten – fachärztliche Erhebungen über Anamnese, objektive Befunde, Diagno-
se, Verletzungsfolgen, unfallfremde Faktoren und Vorzustand – die massgebli-
chen Grundlagen für die Kausalitätsbeurteilung bilden. Bei Schleudertraumafällen
ohne nachweisbar unfallbedingtes organisches Beschwerdesubstrat besteht die
Gefahr, dass im Sinne von "post hoc ergo propter hoc" die natürliche Kausalität
bejaht wird, wo die Angaben des Geschädigten sowohl bezüglich Existenz und
Ausmass der Beschwerden als auch des Beschwerdebeginns unbesehen über-
nommen werden. An die Grundlagen für den Schluss auf das Vorliegen von
Schleuderverletzungen sind daher gemäss Rechtsprechung (BGE 134 V 109) ho-
he Anforderungen zu stellen. Dabei kommt den ersten tatbeständlichen Grundla-
gen – der genauen und verifizierbaren Dokumentation des Unfallhergangs wie
auch des Auftretens initialer Beschwerden – aus den genannten Gründen grosses
Gewicht zu.
c) Die in der Lehre vertretene Harmlosigkeitsgrenze bei anstossbedingten Ge-
schwindigkeitsveränderungen von weniger als 10 km/h ohne Vorliegen von aus-
sergewöhnlichen Umständen ist ein Aspekt unter anderen bei der Beurteilung des
natürlichen Kausalzusammenhangs.
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5.6. Angerufene Beweismittel
Die Klägerin ruft zu den Beweissätzen 8 (Beschwerden) und 9 (Kausalzusam-
menhang mit dem Unfall einerseits und dem "seitherigen Verhalten der Beklag-
ten" andererseits) wiederum ihre eigenen Mitteilungen an die Beklagte 1 vom Un-
fallfolgemonat August 1997 (act. 4/6-7), den Bericht der medizinischen Erstkon-
sultation vom 8. August 1997 (act. 4/8), sodann die Berichte der behandelnden
Ärzte Prof. Dr. P._ (act. 4/12-14) sowie Dr. K._ (act. 4/16-18) sowie der
Neuropsychologin Dr. O._ (act. 4/19) an. Weiter ruft sie das Gutachten PUK
vom 16. August 2012 (act. 269/1) sowie ein polydisziplinäres Gutachten über Ge-
sundheitszustand und Unfallfolgen ab Unfall bis aktuell sowie schliesslich die Be-
fragung der vorgenannten Dres. P._, K._ und O._ als Zeugen an
(act. 153; act. 268 und 274 betreffend Gutachten PUK).
Mitteilungen der Klägerin vom 12. und 21. August 1997 (act. 4/6-7)
In ihrer ersten, 13 Tage nach dem Schadenereignis erstatteten Mitteilung an die
Beklagte 1 vom 12. August 1997 (act. 4/7) spricht die Klägerin – wohl in scherz-
hafter Anspielung auf den Namen des Unfallverursachers – davon, dass der Un-
fall sie „doch etwas stärker erwadelt“ habe, als bisher angenommen, und nach
zwei drei Tagen leider doch erste Schmerzen aufgekommen seien. Diese habe
sie zunächst auf den starken Aufbiss der Zähne beim Aufprall zurückgeführt. Am
vorangegangenen Samstag – mithin neun Tage nach dem Schadenereignis – ha-
be sie sich wegen der Unfallfolgen (act. 1 Rz. 6) in die Notfallchirurgie begeben
müssen, da sie weder sitzen noch kaum laufen habe können. Das Steissbein
schmerze und sie nehme nun Ponstan 500. Es folgen Ausführungen dazu, dass
die Klägerin nicht wehleidig sei, seit zwanzig Jahren ausser Frauen- und Zahnarzt
keinen Arzt aufsuche, perfekte Zähne ohne eine einzige Füllung habe, sowie
schliesslich, dass sie nun nicht mehr arbeitsfähig sei und die Kopfschmerzen „im
Moment enorm“ seien.
Der von der Klägerin drei Wochen nach dem Schadenereignis verfassten
"Unfallerlebnisschilderung" vom 21. August 1997 (act. 4/6 S. 2), wiederum zuhan-
den der Beklagten 1, ist zum Auftreten von Beschwerden zu entnehmen, dass am
- 85 -
Abend des Unfalltages Kopfschmerzen und am Folgetag ganz leichte Rücken-
schmerzen aufgetreten seien; Letztere und vor allem das Steissbein seien am
dritten Tag schlimm geworden. Sie kämpfe als Selbständigerwerbende um Arbeit
und gebe nicht so schnell auf. Sie habe kaum mehr denken, sich nicht mehr kon-
zentrieren, nicht mehr stehen und kaum mehr sitzen können, wofür es Zeugen
gebe, sowie wiederum, dass sie sich daher notfallmässig in die Chirurgie habe
begeben müssen und seither "unter Medikamenten einigermassen redefähig"
[gemeint wohl: regefähig, so in act. 1 S. 6] sei. Das Gedächtnis sei schlecht und
die Konzentration sehr schlecht.
Bericht des Kantonsspitals Luzern vom 8. August 1997 (Erstkonsultation)
Dem Bericht betreffend die in den beiden klägerischen Mitteilungen an die Be-
klagte 1 erwähnte "Notfallkonsultation" ist Folgendes zu entnehmen (Fettdruck
aus Original): "Jetziges Leiden: Gestern Mittag wie angeworfen Sz im Bereich des Steissbeins, die sich va beim Erheben aus dem Sitzen akzentuieren. Zudem
klagt sie über Knöchelschwellungen bds. Lokalstatus: Explizite DD über dem Steissbein bei unauffälliger Inspektion. Dito bei der Rektaluntersuchung. Radiolo-
gisch und Labor unauffällig. Diagnose: Coccygodynie" [Pschyrembel: " Schmerz und Druckempfindlichkeit im Bereich von Steissbein und evtl.
Rektum"]. Es wurde ein Schmerzmittel verordnet und für den Fall des Anhaltens
der Beschwerden auf eine beim Hausarzt vorzunehmende Nachkontrolle verwie-
sen.
Berichte und Zeugenaussage Prof. Dr. P._ (behandelnder Neurologe)
a) Dem Bericht des Neurologen Prof Dr. med. P._ vom 24. November
1997 zur Erstuntersuchung der Klägerin (act. 4/12) ist unter Anamnese zu ent-
nehmen: Am Unfallfolgetag Auftreten von Kopf-/Nackenschmerzen, Schmerzen
im Bereiche des lumbosakralen Übergangs, bis ins Coccyx ausstrahlend. Initiale
Abklärung im Kantonsspital Luzern, anschliessend Behandlung bei Chiropraktor
Dr. AM._. Die subjektive Symptomatik habe sich gebessert, sei aber weit von
Beschwerdefreiheit entfernt. Die Klägerin beklagte tiefsitzende Kreuzschmerzen,
ausstrahlend ins Coccyx, könne längere Zeit nicht sitzen (1-2 Stunden). Ferner
- 86 -
ausstrahlende Schmerzen im Bereich der BWS und HWS. Die Nackenschmerzen
seien besser geworden, allerdings beklage sie weiterhin asystematischen
Schwindel, Übelkeit und Konzentrationsdefizite. Unter „Befunde“ wird festgehal-
ten: HWS-Beweglichkeit in vollem Umfange möglich, endphasig schmerzhaft. Pa-
ravertebrale Druckdolenz im Bereich der mittleren und unteren HWS. Ferner
Druckdolenz im Bereich der mittleren BWS sowie über dem Iliosakralgelenk beid-
seits. Sensomotorik an oberen wie auch unteren Extremitäten unauffällig. Unter
dem Titel „Röntgen“ wird festgehalten: Beckenübersicht ap sowie Barsonyaufn. +
Sakrum seitlich: beidseits eine wahrscheinlich Iliosakralarthrose mit Bildung von
Osteophyten am kaudalen Pol. Hüftgelenke normal dargestellt. Das Steissbein
erscheint unauffällig, auch wenn erst die letzten 2 Segmente leicht hypertroph
anmuten. Auf den mitgebrachten Röntgenaufnahmen der HWS C4/C5 leichte ne-
gative Kippung. Unter „Beurteilung“ wird festgehalten: St. n. indirekter HWS- und
LWS-Verletzung mit einem konsekutiven Lumbovertebral- und Thorakocervical-
Syndrom, wobei im Bereich des Kreuzes die Beschwerden eher im Bereich der
Iliosakralgelenke bei Verdacht auf beidseitige Iliosakralarthrose bestehen, welche
durch diese indirekte Traumatisierung offensichtlich hätten aktiviert werden kön-
nen. Als Therapie verordnet der Neurologe einen ISG-Gurt und Physiotherapie
mit Schwergewicht Stabilisierung.
b) Mit Schreiben vom 21. Januar 1998 (act. 4/13) bestätigt Prof. Dr. P._
gegenüber der Beklagten 1, dass die Klägerin wegen Folgen des Schadenereig-
nisses am 30. Juli 1997 in seiner Behandlung stehe und eine indirekte HWS- und
LWS-Verletzung mit konsekutivem lumbovertebral- und thorakocervicalem Syn-
drom erlitten habe. Sie sei gegenwärtig bei der Schulthess Klinik in physiothera-
peutischer Behandlung. Eine gewisse Linderung der Beschwerden sei zu ver-
zeichnen.
c) Im auf Ersuchen der Beklagten 1 – mit dem „Einverständnis des Rechtsver-
treters [der Klägerin], Hern Dr. AQ._“ – erstatteten ausführlichen Bericht vom
1. Dezember 1999 (act. 4/14) bezeichnet Prof. Dr. P._ den Verlauf während
der zweijährigen Betreuungsphase als „eher stationär mit Neigung zur leichten
Besserung“. Im Vordergrund stünden tiefsitzende Kreuzschmerzen wie auch Na-
- 87 -
ckenschmerzen. Die Klägerin beklage bewegungs- und belastungsabhängige Na-
ckenschmerzen, zeitweise ausstrahlend in die Schultergürtelregion, belastungs-
abhängige tiefsitzende Kreuzschmerzen vor allem am lumbosacralen Übergang
bzw. im Bereich der Iliosacralgelenke sowie die von Dr. O._ festgehaltenen
neuropsychologischen Defizite. Unter „medizinischer Befund“ hält der Neurologe
fest: Schmerzhaft eingeschränkte Rotation der HWS mit paravertebraler Druckdo-
lenz vor allem im Bereich der mittleren HWS rechts betont. Druckdolenz über den
Iliosacralgelenken mit positiver Ventralisationsprobe. Keine neurologischen Aus-
fälle. Radiologisch gemäss Röntgenbildern eine Negativkippung im Bereich der
mittleren HWS als ungünstige Stellung. Auf dem MRI diskrete Discopathie C 5 –
C 7, jedoch ohne Diskushernie. Im CT der LWS bzw. der Iliosacralgelenke leichte
bis mässig ausgeprägte degenerative Veränderungen im Bereich beider
Iliosakralgelenke (ISG). Die Diagnose lautet: Status nach indirekter HWS- und
LWS-Verletzung mit konsekutivem cervicocephalem Schmerzsyndrom sowie
iliosacralem Schmerzsyndrom im Sinne einer Traumatisierung von vorbestehen-
den stummen degenerativen Veränderungen im Bereich der Iliosacralgelenke.
Unfallfremde Ursachen seien nicht bekannt. Eine Besserung des Gesundheitszu-
stands sei zu erwarten bei Fortsetzung der physiotherapeutischen Behandlungen
wie auch der Trainingstherapie; eine gewisse Linderung der Beschwerden sei zu
sehen. Seiner Prognose zufolge sei eher mit einem stationären Verlauf mit Nei-
gung zur Besserung zu rechnen.
d) Als Zeuge befragt, erklärte Prof. Dr. P._ am 5. November 2013 (Prot.
S. 181 ff.), dass die Klägerin von November 1997 bis 2000 bei ihm in Behandlung
gestanden habe, worunter Kontrollen und Verordnungen für Physiotherapie sowie
Arbeitszeugnisse anlässlich von zirka drei bis vier Sprechstundenbesuchen der
Klägerin pro Jahr zu verstehen seien. Anlässlich der Sprechstundenbesuche habe
er jeweils den lokalen Befund angeschaut und sich berichten lassen, wie die Phy-
siotherapie laufe. Gegenüber den Physiotherapeuten habe die Klägerin geäus-
sert, dass es ihr kontinuierlich eher besser gegangen sei. Nachdem die Klägerin
einen weiteren Unfall gehabt habe, habe er sie erneut untersucht. Zudem sei im
September/Oktober 1999 ein Auto-Computertomogramm der LWS und der
Iliosakralgelenke gemacht worden. Anlässlich der Konsultationen habe er vor al-
- 88 -
lem HWS und LWS klinisch untersucht. Der Verlauf mit Bezug auf die Rücken-
schmerzen und HWS sei eher Richtung Besserung gegangen, allerdings nicht
beschwerdefrei. Zu den weiteren, nicht sein Fachgebiet beschlagenden Be-
schwerden konnte der Zeuge aus eigener Wahrnehmung nichts sagen resp. ent-
hielt sich einer Aussage (Prot. S. 190 f.). Der auch zur Unfallkausalität (Beweis-
satz 9) angerufene Zeuge erklärte, sich mit der Ursache der Beschwerden nicht
befasst zu haben und die Aussagen von Patienten grundsätzlich nicht in Frage zu
stellen.
Berichte und Zeugenaussage Dr. K._ (behandelnde Psychiaterin)
a) Dr. K._ hielt in ihrem Erstbericht vom 23. Juli 1998 (act. 4/16) nach rund
viermonatiger Behandlungsdauer unter "Befund" fest, dass die Klägerin immer
kooperiere, voll orientiert und positiv eingestellt sei. Unter "Beurteilung" hält
Dr. K._ fest, dass die Klägerin eine bei HWS-Verletzten mit nachfolgend
protrahiertem Verlauf typische Trias von Symptomgruppen zeige: Chronisches
Schmerzsyndrom, Hirnfunktionsstörungen und psychische Symptome. Bei letzte-
ren stehe die Angstsymptomatik der Klägerin als selbständiger Geschäftsfrau im
Vordergrund. Ihre Diagnose lautet auf ein "Shaken Sense of Self"-Syndrom, wo-
bei es sich um ein psychisches Zustandsbild nach HWS-Trauma und/oder milder
Schädel-Hirn-Verletzung handle, das vor allem ein gestörtes Selbstverständnis,
einen Verlust an Selbstvertrauen und Schwierigkeiten bei der Einschätzung der
eigenen verbliebenen Fähigkeiten beschreibe. Konsekutiv würden sich Angst-
symptome und depressive Störungen entwickeln.
b) In ihrem Bericht vom 20. März 1999 (act. 4/17) verweist Dr. K._ zum seit-
herigen Verlauf zum einen auf ihren Erstbericht (typische Symptomtrias). Zum
anderen gibt sie die Angaben ihrer Patientin wieder, wonach diese immer noch an
Kopf- und Rückenschmerzen leide, sich die Hirnleistungsstörungen nicht gebes-
sert hätten, sie sich unter Druck fühle im Hinblick auf die Gestaltung ihrer berufli-
chen Zukunft und von existentiellen Ängsten geplagt sei. Die Klägerin realisiere
und akzeptiere, dass sie ihren früheren Gesundheitszustand nicht wieder errei-
chen werde und ihre erfolgreiche Tätigkeit als Mobbing-Spezialistin nicht wieder
werde ausüben können. Die Klägerin setze sich mit der Gestaltung ihrer berufli-
- 89 -
chen Zukunft aktiv auseinander und habe ihr Büro umgestaltet und die Unterlagen
ihrer früheren, erfolgreichen Mobbing-Tätigkeit weggegeben.
c) Dem Bericht von Dr. K._ vom 28. November 1999 zuhanden der Beklag-
ten 1 (act. 4/18) ist unter "Anamnese" erneut zu entnehmen, dass die Klägerin
beim Schadenereignis von hinten "gerammt" wurde, was zu der bei HWS-
Verletzungen mit protrahiertem Verlauf typischen Symptomtrias im Sinne des
Erstberichts vom 23. Juli 1998 geführt habe. Nach einer Darstellung der psychi-
schen Symptome gemäss Patientenangabe hält Dr. K._ unter "Befund" zum
einen fest, dass die Patientenangaben glaubhaft wirken würden, und zum ande-
ren, dass die Klägerin sich sehr um eine positive Einstellung zu ihrer Situation
bemühe, dass sich in letzter Zeit allerdings ein schwerer Erschöpfungszustand
eingestellt habe mit Zunahme von Schmerzen, Angst und depressiven Sympto-
men, was in Zusammenhang mit für die Klägerin ungünstig lautenden Briefen der
Versicherung stehe. Die Frage nach unfallfremden Ursachen verneint Dr.
K._. Unter "Therapie" wird – nebst der Gesprächstherapie – eine im Sep-
tember 1999 begonnene medikamentöse antidepressive Therapie (Seropram 20
mg/Tag) angeführt. Unter "Verlauf" hält Dr. K._ fest, dass die Klägerin viel
Elan bei der Neuordnung ihrer beruflichen Zukunft (Neueinrichtung Büro und
Neugestaltung Broschüre) gezeigt und daneben weitergearbeitet habe, und ver-
weist auf den vorerwähnten Eintritt eines Erschöpfungszustands. Unter "Beurtei-
lung" erfolgt erneut die Wiedergabe der typischen Symptomtrias gemäss früheren
Berichten. Die Verunsicherung der Klägerin (Shaken Sense of Self Syndrom) sei
als Reaktion auf die Unfallfolgen (chronische Schmerzen und neuropsychologi-
sche Funktionsstörungen mit entsprechender Einschränkung der Belastbarkeit
und Leistungsfähigkeit) zu beurteilen. Eine "Prognose" lasse sich nur interdiszipli-
när stellen. Je mehr äussere Sicherheit die Klägerin habe, desto günstiger sei die
Prognose.
d) Als Zeugin befragt, erklärte Dr. K._ am 27. Juni 2013, die Klägerin von
1998 bis 2010 (recte: 2009) behandelt zu haben (Prot. S. 157). Anfangs im Vor-
dergrund habe gestanden, dass die Klägerin als Selbständigerwerbende realisiert
habe, dass sie ihre bisherigen Tätigkeiten nicht mehr wie früher habe machen
- 90 -
können, und Zukunftsängste gehabt habe (Prot. S. 158). Sie erläutert sodann das
Zustandekommen der Diagnose des "Shaken Sense of Self" als des am Institut
für Psychotraumatologie von Dr. AC._, ihrem vorherigen Arbeitsort, verwen-
deten Begriffs bei Schleudertraumapatienten, bei denen man jeweils von einer ty-
pischen Symptomtrias ausgegangen sei (Prot. S. 162). Eigene Wahrnehmungen
zu den weiteren, nicht ihr Fachgebiet beschlagenden Symptome resp. zu Klagen
der Klägerin darüber (Kopfschmerzen, Rückenschmerzen im HWS-Bereich mit
Ausstrahlung, rasche Ermüdbarkeit) verneinte die Zeugin (Prot. S. 166 und 167)
resp. erklärte, dass die Klägerin diese beklagt habe (kognitive Ausfälle, Antriebs-
verlust), sie das aber nicht selber wahrgenommen habe (Prot. S. 159, 166).
Bericht und Zeugenaussage Dr. phil. O._ (Neuropsychologin)
a) Der Bericht von Dr. O._ vom 25. Mai 1998 (act. 4/19) zur neuropsycholo-
gischen Untersuchung vom 6. und 9. April 1998 hält unter "Subjektive Beschwer-
den" fest: Die Klägerin klage über reduzierte Belastbarkeit sowie Konzentrations-
und Gedächtnisprobleme, die sich vor allem bei Stress äusserten. Sie beschränke
sich auf zwei Beratungen pro Tag und sei danach erschöpft. Schmerzen seien
nach wie vor vorhanden und würden vor allem bei körperlicher Belastung und in
Überforderungssituationen vermehrt auftreten. Sodann beklage die Klägerin man-
gelnde Energie für private Unternehmungen. Zum "Testverhalten" wird u.a. fest-
gehalten, dass das Arbeitstempo grösstenteils rasch gewesen sei und sich nach
einer längeren Untersuchungsdauer keine erhöhte Ermüdbarkeit gezeigt habe.
Die "Zusammenfassung der Befunde" lautet wie folgt: Das Gesamtleistungsni-
veau sei insgesamt gut durchschnittlich. Die Leistungen in den konstruktiv-
praktischen und visuell-räumlichen Bereichen seien durchwegs unauffällig. Das
visuell-räumliche Vorstellungsvermögen, das Strukturierungsvermögen, die Hand-
lungsplanung sowie das visuell-räumliche und figurale Lernvermögen, die
Merkfähigkeit und das Neugedächtnisvermögen seinen grösstenteils gut bis sehr
gut. Leichte Leistungsminderungen würden sich im Bereich der kognitiven Basis-
funktionen zeigen; im Vordergrund stehe das verminderte Konzentrations- und
Aufmerksamkeitsvermögen sowie die dadurch reduzierte Informationserfassung
und -verarbeitung und das leicht reduzierte Umstellvermögen. Deutliche Leis-
- 91 -
tungseinbrüche würden sich auch im Bereich des Konzentrations- und Aufmerk-
samkeitsvermögen zeigen. Vor allem bei länger dauernden, konstanten und kom-
plexen Anforderungen zeigten sich erhebliche defizitäre Leistungen. Diese wür-
den sich vielfach in einer leicht reduzierten mentalen Flexibilität und einer deutli-
chen Verlangsamung bei der Lösung komplexerer Aufgaben zeigen. Hinzu kom-
me eine stark erhöhte Ablenkbarkeit, eine erhöhte Ermüdbarkeit und Stressintole-
ranz. Unter "Beurteilung" wird festgehalten, dass die Befunde auf eine leichte
neuropsychologische Funktionsstörung im Bereich links temporaler Strukturen un-
ter Einbezug tieferer Strukturen (Hirnstamm) hindeuten würden. Obwohl als leicht
einzustufen, hätten die festgestellten Leistungsstörungen in Anbetracht der Arbeit
der Klägerin als Beraterin, die eine intakte und v.a. sprachliche Informationsverar-
beitung, Flexibilität, rasche und teilweise parallele Informationsverarbeitung und
logisch-abstraktes Denken voraussetze, doch weitgehende Auswirkungen.
b) Als Zeugin befragt (Prot. S. 140 ff.), erklärte Dr. O._, deren Wahrneh-
mungen sich auf den im April 1998 in zwei Sitzungen durchgeführten neuropsy-
chologischen Test beziehen, sich zur damaligen Aktenlage nicht mehr äussern zu
können und dass sich ihre Wahrnehmungen auf das im aktenkundigen Testbe-
richt Festgehaltene beschränkten. Sie bestätigte sodann ihre Befunde gemäss
Bericht, wonach die Klägerin gesamthaft betrachtet als leicht einzustufende kogni-
tive Defizite aufgewiesen habe, die sich in den Bereichen Konzentration und Auf-
merksamkeit manifestiert hätten. Sie erläuterte sodann die Widersprüche im
Testbericht betreffend den Grad der Leistungsminderungen im vorgenannten Be-
reich sowie betreffend die Frage einer erhöhten Ermüdbarkeit. Eigene Wahrneh-
mungen zu Rücken- und Kopfschmerzen, aber auch depressiven Verstimmungen
verneinte die Zeugin.
Gutachten PUK vom 16. August 2012 (act. 269/1)
Dem von der PUK im Auftrag der Sozialkommission L._ erstellten Gutachten
vom 16. August 2012 (act. 269/1) lag die Fragestellung zugrunde, ob die diagnos-
tischen Tatbestandsmerkmale des aArt. 369 ZGB (Bevormundung wegen Geis-
teskrankheit oder –schwäche) vorliegen und eine vormundschaftliche Massnahme
indiziert ist. Das Gutachten, das sich u.a. auf die Akten betreffend frühere Aufent-
- 92 -
halte der Klägerin in der PUK, die Akten der Sozialkommission L._, die
Fremdauskünfte und Krankenberichte der langjährigen Vorbehandlerin Dr.
K._ einschliesslich der früheren Gutachten der ... (2000) und von
Dr. R._ (2002) sowie eigene Untersuchungen der Klägerin stützt (S. 3 und
52), gelangte zur Diagnose einer schweren psychischen Erkrankung in Form ei-
ner paranoiden Schizophrenie mit kontinuierlichem Verlauf (ICD-10: F20.00, keine
Symptomremission). Unter „Zusammenfassung und Beurteilung“ setzt sich die
Gutachterin ausführlich mit der neuropsychologischen Beurteilung im Rahmen
des ...-Gutachtens aus dem Jahr 2000 sowie dem psychiatrischen Gutachten von
Dr. R._ aus dem Jahr 2000 zuhanden der T._ einschliesslich der von
den Vorgutachtern gestellten Diagnosen auseinander (S. 52 ff.). Wie hiervor dar-
gelegt (1.3), war nach Einschätzung der Gutachterin zum damaligen Zeitpunkt ei-
ne Entmündigung angezeigt.
5.7. Würdigung der Beweismittel zum Beschwerdebild
a) Wie eingangs dargelegt, bilden bei Schleudermechanismen der HWS zual-
lererst die medizinischen Fakten, wie die fachärztliche Erhebung über Anamnese,
objektiven Befund, Diagnose, Verletzungsfolgen, unfallfremde Faktoren, Vorzu-
stand usw. die massgeblichen Grundlagen für die Kausalitätsbeurteilung. Das
Vorliegen eines Schleudertraumas wie seine Folgen müssen durch zuverlässige
ärztliche Angaben gesichert sein (BGE 119 V 335, 340). HWS-Verletzungen kön-
nen, wie dargelegt, eine Vielzahl unspezifischer Beschwerden auslösen (BGE 117
V 360, 123 III 111), die nicht mit apparativen/bildgebenden Abklärungen unter
Anwendung von wissenschaftlich anerkannten Untersuchsmethoden bestätigt
werden können und daher nicht objektiv nachweisbar im Sinne der Rechtspre-
chung sind (BGE 134 V 321 f. E. 5.1). Dies gilt vorliegend für die geltend gemach-
ten Kopfschmerzen, Depressionen, Antriebsverlust und rasche Ermüdbarkeit so-
wie die neurologischen Defizite (Urteil 8C_948/2012 vom 7. März 2013 E. 2). In
Bezug auf solche nicht nachweisbaren Beschwerden sind das Gericht und auch
die untersuchenden Ärzte ausschliesslich auf die Aussagen der Klägerin ange-
wiesen (vgl. BGE 134 V 109). Es ist daher anhand des Behauptungssubstrats
sowie der medizinischen Fakten zu Art, Intensität und Zeitpunkt des Auftretens
- 93 -
initialer Beschwerden sowie zu deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu
prüfen, ob im Lichte der Rechtsprechung auf das Vorliegen einer HWS-Schleu-
derverletzung und unfallbedingten Folgebeschwerden geschlossen werden kann.
b) Bei der Würdigung der Berichte und Zeugenaussagen ist zu berücksichti-
gen, dass behandelnde Ärzte nicht dazu angerufen wurden herauszufinden, ob
die Beschwerden der Klägerin auf das Schadenereignis vom 30. Juli 1997 zu-
rückzuführen sind; ihre Aufgabe und ihr Ziel war vielmehr die Linderung von Be-
schwerden. So erklärte der Neurologe Prof. Dr. P._ als Zeuge, er stelle die
Patientenaussagen grundsätzlich nicht in Frage und gehe bei angegebener Be-
schwerdefreiheit vor dem Unfall davon aus, dass sämtliche Beschwerden unfall-
bedingt seien (Prot. S. 192 f.). Die Neuropsychologin Dr. O._ erklärte als
Zeugin, dass es nicht Aufgabe der Neuropsychologie sei, sich mit der Kausalität
zu befassen, sondern abzuklären, ob Funktionsstörungen vorlägen oder nicht
(Prot. S. 149). Zum Beweiswert der Äusserungen der behandelnden Psychiaterin
Dr. K._ als Zeugin, wonach sie denke, dass die Klägerin, die sie vor dem Un-
fall nie gesehen habe, nach dem Unfall nicht mehr die gleiche Person gewesen
sei, und der Unfall diese darum schon stark beeinträchtigt habe (Prot. S. 168), ist
festzuhalten, dass der Psychiaterin weder Angaben zum tatsächlichen Unfallher-
gang noch die Befunde des Neurologen vorlagen, sondern sie ausschliesslich ge-
stützt auf die Anamnese von psychischen Beschwerden als Teil der typischen
Symptomtrias bei HWS-Schleuderverletzungen ausging, entsprechend der schon
im Überweisungsschreiben des Psychiaters Dr. AC._ vorgenommenen Ein-
schätzung aufgrund eines Erstinterviews (vgl. nachfolgend 5.7. e).
c) Weiter ist zu berücksichtigen, dass den Ärzten bei der Erstellung der Berich-
te und Deponierung ihrer Zeugenaussagen der tatsächliche Unfallhergang nicht
bekannt war und sie ihren Einschätzungen und Diagnosen daher ausschliesslich
die Angaben der Klägerin (Anamnese) zugrunde legten, die, wie dargelegt, von
einem heftigen Unfallereignis mit ungebremstem Aufprall mit einer Kollisionsge-
schwindigkeit von 30 bis 40 km/h und dadurch bewirkten Zahnschäden ausgeht.
Dementsprechend geht aus dem Erstbericht der Psychiaterin Dr. K._ vom
23. Juli 1998 (act. 4/16) hervor, dass die Klägerin "gerammt" wurde und der Auf-
- 94 -
prall zu einem Aufbiss mit Beschädigung der Zähne führte (act. 4/16 S. 1), und
bestätigte Dr. K._ als Zeugin, dass ihre Kenntnisse zum Unfallhergang sich
auf die Anamnese beschränkten und sie natürlich von den Angaben der Patienten
abhängig sei (Prot. S. 158, 171). Auch die Neuropsychologin Dr. O._ geht in
ihrem Testbericht vom 25. Mai 1998 (act. 4/19) aufgrund der Patientenangaben
von einem heftigen Unfallereignis ("gerammt“) mit Zahnschädigung infolge Auf-
bisses während des Aufpralls aus (act. 4/19 S. 1 f.). Der Neuropsychologin lag
auch kein Bericht von Prof. Dr. P._ oder einer chiropraktischen oder ander-
weitigen Behandlung mit Ausnahme des Notfallberichts betreffend geklagten
Steissbeinbeschwerden vor (act. 4/19 S. 1). Prof. Dr. P._ bestätigte als Zeu-
ge, keine Akten zum Unfallhergang gehabt zu haben (Prot. S. 185).
d) Die Berichte und Zeugenaussagen der behandelnden Ärzte stützen sich
auch hinsichtlich Art, Umfang und Zeitpunkt des (initialen) Auftretens von geklag-
ten Beschwerden ausschliesslich auf die Angaben der Klägerin (Anamnese). Es
bestand für sie keinerlei Anlass, an den Schilderungen der Klägerin zu zweifeln.
So gab der Neurologe Prof. Dr. P._ zu Protokoll, seinen Erstbericht aus-
schliesslich anhand der Anamnese erstellt zu haben und dass ihm weder ein Be-
richt der Erstkonsultation im Kantonsspital Luzern noch ein solcher betreffend ei-
ne Behandlung beim Chiropraktor vorgelegen habe (Prot. S. 185 f.). Dem Bericht
der Neuropsychologin Dr. O._ (act. 4/19) ist eingangs der Hinweis auf die
"wenigen Akten, die mir zur Verfügung stehen", zu entnehmen; als Zeugin ver-
mochte sie zur Aktenlage keine weiteren Angaben machen (Prot. S. 144, 149).
Auch die Berichte der Psychiaterin Dr. K._ basieren ausschliesslich auf den
Angaben der Klägerin, auf die sie, wie dargelegt, angewiesen sei (Prot. S. 158,
171).
Es ist daher von wesentlicher Bedeutung, was die Klägerin gegenüber den Ärzten
schilderte. Wie von Prof. Dr. P._ zu Protokoll gegeben (Prot. S. 192), ist bei
unzutreffenden Angaben des Patienten auch die vorgenommene Beurteilung nicht
korrekt.
e) Weiter ist der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass bei später er-
stellten Berichten die Gefahr besteht, dass frühere Einschätzungen und Diagno-
- 95 -
sen relativ unbesehen übernommen werden. So ergibt sich vorliegend aus dem
Erstbericht der Psychiaterin Dr. K._ (act. 4/16) und deren Erläuterungen ihrer
Diagnose (Prot. S. 158, 162) zum einen, dass Dr. K._ die von ihr festgestell-
ten psychischen Symptome (Angst, depressive Verstimmung) aufgrund ihrer vor-
gängigen Tätigkeit am Institut für Psychotraumatologie des überweisenden Psy-
chiaters Dr. AC._ einer "typischen Symptomtrias" bei HWS-Verletzungen zu-
ordnet, da Dr. AC._ mit diesem Begriff gearbeitet habe und bei Schleuder-
trauma-patienten jeweils von der Trias „chronische Schmerzen, Hirnfunktionsstö-
rungen, psychische Störungen“ ausgegangen worden sei. Dieser Schluss auf die
„typische Symptomtrias“ erfolgte mithin ungeachtet des Umstands, dass Dr.
K._ keine Angaben zum tatsächlichen Unfallhergang, kein Bericht des Neu-
rologen Prof. Dr. P._ zu fehlenden objektiven Befunden und keine objektiven
Angaben zu den tatsächlichen Auswirkungen auf die Erwerbsfähigkeit der Kläge-
rin nach dem Unfallereignis vorlagen (vgl. Prot. S. 158). Zum anderen findet sich
die Einschätzung im Erstbericht von Dr. K._ bereits im von der Klägerin zi-
tierten, nach Durchführung eines Erstinterviews verfassten Überweisungsschrei-
ben des Psychiaters Dr. AC._ vom 9. März 1998 (act. 4/15), wonach die psy-
chischen Symptome der Klägerin in Form von Angst und depressiven Verstim-
mungen eine Reaktion auf deren eingeschränkte Leistungsfähigkeit und daraus
resultierende Konsequenzen auf ihr Geschäft seien (act. 1 Rz. 13; act. 4/15). Ein
weiteres Beispiel für die Übernahme früherer Einschätzungen ist dem angerufe-
nen Gutachten der PUK vom 16. August 2012 (act. 269/1 S. 25) zu entnehmen,
wonach Dr. R._ im psychiatrischen Teilgutachten vom 18. Juli 2002 die im
früheren Gutachten der ... aus dem Jahre 2000 festgestellten Befunde und Ein-
schätzungen ausdrücklich teilte, „um Unsicherheiten und allfällige Diskrepanzen
in der Diagnostik, insbesondere zum ...-Gutachten vom 13. Februar 2000, aus
dem Weg zu räumen“, jedoch dessen ungeachtet eine abweichende Diagnose
stellte (act. 269/1 S. 25 und 56).
f) Auch aus diesem Grund und vor dem Hintergrund der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung, wonach den Feststellungen des erstbehandelnden Arztes bei
nicht objektiv nachweisbaren Beschwerden als einer der tatbeständlichen Grund-
lagen grosses Gewicht zukommt (vgl. BGE 134 V 109), sind die unmittelbar nach
- 96 -
dem Schadenereignis erstellten Berichte über medizinische Untersuchungen zu
geklagten Beschwerden am aussagekräftigsten.
g) Vorliegend bestehen etliche Ungereimtheiten und Widersprüche in den An-
gaben der Klägerin gegenüber Ärzten, aber auch in und zwischen ihren eigenen
Mitteilungen an die Beklagte im Unfallfolgemonat, hinsichtlich des Auftretens initi-
aler Beschwerden:
aa) Gegenüber dem erstbehandelnden Arzt am Kantonsspital Luzern, den
die Klägerin neun Tage nach dem Schadenereignis notfallmässig und explizit we-
gen der Unfallbeschwerden aufsuchte, beklagte die Klägerin am Vortag, mithin
acht Tage nach dem Schadenereignis, wie angeworfen aufgetretene Steissbein-
schmerzen sowie geschwollene Knöchel (act. 4/8). Dies in Widerspruch zu ihrer
drei Tage später – noch in scherzhaftem Ton („erwadelt“) – verfassten ersten Mit-
teilung an die Beklagte 1 (act. 4/7), wonach initiale Schmerzen nach zwei bis drei
Tagen aufgetreten seien, die die Klägerin zunächst auf den Zahnaufbiss zurück-
geführt, die sie dann aber weitere sechs Tage später zur vorerwähnten Notfall-
konsultation veranlasst hätte, da sie weder sitzen noch kaum laufen habe können
und das Steissbein geschmerzt habe. Wiederum in Widerspruch hierzu schildert
die Klägerin in ihrer "Unfallerlebnisschilderung" (act. 4/6 vom 21. August 1997)
drei Wochen nach dem Schadenereignis wiederum gegenüber der Beklagten 1 –
und nach zwischenzeitlich dort geltend gemachtem Schadenersatzanspruch für
Erwerbsausfall als Selbständigerwerbende (act. 1 Rz 18; act. 16 S. 14; act. 32 S.
9; act. 4/21) –, dass sie noch am Unfallabend Kopfschmerzen und am Folgetag
ganz leichte Rückenschmerzen bekommen habe, die sich am dritten Tat derart
verschlimmert hätten, dass sie sich „notfallmässig in die Chirugie“ habe begeben
müssen. Übereinstimmung in den Berichten der Klägerin an die Beklagte 1 im Un-
fallfolgemonat (act. 4/6-7) besteht damit einzig insofern, als die initial aufgetrete-
nen Beschwerden die Klägerin zur vorerwähnten notfallmässigen Erstkonsultation
vom 8. August 1997 mit den dort festgestellten Befunden veranlassten.
bb) Wiederum in Abweichung vom Gesagten schilderte die Klägerin den erst
„auf Anordnung“ der Beklagten 1 aufgesuchten behandelnden Ärzten die initial
aufgetretenen Beschwerden wie folgt: Gemäss Anamnese im Bericht des Neuro-
- 97 -
logen Prof. Dr. P._ zur Erstkonsultation vom 24. November 1997 (act. 4/12
S. 1) traten initial am Unfallfolgetag Kopf-/Nackenschmerzen, Schmerzen im Be-
reich des lumbosakralen Übergangs bis ins Kreuzbein ausstrahlend auf. Beklagt
wurden zudem ausstrahlende Schmerzen im Bereiche der BWS und HWS. Neu
finden sich im Bericht des Neurologen Prof. Dr. P._ vom 24. November 1997
sodann ein weiterhin vorhandener asystematischer Schwindel, Übelkeit und Kon-
zentrationsdefizite (act. 4/12). Gegenüber der Neuropsychologin Dr. O._
klagte die Klägerin am 6. April 1998 (act. 4/19) demgegenüber über am Abend
des Unfalltags aufgetretene heftige Kopf- und später Rückenschmerzen. Wegen
persistierender Rückenschmerzen v.a. im Bereich des Steissbeins habe die Klä-
gerin sich notfallmässig ins Kantonsspital Luzern begeben. Gemäss Anamnese
im Erstbericht der Psychiaterin Dr. K._ vom 23. Juli 1998 (act. 4/16) traten
am Abend des Unfalltags Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen im Bereich des
lumbosakralen Übergangs mit Ausstrahlung ins Steissbein sowie Schwindel auf.
cc) Erstellt ist aufgrund des nicht substantiiert bestrittenen Vorbringens der
Beklagten (vgl. act. 16 S. 28 ff.; 32 S. 6 und 19 ff.), dass die Klägerin gegenüber
den ...-Gutachtern im Jahr 2000 (act. 4/61) neu und erstmals beklagte, sie habe
unmittelbar im Anschluss an den Unfall ein „komisches Gefühl“ im Nacken ge-
habt; drei Stunden später seien Kopfschmerzen aufgetreten, in der Nacht vom 30.
auf den 31. Juli 1997 sei ihr übel geworden und sie habe die ganze Nacht erbre-
chen müssen (act. 16 S. 28 unter Verweis auf act. 4/61 S. 6; unbestritten: act. 32
S. 19 f.). Demgegenüber ist anlässlich der Untersuchung der Gutachter Dres.
AN._ und R._ im Jahre 2002 (act. 4/65 S. 12; act. 4/66 S. 3) neu die
Rede von vier durch den Unfall beschädigten Zähnen und machte die Klägerin als
initiale Beschwerden nun geltend, es hätten sich nach dem Unfall „sofort Schmer-
zen im Bereiche der Flanke und Hüfte rechts“ resp. nachmittags nach dem Unfall
„extreme“ Schmerzen im cervikalen Bereich eingestellt, beides wiederum in kla-
rem Widerspruch zu den vorerwähnten klägerischen Berichten an die Beklagte 1
vom 12. und vom 21. August 1997 (act. 4/6-7) und dem Bericht der Notfallkonsul-
tation vom 8. August 1997 (act. 4/8). Gegenüber Dr. AN._ berichtete die Klä-
gerin erneut von Übelkeit und Erbrechen in der Nacht nach dem Unfall (act. 4/65
S. 12) und damit von initialen Beschwerden, die die Klägerin vor der Untersu-
- 98 -
chung bei der ... im Jahre 2000 nie, insbesondere auch nicht gegenüber dem
erstuntersuchenden Arzt neun Tage nach dem Unfall (act. 4/8), geäussert hat
(act. 16 S 30; unbestritten geblieben: act. 32 S. 20 ff.).
dd) Gegenüber der Gutachterin der PUK schliesslich erklärte die Klägerin im
2012, dass ein bis zwei Tage nach dem Schadenereignis unerträgliche Schmer-
zen in der Wirbelsäule aufgetreten seien, die sie durch einen Chiropraktor habe
behandeln lassen, was zu Übelkeit, Erbrechen und einer Befundverschlechterung
geführt habe (act. 269/1 S. 8).
h) Diese Beschwerden, die gemäss den Angaben der Klägerin gegenüber spä-
teren behandelnden und untersuchenden Ärzten noch am Unfalltag resp. am Fol-
getag aufgetreten sein sollen, schilderte die Klägerin gegenüber dem ausdrücklich
wegen der Unfallfolgen (act. 32 S. 6) aufgesuchten erstbehandelnden Arzt im
Kantonsspital Luzern nicht. Nach der Lebenserfahrung ist davon auszugehen,
dass solch massive Beschwerden gegenüber einem (eigens deswegen aufge-
suchten) Arzt geschildert werden, wenn man darunter leidet. Beschwerden der
geschilderten Art, welche das Wohlbefinden zweifellos massiv einschränken,
werden erfahrungsgemäss nicht einfach vergessen, waren doch sogar Knöchel-
schwellungen bei der Notfallkonsultation ein Thema. Die Klägerin machte gegen-
über den später behandelnden Ärzten klar die Aussage, dass heftige Kopf- und
Nackenschmerzen resp. extreme Schmerzen im cervikalen Bereich resp. Schmer-
zen im Bereich der Flanke und Hüfte etc. unmittelbar anschliessend an das Auf-
fahrereignis und damit vor der Konsultation im Kantonsspital Luzern aufgetreten
seien. Auch im vorliegenden Verfahren stellte die Klägerin, wie erwähnt, klar,
dass die initial in den ersten Tagen nach dem Schadenereignis aufgetretenen Be-
schwerden sich in der Folge exazerbiert und zur notfallmässigen Konsultation ge-
führt hätten, mithin vor der Erstkonsultation aufgetreten seien (act. 32 S. 6). Wenn
diese Beschwerden tatsächlich in jenem Zeitpunkt vorgelegen hätten, hätte die
Klägerin diese in jedem Fall gegenüber dem erstbehandelnden Arzt geschildert,
was, wie dargelegt, nicht der Fall war.
Das Gesagte gilt analog, soweit die Klägerin die gegenüber späteren untersu-
chenden Ärzten im Jahre 2000 (...) resp. 2002 (Dres. AN._ und R._) ge-
- 99 -
klagten heftigen Initialbeschwerden, so insbesondere sofortige Schmerzen im Be-
reich der Flanke und Hüfte rechts, bei der ersten Konsultation des Neurologen
Prof. Dr. P._ am 24. November 1997 (act. 4/12) vier Monate nach dem
Schadenereignis nicht erwähnte. Wiederum ist davon auszugehen, dass die Klä-
gerin diese heftigen Beschwerden gegenüber dem Neurologen geschildert hätte,
wenn diese vorgelegen hätten.
i) Ungereimtheiten in den Angaben der Klägerin gegenüber Ärzten, aber auch
gegenüber der Beklagten, bestehen damit auch hinsichtlich des Zeitpunkts des
erstmaligem Auftreten von Beschwerden, der mit zunehmender Distanz zum
Schadenereignis stets früher verortet wird: Während beim erstbehandelnden Arzt
am Kantonsspital Luzern von acht Tage nach dem Schadenereignis „wie ange-
worfen“ aufgetretenen Steissbeinbeschwerden die Rede war (act. 4/8), werden
erste, nicht näher benannte und zunächst auf den Zahnaufbiss zurückgeführte
Beschwerden in der ersten Mitteilung der Klägerin an die Beklagte 13 Tage nach
dem Unfall auf „2/3 Tage“ nach dem Ereignis verortet (4/7). Wiederum in Wider-
spruch hierzu traten gemäss Unfallerlebnisschilderung zuhanden der Beklagten 1
drei Wochen nach dem Unfall erste Beschwerden nun bereits am Abend des Un-
falltags auf (act. 4/6 S. 1).
j) Auch die Intensität der geklagten Initialbeschwerden nimmt in den Schilde-
rungen der Klägerin mit zunehmender zeitlicher Distanz zum Schadenereignis zu:
Gemäss Unfallerlebnisschilderung zuhanden der Beklagten 1 vom 21. August
1997 (act. 4/6) traten am Unfallfolgetag ganz leichte Rückenschmerzen auf, die
sich exazerbiert und zur Notfallkonsultation geführt hätten. Gemäss Anamnese
bei Dr. O._ im April 1998 waren es heftige Kopf- und später Rückenschmer-
zen (act. 4/19) und gegenüber den Gutachtern Dres. AN._ und R._ so-
dann extreme Schmerzen im cervikalen Bereich (act. 16 S. 28 ff.). Gegenüber der
Gutachterin der PUK im 2012 waren es schliesslich unerträgliche Schmerzen in
der Wirbelsäule (act. 269/1 S. 8).
k) Schliesslich erfährt auch die Art der Initialbeschwerden eine Ausweitung in
den Schilderungen der Klägerin: Nach ursprünglich geklagten Steissbeinbe-
schwerden beim erstbehandelnden Arzt (act. 4/8 vom 8. August 1997) finden sich
- 100 -
in der Anamnese bei Prof. Dr. P._ (November 1997) erstmals ausstrahlende
Schmerzen im Bereich BWS/HWS, asystematischer Schwindel, Übelkeit und
Konzentrationsdefizite (act. 4/12). Gegenüber den Gutachtern der ... wird ein un-
mittelbar im Anschluss an den Unfall empfundenes „komisches Gefühl im Na-
cken“ sowie Erbrechen während der ganzen Nacht und gegenüber den Dres.
AN._ und R._ schliesslich sofortige Schmerzen im Bereich der Flanke
und Hüfte rechts geklagt.
l) Soweit sich die Klägerin replicando unter Hinweis auf das Grundlagenpapier
der Schweizerischen Neurologischen Gesellschaft und die Rechtsprechung des
EVG auf das "medizinische Basisprinzip" beruft, wonach die Beschwerden in der
Regel innert 72 Stunden aufträten, und daher ungeachtet geringfügiger Differen-
zen betreffend Initialbeschwerden, die sich stets ergäben, einzig entscheidend
sei, dass die Klägerin konsistent ein Auftreten der Beschwerden während der ers-
ten drei Tage geschildert habe (act. 32 S. 6), kann ihrer Argumentation aus meh-
reren Gründen nicht gefolgt werden: Zum einen sind die Differenzen in den Schil-
derungen zu Art, Intensität und Zeitpunkt des Auftretens von Initialbeschwerden
vorliegend erheblich; zum anderen besteht die angerufene Konsistenz gemäss
"medizinischem Basisprinzip" in den klägerischen Angaben gerade nicht. Wie
dargelegt, kommt den Angaben des Geschädigten bei nicht objektivierbaren Be-
schwerden gemäss Rechtsprechung – zwangsläufig und aus den erwähnten
Gründen – besonderes Gewicht zu, weshalb sie einer kritischen Prüfung auf ihre
Glaubhaftigkeit zu unterziehen und an das Vorliegen einer HWS-Distorsions-
verletzung hohe Anforderungen zu stellen sind. Zu verweisen ist erneut auf die
Rechtsprechung zum hohen Stellenwert der ersten tatbeständlichen Abklärungen
zum initialen Auftreten von Beschwerden einerseits und zum Unfallhergang ande-
rerseits. Damit erweist sich auch die weitere, wenig substantiierte Entgegnung der
Klägerin in der Replik, wonach die Beschwerden "gemäss Schilderung der Kläge-
rin bereits initial nach wenigen Stunden / Tagen vorhanden" gewesen seien und
deren nachfolgende Exazerbation "zur Notfallaufnahme ins Kantonsspital Luzern
führte" (vgl. act. 32 S. 6), von vornherein als unbehelflich, wurden bei der erwähn-
ten "Notfallaufnahme im Kantonsspital" neun Tage nach dem Schadenereignis
- 101 -
doch, wie mehrfach ausgeführt, einzig "gestern wie angeworfen" aufgetretene
Steissbeinbeschwerden und geschwollene Knöchel geklagt.
m) Hinsichtlich des Vorliegens von Rückenschmerzen sind dem Bericht des
erstbehandelnden Arztes einzig geklagte Steissbeinbeschwerden zu entnehmen;
ein objektiver Befund konnte nicht erhoben werden (Inspektion, Labor, Radiologie
unauffällig, act. 4/8). Es lag mithin ein rein subjektiver Befund vor. Dies deckt sich
mit dem Ergebnis der klinischen und radiologischen Untersuchung gemäss Erst-
konsultationsbericht des Neurologen Prof. Dr. P._ (act. 4/12), wonach das
Steissbein unauffällig erscheine, auch wenn die ersten beiden Segmente leicht
hypertroph anmuten würden. Dem nämlichen Bericht ist weiter zu entnehmen,
dass die HWS-Beweglichkeit uneingeschränkt, die Sensomotorik unauffällig und
das Steissbein beim Röntgen unauffällig seien. Aufgrund der Röntgenaufnahme
des Kreuzbeins/Übergangs zur LWS bestand gemäss Neurologe der Verdacht auf
eine Iliosakralarthorse, die gemäss seiner Beurteilung durch eine indirekte Trau-
matisierung hätte aktiviert werden können. Zwei Jahre später standen gemäss
Verlaufsbericht des Neurologen vom 1. Dezember 1999 (act. 4/14) nach wie vor
tiefsitzende Kreuzschmerzen im Vordergrund. Objektivierbare Befunde seien nicht
vorhanden; neurologische Ausfälle wurden verneint. Gemäss MRI besteht eine
leichte Discopathie C5-C7, jedoch ohne Diskushernie. Im CT der LWS bzw. der
ISG finde sich eine leichte bis mässig ausgeprägte degenerative Veränderung im
Bereich beider ISG. Der Neurologe diagnostizierte ein iliosakrales Schmerzsyn-
drom im Sinne einer Traumatisierung von vorbestehenden stummen degenerati-
ven Veränderungen im Bereich der Iliosacralgelenke (act. 4/14 S. 2). Aus dem
Bericht zum vorerwähnten CT vom 5. Oktober 1999 (im Anhang zu act. 4/14)
ergibt sich, dass keine Anzeichen einer Iliosakral-Arthritis festgestellt werden
konnten, wie noch im Erstbericht von Prof. Dr. P._ vermutet, und dass das
ISG eine leichte degenerative Veränderung aufweist. Dem Bericht zum MRI der
HWS vom 5. Oktober 1998 (Anhang zu act. 4/14) ist zu entnehmen, dass keine
Spinallkanalastenose, Diskushernie oder Foraminalstenose festgestellt werden
konnten. Als Zeuge erklärte Prof. Dr. P._ zum Vorhalt, wonach sein ur-
sprünglicher Verdacht auf eine Iliosakralarthrose durch die MRI-Berichte nicht be-
stätigt worden sei, dass er aufgrund eines Röntgenbilds nur eine Vermutung habe
- 102 -
äussern können, dass es aber an der damaligen Behandlung (ISG-Gurt für das
Kreuzbein) nichts geändert hätte, da die Klägerin dort Probleme gehabt habe. Der
Zeuge verneinte weiter, dass es an seiner damaligen Beurteilung der Arbeitsfä-
higkeit etwas geändert hätte, dies mit der Begründung, dass Veränderungen im
Iliosakralgelenk im vierten Lebensdezennium sehr häufig resp. bei 30% der Be-
völkerung anzutreffen seien. Diese Veränderungen seien zwar nicht eindeutig
sichtbar und dokumentierbar mit ossären Brücken, doch könnte diese unregel-
mässige Oberfläche natürlich durch eine Traumatisierung irritiert sein (Prot.
S. 195). In beiden erwähnten Berichten ist sodann von einer Neigung zur Besse-
rung die Rede, die der Neurologe auch als Zeuge bestätigte und die die Klägerin
auch gegenüber den Physiotherapeuten geäussert habe (Prot. S. 188 f.).
n) Damit ist aufgrund der Berichte des erstbehandelnden Arztes vom 8. August
1997, der Berichte des behandelnden Neurologen (November 1997 bis 2000) so-
wie der vorerwähnten MRI- und CT-Aufnahmen erstellt, dass weder neurologi-
sche Ausfälle noch objektive Befunde vorlagen und bei der Klägerin eine leichte
stumme degenerative Veränderung im Bereich des ISG feststellbar war, die bei
einem Drittel der Bevölkerung des betreffenden Alterssegments anzutreffen ist
und die hätte aktiviert werden können. Anzufügen bleibt der Vollständigkeit hal-
ber, dass die langjährige behandelnde Psychiaterin Dr. K._ (1998 bis 2009)
unter Hinweis auf die nur gerade einstündigen resp. kürzeren Therapiesitzungen
aus eigener Wahrnehmung nichts zum Vorliegen von Rückenschmerzen sagen
konnte (Prot. S. 166).
o) Zum Vorliegen der weiteren, nicht objektiv nachweisbaren Beschwerden
ergibt sich – nebst dem hierzu in Zusammenhang mit dem Auftreten initialer Be-
schwerden bereits Ausgeführten – aus den im Recht liegenden Beweismitteln im
Übrigen das Folgende:
aa) Zur Frage von geklagten Kopfschmerzen erklärte Dr. K._ (Behand-
lungszeitraum 1998 bis 2009) als Zeugin, nicht sagen zu können, ob die Klägerin
vielleicht einmal gesagt habe, sie habe Kopfschmerzen (Prot. S. 166). Prof. Dr.
P._ erklärte, dass die Klägerin dies glaublich erwähnt habe (Prot. S. 190)
und Dr. O._ gab zu Protokoll, die Klägerin habe bei der Testuntersuchung
- 103 -
(April 1998) erzählt, nach dem Unfall Kopfschmerzen gehabt zu haben (Prot.
S. 145).
bb) Zum Vorliegen von Depressionen ergibt sich aus den Berichten und
Zeugenaussagen der langjährigen behandelnden Psychiaterin Dr. K._ (act.
4/16-18, Prot. S. 154 ff.) sowie dem 15 Jahre nach dem Schadenereignis erstell-
ten Gutachten PUK vom 16. August 2012 (act. 269/1) das Folgende:
Gemäss "Befund" im Erstbericht von Dr. K._ vom 23. Juli 1998 (act. 4/14)
nach viermonatiger Behandlungsdauer war die Klägerin sehr kooperativ, voll ori-
entiert und positiv eingestellt, machte aber einen verunsicherten Eindruck und
klagte über wiederkehrende Zukunftsängste. Demgegenüber erklärte Dr. K._
als Zeugin, dass schon am Anfang Depressionen vorgelegen hätten, unter Be-
zugnahme auf den Energiefluss und „dann nachher die ganze Unsicherheit“ (Prot.
S. 161).
Die "Beurteilung" der Psychiaterin in ihrem Erstbericht basierte, wie dargelegt, auf
der Angaben der Klägerin zum Unfallereignis und den geklagten Beschwerden
und entsprach der schon im Überweisungsschreiben des Psychiaters Dr.
AC._ zum Ausdruck gebrachten Einschätzung (vgl. hiervor 5.7.e). Dr.
K._ ging gemäss Zeugenaussage für ihre Einschätzung von "den ganzen
Schmerzen und den Verletzungen des Bewegungsapparates" und der stattgehab-
ten neuropsychologischen Untersuchung aus (Prot. S. 159). Vor diesem Hinter-
grund diagnostizierte die Psychiaterin die festgestellte Verunsicherung als ein
"Shaken sense of self"-Syndrom und ordnete sie als Teil der für HWS-/LWS-
Verletzte typischen Symptomtrias „chronisches Schmerzsyndroms / Hirnfunkti-
onsstörungen / psychische Symptome“ ein (act. 4/14). Als Zeugin erläuterte Dr.
K._ die Diagnosestellung eines "Shaken Sense of Self" sodann wie folgt: Sie
habe am Institut für Psychotraumatologie von Dr. AC._ gearbeitet, der sehr
engagiert in diesem Gebiet sei und auch das Erstinterview mit der Klägerin ge-
führt habe. Dr. AC._ habe mit diesem Begriff gearbeitet, weil er sage, dass
es "eine Trias von Symptomen [sei], die diese Leute haben" (Prot. S. 162).
- 104 -
Als Zeugin nimmt Dr. K._ auf Vorhalt ihrer Angabe gegenüber der PUK-Gut-
achterin im Jahre 2012 (act. 269/1 S. 60), wonach bei der Klägerin seit mehr als
zehn Jahren ein stabiles Wahnsystem mit Verfolgungs- und Beeinträchtigungser-
leben bestehe, Bezug auf die Leistungseinstellung durch die Beklagte 1, auf
Drohbriefe und "andere Sachen". Die Klägerin habe gemerkt, dass man gegen sie
sei, und habe überall "solche Sachen gesehen". Dr. K._, die sich nur aus-
weichend und zurückhaltend auf die wiederholte Frage nach der zeitlichen Veror-
tung ihrer erstmaligen Wahrnehmung von Wahnvorstellungen bei der Klägerin
äusserte, bezog stattdessen klar Position zugunsten der klägerischen Haltung zu
biomechanischen Gutachten ("ausserordentlich kränkend", „hätte nichts ge-
bracht“, "in der Schweiz verboten", Prot. S. 163) und erklärte schliesslich, dass
die Wahnvorstellungen zunehmend gekommen seien (Prot. S. 164). Auf Nachfra-
ge verortete die Zeugin erste Wahnvorstellungen zeitlich auf die Ablehnung der
biomechanischen Begutachtung durch die Klägerin (Prot. S. 163) resp. den ersten
Überfall vom 20. April 2000 (Prot. S. 164) resp. den Zeitpunkt der Leistungsein-
stellung durch die Beklagte (Prot. S. 163) und damit in die Zeitperiode November
1999 bis April 2000, relativierte ihre Aussagen jedoch sogleich ("es passieren vie-
le Sachen"; dass sie das nichts angehe, das sei Sache der Polizei, Prot. S. 164).
Ebenso relativierte die Zeugin ihre gegenüber der PUK-Psychiaterin (act 269/1
S. 58) bestätigte Diagnose einer paranoiden Schizophrenie zunächst ("ich würde
jetzt sagen paranoid. [...] wahnhaft ist sie ganz bestimmt gewesen"; Prot. S. 164
f.), bestätigte diese sodann (Prot. S. 165), um dies sogleich wieder zu relativieren
(Prot. S. 166). Hinsichtlich der von Dr. K._ als Zeugin deponierten Aussagen
in Anwesenheit ihrer langjährigen Patientin ist dem Umstand Rechnung zu tragen,
dass Berichte von behandelnden Ärzten auf Grund von deren auftragsrechtlichen
Vertrauensstellung zum Patienten mit Vorbehalt zu würdigen sind (BGE 125 V
351 E. 3b/cc S. 353).
Im Recht liegt weiter das vorerwähnte 70-seitige Gutachten der PUK vom 16. Au-
gust 2012 (act. 269/1), mittels dessen eine paranoide Schizophrenie mit kontinu-
ierlichem Verlauf diagnostiziert und festgehalten wird, dass die detailliert be-
schriebenen Symptome seit mindestens zehn Jahren bestünden (S. 52, 59). Hin-
- 105 -
sichtlich des Beweiswerts des Gutachtens ist entscheidend, ob es für die streiti-
gen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die ge-
klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung
der medizinischen Situation einleuchtet sowie ob die Schlussfolgerungen begrün-
det sind (vgl. dazu BGE 122 V 160 ff. und BGE 125 V 352 sowie Werner E. Ott,
Das medizinische Gutachten [in HAVE-Sonderdruck 2006], S. 48 ff.). Das Gutach-
ten befasst sich auftrags der Sozialkommission L._ mit der Frage der Tatbe-
standsmerkmale von aArt. 369 ZGB (Bevormundung wegen Geisteskrankheit o-
der –schwäche) und hat eine umfassende Abklärung der psychischen Störungen
der Klägerin zum Inhalt. Dem Gutachten liegen einlässliche eigene Erhebungen,
die Akten der Sozialkommission L._ sowie jene der PUK zu früheren dortigen
Aufenthalten der Klägerin, die Fremdauskünfte und Krankenberichte der langjäh-
rigen Vorbehandlerin Dr. K._ einschliesslich eines als exemplarisch bezeich-
neten Schreibens der Klägerin (vgl. auch Prot. S. 166), das frühere Gutachten der
... (neuropsychologische Testung vom 12./12.10.2000) und das psychiatrische
Teilgutachten Dr. R._ vom 18. Juli 2002 zuhanden Dr. AN._ und der
T._-Versicherung (2002) sowie ein Schreiben der Polizei ... vom März 2012
zugrunde. Die geklagten Beschwerden fanden Eingang in die ausführlichen
Anamnesen zum aktuellen Gesundheitszustand, zur körperlichen Vorgeschichte
und im Rahmen der Medikamenten-, Familien-, sozialen und biographischen
Anamnese sowie den Feststellungen zur psychiatrischen Vorgeschichte (S. 7 bis
21).
Es wurde folgender „psychopathologischer Befund“ erhoben: Die Patientin sei
wach, örtlich und situativ und zur eigenen Person vollständig orientiert, das Ver-
halten durchwegs misstrauisch. Es wurden u.a. Ich-Störungen im Sinne von Ge-
dankeneingebungen und inhaltliche Denkstörungen in Form von rigiden und un-
korrigierbaren Annahmen im Sinne eines komplexen, systematisierten Wahnsys-
tems mit Verfolgungs- und Beeinträchtigungsideen festgestellt, letzteres unter
Wiedergabe einer Vielzahl von Beispielen (S. 49, 51). Zum Untersuchungsverhal-
ten wurde festgestellt, dass die Klägerin vordergründig kooperiere und es ihr ein
wichtiges Anliegen sei, sich als psychisch gesund darzustellen und die kognitiven
- 106 -
Leistungseinbussen ätiologisch in Zusammenhang mit den Auffahrunfällen zu
stellen (S. 46). Der „Beurteilung“ lässt sich zum Zeitpunkt des erstmaligen Auftre-
tens von Krankheitssymptomen entnehmen, dass sich dieser ohne weiterführende
fremdanamnestische Informationen nur vermuten lasse, retrospektiv jedoch an-
gesichts des bisherigen Krankheitsverlaufs die Spezialisierung ab 1994 auf Mob-
bingopfer und die für Tarotkarten, magisches Denken und Geheimnisse und Sor-
gen der Kunden vor allem aus dem ... bekundete Faszination auffalle.
Das Gutachten PUK setzt sich sodann ausführlich mit den Diagnosen im Vorgut-
achten von 2002 (Dr. R._) sowie der Vorbehandlerin Dr. K._ auseinan-
der (act. 269/1 S. 55 ff.) und führt unter Bezugnahme auf die einzelnen Kriterien
differentialdiagnostisch aus, dass bei der Klägerin u.a. weder eine Anpassungs-
störung aufgrund eines belastenden Ereignisses, wie noch und bereits damals
unzutreffend der Vorgutachter (S. 56 f.), noch eine affektive Erkrankung (Depres-
sion mit/ohne Angstsymptome, Manie) vorliege. Weiter wird detailliert ausgeführt,
dass die drei charakteristischen Symptomgruppen für schizophrene Erkrankungen
ebenso wie die Zeitkriterien vorlägen (S. 58 ff.). Schliesslich ist dem Gutachten zu
unspezifischen Frühsymptomen der Schizophrenie zu entnehmen, dass diese
Überlappungen mit anderen Krankheitsbildern zeigen, was die Diagnosestellung
generell, so auch im vorliegenden Fall, erschwere und zeitlich verzögere. Zu die-
sen Frühsymptomen gehörten u.a. Antriebsverlust, Selbstunsicherheit, Konzentra-
tionsstörungen, zunehmende Ängstlichkeit, Traurigkeit und Verlangsamung
(S. 59).
Aufgrund der dargelegten ausführlichen, schlüssigen und nachvollziehbaren Aus-
führungen im Gutachten der PUK ist erstellt, dass die Klägerin seit spätestens
2002 an einer schweren psychischen Erkrankung in Form einer paranoiden Schi-
zophrenie leidet. Wie von der Gutachterin aufgezeigt, entsprechen die von
Dr. K._ 1998 festgestellte Selbstunsicherheit (shaken sense of self) und die
von Dr. O._ als valid befundenen leichten kognitiven Störungen Frühsymp-
tomen der sich schleichend entwickelnden und nur erschwert und zeitlich verzö-
gert diagnostizierbaren Erkrankung.
- 107 -
cc) Zu kognitiven Ausfällen (insb. Konzentrations- und Gedächtnisstörun-
gen) ergibt sich, wie dargelegt, aus dem Testbericht der Neuropsychologin
Dr. O._ vom 25. Mai 1998 (act. 4/19) ein als gut durchschnittlich bezeichne-
tes Gesamtleistungsniveau. Die Standardabweichungen von der Norm seien dort
deutlich, wo es um komplexe, und leichter, wo es um komplexere Informationen
gehe. Gesamthaft heruntergebrochen sei die Diagnose „leicht“ gewesen (Prot. S.
148). Obwohl gemäss Beurteilung eine leichte neuropsychologische Funktionsstö-
rung vorliegt, schliesst die Neuropsychologin auf weitgehende Auswirkungen an-
gesichts der Tätigkeit der Klägerin (Personalberatungsbüro, act. 4/19 S. 2 f.) in
einem "Beruf, wo Flexibilität, rasche und teilweise parallele Informationsverarbei-
tung und logisch-abstraktes Denken eine Voraussetzung" sei (act. 4/19 S. 7). Für
diese Schlussfolgerung stützt sich die Neuropsychologin wiederum ausschliess-
lich auf die Angaben der Klägerin im vorgängig ausgefüllten Fragenkatalog. In Er-
läuterung ihrer Schlussfolgerungen im Bericht erklärte die Neuropsychologin als
Zeugin, eine leichte Funktionsstörung entspreche gemäss SUVA-Tabelle einer ca.
20%-igen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Da die Klägerin damals aber eine
relativ anspruchsvolle Aufgabe mit Kundenkontakt und Multitasking auf einem ho-
hen verbalen Niveau gehabt habe, habe sie das Resultat anders interpretiert und
eine 40 bis 50%-ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Die Klägerin habe bei der Unter-
suchung auch selber angegeben, nur noch zwei Beratungen pro Tag zu machen
(Prot. S. 152).
Damit basiert die von Dr. O._ vorgenommene Einschätzung der Auswirkun-
gen der leichten kognitiven Defizite wiederum ausschliesslich auf den Angaben
der Klägerin zu ihrer Tätigkeit. Der erwähnte Fragenkatalog liegt nicht im Recht.
Der ausführlichen biographischen Anamnese im Gutachten PUK ist folgende
Schilderung der Klägerin zu ihrer Beratungstätigkeit zu entnehmen (act. 269/1 S.
18 f.): Sie habe im September 1994 eine Beratungsstelle zur Bekämpfung von
Mobbing am Arbeitsplatz eröffnet, da sie sich für menschliche Probleme interes-
siert habe und Mobbing damals „trendy“ gewesen sei. Sie habe vor allem Le-
bensberatung angeboten, was sich im ... herumgesprochen habe, und habe den
Leuten auf Wunsch auch Tarot-Karten gelegt. Sie sei keine Therapeutin oder
Psychologin gewesen; das hätten die Leute auch nicht gewollt; schliesslich seien
- 108 -
diese ja auch nicht krank gewesen. Viele hätten kein wirkliches Problem gehabt,
sondern einfach plaudern wollen. Sie sei so eine Art Zentrale gewesen und habe
Empfehlungen abgegeben, wenn es den Beizug eines „Spezialisten“ gebraucht
habe. Diese Eigenschilderung der klägerischen Tätigkeit steht in Einklang mit der
im Gutachten PUK ebenfalls wiedergegebenen Frage an den Psychiater Dr.
R._ in dessen Teilgutachten von 2002 zur Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
im angestammten Beruf als Kartenlegerin/Mobbingberaterin (act. 269/1 S. 31).
Vor dem Hintergrund des klägerischen Tätigkeitsbeschriebs basiert die von der
Neuropsychologin – wiederum gestützt auf die Anamnese – gezogenen Schluss-
folgerung hinsichtlich der Auswirkungen der festgestellten leichten Defizite auf ei-
ner unzutreffenden Grundlage.
Zu verweisen ist sodann auf das zu den Frühsymptomen der Schizophrenie ge-
mäss Gutachten PUK Ausgeführte, wozu auch Konzentrationsstörungen gehören
(act. 269/1 S. 59). Gemäss Gutachten der PUK liessen sich bei schizophrenen
Menschen wie im vorliegenden Fall auf der Symptomebene drei charakteristische
Symptomgruppen unterscheiden: Positivsymptome (Realitätsverlust, Wahnvor-
stellungen, inkohärentes Denken, bizarres Verhalten); Negativsymptome (u.a.
Freudlosigkeit, Sprachverarmung) sowie kognitive Einschränkungen, die zu Stö-
rungen im Bereich der Aufmerksamkeit, des Gedächtnisses und der Informations-
verarbeitung geführt hätten. Aufgrund der schlüssigen, nachvollziehbaren und in
sich stimmigen Darlegungen im Gutachten PUK sind in den von Dr. O._ im
April 1998 festgestellten und als valid (Prot. S. 153) eingeschätzten leichten kog-
nitiven Defiziten, die auch noch im neuropsychologischen Gutachten ... aus dem
Jahre 2000 in gleichbleibendem Umfang festgestellt worden seien (act. 269/1 S.
22), Frühsymptome der sich schleichend entwickelnden psychiatrischen Erkran-
kung der Klägerin zu sehen.
dd) Zu den ebenfalls geltend gemachten Symptomen von Antriebsverlust
und rascher Ermüdbarkeit schliesslich ergibt sich aus den angerufenen Beweis-
mitteln das Folgende: Dem Bericht der Psychiaterin Dr. K._ vom 23. Juli
1998 (act. 4/16, ebenso Prot. S. 159) ist zu entnehmen, dass die Klägerin voll ori-
entiert und positiv eingestellt sei, und dem Bericht vom 28. November 1999 (act.
- 109 -
4/18) zum seitherigen Verlauf, dass die Klägerin viel Elan bei der Neuordnung ih-
rer beruflichen Zukunft (Neueinrichtung Büro und Neugestaltung Broschüre) ge-
zeigt und daneben weitergearbeitet habe. Als Zeugin verneinte Dr. K._, ei-
gene Wahrnehmungen über Antriebsverlust oder rasche Ermüdbarkeit gemacht
zu haben, und berief sich auf die Angabe der Klägerin, wonach diese weniger
bzw. nur noch zwei anstatt wie früher sechs Kunden pro Tag habe annehmen
können (Prot. S. 159 und 166). Weiter war gemäss Zeugin auffällig, dass die Klä-
gerin sich immer als "ich kämpfe, ich will etwas" gesehen habe; dann sei wieder
etwas vorgefallen und habe sie zurückgeworfen (Prot. S. 160). Im 2003 (Zeitpunkt
der Buchpublikation, act. 19) habe die Klägerin sehr viel Hoffnung gehabt und sei
sehr aktiv gewesen (Prot. S. 161). Da die Zeugin viel mit Entspannungsverfahren
gearbeitet habe, könne sie sich aus eigener Wahrnehmung nicht zum Vorliegen
einer erhöhten Ermüdbarkeit äussern (Prot. S. 167). Die Neuropsychologin Dr.
O._ erläuterte den Widerspruch im Testbericht vom Mai 1998 (act. 4/19),
wonach sich beim Testverhalten „nach einer längeren Untersuchungsdauer [...]
keine erhöhte Ermüdbarkeit“ zeigte (S. 4), unter „Befund“ demgegenüber eine er-
höhte Ermüdbarkeit (S. 6) festgehalten wurde, auf Vorhalt dahingehend, dass der
Test in zwei Teilen durchgeführt worden sei, dass sich dies nach einer konzentra-
tiven Anstrengung von zwei Stunden noch nicht gross zeige, und dass sich im
zweiten Teil mit Konzentrations- und Aufmerksamkeitstests, die komplexeren An-
strengungen bedürfen, ein Abfall – Arbeitstempo oder Fehlerzunahme oder
Schwankungsproblematik – zeige (Prot. S. 147).
Zu verweisen ist schliesslich auf die Vorbringen und das Verhalten der Klägerin
im vorliegenden Verfahren, die nicht auf Antriebslosigkeit schliessen lassen, so
unter anderem auf die erwähnten diversen Gerichts- und anderen Verfahren
(Strafverfahren gegen Mitarbeitende der Beklagten 1; Ehrverletzungsverfahren
H._ und ..., Massnahmeverfahren wegen Begutachtung, Verfahren vor
EGMR, vor Petitionsausschuss des deutschen Bundestags), auf die Vielzahl an
Schreiben der Klägerin persönlich an diverse Ämter und Personen des öffentli-
chen Lebens, aber auch dieses Gericht, auf die von der Klägerin ab 2001 betrie-
bene und auch noch während des vorliegenden Verfahrens gepflegte Website,
- 110 -
auf die Buchpublikation (act. 19), an der die Klägerin zumindest als Zeugin mit-
gewirkt hat.
5.8. Weitere relevante Fakten (Unfallhergang, unmittelbar folgender Verlauf,
Erwerbsfähigkeit, Behandlung, Vorzustand)
5.8.1. Arztkonsultationen nach Schadenereignis
Eigenen Angaben zufolge suchte die Klägerin in den ersten 8 Tagen nach dem
Schadenereignis keinen Arzt auf. Hätten die gegenüber späteren behandelnden
resp. untersuchenden Ärzten vorgetragenen – qualitativ und quantitativ stark di-
vergierenden resp. sich ausweitenden – Initialbeschwerden vorgelegen, so hätte
die Klägerin zweifellos früher einen Arzt aufgesucht. Selbst unter der Annahme,
dass die Klägerin initiale Beschwerden zunächst selbst medikamentös behandelte
(so deponiert gegenüber der Psychiaterin, act. 4/16 S. 1), liesse sich damit die
aufgezeigte Vielzahl an Ungereimtheiten in den gegenüber behandelnden und un-
tersuchenden Ärzten deponierten Angaben zu Initialbeschwerden nicht erklären,
insbesondere aber nicht die mehrfach zitierten Feststellungen des erstbehandeln-
den Arztes neun Tage nach dem Schadenereignis (act. 4/8).
Wiederum eigener Darstellung zufolge suchte die Klägerin – nach der erwähnten
Notfallkonsultation – in den nachfolgenden sechs Monaten keinen einzigen Arzt
aus eigener Veranlassung auf (ausser ihren Zahnarzt), sondern begab sich erst
"auf ausdrücklichen Wunsch" der Beklagten im November 1997 zum Neurologen
Prof. Dr. P._ resp. im März 1998 zum Psychiater Dr. AC._ mit nachfol-
gender Überweisung an Dr. K._ (act. 1 S. 8, 10). Was eine Behandlung beim
Chiropraktor Dr. AM._ im Jahre 1997 anbetrifft, so wird trotz entsprechender
Rüge der Gegenseite schon mit Klageantwort (act. 16 S. 10 ad 13-17) mit keinem
Wort ausgeführt (vgl. act. 1 S. 8 Rz. 10; act. 32 S. 8 ad 13-17), welche Beschwer-
den die Klägerin ab wann bei diesem behandeln liess, noch liegt ein Bericht des
Chiropraktors im Recht oder wird dessen Einvernahme als Zeuge angerufen. Er-
wähnung in den Akten findet eine Behandlung durch den Chiropraktor vor No-
- 111 -
vember 1997 lediglich im Rahmen der Anamnesen. Dem Neurologen Prof. Dr.
P._ lag – wie erwähnt – kein Bericht oder Schreiben des Chiropraktors vor.
Hinsichtlich der Inanspruchnahme von psychiatrischer Behandlung im März 1998
ist auf die auch diesbezüglich ungereimten Vorbringen der Klägerin hinzuweisen:
Gemäss unbestritten gebliebenem Vorbringen der Beklagten, die in Einklang mit
dem Erstkonsultationsbericht von Dr. K._ stehen (act. 4/16), meldete sich die
Klägerin im Frühjahr 1998 beim ihr vom Schleudertraumaverband empfohlenen
Psychiater Dr. AC._ und teilte dies der Beklagten 1 mit aktenkundigem
Schreiben vom 16. Februar 1998 mit (act. 16 S. 14; act. 32 S. 9; act. 4/22; vgl.
schon hiervor 4.2.2.c lit. gg).
5.8.2. Medizinische Behandlung im weiteren Verlauf
Aufgrund des Behauptungssubstrats und der Akten ist sodann festzuhalten, dass
die Klägerin seit dem Jahr 2000 – und damit seit Beginn der für den geltend ge-
machten Erwerbsausfall massgeblichen Zeitperiode – nicht mehr in Behandlung
beim Neurologen Prof. Dr. P._ stand (Prot. S. 184 f.) und sich die ärztliche
Behandlung von Beschwerden auf die Psychotherapiesitzungen bei Dr. K._
beschränkte. Dr. K._ führte hierzu aus, dass die Sitzungen anfangs regel-
mässig, danach zum Teil in grösseren Abständen resp. mit Pausen stattgefunden
hätten, je nach dem Befinden der Klägerin (Prot. S. 157 f.). Zur Physiotherapie vor
Abbruch der Behandlung bei Prof. Dr. P._ im Jahr 2000 ergibt sich aus dem
Bericht der Neuropsychologin Dr. O._ (vom 25. Mai 1998, act. 4/19), dass
die Klägerin eigener Angabe zufolge ein Mal monatlich in die Physiotherapie ge-
gangen sei (act. 4/19 S. 2).
5.8.3. Erwerbsfähigkeit nach dem Schadenereignis
a) Angesichts der fehlenden Objektivierbarkeit der geltend gemachten Beschwer-
den erscheint sodann die Frage der tatsächlichen Auswirkungen auf die Erwerbs-
fähigkeit im Nachgang zum Schadenereignis wesentlich.
b) Erstellt ist aufgrund der detaillierten Vorbringen der Beklagten, dass der Unfall
vom 30. Juli 1997 keine Zäsur in der selbständigen Beratungstätigkeit der Kläge-
- 112 -
rin bewirkt hat und deren Arbeitsfähigkeit in den Monaten nach dem Schadener-
eignis nicht oder nur geringfügig reduziert gewesen ist (act. 36 S. 24 ff. und 32):
Nachdem die Klägerin zunächst noch ein "stark reduziertes Einkommen" in den
Monaten nach dem Unfall vortragen liess (act. 1 S. 46), waren es gemäss Replik
im August und September 1997 je durchschnittlich CHF 11'000.- bei einem
durchschnittlichen Monatslohn im Geschäftsjahr 1996/1997 von CHF 13'762.-
(act. 32 S. 32). Mit detaillierter und unbestritten gebliebener Stellungnahme in der
Duplik führen die Beklagten unter Bezugnahme auf die aktenkundigen Belege
aus, dass die Klägerin nach zwei überdurchschnittlich ertragsreichen Monaten
Juni und Juli 1997 (CHF 14'860.- bzw. CHF 14'110.-) unmittelbar nach dem Schadenereignis im August 1997 Bruttoeinnahmen von CHF 8'740.-, entspre-
chend 2/3 der monatlichen Durchschnittseinnahmen (CHF 13'321.30), und im
September 1997 von CHF 13'040.- und damit wieder das volle monatliche Durch-
schnittseinkommen des Geschäftsjahrs 1996/1997 erzielt habe. Da die klägeri-
schen Einnahmen an Beratungshonoraren zudem fast ausschliesslich auf Barzah-
lungen beruht hätten, würden die Einnahmen des betreffenden Monats auch di-
rekt den zeitlichen Einsatz der Klägerin reflektieren. Weiter zeige die Steuererklä-
rung zum Steuerjahr 1997 sodann, dass in den Monaten nach dem Unfall prak-
tisch keine Ertragsminderung stattgefunden habe. Hinsichtlich des Geschäftsjah-
res Oktober 1997 bis September 1998 falle wiederum auf, dass die Klägerin von
Oktober 1997 bis Mai 1998 mit Einnahmen von durchschnittlich ca. CHF 9'500 die
früheren Umsätze fast erreicht habe. Erst ab Juni 1998 seien die Einnahmen an-
geblich stark zurückgegangen, wobei nicht erklärbar sei, weshalb die Arbeitsfä-
higkeit der Klägerin gerade ab diesem Zeitpunkt stark reduziert gewesen sein soll-
te (act. 36 S. 27; act. 105 S. 13).
c) Diese Vorbringen stehen in Einklang mit dem eigenen Vorbringen der Klägerin,
wonach sie gegenüber der Beklagten 1 im Frühjahr 1998 den Stillstand des Wei-
teraufbaus ihres Geschäfts im Bereich Mobbing beklagte und dass sie ohne Unfall
monatlich Einnahmen von CHF 20'000 bis 25'000 hätte erzielen können (act. 1 Rz
18 unter Verweis auf act. 4/28).
- 113 -
5.8.4. Gründe für Abnahme der Erwerbsfähigkeit
a) Widersprüchlich und nicht nachvollziehbar sind sodann die Behauptungen
der Klägerin zu den Gründen für ihre in der Folge abnehmende Erwerbstätigkeit:
So will die Klägerin einerseits im Februar 1998 gemerkt haben, dass sie „nun
auch in Firmen als Schleudertraumafall gemeldet sei“, worauf der Umsatz nun ra-
pide gesunken sei (act. 32 S. 33). Demgegenüber wird an anderer Stelle ausge-
führt, dass die Klägerin gemäss eigenem Schreiben im Juli 1998 an die Beklagte
1 wegen der Unfallbeschwerden gar Anfragen von Firmen und Personalchefs be-
züglich Mobbing-Fällen habe ablehnen müssen (act. 32 S. 37; act. 33/169).
b) Zu den Gründen für den folgenden Rückgang ihrer Erwerbstätigkeit ist den
eigenen Vorbringen der Klägerin weiter zu entnehmen, dass sie ihre bisherigen
Haupttätigkeiten des Vermittelns von "Liebesnestern" und der Mobbingberatung
wegen kognitiven Schwierigkeiten aufgeben habe müssen und im 1999 eine Neu-
ausrichtung mit Kartenlegen versucht habe (act 105 S. 7 f.; vgl. schon hiervor
4.2.2. c lit. kk). Unbestritten – und in Übereinstimmung mit der klägerischen Schil-
derung ihrer bisherigen Beratungstätigkeit gegenüber der PUK-Gutachterin (act.
269/1 S. 18 f., 31) – blieb das Vorbringen der Beklagten, dass "Kartenlegen" kei-
ne neue Tätigkeit war und die vermeintliche Neuausrichtung im 1999 sich in einer
Umgestaltung von Büroräumlichkeiten und Broschüre mit finanzieller Unterstüt-
zung der Beklagten erschöpfte (act. 16 S. 21 ad 22-24; act. 32 S. 14 ad 22-24).
Zu verweisen ist schliesslich auf die Ausführungen hiervor (4.2.2. c lit. kk) zu den
– wiederum widersprüchlichen und unvereinbaren – Vorbringen der Klägerin zu
den Gründen für das Scheitern der vermeintlichen Neuausrichtung. Dies wiede-
rum lässt sich nicht in Einklang bringen mit dem von der Klägerin im September
1999 unbestrittenermassen absolvierten Auftritt in der TV-Sendung „...“ auf ...
[TV-Sender] (act. 36 S. 12; act. 105 S. 13).
5.8.5. Widerspruch zwischen geklagter und tatsächlicher Leistungsfähigkeit
Nicht in Einklang mit der dargelegten tatsächlichen Erwerbsfähigkeit nach dem
Unfall zu bringen sind wiederum die diesbezüglichen Angaben der Klägerin ge-
genüber den Ärzten, die sich in entsprechenden Arbeitsunfähigkeitsattesten nie-
- 114 -
derschlugen: So bezeichnete sich die Klägerin bei der ersten Konsultation des
Neurologen Prof. Dr. P._ am 24. November 1997 – bei gleichzeitiger Angabe
einer Besserung der subjektiven Symptomatik seit dem Unfall – als zu 40 bis ma-
ximal 50% arbeitsfähig als selbständige Büroinhaberin; letzteres lag denn auch
der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch den behandelnden Neurologen zu-
grunde (40%). Die Psychiaterin Dr. K._ reduzierte die Arbeitsfähigkeit der
Klägerin per 11. Mai 1998 auf 30%, um einer drohenden psychischen Dekompen-
sation entgegen zu wirken (act. 4/14 S. 2). Gegenüber der Neuropsychologin Dr.
O._ schilderte die Klägerin im April 1998 ihre Arbeitsfähigkeit nach dem Un-
fall (August 1997 bis April 1998) dahingehend, dass sie zunächst einige wenige
Tage versucht habe, ihren Betrieb aufrechtzuerhalten, dann nach der Notfallkon-
sultation einen Monat habe pausieren müssen. Danach habe sie versucht, ihre
Arbeit wieder zu 25% aufzunehmen, habe ab Oktober/November 1997 auf 30%
und dann auf 35 bis 45% gesteigert. Ab Februar 1998 habe sie versucht, auf 60%
zu erhöhen, was sich als Überforderung erwiesen habe, so dass sie nun (im April
1998) nach einer Reduktion der Arbeitsfähigkeit durch den Hausarzt wieder zu
30% arbeite (act. 4/19 S. 3 und 7). Letzterer (Hausarzt) tritt im Behauptungssub-
strat wie auch den Akten im Übrigen nicht in Erscheinung (vgl. auch act. 4/7, wo-
nach die Klägerin keinen Arzt kenne/habe und in zwanzig Jahren keinen solchen
konsultiert habe). Diese Vorbringen stehen, wie dargelegt, mit der tatsächlichen
Erwerbsfähigkeit und –tätigkeit der Klägerin nach dem Schadenereignis in unver-
einbarem Widerspruch.
5.8.6. Weiteres Nachunfallverhalten
Unbestritten und durch die Akten belegt ist sodann, dass die Klägerin zwischen
dem Verfassen ihrer ursprünglichen Meldung an die Beklagte 1 vom 12. August
1997 (act. 4/7) und ihrer Unfallerlebnisschilderung, wiederum zuhanden der Be-
klagten 1, vom 21. August 1997 (act. 4/6), einen Anspruch auf Ersatz von Er-
werbsausfall als Selbständigerwerbende stellte, der nach eigener Darstellung der
Klägerin bereits am 25. August 1997 zur Zusprechung von Entschädigungen auf
der Basis der klägerischen Angabe von monatlichen Honorareinnahmen von CHF
- 115 -
15'000.- führte (act. 1 Rz 18; act. 16 S. 14; act. 32 S. 9, je mit Bezug auf
act. 4/21).
5.8.7. Unfallschwere
Schliesslich sei verwiesen auf die nunmehr erstellte Geringfügigkeit des Unfaller-
eignisses mit erstellter höchstwahrscheinlicher Geschwindigkeitsänderung (delta-
v) von 8 km/h, welche bei nicht schlüssiger medizinischer Aktenlage bei der Beur-
teilung der Kausalität mitzuberücksichtigen ist.
5.8.8. Vorzustand
Zur Frage eines allfälligen Vorzustands ergibt sich aus den Vorbringen der Kläge-
rin und den Akten, dass die im Zeitpunkt des Schadenereignisses 35-jährige Klä-
gerin vorher zwanzig Jahre lang keinen Arzt konsultiert habe (ausser Zahn- und
Frauenarzt) und gesund gewesen sei (act. 4/7; 4/12, act. 269/1; act. 1 S. 28 Rz.
33).
5.9. Zusammenfassung Beweislage zum Kausalzusammenhang
a) Zusammenfassend ist aufgrund des Behauptungssubstrats und der Beweislage
festzuhalten, dass während der Latenzzeit von 72 Stunden nach dem Schadener-
eignis und darüber hinaus weder Kopf- noch Nackenschmerzen rechtsgenüglich
nachgewiesen wurden. Anlässlich der medizinischen Erstkonsultation im Kan-
tonsspital Luzern neun Tage nach dem Unfall, zu der nach eigener Darstellung
der Klägerin die initial aufgetretenen Beschwerden Anlass gaben, wurden aus-
schliesslich Steissbeinbeschwerden und geschwollene Knöchel geklagt. Ein ob-
jektiver Befund wurde nicht festgestellt. Diesen ersten tatbeständlichen Feststel-
lungen kommt gemäss Praxis des Bundesgerichts grosses Gewicht zu (vgl. auch
Urteil des Bundesgerichts 8C_498/2011 vom 3. Mai 2012, teilweise publiziert in
BGE 138 V 248), wobei anzumerken ist, dass die im Sozialversicherungsrecht er-
arbeiteten Grundsätze zu den tatsächliche Feststellungen und Beweisfragen auch
im Zivilprozess Geltung beanspruchen können.
- 116 -
b) Weiter ist festzuhalten, dass keine objektiv nachweisbaren Beschwerden im
Sinne der Rechtsprechung festgestellt werden konnten. Damit kommt den Anga-
ben der Klägerin zu geklagten Beschwerden entscheidendes Gewicht zu. Auf-
grund der aufgezeigten Vielzahl an Widersprüchen und Ungereimtheiten gegen-
über späteren behandelnden und untersuchenden Ärzten, aber auch in eigenen
Mitteilungen der Klägerin an die Beklagte 1, fehlt es am rechtsgenüglichen Nach-
weis, dass die mit zunehmendem zeitlichem Abstand zum Schadenereignis quali-
tativ und quantitativ ausweitend geschilderten Beschwerden in den Tagen resp.
Wochen und Monaten nach dem Schadenereignis aufgetreten sind.
c) Festzuhalten ist weiter, dass die Klägerin nach Aufsuchen des Notfallarztes
neun Tage nach dem Schadenereignis in den Monaten nach dem Schadenereig-
nis aus eigener Veranlassung keine weitere medizinische Behandlung (mit Aus-
nahme des Zahnarztes) in Anspruch nahm, sondern sich eigener Darstellung zu-
folge erst auf „Anweisung“ der Beklagten 1 zur konsiliarischen Abklärung beim
Neurologen Prof. Dr. P._ begab. Soweit die Klägerin erwähnt, vor November
1997 einen Chiropraktor (Dr. AM._) aufgesucht zu haben, fehlt es an jegli-
chen Vorbringen (und entsprechendem Nachweis) dazu, ab wann die Klägerin
welche Beschwerden behandeln liess.
d) Wie dargelegt, finden sich in den Angaben der Klägerin zu Art, Intensität und
Zeitpunkt des Auftretens erster Beschwerden eine Vielzahl von Ungereimtheiten
und Widersprüchen und fussen die Berichte der behandelnden und untersuchen-
den Ärzte einzig auf der Anamnese der Klägerin einschliesslich deren Schilderung
eines – nunmehr in dieser Form als nicht stattgehabt erstellten – heftigen, Zahn-
beschädigungen bewirkenden Heckauffahrunfalls, weshalb auf diese für die Frage
des Vorliegens des behaupteten Beschwerdebilds resp. die diesbezüglichen Di-
agnosen nicht abgestellt werden kann.
e) Aussagekräftig ist einzig der Notfallbericht des erstkonsultierten Arztes, wo-
nach acht Tage nach dem Schadenereignis wie angeworfen Steissbeinbeschwer-
den im Sinne eines subjektiven Befunds auftraten, welche zunächst medikamen-
tös behandelt wurden. Damit im Einklang steht, dass der vier Monate später auf-
gesuchte Neurologe Prof. Dr. P._ einen ISG-Gurt für das Steissbein sowie
- 117 -
eine stabilisierende Therapie verordnete bei im Übrigen unauffälligem objektivem
Befund.
f) Damit fehlt es am Nachweis des Vorliegens des für HWS-Schleuderverletzun-
gen typischen Beschwerdebilds resp. des Gemenges an physischen und psychi-
schen Symptomen in den Wochen und Monaten nach dem Schadenereignis. Hin-
sichtlich des einzig verbleibenden (subjektiven) Befunds betreffend Steissbeinbe-
schwerden ist festzuhalten, dass solche in keiner Weise der Frühsymptomatik von
HWS-Schleuderverletzungen entsprechen. Mit Bezug auf die im CT vom 5. Okto-
ber 1999 festgestellten leichten degenerativen Veränderungen der Iliosakralge-
lenke, die sich auch bei 30% der Altersgenossen der Klägerin ohne Traumaan-
amnese nachweisen lassen und die durch das Schadenereignis hätten aktiviert
werden können, ist zu berücksichtigen, dass eine traumatische Verschlimmerung
eines klinisch stummen degenerativen Vorzustandes an der Wirbelsäule gemäss
Rechtsprechung in der Regel nach sechs bis neun Monaten, spätestens aber
nach einem Jahr als abgeschlossen zu betrachten ist (Urteil 8C_326/2008 vom
25. Juni 2008, E. 3, sowie U 354/04 vom 11. April 2005, E. 2.2, m.w.H. auf die
medizinische Literatur). Der Verlauf der betreffenden subjektiven Beschwerden
zeichnete sich gemäss Berichten und Zeugenaussagen des behandelnden Neu-
rologen zwischen November 1997 und Dezember 1999 denn auch durch eine an-
haltende Tendenz zur Besserung der Symptomatik aus.
g) Weiter ist festzuhalten, dass sich die medizinische Behandlung ab dem Jahr
2000 auf mit unterschiedlicher Häufigkeit resp. mit Unterbrüchen stattfindende
psychotherapeutische Sitzungen bei Dr. K._ beschränkte.
h) Damit in Einklang steht, dass die Klägerin selbst ihre während rund 10 Mona-
ten nach dem Schadenereignis annähernd in gleichem Umfang wie vor dem
Schadenereignis ausgeübte Tätigkeit eigener Darstellung zufolge aufgrund ihrer
kognitiven Schwierigkeiten – mithin nicht wegen anderer Beschwerden – nicht
mehr ausüben konnte; letztere (kognitive Defizite) sind, wie dargelegt, als Teil der
Frühsymptome der sich schleichend entwickelnden psychiatrischen Erkrankung
zu werten.
- 118 -
i) Erstellt ist weiter, dass die Klägerin in den Monaten nach dem Schadenereignis
unbestrittenermassen in annähernd demselben Umfang weiterhin als Selbständi-
gerwerbende tätig war und im Schadenereignis diesbezüglich keine Zäsur zu se-
hen ist.
j) Damit in Einklang steht schliesslich auch der nunmehr beweismässig erstellte
Unfallhergang und das Verhalten der Klägerin in dessen Nachgang. Wie darge-
legt, handelt es sich beim Schadenereignis um einen geringfügigen Heckauffahr-
unfall mit einem höchstwahrscheinlichen maximalen delta-v von 8 km/h, der mi-
nime Schäden an den beteiligten Fahrzeugen verursachte. Wiederum in Einklang
damit steht die eingangs erwähnte fehlende initiale Symptomatik einer Bewe-
gungshemmung im Nacken-/Kopfbereich (BGE 119 V 335 E. 2a) resp. die fehlen-
den initialen HWS- oder Nackenbeschwerden (Urteile des Bundesgerichts
8C_574/2009 vom 9. Dezember 2009 E. 5.3.1. sowie 8C_1021/2001 vom 3. No-
vember 2011 E. 5.2). Weiter ist damit vereinbar, dass die Klägerin mit erster Mit-
teilung an die Beklagte noch scherzhaft erklärt hatte, doch etwas stärker "erwa-
delt" worden zu sein, als ursprünglich angenommen. Gegen die Glaubhaftigkeit
der nachfolgend deponierten, nicht mit ihrer ursprünglichen Mitteilung vereinbaren
Angaben zu Art, Umfang und Zeitpunkt erster Beschwerden spricht sodann die
nach der medizinischen Erstkonsultation gestellte Schadenersatzforderung für
Erwerbsausfall sowie der Umstand, dass bereits mit dem nachfolgend verfassten
"Unfallerlebnisbericht" eine wesentliche Ausweitung von Qualität und Quantität
der Beschwerden wie auch eine Vorverlegung des Zeitpunkts von deren erstmali-
gem Auftreten stattfand.
k) Schliesslich ist, wie dargelegt, aufgrund des umfassenden, die Erfahrungen
und Erkenntnisse der langjährigen behandelnden Psychiaterin Dr. K._ wie
auch die früheren psychiatrischen und neuropsychologischen Teilgutachten be-
rücksichtigenden Gutachtens der PUK vom 16. August 2012 rechtsgenüglich er-
stellt, dass sich bei der Klägerin spätestens seit dem Jahre 2002 eine schwere
psychiatrische Erkrankung in Form einer paranoiden Schizophrenie manifestiert
hat, deren Frühsymptome die von der Neuropsychologin festgestellten leichten
- 119 -
kognitiven Defizite, aber auch die von Dr. K._ festgestelllten psychischen
Symptome (Selbstunsicherheit) umfassen.
5.10. Absehen von weiteren Beweisabnahmen (antizipierte Würdigung)
5.10.1. Zum behaupteten Beschwerdebild einer HWS-Schleuderverletzung
a) Angesichts der konkreten Umstände des hier zu beurteilenden Einzelfalles
vermöchte eine neuerliche Begutachtung, die im Wesentlichen auf eine (weitere)
Glaubhaftigkeitsanalyse der Angaben der Klägerin in ihrem heutigen, psychiat-
risch eingehend abgeklärten Zustand hinausliefe, an der Überzeugung des Ge-
richts aufgrund des bisherigen Beweisergebnisses – keine Kopf- oder Nackenbe-
schwerden während der Latenzzeit; keine Funktionsausfälle und keine objektiv
nachweisbaren Beschwerden aufgrund der echtzeitlichen Dokumentationen, ins-
besondere MRI-/CT-Untersuchungen aus den Jahren 1998 und 1999; keine Be-
handlung einer HWS-Schleuderverletzung und keine Inanspruchnahme eines Arz-
tes aus freien Stücken innert Monaten nach dem Schadenereignis; nach dem
Jahr 2000 einzig psychotherapeutische Sitzungen; in vielerlei Hinsicht wider-
sprüchliches und ausweitendes Aussageverhalten hinsichtlich Art, Intensität und
Zeitpunkt des Auftretens erster Beschwerden; keine Zäsur in der Erwerbstätigkeit
in den Monaten nach dem Schadenereignis – nichts zu ändern. Zu verweisen ist
auf die ständige Rechtsprechung, wonach bei Fehlen von objektiv nachweisbaren
Beschwerden, wie im vorliegenden Fall, den diesbezüglichen Angaben des Ge-
schädigten zwangsläufig ausschlaggebendes Gewicht zukommt, weshalb diese
kritisch zu prüfen sind, sowie auf das im Recht liegende ausführliche Gutachten
der PUK zur schweren psychischen Krankheit der Klägerin mit Verfolgungs- und
Wahnerleben.
b) Allfällige im heutigen Zeitpunkt objektiv nachweisbare Befunde aufgrund neuer-
licher Untersuchungen und Erhebungen (BGE 134 V 109, 125 E. 9.5: neurolo-
gisch, psychiatrisch, allenfalls neuropsychologisch) wären aufgrund des Zeitab-
laufs und der zwischenzeitlichen Ereignisse – die Klägerin erlitt eigener Darstel-
- 120 -
lung zufolge u.a. einen zweiten und dritten Auffahrunfall – nicht zuverlässig dem
Schadenereignis vom 30. Juli 1997 zuordenbar. Insbesondere aber vermöchten
sie die im Recht liegenden, echtzeitlich erhobenen Befunde des erstbehandeln-
den Arztes (act. 4/8), denen wie dargelegt, grosses Gewicht zukommt, sowie die
ebenfalls im Recht liegenden CT- und MRI-Befunde zum damaligen Zustand von
HWS/LWS/ISG (act. 4/14, Anhang) nicht zu entkräften.
c) Hinsichtlich der Aktivierung von vorbestehenden stummen, leichten degenerati-
ven Veränderungen im Bereich der Iliosacralgelenke gemäss Bericht zum CT vom
5. Oktober 1999 und letztem Bericht des Neurologen Prof. Dr. P._ vom 1.
Dezember 1999 (act. 4/14 samt Anhang) ist sodann zu berücksichtigen, dass eine
traumatische Verschlimmerung eines klinisch stummen degenerativen Vorzustan-
des an der Wirbelsäule gemäss Rechtsprechung aufgrund des derzeitigen medi-
zinischen Wissensstands in der Regel nach sechs bis neun Monaten, spätestens
aber nach einem Jahr als abgeschlossen zu betrachten ist (Urteil 8C_326/2008
vom 24. Juni 2008, E. 3, sowie U 354/04 vom 11. April 2005, E. 2.2, m.w.H. auf
die medizinische Literatur). Auch hinsichtlich dieser Diagnose vermöchte ein neu-
erliches Gutachten damit keine neuen Erkenntnisse zu vermitteln, die an der
Würdigung der Beweislage etwas zu ändern vermöchten. Die übrigen geklagten
Beschwerden sind, wie dargelegt, einem objektiven Nachweis im Sinne der
Rechtsprechung von vornherein nicht zugänglich. Zu verweisen ist auf das zu den
klägerischen Angaben zu den betreffenden Beschwerden in den Monaten und
Jahren (bis 2002) nach dem Schadenereignis Ausgeführte. Einlässlich abgeklärt
sind sodann die psychischen Störungen der Klägerin, zu deren Frühsymptomen
auch die festgestellten leichten kognitiven Defizite sowie das psychische Symp-
tom der Verunsicherung gehören.
d) Aufgrund des Gesagten liefe ein neuerliches Gutachten einerseits auf eine (er-
neute) Würdigung von (zuverlässigen) Vorakten und anderseits eine erneute
Anamnese hinaus (vgl. BGE 134 V 109, 125 E. 9.5). Zu ersteren (Vorakten) ist zu
wiederholen, dass den Feststellungen zum Unfallereignis und zur medizinischen
Erstabklärung besonderes Gewicht zukommt (BGE 134 V 109, 125 E. 9.5). Zu
den Akten zum seitherigen Verlauf ist auf die Erwägungen zu den Verlaufsberich-
- 121 -
ten des Neurologen Prof. Dr. P._ (act. 4/12-14) sowie der behandelnden
Psychiaterin Dr. K._ (act. 4/16-18) einschliesslich deren als Zeugen depo-
nierten Aussagen zu verweisen, wonach diese ihre Berichte mit Ausnahme der
vorerwähnten CT-/MRI-Aufnahmen ausschliesslich auf die – wie dargelegt, unzu-
treffenden – Angaben der Klägerin zum Unfallhergang sowie zum Auftreten initia-
ler Beschwerden stützten. Dasselbe gilt, wie ebenfalls dargelegt, für die Gutach-
ten der ... (2000) und der Dres. AN._ und R._ (2002), die von der Kläge-
rin weder zu den geklagten Beschwerden noch zu deren Kausalzusammenhang
mit dem Schadenereignis einerseits und dem – als nicht stattgehabt erstellten –
Fehlverhalten der Beklagten 1 andererseits angerufen wurden (act. 153). Hin-
sichtlich Vorakten zum weiteren Behandlungsverlauf nach dem Jahr 2000 ist zu
ergänzen, dass die Klägerin, wie ebenfalls dargelegt, gemäss Aktenlage und Be-
hauptungssubstrat einzig psychotherapeutische Sitzungen bei Dr. K._ in An-
spruch nahm. Die Erfahrungen und Erkenntnisse der langjährigen behandelnden
Psychiaterin Dr. K._ (Behandlungszeitraum 1998 bis 2009) wiederum fanden
Eingang in das ausführliche Gutachten der PUK und in dieses Verfahren.
e) Damit verbliebe, wie eingangs angesprochen, als Grundlage eines neuerlichen
Gutachtens zu objektiv nicht nachweisbaren Beschwerden resp. den im Vorder-
grund stehenden psychischen Störungen eine neuerliche Anamnese. Gemäss
Rechtsprechung des Bundesgerichts hätten sich die Gutachter darüber auszu-
sprechen, ob die geklagten Beschwerden glaubhaft sind und gegebenenfalls, ob
für diese eine HWS-Distorsion überwiegend wahrscheinlich eine Teilursache dar-
stellt (BGE 134 V 109, 125 E. 9.5). Im Lichte der obigen Ausführungen zum vor-
liegenden konkreten Fall vermöchte eine einzig auf einer neuerlichen Anamnese
der Klägerin in ihrem heutigen, einlässlich abgeklärten psychiatrischen Zustand
beruhende ärztliche Einschätzung am Beweisergebnis nichts zu ändern: Aufgrund
der eingehenden, differentialdiagnostischen Abklärungen der PUK leidet die Klä-
gerin seit spätestens 2002 an einer schweren endogenen psychischen Krankheit
in Form einer paranoiden Schizophrenie, besteht keinerlei Krankheitseinsicht und
ist die Klägerin bestrebt, sich als psychisch gesund darzustellen und ihre kogniti-
ven Leistungseinbussen ätiologisch in Zusammenhang mit den Auffahrunfällen zu
stellen (vgl. act. 269/1 S. 46). Gemäss den Darlegungen im Gutachten PUK war
- 122 -
die Klägerin bereits bei Erstellung des Vorgutachtens im Jahre 2002 vollkommen
fixiert auf die ihr zugefügten vermeintlichen Ungerechtigkeiten, die nunmehr als
nicht stattgehabt erstellt sind. Auf neuerliche klägerische Angaben zu geklagten
Beschwerden wäre vor dem Hintergrund der sich seit 2002 manifestierenden psy-
chischen Erkrankung der Klägerin, aber auch vor dem Hintergrund der Vielzahl an
Widersprüchen und Ungereimtheiten in ihren bisherigen Angaben gegenüber be-
handelnden und untersuchenden Ärzten, nicht abzustellen. Es ist daran zu erin-
nern, dass die Klägerin von einem heftigen Unfallereignis mit Auffahrgeschwin-
digkeit von 30 bis 40 km/h und dadurch (resp. erschreckens-)bedingten Zahn-
schäden sowie einer massiven Verschlimmerung ihres Zustands durch eine Viel-
zahl von Fehlverhaltenssachverhalten seitens der beklagten Haftpflichtversiche-
rung ausgeht.
f) Einer erneuten psychiatrischen Begutachtung der Klägerin bedarf es angesichts
des im Recht liegenden umfassenden Gutachtens der PUK, einschliesslich aus-
führlicher Anamnese, vorliegend nicht. Damit vermöchte eine aufgrund neuerli-
cher klägerischer Schilderung der subjektiven Beschwerden gestellte Diagnose
an der aufgrund der vorhandenen Beweislage und insbesondere der echtzeitli-
chen Dokumentation gewonnenen Überzeugung des Gerichts nichts zu ändern.
g) Der Vollständigkeit halber ist zu ergänzen, dass die Klägerin im Laufe des Ver-
fahrens wiederholt ein Abstellen auf die eingereichten Arztberichte und ein Abse-
hen von neuerlicher Begutachtung forderte, sei es als prozessuale Vorkehr infolge
der vermeintlichen "medialen Hetzkampagne" der H._ über den Nötigungs-
prozess (act. 45 S. 5 f.), sei es, weil dies der Klägerin psychisch und physisch
nicht zuzumuten sei (act. 1 S. 31 Rz. 73), sei es, weil die bereits vorhandenen
Arztberichte und Gutachten genügten und von einem Gerichtsgutachten auch
nicht mehr erwartet werden könne (act. 32 S. 23), sei es, weil die Beklagten nach
dem Dafürhalten der Klägerin durch ihr vorprozessuales Verhalten definitiv darauf
verzichtet hätten (act. 32 S. 21 f.). In der Folge wurden die – vergleichsweise zeit-
nah erstellten – Gutachten aus den Jahren 2000 sowie 2002 (act. 4/61-62 sowie
4/65-66), wie dargelegt, nicht angerufen.
- 123 -
5.10.2. Zum Kausalzusammenhang betreffend paranoide Schizophrenie
a) Hinsichtlich der Ursächlichkeit des Schadenereignisses für die festgestellte
schwere psychische Erkrankung ist zunächst festzuhalten, dass praxisgemäss
auch nach einer geringfügigen Heckkollision wie der vorliegenden psychische Be-
schwerden auftreten können. Aufgrund des Gutachtens der PUK ist erstellt, dass
die Klägerin, wie einlässlich dargelegt, weder an einer reaktiven Depression infol-
ge schlecht verkrafteter Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit (keine affektive
Erkrankung, vgl. act. 269/1 S. 60) noch an einer Anpassungsstörung infolge eines
als belastend empfundenen Ereignisses (act. 269/1 S. 56), noch an einer Begeh-
rungsneurose, sondern an einer paranoiden Schizophrenie leidet, die sich über
Jahre schleichend entwickelt hat und als deren erste unspezifische Anzeichen
(Frühsymptome) auch die von den Dres. K._ und O._ festgestellten
Symptome der Verunsicherung und der leichten kognitiven Defizite auftraten. Bei
der diagnostizierten Krankheit handelt es sich mithin nicht um einen durch ein
einschneidendes oder als einschneidend erlebtes Ereignis ausgelösten Zustand,
sondern um eine endogene Psychose, mithin ein von innen kommendes Krank-
heitsgeschehen (REINHARD TOGNELLA, Erwerbsunfähigkeitsproblematik bei soma-
tisch nicht nachweisbaren Beschwerdebildern im Haftpflicht- und Sozialversiche-
rungsrecht, Zürich 2004 S. 199 ff., insb. 209; PSCHYREMBEL, Klinisches Wörter-
buch, 2011, zu "endogen": aus der besonderen Anlage des Körpers hervorge-
gangen, ohne nachweisbare äussere Ursache von innen heraus entstanden, we-
der organisch bedingt noch psychogen). Die schwere psychische Erkrankung der
Schizophrenie kann auf Grund klinischer psychiatrischer Untersuchungen klar di-
agnostiziert werden (BGE 139 V 547, 562), wie im vorliegenden Fall geschehen.
b) Nach eigener Darstellung der Klägerin sind ihre schweren psychischen Stö-
rungen auf die massiven Unfallbeschwerden, das gleichgültige Verhalten der Be-
klagten, die ständigen Drohbriefe und die dauernden Beobachtungen (act. 105
S. 7) resp. die mit den Beklagten erlebten Frustrationen (act. 1 S. 49) resp. die
Demütigungen und Nötigungsversuche (act. 1 S. 50, 57) zurückzuführen. Wie
dargelegt, sind vorliegend weder (massive) Beschwerden infolge einer erlittenen
HWS-Schleuderverletzung, die in den Folgejahren eine psychische Entwicklung
- 124 -
hätten auslösen können, noch die diversen Fehlverhaltenssachverhalte und
Drangsale seitens der Beklagten 1 bei und ausserhalb der Schadenfallbearbei-
tung erstellt, denen die Klägerin ihre psychischen Störungen zuschreibt und die
vielmehr ihrerseits Ausdruck des krankheitsbedingten Erlebens (Wahn- und Ver-
folgungserleben, act. 269/1) der Klägerin sind. Damit sind weder die behaupteten
"massiven Unfallfolgen" noch ein späteres Fehlverhalten der Beklagten 1 conditio
sine qua non für die eingetretene psychische Störung. Die von der Klägerin als
Grund für ihre Erwerbsunfähigkeit angeführten kognitiven Defizite sind sodann,
wie aufgezeigt, Frühsymptome der sich schleichend entwickelnden psychiatri-
schen Erkrankung und damit nichttraumatischer Genese.
c) Damit unterscheidet sich der vorliegend zu beurteilende Fall auch entschei-
dend vom Sachverhalt gemäss Entscheid 4C.402/2006 vom 27. Februar 2007,
bei welchem ein geringfügiges Heckauffahrereignis aufgrund der initial vorhande-
nen Schmerzsymptome zu einer Herabsetzung der Leistungsfähigkeit der eine
hohe Leistungsbereitschaft aufweisenden Geschädigten führte, woraus sich in der
Folge eine komplexe Anpassungsstörung entwickelte. Anders im vorliegenden
Fall, bei welchem es sowohl an initialen, auf ein HWS-Trauma zurückführbaren
Schmerzsymptomen als auch an einer Herabsetzung der Leistungsfähigkeit in
den Monaten nach dem Schadenereignis mangelt und keine Anpassungsstörung
vorliegt. Die von der Klägerin beklagte Verschlechterung ihres Zustand war viel-
mehr eigener Darstellung zufolge die Folge von kognitiven Einschränkungen und
Angstsymptomen, die, wie dargelegt, gemäss psychiatrischem Gutachten Früh-
symptome der sich schleichend entwickelnden und erst Jahre später sich in
Wahn- und Verfolgungserleben manifestierenden Krankheit sind.
d) Es mangelt dem vorliegenden Schadenereignis damit auch die subjektive
Schwere, die im konkreten Fall, aufgrund einer besonderen Vulnerabilität der Ge-
schädigten, zu einer schweren psychischen Störung hätte führen können. Zu ver-
weisen ist auf die erste scherzhafte Mitteilung der Klägerin, auf die Nichtinan-
spruchnahme ärztlicher Behandlung aus freien Stücken, auf die fehlende Zäsur in
der Erwerbsfähigkeit der Klägerin, auf einen noch im September 1999 absolvier-
ten TV-Auftritt bei gleichzeitig geltend gemachtem schwerem psychophysischen
- 125 -
Erschöpfungszustand, der in Zusammenhang mit nicht benennbaren „ungünstig
lautenden Briefen“ der Beklagten 1 gestellt wurde.
e) Damit verbleibt die zeitliche Nähe des Auftretens von Frühsymptomen zum
Unfallereignis. Aus dem Umstand einer sich schleichend entwickelnden schweren
psychischen Krankheit in den Jahren nach dem Unfall, deren im Unfallfolgejahr
aufgetretene erste unspezifische Frühsymptome gemäss PUK eine Diagnostizie-
rung erst verzögert zuliessen, auf eine Ursächlichkeit des – wie dargelegt sowohl
objektiv als auch aufgrund der Auswirkungen im individuellen Fall geringfügigen –
Schadenereignisses als auslösendes Moment zu schliessen, käme einem unzu-
lässigen Beweisschluss im Sinne von post hoc ergo propter hoc gleich (BGE 119
V 335 E. 2b/bb S. 341; Urteil 8C_743/2010 vom 24. März 2011 E. 4 m.H.)
f) Ein psychiatrisches Teilgutachten im Rahmen einer polydisziplinären Begut-
achtung hätte vorweg den psychischen Gesundheitszustand darzulegen (bzw.
den psychopathologischen Befund zu erheben) und sodann die Bedeutung des
Schadenereignisses und/oder dessen Folgen im Kontext der Anamnese auszu-
leuchten. Obwohl das Gutachten der PUK sich auftragsgemäss mit der Ursache
der psychischen Störung nicht zu befassen hatte, kam die Bedeutung des Scha-
denereignisses bei der Anamnese wiederholt zur Sprache (vgl. act. 269/1 S. 8 ff.;
46 ff.). Den Feststellungen im Gutachten der PUK zum Verhalten der Klägerin bei
der Untersuchung und zum psychopathologischen Befund ist, wie erwähnt, zu
entnehmen, dass die Klägerin über ihr krankhaftes Erleben nicht sprechen kann
oder möchte (Dissimulation), weil es ihr ein wichtiges Anliegen sei, sich als psy-
chologisch gesund darzustellen und die kognitiven Leistungseinbussen ätiolo-
gisch in Zusammenhang mit den Auffahrunfällen zu stellen, sowie weiter, dass ihr
Denken eingeengt auf den Rechtsstreit mit den Beteiligten der Auffahrunfälle so-
wie die aktuelle soziale Situation sei (act. 269/1 S. 46; vgl. auch TOGNELLA, a.a.O.,
S. 210). Zu verweisen ist wiederum auf das zur Vielzahl von Fehlverhaltenssach-
verhalten und erlittenen Drangsalen Ausgeführte. Vor diesem Hintergrund er-
scheint auch eine weitere Anamnese zur Bedeutung des Schadenereignisses und
dessen Folgen entbehrlich. Daraus, dass die Klägerin selber aus ihrem krank-
heitsbedingten Erleben heraus ihre Einschränkungen, wie im Gutachten PUK
- 126 -
festgehalten, dem Schadenereignis und der Vielzahl von Drangsalen und Fehl-
verhaltensweisen der Beklagten 1 zuschreibt, kann vor dem Hintergrund der gut-
achterlichen Ausführungen zur Natur der Erkrankung der Klägerin nicht auf eine
Ursächlichkeit des Schadenereignisses geschlossen werden. Dies liefe, wie dar-
gelegt, letztlich darauf hinaus, dass jede sich in den Jahren nach einem – objektiv
wie subjektiv geringfügigen – Schadenereignis manifestierende Krankheit
zwangsläufig auf Letzteres zurückzuführen wäre.
5.11. Fazit natürlicher Kausalzusammenhang
Aufgrund des Gesagten ist das Vorliegen einer HWS-Schleuderverletzung infolge
des Heckauffahrunfalls vom 30. Juli 1997 und des dafür typischen bunten Be-
schwerdebilds resp. eines Gemenges an physischen und psychischen Faktoren
zu verneinen. Im Besonderen fehlt es am rechtsgenügenden Nachweis dafür,
dass innert der ersten drei Tage Kopf- oder Nackenbeschwerden auftraten. In
Anbetracht der medizinischen Aktenlage sowie der weiteren wesentlichen Fakten
ist davon auszugehen, dass bei der Klägerin rund 8 Tage nach dem Schadener-
eignis plötzlich Steissbeinbeschwerden – bei unauffälligem objektivem Befund –
auftraten. Soweit eine stumme degenerative leichte Veränderung der ISG-
Gelenke durch den Unfall eine Aktivierung erfahren hat, war der Unfall für die da-
mit zusammenhängenden Beschwerden spätestens nach einem Jahr nicht mehr
kausal. Erstellt ist demgegenüber aufgrund des Gutachtens der PUK vom 16. Au-
gust 2012 (act. 269/1), dass die Klägerin seit mindestens 2002 an einer schweren
paranoiden Schizophrenie mit kontinuierlichem Verlauf und damit einer endoge-
nen Krankheit leidet, die sich über Jahre schleichend entwickelt hat. Die von der
Klägerin zur Begründung ihrer Erwerbsunfähigkeit angeführten kognitiven Defizite
sind Teil der unspezifischen Frühsymptomatik der Erkrankung und damit nicht un-
fallkausal. Damit ist der natürliche Kausalzusammenhang zwischen dem Scha-
denereignis vom 30. Juli 1997 und der psychischen Beeinträchtigung der Klägerin
zu verneinen.
- 127 -
6. Adäquanz der schweren psychischen Störung
6.1. Rechtsprechung zur Adäquanz von psychischen Folgen
a) Im Übrigen müsste vorliegend auch die Adäquanz verneint werden. Nach kon-
stanter Praxis ist ein Ereignis dann als adäquate Ursache anzusehen, wenn es
nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung an
sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der
Eintritt des Erfolgs also durch das Ereignis als allgemein begünstigt erscheint
(4C.402/2006 E. 4.1.). Die Adäquanz fusst nicht auf einer naturwissenschaftlichen
Kausalitätstheorie, sondern bezweckt eine normative, juristisch wertende Scha-
denszurechnung im Sinne eines Werturteils nach Ermessen (Art. 4 ZGB). Das
Gericht stellt eine objektiv-nachträgliche Prognose und entscheidet aufgrund
sämtlicher Umstände im Einzelfall (Art. 4 ZGB), ob eine Schädigung billigerweise
noch dem Haftpflichtigen zugerechnet werden kann (BGE 123 III 110 E. 3a S. 112
und 132 III 715 E. 2.2 S. 718 m.w.H.). Es ist mithin von den tatsächlichen Auswir-
kungen auszugehen und rückblickend zu entscheiden, ob und inwiefern der Unfall
noch als deren wesentliche Ursache erscheint (BGE 70 II 177). Rechtspolitischer
Zweck der Adäquanz bildet die Begrenzung der Haftung für mittelbare Schäden
(4A_7/2007 E. 5.1 und 5.4. und 4C.327/2004 E. 4.2.).
b) Die Adäquanzprüfung ist nicht allein nach der Schwere des Unfallereignisses
vorzunehmen; die sozialversicherungsrechtlichen Adäquanzkriterien finden im
Haftpflichtrecht keine Anwendung (BGE 123 III 110, 127 III 403 E. 3a, Urteil des
Bundesgerichts 4A_171/2012 vom 26. Juni 2012). Das Bundesgericht lehnte es
denn auch ab, fixe Adäquanz-Grenzwerte einzuführen bzw. eine Bagatell- oder
"Harmlosigkeitsgrenze" festzulegen (vgl. BGE 134 V 109 E. 8.3 S. 121). Die Beur-
teilung ist nach rechtlichen Gesichtspunkten, nicht nach der medizinisch-
biologischen Betrachtungsweise, mithin nicht in Würdigung der ärztlichen Befunde
vorzunehmen (BGE 96 II 392 E. 2; BGE 123 III 110 E. 2; Urteil 4C.222/2004 vom
14. September 2004 E. 3; 4C.402/2006 vom 27. Februar 2007 E. 4.3.). Gemäss
Rechtsprechung sind auch leichte, bagatelläre Unfälle geeignet, eine HWS-
Schleuderverletzung im Sinne des vorerwähnten bunten Beschwerdebildes (BGE
131 III 12), eine komplexe Anpassungsstörung oder ein Schleudertrauma mit
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=4A_275%2F2013&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F123-III-110%3Ade&number_of_ranks=0#page110
- 128 -
posttraumatischer Belastungsstörung und vollständiger Arbeitsunfähigkeit herbei-
zuführen (4A_307/2008 vom 27. November 2008 E. 2.4.). Bei der Frage der Zure-
chenbarkeit von Unfallfolgen ist sodann auf eine weite Bandbreite von Geschädig-
ten abzustellen ist, mithin auch solche, die aufgrund ihrer Veranlagung anfälliger
für psychische Störungen sind und einen Unfall seelisch weniger gut verkraften
(BGE 117 V 362). War der Unfall generell geeignet, einen Erfolg von der Art des
eingetretenen herbeizuführen, ist die Adäquanz gegeben.
6.2. Zurechenbarkeit im vorliegenden Fall
a) Somit ist aufgrund sämtlicher Umstände des vorliegenden konkreten Falls
ausgehend von den tatsächlichen Auswirkungen rückblickend zu prüfen, ob dem
Haftpflichtigen die geltend gemachten Folgen billigerweise noch zugerechnet
werden dürfen. Zunächst ist festzuhalten, dass in der bei der Klägerin diagnosti-
zierten Erkrankung einer paranoiden Schizophrenie vor dem Hintergrund der Dar-
legungen zum Unfallereignis zweifellos eine aussergewöhnliche, singuläre Folge
im Sinne der Rechtsprechung zu sehen ist. Gemäss Rechtsprechung darf die
Adäquanz nicht mit der Begründung verneint werden, dass ein Mensch erfah-
rungsgemäss in der Lage sei, ein derart harmloses Ereignis zu verkraften, und
dass eine singuläre psychische Labilität zum vom Geschädigten zu tragenden
Lebensrisiko gehört. Dem vorzitierten Entscheid 4C.402/2006 vom 27. Februar
2007 lag, wie dem vorliegenden Fall, ein bagatelläres Ereignis (Delta-v 4-6 km/h,
minimaler Sachschaden) zugrunde. Die Zurechenbarkeit von Folgeschäden des
Ereignisses wurde mit der Begründung bejaht, dass die Geschädigte eine hohe
Leistungsbereitschaft aufweise, ihre Leistungsfähigkeit aber aufgrund der initial
vorhandenen Schmerzsymptome herabgesetzt gewesen sei, was die initialen
psychischen Beschwerden ausgelöst habe. Die – aus psychiatrischer Sicht –
nachher eingetretene komplexe Anpassungsstörung, bei welcher das Ereignis
selbst mit zunehmender Dauer in den Hintergrund getreten sei, habe den Unfall
als Auslöser, weshalb dieser als wesentliche Ursache anzusehen und der adä-
quate Kausalzusammenhang zu bejahen sei (4C.402/2006 E. 4.2.).
b) Hiervon unterscheiden sich die Umstände des vorliegenden Falls in mehrerer
Hinsicht: Das Schadenereignis führte weder zu einer initialen Schmerzsymptoma-
- 129 -
tik, die über einen subjektiven Befund betreffend Steissbeinbeschwerden hinaus-
ging, noch bewirkte es eine Zäsur in der Leistungsfähigkeit der Klägerin, die von
dieser schlecht hätte verkraftet und ihrerseits Auslöser von Folgebeschwerden
psychischer Natur hätte sein können. Es liegen bei der Klägerin auch keine An-
haltspunkte für ein seelisch weniger gutes Verkraften des bagatellären Schadene-
reignisses im Sinne einer besonderen psychischen Vulnerabilität vor: Zu erinnern
ist an die in scherzhaftem Ton abgefasste erste Mitteilung, das nach eigener Dar-
stellung unterbliebene Aufsuchen eines Arztes aus freien Stücken in den Monaten
nach dem Unfall, an die mangelnde Zäsur in der Leistungsfähigkeit während rund
zehn Monaten nach dem Schadenereignis, an das von der Klägerin geschilderte
Bedauern, ihr Geschäft nicht noch weiter ausbauen zu können, an den von der
Klägerin noch über zwei Jahre nach dem Schadenereignis absolvierten TV-Auftritt
bei gleichzeitig geltend gemachter psychophysischer Erschöpfung. Dem Heckauf-
fahrereignis ging mithin nicht nur objektiv, sondern auch subjektiv, aus der Warte
der konkreten Geschädigten, das traumatisierende Element ab. In Einklang damit
liegt bei der Klägerin, wie dargelegt, keine reaktive Erkrankung (Depression, An-
passung-, Belastungsstörung) infolge der Auswirkungen von initialen Beschwer-
den auf ihre Leistungsfähigkeit vor. Gegenteils führte die Klägerin die zunehmen-
de psychische Verschlechterung ihres Zustands nach eigener Wahrnehmung –
trotz Erwerbsfähigkeit, trotz laufender Ertragsausfallzahlungen – in den Folgejah-
ren nach dem Schadenereignis auf kognitive Defizite und damit erste Frühsymp-
tome der sich schleichend entwickelnden schweren psychiatrischen Erkrankung
zurück. Die weitere Verschlechterung des psychischen Zustands der Klägerin
war, wie dargelegt, Ausdruck des sich bei der Klägerin zunehmend manifestie-
renden Wahn- und Verfolgungserlebens, in dessen Rahmen die Zuschreibung der
festgestellten Defizite, wie typischerweise und auch hier der Fall (vgl. act. 269/1
S. 46), aus dem krankheitsbedingten Erleben heraus zum äusseren Geschehen in
Form der angeführten Fehlverhaltenssachverhalte führte.
c) Damit liegt mangels objektiver Schwere des Ereignisses und subjektiver – aus
der Warte der konkreten Geschädigten – Schwere der Auswirkung im konkreten
Fall mit dem Schadenereignis vom 30. Juli 1997 keine taugliche Ursache für eine
psychische Erstreaktion vor, die ihrerseits – im Sinne einer komplexen Entwick-
- 130 -
lung (vgl. Entscheid 4A.402/2006) – geeignet gewesen wäre, eine schwerwiegen-
de psychiatrische Erkrankung auszulösen. Das haftungsbegründende Ereignis
wird damit von der sich schleichend entwickelnden endogenen Erkrankung und
den damit einhergehenden Manifestationen von Wahn- und Verfolgungserleben
derart überlagert, dass es im Geschehensablauf als nicht mehr relevant erscheint.
Die Rechtserheblichkeit eines ursächlichen Zusammenhangs zwischen dem
Schadenereignis vom 30. Juli 1997 und der in den Folgejahren aufgetretenen pa-
ranoiden Schizophrenie resp. einer dadurch bedingten Erwerbsunfähigkeit ist auf-
grund der konkreten Umstände des vorliegenden Falls zu verneinen.
7. Zusammenfassung der Tat- und Rechtsfragen
a) Gemäss erstelltem Sachverhalt erlitt die Klägerin am 30. Juli 1997 einen Heck-
auffahrunfall mit einer Restgeschwindigkeit von 7 bis maximal 13 km/h und einer
kollisionsbedingten Geschwindigkeitsänderung von 5 bis 9 km/h resp. sehr wahr-
scheinlich maximal 8 km/h, der zu geringfügigen Schäden an den beteiligten
Fahrzeugen führte. Die in den Folgemonaten behandelten Zahnschäden wurden
gemäss Beweisergebnis nicht durch einen aufprall- resp. erschreckensbedingten
Zahnaufbiss verursacht (vgl. 3. hiervor).
b) Die unter dem Titel einer Mitursache für die Invalidisierung vorgetragenen, ein
Fehlverhalten von Mitarbeitenden der Beklagten 1 bei und ausserhalb der Scha-
denfallbearbeitung beschlagenden Sachverhalte (Überwachung, Drohbriefe,
Übergriffe, Entfernung von Replikbeilagen etc.) sind aufgrund des Beweisergeb-
nisses als nicht stattgehabt erstellt (vgl. 4. hievor). Nicht erstellt aufgrund der an-
gerufenen Beweismittel (Urkunden und Zeugen) ist sodann eine psychisch be-
dingte Unfähigkeit der Klägerin zur chronologischen Schilderung des Auftretens
der initialen Beschwerden (vgl. 5.4. hiervor). In Würdigung des aufgezeigten Be-
hauptungssubstrats und der Beweislage zu Art, Intensität und erstmaligem Auftre-
ten von Beschwerden, insbesondere des Erstkonsultationsberichts vom 8. August
1997, aber auch des weiteren Nachunfallgeschehens (u.a. medizinische Behand-
lung, Erwerbsfähigkeit, Angaben zu letzterem etc.) ist erstellt, dass während der
Latenzzeit von 72 Stunden nach dem Schadenereignis weder Kopf- noch Na-
- 131 -
ckenschmerzen rechtsgenüglich nachgewiesen wurden und keine objektiv nach-
weisbaren Beschwerden im Sinne der Rechtsprechung festgestellt werden konn-
ten. Festgestellt wurden ausschliesslich acht Tage nach dem Schadenereignis
aufgetretene Steissbeinbeschwerden im Sinne eines subjektiven Befunds. Auf-
grund der aufgezeigten Vielzahl an Widersprüchen und Ungereimtheiten gegen-
über behandelnden und untersuchenden Ärzten sowie in eigenen ins Recht ge-
legten Mitteilungen der Klägerin fehlt es am rechtsgenüglichen Nachweis dafür,
dass die mit zunehmendem Abstand zum Schadenereignis qualitativ und quanti-
tativ ausweitend geschilderten, einer Objektivierung nicht zugänglichen weiteren
Beschwerden in den Tagen resp. Wochen und Monaten nach dem Schadener-
eignis aufgetreten sind. Damit fehlt es am Nachweis der geltend gemachten Be-
schwerden im Sinne des typischen Beschwerdebilds nach einer HWS-
Schleuderverletzung (vgl. zusammenfassend hiervor 5.9).
c) Erstellt ist aufgrund des Beweisergebnisses, dass sich bei der Klägerin spätes-
tens seit dem Jahre 2002 eine schwere psychiatrische Erkrankung in Form einer
paranoiden Schizophrenie mit Wahn- und Verfolgungserleben manifestiert hat, die
sich über eine Vielzahl von Jahren schleichend entwickelt hat und deren Früh-
symptome u.a. die geltend gemachten leichten kognitiven Defizite und psychi-
schen Symptome (Selbstunsicherheit, depressive Verstimmung) umfassen. Die
schwere psychische Erkrankung der Klägerin ist weder auf – als nicht stattgehabt
erstellte – massive Unfallbeschwerden noch die Vielzahl an – ebenfalls nicht er-
stellten – Fehlverhaltenssachverhalten zurückzuführen, noch führte das geringfü-
gige Schadenereignis zu einer Zäsur in der Erwerbsfähigkeit der Klägerin, die
aufgrund einer besonderen Vulnerabilität zu einer Reaktion in Form einer Anpas-
sungsstörung und in der Folge zu einer komplexen psychiatrischen Entwicklung
hätte führen können. Damit mangelt es am natürlichen Kausalzusammenhang
zwischen der schweren psychischen Erkrankung der Klägerin und dem Schaden-
ereignis vom 30. Juli 1997. Aufgrund der konkreten Umstände des vorliegenden
Falls (keine initiale Schmerzsymptomatik ausser subjektivem Befund betreffend
Steissbeinbeschwerden, keine unfallbedingte Zäsur in der Leistungsfähigkeit in
den Monaten nach dem Ereignis, keine Anhaltspunkte für ein seelisch weniger
gutes Verkraften des geringfügigen Unfalls, keine reaktive Erkrankung, zuneh-
- 132 -
mende Beeinträchtigung durch als bedrohlich empfundene Sachverhalte als Teil
der sich schleichend manifestierenden Erkrankung) ist schliesslich ein rechtser-
heblicher, adäquater Zusammenhang zwischen dem Schadenereignis vom
30. Juli 1997 und der in den Folgejahren aufgetretenen paranoiden Schizophrenie
resp. einer dadurch bedingten Erwerbsunfähigkeit zu verneinen. Dies führt zur
Abweisung der Klage.
8. Kosten- und Entschädigungsfolgen
a) Gemäss § 23 der Gebührenverordnung des Obergerichts vom 8. September
2010 bleibt die alte Verordnung des Obergerichts über die Gerichtsgebühren vom
4. April 2007 (GebV 2007) anwendbar, da für das Verfahren insgesamt die Best-
immungen des kantonalen Prozessrechts anwendbar bleiben (Art. 404 Abs. 1
ZPO; § 19 GebV OG 2007). Ebenso bleibt die bisherige Anwaltsgebührenverord-
nung des Obergerichts vom 21. Juni 2006 anwendbar (§ 25 der Verordnung über
die Anwaltsgebühren vom 8. September 2010; § 19 AnwGebV 2006).
b) Der Streitwert beträgt vorliegend CHF 6'717'842.15 (vgl. act. 1 S. 2; act. 32
S. 2). Die Kosten- und Entschädigungsfolgen sind nach Obsiegen und Unterlie-
gen zu regeln (§§ 64 Abs. 2 und 68 Abs. 1 ZPO/ZH). Die Gerichtsgebühr ist in
Anwendung von § 2 Abs. 1 i.V.m. § 4 Abs. 1 und 2 GebV 2007 auf CHF 105'000.–
anzusetzen und zusammen mit den weiteren Kosten (Gutachten AGU
CHF 820.80 und CHF 2'400.85, act. 195 und 196; Gutachten Zahnmedizin
CHF 883.50, act. 299; Zeugenentschädigung CHF 300.–, Prot. S. 154) der Kläge-
rin aufzuerlegen, jedoch zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Vorbehalten bleibt die Nachzah-
lungspflicht gemäss § 92 ZPO/ZH. In Anwendung von § 68 Abs. 1 ZPO/ZH sowie
§ 3 Abs. 1 i.V.m. § 6 AnwGebV 2006 ist die Klägerin ferner entsprechend der
Kostenverteilung zu verpflichten, den Beklagten eine Prozessentschädigung in
der Höhe von CHF 98'000.– zu bezahlen.
- 133 -
Das Handelsgericht erkennt:
1. Die Klage wird abgewiesen.
2. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf CHF 105'000.–. Die weiteren Kosten
betragen:
Gutachten: CHF 4'105.15
Zeugenentschädigung: CHF 300.–.
3. Die Gerichtskosten werden der Klägerin auferlegt, jedoch zufolge Gewäh-
rung der unentgeltlichen Prozessführung einstweilen auf die Gerichtskasse
genommen. Vorbehalten bleibt die Nachzahlungspflicht gemäss § 92
ZPO/ZH.
4. Die Klägerin wird verpflichtet, der Beklagten eine Prozessentschädigung von
CHF 98'000.– zu bezahlen.
5. Schriftliche Mitteilung an die Parteien und die Eidgenössische Finanzmarkt-
aufsicht FINMA.
6. Eine bundesrechtliche Beschwerde gegen diesen Entscheid ist innerhalb
von 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht,
1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Be-
schwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder Art.
113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42 und
90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). Der Streitwert
beträgt CHF 6'717'842.15.