# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 8eb90cf5-f1af-4288-aeb2-2c85cc65df43
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_005
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Criminal Procedure

## Facts

hat sich ergeben:
Seite 2 — 13
I. Sachverhalt
A. Mit Schreiben vom 17. Juli 2015 reichte X.1_ eine Strafanzeige gegen Y._, Z._, A._, B._ und C._ ein. Zur Begründung machte er geltend, dass Y._ ihn am _ 2015, zwischen 12.00 Uhr und 12.15 Uhr, am _weg 16 in O.1_ fotografiert habe, als er seinen Garten bewässert habe. Als er Y._ ebenfalls gefilmt habe, sei es zu einer verbalen Auseinandersetzung gekommen, in deren Folge er zu Boden geworfen worden sei. Dadurch sei die Spritzdüse des Gartenschlauchs kaputt gegangen. In der Folge habe Y._ ihm mit den Knien gegen seinen Rippenbereich gedrückt. Auf dem beigelegten Arztbericht des Kantonsspitals Graubünden seien die verursachten Körperverletzungen dokumentiert. Y._ und Z._ hätten zudem an der Filmkamera von X.1_ gezogen, so dass diese kaputt gegangen sei.
B. X._ reichte ebenfalls mit Eingabe vom 17. Juli 2015 Strafanzeige wegen des oben beschriebenen Vorfalls vom _ 2015 ein. Sie machte zudem geltend, dass Y._, nachdem sie ihm einen Klapps auf die Wange gegeben habe, ihr einen Tritt ans Gesäss verpasst habe.
C. Mit Verfügung vom 3. November 2015 eröffnete die Staatsanwaltschaft Graubünden (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) gemäss Art. 309 StPO eine Strafuntersuchung gegen Y._ wegen einfacher Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 StGB etc. Ebenfalls mit Verfügung vom 3. November 2015 eröffnete die Staatsanwaltschaft eine Strafuntersuchung gegen Z._ wegen Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB.
D. Y._ und Z._ machten in den polizeilichen Einvernahmen vom 16. März 2016 vom Aussageverweigerungsrecht Gebrauch und reichten dafür ein Schreiben sowie eine CD mit zwei Filmen ein. Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 29. Juni 2016 führte Y._ aus, dass am Tattag die Schwägerin von Z._ zu ihnen auf Besuch gekommen sei. Sie habe ihn angerufen und gesagt, dass X.1_ die Strasse versperre und sie mit dem Auto deshalb nicht bis vor das Haus fahren könne. Er habe dann die Kamera genommen und sei rausgegangen. Er habe jeglichen Kontakt mit X.1_ vermeiden und nur das Geschehen festhalten wollen. X.1_ sei neben dem Auto gestanden und habe den Boden mit Wasser bewässert. Mit der rechten Hand habe er die Kamera gehalten und gefilmt. Als er sich wieder auf den Rückweg in Richtung seines Hauses gemacht habe, habe X.1_ mit dem
Seite 3 — 13
Wasserschlauch nicht mehr auf die Hecken, sondern auf seine Hand gespritzt. Er habe sich durch das Verhalten von X.1_ provoziert gefühlt und ihm seine Kamera wegnehmen wollen. Irgendwann sei Z._ hinzugekommen und sie beide hätten versucht, X.1_ die Kamera wegzunehmen. Als sie ihm die Kamera weggenommen hätten, habe X.1_ ihm die Faust aufs rechte Auge geschlagen. Daraufhin habe er X.1_ einen Schupf gegeben, so dass dieser hingefallen sei. Er habe ihm sicher nicht extra auf die Rippen gedrückt. Als er dann zu seinem Haus gegangen sei, sei X._ wie eine Furie dahergekommen und habe die Filmkamera zurückverlangt. Die Schwägerin habe X._ die Filmkamera herausgegeben. Als er ihr die Kamera wieder habe wegnehmen wollen, habe X._ ihm eine Ohrfeige gegeben. Er habe sich dagegen gewehrt, indem er sie gehalten habe. Er könne sich nicht erinnern, dass er ihr einen Fusstritt ans Gesäss verpasst habe. Dann sei X.1_ mit einem langen Stock gekommen, was sehr bedrohlich gewirkt habe. Zum Glück habe sich das Ganze dann aufgelöst und X.1_ habe den Stock nicht eingesetzt.
E. Am 14. Juli 2016 teilte die Staatsanwaltschaft den Parteien mit, dass die Strafuntersuchung wegen einfacher Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 StGB etc. und Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB abgeschlossen sei. Auf Grund der tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse werde eine Einstellungsverfügung gemäss Art. 319 ff. StPO in Aussicht gestellt. Allfällige Beweisanträge seien innert einer Frist von zehn Tagen seit Erhalt dieser Mitteilung geltend zu machen.
F. Mit Schreiben vom 26. Juli 2016 reichten X._ und X.1_ zwei CD's mit Videoaufnahmen vom Vorfall vom _ 2015 ein. Im selben Schreiben stellten sie den Antrag, den von B._ am _ 2015 gemachten Film während der gesamten Zeit ab Angriff bis zum Schlussgespräch mit B._ als Beweismittel einzuholen. Am 4. August 2017 teilte die Staatsanwaltschaft X._ und X.1_ mit, dass die eingereichten Videoaufnahmen zu den Akten genommen würden. Der Antrag, den von B._ gemachten Film vom _ 2016 einzuholen, wurde abgelehnt. In der polizeilichen Einvernahme vom 16. März 2016 habe B._ verneint, den Vorfall vom _ 2015 gefilmt zu haben.
G. Mit Einstellungsverfügung vom 9. August 2016, mitgeteilt am 10. August 2016, erkannte die Staatsanwaltschaft wie folgt:
1. a) Das Strafverfahren gegen Y._ wegen einfacher Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 StGB, Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB, Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnahmegeräte gemäss Art. 179quater StGB, mehrfacher
Seite 4 — 13
Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB sowie Tätlichkeiten gemäss Art. 126 Abs. 1 StGB wird eingestellt.
b) Das Strafverfahren gegen Z._ wegen Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB wird eingestellt.
2. Die Verfahrenskosten trägt der Kanton.
3. Eine Entschädigung wird nicht zugesprochen.
H. Gegen diese Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft vom 9. August 2016 erhob X._ am 16. August 2016 Beschwerde beim Kantonsgericht von Graubünden. Zur Begründung führte sie aus, dass sie in der Strafanzeige unter anderem gefordert habe, den Film von B._ als "Beweis zur gesamten Situation" während des Vorfalls einzuholen. Der geforderten Beweissicherung sei die Staatsanwaltschaft aber nie nachgekommen, obwohl dieses Beweismittel das Resultat im gegenteiligen Sinn beeinflussen könnte. Die Einstellung des Verfahrens sei daher nicht gerechtfertigt gewesen. Y._ habe klar bestätigt, ihren Mann geschlagen und auf den Boden gedrückt zu haben. Der ganze Vorfall habe sich zudem auf dem Privatgrundstück von X.1_ zugetragen, was die Staatsanwaltschaft falsch gesehen habe. Die zu den Akten genommenen Videos würden die Staatsanwaltschaft zwingen, ihre Feststellung zu revidieren, denn Y._ sei der Angreifer gewesen. Er habe X.1_ grundlos auf seinem Privatgrundstück gefilmt. Die Feststellung der Staatsanwaltschaft, X.1_ habe mit dem Angriff begonnen, sei falsch. Y._ habe den Angriff vorbereitet, als er zu filmen begonnen habe. Die Sachbeschädigung sei das Ziel gewesen, diese sei vorsätzlich in Kauf genommen worden. Y._ habe nicht in Notwehr gehandelt. Für den Fusstritt, den sie von Y._ erhalten habe, weil sie ihn mit dem Klapps auf den Boden der Realität zurückgeholt habe, müsse Y._ nicht verurteilt werden. Er sei gestraft genug gewesen als er bemerkt habe, wie massiv er sich gegenüber einer Frau verhalten habe. Im Übrigen müsse die gesamte Untersuchung aber unter Einbezug aller Beweismittel neu beurteilt werden.
I. Die Staatsanwaltschaft führte in ihrer Vernehmlassung vom 26. August 2016 aus, X._ könne insofern selber geschädigt worden sein, als sie geltend gemacht habe, von Y._ einen Fusstritt ans Gesäss erhalten zu haben. In ihrer Beschwerde führe sie dazu aus, dass Y._ dafür nicht bestraft werden müsse. Unabhängig von der Frage, ob dies als Strafantragsrückzug zu betrachten sei, habe X._ damit zum Ausdruck gebracht, dass sie die Einstellungsverfügung hinsichtlich der sie betreffenden Rechte nicht geändert haben wolle. Unter Hinweis
Seite 5 — 13
auf die angefochtene Verfügung und die Akten werde daher beantragt, auf die Beschwerde nicht einzutreten.
J. Auf die weiteren Ausführungen und die Begründung in der angefochtenen Einstellungsverfügung sowie in den Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
II. Erwägungen
1.1. Gemäss Art. 322 Abs. 2 sowie Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO in Verbindung mit Art. 22 des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Strafprozessordnung (EGzStPO; BR 350.100) kann gegen Einstellungsverfügungen der Staatsanwaltschaft beim Kantonsgericht von Graubünden Beschwerde geführt werden. Die Behandlung der Beschwerde fällt in die Zuständigkeit der II. Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden (Art. 10 Abs. 1 der Kantonsgerichtsverordnung [KGV; BR 173.110)].
1.2. Die Beschwerde ist innert 10 Tagen schriftlich und begründet einzureichen (Art. 322 Abs. 2 StPO; Art. 396 Abs. 1 StPO). Die beschwerdeführende Partei hat dabei genau anzugeben, welche Punkte des Entscheides bzw. der Verfügung sie anficht (Art. 385 Abs. 1 lit. a StPO), welche Gründe einen anderen Entscheid nahelegen (Art. 385 Abs. 1 lit. b StPO) und welche Beweismittel sie anruft (Art. 385 Abs. 1 lit. c StPO). Mit Beschwerde können gemäss Art. 393 Abs. 2 StPO sowohl Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung (lit. a), als auch die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts (lit. b) gerügt werden. Ferner kann die Rüge der Unangemessenheit (lit. c) erhoben werden.
1.3. Zur Beschwerde legitimiert sind entgegen dem Wortlaut von Art. 322 Abs. 2 StPO nicht nur die Parteien, sondern auch die anderen Verfahrensbeteiligten nach Art. 105 StPO, soweit sie ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung eines Entscheids haben, d.h. soweit sie durch die Einstellungsverfügung beschwert sind (Art. 382 Abs. 1 StPO). Parteien sind im Haupt- und Rechtsmittelverfahren neben der Staatsanwaltschaft der Beschuldigte sowie der Privatkläger (Art. 104 Abs. 1 StPO). Als Privatkläger gilt der Geschädigte, der ausdrücklich erklärt, sich am Strafverfahren als Straf- oder Zivilkläger zu beteiligen, wobei der Strafantrag dieser Erklärung gleichgestellt ist (Art. 118 Abs. 1 und 2 StPO). Eine Beschwer, das heisst ein rechtlich geschütztes
Seite 6 — 13
Interesse, ist nur dann zu bejahen, wenn die Beschwerdeführerin selbst in ihren eigenen Rechten unmittelbar und direkt betroffen ist (vgl. zum Ganzen PKG 2013 Nr. 19; Martin Ziegler/Stefan Keller, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl., Basel 2014, N. 4 zu Art. 382 StPO [zit. Basler Kommentar StPO]; Rolf Grädel/Matthias Heiniger, in: Basler Kommentar StPO, a.a.O., N. 6 zu Art. 322 StPO; Nathan Landshut, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO], 2. Aufl., Zürich 2014, N. 9 zu Art. 322 StPO). Die Beschwerdeführerin hat vorliegend Strafantrag wegen Tätlichkeiten etc. erhoben und sich sodann als Privatklägerin sowohl im Zivil- als auch im Strafpunkt konstituiert (vgl. Akten der Staatsanwaltschaft, act. 4.2 und 4.8). Soweit sich die Beschwerdeführerin auf Tatvorgänge beruft, durch die sie in ihren eigenen Rechten unmittelbar betroffen ist, ist sie somit zur Beschwerde legitimiert. Im Einzelnen wird dies bei der Behandlung der jeweiligen Rügen zu prüfen sein.
2.1. Gemäss Art. 396 Abs. 1 StPO ist die Beschwerde zu begründen. Sie hat sich insbesondere darüber zu äussern, welche Gründe einen anderen Entscheid nahe legen (Art. 385 Abs. 1 lit. b StPO). In der Begründung ist schlüssig zu behaupten, dass und weshalb ein Beschwerdegrund gegeben ist. Die Anforderungen an die Beschwerdebegründung dürfen nicht überspannt werden, doch hat sich die Begründung zumindest in minimaler Form mit der angefochtenen hoheitlichen Verfahrenshandlung auseinanderzusetzen (vgl. Patrick Guidon, Die Beschwerde gemäss Schweizerischer Strafprozessordnung, Zürich/St. Gallen 2011, N. 392 mit Hinweis auf BGE 131 II 449 E. 1.3). Daran mangelt es beispielsweise, wenn die Richtigkeit der tatsächlichen oder rechtlichen Erwägungen der angefochtenen Handlung nur pauschal bestritten wird. In der Beschwerdeschrift muss die beschwerdeführende Partei sodann bedingungslos und deutlich zum Ausdruck bringen, dass sie die in Frage stehende hoheitliche Verfahrenshandlung anfechten will (sog. Beschwerdewille). Eine Erklärung, aus der lediglich abzuleiten ist, dass der Betroffene mit dem Entscheid nicht zufrieden ist oder er diesen kritisiert, genügt somit nicht. Nicht erforderlich ist hingegen, dass die Erklärung ausdrücklich formuliert wird. Der Beschwerdewille kann auch aus Sinn und Gehalt der Beschwerdeschrift hervorgehen (vgl. zum Ganzen Patrick Guidon, in: Basler Kommentar StPO, a.a.O., N. 9a zu Art. 396 StPO).
2.2. Die Beschwerde vom 16. August 2016 (vgl. act. A.1) genügt den Begründungsanforderungen zu grossen Teilen nicht. In diversen Punkten begnügt sich die Beschwerdeführerin auf eine Wiederholung ihrer Ausführungen vor der Vor-instanz, ohne auf die entsprechenden Erwägungen in der angefochtenen
Seite 7 — 13
Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft einzugehen. Dies genügt den Begründungsanforderungen ebenso wenig wie der pauschale Verweis auf die Ausführungen in der Strafanzeige. Auch darauf wird im Detail bei der Behandlung der einzelnen Rügen einzugehen sein.

## Considerations