# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** a47c6b32-3e04-5701-a787-c14780cbf6b1
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2009
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ V.D., geb. 1959, ist mazedonische Staatsangehörige. Sie reiste 1992 mit ihren drei
Söhnen (geb. 1984, 1989 und 1991) zu ihrem in Wil lebenden Ehemann. In der Folge
wurde ihr im Rahmen des Familiennachzugs eine Jahresaufenthaltsbewilligung erteilt.
Der Ehemann und die Söhne sind im Besitz von Niederlassungsbewilligungen.
Am 10. September 2002 wies das Ausländeramt ein Gesuch von V.D. um Erteilung der
Niederlassungsbewilligung ab mit der Begründung, sie werde zusammen mit ihrer
Familie von der Sozialhilfe unterstützt. Auch einem weiteren Gesuch um Erteilung der
Niederlassungsbewilligung vom 14. August 2003 gab das Ausländeramt nicht statt.
Ausserdem sprach es mit Verfügung vom 27. Oktober 2006 eine Verwarnung aus und
hielt fest, es werde erwartet, dass sich V.D. intensiv um eine Arbeitsstelle bemühe, in
naher Zukunft keine Sozialhilfe mehr beziehe und die ausbezahlten Leistungen nach
Möglichkeit zurückbezahle. Am 19. Dezember 2007 verwarnte das Ausländeramt V.D.
erneut.
Mit Verfügung vom 17. November 2008 verweigerte das Ausländeramt die
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung von V.D. Zur Begründung wurde angeführt, ihr
Verhalten habe zu schweren Klagen Anlass gegeben. Sie müsse zusammen mit ihrem
Ehemann J. D. vom Sozialamt Wil unterstützt werden. Bis 22. August 2008 habe der
offene Saldo Fr. 176'510.45 betragen. Die Ehefrau habe auch nach der zweiten und
letzten Verwarnung nichts unternommen, um an ihrer Situation etwas zu ändern. Sie
habe wiederum den Anweisungen des Ausländeramts keine Folge geleistet und sich
nicht um eine Arbeitsstelle bemüht.
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B./ Gegen die Verfügung des Ausländeramts erhob V.D. mit Eingabe ihres
Rechtsvertreters vom 1. Dezember 2008 Rekurs, der vom Sicherheits- und
Justizdepartement mit Entscheid vom 18. März 2009 abgewiesen wurde.
C./ Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 3. April 2009 erhob V.D. Beschwerde beim
Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der Rekursentscheid vom 18. März 2009 sei
aufzuheben, die Aufenthaltsbewilligung sei zu verlängern und es sei die unentgeltliche
Rechtspflege und Rechtsverbeiständung zu bewilligen, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge.
Am 26. Mai 2009 reichte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin innert
angesetzter Frist die Begründung für das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung
ein.
Mit Verfügung vom 27. Mai 2009 gewährte der Präsident des Verwaltungsgerichts der
Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung und
bestimmte Rechtsanwalt A. als unentgeltlichen Rechtsbeistand.
In ihrer Beschwerdeergänzung vom 8. Juli 2008 hielt die Beschwerdeführerin an ihrem
Antrag fest. Auf die zur Begründung vorgebrachten Ausführungen wird, soweit
wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 21. Juli 2009 unter Hinweis auf
die Erwägungen des angefochtenen Entscheids und die Akten auf Abweisung der
Beschwerde.

## Considerations

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die
Beschwerdeführerin ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingaben vom 3. April und 8. Juli
2009 entsprechen zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen
(Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
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2. Die Beschwerdeführerin war Inhaberin einer Aufenthaltsbewilligung. Ihr Ehemann
und ihre Söhne verfügen über Niederlassungsbewilligungen.
2.1. Nach Art. 43 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer
(SR 142.20, abgekürzt AuG) haben ausländische Ehegatten und ledige Kinder unter
achtzehn Jahren von Personen mit Niederlassungsbewilligung Anspruch auf Erteilung
und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit diesen zusammenwohnen.
Nach Art. 62 lit. e AuG kann die zuständige Behörde Bewilligungen, ausgenommen die
Niederlassungsbewilligung, widerrufen, wenn die Ausländerin oder eine Person, für die
sie zu sorgen hat, auf Sozialhilfe angewiesen ist. Die Niederlassungsbewilligung kann
bei Sozialhilfeabhängigkeit nur widerrufen werden, wenn die Ausländerin oder der
Ausländer oder eine Person, für die sie oder er zu sorgen hat, dauerhaft und in
erheblichem Mass auf Sozialhilfe angewiesen ist (Art. 63 Abs. 1 lit. c AuG). Die
Niederlassungsbewilligung von Ausländern, die sich seit mehr als fünfzehn Jahren
ununterbrochen und ordnungsgemäss in der Schweiz aufhalten, kann nur aus Gründen
von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG (schwerwiegender Verstoss gegen die öffentliche
Sicherheit und Ordnung oder Gefährdung der inneren oder äusseren Sicherheit) oder
Art. 62 lit. b AuG (Verurteilung zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe oder Anordnung
einer strafrechtlichen Massnahme) widerrufen werden (Art. 63 Abs. 2 AuG). Nach einem
ununterbrochenen und ordnungsgemässen Aufenthalt von über fünfzehn Jahren ist
also ein Widerruf der Niederlassung auch im Falle dauerhaften, erheblichen und auch in
Zukunft zu erwartenden Sozialhilfebezugs ausgeschlossen (vgl. Spescha/Thür/Zünd/
Bolzli, Kommentar Migrationsrecht, Zürich 2008, N 12 zu Art. 63 AuG).
2.2. Im vorliegenden Fall verweigerte das Ausländeramt die Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung der Ehefrau. Die Niederlassung des Ehemannes kann gemäss
Art. 63 Abs. 2 AuG wegen Sozialhilfeabhängigkeit nicht widerrufen werden. Die
Vorinstanz hielt fest, die Rückkehr der Beschwerdeführerin in ihr Heimatland würde zu
einer Trennung der Familie führen. Die Söhne seien indes alle volljährig.
Dementsprechend bestünden zu ihnen keine rechtlich geschützten familiären
Beziehungen, die bei der Beurteilung der privaten Interessen berücksichtigt werden
müssten. Der Ehemann gehe keiner Erwerbstätigkeit nach. Zusammen mit seiner
Ehefrau werde er von der Sozialhilfe unterstützt. Eine Rückkehr ins Heimatland
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zusammen mit seiner Ehefrau sei ihm zuzumuten. Im Jahr 2007 habe er einen
Herzinfarkt erlitten. Es lägen aber keine gesundheitlichen Gründe vor, welche eine
Rückkehr ins Heimatland unzumutbar erscheinen lassen. Da der Ehemann über eine
Niederlassungsbewilligung verfüge, sei er aber nicht verpflichtet, seiner Ehefrau ins
Heimatland zu folgen.
2.3. Der Entscheid über die Verweigerung der Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung
hat nach pflichtgemässem Ermessen zu erfolgen. Nach Art. 96 Abs. 1 VRP haben die
zuständigen Behörden bei der Ermessensausübung die öffentlichen Interessen und die
persönlichen Verhältnisse sowie den Grad der Integration der ausländischen Person zu
berücksichtigen.
Die Beschwerdeführerin kam am 27. September 1992 mit den drei unmündigen
Kindern zu ihrem Ehemann in die Schweiz. Sie hält sich somit seit siebzehn Jahren und
damit bereits relativ lange Zeit in der Schweiz auf. Der Ehemann war von 1987 bis 1991
als Saisonnier in der Schweiz und erhielt 1992 eine Aufenthaltsbewilligung. 1999 wurde
ihm die Niederlassung erteilt. Fest steht, dass die Eheleute in erheblichem Masse von
der Sozialhilfe abhängig sind. Sozialhilfeleistungen an Eheleute von über Fr. 170'000.--
sind nach der Rechtsprechung als Grund für eine Ausweisung bzw. einen Widerruf der
Niederlassung zu betrachten (vgl. Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser, Ausländerrecht, 2.
Aufl., Basel 2009, Rz. 8.30 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung; vgl. auch
BGE 2C_795/2008 vom 25. Februar 2009). Im vorliegenden Fall können die
Sozialhilfeleistungen aber nicht allein der Ehefrau zugeordnet werden. Das Sozialamt
unterstützte die gesamte Familie, also auch den Ehemann und die Kinder. Nach der
Einreise in die Schweiz war es der Ehefrau aufgrund des Alters der unmündigen Kinder
zunächst nur beschränkt möglich, in nennenswertem Umfang eine Erwerbstätigkeit
auszuüben. Als Ausländerin ohne Berufsausbildung befindet sie sich zudem auf dem
Arbeitsmarkt in einer wenig aussichtsreichen Stellung. Zutreffend ist, dass die
Beschwerdeführerin wiederholt verwarnt wurde. Allerdings waren ihre Möglichkeiten,
aus der Sozialhilfeabhängigkeit herauszufinden, aufgrund der persönlichen und
familiären Umstände eingeschränkt. Aufgrund der vorliegenden Akten dürfte das
Verhalten des Ehemannes, namentlich auch der Stellenverlust des Ehemannes,
ebenfalls massgeblich zur Sozialhilfeabhängigkeit der Familie beigetragen haben.
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Das Gesetz lässt nach dem Gesagten grundsätzlich nur die Bewilligungsverweigerung
bei der Ehefrau zu. Da der Ehemann über die Niederlassung verfügt und seit mehr als
15 Jahren ununterbrochen in der Schweiz ansässig ist, kann seine Bewilligung wegen
der Sozialhilfeabhängigkeit nicht widerrufen werden. Da die Ehefrau ebenfalls über
fünfzehn Jahre in der Schweiz ansässig ist und die Sozialhilfeabhängigkeit nicht nur ihr,
sondern zumindest in gleichem Masse auch dem Ehemann angelastet werden muss,
ist es ermessensmissbräuchlich, lediglich den Aufenthalt der Ehefrau zu beenden und
damit entweder die Eheleute zwangsweise zum Getrenntleben oder den
niedergelassenen Ehemann zum Verlassen der Schweiz zu zwingen.
2.4. Ob der angefochtene Entscheid auch den Anspruch auf Schutz des Familienlebens
nach Art. 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention (SR 0.101) bzw. Art. 13
Abs. 1 der Bundesverfassung (SR 101) verletzt, kann offen bleiben. Die Beschwerde ist
aufgrund der vorstehenden Erwägungen gutzuheissen und der angefochtene
Rekursentscheid vom 18. März 2009 in Ziff. 1 und 4 aufzuheben. Die Angelegenheit ist
an das Ausländeramt zur Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung der
Beschwerdeführerin zurückzuweisen.
3. Dem Verfahrensausgang entsprechend gehen die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens zulasten des Staates (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Art. 13 Ziff. 622 Gerichtskostentarif,
sGS 941.12). Auf die Erhebung ist zufolge unentgeltlicher Rechtspflege zu verzichten.
Der Beschwerdeführerin wurde die unentgeltliche Rechtsverbeiständung gewährt. Der
Rechtsbeistand hat keine Kostennote eingereicht, so dass die Entschädigung nach
Ermessen festzusetzen ist (Art. 6 der Honorarordnung für Rechtsanwälte und
Rechtsagenten, sGS 963.75, abgekürzt
HonO). Eine Entschädigung von Fr. 1'600.-- zuzügl. MWSt für das
Beschwerdeverfahren ist angemessen (Art. 22 Abs. 1 lit. b in Verbindung mit Art. 19
HonO und Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70). Für das Rekursverfahren
ist der Beschwerdeführerin eine ausseramtliche Entschädigung zuzusprechen (Art. 98
Abs. 2 VRP). Eine Entschädigung von Fr. 1'000.-- zuzügl. MWSt erscheint angemessen
(Art. 22 Abs. 1 lit. a HonO).
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