# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 93250f69-3a68-4237-b8e3-3ec36f9b0dc4
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1955, arbeitete
von 1972 bis 1997
bei
der
(inzwischen aufgelösten)
Z._
als Maurer
und Gipser
(Urk.
8/6
und
Urk.
8/49/7
). Am
8.
Dezember 1997 meldete er sich insbesondere wege
n Rücken- und Brustbeschwerden sowie Beschwerden
am linken Arm bei
der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zum
Leistungsbe
zug
an
(
Urk.
8/2 und
Urk.
8/5/2).
M
it Verfügung vom 5.
Februar 1999
sprach die IV-Stelle dem Versicherten
gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 41
%
mit Wirkung ab
1.
Oktober 1997 eine
V
ier
telsrente
zu (
Urk.
8/16).
In der Folge wurde ihm m
it Verfügung vom
2
7.
April 2000
– ausgehend von einem
Invali
ditätsgrad
von 80
%
-
mit Wirkung ab
1.
Februar 2000
eine ganze Rente zuge
sprochen (
Urk.
8/12/2
-9
)
.
Mit Mitteilung vom 3
0.
Juni 2005 bestätigte die IV-Stelle den
Anspruch des Versicherten auf eine ganze Rente
(
Urk.
8/36).
1.2
Im Rahmen eines
im Juli 2010
von Amtes wegen
eingele
iteten
Revisionsverfah
rens
holte
die IV-Stelle einen Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug
vom 1
3.
Juli 2010,
Urk.
8/41) und den Bericht von
Dr.
med.
A._
, Arzt für Allgemeine Medizin FMH,
vom
1
9.
Juli 2010 (Urk.
8/42) ein. Daraufhin gab si
e beim
B._
ein rheumatologisch-psychi
atrisches Gutachten in Auftrag, das am 1
6.
März 2011 erstattet wurde (
Urk.
8/49). Nach
durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
(Vor
bescheid
vom 1
0.
Juli 2012
, Urk.
8/57, und Einwand vom
9.
August 2012,
Urk.
8/64, bzw.
5.
September 2012,
Urk.
8/81)
hob die IV-Stelle die Rente des Versicherten mit Verfügung vom 2
4.
September 2012 wiedererwägungsweise mit Wirkung
auf
Ende des
der Zustellung der Verfügung
folgenden Monats auf (
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob
X._
am
2.
Oktober 2012 Beschwerde und beantragte, es sei ihm weiterhin eine ganze Rente auszurichten (
Urk.
1). Die
Beschwerde
gegnerin
beantragte mit Beschwerdeantwort vom
2.
November 2012 die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7),
was dem Beschwerdeführer am 5.
November 2012 angezeigt wurde (
Urk.
9).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die bisherige ganze Invali
denrente
des Beschwerdeführers
zu Recht aufgehoben hat.
1.2
Ändert sich der Grad der Invalidität eines Rentenbezügers oder einer
Rentenbezü
gerin
in einer für den Anspruch erheblichen Weise, so ist die Rente laut
Art.
17
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (
ATSG
)
für die Zukunft entsprechend zu erhöhen, herabzu
setzen oder aufzuheben. Der Revisionsordnung gemäss
Art.
17 ATSG geht jedoch der Grundsatz vor, dass die Verwaltung befugt ist, jederzeit von Amtes wegen auf eine formell rechtskräftige Verfügung, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Beurteilung gebildet hat, zurückzukommen, wenn diese zweifellos unrichtig und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (BGE 110 V 176 E. 2a;
Art.
53
Abs.
2 ATSG). Unter diesen Voraussetzungen kann die Verwaltung eine Rentenverfügung auch dann abändern, wenn die Revisions
voraussetzungen des
Art.
17
Abs.
1 ATSG nicht erfüllt sind. Wird die zweifel
lose Unrichtigkeit der ursprünglichen Rentenverfügung erst vom Gericht fest
gestellt, so kann es die auf
Art.
17
Abs.
1 ATSG gestützte Revisionsverfügung der Verwaltung mit dieser Begründung schützen (BGE 125 V 368 E. 2 mit Hin
weisen). Nach der Rechtsprechung lässt sich eine allgemein gültige
betragliche
Grenze für die Voraussetzung der Erheblichkeit der Berichtigung nicht festlegen. Massgebend sind vielmehr die gesamten Umstände des Einzelfalles. Bei perio
dischen Leistungen ist die Erheblichkeit der Berichtigung zu bejahen (BGE 119 V 475 E. 1c; Urteil des Bundesgerichts 9C_11/2008 vom 29. April 2008 E. 4.2 mit Hinweisen.
1.3
Das Bundesgericht geht in ständiger Rechtsprechung vom Regelfall aus, dass eine medizinisch attestierte Verbesserung der Arbeitsfähigkeit grundsätzlich auf dem Weg der Selbsteingliederung verwertbar ist (Ulrich Meyer, Rechtsprechung zum Bundesgesetz über die Invalidenversicheru
ng,
2.
Auflage, Zürich 2010, S.
383). Praktisch bedeutet dies, dass aus einer medizinisch attestierten Verbes
serung der Arbeitsfähigkeit unmittelbar auf eine Verbesserung der Erwerbsfä
higkeit geschlossen und damit ein entsprechender Einkommensvergleich (mit dem Ergebnis eines tieferen Invaliditätsgrades) vorgenommen werden kann. Dennoch hat die Rechtsprechung in ganz besonderen Ausnahmefällen nach langjährigem Rentenbezug aber trotz medizinisch (wieder) ausgewiesener Leis
tungsfähigkeit vorderhand weiterhin eine Rente zugesprochen, bis mit Hilfe von medizinisch-rehabilitativen und/oder beruflich-erwerblichen
Massnahmen
das theoretische Leistungspotential ausgeschöpft werden kann. Es können im Ein
zelfall Erfordernisse des Arbeitsmarktes der Anrechnung einer medizinisch vor
handenen Leistungsfähigkeit und medizinisch zumutbaren Leistungsentfaltung entgegenstehen, wenn aus den Akten einwandfrei hervorgeht, dass die Verwer
tung eines bestimmten Leistungspotentials ohne vorgängige Durchführung befähigender
Massnahmen
allein vermittels Eigenanstrengung der versicherten Person nicht möglich ist (Urteil des Bundesgerichts 9C_163/2009 vom 1
0.
September 2010 E. 4.2.2 mit weiteren Hinweisen).
Diese Rechtsprechung hat das Bundesgerich
t im Urteil 9C_228/2010 vom 26.
April 2011 E. 3.3 dahin gehend präzisiert, dass die revisions- oder
wieder
erwägungsweise
Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente bei versi
cherten Personen, die das 5
5.
Altersjahr zurückgelegt oder die Rente seit mehr als 15 Jahren bezogen haben, nur zulässig ist, wenn die Beschwerdegegnerin zuvor
Eingliederungsmassnahmen
durchgeführt hat. Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass solche versicherte Personen aufgrund des fortge
schrittenen Alters oder der langen Rentendauer und der daraus folgenden lang
jährigen Arbeitsabstinenz in der Regel nicht in der Lage sind, sich dem Arbeitsmarkt zu stellen und sich do
rt selbst wieder einzugliedern.
Dies führt für die Betroffenen nicht zu einer Art Besitzstandsgarantie. Es wird ihnen lediglich, aber immerhin, zugestanden, dass die Rente grundsätzlich erst nach tatsächlich geleisteter Eingliederungshilfe eingestellt oder herabgesetzt werden darf.
2.
2.1
Der 1955
geborene Beschwerdeführer hatte im Zeitpunkt des Erlasses der
renten
aufheb
enden
Verfügung vom 2
4.
September 2012
das 5
7.
Altersjahr zurückgelegt
und seit knapp
15
Jahren
eine Rente bezogen, davon seit mehr als zwölf Jahren eine ganze
.
Er fällt damit unter den vom Bundesgericht besonders geschützten
B
ezügerkreis
(vgl. E
. 1.3
).
Aufgrund der Aktenlage ist nicht ersichtlich und wird von der
Beschwerdegegne
rin
auch nicht geltend gema
cht, dass sie vor der
Rentenaufhe
bung
die Frage der Zumutbarkeit der Selbsteinglied
erung konkret
und nachhal
tig
geprüft hätte.
Die Beschwerdegegnerin
stellte lediglich fest, dass der Beschwerdeführer
im Gespräch mit der Eingliederungsberaterin vom 2
5.
Mai 2012 mitgeteilt habe, er fühle sich aufgrund sein
es Gesundheitszustands
nicht arbeitsfähig. Es hätten daher keine beruflichen
Massnahmen
durchgeführt wer
den können. Sollte der Beschwerdeführer zu einem späteren Zeitpunkt Bedarf an Arbeitsvermittlung haben, könne er sich
jederzeit bei ihr melden (Urk.
2
, vgl. auch
Urk. 8/52 und Urk.
8/58/3
).
Damit ist den bundesgerichtlich geforderten Voraussetzungen zur Herabsetzung oder Aufhebung von langjährigen Renten
jedoch nicht Genüge getan. Die Beschwerdegegnerin hätte sich vielmehr vor der Aufhebung der Invalidenrente vergewissern müssen, ob sich ein medizinisch-theoretisches Leistungsvermögen ohne Weiteres in einem entsprechend tieferen Invaliditätsgrad niederschlägt oder ob dafür eine erwerbsbezogene Abklärung (zum Beispiel betreffend Eignung und Belastungsfähigkeit) und/oder die Durchführung von
Eingliederungsmassnahmen
i
m Rechtssinne erforderlich ist.
Dieser Prüfungsschritt zeitigt nur dort keine administrativen Weiterungen, wo die gegenüber der Eingliederung vorrangige Selbsteingliederung direkt zur
ren
tenausschliessenden
arbeitsmarktlichen
Verwertbarkeit des Leistungsvermögens führt. Das ist namentlich der Fall, wenn bisher schon eine erhebliche
Restar
beitsfähigkeit
bestand, so dass der anspruchserhebliche Zugewinn an Leis
tungsfähigkeit kaum zusätzlichen Eingliederungsbedarf nach sich zieht, vor allem wenn das hinzugewonnene Leistungsvermögen in einer Tätigkeit verwer
tet werden kann, welche die versicherte Person bereits ausübt oder unmittelbar wieder ausüben könnte (Urteil des Bundesgerichts 9C_163/2009 vom 1
0.
September 2010 E. 4.2.2 mit Hinweisen).
Dies ist vorliegend nicht der Fall
.
Der Beschwerdeführer hat
in
C._
lediglich fünf Jahre
lang
die Primarschule besucht und
danach
keinen Berufsabschluss erworben
(
Urk.
8/49/7
)
. Die in der Schweiz zwischen 1972 und 1997 ausgeübte
n
Tätigkeit
en
als Maurer
und Gipser
sind
ihm – was unumstritten ist
(
Urk.
8/74
und
Urk.
8/49/14)
- aufgrund seiner gesundheitlichen Beschwe
rden nicht mehr möglich
. Seit Dezember 1997 war der Beschwerdeführer, der seit Februar 2000
eine
ganze Invalidenrente bezog, nicht mehr erwerbstätig (
Urk.
8/6/1 und
8/41)
.
Unter diesen Umständen ist eine Selbsteingliederung
auch bei der von den Gut
achtern der
B._
attestierten 1
00%igen Arbeitsfähigkeit
in einer ange
passten Tätigkeit
(
Urk.
8/49/14)
nicht mehr zumutbar.
2.2
Damit ist die Renten
aufhebung
mangels Fähigkeit des Beschwerdeführers zur Selbsteingliederung zumindes
t so lange nicht gerechtfertigt
, als
die
Beschwer
degegnerin
die Verwertbarkeit der
-
allenfalls
vorhand
enen
-
Arbeitsfähigkeit geprüft und
bejahendenfalls
die sich nach den konkreten Umständen als uner
lässlich herausstellenden
Eingliederungsmassnahmen
-
nötigenfalls unter Anwendung von
Art.
21
Abs.
4 ATSG (Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
im Rahmen der Schadenminderungspflicht
)
- an die Hand genommen hat.
Nachdem die Beschwerdegegnerin bislang entsprechende
Massnahmen
unterlas
sen hat, ist ohne materielle Prüfung der medizinischen Aktenlage weiterhin von der bisherigen Erwerbsunfähigkeit des Beschwerdeführers auszugehen. Dies führt im Ergebnis zur
Gutheissung
der Beschwerde mit der Feststellung, dass der
Beschwerdeführer einstweilen weiterhin Anspruch auf die bisherige ganze Rente hat.
3.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Strei
twert festz
ulegen (Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
600.-- anzusetzen.
Ausgangsgemäss
sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.