# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 34b0f1ab-0e3a-4b54-9c1b-b67be91b8308
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1959, meldete sich im August 1999 unter Hinweis auf Kopf-, Rücken- und Knieschmerzen und eine Depression erstmals bei der Inva
lidenversicherung zum Rentenbezug an (
Urk.
9/3). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihr mit Verfügung vom 2
3.
Juni 2000 eine ganze Invalidenrente mit Wirkung ab dem
1.
Juni
1999 zu (
Urk.
9/14). Am
11.
April
2001 sowie am 1
5.
Juni 2004 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, der Rentenanspruch sei unverändert (
Urk.
9/18;
Urk.
9/25).
1.2
Nach Eingang eines am
7.
Juli 2008 ausgefüllten Revisionsfragebogens (Urk. 9/
26) holte die IV-Stelle unter anderem beim
Y._
ein polydisziplinäres Gutachten ein, das am
4.
Juli
2009 erstattet wurde (
Urk.
9/41). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
9/47; Urk. 9/48;
Urk.
9/52) hob die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
6.
Mai 2010 die bisher aus
ge
richtete Rente auf (
Urk.
9/55). Die dagegen erhobene Beschwerde (
Urk.
9/58/3-11)
wies das hiesige Gericht mit Urteil vom
7.
September
2011 ab (Prozess Nr.
IV.2010.00570;
Urk.
9/64).
1.3
Am 1
2.
September 2016 meldete sich die Versicherte erneut bei der Invaliden
ver
sicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
9/72). Nach durchgeführtem
Vorbe
scheid
verfahren
(
Urk.
9/75;
Urk.
9/77) trat die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
1.
Januar 2017 auf das neue Leistungsbegehren nicht ein (
Urk.
7/84). Mit Schreiben vom 3
1.
Juli 2017 (Eingang bei der Beschwerdegegnerin am
2.
August 2017) bean
tragte die Versicherte erneut eine Invalidenrente (
Urk.
9/86). Nach durchge
führ
tem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
9/89;
Urk.
9/92) trat die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
6.
Oktober 2017 auf das neue Leistungsbegehren nicht ein (Urk. 7/95 =
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am
2
9.
November 2017 Beschwerde gegen die Verfügung vom
2
6.
Oktober 2017 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei auf ihr Leistungsbegehren einzutreten
und über die Rente zu verfügen (
Urk.
1 S. 1 unten
). Die IV-Stelle ersuchte mit Beschwerdeantwort vom
2
3.
Januar 2018 (Urk. 8
) um Abweisung der Beschwerde. Mit Gerichtsverfügung vom 1
8.
April 2018 (
Urk.
15) wurde der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort zugestellt und es wurde festgehalten, dass über den Antrag auf unentgeltliche Prozess
führung (vgl.
Urk.
1 S. 1 unten) zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werde.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2
dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den An
spruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuan
mel
dung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invalidi
tätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbe
grün
dende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.2
Mit
Art.
87
Abs.
3 in Verbindung mit
Abs.
2 IVV soll verhindert werden, dass sic
h die Verwaltung nach vorangegangener rechtskräftiger Leistungsver
weige
rung immer wieder mit
gleich lautenden
und nicht näher begründeten, das heisst keine Veränderung des Sachverhalts darlegenden Gesuchen befassen mu
ss (BGE 109 V 108 E. 2a, 264 E.
3). Hingegen kann diese
Eintretensvorschrift
nicht dahingehend ausgelegt werden, dass die glaubhaft zu machende Änderung gerade jenes An
spruchselement betreffen muss, welches die Verwaltung der früheren rechts
kräftigen Leistungsabweisung zugrunde legte. Vielmehr muss es genügen, wenn die versicherte Person zumindest die Änderung eines Sachverhalts aus dem ge
samten für die Rentenberechtigung erheblichen Tatsachenspektrum glaubwürdig dartut. Trifft dies zu, ist die Verwaltung verpflichtet, auf das neue Leistungs
be
gehren einzutreten und es in tatsächlicher (wie selbstverständlich auch in recht
licher) Hinsicht allseitig zu prüfen (BGE 117 V 198 E. 3a und E. 4b; vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 72 E. 2.2 mit Hinweisen).
1.3
Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens im Sinne des
Art.
87
Abs.
2 und 3 IVV sind herabgesetzte Anforderungen an den Beweis verbunden: Die Tatsachen
änderung muss nicht nach dem im Sozialversicherungsrecht sonst üblichen Be
weis
grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 353 E. 5b) erstellt sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten rechts
er
heblichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wen
n durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen (BGE 130 V 64 E. 5.2, 130 V 71 E. 2.2 mit Hinweisen). Erheblich ist eine Sachverhaltsänderung, wenn angenommen werden kann, der Anspruch auf eine (höhere) Invalidenrente sei be
gründet, falls sich die geltend gemachten Umstände als richtig erweisen sollten (Urteil des Bundesgerichts 8C_844/2012 vom
5.
Juni 2013 E. 2.3 mit Hinweisen auf 8C_1009/2010 vom
7.
April 2011 E. 2.2 und 9C_838/2011 vom 2
8.
Februar 2012 E. 3.3.2).
1.4
Die genannte Bestimmung - wonach die versicherte Person mit dem Revisions-gesuch oder der Neuanmeldung die massgebliche Tatsachenänderung glaubhaft machen muss - hat zur Folge, dass der versicherten Person ausnahmsweise eine Beweisführungslast zukommt. Nur wenn die Verwaltung auf das erneute Leis
tungs
begehren eintritt, hat sie ihrerseits
gestützt auf den Untersuchungs
grund
satz von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheb
lichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 130 V 64 f. E. 5.2.5).
2.
2.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Voraussetzungen für das Eintreten auf die Neu
anmeldung vom 3
1.
Juli 2017
erfüllt sind.
2.2
Die Beschwerdegegnerin führte in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) aus,
sie habe keine wesentliche Veränderung der beruflichen oder medizinischen Situa
tion feststellen können. Deshalb könne sie nicht auf das neue Gesuch eintreten (S. 1 unten). Der
erwähnte, noch fehlende Bericht
habe bereits vorgelegen und sei berücksichtigt worden (S. 2 oben).
2.3
Die
Beschwerdeführerin
hielt in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) fest, dass sie bereits jahrelang an verschiedenen somatischen und psychischen Beschwerden leide. Im Frühling 2017 sei es zu einer erheblichen Verschlechterung ihrer gesundheit
lichen Verhältnisse gekommen. Die
Beschwerdegegnerin
sei ohne ausreichende Prü
fung der medizinischen Unterlagen nicht auf das neue Gesuch eingetreten (S.
2 Mitte).
3.
Die rentenaufhebende Verfügung vom 2
6.
Mai 2010 (
Urk.
9/55
)
stützte sich im Wesentlichen auf das
Gutachten der Ärzte des
Y._
vo
m
4.
Juli 2009 (
Urk.
9/41/1-46).
In diesem wurden
folgende Diagnose
n
mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
genannt
(S. 3
7
Ziff.
6.1):
-
ausgeprägte, medial und
femoropatellar
betonte
Pangonarthrose
beidseits
-
chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom mit/bei
-
skoliotischer
Fehlstatik und erheblicher Fehlhaltung
-
augeprägter
myostatischer
Insuffizienz
-
fortgeschrittener
Osteochondrose
LWK 2/3 mit reaktiver Spondylose und
Spondylarthrose
, weniger stark ausgeprägte
erosive
Osteo
chon
drose
LWK 4/5 mit aktivierter
Spondylarthrose
rechts
-
multiplen
Insertionstendinopathien
beziehungsweise
Tendinosen
Als ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beurteilten
die Gutachter
folgende Diagnosen (S. 37 f. Ziff. 6.2):
-
chronisches
zervikozephales
und
zervikothorakales
Schmerzsyndrom mit/
bei
-
Fehlhaltung und Fehlstatik
-
Osteochondrosen
HWK 5/6 und HWK 6/7 mit
Unkarthrosen
und mässi
gen degenerativen
Foramenstenosen
beidseits
-
Generalisierungstendenz
-
metabolisches Syndrom mit/bei
-
Adipositas Grad II nach WHO
-
arterieller Hypertonie
-
Hyperlipidämie
-
gestörter Glukosetoleranz
-
allergische
Rhinokonjunktivitis
mit Asthma bronchiale
-
Status nach
Septumplastik
und
Conchotomie
1997
Aus internistischer Sicht wurde festgehalten, es handle sich um eine sehr adipöse Beschwerdeführerin in unauffälligem Allgemeinzustand.
Pneumologisch
liege eine ausgeprägte bronchiale Hyperreagibilität vor. Die Spirometrie liefere aktuell keine Hinweise für eine obstruktive oder restriktive Ventilationsstörung. Aus inter
nistischer Sicht lasse sich derzeit keine Einschränkung der Arbeitsf
ä
higkeit begründen (S. 41
).
Bei der rheumatologischen Untersuchung imponiere eine erhebliche Selbst
limi
ta
tion und Inkonsistenz. Die Beschwerdeführerin
klage
über sehr starke, topo
gra
phisch w
eit ausgebreitete Ruheschmerzen
. In den aktuell durchgeführten konven
tionellen Röntgendarstellungen würden im Bereich der LWS sowie beider Knie
gelenke deutlich über das altersentsprechende
Mass
hinausgehende degenerative Veränderungen
imponieren, welche die von der Beschwerde
führerin geklagten Beschwerden zumindest teilweise erklären wür
den (S. 41 f.). Für die zuletzt aus
geübte Tätigkeit als Reinigungskraft mit regelhaft auftretenden gelenk- und wirbel
säulenbelastenden Bewegungsmustern lasse sich aus versicherungs
medizi
ni
scher Sicht keine Arbeitsfähigkeit mehr attestieren. Auch in einer behinde
rungsangepassten, wechsel
belastenden, primär im Sitzen auszuführenden Tätig
keit ohne das Einnehmen einer knienden oder hockenden Stellung, ohne das Bewältigen von Treppen und Leitern, ohne das Gehen auf unebenen oder ab
schüssigen Böden, ohne das Arbeiten in Zwangshaltungen sowie ohne repeti
tive, stereotype Bewe
gungsabläufe sei aus rein rheumatologisch-orthopädischer Sicht wegen der Zweietagenproblematik eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit zu attestieren (S. 42 Mitte).
Im Rahmen der psychiatrischen Exploration habe sich eine
klagsame
, sehr ein
fach strukturierte Beschwerdeführerin gezeigt, die über nur wenige Ressourcen und Bildung verfüge. Der kaum spürbare Leidensdruck stehe insgesamt etwas im Wider
spruch zu den dramatisch anmutenden und inkonsistenten Beschwerde
schilderungen. So berichte sie, beschwerdebedingt kaum noch Tätigkeiten im Haushalt erledigen, aber drei Mal im Jahr eine Busreise nach Serbien bewältigen zu können. Die Beschwerdeschilderungen hätten einen deutlich
appellativen
Charakter und es bestünden Tendenzen zur Selbstlimitierung. Eine Verdeut
li
chung der psychischen sowie körperlichen Beschwerden sei mit überwiege
nder Wahrscheinlichkeit gegeben
(S. 42 f.). Es fänden sich aktuell keine Hinweise auf Symptome einer depressiven Störung. Eine eigenständige psychiatrische Erkran
kung stelle sich nicht dar (S. 43 oben).
Zusammenfassend kamen die begutachtenden Fachärzte zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin in der zuletzt ausgeübten Erwerbstätigkeit
als Raumpflege
rin zu 100 % arbeitsunfähig sei (S. 44 Ziff. 7.6). In einer behinderungsangepass
ten, wechselbelastenden, primär im Sitzen auszuführenden Tätigkeit – mit den oben umschriebenen Einschränkungen aus rheumatologischer Sicht – bestehe aus interdisziplinärer Sicht eine Restarbeitsfähigkeit von 80 % (S. 44 Ziff. 7.7).
4
.
4.1
Im Zusammenhang mit den Neuanmeldungen vom
September 2016
und
August 2017
liegen
im Wesentlichen folgende Berichte
vor.
4
.2
Dr.
med. Z._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
nannte
im
Bericht vom
3.
Juli 2016
zuhanden
des Rechtsvertreters der
Beschwerde
füh
rerin
(
Urk.
9/71/1) folgende
Diagnose
(
Ziff.
1)
:
-
Angst und depressive Störung gemischt, aufgetreten als Folge der Belastungssituation wegen körperlichen Beschwerden
Dr.
Z._
führte aus, d
ie
Arbeitsunfähigkeit
sei auf die körperlichen Be
schwerden zurückzuführen
. Selbstverständlich sei die Beschwerdeführerin wegen allen ihren Beschwerden verzweifelt, unsicher und depressiv
(
Ziff.
2). In den letzten vier Jahren sei es vor allem zu
eine
r Verschlechterung der körperlichen Symptomatik gekommen
. Weiter habe sie ein schweres Trauma erlitten, als ihre Schwester angefahren worden sei. Die Beschwerdeführerin sei ohne Wohnung und habe hohe Schulden (
Ziff.
3).
4
.3
Dr.
med. A._
, Facharzt für Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin,
nannte im
Bericht vom
2.
September 2016 (
Urk.
9/76)
im Wesentlichen folgende Diagnosen (S. 1)
:
-
rezidivierende Exazerbationen eines chronischen
lumboradikulären
Reiz
syndroms S1 rechts
-
Gonarthrose rechts
-
Status nach Knie-TP links am 1
4.
September 2012 bei symptomatischer
Pangonarthrose
links
-
myofasziales
Schmerzsyndrom der unteren Extremitäten
-
Adipositas
-
rezidivierende depressive Episoden
-
chronisches
Zervikozephalsyndrom
bei segmentaler Dysfunktion C2/3 links
-
chronisches Asthma bronchiale
-
chronisch venöse Insuffizienz Grad II
Aufgrund d
er
multilokulären
Schmerzen, des
metabolischen Syndrom
s und des
chronischen Asthma
s
bronchiale sei seit Jahren und auch zukünftig keine
Arbeits
fähigkeit
gegeben, auch nicht in einer leichten Verweistätigkeit (
Ziff.
2).
Die Implantation einer Knieprothese rechts sei aufgrund der fortschreitenden Gonarthrose für den 1
4.
September 2016 geplant. Eine gewisse Verschlechterung und Progredienz finde sich
zervikozephal
, bei vermehrten Schmerzen und einer gesteigerten Lichtempfindlichkeit. Die Beschwerdeführerin sei vonseiten des metabolischen Syndroms erheblich in ihrem Alltag eingeschränkt, hinzu komme ein chronisches
Asthma bronchiale, eine wesentliche Progredienz der Beschwer
den bestehe jedoch nicht (
Ziff.
3).
4
.4
Dr.
med. B._
, Fachärztin für Physikalische Medizin und Rehabili
ta
tion,
führte im
Bericht vom 2
1.
November 2016
zuhanden
des Rechtsvertreters der
Beschwerdeführerin
(
Urk.
9/81) aus, dass die
Beschwerdeführerin
unter
pro
grediente
n
Lumbalgien/
Lumboischialgien
mit Schmerzausstrahlungen in beide Beine
leide
, aktuell linksbetont.
Unter Belastung klage sie
über zunehmende
Dysästhesien
und Parästhesien beider Beine, wobei ihre Gehstrecke deutlich ein
geschränkt sei. Das
MRI der LWS
(Lendenwirbelsäule)
zeige schwere degenerative Veränderungen praktisch in der gesamten LWS
mit multisegmentalen
Neuro
fora
menstenosen
und Kontakten zu praktisch allen Nerven L1-S1 beidseits
(
vgl. Bericht des
C._
vom 2
7.
Oktober 2016,
Urk.
9/79
).
Neben
bei bestünden permanente Schmerzen im Nacken-Schultergürtelbereich mit Aus
strahlungen in beide Arme sowie im thorakalen Bereich bei ebenfalls deutlich fortgeschrittenen deg
enerativen Veränderungen der HWS (Halswirbelsäule)
, weni
ger auch der BWS
(Brustwirbelsäule)
.
Die Mobilität der Beschwerdeführerin sei auch durch statische Fussbeschwerden eingeschränkt. Der hinkende Gang führe zur raschen Progredienz der
Lumboischialgien
.
Die
chronifizierten
Schmer
zen führten zur depressiven Entwicklung, wobei sie in regelmässiger psychiatri
scher Behandlung stehe (S. 2 oben).
Die
Beschwerdeführerin
sei in ihren Lebens
qualitäten und
ihrer
Arbeitsfähigkeit stark eingeschränkt. Ihre Arbeitsfähigkeit betrage für ausschliesslich rückenadaptierte Tätigkeiten ohne Belastung der unte
ren Extremitäten maximal 40
%
(S. 2 Mitte).
4
.
5
Im
Bericht vom 1
7.
März 2017
zuhanden
des Rechtsvertreters der
Beschwerde
führerin
(
Urk.
9/85/6-7) hielt
Dr.
B._
fest, dass
infolge der konsekutiven Überbelastung rechts in letzter Zeit vermehrte Schmerzen des rechten Knies bei radiologisch verifizierter Gonarthrose aufgetreten seien.
V
on Seiten des Rückens her
sei die
Beschwerdeführerin
bei recht fortgeschrittenen degenerativen Verän
derungen
in ihrer Mobilität, insbesondere Belastbarkeit, stark eingeschränkt
(S. 1 unten).
Die progredienten Knieschmerzen führten zur zusätzlichen Einschrän
kung der Lebensqualität und Mobilität, wobei die
Beschwerdeführerin
keine berufliche Tätigkeit ausüben könne und nicht vermittlungsfähig sei (S. 2 oben).
4
.
6
Vom 1
3.
April bis 1
4.
Juni 2017 befand sich die
Beschwerdeführerin
in statio
närer Behandlung in der
D._
. Im Austritts
bericht vom 1
9.
Juli 2017 (
Urk.
9/85/2-5) wurde
n im Wesentlichen folgende Diag
nosen genannt (S. 1 unten):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
-
Somatisierungsstörung
-
chronisches
Zervikovertebralsyndrom
bei
Osteochondrose
C4/5, C5/6
-
chronisches
lumboradikuläres
Reizsyndrom beidseits
-
dekompensierte
Gonarthrose rechts
Es wurde
ausgeführt, die
Beschwerdeführerin
sei auf Anraten der behandelnden Psychiaterin aufgrund der Verschlechterung ihres depressiven Zustandsbildes und ihrer körperlichen Besch
werden
infolge der Ablehnung des Rekurses zur Kürzung ihrer IV-Rente
eingetreten (S. 2 oben).
Betreffend
Psychostatus
wurde festgehalten, dass leichte Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen bestünden. Die Beschwerdeführerin sei im Denken umständlich, teilweise vorbeiredend, etwas inkohärent. Sie sei affektarm, mit Störungen der Vitalgefühle, deprimiert, hoffnungslos, ängstlich, gereizt, innerlich unruhig,
klagsam
und stark antriebs
arm. Es bestehe ein sozialer Rückzug. Die Beschwerdeführerin leide an ausge
prägten Durchschlafstörungen sowie Kopf-, Rücken- und Knieschmerzen (S. 2 Mitte).
Während der Zeit des Klinikaufenthaltes sei sie aufgrund ihrer depressiven Symptomatik und der chronischen Schmerzen zu 100 % arbeitsunfähig gewesen (S. 3 oben).
Im Schreiben zuhanden des Rechtsvertreters der
Beschwerdeführerin
vom 1
9.
Juli 2017 (
Urk.
9/85/1) gaben die Ärzte der
D._
an, dass im Zeitpunkt des Austritts eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit
bestanden habe. Sie hätten jedoch den Eindruck, dass die
Beschwerdeführerin
aus psychiatrischer Sicht
wieder eine Teilarbeits
fähigkeit erreichen könnte.
4
.
7
Dr.
Z._
berichtete a
m 1
0.
August 2017
zuhanden
des Rechtsvertreters der
Beschwerdeführerin
(
Urk.
9/91/1), dass bis jetzt
keine Besserung des psychia
tri
schen Zustandsbildes
eingetreten sei
.
Die Beschwerdeführerin sei im Jahr 2017
zwei Mal
bei ihr
in
der
Gesprächstherapie
gewesen. Sie habe nicht öfters kommen können
, da sie kaum laufen könne und
extrem starke Schmerzen habe. Eine s
tationäre Behan
dlung sei unumgänglich gewesen.
5
.
5
.1
Im Zusammenhang mit der
Rentenaufhebung
vom Mai 2010
wurde im Urteil des hiesigen Gerichts vom
7.
September 2011 festgehalten, dass gestützt auf das Gut
achten der Ärzte des
Y._
in einer behinderungsangepassten, wechselbe
las
ten
den,
primär im Sitzen auszuführenden Tätigkeit ohne das Einnehmen einer knien
den oder hockenden Stellung, ohne das Bewältigen von Treppen und Leitern, ohne das Gehen auf unebenen oder abschüssigen Böden, ohne das Arbeiten in
Zwangshaltungen sowie ohne repetitive, stereotype Bewegungsabläufe eine 80%ige
Arbeitsfähigkeit bestehe
(
Urk.
9/64 E. 5.6). Aus psychiatrischer Sicht wurde der
Beschwerdeführerin
im
Y._
-Gutachten eine volle Ar
beitsfähigkeit atte
stiert (Urk.
9/41/1-46 S. 44 oben).
5.2
Den
aktuellen Berichten
von
Dr.
B._
sind progrediente Lumbalgien/
Lum
boischialgien
mit Schmerzausstrahlungen in beide Beine
,
deutlich fortge
schrit
te
ne degenerative Veränderungen der HWS
und progrediente Knieschmerzen zu
entnehmen.
Dr.
B._
ging im November 2016
noch
von einer maximal 40%igen
Arbeitsfähigkeit
,
im März 2017
schliesslich
von einer 100%ige
n
Arbeitsun
fähig
keit auch in e
iner angepassten Tätigkeit aus.
Die behandelnde Psychiaterin
Dr.
Z._
nannte
in ihrem Bericht
vom Juli 2016
eine depressive Störung, hielt aber
fest, dass die Arbeitsunfähigkeit
auf die körperlichen Bes
chwerden zurückzuführen sei. Zudem
erwähnt
e sie
psychoso
ziale Belastungsfaktoren. I
m Bericht vom August 2017 gab sie an, dass
sich der Ge
sundheitszustand aus psychiatrischer Sicht nicht gebessert
habe. Zudem wies sie auf
körperliche Beschwerden
(
die Beschwerdeführerin könne kaum lau
fen)
und starke
Schmerzen
hin
.
I
m Austrittsbericht der
Ärzte der
D._
vom Juli 2017
wurde
n
- nach einem zweimonatigen stationären Aufenthalt -
eine depressive Störung, gegenwärtig mittelgradig, sowie eine Somati
sierungsstörung diagnos
tiziert. Die
Ärzte der
D._
ginge
n von einer derzeit 100%igen Arbeitsunfähigkeit aus, gaben aber an, dass die Beschwerdeführerin aus
psychiatrischer Sicht wieder eine Teilarbeitsfähigkeit
erreichen könnte
.
5.
3
Gestützt auf den Bericht der
D._
ergibt sich
eine Verschlechterung
aus psy
chiatrischer Sicht
. So wurde
neu die Diagnose einer depressiven Störung genannt und der Beschwerdeführerin
eine
zumindest teilweise Arbeitsunfähigkeit
atte
stiert
. Ob tatsächlich psychosoziale Belastungen im Vordergrund stehen, wie die Beschwerdegegnerin geltend machte (Feststellungsblatt,
Urk.
9/88/2),
wird sich nach weiteren Abklärungen herausstellen.
Auch aus somatischer Sicht ergeben sich aufgrund der Berichte von
Dr.
B._
Anhaltspunkte für eine möglicher
weise relevante Veränderung des Gesundheitszustandes
. Schliesslich
ging
sie
nur noch von einer 40
%ige
n
Arbeitsfähigkeit
respektive
(ab März 2017)
von einer vollen Arbeitsunfähigkeit aus.
Ob dies zutreffend ist,
werden die
weiteren Abklä
rungen
zeigen
. Ohne materielle Beurteilung kann jedenfalls nicht
weiterhin
von einer
80%igen Arbeitsfähigkeit
in einer angepassten Tätigkeit ausgegangen werden.
Aufgrund der vorliegenden medizinischen Berichte bestehen genügend Anhaltspunkte für eine rechtserhebliche Sachverhaltsänderung.
Z
u bemerken
bleibt
, dass die letzte umfassende medizinische Abklärung vor
mehr als
neun Jahren stattgefunden hatte und
in der rentenaufhebenden Verfügung vom Mai 2010
ein
Invaliditätsg
rad von 28 % ermittelt worden war
(vgl.
Urk.
9/55 S. 2).
5.
4
Demnach hat die Beschwerdeführerin eine erhebliche Änderung des Invalidi
täts
grades im Sinne von
Art.
87
Abs.
3 in Verbindung mit
Abs.
2 IVV glaubhaft gemacht (vgl. E. 1.1, E. 1.2 und E. 1.3). Folglich ist die Beschwerdegegnerin zu Unrecht nicht auf die Neuanmeldung vom
3
1.
Juli
2017 eingetreten, weshalb die Beschwerde gutzuheissen und die Sache zur materiellen Beurteilung an die
Ver
waltung zurückzuweisen ist.
6.
6.1
Die Kosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Invaliden
ver
sicherung (IVG) sind ermessensweise auf
Fr.
600
.-- festzusetzen und ausgangsge
mäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Damit erweist sich das Gesuch de
r Beschwerdeführerin
um unentgeltliche Prozessführung (
Urk.
1 S.
1 unten
) als gegenstandslos.
6.2
Ausgangsgemäss hat die
Beschwerdeführer
in
gestützt auf
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) Anspruch auf eine Prozess
entschädigung. Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses und beim praxisgemässen Stundenan
satz von
Fr.
145
.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf
Fr.
1‘
1
00
.-- (inkl. Mehrwert
steuer und Barauslagen) festzusetzen.