# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 14c07c95-cd71-4cec-8522-69d0f452a1ad
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_004
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt:
1. In der Steuererklärung 2021 machten A._ und C._ als
Berufsauslagen unter anderen die vollen Mehrkosten für die auswärtige
Verpflegung von CHF 3'200.00 geltend. Des Weiteren machten sie
Krankheits- und Unfallkosten von insgesamt CHF 16'927.00 zum
Steuerabzug geltend.
2. Mit der Steuerveranlagung vom 22. Juni 2022 wurden die Mehrkosten für
die auswärtige Verpflegung nicht zum Abzug zugelassen. Dies mit der
Begründung, dass bei gleichem Wohn- und Arbeitsort diese Kosten ohne
Nachweis der Notwendigkeit nicht abzugsfähig seien. Bei den Krankheits-
und Unfallkosten wurden die Aufwendungen betreffend die
Operationskosten für eine Oberlidstraffung von CHF 1'900.00, die als nicht
ärztlich verordnet erachtet wurden, sowie die erst 2022 angefallenen
Zahnarztkosten von CHF 3'914.80 nicht anerkannt.
3. Gegen die Aufrechnung der Mehrkosten für auswärtige Verpflegung von
CHF 3'200.00 sowie der Operationskosten für die Oberlidstraffung von
CHF 1'900.00 erhoben A._ und C._ mit Schreiben vom 4. Juli
2022 Einsprache.
4. Mit Einspracheentscheid vom 8. August 2022 hiess die Steuerverwaltung
des Kantons Graubünden die Einsprache teilweise gut. Sie anerkannte die
Mehrkosten für die auswärtige Verpflegung von C._, da ihr gemäss
Bestätigung des Arbeitgebers eine Mittagspause von lediglich einer
halben Stunde zur Verfügung stehe. Sie liess jedoch nur den reduzierten
(halben) Abzug zu, da laut Lohnausweis eine Verbilligung durch den
Arbeitgeber bzw. eine Kantinenverpflegung bestehe. Die
Operationskosten für die Oberlidstraffung wurden hingegen weiterhin nicht
zum Abzug zugelassen.
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5. Dagegen reichten A._ und C._ (nachfolgend:
Beschwerdeführer) am 18. August 2022 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden ein mit dem sinngemässen
Antrag auf dessen Aufhebung und Anerkennung des vollen Abzugs für die
Verpflegung sowie der Kosten für die Oberlidstraffung.
6. In der Vernehmlassung vom 9. September 2022 schloss die
Steuerverwaltung (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) auf Abweisung der
Beschwerde.
7. Die Beschwerdeführer verzichteten am 22. September 2022 auf die
Einreichung einer Replik.

## Considerations

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde gegen den
Einspracheentscheid vom 8. August 2022 ist das Verwaltungsgericht
zuständig (Art. 139 Abs. 1 des Steuergesetzes für den Kanton
Graubünden [StG; BR 720.000], Art. 49 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100]). Die Beschwerdeführer sind
als formelle und materielle Adressaten des angefochtenen
Einspracheentscheids beschwerdeberechtigt (vgl. Art. 50 VRG). Auf die
zudem frist- und formgerecht (Art. 139 StG) eingereichte Beschwerde ist
somit einzutreten.
2. Nach Art. 43 Abs. 3 lit. a VRG entscheidet das Verwaltungsgericht in
einzelrichterlicher Kompetenz, wenn der Streitwert CHF 5'000.00 nicht
überschreitet und keine Fünferbesetzung vorgeschrieben ist. Da der
Streitwert unbestrittenermassen unter CHF 5'000.00 liegt und die
vorliegende Angelegenheit auch nicht in Fünferbesetzung (vgl. Art. 43
Abs. 2 VRG) zu entscheiden ist, ist die Zuständigkeit des Einzelrichters
gegeben.
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3. Strittig ist, ob die Beschwerdegegnerin bezüglich der Mehrkosten für
auswärtige Verpflegung statt des halben den vollen Abzug zu gewähren
und ob sie die Operationskosten für die Oberlidstraffung als abzugsfähig
anzuerkennen hat.
4.1. Kosten für die Ernährung sind primär nicht abzugsfähige
Lebenshaltungskosten. Soweit der steuerpflichtigen Person wegen der
Berufsausübung Mehrkosten für die auswärtige Verpflegung erwachsen,
sind diese aufgrund der ausdrücklichen Nennung in Art. 26 Abs. 1 lit. b des
Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer (DBG; SR 642.11) und
Art. 31 Abs. 1 lit. b StG abzugsfähig. Die berufliche Notwendigkeit
auswärtiger Verpflegung kann auf verschiedene Ursachen zurückzuführen
sein, so auf grosse Entfernung zwischen Wohn- und Arbeitsstätte,
schlechte Verkehrsverbindungen oder kurze Essenspausen (vgl.
RICHNER/FREI/KAUFMANN/MEUTER, Handkommentar zum DBG, 3. Aufl.,
Zürich 2016, Art. 26 N 23; Praxisfestlegung der Beschwerdegegnerin,
Berufsauslagen: Verpflegung und Unterkunft, abrufbar unter:
https://www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/dfg/stv/dokumentation/prax
is/PraxisEinkommenVermgen/031-01-b-01.pdf).
4.2. Zur Ermittlung des Reineinkommens werden bei der direkten
Bundessteuer von den gesamten steuerbaren Einkünften die
Aufwendungen und allgemeinen Abzüge nach den Art. 26-33a DBG
abgezogen (Art. 25 DBG). Bei unselbständiger Erwerbstätigkeit können
nach Art. 26 Abs. 1 lit. b DBG als Berufskosten die notwendigen
Mehrkosten für Verpflegung ausserhalb der Wohnstätte und bei
Schichtarbeit abgezogen werden. Laut Art. 26 Abs. 2 DBG werden für
diese Berufskosten Pauschalansätze festgelegt. Diese sind im Anhang zur
Verordnung des EFD über den Abzug der Berufskosten unselbständig
Erwerbstätiger bei der direkten Bundessteuer (Berufskostenverordnung;
SR 642.118.1) geregelt: Für die Mehrkosten der Verpflegung bei
auswärtiger Verpflegung bzw. Schicht- oder Nachtarbeit beträgt der
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Pauschalansatz ab dem Steuerjahr 2016 als voller Abzug pro
Hauptmahlzeit bzw. Tag CHF 15.00, im Jahr CHF 3'200.00, und als halber
Abzug pro Hauptmahlzeit bzw. Tag CHF 7.50, im Jahr CHF 1'600.00. Nur
der halbe Abzug ist zulässig, wenn die Verpflegung vom Arbeitgeber
anders als in bar verbilligt wird (Abgabe von Gutscheinen) oder wenn sie
in einer Kantine, einem Personalrestaurant oder einer Gaststätte des
Arbeitgebers eingenommen werden kann (Art. 6 Abs. 2
Berufskostenverordnung).
4.3. Gemäss Art. 31 Abs. 1 lit. b StG können unselbständig Erwerbende als
Berufsunkosten die notwendigen Mehrkosten für Verpflegung und
Unterkunft ausserhalb der Wohnstätte sowie bei Schichtarbeit in der Höhe
der von der Regierung festzulegenden Pauschalen abgezogen werden.
Nach Art. 10a Abs. 1 der Ausführungsbestimmungen zur
Steuergesetzgebung (ABzStG; BR 720.015) können für die Mehrkosten
der auswärtigen Verpflegung folgende Abzüge vorgenommen werden:
CHF 15.00 pro Arbeitstag, bei ständiger auswärtiger Verpflegung CHF
3'200.00 im Jahr (lit. a); CHF 7.50 pro Arbeitstag, bei ständiger
auswärtiger Verpflegung CHF 1'600.00 im Jahr, wenn die Verpflegung
vom Arbeitgeber verbilligt wird (lit. b).
4.4. Vorliegend ist unbestritten, dass die Arbeitgeberin der Beschwerdeführerin
die Benutzung einer Kantine zur Verfügung stellt. Die Beschwerdeführer
weisen darauf hin, dass die Kantinenverpflegung nicht so viel billiger sei,
dass der reduzierte Abzug gerechtfertigt wäre. Dem kann nicht gefolgt
werden. In welchem Ausmass eine Kantine verbilligt ist, ist von den
Steuerbehörden – wie von der Beschwerdegegnerin zu Recht festgehalten
– aufgrund der pauschalierten Regelung nicht zu prüfen. Es reicht die
Feststellung, dass eine (verbilligte) Kantine des Arbeitgebers zur
Verfügung steht. Der Einwand der Beschwerdeführer bezüglich der
Verpflegungskosten ist somit abzuweisen. Die Beschwerdegegnerin hat
zu Recht nur den halben Abzug von CHF 1'600.00 gewährt.
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5.1. Gemäss Art. 36 Abs. 1 lit. g StG bzw. Art. 33 Abs. 1 lit. h DBG können die
Krankheits- und Unfallkosten des Steuerpflichtigen und der von ihm
unterhaltenen Personen von den steuerbaren Einkünften abgezogen
werden, soweit der Steuerpflichtige die Kosten selber trägt und diese 5 %
des reinen Einkommens im Bemessungsjahr übersteigen.
5.2. Der Begriff der "Krankheitskosten" ist aus steuersystematischen
Überlegungen restriktiv auszulegen, da es um eine Ausnahme vom
Grundsatz geht, dass Lebenshaltungskosten nicht vom rohen Einkommen
abgesetzt werden dürfen (Art. 34 lit. a DBG). Eine zurückhaltende
Anwendung von Art. 33 Abs. 1 lit. h DBG rechtfertigt sich namentlich auch
dann, wenn sich die Abgrenzung von Heilbehandlungen und Massnahmen
zur Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens (ordentliche
Lebenshaltungskosten) als schwierig erweist (BGU 2C_103/2009 E.2.1).
Abziehbar sind nur Aufwendungen zur Erhaltung und Wiederherstellung
der körperlichen oder psychischen Gesundheit; es muss sich dabei um
notwendige Kosten handeln, was voraussetzt, dass die Behandlung wie
auch die Medikamente ärztlich verordnet sind (vgl. BGU 2C_1005/2015
E.2.2, 2C_404/2020 E.3.3.2). Nicht abzugsfähig sind namentlich
Aufwendungen, die zum Zwecke der Selbsterfahrung,
Selbstverwirklichung oder Persönlichkeitsreifung (z.B. Psychoanalysen)
oder der Erhaltung oder Steigerung der körperlichen Schönheit und des
körperlichen Wohlbefindens (z.B. Schönheits- oder
Verjüngungsbehandlungen, Schlankheitskuren oder -operationen, sofern
sie nicht ärztlich verordnet sind) getätigt werden (Kreisschreiben der
Eidgenössischen Steuerverwaltung [KS-ESTV] Nr. 11 zur Bestimmung der
abzugsfähigen Krankheitskosten vom 31. August 2005, Ziff. 3.1;
HUNZIKER/MAYER-KNOBEL, in: Zweifel/Beusch, DBG-Kommentar, 3. Aufl.
2017, Art. 33 N 32a). Das Erfordernis der ärztlichen Verordnung bildet ein
taugliches Abgrenzungskriterium zwischen therapeutischen
Heilbehandlungen einerseits und Massnahmen zur Steigerung des
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allgemeinen Wohlbefindens im Rahmen des allgemeinen
Lebensunterhaltes andererseits. Die ärztliche Verordnung setzt eine
vorgängige konkrete Anordnung einer eidgenössisch diplomierten
Medizinalperson zur Initiierung einer bestimmten Heilmassnahme voraus
(vgl. BGU 2C_103/2009 E.3.1).
5.3. In ihrer Beschwerde führen die Beschwerdeführer aus, dass die
Beschwerdeführerin sich deshalb einer Oberlidstraffung unterzogen habe,
weil ihr Sichtfeld eingeschränkt und sie ausserdem mit ihrem Aussehen
nicht zufrieden gewesen sei. Das sei so weit gegangen, dass sich die
Beschwerdeführerin kaum in die Öffentlichkeit gewagt habe, weil die Leute
ständig gefragt hätten, was mit ihr nicht stimme. Die Operation sei auf
jeden Fall ärztlich verordnet gewesen, zumal der Eingriff von einem Arzt
(Dr. med. D._) vorgenommen worden sei.
5.4. Aus dem Operationsvertrag vom 23. März 2021 zwischen der
Beschwerdeführerin und der Dr. med. D._ Plastische Chirurgie,
Zürich, betreffend die Oberlidstraffung zum Preis von CHF 1'900.00 (Bf-
act. 3) kann nicht abgeleitet werden, dass der Eingriff medizinisch
notwendig war. Auch kann in dieser vertraglichen Abmachung, die
Vereinbarungen über Haftungsausschluss, Kostenübernahme und
Datenbehandlung, jedoch keine medizinische Erklärung für den Eingriff
enthält, keine ärztliche Verordnung im Sinne der aufgezeigten Praxis
erblickt werden. Demnach stellen diese Kosten nicht abzugsfähige
Lebenshaltungskosten dar, weshalb die diesbezügliche Rüge der
Beschwerdeführer abzuweisen ist.
6. Zusammenfassend ist der angefochtene Einspracheentscheid in
Abweisung der Beschwerde zu bestätigen.
7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Gerichtskosten gestützt
auf Art. 73 Abs. 1 VRG zulasten der unterliegenden Beschwerdeführer.
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Die Staatsgebühr wird im Rahmen von Art. 75 Abs. 2 VRG auf CHF 500.00
festgesetzt. Der Beschwerdegegnerin wird entsprechend dem Grundsatz
in Art. 78 Abs. 2 VRG keine Parteientschädigung zugesprochen.