# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 1f87f847-64fa-4e73-8736-56ababa17fd2
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Dem Urteil ist folgender Sachverhalt zugrunde gelegen:
Am 3. Juli 2015 um 11.55 Uhr sei A._ mit dem Lieferwagen auf einer
Hauptstrasse gefahren. Vor einer Baustelle habe er auf grob fahrlässige
Weise vor einer unübersichtlichen Rechtskurve zwei vor dem roten
Lichtsignal stillstehende Personenwagen überholt und das Lichtsignal
anschliessend bei Rot passiert.
Die vorliegende Verkehrsregelverletzung stelle eine schwere
Widerhandlung im Sinne von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG dar. Im
Massnahmenregister weise A._ folgenden Eintrag auf: Verfügungsdatum: 28.05.2014 Verfügende Behörde: GR Massnahme: Entzug 3 Monate Ablauf: 29.09.2014 Schweregrad der Widerhandlung: schwer
Nach einer schweren Wiederhandlung müsse der Führerausweis für
mindestens 12 Monate entzogen werden, wenn in den vorangegangenen
fünf Jahren der Ausweis einmal wegen einer schweren Widerhandlung
oder zweimal wegen mittelschweren Widerhandlungen entzogen worden
sei (Art. 16c Abs. 2 lit. c SVG).
2. Gegen den Entzug des Führerausweises erhob A._ am 21.
Dezember 2015 Beschwerde beim Departement für Justiz, Sicherheit und
Gesundheit des Kantons Graubünden (DJSG) mit den Rechtsbegehren
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um Aufhebung der angefochtenen Verfügung des kantonalen
Strassenverkehrsamtes und um Verzicht auf die Anordnung einer
Administrativmassnahme (Ziff. 1). Der Beschwerde sei die aufschiebende
Wirkung zu erteilen (Ziff. 2). Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu
Lasten der Vorinstanz (Ziff. 3). Zur Begründung wurde vorgebracht, dass
die Sachverhaltsschilderung, wie sie dem Strafbefehl zugrunde liege,
sowohl Feststellungen des Sachverhalts als auch bereits die
Beantwortung einer Rechtsfrage (Bewertung Handlungsweise) beinhalte
und daher die freie rechtliche Würdigung durch das Strassenverkehrsamt
negativ beeinflusst worden sei. Der Führerausweisentzug und die Strafe
müssten aber grundsätzlich unabhängig voneinander beurteilt werden.
Zudem sei der Sachverhalt im Strafbefehl lückenhaft und – namentlich
hinsichtlich der Aussagen der Auskunftspersonen – weder zuverlässig
noch aussagekräftig. Die zeitlichen und räumlichen Schätzungen von
ungeübten Personen müssten erfahrungsgemäss mit grosser Vorsicht
gewürdigt werden. Das Strassenverkehrsamt habe als
Administrativbehörde den Schweregrad der Widerhandlung falsch
eingeschätzt. Bei korrekter Betrachtungsweise würde weder eine
schwere, eine mittelschwere noch eine leichte Widerhandlung bzw.
Verkehrsregelverletzung vorliegen, da weder konkret noch hypothetisch
andere Verkehrsteilnehmer durch das Überfahren des Rotlichtsignals
gefährdet worden seien. Die angefochtene Verfügung entbehre jeder
rechtlichen Grundlage und sei daher antragsgemäss aufzuheben.
3. Mit Stellungnahme vom 4. Januar 2016 beantragte das kantonale
Strassenverkehrsamt die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde
(Ziff. 1); unter Kostenfolge zulasten des Beschwerdeführers (Ziff. 2). Auf
eine Begründung wurde unter Verweis auf die klare Sach- und
Rechtslage und die bereits in der angefochtenen Verfügung enthaltenen
Erwägungen einschliesslich Verfahrensakten (zwei Protokolle
Einvernahme Auskunftspersonen vom 3. und 7. Juli 2015 sowie ein
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Rapport Verkehrspolizei vom 13. Juli 2015 samt Fotoblatt vom 11. Juli
2015) verzichtet.
4. Mit Departementsverfügung vom 10. Juni 2016 wies das DJSG die
Beschwerde ab (Dispositiv Ziff. 1) und verfügte, A._ habe den
Führerausweis innert 30 Tagen seit Mitteilung dieses Entscheids beim
kantonalen Strassenverkehrsamt zu deponieren (Ziff. 2). Zum Antrag auf
Gewährung der aufschiebenden Wirkung wurde geltend gemacht, dass
die Vorinstanz angewiesen worden sei, bis zu einem gegenteiligen
Entscheid auf Vollzugsvorkehrungen zu verzichten. Mit der DJSG-
Verfügung erübrigten sich diesbezüglich weitere Ausführungen. Bei einem
Entscheid über den Führerausweisentzug habe die Verwaltungsbehörde
alle feststehenden Tatsachen zu berücksichtigen. Sie sei dabei
grundsätzlich an das im Strafverfahren ergangene Urteil gebunden,
sofern dieses in Rechtskraft erwachsen sei. Vorliegend seien keine
Gründe ersichtlich, um von dieser Praxis des Bundesgerichts
abzuweichen. Nebst der Widerhandlung nach Art. 27 SVG (Nichtbeachten
eines Signals) habe A._ zudem den Tatbestand von Art. 35 SVG
(Überholen an einem Hindernis bzw. in einer unübersichtlichen Kurve)
i.V.m. Art. 90 Abs. 2 SVG (grobe Verkehrsregelverletzung) erfüllt.
A._ habe durch sein Verhalten eine ernsthafte Gefahr für die
Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer geschaffen. Die Kombination der
zwei erwähnten Verkehrsregelverletzungen sei geeignet gewesen, ein
grosses konkretes Unfallrisiko herbeizuführen, womit objektiv eine
schwere Verkehrsregelverletzung vorliege. Subjektiv sei A._ ein
grobes bzw. schweres Verschulden anzulasten, weil er bei seinem
Überholmanöver an einer unübersichtlichen Kurve bzw. Baustelle
gedanken- und rücksichtslos gehandelt habe. Es bestehe bezüglich des
Verschuldens (Art. 16c SVG) daher keine Veranlassung, eine andere
Wertung als die Strafbehörden nach Art. 90 Abs. 2 SVG vorzunehmen.
Diese Vorschriften seien grundsätzlich deckungsgleich. Die verhängte
Entzugsdauer von 12 Monaten entspreche dem gesetzlichen Minimum,
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da A._ bereits vor weniger als fünf Jahren (im Herbst 2013) einen
schweren Autounfall verursacht habe und ihm danach ein erstes Mal der
Führerausweis für 3 Monate entzogen worden sei.
5. Gegen diesen Entscheid erhob A._ (nachfolgend Beschwerdeführer)
am 18. August 2016 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden mit den Begehren um Aufhebung der angefochtenen
Verfügung vom 10. Juni 2016 und Verzicht auf die Anordnung einer
Administrativmassnahme (Entzug Führerausweis). Zur Begründung
wurden im Wesentlichen noch einmal dieselben Argumente und
Entlastungsgründe – wenn auch detaillierter und vertiefter - angeführt, wie
sie bereits in der Beschwerde ans DJSG enthalten waren. Als Fazit (S.
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Gegenverkehr bestanden habe, weil die Schaltuhr fürs Umschalten der
Lichtsignalanlage auf langsame Verkehrsteilnehmer (10 km/h)
ausgerichtet gewesen sei. Der Beschwerdeführer hätte noch sehr viel
später am Rotlicht vorbeifahren und den Baustellenbereich passieren
können, bevor die Signallichtanlage wieder umgeschaltet hätte, ohne
entgegenkommende Fahrzeuge zu gefährden. Die Vorinstanz habe dies
ebenfalls so festgestellt. Ebenso wenig sei eine Gefährdung der bereits
stillstehenden Fahrzeuge durch das Vorbeifahren gegeben gewesen und
die Begründung der Vorinstanz, weshalb dennoch ein Sicherheitsrisiko
bestanden haben soll, vermöge nicht zu überzeugen. Der
Beschwerdeführer habe somit durch sein Verhalten keine Gefahr für
andere Verkehrsteilnehmer herbeigeführt. Die Schaffung einer
Gefahrenlage sei aber die Voraussetzung für die Anwendbarkeit der Art.
16a-c SVG (Anordnung einer Administrativmassnahme). Mangels
Gefahrenlage sei folgerichtig auch der Entzug des Führerausweises
sachlich nicht gerechtfertigt und daher darauf zu verzichten.
6. Mit Vernehmlassung vom 7. September 2016 beantragte das DJSG
(hiernach Beschwerdegegner) dem Verwaltungsgericht die kostenfällige
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Abweisung der Beschwerde, wobei inhaltlich unverändert auf die bereits
im angefochtenen Entscheid vom 10. Juni 2016 gemachten Ausführungen
und Verfahrensakten verwiesen wurde.
Auf die weiteren Vorbringen und Argumente der Parteien wird, soweit
erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt ist vorliegend die Verfügung vom 10. Juni 2016, worin
der Beschwerdegegner die vorinstanzliche Verfügung vom 19. November
2015 des kantonalen Strassenverkehrsamtes bestätigte und damit
zugleich die dagegen erhobene Beschwerde vom 21. Dezember 2015
des Beschwerdeführers betreffend Aufhebung derselben und Verzicht auf
die Anordnung von Administrativmassnahmen (kein Entzug des
Führerausweises für die Dauer von 12 Monaten) kostenfällig ablehnte.
Beschwerdethema bildet dabei im Wesentlichen die rechtliche
Qualifikation des Verhaltens des Beschwerdeführers anlässlich des
Ereignisses vom 3. Juli 2015, für das der Beschwerdeführer bereits mit
Strafbefehl vom 4./11. August 2015 rechtskräftig verurteilt wurde und
welches das nun anstehende Administrationsverfahren zur Folge hatte.
Mithin geht es also um die Rechtmässigkeit des Führerausweisentzugs
sowie um die Verhältnis-mässigkeit der ausgesprochenen Sanktionsdauer
von 12 Monaten.
2. Nach Art. 50 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR
370.100) ist zur Beschwerde legitimiert, wer durch den angefochtenen
Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an seiner
Aufhebung oder Änderung hat oder wer durch besondere Vorschrift dazu
ermächtigt ist. Im konkreten Fall ist unbestritten, dass der
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Beschwerdeführer beruflich als Fahrer eines geschäftlich genutzten
Lieferwagens vom Entzug des Führerausweisentzugs während 12
Monaten stark betroffen wird und deshalb ein schutzwürdiges Interesse
hat, den angefochtenen Entscheid vom 10. Juni 2016 gerichtlich
überprüfen und dadurch allenfalls abändern (Reduktion Entzugsdauer)
oder sogar gänzlich aufheben (Verzicht auf Entzug) zu lassen. Auf die im
Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist somit
einzutreten und die sich materiell stellenden Fragen sind zu beurteilen.
3. In materieller Hinsicht gilt es zunächst die Bindungswirkung des
Strafurteils (rechtskräftiger Strafbefehl vom 4./11. August 2015) auf das
anstehende Administrationsverfahren (Sanktion bezüglich
Fahrberechtigung) zu klären. Nach gefestigter Rechtsprechung des
Bundesgerichts darf die Verwaltungsbehörde (hier Strassenverkehrsamt)
von den tatsächlichen Feststellungen im Strafurteil nur abweichen, wenn
sie Tatsachen feststellt und ihrem Entscheid zugrunde legt, die dem
Strafrichter unbekannt waren oder wenn sie zusätzliche Beweise erhebt,
sowie wenn der Strafrichter bei der Rechtsanwendung auf den
Sachverhalt nicht sämtliche Rechtsfragen abgeklärt hat (BGE 137 I 363
E.2.3.2). Die Verwaltungsbehörde ist dabei auch an einen Strafentscheid
gebunden, der im Strafbefehlsverfahren ergangen ist, bei dem die
Behörde auf einen Polizeirapport abstellt, der auf Wahrnehmungen der
Polizeibeamten an Ort und Stelle beruht und sich auf Aussagen von
Beteiligten stützt, die unmittelbar nach dem Vorfall eingeholt wurden und
für den Entzug des Führerausweises massgebend sind. Dies gilt
namentlich, wenn der Betroffene weiss oder davon ausgehen muss, dass
neben dem Strafverfahren ein Administrativverfahren eröffnet wird.
Entsprechend dem Grundsatz von Treu und Glauben muss der Betroffene
allfällige Verteidigungsrechte und Beweisanträge im Strafverfahren
vorbringen und dort gegebenenfalls alle Rechtsmittel ausschöpfen (Urteile
des Bundesgerichts 1C_266/2014 vom 17. Februar 2015 E.2.1.2,
1C_446/2011 vom 15. März 2012 E.5.1). Die in der Beschwerde vom 21.
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Dezember 2015 an den Beschwerdegegner vorgebrachten Einwände (im
Sachverhalt Ziff. 2, hiervor) sind nicht geeignet, die Bindungswirkung des
Strafbefehls für die Administrativbehörde in Frage zu stellen. Die Kritik an
der Sachverhaltsdarstellung hätte der Beschwerdeführer mit seiner
Einsprache gegen den Strafbefehl (Offerte für Annahme der
strafrechtlichen Sanktion ohne Hauptverhandlung) bzw. ihrer
Aufrechterhaltung geltend machen können und müssen. Es ist mit Treu
und Glauben nicht vereinbar, die strafrechtliche Verurteilung zu
akzeptieren und gegen deren tatsächliche Grundlagen im
anschliessenden Administrativverfahren Einwände zu erheben (s. erneut
Bundesgerichtsurteil 1C_266/2014 E.2.1.4 mit Verweis auf BGE 123 II 97
E.3c/aa, 121 II 214 E.3a sowie die Urteile 1C_249/2012 vom 27. März
2013 E.2.1.2 und 1C_95/2014 vom 13. Juni 2014 E.4.1). Dies gilt
vorliegend umso mehr, als dem Beschwerdeführer schon einmal im
Nachgang zu einer früheren verkehrsregelrechtlichen Verfehlung (mit
Strafbefehl vom 13. März 2014 der Staatsanwaltschaft Graubünden
geahndet) der Führerausweis für 3 Monate (mit Verfügung vom 28. Mai
2014 des Strassenverkehrsamtes) entzogen wurde und der
Beschwerdeführer somit offensichtlich wusste, dass das Ergebnis des
Strafverfahrens auch Auswirkungen auf seine Fahrbewilligung hat oder
haben könnte. Seine Einwände hätten deswegen bereits im
Strafverfahren unter Berücksichtigung der dort bekannten
Entscheidungsgrundlagen – wie namentlich dem Rapport der
Verkehrspolizei vom 13./23. Juli 2015 sowie den beiden
Zeugeneinvernahmen der vor Ort am 3. Juli 2015 persönlich anwesenden
Auskunftspersonen, welche ihre Beobachtungen noch gleichentags bzw.
am 7. Juli 2015 [beim Polizeiposten] zu Protokoll gaben – vorgebracht
bzw. bestritten werden müssen. Eine Anfechtung des Strafbefehls vom
4./11. August 2015 ist aber nachweislich unterlieben und derselbe
deshalb unangefochten in Rechtskraft erwachsen, weshalb es an dessen
Bestand und Gültigkeit im Nachhinein – im Rahmen des
Administrationsverfahrens – auch nichts mehr auszusetzen gibt, zumal
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keine triftigen Gründe ersichtlich sind, welche ausnahmsweise ein
Abweichen von den Erkenntnissen im Strafbefehl gefordert hätten. Die
übliche Bindungswirkung zwischen dem rechtskräftigen Strafbefehl und
dem anschliessenden Administrationsverfahren ist daher auch vorliegend
zu bejahen.
4. a) Der Entzug des Führerausweises wird gesamtschweizerisch in Art. 16
des Strassenverkehrsgesetzes (SVG; SR 741.01) geregelt. Das Gesetz
unterscheidet darin zwischen der leichten, mittelschweren und schweren
Widerhandlung. Laut Art. 16a SVG begeht eine leichte Widerhandlung,
wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die
Sicherheit anderer hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden
trifft (Abs. 1 lit. a). Nach der Rechtsprechung müssen eine geringe Gefahr
und ein leichtes Verschulden kumulativ erfüllt sein (BGE 136 II 138 E.2).
Die fehlbare Person wird verwarnt, wenn in den vorangegangenen zwei
Jahren der Ausweis nicht entzogen war und keine andere
Administrativmassnahme verfügt wurde (Abs. 3). Gemäss Art. 16b SVG
begeht eine mittelschwere Widerhandlung, wer durch Verletzung von
Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in
Kauf nimmt (Abs. 1 lit. a). Nach einer mittelschweren Widerhandlung wird
der Führerausweis für mindestens einen Monat entzogen (Abs. 2 lit. a).
Leichte und mittelschwere Widerhandlungen werden von Art. 90 Abs. 1
SVG als einfache Verkehrsregelverletzung erfasst (BGE 135 II 138 E.2.4).
Gemäss Art. 16c SVG begeht eine schwere Widerhandlung, wer durch
grobe Verletzung von Verkehrsregeln eine ernsthafte Gefahr für die
Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt (Abs. 1 lit. a). Nach einer
schweren Widerhandlung, welche einer groben Verkehrsregelverletzung
im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG entspricht (BGE 132 II 234 E.3), wird der
Führerausweis für mindestens drei Monate entzogen (Abs. 2 lit. a). Der
Ausweisentzug bei einer schweren Widerhandlung muss mindestens 12
Monate betragen, wenn in den vorangegangenen fünf Jahren der
Ausweis schon einmal wegen einer schweren Widerhandlung oder
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zweimal wegen mittelschwerer Widerhandlungen entzogen wurde (so
explizit Art. 16c Abs. 2 lit. c SVG). Eine Unterschreitung dieser
gesetzlichen Mindestentzugsdauern ist nach Art. 16 Abs. 3 [letzter Satz]
SVG ausgeschlossen. Laut Rechtsprechung des Bundesgerichts werden
die Mindestentzugsdauern bei schweren Widerhandlungen im
Kaskadensystem gemäss Art. 16c Abs. 2 SVG geregelt. Die dort
aufgeführten Mindestentzugsdauern verfolgen dabei nicht nur einen
warnenden, sondern auch einen sichernden Zweck und gelangen jeweils
unabhängig von der Art des vorangegangenen Führerausweisentzugs zur
Anwendung (BGE 141 II 220 E.3.2 und 3.3; vgl. dazu ferner PHILIPPE
WEISSENBERGER, Kommentar Strassenverkehrsgesetz und
Ordnungsbussengesetz, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2015, S. 137 ff. und
181 ff.; HANS GIGER, SVG-Kommentar, 8. überarbeitete Aufl., Zürich 2014,
S. 140 f. und S. 157 ff.; RÉNE SCHAFFHAUSER, Grundriss des
schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Band III, Die Administrativmass-
nahmen, Bern 1995, § 17 S. 54 ff. zum Sicherungsentzug von
Führerausweisen [Fehlen oder Wegfall der Fahreignung] und § 18 S. 155
ff. zum Warnentzug von Führerausweisen [infolge
Verkehrsregelverletzung]).
b) Die schwere Widerhandlung nach Art. 16c SVG kommt einer groben
Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG gleich. Nach
Art. 90 Abs. 2 SVG macht sich strafbar, wer durch grobe Verletzung von
Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft oder in Kauf nimmt. Der objektive Tatbestand ist nach der
Rechtsprechung erfüllt, wenn der Täter 1) eine wichtige
Verkehrsvorschrift in objektiv schwerer Weise missachtet und 2) dadurch
die Verkehrssicherheit ernstlich gefährdet. Die Gefahr für die Sicherheit
anderer Personen ist nicht erst bei einer konkreten Gefährdung, sondern
bereits bei einer erhöhten abstrakten Gefährdung ‚ernstlich‘ im Sinne von
Art. 90 Abs. 2 SVG. Wichtige bzw. grundlegende Verkehrsvorschriften
sind dabei u.a. jene über das Überholen im Sinne von Art. 35 SVG sowie
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über die Beachtung von Lichtsignalen im Sinne von Art. 27 SVG (vgl.
Aufzählung bei: PHILIPPE WEISSENBERGER, a.a.O., N 63 S. 639-640). Ob
eine konkrete oder erhöhte abstrakte Gefahr geschaffen wurde, hängt
von der Situation ab, in der die Verkehrsregelverletzung geschieht (BGE
131 IV 133 E.3.2, 123 IV 88 E.3a, 118 IV 285 E.3a). Wesentliches
Kriterium für die Annahme einer ernstlichen oder erhöhten abstrakten
Gefahr stellt die Nähe ihrer Verwirklichung dar. Die erhöhte abstrakte
Gefahr setzt somit die naheliegende Möglichkeit einer konkreten
Gefährdung voraus. Eine solche wurde z.B. bereits bejaht, wenn ein
Fahrzeuglenker bei übersichtlichen Verkehrsverhältnissen in einer
verkehrsarmen Zeit das Rotlicht übersah (BGE 118 IV 285 E.3b), oder
wenn eine Kreuzung bei Rotlicht befahren wurde, ohne die Gewissheit zu
haben, dass sie verkehrsfrei ist (BGE 118 IV 84 E.2b; PHILIPPE
WEISSENBERGER, a.a.O., N 67 S. 641; HANS GIGER, a.a.O., Art. 90 N 13-14
S. 463-465; RÉNE SCHAFFHAUSER, a.a.O., § 18 N 2302 S. 194). Subjektiv
erfordert der Tatbestand ein rücksichtsloses oder sonst wie
schwerwiegend verkehrswidriges Verhalten. Dieses ist bei Vorsatz,
einschliesslich Eventualvorsatz (BGE 126 IV 192 E.2c) oder bei grober
Fahrlässigkeit gegeben (BGE 126 IV 192 E.3, 118 IV 84 E.2a). Die
Rechtsprechung bejaht ein (subjektiv) rücksichtsloses Verhalten immer,
wenn der Fehlbare sich der konkreten oder auch nur allgemeinen
Gefährlichkeit seiner verkehrsregelwidrigen Fahrweise bewusst gewesen
ist oder sonst ein bedenkenloses Verhalten gegenüber fremden
Rechtsgütern offenbart hat (BGE 131 IV 133 E.3.2, 130 IV 32 E.5.1). Die
Rücksichtslosigkeit kann aber auch in einem blossen (momentanen)
Nichtbedenken der Gefährdung fremder Interessen bestehen (sog.
unbewusste Fahrlässigkeit). Falls der Fehlbare die Gefährdung anderer
Verkehrsteilnehmer pflichtwidrig gar nicht in Betracht zog, also unbewusst
fahrlässig handelte, ist grobe Fahrlässigkeit aber nur zurückhaltend
anzunehmen. In diesen Fällen ist sie lediglich dann gegeben, wenn das
Nichtbedenken der Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ebenfalls auf
Rücksichtslosigkeit beruht und daher besonders vorwerfbar ist. Es ist
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demnach aufgrund der gesamten Umstände zu beurteilen, ob z.B. das
Übersehen eines Rotlichts, das Überholen anderer Fahrzeuge an
unübersichtlicher Stelle und das tempomässig unveränderte Befahren
einer einspurigen Baustelle mit einer Kurve auf Rücksichtslosigkeit beruht
oder nicht. Je schwerer die Verkehrsregelverletzung objektiv wiegt, desto
eher wird auch bei unbewusster Fahrlässigkeit die Rücksichtslosigkeit zu
bejahen sein, sofern nicht besondere Gegenindizien vorliegen (so auch
BGE 126 IV 192 E.3, 118 IV 285 E.4; WEISSENBERGER, a.a.O., N 69 S.
642.; GIGER, a.a.O., N 33 S. 474).
c) Im konkreten Fall erachtet das Gericht die Ausführungen des
Beschwerdegegners im angefochtenen Entscheid vom 10. Juni 2016 als
zutreffend, vollständig und überzeugend, worin die Vorinstanz zum
Schluss kam, dass objektiv eine schwere Verkehrsregelverletzung im
Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG (grobe Widerhandlung gegen gleich zwei
wichtige Verkehrsvorschriften [Art. 35 SVG – Missachtung Rotlicht sowie
Art. 27 SVG – Überholen an unübersichtlicher Stelle mit hohem Unfall-
/Verletzungsrisiko für Dritte) vorliegt und der Fehlfahre auch subjektiv
durch sein äusserst verantwortungsloses bzw. rücksichtsloses Verhalten
diesen Tatbestand erfüllt hat. Im Einklang mit dem Beschwerdegegner sei
nur nochmals festgehalten, dass der Beschwerdeführer drei wesentliche
Punkte bezüglich seines unbedachten Fahrzeugmanövers am 3. Juli 2015
um die Mittagszeit (11.55 Uhr) zudem einfach ausgeklammert hat; so
namentlich die zusätzlich geschaffene Gefahr aufgrund der
Baustellensituation und der sich dort um diese Zeit wohl noch
aufhaltenden Strassenarbeiter, die (mittels Fotoblatt Nr. 2 der
Kantonspolizei vom 3. Juli 2015) nachgewiesene Unübersichtlichkeit der
verlaufenden Rechtskurve sowie die Gefährdung der beiden überholten
und bereits stillstehenden Fahrzeuge vor der Rotlichtanlage (Fotoblatt Nr.
3), wobei insbesondere auch korrekt entgegenkommende Fahrzeuge (s.
Wegstrecke auf Fotoblatt Nr. 1) wegen der fehlenden
Ausweichmöglichkeiten im nur einspurig befahrbaren Baustellenbereich
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einer erhöhten und akuten Gefährdung ausgesetzt waren. Die Bejahung
einer „ernstlichen Gefahr“ für andere Verkehrsteilnehmer – als
Voraussetzung der Anwendbarkeit von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG i.V.m.
Art. 90 Abs. 2 SVG – erfolgte demnach völlig zu Recht und bedarf keiner
Abänderung durch das streitberufene Gericht.
d) Es bleibt damit noch die Höhe der verfällten Entzugsdauer des Führer-
ausweises für 12 Monate zu prüfen. Wie bereits in E.4a hiervor dargetan,
muss der Ausweisentzug bei einer schweren Widerhandlung im Minimum
12 Monate betragen, wenn in den vorangegangenen fünf Jahren der
Ausweis schon einmal wegen einer schweren Widerhandlung entzogen
wurde (Art. 16c Abs. 2 lit. c SVG). Eine Unterschreitung dieser
gesetzlichen Mindestentzugsdauern ist nach Art. 16 Abs. 3 [letzter Satz]
SVG ausgeschlossen. Gerade um einen solchen „Wiederholungsfall“
handelt es sich vorliegend, erkannte die Staatsanwaltschaft Graubünden
mit Strafbefehl vom 13. März 2014 doch schon einmal (innert der letzten 5
Jahre), dass sich derselbe Fahrzeuglenker – nebst der fahrlässigen
schweren Körperverletzung nach Art. 125 Abs. 2 StGB – zugleich der
groben Verletzung von Verkehrsregeln im Sinne von Art. 34 Abs. 1 SVG
i.V.m. Art. 90 Abs. 2 SVG schuldig gemacht habe und dafür zu einer
Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je Fr. 150.-- und einer Busse von
Fr. 900.-- verurteilt werde. Der Strafbefehl ist in Rechtskraft erwachsen.
Gestützt darauf erging mit Verfügung vom 28. Mai 2014 der erstmalige
Entzug des Führerausweises für 3 Monate, wobei der Ausweisentzug
korrekt und unangefochten nach Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG erfolgte. In
Anbetracht dieser Sach- und Rechtslage war der Beschwerdegegner aber
nicht nur berechtigt, sondern sogar verpflichtet, hier die Dauer des
Führerausweisentzugs auf die gesetzlich vorgeschriebene Mindestdauer
von 12 Monaten zu bestätigen. Dasselbe muss selbstverständlich auch
für die gerichtliche Rechtskontrolle gelten.
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5. a) Der angefochtene Entscheid (DJSG) vom 10. Juni 2016 – wie auch die
ihm zugrunde liegende Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 19.
November 2015 – sind demnach in jeder Beziehung rechtens und
schützenswert, was zu deren Bestätigung und im Ergebnis somit zur
Abweisung der Beschwerde vom 18. August 2016 führt.
b) Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten laut Art. 73
Abs. 1 VRG vollumfänglich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Eine
aussergerichtliche Entschädigung steht dem Beschwerdegegner gemäss
Art. 78 Abs. 2 VRG nicht zu, da er vor Verwaltungsgericht lediglich in
seinem amtlichen Wirkungskreis obsiegte.