# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 2d41adab-f64c-4ec2-af28-ae3d5577c379
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1965, führte von 1982-1990 in
Z._
und von 1990-2004 in
A._
diverse Tätigkeiten aus und arbeitete von 2004 bis 2011 bei verschiedenen Restaurants in
B._
als Küchenhilfe (Urk. 7/5; Urk. 7/7). Unter Hinweis auf
näher genannte
somatische B
eschwerden
sowie eine Depression
meldete er sich am
30. April 2019
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
7/1
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab, zog Akten der
obligatorischen Krankenversicherung
bei (Urk.
7/19
)
und verneinte n
ach ergan
genem Vorbescheid (Urk.
7/22
) mit Verfügung vom
18. Februar 2020
einen Rentenanspruch (Urk.
7/24
= Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am
17. März 2020
Beschwerde gegen die Verfügung vom
18. Februar 2020
(Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
en weitere medizinische Abklärungen in die Wege zu leiten
(Urk. 1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
7. Mai 2020
(Urk.
6
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am
20. Mai 2020
zur Kenntnis gebracht (Urk.
8
).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsun
fähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundes
gesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
ti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsm
assnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerich
tspraxis vgl. statt vieler: BGE
140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 14. April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätze
n (BGE 141 V
281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die gesamthaft vorzunehmende allseitige Beweis
würdigung miteinzubeziehen (BGE
143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bu
ndesgerichts 8C_449/2017 vom 7.
März 2018 E. 4.2.1).
1.4
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Ein Beweisverfahren bleibt daher entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation
oder aus anderen Gründen kein Beweiswe
rt beigemessen werden kann (BGE 143 V
409 E. 4.5.3; vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1).
1.5
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invaliden
versicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgaben
bereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs.
2
bis
IVG). Nach Art. 49
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
beurteilen die RAD die medizinischen Voraus
setzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben
– den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundes
gerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
1.6
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Verfahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren über
haupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn
schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheid
relevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus, dass beim Beschwerdeführer eine gesundheitliche Einschränkung in Zusam
menhang mit erhöhtem Harndrang und vermindertem psychischem Antrieb mit negativem Zukunftsbild bestehe. Eine regelmässige fachärztliche Behandlung
erfolge
nicht und eine Arbeitsunfähigkeit sei nicht ausgewiesen. Der Beschwer
deführer sei somit in der bisherigen Tätigkeit als Küchenhilfe oder in einer anderen Hilfs
tätigkeit zu 100 % erwerbsfähig. Entsprechend bestehe keine Invalidität (S. 1 unten).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1), den vorliegenden medizinischen Berichten sei klar zu entnehmen, dass er sich seit mehreren Jahren in fachpsychiatrischer und regelmässiger Behandlung befinde (S. 5 Ziff. 3). Die Einschätzung der Beschwerdegegnerin, dass eine 100%ige Arbeitsfähigkeit vorliege, sei keine medizinische und widerspreche ebenfalls den Akten. Es sei unklar, wie sie zu diesem Ergebnis gelange (S. 5 Ziff. 4). Die Beschwerdegegnerin sei aufgrund des Untersuchungsgrundsatzes verpflichtet, seinen Gesundheitszustand umfassend abzuklären (S. 5 Ziff. 5
).
2.3
In der Beschwerdeantwort (Urk. 6) räumte die Beschwerdegegnerin ein, dass der Beschwerdeführer sich entgegen der Begründung in der angefochtenen Verfü
gung (vgl. vorstehend E. 2.1) ab August 2016 in psychiatrische Behandlung begeben habe (S. 1 f.). Es werde hingegen nicht dokumentiert, in welchen zeit
lichen Abständen eine solche erfolgt sei. Die psychiatrische Anamnese sei
bis
zur Erstdiagnose des Karzinoms unauffällig gewesen, erst im Verlauf hätten sich auf
grund der Krebserkrankung nachvollziehbare psychische Probleme eingestellt (S. 2 oben). Die Tatsache, dass der Beschwerdeführer an vier Tagen die Woche zu je sieben Stunden in einem Reintegrationsprogramm tätig sei, lasse an der von den Behandlern attestierten fortdauernden Arbeitsunfähigkeit von 50 % ab Februar 2019 und der schlechten Prognose zweifeln (S. 2 Mitte). Überwiegend wahrscheinlich sei davon auszugehen, dass es sich bei den psychischen Beein
trächtigungen um ein reaktives Geschehen handle. Eine reaktive Depression stelle keinen Gesundheitsschaden dar, der eine Invalidität auszulösen vermöge. Von weiteren Abklärungen seien keine neuen wesentlichen Aufschlüsse zu erwarten, weshalb darauf zu verzichten sei (S. 2 unten
).
2.4
Strittig und zu prüfen ist somit
der Leistungsanspruch des Beschwerdeführers und damit zusammenhängend die Frage
, ob die Beschwerdegegnerin den medi
zinischen Sachverhalt rechtsgenügend abgeklärt hat.
3.
3.1
Die Ärzte der Klinik für Urologie des
Spitals B._
nannten im Bericht vom 31. Mai 2019 (Urk. 7/12/9-10
= Urk. 7/16/7-8
) folgende Diagnosen (S. 1 oben):
-
Harnblasenfunktionsstörung mit Mischinkontinenz
-
imperative Harndrangsymptomatik mit Inkontinenz und Belastungs
inkontinenz ersten Grades (I°)
-
unter Physiotherapie seit Juli 2018, hierunter Besserung der Belastungsinkontinenz
-
unter
Betmiga
50 mg und
Vesicare
10 mg seit November 2018, hier
unter deutliche Besserung der Dranginkontinenz
-
postoperativ
im Rahmen
der Diagnose 2
-
Adenokarzinom
der Prostata
-
Status nach
laparoskopischer
,
DaVinci
-assistierter, radikaler
Prostatektomie
mit Gefässnervenschonung beidseits ohne
Lymphadenektomie
im Mai 2015
-
Prostata-spezifischer-Antigen (PSA)-Wert im Mai 2019:
<
0.03
ng
/ml (
Vorwerte
Mai 2018: <0.03
ng
/ml, präoperativ: 6.4
ng
/ml)
Es habe sich kein Hinweis für ein Rezidiv des bekannten
Adenokarzinoms
der Prostata gefunden. Bezüglich der Harnblasenspeichersymptome bestehe bis auf eine leichte Belastungsinkontinenz eine zufriedenstellende Situation unter fort
geführter Therapie mit
Betmiga
und
Vesicare
. Eine laborchemische Verlaufs
kontrolle des PSA-Wertes sowie eine urologische Verlaufskontrolle seien in einem Jahr geplant (S. 2 unten).
3.2
Dr. med.
D._
,
Praktische Ärztin, führte im Bericht vom 20. August 2019 (Urk. 7/16/1-6) aus, der Patient habe nach einer
Prostatektomie
Inkontinenz- und Ejakulationsprobleme. Dies habe zu einer depressiven Stimmung und Antriebslosigkeit geführt und sein Leben deutlich beeinträchtigt (S. 3 Ziff. 2.2). Die Arbeitsfähigkeit sei durch die Psychiatrie zu beurteilen (S. 3 Ziff. 2.7). Der Patient arbeite gemäss
eigenen
Angaben im Rahmen eines Sozial
hilfeprogramms in einem Pensum von 50 % in einem Recycling-Center (S. 4 Ziff. 3.2).
3.3
Dr. med.
E._
, Assistenzarzt,
und Dr. med.
F._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
Psychiatrisch-Psychologische
Klinik
G._
,
nannten im Bericht vom 13. Dezember 2019 (Urk. 7/20) als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 3 Ziff. 2.5) eine rezidivierende depressive Störung, gegenwä
rtig mittelgradige Episode (ICD
10 F33.1), Erstdiagnose (ED) August
2018. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 3 Ziff. 2.6) nannten sie eine Störung durch Alkohol, seit August 2018 abstinent (F10.20).
Die Behandlung erfolge seit dem 5. August 2016 bis auf Weiteres (S. 2 Ziff. 1.1). Sie finde gegenwärtig jede zweite bis dritte Woche statt (S. 2 Ziff. 1.2). Eine Arbeitsunfähigkeit sei von der
Psychiatrisch-Psychologischen Klinik G._
nicht
attestiert worden. Nach Aktenstudium sei der Beschwerdeführer vom 5. August 2016 bis 3. Dezember 2018 zu
100 % arbeitsunfähig gewesen. Seit
Januar 2019 sei er zu 50 % arbeitsunfähig (S. 2 Ziff. 1.3).
Bis zur Erstdiagnose eines Prostatakarzinoms im Sommer 2015 bestehe eine unauffällige psychiatrische Anamnese. Nach einer
Prostatektomie
habe es eine erste depressive Episode gegeben, in der dem Beschwerdeführer alles zu viel geworden sei. Die chronologische symptomatische Entwicklung von Sommer 2015 bis Ende 2018 lasse sich nicht eruieren. In dieser Zeit hätten vordergründig Freudlosigkeit, gesteigerte Ermüdbarkeit, Wertlosigkeit, psychomotorische Hemmung und negative Zukunftsperspektiven bestanden. Er habe begonnen, regelmässig Alkohol zu trinken
,
und habe die sechs Kriterien für eine Alkohol
abhängigkeit entwickelt (S. 2 Ziff. 2.1). Vom 7. bis 13. August 2018 sei ein frei
williger Eintritt in die Psychiatrische
Klinik H._
für einen Alkoholentzug erfolgt. Seitdem habe sich der psychische Zustand leicht gebessert, jedoch nicht ausreichend für eine berufliche Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt. Seit August 2018 sei er alkohol- und kokainabstinent (S. 3 Ziff. 2.1).
Seit Ende 2018 berichte der Beschwerdeführer über depressive Verstimmungen, Verlust von Interesse, verminderten Antrieb, gesteigerte Ermüdbarkeit, vermin
dertes Selbstvertrauen, Wertlosigkeit, psychomotorische Hemmung, negative Zukunftsperspektiven, Ein- und Durchschlafstörungen mit Verkürzung der Schlafdauer sowie Appetitverlust (S. 3 Ziff. 2.2). Zum objektiven Befund wurde unter anderem festgehalten (S. 3 Ziff. 2.4): Kontaktverhalten: mitteilungsbereit, unsicher, Leistungsdruck gut spürbar; Konzentration leicht reduziert; im formalen Denken logisch, kohärent, leicht verlangsamt; Befürchtungen im Sinne, er werde nie wieder eine Stelle im ersten Arbeitsmarkt finden; im Affekt Störung der Vitalgefühle, deprimiert, ängstlich, gereizt,
klagsam
, Insuffizienzgefühl; psycho
motorisch antriebsgehemmt; morgens schlechter; sozialer Rückzug; Krankheits
gefühl; Ein- und Durchschlafstörungen zwei- bis dreimal pro Woche mit Verkür
zung der Schlafdauer; Appetit vermindert
.
Der psychische Gesundheitszustand habe sich seit Ende 2018 verbessert, jedoch bestünden Stimmungsschwankungen, die alle Bereiche im Leben (Arbeits
fähigkeit, Belastbarkeit, soziale Kontakte, Freizeitbeschäftigung) beeinflussten.
Aus psychiatrischer Sicht sei nicht mit einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit in den nächsten Jahren zu rechnen
.
Seit
dem
Frühjahr 2019 übe der Beschwerde
führer eine Tätigkeit in einem Arbeitsintegrationsprogramm der Stadt
B._
im Sinne einer Arbeitserprobung aus. Es gehe um das Recycling von elektronischen Geräten. Die Präsenzzeit sei von Montag bis Donnerstag jeweils sieben Stunden pro Tag. Die Belastbarkeit sei durch die Ärzte der
Psychiatrisch-Psychologischen Klinik G._
nicht
eruierbar
(S. 4 Ziff. 3.1).
4.
4.1
Der Beschwerdeführer befindet sich seit August 2016 in regelmässiger psychi
atrischer Behandlung (E. 3.3). Dies wurde mittlerweile auch von der Beschwerde
gegnerin anerkannt (E. 2.3), nachdem sie in der angefochtenen Verfügung noch
davon
ausgegangen war, es bestehe keine regelmässige fachärztliche Behandlung (E. 2.1), obwohl der anderslautende Bericht
der Psychiatrisch-Psychologischen Klinik G._
vom 13. Dezember 2019 (E. 3.3) bereits damals in den Akten lag.
Die Fachärztin der
Psychiatrisch-Psychologischen Klinik G._
stellte dabei die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittel
gradige Episode (ICD-10 F33.1). Der Bericht erscheint sorgfältig verfasst und enthält unter ande
rem eine ausführliche Darstellung der aktuellen objektiven Befunde. Auch wenn diese
möglicherweise aktuell
nicht besonders stark ausgeprägt sind, erscheint die Einschätzung einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % durch die Ärzte der
Psychiatrisch-Psychologischen Klinik G._
grund
sätzlich
nicht als abwegig. Diese Angabe bezieht sich auf den ersten Arbeitsmarkt und lässt
sich
deshalb
entgegen der Beschwerdegegnerin (E. 2.3) mit einem offenbar durch den Beschwerdeführer
effektiv
geleisteten Pensum von 28
Wochenstunden oder rund 70 % im zweiten Arbeitsmarkt ohne Weiteres in Einklang bringen. Dies umso mehr, als
die Behandler explizit festhielten, es handle sich dabei um eine Tätigkeit in einem Arbeitsintegrationsprogramm im Sinne einer Arbeitserprobung, wobei die Belastbarkeit durch sie nicht
evaluierbar
sei
. Es wurde jedoch
klar
darauf hingewiesen, dass der psychische Zustand des Beschwerdeführers für eine berufliche Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt nicht ausreichend sei
(E. 3.3).
4.2
Mit der Beschwerdegegnerin (E. 2.3) ist nicht mit echtzeitlichen
medizinischen
Berichten dokumentiert, in welchen zeitliche
n Abständen die psychiatrische Behandlung ab August 2016 erfolgte. Immerhin lässt sich jedoch anhand der Auszüge aus den medizinischen Leistungen der obligatorischen Kranken
versicherung (Urk. 7/19/2-11) sowohl der Behandlungsbeginn am 5. August 2016
verifizieren als auch auf ein relativ regelmässiges Behandlungsintervall schlies
sen.
Wie es sich damit
im Detail
verhielt, kann derzeit offenbleiben.
Nachdem sich der Beschwerdeführer erst am 30. April 2019 zum Leistungsbezug ange
meldet hat und ein allfälliger Rentenanspruch somit frühestens ab dem 1. November 2019 bestünde,
ist vorliegend unter Berücksichtigung der einjäh
rigen Wartezeit gemäss Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG
in erster Linie
der Gesundheits
zustand und das Therapieintervall
für den Zeitraum seit
November 2018 relevant.
Dennoch
kann die Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit durch die Ärzte der
Psychiatrisch-Psychologischen Klinik G._
nicht unbesehen zum Nennwert genommen werden. Das Gericht hat
unter anderem
der Erfah
rungstatsache Rechnung zu tragen, dass behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifels
fall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3a/cc S. 353 mit weiteren Hinweisen), sprich deren Gesundheitsbeeinträchtigung tendenziell eher gravierender und deren Arbeitsfähigkeit tendenziell eher tiefer einschätzen als dies objektiv gerechtfertigt wäre.
4.3
Dennoch liefert der Bericht
der Psychiatrisch-Psychologischen Klinik G._ ernstzunehmende
Anhaltspunkte für einen
schon länger bestehenden
relevanten psychischen Gesundheitsschaden.
Wie es sich genau mit der Diagnose verhält und
o
b und inwieweit diese die Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits beeinträchtigt
, lässt sich derzeit nicht beurteilen, da die Aktenlage für die höchstrichterlich vorgesehene
Indikatorenprüfung
(E. 1.3) nicht ausreicht. Die Beschwerdegegnerin hätte
nach genauer Prüfung der Diagnose
entsprechend ein strukturiertes Beweis
verfahren durchführen müssen. Davon, dass dieses entbehrlich wäre, weil im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte eine Arbeitsunfähigkeit verneint worden wäre (E. 1.
4
), kann keine Rede sein. Im Gegenteil lieg
en
weder ein entsprechender Arztbericht, noch eine fachärztliche RAD-Stellungnahme und schon gar
nicht eine
RAD-Untersuchung
(E. 1.
5
)
oder ein neutrales psychiatri
sches Gutachten vor.
Es
erstaunt
,
dass
die Beschwerdegegnerin
darauf verzichtete
,
wenigstens
bei den RAD eine fachmedizinische Einschätzung einzuholen.
Insbesondere ist
mit dem Beschwerdeführer (E. 2.2) unklar, wie die Beschwerdegegnerin zur Einschätzung
einer Arbeitsfähigkeit von 100 % gelangte.
Die behauptete Diagnose einer reak
tiven Depression entspringt
sodann
keinem
Arztbericht
, sondern
einzig
einer Einschätzung durch Mitarbeitende des Rechtsdienst
es der Beschwerdegegnerin
,
mithin
medizinischen
Laien.
Indem die Beschwerdegegnerin von weiteren Abklä
rungen absah, hat sie ihrer Untersuchungspflicht nicht Genüge getan.
4.
4
Der medizinische Sachverhalt kann nach dem Gesagten nicht erstellt werden.
Damit fehlt es an der Grundlage für einen Entscheid. Die Sache ist daher an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese nach
umfassender fachärzt
licher Untersuchung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
eine neue Beurteilung vornehme und
hernach
über den Leistungs
an
spruch des Beschwerdeführers neu verfüge. In diesem Sinne ist die Beschwerde
gutzuheissen
.
5.
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr.
5
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
Damit
ist das Gesuch des Beschwerdeführers um Gewährung der unent
geltlichen Prozessführung (Urk. 1 S. 2) gegenstandslos.