# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 62eed9ca-a3da-45ae-8972-055d7a8b839a
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Die 1969 geborene
X._
war
seit dem 16. Juli 2007 bei der
Y._
als Betriebsmitarbeiterin
in einem Pensum von knapp 90 %
tätig
(Urk. 6/18)
.
Nach erfolgter Früherfassung (Urk. 6/2) meldete sie sich a
m 17. Januar 2014
bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum
Leis
tungsbezug
an (Urk. 6/13).
Diese liess einen Auszug aus dem Individuellen Konto der Versicherte
n erstellen (IK-Auszug, Urk. 6/21
) und tätigte medizi
nische und erwerbliche Abklärungen
.
Am 14. Juli 2014 teilte sie der Versi
cherten mit, dass keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien (Urk. 6/26).
Am 5. März 2015 ordnete sie eine
bidisziplinäre
medizini
sche Untersuchung bei Dr. med.
Z._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
,
und
Prof.
Dr. med.
A._
, Facharzt
FMH
Psychiatrie und Psychotherapie und Facharzt
FMH Neurologie,
an (Urk. 6/40).
Das
bidisziplinäre
Gutachten wurde am
17
. Juli 2015 erstattet (Urk. 6/45).
Gestützt auf die Schlussfolgerungen der Gutachter
stellt
e die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 26. August 2015
in Aussicht,
einen R
entenanspruch der
Versicherte
n
zu verneinen
(Urk. 6/48). Dagegen erhob die
Versicherte mit Eingaben vom 10. September 2015 und 19. O
kt
ober 2015 Einwände (Urk. 6/48 und Urk. 6/52), woraufhin die
IV-Stelle eine Stellungnahme bei Dr.
A._
einholte (Urk. 6/54). In der Folge verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 8. Februar 2016 einen
Ren
-
ten
anspruch
der Versicherten (Urk. 6/59 = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom
9. März 2016
Beschwerde und beantragte,
es sei ihr ab dem 1. Oktober 2014 bis auf weiteres eine ganze Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen. Eventualiter sei ein medizi
nisches Gutachten zur Festlegung der medizinisch-theoretischen Arbeitsfä
higkeit zu veranlassen (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 29. April 2016 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (Urk. 5), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 3. Mai 2016 mit
geteilt wurde (Urk. 7). Mit Eingabe vom 7. Juli 2016 (Urk. 8) reichte die Beschwerdeführerin weitere Arztberichte ein (Urk. 9/1-5), welche der Beschwerdegegnerin am 18. Juli 2016 zur Kenntnis gebracht wurden (Urk. 10).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgeset
zes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsge
mäss
ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Lei
den
mit Krankheitswert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Auf
bietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesge
richts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer
Restarbeits
fähigkeit
auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.3
Mit
BGE 141 V 281
hat das Bundesgericht seine bisherige Rechtsprechung zur Invaliditätsbemessung bei Schmerzstörungen ohne erkennbare organi
sche Ursache und vergleichbaren psychosomatischen Leiden (BGE 130 V 352 u
nd anschliessende Urteile) ange
passt und festgehalten, dass die
Invaliditäts
bemessung
stärker als bisher den Aspekt der funktionellen Auswirkungen zu berücksichtigen hat, was sich schon in den diagnostischen Anforderungen niederschlagen muss.
1.4
Auf der Ebene der Arbeitsunfähigkeit bezweck
te BGE 130 V 352 die Sicherstel
lung eines gesetzmässigen Versicherungsvollzuges mittels der Regel/Ausnahme-Vorgabe beziehungsweise (seit E. 7.3 von BGE 130 V 396 und BGE 131 V 49) der Überwindbarkeitsvermutung. Gemäss
BGE 141 V 281
ist die Überwindbarkeitsp
raxis in Änderung der Rechtspre
chung aufzugeben (E. 3.5). In
methodischer Hinsicht ergibt sich Folgendes: Die Frage, ob die diagnostizierte Schmerzstörung zu einer ganzen oder teilweisen Arbeitsunfä
higkeit führe, stellt sich nicht mehr im Hinblick auf die Widerlegung einer Ausgangsvermutung. Das bisherige Regel/Ausnahme-Modell wird durch
einen strukturierten, normativen
Prüfungsraster ersetzt. Anhand eines Kata
loges von Indikatoren erfolgt eine
ergebnisoffene
symmetrische Beurteilung des – unter Berücksichtigung leistungshindernder äu
sserer
Belastungsfakto
ren
einer
seits und Kompensationspotentialen (Ressourc
en) anderseits – tat
sächlich er
reichbaren Leistungsvermögens (E. 3.6). Betont wird, dass die
Auf
gabe der Überwindbarkeitsvermutung an den Regeln betreffend die Zumut
barkeit nichts ändert, namentlich nicht am Erfordernis ei
ner objektivierten Beurteilungs
grundlage. Nach Art. 7 Abs. 2 zweiter Satz ATSG liegt eine Erwerbsunfähigkeit nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist. Medizinisch-psychiatrisch nicht begründbare
Selbstein
-
schätzungen und -limitierungen, wie sie gerichtsnotorisch ärztlicherseits sehr
oft unterstützt werden – wobei erst noch häufig gar keine konsequente Behandlung stattfin
det –, sind auch künftig nicht als invalidisierende
Gesundheitsbeeinträchti
gung
anzuerkennen (E. 3.7.1).
1.5
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei Vorliegen einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung oder eines damit vergleichbaren psychoso
matischen Leidens (BGE 141 V 281 E. 4.2) sind Indikatoren beachtlich, die das Bundesgericht wie folgt systematisiert hat
(
BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
Kategorie „funktioneller Schweregrad"
Komplex „Gesundheitsschädigung"
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
Komorbiditäten
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen)
Komplex „Sozialer Kontext"
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens)
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener
Lei
dens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung
leistungshindern
der
äusserer
Belastungsfaktoren einerseits und
Kompensati
onspotenzialen
(Ressourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leis
tungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2.1).
Beweisrechtlich entscheidend ist der Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4):
Der Indikator einer
gleichmässigen
Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen zielt auf die Frage ab, ob die disku
tierte Einschränkung in Beruf und Erwerb (bzw. bei Nichterwerbstätigen im Aufgabenbereich) einerseits und in den sonstigen Lebensbereichen (z.B. Frei
zeitgestaltung) anderseits gleich ausgeprägt ist. Dabei ist das bisherige Krite
rium des sozialen Rückzugs (wiederum) so zu fassen, dass neben Hinweisen auf Einschränkungen auch Ressourcen erschlossen werden; umgekehrt kann ein krankheitsbedingter Rückzug aber auch Ressourcen zusätzlich vermin
dern. Soweit
erhebbar
, empfiehlt sich auch ein Vergleich mit dem Niveau sozialer Aktivität vor Eintritt der Gesundheitsschädigung. Das
Aktivitätsni
veau
der versicherten Person ist stets im Verhältnis zur geltend gemachten
Arbeitsunfähigkeit zu sehen (BGE 141 V 281 E. 4.4.1; vgl. Urteil des Bundes
gerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1).
Die Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen, das
heisst
das
Ausmass
, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben vernachlässigt werden, weist (ergänzend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz unter dem Komplex "Gesundheitsschädigung") auf den tat
sächlichen Leidensdruck hin. Dies gilt allerdings nur, solange das betreffende Verhalten nicht durch das laufende Versicherungsverfahren beeinflusst ist. Nicht auf fehlenden Leidensdruck zu
schliessen
ist, wenn die Nichtinan
spruchnahme einer empfohlenen und zugänglichen Therapie oder die schlechte Compliance klarerweise auf eine (unabwendbare) Unfähigkeit zur Krankheitseinsicht zurückzuführen ist. In ähnlicher Weise zu berücksichtigen ist das Verhalten der versicherten Person im Rahmen der beruflichen (Selbst-) Eingliederung. Inkonsistentes Verhalten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend gemachte Einschränkung sei anders begründet als durch eine versi
cherte Gesundheitsbeeinträchtigung (BGE 141 V 281 E. 4.4.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/20
16 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.2).
1.6
In intertemporalrechtlicher Hinsicht ist sinngemäss wie in BGE 137 V 210 (betreffend die rechtsstaatlichen Anforderungen an die medizinische Begut
ach
tung) vorzugehen. Nach diesem Entscheid verlieren gemäss altem
Ver
fahrens
standard
eingeholte Gutachten nicht per se ihren Beweiswert. Viel
mehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Ge
gebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vor
handenen Beweisgrundlagen vor Bun
desrecht standhält (BGE a.a.O. E. 6 in
initio
). In sinngemässer Anwendung der nunmehr materiell-beweisrechtlich geänderten Anforderungen ist in jedem einzelnen Fall zu prü
fen, ob die beigezogenen admi
nistrativen und/oder gerichtlichen Sachverständi
gengutachten – gegebenenfalls im Kontext mit weiteren fachärztlichen Berich
ten – eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgeblichen Indikatoren er
lauben oder nicht. Je nach Abklärungstiefe und -dichte kann zudem unter Um
ständen eine punktuelle Ergänzung genügen (
BGE 141 V 281
E. 8).
1.7
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreivier
telsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.8
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Auf
gabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.9
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medi
zinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des
Beweiswer
tes
eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizini
schen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die
rechts
anwendende
Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche
die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenen
falls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die Beschwerdegegnerin,
die Abklärun
gen hätten ergeben, dass die Beschwerden massgeblich durch psychosoziale Belastungsfaktoren ausgelöst worden seien. Diese seien invaliditätsfremd und begründeten keinen erheblichen Gesundheitsschaden (Urk. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte demgegenüber im Wesentlichen geltend,
der
psychiatrische Gutachter
habe die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) als IV-fremd eingestuft, weil sie bereits bei der Einreise der Beschwer
deführerin in die Schweiz vorgelegen habe.
Diese Schlussfolgerung sei nicht zutreffend.
Ein Versicherungsfall trete erst dann ein, wenn eine Leistung der Invalidenversicherung objektiv erstmals angezeigt sei.
Das psychiatrische Gutachten enthalte keine konkreten Ausführungen zur Auswirkung der psy
chiatrischen Störung auf die Arbeitsfähigkeit.
Für die Beurteilung der allen
falls noch vorhandenen Arbeitsfähigkeit
könne deshalb nicht
darauf
abge
stellt werden (Urk. 1 S. 4 f.)
.
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob bei der Beschwerdeführerin ein
Gesundheitsscha
den
vorliegt, der sie derart in der Erwerbsfähigkeit ein
schränkt, dass sie Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung hat beziehungsweise, ob diese Frage gestützt auf die vorliegenden Akten beurteilt werden kann.
3.
3.1
Der behandelnde Psychiater
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, stellte in seinem Bericht vom 17. Dezember 2014 die folgenden Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
Chronische posttraumatische Belastungsstörung (F43.1), vermutlich seit spä
testens 1999
Schwere depressive Störung (F32.2) mit Erschöpfungssyndrom, vermutlich seit 2013 zunehmend
Er führte aus, die Beschwerdeführerin habe über eine lange Zeit hinweg in ihrem Beruf als Wäscherin/Büglerin tätig sein können. Ihre Tüchtigkeit, die hohen Anforderungen an sich selbst und ihr Verantwortungsbewusstsein hätten sie zu einer pflichtbewussten Arbeitnehmerin gemacht. Über mehrere Jahre hinweg habe sie versucht
,
gegen die Symptome einer posttraumati
schen Belastungsstörung (PTBS) anzukämpfen. Bei einer una
u
ffälligen Vor
geschichte bezügl
i
ch psychischer
Vorerkrankungen oder/und prämorbiden Persönlichkeitsfaktoren sowie verschiedenen persönlichen Ressourcen sei es verzögert zu einer zunehmenden Dekompensation mit der Entwicklung der genannten Störungen gekommen. Zum aktuellen Zeitpunkt bestehe eine geringe Belastbarkeit der Beschwerdeführerin
infolge der PTBS und der schweren Depression
.
Diese zeige sich unter anderem
in Form von Hoff
nungslosigkeit, Gereiztheit und verminderter Frustrationstoleranz. Die Beschwerdeführerin gerate
äusserst
rasch in Übe
rforderungszustände. Es bestünden
vegetatives
Hyperarousal
, Erschöpfung und erhebliche
Konzentra
tions
-, Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen. Diese wirkten sich bei der Arbeit als verlangsamte und unkonzentrierte Arbeitsweise, hohe
Fehler
anfälligkeit
, hohe Schreckhaftigkeit und Übervo
rsichtigkeit mit rascher Erschö
p
f
ung und vermindertem Antrieb aus.
Die Beschwerdeführerin
müsse zuerst über genügend psychophysische Stabilität verfügen, damit sie sich den Herausforderungen
des Alltages und des Berufsalltags überhaupt wieder stellen könne. Es werde ver
mutlich Zeit brauchen, bis die
trauma
- und d
epressionsbedingte Symptomatik rückläufig werden könne. Zum aktuellen Zeitpunkt bestehe keine Arbeitsfähigkeit. Längerfristig sei jedoch eine Wie
dereingliederung, wenn durch rehabilitative
Massnahmen
unterstützt, wün
schenswert und werde auch von der Beschwerdeführerin angestrebt. Ein wohlwollendes und möglichst ruhiges Arbeitsumfeld sei dabei eine wichtige Voraussetzung. Eine medikamentöse Unterstützung sei zudem
massgeblich
an Erfol
gsaussichten mitbeteiligt (Urk.
6/33
).
3.2
Im psychiatrischen Gutachten vom 4. Juli 2015 stellte
Dr.
A._
keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannte er die folgenden
(Urk. 6/45 S. 44)
:
DESNOS (
komplexe posttraumatische Belastungsstörung
/
disorders
of
extreme stress not
otherwise
specified
)
; DSM-V / DD: Verdacht auf post
traumatische Belastungsstörung; ICD-10 F 43.1
Erschöpfungssyndrom bei innerpsychischem
Ambivalenzkonflikt
mit sozio
kulturellen Hintergründen; ICD-10 Z 73.0
Frühstadium einer chronischen Schmerzstörung mit psychischen und soma
tischen Faktoren; ICD-10 F 45.41
Er führte aus,
das psychopathologische Bild mit erheblicher
Affektinkonti
nenz
und weiteren psychopathologischen Symptomen – beim Ansprechen dieses Themas – lasse aus klinisch-psychiatrischem Blickwinkel keinen Hin
weis darauf erkennen, dass die Beschwerdeführerin die von ihr berichteten Ereignisse nicht auch tatsächlich erlebt habe. Es werde im Untersuch ein erheblicher Leidensdruck deutlich durch den Berichterstatter nachspürbar. Die
diagnostischen Kriterien einer posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10 F 43.1)
mit wiederkehrenden Intrusionen (Flashbacks, Tagträumen und sich aufdrängenden Erinnerungen) sowie Albträumen und
Vermeidungs
verhalten
seien aus gutachterlicher Sicht allerdings nicht vollumfänglich erfüllt.
Das Eintrittskriterium (
aussergewöhnliche
Bedrohung) sei als positiv anzunehmen, unterstelle man, dass die berichtete Vergewaltigung tatsächlich stattgefunden habe. Auch das Kriterium der sich aufdrängenden Intrusionen könne angenommen werden. Allerdings sei das
Vermeidungsverhalten frag
lich.
Diagnostisch sei das psychopathologische Bild aus gutachterlicher Sicht vielmehr
der Diagnose einer Stressfolgestörung
(komplexe po
s
ttraumatische Belastungsstörung; DESNOS –
disorders
of
extreme stress not
otherwise
spe
cified
)
gemäss
DSM V
zuordenbar
denn einer posttraumatischen
Belastungs
störung
gemäss
ICD-10 F 43.
1.
Die Diagnose eines DESNOS erlaube auch die affektiv depressiven und Angstsymptome einzuordnen. Die zugehörigen Symptombereiche seien Störungen der Affektregulation, dissoziative Symp
tome, Störungen der Selbstwahrnehmung sowie Störungen der eigenen Glaubens- und Wertvorstellungen, wie sie bei der Beschwerdeführerin anzu
treffen seien. Eine anhaltende Persönlichkeitsstörung durch eine
Extrembe
lastung
(ICD-10 F62.0) sei aus gutachte
rlicher Sicht nicht gegeben, da
die wesentlichen Symptome in keinem Punkt erfüllt seien. Eine Depression im Sinne des ICD-10 sei nicht vorliegend. Es liege ein Erschöpfungssyndrom
(Z 73.0) vor, welches sich psychodynamisch so erkläre, dass die „
Lebenslüge
“ (Verstecken der traumatisierenden Ereignisse vor dem Ehemann aus Angst vor dem
Verlassenwerden
) innerpsychisch erhebliche Kräfte erfordere, welche zur Erschöpfung führ
t
e
n
.
Diagnostisch gehe er davon aus, dass die Beschwerdeführerin ak
tuell eine chronische Schmerzst
örung mit psychischen und somatischen Faktoren
gemäss
F 45.41 entwickle. Es bestehe ein chroni
scher Schmerz, welchem die Beschwerdeführerin mit rein somatischem Krankheitskonzept trotz der offensichtlichen psychischen Probleme (Ver
drängung) begegne. Es
bestehe ein emotionaler Konflik
t beim Auftreten der
Erkrankung. Die Beschwerdeführerin habe eine deutliche subjektive Schmerzverstärkung durch
psychosoziale und emotionale
Belastungsfakto
ren
. Es bestehe allerdings noch keine hochgradige
Chronifizierung
, da der Schmerzlevel relativ niedrig liege, und Schmerzmedikamente noch eine gute Wirkung
zeigten
. Es sei von einem
Frühstadium dieses Störungsbildes auszu
gehen, welches unter adäquater Behandlung sistiert werden könne
. Es sei eine Folgestörung der
Stressfolge
störung
. Es sei davon auszugehen, dass sich nach
erfolgreicher
trauma
-spezifischer Behandlung
die
Schmerzverarbei
tungsstörung
auch bessere. Weiter
e
psychiatrische Erkrankungen bestünden nicht. So ergäben sich
keine
Hinweise auf eine primäre
Persönlichkeitsstö
rung
oder –
akzentuierung
.
In der Exploration habe ana
m
n
estisch zweifelsfrei geklärt werden können, dass die Stressfolgesymptomatik in unmittelbarer Folge an das Trauma ab März 1999 aufgetreten sei. Damit sei davon auszu
gehen, dass die Beschwerdeführerin mit dem Störungsbild in die Schweiz eingereist sei.
Damit sei aus gutachterlicher Sicht diese psychiatrische Erkrankung als IV-fremd zu werten und dürfe nicht in die Beurteilung der mittel- und langfristigen Arbeitsunfähigkeit
einfliessen
. Hieraus ergäben sich auch allfällige Diskrepanzen in der Arbeitsunfähigkeits-Bewertung des behandelnden Psychiaters und der gutachterlichen Einschätzung. Die vom behandelnden Psychiater beschriebene schwere Depression stelle sich tat
sächlich als ein innerpsychischer
Ambivalenzkonflikt
der Beschwerdeführerin zwischen der Offenbarung der Wahrheit gegenüber dem Ehemann und innerpsychischer Entlastung zum Preis des soziokulturell bedingten (vermut
lichen)
Verlassenwerdens
einerseits und dem weiteren Schweigen und damit dem Vermeiden einer adäquaten Behandlung der Störung andererseits
dar
. Auch dieses Geschehen, das innerpsychisch eine erhebliche
Erschöpfung mit nachfolgenden ängstlich-depressiven Affekten
verursache, sei als IV-fremd einzustufen, da diese Störung
sozio-kulturell
bedingt
sei
. Daher sei aus
versi
cherungsmedizinisch-psychiatrischer
Sicht davon auszugehen, dass unter Beachtung IV-fremder Anteile zu keinem Zeitpunkt seit Antragstellung eine mittel- und langfristig
e
Arbeitsunfähigkeit von über 20 % bestanden habe. Unter Berücksichtigung eines bio-psycho-sozialen Krankheitsmodells sei
dringend eine
traumaspezifische
Behandlung angezeigt
(Urk.
6/45 S. 40 ff.)
.
3.3
Im orthopädischen Gutachten vom 12. Juli 2015 stellte
Dr.
Z._
die fol
gende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 6/45 S.
102)
:
Chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom mit
Osteochondrose
im Segment LWK5/SWK1 und sensibler
Radikulopathie
der Nervenwurzel S1 links (ICD-10
:
M 54.17)
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er die folgen
den:
Funktionales
cervicocephales
Schmerzsyndrom bei Fehlhaltung und erhöh
ter Tonisierung der Nackenstrecker (ICD-10: M 53.0)
Blockade der
Iliosakralgelenke
beidseits (ICD-10: M 54.9)
Pes
planus
beidseits (ICD-10: M 21.4)
Er hielt fest,
bei der orientierenden orthopädisch-neurologischen Untersu
chung habe sich eine
reliable
sensorische
Radikulopathie
S1 mit Hypästhesie im
Dermatom
S1 gezeigt. Die anlässlich der Begutachtung durchgeführte nativradiologische Bildgebung zeige eine fortgeschrittene
Osteochondrose
im Segment LWK5/SWK1 mit begleitender
Retrolisthese
(1 mm) LWK4 versus LWK
5.
Im vorliegenden MRT der Lendenwirbelsäule vom 7. November 2013 zeige sich ein links lateraler Bandscheibenvorfall mit Affektion der
Nerven
wurzel
S1 links. Die seitens der Beschwerdeführerin beklagten Beschwerden im Bereich der Lendenwirbelsäule mit schmerzhafter Ausstrahlung in das linke Bein und Hyposensibilität im
Dermatom
S1 könnten anhand
der klini
schen Untersuchung so
w
i
e der vorliegenden Bildgebung uneingeschränkt objektiviert werden (
Urk.
6/45 S.
111).
Gemäss
den klinischen und bildtechnischen Befunden sei die Beschwerdeführe
rin in der mechanischen Funktion ihrer Lendenwirbelsäule limitiert mit einer hieraus erwachsenden sensorisch-sensiblen
Ausfallsymp
tomatik
im
Dermatom
S1 links. In qualitativer Hinsicht bestünden folgende Leistungseinschränkungen:
Schwerst- und Schwerarbeiten
Ständige mittelschwere Arbeiten
Tätigkeiten in Zwangshaltungen mit Haltungskonstanz
Arbeiten mit Heben und Tragen von Lasten körpernah über 10 kg ohne tech
nische Hilfsmittel
Arbeiten mit Heben und Tragen von Lasten kö
r
perfern über 5 kg
Arbeiten unter ständiger Rumpfvorbeugung
Ständiges Heben von Lasten über die Horizontale (
Hyperlordosierung
der LWS)
Ständiges repetitives Bücken
Besteigen von Leitern, Gerüsten und schrägen Ebenen
Das mehr als gelegentliche Verrichten von Tätigkeiten in kniender Posi
tion sowie im
Hocksitz
Unter Wahrung der oben genannten qualitativen Schonkriteri
en
bestehe für behinderungsangepasste
,
w
echselnd belastende
,
überwiegend
leichte bis mittelschwere Tätigkeiten aus orthopädisch-versicherungsmedizinischer Sicht bezogen auf ein volles Schichtpensum eine unlimitierte Arbeitsfähigkeit von 1
00 % (Urk. 6/45 S. 112 f.).
3
.4
Der Stellungnahme von
Dr.
A._
vom 25. November 2015
zum Einwand der Beschwerdeführerin (Urk. 6/54) sind keine
über das Gutachten hinaus gehende
n
medizinische
n
Erkenntnisse zu entnehmen, zumal ihm
von der Beschwerdegegnerin
auch keine medizinischen Fragestellungen unterbreitet
worden sind
.
4.
4.1
Im angefochtenen Entscheid stützte sich die Beschwerdegegnerin in erster Linie auf das interdisziplinäre Gutachten vom 17. Juli 2015, welches die rechtsprechungsgemäss
erforderlichen Kriterien für beweiskräftige ärztliche Entscheidungsgrundlagen (vgl. E.
1
.9
)
grundsätzlich erfüllt
. Es beruht auf fachärztlichen Untersuchungen durch
die Gutachter unter
Beizug
einer Dol
metscherin
und
wurde in Kenntnis der relevanten
Vorakten
abgegeben. Es würdigt die vorhandenen Arztberichte sorgfältig, berücksichtigt die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden und setzt sich mit diesen hinrei
chend auseinander. Die Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge ist einleuchtend
.
Es trifft zwar zu, dass das Gutachten keine konkrete Einschät
zung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht enthält, es erlaubt
den
noch
eine schlüssige Beurteilung des funktionellen Leistungsvermögens der Beschwerdeführerin anhand der
massgeblichen
Standardindikatoren.
Eine Ergänzung des medizinischen Sachverhalts erübrigt sich daher.
4.2
In somatischer Hinsicht kommt
Dr.
Z._
in seinem orthopädischen Gutach
ten
in Übereinstimmung mit den übrigen medizinischen Akten
zum Schluss, dass die
von der
Beschwerdeführerin
geklagten Beschwerden im Bereich der Lendenwirbelsäule mit schmerzhafter Ausstrahlung in das linke Bein und Hyposensibilität im
Dermatom
S1 anhand der klinischen Untersuchung sowie der vorliegenden Bildgebung uneingeschränkt objektiviert werden könnten.
Was das Leistungsvermögen in physischer Hinsicht anbelangt, legt Dr.
Z._
einleuchtend dar, dass d
ie Beschwerdeführerin
in
einer
behinde
rungsangepassten
, wechselnd belastenden, überwiegend leichten bis mittel
schweren
Tätigkeit
vollschichtig arbeitsfähig sei. Es bestünden die folgenden
Leistungseinschränkungen in qualitativer Hinsicht:
Schwerst- und Schwerar
beiten
,
ständige mittelschwere Arbeiten,
Tätigkeiten in Zwangshaltungen
,
Arbeiten mit
Heben und Tragen von Lasten körpernah über 10 kg und
kör
perfern
über 5 kg,
Arbeiten unter
ständige
r
Rumpfvorbeu
gung,
ständiges Heben von L
asten über die Horizontale,
ständiges repetitives Bücken, Bestei
gen von Leitern, Gerüsten und schrägen
Ebenen sowie
mehr als gelegentli
ches Verrichten von Tätigkeiten in kniender Position und im
Hocksitz
.
Die Einschätzung von Dr.
Z._
wird auch von der Beschwerdeführerin nicht beanstandet. Somit steht mit dem im Sozialversicherungsrecht massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass
die Beschwer
deführerin
im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung aus orthopädischer Sicht
in einer adaptierten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig war
.
4.3
Umstritten
ist
der Gesundheitszustand
bzw.
die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht.
Dr.
A._
begründet nach
vollziehbar die von ihm gestellten Diagnosen
einer komplexen posttrauma
tischen Belastungsstörung (
disorders
of
extreme stress not
otherwise
spe
cified
[DESNOS];
DSM-V), eines
Erschöpfungssyndrom
s
bei
innerpsychi
schem
Ambivalenzkonflikt
mit soziokulturellen Hintergründen
(
ICD-10
Z 73.0
) und eines
Frühstadiums einer chronischen Schmerzstörung mit psy
chi
schen und somatischen Faktoren (
ICD-10 F 45.41
). Er legt überzeugend dar, weshalb er die vom behandelnden Psychiater gestellte Diagnose einer
schweren depressiven Störung mit Erschöpfungssyndrom (F
32.2) als nicht gegeben erachtet und stattdessen v
on einem Erschöpfungssyndrom (Z
73.0) ausgeht
(Urk. 6/45 S.
38
ff.)
.
In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit
führt
Dr.
A._
lediglich
aus,
es sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin mit der Stressfolgestörung (DESNOS) in die Schweiz eingereist sei. Damit sei diese psychiatrische Erkrankung als IV-fremd zu werten (Urk. 6/45 S. 42 f.) Das
Erschöpfungs
syndrom
habe soziokulturelle Hintergründe und sei ebenfalls als IV-fremd einzustufen. Aus rein IV-relevanter Sicht liege keine Arbeits
un
fähigkeit vor (Urk. 6/45 S. 44 f.).
Wie die Beschwerdeführerin zutreffend vorbringt (Urk.
1
S.
4 f.
), ist die Frage, w
ann der Ver
sicherungsfall eingetreten ist,
eine Rechtsfrage, die vom Re
chtsanwender zu
prüfen
ist.
Wie nachfolgend zu zei
gen sein wird, kann die Frage des Eintritts des Versicherungsfalls vorliegend jedoch offen bleiben, zumal kein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung vorliegt.
4.4
Das Bundesgericht hat mit BGE 141 V 281 seine bisherige Rechtsprechung zur Invaliditätsbemessung bei Schmerzstörungen ohne erkennbare organi
sche Ursache und bei vergleichbaren psychosomatischen Leiden angepasst. Die Beurteilung des funktionellen Leistungsvermögens beurteilt sich neu anhand von Standardindikatoren
(vgl. oben E. 1
.3-1.6
).
M
it Urteil 142 V 342 hat das Bundesgericht weiter entschieden, dass auch die posttraumatische Belastungsstörung in den Anwendungsbe
reich von BGE 141 V 281 fällt.
4.
5
Was den funktionellen Schweregrad
betrifft
, ist fest
zuhalten, dass
die
diagnos
tischen Kriterien einer postt
raumatischen Belastungsstörung
gemäss
ICD-10
(
F 43.1)
aus gutachterlicher Sicht nicht vollumfänglich erfüllt
sind
.
Der Gutachter stellt
e
daher die Diagnose einer Stressfolgestörung (
disorders
of
extreme stress not
otherwise
specified
[DESNOS])
gemäss
DSM V
, welche weniger schwerwiegend ist.
Der Gutachter weist
ausserdem
darauf hin, dass die Beschwerdeführerin mit dem Beschwerdebild immerhin 14 Jahre nach objektiven Kriterien völlig unauffällig gelebt und nie therapeutische Hilfe in Anspruch genommen habe (Urk. 6/45 S. 39).
Auch
bei der
chro
nischen Schmerzstörung (ICD 10
F 45.41
) handelt es sich nicht um eine schwere Störung
, zumal der Schmerzlevel relativ niedrig liegt und
Schmerzmedika
mente
noch eine gute Wirkung zeigen.
Gemäss
Gutachten
ist
von einem
Frühstadium dieses Störungsbildes auszugehen, welches unter adäquater Behandlung sistiert werden
kann
(Urk. 6
/45 S. 42)
.
Für
die
gestellten
Diag
nosen
erscheinen
ausserdem
die diagnoserelevanten Befu
nde nicht besonders ausgeprägt.
Die
Behandlungsmöglichkeiten
sind vorliegend nicht ausgeschöpft
. Die Beschwerdeführerin ist
zwar
seit Oktober 2014 in ambulanter Behandlung bei
Dr.
C._
(
vgl.
Urk. 6/33)
. Eine
traumaspezifische
Behandlung hat
jedoch
bisher nicht stattgefunden
, obwohl diese ärztlicherseits dringend empfohlen wird
(vgl. Urk. 6/45 S. 45)
.
Der Gutachter weist darauf hin, dass davon aus
zugehen sei, dass sich
auch
die Schmerzverarbeitungsstörung nach
erfolgrei
cher
trauma
spezifischer
Behandlung
besser
n würde
(Urk.
6
/45 S. 42)
.
Hin
sichtlich der vom behandelnden Arzt diagnostizierten angeblich schweren depressiven Störung sei die medikamentöse Behandlung unzureichend und
eine stationäre Behandlung
noch nicht einmal erwogen worden
(Urk. 6
/45 S. 38).
Der Gutachter geht denn auch nachvollziehbar von einem
Erschö
p
f
ungssyndrom
und nicht von einer depressiven Störung
aus.
Damit fehlt
es an einer therapieresistenten
psychischen Störung.
Eine
körperliche
Begleiterkrankung
ist gestützt auf das orthopädische Gutach
ten gegeben. Die somatischen Befunde vermögen
jedoch
die Arbeits
fähigkeit
der Beschwerdeführerin
in einer leichten bis mittelschweren Tätig
keit nicht einzuschränken
.
Eine psychisch
e
Komorb
idität
liegt
nicht vor, da
das
Erschöpfungssyndrom (
ICD-10 Z 73.0
)
als Diagnose aus der
sogenannten
Z-Kategorie
(Kapitel XXI)
des ICD-10
-Systems
nicht unter den B
egriff des recht
s
erheblichen Ges
undheitsschadens fällt (
v
gl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_810/2013 vom 9. April 2014 E. 5.2.2
mit Hinweis
en
)
.
In Bezug auf die Persönlichkeit der Beschwerdeführerin ist festzuhalten, dass
keine Hinweise auf eine
Persönlichkeitsstörung oder –
akzentuierung
beste
hen
(Urk. 6
/45 S. 35)
.
Hinsichtlich des sozialen Kontextes ist
darauf hinzuweisen, dass eine
deutli
che subjektive Schmerzverstärkung durch
psychosoziale und emotionale Belastungsfaktoren
besteht
(Urk. 12/45 S. 42)
.
Auch der innerpsychische
Ambivalenzkonflikt
, welcher das Erschöpfungssyndrom verursachte, ist sozi
okulturell bedingt (Urk. 6/45 S. 43).
Sodann lassen
die sozialen Kontakte und
das intakte Familienleben
der Beschwerdeführerin
sowie
ihre
guten berufli
chen Erfahrungen
auf durchaus vo
rhandene Ressourcen
schliessen
(Urk. 6
/45
S. 28 und
S. 32)
.
Unter dem Aspekt der Konsistenz ist festzustellen, dass das Aktivitätsniveau der Beschwerdeführerin nicht in allen vergleichbaren Lebensbereichen
g
leichermassen
eingeschränkt ist.
Es sind durchaus Aktivitäten vorhanden. So erledigt die Beschwerdeführerin die Hausarbeit, kümmert sich um ihre Kinder, geht spazieren, fährt hin und wieder Auto, nimmt Termine wahr und schaut Fernsehen
(vgl. Urk. 6
/45
S.
27 und S. 31)
. Die bisherigen
Beh
a
nd
lungsbemühungen
deuten zudem auf einen
bloss
geringen
Leidensdruck hin
(vgl. Urk.
6
/45 S. 38)
.
4.6
Nach dem Gesagten sind unter Berücksichtigung der
massgeblichen
Stan
dardindikatoren
keine
erheblichen funktionellen Auswirkungen der Schmerz
-
beziehungsweise
Stressfolgestörung
mit dem Beweisgrad der überwiegen
den Wahrscheinlichkeit erstellt.
Somit liegt kein
invalidenversicherungsrechtlich releva
nter Gesundheitsschaden vor
. Die angefochtene Verfügung erweist sich im Ergebnis als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
5.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 700.-- festzusetzen und
ausgangsge
mäss
der Beschwerdeführerin aufzuerlegen
(Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).