# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c3fe214e-ae0e-4255-96a2-730c5ed096ec
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2009
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. A. wurde am 31. Mai 1974 geboren. Bis zum Abschluss der dritten Primarschulklasse wuchs er zusammen mit seinem Bruder bei seinen Eltern in H. auf. Nachdem sich seine Eltern im Jahr 1984 getrennt hatten, besuchte er in I. die vierte bis sechste Primarschulklasse. Nach Beendigung der Sekundarschule lernte er in J. Lastwagenmechaniker. Anschliessend arbeitete A. je zwei Jahre in Garagen in K. und G.. Im Weiteren war er sieben Jahre für eine Lastwagenimportfirma in Dällikon tätig. Seit rund zwei Jahren arbeitet er in Schlieren in demselben Arbeitsfeld. A. verdient gemäss eigenen Angaben monatlich brutto Fr. 8'000.00 (Fixlohn); hinzu kommt ein weiteres Lohndrittel auf Leistungsbasis. Sein Vermögen beträgt zwischen Fr. 50'000.00 und Fr. 80'000.00. Im Weiteren hat A. keine Unterhaltspflichten.
Im Schweizerischen Zentralstrafregister sowie im ADMAS - Massnahmenregister ist A. nicht verzeichnet.
B. Mit Strafmandat vom 9. April 2008, mitgeteilt am 22. April 2008, wurde A. vom Kreispräsidenten Rheinwald wegen grober Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 34 Abs. 2 SVG und Art. 35 Abs. 2, Abs. 3 und Abs. 4 in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 2 SVG zu einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagsätzen zu je Fr. 200.00, unter Ansetzung einer zweijährigen Probezeit und einer Busse von Fr. 1'600.00 (Ersatzfreiheitsstrafe von 15 Tagen) verurteilt. Gegen dieses Strafmandat liess A. am 30. April 2008 durch Rechtsanwalt Dr. iur. Hans-Jürg Tarnutzer Einsprache beim Kreispräsidenten Rheinwald erheben.
C. Mit Anklageverfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 25. Februar 2009 wurde A. nach Ergänzung der Untersuchung wegen grober Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 34 Abs. 2 sowie Art. 35 Abs. 2, Abs. 3 und Abs. 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 2 SVG angeklagt. Gemäss Anklageschrift vom gleichen Tage wurde der Anklage folgender Sachverhalt zugrunde gelegt:
“Am 11. Januar 2008 fuhr A. in Begleitung seines Arbeitskollegen B. als Beifahrer mit seinem Personenwagen der Marke Mercedes (E200 Komp T) um 15.40 Uhr auf der Nordspur A13 von Medels Richtung Splügen. Vor ihm fuhr ein ca. 18 m langer halbleerer Autoanhängerzug mit einer Geschwindigkeit von 65 bis 70 km/h. Erlaubt und signalisiert waren damals auf jenem Streckenabschnitt zwischen Rheinbrücke und Anschlusswerk Splügen 80km/h. Nach der Linkskurve über den Rhein war das Ende des zuvor bestehenden Überholverbots mit dem Signal 2.55 angezeigt worden. Nach dem Kreuzen mit dem Gegenverkehr beschleunigte A. auf ca. 85 km/h und setzte zum Überholen des Autoanhängerzuges an. Die Sichtweite betrug ca. 470.6 m. Als sich A. ca. in der Mitte des überholten
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Anhängerzuges befand, begann die Sicherheitslinie. Er brach das Überholmanöver nicht ab, sondern beendete es nach einem Überholweg von ca. 490.6 m im Bereich der Notrufsäule Nr. 62L, die sich rechts der Südspur zwischen Ausfahrt nach bzw. Einfahrt von Splügen befindet. Der während einer Patrouillenfahrt auf der Südspur der A13 fahrende C., mit D. als Beifahrer, hielt das Patrouillenfahrzeug auf der Ausfahrt Splügen an.’’
D. An der Verhandlung vom 16. April 2009 vor dem Bezirksgerichtsausschuss Hinterrhein waren einerseits der Untersuchungsrichter lic. iur. E. als Vertreter der Staatsanwaltschaft Graubünden sowie andererseits der Angeklagte A. und dessen Rechtsvertreter, Dr. iur. Hans-Jürg Tarnutzer, anwesend.
Aus den Akten wurden die Anklageschrift (act. 40), der Polizeirapport vom 22. Januar 2008 (act. 2), das Protokoll der polizeilichen Einvernahme von A. vom 11. Januar 2008 (act. 4), das Protokoll der untersuchungsrichterlichen Einvernahme von A. vom 18. Juni 2008 (act. 21), die Protokolle der untersuchungsrichterlichen Konfronteinvernahmen zwischen A. und D. bzw. C. vom 16. September 2008 (act. 26 und act. 27) sowie das Protokoll der untersuchungsrichterlichen Einvernahme von B. vom 2. Dezember 2008 (act. 38) verlesen. Im Weiteren wurden die Fotoblätter (act. 3 und act. 29) sowie das Protokoll des Augenscheins vom 16. September 2008 (act. 28) zur Kenntnis genommen. Auf die Verlesung weiterer Akten wurde ausdrücklich verzichtet.
Der Untersuchungsrichter lic. iur. E. beantragte in seinem Plädoyer (vgl. Ergänzung der Anklageschrift vom 16. April 2009), das er schriftlich zu den Akten gab, A. sei wegen grober Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 34 Abs. 2 sowie Art. 35 Abs. 2, Abs. 3 und Abs. 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 2 SVG schuldig zu sprechen und dafür mit einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagsätzen zu je Fr. 200.00 und einer Busse von Fr. 1'000.00, ersatzweise mit einer Freiheitsstrafe von fünf Tagen zu bestrafen. Zur Begründung führte er aus, dass wegen der Kuppe und der Kurve für A. zu Beginn des Überholmanövers eine Strecke von rund 470 m überblickbar gewesen sei. Gemäss seinen eigenen Berechnungen in Anlehnung an Jürg Boll (Jürg Boll, Grobe Verkehrsregelverletzungen, S. 90) habe A. für das Überholmanöver 374 m benötigt, also deutlich mehr als die Hälfte der überschaubaren Strecke. Nicht strittig sei hingegen, dass A. die Sicherheitslinie überfahren habe. Von dieser habe er ohnehin nicht überrascht werden können, weil diese nach der Leitlinie durch eine Vorwarnlinie angekündigt wurde.
Der Rechtsvertreter von A. gab ein nicht datiertes Gutachten von lic. iur. F. mit verschiedenen Berechnungen zum Überholweg von A. zu den Akten. Im
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Weiteren bestritt er, dass die Voraussetzungen einer groben Verkehrsregelverletzung erfüllt seien. Hingegen habe A. fahrlässig die Sicherheitslinie überfahren und sei somit im Sinne einer einfachen Verkehrsregelverletzung zu bestrafen.
E. Mit Urteil vom 16. April 2009, mitgeteilt am 7. Mai 2009, erkannte der Bezirksgerichtsausschuss Hinterrhein:
„1. A. ist schuldig der groben Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 34 Abs. 2 SVG sowie Art. 35 Abs. 2, Abs. 3 und Abs. 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 2 SVG.
2. Dafür wird er zu einer Geldstrafe von 20 Tagsätzen zu je Fr. 200.00 bedingt auf zwei Jahre sowie zu einer Busse von Fr. 1'000.00, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 5 Tagen, verurteilt.
3. Die Kosten des Verfahrens, bestehend aus:
Untersuchungskosten der Staatsanwaltschaft CHF 2'282.00
Gerichtsgebühr CHF 3'532.00
Total CHF 5'814.00
und die Kosten des Kreisamtes Rheinwald von CHF 250.00, gehen zulasten von A., der die Kosten seiner privaten Verteidigung selber zu tragen hat.

## Considerations