# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b8a859fe-7b4d-4843-be83-5e173452bb3c
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
war vom 2
0.
Februar 2013
bis am
7.
Juni 2013 Verwaltungsrat
der
Y._
, mit Einzelzeichnungsberechtigung
(Urk. 11/143/43-44)
. Die
Y._
(vormals
Z._
) war der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, als beitrags
pflichtige Arbeitgeberin angeschlossen. Mit Urteil
vom 10.
Oktober 2013
eröffnete
das Handelsgericht des Kantons Zürich
den Konkurs über die
Y._
,
weshalb
die Gesellschaft aufgelöst und ihre Liquidation angeordnet
wurde
(
Urk.
11/131)
.
Nachdem das Konkursverfahren zunächst mangels Aktiven eingestellt worden war (
Urk.
11/132)
,
wurde das
Konkurs
verfahren
auf Verlangen vo
n Gläubigern durchgeführt (Urk.
11/134
135)
und am 1
2.
Juni 2015 geschlossen (
Urk.
11/193)
.
M
it Verfügung vom 23. Juni 2014
verpflichtete die Ausgleichskasse
X._
zur Leistung von Scha
denersatz für entgangene Lohnbeiträge, Verwaltungskosten, Verzugszinsen und Gebühren im Betrag von Fr. 20‘799.-- (Urk. 11/139).
Am 1
3.
August 2014 erhob
X._
dagegen Einsprache (
Urk.
11/165
;
ergänzende
Einsprache vom 17.
September 2014 [
Urk.
11/173]). Mit Verfügung vom 1
8.
Februar 2015 verpflichtete die Ausgleichskasse
X._
zur Leistung von Schadenersatz von im Konkursverfahren ungedeckten paritätischen Lohn- und FAK-Beiträgen, Verwaltungskosten, Verzugszinsen und Gebühren im Umfang von weiteren
Fr.
31‘968.95 (
Urk.
11/174). Mit Eingabe vom
1.
April 2015 erhob
X._
dagegen Einsprache (
Urk.
11/180). Mit
Einspracheentscheid
vom 15. September 2015 vereinigte die Ausgleichskasse die beiden
Einspracheverfahren
, hiess die Einsprache teilweise gut und redu
zierte die Schade
nersatzsumme auf gesamthaft Fr.
50‘361.70 (
Urk.
2 [=
Urk.
11/195]).
2.
Dagegen erhob
X._
mit Eingabe vom
5.
Oktober 2015 Beschwerde und beantragte sinngemäss, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben
und es sei festzustellen, dass er nicht schadenersatzpflichtig sei
(Urk. 1
,
Urk.
6
). Mit Beschwerdeantwort vom 2
3
.
November
2015 beantragte die
Beschwerde
gegnerin
Abweisung der Beschwerde (Urk.
10
), unter Beilage der Akten (Urk.
11/1-204)
. Mit Verfügung vom
25
. November 2015 wurde dem Beschwer
deführer die Beschwerdeantwort zuges
t
ellt (Urk. 12).
Am 29. No
vember 201
6
(Urk. 14) reichte die Beschwerdegegnerin
den
Kontoaus
z
u
g
betreffend
Konkursitin
sowie
die
Beitragsübersicht nach (Urk. 13/1-2).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 52 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenen
versicherung
(AHVG)
hat ein Arbeitgeber, der durch absichtliche oder
grob
fahr
lässige
Missachtung von Vorschriften der Versicherung einen Schaden zufügt, diesen zu ersetzen. Handelt es sich beim Arbeitgeber um eine juristi
sche Person, so haften subsidiär die Mitglieder der Verwaltung und alle mit der Geschäftsführung oder Liquidation befassten Personen.
1.2
Die Vorschriften über die Arbeitgeberhaftung nach
Art.
52 AHVG sowie die dazu entwickelte Rechtsprechung des Bundesgerichts finden mangels eigener Bestimmungen sinngemäss Anwendung auf die
Invaliden
ver
sicherungs
- (
Art.
66 des Bundesgesetzes über die Invalidenvers
icherung),
Er
werbsersatz
- (
Art.
21
Abs.
2 des Bundesgesetzes über
den Erwerbsersatz für
Dienst
leistende
und bei Mutterschaft) und Arbeitslosenversicherungsbeiträge
(
Art.
6 des Bun
desgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolven
z
entschädigung
)
sowie auf jene
an die Familienaus
gleichs
kassen (FAK) gemäss dem Bundesgesetz über die Familienzulagen (
Art.
25
lit
.
c).
2.
2.1
Voraussetzung für eine Haftung nach Art. 52 AHVG ist zunächst das Vor
liegen eines Schadens. Dieser besteht darin, dass der AHV ein ihr gesetzlich geschuldeter Beitrag entgeht. Die Höhe des Schadens entspricht dabei dem Betrag, dessen die Kasse verlustig geht (Thomas Nussbaumer, Die
Aus
gleichskasse
als Partei im Schadenersatzprozess nach Artikel 52 AHVG, ZAK 1991 S. 383 ff. und 433 ff.). Verwaltungs- und Betreibungskosten,
Veranla
gungs
- und Mahngebühren sowie die Verzugszinsen bilden Bestandteil des Schadens, welcher der Ausgleichskasse zu ersetzen ist (BGE 121 III 382 E.
3bb; vgl. auch BGE 109 V 95 oben, 108 V 189 E. 5). Im Hinblick auf die in Art. 14 Abs. 1 AHVG normierte Beitrags- und Abrechnungspflicht des Arbeit
gebers gehören auch die Arbeitgeberbeiträge zum massgeblichen Schaden (BGE 98 V 26 E. 5).
2
.2
Der Schaden gilt als eingetreten, sobald anzunehmen ist, dass die geschulde
ten Beiträge aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen nicht mehr erhoben werden können (BGE 126 V 443 E. 3a, 121 III 382 E. 3bb, 388 E. 3a, je mit Hinweisen). Dies trifft dann zu, wenn die Beiträge im Sinne von Art. 16 Abs. 1 AHVG verwirkt sind (vgl. beispielsweise BGE 112 V 156, 98 V 26) oder wenn ihre Entrichtung wegen Zahlungsunfähigkeit des beitrags
pflichti
gen Arbeitgebers nicht mehr möglich ist (vgl. beispielsweise BGE 121 V 234, 240). Im ersten Fall gilt der Schaden als eingetreten, sobald die Beiträge ver
wirkt sind (BGE 123 V 12 E. 5b, 170 E. 2a, 112 V 156 E. 2, 108 V 189 E. 2d, je mit Hinweisen). Im zweiten Fall gilt der Scha
denseintritt als erfolgt, sobald die Beiträge wegen der Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers nicht mehr im ordent
lichen Verfahren nach Art. 14 ff. AHVG erhoben werden kön
nen (BGE
123 V 12 E. 5b, 170 E. 2a, 121 III 382 E. 3bb, 113 V 256, 112 V 156 E. 2).
2.
3
2.
3
.1
Die Beschwerdegegnerin machte gegenüber dem Beschwerdeführer mit Ver
fügungen vom 2
3.
Juni 2014 (
Urk.
11/139)
und vom 1
8.
Februar 2015 (
Urk.
11/174)
Schadenersatz für entgangene Lohnbeiträge, Ver
waltungskosten, Verzugszinsen und
Mahnkosten/Gebühren im Betrag von
Fr. 20‘799.--
und
Fr.
31‘968.95 geltend
.
2
.
3
.2
De
r
im Konkurs der Arbeitgeberin erlittene
Schaden wurde anhand der
Kassen
akten
(Urk. 11/1-204) in Verbindung mit dem Konto-Auszug und der Beitragsübersicht der
Beschwerde
gegnerin
vom 29. November 2016 (Urk. 13/1-2) substantiiert dargelegt. Der Schaden von total Fr.
52‘767.95
setzt sich aus den unbezahlt gebliebenen
effektiv geschuldeten Beiträgen der Jahre 2012 und 2013
(inkl.
Verwaltungs
kosten) von Fr.
49‘560.55
, Mahnge
bühren von
Fr.
200.--, Verzugszinsen von
Fr.
2‘072.50, Erheb
ungsgebühren und Kosten von Fr.
200.--
,
Betreibungskosten von
Fr.
513.-- sowie Beiträgen an den
Berufsbildungsfonds
für das Jahr 2012
von
Fr.
278.75
zusammen; dies unter
Verrechnung mit
der
CO
2
-Rü
ckvergütung von Fr.
56.85
(vgl.
Urk.
13/
1
)
.
2.3.3
Wie dargelegt (E. 1.2) finden d
ie Vorschriften über die Arbeitgeberhaftung nach
Art.
52 AHVG sowie die dazu entwickelte Rechtsprechung sinngemäss Anwendung
auf die Invalidenversicherungs-, Erwerbsersatz
-
und
Arbeits
lo
sen
versicherungsbeiträge
sowie auf jene
an die FAK gemäss dem Bundes
ge
setz übe
r die Familienzulagen
.
Dies gilt jedoch nicht für die Beiträge an den Berufsbildungsfonds gemäss §§ 26a ff. des Einführungsgesetzes zum Bun
desgesetz über die Berufsbildung (EG BBG). Die Verordnung über den Berufsbildungsfonds (VBBF) bestimmt zwar die Familienausgleichskassen als zuständig für die Erhebung der Beiträge und erklärt die Regelungen der Ver
ordnung über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHVV) betreffend Mahnung, Zahlungsaufschub, Abschreibung von uneinbringlichen Beiträgen und Verzugszinsen für sinngemäss anwendbar (§ 8), eine gesetzliche Bestimmung für eine (sinngemässe) Anwendung von Art. 52 AHVG für nicht bezahlte Beiträge findet sich jedoch weder im EG BGG noch in der VBBF.
Eine Schadenersatzpflicht in (analoger) Anwendung von Art. 52 AHVG besteht
für Beiträge an den Berufsbildungsfonds somit nicht. Der Beschwerdeführer kann daher im vorliegenden Verfahren für die Beiträge an den
Berufsbil
dungs
fonds
der Jahre 2012 (Fr.
278.75
) nicht haft
bar
ge
macht werden.
2.4
2.4
.1
Die Organhaftung aus Art. 52 AHVG besteht nicht für Beitragsforderungen, die nach der Publikation der Löschung der Organstellung der betreffenden Person im Handelsregister fällig werden, weil die betreffende Person im Zeit
punkt der Fälligkeit nicht mehr Organ ist. Für die vor der Publikation fälligen Beitragsforderungen haftet das Organ, wenn es durch eine vorsätzliche oder grobfahrlässige Handlung beziehungsweise Unterlassung bewirkt hat, dass die Beiträge im Zeitpunkt der Fälligkeit nicht bezahlt werden konnten. Ein Verschulden des Organs kann nur so lange in Frage kommen, als es die Möglichkeit hat, durch Handlungen oder Unterlassungen die Geschäfts
führung massgeblich zu beeinflussen. Das ist faktisch längstens bis zum effektiven Ausscheiden aus dem Verwaltungsrat der Fall (BGE 126 V 61 E.
4a, 123 V 172 E. 3a).
2.4.2
Der Beweis der
einspracheweise
vorgebrachten Behauptung
des Beschwerde
führers, er sei bereits Ende März 2013 wieder aus dem Verwaltungsrat aus
getreten,
obliegt
nach den allgemeinen Beweisregeln im Sinne von
Art.
8 des Zivilgesetzbuches
dem Beschwerdeführer
.
Diesen Beweis vermag er nicht zu erbringen. Den Akten sind keinerlei diesbezügliche Anhaltspunkte zu ent
nehmen; es liegt namentlich k
ein Kündigungs-
oder
Austrittsschreiben
bei den Akten
und dies würde auch den Aussagen des Alleinaktionärs anlässlich der Einvernahme vor dem Konkursamt widersprechen, wonach der Beschwerdeführer vier Monate im Amt gewesen sei (
Urk.
11/143/15; vgl.
auch Eingabe vom 1
7.
September,
Urk.
7 S. 2).
Der im Handelsregister einge
tragene Austrittszeitpunkt vom
7.
Juni 2013 ist demnach
für die vor
liegende Beurteilung
massgebend
(Urk.
11/143/43-44)
.
2.4.3
Entgegen dem Vorbringen des Beschwerdeführers, es seien im Jahr 2013 keine Löhne mehr ausbezahlt worden,
deklarierte die
Konkursitin
für das Jahr
2013 gegenüber der Beschwerdegegnerin Lohnzahlungen an drei Arbeit
nehmer
:
Z
wischen Januar und Mai 2013 wurde an
A._
eine beitragspflichtige Lohnsumme von
Fr.
40‘904.-- und an
B._
eine beitragspflichtige Lohnsumme von
Fr.
30‘627.-- ausbezahlt. Zwischen März und Mai 2
013 wurden
C._
Fr.
5‘544.-- an bei
trags
pflichtigem Lohn ausbezahlt (
Urk.
11/144/1-5).
Die
Arbeitgeber
kontrolle
vom 3
0.
August 2014 ergab keine Anhaltspunkte dafür, dass diese Lohnab
rechnung falsch wäre, auch wenn mangels ordnungsgemässer Buch
haltung – wofür die Organe der
Konkursitin
einzustehen hätten - und über
wiegend erfolgter Barzahlung der Löhne lediglich eine
Plausibilitäts
kontrolle
durch
geführt werden konnte (Urk. 11/143/1-2).
2.4.
4
Jedoch
ist
– wie die Beschwerdegegnerin richtig ausführte –
der vor
liegende Schaden, für welchen eine Haftung grun
d
sätzlich in Frage kommt, auf diejenigen entgangenen Beiträge zu beschrän
ken, welche bis zum
7.
Juni 2013, dem
formellen
Austritt des Beschwerdeführers aus dem Verwaltungs
rat, zu entrichten gewesen wären, einschliesslich der bis dahin angefallenen Inkassokosten. Die Beschwerdegegnerin reduzierte
die Schadenersatzsumme mit
Entscheid vom 15. September 2015 (Urk. 2
)
daher
zu Recht
auf
Fr.
50‘361.70, indem sie von der ge
samten Schaden
summe
folgende Beträge
in Abzug
bracht
e
(vgl.
Urk.
13/2)
: Betreibungskosten
vom 19. Juni 2014 (Position 2013 0001) im Umfang von
Fr.
15.--, die Mahnkosten vom 19.
August 2013 (
Position
2013 0008 und 0009) im Umfang von
Fr.
40.--
(2
x
Fr.
20.--)
, die
am 1
1.
Juli 2014
(Pos
ition
2014 0004)
sowie
2
5.
Juli 2015 (
Posi
tion 2014 0005) in Rechnung gestellten Verzugszinsen
im Umfang von Fr. 2‘072.50 sowie die am 2
4.
Juli 2014 in Rechnung gestellten Beiträge an den BBF (Post. 2014 0006)
im
Umfang
von Fr. 278
.7
5.
Nicht haftbar gemacht werden kann der Beschwerdeführer indes auch für die am 2
2.
April 2014 verbuchten Mahngebühren von
Fr.
40.-- (
Urk.
13/2 S. 6, Position 2014 0001). Hinsichtlich der für das Jahr 2013 geschuldeten Lohnbeiträge ist anzumer
ken, dass an sich eine Haftung lediglich im Umfang der bis 1
0.
Mai 2013 zu bezahlenden
Akontobeiträge
(4 x
Fr.
3‘630.80 =
Fr.
14‘523.20) in Frage kommt. Da diese jedoch die für das Jahr 2013 effektiv geschuldeten Beiträge (
Fr.
10‘797.45) zuzüglich Inkassokosten bei weitem übersteigen, bleibt die Haftung
-
soweit die weiteren Voraussetzungen gegeben sind, was nachfol
gend zu prüfen ist - auf letztere beschränkt.
Damit kommt in Bezug auf den Beschwerde
führer eine Haftung für die offe
nen Beiträge 2012
(
Fr.
38‘763.10)
und
2013 (Fr. 10‘797.45
)
zuzüglich
Mahn
gebühr
en (
Fr.
120.--)
und
Veranlagungs
kosten
(
Fr.
200.--
)
sowie die
Betrei
bungskosten
(
Fr.
498.--
)
,
unter
Verrechnung mit
der Gutschrift für die CO
2
-Rückverteilung im Umfang von
Fr.
56.85
,
in Frage (vgl.
Art.
34 Abs. 1
lit
. a
i.V.m
.
Abs.
3 der Verordnung über die Alters- und
Hinter
lassenenversiche
rung
[AHVV]). Dies entspricht einer Schadenssumme von Fr. 50‘3
2
1.70.
3.
3.1
Art. 14 Abs. 1 AHVG und die Art. 34 ff. AHVV schreiben vor, dass der Arbeit
geber bei jeder Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen und zusammen mit den Arbeitgeberbeiträgen der Ausgleichskasse zu entrichten hat. Die Arbeitgeber haben den Ausgleichskassen periodisch Abrechnungsunterlagen über die von ihnen an ihre Arbeitnehmer ausbe
zahlten Löhne zuzustellen, damit die entsprechenden paritätischen Beiträge ermittelt und verfügt werden können. Die Beitragszahlungs- und
Abrech
nungspflicht
des Arbeitgebers ist eine gesetzlich vorgeschriebene
öffentlich
rechtliche
Aufgabe. Die Nichterfüllung dieser
öffentlichrechtlichen
Aufgabe bedeutet eine Missachtung von Vorschriften im Sinne von Art. 52 Abs. 1 AHVG und zieht die volle Schadendeckung nach sich (BGE 118 V 193 E. 2a; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
3.2
Den Kassenakten ist zu entnehmen, dass die
Gesellschaft
im betreffenden Zeitraum keine einzige Beitragszahlung tätigte sowie
wie
derholt
zur
Bei
tragszahlung gemahnt
und auch betrieben werden musste
(
Urk.
13/1-2,
vgl.
Urk. 11 „Aktenverzeichnis“
)
. Es blieben schliesslich Lohnbeiträge zuzüglich Verwaltungs- und Mahnkosten im Gesamtbetrag von Fr.
5
2
‘
767
.
95
unbezahlt (
E.
2.
3.2
)
. Damit ist die Gesellschaft ihren Pflichten als Arbeit
geberin nicht nachgekommen und hat
öffentlichrecht
liche
Vorschriften missachtet.
Zu prüfen bleibt, ob und inwieweit der dadurch entstandene Schaden auf quali
fiziert schuldhaftes Verhalten des Beschwerdeführers zurückzuführen ist.
4.
4.1
4.1.1
Die wesentliche Voraussetzung für die Schadenersatzpflicht besteht nach dem Wortlaut des Art. 52 AHVG darin, dass der Arbeitgeber absichtlich oder grobfahrlässig Vorschriften verletzt hat und dass durch diese Missachtung ein Schaden verursacht worden ist (BGE 108 V 183 E. 1a). Absicht beziehungsweise Vorsatz und Fahrlässigkeit sind verschiedene Formen des Verschuldens. Art. 52 AHVG statuiert demnach eine Verschuldenshaftung, und zwar handelt es sich um eine Verschuldenshaftung aus öffentlichem Recht. Die Schadenersatzpflicht ist im konkreten Fall nur dann begründet, wenn nicht Umstände gegeben sind, welche das fehlerhafte Verhalten des Arbeitgebers als gerechtfertigt erscheinen lassen oder sein Verschulden im Sinne von Absicht oder grober Fahrlässigkeit ausschliessen. In diesem Sinne ist es denkbar, dass ein Arbeitgeber zwar in vorsätzlicher Missachtung der AHV-Vorschriften der Ausgleichskasse einen Schaden zufügt, aber trotzdem nicht schadenersatzpflichtig wird, wenn besondere Umstände die Nichtbefol
gung der einschlägigen Vorschriften als erlaubt oder nicht schuldhaft erscheinen lassen (BGE 108 V 183 E. 1b; ZAK 1985 S. 576 E. 2 und S. 619 E.
3a).
4
.
1.
2
Grobe Fahrlässigkeit liegt praxisgemäss vor, wenn ein Arbeitgeber das ausser Acht lässt, was jedem verständigen Menschen in gleicher Lage und unter gleichen Umständen als beachtlich hätte einleuchten müssen. Das Mass der zu ver
langenden Sorgfalt ist abzustufen entsprechend der Sorg
faltspflicht, die in den kaufmännischen Belangen jener Arbeitgeberkategorie, welcher die betreffende Person angehört, üblicherweise erwartet werden kann und muss (BGE 112 V 156 E. 4 mit Hinweisen; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
4.1.3
Nicht jedes einer Firma als
solcher anzulastende Ver
schulden
muss auch ein solches ihrer sämtlichen Organe sein. Vielmehr hat man abzuwägen, ob und inwieweit eine Handlung der Firma einem bestimmten Organ im Hinblick auf dessen rechtliche und faktische Stellung innerhalb der Firma zuzurechnen ist. Ob ein Organ schuldhaft gehandelt hat, hängt demnach entscheidend von der Verantwortung und den Kompetenzen ab, die ihm von der juristischen Per
son übertragen wurden (BGE 108 V 199 E. 3a; ZAK 1985 S. 620 E. 3b). Bei einfachen Verhältnissen muss vom einzigen Verwaltungsrat einer Aktienge
sellschaft, der als solcher die Verwaltung der Gesellschaft als einzige Person in Organstellung zu besorgen hat, in der Regel der Überblick über alle wesentlichen Belange der Firma verlangt werden, und dies selbst dann, wenn er seine Befugnisse weitgehend an einen Geschäftsführer delegiert hat. Er kann mit der Delegation der Geschäftsführung nicht zugleich auch seine
Verantwortung als einziges Verwaltungsorgan an den Ge
schäftsführer dele
gieren (BGE 108 V 199 E. 3b).
4.1.4
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist bei den nicht geschäfts
führen
den Verwaltungsratsmitgliedern von Aktiengesellschaften ent
schei
dend, ob sie den ihnen obliegenden Kontroll- und Aufsichtspflichten nach
ge
kommen sind. Nach Art. 716a Abs. 1 Ziff. 5 des Obligationenrechts (OR) obliegt dem Verwaltungsrat die Oberaufsicht über die mit der Geschäfts
führung betrauten Personen, namentlich im Hinblick auf die Befolgung der Gesetze, Statuten, Reglemente und Weisungen. Gemäss dieser Bestimmung hat das Verwaltungsratsmitglied nicht nur die Pflicht, an den
Verwaltungs
ratssitzungen
teilzunehmen, sondern sich periodisch über den Geschäftsgang zu informieren und bei Unregelmässigkeiten einzuschreiten (Urteil des Bun
desgerichts 9C_651/2012 vom 15. Mai 2013 E. 6.2 mit weiteren Hinweisen). Zwar ist der nicht geschäftsführende Verwaltungsrat nicht verpflichtet, jedes einzelne Geschäft der mit der Geschäftsführung und Vertretung Beauftragten zu überwachen, sondern darf sich auf die Überprüfung der Tätigkeit der Geschäftsleitung und des Geschäftsganges beschränken. Dazu gehört, dass er sich laufend über den Geschäftsgang informiert, Rapporte verlangt, sie sorg
fältig studiert, nötigenfalls ergänzende Auskünfte einzieht und Irrtümer abzuklären versucht. Ergibt sich aus diesen Informationen der Verdacht falscher oder unsorgfältiger Ausübung der delegierten Geschäftsführungs- und Vertretungsbefugnisse, ist der Verwaltungsrat verpflichtet, sogleich die erforderlichen Abklärungen und Massnahmen zu treffen (nötigenfalls durch
Beizug
von Sachverständigen) und eine genaue und strenge Kontrolle hin
sichtlich der Beobachtung gesetzlicher Vorschriften auszuüben (BGE 114 V 219 E. 4a; Urteil des Bundesgerichts 9C_461/2009 vom 31. Dezember 2010 E.
5.3, je mit weiteren Hinweisen).
4
.
2
4
.
2.1
Der Beschwerdeführer war
vom
2
0.
Februar 2013 bis am
7.
Juni 2013
als einziges
Verwaltungsrat
smitglied
mit Einzel
zeichnungsberechtigung
for
me
lles Organ
der
Konkursitin
(
Urk.
11/143/43-44)
. Damit
war
er
für einen korrekten Abrechnungs- und Zah
lungsverkehr mit der Beschwerdegegnerin verantwortlich.
Aus dem
Einvernahmeprotokoll
des zuständige Konkursamtes vom 2
7.
Januar
2014 (
Urk.
11/143/8-20) mit Herrn
A._
geht hervor, dass beabsichtigt gewesen sei, den Beschwerdeführer zwar als ein
zigen Verwaltungsrat einzusetzen,
dass
er jedoch lediglich Strohmann gewesen
sei
. Ob dies zutrifft oder nicht kann letztlich offen bleiben. So oder anders muss
sich der Beschwerdeführer anrechnen lassen, dass er als einziges Organ seinen Überwachungsa
ufgaben nicht nachgekommen ist.
4
.2.
2
Werden bei ungenügender Liquidität die einen Forderungen bezahlt, andere aber
nicht, ist dies grundsätzlich nicht grobfahrlässig. Nach der Rechtspre
chung zu
Art.
52 AHVG, von welcher abzuweichen ke
in Anlass besteht, ist es aller
dings
-
allenfalls abgesehen von kurzfristigen Aus
ständen
-
grobfahr
lässig
, Löhne zu bezahlen, wenn die darauf geschuldeten AHV-Beiträge nicht gedeckt sind. Ge
genteiliges Verhalten ist den verantwortlichen Organen grundsätzlich als quali
fiziertes Verschulden zuzurechnen, was die volle Schaden
ersatzpflicht nach sich zieht, sofern ein adäquater Kausalzusammen
hang zwischen der schuldhaften Ver
letzung von Vorschriften und dem Schadenseintritt besteht und die
Aus
gleichskasse
kein Mitverschulden trifft. Der Grund liegt in der be
sonderen Natur der AHV-Beiträge, hinsichtlich wel
cher der Arbeitgeber die Funktion eines
Voll
zugsorgans
ausübt (
Art.
51 AHVG). Daraus resultiert eine besondere Pflicht, für die ordnungsgemässe Bezahlung der Beiträge zu sorgen (vgl. Urteil des Bundes
gerichts 9C_311/2015 vom
9.
Juli 2015 E. 4
.2.2 mit Hin
weisen).
Rechtsprechungsgemäss tritt ein Verwaltungsratsmitglied einer Aktiengesell
schaft mit der Mandatsübernahme in die Verantwortung sowohl für die laufenden als auch für die verfallenen, von der Unternehmung in früheren Jahren schuldig gebliebenen Sozialversicherungsabgaben ein, und es ist seine Pflicht, nicht nur für die Bezahlung der laufenden, sondern gerade auch für die Begleichung verfallener Abgaben besorgt zu sein (ZAK 1992 S. 254 f. E.
7b). Die Schadenersatzpflicht eines neu mandatierten Organs entfällt nach der Rechtsprechung allerdings dort, wo die Unternehmung bei der
Mandats
übernahme
bereits zahlungsunfähig oder der Schaden bereits eingetreten war. Denn in einem solchen Fall fehlt es am erforderlichen adäquaten Kau
salzusammenhang zwischen dem säumigen Verhalten des neuen Organs und dem Schadenseintritt (vgl. BGE 119 V 401 E. 4c).
4
.
2
.3
Für
die
Jahr
e
2012
und 2013
blieben Lohnbeiträge, Verwaltungs- und
Mahn
kosten
im Um
fang von rund
Fr.
5
3
‘
000
.
--
unbezahlt (E.
2.4.
4
).
Dennoch zahlte die Gesellschaft im Jahr
2012 im Umfang von
Fr.
179‘551.--
und im Jahr 2013 im Umfang von
Fr.
77‘075.--
weiterhin Löhne im Gesamtbetrag von Fr.
256‘626
.-- (Bericht über die Arbeitgeberkontrolle vom
3
0.
Juni 2014
[Urk.
11/142/
1-2] und Jahresabrechnung 2013 [Urk.
11
/
144
]
, vgl. E. 5.2
) aus, ohne die darauf entfallenden Lohnbeiträge zu bezahlen oder sicherzustellen.
Es bestehen damit keine Anhaltspunkte dafür, dass die
Konkursitin
im Zeit
punkt der Übernahme des Verwaltungsratsmandates zahlungsunfähig gewe
sen wäre, weshalb dem Beschwerdeführer als einziges Organ die
Nichtbeglei
chung
der längst fällig gewesenen Sozialversicherungsbeiträge des Jahres 2012 als grobfahrlässige Unterlassung anzurechnen ist. Während seiner Amtsausübung hat der Beschwerdeführer weder für die Bezahlung der lau
fenden Beiträge noch für deren Sicherstellung gesorgt, was ebenfalls grund
sätzlich als grobfahrlässiges Verhalten einzustufen ist. Exkulpationsgründe nennt der Beschwerdeführer nicht. Kein solcher begründet jedenfalls, wenn ein Mandat lediglich pro forma übernommen wird, ohne sich um die damit verbundenen, von
Gesetzes
wegen auferlegten Pflichten zu kümmern.
5.
5.1
Schliesslich setzt die Schadenersatzpflicht des Arbeitgebers nach Art. 52 Abs. 1 AHVG voraus, dass zwischen der absichtlichen oder grobfahrlässigen Missachtung von Vorschriften und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang gegeben ist (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hinweisen auf die Lehre, 103 V 120 E. 4).
Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des ein
getretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allge
mein als begünstigt erscheint (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hinweisen; vgl. auch BGE 122 V 189 sowie 119
Ib
334 E. 3c).
5.2
Das vorwerfbare Verhalten führte zum Schaden der Beschwerdegegnerin. Wäre die
Konkursitin
unter der Verantwortung des Beschwerdeführenden ihren Zahlungs- und Abrechnungspflichten rechtzeitig und vollständig nach
gekommen und wären nur soweit Löhne ausbezahlt worden, als die darauf geschuldeten Abgaben bei Fälligkeit hätten beglichen werden können, wäre der Schaden nicht eingetreten.
Ein Mitverschulden seitens der
Beschwerde
gegnerin
ist nicht dargetan.
6.
Nach dem Gesagten ist der
Einspracheentscheid
vom 1
5.
September 2015 insoweit abzuändern, als der Haftungsbetrag um
Fr.
40.-- auf
Fr.
50‘321.70 zu reduzieren ist. Dies führt zur teilweisen Gutheissung der Beschwerde.