# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b95e0895-6511-4ef1-b47d-232dc8691b28
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der 1978 geborene
und
bis 31. März 2012
als Sachbearbeiter in
der
Kreditver
mittlung
erwerbstätig gewesene
X._
meldete sich
am
24. Juli 2012 unter Hinweis auf
eine
Depression und
eine
posttraumatische Belastungsstörung
seit einem Verkehrsunfall im September 2010 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 7/5).
In der Folge tätigte die IV-Stelle Abklärungen in medizinischer und erwerblicher Hinsicht.
In
sbesondere beauftragte
sie
die MEDAS
Y._
, mit einer
bidisziplinären
psych
i
atrisch-internistischen Begutachtung (Gut
achten vom 24. Juli 2013, Urk. 7/39, interdisziplinäre Zusammenfassung und Beurteilung vom 11. September 2013, Urk. 7/42, und Ergänzung vom 9. Oktober 2013, Urk. 7/46).
Am 21. Januar 2013 teilte sie dem Versicherten mit, dass keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien, und stellte die Rentenprüfung in Aussicht (Urk. 7/25).
Nach Durchführung des
Vor
bescheidverfahrens
(Urk. 7/49 ff.)
verneinte sie mit
Verfügung vom 19. Mai 2014 den Leistungsanspruch des Versicherten (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 19. Juni 2014 Beschwerde mit dem
Rechts
begehren
um Zusprechung einer
vollen
(richtig:
ganzen
)
Invalidenrente rückwirkend ab 1. Februar 2012 (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 21. August 2014 schloss die Verwaltung auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), worüber der Beschwerdeführer am 1. September 2014 orientiert wurde (Urk. 8).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine
Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbi
ndung mit Art. 8 ATSG bewirken.
1.2
1.2.1
Mit
BGE 141 V 281
hat das Bundesgericht seine bisherige Rechtsprechung zur Invaliditätsbemessung
bei Schmerzstörungen ohne erkennbare organische Ursa
che und vergleichbaren
psychosomatischen
Leiden
(BGE 130 V 352 und an
schliessende Urteile) angepasst und festgehalten, dass die Invaliditätsbemessung stärker als bisher den Aspekt der funktionellen Auswirkungen zu berücksichti
gen hat, was sich schon in den diagnostischen Anforderungen niederschlagen muss
.
Auf der Ebene der Arbeitsunfähigkeit bezweckte die durch BGE 130 V 352 begrün
dete Rechtsprechung die Sicherstellung eines gesetzmässigen
Versiche
rungsvollzuges
mittels der Regel/Ausnahme-Vorgabe beziehungsweise (seit E. 7.3 von BGE 130 V 396 und BGE 131 V 49) der Überwindbarkeitsvermutung. Deren Rechtsnatur kann offen bleiben. Denn an dieser Rechtsprechung ist nicht festzuhalten. Das bisherige Regel/Ausnahme-Modell wird durch ein strukturier
tes Beweisverfahren ersetzt. An der Rechtsprechung zu Art. 7 Abs. 2 ATSG
ausschliessliche Berücksichtigung der Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung und objektivierte Zumutbarkeitsprüfung bei materieller Beweislast der rentenansprechenden Person (Art. 7 Abs. 2 ATSG)
ändert sich dadurch nichts. An die Stelle des bisherigen Kriterienkatalogs (bei anhaltender
somato
former
Schmerzstörung und vergleichbaren psychosomatischen Leiden) treten im Regelfall beachtliche Standardindikatoren. Diese lassen sich in die Katego
rien Schweregrad und Konsistenz der funktionellen Auswirkungen einteilen. Auf den Begriff des primären Krankheitsgewinnes und die
Präponderanz
der psychiatrischen Komorbidität ist zu verzichten. Der Prüfungsraster ist rechtli
cher Natur. Recht und Medizin wirken sowohl bei der Formulierung der
Stan
dardi
ndikatoren
wie auch bei deren
rechtlich gebotener
Anwendung im Ein
zelfall zusammen. Im Grunde konkretisieren die in E. 4 und 5 formulierten Beweisthemen und Vorgehensweisen für die Invaliditätsbemessung bei psycho
somatischen Leiden die gesetzgeberischen Anordnungen nach Art. 7 Abs. 2 ATSG. Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der
Standardindi
katoren
schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahr
scheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der
Beweis
losigkeit
nach wie vor die materiell beweisbelastete versicherte Person zu tragen (E. 6).
1.2.2
Die im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren, welche nach gemeinsamen Eigenschaften
systematisiert
werden können, umschreibt das Bundesgericht im erwähnten Leitentscheid 9C_492/2014 wie folgt:
-
Kategorie „funktioneller Schweregrad“
-
Komplex „Gesundheitsschädigung“ (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten
(E. 4.3.1.3)
-
Komplex „Persönlichkeit“ (Persönlichkeitsdiagnostik, persön
liche Ressourcen; E. 4.3.2)
-
Komplex „Sozialer Kontext“ (E. 4.3.3)
-
Kategorie „Konsistenz“ (Gesichtspunkte des Verhaltens; E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleichbaren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiese
ner Leidensdruck (E. 4.4.2).
Die Antworten, welche die medizinischen Sachverständigen anhand der
(im Ein
zelfall relevanten) Indikatoren geben, verschaffen den Rechtsanwendern In
dizien, wie sie erforderlich sind, um den Beweisnotstand im Zusammenhang mit der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit bei psychosomatisch
en Störungen zu überbrücken (E.
4.1.3)
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlag
gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebe
nen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
Die Beschwerdegegnerin begründet die Leistungsablehnung damit, dass
beim Beschwerdeführer eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert wor
den sei, welche aufgrund der vorhandenen Ressourcen und therapeutischen Möglichkeiten
und in Anwendung der
damals noch geltenden
Grundsätze
über die
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebilder ohne nachweisbare organische Grundlage als
überwindbar
gelte, weshalb kein
invali
denversicherungsrechtlich
relevanter Gesundheitsschaden vorliege (Urk. 2 S. 2 f., Urk. 6 S. 1)
.
Demgegenüber stellt sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt, dass
er
gemäss dem überzeugenden
bidisziplinären
MEDAS-Gutachten seit Juni 2011 zu 100 % arbeitsunfähig sei und bei optimalem Verlauf der vom psychiatrischen Gutachter empfohlenen psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung etwa ab Herbst 2015 wieder arbeitsfähig sein werde (Urk. 1 S. 3).
3.
3.1
D
en vorliegenden medizinischen Berichten
(vgl.
vor allem
MEDAS-
Gutachten vom 24. Juli 2013
[
Urk. 7/39
, insbes. S. 8 und S. 40]
, interdisziplinäre Zusam
menfassung und Beu
rteilung vom 11. September 2013
[
Urk. 7/42
, insbes. S. 1
f.]; vgl. ferner Berichte des
Z._
, Klinik für Psychiatrie und Psychot
herapie, vom 2. Dezember 2011 [
Urk. 7/12/14-16] sowie vom 21. März 2012 [Urk. 7/16/13-13-14],
versicherungsmedizinische
s
psychiatrische
s
Konsi
l
i
um zuhanden des Krankentaggeldversicherers von Dr. med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Pharmazeutische Medizin, vom 18. Februar 2012 [Urk. 7/19/13-18],
Bericht von Dr. med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 23. November 2012 [Urk. 7/22
]
)
ist zu
entnehmen
, dass
im Wesentlichen
folgende Diagnosen
bestehen
:
-
Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
-
Depressive Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2)
-
Polytoxikomanie
, zurzeit unter Substitutionsbehandlung abstinent (ICD-10 F19.2)
3.2
Die erwähnten Diagnosen sind das Ergebnis verschiedener fachärztlicher Unter
suchungen
und entsprechen den anerkannten diagnostischen Richtlinien (
vgl.
insbesondere zur Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung
Dil
ling
/
Frey
berger
[Hrsg.], Taschenführer zur ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen, 7. Aufl. 2014, S. 173-175
).
Über deren Bestehen herrscht unter den behandelnden
und den begutachtenden
Ärzten Einigkeit
. Ihre Berichte, insbeson
dere das
bidisziplinäre
MEDAS-Gutachten vom 24. Juli 2013
(Urk. 7/39),
erfüllen
mit Bezug auf die soweit einstimmige Beurteilung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers aus medizinischer und insbeson
dere aus psychiatrischer Sich
t
die von der Rechtsprechung für die Beweiskraft einer
ärztlichen
Auskunft aufgestellten Voraussetzungen (vgl. vorne E. 1.5)
, weshalb darauf abgestellt werden darf
. D
er
medizinische
Sachverhalt ist inso
weit
erstellt (Urk. 1, Urk. 2
, Urk. 6
; vgl. auch die RAD-Stellungnahmen vom
17. September,
7.
und 30. Oktober 2013
[Urk.
7/
47 S. 4 f.
]).
4
.
Weiter lässt sich den medizinischen Akten Folgendes entnehmen:
4
.1
Im November 2011 wurde der Beschwerdeführer in der Sprechstunde für
Belas
tungsreaktionen
und posttraumatische Belastungsstörung des
Z._
beurteilt. Laut Bericht vom 2. Dezember 2011 (Urk. 7/12/14-16) wurde ein Krankheits- und Behandlungskonzept erarbeitet. In dessen Zentrum stehe, dass eine Verarbeitung des Unfalls und seiner Folgen bislang aufgrund der Schuldgefühle nicht möglich geworden sei. Die Nachbehandlung erfolge durch den Psychologen Dr. phil.
C._
.
4
.2
Dr. med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, behandelt den Bes
chwerdeführer seit 8. Juni 201
2.
Am 28. Juni 2012 berichtete er (Urk. 7/4/1-2), dass im Mai 2012 eine einwöchige stationäre Behandlung wegen Konsum psychotroper Substanzen erfolgt sei. Bisher habe sich keine dauerhafte Besse
rung der psychiatrischen Symptomatik eingestellt. Trotz gutem Willen, die Arbeit ab März wieder zu erledigen, habe in den Monaten März bis Juni 2012 keine psychische Belastbarkeit bestanden, die eine Aufnahme der Arbeit als Sachbearbeiter erlaubt hätte.
Es sei von einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % auszugehen.
4
.3
Vom
7.
bis 28. August 2012 war der Beschwerdeführer auf Empfehlung
von Dr.
B._
in der
D._
AG hospitalisiert. Gemäss Austrittsbericht vom 31. August 2012 (Urk. 7/13) erfolgte die
Hospitalisation
wegen depressiver Verstimmung und Abhängigkeit von mehreren Substanzen. Neben der medika
mentösen Behandlung habe der Beschwerdeführer regelmässig und motiviert am dreiwöchigen gruppentherapeutischen Therapieprogramm teilgenommen. Dies umfasse Psychoedukation über Verlauf und Folgen der Suchterkrankung, Rückfallprophylaxe, Motivationstraining, Ergotherapie, Ohrakupunktur nach dem NADA-Protokoll und Physiotherapie. Zusätzlich hätten einzel-psychothe
rapeutische Gespräche stattgefunden, um die persönliche Umsetzung einzelner Elemente des Erlernten zu fördern und um Aspekte des Umgangs mit der Abhängigkeit als längerfristig
behandlungsbedürftige
Erkrankung aufzuzeigen. In den Einzelgesprächen sei neben der Abhängigkeit der Umgang mit dem von ihm verursachten Unfall und dem Verlust des Freundes thematisiert worden. Am 28. August 2012 sei der Beschwerdeführer aus disziplinarischen Gründen vorzeitig, aber in deutlich gebessertem Allgemeinzustand in seine neue Woh
nung in Urdorf ausgetreten.
4
.4
Im Bericht vom 23. November 2012 (Urk. 7/22) gab der behandelnde Psychiater Dr.
B._
an, dass beim Beschwerdeführer eine erheblich behindernde Abhän
gigkeit und Unreife in der Persönlichkeit bestehe. Solange in der religiösen Gruppe
[der Zeugen Jehovas]
integriert, habe anscheinend ein kompensierter Zustand bestanden. Nun nach dem Autounfall mit Todesfolgen und dem Aus
schluss aus der Gemeinschaft, weil er den Drogenkonsum nicht wie gefordert bereut habe, fehle eine genügende eigene Steuerung der Affekte. Die aktuelle Behandlung bestehe in wöchentlicher Psychotherapie
und
psychiatrischen Gesprä
chen
ein bis zweimal monatlich
.
Abschliessend attestierte Dr.
B._
eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % seit 8. Juni 2012 bis auf weiteres.
4
.5
Der Psychotherapeut
Dr.
C._
berichtete am 27. Februar 2014 (Urk. 7/55/1), dass der Beschwerdeführer die einen günstigen Verlauf nehmende Behandlung am 2. April 2013 vorzeigt habe abbrechen müssen, da er die Kosten nicht mehr habe übernehmen können und sich auch kein anderer Kostenträger gefunden habe.
4
.6
Am
17. Juli 2013
erstattete d
er mit dem psychiatrischen Konsilium beauftragte MEDAS-Gutachter
sein
Teilgutachten (Urk. 7/39/2-10)
.
Zu den aktuellen Beschwerden habe der Beschwerdeführer berichtet, dass er innerlich bl
ockiert sei, nicht mehr weiterkom
me, sich seit dem Unfall im Sep
tember 2010 lustlos und depressiv fühle und er unspezifische Angstzustände habe. Er möge es nicht, unter d
i
e Leute zu gehen. Nachts wache er plötzlich auf und müsse weinen. Auch sei er dann verschwitzt und innerlich unruhig. Er habe Albträume vom Unfall. Die Bilder vom Unfall seien gelegentlich auch am Tag vorhanden. Er müsse immer an diesen Unfall denken. Er sei vor dem Unfall immer ein aktiver, fröhlicher Mensch gewesen. In seinem Leben habe es keine Probleme gegeben. Er sei vor Juni 2011 nie in psychiatrischer oder psychothe
rapeutischer Behandlung gewesen. Nun leide er unter massiven Schuldgefühlen und habe Blitzgedanken an den infolge des Unfalls verstorbenen Freund, was ihn sehr belaste (S. 2).
Zum Unfall vom 4. September 2010 habe der Beschwerdeführer berichtet, dass er an diesem Samstag um 10:00 Uhr morgens gemeinsam mit seinem besten Kollegen (19 Jahre alt) und dessen Bruder (22 Jahre alt) eine Probefahrt mit einem neuen Auto unternommen habe. Er sei am Steuer gewesen und sein Freund als Beifahrer neben ihm gesessen. Er
sei
diese Strecke jeden Tag
gefah
ren
. Sie sei nur 2 bis 3 Minuten Fahrzeit von seinem
damaligen
Wohnort ent
fernt
gewesen
. Er sei vor einer roten Ampel gestanden und vor ihm habe sich ein Wagen mit einem Pferdeanhänger befunden. Als die Ampel auf Grün geschaltet habe, sei er ganz normal losgefahren. Dann habe er den Wagen mit dem Pferdeanhänger links überholt und sei wieder ganz normal in die Fahrspur eingeschert. Es sei eine 80 km/h Zone gewesen, er sei allerdings etwas schneller gefahren. Nach dem Überholvorgang seien jedoch plötzlich die hinteren Räder des Autos blockiert gewesen, so dass das Auto ins Schleudern geraten und quer zur Gegenfahrbahn zum Stehen gekommen sei. Ein entgegen kommender Per
sonenwagen habe trotz Bremsversuch die Beifahrertür seines Autos getroffen. Der Beschwerdeführer habe keine Luft mehr verspürt, sei kurz bewusstlos gewesen und als er dann die Augen wieder geöffnet habe, habe er nur ans Ster
ben gedacht. Schmerzen habe er nicht empfunden. Danach habe ihn der Bei
fahrer gerüttelt und gesagt, dass ihm seine Beine wehtun würden. Der Beifahrer habe nicht aussteigen können. Zwei Männer hätten versucht, die Beifahrertür von aussen zu öffnen, was wohl nicht gelungen sei. Daran könne er sich jedoch nur vage erinnern. Schliesslich habe er selber die Beifahrertür öffnen können. Dann sei er aus dem Auto gestiegen und habe gesehen, wie sein Kollege am Boden gelegen habe. Als die Sanitäter gekommen seien, um seinen Kollegen mitzunehmen, habe dieser den Daumen hochgehoben als Zeichen, dass alles
okay sei. Danach sei der Beschwerdeführer zusammengebrochen und erst im
E._
wieder aufgewacht. Sein Kollege und dessen Bruder, welcher nur leichte Prellungen davongezogen habe, seien dagegen im
Z._
behandelt worden (S. 2 f.).
Der Beschwerdeführer habe noch erfahren, dass sein Kollege einen Leberriss sowie eine Oberschenkel- und Beckenfraktur rechts erlitten habe. Dessen anschliessende Operation sei gut verlaufen.
Er
sei jedoch noch intubiert gewe
sen, als der Beschwerdeführer ihn am Sonntag besucht habe. Er sei dann jeden Tag in der Klinik gewesen, um nach seinem Kollegen zu schauen. Ursprünglich habe der Kollege am folgenden Donnerstag wieder
extubiert
werden sollen. Es sei aber zu einer Komplikation gekommen. Der Kollege habe ein starkes Fieber entwickelt und bei einer weiteren Operation viel Blut verloren. Die Ärzte hätten daraufhin gebeten, eine Bluttransfusion durchführen zu lassen. Der Kollege als Zeuge Jehovas habe einer Bluttransfusion jedoch nicht zugestimmt. Auch der Bruder und der Vater seines Kollegen hätten dies aus religiösen Gründen ver
weigert. Der Beschwerdeführer, der ebenfalls Zeuge Jehovas ist, habe erfolglos bei den Verwandten des Kollegen darum gebeten, dass die Bluttransfusion trotzdem durchgeführt werde. Ein paar Tage später sei sein Kollege verstorben. Als er dies erfahren habe, habe er selber sterben wollen (S. 3).
Nach dem Unfall und dem Tod seines Kollegen habe der Beschwerdeführer zunächst noch gearbeitet. Wegen der vermehrten Schuldgefühle habe er auch viel Alkohol getrunken. Dies sei besonders nach dem Begräbnis am 18. September 2010
der
Fal
l
gewesen, da er sich als Mörder seines Kollegen angesehen habe. Schliesslich habe er eine Flasche Whisky pro Tag getrunken und auch
Temesta
1 mg zwei- bis dreimal täglich für zwei Wochen eingenom
men. Nach den zwei Wochen habe er dann mit dem Whisky aufgehört und sei auf Kokain umgestiegen, was er abends eingenommen habe. Damit habe er das Geschehen vergessen wollen. Dies sei ihm nicht gelungen. Im Juni 2011 sei er dann völlig emotional
dekompensiert
, weshalb er bis heute arbeitsunfähig sei. Bis Januar/Februar 2012 habe er täglich bis zu 5
-
6
g Kokain konsumiert. Danach habe er von sich aus mit dem Alkohol-
und Kokainkonsum aufgehört. Ende 2011 habe er angefangen, täglich 2
3
g Heroin zu schnupfen
und später auch zu rauchen. Hero
in habe er bis März/April 2012 eingenommen. Dann habe er sich für eine Woche zum stationären Heroinentzug in die Privatklinik
F._
begeben. Bereits zuvor sei er erstmals 2011 beim Psycho
logen Dr.
C._
wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung in Therapie gewesen. Nach dem Heroinentzug hätten ih
n
die Bilder vom Unfall und die Schuldgefühle jedoch weiterhin stark belastet, weshalb er von Mai bis August 2012 erneut heroinrückfällig geworden sei. Wegen einer depressiven Sympto
matik mit
Suizidgedanken sei er dann in die
D._
AG
für drei Wochen stationär aufgenommen worden. Auf der dortigen Drogenstation sei er zur Substitutionsbehandlung erstmals auf
Subutex
eingestellt worden.
Subutex
nehme er noch bis heute. Seit dem stationären Aufenthalt im August 2012 konsumiere er kein Heroin, kein Alkohol und auch kein Kokain mehr (S. 3 f.).
Zu seiner medikamentösen Behandlung habe der Beschwerdeführer berichtet, dass er
Stilnox
10 mg zur Nacht von November 2011 bis Januar 2012,
Sinquan
75 mg bis April 2013 und
Seroquel
bis März 2012 eingenommen habe. Aktuell nehme er
Subutex
2 x 10 mg und
Cipralex
20 mg morgens. Er sei beim Psychi
ater Dr.
B._
und bei der
G._
in Behandlung. Auch sei er alle zwei Wochen bei med. prakt.
H._
in p
sychotherapeutischer Behandlung
. Die Psychotherapie bei Dr.
C._
sei nicht mehr durchgeführt worden, weil diese von der Unfallversicherung nicht mehr übernommen worden sei (S. 4).
Suizidgedanken habe der Beschwerdeführer nicht. Jedoch seien diese zum Zeit
punkt des Todes seines Kollegen verstärkt vorhanden gewesen. Der Gedanke an seine Ehefrau habe ihn vom Suizid abgehalten. Er meide die Unfallstrecke bis heute und seit er im April 2012 den Fahrausweis wieder erhalten habe, meide er auch das Autofahren. Er fahre nur noch als Beifahrer mit der Ehefrau. Seine sozialen Kontakte habe er weitestgehend abgebrochen, da er sehr nervös werde, wenn er seine Kollegen sehe. Er meide auch Fernsehbilder über Unfallgeschehen und er könne Fotos seines verstorbenen Kollegen nicht mehr ansehen. Gele
gentlich empfinde er seinen Körper wie fremd und er müsse auch weinen. Dann habe er das Gefühl
,
wie im Traum zu sein
,
und den Wunsch, wieder aufzuwa
chen und dass sein Kollege wieder da sei. In der Beziehung zur Ehefrau habe es eine Ehekrise gegeben, als er nach sechs Monaten Drogenkonsum
ihr
dies berichtet habe. Er ziehe sich zurück und könne nicht mit Leuten zusammen sein, da er weiterhin das Gefühl habe, ein Mörder zu sein. Dies hindere ihn auch
da
vor
,
d
i
e Arbeit
aufzunehmen
(S. 4 f.).
Zum Tagesablauf habe der Beschwerdeführer berichtet, dass er um 8:00 Uhr morgens aufwache, um das
Subutex
und das
Cipralex
einzunehmen. Danach gehe er auf seine Terrasse, wo er 5 bis 6 Zigaretten rauche. Dann sitze er fast den ganzen Tag im Bett.
Er esse
nur abends, gegen 17:00 Uhr, wenn die Ehefrau zurück sei. Er habe keinen Appetit und habe seit Juni 2011 40 kg abgenommen. Er wiege nun 100 kg. Abends sehe er selten fern, er gehe gelegentlich spazieren und auch nur mit der Ehefrau einkaufen. Die Tage seien monoton, auch am Wochenende gebe es nichts Besonderes. Gegen 23:00 Uhr gehe er schlafen. Die Konzentration und die Merkfähigkeit seien eingeschränkt. Er habe keine Inte
ressen mehr. Früher habe er Uhren repariert und sehr gerne Gitarre gespielt. Er
würde gerne wieder arbeiten, wenn es ihm wieder besser ginge.
M
it einer stati
onären Rehabilitationsbehandlung
wäre er
einverstanden. Er habe bis Ende Juni ein Krankentaggeld von monatlich Fr. 8'300.
erhalten, was weiterhin noch abgeklärt werde. Er wohne gemeinsam mit der Ehefrau in einer Mietwohnung (Miete
Fr.
2'300.
-
- monatlich). Die Ehefrau arbeite dreimal die Woche. Sie wolle jedoch das Arbeitspensum steigern (S. 5).
Im anschliessenden Gespräch mit dem Gutachter habe die Ehefrau berichtet, dass der Beschwerdeführer vor dem Unfall im September 2010 sehr glücklich gewesen sei und wie im
Zenit
seines Lebens gestanden habe. Er habe mit einem Freund ein Kreditbüro eröffnet, welches gut gelaufen
sei
. Sie selber habe dort auch als Vollzeitkraft bis zum Unfall mitgearbeitet. In der Zeit nach dem Unfall habe sie ihn zunächst sehr ruhig erlebt, als ob nichts passiert sei. Sie hätten auch nicht über den Unfall gesprochen. An dem Abend, an welchem der Kollege verstorben sei, sei sie mit dem Beschwerdeführer im Spital gewesen, als er ein Telefonat vom Bruder des Verstorbenen erhalten habe, welcher ihm vom Tod des Kollegen berichtet habe. Daraufhin sei der Beschwerdeführer mit einem Freund weg gefahren, um seinen Vater abzuholen. Sie sei mit dem Bruder des Verstorbenen zu dessen Familie gefahren. Der Beschwerdeführer und sie selbst hätten der Familie des Verstorbenen geholfen, das Begräbnis zu gestalten. Seit dem Tod des Kollegen erlebe sie ihn als gedanklich abwesend
,
depressiv, müde und wie verändert. Der Beschwerdeführer fühle sich schuldig, obwohl er eigent
lich keine Schuld habe. Es sei dann später polizeilich festgestellt worden, dass nach dem Überholmanöver die Handbremse
hoch
gezogen worden sei. Der Beschwerdeführer habe die hochgezogene Handbremse auch gesehen und versi
chert, dass er die Handbremse nicht angezogen habe. Den Eltern des Verstorbe
nen habe er
dies
nicht berichten wollen, um diese emotional nicht zu belasten. Vielmehr verdränge er den Verdacht, dass sein Kollege als Beifahrer die Hand
bremse angezogen habe (S. 5 f.).
Weiter habe die Ehefrau des Beschwerdeführers berichtet, dass dieser nachts verschwitzt aufwache und weine. Er träume, dass er sterben wolle. Sie habe nicht gewusst, dass er unter Drogeneinfluss gestanden sei,
wenn
er als Beifahrer mit ihr die Unfallstrecke gefahren sei. Nach dem Tod des Kollegen habe er ver
mehrt Whisky und auch andere Sachen getrunken. Er sei unter Alkohol- und Drogeneinfluss
fröhlicher und lockerer gewesen.
Erst nach sechs Monaten Dro
genkonsum habe er ihr erzählt, dass er zwei Monate nach dem Unfall mit den Drogen angefangen habe. Er sei sehr vergesslich. Die Konzentration sei weiter
hin gestört. Der Beschwerdeführer wisse nicht mehr, was er noch am letzten Tag gemacht habe. Seit Wochen würde er nichts mehr tun, früher habe er an Uhren gebastelt. In der Ehe habe es Trennungsgedanken gegeben, als sie erfahren
habe, dass der Beschwerdeführer Drogen eingenommen habe. Er habe gesagt, dass er nach dem Gerichtsprozess mit dem Drogenkonsum aufhören wolle. Tat
sächlich habe er dann noch vor dem Gerichtsprozess mit dem Drogenkonsum aufgehört. Während der Zeit der Drogeneinnahme sei er oft gereizt gewesen und es habe oft Streit gegeben, weshalb sie für eine Woche bei den Eltern gewesen sei. Im Februar 2012 habe der Beschwerdeführer wegen einer Überdosis Heroin und
Stilnox
eine Nacht im Spital verbracht. Zuletzt sei er im Juni 2012 erneut heroinrückfällig gewesen bis eine Woche vor dem Gerichtstermin.
Seit
dem letzten Spitalaufenthalt sei er bis heute abstinent. Er sei auch erleichtert gewe
sen, dass im Gerichtsurteil nur eine Geldbusse und die zuvor befürchtete Gefängnisstrafe nicht ausgesprochen worden sei, da seine Schuld am Unfall nicht bestätigt worden sei. Die Beziehung zum Beschwerdeführer sei nun viel verbundener. Nun hätten sie die Wohnung und auch die frühere Gegend gewechselt, so dass sie nicht mehr in der Nähe des Unfallgeschehens wohnten. Der Wohnungswechsel habe im August 2012 stattgefunden (S. 6).
In seiner Beurteilung führte der psychiatrische Gutachter aus, die
Anpassungs
störung
sei Ausdruck eines inneren Konflikts, der durch Schuldgefühle auf
recht
erhalten werde. Es sei bisher nicht gelungen, diese Schuldgefühle aufzulö
sen, obwohl eine tatsächliche Schuld des Beschwerdeführers am Unfallgeschehen nicht bestehe.
Der innere
Konflikt
sei
in der bisherigen Therapie nicht genügend aufgegriffen worden. Der Alkohol- und Drogenkonsum könne als eine sekun
däre Suchterkrankung angesehen werden, da e
r
erst durch die posttraumatische Belastungsstörung entstanden sei und als Versuch der Selbstbehandlung gese
hen werden könne. Es bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % sowohl ange
stammt wie auch angepasst. Der Gesundheitsschaden könne durch eine statio
näre Rehabilitationsbehandlung verbessert werden. Eine solche medizinische Massnahme könne im Sinne einer Schadenminderungspflicht auferlegt werden (S. 8).
4
.7
In der interdisziplinären Zusammenfassung und Beurteilung vom 11. September 2013
(
Urk.
7/42)
kamen die MEDAS-Gutachter zum Schluss, dass der Beschwer
de
führer aus psychiatrischer Sicht aufgrund der posttraumatischen
Belas
tungs
störung
und der depressiven Anpassungsstörung aktuell zu 100 % arbeitsunfähig sei.
Weiter
sollte eine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung durchge
führt werden, zu Beginn stationär in einer Klinik, die auch
Traumatherapie
anbiete. Ein Jahr nach Beginn der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung sollte eine erneute psychiatrische Evaluation der Arbeitsfähigkeit durchgeführt werden
(S. 8)
.
4
.8
In der ergänzenden Stellungnahme vom 9. Oktober 2013
(
Urk.
7/46)
führten die MEDAS-Gutachter aus, die posttraumatische Belastungsstörung sei bis anhin nicht adäquat behandelt worden. Insbesondere sei keine
Traumatherapie
durch
geführt worden. Weil die posttraumatische Belastungsstörung gemäss den ICD Leitlinien in den wenigen chronischen Fällen in eine dauernde
Persönlichkeits
änderung
übergehe, sei empfohlen worden, ein Jahr nach Beginn der adäquaten psychiatrischen und psychotherapeutischen Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung eine erneute psychiatrische Evaluation durchzuführen. Aktu
ell könne keine Beurteilung gemacht werden, ob im Sinne der Invalidenversi
cherung beim Beschwerdeführer eine psychiatrisch bedingte langfristige Arbeits
unfähigkeit vorliege oder nicht.
5
.
5
.1
Obwohl sowohl die behandelnden als auch die begutachtenden Ärzte von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers ausgegangen waren, ver
neinte die Beschwerdegegnerin eine psychiatrisch begründete Einschränkung des Leistungsvermögens in Anwendung der Kriterien gemäss der
damals noch
massgeblichen
Überwindbarkeitspraxis (BGE 130 V 352)
.
5
.2
Mit Bezug auf die
Prüfung der
dem Beschwerdeführer noch zumutbare
n
Arbeits
leistung
ist
v
orweg
z
u bemerken, dass es nach der Rechtsprechung in sämtlichen Fällen gesundheitlicher Beeinträchtigungen keineswegs allein Sache der mit dem konkreten Ein
z
elfall (gutachtlich) befassten Ar
z
tpersonen ist, selber abschliessend und für die rechtsanwendende Stelle (Verwaltung, Gericht) ver
bindlich
z
u entscheiden, ob das medi
z
inisch festgestellte Leiden
z
u einer (andauernden oder vorübergehenden) Arbeitsunfähigkeit (bestimmter Höhe und Ausprägung) führt. Aufgrund dieser tatsächlichen und rechtlichen Gegebenhei
ten hat die Rechtsprechung seit jeher die Aufgaben von Rechtsanwender und Ar
z
tperson im Rahmen der Invaliditätsbemessung wie folgt verteilt: Sache des (begutachtenden) Medi
z
iners ist es erstens, den Gesundheits
z
ustand
z
u beurtei
len und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der
Z
eit
z
u beschreiben, d.h. mit den Mitteln fachgerechter är
z
tlicher Untersuchung unter Berücksichtigung der subjektiven Beschwerden die Befunde
z
u erheben und gestüt
z
t darauf die Diagnose
z
u stellen. Hiermit erfüllt der Sachverständige seine genuine Aufgabe, wofür Verwaltung und
im Streitfall
Gericht nicht kompetent sind. Bei der
Fol
genabschät
z
ung
der erhobenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit kommt der Ar
z
tperson hingegen keine abschliessende
Beurtei
lungskompeten
z
z
u (BGE 140 V 193 E. 3.1 und 3.2
sowie
BGE 141 V 281
E. 5.2.1
).
5
.3
Nach der früheren bundesgerichtlichen Rec
htsprechung galten für die posttrau
matische Belastungsstörung die bei s
o genannten
pathogenetisch
-ätiologisch un
klaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohn
e nachweisbare organische Grund
lage heranzuziehenden Kriterien
gemäss BGE 130 V 352
(so
Bundes
ge
richtsurteile
8C_483/2012 vom
4. Dezember 2012 E. 4.2 mit Hinweisen s
owie 9C_671/2012 vom 15. Novem
ber 2012 E. 4.3).
Obwohl das Bundesgericht in Urteil 8C_538/2014 vom 6. Februar 2015 E. 4.2.3 die ausdrücklich formulierte Frage, ob eine posttraumatische Belastungsstörung überhaupt zu den genannten Beschwerdebildern zu zählen und damit, ob an der Rechtsprechung
wie sie unter anderem im Urteil 8C_483/2012 in E. 4.2 angeführt wurde
festzuhalten sei, nicht beant
worten
musste
, ging es im Urteil
8C_851/2014 vom 14. April 2015 E. 5.1
nach wie vor
von der Anwendung der Überwindbarkeitskriterien auf die posttraumatische Belastungsstörung aus
.
D
eshalb
ist
die mit
BGE 141 V 281
eingeführte Praxisänderung auch auf die Beurteilung des
funktionellen
Leis
tungsvermögens des an einer posttraumatischen Belastungsstörung leidenden
Beschwerdeführers anzuwenden
.
5
.4
Neu lautet bei
somatoformen
Schmerzstörungen und vergleich
baren psychoso
matischen Leiden d
ie normativ bestimmte Gutachter
frage, wie die sachverstän
dige Person das Leistungsvermög
en einschätzt, wenn sie den ein
schlägigen Indikatoren (E. 1.2
hievor
) folgt (
BGE 141 V 281
E. 5.2.2
).
G
emäss altem Verfahrensstandard eingeholte Gutachten
verlieren
nicht per se ihren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Ein
zelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen ent
scheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen
Beweisgrund
lagen
vor Bundesrecht standhält. In sinngemässer Anwendung auf die nunmehr materiell-beweisrechtlich geänderten Anforderungen ist in jedem einzelnen Fall zu prüfen, ob die beigezogenen administrativen und/oder gerichtlichen Sach
verständigengutachten
gegebenenfalls im Kontext mit weiteren fachärztlichen Berichten
eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgeblichen Indikatoren erlauben oder nicht (
BGE 141 V 281
E.
8
mit Hinweis).
5.5
Den
oben wiedergegebenen
Akten
lassen sich
zwar gewisse Hinweise, jedoch nicht genügend Angaben entnehmen, um die Zuverlässigkeit der
von ärztlicher Seite
attestierten
10
0%igen Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit bezie
hungs
weise den Schweregrad
und die Konsistenz der funktionel
len Auswirkun
gen der psychischen Problemati
k aus rechtlicher Sicht beurtei
len zu können.
So fehlen Angaben
zum genauen Inhalt der
zunächst
von Dr.
C._
und danach von med. prakt.
H._
beziehungsweise in der
G._
durchgeführten
Therapie
und zur Kooperation des Beschwerdeführers
. Unter diesen Umständen erlaubt
das Scheitern der bisherigen therapeutischen
Massnahmen
keine Rück
schlüsse auf den Schweregrad der psychischen Störung
(
BGE 141 V 281
E. 4.3.1.2)
.
Andererseits weist die kontinuierliche
Inanspruchnahme von thera
peutischen Optionen
durch den Beschwerdeführer
im Rahmen
von
dessen finanziellen Möglichkeiten
auf
einen tatsächlichen
Leidensdruck hin
(
BGE 141 V 281
E. 4.4.2)
.
Weiter wies der Psychiater Dr.
B._
auf eine Abhängigkeit und Unreife in der Persönlichkeit
als zusätzlich belastender Faktor
hin, welcher insbesondere
seit dem Ausschluss aus der
Religionsgemeinschaft
der Zeugen Jehovas
in Erschei
nung tritt
(Bericht vom 23. November 2012
[
Urk. 7/22 S. 1
]
).
Im
bidisziplinären
MEDAS-Gutachten wird diese
Problematik zwar in der Aktenzusammenstellung des internistischen Teilgutachtens (Urk. 7/39/11-42 S. 21) erwähnt
,
jedoch weder
in der psychiatrischen
noch in der interdisziplinären
Beurteilung
aufge
griffen
, weshalb
auch
die
Persönlichkeitsdiagnostik den besonders hohen Begründungsanforderungen der
geänderten
Rechtsprechung nicht
zu genügen vermag
(
BGE 141 V 281
E.
4.3
.2
).
5.6
Unter den gegebenen Umständen
ist
die Sache
deshalb
zur
Ergänzung der
psychi
atrischen Begutachtung und zu neue
m Entscheid
über den
Leistungsan
spruch
des Beschwerdeführers
an die Be
schwerdegegnerin zurückzuweisen.
6
.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr.
800
.-- festzulegen und ausgangsgemäss von der Beschwerdegegnerin zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Zudem ist dem Beschwerdeführer eine Prozessentschädigung von Fr.
1‘600
.-- (inklusive
Bar
auslagen
und Mehrwertsteuer) zuzusprechen (Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht;
GSVGer
).