# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 325a71e4-12fb-45f3-bf1e-d329e2fb107c
**Court:** CH_BSTG
**Chamber:** CH_BSTG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** CH / Federation
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
A. Die brasilianischen Behörden führen ein Strafverfahren unter anderem ge-
gen A. wegen des Verdachts der Bestechung sowie der Geldwäscherei.
Diese Untersuchung ist Teil einer umfangreichen und komplexen Untersu-
chung «Operation Lava-Jato» im Zusammenhang mit der Gesellschaft
Petróleo Brasileiro S.A. (Petrobras). In diesem Zusammenhang ersuchte die
Generalstaatsanwaltschaft von Paraná die Schweiz am 13. März 2019 um
Durchführung von Durchsuchungen und Beschlagnahme am Sitz der C. SA
in Genf (Verfahrensakten BA, unpaginiert, Rechtshilfeersuchen vom
13. März 2019). Dieses Ersuchen übertrug das Bundesamt für Justiz (nach-
folgend «BJ») am 29. März 2019 der Bundesanwaltschaft (nachfolgend
«BA») zum Vollzug. In der Folge eröffnete die BA das Rechtshilfeverfahren
RH.19.0126 und entsprach mit Eintretensverfügung vom 10. Juli 2019 dem
Ersuchen vom 13. März 2019 (Verfahrensakten BA, unpaginiert, Eintretens-
verfügung vom 10. Juli 2019).
B. Mit Rechtshilfeersuchen vom 14. August 2020 gelangte die Generalstaats-
anwaltschaft von Paraná an die Schweiz und ersuchte unter anderem um
Herausgabe von Bankunterlagen zu den Konten Nrn. 1 und 2 bei der Bank D.
und der Bank E., die auf A. lauten oder an welchen er wirtschaftlich berech-
tigt sei (Verfahrensakten BA, unpaginiert, Rechtshilfeersuchen vom 14. Au-
gust 2020). Am 1. September 2020 übermittelte das BJ das Rechtshilfeersu-
chen vom 14. August 2020 der BA zum Vollzug. Daraufhin eröffnete die BA
das Rechtshilfeverfahren RH.20.0211.
C. Mit Editionsverfügungen vom 10. September 2020 forderte die BA die Genfer
Zweigniederlassung der Bank D. und der Bank E. auf, ihr Unterlagen zu den
Konten Nrn. 1 und 2 einzureichen (Verfahrensakten BA, unpaginiert, Editi-
onsverfügungen vom 10. September 2020). Die Banken kamen dieser Auf-
forderung nach und reichten der BA die angeforderten Unterlagen zu den auf
die C. SA lautenden Konten Nrn. 1 und 3 ein, an welchen A. wirtschaftlich
berechtigt war.
D. Mit Schreiben vom 30. Oktober 2020 setzte Rechtsanwalt Fabio Spirgi
(nachfolgend «RA Spirgi») die BA über seine Mandatierung durch A. in
Kenntnis (Verfahrensakten BA, unpaginiert, Schreiben von RA Spirgi vom
30. Oktober 2020). Mit Schreiben vom 1. Februar 2021 orientierte RA Spirgi
die BA über seine Mandatierung durch die B. SA und führte aus, dass A. am
- 3 -
Konto Nr. 3 lediglich zeichnungsberechtigt gewesen sei. Die Inhaberin des
Kontos sei die C. SA, deren einzige Aktionärin die B. SA sei. Die C. SA sei
am 31. Mai 2017 liquidiert worden und der B. SA komme als wirtschaftlich
Berechtigter der liquidierten C. SA Parteistellung zu (Verfahrensakten BA,
unpaginiert, Schreiben von RA Spirgi vom 1. Februar 2021). Mit Schreiben
vom 15. Februar 2021 wies die BA RA Spirgi auf die bundesgerichtliche
Rechtsprechung betreffend Voraussetzungen der Parteistellung hin und for-
derte ihn auf, ihr die zur Beurteilung der Parteistellung notwendigen Unterla-
gen einzureichen (Verfahrensakten BA, unpaginiert, Schreiben der BA vom
15. Februar 2021). RA Spirgi reichte der BA am 4. März 2021 diverse Unter-
lagen zum Nachweis der Parteistellung seiner Klientschaft ein und ersuchte
um Akteneinsicht (Verfahrensakten BA, unpaginiert, Schreiben von RA Spi-
rgi vom 4. März 2021).
E. Die BA teilte RA Spirgi am 31. März 2021 mit, dass sich eine Auflösungsur-
kunde der C. SA nicht unter den ihr eingereichten Unterlagen befinde. Den-
noch gehe die BA gestützt auf die eingereichten Unterlagen und den edierten
Bankunterlagen davon aus, dass die B. SA resp. A. die vom Liquidationser-
lös der C. SA Begünstigten seien. Aus diesem Grund sprach die BA der Kli-
entschaft von RA Spirgi die Parteistellung zu und forderte ihn auf, ihr eine
Auflösungsurkunde der C. SA nachzureichen. Des Weiteren stellte die BA
RA Spirgi diverse Akten des Rechtshilfeverfahrens zu und ersuchte um Mit-
teilung, ob seine Klientschaft der vereinfachten Ausführung des Ersuchens
nach Art. 80c IRSG zustimme (Verfahrensakten BA, unpaginiert, Schreiben
der BA vom 31. März 2021). Mit Schreiben vom 5. Mai 2021 reichten A. und
die B. SA die Auflösungsurkunde der C. SA zu den Akten, verweigerten ihre
Zustimmung zur vereinfachten Ausführung gemäss Art. 80c IRSG und nah-
men zum Ersuchen schriftlich Stellung (Verfahrensakten BA, unpaginiert,
Schreiben von RA Spirgi vom 5. Mai 2021).
F. Mit zwei separaten Schlussverfügungen vom 28. Mai 2021 ordnete die BA
die Herausgabe der darin genannten Unterlagen zu den Konten Nrn. 3 und 1
an. Die dagegen von A. und die B. SA am 30. Juni 2021 erhobene Be-
schwerde hiess die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts mit Ent-
scheid RR.2021.130-131 vom 17. November 2021 gut, hob die Schlussver-
fügungen auf und wies diese zur Neubeurteilung an die BA zurück. Seinen
Entscheid begründete das Gericht im Wesentlichen damit, dass die Weige-
rung der BA, A. und der B. SA Einsicht in das Rechtshilfeersuchen vom
13. März 2019 sowie in die Beilagen des Ersuchens vom 14. August 2020
- 4 -
zu gewähren, eine Verletzung des rechtlichen Gehörs darstelle
(RR.2021.130-131, act. 13).
G. Daraufhin stellte die BA A. und der B. SA am 2. Dezember 2021 eine Kopie
des Rechtshilfeersuchens vom 13. März 2019 (ohne die darin erwähnten
Beilagen) zu und wies zugleich darauf hin, dass das ihnen bereits früher zu-
gestellte Ersuchen vom 14. August 2020 keine Beilagen beinhalte. Des Wei-
teren gab die BA ihnen bis zum 13. Dezember 2021 Gelegenheit, allfällige
Einwände gegen die geplante Übermittlung der Bankunterlagen an die ersu-
chende Behörde geltend zu machen (Verfahrensakten BA, unpaginiert,
Schreiben der BA vom 2. Dezember 2021 und Rechtshilfeersuchen vom
13. März 2019).
H. Mit Schreiben vom 12. Januar 2022 nahmen A. und die B. SA zur bevorste-
henden Herausgabe der Bankunterlagen Stellung und verweigerten erneut
ihre Zustimmung zur vereinfachten Ausführung gemäss Art. 80c IRSG (Ver-
fahrensakten BA, unpaginiert, Schreiben von RA Spirgi vom 12. Januar
2022).
I. Mit zwei separaten Schlussverfügungen vom 28. Februar 2022 ordnete die
BA die Herausgabe der darin genannten Unterlagen zu den Konten Nrn. 3
und 1 an die brasilianischen Behörden an (act. 1.3, 1.4).
J. Dagegen liessen A. und die B. SA am 30. März 2022 bei der Beschwerde-
kammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde erheben. Sie beantragen im
Hauptbegehren die kostenfällige Aufhebung der Schlussverfügungen vom
28. Februar 2022 sowie der Eintretensverfügung vom 10. Juli 2019. Des Wei-
teren seien die Ersuchen vom 13. März 2019 und vom 14. August 2020 als
unzulässig zu erklären und abzuweisen (act. 1).
K. Innert erstreckter Frist nahmen die BA und das BJ zur Beschwerde mit Ein-
gaben vom 11. und 18. Mai 2022 Stellung. Sie beantragen die kostenfällige
Abweisung der Beschwerde (act. 9, 11). Die Beschwerdeantworten wurden
den Beschwerdeführern am 19. Mai 2022 zur Kenntnisnahme zugestellt
(act. 12).
- 5 -
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit
erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genom-
men.

## Considerations

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1. Im Beschwerdeverfahren ist grundsätzlich die Sprache des angefochtenen
Entscheids massgebend (vgl. Art. 33a Abs. 2 des Bundesgesetzes vom
20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren [Verwaltungsverfah-
rensgesetz, VwVG; SR 172.021]). Vorliegend besteht kein Grund, von dieser
Regel abzuweichen, weshalb der vorliegende Entscheid in deutscher Spra-
che ergeht, auch wenn die Beschwerde in Französisch verfasst ist.
2.
2.1 Für die Rechtshilfe zwischen der Schweiz und Brasilien ist primär der Vertrag
vom 12. Mai 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und
der Föderativen Republik Brasilien über Rechtshilfe in Strafsachen
(SR 0.351.919.81; nachfolgend «RV-BRA») massgebend. Ausserdem ge-
langen vorliegend, soweit direkt anwendbar, das Übereinkommen vom
17. Dezember 1997 über die Bekämpfung der Bestechung ausländischer
Amtsträger im internationalen Geschäftsverkehr (SR 0.311.21) sowie die
Art. 43 ff. des Übereinkommens vom 31. Oktober 2003 der Vereinten Natio-
nen gegen Korruption (UNCAC; SR 0.311.56) zur Anwendung.
Soweit diese Staatsverträge bestimmte Fragen weder ausdrücklich noch
stillschweigend regeln, bzw. das schweizerische Landesrecht geringere An-
forderungen an die Rechtshilfe stellt (sog. Günstigkeitsprinzip; BGE 142 IV
250 E. 3; 140 IV 123 E. 2; 136 IV 82 E. 3.1; 135 IV 212 E. 2.3; ZIMMERMANN,
La coopération judiciaire internationale en matière pénale, 5. Aufl. 2019,
N. 229), sind das Bundesgesetz vom 20. März 1981 über internationale
Rechtshilfe in Strafsachen (IRSG; SR 351.1) und die dazugehörige Verord-
nung vom 24. Februar 1982 (IRSV; SR 351.11) anwendbar (Art. 1 Abs. 1
IRSG, Art. 32 Ziff. 1 RV-BRA; BGE 143 IV 91 E. 1.3; 136 IV 82 E. 3.2; 130 II
337 E. 1; vgl. auch Art. 54 StPO). Vorbehalten bleibt die Wahrung der Men-
schenrechte (BGE 139 II 65 E. 5.4 letzter Absatz; 135 IV 212 E. 2.3; 123 II
595 E. 7c; ZIMMERMANN, a.a.O., N. 211 ff., 223 ff., 681 ff.).
2.2 Auf das vorliegende Beschwerdeverfahren sind zudem die Bestimmungen
des VwVG anwendbar (Art. 37 Abs. 2 lit. a i.V.m. Art. 39 Abs. 2 lit. b des
- 6 -
Bundesgesetzes vom 19. März 2010 über die Organisation der Strafbehör-
den des Bundes [Strafbehördenorganisationsgesetz, StBOG; SR 173.71];
BGE 139 II 404 E. 6/8.2; Urteil des Bundesgerichts 1C_763/2013 vom
27. September 2013 E. 2.2; ZIMMERMANN, a.a.O., N. 273).
3.
3.1 Die Schlussverfügung der ausführenden kantonalen Behörde oder Bundes-
behörde unterliegt zusammen mit den vorangehenden Zwischenverfügun-
gen der Beschwerde an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts
(Art. 25 Abs. 1 und Art. 80e Abs. 1 IRSG i.V.m. Art. 37 Abs. 2 lit. a Ziff. 1
StBOG). Die Beschwerdefrist gegen die Schlussverfügung beträgt 30 Tage
ab der schriftlichen Mitteilung der Verfügung (Art. 80k IRSG).
Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen zwei Schlussverfügungen
der ausführenden Bundesbehörde und wurde sowohl frist- als auch formge-
recht erhoben.
3.2
3.2.1 Zur Beschwerdeführung ist berechtigt, wer persönlich und direkt von einer
Rechtshilfemassnahme betroffen ist und ein schutzwürdiges Interesse an
deren Aufhebung oder Änderung hat (Art. 80h lit. b IRSG). Als persönlich
und direkt betroffen wird im Falle der Herausgabe von Kontoinformationen
an den ersuchenden Staat der jeweilige Kontoinhaber angesehen (Art. 9a
lit. a IRSV; Übersicht über die Rechtsprechung in BGE 137 IV 134 E. 5;
TPF 2010 47 E. 2.1; Urteil des Bundesgerichts 1C_126/2014 vom 16. Mai
2014 E. 1.3; ZIMMERMANN, a.a.O., N. 524-535). Bloss wirtschaftlich an einem
Bankkonto, Banksafe oder Wertschriftendepot Berechtigte sind im Gegen-
satz zu deren Inhaber grundsätzlich nicht legitimiert, Rechtshilfemassnah-
men anzufechten, welche die Bankverbindung betreffen (BGE 139 II 404 E.
2.1.1 S. 411 f. m.w.H.; Urteil des Bundesgerichts 1C_764/2013 vom 27. Sep-
tember 2013 E. 2.1; TPF 2008 172 E. 1.3). Eine Ausnahme lässt die Praxis
zu, falls einzige Kontoinhaberin eine juristische Person war, die aufgelöst
worden ist und nicht mehr besteht, und die Auflösung der Gesellschaft nicht
nur vorgeschoben oder rechtsmissbräuchlich erscheint (BGE 137 IV 134 E.
5.2.1 S. 138 m.w.H.; 123 II 153 E. 2c-d S. 157 f.). Die Beweislast für die
wirtschaftliche Berechtigung und die Liquidation der Gesellschaft obliegt
dem Rechtsuchenden. Darüber hinaus muss der wirtschaftlich Berechtigte
im Auflösungsakt eindeutig als Begünstigter des Liquidationsgewinns be-
zeichnet sein (Urteile des Bundesgerichts 1C_183/2012 vom 12. April 2012
E. 1.5; 1C_161/2011 vom 11. April 2011 E. 1.3; 1A.284/2003 vom 11. Feb-
ruar 2004 E. 1; 1A.212/2001 vom 21. März 2002 E. 1.3.2; 1A.84/1999 vom
http://links.weblaw.ch/1C_763/2013
- 7 -
31. Mai 1999 E. 2c; Entscheid des Bundesstrafgerichts RR.2009.151 vom
11. September 2009 E. 1.3.2). Der Beweis des Zuflusses des Liquidations-
erlöses der aufgelösten Gesellschaft an den wirtschaftlich Berechtigten kann
auch anders als mit der Bescheinigung über die Auflösung erbracht werden
(Urteil des Bundesgerichts 1C_370/2012 vom 3. Oktober 2012 E. 2.7).
3.2.2 Die Beschwerdelegitimation der Beschwerdeführer wurde im Entscheid
RR.2021.130-131 vom 27. November 2021 eingehend geprüft und bejaht
(E. 3.2.3). Da sich seither an der Beschwerdebefugnis der Beschwerdefüh-
rer nichts geändert hat, kann auf die diesbezüglichen Ausführungen im Ent-
scheid verwiesen werden.
3.3 Unter Vorbehalt der nachfolgenden Ausführungen (insbesondere E. 5.5) ist
auf die Beschwerde einzutreten.
4. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung muss sich die Beschwer-
deinstanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen
und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen. Sie kann sich auf
die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte beschränken, und es genügt,
wenn die Behörde wenigstens kurz die Überlegungen nennt, von denen sie
sich leiten liess und auf welche sich ihr Entscheid stützt (BGE 141 IV 249
E. 1.3.1; 139 IV 179 E. 2.2; Urteil des Bundesgerichts 1A.59/2004 vom
16. Juli 2004 E. 5.2 m.w.H.).
5.
5.1 Zunächst ist auf das Vorbringen der Beschwerdeführer einzugehen, wonach
die Beschwerdegegnerin ihren Anspruch auf rechtliches Gehör erneut ver-
letzt habe. Die Beschwerdeführer machen geltend, dass sie in die in den
Rechtshilfeersuchen aus dem Jahr 2019 und 2020 erwähnten Beilagen
keine Einsicht erhalten hätten, obschon das Bundesstrafgericht dies im Ent-
scheid RR.2021.130-131 vom 17. November 2021 angeordnet habe. Nach-
dem die Beschwerdegegnerin ihnen mitgeteilt habe, dass die Beilagen dem
Ersuchen nicht beigelegt worden seien, hätten die Beschwerdeführer sie mit
Schreiben vom 12. Januar 2022 ersucht, Kopien der Beilagen und deren
Übersetzungen erhältlich zu machen. Die Beschwerdegegnerin habe jedoch
darauf verzichtet (act. 1, S. 6 ff.).
5.2 Die Beschwerdegegnerin hält dem Vorwurf der Gehörsverletzung entgegen,
die Beilagen zum Ersuchen vom 14. August 2020 vom BJ nicht erhalten zu
haben. Da die Beschwerdegegnerin den Sachverhalt im Ersuchen vom
- 8 -
14. August 2020 als ausreichend dargelegt erachtet habe, habe sie darauf
verzichtet, die Beilagen bei der ersuchenden Behörde anzufordern. Sie habe
ihre Schlussverfügungen einzig auf das Ersuchen vom 14. August 2020 ge-
stützt und dabei weder das Ersuchen vom 13. März 2019 noch die darin er-
wähnten Beilagen berücksichtigt. Sie habe das Ersuchen vom 14. August
2020 auf formelle und materielle Voraussetzungen für die Gewährung der
Rechtshilfe geprüft und diese als erfüllt erachtet (act. 1.3, S. 6. f; act. 1.4,
S. 7; act. 9).
Anders als im Beschwerdeverfahren RR.2021.130-131 nahm das BJ zum
Vorwurf der Gehörsverletzung im vorliegenden Beschwerdeverfahren Stel-
lung. Das BJ bestätigt die Angaben der Beschwerdegegnerin, wonach das
Ersuchen vom 13. März 2019 keine Beilagen enthalte und dass das Ersu-
chen vom 14. August 2020 der Beschwerdegegnerin ohne die darin erwähn-
ten Beilagen übermittelt worden sei (act. 11).
5.3
5.3.1 Im Bereich der internationalen Rechtshilfe wird der in Art. 29 Abs. 2 BV ver-
ankerte Anspruch auf rechtliches Gehör in Art. 80b IRSG und ergänzend in
Art. 26 ff. VwVG (durch Verweis in Art. 12 Abs. 1 IRSG) konkretisiert (vgl. Ur-
teil des Bundesgerichts 1A.57/2007 vom 24. September 2007 E. 2.1;
TPF 2010 142 E. 2.1; 2008 91 E. 3.2), welche sowohl in Verfahren vor den
Bundesbehörden als auch vor kantonalen Behörden zur Anwendung gelan-
gen (vgl. Entscheid des Bundesstrafgerichts RR.2016.60 vom 10. August
2016 E. 4.2.1 m.w.H.). Die Berechtigten können, soweit dies für die Wahrung
ihrer Interessen notwendig ist, Einsicht in die Akten nehmen (Art. 80b Abs. 1
IRSG). Aus Inhalt und Funktion des Akteneinsichtsrechts als Teil des Ge-
hörsanspruchs folgt nach der Rechtsprechung, dass grundsätzlich sämtliche
beweiserheblichen Akten den Beteiligten gezeigt werden müssen, sofern in
der sie unmittelbar betreffenden Verfügung darauf abgestellt wird. Denn die
betroffene Partei kann sich nur dann wirksam zur Sache äussern und geeig-
nete Beweise führen oder bezeichnen, wenn ihr die Möglichkeit eingeräumt
wird, die Unterlagen einzusehen, auf welche sich die Behörde bei ihrer Ver-
fügung gestützt hat (BGE 132 V 387 E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts
8C_631/2014 vom 16. Dezember 2014 E. 4.2.1.1).
5.3.2 Das Recht auf Akteneinsicht ist wie das Recht, angehört zu werden, formeller
Natur, weshalb dessen Verletzung ungeachtet der Erfolgsaussichten der Be-
schwerde in der Sache selbst grundsätzlich zur Aufhebung der angefochte-
nen Verfügung führt. Vorbehalten bleiben praxisgemäss Fälle, in denen die
Verletzung nicht besonders schwer wiegt und dadurch geheilt wird, dass die
Partei, deren rechtliches Gehör verletzt wurde, Akteneinsicht und die Mög-
lichkeit erhält, sich vor einer Instanz zu äussern, welche sowohl die Tat- als
- 9 -
auch die Rechtsfragen uneingeschränkt überprüft (BGE 115 V 297 E. 2h
S. 305 m.H.). Die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts entscheidet
bei Beschwerden in Rechtshilfeangelegenheiten mit umfassender Kognition
(TPF 2007 57 E. 3.2; Entscheide des Bundesstrafgerichts RR.2007.165 vom
14. Februar 2008 E. 4.2; RR.2007.143 vom 3. Dezember 2007 E. 2.1).
5.4 Vorab ist festzuhalten, dass die Beschwerdekammer in ihrem Entscheid
RR.2021.130-131 vom 17. November 2021 die angefochtenen Schlussver-
fügungen aus formellen Gründen aufgehoben hat, ohne diese in materieller
Hinsicht zu prüfen. Namentlich stellte das Gericht zweifache Gehörsverlet-
zung fest und begründete den Entscheid dahingehend, dass die General-
staatsanwaltschaft von Paraná im gegen den Beschwerdeführer 1 geführten
Strafverfahren die Schweiz bereits am 13. März 2019 um Rechtshilfe ersucht
habe, wobei das BJ am 29. März 2019 das entsprechende Ersuchen an die
Beschwerdegegnerin zum Vollzug übergeben worden sei. Die Beschwerde-
gegnerin erwähnte in den damals angefochtenen Schlussverfügungen das
Ersuchen vom 13. März 2019, ohne jedoch den Beschwerdeführern in das
Ersuchen vom 13. März 2019 Einsicht gewährt zu haben und reichte im Be-
schwerdeverfahren RR.2021.130-131 lediglich die entsprechende Eintre-
tensverfügung vom 10. Juli 2019 ein. Da die Beschwerdegegnerin das Ersu-
chen vom 13. März 2019 weder den Beschwerdeführern noch dem Gericht
zur Kenntnis gebracht hatte, konnte das Gericht nicht abschliessend beur-
teilen, ob es sich beim Ersuchen vom 14. August 2020 um ein eigenständi-
ges Ersuchen oder eine Ergänzung des Ersuchens vom 13. März 2019 han-
delte. Mangels näherer Ausführungen der Beschwerdegegnerin im Be-
schwerdeverfahren konnte das Gericht nicht ausschliessen, dass es sich bei
Ersuchen vom 14. August 2020 um ein eigeständiges Rechtshilfeersuchen
derselben ersuchenden Behörde handelte (E. 4.4 f.). In Bezug auf die Beila-
gen des Ersuchens vom 14. August 2020 ging das Gericht davon aus, dass
die Beschwerdegegnerin diese vom BJ zusammen mit dem Ersuchen und
dem Vollzugsauftrag erhalten hatte (E. 4.6). Demensprechend hielt es fest,
dass die Beschwerdegegnerin bei ihrem Entscheid, ob das Rechtshilfeersu-
chen vom 14. August 2020 den formellen und materiellen Anforderungen
entspreche, ob der darin dargestellte Sachverhalt mit den Beilagen überein-
stimme und in welchem Umfang die Rechtshilfe zu gewähren sei, wohl auch
dessen Beilagen zu berücksichtigen hatte. Da sich die Beschwerdegegnerin
in den Schlussverfügungen zum Sachverhalt lediglich rudimentär äusserte
und auf die Ausführungen im Ersuchen, damit implizit auf die darin erwähn-
ten Beilagen verwies, kam das Gericht zum Schluss, dass sich die Be-
schwerdeführer unter diesen Umständen zum Ersuchen vom 14. August
2020 nicht abschliessend äussern konnten. Nicht geprüft hat das Gericht die
- 10 -
Frage, ob die Beilagen zum Ersuchen vom 14. August 2020 der Beschwer-
degegnerin für ihre Entscheide unentbehrlich waren (RR.2021.130-131,
act. 13).
5.5
5.5.1 Im Nachgang an den Entscheid RR.2021.130-131 vom 17. November 2021
gewährte die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführern Einsicht in das
Ersuchen vom 13. März 2019 (Verfahrensakten BA, unpaginiert, Schreiben
der BA vom 2. Dezember 2021). In die Beilagen der beiden Ersuchen gab
die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführern keine Einsicht mit der Be-
gründung, über diese nicht zu verfügen. Das BJ bestätigt in seiner Beschwer-
deantwort die Behauptung der Beschwerdegegnerin, dass das Ersuchen
vom 13. März 2019 keine Beilagen enthalten habe und dass dasjenige vom
14. August 2020 der Beschwerdegegnerin ohne die entsprechenden Beila-
gen zum Vollzug übergeben worden sei (act. 11). Es gibt keinen Anlass, an
den Ausführungen des BJ als vollziehende Behörde (Art. 17 IRSG) und Auf-
sichtsbehörde in internationalen Rechtshilfeverfahren (Art. 3 IRSV) zu zwei-
feln. Damit wurden der Beschwerdegegnerin lediglich die beiden Ersuchen
vom 13. März 2019 und 14. August 2020 zum Vollzug übertragen, in welche
die Beschwerdeführer Einsicht erhalten haben.
5.5.2 Das nunmehr auch dem Gericht vorliegende Ersuchen vom 13. März 2019
steht im Zusammenhang mit dem gegen den Beschwerdeführer 1 geführten
Strafverfahren und bildet eine Ergänzung des Ersuchens vom 14. August
2020. Indes hatte das Ersuchen vom 13. März 2019 Rechtshilfemassnah-
men gegenüber der in Genf domizilierten Gesellschaften F. GmbH und
G. LTD zum Gegenstand, für deren Büro in Brasilien der Beschwerdefüh-
rer 1 damals verantwortlich gewesen sein soll. Namentlich ersuchten die bra-
silianischen Behörden um Durchsuchung und Beschlagnahme von Beweis-
mitteln am Gesellschaftssitz der F. GmbH und G. LTD, weshalb sich die
Sachverhaltsausführungen im Ersuchen vom 13. März 2019 hauptsächli-
chen auf die betroffene Gesellschaft beziehen (Verfahrensakten BA, unpagi-
niert, Rechtshilfeersuchen vom 13. März 2019). Das Ersuchen vom 14. Au-
gust 2020 ist hingegen auf Herausgabe von Bankunterlagen betreffend auf
den Beschwerdeführer 1 lautenden Konten gerichtet und wird entsprechend
begründet. Auch wenn das Ersuchen vom 14. August 2020 als eine Ergän-
zung des Ersuchens vom 13. März 2019 zu verstehen ist, lässt es sich an-
gesichts der unterschiedlichen Parteien und nicht gleichlautenden Sachver-
haltsdarstellungen ohne Weiteres unabhängig voneinander beurteilen. Unter
diesen Umständen ist auch nicht zu bemängeln, dass die Beschwerdegeg-
nerin den Beschwerdeführern das erste Ersuchen teilweise in geschwärzter
Form zugestellt hat.
- 11 -
5.5.3 Was ein Rechtshilfeersuchen zu enthalten hat bestimmen Art. 28 IRSG und
Art. 24 RV-BRA (näheres hierzu vgl. E. 6.2.1 hiernach). Eine Pflicht der er-
suchenden Behörde, ihre Behauptungen im Rechtshilfeersuchen selbst dar-
zulegen, besteht nicht. Die Sachverhaltsdarstellung kann im Ersuchen oder
in dessen Beilagen enthalten sein (Art. 10 IRSV). Ohne im Besitz der Beila-
gen des ergänzenden Ersuchens vom 14. August 2020 zu sein, stützte sich
die Beschwerdegegnerin beim Erlass der hier angefochtenen Schlussverfü-
gungen lediglich auf die Ausführungen im Ersuchen. Wie im Nachfolgenden
aufzuzeigen sein wird, reichen die Ausführungen im Ersuchen vom 14. Au-
gust 2020 aus, um die Voraussetzungen für die Gewährung der Rechtshilfe
zu beurteilen (E. 6 f. hiernach). Da sich die hier angefochtenen Schlussver-
fügungen nur auf das Ersuchen vom 14. August 2020 beziehen und das Er-
suchen vom 13. März 2019 – welches im Übrigen vor Eintreffen des ergän-
zenden Ersuchens vom 14. August 2020 bereits rechtskräftig abgeschlossen
war – nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet, sind im Nach-
folgenden lediglich diejenigen Rügen zu prüfen, die sich auf das Ersuchen
vom 14. August 2020 beziehen.
5.6 Nach dem Gesagten ist eine Gehörsverletzung nicht zu erkennen. Das dies-
bezügliche Vorbringen ist abzuweisen.
6.
6.1 In materieller Hinsicht bringen die Beschwerdeführer vor, das Ersuchen ge-
nüge den formellen Anforderungen nicht. Die Ersuchen würden die in Art. 24
Ziff. 1 RV-BRA aufgeführten Informationen nicht enthalten. Des Weiteren
hätten die Ersuchen vom Secrétariat National de Justice du Ministère de la
Justice eingereicht werden sollen. Die Webseite mit den zur Einreichung von
Ersuchen berechtigten Behörden, auf welche die Beschwerdegegnerin in
den Schlussverfügungen verwiesen habe, sei nicht abrufbar (act. 1, S. 12).
6.2
6.2.1 Gemäss Art. 24 Ziff. 1 RV-BRA haben Rechtshilfeersuchen nebst anderem
folgende Angaben zu enthalten: die Behörde, von der es ausgeht, und ge-
gebenenfalls die im ersuchenden Staat für das Strafverfahren zuständige
Behörde (lit. a); den Gegenstand und den Grund des Ersuchens (lit. b); so-
weit möglich, den vollständigen Namen, Geburtsort und -datum, Staatsan-
gehörigkeit, den Namen der Eltern und die Adressen derjenigen Personen,
gegen die sich das Strafverfahren im Zeitpunkt des Ersuchens richtet (lit. c);
den Hauptgrund, warum die Beweismittel oder Auskünfte verlangt werden,
sowie eine Darstellung des Sachverhalts (Zeitpunkt, Ort und Umstände der
- 12 -
Tatbegehung), der im ersuchenden Staat Anlass zum Verfahren gibt. Art. 46
Abs. 15 UNCAC, Art. 28 Abs. 2 und 3 IRSG sowie Art. 10 Abs. 2 IRSV stellen
entsprechende Voraussetzungen an das Rechtshilfeersuchen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 1C_126/2014 vom 16. Mai 2014 E. 4.2). Diese Angaben
müssen der ersuchten Behörde namentlich die Prüfung erlauben, ob die dop-
pelte Strafbarkeit gegeben ist (Art. 6 RV-BRA) und ob die Handlungen, we-
gen denen um Rechtshilfe ersucht wird, nicht ein politisches, militärisches
oder fiskalisches Delikt darstellen (Art. 3 Abs. 1 lit. a bis c RV-BRA). Der
ersuchte Vertragsstaat kann ergänzende Angaben anfordern, wenn dies für
die Erledigung des Ersuchens nach seinem innerstaatlichen Recht erforder-
lich erscheint oder die Erledigung erleichtern kann (Art. 25 Ziff. 1 RV-BRA).
6.2.2 Die Rechtsprechung stellt an die Schilderung des Sachverhalts im Rechts-
hilfeersuchen keine hohen Anforderungen. Danach kann von den Behörden
des ersuchenden Staates nicht verlangt werden, dass sie den Sachverhalt,
der Gegenstand der Strafuntersuchung bildet, lückenlos und völlig wider-
spruchsfrei darstellen. Das wäre mit dem Sinn und Zweck des Rechtshilfe-
verfahrens unvereinbar, ersucht doch ein Staat einen anderen gerade des-
wegen um Mithilfe, damit er die bisher im Dunkeln gebliebenen Punkte auf-
grund von Unterlagen, die im Besitze des ersuchten Staates sind, klären
kann. Die ersuchte Behörde hat sich beim Entscheid über ein Rechtshilfebe-
gehren nicht dazu auszusprechen, ob die darin angeführten Tatsachen zu-
treffen oder nicht. Sie hat somit weder Tat- noch Schuldfragen zu prüfen und
grundsätzlich auch keine Beweiswürdigung vorzunehmen. Sie ist vielmehr
an die Darstellung des Sachverhaltes im Ersuchen und dessen allfälligen
Ergänzungen gebunden, soweit diese nicht durch offensichtliche Fehler, Lü-
cken oder Widersprüche sofort entkräftet wird (BGE 139 II 451 E. 2.2.1; 136
IV 4 E. 4.1; 133 IV 76 E. 2.2; TPF 2011 194 E. 2.1 S. 196; 2007 150 E. 3.2.4;
ZIMMERMANN, a.a.O., N. 293, 302).
6.3 Dem brasilianischen Rechtshilfeersuchen vom 14. August 2020 lässt sich
zusammenfassend folgender Sachverhalt entnehmen (Verfahrensakten BA,
unpaginiert, Rechtshilfeersuchen vom 14. August 2020):
Die Funktionäre der staatlichen Petrobras sollen im Zusammenhang mit den
Geschäften auf dem internationalen Treibstoffmarkt Bestechungsgelder an-
genommen haben. Der Beschwerdeführer 1 soll zwischen 2000 und Sep-
tember 2014 in seiner Funktion als Beamter bei Petrobras und als Trader für
internationale Gesellschaften (z.B. F. GmbH und G. LTD) Bestechungsgel-
der angefordert, erhalten, angeboten und ausgezahlt haben. Die F. GmbH
und G. LTD soll im Gegenzug bei Geschäften mit der Petrobras durch die
http://links.weblaw.ch/1C_126/2014
- 13 -
jeweils zuständigen öffentlichen Angestellten bevorzugt worden sein. Die in-
kriminierten Vermögenswerte sollen über verschiedene Intermediäre und
Geldwechsler (sog. «Doleiros») auf dem Schwarzmarkt vermittelt und ver-
schleiert worden sein. Aufgrund der beim Beschwerdeführer 1 sichergestell-
ten Unterlagen bestehe der Verdacht, dass der Beschwerdeführer 1 im Rah-
men des Konstrukts auf Konten im Ausland zurückgegriffen habe.
Konkret habe H. mit dem Beschwerdeführer 1 eine Korruptionsvereinbarung
geschlossen, als der Beschwerdeführer 1 als Trader für Petrobras in Hous-
ton tätig gewesen sei. Laut H. sei F. GmbH und G. LTD zu jener Zeit der
grösste Käufer von Treibstoff in der Karibik gewesen. H. habe die unrecht-
mässigen Vorteile auf ausländische Konten des Beschwerdeführers 1 über-
wiesen oder ihm diese in bar in Rio de Janeiro anlässlich diverser Treffen in
Restaurants, in den Büroräumlichkeiten der Gesellschaft I. oder an seinem
Wohnort übergeben. H. habe das Bargeld über den Geldwechsler J. bereit-
gestellt, der die Agentur K. in Copacabana für das Abheben des Geldes an-
gegeben habe. Der Beschwerdeführer 1 habe unter anderem L. als Kompli-
zen gehabt, der ebenfalls am Standort der Petrobras in Houston tätig gewe-
sen sei. Die Beteiligung des Beschwerdeführers 1 und L. an der Konkretisie-
rung der Straftaten habe Letzterer anlässlich einer Einvernahme gegenüber
den brasilianischen Behörden beschrieben. Nachdem der Beschwerdefüh-
rer 1 seine Stelle bei der Petrobras aufgegeben habe, sei er nach Brasilien
zurückgekehrt und habe dort Leistungen für die Tradinggesellschaft M. er-
bracht, die ebenfalls im Treibstoffhandel tätig gewesen und die von L. gelei-
tet worden sei. L. sei ferner in 2009 bei Petrobras als Generaldirektor für die
Vermarktung von Treibstoff verantwortlich gewesen. Zur gleichen Zeit sei H.
eingeladen worden, Direktor der F. GmbH und G. LTD in Genf zu werden
und für die Geschäfte in Brasilien verantwortlich zu sein. Es sei hierfür die F.
GmbH und G. LTD do Brasil gegründet worden, welche die Kontinuität der
Korruptionsvereinbarungen mit L. und seinen Untergebenen, H., habe si-
cherstellten sollen. Des Weiteren habe der Beschwerdeführer 1 als Fi-
nanzoperator der Bestechungsgelder fungiert, die von der F. GmbH und
G. LTD auf die von ihm geführten bzw. beherrschten Konten transferiert und
von ihm in bar an die Funktionäre von Petrobras übergeben worden seien.
H. habe die Aktivitäten des Beschwerdeführers 1 beaufsichtigt und für die
Leistungen gegenüber der F. GmbH und G. LTD gebürgt. So habe H. bei der
Direktion der F. GmbH und G. LTD interveniert, um die Freigabe der Res-
sourcen zu bewirken, die der Beschwerdeführer 1 für die Zahlung von Be-
stechungsgeldern verwendet habe. Aus diesen Handlungen seien unrecht-
mässige Vorteile von mindestens USD 1'735'616.72 hervorgegangen. Nach-
dem L. die Petrobras verlassen habe, habe der Beschwerdeführer 1 ver-
- 14 -
sucht, sich an dessen Nachfolger, N., und dessen Untergebenen, O., zu nä-
hern, um mit ihnen eine Korruptionsvereinbarung zwecks Begünstigung der
F. GmbH und G. LTD zu schliessen. Um sie zu überzeugen, habe der Be-
schwerdeführer 1 N. im September 2011 einen Teil der Bestechungsgelder
überwiesen.
Der Beschwerdeführer 1 habe die kriminellen Handlungen nicht immer innert
der vereinbarten Frist ausgeführt, was die korrupten Beamten gestört habe.
Aus diesem Grund habe sich O. im Oktober 2012 in die Schweiz begeben,
um sich mit H. und P., dem Direktor für Treibstoff bei F. GmbH und G. LTD,
zu treffen. Anlässlich dieses Treffens habe O. ihnen mitgeteilt, dass sofern
F. GmbH und G. LTD weiterhin mit Petrobras Treibstoffhandel betreiben
wolle, müssten die vom Beschwerdeführer 1 versprochenen, jedoch ausste-
henden Bestechungsgelder geleistet werden. Aufgrund der mit dem Be-
schwerdeführer 1 gemachten Erfahrungen habe O. vorgeschlagen, dass die
Zahlungen von einer anderen Person getätigt werden. Um die ausstehenden
und künftigen Bestechungszahlungen auszuführen, habe H. seinen ehema-
ligen Partner, Q., als neuen Finanzoperator vorgeschlagen, der sich damals
in finanziellen Schwierigkeiten befunden habe. Daraufhin habe Q. im De-
zember 2012 mit der F. GmbH und G. LTD eine Vereinbarung geschlossen,
die als Grundlage für die Überweisungen der Bestechungsgelder auf sein
Konto in der Schweiz gedient und für ihn seine Provision von 20% vorgese-
hen habe. Zwischen April 2012 und Anfang 2014 seien zwischen Petrobras
und F. GmbH und G. LTD mindestens 31 Kauf- und Verkaufsgeschäfte er-
folgt, die im Zusammenhang mit Bestechungsgeldern von mindestens
USD 1'292'400.-- stünden und für welche Q. Provision von USD 258'480.--
erhalten habe.
6.4 Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführer vermag die Sachverhaltsdar-
stellung im Ersuchen vom 14. August 2020 den oben erwähnten gesetzli-
chen Anforderungen sowie der diesbezüglichen Rechtsprechung zu genü-
gen und ist weder mit offensichtlichen Fehlern noch mit Lücken behaftet. Ins-
besondere wird darin ausführlich dargelegt, in welchem Zeitraum und unter
Beteiligung welcher Personen die mutmasslichen Bestechungsgelder an
brasilianische Funktionäre geflossen sein sollen. Dabei soll unter anderem
mithilfe von «Doleiros» die Herkunft und der Zweck der Vermögenswerte
verschleiert worden sein. Ebenso wird die Rolle des Beschwerdeführers 1
und der mit ihm handelnden Personen ausführlich dargelegt. Demenspre-
chend ist der im brasilianischen Ersuchen vom 14. August 2020 dargestellte
Sachverhalt für den Rechtshilferichter bindend und den nachfolgenden Er-
wägungen zugrunde zu legen.
- 15 -
6.5 Nicht zu überzeugen vermag der Einwand der Beschwerdeführer betreffend
die Unzuständigkeit der ersuchenden Behörde. Laut Art. 1 Abs. 2 RV-BRA
tauschen die Schweiz und Brasilien untereinander über ihre Zentralbehörden
die Liste der zuständigen Behörden aus, welche Rechtshilfeersuchen nach
dem Rechtshilfevertrag vorlegen können. Gemäss Art. 23 Ziff. 1 RV-BRA ist
in Brasilien das Nationale Justizsekretariat des Justizministeriums die Zent-
ralbehörde. Das Verzeichnis der zuständigen Behörden i.S.v. Art. 1 Abs. 2
RV-BRA ist unter https://www.rhf.admin.ch/rhf/de/home/strafrecht/rechts-
grundlagen/bilateral/sr-0-351-919-81/behoerden.html abrufbar. Das brasilia-
nische Ersuchen vom 14. August 2020 bezeichnet das Sekretariat des Jus-
tizministeriums als Zentralbehörde und die Generalstaatsanwaltschaft von
Paraná als die ersuchende Behörde (Verfahrensakten BA, unpaginiert,
Rechtshilfeersuchen vom 14. August 2020). Damit wurde das Ersuchen vom
14. August 2020 an das BJ von den in Brasilien zuständigen Behörden ge-
stellt.
7.
7.1 In einem weiteren Punkt bestreiten die Beschwerdeführer das Vorliegen der
beidseitigen Strafbarkeit. Aus den beiden Ersuchen aus den Jahren 2019
und 2020 gehe nicht hervor, ob der Beschwerdeführer 1 ein Beamter sei
bzw. gewesen sei. Vielmehr gehe daraus hervor, dass er für eine Filiale von
Petrobras in Houston basierend auf privatrechtlichem Verhältnis tätig gewe-
sen sei. Die aktive und passive Bestechung setze jedoch einen Amtsträger
voraus. Die Privatbestechung nach Art. 322octies und Art. 322novies StGB seien
erst am 1. Juli 2016 in Kraft getreten. Schliesslich würden die Ersuchen keine
einzige verdächtige Transaktion erwähnen, die unter den Tatbestand der
Geldwäscherei subsumiert werden könnte. Aufgrund der lediglich allgemei-
nen Ausführungen im Ersuchen könnten die Schweizer Behörden den Ver-
dacht der Geldwäscherei nicht beurteilen. Ausserdem würden die Ersuchen
aus den Jahren 2019 und 2020 Art. 3 IRSG und Art. 3 RV-BRA verletzen
(act. 1, S. 14 ff.).
7.2
7.2.1 Gemäss Art. 322ter StGB macht sich der aktiven Bestechung strafbar, wer
einem Amtsträger im Zusammenhang mit dessen amtlicher Tätigkeit für eine
pflichtwidrige oder eine im Ermessen stehende Handlung oder Unterlassung
zu dessen Gunsten oder zu Gunsten eines Dritten einen nicht gebührenden
Vorteil anbietet, verspricht oder gewährt. Der unrechtmässige Vorteil kann
materieller oder immaterieller Natur sein. Er muss eine Gegenleistung für
eine pflichtwidrige oder eine im Ermessen stehende Handlung oder Unter-
lassung darstellen, welche im Zusammenhang mit der amtlichen Tätigkeit
https://www.rhf.admin.ch/rhf/de/home/strafrecht/rechtsgrundlagen/bilateral/sr-0-351-919-81/behoerden.html https://www.rhf.admin.ch/rhf/de/home/strafrecht/rechtsgrundlagen/bilateral/sr-0-351-919-81/behoerden.html
- 16 -
des Empfängers steht. Insofern muss der Vorteil in einem Äquivalenzverhält-
nis, stehen, d.h. im Austausch gegen eine hinreichend bestimmte oder be-
stimmbare Amtspflichtverletzung oder Ermessensentscheidung erfolgen. Ein
solcher Zusammenhang liegt vor, wenn der Amtsträger im Rahmen seiner
amtlichen Funktionen handelt oder mit dem in Frage stehenden Verhalten
gegen Amtspflichten verstösst (statt vieler vgl. Urteil des Bundesgerichts
6B_972/2017 vom 26. Februar 2018 E. 2.3.1 m.w.H.).
Gemäss Art. 322quater StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder
Geldstrafe bestraft, wer als Beamter im Zusammenhang mit seiner amtlichen
Tätigkeit für eine pflichtwidrige oder eine im Ermessen stehende Handlung
oder Unterlassung für sich oder einen Dritten einen nicht gebührenden Vor-
teil fordert, sich versprechen lässt oder annimmt. Der Tatbestand der passi-
ven Bestechung ist das Spiegelbild der aktiven Bestechung gemäss
Art. 322ter StGB, wobei der Täter Amtsträger sein muss. Die Tathandlung des
Sich Versprechen lassens umfasst das ausdrückliche oder stillschweigende
Akzeptieren des Angebots eines zu einem späteren Zeitpunkt zu leistenden
Vorteils. Den Tatbestand der passiven Bestechung erfüllt nicht nur der Amts-
träger, der einen Vorteil annimmt oder sich versprechen lässt, sondern auch
derjenige, welcher einen Vorteil fordert. Die Forderung eines Vorteils ist mit-
hin eine Tatbestandsvariante des Sich bestechen lassens. Als «annehmen»
gilt die Entgegennahme des Vorteils zu eigener Verfügungsgewalt. Der Vor-
teil kann nach allgemeiner Auffassung materieller oder immaterieller Natur
sein. Als materieller Vorteil gilt jede wirtschaftliche Besserstellung durch
Sach- oder Geldleistungen. Der Vorteil muss im Austausch gegen eine
pflichtwidrige oder eine im Ermessen stehende Handlung oder Unterlassung
erfolgen, welche im Zusammenhang mit der amtlichen Tätigkeit des Emp-
fängers steht. Ein solcher Zusammenhang liegt vor, wenn der Amtsträger im
Rahmen seiner amtlichen Funktionen handelt oder mit dem in Frage stehen-
den Verhalten gegen Amtspflichten verstösst. Subjektiv erfordert der Tatbe-
stand Vorsatz, wobei Eventualvorsatz genügt (statt vieler vgl. Urteil des Bun-
desgerichts 6B_972/2017 vom 26. Februar 2018 E. 4.3 m.w.H.).
7.2.2 Die doppelte Strafbarkeit lässt sich gestützt auf die Darstellung im Ersuchen
vom 14. August 2020 beurteilen. Namentlich geht aus dem Ersuchen ausrei-
chend hervor, dass die Funktionäre der staatlichen Petrobras im Zusammen-
hang mit den Geschäften auf dem internationalen Treibstoffmarkt Beste-
chungsgelder erhalten haben sollen. Namentlich soll der Beschwerdefüh-
rer 1 im Rahmen seiner Funktion als Trader bei der staatlichen Gesellschaft
Petrobras als Finanzoperator fungiert haben. Insbesondere wird der Be-
schwerdeführer 1 verdächtigt, als Finanzoperator die von der F. GmbH und
G. LTD auf die von ihm geführten Konten transferiert und die Gelder in bar
- 17 -
an die Funktionäre von Petrobras übergeben zu haben. Dass es sich bei den
für die Petrobras handelnden und mutmasslich bestochenen Personen um
Staatsbeamte handelt, wird von den Beschwerdeführern zu Recht nicht in
Abrede gestellt. Die dem Beschwerdeführer 1 und den Funktionären von Pet-
robras vorgeworfenen Handlungen, namentlich die Leistung resp. Annahme
von Bestechungsgeldern können prima facie unter Art. 322ter bzw.
Art. 322quater StGB subsumiert werden. Bei diesem Ergebnis braucht die
Frage, ob dem Beschwerdeführer 1 ebenfalls Beamteneigenschaft zukam
und ob sein Verhalten damit sowohl unter die aktive als auch passive Beste-
chung subsumiert werden könnte, nicht entschieden zu werden. Aus dem-
selben Grund kann dahingestellt bleiben, ob der im Ersuchen dargestellte
Sachverhalt auch unter den Geldwäschereitatbestand i.S.v. Art. 305bis StGB
subsumiert werden kann.
7.3
7.3.1 Nach dem Grundsatz der Spezialität dürfen rechtshilfeweise erhaltene Aus-
künfte und Schriftstücke im ersuchenden Staat in Verfahren, bei denen
Rechtshilfe nicht zulässig ist, weder für Ermittlungen benützt noch als Be-
weismittel verwendet werden. Eine weitere Verwendung bedarf grundsätz-
lich der Zustimmung des zuständigen Bundesamtes (Art. 13 RV-BRA; Art. 67
Abs. 1–2 IRSG). Keine Rechtshilfe gewährt die Schweiz namentlich für rein
fiskalische Verfahren, nämlich wenn die verfolgte Tat auf die blosse Verkür-
zung von Fiskalabgaben (Steuerhinterziehung) gerichtet erscheint (Art. 3
Ziff. 1 lit. c RV-BRA; Art. 3 Abs. 3 IRSG).
7.3.2 Da das Ersuchen vom 13. März 2019 nicht Gegenstand des vorliegenden
Beschwerdeverfahrens bildet (E. 5.5.3 hiervor), braucht es an dieser Stelle
nicht geprüft zu werden. Hinweise, dass die brasilianischen Behörden das
Ersuchen zwecks Verfolgung von Widerhandlungen fiskalischer Natur ge-
stellt hätten, lassen sich dem Ersuchen vom 14. August 2020 nicht entneh-
men. Der Umstand, dass die brasilianischen Behörden die Untersuchung
insbesondere gegen mutmasslich korrupte Staatsbeamte führen, führt nicht
ohne Weiteres zur Annahme des politischen Charakters des Ersuchens.
Überdies hat die Beschwerdegegnerin in den angefochtenen Schlussverfü-
gungen den üblichen Spezialitätsvorbehalt angebracht (act. 1.3, 1.4). Nach
dem völkerrechtlichen Vertrauensprinzip wird die Einhaltung des Speziali-
tätsprinzips durch die Vertragsstaaten des Rechtshilfevertrags als selbstver-
ständlich vorausgesetzt (BGE 143 II 136 E. 5.2.1; 142 II 161 E. 2.1.3;121 I
181 E. 2c/aa; 107 Ib 264 E. 4b S. 271; zum Spezialitätsprinzip selbst: BGE
139 IV 137 E. 5.2.3; TPF 2008 68 E. 2.3). Gründe um zu bezweifeln, dass
der ersuchende Staat den jeweils in den hier angefochtenen Schlussverfü-
- 18 -
gungen angebrachten Spezialitätsvorbehalt beachten und die erhaltenen In-
formationen in einem dem Ersuchen nicht zugrundeliegenden Strafverfahren
verwenden wird, sind keine ersichtlich.
7.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die von den Beschwerdeführern
erhobenen Rügen nicht greifen. Da die formellen und materiellen Vorausset-
zungen des Ersuchens vom 14. August 2020 sich gestützt auf die darin ent-
haltene Sachverhaltsdarstellung beurteilen liessen, konnte die Beschwerde-
gegnerin auf die Einholung der darin erwähnten Beilagen beim BJ bzw. er-
suchenden Behörde verzichten.
8.
8.1 Schliesslich rügen die Beschwerdeführer eine Verletzung des Verhältnis-
mässigkeitsprinzips (act. 1, S. 16 ff.).
8.2 Rechtshilfemassnahmen haben generell dem Prinzip der Verhältnismässig-
keit zu genügen (statt vieler vgl. Entscheid des Bundesstrafgerichts
RR.2011.193 vom 9. Juli 2012 E. 8.2). Die internationale Zusammenarbeit
kann nur abgelehnt werden, wenn die verlangten Unterlagen mit der verfolg-
ten Straftat in keinem Zusammenhang stehen und offensichtlich ungeeignet
sind, die Untersuchung voranzutreiben, so dass das Ersuchen nur als Vor-
wand für eine unzulässige Beweisausforschung («fishing expedition») er-
scheint (BGE 142 II 161 E. 2.1.2 S. 166 f.; 139 II 404 E. 7.2.2 S. 424; 136 IV
82 E. 4.1 S. 85). Ob die verlangten Auskünfte für das Strafverfahren im er-
suchenden Staat nötig oder nützlich sind, ist eine Frage, deren Beantwor-
tung grundsätzlich dem Ermessen der Behörden dieses Staates anheimge-
stellt ist. Der ersuchte Staat ist verpflichtet, dem ersuchenden Staat alle die-
jenigen Aktenstücke zu übermitteln, die sich auf den im Rechtshilfeersuchen
dargelegten Sachverhalt beziehen können; nicht zu übermitteln sind nur die-
jenigen Akten, die für das ausländische Strafverfahren mit Sicherheit nicht
erheblich sind (sog. potentielle Erheblichkeit; BGE 128 II 407 E. 6.3.1 S. 423;
122 II 367 E. 2c; TPF 2009 161 E. 5.1 S. 163 m.w.H.). Hierbei ist auch zu
beachten, dass für das ausländische Strafverfahren nicht nur belastende,
sondern auch entlastende Beweismittel von Bedeutung sein können, um ei-
nen bestehenden Verdacht allenfalls zu widerlegen (TPF 2011 97 E. 5.1
S. 106 m.w.H.).
Dabei darf die ersuchte Rechtshilfebehörde über ein im Rechtshilfeersuchen
gestelltes Begehren nicht hinausgehen (Übermassverbot; BGE 136 IV 82
E. 4.1 S. 85 f.). Die Rechtsprechung hat diesen Grundsatz derweil insofern
präzisiert, als das Rechtshilfeersuchen nach Massgabe des Zwecks der an-
- 19 -
gestrebten Rechtshilfe weit ausgelegt werden kann, solange alle Vorausset-
zungen für die Gewährung der Rechtshilfe erfüllt sind. Auf diese Weise kann
eine andernfalls notwendige Ergänzung des Rechtshilfeersuchens vermie-
den werden (BGE 136 IV 82 E. 4.1 S. 86; vgl. zum Ganzen auch TPF 2009
161 E. 5.1 S. 164). Zielt das Rechtshilfeersuchen auf die Ermittlung ab, auf
welchem Weg Geldmittel möglicherweise strafbarer Herkunft verschoben
worden sind, so sind die Behörden des ersuchenden Staates grundsätzlich
über alle Transaktionen zu informieren, die von Gesellschaften und über
Konten getätigt worden sind, welche in die Angelegenheit verwickelt sind
(BGE 129 II 462 E. 5.3 S. 468; TPF 2011 97 E. 5.1 S. 106 m.w.H.).
8.3 Die Beschwerdeführer zeigen nicht konkret auf, welche in den Schlussverfü-
gungen bezeichneten Bankunterlagen nicht an die ersuchende Behörde her-
auszugeben sind. Sie beschränken ihre Ausführungen auf die Bestreitung
eines Zusammenhangs zwischen den von der Rechtshilfemassnahme be-
troffenen Konten und dem brasilianischen Strafverfahren. Diese lediglich all-
gemein gehaltenen Ausführungen genügen den Begründungsanforderun-
gen nicht, weshalb das Vorbringen bereits aus diesem Grund abzuweisen
ist.
8.4 Im Übrigen wäre das Vorbringen auch inhaltlich unbegründet. Das ursprüng-
lich auf die C. SA lautende Konto Nr. 3 bei der Bank E., an welchem unter
anderem der beschuldigte Beschwerdeführer 1 Wirtschafts- und Zeich-
nungsberechtigter war, wurde im Jahr 2017 geschlossen. Die letzte Trans-
aktion vor der Schliessung des Bankkontos erfolgte im Mai 2017 zugunsten
eines auf den Beschwerdeführer 1 lautenden Bankkontos im Umfang von
USD 1'156'967.92 (Verfahrensakten BA, pag. 002177_00799). Ebenso war
der Beschwerdeführer 1 am auf die C. SA lautenden Konto Nr. 1 bei der
Bank D. Wirtschafts- und Zeichnungsberechtigter. Gemäss den für den
Rechtshilferichter verbindlichen Ausführungen im Ersuchen ist die ersu-
chende Behörde auf diese beiden Bankkonten gestossen, als sie die beim
Beschwerdeführer 1 sichergestellten Unterlagen analysiert hat. Da insbe-
sondere der Verdacht besteht, dass der Beschwerdeführer 1 über das oben
beschriebene Konstrukt Korruptionsgelder habe zirkulieren lassen, kann
nicht ausgeschlossen werden, dass auch über die hier gegenständlichen
Konten inkriminierte Gelder geflossen sein könnten. Zudem handelt es sich
bei den von der Rechtshilfemassnahme betroffenen Unterlagen unter ande-
rem um Kontoeröffnungsunterlagen sowie um Dokumente zu den Kontobe-
wegungen. Als solche sind sie geeignet, der ausländischen Behörde zu er-
möglichen, den Fluss von allfälligen inkriminierten Geldern zu ermitteln.
- 20 -
8.5 Andere Hindernisse, welche der zu gewährenden Rechtshilfe entgegenstün-
den, werden weder geltend gemacht noch sind solche ersichtlich.
9. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde vollumfänglich abzuweisen, soweit
darauf einzutreten ist.
10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten den Beschwer-
deführern aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Gerichtsgebühr ist auf
insgesamt Fr. 5'000.-- festzusetzen (vgl. Art. 63 Abs. 5 VwVG i.V.m. Art. 73
StBOG sowie Art. 5 und 8 Abs. 3 lit. a des Reglements des Bundesstrafge-
richts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigun-
gen in Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]), unter Anrechnung
des geleisteten Kostenvorschusses in gleicher Höhe.
- 21 -