# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** ae2a9c4e-f470-4030-a0c0-0f81168574d0
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2004
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1 B._, geboren 1981, arbeitete seit dem 30. September 2002 als Service-Monteur bei der A._ AG in C._ und war bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert, als er sich am 2. November 2003 beim Aussteigen aus einem Lieferwagen eine Verletzung am rechten Knie zuzog (Urk. 9/1).
Die medizinische Erstversorgung fand bei Dr. med. D._ statt (Urk. 9/1-2). Am 17. Februar 2004 wurde der Versicherte durch Dr. med. E._, Spezialarzt FMH für Orthopädische Chirurgie, welcher einen luxierten medialen Korbhenkelmeniskusriss und eine Plica mediopatellaris rechts diagnostiziert hatte, operiert (Urk. 9/19; vgl. auch Urk. 9/18).
1.2 Bereits mit Verfügung vom 8. Januar 2004 (Urk. 9/9) hatte die SUVA ihre Leistungspflicht mit der Begründung verneint, dass die Verletzung, welche der Versicherte am 2. November 2003 erlitten hatte, weder durch einen Unfall noch durch eine unfallähnliche Körperschädigung entstanden sei. Die SWICA Krankenversicherung, bei welcher der Versicherte bis Ende 2003 krankenversichert gewesen war, erhob am 15. Januar 2004 gegen die genannte Verfügung Einsprache (Urk. 9/11), zog diese allerdings in der Folge wieder zurück (Urk. 9/15). Am 19. Januar 2004 erhob der Versicherte Einsprache (Urk. 8/12). Am 26. Februar 2004 erhob auch die Progrès, bei welcher der Versicherte seit 1. Januar 2004 krankenversichert war, Einsprache gegen die genannte Verfügung (nachträglich am 20. Februar 2004 an die Progrès versandt [vgl. Urk. 9/21]). Am 8. März 2004 zog die Progrès die Einsprache zurück (Urk. 9/26). Mit Entscheid vom 2. April 2004 (Urk. 2) wies die SUVA die Einsprache des Versicherten ab.
2. Dagegen liess er mit Eingabe vom 29. Juni 2004 (Urk. 1) Beschwerde erheben mit folgenden Anträgen:
„1. Es sei der Einsprache-Entscheid vom 2. April 2004 mit der Feststellung aufzuheben, dass der Beschwerdeführer am 2. November 2003 eine unfallähnliche Verletzung erlitten hat und die Beschwerdegegnerin dafür die gesetzlichen Versicherungsleistungen zu erbringen hat.
2. Es sei eine angemessene Parteientschädigung zuzusprechen.“
Die SUVA liess in ihrer Beschwerdeantwort vom 3. September 2004 (Urk. 8) auf Abweisung der Beschwerde schliessen. Mit Verfügung vom 6. September 2004 (Urk. 10) wurde der Schriftenwechsel geschlossen.
Auf die Ausführungen der Parteien ist, soweit für die Entscheidfindung erforderlich, in den Erwägungen einzugehen.

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Ein Unfall ist gemäss Art. 4 des Bundesgesetzes über den allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
1.2
1.2.1 Gemäss Art. 6 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) kann der Bundesrat Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherungen einbeziehen. Von dieser Kompetenz hat der Bundesrat in Art. 9 Abs. 2 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) Gebrauch gemacht und folgende, abschliessend aufgeführte Körperschädigungen, sofern sie nicht eindeutig auf eine Erkrankung oder eine Degeneration zurückzuführen sind, auch ohne ungewöhnliche äussere Einwirkung Unfällen gleichgestellt:
a. Knochenbrüche;
b. Verrenkungen;
c. Meniskusrisse;
d. Muskelrisse;
e. Muskelzerrungen;
f. Sehnenrisse;
g. Bandläsionen;
h. Trommelfellverletzungen.
1.2.2 Das Eidgenössische Versicherungsgericht hat sich in BGE 129 V 466 erneut zu den Leistungsvoraussetzungen bei unfallähnlichen Körperschädigungen geäussert. Es hat dabei in Fortsetzung der Rechtsprechung (BGE 123 V 43 und RKUV 2001 Nr. U 435 S. 332) daran festgehalten, dass mit Ausnahme der Ungewöhnlichkeit sämtliche Tatbestandsmerkmale des Unfallbegriffs erfüllt sein müssen. Besondere Bedeutung kommt dabei der Voraussetzung eines äusseren Ereignisses zu, das heisst eines ausserhalb des Körpers liegenden, objektiv feststellbaren, sinnfälligen, eben unfallähnlichen Vorfalles. Wo ein solches Ereignis mit Einwirkung auf den Körper nicht stattgefunden hat, und sei es auch nur als Auslöser eines in Art. 9 Abs. 2 lit. a-h UVV aufgezählten Gesundheitsschadens, liegt eine eindeutig krankheits- oder degenerativ bedingte Gesundheitsschädigung vor. Kein unfallähnliches Ereignis liegt in all jenen Fällen vor, in denen der äussere Faktor mit dem (erstmaligen) Auftreten der für eine der in Art. 9 Abs. 2 lit. a-h UVV enthaltenen Gesundheitsschäden typischen Schmerzen gleichgesetzt wird. Auch nicht erfüllt ist das Erfordernis des äusseren schädigenden Faktors, wenn das (erstmalige) Auftreten von Schmerzen mit einer blossen Lebensverrichtung einhergeht, welche die versicherte Person zu beschreiben in der Lage ist; denn für die Bejahung eines äusseren auf den menschlichen Körper schädigend einwirkenden Faktors ist stets ein Geschehen verlangt, dem ein gewisses gesteigertes Gefährdungspotenzial innewohnt. Das ist zu bejahen, wenn die zum einschiessenden Schmerz führende Tätigkeit im Rahmen einer allgemein gesteigerten Gefahrenlage vorgenommen wird, wie dies etwa für viele sportliche Betätigungen zutreffen kann. Wer hingegen beim Aufstehen, Absitzen, Abliegen, der Bewegung im Raum, Handreichungen und so weiter einen einschiessenden Schmerz erleidet, welcher sich als Symptom einer Schädigung nach Art. 9 Abs. 2 UVV herausstellt, kann sich nicht auf das Vorliegen einer unfallähnlichen Körperschädigung berufen. Erfüllt ist demgegenüber das Erfordernis des äusseren schädigenden Faktors bei Änderungen der Körperlage, die nach unfallmedizinischer Erfahrung häufig zu körpereigenen Traumen führen können, also im Sinne der bisherigen Rechtsprechung das plötzliche Aufstehen aus der Hocke, die heftige und/oder belastende Bewegung und die durch äussere Einflüsse unkontrollierbare Änderung der Körperlage im Sinne der von der Rechtsprechung positiv beurteilten Sachverhalte, woran festzuhalten ist (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 11. Dezember 2003 in Sachen Helsana Versicherungen AG gegen Schweizerische Unfallversicherungsanstalt, U 159/03).
1.2.3 Im bereits erwähnten Entscheid BGE 129 V 468 Erw. 4.1 hat das Eidgenössische Versicherungsgericht seine Rechtsprechung zur unfallähnlichen Körperschädigung in Bezug auf die einzelnen „sinnfälligen Vorfälle“ kasuistisch zusammengestellt. Dabei ist für den vorliegenden Fall festzuhalten, dass das Gericht das Vorliegen eines äusseren Faktors (neben den bereits in Erw. 1.2.2 erwähnten) insbesondere auch in folgenden Fällen bejaht hat (Fundstellennachweise in BGE 129 V 468 Erw. 4.1): Fehlschlag beim Fussballspiel; Aufheben oder Abstellen von Gewichten von 40 bis 50 kg; Verschieben eines schweren Wäschekorbes mit dem linken Fuss; Sprung von einer Verpackungskiste; Misstritt beim Volleyballspiel mit einschiessendem Zwick im linken Knie; Sprung aus einer Höhe von 60 cm aus einem Bahngepäckwagen; Zerrung der Adduktorenmuskeln im Rahmen eines Fussballtrainings; brüskes Umdrehen beim Kochen in Richtung Küchenschrank mit einschiessenden Schmerzen im Knie.
1.3 Praxisgemäss stellen die Gerichte im Bereich des Sozialversicherungsrechts in der Regel auf die „Aussagen der ersten Stunde“ ab, denen in beweismässiger Hinsicht grösseres Gewicht zukommt als späteren Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 121 V 47 Erw. 2a, 115 V 143 Erw. 8c mit Hinweis).
2.
2.1 Die Beschwerdegegnerin verneinte ihre Leistungspflicht im Wesentlichen mit der Begründung, dass weder ein Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG noch eine unfallähnliche Körperschädigung im Sinne von Art. 9 Abs. 2 UVV vorliege. Ein Unfall könne ausgeschlossen werden, weil nichts Aussergewöhnliches vorgefallen sei. Das Vorliegen einer unfallähnlichen Körperschädigung sei zu verneinen, weil keine der von der Rechsprechung entwickelten Voraussetzungen (gesteigertes Gefährdungspotential; gesteigerte Gefahrenlage; zur Unkontrollierbarkeit führender Moment; mehr als physiologisch normale, psychologisch beherrschte Körperbeanspruchung; Änderung der Körperlage, die nach unfallmedizinischer Erfahrung zu körpereigenen Traumen führen kann) gegeben sei. Es fehle an einem „äusseren Ereignis“; das vom Beschwerdeführer geschilderte Aussteigen aus dem Arbeitsbus sei nicht durch ein besonderes Vorkommnis begleitet gewesen, sondern stelle eine alltägliche Lebensverrichtung ohne erhöhtes Gefährdungspotential dar.
2.2 Demgegenüber liess der Beschwerdeführer geltend machen, dass sich die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin aus Art. 9 Abs. 2 lit. c UVV ergebe. Der am 2. Oktober 2003 erlittene Korbhenkelmeniskusriss sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit durch den „Sprung von der Heckladefläche des Arbeitsbusses aus einer Höhe von 55 cm auf das rechte Bein mit Verdrehung des Knies“ ausgelöst worden. Somit sei ein äusseres Ereignis im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung gegeben.
3.
3.1 Strittig und zu prüfen ist einzig, ob die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht in Bezug auf den am 2. November 2003 erlittenen Meniskusriss zu Recht verneint hat, weil keine unfallähnliche Körperschädigung im Sinne von Art. 9 Abs. 2 UVV vorliegt. Übereinstimmend und zutreffend gehen die Parteien im Übrigen davon aus, dass der Vorfall vom 2. November 2003 nicht als Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG zu qualifizieren ist.
3.2 In der Unfallmeldung vom 20. November 2003 (Urk. 9/1) wird der Vorfall vom 2. November 2003 folgendermassen beschrieben: „Fehltritt bei Ausstieg von Auto“. Im Arztzeugnis UVG vom 5. Dezember 2003 (Urk. 9/2) hielt Dr. D._ folgende Schilderung des Ereignisses fest: „Beim Aussteigen aus dem Arbeitsbus an einer Messe plötzlich Schlag im Knie und konnte dann sofort nicht mehr stehen und normal gehen.“ Am 8. Dezember 2003 erklärte der Beschwerdeführer unterschriftlich was folgt (Urk. 9/4): „Als ich dann am 2.11. abends aufgeräumt hatte, verdrehte ich mir das Knie, nachdem ich aus dem Arbeitsbus wie gewohnt ausgestiegen war.“ Die ihm gestellte Frage, ob etwas Besonderes (etwa Ausgleiten oder Sturz) passiert sei, verneinte er. Im Rahmen des Einspracheverfahrens vermutete der Beschwerdeführer, dass er wohl „beim Abstehen in eine Bodenvertiefung geraten sein“ müsse (Urk. 9/12). In seiner Beschwerdeschrift vom 29. Juni 2004 (Urk. 1) liess er nunmehr - wie bereits ausgeführt wurde - von einem „Sprung“ aus 55 cm Höhe sprechen.
3.3 Die soeben zitierten Schilderungen des Ereignisses vom 2. November 2003 zeigen eine gewisse Tendenz des Beschwerdeführers, den Vorfall vom 2. November 2003 mit zunehmender zeitlicher Distanz dramatischer darzustellen. Insoweit ist der Hinweis der Beschwerdegegnerin auf den allgemeinen Grundsatz, wonach Aussagen der ersten Stunde im Regelfall höhere Beweiskraft zukomme als späteren, durchaus nachvollziehbar.
Die Beschwerdegegerin liess dabei allerdings ausser Acht, dass bereits in der ersten Schilderung des Vorfalls vom 20. November 2003 (Urk. 9/1) ein „Fehltritt“ erwähnt worden war. Mit anderen Worten wurde bereits zu jenem frühen Zeitpunkt geltend gemacht, dass sich etwas „Sinnfälliges“ ereignet habe. In dieses Bild fügt sich im Übrigen auch, dass der erstbehandelnde Arzt ein Kniedistorsionstrauma diagnostiziert hatte (Urk. 9/2), was aus spezialärztlicher Sicht ausdrücklich bestätigt wurde (Urk. 9/34). Nach einhelliger ärztlicher Ansicht war die streitgegenständliche Verletzung somit die Folge einer Drehung beziehungsweise einer Rotationsbewegung.
Es erscheint demnach als überwiegend wahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer am 2. November 2003 (aus einer Höhe von 55 cm) aus dem Arbeitsbus stieg und beim Aufsetzen einen Fehltritt mit Rotation seines rechten Knies machte (vgl. dazu auch Urk. 3/3-4). Die Auffassung der Beschwerdegegnerin, wonach der Beschwerdeführer am 2. November 2003 „ganz normal und wie gewohnt“ aus dem Arbeitsbus ausgestiegen sei, findet in den Akten insoweit keine Stütze, als die Beschwerdegegnerin damit eine Irregularität beim Aufsetzen auf dem Boden (das heisst einen Fehltritt) ausschliessen wollte; denn Letzteres wurde von Anfang an glaubhaft geschildert.
3.4 Vergleicht man nun das Ereignis vom 2. November 2003 mit den in Erw. 1.2.3 stichwortartig wiedergegebenen „sinnfälligen“ Vorfällen, lässt sich Ersteres zwanglos in die Reihe jener Sachverhalte einordnen. Zwar ist der Beschwerdegegnerin zuzustimmen, dass allein das Aussteigen aus einem Arbeitsbus noch keinen äusseren Faktor im Sinne der höchstrichterlichen Praxis darstellt. Anderes gilt hingegen für den beschriebenen Fehltritt aus 55 cm Höhe mit Rotation des Knies.
Ist folglich von einem unfallähnlichen Ereignis auszugehen, hat die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht in Bezug auf den am 2. November 2003 erlittenen Meniskusriss zu Unrecht verneint. Der angefochtene Einspracheentscheid ist daher in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zur Festsetzung ihrer Leistungen ab 2. November 2003 zurückzuweisen.
4. Gemäss § 34 Abs. 1 Satz 2 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) und § 9 der Verordnung über die sozialversicherungsgerichtlichen Gebühren, Kosten und Entschädigungen hat der Beschwerdeführer Anspruch auf den vom Gericht festgesetzten Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach dem zu beurteilenden Sachverhalt und der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. Vorliegend erscheint eine Prozessentschädigung in der Höhe von Fr. 1’300.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen.