# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 08e22eb9-05f7-4976-9396-19cbd1c839c0
**Court:** SG_VB
**Chamber:** SG_VB_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

Sachverhalt
A.
B._ ist Eigentümer des 12'952 m2 grossen Grundstücks Nr. 001,
Grundbuchkreis Z._. Das Baugrundstück liegt gemäss geltendem
Zonenplan der Politischen Gemeinde Z._ vom 1. November 1980 in
der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen und im
Ortsbildschutzgebiet OS A.
Das Grundstück ist mit einer barocken Klosteranlage überbaut. Die
meisten Gebäude sind von nationaler und kantonaler Bedeutung und
nach Art. 8 der Bauordnung der Politischen Gemeinde Z._ vom
9. August 2002 bzw. 23. Februar 2006 (SRS 731.1; abgekürzt BO)
und gemäss Art. 115 des Planungs- und Baugesetzes (sGS 731.1; ab-
gekürzt PBG) von Gesetzes wegen geschützt. Die gesamte Anlage ist
sodann gemäss Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der
Schweiz (ISOS) Bestandteil eines Gebiets bzw. einer Baugruppe mit
dem Erhaltungsziel A. Der Stiftsbezirk, der über das Grundstück Nr. 001 hinausgeht, wurde sodann auf Grund seiner ausserordentli-
chen Bedeutung für die Menschheit samt seiner mobilen Kulturgüter
im Jahr 1983 in die UNESCO Weltkulturerbe-Liste aufgenommen. Der
Kanton Z._, B._ und die Stadt Z._ haben sich im Rahmen einer
gemeinsamen Vereinbarung vom 15. Januar 2015 verpflichtet, das
Weltkulturerbe Stiftsbezirk zu pflegen und für die nächsten Generatio-
nen zu bewahren.
B.
a) Der Grundeigentümer reichte am 6. März bzw. 28. April 2020 ein
Baugesuch für Innenum- und Dachaufbauten ein. Dieses lag vom
17. März bis 1. April 2020 und 7. Mai bis 20. Mai 2020 öffentlich auf.
b) Gegen das Baugesuch erhob A._ mit Schreiben vom 30. März
2020 Einsprache mit folgenden Anträgen:
1. Die eingereichte eben falsche Baueingabe sei an den
Gesuchsteller zurückzuweisen. Es geht nicht an, dass im von Ihnen sehr geehrter Herr C._ verantworteten Archiv eine solchermassen unzutreffende  vom Welterbe erster Stunde abgelegt wird.
2. Es sei von Amtes wegen ein Untersuchungsverfahren einzuleiten, mit den beteiligten Herren, die da wären: D._, E._, F._ u.w., da meine Rechere- und die von mir geführten Telefongespräche mit mehreren Beteiligten, eine bewusst manipulierte  nicht mehr ausschliessen. Es gilt die .
c) Mit Schreiben vom 31. März 2020 reichte er eine ausführliche
Einsprachebegründung nach und stellte dabei folgende Anträge:
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 6/2021), Seite 3/12
1. Das Baugesuch 57386 sei an den Projektverfasser .
2. Eine Baubewilligung zum Bauen von Gauben auf der Südseite sei nicht zu erteilen.
3. Zum Schutz der Professur sei ein neues  zu erstellen, in welches die Professur aufzunehmen sei.
4. Sämtliche Dachfenster auf der Süddachfläche sind zu entfernen. Sämtliche Dunstrohre sind auf die  zu etagieren.
d) Die städtische Denkmalpflege empfahl mit Stellungnahme vom
15. Mai 2020, die Dachgauben auf dem Professenhaus abzulehnen.
Alternativ stünde für die vorgesehene Umnutzung das Dach des an-
grenzenden Dekanatsflügels zur Verfügung.
e) Das kantonale Amt für Kultur stellte am 19. August 2020 eben-
falls eine Beeinträchtigung des Professenhauses durch die geplanten
Dachgauben fest, war aber der Meinung, dass eine nachvollziehbare
Nutzung vorliege und die Eingriffe im Sinn einer Interessenabwägung
toleriert werden könnten. Aus diesem Grund stimmte es dem Bauge-
such unter Auflagen zu.
f) Am 11. September 2020 erliess die Baubewilligungskommission
der Stadt Z._ folgenden Beschluss:
1. Die Bewilligung zum Baugesuch 57386 nach den Plä-
nen vom 17. März 2020 bzw. den Korrekturplänen vom 5. Mai 2020 wird unter Vorbehalt der  und Auflagen unter IV. teilweise erteilt.
2. Die beidseitigen Dachgauben auf dem  werden abgewiesen.
3. Die öffentlich-rechtlichen Einsprachen von A._  teilweise geschützt, im Übrigen abgewiesen,  darauf einzutreten ist.
4. Das Begehren des Gesuchstellers um ausseramtliche Entschädigung wird abgewiesen.
Die Bewilligungsbehörde stützte sich beim Bauabschlag bezüglich der
Dachgauben u.a. auf die im ersten Managementplan UNESCO-
Weltkulturerbe Stiftsbezirk 2017–2020 durch B._, den Kanton Z._
und die Politische Gemeinde Z._ im Jahr 2016 festgelegten Schutz-
und Erhaltungsziele ab. Demnach sollen die Baudenkmäler und Frei-
räume des Weltkulturerbes in ihrer historischen Substanz und ihrem
Erscheinungsbild integral und authentisch erhalten und vor Beein-
trächtigungen und Gefährdungen geschützt werden. Dies sei mit den
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 6/2021), Seite 4/12
geplanten Dachgauben nicht möglich, weil dadurch die Dachland-
schaft empfindlich verändert werde.
C.
a) Mit E-Mail vom 5. Oktober 2020 erkundigte sich der Einsprecher
beim Amt für Baubewilligungen nach den bereits aufgenommenen
Bauarbeiten beim ehemaligen Bankgebäude und verlangte eine um-
gehende Baueinstellungsverfügung. Das Amt antwortete gleichen-
tags, dass die beobachteten Bauarbeiten ein separates Baugesuch
beträfen, das zwischenzeitlich rechtskräftig bewilligt worden sei, wes-
halb sich ein sofortiger Baustopp erübrige.
b) Gegen den Beschluss vom 11. September 2020 erhob A._
ebenfalls mit Schreiben vom 5. Oktober 2020 Rekurs beim Baudepar-
tement und stellt dabei folgende Anträge:
1. Es seien Ziff. 1 und 3 des Entscheides der Baubewilli-
gungskommission vom 11. September 2020  und es sei die Bewilligung zum Baugesuch 57386 nur unter der zusätzlichen Auflage zu erteilen, dass
a) die noch vorhandenen drei Dachflächenfenster  die vier Dunstrohre südhalb über dem  zu beseitigen sind und das Dach in den ursprünglichen, unverletzten weil nicht  Zustand versetzt wird;
b) (zulässig sind Sicherungshaken vom First nach  zum Schneefang);
c) die Gesuchstellerin sich verpflichtet, den nicht durchbrochenen Zustand des Daches südhalb über der Professur explizit im  vermerken zu lassen.
2. Es sei die Gesuchstellerin bei Strafandrohung (Art. 292 StGB) anzuweisen, nicht ohne rechtskräftige Bewilligung mit den Bauarbeiten zu beginnen.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Gesuchstellerin.
Zur Begründung wird geltend gemacht, die drei bestehenden Dachflä-
chenfenster und die vier Dunstrohre seien vermutlich anfangs der
90er-Jahre ohne Baubewilligung erstellt worden. Die illegalen Bauteile
seien zu entfernen und das Dach in seinen ursprünglichen Zustand
zurückzuversetzen. Ohne Festschreibung dieser bauhistorischen Be-
sonderheiten im Prioritätenschutzinventar bliebe die Gefahr bestehen,
dass die Bedeutung des mittelalterlichen Dachs in späteren Bewilli-
gungsverfahren übersehen werde. Weiter rügt der Rekurrent die be-
reits begonnenen Abraumarbeiten.
D.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 6/2021), Seite 5/12
a) Mit Vernehmlassung vom 20. November 2020 beantragt der
Rekursgegner, den Rekurs unter Kostenfolge abzuweisen und die
Teile der Baubewilligung, die nicht angefochten sind, umgehend als
rechtskräftig zu erklären (Teilprojekte Türmliflügel; Offizialat, Oberge-
schoss Dekanatsflügel). Er bringt vor, dass die gerügten Dachflächen-
fenster und Dunstrohre nicht Gegenstand des vorliegend zu überprü-
fenden Baugesuchs seien, weshalb auf die vorliegende Rüge nicht
eingetreten werden könne. Diese seien schon vor Jahrzehnten erstellt
worden, wie aus dem Titelbild der Festschrift "175 Jahre B._" her-
vorgehe, die Ende der 70er-Jahre erschienen sei. Vermutlich seien
diese Gebäudeteile anlässlich der grossen Renovation in den 50er-
Jahren des letzten Jahrhunderts eingebaut worden. Für die bereits an-
fangs September 2020 begonnenen Bauarbeiten im ehemaligen
Bankgebäude liege seit 31. Juli 2020 eine rechtskräftige Baubewilli-
gung vor.
b) Mit Vernehmlassung vom 4. Dezember 2020 beantragt die Vor-
instanz, den Rekurs abzuweisen, soweit darauf infolge Fehlens eines
Anfechtungsobjekts überhaupt einzutreten sei. Die Begehren aus-
serhalb des Anfechtungsobjekts habe das Amt für Baubewilligungen
als "Anzeige" entgegengenommen. Es werde den Sachverhalt prüfen.
Dabei könne an dieser Stelle offenbleiben, zu welcher materiellen Be-
urteilung die Baubewilligungskommission kommen werde.
c) Der Verfahrensleiter teilt dem Rekurrenten am 15. Dezember
2020 telephonisch mit, dass die verlangte Unterschutzstellung und der
beantragte Rückbau nicht Gegenstand des vorliegend zu überprüfen-
den Baugesuchs seien, weshalb auf den Rekurs voraussichtlich nicht
eingetreten werden könne. Aus diesem Grund gab er dem Rekurren-
ten gleichentags Gelegenheit, den Rekurs zurückzuziehen. Dieser teilt
mit Schreiben vom 23. Dezember 2020 mit, dass er am Rekurs fest-
halte, da er der Meinung sei, dass ihm ein irreversibler Schaden
entstehen würde, wenn das Verfahren in ein Bewilligungs- und in ein
"Anzeige-"Verfahren aufgeteilt würde. Seine Anliegen (Rückbau und
Aufnahme in ein Prioritätenschutzinventar) seien geradzu prädesti-
niert, um mit Auflagen und Bedingungen in einer Baubewilligung auf-
genommen zu werden. Wenn die Bauherrin schon kostspielige Um-
bauten und Sanierungsarbeiten sowie neue Dachaufbauten plane,
dann dürfe sie im Fall der Nichtbewilligung der Gauben auch durchaus
verpflichtet werden, die illegalen Dachflächenfenster und Dunstrohre
auf der Südseite zu entfernen.
E.
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten in den vor-

## Considerations

genannten Eingaben wird – soweit erforderlich – in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 6/2021), Seite 6/12
1.
1.1 Die Zuständigkeit des Baudepartementes ergibt sich aus
Art. 43bis des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1;
abgekürzt VRP).
1.2 Die Frist- und Formerfordernisse von Art. 47 Abs. 1 und Art. 48
VRP sind erfüllt. Die Rekursberechtigung ist gegeben (Art. 45 VRP).
Auf den Rekurs ist unter Vorbehalt der nachfolgenden Erwägungen
einzutreten.
2.
Am 1. Oktober 2017 ist das Planungs- und Baugesetz in Kraft getreten
und das Baugesetz vom 6. Juni 1972 (nGS 8, 134; abgekürzt BauG)
aufgehoben worden (Art. 172 Bst. a PBG). Gemäss Art. 173 PBG wer-
den indessen die bei Vollzugsbeginn dieses Erlasses hängigen Bau-
bewilligungsverfahren grundsätzlich nach jenem Recht beurteilt, das
im Zeitpunkt des erstinstanzlichen Entscheids der Baubewilligungsbe-
hörde Gültigkeit hat (Art. 173 PBG). Der erstinstanzliche Einsprache-
und Baubewilligungsentscheid erging am 11. September 2020. Mithin
sind vorliegend grundsätzlich die Bestimmungen des PBG anwendbar,
sofern sie gemäss Anhang zum Kreisschreiben „Übergangsrechtliche
Bestimmungen im PBG“ vom 8. März 2017 (Baudepartement SG, Ju-
ristische Mitteilungen 2017/I/1) als unmittelbar anwendbar erklärt wer-
den. Im Übrigen gelangen weiterhin das Baugesetz und das entspre-
chende Baureglement zur Anwendung.
3.
Vorliegend ist strittig, was Anfechtungs- und Streitgegenstand ist. So-
dann ist fraglich, ob der Rekurrent an der Änderung oder Aufhebung
des angefochtenen Beschlusses überhaupt ein eigenes schutzwürdi-
ges Interesse dartut.
3.1 Im Anfechtungsverfahren ist eine Verfügung Anfechtungsobjekt,
die ein bestimmtes Rechtsverhältnis regelt, vorliegend also die Bewil-
ligung bzw. die Verweigerung des Baugesuchs. Streitgegenstand ist
dabei das durch die Verfügung geregelte (oder zu regelnde) Rechts-
verhältnis (CAVELTI/VÖGELI, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton
St.Gallen, St.Gallen 2003, N 478), konkret die Bewilligung bzw. der
Bauabschlag die Innenaus- und Dachaufbauten betreffend. Liegt
keine Verfügung vor, so fehlt es im Anfechtungsverfahren an einer
Prozessvoraussetzung, weshalb auf das ergriffene Rechtsmittel der
Verwaltungsrechtspflege grundsätzlich nicht eingetreten werden kann
(CAVELTI/VÖGELI, a.a.O., N 534).
3.2 Den Gegenstand einer Baubewilligung bestimmt der Bauherr
mit seinem Baugesuch. Die Behörde oder Dritte haben keine Möglich-
keit, den Bauherrn verbindlich dazu zu bringen, für ein bestimmtes
Bauvorhaben ein Gesuch ein- oder nachzureichen (BDE 105/2020
vom 3. November 2020 Erw. 2.2 ff.). Kommt der Betroffene der Auffor-
derung gemäss Art. 159 Abs. 1 Bst. c PBG, ein nachträgliches Bauge-
such einzureichen, nicht nach, bleibt der Baubehörde nichts anderes
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 6/2021), Seite 7/12
übrig, als von Amtes wegen einen Baustopp zu erlassen bzw. ein Wie-
derherstellungsverfahren einzuleiten und über einen allfälligen Rück-
bau zu befinden (VerwGE B 2013/181 vom 19. August 2014 Erw. 3.4
mit Hinweis). Für das entsprechende Wiederherstellungsverfahren
werden die Vorschriften über das Baubewilligungsverfahren nach
Art. 135 PBG sachgemäss angewendet (Art. 159 Abs. 3 PBG).
3.3 Konkret hat der Rekursgegner um Bewilligung der Umbauarbei-
ten im Innern des Türmlihauses, des Dekanats- und Verwaltungsflü-
gels sowie des Bankgebäudes nachgesucht. Der Rückbau der beste-
henden Dachflächenfenster und Dunstabzugsrohre waren dabei kein
Thema. Der Rekurrent hat dagegen Einsprache erhoben, weil er die
nachgesuchten Dachgauben verhindern wollte, mit den Umbauarbei-
ten im Innern hatte er sich ausdrücklich einverstanden erklärt. Die Be-
willigung für die baulichen Veränderungen im Bankgebäude wurde
vorgezogen und ist zwischenzeitlich unangefochten in Rechtskraft er-
wachsen, wie ihm die Baubehörde – auf Nachfrage – zwischenzeitlich
auch mitgeteilt hat. Dadurch erübrigt sich, die Bauherrschaft ausdrück-
lich darauf hinzuweisen, dass von der Baubewilligung erst nach Eintritt
der entsprechenden Rechtskraft Gebrauch gemacht werden darf, wie
der Rekurrent verlangt. Sodann hat die Baubehörde die Einsprache
gegen die von aussen sichtbaren Dachgauben geschützt und deren
Bewilligung verweigert sowie die restlichen nachgesuchten Bauarbei-
ten im Innern bewilligt. Damit ist der einzig umstrittene Punkt des Bau-
gesuchs weggefallen, weshalb der Rekurrent kein schutzwürdiges In-
teresse mehr hat, sich weiter gegen das Baugesuch bzw. die bloss
teilweise erteilte Baubewilligung zu wehren. Insofern ist mangels Be-
schwer des Rekurrenten auf den Rekurs gegen die erteilte Baubewil-
ligung nicht einzutreten.
4.
Der Rekurrent macht weiter geltend, seine Anträge, dass das Dach
des Pfarr- und Verwaltungsflügels im sogenannten "Prioritätenschutz-
inventar" aufgenommen werde und sämtliche bereits bestehenden
Dachflächenfenster und Dunstrohre auf dem südseitigen Dach ent-
fernt würden, hätten ebenfalls im Einspracheverfahren behandelt wer-
den müssen. Mithin ist insofern auf seinen Rekurs einzutreten, als ge-
prüft werden muss, ob der Rekurrent einen Anspruch darauf hat, dass
seine Anträge auf zusätzliche Unterschutzstellung und Wiederherstel-
lung des rechtmässigen Zustands mit seiner Einsprache hätten ver-
knüpft werden müssen bzw. ob es dafür einen Koordinationsbedarf
gibt, wie er sinngemäss geltend macht.
4.1 Nach Art. 116 PBG kann der Grundeigentümer einen Entscheid
über die Unterschutzstellung eines potentiellen Schutzobjekts verlan-
gen (Provokationsverfahren). Ein solcher Antrag ist nach dem klaren
Gesetzeswortlaut aber dem betroffenen Grundeigentümer vorbehal-
ten, weshalb sich der Rekurrent, Nachbar des Baugrundstücks, nicht
auf diese Bestimmung berufen kann.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 6/2021), Seite 8/12
4.2 Darüber hinaus ist die Unterschutzstellung von Baudenkmälern
und archäologischen Denkmälern in Art. 121 ff. PBG geregelt. Nach
Art. 121 Abs. 1 PBG erfolgt sie durch Aufnahme und Beschrieb in ei-
nem Nutzungsplan (Bst. a), durch Baubeschränkungen und Auflagen
in der Baubewilligung (Bst. b) oder ausnahmsweise durch Schutzver-
fügung (Bst. c). Vorliegend verlangt der Rekurrent die Unterschutzstel-
lung im Rahmen eines Baugesuchs. Eine Unterschutzstellung durch
Baubeschränkungen und Auflagen in der Baubewilligung setzt aber
voraus, dass ein Schutzgegenstand tatsächlich beeinträchtigt wird.
Eine entsprechende Schädigung steht vorliegend aber nicht zur Dis-
kussion, weil das (bereits unter Schutz stehende) Professenhaus mit
der Nichtbewilligung der nachgesuchten Dachgauben – was von der
Rekursgegnerin akzeptiert worden ist – weder nach den Fachmeinun-
gen der kantonalen und städtischen Denkmalpflege, noch nach An-
sicht des Rekurrenten selbst beeinträchtigt wird. Dementsprechend
gibt es auch keinen Grund, die nachgesuchten Bauarbeiten im Innern
im Sinn von Art. 121 Abs. 1 Bst. b PBG bloss mit Baubeschränkungen
und Auflagen (das Dach betreffend) zu bewilligen. Aus dem gleichen
Grund ist das Bewilligungsverfahren nicht mit einem weitergehenden
Unterschutzstellungs- oder Inventarisierungsverfahren zu koordinie-
ren.
4.3 Der Rekurrent verlangt im Rahmen seiner Einsprache auch den
Rückbau der vor Jahren eingebauten Dachflächenfenster und Dunst-
rohre.
4.3.1 Für den Fall, dass durch die Errichtung von Bauten und Anlagen
ohne Bewilligung oder auf andere Weise ein unrechtmässiger Zustand
geschaffen wird, sieht Art. 159 PBG als Verwaltungszwangsmassnah-
men, die Baueinstellung, ein Benützungsverbot sowie die Wiederher-
stellung des rechtmässigen Zustands vor. Wird innert angesetzter Frist
kein Vorschlag für die Wiederherstellung vorgelegt, legt die politische
Gemeinde die Wiederherstellungsmassnahme im Rahmen des pflicht-
gemässen Ermessens fest.
4.3.2 Die Baubehörde hat im Rekursverfahren bestätigt, dass der An-
trag des Rekurrenten um Wiederherstellung des rechtmässigen Zu-
stands noch pendent sei und somit noch behandelt werden müsse.
Gegen diese Vorgehensweise gibt es nach dem oben Gesagten
grundsätzlich nichts einzuwenden. Zwar beinhaltete die Baubewilli-
gung auch den im Zusammenhang mit den geplanten Gauben nach-
gesuchten Rückbau der bestehenden Dachflächenfenster, jedoch be-
steht keine Verpflichtung, von der entsprechenden Bewilligung für den
Rückbau auch Gebrauch zu machen, nachdem die Dachgauben nicht
bewilligt worden sind. Darüber hinaus waren die bestehenden Dach-
flächenfenster und Dunstrohre nicht Gegenstand des vorliegend zu
überprüfenden Baugesuchs (insbesondere nicht deren nachträgliche
Bewilligung), weshalb sich die Baubehörde auch nicht zu deren Recht-
mässigkeit äussern musste. Sodann bringt weder der Rekurrent etwas
Konkretes vor, noch ist sonst aus den Baugesuchunterlagen ersicht-
lich, dass die bestehenden Dachflächenfenster und Dunstrohre für den
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 6/2021), Seite 9/12
bewilligten Ausbau des Dachstocks zwingend notwendig wären, nach-
dem die Dachgauben nicht gebaut werden dürfen. Für die Belichtung
ist zum einen bereits heute in der Nordostfassade des Dachgeschos-
ses ein Fenster vorhanden. Und zum andern kennt die Bauordnung
auch keine Vorschriften zur minimalen Belichtung eines Raums, zumal
die Vorschrift hinsichtlich Besonnung gemäss Art. 55 BO für Wohnun-
gen auf die vorliegende Umnutzung des Dachstuhls als Versamm-
lungsraum nicht anwendbar ist. Dazu kommt, dass die bewilligten und
vom Rekurrenten ausdrücklich nicht angefochtenen Ausbauarbeiten
im Innern allein keinen Bestandesschutz für die vor langem eingebau-
ten Dachflächenfenster und Dunstabzüge begründen, wie der Rekur-
rent befürchtet. Der Bauherrschaft muss vielmehr klar sein, dass sie
den Dachstock des Verwaltungsgebäudes im Wissen um das bei der
Vorinstanz noch hängige Rückbauverfahren auf eigenes Risiko aus-
baut und dass sie die bestehenden Dachflächenfenster und Dunst-
rohre im für sie ungünstigsten Fall entfernen muss, falls der Rekurrent
mit seinem Rückbauantrag obsiegen sollte.
5.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz die Einsprache
des Rekurrenten, soweit sich dieser gegen das aufgelegte Bauvorha-
ben wehrt, geschützt hat, weshalb der Rekurrent von der entspre-
chend bloss teilweise erteilten Baubewilligung nicht beschwert ist und
an deren Aufhebung kein eigenes Rechtschutzinteresse hat. Für seine
im Rahmen der Einsprache zusätzlich gestellten Anträge eine weiter-
gehende Unterschutzstellung bzw. Inventarisierung sowie die Wieder-
herstellung des rechtmässigen Zustands betreffend besteht kein Ko-
ordinationsbedarf mit der erteilten (Teil-)Bewilligung, weshalb die Vor-
instanz diese in einem separaten Verfahren beurteilen kann. Damit er-
weist sich der Rekurs als unbegründet, weshalb er abzuweisen ist, so-
weit darauf eingetreten werden kann.
6.
Der Rekursgegner verlangt mit seiner Stellungnahme zum Rekurs,
dass die nicht angefochtenen Teile der Baubewilligung als rechtskräf-
tig erklärt werden.
6.1 Ein solcher Antrag ist nach Art. 52bis VRP möglich, wenn aus-
scheidbare Teile der Baubewilligung unangefochten geblieben sind.
Die Teilrechtskrafterklärung entspricht funktional einem Nichteintre-
tensentscheid, da darin verbindlich festgehalten wird, dass ein be-
stimmter Teil der Verfügung nicht Teil des Rekursverfahrens ist, son-
dern – da nicht angefochten – in Teilrechtskraft erwachsen ist. Mithin
handelt es sich dabei weder um einen prozessualen Zwischen- oder
um einen Feststellungsentscheid, sondern um einen Teilentscheid,
der mit dem gleichen Rechtsmittel angefochten werden kann, das ge-
gen den materiellen Rekursentscheid zur Verfügung steht. Wird die
Teilrechtskraft nicht angefochten, ist sie für die nachfolgenden Rechts-
mittelinstanzen verbindlich. Zuständig für den Teilentscheid ist die je-
weilige Rechtsmittelinstanz, sei es die Rekursinstanz oder das Verwal-
tungsgericht (Art. 64 in Verbindung mit Art. 51bis Abs. 1 VRP; T. ZUBER
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 6/2021), Seite 10/12
in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], Praxiskommentar zum Gesetz über
die Verwaltungsrechtspflege [VRP], Zürich/St.Gallen 2020, Art. 51bis
N 17 ff.).
6.2 Vorliegen ergeht der materielle Rekursentscheid gleichzeitig mit
demjenigen über die Teilrechtskraft, weshalb sich die Frage stellt, ob
über letztere überhaupt noch entschieden werden muss oder ob das
entsprechende Gesuch mit dem Rekursentscheid in der Sache gegen-
standslos geworden ist.
6.2.1 Mit dem vorliegenden materiellen Entscheid steht fest, dass die
erteilte Baubewilligung rechtmässig ist und nicht mit den noch offenen
Anträgen des Rekurrenten vor Vorinstanz koordiniert entschieden wer-
den musste. Mit der entsprechenden Abweisung des Rekurses muss
für das damit abgeschlossene Rekursverfahren somit nicht mehr über
eine allfällige Teilrechtskraft der Baubewilligung befunden werden. Die
Rechtsnatur der Teilkrafterklärung ist nach dem oben Gesagten aber
kein Zwischen-, sondern ein Teilentscheid, der separat in Rechtskraft
erwachsen kann. Daran ändert nichts, dass der Rekursgegner vor Ver-
waltungsgericht gemäss Art. 64 in Verbindung mit Art. 51bis VRP er-
neut einen Antrag um Teilrechtskrafterklärung stellen könnte. Solange
er den entsprechenden Antrag bei der Rekursinstanz nicht zurückge-
zogen hat, ist dieser noch pendent. Auch fällt das Interesse des Re-
kursgegners an er Teilrechtskrafterklärung durch den materiellen Re-
kursentscheid nicht dahin.
6.2.2 Konkret wird die Teilrechtskrafterklärung für die Teilprojekte D
und F (Türmliflügel), G (Offizialat) und I (3. Obergeschoss Dekanats-
flügel) verlangt. Die entsprechenden Bauarbeiten betreffen andere
Gebäude im Stiftsbezirk als das vom vorliegenden Rekursverfahren
betroffene Teilprojekt J (Dachgeschoss Professenhaus). Sie werden
denn auch vom Rekurrenten ausdrücklich nicht angefochten bzw. als
nicht störend anerkannt. Damit sind die Voraussetzungen gemäss
Art. 51bis VRP erfüllt, womit die Bewilligung der vom Rekursgegner be-
zeichneten Teilprojekte als rechtskräftig zu bezeichnen sind.
7.
7.1 Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die Kos-
ten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen wer-
den. Die Entscheidgebühr beträgt Fr. 3'000.– (Nr. 20.13.01 des Ge-
bührentarifs für die Kantons- und Gemeindeverwaltung, sGS 821.5;
abgekürzt GebT). Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind
die amtlichen Kosten dem Rekurrenten zu überbinden.
7.2 Der vom Rekurrenten am 20. Oktober 2020 geleistete Kosten-
vorschuss von Fr. 1'800.– ist anzurechnen.
7.3 Nach Art. 94 Abs. 1 erster Satz VRP hat die vorgeschriebene
Gebühr zu entrichten, wer eine Amtshandlung zum eigenen Vorteil
oder durch sein Verhalten veranlasst. Die Kostenverfügung wird nach
Art. 94 Abs. 2 VRP von der in der Hauptsache zuständigen Behörde
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 6/2021), Seite 11/12
getroffen. Die Gebühr für den Entscheid betreffend Teilrechtskrafter-
klärung beträgt Fr. 500.– (Nr. 10.01 GebT). Sie ist vom Rekursgegner
zu bezahlen.
8.
Der Rekurrent und der Rekursgegner stellen je ein Begehren um Er-
satz der ausseramtlichen Kosten.
8.1 Im Rekursverfahren werden ausseramtliche Kosten entschädigt,
soweit sie auf Grund der Sach- und Rechtslage notwendig und ange-
messen erscheinen (Art. 98 Abs. 2 VRP). Die ausseramtliche Entschä-
digung wird den am Verfahren Beteiligten nach Obsiegen und Unter-
liegen auferlegt (Art. 98bis VRP). Die Vorschriften der Schweizerischen
Zivilprozessordnung (SR 272; abgekürzt ZPO) finden sachgemäss An-
wendung (Art. 98ter VRP). Nicht anwaltlich vertretene Verfahrensbetei-
ligte haben grundsätzlich mangels eines besonderen Aufwands keinen
Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung (Art. 98ter VRP in
Verbindung mit Art. 95 Abs. 3 Bst. c ZPO; vgl. dazu und zum Folgen-
den: VerwGE B 2013/178 vom 12. Februar 2014 Erw. 4.3 ff., zusam-
mengefasst in: Baudepartement SG, Juristische Mitteilungen
2014/I/6). Dass ihnen gleichwohl ersatzfähige Kosten für Umtriebe er-
wachsen, ist ungewöhnlich und bedarf deshalb einer besonderen Be-
gründung. Eine Umtriebsentschädigung erfolgt somit nur ausnahms-
weise, insbesondere wenn es sich um eine komplizierte Sache mit ho-
hem Streitwert handelt, wenn der getätigte Aufwand erheblich ist und
zwischen dem betrieblichen Aufwand und dem Ergebnis der Interes-
senwahrung ein vernünftiges Verhältnis besteht. Nicht anwaltlich ver-
tretenen Personen spricht das Baudepartement lediglich eine Um-
triebsentschädigung ohne Bezugnahme auf den Anwalts- oder einen
anderen Branchentarif zu, und zwar praxisgemäss in der Höhe von
Fr. 300.– bis Fr. 500.– (vgl. auch hierzu VerwGE B 2013/178 vom 12.
Februar 2014 Erw. 5, insbesondere Erw. 5.1 mit Hinweisen).
8.2 Der Rekursgegner obsiegt mit seinen Anträgen zwar. Sein Kos-
tenbegehren hat er aber trotz Aufforderung nicht begründet. Sein An-
trag ist damit mangels Begründung abzuweisen.
8.3 Da der Rekurrent mit seinen Anträgen unterliegt, hat er von
vornherein keinen Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung.
Sein Begehren ist deshalb ebenfalls abzuweisen.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 6/2021), Seite 12/12