# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 7f4aabf8-37e6-562f-992d-88a0e808c76c
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2005
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A./ Die Ortsgemeinde Sevelen ist Eigentümerin der Parzelle Nr. 2503 im Gebiet
Campiun/Eschalär in der Politischen Gemeinde Sevelen. Das Grundstück liegt am
westlichen Talhang des Rheintals, oberhalb der Bauzonen von Rans und Oberräfis.
Nach dem Zonenplan Talgebiet (1:5'000) der Politischen Gemeinde Sevelen vom 6.
März 1998 ist das Grundstück teils der Landwirtschaftszone, teils dem übrigen
Gemeindegebiet zugeteilt. Ausserdem stellen Teile der Parzelle Nr. 2503 gemäss
Waldfeststellung des Volkswirtschaftsdepartements vom 14. Januar 1997 Wald dar.
Die Basaltstein AG, Buchs, hat auf einem Teil der Parzelle Nr. 2503 etwa 70 m oberhalb
von Rans und Oberräfis von 1927 bis 1996 den Steinbruch Campiun betrieben. Die
Zufahrt zum Steinbruchareal führte durch das Wohngebiet von Rans. Nachdem die
Abbaukonzession am 1. Juli 1996 abgelaufen ist und der Abbau eingestellt wurde,
beabsichtigt die Basaltstein AG, den Steinbruch in südliche Richtung zu erweitern. Das
Abbauvolumen soll auf einer Fläche von 9,5 ha rund 2,5 Mio. m3 oder 7 Mio. t
Gesteinsmaterial betragen. Beim Gestein handelt es sich um Hartgestein, d.h. um kalk-
armen, stark quarzhaltigen Sandstein der Brisi- und Gamserschichten. Die jährliche
Abbaumenge ist bedarfsabhängig und soll etwa 200'000 t betragen, woraus sich eine
Abbaudauer von rund 35 Jahren ergibt. Die Gesteinsgewinnung soll mit sechs bis zehn
Grossbohrlochsprengungen pro Jahr im Tagbau und in fünf von Nord nach Süd
aufeinanderfolgenden Abbau-etappen erfolgen. Um das Wohngebiet von Rans vor
Lärm-immissionen zu schützen, soll das Abbaugebiet neu erschlossen werden. Zu
diesem Zweck ist vorgesehen, südlich von Rans eine Umfahrungsstrasse zu bauen und
diese durch einen Tunnel ins alte Steinbruchareal zu führen. Für die Erweiterung und
Erschliessung des Steinbruchs müssten insgesamt 39'588 m2 Wald gerodet werden.
Nach der Stillegung des Steinbruchs ist gemäss dem Umweltverträglichkeitsbericht
vom 14. Februar 2000 (abgekürzt UVB) geplant, das alte und das neue Abbaugebiet zu
rekultivieren und als ökologische Vorrangfläche zu gestalten. Als zusätzliche
ökologische Ersatzmassnahme ist die Extensivierung der Bewirtschaftung auf rund 13
ha an den Steinbruch angrenzenden Wiesen vorgesehen, die im Eigentum der
Ortsgemeinde Sevelen stehen.
B./ Nachdem die Bürgerschaft der Ortsgemeinde Sevelen der Erweiterung des
Steinbruchs zugestimmt hatte, wurden der Abbauplan mit UVB, Strassenprojekt und
Rodungsgesuch vom 8. Januar bis 6. Februar 1997 öffentlich aufgelegt. Gegen das
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Vorhaben wurden zahlreiche Einsprachen von Anwohnern und Umweltorganisationen
erhoben.
Entsprechend der damals gültigen Zuständigkeitsregelung stellte das Kantonsforstamt
dem Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (abgekürzt BUWAL) am 2. Juli 1997
den Antrag auf Erteilung der Bewilligung für die Rodung von 39'588 m2 Wald. Mit
Schreiben vom 27. April 1998 teilte das BUWAL mit, die Rodungsbewilligung könne
nicht in Aussicht gestellt werden. Am 14. März 2000 zog die Basaltstein AG das
Gesuch beim Gemeinderat Sevelen vollumfänglich zurück, nachdem sie bereits am 14.
Februar 2000 das gesamte, gegenüber der ersten öffentlichen Auflage unveränderte
Gesuch ein zweites Mal eingereicht hatte. Am 6. März 2000 erliess der Gemeinderat
Sevelen Abbauplan und Teilstrassenplan. Diese Planerlasse sowie der UVB und das
Rodungsgesuch wurden vom 27. März bis 26. April 2000 erneut öffentlich aufgelegt.
Nachdem zwischenzeitlich die Zuständigkeit für die Erteilung einer Rodungsbewilligung
vom BUWAL auf die kantonale Forstbehörde übergegangen war, übermittelte das
kantonale Forstamt das Rodungsgesuch mit Schreiben vom 28. März 2000 dem
BUWAL zur Anhörung.
Innert der Auflagefrist erhoben nahezu sämtliche Einwohner von Rans und Oberräfis
beim Gemeinderat Sevelen Einsprache gegen Abbauplan und Strassenprojekt und
beim kantonalen Forstamt gegen das Rodungsgesuch.
Am 14. April 2001 teilte das BUWAL dem kantonalen Forstamt mit, der Abbauplan
beruhe nicht auf einer kantonalen oder überregionalen Abbauplanung. Zudem befinde
sich der Abbauperimeter im Objekt Nr. 1613 "Speer-Churfirsten-Alvier" des
Bundesinventars der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung
(abgekürzt BLN). Die hohe Bedeutung des Waldes und die Erhaltung des BLN-
Objektes würden das Interesse am Hartschotterabbau überwiegen, weshalb beantragt
werde, das Rodungsgesuch der Basaltstein AG abzuweisen. Entgegen diesem Antrag
erteilte das kantonale Forstamt am 24. April 2001 die Rodungsbewilligung und
übermittelte diese dem Planungsamt (heute: Amt für Raumentwicklung, abgekürzt ARE)
als federführender Stelle des Staates.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Mit Gesamtentscheid vom 28. Mai/25. Juni 2001 stellte der Gemeinderat Sevelen die
Umweltverträglichkeit des geplanten Abbaus fest. Der Abbau- und Teilstrassenplan
wurden bestätigt und die Einsprachen dagegen abgewiesen, soweit darauf eingetreten
wurde. Der Gemeinderat erwog, das Vorhaben sei unter Auflagen umweltverträglich.
C./ Gegen die Gesamtverfügung des Gemeinderates Sevelen erhob das BUWAL am
18. Juli 2001 Rekurs bei der Regierung mit dem Antrag, der angefochtene Entscheid
sei unter Kostenfolge aufzuheben. Zur Begründung wurde im wesentlichen geltend
gemacht, die Voraussetzungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes über den Wald (SR
921.0, abgekürzt WaG) zur Erteilung einer Rodungsbewilligung seien nicht erfüllt, da
weder gewichtige Gründe vorlägen, die das Interesse an der Walderhaltung
überwiegen würden, noch die relevante Standortgebundenheit und die
Voraussetzungen der Raumplanung sachlich erfüllt seien.
Im Amtsbericht vom 20. Dezember 2001 nahm das Tiefbauamt zur Qualität des im
Steinbruch Campiun gewinnbaren Gesteinsmaterials und zum Bedarf nach dem
Material Stellung.
Mit Vernehmlassung vom 22. Dezember 2001 stellte das ARE als federführende Stelle
des Staates im Namen aller beteiligten kantonalen Amtsstellen den Antrag, die Rekurse
seien abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei.
Am 4. März 2002 reichte der Vertreter der Basaltstein AG ein vom 2. Oktober 2001
datiertes Schreiben des Bundesamtes für Strassen (abgekürzt ASTRA) an den Verband
Schweizerischer Hartsteinbrüche (abgekürzt VSH) ein. Aus dem Schreiben ergibt sich,
dass der VSH anlässlich einer Besprechung im Juni 2001 die Vertreter von BUWAL,
eidgenössischer Natur- und Heimatschutzkommission (abgekürzt ENHK), Bundesamt
für Raumentwicklung, ASTRA und SBB über die Versorgung mit felsgebrochenem
Hartgestein dahingehend informiert hat, dass die bewilligten Abbaureserven
gesamtschweizerisch bei gleichbleibendem Bedarf noch für rund zehn Jahre
ausreichten. Derzeit förderten noch acht bis zehn Steinbrüche Hartgestein. Das ASTRA
zeigte sich darüber beunruhigt und erklärte, die Bemühungen des VSH zu unterstützen,
die bestehenden Hartsteinbrüche der Schweiz zu erhalten, weil diese von nationaler
Bedeutung seien.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Auf Aufforderung durch die Rechtsabteilung des Baudepartements hin teilte der
Fachverband für Sand und Kies (abgekürzt FSK) mit Schreiben vom 28. Februar 2002
mit, dass es derzeit noch rund acht wichtigere Hartsteinbrüche in der Schweiz gebe.
Bei sechs dieser Steinbrüche werde der jährliche Ausstoss auf über 200'000 t
geschätzt; weder über die Abbaumenge noch über die Reserven gebe es aber
verlässliche Angaben. Allerdings könne aufgrund verschiedener Unterlagen davon
ausgegangen werden, dass die bewilligten Abbaureserven gesamtschweizerisch bei
gleichbleibendem Bedarf nur noch für rund zehn Jahre reichten. Die Betreiber der
Hartsteinbrüche verfügten bei den SBB über geschätzte jährliche Lieferkontingente
zwischen 40'000 und 50'000 t. Die Gesamtliefermenge an die SBB liege bei rund
500'000 t Schotter pro Jahr, wovon etwa 92% Hartschotter erster Qualität seien.
Am 5. Juni 2002 führte die Rechtsabteilung des Baudepartements in Anwesenheit der
Verfahrensbeteiligten sowie je eines Mitarbeiters des ARE und des AFU einen
Augenschein an Ort und Stelle durch. Dabei wurde unter anderem festgestellt, dass
sowohl der Abbauplan als auch das Strassenprojekt Mängel aufweisen, weil das Ende
der geplanten Erschliessungsstrasse in einem Felskopf zu liegen käme, dessen Abbau
nicht vorgesehen war. Die Basaltstein AG passte in der Folge den Abbauperimeter und
das Strassenprojekt an und reichte dem Gemeinderat Sevelen am 26. Juli 2002 die
Korrekturpläne ein. Danach ist vorgesehen, die nördliche Abbaugrenze auf die
tatsächlichen Verhältnisse anzupassen. Dadurch soll einerseits das Vorantreiben des
Gesteinsabbaus vom alten Steinbruchareal gegen Süden ermöglicht und anderseits der
westliche Teil des Felskopfs abgebaut werden, damit über die neue
Erschliessungsstrasse ungehindert bis in den alten Steinbruch gefahren werden kann.
Die Fläche des neuen Abbaus wird damit um 25'000 m3 oder ca. 0,2 ha vergrössert.
Die Gesamtfläche umfasst somit 9,7 ha. Das Abbauvolumen wurde indes nicht
verändert, weil die fünfte Abbauetappe im gleichen Umfang reduziert wurde. Die
Änderungen wurden vom 13. August bis 12. September 2002 öffentlich aufgelegt. Mit
Gesamtentscheid vom 13. Dezember 2002 wies der Gemeinderat Sevelen alle gegen
die Änderungen eingereichten Einsprachen ab, soweit er darauf eintrat.
Am 24. Oktober 2002 führte die Rechtsabteilung des Baudepartements in Anwesenheit
einer Dreierdelegation der Regierung, der Verfahrensbeteiligten sowie von Mitarbeitern
des Kantonsforstamtes, des ARE und des AFU einen weiteren Augenschein durch.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Anlässlich dieses Augenscheins stellte das ARE den nach dem ersten Augenschein
erarbeiteten Amtsbericht "Beurteilung der ökologischen Wertigkeit der für das
Erweiterungsprojekt Steinbruch Campiun vorgesehenen Fläche sowie vergleichbare
Standorte im Hangbereich zwischen Buchs und Wartau" vor. Auf Intervention des
Vertreters der Basaltstein AG wurde der Amtsbericht im Anschluss an den
Augenschein vom ARE ergänzt und auf die Gebiete "Schollberg" und "Malanser Berg"
ausgeweitet.
Am 3. Juni 2003 forderte die Rechtsabteilung des Baudepartements die Basaltstein AG
auf, den Sachverhalt zur Frage der Hartschotterqualität und der abbaubaren
Hartschottermengen im geplanten Abbauperimeter zu ergänzen. Am 17. Dezember
2003/8. Januar 2004 reichte die Basaltstein AG der Rechtsabteilung des
Baudepartements das Gutachten der Baugeologie Chur betreffend qualitative und
quantitative Untersuchungen zur Gesteinsqualität/Hartgesteinsvorkommen/
Sondierbohrungen 2003 ein.
Die Regierung entschied über den Rekurs des BUWAL an der Sitzung vom 27. April
2004 (Beschluss Nr. 244). Der Rekurs wurde im Sinne der Erwägungen abgewiesen.
Die Regierung erwog im wesentlichen, dass mit dem Abbauvorhaben zwar ein
schwerer Eingriff in das BLN-Objekt Nr. 1613 verbunden sei, der - bezogen auf ein
prioritäres Schutzziel - umfangreiche Beeinträchtigungen mit sich bringe. Allerdings
bestehe in Anbetracht der angespannten Eigenversorgungssituation der Ostschweiz
mit Hartgestein bester Qualität und des Mangels an geeigneten anderweitigen
Abbaustandorten nach Auffassung der Regierung ein das Einhaltungsinteresse
überwiegendes Interesse von ebenfalls nationaler Bedeutung am Abbauvorhaben.
Auch die anderen im Rahmen der Interessenabwägung berücksichtigten Interessen
würden insgesamt gesehen für den Abbau sprechen, zumal er einerseits bei weitem
keinen vollständigen Verlust eines ganzen Lebensraumtyps zur Folge habe und sich
der Standort anderseits infolge seiner in verschiedener Hinsicht optimalen Lage und
der neuen Erschliessung auch mit den berechtigten Anliegen der angrenzenden
Wohnbevölkerung in Einklang bringen lasse. Hinzu komme, dass sehr umfangreiche
Wiederherstellungs- und Ersatzmassnahmen verlangt würden. Diese gewährleisteten,
dass langfristig gesehen der spezielle Lebensraumtyp flächenmässig grösser und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vielfältiger werde, weil die Massnahmen nicht nur für das Abbaugebiet selbst, sondern
auch für das Areal des alten Steinbruchs und das gesamte Umland gelten würden.
Folglich sei das Abbauvorhaben vom Gemeinderat Sevelen zu Recht als
umweltverträglich beurteilt worden. Abbauplan, Strassenprojekt, naturschutzrechtliche
Bewilligung und Rodungsbewilligung würden sich - zumindest nach den vom
Gemeinderat Sevelen mit Gesamtentscheid vom 13. Dezember 2002 bewilligten
Korrekturen - als rechtmässig erweisen.
D./ Mit Eingabe vom 19. Mai 2004 erhob das BUWAL gegen den Beschluss der
Regierung vom 27. April 2004 Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Es beantragt die
Aufhebung des angefochtenen Entscheids unter Kostenfolge. Zur Begründung wird im
wesentlichen geltend gemacht, die Standortgebundenheit nach Art. 5 Abs. 2 lit. a WaG
sei nicht nachgewiesen, da die vom Waldgesetz geforderte umfassende Evaluation
alternativer Standorte im Kanton nicht ausreichend stattgefunden habe. Zudem sei bei
Hartschotter erster Qualität nicht von einer regionalen Versorgungsstruktur, sondern
von einem gesamtschweizerischen Markt auszugehen, weshalb bei der Evaluation
auch die gesamtschweizerische Versorgungslage einzubeziehen sei. Im weiteren sei
auch die Voraussetzung von Art. 5 Abs. 2 lit. b WaG nicht erfüllt, da der Abbauplan
nicht auf einer rechtskräftigen kantonalen oder überregionalen Abbauplanung beruhe.
Im Richtplanentwurf des Kantons St. Gallen sei der Standort Campiun lediglich als
Zwischenergebnis im Sinne von Art. 5 Abs. 2 lit. b der Raumplanungsverordnung (SR
700.1, abgekürzt RPV) vorgesehen. Bei der Interessenabwägung falle sodann in
Betracht, dass in bezug auf Hartgestein erster Qualität einer dezentralen Versorgung
nur eine geringe Bedeutung zukomme. Der Steinbruch Campiun vermöge mit seinem
nationalen Versorgungsbeitrag von rund 4% keine entscheidende Rolle zu spielen.
Damit stehe das Abbauvorhaben zwar im öffentlichen Interesse, die nationale
Bedeutung sei indes nicht ausgewiesen. Ein Abweichen von der ungeschmälerten
Erhaltung sei unter diesen Umständen unzulässig. Schliesslich könnten die
vorgesehenen Ersatzmassnahmen den Verlust in bezug auf die gewachsene,
substanzvolle Kulturlandschaft nicht angemessen ersetzen. Der Gesteinsabbau sei mit
irreparablen Landschaftsschäden verbunden, weshalb auch aus diesem Grund auf die
Erweiterung zu verzichten sei.
Die Regierung beantragt in der Vernehmlassung vom 28. Juni 2004 die Abweisung der
Beschwerde.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Die Basaltstein AG trägt in der Vernehmlassung vom 23. August 2004 auf Abweisung
der Beschwerde an, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des
Beschwerdeführers.
Die Politische Gemeinde Sevelen und die Ortsgemeinde Sevelen liessen sich innert
Frist nicht vernehmen.
Am 11. April 2005 wurde vorgängig ein Augenschein an Ort und Stelle durchgeführt, an
dem das Verwaltungsgericht durch eine Delegation vertreten war. Die
Verfahrensbeteiligten wurden dazu eingeladen und erhielten Gelegenheit zur
Stellungnahme. Im Anschluss wurden den Beteiligten das Augenscheinprotokoll sowie
der vom Vertreter der Beschwerdegegnerin anlässlich des Augenscheins ins Recht
gelegte Bericht "Konfliktanalyse bezüglich Vermeidung eines Versorgungsnotstandes
der schweizerischen Bauwirtschaft mit felsgebrochenen Hartgesteinen zur Herstellung
hochwertiger Beläge und Bahnschotter" des ASTRA vom September 2004 (abgekürzt
Bericht ASTRA) zur Vernehmlassung zugestellt.

## Considerations

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1./ Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Das
BUWAL ist zur Ergreifung der Beschwerde legitimiert (Art. 46 Abs. 2 WaG sowie Art.
12b Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Natur- und Heimatschutz, SR 451, abgekürzt
NHG, in Verbindung mit Art. 64 Abs. 1 und Art. 45 Abs. 2 VRP). Die Beschwerdeschrift
vom 19. Mai 2004 erfüllt die gesetzlichen Anforderungen an die Beschwerdeführung in
zeitlicher, formaler und inhaltlicher Hinsicht (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47
Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2./ a) Der Beschwerdeführer macht geltend, Art. 5 Abs. 2 lit. a WaG sei verletzt, weil
nicht mit der vom Waldgesetz geforderten Abklärungstiefe ermittelt worden sei, ob es
Alternativen zum Standort Campiun gebe. Dies gelte namentlich für den Standort
Fäsch, wo anders als beim Standort Campiun nur geringe oder mittelschwere
Nutzungskonflikte zu lösen wären. Im weiteren sei unklar, weshalb der Steinbruch
Lochezen eingestellt worden sei. Beim Abbaustandort Schollberg sei die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Gesteinsqualität für Hartschotter und dessen Abbaumenge unklar. Schliesslich dürfe
bei Hartschotter erster Qualität nicht von einer regionalen Versorgungsstruktur,
sondern es müsse von einem gesamtschweizerischen Markt ausgegangen werden,
weshalb bei der Evaluation auch die gesamtschweizerische Versorgungslage
einzubeziehen sei.
b) Gemäss Art. 5 Abs. 2 lit. a WaG darf eine Rodungsbewilligung nur erteilt werden,
wenn der Gesuchsteller nachweist, dass das Werk, für das gerodet werden soll, auf
den vorgesehenen Standort angewiesen ist. Nach der Rechtsprechung des
Bundesgerichts ist die Standortgebundenheit gemäss Art. 5 Abs. 2 lit. a WaG nicht in
einem absoluten Sinne aufzufassen, da fast immer eine gewisse Wahlmöglichkeit
besteht. Entscheidend ist, ob die Gründe der Standortwahl die Interessen der
Walderhaltung überwiegen (BGE 120 Ib 408 mit Hinweis auf BGE 117 Ib 327). Die
Bejahung der relativen Standortgebundenheit setzt aber voraus, dass eine umfassende
Abklärung von Alternativstandorten stattgefunden hat (BGE 120 Ib 408 mit Hinweis auf
BGE 119 Ib 405).
c) aa) Anlässlich des Augenscheins vom 11. April 2005 hat der Vertreter des ARE
bestätigt, dass die Rechtsmittelverfahren für den geplanten Untertagebau im Raum
Fäsch, Walenstadt, noch nicht abgeschlossen sind. Er erklärte, dass wenn überhaupt,
in Fäsch nur mit geringfügigen Anteilen an Hartschotter erster Qualität gerechnet
werden kann. Diese Aussagen decken sich mit den Angaben im vorinstanzlichen
Verfahren. Ausserdem ist erstellt, dass im Gebiet Walenstadt in der Vergangenheit
noch nie Hartschottergestein der ersten Qualität gefördert worden ist (vgl. Schreiben
des ARE vom 24. Februar 2004, vorinst. act. 64; Karte Hartsteinwerke Schweiz, vorinst.
act. 21). Dies stützt die Annahme, dass in Fäsch bestenfalls nur geringfügige
Gesteinsanteile erster Qualität gefördert werden können, zusätzlich. Der Steinbruch
Lochezen ist, wie im angefochtenen Entscheid ausgeführt wird, nicht mehr in Betrieb.
Der Grund für die Betriebseinstellung braucht nicht näher abgeklärt zu werden, da das
in der Vergangenheit geförderte Gestein nicht von erster Qualität war und die
Anforderungen an Bahnschotter nicht erfüllte (vgl. Schreiben der SBB vom 28. Oktober
1997, Anhang 3 zum UVB, S. 2). Bezüglich des Abbaustandorts Schollberg, Vild, der
zur Zeit in der Planungsphase steht, kann aufgrund der Gesuchsunterlagen nicht davon
ausgegangen werden, dass Hartschotter der ersten Klasse gewonnen werden kann.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Dies ergibt sich aus dem Schreiben des ARE vom 24. Februar 2004 (vorinst. act. 64)
und wurde anlässlich des Augenscheins vom anwesenden Vertreter des ARE nochmals
ausdrücklich bestätigt. Der Standort Schollberg wurde ferner auch im ETH-Gutachten
über "Die Hartgesteinvorkommen in der Ostschweiz" vom 18. September 1997 nicht
erwähnt (vgl. S. 14). Schliesslich wird auch im Bericht ASTRA bestätigt, dass in der
Ostschweiz abgesehen von den heute bekannten Abbaustellen nur wenig andere
Vorkommen vorhanden sind (S. 105). Vor diesem Hintergrund erachtet das
Verwaltungsgericht entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers die vom
Bundesgericht verlangte Prüfung von Alternativstandorten im Kanton als hinreichend
erfüllt. Dies gilt um so mehr, als unbestritten ist, dass die Eruierung neuer Standorte für
Hartsteinbrüche zeitlich und finanziell sehr aufwendig ist (vgl. Runder Tisch
Hartsteinbrüche – Landschaftsschutz, Schlussbericht des Mediators vom 31. Januar
2003, Beilage 2 des Beschwerdeführers, abgekürzt Schlussbericht des Mediators, S.
12).
bb) Bezüglich des Einwands, wonach bei der Evaluation von Alternativstandorten auch
die gesamtschweizerische Versorgungslage miteinzubeziehen sei, fällt in Betracht,
dass entsprechend der bundesgerichtlichen Rechtsprechung die Landesversorgung
auf der Versorgung der Regionen beruht (unveröffentlichter BGE vom 27. Juni 1984 i.S.
Einwohnergemeinde Neuheim, Erw. 5b bb). Dies hat auch hinsichtlich der Versorgung
mit Hartgestein erster Qualität zu gelten, auf welche die SBB und die Bauwirtschaft
angewiesen sind. Gerade für die SBB sind Schotterbezüge über grosse Distanzen mit
Blick auf die umständlichen und teuren Transporte sowie Lagerhaltungen
problematisch. Hinzu kommt, dass lange Transportwege die Umwelt belasten (vgl.
Schreiben der SBB vom 28. Oktober 1997, Anhang 3 zum UVB, S. 3). Auch im vom
Beschwerdeführer eingereichten Schlussbericht des Mediators ist festgehalten, dass
eine gute geografische Verteilung der Abbaustandorte erforderlich ist, wenn Wert auf
kurze Transportdistanzen gelegt wird (S. 12), und im Bericht ASTRA wird ausgeführt,
dass die Transportkosten in den nächsten Jahren unter ökologischen Gesichtspunkten
steigen werden, weshalb der regionalen Versorgung grössere Bedeutung erwächst (S.
27). Im übrigen aber ist die Hartsteinproduktion in der Schweiz generell nicht gesichert.
Gemäss Schreiben des FSK vom 28. Februar 2002 erreichen die bewilligten Reserven
gesamtschweizerisch bei gleichbleibendem Verbrauch noch rund zehn Jahre (vorinst.
act. 19). Von ähnlichen Werten wird im Schlussbericht des Mediators ausgegangen (S.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
12). Somit erweist sich der Einwand, der nationalen Versorgungsstruktur hätte bei der
Prüfung von Alternativstandorten vermehrt Rechnung getragen werden müssen, als
nicht stichhaltig.
d) Aus dem Gesagten folgt, dass die Beschwerde abzuweisen ist, soweit eine
Verletzung von Art. 5 Abs. 2 lit. a WaG geltend gemacht wird.
3./ a) Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, die sachlichen Voraussetzungen der
Raumplanung gemäss Art. 5 Abs. 2 lit. b WaG seien nicht erfüllt. Das Bundesgericht
verlange, dass Abbauvorhaben auf einer rechtskräftigen kantonalen oder
überregionalen Abbauplanung beruhten. Der Abbaustandort Campiun sei indes im
Richtplan lediglich als Zwischenergebnis verzeichnet, nachdem der Bundesrat in
seinem Beschluss vom 15. Januar 2003 in bezug auf Campiun einen
Kategorienwechsel von einer Festsetzung zu einem Zwischenergebnis vorgenommen
habe.
b) aa) Gemäss Art. 5 Abs. 2 lit. b WaG setzt die Erteilung einer Rodungsbewilligung
voraus, dass das Werk die Voraussetzungen der Raumplanung sachlich erfüllt. Damit
verlangt der Gesetzgeber den raumplanerisch begründeten Nachweis eines hohen
öffentlichen Interesses, der es erlaubt, die Interessenabwägung zwischen dem
Rodungszweck und dem Interesse an der Walderhaltung vorzunehmen. Es müssen
daher kantonale Richtpläne, regionale Konzepte, beispielsweise bezüglich Versorgung,
Entsorgung oder Tourismus oder kommunale Nutzungspläne vorliegen. Damit kann
gewährleistet werden, dass für eine Zweckentfremdung bzw. Nutzungsänderung von
Waldareal von den zuständigen Behörden koordinierte Verfahren durchgeführt werden
und dass keine Rodungsbewilligung erteilt wird, bevor sich die
Raumplanungsbehörden verbindlich zum Rodungsgesuch geäussert haben. Da sich
jedoch Raumplanungsverfahren und Rodungsbewilligung häufig gegenseitig bedingen,
muss es genügen, wenn die raumplanerischen Voraussetzungen sachlich erfüllt sind,
d.h. entsprechende Unterlagen und verbindliche Zusagen der Raumplanungsbehörden
im Zeitpunkt der Beurteilung eines Rodungsgesuches vorhanden sind (BBl 1988 III, S.
191; St. Jaissle, Der dynamische Waldbegriff und die Raumplanung, Diss. Zürich 1994,
S. 144).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
bb) In den Richtplänen bestimmen die Kantone in den Grundzügen, wie sich ihr Gebiet
räumlich entwickeln soll (vgl. Art. 6 Abs. 1 RPG). Sie geben unter anderem Aufschluss
über den Stand und die anzustrebende Entwicklung der Versorgung (Art. 6 Abs. 3 lit. b
RPG). Zum Bereich Versorgung gehören namentlich auch Bauten und Anlagen der
Materialgewinnung (P. Tschannen, Kommentar zum Bundesgesetz über die
Raumplanung, Zürich 1999, N 39 zu Art. 6). Weil der Richtplan einstweilige Ergebnisse
unterschiedlich fortgeschrittener Planungsprozesse festhält, sind auch seine Aussagen
notwendiger Ausdruck je unterschiedlicher Arbeitsstände. Zur besseren Übersicht teilt
Art. 5 Abs. 2 RPV die Planinhalte in drei Klassen ein: Festsetzungen (lit. a),
Zwischenergebnisse (lit. b) und Vororientierungen (lit. c). Im Sinne einer Faustregel
verbinden sich mit Festsetzungen Sachaufträge, mit Zwischenergebnissen
Verfahrensaufträge und mit Vororientierungen Informationsaufträge (Tschannen, a.a.O.,
N 19 zu Art. 8).
c) Im Kanton St. Gallen erliess die Regierung am 19. November 1996 das "Kantonale
Abbaukonzept für Steine und Erden" und beauftragte das Baudepartement, die
wesentlichen Ergebnisse des Abbaukonzepts in den Nachtrag 1997 zum kantonalen
Richtplan 1987 aufzunehmen. Das Abbaukonzept basiert auf einer Auflistung
bestehender und geplanter sowie im Rahmen von Umfragen gemeldeter denkbarer
Abbaustandorte. Die Abbaugebiete wurden einer raumplanerischen Grobbeurteilung
hinsichtlich relevanter Nutzungskonflikte unterzogen. Das Abbaukonzept verfolgt das
Ziel, die Möglichkeit des Abbaus von Steinen und Erden an den erfassten Orten zu
ermitteln. In einer Grobbewertung haben die für die Sachbereiche Siedlung,
Gewässerschutz, Natur- und Landschaftsschutz, Schutz von Kulturdenkmälern, Wald-
und Forstwirtschaft, Landwirtschaft, Bodenschutz sowie Ver-kehrsanlagen zuständigen
kantonalen Fachstellen alle Standorte einer Grobbeurteilung unterzogen und bewertet.
Der Standort Campiun ist als Objekt Nr. 94 im Abbaukonzept aufgeführt. Gemäss
Grobbewertung erwarten die für die Sachbereiche Natur- und Landschaftsschutz sowie
Wald zuständigen kantonalen Fachstellen für diesen Standort grosse Konflikte in den
sie betreffenden Sachbereichen. Am 3. Juni 1998 erliess die Regierung den Nachtrag
1997 zum Richtplan 1987. Der Nachtrag hält unter anderem die Anforderungen an
künftige Abbauvorhaben fest und sorgt dafür, dass die gleichen Abbaustandorte
gesichert werden. Die Aufnahme der Abbaustandorte in den Richtplan erfolgte
aufgrund der Grobbewertung im Abbaukonzept und in Berücksichtigung des
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Planungsstandes der Vorhaben. Der Standort Campiun ist auch im Nachtrag 1997 zum
Richtplan 1987 als Abbaustandort Nr. 94 enthalten. Es handelt sich dabei um ein
Zwischenergebnis. Der Bundesrat genehmigte am 20. Januar 1999 den Nachtrag zum
Richtplan und lud den Kanton ein, die erforderliche Gesamtüberarbeitung des
Richtplans spätestens bis Ende 2001 abzuschliessen und den überarbeiteten Richtplan
dem Bundesrat zur Genehmigung einzureichen. Die Planinhalte des Nachtrags 1997
zum Richtplan 1987 stellten vorweggenommene Bestandteile des Richtplans SG01
dar. Sie wurden daher - soweit sich keine Anpassungen aufdrängten - unverändert in
den Richtplan SG01 übernommen. Der Richtplan SG01 ersetzt damit den Richtplan
1987 und den Richtplannachtrag 1997 und löst beide vollständig ab. Der Standort
Campiun ist auch im Richtplan SG01 als Abbaustandort Nr. 94 mit dem
Koordinationsstand "Zwischenergebnis" enthalten.
d) Zu prüfen ist im folgenden die Frage, ob der beschriebene Stand der Planung des
Steinbruchs Campiun den gesetzlichen Vorgaben und Anforderungen gemäss
bundesgerichtlicher Praxis genügt. Der Beschwerdeführer beruft sich in diesem
Zusammenhang auf BGE 116 Ib 55. In diesem Entscheid hat das Bundesgericht
erwogen, dass für die Realisierung des zu beurteilenden Deponiestandortes zusätzlich
zur bereits erfolgten "Festsetzung des Standortes auf Richtplanstufe" die Festsetzung
eines Nutzungsplans notwendig sei. Nach der Auffassung des Verwaltungsgerichts
kann indes allein aus dieser Formulierung nicht gefolgert werden, dass das
Bundesgericht für die Bewilligung eines Deponie- oder Abbauvorhabens zwingend die
Festsetzung im Richtplan im Sinne von Art. 5 Abs. 2 lit. a RPV verlangt. Wesentlich ist
nämlich insbesondere die nachfolgende Erwägung des Bundesgerichts, wonach im
Rahmen der Nutzungsplanung eine umfassende Beurteilung sämtlicher raum- und
umweltrelevanter Gesichtspunkte vorgenommen werden muss (vgl. auch BGE 123 II 87
und 120 Ib 213 f.). Dies bedeutet e contrario, dass nicht bereits im Rahmen der
Richtplanung sämtliche raumwirksamen Tätigkeiten im Sinne einer Festsetzung
gemäss Art. 5 Abs. 2 lit. a RPV aufeinander abgestimmt werden müssen. Eine
umfassende Abwägung aller betroffenen Interessen hat vielmehr erst im Rahmen der
Nutzungsplanung zu erfolgen. Dies ist mit Blick auf die prozesshafte Natur des
Richtplans sachgerecht. Es würde den Rahmen des Richtplanverfahrens, welches der
Grundlagenbeschaffung dient (vgl. Tschannen, a.a.O., N 2 ff.), sprengen, wenn darin
derart umfassende und komplexe Interessenabwägungen vorgenommen werden
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
müssten, wie dies vorliegend der Fall ist. Zu Recht wird denn auch im Richtplan SG01
wie schon zuvor im Nachtrag 1997 zum Richtplan 1987 ausgeführt, dass die genaue
Festlegung des Abbauperimeters sowie die Interessenabwägung im Abbauplan- bzw.
Baubewilligungsverfahren vorzunehmen sind. Dass das Bundesgericht den Begriff der
"Festsetzung" im BGE 116 Ib 55 nicht im spezifischen Sinne der Festsetzung gemäss
Art. 5 Abs. 2 lit. a RPV verstanden hat, ergibt sich schliesslich auch daraus, dass im
gleichen Satz auch die "Festsetzung eines Nutzungsplans" verlangt wird.
e) Im weiteren kann im Umstand, dass der Steinbruch Campiun im Richtplan SG01 als
Zwischenergebnis vorgesehen ist, keine Verletzung von Art. 5 Abs. 2 lit. b WaG erblickt
werden. Diese Bestimmung verlangt, wie vorstehend dargelegt, dass ein
Rodungsvorhaben auch aus der umfassenden Perspektive der in Art. 1 und 3 RPG
enthaltenen Planungsziele und -grundsätze beurteilt wird. Die umfassende
Abstimmung und Abwägung der raumplanerischen Ziele und Grundsätze hat dabei
vorab im Nutzungsplanentscheid zu erfolgen (vgl. BGE vom 21. Januar 1993 i.S.
Schweizerische Stiftung für Landschaftsschutz und Landschaftspflege, auszugsweise
wiedergegeben bei Jaissle, a.a.O., S. 145). Es genügt deshalb auch mit Blick auf Art. 5
Abs. 2 lit. b WaG, wenn ein Vorhaben, für welches die Rodung begehrt wird, lediglich
als Zwischenergebnis im Richtplan verankert ist.
f) Lediglich der Vollständigkeit halber sei schliesslich darauf hingewiesen, dass die
Behauptung des Beschwerdeführers, wonach der Bundesrat in seinem Beschluss zur
Genehmigung des Richtplans einen Kategorienwechsel betreffend den Abbaustandort
Campiun von einer Festsetzung zu einem Zwischenergebnis vorgenommen habe, nicht
zutrifft. Der Kategorienwechsel betrifft das Vorhaben einer Deponie am Standort
Campiun, das im Koordinationsblatt VII 61 des Richtplans aufgeführt ist, und nicht das
Abbauvorhaben, welches im Koordinationsblatt VII 41 bereits als Zwischenergebnis
festgehalten ist.
g) Zusammenfassend ergibt sich somit, dass der Stand der Planung des Steinbruchs
Campiun den Anforderungen gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung und
den gesetzlichen Vorgaben genügt. Die Beschwerde erweist sich auch in dieser
Hinsicht als unbegründet.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4./ a) Schliesslich stellt sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt, die von Art. 5
Abs. 2 WaG geforderte Berücksichtigung des Natur- und Heimatschutzes im Rahmen
der Interessenabwägung sei nicht sachgerecht erfolgt. Ein Abweichen von der
ungeschmälerten Erhaltung dürfe nach Art. 6 Abs. 2 NHG nur in Erwägung gezogen
werden, wenn ihr bestimmte gleich- oder höherwertige Interessen von ebenfalls
nationaler Bedeutung entgegenstehen würden. Dabei dürften die vorgesehenen
Wiederherstellungs- und Ersatzmassnahmen entgegen der Auffassung der Vorinstanz
nicht berücksichtigt werden. Im weiteren stellt sich der Beschwerdeführer auf den
Standpunkt, im Gegensatz zur Versorgung mit Kies komme einer dezentralen
Versorgung mit Hartgestein erster Qualität in den Regionen nur eine geringe Bedeutung
zu. Der Steinbruch Campiun vermöge mit seinem nationalen Versorgungsbeitrag von
rund 4% keine entscheidende Rolle zu spielen. Wegen der geringen quantitativen
Bedeutung und der fraglichen Wirtschaftlichkeit angesichts einer jährlichen
Abbaumenge von unter 150'000 t sei kein nationales Interesse im Sinne von Art. 6 Abs.
2 NHG dargetan, welches den Abbau rechtfertigen könnte. Bezüglich der
vorgesehenen Wiederherstellungs- und Ersatzmassnahmen sei schliesslich
festzuhalten, dass in bestehenden Lebensräumen grundsätzlich immer eine grössere
Artenvielfalt und ein höheres Aufwertungspotential als in neu geschaffenen
Lebensräumen innewohne. Die Wiederherstellung einer reich strukturierten vielfältigen
Landschaft, wie sie im Projektperimeter anzutreffen sei, sei nur in sehr langfristigen
Zeiträumen möglich. Im Hinblick auf 80 bis 100 Jahre alte Eichen, welche dem Abbau
weichen müssten, wäre angesichts der langen Abbaudauer erst in weit über hundert
Jahren wieder mit einer vergleichbaren Landschaft zu rechnen. Hinzu kämen die alten
dornenreichen Gehölze und die alten Stockausschläge, welche einen Lebensraum für
sehr viele Tierarten seien. Die vorgesehenen Ersatzmassnahmen könnten diesen
Verlust nicht angemessen ersetzen.
b) Das Verwaltungsgericht ist nur zur Rechtskontrolle befugt (Art. 61 Abs. 1 VRP); eine
Ermessenskontrolle gegenüber den Verwaltungsbehörden steht ihm dagegen nicht zu.
Dies bedeutet, dass es den Ermessensspielraum der Verwaltungsbehörden zu
respektieren hat. Das Verwaltungsgericht darf daher in einem Planerlassverfahren nur
eingreifen, wenn Rechtsnormen und -grundsätze verletzt werden. Soweit es um die
Ausübung des pflichtgemässen Ermessens geht, ist ihm eine Korrektur hingegen
verwehrt. Das Verwaltungsgericht ändert einen sachlich haltbaren und zweckmässigen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Planungsentscheid selbst dann nicht ab, wenn es eine andere Lösung als ebenso
zweckmässig erachtet oder sogar bevorzugen würde (vgl. GVP 1996 Nr. 9; VerwGE
vom 17. November 1997 i.S. P.M. und andere sowie VerwGE vom 16. März 2000 i.S.
M.W.).
c) Gemäss Art. 6 Abs. 1 NHG wird durch die Aufnahme eines Objektes von nationaler
Bedeutung in ein Inventar des Bundes dargetan, dass es in besonderem Masse die
ungeschmälerte Erhaltung, jedenfalls aber unter Einbezug von Wiederherstellungs-
oder angemessenen Ersatzmassnahmen die grösstmögliche Schonung verdient. Ein
Abweichen von der ungeschmälerten Erhaltung im Sinne der Inventare darf nach Art. 6
Abs. 2 NHG bei Erfüllung einer Bundesaufgabe nur in Erwägung gezogen werden,
wenn ihr bestimmte gleich- oder höherwertige Interessen von ebenfalls nationaler
Bedeutung entgegenstehen. Lässt sich eine Beeinträchtigung schutzwürdiger
Lebensräume durch technische Eingriffe unter Abwägung aller Interessen nicht
vermeiden, so hat der Verursacher in analoger Anwendung von Art. 18 Abs. 1ter NHG
für besondere Massnahmen zu deren bestmöglichem Schutz, für Wiederherstellung
oder ansonst für angemessenen Ersatz zu sorgen.
d) aa) Grundsätzlich ist festzuhalten, dass zwischen den Beteiligten nicht mehr
umstritten ist, dass das Abbauvorhaben zu einem Abweichen vom Gebot der
ungeschmälerten Erhaltung nach Art. 6 Abs. 1 NHG führen würde. Es ist sodann
unwidersprochen, dass das Projekt nur zulässig ist, wenn einerseits ein gleich- oder
höherwertiges, ebenfalls nationales Interesse am Abbau des Hartschotters besteht und
anderseits eine Gesamtinteressenabwägung zwischen dem Eingriffs- und
Erhaltungsinteresse den Ausschlag zugunsten des Abbaus gibt. Indes bestreitet der
Beschwerdeführer, dass der Abbau von Hartschotter der ersten Qualität im Steinbruch
Campiun ein Interesse von nationaler Bedeutung darstellt.
bb) Wie bereits vorstehend dargelegt (Erw. 2./ c bb), liegt die ausreichende Versorgung
des Landes mit einheimischen Rohstoffen im nationalen Interesse. Dies hat nicht nur
für den Rohstoff Kies, sondern erst recht auch für Hartgestein erster Qualität zu gelten,
dessen Vorkommen viel seltener ist. Im weiteren trifft es auch nicht zu, dass einer
dezentralen Versorgung mit hochwertigem Hartgestein nur eine geringe Bedeutung
zukommt. Wie vorstehend ausgeführt (Erw. 2./ c bb), spielt die Dezentralität
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
insbesondere für die SBB als wichtige Nachfragerin eine wesentliche Rolle. Ferner ist
auch im Richtplan SG01 festgeschrieben, dass die Versorgung des Kantons zu zwei
Dritteln bis drei Vierteln mit eigenen Steinvorkommen gedeckt werden soll. Es ist
sachlich vertretbar, wenn der Kanton eine gewisse Unabhängigkeit von Lieferanten
anstrebt. Im übrigen wird in der Schweiz Hartgestein zu durchaus konkurrenzfähigen
Preisen produziert, da insbesondere der Umlad die ausländischen Produkte stark
verteuert. Ausserdem sind die schweizerischen Produkte den ausländischen Importen
hinsichtlich Qualität in der Regel überlegen (vgl. Bericht ASTRA, S. 26 f.). Schliesslich
sei darauf hingewiesen, dass auch das Binnenmarktgesetz (SR 943.02, abgekürzt
BGBM) aus öffentlichen Interessen Beschränkungen des freien Zugangs zum Markt
vorsieht, so unter anderem zum Schutz der natürlichen Umwelt (Art. 3 Abs. 2 lit. b
BGBM). Vor diesem Hintergrund sind die Hinweise des Beschwerdeführers auf die
grenzüberschreitende Marktöffnung und den Kostendruck nicht ausschlaggebend. Im
weiteren beträgt die geplante jährliche Abbaumenge, wie eingangs dargelegt, rund
200'000 t. Von der Abbaumenge sind rund 42 % bzw. 84'000 t pro Jahr Hartgestein
erster Qualität. Der geplante Abbau erweist sich entgegen der Behauptung des
Beschwerdeführers nicht als unwirtschaftlich. Die Aussage im Schlussbericht des
Mediators (S. 12), wonach Werke, die im Jahr weniger als 150'000 bis 200'000 t
Material lieferten, als unwirtschaftlich gelten würden, bezieht sich auf die Förderung
insgesamt und nicht auf den Abbau von Gestein erster Qualität. Dem Einwand, der
Steinbruch Campiun vermöchte nur einen bescheidenen Beitrag zur nationalen
Versorgung zu leisten, ist entgegenzuhalten, dass, wie dargelegt (Erw. 2./ c bb), in
erster Linie auf die regionale Versorgung abzustellen ist. Campiun ist für die
Ostschweiz, wo unwidersprochen ein erhebliches Manko an Abbaustandorten besteht
(Schlussbericht des Mediators, S. 12; Bericht ASTRA, S. 105), und damit für die
Versorgung der Region von entscheidender Bedeutung. Hinzu kommt, dass die
heutigen Abbaureserven bei gleichbleibendem Bedarf gesamtschweizerisch nur noch
für die nächsten zehn bis zwölf Jahre ausreichen (Erw. 2./ c bb). Vor diesem
Hintergrund ist der Beitrag von Campiun auch im Rahmen einer
gesamtschweizerischen Betrachtung nicht vernachlässigbar.
cc) Unter den gegebenen Umständen kommt das Verwaltungsgericht zum Schluss,
dass der Vorinstanz keine Rechtsverletzung vorgeworfen werden kann, wenn sie dem
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
zu beurteilenden Abbauvorhaben nationale Bedeutung im Sinne von Art. 6 Abs. 2 NHG
zugemessen hat.
e) aa) Zu klären ist im weiteren die Rüge der Beschwerdeführer, bei der
Interessenabwägung nach Art. 6 Abs. 2 NHG dürften die vorgesehenen
Wiederherstellungs- und Ersatzmassnahmen nicht berücksichtigt werden. Sodann ist
der Einwand zu prüfen, wonach es mit den geplanten Wiederherstellungs- und
Ersatzmassnahmen nicht gelinge, einen gleichwertigen Ersatz zu schaffen.
bb) Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers ist es zutreffend, wenn die
Vorinstanz die vorgesehenen Ersatz- und Wiederherstellungsmassnahmen bei der
Interessenabwägung bezüglich der ungeschmälerten Erhaltung im Sinne von Art. 6
NHG gewichtet hat. Dies ergibt sich bereits aus dem Wortlaut von Art. 6 Abs. 1 NHG,
wonach die grösstmögliche Schonung ausdrücklich "unter Einbezug von
Wiederherstellungs- oder angemessenen Ersatzmassnahmen" zu beurteilen ist. Dieser
Zusatz fand im Rahmen des Erlasses des Bundesgesetzes über die Koordination und
Vereinfachung von Entscheidverfahren Eingang in das Gesetz. In der Botschaft des
Bundesrates wird dazu ausgeführt, dass die grösstmögliche Schonung eines Objekts,
das in ein Inventar des Bundes aufgenommen wird, die Prüfung der
Schadenminderung durch allfällige Wiederherstellung - oder angemessen auf
Ersatzmassnahmen - umfasst (BBl 1998, S. 2616). Im weiteren ist auch im Rahmen der
Interessenabwägung von Art. 18 Abs. 1ter NHG neben dem Ausmass des Verlustes
und den öffentlichen oder privaten Interessen am Eingriff insbesondere die Qualität der
zur Verfügung stehenden Ersatzmassnahmen miteinzubeziehen (K.L. Fahrländer, in:
Kommentar zum Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz, Zürich 1997, N 29
zu Art. 18). Schliesslich wird auch im Schlussbericht des Mediators festgehalten, dass
eine gesamtökologische Betrachtungsweise massgeblich ist, wobei namentlich auch
ökologische Ausgleichsmassnahmen in die Überlegungen einzubeziehen sind (S. 13).
cc) Der Beschwerdeführer stützt sich im Zusammenhang mit seiner Kritik an den
geplanten Wiederherstellungs- und Ersatzmassnahmen wesentlich auf das Gutachten
der ENHK vom 18. Juni 1997. Wie die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid
zutreffend ausgeführt hat, darf vom Ergebnis des ENHK-Gutachtens nur aus triftigen
Gründen abgewichen werden (BGE 127 II 281).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
dd) Die ENHK führt im Gutachten vom 18. Juni 1997 aus, Landschaften könnten nicht
beliebig ausgetauscht werden, schon gar nicht, wenn es sich bei der zu ersetzenden
Landschaft um eine kulturhistorisch und ökologisch bedeutende Landschaft handle,
die zudem in einem BLN-Gebiet liege und prägender Bestandteil desselben sei.
Ebensowenig könnten landschaftszerstörende Eingriffe durch naturschützerische
Aufwertungsmassnahmen gerechtfertigt werden. Die ungeschmälerte Erhaltung dieses
einzigartigen Landschaftsteils des BLN-Objekts wie auch seine grösstmögliche
Schonung könnten nur mit einem Verzicht auf die geplante Steinbrucherweiterung
erreicht werden. Mit Schreiben vom 27. Februar 2001 nahm die ENHK im
Zusammenhang mit der zweiten Projektauflage ein weiteres Mal Stellung zur geplanten
Steinbrucherweiterung. Sie führte im wesentlichen aus, am Projekt seien keine
Änderungen angebracht worden und da sich auch das einschlägige materielle Recht in
der Zwischenzeit nicht verändert habe, bestehe kein Anlass, das Gesuch grundsätzlich
neu zu begutachten. Es würden vielmehr die Erwägungen und Schlussfolgerungen des
Gutachtens vom 18. Juni 1997 bestätigt.
ee) Die Aussage der ENHK, wonach sich das materielle Recht in der Zeit von 1997 bis
2001 nicht geändert habe, trifft in dieser Form nicht zu. Wie vorstehend dargelegt (Erw.
5./ e bb), wurde die Fassung von Art. 6 Abs. 1 NHG im Zuge des Erlasses des
Bundesgesetzes über die Koordination und Vereinfachung von Entscheidverfahren
inhaltlich dahingehend geändert, dass die grösstmögliche Schonung unter Einbezug
von Wiederherstellungs- oder angemessenen Ersatzmassnahmen zu beurteilen ist. Die
neue Regelung ist seit 1. Januar 2000 in Kraft. Nachdem somit feststeht, dass
schadenmindernde Massnahmen bei der Prüfung der grösstmöglichen Schonung
miteinbezogen werden müssen, ist die Aussage der ENHK im Gutachten vom 18. Juni
1997, wonach landschaftszerstörende Eingriffe durch naturschützerische
Aufwertungsmassnahmen (generell) nicht gerechtfertigt werden könnten, zu absolut
formuliert. Die ENHK wäre vielmehr gehalten gewesen, die geplanten
Wiederherstellungs- und Ersatzmassnahmen im einzelnen zu prüfen und in die
Interessenabwägung miteinzubeziehen. Dies wurde sowohl im Gutachten vom 18. Juni
1997 als auch im Schreiben vom 22. Januar 2001 unterlassen. Das Gutachten erweist
sich somit in einem wesentlichen Punkt als unvollständig, weshalb ein triftiger Grund im
Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung gegeben ist, um vom Ergebnis der
Begutachtung abzuweichen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ff) Die in Art. 6 Abs. 1 NHG vorgesehenen Ersatzmassnahmen stehen – wie bei Art. 18
Abs. 1ter NHG - nicht wahlweise, sondern in einer festgelegten Reihenfolge zur
Verfügung. Wenn das betroffene Objekt nicht geschützt werden kann, muss es nach
Möglichkeit wiederhergestellt werden. Anderer Ersatz ist nur und erst zulässig, wenn
auch Wiederherstellungsmassnahmen nicht in Frage kommen oder sich als
unzweckmässig erweisen (vgl. Fahrländer, a.a.O., N 34 zu Art. 18). Mit der
Wiederherstellung wird ein auf einen konkreten Eingriff zurückzuführender Verlust
(vollständig) aufgehoben oder rückgängig gemacht. Vollständige Wiederherstellung ist
demnach der (identische) Ersatz von Naturobjekten am selben Standort, in derselben
Ausdehnung und Ausprägung sowie in gleichwertiger Art, Erscheinung, ökologischer
Funktion und Dynamik. Vollständige Wiederherstellung beinhaltet (bloss) zeitlich
beschränkte Verluste, wobei die Gleichwertigkeit der Wiederherstellung wesentlich von
dem damit verbundenen Aufwand und der geübten Sorgfalt abhängt. Die
Zweckmässigkeit von Wiederherstellungsmassnahmen lässt sich deshalb erst am
konkreten Objekt und in Kenntnis der jeweiligen Umstände beurteilen.
Wiederherstellungen sind vielfach Neuaufforstungen oder Neuanpflanzungen in
Biotopen, in die - wie beispielsweise beim Materialabbau - nur vorübergehend
eingegriffen wird (vgl. Fahrländer, a.a.O., N 36 zu Art. 18). Angemessener Ersatz ist
zunächst eins zu eins Realersatz in Art, Erscheinung und Funktion an anderem
Standort in derselben Gegend. Er kann aber auch - in qualitativer, quantitativer und
allenfalls in finanzieller Hinsicht - möglichst gleichwertiger Ersatz sein. Angemessener
Ersatz heisst aber auch sinnvoller und verhältnismässiger Ersatz. Angemessener Ersatz
kann deshalb ausnahmsweise auch den Anforderungen von Art. 6 Abs. 1 NHG
genügen, wenn er sich nicht als gleichwertig erweist. Zudem ist es denkbar, dass die
Elemente des gleichwertigen Ersatzes im Einzelfall nicht der "Zusammensetzung" des
zerstörten Objekts entsprechen, sich aber insgesamt als gleichwertig erweisen.
gg) Im Zusammenhang mit der Interessenabwägung gemäss Art. 6 NHG ist
unbestritten, dass durch den vorgesehenen Abbau ein prioritäres Schutzziel des BLN-
Objekts in einem wesentlichen Teil stark in Mitleidenschaft gezogen wird. Im weiteren
steht fest, dass weder in landschaftlicher noch in ökologischer Hinsicht eine
vollständige Wiederherstellung des gegenwärtigen Zustandes erreichbar ist. Immerhin
ist aber in landschaftlicher Hinsicht davon auszugehen, dass nach Abschluss der
Auffüllarbeiten und der Neuaufforstung und Neuanpflanzung vom Eingriff langfristig nur
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
wenig sichtbar sein wird. Zwar ist der Hinweis des Beschwerdeführers zutreffend,
wonach der Zeithorizont, in dem wieder mit einer vergleichbaren Landschaft zu
rechnen ist, weit anzusetzen ist; indes trifft dies für Neuaufforstungen, welche typische
Wiederherstellungen im Sinne von Art. 6 Abs. 1 NHG darstellen, grundsätzlich zu. Die
verhältnismässig lange Dauer bis wieder mit einer vergleichbaren Landschaft gerechnet
werden kann, ist deshalb im Rahmen der Interessenabwägung nicht von
ausschlaggebender Bedeutung. Dies gilt vorliegend um so mehr, als der
Gesteinsabbau etappiert ist und eine sukzessive Rekultivierung beabsichtigt wird. In
ökologischer Hinsicht fällt in Betracht, dass im Abbauperimeter umfangreiche,
landschafts- und naturschützerisch wertvolle Renaturierungsmassnahmen vorgesehen
sind, wie die Wiederherstellung und Neuschaffung von Waldflächen, Feldgehölzen,
Magerwiesen, Pionier- und Ruder-alstandorten einschliesslich Kies- und Geröllflächen,
Felsbändern und Feuchtgebieten, Rohböden und Spontanbegrünungsflächen. Weder
im Gutachten der ENHK noch in der Beschwerde wird dargelegt, weshalb diese
gebietsspezifischen Massnahmen nicht zumindest langfristig einen angemessenen
Ersatz des durch den Abbau beeinträchtigten Schutzgebiets ermöglichen sollen. Die
kantonale UVP-Fachstelle geht in ihrem Bericht davon aus, dass infolge des
Gesteinsabbaus verlorengegangene Lebensgemeinschaften zwar nicht in gleicher
Form wieder hergestellt werden können, aber gegenüber dem heute bestehenden
Zustand insgesamt gesehen sogar eher eine Verbesserung für die Ökologie durch die
Zunahme der Vielfalt an Biotypen zu erwarten ist. Hinzu kommen die aus-serhalb des
Abbauperimeters vorgesehenen Ersatz- und Pflegemassnahmen auf einer Fläche von
rund 13 ha (Schaffung und Pflege von Magerwiesen, Gehölzen, Wald und
Waldrandflächen sowie Krautsäumen), welche die Naturwerte gegenüber dem
gegenwärtigen Zustand verbessern werden. Unter diesen Umständen kann der
Vorinstanz keine Rechtsverletzung vorgeworfen werden, wenn sie gestützt auf die
kantonalen Fachstellen davon ausgegangen ist, bei der Verwirklichung der verlangten
Ersatz- und Aufwertungsmassnahmen werde ein gleichwertiger Ersatz geschaffen und
das Abbauvorhaben mit Art. 5 Abs. 2 WaG bzw. Art. 6 NHG als vereinbar beurteilt hat.
f) Zusammenfassend steht somit fest, dass mit dem Abbauvorhaben zwar ein schwerer
Eingriff in das BLN-Objekt Nr. 1613 verbunden ist, der umfangreiche
Beeinträchtigungen für ein prioritäres Schutzziel mit sich bringt. Indes besteht in
Anbetracht der prekären Eigenversorgungssituation in der Schweiz im allgemeinen und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 23/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
in der Ostschweiz im speziellen ein Interesse von ebenfalls nationaler Bedeutung am
Abbauvorhaben. Hinzu kommt, dass der Abbau aufgrund des Standorts und der neuen
Erschliessung den berechtigten Anliegen der betroffenen Wohnbevölkerung so weit als
möglich Rechnung trägt. Schliesslich werden sehr umfangreiche Wiederherstellungs-
und Ersatzmassnahmen verlangt, die zumindest langfristig einen Ersatz schaffen. Unter
diesen Umständen kann der Vorinstanz keine Rechtsverletzung vorgeworfen werden,
wenn sie im Rahmen einer Gesamtinteressenabwägung die Interessen an der
Verwirklichung des Projektes schwerer gewichtet hat als die Interessen an der
Erhaltung des gegenwärtigen Zustandes.
5./ Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen ist. Dem
Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 5'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 des Gerichtskostentarifs,
sGS 941.12). Auf die Erhebung ist gestützt auf Art. 95 Abs. 3 VRP zu verzichten (vgl. R.
Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz,
Diss. St. Gallen 2004, S. 107 f.).
Die Beschwerdegegnerin hat für das Beschwerdeverfahren Anspruch auf
ausseramtliche Entschädigung durch den Beschwerdeführer (Art. 98 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 98bis VRP). Da der Rechtsvertreter der Beschwerdegegnerin keine
Honorarnote eingereicht hat, ist das Honorar nach Ermessen festzusetzen (Art. 6 der
Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75, abgekürzt HonO).
Mit Blick auf den Umstand, dass der Rechtsvertreter die Beschwerdegegnerin in drei
weiteren, gleich gelagerten Beschwerdeverfahren vertritt, ist eine Entschädigung von
Fr. 3'000.-- zuzügl. MWSt angemessen (Art. 22 Abs. 1 lit. c in Verbindung mit Art. 19
HonO).