# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** a17cfb54-444b-49f9-915b-0e1f022ed3cb
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. J.L. (1971) und V.L. (1975) stammen beide aus dem heutigen Kosovo. Sie heirateten
im Jahr 1996 in St. Gallen. J.L. war im Jahr zuvor in die Schweiz eingereist und hatte
erfolglos um Asyl ersucht (vgl. Akten Migrationsamt, Dossier J.L., S. 55 ff.). Im Rahmen
des Familiennachzugs zu seiner Ehefrau erhielt er am 3. Dezember 1996 eine
Aufenthaltsbewilligung (Doss. J.L., S. 136). Im Januar und Dezember 1999 kamen die
beiden gemeinsamen Kinder A.L. und B.L. zur Welt. Ehefrau und Kinder verfügen seit
Ende 2000 über Niederlassungsbewilligungen.
Das heutige Migrationsamt des Kantons St. Gallen verlängerte in der Folge die
Aufenthaltsbewilligung von J.L. regelmässig, im Jahr 2006 jedoch erstmals nur noch
auf Zusehen und Wohlverhalten hin und verbunden mit der Aufforderung, er müsse
sich um eine Arbeitsstelle bemühen und seinen finanziellen Verpflichtungen
nachkommen (Doss. J.L., S. 247). Schreiben ähnlichen Inhaltes legte das
Migrationsamt auch in den Jahren 2007 und 2008 der verlängerten Bewilligung bei
(Doss. J.L., S. 273 303). Im Jahr 2009 verwarnte es J.L. mit Blick auf seine
Verschuldung (Verlustscheine von ca. Fr. 50‘000.-- bei gleichzeitig mangelnden
Arbeitsbemühungen) formell (Doss. J.L., S. 360 ff.). Weitere formlose Verwarnungen
folgten 2010 und 2011 (Doss. J.L., S. 389 und 423).
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Mit Verfügung vom 11. Dezember 2012 verlängerte das Migrationsamt die
Aufenthaltsbewilligung von J.L. nicht mehr (Doss. J.L., S. 454 ff.). Mit Blick auf
Verlustscheine in der Höhe von ca. Fr. 100‘000.-- und diverse (leichtere) strafrechtliche
Verurteilungen lastete es ihm einen erheblichen Verstoss gegen die öffentliche
Sicherheit und Ordnung an. Er habe sich nicht nur unbeeindruckt von zahlreichen
Verwarnungen gezeigt und keine Anstrengungen erkennen lassen, seine Schulden zu
sanieren, sondern diese (trotz zuletzt wieder aufgenommener Erwerbstätigkeit) sogar
noch ansteigen lassen. Von der Fortsetzung dieses gravierenden Negativverhaltens sei
auszugehen. Die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung sei trotz des damit
verbundenen Eingriffs in das Privat- und Familienleben verhältnismässig. Die Verfügung
des Migrationsamtes erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
B. Mit Verfügung vom 25. Januar 2013 trat das Migrationsamt auf ein erstes
Wiedererwägungsgesuch des Ehepaars V.L. und J.L. nicht ein (Doss. J.L., S. 468). Den
dagegen erhobenen Rekurs wies das Sicherheits- und Justizdepartement mit
Entscheid vom 12. Juni 2013 ab (Doss. J.L., S. 492 ff.). Am 28. August 2013 verliess
J.L. die Schweiz (Doss. J.L., S. 518). Bereits ein halbes Jahr später stellte J.L. erneut
ein Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung, worauf das Migrationsamt am
14. Februar 2014 nicht eintrat (Doss. J.L., S. 526 und 530). Ein weiteres Gesuch stellten
V.L. und J.L. am 6. Oktober 2014 (Dossier V.L., S. 128). Sie machten geltend, dem
Ehemann sei eine Stelle als Hilfsmaler zugesichert worden, was ihm erlaube, für den
Unterhalt der Familie aufzukommen und die bestehenden Schulden abzubezahlen. Das
Migrationsamt stellte am 12. November 2014 die Abweisung des Gesuchs in Aussicht
(Dossier V.L., S. 157 ff.). Nach Eingang einer Stellungname von Rechtsanwältin lic. iur.
Bettina Surber, St. Gallen, verfügte das Migrationsamt am 21. Januar 2015 wie
angekündigt (Doss. V.L., S. 176 ff.). Die Verweigerung des Familiennachzugs sei nach
wie vor gesetz- und verhältnismässig.
C. Den von V.L. gegen die Verfügung des Migrationsamtes am 20. April 2015
erhobenen Rekurs wies das Sicherheits- und Justizdepartement am 10. Februar 2016
ab (act. 2). Die Rekurrentin hatte erfolglos geltend gemacht, das öffentliche Interesse
an der Fernhaltung ihres Ehemannes sei nicht derart gewichtig, dass es die Trennung
der Familie rechtfertige.
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D. Gegen den Rekursentscheid erhob Rechtsanwältin Bettina Surber für V.L.
(Beschwerdeführerin) mit Eingabe vom 25. Februar 2016 und Ergänzung vom 13. Mai
2016 Beschwerde beim Verwaltungsgericht (act. 1 und 9). Sie beantragte, der
angefochtene Entscheid sei aufzuheben und es sei J.L. eine Aufenthaltsbewilligung
zum Verbleib bei seiner Ehefrau zu erteilen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Für das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht beantragte sie weiter unentgeltliche
Rechtspflege und -verbeiständung. Das Sicherheits- und Justizdepartement
(Vorinstanz) beantragte in seiner Vernehmlassung vom 24. Mai 2016 Abweisung der

## Considerations

Beschwerde (act. 11). Zur Begründung verwies es auf die Erwägungen des
angefochtenen Entscheids.
Auf die Vorbringen der Beschwerdeführerin, den angefochtenen Entscheid und die
Akten wird – soweit erforderlich – in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. (...).
2.
2.1. Der Nachzug ausländischer Familienangehöriger von Personen mit
Niederlassungsbewilligung wird durch Art. 43 des Bundesgesetzes über die
Ausländerinnen und Ausländer (SR 142.20, AuG) geregelt. Gemäss Art. 43 Abs. 1 AuG
hat der ausländische Ehegatte einer niedergelassenen Ausländerin Anspruch auf
Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, wenn er mit dieser
zusammenwohnt. Nach Art. 51 Abs. 2 lit. b AuG erlischt dieser Anspruch, wenn
Widerrufsgründe nach Art. 62 AuG vorliegen.
2.2. Das Migrationsamt hat die Aufenthaltsbewilligung des Ehemannes der
Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 11. Dezember 2012 nicht mehr verlängert. Es
berief sich dabei auf den Widerrufsgrund von Art. 62 lit. c AuG (konkret: erheblicher
bzw. wiederholter Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der
Schweiz). Ein solcher Verstoss liegt namentlich vor, wenn gesetzliche Vorschriften und
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behördliche Verfügungen missachtet oder öffentlich- und privatrechtliche
Verpflichtungen mutwillig nicht erfüllt werden (vgl. Art. 80 Abs. 1 lit. a und b der
Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit, SR 142.201, VZAE).
Tatbestandsmässig ist bereits eine erhebliche, mutwillig (d.h. zumindest leichtfertig)
herbeigeführte Verschuldung; strafrechtliche Verurteilungen werden nicht zwingend
vorausgesetzt (BGer 2C_526/2015 vom 15. November 2015 E. 3.1 mit Hinweisen; zur
Kasuistik des Bundesgerichts vgl. VerwGE B 2015/169 vom 20. Januar 2017 E. 4.1 f.,
www.gerichte.sg.ch).
2.3. Aus den zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen und den Akten geht hervor,
dass sich J.L. während seiner langen Anwesenheit zunehmend verschuldete und bis
zuletzt regelmässig (Strassenverkehrs-) Delikte beging. Trotz wiederkehrender
Ermahnungen, einer formellen Verwarnung im Jahr 2009 und zeitweiliger
Arbeitstätigkeit wuchsen seine Schulden von Fr. 14‘349.50 (offene Verlustscheine per
10. November 2006) auf zuletzt Fr. 117‘160.-- (Saldo der offenen Verlustscheine per
16. Oktober 2014) an. J.L. bezahlte offensichtlich weder Steuern noch
Krankenkassenprämien, wie sich mit Blick auf die einzelnen ausgestellten
Verlustscheine zeigt (vgl. Doss. J.L., S. 440). Die Schulden wirkten sich mithin in erster
Linie auf die öffentlich-rechtlichen Verpflichtungen aus. Gleiches gilt für die
Beschwerdeführerin; aufgrund einer eigentlichen Schuldenwirtschaft liegen gegen sie
ebenfalls derartige Verlustscheine im Gesamtbetrag von knapp Fr. 100‘000.-- vor
(Auszug aus dem Betreibungsregister vom 15. April 2015 in vi-act. 8/2). Das Sozialamt
der Stadt St. Gallen hat Verlustscheine für Gesundheitskosten von Fr. 26‘710.30 (J.L.)
bzw. Fr. 30‘651.70 (Beschwerdeführerin) übernommen (Stand Oktober 2012,
Doss. J.L., S. 436 f.). Von unverschuldeter wirtschaftlicher Notlage des Ehepaares kann
bei einem Nettoeinkommen der Beschwerdeführerin von ca. Fr. 62‘000.-- nicht
gesprochen werden, zumal sie seit zwanzig Jahren vollzeitlich erwerbstätig ist und ihr
Ehemann zumindest zeitweilig auch über Erwerbseinkommen verfügte (vgl. die
aktenmässig belegten Ausführungen in E. 4.b.aa des angefochtenen Entscheids). Dies
belegt, dass sich das Ehepaar um Steuern und Krankenkassenprämien foutierte und
das verfügbare Einkommen systematisch anderweitig verwendete. Anhaltspunkte, dass
sich dieses Verhalten geändert hätte, bestehen nicht. Insbesondere kann aufgrund der
Akten nicht davon ausgegangen werden, die Beschwerdeführerin habe in der
Zwischenzeit massgeblich Eheschulden abbezahlt oder Anstrengungen zur
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Schuldensanierung unternommen (vgl. vi-act. 8/2). Der Widerrufsgrund von Art. 62 lit. c
AuG (erheblicher bzw. wiederholter Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und
Ordnung in der Schweiz) ist damit in Bezug auf J.L. (noch immer) erfüllt. Die
Beschwerdeführerin bestreitet denn auch nicht, dass ihr Ehemann in der Vergangenheit
zu "Klagen Anlass gegeben" hat. Grundsätzlich ist damit der Anspruch auf
Familiennachzug erloschen.
3.
3.1. Der Widerruf bzw. die Nichtverlängerung einer Aufenthaltsbewilligung
verunmöglichen die Erteilung einer (neuen) Aufenthaltsbewilligung nicht zwingend ein
für alle Mal. Mit Blick auf weggewiesene ausländische Straftäter hat das Bundesgericht
eine konstante Rechtsprechung entwickelt: Vorausgesetzt wird, dass die
weggewiesene Person nach wie vor einen Rechtsanspruch auf Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung besitzt und es ihren hier anwesenden nahen Angehörigen nicht
zumutbar ist, ihr ins Heimatland zu folgen und das Familienleben dort zu pflegen. Eine
Neubeurteilung kann angezeigt sein, wenn sie sich seit der Verurteilung bzw.
Strafverbüssung bewährt hat und sich über eine angemessene Dauer in ihrer Heimat
klaglos verhalten hat, sodass eine Integration in die hiesigen Verhältnisse absehbar und
eine allfällige Rückfallgefahr vernachlässigbar erscheint (vgl. BGE 130 II 493 E. 5; BGer
2C_995/2014 vom 11. November 2014 E. 3.3; 2C_714/2014 vom 15. Mai 2015 E. 3.3).
Vorausgesetzt wird weiter, dass der Betroffene die Schweiz tatsächlich verlassen hat,
nachdem der Widerruf seiner Bewilligung oder deren Nichtverlängerung in Rechtskraft
erwachsen ist (BGer 2C_424/2015 vom 1. Dezember 2015 E. 2.3 in fine mit Hinweisen).
Für straffällig gewordene Ausländerinnen und Ausländer setzt das Bundesgericht
praxisgemäss eine fünfjährige Bewährung (ab Rechtskraft des Bewilligungsentzugs) im
Heimatstaat voraus, bis erneut Anspruch auf Überprüfung des Aufenthaltsrechts
besteht. Das schliesst eine frühere Prüfung nicht aus, soweit gänzlich auf ein
Einreiseverbot nach Art. 67 AuG verzichtet oder dieses auf unter fünf Jahre angesetzt
worden ist. Im Übrigen besteht auch Anspruch auf materielle Wiedererwägung, wenn
sich die Verhältnisse seit Erlass der ursprünglichen Verfügung derart geändert haben,
dass sich bei der nachfolgenden Prüfung des Aufenthaltsrechts ein anderes Ergebnis
ernstlich aufdrängt (BGE 136 II 177 E. 2.2.1; BGer 2C_1224/2013 vom 12. Dezember
2014 E. 5.1.2; 2C_1170/2012 vom 24. Mai 2013 E. 3.4; zur Wiederwägung im
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allgemeinen vgl. Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2.
Aufl. 2003, Rz. 575). Ob der Aufenthalt im Zeitpunkt der Neubeurteilung wieder zu
gewähren ist, bildet Gegenstand einer umfassenden Güterabwägung, wobei die
privaten Interessen der betroffenen Person gegen das durch Zeitablauf verringerte
öffentliche Fernhalteinteresse abzuwägen sind.
3.2. Der Zeitpunkt, ab dem die früheren Erlöschensgründe nach Art. 51 AuG dahinfallen
und für sich alleine den Ansprüchen nach Art. 42 AuG nicht weiter entgegenstehen, ist
aufgrund einer Einzelfallbeurteilung zu bestimmen, wobei bei der Beurteilung des
Rückfallrisikos nach Art und Ausmass der möglichen Rechtsgutverletzungen zu
differenzieren ist. Je schwerwiegender die möglichen Rechtsgüterverletzungen, desto
weniger muss eine Rückfallgefahr in Kauf genommen werden. Je weiter etwa die
Straftaten der ausländischen Person zurückliegen, umso eher lässt sich ihr wieder
Vertrauen entgegenbringen und kann sich die Annahme rechtfertigen, dass inskünftig
von Deliktsfreiheit auszugehen ist (zum Ganzen vgl. BGer 2C_1170/2012 vom 24. Mai
2013 E. 5 mit Hinweisen). Der Zeitablauf ist beim bewilligungsrechtlichen Entscheid von
herausragender Bedeutung. Generalpräventive Überlegungen allein können den
Aufenthalt nicht auf Dauer einschränken (BGer 2C_519/2014 vom 15. Januar 2015
E. 3.7 mit Hinweis u.a. auf die Rechtsprechung zu Art. 8 EMRK, namentlich auf die
Fälle Udeh gegen die Schweiz vom 16. April 2013 [Nr. 12020/09] § 46 ff. und A.W.
Khan gegen das Vereinigte Königreich vom 12. Januar 2010 [Nr. 47486/06] § 41).
3.3. Diese Rechtsprechung ist nicht nur auf den Widerrufsgrund der "längerfristigen
Freiheitsstrafe" gemäss Art. 62 lit. b AuG anzuwenden, sondern – mutatis mutandis –
auch auf den Widerrufsgrund des erheblichen oder wiederholten Verstosses gegen die
öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 62 lit. c AuG. Bei der (erneuten)
Beurteilung des Anwesenheitsrechts ist im Fall von mutwilliger Schuldenwirtschaft
nicht nur der Zeitablauf und die Bewährung im Heimatstaat abzustellen, sondern auch
darauf, welche konkreten Schritte zur wirtschaftlichen Sanierung ergriffen worden sind
und Erfolg versprechen. Die Rückfallgefahr erscheint nur dann gebannt, wenn bei
erneuter Anwesenheit die Sanierung wahrscheinlich ist.
3.4. J.L. hat die Schweiz am 28. August 2013 verlassen (Doss. J.L., S. 518). Die Frage,
ob im Januar 2015 (in Anbetracht der zitierten bundesgerichtlichen Rechtsprechung)
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bereits wieder Anspruch auf eine materielle Prüfung des Familiennachzugsgesuchs
bestand, hat sich das Migrationsamt offenbar nicht gestellt. Anders als noch im Januar
2013 und Februar 2014 ist es nach etwas über zwei Jahren seit Rechtskraft der
Nichtverlängerungsverfügung auf das erneute Gesuch eingetreten, ohne allerdings
darzulegen, inwiefern sich die Verhältnisse seither geändert hätten und ob Anspruch
auf erneute Überprüfung des Anwesenheitsanspruchs bestand. Die Vorinstanz hat sich
im angefochtenen Entscheid zu Recht nicht (mehr) mit dieser Frage befasst, sondern
mit der durch das Migrationsamt vorgenommenen materiellen Prüfung.
4.
4.1. Die Verweigerung einer Aufenthaltsbewilligung wegen des Vorliegens von
Widerrufsgründen nach Art. 51 AuG setzt auf jeden Fall eine
Verhältnismässigkeitsprüfung voraus (Art. 96 AuG; BGer 2C_1170/2012 vom 24. Mai
2013 E. 3.2). Vorliegend sind auch die aus Art. 8 der Konvention zum Schutze der
Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR 0.101, EMRK) und Art. 13 der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101, BV)
abzuleitenden Ansprüche zu berücksichtigen, weil die Beschwerdeführerin – wie auch
der noch minderjährige B.L. – in der Schweiz mit der Niederlassungsbewilligung über
ein gefestigte Anwesenheitsrechte verfügen. Diese Bestimmungen garantieren zwar
kein Recht auf Aufenthalt in einem bestimmten Staat. Es kann aber die entsprechenden
Garantien verletzen, wenn einem Ausländer, dessen Familienangehörige hier leben und
in der Schweiz über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfügen, die Anwesenheit
untersagt und damit das Familienleben vereitelt wird (BGE 135 I 143 E. 1.3.1; 135 I 153
E. 2.1; 130 II 281 E. 3.1 mit Hinweisen). Das in Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 BV geschützte
Recht ist berührt, wenn eine staatliche Entfernungs- oder Fernhaltemassnahme eine
nahe, echte und tatsächlich gelebte familiäre Beziehung einer in der Schweiz gefestigt
anwesenheitsberechtigten Person beeinträchtigt, ohne dass es dieser ohne
Schwierigkeiten möglich bzw. von vornherein zumutbar wäre, das Familienleben
andernorts zu pflegen (BGE 139 I 330 E. 2.1 mit Hinweisen und 135 I 153 E. 2.1; vgl.
auch VerwGE B 2013/247 vom 24. März 2015 E. 2.1, www.gerichte.sg.ch). Der Schutz
gilt indessen nicht absolut: Liegt eine aufenthaltsbeendende oder -verweigernde
Massnahme im Schutz- und Anwendungsbereich von Art. 8 EMRK, erweist sich diese
als zulässig, falls sie gesetzlich vorgesehen ist, einem legitimen Zweck im Sinne von
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Art. 8 Ziff. 2 EMRK entspricht und zu dessen Realisierung in einer demokratischen
Gesellschaft «notwendig» ist. Konvention und Bundesverfassung verlangen, dass die
individuellen Interessen an der Erteilung bzw. am Fortbestand des Anwesenheitsrechts
und die öffentlichen Interessen an dessen Verweigerung gegeneinander abgewogen
werden. Das öffentliche Interesse überwiegt, wenn die Massnahme durch ein
«herausragendes soziales Bedürfnis» gerechtfertigt und in Bezug auf das rechtmässig
verfolgte Ziel verhältnismässig erscheint bzw. einer «fairen» Interessenabwägung
entspricht (BGE 139 I 330 E. 2.1 f. mit Hinweisen, vgl. auch Art. 36 BV).
4.2. Für ein immer noch erhebliches öffentliche Interesse an der weiteren Fernhaltung
J.L.s sprechen nach Auffassung der Vorinstanz die zahlreichen begangenen (im
wesentlichen Strassenverkehrs-) Delikte und die immer höher gewordenen Schulden
von zuletzt Fr. 117‘160.-- (Saldo der offenen Verlustscheine per 16. Oktober 2014).
Letztere seien ungeachtet der Verwarnungen und trotz teilweiser Erwerbstätigkeit
immer weiter angestiegen, woran auch nichts geändert habe, dass die heutige
Beschwerdeführerin seit 1996 einer Vollzeiterwerbstätigkeit nachgehe. Vielmehr sei
auch diese massiv verschuldet (Verlustscheine über Fr. 99‘264.30 per 15. April 2015).
Seitdem J.L. die Schweiz verlassen habe, seien keine Schulden amortisiert worden. In
Anbetracht seiner Verhaltensweise in der Vergangenheit sei seine Absicht, die
Schulden nach Aufnahme einer Erwerbstätigkeit in der Schweiz zu sanieren, stark
anzuzweifeln.
Die Beschwerdeführerin macht demgegenüber geltend, erst durch (erneuten)
Aufenthalt in der Schweiz könne J.L. Schulden abbauen. Da er eine Arbeitsstelle in
Aussicht habe und die Kinder während der Ausbildung auch einen Teil ihres
Unterhaltes bestreiten könnten, ergebe sich hierfür ein Überschuss. Weil J.L. im
Kosovo keine Verdienstmöglichkeit habe, liege die Erteilung einer Bewilligung sogar im
öffentlichen Interesse, weil die Gläubiger ansonsten keine Chance mehr hätten, für ihre
Forderungen auch nur teilweise befriedigt zu werden.
Das legitime öffentliche Interesse an der weiteren Fernhaltung von J.L. besteht im
Schutz der öffentlichen Ordnung. In Anbetracht seines bisherigen Verhaltens bestehen
noch immer berechtigte Zweifel an der Absicht des Ehemannes, künftig dauerhaft einer
Erwerbstätigkeit nachzugehen und die Schulden abzuzahlen. Es ist aktenmässig
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belegt, dass er sich trotz Arbeitstätigkeit immer höher verschuldet hat: Am 7. Oktober
2011 verlängerte das Migrationsamt die Aufenthaltsbewilligung von J.L. nur noch
aufgrund einer Arbeitsstelle. Gemäss seinem Arbeitsvertrag war er seit Oktober 2011
als Hilfsarbeiter Abdichtungen mit einem Stundenlohn von Fr. 31.-- bei einer
wöchentlichen Arbeitszeit von 42.5 Stunden beschäftigt (Doss. J.L., S. 391 f.). Kurz vor
Abschluss dieses Arbeitsvertrages lagen Verlustscheine im Gesamtbetrag von
Fr. 77‘003.30 vor (Doss. J.L., S. 393). Trotz eines vom Arbeitgeber bestätigten
Grundlohnes von Fr. 4‘500.-- pro Monat (Doss. J.L., S. 431) wuchsen die Schulden im
Folgejahr massiv an, und zwar auf Fr. 100‘933.80 (Stand: 14. September 2012,
Doss. J.L., S. 439). Auch für frühere Jahre ist ähnliches Verhalten belegt (vgl. E. 4.a.bb.
des angefochtenen Entscheids). Dass die in Aussicht gestellte Erwerbstätigkeit von J.L.
nunmehr zu einer wirtschaftlichen Sanierung führen würde, erscheint höchst
zweifelhaft. Die Vorinstanzen durften unter diesen Umständen zu Recht davon
ausgehen, dass die erneute Bewilligung des Familiennachzugs mit sehr hoher
Wahrscheinlichkeit zu weiteren Schulden führen wird.
Daran hat schliesslich auch die Androhung ausländerrechtlicher Folgen für sein
Negativverhalten nichts geändert. Ziel der fremdenpolizeilichen Verwarnung ist es, den
betroffenen Ausländer zu einer Änderung seines Verhaltens zu veranlassen (vgl. z.B.
BGer 2C_160/2013 vom 15. November 2013 E. 2.2.3). Gelingt dies nicht, kommt es
grundsätzlich zu den für den Fall der Missachtung der verfügten Bedingungen
angedrohten Folgen, ansonsten die fragliche Massnahme ihres Sinnes entleert würde
(vgl. BGer 2C_273/2010 vom 6. Oktober 2010 E. 3.4). Es besteht nicht nur ein
öffentliches Interesse daran, angedrohte ausländerrechtliche Konsequenzen im
Wiederholungsfall zu vollziehen. Diese müssen darüber hinaus für eine gewisse Zeit
aufrechterhalten werden. Dies gilt umso mehr, wenn – wie im vorliegenden Fall – keine
Verhaltensänderung in Sicht ist. Die finanzielle Situation kann auch heute nicht als
geregelt gelten. Bemühungen der Beschwerdeführerin und ihres Ehemannes, sich aus
der Schuldenfalle z.B. im Rahmen von Abzahlungs- und Nachlassvereinbarungen mit
Gläubigern oder eines Steuererlasses zu befreien, sind zu keiner Zeit dokumentiert.
Das öffentliche Interesse an der Fernhaltung von J.L. ist deshalb, obwohl er bereits seit
fast vier Jahren nicht mehr in der Schweiz wohnhaft ist, noch immer von erheblichem
Gewicht.
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4.3. Hinsichtlich der privaten Interessen der Beschwerdeführerin hielt die Vorinstanz
fest, diese lebe seit August 1990 in der Schweiz. Die prägenden Kinder- und
Jugendjahre habe sie im Heimatland verbracht, mit dessen Sprache, Sitten und
Gebräuche sie vertraut sei. Ihr könne daher grundsätzlich zugemutet werden, die Ehe
mit J.L. dort zu leben, zumal sie in Anbetracht der hohen Schulden in der Schweiz nicht
gut integriert sei. Den Kindern könne jedoch die Rückkehr in den Kosovo nicht
zugemutet werden, was sich aus dem langen Aufenthalt in der Schweiz und ihrem Alter
ergebe. Die Betreuung der fast volljährigen Kinder könne indessen durch mindestens
einen Elternteil in der Schweiz gewährleistet werden.
Die Familie lebe seit der Ausreise des Ehemannes am 28. August 2013 getrennt. Bei
Einreichung des Familiennachzugsgesuchs lediglich rund 13 Monate nach dessen
Wegzug habe die Beschwerdeführerin damit rechnen müssen, dass sie nicht
gemeinsam mit ihrem Ehemann in der Schweiz würde leben können.
Die Beschwerdeführerin macht demgegenüber geltend, es könne nicht einerseits
argumentiert werden, es sei ihr zuzumuten, im Kosovo zu leben, und andererseits
(gleichzeitig), sie könne hier bleiben und die Kinder betreuen, denen der Umzug nicht
zugemutet werden könne. Aufgrund der Gesamtumstände liege auf der Hand, dass ihre
Zukunft und diejenige der Kinder in der Schweiz liege. Diese seien auch nach Erreichen
der Volljährigkeit (Januar bzw. Dezember 2017) auf Beistand und finanzielle
Unterstützung durch sie angewiesen. Sie könne mithin nicht zu ihrem Ehemann in die
Heimat zurückkehren, womit ihr Familienleben in unzumutbarer Weise beschnitten
werde. Dies gelte auch für die Kinder. Aus dem Umstand, dass der Vater die Schweiz
habe verlassen müssen, könne nicht geschlossen werden, die Trennung sei problemlos
möglich. Das öffentliche Interesse an einer Fernhaltung könne nicht dermassen hoch
sein, dass sich dieser schwere Eingriff in das Familienleben aller Beteiligten
rechtfertige.
4.4. Mit der Beschwerdeführerin ist einig zu gehen, dass es ihr angesichts der langen
Aufenthaltsdauer in der Schweiz nicht ohne weiteres möglich bzw. zumutbar wäre, die
Ehe im gemeinsamen Heimatstaat zu leben. Indessen war die Anwesenheit von J.L.
schon längere Zeit ungewiss und von der Einhaltung von Bedingungen abhängig
gemacht worden, ohne dass es zur notwendigen Verhaltensänderung gekommen wäre.
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Die drohende Trennung der "Kernfamilie" zeichnete sich mithin über längere Zeit
bereits ab; die eingeräumten Chancen blieben ungenutzt. Von eher geringerem
Gewicht sind die privaten Interessen mit Blick auf die beiden Kinder des Ehepaares;
diese haben die Volljährigkeit erreicht bzw. stehen an der Schwelle dazu. Sie sind nicht
in erhöhtem Mass auf die Anwesenheit ihres Vaters angewiesen. Den Kontakt kann die
Familie wie bis anhin mit den gängigen Kommunikationsmitteln und mit gegenseitigen
Besuchen aufrechterhalten. Anders als die altrechtliche Ausweisung stellt ein
Bewilligungswiderruf bzw. deren Nichtverlängerung keine Fernhaltemassnahme mehr
dar. Ein allfälliges Einreiseverbot hätte vielmehr zusätzlich vom zuständigen Bundesamt
verfügt werden müssen (Art. 67 AuG), was konkret nicht der Fall ist. Allein durch die
Verweigerung des Familiennachzugs werden Reisen in die Schweiz zu
Besuchszwecken bei Erfüllung der gesetzlichen Einreisevoraussetzungen nicht
verunmöglicht (BGer 2C_650/2010 vom 10. Februar 2011 E. 4.2; VerwGE B 2011/16
vom 31. Mai 2011 E. 4.9.3., www.gerichte.sg.ch).
Das Verhalten der Beschwerdeführerin und ihres Ehemannes seit seiner Ausreise gibt
keinen Anlass, den Familiennachzug erneut zu bewilligen. Gemäss höchstrichterlicher
Rechtsprechung besteht nur in Ausnahmefällen vor Ablauf von fünf Jahren seit
Rechtskraft des Bewilligungsentzugs Anspruch auf Wiedererwägung (und damit erst
die Möglichkeit, inhaltlich auf den Entscheid zurückzukommen). Solche Umstände
lagen bei Einreichung des Gesuchs im Oktober 2014 gerade nicht vor, zumal
Anstrengungen zur notwendigen wirtschaftlichen Sanierung bis heute nicht ersichtlich
sind. Die in Aussicht gestellte Arbeitstätigkeit ihres Ehemannes hat in der
Vergangenheit nicht zur Tilgung von Schulden geführt, diese haben sich in den letzten
rund zehn Jahren vielmehr kontinuierlich erhöht. Die bisherigen Arbeitsverhältnisse
waren darüber hinaus nie von langer Dauer. In der Gesamtabwägung erweist sich die
weitere Verweigerung des Familiennachzuges daher als verhältnismässig. Die
Beschwerde ist abzuweisen.
5.
5.1. Bei diesem Verfahrensausgang wird die Beschwerdeführerin kostenpflichtig (Art.
95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 2‘000.-- ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222
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der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Anspruch auf Ersatz der ausseramtlichen
Kosten besteht bei diesem Ergebnis nicht (Art. 98 Abs. 1 und 98bis VRP).
5.2. Die Beschwerdeführerin ersucht für das verwaltungsgerichtliche Verfahren um
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und -verbeiständung (act. 9, S. 2).
Gemäss Art. 99 Abs. 2 VRP in Verbindung mit Art. 117 ZPO wird diese gewährt, wenn
der Gesuchsteller nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und das von ihm
angestrebte Verfahren nicht aussichtslos erscheint. Als bedürftig gilt, wer die Kosten
eines Prozesses nicht aufzubringen vermag, ohne die Mittel anzugreifen, derer er zur
Deckung des notwendigen Lebensunterhalts für sich und seine Familie bedarf. Die
prozessuale Bedürftigkeit beurteilt sich nach der gesamten finanziellen Situation des
Rechtssuchenden im Zeitpunkt des Entscheids. Nebst den Einkünften ist auch die
Vermögenssituation in die Beurteilung einzubeziehen (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 853).
Die Beschwerdeführerin behauptet (act. 9, Ziff. II/2), die bestehende Verschuldung
erlaube ihr trotz eines Jahreseinkommens von (netto) Fr. 62‘203.70 (vgl. vi-act. 8/1)
nicht, selbst für die Kosten des Verfahrens aufzukommen. Der Monatslohn (13 x
Fr. 4‘784.90) sei bis auf einen Betrag von Fr. 4‘245.-- gepfändet. Einen Beweis hierfür
benannte sie nicht. Aus den Akten ergeben sich zwar Hinweise auf
Betreibungsforderungen in der Höhe von insgesamt ca. Fr. 4‘000.--, die in Pfändung
stehen (vgl. vi-act. 8/2, Code 202 bis 205). Bei der behaupteten pfändbaren Quote
wären diese Forderungen innert acht Monaten abbezahlt. Im Anschluss wären Mittel
verfügbar, um die Verfahrenskosten (zumindest in Raten) zu begleichen. Das
Vorhandensein von Verlustscheinen bedeutet nicht automatisch, dass die
Beschwerdeführerin prozessual bedürftig ist. Dies gilt umso mehr, als sie und ihr
Ehemann zu keiner Zeit Anstalten machten, ausserhalb des
Zwangsvollstreckungsverfahrens Schulden abzubauen. Letztlich scheitert die
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und -verbeiständung am fehlenden
Nachweis der Bedürftigkeit. Die vertretene Beschwerdeführerin trägt die Folgen der
Beweislosigkeit. Das Gesuch ist abzuweisen.