# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 4972e864-9474-5799-a2fb-6c4ffe56ce2b
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2005
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ N. X., geboren 1975, ist Staatsangehörige von Aegypten. Sie reiste am 8. April 2000
mit einem Touristenvisum in die Schweiz ein und heiratete am 8. September 2000
einen rund fünfzehn Jahre älteren, körperlich und geistig behinderten Schweizer. In der
Folge wurde ihr eine Aufenthaltsbewilligung im Rahmen des Familiennachzugs erteilt.
Im Dezember 2000 trennten sich die Eheleute, und am 30. Januar 2001 machte der
Ehemann eine Scheidungs- bzw. Eheungültigkeitsklage anhängig. Mit Urteil des
Kreisgerichts St. Gallen vom 21. November 2001 wurde die Ehe geschieden. Das
Gericht stellte fest, die Ehefrau sei eine Scheinehe eingegangen. Das Kantonsgericht
St. Gallen wies eine Berufung der Ehefrau mit Urteil vom 8. Juli 2002 ab. Nachdem das
Bundesgericht auf eine Berufung gegen das kantonsgerichtliche Urteil nicht eingetreten
war, erwuchs die Scheidung in Rechtskraft.
Am 27. August 2003 heiratete N. X. den in Flawil wohnhaften Schweizer Bürger M.R.
Mit Verfügung vom 29. März 2004 wies das Ausländer-amt das Gesuch von N. R.-X.
um Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung ab. Zur Begründung wurde angeführt, die
Gesuchstellerin sei eine Scheinehe eingegangen. Es sei davon auszugehen, dass der
Ehemann bei der Heirat von ihrer Vergangenheit Kenntnis gehabt habe. Er habe
deshalb damit rechnen müssen, dass die Aufenthaltsbewilligung der Ehefrau nicht
verlängert werde.
B./ Gegen die Verfügung des Ausländeramts erhob N. R.-X. mit Eingabe ihres
Rechtsvertreters vom 8. April 2004 Rekurs und beantragte, dem Gesuch um
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung sei stattzugeben. Sie bestritt, eine Scheinehe
eingegangen zu sein. Selbst wenn auf eine Scheinehe erkannt würde, läge kein
Ausweisungsgrund vor. Zudem erwarte sie ein Kind. Allein das
Verhältnismässigkeitsprinzip gebiete deshalb, ihre Aufenthaltsbewilligung zu
verlängern.
Am 19. Juli 2004 gebar N. R. den Sohn Yousif.
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Mit Entscheid vom 21. Juni 2005 wies das Justiz- und Polizeidepartement den Rekurs
ab.
C./ Mit Eingaben ihres Rechtsvertreters vom 6. Juli und 31. August 2005 erhob N. R.
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der Rekursentscheid sei
aufzuheben und das Ausländeramt sei anzuweisen, ihr die Aufenthaltsbewilligung zu
verlängern, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Auf die einzelnen Vorbringen in
der Beschwerde wird, soweit wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.
Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 2. September 2005 auf
Abweisung der Beschwerde.

## Considerations

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1./ Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die
Beschwerdeführerin ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingaben vom 6. Juli und 31.
August 2005 entsprechen zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2
VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2./ Nach Art. 7 Abs. 1 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der
Ausländer (SR 142.20, abgekürzt ANAG) hat die ausländische Ehegattin eines
Schweizer Bürgers Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung. Nach einem ordnungsgemässen und ununterbrochenen
Aufenthalt von fünf Jahren hat sie Anspruch auf die Niederlassungsbewilligung. Der
Anspruch erlischt, wenn ein Ausweisungsgrund vorliegt. Kein solcher Anspruch
besteht, wenn die Ehe eingegangen worden ist, um die Vorschriften über Aufenthalt
und Niederlassung zu umgehen (Art. 7 Abs. 2 ANAG).
a) Soweit die Beschwerdeführerin bestreitet, dass sie am 8. September 2000 mit
Andreas Butz eine Scheinehe eingegangen ist, sind ihre Ausführungen unbegründet. Es
kann diesbezüglich auf die Erwägungen Ziff. 3 im Urteil des Kantonsgerichts vom 8.
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Juli 2002 verwiesen werden. Auch gilt das Eingehen einer Scheinehe nach der Praxis
als Grund für den Widerruf bzw. eine Verweigerung der Aufenthalts- oder
Niederlassungsbewilligung (vgl. VerwGE B 2005/111 vom 16. August i.S. G.K., in:
www.gerichte.sg.ch; vgl. auch BGE 2A.275/2005 vom 17. Oktober 2005 i.S. H.Y.). Auf
die entsprechenden Ausführungen in der Beschwerde ist indessen nicht weiter
einzugehen. Zu prüfen ist vielmehr einzig, ob aufgrund der bestehenden familiären
Verhältnisse eine Verweigerung der Aufenthaltsbewilligung verhältnismässig ist. Die
Beschwerdeführerin ist seit 27. August 2003 mit einem Schweizer verheiratet. Sie hat
mit ihm ein gemeinsames Kind. Diese Ehe wird weder vom Ausländeramt noch von der
Vorinstanz als Scheinehe qualifiziert. Es bestehen aufgrund der Akten auch keine
Anhaltspunkte, dass es sich um eine solche handelt. Vorinstanz und Ausländeramt
begründen die Verweigerung der Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung allein mit der
früheren Scheinehe der Beschwerdeführerin. Inwiefern die Verweigerung des weiteren
Aufenthalts in der Schweiz verhältnismässig ist, ist aufgrund einer Interessenabwägung
vorzunehmen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin nach Art. 8
Ziff. 1 der Europäischen Menschenrechtskonvention (SR 0.101) und Art. 7 Abs. 1 ANAG
grundsätzlich einen Rechtsanspruch auf Erteilung und Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung hat.
Wie erwähnt, bildet das Eingehen einer Scheinehe nach der Praxis einen Grund für den
Widerruf einer Aufenthaltsbewilligung. Die oben zitierten Urteile betrafen allerdings
Fälle, bei denen die als Scheinehe qualifizierte Ehe bei der Verweigerung der
Aufenthaltsbewilligung des ausländischen Gatten noch bestand bzw. dieser keine neue
Ehe mit einem Schweizer Bürger oder einer niedergelassenen Person eingegangen
war. Im vorliegenden Fall ist aufgrund der neuen, unbestrittenermassen nicht als
Scheinehe zu qualifizierenden Verbindung bzw. aufgrund der Beziehung zum Ehemann
und zum gemeinsamen Kind mit Schweizer Bürgerrecht zu prüfen, ob die
Verweigerung der Bewilligung verhältnismässig ist. Die Vorinstanz ging davon aus, dem
Ehemann sei das Vorleben der Beschwerdeführerin bekannt gewesen. Diesbezüglich
finden sich in den Akten aber keine Anhaltspunkte. Der Ehemann wurde nie
einvernommen. Insbesondere fehlen Anhaltspunkte, dass die Beschwerdeführerin ihren
Ehemann davon in Kenntnis setzte, dass ihre erste Ehe wegen Eingehens einer
Scheinehe geschieden wurde. Es erscheint vielmehr nachvollziehbar, dass die
Beschwerdeführerin diesen Umstand verschwieg. In diesem Zusammenhang kann
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auch nicht von einer Verletzung der ehelichen Treuepflicht gesprochen werden. Es fragt
sich vielmehr, ob es unter dem Gesichtspunkte der Treuepflicht nicht geradezu
geboten war, dem Ehemann die Umstände, die zu einem Verlust der
Aufenthaltsbewilligung führen könnten, zu verschweigen. Hätte die Beschwerdeführerin
ihren Ehemann darüber orientiert, dass ihre erste Ehe als Scheinehe qualifiziert wurde,
hätte dies dazu führen können, dass ihr der weitere Aufenthalt in der Schweiz
verweigert würde, was nicht im Interesse der Eheleute lag. Da im übrigen die Ehefrau
zusammen mit ihrem Ehemann die Obhut über ihr Kind innehat und dem Ehemann eine
Uebersiedlung nach Aegypten offensichtlich nicht zuzumuten ist, erweist sich eine
Verweigerung der Bewilligung auch unter diesem Aspekt als unverhältnismässig.
Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die Beschwerde gutzuheissen und der
angefochtene Rekursentscheid vom 21. Juni 2005 aufzuheben ist. Die Angelegenheit
ist gestützt auf Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 56 Abs. 2 VRP an das
Ausländeramt zur Erteilung der Bewilligung zurückzuweisen.
3./ Dem Verfahrensausgang entsprechend gehen die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens zulasten des Staates (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif, sGS
941.12). Auf die Erhebung ist zu verzichten (Art 95 Abs. 3 VRP). Der
Beschwerdeführerin ist der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 2'000.-- zurückzuerstatten.
Die Beschwerdeführerin hat Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung (Art.
98bis VRP). Für das Rekurs- und das Beschwerdeverfahren ist eine Entschädigung von
Fr. 2'000.-- zuzüglich MWSt angemessen (Art. 22 Abs. 1 lit. a und c der
Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75).