# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 7d4e4f09-8ff1-4fca-9cc7-08300185cbad
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_003
**Year:** 2010
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

er nicht anwendbar. Er wäre bloss auf Sachverhalte anwendbar, in denen eine
Rente nach dem 01.01.2008 aufgehoben werde. Vorliegend sei der
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin aber schon am 31.10.2003
aufgehoben worden. Die erneute Arbeitsunfähigkeit sei ebenfalls vor dem
01.01.2008 eingetreten. Was das Valideneinkommen (VAE) betreffe,
erscheine es nicht als wahrscheinlicher, dass die Beschwerdeführerin ohne
gesundheitliche Beschwerden eine andere Tätigkeit als diejenige als Leiterin
PR/Marketing bei der ... ausüben würde. Es fehle besonders an konkreten
Anhaltspunkten vor Eintritt der Invalidität 2001, dass die Beschwerdeführerin
eine andere berufliche Laufbahn eingeschlagen hätte. Daran ändere auch der
von ihr besuchte Nachdiplomkurs „PR/-Redaktorin“ nichts. Dieser gehöre zur
normalen beruflichen Weiterbildung einer Leiterin PR/Marketing. Die
Vorinstanz habe daher zu Recht für die Ermittlung des VAE auf das vor Eintritt
der Invalidität als Leiterin PR/Marketing erzielte Einkommen abgestützt, wie
zuvor bereits bei den rechtskräftigen Verfügungen vom 12.11.2004.

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. a) Nach Art. 29 Abs. 1 des Invalidenversicherungsgesetzes (IVG; in der bis zum
31.12.2007 geltenden und hier massgeblichen Fassung) entsteht der
Rentenanspruch frühestens in dem Zeitpunkt, in dem die versicherte Person
mindestens zu 40% bleibend erwerbsunfähig geworden ist (lit. a) oder sonst
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens zu 40% arbeitsunfähig gewesen ist (lit. b; vgl. neu Art. 28 Abs. 1
lit. b IVG; in Kraft seit 01.01.2008). Ein wesentlicher Unterbruch der
Arbeitsunfähigkeit im Sinne jener Bestimmung liegt nach Art. 29ter IVV dann
vor, wenn die versicherte Person an mindestens 30 aufeinander folgenden
Tagen voll arbeitsfähig war. Konkret ist hier der Zeitpunkt der Eröffnung der
Wartezeit und damit der Rentenbeginn strittig und zu klären.
b) Als Invalidität gilt laut Allgemeinem Teil der
Sozialversicherungsgesetzgebung die durch einen körperlichen oder
geistigen Gesundheitsschaden verursachte, voraussichtlich bleibende oder
längere Zeit dauernde Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 ATSG i.V.m. Art. 4 IVG). Bei
erwerbstätigen Versicherten erfolgt die Ermittlung der Invalidität in der Regel
nach der Methode des Einkommensvergleichs (Art. 16 ATSG; Art. 28a Abs. 1
IVG). Bei dieser Methode wird das gegenwärtig trotz Behinderung noch
zumutbare Erwerbseinkommen mit jenem ohne Behinderung verglichen,
wobei die daraus resultierende Differenz in Prozenten den Invaliditätsgrad (IV-
Grad) ergibt. Ist eine Versicherte danach mindestens 40% invalid, so hat sie
Anspruch auf eine Viertelsrente, bei mindestens 50% auf eine halbe Rente,
bei mindestens 60% auf eine Dreiviertelsrente und ab 70% auf eine ganze
Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). Für die Feststellung des IV-Grads kommt es in
erster Linie auf die wirtschaftliche Erwerbsunfähigkeit und nicht auf die
medizinische Arbeitsunfähigkeit an (PVG 2005 Nr. 11, 1982 Nr. 80; BGE 132
V 395 E. 2.1). Ohne zuverlässige und beweistaugliche Bestimmung der
graduellen Arbeitsfähigkeit durch die Ärzte als Beurteilungsgrundlage ist eine
seriöse Ermittlung der Erwerbsunfähigkeit jedoch nicht möglich (BGE 125 V
261 E. 4, 122 V 160 f. E. 1c, 115 V 134 E. 2).
c) Laut polydisziplinärem SAM-Gutachten Bellinzona vom 13.01.2009 (vgl. dazu
auch die komplette Übersetzung auf Deutsch vom 01.03.2010) wurde die
Beschwerdeführerin umfassend sowohl körperlich (vgl. Teilgutachten:
Neurologie Dr. ... und HNO Dr. ... jeweils vom 11.11.2008) als auch
psychiatrisch (Gutachten Dr. ... vom 12.11.2008) abgeklärt. Bei den
Diagnosen wurde darin klar zwischen solchen mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit (S. 9, Ziff. 5.1: Rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig leichte bis mittelgradige Episode [ICD-10: F33.0]; emotional
instabile Persönlichkeitsstörung, Borderline-Typus [ICD-10: F60.31]) und
solchen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (S. 9, Ziff. 5.2; einseitige
Resthörigkeit links [normal erhaltenes Hörvermögen rechts], mit Zustand nach
Versorgung mit einem Hörgerät mit Cros-Technik und mit einem BAHA-
Implantat links im Januar 2008) unterschieden. Aufgrund der psychiatrischen
Erkrankung wurde auf eine Restarbeitsfähigkeit von 60% in jeder
Berufstätigkeit (inkl. früherer Tätigkeit als Büroangestellte; Redakteurin) bzw.
von 70% als Hausfrau erkannt (S. 11). Die neurologisch -und
neuropsychologischen Defizite sowie die Gehörsproblematik wurden darin
hingegen als ohne Bedeutung für die Arbeitsfähigkeit eingestuft (S. 12). In der
Gesamtbeurteilung wurde deshalb auf eine Arbeitsfähigkeit von 60% in
angestammter und adaptierter Tätigkeit erkannt. An diesem Resultat
vermögen die von der Beschwerdeführerin angerufenen Arztzeugnisse der
Psychiatrischen Dienste Graubünden (PDG; Assistenzärztin Dr. ...) vom
03.07.2008 und 27.11.2008 nichts zu ändern, weil sie sich nicht mit den
Diagnosen und Beschwerdebildern der Versicherten auseinandersetzen und
die darin enthaltenen Zumutbarkeitsbeurteilungen (als freischaffende
Journalistin ohne Zeitdruck noch zu 20% bzw. 30% arbeitsfähig) auf keinen
konkreten Fakten zur Restarbeitsfähigkeit der Versicherten beruhen. Sie
stellen vielmehr eine Pauschalisierung der subjektiv geklagten Leiden der
Beschwerdeführerin dar und gründen daher vorwiegend auf Annahmen und
Vermutungen der behandelnden Assistenzärztin. Für das Gericht ist damit
klar, dass jene beiden – nahezu identisch lautenden - Arztzeugnisse der PDG
nicht geeignet sind, das schlüssige, in sich widerspruchsfreie und
einleuchtende SAM-Gutachten zu erschüttern.
d) In der Replik machte die Beschwerdeführerin noch geltend, dass die
Wartezeit neu zu berechnen sei. Dieser Auffassung kann sich das Gericht
indessen nicht anschliessen, da die leistungsrelevante Arbeitsfähigkeit der
Versicherten nachweislich erst im September 2007 (Einlieferung in Klinik
Waldhaus zur stationären Behandlung) wiederum erheblich eingeschränkt
war. Dieser Sachverhalt geht erstmals aus den früheren Arztberichten der
PDG vom 03.10.2007 und 31.12.2007 hervor. Damals wurde der Versicherten
infolge einer akuten Lebenskrise (mit übermässigem Alkohol- und
Tablettenkonsum) eine Arbeitsunfähigkeit von 100% vom 27.-29.09.2007
sowie vom 30.09.-13.12.2007 attestiert. Diese Daten wurden in der Folge im
Klinikbericht Meissenberg vom April 2008 und im SAM-Gutachten vom Januar
2009 übernommen. Vorher sind erhebliche Einschränkungen der
Arbeitsfähigkeit bei der Beschwerdeführerin jedoch nicht aktenkundig und
damit auch nicht nachgewiesen. Vielmehr ist erstellt, dass die
Beschwerdeführerin ab August 2003 wieder zu 100% arbeitsfähig war. Zuerst
war sie selbständig in ... tätig und danach ab Februar 2007 in einem
Arbeitspensum von 80% bei der ... beschäftigt. Nach Überwindung der akuten
Lebenskrise im 4. Quartal 2007 arbeitete sie ab Januar 2008 bis Ende Juni
2008 wieder teilzeitlich in der ... und ab Oktober 2008 war sie dann als
Redakteurin in einem Pensum von 15% erwerbstätig, wobei sie an zwei
Tagen in der Woche zusätzlich ein Programm zur beruflichen
Wiedereingliederung der ALV absolvierte. Von einer während eines Jahres
(12 Monate) ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlichen
Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40% seit Ende 2003 kann somit keine
Rede sein, womit auch kein Rentenanspruch gestützt auf Art. 29 Abs. 1 lit. b
IVG (neu: Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) entstehen konnte. Ein wesentlicher
Unterbruch der Arbeitsunfähigkeit (Art. 29ter IVV) für eine Neuberechnung der
Wartezeit und den Rentenbeginn muss nach dem Gesagten ebenfalls klar
verneint werden, weil die ärztlich attestierte Arbeitsunfähigkeit lediglich bis
Ende 2007 (3 Monate) andauerte und die Beschwerdeführerin seit 2008
wieder mehrfach an mindestens 30 aufeinander folgenden Tagen voll
arbeitsfähig war. Daran vermögen auch die Rechnungen für psychiatrische
Therapiesitzungen bei Dr. ... (Zeitraum: März bis Oktober 2006) nichts zu
ändern, da sie keine Rückschlüsse auf die Arbeitsfähigkeit der Versicherten
in jener Zeit zulassen und selbst auch keine entsprechenden Angaben
zuhanden der Krankenkasse enthalten.
e) Für das Gericht nicht nachvollziehbar ist die weiter erhobene Rüge, wonach
die Beschwerdeführerin vom PDG (Klinik Waldhaus) keine aktuellen
Arztverlaufsberichte erhalten habe und daher in ihrer Argumentation für ihren
Rechtsstandpunkt behindert worden sei. Dieser Einwand erweist sich schon
deswegen als unbegründet, weil die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom
05.05.2010 noch selber sämtliche Unterlagen betreffend ihrer Behandlung in
der Klinik ... in ... nachreichte und somit eindeutig Kenntnis aller wesentlichen
Fakten zur Wahrung und Verteidigung ihrer Rechte hatte. Eine
Gehörsverletzung ist demnach klar zu verneinen.
f) Was die wirtschaftliche Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit sowie die
Berechnung des Valideneinkommens 2008 (VAE; mutmasslicher
Jahresverdienst als Gesunde) und somit am Ende die Höhe des IV-Grads
(Differenz aus hypothetischem Validen-/Invalideneinkommen) betrifft, so gibt
es an dem von der Vorinstanz festgelegten VAE von Fr. 48'623.75 (bei
Arbeitspensum 60%) nichts auszusetzen. Die Vorinstanz ging zu Recht davon
aus, dass die Beschwerdeführerin ihre Erwerbsstelle im ... (Leiterin
PR/Marketing, ...) ohne Gesundheitsschaden nicht verlassen hätte und daher
ohne Behinderung noch heute dort arbeiten würde. Sie stellte deshalb auch
mit Grund auf das damals konkret im Durchschnitt erzielte Jahreseinkommen
– und nicht etwa auf die abstrakten Lohnstrukturerhebungen [LSE] - ab. Die
Umrechnung von einem Voll- (100%) in das Teilzeitpensum (60%) erfolgte
zudem korrekt. Was die Beschwerdeführerin im Vergleich dazu zur Erhöhung
des VAE (in der Grössenordnung von Fr. 97'500.-- bis Fr. 132'500.--)
vorbrachte, kann nicht als realistisch bezeichnet werden, da grundsätzlich auf
die tatsächlichen Verdienstmöglichkeiten in einer bestimmten Randregion
(Talschaft) und nicht auf utopische Vorgaben in städtischen
Wirtschaftszentren abzustellen ist.
g) Der Vollständigkeit halber sei einzig noch vermerkt, dass der von der
Beschwerdeführerin angerufene Art. 29quater IVV im konkreten Fall nicht zur
Anwendung kommt, da er erst auf den 01.01.2008 in Kraft gesetzt wurde. Die
in diesem Zusammenhang allein interessierende IV-Rente wurde aber
nachweislich bereits per 31.10.2003 aufgehoben (seit 01.08.2003 wieder
100% AF) und die erneute Arbeitsunfähigkeit trat vier Jahre später ohne
Zweifel noch zeitlich davor ein (100% AUF im 4. Quartal 2007).
2. a) Der angefochtene Einspracheentscheid vom 26.10.2009 ist infolgedessen in
jeder Beziehung rechtmässig, was zu seiner Bestätigung und zur Abweisung
der dagegen erhobenen Beschwerde vom 25.01.2010 führt.
b) Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren – in Abweichung
von Art. 61 lit. a ATSG – bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder
Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht
kostenpflichtig. Diese Kosten werden jeweils nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert der Sache im Umfang von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt. Aufgrund des Ausgangs des Verfahrens rechtfertigt es
sich vorliegend, der unterliegenden Beschwerdeführerin Kosten von Fr. 700.--
zu überbinden.