# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 76efc387-4220-59d4-88b1-5fa1cdc80df0
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin legte den Wasserbauplan „Hochwasserschutz Rüebeldorf,
Ausbau Chalberhönibach, 2. Ausbauetappe: Saanen - Chalberhöni“ zusammen mit der
kommunalen Überbauungsordnung "Hochwasserschutz Rüebeldorf, 2. Ausbauetappe:
Ausbau Gemeindestrassen und Brückenbauten" (in der Folge: UeO "Hochwasserschutz
Rüebeldorf") vom 21. Dezember 2012 bis 25. Januar 2013 auf der Gemeindeverwaltung
Saanen zur Mitwirkung auf. Zudem wurde mit Leitverfügung des Tiefbauamts des Kantons
Bern (TBA), Oberingenieurkreis I (OIK I), vom 3. Januar 2013 die Vorprüfung eingeleitet.
Das Ergebnis der Mitwirkung wurde im Mitwirkungsbericht vom 2. Februar 2015
festgehalten.
Vom 15. April bis 15. Mai 2015 wurde der Wasserbauplan auf der Gemeindeverwaltung
Saanen mit dem Hinweis auf das Recht der Einsprache öffentlich aufgelegt. Innert der
Einsprachefrist erhoben unter anderem die Beschwerdeführerinnen Einsprache.
Gleichzeitig mit der Auflage des Wasserbauplans wurde auch die UeO "Hochwasserschutz
Rüebeldorf" mit dem Hinweis auf das Recht der Einsprache öffentlich aufgelegt. In der
Folge wurde im Wasserbauplanverfahren eine Projektänderung vorgenommen, die mit
dem Hinweis auf die Möglichkeit der Einsprache im Dezember 2015 publiziert wurde. An
der Mitgliederversammlung vom 23. Mai 2016 beschlossen die Stimmberechtigten der
Beschwerdegegnerin den Wasserbauplan. In der Folge wurde im Wasserbauplanverfahren
eine weitere Projektänderung vorgenommen, die mit dem Hinweis auf die Möglichkeit der
Einsprache im März 2017 publiziert wurde. Am 29. Mai 2017 beschloss der Vorstand der
Beschwerdegegnerin den Wasserbauplan mit den geringfügigen Projektänderungen. Mit
Gesamtentscheid vom 21. Juni 2018 genehmigte das TBA den Wasserbauplan und wies
gleichzeitig unter anderem die unerledigte Einsprache der Beschwerdeführerinnen als
unbegründet ab, soweit es darauf eintrat. Ebenfalls am 21. Juni 2018 genehmigte das Amt
für Gemeinden und Raumordnung (AGR) die von den Stimmberechtigten von Saanen am
11. Dezember 2015 beschlossene UeO "Hochwasserschutz Rüebeldorf".
2. Gegen den Gesamtentscheid des TBA reichten die Beschwerdeführerinnen am
25. Juli 2018 Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern
(BVE) ein. Sie beantragen die Aufhebung des Gesamtentscheids vom 21. Juni 2018 und
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die Gutheissung der Einsprache vom 12. Mai 2015. Zudem haben die
Beschwerdeführerinnen am 18. Juli 2018 bei der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion
des Kantons Bern (JGK) auch gegen die Genehmigung der UeO "Hochwasserschutz
Rüebeldorf" durch das AGR Beschwerde erhoben.
3. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Die Gemeinde Saanen in ihrer
Stellungnahme vom 13. August 2018 und das TBA in seiner Beschwerdevernehmlassung
vom 27. August 2018 beantragen die Abweisung der Beschwerde. Die
Beschwerdegegnerin beantragt in ihrer Beschwerdeantwort vom 27. August 2018, die
Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden könne.
4. Auf die Rechtsschriften und Vorakten wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in
den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintreten
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG2. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Wasserbauplanverfahren (Art. 5 KoG). Die Genehmigung eines
Wasserbauplans durch die zuständige Stelle der BVE kann innert 30 Tagen seit Eröffnung
mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden (Art. 51 Abs. 3 WBG3 i.V.m. Art. 62
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (Organisationsverordnung BVE, OrV BVE; BSG 152.221.191) 2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 3 Gesetz vom 14. Februar 1989 über Gewässerunterhalt und Wasserbau (Wasserbaugesetz, WBG; BSG 751.11)
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Abs. 1 Bst. a und Art. 67 VRPG4). Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerden
gegen den Gesamtentscheid zuständig.
b) Zur Beschwerde ist befugt, wer vor der Vorinstanz am Verfahren teilgenommen hat,
durch den angefochtenen Entscheid besonders berührt ist und ein schutzwürdiges
Interesse an der Aufhebung oder Änderung des Entscheids hat (Art. 65 Abs. 1 VRPG). Die
Beschwerdeführerinnen haben als Einsprecherinnen am vorinstanzlichen Verfahren
teilgenommen. Als betroffene Grundeigentümerinnen sind sie durch den angefochtenen
Entscheid besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung
oder Änderung des Entscheids. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde der
Beschwerdeführerinnen ist somit grundsätzlich einzutreten.
c) Die Beschwerdeführerinnen haben gegen den Wasserbauplan mit Eingabe vom
12. Mai 2015 Einsprache erhoben. Das TBA als der zuständigen Stelle der BVE setzt sich
gleichzeitig mit der Genehmigung des Wasserbauplans mit den Einsprachen auseinander
(Art. 25 Abs. 6 WBG). Zuständig zur Beurteilung der Einsprache der
Beschwerdeführerinnen war somit die Vorinstanz im angefochtenen Gesamtentscheid. Das
TBA hat in Ziff. D.18 seines Gesamtentscheids die Einsprache denn auch als öffentlich-
rechtlich unbegründet abgewiesen, soweit darauf eingetreten wurde. Die Einsprache ist
somit nicht mehr Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens. Auf den Antrag der
Beschwerdeführerinnen in ihrer Beschwerde, ihre Einsprache vom 12. Mai 2015 sei
gutzuheissen, kann daher nicht eingetreten werden.
2. Koordination
a) Die Beschwerdeführerinnen rügen eine Verletzung der Koordinationspflicht, das
Wasserbauplanverfahren und das Verfahren zum Erlass der UeO "Hochwasserschutz
Rüebeldorf" seien ungenügend koordiniert worden. Sowohl das Bundesrecht als auch das
kantonale Recht würden vorschreiben, dass eine Leitbehörde zu bestimmen sei und beide
Verfahren zu koordinieren seien. Beides sei hier nicht gemacht worden. Insofern sei es
widersprüchlich, dass das TBA seinen Entscheid als "Gesamtentscheid" betitelt und
eröffnet habe. Durch die unterbliebene Koordination seien den Beschwerdeführerinnen
4 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
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erhebliche Mehrkosten entstanden, weil sie sämtliche Verfahrenshandlungen doppelt
hätten vornehmen müssen.
b) Das Bundesrecht und das kantonale Recht verlangen eine Koordination, wenn die
Errichtung oder Änderung einer Baute oder Anlage Verfügungen mehrerer Behörden
erfordert (Art. 25a Abs. 1 RPG5 und Art. 1 KoG). Die Koordinationspflicht gilt sinngemäss
auch für das Nutzungsplanverfahren (Art. 25a Abs. 4 RPG) und somit ebenfalls für den
Erlass eines Wasserbauplans als Sondernutzungsplan. Das Koordinationsgebot bezieht
sich grundsätzlich sowohl auf die inhaltliche Abstimmung (materielle Koordination) als auch
auf das Verfahren (formelle Koordination).6
c) Aufgrund eines Hochwasserereignisses im Einzugsgebiet des Chalberhönibachs vom
10. Juli 2010, wurde für den Chalberhönibach ein Hochwasserschutzkonzept erarbeitet.
Das Konzept basiert auf zwei Teilprojekten, die zusammen eine funktionale Einheit bilden.
Bestandteil der ersten Ausbauetappe ist ein Geschiebesammler oberhalb des Rüebeldorfs,
welcher bereits umgesetzt wurde. Die zweite Ausbauetappe ist Gegenstand des hier
umstrittenen Wasserbauplans und besteht aus Hochwasserschutzmassnahmen entlang
des Chalberhönibachs. Dabei müssen unter anderem die Durchflusskapazitäten der
bestehenden Gemeindebrücken vergrössert werden. Diese aufgrund des
Hochwasserschutzes erforderlichen Massnahmen nahm die Gemeinde Saanen zum
Anlass, um die Gemeindestrassen in der Umgebung des Chalberhönibachs zu überprüfen.
Diese Überprüfung ergab, dass Defizite im Bereich der Verkehrssicherheit bestehen, dass
die vorhandene Strasseninfrastruktur den heutigen Anforderungen in Bezug auf Schwer-
und Langsamverkehr nicht mehr genügt und die Infrastruktur den Normen teilweise nicht
mehr entspricht. Unabhängig von den aufgrund des Hochwasserschutzes erforderlichen
Brückenanpassungen besteht somit ein zusätzlicher Ausbaubedarf an den Brücken und
den Gemeindestrassen. Gegenstand der UeO "Hochwasserschutz Rüebeldorf" sind folglich
zum einen die vom Wasserbauplan ausgelösten Brückenneubauten und zum anderen
Strassenanpassungen im Rüebeldorf. Die Oeyetli- und Rüebeldorfbrücke werden
abgebrochen und an erhöhter Lage neu erstellt, um erstens die erforderlichen Freiborde im
Hochwasserfall sicherstellen zu können und um zweitens den heute gestiegenen
verkehrsmässigen Anforderungen gerecht zu werden. Die Oeyetlibrücke wird hierbei
verbreitert und mit einem Fussweg versehen sowie gegen die Saane verschoben, was zu
5 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700) 6 VGE 2015.167 vom 25. April 2017 E. 6.2 f. mit Hinweisen auf Literatur und Rechtsprechung
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Strassenanpassungen über eine Länge von rund 105 m führt. Die Rübeldorfbrücke wird
verstärkt und verbreitert und damit für die Befahrbarkeit durch Lastwagen und Busse
optimiert.7
d) Gegenstand der UeO "Hochwasserschutz Rüebeldorf" sind somit zu einem
wesentlichen Teil Anpassungen der Gemeindestrasseninfrastruktur an heutige Vorschriften
und Bedürfnisse, welche in keinem Zusammenhang mit dem Wasserbauplan stehen.
Zuständig für diesen eigenständigen Gehalt der UeO "Hochwasserschutz Rüebeldorf" ist
die Gemeinde, die Neubau und Änderung einer Strasse mit einer Überbauungsordnung
bewilligt (Art. 41 Abs. 1 und Art. 43 Abs. 1 SG8). Zuständig für die Umsetzung des
Hochwasserschutzkonzepts mittels Wasserbaus ist demgegenüber die
Beschwerdegegnerin als Trägerin der Wasserbaupflicht, wobei dafür ein Wasserbauplan
erforderlich ist (Art. 7, Art. 9 Abs. 2 Bst. a, Art. 12 und Art. 20 Abs. 1 WBG). Aufgrund
dieser abweichenden Zuständigkeiten und teilweise abweichenden Gegenstände ist eine
formelle Koordination der beiden Verfahren im Sinne des Konzentrationsmodells gemäss
Art. 1 KoG mit einer Leitbehörde in einem Leitverfahren9 weder möglich noch nötig.10 Auch
das Verwaltungsgericht hat im VGE 2015/167 vom 25. April 2017 in einem vergleichbaren
Fall nicht bemängelt, dass zwei separate Verfahren durchgeführt wurden. In jenem Fall
wurden parallel ein Wasserbauplanverfahren für ein Wasserbauprojekt und ein
Strassenplanverfahren für einen aufgrund des Wasserbauprojekts notwendigen neuen
Durchlass unter einer Kantonsstrasse durchgeführt. Gemäss Erwägung 4.4 des
Verwaltungsgerichtsentscheids war diese Parallelität den unterschiedlichen
Planungszuständigkeiten (Kanton für Strassenplan und Wasserbauverband für
Wasserbauplan) geschuldet.
e) Allerdings werden mit der UeO "Hochwasserschutz Rüebeldorf" unter anderem auch
die Durchflusskapazitäten der bestehenden Gemeindebrücken vergrössert. Dies dient der
Umsetzung des Hochwasserschutzkonzepts, welches ansonsten mit dem Wasserbauplan
umgesetzt wird. Insofern besteht zwischen dem Gegenstand der UeO "Hochwasserschutz
Rüebeldorf" und dem Gegenstand des Wasserbauplans eine gewisse Abhängigkeit, die
7 Siehe insbesondere Ziff. B.II.3 des Gesamtentscheids des TBA vom 21. Juni 2018 und Ziff. 1.3.2 des technischen Berichts vom 29. Mai 2017 zum Wasserbauplan 8 Strassengesetz vom 4. Juni 2008 (SG; BSG 732.11) 9 Marti, Kommentar RPG, Art. 25a Rz. 20 10 Vgl. BGer 1C_137/2009 E. 4.2
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unbestrittenermassen einen gewissen Koordinationsbedarf zur Folge hat. Diesem
Koordinationsbedarf wurde jedoch ausreichend Rechnung getragen, indem die beiden
eigenständigen Verfahren soweit möglich koordiniert wurden. In formeller Hinsicht erfolgte
die Koordination dadurch, dass die beiden Nutzungsplanverfahren gemeinsam zur
Mitwirkung und für das Einspracheverfahren öffentlich aufgelegt und gleichzeitig am
21. Juni 2018 mit ihrer Genehmigung abgeschlossen wurden. Die materielle Koordination
erfolgte dadurch, dass die Projekte inhaltlich aufeinander abgestimmt wurden. Auch die
Beschwerdeführerinnen vermögen nicht zu benennen, inwiefern inhaltliche Differenzen
oder Widersprüche bestehen würden. Schliesslich hat das TBA der Abhängigkeit der
beiden Gegenstände der UeO "Hochwasserschutz Rüebeldorf" und des Wasserbauplans
auch mit einer Bedingung in seinem Genehmigungsentscheid Rechnung getragen.
Demnach dürfen die Massnahmen des Wasserbauprojekts erst ausgeführt werden, wenn
die Genehmigung der UeO "Hochwasserschutz Rüebeldorf" ebenfalls in Rechtskraft
erwachsen ist.11
f) Sowohl das Brücken- und Strassenbauvorhaben der UeO "Hochwasserschutz
Rüebeldorf" als auch das Wasserbauvorhaben des Wasserbauplans bedürfen
Bewilligungen von mehreren Behörden. Innerhalb dieser beiden Verfahren bestand daher
eine strenge Koordinationspflicht im Sinne des Koordinationsgesetzes. Dementsprechend
hat das TBA als Leitbehörden im Wasserbauplangenehmigungsverfahren alle notwendigen
Bewilligungen in einem Gesamtentscheid integriert. Der Vorwurf der
Beschwerdeführerinnen, es sei widersprüchlich, wenn dass TBA seinen Entscheid trotz
unterbliebener Koordination mit dem UeO-Verfahren "Hochwasserschutz Rüebeldorf" als
"Gesamtentscheid" betitelt und eröffnet habe, ist folglich unbegründet.
Für die Frage der Koordinationspflicht nicht relevant sind die Kosten, die den
Beschwerdeführerinnen durch die zwei parallel geführten Verfahren entstanden sind. Die
Rüge betreffend Verletzung der Koordinationspflicht erweist sich demzufolge in allen
Punkten als unbegründet.
3. Landerwerb
11 Ziff. D.4 des Gesamtentscheids des TBA vom 21. Juni 2018
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a) Das bestehende Gerinne des Chalberhönibachs verläuft teilweise über die Parzelle
Nr. H._ der Beschwerdeführerinnen. Der Wasserbauplan sieht vor, dass dieses
bestehende Gerinne erweitert und befestigt sowie seitlich mit Dämmen ergänzt wird. Diese
Bauten liegen teilweise ebenfalls auf der Parzelle Nr. H._. Im Bereich dieser
Parzelle soll zudem quer zum Gerinne die Abschlussmauer eines Geschiebesammlers
erstellt werden. Diese Mauer weist eine U-Form auf und ist teilweise im Boden versenkt.
Sie hat eine Gesamtbreite von 16.62 m, eine Gesamthöhe von rund 2.5 m und eine Tiefe
von 0.60 m. Mit knapp 10 m Breite liegt gut die Hälfte dieser Mauer ebenfalls auf der
Parzelle Nr. H._. Der Wasserbauplan sieht im Landerwerbsplan lediglich vor, von
der Parzelle Nr. H._ 754 m2 zur vorübergehenden Benutzung zu erwerben. Weder
ist ein definitiver Landerwerb noch der Erwerb einer dauernden Dienstbarkeit vorgesehen.
b) Die Beschwerdeführerinnen haben in ihrer Einsprache unter anderem gerügt, der
Landerwerbsplan sehe lediglich eine vorübergehende Beanspruchung ihrer Parzelle vor,
obschon darauf dauerhafte bauliche Massnahmen (Aufschüttung Uferdamm, Geschiebe-
sammler) realisiert würden. Da somit auf Landerwerb verzichtet werde, fehle es der
Beschwerdegegnerin an den für die Erstellung der projektierten Bauten erforderlichen
Rechten. Das Recht zur bloss vorübergehenden Beanspruchung reiche dazu nicht aus.
Das TBA hat dazu in seinem angefochtenen Gesamtentscheid ausgeführt, sowohl vor als
auch nach der Umsetzung der baulichen Massnahmen sei das Land im Eigentum der
Beschwerdeführerinnen. Mit den baulichen Anpassungen werde niemandem ein dingliches
Recht, eine andere Personaldienstbarkeit oder eine Gebrauchsmöglichkeit eingeräumt.
Das Baurecht komme vorliegend nicht in Frage, da bei dieser Dienstbarkeit die
Bauwerkseigentümerschaft und die Bodeneigentümerschaft nicht identisch seien. Das
Grundstück und die Geländemodulierung verblieben jedoch im Eigentum der
Beschwerdeführerinnen. Da mit dem Wasserbauplan das Eigentum der
Beschwerdeführerinnen weder dinglich beschränkt noch die Beschwerdeführerinnen als
Grundeigentümerinnen verpflichtet würden, eine Last im Sinne des ZGB12 zu dulden, stehe
die formelle Enteignung einer Dienstbarkeit oder einer Grundlast nicht zur Diskussion.
Zudem liege auch keine materielle Enteignung vor. Da mit der Geländemodulierung und
dem Geschiebesammler Gefahren abgewendet werden sollen, handle es sich bei der
Vornahme der baulichen Massnahmen um eine polizeilich motivierte
12 Schweizerisches Zivilgesetzbuch vom 10. Dezember 1907 (ZGB; SR 210)
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Eigentumsbeschränkung. Soweit diese im Rahmen des Verhältnismässigkeitsgebots
notwendig sei, sei sie grundsätzlich entschädigungslos zu dulden.
In ihrer Beschwerde lehnen die Beschwerdeführerinnen diese Argumentation des TBA
zurück. Sie machen unter anderem geltend, die Voraussetzungen für einen Eingriff ins
Eigentum basierend auf dem Polizeirecht seien nicht gegeben. Das TBA macht in seiner
Beschwerdevernehmlassung geltend, der Wasserbauplan regle gemäss Art. 22 WBG
namentlich auch die Rechte, die enteignet werden sollen. Die Voraussetzung einer
gesetzlichen Grundlage für den Eingriff ins Eigentum der Beschwerdeführerinnen sei somit
erfüllt. Die Beschwerdegegnerin macht in ihrer Beschwerdeantwort geltend, das
Wasserbaugesetz stelle die gesetzliche Grundlage für den Eigentumseingriff dar. Zudem
liege kein Eingriff vor, der eine Entschädigung aus materieller Enteignung rechtfertige. Die
Frage sei somit nur noch, ob die vorgesehenen Eigentumseingriffe verhältnismässig seien,
was zu bejahen sei.
c) Wer Eigentümer einer Sache ist, kann in den Schranken der Rechtsordnung über sie
nach seinem Belieben verfügen. Er hat das Recht, sie von jedem, der sie ihm vorenthält,
herauszuverlangen und jede ungerechtfertigte Einwirkung abzuwehren (Art. 641 ZGB). Die
Beschwerdegegnerin ist somit grundsätzlich nicht berechtigt, auf der Parzelle der
Beschwerdeführerinnen Bauwerke zu erstellen. Berechtigt ist sie dazu nur, wenn sie ein
entsprechendes Recht besitzt. Zwar sieht Art. 136 BauG13 vor, dass
Eigentumsbeschränkungen von untergeordneter Bedeutung zu dulden sind. Der Neubau
des Bachgerinnes und der Einbau der Abschlussmauer des Geschiebesammlers sind
jedoch in Art. 136 Abs. 1 Bst. a bis c BauG nicht namentlich erwähnt und gehen hinsichtlich
ihrer Eingriffsintensität deutlich über die namentlich genannten Massnahmen hinaus. Diese
Bestimmung ist hier somit nicht anwendbar.
Infrage kommt folglich der Erwerb des betroffenen Grundeigentums oder die Einräumung
einer Dienstbarkeit. Dabei ist die Beschwerdegegnerin nicht auf das Einverständnis der
Beschwerdeführerinnen angewiesen, sondern sie kann sich das benötigte Recht auf dem
Weg der Enteignung beschaffen. Enteignet werden können unter anderem Grundstücke
und dingliche Rechte an solchen (Art. 4 Abs. 1 Gesetz über die Enteignung14). Das Recht
für die Enteignung der für die Umsetzung eines Wasserbauplans benötigten Rechte kann
13 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0) 14 Gesetz vom 3. Oktober 1965 über die Enteignung (BSG 711.0)
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direkt mit dem Wasserbauplan erteilt werden (Art. 22 Abs. 1 Bst. d WBG). Der oder die
Wasserbaupflichtige erwirbt mit dem Wasserbauplan das Enteignungsrecht an den
bezeichneten Rechten (Art. 26 Abs. 4 WBG). Im vorliegenden Fall sieht der entsprechende
Landerwerbsplan des Wasserbauplans lediglich eine vorübergehende Benutzung eines
Teils der Parzelle Nr. H._ zur Vornahme der Bauarbeiten vor. Zwar sieht Art. 4
Abs. 2 Gesetz über die Enteignung vor, dass sich der Enteigner mit der Einräumung eines
zeitlich befristeten Nutzungsrechts begnügen muss. Dies aber nur dann, wenn damit der
Enteignungszweck erfüllt werden kann. Im vorliegenden Fall beabsichtigt die
Beschwerdegegnerin, Bauwerke dauerhaft auf der Parzelle der Beschwerdeführerinnen
einzubauen. Ein vorübergehendes Nutzungsrecht reicht hier daher zur Erfüllung des
Enteignungszwecks nicht aus.
d) Zwar betrifft dies ein privatrechtliches Problem, das grundsätzlich im vorliegenden
öffentlich-rechtlichen Verfahren nicht zu beachten ist.15 Allerdings ist zum heutigen
Zeitpunkt davon auszugehen, dass die Beschwerdegegnerin den Geschiebesammler und
das neue Bachgerinne auf der Parzelle der Beschwerdeführerinnen, die mit diesen Bauten
nicht einverstanden sind, aus zivilrechtlichen Gründen nicht verwirklichen kann.
Das TBA genehmigt den Wasserbauplan dann, wenn er unter anderem recht- und
zweckmässig ist (Art. 25 Abs. 4 WBG). Wie die Beschwerdegegnerin nachvollziehbar
geltend macht, handelt es sich bei einem Wasserbauplan um ein Gesamtsystem, das in
allen seinen Teilen funktionieren muss.16 Ist die Umsetzung eines Teils der geplanten
Massnahmen nicht gesichert, ist daher die Zweckmässigkeit des Wasserbauplans in Frage
gestellt. Ob die für die Umsetzung des Wasserbauplans benötigten Eingriffe in fremdes
Eigentum insbesondere verhältnismässig sind, betrifft zudem die Rechtmässigkeit des
Wasserbauplans. Das Wasserbaugesetz sieht denn folgerichtig auch vor, dass der
Wasserbauplan die Rechte regelt, die enteignet werden sollen. Zwar handelt es sich nach
dem Wortlaut von Art. 22 Abs. 1 Bst. d WBG um eine Kann-Vorschrift. Zumindest die
Enteignung derjenigen Rechte, die für Wasserbauwerke benötigt werden, die von der
betroffenen Grundeigentümerschaft bekämpft werden, muss jedoch im Wasserbauplan
zwingend geregelt werden, damit die Recht- und Zweckmässigkeit des Wasserbauplans
beurteilt werden kann.
15 Vgl. Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 2 N. 4a 16 Beschwerdeantwort der Beschwerdegegnerin vom 27. August 2018, Rn 16
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e) Die Beschwerde ist daher gutzuheissen und der angefochtene Gesamtentscheid
aufzuheben. Da die Beschwerdegegnerin die Möglichkeit hat, den Landerwerbsplan ihres
Wasserbauplans entsprechend zu überarbeiten, wäre die Verweigerung der Genehmigung
zum jetzigen Zeitpunkt unangemessen. Die Sache geht daher zurück an das TBA zur
Fortsetzung des Verfahrens. Vor einem neuerlichen Entscheid über die Genehmigung hat
das TBA der Beschwerdegegnerin Gelegenheit zu geben, den Landerwerbsplan
anzupassen.
Von der Aufhebung des angefochtenen Gesamtentscheids ist auch die Regelung der
Parteikosten in Ziff. D.32 betroffen. Die Rüge in der Beschwerde betreffend
Parteikostenersatz muss hier daher nicht geprüft werden. Das TBA wird im Rahmen seines
neuen Entscheids auch die Parteikosten noch einmal neu verlegen müssen.
Auch die weiteren Rügen betreffend HQ100 als Voraussetzung für den Hochwasserschutz,
betreffend den Geschiebesammler Oeyetli und betreffend die Ufersicherung müssen bei
diesem Ausgang des Verfahrens nicht geprüft werden. Die Beschwerde ist ohnehin
gutzuheissen und der angefochtene Gesamtentscheid antragsgemäss aufzuheben.
4. Kosten
a) Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr
(Art. 103 Abs. 1 VRPG). Für Entscheide in einer Verwaltungsjustizsache wird eine Gebühr
von Fr. 200.-- bis Fr. 4’000.-- (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 und
Art. 20 Abs. 1 GebV17). In Anwendung dieser Bestimmungen wird die Pauschale auf
Fr. 2'000.-- festgelegt.
Die Verfahrenskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Bei
diesem Ausgang des Verfahrens gilt die Beschwerdegegnerin als unterliegende Partei. Sie
ist dem Gemeindegesetz unterstellt (Art. 2 Abs. 1 Bst. i GG18). Da sie nicht in ihren
17 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21) 18 Gemeindegesetz vom 16. März 1998 (GG; BSG 170.11)
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Vermögensinteressen betroffen ist, können ihr keine Verfahrenskosten auferlegt werden
(Art. 108 Abs. 2 i.V.m. Art. 2 Abs. 1 Bst. b VRPG). Dem TBA und der Gemeinde Saanen
können ebenfalls keine Verfahrenskosten auferlegt werden (Art. 108 Abs. 2 i.V.m. Art. 2
Abs. 1 Bst. a und b VRPG). Die Verfahrenskosten trägt daher der Kanton Bern.
b) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die obsiegenden Beschwerdeführerinnen
haben somit Anspruch auf Ersatz ihrer Parteikosten. Im Unterschied zur Regelung über die
Verfahrenskosten kann hier die unterliegende Beschwerdegegnerin kostenpflichtig werden.
Die Beschwerdegegnerin hat daher die Parteikosten der Beschwerdeführerinnen zu
bezahlen.
Die Parteikosten umfassen den durch die berufsmässige Parteivertretung anfallenden
Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Die Kostennote des Anwalts der Beschwerdeführerinnen
beläuft sich auf Fr. 6'063.50 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) und gibt zu keinen
Bemerkungen Anlass.