# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 0bb11d36-eb50-41cd-a5ea-81a636afb7ae
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Die
Firma Y._
mit Sitz in
Z._
(vgl.
Urk.
5/5/6,
Urk.
5/5/113-114,
Urk.
5/5/239,
Urk.
5/5/241, Urk. 6
/6/46) war der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich
, Ausgleichskasse
(nachfol
gend: Ausgleichskasse) als beitragspflichtige Arbeitgeberin angeschlossen. Am 2
2.
Juli 2009 wurde über die Gesellschaft der Konkurs eröffnet (Schweizerisches Handelsamtsblatt SHAB; vgl. Urk. 6/6/51, Urk. 6/6/57). Das Konkursverfahren wurde in der Folge summarisch durchge
führt (
Urk.
6/6/126
).
Am 17. Juli 2012 wurde der K
onkurs geschlossen und die
Firma Y._ von Amtes wegen gelöscht (SHAB
;
vgl.
Urk.
6/6/166).
1.2
Mit Verfügung vom 25. November 2011 verpflichtete die Ausgleichskasse
X._
, ehemaliges Mitglied de
s Verwaltungsrates der
Firma Y._
(Urk.
6/6/182
S. 6
), für entgangene Beiträge zur Bezahlung von Schadenersatz in der Höhe von Fr.
685‘440.05
(Urk.
6/6/143
). Auch weitere ehemalige Funk
-
tionsträger der
Firma Y._
,
A._
(vgl. Prozess Nr. AK.2012.00056),
O._
(Prozess AK.2013.00007) und
C._
(Prozess Nr. AK.2013.0000
6
),
verpflichtete
die Ausgleichskasse solidarisch zu Schaden
ersatzzahlungen, teilweise in anderer
Höhe
. Die von
X._
gegen die Verfügung vom
25. November 2011
erhobene Einsprache vom
12. Dezember 2011
(
Urk.
6/6/149
) hiess die Ausgleichskasse mit Einspracheentscheid vom
19. Dezember 2012 in dem Sinne teilweise gut, dass sie
X._
nunmehr zur Bezahlung von
Fr.
662‘
448.--
verpflichtete (Urk.
6/6/173 = Urk. 2
).
2.
Am 21. Januar 2013 erhob
X._
Beschwerde gegen den Einsprache
-
ent
scheid vom 19. Dezember 201
2.
Er beantragte sinngemäss, der angefochtene Entscheid sei vollumfänglich aufzuheben (Urk. 1). Die Ausgleichs
kasse beantragte in der Beschwerdeantwort vom
4. Februar
2013 die Abweisung der Beschwerde (Urk. 3).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 52 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenen
-
versi
cherung (AHVG) hat ein Arbeitgeber, der durch absichtliche oder grobfahrlässige Missachtung von Vorschriften einen Schaden verschuldet, diesen der Ausgleichskasse zu ersetzen. Ist der Arbeitgeber eine juristische Per
son, so können subsidiär gegebenenfalls die verantwortlichen Organe in Anspruch genommen werden (BGE 123 V 12 E. 5b S. 15; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.5 S. 528). Haben mehrere Arbeitgeber oder mehrere Organe einer juristi
schen Person einen Schaden verursacht, haften sie solidarisch (BGE 114 V 213 E. 3 mit Hinweisen).
Die Kasse muss bei der Entscheidung, ob sie einen Arbeitgeber belangen und welche Personen sie haftbar machen will, den Grundsatz der rechtsgleichen Gesetzesanwendung beachten. Besteht unter einer Mehrheit von Schuldnern Solidarhaftung, hat die Kasse die Wahl, gegen wen sie vorgehen will (BGE 108 V 195 E. 3). Auf Grund dieser solidarischen Haftung der belangten Organe hat jedes einzelne für den vollen Betrag einzustehen; die Ausgleichskasse braucht sich nicht um die internen Beziehungen zwischen den Haftpflichtigen zu küm
mern (SVR 2003 AHV Nr. 5 E. 4.2). Es steht insoweit im Belieben der Aus
gleichskasse, welchen der verschiedenen Solidarschuldner sie in Anspruch neh
men will; darin liegt keine rechtsungleiche Behandlung (BGE 109 V 93 E. 10). Bei einer Mehrheit von Haftpflichtigen steht der Ausgleichskasse also eine Kon
kurrenz zu. Zwar vermag sie nur einmal den Schadenersatz zu fordern, doch haftet jeder Schuldner solidarisch für den gesamten Schaden (BGE 119 V 87 E. 5a).
1.2
Die Beschwerdegegnerin ging in Bezug auf die
Firma Y._
in diesem Sinne vor. Sie verpflichtete den Beschwerdeführer zur Bezahlung von Schadeners
a
tz und ebenso die bereits genannten ehemaligen Funktionsträger
A._
(Prozess Nr. AK.2012.00056),
B._
(Prozess Nr. AK.2013.00007) und
C._
(Prozess Nr. AK.2013.00006). Alle erwähnten Personen haben gegen den Entscheid der Beschwerdegegnerin Beschwerde erhoben. Über die Beschwerden wird in allen genannten Beschwerdeverfahren mit heutigem Datum entschieden.
2.
Art. 52 AHVG setzt die rechtzeitige Geltendmachung des Schadenersatzes, das Vorliegen eines Schadens, die Organstellung der belangten Person, eine wider
rechtliche Pflichtverletzung, ein schuldhaftes oder grobfahrlässiges Verhalten
der belangten Person sowie einen adäquaten Kausalzusammenhang zwischen ihrem Verhalten und dem eingetretenen Schaden voraus.
3.
3.1
Der Schadenersatzanspruch verjährt zwei Jahre, nachdem die zuständige Aus
gleichskasse vom Schaden Kenntnis erhalten hat, jedenfalls fünf Jahre nach Eintritt des Schadens. Diese Fristen können unterbrochen werden. Der Arbeitge
ber kann auf die Einrede der Verjährung verzichten (Art. 52 Abs. 3 AHVG;
vgl. auch BGE 131 V 4 oben).
Der Schaden gilt als eingetreten, sobald anzunehmen ist, dass die geschuldeten Beiträge aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen nicht mehr erhoben wer
den können (BGE 126 V 443 E. 3a, 121 III 382 E. 3bb, 388 E. 3a, je mit Hin
weisen). Dies trifft dann zu, wenn die Beiträge im Sinne von Art. 16 Abs. 1 AHVG verwirkt sind (vgl. beispielsweise BGE 112 V 156, 98 V 26) oder wenn ihre Entrichtung wegen Zahlungsunfähigkeit des beitrags
pflichtigen Arbeitge
bers nicht mehr möglich ist (vgl. beispielsweise BGE 121 V 234, 240). Im ersten Fall gilt der Schaden als eingetreten, sobald die Beiträge verwirkt sind (BGE 123 V 12 E. 5b, 170 E. 2a, 112 V 156 E. 2, 108 V 189 E. 2d, je mit Hin
weisen). Im zweiten Fall gilt der Schadenseintritt als erfolgt, sobald die Beiträge wegen der Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers nicht mehr im ordentlichen Verfahren nach Art. 14 ff. AHVG erhoben werden können (BGE 123 V 12 E. 5b, 170 E. 2a, 121 III 382 E. 3bb, 113 V 256, 112 V 156 E. 2; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts H 37/02 vom 3. September 2003, E. 3.1 f.).Im Falle eines Konkur
ses oder Nachlassvertrages mit Vermögensabtretung hat die Kasse nicht notwendigerweise erst Kenntnis des Schadens im Sinne von Art. 52
Abs.
3 AHVG, wenn sie in die Verteilungsliste und Schlussrechnung des Konkursamtes oder Liquidators Einsicht nehmen kann oder einen Verlustschein erhält; denn wer im Rahmen solcher Verfahren einen Verlust erleidet und auf Ersatz klagen will, hat praxisgemäss in der Regel bereits dann ausreichende Kenntnis des Schadens, wenn die Kollokation der Forderungen eröffnet beziehungsweise der Kollokationsplan (und das Inventar) zur Einsicht aufgelegt wird. In diesem Zeit
punkt ist oder wäre der Gläubiger im Allgemeinen in der Lage, den Stand der Aktiven, die Kollokation seiner Forderung und die voraussichtliche Dividende zu kennen (BGE 126 V 443 E. 3a, 119 V 89 E. 3, je mit Hinweisen).
Kenntnis des Schadens im Sinne von Art. 52
Abs.
3 AHVG ist in der Regel von dem Zeitpunkt an gegeben, in welchem die Ausgleichskasse unter Beachtung der ihr zumutbaren Aufmerksamkeit erkennen muss, dass die tatsächlichen Gegebenheiten nicht mehr erlauben, die Beiträge einzufordern, wohl aber eine
Schadenersatzpflicht begründen können (BGE 131 V 425 E. 3.1, 129 V 193
E. 2.1, 128 V 15 E. 2a, 126 V 443 E. 3a, 452 E. 2a, 121 III 386 E. 3b, je mit Hin
weisen).
3.2
Am
2
2.
Juli 2009 wurde über die Gesellschaft de
r Konkurs eröffnet (vgl. Urk. 6/6/51,
Urk.
6
/6/57). Vom 5. bis 29. November 2010 erfolgte durch das im Konkurs der
Firma Y._
zuständige Konkursamt
Z._
die erste Auflage des Kollokationsplans und am 24. Januar 2011 orientierte das Kon
kursamt die Beschwerdegegnerin darüber, dass sie mit ihrer gesamten Forde
rung gegenüber der
Firma Y._
voraussichtlich zu Verlust kommen werde (
Urk.
6
/6/126/1).
Am 3. November 2011 teilte das Konkursamt der Beschwerdegegnerin mit, die Konkursforderung von
Fr.
692‘756.70 im Kollokationsplan werde anerkannt (Urk. 13/6/137), unter Vorbehalt eines Teilbetrages von
Fr.
6‘773.40 gemäss Verteilliste aus einer Pfändung des Betreib
ungsamtes
Z._
(vgl. Urk. 6
/6/138). Entsprechend reduzierte die Beschwerdegegnerin die Konkursfor
derung um
Fr.
6‘773.
40 auf
Fr.
685‘983.30 (Urk. 6
/6/142). Vom 18. November bis 1
2.
Dezember 2011 erfolgte aufgrund von nachträglichen
Forderungseinga
ben (vgl.
Urk.
6
/6/151) eine zweite Auflage des Kollokationsplanes (
Urk.
6
/6/139).
Da die Beschwerdegegnerin die Schadenersatzverfügung gegen den Beschwerde
führer am
25. November 2011
erliess (vgl.
Urk.
6/6/143
) und die erste Auflage des Kollokationsplanes vom 5. bis zum 29. November 2010 dau
erte, was rechtsprechungsgemäss im ordentlichen respektive summarischen Konkursverfahren grundsätzlich den Beginn des Fristenlaufs markiert, ist die zweijährige relative Verwirkungsfrist zur Geltendmachung des Schadenersatzes gemäss Art. 52
Abs.
3 AHVG gewahrt.
4.
4.1
Der für die Haftung nach Art. 52 AHVG vorausgesetzte Schaden entspricht dem Betrag der geschuldeten Beiträge, deren die Kasse verlustig geht (Thomas Nussbaumer, Die Ausgleichskasse als Partei im Schadenersatzprozess nach Arti
kel 52 AHVG; ZAK 1991 S. 383 ff. und 433 ff.). Verwaltungs- und Betreibungs
kosten, Veranlagungs- und Mahngebühren sowie die Verzugszinsen bilden Bestandteil des Schadens, welcher der Ausgleichskasse zu ersetzen ist (BGE 121 III 382 E. 3bb; vgl. auch BGE 109 V 95 oben, 108 V 189 E. 5). Im Hinblick auf die in Art. 14
Abs.
1 AHVG normierte Beitrags- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers gehören auch die Arbeitgeberbeiträge zum massgeblichen Schaden (BGE 98 V 26 E. 5).
4.2
Bei der Berechnung des für den Beschwerdeführer massgeblichen Schaden
-
ersatz
betrages
von
Fr.
662‘448.--
ging die Beschwerdegegnerin
,
wie schon in der Schadenersatzverfügung vom 25. November 2011 (vgl.
Urk.
6/6/143)
,
von einem Total an ausstehenden Beiträgen (inkl.
Mahn- sowie
Vollstreckungs
-
kosten und Verzugszinsen) von
Fr.
685‘440
.05 aus und zog davon für die
nach dem Rücktritt des Beschwerdeführers aus dem Verwal
tungsrat
entstandenen
Vollstreckungskosten
und Verzugszinsen im Fr. 17‘894.55 sowie
für
eine bereits erfolgte Rückzahlung
Fr.
5‘097.50
ab (vgl. Urk. 2 S. 2 lit. e).
Dem Einspracheentscheid beigelegt war
en
eine Beitra
gsübersicht und ein
Konto
auszug vom 18. Dezember 2012 (vgl.
Urk.
2 S. 5). Eine Beitra
gsübersicht und ein
Kontoauszug vom 18. Dezember 2012 findet sich in den Kassenakten nicht, jedoch
die
Beitra
gsübersicht und der
Kontoauszug vom 30. Januar 2013 (Urk. 6/6/180 und
Urk.
6/6/181).
Gemäss diesen
belaufen sich die gesamten Ausstände der
Firma Y._
(einschliesslich
Mahn- und
Vollstreckungskosten
sowie
Verzugszinsen) nicht auf
Fr.
685‘440.05, sondern auf
Fr.
680‘342.55 (Urk. 6/6/180 S. 11,
Urk.
6/6/181 S. 38). Darauf ist bei der Bemessung des Scha
denersatzbetrages abzustellen.
Die im Einspracheentscheid genannten
und
in Abzug zu bringenden Positionen belaufen sich auf total
Fr.
17‘894.55.
Die abzuziehenden Teilbeträge für die nach dem Rücktritt des Beschwerdeführers
am 3.
Juli 2009
(
Urk.
6/6/182 S. 5 f.)
respektive nach Konkurseröffnung am 2
2.
Juli 2009 (vgl. Urk. 6/6/51, Urk. 6/6/57) aufgelaufenen Vollstreckungskosten und Verzugszinsen sind im Kontoauszug vom 30. Januar 2013 im Detail markiert.
Es handelt sich um die Positionen 2007 0016-0017, 2008 0014-0016 und 2009 0001-0006 (vgl.
Urk.
6
/6/181 S. 29 f., S. 34-37). Ferner zu berücksichtigen
ist eine
erfolgte Rückzahlung in der Höhe von
Fr.
5‘097.50. Dies ergibt einen massgeblichen Schadensbetrag von
Fr.
657‘350.50.
Die
se
Berechnung des Schadens
ist
durch die Angaben in
der Beitragsübersicht und
im Kontoauszug
belegt und nachvoll
ziehbar und der Schaden ist in masslicher Hinsicht nicht bestritten.
5.
5.1
Art. 14
Abs.
1 AHVG und die Art. 34 ff.
der Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVV)
schreiben vor, dass der Arbeitgeber bei jeder Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen und zusam
men mit den Arbeitgeberbeiträgen der Ausgleichskasse zu entrichten hat. Die Arbeitgeber haben den Ausgleichskassen periodisch Abrechnungsunterlagen über die von ihnen an ihre Arbeitnehmer ausbezahlten Löhne zuzustellen, damit die entsprechenden paritätischen Beiträge ermittelt und verfügt werden können.
Die Beitragszahlungs- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers ist eine gesetz
lich vorgeschriebene öffentlich-rechtliche Aufgabe. Die Nichterfüllung dieser öffentlich-rechtlichen Aufgabe bedeutet eine Missachtung von Vorschriften im Sinne von Art. 52
Abs.
1 AHVG und zieht die volle Schadendeckung nach sich (BGE 118 V 193 E. 2a; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
Nach Art. 34 Abs. 1 lit. a AHVV haben die Arbeitgeber der Ausgleichskasse die Beiträge monatlich oder, bei jährlichen Lohnsummen unter 200’000 Fran
ken, vierteljährlich zu bezahlen. Gemäss Art. 35 Abs. 1 AHVV haben die Ar
beitgeber im laufenden Jahr periodisch Akontobeiträge zu entrichten. Diese werden von der Ausgleichskasse auf Grund der voraussichtlichen Lohnsumme des Beitrags
jahres festgesetzt.
5.2
Aus den Akten ist ersichtlich, dass die
Firma Y._
den ihr als Arbeitgeberin oblie
genden Zahlungsverpflichtungen gegenüber der Beschwerdegegnerin nicht ordnungsgemäss nachgekommen ist. Die Beschwerdegegnerin sah sich deshalb wiederholt veranlasst, die Gesellschaft zu mahnen und zu betreiben (vgl. die Akten zu den zahlreichen Betreibungen gegen die
Firma Y._
in
Urk.
5/5/1-367 und
Urk.
6/6/1-182). Schliesslich wurde über die Gesellschaft der Konkurs eröffnet (vgl. Urk. 6/6/51, Urk. 6/6/57). Es bedarf keiner weiteren Ausführungen dazu, dass die
Firma Y._
durch die Nichtbezahlung der gesetzlich geschuldeten Beiträge (Art. 14 AHVG und Art. 34 ff. AHVV) Vorschriften im Sinne von Art. 52 Abs. 1 AHVG missachtet hat, weshalb ein widerrechtlich verursachter Schaden vorliegt.
6.
6.1
6.1.1
Die wesentliche Voraussetzung für die Schadenersatzpflicht besteht nach dem Wortlaut des Art. 52 AHVG darin, dass der Arbeitgeber absichtlich oder grob
fahrlässig Vorschriften verletzt hat und dass durch diese Missachtung ein Scha
den verursacht worden ist (BGE 108 V 183 E. 1a). Absicht beziehungsweise Vorsatz und Fahrlässigkeit sind verschiedene Formen des Verschuldens. Art. 52 AHVG statuiert demnach eine Verschuldenshaftung, und zwar handelt es sich um eine Verschuldenshaftung aus öffentlichem Recht. Die Schadenersatzpflicht ist im konkreten Fall nur dann begründet, wenn nicht Umstände gegeben sind, welche das fehlerhafte Verhalten des Arbeitgebers als gerechtfertigt erscheinen lassen oder sein Verschulden im Sinne von Absicht oder grober Fahrlässigkeit ausschliessen. In diesem Sinne ist es denkbar, dass ein Arbeitgeber zwar in vorsätzlicher Missachtung der AHV-Vorschriften der Ausgleichskasse einen
Schaden zufügt, aber trotzdem nicht schadenersatzpflichtig wird, wenn beson
dere Umstände die Nichtbefolgung der einschlägigen Vorschriften als erlaubt oder nicht schuldhaft erscheinen lassen (BGE 108 V 183 E. 1b; ZAK 1985 S. 576 E. 2 und S. 619 E. 3a).
Grobe Fahrlässigkeit liegt praxisgemäss vor, wenn ein Arbeitgeber das ausser Acht lässt, was jedem verständigen Menschen in gleicher Lage und unter glei
chen Umständen als beachtlich hätte einleuchten müssen. Das Mass der zu ver
langenden Sorgfalt ist abzustufen entsprechend der Sorgfaltspflicht, die in den kaufmännischen Belangen jener Arbeitgeberkategorie, welcher die be
treffen
de Person angehört, üblicherweise erwartet werden kann und muss. Dabei sind an die Sorgfaltspflicht einer Aktiengesellschaft hinsichtlich der Einhaltung gesetz
licher Vorschriften grundsätzlich strenge Anforderungen zu stellen (BGE 108 V 199 E. 3a S. 202; ZAK 1985 S. 51 E. 2a, 620 E. 3b; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6 S. 529).
6.1.2
Nicht jedes einem Unternehmen als solchem anzulastende Verschulden muss auch ein solches seiner sämtlichen Organe sein. Vielmehr hat man abzuwägen, ob und inwieweit eine Handlung der Firma einem bestimmten Organ im Hin
blick auf dessen rechtliche und faktische Stellung innerhalb des Unternehmens zuzurechnen ist. Ob ein Organ schuldhaft gehandelt hat, hängt demnach ent
scheidend von der Verantwortung und den Kompetenzen ab, die ihm von der juristischen Person übertragen wurden (BGE 108 V 199 E. 3a S. 202; ZAK 1985 S. 620 E. 3b; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.5 S. 528).
Bei Aktiengesellschaften sind grundsätzlich strenge Massstäbe an die Organe hinsichtlich der Befolgung der öffentlich-rechtlichen Vorschriften über die Bezahlung der Sozialversicherungsbeiträge anzulegen. Die Mitglieder des Ver
waltungsrates haften subsidiär für den Schaden, den sie durch die schuldhafte Verletzung der ihnen obliegenden Pflichten verursacht haben. Diese Pflichten sind in Art. 716 ff. des Schweizerischen Obligationenrechts (OR) geregelt. Dazu gehört insbesondere die Oberleitung der Gesellschaft (Art. 716a
Ziff.
1 OR). Für den Geschäftsführer einer Gesellschaft gelten diese Pflichten ausnahmslos
und dem geschäftsführender Verwaltungsrat, der Aufgaben an interne oder externe Beauftragte delegiert, obliegt zur Wahrung der von ihm geforderten Sorgfalt neben der richtigen Auswahl des geeigneten Mandatsträgers auch dessen Instruktion und Überwachung. Allein durch Delegation der Aufgaben kann sich der Geschäftsführer seiner Verantwortung und Pflicht zur Oberaufsicht nicht entledigen
(vgl. Peter Forster, Schadenersatz (AHV), in: Recht der Sozialen Sicherheit, Basel 2014, S. 421 ff Rz. 11.25-11.28; Ueli Kieser, Alters und
Hin
terlassenenversicherung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht,
2.
A., Basel 2007, S. 1298 f. Rz 281-283).
6.2
Das Fehlverhalten der
Firma Y._
als Arbeitgeberin stellte der Beschwerdeführer nicht in Frage. Zum Verschulden des Beschwerdeführers als Organ ist zu beachten, dass der Beschwerdeführer in der vorliegend relevanten Zeit bis zu seiner Demission (die Löschung der Organfunktion im Handelsregister erfolgte am
3.
Juli 200
9
;
Urk.
6/6/182 S. 5
f.) als Delegierter des Verwaltungsrates mit der Geschäftsführung der Gesellschaft betraut war. Die Vornahme und die Überwachung der ordnungsgemässen Bezahlung der Sozialversicherungsbei
träge gehörten damit zu seinen unmittelbaren Aufgaben.
6.3
Im Einspracheverfahren hatte der Beschwerdeführer geltend gemacht, er habe mehrmals de
n
Präsidenten des Verwaltungsrates und den Vorstandsvorsitzen
den der österreichischen Muttergesellschaft darauf hingewiesen, die nötigen Ressourcen
freizustellen,
um die finanziellen Verpflichtungen erfüllen zu kön
nen. Er sei jedoch stets verströstet worden. Bis zu seinem Austritt aus dem Ver
waltungsrat habe er nie die Möglichkeit gehabt
,
entsprechend zu handeln (Urk. 6/6/149). In der Beschwerdeschrift ergänzte der Beschwerdeführer, er habe alles in seiner Macht stehende unternommen
, weswegen
ihn
k
eine Schadener
satzpflicht
treffe
(Urk. 1).
6.4
Welche Massnahmen der Beschwerdeführer angesichts der Ausstände gegenüber der Beschwerdegegnerin konkret ergriff
en hat
, legte er nicht näher dar und die im Einspracheverfahren in diesem Zusammenhang erwähnten Unterlagen (vgl. Urk. 6/6/149) reichte der Beschwerdeführer nicht ein. Die übrigen M
itglieder der Verwaltung oder d
en Vorstandsvorsitzenden der Muttergesellschaft auf das Problem aufmerksam
zu
machen und sich vertrösten
zu
lassen
,
genügt den Pflichten, die ein geschäftsführender Ve
rwaltungsrat hat, aus objektiver Sicht klarerweise nicht. Fest steht, dass konkrete Massnahmen zur Gewährleistung der korrekten Beitragszahlung unterblieben
sind
. Mit seiner Untätigkeit trug der Beschwerdeführer mit dazu bei, dass der Ausgleichskasse ein Schaden entstand. Bei dieser Sachlage
trifft den Beschwerdeführer ein Verschulden
und
ist auch der erforderliche Kausalzusammenhang zwischen der Verletzung der Beitrags
zahlungspflichten und dem Eintritt des Schadens zu bejahen (vgl. dazu Forster, a.a.O., S. 426 f. Rz. 11.37).
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdegegnerin unter Berücksichti
gung der Korrektur gemäss vorstehender Erwägung 4 den ihr entstandenen Schaden korrekt ermittelt und den Beschwerdeführer zu Recht zur Bezahlung
von Schadenersatz verpflichtet hat. Aufgrund der Korrektur bei der Schadens
höhe ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen.
7.
Dem teilweise obsiegenden Beschwerdeführer ist keine Prozessentschädigung zuzusprechen, da insbesondere angesichts des Umfanges seiner Eingaben sein Arbeitsaufwand und seine Umtriebe im vorliegenden Verfahren
klarerweise
nicht den Rahmen dessen überschritten, was der Einzelne zumutbarerweise nebenbei zur Besorgung
seiner
persönlichen Angelegenheiten auf sich zu nehmen ha
ben
.