# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 1d224a1e-b8d8-57d1-b53f-f6379ad025a7
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Gemeinde Belp erteilte dem Beschwerdegegner am 21. Dezember 2016 die
Baubewilligung für den Neubau einer landwirtschaftlichen Siedlung mit einer Viehscheune
für Mutterkuhhaltung und einem Wohnhaus auf der Parzelle Belp Grundbuchblatt
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Nr. E._ in der Landwirtschaftszone. Gegen diesen Entscheid erhob die
H._ Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern
(BVE). Nach einem Augenschein unter Beizug von Vertretern der Kommission zur Pflege
der Orts- und Landschaftsbilder (OLK) teilte der Beschwerdegegner mit Schreiben vom 30.
August 2017 mit, dass die Standortfrage in Zusammenarbeit mit der H._
überarbeitet und optimiert werde. Gestützt auf sein Gesuch sistierte die BVE dieses
Beschwerdeverfahren (RA Nr. 110/2017/4) mit Verfügung vom 6. Juli 2017. Dieses
Verfahren ist nach wie vor sistiert.
2. Am 12. Oktober 2017 reichte der Beschwerdegegner bei der Gemeinde Belp ein
neues Baugesuch für sein Bauvorhaben an anderem Standort ein. Der ersuchte Neubau
einer landwirtschaftlichen Siedlung mit einer Viehscheune für Mutterkuhhaltung und einem
Wohnhaus befindet sich ebenfalls auf der Parzelle Belp Grundbuchblatt Nr. E._ in
der Landwirtschaftszone, gut 150 Meter östlich vom ursprünglich geplanten Standort.
Südlich der Parzelle erstreckt sich ein Landschaftsschutzgebiet. Gegen das Bauvorhaben
erhoben die Beschwerdeführenden Einsprache. Das Amt für Gemeinden und
Raumordnung (AGR) hielt mit Verfügung vom 16. April 2018 fest, das Bauvorhaben sei
zonenkonform. Mit Gesamtentscheid vom 15. Mai 2018 erteilte die Gemeinde Belp die
Baubewilligung.
3. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 13. Juni 2018 Beschwerde bei der
BVE ein. Sie beantragen die Aufhebung des Gesamtentscheids vom 15. Mai 2018 und die
Rückweisung der Angelegenheit zur Neubeurteilung an die Vorinstanz. Dabei machen sie
insbesondere geltend, die vorgenommene Standortevaluation genüge den Anforderungen
des Bundesrechts nicht.
4. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte einen
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Mit Stellungnahme vom 11. Juli 2018
beantragt die Gemeinde die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung des
angefochtenen Entscheids. Das AGR stellt mit Eingabe vom 13. Juli 2018 ebenfalls den
Antrag auf Abweisung der Beschwerde. Das Amt für Landwirtschaft und Natur (LANAT),
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191).
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Fachstelle Hochbau und Bodenrecht, äusserte sich mit Stellungnahme vom 13. Juli 2018
zur Beschwerde. Der Beschwerdegegner beantragt schliesslich mit Beschwerdeantwort
vom 16. Juli 2018 die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten ist.
5. Die OLK nahm mit Bericht vom 6. September 2018 zum Vorhaben Stellung und kam
zum Schluss, dass dem Vorhaben aus ihrer Sicht aufgrund der nicht befriedigenden
Einbindung des Wohnhauses in das bestehende Terrain nicht zugestimmt werden kann.
Am 3. Oktober 2018 reichte der Beschwerdegegner aufgrund der Einwände der OLK eine
Projektänderung ein (Projektänderungspläne vom 1. Oktober 2018, alle gestempelt vom
Rechtsamt der BVE am 3. Oktober 2018, im Folgenden: Projektänderung I). Die OLK nahm
mit Bericht vom 23. Oktober 2018 zum geänderten Projekt Stellung. Dabei kam die
Fachbehörde zum Schluss, dass die im Bericht vom 6. September 2018 festgehaltenen
Gestaltungsgrundsätze für das Wohnhausprojekt an der exponierten Lage nach wie vor
nicht erfüllt werden.
Mit Verfügung vom 26. Oktober 2018 erhielt der Beschwerdegegner Gelegenheit, sich zur
Frage zu äussern, ob er am Bauvorhaben unverändert festhalten oder eine
Projektänderung einreichen wolle. Nach zweimaliger Fristerstreckung reichte der
Beschwerdegegner am 1. März 2019 eine weitere Projektänderung ein
(Projektänderungspläne vom 20./21./22./28. Februar 2019, alle gestempelt vom Rechtsamt
der BVE am 4. März 2019, im Folgenden: Projektänderung II).
6. Mit Verfügung vom 7. März 2019 führte das Rechtsamt aus, es erwäge, das
geänderte Vorhaben als Projektänderung entgegenzunehmen und diese Projektänderung
gestützt auf Art. 43 Abs. 3 BewD2 zur Weiterbehandlung an die Gemeinde Belp als
Vorinstanz zurückzuweisen. Die Verfahrensbeteiligten erhielten Gelegenheit, sich hierzu zu
äussern. Die Beschwerdeführenden, der Beschwerdegegner und das AGR führten aus,
dass sie gegen dieses Vorgehen nichts einzuwenden hätten. Die Gemeinde Belp
beantragt, dass das Projektänderungsverfahren durch die BVE weitergeführt werde.
2 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1).
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7. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintretensvoraussetzungen
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG3. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide – und
mit ihnen zusammen die weiteren Verfügungen nach Art. 9 Abs. 2 Bst. b KoG wie jene des
AGR – können nach Art. 40 Abs. 1 BauG4 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist zur Beurteilung der form-
und fristgerecht eingereichten Beschwerde gegen den Gesamtentscheid zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen, die Baugesuchsteller, die
Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG
i.V.m. Art. 40 Abs. 2 BauG). Sämtliche Beschwerdeführenden haben sich als
Einsprechende am vorinstanzlichen Verfahren beteiligt und sind damit formell zur
Beschwerdeführung legitimiert.
c) Neben der formellen Beschwer bedarf es auch der materiellen Beschwer: Nach
Art. 35 Abs. 2 Bst. a BauG sind nur Personen zur Einsprache befugt, welche durch das
Bauvorhaben unmittelbar in eigenen schutzwürdigen Interessen betroffen sind. Nach Lehre
und Rechtsprechung ist eine Person in schutzwürdigen Interessen berührt, wenn sie durch
3 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1). 4 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721).
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ein Bauvorhaben in höherem Mass als die Allgemeinheit betroffen ist und zum
Streitgegenstand eine besondere Beziehungsnähe hat.5 Nach der Rechtsprechung des
Bundesgerichts muss die besondere Beziehungsnähe zum Streitgegenstand bei
Bauprojekten insbesondere in räumlicher Hinsicht gegeben sein. In einer besonders nahen
Beziehung zur Streitsache stehen naturgemäss die Nachbarn des Baugrundstücks. Unter
Nachbarn versteht die Verwaltungs- und Gerichtspraxis vorab die Eigentümer von
Nachbargrundstücken. Der Kreis der betroffenen Nachbarschaft kann nicht allgemein
festgelegt werden, sondern muss im Einzelfall nach den konkreten Verhältnissen bestimmt
werden. Die Einsprachebefugnis des Nachbarn ist in der Regel zu bejahen, wenn dessen
Liegenschaft unmittelbar an das Baugrundstück angrenzt oder allenfalls nur durch einen
Verkehrsträger davon getrennt wird. Es wird darauf verzichtet, auf bestimmte feste Werte
abzustellen. Nach der bundesgerichtlichen Praxis sind Nachbarn aber bis im Abstand von
etwa 100 m in der Regel zu Verwaltungsgerichtsbeschwerden gegen Bauvorhaben
legitimiert. Allerdings ergibt sich die Legitimation nicht schon allein aus der räumlichen
Nähe, sondern erst aus einer daraus herrührenden besonderen Betroffenheit. Ein
schutzwürdiges Interesse liegt vor, wenn die tatsächliche oder rechtliche Situation des
Nachbarn durch den Ausgang des Verfahrens beeinflusst werden kann.6 Eine weitere
Umschreibung des Kreises der beschwerdeberechtigten Nachbarschaft kann sich etwa
dort rechtfertigen, wo von einer Baute besonders starke Emissionen ausgehen.7
d) Die Beschwerdeführenden 1 bis 9 sind allesamt Eigentümerinnen oder Eigentümer
und/oder Bewohnerinnen oder Bewohner der Wohnhäuser an der F._ G._
und G._a. Diese Gebäude sind weniger als 100 m von den geplanten Neubauten
entfernt. Das Bauvorhaben befindet sich zudem frontal vor diesen Wohnhäusern, womit
eine direkte Sichtverbindung besteht. Sie sind als Nachbarinnen oder Nachbarn
unmittelbar in eigenen schutzwürdigen Interessen betroffen und damit zur
Beschwerdeführung legitimiert. Somit muss sich der Entscheid auf jeden Fall mit den
Rügen dieser Beschwerde auseinandersetzen. Die Beschwerdeführenden 10 bis 14
wohnen in grösserer Distanz zum Vorhaben (rund 170 m). Es ist fraglich, ob sie aufgrund
dieser Distanz beschwerdebefugt sind. Dies kann aber offen bleiben. Aufgrund der
Beschwerdebefugnis der Beschwerdeführenden 1 bis 9 kann darauf verzichtet werden, die
5 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art.  N. 16. 6 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 65 N. 4, mit weiteren Hinweisen. 7 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 35-35c N. 17 mit Hinweisen.
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Beschwerdebefugnis der weiteren Einsprechenden abzuklären. Es ist jedoch darauf
hinzuweisen, dass die Legitimation in einem allfälligen
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren nachgewiesen werden müsste. Auf die
Beschwerde der Beschwerdeführenden ist damit einzutreten.
2. Projektänderungen
a) Der Beschwerdegegner reichte im Verlaufe des Beschwerdeverfahrens zwei
Projektänderungen ein. Mit Projektänderung I vom 3. Oktober 2018 nahm er Anpassungen
am Wohnhaus vor (Reduktion der Aufschüttungen und damit Tieferlegung des Hauses,
Anpassungen in konstruktiven und gestalterischen Details). Mit Projektänderung II vom
4. März 2019 sieht der Beschwerdegegner ein komplett neues Wohnhaus mit anderen
Massen, anderer Raumaufteilung, anderer Ausrichtung und völlig neuem Erscheinungsbild
vor. Zusätzlich soll die Scheune neu leicht anders positioniert werden; sie befindet sich
nicht mehr in paralleler Ausrichtung zum E._weg. Der Terrainverlauf im Bereich
der Scheune präsentiert sich weiter nicht mehr genau gleich, so dass die Scheune trotz
gleichbleibender Dimensionen neu einen Meter über Meer höher zu liegen kommt.
Schliesslich verändert sich die Umgebungsgestaltung, indem insbesondere die
Vorplatzbereiche anders dimensioniert sind, statt einer Kiesgrundlage ein Hartbelag
vorgesehen ist und der Mistplatz von 250 m2 auf 215 m2 verkleinert wird.
b) Laut Art. 43 BewD kann der Baugesuchsteller während der Hängigkeit eines
Baubewilligungsverfahrens oder eines nachfolgenden Beschwerdeverfahrens vor der BVE
eine Projektänderung einreichen, ohne dass deshalb ein neues Baubewilligungsverfahren eingeleitet werden muss. Eine Projektänderung liegt vor, wenn das Bauvorhaben in seinen
Grundzügen gleich bleibt (Art. 43 Abs. 1 BewD). Ein Bauvorhaben ist insbesondere dann in
seinen Grundzügen verändert, wenn ein Hauptmerkmal, wie Erschliessung, Standort,
äussere Masse, Geschosszahl oder Geschosseinteilung wesentlich verändert wird oder
wenn eine Mehrzahl geringer Änderungen dem Bau oder der Anlage eine gegenüber dem
ursprünglichen Projekt veränderte Identität verleiht. Bei Gesamtprojekten bestimmt sich
das zulässige Mass einer Projektänderung nach dem ganzen Vorhaben, nicht nach
einzelnen Teilen.8 Die Baubewilligungsbehörde kann nach Anhörung der Beteiligten und
8 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 32-32d N. 12a mit Hinweisen.
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den von der Projektänderung berührten Dritten das Verfahren ohne erneute
Veröffentlichung fortsetzen bzw. die Änderungen des bewilligten Projekts ohne neues
Baugesuchsverfahren gestatten, wenn öffentliche oder wesentliche nachbarliche
Interessen nicht zusätzlich betroffen sind (Art. 43 Abs. 2 BewD). Diese Grundsätze gelten
auch im Beschwerdeverfahren. Die Beschwerdeinstanz ist befugt, die Sache zur
Weiterbehandlung an die Vorinstanz zurückzuweisen (Art. 43 Abs. 3 BewD), kann aber
auch selbst über die Projektänderung entscheiden. Im Falle der Rückweisung an die
Vorinstanz zur weiteren Prüfung und neuem Entscheid ist der angefochtene Entscheid aus
prozessualen Gründen aufzuheben.9 Hängige Beschwerden werden insoweit
gegenstandslos.
c) Vorliegend erfährt das Wohnhaus zwar eine komplette Änderung, welche für sich
gesehen das Mass einer Projektänderung überschreitet. Dieses Wohnhaus macht jedoch
den kleineren Teil des Bauprojekts aus. Betrachtet man jedoch das gesamte Bauvorhaben,
so ist gegenüber dem ursprünglichen Projekt nicht von einer veränderten Identität zu
sprechen. Die Grunddisposition des Projekts bleibt dieselbe. Der Standort des neuen
Wohnhauses befindet sich an derselben Stelle wie das ursprünglich geplante Gebäude.
Bei der Scheune sind nur eine leichte, in Realität kaum wahrnehmbare Abdrehung sowie
eine etwas höhere Positionierung vorgesehen. Die Dimensionen, das Erscheinungsbild
und die Raumaufteilung der Scheune bleiben unverändert. Trotz gewisser Veränderungen
in der Umgebungsgestaltung ändert sich nichts an der Erschliessungssituation. Die
Anpassungen können deshalb als Projektänderung im Sinne von Art. 43 Abs. 1 BewD
behandelt werden.
Das Projektänderungsgesuch vom 4. März 2019 (Projektänderung II) ersetzt das
ursprüngliche Baugesuch und das Projektänderungsgesuch vom 3. Oktober 2018
(Projektänderung I).10 Gegenstand des Verfahrens ist somit das geänderte Projekt gemäss
der Projektänderung II vom 4. März 2019. Massgebend sind damit die folgenden Pläne
(alle gestempelt vom Rechtsamt der BVE am 4. März 2019):
- Situationsplan 1:100, Projektänderung, vom 30.08.2017, rev. 28.02.2019
- Grundrisse Schnitte (Wohnhaus) 1:100, Projektänderung, vom 21.02.2019
- Ansichten (Wohnhaus) 1:100, Projektänderung, vom 20.02.2019
9 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 32-32d N. 13a und 13c. 10 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art.32-32d N.13c; BVR 2012 S. 463 ff. E. 2.2.
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- Grundriss, Umgebungsgestaltung 1:200, Projektänderung, vom 22.02.2019
- Fassaden (Scheune) 1:100, Projektänderung, vom 22.02.2019
d) Die Projektänderung vom 4. März 2019 erfordert neben zusätzlichen formellen
Schritten in verschiedenen Bereichen eine erneute materielle Prüfung und die Einholung
neuer Amts- oder Fachberichte:
- Bei der Prüfung der Projektänderung wird abzuklären sein, ob eine neue Publikation
oder die Bekanntmachung an neu betroffene Nachbarn unter Gewährung der
ordentlichen Einsprachemöglichkeiten zu erfolgen hat. Eine Publikation hat zu
erfolgen, wenn öffentliche oder wesentliche nachbarliche Interessen durch die
Veränderungen zusätzlich betroffen sind (Art. 43 Abs. 2 BewD). Aufgrund des komplett
neuen Wohnhauses, der angepassten Umgebungsgestaltung und der höheren
Positionierung des Stalles scheint dies nicht ausgeschlossen. Selbst wenn auf eine
Publikation verzichtet werden kann, sind die Gegenpartei und die von der
Projektänderung allenfalls zusätzlich berührten Dritten anzuhören (Art. 43 Abs. 2 und 3
BewD).
- Da sich das Bauvorhaben in der Landwirtschaftszone befindet, wird das AGR erneut
mittels Verfügung über die Zonenkonformität der Projektänderung gemäss Art. 16a
RPG11 befinden müssen (Art. 25 Abs. 2 RPG, Art. 84 BauG). Dabei wird etwa neu zu
prüfen sein, ob das Ersetzen der bis anhin vorgesehenen Kiesgrundlage durch einen
Hartbelag zonenkonform ist und ob der Wohnraum des neuen Wohnhauses bezüglich
Grösse dem objektiven, im Rahmen der Zonenkonformität zulässigen Bedarf (Art. 16a
RPG i.V.m. Art. 34 Abs. 3 RPV12) entspricht.
- Das Bauvorhaben liegt in der Landwirtschaftszone und grenzt unmittelbar an ein
Landschaftsschutzgebiet. Mit der Projektänderung hat sich das Erscheinungsbild des
Wohnhauses komplett geändert. Die Scheune ist zudem leicht abgedreht und höher
positioniert worden, bei den Vorplatzbereichen ist statt einer Kiesgrundlage ein
Hartbelag vorgesehen. Es wird zu prüfen sein, ob das geänderte Vorhaben – vorab mit
Blick auf das angrenzende Landschaftsschutzgebiet – mit den Gestaltungsvorschriften
11 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700). 12 Raumplanungsverordnung des Bundesrats vom 28. Juni 2000 (RPV; SR 700.1).
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der Gemeinde vereinbar ist. Es empfiehlt sich, für diese ästhetische Beurteilung bei
der bereits involvierten OLK einen weiteren Bericht einzuholen.
- Aufgrund der Änderungen der Geschosseinteilungen und der Zugänge ist ein neuer
oder angepasster Fachbericht Brandschutz einzuholen.
- Aufgrund der geänderten Zimmerzahl (Verzicht auf das bisherige Gästezimmer) ist
wohl ein neuer Amtsbericht über die Befreiung von der Schutzraumbaupflicht und eine
neue Festlegung des Ersatzbetrages erforderlich.
- Aufgrund des neuen Wohnhauses wird ein neuer energietechnischer
Massnahmenausweis einzufordern und zu prüfen sein.
- Es ist abzuklären, ob aufgrund der Änderung der Flächen und der Vorplatzbereiche
(Hartbelag statt Kiesgrundlage) die Grundstücksentwässerung neu geprüft werden
muss und ob ein neuer oder ergänzender Amtsbericht zum Gewässerschutz bzw. eine
neue Gewässerschutzbewilligung nötig ist.
- Allenfalls erfordern auch weitere Bereiche neue Prüfungen (Kanalisationsplan,
Anschlussbewilligungen etc.)
Die Projektänderung ist daher noch nicht entscheidreif. Es ist nicht Sache der BVE, die
erforderliche umfassende Prüfung der Projektänderung im oberinstanzlichen Verfahren
vorzunehmen. Der angefochtene Entscheid vom 15. Mai 2018 sowie die Verfügung des
AGR vom 16. April 2018 werden daher aufgehoben und das Projektänderungsgesuch vom
4. März 2019 zur weiteren Behandlung an die Vorinstanz zurückgewiesen.
3. Kosten
a) Mit der Aufhebung des angefochtenen Entscheids wird auch die Kostenverfügung der
Vorinstanz aufgehoben. Aufgrund der Rückweisung an die Vorinstanz wird diese ihre
Kosten im neuen Entscheid über die Projektänderung jedoch neu verfügen können. Daher
müssen die vorinstanzlichen Kosten in diesem Beschwerdeentscheid nicht verlegt werden.
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b) Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr.
Für besondere Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren
erhoben werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG13). Die Pauschalgebühr wird festgesetzt auf
Fr. 1'000.00 (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 und Art. 20 Abs. 1 GebV14). Die
Kosten der OLK (Fr. 1'000.00 gemäss Rechnung vom 11. September 2018 und Fr. 300.00
gemäss Rechnung vom 6. November 2018) werden gestützt auf Art. 11 GebV zusätzlich
erhoben. Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren betragen somit Fr. 2'300.00.
Die Verfahrenskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Wer
ein Rechtsmittel zurück zieht, den Abstand erklärt, oder auf andere Weise dafür sorgt, dass
das Verfahren gegenstandslos wird, gilt als unterliegende Partei (Art. 110 Abs. 1 VRPG).
Der Beschwerdegegner hat mit der Einreichung der Projektänderung dafür gesorgt, dass
die Sache zu neuem Entscheid an die Vorinstanz zurückgewiesen und das
Beschwerdeverfahren als erledigt vom Geschäftsverzeichnis abgeschrieben wird. Damit
gilt der Beschwerdegegner als unterliegend, weshalb er die Verfahrenskosten von Fr.
2'300.00 zu tragen hat.
c) Der Beschwerdegegner hat zudem als unterliegende Partei den
Beschwerdeführenden die Parteikosten zu ersetzen (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die
Kostennote des Rechtsvertreters der Beschwerdeführenden gibt zu keinen Bemerkungen
Anlass. Der Beschwerdegegner hat somit den Beschwerdeführenden die Parteikosten von
Fr. 5'035.00 zu ersetzen.