# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 4befb66c-3b2b-4985-ae7a-c8ba778394dd
**Court:** AG_SVWG
**Chamber:** AG_SVWG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** AG / Northwestern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Gericht entnimmt den Akten:
A.
Der Kanton Aargau (nachfolgend: Gesuchsteller) beabsichtigt, die Kan-
tonsstrasse K 243 auszubauen und mit einem Gehweg zu versehen. Weiter
sollen die Bushaltestellen gelenkbustauglich und hindernisfrei ausgestaltet
werden. Das Projekt wurde mit Beschluss des Regierungsrates vom
21. Dezember 2016 (RRB Nr. 2016-001593) genehmigt. Gleichzeitig wurde
das Enteignungsrecht erteilt (§ 132 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über Raum-
entwicklung und Bauwesen [BauG; SAR 713.100] vom 19. Januar 1993).
B.
Der Rechtserwerb konnte mit den vom Projekt betroffenen Grundeigentü-
mern bis auf eine Ausnahme vertraglich geregelt werden. Mit Eingabe vom
5. März 2020 ersuchte das Departement Bau, Verkehr und Umwelt (nach-
folgend: BVU) um Genehmigung der zustande gekommenen Enteignungs-
verträge und Vereinbarungen sowie um Einleitung des Enteignungsverfah-
rens für den offenen Rechtserwerb.
C.
Mit Schreiben vom 9. März 2020 wies der Präsident des Spezialverwal-
tungsgerichts, Abteilung Kausalabgaben und Enteignungen (nachfol-
gend: SKE), den Gemeinderat Q. an, die Enteignungsakten vom 12. März
2020 bis 27. April 2020 auf der Gemeindekanzlei zur Einsichtnahme zur
Verfügung zu halten. Die betroffene Grundeigentümerin würde direkt ange-
schrieben und zur Einreichung von Begehren nach § 152 Abs. 1 BauG auf-
gefordert.
D.
A. (nachfolgend: Gesuchgegnerin) ist Alleineigentümerin der überbauten
Parzelle aaa in Q., von der ca. 46 m2 abgetreten und ca. 33 m2 vorüberge-
hend beansprucht werden sollen.
E.
Mit Schreiben ebenfalls vom 9. März 2020 wurde die Rechtsvertreterin der
Gesuchgegnerin über die vereinfachte Einleitung des Enteignungsverfah-
rens nach § 151 Abs. 4 BauG und die öffentliche Auflage vom 12. März
2020 bis 27. April 2020 informiert. Wenn keine Forderungen gestellt wür-
den, werde das Gericht davon ausgehen, dass die Gesuchgegnerin mit
dem Angebot des Kantons doch einverstanden sei. Das Verfahren würde
diesfalls als durch gerichtliche Einigung erledigt von der Kontrolle abge-
schrieben.
F.1.
Mit Schreiben vom 14. April 2020 ordnete das SKE den Abbruch der Ak-
tenauflage an. Die Rechtsvertreterin der Gesuchgegnerin hatte das Gericht
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am 9. April 2020 telefonisch ersucht, ihr aufgrund der besonderen Lage im
Zusammenhang mit dem Corona-Virus die Akten zuzustellen. Da vorlie-
gend keine anderen Betroffenen vorhanden waren, stimmte das SKE die-
sem Vorgehen ohne Weiteres zu.
F.2.
Am 23. April 2020 wurden die Auflageakten der Rechtsvertreterin der Ge-
suchgegnerin zur Einsicht zugestellt und es wurde ihr eine Frist bis 27. Mai
2020 zur Einreichung eines Entschädigungsbegehrens gesetzt.
F.3.
Die Rechtsvertreterin der Gesuchgegnerin teilte mit Schreiben vom 27. Ap-
ril 2020 mit, dass die Gesuchgegnerin mit dem Enteignungsvertragsentwurf
nicht einverstanden sei und das Verfahren daher weitergeführt werden
müsse.
G.1.
Mit Eingabe vom 27. Mai 2020 liess die Gesuchgegnerin folgende Begeh-
ren stellen:
"1. Es sei die zu enteignende Fläche im Umfang von 46 m2 mit einem Ver-
kehrswert von CHF 1'000.00/m2 vom Enteigner zu entschädigen.
2. Der Minderwert der Parzelle aaa in Q. sei gestützt auf ein Gutachten zu bestimmen und mit mindestens CHF 79'000.00 zu entschädigen.
3. Für die Beseitigung der Pflanzen auf der zu enteignenden Fläche sei
eine Entschädigung im Umfang von CHF 67'500.00 auszurichten.
4. a) Das Gesuch um vorübergehende Beanspruchung einer Teilfläche von 64 m2 sei abzuweisen.
b) Für den Fall, dass der Regierungsrat den Enteignungstitel für die vorübergehende Enteignung erteilen wird oder das Gesuch nicht  wird, sei die Fläche (Bodenaufbau) für die vorübergehende Beanspruchung wieder in Stand zu stellen und die Pflanzen seien mit dem Betrag von CHF 14'900.00 zu entschädigen.
5. Die Edelkastanie im westlichen Bereich der Parzelle aaa sei mit  Massnahmen zu erhalten. In diesem Fall sei die Entschädigung für die Beseitigung der Pflanzen gemäss Begehren Ziffer 3 um CHF 15'000.00 zu reduzieren.
6. Vor Baubeginn sei ein Rissprotokoll zu erstellen und die von der  betroffene Fläche sei mit einer Abschrankung zu sichern.
7. Für die Erstellung eines nachträglichen Sichtschutzzauns sei eine Ent-
schädigung von CHF 9'000.00 auszurichten. Es sei festzustellen, dass der Enteigner mit der Erstellung eines Sichtschutzzauns und den  im Umfang von CHF 9'000.00 einverstanden ist.
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8. Es seien die Inkonvenienzen zu entschädigen im Umfang von  CHF 1'516.55.
9. Es sei ein Augenschein mit Verhandlung durchzuführen.
10.
a. Es sei sicherzustellen, dass der Zugang und die Zufahrt zur Liegenschaft auch während der Bauphase uneingeschränkt sichergestellt sind.
b. Für den zu erwartenden Mehraufwand durch Beeinträchtigun-
gen während der Bauphase sei eine Entschädigung von CHF 2'000.00 pro Monat zu entrichten.
11. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Enteigners."
G.2.
Das Entschädigungsbegehren wurde dem Gesuchsteller mit Schreiben
vom 29. Mai 2020 zur Kenntnis gebracht und es wurde ihm eine Frist bis
22. Juni 2020 gesetzt, um zu dem Begehren Stellung zu nehmen.
G.3.
Innert erstreckter Frist erstattete der Gesuchsteller am 6. Juli 2020 eine
Stellungnahme und beantragte die Abweisung der Begehren, soweit darauf
einzutreten sei und die Genehmigung des Rechtserwerbs gemäss Ver-
tragsentwurf.
G.4.
Die Stellungnahme des Gesuchstellers wurde der Gesuchgegnerin mit
Schreiben vom 8. Juli 2020 zur Kenntnis gebracht unter Ansetzung einer
Frist bis 31. August 2020 zur abschliessenden Stellungnahme.
G.5.
Mit Eingabe vom 14. September 2020 liess die Gesuchgegnerin eine Rep-
lik (recte: Duplik) erstatten und hielt an den gestellten Begehren fest.
G.6.
Die Eingabe der Gesuchgegnerin vom 14. September 2020 wurde dem Ge-
suchsteller mit Schreiben vom 15. September 2020 zur Kenntnis gebracht
und es wurde ihm freigestellt, sich zu den Neuerungen der Duplik bis 8. Ok-
tober 2020 zu äussern.
G.7.
Der Gesuchsteller liess sich innert erstreckter Frist mit Eingabe vom
15. Oktober 2020 zu den Neuerungen der Duplik vernehmen und bean-
tragte die Genehmigung des Rechtserwerbs gemäss dem überarbeiteten
Enteignungsvertragsentwurf. Weiter hielt er an den Begehren vom 6. Juli
2020 fest.
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G.8.
Mit Schreiben vom 19. Oktober 2020 brachte das SKE die Eingabe der Ge-
suchgegnerin zur Kenntnis und setzte ihr eine Frist für allfällige letzte Be-
merkungen bis zum 11. November 2020.
G.9.
Die Gesuchgegnerin liess mit Schreiben vom 10. November 2020 letzte
Bemerkungen erstatten und an den bisherigen Anträgen und Ausführungen
festhalten. Das Schreiben wurde dem Gesuchsteller am 12. November
2020 zur Kenntnis gebracht.
Damit war der Schriftenwechsel abgeschlossen.
H.1.
Das SKE führte am 20. Januar 2021 eine Einigungsverhandlung durch.
Das Gericht machte den Parteien einen Vorgehensvorschlag. Die Gesuch-
gegnerin beantragte eine Woche Bedenkzeit. Der Gesuchgegnerin wurde
daraufhin eine Frist bis 27. Januar 2021 gesetzt, um ihren Entscheid mit-
zuteilen.
H.2.
Mit Schreiben vom 27. Januar 2021 liess die Gesuchgegnerin sinngemäss
mitteilen, dass sie aktuell nicht auf die Einwendung gegen die Enteignung
verzichte.
H.3.
Der Einigungsversuch war damit gescheitert. Das SKE überwies die Streit-
sache mit Beschluss vom 28. Januar 2021 an den Regierungsrat.
I.
Mit Abschreibungsbeschluss des Regierungsrats vom 24. September 2021
wurde festgestellt, dass eine Einigung im Sinne der folgenden Zusicherung
erzielt wurde und das Verfahren als gegenstandslos von der Kontrolle ab-
geschrieben werden kann:
"Die vorübergehende Beanspruchung der Parzelle aaa von A., Q. (AG), im Rahmen des mit Beschluss des Regierungsrats vom 3. September 2014 [recte: 21. Dezember 2016] genehmigten Strassenbauprojekts 'K 243, , Ausbau mit Gehweg und Belagsverstärkung' beschränkt sich auf das im Plan 'Vorübergehende Beanspruchung, Situation 1:100, vom 21. April 2021' festgelegte Mass."
J.1.
Die Parteien wurden vom SKE mit Schreiben vom 6. Oktober 2021 über die
Fortsetzung des Verfahrens informiert. Sie wurden aufgefordert, ihre
Standpunkte bis 29. Oktober 2021 zu bereinigen und gegebenenfalls an-
zupassen.
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J.2.
Die Gesuchgegnerin liess sich innert erstreckter Frist mit Eingabe vom
29. November 2021 vernehmen und passte ihre Entschädigungsforderung
für die Bepflanzung auf der vorübergehend beanspruchten Fläche auf
Fr. 17'896.00 an. Weiter seien ihr Interventionskosten von Fr. 3'828.74 für
das Verfahren vor Regierungsrat zu ersetzen.
Gleichentags reichte der Gesuchsteller einen überarbeiteten Enteignungs-
vertragsentwurf ein.
J.3.
Mit Schreiben vom 1. Dezember 2021 fasste das SKE die bereinigten For-
derungen der Parteien zusammen und brachte ihnen die Eingaben der je-
weiligen Gegenpartei übers Kreuz zur Kenntnis.
Auf einen weiteren Schriftenwechsel wurde verzichtet.
K.1.
Das SKE führte am 11. Mai 2022 eine Verhandlung mit Augenschein durch
(Präsenz siehe Protokoll, S. 2). Im Anschluss daran unterbreitete das Ge-
richt den Parteien einen Einigungsvorschlag und setzte ihnen eine Frist bis
25. Mai 2022, um dem Gericht mitzuteilen, ob sie dem Vergleichsvorschlag
zustimmen.
K.2.
Der Gesuchsteller teilte dem Gericht mit Schreiben vom 20. Mai 2022 mit,
dass er dem Einigungsvorschlag zustimmt.
K.3.
Mit Schreiben vom 24. Mai 2022 teilte die Gesuchgegnerin die Ablehnung
des Einigungsvorschlags mit. Damit war der Einigungsversuch gescheitert.
Darüber wurden die Parteien vom SKE mit Schreiben vom 25. Mai 2022
informiert. Weiter wurde der Gesuchsteller ersucht, eine allfällige Stellung-
nahme zu dem mit Schreiben vom 24. Mai 2022 von der Gesuchgegnerin
erstmalig geäusserten Vorbringen betreffend den Verlust von Parkflächen
spätestens bis am 8. Juni 2022 einzureichen.
K.4.
Der Gesuchsteller nahm mit Schreiben vom 3. Juni 2022 Stellung zum Vor-
bringen der Gesuchgegnerin betreffend den Verlust von Parkflächen.
L.
Anschliessend wurde der Fall am 8. Juni 2022 vom Gericht, wie angekün-
digt (vorstehend K.3.), ohne Parteien beraten. Darauf wurde das nachfol-
gende Urteil gefällt.
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## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1.
Die Projektbewilligung mit Erteilung des Enteignungstitels liegt vor (A.).
Über die vorübergehende Beanspruchung von ca. 33 m2 konnte eine Eini-
gung erzielt werden (I.). Die Auflage wurde auf Ersuchen der Gesuchgeg-
nerin abgebrochen. Gemäss § 151 Abs. 4 BauG kann die öffentliche Auf-
lage durch eine persönliche Anzeige ersetzt werden, wenn der Kreis der
Betroffenen genau bestimmbar ist. Der Abbruch der öffentlichen Auflage
und die Zustellung der Auflageakten an die Gesuchgegnerin war vorliegend
ohne Weiteres zulässig, da ausschliesslich die Gesuchgegnerin als einzige
Betroffene zur Einsichtnahme in die auf der Gemeindekanzlei Q. aufliegen-
den Akten eingeladen worden war (F.1.). Die Gesuchgegnerin reichte frist-
gerecht Begehren nach § 152 BauG beim SKE ein (G.1.).
1.2.
Der Kanton Aargau ist als Enteigner befugt, das Verfahren der formellen
Enteignung einleiten zu lassen. Die Gesuchgegnerin ist als Alleineigentü-
merin der vom Bauprojekt betroffenen und damit in das Enteignungsver-
fahren einbezogenen Parzelle aaa ohne weiteres zur Einreichung von Be-
gehren legitimiert (§§ 151 und 152 BauG; § 42 lit. a des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRPG, SAR 271.200] vom 4. Dezember 2007).
1.3.