# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 1942a243-1a8e-4689-a5a6-862cf3826aff
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Nachdem die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, mit Ver
fügung vom 20. Juni 2011 den Anspruch des 1957 geborenen X._ auf berufliche Massnahmen und eine Invalidenrente abgelehnt hatte (Urk. 9/16) und mit Verfügung vom 6. März 2012 auf ein neues Leistungsbegehren nicht einge
treten war (Urk. 9/34), meldete sich der Versicherte am 14. Januar 2013 erneut zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (Urk. 9/40). Nach Klä
rung der erwerblichen und medizinischen Verhältnisse sowie nach Durch
führung des Vorbescheidverfahrens wies die Verwaltung das Leistungsbegehren – unter Hinweis auf das von Dr. med. Y._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psy
chotherapie, und Dipl.-Psych. Z._, Fachpsychologe für Rechtspsycho
logie FSP, verfasste Gutachten vom 19. Oktober 2015 (Urk. 9/126; vgl. auch Urk. 9/128) – mit Verfügung vom 11. Februar 2016 wiederum ab (Urk. 9/138). Die dagegen erhobene Beschwerde (Urk. 9/140/3-20) hiess das hiesige Gericht mit Urteil vom 26. August 2016 in dem Sinne gut, dass es die angefochtene Verfü
gung aufhob und die Sache zur erneuten Einholung eines medizinischen Gutach
tens – allenfalls unter Berücksichtigung der ophthalmologischen Beschwerden – und neuen Entscheidung an die IV-Stelle zurückwies (Urk. 9/153/1-7; Prozess IV.2016.00320).
1.2
In der Folge liess die Verwaltung X._ am 23. Mai 2017 durch Dr. med. A._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr. phil. B._, Klinik C._, begutachten (Expertise vom 13. Juni 2017 [Urk. 9/168]; siehe auch Urk. 9/164 S. 1). Mit Vorbescheid vom 8. November 2017 stellte die IV-Stelle die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 9/179). Gleichentags wies sie den Versicherten auf seine Mitwirkungspflicht im Zusammenhang mit allfällig zukünftigen Leistungsansprüchen hin (Urk. 9/178). Nachdem X._ am 14. November 2017 Einwand gegen den ablehnenden Vorbescheid sowie die Schadenminderungsauflage erhoben hatte (Urk. 9/181), beantwortete Dr. A._ mit Schreiben vom 17. Januar 2018 (Urk. 9/186) die von der Verwaltung gestell
ten Rückfragen (Urk. 9/184). Hierzu nahm der Versicherte am 2. Februar 2018 Stellung (Urk. 9/190). Mit Verfügung vom 1. März 2018 hielt die IV-Stelle an der angekündigten Leistungsablehnung fest (Urk. 9/195 = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 3. April 2018 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm mit Wir
kung ab 1. August 2013 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen; eventuell sei die psychiatrische Begutachtung zu wiederholen. In prozessualer Hinsicht er
suchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Urk. 1 S. 2). Am 9. Mai 2018 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 8). Mit Gerichtsverfügung vom 18. Mai 2018 wurde dem Beschwerdeführer die unent
geltliche Prozessführung gewährt und ihm Rechtsanwältin Petra Oehmke, Affoltern am Albis, als unentgeltliche Rechtsvertreterin für das vorliegende Ver
fahren bestellt (Urk. 10). Am 23. Mai 2018 reichte er eine weitere Eingabe ein (Urk. 11). Hierzu nahm die Beschwerdegegnerin am 18. Juni 2018 Stellung (Urk. 14-15). Am 26. Juni 2018 liess er sich sodann erneut vernehmen (Urk. 17), wovon der Beschwerdeführerin am 28. Juni 2018 Kenntnis gegeben wurde (Urk. 18).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
In formellrechtlicher Hinsicht rügte der Beschwerdeführer eine Verletzung des rechtlichen Gehörs (Urk. 1 S. 5 f.).
Verfügungen der Versicherungsträger müssen, wenn sie den Begehren der Parteien nicht voll entsprechen, eine Begründung enthalten, das heisst eine Darstellung des vom Versicherungsträger als relevant erachteten Sachverhaltes und der rechtlichen Er
wä
gungen (
Art.
49
Abs.
3 Satz 2
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
)
.
Die Begründung eines Entscheides muss so abgefasst sein, dass die betroffene Person ihn gegebenenfalls anfechten kann. Dies ist nur dann möglich, wenn sowohl sie als auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen können. In diesem Sinne müs
sen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich der Ver
sicherungsträger leiten liess und auf welche sich der Entscheid stützt. Dies be
deutet indessen nicht, dass sich die Verwaltung ausdrücklich mit jeder tatbeständ
lichen Behauptung und jedem rechtlichen Ein
wand auseinander setzen muss; vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 126 V 75 E. 5b/dd mit Hinweis, 118 V 56 E. 5b).
Der Mangel eines nicht oder nur ungenügend begründeten Entscheides kann ge
mäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung im Rechtsmittelverfahren geheilt wer
den, sofern die fehlende Begründung in der Vernehmlassung der entscheidenden Behörde zum Rechtsmittel enthalten ist oder den beschwerdeführenden Parteien auf andere Weise zur Kenntnis gebracht wird, diese dazu Stellung nehmen kön
nen und der Rechtsmittelinstanz volle Kognition zukommt (BGE 107 Ia 1).
Von der Rückweisung der Sache zur Gewährung des rechtlichen Gehörs an die Ver
waltung ist nach dem Grundsatz der Verfahrensökonomie dann abzusehen, wenn dieses Vorgehen zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Ver
zögerungen führen würde, die mit dem gleichlaufenden und der Anhörung gleichgestellten Interesse der versicherten Person an einer möglichst beförderli
chen Beurteilung ihres Anspruchs nicht zu vereinbaren sind (BGE 120 V 357 E.
2b, 116 V 182 E. 3c und d).
1.2
Es trifft zwar zu, dass sich die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfü
gung nicht explizit zum Vorwurf der leitlinienwidrigen Auswertung der neuropsychologischen Testung äusserte. Aus der Verfügung gehen indes die Überlegungen hervor, von denen sich die Beschwerdegegnerin leiten liess und auf welche sich der Entscheid stützte. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt insoweit nicht vor.
Soweit im Übrigen der Anspruch auf rechtliches Gehör durch das vorangegan
gene Verfahren tangiert worden wäre, wäre ein solcher Mangel jedenfalls ohne
hin im Rahmen des vorliegenden Prozesses geheilt, da sich die Beschwerde
gegnerin in der Eingabe vom 18. Juni 2018 mit dem betreffenden Einwand befasste (Urk. 14-15), der Beschwerdeführer sich dazu am 26. Juni 2018 äusserte (Urk. 17) und das hiesige Gericht als Beschwerdeinstanz den Sachverhalt wie auch die Rechtslage frei überprüfen kann.
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
ATSG)
.
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung [
IVG
]
)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.3
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa
rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestell
ten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen be
ruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychi
schen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Aus
einandersetzung mit den Vorakten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfol
gerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deut
lich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann Fredenhagen, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Rentenablehnung – unter Hinweis auf das psychiatrisch-neuropsychologische Gutachten der Experten der Klinik C._ und den Bericht von Dr. med. D._, Fachärztin FMH für Ophthalmologie, vom 5. April 2016 – damit, es liege kein invalidisierender Gesundheitsschaden vor. Die akute Entzündung der Augen sei behandelbar; Weitsichtigkeit, Hornhauverkrüm
mung und Altersweitsichtigkeit seien mittels Sehhilfe zu korrigieren. Aus dem Gutachten gehe sodann hervor, dass die wiederkehrenden Arbeitsunfähigkeiten auf ein primäres Suchtgeschehen zurückzuführen seien. Die depressiven Phasen leichten Grades seien therapeutisch angehbar. Eine leitliniengerechte andauernde antidepressive Behandlung sei nicht durchgeführt worden. Die neuropsychologi
sche Untersuchung habe beim Beschwerdeführer keine Funktionseinschränkun
gen im Störungsbereich aufgewiesen. Trotz der in jungen Jahren erfahrenen will
kürlichen Verhaftungen und der Folter sei es dem Versicherten seit 1984 möglich gewesen, einer Erwerbstätigkeit von 100 % nachzugehen (Urk. 2 S. 2). Im Rahmen der Beschwerdeantwort führte die Beschwerdegegnerin ergänzend aus, es sei überwiegend wahrscheinlich davon auszugehen, dass es sich beim Alkoholismus primär um eine Suchtgeschehen handle, das nicht Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens sei. Sodann sei auch nach neuer bundesgerichtli
cher Rechtsprechung zu den leichten bis mittelschweren Depressionen ein beson
deres Augenmerk auf die Frage der Therapierbarkeit zu legen (Urk. 8).
3.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, Dr. A._ behaupte das Vorliegen eines primären Suchtgeschehens, seine Ausführungen würden aber auf ein Suchtgeschehen sekundärer Natur schliessen lassen. Die vom nämlichen Gutachter durchgeführten neuropsychologischen Tests würden eine mindestens mittelgradige kognitive Funktionsstörung beweisen. Eine solche gehe unter Bezugnahme auf die Leitlinien für die Kriterien zur Bestimmung des Schwe
regrades einer neuropsychologischen Störung sowie Zuordnungen zur Funktions- und Arbeitsfähigkeit in der Regel mit einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50 – 70 % einher. Der behandelnde Psychiater habe sogar eine Arbeitsunfä
higkeit von 80 % attestiert. Er habe sämtliche Therapieoptionen ausgeschöpft; insbesondere habe auch eine regelmässige psychopharmakologische antidepres
sive Behandlung stattgefunden. Zusammenfassend sei deshalb festzustellen, dass er gesundheitsbedingt seit 2010 dauerhaft zu mindestens 80 % arbeitsunfähig sei (Urk. 1 S. 11 f.).
4.
4.1
Med. pract. E._, Oberarzt an der Klinik F._, nannte in seinem Bericht vom 6. Januar 2012 als Diagnosen eine Alkoholabhängigkeit (ICD-10 F10.21), eine arterielle Hypertonie und eine Hyperlipidämie. Der Beschwerdeführer habe in seiner Studentenzeit in der Türkei zwei Mal Folter über Monate erlebt. Diese Traumatisierung habe sicherlich einen Einfluss auf den Ver
lauf der Alkoholabhängigkeit. In der aktuellen Behandlung werde die Traumati
sierung berücksichtigt und entsprechend mitbehandelt. Es sei noch nicht klar, ob auch eine posttraumatische Belastungsstörung zu diagnostizieren sei, wobei das klinische Bild in diese Richtung deute (Urk. 9/52/5-6).
4.2
Der am Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer des Universitätsspitals G._ tätige Oberarzt Dr. med. H._ diagnostizierte am 8. Februar 2013 (Urk. 9/53) mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein Abhängigkeitssyndrom, gegenwär
tiger Substanzgebrauch (ICD-10 F10.24). Der posttraumatischen Belastungsstö
rung (ICD-10 F43.1) mass er keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bei. Als Dif
ferentialdiagnose nannte er eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (ICD-10 F62.0 [S. 1]). Er führte aus, einer grundsätzlich indi
zierten traumafokussierten Behandlung seien bislang die Alkoholabhängigkeit und die konsekutive soziale Problematik entgegengestanden. Die deshalb eher ressourcenorientierte Therapie habe in etwa 1-2 wöchentlichen Abständen statt
gefunden. Der Beschwerdeführer habe die Termine zuverlässig wahrgenommen. Eine medikamentöse Einstellung mit Antabus sei zwischenzeitlich als Therapie
option diskutiert worden. Der Beschwerdeführer sei dieser Möglichkeit letztlich aber ablehnend gegenübergestanden (S. 2). Nach Abschluss der stationären Alkoholentzugs- und Traumabehandlung sei der Versicherte voraussichtlich per 1. Juli 2013 wieder vollumfänglich belastbar (S. 3).
4.3
Vom 14. Januar bis am 1. Juli 2013 befand sich der Beschwerdeführer in statio
närer Behandlung in der Klinik I._, Dr. med. J._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, und die fallführende Psycho
therapeutin Perret stellten in ihrem Bericht vom 15. Juli 2013 (Urk. 9/64) die fol
genden Diagnosen (S. 1):
-
Abhängigkeitssyndrom durch Alkohol (ICD-10 F10.21)
-
andauernde Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung (ICD-10 F62.0)
-
rezidivierende depressive Episode, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.10)
Sie gaben an, für den Beschwerdeführer sei die Bearbeitung seiner Traumatisie
rung im Vordergrund gestanden. Seine Alkoholsucht habe er als weniger drän
gend und als Bewältigungsversuch seiner traumatischen Lebensgeschichte ange
sehen (S. 4). Der Beschwerdeführer habe nach Therapieende keine weitere psychologische oder psychiatrische Betreuung gewünscht (S. 5).
4.4
Dr. med. K._, stellvertretender Chefarzt an der Klinik F._, nannte in sei
nem Bericht vom 13. Februar 2015 (Urk. 9/112/7-10) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
Als ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beurteilte er das Alkoholabhängigkeits
syndrom, gegenwärtig abstinent, aber in beschützender Umgebung (ICD-10 F10.21). Er schilderte, die vom 18. August bis am 16. Dezember 2014 stattgehabte stationäre Behandlung sei aufgrund der aktuellen Exazerbation der Erkrankung, bedingt durch zahlreiche psychosoziale Belastungssituationen, erfolgt. Diese Belastungssituationen hätten die Entstehung einer depressiven Dekompensation be
günstigt (S. 1). Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit bestehe ab dem Entlassungstag eine Arbeitsfähigkeit von 50 % (S. 2).
4.5
Dr. med. L._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte am 13. Februar 2015 eine chronifizierte depressive Störung (ICD-10 F33.10), eine andauernde Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung (ICD-10 F62.0) und eine Alkoholabhängigkeit (ICD-10 F10.25). Er gab an, im Vordergrund stehe das deutlich depressive Zustandsbild, welches sich auch nach der Durchführung von zahlreichen therapeutischen Massnahmen nicht nachhaltig gebessert habe. Aufgrund der vorliegenden Symptomatik sei der Beschwerdeführer nicht arbeits
fähig. Die Arbeitsunfähigkeit betrage 80 %, weshalb er die Berentung empfehle (Urk. 9/113).
4.6
Dr. D._ nannte am 5. April 2016 nachstehende Diagnosen:
-
o.u. Hyperopie, Astigmatismus und Presbyopie
-
o.d. tiefe Amblyopie seit Kindheit
-
o.u. aktuell akute Blepharokonjunktivitis, differentialdiagnostisch mit al
lergischer Komponente
-
o.u. kompensierte Tensio im oberen Normbereich, bei unauffälligen Papillen
Sie führte aus, sie habe aufgrund der Blepharokonjunktivitis eine Therapie ein
geleitet. Sie empfehle regelmässige Kontrollen alle 1-2 Jahre (Urk. 9/145).
4.7
Dr. L._ diagnostizierte am 16. Februar 2017 (Urk. 9/162) mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine chronifizierte depressive Störung (ICD-10 F33.10), eine andauernde Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung (ICD-10 F62.0) und eine Alkoholabhängigkeit sekundär (ICD-10 F10.25). Als ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beurteilte er die Adipositas (S. 1). Seinem Bericht kann ent
nommen werden, dass sich seit seiner letzten Beurteilung der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers zusehends verschlechtert hat. Alle Bemühungen im medi
zinisch-therapeutischen und im beruflich-rehabilitativen Bereich seien geschei
tert. Der Versicherte habe sich phasenweise bemüht, sich sowohl gesundheitlich als auch beruflich wieder zu integrieren, doch er sei «nie auf einen grünen Zweig» gekommen. Er sei immer wieder resigniert in seine Depression zurückgefallen, während welcher er regelmässig wieder zur Flasche gegriffen habe. Trotz massiver Schamgefühle wegen seines Scheiterns habe er nicht die nötige Energie aufge
bracht, um nachhaltig etwas an seiner Lebenssituation zu ändern. Es sei nicht mehr mit einer Rückkehr in einen geordneten Alltag mit Arbeit zu rechnen. Die gegenwärtige Behandlung bestehe aus sporadischen Konsultationen im Sinne einer supportiven Therapie circa ein Mal pro Monat. Abstinenzorientierte Ansätze seien nur vorübergehend erfolgreich gewesen. Der Beschwerdeführer habe alle Medikamente abgesetzt, da diese keine nachhaltige Wirkung gehabt hätten und in Kombination mit seinem Alkoholkonsum eine zusätzliche Gefahr für die Leber darstellen würden (S. 2). Unter Berücksichtigung des biologischen Alters des Be
schwerdeführers (64 Jahre) und des erfolglosen Verlaufs aller therapeutischen und rehabilitativen Bemühungen empfehle er die Zusprache einer ganzen IV-Rente (S. 4).
4.8
Dr. A._ führte in seinem Gutachten vom 13. Juni 2017 (Urk. 9/168) folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf (S. 13):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode mit soma
tischen Symptomen (ICD-10 F33.01)
Zudem stellte er nachstehende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit (S. 13):
-
Alkoholabhängigkeitssyndrom, gegenwärtig nach CDT-Werten ohne re
gelmässigen Substanzgebrauch (ICD-10 F10.26)
-
Nikotinabhängigkeit (ICD-10 F17.25)
Der Experte berichtete, der Beschwerdeführer habe auf die gestellten Fragen in Bezug auf seine Lebensgeschichte und die Entwicklung seiner psychischen Prob
leme ohne auffällige Verzögerung klare und präzise Antworten gegeben, was auf ganz unauffällige mnestische Funktionen hindeute. Im formalen Denken sei er geordnet, wenngleich auch leicht verlangsamt gewesen. Inhaltlich hätten sich keine Hinweise auf Wahnideen, Halluzinationen oder Ich-Störungen ergeben (S. 12). Der Beschwerdeführer habe in
psychopathologischer Hinsicht einen leicht verlangsamten Gedankengang, eine bedrückte Stimmung bei allerdings erhalte
ner affektiver Schwingungsfähigkeit, leichte Antriebsstörungen und eine leicht verlangsamte Psychomotorik auf
gewiesen
. Ergän
zend zu den anamnestischen Anga
ben über Durchschlafstörungen und eine Tagesmüdigkeit sowie Rückzugs
tendenzen bei einer allerdings erhaltenen Tagesstruktur
könne
gegenwärtig von einer leichten depressiven Symptomatik ausgegangen werden.
Seine
Kindheit
sei
ohne gravierende traumatische Ereignisse
verlaufen
, womit sich
auch keine Hin
weise auf die Bildung einer Persönlichkeitsstörung ergeben
würden. Die abge
schlossene akademische
Ausbildung im Heimatland
schliesse
sowohl eine Intelli
genzminderung als auch Verhaltensstörungen oder sonstige psychische Probleme mit Krankheitswert in der Kindheit, Pubertät und im frühen Erwachsenenalter aus. A
ufgrund der erhobenen anamnestischen
Angaben
sei
der
Beschwerdeführer
bis 1982 in der Türkei mehrmals verhaftet und körperli
cher
Gewalt ausgesetzt
gewesen
. Nach dem letzten Gefängnisaufenthalt
im Jahr
1982
habe er
aber sein Studium ab
geschlossen
und anschliessend während eines Jahres als Buchhalter im Heimatland
gearbeitet
. Trotz anamnestisch sehr glaubhaft geschilderter Miss
handlungen im Gefängnis
könne
aufgrund des Leistungsniveaus seit 1982 nicht
von der Entwicklung einer post
traumatischen Belastungsstörung ausgegangen werden. Nach der Ankunft in der Schweiz
– so der Gutachter weiter – habe der Beschwerdeführer
während 31 Jahren eine konstante Arbeitsleistung
erbracht
, womit sowohl die aktenmässig postulierte posttraumatische Belastungsstörung als auch eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung trotz intermittierender Albträume, Schreck
haftigkeit und Flashbacks ausgeschlo
ssen werden könn
t
en.
Es könne
aber
– so der Gutachter weiter –
seit der Jugendzeit ein s
chädlicher Alkoholgebrauch ange
nommen werden, wobei von einer Ent
wicklung
der Alkoholabhängigkeit erst seit circa 2011 auf
grund eines dysfunk
tionalen Verhaltensmusters bei psyc
hosozialen Belastungen (zwei ge
scheitert
e Ehen, Verlust der Arbeitsstelle) ausgegangen werden kö
nn
e
. Bei fehlenden Hin
weisen auf eine genetische Vorbelastung, gravierende traumatische Ereignisse in der Kindheit und Persönlichkeits
defizite im Erwachsenenalter sei beim Beschwer
deführer von einer primären Alkoholsucht auszugeh
en. Die Vielzahl von psycho
sozialen Belastungen sowie der Verlust der Tagesstruktur seit 2011
habe
bei ihm aufgrund seiner dysfunktionalen Verhaltensmuster zu wiederkehrenden depres
siven Episoden mit
allerdings aktenmässig dokumen
tierten intermittierenden Remissionsphasen
geführt
, womit unter Mitberücksichtigung einer leichten depres
siven Symptomatik anlässlich der Exploration eine rezidivierende depressive
Stö
rung bestätigt werden könne. Die depressiven Dekompensatio
nen
seien beim Beschwerdeführer e
inerseits auf die Ausschöpfung seiner psychischen Ressourcen bei einer Vielzahl von psychosozialen Belastungen, andererseits aber auch auf eine fehlende regelmässige psychopharmakologische Behandlung und Alkohol
abstürze zurückzuführen. Die durchgeführte neuropsycho
logische Untersuchung habe
beim Exploranden hirnorganische Einschränkungen aus
geschlossen;
auch die Laboruntersuchung (CDT)
deute
auf einen unregelmässigen Alkoholkonsum hin.
W
ährend der Untersuchung
hätten k
ein Foetor aethylicus und auch keine körperlichen suchtspezifischen Entzugserscheinungen
festgestellt werden kön
nen
, was zusätzlich eine gegenwärtig aktive Sucht
ausschliesse.
Neuropsycholo
gisch
habe der Beschwerdeführer
leichte bis mittelschwere kognitive Leistungs
abfälle auf
gewiesen
, die bei konsistentem Verhalten auf die diagnostizierte leichte depressive Sym
ptomatik zurückzuführen seien (S. 13 f.). Zur Frage der Arbeitsfä
higkeit führte Dr. A._ aus, a
ufgrund der leichten psychokognitiven Ein
schränkungen und insbesondere unter Mitberücksichtigung der nicht ausge
schöpften therapeutischen Massnahmen k
önne
in sozialmedizinischer Hinsicht und insbesondere in der
Längsschnittbeurteil
ung
aus psychiatrisch-neuropsycho
lo
gischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert werden. Gegen ein in der Längsschnittbeurteilung eingeschränktes Aktivitäts
- und Leistungsni
veau würde die erhal
tene Fähigkeit des
Beschwerdeführers sprechen
, für sich selbst zu sorgen
; dies auch in der
Hoffnung, nach der Beren
tung
im Heimatland ein wür
digeres Leben führen zu können. Der Versicherte verfüge
über sehr hohe intellektuelle und persönliche Ressourcen,
um
bei gesicherter Alkoholabstinenz
und unter fachlicher Unterstüt
zung bis zur Pensionierung eine volle Arbeitsleis
tung zu erbringen. Um für die berufliche Wiedereinglieder
ung eine Basis herzu
stellen, sei
neben der Alko
holabstinenz auch eine regelmäs
sige psychiatrisch-psych
otherapeutische Behandlung inklusive Gesprächspsychotherapie und
P
sychopharmakotherapie notwendig (S. 14).
5.
5.1
Nach Lage der Akten steht fest und ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer an keinen somatischen – insbesondere auch nicht ophthalmologischen – Be
schwerden leidet, die eine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zur Folge hatten.
5.2
Bezüglich der psychischen Symptomatik beruht das Gutachten von Dr. A._ auf einer einlässlichen psychiatrischen Untersuchung und einer neuropsycholo
gischen Testung, ist für die streitigen Belange umfassend und wurde in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den fallrelevanten Vorakten erstellt. Der Ex
perte legte die medizinischen Zusammenhänge einleuchtend dar, beurteilte die medizinische Situation überzeugend und setzte sich mit den geklagten Beschwer
den und dem Verhalten des Beschwerdeführers auseinander. Er legte einleuchtend dar, dass trotz der glaubhaft geschilderten Misshandlungen im Gefängnis auf
grund des seit 1982 gezeigten Leistungsniveaus eine posttraumatische Belas
tungsstörung und eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelas
tung ausgeschlossen werden können. Er verwies auf eine Vielzahl von psychoso
zialen Belastungsfaktoren, die zusammen mit dem Verlust der Tagesstruktur aufgrund der dysfunktionalen Verhaltensmuster des Beschwerdeführers sowie der fehlenden regelmässigen psychopharmakologischen Behandlung und der «Alko
holabstürze» zu wiederkehrenden depressiven Episoden mit aktenmässig doku
mentierten intermittierenden Remissionsphasen führten. Der Gutachter gelangte sodann zum begründeten und nachvollziehbaren Schluss, dass der Beschwerde
führer in der bisherigen und in einer adaptierten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig ist. Dabei kann von einer vorübergehenden höchstens 50%igen Arbeitsunfähig
keit während der mittelschweren depressiven Symptomatik sowie von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit während der stationären Behandlungen ausgegan
gen werden, in der Längsschnittbeurteilung kann allerdings seit Ende 2012 keine anhaltende Arbeitsunfähigkeit attestiert werden (S. 14, 15 und 16). Das Gutachten entspricht damit den rechtsprechungsgemässen Anforderungen an eine beweis
kräftige medizinische Entscheidungsgrundlage (vgl. E. 2.3 hievor).
5.3
5.3.1
Was das unter Bezugnahme auf die Leitlinien für die Kriterien zur Bestimmung des Schweregrades einer neuropsychologischen Störung sowie Zuordnungen zur Funktions- und Arbeitsfähigkeit erfolgte Vorbringen des Beschwerdeführers, Dr. A._ habe die neuropsychologischen Testergebnisse leitlinienwidrig aus
gewertet (Urk. 1 S. 6 ff.), betrifft, ist darauf hinzuweisen, dass weder Gesetz noch Rechtsprechung den Psychiatern eine Begutachtung nach den entsprechenden Richtlinien vorschreiben. Einem testmässigen Erfassen der Psychopathologien im Rahmen der psychiatrischen Exploration kann generell nur ergänzende Funktion beigemessen werden, während die klinische Untersuchung mit Anamneseerhe
bung, Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung ausschlaggebend sind. Massgebend ist, dass das Gutachten gesamthaft gesehen nachvollziehbar begrün
det und überzeugend ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_466/2017 vom 9. November 2017 E. 5.1 mit weiteren Hinweisen). Abgesehen davon dient das erwähnte Beurteilungssystem ohnehin einzig als Hilfestellung bei der Einschät
zung der – aus einer neuropsychologischen Störung resultierenden – Arbeitsun
fähigkeit. Es zeigt orientierende Richtwerte auf, wobei – wie bereits die Autoren der erwähnten Leitlinie aufzeigen – der Grad der Arbeitsunfähigkeit erheblich von diesen Prozentwerten abweichen kann (Urk. 3/6 S. 3, S. 5 und S. 8). Bereits daraus folgt, dass das Gutachten nicht automatisch seine Beweiskraft verlöre, wenn es nicht in allen Teilen den Leitlinien entspräche.
5.3.2
Der Beschwerdeführer machte geltend, die Behauptung des Experten A._, wo
nach eine regelmässige antidepressive psychopharmakologische Behandlung nicht stattgefunden habe, sei aktenwidrig (Urk. 1 S. 9). Tatsächlich erfolgte wäh
rend der stationären Aufenthalte eine Psychopharmakatherapie. Indes wurde im Anschluss daran auf die Weiterführung der Therapie verzichtet. So berichtete der Beschwerdeführer, nach dem Austritt aus der Klinik im I._ habe er sich keiner Psychotherapie mehr unterzogen (Urk. 9/96 S. 3 f.). Dem Bericht von Dr. L._ vom 1. Juli 2014 kann entnommen werden, dass sich der Beschwer
deführer bislang standhaft geweigert hatte, einen Therapieversuch mit einem An
tidepressivum durchzuführen (Urk. 9/104/9-10 S. 2; siehe auch Urk. 9/96 S. 7). Der nämliche Arzt gab am 16. Februar 2017 an, es fänden circa ein Mal im Monat sporadische Konsultationen im Sinne einer supportiven Therapie statt. Der Be
schwerdeführer habe alle Medikamente abgesetzt, da diese keine nachhaltige Wir
kung gehabt hätten und in Kombination mit seinem Alkoholkonsum eine zusätz
liche Gefahr für die Leber darstellen würden (Urk. 9/162 S. 2). Im Rahmen der Begutachtung teilte der Beschwerdeführer sodann mit, die von Dr. L._ ver
schriebenen Medikamente habe er wegen Nebenwirkungen absetzen müssen. Er nehme einzig noch eine Schlaftablette ein (Urk. 9/168 S. 11). Diesbezüglich ist darauf hinzuweisen, dass trotz der anlässlich der stationären Aufenthalte einge
nommenen Arzneimittel keine erhöhten Leberwerte festgestellt wurden und der Beschwerdeführer damals über keine deswegen aufgetretenen Nebenwirkungen klagte. Vor diesem Hintergrund ist die gutachterliche Beurteilung nicht zu be
mängeln, wurde doch tatsächlich keine regelmässige konsequente Behandlung durchgeführt.
5.3.3
In welcher Hinsicht aufgrund der Ausführungen von Dr. A._ zu beruflichen Eingliederungsmassnahmen die Beweiskraft des Gutachtens in Frage zu stellen ist, ist sodann nicht ersichtlich. Insbesondere geht aus diesen nicht hervor, inwie
fern die klinische Untersuchung mit Anamneseerhebung, Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung ungenügend sein soll.
5.3.4
Der Beschwerdeführer rügt weiter die gutachterliche Qualifikation des Alkoholis
mus als reines Suchtgeschehen (Urk. 1 S. 7 ff.).
Alkoholismus und Medikamen
tenmissbrauch (wie auch Drogensucht) begründen nach ständiger Rechtspre
chung keine Invalidität im Sinne des Gesetzes. Vielmehr wird eine solche Sucht invalidenversicherungsrechtlich erst bedeutsam, wenn sie ihrerseits eine Krank
heit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher oder geistiger die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden eingetreten ist, oder aber wenn sie selber Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens ist, welchem Krankheitswert zukommt (vgl.
BGE 124 V 265
E. 3c; AHI 2002 S. 30, I 454/99 E. 2a). Dabei ist das ganze für die Alkoholsucht massgebende Ursachen- und Folgespektrum in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen, was impliziert, dass einer allfälligen Wechselwirkung zwischen Suchtmittelabhängigkeit und psychi
scher Begleiterkrankung Rechnung zu tragen ist. Was die krankheitsbedingten Ursachen der Alkoholsucht betrifft, ist für die invalidenversicherungsrechtliche Relevanz der Abhängigkeit erforderlich, dass dem Alkoholismus eine ausreichend schwere und ihrer Natur nach für die Entwicklung einer Suchtkrankheit geeignete Gesundheitsstörung zugrunde liegt, welche zumindest eine erhebliche Teilursache der Alkoholsucht darstellt. Mit dem Erfordernis des Krankheitswerts einer allfäl
ligen verursachenden psychischen Krankheit wird verlangt, dass diese die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit einschränkt. Wenn der erforderliche Kausalzusam
menhang zwischen Alkoholsucht und krankheitswertigem psychischem Gesund
heitsschaden besteht, sind für die Frage der noch zumutbaren Erwerbstätigkeit die psychischen und die suchtbedingten Beeinträchtigungen gesamthaft zu be
rücksichtigen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_906/2013 vom 23. Mai 2014 E. 2.2 und 9C_701/2012 vom 10. April 2013 E. 2 mit Hinweisen sowie 9C_706/2012 vom 1. Juli 2013 E. 3.2 mit Hinweis auf I 169/06 vom 8. August 2006 E. 2.2).
Dem Beschwerdeführer ist insoweit zuzustimmen, dass nach der Rechtsprechung eine Alkoholabhängigkeit im Rahmen der Invalidenversicherung relevant wird, wenn sie selber Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens ist (Urk. 1 S. 9), wobei aber zu präzisieren bleibt, dass Letzterem Krankheitswert zu
kommen muss. Dies bleibt nachfolgend zu prüfen.
6.
6.1
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vo
raus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
6.2
6.2.1
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE
140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V
281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die ge
samthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE
143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018 E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüs
sig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
6.2.2
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
6.3
6.3.1
Was den K
omplex
«
Gesundheitsschädigung
»
respektive den Indikator
der
«
Aus
prägung der diagnoserelevanten Befunde
»
angeht, ist festzuhalten, dass
nur dort, wo bereits in den Diagnosekriterien ein Bezug zum Schweregrad gefordert wird, ein solcher nicht erreichter Schweregrad gegebenenfalls bereits den Ausschluss einer krankheitswertigen Störung erlauben würde. Verallgemeinert auf sämtliche psychiatrischen Diagnosen angewendet, greift diese Auffassung jedoch zu kurz. Fehlt in der Diagnose die Schweregradbezogenheit, zeigt sich die Schwere der Störung in ihrer rechtlichen Relevanz erst bei deren funktionellen
Auswirkungen (
vorgenannter BGE 143 V 418
E. 5.2.2).
Der Beschwerdeführer leidet an einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig leichte Episode mit somati
schen Symptomen (ICD-10 F33.01). Die wiederkehrenden depressiven Episoden mit intermittierenden Remissionsphasen wurden jedoch durch zahlreiche psycho
soziale Belastungsfaktoren (zwei gescheiterte Ehen, Verlust der Arbeitsstelle, we
nig Kontakt zu den Kindern), die rechtlich keine Invalidität zu begründen vermö
gen, und den Verlust der Tagesstruktur im Jahr 2011 ausgelöst (Urk. 9/168 S. 14). In Bezug auf den funktionellen Schweregrad erweist sich der Indikator der diagnoserelevanten Befunde damit als lediglich geringfügig ausgeprägt.
6.3.2
Bezüglich des Indikators
«Behandlungs-
und Eingliederungserfolg oder -
resistenz
»
wurde der Beschwerdeführer wiederholt stationär therapiert. Im Anschluss daran erfolgte indes keine adäquate ambulante Behandlung (vgl. E. 5.3.2 hievor). Eine Ausschöpfung der Therapiemöglichkeiten liegt damit nicht vor. Von einer Be
handlungsresistenz kann damit noch längst nicht gesprochen werden. Die Ein
gliederungsmassnahme im M._ bezeichnete der Beschwerdeführer als «Quatsch». Er führte aus, er müsse zuerst mit seiner Lebenspartnerin keine Prob
leme mehr haben, was ihn am meisten belaste. Er wolle nicht mehr im M._ arbeiten (Urk. 9/96 S. 10). Das Beschäftigungsprogramm beendete er in der Folge nach einer Woche; dies weil er die Reklamationen und Erpressungen nicht habe akzeptieren können (Urk. 9/168 S. 11). Der Verlauf des Eingliederungsversuchs spricht gegen eine Eingliederungsresistenz.
6.3.3
Störungen fallen unabhängig von ihrer Diagnos
e bereits dann als rechtlich be
deutsame Komorbiditäten in Betracht, wenn ihnen im konkreten Fall ressourcen
hemmende Wirkung beizumessen ist (vorgenannter BGE 143 V 418 E.
8.1).
Der Beschwerdeführer leidet an verhältnismässig leichten ophthalmologischen Beschwerden, die keiner spezifischen Behandlung bedürfen (Urk. 9/177 S. 2). Hirn
organische Einschränkungen wurden aufgrund der neuropsychologischen Unter
suchung ausgeschlossen (Urk. 9/168 S. 14). Der Alkohol- und Nikotinab
hängig
keit kommt sodann keine invalidisierende Wirkung zu (vgl. dazu E. 6.4 hienach). Es sind damit lediglich geringfügige als «Komorbiditäten» zu berück
sichtigende krankheitswertige Störungen ausgewiesen.
6.3.4
Bei den Komplexen
«
Persönlichkeit
»
und
«
sozialer Kontext
»
ergibt
sich Folgen
des:
Nach der Trennung von der zweiten Ehefrau lebte der Beschwerdeführer während zwei Jahren in einer Partnerschaft. Seither – das heisst seit drei Jahren – lebt er alleine in einem Studio mit einer kleinen Küche, Dusche und Toilette (Urk. 9/168 S. 10). Bis vor sechs Monaten trainierte er in einem Fitnessstudio. Seither fühlt er sich schlecht und hat keine Motivation und Lust mehr, etwas zu unternehmen. Tagsüber liest er und schaut fern. Er kocht und putzt seine Wohnung. Zudem unternimmt er regelmässig Spaziergänge und trifft ein bis zwei Mal pro Woche für eine Stunde seine Ex-Partnerin. Ansonsten lebt er zurückgezogen (Urk. 9/168 S. 11 f.). Trotz eines gewissen sozialen Rückzugs unterhält der Beschwerdeführer noch eine Tagesstruktur. Sein Lebenskontext enthält damit bestätigende, sich po
tentiell günstig auf die Ressourcen auswirkende Faktoren.
6.3.5
In der
Kategorie
«
Konsistenz
»
(bezüglich Abgrenzung und gegenseitigen Bezügen zu den Komplexen
«
Persönlichkeit
»
und
«sozialer Kontext» eingehend Mi
chael E.
Meier, Ein Jahr neue Schmerzrechtsprechung, in: Jusletter vom 11. Juli 2016, S. 28 ff. [nachfolgend: Ein Jahr Schmerzrechtsprechung], vgl. auch Michael
E. Meier, Zwei Jahre neue Schmerzrechtsprechung, in: Riemer-Kafka/Hürzeler [Hrsg.], Das indikatorenorientierte Abklärungsverfahren, 2017, S.
105-148, S. 136
ff.
[nachfolgend: Zwei Jahre Schmerzrechtsprechung])
zielt
der Indikator
«
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Le
bensbereichen
»
auf die Frage ab, ob die diskutierte Einschränkung in Beruf und Erwerb (bzw. bei Nichterwerbstätigen im Aufgabenbereich) einerseits und in den sonstigen Lebensbereichen (
beispielsweise
Frei
zeitgestaltung) anderseits gleich ausgeprägt ist, wobei das Aktivitätsniveau der versicherten Person stets im Ver
hältnis zur geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit zu sehen ist (BGE 141 V 281 E. 4.4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/20
16 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1).
Das Aktivitätsniveau des Beschwerdeführers ist etwas eingeschränkt, wobei frag
lich ist, ob hiefür krankheitsbedingte Gründe oder die fehlende Motivation ver
antwortlich sind. Er hat indes eine Tagesstruktur, kocht und putzt, unternimmt regelmässig Spaziergänge und trifft seine Ex-Partnerin. Eine gleichmässige Ein
schränkung des Aktivitätsniveaus verglichen mit der geltend gemachten Arbeits
unfähigkeit von mindestens 80 % ist damit nicht erstellt.
6.3.6
Im Rahmen des Indikators
«
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch aus
gewiesener Leidensdruck
»
(zur Abgrenzung vom Indikator
«
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz
»
vgl. Mic
hael E. Meier, Ein Jahr Schmerz
rechtsprechung, S. 25 Rz 60 und Michael E. Meier, Zwei Jahre
Schmerzrecht
spre
chung, S. 129)
weist d
ie Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen, das
heisst das Ausmass, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben ver
nachlässigt werden (ergänzend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und
Eingliede
rungserfolg oder -resistenz unter dem Komplex
«
Gesundheitsschädigung
»
) auf
den tatsächlichen Leidensdruck hin. In ähnlicher Weise zu berücksichtigen ist das Verhalten der versicherten Person im Rahmen der beruflichen (Selbst-) Einglie
de
rung. Inkonsistentes Verhalten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend gemacht
e Ein
schränkung sei anders begründet als durch ein
e ver
sicherte Gesundheitsbe
ein
trächtigung (BGE 141 V 281 E. 4.4.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.2).
Der Beschwerdeführer unterzog sich seit 2010 stationären Behandlungen im Psy
chiatrie Zentrum N._ (25. Oktober bis 2. Dezember 2010 [Urk. 9/52/9-10]), in der Klinik F._ (2. Dezember 2010 bis 27. April 2011 [Urk. 9/52/7-8], 18. Oktober 2011 bis 18. Januar 2012 [Urk. 9/52/2-4 S. 2] und 18. August bis 16. Dezember 2014 [9/112/7-10]), in der Klinik für Psychiatrie und Psychothera
pie des Universitätsspitals G._ (28. Dezember 2012 bis 14. Januar 2013 [Urk. 9/52/2-4]), in der Klinik im I._ (14. Januar bis 1. Juli 2013 [Urk. 9/64]) und im Sanatorium O._ (1. bis 10. Juli 2014 [Urk. 9/104/8]). Im Anschluss an die stationären Aufenthalte ist indes keine adäquate ambulante psychiatrische Behandlung mit entsprechender pharmakologischer Therapie dokumentiert (vgl. E. 5.3.2 hievor). Vor diesem Hintergrund kann trotz der durchgeführten stationä
ren Behandlungen und in Anbetracht der geltend gemachten ausgeprägten Be
schwerden nicht von einem klar ausgewiesenen Leidensdruck gesprochen werden. Hingegen sind gewisse Selbsteingliederungsmassnahmen ersichtlich, weshalb eingliederungsanamnestisch ein Leidensdruck vorhanden ist, der aber nicht aus
geprägt ist.
6.3.7
Zusammenfassend ist bei gesamthafter Betrachtung über die massgeblichen Indi
katoren und insbesondere mit Blick auf die inexistente gleichmässige Einschrän
kung des Aktivitätsniveaus eine medizinisch-gesundheitliche Anspruchsgrund
lage, welche zur Anerkennung einer Arbeitsunfähigkeit aus psychischer Sicht führen könnte, nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgewiesen.
6.4
Nachdem wie oben dargelegt der depressiven Störung keine invalidisierende Wir
kung zukommt, kann die Alkoholabhängigkeit des Beschwerdeführers weder Folge noch Auslöser eines Gesundheitsschadens sein, welchem Krankheitswert zukommt. Entsprechend kommt der Abhängigkeit kein invalidisierender Charak
ter zu. Dem Beschwerdeführer ist zwar zuzustimmen, dass langjähriger Alkohol
missbrauch die körperliche und geistige Gesundheit so schwer schädigen kann, dass die Arbeitsfähigkeit nicht mehr gegeben ist (Urk. 1 S. 9). Entscheidend ist aber, dass reine Suchtfolgen grundsätzlich iv-rechtlich irrelevant sind, soweit sie als solche allein leistungsmindernd wirken. Reine Suchtfolgen können invalidi
sierend sein, wenn daneben ein psychischer Gesundheitsschaden besteht, welcher die Alkoholabhängigkeit aufrecht erhält oder deren Folgen massgeblich verstärkt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_620/2017 vom 10. April 2018 E. 2.2.2). Dies ist aber vorliegend nicht der Fall.
6.5
Bei dieser Sachlage ist nicht ersichtlich, inwiefern eine erneute psychiatrische Begutachtung (Urk. 1 S. 2) neue, für die Beurteilung des vorliegenden Falls ent
scheidende Erkenntnisse liefern könnte, sodass darauf zu verzichten ist (antizi
pierte Beweiswürdigung; BGE 122 V 157 E. 1d mit weiteren Hinweisen).
7.
Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung nicht zu beanstanden. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
8.
8.1
Gestützt auf Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Verfahren für den unterliegenden Be
schwerdeführer kostenpflichtig. Die Kosten sind unabhängig vom Streitwert nach dem Verfahrensaufwand festzulegen und vorliegend auf Fr. 800.-- anzusetzen, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
8.2
Die mit Gerichtsverfügung vom 18. Mai 2018 bestellte unentgeltliche Rechtsver
treterin des Beschwerdeführers, Rechtsanwältin Petra Oehmke, macht mit Hono
rarnote vom 21. Februar 2019 (Urk. 19) einen Aufwand von 14.40 Stunden sowie Auslagen von Fr. 105.-- geltend, wofür ihr eine Entschädigung in der Höhe von Fr. 3'525.-- (inklusive Barauslagen und MWSt) aus der Gerichtskasse zuzuspre
chen ist.