# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 3bdff4ac-55bb-4f3d-a795-933a5f6b9a0b
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Unterhalt und weitere Kinderbelange
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichts im vereinfachten Verfahren am Bezirksgericht Zürich, 4. Abteilung, vom 15. Januar 2021 (FK200032-L)
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Rechtsbegehren:
Es wird auf die Seiten 2 f. des Urteils der Vorinstanz vom 15. Januar 2021
verwiesen (vgl. Urk. 84).
Urteil des Einzelgerichts im vereinfachten Verfahren am Bezirks- gericht Zürich, 4. Abteilung, vom 15. Januar 2021 (Urk. 84 S. 45 ff.):
1. Der Antrag der Klägerin 1 auf Zuteilung der alleinigen elterlichen Sorge für
B._, geboren tt.mm.2015, (Klägerin 2) wird abgewiesen und der Kläge-
rin 1 und dem Beklagten wird die gemeinsame elterliche Sorge für B._
belassen.
2. Der Beklagte wird berechtigt und verpflichtet erklärt, die Klägerin 2 wie folgt
und auf eigene Kosten zu und mit sich auf Besuch zu nehmen:
a) Phase I: jeden Samstag, beginnend ab Rechtskraft dieses Urteils, während acht Stunden unbegleitet, wobei diese Besuche in der Schweiz stattzufinden haben und die Übergaben (auch in zeitlicher Hinsicht) durch die  organisiert und überwacht werden
b) Phase II: jedes zweite Wochenende von Freitag nach Schulschluss bis , 18.00 Uhr, innerhalb der Schweiz unbegleitet, wobei die Übergaben – sofern der Beistand dies zu gegebener Zeit als notwendig erachten sollte – durch die Besuchsbegleitung organisiert und  werden
c) Phase III:
- jedes zweite Wochenende von Freitag nach Schulschluss bis Sonntagabend, 19.00 Uhr, wobei er B._ abzuholen und an den Wohnsitz der Mutter zurückzubringen hat;
fällt das Betreuungswochenende des Vaters auf Ostern, beginnt seine Betreuungsverantwortung bereits ab Gründonnerstag nach Schulschluss oder 15.00 Uhr und dauert bis Ostermontag, 19.00 Uhr;
fällt das Betreuungswochenende des Vaters auf Pfingsten, verlängert sich seine Betreuungsverantwortung bis Pfingstmontag, 19.00 Uhr;
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- in Jahren mit gerader Jahreszahl zusätzlich für die  von 22.12. nach Schulschluss oder 14.00 Uhr bis zum 26.12., 17.00 Uhr;
- in den Jahren mit ungerader Jahreszahl über den Jahreswechsel vom 30.12., 14.00 Uhr, bis zum 02.01., 19.00 Uhr;
- jeweils während der Hälfte der Schulferien, während maximal zwei Wochen am Stück,
die Eltern sprechen sich über die Aufteilung der Ferien für das Folgejahr jeweils bis Ende des laufenden Jahres ab; im Konfliktfall kommt in Jahren mit gerader Jahreszahl der Klägerin 1, in Jahren mit ungerader Jahreszahl dem Beklagten das Entscheidungsrecht bezüglich der Aufteilung der Ferien zu;
In der übrigen Zeit wird B._ von der Mutter betreut. Weitergehende oder abweichende Betreuungsregelungen nach  Absprache bleiben vorbehalten.
Ist ein Elternteil aus welchen Gründen auch immer nicht in der Lage, die Betreuung gemäss dem hier vereinbarten Betreuungsplan selber zu übernehmen, ist er verpflichtet, für eine angemessene Betreuung B._s durch Drittpersonen auf eigene Kosten besorgt zu sein. Eine Anfrage an den anderen Elternteil ist möglich; dieser ist jedoch nicht verpflichtet, die Betreuung zu übernehmen.
3. Die durch die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde der Stadt Zürich er-
richtete Beistandschaft für die Klägerin 2 gemäss Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB
wird bestätigt.
Dem Beistand werden zusätzlich zu den bisherigen die folgenden Aufgaben
übertragen:
- Entscheid über den Wechsel von einer Phase des Besuchsrechts  Dispositivziffer 2 in die nächste bzw. nötigenfalls zurück in die vorherige Phase, wobei das Kindswohl als Entscheidgrundlage zu  hat;
- Organisation und Ausgestaltung regelmässiger persönlicher  zwischen der Klägerin 1 und dem Beklagten, wenn nötig mit  Personen wie beispielsweise dem Beistand selbst, der  oder der zuständigen Kinderpsychologin der Fachstelle D._, mit dem Ziel, eine solide und verantwortungsvolle elterliche Kommunikation aufzubauen, um die selbständige Ausübung der  Sorge zu ermöglichen.
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4. Die Auflage der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde der Stadt Zürich,
wonach B._ nicht ohne Aufsicht mit ihrem Grossvater mütterlicherseits
alleine sein darf, wird aufgehoben.
5. Der Antrag der Klägerinnen auf Zusprechung eines Unterhaltsbeitrages des
Beklagten für die Klägerin 2 wird mangels Leistungsfähigkeit des Beklagten
abgewiesen.
6. Die Entscheidgebühr wird auf Fr. 4'500.– festgesetzt. Allfällige weitere Aus-
lagen bleiben vorbehalten.
7. Die Gerichtskosten werden der Klägerin 1 und dem Beklagten je zur Hälfte
auferlegt. Die Kosten beider Parteien werden zufolge Gewährung der unent-
geltlichen Rechtspflege einstweilen auf die Staatskasse genommen. Die
Klägerin 1 und der Beklagte werden auf die Nachzahlungspflicht gemäss
Art. 123 ZPO hingewiesen.
8. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.
9. [Mitteilungssatz]
10. [Rechtsmittelbelehrung]
Berufungsanträge:
der Klägerinnen, Berufungsklägerinnen und Anschlussberufungsbeklagten 1 und 2:
in der Hauptberufung (Urk. 83 S. 2 ff.):
"1. In Abänderung von Ziffer 2 des angefochtenen Urteils sei der  berechtigt und verpflichtet zu erklären, die Klägerin 2 wie folgt auf eigene Kosten zu sich und mit sich auf Besuch zu , wobei er zu verpflichten sei, den deutschen Pass der  2 bis zum Beginn von Phase 4 der Klägerin 1 zu überlassen oder dem Beistand:
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Phase 1: Ab Rechtskraft des Urteils bis zum Eintritt der Klägerin 2 in die
zweite Klasse begleitet an drei Samstagen pro Monat während acht Stunden mit Ausnahme von fünf Samstagen während den Ferien der Klägerin 1 mit der Klägerin 2.
Phase 2: Ab Eintritt der Klägerin 2 in die zweite Klasse bis zu ihrem Eintritt
in die dritte Klasse an drei Samstagen pro Monat während acht Stunden mit Ausnahme von fünf Samstagen während den Ferien der Klägerin 1 mit der Klägerin 2, wobei diese Besuche in der Schweiz stattzufinden haben und die Übergaben (auch in  Hinsicht) durch die Besuchsbegleitung organisiert und  werden sollen sowie der Beklagte verpflichtet werden soll, seine sämtlichen Reisepapiere während der Besuchszeit bei der Besuchsbegleitung zu deponieren.
Phase 3: Ab Eintritt der Klägerin 2 in die dritte Klasse bis zu ihrem Eintritt in
die vierte Klasse jedes zweite Wochenende von Freitag nach Schulschluss bis Samstagabend 18 Uhr innerhalb der Schweiz unbegleitet, wobei die Übergaben (auch in zeitlicher Hinsicht) durch die Besuchsbegleitung organisiert und überwacht werden sollen sowie der Beklagte verpflichtet werden soll, seine  Reisepapiere während der Besuchszeit bei der  zu deponieren.
Phase 4: Ab Eintritt der Klägerin 2 in die vierte Klasse: a) In Jahren mit gerader Jahreszahl ab Gründonnerstag nach
Schulschluss bis Ostermontag 19 Uhr. b) In Jahren mit ungerader Jahreszahl ab Freitag vor Pfingsten
nach Schulschluss bis Pfingstmontag 19 Uhr. c) Jedes Jahr über Auffahrt von Mittwoch nach Schulschluss
bis Sonntag 19 Uhr. d) Jedes Jahr an Sechseläuten von Freitag nach Schulschluss
bis Montag 19 Uhr. e) Jedes Jahr mit gerader Jahreszahl am Knabenschiessen
von Freitag nach Schulschluss bis Montag 19 Uhr. f) Jedes Jahr in der zweiten Jahreshälfte an zwei Wochenen-
den, die je um einen Jokertag am Montag oder Freitag  werden sollen.
g) Jedes Jahr an sechs weiteren Wochenenden von  bis Sonntagabend, wobei der Beklagte zu verpflichten
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sei, diese Wochenenden mit B._ in der Schweiz zu .
h) Jährlich während sieben Wochen in den Schulferien: - In Jahren mit gerader Jahreszahl je eine Woche in den
Sport-, Frühlings- und Herbstferien, zwei Wochen in den Sommerferien und während den gesamten  (zwei Wochen).
- In Jahren mit ungerader Jahreszahl je eine Woche in den Sport-, Frühlings- und Weihnachtsferien, zwei Wochen in den Sommerferien und während den gesamten  (zwei Wochen).
Bezüglich der letzten drei Abschnitte von Ziffer 2 sei das vorinstanzliche Urteil zu bestätigen.
2. In Abänderung von Ziffer 3 des angefochtenen Urteils sei dem Beistand nur die zweitgenannte zusätzliche Aufgabe zu .
3. In Abänderung von Ziffer 5 des angefochtenen Urteils sei der  zu verpflichten, der Klägerin 2 folgende Unterhaltsbeiträge zu bezahlen (nur Barbedarf), zuzüglich allfälliger gesetzlicher- oder vertraglicher Kinder- oder Familienzulagen:
- rückwirkend ab Mitte November 2019 bis und mit August 2023 Fr. 801.– monatlich;
- ab September 2023 bis zum Abschluss einer  Erstausbildung der Klägerin 2 monatlich Fr. 91[3].–, auch über deren Mündigkeit hinaus.
Diese Unterhaltsbeiträge seien gerichtsüblich zu indexieren. Es sei Vormerk zu nehmen davon, dass der Bedarf der Klägerin 2
damit nicht gedeckt ist. 4. Der Klägerin 1 sei für das vorliegende Berufungsverfahren die
unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und in der Person der Unterzeichnenden eine unentgeltliche Rechtsbeiständin .
5. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien der Klägerin 1 und dem Beklagten je zur Hälfte aufzuerlegen, und die beiderseitigen Parteientschädigungen seien wettzuschlagen."
in der Anschlussberufungsantwort (Urk. 116 S. 1 f.):
"1. Der Antrag des Beklagten auf Abänderung seines Besuchsrechts sei vollumfänglich abzuweisen,
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eventualiter sei dem Beklagten ein Tages- bzw.  alle drei statt alle zwei Wochen, im Übrigen aber  den Berufungsanträgen der Klägerin zu gewähren.
2. Der Antrag des Beklagten auf Aufhebung der Beistandschaft für B._ sei abzuweisen, und auf seinen Antrag betreffend Wechsel in der Person des Beistandes sei nicht einzutreten.
3. Der Antrag des Beklagten auf Festlegung von moderierten  sei abzuweisen, unter Beibehaltung von Ziffer 3 Abs. 2 al. 2 des vorinstanzlichen Urteils.
4. In Abänderung des vorinstanzlichen Entscheides sei der Beklagte zur Leistung von Unterhaltsbeiträgen für die Klägerin 2 in  folgender Höhe zu verpflichten:
4.1. Fr. 689.– ab Mitte November 2019 bis 31. März 2021. Damit bliebe der Netto-Bedarf von B._ in der Höhe von Fr. 711.– ungedeckt.
4.2. Fr. 1'032.– ab 1. April 2021. Damit bliebe der Netto-Bedarf von B._ in der Höhe von Fr. 368.– ungedeckt.
4.3. Fr. 1'391.– ab einem vom Obergericht festzulegenden  zirka drei Monate nach Erlass des Endentscheides bis zum Eintritt in die Oberstufe (31. Juli 2027).
4.4. Ab Eintritt von B._ in die Oberstufe (1. August 2027) bis zur Volljährigkeit bzw. bis zum Abschluss einer  Erstausbildung Fr. 1'106.–.
5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich (7.7% ) zu Lasten des Beklagten."
des Beklagten, Berufungsbeklagten und Anschlussberufungsklägers:
in der Berufungsantwort und Anschlussberufungsbegründung (Urk. 101 S. 2 f.):
"1. Die Anträge der Klägerinnen mit Berufung vom 08.03.2021 seien vollumfänglich abzuweisen.
2.1. Stattdessen sei in Abänderung von Ziff. 2 des angefochtenen  des Bezirksgerichts Zürich vom 15.01.2021 (Geschäfts-Nr. FK200032-L/U) der Beklagte berechtigt und verpflichtet zu , Tochter B._ alle drei Wochen von jeweils Freitag nach Schulschluss bis Sonntag 19:00 Uhr, auf eigene Kosten zu .
2.2. Die Umgänge sollen dabei unbegleitet stattfinden und der  soll frei wählbar sein. Die Übergaben sollen ab  des Urteils für weitere sechs Monate begleitet werden. Als Übergabeort sei die Wohnadresse der Klägerin festzulegen.
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2.3. Zusätzlich sei der Beklagte für berechtigt und verpflichtet zu , Tochter B._ während zwei Dritteln der Schulferien auf eigene Kosten zu sich zu nehmen, während maximal drei  am Stück. Schliessen sich Ferienzeiten an die  an, so seien die Ferientage zusätzlich zu gewähren, dasselbe bei Feiertagen.
Die Eltern sprechen sich über die Aufteilung der Ferien für das Folgejahr jeweils bis Ende des laufenden Jahres ab; im  kommt in Jahren mit gerader Jahreszahl der Klägerin 1, in Jahren mit ungerader Jahreszahl dem Beklagten das  bezüglich der Aufteilung der Ferien zu.
2.4. Die Regelung der Vorinstanz mit Urteil vom 15.01.2021 (-Nr. FK200032-L/U) betreffend Feiertage gemäss Ziff. 2c sei beizubehalten und um B._s Geburtstag zu ergänzen, wobei die Betreuung abwechselnd in geraden und ungeraden Jahren festzulegen sei.
2.5. Dem Beklagten sei zusätzlich das Recht zu gewähren,  mit B._ zu telefonieren oder zu skypen, jeweils  zwischen 18.30 Uhr bis 19.30 Uhr.
3. Es sei umgehend für B._ ein Rechtsbeistand für das  Verfahren einzusetzen.
4.1. Die Beistandschaft für B._ sei aufzuheben. 4.2. Eventualiter sei die Beistandschaft gemäss Urteil der Vorinstanz
vom 15.01.2021 (Geschäfts-Nr. FK200032-L/U) im Sinne von Ziff. 3 fortzusetzen, wobei der bisherige Beistand E._ seines Amtes zu entheben und stattdessen jemand anderes einzusetzen sei.
5. Es seien jährlich mindestens sechs moderierte Elterngespräche für eine Dauer von zwei Jahren ab Rechtskraft des Urteils . Die Moderationsbegleitung sei durch die Parteien  innerhalb von sechs Wochen nach Eintreten der Rechtskraft des Urteils zu regeln. Ist eine gütliche Einigung  der Frist nicht möglich, übertragen die Parteien die Auswahl der Moderationsbegleitung der KESB Zürich.
6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Klägerin. 7. Dem Beklagten sei die unentgeltliche Rechtspflege und Rechts-
vertretung in der Person des Unterzeichnenden zu gewähren."
in der Stellungnahme zur Anschlussberufungsantwort (Urk. 133 S. 2):
"1. An den bisher gestellten Anträgen wird vollumfänglich .
2. Die Anträge der Klägerin seien vollumfänglich abzuweisen.
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3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Klägerin."

## Considerations

Erwägungen:
I.
1.1. Die Klägerin 1, Berufungsklägerin 1 und Anschlussberufungsbeklagte 1
(fortan: Klägerin 1) und der Beklagte, Berufungsbeklagte und Anschlussberu-
fungskläger (fortan: Beklagter) sind die unverheirateten Eltern der am tt.mm.2015
geborenen B._ (Klägerin 2, Berufungsklägerin 2 und Anschlussberufungsbe-
klagte 2 [fortan: Klägerin 2 oder B._]). Sie haben die gemeinsame elterliche
Sorge für ihr Kind inne. Von Mai 2015 bis Dezember 2017 lebte die Familie ge-
meinsam in F._ (Deutschland). Die Klägerin 1 arbeitete ab Februar 2017 je-
weils an etwa zwei bis drei Tagen pro Woche in Zürich. Im Dezember 2017 ver-
legte sie ihren Lebensmittelpunkt ganz nach Zürich und die Klägerin 2 wurde ab-
wechslungsweise vom Beklagten in F._ und von der Klägerin 1 in Zürich be-
treut. Vom 3. September 2018 bis zum 9. März 2019 lebte B._ im Einver-
ständnis des Beklagten bei der Klägerin 1 in Zürich. Sie hatte regelmässigen Um-
gang mit dem Beklagten. Wegen Kommunikationsschwierigkeiten zwischen den
Eltern sowie belasteten Übergaben ordnete die Kindes- und Erwachsenenschutz-
behörde der Stadt Zürich (fortan: KESB Zürich) mit Beschluss vom 19. Februar
2019 für B._ eine Beistandschaft im Sinn von Art. 308 Abs. 2 ZGB an. Zum
Beistand wurde E._ ernannt (Urk. 4A/30 S. 10, Dispositiv-Ziffern 7 und 8;
sowie zum Ganzen vgl. Urk. 84 S. 5, E. 1.1.).
1.2. Nach Beendigung einer regulären Besuchswoche am 9. März 2019 be-
hielt der Beklagte B._ entgegen der geltenden Betreuungsregelung bei sich
zurück. Vermittlungsversuche und Aufforderungen seitens des Beistands sowie
der KESB Zürich, B._ sei sofort zur Mutter zurückzubringen, blieben erfolg-
los. Der Beklagte begründete dieses Verhalten damit, seine Tochter sei in der
Schweiz
sexuellen Übergriffen, möglicherweise von Seiten des Grossvaters mütterlicher-
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seits, ausgesetzt. Das Rückführungsverfahren endete mit dem Beschluss des
Amtsgerichts Jena vom 29. August 2019, welcher durch das Thüringer Oberlan-
desgericht am 28. Oktober 2019 bestätigt wurde und die Rückführung B._s
in die Schweiz anordnete. Der Beklagte setzte sich erfolglos gegen die Vollstre-
ckung dieses Verdikts zur Wehr und B._ wurde am 13. November 2019 wie-
der nach Zürich zur Klägerin 1 gebracht. Am 18. Dezember 2019 beschloss die
KESB Zürich, nachdem der persönliche Verkehr des Beklagten mit B._ mit
Zirkulationsbeschluss vom 15. November 2019 zunächst superprovisorisch sistiert
worden war, die Einrichtung eines begleiteten Besuchsrechts in einem 1:1-Setting
während vier Stunden wöchentlich. Das begleitete Besuchsrecht wurde auf ein
Jahr ab dem ersten Besuch beschränkt. Die Beistandschaft wurde erweitert und
umfasst seither Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB (vgl. Urk. 4/5 S. 12 f., Dispositiv-Ziffern
1 und 4; sowie zum Ganzen Urk. 84 S. 5 f., E. 1.2.).
2.1. Die vorliegende Klage wurde am 13. März 2020 angehoben (vgl. Urk. 1
und 2). Umstritten waren vor Vorinstanz die Zuteilung der elterlichen Sorge, das
Besuchsrecht des Beklagten sowie die vom Beklagten an die Klägerin 2 zu zah-
lenden Unterhaltsbeiträge. Der Verlauf des erstinstanzlichen Verfahrens ist dem
angefochtenen Entscheid zu entnehmen (Urk. 84 S. 5 ff.). Am 15. Januar 2021
erging das eingangs angeführte Urteil.
2.2. Gegen dieses Urteil haben die Klägerinnen 1 und 2 mit Eingabe vom
8. März 2021 (gleichentags zur Post gegeben) Berufung (Urk. 83) und der Beklag-
te am 11. Mai 2021 Anschlussberufung (Urk. 101) mit den eingangs angeführten
Begehren erhoben. Die weiteren Stellungnahmen und Eingaben wurden je der
Gegenpartei zur Kenntnis gebracht (vgl. Urk. 116; Urk. 123; Urk. 125; Urk. 133;
Urk. 140; Urk. 143). Es wurde ein Bericht beim Beistand von B._ eingeholt
(vgl. Urk. 118). Der Antrag des Beklagten auf Einsetzung eines Rechtsbeistandes
für die Klägerin 2 wurde mit Beschluss der Kammer vom 6. Juli 2021 abgewiesen
(Urk. 125 S. 5 ff. und S. 9, Dispositiv-Ziffer 1). Mit Beschluss vom 9. September
2021 wurde das Besuchsrecht vorsorglich für die Dauer des Berufungsverfahrens
geregelt (vgl. Urk. 144). Das Begehren der Klägerinnen 1 und 2 um Abänderung
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des vorsorglich angeordneten Besuchsrechts wurde mit Beschluss vom 2. De-
zember 2021 abgewiesen (vgl. Urk. 155).
Mit Eingabe vom 15. Dezember 2021 ersuchte der Beklagte um Ergänzung
bzw. Erläuterung der Dispositiv-Ziffer 1 des Beschlusses vom 9. September 2021
(vgl. Urk. 156). Die Klägerinnen 1 und 2 haben diesbezüglich keine Stellungnah-
me eingereicht (vgl. Urk. 159; Verfügung vom 16. Dezember 2021 inkl. Emp-
fangsscheine). Vorliegend ergeht der Endentscheid in der Sache. Es wird dem
Beklagten ein Besuchsrecht zuerkannt. Dieses tritt an die Stelle der für die Dauer
des Verfahrens getroffenen vorsorglichen Regelung, weshalb es dem Beklagten
nunmehr an einem rechtlich geschützten Interesse an der Beurteilung seines Be-
richtigungsgesuchs fehlt. Auf dieses ist nicht einzutreten.
3.1. Mit der Berufung kann eine unrichtige Rechtsanwendung und eine un-
richtige Feststellung des Sachverhalts geltend gemacht werden (Art. 310 ZPO).
Die Berufungsinstanz verfügt über unbeschränkte Kognition bezüglich Tat- und
Rechtsfragen, einschliesslich der Frage richtiger Ermessensausübung. Abgese-
hen von offensichtlichen Mängeln hat sich das Berufungsgericht grundsätzlich auf
die Beurteilung der in der Berufung und Berufungsantwort gegen das erstinstanz-
liche Urteil erhobenen Beanstandungen zu beschränken. Die Rügen der Parteien
geben mithin das Prüfungsprogramm der Berufungsinstanz vor; der angefochtene
Entscheid ist grundsätzlich nur auf die gerügten Punkte hin zu überprüfen. Der
Berufungskläger hat mittels klarer Verweisungen auf die Ausführungen vor der
Vorinstanz zu zeigen, wo er die massgebenden Behauptungen, Erklärungen, Be-
streitungen und Einreden erhoben hat. Die Parteien haben die von ihnen kritisier-
ten Erwägungen des angefochtenen Entscheids wie auch die Aktenstücke, auf die
sie ihre Kritik stützen, genau zu bezeichnen (BGE 138 III 374 E. 4.3.1; BGer
4A_580/2015 vom 11.04.2016, E. 2.2 [nicht publiziert in BGE 142 III 271]). Was
nicht in einer den gesetzlichen Begründungsanforderungen genügenden Weise
beanstandet wird, braucht von der Rechtsmittelinstanz nicht überprüft zu werden.
Es ist nämlich nicht Sache der Rechtsmittelinstanz, die Akten und die Rechts-
schriften der Vorinstanz zu durchforsten, um festzustellen, was welche Partei wo
ausgeführt hat. In rechtlicher Hinsicht ist das Berufungsgericht, in Anwendung des
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Grundsatzes iura novit curia, bei dieser Prüfung jedoch weder an die Erwägungen
der ersten Instanz noch an die mit den Rügen vorgetragenen Argumente der Par-
teien gebunden. In tatsächlicher Hinsicht ist es nicht an die Feststellungen des
erstinstanzlichen Gerichts gebunden, auch wenn mangels entsprechender Sach-
verhaltsrügen der Parteien im Berufungsverfahren der erstinstanzliche Entscheid
nach dem Gesagten in der Regel als Grundlage des Rechtsmittelverfahrens dient
(vgl. zum Ganzen BGE 144 III 394 E. 4.1.4 m.H.). Das Berufungsgericht kann die
Rügen der Parteien folglich auch mit abweichenden Erwägungen gutheissen oder
abweisen (sog. Motivsubstitution; BGer 2C_124/2013 vom 25.11.2013, E. 2.2.2;
für das Verfahren vor Bundesgericht: BGE 138 III 537 E. 2.2 und BGE 137 III 385
E. 3). Die formellen Begründungsanforderungen gelten in gleicher Weise für die
Anschlussberufung und sinngemäss auch für die Berufungsantwort (BGer
4A_580/2015 vom 11.04.2016, E. 2.2 m.w.Hinw., nicht publiziert in BGE 142 III
271). In diesem Rahmen ist auf die Parteivorbringen einzugehen, soweit dies für
die Entscheidfindung erforderlich ist (BGE 141 III 28 E. 3.2.4 m.w.H.).
3.2. Im Berufungsverfahren sind neue Tatsachenvorbringen und Beweismit-
tel nur zulässig, wenn sie trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz
vorgebracht werden konnten (und ohne Verzug vorgebracht werden; Art. 317 Abs.
1 ZPO). Dies gilt hingegen nicht für Verfahren, welche - wie vorliegend - der um-
fassenden Untersuchungsmaxime unterstehen. Hier können die Parteien Noven
vorbringen, selbst wenn die Voraussetzungen von Art. 317 Abs. 1 ZPO nicht er-
füllt sind (BGE 144 III 351 E. 4.2.1).
4. Die Klägerinnen 1 und 2 sowie der Beklagte sind durch das angefochtene
Urteil im Umfang ihrer Berufungs- und Anschlussberufungsanträge beschwert. Es
handelt sich um einen berufungsfähigen Entscheid (Art. 308 ZPO). Die Berufung
und die Anschlussberufung wurden form- und fristgerecht erhoben (Art. 311 Abs.
1 ZPO; vgl. insbesondere Urk. 83 und Urk. 101). Unter dem Vorbehalt rechtsge-
nügender Begründung ist auf die Berufung sowie die Anschlussberufung grund-
sätzlich einzutreten.
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5. Mit der Haupt- und Anschlussberufung nicht angefochten werden die Dis-
positiv-Ziffern 1 (elterliche Sorge) und 4 (Aufhebung Auflage KESB Zürich betref-
fend Grossvater mütterlicherseits). Die Rechtskraft dieser Ziffern ist vorzumerken.
II.
Umstritten ist das dem Beklagten zustehende Besuchsrecht, die Beistand-
schaft für die Klägerin 2 sowie die vom Beklagten an die Klägerin 2 zu zahlenden
Unterhaltsbeiträge.
A) Besuchsrecht
1.1. Die Vorinstanz sprach dem Beklagten ab Rechtskraft des angefochte-
nen Urteils ein unbegleitetes Besuchsrecht von acht Stunden an jedem Samstag
zu, wobei die Besuche in der Schweiz stattzufinden haben und die Übergaben
(auch in zeitlicher Hinsicht) durch die Besuchsbegleitung organisiert und über-
wacht werden (Phase I). In einer Phase II wurde dem Beklagten ein unbegleitetes
Besuchsrecht an jedem zweiten Wochenende von Freitag nach Schulschluss bis
Samstagabend, 18.00 Uhr, zugesprochen, wobei die Besuche weiterhin innerhalb
der Schweiz zu erfolgen haben und die Übergaben – sofern der Beistand dies zu
gegebener Zeit als notwendig erachten sollte – durch die Besuchsbegleitung zu
organisieren und überwachen sind. In der Phase III sollten die Besuche jedes
zweite Wochenende von Freitag nach Schulschluss bis Sonntagabend, 19.00
Uhr, stattfinden, unter Verlängerung der Wochenenden, wenn ein Betreuungswo-
chenende auf Ostern oder Pfingsten fällt. Sodann wurden ab dieser Phase die
Weihnachtsfeiertage und der Jahreswechsel geregelt. Weiter wurde dem Beklag-
ten ein Ferienbesuchsrecht im Umfang der Hälfte der Schulferien gewährt (Urk.
84 S. 30 ff. und S. 45 f., Dispositiv-Ziffer 2). Die Entscheidbefugnis über den
Wechsel von einer Phase des Besuchsrechts in die nächste bzw. nötigenfalls zu-
rück, wurde dem Beistand übertragen (Urk. 84 S. 46, Dispositiv-Ziffer 3 Abs. 2 al.
2).
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1.2. Die Klägerinnen 1 und 2 befürchten, dass der Beklagte B._ nach
einem Besuch erneut zurückbehält, darum soll der Beklagte B._ bis zu ihrem
Eintritt in die zweite Klasse nur begleitet sehen. Hernach soll er B._ bis zu
einem Alter, in welchem sie sich selbst besser gegen eine Zurückbehaltung zur
Wehr setzen könne, nur in der Schweiz und unter gewissen Sicherungsmass-
nahmen sehen (Urk. 83 S. 6 und S. 29 f.; Urk. 116 S. 2). Entsprechend beantra-
gen die Klägerinnen mit der Hauptberufung bis zum Eintritt der Klägerin 2 in die
zweite Klasse begleitete Besuche an drei Samstagen pro Monat während acht
Stunden - mit Ausnahme von jährlich fünf Samstagen während den Ferien der
Klägerin 1 mit der Klägerin 2. Ab Eintritt der Klägerin 2 in die zweite Klasse sollen
die Besuche quantitativ im gleichen Ausmass stattfinden, nunmehr jedoch unbe-
gleitet. Die Besuche hätten aber weiterhin in der Schweiz stattzufinden, die Über-
gaben seien (auch in zeitlicher Hinsicht) durch die Besuchsbegleitung zu organi-
sieren und zu überwachen und der Beklagte sei zu verpflichten, während der Be-
suchszeit seine sämtlichen Reisepapiere bei der Besuchsbegleitung zu deponie-
ren. Ab Eintritt der Klägerin 2 in die dritte Klasse sollen die Besuche jedes zweite
Wochenende von Freitag nach Schulschluss bis Samstagabend 18.00 Uhr unbe-
gleitet stattfinden; dies unter denselben Bedingungen wie in der vorangegange-
nen Phase. Zudem soll der Beklagte bis zum Eintritt der Klägerin 2 in die vierte
Klasse bei den Besuchen jeweils den deutschen Pass der Klägerin 2, der Klägerin
1 oder dem Beistand überlassen. Ab Eintritt der Klägerin 2 in die vierte Klasse
beantragen die Klägerinnen unbegleitete Besuche auch ausserhalb der Schweiz;
dies an namentlich angeführten, verlängerten Wochenenden (Auffahrt, Ostern
etc.) sowie jedes Jahr in der zweiten Jahreshälfte an zwei Wochenenden, die je
um einen Jokertag am Montag oder Freitag verlängert werden. Zudem soll dem
Beklagten jedes Jahr an sechs weiteren Wochenenden von Freitagabend bis
Sonntagabend ein Besuchsrecht zuerkannt werden, wobei der Beklagte zu ver-
pflichten sei, diese Wochenenden mit B._ in der Schweiz zu verbringen. Wei-
ter sei dem Beklagten ein Ferienbesuchsrecht von jährlich sieben Wochen in den
Schulferien zuzugestehen (vgl. Urk. 83 S. 2 f.).
1.3. Der Beklagte beantragt in der Anschlussberufung ein unbegleitetes Be-
suchsrecht alle drei Wochen von jeweils Freitag nach Schulschluss bis Sonntag,
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19.00 Uhr, wobei die Umgänge unbegleitet stattzufinden haben und der Um-
gangsort frei wählbar sein soll. Die Übergaben sollen ab Rechtskraft des Urteils
für weitere sechs Monate begleitet werden. Als Übergabeort sei die Wohnadresse
der Klägerin festzulegen. Sodann beantragt der Beklagte die Zusprechung eines
Ferienbesuchsrechts im Umfang von zwei Dritteln der Schulferien (vgl. Urk. 101
S. 2).
2.1. Eltern, denen die Obhut nicht zusteht, und das minderjährige Kind ha-
ben gegenseitig Anspruch auf angemessenen persönlichen Verkehr (Art. 273
Abs. 1 ZGB).
2.2. B._ ist heute rund sechseinhalb Jahre alt. Mit der Vorinstanz ist
davon auszugehen, dass zwischen den Parteien Einigkeit darüber besteht, dass
der Beklagte ein Recht auf persönlichen Verkehr hat (vgl. Urk. 84 S. 34). Die Er-
ziehungsfähigkeit des Beklagten wird denn nicht in Frage gestellt. Auch den Akten
können keine konkreten Anhaltspunkte entnommen werden, welche daran zwei-
feln liessen. Dem Beklagten allein aufgrund der Tatsache, dass er B._ zu-
rückbehielt, die Erziehungsfähigkeit abzusprechen, ginge fehl. Sodann gehen die
Parteien übereinstimmend davon aus, dass B._ durch die Rückbehaltung
durch den Beklagten nicht in ihrer Entwicklung geschädigt wurde (vgl. hierzu die
Ausführungen im Rahmen der vorsorglichen Massnahmen in Urk. 91 S. 8 und
Urk. 107 S. 4 f.). Gestützt auf die Aktenlage sowie die Behauptungen der Parteien
ist davon auszugehen, dass sich B._ bis anhin altersgerecht entwickelt hat
(vgl. insbesondere Urk. 118 S. 1 Ziffer 1 sowie Urk. 152/2 S. 4). B._ hat so-
wohl zur Klägerin 1 als auch zum Beklagten nach wie vor eine innige Beziehung.
Sie genoss die begleiteten Kontakte mit dem Beklagten, welche bis Mitte Mai
2021 wöchentlich stattfanden (Urk. 118 S. 2 Ziffer 5.b.). Gemäss der Klägerin 1
liebt B._ ihren Vater, hat aber auch Mitleid mit ihm, weil er ohne sie leben
müsse (Urk. 116 S. 9). Dem Beklagten steht ein Besuchsrecht zu. Entsprechend
wurde ihm mit Beschluss der Kammer vom 9. September 2021 für die Dauer des
Berufungsverfahrens ein Besuchsrecht an jedem zweiten Samstag während
sechs Stunden zugesprochen, wobei die Besuche bis zum 30. November 2021
begleitet stattzufinden hatten (vgl. Urk. 144). Unbestritten blieb sodann, dass sich
- 16 -
B._ ausgedehntere Besuche als einige Stunden pro Woche mit dem Beklag-
ten wünscht. Sie möchte Zeit allein mit dem Beklagten verbringen und wünscht
Kontakt zum väterlichen Beziehungsnetz in Deutschland (Urk. 101 S. 10 f. und
S. 13; Urk. 116; Urk. 133 S. 4; Urk. 140 S. 1).
3. Begleitete oder unbegleitete Besuche/Umgangsort
3.1. Wird das Wohl des Kindes durch den persönlichen Verkehr gefährdet,
üben die Eltern ihn pflichtwidrig aus, haben sie sich nicht ernsthaft um das Kind
gekümmert oder liegen andere Gründe vor, kann ihnen das Recht auf persönli-
chen Verkehr verweigert oder entzogen werden (Art. 274 Abs. 2 ZGB). Pflichtwid-
rige Ausübung des Besuchsrechts liegt mitunter vor, wenn der Besuchsberechtig-
te seine Loyalitätspflicht nach Art. 273 Abs. 1 ZGB verletzt oder die Besuche be-
nutzt werden, um das Kind ins Ausland zu entführen bzw. diese Gefahr konkret
besteht (vgl. BSK ZGB I-Schwenzer/Cottier, Art. 274 N 2 und 6).
Können die negativen Auswirkungen durch eine besondere Ausgestaltung
des Besuchsrechts begrenzt werden, so verbieten das Persönlichkeitsrecht des
nicht obhutsberechtigten Elternteils, der Grundsatz der Verhältnismässigkeit, aber
auch der Sinn und Zweck des persönlichen Verkehrs dessen gänzliche Unterbin-
dung. Eine Möglichkeit, das Besuchsrecht besonders auszugestalten, besteht in
der Anordnung, die Besuche in Anwesenheit einer Drittperson durchzuführen.
Entsprechend verbieten der Grundsatz der Verhältnismässigkeit wie auch der
Sinn und Zweck des persönlichen Verkehrs dessen gänzliche Unterbindung,
wenn die befürchteten nachteiligen Auswirkungen der Kontakte für das Kind durch
die Anwesenheit einer Drittperson (sog. begleitetes Besuchsrecht) in Grenzen
gehalten werden können. Das begleitete Besuchsrecht bezweckt, der Gefährdung
des Kindes wirksam zu begegnen, Krisensituationen zu entschärfen und Ängste
abzubauen sowie Hilfestellungen für eine Verbesserung der Beziehungen zum
Kind zu bieten und zwischen den Eltern zu vermitteln. Grundsätzlich stellt das be-
- 17 -
gleitete Besuchsrecht eine Übergangslösung dar und ist daher nur für eine be-
grenzte Dauer anzuordnen. Es scheidet aus, wenn von vornherein klar ist, dass
die Besuche nicht innert absehbarer Zeit ohne Begleitung ausgeübt werden kön-
nen. Ein begleitetes Besuchsrecht setzt konkrete Anhaltspunkte für eine Gefähr-
dung des Kindeswohls voraus. Eine bloss abstrakte Gefährdung muss mit konkre-
ten Anhaltspunkten untermauert werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass ein
Besuch unter Aufsicht einer Begleitperson für die Beteiligten nicht denselben Wert
hat, wie ein unbegleiteter. Die Eingriffsschwelle beim begleiteten Besuchsrecht
darf nicht tiefer angesetzt werden, als wenn es um die Verweigerung oder den
Entzug des Rechts auf persönlichen Verkehr überhaupt ginge. Auch für das be-
gleitete Besuchsrecht gilt, dass diese Massnahme zur Erreichung ihres Ziels er-
forderlich sein muss und immer nur die mildeste Erfolg versprechende Massnah-
me angeordnet werden darf (vgl. BGer 5A_68/2020 vom 02.09.2020, E. 3.2).
3.2. Die Vorinstanz führte im Rahmen der Prüfung, ob der Klägerin 1 die al-
leinige elterliche Sorge über die Klägerin 2 zuzuteilen sei, zusammengefasst aus,
es bedürfe keiner weiteren Ausführungen, dass die Rückbehaltung B._s ge-
gen den Willen der Klägerin 1 sowie entgegen den behördlichen Anordnungen
falsch gewesen sei. Der Beklagte sehe dies selbst ein. Für die Vorinstanz bestand
indes kein Anlass, daran zu zweifeln, dass der Beklagte aus seiner damaligen
Optik Grund zur Sorge um B._s Wohlbefinden gehabt und aus dieser Motiva-
tionslage heraus gehandelt habe und nicht etwa aus purem Egoismus, um
B._ für sich zu haben und sie der Klägerin 1 vorzuenthalten oder B._
oder der Klägerin 1 ein Leid zuzufügen. Es sei nachvollziehbar, dass die von ihm
anlässlich der Hauptverhandlung äusserst glaubhaft und lebensnah geschilderten
Verhaltensweisen B._s Anlass zur Sorge gegeben hätten. Es bestehe kei-
nerlei Anlass, dem Beklagten diesbezüglich taktische Lügen zu unterstellen. Der
Umstand, dass sich die Befürchtungen des Beklagten nicht erhärtet hätten und
keine Hinweise auf eine Missbrauchsproblematik gefunden werden konnten, kön-
ne dem Beklagten nicht retrospektiv zum Vorwurf gemacht werden. Festzuhalten
sei, dass die effektive Wahrheit nicht mit Sicherheit festgestellt werden könne,
dass aber vieles dafür spreche, dass der vom Beklagten befürchtete Missbrauch
nicht stattgefunden habe. Die Ansichten der Parteien stünden sich hier diametral
- 18 -
gegenüber. Schliesslich könnten aber auch sie (die Klägerin 1 und der Beklagte)
nur ihren Eindruck von B._s Verhalten und den Gesamtumständen wieder-
geben. Mutmassliche Vorgänge, welche sich in ihrer beider Abwesenheit abge-
spielt haben könnten, würden auch sie weder eindeutig zu bezeugen noch mit ab-
soluter Sicherheit zu dementieren vermögen. Fest stehe, dass der Beklagte einen
begründeten Verdacht gehabt habe. Die Vorinstanz betont hingegen nochmals,
dass die Art und Weise, wie der Beklagte mit dem Verdacht umgegangen sei,
nicht schützenswert sei. Dies gelte umso mehr, als die Rückbehaltung nicht nur
kurz erfolgt sei, um etwa die Behörden einzuschalten oder gerichtliche Massnah-
men zu erwirken und das zum Schutz gedachte Verhalten zu legitimieren, son-
dern über eine längere Zeit hinweg und entgegen entsprechenden Interventionen
des Beistands und der KESB Zürich. Für die Vorinstanz bestanden zwar keine
Anhaltspunkte dafür, dass B._ während ihrer Zeit bei ihrem Vater nicht gut
versorgt gewesen wäre. Die unvermittelte Trennung von der Mutter sei indes
zweifellos nicht gut für B._ gewesen, auch wenn sie sich erfreulicherweise
gut zu entwickeln scheine und aufgrund der Aktenlage nicht davon ausgegangen
werden müsse, dass sie langfristig negative Folgen davongetragen habe. Eine
Wiederholung derartiger Ereignisse gelte es auf jeden Fall zu verhindern. Es sei
jedoch davon auszugehen, dass der Beklagte aufgrund der Konsequenzen seines
Fehlverhaltens – insbesondere der vorübergehenden Trennung von B._ so-
wie der sicherlich schmerzhaften Einschränkung seines Umgangsrechts – ins-
künftig nicht mehr derart eigenmächtig handeln werde. Seine diesbezüglichen Be-
teuerungen seien glaubhaft (Urk. 84 S. 26 f.).
Zur Frage des Besuchsrechts führte die Vorinstanz an, wie im Zusammen-
hang mit der elterlichen Sorge erwogen, sei davon auszugehen, dass der Beklag-
te durch die Erfahrung, welche Folgen sein Fehlverhalten gehabt habe – insbe-
sondere die vorübergehende Trennung von B._ sowie die sicherlich
schmerzhafte Einschränkung seines Umgangsrechts – inskünftig davon abgehal-
ten werde, derart eigenmächtig zu handeln. Die Gefahr einer erneuten Rückbe-
haltung habe dazumal (gemeint ist der Beschluss der KESB Zürich vom 18. De-
zember 2019; vgl. vorne E. I.1.2.) den einzigen Grund für die Anordnung begleite-
ter Besuche dargestellt. Dem Beklagten sei eine (letzte) Chance zu geben, eine
- 19 -
unbegleitete Betreuung B._s im Rahmen eines gerichtsüblichen Besuchs-
rechts schrittweise aufbauen zu können, sich zu bewähren und seinen Zusiche-
rungen, die Fehlerhaftigkeit seines Verhaltens eingesehen zu haben und inskünf-
tig nicht mehr so zu handeln, Taten folgen zu lassen und sich pflichtbewusst an
die geltenden Regeln und Anordnungen zu halten. Die Vorinstanz sah eine
schrittweise Ausdehnung des Besuchsrechts als angemessen an (vgl. vorne E.
II.A.1.1.), wobei sie den Entscheid, wann (mit Blick auf das Kindswohl) der Wech-
sel von einer Phase in die nächste oder allenfalls auch zurück geboten sei, dem
Beistand von B._ überliess. Die schrittweise Ausdehnung der Betreuung
B._s durch den Beklagten komme sodann dem nachvollziehbaren Bedürfnis
der Klägerin 1 nach Zeit für sich entgegen (Urk. 84 S. 34 f.).
3.3. Wie bereits dargelegt, hat der Beklagte B._ am 9. März 2019 ent-
gegen der geltenden Besuchsrechtsregelung zurückbehalten. Er begründete sein
Verhalten damit, B._ sei in der Schweiz sexuellen Übergriffen, möglicher-
weise von Seiten des Grossvaters mütterlicherseits, ausgesetzt. In Deutschland
wurde ein Rückführungsverfahren durchgeführt. Am 13. November 2019 wurde
B._ zurück zur Klägerin 1 nach Zürich gebracht. Beizupflichten ist den Aus-
führungen der Klägerinnen 1 und 2, dass B._ heute anders als im Jahre
2019 in der Schweiz in einem weiteren Umfeld verwurzelt ist. Sie besucht in Zü-
rich (nunmehr) die erste Klasse und hat auch ausserhalb der Schule Kontakte ge-
knüpft. Ihr soziales Umfeld sowie ihr Lebensmittelpunkt befinden sich in Zürich.
Würde sie heute aus diesem Umfeld herausgerissen, hätte das weitreichendere
Konsequenzen für sie als vor zwei Jahren als sie noch weitestgehend auf ihre El-
tern fixiert war und nur den abrupten Abbruch ihres Kontaktes zur Klägerin 1 ver-
kraften musste. Es ist davon auszugehen, dass solches, unabhängig von der
Dauer des Rückführungsverfahrens und der Tatsache, dass B._ in Deutsch-
land bei ihrem Vater leben würde, für ihre Entwicklung nicht einträglich wäre (vgl.
hierzu Urk. 83 S. 6 f.; Urk. 116 S. 7). Eine Gefährdung des Kindeswohls im Falle
einer neuerlichen Rückbehaltung ist zu bejahen.
3.4. Motive des Beklagten für die Rückbehaltung
- 20 -
3.4.1. Die Klägerinnen 1 und 2 rügen die Feststellungen der Vorinstanz,
dass kein Anlass bestehe, daran zu zweifeln, dass der Beklagte aus seiner dama-
ligen Optik Grund zur Sorge um B._s Wohlbefinden gehabt und aus dieser
Motivationslage heraus gehandelt habe und nicht etwa aus purem Egoismus, um
B._ für sich zu haben und sie der Klägerin 1 vorzuenthalten oder B._
oder der Klägerin 1 ein Leid zuzufügen. Es sei nachvollziehbar, dass die vom Be-
klagten anlässlich der Hauptverhandlung äusserst glaubhaft und lebensnah ge-
schilderten Verhaltensweisen B._s Anlass zur Sorge gegeben hätten. Es be-
stehe keinerlei Anlass, dem Beklagten diesbezüglich taktische Lügen zu unterstel-
len. Der Beklagte habe einen begründeten Verdacht gehabt. Sie werfen der Vo-
rinstanz insbesondere vor, diesbezüglich allein auf die Aussagen des Beklagten
anlässlich seiner persönlichen Befragung abgestellt zu haben. Aus den Akten
würden sich hingegen grosse Widersprüche und Ungereimtheiten ergeben, die an
der Aufrichtigkeit der Worte des Beklagten zweifeln liessen. Die Klägerinnen 1
und 2 gehen davon aus, dass der Beklagte nach einem Grund suchte, um den
Entscheid der deutschen Gerichte, welche es der Klägerin 1 erlaubt hätten, mit
B._ in die Schweiz zu ziehen, rückgängig zu machen. Diesen Grund habe er
in seiner Behauptung, B._ sei sexuell missbraucht worden, gefunden (Urk.
83 S. 21). Selbst wenn davon ausgegangen würde, der Beklagte habe die von
ihm in seinem Bericht ("Dokumentation Situationen und Beobachtungen während
der Umgangszeiten seit dem Umzug von B._ in die Schweiz"; vgl. Urk. 63/4)
geschilderten Abläufe seiner Kontakte zu B._, nachdem die Klägerin mit ihr
nach Zürich gezogen sei, nicht erfunden (Urk. 83 S. 8), sondern er habe einzig
tatsächlich selbst Erlebtes oder von B._ Gehörtes notiert (Urk. 83 S. 11),
würden sie keine realistische Grundlage für die vom Beklagten so vehement und
unter Tränen geäusserten Befürchtungen, B._ sei sexuell missbraucht wor-
den, darstellen, sondern ein massives Aufbauschen von harmlosen Begebenhei-
ten (Urk. 83 S. 21; und zum Ganzen vgl. Urk. 83 S. 8 ff.).
3.4.2. Die Frage nach dem Motiv des Beklagten für die Rückbehaltung von
B._ muss auch im vorliegenden Entscheid, wie bereits im Rahmen des Er-
lasses von vorsorglichen Massnahmen (vgl. Urk. 144 S. 15 f.), nicht abschlies-
send geklärt werden. Es kann offenbleiben, ob der Beklagte im Zeitpunkt der
- 21 -
Rückbehaltung (9. März 2019) effektiv davon überzeugt war, B._ sei sexuell
missbraucht worden oder dies nur vorbrachte, um deren Rückbehaltung zu recht-
fertigen. Denn selbst als die KESB Zürich dem Beklagten in Aussicht gestellt hat-
te, in der Schweiz Schutzmassnahmen zugunsten der Klägerin 2 zu erlassen (vgl.
4A/45), und das Ermittlungsverfahren gegen den Grossvater in Deutschland von
der Staatsanwaltschaft Erfurt am 14. Mai 2019 eingestellt worden war (vgl. Urk.
4A/97), zeigte sich der Beklagte nicht dazu bereit, B._ in die Schweiz zu-
rückzubringen. Schwer nachvollziehbar ist in diesem Zusammenhang die Argu-
mentation des Beklagten, die deutschen Gerichte hätten B._s Ausreise aus
Deutschland bis zur "Klärung des Sachverhalts" untersagt (vgl. Prot. Vi S. 26; Urk.
91 S. 7). Der Beschluss des Amtsgerichts Jena vom 10. Mai 2019 erging "im We-
ge einstweiliger Anordnung ohne mündliche Verhandlung", somit superproviso-
risch, und dies auf Antrag der Klägerin 1 hin. Gemäss dem Amtsgericht bestand
die Gefahr, dass der Beklagte versuchen werde, B._ widerrechtlich ins Aus-
land zu bringen (Urk. 4A/89/10 S. 5). Nicht verwehrt wäre es dem Beklagten ge-
wesen, dem Rückführungsantrag der Klägerin 1 dadurch nachzukommen, dass er
B._ zu ihr in die Schweiz hätte zurückkehren lassen. Die Auslegung des Be-
klagten irritiert und zeugt von einem eingeschränkten Einsichtsvermögen in das
eigene Handeln. Der Beklagte leistete dem Entscheid des Oberlandesgerichts
Thüringen vom 28. Oktober 2019, womit die vom Amtsgericht Jena angeordnete
Rückführung von B._ bestätigt wurde, sodann keine Folge. Die Anordnung
musste vollstreckt werden. Der Beklagte rechtfertigte sein diesbezügliches Ver-
halten vor Vorinstanz auch mit dem Wunsch von B._, bei ihm bleiben zu wol-
len (vgl. Urk. 68 S. 23). Damit nahm der Beklagte im Verlaufe des Rückführungs-
verfahrens vor allem auch den (angeblichen) Wunsch von B._, bei ihm in
Deutschland zu bleiben, als Rechtfertigungsgrund für sein Handeln in Anspruch
und wurde vom eigenen Wunsch getragen, B._ bei sich in Deutschland zu
behalten. Offenbleiben kann, ob er Letzteres gemacht hat, weil er sie einfach bei
sich haben wollte, oder weil er das Gefühl hatte, er sei der bessere Elternteil und
die Klägerin 1 sei nicht befähigt, B._ - insbesondere auch vor sexuellen
Übergriffen - zu schützen.
- 22 -
Zu prüfen ist somit im Folgenden, ob die konkrete Gefahr besteht, dass der
Beklagte B._, wenn ihm unbegleitete Besuche gewährt werden, wiederum
zurückbehält: Sei dies, um B._ zu schützen, um ihr den (angeblichen)
Wunsch zu erfüllen, bei ihm in Deutschland zu leben, oder um seinem eigenen
Wunsch, B._ bei sich in Deutschland zu haben, nachzukommen. Dem Bei-
stand ist eine Einschätzung "der effektiven Entführungsgefahr" nicht möglich, da
der Beklagte bis heute nicht bereit sei, sich adäquat mit der Entführung auseinan-
derzusetzen (Urk. 118 S. 2 Ziffer 4.). Die Klägerinnen 1 und 2 schätzen die Ge-
fahr als gross und akut ein.
3.5. Einsicht des Beklagten/Wiederholungsgefahr
3.5.1. Die Klägerinnen 1 und 2 rügen die Feststellung der Vorinstanz, der
Beklagte sehe ein, dass die Rückbehaltung B._s gegen den Willen der Klä-
gerin 1 sowie entgegen den behördlichen Anordnungen falsch gewesen sei. Der
Beklagte sei nicht der Ansicht, er habe falsch gehandelt, er sei einzig der Ansicht,
sein Handeln hätte nicht den gewünschten Erfolg gehabt (vgl. Urk. 83 S. 22 ff.).
Sodann negiere die Vorinstanz eine Wiederholungsgefahr mit der Begründung, es
sei davon auszugehen, dass der Beklagte durch die Erfahrung, welche Folgen
sein Fehlverhalten gehabt habe, inskünftig von eigenmächtigem Handeln abse-
hen würde. Dabei verweise die Vorinstanz ohne jede weitere Auseinandersetzung
auf die persönliche Befragung des Beklagten (vgl. Urk. 83 S. 25 ff.).
3.5.2. Gemäss seinen Ausführungen bezweckte der Beklagte mit der Rück-
behaltung die Aufklärung der Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs (unter Zuhilfe-
nahme aller Deutschen und Schweizer Behörden sowie Gerichte; vgl. Prot. Vi
S. 23, Urk. 101 S. 25). Diese Aufklärung hat nach dem Beklagten bis heute nicht
stattgefunden (vgl. zum Beispiel Urk. 101 S. 6, S. 7 und S. 25; Prot. Vi S. 23 und
26). Der Beklagte geht nach wie vor davon aus, dazumal rechtens ("im Rahmen
geltender Gesetze") und zum Schutze von B._ gehandelt zu haben (vgl.
Prot. Vi S. 25 f. und Urk. 101 S. 25, sowie weiter Urk. 91 S. 7 und S. 13, Urk. 98
S. 4 f. und Urk. 128 S. 7). Entsprechend weicht er auch nicht von der geäusserten
Ansicht eines mutmasslich erfolgten sexuellen Missbrauchs von B._ ab (Urk.
101 S. 6 und S. 37). Sodann lag, wie im Entscheid betreffend vorsorgliche Mass-
- 23 -
nahmen dargelegt, im Jahre 2019 eine Entführung nach der Begrifflichkeit des
Haager Kindesentführungsübereinkommens vor. Der Beklagte sieht dies heute
noch grundlegend anders und beharrt darauf, B._ nicht entführt zu haben
(vgl. Urk. 144 S. 15 und Urk. 116 S. 3 ff.).
Gestützt auf das Gesagte ist nicht davon auszugehen, der Beklagte sehe
sein damaliges Verhalten retrospektiv als falsch an. Vielmehr scheint er noch im-
mer davon überzeugt zu sein, damals im Sinne und zum Schutze von B._
gehandelt zu haben. Hingegen hat sein Handeln seines Erachtens nichts ge-
bracht, da die von ihm geschilderten Vorfälle nicht aufgeklärt wurden. An dieser
Einschätzung vermögen die späteren Aussagen des Beklagten anlässlich seiner
persönlichen Befragung vor Vorinstanz nichts zu ändern, doch wird aus ihnen
zumindest eine gewisse, dahingehende Erkenntnis des Beklagten erkennbar, bei
einem erneuten Vorfall die Behörden in der Schweiz zu involvieren und B._
nicht eigenmächtig in Deutschland zurückzubehalten. So führte er aus, heute,
nachdem er die Abläufe besser kenne und wisse, an welche rechtliche Stelle er
sich wenden könne, würde er "das" (gemeint ist die Rückbehaltung) nicht noch-
mals tun. Es sei nicht der korrekte rechtliche Weg gewesen. Es gebe andere We-
ge. Insbesondere hätte er das Verfahren nicht in Deutschland, sondern in der
Schweiz anfangen und die KESB einschalten sollen (Prot. Vi S. 26). Später ant-
wortete er auf die Frage, weshalb die Klägerin 1 und die Gerichte und Behörden
sich darauf verlassen sollten, dass ein solch eigenmächtiges Verhalten nicht mehr
vorkomme, er denke, er habe dies bereits gesagt. Sein Verhalten habe keine Auf-
klärung gebracht. Sodann wäre es für B._ "nochmals belastend" und er wolle
weder B._ noch die Klägerin 1 damit belasten. Zudem gehe er nicht davon
aus, dass aus B._s Mund nochmals so etwas kommen werde (Prot. Vi S.
28). Sollte dies wieder erwarten nochmals vorkommen, müsste gemäss dem Be-
klagten das Gespräch zwischen den Parteien gesucht und gehofft werden, dass
gemeinsam die richtige Entscheidung getroffen werde (vgl. Port. Vi S. 28). Wäre
keine Verständigung zwischen ihm und der Klägerin 1 möglich, würde der Beklag-
te den Beistand beiziehen (Prot. Vi S. 29). Der Beklagte sieht ein, dass es "beim
letzten Mal" nicht richtig gelaufen sei. In einem solchen Fall obliege die Entschei-
dung dem Gericht (Prot. Vi S. 30). Diese Aussagen vermögen nicht alle Zweifel
- 24 -
aus dem Weg zu räumen, dass der Beklagte bei einem erneuten Vorfall, bei wel-
chem er B._, aus welchem Grund auch immer, gefährdet sieht, nicht doch
wieder in Eigenregie handelt, da gemäss seinen Behauptungen insbesondere
auch sein Vertrauen "in eine genügende Abklärung der Ursachen des Verhaltens
von B._" (Urk. 101 S. 7) erschüttert ist (vgl. Urk. 116 S. 5). Dennoch lässt
sich den Aussagen des Beklagten der Wille entnehmen, sich inskünftig an die zu-
ständigen Schweizer Behörden zu wenden. Dies gerade auch vor dem Hinter-
grund, dass nach dem Beklagten sein Vorgehen (eigenmächtige Rückbehaltung)
nicht den von ihm gewünschten Erfolg hatte. Der Beklagte vertraut darauf, dass
die Schweizer Behörden genauer hinschauen bzw. sein Anliegen ernster nehmen,
wenn er B._ nicht eigenmächtig bei sich in Deutschland zurückbehält. Dieses
Vertrauen bzw. diese Einsicht erscheint auch durch die neusten Ereignisse nicht
derart erschüttert, dass mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegan-
gen werden müsste, der Beklagte lasse sich zu einem erneuten eigenmächtigen
Handeln hinreissen (vgl. Urk. 155, insbesondere S. 9 ff. E. 5). Sodann hat der Be-
klagte durch sein Vorgehen gezeigt, dass er nunmehr gewillt ist, sich bei auftre-
tenden Schwierigkeiten an die KESB Zürich zu wenden.
3.5.3. Wie von der Vorinstanz korrekt angeführt, ist vorliegend zu berück-
sichtigen, dass der Beklagte seit der Rückführung von B._ im November
2019, diese ab Ende 2019 nur begleitet in der Schweiz gesehen hat. Sein familiä-
res Umfeld wurde von den Besuchen ausgeschlossen. Die wöchentlichen, beglei-
teten Besuche in der Schweiz, welche der Beklagte bis Mitte Mai 2021 wahrge-
nommen hat, haben beim Beklagten offensichtlich zu gesundheitlichen Problemen
("Anzeichen eines Erschöpfungssyndroms") geführt (vgl. Urk. 128 S. 8 ff.). Die
Folgen, welche sein Fehlverhalten nach sich zog, sind einschneidend und für den
Beklagten spürbar. Auch wenn Zweifel an der Fähigkeit des Beklagten zur Selbs-
treflektion anzubringen sind (vgl. vorne E. II.A.3.4.2.) und es irritiert, wenn der Be-
klagte nach wie vor darauf beharrt, B._ im Frühjahr 2019 rechtmässig zu-
rückbehalten zu haben, konkretisiert sich die Gefahr einer erneuten Rückbehal-
tung nicht derart, dass es verhältnismässig wäre, dass der Beklagte B._ bis
Ende der ersten Klasse nur in Anwesenheit einer Drittperson und bis zu ihrem
Eintritt in die vierte Klasse nur in der Schweiz sehen darf. Vielmehr ist mit der Vo-
- 25 -
rinstanz davon auszugehen, dass die Erfahrung, welche Folgen sein Fehlverhal-
ten hat, den Beklagten inskünftig von einem derart eigenmächtigen Handeln ab-
hält. Es ist ihm die Chance einzuräumen, schrittweise eine unbegleitete Betreu-
ung von B._ im Rahmen eines gerichtsüblichen Besuchsrechts aufbauen und
sich zu bewähren (vgl. Urk. 84 S. 35). Dieser Einschätzung stehen auch die neue-
ren Ereignisse betreffend Aphten im Genitalbereich und des angeblichen Anspre-
chens von B._ auf ein gemeinsames Zusammenleben in Deutschland nicht
entgegen. Diesbezüglich kann auf die Ausführungen im Rahmen des vorsorgli-
chen Massnahmeentscheids verwiesen werden (vgl. Urk. 144 S. 17 ff.). Es sei an
dieser Stelle nochmals festgehalten, dass dem Beklagten bewusst sein musste,
dass die Klägerin 1 sensibel auf die Thematik mit den erwähnten Aphten im Geni-
talbereich reagiert, hingegen davon auszugehen ist, dass er die Angelegenheit
nicht angesprochen hätte, wenn er sie als Vorwand für eine erneute Rückbehal-
tung hätte verwenden wollen. Diesfalls hätte er sich doch eher still verhalten, um
möglichst keinen Verdacht auf sich zu ziehen bzw. nichts zu provozieren, was es
rechtfertigen würde, die Besuche weiterhin nur begleitet stattfinden zu lassen (vgl.
Urk. 144 S. 18 f.). Sodann ist aufgrund der sehr konfliktbeladenen Beziehung der
Klägerin 1 und des Beklagten eine zentrale Frage, wo und wieviel Zeit B._
mit ihrem Vater in Deutschland und in seinem Lebensumfeld verbringen darf. Der
Beklagte sieht B._ seit Ende 2019 nur in der Schweiz. Bis zum 4. Dezember
2021 fanden die Besuche stets begleitet statt. Das Lebensumfeld des Beklagten
ist von den Besuchen ausgeschlossen. Auch wenn es der Sache nicht dienlich ist,
einen Loyalitätskonflikt von B._ fördern kann und damit dem Kindeswohl ab-
träglich ist, ist verständlich, dass sich der Beklagte mit B._ über deren Wün-
sche (auch betreffend Deutschland) bespricht. Es ginge zu weit, hieraus die Mani-
festierung einer erneuten Rückbehaltung abzuleiten (Urk. 144 S. 19). Ergänzend
sei angeführt, dass den E-Mails des Beklagten vom 3. bis 16. Juni 2021 nicht ent-
nommen werden kann, dass es "im gleichen Stil" weiter geht. Vielmehr wird dar-
aus insbesondere der Wunsch des Beklagten sichtbar, über den Gesundheitszu-
stand seiner Tochter und allfällige Behandlungen informiert zu werden (vgl. Urk.
116 S. 6; Urk. 117). Dieses Informationsrecht steht ihm Kraft der gemeinsamen
elterlichen Sorge zu (vgl. Urk. 144 S. 18). Nachvollziehbar ist, dass die Vorwürfe
- 26 -
des Beklagten an die Klägerin 1, dass sie betreffend der Aphten keinen Arzt bei-
gezogen, sondern die Diagnose selbst gestellt habe und seine Kritik gegenüber
den Kompetenzen von Apotheken, bei der Klägerin 1 keine guten Gefühle hervor-
rufen. Sie zeugen auch nicht von einem sonderlich guten Einfühlungsvermögen
des Beklagten, sind jedoch letztendlich Ausdruck des zwischen der Klägerin 1
und dem Beklagten seit Jahren schwelenden Konflikts betreffend die Art und Wei-
se der Betreuung von B._ und der Ausgestaltung der Ausübung der gemein-
samen elterlichen Sorge (vgl. Urk. 116 S. 6 und Urk. 144 S. 18). Die weitere Aus-
sage des Beklagten in der E-Mail vom 16. Juni 2021, dass er aktuell jede Situati-
on ausschliesse, welche die Klägerin 1 nicht überwache (vgl. Urk. 117), enthält
entgegen der Ansicht der Klägerinnen keine dahingehende Kritik an der Klägerin
1, dass sie B._ oder ihr Umfeld nicht genügend überwache, jedenfalls nicht
ausreichend für B._s Schutz sorge (vgl. Urk. 116 S. 6). Vielmehr rechtfertigt
der Beklagte damit unter anderem (neben gesundheitlichen Problemen), dass er
die wöchentlichen Besuche Mitte Mai 2021 unterbrochen hat. Er wolle keine Situ-
ationen mehr schaffen, in denen er in Abwesenheit der Klägerin 1 mit B._
zusammen sei bzw. kommuniziere, damit es keinen Interpretationsspielraum
mehr gebe (vgl. Urk. 133 S. 7 f.). Ein konkreter Verdacht für eine erneute Rück-
behaltung kann daraus nicht abgeleitet werden (vgl. Urk. 116 S. 6 f.).
Betreffend die jüngsten Ereignisse rund um die Corona-Erkrankungen von
B._ und dem Beklagten ist auf die Ausführungen im Beschluss vom 2. De-
zember 2021 zu verweisen (vgl. Urk. 155, insbesondere S. 9 ff. E. 5.). Nochmals
explizit angeführt sei, dass auch aufgrund der aktuellen Aktenlage nicht mit über-
wiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen ist, dass der Beklagte eine der-
artige Kurzschlusshandlung wie die Verbringung von B._ nach Deutschland
und die anschliessende Rückbehaltung vornehmen würde und damit in Kauf
nähme, sich eine weitergehende aktive Teilnahme am Leben von B._ zu
verbauen. Dies vor allem auch vor dem Hintergrund, dass die letztmalige Zurück-
behaltung zu einer empfindlichen Einschränkung der persönlichen Kontakte führ-
te. B._ kehrte, wenn auch erst nach acht Monaten, zur Klägerin 1 zurück und
die Folgen seines Tuns hat der Beklagte noch heute zu tragen.
- 27 -
3.6. Wie bereits erwähnt, ist dem Beistand gemäss seinem Bericht vom
16. Juni 2021 eine Einschätzung zur effektiven Entführungsgefahr nicht möglich
(Urk. 118 S. 2). Es behauptet keine Partei und es ist auch nicht ersichtlich, inwie-
weit dies heute anders sein sollte. Auf die neuerliche Einholung eines Berichtes
kann damit verzichtet werden, gehen die Parteien und auch der Beistand doch
dem Grundsatze nach übereinstimmend davon aus, dass, wenn die Entführungs-
gefahr zu verneinen ist, nichts dagegen spricht, dem Beklagten im Sinne eines
Endziels ein gerichtsübliches Besuchsrecht zuzusprechen. Es macht denn auch
keinen Sinn, den Beistand heute noch zu seinen Ausführungen im Bericht vom
18. August 2020 zu befragen (vgl. Urk. 83 S. 27 ff.).
4. Stufenweiser Ausbau des Besuchsrechts
4.1. Es ist Aufgabe des Gerichts, die Besuchsordnung festzusetzen (vgl.
BGE 118 II 241 E. 2; BGer 5A_883/2017 vom 21.08.2018, E.3.3), wozu auch die
Anordnung gehört, ob und ab wann die Besuche begleitet oder unbegleitet statt-
zufinden haben.
4.2. Mit Beschluss der Kammer vom 9. September 2021 wurde dem Beklag-
ten für die Dauer des Berufungsverfahrens bis und mit 30. November 2021 ein
Besuchsrecht an jedem zweiten Samstag während sechs Stunden begleitet ge-
währt, wobei die Besuche in der Schweiz stattzufinden hatten. Ab dem 1. Dezem-
ber 2021 wurde dem Beklagten ein unbegleitetes Besuchsrecht im gleichen Um-
fang zuerkannt, wobei das Besuchsrecht weiterhin in der Schweiz auszuüben ist
und die Übergaben durch die Besuchsbegleitung organisiert und überwacht wer-
den. Der Beklagte hat sodann zu Beginn der Besuche seine Ausweispapiere (wie
Reisepass, Personalausweis) bei der Besuchsbegleitung zu hinterlegen (Urk. 144
S. 23, Dispositiv-Ziffer 1). Diese Regelung erweist sich derzeit nach wie vor als
angemessen. Seit dem 2. Dezember 2021 finden unbegleitete Besuche statt. Be-
treffend die Ausgestaltung der Besuchszeiten haben sich offensichtlich Probleme
- 28 -
aufgrund von Kapazitätsengpässen der Besuchsbegleitungsorganisationen erge-
ben (vgl. Urk. 158/22). Im Massnahmeentscheid wurde in den Erwägungen fest-
gehalten, die Anfahrt und Rückfahrt des Beklagten dauere je sechs Stunden.
Realistischerweise könne er daher bei einer fünftägigen Arbeitswoche B._
frühestens am Samstagmittag in Zürich übernehmen. Angemessen erscheine ein
Besuchsrecht von sechs Stunden. Dies ermögliche dem Beklagten die An- und al-
lenfalls Rückreise am Samstag und es stehe ihm genügend Zeit zur Verfügung,
um mit B._ etwas zu unternehmen (Urk. 144 S. 22). Dem Obergericht sind
die Kapazitätsengpässe der Besuchsbegleitungsorganisationen bekannt und es
ist sich bewusst, dass eine gewisse Flexibilität betreffend die Besuchszeiten be-
stehen muss. Die Ausführungen bezogen sich denn auch auf die Frage nach der
Dauer der Besuche (Antrag des Beistandes auf alle zwei Wochen zehn Stunden
[Urk. 118 S. 3], der Klägerinnen 1 und 2 auf jeden Samstag vier Stunden [Urk. 95
S. 1] und des Beklagten auf jeden zweiten Samstag acht Stunden [Urk. 91 S. 2]).
Entsprechend wurden im Dispositiv der zeitliche Beginn und das Ende der Besu-
che nicht festgehalten. Diese Flexibilität muss auch inskünftig beibehalten wer-
den. Es erscheint hingegen angezeigt, im Dispositiv explizit festzuhalten, dass die
Übergaben (auch in zeitlicher Hinsicht) durch die Besuchsbegleitung organisiert
werden und, dass die Besuche an jedem zweiten Wochenende am Samstag oder
Sonntag stattzufinden haben. Die Klägerin 1 und der Beklagte werden darauf hin-
gewiesen, dass es ihre Pflicht als Eltern ist, dem anderen Elternteil die Ausübung
von Besuchen zu ermöglichen. Dies beinhaltet auch eine Flexibilität betreffend die
Anpassung der Besuchszeiten an die Möglichkeiten der Besuchsbegleitung und
eine Offenheit für die Kompensation von entfallenen Besuchen. Eine Regelung all
dieser Eventualitäten in einem gerichtlichen Entscheid scheitert an den tatsächli-
chen Gegebenheiten. So ist es beispielsweise dem Gericht nicht möglich, die
Auslastung und Verfügbarkeit der Besuchsbegleitung in den kommenden Mona-
ten zu beeinflussen. Die Klägerin 1 und der Beklagte stehen hier in ihrer Pflicht
als Eltern.
4.3. Die Klägerin 1 tut sich mit unbegleiteten Besuchen ausserhalb der
Schweiz sehr schwer. Sie ist die Hauptbezugsperson von B._ und erzieht
diese derzeit alleine. Die vorhandenen Ängste der Klägerin 1 dürfen nicht dazu
- 29 -
führen, dass der Beklagte in einem übermässigen Ausmass in der Ausübung sei-
nes Besuchsrechts eingeschränkt wird; dies vor allem auch mit Bezug auf den
Umgangsort. Hingegen erscheint es angezeigt, der Klägerin 1 auch diesbezüglich
(wie bereits mit Bezug auf unbegleitete Besuche) eine Übergangsphase zu ge-
währen, um sich zu vergewissern, dass die Kontakte zwischen dem Beklagten
und der Klägerin 2 weiterhin regelmässig stattfinden, dass sich der Beklagte bei
den unbegleiteten Besuchen in der Schweiz rechtens verhält und um sich psy-
chisch auf die Tatsache, dass ausgedehntere unbegleitete Besuche und vor allem
auch solche in Deutschland stattfinden werden, vorzubereiten. Gestützt hierauf
erscheint es angemessen, das obgenannte Besuchsrecht von sechs Stunden an
jedem zweiten Wochenende (Samstag oder Sonntag) in der Schweiz noch bis
Ende März 2022 beizubehalten. Ab April 2022 sind die Besuchszeiten dahinge-
hend auszubauen, dass bei den Besuchen eine Übernachtung vorzusehen ist. Es
erscheint angezeigt, dem Beklagten ein Besuchsrecht alle drei Wochen von
Samstag, 12.00 Uhr, bis Sonntag, 16.00 Uhr, einzuräumen, wobei die Besuche
weiterhin in der Schweiz stattzufinden haben. Während dieser Zeit sollen die
Übergaben von B._ noch von der Besuchsbegleitung organisiert und über-
wacht werden. Der Beklagte hat zur Absicherung der Anordnung der Ausübung
des Besuchsrechts in der Schweiz seine Ausweispapiere (wie Reisepass, Perso-
nalausweis) bei der Besuchsbegleitung zu hinterlegen.
4.4. Ab dem 1. September 2022 erscheint es angezeigt, dass der Beklagte
sein Besuchsrecht nicht mehr nur in der Schweiz ausüben kann. Bis zu diesem
Datum hat sich B._ an Übernachtungen mit dem Beklagten gewöhnt und es
ist eine genügend lange Zeit verstrichen, in welcher sich der Beklagte zu bewäh-
ren hatte und sich die Klägerin 1 auf die Besuche in Deutschland einstellen konn-
te.
Bei grösseren Distanzen zwischen den Wohnorten der Eltern, ist die Fre-
quenz und die Intensität von Besuchen zwangsläufig nicht im gleichen Umfang
möglich, wie wenn die Eltern in der Nähe wohnen. Der zeitliche und finanzielle
Aufwand für die Ausübung des persönlichen Verkehrs sowie die Berücksichtigung
der Bedürfnisse der Kinder lässt es bei grösseren Distanzen als anzeigt erschie-
- 30 -
nen, eine kleinere Kadenz von Wochenendbesuchen durch längere einzelne Wo-
chenendeinheiten und/oder längere Ferienaufenthalte (zumindest teilweise) zu
kompensieren (vgl. hierzu BGE 142 III 481 E. 2.8).
Die Parteien sind sich einig darüber, dass die Übergaben am Wohnort der
Klägerin 1 in Zürich stattfinden sollen (vgl. Urk. 101 S. 2, Antrag 2.2.). Der Weg
von Zürich nach G._ beträgt 530 Kilometer pro Weg. Gemäss den Parteien
beträgt die reine Fahrzeit rund sechs Stunden (Urk. 83 S. 32; Urk. 101 S. 14). Die
Klägerinnen 1 und 2 rechnen mit den nötigen Pausen mit Fahrzeiten von mindes-
tens sieben bis acht Stunden (Urk. 83 S. 32). Dies erscheint realistisch. Der Be-
klagte und B._ würden damit frühestens am Freitagabend um 19 Uhr - wenn
B._ am Freitagnachmittag schulfrei hat - in Deutschland ankommen und
müssten am Sonntag gegen Mittag bereits wieder losfahren. Ein solch dichter
Zeitplan erscheint ab und an als mit dem Kindeswohl vereinbar, jedoch nicht an
jedem dritten Wochenende (vgl. Urk. 101 S. 2, Antrag 2.1.). Mit den Klägerinnen
ist davon auszugehen, dass dies weder der Gesundheit, der schulischen Leis-
tungsfähigkeit noch der Entwicklung von B._ förderlich wäre (vgl. Urk. 83 S.
32). Die Qualität der Besuche und die Möglichkeiten der Unternehmungen er-
scheinen denn auch eingeschränkt, wenn bereits am Sonntag um die Mittagszeit
wieder die Rückreise ins Auge gefasst werden muss. Sodann haben die gesund-
heitlichen Probleme des Beklagten die Grenzen von hohen Besuchs- und Rei-
sefrequenzen aufgezeigt. Eine Regelung alle drei Wochen von Freitag nach
Schulschluss bis Sonntag 19.00 Uhr, wie sie der Beklagte beantragt, erscheint
damit nicht als sachgerecht. Vielmehr sind dem Beklagten vor allem um mindes-
tens einen Tag verlängerte Besuchswochenenden zu gewähren. Dabei erscheint
die von den Klägerinnen 1 und 2 beantragte Regelung mit Bezug auf die Wo-
chenenden von Ostern, Pfingsten, Auffahrt, Sechseläuten und Knabenschiessen
als angemessen. Ebenso, dass dem Beklagten zwei weitere um einen Jokertag
verlängerte Wochenenden zuzuerkennen sind (vgl. Urk. 83 S. 3). Es ist insbeson-
dere nachvollziehbar, dass auch die Klägerin 1 ab und an einen Feiertag und da-
mit einen zusätzlichen Freitag mit der Klägerin 2 verbringen möchte und darf. Im
Weiteren sind hingegen dem Beklagten nicht sechs, sondern weitere acht Wo-
chenenden von Freitag nach Schulschluss bis Sonntagabend, 19.00 Uhr, zuzuge-
- 31 -
stehen. Wo der Beklagte die Wochenenden verbringt, ist ihm zu überlassen. Es
ist davon auszugehen, dass der Beklagte schon aus gesundheitlichen Aspekten
zumindest einen Teil dieser Wochenenden in der Schweiz verbringen wird (vgl.
Urk. 101 S. 14). Sodann wird sich einigen Wochenenden eine Ferienwoche an-
schliessen. Damit hält sich die Belastung von B._ mit Wochenenden, die von
langen Autofahrten geprägt sind, in einem erträglichen Rahmen. Nicht speziell zu
regeln ist der Geburtstag von B._ (vgl. Urk. 101 S. 3, Antrag 2.4.), da dieser
in der Regel auf einen Wochentag fällt. Auch wenn der tt. mm. in Zürich schulfrei
ist, findet das Sechsläuten regelmässig am dritten Montag im April statt und die
Auffahrt im Mai. Der Beklagte kann damit den Geburtstag mit B._ zeitnah
vor- oder nachfeiern. Sodann fällt der tt. mm. teilweise in die Frühlingsferien. Mit
dieser Regelung steht dem Beklagten ein Besuchsrecht von in geraden Jahren
mindestens 36 Tagen bzw. 14 Wochenenden und in ungeraden Jahren von min-
destens 32 Tagen bzw. 13 Wochenenden zu. Da die Anreise an einem Wochen-
tag nicht häufiger als bei der vom Beklagten beantragten Regelung ist, ist davon
auszugehen, dass er sich dies beruflich einrichten kann.
4.5. Mit Bezug auf die Ferien erscheint es angezeigt, dass B._ diese je
hälftig bei und mit den Eltern verbringen darf. Entsprechend ist der Beklagte für
berechtigt zu erklären, B._ in Jahren mit gerader Jahreszahl während sieben
Wochen mit sich in die Ferien zu nehmen: je eine Woche in den Sport-, Frühlings-
und Weihnachtsferien, zwei Wochen in den Sommerferien sowie während den
gesamten Herbstferien (zwei Wochen). In Jahren mit ungerader Jahreszahl ist der
Beklagte für berechtigt zu erklären, B._ während acht Wochen mit sich in die
Ferien zu nehmen: je eine Woche in den Sport-, Frühlings- und Herbstferien, drei
Wochen in den Sommerferien sowie während den gesamten Weihnachtsferien
(zwei Wochen). Damit verbringt B._ in geraden Jahren weitere 49 Tage und
in den ungeraden Jahren 56 Tage beim Beklagten. Das Wochenendbesuchsrecht
in Deutschland findet erstmals ab dem 1. September 2022 statt; es rechtfertigt
sich, die Ferienregelung ab den Weihnachtsferien 2022 einzuführen.
4.6. In der übrigen Zeit wird B._ von der Mutter betreut. Die Eltern spre-
chen sich über die Aufteilung der Ferien (im Rahmen der vorangehenden Vorga-
- 32 -
ben) sowie die terminlich nicht genau definierten Wochenenden für das Folgejahr
jeweils bis Ende des laufenden Jahres ab; im Konfliktfall kommt in Jahren mit ge-
rader Jahreszahl der Klägerin 1, in Jahren mit ungerader Jahreszahl dem Beklag-
ten das Entscheidungsrecht bezüglich der Aufteilung der Wochenenden und der
Ferien zu. Weitergehende oder abweichende Betreuungsregelungen nach gegen-
seitiger Absprache bleiben vorbehalten. Ist ein Elternteil, aus welchen Gründen
auch immer, nicht in der Lage, die Betreuung gemäss der getroffenen Regelung
selber zu übernehmen, ist er zu verpflichten, für eine angemessene Betreuung
von B._ durch Drittpersonen auf eigene Kosten besorgt zu sein. Eine Anfra-
ge an den anderen Elternteil ist möglich; dieser ist jedoch nicht verpflichtet, die
Betreuung zu übernehmen.
5. Die Klägerinnen 1 und 2 sprechen sich dafür aus, dass die Klägerin 2 und
der Beklagte unter der Woche skypen oder telefonieren (Urk. 116 S. 10). Auf-
grund der derzeitigen, konfliktbeladenen Situation zwischen der Klägerin 1 und
dem Beklagten sind diese Termine zeitlich zu regeln. Antragsgemäss ist der Be-
klagte für berechtigt zu erklären, jede Woche am Mittwoch von 18.30 Uhr bis
19.30 Uhr mit B._ zu skypen oder zu telefonieren (Urk. 101 S. 3, Antrag
2.5.). Ausgenommen sind die Mittwoche, welche in die Ferien fallen.
B) Beistandschaft
1. Gründe, welche für eine Aufhebung der bestehenden Beistandschaft für
B._ gemäss Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB sprechen würden, sind nicht ersicht-
lich (Urk. 101 S. 3, Antrag 4.1.). Auf den Eventualantrag ist nicht einzutreten (Urk.
101 S. 3, Antrag 4.2.). Die Absetzung eines durch die KESB ernannten Beistan-
des fällt nicht in die Kompetenz des Gerichts.
2. Wie bereits dargelegt, ist es die Aufgabe des Gerichts, die Besuchsord-
nung festzusetzen (vgl. vorne E. II.A.4.1.). Das Gericht hat insbesondere festzu-
legen, für wie lange Besuche begleitet stattzufinden haben und ob der Umgang in
der Schweiz oder auch im Ausland ausgeübt werden darf. Die dahingehende Be-
auftragung des Beistandes durch die Vorinstanz ist, wie von den Klägerinnen 1
- 33 -
und 2 beantragt (Urk. 83 S. 4, Antrag 3, und S. 33), ersatzlos aufzuheben (vgl.
Urk. 84 S. 46, Dispositiv-Ziffer 3 Abs. 2 al. 1).
3. Elterngespräche
3.1. Die Vorinstanz auferlegte dem Beistand die Aufgabe, regelmässig per-
sönliche Gespräche zwischen der Klägerin 1 und dem Beklagten, wenn nötig mit
weiteren Personen wie beispielsweise dem Beistand selbst, der Besuchsbeglei-
tung oder der zuständigen Kinderpsychologin der Fachstelle D._, mit dem
Ziel, eine solide und verantwortungsvolle elterliche Kommunikation aufzubauen,
um die selbständige Ausübung der elterlichen Sorge zu ermöglichen, zu organi-
sieren und auszugestalten (vgl. Urk. 84 S. 37 f. und S. 46, Dispositiv-Ziffer 3 Abs.
2 al. 2).
3.2. Der Beklagte beantragt die Festlegung von jährlich mindestens sechs
moderierten Elterngesprächen für eine Dauer von zwei Jahren ab Rechtskraft des
Urteils, wobei die Auswahl der Moderationsbegleitung einvernehmlich durch die
Parteien geschehen soll. Im Falle, dass eine gütliche Einigung nicht möglich sei,
sollen die Parteien die Auswahl der Moderationsbegleitung der KESB Zürich über-
tragen (Urk. 101 S. 3, Antrag 5).
3.3. Die Klägerin 1 und der Beklagte sind sowohl bei der Ausübung der ge-
meinsamen elterlichen Sorge als auch dem Besuchsrecht auf Unterstützung an-
gewiesen, da sie nicht fähig sind, direkt und konstruktiv miteinander zu kommuni-
zieren. Hingegen ist auch mit der von der Vorinstanz getroffenen Regelung si-
chergestellt, dass der Beistand der Aufgabe der Gesprächsführung mit den Par-
teien inskünftig mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen hat. Dieses Vorgehen
sollte (zumindest) in einem ersten Schritt ausreichen. Der Erlass weitergehender
Vorgaben, wie die Festlegung einer bestimmten Anzahl etc., erscheint nicht an-
gezeigt. Der vorinstanzliche Entscheid ist zu bestätigen.
C) Unterhalt
1. Die Vorinstanz ging bei der Klägerin 1 von einem monatlichen Nettoein-
kommen von Fr. 5'817.– aus. B._ rechnete sie Kinderzulagen von Fr. 200.–
- 34 -
an (Urk. 84 S. 40). Das Einkommen des Beklagten setzte sie auf Fr. 2'168.– netto
pro Monat fest (Urk. 84 S. 40 f.). Weiter ging die Vorinstanz von einem Bedarf der
Klägerin 1 von Fr. 2'480.–, der Klägerin 2 von ("aktuell") Fr. 2'057.– (Urk. 84 S.
42) und des Beklagten von Fr. 2'875.– für die Phase I (wöchentliches Besuchs-
recht) und Fr. 2'156.– für die Phase II (zweiwöchentliches Wochenendbesuchs-
recht) aus (Urk. 84 S. 43 f.).
Die Vorinstanz hielt dafür, die Gegenüberstellung der Einkommens- und Be-
darfszahlen des Beklagten ergebe, dass dieser nicht leistungsfähig sei. Die Klä-
gerinnen 1 und 2 hingegen könnten ihre jeweiligen Bedarfe mit ihren Einkommen
gut decken, bei einer engen Notbedarfsrechnung verbleibe ihnen gar ein Über-
schuss von Fr. 1'480.–. Entsprechend sprach die Vorinstanz der Klägerin 2 man-
gels Leistungsfähigkeit des Beklagten keinen Unterhalt zu (Urk. 84 S. 44 und S.
47, Dispositiv-Ziffer 5).
2.1. Die Klägerinnen 1 und 2 verlangen mit der Eingabe vom 21. Juni 2021
die Festsetzung von (mindestens) folgenden Unterhaltsbeiträgen (Urk. 116 S. 2,
Antrag 4):
Fr. 689.– ab Mitte November 2019 bis 31. März 2021; ungedeckter Nettobarbedarf von B._ Fr. 711.–. Fr. 1'032.– ab 1. April 2021; ungedeckter Nettobarbedarf von B._ Fr. 368.–. Fr. 1'391.– ab einem vom Obergericht festzulegenden Zeitpunkt zirka drei Monate nach Erlass des Endentscheides bis zum Eintritt in die Oberstufe (31. Juli 2027). Fr. 1'106.– ab Eintritt von B._ in die Oberstufe (1. August 2027) bis zur Volljährigkeit bzw. bis zum Abschluss einer angemessenen Erstausbildung.
2.2. Die Klageänderung ist zulässig (vgl. Urk. 227 Abs. 1 lit. a ZPO und
Art. 317 Abs. 2 lit. b ZPO). Die Höhe der zuerkannten Unterhaltsbeiträge wurde
bereits mit der Berufungsbegründung angefochten. Die mit Eingabe vom 21. Juni
2021 geänderten Anträge sind in der gleichen Verfahrensart zu beurteilen und
stehen in sachlichem Zusammenhang zum bisher geltend gemachten Anspruch.
- 35 -
Sie beruhen auf zulässigen Noven (vgl. vorne E. I.3.2. und nachfolgend E.
II.C.4.3.).
3. Grundsätzlich sorgen beide Elternteile, ein jeder nach seinen Kräften, für
den in Form von Pflege, Erziehung und Geld zu erbringenden Unterhalt des Kin-
des (Art. 276 Abs. 1 und 2 ZGB). Dies gilt an sich auch für den gesamten Geldun-
terhalt, dessen Umfang sich nach Art. 285 Abs. 1 und 2 ZGB bemisst. Steht das
Kind unter der alleinigen Obhut des einen Elternteils, indem es in dessen Haus-
halt lebt und den anderen Elternteil nur im Rahmen des Besuchs- und Ferien-
rechts sieht, so leistet der obhutsberechtigte Elternteil seinen Unterhaltsbeitrag
bereits vollständig in natura, indem er dem Kind Pflege und Erziehung erweist
(sog. Naturalunterhalt). Diesfalls fällt der Geldunterhalt vor dem Hintergrund der
Gleichwertigkeit von Geld- und Naturalunterhalt vom Grundsatz her vollständig
dem anderen Elternteil anheim. Von diesem Grundsatz kann und muss das Ge-
richt jedoch ermessensweise abweichen, wenn der hauptbetreuende Elternteil
leistungsfähiger ist als der andere (BGE 147 III 265 E. 5.5 und E. 8.1, je m.H.).
Nicht gefolgt werden kann somit den Ausführungen der Klägerinnen 1 und 2, dass
der Beklagte, da B._ unter der Obhut der Klägerin 1 stehe und der Beklagte
nur ein übliches Wochenend- und Ferienbesuchsrecht besitze, für den Barbedarf
von B._ alleine aufzukommen habe (vgl. Urk. 83 S. 33 und Urk. 116 S. 11).
Anzuwenden ist bei der Berechnung der Unterhaltsbeiträge die zweistufige Me-
thode. Es sind auch das Einkommen und der Bedarf der Klägerin 1 festzulegen,
wie dies die Vorinstanz korrekterweise getan hat.
4. Einkünfte
4.1. Klägerin 1
4.1.1. Die Klägerin 1 arbeitet bei der H._ (fortan H._) und als Kla-
vierlehrerin bei der Gemeinde I._. Bis zur Pensumsreduktion per 1. Septem-
ber 2020 hat sie an vier Tagen pro Woche gearbeitet (vgl. Urk. 4A/163 S. 3).
4.1.2. Im Jahre 2020 hat die Klägerin 1 ein Einkommen von (inklusive Kin-
derzulagen) Fr. 68'887.– netto erzielt (Fr. 45'499.– beim H._ [Urk. 86/20] und
- 36 -
Fr. 23'388.– als Klavierlehrerin [Urk. 86/21]). Es resultiert ein monatliches Ein-
kommen von (gerundet) Fr. 5'740.– netto pro Monat bzw. abzüglich Kinderzula-
gen
Fr. 5'540.–.
4.1.3. Beim H._ hat die Klägerin 1 ihr Pensum per 1. September 2020
reduziert (Urk. 83 S. 40). Sie erzielt neu ein Einkommen von netto Fr. 3'096.55
pro Monat. Abzüglich Fr. 200.– Familienzulagen ergeben sich Fr. 2'896.55. Die
Klägerin 1 erhält einen 13. Monatslohn (vgl. Prot. Vi S. 19; Urk. 86/22), womit ein
monatliches Einkommen von netto Fr. 3'137.90 (Fr. 2'896.55 x 13 : 12) resultiert.
Hinzu kommen Fr. 1'945.– pro Monat als Klavierlehrerin (Urk. 83 S. 40; Urk.
86/21). Es ergeben sich ab dem Jahr 2021 Einkünfte von (gerundet) Fr. 5'080.–
netto pro Monat.
4.1.4. Die von der Klägerin 1 vorgenommene Pensumsreduktion ist, da sie
die alleinige Obhut für B._ hat und nach wie vor ein Pensum von über 50 %
ausübt, nicht zu beanstanden. Hingegen hat die Klägerin 1 ihr Pensum, wenn
B._ in die Oberstufe übertritt (1. August 2027) auf 80 % und nach Vollendung
des 16. Lebensjahres von B._ (per 1. Juni 2031) auf 100 % zu erhöhen (vgl.
BGE 144 III 481 E. 4.7.6). Gestützt auf die entstandene Lohneinbusse erscheint
derzeit ein Arbeitspensum der Klägerin 1 von rund 70 % als ausgewiesen. Ent-
sprechend ist ihr ab dem 1. August 2027 ein Einkommen von (gerundet) netto Fr.
5'800.– (Fr. 5'080.– : 70 x 80) und ab dem 1. Juni 2031 von (gerundet) Fr. 7'260.–
(Fr. 5'080.– : 70 x 100) netto pro Monat anzurechnen.
4.2. B._
Die Familienzulagen von B._ betragen derzeit Fr. 200.–. Sie werden
von der Klägerin 1 bezogen (Urk. 16/2). Ab dem 1. Juni 2027 (Vollendung des 12.
Altersjahr) erhöhen sich die Zulagen auf Fr. 250.–.
4.3. Beklagter
- 37 -
4.3.1. Die Vorinstanz ging beim Beklagten von einem monatlichen
Durchschnittseinkommen als selbständig Erwerbender in der IT-Branche von
EUR 2'099.– bzw. umgerechnet Fr. 2'168.– aus (Kurs 1.08 - Stand 15.01.2021
www.J._.com; vgl. Urk. 84 S. 40 f.). Der Beklagte hat per 1. März 2021 eine
Anstellung als Systemadministrator beim K._ angetreten.
Gemäss Klägerinnen 1 und 2 ist dem Beklagten bis Ende März 2021 ein
Einkommen von EUR 2'009.–, ab 1. April 2021 von EUR 2'312.– sowie ab einem
von der Kammer festzulegenden Zeitpunkt zirka drei Monate nach Zustellung des
vorliegenden Entscheids von EUR 2'642.– anzurechnen (Urk. 116 S. 13).
4.3.2. Der Beklagte bezieht seit dem 1. April 2021 ein monatliches Gehalt
von (unbestritten) EUR 2'115.92 netto (Urk. 101 S. 41; Urk. 116 S. 11). Umstritten
ist, ob er einen 13. Monatslohn erhält (Urk. 116 S. 12; Urk. 140 S. 2). Gemäss
dem eingereichten Arbeitsvertrag war der Beklagte im März 2021 zu 10 % und ab
April 2021 zu 87,5 % (35 Stunden pro Woche) angestellt (Urk. 104/7; Dienstver-
trag § 1). In der eingereichten Gehaltsmitteilung für den April 2021 ist unter dem
Stichwort "Monat" ein Bruttogehalt von EUR 3'199.19 angeführt sowie unter "Jahr"
von
EUR 3'564.81 (vgl. Urk. 135/23). Der Beklagte macht geltend, unter dem Stich-
wort "Jahr" würden alle Bruttoentgelte aufsummiert, die der Arbeitgeber im lau-
fenden Jahr ausbezahlt habe (Urk. 133 S. 16). Dem ist beizupflichten. So resul-
tiert aus dem Gehalt von EUR 3'199.19 brutto für 87,5 % ein Betrag von EUR
3'656.22 für 100 % bzw. EUR 365.62 für 10 %. Somit wurde dem Beklagten im
März 2021 für seine 10 %-ige Anstellung ein Bruttogehalt von EUR 365.62 aus-
bezahlt. Die Summe der Bruttogehälter für März und April 2021 entspricht damit
den aufgeführten EUR 3'564.81. Der Bezug eines 13. Monatslohnes ist damit
nicht erstellt. Vielmehr ist ein Einkommen von EUR 3'199.19 brutto bzw. EUR
2'115.92 netto pro Monat ausgewiesen (vgl. Urk. 135/23). Zu beachten ist aller-
dings, dass in den Abzügen nicht nur die Sozialabgaben des Arbeitnehmers, son-
dern auch EUR 445.83 "Lohnsteuer" enthalten sind. Dies gilt es nachfolgend bei
der Bedarfsberechnung zu beachten.
- 38 -
4.3.3. Gemäss den Klägerinnen 1 und 2 hat der Beklagte zur Erfüllung sei-
ner familienrechtlichen Verpflichtung einer 100 %-igen Erwerbstätigkeit nachzu-
gehen. Es sei ihm - unter Gewährung einer Übergangsfrist - ein (hypothetisches)
Einkommen von EUR 2'642.– anzurechnen (Urk. 116 S. 13). Der Beklagte macht
geltend, er absolviere seit Oktober 2019 berufsbegleitend ein weiterbildendes
Studium zum Bachelor IT-Sicherheit an der L._ Universität in M._,
N._, wofür er eine Lern-/und Bearbeitungszeit von acht Stunden pro Woche
benötige. Das Studium solle seine Verdienstmöglichkeiten und damit B._s
Unterhaltsanspruch in Zukunft erhöhen (Urk. 101 S. 41; Urk. 133 S. 16). Sodann
sei für ihn aufgrund der derzeitigen Gesamtsituation eine 100 %-ige Anstellung
weder trag- noch leistbar. So hätten ihm die wöchentlichen Umgänge, welche
oftmals auf Freitage gefallen seien, keine andere Wahl gelassen, als eine Stelle
mit reduziertem Pensum (35 Stundenwoche) anzunehmen. Nur so könne er we-
nigstens an jedem zweiten Wochenende kurzzeitige, stundenweise Erholungs-
phasen einschieben, denn lägen die Umgangstermine auf einem Samstag, sei er
an diesen Tagen 20 Stunden unterwegs. Zusätzlich schränke ihn sein Schwerbe-
hindertengrad von 20 % ein. Er sei auf einem Ohr zu 100 % taub. Die Anstren-
gungen würden ihren Tribut fordern. Er habe "deutliche körperliche Reaktionen",
die darauf hinweisen würden, dass er sich weniger belasten sollte. Dies rate ihm
auch seine Hausärztin (Urk. 133 S. 17).
Geht es um Kindesunterhalt, ist die vorhandene Arbeitskapazität umfassend
auszuschöpfen. Es besteht diesbezüglich eine besondere Anstrengungspflicht,
welche namentlich auch die Freiheit der persönlichen Lebensgestaltung und der
Realisierung beruflicher Wunschvorstellungen einschränken kann (vgl. BGE 147 II
265 E. 7.4 m.H.). Beim tiefen Einkommen des Beklagten erscheint es nicht an-
gemessen, dass er eine Weiterbildung machen kann, welche seine derzeitige
Leistungsfähigkeit mindert. Der Beklagte legt denn auch in keiner Art und Weise
dar, ab wann und inwiefern sich seine Einkommensverhältnisse zufolge der Wei-
terbildung verbessern würden. Dafür, dass dem Beklagten eine 100 %-ige Ar-
beitstätigkeit aus gesundheitlichen Gründen (zumindest derzeit) nicht möglich wä-
re, legt er weder Beweise vor noch offeriert er diese. Anzeichen hierfür ergeben
sich auch nicht aus den Akten. Sodann wird der Beklagte in absehbarer Zeit nicht
- 39 -
mehr alle zwei Wochen in die Schweiz reisen müssen. Auch der längere Be-
suchsweg rechtfertigt keine Einschränkung seiner Leistungskapazitäten. Der Be-
klagte macht nicht geltend, eine Aufstockung als IT-Berater auf 100 % wäre nicht
möglich. In der
IT-Branche sind denn Arbeitnehmer derzeit gesucht. Sodann ist dem Beklagten
die Aufstockung seines Pensums auf 100 % auch zumutbar. Hingegen ist ihm un-
ter Berücksichtigung der vorgenannten Tatsachen (häufige Besuchsfrequenz,
langer Anreiseweg) sowie der Tatsache, dass er bereits knapp 50 Jahre alt ist, ei-
ne grosszügige Übergangsfrist zur Erhöhung seines Arbeitspensums bis Ende
August 2022 zu gewähren. Entsprechend ist beim Beklagten ab dem 1. Septem-
ber 2022 von einem monatlichen Einkommen von (gerundet) EUR 2'418.20 aus-
zugehen (EUR 2'115.92 : 87,5 x 100).
4.3.4. Damit ist beim Beklagten von folgenden Einkommen auszugehen
(in Franken; Kurs 1.04 [Durchschnittswert 1. bis 11. Januar 2021]
www.J._.com; gerundet): bis 30. März 2021 Fr. 2'090.– (EUR 2'009.–), vom
1. April 2021 bis 31. August 2022 Fr. 2'200.– (EUR 2'115.92) und ab dem 1. Sep-
tember 2022 Fr. 2'515.– (EUR 2'418.20).
5. Bedarfe
5.1. Bei der Bedarfsermittlung bzw. der Ermittlung des gebührenden Unter-
halts bilden die "Richtlinien der Konferenz der Betreibungs- und Konkursbeamten
der Schweiz für die Berechnung des betreibungsrechtlichen Existenzminimums"
(zuletzt veröffentlicht in: BlSchK 2009 S. 193 ff.) den Ausgangspunkt, wobei in
Abweichung davon für jedes Kind ein (bei den Wohnkosten des Obhutsinhabers
abzuziehender) Wohnkostenanteil einzusetzen ist und im Übrigen auch die
Fremdbetreuungskosten zu berücksichtigen sind. Diese beiden Positionen sowie
die in den Richtlinien genannten Zuschläge (relevant für das Kind: Krankenkas-
senprämien, Schulkosten, besondere Gesundheitskosten) sind zum Grundbetrag
hinzuzurechnen. Bei knappen Verhältnissen muss es für den Barunterhalt dabei
sein Bewenden haben und auch ein allfälliger Betreuungsunterhalt ist auf der Ba-
sis des betreibungsrechtlichen Existenzminimums des betreuenden Elternteils zu
bestimmen. Das bedeutet im Übrigen auch, dass ein allfälliger Fehlbetrag im Sin-
- 40 -
ne von Art. 287a lit. c ZGB und Art. 301a lit. c ZPO sich ausschliesslich auf diese
Werte beziehen, mithin ein sog. Mankofall nur vorliegen kann, wenn das betrei-
bungsrechtliche Existenzminimum für den Bar- und/oder Betreuungsunterhalt
nicht vollständig gedeckt werden kann. Soweit es die finanziellen Mittel zulassen,
ist jedoch der gebührende Unterhalt zwingend auf das sog. familienrechtliche
Existenzminimum zu erweitern, auf welches diesfalls Anspruch besteht. Bei den
Elternteilen gehören hierzu typischerweise die Steuern, ferner eine Kommunikati-
ons- und Versicherungspauschale, unumgängliche Weiterbildungskosten, den fi-
nanziellen Verhältnissen entsprechende statt am betreibungsrechtlichen Exis-
tenzminimum orientierte Wohnkosten, Kosten zur Ausübung des Besuchsrechts
und allenfalls angemessene Schuldentilgung; bei gehobeneren Verhältnissen
können namentlich auch über die obligatorische Grundversicherung hinausge-
hende Krankenkassenprämien im Bedarf berücksichtigt werden. Beim Barbedarf
des Kindes gehören zum familienrechtlichen Existenzminimum namentlich die
Ausscheidung eines Steueranteiles, ein den konkreten finanziellen Verhältnissen
entsprechender Wohnkostenanteil und gegebenenfalls über die obligatorische
Grundversicherung hinausgehende Krankenkassenprämien (vgl. BGE 147 III 265
E. 7.2).
5.2. Klägerin 1
5.2.1. Die Vorinstanz setzte den Bedarf der Klägerin 1 auf Fr. 2'480.– fest
(Grundbetrag Fr. 1'350.–, Miete Fr. 657.–, Krankenkassenprämie KVG [abzüglich
individuelle Prämienverbilligung; fortan IPV] Fr. 323.–, Kommunikation Fr. 150.–;
Urk. 84 S. 41 f.).
5.2.2. Die Klägerin 1 bezahlt neu ab 1. Februar 2021 einen Mietzins von
Fr. 940.– pro Monat (Urk. 86/10). Die Kosten sind - was unangefochten blieb - in
ihrem Bedarf mit zwei Dritteln, damit (gerundet) Fr. 627.- zu berücksichtigen
(Urk. 83 S. 38 f.; Urk. 84 S. 41). Sodann hat sich die Krankenkassenprämie per
1. Januar 2021 unter Berücksichtigung der IPV auf (gerundet) Fr. 371.- erhöht
(Urk. 83 S. 39; Urk. 86/11 und 13; Fr. 397.15 - [Fr. 308.40 : 12]).
- 41 -
Weiter sind im betreibungsrechtlichen Existenzminimum der Klägerin 1 aus-
gewiesene Fahrkosten von Fr. 125.– (Urk. 83 S. 40; Urk. 86/14 und 86/15) anzu-
rechnen. Die geltend gemachten Mehrkosten für auswärtige Verpflegung von
Fr. 80.– pro Monat wurden nicht belegt (Urk. 83 S. 49), weshalb sie nicht zu be-
rücksichtigen sind (vgl. Richtlinien II. Unumgängliche Berufsauslagen lit. b). Hin-
gegen ist die Klägerin 1 zur Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit auf die Miete ei-
nes Klaviers angewiesen. Diese Mietkosten von Fr. 84.– pro Monat sind ebenfalls
zu berücksichtigen (vgl. Urk. 83 S. 40; Urk. 86/16).
Damit beläuft sich das betreibungsrechtliche Existenzminimum der Klägerin
1 vom 13. November 2019 (Rückführung B._ in die Schweiz) bis zum 31.
Dezember 2020 auf Fr. 2'539.– (Grundbetrag Fr. 1'350.–, Miete Fr. 657.–, Kran-
kenkassenprämie Fr. 323.–, Fahrkosten Fr. 125.–, Miete Klavier Fr. 84.–), vom 1.
Januar 2021 bis zum 31. Januar 2021 auf Fr. 2'587.– (Grundbetrag Fr. 1'350.–,
Miete Fr. 657.–, Krankenkassenprämie Fr. 371.–, Fahrkosten Fr. 125.–, Miete
Klavier Fr. 84.–) und ab dem 1. Februar 2021 auf Fr. 2'557.– (Grundbetrag Fr.
1'350.–, Miete Fr. 627.–, Krankenkassenprämie Fr. 371.–, Fahrkosten Fr. 125.–,
Miete Klavier Fr. 84.–).
5.2.3.1. Da mit den Einkünften der Parteien die betreibungsrechtlichen Exis-
tenzminima der Familienmitglieder gedeckt werden können (vgl. nachfolgend
E. II.C.6.), ist der gebührende Bedarf auf das familienrechtliche Existenzminimum
zu erweitern. Entsprechend sind bei der Klägerin 1 - wie durch die Vorinstanz -
die Kommunikationskosten von Fr. 150.– (vgl. Urk. 84 S. 42) und - in Anwendung
der Untersuchungsmaxime - (gerichtsübliche) Fr. 30.– für die Prämien einer
Hausrat- und Haftpflichtversicherung einzusetzen.
5.2.3.2. Weiter ist die Steuerbelastung der Klägerin 1 zu bestimmen. Im Jah-
re 2020 ist von einem Nettoerwerbseinkommen (inklusive Kinderzulagen) von
Fr. 68'887.– auszugehen. Für diese Periode hat der Beklagte keine Kindesunter-
haltsbeiträge zu bezahlen (vgl. nachfolgend II.C.6.). In Abzug zu bringen sind die
Versicherungsprämien (Fr. 3'900.–), die Berufsauslagen (zirka Fr. 2'000.–), die
Fremdbetreuungskosten (Fr. 4'800.–; ohne Privatkindergarten vgl. nachfolgend
E. II.C.5.3.2.) und der Kinderabzug von Fr. 9'000.–, womit ein steuerbares Ein-
- 42 -
kommen in der Grössenordnung von Fr. 49'000.– resultiert. Die Klägerin 1 hat -
soweit bekannt - kein Vermögen. Basierend auf dem Steuerrechner des Kantons
Zürich (ledig, Verh.- Einelterntarif, evangelisch [vgl. Urk. 4A/80], Steuerjahr 2020, Zürich) ergeben sich Gemeinde- und Staatssteuern von Fr. 3'136.10. Bei den di-
rekten Bundessteuern ist von einem relevanten Einkommen in der Grössenord-
nung von
Fr. 53'000.– auszugehen (Versicherungsprämien Fr. 2'400.– und Kinderabzug
Fr. 6'500.–). Es ergibt sich eine Steuerbelastung von Fr. 17.– (Verh.- Einelternta-
rif, 1 Kind, Steuerjahr 2020), womit gesamthaft (gerundet) Fr. 260.– pro Monat
([Fr. 3'136.10 + Fr. 17.–] : 12) resultieren.
Ab dem Jahre 2021 reduziert sich das von der Klägerin 1 zu versteuernde
Nettojahreseinkommen auf Fr. 60'960.– (12 x Fr. 5'080.–) zuzüglich Fr. 2'400.–
Kinderzulagen. Sodann rechtfertigt es sich zu berücksichtigen, dass der Beklagte
ab Mitte 2022 Unterhaltsbeiträge zu bezahlen hat (vgl. nachfolgend E. II.C.6.).
Mithin sind weitere Fr. 2'400.– aufzurechnen. Es ergibt sich ein steuerbares Ein-
kommen in der Grössenordnung von Fr. 46'000.– ([Fr. 60'960.– + Fr. 2'400.– + Fr.
2'400.–) - Fr. 19'700.–). Damit resultieren Gemeinde- und Staatssteuern von Fr.
2'755.95. Direkte Bundessteuern müssen bei einem relevanten Einkommen von
Fr. 50'000.– keine bezahlt werden, womit sich eine Steuerbelastung von (gerun-
det) Fr. 230.– ergibt. Hiervon ist der Steueranteil von B._ auszuscheiden. Er
beläuft sich auf
Fr. 20.– (vgl. nachfolgend E. II.C.5.3.3.1). Damit sind bei der Klägerin 1 Fr. 210.–
zu berücksichtigen. Eine weitergehende Berechnung der Steuerbelastung der
Klägerin 1 erübrigt sich, da sich die Leistungsfähigkeit des Beklagten ab Septem-
ber 2022 nicht mehr verändert.
5.2.3.3. Die Klägerin 1 macht sodann Fr. 417.– für Ratenzahlungen eines
Kredits geltend. Sie habe den Kredit aufnehmen müssen, um die aufwändigen
Verfahren in Deutschland um die Rückführung von B._ zu bezahlen (vgl. Urk.
83 S. 40; Urk. 86/19). Dies blieb unangefochten (vgl. Urk. 101 S. 41 ff.). Es er-
scheint angemessen, diese Schuldentilgung zu berücksichtigen. Hingegen war
die letzte Kreditrate per 30. Juni 2021 fällig (vgl. Urk. 4A/164/6; vgl. auch Urk.
- 43 -
4A/163 S. 2). Die Klägerin 1 macht nicht geltend, dass sie den Kredit nicht ver-
tragsgemäss abbezahlt hätte. Damit sind ab dem 1. Juli 2021 keine Ratenzahlun-
gen mehr zu berücksichtigen.
5.2.3.4. Gestützt auf das Gesagte resultieren folgende familienrechtlichen Existenzminima: bis zum 31. Dezember 2020 Fr. 3'396.– (Fr. 2'539.– + Fr. 150.–
Kommunikation + Fr. 30.– Hausrat- und Haftpflichtversicherung + Fr. 260.– Steu-
ern + Fr. 417.– Kreditrate), vom 1. Januar 2021 bis zum 31. Januar 2021 Fr.
3'394.– (Fr. 2'587.– + Fr. 150.– Kommunikation + Fr. 30.– Hausrat- und Haft-
pflichtversicherung + Fr. 210.– Steuern + Fr. 417.– Kreditrate), vom 1. Februar
2021 bis zum
30. Juni 2021 Fr. 3'364.– (Fr. 2'557.– + Fr. 150.– Kommunikation + Fr. 30.– Haus-
rat- und Haftpflichtversicherung + Fr. 210.– Steuern + Fr. 417.– Kreditrate) und ab
dem 1. Juli 2021 Fr. 2'947.– (Fr. 2'557.– + Fr. 150.– Kommunikation + Fr. 30.–
Hausrat- und Haftpflichtversicherung + Fr. 210.– Steuern).
5.3. B._
5.3.1. Den Bedarf von B._ hat die Vorinstanz auf "aktuell" Fr. 2'057.–
festgesetzt (Grundbetrag Fr. 400.–, Miete Fr. 328.–, Krankenkassenprämie KVG
abzüglich IPV Fr. 9.–, Fremdbetreuung Fr. 840.–, Therapiekosten D._
Fr. 480.–). Sie hielt dafür, dass die Fremdbetreuungskosten mit der Zeit abneh-
men dürften, der Grundbetrag und die weiteren Kosten beispielsweise für Hobbies
dagegen steigen würden, weshalb davon abgesehen werden könne, eine Abstu-
fung vorzunehmen (Urk. 84 S. 41 f.).
5.3.2. Für die Klägerin 2 wird berufungsmässig ein "betreibungsrechtliches
Existenzminimum" von (recte:) Fr. 1'600.– (Grundbetrag Fr. 400.–, Miete
Fr. 313.–, Krankenkassenprämie abzüglich IPV Fr. 51.– und Fremdbetreuungs-
kosten Fr. 836.–) bis zum Übertritt in die Oberstufe und hernach von Fr. 1'229.–
(Grundbetrag Fr. 600.–, Miete Fr. 313.–, Krankenkassenprämie abzüglich IPV
Fr. 51.– und "Mittag/Schulmaterial" mindestens Fr. 250.–) geltend gemacht (vgl.
Urk. 83 S. 38).
- 44 -
Wie bereits erwähnt haben sich die Wohnkosten per 1. Februar 2021 auf
Fr. 940.– reduziert (Urk. 86/10). Hiervon sind im Bedarf der Klägerin 2 ein Drittel,
damit (gerundet) Fr. 313.– einzusetzen (Urk. 83 S. 38; Urk. 84 S. 41). Die Kran-
kenkassenprämie von B._ beträgt ab dem 1. Januar 2021 (unter Berücksich-
tigung der Prämienverbilligung) neu (gerundet) Fr. 44.– (Fr. 119.20 - Fr. 7.25 - [Fr.
819.60 : 12]); Urk. 86/9 und 86/11).
Die Vorinstanz hat im Bedarf von B._ Therapiekosten von Fr. 480.– pro
Monat berücksichtigt, wobei nicht ersichtlich ist, auf welche Behauptungen und
Belege der Betrag gestützt wird (vgl. Urk. 84 S. 42). Die Klägerinnen 1 und 2 ma-
chen mit der Berufung Kosten von Fr. 30.– pro Monat geltend, welche auch ins-
künftig in gleichem Umfang anfielen (Urk. 83 S. 39). Dies blieb unbestritten (vgl.
Urk. 101
S. 41 f.). Es sind im Bedarf der Klägerin 2 Fr. 30.– Therapiekosten einzusetzen.
Weiter werden Fremdbetreuungskosten von Fr. 836.– pro Monat bis zum
Übertritt von B._ in die Oberstufe geltend gemacht (Urk. 83 S. 38). Die Kos-
ten sind an sich ausgewiesen (vgl. Urk. 86/12). Zu beachten ist hingegen, dass
B._ - bis zum Übertritt in die 1. Klasse im Sommer 2021 - einen privaten Kin-
dergarten besucht hat. Fr. 470.80 der belegten Kosten fielen hierfür an. Aufgrund
der Rückbehaltung von B._ ist die Einschulung in einem privaten Kindergar-
ten nicht zu beanstanden (vgl. Urk. 4A/136 S. 2; Urk. 4A/164/5), weshalb bis zum
31. Juli 2021 Fremdbetreuungskosten von Fr. 836.– im Bedarf von B._ zu
berücksichtigen sind. Hingegen wird weder behauptet noch ergibt sich aus den
Akten, dass B._ nunmehr eine Privatschule besucht. Damit fallen bei
B._ nur noch die Kosten für den Mittagstisch und den Hort an, wenn die Klä-
gerin 1 aus beruflichen Gründen abwesend ist. Sodann wird der Platz der Kläge-
rin 2 zufolge der finanziellen Situation ihrer Eltern subventioniert. Mithin fallen be-
reits heute wesentlich tiefere Fremdbetreuungskosten als Fr. 836.– an, welche mit
zunehmendem Alter von B._ noch weiter sinken werden. Es erscheint damit
nicht angemessen, im Bedarf von B._ bis zu ihrem Übertritt in die Oberstufe
Fr. 836.– Fremdbetreuungskosten einzusetzen. Zumal die Auslagen für Hobbies
nach der neusten bundesgerichtlichen Rechtsprechung aus einem allfälligen
- 45 -
Überschuss zu bestreiten sind. Vielmehr ist der Grundbetrag von B._ per 1.
Juni 2025 von Fr. 400.– auf Fr. 600.– zu erhöhen. Sodann ist ab dem 1. August
2021 von durchschnittlichen Betreuungskosten während der Unterstufe von Fr.
400.– auszugehen. Ab dem Übertritt von B._ in die Oberstufe (1. August
2027) sind Betreuungskosten nur noch im Umfang des Mittagtisches angezeigt.
Zusätzlich anfallen werden Kosten für ein eigenes Handy von B._ und allen-
falls Fahrauslagen. Damit erscheint der gemachte Betrag von Fr. 250.– als ange-
messen, wobei allfällige dazumal noch anfallende Therapiekosten für D._ in-
begriffen sind. Der Beklagte widerspricht dem denn auch nicht (vgl. Urk. 101 S. 41
ff.).
5.3.3.1. Zur Berechnung des auf B._ anfallenden Steueranteils ist der
ihr anzurechnende Barunterhaltsbeitrag und die Familienzulagen in das Verhältnis
zu den von der Klägerin 1 insgesamt zu versteuernden Einkünfte zu setzen (vgl.
BGer 5A_816/2019 vom 21.08.2021, E. 4.2.3.5; zur Publikation vorgesehen). Die
zu versteuernden Einkünfte der Klägerin 1 belaufen sich ab dem Jahre 2021 auf
Fr. 46'000.–. Der von ihr zu versteuernde Barunterhaltsbeitrag sowie die Famili-
enzulagen von B._ betragen total Fr. 4'800.–, was rund 10 % ausmacht. Es
erscheint damit angemessen, im Barbedarf von B._ ab dem 1. Januar 2021
(gerundet) Fr. 20.– (10 % von Fr. 230.–) für Steuern einzusetzen.
5.3.3.2. B._ hat eine Zahnpflegeversicherung. Die hierfür  Kosten von Fr. 26.– pro Monat (Urk. 86/9) sowie Fr. 2.– für die Zusatzversi-
cherung Auslandreisen (vgl. Urk 4A/164/2) sind zu berücksichtigen.
5.3.4. Gestützt auf das Gesagte resultieren folgende familienrechtlichen
Existenzminima: bis zum 31. Dezember 2020 Fr. 1'631.– (Grundbetrag Fr. 400.–,
Miete Fr. 328.–, Krankenkassenprämie Fr. 9.–, Fremdbetreuungskosten Fr. 836.–,
Therapiekosten Fr. 30.–, Zusatzversicherungen VVG Fr. 28.–), im Januar 2021
Fr. 1'686.– (neu Krankenkassenprämie Fr. 44.– und Steueranteil Fr. 20.–), vom
1. Februar 2021 bis 31. Juli 2021 Fr. 1'671.– (neu Miete Fr. 313.–), vom 1. August
2021 bis 31. Mai 2025 Fr. 1'235.– (neu Fremdbetreuungskosten Fr. 400.–), vom
1. Juni 2025 bis 31. Juli 2027 Fr. 1'435.– (neu Grundbetrag Fr. 600.–) und ab dem
- 46 -
1. August 2027 Fr. 1'255.– (neu Mittagstisch etc. Fr. 250.– und Therapiekosten
Fr. 30.– entfallen).
5.4. Beklagter
5.4.1. Die Vorinstanz hat den Bedarf des Beklagten für solange als ihm ein wöchentliches Besuchsrecht zuerkannt wurde auf (recte:) Fr. 2'835.– festgesetzt
(Grundbetrag Fr. 840.–, Miete Fr. 352.–, Kommunikation Fr. 128.–, Versicherun-
gen Fr. 104.–, Krankenkassenprämie Fr. 54.–, Fahrkosten Besuchsrecht Fr.
1'357.–). Ab dem Zeitpunkt, in welchem die Vorinstanz dem Beklagten ein unbe-
gleitetes Besuchsrecht alle zwei Wochen zusprach, reduzierte sie den Bedarf auf
Fr. 2'156.– (Fahrkosten neu Fr. 678.–; Urk. 84 S. 42 ff.).
5.4.2. Der gewöhnliche Aufenthalt der Klägerin 2 befindet sich in Zürich. Wie
die Vorinstanz korrekt festgehalten hat, findet auf die vorliegende Unterhaltsbe-
rechnung Schweizer Recht Anwendung (vgl. Urk. 84 S. 9). Es geht nicht an, dass,
wie dies die Klägerinnen 1 und 2 beantragen (vgl. Urk. 83 S. 34 f.; Urk. 116 S.
16), das Existenzminimum des Beklagten nach den in Deutschland zur Anwen-
dung gelangenden Regeln zur Festlegung des Existenzminimums berechnet wird.
Vielmehr ist das Vorgehen der Vorinstanz, welche bei der Berechnung des Be-
darfs des Beklagten auf die Positionen des Schweizer Existenzminimums abge-
stellt und diese soweit nötig kaufkraftbereinigt hat, abzustellen.
5.4.3. Die Vorinstanz hat beim Beklagten einen kaufkraftbereinigten Grund-
betrag von Fr. 840.– (70 % von Fr. 1'200.–) eingesetzt (Urk. 84 S. 42 f.). Die Be-
rechnung an sich wird nicht angefochten. Die Klägerinnen 1 und 2 machen jedoch
geltend, der Beklagte lebe nicht allein, weshalb ihm der entsprechend tiefere
Grundbetrag anzurechnen sei (vgl. Urk. 83 S. 35 und Urk. 116 S. 16). Die gemäss
neuster bundesgerichtlicher Rechtsprechung anzuwendenden Richtlinien zur Be-
rechnung des betreibungsrechtlichen Existenzminimums sehen im Gegensatz
zum Kreisschreiben des Obergerichts des Kantons Zürich für die Berechnung des
betreibungsrechtlichen Existenzminimums keinen tieferen Grundbetrag für in
Haushaltgemeinschaft mit einem Erwachsenen lebende Personen vor (vgl. Richt-
linien I. Monatlicher Grundbetrag). Unangefochten blieben die Behauptungen des
- 47 -
Beklagten, er und seine Lebenspartnerin würden keine Wirtschaftsgemeinschaft
bilden. Seine Lebenspartnerin arbeite unter der Woche im 294 Kilometer von
G._ entfernten O._. Sie habe dort einen zweiten Wohnsitz und komme,
wenn überhaupt, nur am Wochenende nach G._, wo sie den nicht vermiete-
ten Teil des Wohneigentums für sich zur Verfügung habe (vgl. Urk. 133 S. 17 f.
und
S. 22; Urk. 140 S. 3). Mithin ist nicht erstellt, dass der Beklagte in einer kosten-
senkenden "Wohn-/Lebensgemeinschaft" lebt (vgl. Richtlinien I. Monatlicher
Grundbetrag). Die Berücksichtigung eines Grundbetrages von Fr. 840.– ist nicht
zu beanstanden.
Die Vorinstanz hat Wohnkosten von EUR 328.77 berücksichtigt (Urk. 84
S. 43). Ausgewiesen sind neu ab dem 1. Januar 2021 Kosten von EUR 368.81
(Urk. 104/10). Der Beklagte hat die Bezahlung der höheren Miete an seine Part-
nerin ab Mai 2021 belegt (Urk. 104/10; Urk. 135/27). Entsprechend sind ab die-
sem Zeitpunkt die höheren Kosten zu berücksichtigen. Es sind in seinem Bedarf
bis und mit 30. April 2021 Fr. 342.– (EUR 328.77 x 1.04; jeweils gerundet) und ab
dem 1. Mai 2021 Fr. 384.– (EUR 368.81 x 1.04) einzusetzen.
Die Krankenkassenprämie des Beklagten beträgt unangefochten EUR 50.54
(vgl. Urk. 83 S. 36; Urk. 84 S. 43; Urk. 101 S. 42 f.) bzw. umgerechnet Fr. 53.–.
5.4.4.1. Der Beklagte hat Kosten für eine Unfall-Versicherung, Privathaft-
pflichtversicherung, Rechtsschutzversicherung (Privat-, Berufs- und Familien-
Verkehrs-Rechtsschutz), Reisegepäckversicherung und Auslandreisekranken-
Versicherung von EUR 96.12 ausgewiesen (Urk. 12/6). Mit dem Beleg ist erstellt,
dass es sich um private Versicherungen handelt und nicht - wie von der Vo-
rinstanz festgehalten (vgl. Urk. 84 S. 43) - um unumgängliche Berufsauslagen.
Der Beklagte hat denn auch geltend gemacht, die "Kombiversicherung" im Hin-
blick auf die Ausübung des Besuchsrechts in der Schweiz abgeschlossen zu ha-
ben (vgl. Urk. 56
S. 19 f.). Die Geschäftsausgaben des Beklagten für "Beiträge, Gebühren, Abga-
ben und Versicherung (ohne solche für Gebäude und Kraftfahrzeuge)" sind von
EUR 417.64 im Jahre 2018 auf EUR 332.02 im Jahre 2019 gesunken, weshalb
- 48 -
nicht davon auszugehen ist, dass der Beklagte die Kosten der Versicherungen als
Geschäftsauslagen verbucht hat (vgl. Urk. 18/9 und 18/10) und sie damit bereits
im Betriebsaufwand enthalten sind (vgl. Urk. 83 S. 36). Die Kosten sind im vorlie-
gend relevanten familienrechtlichen Existenzminimum zu berücksichtigen. Umge-
rechnet ergeben sich Fr. 100.– pro Monat.
5.4.4.2. Weiter hielt die Vorinstanz dafür, die vom Beklagten geltend ge-
machten Kommunikationskosten von EUR 119.– würden sich im üblichen Rah-
men bewegen (Urk. 84 S. 43). Die Klägerinnen 1 und 2 rügen die Kosten als zu
hoch (Urk. 83 S. 36). Ausgewiesen sind EUR 119.– für die "Mobilfunk-Rechnung"
November 2020 (Urk. 69/38). Unwidersprochen blieb jedoch, dass der Beklagte
während seiner Selbständigkeit (zumindest) einen Teil der Kosten für Kommuni-
kation über seine Firma abgerechnet hat (vgl. Urk. 83 S. 36; Urk. 101 S. 42). Zur
Höhe des von ihm privat abgerechneten Betrages äussert sich der Beklagte nicht.
Gemäss der "Einnahmen-Überschussrechnung 2019" hatte er Aufwendungen für
Telefon von EUR 529.35 sowie für "Telefax und Internetkosten" von EUR 511.25,
mithin total EUR 1'040.60 (Vgl. Urk. 18/11). Für das Jahr 2020 sind zwar erhöhte
Telefon und Internetauslagen ausgewiesen (vgl. Urk. 18/17-19 und Urk. 69/38);
dies insbesondere, weil die Kosten für Telefonate ins Ausland angestiegen sind.
Hingegen fehlt jeglicher Beweis dafür, dass der Beklagte nicht auch diese erhöh-
ten Kosten vollumfänglich als Aufwand in seiner Firma verbucht hat. Entspre-
chend wurden die Kosten bereits bei der Berechnung des Einkommens des Be-
klagten mitberücksichtigt, indem sie als Aufwand vom erwirtschafteten Ertrag ab-
gezogen wurden. Es rechtfertigt sich nicht, während der Dauer seiner Selbstän-
digkeit, weitere Kosten für Kommunikation im Bedarf des Beklagten einzusetzen.
Ab dem 1. April 2021 sind die gerichtsüblichen, um die Kaufkraft bereinigten,
Kommunikationskosten und damit Fr. 105.– (70 % von Fr. 150.–) einzusetzen.
5.4.4.3. Die Vorinstanz berücksichtigte sodann Fr. 1'357.– "Fahrkosten Be-
suchsrecht", solange der Beklagte das Besuchsrecht jedes Wochenende und
damit acht Mal pro Monat ausübe. Dies basierend auf Kosten von EUR 0.30 pro
Kilometer und einer Distanz zwischen G._ und Zürich von 530 Kilometer.
- 49 -
Nach dem Wechsel zum zweimonatlichen Wochenendbesuchsrecht würden sich
die Kosten auf Fr. 678.– halbieren (vgl. Urk. 84 S. 43).
Der Beklagte hat für die Ausübung seines Besuchsrecht in allen Phasen
B._ in Zürich abzuholen und sie dorthin zurück zu bringen. Es fallen bzw. fie-
len ihm hierfür Kosten an. Wie bereits erwähnt, sind die Kosten für die Ausübung
des Besuchsrecht im familienrechtlichen Existenzminimum zu berücksichtigen. Es
ist nicht ersichtlich, weshalb dem Beklagten - wie von den Klägerinnen 1 und 2
beantragt - nur die Fahrzeugkosten bis zur Schweizer Grenze (Schaffhausen) und
keine Auslagen für Parkgebühren und Zimmermieten (zur Ausübung des Be-
suchsrechts) anzurechnen wären (vgl. Urk. 83 S. 37; Urk. 116 S. 14).
Ab Januar 2020 bis und mit Mai 2021 hat der Beklagte B._ wöchentlich
besucht. Die Vorinstanz rechnete dem Beklagten - wie von ihm dazumal geltend
gemacht - eine Kilometerpauschale von EUR 0.30 an (vgl. Urk. 83 S. 43). Neu
beantragt der Beklagte EUR 0.35 pro Kilometer. Es blieb unwidersprochen, dass
es sich bei den geltend gemachten Pauschalen um von der Finanzbehörde in
Deutschland gesetzlich festgesetzte Aufwandsbeträge handelt (Urk. 133 S. 18 f.;
Urk. 140 S. 3). Die Pauschale wurde per 1. Januar 2021 von EUR 0.30 auf
EUR 0.35 erhöht (Urk. 104/11), weshalb ab diesem Datum mit dem neuen Ansatz
zu rechnen ist. Sodann hat der Beklagte belegt, dass er an je einem Tag im Okto-
ber und November 2020 für ein Zimmer im P._ jeweils Fr. 60.– Miete bezahl-
te (Urk. 69/41). Es ist nachvollziehbar, dass der Beklagte im Winter ab und an ein
Zimmer mieten musste, um darin die begleitete Besuchszeit mit B._ verbrin-
gen zu können. Der Beklagte übt das Besuchsrecht in Zürich aus. Es kann als ge-
richtsnotorisch angesehen werden, dass ihm Parkgebühren anfallen (vgl. Urk. 101
S. 43). Die Strecke von G._ nach Zürich beträgt unangefochten 530 Kilome-
ter. Damit ist für diese Phase mit 4'240 Kilometer pro Monat (8 x 530 km) zu rech-
nen. Unter Berücksichtigung der Kostensteigerung ergeben sich durchschnittliche
monatlich Kosten von EUR 1'334.40 ({[12 x 4'240 x 0.30] + [5 x 4'240 x 0.35]} :
17) bzw. (gerundet) Fr. 1'390.– (EUR 1'344.40 x 1.04). Zu beachten ist jedoch,
dass der Beklagte sein Besuchsrecht vom 19. März 2020 bis 25. April 2020 zufol-
ge Corona nicht vor Ort in Zürich wahrnehmen konnte. Damit entfielen in dieser
- 50 -
Zeit die Reisekosten. Sodann unterbrach der Beklagte seine Besuche von Ende
Mai 2021 bis Ende Oktober 2021. Diese Tatsachen führten zu erheblichen Kos-
tenminderungen. Es erscheint angemessen, im Bedarf des Beklagten bis Oktober
2021 Kosten von monatlich Fr. 1'150.– für die Ausübung des Besuchsrechts ein-
zusetzen.
Ab November 2021 bis Ende August 2022 ergeben sich basierend auf ei-
nem zwei- bzw. ab April 2022 dreiwöchentlichen Besuchsrecht Fahrkosten von
durchschnittlich EUR 630.70 ([17 Besuche x 2 x 530 x 0.35] : 10) bzw. (gerundet)
Fr. 660.–. Zuzüglich der anfallenden Parkgebühren und weiteren Auslagen (ins-
besondere an den Besuchswochenenden inklusive Übernachtungen) sind min-
destens Fr. 750.– zu berücksichtigen. Ab dem 1. September 2022 fallen in gera-
den und ungeraden Jahren inklusive der Ferien maximal je 21 Besuchswochen-
enden an, was 42 Fahrten entspricht. Es ergeben sich Kosten von EUR 7'791.–
(42 x 530 x 0.35) pro Jahr bzw. EUR 649.25 pro Monat. Dies entspricht (gerundet)
Fr. 675.– (EUR 649.25 x 1.04).
5.4.5. Mithin ist beim Beklagten von folgenden familienrechtlichen Existenz-
minima auszugehen: bis zum 31. März 2021 Fr. 2'485.– (Grundbetrag Fr. 840.–, Miete Fr. 342.–, Krankenkasse 53.–, Versicherungen Fr. 100.–, Kosten Besuchs-
recht Fr. 1'150.–), im April 2021 Fr. 2'590.– (neu Kommunikation Fr. 105.–), vom
1. Mai 2021 bis 31. Oktober 2021 Fr. 2'632.– (neu Miete Fr. 384.–) sowie ab dem
1. November 2021 bis 30. August 2022 Fr. 2'232.– (neu Kosten Besuchsrecht
Fr. 750.–) und ab dem 1. September 2022 Fr. 2'157.– (neu Kosten Besuchsrecht
Fr. 675.–).
6. Unterhaltsberechnung
6.1. Die Unterhaltsbeiträge sind ab der Rückkehr von B._ zur Klägerin
1, damit ab dem 13. November 2019 geschuldet.
6.2. Gestützt auf das Gesagte folgt, dass die Parteien, abgesehen vom Ja-
nuar 2021 bis Juni 2021, mit ihren Gesamteinkünften sämtliche familienrechtli-
chen Bedarfe decken können. Die Klägerinnen 1 und 2 vermochten von Januar
- 51 -
2021 bis Juni 2021 mit ihren Einkünften ihre familienrechtlichen Bedarfe decken.
Ihnen standen gar Überschüsse zur Verfügung (Januar 2021 Fr. 200.– [Fr.
5'280.– - Fr. 5'080.–] und Februar bis Juni 2021 Fr. 245.– [Fr. 5'280.– - Fr. 5'035.–
]). Damit steht dem Beklagten grundsätzlich die Deckung seines familienrechtli-
chen Existenzminimums zu (vgl. BGE 147 III 265 E. 8.3.1). Vom 13. November
2019 bis zum 31. August 2022 vermag der Beklagte mit seinen Einkünften von Fr.
2'090.– bzw. Fr. 2'200.– seinen familienrechtlichen Bedarf von zwischen Fr.
2'232.– bis Fr. 2'632.– nicht zu decken. Damit ist der Beklagte bis Ende August
2022 nicht leistungsfähig. Er kann nicht zu Unterhaltszahlungen verpflichtet wer-
den.
6.3. Ab dem 1. September 2022 ist bis zum 31. Mai 2025 von folgenden
Zahlen auszugehen: Die Klägerin 1 verdient Fr. 5'080.– und ihr familienrechtliches
Existenzminimum beträgt Fr. 2'947.–; mithin verfügt sie über eine Überschuss von
Fr. 2'133.–. Der Beklagte verdient Fr. 2'515.– und sein familienrechtliches Exis-
tenzminimum beläuft sich auf Fr. 2'157.–, was einen Überschuss von Fr. 358.–
ergibt. Das Manko von B._ beläuft sich auf Fr. 1'015.– (Fr. 1'235.– - Fr. 200.–
). Unter Berücksichtigung des Mankos von B._ verbleibt ein Überschuss von
Fr. 1'476.– (Fr. 2'133.– + Fr. 358.– - Fr. 1'015.–). Die Verteilung nach grossen
Köpfen (je 2/5) und einem kleinen Kopf (1/5) ergäbe für B._ einen Über-
schussanteil von (gerundet) Fr. 295.–. Damit beträgt der gebührende Bedarf von
B._ Fr. 1'530.– (Fr. 1'235.– + Fr. 295.–). Davon sind Fr. 200.– Eigenversor-
gungskapazität abzuziehen, womit Fr. 1'330.– resultieren. Da die Klägerin 1 die
Obhut inne hat, muss der Beklagte grundsätzlich für den geldwerten Unterhalt von
B._ aufkommen. Hingegen ist ihm sein Existenzminimum zu belassen, und
zwar angesichts der - wie dargelegt - insgesamt vorhandenen Ressourcen das
familienrechtliche Existenzminimum (vgl. BGE 147 III 265 E. 3.8.1). Einzig in die-
sem Rahmen kann der Beklagte zur Tragung eines Teils des Kindesunterhalts
verpflichtet werden. Mangels Leistungsfähigkeit des Beklagten hat die Klägerin 1
für die Differenz von Fr. 972.– (Fr. 1'330.– - Fr. 358.–) aufzukommen. Indessen ist
zu berücksichtigen, dass die Klägerin 1 bis zum 31. Mai 2025 unter Berücksichti-
gung des auf sie entfallenden Unterhaltsbeitrages über Fr. 4'108.– (Fr. 5'080.– -
Fr. 972.–) verfügt, was ihr familienrechtliches Existenzminimum um Fr. 1'161.–
- 52 -
(Fr. 4'108.– - Fr. 2'947.–) übersteigt. Sie ist damit leistungsfähiger als der Beklag-
te. Angesichts dieser Verhältnisse erscheint es angemessen, den Beklagten zu
monatlichen Unterhaltsbeiträgen (im Sinne von Barunterhalt) von Fr. 200.– zu
verpflichten (vgl. zum ganzen BGE 147 III 265 E. 8.3.1).
6.4. In den folgenden Phasen wird der Überschuss der Klägerin 1 sich zu-
nehmend vergrössern, während jener des Beklagten stagniert. Dennoch erscheint
eine weitere Senkung des Unterhaltsbeitrages in der Zukunft nicht angezeigt. Der
Beklagte soll einen Teil der finanziellen Kosten der Klägerin 2 tragen. Hingegen
ist unter Berücksichtigung dieser Tatsache auf eine Indexierung des Unterhalts-
beitrages, wie von den Klägerinnen 1 und 2 beantragt (vgl. Urk. 83 S. 4, Antrag
3), zu verzichten.
6.5. Damit ist der Beklagte zu verpflichten, ab dem 1. September 2022 der
Klägerin 1 für den Unterhalt der Klägerin 2 monatlich Fr. 200.– zu bezahlen. Die
Unterhaltsbeiträge sind monatlich im Voraus zahlbar. Die Zahlungsmodalitäten
gelten über die Volljährigkeit von B._ hinaus, solange B._ im Haushalt
der Klägerin 1 lebt und keine eigenen Ansprüche gegenüber dem Beklagten stellt
bzw. keinen anderen Zahlungsempfänger bezeichnet.
III.
1.1. Die Vorinstanz hat die Entscheidgebühr auf Fr. 4'500.– festgesetzt, un-
ter Vorbehalt allfälliger weiterer Auslagen (Urk. 84 S. 47, Dispositiv-Ziffer 6). Die
Kostenfestsetzung blieb unangefochten und ist zu bestätigen.
1.2. Unangefochten blieb sodann, dass vorliegend die Kosten der Klägerin 1
und dem Beklagten aufzuerlegen sind. Die Klägerin 2 hat als minderjähriges Kind
keine Kosten zu tragen (vgl. Urk. 84 S. 44 f.). Trifft die Rechtsmittelinstanz einen
neuen Entscheid, so entscheidet sie auch über die Prozesskosten des erstin-
stanzlichen Verfahrens (vgl. Art. 318 Abs. 3 ZPO). Die Gerichtskosten werden
den Parteien in der Regel nach Obsiegen und Unterliegen auferlegt (Art. 106 Abs.
- 53 -
1 und 2 ZPO). Mit Bezug auf die Regelung der nichtvermögensrechtlichen Kin-
derbelange (Elterliche Sorge, Obhut und Besuchsrecht) sind die Kosten den Par-
teien praxisgemäss zur Hälfte aufzuerlegen, wenn die Parteien gute Gründe für
ihre Rechtsstandpunkte hatten (Art. 107 Abs. 1 lit. c ZPO; ZR 84 Nr. 41). Davon
ist vorliegend auszugehen. Da die nichtvermögensrechtlichen Kinderbelange im
Verhältnis zu den Unterhaltsansprüchen grösser zu gewichten sind, die Klägerin 1
mit Bezug auf die Zusprechung von Kindesunterhalt jedoch überwiegend unter-
liegt, erscheint es angemessen, der Klägerin 1 60 % und dem Beklagten 40% der
Kosten aufzuerlegen. Die Kosten sind zufolge der beiden Parteien für das erstin-
stanzliche Verfahren gewährten unentgeltlichen Rechtspflege einstweilen auf die
Gerichtskasse zu nehmen. Vorzubehalten ist die Nachforderung gestützt auf Art.
123 ZPO.
2.3. Ausgangsgemäss hat die Klägerin 1 dem Beklagten für das erstinstanz-
liche Verfahren eine auf 20 % reduzierte Parteientschädigung zu bezahlen. Die
volle Parteientschädigung ist in Anwendung von § 2 Abs. 1, § 5 Abs. 1 und § 11
Abs. 1 AnwGebV auf Fr. 7'500.– festzusetzen. Entsprechend hat die Klägerin 1
dem Beklagten für das erstinstanzliche Verfahren eine Parteientschädigung von
Fr. 1'500.– zuzüglich Fr. 115.50 (7.7 % Mehrwertsteuer), mithin (gerundet) Fr.
1'600.– zu bezahlen.
2.1. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist gestützt auf § 12
Abs. 1 und 2 i.V.m. § 2 und § 5 Abs. 1 GebV OG unter Berücksichtigung, dass
vorsorgliche Massnahmen zu erlassen waren sowie ein Berichtigungsantrag zu
behandeln war, auf Fr. 8'000.– festzusetzen. Auch im Berufungsverfahren er-
scheint es angemessen, die Kosten zu 60 % der Klägerin 1 und zu 40 % dem Be-
klagten aufzuerlegen (vgl. vorne E. III.2.2.), wobei die Kosten zufolge der beiden
Parteien für das Berufungsverfahren zu gewährenden unentgeltlichen Rechtspfle-
ge einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen sind. Vorzubehalten ist die
Nachforderung gestützt auf Art. 123 ZPO.
2.2. Ausgangsgemäss hat die Klägerin 1 dem Beklagten eine auf 20 % re-
duzierte Parteientschädigung zu bezahlen. Die volle Parteientschädigung ist in
Anwendung von § 5 Abs. 1, § 11 Abs. 1 und 2 sowie § 13 Abs. 1 und 2 AnwGebV
- 54 -
auf Fr. 8'000.– festzusetzen. Entsprechend hat die Klägerin 1 dem Beklagten für
das Berufungsverfahren eine Parteientschädigung von Fr. 1'600.– zuzüglich Fr.
123.20 (7.7 % Mehrwertsteuer), mithin (gerundet) Fr. 1'850.– zu bezahlen.
3. Unentgeltliche Rechtspflege
3.1. Sowohl die Klägerin 1 als auch der Beklagte beantragen, es sei ihnen
die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und eine unentgeltliche Rechts-
beiständin bzw. ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen (vgl. Urk. 83 S. 4,
Antrag 4, und Urk. 101 S. 3, Antrag 7).
Nach Art. 117 ZPO hat eine Person Anspruch auf unentgeltliche Rechtspfle-
ge, wenn sie nicht über die erforderlichen Mittel verfügt (lit. a) und ihr Rechtsbe-
gehren nicht aussichtslos erscheint (lit. b). Wenn dies zur Wahrung ihrer Rechte
notwendig ist, insbesondere wenn die Gegenpartei anwaltlich vertreten ist, be-
steht darüber hinaus ein Anspruch auf unentgeltliche Verbeiständung (Art. 118
Abs. 1 lit. c ZPO).
3.2. Es ist von einer Vermögenslosigkeit der Klägerin 1 auszugehen (vgl.
Urk. 4A/170; Urk. 83 S. 39; Urk. 140 S. 4 ff. und Urk. 142/3). Bei Gesuchseinrei-
chung im März 2021 wies die Klägerin 1 nach Abzug der familienrechtlichen Exis-
tenzminima von ihr und B._ (unter Berücksichtigung der Familienzulage) ei-
nen Überschuss von Fr. 245.– aus (Fr. 5'080.– - Fr. 3'364.– - Fr. 1'471.–). Per Ur-
teilsdatum (Januar 2022) verfügt die über einen Überschuss von Fr. 1'098.– (Fr.
5'080.– - Fr. 2'947.– - Fr. 1'035.–). Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die
Klägerin 1 dem Beklagten für das erstinstanzliche und das Berufungsverfahren
gesamthaft eine Parteientschädigung von Fr. 3'450.– zu bezahlen hat, die fami-
lienrechtlichen Existenzminima der Klägerinnen 1 und 2 bei der Unterhaltsbe-
rechnung enger als im Entscheid über die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege berechnet werden und die Klägerin 1 derzeit noch keine Unterhalts-
zahlungen für B._ erhält, kann eine Mittellosigkeit der Klägerin 1 im Sinne
des Gesetzes noch bejaht werden. Weiter waren die Anträge der Klägerin 1 nicht
von vornherein aussichtslos. Da sie als rechtsunkundige Person für die sachge-
rechte Wahrung ihrer Rechte im vorliegenden Berufungsverfahren auf anwaltli-
- 55 -
chen Beistand angewiesen war und auch die Gegenseite anwaltlich vertreten ist,
ist ihr Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Bestellung
einer unentgeltlichen Rechtsbeiständin zu bewilligen.
3.3. Aufgrund der vorangehenden Ausführungen ist von einer Mittellosigkeit
des Beklagten auszugehen. Sodann war er als rechtsunkundige Person für die
sachgerechte Wahrung seiner Rechte im Berufungsverfahren auf anwaltlichen
Beistand angewiesen und auch die Gegenseite ist anwaltlich vertreten, weshalb
sein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Bestellung
eines unentgeltlichen Rechtsbeistand zu bewilligen ist.