# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 9102ef2b-851a-4de6-af64-c3d7b60f6f31
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2010
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ A. und B. sind Eigentümer des Grundstücks Nr. 0000, Grundbuch X.. Das
Grundstück misst 4'373 m und liegt nördlich des Dorfes X. im Weiler F.. Nach dem
rechtskräftigen Zonenplan von 1994 ist es der Landwirtschaftszone zugeteilt. Die
Eigentümer bewohnen die südwestlich an das Grundstück Nr. 0000 angrenzende
Liegenschaft Nr. 999, die in der Wohnzone W1 liegt. C. ist Eigentümer des östlich an
das Grundstück Nr. 0000 angrenzenden Grundstücks Nr. XXXX. Dieses ist der
Landwirtschaftszone zugeteilt und mit einem nichtlandwirtschaftlichen Wohnhaus
überbaut. Er bewohnt mit seiner Ehefrau diese Liegenschaft.
Am 5. Oktober 1979 bewilligte der Gemeinderat X. auf dem Grundstück Nr. 0000,
welches damals im übrigen Gemeindegebiet lag, den Bau einer Feldscheune mit
Fohlenunterstand (Assek.-Nr. ..). Am 19. Mai 1982 bewilligte der Gemeinderat X.
ausserdem den Einbau einer Toilette und einer Handwaschanlage sowie den Anschluss
an die öffentliche Kanalisation. Für diese Bewilligungen holte der Gemeinderat X. die
Zustimmung der zuständigen kantonalen Stelle nicht ein.
2
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Aufgrund einer aufsichtsrechtlichen Anzeige von C. vom 26. Februar 1983 führte die
Gemeindeverwaltung X. beim Gebäude Assek.-Nr. .. eine Baukontrolle durch. Dabei
stellte sie bauliche Abweichungen von den Bewilligungen fest (Einbau einer Dusche),
kam aber zum Schluss, dass diese tolerierbar seien. In der Folge wurde darüber ein
Rechtsmittelverfahren geführt. Das Verwaltungsgericht entschied am 12. Dezember
1984, die beiden Fenster im westlichen Teil der Südfassade des Gebäudes seien auf
das der Baubewilligung vom 5. Oktober 1979 entsprechende Mass zu verkleinern, die
Türe in der Südfassade sei zu entfernen und die Türöffnung zuzumauern.
Am 17. März 1989 erteilte der Gemeinderat X. die Bewilligung für den Anbau eines
Futtermittelraums südöstlich der Feldscheune bzw. für deren Erweiterung um 17,65 m
bzw. 24,6 %.
B./ A. und B. erwarben am 21. Januar 2000 das Grundstück Nr. 0000. Sie nahmen am
Gebäude Vers.-Nr. .. verschiedene Arbeiten vor. Aufgrund eines Begehrens von C. und
D. erliess der Gemeinderat X. am 8. April 2005 eine Feststellungsverfügung hinsichtlich
der von den neuen Eigentümern vorgenommenen Arbeiten und entschied, diese seien
nicht bewilligungspflichtig. Dagegen erhoben C. und D. am 21. April 2005 Rekurs beim
Baudepartement. Dieses führte am 2. September 2005 einen Augenschein durch.
Dabei wurde festgestellt, dass der ehemalige Fohlenunterstand nicht nur erneuert,
sondern zu einer professionell eingerichteten Werkstatt mit Geräteunterstand
ausgebaut worden war und auf der Ost- und Westseite Anbauten zur Holzlagerung
erstellt wurden. Zudem wies der Futtermittelraum eine grössere Dimension auf, als in
der Baubewilligung festgehalten wurde. Ausserdem wurde er auf der Südseite mit
einem Vordach ergänzt. Am 30. September 2005 widerrief der Gemeinderat X. die
angefochtene Feststellungsverfügung und forderte die Grundeigentümer auf, ein
nachträgliches Baugesuch einzureichen. Das Baudepartement schrieb in der Folge den
Rekurs am 3. Oktober 2005 ab.
Am 2. Dezember 2005 reichten A. und B. ein nachträgliches Baugesuch ein. Aus den
Planunterlagen war ersichtlich, dass die ursprüngliche Baute nicht wie bewilligt um
17,65 m , sondern um insgesamt 72,28 m vergrössert worden war, was einer
Erweiterung von 101 % entsprach.
2
2 2
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Das Amt für Raumentwicklung und Geoinformation (abgekürzt AREG) verweigerte am
12. Juni 2006 eine Zustimmung zum Bauvorhaben wegen fehlender Zonenkonformität.
In der Folge wies der Gemeinderat X. das Baugesuch mit Verfügung vom 12. Juli 2006
ab und ordnete die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands bis 31. Dezember
2006 an. Gegen diese Verfügung erhoben A. und B. mit Eingaben vom 19. Juli und
2. September 2006 Rekurs beim Baudepartement. Darin machten sie unter anderem
geltend, die Baute sei standortgebunden.
Am 27. September 2006 stellten A. und B. ein Begehren um Einzonung des
Grundstücks Nr. 0000. Das AREG hielt in seinem Amtsbericht vom 6. März 2007 fest,
dass eine Einzonung nicht in Frage komme. Das Grundstück befinde sich abseits des
Dorfzentrums und in der Nähe zweier Grünzonen; zudem sei es mangelhaft
erschlossen.
Aufgrund des hängigen Einzonungsverfahrens beantragten der Gemeinderat X. sowie
A. und B. am 23. März bzw. 30. April 2007, das Rekursverfahren sei zu sistieren. Das
verfahrensleitende Baudepartement wies dieses Gesuch am 3. Mai 2007 ab.
Die Regierung wies an ihrer Sitzung vom 9. Oktober 2007 den Rekurs von A. und B. ab.
Ausserdem änderte sie Ziff. 4 Abs. 2 der Verfügung des Gemeinderates X. und ordnete
an, dass das Gebäude Vers.-Nr. .. innert dreier Monate ab Rechtskraft des Entscheids
gemäss dem Urteil des Verwaltungsgerichts vom 12. Dezember 1984 bzw. der
Bewilligung des Gemeinderates X. vom 6. Mai 1989 wiederherzustellen sei. Für den
Fall, dass das Gebäude umgenutzt oder abgebrochen werden sollte, sei innert gleicher
Frist zusätzlich ein Umnutzungs- bzw. Abbruchgesuch einzureichen. Dieser Entscheid
wurde am 15. Oktober 2007 den Beteiligten zugestellt. Er erwuchs unangefochten in
Rechtskraft.
C./ Am 18. April 2009 erkundigten sich C. und D. beim Gemeinderat X., inwiefern die
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands vollzogen worden sei. Der
Gemeinderat X. antwortete am 30. April 2009, dass die Wiederherstellung bzw. der
Abbruch bis zum Abschluss der Ortsplanungsrevision aufgeschoben werde.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Mit Eingabe vom 15. Juni 2009 reichten C. und D. beim Baudepartement
Rechtsverweigerungsbeschwerde und aufsichtsrechtliche Anzeige gegen den
Gemeinderat X. ein und forderten das Departement auf, den Entscheid der Regierung
zu vollziehen.
Der Gemeinderat X. hielt in seiner Stellungnahme vom 8. Juli 2009 fest, er habe
bewusst mit der Umsetzung des Regierungsbeschlusses vom 9. Oktober 2007
zugewartet, weil derzeit die Ortsplanungsrevision im Gang sei und für die beiden
Grundstücke Nrn. 0000 und ... Einzonungsbegehren gestellt worden seien. Die
Chancen für eine Einzonung der beiden Grundstücke seien intakt. Es sei
unverhältnismässig und nicht zumutbar, bereits während des laufenden Verfahrens der
Ortsplanungsrevision einen Rückbau der Scheune zu veranlassen.
Das Baudepartement lud A. und B. zur Vernehmlassung ein. Diese liessen sich
allerdings nicht vernehmen.
Am 19. August 2009 zeigte das Baudepartement den Beteiligten den Abschluss des
Schriftenwechsels an.
Am 28. Oktober 2009 orientierte das Baudepartement die Grundeigentümer, es werde
in Betracht gezogen, einer Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu entziehen.
Am 29. Oktober 2009 zogen C. und D. ihre Rechtsverweigerungsbeschwerde zurück;
an der Aufsichtsbeschwerde hielten sie hingegen fest.
In der Folge äusserten sich A. und B. mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom
2. November 2009. In der Folge wurden weitere Erhebungen im Zusammenhang mit
einer allfälligen Einzonung der Grundstücke durchgeführt.
Am 26. Januar 2010 entschied das Baudepartement wie folgt über die
aufsichtsrechtliche Anzeige:
"1. Der Anzeige von C. und D., X., wird Folge gegeben.
2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.1. Der Gemeinderat X. wird angewiesen, Ziff. 4 Abs. 2 seiner Verfügung vom 12. Juli
2006, von der Regierung geändert am 9. Oktober 2007, ohne Verzug zu vollziehen.
2.2. Der Gemeinderat X. wird angewiesen, dem Baudepartement über den Vollzug der
Wiederherstellung Bericht zu erstatten.
3.
3.1. Als vorsorgliche Massnahme wird für die Dauer des Verfahrens folgendes
Nutzungsverbot erlassen:
Die Nutzung des Grundstücks Nr. 0000, Grundbuch X., für das Betreiben einer
Hobbywerkstatt und für die dauerhafte Lagerung von Holz und anderen
nichtlandwirtschaftlichen Objekten ausserhalb von Vers.-Nr. .. wird ab Februar 2010
verboten.
3.2. Ungehorsam gegen dieses Nutzungsverbot wird nach Art. 292 des
Schweizerischen Strafgesetzbuchs mit Busse bestraft.
4.
4.1. Auf die Erhebung amtlicher Kosten wird verzichtet.
4.2. Den Anzeigern wird der am 22. Juni 2009 bezahlte Kostenvorschuss von
Fr. 1'000.-- zurückerstattet."
D./ Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 25. Februar 2010 erhoben a. und B.
Beschwerde beim Verwaltungsgericht und beantragten, es sei ihnen eine Frist für
Antrag, Sachdarstellung und Begründung anzusetzen. In der innert angesetzter Frist
eingereichten Beschwerdeergänzung vom 26. März 2010 beantragten sie, der
Entscheid des Baudepartements vom 26. Januar 2010 sei aufzuheben und der
aufsichtsrechtlichen Anzeige sei nicht Folge zu geben, soweit überhaupt darauf
eingetreten werden könne (Ziff. 1), eventualiter sei das vorliegende Verfahren bis zum
Abschluss des Zonenplanrevisionsverfahrens der Gemeinde X. zu sistieren (Ziff. 2),
subeventualiter sei das als vorsorgliche Massnahme angeordnete Nutzungsverbot
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
aufzuheben (Ziff. 3), unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Staates
(Ziff. 4).
Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 13. April 2010, auf Ziff. 1 und 2
der Beschwerde sei nicht einzutreten und Ziff. 3 und 4 seien abzuweisen.
Die Politische Gemeinde X. äusserte sich mit Eingabe vom 5. Mai 2010 zur
Beschwerde und beantragte, den Anträgen sei stattzugeben. Im übrigen verwies sie
auf ihre eigene Beschwerde gegen den Entscheid des Baudepartements.
C. und D. liessen sich zur Beschwerde nicht vernehmen.
Die Beschwerdeführer erhielten Gelegenheit, zu den Vernehmlassungen des
Baudepartements und der Gemeinde X. Stellung zu nehmen. Dies taten sie mit Eingabe
ihres Rechtsvertreters vom 19. August 2010.

## Considerations

Die Erwägungen des angefochtenen Entscheids sowie die Vorbringen der
Verfahrensbeteiligten werden, soweit wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen
dargelegt und gewürdigt.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP).
1.1. Nach Art. 59bis Abs. 2 lit. a Ziff. 1 VRP sind Beschwerden gegen Entscheide in
Angelegenheiten der Staatsaufsicht unzulässig, wenn nicht eine Verletzung der
Gemeindeautonomie geltend gemacht wird.
Die Beschwerdeführer berufen sich in ihrer Eingabe zwar auf die Gemeindeautonomie.
Es müsse im Ermessen der Gemeinde liegen, den Zeitpunkt für den Vollzug einer
verfügten Massnahme den gegebenen Umständen anzupassen, selbst wenn die
Gründe für eine Verzögerung aufgrund solcher Umstände rein ökonomischer Natur
seien. Eine Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands könne unter anderem
unterbleiben, wenn sie nicht im öffentlichen Interesse liege bzw. wenn
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
entgegenstehende öffentliche Interessen es rechtfertigten, auf die Vollstreckung zu
verzichten. Vorliegend überwiege das private Interesse beteiligter Dritter am Bestand
ihres Eigentums sowie das öffentliche Interesse daran, dass Behörden nicht unnütze
Aufgaben ausführen, das öffentliche Interesse an der starren Durchsetzung der
Bauvorschriften.
Dagegen wendet die Vorinstanz ein, der Gemeinderat werde eine anfechtbare
Vollstreckungsverfügung erlassen müssen, welche die Ersatzvornahme in ihren