# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 90f94572-f543-4628-a59c-8e7f05d147d2
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Die
1965
geborene
X._
war
seit ihrer Einreise in die Schweiz bei verschiedenen Arbeitgebern jeweils in einem 80
%
-Pensum als Fachangestellte Gesundheit (
F
a
G
e
) angestellt (
Urk.
7/30 und
Urk.
7/37/2).
Am 1
3. Oktober 2014
meldete sie sich unter Hinweis auf
unter anderem Schmerzen in den Knien, Ellen
bogen, Handgelenken, Fin
gern und dem
Rücken, Schlafproblemen, Allergien und einer Darmerkrankung
bei der Invalidenversicherung
an und ersuchte um
eine Umschulung oder Eingliederungsmassnahmen
(
Urk.
7/26
und
Urk.
7/37/5
)
.
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen
und sprach der Versicherten Frühinterventions
massnahmen in Form von Ber
ufsberatung (Mitteilung vom 20.
Januar 2015,
Urk.
7/50) sowie eine Kostengutsprache für eine Umschulung zur Medizinischen Praxisassistentin (MPA; Mitteilung vom 2
6.
August 2015, Urk. 7/61) zu. Letztere brach sie mit Mitteilu
ng vom
1.
Dezember 2015 per 30.
November 2015 ab, da die Ausbildungsziele
wegen fehlende
n
schulische
n
Voraussetzungen
nicht mehr erreicht werden könnten (
Urk.
7/67).
Am
7.
Juli 2016 ersuchte die Versicherte um Kostengutsprache für eine Um
schulung zur Fachfrau Betreuung (
F
a
B
e
,
Urk.
7/79)
. Mit Verfügung vom 2.
März 2017 (
Urk.
7/99) wies die IV-Stelle den Anspruch auf berufliche Massnahmen ab
.
Zuletzt war die Versicherte vom
1.
Oktober 2016
bis 3
1.
Oktober
2019
in einem 90
%
-Pensum als
FaGe
bei
der Stiftung
Y._
Wohnen un
d Tagesstruktur für Erwachsene
a
ngestellt. Am
1.
April 2019
meldete sie sich
unter Hinweis auf
verschiedene Eingriffe am Dickdarm
bei der
IV-Stelle
zum
Leistungsbezug an (Urk.
7/111
,
Urk.
7/117 und Urk. 7/
146/36
).
Die
IV-Stelle täti
gte medizinische und erwerbliche Abklärungen und wies das Leistungsbegehren n
ach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/157,
Urk.
7/161 und
Urk.
7/166
)
mit
Verfügung vom
2.
November 2020
(Urk. 2) ab.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am
2.
Dezember 2020
Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei
die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit diese nach den notwendigen Abklärungen in der Sache neu entscheide
. Am
2
1.
Januar 2021
(Urk.
6
) beantragte die IV-Stelle, die Beschwerde sei abzuweisen. Mit Replik vom
2
2.
Februar 2021
(
Urk.
9
)
beantragte die Beschwerdeführerin, die Beschwerde sei gutzuheissen.
Mit Eingabe vom
6.
April 2021 liess sich
die Beschwerdegegnerin
dazu vernehmen
(
Urk.
11
), was der Beschw
erdeführerin mit Verfügung vom
9.
April 2021
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
12
).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisende
Ver
fügung vom
2.
November 2020
(Urk. 2) damit, dass
die Beschwerdeführerin aus orthopädischer Sicht in einer
wechselbelastenden oder sitzenden Tätigkeit mit
Heben und Stossen bis Brusthöhe mit bis zu 15 kg voll
arbeitsfähig sei.
Die Arbeitsunfähigkeit sei vor allem durch eine psychosoziale Belastungssituation (Konflikt am Arbeitsplatz, finanzielle Schwierigkeiten nach Kündigung, gesund
heitliche Beschwerden des Vaters) ausgelöst worden. Es liege keine Erkrankung vor, welche
sie
über eine längere Dauer in ihrer Leistungsfähigkeit einschränke. Die Kriterien für eine depressive Episode seien nicht erfüllt. Es bestehe kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (S. 1-2).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
ihre doch teilweise massiven Knie-, Rücken- und Ellenbogenschäden würden es ihr verunmöglichen, die Tätigkeit als
F
a
G
e
zu 90
%
wieder aufzunehmen
. Dr.
med
.
Z._
,
Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom Regio
nalen Ärztlichen Dienst (RAD) setze sich damit nicht auseinander (S. 10). Die psychiatrische Beurteilung erweise sich - aus näher dargelegten Gründen - als undifferenziert
und
nicht
rechtsgenüglich
(S. 10-13). Sie leide seit anderthalb Jahren an einer depressiv-psychischen Erkrankung, ohne dass bislang je eine vollständige Remission eingetreten sei.
Auslöser davon seien zwar auch IV-fremde Faktoren gewesen. Arbeitsplatzprobleme könnten aber im IV-rechtlichen Sinne relevant werden, wenn sich wie vorliegend daraus ein verselbständigter Gesundheitsschaden ergebe. Die Beschwerdegegnerin mache nicht substantiiert geltend, dass invaliditätsfremde Gesichtspunkte bei der Arbeitsfähigkeits
beurtei
lung überwiegen würden. Die sehr oberflächliche Einschätzung des RAD vermöge nicht zu überzeugen. Da mehr als nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit
seines Berichts
beständen, könne nicht auf diesen abgestellt werden (S. 13-17). Die Sache sei deshalb für weitere Abklärungen an die Beschwerdegeg
nerin zurückzuweisen (S. 18).
3.
3.1
Dr.
med. univ.
A._
, Facharzt FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologi
e des Bewegungsapparates, gab
in seinem
Bericht vom 2
6.
Juni
2019 (Urk.
7/130/10-14)
zum MRI der LWS beziehungsweise des
thorakolumbalen
und
lumbosakralen
Übergangs sowie zum Röntgen des rechten Ellenbogens und der Knie vom 1
2.
Juni
2019 und zudem zum MRT der Knie vom 1
7.
Juni
2019 folgende Beurteilung wieder (S. 4-5):
-
chronische
Lumboischialgie
rechts bei zirkulärer
Diskusprotrusion
L4/L5 mit
rezessaler
und
foraminaler
Enge beidseits und dadurch mit möglicher Affek
tion der
Radices
L4 beidseits (
foraminal
) und L5 beidseits (
rezessal
)
-
leichte mediale Gonarthrose rechts mit tiefen Knorpeldefekten
retropatellär
mit
subchondraler
Knochenmarks-Reaktion und tiefen Knorpelfissuren der
Trochlea
femoris
-
parameniskale
Ganglionzyste
der lateralen Meniskusvorderhorn-Wurzel
-
leichte mediale Gonarthrose links mit
polylobulierter
parameniskaler
Gang
lionzyste
des lateralen Vorderhorns/Pars
intermedia
und der lateralen Vorder
hornwurzel
-
tiefe Knorpelfissuren und fokale tiefe Knorpeldefekte
retropatellär
und an der
Trochlea
femoris
-
chronische
Epikondylitis
ulnaris
rechts
Zudem führte er aus,
e
ine ambulante Physiotherapie mit Rückenschule sei indi
ziert. Sollten die Beschwerden nicht besser werden, sei eine CT-gezielte Wurzelin
filtration geplant.
Von der chronischen
Epikondylitis
werde ebenso eine ambu
lante Physiotherapie mit Querfriktion Massage empfohlen, ebenso ein
Epitrain
als Aktivbandage zur Stabilisierung und Entlastung des Ellenbogengelenkes. Es werde bei beiden Kniegelenken eine konservative Therapie empfohlen
,
wobei eine ambulante Physiot
h
erapie hilfreich sein könne.
Sollten die Kniegelenkschmerzen stärker werden, sei auch eine
Cortisoninfiltration
möglich (S. 5).
3.2
PD
Dr.
med.
B._
, FA Orthopädie und Traumatologie FMH, führte in seiner Kurzbeurteilung zu Händen der Krankentaggeldversicherung der Beschwerde
führerin vom 1
8.
Oktober 2019 (
Urk.
7/136/12-15) folgende Diagnosen auf:
-
inzipiente
Gonarthrose links
-
mediale
Epicondylitis
I beidseits
Dazu führte er aus, beide Diagnosen würden die Arbeitsfähigkeit als
FaGe
beein
flussen, aber nur teilweise. Das Problem der Beschwerdeführerin sei nicht die Arbeit als
FaGe
, sondern das Heben und Bewegen der behinderten Patienten. In einer Situation, in welcher dieser spezielle Umstand wegfalle, könne sie nahezu frei als
FaGe
arbeiten. Langes Stehen oder tiefe Hocke/Knie sei zu vermeiden. In einer wechselbelastenden oder sitzenden Tätigkeit mit Heben und Stossen bis Brusthöhe mit bis zu 15 kg sei sie voll arbeitsfähig (S. 3).
3.
3
Dr.
med.
C._
, Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Arzt für Neuro
logie und Psychiatrie, Forensische Psychiatrie (D), hielt in seiner
psych
iatrischen Ku
rzbeurteilung
zu Händen der Krankentaggeldversicherung
der Beschwerde
führerin
vom
9.
November 2019 (
Urk.
7/136/2-1
1
) folgende Diagnose mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 7)
fest
:
-
schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome
Dazu führte er aus, die Beschwerdeführerin gehe einmal wöchentlich zur psy
chiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung und werde auch psychopharmako
logisch
therapiert. Es bestehe zurzeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der
beruflichen Tätigkeit als Betreuerin Behindertenbereich. Es sei eine teilstationäre, möglicherweise auch vollstationäre psychiatrisch-psychotherapeutische Behand
lung indiziert
(S. 6 und S. 8
). Anschliessend -
also ab dem 1
0.
Februar 2020
-
bestehe wiederum eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Psychosoziale oder soziokultu
relle Belastungsfaktoren hätten keinen Einfluss auf die Schwere der festgestellten Erkrankung (S.
9-
10).
3.4
Der behandelnde
Dr.
med.
D._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie
,
führte in seinem Bericht vom
7.
Mai 2020 (
Urk.
7/146/1-6) folgende Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf (S. 3):
-
schwere depressive Episode (Diagnose vom 1
1.
Juni 2019)
-
Status nach Divertikulitis (schwieriger Genesungsverlauf)
-
orthopädische Problematik in beiden Knien und Ellenbogen
-
Heuschnupfen
Dazu führte er aus, die Beschwerdeführerin leide weiterhin an einer depressiven Symptomatik, welche sich mittlerweile nach mehreren Rückfällen erfreulicher
weise teilweise gebessert habe (S. 3). Ih
re bisherige Tätigkeit sei ihr a
nfangs mit 20 bis 30
%
mit einer Steigerung im Verlauf zumutbar. Sie sei für eine Wieder
eingliederung im ersten Arbeitsmarkt sehr motiviert, benötige dazu aber die Hilfe der
Beschwerdegegnerin
(S. 6).
3.5
Nach Rücksprache mit
Dr.
Z._
vom RAD am 1
8.
Juni 2020 hielt die zu
ständige Eingliederungsberaterin
fest (
Urk.
7/155/7
), die Beschwerdeführerin habe
nach gescheiterter Umschulung wieder im Beruf gearbeitet. Aktuell würden Dia
gnosen gestellt, welche nicht plausibel seien. Auslöser der Arbeitsunfähigkeit sei ein Konflikt am Arbeitsplatz gewesen. Der Behandler habe eine Reisefähigkeit und eine schwere depressive Episode bestätigt. Dies könne nicht sein, wer reise
fähig sei, könne nicht schwer depressiv sein. Der Gutachter habe ab Februar 2020 eine volle Arbeitsfähigkeit festgehalten. Es liege kein medizinisch-psychiatrischer Sachverhalt, sondern vielmehr eine psychosoziale Belastungssituation vor. Die Beschwerdeführerin habe offenbar gute Alltagsfertigkeiten, sei reisefähig und mobil. Anhand der Aktenlage sei
eine
höhergradige
Arbeitsunfähigkeit
aus psy
chia
trischer Sicht nicht nachvollziehbar.
3.
6
Nach einer telefonischen Rücksprache mit
Dr.
med.
E._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom RAD,
führte
die Kundenberaterin am 30.
Okto
ber 2020
aus
(
Urk.
7/167/2)
,
für eine depressive Episode müssten bei den B-Kriterien mindestens 2 Kriterien erfüllt sein. Objektiv sei beim psychopatho
lo
gischen Befund nur ein Kriterium (Traurigkeit) erfüllt. Die Kriterien Interessens
verlust und Antriebsstörung seien nicht gegeben. Demnach sei die Diagnose depressive Episode nicht gegeben. Zu Kriterien C würden zwar Konzentrations
stö
rungen zählen, aber dazu sei zunächst das Kriterium B zu erfüllen.
4.
Soweit die Beschwerdeführerin kritisierte, indem die Beschwerdegegnerin nicht bekanntgegeben habe, in welchen Fachdisziplinen die am Fall beteiligten RAD-Ärzte spezialisiert seien, habe sie ihren Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt
(
Urk.
9 S. 2-4)
, ist festzuhalten,
dass die
entsprechenden Facharzttitel im
Medi
zinal
beruferegister
und auf der Internetseite der Beschwerdegegnerin
öffentlich einsehbar
sind. Die Beschwerdegegnerin wies zudem in ihrer Duplik (
Urk.
11) darauf hin, dass es sich bei den fraglichen RAD-Ärzten um Fachärzte FMH für Psychiatrie und Psychotherapie handle. Es erübrigt sich damit, auf die dies
be
züglichen Vorbringen der Beschwerdeführerin weiter einzugehen.
5
.
5
.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der rentenabweisenden Verfügung vom
2.
November
2020 auf
eine am 1
8.
Juni 2020 erfolgte Rücksprache der Einglie
derungsberaterin mit RAD-Arzt
Dr.
Z._
sowie auf ein
am 30.
Okto
ber 2020 geführtes
Telefongespräch der Kundenberaterin
mit
Dr.
E._
vom RAD
(E. 3.5
-3.6
hiervor).
5
.2
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funk
tionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) beurteilen die RAD die medizi
nischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungs
ergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wer
tung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie wür
digen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundes
ge
richts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxis
gemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versiche
rungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Okto
ber 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
Aus dem Grundsatz der
Waffengleichheit folgt das Recht der versicherten Per
son, mittels eigener Beweismittel die Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärzt
lichen Feststellungen der versicherungsinternen Fachpersonen in Zweifel zu ziehen. Diese von der versicherten Person eingereichten Beweismittel stammen
regel
mässig
von behandelnden Ärzten oder von anderen medizini
schen Fach
personen, die in einem auftragsrechtlichen Verhältnis zur versi
cherten Person stehen. Auf
grund der Erfahrungstatsache, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auf
trags
rechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patien
ten aussagen, wird im Streitfall eine
direkte
Leistungszusprache
ein
zig gestützt auf die Angaben der behandeln
den Ärzte aber kaum je in Frage kommen (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.5).
5.3
5.3.1
Zunächst ist festzuhalten, dass die von der Eingliederungs- beziehungsweise Kun
denberaterin im Feststellungsblatt wiedergegebenen Rücksprachen mit den
Dres
.
Z._
und
E._
nicht als
rechtsgenügliche
Stellungnahme
n
des RAD angesehen werden
können. Denn
eine formlos eingeholte und in einer Aktennotiz festgehaltene
(
telefonische
)
Auskunft
stellt
nur insoweit ein zulässiges und taug
liches Beweismittel
dar
, als damit blosse Nebenpunkte, namentlich Indizien oder Hilfstatsachen, festgestellt werden (BGE 117 V 282 E. 4c), was vorliegend nicht der Fall ist.
5.3.2
Die Beschwerdegegnerin verneinte einen Leistungsanspruch der Beschwerde
füh
rerin mit der Begründung, deren psychische Beschwerden seien durch eine psy
cho
soziale Belastungssituation ausgelöst worden, welche weiterhin andaure, zu
dem seien die Kriterien für eine depressive Episode nicht erfüllt. Dr.
C._
führte in seiner Kurzbeurteilung zu Händen der Kr
ankentaggeldversicherung (E. 3.3
hie
r
vor) jedoch eine gedrückte Stimmung, eine Verminderung des Antriebs, ein
vermindertes Selbstwertgefühl, Suizidideen und Zukunftsängste auf
(Urk. 7/136/
8)
, womit die Kriterien für eine mittelgradige depressive Episode erfüllt sind (vgl. dazu
Dilling
/
Mambour
/Schmidt,
Internationale
Klassifikation psychischer Stö
run
gen: ICD-10 Kapitel V[F]: Klinisch diagnostische Leitlinien, 10. Aufl. 2015, S.
169-174).
Dasselbe gilt für den Bericht des behandelnden
Dr.
D._
vom
7.
Mai 2020 (E. 3.4 hie
r
vor), welcher darin Traurigkeit, eine reduzierte Belastbar
keit, Ausdauer und Konzentration, eine erhöhte Ermüdbarkeit, Lebensüberdruss, Schlafstörungen und Zukunftsängste festhielt
(Urk. 7/146/3-4)
.
Es kann
somit
nicht angehen, die psychischen Beschwerden der Beschwerdeführerin
ohne wei
tere Begründung
unbeachtet zu lassen, zumal g
emäss der nunmehr geltenden Rechtsprechung
auch leichten oder mit
tel
schweren depressiven Störungen nicht mehr von vorn
herein eine invalidisierende Wirkung abgesprochen werden
kann
, dies unabhängig davon, ob sie durch psychosoziale Belastungsfaktoren ausgelöst wurden und diese andauern.
Vielmehr ist anhand von auf den funktio
nellen Schweregrad be
zogenen Standardindika
toren das tatsächlich erreich
bare Leis
tungsvermögen er
gebnisoffen und sym
metrisch zu beurteilen. Die vor
han
denen medizinischen Beurteilungen erwei
sen sich da
zu als zu wenig aussage
kräftig.
Ohnehin
wies
Dr.
C._
darauf hin, dass
vorliegend keine
psychosoziale
n
oder soziokulturelle
n
Belastungsfaktoren
einen
Einfluss auf die Schwere der festge
s
tellten Erkrankung haben (E. 3.3
hie
r
vor).
Soweit die Beschwerdegegnerin die Depression der Beschwerdeführerin verneinte mit der Begründung, sie sei reise
fähig, ist darauf hinzuweisen, dass
es sich bei der Reise in ihr Heimatland nicht um einen normalen Urlaub handelte, sondern dass sie diesen
aufgrund des ver
schlechterten Gesundheitszustandes ihres Vaters
antrat, welcher
in der Folge
verstarb
(vgl.
Urk.
7/146/12)
.
So ist nachvollziehbar, dass der behandelnde Dr.
D._
der Beschwerdeführerin eine Ferienfähigkeit bescheinigte und den Auslandaufenthalt aus psychiatrischer Sicht als sinnvoll und möglicherweise zur Genesung beitragend erachtete (
Urk.
7/136/4).
Dr.
C._
mag zudem im Novem
ber 2019 davon ausgegangen sein, dass die Beschwerdeführerin ab Februar 2020 wiederum zu 100
%
arbeitsfähig ist. Ohne weitere diesbezüglichen Abklärungen
ist eine
Arbeitsfähigkeit in einem
solche
n Umfang
einzig aufgrund
seiner pro
gnostischen Einschätzung
jedoch
nicht
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, zumal der behandelnde
Dr.
D._
im Mai 2020 zwar von einer Verbes
serung des Zustands aber doch von einer weiterhin bestehenden hochgradigen Arbeitsunfähigkeit ausging (E. 3.4 hie
r
vor).
5.3.3
Im Übrigen wurde die Arbeitsfähigkeit aus somatischer Sicht von keinem RAD-Arzt gewürdigt. Soweit die Beschwerdeführerin aus der gemäss PD
Dr.
B._
bestehenden vollen Arbeitsfähigkeit in einer wechselbelastenden oder sitzenden Tätigkeit mit Heben und Stossen bis Brusthöhe mit bis zu 15 kg ohne langes Stehen oder tiefe Hocke/Knie
(E. 3.2 hiervor)
auf eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als
FaGe
zu
schliessen
scheint
, kann ihr nicht gefolgt werden. Gemäss Arbeitsplatzbeschrieb vom 2
9.
April 2019 (
Urk.
7/117/3) beinhaltete die letzte Tätigkeit der Beschwerdeführerin oft Gehen, oft Stehen und oft Tragen bis 25 kg, selten Tragen über 25 kg,
nur manchmal Sitzen und
nur selten Büro- und administrative Tätigkeiten
,
womit diese Arbeit
mit den von PD
Dr.
B._
festgehaltenen Einschränkungen nur noch teilweise möglich ist. Auch ist nicht davon auszugehen, dass die Beschwerdegegnerin der Beschwerde
füh
rerin eine Umschulung
zur MPA
zugesprochen und eine
solche zur
FaBe
lediglich
aufgrund von schulischen Schwierigkeiten verweigert hätte
(vgl.
Urk.
7/61 und
Urk.
7/81)
, wenn sie in ihrer angestammten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig wäre.
Ob und i
n welchem Umfang die Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit arbeitsfähig ist, hätte weiterer Abklärungen bedurft, sind doch die medizinischen Unterlagen dafür zu wenig aussagekräftig.
5
.
4
Zwar können RAD-Stellungnahmen nicht einfach
immer dann in Frage ge
stellt werden, wenn die behandelnden Ärzte eine abweichende Meinung zur Arbeits
unfähigkeit
äussern
(vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_668/2015 vom 17. Februar 2016 E. 3). Jedoch ist
auf einen
- ohnehin nur in einer Aktennotiz wi
e
dergegebenen -
RAD-Bericht nicht abzustellen, wenn – wie hier - auch nur geringe Zweifel an dessen Zuver
lässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (vgl. E.
5
.2 hiervor).
5
.
5
Auch gestützt auf die Berichte de
s
behandelnden
Dr.
D._
ist es aber nicht möglich, die invalidisierende Wirkung der geltend gemachten Beschwerden an
hand von auf den funktionellen Schweregrad be
zogenen Standardindika
toren er
gebnisoffen und sym
metrisch zu beurteilen.
Seinem Bericht vom
7.
Mai
2020 (E.
3.4 hie
r
vor) sind zudem keine aktuellen Diagnosen zu entnehmen, auch wird aus diesem nicht klar, ob in die Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit allenfalls fachf
remd
e
somatische Beschwerden mit
eingeflossen sind.
Dr.
A._
äusserte sich
in seinem Bericht vom 2
6.
Juni 2019 (E. 3.1 hiervor)
zudem nicht zur Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht.
5
.
6
Nach dem Gesagten kann aufgrund der Akten nicht mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit fest
gelegt werden, in welchem Umfang die Beschwerdefüh
rerin arbeitsfähig ist. So fehlt namentlich eine differenzierte und rechtsgenü
gende Beurteilung der Ar
beitsfähigkeit aus psychiatrischer
und orthopädischer
Sicht. Angesichts des Ver
zichts der Beschwer
de
gegnerin auf eine externe Begutachtung im Rahmen des Verwal
tungs
verfah
rens rechtfertigt sich eine gerichtliche Be
gutachtung nicht. Der ange
fochtene Entscheid ist deshalb aufzuhe
ben und die Sache
-
wie von der Beschwerdeführerin beantragt
-
zur Abklärung und an
schlies
sendem neuen Entscheid über
ihre
Leistungsansprüche an die Be
schwerde
gegnerin zurückzuweisen.
6
.
6
.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57). Die Kosten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf
Fr.
7
00.-- festzusetzen
und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6
.2
Der Beschwerdeführerin steht eine Prozessentschädigung zu
,
welche
vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Be
deutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitauf
wand und den Barauslagen festge
setzt wird (§ 34 Abs. 1 und 3
des
Gesetzes über das Sozialversiche
rungsgericht,
GSVGer
). Entsprechend ist ihr
eine solche von Fr. 2‘400.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen.