# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 1a9e6a07-dfe7-4677-ade7-6fa6ecba4091
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1943, war über seine Arbeitgeberin, die Z._, bei der Rentenanstalt (heute: Swiss Life AG) berufsvorsorgeversichert. Am 22. November 2005 überwies diese - auf entsprechendes Gesuch hin (Urk. 2/3) - sein Guthaben in der Höhe von Fr. 199‘291.35 auf ein auf seinen Namen lautendes Freizügigkeitskonto bei der Freizügigkeitsstiftung der Y._, welche ihm den Eingang der Vorsorgegelder - unter Beilage ihres Reglements - mit Schreiben vom 24. November 2005 anzeigte (Urk. 12/2).
1.2
Mit Schreiben vom 2. Dezember 2005 ersuchte A._, Mitarbeiter des Patronato INCA (Instituto Nazionale Confederale di Assistenza), die Freizü
gigkeitsstiftung der Y._ im Namen von X._ und unter Hinweis darauf, dass dieser am 1. März 2006 das 63. Altersjahr erreichen werde, um Auflösung des Freizügigkeitskontos Nr. B._ und Überweisung des Guthabens auf das Konto C._, lautend auf I.N.C.A. 8005 Zürich, bei der D._ (Urk. 2/4). Mit dem Gesuch reichte er eine Vollmacht vom 2. Dezember 2005, unterschrieben mit X._ (Urk. 2/5), einen entsprechenden Zahlungsauftrag vom nämlichen Datum (Urk. 2/5), eine Wohnsitzbestätigung der Gemeinde Untersiggenthal (Urk. 12/4) sowie Kopien der Niederlassungsbewilligung von X._ und seiner Ehefrau (Urk. 12/5) ein. Die Freizügigkeitsstiftung der Y._ überwies am 8. Dezember 2005 das gesamte Freizügigkeitskapital von X._ in der Höhe von Fr. 199‘379.95 weisungsgemäss auf das angege
bene Konto bei der D._ (Urk. 2/7, 12/6).
Beim angege
benen Bankkonto handelte es sich indessen nicht um ein Konto des Patronato INCA, sondern um ein privates Konto von
A._. Dieser leitete
X._
das Freizügigkeitskapital nic
ht weiter.
1.3
X._ bezog (mindestens) ab Dezember 2005 Taggelder von der OEFFENTL ARBEITSLOSENKASSE DES KANTONS AARGAU, POSTFACH, 5001 AARAU (Urk. 18/5). Ab Januar 2008 erhielt er für weitere drei Monate „Arbeitslosengelder“. Diese wurden aber nicht mehr von der Arbeitslosenkasse des Kantons Aargau entrichtet, sondern von A._. Die Überwei
sungen erfolgten unter dem Absender „I.N.C.A. INHABER A._“ und der Mitteilung (des Auftraggebers): „INDENNIZO DISOCCUPAZIONE REF. E._ PERCETTORE F._ X._“, insgesamt im Betrag von Fr. 12‘025.-- (Januar 2008: 5‘275.--, Februar 2008: Fr. 3‘375.--, März/April 2008: 3‘375.--). Von April 2008 bis April 2009 erhielt X._ von A._ sodann „Rentenzahlungen“. Die Überweisungen erfolgten bis Juni 2008 unter dem Absender „I.N.C.A. INHABER A._, G._“ und danach unter dem Absender „I.N.C.A. INHABER A._, H._“ und enthielten die Mitteilung „RENDITA MENSILE DI 2. PILASTRO PREVIDENZA SWISS LIFE (CONTRATO F._) REF: E._ (X._)“ (Urk. 18/5). Insgesamt waren es 13 Raten à Fr. 878.--, im Gesamtbetrag mithin Fr. 11‘414.--. A._ brauchte das auf sein Konto überwiesene Kapital aber nicht nur für die Zahlungen an X._, sondern - ebenso wie zahlreiche weitere Vorsorgeguthaben anderer Versicherter, die er sich auf ähnliche Weise hat aus
zahlen lassen - in betrügerischer Weise für eigene Zwecke. Unter anderem hatte er sich auch das Vorsorgeguthaben der Ehefrau von X._ auszahlen lassen, ihr jedoch Beträge überwiesen, die im Total leicht über dem ausbezahl
ten Guthaben lagen (Urk. 12/8 S. 72). Er war schliesslich nicht mehr in der Lage, weitere Zahlungen an die Versicherten zu leisten, er flog auf und es wurde gegen ihn ein Strafverfahren wegen Betrug, Veruntreuung und Urkun
denfälschung geführt.
1.4
Am 27. August 2009 wandte sich X._ an die
Freizügigkeitsstiftung der
Y._
und bat um Auskünfte über sein Freizügigkeitsgut
haben (Urk. 2/17). Mit Schreiben vom 5. Oktober 2010 ersuchte er sie
– unter Hinweis darauf, dass sein Freizügigkeitskapital
auf das Konto einer unberech
tigten Person überwiesen worden sei – um Überweisung des Betrags von
199‘379.95 zuzüglich Zins (Urk. 12/11
)
, was die
Freizügigkeitsstiftung der
Y._ aber ablehnte (vgl. Urk. 1 S. 9).
2.
Mit Eingabe vom 2. Dezember 2015 liess X._ Klage gegen die Freizü
gigkeitsstiftung der Y._ erheben und beantragen, es sei die Beklagte zu verpflichten, ihm seinen Leistungsanspruch in der Höhe von Fr. 199‘379.95 auszurichten, zuzüglich Verzugszins ab 8. Dezember 2005 in der Höhe von 5 % (Urk. 1 S. 2). In prozessualer Hinsicht liess er um unentgeltliche Rechtspflege ersuchen (Urk. 1 S. 2), welches Gesuch er jedoch am 1. Februar 2016 wieder zurückziehen liess (Urk. 9). Die Beklagte schloss am 15. April 2016 auf Abweisung der Klage (Urk. 11 S. 2). Im Rahmen des zweiten und dritten Schriftenwechsels hielten die Parteien an ihren Anträgen fest (Urk. 17, 24, 29, 34).

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Im Streit stehen Altersleistungen aus einer Freizügigkeitspolice. Diese darf gemäss Art. 16 Abs. 1 der Verordnung über die Freizügigkeit in der beruflichen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (Freizügigkeitsverordnung, FZV) frühestens fünf Jahre vor und spätestens fünf Jahre nach Erreichen des Renten
alters gemäss Art. 13 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) ausbezahlt werden.
1.2
Uneinigkeit besteht in der Frage, ob die Beklagte das Alterskapital des Klägers in der Höhe von Fr. 199‘379.95 gestützt auf das Begehren vom 2. Dezember 2005, in welchem A._ sich beziehungsweise das Patronato INCA als zur Entgegennahme von Geldern berechtigten Stellvertreter des Klägers bezeichnet hatte, mit befreiender Wirkung auf das angegebene Konto ausbe
zahlt hat oder ob sie dem Kläger gegenüber leistungspflichtig geblieben ist.
2.
2.1
Im Bereich der weitergehenden Vorsorge wird das Rechtsverhältnis zwischen der Vorsorgeeinrichtung und dem Vorsorgenehmer durch einen privatrechtli
chen Vorsorgevertrag begründet, der rechtsdogmatisch den Innominatverträgen zuzuordnen ist (BGE 132 V 149 E. 5 mit Hinweisen; 130 V 103 E. 3.3; 116 V 218 E. 2; vgl. auch BGE
119 V 283 E. 2a).
2.2
Die Vorsorgeeinrichtung ist auf Grund der vertraglichen Vereinbarung, die zur Errichtung des Vorsorgeverhältnisses geführt hat, gehalten, dem oder den bei Eintritt eines Vorsorgefalles Leistungsberechtigten die Geldleistungen gemäss den einschlägigen Gesetzesvorschriften und Vertrags- respektive Reglementsbe
dingungen auszuzahlen. Mit anderen Worten hat die Schuldnerin dem Gläubi
ger zu leisten. Leistet sie einem unberechtigten Dritten, hat sie grundsätzlich nicht erfüllt, und zwar auch dann, wenn sie in gutem Glauben leistet (Bundes
gerichtsurteil 9C_137/2012 vom 5. April 2012 E. 4.3; Bundesgerichtsurteil 4A_536/2008 vom 10. Februar 2009 E. 5.2 mit Hinweis auf BGE 132 III 449 E. 2, 112 II 450 E. 3a, 111 II 263 E. 1, 108 II 314 E. 2).
2.3
Rechtsgeschäfte oder rechtsgeschäftsähnliche Handlungen können, soweit deren Gegenstand nicht höchstpersönlicher Natur ist, grundsätzlich von einem Stell
vertreter ausgeübt werden (Art. 32 ff. OR; Bundesgerichtsurteil 4A_107/2010 vom 3. Mai 2010 E. 2.3 mit Hinweisen). Jedes einer Vertretung zugängliche und rechtserhebliche Verhalten kann vom Gläubiger auch im Nachhinein genehmigt werden (Art. 38 Abs. 1 OR; Bundesgerichtsurteil 4A_107/2010 vom 3. Mai 2010 E. 2.3). Die Genehmigung ist an keine Form gebunden und kann insbesondere auch konkludent erfolgen (Art. 39 Abs. 1 OR). Inhaltlich muss sie sich auf das Geschäft beziehen, wie es vom vollmachtlosen Stellvertreter abgeschlossen worden ist. Stillschweigen kann dabei nur dann als Genehmigung ausgelegt werden, wenn ein Widerspruch möglich und zumutbar war. Voraussetzung ist, dass der Geschäftspartner in guten Treuen davon ausgehen konnte, der Vertre
tene werde bei fehlendem Einverständnis widersprechen, und dessen Still
schweigen daher nach Treu und Glauben als Zustimmung auffassen durfte. Die Genehmigung hat zur Folge, dass das Rechtsgeschäft zwischen dem Vertretenen und dem Dritten in gleicher Weise abgeschlossen wird, wie es der Vertreter abgeschlossen hat (Bundesgerichtsurteil 9C_376/2014 vom 13. März 2015 E. 7.2 mit Hinweisen).
2.4
Gemäss Art. 74 Abs. 1 OR wird der Ort der Erfüllung durch den ausdrücklichen oder aus den Umständen zu schliessenden Willen der Parteien bestimmt und laut Art. 74 Abs. 2 Ziff. 1 OR sind, soweit nichts anders vereinbart wurde, Geldschulden an dem Ort zu zahlen, wo der Gläubiger zur Zeit der Erfüllung seinen Wohnsitz hat. Dies bedeutet, dass die Festlegung der Zahlstelle für eine Geldschuld Gegenstand einer vertraglichen (Neben)Abrede darstellt, wobei dem Gläubiger in der Regel (Erfüllungsort in der Schweiz) die Bezeichnung eines Kontos bei einem der schweizerischen Bankenaufsicht unterstellten Geldinstitut freisteht. Die Wahl der Zahlstelle ist auch kein höchstpersönliches Recht, sie kann im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften und vorbehältlich anderslauten
der vertraglicher Vereinbarungen auch von einem Stellvertreter vorgenommen beziehungsweise vom Gläubiger im Nachhinein genehmigt werden.
3.
3.1
Zur Begründung seiner Klage bringt der Kläger im Wesentlichen vor, die Beklagte habe die Freizügigkeitsleistung gestützt auf eine gefälschte Vollmacht und einen gefälschten Auftrag auf ein Konto von A._, mithin auf das Konto eines unberechtigten Dritten, überwiesen (Urk. 1 S. 7, 9 f., Urk. 17 S. 8). Dabei habe die Beklagte grundlegende Sorgfaltspflichten verletzt (Urk. 1 S. 11 ff.). Da sie sich mit dieser Zahlung nicht von ihrer Leistungspflicht befreit habe, schulde sie ihm die Freizügigkeitsleistung weiterhin (Urk. 1 S. 10). Soweit die Beklagte argumentiere, dass er durch die Annahme der von A._ überwiesenen Beträge zumindest nachträglich die Überweisung seines Guthabens auf dessen Privatkonto bewilligt habe, sei ihr entgegenzuhal
ten, dass eine gefälschte Unterschrift nicht genehmigungsfähig sei.
Die Genehmigung eines schwebend unwirksamen Geschäftes setze voraus, dass der Gen
ehmigende
die Unwirksamkeit kenne, die zu genehmigende Vollmacht genehmigungsfähig sei und der
Dritte
sein Verhalten zur Kenntnis
habe nehmen können
. Diese Voraussetzungen seien nicht erfüllt, insbesondere habe er keine Kenntnis vom Rechtsgeschäft ge
habt, dem die Genehmigung gelte (Urk. 17 S. 16 ff., Urk. 29 S. 8).
3.2
Die Beklagte stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass die Un
terschriften des Klägers
auf der Vollmacht und auf dem Zahlungsauftrag gefälscht worden seien (
Urk.
11 S. 9 f.).
Gestützt auf die
glaubhaften Aussagen von
A._
im Strafverfahren sei davon auszugehen, dass
der Kläger diese
blanko unt
erschrieben habe (Urk. 11 S. 9 f., Urk. 24 S. 6 f.
).
Eine Sorgfaltspflichtverletzung habe sie nicht begangen (Urk. 11 S. 18 ff., Urk. 24 S. 9).
Zu beachten sei überdies, dass
der Kläger
nach der Überweisung der Vorsorgegelder
ab April 2008 über ein Jahr „Rentenzahlun
gen“ entgegen genommen habe. Der Kläger habe diesbezüglich selber ausge
führt, dass ihm A._ einen mit ihm abgemachten Betrag monat
lich überwiesen habe (Urk. 11 S. 15 f.). Auch hinsichtlich der ab Januar 2008 ausgerichteten Arbeitslosengelder hätte er erkennen müssen, dass diese von A._ stammten (Urk. 24 S. 4 u. 13). Sodann habe der Kläger in den Jahren 2006 bis und mit 2008 keinerlei Steuerzahlungen geleistet. Diese seien von A._ übernommen worden (Urk. 24 S. 3 u. 17 f.). Durch die Entgegennahme der Zahlungen und die Annahme der Bezahlung der Steuerschulden habe er
die Auszahlung seines Vorsorgeguthabens von der Beklagten an
A._
auf jeden Fall nachträglich genehmigt, sofern nicht davon auszugehen sei, dass er selber den Auftrag zur Überweisung seines Vorsorgeguthabens auf das Konto von
A._
unterschrieben habe (
Urk. 11 S. 15 ff., Urk. 24 S. 21 ff.).
4.
4.1
In tatbeständlicher Hinsicht steht nach Lage der Akten fest, dass die Beklagte das dem Kläger zustehende Alterskapital gestützt auf die Angaben A._, welcher sich beziehungsweise das INCA als zur Entgegennahme von Geldern berechtigter Stellvertreter des Klägers bezeichnet hatte, auf ein auf I.N.C.A. lautendes Bankkonto überwiesen (vgl. Sachverhalt Ziff. 1.2) und damit die vermeintliche Offerte des Klägers zur Erfüllung angenommen hat.
4.2
Wenn - was nachstehend zu prüfen sein wird - der Kläger die von A._ in seinem Namen verlangte Zahlung auf ein Konto, dessen Inhaber A._ war, im Sinne von Art. 38 Abs. 1 OR nachträglich genehmigt hat, kann er sich nicht mehr auf einen - gegebenenfalls - im Zeit
punkt der Erfüllung bestandenen Legitimationsmangel berufen, sondern hat er diesen mit der nachträglichen Genehmigung geheilt.
5.
5.1
Aufgrund der Akten und der Sachverhaltsvorbringen der Parteien ist erstellt, dass A._ dem Kläger von Januar 2008 bis April 2009 monatlich Zahlungen geleistet hatte. Die Zahlungen für die ersten drei Monate liefen unter dem Titel „Arbeitslosenentschädigung“ („indennizzo disoccupazione“). Die reguläre Arbeitslosenentschädigung war im Auftrag der öffentlichen Arbeitslo
senkasse des Kantons Aargau überwiesen worden, und so aus dem Kontoauszug ersichtlich (vgl. Urk. 18/5 vorne Sachverhalt E. 1.3). Die ab Januar 2008 ausge
richteten „Arbeitslosentaggelder“ erfolgten unter dem Namen von A._ („I.N.C.A. INHABER A._). Dies konnte bei pflichtge
mässer Aufmerksamkeit auch dem Kläger nicht entgangen sein. Darauf, dass etwas nicht stimmen konnte, wies auch die Höhe der im Januar 2008 ausge
richteten Entschädigung hin. Der Betrag von Fr. 5‘275.-- war ausserordentlich und mit den bisherigen Entschädigungen, die zwischen Fr. 3‘000.-- und Fr. 3‘500.-- variierten und in der Regel um die Fr. 3‘300.-- betrugen (vgl. Urk. 18/5), nicht in Einklang zu bringen.
5.2
Ab April 2008 leistete A._ monatlich „Rentenzahlungen aus der beruflichen Vorsorge“ von Fr. 878.--. Die Kontoauszüge weisen als Vergütender zunächst
„I.N.C.A. INHABER
A._
,
G._
“
und ab Juli 2008 „I.N.C.A. INHABER A._, H._“ aus (Urk. 18/5). Da die Gutschriftsanzeigen nicht bei den Akten liegen respektive nicht mehr erhältlich sind, ist unklar, welche (weiteren) Anga
ben A._ im Zusammenhang mit den monatlichen Überweisun
gen machte. Die Person des Zahlenden wird dabei jedoch stets angegeben. Für den Kläger war aus den Kontoauszügen und den einzelnen Anzeigen folglich ersichtlich, dass er Rentenzahlungen von einem Konto erhielt, dessen Inhaber A._ war.
Selbst wenn er diese Überweisungen für Renten
zahlungen der Beklagten gehalten haben sollte, musste er aufgrund der blossen Nennung des ihm wohlbekannten Namens „
A._
“ im Zusammenhang mit den Zahlungen erkennen, dass
A._
seine Hände im Spiel hatte. Die Erwähnung von „
A._
“ in den Transaktions
informationen der eigenen Bank über ein Bankgeschäft, welches nach
eigener
Vorstellung direkt zwischen der Vorsorgeeinrichtung und dem Leistungsempfänger hätte abgewickelt wer
den müssen (für einen Umweg über das INCA gab es keinen Grund), war ein auch für Geschäftsunkundige klares Indiz dafür, dass die genannte Person in den Geschäftsvorgang involviert sein musste.
Die Behauptung des Klägers, er habe die Bedeutung des Wortes „Inhaber“ nicht verstanden (Urk. 17 S. 14), erscheint wenig überzeugend, nachdem er sich seit über 40 Jahre in der Schweiz aufhält. Niemand kann aus seiner Rechtsunkenntnis Vorteile ableiten (BGE 126 V 308 E. 2b). Ebensowenig kann der Kläger aus der Unkenntnis des Wortes „Inhaber“, sofern seine Behauptung tatsächlich zutrifft, einen Vorteil ableiten. Dies gilt umso mehr, als er sich diesbezüglich an seine Tochter hätte wenden können, die über eine kaufmännische Ausbildung verfügt, im Finanzsektor arbeitet und ihm bereits - wie sich aus den Akten ergibt - in einer anderen Finanzangelegenheit unterstützend zur Seite gestanden war (Urk. 29 S. 10).
5.3
Auch wenn der Kläger
die Tragweite der
Transaktionsinformationen seiner
Bank nicht vollständig
erfasst haben sollte, hatte er
nur schon wegen der N
en
nung von
A._
hinreichend Grund zur Annahme
,
dass der geschäfts
gewandte
A._ sich
in die Sache eingemischt hatte.
Indem sich der Kläger nicht weiter darum kümmerte und über ein Jahr “Rentenzahlungen“ entgegen nahm, gab er zu erkennen, dass es für ihn nicht relevant war, dass er eine Altersrente von der Beklagten erhielt, sondern lediglich, dass er eine Altersrente aus dem von ihm angesparten Vorsorgeguthaben erhielt.
Wer dieses Kapital verwaltete und daraus die monatlichen Rentenbetreffnisse aus
richtete, interessierte den Kläger
offensichtlich nicht. Andernfalls hätte er sich bei der eigenen Bank, bei
A._
oder der Beklagten danach erkundigen können und müssen, was die Nennung "
A._
" auf den Auszügen seiner Bank zu bedeuten
hat
. Indem er dies unterliess, nahm er billigend in Kauf, dass das an
A._
ausbezahlte Kapital diesem (teilweise) anvertraut blieb.
Dies zeigt sich auch darin, dass er nach eigenen Angaben mit A._ den Betrag, welcher ihm ausbezahlt werden sollte, vereinbart hatte (Urk. 2/17).
5.4
Die Kapitalauszahlung wurde von der Beklagten am 13. Dezember 2006 der Eidgenössischen Steuerverwaltung gemeldet (Urk. 18/2). Diese erliess am 1. Dezember 2006 die Steuerveranlagung für die Kapitalleistung (Urk. 18/4). Nach Darstellung des Klägers fälschte A._ am 23. Januar 2006 die Vollmacht zu Handen der Steuerbehörden. Deshalb habe A._ und nicht der Kläger die Steuerveranlagung für die Kapitalleistung erhalten, da diese von der Steuerbehörde direkt an die Adresse des Patronato INCA zugestellt worden sei (Urk. 17 S. 12). Dass die Vollmacht vom 23. Januar 2006 (Urk. 18/3) gefälscht wurde, wird von der Beklagten bestritten (Urk. 24 S. 16). Wie es sich damit verhält, kann offen bleiben. Aus den Akten ergibt sich und ist soweit unbestritten, dass der Kläger in den Jahren 2006 bis 2008 keine Steuerzahlun
gen geleistet hatte. Diese wurden von A._ übernommen (Urk. 3/5, Urk. 19 S. 13, Urk. 24 S. 17; vgl. dazu auch Urk. 15/2 S. 179). Vom
Kläger und seine
r
Ehegattin un
bemerkt
deren Steuerpflicht (Einreichung der Steuererklärung und Bezahlung der Steuern) erfüllen, konnte auch
A._
nicht. Denn dass sie steuerpflichtig
waren und dass ihre Steuerange
legenheiten durch
A._
geregelt wurden, konnte dem Kläger und seiner Ehegattin selbst dann nicht entgangen se
in, wenn sie als sehr geschäfts
un
erfahren anzusehen wären. Wenn sie sich aber
über Jahre nicht darum kümmer
ten, was
A._
in ihrem
Namen gegenüber den Steuerbe
hör
den deklarierte
respektive in welcher Höhe er Steuern in ihren Namen beglich, dann vertrauten sie ihm blind und müssen sie sich seine Dispositio
nen über ihr Vermögen wie eigene anrechnen lassen.
Jedenfalls konnten sie nicht in guten Treuen davon ausgehen, dass A._ ohne Gegenleistung ihre Steuern bezahlen würde.
5.5
Die Beklagte durfte aufgrund
des Verhaltens des Klägers
nach der Überweisung des Altersguthabens an
A._
nach Treu und Glauben davon aus
gehen, dass sie ihre Leistungspflicht ihm gegenüber ordnungsgemäss erfüllt hatte. Selbst wenn - was die Beklagte bestreitet - di
e Unterschrift des Klägers
auf den von
A._
eingereichten Urkunden gefälscht war und dieser im Zeitpunkt der Auszahlung zur Entgegennahme der Leistung tatsäch
lich nicht bevollmächtigt gewesen sein sollte, kann
das Schweigen des Klägers
angesichts der aktenkundigen und auch für ihn erkennbar gewesenen unbe
schränkten Verfügungsmacht von
A._
über sein Kapital nur als Zustimmung zur Vermögensverwaltung durch diesen und damit als nachträgli
che Genehmigung der Auszahlung an
A._
gewertet werden. Dass das INCA gemäss seinen Statuten keine Vermögensverwaltung angeboten hatte, ändert daran nichts, zumal Rechtsvertreter im Rahmen von Vertragsab
wicklungen regelmässig mit der Entgegennahme von Geldern betraut werden.
5.6
Der Kläger erkundigte sich erstmals am 27. August 2009 bei der Beklagten nach dem Verbleib des Altersguthabens (Urk. 2/17). Zumindest bis zu diesem Zeit
punkt hat er selbst eine in seinem Sinne korrekte Vertragserfüllung durch die Beklagte verhindert.
Ab dem Zei
tpunkt, ab welchem der Kläger
die tatsächliche Verfügungsmacht von
A._
über sein Kapital hätte erkennen und von diesem die Herausgabe hätte verlangen können, hatte er sein Vermögen selbst
A._
anvertraut. Die Beklagte durfte ab diesem Zeitpunkt annehmen,
dass ein allfälliger Vollmacht
mangel durch nachträgliche Genehmi
gung geheilt worden war und sie ihre Leistungspflicht ordentlich erfüllt hatte. Sie hatte und hat ab dem Zeitpunkt der
Genehmigung durch den Kläger
im Gegensatz zu diesem auch weder Anlass noch rechtliche Handhabe, um die erbrachte Leistung von
A._
zurückzufordern.
5.7
Nach dem Gesagten ist somit von einer Genehmigung der Stellvertretung und mithin der Drittauszahlung des Freizügigkeitsguthabens durch konkludentes Verhalten - bestehend in der stillschweigenden und damit widerspruchslosen Entgegennahme von Rentenzahlungen über ein Jahr sowie der Annahme der Begleichung der Steuerschulden - auszugehen. Entgegen der Ansicht des Klä
gers steht der Umstand, dass die Unterschriften auf der Vollmacht und dem Zahlungsauftrag vom 2. Dezember 2005 allenfalls gefälscht waren, einer nach
träglichen Genehmigung der Stellvertretung nicht entgegen. Im Urteil 9C_853/2015 vom 31. August 2016, welches einen gleichgelagerten Sachverhalt betraf, hat sich das Bundesgericht mit den gleichen Einwänden einlässlich aus
einandergesetzt. Es hat dargelegt, weshalb die Argumentation, wonach die
Genehmigung eines schwebend unwirksam
en Geschäftes
voraus
setze
, dass der Genehmigende die Unwirksamkeit kenne, die zu genehmigende Vollmacht genehmigungsfähig sei und der Dritte sein Verh
alten zur Kenntnis habe nehmen können, nicht gefolgt werden könne (Urk. 17 S. 17 ff.). Für die Begründung im Einzelnen kann auf den besagten Entscheid (respektive dessen E. 7) verwiesen werden. Anzufügen bleibt, dass der Kläger auch aus dem Vorbringen, für das Genehmigungsrecht gelte eine Verwirkungsfrist von einem Jahr (Urk. 17 S. 26), nichts zu seinen Gunsten ableiten kann. Bei seiner Argumentation beruft sich der Kläger auf die Lehrmeinung von Roger Zäch, in: Berner Kommentar, 2. Auflage 2014, N 42 zu Art. 38 OR (Urk. 17 S. 26). Diese Lehrmeinung bezieht sich auf den Fall, bei der sich die Beteiligten völlig passiv verhalten, und beruht auf dem Gedanken, dass der Dritte nach einer gewissen Zeit nicht mehr an das durch den Vertreter ohne Vollmacht abgeschlossene Rechtsgeschäft gebunden sein soll. Eine solche Konstellation ist vorliegend nicht gegeben. Überdies ent
spricht die Meinung von Roger Zäch nicht der Rechtsprechung, worauf er selber hinweist. Aus der in der Kommentarstelle zitierten Rechtsprechung (BGE 110 II 230) geht hervor, dass grundsätzlich keine Befristung besteht. Abgesehen davon wäre die Genehmigung im konkreten Fall rechtzeitig erfolgt, nachdem die Dritt
auszahlung am 8. Dezember 2005 erfolgt war und die entsprechende Steuerver
anlagung, deren Begleichung der Kläger sich - wie ausgeführt - anzurechnen hat, vom 1. Dezember 2006 (Urk. 18/4) datiert.
5.8
Den Sorgfaltspflichten der Beklagten kommt angesichts der nachträglichen Genehmigung der Drittauszahlung durch konkludentes Verhalten keine Bedeu
tung zu (Bundesgerichtsurteil 9C_853/2015 vom 31. August 2016 E. 6.3). Auf die entsprechenden Ausführungen des Klägers (Urk. 1 S. 11 ff.) ist daher nicht weiter einzugehen.
5.9
Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Klage.
6.
6.1
Da § 33 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) in Verbindung mit Art. 73 Abs. 2 BVG ein in der Regel kostenloses Verfahren garantiert und dem unterliegenden Kläger keine mutwillige oder leichtsinnige Prozessführung vorzuwerfen ist (e contrario § 33 Abs. 2 GSVGer) sind keine Gerichtskosten zu erheben.
6.2
Im Verfahren der Verwaltungsgerichtsbeschwerde darf obsiegenden Behörden oder mit öffentlichrechtlichen Aufgaben betrauten Organisationen in der Regel keine Parteientschädigung zugesprochen werden. In Anwendung dieser Bestimmung hat das Bundesgericht der SUVA und den privaten UVG-Versiche
rern sowie - von Sonderfällen abgesehen - den Krankenkassen keine Parteient
schädigungen zugesprochen, weil sie als Organisationen mit öffentlichrechtli
chen Aufgaben zu qualifizieren sind (BGE 112 V 361 E. 6 mit Hinweisen). Das hat grundsätzlich auch für die Trägerinnen oder Versicherer der beruflichen Vorsorge gemäss BVG zu gelten (BGE 126 V 150 E. 4a, 118 V 169 E. 7, 117 V 349 E. 8 mit Hinweis).
Da die Zusprechung einer Prozessentschädigung für den Versicherungsträger zu Lasten eines gegen ihn unterliegenden Versicherten den für die Kostenlosigkeit des Verfahrens massgeblichen rechtlichen Überlegungen widerspricht, besteht keine Veranlassung, von den vorstehend dargelegten Grundsätzen abzuweichen, weshalb der Beklagten keine Prozessentschädigung zuzusprechen ist.