# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 1d188957-ca79-45f5-9a49-3aa0763287ea
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1963
, war von
15. Februar 2010
bis
28. Feb
ruar 2014
bei
der
Y._
GmbH
als
Medical
Director
angestellt
, wobei der letzte Arbeitstag am
31. Juli 2013 war (Urk. 7/20
).
Am 10.
April 2014 (Urk. 7/2) meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf einen Herztumor mit
anschliessender lebensbedrohlicher
Komplikation
einer Herztam
ponade
und
einem Lungenerguss
sowie
auf
ein Burn-Out/
eine
Depression bei
der
Invalidenversicherung zur Früherfassung an.
Auf
Aufforderung
der
Invalidenver
sicherung (Urk. 7/6) meldet
e
si
e sich
im
Anschluss unter Hinweis auf somatische und psychische B
eschwerden
(Herztumor, Herztamponade, Depression, Burn-Out, Verdacht auf
Corney
-Komplex) am
12. Mai 2014
zum Leistungsbezug an (Urk.
7/9
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte
in der Folge
die medizinische und erwerbliche Situation ab, zog Akten der
Kranken
taggeldversicherung bei (Urk. 7/155
) und holte bei
der
Z._
ein polydisziplinäres Gutachten ein, das am
29. Januar 2018 erstattet wurde (Urk. 7/167).
Nach Kostengutsprache vom
16. Juni 2015 (Urk. 7/46)
erfolgte bei der
A._
vom 6. bis 31. Juli 2015
eine Poten
tialabklärung
(vgl. Urk. 7/
62
)
.
Vom 1. Oktober bis 31. Dezember 2015
durchlief die Versicherte bei der
A._
ein Aufbautraining (vgl. Urk. 7/58
, Urk. 7/75
).
Vom 27. Januar bis 30. April 2016 wurde bei der
B._
zur Abklärung der
Eingliederungs- und Arbeitsfähigkeit
eine be
rufliche Abklärung durchgeführt (vgl. Urk. 7/83
)
.
I
m A
nschluss
daran
erfolgte
vom
1. Mai 2016
bis 31. Januar 2017
ein Arbeitstraining
beim
B._
mit Einsatzort bei der
C._
(
vgl.
Urk. 7/103,
Urk. 7/126,
Urk. 7/139
)
.
Mit Mitteilungen vom
16.
Januar 2017 (Urk. 7/137)
und vom
31.
Juli 2017 (Urk. 7/150)
gewährte die IV-Stelle der Versicherten Beratung und Unter
stützung bei der Stellensuche (Arbeitsvermittlung)
.
Am 31. Juli 2017
teilte die IV-Stelle der Versicherten nach am 31. Januar 2017 bei der
C._
ab
geschlossenem Arbeitstraining den erfolgreichen Abschluss der beruflichen Mas
snahmen mit
(Urk. 7/
151
)
.
Die
Versicherte bezog
darüber hinaus
vom 6.
Juli
2015 bis 31. Januar 2017 ein Invalidentaggeld, welches ihr erstmals mit Verfügung vom 30. Juni 2015 (Urk. 7/50) zugesprochen worden war (vgl. Urk. 7/59-61, Urk. 7/84-88, Urk. 7/104, Urk. 7/109, Urk. 7/111-112, Urk. 7/127-128, Urk. 7/131).
Nach durchgefüh
rtem Vorbescheidverfahren (Urk. 7/183, Urk. 7/191, Urk. 7/203, Urk. 7/
205
) sprach die IV-Stelle
der Versicherten
mit
Verfügungen vom 15. Ok
tober und 1. November 2018 (Urk. 2/1-2)
bei einem Invaliditätsgrad von
78
% eine
ganze
Rente ab
1.
Februar
2017
zu
.
2.
Die Versicherte erhob am 13. November 2018 (Urk. 1) Beschwerde gegen die Ver
fügungen vom 15. Oktober und 1. November 2018 und beantragte, in Abände
rung
der angefochtenen Verfügungen
sei der Rentenbeginn auf den 1. November 2014 festzusetzen (S. 2
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 28. Dezember 2018 (Urk. 6) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Replik vom 25. Januar 2019 (Urk. 9)
hielt die Beschwerdeführerin vollum
fänglich an ihren mit der Beschwerde gestellten Anträgen fest (S. 2).
Am 14. Februar 2019 (Urk. 12) verzichtete die Beschwerdegegnerin auf eine Dup
lik, was der Beschwerdeführerin
mit Verfügung vom
15
.
Februar 2019
(Urk.
13
) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben ge
mäss Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
An
spruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (lit. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Ein
gliederung (lit.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige be
rufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe; lit. b) und in der Abgabe von Hilfsmitteln (lit. d).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Artikel 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Alters
jahres folgt (Abs. 1). Der Anspruch entsteht nicht, solange die versicherte Person ein Taggeld nach Art. 22 IVG beanspruchen kann (Abs. 2). Die Rente wird vom Beginn des Monats an ausbezahlt, in dem der Rentenanspruch entsteht (Abs. 3).
1.5
Versicherte haben gemäss Art.
22 IVG während der Durchführung von Einglie
derungsmassnahmen nach Art. 8 Abs. 3 Anspruch auf ein Taggeld, wenn sie an wenigstens drei aufeinander folgenden Tagen wegen der Massnahmen verhindert sind, einer Arbeit nachzugehen, oder in ihrer gewohnten Tätigkeit zu mindestens 50 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) sind (Abs. 1).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin legte in
den
angefochtenen Verfügung
en
(Urk. 2
/1-2
) dar,
ihre Abklärungen hätten ergeben, dass die Besch
w
erdeführerin seit Novem
ber 2013 in ihrer bisherigen Tätigkeit als Medizinische Leiterin nicht mehr, aber in einer angepasst
en
Tätigkeit seither zu 60 % arbeitsfähig sei.
Nach erfolgtem Einkommensvergleich resultiere ein Invaliditätsgrad von 78 %. Ein Rentenan
spruch
entstehe
solange nicht, als die versicherte Person ein Taggeld beziehe. Da die Beschwerdeführerin bis 31. Januar 2017 ei
n Taggeld bezogen habe, sei ihr
Rentenanspruch auf eine ganze Rente per 1. Februar 2017 entstanden (Urk. 2/1 S.
3
f.).
In der
Beschwerdeantwort
(Urk. 11) ergänzte die Beschwerdegegnerin,
vorliegend sei das Wartejahr im November 2014 erfüllt gewesen und theoretisch habe so ein frühestmöglicher Rentenanspruch ab November bestanden. E
in Rentenanspruch entstehe nur dann
,
sofern Integrations- oder Eingliederungsmassnahmen zu die
sem Zeitpunkt nicht möglich gewesen seien
;
wenn also die Beschwerdeführerin im Zeitraum November 2014 bis Juni 2015 nicht eingliederungsfähig gewesen wäre. Dies sei aber nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgewiesen. Ge
mäss der Be
weislastregel im Sinne von Art.
8 ZGB habe die Beschwerdeführerin die entsprechenden Folgen zu tragen.
2.2
Die
Beschwerdeführer
in
stellte
sich
hingegen
auf den Standpunkt,
sie sei im Jahr 2014 noch durchgehend vollständig arbeitsunfähig gewesen, weshalb Eingliede
rungsmassnahmen zum damaligen Zeitpunkt gar nicht hätten durchgeführt wer
den können. Habe im November 2014 kein Anspruch auf Taggeld bestanden, so
habe
ein solcher den Beginn eines Ans
pruches auf eine Invalidenrente
nicht hin
dern oder aufschieben
können
.
Liefen
keine berufliche
n
Massnahme
n und seien solche auch nicht angeordnet, so könne auch dann ein Rentenanspruch entste
hen, wenn die Möglichkeiten der beruflichen Eingliederung noch
nicht ausge
schöpft seien
(vgl. Urk. 1 S.
4).
In der Replik brachte
die Beschwerdeführerin
sodann vor,
die
medizinischen Un
terlagen
wiesen
eine Eingliederungs
un
fähigkeit
deutlich aus
.
Dass sie mit In
tegrationsmassnahmen vor Mitte 2015 völlig überfordert gewesen sei, entspreche auch dem Eindruck der damaligen Berufsberaterin der Beschwerdegegnerin. Heute etwas
Anderes
zu behaupten, widerspreche Treu und Glauben und lass
e
sich durch die Akten nicht belegen
(
vgl. Urk. 9
S.
2-4
).
2.3
Strittig
und zu prüfen ist
der Zeitpunkt der Entstehung des Rentenanspruchs.
Dabei
ist unbestritten und mit der Akten
- und Rechts
lage
(vgl. E. 1.3-1.5)
verein
bar, dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihre
r
gesundheitlich eingeschränkten
Arbeitsfähigkeit
das Wartejahr
am 1. November 2014 erfüllt
hatte
und sie
seit
spätestens
1. Februar
2017
Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente (Invaliditäts
grad 78 %)
hat. Ebenso unbestritten und mit de
r Aktenlage vereinbar ist, dass sie
aufgrund
ihres Bezuges von Invalidentaggeldern
in der Zeit vom
6. Juli 2015 bis 31.
Januar 2017
keinen
Rentena
nspruch
hat
(Urk. 1, Urk. 2/1-2, Urk. 6, Urk. 9,
Urk.
7/50,
Urk. 7/59-61, Urk. 7/84-88, Urk. 7/104, Urk. 7/109, Urk. 7/111-112, Urk. 7/127-128, Urk. 7/131
, Urk. 7/167 S. 44 f., Urk. 7/181 S. 7
)
.
Einzig
umstrit
ten und zu
prüfen bleibt, wie es sich mit
ihrem
Anspruch auf eine
ganze
Invali
denrente
in der Zeit vom 1. November 2014 bis zum
Bezug
der
Invalidentaggelder
verhält
. Zu prüfen ist in diesem Zusammenhang
insbesondere die Eingliederungs
fähigkeit in dieser Zeit
.
3.
3.1
Dr. med.
D._
, Facharzt für Psy
chiatrie und Psychotherapie FMH
, von der Pri
vatklinik
E._
, wo die Beschwerdeführerin vom
3.
bis 30. Juli 2014 statio
när behandelt wurde
(vgl.
Urk.
7/37
Ziff.
1.3)
, nannte in seinem Bericht vom 18. Juli 2014 (Urk. 7/22) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit:
-
Depressive Episode, gegenwärtig mittelschwer
(ICD-10 F32.1), seit ca. De
zember 2013 bestehend
-
Status nach
Postkardiotomiesyndrom
(Dressler-Syndrom) im Rahmen ei
ner
Myxomexzision
, Operation am 16.
Dezember 2013
-
Hämorrhagischer
Perikarderguss
, 8. Februar 2014
Dr.
D._
attestierte der Beschwerdeführerin
aufgrund des depressiven Zustands
bildes
ein
e
seit 2. Dezember 2013 bis auf
Weiteres bestehende 100%ige Arbeits
unfähigkeit (Ziff. 1.6
,
Ziff. 1.9).
3.
2
Am 12. September 2014 (Urk.
7/28) sandte die zuständige Fall
bearbeiterin der Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin eine Anmeldung
zu einem Ar
beitstraining mit voraussichtlichem Start im Januar 2015 zu.
Dazu hielt sie fest, dass ein Erstgespräch im Oktober sinnvoll
sei
.
3.
3
Mit E-Mail vom 2. Dezember 2014 (Urk. 10) teilte
die Beschwerdegegnerin
dem behandelnden Psychiate
r Dr. med.
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psy
chotherapie FMH,
mit, es sei im Nachgang zum Gespräch mit der Beschwerde
führerin fraglich, ob per Februar 2015 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit erreicht wer
den könne. Dafür entscheidend sei
seine
Einschätzung. Falls dies nicht der Fall sein sollte, brauche sie möglichst frühzeitig
einen aktuellen Arztbericht, damit weitere Abklärungen getroffen werden könnten.
3.
4
Darauf antwortete
Dr.
F._
mit Bericht vom
15. Januar 2015 (Urk. 7/37)
, die Beschwerdeführerin sei in ihrer bisherigen Tätigkeit als medizinische Direktorin
seit 29. Juli 2014
weiterhin andauernd zu 100 % arbe
itsunfähig (Ziff. 1.6). I
n wel
chem Umfang und
ab
wann eine behinderungsangepasste Tätigkeit möglich sei, sei nicht zuverlässig zu prognostizieren (Ziff. 1.7). Mit Wiederaufnahme einer be
ruflichen Tätigkeit könne im günstigsten Fall ab April
2015
im Umfang von 20 % gerechnet werden (Ziff. 1.9). Die Wiederaufnahme einer Arbeitstätigkeit zum ge
gebenen Zeitpunkt könne nur unter krankheitsangepassten Bedingungen, schritt
weise, mittels konkreter Hilfsangebote betreffend in Frage kommender Berufstä
tigkeiten und i
m
Rahmen eines längeren, mehrmonatigen Prozesses gelingen (Ziff. 1.11).
3.
5
Mit Eintrag vom
21. Januar 2015 hielt
die
Beschwerdegegnerin
im Feststellungs
blatt
fest, trotz Willensanstrengung sei es der Beschwerdeführerin zurzeit nicht möglich, einer Tätigkeit nachzugehen
. Unter Gesamtwürdigung der Kriterien sei vorliegend nicht von einer Überwindbarkeit der Diagnosen auszugehen (Urk. 7/181 S. 3 Mitte)
.
3.
6
In ihrer ärztlichen Bestätigung vom 30. April 2015 (Urk. 7/40) hielt Dr. med.
G._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
bei welcher sich
die Be
schwerdeführerin
seit April 2015 (vgl. Urk. 7/39) in Behandlung befand,
fest,
diese
sei in ihrem angestammten Beruf vom 1. April bis 31. Mai 2015 zu 100 % arbeitsunfähig. Darin enthalten sei eine 50%ige Arbeitsfähigkeit vom
1.
bis
31.
Mai 2015 in geschütztem Rahmen (z. B. IV-Arbeitstraining).
3.
7
Dem
Verlaufsprotokoll
zur B
erufs
beratung vom 16.
Juni 2015 (Urk. 7/48
)
ist zu entnehmen, dass sich
trotz grosser Therapiebereitschaft sich kaum eine Verbes
serung bezüglich der psychischen Situation
zeig
t
e
. Ein anfänglich geplantes Ar
beitstraining habe sistiert werden müssen. Im Mai 2015 habe sich die Beschwer
deführerin ern
eut mit der Bitte um Wiederaufna
hme eines Arbeitstrainings ge
meldet. Im Gespräch habe sich deutlich gezeigt, dass sie mit einem solchen über
fordert sein würde. Es werde eine Potentialabklärung e
mpfohlen. In diesem Rah
men könn
t
e
n
ihre Arbeits- und Integrationsfähigkeit geklärt sowie mögliche An
schlusslösungen eruiert werden. Die Beschwerdeführerin sei bereit, per 6. Juli 2015 mit einer 4-wöchigen Potentialabklärung in der
A._
zu starten
(
S. 1
)
.
3.
8
Aus dem
Verlaufsprotokoll zur Berufsberatung vom
12
.
August
2015 (Urk. 7/
57; vgl. auch den
Abschlussb
ericht über die Po
t
entialabklärung bei de
r
A._
vom
4. August 2015 [Urk. 7/62]
)
geht hervor
,
dass
die Potentialabklärung per 31. Juli 2015
bei der
A._
abgeschlossen
wurde
. Diese habe gezeigt, dass die Be
schwerdeführerin zwar eine Präsenz von 50 % einhalten könne, jedoch in ihrer Leistungsfähigkeit noch eingeschränkt sei. Diese liege aktuell
bei 30 %. Die
Emp
fehlung der
A._
ziele auf eine Weiterführung der Integrationsmassnahmen im R
ahmen eines Aufbautrainings ab.
3.
9
Dr.
G._
hielt in ihrem Bericht vom
15.
Juni
2017 (Urk. 7/146)
fest, die Be
schwerdeführerin sei vom 1. April 2015 bis 31. Januar 2017
100%
ig arbeitsun
fähig
gewesen.
Darin enthalten sei eine 50%ige Arbeitsfähigkeit vom 1. Mai bis 31. Dezember 2015 in geschütztem Rahmen (z. B.
IV-
Arbeits
training
) und eine 50%ige Arbeitsfähigkeit vom 1. Januar 2016 bis 31. Januar 2017 für einen ge
planten Arbeitsversuch im 1. Arbeitsmarkt aufgrund der psychischen Stabilisie
rung.
Vom 1. Februar bis 30. Juni 2017 bestehe eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit und eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der ange
stammten Tätigkeit als Medi
c
al
Director
(
Ziff.
1.6).
3.
10
Die Gutachter der
Z._
hielten im Gutachten vom
29. Januar 2018
(Urk. 7/167)
eine Arbeitsfähigkeit von 25
%
in angepasster Tätigkeit ab Mai 2014 fest. Sie führten aus, dass sich aus psychischer Sicht insgesamt wenig erhaltene Funktionen und Ressourcen zeigten. Es liege eine psychische Störung vor, die die Willensanstrengung der Versicherten erheblich beeinträchtige. Aus internisti
scher
Sicht
sei auf einen möglichen Carnes-Komplex hinzuweisen. Aus neurolo
gis
ch
er Sicht müsse aufgrund wiederholter Migräneattacken auch mit Arbeits
ausfällen in einem zeitlichen Ausmass
von
etwa 20
%
gerechnet werden. In kar
diologischer Hinsicht bestehe eine
Dekonditionierung
und schwere bis mittel
schwere Tätigkeiten seien der Versicherten deswegen kaum zumutbar (S. 44
Ziff.
9.2).
3.11
Dipl. med.
H._
, Facharzt für Neurologie sowie Psychiatrie und Psychotherapie
,
vom regionalen ärztlichen Dienst
(RAD)
hielt in seiner Stellungnahme vom
1
. März 20
18 (Urk. 7/181 S.
6
f.
)
fest, das psychiatrische Teilgutachten [der
Z._
] sei nicht nachzuvollziehen.
Die behandelnde Psychiaterin
attestiere eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für die bisherige Tätigkeit und in einer ange
passten Tätigkeit ab Januar 2015 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit für den Arbeits
versuch und das Arbeitstraining im ersten Arbeitsmarkt. Aus Sicht des RAD sei dies unter der Diagnose einer länger dauernden mittelgradigen depressiven Epi
sode gut nachzuvollziehen. Es solle nach den erzielten Leistungen ab 1. Januar 2016 von einer 60%igen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit
ausgegangen werden.
4.
4.1
Rentenleistungen
sind
erst dann auszurichten, wenn keine zumutbaren Einglie
derungsmas
snahmen mehr in Betracht fallen.
Der in der Invalidenv
ersicherung geltende Grundsatz «
Eingliederung vor Rente
»
bewirkt, dass die Rente hinter einer Eingliederungsmassnahme bzw. dem damit verbunden
en Taggeld zurücktritt (so Art. 28 Abs.
1 lit.
a IVG). Ein Rentenanspruch kann erst nach Beendigung der Eingliederungsmassnahmen entstehen, und zwar selbst dann, wenn diese nur ei
nen Teilerfolg brachten oder scheiterten. Vor diesem Zeitpunkt ist eine Invaliden
rente, gegebenenfalls auch rückwirkend, nur zuzusprechen, wenn die versicherte Person nicht oder noch nicht eingliederungsfähig ist (Urteil
des Bundesgerichts
9C_
689
/2019 vom
20
.
Dezember 2019 E.
3.
1
mit Hinweis
en
).
4.2
4.2.1
Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin ist die Eingliederungsunfähigkeit der Beschwerdeführerin für die Zeit vom 1. November 2014 bis zum Antritt der Potentialabklärung
am 6. Juli 2015
mit dem Mass der überwiegenden
Wahr
scheinlichkeit ausgewiesen.
4.2.2
Unbestritten und aufgrund der Akten erstellt
ist
, dass die Beschwerdeführerin seit November 2013 in ihrer angestammten Tätigkeit auf Dauer nicht mehr arbeitsfä
hig ist
und somit diesbezüglich auch nicht eingliederungsfähig war
(
E. 2.1-2
, E. 3.
1, E. 3.
4, E. 3.
6
, E. 3.
9
-
10
)
.
4.2.3
Ebenso war
die Beschwerdeführerin
auch in angepasster Tätigkeit in der Zeit vom 1. November 2014 bis zum Antritt der Potentialabklärung am 6.
Juli
2015 nicht eingliederungsfähig
.
Dr.
D._
attestierte der Beschwerdeführerin aufgrund ihrer mittelgradigen De
pression am 18. Juli 2014 bis auf Weiteres eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
(E. 3.1)
.
Zwar dürfte
er sich dabei nur auf die angestammte Tätigkeit bezogen haben
.
A
ufgrund der von ihm beschriebenen Symptomatik (körperlich rasche Er
schöpfung, markante Antriebsschwäche, Angst und Verunsicherung im sozialen Rahmen, verminderte kognitive Fähigkeiten wie Gedächtnis und Konzentration, auffallende psychische Labilität mit zuweilen Ausmass einer
Affektabilität
[vgl. Urk. 7/22 Ziff. 1.7])
ist jedoch davon auszugehen
, dass diese
Einschränkungen
jede Tätigkeit betr
effen
.
Gleiches gilt für die von Dr.
F._
am 15. Januar 2015 attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit in angestammter Tätigkeit und de
n
von ihm beschriebene
n
Befund, nach welchem unter anderem die affektiven Auffälligkeiten, die An
triebsminderung, die starken Ängste, die frühzeitige
Ermüd
- und Erschöpfbarkeit, die reduzierte Belastbarkeit und die kognitiven Defizite
im Bereich der Konzent
ration und
Mnestik
limitierend wirken (vgl. Urk. 7/37 Ziff. 1.7). Insbesondere seine Einschätzung, dass eine zuverlässige Prognose, wann und in welchem Um
fang eine
behinderungsangepasste Tätigkeit möglich
ist, sowie sein
e
Aussage, dass mit
einer
Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit im günstigsten Fall ab April 2015
im Umfang von 20 %
zu rechnen
sei
, und er die
Wiederaufnahme einer Arbeitstätigkeit nur unter krankheitsangepassten Bedingungen, schritt
weise, mittels konkreter Hilfsangebote im Rahmen eines längeren, mehrmonati
gen Prozesses
als erfolgsversprechend erachtete, zeigt
jedoch
, dass die Beschwer
deführerin damals nicht eingliederungsfähig war
(E. 3.4)
.
Die von der Beschwer
degegnerin auf diesen Bericht ins Feld geführte
Auffassung einer
Eingliederungs
fähigkeit (Urk. 6 S. 2 Mitte) lässt sich bei dessen genauer Lektüre nicht aufrecht
erhalten.
Ebenso hielt Dr.
G._
die
Beschwerdeführer
in
in der Zeit bis zum 31. Januar 2017 ausschliesslich
in der Zeit vom 1.
Mai bis 31.
Dezember 2015 in geschütz
tem Rahmen
für 50 % arbeitsfähig
und
vom 1.
Januar 2016 bis 31.
Januar 2017 für einen geplanten Arbeitsversuch im 1.
Arbeitsmarkt
(E. 3.6, E. 3.
9
).
Entgegenstehende
echtzeitliche,
medizinische
Berichte, welche eine
Arbeits- oder
Eingliederungsfähigkeit in der Zeit November 2014
bis
zum Antritt der Potenti
alabklärung am 6. Juli 2015
stützen
, liegen
keine
vor (vgl. Urk. 7/1-212)
.
Darüber hinaus
ging
die
Beschwerdegegnerin
in der besagten Zeit
selber davon aus, dass keine
Arbeits- und
E
ingliederungsfähigkeit bestand
.
So hielt die fall
be
arbeitende
Sachbearbeiterin
nach einem Erstgespräch,
nachdem sie zuerst ein Ar
beitstraining im Januar 2015 anordnen wollte (E. 3.2),
ein solches nicht mehr für möglich und erachtete eine ärztliche Einschätzung als notwendig (E. 3.3).
Auf
grund
des Berichts von Dr.
F._
(E. 3.4) schloss denn die Beschwerdegegnerin
am 21. Januar 2015
darauf
, dass es der Beschwerdeführerin zurzeit nicht möglich ist, einer Tätigkeit nachzugehen (E. 3.5). Noch am 16.
Juni 2015 hielt
die Be
schwerdegegnerin
die Wiederaufnahme eines Arbeitstrainings für verf
r
üht, da ein solches die Beschwerdeführerin überfordern würde und sprach sich für eine Po
tentialabklärung aus (E. 3.7).
Erst nachdem eine solche
durchgeführt worden
war,
erfolgt
e
bei der
A._
vom 1. Oktober bis 31.
Dezember 2015 ein Aufbautrai
ning (vgl. Urk. 7/58, Urk. 7/75) und
wurde
später
v
om 27.
Januar bis 30.
April 2016 bei der
B._
überhaupt
eine berufliche Abklärung zur Abklärung der
«
Ein
gliederungs
- und Arbeitsfähigkeit
»
durchgeführt (vgl. Urk.
7/83).
4.2.
4
Laufen keine beruflichen Massnahmen und sind solche auch nicht konkret ange
ordnet, so kann mithin auch dann ein (allenfalls befristeter) Rentenanspruch ent
stehen, wenn die Möglichkeiten der beruflichen Eingliederung noch nicht ausge
schöpft sind
(Urteil des Bundesgerichts 9C_892/2011 vom 21. September 2012 E. 3.3.1)
.
Ei
n allfälliger Anspruch auf berufliche Massnahmen
tangiert
eine frühere Rentenberechtigung ohnehin nicht, können solche doch keinen rückwir
kenden Erfolg zeitigen (Urteil
des Bundesgerichts 9C_885/2008 vom 8.
April 200
9
E.
7).
Nachdem
in der Zeit vom 1. November 2014 bis zum Antritt der Potentialabklä
rung am 6. Juli 2015
keine Eingliederungsfähigkeit
bestand und die Beschwerde
gegnerin in dieser Zeit keine Eingliederungsmassnahmen angeordnet hatte (vgl. E. 4.2.2), konnte ein Rentenanspruch für die besagte Zeit e
ntstehen. Dass die Be
schwerdegegnerin
zuvor
keine Eingliederungsmassnahmen angeordnet hatte, kann der Beschwerdeführerin nicht zum Nachteil gereichen. Vielmehr war es gar
die Beschwerdeführerin selber
, die im Mai 2015 auf
deren
Aufnahme drängte (E.
3
.7).
Das Wartejahr war am 1. November 2014 erfüllt (vgl. E. 2.3) und die Beschwer
deführerin seit November 2013 in ihrer angestammten Tätigkeit als
Medical
Di
rector
auf Dauer nicht mehr arbeitsfähig (vgl. E. 4.2.2). E
rst nach
einem dreimo
natigen Aufbautraining bei der
A._
Ende 2015, einer dreimonatigen Abklä
rung zur Eingliederungs- und Arbeitsfähigkeit bis Ende April 2016 und
einem
9-monatigen
Arbeitstraining bei der
C._
konnte die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer angepassten Tätigkeit all
mählich auf 60 %
gesteigert werden
(
Urk. 7/75 S. 4 unten,
Urk. 7/135 S. 1, Urk. 7/181 S.
9
).
Darauf abstellend
resultierte gemäss dem unbestritten gebliebe
nen und korrekten Einkommensvergleich der Beschwerdegegnerin
, auf welchen
verwiesen werden kann– im Jahr 2016 ein zu einer ganzen Rente berechtigender Invaliditätsgrad v
on 78
%
(vgl. Urk. 2/1 S. 3, Urk. 7/180)
.
Nachdem davon aus
zugehen ist, dass
die Beschwerdeführerin
von
November 2014 bis Juli 2015
wenn überhaupt
in
weitaus geringerem
Masse in einer angepassten Tätigkeit arbeitsfä
hig gewesen war und vo
n einem dem Grundsatz nach auf derselben Basis zu ermittelnden
Validen- und Invalideneinkommen auszugehen ist, resultiert damit
auch für diesen Zeitraum
ein zu einer ganzen Rente berechtigender Invaliditäts
grad von
über
78 % (E. 1.3).
Demnach
steht fest, dass die Beschwerdeführerin ab 1. November 2014 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente hat.
Davon ausgenommen ist die Periode vom
6.
Juli 2015 bis 3
1.
Januar 2017, in welcher sie Taggelder der Invalidenversiche
rung bezogen hat.
In der Folge ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Im vorliegenden Verfahren geht es um die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen, weshalb das Verfahren kostenpflichtig ist. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und ermessensweise auf Fr.
800.-- anzusetzen. Entspre
chend dem Ausgang des Verfahrens sind sie von der unterliegenden Beschwer
degegnerin zu tragen.
5.2
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten hat grundsätzlich die obsiegende Be
schwerde führende Person, die erhebliche Auslagen im Rahmen des
Prozesses gehabt hat (vgl. Art. 61 lit.
g ATSG). Nach §
34 Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozes
ses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Der Rechtsvertreter hat keine Kostennote eingereicht. Die Entschädigung ist daher unter Berücksichtigung der genannten
Kriterien nach Ermessen auf Fr.
2’000
.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen. Die Beschwerdegegne
rin ist in der Folge zu verpflichten, der Beschwerdeführerin eine Prozessentschä
digung in diesem Umfang zu bezahlen.