# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 0a82c49d-c267-43de-a90c-764a54cfb799
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1975, ist gelernter Landschaftsgärtner (
Urk.
6/2)
. Als solcher arbeitete er bis Ende 2002
mit Unterbrüchen für diverse Arbeitgeber
(
Urk.
6/
45
)
.
Zuletzt
war er bis
August
2004
zu
60
bis 100
%
im
Verkauf
von Gartenprodukten
tätig
(
Urk.
6/
14
/
2
und 6/34
).
Danach
bezog er bis März 2006 Arbeitslosen
tag
gelder
bei
einer Vermittlungsfähigkeit von 100
%
(
Urk.
6/36)
.
1.2
Wegen Rückenbeschwerden meldete sich der Versicherte i
m Dez
ember 2004
erstmals
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle (nachfolgend: IV-Stelle) zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/3)
.
Diese verneinte mit Verfügung vom 2
2.
September 2005 einen Anspruch auf berufliche Massnah
men zufolge Berufserfahrung als Verkäufer und primär nicht gesundheitlich bedingter
Schwierigkeiten bei der Stellensuche
(
Urk.
6/20)
. Ebenso lehnte sie mit Verfügung vom 1
2.
September 2006 die Übernahme der Kosten für eine Zahnbehandlung ab (
Urk.
6/
27)
.
In der
Neuanmeldung
vom
Mai 2007
machte de
r Versicherte eine massive Ver
schlechterung
von
Muskelbeschwerden seit Mitte 2006 geltend (
Urk.
6/30
).
Die IV-Stelle
holte Bericht
e
beim Hausarzt
(
Urk.
6/35
und 6/56
)
,
beim
Y._
(
Urk.
6/43, 6/57/7 und 6/61
)
sowie beim
Z._
(
Urk.
6/60)
ein
, denen
zahlreiche Arztberichte und Laborbefunde beilagen
.
Ferner
r
eichte der Versicherte ein Schmerztagebuch ein (
Urk.
6/5-9).
In der Folge gab die IV-Stelle ein
polydisziplinäres
Gutachten bei der MEDAS
A._
in Auf
trag
,
da
s am
5. Januar 2008 erstattet
wurde
(
Urk.
6/66).
D
ie IV-Stelle lehnte hierauf eine Kostengutsprache für berufliche Massnahme
n
ab (
Urk.
6/51)
und
sprach dem Versicherten
mit Verfügung vom 26. März 2009
rückwirkend ab April 2007 eine ganze Invalidenrente zu (
Urk.
6/75
und 6/84
)
.
Ausserdem auferlegte die IV-Stelle dem Versicherten m
it Schreiben vom 26.
November 2008
eine Schadenminderungspflicht im Sinne
e
iner psychiatri
schen Behandlung (
Urk.
6/68)
. Als der Versicherte diese nach eigenen Angaben
aus finanziellen Gründen und zufolge „Vertrauensbruchs“ des Psychiaters
Dr.
med.
B._
im Juni 2009
ab
brach, leitete die IV-Stelle ein
Revisionsver
fah
ren
ein
(
Urk.
6/88
, 6/106
, 6/108/5-6, 6/108/17-19
, 6/110
).
Sie liess den Ver
sicherten einen Fragebogen ausfüllen (
Urk.
6/108
),
der
diesem
erneut
ein Schmerztagebuch beilegte (
Urk.
6/108/7-15
). Ferner holte sie
eine
n
Bericht
bei
Dr.
med.
C._
ein, der den Versicherten
ab November 2009
psychiatrisch
behandelte
(
Urk.
6/117).
A
nschliessend auferlegte sie
dem Versicherten
erneut eine Schadenminderungspflicht im Sinne einer psychiatrischen Behandlung (
Urk.
6/119) und bestätigte mit formloser Mitteilung vom 25
. März 2010 die bisherige ganze Invalidenrent
e (
Urk.
6/120).
I
m
Revisionsverfahren im Jahr 2012
liess die IV-Stelle den Versicherten
wieder
einen Fragebogen ausfüllen (
Urk.
6/121)
, der diesem
einen aktuellere
n rheuma
tologischen Bericht beilegte
(
Urk.
6/121/4 f.). Ferner holte die IV-Stelle
einen Bericht
bei
Dr.
C._
ein
, der
vom Abbruch der Therapie berichtete und
eine
Abklärung
im stationären Rahmen empfahl
(
Urk.
6/123).
In der Folge auferlegte die IV-Stelle dem Versicherten gestützt auf die Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 6. September 2012
(
Urk.
6/125/4)
eine
Scha
denminderungspflicht
nunmehr im Sinne einer Facharztbehandlung Psychiatrie mit stationärer diagnostisch-therapeutischer Abklärung (
Urk.
6/126)
. Im Übrigen
bestätigte
sie
die bisherige ganze Invalidenrente mit Mitteilung vom 7. Septem
ber 2012 (
Urk.
6/127).
1.3
Seit
Oktober 2012
wird der Versicherte
in der
D._
von Med. pra
k
t.
E._
ambulant psychiatrisch behandel
t
. Sie berichtete
der
IV
-Stelle a
m 21.
Oktober 2013
, eine stationäre Behandlung sei nicht notwendig (
Urk.
6/133). Die IV-Stelle nahm hierauf
die aktuelle Revision
an die Hand und liess den Versicherten wiederum einen Fragebogen ausfüllen (
Urk.
6/134).
Alsdann gab
sie
ein neues polydisziplinäres Gutachten der Fachrichtungen Innere Medizin, Neurologie, Psychiatrie und Rheumatologie in Auftrag (
Urk.
6/140), das am
30. Juni 2014 von der
F._
erstattet wurde (
Urk.
6/143).
Mit Vorbescheid vom 14. August 2014 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Einstellung der Invalidenrente in Aussicht (
Urk.
6/144).
Dieser erhob Einwand und machte u
nter anderem geltend, eine
Selbsteinglie
derung
sei ihm nicht zumutbar (
Urk.
6/145 und 6/152). In der Folge lud ihn
die IV-Stelle zu einem Gespräch
ein (
Urk.
6/
158
)
, bevor sie die Eingliederungsmass
nahmen mit formloser Mitteilung vom 27. November 2014 für abgeschlossen erklärte (
Urk.
6/157) und die Rente mit Verfügung
vom 20.
Januar 2015 per Ende
des der Zustellung folgenden Monats
auf
hob.
Dabei entzog sie e
iner all
fälligen
Beschwerde gegen die Verfügung
die aufschiebende Wirkung (
Urk.
2).
2.
Gegen diesen Entscheid
erhob der Versicherte am 20. Februar 2015 Beschwerde und beantragte,
ihm über dem 31. März 2015 hinaus eine ganze Rente zuzu
sprechen (
Urk.
1).
In der Beschwerdeantwort vom 20. Januar 2015 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5). Hierzu nahm der Versicherte mit Eingabe vom 24. April 2015 nochmals Stellung (
Urk.
8). Die IV-Stelle ver
zichtete
auf
eine Duplik (
Urk.
11).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 17 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversiche
rungsrechts
(ATSG) sind laufende Renten für die Zukunft zu erhöhen, herabzu
setzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszu
stands, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkun
gen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustands erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 S. 349 ff. mit Hinweisen). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unver
ändert gebliebenen Gesundheitszustands auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen materiellen Revisionsgrund dar. Die Frage der wesentlichen Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der letzten rechtskräftigen und auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs (mit rechtskonformer
Sachverhaltsab
klärung
, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung) beruhenden Verfügung bestanden hat, mit demjenigen zur Zeit der streitigen Revisionsverfügung (BGE 134 V 131 E. 3, 133 V 108 E. 5.4; vgl. zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts
9C_490/2014 vom 23.
Januar 2
015
E. 4.1)
. Ei
ne Verfügung
ist indessen
verzicht
bar, wenn bei einer von Amtes wegen durchgeführten Revision keine leistungsbeeinflussende Änderung der Verhältnisse festgestellt wurde (Art. 74
ter
lit
. f
der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV)
. Wird auf entspre
chende Mitteilung hin keine Verfügung verlangt (Art. 74
quater
IVV), ist jene in Bezug auf den Vergleichszeitpunkt einer rechtskräftigen Verfügung gleichzu
stellen (Urteile des Bundesgerichts 9C_771/2009 vom 10. September 2010 E. 2.2 und 9C_586/2010 vom
15. Oktober 2010 E. 2.2 mit Hin
weisen).
1.2
Nach der Rechtsprechung kann d
as Gericht
eine zu Unrecht ergangene
Revisions
verfügung
gegebenenfalls mit der substituierten Begründung schützen, dass
die
ursprüngliche
(noch nicht gerichtlich beurteilte)
Rentenverfügung zweifellos unrichtig und die Berichtigu
ng von erheblicher Bedeutung ist. Mit anderen Worten kann es die Rentenverfügung
diesfalls
unter den Voraus
set
zungen nach Art. 53 Abs. 2 ATSG in Wiedererwägung ziehen (
BGE 110 V 176 E. 2a
und 1
25 V 368 E. 2 mit Hinweisen; BGE 128 V 272 E. 5b/
bb
; Urteile des Bundesgerichts 9C_121/2014 vom
3.
September 2014 E. 3.2.2, 9C_762/2013 vom 2
4.
Juni 2014 E. 4.2 und 9C_562/2008 vom 3. November 2008 E. 2.2 je mit Hinweisen).
Die Voraussetzung der erheblichen Bedeutung der Berichtigung ist bei Invalidenrenten mit Blick auf ihren Charakter als periodische Dauerleistun
gen rechtsprechungsgemäss ohne weiteres zu bejahen (BGE 119 V 475 E. 1.c mit Hinweisen, Urteil des Bundesgerichts 9C_11/2008 vom 29. April 2008 E. 4.2.1). Zweifellos ist die Unrichtigkeit nur, wenn kein vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass die Verfügung unrichtig war. Es ist nur ein einziger Schluss - derjenige auf die Unrichtigkeit der Verfügung - denkbar. Ansonsten würde die Wiedererwägung zum Instrument einer voraussetzungslosen Neuprüfung, was sich nicht mit dem Wesen der Rechtsbeständigkeit formell zugesprochener Dauerleistungen vertrüge (
Urteile des Bundesgerichts
8C_347/2011 vom 11. August 2011 E. 2.2 mit Hinweisen und
9C_
49
/20
12
vom
12. Juli 2012
E.
4).
1.
3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können,
sind Verwaltung und Gericht
auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes ist es, den Gesundheitszu
stand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc)
.
Dabei gilt es zu beachten, dass j
ede psychogene Störung, ob ein
fache oder neurotische Form, im Einzelfall Krankheitswert haben
kann
, weshalb jeder Einzelfall sorgfältig geprüft werden muss. Notwendig sind in jedem Fall ein ausführlicher ärztlicher Bericht oder ein entsprechendes fachärztliches Gut
achten sowie die Abklärung der erwerblichen Umstände (AHI 1997 S. 43 E. 5c).
1.4
Für den Beweiswert
eines ärztlichen Gutachtens ist
schliesslich
ent
scheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforder
li
chen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berück
sichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person aus
einander setzt, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist und in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ferner ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die
rechtsan
wendende
Person sie prüfend nachvollziehen kann, und der Experte nicht aus
zu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht
(BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in
H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 3. Aufl. 1994, S. 24 f.).
Im
Revisionsverfahren ist
darüber hinaus zu beachten, dass es einer von frühe
ren medizinischen Einschätzungen abweichenden Beur
teilung in der Regel am Beweiswert fehlt, wenn sie sich nicht hinreichend dar
über ausspricht, inwiefern eine effektive Veränderung des Gesundheitszustandes stattgefunden hat, selbst wenn die Ausführungen für sich allein betrachtet voll
ständig, nachvollziehbar und schlüssig und daher für eine erstmalige Beurtei
lung der
Rentenberech
ti
gung
beweistauglich wären. Eine verlässliche Abgren
zung der tatsächlich ein
getretenen von der nur angenommenen Veränderung ist als erforderliche Beweisgrundlage nicht erreicht, wenn bloss nominelle Diffe
renzen diagnosti
scher Art bestehen. Hingegen ist die Feststellung über eine seit der früheren Beurteilung eingetretene tatsächliche Änderung genügend unter
mauert, wenn der medizinische Sachverständige aufzeigt, welche konkreten Gesichtspunkte in der Krankheitsentwicklung und im Verlauf der Arbeitsunfä
higkeit zu ihrer neuen diagnostischen Beurteilung und Einschätzung des Schweregrades der Störungen geführt haben. Je mehr bei einer Diagnose ärztli
ches Ermessen eine Rolle spielt, desto wichtiger sind klinische Feststellungen, gutachtliche
Ver
laufsbeobachtungen
und anamnestische Daten (Urteil des Bun
desgerichts 9C_49/2012 vom 12. Juli 2012 E. 7.1 mit Hinweisen)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
zog in Betracht,
die
depressive
Störung
sei vollständig remittiert
und die
Somatisierungsstörung bei
akzentuierten
maniform
en
Per
sönlichkeitszügen
mangels
Komorbidität nicht invalidisierend.
Der
Libidostau
diene dabei nur als
m
ögliche Erklärung
der Beschwerden
, ohne dass daraus
Schlussfolgerungen für die Arbeitsfähigkeit gezogen würden
.
Bestätigt werde die Besserung
zudem nicht nur durch die
Befunde
, sondern auch durch
da
s gesteigerte Aktivitätsniveau.
Eingliederungsmassnahmen würden mangels
Gesundheitsschaden und
subjektiver Eingliederu
n
gsfähigkeit
sowie a
ufgrund des Alters
und
der Rentendauer
entfallen
.
Im Übrigen liege die
Untersuchungs
dauer
im gutachterlichen
Ermessen (
Urk.
2 und 5)
2.2
Der Beschwerdeführer machte eine nicht heilbare Verletzung
des rechtlichen Gehörs
mangels Auseinandersetzung mit seinen
Einwänden im
Vorbescheid
verfahren
geltend
(
Urk.
1 S. 3-5).
Weiter
beanstandete er
das
neue
psychiat
rische Teilgutachte
n
. Die
Untersuchungsdauer
sei zu kurz gewesen, die Verbes
serung nic
ht
substanziiert
worden und oftmals werde bloss gemutmasst
. Jeden
falls habe er sein Aktivitätsniveau
n
icht gesteigert
(
Urk.
1 S. 8
-11
,
Urk.
8
S. 2 f.
).
Schliesslich
verlangte er vorgängig
e
Eingliederungsmassnahmen
als Folge der
intellektuell unterdurchschnittliche
n
Befähigung
und langen Absenz vom
Arbeitsmarkt
. Gegebenenfalls sei
ein Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
nötig (
Urk.
1 S. 11
,
Urk.
8 S. 3
).
3.
F
ür die Beurteilung, ob eine
wesentliche
Änderung
in den tatsächlichen Verhält
nissen
eingetreten
ist, die eine Aufhebung der seit April 2007 bezogenen ganzen Invalidenrente rechtfertigt, bildet i
n
zeitlicher Hinsicht
die ursprüngliche Rentenverfügung vom 26. März 2009
den Ausgangspunkt
und die angefochtene Verfügung vom
20. Januar 2015
den Endpunkt. Keine eigenständige Bedeutung kommt den formlosen Mitteilung
en
vom 25. März 2010 (
Urk.
6/120) und
7. September 2012 (
Urk.
6/27) zu, da
im Vorfeld derselben einzig ein kurzer
Bericht des
jeweils
behandelnden Psychiaters
eingeholt wurde
(
Urk.
6/117 und 6/123).
A
ngesichts der Erfahrungstatsache, dass behandelnde Arztpersonen und Therapiekräfte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauens
-
stellung
in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc) und
einer der behandelnden Psychiater
gar aus
drücklich eine Beurteilung
im stationären Rahmen empfahl
(vgl. Sachverhalt
E. 1.2)
,
beruhten
diese Mitteilungen
nicht auf einer
rechtskonforme
n
Sachver
-
halts
abklärung
.
Bei der ursprünglichen Rentenverfügung stützte sich die Beschwerdegegnerin
sodann
vollumfänglich auf das Gutachten der MEDAS
A._
vom 5.
November
2008,
das
die Fachrichtungen Innere Medizin, Rheumatologie, Psychiatrie, und Neurologie umfasste (
Urk.
6/66).
Der angefochtenen Verfügung legte sie das
internistisch
-
orthopädisch
-
psychiatrisch
-
neurologische
Gutachten des
F._
vom 30. Juni 2014 zugrunde (
Urk.
6/143).
In den Vergleich der beiden Gutachten sind
ferner
– soweit relevant – die zeitlich dazwischen einzuordnen
den Berichte behandelnder Arztpersonen miteinzubeziehen.
4.
4.1
Zur Abklärung allfälliger somatischer
Beschwerden ist d
er
zusammenfassenden Beurteilung der Gutachter der MEDAS
A._
aus dem Jahr 2008
(
Urk.
6/66/19)
zu entnehmen, der
normosome
, muskulöse Beschwerdeführer wirke altersentsprechend und sei drei Stunden
lang
unauffällig im Stuhl geses
sen. Im Labor seien ausser der (unbedeutenden) leichten Erhöhung des
Mon
ozytenprozent
satzes
sämtliche Werte normal gewesen, insbesondere auch alle Parameter, welche auf eine Muskel-, Gelenk- oder Weichteilpathologie hät
ten hindeuten können
(vgl. im Detail
Urk.
6/66/16 f.)
.
Gemäss dem R
heu
mato
loge
n liege
weder klinisch noch labormässig
ein Korrelat
vor,
das
die angeführ
ten Beschwerden
erkläre. D
as teilweise mit der Haltungsinsuffizienz und einer
lumbosakralen
Übergangsanomalie vergesellschaftete chronische
thorakolum
bale
Schmerzsyndrom
führe ebenfalls
zu keiner Arbeitsunfähigkeit (vgl. im Detail
Urk.
6/66/26-32)
. Ebenso habe die Neurologin k
eine handfeste Pathologie objektiveren können. Die Etikette „chronisches
Fatigue
-Syndrom mit schneller körperlicher und kognitiver Ermüdba
rkeit unklarer Ätiologie“ fusse lediglich
auf subjektiven Angaben, ebenso die Kopfschmerzen vom
Span
nungstyp
, so
dass auch sie keine Arbeitsunfähigkeit attestieren könne (vgl. im Detail
Urk.
6/66/38 f.)
.
4.2
Die
F._
Gutachter kamen in ihrer
Gesamtbeurteilung
im Jahr 2014
zum Schluss,
b
ei der orthopädischen Untersuchung sei ein chronisches intermittie
rendes panvertebrales Schmerzsyndrom ohne degenerative Veränderungen der Wirbelsäule diagnostiziert worden. Der Status am Bewegungsapparat sei weit
gehend unauffällig. Der Beschwerdeführer zeige einen guten Trainingszustand. Die angegebenen Beschwerden könnten aus orthopädischer Sicht
somit
nicht erklärt werden. In den neurologischen und orthopädischen Untersuchungen
seien
unauffällige Befunde erhoben worden. Eine neurologische Ursache für die Beschwerden bestehe nicht
,
ebenso wenig ein internistisches Leiden. Aufgrund früherer Untersuchungen ergebe sich der Verdacht auf eine milde benigne Hyper-CK-
ämie
,
die
aber keine wesentlichen Beschwerden verursache
(
Urk.
6/143/23). In Auseinandersetzung mit den
Vorakten
erklärten die Gutach
ter ferner, von Seiten des Bewegungsapparates seien vom
Y._
und von der MEDAS
A._
weitgehend unauffällige Befunde erhoben worden. Eine anhaltende Muskelerkrankung habe nicht diag
nostiziert werden können. Es bestehe daher Übereinstimmung mit der eigenen Beurteilung
. Dies gelte auch
für den
späteren
rheumatologischen Bericht von
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Rheumatologie und Innere Medizin,
vom 1
2.
Dezember 2011 (vgl.
Urk.
6/121 4 f. Verdachtsdiagnose eines
Fibromyal
giesyndroms
)
. Ebenso bestehe aus neurologischer Sicht Übereinstimmung mit den früheren neurologischen Beurteilungen. Eine mögliche Hyper-CK-
ämie
sei nie als einschränkend angegeben worden (
Urk.
6/143/24).
4.3
Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass weder die Gutachter der MEDAS
A._
noch diejenigen des
F._
in der
jeweiligen
internistischen,
neu
rologischen oder
rheumatologischen
respektive
orthopädischen
Untersuchung relevante Befunde erhoben. In diesen
Fachrichtungen
wird
dementsprechend einhellig und soweit nachvollziehbar
eine 100%-Arbeitsfähigkeit attestiert, was
von den Parteien nicht weiter beanstandet wird und folglich keinen A
nlass zu weiteren Bemerkungen
gibt
.
5.
5.1
Demgemäss
schlussfolgerten
die Gut
achter der MEDAS
A._
, konkret
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Innere Medizin, und
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Rheumatologie, in der konsiliarischen Besprechung im Jahr 2008, die
Arbeitsfä
higkeit
des Beschwerdeführers
für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Samen- und Pflanzenverkäufer, aber auch für die gelernte Tätigkeit als Landschaftsgärt
ner und alle in Frage kommenden beruflichen Verweistätigkeit
en
betrage
aus
schliesslich aus psychia
trischen Gründen
momentan
0
%
(
Urk.
6/66/20).
Dem
gegenüber kamen d
ie
vier
F._
-
Gutachter im Jahr 2014
zum Schluss, der Beschwerdeführer sei aus polydisziplinärer Sicht sowohl für die angestammte Tätigkeit als Landschaftsgärtner wie auch jede andere körperlich leichte bis zumindest teilweise schwer
e
Tätigkeit zu 100
%
arbeits- und leistungsfähig
(
Urk.
6/143/23 f.).
Ausschlaggebend für die diametrale Einschätzung der Arbeitsfähigkeit waren somit die von den beiden Fachärzten für Psychiatrie und Psychotherapie,
Dr.
med.
J._
im Jahr 2008 u
nd
Dr.
med.
K._
im Jahr 2014, erstellte
n
Teilgutachten.
5.2
Dr.
J._
hielt im Vorgutachten insbesondere fest, d
er Beschwerdeführer wirke von Beginn an etwas aufgezogen. Fragen scheine er auf Anhieb oft nicht zu verstehen, ein Hinweis auf das Vorliegen eines Auffassungsdefizites. Im Denken wirke er einfach
, er
habe Mühe mit komplexen Gedankengängen. Mit seinem lebhaften Augenspiel mache er affektiv einen forciert positiven, fröhlich aufgestellten und zufriedenen Eindruck, doch wirke sein Verhalten gekünstelt und affektiert. Im Laufe des Gespräches seien auch seine angespannt depri
mierten Seiten zu erkennen. Trotz seine
r
Aussagen, sozial integriert zu sein, wirke er beziehungsmässig isoliert und in sich zurückgezogen. Oberflächlich nehme er mit dem Referenten Kontakt auf, doch kontrolliere er das Gespräch und bestimme, was richtig und was falsch sei. Er habe Mühe, jegliche Art von Kritik oder
n
ur schon Ratschläge anzunehmen. I
m
Gegenteil korrigiere er oft
den
Referenten. Bezüglich Ich
-F
unktionen wirke er beziehungsmässig gestört, ohne dass er dies realisiere und reflektieren könne
. Er
zeige hintergründi
g deut
liche Insuffizienzgefühle und
wirke abwehrend, indem er andere Meinungen nicht zulasse und glaube, Mass aller Dinge zu sein.
Ferner bekunde
er
Mühe,
Ziele festzulegen, was er mit den
Schmerzen begründe, die es
ihm
nicht erlaub
ten, über einen Tag hinaus zu planen. In seiner Realitätseinschätzung wirke er recht eigensinnig und realitätsfremd. Intellektuell mache er einen eher schwachen Eindruck, dürfte aber mindestens im unteren Normbereich anzusie
deln sein, da
er
eine Lehre als Landschaftsgärtner absolviert habe. Er wirke im Gespräch nicht aggressiv
, habe aber
Mühe, sich auf Vorgaben von aussen ein
zulassen
(
Urk.
6/66/34 f.)
.
D
er Beschwerdeführer
sei laut eigenen Angaben in eine
m gestörten Milieu aufge
wachsen. Er
habe im Alter von neun Jahren die Trennung der Eltern hin
nehmen müssen
und sei
von der Mutter geschlagen worden
bzw. habe v
om Vater wenig Empathie erfahren. So scheine
er
beziehungsarm und mit sehr wenig menschlicher Wärme aufgewachsen zu sein. Für eine Entwicklungsstö
rung spreche auch das
aktenkundige
Bettnässen. Über enge oder intime Bezie
hungen in den jungen Erwachsenenjahren bestehe Unklarheit. Zu solche
n
The
men bleibe der Beschwerdeführer verschlossen.
Beruflich seien die zahlreichen Stellenwechsel zu erwähnen. Ab 2004 habe
der Beschwerdeführer
keine Anstellung mehr gefunden und sich zunehmend in
die
1-Zimmerwohnung zurückgezogen. Heute wirke er isoliert und ohne tiefere Beziehung zur Umwelt, auch wenn er sich dessen wenig bewusst
zu sein scheine
. Er sei in seinem Selbstbild gestört und wirke leidend. Da er offenbar kaum warme mitmenschli
che Beziehungen erfahren habe, könne er seine psychische Situation schlecht einschätzen. Er habe wenig Zugang zu seinen Gefühlen und nehme seine kör
perlichen Schmerzen stellvertretend für sein verborgenes seelisches Leiden wahr. Sein Gefühlsausdruck erscheine in seiner
histrionischen
Ausprägung oberflächlich und instabil.
Er
rede in altkluger Weise von Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit und gebe sich zufrieden, ohne im Gespräch
auch
nur ansatzweise zu überzeugen
(
Urk.
6/66/35)
.
A
ufgrund des verminderten Antriebs, der subjektiven Müdigkeit, des tiefen Selbst
wertgefühls, der sozialen Isolierung bei Beziehungsarmut und der gerin
gen Motivation
liege diagnostisch
eine mittelschwere depressive Störung
(ICD-10: F32.1)
sowie eine
Alexithymie
mit ausgeprägter Somatisierung
vor
.
D
ie Somatisierung
sei
Ausdruck der affektiven Störung und nicht umgekehrt
.
Die psychische Störung habe Krankheitswert und lasse derzeit keine berufliche Tätigkeit zu.
Es sei dringend
e
ine längerdauernde, intensive psychotherapeu
tische Behandlung
nötig
. Nur wenn der Beschwerdeführer sein
Beziehungsdefi
zit
erkenne und vorerst in der Therapie, später im Alltag echte Beziehungser
fahrungen machen könne, werde er seine psychosomatische Schmerzkrankheit überwinden können und bestenfalls den Weg in die Berufstätigkeit zurückfin
den.
Derzeit seien keine b
erufliche
n
Massnahmen realisierbar, da
er weder dem Druck in der freien Wirtschaft noch einer Ausbildung gewachsen sei.
Es könne aber ratsam sein,
ihn
im Laufe der psychotherapeutischen Behandlung in einem geschützten Arbeitsplatz aufzunehmen.
Die Prognose
sei abhängig
vom Erfolg der Behandlung, wobei diese inner
t
zwei Jahren positive Auswirkung
en
entfal
ten
sollte. Der Einsatz von Antidepressiva sei vom behan
delnden Psychiater abzuschätzen
(
Urk.
6/66/35 f.).
5.
3
Im Vergleich dazu gestaltete sich der Gedankengang des Beschwerdeführers g
emäss
Dr.
K._
formal geordnet und inhaltlich unauffällig. Hinweise für ein psychotisches Geschehen
seien
nicht zu beobachten
. Die kognitiven Funktionen wie Wahrnehmung, Auffassung und Gedächtnis
hätten
sich in der
grob
-
klini
schen Prüfung un
beeinträchtigt dar
gestellt
. Konzentration und Aufmerk
-
s
amkeit
habe
er
ohne nachzulassen aufrecht
er
halten
können
. Die komplexen Ich-Funk
tionen wie Realitätsprüfung, Beziehungsfähigkeit, Urteilsfähigkeit,
Impulskon
trolle
und Willensbildung seien intakt. Psychomotorisch präsentiere
er sich
weder agiert noch gehemmt. Im Affekt zeige er sich immer wieder ansatzweise mit zum Teil bedrohlicher Mimik, angetrieben und reizbar. Dann sacke er
wie
der
in sich zusammen und berichte von Schmerzen und Zuständen, die nicht von dieser Welt seien. Insgesamt seien das Verhalten und der
affektive Rapport als auffällig
einzustufen. Seine Schilderungen wirkten etwas abgehoben und übertrieben.
Indessen lasse sich kein bedrüc
kt
er Affekt beobachten, auch fehle es an einer
vitale
n
Traurigkeit,
einer
Antriebsstörung oder Suizid
-
gedanken
.
Er
sei in der Lage, seine Affekte zu modulieren. Das Gespräch mit ihm gestalte sich flüssig. Obwohl er immer wieder
bedrohlich die Augenbrauen zusammenziehe, finde kein Impulsdurchb
ruch statt
. Er
verhalte sich
kooperativ
und sei mittels
Urinprobe negativ auf Amphetamine, Benzodiazepine, Cannabis, Kokain und Opiate getestet worden
(
Urk.
6/143/
12
)
.
Der
Beschwerdeführer
habe
s
ich
sodann
von der Mutter nicht angenommen ge
fühlt
. Ab
dem 11. Altersjahr
sei er
beim Vater und einer pedantischen Stief
mutter au
fgewachsen.
Nach Abschluss der Lehre habe er b
is 2004
fast jährlich die Stelle gewechselt
und dan
n
keine mehr gefunden
.
Er sei ledig und ohne Lebenspartnerin.
Eine pharmakologische Behandlung finde nicht
statt
. E
benso wenig setze
der Beschwerdeführer
Schlafmittel
bei
geklagten
massive
n
Ein
schlafprobleme
n
ein
. In der Untersuchung
habe er sich als körperlich unauffäl
liger, eher athletischer Naturbursche präsentiert und
init
i
al nicht über psy
chische Beschwerden, sondern Rückenschmerzen, Muskelschwäche und Magen
beschwerden geklagt.
Ein organisches Korrelat
für diese
s
ei
nicht vorhanden. Somit sei die
S
ymptomatik als Somatisierungsstörung einzustufen.
Weiter
falle eine etwas auffällige Persönlichkeit mit einem leicht
maniform-dysphorischen
Verhalten
auf
. Der Beschwerdeführer scheine immer wieder unter grossen inne
ren Druck zu geraten. Es erfolge jedoch kein Impulsdurchbruch. Aus psychody
namischer Triebtheorie könnte bei zwei schwierig verlaufenden
Mutterbezie
hungen
, fehlenden Partnerschaften und einem eher negativ gefärbten
Frauen
bild
ein Sexual- respektive
Libidostau
vorliegen. Dieser könnte Ursache für das gesamte Beschwerdebild sein. In der Selbstdefinition scheine der Beschwerde
führer eine psychische Ursache
d
er Somatisierung
allerdings
abzulehnen
(
Urk.
6/143/12 f.)
.
Damit
liege
e
ine Somatisierungsstörung ohne erhebliche psychiatrische Komorbi
dität vor. Es bestehe lediglich eine gewisse Angespanntheit mit akze
n
tuierten Persönlichkeitszügen.
Die
Foersterkriterien
seien nicht erfü
llt. Überdies würden vermutlich erhebliche Ressourcen im Alltag vorliegen. So bastle
der Beschwerdeführer
Bilderrahmen, zeichne, fotografiere und halte sich wahr
scheinlich überwiegend in der Natur auf. Auffällig sei, dass
er
dem weiblichen Geschlecht skeptisch gegenüber stehe. Aufgrund der Befunde
sei die Arbeitsfä
higkeit wohl schon seit einiger Zeit
nicht mehr eingeschränkt.
Indessen
emp
finde sich der Beschwerdeführer selbst als schwer krank
(
Urk.
6/143/13).
Urk.
6/143/13 f.)
.
In der Psychotherapie sei künftig auf die triebdynamische Komponente und ihre Folgen zu fokussieren (
Urk.
6/143/26).
Ergänzend
ist der Gesamtbeurteilung der
F._
-Gutachter zu entnehmen, der B
eschwerdeführer selbst fühle sich nicht mehr arbeitsfähig, was im Widerspruch zur kräftigen Köperstatur und der deutlichen
Beschwielung
der Hände stehe
. Darauf habe sicher auch die Berentung Einfluss.
Da kein psychisches Leiden mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit mehr bestehe, sei es ihm
zuzumuten
, die not
wendige Willensanstrengung aufzubringen, um wieder einer Erwerbstätigke
it nachzugehen (
Urk.
6/143/24).
Nach der langjährigen Absenz vom ersten Arbeitsmarkt benötige
er aber
professionelle Unterstützung beim
Wiederein
stieg
,
w
eshalb eine Arbeitsvermittlung anzubieten sei. Ob sich
seine
geringe Motivation mit der Tatsache einer möglichen Rentensistierung ändere, kön
ne
nicht vorausgesagt werden (
Urk.
6/143/25).
5.4
5.4.1
S
oweit es die
relevante
Berichterstattung der behandelnden Psychiater betrifft,
übernahm
Dr.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
i
m Bericht vom
22. Februar 2010 die Diagnosen
des
Vorgutachten
s
. Dazu
erläuterte
er
, der Gesundheitszustand sei unverändert schlecht. Die zuvor durchgeführte Therapie habe mehrheitlich aus Neurofeedback bestanden und weder ein rudimentäres Krankheitsverständnis gebracht, noch die Beschwerden gemindert. Diese
würden
Muskelschwäche, Müdigkeit, Kopf-
/
Rückenschmerzen sowie Schwindelgefühl
e
umfassen
und eine rasch wechselnde
,
unvorhersehbare Intensität aufweisen. An psychischen Beschwerden, die vom Beschwerdeführer
selbst
nicht explizit vor
gebracht würden,
d
ominerten depressive Symptome und soziale Unsicherheit mit deutlichem Misstrauen gegenüber den Mitmenschen
. Zum Befund notierte
Dr.
C._
, der kräftig gebaute Beschwerdeführer mit
rauhen
Händen spreche mit lauter Stimme und gebe sich zurückhaltend freundlich ohne erkennbare Nervosität. Antrieb und Steuerung seien unauffällig. Affektiv wirke er erstaun
lich wenig betroffen in einer kämpferisch angestrengt
en
Art. Sein Denken sei formal ungestört, inhaltlich
aber
stark auf seine körperlichen Beschwerden fixiert. Hinweise auf Halluzinationen oder Wahnideen fehlten. Suizidgedanken würde nicht berichtet.
Die Leistungsfähigkeit
sei
um 80 bis 100
%
eingeschränkt
zufolge
Kraftlosigkeit, Müdigkeit, Schmerzen, Schwindelgefühle
n
, depressive
r
Gemütslage und starke
r
soziale
r
Ängste, wobei die soziale Unsicherheit die übermässige Erschöpfbarkeit verstärken dürfte.
Eine
Verbesserung des affekti
ven Zustandes
sei
schwierig zu erreichen
,
da der bisherige Verlauf für ein
chro
nifiziertes
Krankheitsgeschehen spreche.
V
oraussetzung sei,
es gelinge, das Misstrauen wesentlich zu vermindern
(
Urk.
6/117)
.
5.4.2
I
m Bericht vom 6. August 2012 stellte
Dr.
C._
zusätzlich
die
Verdachtsdiag
nose
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit p
a
ranoiden, schizo
i
den und impulsiven Zügen (ICD-10: F61.0).
Dazu berichtete er, d
ie
Behandlung sei in abnehmender Frequenz
(13 Sitzungen
im Jahr
2010, 5 Sitzungen
im Jahr
2011)
und
im April 2012 eine Abschlussgespräch durchgeführt worden. Dieses sei von starkem Misstrauen, fehlender Therapiemotivation und passiv abwehrender Haltung gegenüber eigenen Problemen und Veränderungen
geprägt gewesen
. Der Beschwerdeführer bezeichne sich selbst als Einzelgänger und habe sich mehrmals für
einige
Wochen in die Ferien abgemeldet
. A
uf
entsprechende
Nachfragen
habe er
mit heftigen Vorwürfen re
a
giert oder seine Absichten ver
schwiegen.
Es sei ihm stets
ein grosses Anliegen gewesen, si
ch nicht festlegen zu müsse
n
, oft sei er Antworten schuldig geblieben
oder habe auf frühere ver
wiesen
. Die
Cymbaltamedikati
o
n
habe er nach wenigen Wochen
selbst
abgesetzt
– bestätigt in d
er Überzeugung
, dass Medikamente wirkungslos seien. Eigene Themen habe er nicht eingebracht
. D
ie Aufforderung zu mehr
Eigeninitiative habe ihn
zudem
darin
bestärkt, dass ihm niemand helfen könne. Schliesslich habe die Diagnose von
Dr.
G._
ihn darin bestärkt, an einer körperlichen Erkrankung zu leiden, und auf weitere Termine zu verzichten.
Dr.
C._
erhob alsdann ähnliche Befunde wie zu Beginn seiner Therapie. Zusätzlich hielt er fest, d
er Beschwerdeführer
spreche
sein Misstrauen immer wieder offen aus. Auskünfte zu seinem Alltag mache er kaum, Nachfragen weiche er meist aus oder lasse
sie
unbeantwortet. Dabei wirke er rechthaberisch und hintergründig herausfordernd
.
Affektiv erscheine er gelassen trotz der wiederholten Äusse
rung
,
nur knapp zu überleben. Er betone immer wieder, nicht depressiv zu sein
und keine Suizidgedanken zu haben
. In kämpferischer Art drücke er seine Über
zeugung aus, nie aufzugeben. Eigene Gefühle könne er nicht beschreiben. Deut
lich werde seine Angst, von anderen zu etwas gezwungen zu werden und sein Bemühen, keine Erwartungen aufkommen zu lassen, damit er nicht enttäuscht werde.
D
as Krankheitsbild zeige sich
daher
unverändert und entsprechend der bisherigen Erfahrung sei eine Verbesserung schwierig zu erreichen. Insbeson
dere werde ein
e
psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung bei
unverän
derter Grundhaltung
kaum eine solche bewirken.
Da
die Beschwerden und ihr Ausmass, wie auch der geführte Lebensalltag sich allein auf die zwar in sich kons
istente Schilderung des Beschwerdeführers beziehe, könn
t
e eine Beurtei
lung im stationären Rahmen für eine Verifizierung und allenfal
l
s eine diagnos
tisch-therapeutische Klärung hilfreich sein (
Urk.
6/123).
5.4.3
Die zuletzt behandelnde
Med. prakt.
E._
stellte am 21. Dezember 2013 e
rstmals die
Verdachtsdiagnose
Schizophrenia
simplex
(ICD-10: F20.6) in Dif
ferentialdiagnose eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1) oder andauernde Persönlichkeitsänderung (ICD-10: F62). Dazu erklärte sie, der Beschwerdeführer nehme zuverlässig alle vier Wochen Konsultationen wahr. Der m
assive soziale Rückzug habe sich in der Therapie darin
gezeigt, dass er sich schwer getan habe, Vertrauen zu fassen. Immer noch müsse am Bezie
hungsaufbau gearbeitet werden, wobei in den letzten Monaten erhebliche Fort
schritte erzielt worden seien. Diagnostisch sei der Zustand schwer einzuschät
zen, weshalb man den Fall im Team besprochen h
abe. Der Beschwerdeführer klage
über diverse, wechselnd auftretende somatische Beschwerden
und scheine dabei auf die Diagnose Fibromy
al
gie fixiert. Langsam gelinge es ihm
jedoch
, die Beschwerden im Zusammenhang mit einem psychischen Leiden zu sehen, wobei weiterhin
psychoedukative
Arbeit zu leisten sei. Womöglich seien die Beschwerden als Wahrnehmungsstörung (
Zönästhesien
) einzuordnen. Diese Symptomatik sowie die affektive Verflachung, die
Alexithymie
, de
r
soziale Rückzug, die Negativsymptomatik und Abnahme der Leistungsfähigkeit, alles anamnestisch schleichend aufgetreten, liessen an
eine
Schizophrenia
simplex
denken. Über die Biographie
sei
bisher wenig zu erfahren gewesen
. D
iesbezüg
lich bestehe ein ausgeprägtes Vermeidungsverhalten
unter
wiederholter
Andeutung, Schlimmes durchgemacht zu haben, so dass differentialdiagnostisch an eine andauernde Persönlichkeitsänderung zu denken sei. Insgesamt zeige sich über die letzten Jahre eine deutliche Verschlechterung und
Chronifizierung
des psychischen Zustandes. Eine Verbesserung sch
eine
auch langfristig kaum möglich. Der Beschwerdeführer habe sich seine Tagesstruktur mit Haushalt, Velofahren und je nach Schmerz Treffen mit einigen wenigen Freunden soweit aber gut eingereichte und eine „Nische“ gefunden, in der er funktionsfähig bleibe.
Ziel der Therapie sei die Stabilisierung auf niedrigem Niveau und Funk
tionsfähigkeit im Alltag wie bislang.
Eine stationäre Therapie sei nicht nötig, solange Funktionsfähigkeit und Zuverlässigkeit gegeben seien
(
Urk.
6/133).
5.
5
5.5.1
Obschon letztlich n
icht die korrekte diagnostische Einordnung eines Gesund
-
heits
schadens
,
sondern dessen konkrete Auswirkung
en
auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit
massgebend sind (Urteil des Bundesgerichts 9C_671/2012 vom 15. November 2012 E. 4.3 mit Hinweis auf BGE 136 V 273 E. 3.2.1)
,
fällt
auf
, dass nach eigener Untersuchung nicht zwei Ärzte vorbehalt
los dieselbe psychiatrische Diagnose stellten.
D
ie ärztliche Beurteilung
trägt
sodann zwar
von der Natur der Sache her unausweichlich Ermessenszüge, die es zu respektieren gilt (Urteil des Bundesgerichts 9C_278/2016 vom 2
2.
Juli 2016
E. 3.4.3)
. Dennoch ist es bemerkenswert, dass
die
psychiatrische
Beurteilung
der Intensität des Leidens und der Arbeitsfähigkeit durch
Dr.
K._
allen anderen
f
achärztlichen Beurteilung
en diametral gegenüber steht.
Dabei beruht insbeson
dere die Einschätzung von
Dr.
C._
auf einem längeren
Behandlungs
zeitraum, in dem er wertvolle Erkenntnisse sammeln konnte, ohne dass es ihm gelungen wäre, zum Beschwerdeführer ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, das von vornherein Zweifel an seiner Objektivität erwecken würde (
vgl. zur Würdigung von Berichten behandelnder Arztpersonen
BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351
E. 3b/cc
und
124 I 170
E. 4
).
5.5.2
Zum abweichenden Untersuchungsergebnis im Vorgutachten
führte
Dr.
K._
aus,
damals
sei eine mittelschwere depressive Störung bei
Alexthymie
, einer ausgeprägten Somatisierung und eine
r
chronische
n
Müdigkeit mit Muskel
schwäche ohne objektivierbares somatisches Korrelat diagnostiziert und gleich
wohl eine 100%-Arbeitsunfähigkeit attestiert worden. Eine depressive Störung könne aufgrund der heutigen Befunde nicht mehr bestätigt werden. Es bestehe keine vitale Traurigkeit, Antriebsstörung oder Lebensunlust
(
Urk.
6/143/13 f.).
Bereits
die
Formulierung
„gleichwohl“
deutet
klar
darauf hin, dass
Dr.
K._
in erster Linie die
Arbeitsfähigkeitseinschätzung im Vorgutachten
als falsch beur
teilte. Dementsprechend
machte er sich nicht die Mühe, sich
damit auseinander
zusetzen
, d
ass
Dr.
J._
die
depressive Störung neben dem verminderten Antrieb nicht mit
der von ihm aktuell verneinten
Traurigkeit und Lebensunlust, sondern
in erster Linie
mit
subjektiver Müdigkeit, tiefem Selbstwertgefühl, sozi
aler Isolierung bei Beziehungsarmut und geringer Moti
vati
on begründet hatte
. Dabei legen weder das
F._
-Gutachten noch die übrigen Arztbericht
e
in irgend
einer Weise
nahe, dass
bezüglich dieser Befunde
– mit Ausnahme des
in allen später datierten Arztberichten bzw.
schon seit Februar 2010 als unauffällig beschriebenen Antriebs – eine
massgebliche
Ä
nderung eingetreten ist.
Die
geklagten Beschwerden
haben denn auch
eher zu
-
(Schwindelgefühle, Magen
beschwerden) als abgenommen
(
Urk.
6/143/10 im Vergleich zu
Urk.
6/66/34).
Nichtsdestotrotz ist festzuhalten, dass
Dr.
J._
gemessen an den Kriterien
nach dem üblichen
Klassifikationssystem ICD-10
kein geradezu typisches Beschwerdebild einer mittelgradigen depressiven Episode beschrie
b
(vgl.
D
illing
/
M
ombour
/Schmidt
[Hrsg.], Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien,
9.
Aufl. 201
4
, S.
169-173). Darüber hinaus bezeichnete er die Prognose als ungewiss, rechnete
aber
innert zwei Jahren mit ersten Therapieerfolgen.
In diesem Sinne
hielt
auch
das Bundesgericht
schon
mehrfach fest, dass
nach gesicherter psychi
atrischer Erfahrung Depressionen im Allgemeinen therapeutisch gut
angehbar
seien
.
Leichte bis mittelgradige depressive Störungen würden daher nur als invalidisierende Krankheiten in Betracht fallen, wenn sie
erwiesenermassen
therapieresistent seien. Die
Therapie
müsse
in diesem Sinne
konsequent gewesen sein
, dass
die aus fachärztlicher Sicht
indizierten zumutbaren
(
ambulanten und stationären
)
Behandlungsmöglichkeiten in kooperativer Weise optimal und nachhaltig ausgeschöpft
worden seien
(
BGE 140 V 193
E. 3.3
;
BGE
137 V 64
E.
5.2 mit Hinweis; vgl. Urteile des Bun
desgerichts 9C_13/2016 vom 14. April 2016 E. 4.2 und 9C_89/2016 vom 12. Mai 2016 E.
4.1).
In den Akten finden sich
indessen
ke
ine Berichte über
konsequente psychiatrische und
psychophar
makologische
Beha
ndlungen des Beschwerdeführers,
obwohl ihm mehrfach eine
entsprechende
Schadenminderungspflicht
auferlegt
wurde
.
Dass
er
in der
F._
-Untersuchung angab, seit zwei Jahren e
inmal monatlich
Med. prakt.
E._
auf
zusuchen und keine
Psychopharmaka
zu be
ziehen, genügt nicht
zum
Nachweis
einer therapieresistente
n
Depression
(vgl.
Urk.
6/143/10).
5.5.3
Zur
Verdachtsdiagnose einer Schizophrenie
simplex
in Differentialdiagnose zu einer posttraumatischen Belastungsstörung und einer andauernden
Persönlich
keitsänderung
hielt
Dr.
K._
fest, diese
könne aufgrund der eigenen Befunde nicht nachvollzogen werden. Für eine schizophrene Erkrankung fehle auch ein objektiv nachvollziehbarer Leistungsknick,
ebenso
bestünden weder psycho
tische Merkmale noch eine
Desorganisiertheit
.
Der
Beschwerdeführer
finde sich
in seinen Hobbys sehr gut im Leben zurecht. Die Diagnose einer posttraumati
schen Belastungsstörung beruhe offenbar auf den schwierigen Erlebnissen mit der Mutter. Diese erfüllten nicht die Kriterien für ein Ereignis mit
lebensbedroh
lichem
katastrophalem Ausmass. Der Beschwerdeführer zeige auch nicht das entsprechende klinische Bild mit emotionaler Abstumpfung oder Schreckhaf
tigkeit. Die Diagnose einer andauernden Persönlichkeitsänderung werde nicht näher ausgeführt und könne ebenfalls nicht bestätigt werden (
Urk.
6/143/13 f.).
Ergänzend ist der Gesamtbeurteilung
des
F._
-Gutachtens
zu entnehmen, die akzentuierten Persönlichkeitsz
üge seien nicht stark ausgeprägt, so dass eine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert werden könnte (
Urk.
6/143/24).
Bei seiner Argumentation übersieht
Dr.
K._
, dass
die
Schizophrenia
simplex
im Sinne von
ICD-10: F20.6
definiert wird als ungewöhnlich
es und seltenes Zustandsbild mit schleichender Progredienz von merkwürdigem Verhalten, der Unmöglichkeit, soziale Anforderungen zu erfüllen und mit Verschlechterung der allgemeinen Leistungsfähigkeit. Wahnvorstellungen und Halluzinationen treten nicht in Erscheinung. Die Störung ist weniger offensichtlich psychotisch als die
hebephrene
, paranoide und
katatone
Unterform der Schizophrenie. Die charak
teristischen negativen Merkmale des schizophrenen Residuums wie
Affektver
flachung
, Antriebsminderung usw. entwickeln sich ohne vorhergehen
d
e
floride
psychotische Symptome. Auf einen weiteren sozialen Abstieg k
ann
Nichtsess
haftigkeit
folgen, und der Betreffende wird selbstversunken, untätig und ziellos
(vgl.
D
illing
/
M
ombour
/S
chmidt
[Hrsg.], Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien,
9.
Aufl. 201
4
, S.
138).
Das
blosse
Fehlen eines Leistungsknicks,
von
psychotische
n
Merkmale
n
und
D
esorg
a
nisiertheit
eignet sich daher nicht zum Ausschluss die
ser Diagnose, deren Stellung sehr schwer ist und
deshalb
in den diagnostischen Leitlinien ausdrücklich nicht empfohlen wird.
Wie in diesem Zusammenhang die letzte Tätigkeit als Verkäufer in einem reduzierten Pensum zu werten ist, kann offen bleiben.
Die
Differentialdiagnose
n
einer Persönlichkeits
änderung
oder posttraumatischen Belastungsstörung
, denen definitionsgemäss extrem
e Belastungen vorausgehen
(vgl.
D
illing
/
M
ombour
/S
chmidt
[Hrsg.], Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien,
9.
Aufl. 201
4
, S.
208 und 286 f.),
beruhen
tatsächlich
einzig auf
der Äusserung des Beschwerdeführers, Schlimmes erlebt zu haben
.
Med. prakt.
E._
räumte ein
,
dass
über die Biographie bisher wenig zu erfahren gewesen
sei
.
Genauso wie
Dr.
C._
zuvor
erklärt hatte, der Beschwerdeführer mache k
aum Auskünfte zu seinem Alltag.
Dr.
J._
hatte den Beschwerdeführer
ebenfalls
als verschlos
sen in Bezug auf das Thema Beziehungen beschrieben
.
Dementsprechend ist
auch
d
em
F._
-Gutachten
nicht
mehr als dem Vorgutachten zu entnehmen, nämlich da
ss
die familiären Beziehung
en
seit jeher
schwierig
sind und
der Beschwerdeführer
s
oziale Kontakte
nur
zu einem guten Kollegen
schildert,
noch nie mit einer
Frau
zusammenlebte
sowie
den Tag mit Haushalt, Lesen und Fahrradfahren
– sowie
offenbar
neu
mit
Basteln, Zeichnen und F
otografieren –
verbringt
(
Urk.
6/143/1
0 f.
im Vergleich zu
Urk.
6/66/
33 f.
und 6/66/
11-13).
Zutreffend ist
, dass d
ie von
Dr.
K._
diagnostizierten ak
zentuierte
n
Persönlich
keitszüge
(ICD-10: Z73.1) keinen rechtserheblichen
Gesundheitsscha
den
zu begründen
vermögen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_558/2015 vom 22. Dezember 2015 E. 4.2.4 mit Hinweis auf 9C_537/2011 vom 28. Juni 2012 E. 3.1). Dazu bedürfte es zumindest einer Persönlichkeitsstörung (Urteil des Bundesgerichts 8C_880/2015 vom 30. Mä
rz 2016 E. 4.2.5 mit Hinweisen)
, wie sie von
Dr.
C._
als
Verdachtsdiagnose
letzten Endes
auch
gestellt
wurde
.
Eine solche erscheint angesichts der
auffällige
n
Erwerbsbiographie mit zahlrei
chen Stellenwechseln (
Urk.
6/28
,
Urk.
6/66/11 f.
Berufsanamnese
) sowie
der
Kommentare der früheren Arbeitgeberin (
Urk.
6/14/5 und 6/44) und des Sach
bearbeiters der IV-Stelle (
Urk.
6/22/7 „Ergebnisse der eignungsdiagnostischen Abklärung“)
jedenfalls nicht abwegig
.
5
.5.4
Einigkeit besteht
in
der ärztlichen Berichterstattung darin
, da
ss die Arbeits
-
fähig
keit
nicht
primär
durch eine somatoforme Störung im Sinne von ICD-10: F45 eingeschränkt ist. Während
es sich
gemäss
Dr.
K._
letztlich
jedoch
um
eine überwindbare Somatisierungsstörung handeln soll, gehen alle übrigen Ärzte davon aus, die körperlichen Beschwerden seien Ausfluss ein
er
psychischen Komorbidität (Depression, Persönlichkeitsstörung, Schizophrenie).
Hiervon ausgenommen ist
Dr.
G._
,
der
ein
Fibromyalgiesyndrom
in Betracht
zog
(
vgl. dazu
BGE 132 V 65 E. 4).
Hervorzuheben
ist
,
dass
das Bundesgericht mit
BGE 141 V 281
die Überwindbarkeitsp
raxis
aufgab (E. 3.5).
Die Frage, ob die diagnostizierte Schmerzstörung zu einer ganzen oder teilweisen Arbeitsun
fähigkeit führ
t
, stellt sich
somit
nicht mehr im Hinblick auf die Widerlegung einer Ausgangsvermutung
. Vielmehr hat neu a
nhand eines Kataloges von Indi
katoren eine
ergebnisoffene
symmetrische Beurteilung des – unter Berücksichti
gung leistungshindernder äu
sserer Belastungsfaktoren einer
seits und
Kompen
sationspotentialen
(Ressourc
en) anderseits – tatsächlich er
reichbaren Leistungs
vermögens
zu erfolgen
(E. 3.6).
Im
F._
-Gutachten wurde
eine Arbeits
un
fähig
keit
zufolge
Somatisierungsstörung
– wie dargelegt wenig überzeugend -
man
gels psychischer Komorbidität und
unter
pauschalem Hinweis,
dass die
Foersterkriterien
nicht erfüllt seien
, verneint
.
Damit genügt das Gutachten
weder den früheren und erst recht nicht
den aktuellen diagnostischen Anforde
rung gemäss Bundesgericht.
5.6
Zusammenfassend
kann
nicht auf das
F._
-
Gutachten abgestellt werden
,
dessen oberflächliche Auseinandersetzung mit den
Vorakten
nicht überzeugt und das keine
Änderung in den Befunden
nachweist
, die eine Steigerung der Arbeitsfä
higkeit von 0 auf 100
%
zu erklären vermag
.
Der Beschwerdeführer rügt daher zu Recht, dass es
sich
wohl um eine andere Beurteilung eines im Wesentlichen unveränderten Gesundheitszustandes handelt.
Dass
Dr.
K._
darüber hinaus
trotz
spärliche
r
Angaben
des Beschwerdeführers über seine Vergangenheit und Beziehungen einzig einen
Libidostau
als mögliche Ursache der beruflichen und sozialen Schwierigkeiten
erwähnt
, vermag erst recht nicht zu überzeugen.
Gleichzeitig
bestehen auch Zweifel an der Ursprungsdiagnose einer mittelgradi
gen depressiven Störung
,
so wie sie i
m Vorgutachten begründet wurde.
Indessen
gibt es
durchaus Anhaltspunkte für eine
andauernde
psychogene Störung
mit Krankheitswert
, die nicht ohne Weiteres von der Hand zu weisen sind.
Die Gesamtwürdigung der Arztberichte führt zum Schluss
,
dass sich die
Diagnose
stellu
ng
aufgrund des komplexen Beschwerdebildes, der
wenigen
sub
jektiven Angaben des Beschwerdeführers und fehlender fremdanamnestischer Angaben
zu allen Zeiten
äusserst schwierig gestaltet
e
.
D
er medizinische Sach
verhalt
wurde
bisher
nur
ungenügend abgeklärt
und es ist unklar, wie sich das Leiden im Alltag auswirkt, ob es grundsätzlich
therapierbar ist und welche
kon
krete
Therapie als zumut
bar bzw. adäquat zu gelten hat.
Die
Behandlung
wurde vom Beschwerdeführer bisher
weitgehend
selbst bestimmt – sowohl bezüglich der Frequenz der Gesprächstherapie als auch der Einnahme von Psychophar
maka.
Es ist daher der Empfehlung v
on
Dr.
C._
zu folgen
und
ein stationäre
r
Aufenthalt
einzuleiten
, um ein objektives Bild der Beschwerden zu erhalten. Nur mit einer solchen Abklärung kann eine sachlich nachvollziehbare Grundlage
zur Beantwortung der Fragen nach
eine
r
weitere
n
Berentung
und
zur Prüfung der
Auferlegung einer Schadenminderungspflicht
geschaffen werden. Ein stationä
rer Rahmen bietet
zudem
die
Gelegenheit
,
eingehend die Möglichkeiten einer adäquaten
Medikation zu prüfen
.
Bereits in der
letzten
Re
vis
i
on
hatte der
Regi
onalen Ärztlichen Dienst (RAD)
eine diagnostisch-therapeutische Abklärung
als sinnvoll erachtet (
Urk.
6/125/4) und
eine solche wurde dem Beschwerdeführer auch
im Sinne einer Schadenminderungspflicht auferlegt (
Urk.
6/126).
Weshalb
sie bis heute nicht durchgeführt wurde, ist
unklar
.
Grund dafür kann
jedenfalls nicht sein, dass er im Alltag auch mit einer ambulanten Therapie
einigermassen
zurechtkommt
.
6.
6.1
D
ie versicherte Person hat
gemäss Art. 42 ATSG
Anspruch auf
rechtliches Gehör
und kann innert
30 Tagen Einwände
gegen den Vorbescheid
vorbringen
(Art. 73
ter
Abs.
1 IVV). Der Sinn und Zweck des
Vorbescheidverfahrens
besteht darin, eine unkomplizierte Diskussion des Sachverhalts zu ermöglichen und dadurch die Akzeptanz des Entscheids bei den Versicherten zu verbessern (BGE 134 V 97 E. 2.7). Die IV-Stelle darf sich
daher
nicht darauf beschränken, die von der ver
sicherten Person vorgebrachten Einwände tatsächlich zur Kenntnis zu nehmen und zu prüfen. Sie hat ihre Überlegungen dem Betroffenen gegenüber
auch
namhaft zu machen und sich
dabei ausdrücklich mit den (
entscheidwesent
lichen
)
Einwänden auseinanderzusetzen, oder aber zumindest die Gründe anzu
geben, weshalb sie gewisse Gesichtspunkte nicht berücksich
tigen kann (BGE 124 V 180 E. 2b
).
Das im Anspruch auf rechtliches Gehör enthaltene Recht auf eine Begründung
soll
die versicherte Person
zudem
in die Lage
versetzen
, einen Ent
scheid sachgerecht anzufechten (
vgl.
dazu Urteil des Bundesgerichts 8C_177/2015 vom 1
4.
Oktober 2015 E. 3.1;
Urteil des Bundesverwaltungs
gerichts B-3154/2012 vom 1
8.
Februar 2014 E. 5.3)
.
6.2
Die Verletzung des rechtlichen Gehörs führt ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst zur Aufhebung der angefochtenen Verfü
gung. Es kommt mit anderen Worten nicht darauf an, ob die Anhörung im kon
kreten Fall für den Ausgang der materiellen Streitentscheidung von Bedeutung ist (BGE 132 V 390 E. 5.1
,
127 V 437 E. 3d/
aa
). Vorbehalten sind
recht
spre
chungsgemäss
diejenigen Fälle, in denen diese Verletzung nicht besonders schwer wiegt und dadurch geheilt wird, dass die betroffene Person die Möglich
keit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sach
verhalt als auch die Rechtslage frei überprüfen kann (vgl. BGE 124 V 183 E. 4a mit Hinweisen). Von einer Rückweisung der Sache
ist
selbst bei einer schwer
wiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs abzusehen, wenn und soweit die
se
zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem
gleichwertigen
Interesse an einer
beförderlichen
Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wäre (
vgl.
BGE 132 V 387 E. 5.1 und 116 V 182 E. 3d). Die Heilung soll aber die Ausnahme bleiben (BGE 127 V 431 E. 3d/
aa
, 126 I 68 E. 2 und 126 V 130 E. 2b; vgl.
dazu
vorerwähntes Urteil B-3154/2012 E. 5.4).
6.
3
In der angefochtenen Verfügung
(
Urk.
2)
führt die
Beschwerdegegnerin
zur Ein
gabe
des
Beschwerdeführers
vom
1.
Oktober 2014
(
Urk.
6/1
52)
aus
, bezüglich der Eingliederungsmassnahmen sei anzumerken, dass die
Eingliederungsbera
tung
im Bericht vom 2
7.
November 2014 festgehalten habe, dass
er
nicht dazu bereit sei.
Ferner
erklärte sie, er habe keine neuen Tatsachen vorgebracht, die unberücksichtigt geblieben seien. Das Gutachten sei schlüssig und nachvoll
ziehbar. Die mittelgradige depressive Episode habe sich zurückgebildet.
Im Übrigen wiederholt
e
sie wörtlich die Be
gründung ihres Vorbescheids vom
1
4.
August 2014
(
Urk.
6/144
).
Sie setzt
sich
in der angefochtenen Verfügung
folglich
nicht ansatzweise mit den
detaillierten und begründeten Einwendungen des Beschwerdeführers gegen
den
Vorbescheid
, insbesondere betreffend das
F._
-Gutachten (
Urk.
6/152/4 f.),
ausein
ander.
Das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers wurde verletzt.
Indessen ist festzustellen, dass der Schwere der Verletzung
des Gehörsanspruchs
und
deren
Heilbarkeit keine eigenständi
ge Bedeutung zukommt,
da
der medizinische Sachverhalt ohnehin der eingehenden Abklärung bedarf.
7
.
Zusammenfassend kann ü
ber d
en strittigen Leistungsanspruch somit
nicht ohne zusätzliche
medizinische und gegebenenfalls
erwerbliche Abklärungen ent
schieden werden. Da die Abklärungen grundsätzlicher Natur sind
,
im Rahmen der Invaliditätsbemessung allenfalls schwierige Ermessenentscheide zu treffen sind
und
das rechtliche Gehör
verletzt
wurde
, ist die Sache zur Durchführung der notwendigen stationären Abklärung und neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das
Sozialversiche
rungsgericht
[
GSVGer
]
; vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2
). In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen und die angefochtene Verfügung aufzuheben.
Anzumerken bleibt, dass gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung
begrün
det in B
GE 106
V 18 und bestätigt in BGE
129 V 370
der
mit der
revisions
weise
verfügten Aufhebung einer Rente verbundene Entzug der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde bei Rückweisung der Sache an die Verwaltung auch für den Zeitraum dieses Abklärungsverfahrens bis zum Erlass der neuen
Ver
waltungsverfügung
andauert.
8
.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.– bis Fr. 1‘000.– festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.– anzusetzen. Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Kosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
Die obsiegende Beschwerde führende Person hat Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeu
tung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsie
gens bemessen (§ 34 Abs. 1 und 3
GSVGer
). Unter Berücksichtigung dieser Grundsätze ist dem Beschwerdeführer eine Prozessentschädigung von Fr.
2‘400
.– (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) zuzusprechen.