# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 4cd80186-fb37-496f-832e-e40a5d091db7
**Court:** CH_BSTG
**Chamber:** CH_BSTG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** CH / Federation
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
A. Die Staatsanwaltschaft Hamburg führt gegen den deutschen  A. ein Strafverfahren wegen des Verdachts des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt sowie der Insolvenzverschleppung. In  Zusammenhang sind die deutschen Behörden mittels  vom 3. März 2021 an die Schweiz gelangt und haben um  betreffend das Konto mit der IBAN 1 bei der Bank C. AG ersucht. Die deutschen Behörden erbaten zudem um Ermittlung und Auskunftserteilung darüber, ob A. weitere Konten in der Schweiz habe (Verfahrensakten  des Kantons Thurgau [nachfolgend «»], Lasche 2, Urk. 3 ff.).
B. Nach einer summarischen Prüfung des Rechtshilfeersuchens im Sinne von
Art. 78 IRSG und Art. 14 IRSV delegierte das Bundesamt für Justiz ( «BJ») das Rechtshilfeersuchen mit Schreiben vom 29. März 2021 an die Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Thurgau (nachfolgend « TG»). Mit Eintretensverfügung vom 15. April 2021 und Ergänzungsverfügung vom 22. April 2021 entsprach die  TG dem Ersuchen insoweit, als es sich auf das Konto mit der IBAN 1 bezog und ersuchte die Bank C. (Schweiz) AG sowie die Bank C. AG um Erhebung von Bankunterlagen und Informationen betreffend das  Konto für den Zeitraum ab 1. Januar 2020 bis zum 15. April 2021. Dem Begehren um Feststellung weiterer Konten von A. in seiner pauschalen Form gab die Generalstaatsanwaltschaft TG jedoch nicht statt, sondern nur insoweit, als sie die Bank C. (Schweiz) AG und die Bank C. AG anwies,  zu geben, ob A. oder die B. FZE weitere als die bekannten Konten besitze. Bejahendenfalls seien die entsprechenden Bankunterlagen für den Zeitraum ab 1. Januar 2020 bis zum 15. April 2021 herauszugeben und die Fragen gemäss Rechtshilfeersuchen zu beantworten (Verfahrensakten,  4, Urk. 32 ff.).
C. Am 3. Mai 2021 teilte die Bank C. (Schweiz) AG der Generalstaatsanwalt-
schaft TG in Bezug auf das Konto IBAN 1 mit, dass sie für den Zeitraum vom 1. Januar 2020 bis 15. April 2021 keine Kontobeziehungen zu A. oder der B. FZE habe feststellen und die von der Generalstaatsanwaltschaft TG  IBAN keiner Beziehung bei der Bank C. (Schweiz) AG habe zuordnen können (Verfahrensakten, Lasche 7, Urk. 37). Ebenfalls am 3. Mai 2021 teilte die Bank C. AG der Generalstaatsanwaltschaft TG mit, dass A. für den  Zeitraum persönlich über acht Kontoverbindungen bei ihr unterhalte
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bzw. unterhalten habe. Betreffend die B. FZE bezeichnete die Bank C. AG für den genannten Zeitraum drei Kontoverbindungen. A. sei bei diesen drei Konten der Zeichnungsberechtigte. Für alle Kontobeziehungen wurden  die Geschäftsbeziehung als auch die Kontonummern mitgeteilt sowie für sämtliche Konten die Eröffnungsunterlagen und die Kontoauszüge ab 1. Januar 2020 bzw. ab Eröffnung bis zum 15. April 2021 bzw. bis zur  übermittelt (Verfahrensakten, Lasche 8, Urk. 38 ff.).
D. Mit Schreiben vom 16. Juli 2021 liessen A. und die B. FZE durch ihren
Rechtsvertreter, Rechtsanwalt D., schriftlich zum deutschen  Stellung nehmen und beantragten dessen vollumfängliche  (Verfahrensakten, Lasche 13, Urk. 149 ff.).
E. Mit Schlussverfügung vom 23. Juli 2021 entsprach die Generalstaatsanwalt-
schaft TG dem Rechtshilfeersuchen und verfügte die Herausgabe der Schreiben der Bank C. (Schweiz) AG und der Bank C. AG vom 3. Mai 2021 sowie der Eröffnungsdokumente und Kontoauszüge ab 1. Januar 2020/ bis 15. April 2021/Saldierung betreffend A. mit der Stamm-Nr. 2  betreffend die B. FZE mit der Stamm-Nr. 4 (Verfahrensakten, Lasche 15, Urk. 207).
F. Dagegen erhoben A. und die B. FZE mit Eingabe vom 23. August 2021 bei
der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde. Sie  die Aufhebung der Schlussverfügung vom 23. Juli 2021 und die  Abweisung des Rechtshilfeersuchens vom 3. März 2021 soweit  einzutreten sei. Eventualiter sei die Schlussverfügung vom 23. Juli 2021 aufzuheben und zur Gewährung des rechtlichen Gehörs an die Vorinstanz zurückzuweisen (act. 1 S. 2).
G. Während das BJ mit Schreiben vom 11. Oktober 2021 auf die Einreichung
einer Beschwerdeantwort verzichtete (act. 11), beantragte die  TG in ihrer Beschwerdeantwort vom 25. Oktober 2021 die Abweisung der Beschwerde (act. 12), was A. und der B. FZE am 29.  2021 zur Kenntnis gebracht wurde (act. 13).
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H. A. und die B. FZE gelangten mit Eingabe vom 8. November 2021 erneut an die Beschwerdekammer. Sie stellten den prozessualen Antrag, es sei der Generalstaatsanwaltschaft TG umgehend zu untersagen, jedwede Akten des laufenden Rechtshilfeverfahrens oder Inhalte aus diesen Akten der Staatsanwaltschaft Hamburg zu übermitteln oder anderweitig zur Kenntnis zu bringen. Im Übrigen hielten sie an den mit Beschwerde vom 23.  2021 gestellten Anträgen fest (act. 14 S. 2). A. und die B. FZE  insbesondere, dass die Generalstaatsanwaltschaft TG mit E-Mail vom 21. Juli 2021 der Staatsanwaltschaft Hamburg detaillierte Angaben zu den von ihnen in der Stellungnahme vorgebrachten Argumenten zum deutschen Recht übermittelt und um entsprechende Rückmeldung ersucht habe. Die Generalstaatsanwaltschaft TG liess dem Gericht mit Eingabe vom 22.  2021 einen Beschluss des Amtsgerichts Hamburg vom 21.  2021 zukommen, aus welchem die Rechtshilfelegitimation der  Behörde eindeutig hervorgehe. Im Übrigen verzichtete die  TG auf die Einreichung einer (begründeten) Duplik. Sie beantragt die kostenpflichtige Abweisung der Beschwerde vom 23. August 2021 (act. 16). Das BJ verzichtete mit Schreiben vom 22. November 2021 auf eine Stellungnahme (act. 17). Die Eingaben der  TG und des BJ wurden A. und der B. FZE am 24. November 2021 zur Kenntnis gebracht (act. 18).
I. Mit Eingabe vom 8. Dezember 2021 erneuerten A. und die B. FZE ihren An-
trag, wonach der Generalstaatsanwaltschaft TG zu untersagen sei, jedwede Akten des laufenden Rechtshilfeverfahrens oder Inhalte aus diesen Akten der Staatsanwaltschaft Hamburg zu übermitteln oder anderweitig zur  zu bringen. Zudem beantragen sie, das Beschwerdeverfahren sei zu  bis die Gerichte in Deutschland abschliessend über die Frage der Rechtshilfelegitimation der ersuchenden Behörden entschieden hätten (act. 19 S. 2).
J. Die Eingabe vom 8. Dezember 2021 wurde dem BJ und der Generalstaats-
anwaltschaft TG am 9. Dezember 2021 zur Kenntnis zugestellt (act. 20).
K. Am 31. März 2022 teilte der RA D. mit, dass er die Interessen von A. und der
B. FZE im vorliegenden Beschwerdeverfahren nicht mehr vertrete (act. 21).
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Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1. 1.1 Für die Rechtshilfe zwischen der Schweiz und Deutschland sind primär das
Europäische Übereinkommen vom 20. April 1959 über die Rechtshilfe in Strafsachen (EUeR; SR 0.351.1), das hierzu ergangene zweite  vom 8. November 2001 (SR 0.351.12) sowie der Vertrag vom 13.  1969 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Bundesrepublik Deutschland über die Ergänzung des EUeR und die  seiner Anwendung (SR 0.351.913.61) massgebend. Ausserdem  die Bestimmungen der Art. 48 ff. des Übereinkommens vom 19. Juni 1990 zur Durchführung des Übereinkommens von Schengen vom 14. Juni 1985 (Schengener Durchführungsübereinkommen [SDÜ]; CELEX-Nr. 42000A0922(02); Abl. L 239 vom 22. September 2000, S. 19–62; Text nicht publiziert in der SR, jedoch abrufbar auf der Website der Schweizerischen Eidgenossenschaft unter «Rechtssammlung zu den bilateralen », 8.1 Anhang A; https://www.admin.ch/opc/de/european-union/-agreements/008.html) zur Anwendung (TPF 2009 111 E. 1.2 S. 113). Günstigere Bestimmungen bilateraler oder multilateraler Übereinkünfte  den Vertragsparteien bleiben unberührt (Art. 48 Abs. 2 SDÜ; Art. 26 Abs. 2 und 3 EUeR).
1.2 Soweit diese Staatsverträge bestimmte Fragen nicht abschliessend regeln,
gelangen das Bundesgesetz vom 20. März 1981 (Rechtshilfegesetz, IRSG; SR 351.1) und die Verordnung vom 24. Februar 1982 über internationale Rechtshilfe in Strafsachen (Rechtshilfeverordnung, IRSV; SR 351.11) zur Anwendung (Art. 1 Abs. 1 lit. b IRSG). Das innerstaatliche Recht gelangt nach dem Günstigkeitsprinzip auch dann zur Anwendung, wenn dieses  Anforderungen an die Rechtshilfe stellt (BGE 145 IV 294 E. 2.1; 142 IV 250 E. 3; 140 IV 123 E. 2; jeweils m.w.H.). Vorbehalten bleibt die Wahrung der Menschenrechte (BGE 145 IV 294 E. 2.1; 123 II 595 E. 7c; TPF 2016 65 E. 1.2).
1.3 Auf Beschwerdeverfahren in internationalen Rechtshilfeangelegenheiten
sind zudem die Bestimmungen des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (Verwaltungsverfahrensgesetz, VwVG; SR 172.021) anwendbar (Art. 39 Abs. 2 lit. b i.V.m. Art. 37 Abs. 2
https://www.admin.ch/opc/de/european-union/international-agreements/008.html https://www.admin.ch/opc/de/european-union/international-agreements/008.html
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lit. a Ziff. 1 StBOG), wenn das IRSG nichts anderes bestimmt (siehe Art. 12 Abs. 1 IRSG).
2. 2.1 Die Schlussverfügung der ausführenden kantonalen Behörde unterliegt der