# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 645bc1cf-7dfe-4731-8869-bc047377bac7
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1974, war bis am 31. März 2016 bei der Y._ AG angestellt (Urk. 11/441). Am 14. März 2016 meldete sie sich beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) Z._ zur Arbeitsvermittlung an (Urk. 11/442 = 11/443 = Urk. 11/394) und am 23. März 2016 stellte sie Antrag auf Arbeitslosenentschädigung (Urk. 11/415-418).
Die SYNA Arbeitslosenkasse hielt mit Verfügung vom 14. September 2016 fest, der versicherte Verdienst betrage ab 1. April 2016 Fr. 6'000.-- bei einer Bei
tragszeit von 12 Monaten (Urk. 11/314-317 = Urk. 3/16). Dagegen erhob die Ver
sicherte am 17. Oktober 2016 Einsprache (Urk. 11/230-241 = Urk. 3/18).
Mit Einspracheentscheid vom 12. Januar 2017 (Urk. 11/75-83 = Urk. 11/50-58 = Urk. 2) bezifferte die Arbeitslosenkasse die Beitragszeit neu mit 24 Monaten (S. 8 Ziff. 3), hielt jedoch am versicherten Verdienst von Fr. 6'000.-- fest (S. 8 Ziff. 4).
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom 12. Januar 2017 (Urk. 2) erhob die Ver
sicherte am 10. Februar 2017 Beschwerde und beantragte (Urk. 1 S. 2), dessen Dispositiv-Ziffer 4 sei aufzuheben (Ziff. 1) und der versicherte Verdienst sei auf
Fr. 12'333.30 pro Monat festzulegen (Ziff. 2). Am 21. Februar 2017 (Urk. 6) reichte
sie ergänzende Unterlagen (Urk. 7/1-4) ein.
Die Arbeitslosenkasse verzichtete mit Beschwerdeantwort vom 21. März 2017
(Urk. 10) auf eine Stellungnahme, was der Beschwerdeführerin am 3. April 2017 zur
Kenntnis gebracht wurde (Urk. 13).
Am 19. April 2017 (Urk. 14) reichte die Beschwerdeführerin die Veranlagungs
ver
fügung für die Direkte Bundessteuer 2014 (Urk. 15) ein, was der Beschwerde
gegnerin am 24. April 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 16)
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
23
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosen
versicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG)
gilt als versicherter Ver
dienst der im Sinne der AHV-Gesetzgebung massgebende Lohn, der während eines Bemessungszeitraums aus einem oder mehreren Arbeitsverhältnissen nor
maler
weise erzielt wurde.
1.2
Art.
37
der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV)
regelt den Bemessungszeitraum. Nach
Abs.
1 be
misst sich der versicherte Verdienst nach dem Durchschnittslohn der letzten sechs Beitragsmonate vor Beginn der Rahmenfrist für den Leistungsbezug. Nach
Abs.
2 bemisst er sich dann nach dem Durchschnittslohn der letzten zwölf Beitrags
monate vor Beginn der Rahmenfrist für den Leistungsbezug, wenn dieser Durch
schnittslohn höher ist als derjenige nach Absatz
1.
1.3
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist bei der Ermittlung des versicherten Ver
dienstes grundsätzlich von den tatsächlichen Lohnbezügen auszugehen. Von dieser Regelung im Einzelfall abzuweichen, rechtfertigt sich nur dort, wo ein Missbrauch im Sinne der Vereinbarung fiktiver Löhne, welche in Wirklichkeit nicht zur Auszahlung gelangt sind, praktisch ausgeschlossen werden kann (BGE 128 V 189 E. 3a/aa, siehe auch BGE 131 V 444 E. 3.2.3; ARV 2014 Nr. 6 S. 144 E. 3.4.1.2, 2012 Nr. 11 S. 290 E. 3.1).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Entscheid (Urk. 2) davon aus, mangels Nachweis einer anderslautenden Vereinbarung und des entsprechenden Lohnflusses sei vom vertraglich vereinbarten Monatslohn von Fr. 6'000.-- auszu
gehen (S. 8 oben).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1), sie habe im April 2014 infolge erhöhter Verantwortung eine Lohnerhöhung erhalten, bestehend aus einer Erhöhung des Barlohnes und der Übernahme von Mietzinsen der von ihr und ihrem Sohn bewohnten Wohnung (S. 10 Ziff. 36),
weshalb der versicherte Verdienst Fr. 12'333.30 pro Monat betrage (S. 10 Ziff. 37).
2.3
Strittig und zu prüfen ist die Höhe des versicherten Verdiensts.
3.
3.1
Im Arbeitsvertrag vom 1. Juni 2012 (Urk. 11/426-432 = Urk. 11/247-253 = Urk. 3/5) wurde ein Monatslohn von Fr. 6'000.-- (x
12) vereinbart (
§
4), was einem Bruttojahreslohn von
Fr.
72'000.-- entspricht. Ferner wurde im Arbeitsvertrag festgehalten, dass unter anderem Änderungen der Schriftform bedürften (
§
13).
3.2
In der Arbeitgeberbescheinigung vom 24. März 2016 (Urk. 11/421-422 = Urk. 3/
12) wurde angegeben, während der Dauer des Arbeitsverhältnisses vom 1. Juli 2013 bis 31. März 2016 (Ziff. 2) habe der Gesamtlohn Fr. 341'400.-- be
tragen (Ziff. 16). Der letzte Monatslohn wurde mit Fr. 11'950.-- beziffert (Ziff. 17)
.
Mit Schreiben vom
2
9.
Februar 2016
bestätigte die Y._ AG der Beschwer
deführerin, dass sie bis heute für
Januar und Februar 2016
kein
en
Lohn
und
bisher keine Kinderzulagen
erhalten habe
(
Urk.
11/300)
.
3.3
Die Lohnabrechnungen per 15. April 2014 bis März 2016 (Urk. 11/258-280 = Urk. 3/8 = Urk. 11/412-413 + Urk. 11/409-410 + Urk. 11/395-406) sind je mit einem im angeführten Monat liegenden Datum versehen.
Als
Brutto-Monatslohn
wurden folgende Beträge angeführt:
-
Fr. 7'526.-- (April bis Juni 2014)
-
Fr. 7'982.30 (Juli 2014 bis August 2015)
-
Fr. 7'142.70 (September 2015 bis März 2016)
Sodann wurde ein
Anteil Wohnkosten
im Betrag von Fr. 4'807.30 angeführt, resultierend in einem Bruttolohn von Fr. 12'333.30 (April bis Juni 2014), sodann Fr. 12'789.60 (Juli 2014 bis August 2015) und Fr. 11'950.-- (September bis Dezember 2015).
Von Januar bis März 2016 wurde zusätzlich als dritte Position ein Guthaben Kinderzulagen 2012 / 2013 / 2014 angeführt.
Vom Nettolohn wurde jeweils der Anteil Wohnkosten (sowie im Januar 2016 ein mit «Vorschuss 2015» bezeichneter Betrag von Fr. 5'183.25) in Abzug gebracht, womit als
Auszahlung
folgende Beträge (in Fr.) resultierten:
Fr.
Total Fr.
April 2014 bis Januar 2015
5'131.35
51'313.50
Februar 2015
5'009.35
5'009.35
März bis August 2015
5'070.35
30'422.10
September 2015
5'208.05
5'208.05
Oktober bis Dezember 2015
5'085.65
15'256.95
Januar 2016
1'328.90
Februar 2016
7'497.35
März 2016
7'564.25
Die in den Lohnabrechnungen von April 2014 bis Dezember 2015 genannten Auszahlungsbeträge ergeben zusammengerechnet rund Fr. 107'210.--.
3.4
Im Ausdruck vom 20. Juni 2016 der Transaktionen zwischen 1. Januar 2014 und 20. Juni 2016 auf dem auf die Beschwerdeführerin lautenden Bankkonto (Urk. 11/364-365 = Urk. 11/296-297 = Urk. 3/13), erstellt mit dem Suchbegriff «Recipient / Order issuer / Y._», sind als Lohn und als Spesen bezeichnete Gutschriften aufgeführt. Daraus geht hervor, dass 6-mal Fr. 5'131.50 pro Monat als
Lohn überwiesen wurden und 5-mal andere, teilweise mehrere Monate betref
fen
de
Beträge.
Bringt man Fr. 8'068.-- (Restlohn 2012 und 2013) und rund Fr. 1'039.-- (Spesen)
vom Total von rund Fr. 136'894.-- in Abzug,
so wurden ab Januar 2014 insge
sa
mt Fr. 127'787.-- als Lohn überwiesen, letztmals Fr. 51'000.-- am 25. März 2015 («Lohn 03/2015-12/15») und Fr. 5'037.35 am 26. März 2015 («Lohn 03/2015»).
3.5
Der auf die Beschwerdeführerin lautende Lohnausweis
2014
der Y._ AG datiert vom 20. Februar 2015 (Urk. 11/179). Darin wurde der Bruttolohn mit Fr. 132'650.-- angegeben.
Der Lohnausweis
2015
datiert vom 19. Februar 2016 (Urk. 11/423 = Urk. 11/320 = Urk. 11/212 = Urk. 11/202). Darin wurde der Bruttolohn mit Fr. 143'400.-- angegeben.
Im Auszug aus dem Individuellen Konto (IK) vom 22. Juni 2016 (Urk. 11/353) sind bezogen auf die Y._ AG folgende Einkommen verzeichnet:
-
Fr. 42'000.-- (Juni bis Dezember 2012)
-
Fr. 72'000.-- (2013)
-
Fr. 132'650.-- (2014)
-
Fr. 143'400.-- (2015)
In der Steuererklärung
2014
, ausgedruckt am 27. März 2015 (Urk. 11/160-178; ungeordnet auch Urk. 11/112-133), wurde der Haupterwerb mit Fr. 121'304.-- angegeben. In der der Steuererklärung
2015
, ausgedruckt am 15. September 2016 (Urk. 11/184-201; ungeordnet auch Urk. 11/134-153), wurde der Haupterwerb mit Fr. 130'752.-- angegeben.
Im Pensionskassenausweis der AXA Leben AG gültig ab 1. Januar
2014
(Urk. 11/358-359) wurde der Jahreslohn mit Fr. 72'000.- angegeben. Im Pen
sions
kassenausweis gültig ab 1. Januar
2015
(Urk. 11/361) wurde der Jahreslohn mit Fr. 153'000.-- angegeben.
3.6
Per 1. April 2014 schloss die Y._ AG einen Mietvertrag für eine 41⁄2-Zimmer
wohnung an der A._-Strasse ab (Urk. 11/254-256 = Urk. 3/6). Am 7. März 2014 wurden die im Vertrag genannte Kaution (Fr. 16'335.--) und eine Quartalsmiete (Fr. 16'935.--) dem Kontokorrent der Y._ AG belastet (Urk. 7/3/1), am 8. Juli 2014 eine weitere Quartalsmiete (Urk. 7/3/2), ebenso am 15. September und 3. November 2014 und am 17. März 2015 (Urk. 7/3/3-6). Am 9. Juni 2015 wurden zwei Quartalsmieten belastet (Urk. 7/3/7), am 21. Dezember 2015 wiederum eine (Urk. 7/3/8).
4.
4.1
Die der Beschwerdeführerin von der Y._ AG ausgerichteten Nettolohn-Beträge ergeben sich aus der Zusammenstellung der entsprechenden Bewegungen auf dem Lohnkonto. Die Gutschriften von Januar 2014 bis März 2015 (den Lohn bis Dezember 2015 umfassend) ergeben ein Total von Fr. 127'787.-- (vorstehend E. 3.4).
Dies ist vereinbar mit den in den monatsbezogenen Abrechnungen genannten Beträgen und lässt dementsprechend auf deren Richtigkeit schliessen, deren Summe von April 2014 bis Dezember 2015 Fr. 107'210.-- beträgt (vorstehend E. 3.3). Im Vergleich zum Total (ab
Januar
2014) von Fr. 127'787.-- ergibt sich eine Differenz von Fr. 20'577.--, was in der Grössenordnung der Netto-Beträge von vier Monatslöhnen in der alten Höhe von Fr. 6'000.-- liegt.
4.2
Es kann somit als belegt festgehalten werden, dass der Beschwerdeführerin seit April 2014 insgesamt Fr. 107'210.-- ausbezahlt wurden, entsprechend den in den monatsbezogenen Abrechnungen genannten Auszahlungsbeträgen. Die zuge
hö
rigen Bruttolöhne betrugen in den zwölf der Anmeldung vorangegangen Mona
ten
(vgl. vorstehend E. 1.2) laut den genannten Abrechnungen (vorstehend E. 3.3):
Fr.
Total rund Fr.
April bis August 2015
7'982.30
47'894.--
September bis Dezember 2015
7'142.70
21'428.--
Total
69'322.--
Damit steht fest, dass ein Bruttolohn-Bezug seit April 2015 von Total
Fr. 69’322.--
nachgewiesen ist.
4.3
Durch keinerlei Transaktionsbelege untermauert sind die in den Abrechnungen von Januar bis März 2016 genannten Lohn-Beträge. Nachdem zudem feststeht, dass zumindest bis Ende Februar 2016 keinerlei Zahlungen erfolgt sind (vor
stehend E. 3.2), kann für diese Periode kein effektiver Lohnbezug angenommen werden.
4.4
In sämtlichen monatsbezogenen Lohnabrechnungen wurde zusätzlich ein Anteil Wohnkosten im Betrag von Fr. 4'807.30 aufgeführt (vorstehend E. 3.3). Damit übereinstimmend liegt ein von der Arbeitgeberin ab April 2014 eingegangener Mietvertrag vor, der auf die gleiche Adresse lautet wie die damalige Adresse der Beschwerdeführerin, und es wurde quartalsweise eine Miete von Fr. 16'935.-- dem Kontokorrent der Arbeitgeberin belastet (vorstehend E. 3.6). Schliesslich finden sich im «
Konto 1911 Durchlauf Löhne» (
Urk.
11/298-299 =
Urk.
3/14) der Buchhaltung der
Arbeitgeberin -
pro Monat unterschiedlich hohe
- entweder als Lohn der Beschwerdeführerin oder als Miete der besagten Wohnung bezeichnete
Buchungen
, was ein weiterer Hinweis darauf ist, dass das Überlassen der von der Arbeitgeberin gemieteten Wohnung nicht nur in den monatlichen Abrechnungen, sondern auch in der Buchhaltung als Lohnbestandteil behandelt wurde.
4.5
Die Beschwerdeführerin wohnte bis Ende März 2016 in der von der Arbeitgeberin gemieteten Wohnung, wie sich aus der angezeigten
Adressänderung per
1. April 20
16 (
Urk.
11/41
9) ergibt. Demnach ist der von April 2015 bis März 2016 von
der Arbeitgeberin als Lohnbestandteil deklarierte Mietzins von rund Fr. 57'688.--
(Fr. 4'807.30 x 12) als bezogener Lohn anzurechnen.
4.6
Somit setzen sich die für die Ermittlung des versicherten Verdiensts massge
ben
den Bezüge von April 2015 bis März 2016 zusammen aus dem Bruttolohn von Total Fr. 69’322.-- (vorstehend E. 4.2) und dem Wohnkostenanteil von Total Fr. 57'688.--, was insgesamt Fr. 127’010.-- und damit pro Monat rund Fr. 10'584.--
ergibt.
Auf diesen Betrag ist der versicherte Verdienst festzusetzen, was zur teilweisen Gutheissung der Beschwerde führt.
5.
Die anwaltlich vertretene und weitgehend obsiegende Beschwerdeführerin hat Anspruch auf eine Prozessentschädigung, die beim praxisgemässen Stunden
an-satz von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ermessensweise auf Fr. 2'300.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen und der Beschwerde
gegnerin aufzuerlegen ist.