# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** bd20823b-8b4e-48f4-9297-640c89cdf068
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1968, war als Pflegeexperte für das
Y._
tätig und als solcher bei der
Unfallversicherung Stadt Zürich
obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert
. Mit Unfallmeldung vom 8. Oktober 2019 wurde dieser mitgeteilt, der Versicherte leide nach einem Ereignis vom 3
0.
August
2019, bei dem eine extrem übergewichtige Patientin bei der Mobilisation plötzlich in ihren Lehnstuhl zurückgefallen sei und dabei plötzlich, schlagartig und gewaltsam an seinem rechten Arm gerissen habe, an zunehmen
den Schmerzen im Schulter-Ober
armbereich rechts und an zunehmend schmerz
haften Bewegungseinschrän
kungen im rechten Schulter-Oberarmbereich sowie an funktionellem Bewegungs
schmerz an der rechten Hand
(
Urk.
9/G1).
Die
Erst
behandlung
fand gemäss dem Bericht vom 2
3.
Januar 2020 bei
Dr.
med.
Z._
, Fachärztin für physikalische Medizin und Rehabilitation,
am 18.
September
2019 statt, welche eine Magnetresonanz-(MR-)
Arthrographie
der rechten Schulter er
stellen liess (MR-
Arthrographie
vom 25.
September
2019; Urk.
9/M3) und
die Dia
gnose einer posttraumatischen
Frozen
Shoulder
rechts bei Status nach Unfall vom 3
0.
August 2019
und MRT-Ergebnis
Acromiomorphologie
(
AC
)
Typ III ohne Labrumläsion stellte (
Urk.
9/M4).
Eine Arbeitsunfähigkeit wurde nicht attestiert (
Urk.
9/M1 S. 2).
Der beratende Arzt der
Unfallversicherung Stadt Zürich
Dr.
med.
A._
, Facharzt für orthopädische Chirurgie, schloss in seiner Stellungnahme vom 4. März
2020
darauf, dass die rechtsseitigen Schulterbeschwer
d
en nur mögli
cherweise auf das Ereignis vom 3
0.
August
2019 zurückzuführen seien, da im MRT-Bericht
keine posttraumatischen, sondern vorbestehende (AC Typ III) und degene
rative Befunde (Buford Komplex) beschrieben würden (
Urk.
9
/M5). Ge
stützt darauf
ver
neinte
die Unfallversicherung Stadt Zürich
mit Verfügung vom 2
3.
April
2020
eine
Leistungspflicht für die
gesundheitlichen
Folgen des Ereig
nisses vom
30.
August
2019
mangels eines natürlichen Kausalzusammen
hanges (Urk. 9/G12). Dage
gen
erhob der Versicherte mit Schreiben vom
3.
Juli
2020 Ein
sprache. Gleich
zeitig
beantragte
er
,
die mit Verfügung vom 2
3.
April
2020 ange
setzte
dreis
sig
tägige
Einsprachefrist
s
ei wiederherzustellen beziehungs
weise
die Frist sei erst ab Wegfall des Hinderungsgrundes zu berechnen
(Urk. 9/J4
/1
).
Mit
Ein
sprache
entscheid
vom 26. August
2020 trat die Unfallversicherung Stadt Zürich auf die Einsprache nicht ein und wies das Fristwiederherstellungsgesuch ab, soweit sie darauf eintrat (
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob d
er Versicherte mit Eingabe vom 21. September 2020
Be
schwer
de und beantragte, der
Einspracheentscheid
vom
26. August 2020
sei auf
zuheben und
das Gesuch um Fristwiederherstellung sei gutzuheissen sowie die
Beschwer
de
gegnerin
sei zu verpflichten, auf seine Einsprache vom
3.
Juli
2020 einzutreten beziehungsweise diese materiell zu prüfen
(Urk. 1 S. 2). Die
Beschwer
degegnerin
schloss in der Beschwerdeantwort vom
1
6.
November
20
20
auf Ab
weisung der Beschwerde (Urk.
8 S. 2), was dem
Beschwerdeführer
am 17. Novem
ber 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
10).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gegen Verfügungen kann innerhalb von 30 Tagen bei der verfügenden Stelle
Einsprache erhoben werden; davon ausgenommen sind prozess- und verfahrens
leitende Verfügungen (Art. 52 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Gegen
Einspracheentscheide
oder ge
gen
Verfügungen, gegen welche eine Einsprache ausgeschlossen ist, kann Be
schwerde erhoben werden (Art. 56 Abs. 1 ATSG).
Gemäss Art. 38 ATSG beginnt die
Einsprachefrist
von Art. 52 Abs. 1 ATSG am Tag nach ihrer Mitteilung zu laufen (Abs. 1). Nach Art. 39 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 52 Abs. 1 ATSG ist die dreissigtägige Frist zur Einsprache nur gewahrt, wenn die Einsprache spätestens am letzten Tag der Frist bei der verfügenden Stel
le eingereicht oder zu deren
Handen
der Schweizerischen Post oder einer
schwei
ze
rischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung übergeben wird.
Läuft die Frist unbenützt ab, so erwächst die Verfügung in (formelle) Rechtskraft mit der Wirkung, dass die verfügende Stelle auf eine verspätet eingereichte Ein
sprache nicht eintreten darf (vgl. BGE 124 V 401 E. 1a).
1.2
Richtet sich die Beschwerde gegen einen
Nichteintretensentscheid
, hat das Ge
richt, ungeachtet
der Vorbringen
der
beschwerdeführenden
Partei, zu prüfen und
darüber zu entscheiden, ob die Verwaltung zu Recht nicht auf das Leistu
ngs- oder Feststellungsbegehren
eingetreten ist. Der richterliche Entscheid in der Sache (Sach
entscheid) hat in dieser besonderen verfahrensmässigen Situation den for
mel
len Gesichtspunkt des Nichteintretens durch die untere Instanz zum Gegen
stand. Dagegen hat sich das Gericht mit den materiellen Anträgen nicht zu befassen (BGE 121 V 157 E. 2b, 116 V 265 E. 2a, SVR 1997, UV Nr. 66 S. 225 E. 1a).
1.3
Ist die gesuchstellende Person oder ihre Vertretung unverschuldeterweise abge
halten worden, binnen Frist zu handeln, so wird diese wiederhergestellt, sofern sie unter Angabe des Grundes innert 30 Tagen nach Wegfall des Hindernisses darum ersucht und die versäumte Rechtshandlung nachholt
(
Art.
41 ATSG
)
.
Die eine Fristwiederherstellung rechtfertigende Hinderung einer gesuchstellenden Person kann auf einen objektiven oder auf einen subjektiven Grund zurückzu
führen sein. Objektiv ist ein Hindernis, wenn es ihr unmöglich war, die Frist zu wahren. Ein subjektives Hindernis liegt etwa vor, wenn die gesuchstellende Person sich in einem Irrtum befand
, welcher auf einer falschen Auskunft beruht
. Eine Fristwiederherstellung wurde von der Rechtsprechung etwa zugelassen bei schwe
ren Krankheiten (BGE 112 V 255), bei einer Rechtsänderung, deren Trag
weite nicht ohne Weitere
s absehbar war (SVR 1998 UV Nr.
10) oder in engen Grenzen bei sprachlichen Sc
hwierigkeiten (LGVE 1977 II Nr.
52). Eine Ablehnung erfolgte demgegenüber etwa bei Krankheiten, welche eine Wahrung der Frist nicht völlig ausschlossen (BGE 112 V 256), bei nur teilweiser Ar
beitsunfähigkeit (ZAK 1949 467),
bei Arbeitsüberlastung
(
VPB 1981 Nr.
7
) oder bei einem Comp
uterproblem (SVR 2009 UV Nr. 26,
8C
_210/2008;
vgl.
Kieser
, ATSG-Kommentar,
4.
Auflage, Zürich 2020
, Art. 41
Rz
10
ff.
).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin
stellte sich im angefochtenen
Einspracheentscheid
auf den Standpunkt,
der
Beschwerdeführer
habe mit der Eingabe vom
3.
Juli
2020 die
Einsprachefrist
nicht gewahrt.
Auch
könne
in den vorgebrachten Gründen
für
das Fristversäumnis kein unverschuldetes Verhalten erkannt werden. Der
Be
schwerdeführer
habe nicht einmal ein konkretes Computerproblem genannt, son
dern lediglich die Vermutung geäussert, dass sein E-Mail zu gross gewesen sein müsse und die Gesellschaft seiner Rechtsvertretung
(Rechtsschutzversiche
rung) diese
daher nicht erhalten habe. Der
Beschwerdeführer
habe am 1
3.
Mai
2020 nach einem Telefonat mit seiner Rechtsvertretung dieser die Unterlagen zuge
stellt. Die Zustellung sei 12 Tage vor Fristablauf erfolgt. Der
Beschwerdeführer
hab
e keine Fehlermeldung erhalten, dass seine E-Mail zu gross sei und nicht zu
gestellt werden könne. Anstatt sich vor Fristablauf nochmals zu melden und zu fragen, wie der Stand sei, habe sich der
Beschwerdeführer
erst am 16. Juni 2020, mithin nach Fristablauf danach erkundigt. Da er keine Eingangsbestätigung er
halten habe, hätte er sich früher melden müssen. Eine objektive oder subjektive Unmöglichkeit, zeitgerecht zu handeln, sei nicht ersichtlich.
Eine (rechtsvertre
tende) Rechtschutzversicherung sodann müsse sich so organisieren, dass sie keine
Fristen verpasse. Kurz vor der Zustellung der Unterlagen habe der
Beschwerde
führer
mit dieser telefoniert. Die Verantwortlichen der Gesellschaft hätten nach dem Telefonat wenigstens nachfragen können, wo die besprochenen Unterlagen bleiben würden, wenn die E-Mail des
Beschwerdeführer
s samt den Beilagen - wie geltend gemacht - wirklich nicht eingetroffen sei. Dies wäre ihnen objektiv und subjektiv möglich gewesen. Dies sei indes fraglich, denn der
Beschwerdeführer
habe keine Meldung über einen E-Mail-Zustellfehler erhalten. Der Anhang sei nicht zu gross gewesen und die E-Mail-Adresse sei korrekt gewesen. Ansonsten hätte die zweite E-Mail des
Beschwerdeführer
s mit der gleichen E-Mail-Adresse die Gesellschaft nicht erreicht. Soweit die Rechtvertretung des
Beschwerdeführer
s betreffend Fristversäumnis ein Verschulden treffe, werde dies dem
Beschwerde
führer
zugerechnet, so dass eine Wiederherstellung (der
Einsprachefrist
) ausser Betracht falle (
Urk.
2
).
2.2
Dagegen bringt der
Beschwerdeführer
im Wesentlichen
vor,
er rüge
in formeller Hinsicht, dass die
Beschwerdegegnerin
das Fristwiederherstellungsgesuch auf
grund falscher Annahmen und Unterst
ellungen nicht gutgeheissen habe
.
Diese habe durch ihre falschen und vor allem teils auch fragwürdigen Ausführungen insbesondere das Recht auf ein faires Verfahren verhindert, indem sie trotz un
verschuldetem Verpassen der Frist die Einsprache nicht materiell geprüft habe
Da er mit der Verfügung vom 23. April 2020 nicht einverstanden gewesen sei,
habe
er sich an
die telefonische Auskunft
seine
r
Rechtschutzversicherung gewandt.
Wie bei allen grossen schweizerischen Rechtsschutzversicherungen bestehe eine juristische Hotline, die telefonische Anfragen im Rahmen einer kurzen Beratung beantworte.
Dabei werde noch kein Fall angelegt
, sondern nur eine Notiz über die telefonischen Auskünfte erstellt
.
Die Versicherten würden aufgefordert, den Fall schriftlich zu melden, sobald die Juristen am Telefon bemerken würden, dass eine tele
fonische Auskunft nicht genüge.
Mit der schriftlichen Anmeldung werde der Fall registriert und die Rechtsschutzver
sicherung sei für die Fristwahrung ver
antwortlich. Vorliegend sei ihm anlässlich der telefonischen Auskunft vom 13. Mai 2020 angeraten worden, den Fall aufgrund der Verfügung und der damit laufenden Frist umgehend anzumelden, damit die Rechtsschutzversicherung die Versicherungsdeckung und die Rechtslage prüfen könne.
Noch
am gleichen Tag habe er aufgrund dieser Auskunft den Fall der Rechtsschutzversicherung per E
Mail gemeldet.
A
m 16.
Juni 2020 habe er sich bei der Rechtsschutzversicherung nochmals über den Stand erkundigt; diese E-Mail sei nun an den Absender ge
langt, weshalb die
Beschwerdegegnerin
mit Einsprache vom 3. Juli
2020 ersucht worden sei, die 30-tägige
Einsprachefrist
wiederherzustellen und die Unfallversi
cherungsleistungen zu erbringen. Weder ihm noch der Rechtschutzversicherung
könne ein Vorwurf am Verpassen der Frist gemacht werden.
Da er keine Fehler
meldung erhalten und die E-Mail
vom 13. Mai 2020
noch weiteren Adressaten zugestellt habe, sei er davon ausgegangen, dass
die E-Mail zugestellt worden sei und
rechtzeitig Einsprache gegen die Verfügung der
Beschwerdegegnerin
erhoben werde. Diese E-Mail sei jedoch
aus bis heute unbekannten Gründen
bei der Recht
schutzversicherung nicht angekommen, was erst nach Ablauf der
Einsprachefrist
bemerkt worden sei.
De
m
Standpunkt der
Beschwerdegegnerin
, er hätte sich noch
mals vor Fristablauf bei seiner Rechtsschutzversicherung erkundigen kön
ne
n
, sei zu erwidern, dass er gerade aufgrund der Rechtsauskunft derselben den Fall schriftlich angemeldet und festgehalten habe, dass die Einsprache erfolgen solle. Er habe sich daher darauf verlassen können, dass er mit der schriftlichen Fallanmeldung seinen Mitwirkungspflichten genüge getan habe und im Hinblick auf die bezahlte Versicherungsprämie auch, dass von den Juristen rechtzeitig ge
handelt werde.
Es habe für ihn keine
n
Grund gegeben, bei seiner Rechtsschutz
versicherung
nachzuha
ken,
zumal es sicherlich nicht Aufgabe des Klienten sei, den Rechtsvertreter auf Fristen hinzuweisen. Ansonsten könnte der Anwalt jegli
che berechtigte Haftpflichtansprüche des Mandanten mit der Begründung ableh
nen, dass er ihn auf den Fristenablauf hätte hinweisen sollen.
Eine solche Rechts
auffassung der
Beschwerdegegnerin
sei weder sachgerecht, noch nachvollziehbar.
Sowohl aus objektiver als auch
aus subjektiver Sicht sei kein Handeln seinerseits angezeigt gewesen.
Er sei als Pfleger im
Y._
tätig. Während
der ho
hen Bereitschaft und dem unermüdlichen Einsatz des Pflegepersonals habe die Pandemie in Grenzen gehalten werden können. Während die gesamte schweize
rische Bevölkerung dem Pflegepersonal für die intensive Zeit äusserst dankbar sei, behaupte die
Beschwerdegegnerin
doch tatsächlich, dass er noch
hätte nach
haken
können, obschon er den Fall bereits angemeldet
gehabt
habe. Dieser Stand
punkt sei umso stossender, als es sich bei der
Beschwerdegegnerin
um die Unfall
versicherung Stadt Zürich handle. Es sei davon auszugehen, dass diese den Fall gar nicht einlässlich geprüft habe, ansonsten sie nicht solche Ausführungen ge
macht hätte. Er sei jedenfalls seinen Mitwirkungspflichten im Zusammenhang mit der Rechtsschutzversicherung nachgekommen. Er hätte daher weder aus objekti
ver noch aus subjektiver Sicht etwas zusätzlich unternehmen müssen, damit die Frist eingehalten werde. Es liege keinesfalls ein auch bloss fahrlässiges Verhalten seinerseits vor. Es handle sich zweifelsohne um ein unverschuldetes Hindernis.
Auch der Rechtsschutz
versicherung
könne kein Verschulden unterstellt werden. Die betreffende E-Mail sei bei ihr nicht angekommen. Eine Inexistenz könne nicht bewiesen werden. Die IT habe nicht eruieren können, weshalb die E-Mail nicht eingegangen sei. Es könne daher auch kein Beweis dafür erbracht werden. Es gebe
indes keinen vernünftigen Grund, weshalb die Rechtsschutzversicherung dies be
haupten sollte, da sie gerade für verpasste Fristen rückversichert sei. Damit dies
e
indes zum Zuge komme, müsse der Fall angemeldet sei
n
, was vorliegend nicht der Fall sei. Das Argument der
Beschwerdegegnerin
, die Rechtsschutzversiche
rung hätte beim Versicherten nachfragen müssen, wo die Dokumente bleiben würden, sei daher obsolet. Denn bei den telefonischen Auskünften handle es sich nicht um eine Fallanmeldung, sondern bloss um eine telefonische Beratung. Solche Beratungen würden täglich zu Hunderten vorkommen und höchstens ein Bruch
teil führe zu
einer schriftlichen Anmeldung mit registriertem Fall und effektiver Fallführung. Die Rechtsschutzversicherung führe die Fälle sorgfältig, doch könne sie nur tätig werden, wenn die Fälle effektiv eingehen würden, was vorliegend aus unbekannten IT-Gründen nicht erfolgt sei
(
Urk.
1 S. 2 ff.).
2.3
Es steht fest und ist nicht umstritten, dass die Einsprache vom
3.
Juli
2020 (Urk. 9/J4
/1
)
gegen die Verfügung vom 2
3.
April 2020
(
Urk.
9/G12)
nach Ablauf der 30
-
tägi
gen
Einsprachefrist
gemäss Art. 52
Abs.
1 ATSG
und
verspätet einge
reicht wurde. Dies hat zur Folge, dass auf die Einsprache nicht einzutreten ist, es sei denn,
die
Einsprachefrist
wäre
in Anwendung von Art. 41 ATSG
wieder
her
zustellen.
Strittig und zu prüfen ist, ob
die
Einsprachefrist
unverschuldet versäumt wurde.
3.
3.1
Zum
Sachverhalt
ist
unstrittig und aktenkundig
, dass
der
Beschwerdeführer
sich
am 1
3.
Mai
2020
an die Rechtsauskunft seiner Rechtschutzversicherung CAP wandte und vom Ereignis vom 30.
August 2019
sowie vom
Unfallversicherungs
verfahren
der
Beschwerdegegnerin
berichtete.
Gemäss dem internen Rapport der CAP vom 13. Mai 2020
erklärte
der
Beschwerdeführer
anlässlich dieser Rechts
auskunft,
dass er gegen die Verfügung der
Beschwerdegegnerin
vom 23.
April 2020 Einsprache erheben wolle, und
er wurde
zur sofortigen Anmeldung des Fal
les zwecks Prüfung der Deckung und
der
Sach- sowie Rechtslage aufgefordert (Urk. 3/3
S. 2
).
Nach Lage der Akten richtete
der
Beschwerdeführer
sodann
am 13. Mai 2020 um 17:27 Uhr
eine E-Mail
an die CAP Zürich
, in welcher er auf das mit der Rechtsauskunft der CAP geführte Telefonat Bezug nahm und
diese
um «zeitnahen Einspruch/Einwand zum Schreiben vom 26.04.2020 (Schreiben vom
23.04.2020)»
bat sowie im Anhang drei Dokumente anfügte (Urk.
9/J
4/2
)
.
Mit weiterer E-Mail vom 1
6.
Juni 2020 an die CAP Zürich erklärte der
Beschwer
deführer
, er habe bis anhin keine Reaktion zu seiner E-Mail erhalten und wisse nichts zum Stand seiner Einsprache bei der Unfallversicherung. Er bitte um Re
aktion und Klärung (
Urk.
9/J4/2).
3.2
3.2.1
Als
Hinderungsgrund
zur rechtzeitigen
Einspracheerhebung
wurde allein geltend gemacht
, die E-Mail des
Beschwerdeführer
s vom 13. Mai
2020 sei bei der von ihm zur
Einspracheerhebung
beauftragten Rechtsschutzversicherung
nicht einge
troffen, weshalb diese bis nach Ablauf der
Einsprach
e
frist
keine
Einsprache bei der
Beschwerdegegnerin
eingereicht habe.
Das Vorliegen eines objektiven Hinderungsgrundes am rechtzeigen Erheben der Einsprache gegen die
Verfügung vom 23.
April 2020
(Urk.
9/G12) scheidet damit aus. Denn weder dem
Beschwerdeführer
noch der von ihm gewählten Rechtsver
tretung
war das Einreichen einer Einsprache bei der
Beschwerde
gegnerin
innert der 30-tägigen
Einsprachefrist
aus einem von ihrem Willen unabhängigen Um
stand
(etwa
Naturkatastrophen, Militärdienst o
der schwerwiegende Erkrankung; vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_821/2016
vom
2.
Februar
2017 E. 2.2)
unmög
lich.
Denn hätten sie das Versenden einer
Einspracheschrift
in Angriff
nehmen wollen und
genommen, wären sie beide dazu aus objektiver Sicht
und in tatsäch
licher Hinsicht
auch bereits vor Ablauf der
Einsprachefrist
in der Lage gewesen, zumal beide spätestens am 13. Mai 2020 von der Verfügung vom 23. April 2020, dem
Einsprachewillen
des
Beschwerdeführer
s und von der laufenden Frist Kennt
nis hatten.
Dies gilt auch im Hinblick auf die in dieser Zeit herrschende Pandemie, da der Geschäftsbetrieb der Rechtsschutzversicherung damit nicht verhindert war und der E-Mail- sowie der Postverkehr auch nach dem 2
3.
April 2020 weiterhin funktionsfähig waren
, was vom Beschwerdeführer auch nicht substantiiert in Ab
rede gestellt wurde
.
3.2.2
Damit bleibt zu prüfen, ob ein subjektiver Hinderungsgrund vorlag. In Frage kommt hierbei eine
subjektive Unmöglichkeit, wenn zwar die Vornahme einer Handlung, objektiv betrachtet, möglich gewesen wäre, die betroffene Person aber durch besondere Umstände, die sie nicht zu vertreten hat, am Handeln gehindert worden ist. In Betracht kommen insbesondere unverschuldete Irrtumsfälle
.
Zur Annahme eines
unverschuldeten Irrtumsfalles ist ein strenger Massstab anzuwen
den. Insbesondere stellt ein auf Unachtsamkeit zurückzuführendes Versehen kein unverschuldetes Hindernis dar
(U
rteil des Bundesgerichts
9C_821/2016
vom 2.
Februar 2017 E. 2.2 mit Hinweis
en).
Der Hinderungsgrund zum Einreichen einer Einsprache innert Frist lag aus Sicht des
Beschwerdeführer
s
darin
, dass
er irrtümlicherweise davon ausging, dass
seine E-Mail vom 13. Mai
2020 bei der
Beschwerdegegnerin
angekommen sei
, zur Kenntnis genommen und auftragsgemäss bearbeitet würde
, was - aus welchem Grund auch immer -
indes
nicht der Fall war.
Dies ist nur dann als hinreichender subjektiver Hinderungsgrund anzuerkennen, wenn
weder dem
Beschwerdeführer
noch der von ihm gewählten Rechtsvertretung, deren Handlungen und Unterlas
sungen ihm im Aussenverhältnis zur
Beschwerdegegnerin
anzurechnen sind
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_282/2020 vom 8. Mai 2020 E. 2.3.5
;
Kieser
,
a.a.O.,
Art.
41
Rz
15
)
, eine Verletzung ihrer Sorgfaltspflichten vorgeworfen werden kann
. Entscheidend ist somit
, ob der
Beschwerdeführer
und die Rechtsschutzver
sicherung CAP im Sinne des Grundsa
tzes von Treu und Glauben (Art. 2 Abs.
1
S
chweizerisches Zivilgesetzbuch;
ZGB)
mit angemessener Sorgfalt gehandelt ha
ben.
Wie der
Beschwerdeführer
selbst erläutert hat, hing die Auftragserledigung durch seine Rechtsschutzversicherung davon ab, dass er den vorab am 1
3.
Mai
2020 telefonisch besprochenen Fall schri
ftlich bei ihr einreichen werde
.
Der
Beschwer
deführer
hatte davon somit Kenntnis, was
sich auch daraus ergibt, dass ihm von der Rechtsauskunft am 1
3.
Mai 2020 erklärt worden war, er solle den Fall sofort zur Prüfung der Deckung und Sach- sowie Rechtslage anmelden (Urk. 3/3 S. 2)
.
N
ach dem
Verfassen
und Absenden
seiner
E-Mail gleichen Datums (
Urk. 9/J4/2
)
hat er trotz
Kenntnis dieser
Voraussetzung
ohne Weiteres
, insbesondere ohne eine Empfangsbestätigung oder eine andere Reaktion von seiner
Rechtsschutzver
sicherung
zu erhalten,
darauf vertraut, dass
seine E-Mail
an die richtige Stelle ge
langt
und der Auftrag zur
Einspracheerhebung
innert bereits seit einigen Tagen laufender
Einsprachefrist
an seine
Rechtsschutzver
sicherung
für die weitere Be
arbeitung hinreichend
deponiert sei.
Wer
aber
das Risiko auf sich nimmt,
einen solchen A
uftrag
, welcher nur noch während weniger Tage bis Fristablauf erledigt werden kann,
per E-Mail
ohne
Empfangsbestätigung
an seine Rechtsschutzversi
cherung
zu ver
senden und ohne zeitnah eine Rückmeldung des
Empfängers res
pektive
Auftragsnehmers
einzuholen
, nimmt in Kauf, dass
es
- namentlich
wegen technischer Probleme
-
sein kann, dass die E-Mail nicht oder nicht an der richti
gen Stelle ankommt.
Die angemessene Sorgfalt gebietet in einer solchen Situa
tion, sich zu vergewissern, dass die per E-Mail versandte Auftragserteilung auch tatsächlich umgehend beim anvisierten Empfänger
eingetroffen ist
.
Das Unterlassen der
Einspracheerhebung
innert der
Einsprachefrist
durch die Rechts
schutzversicherung ist dem
Beschwerdeführer
daher
anzurechnen
. Dies würde
jedenfalls auch
dann
gelten, wenn
die Rechtsschutzversicherung
die
E
Mail des
Beschwerdeführer
s vom 1
3.
Mai
2020 erhalten hat, aber aufgrund eines internen Fehlers den Auftrag dennoch nicht innert Frist
bearbeitet hat
.
Ob letz
teres zutraf, betrifft das (vertragliche) Innenverhältnis des
Beschwerdeführer
s und seiner Rechtsschutzversicherung und kann hier
offen gelassen
werden, da dies
gegebenenfalls
für die hier zu beurteilende Frage zu demselben Ergebnis führ
en würde
.
Es kann
somit
nicht gesagt werden, der
Beschwerdeführer
sei durch besondere Umst
ände, die er nicht zu vertreten habe
, am Erheben der Ei
nsprache innert Frist gehindert
gewesen. Eine subjektive Unmöglichkeit zur rechtzeitigen
Ein
sprache
erhebung
ist daher ebenfalls zu verneinen.
3.2.3
Was der
Beschwerdeführer
dagegen vorbringt, führt zu keiner anderen Betrach
tungsweise.
Namentlich genügt es zur Erfüllung der gebotenen Sorgfalt in der hier betreffenden Situation nach dem Gesagten nicht, dass er nach dem Versen
den der E
-Mail vom 13. Mai
2020
keine Fehlermeldung erhalten hat. Denn es kann beim Versenden einer E-Mail nicht mit der in der damaligen Situation nötigen Sicherheit ausgeschlossen werden, dass
diese
unbemerkt etwa im Spam
ord
ner des Empfängers landet oder - wie hier geltend gemacht - ohne Fehler
meldung gar nicht ankommt. Auch das Senden an weitere Adressaten kann die erforderli
che Sicherheit nicht gewährleisten. Unerheblich ist sodann, ob er im Innenver
hältnis zur Rechtsschutzversicherung mit dem Anruf und der E-Mail vom
13. Mai 2020
sowie der bezahlten Versicherungsprämie seiner Mitwirkungs
pflicht genüge getan habe, wie der
Beschwerdeführer
weiter geltend macht. Denn zur rechtzei
tigen Erhebung der Einsprache ist in erster Linie der
Beschwerdeführer
und nicht die von ihm beauftragte Rechtsschutzversicherung verantwortlich. Auch das Vor
bringen, dass er während der Pandemie als Pfleger gearbeitet habe, wofür ihm die Bevölkerung dankbar sei, ist für die hier massgebliche Sache nicht stichhaltig. Denn hier ging es nicht darum, dass er die Rechtsschutzversicherung bei der Durchführung des Auftrages überprüft, sondern dass er für die ordentliche und rechtzeitige Beauftragung sorgt, welche mit der nicht gesicherten E-Mail indes nicht gewährleistet war. Ein einmaliges Telefonat oder ein Einschreiben per A
Post anstatt
der
oder in Ergänzung
zur
E-Mail hätte
nicht
oder kaum mehr Zeit und Anstrengung bedeutet und
wäre
zumutbar gewesen.
3.3
Die
Beschwerdegegnerin
ist im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 26. Au
gust 2020
im Ergebnis
daher
zu Recht davon ausgegangen, dass
kein ent
schuld
barer Grund vorliegt, der eine Wiederherstellung
der
Einsprachefrist
im Anwen
dung von
Art.
41 ATSG rechtfertigt.
Sie hat das Wiederherstellungs
g
esuch daher zu Recht abgewiesen und ist auf die Einsprache vom
3.
Juli 2020 zu Recht nicht eingetreten.
Die Beschwerde ist folglich abzuweisen.