# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 1fb676f9-7d6c-4428-8587-868fe9f870c1
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_003
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Beurteilung eines im Wesentlichen unveränderten Sachverhaltes und eine
Verschlechterung seit dem medizinischen Referenzzeitpunkt vom 26. August
2009 (Tag der Begutachtung durch das ABI Basel) sei nicht ersichtlich.
6. Mit beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden erhobener Beschwerde
vom 13. Januar 2012 beantragte ... die Aufhebung der angefochtenen
Verfügung vom 28. November 2011 und die Rückweisung der Sache an die
Vorinstanz mit dem Auftrag, auf das Leistungsbegehren materiell einzutreten
und die Sache nach neuer rechtsgenüglicher Abklärung des Sachverhaltes
materiell zu entscheiden. Mit Urteil vom 19. Juni 2012 (VGU S 12 10) hiess das
Verwaltungsgericht die Beschwerde gut. Im Urteil wurde festgehalten (vgl.
Erwägung 7d), dass es sich bei den Diagnosen in der Verlaufsbeurteilung der
Klinik vom 13. April 2011 einerseits und gemäss der Begutachtung des ABI
Basel vom 26. November 2009 (auf welchen sich der Abschlussbericht des
RAD Ostschweiz vom 28. April 2011 stützte) andererseits um zwei
unterschiedliche Klassifikationen von Krankheiten resp. Gesundheitsproblemen
gemäss ICD-10 handle. Das Gericht verfüge jedoch nicht über das
medizinische Fachwissen, um beurteilen zu können, ob aufgrund der neuen
Ausgangslage es sich bei der Verwendung der unterschiedlichen Klassifika-
tionen durch das ABI Basel und die Klinik ... um eine lediglich unterschiedliche
Bewertung desselben Sachverhalts handle oder ob eine wesentliche
Veränderung des Gesundheitszustandes gegeben respektive glaubhaft
gemacht sei. Die Vorinstanz werde die Sache unter diesem neuen Aspekt
nochmals fachpsychiatrisch abzuklären und die Eintretensfrage alsdann neu zu
entscheiden haben.
7. In der Folge legte die IV-Stelle den Fall erneut dem RAD vor, welcher mit
Stellungnahme vom 3. August 2012 festhielt, es liessen sich – auch in
Berücksichtigung zweier medizinischer Einschätzungen jüngeren Datums
(Arztbericht von Dr. med. ... vom 14. Dezember 2011 und Arztbericht von Dr.
med. ... vom 23. Dezember 2011) – keine neuen Hinweise finden, wonach sich
der Gesundheitszustand von ... wesentlich verschlechtert hätte. Eine
Verschlechterung sei damit nicht glaubhaft gemacht. Mit Vorbescheid vom 13.
August 2012 teilte die IV-Stelle ... mit, dass sie auf sein Leistungsbegehren
nicht eintrete. Dagegen erhob ... mit Schreiben vom 12. September 2012
Einwand, wobei er eine Stellungnahme von Dr. med. ..., datiert vom 31. August
2012, beilegte, welche eine erneute Untersuchung von ... empfahl. Mit
Verfügung vom 30. Januar 2013 trat die IV-Stelle auf das Leistungsbegehren
nicht ein. Aus medizinischer Sicht liessen sich weder in der Beurteilung der
Klinik vom 18. April 2011 noch im Bericht von Dr. med. ... vom 14. Dezember
2011 noch im Bericht von Dr. med. ... vom 23. Dezember 2011 Hinweise auf
eine wesentliche Veränderung des Gesundheitszustandes seit der letzten
rechtskräftigen Verfügung vom 25. Januar 2010 finden. Auch aus dem Bericht
von Dr. med. ... vom 31. August 2010 gingen keine derartigen Hinweise hervor.
Eine wesentliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes sei demnach
nicht glaubhaft gemacht, weshalb auf die Neuanmeldung von ... nicht
eingetreten werde.
8. Dagegen erhob ... (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 15. Februar 2013
Beschwerde an das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden und
beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Die Angelegenheit sei
an die Vorinstanz zurückzuweisen, mit dem Auftrag, auf das Leistungsbegehren
nach Einholung eines unabhängigen psychiatrischen Gutachtens materiell
einzutreten und die Rechtssache entsprechend materiell zu entscheiden. Die
Beschwerde sei präsidialiter als dringlich zu erklären. Begründend führte der
Beschwerdeführer an, die IV-Stelle sei den Vorgaben des Verwaltungsgerichts
gemäss dem Urteil S 12 20 vom 19. Juni 2012 nach nochmaliger
fachpsychiatrischer Abklärung nicht nachgekommen. Unter fachpsychiatrischer
Abklärung sei nur die Begutachtung durch eine externe Fachperson zu
verstehen. Die IV-Stelle habe sich stattdessen mit einer entsprechenden
Aktenbeurteilung durch den RAD begnügt. Damit habe sie den Auftrag des
Gerichts missachtet. Im Weiteren habe sie auch die Stellungnahme von Dr.
med. ... vom 31. August 2012 übergangen, gemäss welchem die minuziös
begründete Beurteilung von Dr. med. ... (Klinik ...), mindestens „eine erneute
Untersuchung und entsprechendes Gutachten“ erfordere.
9. Mit Vernehmlassung vom 5. März 2013 beantragte die IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung werde
im Wesentlichen auf die angefochtene Verfügung verwiesen. Ihr Entscheid
stütze sich auf die Stellungnahme des RAD vom 3. August 2012, wonach keine
Veränderung des massgeblichen Sachverhalts zwischen dem 25. Januar 2010
und dem 30. Januar 2013 bestehe. Die Einholung eines psychiatrischen
Gutachtens bei einer externen Fachperson (Begutachtungsstelle) sei nicht
notwendig gewesen, würde dies die Eintretensfrage doch bereits präjudizieren.
Der Beschwerdeführer habe eine Änderung des Gesundheitszustandes nicht
glaubhaft machen können. Daran ändere auch die Stellungnahme von Dr. med.
... vom 31. August 2012 nichts. Die IV-Stelle sei somit zu Recht auf die
Neuanmeldung des Beschwerdeführers vom 18. April 2011 nicht eingetreten.
Auf die übrigen Vorbringen der Parteien sowie auf die angefochtene Verfügung
wird, soweit erforderlich, im Rahmen der Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet die Verfügung der
Beschwerdegegnerin vom 30. Januar 2013. Strittig und zu prüfen ist, ob die
Beschwerdegegnerin auf das Leistungsbegehren des Beschwerdeführers zu
Recht nicht eingetreten ist.
2. Der Antrag des Beschwerdeführers, das vorliegende Verfahren für dringlich im
Sinne von Art. 39 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
(VRG; BR 370.100) zu erklären, wurde mangels Vorliegens einer hinreichenden
Veranlassung mit Schreiben vom 6. März 2013 abgelehnt.
3. a) Nach Art. 17 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) wird die Invalidenrente von Amtes
wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt
oder aufgehoben, wenn sich der Invaliditätsgrad (IV-Grad) einer
Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers erheblich ändert. Anlass zur
Rentenrevision gibt jede Änderung der anspruchsbegründenden Tatsachen, die
geeignet ist, den IV-Grad und damit den Rentenanspruch des Versicherten zu
beeinflussen. Revisionsbegründend sind dabei zunächst wesentliche
Veränderungen des Gesundheitszustandes. Aber auch bei gleich bleibendem
Gesundheitszustand fällt eine Rentenrevision in Betracht, wenn sich die
erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen
Gesundheitszustandes erheblich verändert haben. Ob eine solche Änderung
eingetreten ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im
Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenverfügung bestanden hat, mit demjenigen
zur Zeit des angefochtenen Einspracheentscheides (BGE 133 V 108, 130 V
351; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 526/02 vom 27.
August 2003). Nach gefestigter Rechtsprechung handelt es sich bei der
Neuanmeldung sowie der Rentenrevision zwar nicht um identische, wohl aber
um ähnliche Rechtsinstitute, insoweit beide auf eine erneute Prüfung eines
Leistungsanspruchs aufgrund veränderter Verhältnisse zielen.
Dementsprechend knüpft die Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV;
SR 831.201) das Eintreten auf eine Neuanmeldung an dieselben
Voraussetzungen, wie sie im Falle eines Revisionsgesuchs gelten (BGE 133 V
108 E.5.2, 117 V 198 E.3a, 109 V 114 E.2b, 264 f. E.3)
b) Wurden IV-Leistungen verweigert, ist auf eine neue Anmeldung nur dann
einzutreten, wenn gemäss Art. 87 Abs. 3 IVV die Voraussetzungen gemäss
Abs. 2 erfüllt sind, d.h. wenn vom Versicherten glaubhaft gemacht wird, dass
sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise
geändert hat. Erheblich im Sinne von Art. 87 Abs. 2 IVV ist eine
Sachverhaltsänderung, wenn angenommen werden kann, der Anspruch auf
eine IV-Rente oder deren Erhöhung sei begründet, falls sich die geltend
gemachten Umstände als richtig erweisen (Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts I 484/00 vom 21. März 2001, E.1b/bb).
Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung (Urteile des Bundesgerichts I 439/98
vom 30. August 1999 und I 99/89 vom 31. Juli 1989) ist unter Glaubhaftmachen
im Sinne von Art. 87 Abs. 2 IVV kein Beweis nach dem im
Sozialversicherungsrecht allgemein massgebenden Grad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit (BGE 121 V 47 E.2a, 121 V 208 E.6b) zu verstehen. Die
Beweisanforderungen sind vielmehr herabgesetzt, indem nicht im Sinne eines
"vollen Beweises" (ZAK 1971 S. 525 E.2) die Überzeugung der Verwaltung
begründet zu werden braucht, dass seit der letzten, rechtskräftigen
Entscheidung tatsächlich eine relevante Änderung eingetreten ist. Vielmehr
genügt es, dass für den geltend gemachten rechtserheblichen Sachumstand
wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=I+294%2F98&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F121-V-45%3Ade&number_of_ranks=0#page47
der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die
behauptete Sachverhaltsänderung nicht erstellen lassen. Grundsätzlich
unterliegt das Glaubhaftmachen nach Art. 87 Abs. 2 IVV weniger strengen
Anforderungen als im Zivilprozessrecht. Dort muss – im Gegensatz zum vollen
Beweis – der Richter immerhin überzeugt werden, dass es so, wie behauptet,
wahrscheinlich gegangen ist, nicht aber auch, dass es wirklich so gegangen
sein muss, weil jede Möglichkeit des Gegenteils vernünftigerweise
auszuschliessen ist (Urteil des Bundesgerichts I 294/98 vom 3. Januar 2000
E.1).
4. Nach Eingang einer Neuanmeldung ist die Verwaltung zunächst zur Prüfung
verpflichtet, ob die Vorbringen des Versicherten überhaupt glaubhaft sind;
verneint sie dies, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch
Nichteintreten (Urteil des Bundesgerichts I 294/98 vom 3. Januar 2000 E.1;
BGE 109 V 119 E.3b). Erst wenn die Verwaltung auf die Neuanmeldung eintritt,
hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die vom
Versicherten glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch
tatsächlich eingetreten ist (BGE 109 V 108 E.2b).
5. a) Der Beschwerdeführer hat zur Geltendmachung seines Leistungsanspruchs die
bidisziplinäre (rheumatologisch-psychiatrische) Verlaufsbeurteilung der Klinik
vom 13. April 2011 bei der IV-Stelle eingereicht. Darin wurde was folgt
festgehalten: „(...) 6. Beurteilung
Der Krankheitsverlauf ab dem Jahr 2006, als wir von der Klinik den Expl. kennenlernten, ist gut
dokumentiert. Eindrücklich lässt sich nachvollziehen, wie, obwohl seitens der somatischen
Grundproblematik abgesehen von einer deutlichen Dekonditionierung keine relevante
Verschlechterung aufgetreten ist, die psychische Grundverfassung des Expl. sich progredient
reduzierte. Nachdem im Jahr 2006 aus psychiatrischen Gründen noch keine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit dokumentiert werden konnte, sah dies bereits im Jahr 2008 anders aus. Aktuell
besteht das Vollbild einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
(entsprechend ICD-10 F45.41). Wie in den Richtlinien verlangt, stehen die Schmerzen im
Vordergrund des klinischen Bildes, haben aber unverändert ihren Ausgangspunkt in einer primär
vorwiegend körperlichen Störung bzw. einem pathophysiologischen Prozess, das heisst dem
Circulus vitiosus eines komplexen muskuloskelettalen Beschwerdesyndroms und der daraus (nicht
zuletzt aufgrund dysfunktionaler Krankheitsannahme des Expl.) resultierenden zunehmenden
somatopsychischen Dekonditionierung mit abermaliger Beschwerdezunahme bzw.
Beschwerdepersistenz. Psychische Faktoren, das heisst dysfunktionale Krankheitsannahmen auf
der Grundlage einer ängstlich bis paranoid empfindenden Persönlichkeitsstruktur und
zwischenzeitlich rezidivierend auftretenden bzw. phasenweise sich verschlechternden ängstlich-
depressiven Symptomen, sind seit geraumer Zeit verlaufsbestimmend.
7. Aktuelle Diagnose
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) bei/mit
- chronischen rechtsbetonten Schulterbeschwerden und Panvertebralsyndrom
und leichter Coxarthrose rechts
- ängstlich neurotischer Depression bzw. Dysthymie (ICD-10 F34.1)
- akzentuierten Persönlichkeitszügen (ängstlich-paranoid) (ICD-10 Z73.1)
(...)
9. Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht
Aufgrund des weiter oben ausführlich beschriebenen langjährigen Krankheitsverlaufes und der vor
Ort objektivierten Befunde besteht aus der Sicht des Referenten [Dr. med. ...] aktuell und
mittelfristig wahrscheinlich anhaltend eine rund 70%ige Arbeitsunfähigkeit auch in rheumatologisch
adaptierten Tätigkeiten. Die Restarbeitsfähigkeit von rund 30% kann gemäss Einschätzung des
Referenten ausschliesslich in einem geschützten Rahmen umgesetzt werden. (...)“
b) Dr. med. ... hält im RAD-Abschlussbericht vom 28. April 2011, mit dem die IV-
Stelle ihren Nichteintretensentscheid begründete, zum Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers Folgendes fest: „(...) Rheumatologisch wurde aktuell als im Vordergrund ein massives selbstlimitierendes und
schmerzvermeidendes Verhalten festgestellt. Dieses wird mit den Worten „es bestehe eine
wegweisende, wesentliche psychosoziale Überlagerung des Schmerzbildes bei eindrücklicher
subjektiver Krankheits- und Behinderungsüberzeugung“ bereits im ABI-Gutachten geschildert. Der
Untersucher Dr. ... stellt in der aktuellen Untersuchung fest: Es bestünden keine neuen Aspekte
gegenüber dem Bericht vom 29.12.2009. Im Bericht der Klinik wird gar festgehalten, es sei
bezüglich der somatischen Grundproblematik seit 2006 keine relevante Verschlechterung
eingetreten. Es besteht also rheumatologisch keine Verschlechterung zwischen 2009 und 2011.
Der Psychiater beschreibt eine Verschlechterung zwischen 2006 und 2008. Aktuell bestehe das
Vollbild einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (F45.41).
Dies ist eine erst 2010 in die deutsche Version des ICD 10 aufgenommene Untergruppe der
anhaltenden Schmerzstörung, bei der im Gegensatz zur anhaltend somatoformen Schmerzstörung
(F45.4) keine emotionalen Konflikte oder psychosozialen Probleme nachgewiesen sein müssen.
Das Fehlen von diesen war der Grund, dass diese Diagnose vom ABI korrekterweise nicht gestellt
wurde, sondern auf die Diagnose der Schmerzverarbeitungsstörung (F54) ausgewichen wurde. Die
„neue“ Diagnose konnte damals noch nicht gestellt werden, da es sie noch nicht gab. Die geänderte
Diagnose ist also in diesem Fall kein Hinweis auf ein verändertes Zustandsbild seither. (...)
Insgesamt ist eine wesentliche Verschlechterung anhand des Vergleichs der psychopathologischen
Befunde nicht ersichtlich. (...)
Zusammengefasst handelt es sich bei der aktuellen Beurteilung meines Erachtens eindeutig um
eine andere Beurteilung eines im Wesentlichen unveränderten Sachverhalts. Eine Verschlechterung
seit dem medizinischen Referenzzeitpunkt vom 26.08.09 ist nicht ersichtlich. (...)“
c) Im Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden S 12 10 vom 19.
Juni 2012 wurde im Hinblick auf die vorgenannten Beurteilungen Folgendes
festgehalten (vgl. E.5d [in fine]): „Im Vergleich der beiden Gutachten zeigt sich, dass bezüglich der Diagnose das ABI von einer
Schmerzverarbeitungsstörung resp. einer Symptomausweitung mit Symptomen einer algogenen
Verstimmung (ICD-10 F54) ausgegangen war und aus psychiatrischer Sicht keine
Arbeitsunfähigkeit feststellen konnte. Demgegenüber stellte die Klinik in ihrem Gutachten die
Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
(entsprechend ICD-10 F45.41) und befand die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht nur noch
für 30 % als gegeben.“
Was die unterschiedliche ICD-Klassifizierung anbetrifft, wurde im oberwähnten
Entscheid was folgt festgestellt (vgl. E.7b und c): „Dazu ist bezüglich der „neuen Diagnose“ festzuhalten, dass entgegen den Ausführungen des Dr.
med. ... die „Untergruppe“ F45.41 nicht erst seit dem Jahr 2010 existiert, sondern bereits im Jahr
2009 in die deutsche Version der ICD-10 aufgenommen wurde und dort aufgeführt wird (vgl.
Deutsches Institut für medizinische Dokumentation und Information; ICD-10-GM
Vorgängerversionen 2008 resp. 2009 und 2010, http://www.dimdi.de/static/de/klassi/icd-10-
gm/kodesuche/vorgaenger.htm [besucht am 21. Mai 2012]). Das ABI hätte somit zum Zeitpunkt der
Begutachtung am 26. August 2009 die „neue Diagnose“ (F45.41) - entgegen der Annahme des Dr.
med. ... - jedoch bereits damals stellen können, stellte aber stattdessen die Diagnose ICD-10 F54
(Schmerzverarbeitungsstörung resp. Symptomausweitung mit algogener Verstimmung).
Festgehalten wurde dazu im Gutachten (S. 12 f.), dass keine eigentliche affektive Störung
abgegrenzt werden könne. Weder könne eine depressive Störung noch eine Angst- oder
Zwangsstörung noch eine Persönlichkeitsstörung festgehalten werden, weshalb diagnostisch von
einer Schmerzverarbeitungsstörung resp. Symptomausweitung mit Symptomen einer algogenen
Verstimmung auszugehen sei.
In der Beurteilung der Klinik vom 13. April 2012 wird von einer progredienten Reduzierung der
psychischen Grundverfassung des Beschwerdeführers ausgegangen. Dabei wird eine „chronische
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) bei/mit (...); ängstlich
neurotischer Depression bzw. Dysthymie (ICD-10 F34.1) sowie akzentuierten Persönlichkeitszügen
(ängstlich-paranoid) (ICD-10 Z73.1)“ festgestellt. Die Schmerzen würden im Vordergrund des
http://www.dimdi.de/static/de/klassi/icd-10-gm/kodesuche/vorgaenger.htm http://www.dimdi.de/static/de/klassi/icd-10-gm/kodesuche/vorgaenger.htm
klinischen Bildes stehen, hätten ihren Ausgangspunkt jedoch unverändert in einer primär
vorwiegend körperlichen Störung bzw. einem pathophysiologischen Prozess (Bericht S. 5 f.).
Beide Diagnosen, sowohl F45.41 (...) als auch F54 (ABI) werden in den ICD-10 unter dem Kapitel V
„Psychische und Verhaltensstörungen“ aufgeführt. Anschliessend wird differenziert zwischen
„Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen (F40-F48)“ und „Verhaltensauffälligkeiten
mit körperlichen Störungen und Faktoren (F50-F59)“. Gemäss ICD-10 ist Ausgangspunkt der
chronischen Schmerzstörung F45.41 „ein physiologischer Prozess oder eine körperliche Störung“.
Den psychischen Faktoren wird laut Beschreibung zwar eine wichtige Rolle beigemessen, nicht
jedoch die ursächliche Rolle für den Beginn der Störung. Im Gegenzug bewirken gemäss ICD-10
bei der Diagnose F54 psychische Faktoren körperliche Störungen. „Die sich hierbei ergebenden
psychischen Störungen (...) rechtfertigen nicht die Zuordnung zu einer der anderen Kategorien des
Kapitels V“. Unter Berücksichtigung dieser Beschreibung in den ICD-10 handelt es sich bei diesen
beiden Diagnosen zwar um psychische Störungen resp. Verhaltensstörungen, sie basieren jedoch
auf unterschiedlichen auslösenden Faktoren, d.h. einerseits auf körperlichen Schmerzen
andererseits auf psychischen Faktoren.“
Das Gericht gelangte zum Schluss (vgl. E.7d), es verfüge „nicht über das
medizinische Fachwissen, um beurteilen zu können, ob aufgrund der
vorstehend in E.7b und c erläuterten neuen Ausgangslage es sich bei der
Verwendung der unterschiedlichen Klassifikationen durch das ABI und die Klinik
um eine lediglich unterschiedliche Bewertung desselben Sachverhalts handelt
oder ob eine wesentliche Veränderung des Gesundheitszustandes gegeben
respektive glaubhaft gemacht ist“. Die Vorinstanz habe die Sache unter diesem
neuen Aspekt nochmals fachpsychiatrisch abzuklären und die Eintretensfrage
alsdann neu zu entscheiden.
6. Diesem Auftrag ist die Beschwerdegegnerin insofern nachgekommen, als sie
bei Dr. med. ... (RAD Ostschweiz) eine Aktenbeurteilung in Auftrag gab. Der
Beschwerdeführer wendet dagegen ein, die Beschwerdegegnerin habe mit der
Durchführung einer reinen Aktenbeurteilung den Auftrag des Gerichtes
missachtet bzw. sei diesem nicht nachgekommen. Dieser Einwand vermag
nicht zu überzeugen. Im damaligen Verfahren (S 12 10) war nur zu beurteilen,
ob der Nichteintretensentscheid der Beschwerdegegnerin rechtens war. Dabei
war für das Gericht lediglich die unterschiedliche psychiatrische Beurteilung
anhand der ICD-Klassifikation (F54 gemäss ABI-Gutachten vom 22. Oktober
2009 respektive F45.41 gemäss Gutachten der Klinik vom 13. April 2011)
aufgrund der Beurteilung von Dr. med. ... (RAD Ostschweiz) vom 28. April 2011
nicht nachvollziehbar, weshalb im Urteil S 12 10 festgehalten wurde (vgl. E.7d),
die Vorinstanz habe „die Sache unter diesem neuen Aspekt nochmals
fachpsychiatrisch abzuklären und die Eintretensfrage alsdann neu zu
entscheiden“. Das kann nicht im Sinne des Beschwerdeführers verstanden
werden, dass die Beschwerdegegnerin ein psychiatrisches Gutachten hätte
einholen müssen, denn dies hätte, wie die Beschwerdegegnerin zu Recht
bemerkt, die Eintretensfrage präjudiziert. Die gerichtliche Anweisung war so zu
verstehen, dass zu klären war, ob es sich bei der Verwendung der
unterschiedlichen Klassifikationen in den genannten Berichten um eine lediglich
unterschiedliche Bewertung desselben Sachverhalts handelt oder ob eine
wesentliche Veränderung des Gesundheitszustandes gegeben bzw. glaubhaft
gemacht ist. Die Vorlage der Angelegenheit an Dr. med. ... vom RAD
Ostschweiz mitsamt den mit der ersten Beschwerde eingereichten
Stellungnahmen von Dr. med. ... vom 14. Dezember 2011 bzw. von Dr. med. ...
vom 23. Dezember 2011 zwecks fachpsychiatrischer Abklärung ist deshalb
nicht zu beanstanden, zumal es sich bei Dr. med. ... um einen Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie FMH handelt und seine Beurteilung gestützt auf
die gesamte Aktenlage erfolgte.
7. a) Was den medizinischen Sachverhalt betrifft, so standen Dr. med. ... bei seiner
Beurteilung vom 3. August 2012 – nebst der bereits im Rahmen der ersten
Beschwerde bekannten Aktenlage – folgende ärztliche Angaben zur Verfügung:
b) In seiner Stellungnahme vom 14. Dezember 2011 hielt Dr. med. ..., Facharzt für
Allgemeine Medizin FMH, fest, dass sich beim Beschwerdeführer aus
rheumatologischer Sicht in den letzten Jahren keine Änderung der Diagnose
ergeben habe. Dr. ..., Klinik ... sei allerdings zum Schluss gelangt, dass
aufgrund seiner Untersuchungen eine wahrscheinlich anhaltende, rund 70%ige
Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht bestehe. Diesem Punkt sei in der
Beurteilung der IV-Stelle nicht Rechnung getragen worden. Aufgrund eigener
langjähriger Beobachtung des Patienten könne er bestätigen, dass sich der
psychische Zustand des Beschwerdeführers laufend verschlechtert habe.
c) Mit Stellungnahme vom 23. Dezember 2011 bestätigte auch Dr. med. ...,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, dass sich der psychische
Zustand des Beschwerdeführers laufend verschlechtert habe. Er sei deshalb
mit der neutralen und kompetenten Beurteilung von Dr. med. ..., Klinik ...,
einverstanden, welcher anlässlich der bidisziplinären
(rheumatologisch/psychiatrischen) Verlaufsbeurteilung vom 11. April 2011 zum
Schluss komme, dass aufgrund des beschriebenen Krankheitsverlaufs und der
vor Ort objektivierten Befunde aktuell und mittelfristig wahrscheinlich anhaltend
eine rund 70%ige Arbeitsunfähigkeit auch in rheumatologisch adaptierter
Tätigkeit bestehe.
d) Dr. med. ... hielt in seiner Beurteilung vom 3. August 2012 zusammenfassend
fest, dass sich weder in der Beurteilung der Klinik 2011 noch im Schreiben von
Dr. med. ... vom 14. Dezember 2011 noch im Schreiben von Dr. med. ... vom
23. Dezember 2011 ein Hinweis auf eine wesentliche Veränderung des
Gesundheitszustandes finde. Eine Verschlechterung sei somit nicht glaubhaft
gemacht. Bezüglich der divergierenden ICD-Klassifikation führt er Folgendes
aus: „Tatsächlich wurde, wie vom Verwaltungsgericht korrekt dargelegt, die Diagnose vom Deutschen
Institut für medizinische Dokumentation und Information bereits 2009 in die Onlineversion
aufgenommen. In der offiziellen von der WHO herausgegebenen, im Verlag Hans Huber
erscheinenden Buchversion „Klinisch-diagnostische Leitlinien“ der „Internationalen Klassifikation
psychischer Störungen, ICD-10“ wurde die Diagnose in der 7. Überarbeiteten Version 2010 trotz
Hinweis „unter Berücksichtigung der Änderungen entsprechend ICD-10-GM“ (German Modification)
noch nicht aufgenommen. Auch (und vielleicht deshalb) war die Verbreitung der neuen Diagnose im
klinischen Alltag und in der Gutachtenpraxis zum Zeitpunkt der Begutachtung in der Medas noch
nicht weit fortgeschritten.“
e) Als zutreffend erscheint dem Gericht die Einschätzung von Dr. med. ..., wonach
weder aus dem Schreiben von Dr. med. ... vom 14. Dezember 2011 noch aus
dem Schreiben von Dr. med. ... vom 23. Dezember 2011 Hinweise auf eine
wesentliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes des
Beschwerdeführers ersichtlich seien. Diese Schreiben bestätigen lediglich die
Beurteilung der Klinik vom 13. April 2011. Das gilt auch bezüglich eines
weiteren Schreibens von Dr. med. ..., welches vom 31. August 2012 datiert. Die
Beurteilung von Dr. med. ... liefert jedoch keine nachvollziehbare und
schlüssige Antwort zur psychiatrischen Beurteilung bzw. der divergierenden
ICD-Diagnosen. Allein aus dem Umstand, dass die (neue) ICD-Klassifikation
F45.41 zwar online bereits abrufbar, ihre Verbreitung im klinischen Alltag und in
der Gutachtenpraxis jedoch noch nicht weit fortgeschritten gewesen sei, lässt
sich im Hinblick auf die Frage, ob diese neue ICD-Klassifikation (F45.41) dem
ABI-Gutachter im Zeitpunkt seiner Untersuchung tatsächlich bereits bekannt
war, mangels weiterführenden Angaben nichts ableiten, was über
Spekulationen hinaus ginge. Insofern vermag die Beurteilung von Dr. med. ...
auch die Anhaltspunkte, die der Beschwerdeführer mit der vom ABI-Gutachten
abweichenden Einschätzung der Klinik vom 13. April 2011 vorgebracht hat,
nicht zu entkräften, zumal es sich bei den in Frage stehenden ICD-
Klassifikationen um unterschiedliche Diagnosen mit geradezu
entgegengesetztem Ursache-Wirkungs-Ablauf handelt. Auch die Diskrepanz
hinsichtlich der Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht
(kein Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gemäss ABI-Gutachten im Gegensatz zu
70%iger Arbeitsunfähigkeit gemäss Verlaufsbeurteilung der Klinik) ist als
Anhaltspunkt dafür zu verstehen, dass sich der Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers tatsächlich wesentlich verändert bzw. verschlechtert haben
könnte. Letzteres kann und braucht vorliegend indes nicht materiell beurteilt zu
werden. Es kann festgehalten werden, dass der Beschwerdeführer glaubhaft
gemacht hat, dass sich sein Gesundheitszustand wesentlich verändert hat
(bzw. haben könnte), indem er mit der Verlaufsbeurteilung der Klinik vom 13.
April 2011 – nur, aber immerhin – neue Anhaltspunkte hierzu lieferte und diese
durch die Beurteilung von Dr. med. ... vom 3. August 2012 nicht entkräftet
werden konnten. Bei dieser Ausgangslage wäre die Beschwerdegegnerin
verpflichtet gewesen, auf die Neuanmeldung des Beschwerdeführers
einzutreten und weitere Abklärungen vorzunehmen.
8. a) Der verfügte Nichteintretensentscheid vom 30. Januar 2013 erweist sich somit
als nicht rechtmässig und ist aufzuheben, was zur Gutheissung der
Beschwerde führt. Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, auf die
Neuanmeldung einzutreten, die erforderlichen medizinischen Abklärungen
vorzunehmen und über das vom Beschwerdeführer gestellte
Leistungsbegehren materiell zu entscheiden.
b) Gemäss Art. 69 Abs. 1bis des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
(IVG; SR 831.20) ist das vorliegende Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten
werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im
Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 500.00 festgelegt und gegenüber der
unterlegenen Partei erhoben. Aufgrund des Ausgangs dieses Verfahrens sind
die Kosten von Fr. 700.00 der unterliegenden Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
c) Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat der obsiegende Beschwerdeführer Anspruch
auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Gericht festgesetzt und ohne
Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen. Vorliegend hat der Beschwerdeführer
demnach Anspruch auf Ersatz der entstandenen Anwaltskosten. Nachdem von
Seiten des anwaltlich vertretenen Beschwerdeführers keine Honorarnote
eingegangen ist, setzt das Gericht die Parteientschädigung ermessensweise
auf Fr. 1‘200.00 (inkl. MWST) fest. Die Parteientschädigung ist von der
unterlegenen Beschwerdegegnerin zu übernehmen.