# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 553da574-fc41-4729-a604-47787c955cf0
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend mehrfache Veruntreuung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 4. Abteilung - , vom 21. März 2014 (GG130260)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 27. September 2013
(Urk. 55) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._, geb. A'._, ist schuldig der mehrfachen Ver-
untreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB im Umfang von Fr.
688.80.
Im Übrigen wird er vom Vorwurf der mehrfachen Veruntreuung im Sinne von
Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB freigesprochen.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu
Fr. 30.– .
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird nicht aufgeschoben.
4. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._ AG Schaden-
ersatz von Fr. 688.80 zuzüglich 5 % Zins ab dem 17. März 2011 zu bezah-
len.
Im Mehrbetrag wird die Zivilklage der Privatklägerschaft B._ AG auf den
Weg des Zivilprozesses verwiesen.
5. Der amtliche Verteidiger wird mit Fr. 4'358.90 (inkl. MwSt) entschädigt.
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6. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 2'500.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'000.00 Gebühr für das Vorverfahren,
Fr. 4'358.90 Kosten amtliche Verteidigung.
7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten
auferlegt.
8. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO.
9. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._ AG für das
vorliegende Verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 8'842.80 (inkl.
MwSt) zu bezahlen.
10. Der Beschuldigte wird verpflichtet, die Gerichtskosten für das Beschwerde-
verfahren gemäss dem Beschluss des Obergerichts des Kantons Zürich
vom 12. Juli 2013 (UE130162) in der Höhe von Fr. 1'200.00 zu bezahlen.
11. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._ AG für das
Beschwerdeverfahren (Beschluss des Obergerichts des Kantons Zürich vom
12. Juli 2013 [UE130162]) eine Prozessentschädigung von Fr. 2'500.00 (inkl.
MwSt) zu bezahlen.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung der Beschuldigten:
(Urk. 80)
Der Beschuldigte beantragt einen vollständigen Freispruch, unter Kosten-
und Entschädigungsfolgen.
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b) Der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl:
(Urk. 83; schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
c) Der Privatklägerschaft lic. iur. Y._:
(Urk. 96)
1. Die Berufung sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist und das Ur-
teil des Bezirksgerichtes Zürich - Einzelgericht - vom 21. März 2014 sei
vollumfänglich zu bestätigen.
2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen, zzgl. MwSt., zulasten
des Berufungsklägers.

## Considerations

Erwägungen:
1. Prozessgeschichte
1.1. Mit Urteil des Einzelgerichts in Strafsachen des Bezirksgerichts Zürich,
4. Abteilung, vom 21. März 2014 wurde der Beschuldigte im Umfang von
Fr. 688.80 der mehrfachen Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1
StGB für schuldig erklärt. Soweit ihm darüber hinaus auch mehrfache Veruntreu-
ung im Betrag von weiteren Fr. 12'590.– vorgeworfen wurde, erfolgte ein Frei-
spruch. Die Sanktion wurde auf zu vollziehende 70 Tagessätze zu Fr. 30.– Geld-
strafe festgesetzt und der Beschuldigte wurde überdies zur Leistung von Scha-
denersatz im Umfang von Fr. 688.80 verpflichtet. Im Mehrbetrag wurde die Zivil-
forderung auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen (Urk. 79 S. 41 f.; hinsichtlich
der Kosten- und Entschädigungsfolgen vgl. den oben wiedergegebenen Wortlaut
des Dispositivs, Ziffern 5 – 11).
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Mit Bezug auf das dem Urteil vorangegangene Untersuchungsverfahren kann auf
die detaillierte Darstellung im angefochtenen Urteil verwiesen werden (Urk. 79
S. 3 f.).
Zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin ist derzeit auch ein arbeits-
rechtliches Zivilverfahren hängig (vgl. Urk. 30).
1.2. Nach der schriftlichen Urteilseröffnung im Dispositiv (Urk. 72 in Verbindung
mit Urk. 74/1) liess der Beschuldigte fristgerecht Berufung anmelden (Urk. 75).
Am 4. Juli 2014 wurde dem amtlichen Verteidiger die begründete Urteilsversion
zugestellt, worauf er namens des Beschuldigten gleichentags die Berufung erklär-
te (Urk. 80).
1.3. Die Staatsanwaltschaft verzichtete innert Frist auf die Erhebung einer An-
schlussberufung und beantragte die Bestätigung des angefochtenen Urteils
(Urk. 83), während die Privatklägerin Anschlussberufung erhob (Urk. 86), diese
jedoch an der Berufungsverhandlung wieder zurückzog (Prot. II S. 5). Hiervon ist
Vormerk zu nehmen.
1.4. Die Berufung des Beschuldigten richtet sich gegen die teilweise Verurteilung
samt der damit zusammenhängenden Kosten- und Entschädigungsfolgen. Damit
ist festzustellen, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 4. Abteilung, Einzel-
gericht in Strafsachen vom 21. März 2014 bezüglich der Dispositivziffern 1 Abs. 2
(Teilfreispruch), 4 Abs. 2 (Verweisung der Zivilklage im Fr. 688.80 übersteigenden
Betrag auf den Zivilweg), 5 (Entschädigung des amtlichen Verteidigers), und 6
(Kostenfestsetzung) in Rechtskraft erwachsen ist.
1.5. Das vorliegende Urteil erging im Anschluss an die Berufungsverhandlung,
zu welcher der Beschuldigte persönlich, sein amtlicher Verteidiger, Rechtsanwalt
lic. iur. X._, sowie Rechtsanwalt lic. iur. Y._ als Vertreter der Privatklä-
gerin erschienen sind (Prot. II S. 4).
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2. Sachverhalt
2.1. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, zulasten seiner Arbeitgeberin, wel-
che sich als Privatklägerin konstituiert hat, in der Zeit vom 31. August 2010 bis
24. Januar 2011 einen Betrag von insgesamt Fr. 13'278.– veruntreut zu haben
(vgl. zum Tatvorwurf im Einzelnen die Anklageschrift, Urk. 55; vgl. auch Urk. 79
S. 5). Der Beklagte bestreitet dies, weshalb aufgrund der vorliegenden Beweismit-
tel zu prüfen ist, ob der Anklagesachverhalt mit hinreichender Sicherheit erstellt
werden kann (zu den dabei zu berücksichtigenden Grundsätzen der Beweiswür-
digung vgl. die entsprechenden Ausführungen des Vorinstanz, Urk. 79 S. 6 f.
Ziff. 3 und S. 9 Ziff. 5.1; Art. 82 Abs. 4 StPO).
2.2. a) Die bei den Akten liegenden Beweismittel (hauptsächlich verschiedene
Urkunden sowie die Einvernahmeprotokolle; vgl. auch Urk. 79 S. 6) wurden auf
gesetzmässigem Weg bzw. – insbesondere was die Einvernahmen angeht – un-
ter Beachtung der anwendbaren Vorschriften erhoben und sind damit uneinge-
schränkt verwertbar. Inwieweit sie den Anklagesachverhalt zu beweisen vermö-
gen, wird im Rahmen der materiellen Würdigung zu beurteilen sein.
Vorab ist sodann – mit der Vorinstanz – darauf hinzuweisen, dass die inhaltliche
Richtigkeit der bei den Akten liegenden Monatsabrechnungen (Urk. 2/2-6 =
Urk. 5/2-6) und Bankauszüge (Urk 2/7-11 = Urk. 5/7-11) von keiner Seite ange-
zweifelt wurde. Darauf kann somit ohne weitere Erwägungen abgestellt werden
(vgl. hierzu auch die Aufstellung der Vorinstanz, auf welche verwiesen wird,
Urk. 79 S. 7; Art. 82 Abs. 4 StPO).
Sodann ist aufgrund der diesbezüglich gleichlautenden Aussagen sämtlicher Be-
fragten erstellt, dass der Beschuldigte vom 6. Juni 2009 bis zum 24. Januar 2011
bei der Privatklägerin als Filialleiter tätig gewesen war, dass die in bar eingenom-
menen Tageseinnahmen jeden Abend nach Geschäftsschluss lose in ein Couvert
gelegt und darauf das Datum sowie der jeweilige Betrag notiert wurden und dass
dieses Couvert dann in eine Schublade im Lager im 1. Obergeschoss gelegt und
die Schublade abgeschlossen wurde, wobei alle Mitarbeiter freien Zugang zur
Schublade und Kenntnis vom Aufbewahrungsort des dazugehörigen Schlüssels
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hatten. Weiter ist erstellt, dass – nachdem die Tageseinnahmen auf diese Weise
einige Tage in demselben Couvert gesammelt worden waren (die Rede ist davon,
dass jeweils mit der Einzahlung zugewartet wurde, bis ein Gesamtbetrag von
Fr. 1'200.– bis Fr. 2'000.– resultierte) – die im Couvert gesammelten Tagesein-
nahmen zur Bank gebracht und auf das Konto der Privatklägerin einbezahlt wur-
den (vgl. hierzu das angefochtene Urteil, Urk. 79 S. 9 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
Weiter hat der Beschuldigte zugestanden, dass er die Bankauszüge der Privat-
klägerin jeweils durch den Geschäftsführer C._ zugestellt erhalten hat und
dass es zu seinen Aufgaben gehörte, jeweils wöchentlich am Montag die Umsatz-
zahlen der vergangenen Woche (Bareinnahmen und Kredit) per Mail an C._
zu rapportieren (Urk. 31 S. 6 f.). Sodann ist auch erstellt, dass C._ spora-
disch Bargeld aus dem Couvert nahm, um damit dem Beschuldigten Spesen zu
ersetzen (Urk. 21 S. 8 f., wobei er erklärte, dies jeweils vor der Einzahlung auf die
Bank wieder ersetzt zu haben).
Differenzen bestehen hinsichtlich der Frage, an welchen Tagen der Beschuldigte
effektiv gearbeitet hat. Ob er (und nur er) an seinen Arbeitstagen jeweils die Ab-
rechnung der Tageseinnahmen nach oben dargestelltem Schema vorgenommen
hat und ob nur er sowie der Geschäftsführer C._ oder auch andere Mitarbei-
ter jeweils die Einzahlungen auf der Bank vorgenommen haben. Schliesslich ist
umstritten, ob vor der Einzahlung der gesammelten Einnahmen jeweils eine Kon-
trollrechnung anhand der auf dem Couvert notierten Tageseinnahmen (stimmt Be-
trag nach Addition mit Couvertinhalt) oder allenfalls eine Plausibilitätsüberprüfung
anhand der bekannten Umsatzzahlen gemäss der wöchentlichen Rapportierung
bzw. den Bankauszügen erfolgte.
Die Couverts, in welchen die Tageseinnahmen jeweils vorübergehend im Laden
aufbewahrt wurden, wurden nach Gebrauch offenbar jeweils vernichtet. Jedenfalls
konnten sie nicht zu den Akten erhoben werden.
b) Was den Beweiswert der Einsatzpläne (Urk. 2/14-16 = Urk. 5/14-16, Urk. 5/17)
angeht, kann auf die überzeugenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen
werden (Urk. 79 S. 8 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Mithin ist davon auszugehen, dass
die in den Einsatzplänen genannten Mitarbeiter – insbesondere natürlich der Be-
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schuldigte – an den jeweiligen Tagen effektiv im Ladengeschäft der Privatklägerin
gearbeitet haben.
c) Im Rahmen der Untersuchung wurden der Beschuldigte sowie die übrigen da-
mals in Zürich tätigen Mitarbeiter der Privatklägerin (inkl. dem damaligen Ge-
schäftsführer und Alleininhaber C._) einvernommen. Aufgrund der speziellen
Situation (alle Mitarbeiter kannten den Aufbewahrungsort der Tageseinnahmen
und das Versteck des Schlüssels) wurden Letztere nicht als Zeugen, sondern als
Auskunftspersonen befragt. Hinsichtlich der allgemeinen Glaubwürdigkeit der in-
volvierten Personen kann auf die zutreffenden Ausführungen im angefochtenen
Urteil verwiesen werden (Urk. 79 S. 10 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Ohnehin kommt
der allgemeinen Glaubwürdigkeit eines Aussagenden nur untergeordnete Bedeu-
tung zu. Im Vordergrund steht vielmehr die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen (vgl.
hierzu Urk. 79 S. 11 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Diese hängt davon ab, ob die Aus-
sagen grundsätzlich überprüfbar sind (formelle Validität), ob sie mit anderweitig im
Verfahren erhobenen Fakten übereinstimmen/in Einklang zu bringen sind (externe
Validität) und ob sie in sich konsistent sind (interne Validität). Schliesslich vermag
auch eine Analyse der einzelnen Aussagen auf das Vorliegen von Realitätskrite-
rien und Lügensignale Indizien auf deren Glaubhaftigkeit zu liefern, was jedoch
ein den übrigen Kriterien untergeordnetes Hilfsmittel bei der Beweiswürdigung
darstellt.
Hinsichtlich der Frage, wer jeweils für die Abrechnung der Tageseinnahmen zu-
ständig war, ist aufgrund der Zugabe von D._ davon auszugehen, dass diese
Arbeit – auch an Arbeitstagen des Beschuldigten – wiederholt auch durch sie
übernommen wurde (Urk. 24 S. 4). Daneben rechnete auch E._ ab (Urk. 28
S. 4), war aber von September 2010 bis Januar 2011 nie gleichzeitig mit dem Be-
schuldigten im Einsatz (Urk. 5/15-17). War der Beschuldigte (ferien-)abwesend
übernahm auch C._ diese Aufgabe. F._ war damals als Lehrling tätig
und rechnete (mit Ausnahme eines einzigen Males unter Anleitung des Beschul-
digten zu Ausbildungszwecken) nicht ab (Urk. 26 S. 4). Ebenso wenig rechnete
die ohnehin nur an wenigen Tagen arbeitende G._ ab, da sie jeweils vorzei-
tig auf den Zug musste (Urk. 23 S 4). Demgegenüber gehörte die Einzahlung der
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gesammelten Tageseinnahmen auf das Bankkonto der Privatklägerin einzig in
den Zuständigkeitsbereich des Beschuldigten, wobei bei längeren Abwesenheiten
desselben C._ dies übernahm. Dies ergibt sich aus den diesbezüglich über-
einstimmenden Aussagen der Auskunftspersonen (Urk. 21 S. 8, Urk. 24 S. 6, Urk.
26 S. 4), welche authentisch und nicht abgesprochen wirken sowie aus der Stel-
lung des Beschuldigten als Filialleiter. Seine anderslautende Aussage im Rahmen
der delegierten Einvernahme blieb denn auch blass und unkonkret (Urk. 6 S. 5;
vgl. betreffend die Glaubhaftigkeit der Äusserungen des Beschuldigten auch die
eingehende Analyse im angefochtenen Urteil, Urk. 79 S. 22 f.). Ebenso ist davon
auszugehen, dass einzig der Beschuldigte die Monatsliste im Computer nachführ-
te. Er selbst blieb diesbezüglich zwar vage (Urk. 6 S. 5). Demgegenüber über-
zeugt die Darstellung von C._, dass der Beschuldigte die Excelliste für die
Monatsabrechnung geführt habe und dass die übrigen Mitarbeiter, welche zwar
bei Abwesenheit des Beschuldigten die Kasse machen mussten, die Umsätze
nicht in die Exceltabelle eintragen mussten und keinen Zugriff auf die EDV hatten
(Urk. 21 S. 5). Bestätigt wird dies auch implizit durch die Aussage von D._,
dass der Beschuldigte im Geschäft seinen eigenen PC hatte, welchen er auch für
die Arbeit benötigte (Urk. 24 S. 8; vgl. auch Urk. 4 S. 6, wo C._ dem rappor-
tierenden Polizeibeamten mitteilte, er habe dem Beschuldigten erlaubt, seinen
privaten Laptop im Laden für geschäftliche Zwecke zu nützen).
Nicht rechtsgenügend nachgewiesen werden kann dem Beschuldigten demge-
genüber, dass er jeweils vor der Einzahlung der gesammelten Beträge überprüft
hat, ob der Inhalt des Couverts betragsmässig mit der Addition der darauf notier-
ten Beträge übereinstimmt oder auch nur, ob er aufgrund des vergangenen Ge-
schäftsverlaufs plausibel erscheint. Zwar ist aufgrund der Aussagen von C._
(Urk. 21 S. 6; vgl. dazu die ausführlichen Erwägungen der Vorinstanz, Urk. 79 S.
25 f.) davon auszugehen, dass diese Kontrolle grundsätzlich verlangt war, was
sich eigentlich ja auch geradezu aufdrängt. Indes kann die Erklärung des Be-
schuldigten, dass man [gemeint wohl: er] eine Gegenkontrolle des Inhalts mit dem
Total der auf dem Couvert vermerkten Tageseinnahmen nicht gemacht habe, da
C._, wenn er Geld gebraucht habe, dies jeweils aus dem Couvert genommen
habe, nicht völlig von der Hand gewiesen werden. So bestätigte C._, Ge-
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schäftsauslagen des Beschuldigten zum Teil auch aus dem Couvert bezahlt zu
haben (Urk. 6 S. 6; Urk. 21 S. 8 f.). Dass er (C._) diese Beträge anschlies-
send – und vor der Einzahlung – wieder ersetzte, ist demgegenüber nicht erstellt
bzw. ist nicht erstellt, dass dies dem Beschuldigten bekannt gewesen wäre. Mithin
musste der Beschuldigte selbst bei einer augenscheinlichen Diskrepanz nicht
zweckläufig daran denken, dass dies nicht rechtens sein könnte. Dafür, dass die-
se Gegenkontrolle nicht (immer) gemacht wurde, spricht im Übrigen auch, dass
C._ am 24. Dezember 2010, als der Beschuldigte in den Ferien war, seiner-
seits einen Betrag einbezahlte, der unter keinen Umständen – insbesondere nicht
unter Weglassung gewisser Tageseinnahmen – mit den in der Monatsabrechnung
erfassten Beträgen in Übereinstimmung gebracht werden kann, wobei er
(C._) die Tageseinnahmen jener Zeitperiode mehrheitlich selbst abgerechnet
und auf dem Couvert vermerkt haben dürfte (vgl. den Einsatzplan, Urk. 2/5; dazu
auch die Vorinstanz, Urk. 79 S. 30). Hinzu kommt, dass die Sicherheitsmassnah-
men der Privatklägerin generell als wenig professionell erscheinen, indem sie
nicht dafür besorgt war, dass die Tageseinnahmen getrennt von der Kasse an ei-
nem nur den Vorgesetzten (Filialleiter, Geschäftsführer) zugänglichen Ort ver-
wahrt wurde, was ebenfalls ins vom Beschuldigten gezeichnete Bild effektiv feh-
lender bzw. nicht befolgter Kontrollmechanismen passt.
Vor dem Hintergrund obiger Erkenntnisse ist somit festzuhalten, dass dem Be-
schuldigten die Täterschaft einzig aufgrund seiner Stellung als Filialleiter und der
Tatsache, dass er mehrheitlich für die Abrechnung der Tageseinnahmen und
grundsätzlich für die Einzahlung der gesammelten Einnahmen auf das Bankkonto
zuständig war, nicht rechtsgenügend nachgewiesen werden kann, da sich jeder-
zeit, auch ausserhalb der Arbeits- und Ladenöffnungszeiten, alle Mitarbeiter Zu-
gang zum Couvert verschaffen konnten, niemand den Beschuldigten bei der Be-
händigung von Bargeld aus dem Couvert direkt beobachtet hat und der Beschul-
digte die Höhe der Einzahlungsbeträge jeweils nicht plausibilisierte. Hinzu kommt,
dass für den Monat September 2010 kein Nachweis der Arbeitstage des Beschul-
digten bei den Akten liegt.
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Es stellt sich daher die Frage, ob die Täterschaft eines Dritten zumindest für ge-
wisse Zeitperioden mit rechtsgenügender Sicherheit ausgeschlossen werden
kann. Die Vorinstanz ist diesbezüglich (Urk. 79 S. 26 ff.) zum Schluss gekommen,
dem Beschuldigten könne zweifelsfrei nachgewiesen werden, dass er die Tages-
einnahmen vom 29. Dezember 2010 in Höhe von Fr. 219.–, diejenigen vom
31. Dezember 2010 in Höhe von Fr. 238.– und diejenigen vom 21. Januar 2011 in
Höhe von Fr. 231.80 an sich genommen habe.
Dass dem Beschuldigten aber, wie die Vorinstanz annimmt (Urk. 79 S. 27), hätte
auffallen müssen, dass die einbezahlten Beträge nicht mit dem auf den Couverts
vermerkten Beträgen übereinstimmten, lässt sich nicht erstellen. Es lässt sich
nicht ausschliessen, dass der Beschuldigte davon ausging, eine allfällige Diskre-
panz sei auf weitere Geldentnahmen von C._, der gemäss Einsatzplänen
vom 29. bis zum 31. Dezember 2010 im Büro war, zurückzuführen. Dass die vom
Beschuldigten mit Excel erstellten Monatsabrechnungen, die jeweils die korrekten
Einnahmen aufführten, an C._ geschickt wurden, macht so Sinn, da dieser
die Fehlbeträge aus allfälligen von ihm vorgenommenen Geldentnahmen hätte
ausgleichen können. Auch für die Wegnahme der Tageseinnahmen vom 21. Ja-
nuar 2011 sind ausser dem Beschuldigten weitere Täter möglich. Aus dem Um-
stand, dass der Beschuldigte an den fraglichen Tagen, deren Bareinnahmen spä-
ter verschwanden, arbeitete, lässt sich daher entgegen der Ansicht der Vorinstanz
nicht zwingend der Schluss ziehen, er wäre für die Geldentnahme verantwortlich.
Wie bereits ausgeführt, war es jedem Angestellten möglich, jederzeit ins Ge-
schäftslokal einzudringen und das Geld aus dem Couvert zu nehmen. Dass die
Bareinnahmen des 31. Dezembers 2010 gar nie auf dem Couvert vermerkt wor-
den seien (Urk. 79 S. 28), ist eine unzulässige Annahme. Da die erwähnten Cou-
verts nicht zu den Akten erhoben wurden, steht nicht fest, was auf ihnen jeweils
vermerkt war. Ebenso wenig ist erstellt, ob und wie allfällige Korrekturen vorge-
nommen wurden.
Dass genau die Summen, die am 29. und 31. Dezember 2010 bzw. am 21. Janu-
ars 2011 in bar eingenommen worden waren, entwendet wurden, stellt ebenfalls
keinen Hinweis auf eine Täterschaft des Beschuldigten dar. Es ist ohne Weiteres
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möglich, dass ein Dritter exakt die jeweiligen Tageseinnahmen herausgenommen
haben könnte. Aufgrund der chaotischen oder gar inexistenten Kontrollen der
Bareinnahmen und des Umstands, dass während so langer Zeit trotz bestehender
Diskrepanzen seitens seines Vorgesetzten nichts unternommen wurde, kann der
rechtsgenügende Nachweis der Täterschaft des Beschuldigten auch für diese drei
Vorfälle nicht erbracht werden.
Zusammengefasst sprechen zwar gewichtige Indizien für die Täterschaft des Be-
schuldigten. Indes genügen diese nicht, die Täterschaft eines Dritten ohne ver-
nünftige Zweifel auszuschliessen, hatten doch jederzeit mehrere Personen das
nötige Wissen und die Möglichkeit, die in einem Couvert gesammelten Tagesein-
nahmen (teilweise) zu behändigen und konnte nicht hinreichend erstellt werden,
dass bei der Einzahlung der Einnahmen auf das Bankkonto jeweils durch den Be-
schuldigten eine Kontrolle (Übereinstimmung der auf den Couverts notierten Ta-
geseinnahmen mit dem Inhalt bei Einzahlung; Quervergleich mit Wochenrapport
und monatlichem Bankauszug) vorgenommen wurde. Der Beschuldigte ist dem-
nach in Anwendung des Grundsatzes in dubio pro reo vom Vorwurf der Verun-
treuung im Sinne von Art. 138 Ziff.1 Abs. 1 StGB freizusprechen.
3. Zivilklage
Angesichts des Freispruchs ist die Privatklägerin mit ihrer Schadenersatzforde-
rung in der Höhe von Fr. 688.80 zuzüglich 5 % Zins seit 17. März 2011 auf den
Weg des Zivilprozesses zu verweisen.
4. Kosten- und Entschädigungsfolgen
4.1. Der Beschuldigte obsiegt mit seiner Berufung vollumfänglich, während die
Privatklägerin ihre Anschlussberufung zurückgezogen hat. Ausgangsgemäss sind
die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens, ein-
schliesslich derjenigen der amtlichen Verteidigung, auf die Gerichtskasse zu
nehmen. Ebenso sind die Kosten des Beschwerdeverfahrens UE130162 von
Fr. 1'200.– (Urk. 48 S. 4) auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten des Beru-
fungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung, sind zu
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einem Drittel der Privatklägerin aufzuerlegen und zu zwei Dritteln auf die Ge-
richtskasse zu nehmen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind definitiv auf
die Gerichtskasse zu nehmen.
4.2. Dem Beschuldigten ist sodann für seine erbetene Verteidigung in der Un-
tersuchung und im erstinstanzlichen Verfahren eine Prozessentschädigung von
Fr. 8'497.15 aus der Gerichtskasse zuzusprechen.