# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 3de29066-2cb7-4c70-9cb5-b74d28956cc1
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2012
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
erhält seit dem 1. September 1995 aufgrund von Multipler Sklerose (Urk. 9/14 S. 1) bei einem Invaliditätsgrad von 71 % eine ganze In
validen
rente (Urk. 9/19) und seit dem 1. September 1997 eine Hilflosen
ent
schädigung (Urk. 9/38). Mit Vollmacht vom 13. Januar 2000 liess sich die Versicherte durch ihren damaligen Ehemann
Z._
im Verwaltungs
verfahren vertreten (Urk. 9/65). Im Jahr 2005 liessen sich
X._
und
Z._
scheiden (vgl. Urk. 2 im Verfahren Nr. IV.2012.00232). Mit Mitteilung vom 8. August 2008 wurde die bisherige ganze Rente bei einem unveränderten Invaliditätsgrad von 71 % letztmals bestätigt (Urk. 9/142). Im Rahmen medi
zinischer Abklärungen im Jahr 2010 wurde die IV-Stelle darüber informiert, dass sich die Versicherte nunmehr in Brasilien aufhalte (vgl. Urk. 9/152-153, Urk. 9/155-157). Daraufhin sistierte die IV-Stelle die bis anhin gewährte Hilf
losen
entschädigung mit Verfügung vom 7. Mai 2010 rückwirkend per Ende April 2010 (Urk. 9/159, vgl. Urk. 9/143). Nach diverser Korrespondenz zwischen der IV-Stelle und
Z._
mittels Telefon und E-Mail (Urk. 9/161, Urk. 9/163-168) forderte die IV-Stelle
Z._
mit eingeschriebenem Schreiben vom 27. Mai 2011 auf, bis zum 27. Juni 2011 eine Lebens
bescheini
gung der Versicherten einzureichen. Sie wies
Z._
darin auf die Mit
wirkungspflichten hin, „damit Frau
X._
keine nach
teiligen Folgen entstehen” (Urk. 8/173). In der Folge wurde die Frist zur Einreichung der Lebens
be
scheinigung der Versicherten auf Antrag von
Z._
durch die IV-Stelle bis
27. Juli 2011 verlängert (vgl. Urk. 9/174-175). Mit Verfügung vom 2. August 2011, welche
Z._
zugestellt wurde, teilte die IV-Stelle mit, die Rente der Versicherten werde per sofort sistiert (Urk. 2).
2.
2.1
Gegen die Verfügung vom 2. August 2011 erhob
Z._
mit Eingabe vom 2. September 2011 Beschwerde und stellte den Antrag, es sei der Versicherten die Rente rückwirkend auszubezahlen (Urk. 1).
In der Beschwerdeantwort vom 13. Dezember 2011 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (Urk. 8). Zusammen mit der Beschwerdeantwort reichte sie eine E-Mail des Generalkonsulats der Schweiz in Brasilien vom 14. November 2011 ein (Urk. 9/187). In der Folge bestätigte der Rechtsdienst der IV-Stelle im Rahmen des Telefongesprächs vom 22. Februar 2012, dass kein
Vorbescheidverfahren
durchgeführt worden war (Urk. 10).
2.2
Z._
erhob auch gegen die Verfügung der IV-Stelle vom 15. Feb
ruar
2012 betreffend die Neuberechnung der Invalidenrente zufolge der im
Jahr
2005
er
folg
ten Scheidung, von welcher die Ausgleichskasse erst im Oktober
2011 Kennt
nis genommen hatte, Beschwerde (Urk. 2 im Verfahren Nr. IV.2012.00232).
Der Einzelrichter

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert Fr. 20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der Be
schwerde in die einzelrichterliche Zuständigkeit (§ 11 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
1.2
Gemäss Art. 57a Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) teilt die IV-Stelle der versicherten Person den vorgesehenen Endentscheid über ein Leistungsbegehren oder den Entzug oder die Herabsetzung einer bisher gewährten Leistung mittels Vorbescheid mit. Die versicherte Person hat An
spruch auf rechtliches Gehör im Sinne von Artikel 42 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG).
Gegenstand des Vorbescheids sind nach Art. 73
bis
Abs. 1 der Verordnung über die
Invalidenversicherung
(IVV)
Fragen, die in den Aufgabenbereich
der
IV-Stel
len gemäss Art. 57 Abs. 1
lit
. c-f IVG fallen (zum redaktionellen Versehen betreffend den Verweis in Art. 73
bis
Abs. 1 IVV: Urs
Müller
, Das Verwaltungs
verfahren in der Invalidenversicherung, Bern 2010, § 29 Randziffer 2067). Nach Art. 57a Abs. 1 Satz 1 IVG teilt die IV-Stelle der versicherten Person den vorge
sehenen Endentscheid unter anderem über den Entzug einer bisher gewährten Leistung mittels Vorbescheid mit. Gleich verhält es sich bei einer Verfügung, mit welcher die IV-Stelle die Geldleistungen gestützt auf Art. 21 Abs. 5 ATSG sistiert, denn die Sistierung kommt einem Entzug einer bisher gewährten Leistung gleich (Urs
Müller
, a.a.O., § 29 Randziffer 2099, Ulrich Meyer, Recht
sprechung des Bundesgerichts zum IVG, 2. Aufl. 2010, S. 475; vgl. ZAK 1989 464 E. 3b). Das
Vorbescheidverfahren
dient zwar auch der Ausübung des recht
li
chen Gehörs, geht aber über den verfassungsrechtlichen Mindestanspruch (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung) hinaus, indem es Gelegenheit gibt, sich nicht nur zur Sache, sondern auch zum vorgesehenen Endentscheid zu äussern; der verfassungsrechtliche Mindestanspruch auf rechtliches Gehör gibt dagegen keinen Anspruch darauf, zur vorgesehenen Erledigung Stellung zu nehmen (BGE 137 V 97 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die IV-Stelle hielt in ihrer Verfügung vom 2. August 2011 fest,
Z._
sei mit Schreiben vom 27. Mai 2011 aufgefordert worden, eine Lebens
be
schei
ni
gung der Versicherten einzureichen. Er sei bis heute den Meldepflichten im Sinne der ausdrücklich auferlegten Mitwirkungspflicht nicht nachgekommen. Die Rente werde daher umgehend sistiert. Erst wenn eine offizielle Lebens
bescheinigung vorliege, würde die Rente wieder ausgerichtet (Urk. 2).
Damit wurde die Rente der Versicherten wegen einer Verletzung der Mit
wirkungs
pflichten eingestellt (Urk. 2), und zwar mit einer Endverfügung im Sinne von Art. 57a IVG (Erwägung 1.2). Vor Erlass derselben hätte daher ein
Vorbescheidverfahren
durchgeführt werden müssen. Dass
Z._
im Vor
feld mittels eines eingeschriebenen Schreibens und mit dem sehr unbestimmt formulierten Hinweis auf mögliche „nachteilige Folgen” zur Mitwirkung aufgefordert wurde (Urk. 9/173), vermag das
Vorbescheidverfahren
nicht zu ersetzen. Ins
besondere konnte sich
Z._
nicht zur tatsächlich konkret vorgesehenen Einstellung der Rente als Folge der Verletzung der Mitwirkungspflicht äussern, da diese Konsequenz aus dem Schreiben vom 27. Mai 2011 nicht hervorging (vgl. Urk. 9/173). Diese Konsequenz wurde ihm vielmehr erstmals mit der Verfügung vom 2. August 2011 mitgeteilt (Urk. 2).
2.3
Das Nichtdurchführen des
Vorbescheidverfahrens
stellt eine schwere Verletzung des rechtlichen Gehörs dar, welche nicht geheilt werden kann. Die Sache ist daher an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit sie das
Vorbescheidverfahren
durch
führt und hernach neu verfügt.
In dem Sinne ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen.
2.4
Im Weiteren ist die IV-Stelle darauf hinzuweisen, dass die Vollmacht für
Z._
im Verwaltungsverfahren vom 31. Januar 2000 datiert (Urk. 9/65), mit
hin bereits zwölf Jahre alt ist und auf ihn als damaligen Ehemann ausgestellt war. Nicht nur waren seither über zehn Jahre vergangen, als
Z._
von der IV-Stelle als Vertreter der Versicherten kontaktiert wurde. Auch haben sich seither die Verhältnisse insoweit wesentlich geändert, als
Z._
und die Beschwerdeführerin seit fünf Jahren geschieden sind, wodurch sich die Interes
sen
lage verändert hat. Die Beschwerdeführerin, von welcher die IV-Stelle eine Lebensbescheinigung erhältlich machen wollte, hat sich bisher noch in keiner Weise zu ihrer Vertretung und schon gar nicht zur Sache selbst geäussert. Es ist möglich, aber unklar, ob sie sich unter den wesentlich veränderten Umständen weiterhin
im und für das Verwaltungsverfahren durch
Z._
vertreten lassen möchte. Die IV-Stelle wird diesem deshalb Frist zur Einreichung einer aktuellen Vollmacht ansetzen müssen. In diesem Zusammenhang - und insbe
sonde
re im Hinblick auf seine Beschwerde im Verfahren Nr. IV.2012.00232 - ist
Z._
im Weiteren darauf hinzuweisen, dass die Vollmacht für das Ver
waltungsverfahren vom 31. Januar 2000 (Urk. 9/65) umso mehr keine ge
nü
gen
de Vollmacht für das Verfahren vor dem Sozialversicherungsgericht des Kan
tons Zürich darstellt. Um sich vertreten zu lassen bedarf es einer Vollmacht, welche auch oder nur spezifisch für das gerichtliche Verfahren gilt. Dabei muss sich der Gegenstand der Vollmacht in sachlicher und persönlicher Hinsicht deutlich aus der Urkunde ergeben (BGE 85 I 45 E. 3, 109 II 459). Die Vollmacht vom 31. Januar 2000 (Urk. 9/65) genügt diesen Anforderungen nicht, denn sie verleiht dem Bevollmächtigten weder das Recht, für die Versicherte Prozess
handlun
gen vorzunehmen, noch in deren Namen Beschwerde zu erheben, und sie wurde wie erwähnt unter wesentlich anderen Voraussetzungen erteilt, als sie heute bestehen.
3.
Gestützt auf Art. 69 Abs. 1
bis
IVG in der seit dem 1. Juli 2006 in Kraft stehenden Fassung ist das Verfahren für die unterliegende Beschwerdegegnerin kosten
pflichtig. Die Kosten sind unter Berücksichtigung des gesetzlichen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--) ermessensweise auf Fr. 400.-- festzusetzen.