# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 32c3cc9b-421e-41a3-8c39-6517400eb43b
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1980, war ab dem
20. August 2007 bei der
Y._
AG angestellt und dadurch bei der Suva obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert (Urk. 8/13). Gemäss Schadenmeldung vom 14. August 2015 wurde sie – während ihrer Tätigkeit als
Flight
Attendant
auf einem Flug von Shanghai nach Zürich am 12. August 2015
– von «Flöhen» gebissen
(19 Bisse am linken Unterschenkel und 18 B
isse am rechten Unter
schenkel;
Urk. 8/1).
Die Erstbehandlung fand am 12. August 2015 im
Zentrum
Z._
statt, wo Wundinfekte unklarer Ätiologie festgestellt wurden (Urk. 8/7
/1
).
Hernach
wurde die Versicherte
wiederholt i
m Universitäts
spital
A._
untersucht
(Urk. 8/10-11
, Urk. 8/1
4-18
). Am 18. November 2015 erstattete Dr. med.
B._
, Fachärztin FMH für Arbeitsme
dizin, eine kreisärztliche Stellungnahme (Urk. 8/24).
Am 6. Mai 2016 wurde die Versicherte im Institut
C._
untersucht
(Urk. 8/37). Nach erneuter Vorlage des Dossiers an die Kreisärztin (Kreisärztliche Beurteilung vom 17. August 2016 [Urk. 8/41]) verneinte die Suva einen Leistungs
anspruch mit Verfügung vom 18. August 2016 (Urk. 8/42). Die Verfü
gung
erwuchs
unangefochten in Rechtskraft.
1.2
Am 9. Juli 2017
reichte die Versicherte
der Suva
ein ärztliches Attest von Dr. med.
D._
, Fachärztin für Allgemeinmedizin, vom
6. Juli 2017
sowie einen
Befundbericht des
Z
entrum
s
E._
vom
22
. Juni 2017
ein und
ersuchte um erneute Prüfung ihres Falles (Urk. 8/46).
Nachdem die Suva eine erneute Überprüfung informell abgelehnt hatte (Urk. 8/48
),
ersuchte
die Ver
sicherte
mit Eingabe vom 27. Oktober
2017
um Behandlung ihres
Gesuch
es
um prozessuale Revision (Urk. 8/60).
Ihrer Eingabe legte
sie
ein ärzt
liches Attest von Dr.
D._
vom 14. September 2017
sowie ein
en
Befundbericht de
s
Ze
ntrum
s
E._
vom
29. August
2017
bei
(Urk. 8/58
, Urk. 8/59
).
Nachdem sich
die Kreisärztin Dr.
B._
am
8. Mai 2018 zu den neuen medizinischen Unterlagen
geäussert hatte
(Urk. 8/
65)
,
trat die Suva
m
it Verfü
gung vom 5. Juni 2018 nicht auf das Revisionsgesuch der Versicherten ein (Urk. 8/68).
Die
dagegen erhobene
Einsprache vom 6. Juli 2018 (Urk. 8/69
,
Ein
spracheergänzung
vom 20. August 2018 [Urk. 8/74]) wurde mit
Einsprache
entscheid
vom 4. September 2019 abgewiesen, soweit darauf eingetreten wurde (Urk. 8/79 = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 7. Oktober 2019 Beschwerde und beantragte, es sei der
Einspracheentscheid
vom 4. September 2019 und die Verfügung vom 5. Juni 2018 aufzuheben und es sei die Suva zu verpflichten, auf das Revisions
gesuch vom 9. Juli 2017 einzutreten, die Ansprüche auf Leistungen der gesetz
lichen Unfallversicherung materiell zu prüfen sowie darüber zu entscheiden. In prozessualer Hinsicht beantragte die Versicherte die Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels (Urk. 1 S. 3).
Mit Beschwerdeantwort vom 24. Oktober 2019 schloss die Suva auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7),
was der
Beschwerde
führerin
am
29. Oktober 2019 angezeigt wurde (Urk. 9). Gleichzeitig wurden die Parteien darüber in Kenntnis gesetzt, dass ein weiterer Schriftenwechsel als nicht erforderlich erachtet werde (Urk. 9).
Mit Eingabe vom 12. November 2019 reichte die
Beschwerdeführerin
unaufgefordert eine weitere Stellungnahme ein (Urk. 10)
. Darin beantragte sie
eventualiter
– für den Fall eines vorgesehenen materiellen Entscheides des Gerichts über Ansprüche auf gesetzliche Unfallversicherungs
leistungen –
die
Zusprache
der gesetzlichen UVG-Leistungen nach der
Borreliosenin
fektion
und den Insektenstichen vom 12. August 2015 sowie die Vornahme der notwendigen und gebotenen medizinischen Abklärungs
massnahmen. Ferner beantragte die
Beschwerdeführerin
diesfalls
eine vorgängige Fristansetzung zur Stellungnahme und alternativ die Rückweisung der Angele
genheit an die
Beschwerdegegnerin
zu weiteren Abklärungen und neuer Entschei
dung (Urk. 10).
A
m 18. November 2019
wurde die betreffende Stellungnahme der
Beschwerdegegnerin
zur Kenntnisnahme zugestellt (Urk. 12).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausge
brochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am
12. August 2015
ereignet, wes
halb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Streitgegenstand im System der nachträglichen Verwaltungsrechtspflege ist das Rechtsverhältnis, welches – im Rahmen des durch die Verfügung beziehungs
weise den
Einspracheentscheid
bestimmten Anfechtungsgegenstandes – den auf
grund der Beschwerdebegehren effektiv angefochtenen Verfügungsgegenstand bildet. Nach dieser Begriffsumschreibung sind Anfechtungsgegenstand und Streitgegenstand identisch, wenn die Verwaltungsverfügung beziehungsweise der
Einspracheentscheid
insgesamt angefochten wird (BGE 125 V 413).
Richtet sich die Beschwerde gegen einen
Nichteintretensentscheid
, hat das Gericht, ungeachtet
der Vorbringen
der
beschwerdeführenden
Partei, zu prüfen und darüber zu entscheiden, ob die Verwaltung zu Recht nicht auf das Leistungs- oder Feststellungsbegehren eingetreten ist. Der richterliche Entscheid in der Sache (Sachentscheid) hat in dieser besonderen verfahrensmässigen Situation den formellen Gesichtspunkt des Nichteintretens durch die untere Instanz zum Gegen
stand. Dagegen hat sich das Gericht mit den materiellen Anträgen nicht zu befassen (BGE 121 V 157 E. 2b, 116 V 265 E. 2a, SVR 1997, UV Nr. 66 S. 225 E. 1a).
1.3
1.3
.1
Nach Art. 53 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG) müssen formell
rechtskräftige Verfügungen und
Einsprache
entscheide
in Revision
gezogen werden, wenn die versicherte Person oder der Versicherungsträger nach deren Erlass erhebliche neue Tatsachen ent
deckt oder Beweismittel auffindet, deren Beibringung zuvor nicht möglich war. Erheblich sind dabei
nur Tatsachen, die zur Zeit der
Erst
beurteilung
bereits bestan
den, jedoch unverschuldeterweise unbekannt waren oder unbewiesen blieben (BGE 108 V 167 E. 2b; ZAK 1989 S. 159 E. 5a).
1.3.
2
Der Begriff «
n
eue Tatsachen oder Beweismittel»
ist bei der (prozessualen)
Revision
eines Verwaltungsentscheides nach Art. 53 Abs. 1 ATS
G gleich auszulegen wie bei der
Revision
eines kantonalen Gerichtsentscheides (vgl. die bundesrechtlichen Minimalanforderungen an das kantonale Ve
rfahren in diesem Zusammenhang: Art. 61
lit
. i ATSG). Neu sind Tatsachen, die sich bis zum Zeitpunkt, da im Haupt
verfahren noch tatsächliche Vorbringen prozessual zulässig waren,
verwirklicht haben, jedoch dem
Revisionsgesuchsteller trotz hinreichender Sorgfalt nicht bekannt waren. Die neuen Tatsachen müssen ferner erheblich sein,
das heisst
sie müssen geeignet sein, die ta
tbestandliche Grundlage des zur
Revision
beantragten
Entscheids zu verändern und bei zutreffender rechtlicher Würdigung zu einer ander
e
n Entscheidung zu führen. Neue Beweismittel ha
ben entweder dem Beweis der die
Revision
begründenden neuen erheblichen Tatsachen oder dem Beweis von Tatsachen zu dienen, die zwar im früheren Verfahren bekannt gewesen, aber zum Nachteil des Gesuchstellers unbewiesen geblieben sind. Erheblich ist ein Beweis
mittel, wenn anzunehmen ist, es hätte zu einem anderen Urteil geführt, falls das Gericht resp
ektive die Verwaltung im Hauptverfahren
davon Kenntnis gehabt hätte. Ausschlaggebend ist, dass das Beweismittel nicht bloss der Sach
verhaltswürdigung, sondern der
Sachverhaltsfeststellung
dient. Es bedarf dazu neuer Elemente tatsächlicher Natur, welche die Entscheidungsgrundlagen als objekt
iv mangelhaft erscheinen lassen
(
BGE 138 V 324 E.
3.2;
Urteil des Bundes
gerichts 8C_721/2016 vom 15. März 2017 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.3.
3
Betrifft der
Revisionsgrund eine materielle Anspruchsvoraussetzung, deren Beur
teilung massgeblich auf Schätzung oder Beweiswürdigung beruht, auf Elementen also, die notwendigerweise Ermessenszüge aufweisen, so ist eine vorgebrachte neue Tatsache als solche in der Regel nicht erhe
blich. Ein (prozessrechtlicher)
Revisionsgrund fällt demnach überhaupt nur in Betracht, wenn bereits im ursprüng
lichen Verfahren der untersuchende Arzt und die entscheidende Behörde das Ermessen wegen eines neu erhobenen Befundes zwingend anders hätten aus
üben und infolgedessen zu einem anderen Ergebnis hä
tten gelangen müssen. An diesem
prozessualrevision
srechtlich
verlangten Erfordernis fehlt es, wenn sich das Neue im Wesentlichen in (differenzial-) diagnostischen Überlegungen erschöpft, also auf der Ebene der medizinischen Beurteilung anzusiedeln ist (Urteil des Bundes
gerichts 8C_333/2016 vom 24. Oktober 2016 E. 3.2 mit Hinweis auf 9C_955/2012 vom 13. Februar 2013 E. 3.3.1).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin
stellt sich
im
angefochtenen Entscheid auf den Stand
punkt
, es
liege kein Grund für eine prozessuale Revision
der Verfügung vom 18. August 2016
vor
, da sich in den ärztlichen Beurteilungen von Dr.
B._
vom 18. November 2015 und vom 17. August 2016
auch mit Blick auf die
neu
beigebrachten ärztlichen Berichte
keine gravierenden und unvertretbaren Fehldiagnosen feststellen liessen
und sie deshalb nicht zwingend hätte anders entscheiden müssen
(Urk. 2 S. 7).
Bei den im
A._
entnommenen serologischen Untersuchungsproben am 17. August, 18. August und 30. Oktober 2015 hätten keine auffälligen Hinweise in Bezug auf eine
Borrelieninfektion
nachgewiesen werden können. Auch durch eine weitere serologische Untersuchung sowie eine
Harn- und Stuhlanalyse im Institut
C._
hätten weder bakteriologisch/
parasitologisch
noch serologisch irgendwelche Anhalts
punkte für das Bestehen einer Infektionskrankheit nachgewiesen werden können. Die neu aufgelegten Berichte seien damit ungeeignet, die tatbestandliche Grund
lage des zur Revision beantragten Entscheides zu verändern (Urk. 7 S. 4 f.).
2.2
Dagegen bringt die
Beschwerdeführerin
vor,
die verfügte Leistungsablehnung vom 18. August 2016 sei erfolgt, da die Laborbefunde auf Antikörper der Borre
liose zum damaligen Zeitpunkt negativ gewesen seien. Da nun ein pathologischer laborchemischer Test das Vorliegen einer
Lyme
-Borreliose im Juni 2017 bestätigt habe, ein entsprechendes klinisches
Beschwerdebild einer
Borreli
eninfektion
auch im Sinne von Brückensymptomen seit der Unfallmeldung vom 14. August 2015 vorliege und rückblickend der aktuelle Verlauf und der durch die Therapie zwischen
zeitlich eingetretene positive Verlauf umso mehr eine Borreliose bestä
tigten, dürften damit sämtliche Merkmale des Unfallbegriffes erfüllt sein
. Das Beschwerdebild, der Verlauf sowie die neue Tatsache des positiven labor
chemischen Tests auf Borreliose würden offenbaren, dass die initiale Leistungs
ablehnung auf
evidentermassen
falsch negativen Testungen basierten und
dürf
ten
damit eine gravierende und unvertretbare Fehldiagnose darstellen
. Darüber hinaus fehle es Dr.
B._
an den notwendigen Fachkenntnissen im Bereich der
Infektiologie
und sie habe sich in ihrer Beurteilung vom 8. Mai 2018 kaum hinreichend mit den tatsächlichen Verhältnissen und der dem vorliegenden Fall zugrundeliegenden,
entscheidrelevanten
Fragestellung befasst. Auf ihre kreisärztliche Stellungnahme könne somit nicht abgestellt werden
(Urk. 1 S. 10 ff.).
2.
3
Zu prüfen ist vorliegend, ob die Suva zu
R
echt nicht auf das
Revisionsbegehren
der
Beschwerdeführerin
eingetreten ist
(E. 1.3)
.
Nicht Prozessthema sind
Abhand
lungen zur materiellen Re
chts
- und Sach
lage und dabei insbesondere, ob die
gesund
heitlichen Beschwerden natürlich und adäquat kausal
auf das Ereignis vom 12. August 2015
zurückzuführen sind
(E. 1.2).
3.
3.1
Der Verfügung vom 18. August 2016
(Urk. 8/42)
lag folgender medizinischer Sachverhalt zugrunde:
3.1.1
Dr.
B._
führte in ihrer kreisärztlichen Beurteilung vom
18. November 2015
aus, es sei unklar, um was für Insektenstiche es sich bei dem gemeldeten Unfall handeln soll. In der interdisziplinären Notfallstation des
A._
seien ver
schiedene laborchemische Abklärungen auf Rickettsien,
Borrelien
usw. vorge
nommen
worden, allesamt mit negativem Ergebnis. Differentialdiagnostisch stehe eine
Follikulitis
nach Beinrasur im Raum, ebenso Flohbisse nach einem Langstre
ckenflug
.
Zusätzlich sei eine
dolente
Lymphadenopathie
submandibulär diag
nostiziert worden. An Symptomen habe die
Beschwerdeführerin
Schmerzen im Bereich der linken Wade bis in den Oberschenkel ziehend, Übelkeit, Kopf
schmerzen, verklebte Augen, Müdigkeit und Schwächegefühl angegeben. Dies seien allesamt Symptome, die eher auf einen Virusinfekt unklarer Ätiologie hin
weisen würden. Eindeutige Laborbefunde hätten sich nicht gezeigt, die Medika
tion sei eher symptomatisch bis probatorisch. Bei der letzten Konsultation am 4. September 2015
habe die
Beschwerdeführerin
zusätzlich ein ausgeprägtes Erschöp
fungssyndrom verbunden mit Muskel- und Gliederschmerzen, ver
mehrtem Schwitzen und Appetitlosigkeit angegeben. Dank der ausführlichen klinischen und laborchemischen Dokumentation des
A._
handle es sich hier allen
falls möglich
erweise
, aber nicht überwiegend wahrscheinlich um die Folgen eines Insektenbisses oder Stiches. Objektive Befunde hätten nicht verifiziert wer
den können. Aufgrund der fehlenden Zusammenhänge empfehle sie die mit Schaden
datum vom 12. August 2015 gemeldeten Insektenbisse an beiden Unter
schenkeln zur Ablehnung
(Urk. 8/24).
3.
1.
2
Im Bericht des Instituts
C._
vom 19. Mai 2016 wurden die von der
Beschwerdeführerin
fotografierten
Arthropodenstiche
als Wanzenstiche eingeordnet, wobei
Cimex
lectularius
(Bettwanze) als der wahr
scheinlichste Verursacher angesehen wurde. In Anbetracht des ausgedehnten Streckennetzes
der Fluggesellschaft
wären wohl auch Raubwanzen in Betracht zu ziehen, die im Gegensatz zu den Bettwanzen die
Chagas
Krankheit übertragen könnten. Die
Chagas
-Serologie sei jedoch negativ gewesen. Aus der durchge
führten Untersuchung ergebe sich keine Indikation für ein therapeutisches Vor
gehen. Es hätten sich weder bakteriologisch/
parasitologisch
noch serologisch Anhalts
punkte für das Bestehen einer Infektionskrankheit gefunden. Der Gewichts
verlust könne somit
infektiologisch
nicht erklärt werden (Urk. 8/37).
3.1.3
In der kreisärztlichen Beurteilung vom 17. August 2016
wies Dr.
B._
darauf hin, dass gemäss dem Bericht des Instituts
C._
vom 19. Mai 2016 die
Chagas
-Krankheit ausgeschlossen werden könne. Wanzen würden überall vorkommen und auch gewisse Krankheiten übertragen. Man könne der
Beschwerdeführerin
erklären, dass ihre Symptome wie Gewichts
abnahme und Appetitlosigkeit nicht durch die durchgeführten Untersuchungen und wahrscheinlich auch nicht durch die Wanzenbisse zu erklären seien. Der Unfall
begriff scheine hier nicht erfüllt zu sein. An der Beurteilung vom 19. November 2015
(gemeint wohl: 18. November 2015 [Urk. 8/24])
habe sich somit nichts geändert (Urk. 8/41).
3.2
Im Rahmen des vorliegenden Revisionsverfahrens
präsentiert sich die medi
zinische Aktenlage wie folgt
:
3.2.1
Dr.
D._
diagnostizierte in ihrem Bericht vom 6. Juli 2017
unter anderem
eine chronische Borreliose sowie eine chronische
Yersinia
Infektion. Es sei nicht auszuschliessen, dass diese Erkrankung als Folge von den Wanzen
stichen im Jahr 2015 oder auch von anderen Insektenstichen aufgetreten sei, ohne dass es die
Beschwerdeführerin
bemerkt habe. Sie habe nur die Wanzenstiche bemerkt, aufgrund der sehr starken Rötungen, des Juckreizes und der Schmerzen an den Einstichstellen. Die durchgeführten Laboranalysen hätten eine akute Belastung des Orga
nismus mit
Yersinien
ergeben. Die CD57-NK-Zellen
seien niedrig, was nach Dr. F._
für eine aktive Borreliose spreche
(Urk. 8/46).
3.2.2
In ihrem Bericht vom 14. September 2017 bestätigte Dr.
D._
die Diag
nosen aus ihrem Vorbericht. Der aktuelle LTT
-
Test vom 29. August 2017 habe eine Besserung dieser Infektionen, insbesondere der
Yersinia
gezeigt. Neu sei der LTT
-
Test auf
Borrelia
erhöht
ausgefallen
. Der Grund für die Verbesserung der Laborwerte liege an der vorherigen Antibiotika Therapie (Tabletten sowie
Rocephin
Infusionen). Durch diese Therapie hätte sich die Infektion im Körper vermindert und das Immunsystem funktioniere besser, so dass der LTT
-
Test auf
Borrelia
jetzt erst einen Infekt habe zeigen können. Zuvor sei diese
Reaktion «unter
drückt»
worden
(erhöhter
LTT-Test), das heisse, das Immunsystem
d
er
Beschwerde
führerin
sei zu stark damit beansprucht gewesen, die hohe Infektion mit
Yersinien
abzuwehren.
Yersinien
,
Borrelia
und viele weitere
Koinfektionen
seien typisch bei Borrelios
e. Die
Beschwerdeführerin
fühle sich nun immer besser, aber noch nicht gesund, was auch aus den Laborwerten hervorgehe. Auch wenn im Bericht des
A._
vom 18. August 2015 festgehalten worden sei, eine Borreliose sei nicht möglich, hätten damals alle Symptome
dafür gesprochen
. Der Anti
körper Test sei zu früh durchgeführt worden, so dass er eine potenzielle
Borrelia
Infek
tion nicht habe anzeigen können. Die vom Hausarzt verordnete Antibiotika Thera
pie sei
daher zu früh abgesetzt worden (Urk. 8/58).
3.2.3
In ihrer kreisärztlichen Beurteilung vom 8. Mai 2018 stellte sich Dr.
B._
auf den Standpunkt, die Berichte von Dr.
D._
vom 6. Juli 2017 und vom 14. September 2017 sowie die Berichte de
s
Z
entrum
s
E._
vom 22
. Juni und vom 29. August 2017 hätten schon vor dem 18. August 2017 beigebracht werden können, da es sich hierbei nicht um
neuheitliche
Ver
fahren handle
. Zusammenfassend würden die vorliegenden Befunde gegen eine Borreliose sprechen
(Urk. 8/65).
4.
4.1
Zu prüfen ist, ob
– wie von der
Beschwerdeführerin
vertreten (Urk. 1 S. 11 ff.) –
den
Berichte
n
von Dr.
D._
vom
6. Juli
und vom 14. September 2017 mitsamt
den dazugehörigen Laborbefunden
neue erhebliche Tatsachen
zu ent
nehmen sind
, welche eine prozessuale Revision der Verfügung vom 18. August 2016 rechtfertigen
könnten
.
4.
2
Die
Beschwerdeführerin
erachtet
die
der Verfügung vom 18. August 2016 zugrun
deliegenden
Laborergebnisse als falschnegativ, da
der Antikörper-Test zu früh durchgeführt und die verordnete Antibiotika-Therapie zu früh abgesetzt worden sei
(Urk. 1 S. 11
, Urk. 8/58/2
). Dabei
lässt sie ausser Acht, dass
das Anti
biotika gemäss Aktenlage spätestens am 23. August 2015 abgesetzt
worden war
(Urk. 8/11, Urk. 8/14-18)
und
die
Laborergebnisse
sowohl durch die Analyse des
A._
vom 30. Oktober 2015 (Urk. 8/23) als auch durch diejenige des Instituts
C._
vom 19. Mai
2016 (Urk. 8/36-37) bestätigt wurden.
Als rein spekulativ erweist sich die Behauptung der
Beschwerdeführerin
, wonach sich die Borreliose
im Jahr
2015 aufgrund einer von
Koi
nfektionen
unterdrückten Immunreaktion versteckt und sich laborchemisch erst im Juni 2017 zu erkennen gegeben habe (Urk. 1 S. 11). Die Darlegungen von Dr.
D._
in ihrem Bericht vom 14. September 2017 sind
dafür denn auch
nicht beweisend, zumal sie sich darin einzig zu den verlaufsmässigen Veränderungen der von ihr in Au
f
trag gegebenen Testungen vom 22
. Juni und vom 29. August 2017, nicht aber
zu den
Laborergebnissen
des
ursprünglichen Verfahren
s
äussert
e
(Urk. 8/58).
Die negativen Laborergebnisse
bestätigen
sodann
auch die Einschätzung
von Dr. med.
G._
und Dr. med.
H._
, Fachärzte FMH für
Infektiologie
,
welche eine Borreliose
aufgrund der Ätiologie bereits am 18. August 2015
ausgeschlossen hatten (Urk. 8/14/1, vgl. Urk. 8/16/2).
Bei der Beurteilung von
Dr.
D._
,
wonach
die Ärzte
des
A._
aufgrund der Symptome auf eine Borreliose
hätten
schliessen müssen (Urk. 8/58)
, handelt es sich
um rein diagnostische Überlegungen, welche keine prozessuale Revision rechtfertigen (E. 1.3
.3
).
4.
3
Soweit
die
Beschwerdeführerin
ausführt, Dr.
B._
mangle es an der Fachkenntnis zur Beurteilung der
entscheidrelevanten
Fragest
ellung einer mög
lichen
Borreli
eninfektion
(Urk. 1 S. 13),
ist darauf hinzuweisen, dass
sich
Dr.
B._
bei ihrer Beurteilung
auf
die fachärztlichen Einschätzungen der
Infektiologie
des
A._
sowie des Instituts
C._
zu stützen vermochte
. Ohnehin
mutet
es widersprüchlich
an
, wenn die
Beschwerde
führerin
die Einschätzung von Dr.
B._
aufgrund des fehlenden Fach
arzttitels für
Infektiologie
in Zweifel zieht, sich in medizinischer Hinsicht aber auf die Einschätzung von Dr.
D._
stützt,
welche
ihrerseits
ebenfalls über keinen diesbezüglichen Facharzttitel verfügt.
Anzumerken ist, dass Dr.
D._
ein
en
Zusammenhang zwischen der aktuellen Erkrankung und de
n
Insektenstich
en
im Jahr 2015 in ihrem Bericht vom 6. Juli 2017 lediglich als «nicht auszuschliessen» bezeichnete (Urk. 8/46/3).
Sodann findet der von ihr im Bericht vom 1
4.
September 2017 zur Untermauerung der diagnostizierten chronischen Borreliose beigezogene LTT-Test (
Urk.
8/58-59) keine medizinisch-wissenschaftlich breite Anerkennung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_835/2018 vom 2
3.
April 2019
E. 6.2) und der Laborbefund vom 2
9.
August 2017 zeigte abweichend von demjenigen vom 1
3.
Juni 2017 eine unauffällige Zahl der NK-Zellen, was gemäss Befundbericht de
s Z
entrum
s
E._
vom 2
9.
August 2017 einen chronisch-aktiven
Borrelienbefund
unwahrscheinlich mache (
Urk.
8/46/5, 8/59/1). Das Vorliegen einer aktuellen oder durchgemachten
Borrelienerkrankung
ist folglich auch mit den neu eingereichten medizinischen Berichten keineswegs erstellt.
Eine offensichtliche und gravierende Fehldiagnose im ursprünglichen Verfahren ist
aufgrund der neuen serologischen Befunde
jedenfalls nicht dargetan.
4.
4
Damit kann nicht die Rede davon sein, dass die neu eingereichten Berichte und Laborergebnisse einen Fehler in der früheren Beweisgrundlage eindeutig auf
zeigen würden (
Urteil des Bundesgerichts 8C_148/2018 vom 6. Juli 2018 E. 5.4 und E. 5.5.5
).
Sie sind folglich nicht geeignet, die Verfügung vom 1
8.
August 2016 in Revision zu ziehen, weshalb die
Beschwerdegegenerin
nicht auf das ent
sprechende Gesuch eintreten musste.
5.
Nach dem Gesagten
sind die Voraussetzungen einer
prozessuale
n
Revision
nicht erfüllt, weshalb
der angefochtene Ent
scheid nicht zu beanstanden und
die Beschwerde abzuweisen ist.