# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b9f09b32-3ccd-46de-af03-ae34278a1539
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2011
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Am 20. Oktober 2005 bewilligte der Gemeinderat der Politischen Gemeinde B. an
der R.'strasse (Gemeindestrasse 2. Klasse) auf einem rund 5'000 m grossen Gelände
die Überbauung "Fünf Schmetterlinge". Diese besteht aus fünf Mehrfamilienhäusern
mit insgesamt 35 Eigentumswohnungen (Vers.-Nr. 1517 auf Grundstück-Nr. 54, Vers.-
Nr. 1520 auf Grundstück-Nr. 55, Vers.-Nr. 1518 auf Grundstück-Nr. 57, Vers.-Nr. 1519
auf Grundstück-Nr. 58 und Vers.-Nr. 1521 auf Grundstück-Nr. 59) sowie einer
gemeinsamen Tiefgarage mit 43 Einstellplätzen (Grundstück-Nr. 600). Die Parzellen
liegen nach dem Zonenplan der Gemeinde B. vom 20. September 1992 in der
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Kernzone K3. Die einzelnen Gebäude umfassen je ein Untergeschoss und vier
Obergeschosse, wobei das oberste Stockwerk als Kombination eines Attika- und
Dachgeschosses mit Kniestock ausgestaltet wurde. Die Überbauung wurde
zwischenzeitlich erstellt, und die Wohnungen sind verkauft.
Am 26. August 2008 reichte die Bauherrin, die H. GmbH, ein Gesuch ein für die
Teilüberdachung der Dachterrassen der Mehrfamilienhäuser Nrn. 1517, 1519 und 1520.
Bei den ersten beiden Gebäuden soll die südseitige Terrasse mit einem 9 m langen und
3 m tiefen Glasdach überdeckt werden, wobei das Dach mit drei Säulen abgestützt und
am Westende in eine Windschutzwand übergehen soll. Beim dritten Gebäude auf der
Parzelle Nr. 55 ist auf dem östlichen Drittel der Terrasse eine ähnliche Überdachung
geplant, jedoch nur auf einer Länge von 5,8 m mit zwei Pfeilern und ohne
Windschutzwand. Dagegen erhoben B. und J., B., am 14. September 2008
"privatrechtliche" Einsprache, wobei sie aber auch ausdrücklich Verletzungen des
Baureglements rügten. Die Einsprecher sind Eigentümer des Grundstücks Nr. 72, das
sich unmittelbar westlich auf der anderen Seite der R.'strasse in der Wohnzone W2
befindet und mit einem Einfamilienhaus überbaut ist. Der Gemeinderat hiess die
Einsprache am 23. Oktober 2008, soweit sie den öffentlich-rechtlichen Teil betraf, gut
und wies das Baugesuch wegen Verletzung der Attika-Norm ab. In Bezug auf die
geltend gemachten Bauschäden erklärte er sich als nicht zuständig.
Am 6. Mai 2009 reichte die Bauherrin das gleiche Gesuch nochmals ein, wogegen B.
und J. wiederum Einsprache erhoben. Der Gemeinderat wies die Einsprachen am
2. Juli 2009 ab und erteilte die Bewilligung im zweiten Anlauf.
B./ Dagegen erhoben die Einsprecher am 10. Juli 2009 beim Baudepartement des
Kantons St. Gallen mit dem sinngemässen Antrag Rekurs, der angefochtene Entscheid
sei aufzuheben. Das Baudepartement führte am 14. September 2009 einen
Augenschein durch und hielt auf Grund einer ersten vorläufigen Beurteilung fest, dass
der Rekurs Aussicht auf Erfolg habe. Mit Eingabe 25. September 2009 verlangten die
Rekurrenten vom Baudepartement zusätzlich, dass es aufsichtsrechtlich tätig werde
und den Rückbau der rechtswidrigen Mehrfamilienhäuser anordne. Die Rekursinstanz
stellte den Beteiligten am 10. Februar 2010 eine geänderte vorläufige Beurteilung zu
und verwies dabei auf eine bevorstehende Praxisänderung hinsichtlich der
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Voraussetzungen für die Bestandes- und Erweiterungsgarantie nach Art. 77bis des
Baugesetzes (sGS 731.1, abgekürzt BauG). Die Rekurrenten teilten am 25. September
2009 mit, dass sie am Rekurs festhalten würden.
Das Baudepartement wies den Rekurs mit Entscheid vom 21. April 2010 ab, soweit es
darauf eintrat. Gleichzeitig gab es der aufsichtsrechtlichen Anzeige keine Folge. Wegen
der Praxisänderung verzichtete es auf die Erhebung von amtlichen Kosten. Den
Entscheid begründete es unter anderem damit, dass sämtliche Bauten der
Schmetterlings-Überbauung die erlaubte Gebäudehöhe und die zulässige
Vollgeschosszahl überschreiten würden und deshalb materiell baurechtswidrig seien.
Dies hätte nach bisheriger Praxis zur Folge gehabt, dass die Mehrfamilienhäuser trotz
rechtskräftiger Baubewilligung grundsätzlich nicht mehr hätten erweitert werden
dürfen, obwohl die geplanten Terrassenüberdachungen weder zu einer Vermehrung
noch zu einer wesentlichen Verstärkung der materiellen Rechtswidrigkeit führen
würden. In solchen Fällen seien bisher einzig noch Massnahmen des einfachen
Unterhalts möglich gewesen. Diese Anwendung erweise sich indes als zu streng und
unpraktikabel, weshalb sich eine Praxisänderung aufdränge. Für eine Neuerung
spreche namentlich, dass eine Erweiterung bereits dann ausgeschlossen sei, wenn
bloss eine einzige Norm verletzt sei, und zwar unabhängig davon, wie erheblich diese
sei. Auch sei es nicht möglich, die materielle Rechtswidrigkeit auf einzelne
Gebäudeteile zu beschränken. Davon abgesehen, dass es sehr aufwendig wäre, eine
allenfalls Jahrzehnte zurückliegende Baubewilligung auf ihre Rechtmässigkeit zu
überprüfen, wäre bei genauerer Überprüfung wohl mit einer erheblichen Anzahl
materiell rechtswidriger Bauten und Anlagen zu rechnen, bei denen fortan nur mehr
einfache Unterhaltsarbeiten zulässig wären. Eine Praxisänderung dränge sich daher
schon aus Gründen der Rechtssicherheit auf. Selbst das Verwaltungsgericht habe im
Urteil B 2007/10 vom 11. Juni 2007 E. 3.3.3. erwogen, dass ein materiell rechtswidriges
Gebäude als seinerzeit rechtmässig erstellt im Sinn von Art. 77bis Abs. 2 BauG gelte.
Fortan müsse für die Bestandes- und Erweiterungsgarantie somit die formelle
Rechtmässigkeit der bestehenden Baute genügen.
C./ Gegen diesen Entscheid erhoben die Rekurrenten mit Eingabe vom 6. Mai 2010
Beschwerde beim Verwaltungsgericht, wobei sie beantragen, der angefochtene
Entscheid sei kostenpflichtig aufzuheben und die Streitsache zur Neubeurteilung an die
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Rekursinstanz zurückzuweisen. Sie rügen insbesondere, dass sie gegen das genau
gleiche Bauprojekt bereits (erfolgreich) Einsprache erhoben hätten. Das
Baudepartement habe ungeprüft gelassen, ob die materiell rechtswidrigen Bauten
wenigstens formell rechtmässig seien. Weiter wehren sie sich gegen die vollzogene
Praxisänderung und machen geltend, dass die rechtswidrige Überbauung mehrfach
und massiv gegen die kommunalen Bauvorschriften verstosse. Nebst dem, dass alle
fünf Bauten ein Vollgeschoss zu viel aufweisen würden, würden die geplanten
Teilüberdachungen der Dachterrassen zusätzlich die baurechtskonforme Mantellinie
überschreiten.
D./ Der Präsident des Verwaltungsgerichts wies mit Verfügung vom 10. Juni 2010 das
Gesuch der Beschwerdeführer um unentgeltliche Rechtspflege mangels Bedürftigkeit
ab.
E./ Das Baudepartement beantragt mit Vernehmlassung vom 14. Juli 2010 die
Abweisung der Beschwerde. Dabei wies es darauf hin, dass das Rechtsmittel nicht die
ganze Überbauung, sondern lediglich drei der fünf Gebäude bzw. deren
Dachterrassenüberdachung betreffe. Es habe bereits im Rekursentscheid ausgeführt,
dass die Beschwerdeführer mangels enger räumlicher Beziehung einzig beim
Bauvorhaben auf dem Nachbargrundstück Nr. 54 einsprache- und rekursberechtigt
seien. Es sei richtig, dass dieses Gebäude materiell rechtswidrig sei. Demgegenüber
lägen keinerlei Hinweise dafür vor, dass bei der Realisierung des Mehrfamilienhauses
von den bewilligten Bauplänen abgewichen worden und die Baute somit auch formell
rechtswidrig sei. Eine wesentliche Verstärkung bzw. Vermehrung der Rechtswidrigkeit
bewirke die Terrassenüberdachung nicht. Für die vollzogene Praxisänderung, wonach
für die Bestandes- und Erweiterungsgarantie fortan die formelle Rechtmässigkeit
genüge, seien die vom Bundesgericht entwickelten Voraussetzungen erfüllt. Nebstdem,
dass für die Änderung der bisherigen Praxis sachliche Gründe sprächen, werde damit
auch eine grössere Rechtssicherheit geschaffen. Der Vertrauensschutz der
Beschwerdeführer werde ebenfalls nicht verletzt.
F./ Die Beschwerdegegnerin und -beteiligte verzichteten auf eine Vernehmlassung. Die
Beschwerdeführer wandten am 21. September 2010 unter anderem gegen die
Vernehmlassung der Vorinstanz ein, im Zusammenhang mit der
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Beschwerdelegitimation sei nicht die Frage entscheidend, bezüglich welches
Gebäudes sie beschwerdeberechtigt seien, sondern allein die Tatsache, dass
sämtliche Gebäude der betroffenen Überbauung um ein Vollgeschoss zu hoch erstellt
worden seien. Im Mittelpunkt ihrer Beschwerde stehe somit die Schwere der
Rechtswidrigkeit der Siedlung insgesamt. Die Eigentumsgarantie und die damit
verbundene Bestandes- und Erweiterungsgarantie schützten nicht die widerrechtlich
erstellten Bauten, sondern die rechtmässige Ausübung des Privateigentums. Dazu
komme, dass sich die materielle Rechtslage gar nicht geändert habe. Die materielle
Rechtswidrigkeit der fünf Mehrfamilienhäuser habe vielmehr von Anfang an bestanden.
Mit der partiellen Überdachung der Terrassen werde die Rechtswidrigkeit der Bauten
erheblich vermehrt und wesentlich verstärkt; nebstdem, dass der Neigungswinkel von
45° von der Schnittlinie der Längsfassade mit der Flachdachhaut neu und zusätzlich
massiv überschritten werde, werde mit der Überdachung der Terrassen neu und
zusätzlich die baurechtskonforme Mantellinie überschritten.
G. Auf die weiteren Eingaben und Vorbringen der Verfahrensbeteiligten wird, soweit

## Considerations

wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die Sachurteilsvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen:
1.1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichtes ist gegeben (Art. 59bis
Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP).
1.2. Die Beschwerdeführer sind Adressaten des angefochtenen Rekursentscheids und
damit zu dessen Anfechtung legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1
VRP). Die Beschwerdeerklärung und -begründung entsprechen zeitlich, formal und
inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47
Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP).
1.3. Die Beschwerdeführer haben den Rekursentscheid gesamthaft angefochten. Dabei
machen sie aber nicht geltend, weshalb die Vorinstanz auf ihren Rekurs hätte eintreten
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müssen, soweit die Baubehörde ihre privatrechtliche Einsprache auf den Zivilrechtsweg
verwiesen hat. Die Beschwerdeführer haben darzutun, in welchen Punkten und wieso
die Sachverhaltsdarstellung der Vorinstanz falsch sein soll. Das Verwaltungsgericht
überprüft den Sachverhalt nur soweit, als die Verfahrensbeteiligten diesen als unrichtig
oder unvollständig beanstanden (Rügeprinzip). Es ist an den Beteiligten, den
sachlichen Gegenstand (Streitgegenstand) des Rechtsmittelverfahrens mit ihren Rügen
im Grundsatz verbindlich festzulegen. Sofern keine erheblichen öffentlichen Interessen
zu wahren sind (Untersuchungsgrundsatz), sucht das Verwaltungsgericht nicht selber
nach Unrichtigkeiten in der Sachverhaltsfestlegung des vorinstanzlichen Entscheids
(Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz.
631 ff.). Den Akten muss überdies entnommen werden, dass sie ihr privatrechtliches
Anliegen in der Zwischenzeit beim Zivilrichter geltend gemacht haben. Auf die
Beschwerde ist daher nicht einzutreten, soweit sie sich gegen den
Nichteintretensentscheid richtet.
1.4. Nach Art. 59bis Abs. 2 lit. a Ziff. 1 VRP ist die Beschwerde in Angelegenheiten der
Staatsaufsicht nur zulässig, wenn eine Verletzung der Autonomie geltend gemacht
wird. Art. 86 Abs. 2 des Bundesgerichtsgesetzes (SR 173.110, abgekürzt BGG)
verpflichtet aber die Kantone, als unmittelbare Vorinstanzen des Bundesgerichts obere
Gerichte einzusetzen, soweit nicht nach einem anderen Bundesgesetz Entscheide
anderer richterlicher Behörden der Beschwerde an das Bundesgericht unterliegen. Für
Entscheide mit vorwiegend politischem Charakter können die Kantone nach Art. 86
Abs. 3 BGG anstelle eines Gerichts eine andere Behörde als unmittelbare Vorinstanz
des Bundesgerichts einsetzen. Art. 59bis Abs. 2 lit. a Ziff. 1 VRP erweist sich somit als
bundesrechtswidrig, wenn der angefochtene Entscheid, wie im vorliegenden Fall,
keinen politischen Charakter hat, sondern die Rechtsfrage geklärt werden muss, ob die
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands hätte von Amtes wegen angeordnet
werden müssen (vgl. dazu VerwGE B 2010/92 vom 30. November 2010 E. 1, in:
www.gerichte.sg.ch). Gegen den aufsichtsrechtlichen Entscheid der Vorinstanz ist
daher grundsätzlich die Beschwerde beim Verwaltungsgericht möglich. Allerdings
haben die Beschwerdeführer den Aufsichtsentscheid nicht substantiiert angefochten
bzw. nicht begründet, in welchen Punkten er ihrer Ansicht nach fehl geht. Damit ist auf
die Beschwerde ebenfalls nicht einzutreten, soweit sich diese gegen den Entscheid
über die aufsichtsrechtliche Anzeige richtet.
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2. Die Beschwerdeführer machen in ihrer Eingabe vom 6. Mai 2010 geltend, sie hätten
bereits gegen das erste Baugesuch vom 26. August 2008 Einsprache erhoben.
2.1. Ihre erste Einsprache vom 14. September 2008 hat dazu geführt, dass das
Bauvorhaben betreffend Teilüberdachungen der Terrassen der Mehrfamilienhäuser
Vers.-Nrn. 1517, 1519 und 1520 am 23. Oktober 2008 verweigert wurde, wobei der
Bauabschlag und der gutgeheissene Einspracheentscheid unangefochten in (formelle)
Rechtskraft erwachsen sind. Dem entsprechenden Beschluss kommt damit
Rechtsbeständigkeit zu, weshalb er grundsätzlich nicht mehr einseitig aufgehoben oder
zum Nachteil des Adressaten abgeändert werden kann (Tschannen/Zimmerli,
Allgemeines Verwaltungsrecht, 2. Auflage, Bern 2005, § 31 Rz. 10 f.). Demgegenüber
war die Baubehörde der irrigen Meinung, der Bauherr könne das gleiche Baugesuch
jederzeit wieder einreichen, worauf sie einzutreten habe. So beurteilte sie nur gerade
acht Monate später nochmals das exakt gleiche Bauvorhaben, wobei sie dieses im
zweiten Durchgang bewilligte und die dagegen erhobene Einsprache der Nachbarn
abwies, ohne die formell rechtskräftige Verfügung vom 23. Oktober 2008 zu widerrufen.
Ohne einen solchen Widerruf steht der Baubewilligung und dem Einspracheentscheid
vom 2. Juli 2009 aber wie gesagt die Rechtskraft des Bauabschlags bzw. der
Einspracheentscheid vom 23. Oktober 2008 entgegen.
2.2. Das Baudepartement erachtete das (sinngemässe) Zurückkommen auf den
rechtsbeständigen Beschluss gleichwohl als zulässig, weil den Einsprechern nach
Ansicht der Baubehörde aus dem Bauvorhaben keinerlei Nachteile erwachsen würden
und mit Blick auf das nachträgliche Gutachten vom 21. April 2009 davon ausgegangen
werden müsse, dass dem Bauabschlag ein schwerer materieller Fehler anhafte.
Dieser Meinung kann sich das Verwaltungsgericht nicht anschliessen. Davon
abgesehen, dass sich dem Beschluss vom 2. Juli 2009 nichts entnehmen lässt, dass
sich der Gemeinderat mit dem Widerruf des Beschlusses vom 23. Oktober 2008
befasst hätte, können die erlassende Behörde oder die Aufsichtsbehörde eine
Verfügung nach Art. 28 VRP nur aufheben oder abändern, wenn der Widerruf die
Betroffenen nicht belastet oder wenn er aus wichtigen Interessen geboten ist. Dabei
sind die Interessen an der richtigen Durchsetzung der Rechtsordnung, der Schutz
allfälliger Drittbetroffener und das Interesse der Betroffenen zu gewichten und
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gegeneinander abzuwägen (VerwGE B 2008/68 vom 14. Mai 2009, E. 5.1., mit
Hinweisen, in: www.gerichte.sg.ch). Wird ein identisches Bauvorhaben, das dank der
Intervention der Nachbarn rechtskräftig verhindert wurde, nur wenige Monate später
erneut behandelt und entgegen dem ursprünglichen (und erneuten) Antrag der
Nachbarn doch noch bewilligt, erleiden diese dadurch offensichtlich einen Nachteil.
Auch ist nicht ersichtlich, worin das öffentliche Interesse liegen bzw. wieso ein
stossendes und dem Gerechtigkeitsgefühl zuwiderlaufendes Ergebnis vorliegen sollte,
wenn bereits rechtswidrig erstellte Wohnhäuser nachträglich nicht noch erweitert
werden dürfen. Daran ändert auch nichts, dass ein privater Baujurist, den die
Gemeinde im Hinblick auf das zweite Baugesuch für die Rechtsprüfung beauftragt
hatte, hinsichtlich der geplanten Erweiterungen zu einer anderslautenden
Rechtsauffassung gelangt ist. Ein unterschiedlicher Standpunkt in einer Rechtsfrage
wäre lediglich ein Grund dafür, fristgerecht ein ordentliches Rechtsmittel zu ergreifen.
Bloss eine andere Fachmeinung rechtfertigt es nicht, einen rechtskräftigen Entscheid
zu widerrufen, lediglich damit ein auf eine Einsprache hin (rechtskräftig) verweigertes
Baugesuch doch noch bewilligt werden kann.
2.3. Aus dem Gesagten folgt, dass die Beschwerde gutzuheissen und der
Rekursentscheid und die Baubewilligung aufzuheben sind, soweit darauf einzutreten
ist. Nachdem die Vorinstanz mit dem Rekursentscheid eine eigentliche Praxisänderung
zur Bestandes- und Erweiterungsgarantie von rechtswidrigen Bauten und Anlagen
begründet hat, rechtfertigt es sich, zur Streitsache auch materiell Stellung zu nehmen.
3. Streitgegenstand ist die Baubewilligung der nachträglichen
Dachterrassenüberdachungen bei drei von fünf Wohnhäusern der Überbauung "Fünf
Schmetterlinge". Die Beschwerdeführer wehren sich unter anderem dagegen, dass ihre
Rekurslegitimation auf das Nachbargrundstück Nr. 54 beschränkt wurde.
3.1. Zur Einsprache bzw. zur Erhebung des Rekurses ist berechtigt, wer ein eigenes
schutzwürdiges Interesse dartut (Art. 83 Abs. 2 BauG bzw. Art. 45 Abs. 1 VRP).
Schutzwürdig ist es, wenn der Betroffene rechtlich geschützte Interessen geltend
macht oder wenn eine Verfügung oder ein Entscheid seine tatsächliche Interessenlage
mehr berührt als irgendeinen Dritten oder die Allgemeinheit (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz.
390 mit Hinweisen). Nicht entscheidwesentlich ist, ob der Beschwerdeführer zum
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Baugrundstück direkten Sichtkontakt hat (VerwGE B 2009/25 vom 15. Oktober 2009
E. 1.2., VerwGE B 2009/219 vom 24. August 2010 E. 3.2.2., beide in: www.gerich
te.sg.ch). Das schutzwürdige Interesse besteht im praktischen Nutzen, den ein
erfolgreich geführtes Rechtsmittel dem Betroffenen in seiner rechtlichen oder
tatsächlichen Situation einträgt, bzw. in der Abwendung materieller, ideeller oder
sonstiger Nachteile, den ein Bestand der angefochtenen Verfügung oder des
Entscheids mit sich bringen würde (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 391). Das
Rechtsschutzinteresse muss hinsichtlich aller Gründe, die der Rekurrent oder
Beschwerdeführer vorbringt, gegeben sein und geprüft werden (Cavelti/Vögeli, a.a.O.,
Rz. 394; B. Heer, St. Gallisches Bau- und Planungsrecht, Bern 2003, Rz. 934 mit
weiteren Hinweisen; GVP 2006 Nr. 32).
3.2. Ein wesentliches Kriterium für die Beurteilung der Beschwerdebefugnis eines
Nachbarn ist die räumliche Nähe seines Grundstücks zum umstrittenen Bauvorhaben.
Die räumliche Beziehung ist insbesondere dann gegeben, wenn sie eine
Beeinträchtigung des Nachbargrundstücks nicht ausschliesst (Cavelti/Vögeli, a.a.O.,
Rz. 414). Das Beschwerderecht wird grundsätzlich anerkannt, wenn die Liegenschaft
des Nachbarn unmittelbar an das Baugrundstück angrenzt oder allenfalls nur durch
einen Verkehrsträger davon getrennt wird. Dies gilt grundsätzlich auch bei Nachbarn
bis im Abstand von etwa 100 m. Daneben wird eine besondere Betroffenheit in Fällen
bejaht, in denen von einer Anlage aus mit Sicherheit oder mit grosser
Wahrscheinlichkeit Immissionen auf Nachbargrundstücke ausgehen oder die Anlage
einen besonderen Gefahrenherd darstellt und die Anwohner dabei einem besonderen
Risiko ausgesetzt sind (BGE 1C_40/2010 vom 9. März 2010 E. 2.3 mit Hinweisen, BGE
1C_340/2007 vom 28. Januar 2008 E. 2.2 mit Hinweisen). Bei diesen Abstandsangaben
handelt es sich allerdings um keine verbindlichen absoluten Werte. Es ist vielmehr eine
Würdigung aller rechtlich erheblichen Sachverhaltselemente vorzunehmen.
3.3. Die vorliegend zur Diskussion stehenden Mehrfamilienhäuser der
Schmetterlingsüberbauung liegen 25 m, 65 m und 75 m von der Liegenschaft der
Beschwerdeführer entfernt. Das erstere befindet sich vom Grundstück der
Beschwerdeführer aus gesehen auf der östlichen Nachbarliegenschaft, die unmittelbar
auf der anderen Seite der R.'strasse liegt. Von der baulichen Veränderung der
Dachterrasse auf dem Nachbargebäude sind die Beschwerdeführer direkt und somit
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stärker betroffen als eine beliebige Drittperson. Anders liegt der Fall bei den beiden
zurückversetzten Mehrfamilienhäusern Vers.-Nrn. 1519 und 1520, die sich weiter
östlich hinter den beiden an der R.'strasse gelegenen Mehrfamilienhäusern Vers.-
Nrn. 1517 und 1518 auf den Grundstücken Nrn. 54 und 57 befinden. Weder machen
die Beschwerdeführer geltend, noch ist sonst wie ersichtlich, dass die geplanten
baulichen Erweiterungen auf diesen beiden zurückversetzten Gebäuden eine
Nutzungsänderung bewirken, die bei ihrem Grundstück zu zusätzlichen Immissionen
wie Lärm, Beschattung, Mehrverkehr oder anderen wahrnehmbaren
Beeinträchtigungen führen könnten. Zwar haben die teilweisen
Terrassenüberdachungen und -einwandungen zur Folge, dass die Aussenräume
intensiver genutzt werden, indem sich die Bewohner und allfällige Besucher länger und
öfters, d.h. zusätzlich bei Regen und abends, wenn es kälter wird, auf den Terrassen
aufhalten werden. Davon sind die Beschwerdeführer aber - anders als die Bewohner
der dazwischenliegenden Mehrfamilienhäuser Vers.-Nrn. 1517 und 1518 - nicht
unmittelbar und intensiver als irgendwelche Dritte oder die Allgemeinheit betroffen.
3.4. Die Rekursinstanz hat die Legitimation der Beschwerdeführer bezüglich der
Bauvorhaben auf den Grundstücken Nrn. 55 und 58 somit zu Recht verneint (vgl. dazu
VerwGE B 2009/21 vom 11. Mai 2010 E. 2.3., in: www.gerichte.ch). Dies ändert aber
nichts an den vorstehenden Erwägungen, dass die Rechtskraft des Bauabschlags und
des gutgeheissenen Einspracheentscheids vom 23. Oktober 2008 einer erneuten
Überprüfung grundsätzlich entgegensteht. In jenem Verfahren hat die Baubehörde die
Einsprachelegitimiation der Nachbarn hinsichtlich der gesamten Überbauung bejaht
und deren Einsprache geschützt, wogegen sich die Bauherrschaft innert Frist nicht
gewehrt hat.
4. Eine Baubewilligung ist zu erteilen, wenn keine im öffentlichen Recht begründeten
Hindernisse vorliegen (Art. 87 Abs. 1 BauG). Beim Vorliegen einer Ausnahmesituation
darf unter bestimmten Umständen eine Ausnahmebewilligung erteilt werden. Eine
solche ausserordentliche Situation liegt vor, wenn bei der Handhabung der
Bauvorschriften in Würdigung der Gegebenheiten des Einzelfalls den Bauherrn ein
objektiver Nachteil besonders hart treffen würde (Heer, a.a.O., Rz. 736).
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4.1. Es ist unbestritten, dass die Baubehörde das Mehrfamilienhaus Vers.-Nr. 1517
bzw. die gesamte Schmetterlingsüberbauung ordentlich bewilligt hat, obwohl sämtliche
Mehrfamilienhäuser mit ihren vier Vollgeschossen der zu Grunde liegenden
Nutzungszone Kernzone Bauklasse 3 widersprechen sowie die Gebäudehöhe um rund
30 cm überschreiten und damit allesamt materiell rechtswidrig sind. Die Abweichung
vom Baureglement liegt - wie die Vorinstanz ausführlich begründet hat - darin, dass die
obersten Geschosse als Kombination eines Flach- und Satteldachs ausgeführt wurden
und damit Art. 11 Abs. 3 des Baureglements der Politischen Gemeinde B. vom
20. Oktober 1992 bzw. 20. Dezember 2006 (abgekürzt BauR) verletzen, zumal das
Reglement eine solche Vermischung nicht vorsieht (VerwGE B 2004/120 vom 25. Ja
nuar 2005 E. 2b, in: www.gerichte.sg.ch). An der daraus folgenden Rechtswidrigkeit
ändert auch nichts, dass statt der ausgeführten Mischform höhere und voluminösere
Gebäude mit Satteldach hätten errichtet werden können. Bauprojekte müssen so
beurteilt werden, wie sie sich auf Grund der konkreten Pläne darstellen und nicht wie
sie theoretisch, bei einer anderen Ausgestaltung der Dachform ebenfalls denkbar
wären. Dazu kommt, dass beim Attikageschoss die über das zulässige Mass nach
Art. 11 Abs. 3 BauR hinausgehenden Bauteile nur dann als technisch notwendige
Dachaufbauten beurteilt werden können, wenn sie dem darunter liegenden Gebäudeteil
dienen (VerwGE B 2009/104 vom 28. Januar 2010 E. 2.3.4., in: www.gerichte.ch). Dies
ist vorliegend unbestrittenermassen nicht der Fall. Unbestritten ist auch geblieben,
dass für die reglementswidrige Dachform keine Ausnahmebewilligung vorliegt. Zwar
brachte die Bewilligungsbehörde im Rekursverfahren vor, sie sei bewusst vom
Baureglement abgewichen. Dagegen spricht aber, dass der Baudispens in der
Baubewilligung nicht ausdrücklich erwähnt und begründet wurde, was Voraussetzung
für eine Ausnahmebewilligung wäre (K. Willi, Die Besitzstandsgarantie für
vorschriftswidrige Bauten und Anlagen innerhalb der Bauzonen, Zürich 2003, S. 22).
Davon abgesehen wäre es auch gar nicht ersichtlich, inwiefern die Bauherrschaft einen
objektiven Nachteil erleiden würde, wenn sie das 5'000 m grosse Baugebiet hätte
regelkonform überbauen müssen. Hätte eine von den Regelbauvorschriften
abweichende Überbauung realisieren werden sollen, hätte dafür ein
Sondernutzungsplan nach Art. 22 BauG ff. erlassen werden können.
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4.2. Die Beschwerdeführer wenden zusätzlich ein, die Siedlung müsse auch formell als
rechtswidrig gelten, weil nicht nachgewiesen sei, dass die Häuser den bewilligten
Bauplänen entsprechen würden.
Die Verwaltungsbehörden und das Verwaltungsgericht erheben den rechtserheblichen
Sachverhalt zwar von Amtes wegen (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 589), gleichwohl sind sie
nicht verpflichtet, von sich aus nach Unrichtigkeiten in der Sachverhaltsfestlegung des
vorinstanzlichen Entscheids zu suchen (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 634). Nachdem
weder aus den Ausführungen der Beschwerdeführer hervorgeht noch sonst wie
ersichtlich ist, dass und inwiefern die Siedlung "Fünf Schmetterlinge" bzw. das
vorliegend zur Diskussion stehende Mehrfamilienhaus Vers.-Nr. 1517 abweichend von
den rechtskräftigen Bauplänen erstellt worden sind, muss von der formellen
Rechtmässigkeit des Gebäudes Vers.-Nr. 1517 ausgegangen werden.
4.3. Sind Bauten und Anlagen rechtmässig erstellt worden, garantieren Art. 26 Abs. 1
der Bundesverfassung (Eigentumsgarantie, SR 101) und Art. 77bis Abs. 1 Satz 1 BauG
deren Bestand, selbst wenn sie den geltenden Vorschriften und Plänen widersprechen.
Die Bestandesgarantie schützt darüber hinaus werterhaltende Unterhaltsarbeiten. Nicht
gedeckt sind Eingriffe in die Substanz und in die Grundstruktur der Baute, wie
Umbauten, Erweiterungen und Zweckänderungen (Willi, a.a.O., S. 43 ff.). Der
Wiederaufbau im bisherigen Umfang ist unter den Voraussetzungen von Art. 77bis
Abs. 1 Satz 2 BauG garantiert. Art. 77bis Abs. 2 BauG legt die Bedingungen fest,
wonach rechtmässig erstellte Bauten und Anlagen auch umgebaut, erweitert und
umgenutzt werden können.
4.3.1. In der schweizerischen Lehre und Rechtsprechung ist unbestritten, dass Bauten
und Anlagen, die materiell rechtmässig erstellt worden sind, bei Inkrafttreten neuer,
strengerer Vorschriften Bestandesschutz geniessen (Willi, a.a.O., S. 29). Die
Bestandesgarantie besagt insbesondere, dass formell und materiell rechtmässig unter
altem Recht erstellte Bauten in ihrem Bestand geschützt bleiben, auch wenn sie nach
neuem Recht unzulässig sind (Heer, a.a.O., Rz. 744; GVP 1990 Nr. 93 S. 244, GVP
1977 Nr. 6 S. 11 mit Hinweisen). Dies gilt auch für Umbauten, Zweckänderungen und
Erweiterungen im Sinn von Art. 77bis Abs. 2 BauG (VerwGE B 2004/149 vom 22 März
2005 E. 3a, in: www.gerichte.sg.ch). Im Entscheid B 2007/10 vom 11. Juni 2007,
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E. 3.3.3. (in: www.gerichte.sg.ch) führte das Verwaltungsgericht dagegen mit Hinweis
auf Willi, a.a.O., S. 25, aus, dass ein Bauwerk, das gestützt auf eine inhaltlich
fehlerhafte baurechtliche Bewilligung erstellt worden sei, nach seiner Errichtung -
obwohl materiell rechtswidrig - grundsätzlich durch die Bestandeskraft der
Baubewilligung geschützt werde. Dies bedeute, dass sich der Eigentümer eines
solchen Bauwerks auf die Besitzstandsgarantie berufen könne, wenn seine Baute zu
einem späteren Zeitpunkt durch eine Änderung der materiellen Rechtslage
(weitergehend) vorschriftswidrig werde. Daraus folge, dass die bestehende Baute im
Sinn von Art. 77bis Abs. 1 BauG trotz einer Reglementsverletzung als seinerzeit
rechtmässig erstellt gelte. Somit gelange auch Art. 77bis Abs. 2 BauG zur Anwendung.
Mithin ist zu präzisieren, inwiefern die materielle Rechtmässigkeit Voraussetzung für die
Bestandes- und Erweiterungsgarantie ist.
4.3.2. Der Grund, weshalb für die Bestandesgarantie von Bauten und Anlagen generell
materielle und formelle Rechtmässigkeit verlangt wird, liegt in der Eigenart des
Verwaltungsrechts, dass Verfügungen - wie Baubewilligungen - im Grundsatz nicht
materiell rechtskräftig werden und somit wie gesagt auch nach Eintritt der formellen
Rechtskraft noch geändert oder widerrufen werden können, sofern sie sich als
(ursprünglich oder nachträglich) fehlerhaft erweisen (Häfelin/Müller/Uhlmann, 6.
Auflage, Zürich 2010, Rz. 994 ff.; Tschannen/Zimmerli, a.a.O., § 31 Rz. 23 ff.). Von
entscheidender Bedeutung für die Zulässigkeit der Rücknahme der Baubewilligung ist
insbesondere der Zeitpunkt der Entdeckung des Fehlers der Verfügung. Während der
Bewilligungsempfänger die Rücknahme einer ursprünglich fehlerhaften Baubewilligung
vor Baubeginn grundsätzlich noch hinzunehmen hat, ist dies nach Bauvollendung im
Grundsatz nicht mehr möglich, wenn der Bauherr von der zu Unrecht erteilten
Baubewilligung gutgläubig Gebrauch gemacht und erhebliche Investitionen getätigt hat
(M. Ruoss Fierz, Massnahmen gegen illegales Bauen, Zürich 1999, S. 170 ff.). In
diesem Fall geniesst das realisierte Projekt in gleicher Weise Bestandesgarantie wie ein
mängelfreies Bauwerk (Ch. Mäder, Das Baubewilligungsverfahren, Zürich 1991,
Rz. 626). Kommt somit im Einzelfall eine Rücknahme der zu Unrecht erteilten
Bewilligung nicht mehr in Betracht, kann das Bauwerk unverändert bestehen bleiben
und ist unter besitzstandsrechtlichen Gesichtspunkten nicht anders zu behandeln als
eine ursprünglich materiell rechtmässige Baute (Willi, a.a.O., S. 25).
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4.3.3. Aus dem Gesagten folgt, dass bei einem bereits realisierten Bauvorhaben,
dessen Baubewilligung nicht mehr widerrufen werden kann, hinsichtlich seiner
Bestandes- und Erweiterungsgarantie auf die materielle Rechtmässigkeit verzichtet
werden kann. Insofern ist die Praxisänderung der vorinstanzlichen Rechtsprechung
sachlich begründet, womit dieser auch das Gleichheitsprinzip und der Grundsatz der
Rechtssicherheit nicht entgegenstehen (BGE 1C_185/2010 vom 27. Oktober 2010
E. 4.4). Kein Grund für die vorgenommene Praxisänderung wäre allerdings, dass es
gegebenenfalls aufwendig sein kann, eine lange Zeit zurückliegende Baubewilligung
auf ihre materielle Rechtmässigkeit hin überprüfen zu müssen. Eine solche (mühsame)
Überprüfung wird zum Beispiel bei Änderungen von bestehenden zonenwidrigen
Bauten und Anlagen ausserhalb der Bauzone im Sinn von Art. 24c Abs. 2 des
Raumplanungsgesetzes (SR 700) auch weiterhin nötig sein.
4.3.4. Konkret wurde das Mehrfamilienhaus Vers.-Nr. 1517 gemäss rechtskräftiger
Baubewilligung - wenn auch materiell baurechtswidrig - erstellt. Die Vorinstanz hat es
mit Entscheid vom 21. April 2010 abgelehnt, die Baubewilligung aufsichtsrechtlich
zurückzunehmen, und auch sonst steht eine nachträgliche Änderung der (formell)
rechtskräftigen Baubewilligung nicht mehr zur Diskussion. Damit gilt das materiell
rechtswidrige Mehrfamilienhaus als rechtmässig erstellt, womit ihm grundsätzlich auch
die Bestandes- und Erweiterungsgarantie nach Art. 77bis BauG zukommt.
5. Soll ein bestandesgeschütztes rechtswidriges Bauwerk umgebaut, zweckverändert
oder erweitert werden, ist dies nach Art. 77bis Abs. 2 Satz 1 BauG nur zulässig, soweit
dadurch die Rechtswidrigkeit weder vermehrt noch wesentlich verstärkt wird.
5.1. Eine Vermehrung der Rechtswidrigkeit im Sinn von Art. 77bis Abs. 2 BauG liegt
vor, wenn die Änderung zu einer Verletzung zusätzlicher Vorschriften führt, z.B. neben
der bestehenden Verletzung des Grenzabstands auch noch zu einer Verletzung der
Ausnützungsziffer. Eine Verstärkung der Rechtswidrigkeit liegt vor, wenn eine bereits
verletzte Vorschrift in noch stärkerem Ausmass verletzt wird, indem z.B. ein bereits
unterschrittener Grenzabstand noch weiter unterschritten oder, selbst wenn er gleich
bleibt, durch zusätzliche Bauteile unterschritten wird. Gemäss Art. 77bis Abs. 2 BauG
ist es somit beispielsweise möglich, ein Gebäude, das den geltenden
Abstandsvorschriften widerspricht, aufzustocken, falls die Aufstockung hinsichtlich der
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Abstandsverletzung zu keiner wesentlichen Verstärkung der Rechtswidrigkeit führt und
mit den übrigen Vorschriften (Gebäudehöhe, Geschosszahl usw.) vereinbar ist. Möglich
ist es beispielsweise auch, ein im Waldabstand liegendes Gebäude durch einen Anbau
auf der waldabgewandten Seite zu ergänzen, weil dieser Anbau zu keiner wesentlichen
Verstärkung der Rechtswidrigkeit in Bezug auf den verletzten Waldabstand führt. Nicht
durch Art. 77bis Abs. 2 BauG gedeckt ist dagegen zum Beispiel der Ausbau eines
bestehenden Gebäudes, wenn dadurch die schon überschrittene Ausnützungsziffer -
vorbehältlich Art. 77ter BauG - noch zusätzlich wesentlich überschritten oder der
Ausbau zu einer Verletzung zusätzlicher Vorschriften führen würde (Heer, a.a.O., Rz.
750 f. mit Hinweis auf die Botschaft zum III. NG zum BauG, in: ABl 1994 S. 2255).
5.2. Wann die Verstärkung der Rechtswidrigkeit wesentlich ist, beurteilt sich
grundsätzlich anhand zweier Kriterien, zum einen nach der Schwere der Verletzung des
Schutzzweckes der Norm und zum anderen nach dem Ausmass, in dem ein
bestehender rechtswidriger Gebäude- oder Anlageteil erweitert werden soll.
Unwesentlich ist eine Verstärkung der Rechtswidrigkeit nur, wenn weder der
Schutzzweck der Norm erheblich beeinträchtigt noch die Erweiterung des bestehenden
rechtswidrigen Teils für sich allein oder zusammen mit dem weiteren Gebäude als
bedeutsam bezeichnet werden muss (vgl. Heer, a.a.O., Rz. 752 mit Hinweisen).
5.3. Die Vorinstanz hat die Voraussetzungen von Art. 77bis Abs. 2 BauG für die
geplante Erweiterung als erfüllt betrachtet, derweil die Beschwerdeführer sowohl eine
massive Verstärkung als auch eine Vermehrung der Rechtswidrigkeit rügen.
5.3.1. Es ist unbestritten, dass die Schmetterlings-Überbauung - und damit auch das
Gebäude Vers.-Nr. 1517 - die Bestimmungen betreffend die Gebäudehöhe nach Art. 11
BauR, betreffend die Berechnung der Geschosszahl nach Art. 9 BauR und betreffend
die Dachaufbauten gemäss Art. 17 BauR verletzt. Eine zusätzliche Vorschrift wird nicht
tangiert, indem die geplanten Dachterrassenüberdachungen neu auch noch die so
genannte Mantellinie überschreiten, welche die Baubehörde für die Begründung der
unzulässigen Kombination der Attika- und Schrägdachnormen herangezogen hat. Eine
Vermehrung der Rechtswidrigkeit kann daher ausgeschlossen werden.
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5.3.2. Zur Beurteilung, ob die geplante Erweiterung zu einer wesentlichen Verstärkung
der Rechtswidrigkeit führt, ist auf jenen Bereich des Mehrfamilienhaus abzustellen, der
die Baute zur materiell rechtswidrigen macht (GVP 2001 Nr. 95 S. 236), d.h. auf jene
Teile des vierten Geschosses, die das Dach- zum Vollgeschoss machen und nicht auf
das gesamte Gebäude.
5.3.3. Beim zur Diskussion stehenden Mehrfamilienhaus Vers.-Nr. 1517 werden die
Bestimmungen verletzt, wonach der Neigungswinkel von 45° von der Schnittlinie der
Längsfassaden mit der Flachdachhaut nicht überschritten (Art. 11 Abs. 3 BauR) bzw.
wonach Dachaufbauten nur höchstens die Hälfte der jeweiligen Gebäudeseite
einnehmen dürfen (Art. 17 Abs. 1 BauR), indem das oberste Geschoss auf der
Nordseite auf einer Länge von 18 m um 0,7 m zu weit vorspringt bzw. auf 9 m sogar
fassadenbündig ist, ohne als Dachaufbaute gelten zu können. Auf der Südseite steht
die Fassade auf der Gesamtlänge von 27 m um ungefähr 0,4 m zu weit vor. Zusätzlich
wird die Gebäudehöhe um rund 30 cm überschritten. Diese Abweichungen sind
insgesamt gravierend und führen nicht nur dazu, dass die Nachbarn mit einem
erheblich grösseren Gebäude konfrontiert sind, als nach den Regelbauvorschriften
erlaubt wäre, sondern auch dazu, dass der Zonenplan verletzt und die
Nutzungsplanung um eine ganze Bauklasse überschritten wird.
5.3.4. Die Vorinstanz verneint eine wesentliche Verstärkung der Rechtswidrigkeit,
obwohl ausgerechnet der bereits massiv rechtwidrige Teil des Gebäudes nochmals um
ein 27 m grosses und rund 2,5 m hohes Dach auf drei Säulen samt Windschutzwand
von 5,3 m erweitert werden soll. Zur Begründung bringt sie an, das betroffene
Geschoss könne auf Grund der bereits rechtswidrigen Ausmasse ohnehin nicht mehr
als Dachgeschoss gelten, sondern müsse als zonenwidriges viertes Vollgeschoss
bezeichnet werden.
Dieser Argumentation kann sich das Gericht nicht anschliessen. Die Begründung der
Vorinstanz, das oberste Stockwerk müsse ohnehin schon als Vollgeschoss gelten,
würde nämlich dazu führen, dass jede weitere noch so grosse Verstärkung als
unwesentlich bezeichnet werden müsste, solange damit die Grenze zu einem weiteren
Vollgeschoss nicht überschritten würde. Dies widerspricht aber dem Sinn und Zweck
von Art. 77bis Abs. 2 BauG, und das Gegenteil ist der Fall. Ist die bestehende
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Rechtswidrigkeit bereits erheblich, kann eine an sich wenig bedeutende Erweiterung
bereits dazu führen, dass die Verstärkung der Rechtswidrigkeit insgesamt als
wesentlich bezeichnet werden muss.
5.3.5. Nachdem vorliegend das Mehrfamilienhaus im Bereich des so genannten
Attikageschosses bereits massiv von den Regelbauvorschriften abweicht, kann bei
einer zusätzlichen Erweiterung im ohnehin schon verletzten Neigungswinkel von 45°
mit einer seitlichen Einwandung von mehreren Quadratmetern und einer zusätzlichen
Überdachung der Dachterrasse über eine Länge von 9 m und einer Tiefe von 3 m
offenkundig nicht mehr von einer unwesentlichen Verstärkung der Rechtswidrigkeit
gesprochen werden. Daraus folgt, dass die Beschwerde auch hinsichtlich der
Baubewilligung der Terrassenübedachungen des Mehrfamilienhauses Nr. 1517
geschützt werden müsste, selbst wenn der angefochtenen Baubewilligung nicht bereits
die Rechtskraft des Beschlusses vom 23. Oktober 2008 entgegenstünde.
6. Zusammenfassend ergibt sich, dass auf die Beschwerde nicht einzutreten ist, soweit
die Vorinstanz ihrerseits nicht auf den Rekurs eingetreten ist und der
aufsichtsrechtlichen Anzeige keine Folge geleistet hat. Darüber hinaus ist die
Beschwerde gutzuheissen, da der erneuten Beurteilung der identischen Streitsache
(Teilüberdachung der Terrassen der Schmetterlingsüberbauung) die Rechtskraft des
Bauabschlags bzw. des Einspracheentscheids vom 23. Oktober 2008 entgegensteht.
Falls die Baubehörde das bereits behandelte, identische Baugesuch als
Wiedererwägungsgesuch im Sinn von Art. 27 VRP verstanden und sinngemäss als
solches hätte behandeln wollen, hätte sie den rechtskräftigen Beschluss förmlich
widerrufen müssen, bevor sie in gleicher Sache nochmals - und dieses Mal
entgegengesetzt - hätte entscheiden können. Einem Widerruf nach Art. 28 VRP stünde
allerdings entgegen, dass er zum einen die ursprünglich obsiegenden Einsprecher
belasten würde und zum anderen nicht aus öffentlichen Interessen geboten wäre.
7.
7.1. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens den Beschwerdeführern und der Beschwerdegegnerin zu einem
Achtel bzw. sieben Achteln aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Die Baugesuchstellerin
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hat sich am Gerichtsverfahren zwar nicht beteiligt. Als "Verursacherin des Verfahrens"
in einem von Einsprechern angestrengten Rekurs- bzw. Beschwerdeverfahren kann sie
sich aber nicht durch den Verzicht auf eine Antragstellung im Rechtsmittelverfahren
vom Kostenrisiko befreien (R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, Diss. St. Gallen 2004, S. 82). Eine Entscheidgebühr
von Fr. 4'000.-- ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung,
sGS 941.12). Den Beschwerdeführern ist der geleistete Kostenvorschuss von
Fr. 3'000.-- anzurechnen und im Mehrbetrag zurückzuerstatten.
Da die Rekursinstanz auf die Erhebung der amtlichen Kosten verzichtet hat, muss die
Verlegung nicht überprüft werden.
7.2. Art. 98bis VRP bestimmt, dass die ausseramtlichen Kosten nach Massgabe des
Obsiegens und Unterliegens verlegt werden. Eine besondere Regelung gilt beim
teilweisen Obsiegen zweier Beteiligter. In Fällen, wo die Beteiligten in
unterschiedlichem Mass obsiegen und unterliegen, wird die Entschädigung der
mehrheitlich obsiegenden Partei multipliziert mit der Differenz der Bruchteile, für die
beide Parteien kostenpflichtig werden. Dieser Grundsatz kommt auch zur Anwendung,
wenn der einen Partei keine Entschädigung oder lediglich eine Umtriebsentschädigung
zusteht (Hirt, a.a.O., S. 183 f.).
Die Beschwerdeführer haben anders als die Beschwerdegegnerin den nötigen Antrag
auf Entschädigung gestellt, dem Gemeinweisen steht grundsätzlich kein
Entschädigungsanspruch zu (Hirt, a.a.O., S. 149 und 176). Die Beschwerdeführer
waren im Beschwerdeverfahren nicht anwaltlich vertreten, weshalb ihnen eine
Umtriebsentschädigung auszurichten ist (Art. 98 Abs. 1 und Art. 98bis VRP; Hirt, a.a.O.,
S. 196). Diese ist nicht mehrwertsteuerpflichtig (Hirt, a.a.O., S. 197). Eine
Entschädigung von Fr. 500.-- ist angemessen. Mit Blick auf den oben erläuterten
Grundsatz sind ihnen davon sechs Achtel bzw. drei Viertel zu vergüten.
Im Rekursverfahren haben die Beschwerdeführer - wie die Beschwerdegegnerin -
keinen Antrag auf Kostenersatz gestellt. Damit hat es sein Bewenden.
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Demnach hat das Verwaltungsgericht