# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 3e971d6a-1e84-4a0a-ac25-f92a276df58e
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1924, seit
Jahren Bezügerin von Ergänzungs
leis
tungen, liess d
er Stadt O
._
, Durchführungs
stelle für Zusatzleistungen zur
AHV/IV (im Folgenden: Durchführungsstelle)
,
mit Schreiben vom 6. Oktober 2009
durch ihre Vertreterin mitteilen, sie sei am 15. September 2009 von ihrer Woh
nung
in das Alterszentrum
Z._
umgezogen (vgl. zum Sachverhalt im Fol
gen
den: Urteil des Soz
ialversicherungsgerichts ZL.2013.00075
vom 28. Februar 2014,
Urk.
7/1
)
. Aufgrund dieser Meldung passte die Durchführungsstelle in den
f
olgenden Verfügungen die Berech
nung der Ergänzungsleistungen zwar
an, rechnete jedoch gleichzeitig unter der Rubrik „Weitere Ausgaben“ die Mietkos
ten für die Wohnung weiterhin als anerkannte Ausgabe an. Anlässlich der periodischen Überprüfung des Leistungsanspruchs im April 2012 b
emerkte sie den Fehler. In der Folge forderte sie von der Versicherten die in der
Zeit vom 1. Oktober 2009 bis 31. Mai 2012 zuviel bezogenen Ergänzungsleistun
gen von Fr. 33‘886.- zu
rück (Verfügung vom 10. Juli 2012). Die dagegen erhobene Ein
sprache wies sie mit Entscheid vom 27. Juli 2012 ab
, äusserte sich inhaltlich aber nur zur Frage des Erlasses
. Das Sozialver
sicherungsgericht hiess die dage
gen erhobene Beschwerde mit Urteil ZL.2012.0077
vom 28. März 2013
(
Urk.
8/26)
in dem Sinne gut, dass es die Sache an die Durchführungsstelle zurückwies, damit diese zunächst einen auf die Frage der Rückerstattungsfor
derung beschränkten Einspracheentscheid erlasse und nach rechtskräftigem Abschluss dieses Verfahrens, soweit erforderlich, über das Erlassgesuch verfüge und hernach, falls die Versicherte die Verfü
gung nicht akzeptiere, betreffend den Erlass ein Einspracheverfahren durchführe.
Darauf forderte die Durchfüh
rungsstelle mit Verfügung vom 27. Mai 2013 von der Versicherten die in der Zeit vom 1. Oktober 2009 bis 31.
Mai 2012 zuviel bezogenen Ergän
zungsleistungen von Fr. 33‘886.- zurück und
hielt daran nach erhobener Ein
sprache mit Entscheid vom 18. Juli 2013
fest; gleichzeitig wies sie ein Erlassgesuch der Versicherten ab. Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das Sozialver
sicherungsgericht mit Urteil
ZL.2013.00075 vom 28. Februar 2014
(
Urk.
7/1) erneut
in dem Sinne gut, dass es die Sache an die Durchführungsstelle zurückwies, damit diese betreffend den Erlass
ein Einspracheverfahren durch
führe.
1.2
Gestützt auf das Rückweisungsurteil vom 28. Februar 2014 wies die Durchfüh
rungsstelle das Erlassgesuch der Versicherte
n
mit Verfügung vom 3. Juni 2014 mangels eines guten Glaubens ab (
Urk.
7/4) und hielt daran nach erhobener Ein
sprache vom
23. Juni 2014 (
Urk.
7/5) mit Entscheid vom 7. Juli 2014 fest
(
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 30. Juli 2014 Beschwerde, wobei sie ihr Erlass
gesuch erneuerte (
Urk.
1). In der Beschwerdeantwort vom 15. September 2014 (
Urk.
6) schloss die Durchführungsstelle auf Abweisung der Beschwerde. Im Weiteren beantragte sie, die Verf
ahrenskosten seien der Versicherten aufzu
erlegen und es sei die Beschwerdefüh
rerin zu verpflichten, ihr eine angemessene Parteientschädigung zu entrichten.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1
.
1.1
Die anspruchsberechtigte Person hat gemäss Art. 24 der Verordnung über die Ergänzungsleistungen (ELV) der Durchführungsstelle von jeder Änderung der persönlichen und von jeder ins Gewicht fallenden Änderung der wirtschaftli
chen Verhältnisse unverzüglich Mitteilung zu machen (vgl. auch Art. 31 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemein
en Teil des Sozialversicherungs
rechts, ATSG).
1.2
Nach Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG sind unrechtmässig bezogene Leistungen zurück
erstatten. Wer Leistungen in gutem Glauben empfangen hat, muss sie nicht zurückerstatten, wenn eine grosse Härte vorliegt (Satz 2).
Der gute Glaube als Erlassvoraussetzung ist nicht schon mit der Unkenntnis des
Rechtsmangels gegeben. Es ist zu unterscheiden zwischen dem guten Glauben als
fehlendem Unrechtsbewusstsein und der Frage, ob sich jemand unter den gege
benen Umständen auf den guten Glauben berufen kann, und ob er bei zu
mut
b
arer Aufmerksamkeit den bestehenden Rechtsmangel hätte erkennen sollen. Der
Leistungsempfänger darf sich nicht nur keiner böswilligen Absicht, sondern auch keiner groben Nachlässigkeit schuldig gemacht haben.
Nach der Rechtsprechung
entfällt der gute Glaube als Er
lassvoraussetzung von vornherein, w
enn der Rückerstattungstat
bestand (Melde
oder Auskunftspflicht
verletzung) durch ein arglistiges oder
grobfahrlässiges Verhalten her
beigeführt wurde. Anderseits kann sich die versicherte Person auf den guten Glauben berufen, wenn ihre fehlerhafte Handlun
g oder Unter
lassung nur eine leichte Ver
letzung der Melde
oder Auskunfts
pflicht darstellt
(BGE 112 V 97 E. 2c mit Hinwei
sen).
Das Mass der erforderlichen Sorgfalt beurteilt sich nach einem objek
tiven Massstab, wobei aber das den Betroffenen in ihrer Subjektivität Mögliche und Zumutbare nicht ausgeblendet werden darf
.
Der gute Glaube ist jedoch regelmässig zu verneinen, wen
n der Versicherte das Ergänzungsleis
tungs
-
Berechnungsblatt nicht oder nur unsorgfältig kontrolliert und deshalb einen d
arin enthaltenen gravierenden,
leicht erkennbaren Fehler nicht meldet (Urteil
des Bundesgerichts 8C_391/2008 vom 14. Juli 2008, E. 4.4.1)
.
2.
2.1
Streitig und zu prüfen ist einzig der Erlass der rechtskräftig gewordenen Rückfor
derung.
2.2
Die Beschwerdegegnerin verneint die Gutgläubigkeit der Beschwerdeführer
in
im Wesentlichen
mit der Begründung
(
Urk.
2,
Urk.
6)
,
die Beschwerdeführerin res
pektive deren Nichte
und Vertreterin
hätten die offenkundig fehlerhafte
Anrechnung der Mietkosten
realisieren und nachfragen müssen, weshalb dieser Posten immer wieder in der Berechnung Niederschlag finde, obwohl die Versi
cherte ja keine Wohnung mehr habe. Sie hätten die Berechnungsblätter nicht auf diese
n
Fehle
r
hin kontrolliert und
damit
ihre Kontrollaufgaben offenkundig nicht wahrgenommen.
Dem hält die Beschwerdeführerin entgegen, der Betrag von
Fr.
13‘200.- sei auf keiner der vielen Neuberechnungen als Zins
für die
Wohnung deklariert worden, sondern unter „Weitere Ausgaben“
aufgeführt wor
den
. Der Jahres
zins
der
Wohnung habe
Fr.
14‘400.- b
etragen, und nicht
Fr.
13‘200.-.
Es
habe somit weder
für sie noch
für
ihre Vertreterin
einen Hinweis auf eine fehlerhafte Anrechnung von Mietzinsen gegeben.
3.
3.1
Es besteht aufgrund der
Akten
kein Grund zur Annahme,
die Beschwerdeführe
rin
oder
ihre Rechtsvertreterin
hätten absichtlich die Ausrichtung von Ergän
zungsleistungen erwirkt, auf welche kein Anspruch bestand.
Im Weiteren steht fest und ist unbestritten, dass die Meldepflicht im Zusammenhang mit dem Umzug der Beschwerdeführerin in das Alters
zentrum
per 15. September 2009 mit dem Schreiben ihrer Nichte und Vertreterin vom 6. Oktober 2009 rechts
genüglich erfüllt w
urde
(
Urk.
8/3).
Nebst der Verletzung der Melde- oder Aus
kunftspflicht kann auch die Unterlassung, sich bei der Verwaltung nach der Rechtmässigkeit einer Auszahlung zu erkundigen, der Berufung auf den guten Glauben entgegen stehen
(ARV 1998 Nr. 41 S. 234)
.
Dabei kann von einer
Bezügerin von Ergänzungsleistungen
aber
nicht erwartet werden, dass
sie
die Berechnung der Verwaltung vollständig nachzuvollziehen vermag. Um sich nicht dem Vorwurf einer Sorgfaltspflichtverletzung auszusetzen, muss es genü
gen, dass
sie
die den Verfügungen beigelegten Berechnungsblätter im Rahmen
ihrer
Möglichkeiten zumindest auf offensichtliche Fehler
überprüft (Urteil des Bundesgerichts 9C_921/2010 vom 19. Januar 2011, E. 3)
.
Im Weiteren ist vor
liegend zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin sich im Zuge
ihres Umzuges in das Alterszentrum
neu durch ihre Nichte vertreten liess, welche
sich gegenüber der Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 6. Oktober 2009 und nachgereichter Vollmacht vom 17. November 2009 entsprechend ausgewiesen hat (
Urk.
8/3). Im Rückerstattungszeitraum vom 1. Oktober 2009 bis zum
31. Mai 2012 wurden dementsprechend alle Verfügungen gegenüber der Nichte
eröffnet (
Urk.
8/4,
Urk.
8/
13), und nicht mehr wie
im früheren Zeitraum gegen
über
der Beschwerdeführerin (als Beispiel Verfügung vom 29. September 2009,
Urk.
8/2). Die Frage nach der Gutgläubigkeit richtet sich unter diesen Umstän
den nach dem Verhalten und den Kenntnissen der Nichte der Beschwerdeführe
rin als deren Vertreterin, was sich die Beschwerdef
ührerin anrechnen
zu lassen
hat (BGE 11
2 V 97 E. 3b).
3.2
Die Argumentation der Beschwerdegegnerin, die
Nichte der Beschwerdeführerin
hätte
die fehlerhafte Anrechnung der Mietkosten
von jährlich
Fr.
13‘200.-
auf
grund der
Angaben in
den
Berechnungsblätter
n
offensichtlich realisieren müs
sen, s
etzt grundsätzlich voraus, dass diese Beträge
entweder
konkret als Miet
kosten aufgeführt
wurden
oder aber dass der Nichte die betragsmässige Über
einstimmung von
Fr.
13‘200.- mit dem
jährliche
n
Mietzins-
Höchstbetrag für alleinstehende
Personen von
Fr.
13‘200.- (
Art.
10
Abs.
1 lit. b ELG) bekannt war
.
Beides
trifft nicht zu
.
E
inerseits
waren diese Kosten in den jeweiligen Ver
fügungen bloss unter der Rubrik „Weitere Ausgaben“ aufgeführt,
und
zwar
ohne
konkretisiere
nde
Zusatzh
inweise, was unbestritten ist (
als Beispiele
Urk.
8/4,
Urk.
8/
7;
Urk.
1,
Urk.
6).
Andererseits war der Rechtsvertreterin
auf
grund der Aktenlage
die Übereinstimmung des Betrag
s
von
Fr.
13‘200.- mit dem erwähnten Mietzins-Höchstbetrag weder aufgrund früherer Erfahrungen
(zur Berücksichtigung des Erfahrungs- und Kenntnisstandes: Urteil des Bundesge
richts 9C_921/2010 vom 1
9.
Januar
2011, E.
2)
noch
später
er
, nach
dem Ver
tretungsbeginn erfolgter
Hinweise rechtsgenüglich bekannt
.
Insbesondere
erfolgte die Anspruchsermittlung
bereits
im ersten Berechnungsblatt, das
ihr
nach Beginn ihrer Vertretung
am
6.
Oktober 2009 zu
ge
stellt
wurde
(
Urk.
8/4
),
auf
g
rund des
gemeldeten
neuen
Heimaufenthaltes
der Beschwerdeführerin
, womit
die Anrechnung des
jährliche
n
Mietzins-Höchstbetrag
es
grundsätzlich
nicht mehr
Diskussion stand
.
Somit lag diesbezüglich aus der Sicht der Nichte ein versteckter oder zumindest
für einen Laien
keineswegs ohne Weiteres
leicht erkennbarer
Fehler vor.
Der gegenteiligen Auffassung der Beschwerdegegnerin, wonach der Berechnungsfehler für die Nichte offensichtlich respektive leicht erkennbar gewesen sei, kann daher nicht gefolgt werden.
Weitere Auffälligkei
ten, aufgrund derer die Nichte den Fehler hätte erkenn
en
müssen, liegen eben
falls nicht vor.
D
iesbezüglich brachte die Beschwerdegegnerin
denn auch
nichts Konkretes vor.
Unter diesen Umständen ist
die
Gutgläubigkeit
der Nichte als Vertreterin der
Beschwerdeführerin
und damit auch jene
der Beschwerdeführe
rin
selber
zu bejahen.
3
.3
Die Sache ist daher an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie die zweite, kumulativ zu erfüllende Erlassvoraussetzung der grossen Härte prüft und hernach über das Erlassgesuch erneut entscheidet.
4.
In diesem Sinne ist die
Beschwerde
gutzuheissen.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens besteht kein Anlass dazu, der Beschwerde
-
geg
nerin eine Parteientschädigung zuzusprechen oder der Versi
cherten die Verfahrenskosten aufzuerlegen.