# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** ba6d22c1-3b13-4772-a5f8-e3b67087f43b
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der 1962 geborene
X._
, welcher zuletzt als selbständiger Fassaden
isolateur tätig gewesen war (Urk. 2/7/9/4, 2/7/16/2), meldete sich am 9. Septem
ber 2013 (Eingangsdatum, Urk. 2/7/9) unter Hinweis auf psychische Beein
träch
tigungen sowie solche am Knie, dem Rücken, der Schulter und am Handgelenk zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an. Daraufhin wurde der Ver
sicherte am 21. August
2014
psychiatrisch durch Dr. med.
Y._
,
Facharzt FMH für
Psychiatrie und Psychotherapie,
und am 15. September 2014 rheumatologisch durch Dr. med.
Z._
,
Fachärztin FMH für
Innere Me
dizin, spez. Rheumaerkran
kungen
,
begutachtet
(
Gutachten vom 13. Oktober 2014 [Urk. 2/7/48]
beziehungs
weise vom 11. Oktober 2014 [Urk. 2/7/47])
. Die IV-Stell
e gelangte zum Schluss, das psy
chiatrische Gutachten sei nicht nachvoll
ziehbar (Stellungnahme vom 23. März 2015, Urk. 2/7/77/8-9), woraufhin sie ein weiteres psychiatrisches Gut
achten bei Dr. med.
A._
,
Facharzt FMH für
Psychiatrie und Psyc
hotherapie, in Auftrag gab (Gut
achten vom 10. Septem
ber 2015 [Urk. 2/7/57] mit ergänzenden Stellungnahmen vom 29. Februar
[Urk. 2/7/69] und 10. August 2016 [Urk. 2/7/75]). Mit Verfügung vom 20. Septem
ber
2018 wies sie das Leistungsbe
gehren ab (Urk. 2/2).
2.
2.1
Dagegen erhob
X._
am 22. Oktober 2018 Beschwerde beim hiesigen Sozialver
sicherungsgericht und beantragte, die Verfügung vom 20. September 2018 sei aufzuheben und es sei ihm eine ganze Invalidenrente
zuzusprechen
. Eventualiter seien weitere medizinische Abklärungen
vorzunehmen
(Urk. 2/1).
Das hiesige Gericht wies die Beschwerde m
it Urteil vom 18. Mai 2020
ab (Urk. 2/13), welches vom
Bundesgericht in teilweiser Gutheissung der Beschwerde des Beschwerde
führers mit Urteil
9C_455/2020 vom 15. Oktober 2020
auf
ge
hoben wurde; das Bundesgericht
wies die Sache an das hiesige Gericht
zu weiterer Abklärung im Sinne der Erwägungen und neuer Entscheidung zurück
. Im Übrigen wies
es
die Beschwerde ab
(Urk. 1)
.
2.2
In der Folge
stellte das
hiesige
Gericht
den Parteien
m
it Be
schluss vom 6. Januar 2021
eine psychiatrische Begutachtung des Beschwerdeführers bei Dr. med.
B._
, Facharzt
FMH
für Ps
ychiatrie und Psychotherapie, in Aussicht
und gewährte eine Frist zur Nennung allfälliger Ablehnungsgründe sowie zur Bean
tragung von Änderungen und Ergänzungen der Fragestellung
(Urk. 4
).
Die Beschwerdegegnerin teilte mit Stellungnahme vom 15. Februar 2021 mit, es be
stünden keine Ablehnungsgründe gegen den in Aussicht genommenen Gutachter,
und es würden keine Änderungen oder Ergänzungen zur Fragestellung beantragt (Urk. 7). Der Beschwerdeführer
verzichtete in seiner Stellungnahme vom 15. Februar 2021 ebenfalls auf Ergänzungsfragen,
stellte
aber
den Antrag, an
stelle von Dr.
B._
sei ein psychiatrischer Gutachter aus Zürich, ebenfalls mit einem Facharzttitel für Psychi
atrie und Psychotherapie, einem
Weiterbild
ungs
titel
als
Vertrauensarzt der Schweizerischen Gesellschaft der Vertrauens- und Versicherungsärzte SGV,
eingetragen in der
Liste des Medizinalberuferegisters (MedReg)
,
zu ernennen. Ferner sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und Rechtsanwältin Dr. Barba
ra Wyler, Frauenfeld, als unentgeltliche Rechtsvertreterin
zu
bestellen
(Urk. 8).
Mit Beschluss vom 16. März 2021 wurde die Begutachtung unter Verzicht auf Ergänzungen oder Änderungen des Fragen
katalogs bei Dr.
B._
– mangels sachgerechter Einwände gegen seine Person – angeordnet. Dem Beschwerdeführer wurde sodann Frist angesetzt, um sein Ge
such um unentgeltliche Rechtspflege zu substantiieren (Urk. 10).
Nach Aufl
age
der erforderlichen Unterlagen (Urk. 12-14) wurde dem Beschwerdeführer mit Ver
fügung vom 20. Mai 2021 die unentgeltliche Prozessführung gewährt und Rechts
anwältin Dr. Barbara Wyler, Frauenfeld als unentgeltliche Rechtsvertre
terin für das vorliegende Verfahren bestellt (Urk. 15). Der Auftrag an Dr.
B._
wurde am 20. Mai 2021 erteilt (Urk. 16)
;
er erstattete
das Gutachten am 31.
Oktober 2021 (Urk. 22)
, wozu den Parteien mit Verfügung vom 1
0.
November 2021 das recht
liche Gehör gewährt wurde
.
Mit Eingabe vom
1. Dezember 2021 teilte die Be
schwerdegegnerin mit, sie halte an ihrem Antrag auf Abweisung fest und ver
zichte auf eine
weitere
Stellungnahme (Urk. 28)
.
Der Beschwerdeführer
äusserte sich
mit Eingabe vom 6. Dezember 2021 zum Gerichtsgutachten (Urk. 30) und beantragte, dieses sei nicht zu verwerten und es sei vom Gericht ein erneutes fach-psychiatrisches Gutachten durch einen qualifizierten Gutachter in Auftrag zu geben (Urk. 30 S. 2). D
er Beschwerdeführer legte
ei
ne Stellungnahme von Dr. med.
C._
, Facharzt
FMH
für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 2. Dezember 2021 (Urk. 31)
auf.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
ver
sicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen Einspracheentscheids eingetretenen
Sachverhalt abstellt (BGE 144 V
210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
fol
gend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch a
uf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs.
1
IVG
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
ti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vo
r
aus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
li
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Er
werbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.5
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
li
ditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medi
zi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_
580/2017 vom 16. Januar 2018 E.
3.1 mit Hinweisen).
1.6
Bei Gerichtsgutachten weicht das Gericht nach der Pra
xis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Fachleute ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen
bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kan
n vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Ge
richt eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schlussfolge
rungen gelangt. Abweichende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachleute dem Gericht als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen,
sei es, dass es die Überprüfung durch eine weitere Fachperson im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne eine solche vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (
BGE 143 V 269 E. 6.2.3.2, 125 V 351 E.
3b/aa
).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom 20. September 2018 begründete die Be
schwerdegegnerin die Abweisung des Leistungsbegehrens im Wesentlichen damit, eine für die Invalidenversicherung relevante gesundheitliche Einschränkung, wel
che
die Arbeitsfähigkeit längerdauernd und in erheblicher Weise einschränke, sei nicht
ausgewiesen. Aus medizinischer Sicht liege ein reaktives Geschehen sowie ein Überwiegen von invaliditätsfremden Faktoren w
ie psychosozialen, finanziel
len
Anreiz- und Belastungsfaktoren vor. Betreffend die vom Beschwer
deführer gel
tend
gemachte gesundheitliche Beeinträchtigung sei von einer vor
übergehenden Kris
ensituation auszugehen. Infolge
dessen sei dem Beschwerde
führer eine Erwerbstätigkeit uneingeschränkt zumutbar (Urk. 2
/
2
).
2.2
Der Beschwerdeführer brachte demgegenüber vor, auf das eingeholte jüngere (zweite) psychiatrische Gutachten könne nicht abgestellt werden, da es sich hier
bei um eine unzulässige «second opinion» handle (Urk.
2
/
1 S. 5). Ohnehin könne auf das jüngere (zweite) Gutachten nicht
abgestellt werden, da dieses –
auch nach Auf
fassung der Beschwerdegegnerin –
die vom Bundesgericht aufgestellten Qua
litätskriterien nicht erfülle (Urk.
2
/
1 S. 4). Darüber hinaus sei das Vorgehen der Beschwerdegegnerin als widersprüchlich zu bezeichnen. So erachte sie das jün
gere (zweite) Gutachten zwar als beweiskräftig, weiche dann dennoch davon ab.
So habe der (Zweit-)Gutachter anerkannt, dass der Beschwerdeführer vor der durch
ihn durchgeführten Begutachtung im Herbst 2015 an einer schweren depressiven Episode gelitten habe, welche eine vollständige Arbeitsunfähigkeit zur Folge ge
habt habe (Urk.
2
/
1 S. 4-5), was die Beschwerdegegnerin aber nicht anerkenne. Schliesslich sei die Beschwerdegegnerin ihrer Abklärungspflicht nicht nachge
kommen, indem sie die im Januar 2017 eingetretene Verschlechterung des Ge
sundheitszustandes, welche ausreichend dokumentiert sei, unzutreffend als vor
über
gehende Krisensituation abgetan habe (Urk.
2
/
1 S. 5-6).
2.3
Mit Urteil 9C_455/2020 vom 15. Oktober 2020 (Urk. 1) hielt das Bundesgericht – unter Hinweis darauf, aus somatischer Sicht sei eine uneingeschränkte Arbeits
fä
higkeit unbestritten geblieben (E. 2.1), – fest, der Versicherte vermöge mit seine
m Einwand, das Gutachten des Dr.
Y._
sei beweiskräftig, weshalb die neuerliche
psychiatrische Begutachtung durch Dr.
A._
als «second opinion» zu werten
sei,
nicht durchzudringen.
Dr.
Y._
habe sich weder mit den psychosozialen Belas
tungsfaktoren noch mit den vorhandenen Inkonsistenzen auseinander
ge
setzt oder habe diese überhaupt exploriert, obwohl
deren
Vorhandensein aus dem rheumatologischen Gutachten ohne Weiteres ersichtlich gewesen sei. Soweit er ohne weitere Ausführungen lediglich fest
gehalten habe, es bestünden «keine Hin
weise auf eine schwerwiegende,
belastende, psychosoziale Situation», lasse sich dies nicht nachvollziehen. Der Schluss der Vorinstanz, beim eingeholten Zweit
gutachten des Dr.
A._
handle es sich nicht um eine unzulässige Zweit
meinung, sei infolgedessen bundesrechtskonform (E. 3.1).
Demgegenüber
gelang
te das Bundesgericht zum Schluss
, das psychiatrische Gutachten des Dr.
A._
erlaube – im Lichte der im Entscheidzeitpunkt massgeblichen Indikatoren – keine schlüs
sige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Versicherten auf objektivierter Grund
lage. Es hob daher den Entscheid IV.2018.00919 des hiesigen Gerichts vom 18. Mai 2020 in Sachen der Parteien auf und wies die Sache zur Einholung eines psychiatrischen Ge
richtsgutachtens und zum Neuent
scheid an das kantonale Gericht zurück. Dabei legte das Bundesgericht fest, dass sich die einzuholende Expertise unter Berücksichtigung der massgeblichen Indikatoren gemäss BGE 141 V 281 insbesondere dazu zu äussern habe, ob und in welchen Zeiträumen aus
ge
hend von den zu stellenden Diagnosen ab März 2013 eine gänzliche oder teil
weise Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers mit überwiegender Wahrschein
lich
keit ausgewiesen sei (E. 3.2.3).
3
.
Der gerichtlich bestellte Experte, Dr.
B._
, explorierte den Beschwerdeführer am 9. S
eptember 2021 und erstattete sein
Gutachten am 31. Oktober 202
1.
Gestützt auf den von ihm erhobenen psychischen Befund
verneinte er das Vorliegen einer Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Als Diagnosen ohne Aus
wir
kung
auf die Arbeitsfähigkeit führte
er die folgenden
auf
(Urk. 22 S. 34):
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte depressive Epi
sode (ICD-10: F33.0), Status nach mittelgradiger depressiver Episode 2017, ohne Chronifizierungstendenzen, eindeutig weiter besserungsfähig
-
Differentialdiagnose: Dysthymia (ICD-10: F34.1)
-
Chronische Schmerzen
-
Akzentuierte Persönlichkeitszüge mit emotional-instabilen und histrio
nisch-infantilen Anteilen (ICD-10: Z73.1)
Dr.
B._
konnte anlässlich der gutachterlichen Untersuchung allenfalls leichte
depressive Symptome wie gelegentliche Stimmungsschwankungen ohne rele
vante
Ängste, eine in der Exploration vorrangig dysphorische Stimmung und eine
ablehnende Haltung mit
–
tr
otz mehrfachem
Nachfragen des Referenten
–
über
wiegend lückenhaften Angaben mit einer ausgeprägten Aggravationstendenz
feststellen
. Es
konnten
allenfalls geringe Einschränkungen der Ausdauer, der Durchhaltefähigkeit und der Stress- und Frustrationstoleranz bei andauernd guter Konzentration beobachtet werden.
Dr.
B._
hielt sodann fest, diagnostisch sei
–
unter Beachtung der aktuell referierten anamnestischen Auskünfte des Explo
ran
den, der umfangreichen psychiatrischen Vorbeurteilungen und Vorgutachten, die im IV-Dossier vorl
ägen, und der
aktuellen objektiven Untersuchungsbefunde
–
aus gutachterlich-psychiatrischer Sicht davon auszugehen, dass aktuell eine D
ysthymia bei allenfalls leichter depressiver
Symptomatik bei einer gegenwärtig
vollremittierten rezidivierenden depressiven Störung auf dem Boden von akzen
tu
i
erten Persönlichkeitszügen mit histrionisch
-
infantilen und emotio
nal-instabi
len Anteilen vorliege
. Bei einer seit mehreren Jahren allenfalls leichten depres
siven Symptomatik h
abe der Vorgutachter
Dr.
med.
A._
in seinem Gut
achten von 2015 eine Dysthymia schon als Verdachtsdiagnose angegeben.
Wie bei einer re
zidivierenden
depressiven Störung üblich, sei
es im Krankheitsverlauf, also auch im weiteren Verlauf
nach der Begutachtung bei Dr.
med.
A._
,
zu gewissen Schwankungen der Stimmung
gekommen. Retrospektiv erscheine
es
möglich, dass zeitweilig eine
etwa mittelgradige depr
essive Symptomatik be
stan
den habe
, weshalb es in der Folge 2017 zu
einer
stationären Behandl
ung gekom
men sei
. Anhand der in den Berichten der
D._
be
schriebenen Symptome und des
Ver
haltens des Exploranden müsse
aber aus aktueller gutachterlicher Sicht
aufgrund
der a
ktuellen subjektiven Angaben be
zweifelt werden, dass eine schwere depre
s
sive Symptomatik vorge
legen habe
. Die Schilderungen über allenfalls mittelgra
dige depressive Symptome in diesen drei Arztberichten von 2017
würden
nicht mit den in diesen Berichten gestellten Diagnosen zusammen
passen
.
Auch in den folgenden Jahren habe
der Beschwerdeführer
keine schwere und auch keine län
ger andauernde mittelgradige depressive Symptomatik entwickelt.
Da bei gerin
gen Symptomen kein ausrei
chen
der Leidensdruck und somit auch keine tragfä
hige Ther
apiemotivation vor
gelegen habe
,
habe
der Explorand auch bis heute nie eine regelmässige psy
chiatrische Behandlung für erforderlich
gehalten
.
Bei
der aktuellen Exploration habe
sich der Explorand ebenfalls nicht depressiv gehemmt oder passiv
gezeigt
, sondern sehr
aktiv und gesprächig. Er habe
so schnell und viel
geredet
, dass der D
olmetscher regelrecht Mühe gehabt habe
, alles von ihm Gesagte auch Wort für Wort zu übersetzen. Zudem
habe
er darüber hinaus sogar energie
geladen und manipulativ den Gesprächsverlauf zu bestimmen
versucht
.
Ein solch aktives Ver
halten sei
schon bei einer leichten bis mi
ttelgradigen depressiven Sympto
matik definitiv selten und bei einer schweren depressiven S
ymptomatik eindeu
tig nie zu beobachten
(Urk. 22 S.
29-31)
.
Dr.
B._
konnte schliesslich aus aktueller gutachterlicher Sicht die Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren anhand der Untersuchungsbefunde und der erforderlichen Kriterien der ICD-10 nicht bestätigen, da beim Exploranden kein besonderer Schweregrad
der diffusen
Schmerzen vorliege und er selber diese Schmerzen nicht als relevant ansehe (Urk. 22 S. 32).
Unter Berücksichtigung sämtlicher Faktoren gelangte er zum Schluss, der Explorand sei aus objektiver gutachterlicher Sicht nicht einge
schränkt (Urk. 22 S. 37).
Zudem bestünden über Verdeutlichungstendenzen deut
lich hinausgehende Tendenzen zu Aggravation. Täuschungsversuche oder Malin
gering könnten auch bei expliziter Prüfung nicht ausgeschlossen werden (Urk. 22 S. 39).
Sowohl in der angestammten Tätigkeit als auch in adaptierten Tätigkeiten bestehe – unter Berücksichtigung der massgeblichen Indikatoren gemäss BGE 141 V 281 – seit spätestens September 2015 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Von April 2013 bis September 2015 habe bei der damals gestellten Diagnose einer mittel
gradigen depressiven Episode retrospektiv allenfalls eine invalidenversi
cherungs
rechtlich relevante Arbeitsunfähigkeit von höchstens 50 % bestanden (Urk. 22 S. 40 f.). Allerdings sei eine solche bloss mit gewisser Wahrscheinlichkeit und nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgewiesen (Urk. 22 S. 42).
4.
4.1
4.1.1
Entgegen der vom Beschwerdeführer vertretenen Auffassung (vgl. Urk. 30) ver
mag
das Gerichtsgutachten in allen Teilen zu überzeugen. Es beruht auf sorg
fältigen und allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt die beklagten Beschwer
den und ist in Kenntnis der relevanten Vorakten abgegeben worden. Die Beur
teilung ist schlüssig und nachvollziehbar; der gerichtlich bestellte Experte erhob einen
um
fassenden
psychischen Befund (Urk. 22 S.
26), begründete die Herleitung der
Diagnosen (Urk. 22 S. 27-34), stützte seine Diagnostik auf die Vorga
ben des ICD-1
0 (Urk. 22 S. 34)
und
setzte sich mit
früheren ärztlichen
Einschätzungen hinrei
chend auseinander
(Urk. 22 S. 39)
.
4.1.2
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind auch bei den leichten bis mittel
gra
digen depressiven Störungen
– wie vorliegend –
systematisierte Indikatoren be
acht
lich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belas
tung
s
faktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) ander
erseits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE
141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1).
Eine leicht- bis mittelgradige depressive Störung ohne nennenswerte Interferenzen durch psychiatrische Komorbiditäten
lässt sich im Allgemeinen nicht als schwere psychische Krankheit definieren. Besteht dazu noch ein bedeutendes therapeutisches Potential, so ist insbesondere auch die Dauerhaftigkeit des Gesundheitsschadens in Frage gestellt. Diesfalls müssen gewichtige Gründe vorliegen, damit dennoch auf eine invalidisierende Erkrankung geschlossen werden kann (zur Publikation vorgesehenes Urteil des Bundesgerichts 8C_280/2021 vom 17. November 2021 E. 6.2.2 mit Hinweis). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewie
sen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versi
cherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Dr.
B._
setzte sich in seinem Gutachten eingehend mit den Standardin
dika
to
ren auseinander. So äusserte er
sich insbesondere
zu der Ausprägung der dia
gno
se
relevanten Befunde
, zum bisherigen B
ehandlungs- und Eingliederungser
folg
res
pektive zur
–
resistenz
, zu
möglichen
Komorbiditäten, zu Fähigkeiten, Res
so
ur
cen und Belastungen sowie zur Konsistenz und Plausibilität. Er legte unter Berück
sichtigung der Standardindikatoren substantiiert dar,
weshalb beim
Be
schwer
de
führer in seinem funktionellen Leistungsvermögen
mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit seit April 2013
keine Einschränkung besteht
.
Gründe, welche ein Abweichen von dieser Einschätzung nahelegen, sind keine ersichtlich.
4.2
4.2.1
Der Beschwerdeführer
brachte im Wesentlichen vor
, das Gutachten von
Dr.
B._
sei aufgrund der begründeten, fachpsychiatrischen Kritik von Dr.
C._
als nicht verwertbar und untauglich und angesichts der an ein Gutachten zu stellenden Qualitätsansprüche als ungenügend zu qualifizieren. Dr.
C._
habe das Gut
ach
ten von Dr.
B._
mit fachlich überzeugender Kritik eingehend als Facharzt gewürdigt, wodurch er eine Voreingenommenheit des Gutachters dem Beschwer
de
führer gegenüber und zahlreiche gravierende Mängel am Gutachten von Dr.
B._
blossgelegt habe (Urk. 30 S. 12).
4.2.2
Bei seiner Kritik am Gutachten
, welche sich auf die Stellungnahme von Dr.
C._
stützt
(Urk. 30
; vgl. auch Urk. 31
)
,
übersieht der Beschwerdeführer, dass der gerichtlich bestellte Experte sein Gutachten unter der strengen Strafandrohung von Art. 307 StGB erstattete (vgl. Urk. 16)
. Letzterer bestätigte sodann auch
, den Auftrag des Sozialversicherungsgerichts frei von Interessenbindungen, unpartei
isch und in voller Unabhängigkeit ausgeführt und in der Argumentation und bei
der Beantwortung der Fragen die allgemein anerkannten medizinischen Erkennt
nisse und die versicherungsmedizinischen Rahmenbedingungen berücksichtigt zu haben (Urk. 22 S. 46)
.
Es gehört
e
darüber hinaus
zu seinen Aufgaben
,
den Befund anhand der Klinik zu überprüfen und dessen Auswirkungen bei der Unt
ersuchung und im Alltag substanti
iert darzulegen, wozu insbesondere auch Angaben zum beobachteten Verhalten und Feststellungen über die Konsistenz der gemachten Angaben gehör
t
en; allein daraus kann deshalb nicht der Anschein der Befan
gen
heit abgeleitet werden (
vgl. das Urteil des Bundesgerichts 9C_554/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 3.2.1 mit weiteren Hinweisen
).
Dr.
B._
hielt seine Beobachtungen nüchtern und sachlich fest und konnte beim Beschwerdeführer von Beginn an Tendenzen zu ausgeprägter Aggravation beobachten (Urk. 22 S. 26).
Auch stellte er fest,
es habe der Anschein bestanden,
dass der Dolmetscher vom Besc
hwerdeführer Anweisungen erhalten habe
, wie er zu übersetzen habe, so, als ob sic
h ein Machtkampf abgespielt hätte
, wer den Gesprächsverlauf
tat
säch
lich bestimme –
der Beschwerdeführer oder der Gutachter. Nach etwa 30
Minuten habe der Gutachter den Dolmetscher darauf aufmerksam gemacht, dass er wie üblich wörtlich übersetzen solle, um ihn bei seiner Arbeit zu unt
er
stützen (Urk. 22 S. 27).
Dr.
B._
gelangte
aufgrund der
erhobenen
Befunde
zum Schluss, der Beschwerdeführer habe sich bei der aktuellen Exploration
nicht de
pressiv gehemmt oder passiv
gezeigt
, sondern sehr
aktiv und gesprächig.
Zu
dem
habe
er darüber hinaus sogar energie
geladen und manipulativ den Gesprächs
ver
lauf zu bestimmen
versucht
.
Ein solch aktives Verhalten sei
schon bei einer leich
ten bis mi
ttelgradigen depressiven Sympto
matik definitiv selten und bei einer schweren depressiven S
ymptomatik eindeu
tig nie zu beobachten
(Urk. 22 S. 31).
Dem E
xperten aufgrund
dieser
nachvollziehbaren
Einschätzung
fehlende
Neutra
lität
vorzuwerfen
(Urk. 30 S. 8), geht
fehl
,
verlieh er damit lediglich
–
in
Erfüllung
des ergebnisoffenen Gutachtensauftrags
–
seiner
anhand der Anam
nese, der Klinik und der Beobachtungen gewonnenen E
rkenntnis
Ausdruck
.
Vor dem Hintergrund der ausführlichen und umfassenden persönlichen Anam
nese- und Befunderhebung durch den Gutachter
selbst
erweisen sich
auch
die gegen ihn erhobenen Vorwürfe, er
mache sich die Auffassung von Dr.
A._
zu eigen, um gewisse Tatsachen zu übergehen (Urk. 30 S. 4), und er habe sich nur auf das Gutachten von Dr.
A._
abgestützt (vgl. Urk. 30 S. 12), als haltlos.
Die Notwendigkeit einer Auseinandersetzung mit der Einschätzung von Dr.
A._
ergab sich bereits aus dem Gutachtensauftrag und erwies sich auch deshalb als erforderlich, um die Fragen zur Entwicklung des Gesundheits
zustands des Beschwerdeführers sowie dessen Arbeitsfähigkeit unter Berück
sich
tigung der
massgeblichen Standardindikatoren (vgl.
den Rückweisungsentscheid des Bun
desgericht
s
[Urk. 1] sowie
die im Beschluss vom 16. März 2021 ent
haltenen Frage
n
11.1 und 11.2 [
Urk. 10 S. 4
]
) beantworten zu können (vgl. Urk. 22 S. 40).
Die auf eine allfällige Befangenheit des Gutachters abzielenden Vorwürfe (Urk. 30 sowie 31) sind daher
nicht geeignet, Zweifel an
seiner
Unvoreingenommenheit
zu wecken.
4.2.3
Dr.
C._
behandelte
den Beschwerdeführer ab dem Jahr 2013 (Urk. 30 S. 3 und Urk. 2/7/26/1) – mit Unterbrüchen – bis zu seiner Pensionierung Ende 2016 (Urk. 2/7/86 und Urk. 22 S.
36).
In Bezug auf
seine
Berichte, insbesondere auch
auf
die
56 Seiten umfassende
Stellungnahme
zum Gutachten
(Urk. 31)
,
aus wel
cher eine
ungewöhnlich starke Parteinahme
zugunsten des Beschwerdeführers
ersichtlich ist
,
ist
darauf hinzuweisen, dass
erfahrungsgemäss
behandelnde
(oder wie vorliegend auch ehemals behandelnde)
Arztpersonen
mitunter im Hinblick auf ihre
(frühere)
auftragsrechtliche Vertrauensstellung eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patie
nten aussagen (BGE 135 V 465 E.
4.5, 125 V 351 E.
3b/cc).
Wohl kann die einen längeren Zeitraum abdeckende Behandlung oft wertvolle Erkenntnisse zeitigen; doch lässt es die unterschiedliche
Natur von Behand
lungs
auftrag der
therapeutisch tätigen (Fach-)Person einerseits und Begutach
tungsauf
trag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten andererseits nicht zu,
eine medizinische Administrativ- oder Gerichtsexpertise stets dann in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte nachher zu unterschiedlichen Einschätzungen gelangen oder an vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten
(BGE 124 I 170 E. 4)
. Anders verhält es sich
nur
, wenn die behandelnden Ärzte objektiv feststell
bare Gesichts
punkte vorbringen, welche im Rahmen der psychiatrischen Begut
achtung uner
kannt geblieben und geeignet sind, zu einer abweichenden Beur
teilung zu führen (Urteile 8C_694/
2008 E. 5.1 und I 51/06 vom 19.
September 2006 E.
3.1.2).
Sol
che Aspekte finden sich in der Stellungnahme
von Dr.
C._
(Urk. 31)
jedoch nicht.
I
nsbesondere vermag
eine bloss telefonisch durchgeführte «Exploration» (vgl. Urk. 31 S. 55)
dem Gutachten
offenkundig
keine
aussage
kräftigen
Befunde gegenüberzustellen
.
4.2.4
Nach dem Gesagten sind keine
rlei
Gründe
ersichtlich
, welche ein Abweichen
vom Gerichtsgutachten
nahelegen
.
Dementsprechend ist auch kein
erneutes fach-psychiatrisches Gutachten in Auftrag zu geben (
vgl. den Antrag in
Urk. 30 S. 2)
.
5.
Gestützt auf die gerichtliche Expertise steht mit dem im Sozialversicherungsrecht massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass seit
April 2013
aus psychiatrischer Sicht
keine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit
in
der angestammten
oder
in einer angepassten Arbeitstätigkeit
besteht
.
Damit ist die Beschwerde abzuweisen.
6.
6.1
Besteht ein Zusammenhang zwischen Untersuchungsmangel seitens der Verwal
tung und der Notwendigkeit, eine Gerichtsexpertise anzuordnen, können die Kos
ten eines Gerichtsgutachtens der Verwaltung auferlegt werden. Dies ist unter anderem der Fall, wenn die Verwaltung zur Klärung der medizinischen Situation notwendige Aspekte unbeantwortet gelassen oder auf eine Expertise abgestellt hat, welche die Anforderungen an eine medizinische Beurteilungsgrundlage nicht erfüllt (BGE 140 V 70 E. 6.1 mit Hinweisen). Das Bundesgericht gelangte mit Urteil vom 15.
Oktober 2020
zum Schluss,
die Sache
sei
zur Einholung eines psychiatrischen Ge
richtsgutachtens und zum Neuent
scheid an das kantonale Gericht zurück
zuweisen
, da aufgrund des von der Beschwerdegegnerin angeord
neten Gutachtens im Verwaltungsverfahren keine schlüssige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers möglich sei
(Urk. 1). Mithin liess sich wegen der Verletzung der Abklärungspflicht durch die Verwaltung nicht fest
stel
len,
ob ab April 2013 aus psychiatrischer Sicht eine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit bestand
. Damit rechtfertigt es sich, die Kosten des Geric
hts
gut
achtens im Betrag von Fr.
6'500.
-- sowie
die Kosten
der Dolmetscherstelle im Betrag von Fr. 366.70
(
Urk. 21 und Urk. 23;
Rechnung
en
von der G
erichtskasse bereits beglichen
) der Beschwerdegegnerin zu überbinden.
6.2
Nachdem das Gerichtsgutachten vorlag, war der Mangel des Verwaltungsverfah
rens behoben; gestützt darauf konnte erstellt werden, dass der Beschwerdeführer seit April 2013 aus psychiatrischer Sicht in seiner Arbeitsfähigkeit nicht einge
schränkt war, weshalb die angefochtene rentenabweisende Verfügung vom 20. September 2018 in der Sache nicht zu beanstanden war.
Wenn der Beschwerdeführer die Ergebnisse der gerichtlichen Begutachtung ak
zeptiert und seine Beschwerde daraufhin zurückgezogen hätte, wären die Ge
richtskosten trotz dem formellen Unterliegen des Beschwerdeführers (zumindest teilweise) der beschwerdegegnerischen IV
Stelle aufzuerlegen gewesen, welche die Notwendigkeit der Einholung eines Gerichtsgutachtens durch ihre Verletzung der Abklärungspflicht verursacht hat. Ausserdem wäre dem Beschwerdeführer eine (allenfalls reduzierte) Parteientschädigung zuzusprechen gewesen.
Vorliegend akzeptierte der Beschwerdeführer die Ergebnisse des Gerichtsgut
ach
tens, welche zur Verneinung eines Leistungsanspruchs der Invalidenver
siche
rung führten, nicht. Stattdessen stellte er die Beweiskraft des Gerichtsgutachtens mit
zahlreichen Einwänden sowie einer Stellungnahme seines früheren behan
delnden Arztes in Frage und hielt an seiner Beschwerde fest (Urk. 30 und Urk. 31). Ent
sprechend kann nicht mehr davon gesprochen werden, dass die beschwerde
geg
nerische IV
Stelle die Kosten des Gerichtsverfahrens durch die Verletzung der Abklärungspflicht im Verwaltungsverfahren verursacht hätte; zum einen steht fest, dass der Beschwerdeführer auch ein Ergebnis einer Administrativexpertise nicht akzeptiert hätte, welches zur Verneinung eines Leistungsanspruchs geführt hätte, zum anderen entstand durch die zahlreichen und haltlosen Einwände gegen die Beweiskraft des Gerichtsgutachtens ein erhöhter, die Ausschöpfung des Kos
tenrahmens rechtfertigender Aufwand im Zusammenhang mit der Begrün
dung des Urteils. Entsprechend sind die auf Fr. 1'000.-- festzusetzenden Gerichts
kosten in Anwendung von Art. 69 Abs. 1
bis
IVG de
m Beschwerdeführer aufzuer
legen,
zufolge bewilligter unentgeltlicher Prozessführung
in der Verfügung vom 20. Mai 2021
indes einstweilen auf die Gerichtskasse zu n
ehmen, dies unter Hinweis auf § 16 Abs.
4 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer).
Eine Par
teientschädigung ist ihm nicht zuzusprechen.
6.3
Der
mit Verfügung vom 2
8
.
November 2018
bestellten
unentgeltlichen Rechts
vertreterin des Beschw
erdeführers, Rechtsanwältin Dr.
Barbara Wyler,
wurde
für ihren Aufwand im Verfahren
-
Nr.
IV.2018.00919
bereits
eine Entschädigung aus der Gerichtskasse
in der Höhe von
Fr.
1
’
800.-- ausbezahlt.
Für das
aktuelle
Verfahren
-Nr.
IV.2020.00778
machte
Rechtsanwältin Dr.
Bar
bara
Wyler
mit ihrer
Honorarnote
vom 6. Dezember 2021 einen Aufwand von 22.44 Stunden und Barauslagen von Fr. 256.95
(Fr. 235.-- für Fotokopien und Fr. 21.95 für Porti)
exklusive Mehrwertsteuer geltend (Urk. 32).
Angesichts der Bedeutung und Schwierigkeit der Streitsache
ist
der Aufwand
übersetzt.
Unver
hältnismässige Aufwände werden nicht
entschädigt (vgl. das Merkblatt Amtliche Mandate der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich vom 1. Januar 2016, Version 2.1
, S. 49
, welches weitgehend den früher massgebenden Richtlinien des Büros für amtliche Mandate des Bezirksgerichts Zürich entspricht).
Der Aufwand von 3
Stunden im Zusammenhang mit der Stellungnahme vom 15. Februar 2021 ist nicht zu entschädigen, enthielt diese doch keine sachgerechten Einwände gegen den Gutachter (vgl. den Beschluss vom 16. März 2021 [Urk. 10]).
Zu kürzen ist sodann der mit 8.84 Stunden veranschlagte Gesamtaufwand im Zusammen
hang mit der lediglich auf einer telefonischen «Exploration» beruhenden Stel
lung
nahme von Dr.
C._
sowie der darauf fussenden Stellungnahme an das Gericht (
2.
bis 6. Dezember 2021). Angemessen erscheint ein Aufwand
für
die
Erstattung einer Stellungnahme zum Gutachten (das Aktenstudium des Gutach
tens wurde bereits am 16. November 2021 mit 1.5 Stunden veranschlagt)
von
1
S
tunde
.
Soziale Betreuungszeit ist ebenfalls nicht zu entschädigen, welche an
gesichts der Telefongespräche mit dem Beschwerdeführer und seinen Angehö
ri
gen im Gesamttotal von
3.25 Stunden sehr hoch ist. Der
entsprechende
Aufwand ist auf eine Stunde zu kürzen. Demgemäss ist
ein Gesamtaufwand von
9.3
5
Stun
den
zu ersetzen
(22.44 Stunden abzüglich
3 Stunden,
abzüglich 7
.84 Stunden
, abzüglich 2.25 Stunden
)
, was unter Berücksichtigung des gerichtsüblichen An
satzes von Fr. 220.-
- ein Honorar von Fr.
2'057
.--
ergibt.
Entschädigt werden notwendige, effektive
Barauslagen. Pro Fotokopie dürfen Fr.
--.50
in Rechnung gestellt werden (vgl. das obgenannte Merkblatt). Auslagen für Fotokopien im Betrag von Fr. 235.--
entsprechen
470 angefertigten Foto
kopien, was sich angesichts des Umfangs des psychiatrischen Gutachtens von 47
Seiten (24 Seiten bei doppelseitigem Druck) und selbst bei Berücksichtigung der Stellungnahme von Dr.
C._
von 56 Seiten (28 Seiten bei doppelseitigem Druck)
unangemessen hoch ist
.
Die Auslagen für Fotokopien sind daher auf Fr. 80.-- zu kürzen.
Rechtsanwältin Dr.
Barbara
Wyler
ist deshalb
für das Verfahren IV.2020.00778
mit Fr.
2
'
325
.--
(
Honorar von Fr.
2’057
.-- plus
Barauslagen von Fr. 101
.95, zuzüglich Mehr
wertsteuer von 7.7 % [Fr. 166
.--
]) aus der Gerichtskasse zu ent
schädigen.
Der Beschwerdeführer ist zur Nachzahlung der Auslagen für die unentgeltliche Rechtspflege verpflichtet, sobald er dazu in der Lage ist (§ 16 Abs. 4 GSVGer).