# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 2cb07436-d491-5825-9083-0f3d24cd4b99
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Gemeinde Röthenbach im Emmental führte am 22. April 2015 bei den
Beschwerdeführenden eine Begehung durch. Dabei stellte sie fest, dass die
Beschwerdeführenden auf Parzelle Röthenbach im Emmental Grundbuchblatt
Nr. D._ E._ ein Gartenhaus erstellten. Die Parzelle liegt in der
Landwirtschaftszone. Die Gemeinde verfügte vor Ort den Baustopp. Gleichentags ging bei
der Gemeinde Röthenbach im Emmental für das Bauvorhaben ein Baugesuch, bestehend
aus dem Formular Bauen ausserhalb der Bauzone, ein. Die Gemeinde teilte den
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Beschwerdeführenden mit Schreiben vom 27. April 2015 mit, dass das eingereichte
Baugesuch nicht vollständig sei und bestätigte den bereits verfügten Baustopp. Trotzdem
stellten die Beschwerdeführenden das Gartenhaus fertig. Am 19. Mai 2015 gingen bei der
Gemeinde weitere Baugesuchsunterlagen ein. Die Gemeinde stellte die Unterlagen dem
Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) zu. In seiner Stellungnahme vom 10. Juni
2015 führte das AGR aus, das Bauvorhaben sei nicht bewilligungsfähig. Die Gemeinde
stellte den Beschwerdeführenden diese Stellungnahme zu und räumte ihnen Gelegenheit
ein, sich dazu zu äussern. Am 16. Juli 2015 führte die Gemeinde in Anwesenheit der
Beschwerdeführenden sowie einem Vertreter des AGR einen Augenschein durch. Auf die
Aufforderung der Gemeinde, sich zum weiteren Verfahrensablauf zu äussern, liessen sich
die Beschwerdeführenden nicht vernehmen. Am 21. August 2015 erschien im Blick ein
Artikel über das Bauvorhaben und die Beschwerdeführenden. Nachdem die Gemeinde den
Beschwerdeführenden mit Schreiben vom 6. Oktober 2015 mitteilte, dass sie vorläufig auf
die Weiterführung des Verfahrens verzichte, erteilte sie mit Verfügung vom 18. Februar
2016 dem Bauvorhaben den Bauabschlag und ordnete die Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustandes an. Gleichzeitig drohte sie die Ersatzvornahme bei
Nichtbefolgung an.
2. Gegen diese Verfügung reichten die Beschwerdeführenden am 21. März 2016
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie
beantragen, der Bauentscheid sei aufzuheben und das Gartenhaus sei zu bewilligen,
nötigenfalls unter Bedingungen und Auflagen. Eventualiter sei der Bauentscheid
aufzuheben und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, holte die
Vorakten sowie die Stellungnahme der Vorinstanz und des AGR ein. Die Gemeinde
beantragt die Abweisung der Beschwerde.
4. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
Angefochten sind ein Bauentscheid und eine Wiederherstellungsverfügung. Nach Art. 40
Abs. 1 und Art. 49 Abs. 1 BauG2 können Bauentscheide und baupolizeiliche Verfügungen
innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden. Die
Beschwerdeführenden sind als Adressaten durch die angefochtene Verfügung beschwert
und daher zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf ihre form- und fristgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten.
2. Vertrauensschutz
a) Die Beschwerdeführenden machen geltend, die Gemeinde habe ihnen mit Schreiben
vom 6. Oktober 2015 mitgeteilt, sie wolle die Sache auf sich beruhen lassen. Mit dem völlig
unerwarteten Bauabschlag und der Anordnung des Rückbaus des Gartenhauses handle
die Gemeinde gegen Treu und Glauben.
b) Staatliches Handeln hat den Grundsatz von Treu und Glauben zu wahren (Art. 5 Abs.
3 und Art. 9 BV3 sowie Art. 11 Abs. 2 KV4). Dieser Grundsatz umfasst insbesondere auch
das Verbot widersprüchlichen Verhaltens. Er verleiht einer Person Anspruch auf Schutz
des berechtigten Vertrauens in Zusicherungen, Auskünfte, Mitteilungen oder
Empfehlungen einer Behörde, sofern sich die Aussage auf eine konkrete, die betreffende
Person berührende Angelegenheit bezieht. Der Anspruch auf die Vertrauensbestätigung
setzt überdies voraus, dass die Person eine Disposition getroffen hat, die ohne Nachteil
nicht wieder rückgängig gemacht werden kann. Zwischen dem hervorgerufenen Vertrauen
und der Disposition muss ein Kausalzusammenhang bestehen. Selbst wenn diese
Voraussetzungen erfüllt sind, bleibt eine Interessenabwägung im Einzelfall vorbehalten.5
2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 3 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) 4 Verfassung des Kantons Bern vom 6. Juni 1993 (KV; BSG 101.1) 5 VGE 2014/304 vom 12. März 2015 E. 5.1; BGer 2C_842/2009 vom 21. Mai 2010, E. 3.2; Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl., Bern 2014, § 22 N. 15 ff.
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c) Im Schreiben vom 6. Oktober 2015 hat die Gemeinde ausgeführt, sie verzichte
vorläufig auf die Weiterführung des Verfahrens in Sachen Gartenhaus. Sie behalte sich
jedoch vor, im Zusammenhang mit der Beurteilung von anderen illegalen Bauten auf dem
Grundstück auf das Verfahren zurückzukommen. Das Gartenhaus sei ohne Baubewilligung
und unter Missachtung vieler baurechtlicher Vorgaben errichtet worden. Die Gemeinde hat
mit diesem Schreiben zum Ausdruck gebracht, dass sie vorerst keine
Wiederherstellungsmassnahmen ergreift. Allerdings hat sie den Beschwerdeführenden
auch mitgeteilt, sie erachte das Bauvorhaben als nicht bewilligungsfähig und der Verzicht
sei nicht endgültig. Gestützt auf dieses Schreiben durften die Beschwerdeführenden daher
nicht darauf vertrauen, dass das baupolizeiliche Verfahren damit erledigt ist. In dem die
Gemeinde gut vier Monate später dem Bauvorhaben den Bauabschlag erteilte und die
Wiederherstellung anordnete, hat sie sich daher nicht widersprüchlich verhalten und nicht
gegen Treu und Glauben verstossen. Im Übrigen haben die Beschwerdeführenden auch
keine Dispositionen getroffen, die zu diesem Schreiben in einem kausalen Zusammenhang
stünden. Diese Rüge der Beschwerdeführenden erweist sich als unbegründet.
3. Überspitzter Formalismus
a) Die Vorinstanz hat in ihrem Entscheiddispositiv festgehalten, auf das Baugesuch
werde nicht eingetreten und die Baubewilligung für das Bauvorhaben werde verweigert.
Die Beschwerdeführenden rügen, beim Vorwand, wonach auf das Baugesuch wegen
mangelhaften Unterlagen nicht eingetreten werden könne, handle es sich um überspitzten
Formalismus. Die Situation vor Ort sei der Vorinstanz bestens bekannt. Das Bauvorhaben
könne ohne grossen Aufwand in eine bewilligungsfähige Form gebracht werden.
b) Die Vorinstanz hielt in ihrer Begründung des angefochtenen Entscheids fest,
einerseits entsprächen die eingereichten Gesuchsunterlagen nicht den Anforderungen von
Art. 10 ff. BewD6 und andererseits sei die Baute nicht bewilligungsfähig. Sie schloss sich
überdies der Begründung des AGR an, wonach das Bauvorhabe weder zonenkonform
noch standortgebunden sei und eine Ausnahmebewilligung gemäss Art. 24c RPG7 nicht
erteilt werden könne. Die Gemeinde hat daher trotz der Mangelhaftigkeit der
Baugesuchsunterlagen das Bauvorhaben auch materiell geprüft. Das Entscheiddispositiv
6 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 7 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700)
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ist zwar missverständlich, aus der Begründung geht jedoch hervor, dass die Gemeinde die
Bewilligungsfähigkeit des Bauvorhabens geprüft und über das Baugesuch entschieden hat.
Der Vorwurf des überspitzten Formalismus ist unbegründet.
4. Erweiterung des Bauvolumens
a) Auf der Parzelle Röthenbach im Emmental Grundbuchblatt Nr. D._ befinden
sich verschiedene Gebäude. Die Beschwerdeführerin wohnt im Wohnhaus E._ Nr.
157. Das umstrittene Gartenhaus ist vollständig aus Holz gebaut, verfügt über grosszügige
Fenster sowie einen kleinen gedeckten Sitzplatz. Es befindet sich unmittelbar vor dem
erwähnten Wohnhaus. Das Bauvorhaben ist unbestrittenermassen zur landwirtschaftlichen
Bewirtschaftung nicht nötig und ist somit in der Landwirtschaftszone nicht zonenkonform.8
Das Bauvorhaben erfordert auch keinen Standort ausserhalb der Bauzone und ist nicht
standortgebunden.9 Es bleibt zu überprüfen, ob dem Bauvorhaben eine
Ausnahmebewilligung gemäss Art. 24c RPG erteilt werden kann.
b) Bestimmungsgemäss nutzbare Bauten und Anlagen ausserhalb der Bauzone, die
nicht mehr zonenkonform sind, werden in ihrem Bestand grundsätzlich geschützt. Solche
Bauten können auch massvoll erweitert werden, unabhängig davon, ob diese zum
Zeitpunkt als sie Bestandteil des Nichtbaugebietes wurden, landwirtschaftlich genutzt
worden sind oder nicht (Art. 24c Abs. 1-3 RPG). Als massvoll gelten Änderungen, wenn die
Identität der Baute einschliesslich ihrer Umgebung in den wesentlichen Zügen gewahrt
bleibt (Art. 42 Abs. 2 RPV10). Veränderungen am äusseren Erscheinungsbild müssen
gemäss dem am 1. November 2012 in Kraft getretenen Art. 24c Abs. 4 RPG überdies für
eine zeitgemässe Wohnnutzung oder eine energetische Sanierung nötig oder darauf
ausgerichtet sein, die Einpassung in die Landschaft zu verbessern.
Die Revisionen des RPG und der RPV haben darauf abgezielt, Erweiterungen innerhalb
des bestehenden Gebäudevolumens zu erleichtern und solche ausserhalb zu
erschweren.11 An Erweiterungen ausserhalb des bestehenden Gebäudevolumens sind
8 Vgl. Art. 16a RPG 9 Vgl. Art. 24 RPG 10 Raumplanungsverordnung des Bundesrates vom 28. Juni 2000 (RPV; SR 700.1) 11 Vgl. Teilrevision der Raumplanungsverordnung, Erläuternder Bericht vom Oktober 2012 des Bundesamts für Raumentwicklung, S. 9, einsehbar unter: www.are.admin.ch
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daher mit Blick auf Art. 24c Abs. 4 RPG hohe Anforderungen zu stellen.12 Sie dürfen
insbesondere nur dann bewilligt werden, wenn die neu eingeführten Voraussetzungen
erfüllt sind.13 Die Frage, ob die Identität der Baute bei äusseren Erweiterungen gewahrt ist,
stellt sich somit erst, wenn das Bauvorhaben für eine zeitgemässe Wohnnutzung oder für
die energetische Sanierung notwendig ist, resp. die bessere Einpassung der Baute in die
Landschaft bezweckt. Bei Erweiterungen für ein zeitgemässes Wohnen ist etwa an
ungenügende Sanitärräume, zu geringe Raumhöhen oder zu knappe Platzverhältnisse in
der bestehenden Wohnung zu denken.14 Sie müssen notwendig sein, um die ursprüngliche
Wohnnutzung auf einen zeitgemässen Stand zu bringen. Veränderungen, die über den
üblichen Standard hinausgehenden Komfort bieten, können daher nicht mehr bewilligt
werden. So reicht beispielsweise ein Balkon an der Fassade zum zeitgemässen Wohnen
vollauf. Ein Wintergarten kann für eine zeitgemässe Wohnnutzung dagegen nicht als nötig
erachtet werden.15
c) Das Bauvorhaben dient weder der energetischen Sanierung noch der besseren
Einpassung der bestehenden Gebäude in die Landschaft. Dementsprechend verbleibt die
Überprüfung, ob das Gartenhaus für eine zeitgemässe Wohnnutzung notwendig ist.
Im vorinstanzlichen Verfahren haben die Beschwerdeführenden sinngemäss geltend
gemacht, das Gartenhaus diene vor allem dem Beschwerdeführer. Da dieser nur noch sehr
wenig sehe, sei es zu gefährlich für ihn, die Treppe ins Schlafzimmer zu benützen. Der
Beschwerdeführer sei nur am Wochenende zu Hause und das Gartenhaus diene ihnen vor
allem von Frühling bis Herbst. In ihrer Beschwerde äussern sich die Beschwerdeführenden
zur geplanten Nutzung nicht. Sie beantragen aber, nötigenfalls sei das Bauvorhaben mit
der Bedingung, dass eine Wand offengehalten werde, zu bewilligen.
Aus den Ausführungen der Beschwerdeführenden im Baubewilligungsverfahren geht
hervor, dass das Gartenhaus dem Beschwerdeführer an den Wochenenden als
Schlafzimmer dienen soll. Der Beschwerdeführer lebt grundsätzlich in der Pflegeinstitution
F._ in Steffisburg. Wie häufig der Beschwerdeführer sich noch an der E._
Nr. 157 aufhält und das Bauvorhaben für den angegebenen Zweck benutzt, ist unklar.
12 BGer 1C_247/2015 vom 14.1.2016, E. 4.2 13 BGer 1C_415/2014 vom 1.10.2015, E. 3.6 14 Stichworte zum Bauen ausserhalb der Bauzonen, in Raum und Umwelt VLP-ASPAN, November 6/2013 15 VGE 2014/322 vom 3.5.2016, E. 3.5 und 3.6
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Inwiefern die Sehschwäche den Beschwerdeführer hindert, die Treppe zum Schlafzimmer
zu bewältigen und das Gartenhaus ohne sanitäre Einrichtung als Schlafgelegenheit für den
Beschwerdeführer besser geeignet sein soll als das Schlafzimmer, ist nicht
nachvollziehbar. Zudem legen die Beschwerdeführenden auch nicht dar, weshalb innerhalb
des bestehenden Gebäudevolumens keine Lösung gefunden werden könnte. Schliesslich
widerspricht der Antrag, das Gartenhaus sei nötigenfalls unter Auflage von Bedingungen
(Offenhalten einer Wand) zu bewilligen, der angegebenen Nutzung grundsätzlich; durch
die Öffnung des Gartenhauses könnte es kaum mehr als Schlafgelegenheit für den
Beschwerdeführer dienen. Ob die Beschwerdeführenden das Gartenhaus tatsächlich wie
von ihnen geltend gemacht benutzen, kann jedoch im Hinblick auf die nachfolgenden
Erwägungen offen gelassen werden.
Das frei stehende Gartenhaus, das die Beschwerdeführenden insbesondere als
Schlafgelegenheit nutzen wollen, bietet ihnen während dem Sommerhalbjahr ausserhalb
des eigentlichen Wohngebäudes zusätzlich nutzbaren Raum. Demgegenüber wollen sie es
für diese Nutzung während der kühleren Jahreszeit nicht verwenden. Wird ein solches
Bauvorhaben nicht ganzjährig genutzt, deutet dies bereits darauf hin, dass es sich um eine
Erweiterung handelt, die für die zeitgemässe Wohnnutzung nicht absolut notwendig ist.
Anders als ein Balkon dient es zudem nicht dem Bedürfnis, im Sommerhalbjahr den
Wohnbereich ins Freie erweitern zu können. Eine neben dem Schlafzimmer zusätzliche
Schlafgelegenheit in einem Gartenhaus ist für eine zeitgemässe Wohnnutzung nicht
notwendig. Die Beschwerdeführenden machen denn auch nicht geltend, dass sie auf das
Gartenhaus angewiesen seien, da die bestehende Wohnnutzung einem zeitgemässen
Standard nicht entspreche und eine Erweiterung innerhalb des bestehenden
Gebäudevolumens nicht möglich sei. Bei den in Art. 24c RPG umschriebenen
Voraussetzungen handelt es sich um objektiv umschriebene Anforderungen, welche eine
Ausnahme vom klaren Grundsatz der Trennung von Siedlungs- und Nichtsiedlungsgebiet
darstellen. Subjektive Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner von Gebäuden in der
Landwirtschaftszone können nicht zusätzlich berücksichtigt werden. Die von den
Beschwerdeführenden erörterte spezielle Situation vermag es nicht zu rechtfertigen, dass
im vorliegenden Fall das Gartenhaus als notwenige Erweiterung für das zeitgemässe
Wohnen betrachtet werden könnte. Das Bauvorhaben widerspricht daher Art. 24c Abs. 4
RPG. Damit erübrigt sich die Beurteilung, ob das Gartenhaus als massvolle Erweiterung
der in ihrem Bestand geschützten Baute erachtet werden kann und auf Grund seiner
Ausgestaltung die Identität der Baute wahrt. Für das Gartenhaus kann keine
Ausnahmebewilligung erteilt werden.
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d) An dieser Beurteilung änderte auch die von den Beschwerdeführenden
vorgeschlagene Entfernung einer Wand des Gartenhauses nichts. Zwar führte dies dazu,
dass die Grundfläche des Gartenhauses nicht an die relevante Bruttogeschossfläche
anrechenbar wäre.16 Allerdings beeinflussen auch auf einer Seite offene Gartenhäuser und
Sitzplätze das äussere Erscheinungsbild. Daher verändern sich die Voraussetzungen für
die Erteilung einer Ausnahmebewilligung durch die Entfernung einer Wand nicht. Auch ein
Gartenhaus, das auf einer Seite offen ist, führt zu einer Steigerung des bereits
vorhandenen Wohnstandards, die nicht notwendig ist. Dementsprechend kann einem
offenen Gartenhaus ebenfalls keine Ausnahmebewilligung gemäss Art. 24c RPG erteilt
werden. Das Bauvorhaben ist auch unter Auflage von Bedingungen nicht bewilligungsfähig.
5. Fehlende Verfügung des AGR
a) Das AGR ist die zuständige kantonale Stelle für die Beurteilung, ob einem
Bauvorhaben eine Ausnahmebewilligung nach Art. 24 ff. RPG erteilt werden kann (Art. 25
RPG i.V.m. Art. 12 Bst. c OrV JGK17).
Im vorinstanzlichen Verfahren hat das AGR in seiner Stellungnahme vom 10. Juni 2015
ausgeführt, dass die erforderliche Ausnahmebewilligung für das Gartenhaus nicht erteilt
werden könne. Wenn die Gesuchsteller aber einen beschwerdefähigen Entscheid
verlangten, so seien ihnen die Akten erneut zum Entscheid zuzustellen. Die Vorinstanz hat
den Beschwerdeführenden dieses Schreiben zugestellt und ihnen Gelegenheit eingeräumt,
dazu Stellung zu nehmen. Die Beschwerdeführenden liessen sich weder zu diesem
Schreiben, noch zur Aufforderung um Mitteilung über den weiteren Verfahrensablauf vom
20. Juli 2015 vernehmen. Am 18. Februar 2016 verfügte die Gemeinde den Bauabschlag
ohne eine anfechtbare Verfügung beim AGR eingeholt zu haben. Dem vorinstanzlichen
Verfahren lastet somit ein formeller Mangel an.
b) Die BVE ist gemäss Art. 40 Abs. 1 VRPG befugt, ein bei ihr hängiges
Baubewilligungsverfahren von Amtes wegen aufzuheben, wenn wesentliche
16 Vgl. BSIG Nr. 7/721.0/10.1 vom 14. April 2010, Anhang I 17 Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion (OrV JGK; BSG 155.21)
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Verfahrensgrundsätze derart verletzt sind, dass die richtige Beurteilung unmöglich oder
wesentlich erschwert wird. Die Aufhebung (Kassation) eines Verfahrens von Amtes wegen
soll die korrekte Verfahrensabwicklung gewährleisten mit dem Ziel, materiell richtige
Erkenntnisse zu ermöglichen. Nicht jeder Verfahrensfehler kann zur Kassation führen. Es
muss sich um gravierende Mängel handeln, welche die richtige Beurteilung ausschliessen
oder wesentlich erschweren. Ausgeschlossen ist die korrekte Entscheidfindung z.B. dann,
wenn die Justizbehörde nicht die gleiche Überprüfungsbefugnis hat wie die Vorinstanz und
die Verfahrensfehler den weiteren Entscheidspielraum der Vorinstanz beschlagen. Weniger
wichtige prozessuale Mängel soll die Rechtsmittelbehörde aus prozessökonomischen
Gründen heilen.18
c) Das AGR hat in seiner Stellungnahme ausgeführt, weshalb es das Bauvorhaben als
nicht bewilligungsfähig erachte und hat auch im Verfahren vor der BVE auf diese
Stellungnahme verwiesen. Damit ist klar, dass das AGR auch in einer anfechtbaren
Verfügung zu keinem anderen Ergebnis gekommen wäre. Dem vorinstanzlichen Verfahren
haftet somit zwar ein formeller Fehler an, dieser hat aber nicht zur Folge, dass die richtige
Beurteilung des Streitgegenstandes ausgeschlossen ist. Die Rückweisung an die
Vorinstanz führte zum selben Ergebnis und würde einen unnötigen Leerlauf darstellen.
Zudem kommt der BVE als Beschwerdeinstanz die volle Überprüfungsbefugnis zu (Art. 40
Abs. 3 BauG). Der formelle Mangel kann somit mit dem vorliegenden Entscheid geheilt
werden.
6. Wiederherstellung
a) Die Beschwerdeführenden machen geltend, die Wiederherstellung könne dann
unterbleiben, wenn die Abweichung vom Erlaubten nur unbedeutend sei. Sofern nur eine
Wand offen bleibe, entspreche das Bauvorhaben den Bauvorschriften. Auf die
Wiederherstellung könne somit verzichtet werden. Allenfalls sei eine Seite des
Gartenhauses dauerhaft zu öffnen.
b) Wird ein Bauvorhaben ohne Baubewilligung oder in Überschreitung einer
Baubewilligung ausgeführt oder werden bei der Ausführung eines bewilligten Vorhabens
Vorschriften missachtet, so setzt die Baupolizeibehörde eine angemessene Frist zur
18 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 40 N. 1 ff.
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Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands unter Androhung der Ersatzvornahme (Art.
46 Abs. 1 und 2 BauG). Die Wiederherstellungsverfügung muss im öffentlichen Interesse
liegen, verhältnismässig sein und darf den Vertrauensgrundsatz nicht verletzen. Eine
Wiederherstellungsmassnahme ist verhältnismässig, wenn sie geeignet ist, das
angestrebte Ziel zu erreichen, nicht weiter geht, als zur Herstellung des rechtmässigen
Zustands nötig ist und die Belastung für die pflichtige Person in einem vernünftigen
Verhältnis zum verfolgten Ziel steht.19
c) Die Wiederherstellung ist damit die Regel. Es besteht ein erhebliches Interesse an
der Trennung von Siedlungs- und Nichtsiedlungsgebiet sowie an der Durchsetzung der
baurechtlichen Grundordnung. Der Rückbau des Gartenhauses ist geeignet und
erforderlich den rechtmässigen Zustand wiederherzustellen. Wie bereits erläutert, führt die
Entfernung einer Wand nicht dazu, dass das Bauvorhaben bewilligungsfähig wäre. Das
Gartenhaus weicht daher nicht nur geringfügig vom Erlaubten ab. Eine Seite dauerhaft zu
öffnen wäre auch nicht geeignet, den rechtmässigen Zustand wiederherzustellen.
Schliesslich haben die Beschwerdeführenden keine Anstrengungen unternommen, um
abzuklären, ob das Bauvorhaben bewilligungspflichtig und bewilligungsfähig ist oder nicht.
Insbesondere haben sie das Gartenhaus trotz verfügtem Baustopp der Gemeinde
fertiggestellt. Sie gelten daher als bösgläubig im baurechtlichen Sinn und ihrem Interesse
an der Beibehaltung der widerrechtlichen Situation ist im Gegensatz zu den öffentlichen
Interessen nicht viel Gewicht beizumessen. Die Wiederherstellung des rechtmässigen
Zustandes erweist sich insgesamt als verhältnismässig und steht in einem vernünftigen
Verhältnis zum angestrebten Ziel. Die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes ist
ebenfalls zu bestätigen.
Obwohl die Vorinstanz den Beschwerdeführenden mitgeteilt hatte, dass das Bauvorhaben
bewilligungsfähig wäre, wenn eine Wand entfernt würde, verletzt die vollständige
Entfernung des Gartenhauses den Vertrauensgrundsatz nicht. Die Beschwerdeführenden
haben auf Grund dieser Aussage keine Dispositionen getroffen. Sie können sich daher
nicht auf den Grundsatz von Treu und Glauben berufen.
d) Die von der Gemeinde angesetzte Frist zur Wiederherstellung ist zwischenzeitlich
abgelaufen. Der Rückbau des Gartenhauses ist nicht mit aufwändigen oder sehr
19 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 9; BVR 2013 S. 85 E. 5.1
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umfangreichen Arbeiten verbunden. Eine Frist von rund vier Wochen für die Entfernung
des Gartenhauses erscheint ausreichend und verhältnismässig. Die Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustandes hat neu bis am 15. Juli 2016 zu erfolgen.
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7. Kosten
Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführenden. Sie haben die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 800.– (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1
GebV20).
Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 Abs. 1 und 4 VRPG).