# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 53e67335-f4ac-4a6d-b49c-c186b21c24e3
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend versuchte Tötung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dietikon vom 7. Dezember 2015 (DG150027)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 24. Juli
2015 (Urk. 43) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Die Beschuldigte ist schuldig
− der versuchten Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit
Art. 22 Abs. 1 StGB,
− der Irreführung der Rechtspflege im Sinne von Art. 304 Ziff. 1 Abs. 1
StGB.
2. Die Beschuldigte wird bestraft mit 6 Jahren und 4 Monaten Freiheitsstrafe,
wovon bis und mit heute 375 Tage durch Untersuchungshaft sowie durch
vorzeitigen Strafvollzug erstanden sind.
3. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.
4. Die Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._ Fr. 7'500.00
als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegeh-
ren abgewiesen.
5. Das mit Beschlagnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons
Zürich vom 23. Februar 2015 beschlagnahmte Mobiltelefon "Samsung"
Galaxy S III mini (GT-...), weiss, IMEI ... (Sachkaution ..., lagernd bei der
Kasse der Staatsanwaltschaften I-IV des Kantons Zürich) wird nach Eintritt
der Rechtskraft des Urteils der Beschuldigten innerhalb von drei Monaten
auf erstes Verlangen herausgegeben und ansonsten der Lagerbehörde zur
Vernichtung überlassen.
6. Die folgenden, mit Beschlagnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft IV des
Kantons Zürich vom 23. Februar 2015 beschlagnahmten Gegenstände:
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− 1 Damenhandtasche, Leder Beige (FOR, Asservat-Nr. A007'719'939);
− 1 Paar Damenstrümpfe/Socken, schwarz mit rotglänzenden Herzum-
rissen (FOR, Asservat-Nr. A007'732'345);
− 1 Damenjeanshose, blau, Marke Salsa (FOR, Asservat-
Nr. A007'732'356);
− 1 Trägershirt, schwarz, Marke "Clockhouse" (FOR, Asservat-
Nr. A007'732'367);
− 1 Damenjäckchen, schwarz, Marke "Newsakswoman" (FOR, Asservat-
Nr. A007'732'389);
− 1 Damenmantel, schwarz, Marke "Zara Woman" (FOR, Asservat-
Nr. A007'732'403);
− 1 Paar Damenstiefel, schwarz, ohne Markenangabe (FOR, Asservat-
Nr. A007'732'414);
werden nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils der Privatklägerin B._
innerhalb von drei Monaten auf erstes Verlangen herausgegeben und an-
sonsten der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen.
7. Das mit Beschlagnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons
Zürich vom 23. Februar 2015 beschlagnahmte Fleischmesser, ohne Mar-
kenangabe, dunkler Holzgriff, Klingenlänge ca. 20 cm (FOR, Asservat-
Nr. A007'708'443) wird eingezogen und der Lagerbehörde zur Vernichtung
überlassen.
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8. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'500.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'000.00 Gebühr Anklagebehörde;
Fr. 3'788.00 Auslagen Untersuchung;
Fr. 4'276.55 Kosten vormalige amtliche Verteidigung.
9. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden der Beschuldigten
auferlegt.
10. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO.
11. Rechtsanwalt lic. iur. X._ wird für seine Aufwendungen als amtlicher
Verteidiger der Beschuldigten aus der Gerichtskasse mit Fr. 23'661.20 (inkl.
MwSt.) entschädigt.
12. Die Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._ für notwendige
Aufwendungen im Verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 11'704.55
(inkl. MwSt.) zu bezahlen.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 103 S. 1 f.)
1. Disp. Ziff. 1 bis 4 des Urteils des Bezirksgerichts Dietikon vom
7. Dezember 2015 seien aufzuheben und es sei die Appellantin vom
Vorwurf der versuchten Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Verbin-
dung mit Art. 22 StGB sowie vom Vorwurf der Irreführung der Rechts-
pflege im Sinne von Art. 304 Ziff. 1 Abs. 1 StGB freizusprechen. Sie sei
umgehend auf freien Fuss zu setzen.
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2. Es seien der Appellantin eine angemessene Genugtuung und Ent-
schädigung zuzusprechen.
3. Disp. 9, 10 und 12 des Urteils des Bezirksgerichts Dietikon vom
7. Dezember 2015 seien aufzuheben und es seien die Kosten der Un-
tersuchung und des gerichtlichen Verfahrens (inkl. der Kosten der amt-
lichen Verteidigung) der Privatklägerin B._ aufzuerlegen.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Privatklägerin
B._.
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:
(Urk. 105 S. 1)
Feststellung des Eintrittes der Rechtskraft in den nicht angefochtenen Ur-
teilspunkten (Dispositiv Nr. 5 bis 8 des vorinstanzlichen Urteils). Im Übrigen
vollumfängliche Bestätigung des Urteils des Bezirksgerichts Dietikon vom
7. Dezember 2015.
_

## Considerations

Erwägungen:
I. Verfahrensgang
1. Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene Urteil des Bezirksge-
richts Dietikon vom 7. Dezember 2015 meldete die amtliche Verteidigung sogleich
mündlich vor Schranken sowie mit Eingabe vom 8. Dezember 2015 rechtzeitig
Berufung an (Prot. I S. 27; Urk. 68; Art. 399 Abs. 1 StPO). Nach Erhalt des be-
gründeten Urteils am 22. Januar 2016 reichte die Verteidigung mit Eingabe vom
11. Februar 2016 (Datum des Poststempels) fristgerecht die Berufungserklärung
im Sinne von Art. 399 Abs. 3 StPO ein (Urk. 72/2; Urk. 77). Mit Präsidialverfügung
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vom 17. Februar 2016 wurde der Privatklägerin und der Staatsanwaltschaft Frist
für Anschlussberufung oder einen Nichteintretensantrag angesetzt (Urk. 78;
Urk. 79/2+3). Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf eine Anschlussberufung und
beantragte die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 80). Die Privatkläge-
rin liess sich nicht vernehmen.
2. Der Kurzbericht des FOR vom 12. Dezember 2014 betreffend Spuren am
Küchenmesser wurde auf Antrag der Verteidigung im Berufungsverfahren
(Urk. 77 S. 8) gemäss Beschluss vom 25. April 2016 durch die weiteren Berichte
des FOR vom 27. Juni 2016 und vom 29. August 2016 ergänzt und den Parteien
eine Woche vor der Berufungsverhandlung in Kopie zugestellt (Urk. 81; Urk. 84;
Urk. 89; Urk. 97/1–3). Mit Fax-Gesuch vom 30. Augst 2016 ersuchte die Verteidi-
gung um weitere Beweisabnahmen und Verschiebung der Berufungsverhandlung
(Urk. 90). Mit Präsidialverfügung vom 31. August 2016 wurde das Verschie-
bungsgesuch abgewiesen (Urk. 92; Prot. II S. 6). Am 6. September 2016 fand die
Berufungsverhandlung statt (Prot. II S. 7 ff.).
2.1. Da sich weitere Beweisergänzungen aufdrängten (Urk. 102 S. 4 ff.;
Prot. II S. 34 f.), wurde das Forensische Institut Zürich (FOR) mit Beschluss vom
13. September 2016 beauftragt, die mutmassliche Tatwaffe (Fleischermesser,
Lagernummer A007'708'443) zur Beantwortung von Ergänzungsfragen ergänzend
zu untersuchen. Den Parteien wurde Frist angesetzt, um allfällige Ergänzungen
anzubringen. Ausserdem wurde beschlossen, die Privatklägerin im Berufungsver-
fahren als Auskunftsperson einzuvernehmen (Urk. 107; Prot. II S. 36 f.). Die Er-
gänzungen des FOR bezüglich "Spuren am Messer nach Spülvorgang" wurden
am 22. November 2016 erstattet und den Parteien anschliessend zur Kenntnis
gebracht (Urk. 113; Urk. 117/1+2). Mit Eingabe vom 23. November 2016 stellte
die amtliche Verteidigung ein Protokollberichtigungsbegehren, welches mit Be-
schluss vom 16. Dezember 2016 gutgeheissen wurde (Urk. 111; Urk. 115 f.).
2.2. Am 21. Dezember 2016 wurden die Parteien zur Fortsetzung der Beru-
fungsverhandlung und die Privatklägerin über ihren Rechtsvertreter zur Befragung
als Auskunftsperson auf den 28. März 2017 vorgeladen. Mit Eingabe vom
15. März 2017 stellte der unentgeltliche Rechtsvertreter der Privatklägerin ein Ge-
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such um Dispensation von der Teilnahme an der Fortsetzung der Berufungsver-
handlung, mit der Begründung, die Privatklägerin habe ihm mitgeteilt, dass es ihr
nicht möglich sei, in die Schweiz zu fliegen und an der Einvernahme als Aus-
kunftsperson teilzunehmen, da sie andernfalls ihre Arbeitsstelle als therapeuti-
sche Masseurin in C._ [Staat in Südeuropa] verlieren würde. Sie wolle aber
betonen, dass ihre bisherigen Aussagen bei der Polizei und der Staatsanwalt-
schaft wahrheitsgetreu seien, worauf sie nochmals verweise (Urk. 118). Das Dis-
pensationsgesuch wurde vom Kammerpräsidenten am 20. März 2017 formlos
bewilligt (Urk. 118 S. 2).
2.3. Am 28. März 2017 fand die Fortsetzung der Berufungsverhandlung
statt, anlässlich welcher der Verteidiger sowie die Staatsanwaltschaft zum ergän-
zenden Gutachten des FOR vom 22. November 2016 Stellung nehmen konnten
(Prot. II S. 39 ff.). Im Anschluss erfolgten die interne Urteilsberatung sowie die
mündliche Eröffnung des Urteils.
II. Prozessuales
Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechtskraft
des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Nachdem die Ur-
teilsdispositivziffern 4, 2. Satz (Abweisung einer Fr. 7'500.– übersteigenden Ge-
nugtuung), 5–7 (Herausgaben/Einziehung), 8 (Kostenfestsetzung) und 11 (Ent-
schädigung amtliche Verteidigung), unangefochten blieben, ist mittels Beschluss
festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil in diesem Umfang in Rechtskraft er-
wachsen ist.
III. Beweisanträge
1. Gleichzeitig mit der Berufungserklärung liess die Beschuldigte Beweisan-
träge stellen (Urk. 77 S. 2 ff.). Sie beantragte die Befragung von D._,
E._ und von Korporal F._, Kantonspolizei Zürich, als Zeugen sowie die
gutachterliche Abklärung der Frage, inwieweit (starke) Fingerabdrücke oder sons-
tige DNA-Spuren auf dem Griff des sichergestellten, angeblichen Tatmessers
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durch einen Spülvorgang ohne Spülmittel entfernt werden könnten und wie es
sich diesbezüglich mit Blutanhaftungen und sonstigen Spuren, wie z.B. Stoffres-
ten, verhält sowie ob (starke) Fingerabdrücke abgewaschen werden könnten,
während Blutanhaftungen zurückbleiben (Urk. 77 S. 10). Mit Fax-Eingabe der Ver-
teidigung vom 30. August 2016 und an der Berufungsverhandlung vom 6. Sep-
tember 2016 wurden diese Beweisanträge wiederholt (Urk. 90; Urk. 102).
2. Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 3 Abs. 2
lit. c StPO) ergibt sich u.a. das Recht der Betroffenen, vor Erlass eines Entschei-
des erhebliche Beweise beizubringen und mit erheblichen Beweisanträgen gehört
zu werden (Art. 107 Abs. 1 lit. e StPO), wenn diese geeignet sind, den Entscheid
zu beeinflussen. Dem Mitwirkungsrecht entspricht die Pflicht der Behörden, die
Argumente und Verfahrensanträge der Parteien entgegenzunehmen und zu prü-
fen sowie die ihr rechtzeitig und formrichtig angebotenen Beweismittel abzuneh-
men (BGE 138 V 125 E. 2.1; BGE 137 II 266 E. 3.2; je mit Hinweisen). Das Ge-
richt kann indessen in willkürfreier vorweggenommener Würdigung der zusätzlich
beantragten Beweise annehmen, dass seine Überzeugung auch durch die Ab-
nahme von weiteren Beweisen nicht geändert würde (Art. 139 Abs. 2 StPO; WOH-
LERS, in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Auflage, Zü-
rich 2014, N 8 ff. zu Art. 139 StPO; BGE 136 I 229 E. 5.3; BGE 134 I 140 E. 5.3,
m.w.H.).
3. Wie im Rahmen der Beweiswürdigung aufzuzeigen ist, erwies sich eine
weitere Ergänzung der sachverständigen Abklärungen bezüglich "Spuren am
Messer nach Spülvorgang" durch das Forensische Institut Zürich angezeigt. Da-
gegen erübrigt sich eine weitere Abnahme von Personalbeweisen im Berufungs-
verfahren.
IV. Sachverhalt
1. In der Anklageschrift wird der Beschuldigten vorgeworfen (Urk. 43 S. 2 f.),
sie habe sich am 28. November 2014, um ca. 08.30 Uhr, an den damaligen Woh-
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nort der bis vor Kurzem mit ihr befreundeten Privatklägerin in G._ begeben.
Von dieser sei die Beschuldigte verdächtigt worden, ihr ca. im September 2014
ein Couvert mit Fr. 1‘000.– aus der Wohnung gestohlen und später wieder zu-
rückgelegt zu haben, wobei diese der Beschuldigten am 12. September 2014
über WhatsApp wahrheitswidrig mitgeteilt habe, dass sie deswegen Anzeige bei
der Polizei erstattet habe. Anlässlich ihres Besuches bei der Privatklägerin habe
die Beschuldigte ein Küchenmesser mit einer Klingenlänge von ca. 22 cm mit
dem Willen mitgeführt, diese zu töten. Dort angekommen, habe sie zur Privatklä-
gerin gesagt, dass sie Frieden schliessen wolle, worauf diese sie in die Wohnung
gelassen habe. Ca. um 09.00 Uhr habe die Beschuldigte der Privatklägerin mit
dem Küchenmesser zunächst ca. 4 cm tief in den Rücken gestochen. Nachdem
diese sich umgedreht habe, habe die Beschuldigte ihr Vorhaltungen wegen der
angeblichen Diebstahlsanzeige gemacht und kundgetan, sie töten zu wollen. Da-
rauf habe sie die Privatklägerin mit dem Küchenmesser ca. 1,5 cm tief in die Brust
gestochen. Beide Stiche habe die Beschuldigte mit Tötungswillen ausgeführt. Da-
zu seien die Messerstiche in den Oberkörper geeignet gewesen. Der beabsichtig-
te Tod sei jedoch nicht eingetreten. Die Stichverletzungen der Privatklägerin seien
gleichentags im Spital chirurgisch verschlossen worden. Am nächsten Tag habe
sie das Spital verlassen können.
Nach den erlittenen Messerstichen habe die Privatklägerin aus Sorge um ih-
re eigene und die Sicherheit ihres Kindes beruhigend auf die Beschuldigte einge-
redet, worauf diese sich bei der Privatklägerin entschuldigt habe und mit ihr über-
eingekommen sei, als Urheber der Verletzungen einen unbekannten Räuber vor-
zuschieben, welcher die Privatklägerin bei der Unterführung des Bahnhofs
G._ attackiert und ihr die Handtasche entrissen habe. Um dies umzusetzen,
habe sich die Beschuldigte gemeinsam mit der Privatklägerin zum Bahnhof
G._ begeben, wo Letztere sich in der Unterführung auf den Boden geworfen
und gemeinsam mit der Beschuldigten lautstark um Hilfe geschrien habe. Um
09.24 Uhr sei bei der Einsatzzentrale der Kantonspolizei Zürich eine Meldung
eingegangen, wonach beim Bahnhof G._ eine Frau überfallen und verletzt
worden sei. Hernach sei die Privatklägerin ins Spital Limmattal gebracht worden.
Am selben Nachmittag sei die Beschuldigte im gegen den angeblichen unbekann-
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ten Räuber eingeleiteten Ermittlungsverfahren in G._ durch die Kantonspoli-
zei als Auskunftsperson befragt worden. Dabei habe sie wahrheitswidrig zu Pro-
tokoll gegeben, dass sich am Morgen in der Unterführung beim Bahnhof G._
ein junger Mann auf die Privatklägerin gestürzt habe, um dieser die Tasche zu
entreissen. Der Unbekannte habe diese zunächst auf den Rücken geschlagen
und ihr die Handtasche zu entreissen versucht. Dadurch habe die Privatklägerin
diesem ihre Vorderseite zugedreht, worauf er dieser gegen die Brust geschlagen
habe, wodurch sie zu Boden gefallen und es ihm gelungen sei, ihr die Handta-
sche zu entreissen und wegzurennen. Bereits beim ersten Schlag des Unbekann-
ten habe die Privatklägerin zu schreien begonnen. Bei diesen Schilderungen habe
die Beschuldigte gewusst, dass die Tat in der Bahnhofsunterführung G._ gar
nicht stattgefunden habe.
2. Die Beschuldigte hat diesen Sachverhalt im Vorverfahren, vor Vorinstanz
und erneut im Berufungsverfahren stets vehement bestritten und stattdessen an
ihrer Darstellung eines Raubüberfalles in der Unterführung beim Bahnhof
G._ festgehalten. Die Privatklägerin habe gelogen. Sie habe das Tatmesser
nicht in den Händen gehabt, ansonsten ihre Fingerabrücke darauf gefunden wor-
den wären (Urk. 6 S. 1 ff.; Urk. 9 S. 1 ff., insbes. S. 6; Urk. 11 S. 3 ff.; Urk. 17
S. 2 f.; Urk. 21 S. 2 f.; Urk. 23 S. 2 ff.; Urk. 26 S. 2 ff., insbes. S. 6 und 8; Prot. I
S. 8 ff.; Prot. II S. 18 ff.).
3. Der Anklagesachverhalt ist daher aufgrund der Untersuchungsakten und
der vor Gericht vorgebrachten Argumente nach den allgemein gültigen Beweisre-
geln zu würdigen.
3.1. Die Vorinstanz hat die rechtstheoretischen Grundlagen der Beweiswür-
digung und der Würdigung von Aussagen mit der Unterscheidung zwischen der
allgemeinen Glaubwürdigkeit der aussagenden Person und der Glaubhaftigkeit
des konkreten Inhalts der Aussagen korrekt aufgeführt (Urk. 73 S. 5 ff.) und die
generelle Glaubwürdigkeit der befragten Personen zutreffend gewürdigt. Es kann
vollumfänglich darauf verwiesen werden (Urk. 73 S. 7 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Zu
korrigieren ist einzig die vorinstanzliche Erwägung, wonach Zeugen, welche auf
die strengen Straffolgen bei wissentlich falscher Zeugenaussage gemäss Art. 307
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StGB hingewiesen wurden, einzig aufgrund dieses Hinweises eine generell ge-
steigerte Glaubwürdigkeit aufweisen würden (Urk. 73 S. 9). Eine solche Strafan-
drohung dürfte je nach Adressat ganz unterschiedlich aufgenommen werden und
nicht bei allen Zeugen den gleichen Eindruck und dieselbe Wirkung hinterlassen.
3.2. Ergänzend ist zu beachten, dass gemäss bundesgerichtlicher Recht-
sprechung bei der Würdigung von Aussagen nicht mehr wie früher Gewicht auf
die generelle Glaubwürdigkeit des Einvernommenen im Sinne einer dauerhaften
personalen Eigenschaft gelegt wird, sondern diesem Gesichtspunkt kaum mehr
relevante Bedeutung zukommt. Weitaus bedeutender für die Wahrheitsfindung ist
die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussage, welche durch methodische Analyse
ihres Inhalts darauf überprüft wird, ob die auf ein bestimmtes Geschehen bezoge-
nen Angaben einem tatsächlichen Erleben des Aussagenden entspringen
(BGE 133 I 33 E. 4.3).
3.3. Aus diesen Gründen kann die von der Verteidigung im Rahmen der Be-
weisanträge beantragte Befragung von D._ durch das Berufungsgericht un-
terbleiben. D._ war offenbar von ca. Frühling 2012 bis Frühling 2014 der Ar-
beitgeber der Privatklägerin. Sie war Küchenhilfe und Reinigungskraft im Fami-
lienbetrieb "H._". Überdies war er der Wohnungsvermieter der Privatklägerin.
Die Verteidigung ruft D._ als Leumundszeugen an. Dieser könne bezeugen,
wie lügenhaft und manipulativ die Privatklägerin sei. Dies betrifft damit lediglich
deren generelle Glaubwürdigkeit und nicht eigene mögliche Wahrnehmungen von
D._ zu den Anklagevorwürfen.
4. Als Beweismittel liegen die Aussagen der Beschuldigten (Urk. 6 S. 1 ff.;
Urk. 9 S. 1 ff., insbes. S. 6; Urk. 11 S. 3 ff.; Urk. 17 S. 2 f.; Urk. 21 S. 2 f.; Urk. 23
S. 2 ff.; Urk. 26 S. 2 ff., insbes. S. 6 und 8; Prot. I S. 8 ff.; Prot. II S. 18 ff.), der Pri-
vatklägerin (Urk. 10; Urk. 15; Urk 16; Urk. 27; Prot. I S. 19–21), und der beiden
Zeugen E._ (Urk. 5; Urk. 20) und I._, Lebenspartner der Privatklägerin
(Urk. 7; Urk. 32), sowie als Sachbeweismittel das Gutachten zur körperlichen Un-
tersuchung der Privatklägerin des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zü-
rich vom 4. Dezember 2014, das Fleischmesser als mutmassliche Tatwaffe
(Urk. 36/2 S. 2), die Kurzberichte des Forensischen Instituts Zürich (FOR) vom
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12. Dezember 2014, 29. Dezember 2014, und vom 14. Januar 2015, über die as-
servierten Spuren aus der Wohnung der Privatklägerin, ab ihren Textilien und
dem Fleischmesser (Urk. 34/3; Urk. 34/5; Urk. 35/8), der Spurenbericht des FOR
vom 9. Januar 2015 (Urk. 34/6), die Fotodokumentation des FOR vom 20. Januar
2015 über die vermeintliche und die mutmassliche Tatörtlichkeit, die mutmassli-
che Tatwaffe sowie die Verletzungen und die damalige Oberbekleidung der Pri-
vatklägerin (Urk. 34/9), die Berichte des Spitals Limmattal vom 1. Dezember 2014
über ihre Verletzungen und deren Behandlung, samt Fotodokumentation
(Urk. 34/13/1-3), sowie der polizeiliche Bericht über den WhatsApp Chatverkehr
zwischen der Beschuldigten und der Privatklägerin ab 1. September 2014
(Urk. 35/1-4), vor. Weiter liegen die Ergänzungen des FOR bezüglich "Spuren am
Messer nach Spülvorgang" vom 27. Juni 2016, vom 29. August 2016 und vom
22. November 2016 vor (Urk. 84; Urk. 89; Urk. 113).
5. Wie bereits die Vorinstanz erwogen hat (Urk. 73 S. 9 f.), ist erstellt, dass
die Privatklägerin am Morgen des 28. November 2014 je eine Messerstichverlet-
zung im Rücken– und im Brustbereich erlitt und die Einsatzzentrale der Kantons-
polizei Zürich um 9.24 Uhr eine Meldung erhalten hatte, dass beim Bahnhof
G._ eine Frau überfallen worden sei. In der Folge wurde die von den ausge-
rückten Polizeibeamten angetroffene Privatklägerin in Begleitung der Beschuldig-
ten durch die Rettungssanität in den Notfall des Spitals Limmattal gebracht, wo ih-
re Verletzungen operativ versorgt wurden und sie tags darauf bereits wieder aus
der Spitalpflege entlassen wurde (Urk. 2 S. 2 ff.; Urk. 34/13/1-3). Hinsichtlich des
Tatortes, der Täterschaft und des Tathergangs gehen die Darstellungen der Be-
schuldigten und der Privatklägerin jedoch diametral auseinander.
6. Es sind daher nochmals die wesentlichen Aussagen der befragten Betei-
ligten zu den sich fundamental widersprechenden Darstellungen näher zu be-
trachten.
6.1. Die Aussagen der Beschuldigten (Urk. 73 S. 10 ff.) und der Privatkläge-
rin (Urk. 73 S. 17 f. und S. 21 ff.) sowie der Zeugen E._ (Urk. 73 S. 14 f.) und
I._ (Urk. 73 S. 27) wurden im angefochtenen Urteil korrekt wiedergegeben
und unter detailliertem Einbezug der vorinstanzlichen Einwände der Verteidigung
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(Urk. 63; Prot. I S. 15 f.) und den vorhandenen Sachbeweismitteln zutreffend und
überzeugend gewürdigt (Urk. 73 S. 11–29). Darauf kann vollumfänglich verwiesen
werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Nachfolgend sind daher bloss einige Aspekte der
Beweiswürdigung nochmals hervorzuheben und auf im Berufungsverfahren erho-
bene neue Einwände der Verteidigung einzugehen.
6.2. Bei der Würdigung der Aussagen der Beschuldigten kamen die Vorder-
richter zum Schluss, deren Aussagen zum angeblichen Raubüberfall seien insge-
samt relativ konstant und weitgehend widerspruchsfrei, führten aber dennoch ge-
wisse Ungereimtheiten in ihren Schilderungen auf (Urk. 73 S. 10, Ziff. 2). Bereits
diese Ungereimtheiten und Unsicherheiten lassen für sich alleine betrachtet er-
hebliche Zweifel am Wahrheitsgehalt der Darstellung der Beschuldigten aufkom-
men.
6.2.1. Es leuchtet nicht ein, dass die Beschuldigte anlässlich ihrer ersten po-
lizeilichen Befragung vom 28. November 2014 lediglich rund sechs Stunden nach
dem Tatgeschehen beim eigentlichen Tatvorgang des angeblichen Raubes zu-
nächst relativ genau zu beschreiben vermochte, wie "der Typ" der Privatklägerin
vor dem Griff an die Handtasche einen Schlag auf den Rücken verabreicht habe
und diese sich durch das Reissen an der Tasche umgedreht und in der Drehung
gegen die Brust "dieses Mannes" geschlagen habe (Urk. 6 S. 2 f.), bei der Täter-
beschreibung im Gegensatz dazu aber nicht einmal mit Bestimmtheit sagen konn-
te, ob die Täterschaft ein Mann oder eine Frau gewesen sei, in der Folge aber
dennoch wieder einen jüngeren Mann mit grossen Händen als Angreifer be-
schrieb, aber wiederum nicht sagen konnte, ob dieser "dunkelhäutig oder weiss"
gewesen sei. Dessen Gesicht habe sie nicht sehen können. Er habe eine graue
oder schwarze Mütze aufgehabt. Diese sei auf alle Fälle dunkel gewesen. Er ha-
be eine dicke Winterjacke angehabt, aber keine Daunenjacke. Diese habe eine
Kapuze gehabt. Die Jacke sei dunkel gewesen. Die Farbe könne sie nicht sagen.
Er habe dunkle Hosen getragen. Er habe weisse sportliche Schuhe angehabt. Ihr
seien die weissen Schuhe aufgefallen, weil er sonst ganz dunkel angezogen ge-
wesen sei. Sie sei sich nicht ganz sicher, aber sie habe ihn kurz von der Seite ge-
sehen, und es sei möglich, dass er einen Kinnbart gehabt habe. Sie wisse aber
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nicht, ob dies Kopfhaar oder sonst etwas gewesen sei. Mit der Mütze habe er
auch die Ohren bedeckt gehabt. Die Haare seien unter der Mütze hervorgekom-
men. Sie seien bis zum Hals gekommen, etwas unterhalb des Kinns. An die Far-
be könne sie sich nicht mehr erinnern, aber eher dunkel. Sie habe das Gefühl ge-
habt, dass die Haare gewellt gewesen seien (Urk. 6 S. 3). Schliesslich doppelte
sie nach, ihr sei kurz vor dem Raubüberfall auf dem Bahngleis ein Mann mit weis-
ser Hautfarbe, ein Maghrebinertyp, aufgefallen, der wie ein Junkie ausgesehen
habe. Es könne sein, dass dies der Angreifer gewesen sei (Urk. 6 S. 3). Anläss-
lich ihrer polizeilichen Befragung vom 29. November 2014 gab sie nach einer Tä-
terbeschreibung gefragt zu Protokoll, es sei alles sehr dunkel gewesen, ganz
dunkle Kleider (Urk. 9 S. 5). Wiederum in Abweichung dazu sprach die Beschul-
digte vor Vorinstanz erstmals von zwei Junkies auf dem Bahngleis (Prot. I S. 9).
Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 6. September 2016 meinte sie auf die
Frage, ob sie die Täterschaft beschreiben könne, einsilbig und wenig konzis im
Vergleich zu ihren früheren, detaillierten Beschreibungen, sie habe ihn von hinten
gesehen und nicht von vorne. Es sei ein grossgewachsener Mann gewesen. Er
sei dunkel angezogen gewesen. Er habe grosse Hände gehabt. Dies sei alles
gewesen. Auf Nachfrage bestätigte sie hinsichtlich dessen Hose und Jacke, dass
diese dunkel gewesen seien und dass er weisse Turnschuhe getragen habe
(Prot. II S. 19; Urk. 116). Auf die Frage nach einer Kopfbedeckung erinnerte sie
sich im Unterschied zu ihrer früheren detaillierten Aussage, wonach er eine auch
die Ohren bedeckende Mütze getragen habe, nicht mehr (Prot. II S. 27). Die Dar-
stellung der Beschuldigten erweist sich einzig bezüglich der dunklen Kleidung und
der weissen Schuhe des Mannes einheitlich (Urk. 6 S. 3; Urk. 9 S. 5; Prot. II S. 19
und S. 27). Abgesehen davon ist ihre Beschreibung desselben somit alles andere
als konstant, sondern vielmehr von grosser Unsicherheit geprägt und wider-
sprüchlich.
6.2.2. Im Zusammenhang mit der fraglichen Handtasche der Privatklägerin
sagte die Beschuldigte anlässlich ihrer polizeilichen Befragung vom 28. November
2014 weiter aus, nach dem Schlag auf deren Brust sei die Privatklägerin umgefal-
len, und erst dann habe sie die Handtasche losgelassen, und der Typ sei davon-
gerannt. Sie verneinte, gesehen zu haben, was dieser dann mit der Handtasche
- 15 -
getan habe. Sie habe lediglich gesehen, wie er mit der Handtasche fortgerannt
sei. Sie habe sich dann um die Privatklägerin gekümmert. Als sie diese dann vor
der Treppe hingesetzt hätten, sei ihr (der Beschuldigten) aufgefallen, dass die Ta-
sche dort auf dem Boden gelegen habe. Sie wisse nicht, wie die Tasche dorthin
gelangt sei. Auch sonst sei ihr nichts aufgefallen, was dieser hätte wegwerfen
können (Urk. 6/3 S. 3). Vor Vorinstanz gab sie bezüglich der Handtasche zu Pro-
tokoll, nachdem er (der Täter) sie (die Privatklägerin) von vorne gestochen gehabt
habe, habe er ihre Tasche genommen. Sie wisse allerdings nicht, was er alles
mitgenommen habe. Er sei davongerannt und habe die Tasche weggeworfen
(Prot. I S. 9). Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 6. September 2016 er-
klärte sie hiezu, er habe ihr die Tasche weggezogen und sie vorne geschlagen. Er
habe ihr die Tasche weggezogen, und sie sei zu Boden gefallen (Prot. II S. 19). In
Abweichung zu ihren früheren Aussagen, lediglich gesehen zu haben, wie er die
Tasche weggenommen habe und weggerannt sei, wollte sich die Beschuldigte
nun gut 21 Monate nach dem Vorfall plötzlich daran erinnern, beobachtet zu ha-
ben, wie er der Privatklägerin die Tasche weggerissen und etwas daraus genom-
men, diese (erst) dann weggeworfen habe und dann weggerannt sei. Im Gegen-
satz dazu erklärte sie in ihrer ersten polizeilichen Befragung am Tattag und damit
in frischer Erinnerung noch, nicht gesehen zu haben, was dieser mit der Tasche
gemacht habe. Diese Ungereimtheiten und Widersprüche sprechen wiederum
nicht für die Glaubhaftigkeit ihrer Darstellung.
6.2.3. Zur Frage, ob sie etwas in der Hand des Mannes gesehen habe, gab
die Beschuldigte anlässlich ihrer ersten polizeilichen Befragung vom 28. Novem-
ber 2014 zu Protokoll, nein, sie habe nichts in der Hand sehen können. Nein, sie
habe nie ein Messer gesehen. Ihr sei auch nie aufgefallen, dass er irgend etwas
in der Hand gehalten hätte. Es sei alles so schnell gegangen, und sie (die Be-
schuldigte) sei zudem noch zu Boden gestürzt (Urk. 6 S. 3). Anlässlich der Beru-
fungsverhandlung vom 6. September 2016 beantwortete sie die erneut gestellte
Frage danach, ob sie gesehen habe, ob der Täter etwas in der Hand gehalten
habe, mit nein. Als sie gesehen habe, dass er auf die Privatklägerin losgegangen
sei, habe sie nur dies gesehen. Auf die Frage, was mit der Tasche der Privatklä-
gerin passiert sei, erklärte sie, er habe diese behändigt und weggenommen, et-
- 16 -
was rausgenommen, diese weggeworfen und sei dann weggerannt. Weggewor-
fen habe er die Tasche in ihrer Nähe. Ausserdem bejahte sie, dass er zuerst noch
etwas herausgenommen habe. Das habe sie gesehen. Und ohne danach gefragt
zu werden, ergänzte sie gänzlich im Widerspruch zu ihren früheren Aussagen,
wonach sie nichts in der Hand habe sehen können, nunmehr: "Danach hatte er
etwas in der Hand." Was es gewesen sei, wisse sie nicht. Sie "habe nur dieses
Ding gesehen" (Prot. II S. 28). Auch diese Aussagen der Beschuldigten erweisen
sich somit als nicht konstant und sprechen nicht für die Glaubhaftigkeit ihrer Dar-
stellung.
6.2.4. Die Verteidigung leitet aus dem Umstand, dass die Beschuldigte in ih-
rer ersten polizeilichen Befragung kein Messer von sich aus erwähnt habe, ab,
dies könne nur bedeuten, dass ihre Darstellung des Raubes in der Unterführung
nicht erfunden sein könne, da sie andernfalls allen Grund gehabt hätte, ein Mes-
ser zu erwähnen, um die Verletzungen der Privatklägerin zu erklären (Urk. 103
S. 3 Rz 4). Genau so gut möglich wäre allerdings, dass sie das Messer absichtlich
unerwähnt liess, um mit ihrer Aussage nicht unnötig auf ein Messer aufmerksam
zu machen und dadurch ihre genaueren Kenntnisse über die Ursache der in je-
nem Zeitpunkt noch nicht ärztlich bestätigten Verletzungen der Privatklägerin zu
verraten. Aus dem Nichterwähnen eines Messers in der ersten Befragung der Be-
schuldigten lässt sich jedenfalls nicht schlüssig herleiten, dass ihre Darstellung
eines Raubes in der Unterführung nicht erfunden sein kann.
6.2.5. Gleich verhält es sich mit dem anlässlich der staatsanwaltschaftlichen
Schlusseinvernahme vom 20. Mai 2015 von der Beschuldigten erstmals geäus-
serten möglichen Motiv der Privatklägerin für eine falsche Anschuldigung, wonach
diese hinter ihrem Ehemann her gewesen sei und sie nur deswegen falsch ange-
schuldigt habe, um sie auszuschalten und ihren Ehemann haben zu können
(Urk. 26 S. 3 f.). Dieser späte, bereits durch die Vorinstanz zutreffend als Schutz-
behauptung taxierte nachgeschobene Erklärungsversuch (Urk. 73 S. 13) erweist
sich nur schon deshalb als äussert unwahrscheinlich, da die Privatklägerin bereits
im Tatzeitpunkt mit dem Bruder des Ehemannes der Beschuldigten in einer Part-
- 17 -
nerschaftsbeziehung stand und dies auch im Zeitpunkt von dessen Zeugenbefra-
gung nach wie vor der Fall war (vgl. Urk. 32 S. 3).
6.3. Der einzige offenbar unbeteiligte Zeuge, E._, hat die gemäss der
Darstellung der Beschuldigten erfolgte Raubtat gar nicht beobachten können. Er
kam erst aufgrund des lauten Geschreis der beiden Frauen hinzu, als diese sich
alleine in der Bahnhofsunterführung am Boden aufhielten (Urk. 5 S. 2; Urk. 20
S. 4 ff., S. 8). Sein Wissen basiert daher auf den ursprünglichen Angaben der Be-
schuldigten und der Privatklägerin vor Ort. Bereits die Vorderrichter haben zurecht
erwogen, dass auch in den Aussagen dieses Zeugen diverse Ungereimtheiten
bestehen (Urk. 73 S. 14).
6.3.1. Die Darstellung von E._ geht insbesondere in zeitlicher Hinsicht
nicht auf. Er will einerseits beim Nachrennen gesehen haben, wie der Täter mit
dem Messer in der rechten Hand geflüchtet sei. Vom Messer habe er die rund 10
cm lange metallfarbene Klinge gesehen. Er habe den Täter zu stellen versucht,
wobei er "vielleicht rund zehn Meter Rückstand" auf diesen gehabt habe, als er
dessen Verfolgung aufgenommen habe. Als er den Treppenaufgang bewältigt ha-
be, habe er den Täter bereits aus den Augen verloren. Es sei ihm unerklärlich,
dass dieser einfach nicht mehr dort gewesen/verschwunden sei (Urk. 5 S. 3;
Urk. 20 S. 8). Er habe den Täter nur flüchten gesehen und sei diesem dann nach-
gerannt (Urk. 5 S. 4; Urk. 20 S. 5, S. 8 f.). Andererseits will der Zeuge E._
vom eigentlichen Tathergang nichts gesehen haben. Eine ihm nicht bekannte
Dame (wohl die Beschuldigte) habe sich um ihre Kollegin gekümmert, und er sei
"dann dazugekommen". Offenbar unterhielt sich der Zeuge dann zunächst mit
den Frauen, indem er auf Deutsch und Italienisch gefragt habe, was passiert sei
(Urk. 5 S. 2; Urk. 20 S. 5 f.). Man habe ihm gesagt, dass es "ein Neger" sei. Er
habe sich eine Weile um die Frau gekümmert und sei dann dem Mann nachge-
rannt. Man habe ihm gesagt, er solle rennen. Er wisse nicht mehr, ob es 10, 20
oder 30 Sekunden gedauert habe, bis er diesem nachgerannt sei (Urk. 20 S. 7).
Während er gerannt sei, habe er gesehen, dass der Täter einen metallischen Ge-
genstand in der rechten Hand gehalten habe (Urk. 20 S. 8).
- 18 -
6.3.2. Kurz nach dem Eintreffen der Polizeibeamten beim Bahnhof G._
wurden anwesende Taxifahrer offenbar von diesen gefragt, ob ihnen eine ren-
nende, resp. flüchtende Person aufgefallen sei, was die Taxifahrer angeblich ver-
neinten (Urk. 2 S. 5). Auch dieses Indiz vermag die Darstellung dieses Zeugen
nicht zu untermauern.
6.3.3. Die Schilderungen, wonach der Zeuge E._ von der eigentlichen
Tat nichts gesehen habe, die beiden Frauen bei seinem Eintreffen auf den Boden
gesessen haben sollen und er sich bei diesen zunächst über das Geschehene er-
kundigt habe, bei der angeblichen Verfolgung des Täters in der Folge dann aber
bloss "vielleicht rund zehn Meter Rückstand" gehabt haben will, diesen nach dem
Treppenaufgang aber dennoch völlig aus den Augen verloren habe, sind in ihrer
Abfolge und in zeitlicher Hinsicht in keiner Weise in sich stimmig oder nachvoll-
ziehbar.
6.3.4. Überdies beschrieb der Zeuge E._ den Täter bei der Polizei im
Gegensatz zur Beschreibung der Beschuldigten als glattrasiert mit schwarzer
Hautfarbe. Bei einer Wahlkonfrontation würde er diesen aber nicht mehr wieder-
erkennen (Urk. 5 S. 4). Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme als
Zeuge erklärte E._ dann auf Nachfrage, er habe diesen nur von hinten gese-
hen. Er habe dessen Gesicht nicht gesehen (Urk. 20 S. 9). Dies steht einerseits
seiner Aussage bei der Polizei, dieser sei glattrasiert gewesen, entgegen und an-
dererseits widersprach er sich auch einige Fragen später innerhalb der Zeugen-
einvernahme. So gab er an, zwar dessen Gesicht gesehen, ihn aber später bei
der Polizei bei einer Wahlbildkonfrontation nicht wiedererkannt zu haben (Urk. 20
S. 10).
6.3.5. Hinzu kommt schliesslich, dass diese Beschreibung der Täterschaft
auch mit jener der Beschuldigten nicht ansatzweise in Einklang zu bringen ist
(vorstehend, Erw. IV.6.2.1.). Insbesondere stehen die durch die Beschuldigte be-
schriebenen gewellten Haare des Täters, welche unter seiner die Ohren bede-
ckenden Mütze hervorgeschaut hätten, sowie der Kinnbart, welchen die Beschul-
digte nicht ausschloss (Urk. 6 S. 3), im Widerspruch zur Beschreibung des Täters
als glattrasiert durch den Zeugen E._ (Urk. 5 S. 4).
- 19 -
6.3.6. Nach dem Dargelegten erschliesst sich nicht, in welchen Aussagen
von Zeuge E._ die Verteidigung erkennen will, dass dieser Zeuge die Dar-
stellung der Beschuldigten voll und ganz stütze (Urk. 63 S. 29; Urk. 103 S. 6 ff.).
Auf die Darstellung dieses Zeugen E._ kann nicht abgestellt werden, zumal
er seinen Schilderungen zufolge möglicherweise sogar irgend einem zufällig ge-
rade rennenden Mann nachgerannt sein könnte (vgl. Urk. 20 S. 8 f., Fragen 42 f.,
S. 10 Frage 53).
6.3.7. Daran vermöchte auch eine nochmalige Befragung dieses Zeugen
durch das Berufungsgericht nichts zu ändern. E._ wurde durch die Polizei
und bei der Staatsanwaltschaft je einmal als Auskunftsperson resp. Zeuge be-
fragt. Auch laut Verteidigung habe E._ den (angeblichen) Vorfall in der Fuss-
gängerunterführung beim Bahnhof G._ nicht selber gesehen. Da er eine Per-
son flüchten gesehen habe, sei er jedoch der definitiv wichtigste Zeuge in diesem
Verfahren (Urk. 77 S. 4). E._ konnte auch gemäss seiner eigenen Darstel-
lung den geltend gemachten Tathergang in der Bahnhofsunterführung nicht selber
beobachten, sondern gab diesbezüglich wieder, was ihm die Beschuldigte und die
Privatklägerin am Ort der Geschehnisse erzählt hatten. Nachdem seine bisheri-
gen Aussagen bereits äusserst widersprüchlich sind und er die Täterschaft bei ei-
ner Wahlbildkonfrontation laut eigenem Bekunden ohnehin nicht wiedererkennen
würde (vgl. vorstehend, Erw. IV.6.3. ff.), ist von einer weiteren Anhörung abzuse-
hen.
6.4. Ihre Kehrtwende in der Darstellung nach erfolgter Wundversorgung im
Spital lässt die Privatklägerin zunächst als wenig glaubwürdig erscheinen. Letzt-
lich erhöht aber der Umstand ihre Glaubwürdigkeit, dass sie sich mit ihren späte-
ren Schilderungen insbesondere auch selber erheblich belastete, indem sie ab ih-
rer zweiten Befragung einräumte, die Idee zum angeblichen Raubüberfall sei von
ihr gekommen. Nicht anders verhält es sich mit ihrem Eingeständnis, das Tat-
messer selber in die Geschirrspülmaschine gelegt zu haben, während die Be-
schuldigte dann die Maschine gestartet habe (Urk. 16 S. 7).
6.4.1. Noch am Abend des Tattages wurde in der dortigen Geschirrspülma-
schine tatsächlich ein solches Messer polizeilich sichergestellt. Für eine Abrech-
- 20 -
nung im Drogenmilieu, wie die Verteidigung vermutete (Urk. 63 S. 9) oder die
abenteuerliche Möglichkeit, dass die Privatklägerin beispielsweise zunächst ein
mit ihrem Blut präpariertes Fleischmesser selber oder durch eine Drittperson in
der Geschirrspülmaschine deponiert haben könnte, bevor sie sich in der Bahn-
hofsunterführung hätte abstechen lassen (Urk. 103 S. 20 f.), bestehen keine Hin-
weise. Letzteres wurde im Übrigen auch von keiner Seite behauptet.
6.4.2. Für die auf den ersten Blick und von aussen betrachtet sonderbar
anmutende Kehrtwende in ihrer Darstellung, gab die Privatklägerin eine plausible
und in sich stimmige Erklärung ab, wonach sie sich vor weiteren Attacken der Be-
schuldigten auf sie selber, vor allem aber auch vor der Gefahr, dass die Beschul-
digte ihrem in der Schule weilenden Sohn etwas hätte antun können, gefürchtet
habe, weshalb sie die Beschuldigte habe beschwichtigen wollen. Deshalb habe
sie beruhigend auf die Beschuldigte eingeredet und ihr erklärt, dass sie gar keine
Diebstahlsanzeige bei der Polizei erstattet habe. Und deshalb habe sie sich die
Idee mit der Anzeige eines unbekannten Räubers als Urheber ihrer Verletzungen
ausgedacht, um die Beschuldigte vor einem Strafverfahren zu schützen.
6.4.3. Auch der Lebenspartner der Privatklägerin, I._, hatte den einge-
klagten Tathergang in der Wohnung aufgrund der Schilderungen der Privatkläge-
rin ihm gegenüber vom Hören Sagen so zu Protokoll gegeben, wie dies bereits
durch die Privatklägerin erfolgt war. Dies stellt ein weiteres Indiz dafür dar, dass
der Tathergang in der Wohnung so ablief, wie von ihr auch gegenüber der Straf-
untersuchungsbehörde geschildet wurde. Die von der Beschuldigten bestrittene
Schilderung der Privatklägerin über das mögliche Motiv für die Messerstiche wur-
de durch den Zeugen I._ ebenfalls bestätigt, indem auch er aussagte, dass
der Privatklägerin von der Beschuldigten Fr. 1'000.– gestohlen worden seien und
sie dieser angekündigt habe, deswegen zur Polizei zu gehen. Weiter hatte der
Zeuge I._ bestätigt, dass sich das Verhältnis zwischen ihm und seinem Bru-
der, dem Ehemann der Beschuldigten, wegen dieser Diebstahlsgeschichte abge-
kühlt habe. Ferner bestätigte er, dass die Privatklägerin Angst davor gehabt habe,
dass die Beschuldigte auch ihrem damals in der Schule weilenden Sohn etwas
hätte antun können (Urk. 7 S. 2 ff.; Urk. 32 S. 3 ff., insbes. S. 11 f., 15 ff.).
- 21 -
6.4.4. Das von der Privatklägerin geltend gemachte Motiv der Beschuldigten,
sich für die vermeintliche Diebstahlsanzeige bei der Polizei bei ihr rächen zu wol-
len, findet noch ein weiteres stützendes Indiz in den ausgewerteten WhatsApp-
Nachrichten zwischen den Beiden. Dabei fällt auf, dass die Beschuldigte alle
Nachrichten von der und an die Privatklägerin auf ihrem Gerät gelöscht zu haben
scheint, nachdem sich keine einzige Nachricht der Privatklägerin (mehr) darauf
befand. Sie selbst räumte jedoch ein, zumindest am 9. September 2014, am Ge-
burtstag ihrer Tochter, noch eine letzte Nachricht mit der Privatklägerin ausge-
tauscht zu haben (Urk. 26 S. 5). Auch diese Nachricht war auf dem Mobiltelefon
der Beschuldigten jedoch nicht mehr gespeichert (Urk. 25 S. 3). Hingegen waren
auf dem Mobiltelefon der Privatklägerin über 150 solcher Nachrichten aus dem
Chat-Verlauf mit der Beschuldigten vorhanden (Urk. 35/4/1). Diese WhatsApp-
Nachrichten belegen einen regen freundschaftlichen Verkehr zwischen den Bei-
den bis zum 10. September 2014, wobei am 11. September 2014 dann erstmals
kein solcher Nachrichtenverkehr mehr stattfand. Auf dem sichergestellten Mobilte-
lefon der Privatklägerin befand sich aber eine am 12. September 2014 an die Be-
schuldigte versandte WhatsApp-Nachricht (Urk. 35/4/4; Urk. 35/4/1–3) mit folgen-
dem (übersetzten) Inhalt: "Es ist nur um dich zu informieren, dass ich vorhin zur
Polizei ging, um die Fingerabdrücke beim Umschlag zu analysieren und dass das
Billett schon als gestohlen angezeigt ist. Weisst du, wir sind in der Schweiz und
alles wird kontrolliert. Deshalb bist du jetzt gewarnt und hast immer noch Zeit."
Dies war zugleich die letzte sichergestellte Nachricht zwischen den Beiden
(Urk. 35/4/1 S. 1; Urk. 35/4/4 S. 1). Der Inhalt dieser Nachricht bestätigt demnach
ebenfalls, dass die Privatklägerin die Beschuldigte des Diebstahls von Fr. 1'000.–
bezichtigt und dieser gegenüber vorgegeben hatte, Anzeige bei der Polizei erstat-
tet zu haben, was wiederum für den Wahrheitsgehalt der Darstellung der Privat-
klägerin und gegen die betreffende Bestreitung der Beschuldigten spricht.
7. Der im Rahmen der Beweisanträge der Verteidigung als weiterer Zeuge
im Berufungsverfahren angerufene Polizeibeamte F._ (Urk. 77 S. 5 ff.;
Urk. 102 S. 1 und 4; Urk. 103 S. 13 f.) kann keine Angaben zum Tatgeschehen
aus eigener Wahrnehmung machen. Bei ihm handelt es sich um den rapportie-
renden polizeilichen Sachbearbeiter im Strafverfahren gegen die Beschuldigte. Er
- 22 -
wurde im Zusammenhang mit der Protokollierung der Befragung der Privatkläge-
rin vom 29. November 2014 (Urk. 10), insbesondere einer von dieser nach dem
Drucken des Befragungsprotokolls angebrachten nachträglichen schriftlichen Kor-
rektur, welche in der Folge offenkundig von ihr, vom Befragenden und von der
Dolmetscherin infidiert wurde (Urk. 10 S. 2), angerufen (Urk. 77 S. 6). Dabei ist
nicht ersichtlich, was der damals befragende Polizeibeamte im Nachhinein zu-
sätzlich zum Vorgang der infidierten Korrektur oder zum Inhalt der Aussagen
sonst noch berichten könnte, was sich nicht bereits aus dem Protokoll selber
ergibt. Der Inhalt der Aussagen und der Umstand dieser angebrachten Korrektur
ist im Übrigen Gegenstand der richterlichen Beweiswürdigung und nicht einer In-
terpretation durch den damals befragenden Polizeibeamten.
Die Befragung dieses Zeugen durch die Berufungsinstanz ist demnach
ebenfalls entbehrlich.
8. Als weiteres gewichtiges Indiz dafür, dass sich die Privatklägerin ihre Ver-
letzungen im Rahmen des anklagegegenständlichen Sachverhalts zuzog und
nicht in der Bahnhofsunterführung, ist das am Abend des Tattages bei ihr zu Hau-
se in der Geschirrspülmaschine sichergestellte Küchenmesser (Urk. 8; Urk. 34/9
S. 36 ff.), auf dem sich Blutspuren der Privatklägerin mit ihrem DNA-Profil befan-
den (Urk. 34/3 S. 2 und S. 8). Auf die Darstellung der Beschuldigten kann dem-
nach nicht abgestellt werden. Es liegen keine rechtsgenügenden Beweismittel da-
für vor, dass der Privatklägerin ihre Verletzungen, wie von der Beschuldigten be-
harrlich geltend gemacht, in der Bahnhofsunterführung in G._ von einem un-
bekannten Raubtäter zugefügt worden sein könnten.
9. Mit Beschluss vom 13. September 2016 wurde angeordnet, die Privatklä-
gerin im Berufungsverfahren als Auskunftsperson einzuvernehmen (Urk. 107;
Prot. II S. 36 f.), damit sich auch die Berufungsinstanz ein eigenes Bild von der
Privatklägerin hätte machen und ihre Schilderungen zum Tathergang nochmals
hätte hören können. Die Privatklägerin erschien nicht zur Befragung (vgl. vorste-
hend, Erw. I.2.2.).
- 23 -
9.1. Die Privatklägerin wurde am 29. November 2014, rund einen Tag nach
den anklagegegenständlichen Geschehnissen, erstmals polizeilich befragt. Eine
zweite polizeiliche Befragung fand am 5. Dezember 2014 statt. Diese betraf ihren
Vorwurf an die Beschuldigte, ihr Fr. 1'000.– gestohlen zu haben und ihre angebli-
che Diebstahlsanzeige als mögliches Motiv der Beschuldigten. Am 11. Dezember
2014 erfolgte alsdann ihre erste staatsanwaltschaftliche Befragung in Gegenwart
der Beschuldigten, und am 20. Mai 2015 wurde sie nochmals kurz staatsanwalt-
schaftlich in Gegenwart der Beschuldigten dazu befragt, wer ihr die Messerstiche
zugefügt habe und wo dies geschehen sei und ob sie bei ihren Belastungen ge-
gen die Beschuldigte bleibe, was sie bestätigte. Schliesslich wurde die Privatklä-
gerin anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung noch ein fünftes Mal be-
fragt (Urk. 10; Urk. 15 f.; Urk. 27; Prot. I S. 19 ff.).
9.2. Nachdem die Privatklägerin insgesamt fünf Mal, davon drei Mal einläss-
lich zum eigentlichen Tathergang, befragt wurde, ist eine weitere Anhörung durch
die Berufungsinstanz entbehrlich, da die Darstellung der Privatklägerin durch die
vorstehend thematisierten weiteren Beweismittel und deren Würdigung unter-
mauert wurde. Zwar sind die von der Verteidigung geltend gemachten Unsicher-
heiten hinsichtlich der Details der exakten zeitlichen Abfolge des Tatherganges
und betreffend der jeweiligen genauen Standorte, wo die beiden Messerstiche er-
folgten, durchaus zutreffend (Urk. 103 S. 10 ff.). Dass die Privatklägerin die exak-
te zeitliche Abfolge der Geschehnisse und die jeweiligen genauen Standorte in ih-
ren Befragungen nicht durchwegs deckungsgleich schilderte, vermag angesichts
des Umstandes, dass es sich bei den Geschehnissen um eine verbale und hand-
greifliche, mithin dynamische Auseinandersetzung handelte, in deren Verlauf sie
durch zwei Messerstiche erheblich verletzt wurde, nicht zu erstaunen. Ein in gros-
ser Aufregung, Bestürzung und Furcht selber erlebter, einige Zeit dauernder Vor-
gang lässt sich bekanntlich weniger gut memorisieren und später in exakter Ab-
folge wiedergeben, als von einer z.B. selber nicht direkt betroffenen Person in
Ruhe und aus einer gewissen Distanz gemachten Beobachtungen.
9.3. Hinzu kommt, dass die Privatklägerin die von ihr nach erfolgter Wund-
versorgung gemachte Kehrtwende in ihrer Darstellung plausibel erklären konnte
- 24 -
(vorstehend, Erw. IV.6.4. ff.), sich durch dieses Eingeständnis auch selber eines
Rechtspflegedeliktes belastete und das eigentliche Kerngeschehen, wonach sie
an ihrem Wohnort durch die Beschuldigte im Rahmen besagter Auseinanderset-
zung mit zwei Messerstichen verletzt worden sei, in den weiteren Befragungen
jeweils stets vorbehaltlos bestätigte. Die Unsicherheiten in ihren exakten zeitli-
chen und örtlichen Angaben zum eigentlichen Tatvorgang vermögen die darge-
legte übrige Beweislage und deren Würdigung daher nicht ernsthaft in Zweifel zu
ziehen. Schliesslich ist auch kein nachvollziehbares Motiv ersichtlich, weshalb die
Privatklägerin eine solche zu ihrem Nachteil strafrechtlich relevante Falschbelas-
tung der Beschuldigten hätte inszenieren sollen, nachdem sie in der Bahnhofsun-
terführung wie von der Beschuldigten weiterhin behauptet, angeblich Oper eines
Raubüberfalles mit Messerstichen geworden wäre.
10. Nach den Erkenntnissen des Forensischen Instituts aus dem Vorverfah-
ren konnten keine interpretierbaren DNA-Spuren oder Fingerabdrücke der Be-
schuldigten auf dem sichergestellten Küchenmesser festgestellt werden
(Urk. 34/3 S. 9; Urk. 34/8 S. 3: Abrieb ab Messergriff, Asservat-Nr. A007'720'061).
Auch mit Hilfe der mit Beschluss vom 25. April 2016 im Berufungsverfahren beim
FOR angeordneten Zerlegung des Griffstückes des Küchenmessers konnte laut
Kurzbericht vom 27. Juni 2016 kein interpretierbares DNA-Profil erlangt werden
(Urk. 81; Urk. 84 S. 2; Urk. 89).
10.1. Die Verteidigung schliesst aus dem Fehlen von Spuren der Beschul-
digten am Küchenmesser auf den Ausschluss ihrer Täterschaft (Urk. 63 S. 32;
Urk. 103 S. 24 u.). Die Vorderrichter erwogen dazu, ein Fingerabdruck sei keine
Anhaftung von DNA-Material, und ein allfälliger Fingerabdruck habe durch den
Spülvorgang ohne Weiteres entfernt worden sein können, während die Blutanhaf-
tung der Privatklägerin auf der Klinge verblieben sei (Urk. 73 S. 27), ohne sich bei
dieser Beweiswürdigung auf einen (wissenschaftlichen) Beweis stützen zu kön-
nen. Die von der Verteidigung mit ihren ergänzenden Beweisanträgen aufgewor-
fene Frage, inwieweit (starke) Fingerabdrücke oder sonstige DNA-Spuren auf
dem Griff des sichergestellten, angeblichen Tatmessers durch einen Spülvorgang
ohne Spülmittel entfernt werden könnten und wie es sich diesbezüglich mit Blut-
- 25 -
anhaftungen und sonstigen Spuren, wie z.B. Stoffresten, verhalte, während Blut-
anhaftungen zurückbleiben würden (Urk. 77 S. 10), war daher in Anwendung der
Art. 182 ff. StPO mit Beschluss vom 25. April 2016 ebenfalls dem Forensischen
Institut zur genaueren sachverständigen Abklärung zu unterbreiten (Urk. 81
S. 2 f.).
10.2. Gemäss den sachverständigen Abklärungen des Forensischen Insti-
tuts vom 29. August 2016 (Urk. 89) ist es durchaus möglich, dass allfällige auf
dem Tatmesser ursprünglich vorhandene Fingerabdrücke der Beschuldigten
durch den Spülvorgang hätten entfernt worden sein können, nachdem auch der
mit wenig Spülmittel von den Sachverständigen durchgeführte Einzelversuch mit
einem "eher schwachen" Spülvorgang zwar Blutspuren mit DNA teilweise über-
dauern liess, von ihnen angebrachte Fingerabdrücke aber entfernte (Urk. 89
S. 8 ff., insbes. S. 10 f.). Wie die Verteidigung zurecht beanstandet hat (Urk. 102
S. 4 ff.; Urk. 103 S. 23 f.), wurde durch die Sachverständigen im Rahmen des
Einzelversuches u.a. nicht abgeklärt, ob allfällige Fingerabdruckspuren auch
durch einen Spülvorgang, wie den tatgegenständlichen, nämlich ohne Spülmittel,
hätte entfernt werden können. Um die Verteidigungsrechte der Beschuldigten op-
timal wahren zu können, wurde das FOR mit Beschluss vom 13. September 2016
beauftragt, die mutmassliche Tatwaffe (Fleischermesser, Lagernummer
A007'708'443) zur Beantwortung von Ergänzungsfragen ergänzend zu untersu-
chen. Dabei war zu klären, inwieweit Fingerabdrücke oder sonstige DNA-Spuren
auf dem Griffstück des angeblichen Tatmessers durch einen durchschnittlich star-
ken, intensiven, heissen und langen Spülvorgang ohne Spülmittel hätten entfernt
werden können, wobei die Position des Messers während des Spülvorgangs mit
der Spitze der Klinge nach unten im mit weiterem Besteck gefüllten Besteckkorb
sein musste, so dass das Griffstück frei nach oben ragte. Bei diesen weiteren
Versuchen war zudem eine Geschirrspülmaschine vom Typ zu verwenden, wie er
zur fraglichen Zeit in der ehemaligen Wohnung der Privatklägerin vorhandenen
gewesen war. Ausserdem war auch noch zu prüfen, wie es sich dabei mit Blutan-
haftungen und sonstigen Spuren, wie z.B. Stoffresten, im Vergleich zu (starken)
Fingerabdrücken verhalte (Urk. 107 S. 2 f.).
- 26 -
10.3. Laut diesen ergänzenden sachverständigen Abklärungen des FOR be-
züglich "Spuren am Messer nach Spülvorgang" vom 22. November 2016 wurde
das damals sichergestellte mutmassliche Tatmesser für die Versuche verwendet
(Urk. 113 S. 3). Die Versuche ergaben, dass Fingerabdrücke auf dem Griffstück
beim Spülen ohne Spülmittel so stark abgewaschen wurden, dass sie danach nur
noch ansatzweise sichtbar gemacht werden konnten und nicht mehr auswertbar
waren. Das Fehlen solcher Spuren lasse gemäss dem Gutachten jedoch nicht da-
rauf schliessen, dass vor dem Spülvorgang fragliche Tätigkeiten mit dem Messer
nicht durchgeführt worden seien (Urk. 113 S. 8).
10.3.1. Zu diesem ergänzenden Gutachten des FOR vom 22. November
2016 konnten die Parteien im Rahmen der Fortsetzung der Berufungsverhand-
lung vom 28. März 2017 Stellung nehmen (Prot. II S. 41).
10.3.2. Der Verteidiger wies in seiner Stellungnahme zunächst darauf hin,
dass im ergänzenden Gutachten festgehalten werde, dass ein ordentlicher
Spülgang aufgrund der am 28. November 2014 vorgefundenen Position des Mes-
sers in der Spülmaschine, gar nicht möglich gewesen sei. Daraus folgerte er wie-
derum, dass zugunsten der Beschuldigten davon auszugehen sei, dass am
28. November 2014 in der Spülmaschine der Privatklägerin gar kein Spülvorgang
stattgefunden habe und mithin auch keine Spuren hätten weggewaschen werden
können. Aufgrund des Umstands, dass dennoch keine Spuren der Beschuldigten
auf dem Messer gefunden worden seien, zeige sich daher, dass sie die Tat nicht
begangen haben könne (Urk. 122 S. 1 f.). Darauf, dass kein Spülgang stattgefun-
den habe, würden auch die Kaffee- und Saucenflecken hinweisen, welche auf
dem Foto der Spülmaschine der Privatklägerin als Anhaftungen am oberen Ge-
schirrkorb rechts erkennbar seien. Aus Sicht des Verteidigers wären diese durch
ein Spülen mit warmem Wasser weggewaschen worden (Urk. 122 S. 3; Urk. 113
Bild 1). Zudem machte er aufgrund des Umstandes, dass das Griffstück des Mes-
sers gemäss dem ergänzenden Gutachten gar nie auf Fingerabdrücke untersucht
worden sei, geltend, dass zu Gunsten der Beschuldigten davon auszugehen sei,
dass auch keine solchen gefunden worden wären, wenn man danach gesucht
hätte (Urk. 122 S. 3 f.). Schliesslich übte er Kritik daran, dass am Startknopf der in
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Frage stehenden Spülmaschine gar keine Spurensicherung und im Übrigen auch
in der ganzen Wohnung der Privatklägerin keine genügende Spurensicherung
vorgenommen worden sei. Seiner Ansicht nach hätten Spuren der Beschuldigten
in der Wohnung gefunden werden müssen, wenn die Darstellung der Privatkläge-
rin zutreffen würde. Daraus leitete er ab, dass im Sinne einer "Wahrunterstellung"
davon ausgegangen werden müsse, dass diese Spurensicherung erfolgt und kei-
ne Spuren gefunden worden seien (Urk. 122 S. 3).
10.3.3. Der Staatsanwalt hingegen brachte anlässlich der Fortsetzung der
Berufungsverhandlung vor, dass die Beschuldigte auch durch die Erkenntnisse
des ergänzenden Gutachtens des FOR in keiner Weise entlastet werde. Es sei im
Gegenteil möglich, dass jemand ein Messer in der Hand gehalten und damit auf
eine andere Person eingestochen habe und man nach einem Maschinenwasch-
gang (mit oder ohne Spülmittel) keine auswertbaren Fingerabdrücke auf dem
Messer finde, wohl aber DNA oder sonstige Mikrospuren (Urk. 124 S. 4).
10.3.4. Dem Vorbringen des Verteidigers, es sei zugunsten der Beschuldig-
ten vom Ausbleiben eines Spülvorganges auszugehen, ist zu entgegnen, dass
gemäss dem Gutachten des FOR lediglich ein "ordentlicher" Spülvorgang nicht
möglich gewesen sei (Urk. 113 S. 5). Dass ein Spülvorgang erfolgt ist, wurde hin-
gegen nie in Abrede gestellt. Auf dem Bild der Geschirrspülmaschine, welches am
28. November 2014 aufgenommen wurde, ist, wie im Gutachten umschrieben, zu
erkennen, dass das Fleischmesser in den Bereich des drehbaren oberen Sprüh-
arms ragte (Urk. 113 S. 5 und Bild 1). Auch wenn dieser Sprüharm durch das
Messer während des Waschganges blockiert war, konnte nach wie vor Wasser
daraus gesprüht werden. Lediglich die Drehfunktion war durch diese Konstellation
eingeschränkt. In Bezug auf die spezielle Position des Fleischmessers ist sodann
zu bemerken, dass gerade der Umstand, dass der Griff so weit frei hinaufragte,
ein weiterer Hinweis dafür sein könnte, dass es als letzter Gegenstand und hastig
in den Besteckkorb der Spülmaschine gesteckt wurde.
Auf dem Bild der Geschirrspülmaschine sind sodann auch keine Kaffee-
oder Saucenflecken zu erkennen, wie dies der Verteidiger behauptete (Urk. 122
S. 3). Bei den braun-gelben Verfärbungen am oberen Geschirrkorb handelt es
- 28 -
sich im Gegenteil um Schatten der Verstrebungen des Geschirrkorbs sowie des
Geschirrs, welche aufgrund des leichten Gelbstiches des Bildes in diesem Farb-
ton erscheinen. Dass es sich eindeutig um Schatten und nicht um Flecken han-
delt, die nicht weggewaschen worden wären, zeigt sich insbesondere daran, dass
diese Verfärbungen im selben Farbton sowohl am unteren als auch am oberen
Geschirrkorb hinter sämtlichen vertikalen Verstrebungen zu sehen sind. Ein Ver-
gleich der Abbildung dieser Fotografie in der Fotodokumentation vom 28. Novem-
ber 2014 der Kantonspolizei Zürich und der Abbildung im ergänzenden Gutachten
des FOR vom 22. November 2016 führt sodann zum gleichen Ergebnis. So zeigt
sich der Gelbstich auf der vergrösserten Abbildung im Gutachten des FOR noch
verstärkt. Die Schattierungen erscheinen aber auch auf der kleineren Abbildung
im jeweils selben Farbton (Urk. 3 S. 3; Urk 113 Bild 1). Ausserdem weisen weder
die gut sichtbare Auflaufform noch das übrige Besteck Verschmutzungen auf,
welche auf einen nicht erfolgten Spülvorgang hinweisen würden (Urk. 113 Bild 1).
Es ist daher als erstellt zu erachten, dass das Geschirr gespült wurde, jedoch oh-
ne die Drehung des oberen Sprüharms und somit nicht durch einen ordentlichen
Spülvorgang.
10.3.5. Was die Beanstandungen des Verteidigers bezüglich der Spurensi-
cherung betrifft, ist zunächst zu bemerken, dass der Entscheid, den Messergriff
nicht nach Fingerabdrücken zu untersuchen, durch das FOR durchaus nachvoll-
ziehbar begründet wurde. Es wurde erklärt, dass dies unter anderem unterlassen
worden sei, weil das Messer nach einem Spülvorgang aus der Spülmaschine si-
chergestellt worden sei und nach einem Spülvorgang üblicherweise keine aus-
wertbaren Fingerabdrücke vorhanden seien. Ausserdem weise das Material des
Griffstückes eine relativ raue Oberfläche auf, weshalb von Vornherein kaum aus-
wertbare Fingerabdrücke erwartet worden seien. Und schliesslich habe für diesen
Entscheid eine Rolle gespielt, dass die Priorität in solchen Fällen auf DNA resp.
Blut und Gewebeteile gelegt werde, die Behandlung mit der Visualisierung von
Fingerabdrücken aber gerade ein Restrisiko berge, allfällige DNA-Spuren zu ver-
lieren (Urk. 113 S. 7). Aus diesen Gründen handelt es sich dabei, dass das Mes-
ser nicht auf Fingerabdrücke untersucht wurde, nicht um ein Versäumnis, sondern
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um die Folge einer sorgfältigen Interessenabwägung zugunsten der Identifizie-
rung von DNA- und Blutspuren.
Dass die Beschuldigte den Startknopf der Spülmaschine betätigt habe, gab
die Privatklägerin im Rahmen der polizeilichen Einvernahme vom 29. November
2014 an und somit erst, als die Spurensicherung in ihrer Wohnung bereits abge-
schlossen war (Urk. 2 S. 3; Urk. 10 S. 8). Dass trotz des abgesprochenen Vorge-
hens die Beschuldigte und nicht die Privatklägerin ihre eigene Spülmaschine hätte
gestartet haben sollen, war ohne den entsprechenden Hinweis der Privatklägerin
nicht naheliegend. Daher ist es auch verständlich und nicht als ungenügend zu
erachten, dass der Startknopf der Geschirrspülmaschine nicht nach Fingerabdrü-
cken der Beschuldigten untersucht wurde.
Dem weiteren Einwand des Verteidigers, dass in der gesamten Wohnung
der Privatklägerin ungenügend nach Spuren gesucht worden sei (Urk. 122 S. 3 f.)
ist zu entgegnen, dass insbesondere aus der Fotodokumentation zur Spurensi-
cherung hervorgeht, dass durchaus eine intensive Suche nach Spuren durch die
Polizei stattgefunden hat (Urk. 34/9 S. 14 ff.). So wurden insbesondere auch blut-
verdächtige Anhaftungen im Badezimmer, bezüglich welchen ein Blutvortest posi-
tiv ausfiel (Urk. 34/3 S. 9), dokumentiert und sichergestellt (Urk. 34/9 S. 21 ff.).
Zudem ist zu beachten, dass die Messerstiche bei der Privatklägerin gemäss dem
Gutachten zur körperlichen Untersuchung des Instituts für Rechtsmedizin vom
4. Dezember 2014 sowie den Berichten des Spitals Limmattal keinen "relevanten
Blutverlust" verursachten (Urk. 34/2 S. 2, 3. Absatz; Urk. 34/13/1-3). So wurde die
Wunde durch den Messerstich in die Brust der Privatklägerin als gering blutend
und eingetrocknetes Blut aufweisend beschrieben. Lebenswichtige Organe seien
durch die beiden Messerstiche nicht getroffen worden (Urk. 34/2 S. 3 o.). Dem-
nach waren auch keine grösseren Blutgefässe betroffen. Hätte die Privatklägerin
erheblich geblutet, wären überdies auch an ihrem vom Kriminaltechnischen Ein-
satzdienst der Kantonspolizei Zürich (FOR-KED) nach Spuren abgesuchten Auf-
enthaltsort in der Bahnhofsunterführung Blutspuren zu erwarten gewesen. Aber
auch auf den Bildern der Fotodokumentation über jene Örtlichkeit sind keine sol-
chen auszumachen (Urk. 2 S. 3; Urk. 34/9 S. 5 ff.). Im Übrigen hätte das Blut zu-
- 30 -
erst die von der Privatklägerin getragenen Kleider durchdringen müssen, um wei-
tere Spuren in der Umgebung zu verursachen. Auch in dieser Hinsicht liegt daher
keine ungenügende Spurensicherung vor.
10.3.6. Im Ergebnis lässt sich aufgrund der im Berufungsverfahren durchge-
führten ergänzenden sachverständigen Abklärungen demzufolge nicht positiv auf
ein ursprüngliches Vorhandensein von Fingerabdrücken und/oder weiteren Spu-
ren der Beschuldigten auf der Tatwaffe schliessen, weshalb die Beschuldigte
durch diese ergänzenden Beweiserhebungen nicht belastet wurde.
Insbesondere da gemäss dem FOR aufgrund der rauen Oberfläche des
Messers von Vornherein kaum auswertbare Fingerabdrücke zu erwarten gewesen
sind, vermag das Fehlen nachgewiesener Fingerabdrücke die Täterschaft der Be-
schuldigten jedoch auch nicht auszuschliessen. Anders wäre die Situation zu be-
urteilen gewesen, wenn aufgrund der Oberfläche, der Beschaffenheit des Mes-
sers sowie wegen weiterer Umstände das Vorhandensein von Fingerabdrücken
nach der Benutzung des Messers geradezu hätten erwartet werden müssen. Un-
ter den gegebenen Umständen haben die Erkenntnisse aus diesen ergänzenden
Abklärungen aber entgegen der Auffassung der Verteidigung keine Entlastung der
Beschuldigten zur Folge.
11. Da die bereits an sich glaubhaften Aussagen der Privatklägerin zusätz-
lich durch weitere Beweismittel gestützt werden, wie insbesondere durch den
WhatsApp Nachrichtenverlauf sowie den Fund des durch die Privatklägerin be-
schriebenen Messers mit Anhaftungen ihres Blutes in der Spülmaschine, beste-
hen keine rechtserheblichen Zweifel daran, dass sich der Sachverhalt, wie in der
Anklageschrift umschrieben, zugetragen hat. Daran vermag aufgrund der vorste-
henden Erwägungen (Erw. 10.3.6.) auch der Umstand, dass an diesem Messer
keine Fingerabdrücke der Beschuldigten festgestellt wurden, nichts zu ändern.
Der Anklagesachverhalt erweist sich somit als rechtsgenügend erstellt.
- 31 -
V. Rechtliche Würdigung
1. Im angefochtenen Urteil wurde die Tat der Beschuldigten zum Nachteil
der Privatklägerin – der Anklagebehörde folgend – mit zutreffender Begründung
als versuchte Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1
StGB gewürdigt. Zudem wurde der Tatbestand der Irreführung der Rechtspflege
im Sinne von Art. 304 Ziff. 1 Abs. 1 StGB als erfüllt erkannt. Es kann vollumfäng-
lich darauf verwiesen werden (Urk. 73 S. 29 ff., S. 33 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
2. Die Beschuldigte fügte der Privatklägerin zwei Stichverletzungen mit ei-
nem eine Klingenlänge von ca. 22 cm aufweisenden Fleischmesser (Urk. 8;
Urk. 34/9 S. 36 ff.) zu. Die Stichtiefe der Verletzung an der linken Brust betrug ca.
1,5 cm und jene im Rückenbereich unmittelbar links neben der Brustwirbelsäule
eine solche von 4 cm. Es wurden keine lebenswichtigen Organe getroffen. Diese
waren jedoch in unmittelbarer Nähe der Stiche (Urk. 34/2 S. 3). Abgesehen von
Narben im Dekolletébereich hat die Privatklägerin keine bleibenden Schäden zu
erwarten (Urk. 34/2). Da diese Verletzungen nicht den Tod der Privatklägerin ver-
ursacht haben, ist der objektive Tatbestand der vorsätzlichen Tötung im Sinne
von Art. 111 StGB nicht erfüllt, weshalb eine versuchte Tatbegehung vorliegt.
3. Beim subjektiven Tatbestand ist zu beachten, dass vorsätzlich ein Ver-
brechen oder Vergehen begeht, wer die Tat mit Wissen und Willen ausführt. Vor-
sätzlich handelt bereits, wer die Verwirklichung der Tat für möglich hält und in
Kauf nimmt (Art. 12 Abs. 2 StGB). Nach ständiger Rechtsprechung ist Eventual-
vorsatz gegeben, wenn der Täter den Eintritt des Erfolgs beziehungsweise die
Tatbestandsverwirklichung für möglich hält, aber dennoch handelt, weil er den Er-
folg für den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt, sich mit ihm abfindet, mag er ihm
auch unerwünscht sein (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3).
3.1. Den Einstichtiefen zufolge führte die Beschuldigte die Stichverletzungen
mit einigem Kraftaufwand resp. erheblichem Schwung aus. Mit einem solchen
Kraftaufwand ist es nicht möglich, ein solches Messer mit einer Klingenlänge von
rund 22 cm kontrolliert zu führen. Sie konnte demnach nicht wissen, wie tief und
wo genau die rund 22 cm lange Messerklinge in den Rumpf der Privatklägerin
- 32 -
eindringen würde. Dies trifft umso mehr zu, da die Privatklägerin eine Winterjacke
trug. Indem die Beschuldigte diese durchstach, konnte sie nicht abschätzen, wo
genau sie die Privatklägerin mit ihren Stichen treffen würde. Wer in einer aggres-
siven Auseinandersetzung unkontrolliert von vorne und von hinten mit einigem
Kraftaufwand resp. erheblichem Schwung einmal in die Brustgegend und einmal
in die Rückengegend mit einem Messer mit dieser Klingenlänge zusticht, schafft
generell ein hohes Risiko einer tödlichen Verletzung. Dies gilt selbst für Verlet-
zungen mit einer eher kurzen Messerklinge (Urteile des Bundesgerichts
6B_475/2012 vom 27. November 2012 E. 4.2 mit Hinweis auf 6B_239/2009 vom
13. Juli 2009 E. 2.4; 6B_998/2015 vom 26. Mai 2016 E. 3.4). Es bedarf keiner be-
sonderen Intelligenz, um zu erkennen, dass ungezielte Messerstiche in Brust und
den Rückenbereich eines Menschen den Tod zur Folge haben können (Urteil des
Bundesgerichts 6B_829/2010 vom 28. Februar 2011 E. 3.2 mit Hinweisen).
3.2. Die der Privatklägerin zugefügten Verletzungen erwiesen sich als ver-
hältnismässig glimpflich und konnten durch eine operative Intervention erfolgreich
versorgt werden. Ausserdem leistete die Privatklägerin vor der zweiten Stichver-
letzung eine gewisse Abwehr. Letztlich ist es aber einzig dem Zufall zu verdan-
ken, dass keine schweren Verletzungsfolgen eintraten. Wäre das Messer nur we-
nig tiefer eingedrungen, hätten ohne Weiteres lebenswichtige Organe der Privat-
klägerin verletzt werden können. In der untersuchungsrichterlichen Hafteinver-
nahme vom 30. November 2014 erklärte die Beschuldigte, dass es sich um ein
schlimmes, gefährliches Verbrechen handle, wenn man einen Menschen mit ei-
nem Messer in den Oberkörper steche und bejahte die Frage, dass ein Opfer da-
bei lebensgefährlich verletzt werden oder sterben könne (Urk. 11 S. 3 f.).
3.3. Ausgehend vom erstellten Sachverhalt, wonach die Beschuldigte an-
lässlich des Zustechens zur Privatklägerin sagte, sie töten zu wollen und sie dar-
über hinaus sehr zielstrebig vorging und mithin das spätere Tatmesser gar in ihrer
Tasche mitbrachte, fällt eine blosse Inkaufnahme eines Todeseintritts ausser Be-
tracht. Der direkte Tötungsvorsatz der Beschuldigten ist offenkundig.
3.4. Demzufolge hat die Beschuldigte alles getan, was zur Verwirklichung
des tatbestandsmässigen Erfolges, des Todes der Privatklägerin, erforderlich war,
- 33 -
ohne jedoch den Tötungserfolg herbeizuführen. Dass die Privatklägerin die Mes-
serstiche überlebte, hat sie blossem Zufall zu verdanken. Die Beschuldigte hat
sich daher der versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig gemacht.
4. Wer bei einer Behörde wider besseres Wissen anzeigt, es sei eine straf-
bare Handlung begangen worden, macht sich der Irreführung der Rechtspflege
gemäss Art. 304 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig. Voraussetzung für die Erfüllung des
Tatbestandes ist die Anzeige einer Straftat. Das Merkmal der "strafbaren Hand-
lung" ist ein objektives Tatbestandselement (BGE 86 IV 184 E. 2). Die Erfüllung
des objektiven Tatbestandes von Art. 304 Ziff. 1 Abs. 1 StGB setzt somit voraus,
dass der angezeigte Sachverhalt eine strafbare Handlung darstellt (Urteil
6B_179/2007 vom 27. Oktober 2007 E. 5.2.1). Voraussetzung ist weiter, dass das
angezeigte Delikt sich in Wirklichkeit nicht ereignet hat. Dies ist auch dann der
Fall, wenn bewusst ein anderes als das tatsächlich verübte Delikt angezeigt wird
(DELNON/RÜDY, in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 3. Auflage 2013, N 8 ff. zu
Art. 304 StGB). Falsche Angaben über die Umstände eines wirklich begangenen
Deliktes genügen dagegen nicht (BGE 72 IV 138 E. 3). Die angezeigte Tat muss
mithin eine andere als die wirklich begangene strafbare Handlung sein (STRATEN-
WERTH/BOMMER, Schweizerisches Strafrecht, Bes. Teil II, 7. Auflage 2013, § 55
N 28).
5. Die Beschuldigte machte von Beginn des Verfahrens an geltend, die Pri-
vatklägerin sei in der Bahnhofsunterführung G._ Opfer eines Raubüberfalles
geworden, in dessen Verlauf die unbekannte Täterschaft ihr zunächst je einen
Schlag auf den Rücken und einen auf die Brust verpasst, und ihr hernach die
Handtasche entrissen habe (Urk. 6). An dieser Sachdarstellung hielt sie bislang
hartnäckig und im sicheren Wissen darum fest, dass der von ihr angezeigte straf-
bare Raubüberfall sich gar nicht zugetragen hat. Somit sind sowohl der objektive
als auch der subjektive Tatbestand erfüllt, weshalb die Beschuldigte sich der Irre-
führung der Rechtspflege im Sinne von Art. 304 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig ge-
macht hat.
- 34 -
6. Demzufolge ist der vorinstanzliche Schuldspruch vollumfänglich zu bestä-
tigen.
VI. Strafzumessung
1. Die Beschuldigte wurde durch die Vorinstanz mit 6 Jahren und 4 Monaten
Freiheitsstrafe bestraft (Urk. 73 S. 48). Die Beschuldigte liess einen vollständigen
Freispruch beantragen (Urk. 77 S. 2; Urk. 103 S. 1). Die Staatsanwaltschaft hat
die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils beantragt.
2. Die allgemeinen Regeln der Strafzumessung wurden im vorinstanzlichen
Urteil korrekt wiedergegeben und der massgebliche Strafrahmen für das schwere-
re Delikt der versuchten vorsätzlichen Tötung mit Freiheitsstrafe von nicht unter
fünf Jahren bis 20 Jahre (Art. 111 StGB i.V.m. Art. 40 StGB) korrekt abgesteckt
(Urk. 73 S. 35 ff.). Dies braucht vorliegend nicht wiederholt zu werden.
3. Der ordentliche Strafrahmen ist trotz des Vorliegens von Strafschärfungs-
und Strafmilderungsgründen nur zu verlassen, wenn aussergewöhnliche Umstän-
de vorliegen und die für die betreffende Tat angeordnete Strafe im konkreten Fall
zu hart bzw. zu mild erscheint. Das Gericht ist indessen verpflichtet, Strafschär-
fungsgründe zumindest straferhöhend und Strafmilderungsgründe strafmindernd
innerhalb des ordentlichen Strafrahmens zu berücksichtigen (BGE 121 IV 55;
BGE 136 IV 55 E. 5.5 ff.).
3.1. Als fakultativer Strafmilderungsgrund ist zu berücksichtigen, dass das
Tötungsdelikt im Versuchsstadium stecken geblieben ist (Art. 22 Abs. 1 StGB).
Soweit nicht besondere Umstände vorliegen, sollte dieser Umstand in der Regel
zu einer Strafmilderung führen (BGE 121 IV 54 E. 1b). Dem Strafschärfungsgrund
der Deliktsmehrheit wird alsdann im Rahmen von Art. 49 Abs. 1 StGB straferhö-
hend Rechnung zu tragen sein, da der enge sachliche Konnex der Irreführung der
Rechtspflege (Art. 304 Ziff. 1 Abs. 1 StGB) mit dem Tötungsversuch und den Ver-
letzungen der Privatklägerin, als nicht wegzudenkende Voraussetzungen der
wahrheitswidrigen Anzeige bei der Polizei, in Übereinstimmung mit dem nicht nä-
her begründeten Vorgehen der Vorinstanz (Urk. 73 S. 36, 38) eine einheitliche
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Strafzumessung in der Form der Freiheitsstrafe als Gesamtstrafe im Sinne von
Art. 49 Abs. 1 StGB als gerechtfertigt erscheinen lässt (vgl. Urteil des Bundesge-
richts 6B_1011/2014 vom 16. März 2015 E. 4.4).
3.2. Wie sich nachfolgend ergibt, sind trotz des Vorliegens dieses Strafmil-
derungsgrundes keine ausserordentlichen Umstände gegeben, welche eine Un-
terschreitung des regulären Strafrahmens als angezeigt erscheinen liessen.
3.2.1. Bei der objektiven Tatschwere ist vorauszuschicken, dass die Be-
schuldigte durch ihr Verhalten die körperliche Integrität und damit eines der
hochwertigsten Rechtsgüter in massiver Weise verletzte. Zu diesem Zweck be-
diente sie sich eines gefährlichen Tatinstrumentes. Das verwendete Fleischmes-
ser wies eine Klingenlänge von ca. 22 cm auf. Damit stach die Beschuldigte mit
einigem Kraftaufwand resp. erheblichem Schwung zwei Mal auf die wehrlose Pri-
vatklägerin ein. Die beiden Messerstiche brachte sie im sensiblen Rücken- und
Brustbereich an. Die Nähe der Stiche zu lebenswichtigen Organen (Urk. 34/2
S. 3) führte zu einer ernstlichen und naheliegenden Gefahr eines Tötungserfol-
ges, zumal die Stichhiebe angesichts der Klingenlänge auch bedeutend tiefer in
den Oberkörper der Privatklägerin hätten eindringen können. Tatsächlich betrug
die Stichtiefe der Verletzung an der linken Brust ca. 1,5 cm und jene im Rücken-
bereich unmittelbar links neben der Brustwirbelsäule 4 cm, und es wurden keine
lebenswichtigen Organe getroffen. Die Messerstiche verursachten abgesehen von
Narben im Dekolletébereich weder bleibende Schäden noch zogen sie einen
langwierigen Heilungsprozess nach sich. Die Privatklägerin konnte das Spital
nach Durchführung der operativen Wundversorgung am Folgetag wieder verlas-
sen (Urk. 34/13/3; Urk. 34/2), und es gab keine längere Arbeitsunfähigkeit. Das
von der Beschuldigten gewählte Tatvorgehen ist indessen als äusserst dreist und
hinterhältig einzustufen, indem sie sich unter dem Vorwand, sich mit der Privat-
klägerin versöhnen zu wollen, Zugang zu deren Wohnung verschaffte. Dies zeugt
von erheblicher krimineller Energie. Ihr Messereinsatz erfolgte nicht etwa in einem
Affekt im Zuge einer beispielsweise wechselseitigen Auseinandersetzung, son-
dern zielgerichtet, im Rahmen eines geplanten Vorgehens, was sich darin zeigt,
- 36 -
dass die Beschuldigte das Fleischmesser mit Bedacht mitgeführt hatte, um ihre
Tötungsabsicht in die Tat umzusetzen.
Vorausgesetzt, der tatbestandsmässige Erfolg der vorsätzlichen Tötung wä-
re durch eine lebensgefährliche Verletzung beispielsweise eines wichtigen Blutge-
fässes im Brust- oder Halsbereich eingetreten, hätte eine insgesamt erhebliche
objektive Tatschwere vorgelegen und für das vollendete Tötungsdelikt eine hypo-
thetische Einsatzstrafe in der Grössenordnung von 10 Jahren Freiheitstrafe als
angezeigt erscheinen lassen.
3.2.2. Bei der subjektiven Tatschwere ist zu gewichten, dass die Beschuldig-
te mit direktem Tötungsvorsatz, aus eigenem Antrieb und aus rein egoistischen
Beweggründen handelte, namentlich aus der Furcht vor einem allfälligen Strafre-
gistereintrag aufgrund einer vermeintlichen Strafanzeige wegen des Vorwurfs des
Diebstahls von Fr. 1'000.– zum Nachteil der Privatklägerin, wobei sie im Tatzeit-
punkt glaubte, die Privatklägerin habe die Anzeige bei der Polizei tatsächlich er-
stattet. Insgesamt offenbarte die Beschuldigte durch ihr Tatvorgehen eine erhebli-
che Geringschätzung des Lebens und der körperlichen Unversehrtheit der Privat-
klägerin. Anzeichen für eine eingeschränkte Einsichts- oder Steuerungsungsfä-
higkeit bei der Beschuldigten im Tatzeitpunkt (Art. 19 StGB) oder andere, gege-
benenfalls verschuldensmindernd zu berücksichtigende Strafmilderungsgründe im
Sinne von Art. 48 StGB liegen nicht vor.
3.2.3. Die subjektive Schwere ihrer Tat vermag ihr objektives Tatverschul-
den demnach weder zu mindern noch zu erhöhen. Es bleibt bei einem erhebli-
chen Verschulden und der vorstehend festgelegten hypothetischen Einsatzstrafe.
3.2.4. Als verschuldensunabhängige Komponente der Tat bleibt strafredu-
zierend zu berücksichtigen, dass das Tötungsdelikt im Versuchsstadium stecken
geblieben ist (Art. 22 Abs. 1 StGB) und keine gravierenderen Verletzungen resul-
tierten. Das Mass der zulässigen Reduktion der Strafe hängt insbesondere von
der Nähe des tatbestandsmässigen Erfolges und den tatsächlichen Folgen der
Tat ab (BGE 121 IV 49 E. 1).
- 37 -
3.2.4.1. Wie bereits dargelegt, betrug die Stichtiefe der Verletzung an der
linken Brust ca. 1,5 cm und jene im Rückenbereich 4 cm. Lebenswichtige Organe
waren nicht betroffen, und abgesehen von Narben im Dekolletébereich sind keine
bleibenden Schäden zu erwarten. Dass es beim Tötungsversuch geblieben ist
und keine gravierenderen Verletzungsfolgen eintraten, ist indessen einzig dem
Zufall zu verdanken und nicht etwa der Beschuldigten. Die Messerstiche lagen
sehr nahe an lebenswichtigen Organen. Angesichts der Klingenlänge hätten diese
auch bedeutend tiefer in den Oberkörper der Privatklägerin eindringen können
(vorstehend, Erw. VI.3.2.1.). Die Beschuldigte liess sich schliesslich nur durch be-
ruhigendes Zureden durch die Privatklägerin zum Innehalten bewegen.
3.2.4.2. Angesichts der tatsächlichen Tatfolgen ist dem Versuch merklich
strafreduzierend Rechnung zu tragen und die hypothetische Einsatzstrafe auf
6 Jahre Freiheitsstrafe zu reduzieren.
3.3. Bei der Würdigung der Täterkomponente kann die verschuldensange-
messene Strafe aufgrund von Umständen, die mit der Tat grundsätzlich nichts zu
tun haben, erhöht oder herabgesetzt werden. Massgebend hierfür sind im We-
sentlichen täterbezogene Komponenten wie die persönlichen Verhältnisse, Vor-
strafen, Leumund, Strafempfindlichkeit und Nachtatverhalten, wie Geständnis,
Einsicht, Reue etc. (HUG, in: DONATSCH/FLACHSMANN/HUG/WEDER, Kommentar
Schweizerisches Strafgesetzbuch, 19. Auflage, Zürich 2013, N 14 ff. zu Art. 47
StGB).
3.3.1. Die Beschuldigte ist am tt. Juni 1980 in J._ [Ortschaft], K._
[Staat in Südeuropa] geboren. Sie ist ... Staatsbürgerin [des Staates K._]
und verfügt über einen Niederlassungsstatus als Kurzaufenthalterin L. Gemäss ih-
ren Angaben ist sie gemeinsam mit ihrem jüngeren Bruder bei ihren Grosseltern
mütterlicherseits in J._ aufgewachsen. Ihren Vater kenne sie nicht. Ihre Mut-
ter sei bei einem Unfall gestorben, als die Beschuldigte drei Jahre alt gewesen
sei. Die Grossmutter habe daher die Vormundschaft über sie und ihren Bruder
gehabt. Ferner hat sie noch eine ältere Schwester, welche von einer Tante aufge-
zogen worden sei. Sie hätten ein enges, familiäres Verhältnis. Vom 6. bis zum 17.
Lebensjahr habe sie die normale Schule besucht. Sie sei allerdings nie eine gute
- 38 -
Schülerin gewesen und habe ständig Schulklassen wiederholen müssen. Mit 17
Jahren habe man ihr dann eröffnet, dass sie die Schule aus Altersgründen verlas-
sen müsse. In der Folge habe sie ca. ein Jahr lang im Service gearbeitet. Her-
nach habe sie ihre Grossmutter betreuen müssen. Damals habe sie mit ihrem
langjährigen Lebenspartner und heutigen Ehemann, L._, und mit den ge-
meinsamen zwei Töchtern in der Nähe ihrer Grossmutter in K._ gelebt. Zwi-
schenzeitlich habe sie für drei Monate täglich vier Stunden als Reinigungsange-
stellte gearbeitet. Danach habe sie während 21 Monaten Sozialhilfe bezogen, be-
vor sie nochmals zwei Monate lang gearbeitet habe. Ihr Ehemann habe in dieser
Zeit während rund eines Jahres Arbeitslosenentschädigung erhalten. Zuvor sei
dieser als Maler tätig gewesen. Nachdem ihr Ehemann und ihr Bruder beide eine
Arbeitsstelle in Deutschland gefunden hätten, seien sie alle zusammen nach
Deutschland gezogen. Aus beruflichen Gründen seien sie kurz vor Weihnachten
2013 in die Schweiz gekommen.
Sie erklärte, weder psychische Probleme zu haben noch Zigaretten zu rau-
chen oder Alkohol oder sonstige Drogen zu konsumieren. In K._ habe sie ei-
nen Motorradunfall erlitten, wobei sie ihren Arm verbrannt habe. Sie verfüge we-
der über ein Einkommen noch über Vermögen oder Schulden. Aufgrund der Ge-
schehnisse habe ihr Ehemann seine Arbeitsstelle verloren, weshalb ihre Töchter
nunmehr wieder in K._ leben würden (Urk. 40/5; Prot. I S. 11 ff.).
3.3.2. Anlässlich der Berufungsverhandlung ergänzte die Beschuldigte zu ih-
rer aktuellen persönlichen Situation, derzeit in den Anstalten Hindelbank in der
Gärtnerei zu arbeiten. Zu ihrem Ehemann und ihren beiden Töchtern, welche nun
16 und 8 Jahre alt seien, stehe sie nach wie vor in Kontakt. Ihre beiden Töchter
habe sie zuletzt am 17. August 2016 gesehen. Ihr Ehemann sei immer noch ar-
beitslos (Prot. II S. 10 ff.).
3.3.3. Den Vorderrichtern ist darin beizupflichten, dass sich aus dem Wer-
degang und in den persönlichen Verhältnissen der Beschuldigten keine Beson-
derheiten ergeben, aus denen sich strafmassrelevante Faktoren für die zu beur-
teilende Tat ableiten lassen (Urk. 73 S. 40 f.).
- 39 -
3.3.4. In der Schweiz verfügte die Beschuldigte bislang über keine Vorstra-
fen (Urk. 40/3). In K._ sind dagegen nicht unerhebliche Vorstrafen aus den
Jahren 2008 bzw. 2011 wegen Fahrens ohne Führerausweises und Urkundenfäl-
schung eingetragen. Für letztere Verurteilung wurde sie mit 14 Monaten Gefäng-
nis bedingt, bei einer Probezeit von 2 Jahren und mit einer Geldstrafe von 6 Mo-
naten zu EURO 6.– pro Tag bestraft und wegen Fahrens ohne Führerausweis mit
42 Tagen gemeinnütziger Arbeit (Urk. 40/7; Urk. 33 S. 2 f.). Dabei handelt es sich
nicht um einschlägige Vorstrafen. Ausserdem liegen diese bereits einige Jahre
zurück. Gleichwohl erscheint eine lediglich leichte Straferhöhung angezeigt.
3.3.5. Beim Nachtatverhalten ist dem Verhalten des Täters nach der Tat und
im Strafverfahren Rechnung zu tragen. Ein Geständnis, das kooperative Verhal-
ten eines Täters bei der Aufklärung von Straftaten sowie die Einsicht und Reue
wirken strafmindernd. Umfangreiche und prozessentscheidende Geständnisse
können eine Strafreduktion von bis zu einem Drittel bewirken (BGE 121 IV 202
E. 2d/cc). Der Grad der Strafminderung hängt aber insbesondere davon ab, in
welchem Stadium des Verfahrens das Geständnis erfolgte. Ein Verzicht auf
Strafminderung ist zulässig, wenn das Geständnis die Strafverfolgung nicht er-
leichtert hat, namentlich weil der Täter nur aufgrund einer erdrückenden Beweis-
lage oder gar erst nach Ausfällung des erstinstanzlichen Urteils geständig gewor-
den ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_558/2011 vom 21. November 2011 E. 2.3).
Die bundesgerichtliche Praxis zeigt, dass nur ein ausgesprochen positives Nach-
tatverhalten zu einer maximalen Strafreduktion von einem Drittel führen kann. Zu
einem solchen gehört ein umfassendes Geständnis von allem Anfang an und aus
eigenem Antrieb, also nicht erst auf konkrete Vorwürfe hin oder nach Vorlage ent-
sprechender Beweise. Ferner gehört kooperatives Verhalten in der Untersuchung
dazu, wozu gehört, dass beispielsweise aufgrund des Verhaltens eines Beschul-
digten weitere Delikte aufgeklärt oder Mittäter zur Rechenschaft gezogen werden
können, was ohne sein kooperatives Mitwirken nicht möglich gewesen wäre.
Schliesslich gehört Einsicht ins Unrecht der Tat und Reue dazu. Nur wenn all die-
se Faktoren erfüllt sind, kann eine Strafreduktion von einem Drittel erfolgen. Feh-
len einzelne Elemente, ist die Strafe entsprechend weniger stark zu mindern
- 40 -
(BASLER KOMMENTAR, Strafrecht I, 3. Auflage 2013, N 169 ff. zu Art. 47 StGB; vgl.
auch TRECHSEL ET AL., a.a.O., N 22 und N 24 zu Art. 47 StGB).
Nachdem die Beschuldigte den Anklagesachverhalt auch im Berufungsver-
fahren nach wie vor vollumfänglich in Abrede stellt, entfällt die Möglichkeit einer
Strafreduktion bei der Beurteilung des Nachtatverhaltens.
3.4. Angesichts der leicht straferhöhend zu berücksichtigenden Vorstrafen in
K._ führt der Einbezug der Täterkomponente zu einer hypothetischen Ein-
satzstrafe von 6 Jahren und 2 Monaten Freiheitsstrafe.
4. Ausgehend von der Einsatzstrafe für das versuchte Tötungsdelikt ist im
Rahmen der Strafschärfung nach Art. 49 Abs. 1 StGB noch die Tatkomponente
der Irreführung der Rechtspflege zu bemessen.
4.1. Bei der objektiven Tatschwere fällt ins Gewicht, dass die wahrheitswid-
rige Anzeige eines Raubüberfalles die Strafbehörden zunächst gehörig in die Irre
führte. In der falschen Überzeugung, das angezeigte Delikt sei begangen worden,
rückten beispielsweise über ein Dutzend Beamte grösstenteils vergeblich an den
vermeintlichen Tatort aus, sperrten die Örtlichkeit ab, zogen eine Nahbereichs-
fahndung auf, tätigten erste Abklärungen indem sie Anwesende befragten, es
wurde rapportiert und die angetroffene Situation fotographisch festgehalten
(Urk. 2 S. 3 ff.; Urk. 34/9 insbes. S. 3 ff.). Die Inszenierung eines veritablen Raub-
überfalls zeugt von beachtlicher krimineller Energie. Das Vorgehen war jedoch
nicht planmässig, sondern eher spontan, im Rahmen einer – allerdings von der
Beschuldigten herbeigeführten – Ausnahmesituation erfolgt.
4.2. Was die subjektive Tatschwere anbelangt, fällt ins Gewicht, dass die
Beschuldigte vorsätzlich, aus egoistischen Beweggründen, in erster Linie im Be-
streben handelte, sich der Strafverfolgung und den damit verbundenen Konse-
quenzen zu entziehen. Etwas verschuldensmindernd wirkt sich der Umstand aus,
dass die Idee, in der Bahnhofsunterführung G._ einen Raubüberfall vorzu-
täuschen, nicht von der Beschuldigten, sondern von der Privatklägerin ausging.
Diese wurde dafür (aufgrund ihres Geständnisses) mit Strafbefehl der Staatsan-
- 41 -
waltschaft IV des Kantons Zürich vom 19. August 2015 zu einer bedingten Geld-
strafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 70.– und einer Probezeit von zwei Jahren verur-
teilt (Urk. 57/2).
4.3. Das Verschulden ist insgesamt als nicht mehr leicht einzustufen, wes-
halb isoliert betrachtet für die völlig ungeständige Beschuldigte eine mehrmonati-
ge Strafe angezeigt wäre.
4.4. Hinsichtlich der Täterkomponente kann im Übrigen auf das bereits Dar-
gelegte verwiesen werden (vgl. vorstehend, Erw. VI.3.3.1. ff.).
5. Unter Einbezug der Irreführung der Rechtspflege erscheint daher eine Er-
höhung der Einsatzstrafe auf 6 1/3 Jahre Freiheitstrafe als angemessen.
6. Anlässlich der Fortsetzung der Berufungsverhandlung machte der Vertei-
diger bezüglich der rund 16 Monate, welche seit dem erstinstanzlichen Urteil bis
heute vergangen sind, eine Verletzung des Beschleunigungsgebotes geltend,
welche im Falle eines Schuldspruches mit einer Strafreduktion zu kompensieren
sei (Urk. 122 S. 6).
Dass der Gutachtensauftrag in Bezug auf den Spülvorgang ohne Spülmittel
mit Beschluss vom 13. September 2016 präzisiert und ein erneutes Ergänzungs-
gutachten erstellt werden musste (Urk. 107; Urk. 113), hat die Beschuldigte nicht
zu verantworten. Die Verzögerung von rund 7 Monaten zwischen der Berufungs-
verhandlung vom 6. September 2016 und der Fortsetzung der Berufungsverhand-
lung vom 28. März 2017 entstand somit ohne ihr Zutun und ist daher strafmin-
dernd zu berücksichtigen. Es rechtfertigt sich eine Reduktion der Einsatzstrafe um
4 Monate.
7. Somit ist die Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von 6 Jahren zu be-
strafen.
Einer Anrechnung der erstandenen Untersuchungs- und Sicherheitshaft so-
wie vorzeitigen Strafvollzug von 851 Tagen bis und mit heute steht nichts entge-
gen (Art. 51 StGB).
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8. Die Gewährung des bedingten oder eines teilbedingten Strafvollzugs
kommt angesichts der Dauer der zu verhängenden Freiheitsstrafe nicht in Be-
tracht (Art. 42 Abs. 1 StGB, Art. 43 Abs. 1 StGB).
VII. Zivilansprüche
1. Im angefochtenen Urteil wurde die Beschuldigte verpflichtet, der Privat-
klägerin Fr. 7'500.– als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wurde das Ge-
nugtuungsbegehren abgewiesen.
2. Die Privatklägerin hat dagegen kein Rechtsmittel ergriffen. Hingegen liess
die Beschuldigte ihre Verpflichtung zur Bezahlung dieser Genugtuung anfechten.
3. Die allgemeinen Voraussetzungen und Grundlagen für die Beurteilung der
Genugtuungsansprüche wurden durch die Vorinstanz zutreffend wiedergegeben
(Urk. 73 S. 43 f.). Dies braucht nicht wiederholt zu werden.
4. Die Beschuldigte griff widerrechtlich und schuldhaft in die körperliche In-
tegrität der Privatklägerin ein und verletzte diese in ihren Persönlichkeitsrechten
schwer. Die vorausgesetzte Schwere der Verletzung ist angesichts der dargeleg-
ten Deliktschwere in objektiver Hinsicht ohne Weiteres gegeben (vgl. vorstehend,
Erw. IV.3.2.1.), und die Verletzung kann nicht auf andere Weise wiedergutge-
macht werden. Die der Privatklägerin zugefügte seelische Unbill ist deshalb mit
einer Geldsumme abzugelten. Die Privatklägerin schwebte aufgrund der beiden
Stichverletzungen in den Rücken- und Brustbereich zwar nicht in unmittelbarer
Lebensgefahr und die körperlichen Beeinträchtigungen stellten sich letztlich als
nicht allzu gravierend heraus. Der Heilungsverlauf erwies sich als unproblema-
tisch, und es war keine längere Hospitalisierung notwendig. Eine längere Arbeits-
unfähigkeit trat nicht ein. Abgesehen von Narben im Dekolletébereich sind keine
bleibenden Schäden zu erwarten. Solche Ereignisse führen für gewöhnlich zu ei-
ner erheblichen seelischen Belastung. Insbesondere da sie in ihrer eigenen Woh-
nung auf heimtückische Weise angegriffen wurde, bildet die Tat der Beschuldig-
ten glaubhaft die kausale Ursache für die Angstzustände und die psychische Labi-
lität der Privatklägerin. Anzeichen für eine vorbestehende psychische Belastung
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gehen nicht aus den Akten hervor und wurden auch nicht geltend gemacht. Unter
Berücksichtigung der Gesamtumstände der Tat erscheint es angemessen, der
Privatklägerin in Übereinstimmung mit der Vorinstanz eine Genugtuungssumme in
Höhe von Fr. 7'500.– zuzusprechen.
VIII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die erstinstanzliche Kostenaufla-
ge zu bestätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO).
2. Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Beschuldigte unter-
liegt mit ihren Anträgen vollständig. Dementsprechend sind ihr die Kosten des Be-
rufungsverfahrens vollumfänglich aufzuerlegen.
3. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind unter Vorbehalt des Rückfor-
derungsrechts des Staates auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 135 Abs. 4
StPO). Das urteilende Gericht legt die Entschädigung am Ende des Verfahrens im
Urteil fest (Art. 135 Abs. 2 StPO; Urteil des Bundesgerichts 6B_611/2012 vom
29. April 2013 E. 5.3. ff., zur Publikation vorgesehen).
4. Im angefochtenen Urteil wurde der Privatklägerin eine Prozessentschädi-
gung in der Höhe von Fr. 11'704.55 (inkl. MwSt.) zugesprochen (Urk. 73 S. 47).
Diesen Entscheid liess die Beschuldigte anfechten (Urk. 103 S. 2).
4.1. Die Privatklägerschaft hat gegenüber der beschuldigten Person An-
spruch auf angemessene Entschädigung für notwendige Aufwendungen im Ver-
fahren, wenn sie obsiegt. Dabei hat die Privatklägerschaft ihre Entschädigungs-
forderung bei der Strafbehörde zu beantragen, zu beziffern und zu belegen.
Kommt sie dieser Pflicht nicht nach, so tritt die Strafbehörde auf den Antrag nicht
ein (Art. 433 StPO).
4.2. Die Privatklägerin hat in diesem Verfahren obsiegt. Ausserdem sind der
durch sie im erstinstanzlichen Verfahren geltend gemachte Aufwand von
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Fr. 9'625.55 (inkl. MwSt.) sowie der Zuschlag für die erstinstanzliche Hauptver-
handlung von Fr. 2'079.– (inkl. MwSt.) ausgewiesen (Urk. 62). Die Beschuldigte
ist daher zu verpflichten, der Privatklägerin für notwendige Aufwendungen im erst-
instanzlichen Verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 11'704.55 (inkl.
MwSt.) zu bezahlen.
Da ein entsprechender Aufwand nicht geltend gemacht wurde, ist der Privat-
klägerin für das zweitinstanzliche Verfahren keine Entschädigung zuzusprechen.