# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 20328551-29a0-4688-98bb-fc5dbe1a687e
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1969
,
war als Angestellter der
Y._
obliga
torisch gegen
die Folgen von
Unfälle
n
bei der
VAUDOISE ALLGEMEINE, Versicherungs-Gesellschaft AG
(nachfolgend:
Vaudoise
)
versichert
, als er am 17. März 2010 bei einem Fussballspiel eine Verletzung am linken Auge erlitt (Urk. 7/1, Urk.
7/4
).
Die
Vaudoise
richtete die gesetzlichen Leistungen aus, wel
che sie mit Verfügung vom 11. April 2013 per 7. Februar 2012 einstellte (Urk. 7/20).
Dagegen erhob der Versicherte mit Schreiben
,
datiert
vom 14. Mai 2013 Einsprache (Ur
k. 7/22). Mit Schreiben vom 18.
Juni 2013 forderte die
Vaudoise
den Versicherten auf, die Rechtzeitigkeit seiner Einsprache zu belegen (Urk. 7/26).
Dazu nahm der Versicherte mit Schreiben vom 26. Juni 2013 Stel
lung (
Urk.
7/27).
Mit
Einspracheentscheid
vom 8. Juli 2013 trat die
Vaudoise
sinngemäss mangels Rechtzeitigkeit der
Einsprache darauf nicht ein (Urk. 2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 8. Juli 2013 erhob der Versicherte mit Ein
gabe vom 7. August 2013 Beschwerde und beantragte
sinngemäss
, die
Vaudoise
sei zu verpflichten, auf seine Einsprache vom 14. Mai 2013 einzu
treten
und diese gutzuheissen
(Urk. 1).
Die Beschwerdegegnerin schloss in der
Beschwerde
antwort
vom 28. August 2013 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6 S. 3). Am 5. September 2013 bestätigte die Beschwerdegegnerin auf telefonische Anfrage hin, dass sie
den Briefumschlag
zu
r
Einsprache des Beschwerdeführers vom 14. Mai 2013 nicht aufbewahrt habe (Urk. 9).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gegen Verfügungen kann innerhalb von 30 Tagen bei der verfügenden Stelle Einsprache erhoben werden; davon ausgenommen sind prozess- und
verfah
rensleitende
Verfügungen (Art. 52 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Gegen
Einspracheentscheide
oder gegen Verfügungen, gegen welche eine Einsprache ausgeschlossen ist, kann Beschwerde erhoben werden (Art. 56 Abs. 1 ATSG).
1.2
Gemäss Art. 38 ATSG beginnt die
Einsprachefrist
nach Art. 52 Abs. 1 ATSG am Tag nach ihrer Mitteilung zu laufen (Abs. 1). Ist der letzte Tag der Frist ein Samstag, ein Sonntag oder ein vom Bundesrecht oder vom kantonalen Recht anerkannter Feiertag, so endet sie am nächstfolgenden Werktag. Massgebend ist
das Recht des Kantons, in dem die Partei oder ihr Vertreter beziehungsweise ihre Vertreterin Wohnsitz oder Sitz hat (Abs. 3). Die
Einsprachefrist
steht ge
mäss Abs. 4 dieser Bestimmung während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern (
lit
. a), vom 15. Juli bis und mit dem 15. August (
lit
. b) und vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (
lit
. c).
1.3
Nach Art. 39 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 52 Abs. 1 ATSG ist die dreissigtä
gige Frist zur Einsprache nur gewahrt, wenn die Einsprache spätestens am letz
ten Tag der Frist bei der verfügenden Stelle eingereicht oder zu deren
Handen
der Schweizerischen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder kon
sularischen Vertretung übergeben wird. Gelangt die Partei rechtzeitig an einen unzuständigen Versicherungsträger, so gilt die Frist als gewahrt (Art. 39 Abs. 2 ATSG). Läuft die Frist unbenützt ab, so erwächst die Verfügung in (formelle) Rechtskraft mit der Wirkung, dass die verfügende Stelle auf eine verspätet ein
gereichte Einsprache nicht eintreten darf (vgl. BGE 124 V 401 E. 1a).
1.4
D
ie Beweislast für die Rechtzeitigkeit einer Parteihandlung im Verfahren
trägt grundsätzlich diejenige Partei
, welche diese Handlung vorzunehmen hat.
Wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes auf
grund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen, tragen die Parteien im Sozialversicherungsprozess in der Regel insofern eine Beweislast, als der Entscheid zuungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesenen Sachverhalt
für sich Rechte ableiten wollte
. Vorbehalten bleibt der Fall, dass die Partei den Beweis aus Gründen nicht erbringen kann, die nicht von ihr, sondern von der Behörde zu verantworten sind. Alsdann tritt eine Umkehr der Beweis
last ein
(
Urteil
e des Bundesgerichts
8C_693/2010, 8C_694/2010 vom 25. März 2011 E. 12,
C
155/05
vom 18. Juli 2005
E. 2.3 und
C 76/06
vom
3. Juli 2006
E. 1).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich im angefochtenen
Einspracheentscheid
und in der Beschwerdeantwort auf den Standpunkt,
die
Einsprache vom 14. Mai 2013 sei erst am 29. Mai 2013 eingegangen. Der Beschwerdeführer sei nicht in der Lage, den Beweis zu erbringen, dass er die Einsprache vor Ablauf der Rechtsmittelfrist am 16. Mai 2013 versandt habe, weshalb die Einsprache als verspätet gelten müsse (Urk. 2, Urk. 6 S. 2).
Der Beschwerdeführer
bringt dagegen vor, er habe die Einsprache gegen die Verfügung vom 11. April 2013 innerhalb der vorgesehenen Frist
mit B-Post ab
geschickt. Es habe ausserhalb seiner Kontrolle gelegen, wann sie zugestellt wor
den sei (Urk. 1).
2.2
Strittig und zu prüfen ist allein, ob die Einsprache des Beschwerdeführers vom 14. Mai 2013 (Urk. 7/22) gegen die Verfügung vom 11. April 2013 (Urk. 7/20) rechtzeitig im Sinne von
Art. 39 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 52 Abs. 1 ATSG erhoben wurde.
Der richterliche Entscheid in der Sache (Sachentscheid) hat in dieser besonderen verfahrensmässigen Situa
tion den formellen Gesichtspunkt des Nichteintretens durch die untere In
stanz zum Gegenstand. Dagegen hat sich das Gericht mit den materiellen Anträgen nicht zu befassen (BGE 121 V 157 E. 2b, 116 V 265 E. 2a, SVR 1997, UV Nr. 66 S. 225 E. 1a).
S
oweit der Beschwer
deführer die Verpflichtung der Beschwerdegegnerin zur Gutheissung seiner Einsprache beantragt, ist auf die Beschwerde nicht einzutreten.
3.
3.1
Belegt und unstrittig ist, dass die per Einschreiben versandte Verfügung vom 11. April 2013 (Urk. 7/20) vom Be
schwerdeführer bei der Poststelle
Z._
am 16. April 2013 in Empfang ge
nommen wurde (Urk. 7/21) und die dreissigtägige Rechtsmittelfrist nach
Art. 52 Abs. 1 ATSG
zur Erhebung der Einsprache am 16. Mai 2013 ablief.
Unstrittig ist weiter, dass der Be
schwer
deführer die am 14. Mai 2013 datierte Einsprache mittels B-Post an die
Be
schwerdegegnerin
versandt hat (Urk. 1, Urk. 6 S. 2, Urk. 7/22)
, welche
bei dieser
am 29. Mai 2013 einging (vgl. Eingangsstempel;
Urk.
7/22)
.
Massgeblich und zu klären bleibt, ob
die
Einsprache vom 14. Mai 2013
vor dem
17.
Mai 2013
der Schweizerischen Post
zuhanden der Beschwerdegegnerin
übergeben worden war.
3.2
Grundsätzlich
würde
der Beschwerdeführer die Folgen
einer
Beweislosigkeit betreffend die Rechtzeitigkeit der Übergabe seiner Einsprache
an die Schweize
rische Post
tragen
.
Rechtsprechungsgemäss
widerspräche dies jedoch
dem
Grundsat
z von Treu und Glauben
,
wenn der Unfallversicherer der versicherten Person das
Beweis
führungsrecht
- wie hier -
v
erunmöglich
t
hat
. So hat das Bundesgericht
entschieden, es gehe nicht an, in Verletzung der aufgrund von Art. 4
der Bundesverfassung (BV
, in der bis Ende 1999 gültig gewesenen Fas
sung
; heute: Art.
29
Abs.
2 BV
)
bestehenden Aktenführungspflicht den Brief
umschlag einer Eingabe nicht zu den Akten zu nehmen und hernach dem Versi
cherten entgegenzuhalten, er könne den Beweis für die Rechtzeitigkeit der
Post
aufgabe
nicht erbringen. Dieses Verhalten verunmögliche das
Beweis
führungs
recht
nach Art.
4 BV (heute: Art. 29
Abs.
2 BV)
. Im beurteilten Fall hatte der
Beschwerdeführer daher die Nachteile der von ihm nicht verschuldeten
Beweis
losigkeit
nicht zu tragen und seine Einsprache hatte als rechtzeitig zu gelten (
BGE 124 V 372
E. 3b
; zum Beweisführungsrecht nach Art. 29
Abs.
2 BV
vgl.
BGE 130 II 473
E. 4.1
;
Urteil des Bundesgerichts 8C_693/2010 und 8C_694/2010 vom 2
5.
März 2011 E. 12
).
Auch vorliegend hat die Beschwerdegegnerin das
massgebliche
Beweismittel,
nämlich
den Briefumschlag zu
r
Einsprache vom 14. April 2013 in Verletzung ihrer Aktenführungspflicht nicht aufbewahrt (Urk. 9) und so die Beweisführung für den Beschwerdeführer vereitelt.
Der Umstand, dass die Einsprache
rund 14
Tage nach Ablauf der Rechtsmittelfrist bei der Beschwerdegegnerin und in Kopie bei der Krankenkasse des Beschwerdeführers (Urk. 7/25) eintraf, vermag mangels weiterer Hinweise keinen Gegenbeweis zu erbringen.
Rechtsprechungsgemäss
hat der Beschwerdeführer
die Nachteile der von ihm nicht verschuldeten Beweislosigkeit nicht zu tragen und seine Einsprache hat als rechtzeitig zu gelten
.
3.3
D
er
Einspracheentscheid
vom
8. Juli 2013
(
Urk.
2)
ist folglich in Gutheissung der Beschwerde auf
zuheben
und die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zu
rückzuweisen, damit diese auf die Einsprache gegen die Verfügung vom
11.
April 2013 eintrete und diese
beurteile.