# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 5b164592-5dc9-5e11-989d-0a4d1803a58d
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1971, hat eine Lehre bei der Y._ absolviert und war da
nach in verschiedenen Bereichen erwerbstätig, unter anderem als Mitarbeiter in einem Call-Center sowie als Pizzaiolo/Geschäftsführer in einer Take-Away Piz
zeria. Er meldete sich im Juli 2008 unter Hinweis auf verschiedene gesundheitli
che Probleme (u.a. koronare Herzerkrankung, Herzinfarkte, Diabetes, Magenby
passoperation und zweimalige Revisionsoperationen, Osteoporose und Rücken
schmerzen) erstmals bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (vgl. Urk. 9/2). Nach getätigten Abklärungen – und nachdem die Verwaltung ihre erste anspruchsverneinende Verfügung vom 1. Dezember 2008 (Urk. 9/21) im Rahmen eines hierorts anhängig gemachten Beschwerdeverfahrens (Prozess IV.2009.00117) am 9. März 2009 wiedererwä
gungsweise aufgehoben hatte (Urk. 9/29) – wies die IV-Stelle das Leistungsbe
gehren gestützt auf ein vom Unfallversicherer veranlasstes Gutachten des Z._ vom 26. Juni 2009 (Urk. 9/36) mit Verfü
gung vom 25. November 2009 ab (Urk. 9/45). Diese Verfügung blieb unange
fochten.
2.
Mit Neuanmeldung vom 7. Juni 2010 liess X._ erneut um Prüfung der Rentenfrage ersuchen (Urk. 9/52). Die IV-Stelle tätigte – nachdem sie zunächst am 17. November 2010 auf die Neuanmeldung nicht eingetreten (Urk. 9/59) und diese Verfügung vom hiesigen Gericht aufgehoben worden war (Prozess IV.2010.01148; Urk. 9/70) - Abklärungen in medizinischer Hinsicht, veranlasste namentlich eine polydisziplinäre (internistische, psychiatrische, rheumatologi
sche und chirurgische) Begutachtung des Versicherten, welche durch die MEDAS A._ GmbH (MEDAS) durchgeführt und infolge eines vom Beschwerdeführer nach der Begutachtung erlittenen Hirninfarkts (vgl. Urk. 9/106) mit einer neurologischen Untersuchung
sowie
-
nach einer
zwi
schenzeitlichen
Hospitalisation in der
B._
AG
-
psychiatrisch
er
gänzt wurde (Gutachten vom 7. April 2014, Urk. 9/116). Gestützt auf das Gut
achten der MEDAS stellte die IV-Stelle dem Versicherten mit Vorbescheid vom 6. Mai 2014 gestützt auf einen errechneten Invaliditätsgrad von 55 % die Zu
sprache einer halben Invalidenrente ab 1. Januar 2013 in Aussicht (Urk. 9/119). Dagegen liess der Versicherte am 12. Januar 2015 Einwand erheben und bean
tragen, es seien der MEDAS Ergänzungsfragen zu unterbreiten (Urk. 9/139); mit Eingaben vom 6. Februar 2015 bzw. 29. April 2015 liess er zudem ergänzende medizinische Akten betreffend einen im März 2007 in Italien stattgehabten notfallmässigen operativen Eingriff einreichen (Urk. 9/142 und Urk. 9/147 f.). Daraufhin erliess die IV-Stelle am 31. August 2015 die Rentenverfügung, mit welchem sie dem Versicherten – wie im Vorbescheid angekündigt - mit Wir
kung ab 1. Januar 2013 eine halbe Rente der Invalidenversicherung (zuzüglich Kinderrenten) zusprach (Urk. 9/159 ff.).
3.
Dagegen erhob der Versicherte persönlich am 1. Oktober 2015 (Prozess-Nr. IV.2015.01021) bzw. durch seinen Rechtsvertreter am 2. Oktober 2015 (Pro
zess-Nr. IV.2015.01034) Beschwerde und liess mit Letzterer beantragen, es sei die Verfügung vom 31. August 2015 aufzuheben und dem Beschwerdeführer die beantragte Invalidenrente zu gewähren (1.), eventuell sei die Sache zur weiteren Abklärung des Sachverhalts an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (2.), sowie es seien der MEDAS A._ Ergänzungsfragen zu unterbreiten (3.); unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (5.). In prozessualer Hinsicht liess der Versicherte die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege beantragen und die Bestellung des unentgeltlichen Rechtsvertreters in der Person des Unter
zeichnenden (4.; Urk. 1 S. 2). Mit Gerichtsverfügung vom 9. Oktober 2015 wur
den die beiden Verfahren vereinigt und der Prozess Nr. IV.2015.01021 als hier
durch erledigt abgeschrieben (Urk. 6). Die IV-Stelle beantragte mit Vernehm
lassung vom 2. November 2015 die Abweisung der Beschwerde (Urk. 8), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 18. Januar 2016 zur Kenntnis ge
bracht wurde (Urk. 15).

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Ge
burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Ge
sundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die Invalidenversicherung,
IVV), so ist im Beschwerdeverfah
ren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch re
levante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.
4
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidier
bar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 11. Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisi
onsgrund im Sinne von Art. 17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Ein
spracheentscheid, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71
E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9
C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.
1 mit Hinweisen).
1.
5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die IV-Stelle begründete die angefochtene Verfügung im Wesentlichen damit, dass der Beschwerdeführer gemäss den getätigten Abklärungen seit dem 1. Dezember 2012 in der Arbeitsfähigkeit erheblich eingeschränkt sei. Seit die
sem Zeitpunkt sei es dem Versicherten nicht mehr möglich, als Pizzaiolo zu ar
beiten. Leichte Tätigkeiten, wie die Tätigkeit als Call-Center Mitarbeiter, seien zu 50 % möglich. Der Einkommensvergleich ergebe einen Invaliditätsgrad von 55 % und damit Anspruch auf eine halbe Rente (Urk. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer lässt dagegen zur Hauptsache vorbringen, dass das an sich umfassende und differenzierte Gutachten der MEDAS A._ die beste
henden Beschwerden in Bauch- und Verdauungsbereich nicht hinreichend zu erklären vermöge und zur Würdigung dieses Problemkreises im Gutachten so
matisch und psychiatrisch hin und her verwiesen werde. Es bleibe daher offen, inwiefern der starke Durchfall, die Krämpfe und die Stuhlinkontinenz sich auf die Arbeitsunfähigkeit auswirken würden. Bei einem an sich ausführlichen und objektiven Gutachten seien die noch offenen Fragen daher durch Ergänzungs
fragen zu klären (Urk. 1).
3.
3.1
Da die Verwaltung nunmehr auf die Neuanmeldung eingetreten ist, ist vorlie
gend zu prüfen, ob seit der letztmaligen Beurteilung eine anspruchserhebliche Änderung eingetreten ist. Vergleichsbasis bildet dabei die Verfügung vom 25. November 2009 (Urk. 9/45), welcher das Gutachten des Z._ zugrunde lag.
3.2
In ihrem Gutachten vom 26. Juni 2009 (Urk. 9/36) hatten die verantwortlich zeichnenden Fachärzte des Z._ keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Ar
beitsfähigkeit gestellt. Als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hatten sie die folgenden Diagnosen genannt (Urk. 9/36 S. 66):
1.
Spondylogenes und tendomyalgisches Dorsal-Syndrom nach abge-
laufener Scheuermann-Erkrankung mit/bei:
teilfixiertem, deutlichem Hohl-Rundrücken
radiologisch ausgeprägten Schmorl’schen Knorpelknötchen in zahlrei
chen Etagen der BWS unter Einschluss von Keilverformungen an mindestens 5 BWK, einschliesslich dem 12. BWK
osteochondrotische Höhenminderung mehrerer Zwischenwirbelräume
ventraler Spondylosis deformans vorwiegend in leichter Ausprägung
erhebliche Neigung zu schlaffer Haltung (nur teilweise aktiv korri- gier
bar)
Streckmuskelverspannungen an der BWS und LWS
Verspannungen der Trapeziusmuskulatur beidseits
Röntgenologisch Segmentationsstörung mit teilweiser rechtsseitiger Fu
sion des 3. und 4. BWK mit rudimentärer Bandscheibenanlage
2.
Status nach Frakturen im Mittelhand-Handwurzel-Grenzbereich links
mit Bewegungseinschränkung und deutlicher Deformierung
3.
Status nach traumatischer scapholunärer Dissoziation rechts mit Os
scaphoideum-Fraktur und Teilnekrose
4.
Status nach osteosynthetisch versorgtem Bruch im Bereich des linken
Ellenbogengelenkes, leichte Beugekontraktur
5.
Fraglich diskogenes Lumbalsyndrom mit/bei:
Protrusionen in mehreren Etagen
angeborenen Formvarianten der kleinen Wirbelgelenke
Überlastungszeichen der Kreuz-Darmbein-Fugen
anamnestisch Osteoporose
6.
Präarthrose beider Hüftgelenke mit/bei:
Status nach geringem jugendlichem Hüftkopfgleiten beidseits
7.
Senk-Spreizfuss beidseits mit/bei:
Grundgelenksarthrose leichten Ausmasses mit beginnendem Hallux rigi
dus
geringer Morton’scher Metatarsalgie
8.
Beginnende Dupuytren’sche Kontraktur (IV. Strahl links)
9.
Koronare Herzkrankheit mit/bei:
Status nach Vorderwandinfarkt im Sommer 2003 mit anschliessender perkutaner transluminarer Koronarangioplastie und Stenteinlage
erhaltener linksventrikulärer Pumpfunktion (EF 53%) mit minimen regi
onalen Motilitätsstörungen im Sinne von apicoseptalen Hypoki
nesien (Echokardiographie vom 22. Juni 2007)
aktuell asymptomatisch
kardiovaskulären Risikofaktoren: positiver Familienanamnese, Adiposi
tas, Diabetes mellitus Typ 2, Nikotinabusus
10.
Adipositas Grad I nach WHO (BMI 30,2 kg/m2) mit/bei:
Status nach proximaler Magenbypassoperation im Februar 2006
Status nach medianer Laparotomie wegen Nahtinsuffizienz im März 2007
Status nach Adhäsiolyse und Detorquierung wegen Bridenileus am 25. Mai 2007
Aktuell dyspeptische Beschwerden mit anamnestischer Stuhlinkonti
nenz
11.
Opiat-Abhängigkeit (ICD-10: F11.2)
12.
Nikotin-Abhängigkeit (ICD-10: F17.2)
In ihren interdisziplinären versicherungsmedizinischen Schlussfolgerungen hiel
ten die beteiligten Ärzte damals fest, der Versicherte sei weder als Pizzabäcker bzw. Geschäftsführer noch in einer entsprechenden leichten bis intermittierend mittelschweren wechselbelastenden Verweistätigkeit in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt (Urk. 9/36 S. 76).
3.3
In dem im vorliegenden Neuanmeldeverfahren von der IV-Stelle eingeholten Gutachten der MEDAS A._ vom 7. April 2014 stellten die verantwortlich zeichnenden Fachärzte die folgenden Diagnosen (Urk. 9/116 S. 47):
Mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
1.
Thorakospondylogenes Syndrom (ICD-10: M54.03), bestehend und
zunehmend seit 2007, mit/bei:
Hyperkyphose der BWS durch Morbus Scheuermann, Keildeformität di
verser Brustwirbelkörper inkl. BWK12
wahrscheinlich osteoporotische und posttraumatische Fraktur BWK12
ventrale Spondylosis deformans
Haltungsinsuffizienz, Fehlhaltung und Dekonditionierung
2.
Radiokarpal- und Karpalarthrose Handgelenke beidseits, posttraumatisch
bedingt
3.
Sekundäre Arthrose Ellenbogengelenk links, posttraumatisch bedingt
4.
Opiat-Abhängigkeit (Oxycontin), ständiger Gebrauch (ICD-10: F11.25),
bestehend seit vielen Jahren
5.
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode,
ohne somatisches Syndrom (ICD-10: F33.10), bestehend und immer
wieder auftretend seit mehr als 10 Jahren
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
6.
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
(ICD-10: F45.41), sich entwickelnd seit 2007
7.
Verdacht auf Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im
Erwachsenenalter (ICD-10: F90.0)
8.
Verdacht auf zumindest missbräuchlichen Alkoholkonsum (ICD-10:
F10.1)
9.
Unklare chronische Oberbauchschmerzen, mit/bei
Z. n. laporoskopischer Magenbypass-Operation wegen Adipositas per
magna, Spital S._ von 03/06
Z. n. notfallmässiger Revisionslaparotomie wegen fraglicher Anastomo
sen-Insuffizienz in einem Spital in R._ 03/07
Z. n. notfallmässiger Revisionslaparotomie wegen Dünndarmileus im Spital S._ von 05/07
10.
Z. n. Ischämie im Bereich der Arteria cerebri posterior links mit
transitorischer homonymer Hemianopsie nach rechts (ICD-10: G46.2)
11.
Osteoporose mit Deckenplatteneinbruch BWK12
12.
Metabolisches Syndrom, mit/bei
St. n. Adipositas permagna
arterielle Hypertonie, medikamentös behandelt
Hyperlipidämie, medikamentös behandelt
Diabetes mellitus Typ II, mit/bei leichtgradiger diabetischer Polyneuro
pathie
13.
Koronare Herzkrankheit, ED 2003, mit/bei
St. n. Myokardinfarkt 2003 mit Thrombolyse, transluminarer Korona
rangioplastie und einer Stenteinlage
LVEF 45%
St. n. okzipitalem zerebrovaskulärem Insult aufgrund eines wandständi
gen Thrombus
14.
Iatrogener Eisen- und Vitamin-Mangel
Normochrome, normozytäre Anämie
15.
Ausgeprägter Nikotinabusus
In der interdisziplinären Gesamtbeurteilung hielten die Ärzte schlussfolgernd (vgl. Urk. 9/116 S. 60 ff.) fest, auf psychischer Ebene stünden die Symptome ei
ner schweren Opiat-Abhängigkeit im Vordergrund sowie eine gegenwärtige mittelgradige Episode bei rezidivierenden depressiven Störungen. Des Weiteren bestünden eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren sowie der Verdacht auf ein Aufmerksamkeitsdefizit/ Hyperaktivitäts
syndrom (ADHS) im Erwachsenenalter. Aufgrund der psychisch-geistigen Ein
schränkungen sei der Versicherte aus psychiatrischer Sicht nur noch im Umfang von 50 % arbeitsfähig. Alsdann lägen auf der somatischen Ebene multiple Lei
den vor. Im Vordergrund stünden die Beschwerden und Leiden im Bereich des Bewegungsapparates, d.h. ein thorakospondylogenes Schmerzsyndrom sowie posttraumatische Arthrosen im Bereich beider Handgelenke und im Bereich des Ellenbogens links; aufgrund dieser Leiden bestehe nur noch eine teilzeitliche Arbeitsfähigkeit in einer leichten angepassten Verweistätigkeit im Umfang von 50 %. Es bestünden weitere somatische Leiden, die jedoch keine anhaltende Ar
beitsunfähigkeit nach sich zögen, auf eine Auflistung derselben werde verzich
tet.
Die Leiden im Bereich des Bewegungsapparates, die seit der letzten Begutach
tung vom Jahr 2009 progedient gewesen seien, führten dazu, dass die frühere Tätigkeit als Pizzaiolo definitiv nicht mehr zumutbar sei. Die Tätigkeit als Call-Agent sei dem Versicherten aufgrund der Kombination der psychischen und somatischen Leiden nur noch in einem Teilzeitrahmen von 50 % zumutbar. Ebenso seien ihm angepasste Tätigkeiten im Rahmen von 50 % zumutbar. Dabei sollte es sich um leichte wechselbelastende Tätigkeiten handeln, die eher einfach strukturiert seien. Das Heben und Tragen von Lasten über 10 kg sei kontraindi
ziert, ebenso sollten Überkopftätigkeiten und längerdauernde Zwangshaltungen des Rückens oder des Kopfes vermieden werden. Der Versicherte dürfe zudem keine Tätigkeiten an Maschinen ausüben; unzulässig sei auch das Fahren von Fahrzeugen unter dem massiv erhöhten Opiat-Konsum. Im Vergleich zur Begut
achtung im Z._ sei es mittlerweile zu einer signifikanten Verschlechterung des Gesundheitszustandes gekommen; wobei die nun definierte Arbeitsfähigkeit seit spätestens 1. Januar 2012 gegeben sei. Durch medizinisch zumutbare therapeu
tische Massnahmen oder berufliche Umstellungen könne die Arbeitsfähigkeit nicht mehr signifikant verbessert werden.
3.4
Gemäss den im Rahmen des Vorbescheidverfahrens eingereichten Unterlagen des Ospedale O._ in Q._ (Italien) fand dort im Februar/März 2007 ein notfallmässiger medizinischer Eingriff (notfallmässige Laparotomie) im Unter
bauch statt [„laparotomia urgente per addome acuto sostenuto da perforazione ileale su pregressa anastomosi bilio-digestiva“]; insbesondere Urk. 9/143 S. 5 und Urk. 9/147).
4.
Die Parteien gehen zu Recht darin einig, dass das Gutachten der MEDAS A._ den rechtsprechungsgemässen Anforderungen an eine be
weiskräftige Expertise (E. 1.5 hievor) im Grundsatz – vorbehältlich des unter Ziff. 5 hienach Gesagten - genügt. Alsdann ist gestützt auf das MEDAS Gut
achten grundsätzlich unstreitig, dass sich der Gesundheitszustand des Versi
cherten, der an multiplen Gesundheitsstörungen leidet, seit der letzten (leis
tungsverneinenden) Verfügung vom 25. November 2009 in physischer und psy
chischer Hinsicht verschlechtert hat. Unbestritten ist zwischen den Parteien da
bei, dass der Versicherte bereits aufgrund der somatischen Leiden, namentlich am Bewegungsapparat, welche gemäss Gutachten progredient sind, dahinge
hend eingeschränkt ist, dass er als Pizzaiolo nicht mehr und in einer angepass
ten Tätigkeit nur noch zu 50 % arbeitsfähig ist. Streitig und zu prüfen ist hin
gegen, ob der Beschwerdeführer infolge Beschwerden im Bauchbereich aus chirurgischer und/oder psychiatrischer Sicht zusätzlich in seiner Arbeitsfähig
keit eingeschränkt ist und als Vorfrage hiezu, ob die entsprechenden Teilexper
tisen beweiswertig sind.
5.
5.1
Im chirurgischen Teilgutachten hatte der Experte Dr. med. C._, Fach
arzt für Chirurgie FMH, Schwerpunkt Allgemeinchirurgie und Traumatologie (zum FMH-Facharzttitel
: vgl.
www.fmh-index.ch
) in seiner Beurteilung zur Hauptsache ausgeführt, der Versicherte leide an unklaren Oberbauchbeschwer
den. Unklar sei auch, was der Grund der Operation vom März 2007 in R._ gewesen sei; eine akute Anastomoseinsuffizienz ein Jahr nach einer Magenby
passoperation wäre doch recht ungewöhnlich. Zu bedenken sei zudem, dass es bei Opiatsüchtigen aufgrund pseudoperitonischer Symptome immer wieder zu notfallmässigen Laparotomien komme. Aktuell könnten keine Befunde erhoben werden, welche die Oberbauchbeschwerden, die durch Nahrungsaufnahme ver
stärkt würden, erklären könnten. Es fänden sich insbesondere keine Hinweise für eine Passagestörung, Narbenhernien oder andere Hernien. Auch hätten an
lässlich einer am 6. Juli 2012 im Kantonsspital D._ durchgeführten Oesophagoduodenoskopie keine pathologischen Befunde erhoben werden kön
nen, inkl. Biopsie im Jenjunum. Ebensowenig bestünden Anhaltspunkte für ein Gallensteinleiden. Insgesamt liege kein relevantes Leiden aus dem viszeralchi
rurgischen Fachgebiet vor; entsprechend bestehe keine Einschränkung der Ar
beitsfähigkeit (Urk. 9/116 S. 69).
5.2
Wenn nun aber beschwerdeweise geltend gemacht wird, die chirurgische Exper
tise sei unvollständig, ist dieser Auffassung zu folgen. Denn nicht nur lagen dem Gutachter die Krankenakten betreffend die stattgehabte Notoperation in R._ 2007 nicht vor, diese wurden ihm – nach Einreichung derselben – durch den RAD auch nicht nachträglich zur allfälligen ergänzenden Stellung
nahme unterbreitet. Dabei hatte Dr. C._ den fraglichen Eingriff in sei
ner Beurteilung immerhin speziell erwähnt und als unklar bezeichnet bzw. des
sen Grund in Frage gestellt. Somit steht nicht hinreichend fest, ob Dr. C._ - in sicherer Kenntnis der vollständigen Anamnese - zu an
deren Diagnosen oder Schlussfolgerungen gelangt wäre. Dessen Einschätzung kann jedenfalls nicht durch den diesbezüglich fachfremden RAD-Arzt (Facharzt für Anästhesiologie; vgl. Urk. 9/158 S. 2) vorweggenommen werden. Festzu
stellen ist auch, dass sich Dr. C._ in seiner Beurteilung nicht näher mit den seit der Magenbypassoperation im Jahr 2006 beklagten Beschwerden (Oberbauchschmerzen, Blähungen, starker Durchfall, Stuhlinkontinenz) ausein
andergesetzt, sondern sich darauf beschränkt hat, eine Erklärung hiefür mangels Befunden zu verneinen. Zwar fragt die Invalidenversicherung als finale Versi
cherung
nicht nach der Art und Genese eines (glaubhaften) Gesundheitsscha
dens, vor welchem Hintergrund
-
entgegen der Auffassung des Beschwerdefüh
rers (Urk.
1 S.
14)
-
die exakte
Diagnose
eines Gesundheitsschadens nicht ent
scheidend ist.
Doch lässt die fehlende Diskussion der Beschwerden namentlich unter Bezugnahme auf die stattgehabte Magenbypassoperation die Beurteilung vorliegend als unvollständig und nur unzureichend nachvollziehbar erscheinen, und es hätten sich nähere Ausführungen dazu umso mehr aufgedrängt, als es sich - soweit für den medizinischen Laien ersichtlich – um Beschwerden han
delt, die als Komplikationen einer Magenbypassoperation durchaus in Betracht fallen könnten bzw. bekannt sind (vgl. dazu etwa Schweizer Zeitschrift für Er
nährungsmedizin 4/11, „Komplikationen in der Bariatrie – red flaggs für die Praxis, online abrufbar). Dies gilt um so mehr, als Dr. C._ schlussfol
gernd auch jegliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ohne weitere Begrün
dung verneint. Denn selbst wenn er aufgrund seines klinischen Untersuchs (Urk. 9/116 S. 68) bzw. mit Blick auf die Ergebnisse einer am 6. Juli 2012 im Kantonsspital D._ durchgeführten Oesophagoduodenoskopie (vgl. Urk. 9/ 83 S. 21 f) aus viszeralchiurgischer Sicht keine Befunde erhebt, hat er das Vor- liegen der geklagten – und den Beschwerdeführer auch im Alltag einschrän
kenden (vgl. etwa Urk. 9/116 S. 39) - Beschwerden im Gastrointestinaltrakt, je
denfalls soweit ersichtlich, nicht in Frage gestellt. Vor diesem Hintergrund
wäre zumindest die
gutachterliche Angabe - nachvollziehbar begründet - unerlässlich gewesen, inwieweit (oder weshalb nicht) Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit bestehen (etwa mit Blick auf die Durchfallproblematik z.B. besondere Anforde
rungen an den Arbeitsplatz oder Beschränkungen bezüglich Einsatzmöglichkei
ten). Auch hier sind genaue Angaben unerlässlich, zumal allfällige Einschrän
kungen im Rahmen der Invaliditätsbemessung (im Hinblick auf den leidensbe
dingten Abzug) von Bedeutung sein können.
Es ergibt sich damit, dass bezüglich des chirurgischen Gutachtens - wie der Be
schwerdeführer mit Recht geltend machen lässt - in verschiedener Hinsicht Er
gänzungsbedarf besteht. Da Dr. C._ Chirurge mit Schwerpunkt Allge
meinchirurgie und Traumatologie ist, sind die Ergänzungen - und soweit hiezu erforderlich allfällige ergänzende Abklärungen - vorzugsweise durch einen Facharzt auf dem Gebiet der Gastroenterologie/Viszeralchirurgie vorzunehmen.
5.3
Nach Vornahme dieser Ergänzungen in somatischer Hinsicht erscheint eine noch
malige Rückfrage auch beim begutachtenden Psychiater unumgänglich. Denn je nach Ergebnis stellt sich die Frage, ob an den bisherigen psychiatri
schen Diagnosen (namentlich der diagnostizierten chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren) unverändert festzuhalten ist. Sollte die Diagnose chronische Schmerzstörung weiterhin zu stellen sein, bestünde auch diesbezüglich weiterer Ergänzungsbedarf: Denn das
Gutachten
wurde
noch vor dem bundesgerichtlichen Urteil 9C_492/2014 vom 3. Juni 2015 (BGE 141
V 281) erstellt, mit welchem das Bundesgericht die bisherige Rechtsprechung zur Invaliditätsbemessung bei Schmerzstörungen ohne erkennbare organische Grundlage und vergleichbaren psychosomatischen Leiden angepasst hat
. Mithin wäre die psychiatrische Expertise auch dahingehend zu vervollständigen, dass die nötigen Angaben zu den
gemäss
BGE 141 V 281 geforderten Standardindi
katoren zu erheben und anhand von diesen die
funktionellen
Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage festzulegen
wären; denn die Expertise hat
eine hinreichende Grund
lage zu bilden
,
damit
eine
schlüssige
Beurteilung entsprechend dem
–
nach Massgabe der geänderten Rechtsprechung
erforderlichen
–
strukturierten Beweisverfahren
vorgenommen werden kann (
Prüfung der
Standardindikatoren gemäss BGE 141 V 281; vgl. dazu auch IV-Rundschreiben Nr. 339). Zum vorliegenden – noch auf die frühere Überwindbarkeitspraxis Bezug nehmenden - psychiatrischen Teilgutachten bleibt daher lediglich anzumerken, dass die zur Überwindbarkeit der chroni
schen Schmerzstörung gemachten Angaben (wonach [einerseits] die Überwind
barkeit der Schmerzsymptomatik „anzuzweifeln“ [vgl. Urk. 9/116 S. 56 und 108] und [andererseits] diese Diagnose ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfä
higkeit sei [Urk. 9/116 S. 46]) nicht widerspruchsfrei erscheinen, weshalb auch insoweit nicht ohne Weiteres darauf hätte abgestellt werden können.
5.4
Zusammenfassend ist die angefochtene Verfügung vom 31. August 2015 aufzuhe
ben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie die erforderlichen Ergänzungen im Sinne der Erwägungen vornehme und hernach über den Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente neu verfüge. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
Da es lediglich um Ergänzungen von gutachterlichen Ausführungen geht
, steht die Rückweisung in Einklang
mit der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (
BGE 137 V 210
E. 4.4.1
.4
mit Hinweisen).
6
.
6
.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Das Gesuch um Gewäh
rung der unentgeltlichen Prozessführung wird damit gegenstandslos.
6
.2
Ausgangsgemäss steht de
m
Beschwerdeführer eine Prozessentschädigung zu, die gemäss Art. 61 lit. g ATSG in Verbindung mit § 34 des Gesetzes über das Sozi
alversicherungsgericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen zu bemessen und unter Berücksichtigung dieser Grundsätze auf Fr.
2‘900
.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen ist. Das Gesuch um Beigabe eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes wird damit gegenstandlos.