# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 39017271-601c-4768-b9d7-f42962d40574
**Court:** SG_VB
**Chamber:** SG_VB_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

Sachverhalt
A.
Der C._, Z._, ist Eigentümer der Grundstücke Nrn. 001, 002 und
003, Grundbuch Z._, an der M._ in Z._. Die Grundstücke liegen
gemäss geltendem Zonenplan der Gemeinde Z._ vom 22. Dezem-
ber 1998 in der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen (öBA). Sie
sind mit dem Alters- und Pflegewohnheim M._ überbaut, das Pflege-
und Betreuungsdienstleistungen für pflegebedürftige Personen jeden
Alters sowie für demente Betagte erbringt.
B.
a) Mit Baugesuch Nr. 2018.0093 vom 10. Juli 2018 beantragte der
C._ beim Gemeinderat Z._ die Baubewilligung für die Erweiterung
des Pflegewohnheims. Die bestehenden Gebäude sollen auf drei Ge-
schosse aufgestockt, und auf dem südlichen Teil des Grundstücks
Nr. 003 soll ein eingeschossiger Pavillon für Demenzkranke neu er-
stellt werden.
b) Innert der Auflagefrist vom 14. bis 28. August 2018 erhoben die
Miteigentümer des westlich angrenzenden Grundstücks Nr. 004, A._
und B._ beide vertreten durch Dr. Christoph Bürgi, Rechtsanwalt,
St.Gallen, beim Gemeinderat Z._ Einsprache gegen das Bauvorha-
ben. Sie rügten insbesondere, der Demenzpavillon sei keine unterirdi-
sche Baute, weshalb er den ordentlichen Grenzabstand und zudem
auch den Mehrlängenzuschlag zum südlich angrenzenden Grund-
stück Nr. 005 einzuhalten hätte; gemäss den Plänen solle der Erwei-
terungsbau aber unmittelbar auf die Grundstücksgrenze gestellt wer-
den.
c) Als Folge der Einsprache überarbeitete der C._ das Bauge-
such. In dem beim Gemeinderat Z._ am 23. Juli 2019 eingereichten
Korrekturgesuch war in erster Linie eine Tieferlegung des Demenzpa-
villons vorgesehen.
d) Am 16. August 2019 stellte das Bauamt Z._ dem Vertreter der
Einsprecher die gesamten Korrekturpläne zu und eröffnete ihm ge-
stützt auf Art. 141 Abs. 1 des Planungs- und Baugesetzes (sGS 731.1;
abgekürzt PBG) die Einsprachefrist von 14 Tagen. Mit Schreiben vom
30. August 2019 erhoben A._ und B._ durch ihren Vertreter beim
Gemeinderat Z._ auch Einsprache gegen das Korrekturgesuch. Sie
machten u.a. geltend, der Demenzpavillon sei nach wie vor keine un-
terirdische Baute; zudem sei es nicht zulässig, das Korrekturgesuch
nur dem vereinfachten Verfahren (Art. 140 f. PBG) zu unterstellen.
e) Mit Beschluss vom 18. November 2019 erteilte der Gemeinderat
Z._ die Baubewilligung und wies die Einsprache im Wesentlichen
ab. Zur Begründung wurde ausgeführt, der Demenzpavillon werde, so-
weit er den Grenzabstand von 4 m unterschreite, mit einer Aufschüt-
tung überdeckt; in diesem Bereich gelte er deshalb als unterirdische
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 14/2020), Seite 3/11
Baute. Obwohl der Demenzpavillon 68 m lang sei, brauche er keinen
Mehrlängenzuschlag einzuhalten, weil die Baute – von Süden aus ge-
sehen – keine sichtbare Fassade aufweise.
C.
Gegen diesen Beschluss erhoben A._ und B._ durch ihren Ver-
treter am 9. Dezember 2019 Rekurs beim Baudepartement. Mit Re-
kursergänzung vom 14. Januar 2020 werden folgende Anträge ge-
stellt:
1. Der Einspracheentscheid des Gemeinderates Z._
vom 18. November 2019 (Versand 25. November 2019) sei aufzuheben.
2. Die Baubewilligung Nr. 2018.0093 samt den  kantonalen Bewilligungen und Verfügungen seien aufzuheben.
3. Unter Kostenfolge (zzgl. MwSt) zulasten des .
Zur Begründung wird ausgeführt, der Demenzpavillon sei keine unter-
irdische Baute. Entgegen Art. 39 Abs. 1 des Baureglements der Ge-
meinde Z._ vom 4. April 2014 (BauR) respektiere die vorgesehene
Überschüttung den natürlichen Terrainverlauf nicht. Die Aufschüttung
sei zudem bautechnisch nicht zwingend nötig und diene auch nicht
einer besseren Umgebungsgestaltung, wie es Art. 39 Abs. 2 BauR
verlange. Der Pavillon werde nicht einmal vollständig überdeckt, son-
dern nur ein 4 m breiter Gebäudeteil parallel zur Südgrenze. Ab die-
sem 4 m-Streifen liege das Dach des Pavillons (ohne jegliche Überde-
ckung) sichtbar über dem gewachsenen Terrain und sei auch frei be-
gehbar. Im Weiteren halte der Erweiterungsbau den Mehrlängenzu-
schlag nicht ein und sei die von der Vorinstanz gewährte Ausnahme-
bewilligung nach Art. 108 PBG für die Verletzung der Abgrabungsbe-
stimmungen von Art. 40 Abs. 1 BauR unzulässig.
D.
Mit Stellungnahme vom 24. Januar 2020 beantragt die Vorinstanz, den
Rekurs abzuweisen. Sie bringt vor, die Beurteilung der Frage der bes-
seren Umgebungsgestaltung im Zusammenhang mit den vorgesehe-
nen Terrainveränderungen liege im Ermessen der Baubewilligungsbe-
hörde, in das die Rekursinstanz nicht ohne Not eingreifen dürfe. Die
Einhaltung eines Mehrlängenzuschlags sei nicht erforderlich, weil der
Demenzpavillon als unterirdische Baute keine Fassade aufweise, von
der ein solcher Abstand gemessen werden könne.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 14/2020), Seite 4/11

## Considerations

Erwägungen
1.
1.1 Die Zuständigkeit des Baudepartementes ergibt sich aus
Art. 43bis des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1;
abgekürzt VRP).
1.2 Die Frist- und Formerfordernisse von Art. 47 Abs. 1 und Art. 48
VRP sind erfüllt. Die Rekursberechtigung ist gegeben (Art. 45 VRP).
Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.
Die Rekurrenten machen geltend, das Korrekturgesuch sei zu Unrecht
dem vereinfachten Verfahren unterstellt worden. Art. 140 PBG dürfe
nur in Fällen zur Anwendung gelangen, in denen schon das dem Kor-
rekturgesuch vorausgegangene Baugesuch dem vereinfachten Ver-
fahren unterstellt worden sei. Das sei vorliegend nicht der Fall, weil für
die Erweiterung des Pflegeheims das ordentliche Bewilligungsverfah-
ren durchgeführt worden sei.
Es trifft zu, dass das ursprüngliche Baugesuch Nr. 2018.0093 vom
10. Juli 2018 dem ordentlichen Baubewilligungsverfahren (Art. 138 f.
PBG) unterstellt und vom 14. bis 28. August 2018 öffentlich aufgelegt
worden war. Demgegenüber wählte die Vorinstanz für das bei ihr am
23. Juli 2019 eingereichte Korrekturgesuch das vereinfachte Verfah-
ren. Bauten und Anlagen können nach Art. 140 Abs. 1 PBG im verein-
fachten Verfahren bewilligt werden, wenn sie keine Interessen von
Dritten oder nur die Interessen von wenigen einspracheberechtigten
Personen berühren. Diese Voraussetzungen sind vorliegend offenkun-
dig erfüllt, nachdem das Korrekturgesuch neben der Absenkung des
Demenzpavillons nur die sich daraus ergebenden Anpassungen und
interne Grundrissverschiebungen beinhaltete und zudem einzig die
heutigen Rekurrenten gegen das ursprüngliche Baugesuch Einspra-
che erhoben hatten. Entgegen der Ansicht der Rekurrenten ist es kei-
neswegs geboten, das vereinfachte Verfahren nur in Fällen anzuwen-
den, in denen schon das ursprüngliche Baugesuch dem vereinfachten
Verfahren unterstanden hat. Das vereinfachte Verfahren (bei Korrek-
turgesuchen) ist nicht von der Art des Vorverfahrens abhängig, son-
dern einzig vom Vorliegen der in Art. 140 Abs. 1 PBG umschriebenen
Voraussetzungen. Es entspricht der gängigen Praxis in Baubewilli-
gungsverfahren, dass Korrekturgesuche zu bereits öffentlich aufgeleg-
ten Baugesuchen, die nach Aussen keine oder geringere Auswirkun-
gen entfalten als das ursprüngliche Baugesuch, nur mehr dem verein-
fachten Verfahren unterstellt werden. Im Übrigen wäre aber auch nicht
ersichtlich, inwiefern die Rekurrenten wegen der Durchführung des
vereinfachten Verfahrens vorliegend einen rechtlichen Nachteil erlitten
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 14/2020), Seite 5/11
hätten, nachdem es ihnen offensichtlich möglich war, rechtzeitig Ein-
sprache gegen das Korrekturgesuch zu ergreifen.
3.
In materieller Hinsicht rügen die Rekurrenten, der umstrittene De-
menzpavillon werde auf die Grenze zu Grundstück Nr. 005 gestellt. Er
sei aber keine unterirdische Baute, weshalb er in der öBA einen or-
dentlichen Grenzabstand von 4 m einhalten müsse. Demgegenüber
hält die Vorinstanz dafür, dass es sich beim südlichen Gebäudeteil des
Pavillons um einen unterirdischen Bauteil handle, der vom Grenzab-
stand befreit sei.
3.1 Nach dem allgemeinen Sprachgebrauch liegen unterirdische
Bauten unter dem Terrain. Eine detaillierte Begriffsumschreibung ent-
halten jedoch weder (der in diesem Verfahren nicht direkt anwend-
bare) Art. 95 Abs. 1 PBG, wonach für unterirdische Gebäude oder Ge-
bäudeteile keine Abstandsvorschriften bestehen, noch Art. 56 Abs. 4
des Baugesetzes vom 6. Juni 1972 (nGS 8, 134; abgekürzt BauG),
wonach unterirdische Bauten bis zur Grenze gestellt werden können,
wenn dadurch schutzwürdige Interessen der Nachbarn nicht beein-
trächtigt werden. Die Gemeinden können den Begriff der unterirdi-
schen Baute im Baureglement zwar näher umschreiben, sind dabei
aber an den Sinn und Zweck von Art. 56 Abs. 4 BauG gebunden. Somit
können auch unter dem gestalteten Terrain bzw. unter einer künstli-
chen Aufschüttung liegende Bauten als unterirdisch gelten, sofern die
Regelbauvorschriften der Gemeinde dies zulassen (BDE Nr. 4/2016
vom 25. Januar 2016 Erw. 3.2 mit Hinweisen); solche Bauten oder
Bauteile müssen aber auf jeden Fall stets unter dem (gewachsenen
oder gestalteten) Terrain liegen. Regelungen in kommunalen Baureg-
lementen, wonach unterirdische Bauten teilweise auch über dem Ter-
rain liegen dürfen, würden dagegen gegen kantonales Recht verstos-
sen und wären mithin unzulässig.
3.2 Die Gemeinde Z._ hat den Begriff der unterirdischen Baute in
Art. 31 BauR insofern näher umschrieben, als eine Baute dann als un-
terirdisch gilt, wenn sie unter dem in zulässiger Weise gestalteten Ter-
rain nach Art. 39 und 40 BauR liegt. Daraus folgt einerseits unmissver-
ständlich, dass unterirdische Bauten immer überdeckt sein müssen.
Anderseits folgt aus Art. 31 BauR aber auch, dass die Überdeckung
einer unterirdischen Baute auch den zusätzlichen Anforderungen von
Art. 39 und 40 BauR entsprechen muss. Gemäss Art. 39 Abs. 2 BauR
sind Terrainveränderungen nur zulässig, wenn sie bautechnisch zwin-
gend notwendig sind oder einer besseren Umgebungsgestaltung die-
nen; sie haben sich dabei dem Geländeverlauf der Umgebung anzu-
passen. Nach Art. 40 Abs. 2 BauR sind Auffüllungen unter Berücksich-
tigung von Art. 39 ansprechend zu gestalten und haben sich dem ge-
wachsenen Terrainverlauf gut anzupassen. Mit Ausnahme kleinräumi-
ger Geländemulden darf dabei die Höhe von 1,20 m ab dem gewach-
senen Terrain nicht überschritten werden.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 14/2020), Seite 6/11
3.3 Nach dem Situationsplan (Massstab 1:500) wird der Demenzpa-
villon, der eine Länge von 68 m und eine Breite von 11,67 m aufweist,
unmittelbar auf die Grenze zu Grundstück Nr. 005 gestellt. In der fol-
genden Abbildung 1 ist der umstrittene Pavillon dargestellt, wobei zwi-
schen einem rund 4 m breiten gelbfarbenen und einem rund 7,7 m
breiten rosafarbenen Bereich unterschieden wird. Der gelbfarbene Teil
des Pavillons wird mit Erde überdeckt, während der rosafarbene Teil
offen zu Tage tritt, begehbar und – gemäss Plänen – allseitig von ei-
nem Geländer umgeben ist:
Abbildung 1
3.4 In der nachfolgenden Abbildung 2 ist der Pavillon im Querschnitt
(A-A, Massstab 1:200) dargestellt. Aus dem Querschnitt ergibt sich,
dass die Oberkante der begehbaren Decke des Pavillons (rosafarbe-
ner Bereich aus Abbildung 1) mehr als 1 m über dem Niveaupunkt von
415,65 m und über dem gewachsenen Terrain zu liegen kommt. Im
südlichen, rund 4 m breiten Teil des Pavillons (gelbfarbener Bereich
aus Abbildung 1), wird die Decke des Pavillons in Richtung Süden ab-
fallend leicht abgesenkt und in der Folge mit Erde überschüttet, wobei
die Aufschüttungshöhe – zumindest in dem im Querschnitt dargestell-
ten Bereich – rund 1 m über dem gewachsenen Terrain liegt:
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 14/2020), Seite 7/11
Abbildung 2
3.5 Die umstrittene Aufschüttung dient somit dem Überdecken des
südlichen Teils des Demenzpavillons (gelbfarbener Bereich aus Abbil-
dung 1) und bewirkt, dass der umstrittene Gebäudeteil unter dem ge-
stalteten Terrain liegt, wie es Art. 31 BauR als Grundvoraussetzung für
das Vorliegen einer unterirdischen Baute verlangt. Die Ostansicht in
der folgenden Abbildung 3 macht das deutlich:
Abbildung 3
Abbildung 3 zeigt gleichzeitig aber auch auf, dass die geplante Ter-
rainveränderung weder den zusätzlichen Vorgaben von Art. 39 Abs. 2
BauR noch jenen von Art. 40 Abs. 2 BauR entspricht. So ist die Auffül-
lung ganz offensichtlich nicht aus bautechnischen Gründen zwingend
nötig. Ihr einziger Zweck liegt vielmehr darin, den südlichen Teil des
Pavillons unter dem Terrain verschwinden zu lassen, um die Grenzab-
standsvorschriften der öBA nicht einhalten zu müssen. Entgegen der
Ansicht der Vorinstanz kann nicht behauptet werden, dieser ange-
schüttete Hügel füge sich gut ins gewachsene Terrain ein. Das Ge-
genteil ist der Fall: Die Terrainveränderung widerspricht dem Verlauf
des natürlichen, von Süden nach Norden abfallenden Terrains. Ist die
Terrainveränderung aber bautechnisch nicht zwingend notwendig,
dient sie nicht einer besseren Umgebungsgestaltung und passt sie
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 14/2020), Seite 8/11
sich auch nicht gut dem gewachsenen Terrainverlauf an, liegt eben
keine zulässige unterirdische Baute bzw. kein zulässiger unterirdi-
scher Bauteil im Sinn von Art. 31 BauR vor. Folglich wird der ordentli-
che Grenzabstand von 4 m durch das umstrittene Bauvorhaben ver-
letzt.
4.
Die Rekurrenten wenden weiter ein, der Demenzpavillon müsse neben
dem ordentlichen Grenzabstand von 4 m auch den in Art. 13 BauR
vorgeschriebenen Mehrlängenzuschlag einhalten.
4.1 Nach Art. 13 Abs. 2 BauR beträgt der Mehrlängenzuschlag zum
Grenzabstand in der öBA für Gebäudelängen über 30 m 1⁄4 der Mehr-
länge, insgesamt jedoch beträgt der Abstand maximal 8 m. Der um-
strittene Pavillon weist eine Mehrlänge von 38 m auf. Der rechnerisch
daraus resultierende Mehrlängenzuschlag betrüge folglich 9,5 m; er
wird jedoch durch das in Art. 13 Abs. 2 BauR vorgegebene Maximal-
mass auf 4 m beschränkt. Daraus folgt, dass der Pavillon zum Grund-
stück Nr. 005 einen Grenzabstand (einschliesslich Mehrlängenzu-
schlag) von insgesamt 8 m einzuhalten hätte. Zu prüfen bleibt, ob die
Vorinstanz – neben dem zu Unrecht angenommenen Verzicht auf die
Einhaltung des Grenzabstands – wenigstens zu Recht von der Einhal-
tung des Mehrlängenzuschlags abgesehen hat. Diesbezüglich bringt
die Vorinstanz zur Begründung vor, die Einhaltung des Mehrlängen-
zuschlags sei nicht nötig, weil es vorliegend keine mit dem Mehrlän-
genzuschlag zu schützende nachbarliche Interessen gebe.
4.2 Der Mehrlängenzuschlag entspricht nach Art. 65 Abs. 1 BauG
der Vergrösserung des Grenzabstands im Verhältnis zur Überschrei-
tung einer festgelegten Gebäudelänge. Der Mehrlängenzuschlag ist
damit nichts Anderes als ein – wegen Vorliegens besonderer Um-
stände – vergrösserter Grenzabstand. Für die Bestimmung des
Schutzzwecks der Norm kann deshalb auf die Rechtsprechung zum
Grenzabstand abgestellt werden. Nachdem Art. 92 Abs. 1 PBG in die-
sem Verfahren nicht direkt anwendbar ist, wird auf die Rechtspre-
chung zu Art. 56 Abs. 1 BauG zurückgegriffen. Gemäss Art. 56 Abs. 1
BauG gilt als Grenzabstand von Gebäuden die kürzeste Entfernung
zwischen Fassade und Grenze, wobei im Grundriss gemessen wird.
Als Fassade wird gemäss Art. 56 BauG die Aussenwand eines Ge-
bäudes verstanden (vgl. VerwGE B 2008/48 vom 19. August 2008
Erw. 2.4). Der Grenzabstand regelt zusammen mit den weiteren Re-
gelbauvorschriften die Nutzungsstärke bzw. die maximal zulässige
Nutzung, die sogenannte Baudichte. Die öffentlichen Interessen an
den Grenz- und Gebäudeabständen liegen auf den Gebieten der
Feuer- und der Gesundheitspolizei, der guten Gestaltung der Siedlun-
gen und der Ästhetik. Daneben hat der Grenzabstand, insbesondere
im Zusammenhang mit dem regelmässig von ihm abhängenden Ge-
bäudeabstand, auch nachbarschützende Funktionen. So sollen durch
die Grenzabstände vor allem die mannigfachen Einflüsse von Bauten
und ihrer Benutzung auf Nachbargrundstücke gemindert werden
(BDE Nr. 44/2018 vom 28. September 2018 Erw. 4.2 mit Hinweisen).
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 14/2020), Seite 9/11
Grenzabstandsvorschriften – zu denen also auch der Mehrlängenzu-
schlag gehört – verfolgen somit eine Vielzahl von öffentlichen Interes-
sen. Unter diesen Umständen greift es von vornherein zu kurz, wenn
die Vorinstanz von der Einhaltung des Mehrlängenzuschlags schon
deshalb absieht, nur weil sie vorliegend keine schutzwürdigen nach-
barlichen Interessen erkennen kann. Zudem ist ihre Begründung aber
auch nicht nachvollziehbar, weil sich das südlich angrenzende, heute
noch unüberbaute Grundstück Nr. 005 in der Wohnzone für dreige-
schossige Bauten befindet und deshalb offenkundig von einem 68 m
langen Baukörper betroffen wäre, wenn dieser ohne Einhaltung des
Mehrlängenzuschlags im unmittelbaren Grenzbereich erstellt werden
dürfte.
4.3 Die Vorinstanz geht zudem davon aus, dass der Pavillon von
Süden aus gesehen keine sichtbare Fassade aufweise, weshalb eben-
falls kein Mehrlängenzuschlag einzuhalten sei.
Nach Art. 27 Abs. 1 BauR ist der grosse Grenzabstand gegenüber der
am stärksten nach Süden gerichteten Hauptfassade, der kleine Grenz-
abstand gegenüber den übrigen Fassaden einzuhalten. Die einzige
(ordentliche) Ausnahme vom Grundsatz der Einhaltung eines
Grenzabstands zwischen Gebäudefassaden und Grundstücks-
grenzen sieht Art. 56 Abs. 4 BauG vor. Nach dieser Bestimmung
haben lediglich unterirdische Bauten keinen Grenzabstand
einzuhalten; eine unterirdische Baute liegt nach dem oben unter
Erw. 3 Ausgeführten aber im Fall des umstrittenen Pavillons gerade
nicht vor. Bei diesem handelt es um einen eingeschossigen
Baukörper. Unabhängig davon, ob der Pavillon rechtlich als Unter-
oder Vollgeschoss qualifiziert wird, ist vor seinen – nicht als
unterirdisch geltenden – Fassaden der Grenzabstand (vorliegend
zusätzlich auch mit Mehrlängenzuschlag) einzuhalten (BDE
Nr. 44/2018 vom 28. September 2018 Erw. 4.3). Eine andere
Auslegung macht keinen Sinn und würde dazu führen, dass nicht
unterirdische Unter-, Sockel- aber auch Vollgeschosse stets in den
Grenzabstand hineingebaut werden könnten, wenn sie nur gleichzeitig
mit Erde überdeckt oder ihre Fassaden vorgeschüttet und damit vom
Nachbargrundstück aus unsichtbar gemacht würden.
5.
Zusammenfassend ergibt sich somit, dass der Rekurs begründet ist,
weil der geplante Erweiterungsbau keine unterirdische Baute darstellt
und den Grenzabstandsbestimmungen widerspricht. Der Rekurs ist
deshalb im Sinn der Erwägungen gutzuheissen, womit Baubewilligung
und Einspracheentscheid der Vorinstanz vom 18. November 2019 auf-
zuheben sind.
Bei diesem Ergebnis kann offenbleiben, ob die Ausnahmebewilligung
für die Art. 40 Abs. 1 BauR widersprechende Abgrabung von der
Vorinstanz zu Recht erteilt worden ist. Ebenso kann offenbleiben, ob
das Baugesuch unvollständig ist, weil – wie die Rekurrenten vorbrin-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 14/2020), Seite 10/11
gen – Bemusterung, Entsorgungskonzept, Zustandsaufnahme der Ka-
nalisation, bereinigter Kanalisationsplan, Energienachweis und der
Nachweis betreffend behindertengerechtes Bauen noch nicht vorlie-
gen.
6.
6.1 Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die
Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen
werden. Die Entscheidgebühr beträgt Fr. 3'000.– (Nr. 20.13.01 des
Gebührentarifs für die Kantons- und Gemeindeverwaltung,
sGS 821.5). Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend wären die
amtlichen Kosten dem Rekursgegner aufzuerlegen. Auf deren
Erhebung ist jedoch zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP in Verbindung
mit Art. 140 Abs. 1 des Gemeindegesetzes [sGS 151.2]; R. HIRT, Die
Regelung der Kosten nach st.gallischem Verwaltungsrechtspflegege-
setz, Lachen/St.Gallen 2004, S. 107).
6.2 Der vom Vertreter der Rekurrenten am 24. Dezember 2019 ge-
leistete Kostenvorschuss von Fr. 1'800.– ist zurück zu erstatten.
7.
Die Rekurrenten stellen ein Begehren um Ersatz der ausseramtlichen
Kosten.
7.1 Im Rekursverfahren werden ausseramtliche Kosten entschädigt,
soweit sie auf Grund der Sach- und Rechtslage notwendig und ange-
messen erscheinen (Art. 98 Abs. 2 VRP). Die ausseramtliche Entschä-
digung wird den am Verfahren Beteiligten nach Obsiegen und Unter-
liegen auferlegt (Art. 98bis VRP). Die Vorschriften der Schweizerischen
Zivilprozessordnung (SR 272) finden sachgemäss Anwendung
(Art. 98ter VRP).
7.2 Die Rekurrenten obsiegen mit ihren Anträgen. Da das Verfahren
zudem in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht Schwierigkeiten bot,
die den Beizug eines Rechtsvertreters rechtfertigen, besteht grund-
sätzlich Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung (Art. 98bis
VRP). Der Vertreter der Rekurrenten beantragt die Zusprache einer
ausseramtlichen Entschädigung zuzüglich Mehrwertsteuer. Weil keine
Kostennote vorliegt, ist die ausseramtliche Entschädigung in Anwen-
dung von Art. 6 in Verbindung mit Art. 22 der Honorarordnung
(sGS 963.75) ermessensweise auf Fr. 2'750.– (zuzüglich Mehrwert-
steuer) festzulegen; sie ist vom Rekursgegner zu bezahlen.