# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 535b94d2-131f-4edb-910e-6e810e668177
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1971 geborene X._
meldete sich unter Hinweis auf ein
anlässlich d
es Verkehrsunfalles vom 15.
Mai
2008 erlittenes
Schleudertrauma der Hals
wirbelsäule sowie eine Depression
am 16. August 20
10
erstmals bei der Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 9/11).
Die IV-Stelle
tätigte medizinische Abklärungen (Urk. 9/17
f.
, 9/24
-
26
, 9/31
-
3
4
)
und teilte der Versicherten mit Schreiben vom 25. Januar 2011 mit, dass keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien (Urk. 9/27).
In der Folge veranlasste die IV-Stelle eine polydisziplinäre Begutachtung der Versicherten
in den Disziplinen Psychiatrie, Neurologie und
Allgemeine
Innere Medizin
(
Urk. 9/35-39
)
;
die Medizinische Abklärungs
stelle Y._
erstattete das Gutachten
, datierend vom 18. Oktober 2011,
am 3. November 2011 (Urk. 9/40).
In der Folge verneinte die IV-Stelle
nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom 29. November 2011 [Urk. 9/44]; Einwand vom 12. Januar 2012 [Urk. 9/49]; ergänzter Einwand vom 17. Februar 2012 [Urk. 9/53])
m
it Verfügung vom
7
.
März
201
2
einen Leistungs
anspruch
der Versicherten
(
Urk. 9/
55
)
; diese Verfügung blieb unangefochten.
Auf die von der Versicherten am 30. April 2014 eingereichte Neuanmeldung
(Urk. 9/66; Arztbericht vom 29. April 2014 [Urk. 9/62])
trat die IV-Stelle mangels Glaubhaftmachens einer wesentlichen Veränderung der tatsächlichen Verhält
nisse mit Verfügung vom
12
.
August
201
4
nicht ein (Urk.
9
/
70
); auch diese Ver
fü
gung blieb unangefochten.
1.2.
Unter Hinweis auf eine Verschlechterung ihres
psychischen
Gesundheitszustandes und unter Beilage zweier Arztberichte (Urk. 9/76) meldete sich die Versicherte mit Gesuch vom 9. Mai 2019
(Eingang)
erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug
an (Urk. 9/77).
Die IV-Stelle tätigte abermals medizinische Abklärungen (Urk. 9
/83)
und veranlasste eine
psychiatrische
Begutachtung der Versicherten (Urk. 9/85, 9/87)
;
Prof. Dr. med. Z._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psy
chotherapie,
A._AG
, erstattete sein Gutachten am 30. März 20
20
(Urk. 9/90).
Nach
durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Vor
bescheid vom 14. April
2020 [Urk.
9/93]; Einwand vom 14. Mai 2020 [Urk. 9/98; Arztberichte Urk. 9/97]; ergänzter Einwand vom 19. Mai 2020 [Urk. 9/101; Arzt
bericht Urk. 9/100]
) ver
neinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 15. Juni 2020 einen Leistungsanspruch der Versicherten (Urk. 2 [= Urk. 9/103]).
2.
Gegen die Verfügung vom 15. Juni 2020 (Urk. 2) erhob die Versicherte mit Ein
gabe vom 13. August 2020 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfü
gung sei aufzuheben und die IV-Stelle sei zu verpflichten, eine psychiatrische Begutachtung in die Wege zu leiten und gestützt auf das psychiatrische Gut
ach
ten erneut über den Anspruch auf eine Invalidenrente zu verfügen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Gegenpartei. In prozessualer Hinsicht
ersuchte
die Versicherte
um
Durchführung eines zweiten Schriften
wechsels sowie
um
Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege
unter Ein
setzung von
Rechts
anwältin Christine Fleisch
als unentgeltliche
Rechtsbeiständin
(Urk. 1
, 3/1-6).
Mit Eingabe vom 19. Oktober 2020 reichte die Beschwerdeführerin sodann das For
mu
lar zur Abklärung der prozessualen Bedürftigkeit samt Beilage zu den Akten (Urk. 11-13).
Die IV-Stelle schloss mit Beschwerdeantwort vom 10. September 2020 auf Ab
weisung der Beschwerde (Urk. 8), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 22. Oktober 2020 zur Kenntnis gebracht und zugleich mitgeteilt wurde, dass ein zweiter Schriftenwechsel als nicht erforderlich erachtet werde (Urk. 14).
Mit Eingabe vom
22
. Juni 2021 reichte die Rechtsvertreterin der Beschwerde
führerin, Rechtsanwältin Christine Fleisch, ihre Kostennote zu den Akten (Urk.
16, 17
, vgl. auch Urk.
15
).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundes
gesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
). Er
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Ein
gliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind aus
schliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
2
Gemäss Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die Invaliden
versicherung (
IVV
)
muss
mit einer Neuanmeldung glaubhaft gemacht werden, dass sich der Inva
li
ditätsgrad anspruchsrelevant verändert hat. Der versicherten Person kommt aus
nahmsweise eine Beweisführungslast zu (vgl. BGE 130 V 64 E. 5.2.5). Die
Ein
tretensvoraussetzung
des Glaubhaftmachens soll verhindern, dass sich die Ver
wal
tung immer wieder mit gleichlautenden und nicht näher be
gründeten, mithin keine Veränderung des Sachverhalts darlegenden Rentenge
suchen befassen
muss (BGE 133 V 108 E. 5.3.1).
1.
3
I
st die Verwaltung auf eine Neuanmel
dung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Be
schwerdeverfahren zu prüfe
n, ob im Sinne von Art.
17 ATSG eine für den Renten
anspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
Eine
solche Änderung kann insbesondere in einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes mit entsprechend ver
minderter Arbeitsfähigkeit oder, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesund
heitszustand, in veränderten Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgaben
be
reich liegen. Demgegenüber stellt die bloss abweichende Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhaltes keine relevante Änderung dar (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.
4
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1; 143 V 409 E. 4.5.2; 141 V 281 E.
2.1
;
130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend ob
jektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2
;
1
43 V 409 E. 4.2.1
;
141 V 281 E.
3.7;
13
9 V 547 E. 5.2
;
127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den Vor
akten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände
und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, und ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a; 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die IV-Stelle erwog in der angefochtenen Verfügung im Wesentlichen,
aus den medizinischen Akten gehe hervor, dass bei der Beschwerdeführerin keine blei
bende oder länger andauernde gesundheitliche Einschränkung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ausgewiesen sei
.
G
emäss Gutachten
, auf welches abge
stellt werden könne,
habe es Symptomausweitungen mit Hinweis auf Aggra
vation, wenn nicht sogar streckenweise Simulation gegeben
, zumal eine Vielzahl der Kriterien, welche auf fehlende Authentizität hinweisen könnten, erfüllt ge
wesen seien
.
Aus diesem Grund habe von einem gespielten, nicht authentischen Status ausgegangen werden müssen,
auch
weil anlässlich der Exploration keine gravierenden Hinweise für eine tiefgreifende Funktions- und Leistungsbeein
trächtigung im psychischen Bereich hätten gefunden werden können.
Die von den behandelnden Ärzten gemachten Ausführungen
bezüglich Diagnosestellung
seien demgegenüber weder vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) noch von
Prof
.
Dr.
Z._
als nachvollziehbar erachtet worden. Die anlässlich des
Einwandes eingereichten Berichte hätten einerseits Ereignisse beschrieben, welche
bisher unbekannt gewesen seien und schon in der Vergangenheit nicht zur Dia
gnose einer
p
osttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) geführt hätten, anderer
seits sei die geschilderte schwere und lebensbedrohliche psychotische Ent
gleisung im Jahr 2015 durch keine weiteren Unterlagen belegt worden, weshalb nicht darauf abgestellt werden könne.
Folglich sei die Beschwerdeführerin voll
ständig arbeitsfähig (Urk. 2).
In ihrer Vernehmlassung vom
10. September 2020
hielt die IV-Stelle ergänzend fest,
im Rahmen der objektiven Erhebung des psychiatrischen Status hätten keine Hinweise auf Wa
h
ninhalte oder Wahrnehmungsstörungen, Halluzinationen oder eine «Ich-Störung» vorgelegen, auch seien die Angaben der Beschwerdeführerin hinsichtlich der Gedächtnis- oder Merkfähigkeitsstörungen nicht als valide zu betrachten, zumal solche nicht einmal bei einer schweren Form der Demenz
in diesem Ausmass
vor
lägen. Eine Störung der Affektivität habe
ebenso wenig
aus
gemacht werden können, eine Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis
sei klar ausge
schlossen worden, zumal keine Anhaltspunkte für eine Psychose vorgelegen hätten. Schliesslich falle auch eine medikamenteninduzierte Psychose ausser Be
tracht. Das Kriterium der Aggravation sei klar erfüllt, weshalb keine versicherte Gesundheitsschädigung vorliege (Urk. 8).
2.2
Die Beschwerdeführerin argumentierte demgegenüber,
der Gutachter halte fest, es sei von einem dysfunktionalen Krankheitsverhalten im Sinne einer Aggra
va
tion auszugehen, zumal gravierende Hinweise für eine tiefgreifende Funktions- und Leistungsbeeinträchtigung im psychiatrischen Bereich nicht erkennbar seien. Dieser Behauptung fehle es indes an einer substantiierten Begründung, werde
doch bereits im Bericht des Universitäts
spitals B._
, Rheumaklinik, vom 29. April
2009 von einer Anpassungsstörung mit Angst und längerer depressiver Reaktion gemischt (ICD-10: F43.22) und einer möglichen Komponente einer PTBS gesprochen. Im Anschluss daran habe sie in regelmässiger psychiatrischer Be
handlung gestanden; auch sei ein chronisches
zervikozephales
und
zerviko
spon
dylogenes
Syndrom bestätigt worden.
Die Therapiemotivation sei durch die Reha
bil
itationsbehandlung im
Zentrum
C._
von März bis Mai 2010 ausgewiesen.
Seit 2009 werde in medizinischen Berichten auf eine de
pressive Episode und eine anhaltende somatoforme Schmerzs
törung hingewiesen, auch das Y._
bestätige im Gutachten aus dem Jahr 2011 eine leichte depressive Episode (ICD-10: F32) sowie eine Schmerzverarbeitungsstörung. Im Jahr 2014 sei
en
als Diagnose
n
neu eine Panikstörung sowie eine sonstige spezifische Per
sönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.8) hinzugekommen, aufgrund der Vor
komm
niss
e aus den Jahren 2015 und 2018, welche mit Halluzinationen, Realitätsverlust, Wahnvorstellungen und Denkstörungen einhergegangen seien, sei
en
im Jahr
2019 zudem eine paranoide Schizophrenie (ICD-10: F20.0) und eine Störung durch
Medikamente (ICD-10: F13.2) diagnostiziert worden;
ihr
Verhalten entspreche
folglich
nicht einer Aggravation.
Das Vorliegen einer paranoiden Schizophrenie werde im Be
richt des Zentrums
C._
im September 2019 erneut bestätigt, auch anlässlich eines Telefongespräches im August 2020 sei die Symptomatik als noch immer bestehend bezeichnet und eine Aggravation aus
geschlossen worden.
Darüber hinaus
seien, entgegen der Beur
teilung durch Prof.
Dr.
Z._
, die Wahnvorstellungen nicht auf eine medikamenten
indu
zierte Psychose zurückzuführen, da sie heute die Medikamente kontrolliert ein
nehme und dennoch die für eine Schizophrenie typischen Merk
male wie bei
spielsweise massive kognitive Defizite in Aufmerksamkeit oder Kon
zentration deutlich erkennbar seien. Auch wenn es vorkomme, dass
die
Symptome einer Schizophrenie
verschwänden, ergebe sich bei einem Drittel der Betroffenen ein chronischer Verlauf, welcher zu einer andauernden psychischen Behinderung
führe, womit sich der Gutachter indes nicht auseinandergesetzt habe. Entgegen seiner Beurteilung hätten sich
im Bericht des Zentrums
C._
Einschränkungen bei der Mini-ICF-Bewertung dahingehend fest
stellen lassen, dass die Minussymptomatik bei der Schizophrenie zu einer tief
greifenden
Funk
tions
- und Leistungsbe
einträchtigung führe. Schliesslich be
gründe der Gutachter nicht, inwiefern die von ihm behaupteten Inkonsistenzen überhaupt vorhanden seien, auch sei unklar, inwiefern
die Beschwerdeführerin
ein
appellatives
, demon
stratives, übertriebenes, dramatisches oder theatralisches Verhalten aufweisen solle, ergebe sich doch aus der Exploration, dass sie sich äussert zurückhaltend präsentiert habe. Der Gutachter wäre indes verpflichtet ge
wesen, sich substantiiert mit dem schizophrenen Verhalten auseinanderzusetzen, zumal sie trotz Medika
menten
-C
ompliance bis heute die typischen objektiven Befunde aufweise. Ihr Zustand habe sich bis heute nicht verbessert, weshalb sie für eine stati
onäre
Hospitalisation
in der Klinik D._
angemeldet werde;
sofern die Diagnose einer parano
iden Schizophrenie durch die D._
bestätigt werde
, dränge sich eine Neubegutachtung auf (Urk. 1).
3.
3.1
Die Frage, ob eine anspruchsbegründende Änderung in den für den Invaliditäts
grad erheblichen Tatsachen eingetreten ist, beurteilt sich durch die Gegenüber
stellung des Sachverhaltes im Zeitpunkt der strittigen Verfügung mit demjenigen, wie er im Zeitpunkt der letzten rechtskräftigen Verfügung bestanden hatte (BGE 130 V 71 E. 3.1). Zeitlicher Ausgangspunkt für die Beurteilung einer anspruchs
erheblichen Änderung bildet folglich die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruches mit rechtskonformer Sach
verhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensver
gleiches beruht (BGE 134 V 131 E. 3; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_735/2019 vom 25. Februar 2020 E. 3.2).
Mit Verfügung vom
7. März 2012
(
Urk. 9/55
) verneinte die IV-Stelle, nach ma
terieller Prüfung des Sachverhaltes (vgl.
Urk. 9/17 f., 9/24-26, 9/31-34, 9/40
), den Anspruch der Beschwerdeführerin auf Leistungen der Invalidenversicherung. Zu prüfen ist folglich, ob sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit Erlass der Verfügung vom
7. März 2012
bis zum Erlass der angefochtenen Ver
fügung vom
15. Juni 2020
in rentenanspruchsrelevanter Weise verschlechtert hat.
3.2
3.2.1
Die Verfügung vom
7. März 2012
(
Urk. 9/55
) basierte
in medizinischer Hinsicht
im Wesentlichen auf
dem Gutachten de
s
Y._
vom
18
.
Oktober
2011 (Urk. 9/40)
.
Die Gutachter führten darin die folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf (S.
17
):
-
HWS-Syndrom (ICD-10: M53.1) ohne
radikuläre
oder
medulläre
Symp
tome bei Zu
stand nach HWS-Distorsionstrauma
(ICD-10: S13.4) im Mai 2008
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit führten die Gutachter die folgenden auf (S. 18):
-
Leichte depressive Episode (ICD-10: F32.0)
-
Schmerzverarbeitungsstörung (ICD-10: F54)
-
Chronischer Nikotinabusus (ICD-10: F17.1)
-
Verdacht auf arterielle Hypertonie (ICD-10: I10)
3.2.2
In der Konsensbeurteilung führten die Gutachter aus, die Beschwerdeführerin kla
ge seit dem Unfallereignis im Mai 2008 über Ganzkörperschmerzen mit
Punctum
maximum
im Schultergürtel-Nacken-Kopf- und beidseitigem Arm- sowie Wirbel
säulenbereich. Weiter klage sie über Schlaf- und Konzentrationsstörungen sowie über innere Unruhe, Antriebs- und Freudlosigkeit. In der somatisch-neurolo
gischen Exploration hätten sich ein paravertebraler Muskelhartspann im Bereich des Schultergürtel-Nackens beidseits sowie eine leichte Druckempfindlichkeit
in diesem Bereich gezeigt.
E
s imponiere eine eingeschränkte Mitarbeit respektive Ausgestaltungstendenz, welche bei Ablenkung sinke. Hinweise auf motorische oder eindeutig sensorische Ausfälle fänden sich keine, radiologisch könnten mit Ausnahme eines
Spondylophyten
bei C3 keine signifikanten Befunde dokumen
tiert werden. Zusammenfassend liessen sich die von der Beschwerdeführerin sehr diffus angegebenen Beschwerden durch die klinischen und auch radiologischen Befunde keinesfalls ausreichend begründen. Die massiven Inkonsistenzen, das fehlende Ansprechen auf konservativ durchgeführte Therapiemassnahmen sowie die lang dauernde Schonung seien klare Hinweis
e
für eine im Vordergrund ste
hende nicht-organische Beschwerdekomponente. Aus psychiatrischer Sicht finde sich eine leichte depressive Episode
wie auch eine Schmerzverarbeitungsstörung, diese wirkten sich jedoch nicht einschränkend auf die Arbeits- und Leistungs
fähigkeit aus. Anhaltspunkte für relevante Konzentrationsstörungen oder eine Persönlichkeitsstörung fänden sich nicht, jedoch eine ausgeprägte Selbstlimi
tierung und ein sekundärer Krankheitsgewinn dadurch, dass sich die Beschwerde
führerin verweigere und die Familie ihr alle Arbeiten im Haushalt abnehme
(S. 18 f.).
3.2.3
Zur Arbeitsfähigkeit hielten die Gutachter fest, aus neurologischer Sicht bestehe lediglich für schwere körperliche Tätigkeiten eine Arbeitsunfähigkeit. Für körper
lich leichte, intermittierend mittelschwere Tätigkeiten unter Wechselbelastung bestehe hingegen eine zeitlich und leistungsmässig uneingeschränkte Arbeits
fähigkeit, wobei Zwangshaltungen und Überkopfarbeiten bloss eingeschränkt durchgeführt werden sollten.
Aus psychiatrischer Sicht könne der Beschwerde
führerin trotz der geklagten Beschwerden zugemutet werden, einer ihren körper
lichen Einschränkungen angepassten Tätigkeit ganztags und ohne Leistungsein
schränkung nachzugehen. Aus allgemeininternistischer Sicht fänden sich keine zusätzlichen Befunde und Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Zusammenfassend bestehe aus polydisziplinärer Sicht eine 100%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit für körperlich leichte bis intermittierend mittelschwere, adap
tierte Tätigkeiten. Einzig für körperlich schwere Tätigkeiten bestehe eine volle Arbeitsunfähigkeit (S.
18 f.
).
3.2.4
Im Anschluss an die Stellungnahme des RAD vom 24. November 2011 (Urk. 9/42 S. 4 f.), wonach ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheits
schaden mit dauerhafter Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nicht ausgewiesen sei, verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 7. März 2012 (Urk. 9/55) einen Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin.
3.3
3.3.1
Anlässlich der Neuanmeldung vom 9. Mai 2019 (Urk. 9/77)
veranlasste die IV-Stelle abermals eine medizinische Begutachtung und stützte ihre Verfügung vom 15. Juni 2020 (Urk. 2) im Wesentlichen auf
das Gutachten
vom 30. März 20
20
(Urk. 9/90)
ab. Prof. Dr.
Z._
führte
darin keine Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf (S. 27), als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit führte er eine Entwicklung körperlicher Symptome aus psy
chischen Gründen (ICD-10: F68.0; Differentialdiagnose ICD-10: F68.1
[artifizielle Störung, absichtliches Erzeugen oder Vortäuschen von körperlichen oder psy
chischen Symptomen oder Behinderungen]
) auf (S. 28).
3.3.2
Im Rahmen seiner Beurteilung hielt Prof. Dr.
Z._
fest, die Exploration sei sehr schwierig gewesen, da die Compliance vonseiten der Beschwerdeführerin kaum gegeben gewesen sei.
Sie habe Fragen entweder dadurch beantwortet,
dass
sie gesagt habe, dass sie etwas nicht wisse, oder indem sie auf
den behandelnden Therapeuten,
Dr.
phil
.
klin
. psych. E._
verwiesen habe. Auch sei sie immer
wieder abgeschweift; ihr gesamtes Verhalten anlässlich der Exploration sei nicht nachvollziehbar gewesen.
Die von ihr angegebenen Beschwerden res
pektive ihr gezeigtes Verhalten könnten als vorgespielt und daher als nicht vor
handen gewertet werden. Dem psychopathologischen Befund könne deshalb ein «Normalbefund» entnommen werden, ungeachtet der stark einge
schränkten Com
pliance. Eine Störung der Affektivität, verbunden mit Freudlosigkeit und einem äusserst eingeschränkten Interesse, an Aktivitäten des alltäglichen Lebens teilzu
nehmen, hätte nicht ausgemacht werden können. Der Antrieb sei nivelliert ge
wesen, es hätten sich keine Wahrnehmungs- oder Aufmerksamkeits
defizite ge
funden, die Konzentration sei nicht reduziert, der formale Gedanken
ablauf nicht verlangsamt oder umständlich gewesen. Damit lägen die Haupt
symptome einer depressiven Störung (länger als zwei Wochen anhaltende ge
drückte Stimmung, Interessenverlust, Freudlosigkeit, Verminderung des An
triebes) nicht vor, auch die von der ICD-10 geforderten Zusatzsymptome wie bei
spielsweise Schuld
ge
fühle, Gefühle von Wertlosigkeit, vermindertes Selbstwert
gefühl und -vertrauen
oder
pessimistische Zukunftsperspektiven seien nicht vor
gelegen, weshalb eine depressive Episode ausgeschlossen werden könne. Dasselbe gelte für eine schizo
phrene Erkrankung (ICD-10: F20), zumal
das
Verhalten der Beschwerdeführerin anlässlich der Exploration zu extrem gewesen sei, auch hätte sich keine wahn
hafte oder
halluzinatorische
Symptomatik gezeigt.
Auffällig sei gewesen, dass sie vorgegeben habe, sich kaum an relevante Daten zu erinnern und Fragen kaum beantwortet habe. Dieses Ausmass sei nicht einmal mit dem Vorliegen einer schweren Form der Demenz zu erklären
. Auch gebe es bei der Beschwerdeführerin keinen Anhalt für weitere typische Symptome einer Psychose aus dem schiz
o
phrenen Formenkreis wie beispielsweise innere Unruhe,
Konzen
trations
- oder Sprachstörungen. Schliesslich falle auch eine medikamentenindu
zierte Psychose
nicht in Betracht; obwohl kein Medikamentenspiegel habe erho
ben werden können
, wirke die Beschwerdeführerin aus rein körperlicher Betrach
tung nicht medi
kamentös beeinflusst. Zwar könne den medizinischen
Unterlagen
ent
nommen werden, dass es in den Jahren
2
015 und
2
018 zu zwei Psychosen gekommen sei, es könne jedoch nicht per se davon ausgegangen werden, dass es sich hierbei um Psychosen aufgrund einer schizophrenen Erkrankung
ge
hand
elt habe
, zumal in den
Unterlagen
immer wieder die Diagnose einer Störung durch Medi
kamente aufgeführt werde. Wahrscheinlicher sei, dass es sich hierbei um medi
kamentenindu
zierte Psychosen gehandelt habe
, zumal die Liste der Medika
mente umfangreich gewesen sei
(
S. 28-30
)
.
Zur mehrfach vordiagnostizierten chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren sei anzuführen, dass eine Symptomausweitung respek
tive eine Aggravation zuvor
, mithin vor einer entsprechenden Diagnosestellung,
ausgeschlossen werden müsse. Dies könne vorlie
gend nicht erfolgen, zumal hier
von einer Aggravation ausgegangen werden
müsse;
der Bezug von Renten
leis
tungen durch die Beschwerdeführerin
stehe
im Vordergrund und eine beruf
liche Wiedereingliederung werde durch invaliditäts
fremde Faktoren wie die fehlende Therapiemotivation limitiert
(S. 30)
.
Zusammenfassend
gelange
er
trotz des dysfunktionalen Krankheitsverhaltens der Beschwerdeführerin zur Erkenntnis, dass sich bei der Exploration keine gravie
renden Hinweise für eine tiefgreifende Funktions- und Leistungsbeeinträchtigung im psychiatrischen Bereich erkennen liessen.
Insbesondere könnten eine depres
sive Symptomatik, eine psychotische Symptomatik und eine Schmerzstörung aus
geschlossen werden.
Der Gesamteindruck im Rahmen der psychiatrischen Anam
nese und der Verhaltensbeobachtung sei – abgesehen von dem fast schon bi
zarren Verhalten – unauffällig gewesen (S. 30
und S. 37
).
3.3.3
Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit führte Prof. Dr.
Z._
aus, aus rein psychiatrischer Sicht bestehe derzeit keine Einschränkung in der bisherigen oder in einer optimal angepassten Tätigkeit, die Beschwerdeführerin sei zu 100 % ar
beitsfähig (S. 41 f.).
3.4
3.4.1
Im Anschluss an die Erstattung des Gutachtens durch Prof. Dr.
Z._
wurden von der Beschwerdeführerin
weitere medizinische Unterlagen zu den Akten gelegt.
3.4.2
Dr. med. F._
,
Facharzt
Innere Medizin FMH, attestierte der Beschwerde
führerin im Bericht vom 16. April 2019 (Urk. 9/97 S. 1) eine vollständige Arbeits
unfähigkeit seit
Behandlungsbeginn im Juli
2008 und hielt fest, mit dem Wieder
erlangen der Arbeitsfähigkeit sei bei chronischem Zustand nicht zu rechnen. Er sehe die Beschwerdeführerin sehr unregelmässig, ungefähr ein bis drei Mal pro Jahr.
3.4.3
Dr. med. G._
, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie FMH, und Dr.
phil.
E._, Zentrum
C._
,
attestierte
n
im Bericht vom 18. April 2019 (Urk. 9/97 S. 2 f.) eine vollständige Arbeitsunfähigkeit seit
eben
falls
2008 und führten aus, es liege eine deutlich
chronifizierte
Störung vor, das Wiedererlangen der Arbeitsfähigkeit sei mit Sicherheit ausgeschlossen.
3.4.4
H._
, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr.
phil.
E._, Zentrum
C._
,
nahmen im Bericht vom 14. Mai 2020 (Urk.
9/
100)
zum Gutachten von
Prof. Dr.
Z._
Stellung und hielten fest, eine wie die im Jahr 2015 stattgefundene schwere und lebensbe
drohliche psychotische Entgleisung der Beschwerdeführerin werde heute vor allem mit einer massiven Medikation unter Kontrolle gehalten.
Die Grundstörung der Beschwer
deführerin werde dadurch indes keineswegs behoben, weshalb die die
s
bezüg
lichen Angaben im Gutachten jeglicher Grundlage entbehren und an der Realität vorbeigehen würden. Aktuell sei eine Minussymptomatik mit Affekt
verflachung zu beobachten. Die im Ber
icht des Zentrums
C._
vom
3. September 2019 ausführlich beschriebenen Diagnosen
(
Paranoide Schizo
phre
nie
, ICD-10: F20.0; anhaltende somatoforme Schmerzstörung, ICD-10: F45.4
,
bei chronischem
zervikozephalem
und
zervikospondylogenem
Syndrom bei Sta
tus nach HWS-Distorsionstrauma am 15. Mai 2008; Störung durch Medikamente, ICD-10: F13.2;
vgl. Urk. 9/83)
behielten auch heute ihre volle Gültigkeit.
4.
4.1
Das Gutachten
vom
30.
März 2020 (vgl. vorstehend E.
3.3
)
beruht auf der Unter
suchung durch Prof. Dr.
Z._
, berücksichtigt die geklagten Be
schwer
den und setzt sich mit diesen auseinander.
Es wurde in Kenntnis der
Vorakten
abgegeben (Urk. 9/90 S. 6-19)
, erfolgte in detaillierter Auseinander
setzung mit den
Vorakten
(Urk. 9/90 S. 31-37)
und beant
wortet die gestellten Fragen umfas
send (Urk. 9/90 S. 41-43)
.
Es erscheint in der Darlegung der medi
zinischen Zu
stände und Zusammenhänge als einleuchtend und begründet die Schlussfolge
rungen in nach
vollziehbarer Weise.
4.2
Daran
vermögen
die
Vorbringen de
r
Beschwerdeführer
in
(vgl. vorstehend E. 2.2) nichts zu ändern
.
V
ielmehr ist
zunächst
festzuhalten, dass Prof. Dr.
Z._
ausführlich darlegte,
dass er keine gravierenden Hinweise für eine tief
greifende Funktions- und Leistungsbeeinträchtigung im psychiatrischen Bereich erkennen konnte und aus
welchen Gründen er
insbesondere
eine depressive Symptomatik, eine psychotische Symptomatik und eine Schmerzstörung aus
schloss
.
In Bezug auf die vordiagnostizierte chronische Schmerzstörung
mit so
matischen und psychischen Faktoren
hielt
er überdies
fest
,
dass diesbezüglich eine Aggravation ausgeschlossen werden müsse, was vorliegend nicht erfolgen könne
(vgl. vorstehend E. 3.3.2)
.
In diesem Zusammenhang führte Prof. Dr.
Z._
zudem aus, welche Inkonsistenzen er bei der Beschwerdeführerin festgestellt hatte (Urk. 9/90 S. 39 f.).
Hinsichtlich der Schizophrenie legte er dar, dass diesbezüglich keine Anhaltspunkte für typische Symptome einer Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis vorlägen
und insbesondere weder die Auf
merksamkeit noch die
Konzentration
oder die Sprache
gestört waren
(vgl. vor
stehend E. 3.3.2).
Schliesslich hielt Prof. Dr.
Z._
fest, aus welchem Grund er den Medikamentenspiegel nicht e
rheben konnte (Urk. 9/90 S. 27)
und
führte
mit Blick auf die vordiagnostizierte Störung durch Medikamente
aus
, dass die Psychosen in den Jahren 2015 und 2018 medikamenteninduziert gewesen sein könnten (vgl. vorstehend E. 3.3.2) und es sinnvoll wäre, den Medikamenten
konsum der Beschwerdeführerin strikter zu überwachen und bei Bedarf eine Ent
zugsbehandlung vorzunehmen (Urk. 9/90 S. 38)
.
4.3
Auch die von der Beschwerdeführerin nach Erstattung des Gutachtens zu den Akten gelegten medizinischen Unterlagen vermögen das Gutachten von Prof.
Dr.
Z._
nicht in Zweifel zu ziehen, zumal
die Berichte von
Dr. F._
sowie von
Dr. G._
und Dr.
phil.
E._
(vgl. vorstehend E. 3.4.2 f.) aus dem Jahr 2019 datieren
und
gegenüber dem Gutachten von Prof. Dr.
Z._
keine neuen Erkenntnisse
aufweisen
.
Dasselbe gilt für
de
n
Bericht
des Psychiaters
H._
und Dr.
phil.
E._
vom 14. Mai 2020 (vgl. vorstehend E. 3.4.4)
,
da
die
darin aufgeführten
Diagnosen im Zeitpunkt der Gutachten
er
stellung durch
Prof. Dr.
Z._
bereits bekannt waren und dieser
im Rahmen seiner Exploration von einem psychopathologischen Norm
albefund aus
ging,
weder eine Störung der Affektivität noch Freudlosigkeit oder ein einge
schränktes Interesse an Alltagsaktivitäten ausmachen konnte sowie festhielt, der Antrieb sei nivelliert gewesen (vgl. vorstehend E. 3.2.2).
Schliesslich ist die von
ersteren
beschriebene psychotische Entgleisung im Jahr 2015 durch keine weite
ren Unterlagen belegt, sondern stützt sich
offensichtlich
einzig auf die Sch
il
de
rung der Beschwerdeführerin, welche sich gemä
ss Bericht des Zentrums
C._
vom 7. Mai 2019 traumatisch an ihre in Serbien erlittene Psy
chose von 2015 erinnert habe (Urk. 9/76 S. 2). Die un
kritische Übernahme dieser anamnestischen Schilderungen der Beschwerde
fü
hrerin in den Berichten des Zentrums
C._
trotz der sich aus den Administrativ
gut
achten ergebenden Hinweise auf massive Inkonsis
tenzen (vgl. vorstehend E. 3.2.2), auf eine mangelnde Medikamenten-Compliance und einen hohen sekun
dären Krank
heitsgewinn (Urk. 9/40 S. 19 f.) sowie auf ein vorspielendes Verhalten bis hin zur Aggravation (Urk. 9/107 S. 56 f.) überzeugt nicht.
In diesem Zusammenhang ist in Bezug auf Berichte von behandelnden Arzt
per
sonen beziehungsweise Therapiekräften im Übrigen
auf die Erfahrungstat
sache hinzuweisen
, dass
diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrau
ensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5
;
125 V 351 E.
3b/cc).
Wohl kann die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Behandlung oft wertvolle Erkenntnisse zeitigen; doch lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Person einerseits und Be
gutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen
beziehungsweise
Therapiekräfte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine ab
wei
chende Beurteilung aufdrängt, weil die anderslautenden Einschätzungen wichtige – und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende – Aspekte be
nennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_677/2014 vom 2
9.
Oktober 2014 E. 7.2 mit Hin
weisen, u.a. auf SVR 2008 IV Nr.
15 S.
43 E.
2.2.1 [I 514/06]).
Entgegen dem Dafürhalten der Beschwerdeführerin (Urk. 1 S. 5 ff.) fehlt es nach dem oben Gesagten aber an solch unberücksichtigt gebliebenen Aspekten, welche zu weiteren Abklärungen Anlass gäben. Vielmehr unterstreicht der Umstand, dass die behandelnden Fachpersonen entgegen und ohne Auseinanderset
zung mit der Beurteilung des Y._
vom 18.
Oktober
2011, welche der unangefochten in Rechts
kraft erwac
hsenen Verfügung vom 7. März 20
12 zugrunde lag (vgl. vorstehend E. 3), auf eine seit 2008 ununterbrochene Arbeitsunfähigkeit schlossen (vgl. vor
stehend E. 3.4.2 und E. 3.4.3), die oben zitierte und beweisrechtlich zu würdi
gend
e Erfahrungstatsache, wonach die Behandler mitunter zu Gunsten ihrer Pa
tienten aussagen, weshalb ihre
Einschätzungen
die Beweiskraft des Admini
strativ
gut
achtens nicht in Zweifel zu ziehen vermögen.
4.
4
Abschliessend
ist nicht ersichtlich, inw
iefern, wie von der Beschwerdeführerin vorgebracht (vgl. vorstehend E. 2.2), ihre Therapiemotivation durch eine im Jahr 2010 stattgefundene, mithin
im Verfügungszeitpunkt
gut zehn Jahre zurück
liegende Rehabilitationsbehandlung ausgewiesen
und für das vorliegende Ver
fahren
entscheidwesentlich
se
in sollte.
Weitere Berichte liegen nicht vor und wurden
bezeichnenderweise
auch nicht, wie von der Beschwerdeführerin in Aussicht gestellt, nachgereich
t (vgl. Urk. 1 S. 9
)
, was darauf schliessen lässt, dass der geplante stationäre Aufenthalt in der
D._
, sofern erfolgt, nicht zur Bestätigung der Diagnose einer paranoiden Schi
zophrenie geführt hat
.
4.
5
Nach dem Gesagten
erfüllt das Gutachten die Anforderungen an eine beweis
kräftige Expertise (vgl. vorstehend E. 1.
5
), weshalb darauf abzustellen ist.
Hinsichtlich des somatischen Gesundheitszustandes ist darauf hinzuweisen, dass
d
ie behördliche und richterliche Abklärungspflicht nicht un
besehen alles umfasst, was von einer Partei behauptet wird. Vielmehr bezieht sie sich auf den im Rahmen des streitigen Rechtsverhältnisses (Streitgegenstand) rechtserheblichen Sachver
halt. Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den streitigen Anspruch so oder anders zu ent
scheiden ist. In diesem Rahmen haben Verwaltungsbehörden und Sozialver
sicherungsgerichte zusätzliche Abklä
rungen stets vorzunehmen, wenn hie
r
zu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender An
haltspunkte hinreichender Anlass besteht (BGE 110 V 48 E.
4a).
Vorliegend wurde von der Beschwerdeführerin weder eine Verschlechterung ihres somatischen Gesundheitszustandes vorgebracht, noch ist ein solcher durch medi
zinische Berichte ausgewiesen respektive ergeben sich aus den Akten hin
rei
chende Anhaltspunkte, von einer Verschlechterung auszugehen, weshalb
dies
bezüglich von weiteren Abklärungen abzusehen ist.
5.
5.1
Folglich ist durch Gegenüberstellung der medizinischen Unterlagen zu prüfen, ob sich der
psychische
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin im
entscheid
relevanten
Referenzzeitraum seit der Verfügung vom 7. März 2012 (Urk. 9/55) in anspruchsbegründender Weise verschlechtert hat.
5.2
Aus der Gegenüberstellung des Gutachtens de
s
Y._
vom
18
.
Oktober
2011 (vgl. vorstehend E. 3.2) und des Gutachtens von Prof. Dr.
Z._
vom 30. März 2020 (vgl. vorstehend E. 3.3) ist ersichtlich,
dass hinsichtlich des psy
chischen Gesundheitszustand
es
der Beschwerdeführerin keine Verschlechterung ausgewiesen ist, zumal
Prof. Dr.
Z._
keine Diagnosen mit Aus
wir
kung auf die Arbeitsfähigkeit
mehr
nannte und der Diagnose Entwicklung körper
licher Symptome aus psychischen Gründen (ICD-10: F68.0) keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zumass (vgl. vorstehend E. 3.2.2).
Bezüglich
der damals von den Gutachtern de
s
Y._
gestellten Diagnosen ist festzuhalten, dass
l
etztlich nicht die Diagnose, sondern allein entscheidend ist, ob die Beschwerden zu einer ausge
wiesenen Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit führen (Urteil des Bundesgerichts
9
C_501/2008 vom 15. Juli 2008 E.
2.2.1). D
ie Gutachter de
s
Y._
hielten
bereits im
Oktober
2011
fest
, dass sich weder die leichte depressive Episode noch die Schmerz
verarbeitungsstörung einschränkend auf die Arbeits- und Leistungs
fähig
keit der Beschwerde
führerin auswirken würde
n
, es ihr trotz der geklagten Beschwerden vielmehr zugemutet werden könne,
einer ihren körperlichen Be
schwer
den ange
passte
n
Tätigkeit ohne Leistungseinschränkung nachzugehen.
Folg
lich attestier
ten
auch
sie der Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht eine vollständige Ar
beitsfähigkeit (vgl. vorstehend E. 3.2.2 f.), was von Prof.
Dr.
Z._
aktuell
be
stätigt wurde
(vgl. vorstehend E.
3.3.3
)
.
Ebenso
hielten bereits die Gutachter de
s
Y._
fest, dass bei der Beschwerdeführerin An
haltspunkte für eine ausgeprägte Selbstlimitierung und einen sekundären Krank
heitsgewinn bestünden
(vgl. vor
stehend E. 3.2.2)
und auch Prof. Dr.
Z._
führte aus
, dass bei der Be
schwerdeführerin der Bezug von Rentenleistungen im Vordergrund stehe und eine berufliche Wiedereingliederung durch invalidi
tätsfremde Faktoren wie die fehlende Therapiemotivation limitiert werde (vgl. vorstehend E. 3.3.2).
Wie bereits ausgeführt (vgl. vorstehend E. 4.
3
), vermögen
auch die von der Beschwerdefüh
rerin nach Erstattung des Gutachtens von Prof.
Dr.
Z._
zu den Akten gelegten Berichte keine Verschlechterung des Gesundheitszustandes zu begrün
den, waren doch die darin
aufgeführten
Dia
gno
sen im Zeitpunkt der Gutachtens
erstellung allesamt bereits bekannt und wurden
von Prof. Dr.
Z._
nachvollziehbar widerlegt (vgl. vorstehend E.
3.3.2
).
5.3
Zusammenfassend ist
nicht von einem
anspruchs
erheblich
veränderten psy
chi
schen
Gesundheitsz
ustand der Beschwerdeführerin
seit der Verfügung vom 7. Mä
rz 2012 auszugehen
, weshalb
kein Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 ATSG vor
liegt
.
5.4
Vor diesem Hintergrund kann aus Gründen der Verhält
nismässigkeit von einem strukturierten Beweisverfahren nach
BGE 141 V 281 abgesehen werden
, zumal ein solches Beweisverfahren entbehrlich bleibt, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte (
vgl. BGE 125 V 351
)
eine Ar
beitsunfähigkeit in nach
vollziehbar begründeter Weise verneint wird und all
fälligen gegenteiligen Ein
schätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemesse
n werden kann (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. BGE 143 V 418 E.
7.1).
Vorliegend
schloss
Prof. Dr.
Z._
auf
keine psychiatrischen Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit und verneinte eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise
, woran auch die gegenteiligen Einschät
zungen der Therap
euten des Zentrums
C._
nichts zu ändern vermögen
(vgl. vorstehend E. 4
.3
).
Folglich ist
aus Gründen der Verhältnis
mässig
keit
von der
Durchführung eines strukturierten Beweisverfahrens abzu
sehen,
was umso mehr gilt, als eine
grössere
als
die
gutachterlich
attestierte
Ar
beitsun
fähig
keit auch aus einer
Indikatorenprüfung
nicht resultieren kann
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_137/2019 vom 27. Mai 2019 E. 6.7)
.
6
.
Nach dem Gesagten hat die IV-Stelle den Anspruch der Beschwerdeführerin auf Leistungen der Invalidenversicherung mit der angefochtenen Verfügung vom 15. Juni 2020 (Urk. 2) zu Recht verneint.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
7
.
7
.1
Die Beschwerdeführerin beantragte die Gewährung der unentgeltlichen Rechts
pflege unter Bestellung von Rechtsanwältin Christine Fleisch als unentgeltliche
Rechtsbeiständin
(Urk. 1 S. 2).
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraussetzungen für die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche
Ver
beiständung
not
wendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Die Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin ist ausgewiesen (Urk. 12, 13); da auch die weiteren Voraussetzungen erfüllt sind, ist der Beschwerdeführerin die unent
geltliche Prozessführung zu bewilligen und die unentgeltliche Rechtsvertretung in der Person von Rechtsanwältin Christine Fleisch zu gewähren.
7
.2
Die Verfahrenskosten sind auf Fr. 700.-- festzusetzen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu neh
men.
7
.3
Der unentgeltlichen Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin, Rechtsanwältin Christine Fleisch, steht eine Entschädigung aus der Gerichtskasse zu.
Mit Eingabe vom
22
. Juni 202
1
reichte Rechtsanwältin Christine Fleisch ihre Honorarnote zu
den Akten (Urk.
16, 17
).
Sie machte einen Aufwand von
10
Stunden
und 15
Minu
ten
à Fr. 220.-- und Barauslagen von Fr.
67.70
zuzüglich Mehrwertsteuer von 7.7 %
geltend,
insgesamt einen Betrag von Fr.
2'501.50
,
was angemessen erscheint. Demgemäss ist Rechtsanwältin Christine Fleisch im Umfang von
Fr. 2'501.50
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
7
.4
Die Beschwerdeführerin wird auf § 16 Abs. 4 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hingewiesen, wonach sie zur Nachzahlung der ihr erlassenen Gerichtskosten und der Kosten ihrer Rechtsvertretung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist.