# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** e03efc33-b78a-4f5a-ad3d-4fa587c9bbe5
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1928, bezieht Zusatzleistungen zur Altersrente. Die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Zusatzleistungen zur AHV/IV (na
ch
folgend: Durchführungsstelle), teilte ihr mit Verfügung vom 21. Oktober 2015 mit, es sei über Jahre eine Summe von Fr. 87‘541.70 als Darlehen
an
Y._
überwiesen worden. Dieser Betrag sei nun aufgrund Unein
bringlichkeit ab Januar 2015 als Schenkung angerechnet worden (Urk. 7/52). Dagegen erhob die Versicherte am 10. November 2015 Einsprache (Urk. 7/59),
welche die Durchführungsstelle mit Entscheid vom 2. Juni
2016 abwies (Urk. 7/89
= Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am
6. Juli 2016
Beschwerde
gegen den
Einsprache
ent
scheid
vom
2. Juni 2016
(
Urk.
2) und beantragte
sinngemäss
, diese
r
sei auf
zuheben und es sei
der ab Januar 2015 als Schenkung/Vermögensverzicht an
ge
rechnete Betrag von Fr. 87‘541.70 aus der Berechnung zu streichen. Eventuell sei ein Vermögensverzicht auf den Zeitpunkt der einzelnen Entreicherung anzu
nehmen und die Angelegenheit sei zur Neuberechnung an die Durchfüh
rungs
stelle zurückzuweisen (Urk.
1 S.
1
).
Die Durchführungsstelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
7. September 2016
(Urk.
6
) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom
28. September 2016
wurde
der Antrag auf Gewäh
rung der unentgeltlichen Rechtsvertretung durch lic.
iur
. Peter Hirschvogel
(vgl.
Urk.
1
S. 1
)
abgewiesen und auf das Gesuch um unentgeltliche Rechtsvertretung im Verwaltungsverfahren wurde nicht eingetreten. Gleichzeitig wurde
der Be
schwer
deführerin die Beschwerdeantwort zugestellt (Urk.
8
).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Der Bund und die Kantone gewähren Personen, welche die Voraussetzungen nach den Art. 4-6 des Bundesgesetzes über die Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG) erfüllen, Zusatzleis
tungen zur Deckung ihres Existenzbeda
rfs (
Art.
2
Abs.
1 ELG
).
1.2
Die jährliche Ergänzungsleistung hat dem Betrag zu entsprechen, um den die anerkannten Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen (
Art.
9
Abs.
1 ELG). Die anrechenbaren Einnahmen werden nach
Art.
11 ELG ermittelt. Als Einkommen anzurechnen sind unter anderem auch Einkünfte und Vermögens
werte, auf die verzichtet worden ist (
Art.
11
Abs.
1 lit. g ELG
).
1.3
Eine Verzichtshandlung im Sinne von Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG liegt vor, wenn die versicherte Person ohne rechtliche Verpflichtung und ohne adäquate Gegen
leistung auf Einkünfte oder Vermögen verzichtet hat, wenn sie einen Rechts
anspruch auf be
stimmte Einkünfte und Vermögenswerte hat, davon aber faktisch nicht Gebrauch
macht oder ihre Rechte nicht durchsetzt, oder wenn sie aus von ihr zu verant
wortenden Gründen von der Ausübung einer möglichen und zumut
baren Erwerb
stätigkeit absieht (BGE 140 V 267 E. 2.2). Die beiden Voraus
setzungen „ohne Rechtspflicht“ und „ohne angemessene Gegenleistung“ müssen nicht kumulativ vorliegen
. E
s reicht aus, wenn alternativ eines der beiden Elemente gegeben ist (BGE 131 V 336 E. 4.4, Urteil des Bundesgerichts 9C_934/2009 vom 28. April 2010 E. 4.2).
1.4
Ist ein einmal bestehendes Vermögen nicht mehr vorhanden, so trägt die leis
tungsansprechende Person die Beweislast dafür, dass es in Erfüllung einer
recht
lichen Verpflichtung oder gegen adäquate Gegenleistung hingegeben worden
ist, wobei der Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlic
hkeit gilt (BGE 121 V
204 E. 6a, Urteil des Bundesgerichts 9C_934/2009 vom 28. April 2010 E. 3). De
r
jenige, der nicht darzutun vermag, dass seine Geldhingabe im Austausch gegen eine adäquate Gegenleistung erfolgt ist, kann sich mithin nicht auf den gege
benen Vermögensstand berufen, sondern muss sich die Frage nach den Gründen für den Vermögensrückgang gefallen und mangels entsprechender Beweise hypothetisches Vermögen entgegenhalten lassen (BGE 121 V 204 E. 4b).
1.5
Art. 17a der Verordnung über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlasse
nen- und Invalidenversicherung (ELV) bestimmt, dass der anzurechnende Betrag von Vermögenswerten, auf die verzichtet worden ist, jährlich um Fr. 10‘000.-- zu vermindern ist (Abs. 1), dass der Wert des Vermögens im Zeitpunkt des Ver
zichtes unverändert auf den 1. Januar des Jahres, das auf den Verzicht folgt, zu übertragen und dann jeweils nach einem Jahr zu vermindern ist (Abs. 2), und dass für die Berechnung der jährlichen Ergänzungsleistung der verminderte Betrag am 1. Januar des Bezugsjahres massgebend ist (Abs. 3).
Nach Art. 23 Abs. 1 ELV sind für die Berechnung der jährlichen Ergänzungs
leistung in zeitlicher Hinsicht in der Regel die während des vorausgegangenen Kalenderjahres erzielten anrechenbaren Einnahmen sowie das am 1. Januar des Bezugsjahr
es
vorhandene Vermögen massgebend.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Einspracheentscheid (Urk. 2) davon aus,
mit Schreiben vom 27. März 2015 habe die Beschwerde
führ
erin mit
geteilt, dass das
Y._
gewährte Darlehen nicht mehr zurückbezahlt werde. Daraus sei zu schliessen, dass sie auf eine Rückforderung des Dar
leh
ensbetrages verzichte
(S. 2 f. Ziff. 3a)
.
Für die Anrechnung des Verzichts
ver
mögens sei auf den Zeitpunkt des besagten Schreibens der Beschwerdeführerin abgestellt worden, denn mit diesem Schreiben habe sie entschieden, sowohl auf die Rückzahlung des Darlehens wie auch auf die in Aussicht gestellte Gewinn
beteiligung zu verzichten und ihre Rechte weder gegen den Schuldner noch dessen allfälligen Erben durchzusetzen (S. 3 Ziff. 3b).
Ein schriftlicher Darlehensvertrag existiere nicht (Ziff. 5a). Aus den Akten gehe hervor, dass für die geleisteten Zahlungen lediglich die Gewinnbeteiligung (20 %) aus einer in Aussicht g
estellten Prozessentschädigung
nach US-ame
ri
kanischem Recht angeboten worden sei. Dieses vage Versprechen sei keine adä
quate Gegenleistung im Sinne der Rechtsprechung. Zudem habe die Beschwer
deführerin auf die Geltendmachung ihrer Rechte (Gewinnbeteiligung und Rück
zahlung) aus dieser vagen Vereinbarung verzichtet (Ziff. 5b f.). Aus diesen Gründen sei am angerechneten Verzichtsvermögen festzuhalten (S. 4 Ziff. 6).
Daran hielt die Beschwerdegegnerin mit Beschwerdeantwort fest (Urk. 6).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt (Urk. 1),
in den Jahren 2004 bis 2008 habe ihr zwischenzeitlich verstorbener Ehemann an den ihm gut bekannten
Y._
diverse Überweisungen im Ge
samt
betrag von Fr. 52‘800.-- vorgenommen (S. 2 Ziff. 2). Als Gegenleistung sei von
Y._
neben der Rückzahlung der überwiesenen Beträge ein
Gewinnanteil von 20 % einer Prozessentschädigung von 1.3 Millionen US-Dollar
versprochen worden (Ziff. 3).
Nach
dem
der
Ehemann am 5. April 2009
verstor
ben sei,
habe die Beschwerdeführerin weitere Zahlungen getätigt, letztmals am 14. Apri
l 201
0.
Danach habe sich
Y._
nicht mehr gemeldet und Versuche, herauszufinden wo er sich aufhalte, seien ergebnislos geblieben
(S. 3 Ziff. 4 und S. 4 Ziff. 7).
Auf weitergehende eintreibende Handlungen sei aus Kos
tengründen und mangels
einer Adresse oder Telefonnummer von
Y._
verzichtet worden. Die Erfolgsaussichten von weiteren Nachfor
sch
ungen in den USA seien realistisch gesehen äusserst gering und die Kosten
folge
n seien unverhältnismässig hoch,
w
as aber nicht bedeute, dass auf eine Rückforderung verzichtet worden sei (S. 5 Ziff. 8).
B
ezogen auf den Verzichtszeitpunkt würden Forderungen in der Regel dann als uneinbringlich gelten, wenn vorgängig sämtliche zumutbaren rechtlichen Mög
lich
keiten zu deren Realisierung ausgeschöpft worden seien. Aufgrund der nega
tiven Bescheide
von der Tochter des verstorbenen Ehemannes der Be
schwer
deführerin
aus den USA vom 3. Februar 2012 und der anderen Sach
ver
haltselemente seien die realistischen Möglichkeiten ausgeschöpft worden, soweit diese - auch objektiv gesehen - rechtlich und finanziell zumutbar gewesen seien. Dieser Sachverhalt habe zu der Mitteilung vom 27. März 2015 geführt, dass das gewährte Darlehen - realistisch gesehen - nicht mehr zurückbezahlt werden würde. Eine solche objektive
Einschätzung der Wahrscheinlich
keit der
Einbringlichkeit der Forderung könne nicht mit dem (subjektiven) Willen gleich
gesetzt werden, auf eine Forderung zu verzichten, wenn beispielsweise deren Erfüllung wider
E
rwarten doch noch angeboten werden würde (S. 6 f. Ziff. 19). Die Festlegung des Zeitpunkts des nachträglichen Forderungsverzichts per Januar 2015 sei völlig unbegründet und willkürlich gewählt (S. 7 Ziff. 20).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin bei der
von der Be
schwer
de
führ
erin
an
Y._
ausbezahlten Summe von Fr. 87‘541.70
zu Recht
von einem Verzichtsvermögen ausgegangen ist.
Die einzelnen Positionen der Berechnung der Zusatzleistungen stellen Begrün
dungselemente der Verfügung und allenfalls des
Einspracheentscheides
(Teilas
pekte des verfügungsweise festgelegten Rechtsverhältnisses) dar. Nicht bean
stan
dete Berechnungspositionen prüft das kantonale Versicherungsgericht nur, wenn
hiezu
aufgrund der Vorbringen in der Beschwerde oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (BGE 125 V 413 E. 2b und 2c).
3.
3.1
Es ist unbestritten, dass
die Beschwerdeführerin und ihr verstorbener Ehemann
insgesamt Fr. 87‘541.70 an
Y._
ausbezahlt
hatten
.
3.2
Wie die Beschwerdeführerin geltend machte, sei
Y._
als Vertreter von verschiedenen Geschädigten zumindest an einer wenn nicht mehreren Klagen
in
den USA
beteiligt gewesen. Dies habe er immer wieder mit Faxkopien glaubhaft gemacht. Bei Gutheissung der Klagen der Geschädigten hätten die Anwälte der Geschädigten eine grössere Summe als Prozessentschädigung er
hal
ten sollen. Das Geld habe
Y._
gemäss eigenen Aussagen dazu gebraucht, um die Reisen an die Prozessorte finanzieren zu können. Ohne die Prozessteilnahme sei - gemäss seinen Angaben - das Recht auf eine Pro
zess
entschädigung verloren gegangen, weshalb er jeweils unbedingt und sofort das Reisegeld gebraucht habe. Die dauernden Überweisungen hätten somit einzig der Absicherung der bereits getätigten Zahlungen gedient. Die Beschwerde
führerin und ihr Ehemann hätten in der steten Hoffnung gelebt, dass nun in Bälde endlich die langersehnten und versprochenen Zahlungen in d
er Grössen
ordnung von 200‘000 bis 300‘000
US-Dollar zufliessen würden und damit ihre finanziellen Sorgen zur Erhaltung des Wohneigentums
und zur Bezahlung der anfallenden Betreuungsrechnungen ein vorübergehendes Ende haben würden. Zudem hätten diese Zahlungen die erhoffte finanzielle Absicherung im Alter gewährleistet. Aus diesen Überlegungen heraus habe die Beschwerdeführerin auch nach dem Versterben ihres Ehemannes noch weitere Zahlungen an
Y._
vorgenommen (Urk. 1 S. 3 Ziff. 4).
3.3
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin führte aus, ab Ende des Jahres 2008 habe er seinerseits Bedenken geäussert und der Beschwerdeführerin sei geraten worden, keine weiteren Zahlungen mehr zu leisten. Die letzte Zahlung sei am 14. April
2010 erfolgt. Nach dieser letzten Überweisung habe sich
Y._
nicht mehr gemeldet und sei in der Folge auch nicht mehr auffindbar gewesen. Ein letzter Versuch
zur Kontaktaufnahme
sei anfangs 2012 erfolgt,
als
e
i
n
e in den USA leb
ende To
chter des verstorbenen Ehemannes
N
äheres über den Aufenthaltsort von
Y._
herauszufinden
versucht habe
. Dies
er Versuch
sei jedoch erfolglos geblieben
(Urk. 1 S. 4 Ziff. 7)
.
3.4
3.4.1
Aktenkundig ist sodann Folgendes:
Diversen
Zahlungsaufträgen
sowie
Belastungsanzeigen
der Bank
sind folgende an
Y._
geleistete
Zahlungen
zu entnehmen
(Urk.
7/28/3-22
, Urk.
7/29-32
)
:
-
2
7.
Oktober 2004
Fr.
2‘000.--
-
1
2.
November 2004
Fr.
10‘000.--
-
9.
Dezember 2004
Fr.
6‘000.--
-
2
4.
Januar 2005
Fr.
10‘000.--
-
9.
Dezember 2005
Fr.
10‘000.--
-
5.
Januar 2006
Fr.
3‘000.--
-
1
0.
April 2006
Fr.
800.--
-
1
3.
April. 2006
Fr.
500.--
-
9.
Juni 2006
Fr.
2‘500.--
-
3
0.
Mai 2006
Fr.
1‘000.--
-
2
9.
August 2007
Fr.
3‘000.--
-
9.
Dezember 2008
Fr.
1‘000.--
-
1
7.
April 2009
Fr.
2‘699.05
-
3
0.
April 2009
Fr.
2‘154.45
-
1
5.
Mai 2009
Fr.
2‘110.50
-
2
9.
Mai 2009
Fr.
2‘046.80
-
2
9.
Juni 2009
Fr.
2‘071.40
-
2
9.
Juli 2009
USD 1‘500.--
(* Fr. 1‘632.--)
-
2
8.
August 2009
Fr.
1‘608.60
-
2.
November 2009
Fr.
1‘554.15
-
1
0.
November 2009
Fr.
1‘536.45
-
1
6.
November 2009
USD 500.--
(* Fr. 504.--)
-
1.
Dezember 2009
USD 1‘973.--
(* Fr. 1‘973.--)
-
2
1.
Dezember 2009
USD 1‘973.--
(* Fr. 2‘064.--)
-
1
1.
Januar 2010
USD 1‘973.--
(* Fr. 2‘005.--)
-
2
9.
Januar 2010
USD 1‘973.--
(* Fr. 2‘093.--)
-
1
9.
Februar 2010
USD 1‘830.--
(* Fr. 1‘968.--)
-
5.
März 2010
USD 1‘850.--
(* Fr. 1‘987.--)
-
1
8.
März 2010
USD 1‘850.--
(* Fr. 1‘957.--)
-
2
5.
März 2010
USD 1‘850.--
(* Fr. 1‘988.--)
-
1
4.
April 2010
USD 1‘850.--
(* Fr. 1‘946.--)
(*Umrechnung USD-CHF jeweils nach dem am entsprechenden Tag geltenden Wechselkurs gemäss Währungsrechner auf
www.finanzen.ch/waehrungsrechner/us-dollar-schweizer-franken
)
3.4.2
Am 3
0.
Oktober 2004 faxte
Y._
unter Bezugnahme auf ein zuvor geführtes Gespräch mit dem Ehemann der Beschwerdeführerin letzterem diverse Informationen über laufende Prozesse sowie Namen der vertretenen Personen (Urk. 7/63/8-12).
3.4.3
Mit Fax vom 2
6.
Mai 2005 bestätigte
Y._
den Betrag von ins
ge
samt
Fr.
28‘000.-- erhalten zu haben. Gleichzeitig fügte er an, er benötige weitere
Fr.
10‘000.-- für Geschäfts- und Reiseausgaben (
Urk.
7/28/2).
3.4.4
Mit Fax vom 31. März 2006
hielt
Y._
fest,
dem Ehemann der Beschwerdeführerin
stehe ein
Gewinnanteil von 20 % einer Prozessent
schädi
gung von 1.3 Millionen US-Dollar
zu
(Urk. 7/62).
3.4.5
Sodann ist ein Fax vom 24. November 2008 mit einer „
official
court
notice
“ an
Y._
aktenkundig, welche sämtliche Anwälte, welche Personen „in
the
revised
settlement
programm
(RSP)“ vertreten, über die Frist zur Einrei
chung weiterer Klagen bis zum 15. Dezember 2010 informiert (Urk. 7/63/1-3).
3.4.
6
Mit Schreiben vom 1
3.
Februar 2009 wurde
Y._
im Namen der Beschwerdeführerin und ihrem Ehemann von ihrem Rechtsvertreter zu
einer Rückzahlung von 50‘000
US-Dollar gemahnt sowie angewiesen,
8‘000
US-Dollar als künftigen
Gewinnanteil („
future
share
dividend
“) zu überweisen (Urk.
7/28/1).
3.4.7
Einer Telefonnotiz vom 18. März 2009 über ein Gespräch mit
Y._
ist zu entnehmen, dass letzter versprochen haben soll, umgehend nach Erhalt der Prozessentschädigung 20 % an die Beschwerdeführerin und ihren Ehemann zu überweisen. Sodann habe er in Aussicht gestellt, spätestens bis zum 2
5.
März 2009 40‘000
US-Dollar an die Beschwerdeführerin und ihren Ehemann zu überweisen. Weiter habe er um eine dringend
e weitere Überweisung von 930
US-Dollar gebeten für in Kürze anfallende Reisekosten (Urk. 7/64).
4.
4.1
Das Bundesgericht hat sich im Entscheid 9C_180/2010 vom 15. Juni 2010 mit der Thematik des Vermögensverzichts, insbesondere im Zusammenhang mit Darlehen, befasst und dabei auch auf verschiedene frühere Entscheide verwiesen (E. 5.2 mit Hinweisen): Die Gewährung eines Darlehens ist für sich allein nicht eine Verzichtshandlung, da ein Anspruch auf Rückzahlung besteht. Ein Ver
zichtstatbestand ist jedoch anzunehmen, wenn bei einer Geldanlage oder einem Darlehen unter den konkreten Umständen von Anfang an damit gerechnet werden muss, dass das Geld nicht zurückbezahlt wird. So wurde ein Ver
mö
gensverzicht bejaht, als eine EL-
Ansprecherin
ohne Rechtspflicht, ohne jede Sicherheit und ohne adäquate Gegenleistung einer Privatperson ein
grösseres
Darlehen (Fr. 240'000.--) gewährt hatte und dabei vollumfänglich zu Verlust kam; dies wurde namentlich mit Rücksicht auf die Tatsache, dass der Haupt
betrag des Darlehens zu einem Zeitpunkt ausgehändigt wurde, als der Rück
zahlungstermin für den ersten Teil des Darlehens bereits verflossen war, als reines Vabanque-Spiel qualifiziert (Urteil P 17/97 vom 30. November 1998 E. 3). Ebenso wurde ein Vermögensverzicht bejaht, als der Geschäftsführer und fak
ti
sche Alleineigentümer einer Gesellschaft dieser kurz vor der Niederlegung der Geschäftsaktivitäten ein Darlehen gewährt hatte, um den Geschäftsverlust zu decken; denn dem über die Finanzen informierten Versicherten musste klar gewesen sein, dass die Darlehensgewährung einem Vabanque-Spiel gleichkam (Urteil P 16/05 vom 26. April 2006 E. 4). Dasselbe wurde
angenommen, als eine Rentnerin unter mehreren Malen insgesamt rund Fr. 115'000.-- an eine Privat
person in Sri Lanka angeblich zwecks Kaufs einer Teeplantage bezahlte, und Zahlungen auch noch tätigte, nachdem der Empfänger absprachewidrig das Geld weder
vereinbarungsgemäss
verwendet noch zurückbezahlt hatte (Urteil P
37/06 vom 22. Februar 2007 E.
3). Ebenso wurde ein Vermögensverzicht bejaht, als eine Vollmacht erteilt wurde, das Vermögen ohne jede Einschrän
kung zu verwalten, und der Bevollmächtigte gestützt darauf das ganze Ver
mögen in Schuldverschreibungen einer einzigen auf den British Virgin Islands registrierten, nicht börsenkotierten Gesellschaft investiert hatte, welche einen Zins von 12 % versprach. Insbesondere aus diesem hohen Zins (angesichts des damaligen niedrigen Zinsniveaus) wurde geschlossen, dass das massiv erhöhte Risiko eines Verlusts bewusst gewesen sein musste, so dass von einem grob
fahr
lässigen Verhalten auszugehen sei (Urteil P 12/06 vom 2. Februar 2007 E. 3.1 und 3.4). Ebenso lag eine Verzichtshandlung vor in einem Fall, in welchem der Anspruchsteller auf das Konto verschiedener Personen Geld einbezahlt hatte, um als Gegenleistung illegal einen Anteil an den Hinterlassenschaften von Personen ohne bekannte Erben zu erhalten (Urteil P 55/05 vom 26. Januar 2007 E. 4 und 5).
Kein Vermögensverzicht liegt demgegenüber vor, wenn eine erhaltene Erbschaft in die Einzelunternehmung des Ehemannes investiert und in der Folge auf diese Forderung verzichtet wird, soweit dies erforderlich ist, um die Firma zu sanieren (Urteil P 43/03 vom 25. Juni 2004 E. 3).
Ebenso wenig
kann eine auf strafbare Handlungen (z.B. Betrug) zurückzuführende Vermögensverminderung als Ver
mö
gens
verzicht qualifiziert werden; denn einer solchen Vermögensver
minde
rung
ist gerade eigen, dass sich das Opfer der strafbaren Handlung des
Ausmasses
des Risikos der getätigten Investition nicht bewusst ist beziehungsweise darüber arglistig getäuscht wird (Urteil 8C_567/2007 vom 2. Juli 2008 E. 6.5).
Der Vermögensverzicht muss auf Sachverhalte beschränkt bleiben, in denen bewusst ein Vermögen weggegeben oder zumindest in fahrlässiger Weise eine risikoreiche Investition getätigt wurde, bei welcher ein (erheblicher) Verlust im Zeitpunkt der Investition sehr wahrscheinlich und damit absehbar war (Urteil 9C_180/2010 vom 15. Juni 2010 E. 6). Das mit einer Investition verbundene Risiko hängt in erster Linie von der Bonität des Schuldners und der Möglichkeit ab, den Anspruch auf Rückzahlung des angelegten Betrags und Leistung von Zinsen gegebenenfalls durchzusetzen (Urteil des Bundesgerichts 9C_186/2011 vom 14. April 2011 E. 3.3).
4.2
Die Beschwerdeführerin machte geltend, das Darlehen von insgesam
t Fr. 87'541.70
sei uneinbringlich, da die bisherigen Bemühungen der in den USA
lebenden To
chter des
verstorbenen Ehemannes, den Aufenthaltsort von
Y._
ausfindig zu machen, gescheitert seien
(Urk. 3/6)
. Ob dies allein genügt, um die Uneinbringlichkeit des Darlehens zu belegen, ist allerdings
frag
lich
, kann jedoch aus nachfolgend ausgeführten Gründen offen bleiben.
4.
3
Das Darlehen wurde
fortwährend
mittels Teilzahlungen zwischen Oktober 2004 und April 2010 erhöht. Dazwischen erfolgte weder eine Teilrückzahlung - und abgesehen vom Schreiben vom 1
3.
Februar 2009 wurde
Y._
auch nicht zur (Teil-)Rückzahlung angehalten - noch wurde während diesen sechs
Jahren die versprochene Gewinnbeteiligung ausgerichtet. Ohnehin war die Rüc
k
zahlung des Darlehens abhängig vom Ausgang des Prozesses oder der Prozesse, an welchen
Y._
beteiligt war. Eine Rückzahlung konnte
demzu
folge
nur erfolgen, sofern
Y._
obsieg
en würde
.
Allein diese Tat
sache ist bereits als risikoreich zu betrachten, zumal
damit
von Anfang an ein Ausfall der Rückzahlung
in Kauf genommen wurde
. Zudem sind
praktisch keine
Angaben zu den Prozessen aktenkundig und der Beschwerdeführerin
war
dazu offen
bar auch nichts Näheres bekannt
, wird in der Beschwerde doch ausgeführt,
Y._
sei „als Vertreter von verschiedenen Geschädigten zumindest an
einer wenn nicht mehreren
Klagen“ (Urk. 1 S. 3 Ziff. 4; Hervorhebung durch den Referenten) beteiligt
.
In welchem Zeitpunkt der Beschwerdeführerin sodann bekannt war, dass
Y._
seine Zulassung als Anwalt in Michigan
a
m
18.
Juli 2006
für 18 Monate
verloren hatte (vgl.
notice
of
suspension
and
restitution
with
conditions
vom 17. Januar 2008, Urk. 7/66), lässt sich aufgrund der
Akten nicht beurteilen. Aufgrund der Tatsache, dass erst durch den „um die Jahre 2008/2009“ (vgl. Urk. 7/59/3 Ziff. 5) beigezogenen Rechtsvertreter der Be
schwerdeführerin genauere Nachforschungen in dieser Angelegenheit erfolgten, ist jedoch darauf zu schliessen, dass dieses Geschäft ohne genauere Kenntnis über
den Leumund und
die Bonität von
Y._
sowie ohne nähere Kenntnis über die Gewinnchancen
der Prozesse abgeschlossen und weiter
ge
führt wurde.
4.4
Wie den Ausführungen der Beschwerdeführerin zu entnehmen ist, waren die Zahlungen
im Hinblick auf eine in Aussicht gestellte
Gewinnbeteiligung an einer Prozessentschädigun
g in der Höhe von USD 200‘000 bis 300‘000
geleistet worden. Diese Summe sollte die finanzielle Absicherung im Alter gewährleisten (vorstehend E. 3.2). Damit spekulierten die Beschwerdeführerin und ihr Ehe
mann primär auf die Gewinnbeteiligung und nicht auf die blosse Rückzahlung des gewährten Darlehens. Die besagte
in Aussicht gestellte Gewinnbeteiligung von
USD 200‘000
bis 300‘
000
entspricht
mehr als
e
ine
r
Verdoppelung bis Verdreifachung des
e
ingesetzten Kapitals. Derartig hohe
Gewinnaussichten sprechen
für eine in
fahrlässiger Weise eingegangene
risikoreiche Investition
(vgl. vorstehend E. 4.1)
.
Sodann ist die Begründung für die Notwendigkeit der weiter benötigten Zahlungen - diese seien
n
otwendig, damit
Y._
an die Prozessorte reisen könne, damit ihm die allfällige Prozessentschädigung
nicht
verlustig
gehe - höchst fragwürdig.
Y._
vertr
at angeblich die
Interessen mehrerer
geschädigte
r
Personen.
Es ist grundsätzlich davon auszu
gehen, dass die vertretene
n Person
en ihn bereits
bezahl
t
en, damit er ihre Inte
ressen vertritt. Es hätte der Beschwerdeführerin und ihrem Ehemann
von Beginn an
folglich als äusserst
zweifelhaft
erscheinen müssen, weshalb er
für die Finan
zierung der Geschäfts- und Reisekosten zu den Prozessorten
Geld
von nicht a
m
Prozess oder
an
den Prozessen beteiligten Personen benötigt
und diese Kosten auch nicht aus eigener Kraft tragen kann oder will
.
Diese Umstände rufen erhebliche Zweifel an der Bonität des Darlehensnehmers auf.
Wer ein solches Geschäft trotzdem eingeht - mit der Aussicht auf eine derart hohe Gewinnbeteiligung -
musste sich über das erhöhte Risiko eines Verlustes be
wusst gewesen sein und
hat
ein solches
mindestens in
grob
fahrlässiger Weise
in Kauf genommen (vgl. dazu auch vorstehend E. 4.1).
4.5
Nach dem Gesagten sind
die an
Y._
geleisteten Zahlungen
im Ergeb
nis
zu Recht als Verzichtsvermögen
qualifiziert und
angerechnet
worden
.
5.
5.1
Was den Zeitpunkt der Anrechnung betrifft, ist jedoch in Abweichung von der Vorgehensweise
der Beschwerdegegnerin
nicht
auf
de
n
Zeitpunkt
ab
zu
stellen
, in welchem die Beschwerdeführerin das Darlehen als uneinbringlich deklarierte
(März 2015; vorstehend E. 2.1)
.
Wegen
des hohen Verlustrisikos ist bereits von Beginn
der geleisteten Zah
lungen im Jahr 2004
von einem Vermögen
sverzicht
auszugehen.
Da die Zah
lungen seitens der Beschwerdeführerin über mehrere Jahre (2004 bis 2010) erfolgten, sind die jährlichen Beträge jeweils auszuweisen und diese sind jähr
lich um Fr. 10‘000.-- zu vermindern.
5.2
Aufgrund der aktenkundigen Belege, welche die in Erwägung 3.4.1
dargelegte
Auflistung ergibt, wurden zusammengefasst jährlich folgende (mit Akten be
legte) Zahlungen geleistet:
-
2004:
Fr. 18‘000.--
-
2005:
Fr. 20‘000.--
-
2006:
Fr. 7‘800.--
-
2007:
Fr. 3‘000.--
-
2008:
Fr. 1‘000.--
-
2009:
Fr. 21‘945.40
-
2010:
Fr. 13‘944.--
(
total:
Fr. 85‘689.40
)
Indem jährlich - erstmals ab 2005 (vgl. vorstehend E. 1.5) -
Fr. 10‘000.--
in Abzug zu bringen sind, resultiert
ab dem Jahr 2013 und damit
für das in dem angefochtenen Einspracheentscheid massgebende Berechnungsjahr 2015 kein anrechenbarer Vermögensverzicht mehr.
5.3
Dementsprechend ist die Beschwerde in diesem Sinne gutzuheissen und der Einspracheentscheid aufzuheben und die Sache zur Neuberechnung der Ergän
zungsleistung für das Jahr 2015 an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (GSVGer) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
In Anwendung dieser Kriterien ist die Partei
ent
schädigung
beim praxisgemässen Stunden
an
satz von Fr. 185.--
(zuzüglich Neben
kosten)
vorliegend auf Fr. 2‘000.-- (inkl.
Barauslagen
und Mehrwert
steuer
) fest
zu
setzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.