# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 630fbe6c-9df3-45e8-8122-beb888268966
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Forderung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Hinwil vom 25. August 2015; Proz. CG120010
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Rechtsbegehren:
des Klägers, Widerbeklagten und Berufungsbeklagten (act. 2): "1. Der Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger den Betrag von
Fr. 86'314.85 zu bezahlen. Der Beklagte sei ferner zu verpflichten, dem Kläger folgenden Zins zu bezahlen: Zinssatz Betrag von bis 1% 108'000.00 7. Juli 2010 31. Dezember 2010 1% 86'314.85 1. Januar 2011 31. Dezember 2011 5% 86'314.85 1. Januar 2012 bis zur Bezahlung
2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich MWSt) zulasten des Beklagten."
des Beklagten, Widerklägers und Berufungsklägers (act. 10):
"1. Die Klage sei vollumfänglich abzuweisen. 2. Der Widerbeklagte sei zu verpflichten, dem Widerkläger
CHF 100'000.00 samt Zins zu 5% seit Klageeinreichung zu .
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Klägers."
Urteil des Bezirksgerichtes Hinwil vom 25. August 2015:
1. Der Beklagte und Widerkläger wird verpflichtet, dem Kläger und Widerbe-
klagten Fr. 83'302.10 nebst Zins zu 1% für die Zeit vom 8. Juli 2010 bis
31. Dezember 2011 und Zins zu 5% ab 1. Januar 2012 zu bezahlen.
Im Mehrbetrag wird die Klage abgewiesen.
2. Die Widerklage wird vollumfänglich abgewiesen.
3. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 16'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 1'278.– Zeugenentschädigungen.
Fr. 17'278.–
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Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
Verlangt keine der Parteien eine schriftliche Begründung des Urteils,
ermässigt sich die Entscheidgebühr auf zwei Drittel.
4. Die Kosten werden vollumfänglich dem Beklagten und Widerkläger aufer-
legt. Die Kosten werden in der Höhe von Fr. 9'650.– aus dem Kostenvor-
schuss des Beklagten und Widerklägers und im darüber hinausgehenden
Umfang aus dem Kostenvorschuss des Klägers und Widerbeklagten bezo-
gen. Der nicht beanspruchte Teil des Kostenvorschusses des Klägers und
Widerbeklagten (bei unbegründetem Entscheid Fr. 7'105.35, bei begründe-
tem Entscheid Fr. 1'772.–) wird diesem zurückerstattet.
5. Der Beklagte und Widerkläger wird verpflichtet, dem Kläger und Widerbe-
klagten den geleisteten und nicht zurückerstatteten Kostenvorschuss ge-
mäss Dispositiv-Ziffer 4 (bei unbegründetem Entscheid Fr. 2'294.65, bei be-
gründetem Entscheid Fr. 7'628.–) zu ersetzen. Zudem wird der Beklagte und
Widerkläger verpflichtet, dem Kläger und Widerbeklagten die Kosten des
Schlichtungsverfahrens, nämlich Fr. 600.–, zu ersetzen.
6. Der Beklagte und Widerkläger wird verpflichtet, dem Kläger und Widerbe-
klagten eine Parteientschädigung von Fr. 30'800.– (zzgl. MwSt.) zu bezah-
len.
7. (Mitteilungen)
8. (Rechtsmittel)
Berufungsanträge:
des Beklagten, Widerklägers und Berufungsklägers (act. 106):
1. Ziff. 1 des Urteils des Bezirksgerichts Hinwil vom 25. August 2015 (CG120010) sei aufzuheben.
2. Die Klage vom 11. Juni 2012 sei abzuweisen.
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3. Die Kosten gemäss Ziff. 3., 4., 5., und 6. des Urteils des  Hinwil vom 25. August 2015 (CG120010) seien gemäss Verfahrensausgang im Berufungsverfahren neu zu verlegen.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen des .
des Klägers, Widerbeklagten und Berufungsbeklagten (act. 115 S. 2):
1. Die Berufung sei vollumfänglich abzuweisen. 2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich MWSt)
zulasten des Berufungsklägers.

## Considerations

Erwägungen:
I.
1. Die Klagebewilligung des Friedensrichteramtes Hinwil vom 26. Juni 2012
und die Klagebegründung vom 11. Juli 2012 gingen am 12. Juli 2012 bei der Vor-
instanz ein. Mit der Klageantwort vom 2. Oktober 2012 wurde Widerklage erho-
ben. Am 21. August 2013 fand eine Instruktionsverhandlung statt, bei dieser Ge-
legenheit geführte Vergleichsgespräche blieben erfolglos. Nach Durchführung ei-
nes doppelten Schriftenwechsels und Eingang der Widerklageduplik vom 3. März
2014 wurden die Parteien auf den 8. Juli 2014 zur mündlichen Hauptverhandlung
vorgeladen, auf deren Durchführung sie jedoch verzichteten. Daraufhin wurde am
30. September 2014 der Beweisbeschluss erlassen. Am 17. und 23. Juni 2015
fand die Beweisverhandlung statt. Am 25. August 2015 nahmen die Parteien
mündlich Stellung zum Beweisergebnis. Anschliessend fällte das Gericht das Ur-
teil. Dieses wurde den Parteien zunächst schriftlich in unbegründeter Form mitge-
teilt (act. 99). Auf Ersuchen des Beklagten vom 3. September 2015 (act. 101) fer-
tigte das Bezirksgericht die Begründung aus (act. 103 = act. 109).
2. Die begründete Fassung des vorinstanzlichen Urteils vom 25. August 2015
wurde dem Beklagten am 16. November 2015 zugestellt (act. 104). Mit Eingabe
vom 16. Dezember 2015 (act. 106) erhob er rechtzeitig Berufung. Der Vorschuss
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für die Kosten des Berufungsverfahrens wurde vom Beklagten innert Frist geleis-
tet. Der Kläger beantwortete die Berufung am 17. März 2016 (act. 115), wobei ihm
eine Nachfrist anzusetzen war, um die Eingabe zu unterzeichnen (act. 116 und
118). Die Berufungsantwort wurde der Gegenpartei am 17. Juni 2016 zugestellt
(act. 119 und 120).
II.
1. Hintergrund dieses Verfahrens ist ein Unternehmenskauf. Von den insge-
samt 100 Aktien der C._ AG verkaufte der Kläger mit Aktienkaufvertrag vom
7. Juli 2010 (act. 3/3) 40 Aktien an den Beklagten und 60 Aktien an D._. Der
Kaufpreis wurde auf CHF 6'700 pro Aktie festgesetzt. Davon zahlten die Käufer
CHF 4'000 pro Aktie und der Rest wurde als Darlehen gestundet. Im Darlehens-
vertrag vom selben Tag (act. 3/2) wurde für das Darlehen ein Zins von 1 % ver-
einbart und der Beklagte verpflichtete sich, die Darlehenssumme von
CHF 108'000 in jährlichen Raten von CHF 21'600 zurückzuzahlen. Der Beklagte
leistete keine Zins- oder Amortisationszahlungen. Mit Schreiben vom 2. April 2015
kündigte der Kläger den Darlehensvertrag (act. 3/4).
2. Mit seiner Klage verlangte der Kläger die Rückzahlung der Darlehenssum-
me, wobei er dem Beklagten gestützt auf den Aktienkaufvertrag unter dem Titel
Gewährleistung eine Reduktion um CHF 21'685.15 zugestand, was eine Restfor-
derung von CHF 86'314.85 ergab. Der Beklagte beantragte vor Vorinstanz die
Abweisung der Klage und erhob Widerklage auf Rückzahlung des Kaufpreises im
Umfang von CHF 100'000.
Die Vorinstanz wies die Widerklage wegen Verjährung vollumfänglich ab (act. 109
S. 12 E. 2). Von der ausstehenden Darlehensforderung nahm sie eine Reduktion
um CHF 10'887.02 für nicht einbringliche Debitoren und CHF 13'810.86 für nicht
verbuchte Rechnungen und Rückstellungen vor und hiess die Forderung des Klä-
gers im Umfang von CHF 83'302.10 gut (act. 109 S. 23 E. 4).
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3. Im Berufungsverfahren verlangt der Beklagte die vollumfängliche Abweisung
der Klage. Gegen die grundsätzlich anerkannte Darlehensforderung bringt er For-
derungen aus Gewährleistung aus dem Aktienkaufvertrag zur Verrechnung.
Im Einzelnen macht er folgende Verrechnungsforderungen geltend, die er jeweils
zu 40% auf das ausstehende Darlehen anrechnet:
Fehlendes Inventar CHF 397'968.75
Fehlende Debitoren und angefangene Arbeiten CHF 135'184.50
Nicht verbuchte Rechnungen und Rückstellungen CHF 45'247.15
Nicht zurückbezahltes Darlehen CHF 20'053.00
Total CHF 588'453.40
Aus verfahrensökonomischen Gründen beschränkt er sich im Berufungsverfahren
auf die Geltendmachung der mit Bezug auf das fehlende Inventar, die fehlenden
Debitoren und die angefangenen Arbeiten verbleibenden Differenzen (act. 106
S. 10 Ziff. 3.3). Damit bleibt es im Übrigen beim Entscheid der Vorinstanz, wel-
cher ihm für nicht verbuchte Rechnungen und Rückstellungen CHF 13'810.86 zu-
gestand, während seine Gegenforderung für ein nicht zurückbezahltes Darlehen
des Klägers abgewiesen wurde (act. 109 S. 21 ff.).
Die Abweisung der Widerklage blieb unangefochten (act. 106 S. 3).
Der Kläger verlangt die Abweisung der Berufung und die Bestätigung des vor-
instanzlichen Urteils (act. 115 S. 2).
4. Die Gewährleistungsansprüche des Beklagten aus dem Aktienkaufvertrag
sind verjährt, was zur Abweisung seiner Widerklage führte. Die einredeweise Gel-
tendmachung von Gewährleistungsansprüchen bleibt jedoch über den Eintritt der
Verjährung hinaus möglich, wenn innerhalb der Verjährungsfrist Mängelrüge er-
hoben wurde (Art. 210 Abs. 5 OR).
Der Beklagte macht geltend, D._ habe mit Schreiben vom 24. Januar 2011
(act. 11/3) eine Mängelrüge erhoben, die (gestützt auf die vertraglichen Gewähr-
leistungsbestimmungen; act. 11/2 S. 6) auch für ihn Geltung habe.
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Die Vorinstanz hatte erwogen, mit jenem Schreiben werde zumindest sinngemäss
zum Ausdruck gebracht, dass für die darin genannten Positionen (nicht einge-
brachte Debitoren und angefangene Arbeiten, nicht verbuchte Rechnungen sowie
nicht vorhandenes Inventar) Gewährleistung verlangt werde. Hinsichtlich des gel-
tend gemachten fehlenden Inventars dürfte der Kläger aufgrund der von ihm un-
bestrittenermassen bereits am 22. September 2010 erhaltenen Liste mit fehlen-
den Gegenständen in der Lage gewesen sein, den Umfang der Beanstandungen
zu ermessen. Betreffend Rechnungen, Debitoren und angefangene Arbeiten sei
ein Umfang der Beanstandung aus dem Schreiben vom 24. Januar 2011 demge-
genüber nicht zu erkennen. Das Schreiben verweise zwar auf eine separate pro-
visorische Aufstellung, die jedoch im vorliegenden Prozess nicht eingereicht wor-
den sei (act. 109 S. 13 f. E. 3.1.3).
Die Vorinstanz bejahte daher das Vorliegen einer genügenden Rüge mit Bezug
auf das fehlende Inventar (vgl. dazu unten 7 ff.), nicht jedoch für die Debitoren
(act. 109 S. 18 E. 3.3.2) und die angefangenen Arbeiten (act. 109 S. 19 f.
E. 3.4.2).
5. Die Vorinstanz erwog, D._ habe mit Schreiben vom 24. Januar 2011
mit Wirkung auch für den Beklagten gerügt, dass erhebliche Zahlungen aus Debi-
toren nicht eingegangen seien. Die im Schreiben erwähnte separate, provisori-
sche Aufstellung, welche dem Schreiben wohl beigelegen habe, sei im vorliegen-
den Prozess aber, soweit ersichtlich, nicht eingebracht worden. Und selbst wenn
dem so wäre, habe der Beklagte die Ausführungen des Klägers in der Replik bzw.
Widerklageantwort zu den Debitoren (mit Ausnahme der Qualifikation einer Zah-
lung der SUVA) nicht bestritten, so dass ohnehin auf die Darstellung des Klägers
abzustellen sei (act. 109 S. 18 E. 3.3.2).
Auch bei den angefangenen Arbeiten sei der Kläger als Verkäufer aufgrund des
Schreibens vom 24. Januar 2011 nicht in der Lage gewesen, den Umfang der
Beanstandung hinsichtlich der angefangenen Arbeiten zu ermessen, da keine
Quantifizierung stattgefunden habe. Spätestens nach Vorliegen der Revision der
E._ AG vom 28. April 2011 wäre dem Beklagten eine definitive Quantifizie-
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rung möglich gewesen. Nach dem 24. Januar 2011 sei jedoch keine weitere Rüge
erfolgt (act. 109 S. 19 f. E. 3.4.2).
Der Beklagte behauptet, bei der von der Vorinstanz vermissten Aufstellung handle
es sich um die Klageantwortbeilage 10. Überdies sei mit dem Schreiben vom
24. Januar 2011 auch eine Aufstellung über nicht verbuchte Rechnungen zuge-
stellt worden. Das gleiche gelte hinsichtlich der angefangenen Arbeiten. Zudem
sei dem Kläger aufgrund der an einem im Schreiben erwähnten Treffen vom
7. Januar 2011 besprochenen Listen sehr wohl in der Lage gewesen, den Umfang
der Beanstandungen bestimmen zu können (act. 106 S. 7 f. m.H. auf act. 11/10,
act. 11/11 und act. 11/14).
Vor Vorinstanz hatte der Beklagte zur Einhaltung der Rügeobliegenheit in Bezug
auf die Debitoren und angefangenen Arbeiten keine Ausführungen gemacht, ob-
wohl der Kläger die Einhaltung der Rügefrist in Bezug auf die angefangenen Ar-
beiten ausdrücklich bestritten hatte (act. 18 S. 12). Der Beklagte hätte daher An-
lass gehabt und es wäre ihm auch ohne Weiteres möglich gewesen, die Behaup-
tung, dass der Kläger mit dem Schreiben vom 24. Januar 2011 zusätzliche Auf-
stellungen über nicht verbuchte Rechnungen und angefangene Arbeiten erhalten
habe, bereits im vorinstanzlichen Verfahren aufzustellen, so dass diese Urkunden
entsprechend in die Würdigung, ob die Mängelrüge genügend substanziiert war,
hätten einfliessen können (vgl. act. 115 S. 8).
Daher handelt es sich dabei im Berufungsverfahren um unzulässige neue Tatsa-
chen und Beweismittel (wobei nicht das Beweismittel an sich neu ist, sondern sei-
ne Anrufung zum Beweis der Substanziierung der Mängelrüge), die nicht mehr zu
berücksichtigen sind (Art. 317 Abs. 1 ZPO). Der vorinstanzlichen Würdigung, dass
das Schreiben von D._ vom 24. Januar 2011, ausser in Bezug auf das feh-
lende Inventar, keine substanziierte Mängelrüge darstellt, ist unter diesen Um-
ständen zuzustimmen. Mit Bezug auf die Gewährleistung wegen Debitoren und
angefangene Arbeiten ist die Verrechnungseinrede des Beklagten demnach we-
gen ungenügender Substanziierung der Mängelrüge nicht zu hören.
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6. Im Sinne einer alternativen Begründung hielt die Vorinstanz fest, selbst
wenn in Bezug auf die Debitoren und die angefangenen Arbeiten eine rechtsge-
nügende Rüge erfolgt wäre, würde sich am Ergebnis nichts ändern (ausser in Be-
zug auf eine Rückzahlung der SUVA, welche der Kläger - nach Auffassung des
Beklagten, welche die Vorinstanz teilt - zu Unrecht von der von ihm grundsätzlich
anerkannten Verrechnungsforderung in Abzug brachte). Auch wenn das keinen
Einfluss auf das Ergebnis hat, ist darauf kurz einzugehen.
a) Zu den angefangenen Arbeiten schrieb die Vorinstanz, nach dem klaren
Wortlaut des Aktienkaufvertrags garantiere der Kläger für die Debitoren, ohne die
angefangenen Arbeiten zu erwähnen (act. 109 S. 20 E. 3.4.3, Hervorhebung im
Original). Dabei übersieht sie, dass der Verkäufer für die bilanzierten Debitoren
garantiert. Dieser Zusatz verweist auf die dem Vertrag beigefügte Bilanz vom
31. Dezember 2009, in der, wie der Beklagte anmerkt (act. 106 S. 9), die ange-
fangenen Arbeiten nicht ausgeschieden, sondern nur zusammen mit den Debito-
ren aufgeführt werden (act. 11/2). Auch wenn eine separate Aufstellung dieser
Positionen existierte (act. 109 S. 20 E. 3.4.3 m.H. auf act. 11/9), lässt sich das
Vertragsverständnis des Beklagten, dass die Gewährleistung für die bilanzierten
Debitoren die ganze Bilanzposition "1100 Debitoren/angef. Arbeiten" umfasst, vor
diesem Hintergrund nicht von der Hand weisen. Das nützt dem Beklagten jedoch
nichts, da keine rechtzeitige substanziierte Mängelrüge erfolgte (vgl. oben 5).
b) Zu den Debitoren hatte die Vorinstanz erwogen, da der Beklagte die Ausfüh-
rungen des Klägers zu den Debitorenverlusten (ausser in Bezug auf die Zahlung
der SUVA, für die ihm die Vorinstanz folgte) nicht bestritten habe, sei auf die Dar-
stellung des Klägers abzustellen (act. 109 S. 18 E. 3.3.2 a.E.).
In der Duplik bezeichnete der Beklagte die Differenzen der Parteien in Bezug auf
den Debitorenverlust als geringfügig und erwähnte einzig die SUVA-Zahlung von
CHF 3'277.25, die nicht als Debitoreneingang gebucht werden könne (act. 23 S. 9
Zu b.), worin ihm die Vorinstanz Recht gab (act. 109 S. 19). In der Widerkla-
geantwort nahm er nicht auf die Berechnung des Klägers Bezug, sondern äusser-
te sich lediglich allgemein (act. 40 S. 8 lit. b).
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In der Berufung verweist der Beklagte auf die allgemeine Bestreitungsformel am
Anfang der Widerklagereplik (act. 106 S. 8). Angesichts der detaillierten klägeri-
schen Darstellung (act. 18 S. 12 f.) ist eine allgemeine Bestreitung ungenügend,
da mit dem Detaillierungsgrad einer Behauptung auch die Anforderungen an die
Substanziierung der Bestreitung wachsen. Hinzu kommt, dass der Beklagte zu
diesen Ausführungen nicht geschwiegen, sondern sich in der Duplik grundsätzlich
zustimmend geäussert und lediglich in Bezug auf die SUVA-Zahlung einen Vor-
behalt angebracht hatte (act. 23 S. 9 lit. b). Damit hatte er spezifisch auf die klä-
gerischen Ausführungen Bezug genommen, so dass ohnehin kein Raum für einen
Rückgriff auf die allgemeinen Bestreitungsformel blieb. Wollte er in der Widerkla-
gereplik auf seine früheren Ausführungen in der Duplik zurück kommen, hätte er
dies ausdrücklich kundtun müssen.
Mit Bezug auf die Debitoren ist der vorinstanzlichen Alternativbegründung dem-
nach zuzustimmen. Mit seiner Berufung, mit der er unter Verweis auf Klageant-
wortbeilage 10 nach Abzug des Delkrederes von CHF 7'500 einen Verrechnungs-
anspruch von CHF 31'275.05 geltend macht (act. 106 S. 8), während die Vor-
instanz einen Betrag von CHF 27'217.55 ermittelte, von dem sie ihm 40% bzw.
CHF 10'887.02 als Kaufpreisreduktion zugestand (act. 109 S. 19 E. 3.3.4), hätte
der Beklagte daher auch dann keinen Erfolg, wenn eine rechtzeitige Mängelrüge
vorläge.
7. Der Kläger hatte als Verkäufer im Aktienkaufvertrag vom 7. Juli 2010 die
Gewährleistung für das Vorhandensein der in der beiliegenden Inventarliste auf-
geführten Gegenstände übernommen. Damit wurde auf die Inventarliste vom
31. Dezember 2004 verwiesen (act. 11/2 S. 5 Ziff. 11 und Anhang).
a) Der Beklagte macht geltend, bei der Inventarisierung, die er alleine habe
vornehmen müssen, weil der Kläger seine Mitarbeit verweigerte, habe sich her-
ausgestellt, dass verschiedenes Inventar und Material fehlten. Sie hätten festge-
stellt, dass der Kläger lange Zeit vor der Unterzeichnung des Aktienkaufvertrags
erhebliche Teile des Inventars mit einem Neuwert von CHF 517'291.65, von dem
der Beklagte 75% oder CHF 387'938.75 zur Verrechnung bringt, an Dritte verkauft
habe (act. 10 S. 4 f. Ziff. 4.1.2).
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b) Der Kläger bestreitet nicht, dass er abgelehnt habe, bei der Inventarisierung
mitzuwirken. Er macht geltend, dieses Unterfangen wäre zum einen sinnlos und
andererseits höchst zeitintensiv gewesen. Der Bestand hätte sich auch aufgrund
der Lieferscheine kontrollieren lassen, was dem Beklagten als Vorarbeiter be-
kannt gewesen sei (act. 18 S. 5 lit. d). Die Zählungen des Beklagten stellten ledig-
lich eine nachweislich falsche Parteibehauptung dar, die zum Nachweis des an-
geblichen fehlenden Inventars nicht tauglich sei (act. 18 S. 6 ff. lit. e). Er aner-
kennt, dass Teile, die in der Inventarliste enthalten und die an eine Baufirma ver-
mietet waren, nach Ablauf der Mietdauer gegen Bezahlung eines Restkaufpreises
in das Eigentum der Mieterin übergingen. Der Beklagte habe jedoch von dieser
Vermietung gewusst und im Übrigen handle es sich dabei um einen in der Bau-
branche sehr üblichen Vorgang (act. 18 S. 8 lit. f). Er macht geltend, dass der ak-
tuelle Zeit- bzw. Verkehrswert eingesetzt werden müsse, der viel tiefer wäre
(act. 18 S. 10). Überdies sei während der gleichen Zeit sehr viel Material neu an-
geschafft worden, das allfällige fehlende Gegenstände sowohl zahlenmässig als
auch wertmässig weit mehr als nur kompensiere (act. 18 S. 11).
c) Die Vorinstanz hatte erwogen, der Beklagte trage die Beweislast dafür, dass
die C._ AG zum Zeitpunkt des Abschlusses des Aktienkaufvertrages nicht
mehr Eigentümerin aller Gegenstände gemäss der Inventarliste vom 31. Dezem-
ber 2004 war. Mit der zum Beweis angerufenen Liste der fehlenden Gegenstände
gelinge ihm der Beweis des fehlenden Materials nicht (act. 109 S. 15 f. E. 3.2.3).
Durch den Verkauf von vermietetem Material an Dritte habe zwar durchaus eine
Differenz zum Inventar zum Zeitpunkt des Übergangs der Kaufsache, nicht aber
zwingend auch zum Inventar vom 31. Dezember 2004 resultiert. Es sei nämlich
nicht ausgeschlossen, dass zwischen dem 31. Dezember 2004 und dem Über-
gang der Kaufsache neues Material angeschafft worden sei. Das mache der Klä-
ger denn auch geltend und werde vom Beklagten nicht bestritten. Bei den Gegen-
ständen auf der Liste handle es sich um Gattungsware. Sei in der Zeit vom
31. Dezember 2004 bis zum 7. Juli 2010 mehr Ware angeschafft als verkauft
worden, liege daher grundsätzlich keine Verletzung der vertraglichen Zusicherung
vor, dass die Gegenstände gemäss Inventarliste vom 31. Dezember 2004 vor-
handen seien (act. 109 S. 16 f. E. 3.2.4).
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d) Dass es zum Verkauf von Inventarbestandteilen kam, ist unbestritten. Der
Kläger (und mit ihm die Vorinstanz) beruft sich darauf, bei den Inventarsachen
handle es sich um Gattungssachen. Es mache daher nichts, wenn einzelne Sa-
chen verkauft worden seien. Entscheidend sei nur, ob die Sachen in der Gattung
und Menge vorhanden seien, was der Fall sei (act. 46 S. 4 lit. a). Das ist grund-
sätzlich richtig. Allerdings trifft den Kläger die Behauptungs- und Beweislast für
die Beschaffung des gattungs- und mengenmässig richtigen Ersatzes, nachdem
feststeht, dass ein Teil des Inventars verkauft worden war und somit fehlte.
Eine genaue Lektüre seiner Rechtsschriften zeigt, dass der Kläger nicht behaup-
tet, die von ihm geltend gemachten Neuanschaffungen hätten sämtliche durch
Verkäufe entstandenen Lücken geschlossen: ("also v.a. solche, welche der Be-
klagte als fehlend behauptet"; act. 18 S. 11). Er argumentiert vielmehr über den
Wert und macht geltend, der Wert der Neuanschaffungen übersteige den Wert
des fehlenden Materials (act. 18 S. 11). Entgegen der Vorinstanz ist damit grund-
sätzlich eine Gewährleistung zu bejahen, weil das vertraglich zugesicherte Inven-
tar nicht vollständig vorhanden war.
8. Laut Aktienkaufvertrag reduziert sich der Kaufpreis bei einem Gewährleis-
tungsfall um den entsprechenden Substanzverlust, wobei der Kaufpreis des Be-
klagten entsprechend seinem Aktienanteil um 40% des Substanzverlusts redu-
ziert wird (act. 11/2 S. 7). Es gilt daher, den mit den fehlenden Inventarteilen ver-
bundenen Substanzverlust zu ermitteln.
a) In der Widerklage hatte sich der Beklagte auf eine eigene Liste der fehlen-
den Gegenstände mit einem Total von CHF 517'291.65 bezogen, die er dem Klä-
ger am 22. September 2010 übergeben hatte. Davon setzte er 75% ein (act. 10
S. 4 f. Ziff. 4.1.2). Im Berufungsverfahren verweist er auf die Aufstellung des an
Dritte verkauften Materials mit einem Total von CHF 276'117.45, was einen Ver-
rechnungsanspruch des Beklagten in der Höhe von CHF 109'732 ergebe
(act. 106 S. 6 m.H. auf act. 24/3). Dabei orientiert er sich jeweils an den im Inven-
tar per 31. Dezember 2004 ausgewiesenen Stückpreisen, die dort als Bruttopreise
bezeichnet werden (act. 11/2).
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b) Der Kläger hält es nicht für angängig, den Preis für eine Neuanschaffung, ob
reduziert oder nicht, in Rechnung zu stellen. Wenn schon sei der Zeit- bzw. der
aktuelle Verkehrswert einzusetzen, zu dem das Inventar an einen Dritten verkauft
werden könne. Dieser belaufe sich nicht auf 75% des Neuanschaffungspreises,
sondern sei viel tiefer (act. 18 S. 10; act. 115 S. 6 f.).
c) Das dem Aktienkaufvertrag beigefügte Inventar per 31. Dezember 2004
weist ein handschriftliches Total von CHF 2'781'540 auf (act. 11 S. 2). Laut unwi-
dersprochener Darstellung des Klägers handelt es sich dabei bloss um einen Teil
der zum damaligen Zeitpunkt vorhandenen Materialvorräte (act. 18 S. 3). Ein Ver-
gleich dieser Zahl mit dem Kaufpreis von CHF 670'000 oder mit den bilanzierten
Materialvorräten per 31. Dezember 2009 von CHF 599'300 (act. 11/2) führt vor
Augen, dass die in dieser Liste aufgeführten Preise keine brauchbare Grundlage
für die Ermittlung des mit dem Fehlen einzelner Teile des Inventars verbundenen
Substanzverlusts darstellen.
Auch der Kaufpreis von CHF 233'182.05 (act. 23 S. 7; act. 19/18), zu dem die
F._ AG das Material am Ende des Mietverhältnisses von der C._ AG
übernahm, was laut den Feststellungen der Vorinstanz ein branchenüblicher Vor-
gang darstellt, bei dem die Miete an den Kaufpreis angerechnet wird (act. 109 S.
17 m.H. auf act. 81 S. 4), ist keine brauchbare Grundlage, da dieser Betrag auf
dem Wiederbeschaffungswert beruht und damit den in die Bilanz eingeflossenen
Abschreibungen des laut unwidersprochener Darstellung des Klägers zwischen
15 und 30 Jahre alten Materials (act. 18 S. 10) keine Rechnung trägt.
Der Aktienkaufvertrag umschreibt den Begriff des Substanzverlusts als "kleinerer
Wert Aktiven und / oder nichtbilanzierte Passiven" und verweist damit auf die
Werte der Bilanz. Wie oben aufgezeigt wurde, sind diese Zahlen wesentlich tiefer
als die Vorstellungen des Beklagten. In der Bilanz "sind alle Aktiven höchstens
nach dem Werte anzusetzen, der ihnen im Zeitpunkt, auf welchen die Bilanz er-
richtet wird, für das Geschäft zukommt" (Art. 960 Abs. 2 OR). Das verdeutlicht,
dass es entgegen der Auffassung des Beklagten (act. 40 S. 7) nicht auf den Wie-
derbeschaffungs-, sondern auf den Zeitwert ankommt.
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d) Der Beklagte machte keine Ausführungen dazu, wie der Zeitwert zu ermit-
teln wäre, sondern er beschränkte sich auf die Angabe des Wiederbeschaffungs-
werts, der jedoch für die Bestimmung des Substanzverlusts nicht relevant ist, ob-
wohl ihn der Kläger darauf hingewiesen hatte.
Die Vorbringen des Beklagten sind damit in Bezug auf ein wesentliches Tatbe-
standsmerkmal unvollständig. Auch wenn eine Gewährleistung grundsätzlich ge-
geben wäre (vgl. oben 7), ist er daher mit seiner Verrechnungseinrede in Bezug
auf das fehlende Inventar nicht zu hören.
9. Im Ergebnis hat der Beklagte mit seiner Berufung demnach keinen Erfolg.
Während er in Bezug auf die Debitoren und die angefangenen Arbeiten die recht-
zeitige substanziierte Erhebung einer Mängelrüge und damit die Entstehung einer
Gewährleistungsforderung auch im Berufungsverfahren nicht dartun konnte, hat
er mit Bezug auf das fehlende Inventar keine Behauptungen zum damit verbun-
denen Substanzverlust aufgestellt und kann deshalb die Höhe einer allfälligen
Verrechnungsforderung nicht beweisen.
Es bleibt damit bei der Reduktion der Darlehensforderung von CHF 108'000.00
um CHF 10'887.02 für nicht einbringliche Debitoren und um CHF 13'810.86 für
nicht verbuchte Rechnungen und Rückstellungen, welche die Vorinstanz, haupt-
sächlich gestützt auf entsprechende Zugeständnisse des Klägers, vorgenommen
hatte, was eine Restforderung von CHF 83'302.10 ergibt (vgl. act. 109 S. 23 E. 4).
Somit ist die Berufung abzuweisen und das Urteil der Vorinstanz zu bestätigen.
III.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beklagte die Verfahrenskosten zu
tragen und dem Kläger eine Parteientschädigung zu bezahlen.
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