# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 0cf494e1-3381-46fd-a02d-9e3c37f24d02
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2010
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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A. D. wurde am 15. November 1957 in L. SG geboren und wuchs zusammen mit zwei Brüdern und einer Schwester in geordneten Familienverhältnissen auf. Nach sechs Jahren Primar- und drei Jahren Sekundarschule absolvierte er eine Lehre als Eisenbetonzeichner. Nach der Rekrutenschule absolvierte er am Abendtechnikum M. die Ausbildung zum Bauingenieur HTL. Danach hatte er zwei bis drei Stellen auf dem erlernten Beruf im Raum M./N. inne. 1983/1984 trat er in das Ingenieurbüro von E. in M. als Bauingenieur ein. Zur gleichen Zeit betätigte er sich hin und wieder als Aushilfe in einem Büro, das E. schon damals im T. hatte. Im Jahr 1989 liess er sich definitiv im T. nieder und wurde Geschäftsführer der Kollektivgesellschaft A.. Daneben ist er seit 2001 Gesellschafter der Kollektivgesellschaft C. (seit Herbst 2004 B.).
D. ist geschieden und kinderlos. Die Ehe mit F. dauerte von 1988 bis ca. 2000.
D. gibt an, über ein Bruttoeinkommen von monatlich etwa Fr. 7'500.-- sowie eine Liegenschaft zum Verkehrswert von Fr. 1.2 Mio., belastet mit einer Hypothek von etwa Fr. 1 Mio., zu verfügen.
B. Mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 4. März 2009 wurde D. wegen mehrfacher ungetreuer Geschäftsbesorgung gemäss art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Anklagezustand versetzt. Dieser Anklage liegt gemäss Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 4. März 2009 folgender Sachverhalt zugrunde:
„1. Ausgangslage
Im Jahr 1989 gründeten E. und der Angeklagte die Kollektivgesellschaft A., O. (nachfolgend kurz A.). Zweck der A. ist die Führung eines Ingenieurbüros für Tief- und Hochbau. Die Geschäftsführung oblag dem Angeklagten und dieser verfügte über Einzelunterschrift für die A.. Mit Schreiben vom 16. Dezember 2004, empfangen am 30. Dezember 2004, kündigte E. den Kollektivgesellschaftsvertrag vom 27. Oktober 1989 per 31. Dezember 2005. Mit Verfügung des Bezirksgerichtspräsidiums Maloja vom 15./18. Mai 2007 wurde dem Angeklagten die Vertretungsbefugnis für die A. entzogen.
Die Kollektivgesellschaft B., O. (nachfolgend B.), wurde am 18. Mai 2001 im Handelsregister des Kantons Graubünden eingetragen. Zweck der B. ist die Führung eines Büros für Umweltberatung und Siedlungsentwässerung. Der Angeklagte und seine Lebenspartnerin G. sind die Gesellschafter.
2. Auftrag Q.
Am 8. November 2004 erhielt die A. von der Gemeinde P. den Auftrag, ihr einen Kostenvoranschlag für ein Garagierungsprojekt im Quartier Q. zu unterbreiten. Die Gemeindeversammlung P. genehmigte am 13. Dezember 2004 die Arbeitsvergabe zur Planung dieses Projekts an die A. mit einem Kredit von CHF 116'000.--.
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In der Folge übertrug der Angeklagte das Projekt jedoch an die B.. Er bzw. G. stellten namens der B. an die Gemeinde P. in der Zeit vom 29. März bis 7. Juli 2005 für geleistete Planungsarbeiten fünf Rechnungen über total CHF 108'774.90. Die Gemeinde P. überwies dann diese Beträge auf das Raiffeisenkonto der B.. In der Buchhaltung der A. wurden betreffend den Auftrag Q. keine Buchungen vorgenommen. Indem es der Angeklagte unterliess, den an die A. erteilten Auftrag pflichtgemäss auch über diese Gesellschaft abzuwickeln, entzog er der A. absichtlich Einnahmen in der Höhe der geleisteten Zahlungen der Gemeinde P. von CHF 108'774.90. Abzüglich der Kosten entstand der B. so ein Schaden von mindestens CHF 54'000.--.
3. Leasing Audi A3/S3
Am 31. Juli 2001 leaste der Angeklagte für die A. ein Fahrzeug der Marke Audi S3, das als Geschäftsfahrzeug diente. Die Leasingraten wurden durch die A. beglichen. Am 30. April 2004 leaste der Angeklagte für die A. einen neuen Audi A3. Die H. AG erwarb am 14. Mai 2004 den alten Audi S3 von der GE Capital Bank für CHF 19'450.70 zu Eigentum. Der effektive Wert dieses Fahrzeugs betrug nach Einschätzung der H. AG jedoch CHF 32'200.--. Die Preisdifferenz von CHF 12'749.30 ergibt sich, da die B. durch Bezahlung der Leasingraten das Fahrzeug in diesem Umfang amortisiert hatte. Die H. AG überwies in der Folge den Betrag von CHF 12'749.30 auf Anordnung des Angeklagten aber nicht an die A., sondern auf sein Privatkonto bei der Raiffeisenbank in L.. Die A. wurde dadurch in diesem Umfang geschädigt. In der Buchhaltung der A. wurde diesbezüglich keine Buchung vorgenommen.“
C. An der Hauptverhandlung vor dem Bezirksgerichtsausschuss Maloja am 27. Januar 2010 waren der Angeklagte D. und sein privater Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. iur. P. Andri Vital, anwesend. Die Staatsanwaltschaft Graubünden hatte auf eine mündliche Anklagevertretung verzichtet.
In der Ergänzung zur Anklageschrift stellte und begründete die Staatsanwaltschaft Graubünden folgende Anträge:
„1. D. sei der mehrfachen ungetreuen Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
2. Dafür sei er zu einer Geldstrafe von 200 Tagessätzen zu je CHF 190.-- sowie zur Bezahlung einer Busse von Fr. 1'500.--, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 8 Tagen, zu verurteilen.
3. Der Vollzug der Geldstrafe sei unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren aufzuschieben.
4. Kostenfolge sei die gesetzliche.“
Der Verteidiger beantragte in seinem Plädoyer, D. sei vom Vorwurf der mehrfachen ungetreuen Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB unter Kosten- und Entschädigungsfolge freizusprechen.
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D. Mit Urteil vom 27. Januar 2010, mitgeteilt am 23. Februar 2010, erkannte der Bezirksgerichtsausschuss Maloja wie folgt:
„1. D. ist schuldig der mehrfachen ungetreuen Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB.
2. Dafür wird er zu einer Geldstrafe von 140 Tagessätzen zu je CHF 190.- sowie zur Bezahlung einer Busse von CHF 1'000.-, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 5 Tagen, verurteilt.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird bedingt aufgeschoben; die Probezeit beträgt 2 Jahre.
4. Die Kosten des Verfahrens, bestehend aus:
- den Barauslagen der Staatsanwaltschaft CHF 108.00 - der Untersuchungsgebühr der Staatsanwaltschaft CHF 1'685.00 - der Busse CHF 1'000.00 - den Gerichtskosten CHF 1'500.00 - den Barauslagen des Gerichts CHF 125.80 Total CHF 4'418.80
werden D. auferlegt. Die Gesamtkosten, zuzüglich der Busse von CHF 1'000.-, belaufen sich auf CHF 4'418.80.

## Considerations