# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 6c18a997-9d4f-4b9e-bfd4-ccb9d948ba47
**Court:** BL_SG
**Chamber:** BL_SG_001
**Year:** 2012
**Language:** de
**Jurisdiction:** BL / Northwestern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Tax

## Facts

Veranlagungsverfügung Einsprache mit dem sinngemässen Begehren, der Sachverhalt sei
nochmals zu prüfen und ihm der Abzug für pflegebedürftige Personen zu gewähren. Zur
Begründung führte er aus, seine Lebenspartnerin sei in ihrer Sehfähigkeit derart beeinträchtigt,
dass sie ohne fremde Hilfe das Haus nicht mehr alleine verlassen könne. Eine ärztliche
Bestätigung liege bei.
3. Mit Einsprache-Entscheid vom 9. Januar 2012 wies die Steuerverwaltung die
Einsprache ab. Zur Begründung führte sie aus, die Pflegebedürftigkeit ergebe sich aus dem
Bezug einer Hilflosenentschädigung der AHV-IV. Der tatsächliche Bezug der
Hilflosenentschädigung und nicht lediglich das Bestehen des Anspruchs sei entscheidend. Die
Lebenspartnerin sei durch die starke Seeschwäche nicht pflegebedürftig, sondern benötige
Hilfe sobald sie das Haus verlasse. Eine Hilflosenentschädigung sei noch nicht gewährt
worden, weshalb der Abzug für pflegebedürftige Personen nicht möglich sei.
http://www.baselland.ch/main_strk-htm.277547.0.html
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4. Mit Schreiben vom 31. Januar 2012 erhob der Pflichtige gegen den Einsprache-
Entscheid Rekurs, welcher von der Steuerverwaltung zuständigkeitshalber an das Steuergericht
weitergeleitet wurde. Er beantragte, der Sachverhalt sei nochmals zu prüfen und ihm der Abzug
für pflegebedürftige Personen zu gewähren. Zur Begründung brachte er vor, dass erst mit einer
Änderung des AHV-Gesetzes per 1. Januar 2011 eine Anspruchsberechtigung für eine
Hilflosenentschädigung bestehe. Fakt sei aber, dass seine Lebenspartnerin dauernd auf Hilfe
angewiesen sei. Im Weiteren legte der Pflichtige dem Rekurs eine Verfügung über die
Hilflosenentschädigung sowie eine Information des Schweizerischen Blinden- und
Sehbehindertenverbandes bei.
5. Mit Vernehmlassung vom 21. Mai 2012 beantragte die Steuerverwaltung die
Abweisung des Rekurses. Zur Begründung führte sie u.a. aus, als hilflos gelte eine Person, die
wegen der Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche Lebensverrichtungen dauernd der
Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung bedürfe. Für die Gewährung des IV Abzugs sei
es irrelevant, welcher Grad der Hilflosigkeit vorliege. Entscheidend sei die tatsächliche
Ausrichtung der Hilflosenentschädigung, nicht lediglich das Bestehen eines Anspruchs. Wie aus
der Verfügung vom 1. Juli 2011 zu entnehmen sei, habe der Anspruch auf die monatliche
Hilflosenentschädigung erst ab dem 1. Januar 2011 bestanden. Daraus könne geschlossen
werden, dass der Bezug der Hilflosenentschädigung erst im Steuerjahr 2011 erfolgt sei. Es
könne somit festgehalten werden, dass die Lebenspartnerin zum damaligen Zeitpunkt noch
nicht pflegebedürftig gewesen sei und lediglich beim Verlassen des Hauses der Hilfe bedurft
habe. Die Voraussetzungen für den Sozialabzug seien am Ende der Steuerperiode 2009 noch
nicht vorgelegen, sodass ein Abzug für pflegebedürftige Personen zu Recht verweigert worden
sei.

## Considerations

Aus den Erwägungen:
1. (...)
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2. a) Gemäss § 33 lit. b StG werden vom Reineinkommen für die Steuerberechnung
Fr. 2000.-- für jede volljährige und schwer invalide oder dauernd pflegebedürftige Person, die
vom Steuerpflichtigen unentgeltlich in häuslicher Gemeinschaft betreut wird, als Sozialabzug in
Abzug gebracht.
b) Neben dem Kinderabzug bleiben "andere Sozialabzüge" gemäss Art. 9 Abs. 4
StHG dem kantonalen Recht vorbehalten. Der Betreuungsabzug berücksichtigt steuerlich mit
einem Pauschalbetrag den zusätzlichen in Form von unbezahlter Sozialarbeit geleisteten
Pflegeaufwand. Hierdurch wird die betreuende Person in ihrer wirtschaftlichen
Leistungsfähigkeit geschwächt und spart durch den von ihr zusätzlich getragenen Aufwand
gesamtgesellschaftlich Kosten für Pflegeheime und Spital. Der Betreuungsabzug erfüllt daher
die Kriterien eines Sozialabzuges (Klöti-Weber/Siegrist/Weber, Kommentar zum Aargauer
Steuergesetz, 3. A., Bern 2009, § 42 N 84).
c) Es handelt sich hierbei um natürliche Personen, die pflegebedürftig sind.
Darunter fallen Verwandte, Ehepartner, aber auch beliebige Drittpersonen. Gemäss dem
Kommentar zum Aargauer Steuergesetz ergibt sich weiter die Pflegebedürftigkeit aus dem
Bezug einer Hilflosenentschädigung der AHV oder der IV. Die Steuerverwaltung stützt sich in
ihrer Argumentation ebenfalls auf dieses Kriterium und lässt den Abzug vorliegend einzig
mangels eines Bezugs der Hilflosenentschädigung nicht zu. Im Weiteren führt sie an der
heutigen Verhandlung aus, dass der Bezug einer Hilflosenentschädigung ein Indiz für die
Gewährung des Abzugs für eine pflegebedürftige Person sei. Der Bezug einer
Hilflosenentschädigung habe bisher als Massstab gedient.
d) An dieser Stelle ist festzuhalten, dass das Basellandschaftliche Steuergesetz in §
33 lit. b StG das Vorliegen einer bereits zugesprochenen Hilflosenentschädigung nicht verlangt.
Hingegen muss die Veranlagungsbehörde einen Anhaltspunkt dafür haben, dass eine Person
tatsächlich die Pflege- resp. Hilfeleistungen des im gleichen Haushalt lebenden Betreuenden
braucht. Insofern dient die Hilflosenentschädigung wohl als verlässlicher Massstab. Sie führt
indessen nicht in jedem Fall zu einem gerechten im Sinne des Gesetzgebers liegenden
Ergebnis.
3. a) Es stellt sich nun die Frage, ob ein Abzug für pflegebedürftige Personen einzig
von der Tatsache abhängig gemacht werden kann, ob einer Person bereits eine
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Hilflosenentschädigung zugesprochen worden ist. Dies erfordert eine Auslegung von § 33 lit. b
StG.
b) Das Gesetz muss in erster Linie aus sich selbst heraus, d.h. nach dem Wortlaut,
Sinn und Zweck und den ihm zugrunde liegenden Wertungen auf der Basis einer teleologischen
Verständnismethode ausgelegt werden. Die Gesetzesauslegung hat sich vom Gedanken leiten
zu lassen, dass nicht schon der Wortlaut die Norm darstellt, sondern erst das an Sachverhalten
verstandene und konkretisierte Gesetz. Gefordert ist die sachlich richtige Entscheidung im
normativen Gefüge, ausgerichtet auf ein befriedigendes Ergebnis der ratio legis. Dabei befolgt
das Bundesgericht einen pragmatischen Methodenpluralismus und lehnt es namentlich ab, die
einzelnen Auslegungselemente einer hierarchischen Prioritätsordnung zu unterstellen. Es
können auch die Gesetzesmaterialien beigezogen werden, wenn sie auf die streitige Frage eine
klare Antwort geben und dem Richter damit weiterhelfen (vgl. Bundesgerichtsentscheid [BGE]
134 V 170 vom 12. März 2008, E. 4.1).
c) Im vorliegenden Fall befinden sich in den Gesetzesmaterialien keine Hinweise
darauf, dass der Abzug nur gewährt werden kann, wenn eine Hilflosenentschädigung
zugesprochen worden ist. Die Gesetzesmaterialien enthalten überhaupt keine Einschränkungen
im Sinne von zusätzlichen Erfordernissen. Im Wortlaut von § 33 lit. b StG ist wie bereits unter
Ziff. 2 d erwähnt, der Begriff der Hilflosenentschädigung nicht genannt. Sinn und Zweck der
Bestimmung (teleologische Auslegung) ist, Steuerpflichtige, die pflegebedürftige Personen
betreuen, finanziell zu entlasten. Der Abzug für pflegebedürftige Personen ist systematisch bei
den Sozialabzügen eingeordnet. Diesen Bestimmungen gemeinsam ist das Herbeiführen einer
gewissen finanziellen Entlastung in einer besonderen persönlichen Situation.
Ein ausschliessliches Abstellen auf den Bezug der Hilflosenentschädigung würde
im vorliegenden Fall einer Sehbehinderung, mangels zugesprochener Hilflosenentschädigung,
von vorne herein einen Betreuungsabzug im Sinne von § 33 lit. b StG ausschliessen. Da der
Betreuungsabzug jedoch für Personen gedacht ist, die mit tatsächlich pflege- und
betreuungsbedürftigen Personen in ihrem Haushalt leben, fallen solche Konstellationen jedoch
durch das Raster hindurch und kommen entgegen dem Willen des Gesetzgebers nicht in den
Genuss dieses Sozialabzugs. Für eine solch einschränkende Auslegung des Gesetzes
bestehen jedoch keine Anhaltspunkte.
d) Bei Sehbehinderungen besteht der gesetzliche Anspruch auf
Hilflosenentschädigung erst ab dem Jahr 2011. So ist im Kreisschreiben des Bundesamtes für
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Sozialversicherungen (BSV) über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung
(KSIH) gültig ab 1. Januar 2011 unter der Rubrik 4.2.2 Pflege gesellschaftlicher Kontakte,
Artikel 37 Absatz 3 Buchstabe d IVV festgehalten: Die Hilflosigkeit gilt als leicht, wenn die
versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln wegen einer schweren Sinnesschädigung
oder eines schweren körperlichen Gebrechens nur dank regelmässiger und erheblicher
Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann. Diese Voraussetzungen gelten
als erfüllt (RZ 8064) bei Blinden und hochgradig Sehschwachen (...); (RZ 8065) Blinde und
hochgradig Sehschwache (ZAK 1982 S. 264): Eine hochgradige Sehschwäche ist anzunehmen,
wenn ein korrigierter Fernvisus von beidseitig weniger als 0,2 oder wenn beidseitig eine
Einschränkung des Gesichtsfeldes auf 10 Grad Abstand vom Zentrum (20 Grad horizontaler
Durchmesser) vorliegt (Gesichtsfeldmessung: Goldmann-Permiter Marke III/4). Bestehen
gleichzeitig eine Verminderung der Sehschärfe und eine Gesichtsfeldeinschränkung, ohne dass
aber die Grenzwerte erreicht werden, so ist dennoch eine hochgradige Sehschwäche
anzunehmen, wenn sie die gleichen Auswirkungen wie eine Visusverminderung oder
Gesichtsfeldeinschränkung vom erwähnten Ausmass haben (vgl. ZAK 1982 S. 264). Dies gilt
auch bei anderen Beeinträchtigungen des Gesichtsfeldes (z.B. sektor- oder sichelförmige
Ausfälle, Hemianopsien, Zentralskotome).
e) Gemäss der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar
1961 Art. 37 Abs. 3 gilt die Hilflosigkeit als leicht, wenn die versicherte Person u.a. trotz der
Abgabe von Hilfsmitteln (a) in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in
erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist. In der Zusprache der
Hilflosenentschädigung an Frau A. ist festgehalten, dass sie in drei alltäglichen
Lebensverrichtungen der Dritthilfe bedürfe und zusätzlich medizinische-pflegerische Hilfe
benötige.
4. a) Generell ist in Fällen von Sehbehinderungen zumindest, für die Zeit vor dem Jahr
2011, eine individuelle Abklärung vorzunehmen und zu prüfen, ob es andere Indikatoren, als
eine bestehende Hilflosenentschädigung gibt, die einen Abzug für pflegebedürftige Personen
rechtfertigen.
Im vorliegenden Fall befindet sich in den Akten zunächst eine Bestätigung des
behandelnden Augenarztes vom 28. Januar 2009. Dieser bescheinigt, dass die Begleitung und
Betreuung durch den Pflichtigen seit Anfang 2007 unbedingt notwendig ist, da Frau A. aufgrund
äusserst starker Sehbeeinträchtigung auf externe Hilfe angewiesen sei. Zudem ist eine weitere
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Bestätigung, datiert vom 21. November 2010 in den Akten. In dieser führt derselbe Arzt aus,
dass bei Frau A. beidseitig eine ausgeprägte Sehbehinderung vorliege, wobei die zentrale
Sehschärfe (Fingerzählen in einem Meter) deutlich weniger als 5 % erreiche. Damit sei sie
hochgradig sehbehindert. Die Abklärungen des Steuergerichts beim behandelnden Arzt haben
zudem ergeben, dass eine Person mit einer derartigen schweren Maculadegeneration nahezu
blind und somit auf eine externe Unterstützung angewiesen ist.
b) Die sich in den Akten befindenden ärztlichen Bestätigungen, sowie die weiteren
Abklärungen des Steuergerichts führen zum Ergebnis, dass es sich im vorliegenden Fall
rechtfertigen lässt, dem Pflichtigen den pauschalen Abzug in Höhe von Fr. 2'000.-- zu
gewähren.
Dass dieser Abzug an eine bereits bestehende Hilflosenentschädigung
anzuknüpfen hat, lässt sich aus dem Gesetz - wie dargestellt - nicht ableiten. Daher sind in
einem solchen Fall die einzelnen Umstände zu überprüfen und anhand der einzelnen Beweise
wie z.B. ärztliche Zeugnisse und Bestätigungen, resp. Verfügungen der Ausgleichskassen oder
sonstigen dafür geeigneten Belege und amtlichen Erkundigungen zu ermitteln, ob der Abzug
gewährt werden kann.
Aus dem bisher ausgeführten folgt, dass der Rekurs vollumfänglich gutzuheissen und dem
Rekurrenten der Abzug nach § 33 lit. b StG zu gewähren ist.
5. (...)
Entscheid des Steuergerichts vom 29.06.2012 (510 2012 21.)