# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d7ffd9f4-ccb0-5d43-8b7f-71d6efde01a8
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Der Abschnitt auf der Kantonsstrasse Nr. 183.1 Rümligen - Riggisberg zwischen der
Ortsendtafel von Rümligen und der Abzweigung Möslistrasse galt bisher als
Ausserortsstrecke. Nachdem entlang des Strassenabschnitts eine lockere Bebauung mit
teilweise direkter Erschliessung auf die Kantonsstrasse eingesetzt hatte, beschränkte das
damals zuständige Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons Bern mit Verfügung
vom 26. August 1993 die Höchstgeschwindigkeit auf 70 km/h. Im April 2013 ersuchte die
Gemeinde Kirchenthurnen den Kanton Bern als Strasseneigentümer, die
Höchstgeschwindigkeit aus Sicherheitsgründen auf 50 km/h herabzusetzen. Das heute
zuständige Tiefbauamt des Kantons Bern, Oberingenieurkreis II (TBA OIK II) kam nach
einer Begehung vor Ort zum Schluss, dass es sich beim betroffenen Strassenabschnitt
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aufgrund der mittlerweile dichten Bebauung auf der Hangseite der Strasse um eine
Innerortsstrecke handle. Mit Verfügung vom 12. November 2018 hob es daher die
Verkehrsbeschränkungsverfügung vom 26. August 1993 auf, ordnete die
Innerortsgeschwindigkeit von 50 km/h generell an und wies auf die Versetzung der
Ortschaftstafel Rümligen hin. Das TBA OIK II liess die Verfügung im Amtsblatt des Kantons
Bern vom 21. November 2018 und im Anzeiger Gürbetal vom 22. November 2018
publizieren.
2. Gegen die Verfügung vom 12. November 2018 erhob der Beschwerdeführer am
16. Dezember 2018 Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des
Kantons Bern (BVE). Er beantragt die Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Zur
Begründung führt er zusammengefasst aus, die Bebauungsdichte entlang der Strasse
habe sich nicht verändert. Es handle sich um eine übersichtliche Kantonsstrasse mit
Durchgangsverkehr. Somit bestehe keine Veranlassung, von der ursprünglichen
Signalisation abzuweichen.
3. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Zugleich gab es dem
Beschwerdeführer Gelegenheit, genauere Angaben zu seiner Beschwerdelegitimation zu
machen. Von dieser Gelegenheit machte der Beschwerdeführer mit Stellungnahme vom
10. Januar 2019 Gebrauch. Die Einwohnergemeinden Kirchenthurnen und Rümligen
unterstützen mit Eingaben vom 8. Januar 2018 (recte: 8. Januar 2019) und 10. Januar
2019 die verfügten Massnahmen. Auch das TBA OIK II hielt mit Stellungnahme vom 11.
Januar 2019 an der angefochtenen Verfügung fest. Das Rechtsamt zog anschliessend
diverses Bild- und Kartenmaterial der betroffenen Strecke bei und gab den Beteiligten
Gelegenheit, Schlussbemerkungen zum Verfahren einzureichen. Die Gemeinden Rümligen
und Kirchenthurnen liessen dem Rechtsamt ihre Schlussbemerkungen mit Eingaben vom
14. Februar 2019 und 15. Februar 2019 zukommen. Auch der Beschwerdeführer reichte
mit Schreiben vom 21. Februar 2019 Schlussbemerkungen ein.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 155.221.191)
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Auf die Rechtsschriften und das Beweisergebnis wird, soweit für den Entscheid wesentlich,
in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Zuständigkeit, Form und Fristwahrung
a) Die angefochtene Verfügung betrifft funktionelle Verkehrsanordnungen im Sinne von
Art. 3 Abs. 4 SVG2. Solche Verkehrsmassnahmen verfügt auf Kantonsstrassen das
Tiefbauamt (Art. 66 Abs. 1 SG3 in Verbindung mit Art. 42 Abs. 1 und 43 SV4 sowie Art. 12
Bst. a OrV BVE5). Verfügungen, die gestützt auf die bernische Strassengesetzgebung
erlassen werden, können nach den Vorschriften des VRPG6 angefochten werden (Art. 92
SG). Laut Art. 62 Bst. a VRPG beurteilt die in der Sache zuständige Direktion
Beschwerden gegen Verfügungen von ihr untergeordneten Verwaltungseinheiten. Die BVE
ist daher für den Entscheid über die Beschwerden gegen die Verfügung des TBA OIK II
vom 12. November 2019 zuständig.
b) Die Beschwerde ist innert der Rechtsmittelfrist eingereicht worden (Art. 67
Abs. 1 VRPG). Sie enthält einen Antrag und eine Begründung und erfüllt damit die
Formerfordernisse (Art. 32 Abs. 2 VRPG).
2. Gegenstand des Beschwerdeverfahrens
a) Die angefochtene Verfügung des TBA OIK II vom 12. November 2018 lautet wie folgt: «[...]
Aufhebung
Die mit Verfügung Nr. 37-93 vom 26. August 1993 erlassene Höchstgeschwindigkeit 70 km/h auf der
Staatsstrasse Nr. 183 Rümligen - Riggisberg, Strecke zwischen der Ortsendtafel Rümligen und der
Abzweigung Mösliweg (Gemeindestarsse Richtung Kirchenthurnen), wird aufgehoben. Neu gilt die
Innerortsgeschwindigkeit 50 km/h Generell.
2 Strassenverkehrsgesetz des Bundes vom 19. Dezember 1958 (SVG; SR 741.01) 3 Strassengesetz vom 4. Juni 2008 (SG; BSG 732.11) 4 Strassenverordnung vom 29. Oktober 2008 (SV; BSG 732.111.1) 5 Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 6 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
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Grund der Massnahme
Anpassung an die dichte Bebauung auf der hangseitigen Seite der Kantonsstrasse (Art. 22 Abs. 4
Signalisationsverordnung SSV). Die Ortschaftstafel Rümligen wird versetzt.
[...]»
b) Mit der angefochtenen Verfügung hob die Vorinstanz zunächst die Verfügung Nr. 37-
93 vom 26. August 1993 auf, mit der die Höchstgeschwindigkeit auf der betroffenen,
bisherigen Ausserortsstrecke auf 70 km/h beschränkt worden war. Weiter kündigte die Vor-
instanz in der angefochtenen Verfügung die Verschiebung der Ortschaftstafel Rümligen an
und legte die neue Innerortsgeschwindigkeit auf 50 km/h generell fest. Die Versetzung der
Ortschaftstafel und das Anbringen des Signals «Höchstgeschwindigkeit 50 generell»
müssten zwar laut Art. 107 Abs. 3 Bst. e und n SSV7 weder verfügt noch veröffentlicht
werden.8 Vorliegend besteht zwischen der Aufhebung von Tempo 70 km/h und der
Versetzung der Ortschaftstafel Rümligen sowie der Einführung von Tempo 50 km/h
generell jedoch ein derart enger Sachzusammenhang, dass es sich rechtfertigte, kraft
Sachzusammenhang sämtliche Massnahmen in derselben Verfügung miteinander zu
verknüpfen. Damit hat das vorliegende Beschwerdeverfahren die gesamten in der
Verfügung vom 12. November 2018 angeordneten Massnahmen zum Gegenstand.
c) Wird die Signalisation «Höchstgeschwindigkeit 50 generell» oder die Versetzung der
Ortschaftstafel ohne Verfügung vorgenommen, wie dies gemäss Art. 106 SSV
grundsätzlich vorgesehen ist, könnte gegen diese Massnahmen Einsprache bei der
verfügenden Behörde, vorliegend beim TBA, erhoben werden (Art. 106 Abs. 1 Bst. b SSV).
Der Entscheid des TBA wäre wiederum bei der BVE anfechtbar. Da sich die Vorinstanz
vorliegend bereits klar zur neuen Signalisation geäussert hat, sprechen auch
prozessökonomische Gründe dafür, dass der Verfahrensgegenstand des
Beschwerdeverfahrens sämtliche von der Vorinstanz in der Verfügung vom 12.
November 2018 bekanntgegebenen Massnahmen umfasst.
7 Signalisationsverordnung des Bundesrats vom 5. September 1979 (SSV; SR 741.21) 8 Vgl. auch Ziff. 5.3 der Arbeitshilfe «Strassenverkehrsrecht und die Signalisation» des Tiefbauamts des Kantons Bern vom 1. August 2017, abrufbar unter: «https://www.bve.be.ch/bve/de/index/strassen/strassen/signalisation_markierung/signalisation.assetref/dam/do cuments/BVE/TBA/de/TBA_ST_SR_AH_Strassenverkehrsrecht_Signalisation.pdf»
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3. Beschwerdelegitimation
a) Nach Art. 65 Abs. 1 VRPG ist zur Beschwerde befugt, wer vor der Vorinstanz am
Verfahren teilgenommen oder keine Möglichkeit zur Teilnahme erhalten hat (Bst. a), durch
die angefochtene Verfügung oder den angefochtenen Entscheid besonders berührt ist
(Bst. b) und ein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung oder Änderung der Verfügung
oder des Entscheids hat (Bst. c). Das ist dann der Fall, wenn jemand durch den
Verwaltungsakt stärker als die Allgemeinheit betroffen ist und in einer besonderen,
beachtenswerten, nahen Beziehung zur Streitsache steht. Diese Anforderungen sollen die
Popularbeschwerde ausschliessen. Das geforderte Interesse besteht im praktischen
Nutzen, den die erfolgreiche Beschwerde den Beschwerdeführenden eintragen soll, das
heisst in der Abwendung eines materiellen oder ideellen Nachteils, den der angefochtene
Entscheid für sie zur Folge hätte.9 Nicht zur Beschwerde befugt ist, wer keine eigenen,
sondern nur allgemeine oder öffentliche Interessen geltend machen kann.10
b) Von funktionellen Verkehrsanordnungen sind Personen dann besonders berührt,
wenn sie die mit der Anordnung bzw. Beschränkung belegte Strasse regelmässig benützen
müssen. Dies ist insbesondere bei Anwohnerinnen und Anwohnern oder Pendlerinnen und
Pendlern der Fall, die auf das Befahren des fraglichen Strassenabschnitts angewiesen
sind. Demgegenüber genügt das bloss gelegentliche Befahren der Strasse nicht.11 Die
geforderte Regelmässigkeit ist gegeben, wenn die betreffende Person die Fahrten über
eine längere Zeitspanne und in gleichmässigen, eher kurzen zeitlichen Abständen
durchführt.12 Bei Personen, die in unmittelbarer Nähe der von der Verkehrsbeschränkung
betroffenen Strasse wohnhaft oder gewerblich tätig sind, wird vermutet, dass sie diese
Strasse mit einer gewissen Regelmässigkeit befahren.13 Dies allein genügt aber noch nicht
zur Bejahung der Beschwerdelegitimation. Verlangt wird zusätzlich, dass die Anordnung für
regelmässige Benützerinnen und Benützer des betroffenen Strassenabschnitts von
9 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 65 N. 2, 5 und 8 f.; BGE 139 II 279 E. 2.2 m.w.H.; BVR 2009 S. 180 E. 2.2 m.w.H. 10 Vgl. BGE 136 II 539 E. 1.1 11 Vgl. BGE 139 II 145 (BGer 1C_160/2012 vom 10.12.2012), nicht publ. E. 1.2, m.w.H.; BGE 136 II 539 E. 1.1, m.w.H.; BGer 1A.73/2004 vom 6. Juli 2004 E. 2, m.w.H.; Christoph J. Rohner, Erlass und Anfechtung von lokalen Verkehrsanordnungen, Diss. Zürich 2012, S. 197 ff. 12 BGer 1A.73/2004 vom 6.7.2004, in Pra 93/2004 Nr. 157 E. 2.1 f. 13 BVR 2009 S. 180 E. 2.4; VGE 2012/349 vom 14.1.2013, E. 1.2
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gewisser Schwere ist. Das ist in der Regel zu verneinen, wenn die Verkehrsmassnahme
das Fahren nicht gerade gänzlich untersagt, sondern nur einen kleinen Umweg oder eine
tiefere Geschwindigkeit vorschreibt oder gar nur das Vortrittsregime umgestaltet.
Insbesondere ein geringfügiger Zeitgewinn begründet noch keine hinreichende
Betroffenheit.14 Die Rechtsmittelbehörde hat von Amtes wegen zu prüfen, ob die
Beschwerdebefugnis gegeben ist. Die besondere, beachtenswerte Beziehungsnähe ist
aber grundsätzlich von den Beschwerdeführenden selbst darzulegen und nachzuweisen.15
c) Für die Beschwerdebefugnis in einem vorgängigen Einspracheverfahren gelten
dieselben, oben umschriebenen Regelungen.16 Es spielt daher keine Rolle, ob der
Beschwerdeführer gegen die Signalisation «Höchstgeschwindigkeit 50 generell» zuerst
Einsprache nach Art. 106 SSV hätte erheben können. Überdies würde auch für die
Einsprache kein virtuelles Interesse genügen.17
d) Der Beschwerdeführer führt zu seiner Beschwerdebefugnis in der Eingabe vom
14. Januar 2019 aus, die für ihn beste Verbindung nach Riggisberg, Rüeggisberg,
Schwarzenburg sowie Gurnigel führe über den betroffenen Strassenabschnitt. Er habe
weiter einen Einstellhallenplatz in B._. In B._ gehe er zudem einkaufen,
sei Gast eines Kaffees und Kunde einer Autogarage. Er leiste je nach Einsatzplan auch
hausärztlichen Notfalldienst für seine zwei kleinen Kinder und bewege sich schliesslich
regelmässig im Naturpark Gantrisch. Insgesamt befahre er die Strecke bis zu zehnmal pro
Woche. Die Alternativroute via Kirchenthurnen sei weiter, benötige mehr Zeit und sei
deshalb weder aus wirtschaftlicher noch aus ökologischer Sicht sinnvoll. Mit der
Massnahme gehe ein Zeitverlust einher, von dem er direkt betroffen sei. Weiter werde
seine Fahrt talwärts negativ beeinflusst, da von 80 km/h auf 50 km/h gebremst werden
müsse, anstatt die bestehende kinetische Energie effizient zu nutzen und den Wagen mit
70 km/h «rollen» zu lassen. Auch sei die Begründung der Massnahme nicht
nachvollziehbar.
14 Vgl. zum Ganzen René Wiederkehr, Die materielle Beschwer von Nachbarinnen und Nachbarn sowie von Immissionsbetroffenen, in ZBl 7/2015, S. 360, mit Hinweis auf Urteil BGer 1C_43/2011 vom 8. April 2011 E. 7; Rohner, a.a.O., S. 197 ff.; BVR 2009 S. 180 E. 2.4; VGE 22808/22809 vom 11.09.2007 E. 2.4; BDE vom 17. September 2015, RA-Nr. 140/2015/66 E. 3; BDE VOM 29. Oktober 2013, RA-Nr. 110/2013/292 E. 1 15 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 65 N. 1; VGE 22808/22809 vom 11.09.2007 E. 1.4 16 Rohner, a.a.O., S. 218 17 René Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Band I: Grundlagen, Verkehrszulassung und Verkehrsregeln, 2. Aufl. 2002, S. 96 Fn. 68, m.w.H.
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e) Der umstrittene Strassenabschnitt auf der Riggisbergstrasse verbindet die
Gemeinden Rümligen und Kirchenthurnen. Der Beschwerdeführer ist dagegen in der
Gemeinde C._ wohnhaft. Aus privaten Gründen befährt er die Riggisbergstrasse
bis zu zehnmal pro Woche. Es kann offen bleiben, ob damit ein regelmässiges Befahren
der Strecke vorliegt. Unzählige andere Personen sind in einer vergleichbaren Situation. Für
die Bejahung der Beschwerdelegitimation muss die Massnahme daher, wie dargelegt,
zusätzlich eine Beeinträchtigung von gewisser Intensität für den Beschwerdeführer zur
Folge haben. Der Beschwerdeführer stört sich insbesondere am Zeitverlust, der mit der
Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit einhergeht. Der von der Temporeduktion
betroffene Streckenabschnitt ist rund 600 m lang. Die Reduktion der
Höchstgeschwindigkeit von bisher 70 km/h auf 50 km/h bedeutet somit ein Zeitverlust von
rund 12.5 Sekunden. Gemäss Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern
vermag ein Zeitgewinn von maximal 27 Sekunden keine hinreichende Betroffenheit zur
Anfechtung der Verkehrsmassnahme zu begründen.18 Dasselbe muss erst recht für die
vorliegende Differenz von lediglich knapp 13 Sekunden gelten. Dieser konkrete Zeitverlust
ist derart gering, dass daraus kein schutzwürdiges Interesse abgeleitet werden kann. Dem
Beschwerdeführer ist es ohne weiteres möglich und zumutbar, die Riggisbergstrasse auch
weiterhin zu befahren. Es ist nicht einzusehen, weshalb er durch die Verkehrsmassnahme
gezwungen würde, auf die Alternativroute via Kirchenthurnen auszuweichen. Daran ändert
nichts, dass er nach eigenen Angaben talwärts nunmehr bremsen muss, anstatt sein
Fahrzeug mit 70 km/h «rollen» lassen zu können. Andere Gründe, die einen praktischen
Nutzen an der Beschwerdeführung erkennen liessen, nennt der Beschwerdeführer nicht.
Solche sind auch nicht ersichtlich. Der Beschwerdeführer bringt einzig weiter vor, die
Begründung für die Massnahme sei nicht nachvollziehbar. Die Begründung der
Massnahme ist allerdings eine Frage der materiellen Beurteilung und für die
Beschwerdelegitimation unerheblich. Der Beschwerdeführer hat somit kein hinreichendes
Interesse an der Rechtsverfolgung. Auf die Beschwerde kann nicht eingetreten werden.
4. Höchstgeschwindigkeit 50 generell
Selbst wenn auf die Beschwerde eingetreten werden könnte, müsste sie abgewiesen
werden:
18 VGE 22808/22809 vom 11.09.2007 E. 2.4
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a) Der Beschwerdeführer stört sich an der Aufhebung des mit Verfügung vom
26. August 1993 eingeführten Temporegimes zu Gunsten der neuen
Höchstgeschwindigkeit 50 generell. Gemäss Art. 32 Abs. 2 SVG ist es Aufgabe des Bundesrates, die Geschwindigkeit der Motorfahrzeuge auf allen Strassen zu beschränken.
In Art. 4a VRV19 findet sich die Grundregel für die Festlegung der allgemeinen
Höchstgeschwindigkeiten. So beträgt die allgemeine Höchstgeschwindigkeit unter
günstigen Strassen-, Verkehrs- und Sichtverhältnissen 50 km/h in Ortschaften (Abs. 1 Bst.
a) und 80 km/h ausserhalb von Ortschaften, ausgenommen auf Autobahnen (Abs. 1 Bst.
b). Das Signal «Höchstgeschwindigkeit 50 generell» muss dort angebracht werden, wo die
dichte Überbauung auf einer der beiden Strassenseiten beginnt (Art. 22 Abs. 3 SSV). Es
darf nicht vor dem Signal stehen, das den Ortsbeginn anzeigt (Art. 50 Abs. 4 SSV).
Andererseits muss nicht schon allein aus dem Vorhandensein einer Ortstafel auf die
Höchstgeschwindigkeit 50 generell geschlossen werden, da diese Ortstafel bereits dort
aufgestellt wird, wo das locker überbaute Gebiet beginnt. Bei der Beurteilung, ob sich eine
Strasse in dicht bebautem Gebiet einer Ortschaft befindet, ist nicht bloss auf ein kurzes
Teilstück abzustellen, sondern auf das ganze umliegende Gebiet.20
b) Allgemeinverbindliche Dauerverfügungen, wie die Verfügung Nr. 37-93 vom
26. August 1993 eine ist, können grundsätzlich widerrufen werden, wenn die
tatsächlichen oder rechtlichen Gegebenheiten wegen wesentlicher Änderung nicht oder
nicht mehr dem Gesetz entsprechen. Der Widerruf setzt zudem voraus, dass das
Interesse an der richtigen Durchsetzung des objektiven Rechts dasjenige an der
Wahrung der Rechtssicherheit bzw. am Vertrauensschutz überwiegt.21
c) Das Rechtsamt zog mehrere Ausschnitte der Landeskarte mit unterschiedlichen
Zeitständen bei. Daraus geht hervor, dass sich bis Mitte der 1980er-Jahre kaum Gebäude
entlang der Strecke befanden. Ab 1987 setzte eine allmähliche Bebauung entlang des
Streckenabschnitts ein, woraufhin das damals zuständige Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt des Kantons Bern im Jahr 1993 die Höchstgeschwindigkeit auf 70 km/h
beschränkte. Diese bauliche Entwicklung setzte sich auch nach 1993 weiter fort: So sind in
19 Verkehrsregelnverordnung vom 13. November 1962 (VRV; SR 741.11). 20 BGE 127 IV 229 E. 3 b. 21 BGer 1C_184/2009 vom 16. Dezember 2009 E. 2.1
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der vorderen, hangseitigen Häuserreihe weitere Gebäude entlang der Strasse errichtet
worden. Auch in der hinteren Häuserreihe wurden neue Gebäude gebaut und Baulücken
geschlossen. Ausserdem ist ein neuer Strassenanschluss entstanden, der direkt auf die
Kantonsstrasse mündet. Die vom Rechtsamt ebenfalls beigezogenen Bilder von Google
Street View zeigen zudem, dass entlang der vorderen Häuserreihe mehrere direkt an die
betroffene Strasse angrenzende Hausvorplätze und Garagen bestehen. Somit ist nicht zu
beanstanden, dass die Vorinstanz in diesem Teil heute von einer dichten Überbauung
ausgeht. Bei der Abzweigung Möslistrasse befinden sich weiter eine Streusiedlung sowie
Einmündungen auf beiden Seiten der Riggisbergstrasse. Die Gemeinden Kirchenthurnen
und Rümligen, welche die örtlichen Verhältnisse am besten kennen, weisen in ihren
Stellungnahmen übereinstimmend auf die in diesem Bereich erschwerten Sichtverhältnisse
hin. Bei dieser Ausgangslage kann auch bei der Abzweigung Möslistrasse von einem dicht
bebauten Gebiet gesprochen werden. Am dortigen Eichenweg ist überdies gemäss den
Ausführungen der Gemeinde Kirchenthurnen eine Überbauung mit fünf Einfamilienhäusern
geplant. Somit dürften einzig zwischen den Abzweigungen Möslistrasse/Stöckackerstrasse
und dem Beginn der Häuserreihen entlang der Riggisbergstrasse eher
Ausserortsverhältnisse vorliegen. Dieser Streckenabschnitt ist jedoch nicht mehr ca. 250 m
lang. Bis zum ersten Gebäude vor der zusammenhängenden Häuserreihe beträgt die
Distanz nicht mehr als rund 170 m. Für Strassenabschnitte, die kürzer als 300 m sind,
werden praxisgemäss keine Geschwindigkeitsanpassungen vorgenommen. Die
Beurteilung der Vorinstanz, wonach das Innerortsgebiet und insbesondere die Signalisation
«Höchstgeschwindigkeit 50 generell» den gesamten umstrittenen Abschnitt umfassen soll,
ist somit korrekt. Die neue Signalisation entspricht schliesslich einem gemeinsamen
Anliegen der Gemeinden Kirchenthurnen und Rümligen: Die Gemeinden äusserten in der
Vergangenheit wiederholt Sicherheitsbedenken und wiesen auch im Beschwerdeverfahren
darauf hin, dass die momentanen Verhältnisse insbesondere für Schulkinder,
Benützerinnen und Benützer des Postautos sowie für weitere zu Fuss Gehende gefährlich
seien. In den Vorakten sind überdies bereits zwei Verkehrsunfälle auf dem betroffenen
Abschnitt dokumentiert. Demnach sprechen auch Gründe der Verkehrssicherheit für die
Anordnungen. Die Vorinstanz hat die umstrittenen Massnahmen zu Recht angeordnet.
RA Nr. 140/2018/20 10
5. Kosten
Die Verfahrenskosten werden gestützt auf Art. 103 Abs. 2 VRPG sowie Art. 19 und Art. 21
Abs. 1 GebV22 auf Fr. 400.-- bestimmt. Sie werden dem Beschwerdeführer als
unterliegende Partei auferlegt (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Parteikosten sind keine zu sprechen
(Art. 104 Abs. 3 VRPG).