# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d29cb90d-b7e9-400b-bc68-c51a253fcaf3
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1960, zog sich am 10. März 2008 eine Verletzung am linken Knie zu (
Urk.
8/6/29 Ziff. 4-9
; Urk.
8/6/6
) und meldete sich am
16. September 2008 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/2).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, stellte dem Versi
cherten mit Vorbescheid vom 25. November 2009 die
Zusprache
einer ganzen befristeten Rente von April bis September 2009 in Aussicht (
Urk.
8/25). Dage
gen erhob der Versicherte Einwände (
Urk.
8/29,
Urk.
8/34), worauf die IV-Stelle unter anderem ein Gutachten einholte, das am 28. März 2011 erstattet wurde (
Urk.
8/64). Am 13. Dezember 2013 beantwortete
einer
der Gutachter Zusatzfra
gen (
Urk.
8/73).
Mit neuem Vorbescheid vom 30. Juli 2012 stellte die IV-Stelle in Aussicht, ei
nen Rentenan
spruch zu verneinen (
Urk.
8/81),
wogegen der Versicherte
Ein
wände erhob (
Urk.
8/84,
Urk.
8/86). Mit Verfügung vom 26. Oktober 2012 ver
neinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch (
Urk.
8/88 =
Urk.
2).
2.
Gegen die Verfügung vom 26. Oktober 2012 (
Urk.
2) erhob der Versicherte am
27. November 2012 Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte, diese sei aufzuheben, es sei ihm eine ganze Rente ab März 2009 zuzusprechen, eventuell sei die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen (S. 1 Ziff. 1-3). Ferner beantragte er die un
entgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung (S. 1 Ziff. 4).
Mit Beschwerdeantwort vom 14. Januar 2013 (
Urk.
7) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung
vom 1. März 2013
wurde der Antrag auf einen zweiten Schriftenwechsel (
Urk.
1 S. 1 Ziff. 5) abgewiesen (
Urk.
14). Am 16. April 2013 reichte der Beschwerdeführer einen weiteren Arztbericht (
Urk.
17) ein
(Urk. 16
, der am 24. Juni 2013 der Beschwerdegegnerin zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
18).
3.
Die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA) verneinte mit Verfügung vom 2
2.
September 2011 und
Einspracheentscheid
vom 9. Juli 2012 (
Urk.
8/77) einen Anspruch auf eine Integritätsentschädigung (mangels Erheblichkeit; S. 3
lit
. L) und auf eine Invalidenrente (bei einem Invaliditätsgrad von rund
1
%
;
S. 12 f. Ziff. 6c).
Die dagegen beim hiesigen Gericht erhobene Beschwerde wurde am 20. Juni 2013
zurückgezogen, worauf das entsprechende Verfahren (Nr. UV.2012.000201) am 24. Juni 2013 abgeschrieben wurde.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversi
cherung (IVG) aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Einglie
derungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Ar
beitsmarktlage
erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid gewor
den wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.3
Eine fachärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung begründet als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass die
somatoforme
Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte
Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die Feststellung einer psychischen
Komorbidität
von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer. Massgebend sein können auch weitere Faktoren, so: chronische körperli
che Begleiterkrankungen; ein mehrjähriger,
chronifizierter
Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne längerdauernde Rück
bildung; ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigu
ng (primärer Krankheitsgewinn; „
Flucht in die Krankheit"); das Scheitern einer konsequent durchgeführten ambulanten oder stationären Behandlung (auch mit unter
schiedlichem therapeutischen Ansatz) trotz kooperativer Haltung der versicher
ten Person. Je mehr dieser Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die ent
sprechenden Befunde darstellen, desto eher sind - ausnahmsweise - die Vo
raussetzungen für eine zumutbare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 130 V 352).
1.4
Zu den
vorab von der Medizin zu treffenden
Tatsachenfeststellungen zählt, ob eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (oder ein damit vergleichbarer
syndromaler
Zustand) vorliegt, und bejahendenfalls, ob eine psychische
Komor
bidität
oder weitere Umstände gegeben sind, welche die Schmerzbewältigung behindern.
Von der Rechtsanwendung hingegen ist zu beurteilen,
ob eine fest
gestellte psychische
Komorbidität
hinreichend erheblich ist und ob einzelne oder mehrere der festgestellten weiteren Kriterien in genügender Intensität und Konstanz vorliegen, um gesamthaft den Schluss auf eine nicht mit zumutbarer Willensanstrengung überwindbare Schmerzstörung und somit auf eine invalidi
sierende Gesundheitsschädigung zu gestatten
(vgl. BGE 137 V 64 E. 1.2)
.
1.5
Allein auf der Grundlage eines
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndroma
len
Beschwerdebildes ohne nachweisbare organische Grundlage
(kurz: unklares Beschwerdebild)
lässt sich die Vermutung, die versicherte Person sei erwerbsfä
hig und es liege keine invalidisierende Beeinträchtigung vor, in der Regel nicht widerlegen. Die Rechtsprechung hat deshalb die Voraussetzungen umschrieben, unter denen sich eine Arbeitsunfähigkeit dennoch nachweisen lässt (
vorstehend E. 1.3
). Die
dort genannten
Kriterien lassen mit anderen Worten den Gegenbe
weis der Arbeitsunfähigkeit bei diagnostizierten unklaren Beschwerden zu
(BGE 139 V 547 E. 9.1)
.
Dabei kommt
einer fachgerechten Abklärung
b
esondere Bedeutung zu.
Es ist
einleuchtend darzutun, aus welchen Gründen ein unklares Beschwerdebild di
agnostiziert
wurde
und weshalb die klinisch psychiatrische Untersuchung keine nachvollziehbaren und in Bezug auf deren invalidisierende Folgen objektivier
baren Störungsbilder ergeben hat. Der aus der Diagnosestellung resultierende Rechtsnachteil der bleibenden Beweislast bedingt eine fachgerechte und aktuelle Untersuchung, welche die rechtsprechungsgemässen Anforderungen an eine Be
gutachtung erfüllt
(BGE 139 V 347 E. 9.2.1)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) davon aus, gemäss ärztlicher Beurteilung seien dem Beschwerdeführer seit Ablauf der Wartezeit per 10. März 2009 leichte alternative Tätigkeiten in Wechselbelastung zumutbar (S. 2 oben). Den statistischen Tabellenlohn verminderte sie wegen ei
nes unterdurchschnittlichen
Valideneinkommens
um 27
%
und um einen
lei
densbedingten
Abzug von 5
%
, womit ein Invaliditätsgrad von 7
%
resultierte (S. 2 Mitte).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, gemäss dem eingeholten Gutachten bestehe aus psychiatrischer Sicht für angepasste Tätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von (lediglich) 40
%
(
Urk.
1 S. 2 Mitte); ferner äusserte er sich zur Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit.
2.3
Strittig und zu prüfen sind somit Arbeitsfähigkeit und Invaliditätsgrad sowie ein allfälliger Rentenanspruch.
3.
3.1
Dr.
med.
Y._
, Facharzt FMH Allgemeine Medizin, führte in seinem Be
richt vom 18. September 2008 (
Urk.
8/15/7-8) aus, der Beschwerdeführer stehe seit Mai 2007 in seiner hausärztlichen Behandlung (
lit
. D.1). Er nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
lit
. A.1):
persistierende Knieschmerzen links mit / bei Distorsion des Knies, Status nach Kniearthroskopie (KAS) mit lateraler Teilmeniskusentfernung (TME) vom 28. April 2008
depressive Episoden bei / mit sehr ungünstigen psychosozialen Verhält
-
nis
sen
chronisch rezidivierendes
Lumbovertebralsyndrom
Er attestierte in der angestammten Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
seit 10. Mär
z
2008 (
lit
. B) und führte unter anderem aus, im Vordergrund der Behandlung stünden die depressiven Episoden
bei/mit ungünstigen psychosozi
alen Verhältnissen wie Anpassungsstörung, Arbeitslosigkeit und
Ehekonfliktsi
tuation
(
lit
. D).
3.2
Die Ärzte der
Z._
führten in ihrem Bericht vom 20. Oktober 2008 (
Urk.
8/18) aus, sie behandelten den Beschwerdeführer seit dem 27. Mai 2008 (Ziff. 4.1), und nannten folgende Diagnose mit Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 2.1):
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10: F43.21) im Rahmen einer komplexen psychosozialen Belastungssituation (
Knie
unfall
, Kündigung der Arbeitsstelle und Ehekonflikt; F43.21) Differenti
aldiagnose (DD) F32.11
Zur Arbeitsfähigkeit führten sie aus, diese sei in erster Linie aus somatischer Sicht zu beurteilen; aufgrund der depressiven Symptomatik sei von einer teil
weisen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auszugehen (Ziff. 3).
In einer behinderungsangepassten Tätigkeit sei aus psychiatrischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit halbtags zumutbar (Ziff. 6.2).
3.3
Vom 9. bis 30. Juli 2009 weilte der Beschwerdeführer stationär in der Rehakli
nik
A._
(vgl. 8/67/244-251).
Im Bericht vom 21. Juli 2009 über ein am 16. Juli 2009 erfolgtes psychosomati
sches Konsilium (
Urk.
8/67/252-255) wurde betreffend psychopathologische Di
agnose ausgeführt
(S. 1 Mitte):
„
Keine psychische Störung von Krankheitswert (lediglich leichte affektive Auslenkung, vermehrte Reizbarkeit). A
uf der
Verhal
tensebene
imponiert ein dysfunktionales Überzeugungs- und
Bewältigungs
muster
(Symptomausweitung) mit expressivem Schmerzverhalten,
katastro
phierenden
Kognitionen, Selbstlimitierung und Schonverhalten bei schwieriger psychosozialer Situation (Stellenverlust, Ehefrau bereits IV-berentet, schlechte Integration mit fehlenden Deutschkenntnissen).“
3.4
3.4.1
Am 28. März 2011 erstatteten
Dr.
med.
B._
, Spezialarzt FMH für Ortho
pädische Chirurgie FMH, und
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psy
chiatrie und Psychotherapie,
D._
, ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (
Urk.
8/64/1-27). Sie stützten sich auf die ihnen überlassenen Akten (S. 2 ff.), die Angaben des Beschwerdeführers (
S. 4 f
.) und
die
von ihnen am
9. März 2011 unter
Beizug
ei
ner Dolmetscherin (S. 2 Ziff. 1.2) erhobenen Befunde (S. 5 ff.).
3.4.2
Die Gutachter stellten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit (S. 24 Ziff. 8.1):
Läsion des medialen Meniskus bei Status nach lateraler
Teilmeniskekto
mie
April 2008 und subtotaler lateraler
Meniskektomie
mit Entfernung eines
anterolateralen
Ganglions Juni 2010 links bei reduziertem
femoro
tibialen
Align
e
ment
mittelgradige depressive Störung, bestehend seit etwa Juli 2010 bei Zu
stand nach Anpassungsstörung nach längerer depressiver Reaktion, be
stehend seit April 2008 (
F33.10, F43.21)
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung, bestehend seit mindestens Juli 2010 (F45.4)
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit unreifen
histrionischen
, passiv ag
gressiven Persönlichkeitszügen, bestehend seit Jahren (F61.0)
3.4.3
Die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Hilfsarbeiter in einer
Sanitärinstallateurfirma
betrage 75
%
von 2006 bis Juni 2010, nachdem durch die Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion als leichter psychi
scher Störung die emotionale Belastbarkeit, die geistige Flexibilität und die Dauerbelastbarkeit nur gering beeinträchtigt gewesen seien; ab Juli 2010 be
trage die Arbeitsfähigkeit 30
%
, da bei mittelgradiger depressiver Störung mit anhaltender
somatoformer
Schmerzstörung und zugrundeliegenden kombinier
ten Persönlichkeitsstörungen
die emotionale Belastbarkeit, die geistige Flexibi
lität, der Antrieb, die Interessen, die Motivation, die Kontaktfähigkeit und die Dauerbelastbarkeit erheblich beeinträchtigt seien (S. 25 Ziff. 9.1).
Aus orthopädischer Sicht seien seit jeher körperlich leichte Tätigkeiten zu 100
%
zumutbar,
die abwechslungsweise sitzend und stehend ausgeübt werden könn
ten, nicht mit häufigem Gehen auf unebenem Boden, Treppen, Leitern sowie schrägen Ebenen verbunden seien, bei denen nicht häufig kniende Positionen eingenommen und Gegenstände über 5 kg gehoben oder getragen werden müssten (S. 8 Ziff. 5.6). Die von den Ärzten der Rehaklinik
A._
attestierte
volle
Arbeitsfähigkeit könne unterstützt werden, nachdem das kurz davor durchgeführte MRI keinen pathologischen Befund des linken Kniegelenks erge
ben habe (S. 9 Ziff. 5.7, S. 25 Ziff. 9.3).
3.4.4
Von 2008 bis Juni 2010 zu 90
%
und ab Juli 2010 zu 40
%
zumutbar seien Tätig
keiten
entsprechend dem orthopädischen Anforderungsprofil
, sowie geistig einfache Arbeiten ohne erhöhte emotionale Belastung, ohne Stressbelastung, ohne erforderliche geistige Flexibilität, ohne vermehrte Kundenkontakte
und ohne überdurchschnittliche Dauerbelastung (S. 25 Ziff. 9.2).
3.4.5
Im psychiatrischen Teil des Gutachtens wurde unter anderem ausgeführt, es sei eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung anzunehmen und es bestehe zu
sätzlich seit etwa Juli 2010 eine mittelgradige depressive Störung. Es sei damit eine psychische
Komorbidität
von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer
anzunehmen, die zu einer Beeinträchtigung der
Schmerzverarbeitung und -
be
wältigung
führe. Damit verfüge der Versicherte nicht ausreichend über die not
wendigen Ressourcen für den Umgang mit den Schmerzen und es seien diese mit einer zumutbaren Willensanstrengung nur eingeschränkt überwindbar. Hinzu kämen weitere massgebende Faktoren wie ein mehrjähriger
chronifizier
ter
Krankheitsverlauf mit progredienter Symptomatik, ein verfestigter
, thera
peutisch bisher wenig beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbe
wältigung, und es führten diese
Faktoren zu
einer weiteren
Einschränkung der zumutbaren Willensanstrengung zur Schmerzüberwindung (S. 13 Ziff. 3.5.4)
.
3.
5
Am 13. Dezember 2011
äusserte sich
der orthopädische Gutachter
unter Bezug
nahme auf den Bericht über eine im Juni 2011 erfolgte kreisärztliche Untersu
chung noch einmal zur Arbeitsfähigkeit (
Urk.
8/73). In der angestammten Tätig
keit betrage sie, wie im Gutachten festgehalten, 40
%
; adaptierte Tätigkeiten seien aus rein orthopädischer Sicht zu 100
%
zumutbar (Ziff. 2).
3.6
D
ipl
. med.
E._
, Facharzt Neurologie, Facharzt Psychiatrie und Psycho
therapie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin, führte gemäss Feststellungsblatt vom 30. Juli 2012 (
Urk.
8/80) am 6. Februar 2012 unter anderem aus, anhand des Psychostatus im Gutachten lasse sich eine mit
telschwere depressive Episode nach ICD-10 nicht nachvollziehen, da zwar die depressive Symptomatik, jedoch weder ein Interesse- noch
ein
Antriebsverlust beschrieben sei
en
. Der Tagesablauf sei für einen Versicherten mit
Migrations
hintergrund
, schlechter Bildung und wenigen sozialen Kontakten bei fehlender Integration durchaus als normal anzusehen. Die psychischen Beschwerden ent
sprächen eher einer
Dysthymia
, welche sich infolge der ungenügenden Bewälti
gung der alltäglichen Probleme ergeben habe. In seiner Argumentation betref
fend Defizite (Kapitel 3.5.2) könne dem Gutachter durchaus gefolgt werden, bis auf die genannten Diagnosen ausser der Schmerzstörung; insgesamt sei auch das Kapitel zur zumutbaren Willensan
strengung
(3.5.4) nachvollziehbar (S. 8 oben).
Versicherungspsychiatrisch gehöre die vorliegende Diagnose (
somatoforme
Schmerzstörung)
„
zu den
ätiologisch
-
pathogenetisch
unklaren
syndromalen
Zustandsbildern
ohne nachweisbare organische Grundlage
. Den vorliegenden Akten sind keine objektivierbaren anatomischen Befunde zu entnehmen, welche aus versicherungsmedizinischer Sicht eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit in ei
ner angepassten Tätigkeit begründen könnten. Es liegen keine Anhaltspunkte für eine psychiatrische
Komorbidität
ausreichender Schwere oder sonstige
schwere Funktionseinschränkungen vor, bis auf eine eingeschränkte
Psycho
therapiefähigkeit
“ (S. 8 Mitte).
Gestützt auf diese Beurteilung ging die Beschwerdegegnerin von einer
Ar
-
beitsfä
higkeit
von 100
%
in angepasster Tätigkeit ab August 2010 aus (S. 8 unten).
4.
4.1
In somatischer Hinsicht ist mit den Parteien davon auszugehen, dass für - näher umschriebene - leidensangepasste Tätigkeiten eine volle Arbeitsfähigkeit be
steht.
4.2
In psychiatrischer Hinsicht liegen ausgesprochen divergente Beurteilungen vor. So wurde 2008 von behandelnder Seite eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion diagnostiziert und ausgeführt, aufgrund der depressiven Symptomatik sei von einer teilweisen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus
zugehen (vorstehend E. 3.2). Im Rahmen des psychosomatischen Konsiliums während des stationären Aufenthalts in der Rehaklinik
A._
wurde sodann 2009 keine psychische Störung von Krankheitswert, sondern ein dysfunktiona
les Überzeugungs- und Bewältigungsmuster (Symptomausweitung) konstatiert (vorstehend E. 3.3). Im von der Beschwerdegegnerin veranlassten Gutachten wurden 2011 eine mittelgradige depressive Störung, eine anhaltende
somato
forme
Schmerzstörung sowie eine kombinierte Persönlichkeitsstörung diagnos
tiziert
(vorstehend E. 3.4.2)
und damit eine Arbeitsunfähigkeit in adaptierter Tätigkeit von 40
%
begründet (vorstehend E. 3.4
.4
).
Seitens des RAD wurde 2012 sodann ausgeführt, es dürfte sich eher um eine
Dysthymia
als um eine mittelschwere depressive Episode handeln, und (im Ergebnis) bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit (vorstehend 3.5).
4.3
Auf die psychiatrische Beurteilung im von der Beschwerdegegnerin eingeholten Gutachten kann nicht abgestellt werden.
Erstens ist die Frage, ob eine fachärztlich festgestellte psychische
Komorbidität
von hinreichender Schwere, Ausprägung und Dauer ist, von der Rechtsanwen
dung und nicht vom psychiatrischen Gutachter zu beantworten (vorstehend
E. 1.4).
Nachdem von Seiten des RAD in Zweifel gezogen wurde, ob - wie im Gut
achten diagnostiziert - überhaupt eine mittelsch
were depressive Episode vor
liegt
, lässt sich dieser Mangel auch nicht dadurch beheben, dass die Rechtsan
wendung die entsprechende Beurteilung sozusagen nachholt.
Zweitens gilt hinsichtlich
der alternativen Kriterien (die allerdings nur zu prüfen
sind
, wenn keine relevante
Komorbidität
vorliegt) eine vergleichbare Auftei
lung: Der Gutachter hat zu berichten, welche Fakten dazu vorliegen; die Rechts
anwendung beurteilt deren Intensität und Konstanz und zieht den entsprechen
den Schluss (vorstehend E. 1.4). Vor diesem Hintergrund erweisen sich die ent
sprechenden Ausführungen im Gutachten (vorstehend E. 3.4.5) als nicht ver
wertbar,
denn
es
handelt
sich
da
bei um die wertende Schlussfolgerung, welche nicht der Medizin, sondern der Rechtsanwendung obliegt, und dabei
weitestge
he
nd um nicht mehr als die praktisch wörtliche
Wieder
holung der in der Rechtsprechung verwendeten Formeln.
Inhaltlich
e Sachverhaltsangaben zu den einzelnen Kriterien (welche der Rechtsanwendung eine Beurteilung ermöglichen würden)
finden sich
dabei keine.
4.4
Die vom RAD-Arzt vorgenommene Beurteilung
(vorstehend E. 3.6) bildet
im Lichte der massgebenden
Rechtsprechung ebenfalls keine verwertbare
Entschei
dungsgrundlage
. Sie ist in sich widersprüchlich: Einerseits bezeichnete der RAD-Arzt das Kapitel im Gutachten zur Zumutbarkeit der Willensan
strengung
(in welchem diese verneint wurde) als nachvollziehbar, andererseits führte er aus, es lägen keine Anhaltspunkte für eine psychiatrische
Komorbidität
oder sonstige schwere Funktionseinschränkungen vor, womit er die Frage der Zu
mutbarkeit de facto bejahte.
Der entscheidende Mangel besteht darin, dass hinsichtlich der
beim gegebenen unklaren Beschwerdebild
massgebenden Kriterien - wohl auch weil das einge
holte Gutachten dazu höchstens spärliche Informationen enthält - keinerl
ei Fakten angeführt wurden. Dementsprechend fehlt es auch an einer wertenden Würdigung, welche alleine den Schluss erlauben würde, die Kriterien seien er
füllt oder nicht erfüllt (was zudem Sache der Rechtsanwendung, nicht der medi
zinischen Beurteilung
,
wäre).
Zusammengefasst fehlt es der Schlussfolgerung durch den RAD-Arzt an jegli
cher substantieller Begründung, was
angesichts
des
entscheidwesentlichen
Stel
lenwerts der dabei angeführten Kriterien (vorstehend E. 1.5) besonders ins Ge
wicht fällt.
Wenn die Beschwerdegegnerin von den Schlussfolgerungen eines von ihr einge
holten Gutachtens abweichen will, genügt dafür die Verwendung von einigen formelhafte
n
Wendungen nicht, sondern sie müsste dafür im Gegenteil eine sehr gute, materiell fundierte Begründung anführen.
4.5
Hinsichtlich der psychiatrischen Aspekte liegen somit keine verwertbaren
medi
-
zi
nischen
Beurteilungen vor.
Dementsprechend ist die angefochtene Verfügung - in Gutheissung der Be
schwerde - aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzu
weisen, damit sie eine aussagekräftige psychiatrische Beurteilung veranlasse, gestützt darauf im Rahmen der Rechtsanwendung die versicherungsrechtliche Relevanz allfälliger Beeinträchtigungen beurteile
,
und sodann neu verfüge.
5.
5.1
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69
Abs.
1
bis
IVG
sind ermessensweise auf
Fr.
7
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Dem obsiegenden und anwaltlic
h vertretenen
Beschwerdeführer steht eine Pro
-
zessentschädigung
zu
. Diese wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (§ 34 Abs. 2
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
Der Rechtsvertreter macht mit Honorarnote vom 18. März 2014
einen Aufwand von 8 Stunden
und 5 Minuten
geltend
(Urk. 19/2)
. Diese Aufwendungen erscheinen als angemessen, so dass dem Beschwerdeführer dafür in Anwendung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von Fr.
200.-- eine Prozessentschädigung von Fr. 1‘745.95 (inklusive Mehrwertsteuer) zuzusprechen ist.
5.3
Bei diesem Ausgang erweist sich der Antrag auf unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsvertretung (
Urk.
1
S. 1
Ziff.
4) als gegenstandslos.
Das Gericht
erkennt:
1.
In Gutheissung der
Beschwerde
wird die Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 2
6.
Oktober 2012 aufgehoben und die Sache wird an diese zurückgewiesen, damit sie, nach erfolgten Abklärungen im Sinne der Erwägun
gen, neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
700
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine
Prozessent
-
schä
digung
von
Fr.
1‘745.95
(inkl.
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
Rechtsanwalt Georg
Engeli
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.