# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 1fa2a4b3-b312-4063-a3f0-a6c1aa488534
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1998,
wurde
von seinen Eltern
am 17.
Feb
ruar 2003 aufgrund einer Sprachentwicklungsstörung bei der Invalidenversiche
rung zum Leistungsbezug angemeldet (
Urk.
12/1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, erteilte nach medizinischen Abklärungen (vgl.
Urk.
12/5, 12/8) mehrfach Kostengutsprache für Sonderschulmassnahmen (
Urk.
12/6, 12/9, 12/13, 12/19 und 12/28).
1.2
Am 1
7.
August 2017 meldete sich der Versicherte
— welcher z
uvor
im Mai 2016
eine
Lehre zum Applikationsentwickler abgebrochen hatte —
unter Hinweis auf eine paranoide Schizophrenie
erneut bei der Invalidenversicherung zum Leis
tungsbezug an (
Urk.
12/31).
Nach Kenntnisnahme von Berichten der behandeln
den Ärzte (
Urk.
12/40/3 ff., 12/43/2 ff.) teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit Schreiben vom 2
6.
März 2018 mit, dass aufgrund dessen Gesundheitszustandes zurzeit keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien und der Rentenanspruch geprüft werde (
Urk.
12/45).
Nachdem sie einen weiteren Arztbericht eingeholt hatte (
Urk.
12/61), nahm die IV-Stelle
Rücksprache mit dem Regionalen Ärztli
chen Dienst (RAD;
Urk.
12/62/4 f.)
.
Nach
durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(vgl.
Urk.
12/65)
sprach sie dem Versicherten
schliesslich
mit Verfügung vom 2
4.
April 2019 rückwirkend ab dem
1.
Februar 2018 eine
ganze
ausserordentliche Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 100
%
zu
(Urk.
12/67, 12/71).
1.3
Mit undatiertem Schreiben (Eingangsdatum
:
1
6.
Juli 2019)
ersuchte der Versi
cherte um Kostengutsprache für
ein der angestrebten Lehre als
Mediamatiker
bei der
Y._
vorangehendes Schuljahr (
Urk.
12
/81)
. Die
IV
Stelle
holte in der Folge
bei der
Z._
, bei welcher der Versicherte seit 2
9.
April
2019 im geschützten Rahmen tätig war,
einen Bericht ein
(Urk.
12/83).
Mit Vorbescheid vom
9.
August 2019 stellte sie
dem Versicherten
die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
12/85) und verfügte
daraufhin
am 3
0.
September 2019 in diesem Sinne (
Urk.
12/89 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 3
0.
Oktober 2019 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und sein Ant
rag auf berufliche Massnahmen im
Sinne der Finanzierung des «
A._
» zur Ausbildung als
Mediamatiker
bei der
Y._
sei gutzuheissen. Eventualiter sei die Angelegenheit zur neuen Entscheidung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht sei
ihm die unent
geltliche Prozessführung zu gewähren und in der Person von Rechtsanwalt Mar
kus Huber ein unentgeltlicher Rechtsvertreter zu bestellen (
Urk.
1 S. 2).
Mit Ein
gabe vom 1
4.
November 2019 (
Urk.
8) reichte der Beschwerdeführer zwecks Dar
legung seiner finanziellen Verhältnisse weitere Unterlagen zu den Akten (Urk. 9,
Urk.
10/11-15). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom
5.
Dezember 2019 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
11), worüber der Beschwerdeführer mit Verfügung vom
9.
Dezember 2019 in Kenntnis gesetzt wurde. Gleichzeitig wurde ihm mitgeteilt, dass über seinen Antrag auf unentgelt
liche Prozessführung und unentgeltliche Rechtsvertretung zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werde (
Urk.
13).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8
des Bundesgesetzes über den Allgemei
nen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Abs. 1
bis
). Nach Massgabe der Art. 13 und 21 IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich (Abs. 2). Nach Massgabe von Art. 16 Abs. 2
lit
. c IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbs
fähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu erhalten oder zu verbessern (Abs. 2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Ein
gliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
1
.2
Nach Art. 16 Abs. 1 IVG haben Versicherte, die noch nicht erwerbstätig waren und denen infolge Invalidität bei der erstmaligen beruflichen Ausbildung in wesentlichem Umfange zusätzliche Kosten entstehen, Anspruch auf Ersatz dieser Kosten, sofern die Ausbildung den Fähigkeiten der versicherten Person entspricht. Als erstmalige berufliche Ausbildung gilt gemäss Art. 5 Abs. 1
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
die berufliche Grundbildung nach dem Berufsbildungsgesetz (BBG) sowie, nach Abschluss der Volks- oder Sonderschule, der Besuch einer Mittel-, Fach- oder Hochschule und die berufliche Vorbereitung auf eine Hilfsarbeit oder auf die Tätigkeit in einer geschützten Werkstätte.
1.3
Gesetz und Verordnung enthalten keine Vorschriften über die
materiellrechtliche
Revision von Eingliederungsleistungen wegen einer seit ihrer Zusprechung ein
getretenen Veränderung der Verhältnisse. Ebenso wenig ist geregelt, unter wel
chen Voraussetzungen im Falle einer vorangegangenen Verweigerung von Ein
gliederungsleistungen ein neues Gesuch entgegenzunehmen und zu prüfen ist. In BGE 105 V 173 hat das Bundesgericht entschieden, dass Eingliederungsleistungen gleich wie Renten und
Hilflosenentschädigungen
zu behandeln sind und dass demzufolge Art. 17 ATSG sowie die dazugehörigen Verordnungsbestimmungen in analoger Weise auch auf die Revision von Eingliederungsleistungen angewen
det werden müssen. Art. 87 Abs. 3 IVV betrifft – trotz seiner Stellung im Abschnitt E «Die Revision der Rente und der
Hilflosenentschädigung
» – zwar nicht die eigentliche
materiellrechtliche
Revision laufender Leistungen, sondern einen anderen Sachverhalt, nämlich die Neuprüfung nach vorangegangener Leis
tungsverweigerung. Es rechtfertigt sich aber, die vorerwähnte Rechtsprechung auch auf Art. 87 Abs. 3 IVV auszudehnen und diese Bestimmung ebenfalls in analoger Weise auf Eingliederungsleistungen anzuwenden. Aufgrund der dorti
gen Verweisung auf Art. 87 Abs. 2 IVV ist daher, wenn eine Eingliederungsleis
tung verweigert wurde, eine neue Anmeldung nur zu prüfen, wenn die versicherte Person glaubhaft macht (vgl. BGE 130 V 64 E. 5.2, 71 E. 2.2 mit Hinweisen), dass sich die tatsächlichen Verhältnisse in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert haben (BGE 109 V 119 E. 3a, vgl. auch 125 V 410 E. 2b; AHI 2000 S. 233 E. 1b).
1.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
erwog in der angefochtenen Verfügung vom 30. Sep
tember 2019 (
Urk.
2), dass aufgrund des Gesundheitszustandes des Beschwerde
führers zurzeit keine beruflichen Massnahmen möglich seien. Zur Stabilisierung respektive Verbesserung der gesundheitlichen Situation w
ü
rde
n
eine regelmäs
sige psychiatrische Betreuung, eine antipsychotische medikamentöse Therapie sowie eine konsequente Suchtmittelabstinenz empfohlen. Bevor erneut der Anspruch auf berufliche Massnahmen geprüft werden könne, müsse sich eine rententangierende Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt abzeichnen. Der Beschwerdeführer müsse konstant und
für
mindestens ein Jahr im geschützten Rahmen gearbeitet haben. Dabei sei das höchst mögliche Arbeitspensum ohne Fehlzeiten und unbegründete Abwesenheiten zu absolvieren.
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich in seiner Beschwerdeschrift vom 3
0.
Oktober 2019 im Wesentlichen auf den Standpunkt,
dass er infolge seiner psychischen Erkrankung noch keine berufliche Erstausbildung
habe abschliessen können
. Er bemühe sich jedoch um eine nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt und habe aus eigener Initiative bei
Y._
die Möglichkeit gefunden, eine Lehre als
Mediamatiker
im geschützten Rahmen zu absolvieren. Voraussetzung sei jedoch der erfolgreiche Abschluss eines Schuljahres, des sogenannten «
A._
».
Zur Erreichung des Eingliederungsziels sei die Ausbildung zum
Mediamatiker
aus objektiver Sicht geeignet, da
diese die Wiedereingliederung in den ersten Arbeitsmarkt und in die Gesellschaft erheblich erleichtern würde. Auch aus subjektiver Sicht sei er dieser
Herausforderung gewachsen, zumal sich seine psychische Lage stabilisiert habe und die Ausbildung seinen Fähigkeiten entspre
che. Es bestehe folglich Anspruch auf berufliche Massnahmen im Sinne von
Art.
8 in Verbindung mit
Art.
16 IVG.
Im Übrigen sei anzumerken, dass
es
die Beschwerdegegnerin unterlassen habe, Informationen über den aktuellen Gesundheitszustand einzuholen. Stattdessen habe sie die Ablehnung der bean
tragten beruflichen Massnahmen insbesondere auf Arztberichte gestützt, welche bereits über 15 Monate alt und somit offensichtlich überholt seien (
Urk.
1 S. 12 f.).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin
beurteilte den Anspruch des Beschwerdeführers auf Ein
gliederungsmassnahmen erstmals mit Mitteilung vom 2
6.
März 201
8.
Ausgehend von einer vollen Arbeitsunfähigkeit erachtete sie derartige Massnahmen damals nicht für möglich
und stellte daher die Prüfung des Rentenanspruchs in Aussicht
(
Urk.
12/45/1 f.).
Selbst wenn davon auszugehen ist, dass die IV-Stelle die Ver
weigerung von Eingliederungsmassnahmen zu Unrecht nicht in Verfügungsform, sondern formlos mitgeteilt hat (vgl.
Art.
58 IVG in Verbindung mit
Art.
74
ter
und 74
quater
IVV
e
contrario
)
, erlangte die Mitteilung vom 2
6.
März 2018 rechtliche Wirksamkeit, da der Beschwerdeführer nicht innert Jahresfrist erklärte, damit nicht einverstanden zu sein (vgl. BGE 134 V 145 E. 5).
Daran ändert auch nichts, dass die Mitteilung an der
vom Beschwerdeführer
im angehobenen Verwaltungs
verfahren
bekannt
gegeben
en Adresse
(vgl.
Urk.
12/31/1)
nicht
zugestellt
werden konnt
e (
Urk.
12/44, 12/47)
und von der Post mit dem Vermerk «abgereist» retour
niert wurde (
Urk.
12/46/3). Denn es reicht aus, wenn die Mitteilung
- wie hier -
in den Zugriffsbereich der Partei gelangt; deren effektive Kenntnisnahme wird hingegen nicht verlangt (
Kieser
, ATSG-Kommentar,
3.
Auflage, Zürich 2015,
Rz
12 zu
Art.
38).
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet folglich der Sachverhalt, welcher der Mitteilung zugrunde lag (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_599/2016 vom 2
9.
März 2017 E. 3.1.2 mit Hinweisen).
3.2
3.2.1
Als
Basis der Mitteilung vom 2
6.
März 2018
diente
einerseits ein Bericht der
B._
vom 1
7.
Januar 201
8.
Diesem sind folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit zu entnehmen (
Urk.
12/40/3):
-
p
aranoide Schizophrenie (ICD-10 F20.0)
-
psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol: schädlicher Gebrauch (ICD-10 F10.1)
-
psychische und Verhaltensstörungen durch
Cannabinoide
: schädlicher Gebrauch (ICD-10 F12.1)
-
Status nach psychischen und Verhaltensstörungen durch multiplen Sub
stanzgebrauch und Konsum anderer psychotroper Substanzen: schädli
cher Gebrauch (ICD-10 F19.1)
-
Suizidhandlung am 1
4.
Juli 2017 (ICD-10 X84.9!)
Der Beschwerdeführer habe sich nach zwei vorangegangenen Aufenthalten im Jahr 2016 zuletzt vom
1
4.
Juli bis 2
3.
August 2017 in der
B._
in stationärer Behandlung befunden. Es hätten sich nebst Verfolgungs- und Beziehungswahn insbesondere formale Denk-, Antriebs- und Affektstörungen feststellen lassen. Der Beschwerdeführer habe für Mitpatienten wenig soziales Gespür gezeigt und sei in der Interaktion wenig emotional schwingungsfähig und monologisierend wahrgenommen worden. Die Stimmungsschwankungen seien mit Suizidgedan
ken und -handlungen einhergegange
n, welche aus ärztlicher Sicht als dysfunkti
onale Emotionsregulations- und
Copingstrategien
fungiert hätten. Leider habe der Beschwerdeführer während des Klinikaufenthalts nicht zur Substanzabstinenz motiviert werden können. Eine antipsychotische Medikation habe etabliert wer
den können, worunter es zu einer Teil-Response der Symptome gekommen sei. Eine vollständige Symptomremission
sei
allerdings
— möglicherweise mitbedingt durch den Cannabiskonsum —
nicht
zu erreichen
gewesen
. Die Abstinenz von sämtlichen Substanzen stelle eine wichtige Voraussetzung dar, damit
die psycho
tischen Symptome abklingen könn
t
en. Es sei jedoch anzumerken, dass der Ver
lauf einer paranoiden Schizophrenie auch ohne Substanzkonsum fluktuieren könne und daher erneute psychotische Schübe oder eine Zustandsverschlechte
rung nicht auszuschliessen sei (
Urk.
12/40/4 f.).
Vom 1
4.
Juli bis 2
3.
August 2017 habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vorge
legen.
Der Beschwerdeführer sei in der Spontanaktivität leicht beeinträchtigt; eine mittelgradige Einschränkung liege in Bezug auf die Gruppenfähigkeit und die körperliche Belastbarkeit vor. Schwere Beeinträchtigungen seien in den Bereichen Urteil
s
- und Entscheidungsvermögen, Aufgabenstrukturierung und -planung, Durchhalte- und Selbstbehauptungsfähigkeit sowie Flexibilität und Umstellungs
fähigkeit vorhanden. Gleiches gelte hinsichtlich intimer Beziehungen sowie der Kontaktfähigkeit zu Dritten. Im Rahmen einer medikamentösen und psychiat
risch-psychotherapeutischen Behandlung sowie einer Substanzabstinenz dürfe auf eine Symptomreduktion und eine Zustandsverbesserung gehofft werden. Bei einer
Zustandsstabilisierung könne damit gerechnet werden, dass Versuche, den Beschwerdeführer in den Arbeitsmarkt zu integrieren, gestartet werden können (
Urk.
12/40/5 f.).
3.2.2
Andererseits lag der Mitteilung vom 2
6.
März 2018 der Bericht von
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 1
9.
März 2018 zugrunde.
Dieser attestierte —
bei im Vergleich zum Bericht der
B._
vom 17. Januar 2018
im Wesentlichen
unveränderter Diagnostik — vom
5.
September 2016 bis 2
8.
Februar 2018 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
. In diesem Zeitraum habe sich der Beschwerdeführer in der
D._
befunden. Die eigentlich notwendige psychotherapeutische Behandlung habe jedoch nicht installiert werden können, da sich der Beschwerdeführer in einem unkooperativen, sehr angespannten und angetriebenen Zustand befunden und sich jeglicher Einflussnahme der Betreuer und des behandelnden Arztes entzogen habe. Es sei davon auszugehen, dass er sich im
Zuge
einer
Exacerbation
der paranoiden Schizophrenie in einem paranoid psychotischen Zustand befunden habe. Der Aufenthalt sei per 2
8.
Februar 2018 gekündigt worden
, wobei keine Nachbehandlung habe etabliert werden können
. Prognostisch sei
ein schwieriger
Verlauf
zu erwarten
(
Urk.
12/43/2 f.).
Zurzeit sei weder die Ausübung der bishe
rigen noch einer leidensangepassten Tätigkeit möglich (
Urk.
12/43/6).
3.3
Nach Eingang der Neuanmeldung vom 1
6.
Juli 2019 (
Urk.
12/81) holte die Beschwerdegegnerin bei der
Z._
, bei welcher der Versicherte seit 2
9.
April 2019 im geschützten Rahmen tätig war, einen Bericht ein
, welcher vom 3
1.
Juli 2019 datiert
.
Daraus geht hervor, dass die Arbeitszeit des Beschwerde
führers 40 Stunden pro Woche betrage und dass die Leistungsfähigkeit seit Beginn des Arbeitsverhältnisses habe gesteigert werden können. Sie betrage im geschützten Rahmen 42
%
und in der freien Wirtschaft 25
%
. Zur Begründung wurde angeführt, dass der Beschwerdeführer «vom Wesen her» sehr gut und team
fähig sei. Allerdings seien starke Motivationsschwankungen vorhanden. Die Frage, ob Integrationsmassnahmen der Invalidenversicherung die Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt unterstützen könnten, wurde verneint (
Urk.
12/83).
Gestützt auf diese Abklärung gelangte die Beschwerdegegnerin zum Schluss, dass aufgrund des Gesundheitszustandes des Beschwerdef
ührers aktuell
keine berufli
chen Massnahmen möglich seien, weshalb das Leistungsbegehren abgewiesen werde (
Urk.
2).
4.
4.1
Vorab
ist festzuhalten, dass
die Beschwerdegegnerin auf d
ie
Neuanmeldung
vom 16. Juli 2019 eingetreten ist. Damit war sie gestützt auf den Untersuchungsgrund
satz von Amtes wegen gehalten, für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (Art. 43 ATSG, Art. 57 IVG in Verbin
dung mit Art. 69 ff. IVV; SVR 2006 IV Nr. 10 S. 39 E. 4.1 [I 457/04]; vgl. auch BGE 117 V 198 E. 3a).
Eine richterliche Beurteilung der
Eintretensfrage
hat vor diesem Hintergrund zu unterbleiben (BGE 109 V 108 E. 2b mit Hinweisen; vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 71 E. 2.2 mit Hinweisen).
4.2
4.2.1
Zu prüfen ist somit, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch auf berufliche Massnahmen im Sinne der beantragten Finanzierung des «
A._
»
im Hinblick auf die
Ausbildung als
Mediamatiker
bei der
Y._
zu Recht verneint hat.
4.2.2
Die Beschwerdegegnerin
vertrat
im angefochtenen Entscheid
in erster Linie
die Auffassung
, dass
aufgrund des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers zur
zeit keine beruflichen Massnahmen möglich seien. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass Verwaltung und Gerichte für die Beurteilung der Inva
lidität auf Unterlagen angewiesen sind, die der Arzt und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Auch wenn eine erstmalige berufliche Ausbildung nach
Art.
16
Abs.
1 IVG in Frage steht, hat der Arzt gemäss bundesgerichtlicher Praxis den Gesundheitszustand zu diagnostizieren und zu dem sich daraus ergebenden Ausmass der Einschränkung Stellung zu nehmen. Solche ärztlichen Auskünfte sind selbst dann erforderlich, wenn die versicherte Person aus eigener Initiative einen Lehrgang begonnen hat und dafür die Invali
denversicherung in Anspruch nehmen will (
Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung,
3.
Auflage, Zürich 2014,
Art.
16
Rz
. 5, Urteile des Bundesgerichts 9C_745/2008 vom 2. Dezember 2008 E. 3.2 und 9C_796/2007 vom 2
0.
Mai 2008 E. 3.2, jeweils mit Hinweisen).
Die Beschwerdegegnerin hat im Zuge der von ihr vorgenommenen Abklärungen einzig einen Bericht der
Z._
eingeholt, bei welcher der Versicherte seit 2
9.
April 2019 einer Tätigkeit im geschützten Rahmen nachging (
Urk.
12/83). In Anbetracht des geltenden Untersuchungsgrundsatzes und der soeben zitierten bundesgerichtlichen Rechtsprechung war es jedoch unabdingbar, auch eine aktuelle ärztliche Einschätzung einzuholen, um beurteilen zu können, wie sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der Mitteilung vom 2
6.
März 2018 entwickelt hatte. Dies gilt umso mehr, als dem Bericht der
Z._
vom 3
1.
Juli 2019 doch gewisse Anhaltspunkte
dafür zu entnehmen sind, dass zwischenzeitlich eine Erhöhung der Leistungsfähigkeit erreicht werden konnte und somit im Unterschied zu früheren ärztlichen Einschätzungen, welche von Januar und März 2018 datieren (vgl. E. 3.2.1 f. vorstehend), keine vollständige Arbeitsunfähigkeit für jegliche berufliche Tätigkeit mehr vorlag. Des Weiteren wäre die Beschwerdegegnerin insbesondere gehalten gewesen, nähere Informati
onen über den Inhalt und die Anforderungen der vom Beschwerdeführer ange
strebten beruflichen Ausbildung zusammenzutragen. In diesem Zusammenhang wäre sodann abzuklären gewesen, ob die angestrebte Ausbildung — auch aus ärztlicher Sicht — geeignet ist und den individuellen Möglichkeiten und krank
heitsbedingten Einschränkungen des Beschwerdeführers hinreichend Rechnung trägt.
4.2.3
Ergänzend bleibt festzuhalten, dass auch
die
übrige
Argumentation der Beschwer
degegnerin in der angefochtenen Verfügung
eine Abweisung des Leistungsbe
gehrens
— jedenfalls mit Blick auf die derzeitige Aktenlage —
nicht zu rechtferti
gen vermag.
Zwar hatte sie bereits b
ei der Rentenzusprechung am 24.
April 2019 eine regelmässige psychiatrische Betreuung, eine antipsychotische medikamen
töse Therapie sowie eine konsequente Suchtmittelabstinenz zur Stabilisierung respektive Verbesserung des Gesundheitszustandes empfohlen (
Urk.
12/67/1).
Einerseits ist anhand der Aktenlage jedoch nicht
eruierbar
, ob der Beschwerde
führer dieser Empfehlung nachgekommen ist. Andererseits könnte ihm die Nicht
durchführung dieser Behandlungsmöglichkeiten grundsätzlich erst nach einem Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
im Sinne von
Art.
21
Abs.
4 ATSG zum Nachteil gereichen.
Im Übrigen
fehlt es
auch
an einer rechtlichen Grundlage für das
Argument
, wonach der Beschwerdeführer zunächst konstant mit dem höchst möglichen Arbeitspensum
ohne unbegründete Fehlzeiten für mindestens ein Jahr im geschützten Rahmen gearbeitet haben müsse, bevor
der Anspruch auf beruf
liche Massnahmen geprüft werden könne.
5.
Nach dem Gesagten
ist festzuhalten, dass
sich
die Aktenlage
für eine abschlies
sende Beurteilung des Anspruchs auf Eingliederungsmassnahmen als unzu
reichend erweist. Folglich ist die angefochtene Verfügung vom 30. September
2019 (
Urk.
2) in Gutheissung des Eventualantrags der
Beschwerde aufzuheben und die Angelegenheit ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese nach ergänzender Abklärung im Sinne der ob
igen Erwägungen eine neue Beurteilung vornehme und sodann über den Leistungsanspruch des Beschwerde
führers neu verfüge.
6.
6.1
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu prüfen war, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rensaufwand sowie unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69 Abs. 1
bis
IVG) und ermessensweise auf
Fr.
7
00.-- anzusetzen. Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskos
t
en der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen
sind
.
6.2
Nach
§
34
Abs.
1
GSVGer
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses sowie dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Mangels Vorliegens einer Honorarnote ist die Prozessentschädigung ermessens
weise festzusetzen. Unter Berücksichtigung der massgebenden Kriterien hat die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung in der Höhe von
Fr.
2’0
00.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
6.3
Das Gesuch des Beschwerdeführers um Gewährung der unentgeltlichen Rechts
pflege erweist sich bei diesem Verfahrensausgang als gegenstandslos.