# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 176d6b31-7e70-50e8-9d2a-467453c3f6e9
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Auf der Parzelle Rüderswil Grundbuchblatt Nr. D._ befand sich der
Kugelfang einer ehemaligen Kleinkaliberschiessanlage. Am 25. Februar 2015 wurde der
betroffene Teil der Parzelle im Kataster der belasteten Standorte des Kantons Bern unter
der Standort-Nr. E._ eingetragen. Das Amt für Wasser und Abfall (AWA)
veranlasste eine altlastenrechtliche Untersuchung. Der entsprechende Bericht der
RA Nr. 140/2018/2 2
G._ AG "Technische Untersuchung und Sanierungskonzept" vom 28. Oktober
2016 kam zum Ergebnis, dass es sich um einen belasteten Standort mit Sanierungsbedarf
handelt. Als Folge davon wurde der Standort bis Ende 2017 saniert. Die Sanierung ist im
Bericht der G._ AG "Entsorgungs- und Sanierungsnachweis / verbleibende
Restbelastung" vom 21. Dezember 2017 dokumentiert. Am 13. Dezember 2017 erliess das
AWA eine Kostenverteilungsverfügung für die anfallenden Kosten für die Untersuchung
und Sanierung des belasteten Standorts. Darin verpflichtete das AWA die Sportschützen,
als Verhaltensstörer 90 Prozent der Kosten nach Abzug der Bundesbeiträge zu tragen; da
der Verein nicht mehr existiere, handle es sich um Ausfallkosten, die der Kanton trage. Der
Beschwerdeführer wurde als Baurechtsnehmer verpflichtet, als Zustandsstörer 10 Prozent
der Kosten nach Abzug der Bundesbeiträge zu tragen.
2. Gegen diese Kostenverteilungsverfügung reichte der Beschwerdeführer am
15. Januar 2018 Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons
Bern (BVE) ein. Er beantragt, die Verfügung sei so zu ändern, dass auf den
Beschwerdeführer keine Kostenpflicht falle, indem die entsprechende Ziffer des Dispositivs
gestrichen werde.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Dabei beteiligte es den
Grundeigentümer der Parzelle Nr. D._ von Amtes wegen am Verfahren. Das AWA
beantragt in seiner Beschwerdevernehmlassung vom 2. Februar 2018 die Abweisung der
Beschwerde. Der von Amtes wegen am Verfahren Beteiligte stellt in seiner Stellungnahme
vom 7. Februar 2018 keinen Antrag, vertritt jedoch die Ansicht, dass er als
Grundeigentümer nicht als kostenpflichtiger Zustandsstörer ins Recht gefasst werden
könne. In Kenntnis der Beschwerdevernehmlassung des AWA reichte der
Beschwerdeführer am 15. Mai 2018 Schlussbemerkungen ein.
4. Auf die Rechtsschriften und Vorakten wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in
den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
RA Nr. 140/2018/2 3

## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintreten
a) Angefochten ist eine Verfügung des AWA, welche sich auf Art. 32d Abs. 4 USG2
stützt. Verfügungen des AWA können gemäss Art. 62 Abs. 1 Bst. a VRPG3 bei der BVE
angefochten werden. Die BVE ist damit zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde
zuständig.
b) Der Beschwerdeführer ist Adressat der angefochtenen Verfügung. Er hat am vor-
instanzlichen Verfahren teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders
berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung oder Änderung der
Verfügung. Er ist daher gemäss Art. 65 Abs. 1 VRPG zur Beschwerde befugt. Auf die form-
und fristgerecht eingereichte Beschwerde wird eingetreten.
2. Zustandsverursacher
a) Die Kostentragungspflicht für Untersuchungs-, Überwachungs- und
Sanierungsmassnahmen trifft gemäss Art. 32d Abs. 1 USG die Verursacherin bzw. den
Verursacher der Belastung. Sind mehrere Verursacher beteiligt, so tragen sie die Kosten
entsprechend ihren Anteilen an der Verursachung. In erster Linie trägt die Kosten, wer die
Massnahmen durch sein Verhalten verursacht hat. Wer lediglich als Inhaber des
Standortes beteiligt ist, trägt keine Kosten, wenn er bei Anwendung der gebotenen Sorgfalt
von der Belastung keine Kenntnis haben konnte (Art. 32d Abs. 2 USG). Der Kanton trägt
den Kostenanteil der Verursacher, die nicht ermittelt werden können oder zahlungsunfähig
sind (Art. 32d Abs. 3 USG i.V.m. Art. 23 AbfG4).
Der Verursacherbegriff knüpft nach Lehre und Rechtsprechung an den polizeirechtlichen
Störerbegriff an. Als Verursacherin bzw. Verursacher gelten demnach sowohl Verhaltens-
als auch Zustandsstörerinnen und -störer. Als Verhaltensverursacherin bzw. -verursacher
gilt analog zur Verhaltensstörerin bzw. zum Verhaltensstörer, wer (unmittelbar bzw.
2 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01) 3 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 4 Gesetz vom 18. Juni 2003 über die Abfälle (Abfallgesetz, AbfG; BSG 822.1)
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adäquat kausal) durch eigenes Verhalten oder das Verhalten von Dritten, für die sie oder er
verantwortlich ist, eine Massnahme verursacht. Zustandsverursacherin oder -verursacher
ist, wer über die Sache, die den ordnungswidrigen Zustand bewirkt, die rechtliche oder
tatsächliche Gewalt hat.5 Als solcher fällt in erster Linie der Eigentümer, aber auch der
Mieter, der Pächter, der Verwalter und Beauftragte in Betracht. Anknüpfungspunkt der
Zustandshaftung ist somit die Verfügungsmacht, die es dem Gewalthaber ermöglicht, die
Sache in ordnungsgemässem Zustand zu halten oder den Gefahrenherd zu beseitigen.6
b) Das AWA hat den Beschwerdeführer als Zustandsstörer verpflichtet, 10 Prozent der
Untersuchungs- und Sanierungskosten zu tragen. Es hat die Zustandsstörereigenschaft
des Beschwerdeführers damit begründet, dass den Sportschützen mit
Dienstbarkeitsvertrag von 1967 ein Baurecht eingeräumt worden sei. Daher habe nicht der
Grundeigentümer sondern der Baurechtsnehmer die hauptsächliche Gewalt über das
belastete Grundstück. Baurechtsnehmer sei der Beschwerdeführer.
c) Grundeigentümer der betroffenen Parzelle Nr. D._ ist der von Amtes wegen
am Verfahren Beteiligte. Auf dieser Parzelle lasteten bis Anfang 2018 ein Baurecht und ein
Geschossbahnrecht zu Gunsten der Parzelle Nr. F._; auf einseitigen Antrag des
Beschwerdeführers wurden diese beiden Rechte unterdessen gelöscht.7 Dem
entsprechenden Dienstbarkeitsvertrag vom 8. Juni 1967 kann entnommen werden, dass
das dingliche Baurecht den Kleinkaliberschützen H._ das Recht zur Erstellung und
dauernden Unterhaltung der zielseitigen Verankerungsanlage ihres Zugscheibensystems
einräumte; zudem waren die Kleinkaliberschützen berechtigt, das belastete Grundstück zu
Kontrollzwecken und zur Vornahme von Reparaturen jederzeit ungehindert zu begehen.
Das Geschossbahnrecht berechtigte die Kleinkaliberschützen, das zwischen ihrem
Schiessstand und der Verankerungsanlage des Zugscheibensystems gelegene Terrain des
belasteten Grundstücks zu überschiessen.
Hinsichtlich des altlastenrechtlich betroffenen Teils der Parzelle Nr. D._ mit dem
Kugelfang der Kleinkaliberschiessanlage hatte somit nicht der Grundeigentümer dieser
Parzelle die rechtliche oder tatsächliche Gewalt. Die Verfügungsmacht, die es dem
5 VGE 2014/59 vom 24. Juni 2015 E. 3.4 mit zahlreichen Hinweisen auf Literatur und Rechtsprechung 6 BGE 114 Ib 44 E. 2.c.aa 7 Vgl. die Eingabe vom 8. Februar 2018 und die Schlussbemerkungen vom 15. Mai 2018 des Beschwerdeführers inklusive Beilagen
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Gewalthaber ermöglichte, die Sache in ordnungsgemässem Zustand zu halten oder den
Gefahrenherd zu beseitigen, lag aufgrund des dinglichen Baurechts vielmehr beim
Eigentümer der Parzelle Nr. F._. Somit hat das AWA den Beschwerdeführer als
Grundeigentümer der Parzelle Nr. F._ zu Recht als Zustandsverursacher
betrachtet. Dies scheint vom Beschwerdeführer nicht bestritten zu werden. Er schreibt in
seiner Beschwerde, er sei als heutiger Eigentümer der Parzelle Nr. F._ ein
schuldloser Zustandsstörer.
3. Kostentragungspflicht des Zustandsverursachers
a) Das AWA hat den Beschwerdeführer als Zustandsstörer verpflichtet, 10 Prozent der
Untersuchungs- und Sanierungskosten zu tragen. Es hat diese Quote mit der Empfehlung
des Bundesamts für Umwelt (BAFU) begründet, wonach der Anteil des Zustandsstörers in
der Regel zwischen 10 und 30 Prozent betrage. Gestützt auf Besprechungen mit dem
Beschwerdeführer würden hier 10 Prozent als angemessen beurteilt.
b) Der Beschwerdeführer bestreitet, dass ihm 10 Prozent der Kosten auferlegt werden
können. Er habe das Grundstück in einer öffentlichen konkursamtlichen Versteigerung
erworben. Der Erwerb einer Liegenschaft aus einer öffentlichen Versteigerung sei als
"Clean break" zu verstehen. Zwar gingen alle auf dem Grundstück haftenden Belastungen
und damit verbundenen persönlichen Schuldpflichten auf den Erwerber über. Wenn jedoch
in den Steigerungsbedingungen und dem diesem beigefügten Lastenverzeichnis eine
Forderung fehle, könne der Ersteigerer über den Zuschlagspreis hinaus nicht zu weiteren
Zahlungen verpflichtet werden. Im vorliegenden Fall seien im Lastenverzeichnis der
Steigerungsbedingungen die Kosten einer Altlastensanierung nicht aufgeführt gewesen.
Somit sei seine Kostenbeteiligung von 10 Prozent aus konkursrechtlichen Gründen
aufzuheben.
In umweltschutzrechtlicher Hinsicht geht der Beschwerdeführer davon aus, dass er
schuldloser Zustandsstörer sei. Als solcher könne ihm nur dann ein Kostenanteil
aufgelastet werden, wenn er durch die Sanierung einen nicht unwesentlichen
wirtschaftlichen Vorteil erlangt habe. Dem sei aber nicht so. Die Scheibenanlage beim
Kugelstand sei zerstört, die Kabelzüge entfernt und die ursprüngliche Terrassierung des
Hangs für die Halterung der Scheiben entfernt worden. Im fraglichen Hang bestehe
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keinerlei Einrichtung mehr für Kleinkaliberscheiben. Er könne auch nicht einfach so durch
Installation eines künstlichen Kugelfangsystems den Schiessstand wieder in Betrieb
nehmen, dafür müsste ein neues Baubewilligungsverfahren mit erheblichen Risiken und
Kosten durchgeführt werden. Zudem bestehe heute auch gar kein Bedarf mehr an
Kleinkaliberschiessanlagen, weshalb damit auch kein finanzieller Ertrag erwirtschaftet
werden könne. Die Sanierung komme wenn überhaupt nicht dem Beschwerdeführer,
sondern dem von Amtes wegen am Verfahren beteiligten Grundeigentümer zugute. Dieser
könne als Landwirt die betroffene Fläche wieder ungehindert als Weideland nutzen. Auch
sei dem Beschwerdeführer kein wirtschaftlicher Vorteil durch eine Verkehrswertsteigerung
seines Grundstücks entstanden. Die Verkäuflichkeit des Grundstücks sei durch die
Entfernung der Schiessstandinstallationen im Rahmen der Sanierung wenn schon kleiner
geworden. Schliesslich bestehe offensichtlich auch darin keine Wertvermehrung, dass der
Beschwerdeführer aufgrund der Sanierung für keine durch die Sportschützen verursachten
Schäden mehr aufkommen müsse. Im Übrigen habe der Beschwerdeführer unterdessen
die Löschung des Baurechts und des Geschossbahnrechts veranlasst. Auch das zeige,
dass diese beiden Dienstbarkeitsrechte für den Beschwerdeführer nichts wert seien.
c) Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ergibt die Auslegung von Art. 32d
USG, dass auch ein Standortinhaber, der das Grundstück bereits mit der Belastung
erworben hat, zu den potenziell zahlungspflichtigen Personen gehört, soweit er sich nicht
nach Abs. 2 Satz 3 von der Haftung befreien kann.8 Diese Befreiung gelingt ihm dann,
wenn er im Zeitpunkt des Eigentumserwerbs nicht wusste oder aufgrund der konkreten
Umstände nicht hätte wissen müssen, dass mit Belastungen zu rechnen ist.9 Gelingt diese
Befreiung nicht, bedarf die vom AWA zitierte Praxis, wonach 10-30 Prozent der Kosten auf
den schuldlosen Zustandsstörer entfallen, gemäss Bundesgericht jedoch der Präzisierung:
Ein derartiger Kostenanteil ergibt sich nicht bereits aus der Eigentümerstellung zum
Zeitpunkt der Kostenverteilungsverfügung, sondern erscheint nur dann gerechtfertigt, wenn
weitere Umstände hinzutreten, z.B. wenn die betroffene Person schon im Zeitpunkt der
Belastung für den Standort verantwortlich war und diese daher hätte verhindern können,
wenn sie für den Verursachungsanteil ihres Rechtsvorgängers haftet (kraft
Geschäftsübernahme oder als Erbe) oder durch die Belastung und/oder Sanierung einen
(nicht unwesentlichen) wirtschaftlichen Vorteil erlangt hat oder erlangen wird. Ob der
Kostenanteil des blossen Standortinhabers erheblich herabgesetzt oder auf eine
8 BGE 139 II 106 E. 3.6 9 Griffel / Rausch, Kommentar USG, Ergänzungsband, Art. 32d N. 10
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Kostenbeteiligung ganz verzichtet werden muss, wenn keiner dieser weiteren Umstände
hinzu tritt, lässt das Bundesgericht offen.10
d) Die fragliche Parzelle wurde am 25. Februar 2015 in den Kataster der belasteten
Standorte eingetragen. Die konkursamtliche Versteigerung erfolgte am 20. November
2015. In den Steigerungsbedingungen ist die Altlastenproblematik ausdrücklich erwähnt.
Der Beschwerdeführer bestreitet denn auch nicht, dass er im Zeitpunkt des
Eigentumserwerbs um diese Problematik wusste. Unter diesen Umständen kann nicht
gesagt werden, dass der Beschwerdeführer bei Anwendung der gebotenen Sorgfalt von
der Belastung keine Kenntnis haben konnte. Somit kann er sich nicht nach Art. 32d Abs. 2
Satz 3 USG von der Haftung befreien.
e) Daran vermögen auch die Einwendungen des Beschwerdeführers betreffend Erwerb
der Liegenschaft aus einer konkursamtlichen Versteigerung nichts zu ändern, diese sind
unerheblich. Die latente Kostenpflicht des Standortinhabers geht bei einer Handänderung
ohne weiteres auf den Erwerber über. Dies aber nicht im Sinne einer Rechtsnachfolge;
vielmehr knüpft die latente Kostenpflicht an die Rechtsbeziehung zum belasteten Standort
an und entsteht somit originär beim neuen Eigentümer.11 Der Beschwerdeführer haftet also
nicht aufgrund einer von der Kleinkaliberschützengesellschaft H._ als vorherige
Grundeigentümerin auf ihn als Rechtsnachfolger übertragenen Haftung, sondern alleine
aus seiner Rechtsstellung als Grundeigentümer der Parzelle Nr. F._ und damit
Baurechtsberechtigter zum Zeitpunkt der Untersuchung und Sanierung bzw. dem Erlass
der entsprechenden Kostenverteilungsverfügung. Der Erwerbsgrund und der vom
Beschwerdeführer geltend gemachte "Clean break" hat auf diese Rechtsstellung keinen
Einfluss. Die Untersuchung und Sanierung sowie der Erlass der
Kostenverteilungsverfügung erfolgten 2016 und 2017 und damit zu einer Zeit, in der der
Beschwerdeführer Zustandsstörer war. Somit bleibt es dabei, dass es sich beim
Beschwerdeführer als Standortinhaber um eine potenziell zahlungspflichtige Person
handelt.
f) Damit dem Beschwerdeführer 10 Prozent der Kosten auferlegt werden können,
genügt jedoch die Eigentümerstellung nicht. Eine solche Beteiligung ist nur dann
gerechtfertigt, wenn weitere Umstände hinzutreten, z.B. wenn die betroffene Person schon
10 BGE 139 II 106 E. 5.6 und 6.1 11 BGE 139 II 106 E. 5.3.1
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im Zeitpunkt der Belastung für den Standort verantwortlich war und diese daher hätte
verhindern können, wenn sie für den Verursachungsanteil ihres Rechtsvorgängers haftet
(kraft Geschäftsübernahme oder als Erbe) oder durch die Belastung und/oder Sanierung
einen (nicht unwesentlichen) wirtschaftlichen Vorteil erlangt hat oder erlangen wird.
Der Beschwerdeführer war im Zeitpunkt der Belastung durch die Schiesstätigkeit noch
nicht für den Standort verantwortlich. Er hat diese Belastung weder selbst herbeigeführt
noch hätte er sie verhindern können. Er haftet auch nicht für den Verursachungsanteil
seines Rechtsvorgängers, da weder eine Geschäftsübernahme noch eine Erbschaft
vorliegt.
g) Näher zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer durch die Belastung und/oder
Sanierung einen (nicht unwesentlichen) wirtschaftlichen Vorteil erlangt hat oder erlangen
wird. Das AWA macht dazu zunächst geltend, durch die Sanierung des Kugelfangs seien
die Voraussetzungen erfüllt, dass der Beschwerdeführer aufgrund des Baurechts jederzeit
wieder einen Kleinkaliberschiessstand in Betrieb nehmen könne. Dieses Argument
überzeugt nicht. Der Betrieb einer Schiessanlage auf unsaniertem Grund ist nicht verboten.
Ein solches Verbot ergibt sich insbesondere auch nicht aus Art. 19a AbfG. Diese
Bestimmung untersagt lediglich den Betrieb einer Schiessanlage ohne Einbau eines
künstlichen Kugelfangsystems nach dem 31. Dezember 2020. Die Sanierung ist somit nicht
Voraussetzung für den Betrieb eines Schiessstands. Kommt hinzu, dass das AWA selber
einräumt, der wirtschaftliche Ertrag einer solchen Anlage sei schwierig zu beziffern.
Weiter macht das AWA geltend, nach der erfolgten Sanierung müsse ein allfälliger Käufer
des Grundstücks Nr. F._ als neuer Baurechtsnehmer für keine durch die
Sportschützen verursachten Schäden mehr aufkommen. Dies stelle für das Grundstück
eine Wertvermehrung dar, welche sich sicher in der Grössenordnung des verfügten
Zustandsstöreranteils von 10 Prozent bewege. Auch dies überzeugt nicht. Die Belastung
für einen allfälligen Käufer reduziert sich in dieser Konstellation um denjenigen Betrag,
welcher der Beschwerdeführer als Zustandsstörer zu bezahlen hat. Der Mehrwert des
Grundstücks wird demnach nicht durch die Sanierung, sondern durch die Beitragsleistung
des Beschwerdeführers geschaffen. Letztlich handelt es sich dabei um ein
Nullsummenspiel, aus welchem dem Beschwerdeführer kein wirtschaftlicher Vorteil
erwächst.
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Schliesslich macht das AWA geltend, der Beschwerdeführer habe die Parzelle
Nr. F._ für Fr. 53'000.-- ersteigert. Der amtliche Wert des Grundstücks sei auf
Fr. 119'000.-- geschätzt. Da anlässlich der Steigerung alle über die Altlast Bescheid
gewusst hätten, sei davon auszugehen, dass potenzielle Interessenten abgeschreckt
worden seien oder die Mitbieter eher mit Vorsicht geboten hätten. Dies habe mit grosser
Wahrscheinlichkeit dazu geführt, dass der Beschwerdeführer die Parzelle zu einem guten
Kaufpreis habe ersteigern können. Zunächst weist der Beschwerdeführer in seinen
Schlussbemerkungen zu Recht darauf hin, dass sich die Bedeutung des amtlichen Werts
für die Beurteilung des Kaufpreises relativiert, wenn man die konkursamtliche Schätzung
des Grundstücks in der Höhe von Fr. 5'000.-- berücksichtigt. Abgesehen davon, stellt auch
dies keinen wirtschaftlichen Vorteil dar, welche der Beschwerdeführer aus der Sanierung
erlangt hat. Ein solcher wirtschaftlicher Vorteil hat seinen Ursprung gegebenenfalls
vielmehr in einer Fehleinschätzung der Mitbietenden hinsichtlich des sich aus der
Sanierungspflicht ergebenden Kostenrisikos.
Somit ist kein (wesentlicher) wirtschaftlicher Vorteil erkennbar, welcher der
Beschwerdeführer durch die Belastung und/oder Sanierung erlangt hat oder erlangen wird.
Sein Grundstück Nr. F._ ist von der Sanierung eines Teils der Parzelle
Nr. D._ nicht betroffen und erfährt daher keinen Mehrwert. Und auch das
Baurecht, welches dem Eigentümer der Parzelle Nr. F._ zustand und heute
gelöscht ist, erfuhr durch die Sanierung der Parzelle Nr. D._ keine Veränderung
und damit keinen Mehrwert.
h) Damit ist hier keiner der vom Bundesgericht namentlich genannten Umstände erfüllt,
die für einen Kostenanteil des blossen Standortinhabers von 10-30 Prozent hinzutreten
müssen. Allerdings hat das Bundesgericht offen gelassen, ob dieser Kostenanteil ohne
solche Umstände nur erheblich herabgesetzt oder auf eine Kostenbeteiligung ganz
verzichtet werden muss. Zudem ist die Aufzählung des Bundesgerichts hinsichtlich der
weiteren Umstände nur exemplarisch ("wenn weitere Umstände hinzutreten, z.B.") und
damit nicht abschliessend. Hier ist das Argument des AWA zu berücksichtigen, wonach
aufgrund der Erwähnung der Altlastenproblematik in den Steigerungsbedingungen alle
potenziellen Käufer im Zeitpunkt der Versteigerung mit einer finanziellen Beteiligung an
den Sanierungskosten rechnen mussten. Für den Beschwerdeführer ist aufgrund eines
Radiointerviews sogar belegt, dass er bei der Ersteigerung der Parzelle nicht bloss mit
einer Kostenbeteiligung hätte rechnen müssen, sondern tatsächlich mit einer solchen
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Beteiligung gerechnet hat.12 Für eine vollständige Kostenbefreiung eines Zustandsstörers,
der beim Erwerb eines Grundstücks ausdrücklich mit einer Kostenbeteiligung gerechnet
und eine solche damit in Kauf genommen hat, besteht kein Anlass, zumal dieses
Kostenrisiko den Kaufpreis bei der öffentlichen Versteigerung nach unten gedrückt haben
dürfte. Unter diesen Umständen ist zwar eine Unterschreitung des Rahmens von 10-
30 Prozent angezeigt, ein vollständiger Verzicht auf eine Kostenbeteiligung des
Beschwerdeführers ist jedoch nicht gerechtfertigt. Er hat daher von den Sanierungskosten
5 Prozent der Restkosten nach Abzug der Bundesbeiträge zu tragen.
i) Soweit die Kostenbeteiligung des Beschwerdeführers von 10 auf 5 Prozent reduziert
wird, wird seine Beschwerde teilweise gutgeheissen. Er hat jedoch eine vollständige
Kostenbefreiung beantragt, weshalb seine Beschwerde im Übrigen abgewiesen wird.
Bleibt die Frage, wer die restlichen 5 Prozent der Sanierungskosten zu tragen hat. Eine
Kostenbeteiligung des von Amtes wegen am Verfahren Beteiligten als Grundeigentümer
der Parzelle Nr. D._ als weiterer Zustandsverursacher ist nicht angezeigt. Selbst
wenn er als Standortinhaber als potenziell zahlungspflichtige Person betrachtet werden
könnte, kämen bei ihm keine weiteren Umstände hinzu, die eine Kostenbeteiligung
rechtfertigen würden. Weitere potenzielle Störer sind nicht vorhanden. Somit ist der
Kostenanteil der Sportschützen als Verhaltensstörer von 90 auf 95 Prozent zu erhöhen,
wobei diese Kosten als Ausfallkosten vom Kanton zu tragen sind.
4. Kosten
a) Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr
(Art. 103 Abs. 1 VRPG). Für Entscheide in einer Verwaltungsjustizsache wird eine
Pauschalgebühr von Fr. 200.-- bis Fr. 4'000.-- erhoben (Art. 19 Abs. 1 i.V.m. Art. 4 Abs. 2
GebV13). In Anwendung dieser Bestimmungen wird die Pauschale auf Fr. 1'000.--
festgelegt.
12 https://www.neo1.ch/news/news/newsansicht/datum/2015/11/20/schuetzenhaus-schwanden-hat-neuen-besitzer.html 13 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
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Die Verfahrenskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Bei
diesem Ausgang des Verfahrens gilt der Beschwerdeführer als zur Hälfte unterliegend. Er
hat daher Fr. 500.-- an Verfahrenskosten zu tragen. Die restlichen Verfahrenskosten trägt
der Kanton, da diese weder dem AWA (Art. 108 Abs. 2 VRPG) noch dem von Amtes
wegen am Verfahren Beteiligten, der keinen Antrag gestellt hat, auferlegt werden können.
b) Der Beschwerdeführer verlangt den Ersatz seiner Anwaltskosten, die ihm im vor-
instanzlichen Verfahren und im vorliegenden Beschwerdeverfahren entstandenen sind. Im
Verwaltungsverfahren besteht jedoch kein Anspruch auf Parteikostenersatz (Art. 107
Abs. 3 VRPG), weshalb für das vorinstanzliche Verfahren keine Parteikosten gesprochen
werden können. Daran vermag auch der vom Beschwerdeführer genannte
Bundesgerichtsentschied14 nichts zu ändern. Dieser betrifft vorprozessuale Anwaltskosten
aus einem Strafverfahren als Teil des Schadens und ist im vorliegenden Fall nicht
einschlägig.
Im Beschwerdeverfahren hat die unterliegende Partei der Gegenpartei die Parteikosten zu
ersetzen, sofern nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine
andere Teilung oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das
Gemeinwesen als gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Bei diesem Ausgang
des Beschwerdeverfahrens gilt der Beschwerdeführer als zur Hälfte obsiegend. Er hat
daher Anspruch auf Ersatz der Hälfte seiner Parteikosten im Beschwerdeverfahren. Da der
von Amtes wegen am Verfahren Beteiligte auch hier nicht kostenpflichtig wird, sind diese
vom AWA zu bezahlen.
Die Parteikosten umfassen den durch die berufsmässige Parteivertretung anfallenden
Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Die Kostennote des Anwalts des Beschwerdeführers im
Beschwerdeverfahren beläuft sich auf Fr. 5'664.60 (Honorar Fr. 5'188.--, Auslagen
Fr. 71.60, Mehrwertsteuer Fr. 405.--). Nach Art. 11 Abs. 1 PKV15 beträgt das Honorar in
verwaltungsrechtlichen Beschwerdeverfahren Fr. 400.-- bis Fr. 11'800.-- pro Instanz.
Innerhalb des Rahmentarifs bemisst sich der Parteikostenersatz nach dem in der Sache
14 BGE 117 II 101, publiziert in Pra 80/1991 Nr. 163 15 Verordnung vom 17. Mai 2006 über die Bemessung des Parteikostenersatzes (Parteikostenverordnung; PKV; BSG 168.811)
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gebotenen Zeitaufwand sowie der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des
Prozesses (Art. 41 Abs. 3 KAG16). Im vorliegenden Fall ist der gebotene Zeitaufwand als
knapp durchschnittlich zu werten, da nur ein Schriftenwechsel stattfand und kein
Beweisverfahren durchgeführt wurde, der Beschwerdeführer jedoch noch
Schlussbemerkungen eingereicht hat. Bei einem strittigen Sanierungskostenbeitrag in der
Grössenordnung von Fr. 10'000.-- und den umstrittenen Rechtsfragen sind die Bedeutung
der Streitsache und die Schwierigkeit des Prozesses insgesamt als unterdurchschnittlich
einzustufen. Daher erscheint ein Honorar von Fr. 4'000.-- als angemessen. Das AWA hat
dem Beschwerdeführer somit die Hälfte der Parteikosten in der Höhe von Fr. 4'385.10
(Honorar Fr. 4'000.--, Auslagen Fr. 71.60, Mehrwertsteuer Fr. 313.50), ausmachend
Fr. 2'192.55 zu ersetzen.