# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 75c38512-cb84-4190-b40b-e6dbe253f642
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2010
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Z. K., L., ist Eigentümer des Grundstücks Nr. 00, Grundbuch Rorschach, X-strasse
2. Die Parzelle ist mit einem dreigeschossigen Gebäude (Vers.-Nr. 000) mit
ausgebautem Dachstock überbaut. Im südlichen Teil des Erdgeschosses befindet sich
die Bar "Q." mit 35 Sitzplätzen, im nördlichen Teil die Bar "P." mit 33 Sitzplätzen. Im
ersten Obergeschoss befinden sich eine 3-Zimmer-Wohnung, ein separates
Gästezimmer und die ehemalige Restaurantküche, im zweiten Obergeschoss eine 4-
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Zimmer-Wohnung mit separatem Abstellraum und im Dachgeschoss eine 5-Zimmer-
Wohnung.
Südlich des Grundstücks Nr. 00 liegt der Kreuzungsbereich der Kantonsstrassen
St. Gallerstrasse/X-strasse, östlich davon verläuft die K-strasse und im Norden liegt
das SBB-Trassee. An seiner Westseite ist das Gebäude Vers.-Nr. 000 mit einem
fünfgeschossigen Wohn- und Gewerbehaus (Vers.-Nr. 0000) auf dem Grundstück
Nr. 00 zusammengebaut. Eigentümerin dieser Parzelle ist B. T.
Nach dem Zonenplan der Politischen Gemeinde Rorschach vom 5. September 1981
liegen die Grundstücke Nrn. 00 und 00, wie das gesamte westlich und südlich
angrenzende, entlang der Kantonsstrassen liegende Quartier, in der Kernzone für
fünfgeschossige Bauten (K5; Lärmempfindlichkeitsstufe III). Die östlich angrenzenden
Liegenschaften befinden sich in der Kernzone Altstadt (KA; Lärmempfindlichkeitsstufe
III). Nördlich des Bahntrassees liegen die Seeanlagen, die der Grünzone zugewiesen
sind.
B./ Mit Gesuch vom 12. Juli 2006 und Ergänzungen vom 16. und 18. Juli 2006
beantragte Z. K. dem Stadtrat Rorschach, es sei die Baubewilligung für den Einbau
einer rund 2 m grossen Tanzbühne für Toplessauftritte, Striptease- und ähnliche
Vorführungen in der Bar "P." zu erteilen. Sodann ersuchte er darum, es seien das
Anbringen zusätzlicher Aussenreklamen an der Fassade des Gebäudes Vers.-Nr. 000
und verkürzte Öffnungszeiten (Montag - Donnerstag 15.00 bis 01.00 Uhr, Freitag und
Samstag 15.00 bis 02.00 Uhr) zu bewilligen.
Innert der vom 21. Juli bis 3. August 2006 dauernden Auflagefrist erhob unter anderen
B. T. Einsprache beim Stadtrat Rorschach. Sie stellte den Antrag, das Baugesuch sei
abzuweisen. Am 19. Dezember 2006 wies der Stadtrat Rorschach das Baugesuch ab
und hiess die Einsprache von B. T. gut. Gegen diesen Beschluss erhob Z. K. am 10.
Januar 2007 Rekurs beim Baudepartement. Er stellte die Rechtsbegehren, der
angefochtene Entscheid sei aufzuheben und dem Baugesuch sei zu entsprechen.
Sodann sei die Einsprache von B. T. abzuweisen. Eventuell sei das Verfahren an die
Gemeindebehörde zur korrekten Durchführung des Baubewilligungsverfahrens
zurückzuweisen. Im weiteren teilte er mit, er habe das Gesuch betreffend
2
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Reklameeinrichtungen zurückgezogen. Das Baudepartement hiess den Rekurs am 20.

## Considerations

Dezember 2007 im Sinn der Erwägungen gut, hob den Beschluss des Stadtrats
Rorschach vom 19. Dezember 2006 auf und wies die Streitsache zur neuen
Entscheidung im Sinn der Erwägungen an die Vorinstanz zurück. Der Rekursentscheid
wird damit begründet, die Vorinstanz habe elementare Verfahrensvorschriften verletzt.
Im Sinn einer Eventualbegründung wird zudem ausgeführt, der Rekurs sei auch in
materieller Hinsicht berechtigt und hätte folglich gutgeheissen werden müssen. Am 17.
Juni 2008 wies das Verwaltungsgericht eine von der Politischen Gemeinde Rorschach
gegen den Entscheid des Baudepartements vom 20. Dezember 2007 erhobene
Beschwerde ab (B 2008/10).
C./ Am 13. Januar 2009 fasste der Stadtrat Rorschach folgenden Beschluss:
"1. Die Baubewilligung für den Einbau und Betrieb einer Tanzbühne für Topless,
Striptease und ähnliche Vorführungen in der Bar "P.", X-strasse 00, Grundstück Nr. 00
Grundbuch Rorschach, wird erteilt
mit folgenden Auflagen:
a) bezüglich Lärmimmissionen:
- Die Fenster und Türen der Bar "P." gegen die Strasse und die Aussenterrasse sind
zu den Betriebszeiten geschlossen zu halten;
- der auf dem von Z. K. eingereichten Plan eingezeichnete Eingangsbereich mit 2
Türen und Zwischenraum ist baulich zu erhalten.
Für den Fall, dass sich im Betrieb erweisen sollte, dass trotz der beiden Auflagen
Musiklärm von der Bar "P." nach aussen dringt, bleibt die nachträgliche Verfügung von
zusätzlichen Auflagen ausdrücklich vorbehalten.
. . . . . . . . ..
c) . . . . . .
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2. Das Gesuch um Bewilligung der Verkürzung der Schliessungszeiten wird
abgewiesen.
3. . . . . .
4. Die Einsprache von B. T. wird abgewiesen, soweit sie allein den Einbau und den
Betrieb der Tanzbühne für Topless, Striptease und ähnliche Vorführungen sowie die
Parkplätze zum Gegenstand hat.
5. Die Einsprache von B. T. wird geschützt, soweit sie die Verkürzung der
Schliessungszeiten zum Gegenstand hat.
6. Z. K. bezahlt eine Entscheidgebühr von 1'500 Franken.
7. Ausseramtliche Kosten werden nicht zugesprochen."
Am 5. Februar 2009 erhob Z. K. gegen Ziff. 2 und 5 dieses Beschlusses Rekurs beim
Baudepartement. Er beantragte, diese Anordnungen seien aufzuheben (Ziff. 1). Sodann
sei das Gesuch um Verkürzung der Schliessungszeiten (unter der Woche von 01.00 bis
05.00 Uhr) sowie in den Nächten Freitag/Samstag und Samstag/Sonntag von 02.00 bis
05.00 Uhr gutzuheissen (Ziff. 2). Das Baudepartement hiess den Rekurs am 25. Mai
2009 im Sinn der Erwägungen gut und hob Ziffern 2 und 5 des Beschlusses des
Stadtrats Rorschach vom 13. Januar 2009 auf. Die Streitsache wurde zur umgehenden
Bewilligung der verkürzten Schliessungszeiten an den Stadtrat Rorschach
zurückgewiesen.
D./ Am 9. Juni 2009 erhob die Politische Gemeinde Rorschach, vertreten durch
Rechtsanwalt S. C., gegen den Entscheid des Baudepartements vom 25. Mai 2009
Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Innert erstreckter Frist stellte sie am 3. Juli 2009
die Rechtsbegehren, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die Ziffern 2 und
5 des Beschlusses des Stadtrats Rorschach vom 13. Januar 2009 seien zu bestätigen
(Ziff. 1). Eventuell sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und zur Ergänzung des
Sachverhalts sowie zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen (Ziff. 2).
Das Baudepartement nahm am 9. Juli 2009 Stellung und beantragte, die Beschwerde
sei abzuweisen. Z. K., damals vertreten durch Rechtsanwalt E. N., liess sich am 23. Juli
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2009 vernehmen und beantragte, der Beschwerde sei keine Folge zu geben. Am
31. Juli 2009 teilte B. T., vertreten durch Rechtsanwalt Othmar Somm, mit, sie sehe
davon ab, sich am Beschwerdeverfahren zu beteiligen. Am 18. August 2009 machte die
Politische Gemeinde Rorschach von der Möglichkeit Gebrauch, sich zu neuen
tatsächlichen und rechtlichen Argumenten zu äussern. Am 24. August 2009 teilte
Rechtsanwalt E. N. mit, dass er Z. K. nicht mehr vertrete und am 14. Dezember 2009
gab Rechtsanwalt M. F. bekannt, dass er neu der Rechtsvertreter von Z. K. sei.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die Sachurteilsvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen:
1.1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59bis Abs.
1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Ferner
entsprechen die Beschwerdeeingabe vom 9. Juni 2009 und ihre Ergänzung vom 3. Juli
2009 zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP).
1.2. Nach Art. 57 des Umweltschutzgesetzes (SR 814.01, abgekürzt USG) sind die
Gemeinden berechtigt, gegen Verfügungen der kantonalen und der Bundesbehörden in
Anwendung dieses Gesetzes die Rechtsmittel des eidgenössischen und des
kantonalen Rechts zu ergreifen, sofern sie dadurch berührt werden und ein
schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung oder Änderung haben. Nach Art. 64 Abs. 1
in Verbindung mit Art. 45 Abs. 2 VRP steht das Beschwerderecht sodann der
zuständigen Behörde einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft zur Wahrung öffentlicher
Interessen zu (vgl. dazu Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St.
Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 450 ff. mit Hinweisen; F. Rüdisüli, Die Legitimation der
öffentlich-rechtlichen Körperschaften im Beschwerdeverfahren, in: 20 Jahre
Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen, Nr. 12 der Schriftenreihe "Der Kanton St.
Gallen heute und morgen", St. Gallen 1986, S. 42). Die Politische Gemeinde Rorschach
will die Schliessungszeiten der Bar "P." nicht verkürzen, um die Nachtruhe der
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Bewohner zu schützen und die Innenstadt wieder zu beleben. Insoweit ist sie deshalb
zur Beschwerde legitimiert.
1.3. Die Politische Gemeinde Rorschach beantragt indessen, der Entscheid des
Baudepartements vom 25. Mai 2009 sei als ganzes aufzuheben, somit auch soweit B.
T., R., die Entscheidgebühr von Fr. 2'500.--auferlegt worden ist (Ziff. 2), und soweit sie
Z. K. mit Fr. 2'700.-- zuzüglich MWSt ausseramtlich zu entschädigen hat. Dazu ist sie
mangels Beschwer nicht berechtigt.
1.3. Auf die Beschwerde ist im Sinn der Erwägungen einzutreten.
2. Nach Art. 78 Abs. 2 lit. o des Baugesetzes (sGS 731.1, abgekürzt BauG) sind
Zweckänderungen, die Einwirkungen auf die Umgebung oder eine Vergrösserung des
Benützerkreises zur Folge haben, bewilligungspflichtig. Unbestritten ist, dass diese
Voraussetzung erfüllt ist. Die Bar "P." mit Tanzbühne für Toplessauftritte sowie
Striptease- und ähnliche Vorführungen ist ein gastgewerblicher Betrieb mit erotischer
Ausrichtung. Sodann soll das Lokal, das während der Woche bis Mitternacht und in
den Nächten Freitag/Samstag sowie Samstag/Sonntag bis 01.00 Uhr geöffnet ist, nun
während der Woche bis 01.00 Uhr und in den Nächten Freitag/Samstag sowie
Samstag/Sonntag bis 02.00 Uhr zugänglich sein.
Nach Art. 87 Abs. 1 BauG ist die Baubewilligung zu erteilen, wenn keine im öffentlichen
Recht begründeten Hindernisse vorliegen. Zum öffentlichen Recht gehört u.a. das
gesamte Umweltschutzrecht (B. Heer, St. Gallisches Bau- und Planungsrecht, Bern
2003, Rz. 850 mit Hinweis auf ZBl 2000 437 ff.).
2.1. Nach Art. 16 Abs. 1 des Gastwirtschaftsgesetzes (sGS 553.1, abgekürzt GWG)
dauert die Schliessungszeit von Mitternacht bis 05.00 Uhr, wobei die Schliessungszeit
für Samstag und Sonntag auf 01.00 Uhr festgelegt werden kann (Art. 17 Abs. 1 GWG).
Sodann wird die Schliessungszeit für einen einzelnen Betrieb gestützt auf Art. 18 Abs.
1 GWG auf Gesuch verkürzt oder aufgehoben, wenn bestimmte Voraussetzungen
erfüllt sind. Dazu gehört, dass der verlängerten Offenhaltung keine berechtigten
Interessen der Nachbarschaft entgegenstehen. Nach Art. 3 lit. b des
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Unterhaltungsgewerbegesetzes (sGS 554.4) dürfen Veranstaltungen und Anlagen die
Nachbarschaft nicht übermässig belästigen.
2.2. Seit dem Erlass des USG und seiner Ausführungsvorschriften, so auch der
Lärmschutzverordnung (SR 814.41, abgekürzt LSV), wird das in einer Zone konkret
zulässige Immissionsmass weitgehend durch öffentliches Bundesrecht bestimmt. Die
kantonalrechtlichen Lärmschutzvorschriften haben ihre eigenständige Bedeutung
verloren, soweit sich ihr materieller Gehalt mit dem Bundesrecht deckt oder weniger
weit geht als dieses (BGE 118 Ib 595 E. 3a mit Hinweisen).
2.2.1. Die Zonenkonformität einer Baute oder Anlage gewährleistet lediglich einen
abstrakt wirkenden Immissionsschutz. Erst in einer zweiten Stufe ist die konkrete
Beurteilung einer Baute oder Anlage vorzunehmen. Dabei ist namentlich zu prüfen, ob
der Betrieb Immissionen zur Folge hat, die das zulässige Mass überschreiten. Die
zweistufige Beurteilung von Bauten und Anlagen auf ihre immissionsrechtliche
Zulässigkeit wird durch Art. 43 LSV bestätigt. Nach dieser Bestimmung sind den
Nutzungszonen nach dem Raumplanungsgesetz (SR 700) Empfindlichkeitsstufen
zugeordnet.
Die Liegenschaft des Beschwerdegegners liegt in der Kernzone für fünfgeschossige
Bauten. Kernzonen sind der Empfindlichkeitsstufe III zugeteilt, in der mässig störende
Betriebe zugelassen sind (Art. 43 Abs. 1 lit. c LSV in Verbindung mit Art. 6 Abs. 1 des
Grossratsbeschlusses über den Lärmschutz, sGS 672.43). Dies bedeutet, dass die
Lärmgrenzen auch mit Rücksicht auf die Wohnnutzung so festzulegen sind, dass die
Wohnbevölkerung in ihrem Wohlbefinden nicht erheblich gestört wird. Bei
regelmässigen Lärmimmissionen über der Weckschwelle nach Mitternacht kann nicht
geschlossen werden, die Wohnbevölkerung werde in ihrem Wohlbefinden, das
namentlich eine im Wesentlichen ungestörte Nachtruhe voraussetzt, nicht bedeutend
beeinträchtigt (BGE 126 III 229 E. 4b).
2.2.2. Unbestritten ist, dass es sich bei der Bar "P.", für die neu eine Tanzbühne für
Erotik-Veranstaltungen bewilligt worden ist und für die eine Verkürzung der
Schliessungszeiten in die Nacht hinein zur Diskussion steht, um eine ortsfeste Anlage
im Sinn von Art. 7 Abs. 7 USG und Art. 2 Abs. 1 LSV handelt, die den
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bundesrechtlichen Bestimmungen über den Lärmschutz unterliegt (vgl. GVP 2005
Nr. 27 und F. Bellanger, Das Schweizerische Umweltschutzrecht, Rechtsprechung von
1995 bis 1999, in: URP 2001, S. 619 ff., S. 653). Davon wird grundsätzlich der direkt
mit dem Betrieb einer Anlage verbundene "Verhaltenslärm" von Menschen erfasst (BGE
123 II 74 ff.). Soweit diese Emissionen nach aussen dringen (Aussenlärmemissionen),
fallen sie in den Regelungsbereich der LSV (Art. 1 Abs. 2 lit. a LSV). Der Innenlärm wird
davon teilweise erfasst (Art. 1 Abs. 2 lit. d und Abs. 3 lit. a LSV). Sodann sind
Sekundärimmissionen zu berücksichtigen, d.h. Geräusche, die durch die
bestimmungsgemässe Nutzung der Anlage ausserhalb des Gebäudes entstehen.
Neben dem von den Besuchern beim Betreten oder Verlassen des Lokals erzeugten
Lärm zählt insbesondere auch der auf den Besucherparkplätzen verursachte Lärm
dazu (URP 1999, S. 269, BGE 123 II 79, URP 1997, S. 197 ff. und URP 1997, S. 498 mit
Hinweisen, Urteil des Bundesgerichts vom 24. Juni 1997 1A.86/1996, teilweise
publiziert in: URP 1997, S. 495; vgl. auch Bellanger, a.a.O., in: URP 2001, S. 663). Im
weiteren darf der Betrieb neuer oder wesentlich geänderter Anlagen nicht dazu führen,
dass durch die Mehrbeanspruchung einer Verkehrsanlage die Immissionsgrenzwerte
überschritten werden (Art. 9 lit. a LSV).
Nach Art. 25 Abs. 1 USG dürfen neue ortsfeste Anlagen nur errichtet werden, wenn die
durch die Anlagen erzeugten Lärmimmissionen die Planungswerte in der Umgebung
nicht überschreiten. Zudem sind nach Art. 11 Abs. 2 USG die Immissionen im Rahmen
der Vorsorge so weit zu begrenzen, als dies technisch und betrieblich möglich sowie
wirtschaftlich tragbar ist. Die Immissionsbegrenzung kann dabei auch durch den Erlass
von Betriebsvorschriften erfolgen (Art. 12 Abs. 1 USG).
2.2.3. Für die Beurteilung der schädlichen und lästigen Einwirkungen legt der
Bundesrat gemäss Art. 13 Abs. 1 USG Immissionsgrenzwerte fest.
Immissionsgrenzwerte für Lärm und Erschütterungen sind gemäss Art. 15 USG so
festzulegen, dass nach dem Stand der Wissenschaft oder der Erfahrung Immissionen
unterhalb dieser Werte die Bevölkerung in ihrem Wohlbefinden nicht erheblich stören.
Für verschiedene Lärmimmissionen enthält die LSV indessen keine
Belastungsgrenzwerte (vgl. dazu Anhänge 3-8). Fehlen solche Werte, so müssen die
Lärmimmissionen im Einzelfall nach den Kriterien von Art. 15, 19 und 23 USG bewertet
werden. Ob im Einzelfall eine unzumutbare Störung vorliegt, ist neben der
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zonenmässigen Zuordnung und der entsprechenden Empfindlichkeitsstufe auch nach
dem Charakter des Lärms, Zeitpunkt und Häufigkeit seines Auftretens sowie der
Lärmempfindlichkeit bzw. Lärmvorbelastung der Zone, in der die Immissionen
auftreten, zu beurteilen (GVP 2005 Nr. 27 mit Hinweis auf BGE 130 II 36 und BGE 123 II
335; vgl. auch Heer, a.a.O., Rz. 788 mit Hinweis). Mitentscheidend ist weiter, ob es sich
um eine Neuanlage oder um die Änderung einer bestehenden Anlage handelt. Während
die Lärmimmissionen neuer Anlagen die Planungswerte grundsätzlich nicht
überschreiten dürfen (Art. 25 USG, Art. 7 Abs. 1 LSV), müssen wesentlich geänderte
Anlagen die Immissionsgrenzwerte einhalten (Art. 8 Abs. 2 LSV). Die entsprechende
Qualifikation der Baute bzw. Anlage gibt Aufschluss über das zulässige Mass der
Immissionen, auch wenn für die interessierende Art von Immissionen weder
Planungswerte noch Immissionsgrenzwerte bestehen (GVP 2005 Nr. 27 mit Hinweis auf
BGE 123 II 328 und 335).
2.2.4. Durch einen gastwirtschaftlichen Betrieb mit erotischer Ausrichtung verursachte
Sekundärimmissionen sind keinen Belastungsgrenzwerten zugeordnet. Somit ist
anhand der beschriebenen Kriterien individuell zu prüfen, ob die Vorinstanz mit Recht
von zumutbaren Störungen ausgeht oder ob die Bevölkerung durch die Verkürzung der
Schliessungszeiten der Bar "P." in ihrem Wohlbefinden erheblich gestört würde.
Unbestritten ist dabei, dass den mit den örtlichen Verhältnissen vertrauten
Bewilligungsbehörden bei der einzelfallweisen Beurteilung im Bereich des
Immissionsschutzes ein erheblicher Beurteilungsspielraum zusteht, wobei dieser
Beurteilung die jeweils konkreten Verhältnisse zu Grunde gelegt werden müssen (URP
2001, S. 929, Urteil des Bundesgerichts vom 20. Februar 2009, 2C_456/2008 E. 3.2,
BGE 126 III 228 E. 4a und GVP 2005 Nr. 27).
Das Verwaltungsgericht ist nach der gesetzlichen Ordnung lediglich zur Rechtskontrolle
befugt. Eine Überprüfung der Ermessensbetätigung steht ihm dagegen nicht zu (Art. 61
Abs. 1 und 2 VRP). Im Streitfall kann somit nur geprüft werden, ob die Vorinstanz ihr
Ermessen überschritten oder missbraucht und damit rechtswidrig gehandelt hat, indem
sie Ziff. 2 und 5 des Beschlusses der Beschwerdeführerin vom 13. Januar 2009
aufgehoben und die Streitsache zur umgehenden Bewilligung der verkürzten
Schliessungszeiten an diese zurückgewiesen hat.
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2.3. Die Beschwerdeführerin geht mit den Ausführungen der Vorinstanz zur Rechtslage
einig. Sie rügt aber, die Vorinstanz habe bei der Beurteilung der Lärmvorbelastung des
Gebiets und der durch die Verkürzung der Schliessungszeiten der Bar "P."
verursachten Sekundärimmissionen den erheblichen Ermessenspielraum, der dem
Stadtrat Rorschach als örtlich zuständiger Behörde zustehe, nicht respektiert und
deshalb ihr Ermessen missbraucht. Sodann sei die Vorinstanz zu Unrecht zum
Ergebnis gelangt, es sei keine strengere Bewilligungspraxis des Stadtrats Rorschach
bezüglich Verkürzung der Schliessungszeiten zwecks Verbesserung der Wohnqualität
feststellbar.
2.3.1. Von grundsätzlicher Bedeutung ist, dass in Bezug auf die zur Diskussion
stehende Verkürzung der Schliessungszeiten der Bar "P." von einer wesentlichen
Änderung der Anlage auszugehen ist. Das zulässige Immissionsmass ist folglich höher,
als wenn es sich um eine Neuanlage handeln würde. Wie ausgeführt, liegt die
Liegenschaft des Beschwerdegegners, wie die umliegenden Gebäude auch, in der
Kernzone und ist unbestrittenermassen zonenkonform. Die Kernzone ist der
Empfindlichkeitsstufe III zugeteilt, wo mässig störende Betriebe zugelassen sind. Unter
diesen Gesichtspunkten ist somit von einer verhältnismässig geringen
Lärmempfindlichkeit auszugehen.
2.3.2. Die Beschwerdeführerin begründet ihren Standpunkt damit, die Vorinstanz lege
nicht näher dar, wie sie, ungeachtet der tatsächlichen Lärmvorbelastung, feststellen
könne, "dass das Grundstück Nr. 47 wie auch seine unmittelbare Umgebung im
Vergleich zum restlichen Stadtgebiet über 24 Stunden ausgesprochen grossen
Verkehrslärmimmissionen ausgesetzt" sei (vgl. E. 2.6.3 des angefochtenen Entscheids).
Die in diesem Zusammenhang getroffene Annahme, "dass es in der Stadt Rorschach
und namentlich im Zentrumsbereich kaum vergleichbare Liegenschaften gibt, die
ungünstiger in Bezug auf bestehende Verkehrslärmimmissionen liegen", sei ohne
konkrete Untersuchungen oder andere fachkundige Beurteilungen erfolgt. Zudem sei
kein Augenschein durchgeführt worden. Sodann könne es entgegen der Annahme der
Vorinstanz nicht darauf ankommen, dass im Bereich der zur Diskussion stehenden
Liegenschaft "zumindest während der wärmeren Jahreszeit auch abends reger
Fussgängerverkehr mit den damit verbundenen Gesprächsimmissionen" herrsche (vgl.
E. 2.6.3 des angefochtenen Entscheids). Entgegen den Schlussfolgerungen der
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Vorinstanz seien die konkreten Verhältnisse im Gebiet, in dem die Bar "P." liege,
wichtig. Aus diesem Grund habe sie die Zahlen betreffend Bahnverkehr,
Strassenverkehr und Bevölkerung im Rahmen des Rekursverfahrens nochmals
aufarbeiten lassen. Sie halte an diesen Zahlen sowie an den Beweisanträgen -
Verkehrserhebungen durch das kantonale Tiefbauamt, Amtsbericht SBB - soweit als
erforderlich betrachtet, fest.
Die Vorinstanz hat die Lärmvorbelastung des Gebiets anhand der tatsächlichen
Verhältnisse vor Ort geprüft und begründet, warum sie aus ihrer Sicht als erheblich
einzustufen ist. Sie hat erwogen, das Gebäude des Beschwerdegegners liege an einer
stark befahrenen Kantonsstrasse, die das Zentrum von Rorschach durchquere.
Unmittelbar südlich der Liegenschaft befinde sich zudem eine
Kantonsstrassenkreuzung. Hinzu komme, dass der nördliche Teil des Zentrums von
Rorschach und somit auch die Liegenschaft des Beschwerdegegners unmittelbar
zwischen dieser Kreuzung und der Bahnlinie liege. Im weiteren grenze das Grundstück
an die K-strasse, die zur Bahnlinie hin verlaufe. Die exponierte Lage des Betriebs in
unmittelbarer Nähe von Hauptverkehrsachsen und Gleisanlagen spricht zwar dafür,
dass die Liegenschaft X-strasse 0 bezüglich Strassenverkehrs- und Bahnlärm
ungünstig liegt. Eine andere Frage ist, ob die Vorinstanz aus dieser Tatsache ohne
weiteres folgern durfte, dies gelte ungeachtet dessen, dass die Immissionen tagsüber
grösser seien als während der Nacht, oder ob sie den Sachverhalt in dieser Hinsicht
näher hätte abklären müssen. In diesem Zusammenhang ist von Bedeutung, dass die
Vorinstanz im angefochtenen Entscheid selber feststellt, die Lärmvorbelastung des
Gebiets werde ganz unterschiedlich dargestellt (Ziff. 2.6.2). Es wird ausgeführt, die
Beschwerdeführerin habe im inzwischen aufgehobenen Beschluss des Stadtrats vom
19. Dezember 2006 die Ansicht vertreten, das Quartier um die Bar "P." weise eine hohe
Lärmvorbelastung auf, weshalb die Anwohner auf die Einhaltung der gesetzlichen
Ruhezeiten angewiesen seien. Im Beschluss des Stadtrats vom 13. Januar 2009 sei
demgegenüber von einer nachweisbar geringen Lärmvorbelastung durch Strasse und
Schiene die Rede und die Beschwerdeführerin halte nun unter Berufung auf eine
Verkehrszählung der T. AG vom 14./15. Januar 2008 und eine Auskunft des
Projektmanagements der SBB in Zürich vom 5. März 2009 dafür, die durch eine
Verkürzung der Schliessungszeiten verursachten Sekundärimmissionen würden
namentlich zwischen 00.00 Uhr und 02.00 Uhr wahrnehmbar stärker. Sodann vertrete
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der Beschwerdegegner den Standpunkt, die Beschwerdeführerin verniedliche die
Auswirkungen des Strassenverkehrs. In Tat und Wahrheit fänden im Bereich seiner
Liegenschaft zwischen Mitternacht und 05.00 Uhr im Jahresmittel wesentlich mehr
Fahrzeugbewegungen statt, als die Beschwerdeführerin behaupte.
Es ergibt sich somit, dass unter den Verfahrensbeteiligten umstritten ist und auch nicht
feststeht, wie hoch die Lärmvorbelastung im Gebiet um die Bar "P." nach 00.00 Uhr
tatsächlich ist. In Anbetracht der Tatsache, dass nach Mitternacht auftretende
Sekundärimmissionen nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung als besonders
störend wahrgenommen werden, ist fraglich, ob die Vorinstanz den Beweisantrag der
Beschwerdeführerin - Verkehrszählungen durch das kantonale Tiefbauamt - mangels
Relevanz abweisen und festzustellen durfte, es sei offensichtlich, dass es im Zentrum
von Rorschach kaum Liegenschaften gebe, die bezüglich Verkehrslärm ungünstiger
liegen würden. Es kann indessen offen bleiben, ob der angefochtene Entscheid auf
einem unrichtig und unvollständig festgestellten Sachverhalt beruht und den
Ermessensspielraum der Beschwerdeführerin verletzt. Wie noch zu zeigen sein wird
(Ziff. 2.3.4. hienach), ist die Beschwerde aus einem anderen Grund teilweise zu
schützen.
2.3.3. Die Beschwerdeführerin macht weiter geltend, die Vorinstanz unterscheide zu
Unrecht nicht zwischen einem Lokal mit Tanzbühne für erotische Darbietungen, wie es
hier zur Diskussion stehe, und einem bordellähnlichen Betrieb (Kontaktbar), der
seinerseits bewilligungspflichtig wäre. Entgegen den Ausführungen im angefochtenen
Entscheid bestehe kein Grund zur Annahme, die Herkunft und das Verhalten der
Besucher der Bar "P." würden sich seit dem Einbau und dem Betrieb der Tanzbühne
wesentlich verändern bzw. es würden weniger Sekundärimmissionen entstehen.
Vielmehr sei anzunehmen, dass gerade in den Stunden nach Mitternacht vorwiegend
Besucher das Lokal aufsuchen würden, die den Abend in geselliger Runde, vielfach
unter regelmässigem Konsum von Alkohol, verbracht hätten. Dies senke die
Hemmschwelle zum Besuch solcher Betriebe. Weil vor Ort keine Parkplätze vorhanden
seien, würden sodann praktisch alle Besucher das Lokal zu Fuss aufsuchen.
Die Beschwerdeführerin bestreitet die Feststellung der Vorinstanz nicht, wonach für die
Beurteilung der immissionsmässigen Auswirkungen von verkürzten Schliessungszeiten
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der Bar "P." von entscheidender Bedeutung ist, dass der Eingang des Lokals und der
eine Teil der Fenster zur K-strasse hin ausgerichtet sind. Auf der gegenüberliegenden
Strassenseite liegt das Grundstück Nr. 000, das mit einem kleinen Garagentrakt (Vers.-
Nr. 0000) und einem Gebäude, das ausschliesslich gewerblichen Zwecken dient (Vers.-
Nr. 000), überbaut ist. Die Beschwerdeführerin stellt sodann nicht in Abrede, dass
diese gewerblichen Nutzungen immissionstolerant sind bzw. dass nächtliche
Ruhestörungen dadurch, dass das Lokal länger geöffnet ist, zum vornherein nicht
befürchtet werden müssen. Die Vorinstanz hat weiter erwogen, die anderen Fenster der
Bar "P." seien gegen Norden, zum Bahn-Trassee und zu den Seeanlagen hin,
ausgerichtet. Unwidersprochen geblieben sind die Ausführungen im angefochtenen
Entscheid, wonach allfällige Primär- und Sekundärimmissionen durch die längere
Offenhaltung des Betriebs auch hier nicht ins Gewicht fallen würden. Im weiteren hält
die Beschwerdeführerin selber fest, dass "praktisch alle Gäste das Lokal zu Fuss"
aufsuchen, weil keine Parkplätze vorhanden seien. Auch wenn nicht ausgeschlossen
werden kann, dass die zeitliche Ausdehnung der Öffnungszeiten der Bar "P." einige
zusätzliche Fahrzeugbewegungen verursacht, hat dies keine unzumutbare Störung der
Nachtruhe durch Fahrzeuggeräusche und Geräusche beim Ein- und Aussteigen zur
Folge, zumal das Lokal mit 33 Sitzplätzen klein ist und sich dort nur eine geringe Zahl
von Besuchern aufhalten kann. Bei dieser Sachlage ist nicht von entscheidender
Bedeutung, ob das neue erotische Angebot der Bar "P." dazu führt, dass die
Zusammensetzung und damit das Verhalten der Besucher auf dem Weg ins Lokal
ändert bzw. dass das Immissionsniveau sinkt, wie die Vorinstanz annimmt. Die Frage,
ob sich die Besucher des Betriebs nun wesentlich diskreter verhalten bzw. ob sie
weniger laut sprechen und lachen, kann deshalb offenbleiben, zumal die
Beschwerdeführerin nicht geltend macht, die Sekundärimmissionen, die vor der
Ausstattung des Betriebs mit einer Tanzbühne durch Besucher des Lokals verursacht
worden sind, seien für die Anwohner unzumutbar gewesen. Festzuhalten ist aber, dass
die Annahme der Vorinstanz, Besucher von gastgewerblichen Betrieben mit erotischer
Ausrichtung würden sich in der Regel nicht nur zu Fuss ins Lokal begeben, sondern
zudem auch leiser verhalten als Besucher von anderen Betrieben, nicht aus der Luft
gegriffen ist.
Zusammenfassend ergibt sich somit, dass der Vorwurf, die Vorinstanz habe die
Intensität der Sekundärimmissionen, die mit den verlängerten Öffnungszweiten der Bar
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"P." durch das Verhalten von Besuchern ausserhalb des Betriebs verbunden sind, in
willkürlicher Weise anders beurteilt als der Stadtrat, unbegründet ist.
2.3.4. Die Beschwerdeführerin vertritt weiter die Auffassung, die Vorinstanz sei zu
Unrecht zum Ergebnis gelangt, es sei keine strengere Praxis des Stadtrats bezüglich
der Verkürzung von Schliessungszeiten gastgewerblicher Betriebe im Zentrum von
Rorschach zwecks Verbesserung der Wohnqualität feststellbar bzw. der
Beschwerdegegner werde im Verhältnis zu Konkurrenten rechtsungleich behandelt. Sie
begründet dies damit, es liege dem Stadtrat daran, die Innenstadt verkehrsmässig zu
beruhigen und wieder zu beleben. Die Nachtruhe der Bevölkerung werde besonders
auch in diesem Gebiet sehr hoch gewertet. Wenn der angefochtene Entscheid nicht
aufgehoben werde, habe der Stadtrat keine Handhabe mehr, die zu erwartende Flut
von Gesuchen um Verkürzung von Schliessungszeiten abzuweisen. Den vor kurzem
abgewiesenen Gesuchen betreffend das L.-Pub an der Hauptstrasse 00 und der H. Bar
an der Hauptstrasse 00 müsste ohne weiteres entsprochen werden.
2.3.4.1. Bewilligungen zur Verkürzung der Schliessungszeit ermöglichen eine
Ausnahme von der allgemeinen Regelung, wonach gastgewerbliche Betriebe in der Zeit
von Mitternacht bis 05.00 Uhr geschlossen zu halten sind (Art. 16 Abs. 1 GWG). Auf
Gesuch hin kann gestattet werden, dass ein einzelner Betrieb länger offen gehalten
werden darf, wenn konkrete Voraussetzungen erfüllt sind (Art. 18 Abs. 1 GWG). In
diesem Zusammenhang kommt der für die Erteilung von Bewilligungen zuständigen
kommunalen Behörde (Art. 6 GWG) ein erheblicher Ermessensspielraum zu. Diese hat
indessen vom Ermessen in allen gleich gelagerten Fällen in gleicher Weise Gebrauch zu
machen. Sie verletzt den Gleichheitssatz, wenn sie zwei gleiche tatsächliche
Situationen ohne sachlichen Grund unterschiedlich beurteilt (Häfelin/Müller/Uhlmann,
Allgemeines Verwaltungsrecht, 5. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2006, Rz. 507 mit
Hinweisen). Einer eingelebten Praxis von Verwaltungsbehörden kommt somit grosses
Gewicht zu. Das Gleichheitsprinzip und der Grundsatz der Rechtssicherheit verlangen,
dass an einer Praxis in der Regel festgehalten wird. Sie stehen einer Praxisänderung
aber nicht entgegen, sofern diese auf sachlichen Gründen beruht. Die Änderung einer
bestehenden Praxis ist mit der Rechtsgleichheit vereinbar, wenn sie grundsätzlich
erfolgt. Es darf sich nicht bloss um eine singuläre Abweichung handeln, sondern die
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neue Praxis muss für die Zukunft wegleitend sein für alle gleichartigen Sachverhalte
(Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., Rz. 510 ff.).
2.3.4.2. Die Vorinstanz hat sich im angefochtenen Entscheid mit dem Vorgehen der
Beschwerdeführerin bezüglich der Verkürzung von Schliessungszeiten
gastgewerblicher Betriebe im Zentrum von Rorschach auseinandergesetzt (Stadthof,
Seerestaurant, Marabu Night-Club, Münzhof-Bar, Bireweich, Baja Beach Bar,
Wunderbar, Kulturbrauerei Mariaberg, Europa-Bar, Löwen-Pub und Havanna Cocktail
Bar) und ist zum Ergebnis gelangt, der verfassungsrechtlichen Schranke des
Gleichbehandlungsgebots werde nur ungenügend Rechnung getragen, weshalb die
Verweigerung verkürzter Schliessungszeiten für die Bar "P." in rechtsungleicher und
willkürlicher Weise erfolgt sei.
Die Beschwerdeführerin beruft sich darauf, es sei ihr ein Anliegen, das Zentrum von
Rorschach, das eine hohe Dichte gastgewerblicher Betriebe aufweise, verkehrsmässig
zu beruhigen und wieder zu beleben, weshalb seit Beginn des Jahres 2004 strikt auf
die Einhaltung umwelt- und gastwirtschaftsrechtlicher Vorschriften geachtet werde. Der
Stadtrat gewichte das öffentliche Interesse an der Gewährleistung des Lärmschutzes
und den Schutz der Anwohner vor möglichen Störungen der Nachtruhe höher als das
Interesse von Gastwirten an zusätzlichen Einnahmen durch verlängerte Öffnungszeiten.
Zutreffend ist, dass es im Interesse der Aufwertung eines städtischen Gebiets mit
hohem Wohnanteil liegen kann, die Bewilligungspraxis zu ändern und die Verkürzung
von Schliessungszeiten gastgewerblicher Betriebe anhand der vom Gesetz
vorgesehenen Kriterien nur noch restriktiv zuzulassen. Wie ausgeführt, setzt dies
indessen voraus, dass dem Rechtsgleichheitsgrundsatz bei der Beurteilung der
einzelnen Gesuche Rechnung getragen wird. Mit der Zielsetzung der
Beschwerdeführerin in Widerspruch steht sodann die Tatsache, dass alle
gastgewerblichen Betriebe in der Stadt Rorschach in den Nächten von Freitag auf
Samstag und von Samstag bis Sonntag bis 01.00 Uhr offen gehalten werden dürfen,
ohne dass eine individuelle Bewilligung erforderlich wäre. Die Beschwerdeführerin hat
von der in Art. 17 Abs. 1 GWG vorgesehenen Kompetenz Gebrauch gemacht, den
Beginn der Schliessungszeit für Freitag auf Samstag und Samstag auf Sonntag
generell später in die Nacht hinein zu verlegen. Nach Art. 5 des
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Gastwirtschaftsreglements der Stadt Rorschach (abgekürzt GR) wird die
Schliessungszeit für Freitag auf Samstag und Samstag auf Sonntag auf 01.00 Uhr
festgelegt.
Fest steht, dass es der Stadtrat abgelehnt hat, die längere Offenhaltung des L.-Pub
und der H. Bar zu bewilligen. Diese Lokale befinden sich an der Hauptstrasse 00 bzw.
an der Hauptstrasse 00, somit in der näheren Umgebung der Bar "P.". Aus der vom
Beschwerdegegner am 23. Juli 2009 eingereichten "Übersicht Gastwirtschaftsbetriebe"
ergibt sich sodann, dass in der Nachbarschaft der Bar "P." keine gastgewerblichen
Betriebe bestehen, die über die ordentlichen Schliessungszeiten nach kantonalem und
kommunalem Recht hinaus offen gehalten werden dürfen. Insoweit kann der
Beschwerdeführerin nicht vorgeworfen werden, sie habe das Gesuch des
Beschwerdegegners unter Verletzung des Rechtsgleichheitsgrundsatzes abgewiesen.
Unbestritten geblieben ist weiter, dass bezüglich der Europa-Bar eine Verkürzung der
Schliessungszeiten verweigert worden ist. Auch wenn dieses Lokal bezüglich Standort
mit der Bar "P." nicht vergleichbar ist, weil die Pestalozzistrasse 11, wo sie sich
befindet, unmittelbar an eine Wohnzone angrenzt, bringt dieses Vorgehen doch zum
Ausdruck, dass die Beschwerdeführerin das öffentliche Interesse an der Nachtruhe
höher gewichtet als das private Interesse des Gewerbetreibenden an der Möglichkeit,
durch längere Öffnungszeiten höhere Einnahmen zu erzielen.
Gemäss Art. 9 Abs. 2 GR wird eine Bewilligung für die allgemeine Verkürzung und
Aufhebung der Schliessungszeit für längstens ein Kalenderjahr erteilt. Auch wenn ein
Betrieb auf Grund einer Bewilligung für eine bestimmte Zeitspanne länger geöffnet
bleiben durfte, hat der dafür zuständige Stadtrat (vgl. Art. 9 Abs. 1 GR) somit in
regelmässigen kurzen Abständen zu prüfen, ob die Voraussetzungen für die
Erneuerung der Bewilligung erfüllt sind. Fest steht, dass der Stadtrat die Verkürzung
von Schliessungszeiten für den Stadthof, das Seerestaurant, den Marabu Night-Club,
die Münzhof-Bar, das Bireweich, die Baja Beach Bar, die Wunderbar und für die
Kulturbrauerei Mariaberg bewilligt und die Bewilligungen jeweils erneuert hat. Diese
Betriebe liegen nicht in der näheren Umgebung der Bar "P.". Sie befinden sich
allerdings auch direkt im oder unmittelbar am Zentrum von Rorschach und sind
mehrheitlich deutlich grösser als das Lokal des Beschwerdegegners. In ihrer
Stellungnahme an die Vorinstanz vom 17. August 2007 hält die Beschwerdeführerin in
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diesem Zusammenhang folgendes fest: bezüglich des Stadthofs und des
Seerestaurants werde von der Bewilligung wenig Gebrauch gemacht, bezüglich des
Marabu Night-Club seien nie Reklamationen seitens der Anwohner eingegangen,
bezüglich der Münzhof-Bar, die gesellschaftlicher Treffpunkt von Gästen mittleren
Alters sei, gelte "im Sinn der strengeren Praxis des Stadtrats die heute geltende
Regelung" und bezüglich des Restaurants Bireweich, der Baja Beach Bar und der
Wunderbar könne "von einem öffentlichen Bedürfnis des Stadtlebens gesprochen
werden". Offen ist indessen, ob der Stadtrat im Zusammenhang mit der Erneuerung
der Bewilligungen jeweils im Einzelfall geprüft hat bzw. prüft, ob mit der Verkürzung der
Schliessungszeit in die Nacht hinein unzumutbare Primär- und/oder
Sekundärimmissionen verbunden sind. Aus den Akten ergibt sich nicht, ob der Stadtrat
die strenge Bewilligungspraxis, auf die er sich beruft, seit dem Jahr 2004 konsequent
handhabt bzw. ob Gesuchen um Erneuerung von Bewilligungen nur entsprochen wird,
wenn sie mit den einschlägigen umwelt- und gewerberechtlichen Vorschriften und dem
Ziel, das innerstädtische Gebiet aufzuwerten, in Einklang stehen. Die
Beschwerdeführerin hat deshalb in Form allgemeiner Richtlinien festzulegen und
bekannt zu machen, anhand welcher einschlägigen Kriterien Gesuche um Verkürzung
von Schliessungszeiten künftig beurteilt werden, was nicht ausschliesst, dass dem
Vertrauensschutz gegenüber Betrieben, für die um Erneuerung einer Bewilligung
nachgesucht wird, im Einzelfall Rechnung getragen werden kann. In diesem
Zusammenhang wird auch zu prüfen sein, ob Art. 5 GR, wonach die Schliessungszeit
für Freitag auf Samstag und Samstag auf Sonntag für alle Betriebe verkürzt und auf
01.00 Uhr festgelegt wird, mit der Zielsetzung, die Wohnqualität im Stadtzentrum zu
verbessern, in Einklang steht. Nur so wird es künftig möglich sein, eine rechtsgleiche
Praxis konsequent einzuhalten.
3. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde teilweise gutzuheissen ist,
soweit darauf eingetreten werden kann. Ziff. 1a des angefochtenen Entscheids wird
aufgehoben und Ziff. 1b insoweit, als die Vorinstanz die Streitsache zur umgehenden
Bewilligung der verkürzten Schliessungszeiten an die Beschwerdeführerin
zurückgewiesen hat. Die Beschwerdeführerin wird im Sinn der Erwägungen angehalten,
das vorliegende Gesuch des Beschwerdegegners anhand der neu umschriebenen
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allgemeinen Vorgaben bezüglich Gesuchen um Verkürzung der Schliessungszeiten, die
sie festzulegen hat, zu beurteilen und darüber neu zu entscheiden.
3.1. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens der Beschwerdeführerin und dem Beschwerdegegner je zur
Hälfte aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 3'000.-- ist
angemessen (Art. 13, Ziff. 622 des Gerichtskostentarifs, sGS 941.12). Auf die Erhebung
der auf die Beschwerdeführerin entfallenden Gebühr von Fr. 1'500.-- wird verzichtet
(Art. 95 Abs. 3 VRP). Der Beschwerdegegner hat Fr. 1'500.-- zu bezahlen.
Bei vollständiger oder teilweiser Gutheissung eines Rechtsmittels ist zugleich von
Amtes wegen über die amtlichen Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens zu
entscheiden (R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, Diss. St. Gallen 2004, S. 103). Im vorliegenden Fall
entfällt dies indessen, weil Ziff. 2 des angefochtenen Entscheids, wonach B. T., R., die
Entscheidgebühr von Fr. 2'500.-- zu tragen hat, in Rechtskraft erwachsen ist.
3.2. Der Beschwerdeführerin wird keine Parteientschädigung zugesprochen.
Abgesehen davon, dass sie nicht mehrheitlich obsiegt, haben Gemeinwesen keinen
Anspruch auf Kostenersatz (vgl. Hirt, a.a.O., S. 176). Der Beschwerdegegner kann im
Beschwerdeverfahren keine ausseramtliche Entschädigung beanspruchen (Art. 98 Abs.
1 und Art. 98bis VRP) und Ziff. 3a des angefochtenen Entscheids, wonach B. T., R.,
den Beschwerdeführer mit Fr. 2'700.-- zuzüglich MWSt ausseramtlich zu entschädigen
hat, ist in Rechtskraft erwachsen.
Demnach hat das Verwaltungsgericht