# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 4ca18d34-d824-559c-a786-04976032996d
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin reichte am 29. August 2017 bei der Stadt Bern ein
Baugesuch ein für die Altlastensanierung des ehemaligen Gaswerkbetriebs auf Parzelle
RA Nr. 110/2018/143 2
Bern (Mattenhof) Grundbuchblatt Nr. C._. Der betroffene Teil der Parzelle liegt in
einer Zone im öffentlichen Interesse, Freifläche B (FB), sowie im Perimeter der
Überbauungsordnung Nr. 582, Uferschutzplan Abschnitt Marzili/Schönau. Gegen das
Bauvorhaben erhoben unter anderen die Beschwerdeführenden Einsprache. Mit
Gesamtentscheid vom 20. September 2018 erteilte das Regierungsstatthalteramt Bern-
Mittelland die Baubewilligung.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 25. Oktober 2018 gemeinsam eine
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie
beantragen, der Gesamtentscheid vom 20. September 2018 sei aufzuheben und dem
Bauvorhaben sei der Bauabschlag zu erteilen. Sie machen insbesondere ein
ungenügendes Sicherheits- und Überwachungskonzept und eine Gefährdung durch
Grundwasserabsenkungen geltend.
3. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Das Regierungsstatthalteramt Bern-
Mittelland verzichtete mit Schreiben vom 16. November 2018 auf eine Vernehmlassung
und stellt folglich keinen Antrag. Das Amt für Wasser und Abfall (AWA) stellt in seiner
Stellungnahme vom 29. November 2018 ebenfalls keinen Antrag. Die Beschwerdegegnerin
beantragt in ihrer Beschwerdeantwort vom 30. November 2018, auf die Beschwerde sei
nicht einzutreten, eventualiter sei die Beschwerde abzuweisen. Das Bauinspektorat der
Stadt Bern verzichtet in seinem Schreiben vom 2. Dezember 2018 auf eine Stellungnahme
und damit auf einen Antrag im Beschwerdeverfahren.
4. Auf die Rechtsschriften und Vorakten wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in
den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (Organisationsverordnung BVE, OrV BVE; BSG 152.221.191)
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## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintreten
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG2. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen, die Baugesuchsteller, die
Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG
i.V.m. Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführenden, deren Einsprache abgewiesen
wurde, sind durch den vorinstanzlichen Gesamtentscheid formell beschwert. Die materielle
Beschwer der Beschwerdeführenden wird von der Beschwerdegegnerin bestritten. Sie
macht geltend, der Abstand der Liegenschaften der Beschwerdeführenden betrage
zwischen 200 und 300 Metern. Damit seien sie nicht in eigenen schutzwürdigen Interessen
unmittelbar betroffen.
c) Dass die Vorinstanz die Beschwerdeführenden zum Verfahren zugelassen hat (sog.
formelle Beschwer), genügt für die Befugnis zur Beschwerdeführung nicht. Sofern die Vor-
instanz dies zu Unrecht getan hat, tritt die BVE auf die Baubeschwerde nicht ein, denn zu
dieser ist nur zugelassen, wer sich am vorinstanzlichen Verfahren zulässigerweise
beteiligte, wer also auch materiell beschwert ist.4 Nach Art. 35 Abs. 2 Bst. a BauG sind nur
Personen zur Einsprache befugt, welche durch das Bauvorhaben unmittelbar in eigenen
schutzwürdigen Interessen betroffen sind. Nach Lehre und Rechtsprechung ist eine Person
in schutzwürdigen Interessen berührt, wenn sie durch ein Bauvorhaben in höherem Mass
als die Allgemeinheit betroffen ist und zum Streitgegenstand eine besondere
Beziehungsnähe hat. Die Betroffenheit kann rechtlicher oder auch nur tatsächlicher Natur
sein. Sie muss aber hinreichend sein, d.h. eine bestimmte Intensität erreichen, so dass von
2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0) 4 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 40–41 N. 4b
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der Abwendung eines materiellen oder ideellen Nachteils gesprochen werden kann. Der
Nachteil muss persönlich und unmittelbar sein. Diese Anforderungen grenzen die
Beschwerden betroffener Drittpersonen von der unzulässigen Popularbeschwerde ab.5
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts muss die besondere Beziehungsnähe zum
Streitgegenstand bei Bauprojekten insbesondere in räumlicher Hinsicht gegeben sein. In
einer besonders nahen Beziehung zur Streitsache stehen naturgemäss die Nachbarn des
Baugrundstücks. Unter Nachbarn versteht die Verwaltungs- und Gerichtspraxis vorab die
Eigentümer von Nachbargrundstücken sowie Personen, die an solchen Grundstücken
dinglich berechtigt sind; grundsätzlich wird aber auch die Einsprachebefugnis der Mieter
und Pächter anerkannt. Der Kreis der betroffenen Nachbarschaft kann nicht allgemein
festgelegt werden, sondern muss im Einzelfall nach den konkreten Verhältnissen bestimmt
werden. Die Einsprachebefugnis des Nachbarn ist in der Regel zu bejahen, wenn dessen
Liegenschaft unmittelbar an das Baugrundstück angrenzt oder allenfalls nur durch einen
Verkehrsträger davon getrennt wird. Darüber hinaus reicht die Nachbarschaft so weit wie
die allfälligen nachteiligen Auswirkungen des Bauvorhabens. Eine weitere Umschreibung
des Kreises der beschwerdeberechtigten Nachbarschaft kann sich daher dort rechtfertigen,
wo von einer Baute besonders starke Emissionen ausgehen oder die Nachbarschaft
aufgrund der topografischen und klimatischen Verhältnisse mehr als jedermann betroffen
ist. Die mögliche Störung muss aber deutlich wahrnehmbar sein und objektiv betrachtet als
Nachteil empfunden werden; eine besondere subjektive Empfindlichkeit der betroffenen
Person verdient keinen Rechtsschutz.6
d) Das Bauvorhaben betrifft eine Altlastensanierung. Die Beschwerdeführenden
befürchten bei ihren Liegenschaften unter anderem gefährliche Schadstoffimmissionen.
Dass bei der vorliegenden Altlastensanierung mit Emissionen gerechnet werden muss,
dürfte unbestritten sein. Der Aushubperimeter soll denn auch mit einem Unterdruckzelt
eingehaust und die Abluft über einen Aktivkohlefilter ausgeblasen werden. Somit liegt ein
Bauvorhaben mit überdurchschnittlichen Emissionen während den Bauarbeiten vor.
Zwischen den Liegenschaften der Beschwerdeführenden und der Bauparzelle befinden
5 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 35–35c N. 16 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung; VGE 22721/22725 vom 30. Mai 2007 E. 1.2.1 6 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 35–35c N. 17 f. mit Hinweisen auf die Rechtsprechung; VGE 22721/22725 vom 30. Mai 2007 E. 1.2.2
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sich keine nennenswerten Hindernisse, so dass sich Emissionen mehr oder weniger
ungestört auf die andere Aareseite in Richtung dieser Liegenschaften ausbreiten können.
Unter diesen Umständen stehen Immissionen bei den Liegenschaften der
Beschwerdeführenden zur Diskussion, die auch noch in einer Entfernung von 200 bis 300
Meter objektiv betrachtet als Nachteil empfunden werden können. Ob tatsächlich mit
relevanten Immissionen zu rechnen ist, ist an dieser Stelle unerheblich und wird im
materiellen Teil zu prüfen sein. Die Beschwerdeführenden sind demzufolge durch das
Bauvorhaben unmittelbar in eigenen schutzwürdigen Interessen betroffen und damit auch
materiell beschwert. Sie sind somit zur Beschwerdeführung legitimiert und auf ihre form-
und fristgerecht eingereichte Beschwerde wird eingetreten.
2. Emissionsschutz
a) Die Beschwerdeführenden gehen davon aus, dass der offene Aushub aufgrund von
Staubentwicklungen oder Verschleppungen zu starken Geruchs- und
Schadstoffemissionen führt. Aufgrund der dominanten Windrichtung befürchten sie eine
durch Abgasungen und Luftverfrachtungen verursachte Schadstoffbelastung bei ihren
Liegenschaften, sei dies durch vorübergehende Belastungen oder durch permanente
Ablagerungen an Gebäuden und im Boden.
Das erforderliche Sicherheits- und Überwachungskonzept, welches auch das Gebiet ihrer
Liegenschaften abdecken müsse, sei nach wie vor ungenügend. So sei nicht klar, wann
das Zelt im Unterdruck gehalten werde. Sei das Zelt nicht im Unterdruck, könnten
Undichtigkeiten im Zelt nicht bemerkt werden. Weiter sei nicht festgelegt, welche
Massnahmen im Falle einer Überlastung oder eines Ausfalls des Aktivkohlefilters oder im
Falle von Undichtigkeiten im Zelt ergriffen würden, um die umliegenden Wohngebiete zu
schützen. Ein Interventions- und Alarmkonzept fehle gänzlich und die Frage, ob ein 24-
Stunden-Betrieb nötig sei, werde nicht beantwortet.
Hinsichtlich des Messkonzepts habe die Beschwerdegegnerin nachzuweisen, dass im
Gebiet der Liegenschaften der Beschwerdeführenden keine Gefahr bestehe bzw. die
Grenzwerte für alle möglichen Schadstoffe auch im Falle von Abgasungen und
Luftverfrachtungen infolge eines Ausfalls des Aktivkohlefilters oder einer Undichtigkeit im
Zelt nicht überschritten würden. Die Aussage der Vorinstanz, die Schadstoffgrenzwerte
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dürften in einer Distanz von 200 bis 300 Metern aufgrund der Verflüchtigung auch dann
nicht überschritten sein, wenn sie beim Austrittsort überschritten seien, sei eine
unzulässige Annahme. Da der Nachweis somit nicht erbracht werden könne, müsse ein
Messkonzept vorliegen, das auch das Gebiet der Liegenschaften der
Beschwerdeführenden mitumfasse. Damit sei aufgezeigt, dass die Vorgaben von Art. 4
AltV7 nicht erfüllt seien. Im Übrigen sei der Bericht der Firma H._ vom 8. Mai 2018
weder vom AWA noch vom Amt für Umweltschutz der Stadt Bern (AfU) geprüft worden.
Ohne eine solche Prüfung dürfe nicht darauf abgestellt werden.
b) Das Bauvorhaben sieht vor, auf der Bauparzelle ca. 34'000 m3 belastetes Material
auszuheben und die Grube mit geeignetem Material wieder aufzufüllen. Zur Verhinderung
von Emissionen während der Umsetzung des Bauvorhabens wird die Baugrube mit einem
Zelt im Unterdruck eingehaust und die Abluft über einen Aktivkohlefilter gereinigt. Zudem
hat die Beschwerdegegnerin einen Bericht der Firma H._ vom 8. Mai 2018
eingeholt. Dieser umfasst unter anderem eine detaillierte Emissions- und
Immissionsprognose, zahlreiche Massnahmen für den Emissions- und Immissionsschutz
sowie einen Vorschlag eines Überwachungskonzepts.
Ziel des Bauvorhabens ist die Sanierung des im Kataster der belasteten Standorte
eingetragenen Standorts Nr. 0351-0125. Dass es sich bei diesem Standort um einen
sanierungsbedürftigen belasteten Standort handelt ist ebenso unbestritten wie die geplante
Sanierungsmassnahme. Insofern wehren sich die Beschwerdeführenden nicht gegen das
Bauvorhaben als solches. Sie betonen in ihrer Beschwerde denn auch, dass sie das
Sanierungsprojekt nicht grundsätzlich in Frage stellen. Sie sind jedoch der Auffassung,
dass das Bauvorhaben hinsichtlich des Schutzes ihrer Liegenschaften vor Gefährdungen
und Belastungen keine genügenden Massnahmen vorsehe.
c) Hinsichtlich der relevanten gesetzlichen Bestimmungen verweisen die
Beschwerdeführenden auf Art. 4 AltlV. Gemäss dieser Bestimmung müssen
Untersuchungs-, Überwachungs- und Sanierungsmassnahmen nach dieser Verordnung
dem Stand der Technik entsprechen und von den Pflichtigen dokumentiert werden.
Gemäss Stellungnahme des AWA vom 29. November 2018 ist eine Überdeckung der
Baugrube mit einem Zelt im Unterdruck bei Altlastensanierungen in Wohngebieten (z.B. bei
7 Verordnung des Bundesrates vom 26. August 1998 über die Sanierung von belasteten Standorten (, AltlV; SR 814.680)
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der Sanierung des Gaswerkareals in Genf) bereits zur Anwendung gekommen und
entspricht dem Stand der Technik.
Dass die Sanierung mit einer Überdeckung der Baugrube mit einem Zelt im Unterdruck und
einer Abluftreinigung mittels Aktivkohlefilter dem Stand der Technik entspricht, wird von
den Beschwerdeführenden nicht bestritten. Dieses Vorgehen dient denn auch explizit dem
Schutz der Nachbarschaft und soll sicherstellen, dass es in der Nachbarschaft zu keinen
relevanten Geruchs- und Schadstoffimmissionen kommt. Ausserhalb dieses Zelts im
Unterdruck wird lediglich schwach bis mässig stark belastetes Material auf einem
Zwischendepotplatz umgeschlagen. Um auch hier Emissionen möglichst zu vermeiden,
wird der Zwischendepotplatz ebenfalls überdacht und mit 2 bis 3 geschlossenen
Seitenwänden ausgestattet und so gegen Wind und Regen geschützt.8 Zudem ist das
Aushubmaterial zwecks Staubbindung ständig feucht zu halten, wobei diese Massnahme
insbesondere für den Zwischendepotplatz gilt.9 Aufgrund dieser Massnahmen sind keine
übermässigen Emissionen zu erwarten: Gemäss Bericht H._ vom 8. Mai 2018
können die Schadstoffimmissionen in unmittelbarer Umgebung mit den vorgesehenen
Massnahmen im Rahmen der Grenzwerte respektive Zielwerte eingegrenzt werden; und
auch die Geruchsemissionen und -immissionen wurden mit dem Sanierungskonzept
minimiert, wobei zusätzliche Massnahmen geplant werden müssten, falls dennoch
unangenehme Gerüche auftreten sollten.10 Zudem ist bei einer Entfernung der
Liegenschaften der Beschwerdeführenden von 200 bis 300 Metern mit einer erheblichen
Verdünnung der Restemissionen zu rechnen. Unter diesen Umständen sind relevante
Immissionen bei den Beschwerdeführenden mit grösster Wahrscheinlichkeit
ausgeschlossen.
d) Inwiefern das Sicherheits- und Überwachungskonzept aus dem Bericht H._
vom 8. Mai 2018, mit dem die Einhaltung der Grenzwerte sichergestellt und überwacht
werden soll, ungenügend wäre, ist nicht erkennbar. Das Zelt wird grundsätzlich immer
dann im Unterdruck gehalten, wenn in der Baugrube gearbeitet wird. Wird nicht gearbeitet,
ist auch nicht mit erheblichen Emissionen zu rechnen. Dementsprechend unerheblich ist
es, dass in der arbeitsfreien Zeit Undichtigkeiten im Zelt möglicherweise nicht sofort
bemerkt werden. Insofern dürfte auch kein 24-Stunden-Betrieb nötig sein. Sollten die
8 S. 13 des Berichts H._ vom 8. Mai 2018, Vorakten pag. 311 9 S. 19 des Berichts H._ vom 8. Mai 2018, Vorakten pag. 305 10 S. 16 des Berichts H._vom 8. Mai 2018, Vorakten pag. 308
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Emissions- und Immissionsüberwachungsmassnahmen jedoch wider Erwarten zeigen,
dass dennoch ein solcher nötig ist, müsste darauf umgestellt werden. Dies ist auch im
Bericht H._ vom 8. Mai 2018 so vorgesehen. Demnach könne zurzeit nicht
abgeschätzt werden, ob ein 24-Stunden-Betrieb der Anlage benötigt werde. Die
Betriebsbedingungen der Anlage seien jedoch an die eigentlichen Arbeitszeiten
anzupassen, das heisse einen reduzierten Betriebsmodus oder sogar einen Stillstand
während Perioden, wo keine Sanierungsarbeiten stattfänden.11
In der emissionsrelevanten Zeit mit Arbeitsbetrieb muss das Zelt immer im Unterdruck
gehalten werden, so dass ein Leck aufgrund der damit einhergehenden Druckveränderung
und der vorgesehenen kontinuierlichen Druckmessung sofort festgestellt werden könnte.
Zudem sorgt der Unterdruck ohnehin dafür, dass bei einem Leck grundsätzlich keine Luft
aus dem Zelt ausströmt, sondern Aussenluft in das Zelt hineinströmt. Auch alle weiteren
relevanten emissionsmindernden Massnahmen müssen gemäss Bericht H._ vom
8. Mai 2018 ständig überwacht werden, so insbesondere die Betriebsparameter der Anlage
mit Aktivkohlefilter.12 Aus der Verpflichtung, das Zelt während den Arbeiten immer im
Unterdruck zu halten und die Abluft zu reinigen, ergibt sich die Konsequenz, dass bei
Problemen (z.B. einem Leck in der Zeltwand oder einem Ausfall der Abluftanlage) die
Arbeiten bis zu deren Behebung umgehend eingestellt werden müssen. Dies ist
unbestritten und ergibt sich explizit aus der Stellungnahme des AfU.13 Der Vorwurf der
Beschwerdeführenden, es sei nicht festgelegt, welche Massnahmen im Falle einer
Überlastung oder eines Ausfalls des Aktivkohlefilters oder im Falle von Undichtigkeiten im
Zelt ergriffen würden, ist somit unberechtigt. Die angefochtene Baubewilligung wurde für
das Baugesuch inklusive den eingereichten Berichten und Konzepten erteilt. Diese
Berichte und Konzepte und damit insbesondere auch der Bericht H._ vom 8. Mai
2018 inklusive den darin genannten Massnahmen sind damit für die Beschwerdegegnerin
verbindlich und von ihr zwingend umzusetzen. Dies ergibt sich explizit aus dem Bericht des
Bauinspektorats der Stadt Bern vom 18. Juli 2018 zum Thema Umweltschutz,14 welcher
wiederum auf Seite 25 der angefochtenen Baubewilligung zum Bestandteil des
Gesamtentscheids erklärt wurde. Nicht richtig ist die Annahme der Beschwerdeführenden,
11 S. 29 des Berichts H._vom 8. Mai 2018, Vorakten pag. 297 12 S. 26 f. des Berichts H._vom 8. Mai 2018, Vorakten pag. 300 13 S. 4 des Berichts des Bauinspektorats der Stadt Bern vom 18. April 2018 (Eingangsdatum), Vorakten pag. 444; Beschwerdeantwort vom 30. November 2018, S. 9 14 S. 7 des Berichts des Bauinspektorats der Stadt Bern vom 18. Juli 2018, Vorakten pag. 453
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der Bericht H._ vom 8. Mai 2018 sei weder vom AWA noch vom AfU geprüft
worden. Aus Ziffer 11 des Berichts ergibt sich, dass das Vorgehen für die Abschätzungen
und die formulierten Massnahmen vom AfU gutgeheissen wurden. Dementsprechend
nimmt der Abschnitt "Umweltschutz" im Bericht des Bauinspektorats der Stadt Bern vom
18. Juli 2018 explizit Bezug auf diesen Bericht und fordert, die darin formulierten
Massnahmen seien umzusetzen.
e) Das Überwachungskonzept aus dem Bericht H._ vom 8. Mai 2018 sieht
diverse Emissions- und Immissionsüberwachungen vor. Die Emissionsüberwachung
beinhaltet kontinuierliche Messungen und diskrete Messungen im Sinne von
regelmässigen Einzelmessungen bei der Abluftbehandlung. Die Staubentwicklung soll
insbesondere durch die Baustellenleitung visuell beurteilt werden. Für die
Immissionsüberwachung sieht das Messkonzept zwei Messstandorte in jeder der zwei
Hauptwindrichtungen im Randbereich der Sanierungsfläche und eventuell einen weiteren
Standort ausserhalb dieser Zone in der Nachbarschaft als Kontrollpunkt vor. Dabei soll das
Messprogramm flexibel gehalten und an die verschiedenen Sanierungsphasen mit
unterschiedlichen Bodenbelastungen angepasst werden. Die Hauptwindrichtungen sollen
mit einer extra auf dem Sanierungsareal installierten Wetterstation bestimmt werden.
Zwar ist die Aussage der Vorinstanz, die Schadstoffgrenzwerte dürften in einer Distanz von
200 bis 300 Metern aufgrund der Verflüchtigung auch dann nicht überschritten sein, wenn
sie beim Austrittsort überschritten seien, nicht zwingend und daher ohne weitere
Begründung problematisch. Ob die Grenzwerte in einer Distanz von 200 bis 300 Metern
aufgrund der Verflüchtigung auch dann nicht überschritten sind, wenn sie beim Austrittsort
überschritten sind, ist aber auch nicht relevant. Entscheidend ist vielmehr, dass mit dem
Nachweis der Einhaltung der Grenzwerte im Randbereich der Sanierungsfläche aufgrund
des Verflüchtigungseffekts auch der Nachweis der Einhaltung der Grenzwerte in einer
Entfernung von 200 bis 300 Metern erbracht ist. Mit anderen Worten: Da mit dem
Messkonzept sichergestellt ist, dass allfällige Grenzwertüberschreitungen im Nahbereich
festgestellt würden und darauf mit Massnahmen zur Einhaltung der Grenzwerte reagiert
würde, ist auch sichergestellt, dass im Bereich der Liegenschaften der
Beschwerdeführenden keine anhaltenden Grenzwertüberschreitungen auftreten. Indirekt
umfasst das Messkonzept somit auch das Gebiet der Liegenschaften der
Beschwerdeführenden. Eine direkte Messung im Quartier der Beschwerdeführenden ist
unter diesen Umständen nicht erforderlich. Im Übrigen ist nicht ausgeschlossen, dass eine
RA Nr. 110/2018/143 10
solche dennoch stattfinden wird: Es ist möglich, dass der im Bericht H._ vom
8. Mai 2018 erwähnte weitere Kontrollstandort im Quartier der Beschwerdeführenden
platziert wird.
f) Soweit die Beschwerdeführenden ein Interventions- und Alarmkonzept fordern, das
über das vorhandene Sicherheits- und Überwachungskonzept hinausgeht, so sind die zur
Diskussion stehenden Immissionen nicht von einer Gefährlichkeit, die ein solches
erforderlich machen würden, insbesondere nicht bei den 200 bis 300 Metern entfernten
Liegenschaften der Beschwerdeführenden. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass
nicht erkennbar ist, inwiefern das Bauvorhaben Art. 4 AltlV verletzen würde. Das
Sanierungsprojekt entspricht dem Stand der Technik und ist insoweit bewilligungsfähig.
g) Zu keinem anderen Ergebnis führt die Berücksichtigung der Vorschriften der
Baugesetzgebung. Darin finden sich insbesondere folgende Bestimmungen zu Sicherheit
und Gesundheit: Bauten und Anlagen sind so zu erstellen, zu betreiben und zu unterhalten,
dass weder Personen noch Sachen gefährdet werden. Für die Bauplatzeinrichtungen und
alle Bauvorgänge sind die Anforderungen der Hygiene und der Unfallverhütung zu
beachten (Art. 21 Abs. 1 und 3 BauG). Bei der Erstellung von Bauten und Anlagen sind die
anerkannten Regeln der Baukunde einzuhalten. Personen und Sachen dürfen weder durch
den Bauvorgang noch durch den Bestand oder Betrieb von Bauten und Anlagen gefährdet
werden (Art. 57 Abs. 1 BauV15). Abbruch- und Aushubarbeiten dürfen nur unter
sachkundiger Leitung und unter Beobachtung aller Vorsichtsmassnahmen ausgeführt
werden (Art. 83 Abs. 1 BauV). Bei Bauarbeiten ist Staubentwicklung durch geeignete
Massnahmen soweit als möglich zu vermeiden. Bei Abbrucharbeiten sind die
Abbruchstellen und der Bauschutt hinreichend zu befeuchten (Art. 84 Abs. 1 BauV).
Inwiefern diese Vorgaben durch das Bauvorhaben verletzt würden, ist nicht erkennbar.
Auch die Beschwerdeführenden machen keine solche Verletzung geltend.
Schliesslich ist auch nicht erkennbar, inwiefern das Bauvorhaben den umweltrechtlichen
Vorschriften widersprechen würde. Vielmehr dient das Bauvorhaben der Sanierung eines
belasteten Standorts und damit der Umsetzung der umweltrechtlichen Vorschriften.
Demzufolge erweist sich die Rüge des ungenügenden Emissionsschutzes als
unbegründet.
15 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1)
RA Nr. 110/2018/143 11
3. Grundwasserabsenkung
a) Die Beschwerdeführenden befürchten Schäden an ihren Liegenschaften infolge der
geplanten Grundwasserabsenkung. Auch eine bloss vorübergehende Absenkung auf der
Bauparzelle berge ein erhebliches Risiko für solche Schäden. Dies hätten die Erfahrungen
im Zusammenhang mit Hochwasserereignissen im Bereich G._ gezeigt.
Besonders gefährdet seien ihre Liegenschaften im Falle eines Grossereignisses, wie z.B.
dem Bruch der Baugrubendichtung. Eine solche Gefährdung durch ein Grossereignis
könne nicht ohne entsprechende Abklärungen und mit Verweis auf die geringe
Gefährdungswahrscheinlichkeit in Abrede gestellt werden, zumal ein solches Ereignis nicht
als völlig unwahrscheinlich bezeichnet werden könne.
Ohne Untersuchung dieses Risikos und der Vorlage eines entsprechenden Überwachungs-
und Sicherungskonzepts sei das Bauvorhaben nicht genehmigungsfähig. Gemäss ihrer
Einsprache, auf welche die Beschwerdeführenden in ihrer Beschwerde verweisen, muss
ein genügendes Sicherheits- und Überwachungskonzept Rissprotokolle an ihren
Gebäuden vor Baubeginn und nach Bauvollendung vorschreiben. Zudem müsse die
Beschwerdegegnerin verpflichtet werden, sämtliche Schäden an den Liegenschaften der
Beschwerdeführenden zu übernehmen.
b) Das AWA hat die temporäre Grundwasserabsenkung in seinem Amtsbericht vom
11. Januar 2018 zwar geprüft und dafür die Gewässerschutzbewilligung erteilt. Als Auflage
hat es unter anderem verfügt, die abgepumpte Grundwassermenge sei permanent zu
messen und aufzuzeichnen; die Grundwasserstände innerhalb und ausserhalb der
Baugrube seien in Grundwassermessstellen vor, während und nach Abschluss der
Sanierungsarbeiten zu überwachen, d.h. in geeigneten zeitlichen Abständen zu messen
und zu protokollieren. Die Dimensionierung und Detailprojektierung hat das AWA jedoch
nicht überprüft.16 In seiner Stellungnahme vom 29. November 2018 weist das AWA darauf
hin, dass die Auswirkungen auf die Grundstücke der Beschwerdeführenden nicht geprüft
worden seien, da das Gewässerschutzgesetz keine solche verlange. Tatsächlich dient die
Gewässerschutzbewilligung lediglich dem Schutz der Gewässer vor Verunreinigungen (vgl.
16 Vgl. Ziff. 1.6 des Amtsberichts Wasser und Abfall des AWA vom 11. Januar 2018, Vorakten pag. 423
RA Nr. 110/2018/143 12
Art. 11 Abs. 1 KGSchG17).
c) Der Rüge der Beschwerdeführenden lässt sich nicht entnehmen, welche gesetzlichen
Bestimmungen das Bauvorhaben bezüglich Grundwasserabsenkung verletzen würde. In
Bezug auf den Schutz der Liegenschaften der Beschwerdeführenden relevant sind lediglich
die allgemeinen Bestimmungen der Baugesetzgebung zur Sicherheit. Demnach sind
Bauten und Anlagen so zu erstellen, zu betreiben und zu unterhalten, dass weder
Personen noch Sachen gefährdet werden. Für die Bauplatzeinrichtungen und alle
Bauvorgänge sind die Anforderungen der Hygiene und der Unfallverhütung zu beachten
(Art. 21 Abs. 1 und 3 BauG). Bei der Erstellung von Bauten und Anlagen sind die
anerkannten Regeln der Baukunde einzuhalten. Personen und Sachen dürfen weder durch
den Bauvorgang noch durch den Bestand oder Betrieb von Bauten und Anlagen gefährdet
werden (Art. 57 Abs. 1 BauV).
Art. 21 BauG und Art. 57 BauV schützen jedoch nicht gegen jegliche Schäden, die eine
Baute in der Nachbarschaft verursachen kann, sondern kommen nur zur Anwendung,
sofern eine Gefährdung der Sicherheit zu befürchten ist. Was für Schäden die
Beschwerdeführenden genau befürchten, lässt sich ihrer Beschwerde nicht entnehmen. In
ihrer Einsprache erwähnten sie Bewegungen von Fundamenten, die zu erheblichen
Schäden führen könnten. Die Liegenschaften der Beschwerdeführenden sind 200 bis
300 Meter von der temporären Grundwasserabsenkung entfernt. Zudem befindet sich
dazwischen die Aare. Unter diesen Umständen ist äusserst unwahrscheinlich, dass die
Grundwasserabsenkung bei den Liegenschaften der Beschwerdeführenden überhaupt
bemerkbar sein wird. Noch unwahrscheinlicher ist, dass dadurch irgendwelche Schäden
verursacht werden. Dass sogar Schäden verursacht werden, die zu einer Gefährdung der
Sicherheit führen, ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen.
Dies würde aufgrund der grossen Distanz und der dazwischen liegenden Aare selbst für
den Fall eines Bruchs der Baugrubendichtung gelten, wobei nicht mit einem solchen
gerechnet werden muss: Die Bautechnik gestattet selbst bei schwierigen
Grundstücksverhältnissen einwandfreie Lösungen für stabile Baugruben, wobei die
Einhaltung der Regeln der Baukunde in Art. 57 BauV vorgeschrieben und, jedenfalls
solange keine gegenteiligen Indizien vorliegen, vorausgesetzt werden darf.
17 Kantonales Gewässerschutzgesetz vom 11. November 1996 (KGSchG; BSG 821.0)
RA Nr. 110/2018/143 13
d) Abgesehen davon, dass die Beschwerdegegnerin die Grundwasserabsenkung
gemäss den Auflagen im Amtsbericht des AWA überwachen und dokumentieren muss, ist
demzufolge kein darüber hinausgehendes Überwachungs- und Sicherungskonzept
erforderlich. Auch sind keine weiteren Abklärungen betreffend einer Gefährdung der
Liegenschaften der Beschwerdeführenden durch die temporäre Grundwasserabsenkung
erforderlich. Diese Rüge erweist sich insofern als unbegründet.
e) Soweit die Beschwerdeführenden verlangen, die Beschwerdegegnerin müsse
verpflichtet werden, sämtliche Schäden an den Liegenschaften der Beschwerdeführenden
zu übernehmen, betrifft dies zivilrechtliche Ansprüche, die im vorliegenden öffentlich-
rechtlichen Verfahren nicht zu prüfen sind. Darauf kann daher ebenso wenig eingetreten
werden wie auf die Forderung nach Rissprotokollen. Ein öffentliches Interesse an der
Erstellung von Rissprotokollen ist nicht erkennbar. Die Beweissicherung für einen
Zivilprozess kann nicht Gegenstand des öffentlich-rechtlichen Baubewilligungsverfahrens
bilden.
4. Kosten
a) Die Beschwerde erweist sich demzufolge als unbegründet. Sie wird, soweit darauf
eingetreten werden kann, abgewiesen und der angefochtene Gesamtentscheid wird
bestätigt. Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführenden. Sie
haben die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG18).
Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr
(Art. 103 Abs. 1 VRPG). Für Entscheide in einer Verwaltungsjustizsache wird eine
Pauschalgebühr von Fr. 200.-- bis Fr. 4'000.-- erhoben (Art. 19 Abs. 1 i.V.m. Art. 4 Abs. 2
GebV19). Die gesamte Pauschalgebühr kann angemessen erhöht werden, wenn mehrere
Parteien gemeinsam Beschwerde führen (Art. 20 Abs. 2 GebV). In Anwendung dieser
Bestimmungen werden die Verfahrenskosten auf Fr. 3'400.-- festgelegt.
b) Die unterliegenden Beschwerdeführenden haben keinen Anspruch auf
18 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 19 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21).
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Parteikostenersatz (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Bei der obsiegenden Beschwerdegegnerin, die
nicht anwaltlich vertreten war, sind kein Parteikosten im Sinne des Gesetzes entstanden
(Art. 104 Abs. 1 und 2 VRPG). Somit werden keine Parteikosten gesprochen.