# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 5c8adafd-fb25-44a3-9506-f1dceadef1b4
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
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A. Die A._ AG mit Sitz in M._ ist seit dem 15. August 1995 im Handelsregister des
Kantons St. Gallen eingetragen. Bis 5. Dezember 2016 bezweckte die
Aktiengesellschaft den Betrieb von gastronomischen Einrichtungen und Lokalitäten
sowie den Handel mit gastronomischen Produkten aller Art. In der massgebenden
Steuerperiode 2015 war X._ einziges Verwaltungsratsmitglied mit Einzelunterschrift;
Y._ verfügte über Einzelprokura. Die A._ AG betrieb die Bar B._ an der C._-Gasse
in M._.
B. Die A._ AG wies im Rechnungsabschluss per 31. Dezember 2015 einen Gewinn
von CHF 311.80 aus. Am 6. April 2016 wurde sie von der Veranlagungsbehörde
aufgefordert, die Steuererklärung 2015 mit sämtlichen Detailkontenblättern, den
gesamten Buchhaltungsunterlagen sowie sämtlichen Lohnausweisen zu ergänzen. Mit
Schreiben vom 18. April 2016 unterbreitete sie der A._ AG einen
Veranlagungsvorschlag für die Kantons- und direkte Bundessteuer 2015. Gleichzeitig
forderte sie sämtliche Kassenstreifen des Jahres 2015 (Tagesabrechnungen) ein mit
der Androhung, dass ansonsten mit einer Veranlagung nach Ermessen gerechnet
werden müsse. Nachdem die geforderten Kassenstreifen nicht eingereicht worden
waren, veranlagte die Steuerbehörde die A._ AG für das Jahr 2015 mit Verfügungen
vom 27. April 2016 ermessensweise mit einem steuerbaren Reingewinn von
CHF 131‘032 unter Aufrechnung eines Betrags von insgesamt CHF 188‘320 und unter
Berücksichtigung einer Steuerrückstellung von CHF 27‘600; das steuerbare
Eigenkapital für die Kantonssteuern 2015 wurde auf CHF 91‘000 festgesetzt. Zur
Begründung führte die Steuerbehörde aus, die Grundbücher seien laufend
nachzuführen, aufzuaddieren und regelmässig zu saldieren. Dem Fehlen von
Kassenstreifen sei der Fall gleichzustellen, bei dem die Eintragung ins Kassenbuch mit
dem Kassenstreifen nicht übereinstimme. Einer solchen Kassabuchführung mangle es
an der ordentlichen Vollständigkeit und Klarheit, und sie erfülle damit die formellen
Voraussetzungen einer ordnungsgemäss geführten Buchhaltung nicht. Die dagegen
erhobenen Einsprachen hiess das kantonale Steueramt mit Entscheid vom 31. Januar
2017 teilweise gut und reduzierte den Betrag der Aufrechnung auf CHF 174‘523.
Dagegen erhob die A._ AG Rekurs und Beschwerde bei der
Verwaltungsrekurskommission, welche mit Entscheid vom 22. Januar 2018 die
Rechtsmittel abwies, soweit sie darauf eintrat.
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C. Am 16. Juni und 22. Juli 2016 nahm die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV),
Abteilung Mehrwertsteuer (MWST), bei der A._ AG eine MWST-Kontrolle der
Steuerperioden 1. Januar 2011 bis 31. Dezember 2015 vor. Mit Verfügung vom
5. Oktober 2016 rechnete sie für das Jahr 2015 eine Umsatzdifferenz von CHF 56‘700
(inkl. MWST) auf. Gegen diese Verfügung erhob die A._ AG Einsprache, wobei die
aufgerechnete Umsatzdifferenz im Jahr 2015 jedoch unbestritten blieb.
D. Die A._ AG (Beschwerdeführerin) erhob gegen den Entscheid der
Verwaltungsrekurskommission (Vorinstanz) vom 22. Januar 2018 mit Eingabe ihrer
Vertreterin vom 23. Februar 2018 (Datum der Postaufgabe) Beschwerde beim
Verwaltungsgericht. Sie beantragte, unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei der
angefochtene Entscheid aufzuheben und die Aufrechnung aus der ermessensweise
Festsetzung des Umsatzes analog zur Einschätzungsmitteilung der ESTV,
Hauptabteilung MWST, vom 5. Oktober 2016 mit brutto CHF 56‘700 (108 %) bzw.
netto CHF 52‘500 (100 %) festzusetzen. Weiter sei die Aufrechnung nicht als geldwerte
Leistung zu qualifizieren, die Rückstellung für den zusätzlichen Steueraufwand mit
CHF 4‘100 zu berücksichtigen und der steuerbare Gewinn mit CHF 19‘500
festzusetzen.
Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 22. März 2018 die Abweisung der

## Considerations

Beschwerde und verwies zur Begründung auf die Erwägungen im angefochtenen
Entscheid. Das kantonale Steueramt (Beschwerdegegner) verzichtete am 26. April 2018
ausdrücklich und die ESTV (Beschwerdebeteiligte) stillschweigend auf eine
Vernehmlassung.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten und die Akten wird, soweit wesentlich,
in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. [...]
2.
2.1. [...]
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2.2. Wie die Vorinstanz bereits im angefochtenen Entscheid ausgeführt hat, ist die
Frage, ob bei den Aktionären eine geldwerte Leistung aufzurechnen ist, Gegenstand
der Veranlagung der jeweiligen natürlichen Person. Sie hat ausserdem zu Recht darauf
hingewiesen, dass die rechtskräftige Veranlagung einer Kapitalgesellschaft unter
Einbezug geldwerter Leistungen an ihre Aktionäre oder Gesellschafter die
gesetzesmässige Veranlagung der natürlichen Person nicht zu ersetzen vermag. Auf
Ziffer 3 des Rechtsbegehrens ist daher nicht einzutreten, soweit damit auf die
Aufrechnung einer geldwerten Leistung bei den Gesellschaftern zu verzichten sei. Im
Übrigen kann auf die zutreffenden Ausführungen im angefochtenen Entscheid
verwiesen werden (vgl. act. 2/1 E. 2b).
3.
3.1. Unbestritten liegen die Voraussetzungen zur Vornahme einer Veranlagung nach
pflichtgemässem Ermessen vor (Art. 177 StG, Art. 130 Abs. 2 DBG), weshalb – anstelle
von Wiederholungen – auf die korrekten Ausführungen der Vorinstanz verwiesen
werden kann (vgl. E. 4 des angefochtenen Entscheids). Allerdings führt nicht jede
Ungewissheit im Sachverhalt zu einer Einschätzung nach pflichtgemässem Ermessen.
Die pflichtgemässe Schätzung kann sich grundsätzlich nur auf das Quantitative
beziehen. Nur ausnahmsweise, wenn jegliche Anhaltspunkte fehlen, muss eine
Ermessenseinschätzung auch ohne konkrete Anhaltspunkte zulässig sein. Das ist etwa
dann der Fall, wenn eine formell mangelhafte Buchhaltung derart unzuverlässig ist,
dass sie als Ganzes abgelehnt werden muss. Unter dieser Voraussetzung wird in Praxis
und Doktrin auch eine so genannte Vollschätzung, beispielsweise aufgrund von
Erfahrungszahlen, als zulässig erachtet. Ansonsten dürfen nur jene
Einkommensbestandteile ermessensweise eingeschätzt werden, die im Rahmen des
Veranlagungsverfahrens ungewiss geblieben sind (VerwGE B 2017/100 und
B 2017/101 vom 9. April 2018 E. 3.1 mit Hinweis auf BGer 2C_554/2013, 2C_555/2013
vom 30. Januar 2014 E. 2.3, www.gerichte.sg.ch).
3.2. Wie von der Vorinstanz zu Recht erkannt (vgl. E. 5 des angefochtenen Entscheids),
kann die Steuerpflichtige eine Veranlagung nach pflichtgemässem Ermessen nur
wegen offensichtlicher Unrichtigkeit anfechten. Die Einsprache ist zu begründen und
muss allfällige Beweismittel nennen (Art. 180 Abs. 2 StG; Art. 132 Abs. 3 DBG). Die
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Erfordernisse der Begründung und der Nennung der Beweismittel stellen bei
Einsprachen, die gegen eine Ermessenseinschätzung erhoben werden,
Prozessvoraussetzungen dar, bei deren Fehlen auf die Einsprache nicht eingetreten
wird. Im nachfolgenden Beschwerde- bzw. Rekursverfahren können zwar sämtliche
Mängel des angefochtenen Entscheids und des vorangegangenen Verfahrens gerügt
werden (Art. 161 StG in Verbindung mit Art. 46 Abs. 1 VRP; Art. 140 Abs. 3 DBG); die
inhaltliche Überprüfung der nach Ermessen veranlagten Steuerfaktoren bleibt im
Rechtsmittelverfahren aber auf offensichtliche Unrichtigkeit beschränkt (BGer
2C_42/2017, 2C_43/2017 vom 20. Januar 2017 E. 2.3). Die Veranlagungsbehörde ist
auf die Einsprache der Beschwerdeführerin eingetreten und hat eine inhaltliche
Beurteilung vorgenommen. Die Vorinstanz hat demzufolge ihre Beurteilung zu Recht
nicht auf die Eintretensfrage beschränkt, sondern eine materielle Prüfung durchgeführt.
4. Wie bereits im vorinstanzlichen Rekurs- und Beschwerdeverfahren ist vorliegend
umstritten, ob sich die Ermessensveranlagung aufgrund der von der
Beschwerdeführerin vorgebrachten Begründung und Beweismittel als offensichtlich
unrichtig erweist.
4.1. Im Rechtsmittelverfahren gegen eine Ermessensveranlagung überprüft das
Verwaltungsgericht deren Richtigkeit nur mit beschränkter Kognitionsbefugnis. Es
schreitet nur ein, wenn die Vorinstanzen die Grenzen des Ermessens überschritten
haben oder ihnen offenkundige Fehler oder Irrtümer unterlaufen sind, so zum Beispiel
wenn sie bei der Schätzung wesentliche Gesichtspunkte übergangen oder
offensichtlich falsch gewürdigt haben (Zigerlig/Oertli/Hofmann, Das st. gallische
Steuerrecht, 7. Aufl. 2014, S. 406).
4.2. Die Vorinstanz ist zusammenfassend zur Auffassung gelangt, dass der
Beschwerdegegner die Ermessenseinschätzung pflichtgemäss vorgenommen habe.
Die Beschwerdeführerin habe deren offensichtliche Unrichtigkeit nicht dargetan.
Insbesondere erscheine die Schätzung des Beschwerdegegners auch aufgrund der
Ermessensveranlagung der ESTV nicht als offensichtlich unrichtig. Die
Beschwerdeführerin führe nicht konkret aus, inwiefern die Berechnung des
Beschwerdegegners und die darin getroffenen Annahmen offensichtlich falsch seien.
Wenn der Beschwerdegegner von einem Bruttogewinn von 72 % ausgehe, befinde er
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sich damit innerhalb seines pflichtgemässen Ermessens. Die Schätzung erscheine
weder sachwidrig noch erkennbar pönal oder fiskalisch motiviert, sondern mit den
konkreten Verhältnissen vereinbar.
Die Beschwerdeführerin stützt sich bei ihrer Kalkulation auf die Ergebnisse der MWST-
Kontrolle, welche eine Marge von 65 % berechnete. Gestützt darauf sei eine
Aufrechnung von CHF 52‘500 vorzunehmen. Sowohl der Beschwerdegegner als auch
die ESTV, Hauptabteilung MWST, mussten aufgrund der mangelhaften Buchhaltung
der Beschwerdeführerin eine Ermessenseinschätzung vornehmen. Die ESTV hielt in der
Verfügung vom 5. Oktober 2016 fest, dass die von der Beschwerdeführerin
ausgewiesenen Bruttogewinnmargen von 59 % im Jahr 2015 nicht ihren
Erfahrungswerten um 70 % entsprächen. Mit einem durchschnittlichen Bruttogewinn
von 65 % würden die Lage sowie die Spezialrabatte berücksichtigt (vgl. act. 9/2/3).
4.3. Die Vorinstanz legte nachvollziehbar dar, weshalb sie die Berechnung des
Beschwerdegegners als nicht offensichtlich unrichtig erachtete. Demnach stützte sich
der Beschwerdegegner soweit möglich auf Zahlen, die er aufgrund der Unterlagen der
Beschwerdeführerin zur Verfügung hatte. Anhand der Getränkelieferungen und der
Preislisten berechnete er einen Soll-Bruttogewinn von CHF 872‘516. Zudem trug er den
speziellen Verhältnissen im Betrieb der Beschwerdeführerin Rechnung und bezog die
geltend gemachten Sonderaktionen und eine Korrektur aufgrund individuell
verhandelter Flaschenpreise in die Berechnung ein. Schliesslich berücksichtigte der
Beschwerdegegner Aufwendungen für Mehrausschank, Bruch und Gratisausgaben.
Unter Abzug der Mehrwertsteuer errechnete er schliesslich einen kalkulierten Umsatz
von CHF 485‘368, was einer Bruttogewinnmarge von 72% entspricht. Weiter zog der
Beschwerdegegner zur Kontrolle die Kennzahlen 2016 der KATAG – einer
Aktiengesellschaft mit dem Zweck, Dienstleistungen und Beratungen für alle Bereiche
des Gastgewerbes, der Hotellerie und des Tourismus‘ zu erbringen (vgl.
Handelsregisterauszug, www.zefix.ch) – hinzu. Die von ihr publizierten Kennzahlen
stützen sich auf die jährliche Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT), welche
zentrale Informationen zur Struktur der Schweizer Wirtschaft (z. B. Anzahl
Unternehmen, Anzahl Arbeitsstätten, Anzahl Beschäftigte usw.) liefert und damit einen
Überblick über die Wirtschaftslandschaft der Schweiz gibt. Sie basiert auf den
Registern der AHV-Ausgleichskassen. Die Hürde für die Erfassung in der STATENT-
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Erhebung liegt einiges tiefer als beispielsweise die Erhebung der
Mehrwertsteuerbehörde, was sich merklich auf die Anzahl ausgewiesener
Arbeitsstätten auswirkt. Die ausgewiesene Anzahl Betriebe erhöht sich zusätzlich, da in
der STATENT Filialen eines Unternehmens einzeln erfasst werden, wohingegen sich die
Mehrwertsteuerstatistik auf den Steuerpflichtigen, also die Unternehmung als Ganzes,
beschränkt. Bei Bar-/Pub-Betrieben liegt der Bruttoerfolg bei 77 % (vgl. KATAG-
Kennzahlenbroschüre 2016 S. 5 und 24; vgl. auch https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/
home/statistiken/industrie-dienstleistungen/erhebungen/statent.html). Die Kennzahlen
der KATAG erweisen sich damit als aussagekräftiger als diejenigen der ESTV im
Zusammenhang mit der Mehrwerteuer. Nachdem die im Streit liegende Berechnung
sogar unter den Kennzahlen der KATAG liegt, kann dem Beschwerdegegner nicht
vorgeworfen werden, er habe die Ermessenseinschätzung, die aber eben per
definitionem eine Schätzung bleibt, nicht pflichtgemäss vorgenommen. Die von der
Beschwerdeführerin im vorliegenden Verfahren vorgenommene Berechnung beruht
ebenfalls lediglich auf einer Schätzung, was sie selbst auch anerkennt (vgl. act. 1 Ziff. 5
erster Absatz). Sie trifft ebenfalls lediglich Annahmen, welche die offensichtliche
Unrichtigkeit der Ermessensveranlagung jedoch nicht zu belegen vermögen. Der
Schluss der Vorinstanz, die Beschwerdeführerin habe die offensichtliche Unrichtigkeit
der Ermessensveranlagung nicht darlegen können, ist daher nicht zu beanstanden.
4.4. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerden sowohl hinsichtlich der
Kantonssteuern als auch der direkten Bundessteuer aufgrund des
Rechnungsabschlusses per 31. Dezember 2015 abzuweisen sind, soweit darauf
einzutreten ist.
5. [...]