# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** e4480a3b-144d-4618-ba4f-6de88d44ef25
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1999
, wurde am
5.
Januar 2015 bei der Invali
den
ver
sicherung zum Leistungsbezug angemeldet (
Urk.
9/5).
Die Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab und hielt mit Mitteilung vom 1
6.
Juni 2015 (
Urk.
9/24) fest, dass zurzeit keine Kostengutsprache für die erstmalige berufliche Ausbildung gewährt werde.
Am 1
5.
Dezember 2015 wurde der Versicherte
unter Hinweis a
uf eine Lern
behin
derung seit seiner
Einschulung
erneut bei
der Invalidenversicherung zum Leis
tungsbezug angemeldet (
Urk.
9/34
Ziff.
6.1).
Mit Mitteilung vom 2
8.
April 2016 (
Urk.
9/
44 =
Urk.
9/
45) gewährte die IV-Stelle dem Versicherten Kostengut
sprache für die erstmalige berufliche Ausbildung zum Detailhandelsassistenten EBA
bei der
Y._
vom
1.
August 2016 bis 3
1.
Juli 2018.
1.2
Nach
Erreichen der Volljährigkeit
meldete sich der Versicherte
am
4.
Juli 2017
erneut
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug
an
(
Urk.
9/61).
Die IV-Stelle teilte
dem Versicherten
am 1
1.
Juni 2018 (
Urk.
9/83) mit, dass die beruf
li
chen Massnahmen erfolgreich abgeschlossen worden seien.
Nach weitere
n
medi
zinische
n
und erwerbliche
n
Abklärungen auferlegte
die IV-Stelle
dem Versi
cher
ten mit Mitteilung vom 2
2.
Oktober 2018 (
Urk.
9/88)
eine Schadenminde
rungs
pflicht
zur Verbesserung des Gesundheitszustands
in Form der
Durchführung
beziehungsweise
Fortführung der
fachpsychiatrischen Behandlung
.
Nach ergangenem Vorbescheid (
Urk.
9/114) verneinte die IV-Stelle mit Verfü
gung vom 2
2.
Juni 2020
einen Leistungsanspruch (
Urk.
9/115 =
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am
1
4.
Juli 2020 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2
2.
Juni 2020 (
Urk.
2) und beantragte
sinngemäss, diese sei aufzuheben und es
seien ihm die entsprechenden gesetzlichen Versicherungsleistungen zuzu
spre
chen.
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
8.
Oktober 2020 (
Urk.
8) die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am
3.
November 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
10).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die versicherte Person muss gemäss
Art.
7 IVG alles ihr Zumutbare unternehmen, um die Dauer und das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit (
Art.
6 ATSG) zu ver
ringern und den Eintritt einer Invalidität (
Art.
8 ATSG) zu verhindern (
Abs.
1). Die versicherte Person muss gemäss Art. 7 Abs. 2 IVG an allen zumutbaren Massnahmen, die zur Erhaltung des bestehenden Arbeitsplatzes oder zu ihrer Ein
gliederung ins Erwerbsleben oder in einen dem Erwerbsleben gleichgestellten Aufgabenbereich (Aufgabenbereich) dienen, aktiv teilnehmen. Dies sind insbe
sondere:
a.
Massnahmen der Frühintervention (
Art.
7d);
b.
Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche
Einglie
derung
(
Art.
14a);
c.
Massnahmen beruflicher Art (
Art.
15–18 und 18b);
d.
medizinisc
he Behandlungen nach Artikel 25
des Bundesgesetzes über die
Krankenversicherung (KVG)
e.
Massnahmen zur Wiedereingliederung von Rentenbezügerinnen und Rentenbezügern nach Art. 8a Abs. 2.
1.4
Die Leistungen können gemäss
Art.
7b IVG nach
Art.
21
Abs.
4 ATSG gekürzt oder verweigert werden, wenn die versicherte Person den Pflichten nach
Art.
7 dieses Gesetzes oder nach
Art.
43 Absatz 2 ATSG nicht nachgekommen ist (
Abs.
1). Die Leistungen können in Abweichung von
Art.
21
Abs.
4 ATSG ohne Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
gekürzt oder verweigert werden, wenn die versicherte Person:
a.
trotz Aufforderung der IV-Stelle nach
Art.
3c
Abs.
6 nicht unverzüglich eine Anmeldung vorgenommen hat und sich dies nachteilig auf die Dauer oder das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit oder der Invalidität auswirkt;
b.
der Meldepflicht nach
Art.
31
Abs.
1 ATSG nicht nachgekommen ist;
c.
Leistungen der Invalidenversicherung zu Unrecht erwirkt oder zu erwirken versucht hat;
d.
der IV-Stelle die Auskünfte nicht erteilt, welche diese zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgabe benötigt (
Abs.
2).
Beim Entscheid über die Kürzung oder Verweigerung von Leistungen sind alle Umstände des einzelnen Falles, insbesondere das Ausmass des Verschuldens der versicherten Person, zu berücksichtigen (
Abs.
3). In Abweichung von
Art.
21 Abs. 1 ATSG werden
Hilflosenentschädigungen
weder verweigert noch gekürzt (Abs. 4).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2/1) davon aus, der Beschwerdeführer
könne
bei Fortführung der fachpsychiatrischen The
rapie von weiteren sechs Monaten erfolgsversprechende
Fortschritte in Richtung erster
Arbeitsmarkt ausweisen. Diese Therapie ha
be er bei
Dr.
Z._
angefangen, s
eit 2
8.
Mai 2019 sei er jedoch nicht mehr in Behandlung gewesen. Somit habe
er die auferlegte Schadenminderungspflicht nicht erfüllt. Aus diesem Grund könne
nicht abschliessend beurteilt werden, ob die Einschränkungen der Erwerbsfähig
keit bleibend seien oder zumindest längere Zeit andauerten. Deshalb sei davon auszugehen, dass keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vorliege
(S. 1).
Sollte der Beschwerdeführer zu einem späteren Zeitpunkt ein Gesuch bei der Invali
denversicherung einreichen, sei ein fachpsychiatrischer Therapienachweis von mindestens sechs Monaten beizulegen, ansonsten werde auf das neue Gesuch nicht eingetreten (S. 2).
In ihrer Beschwerdeantwort vom 2
8.
Oktober 2020 (
Urk.
8) führte die Beschwer
de
gegnerin aus, dass keine entschuldbaren Gründe ersichtlich seien, weshalb sich der von einer
Beiständin
vertretene Beschwerdeführer nicht bereits im Vorbe
scheidverfahren zum vorgesehenen Entscheid geäussert habe, sondern hierzu direkt den Weg des gerichtlichen Verfahrens gewählt habe (S. 1).
Z
udem
habe sich
der Beschwerdeführer im Nachgang an den Entscheid mit Formular vom 1
4.
Juli 2020 neu angemeldet. Er habe in diesem Zusammenhang glaubhaft dar
gelegt, dass er seit längerer Zeit bei einem neuen
Therapeuten in Behandlung stehe
.
Sein neues Gesuch werde derzeit geprüft
(S. 2).
2.2
Demgegenüber wandte der Beschwerdeführer im Wesentlichen ein (
Urk.
1), er habe alle zwei bis drei Wochen einen Termin bei
Dr.
Z._
wahrgenommen. Ende Mai habe
Dr.
Z._
den geforderten Bericht der IV-Stelle zukommen lassen. Ab Juni 2019 habe er die Sitzungen bei
Dr.
Z._
nicht mehr wahrgenommen. Er sei
der Auffassung gewesen, dass mit dem Bericht der Auftrag erfüllt worden sei. Seit dem 2
4.
Oktober 2019 nehme er die Termine bei seinem jetzigen Psychiater regel
mässig wahr
. Ab August 2020 könne er eine Lehrstelle in einer Kinderkrippe antreten. Seine grösste Angst sei, schulisch nicht bestehen zu können. Seine
Beiständin
, seine Bezugsperson im Wohnhaus und er seien der Meinung, dem könne nur mit einer starken Unterstützung einer L
ernhilfe begegnet werden.
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdege
gnerin zu Recht gestützt auf eine
Verletzung
der
Schadenminderungs
pflicht
einen Anspruch
des Beschwerde
füh
rers
auf
Leistungen der Invalidenversicherung
verneinte.
3.
3.1
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für
Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie
, nannte in ihrem Bericht vom 3
1.
Januar 2015 (
Urk.
9/1-2)
als Diagnosen
eine leichte Lernbehinderung und Teilleistungsstörungen (S. 1 lit.
A)
. Der Versicherte sei seit 2009 im
B._
und besuche aktuell die
3.
Oberstufe (S. 2
Ziff.
3).
Er brauche klare und konsequente Führung, vor allem im schulischen Bereich, da er gemäss Angaben der Lehrperson sonst «nichts tun würde».
Es falle ihm schwer, den alltäglichen Rahmen einzuhalten und er habe zudem die Tendenz
,
sich in vielen Ideen zu verlieren. In Mathe
matik
sei er zirka auf dem Stand der
6.
Klasse und habe somit einen Rückstand von zirka 3
Jahren
(S. 2
Ziff.
4)
.
In ihrem ergänzenden Bericht vom
3.
April 2015 über die testpsychologische Abklärung vom
2.
April 2015 (
Urk.
9/19) führte sie aus, das intellektuelle Poten
zial des Versicherten sei gemäss Testung niedrig (IQ 79). Aufgrund der Anamnese und de
r
beschriebenen Probleme müsse von einer Dyskalkulie ausgegangen werden. Ferner sei das Arbeitsgedächtnis ausgesprochen niedrig, was eine Teil
leistungsstörung darstelle. Aufgrund der Testresultate sei eine Lehrstelle im freien Markt nicht möglich, ohne dass zumindest flankierende und unterstützende Massnahmen wie
ein
Coaching vorhanden seien.
Die aufgeführten Schwierig
keiten in verschiedenen Bereichen wie exekutive Funktionen (ohne Konzen
tra
tion), impulsivem Stil und
Graphomotorik
dürften im Berufsalltag hinderlich sein. Die Dyskalkulie werde begrenzend für die schulischen Möglichkeiten sein
(S. 2).
3.2
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie
, führte in seinem Bericht vom 2
6.
September 2018 (
Urk.
9/87) aus, dass er den Versicherten seit 1
8.
Juni 2018 behandle (
Ziff.
4.1), und nannte die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
2.1):
-
vorbeschriebene geistige Behinderung, Lernschwäche, seit Geburt
-
rezidivierende depressive Störung, aktuell leichtgradig mit emotional-instabiler Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10 F33.0),
mindestens seit Juni 2018
-
Adipositas
Der Versicherte habe den Abschluss zum Detailhandelsassistenten EBA geschafft. Seither sei es zu einer Verstärkung der vorbekannten depressiven Symptome, Antriebsstörung,
Anhedonie
und emotionaler Instabilität mit ausgeprägten Stim
mungsschwankungen gekommen. Der Verlauf der letzten Monate habe gezeigt
, dass ab 1
0.
September 2018
eine verwertbare Arbeitsfähigkeit von
höchstens
zirka 20
%
in der freien Wirtschaft
(
in wohlwollender Atmosphäre
)
bestehe
. Die Arbeitsfähigkeit in beschützter Umgebung als Detailhandelsassistent liege bei 80-100
%
. Es sei aber
durchaus möglich, dass nach einer Übergangszeit von 6-12 Monaten eine psychische Stabilisieru
ng
stattfinden könne,
so
dass weitere Schritte in Richtung erster Arbeitsmarkt erfolgsversprechend wären.
Dies könne jetzt aber noch nicht ausreichend beurteilt werden.
Es sei
aus seiner Sicht
sinnvoll
, die
Übergangszeit zu nutzen, um ein differenzierteres Belastungsprofil erstellen zu können. Auch eine neuropsychologische Testung wäre
dafür sinnvoll (
Ziff.
4.3).
Die Arbeitsfähigkeit könne durch eine ambulante psychiatrische-psychothe
ra
peutische Begleitung verbessert werden (
Ziff.
5.2).
3.3
Am
2.
Oktober 2018 nahm
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für
Psy
chiatrie und Psychotherapie
,
Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD),
Stellung zum medizinischen Sachverhalt (
Urk.
9/113 S. 3 f.)
,
und nannte die folgenden Diag
nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 3 oben):
-
vorbeschriebene geistige Behinderung, Lernschwäche (IQ liegt bei 79), Teilleistungsstörungen: Dyskalkulie
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichtgradige Episode mit emotional-instabiler Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10 F33.0)
-
Adipositas
In Bezug auf die bisherige Tätigkeit als Detailhandelsassistent
bestehe eine An
triebsstörung mit deutlichen Hemmungen sowie eine psychophysische Belastbar
keitsminderung mit vorzeitiger Erschöpfung und Minderung der
konzentrativen
Ausdauer
belastbarkeit. Zeitlich
flexible Tätigkeiten ohne permanenten Zeit- und Termindruck, bei nur geringem Publikumsverkehr, ohne besondere Anforde
run
gen an das Umstellungs- und Anpassungsvermögen wären medizinisch-theore
tisch in einer wohlwollenden und konfliktarmen Arbeitsatmosphäre, idealerweise im geschützten Rahmen, möglich
(S. 3 unten)
.
In der bisherigen
Tätigkeit als Detailhandelsassistent
sowie in angepasster Tätigkeit
bestehe
seit Been
digung der
Lehre eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit.
Durch eine Fortführung der integrativen psychiatrischen-psychotherapeutischen Behandlung sowie eine Tätigkeit im geschützten Rahmen könne der Versicherte in eine
m Zeitraum von 2 Jahren eine Arbeitsfähigkeit
von 50
%
in einer angepassten Tätigkeit, medizinisch-theore
tisch, unter optimalen Bedingungen, erreichen.
Der Versicherte habe im ge
schützten Rahmen seine Ausbildung zum Detailhandelsassistenten absolvieren können. Aktuell sei es noch verfrüht, in den ersten Arbeitsmarkt einzusteigen. Aktuell, kurz- bis mittelfristig
,
liege eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
im ersten Arbeitsmarkt vor. Unter Fortführung der fachpsychiatrischen Behandlung bei
Dr.
Z._
soll
e der Gesundheitszustand
in 1-2 Jahren neu beurteilt werden.
3.
4
In seinem Verlaufsbericht vom 1
2.
Juni 2019
für die Zeit ab 3
1.
Januar 2019
(
Urk.
9/99) nannte
Dr.
Z._
(vorstehend E. 3.2
)
die folgende Diagnose (
Ziff.
2):
-
rezidivierende depressive Störung bei emotional-instabiler Persönlichkeitsproblematik und Intelligenzminderung mit der Folge der erschwerten Anpassung an die Anforderungen des alltäglichen Lebens
Der Gesundheitszustand des Versicherten sei stationär (
Ziff.
1). Zwischen 3
1.
Janu
ar und
2.
Mai 2019 hätten 5 Konsultationen stattgefunden, am 1
1.
März 2019 ausserplanmässig wegen eines depressiven Einbruchs.
Auslöser sei ein Arbeits
platzkonflikt gewesen, was auch zu einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit vom 1
1.
bis 1
7.
März geführt habe.
Aktuell bestehe keine verwertbare Arbeitsfähigkeit in der freien Wirtschaft.
Die Arbeitsfähigkeit
in beschützter Umgebung im erlern
ten Beruf liege bei 50-100
%
, je nach Möglichkeit einer wohlwollenden Beglei
tung.
Aktuell zeige sich eine Kombination mehrerer Probleme. Es habe sich gezeigt, dass das Wohnen ohne Betreuung nicht möglich sei und deswegen eine betreute Wohngemeinschaft beziehungsweise ein Wohnheim gesucht werde und eventuell bereits gefunden worden sei. Während der psychiatrischen Begleitung sei deutlich geworden, dass der Versicherte teilweise in Begleitung habe kommen müssen und ein selbständiges Planen und
Durchführen solcher Aufgaben wie Arztbesuche weiterhin nur eingeschränkt möglich sei.
Eine Einstellung auf eine Antidepressiva-Medikation habe sich
als nicht zielführend erwiesen, da es sich um eine sehr schwankende, emotional-instabile Symptomatik handle. Besser
würden verhaltenstherapeutische
Massnahmen des Betreuungspersonals mit eng
er Führung beziehungsweise Aktivierung wirken. Ausserdem hätten sich erhebliche Einschränkungen in der Flexibilität und Umstellungsfähigkeit gezeigt, sodass es im neuen Arbeitsbereich in der Küche auch im beschützten Rahmen zu einem kurzzeitigen psychischen Einbruch gekommen sei. Die Durchhaltefähigkeit sei zumindest vermindert. Neben der unklaren Wohnsituation bestehe auch eine un
klare berufliche Situation.
Z
usätzlich sei nicht zu vergessen, dass die Adoleszenz
und das frühe Erwachsenenalter auch mit besseren Grundvoraussetzungen im medizinischen und psychosozialen Bereich oft eine schwierige Schwellensituation darstelle (
Ziff.
3).
Eine stützende psychiatrisch-psychotherapeutische Begleitung sei niederfrequent sinnvoll, sofern der Versicherte das wolle.
Wichtiger wäre die weitere sozialpädagogische Begleitung mit konkreter Hilfe und Beratung bei all
täglichen Fragestellungen.
Innerhalb des
nächsten Jahre
s
werde sich mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit die oben beschriebene Arbeitsfähigkeit nicht deut
lich verändern. Sobald der Versicherte ein stabiles, langfristiges Wohnumfeld für sich gefunden habe und in zuverlässige Strukturen eingebunden sei, könne
even
tuell neu beurteilt werden (
Ziff.
4).
3.
5
Die Fachpersonen der
D._
berichteten am 1
8.
November 2019 über die neuropsychologische Untersuchung vom 1
1.
November 2019 (
Urk.
9/110/2-7 =
Urk.
9/110/8-13). Der Versicherte habe in der Untersuchung ein mittelgradig reduziertes allgemeines kognitives Leistungsvermögen im Rahmen einer Lernbe
hinderung (IQ 76) mit akzentuierten Defiziten im Arbeitsgedächtnis (IQ 63)
gezeigt
.
A
ufgrund des mittelgradig reduzierten allgemeinen kognitiven Leistungs
vermögens und funktionsübergreifenden Minderleistungen bei komplexen Anfor
derungen
begründeten die objektivierten Minderleistungen
die Diagnose einer Lernbehinderung mit akzentuierten Defiziten im Arbeitsgedächtnis (ICD-10 F0
7.8). Ein an das kognitive Profil des Versicherten angepasster Arbeitsplatz bestünde vorwiegend aus repetitiven Anforderungen mit inhaltlich und zeitlich gut ein
schätzbaren, nach vorgegebenen Abläufen strukturierten Aufgabenstellungen
. Womöglich entspräche eine Tätigkeit in seiner angestammten Branche oder in der Altenpflege seinen Ressourcen und Bedürfnissen. Falls eine berufliche Ein
gliederung in der Kleinkinderziehung beziehungsweise -betreuung nicht erfolg
reich sein sollte, würden Massnahmen durch die IV, inklusive einer ressour
cen
orientierten Berufsberatung, empfohlen (S. 6).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin legte
insbesondere
die Berichte der behandelnden Ärzte sowie die im Zusammenhang
mit der beruflichen Erstausbildung des Beschwer
deführers
erstatteten Berichte
der
Y._
der RAD-Ärztin
Dr.
C._
zur medizinischen Stellungnahme vor
. Anhand der ihr zur Ver
fügung gestellten Unterlagen konnte sie sich
ein vollständiges Bild über die Anamnese, den Behandlungsverlauf sowie den gegenwärtigen Gesundheitszu
stand des Beschwerdeführers verschaffen
.
Ihre
Stellungnahme
vom Oktober 2018
(vorstehend E.
3.3
) leuchtet
in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und enthält nachvollziehbare Begründungen.
Demzufolge erfüllt sie
die an eine beweiskräftige ärztliche Entscheidungsgrundlage gestellten Anfo
rderungen
(vor
stehend E. 1.5-1.6
), womit ihr voller Beweiswert zukommt.
4.2
Als
Diagnosen mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie eine vorbeschriebene geistige Behinderung, Lernschwäche (IQ liegt
bei 79), Teil
leistungsstörungen
(
Dyskalkulie
)
, eine rezidivierende depressive Störung, gegen
wärtig leichtgradige Episode mit emotional-instabiler Persönlichkeits
akzentu
ie
rung (ICD-10 F33.0) sowie eine Adipositas.
In Übereinstimmung mit der medi
zinischen Aktenlage
gelangte sie zum Schluss, dass seit Beendigung der Lehre im Juli 2018 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Detail
handelsassistent als auch in angepasster Tätigkeit gemäss dem von ihr näher ge
nannten Belastungsprofil bestehe
.
Durch Fortführung der psychiatrisch-psy
cho
therapeutischen Behandlung sowie eine Tätigkeit im geschützten Rahmen könne der Beschwerdeführer in einem Zeitraum von 2 Jahren eine Arbeits
fähig
keit von 50
%
in einer angepassten Tätigkeit unter optimalen Bedingungen erreichen. Einen Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt erachtete sie zum damaligen Zeitpunkt als verfrüht. Aktuell, kurz- bis mittelfristig ging sie von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt aus.
Das von der RAD-Ärztin
Dr.
C._
genannte zumutbare Belastungsprofil so
wie ihre Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
erweisen sich unter Berücksichtigung der medizinischen Aktenlage und
in Bezug auf die geklagten Beschwerden und vorhandenen Befunde als umfassend dargelegt und schlüssig begründet.
Ihre Einschätzung
deckt sich
dabei
weitgehend mit der Beurteilung durch
Dr.
Z._
vom
September 2018 (vorstehend E. 3.2
),
welcher höchstens
von
eine
r
verwert
bare
n
Arbeitsfähigkeit
in der freien Wirtschaft
von zirka 20
%
ausging.
Er er
achtete eine psychische Stabilisierung nach einer Übergangszeit von 6-12 Mona
ten
indessen
als soweit möglich, dass
anschliessend
weitere
Schritte in Richtung erster Arbeitsmarkt erfolgsversprechend wären.
Auch im Abschluss
bericht der
Y._
vom Juni 2018 (
Urk.
9/82) wurde
festgehalten, dass der
Beschwerdeführer zurzeit maximal eine 30%ige Leistungsfähigkeit im Vergleich zu einem EBA Abgänge
r aufweise
(
Ziff.
5).
4.3
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann a
us Gründen der Verhältnis
mässigkeit dort von einem strukturierten Beweisverfahren abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Die Frage der Notwendigkeit in diesem Sinne beurteilt sich nach dem konkreten Beweisbedarf. Sie fehlt ganz allgemein in Fällen, die sich durch die Erhebung prägnanter Befunde und über
einstimmende fachärztliche Einschätzungen hinsichtlich Diagnose und funktio
neller Auswirkungen im Rahmen beweiswertiger Arztberichte und Gutachten auszeichnen. Was die Befunde angeht, ist etwa an Störungsbilder wie Schizo
phrenie, Zwangs-, Ess- und Panikstörungen zu denken, die sich aufgrund klini
scher psychiatrischer Untersuchung bezüglich ihrer Überprüf- und Objekti
vier
barkeit mit somatischen Erkrankungen vergleichen lassen. Andererseits bleibt ein strukturiertes Beweisverfahren dort entbehrlich, wo im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbarer begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fach
ärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann
(BGE 143 V 418 E. 7.1 S. 428 f.
).
4.4
Aufgrund
der zuverlässigen fachärztlichen Einschätzungen
du
rch die behan
deln
den Ärzte und
die RAD-Ärztin
sowie der übereinstimmend erhobenen prägnanten Befunde
ist vorliegend
aus Gründen der Verhältnismässigkeit von einem struktu
rierten Beweisverfahren
abzusehen (vgl. vorstehend E. 4.3
).
Der medizinische Sachverhalt ist gestützt auf die Stellungnahme von RAD-Ärztin
Dr.
C._
dahingehend erstellt, dass seit Beendigung der Lehre eine 100%ige Arbeits
un
fähigkeit in der bisherigen und in
einer angepassten Tätigkeit
ausgewiesen ist.
5.
5.1
Eine vorübergehende oder dauernde Kürzung oder Verweigerung der Leistung wegen Verletzung der Schadenminderungspflicht setzt einerseits die Zumut
bar
keit der (unterbliebenen) medizinischen Behandlung oder erwerblichen Einglie
derung voraus. Zum andern muss diese Vorkehr, der sich die versicherte Person widersetzt oder entzogen hat, geeignet sein, eine wesentliche Steigerung der Erwerbsfähigkeit zu bewirken (Urteil des Bundesgerichts 8C_865/2017 vom 1
9.
Oktober 2018 E.
3.3). Beim Entscheid über die Kürzung oder Verweigerung von Leistungen sind gemäss
Art.
7b
Abs.
3 IVG sodann alle Umstände des ein
zelnen Falles, insbesondere das Ausmass des Verschuldens der versicherten Per
son, zu berücks
ichtigen (vgl. vorstehend E. 1.4
).
5.2
Die dem Beschwerdeführer im Oktober 2018 auferlegte Durchführung bezie
hungs
weise Fortführung der fachpsychiatrischen Behandlung zur Verbesserung des Gesundheitszustands (
Urk.
9/88) begründete die Beschwerdegegnerin damit,
dass zurzeit nicht abschliessend beurteilt werden
könne, ob die Einschränkung in seiner
Erwerbsfähigkeit bleibend
sei
oder zumindest längere Zeit andauere.
Gemäss der medizinischen Einschätzung könne sein Gesundheitszustand mit Fort
führung der fachpsychiatrischen Behandlung bei
Dr.
Z._
für weitere 6
Monate wesentlich verbessert werden. Danach werde die Beschwerdegegnerin prüfen, ob erfolgsversprechende Fortschritte in Richtung erster Arbeitsmarkt erzielt worden seien.
Gleichzeitig wies sie auf das Informationsblatt «Invalidenversicherung: Ihre Mitwirkungspflicht» hin, worin festgehalten werde, dass er sich denjenigen Be
handlungen oder Massnahmen zu unterziehen
habe
, die zur Erhaltung oder Ver
besserung des Gesundheitszustandes beitrügen
(S. 1)
.
Wenn er an den entspre
chenden Massnahmen nicht teilnehme, könne dies dazu führen, dass aufgrund der Akten entschieden werde und ein allfälliger Leistungsanspruch abgelehnt oder gekürzt werde. Wenn er bis am 1
2.
November 2018 nicht mitgeteilt habe, bei welchem Arzt er die Fortführung der fachpsych
iatrischen Behandlung durch
führ
e, werde aufgrund der vorliegenden Akten entschieden oder Nichteintreten verfügt (S. 2).
Das Auflageschreiben ist hinsichtlich der Rechtsfolgen insofern missverständlich gehalten, als einerseits
bei Nichtteilnahme an der Massnahme
ein Entscheid aufgrund der Akten
mit voraussichtlicher Ablehnung oder Kürzung des Leis
tungsanspruchs
respektive bei fehlender Angabe des Behandlers ein Entscheid aufgrund der vorliegenden Akten oder Nichteintreten angedroht
wurde.
In
recht
licher Hinsicht
ist sodann festzuhalten
, dass die in Bezug auf die auferlegte Massnahme
allein in Frage stehende Sanktionsnorm des
Art.
7b IVG (in Verbin
dung mit
Art.
21
Abs.
4 ATSG) einzig die Leistungskürzung oder
verweigerung
vorsieht, nicht aber den Entscheid aufgrund der Akten, wie ihn
Art.
43
Abs.
3 ATSG für den Fall der verweigerten Auskunft oder Mitwirkung kennt
(vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_483/2018 vom 1
1.
Dezember 2018 E. 4.2).
Wenngleich die Beschwerdegegnerin
im Schreiben vom Oktober 2018
fälschlicherweise auch auf
die Rechtsfolgen
v
on
Art.
43
Abs.
3 AT
S
G hinwies
, ist vorliegend von
der Auf
erlegung
einer Schadenminderungspflicht
auszugehen (vgl. auch das beigelegte Formular mit dem Titel «Schadenminderungspflicht»,
Urk.
9/88).
5.3
Der Aufforderung der Beschwerdegegnerin, ihr mit dem beigelegten Formular den für die Durchführung zuständigen behandelnden Arzt zu nennen sowie sein Einverständnis zu erklären, kam der Beschwerdeführer fristgerecht nach (vgl.
Urk.
9/89).
Im Hinblick auf die Erfüllung
der
angeordneten Schadenminderungspflicht
hätte
Dr.
Z._
der Beschwerdegegnerin
einen im Hinblick auf die Umsetzung der Mass
nahme erstellten Behandlungs- beziehungsweise Therapieplan
(Behandlungs
fre
quenz, Medikation, allfällige stationäre oder teilstationäre Aufenthalte, weitere
geplante medizinische Massnahmen, Therapieziele etc.)
zukommen lassen müssen
, worüber er
erstmalig im November 2018
i
n Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
9/88
).
N
ach
erneuten Aufforderungen
im Dezember 2018 und
März 2019
teilte er der Beschwerdegegnerin
mit, dass er den geforderten Behandlungsplan nach Durch
führung der noch ausstehenden
neuropsychologischen Untersuchung
, für welche mit längeren Wartezeiten zu rechnen sei,
zustellen werde
(vgl.
Urk.
9/91-93)
.
Trotz
einer weiteren
Aufforderung durch die Beschwerdegegnerin
im Mai 2019 (
Urk.
9/98)
erstattete
Dr.
Z._
den erforderlichen Behandlungsplan nicht und reichte
im Juni 2019
stattdessen einen Verlaufsbericht für die Zeit ab 3
1.
Janua
r 2019 ein (vgl. vorstehend E.
3.4
), worin er
insbesondere festhielt
, dass
von 3
1.
Januar bis
2.
Mai 2019
5 Konsultationen stattgefunden hätten
. Über die von ihm vorgängig als notwendig erachtete neuropsychologische Untersu
chung (vgl. auch vorstehend E.
3.2
) sind
seinem
Bericht
indessen keine Angaben zu ent
nehmen
.
Auch die
Beiständin
des Versicherten
wurde in der Folge im Juni 2019 (
Urk.
9/100) und im
August 2019 (
Urk.
9/103)
aufgefordert,
der Beschwerde
gegnerin
die Unterlagen
zu der neuropsychologischen
Abklärung einzureichen
. N
ach einer letzten Aufforderung im September 2019 mit Androhung von Rechts
folgen
(
Urk.
9/104) liess sich die
Beiständin
gemäss
ELAR
-Notiz dahingehend verlauten, dass die erwähnte Untersuchung gemäss Behandler nicht notwendig sei, da aufgrund der Akten ein Gesundheitsschaden klar ausgewiesen sei (
Urk.
9/106).
Im
Anschluss
an die letztmalige Aufforderung
durch die Beschwer
degegnerin
im September 2019 (vgl. auch
Urk.
9/107) leitete die
Beiständin
gemäss Mailverlauf
vom Oktober 2019 ein
en
Termin für die entsprechende Untersuchung in der
D._
in die Wege (vgl.
Urk.
9/108)
, woraufhin dieser
1 1⁄2
Monat
e
später,
im Nov
ember 2019 (vgl. vorstehend E. 3.5
),
und
somit
über ein Jahr nach Auferlegung der Schadenminderungspflicht,
stattfand.
5.4
Nach dem Gesagten
kam der behandelnde Psychiater seiner Pflicht, den
für die Umsetzung der angeordneten Massnahme erforderlichen Behandlungsplan
zu erstatten, trotz mehrmaliger
Aufforderung
en
durch die Beschwerdegegnerin
nicht
nach
.
Weder
Dr.
Z._
noch die
Beiständin
des Beschwerdeführers leiteten d
ie als Voraussetzung für die Erstellung des Behandlungsplans beabsichtigte neuropsy
chologische Abklärung
innert nützl
icher Frist in die Wege
, obwohl
sie
durch die Beschwerdegegnerin
m
ehrfach aufgefordert wurden
, die entsprechenden Unter
lagen einzureichen
.
D
ie neuropsychologische
Untersuchung
fand
schliesslich
innerhalb von
1 1⁄2
Monaten nach der Übermittlung des Auflageschreibe
ns an die
D._
statt
(vorstehend E. 5.3
,
Urk.
9/108
),
was die anfänglich geltend gemachten
langen Wartezeiten für die Terminfindung
nicht schlüssig erscheinen lässt
.
Des Weiteren
ist nicht nachvollziehbar
,
weshalb
sich
die Beschwerde
geg
nerin
nach Eingang des neuropsychologischen Berichts
nicht
mehr
bei
Dr.
Z._
nach dem
ausstehenden Behandlungsplan
erkundigte
und
sich
stattdessen
erst im April 2020
bezüglich eines
Verlaufsbericht
s
bei ihm
meldet
e
(
vgl.
Urk.
9/112)
.
Die genannten Umstände
liegen
somit
offenkundig
nicht im Handlungs- respek
tive Verantwortungsbereich des
verbeiständeten
Beschwerdeführers.
Seiner Pflicht,
der IV-Stelle
mit
dem
beigelegtem Formular
den für die auferlegte Massnahme zuständigen behandelnden Arzt zu nennen und sein Einverständnis zu erklären,
kam
er
fristgerecht
nach
(
vgl.
Urk.
9/89).
Gemäss Verlaufsbericht vom Juni 2019 (vorstehend E. 3.4)
, welcher lediglich den Zeitraum ab 3
1.
Januar 2019 erfasst, hat der Beschwerdeführer an 5 Konsultationen teilgenommen.
Im Hinblick auf die Erfüllung der Schadenminderungspflicht wurden mangels eines Behandlungs- respektive Therapieplans
indes
weder die Therapieziele noch die Behandlungs
frequenz verbindlich festgelegt.
Es sind somit
keine Gründe ersichtlich, dass
er sich der
angeordneten Massnahme schuldhaft entzogen oder widers
etzt hätte (vgl.
Art. Art.
7b IVG
in Verbindung mit
Art.
21
Abs.
4 ATSG
). In Anbetracht all dieser Umstände
ist
dem Beschwerdeführer
folglich
keine
Verletzung der
ihm aufer
legten
Scha
denminderungspflicht vorzuwerfen
.
5.5
Des Weiteren wäre s
elbst bei einer verschuldeten Verletzung der S
chaden
min
de
rungspflicht durch den Beschwerdeführer
die Verweigerung sämtlicher Leistun
ge
n
mit Blick auf die medizinische A
ktenlage unverhältnismässig.
Denn n
ach dem Verhältnismässigkeitsprinzip müssen das Mass der Sanktion (Leistungskür
zung oder -verweigerung) und der voraussichtliche Eingliederungserfolg (Verbes
serung oder Erhaltung der Erwerbsfähigkeit) einander entsprechen. Die versi
cherte Per
son ist grundsätzlich so zu stellen, wie wenn sie ihre Schaden
min
derungspflicht wahrgenommen hätte
, was umgekehrt bedeutet, dass Leistungen, welche bei ge
setzeskonformem Verhalten dennoch zu erbringen wären, nicht gekürz
t oder verweigert werden können
(
Urteil 8C_830/2012 vom 1
3.
März 2013 E. 2.2
, vgl. auch
Urteil
9C_155/2019
vom 2
4.
Juni 2019
E. 2.2.2
)
.
Gestützt auf die medi
zinischen Beurteilungen durch
Dr.
Z._
vom September 2018 (vorstehend E. 3.2
) und
RAD-Ärztin
Dr.
C._
vom Oktober 2018 (vorstehend E. 3.3
)
wurde mit der auferlegten Massnahme
jedoch
ausschliesslich das Ziel verfolgt,
erfolgs
ver
sprechende
Fortschritte in Richtung erster
Arbeitsmarkt zu erzielen
(vgl. vor
stehend E. 5.2
)
. Somit wären selbst bei einer dem Beschwerdeführer zuzurech
nenden Verletzu
ng der Schadenminderungspflicht entsprechende
Leistungen durch
die Beschwerdegegnerin zu erbringen
gewesen.
5.6
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26
Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02
vom 10. September 2003 E. 5.2).
5
.7
Zusammenfassend ist festzuhalten
, dass
dem Beschwerdeführer keine Verletzung der auferlegten
Schadenminderungspflicht
vorzuwerfen ist
, weshalb die
Abwei
sung seines Leistungsbegehrens
durch die Beschwerdegegnerin
zu Unrecht erfolgt
e
.
Hinsichtlich eines Anspruchs auf berufliche Massnahmen
ist den
Akten
zu entnehmen, dass sich der Beschwerdeführer am 1
4.
Juli 2020
unter Hinweis auf den Lehrstellenantritt
erneut bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug anmeldete (
Urk.
9/118). Vom
1.
August 2020 bis 3
1.
Juli 2023 wird er die Lehre zur Fachperson Betreuung EFZ absolvieren (vgl.
Urk.
9/117). Gemäss Beschwer
deantwort vom 2
8.
Oktober 2020 (
Urk.
8)
ist
die Beschwerdegegn
erin bereits
da
ran, das neue Gesuch zu prüfen.
Die Sache ist demnach in Aufhebung der angefochtenen Verfügung an die Be
schwerdegegnerin zur weiteren Prüfung zurückzuweisen, damit sie über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers neu verfüge.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
6
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.