# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 5a2c82a3-bb34-416e-a090-e3e721d756c8
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend mehrfache Erpressung etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Uster, Strafgericht, vom 23. November 2017 (DG170019)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 30. Juni 2017
(Urk. D1/28) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte 1, B._, ist schuldig
- der mehrfachen Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 und 3 StGB;
- des mehrfachen Vergehens gegen das Waffengesetz im Sinne von
Art. 33 Abs. 1 lit. a WG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. e und g WG;
- des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB
(Dossiers 1 und 2).
2. Von den Vorwürfen
- des mehrfachen Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1, teilweise in Ver-
bindung mit Ziff. 2 StGB;
- des gewerbsmässigen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverar-
beitungsanlage im Sinne von Art. 147 Abs. 1 und 2 StGB;
- des mehrfachen versuchten Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1
StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB;
- der mehrfachen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB
sowie
- des mehrfachen versuchten Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186
StGB (Dossiers 3 und 4)
wird der Beschuldigte 1 freigesprochen.
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3. Der Beschuldigte 2, A._, ist schuldig
- der mehrfachen Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 und 3 StGB;
- des mehrfachen Vergehens gegen das Waffengesetz im Sinne von
Art. 33 Abs. 1 lit. a WG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. e und g WG;
- des mehrfachen, teilweise versuchten Hausfriedensbruchs im Sinne
von Art. 186 StGB (Dossiers 1-3) sowie
- der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB (Dossier 3).
4. Von den Vorwürfen
- des mehrfachen Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1, teilweise in Ver-
bindung mit Ziff. 2 StGB;
- des gewerbsmässigen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverar-
beitungsanlage im Sinne von Art. 147 Abs. 1 und 2 StGB;
- des mehrfachen versuchten Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1
StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB;
- der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB (Dossier 4)
sowie
- des versuchten Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB in
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (Dossier 4)
wird der Beschuldigte 2 freigesprochen.
5. Der Beschuldigte 1 wird bestraft mit 40 Monaten Freiheitsstrafe, wovon bis
und mit heute 386 Tage durch Haft sowie durch vorzeitigen Strafantritt er-
standen sind.
6. Der Beschuldigte 2 wird bestraft mit 67 Monaten Freiheitsstrafe, wovon bis
und mit heute 367 Tage durch Haft sowie durch vorzeitigen Strafantritt er-
standen sind.
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7. Der bedingte Vollzug der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-
Limmat vom 8. März 2014 gegenüber dem Beschuldigten 2 ausgefällten
Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 30.– (wovon 3 Tage bereits durch
Haft erstanden sind) wird widerrufen.
8. Der Beschuldigte 1 wird im Sinne von Art. 66a StGB für die Dauer von
8 Jahren des Landes verwiesen.
9. Der Beschuldigte 2 wird im Sinne von Art. 66a StGB für die Dauer von
8 Jahren des Landes verwiesen.
10. Es wird die Ausschreibung der Landesverweisungen (Einreise- und Aufent-
haltsverweigerung) im Schengener Informationssystem angeordnet.
11. Folgende mit Verfügung der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 29. Juni
2017 beschlagnahmten Gegenstände werden eingezogen und der Kantons-
polizei Zürich zur Vernichtung überlassen:
- Handschuh blau (Asservat-Nr. A009'590'663); - 2 Kabelbinder schwarz (Asservat-Nr. A009'590'710); - 1 PET-Flasche 1.5 Liter (Asservat-Nr. A009'590'765); - Pyjamahose "J. CREW" (Asservat-Nr. A009'590'889); - T-Shirt, schwarz, "naturaline" (Asservat-Nr. A009'590'947); - Mobiltelefon Samsung - ... [Nummer] (Asservat-Nr. A'009'802'760); - Schraubenzieher "PB SWISS TOOLS" (Asservat-Nr. A'009'734'332); - Brecheisen blau/grün "technocraft" (Asservat-Nr. A'009'734'343).
12. Die beim Forensischen Institut Zürich unter den Geschäftsnummern
67439581, 67892686, 68009427 und 68036146 archivierten Asservate (Da-
ten, Spuren und Spurenträger) werden dem Forensischen Institut Zürich zur
Vernichtung überlassen.
13. Die Privatkläger 1-3 (C._, D._ und E._) werden mit ihren
Schadenersatzforderungen auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
14. Die Beschuldigten 1 und 2 werden unter solidarischer Haftung verpflichtet,
den Privatklägern 1 und 2 folgende Beträge als Genugtuung zu bezahlen:
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- Privatkläger 1 (C._): Fr. 2'000.– nebst Zins zu 5 % seit 22. August
2016;
- Privatkläger 2 (D._): Fr. 2'000.– nebst Zins zu 5 % seit
31. Oktober 2016.
Im Mehrbetrag werden die Genugtuungsforderungen der Privatkläger 1 und
2 abgewiesen.
15. Die Genugtuungsforderung des Privatklägers 3 (E._) wird abgewiesen.
16. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf Fr. 5'000.–.
17. Die weiteren Kosten betragen:
Fr. 30'893.75 Auslagen Untersuchung; Fr. 1'790.– Kosten der Kantonspolizei Zürich;
Fr. 5'000.– Gebühr gemäss § 4 Abs. 1 lit. d GebV StrV.
18. Die Entscheidgebühr und die weiteren Kosten werden den Beschuldigten 1
und 2 je zur Hälfte auferlegt.
19. Rechtsanwalt Dr. ... et lic. iur. Y._ wird (zusätzlich zur bereits von der
Staatsanwaltschaft See/Oberland ausgerichteten Akonto-Zahlung von
Fr. 6'800.–) für seine Bemühungen als amtlicher Verteidiger des Beschuldig-
ten 1 mit Fr. 38'000.– (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) aus der
Gerichtskasse entschädigt.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung beim Beschuldigten 1 ge-
mäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
20. Rechtsanwältin Dr. iur. X._ wird für ihre Bemühungen als amtliche
Verteidigerin des Beschuldigten 2 mit Fr. 25'854.75 (inklusive Barauslagen
und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse entschädigt.
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Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung beim Beschuldigten 2 ge-
mäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
Berufungsanträge:
a) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft See/Oberland:
(Urk. 145 S. 1)
1. Der Beschuldigte A._ sei in Bezug auf Dossier 3 auch des ver-
suchten Diebstahls schuldig zu sprechen.
2. Die durch das Bezirksgericht Uster ausgefällte Strafe sei entsprechend
auf 70 Monate Freiheitsstrafe zu erhöhen.
3. Im Übrigen sei das vorinstanzliche Urteil zu bestätigen.
b) Der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten 2:
(Urk. 146 S. 1 und Prot. II S. 32, sinngemäss)
I. Dispositiv Ziff. 3 und 6 des Urteils des Bezirksgerichtes Uster vom
27. November 2017 seien ganz oder teilweise aufzuheben.
II. Der Berufungskläger sei vom Vorwurf des mehrfachen Vergehens ge-
gen das Waffengesetz freizusprechen, sowie lediglich der mehrfachen
Erpressung gemäss Art. 156 Ziff. 1 StGB, des mehrfachen, teilweise
versuchten Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 180 StGB und der
Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB schuldig zu
sprechen.
III. Es sei eine Freiheitsstrafe von 42 Monaten unter Anrechnung der er-
standenen Haft und der bereits im vorzeitigen Strafvollzug erstandenen
Strafe auszusprechen.
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IV. Die übrigen Anträge, und das erklärt die Korrektur in Ziffer 1, gemäss
der Berufungserklärung vom 18. Juni 2018 werden zurückgezogen.
V. Die Anträge der Staatsanwaltschaft seien abzuweisen sowohl in Bezug
auf den Schuldspruch als auch auf die Straferhöhung.
Die Kosten des Berufungsverfahrens seien auf die Staatskasse zu
nehmen, ebenfalls die Kosten der amtlichen Verteidigung.
Im Übrigen sei das Urteil der Vorinstanz zu bestätigen.
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## Considerations

Erwägungen:
I. Verfahrensgang
1. Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene Urteil des Bezirksge-
richtes Uster, Strafgericht, vom 23. November 2017 meldeten die Staatsanwalt-
schaft betreffend die Beschuldigten 1 und 2 sowie die amtlichen Verteidigungen
der Beschuldigten 1 und 2 mit Eingaben vom 27., 28. und 29. November 2017
(Datum des Poststempels) rechtzeitig Berufung an (Urk. 89; Urk. 91; Urk. 93;
Art. 399 Abs. 1 StPO). Nach Erhalt des begründeten Urteils je am 6. Juni 2018
reichten die amtliche Verteidigung des Beschuldigten 2 am 18. Juni 2018 und die
Staatsanwaltschaft am 20. Juni 2018 (je Datum des Poststempels) fristgerecht die
Berufungserklärungen im Sinne von Art. 399 Abs. 3 StPO ein (Urk. 109; Urk. 115;
Urk. 116). Mit Eingabe vom 19. Juni 2018 liess der Beschuldigte 1 seine Berufung
vollumfänglich zurückziehen (Urk. 117). Daraufhin zog die Staatsanwaltschaft mit
Eingabe vom 20. Juni 2018 ihre Berufung betreffend den Beschuldigten 1 eben-
falls zurück (Urk. 118). Mit Verfügung vom 19. Juni 2018 berichtigte die Vorin-
stanz Dispositivziffer 10 ihres Urteils vom 23. November 2017 (Urk. 111).
2. Mit Präsidialverfügung vom 9. Juli 2018 wurde die jeweilige Berufungser-
klärung je der Gegenpartei sowie den Privatklägern 1-3 zugestellt und Frist für
Anschlussberufung oder einen Nichteintretensantrag angesetzt (Urk. 122). Mit
Eingabe vom 11. Juli 2018 erklärte die Staatsanwaltschaft ihren Verzicht auf An-
schlussberufung und verwies auf die Berufungserklärung vom 20. Juni 2018
(Urk. 124). Der Beschuldigte 2 und die Privatkläger 1-3 liessen sich innert Frist
nicht vernehmen.
3. Der Beschuldigte 2 wurde am 4. Januar 2017, 18.00 Uhr, verhaftet
(Urk. D1/19/15); davor befand er sich seit 22. November 2016 in Auslieferungs-
haft in F._ [Staat] (Urk. D1/19/4; Urk. D1/19/5). Mit Verfügung des Zwangs-
massnahmengerichtes des Bezirksgerichtes Uster vom 10. Juli 2017 wurde er in
Sicherheitshaft versetzt (Urk. 48 S. 5). Auf sein Gesuch vom 26. Oktober 2017
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wurde dem Beschuldigte 2 mit Verfügung der Vorinstanz vom 7. November 2017
der vorzeitige Strafvollzug bewilligt (Urk. 70; Urk. 74), welchen er gleichentags an-
trat (Urk. 77).
4. Am 14. Januar 2019 wurden die Parteien zur Berufungsverhandlung auf
den 14. Mai 2019 vorgeladen (Urk. 127). Anlässlich der Berufungsverhandlung
stellten diese die eingangs aufgeführten Anträge (Prot. II S. 7 f.; Urk. 145;
Urk. 146).
II. Prozessuales
1. Mit Beschluss vom 21. März 2019 wurde das Verfahren bezüglich den
Beschuldigten 1 als durch Rückzug der Berufung erledigt abgeschrieben und
festgestellt, dass das vorinstanzliche Urteil bezüglich den Beschuldigten 1 hin-
sichtlich der Dispositivziffern 1 und 2 (Schuld- und Freisprüche), 5 (Strafe),
8 (Anordnung Landesverweis), 16, 17 und 18 teilweise (Kostendispositiv betref-
fend den Beschuldigten 1) sowie 19 (Entschädigung amtliche Verteidigung) in
Rechtskraft erwachsen ist (Urk. 142).
2. Die Berufung des Beschuldigten 2 richtet sich gegen die vorinstanzlichen
Urteilsdispositivziffern 3, 1. und 2. Spiegelstrich (Schuldsprüche betreffend mehr-
fache Erpressung sowie mehrfaches Vergehen gegen das Waffengesetz) sowie
6 (Strafe). Er beantragt einen Freispruch vom Vorwurf des mehrfachen Verge-
hens gegen das Waffengesetz. Er sei nur der mehrfachen Erpressung gemäss
Art. 156 Ziff. 1 StGB, des mehrfachen, teilweise versuchten Hausfriedensbruchs
im Sinne von Art. 186 StGB sowie der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144
Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen und mit einer Freiheitsstrafe von 42 Monaten
unter Anrechnung der erstandenen Haft sowie des vorzeitigen Strafvollzuges zu
bestrafen (Urk. 146 S. 2). Die Staatsanwaltschaft beantragt mit ihrer Berufungser-
klärung ferner einen Schuldspruch wegen versuchten Diebstahls gemäss Dossier
3 und eine Bestrafung mit 70 Monaten Freiheitsstrafe (Urk. 115 S. 2; Urk. 145
S. 1).
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3. Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechts-
kraft des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Nachdem
die Urteilsdispositivziffern 3, 3. und 4. Spiegelstrich (Schuldsprüche betreffend
mehrfachen, teilweise versuchten Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung),
4, 1. und 2. sowie 4. und 5. Spiegelstrich (Freisprüche betreffend mehrfachen
Raub, gewerbsmässigen betrügerischen Missbrauch einer Datenverarbeitungsan-
lage, Sachbeschädigung sowie versuchten Hausfriedensbruch), 7 (Widerruf),
9 und 10 (Landesverweisung und Ausschreibung im SIS), 11 und 12 (Einziehung
und Vernichtung), 13 (Schadenersatzforderungen Privatkläger 1-3), 14 (Genugtu-
ung Privatkläger 1 und 2), 15 (Genugtuung Privatkläger 3), 16 bis 18 (Kostendis-
positiv betreffend Beschuldigter 2) sowie 20 (Entschädigung amtliche Verteidi-
gung) unangefochten blieben, ist mittels Beschluss festzustellen, dass das vor-
instanzliche Urteil in diesem Umfang in Rechtskraft erwachsen ist.
III. Sachverhalt
1. Infolge rechtskräftiger Erledigung aller übrigen Anklagevorwürfe verblei-
ben die nachfolgenden Vorwürfe betreffend Dossier 1-3 Gegenstand des Beru-
fungsverfahrens.
2. Gemäss Dossier 2 wird dem Beschuldigten 2 zusammengefasst vorge-
worfen, im Zusammenwirken mit seinem Bruder, dem Beschuldigten 1, in der
Nacht des 22. August 2016, ca. 00.15 Uhr bis 02.00 Uhr, durch das Badezimmer-
fenster im 1. Stock in die Wohnung des Privatklägers 1, C._, eingestiegen zu
sein. Nachdem sich dieser verbal und körperlich zur Wehr gesetzt habe, habe der
Beschuldigte 1 diesem den Mund zugehalten, ihm eine Schusswaffe oder ein täu-
schend ähnliches Waffenimitat in Richtung Kopf-/Schulterbereich gehalten und
diesen mit zwei Kabelbindern an den Händen gefesselt. Einer der Beschuldigten
habe den Privatkläger 1 dann aufgefordert, ihm Geld zu geben. Dieser habe an-
gegeben, kein Bargeld im Haus zu haben. Aufgrund des gewaltsamen Auftretens
der Beschuldigten, der erfolgten Fesselung und der – allenfalls auch bloss als Imi-
tat – vorgehaltenen Waffe habe dieser jedoch um sein Leben gefürchtet und an-
geboten, die Beschuldigten könnten mit den Bankkarten Geld beziehen. Die Be-
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schuldigten hätten daraufhin das Mobiltelefon und die Bankkarten des Privatklä-
gers 1 ansichgenommen und diesen aufgefordert, ihnen die PIN-Codes der Kar-
ten zu nennen, was dieser, um sein Leben fürchtend, getan habe. Der Beschul-
digte 2 habe sich mit den Karten an den Bankomaten der G._ AG in H._
[Ort] begeben, an welchem er um ca. 00.24 Uhr einen Bargeldbetrag von
Fr. 5'000.– bezogen habe. Hernach habe er sich zurück an den Wohnort des Pri-
vatklägers 1 begeben, wo dieser die ganze Zeit durch den Beschuldigten 1 be-
wacht und unter dem Eindruck der unterdessen im Hosenbund getragenen Waffe
bzw. des Waffenimitates in Schach gehalten worden sei. Der Beschuldigte 2 habe
dem Privatkläger 1 dann gedroht, diesem mit Klebeband den Mund zuzukleben
und die Beine zu fesseln, falls dieser ihm nicht noch weitere Fr. 5'000.– bezahlen
werde. Nachdem der Privatkläger 1 erneut betont habe, kein Bargeld in seiner
Wohnung aufzubewahren, hätten die Beschuldigten den Tatort verlassen und den
zumindest an den Händen gefesselten Privatkläger 1 zurückgelassen, welcher
sich nach einiger Zeit selber von der Fesselung habe befreien können. Die dem
Privatkläger 1 abgenommenen Bankkarten und dessen Mobiltelefon hätten die
Beschuldigten mitgenommen, um darüber verfügen zu können, namentlich die
Bankkarten nach Möglichkeit einzusetzen sowie das mit der Karte abgehobene
Bargeld, welches ihnen bekanntermassen nicht zugestanden habe, und das Mo-
biltelefon im eigenen Interesse zu verwenden oder auf unbekannte Art zu veräus-
sern (Urk. D1/28 S. 3-6).
2.1. Der Beschuldigte 2 hat den Sachverhalt gemäss Dossier 2 in den
Grundzügen anerkannt. Er räumte im Laufe des Vorverfahrens ein, zusammen
mit dem Beschuldigten 1 durch das offenstehende Badezimmerfenster im
1. Stock in die Wohnung des Privatklägers 1 eingedrungen zu sein (Urk. D1/4/5
S. 2 f., insbesondere Antw. auf Fragen 12 und 17, sowie S. 6; Urk. D1/4/10 S. 4,
Antw. auf Frage 6; Prot. I S. 20) und von diesem Bankkarten mit den dazugehöri-
gen PIN-Codes erhältlich gemacht zu haben, mit welchen die in der Anklage-
schrift aufgeführten Bezüge getätigt worden seien (Urk. D1/4/5 S. 4 und S. 6 f.,
Antw. auf Fragen 42 und 50 f.; Urk. D1/4/2 S. 9 f.; Urk. D1/4/3 S. 2, Antw. auf
Fragen 8-10; Urk. D1/4/10 S. 6; Prot. I S. 22 f.). Diese Bankkarten habe er zu-
sammen mit dem Mobiltelefon des Privatklägers 1 auch mitgenommen
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(Urk. D1/4/10 S. 7, Antw. auf die Fragen 28-30). Auf diesen Zugaben ist der Be-
schuldigte 2 zu behaften, zumal diese auch mit den glaubhaften Aussagen des
Privatklägers 1 (nachfolgend, Erw. III.2.3. ff.) übereinstimmen.
2.1.1. Der Beschuldigte 2 bestreitet allerdings, vollständig vermummt gewe-
sen zu sein. Er habe keine Gesichtsmaske, sondern lediglich einen Schal getra-
gen (Urk. D1/4/5 S. 6, Antw. auf Frage 37; Prot. I S. 21). Auch sei der Privatklä-
ger 1 nicht gefesselt worden (Urk. D1/4/4 S. 5, Antw. auf Frage 43; Prot. I S. 22).
Es sei zu keinen Drohungen gekommen, und es sei auch keine Waffe im Spiel
gewesen (Urk. D1/4/5 S. 5, Antw. auf Fragen 28-30; Urk. D1/4/3 S. 3, Antw. auf
Frage 13; Urk. D1/4/10 S. 4 f., Antw. auf Fragen 6 und 11, und S. 6 f.; Prot. I
S. 21 f.). Der Privatkläger 1 habe ihm die Bankkarten freiwillig herausgegeben,
und er habe mit diesem vereinbart, dass er die Karten zwei Tage offenlassen
würde (Urk. D1/4/10 S. 6 f., Antw. auf Fragen 18, 22 und 27; Prot. I S. 18). Ihm sei
dieses Geld zugestanden, da er für den Privatkläger 1 gearbeitet und dieser die
von ihm geleisteten Arbeitsstunden nicht richtig vergütet habe (Urk. D1/4/2 S. 10,
Antw. auf Fragen 51 f.; Urk. D1/4/5 S. 1, Antw. auf Frage 5; Urk. D1/4/10 S. 5;
Urk. D1/6 S. 11 f.; Prot. I S. 18 f.). An dieser Darstellung hielt der Beschuldigte 2
auch anlässlich der Berufungsverhandlung fest (Prot. II S. 18 ff.).
2.1.2. Die Verteidigung führte aus, dass der Beschuldigte 2 im Grundsatz die
Sachverhalte gemäss Anklageschrift anerkannt habe und diesbezüglich geständig
sei, mit einer Ausnahme, dass keine Waffe im Spiel gewesen sei. Es lasse sich
nicht bestreiten, dass der Vorfall in etwa so wie angeklagt stattgefunden habe und
die Beschuldigten auf unzimperliche Weise Geld beim Privatkläger 1 hätten ein-
treiben wollen (Urk. 83 S. 3 und S. 5). An diesen Ausführungen hält die Verteidi-
gung auch im Berufungsverfahren fest. Insbesondere macht sie geltend, dass der
Privatkläger 1 nicht durch den Einsatz einer Waffenattrappe mit einer gegenwärti-
gen Gefahr für Leib und Leben bedroht bzw. Gewalt angewendet worden sei
(Urk. 116 S. 3; Urk. 146 S. 5).
2.2. Die bestrittenen Elemente des Anklagesachverhaltes sind mit Hilfe der
Untersuchungsakten sowie der Aussagen der Befragten und den vor Gericht vor-
gebrachten Argumenten nach den allgemeingültigen Beweisregeln zu überprüfen.
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Im angefochtenen Urteil wurden die Grundsätze der Beweiswürdigung und die
allgemeingültigen Beweisregeln korrekt wiedergegeben, weshalb darauf verwie-
sen werden kann (Urk. 114 S. 11 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Als Beweismittel liegen
die Aussagen des Beschuldigten 2 (Urk. D1/4/1-10; Urk. D1/6, Prot. I S. 11 ff.;
Prot. II S. 18 ff.) und diejenigen des Privatklägers 1 (Urk. D2/8; Urk. D2/12), die
Fotodokumentation der Kantonspolizei Zürich (Urk. D2/2/1), die edierten Bankun-
terlagen betreffend Bankbezüge (Urk. D2/4/5; Urk. D2/6/1-8), der Spuren- und
Kurzbericht des Forensischen Institutes Zürich (FOR) vom 22. September respek-
tive 17. November 2016 (Urk. D2/9+10), die Unterlagen betreffend das Arbeits-
verhältnis aus dem Jahr 2010 zwischen dem Beschuldigten 2 und der I._ AG
(Urk. D1/23/1-4) sowie der Arztbericht von Dr. med. J._ vom 23. August 2016
betreffend den Privatkläger 1 (Urk. D2/2/5) vor.
2.3. Die Vorinstanz hat die polizeilichen Aussagen des Privatklägers 1 vom
22. August 2016 zum eigentlichen Tatvorgang (Urk. D2/8) sowie dessen staats-
anwaltschaftlichen Aussagen vom 11. Mai 2017 in Anwesenheit des Beschuldig-
ten 2 sowie dessen amtlicher Verteidigung (Urk. D2/12) eingehend und korrekt
wiedergegeben, weshalb darauf verwiesen werden kann (Urk. 114 S. 13-25;
Art. 82 Abs. 4 StPO). Da der Beschuldigte vehement bestreitet, dass dem Privat-
kläger 1 durch eine Waffenattrappe eine Gefahr für Leib und Leben angedroht
bzw. Gewalt gegen diesen angewendet worden sei (Urk. 116 S. 3; Urk. 146 S. 5),
sind die Aussagen des Privatklägers 1 diesbezüglich einer eingehenden Betrach-
tung zu unterziehen.
2.3.1. Anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 22. August 2016 führte
der Privatkläger 1 dazu aus, dass plötzlich eine Person vor seinem Bett im
Schlafzimmer gestanden sei und ihn mit den Worten "down, down" angeschrien
habe. Diese Person sei ihm mit dem Fuss auf den Rücken gestanden, habe ihm
mit der Hand den Mund verschlossen und den Kopf nach hinten gezogen. Der Tä-
ter habe ihm einen Revolver an den Kopf gehalten. Er habe sich so gut es ging
gewehrt und Angst gehabt, dass er ersticke. Er habe fast keine Luft bekommen.
Der Täter habe dann geschrien, dass er aufs Bett gehen solle. Als er auf dem Bett
gewesen sei, sei ihm ein Kabelbinder um die Hände gemacht worden. Der Täter
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habe ihm zuerst noch Klebeband auf den Mund kleben und ihm dies eigentlich
auch noch um die Füsse wickeln wollen, was aber nicht geklappt habe, da er sich
gewehrt habe. Er habe diesem gesagt, dass er krank sei und es nicht gut sei,
wenn seine Füsse und der Mund mit Klebeband verklebt seien. Da habe dieser
mit dem Klebeband von ihm abgelassen. Plötzlich sei dann eine zweite Person
vor dem Schlafzimmer gestanden. Dieser zweite Mann habe Geld gewollt. Er ha-
be diesem gesagt, dass er kein Geld im Haus habe, aber Bankkarten, von wel-
chen sie Geld abheben könnten. Er habe damit sein Leben retten wollen. Als die
Täter die Bankkarten gehabt hätten, hätten sie ihn auf Englisch nach dem Code
gefragt. Er habe ihnen gesagt, dass sie von seinem Konto Fr. 5'000.– abheben
sollten. Damit habe er sich freikaufen wollen. Den Code habe er ihnen auch ge-
geben, da er sich nicht getraut habe, sie anzulügen. Er habe den Revolver beim
ersten Mann gesehen und extrem Angst gehabt, dass sie die Waffe einsetzen
würden. Der zweite Mann habe dann seinen Hausschlüssel genommen und sei
nach draussen gegangen. Der andere Mann sei bei ihm geblieben und habe das
Blut vom Boden weggewischt. Er habe am Anfang von irgendwo her einen Schlag
auf den Kopf bekommen und dann fest geblutet. Der Täter habe ihn danach im-
mer wieder gefragt, ob es ihm gut gehe und ob er Wasser wolle. Dieser habe
dann mit der Pistole herumgespielt und ihm gesagt, dass sie geladen und es kei-
ne Spielzeugpistole sei. Nach ca. einer halben Stunde sei der zweite Mann zu-
rückgekommen und habe ihn massiv bedroht. Dieser habe noch einmal
Fr. 5'000.– gewollt und ihm wieder das Klebeband über den Mund und die Beine
kleben wollen. Er habe zu diesem Mann dann gesagt, dass er kein Geld mehr ha-
be, sondern morgen auf die Bank gehen müsse. Die zweite Person habe dann
das 1. Stockwerk nach Geld durchsucht, habe aber nichts finden können. Dann
hätte die zweite Person plötzlich den Schlüssel genommen und das Haus verlas-
sen. Die zweite Person sei dann ebenfalls nach unten gegangen, habe ihm aber
den Schlüssel wieder zurückgebracht, bevor sie das Haus verlassen hätten
(Urk. D2/8 S. 2 f.).
2.3.2. Auf die Frage, wie es danach weitergegangen sei, führte der Privat-
kläger 1 aus, dass mit der Zeit die Kabelbinder nachgelassen hätten und er seine
Hände daraus habe befreien können. Unterdessen sei es ca. 02.00 Uhr gewesen.
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Er sei dann mit dem Auto zum Polizeiposten H._ gefahren und habe mehr-
mals geläutet. Als niemand geöffnet habe, sei er zur Stadtpolizei H._ gefah-
ren. Auch dieser Posten sei aber nicht besetzt gewesen. Er habe in ganz H._
niemanden getroffen, der ihn hätte unterstützen können. Er sei verwirrt gewesen
und habe einfach nicht gewusst, was er machen solle. Er sei dann nach Hause
gegangen, habe eine Schlaftablette genommen und geschlafen. Er habe gedacht,
dass er einen solchen Vorfall auch vier Stunden später der Polizei melden könne
(Urk. D2/8 S. 3).
2.3.3. Zu weiteren Details befragt, gab der Privatkläger 1 zu Protokoll, dass
beide Täter gleich verkleidet gewesen seien. Er habe vom Gesicht nur die Nase
gesehen, da sie eine Kapuze, Kappe, Sonnenbrille und ein Tuch über den Mund
getragen hätten. Zusätzlich hätten beide ein Gerät im Mund gehabt, welches ihre
Stimme verändert habe. Sie hätten ihn immer auf dem Bett festgehalten mit dem
Kopf nach unten. Die Täter hätten nie gesagt, dass sie ihn umbringen würden,
wenn er ihnen den Code nicht gebe. Er habe einfach Angst gehabt, dass sie ihm
irgendetwas antun würden, da er die Pistole gesehen habe. Sie hätten ihm ge-
sagt, dass er nicht zur Polizei gehen solle, da sie ansonsten zurückkehren und ihn
noch einmal besuchen würden. Die Waffe sei sicher eine Pistole gewesen. Er
kenne sich aber nicht aus und könne diese auch nicht beschreiben. Die Pistole
sei schwarz gewesen, und der erste Täter habe diese gehalten. Dieser habe ihm
die Waffe auf den Nacken gedrückt. Zwischendurch habe dieser ihm zeigen wol-
len, dass die Waffe geladen sei und an ihr manipuliert. Danach habe dieser die
Waffe wieder in die Hose gesteckt. Er sei nur ganz am Anfang mit der Waffe be-
droht worden. Beim verwendeten Kabelbinder habe es sich um einen ganz nor-
malen schwarzen Kabelbinder gehandelt. Der erste Täter habe so viel Kraft ge-
habt. Er (der Privatkläger 1) habe sich gedreht und umsichgeschlagen. Da er eine
Zeit lang keine Luft bekommen habe, seien seine Abwehrhandlungen ziemlich
wirr gewesen (Urk. D2/8 S. 4 ff.).
2.3.4. Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 11. Mai
2017 bestätigte der Privatkläger 1 seine anlässlich der polizeilichen Einvernahme
vom 22. August 2016 getätigten Aussagen zum Kerngeschehen und gab ergän-
- 16 -
zend zu Protokoll, dass ihm der erste Täter eine Pistole an den Kopf gehalten ha-
be. Dieser habe ihn dann gefragt, ob er in die Luft schiessen solle, um zu zeigen,
dass es eine Richtige sei. Schliesslich habe dieser die Waffe in der Hose ver-
sorgt. Er habe dann bäuchlings aufs Bett liegen müssen und sei gefesselt wor-
den. Der Täter habe ihn nicht massakrieren wollen, sondern Geld gewollt. Wie der
zweite Täter in die Wohnung gekommen sei, wisse er nicht, er sei ja im Schlaf-
zimmer gewesen. Dieser sei aber ziemlich heftig gewesen. Sie hätten ihm gedroht
"Don't go to the police." und "I take you, I take you". Daran könne er sich gut erin-
nern, dies sei ihm durch Mark und Bein gegangen. Dies sei eine Angstmacherei.
Die Pistole sei silbrig gewesen. Es sei aber halbdunkel gewesen, da könne sie al-
le Farben haben. Er meine, sie sei silbrig gewesen. Vielleicht sei es auch eine
Spielzeugpistole gewesen, er kenne sich nicht aus. Sie sei ihm an den Kopf ge-
halten worden, um ihm Angst zu machen. Das sei kein Spiel mehr gewesen. Der
Täter habe die Pistole gegen das Fenster oder so gehalten. Er wisse nicht, ob sie
geladen gewesen sei. Vielleicht habe dieser ihm zeigen wollen, dass sie geladen
sei. Er habe immer versucht, diesem zu signalisieren, dass dieser ruhig bleiben
solle (Urk. D2/12 S. 6 ff.).
2.3.5. Der Privatkläger 1 wurde als Auskunftsperson einvernommen und da-
bei auf die Straffolgen gemäss Art. 303-305 StGB hingewiesen (Urk. D2/12
S. 2 f.). Für die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen spricht, dass er ohne Weiteres
einräumte, wenn er sich nicht sicher war oder sich an etwas nicht mehr erinnern
konnte (Urk. D2/12 S. 12, Antw. auf die Fragen 59-61, S. 13 Antw. auf Fragen 69
f.). Entsprechend zu würdigen ist auch, dass der Privatkläger 1 die Beschuldigten
und insbesondere auch den Beschuldigten 2 nicht übermässig belastete und die
Geschehnisse nicht übertrieben darstellte. So gab er zu Protokoll, dass die Täter
nichts kaputtgemacht hätten (Urk. D2/12 S. 3, Antw. auf Frage 7). Zudem sei er
aufgestanden, dann aber auf den Boden gefallen, wobei er sich den Kopf vermut-
lich an der Türe gestossen habe. Das habe dann stark geblutet und später genäht
werden müssen. Der Täter habe dann Wasser holen wollen, um ihm zu helfen.
Dies sei eigentlich noch nett gewesen. Das seien menschliche Züge gewesen, die
sich da gezeigt hätten (ebenda, S. 6, Antw. auf Frage 26, und S. 15, Antw. auf
Frage 83). Zu keinem Zeitpunkt seiner Einvernahmen hat er die Platzwunde an
- 17 -
seinem Kopf dem Verhalten der Beschuldigten zugeschrieben oder ausgesagt,
diese hätten ihm einen Schlag auf den Kopf verpasst. Dabei wäre es für ihn ein
Leichtes gewesen, auszuführen, dass diese Wunde durch Gewalteinwirkung sei-
tens der Beschuldigten entstanden sei. Im Gegenteil, der Privatkläger 1 gab klar
zu Protokoll, dass die Beschuldigten ihn nicht "massakriert", sondern Geld gewollt
hätten (Urk. D2/12 S. 7, Antw. auf Frage 31). Auch beharrte er nicht darauf, dass
die Beschuldigten eine richtige Pistole dabeigehabt hätten, sondern er räumte ein,
dass es vielleicht auch nur eine Spielzeugpistole gewesen sei (ebenda, S. 13
Antw. auf Frage 71). Der Privatkläger 1 gab auch zu Protokoll, dass sie nie ge-
droht hätten, ihn umzubringen, wenn er ihnen das Geld nicht geben würde
(Urk. D2/8 S. 5, Antw. auf Frage 44). Anhaltspunkte für bewusst falsche Anschul-
digungen gibt es keine. Zwar fällt in Übereinstimmung mit der Vorinstanz auf
(Urk. 114 S. 31 ff.), dass seine Aussagen gewisse Widersprüche aufweisen. Die-
se beziehen sich allerdings nicht auf das eigentliche Kerngeschehen, welches er
konstant und schlüssig schilderte, sondern betreffen vorwiegend zeitliche Anga-
ben oder Nebensächlichkeiten zum Randgeschehen. Entsprechend ist auch nicht
weiter von Bedeutung, ob der Privatkläger 1 nur an den Händen oder an den
Händen und Füssen gefesselt worden ist. Denn dass er mit einem Kabelbinder
gefesselt wurde und damit widerstandsunfähig war, wird durch den am Tatort auf-
gefundenen Kabelbinder, welcher DNA-Spuren des Privatklägers 1 enthielt, eben-
falls untermauert (Urk. D2/2/1 S. 5; Urk. D2/9 S. 3; Urk. D2/10 S. 4). Dass sich
gewisse Widersprüchlichkeiten bei seiner Einvernahme vom 11. Mai 2017
(Urk. D2/12) insbesondere auch aufgrund der seit der Tat verstrichenen Zeit er-
geben können, da das Erinnerungsvermögen bezüglich einzelner Details nach
mehreren Monaten nachliess, ist – entgegen der Verteidigung (Urk. 146 S. 5;
Prot. II S. 30) – ebenfalls durchaus nachvollziehbar.
2.3.6. Die Verteidigung des Beschuldigten 2 macht geltend, die Aussagen
des Privatklägers 1 seien nicht glaubhaft. Insbesondere sei nicht glaubhaft, dass
dieser sich durch die Handlungen der Beschuldigten massiv bedroht gefühlt habe,
da er ansonsten die Polizei unverzüglich und nicht erst am nächsten Morgen ver-
ständigt hätte. Zudem seien seine Schilderungen zur mitgeführten Waffe gerade-
zu märchenhaft, da er einmal von einem Revolver spreche, später aber ausführe,
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die Waffe sehe etwa so aus wie die Pistole des polizeilichen Sachbearbeiters. Er
beschreibe die Waffe als silbrig, füge dann aber an, dass sie alle Farben gehabt
haben könne. Einerseits spreche er von etwas Imposantem mit einer grossen
Öffnung, dann räume er wieder ein, dass es vielleicht auch nur eine Spielzeugpis-
tole gewesen sein könne. Es könne also alles gewesen sein (Urk. 83 S. 3 f.;
Urk. 146 S. 4 f.).
2.3.7. Das Verhalten des Privatklägers 1 mag zwar durchaus etwas seltsam
sein. Allerdings erklärte dieser sein Verhalten, wieso er die Beschuldigten ange-
halten habe, leise zu sein, um keinen Lärm im Haus zu verursachen, so, dass im
Haus nur Frauen gewesen seien, wobei eine immer schlafe und die andere sehr
alt sei. Zu berücksichtigen ist dabei insbesondere, dass es sich bei den Beschul-
digten um zwei starke Männer handelte, welche eine Pistole dabeihatten. Auch
zur Frage, weshalb er nicht unverzüglich die Polizei benachrichtigt habe, führte er
aus, dass er sehr verwirrt gewesen sei und einfach nicht gewusst habe, was er
tun solle (Urk. D2/8 S. 3, Antw. auf Frage 20). Angesichts des Umstandes, dass
der Privatkläger 1 mitten in der Nacht in seinem Schlafzimmer, als er bereits im
Bett gelegen hatte, von den beiden Beschuldigten überrascht und überrumpelt
worden ist, ist durchaus glaubhaft, dass er sich in einem verwirrten Zustand oder
allenfalls gar in einem Schockzustand befunden hat, sodass er nicht mehr in der
Lage war, klar zu denken. Dass er um ca. 02.00 Uhr nicht mehr auf die Idee kam,
den Notruf zu wählen, lässt sich aufgrund der Müdigkeit und seines Zustandes mit
einer Kopfverletzung sowie seiner psychischen Verfassung plausibel erklären.
Dies ändert – entgegen der Auffassung der Verteidigung des Beschuldigten 2 –
zumindest nichts an seiner Glaubwürdigkeit respektive an der Glaubhaftigkeit sei-
ner Aussagen.
2.3.8. Auch dass der Privatkläger 1 zuerst von einer Pistole und dann von
einem Revolver sprach, hat in Übereinstimmung mit der Vorinstanz (Urk. 114
S. 33) keinen Einfluss auf die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen, da in der Alltags-
sprache mit dem Wort Pistole oder Revolver durchaus das Gleiche gemeint sein
kann, zumal der Privatkläger 1 selber ausführte, dass er sich nicht auskenne und
keine Ahnung von Waffen habe (Urk. D2/12 S. 13). Zudem wurde er in der Nacht
- 19 -
überfallen, und er führte selber aus, dass es halbdunkel gewesen sei, als er vom
Beschuldigten 1 in seinem Schlafzimmer überrumpelt worden sei (Urk. D2/12
S. 13 f.). Entgegen der Auffassung der Verteidigung des Beschuldigten 2 (Urk. 83
S. 3) wurde der Privatkläger 1 auch nicht über längere Zeit hinweg mit der Waffe
bedroht, sodass er genügend Zeit gehabt hätte, sich dessen Form und Farbe ein-
zuprägen. Der Privatkläger 1 führte vielmehr selber aus, dass er nur zu Beginn
mit einer Waffe bedroht worden sei, welche ihm der Beschuldigte 1 in den Nacken
gehalten habe, während dieser ihn angeschrien und aufgefordert habe, sich auf
den Boden zu legen, um ihn anschliessend zu fesseln und die Pistole in seiner
Hose zu verstauen (Urk. D2/8 S. 2 und S. 6; Urk. D2/12 S. 6). Als er auf dem Bett
gelegen habe, hätten ihn die Beschuldigten immer aufgefordert, den Kopf auf das
Bett zu drehen (Urk. D2/8 S. 2). Zwischendurch habe der Beschuldigte 1 ihm zei-
gen wollen, dass die Waffe geladen sei und deshalb an ihr manipuliert (Urk. D2/8
S. 6). Dieser habe mit der Pistole herumgespielt und ihm gesagt, dass sie gela-
den und keine Spielzeugpistole sei (Urk. D2/8 S. 2).
Inwiefern der Beschuldigte 1 an der Pistole manipuliert oder wie er damit
herumgespielt haben soll, führte der Privatkläger 1 anlässlich der polizeilichen
Einvernahme vom 22. August 2016 aber nicht weiter aus. Dass er dann anlässlich
seiner staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 11. Mai 2017 zu Protokoll gab,
der Beschuldigte 1 habe ihn gefragt, ob er in die Luft schiessen solle, um zu zei-
gen, dass es eine richtige Waffe sei (Urk. D2/12 S. 7) und später, dass der Be-
schuldigte 1 die Waffe gegen das Fenster oder so gehalten habe (Urk. D2/12
S. 14), steht damit nicht im Widerspruch zu seinen früheren Aussagen, da er da-
mals lediglich von einem Herumspielen gesprochen hatte. Mit dem Manipulieren
an der Pistole könnte der Privatkläger 1 somit durchaus auch ein damit Herum-
spielen gemeint haben. Zwar geht aus dem Schreiben von Dr. med. J._ vom
23. August 2016 hervor, der Privatkläger 1 habe ihm gegenüber geschildert, der
Täter habe zur Drohung mehrmals abgedrückt, ohne dass sich ein Schuss gelöst
habe (Urk. D2/2/5), was er so gegenüber der Polizei nicht zu Protokoll gegeben
hat. Allerdings sprach er bereits gegenüber der Polizei von einem Manipulieren
und Herumspielen mit der Pistole, ohne dies weiter auszuführen oder zu präzisie-
ren. Zudem ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz (Urk. 144 S. 34) auch nicht
- 20 -
auszuschliessen, dass der Arzt dies so verstanden und in seinen Worten wieder-
gegeben hat und es gar nicht wörtlich dem Gesagten des Privatklägers 1 ent-
spricht. Seine gesamte übrige Darstellung zum Tatablauf gegenüber dem Arzt
Dr. med. J._ deckt sich im Übrigen mit seiner Sachverhaltsdarstellung ge-
genüber der Polizei.
2.3.9. Angesichts des Umstandes, dass der Privatkläger 1 mitten in der
Nacht in seinem Schlafzimmer überrumpelt worden ist, ihm dabei eine Pistole in
den Nacken gehalten wurde und er sich anschliessend auf den Boden respektive
das Bett mit dem Kopf nach unten legen musste, ist durchaus erklärbar, dass sich
der Privatkläger 1 die Pistole in seinem aufgeregten Zustand innert dieser kurzen
Zeit hinsichtlich Form und Farbe nicht bis ins kleinste Detail einprägen konnte und
insbesondere auch nicht mehr genau ausführen kann, wie der Beschuldigte 1 ge-
nau mit der Pistole herumgespielt respektive ihm gezeigt haben soll, dass es sich
dabei um eine echte Schusswaffe handelt. Zudem können die Lichtverhältnisse in
dieser Nacht ebenfalls dazu beigetragen haben, dass der Privatkläger 1 die Farbe
nicht eindeutig erkennen konnte, zumal er selber ausführte, es sei in seinem
Schlafzimmer halbdunkel gewesen. Diese Nebensächlichkeiten sind aber auch
nicht weiter von Bedeutung, denn dass es sich um eine Schusswaffe gehandelt
habe, sagte der Privatkläger 1 konstant und gleichbleibend aus. Er sprach nie von
einem anderen Gegenstand, sondern räumte einzig ein, dass es vielleicht auch
eine Spielzeugpistole gewesen sei, er kenne sich damit nicht aus (Urk. D2/12
S. 13). Entsprechend sind die Aussagen des Privatklägers 1 diesbezüglich nicht
in Zweifel zu ziehen. Da allerdings nicht bewiesen werden kann, dass es sich tat-
sächlich um eine echte Schusswaffe gehandelt hat, ist in Übereinstimmung mit
der Vorinstanz (Urk. 144 S. 35) in Anwendung von Art. 10 Abs. 3 StPO zugunsten
des Beschuldigten 2 davon auszugehen, dass es sich bloss um ein Imitat gehan-
delt hat.
2.4. Der Beschuldigte 2 dagegen beschrieb sämtliche Handlungsabläufe nur
sehr knapp. So bestritt er vorwiegend die Sachverhaltsdarstellung des Privatklä-
gers 1 oder stellte dessen Aussagen in Frage, ohne den Tatablauf selber detail-
liert zu schildern. Auffallend sind auch – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz
- 21 -
(Urk. 114 S. 29) – die Widersprüche in den Aussagen des Beschuldigten 2 und
dass seine Darstellung der Geschehnisse teilweise deutlich von der Darstellung
des Beschuldigten 1 abwich. So führte er anlässlich der Einvernahme vom 25. Ja-
nuar 2017 aus, dass er das Haus des Privatklägers 1 normal zusammen mit die-
sem betreten habe. Der Beschuldigte 1 habe einen Herzfehler und könne deshalb
nicht klettern (D1/4/3 S. 4 und S. 6). Anlässlich seiner Einvernahme vom 15. März
2017 räumte er dann allerdings ein, dass sie wie in der Anklageschrift beschrie-
ben über das Badezimmerfenster in das Haus des Privatklägers 1 eingedrungen
seien (Urk. D1/4/5 S. 2 f.). Er bestritt auch durchgehend, dass der Privatkläger 1
mit Kabelbindern gefesselt worden sei (vgl., vorstehend Erw. III.2.1.1.), während
der Beschuldigte 1 dies zumindest anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom
25. Januar 2017 eingestanden hatte (Urk. D1/5/4 S. 9, Antw. auf Fragen 82, 84
und 86). Ebenfalls entsprechend zu würdigen ist, dass der Beschuldigte 2 seine
Sachverhaltsdarstellung immer nur soweit anpasste, als es aufgrund der Beweis-
lage unumgänglich war. Die Aussagen des Beschuldigten 2 erscheinen aus die-
sen Gründen insgesamt als wenig glaubhaft.
2.5. Gestützt auf die glaubhaften Aussagen des Privatklägers 1 ergibt sich
somit, dass dieser durch die Beschuldigten widerstandsunfähig gemacht wurde,
indem diese ihn nach Vorhalt eines Waffenimitates fesselten und so zur Heraus-
gabe der Bankkarten und des Codes zwangen. Dass die beiden Beschuldigten
dabei nicht zimperlich vorgingen, sondern den Privatkläger 1 anschrien und ihn
einschüchterten, geht aus den Aussagen des Privatklägers 1 ebenfalls glaubhaft
hervor. Seine Darstellung wird zudem nicht nur dadurch gestützt, dass am Tatort
tatsächlich ein schwarzer Kabelbinder, welcher DNA-Spuren des Privatklägers 1
enthielt, gefunden wurde (Urk. D2/2/1 S. 5; Urk. D2/9 S. 3; Urk. D2/10 S. 4), son-
dern auch durch die Bilder der Überwachungskameras zu den Geldbezügen in
Genf, auf welchen ersichtlich ist, dass sämtliche Bezüge durch den Beschuldigten
1 erfolgt sind, welcher dabei jeweils sein Gesicht mit Sonnenbrille, Mütze und sei-
ner Hand verdeckte (Urk. D2/6/8). Dieses Vorgehen spricht klar gegen die Versi-
on des Beschuldigten 2, wonach der Privatkläger 1 mit diesen Bezügen einver-
standen gewesen sei (vorstehend, Erw. III.2.1.1.), ansonsten die Bezüge mit un-
- 22 -
verdecktem Gesicht und insbesondere vom Beschuldigten 2 selber hätten getätigt
werden können.
2.6. Auffallend ist zudem, dass die Beschuldigten – wie hier vorweggenom-
men werden kann – jeweils nach dem gleichen modus operandi vorgegangen
sind und sowohl die Tat gemäss Dossier 2 als auch diejenige gemäss Dossier 1
ähnlich abgelaufen sind (nachfolgend, Erw. III.3. ff.). So überraschten und über-
rumpelten die Beschuldigten jeweils die Privatkläger 1 und 2 und verschafften
sich ohne deren Zustimmung Zutritt zu deren Zuhause, wo sie diese körperlich
überwältigten und unter Einsatz einer Waffe mit Kabelbindern fesselten, um sie
auf diese Weise widerstandsunfähig zu machen und anschliessend zur Heraus-
gabe ihrer Bankkarten sowie den dazugehörenden Codes zu zwingen. Die be-
troffenen Privatkläger 1 und 2 schilderten die Geschehnisse dabei unabhängig
voneinander ähnlich und gleichbleibend (vgl. Erw. III.2.3. ff. und III.3.3. ff.), was
ebenfalls entsprechend zu würdigen ist und für die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen
spricht.
2.7. Folglich ist der Sachverhalt hinsichtlich Dossier 2 auch betreffend den
Einsatz eines täuschend ähnlichen Waffenimitates gemäss Anklageschrift
(Urk. D1/28 S. 3 f.) erstellt.
3. Gemäss Dossier 1 wird dem Beschuldigten 2 weiter vorgeworfen, zu-
sammen mit dem Beschuldigten 1 am 31. Oktober 2016, kurz vor 23.00 Uhr, mit
einer Sturmhaube vermummt den Privatkläger 2, D._, von hinten gepackt
und diesen im Eingangsbereich von dessen Wohnung zu Boden gedrückt zu ha-
ben. Der Beschuldigte 1 habe dem Privatkläger 2 den Mund zugehalten. Dieser
habe um Hilfe zu schreien und sich zu wehren versucht. Er habe für den Privat-
kläger 2 gut sichtbar ein Elektroschockgerät mitsichgeführt, um diesen gefügig-
zumachen, zumal er dieses Gerät auch betätigt habe, sodass der Privatkläger 2
Funken habe sehen können. Er habe diesem gegenüber zudem erwähnt, eine
Spritze mit sich zu führen, mit welcher er diesen sedieren und ihn anschliessend
im Wald liegenlassen oder in den Fluss werfen könnte. Der Privatkläger 2 habe
dann in der akuten Angst, die Beschuldigten könnten ihn mit dem Elektroschock-
gerät oder der beschriebenen Spritze verletzen oder gar töten, jede Gegenwehr
- 23 -
unterlassen. Die beiden Beschuldigten hätten den Privatkläger 2 in der Folge ins
Gästezimmer geführt, wo sich dieser aufs Bett habe setzen müssen und mit Ka-
belbindern an Händen und Beinen gefesselt worden sei, sodass er sich nicht
mehr aus freien Stücken habe wegbewegen können. Der Beschuldigte 2 habe
dem Privatkläger 2 dann befohlen, ihm sein Portemonnaie zu geben, was dieser
angesichts der zuvor geäusserten Drohung und des vorgehaltenen Elektro-
schockgerätes ohne Gegenwehr getan habe. Der Beschuldigte 2 habe daraus
3 Bankkarten genommen und den Privatkläger 2 aufgefordert, die dazugehören-
den PIN-Codes zu nennen, was dieser aufgrund des gewaltsamen Auftretens der
Beschuldigten, der geäusserten Drohung und des vorgehaltenen Elektroschock-
gerätes, um sein Leben fürchtend, getan habe. Der Beschuldigte 2 habe sich mit
den 3 Bankkarten an den Bankomaten der K._ [Bank] in H._ begeben
und nach 3 vergeblichen Versuchen zunächst Euro 500 und dann nochmals einen
Betrag von Euro 400 abgehoben, wobei er diese Geldbezüge im Wissen getätigt
habe, dass ihm die abgehobenen Beträge nicht zustehen würden. Daraufhin habe
sich der Beschuldigte 2 zurück an den Wohnort des Privatklägers 2 begeben, wo
der Beschuldigte 1 den immer noch an Händen und Füssen gefesselten Privat-
kläger 2 zwischenzeitlich bewacht habe. Der Beschuldigte 2 habe den Privatklä-
ger 2 dann aufgefordert, dieser müsse ihnen bis am Donnerstag einen Geldbetrag
von Fr. 30'000.– bereithalten, wobei er noch kontaktiert und der genaue Überga-
beort in der Nähe von L._ [Ort] bekanntgegeben werde. Kurz nach Mitter-
nacht habe sich der Beschuldigte 2 mit den 3 Bankkarten nochmals an einen
Bankomaten der M._ [Bank] in H._ begeben, von welchem er einen wei-
teren Betrag von Euro 900 bezogen habe. Anschliessend habe er sich zurück an
den Wohnort des Privatklägers 2 begeben, wo dieser in der Zwischenzeit vom
Beschuldigten 1 bewacht worden sei. Die Beschuldigten hätten zudem auch die
Wohnung des Privatklägers 2 nach Wertgegenständen durchsucht und dabei –
neben den 3 Bankkarten – eine Goldkette, 2 Ringe, eine Armbanduhr, einen
Schriftenempfangsschein sowie dessen Reisepass und Führerschein behändigt,
wobei sie diesem die N._-Bankkarte sowie den Führerschein zurückgegeben
hätten. Die übrigen Gegenstände sowie das abgehobene Geld hätten die Be-
schuldigten mitsichgenommen, um eigens darüber verfügen zu können, nament-
- 24 -
lich das abgehobene Bargeld auszugeben und die erhältlich gemachten Gegen-
stände zu verkaufen oder als Faustpfand zu verwenden (Urk. D1/28 S. 6-9).
3.1. Der Beschuldigte 2 hat auch den Sachverhalt gemäss Dossier 1 in den
Grundzügen anerkannt. Insbesondere räumte er ein, zusammen mit dem Be-
schuldigten 1 den Privatkläger 2 vor dessen Wohnung abgepasst und diesen in
die Wohnung gestossen zu haben, um sich auf diese Weise ebenfalls Zutritt zu
verschaffen (Urk. D1/4/4 S. 3, Antw. auf Fragen 18 f. und 22-24; Urk. D1/4/10
S. 14, Antw. auf Frage 49; Urk. D1/6 S. 4; Prot. I S. 29 f.), und von diesem Bank-
karten mit den dazugehörigen PIN-Codes erhältlich gemacht zu haben, mit wel-
chen die in der Anklageschrift aufgeführten Bezüge getätigt worden seien
(Urk. D1/4/1 S. 9, Antw. auf Fragen 65-67; Urk. D1/4/4 S. 5 f.; Urk. D1/4/10
S. 15 f.; Prot. I S. 32 f.). Er habe auch diverse Schmuckgegenstände und Auswei-
se aus der Wohnung des Privatklägers 2 mitgenommen, mit dem Zweck, diese
als Pfand zu gebrauchen, um den vom Privatkläger 2 geforderten Bargeldbetrag
in der Höhe von Fr. 30'000.– zu erhalten (Urk. D1/4/7 S. 1 und S. 9, Antw. auf
Fragen 4 und 70; Urk. D1/4/2 S. 7, Antw. auf Frage 40; Urk. D1/4/4 S. 2 und S. 6,
Antw. auf Frage 47; Urk. D1/4/10 S. 16; Urk. D1/6 S. 7; Prot. I S. 33 f.). Auch auf
diesen Zugaben ist der Beschuldigte 2 zu behaften, zumal diese mit den glaub-
haften Aussagen des Privatklägers 2 (nachfolgend, Erw. III.3.3. ff.) übereinstim-
men.
3.1.1. Der Beschuldigte bestreitet aber, dass es zu Drohungen oder Gewalt
gekommen sein soll, und es seien auch keine Waffen im Spiel gewesen
(Urk. D1/4/1 S. 7, Antw. auf Frage 53; Urk. D1/4/2 S. 3, Antw. auf Frage 12;
Urk. D1/4/4 S. 2 f., Antw. auf Fragen 12-16, und S. 5, Antw. auf Fragen 36 und 39
f.; Urk. D1/4/10 S. 15; Prot. I S. 30 f.). Er habe dem Privatkläger 2 weder gedroht,
diesen mit einer Spritze zu sedieren, noch habe er eine solche oder einen Elekt-
roschocker dabei gehabt. Auch ein Messer habe er nicht mitgenommen
(Urk. D1/4/4 S. 4 f., Antw. auf Fragen 31 ff., 36 und 39 f.). Er sei auch nicht mas-
kiert gewesen, sondern habe lediglich einen Schal getragen, welcher allerdings
nur seinen Mund abgedeckt habe (Urk. D1/4/4 S. 4, Antw. auf Fragen 28 f.;
Urk. D1/4/10 S. 14, Antw. auf Frage 49; Urk. D1/6 S. 4 f.; Prot. I S. 30). Der Pri-
- 25 -
vatkläger 2 sei von ihnen auch nicht mit Kabelbindern gefesselt worden
(Urk. D1/4/4 S. 4, Antw. auf Frage 33, und S. 5, Antw. auf Frage 42; Urk. D1/4/10
S. 16, Antw. auf Fragen 60 f.; Prot. I S. 31). Dieser habe die Bankkarten freiwillig
herausgegeben, und er sei auch mit dem Geldbezug einverstanden gewesen,
zumal er selber vorgeschlagen habe, dass die Beschuldigten mit seiner Kreditkar-
te das Hotel in L._ bezahlen sollten (Urk. D1/4/1 S. 9, Antw. auf Fragen 67 f.;
Urk. D1/4/2 S. 3 und S. 5; Urk. D1/4/10 S. 16 f., Antw. auf Fragen 66 f.; Prot. I
S. 31 f.). Auch die Übergabe von Fr. 30'000.– habe der Privatkläger 2 freiwillig
angeboten, da dieser ihm dieses Geld schon lange versprochen habe
(Urk. D1/4/1 S. 7 ff., Antw. auf Fragen 53 f., 58 f. und 69; Urk. D1/4/2 S. 3;
Urk. D1/4/6 S. 2, Antw. auf Fragen 11 f.; Urk. D1/4/7 S. 1, Antw. auf Frage 3;
Prot. I S. 27 f. und S. 31 f.). An dieser Darstellung hielt der Beschuldigte 2 auch
anlässlich der Berufungsverhandlung fest (Prot. II S. 23 ff.).
3.1.2. Die Verteidigung führte auch in diesem Zusammenhang aus, dass der
Beschuldigte 2 im Grundsatz die Sachverhalte gemäss Anklageschrift anerkannt
habe und diesbezüglich geständig sei, mit der Ausnahme, dass keine Waffen im
Spiel gewesen seien. Es lasse sich nicht bestreiten, dass der Vorfall in etwa so
wie angeklagt stattgefunden habe und die Beschuldigten auf unzimperliche Weise
Geld beim Privatkläger 2 hätten eintreiben wollen (Urk. 83 S. 3 und S. 5). An ihren
Ausführungen hält die Verteidigung auch im Berufungsverfahren fest. Insbeson-
dere macht sie geltend, dass der Privatkläger 2 nicht durch den Einsatz einer
Waffe mit einer gegenwärtigen Gefahr für Leib und Leben bedroht bzw. Gewalt
angewendet worden sei (Urk. 116 S. 3; Urk. 146 S. 5).
3.2. Als Beweismittel liegen die Aussagen des Beschuldigten 2 (Urk. D1/4/1-
10; Urk. D1/6, Prot. I S. 11 ff.; Prot. II S. 23 ff.) und diejenigen des Privatklägers 2
(Urk. D1/7/1+2), die Fotodokumentation der Kantonspolizei Zürich
(Urk. D1/2/2+3), der Verlustrapport für die N._ Card (Urk. D1/2/5), die Er-
gebnisse der Telefonüberwachung (Urk. D1/11-14), der Spurenbericht des FOR
vom 4. November 2016 (Urk. D1/16), die Verfügung der Staatsanwaltschaft vom
29. Juni 2017 betreffend beschlagnahmte Gegenstände (Urk. D1/17/8) sowie die
- 26 -
Unterlagen betreffend das Arbeitsverhältnis aus dem Jahr 2010 zwischen dem
Beschuldigten 2 und der I._ AG (Urk. D1/23/1-4) vor.
3.3. Die Vorinstanz hat die polizeilichen Aussagen des Privatklägers 2 vom
1. November 2016 zum eigentlichen Tatvorgang (Urk. D1/7/1) sowie dessen
staatsanwaltschaftlichen Aussagen vom 3. April 2017 in Anwesenheit des Be-
schuldigten 2 und dessen amtlicher Verteidigung (Urk. D1/7/2) eingehend und
korrekt wiedergegeben, weshalb darauf verwiesen werden kann (Urk. 114 S. 35-
49; Art. 82 Abs. 4 StPO). Da der Beschuldigte vehement bestreitet, dass dem Pri-
vatkläger 2 durch eine Waffe eine Gefahr für Leib und Leben angedroht bzw. Ge-
walt gegen diesen angewendet worden sei (Urk. 116 S. 3; Urk. 146 S. 5), sind die
Aussagen des Privatklägers 2 diesbezüglich einer eingehenden Betrachtung zu
unterziehen.
3.3.1. Anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 1. November 2016 führ-
te der Privatkläger 2 dazu aus, dass er kurz vor 23.00 Uhr seine Wohnungstüre
habe aufschliessen wollen, als er unvermittelt von hinten gepackt und ihm der
Mund zugehalten worden sei. Er habe zwei Männer wahrnehmen können, welche
Sturmmasken getragen hätten. Diese hätten ihn zu Boden gedrückt. Er habe das
grosse Messer und den Elektrostab gesehen, weshalb er sich nicht gewehrt habe.
Die Täter hätten ihn dann ins Gästezimmer aufs Bett geführt und dort seien seine
Hände mit einem Kabelbinder fixiert worden und seine Beine. Der eine Täter habe
ihn mit einem grossen Metzgermesser bedroht, der andere habe einen Elektro-
schocker in der Hand gehalten. Er habe grosse Angst gehabt und sich deshalb
nicht gewehrt. Die Täter hätten ihn dann nach den Codes für die Bankkarten ge-
fragt, welche er ihnen aus Angst um sein Leben bekanntgegeben habe. Einer sei
dann mit den Bankkarten verschwunden und nach einer gewissen Zeit wieder zu-
rückgekommen. Sie hätten seine Wohnung durchsucht und ihm Schmuckstücke,
seinen Pass und seinen Schriftenempfangsschein gestohlen. Danach hätten sie
ihm gesagt, dass er Fr. 30'000.– bis am Donnerstag bereithalten solle, da sie mit
zwei Bankkarten keine Bezüge hätten tätigen können. Dann hätten sie mit ihm
über die Modalitäten der Übergabe gesprochen. Er habe nie die Gesichter der Tä-
ter gesehen, aber eine Stimme habe er gleich wiedererkannt. Er sei sich ganz si-
- 27 -
cher, dass es sich dabei um den Beschuldigten 2 handle, da dieser früher in der
gleichen Firma gearbeitet habe. Als es bereits nach Mitternacht gewesen sei, ha-
be sich der Beschuldigte 2 erneut entfernt, sei dann später aber wieder zurückge-
kommen. Während dieser Zeit habe der andere Täter auf ihn aufgepasst. Mit die-
sem habe er dann ein paar Sätze gewechselt. Dieser habe ihm erklärt, dass er
dies machen würde, weil er immer gearbeitet habe und das Geld brauche, da er
nicht gut verdienen würde. Am Schluss seien ihm die Beinfesseln abgenommen
worden, und er habe die beiden zur Türe bringen müssen (Urk. D1/7/1 S. 1 f.).
3.3.2. Zu weiteren Details befragt, gab der Privatkläger 2 zu Protokoll, dass
er in die Wohnung hineingeschoben und dann zu Boden gedrückt worden sei. Er
glaube, dass ihm der Mund erst zugehalten worden sei, als er am Boden gelegen
sei. Der eine Täter habe dann seine rechte Schulter zu Boden gedrückt. Der An-
dere habe den Elektroschocker betätigt, sodass er die Funken gesehen habe.
Dieser habe ihn aber nicht berührt mit dem Elektroschocker. Dieser sei rund ge-
wesen, ca. 30 cm lang und schwarz. Die Funken seien oben herausgekommen
und sehr hell und breit gewesen. Er habe grosse Angst verspürt. Zudem habe ihm
der Beschuldigte 2 gesagt, dass er noch eine Spritze dabeihabe, mit welcher er
ihn sedieren und anschliessend in den Fluss werfen könne. Deshalb habe er sich
auch nicht mehr gewehrt. Als dieser ihm die Spritze, diese Injektion angedroht
habe, habe er um sein Leben gefürchtet und Angst gehabt, dass dieser ihn er-
morden könnte. Er habe das Messer auf dem Boden liegen sehen, als er aufge-
standen sei. Mit diesem Messer seien am Schluss seine Kabelbinder, welche
weiss gewesen seien, durchtrennt worden. Er habe nicht fliehen können, da seine
Hände und Füsse gefesselt gewesen seien. Beide Täter hätten eine Sturmmaske
getragen und einen Hut (Urk. D1/7/1 S. 3 ff.).
3.3.3. Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 3. April
2017 bestätigte der Privatkläger 2 seine anlässlich der polizeilichen Einvernahme
vom 1. November 2016 getätigten Aussagen zum Kerngeschehen und gab er-
gänzend zu Protokoll, dass er von hinten gepackt und ihm der Mund zugehalten
worden sei. Der andere Täter habe diesen Elektrostab gehabt und ihm einen
Stromschlag verpassen wollen. Es habe Funken gehabt. Seine Beine seien noch
- 28 -
frei gewesen, und er habe versucht, damit gegen die Hand des Täters zu schla-
gen, damit ihn die Funken nicht berühren würden (Urk. D1/7/2 S. 9). Dieser habe
auch eine Spritze gehabt und auf Englisch zu ihm gesagt: "I have here an injec-
tion and than I can just throw you in the forest or in the river" (ebenda, S. 10,
Antw. auf Frage 59). Als er mit dem Elektroschocker bedroht worden sei, sei das
Messer auf dem Boden gelegen. Es sei ein Fleischermesser gewesen, ca. 40-
50 cm lang. Es sei schwer zu sagen, wie lang das Messer gewesen sei, aber es
sei sicher kein Taschenmesser gewesen (ebenda, S. 10 ff.).
3.3.4. Der Privatkläger 2 wurde als Auskunftsperson einvernommen und da-
bei auf die Straffolgen gemäss Art. 303-305 StGB hingewiesen (Urk. D1/7/2
S. 2 f.). Für die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen spricht, dass er ohne Weiteres
einräumte, wenn er sich nicht sicher war oder sich an etwas nicht mehr erinnern
konnte (Urk. D1/7/1 S. 3, Antw. auf Frage 16, und S. 4, Antw. auf Frage 25;
Urk. D1/7/2 S. 9, Antw. auf Fragen 50 f., S. 11, Antw. auf Frage 72, und S. 12 f.,
Antw. auf Frage 89). Entsprechend zu würdigen ist auch, dass der Privatkläger 2
die Beschuldigten und insbesondere auch den Beschuldigten 2 nicht übermässig
belastete und die Geschehnisse nicht übertrieben darstellte. So gab er zu Proto-
koll, dass er mit dem Elektroschocker nicht berührt worden sei (Urk. D1/7/1 S. 3,
Antw. auf Frage 11). Auch räumte er ein, nicht mit dem Messer, sondern nur mit
dem Elektroschocker und der angeblichen Spritze, bedroht worden zu sein
(ebenda, Antw. auf Frage 15). Der eine Täter habe ihm Wasser geholt, und
manchmal hätten sie auch miteinander gesprochen (ebenda, S. 5, Antw. auf Fra-
ge 33). Auch auf die Frage, was der Beschuldigte 2 gesagt habe, was passieren
würde, wenn er das Geld nicht auftreibe, antwortete der Privatkläger 2, dass die-
ser nichts gesagt habe (ebenda, S. 6, Antw. auf Frage 47), und auch die Frage,
ob er noch einmal bedroht worden sei, verneinte er mehrmals (Urk. D1/7/2 S. 8,
Antw. auf Frage 39, und S. 10 f., Antw. auf Frage 69). Anhaltspunkte für bewusst
falsche Anschuldigungen gibt es keine. Im Gegenteil, der Privatkläger 2 versuch-
te, nur das zu beschreiben, was er tatsächlich gesehen hatte. So führte er auch
aus, dass ihm die Spritze nicht gezeigt worden sei (Urk. D1/7/2 S. 17, Antw. auf
Frage 129) und dass er nicht wisse, woher das Messer gekommen sei
(Urk. D1/7/2 S. 16, Antw. auf Frage 126). Zwar fällt in Übereinstimmung mit der
- 29 -
Vorinstanz auf (Urk. 114 S. 31 ff.), dass seine Aussagen gewisse Widersprüche
aufweisen. Diese beziehen sich allerdings nicht auf das eigentliche Kerngesche-
hen, welches er konstant und schlüssig schilderte, sondern betreffen vorwiegend
den chronologischen Ablauf des Geschehens oder Nebensächlichkeiten zum
Randgeschehen. Entsprechend ist auch nicht weiter von Bedeutung, ob die Fes-
seln gleichzeitig an Händen und Füssen entfernt worden sind oder ob diese an
den Händen zuerst nur etwas lockerer und an den Füssen enger gemacht worden
sind, denn dass er gefesselt gewesen sei, wiederholte der Privatkläger 2 mehr-
mals widerspruchsfrei. Dass sich gewisse Widersprüchlichkeiten bei seiner Ein-
vernahme vom 3. April 2017 (Urk. D2/7/2) insbesondere auch aufgrund der seit
der Tat verstrichenen Zeit ergeben können, da das Erinnerungsvermögen bezüg-
lich einzelner Details nach mehreren Monaten nachliess, ist ebenfalls durchaus
nachvollziehbar.
3.3.5. Die Verteidigung des Beschuldigten 2 macht geltend, die Aussagen
des Privatklägers 2 seien nicht glaubhaft. Insbesondere sei nicht glaubhaft, dass
sich dieser massiv bedroht gefühlt habe, dann aber ohne Weiteres ins Bett ge-
gangen sei und geschlafen habe, als die Beschuldigten die Wohnung verlassen
hätten. Zudem habe er ausgeführt, mit einem Metzgermesser bedroht worden zu
sein, das sicher 40 cm lang gewesen sei. Bei der nächsten Befragung sei es dann
nur noch ein Messer gewesen, welches sicher länger als ein Taschenmesser ge-
wesen sei. Auch die weiteren Aussagen betreffend das Elektroschockgerät seien
dermassen abenteuerlich. Dass der Privatkläger 2 Todesangst gelitten habe, sei
gestützt auf dessen Aussage, wonach er den Beschuldigten 2 von Beginn weg an
dessen Stimme erkannt habe, ebenfalls unglaubhaft (Urk. 83 S. 4 f.; Prot. II
S. 31).
3.3.6. Das Verhalten des Privatklägers 2 mag in Übereinstimmung mit der
Verteidigung des Beschuldigten 2 durchaus etwas seltsam sein. Allerdings erklär-
te dieser sein Verhalten, weshalb er nicht unverzüglich die Polizei benachrichtigt
habe, damit, dass er unter Schock gestanden und einfach sehr müde gewesen
sei. Er sei dann am nächsten Morgen zur Arbeit gegangen und habe es seinem
Vorgesetzten erzählt, welcher dann die Polizei kontaktiert habe (Urk. D1/7/1 S. 2
- 30 -
und S. 7, Antw. auf Frage 52). Er sei so müde gewesen und habe gedacht, es sei
besser, am nächsten Tag die Polizei zu rufen, wenn er frisch sei (Urk. D1/7/2 S. 8,
Antw. auf Frage 46, und S. 13, Antw. auf Frage 98). Dass der Privatkläger 2 dabei
ohne Weiteres zu Bett gegangen sei und geschlafen habe, führte dieser – entge-
gen der Auffassung der Verteidigung des Beschuldigten 2 – aber nicht aus, son-
dern er gab zu Protokoll, dass er versucht habe, zu schlafen. Er sei so müde ge-
wesen. Es habe aber seine Zeit gedauert (Urk. D1/7/2 S. 13 f., Antw. auf Frage
99). Angesichts des Umstandes, dass der Privatkläger 2 spätabends beim Betre-
ten seiner Wohnung von den beiden Beschuldigten überrascht und überrumpelt
worden ist, ist durchaus nachvollziehbar, dass er sich in einem verwirrten Zustand
oder allenfalls gar in einem Schockzustand befunden hat, sodass er nicht mehr in
der Lage war, klar zu denken. Dass er um ca. 01.00 Uhr nicht auf die Idee kam,
den Notruf zu wählen, lässt sich aufgrund der Müdigkeit und seiner psychischen
Verfassung plausibel erklären. Der Privatkläger 2 erkannte den Beschuldigten 2
bereits während des Überfalls an dessen Stimme, bestritt allerdings, diesen näher
zu kennen respektive ein sexuelles Verhältnis mit ihm gehabt zu haben
(Urk. D1/7/1 S. 3; Urk. D1/7/2 S. 3). Seine ausweichenden und widersprüchlichen
Aussagen diesbezüglich (vgl. nachfolgend, Erw. III.3.3.9.) zeigen aber auch, dass
die ganze Angelegenheit durchaus schambehaftet für ihn gewesen sein dürfte,
was ebenfalls eine Rolle gespielt haben könnte, weshalb er nicht unverzüglich die
Polizei verständigt hat. Dies ändert – entgegen der Auffassung der Verteidigung
des Beschuldigten 2 – zumindest nichts an seiner Glaubwürdigkeit respektive an
der Glaubhaftigkeit seiner Aussagen.
3.3.7. Ebenfalls unzutreffend ist, dass die Aussagen des Privatklägers 2 be-
treffend das Elektroschockgerät abenteuerlich seien. So beschrieb er das Gerät
konstant als Elektrostab, welcher ca. 30 cm lang und schwarz gewesen sei. Als
der Beschuldigte 2 diesen betätigt habe, habe er Funken gesehen, welche oben
herausgekommen und sehr hell und breit gewesen seien (vgl. vorstehend,
Erw. III.3.3.1. ff.). Abweichende oder anderslautende Aussagen machte der Pri-
vatkläger 2 diesbezüglich nicht. Auch das Messer beschrieb er konstant gleich,
zumal es sich bei den verwendeten Bezeichnungen wie Metzger- oder Fleischer-
messer bloss um sprachliche Nebensächlichkeiten handelt. Die Aussagen des
- 31 -
Privatklägers 2 zu diesem Messer sind allerdings nicht weiter von Bedeutung, da
das Mitführen eines Messers den Beschuldigten gemäss Anklageschrift gar nicht
vorgeworfen wird (Urk. D1/28 S. 6-9). Bei der Drohung, mit einer Spritze sediert
zu werden, handelt es sich um ein solch ungewöhnliches Vorgehen, welches der
Privatkläger 2 – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz (Urk. 144 S. 66) – kaum
erfunden hätte, nur um den Beschuldigten 2 falsch zu belasten, zumal der Privat-
kläger 2 anschaulich ausführte, wie sehr ihn diese Drohung geängstigt habe. So
konnte er selbst anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme und damit
Monate nach der Tat den englischen Wortlaut der Drohung noch wiedergeben
(vorstehend, Erw. III.3.3.3.).
3.3.8. Vor dem Hintergrund, dass die Beschuldigten den Privatkläger 2 spät-
abends zu zweit überrumpelt, diesen körperlich überwältigt und unter Einsatz ei-
nes Elektroschockers, indem dieser betätigt wurde, sodass er für den Privatkläger
2 sichtbar Funken sprühte, gefesselt, ihm darüber hinaus angedroht haben, ihn
mit einer Spritze zu sedieren, und ihn mit ihrem Vorgehen zur Herausgabe seiner
Bankkarten und Codes gezwungen haben, ist durchaus nachvollziehbar, dass der
Privatkläger 2 grosse Angst bekam. Daran ändert auch nichts, dass er den Be-
schuldigten 2 an dessen Stimme erkannte. Nur weil der Beschuldigte 2 für den
Privatkläger 2 kein Unbekannter gewesen ist, bedeutet das nicht, dass das ge-
waltsame und drohende Auftreten des Beschuldigten 2 mit Elektroschocker dem
Privatkläger 2 keine Angst bereitet haben soll.
3.3.9. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz (Urk. 144 S. 64 und S. 68) er-
scheinen die Aussagen des Privatklägers 2 hinsichtlich seiner persönlichen Be-
ziehung zum Beschuldigten 2 allerdings durchaus etwas widersprüchlich, und er
scheint diesen entgegen seinen Ausführungen wohl doch näher zu kennen, wo-
rauf auch die Verteidigung des Beschuldigten 2 zutreffend hingewiesen hat
(Urk. 83 S. 4). Allerdings ist nachvollziehbar, dass Fragen zum Privat- und Intim-
leben zurückhaltender und ausweichender beantwortet werden. Dies hat, wie
auch die Vorinstanz zutreffend erwogen hat, keine Auswirkungen auf die Sach-
verhaltserstellung und die rechtliche Würdigung.
- 32 -
3.4. Der Beschuldigte 2 dagegen beschrieb sämtliche Handlungsabläufe nur
sehr knapp. So bestritt er insbesondere die Sachverhaltsdarstellung des Privat-
klägers 2 oder stellte dessen Aussagen in Frage, ohne den Tatablauf selber de-
tailliert zu schildern. Er äusserte sich hauptsächlich zu Nebenpunkten und machte
insbesondere ausführliche Aussagen zu seiner Beziehung zum Privatkläger 2
(Urk. D1/4/1 S. 7 ff.; Urk. D1/4/2 S. 7 f.). Auffallend sind auch – in Übereinstim-
mung mit der Vorinstanz (Urk. 114 S. 54 und S. 62 f.) – die Ungereimtheiten und
Widersprüche in seinen Aussagen. So führte er in der Hafteinvernahme vom
6. Januar 2017 noch aus, dass er und der Beschuldigte 1 gemeinsam mit dem
Privatkläger 2 in dessen Wohnung gegangen seien und dieser sie freiwillig hin-
eingelassen habe (Urk. D1/4/2 S. 5), während er später einräumte, den Privatklä-
ger 2 vor dessen Wohnung abgepasst und diesen in die Wohnung gestossen zu
haben, um sich so ebenfalls Zutritt zu verschaffen (vorstehend, Erw. III.3.1.). Auch
führte er anfänglich aus, er und der Beschuldigte 1 seien mit dem Ziel zum Privat-
kläger 2 gegangen, zusammen eine gemeinsame Nacht zu verbringen, wobei der
Beschuldigte 1 dann keine sexuelle Verbindung habe eingehen wollen
(Urk. D1/4/2 S. 3), um später einzuräumen, der Plan sei gewesen, beim Privatklä-
ger 2 die Summe zu holen, welche dieser ihm (dem Beschuldigten 2) versprochen
habe (Urk. D1/4/4 S. 2). Ebenfalls entsprechend zu würdigen ist, dass sich die
Aussagen des Beschuldigten 2 auch in Bezug auf die gescheiterte Geldübergabe
mit dem Privatkläger 2 in der Höhe von Fr. 30'000.– am Bahnhof O._ [Ort]
als unwahr erwiesen haben. So behauptete er, gar nicht am Bahnhof O._
gewesen zu sein, sondern dem Beschuldigten 1 vom Hotel in L._ aus telefo-
nische Anweisungen gegeben zu haben (Urk. D1/4/6 S. 2, Antw. auf Fragen 15
f.), was sich durch die Gesprächsprotokolle der Telefonüberwachung sowie die
Auswertung der Mobiltelefonstandorte (Urk. D1/4/7, Anhang; Urk. D1/4/10, An-
hang) aber klar als falsch herausgestellt hat, da aus diesen hervorgeht, dass der
Beschuldigte 2 bereits vor der Festnahme des Beschuldigten 1 in O._ gewe-
sen ist. Die gescheiterte Geldübergabe ist zwar nicht Gegenstand des Anklage-
sachverhaltes (Urk. D1/28 S. 6-9), sein diesbezügliches Aussageverhalten sagt
aber dennoch etwas über seine Glaubwürdigkeit aus, was entsprechend zu wür-
digen ist. Aus all diesen Gründen erscheinen die Aussagen des Beschuldigten 2
insgesamt wenig glaubhaft.
- 33 -
3.5. Gestützt auf die glaubhaften Aussagen des Privatklägers 2 ergibt sich
somit, dass dieser durch die Beschuldigten widerstandsunfähig gemacht wurde,
indem diese ihn nach Vorhalt eines Elektroschockers sowie unter Androhung, ihn
mit einer Spritze zu sedieren, fesselten und so zur Herausgabe der Bankkarten
und des Codes zwangen. Dass die beiden Beschuldigten dabei nicht zimperlich
vorgingen und den Privatkläger 2 einschüchterten, geht aus den Aussagen des
Privatklägers 2 ebenfalls glaubhaft hervor. Seine Darstellung wird zudem durch
die Bilder der Überwachungskameras zu den Geldbezügen in H._ untermau-
ert, auf welchen ersichtlich ist, dass die Bezüge mit teilweise verdecktem Gesicht
getätigt wurden, indem die Kappe tief ins Gesicht und der Kragen der Jacke bis
zum Mund hochgezogen worden war (Urk. D1/2/3). Dieses Vorgehen spricht klar
gegen die Version des Beschuldigten 2, wonach der Privatkläger 2 mit diesen Be-
zügen einverstanden gewesen sei und die Bankkarten freiwillig herausgegeben
habe (vorstehend, Erw. III.3.1.1.). Andernfalls hätte der Beschuldigte 2 diese Be-
züge tätigen können, ohne sein Gesicht zu verdecken.
3.6. Folglich ist der Sachverhalt hinsichtlich Dossier 1 auch in Bezug auf das
Mitführen eines Elektroschockgerätes, welches der Beschuldigte 2 auch betätigte,
um den Privatkläger 2 gefügigzumachen sowie die Drohung, diesen mit der mit-
gebrachten Spritze zu sedieren, um ihn anschliessend im Wald liegenzulassen
oder in den Fluss werfen zu können, gemäss Anklageschrift (Urk. D1/28 S. 3 f.)
erstellt.
4. Die Anklagesachverhalte gemäss Dossier 1 und 2 sind somit vollumfäng-
lich erstellt.
5. Gemäss Dossier 3 wird dem Beschuldigten 2 weiter vorgeworfen, zu-
sammen mit dem Beschuldigten 1 am 14. Oktober 2016, um ca. 01.45 Uhr, ver-
sucht zu haben, mittels Flachwerkzeug die Eingangstüre zum Geschäftsbetrieb,
Mehrfamilienhaus, an der P._-gasse ..., ... Zürich, aufzubrechen, wodurch
am Türrahmen und am Schloss ein Sachschaden in der Höhe von Fr. 2'000.–
entstanden sei. Dies hätten sie getan, um ins Innere des Gebäudes zu gelangen
und dieses nach Wertgegenständen, namentlich Bargeld, zu durchsuchen. Auf-
grund der massiven Bauweise der Eingangstüre oder weil sie sich beim Vorhaben
- 34 -
gestört gefühlt hätten, hätten sie den Tatort ohne Deliktsgut in unbekannte Rich-
tung verlassen (Urk. D1/28 S. 9).
5.1. Der Beschuldigte 2 räumte zwar ein, versucht zu haben, die Eingangs-
türe zur Liegenschaft an der P._-gasse ... in Zürich aufzubrechen
(Urk. D1/4/8 S. 1 f., Antw. auf Fragen 2 und 11; Urk. D1/4/10 S. 18, Antw. auf
Frage 72), allerdings führte er auf die Frage, was er in diesem Gebäude gewollt
habe, wiederholt aus, dass er einfach nur ins Gebäude hineingewollt habe
(Urk. D1/4/10 S. 18 f., Antw. auf die Fragen 76-82; Prot. I S. 37). Er habe weder
etwas holen noch Geld mitnehmen wollen. Er habe einfach die Türe zerstören
wollen (Prot. I S. 38). Indem der Beschuldigte 2 eingestand, dass er vor Ort ge-
wesen sei und er versucht habe, die Eingangstüre zur Liegenschaft an der
P._-gasse ... in Zürich aufzubrechen und ins Innere des Gebäudes zu ge-
langen, liegt entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 146 S. 3) auch keine
Verletzung des Anklageprinzips vor.
5.2. Der Beschuldigte bestreitet mithin die subjektiven Sachverhaltselemen-
te, welche sein Wissen und Wollen im Zusammenhang mit der Tatbegehung be-
treffen.
Was ein Täter wusste, wollte oder in Kauf nahm, betrifft sog. innere Tat-
sachen und ist damit zwar eine Tatfrage. Da sich diese inneren Tatsachen bei
ungeständigen Tätern regelmässig nur gestützt auf äusserlich feststellbare Indi-
zien und Erfahrungsregeln ermitteln lassen, die Rückschlüsse von den äusseren
Umständen auf die innere Einstellung des Täters erlauben (Urteil des Bundesge-
richtes 6S.133/2007 vom 11. August 2008 E. 2.4), und die Beurteilung, ob im
Lichte dieser äusseren Umstände der Schluss auf Vorsatz begründet ist, eine
Rechtsfrage darstellt, ist das Bestehen eines Vorsatzes nachfolgend im Rahmen
der rechtlichen Würdigung (Erw. IV.6.1.) zu beurteilen (vgl. BGE 133 IV 1 E. 4.1;
BGE 130 IV 58 E. 8.5; BGE 125 IV 242 E. 3c, je m.H.).
- 35 -
IV. Rechtliche Würdigung
1. Die Vorinstanz würdigte die in Mittäterschaft mit dem Beschuldigten 1 be-
gangenen Taten des Beschuldigten 2 gemäss Dossier 1 und 2 als mehrfache Er-
pressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 und 3 StGB und als mehrfaches Vergehen
gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG in Verbindung mit
Art. 4 Abs. 1 lit. e und g WG und sprach ihn vom Vorwurf des versuchten Dieb-
stahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB
gemäss Dossier 3 frei.
2. Die Verteidigung des Beschuldigten 2 beantragt, dieser sei vom Vorwurf
des mehrfachen Vergehens gegen das Waffengesetz freizusprechen sowie ledig-
lich der mehrfachen Erpressung gemäss Art. 156 Ziff. 1 StGB schuldig zu spre-
chen (Urk. 116 S. 2; Urk. 146 S. 1). Die Staatsanwaltschaft beantragt ferner die
Schuldigsprechung des Beschuldigten 2 wegen versuchten Diebstahls gemäss
Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB hinsichtlich Dossier 3
(Urk. 115 S. 2; Urk. 145 S. 1).
3. Mittäter ist, wer bei der Entschliessung, Planung oder Ausführung eines
Deliktes vorsätzlich und in massgeblicher Weise mit anderen Tätern zusammen-
wirkt, sodass er als Hauptbeteiligter dasteht. Dabei kommt es darauf an, ob der
Tatbeitrag nach den Umständen des konkreten Falles und dem Tatplan für die
Ausführung des Deliktes so wesentlich ist, dass sie mit ihm steht oder fällt. Das
blosse Wollen der Tat genügt zur Begründung von Mittäterschaft nicht. Der Mittä-
ter muss vielmehr bei der Entschliessung, Planung oder Ausführung der Tat auch
tatsächlich mitwirken. Daraus folgt aber nicht, dass Mittäter nur ist, wer an der ei-
gentlichen Tatausführung beteiligt ist oder sie zu beeinflussen vermag. Dass der
Mittäter bei der Fassung des gemeinsamen Tatentschlusses mitwirkt, ist nicht er-
forderlich. Es genügt, dass er sich später den Vorsatz seiner Mittäter zu eigen
macht. Konkludentes Handeln reicht aus (BGE 135 IV 152 E. 2.3.1 S. 155;
BGE 130 IV 58 E. 9.2.1 S. 66; BGE 125 IV 134 E. 3a S. 136 mit Hinweisen).
3.1. Der Einwand der Verteidigung des Beschuldigten 2, wonach dieser den
Entscheid des Beschuldigten 1, ein Waffenimitat mitzuführen und dieses einzu-
- 36 -
setzen, nicht mitentschieden respektive mitgetragen haben soll (Urk. 146 S. 3 f.),
läuft ins Leere. Es ist offensichtlich, dass der Beschuldigte 2 der eigentliche
Drahtzieher hinter den Taten war. Der Privatkläger 2 sagte diesbezüglich glaub-
haft aus, dass der Beschuldigte 2 der Chef gewesen sei, welcher die Befehle ge-
geben und alles verlangt habe. Der Beschuldigte 1 habe nur gehorcht
(Urk. D1/7/1 S. 5, Antw. auf Frage 35). Der Beschuldigte 1 wurde an den erbeute-
ten Geldsummen auch nicht beteiligt, sondern der Beschuldigte 2 verwendete
dieses Geld gemäss eigenen Aussagen ausschliesslich für sich selber und um
seine Familie zu unterstützen (Prot. II S. 21).
3.2. Während der Beschuldigte 1 die gefesselten Privatkläger 1 und 2 be-
wachte, begab sich der Beschuldigte 2 jeweils zu den entsprechenden Bankoma-
ten, um die in der Anklageschrift aufgeführten Bargeldbezüge zu tätigen. Wie die
Vorinstanz zutreffend erwogen hat (Urk. 114 S. 73 und S. 79), liegt somit hinsicht-
lich der Dossier 1 und 2 Mittäterschaft der Beschuldigten 1 und 2 vor.
4. Die Tatbestandsmerkmale der (räuberischen) Erpressung (Art. 156 Ziff. 1
und Ziff. 3 StGB) und die bei der Abgrenzung zum Raub (Art. 140 Ziff. 1 StGB) zu
beachtenden Rechtsgrundlagen sind im angefochtenen Urteil zutreffend aufge-
führt; es kann darauf verwiesen werden (Urk. 114 S. 75 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist bei der Erpressung auf das Er-
fordernis einer unmittelbaren Vermögensdisposition durch das Opfer zu verzich-
ten (Urteil des Bundesgerichtes 6S.162/2000 vom 20. Dezember 2000). Es soll
lediglich verlangt werden, dass der Erpresste an der Vermögensverschiebung in
irgendeiner Form mitwirkt und der Täter auf diesen Beitrag aus der Sicht des Op-
fers angewiesen ist. Dabei kann die Mitwirkung, also die Gewährung eines Ver-
mögensvorteils, nicht nur in einem Handeln, sondern auch in einem Dulden oder
Unterlassen des Opfers bestehen, etwa wenn der Erpresste durch Nötigung dazu
veranlasst wird, die Wegnahme von Sachen durch den Täter geschehen zu las-
sen (WEISSENBERGER, in: NIGGLI/WIPRÄCHTIGER, Basler Kommentar Strafrecht II,
4. Aufl., Basel 2019, N 27 zu Art. 156 StGB).
4.1. Der Privatkläger 1 wurde durch die Beschuldigten widerstandsunfähig
gemacht, indem diese ihn nach Vorhalt eines Waffenimitates fesselten und so zur
- 37 -
Herausgabe der Bankkarten und des Codes zwangen (Dossier 2; vorstehend
Erw. III.2. ff.). Nur durch das Überlassen der Bankkarten und die Bekanntgabe
des erforderlichen PIN-Codes wurde es den Beschuldigten überhaupt möglich,
die in der Anklageschrift aufgeführten Bankbezüge zulasten des Privatklägers 1
vorzunehmen. Damit ist die für den Tatbestand der Erpressung notwendige Mit-
wirkung des Opfers gegeben. Dabei spielt auch keine Rolle, dass der Code für die
Bankkarten möglicherweise zusätzlich im Mobiltelefon des Privatklägers 1 ge-
speichert war, zumal der Privatkläger 1 den Beschuldigten den Code nur genannt
hatte, nachdem er unmittelbar mit einem Schusswaffenimitat bedroht worden war
und deshalb um sein Leben fürchtete. Der objektive Kausalzusammenhang zwi-
schen der Nötigung und dem vermögensschädigenden Verhalten ist damit gege-
ben. Durch den Einsatz eines Schusswaffenimitates fürchtete der Privatkläger 1
um sein Leben, sodass das Qualifikationsmerkmal der Androhung einer gegen-
wärtigen Gefahr für Leib und Leben im Sinne von Art. 156 Ziff. 3 StGB erfüllt ist.
Der Privatkläger 1 wurde durch die Herausgabe der Bankkarten und des Codes
im Umfang der durch die Beschuldigten getätigten Bargeldbezüge in seinem
Vermögen geschädigt, sodass auch die Kausalität zwischen Mitwirkung und
Schadenseintritt gegeben ist. Die Beschuldigten nahmen die Bankkarten des Pri-
vatklägers 1 mit sich und eigneten sich diese an, um eigens darüber verfügen zu
können, namentlich diese Karten nach Möglichkeit weiter einzusetzen. Der objek-
tive Tatbestand der Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 und Ziff. 3 StGB ist
somit erfüllt.
4.1.1. Der subjektive Tatbestand ist erfüllt, wenn der Täter im Bewusstsein
und mit dem Willen handelt, einen anderen durch Gewalt oder Drohung zu einem
vermögensschädigenden Verhalten zu nötigen (Nötigungs- und Schädigungsvor-
satz), wodurch er oder ein anderer unrechtmässig bereichert wird. Dabei genügt
Eventualvorsatz (WEISSENBERGER; in: NIGGLI/WIPRÄCHTIGER, Basler Kommentar
Strafrecht II, a.a.O., N 31 zu Art. 156).
4.1.2. Der Beschuldigte 2 machte vor Vorinstanz geltend, der Privatkläger 1
habe ihm die Bankkarten freiwillig herausgegeben, und er habe mit diesem ver-
einbart, dass er die Karten zwei Tage offenlassen würde. Ihm habe dieses Geld
- 38 -
zugestanden, da er für den Privatkläger 1 gearbeitet und dieser die von ihm ge-
leisteten Arbeitsstunden nicht richtig vergütet habe (vorstehend, Erw. III.2.1.1.).
4.1.3. Aus den Unterlagen zum Arbeitsverhältnis zwischen dem Beschuldig-
ten 2 und der I._ AG geht hervor, dass dieser für die Monate August bis De-
zember 2010 einen Lohn erhalten hatte, wobei ihm am Ende des Arbeitsverhält-
nisses für geleistete Überstunden zusätzlich Fr. 2'460.50 ausbezahlt wurden
(Urk. D1/23/1). Das Arbeitsverhältnis wurde allerdings nach kurzer Zeit wieder
aufgelöst (Urk. D1/23/2). Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass noch offene
Forderungen aus diesem Arbeitsverhältnis bestehen respektive während dieses
kurzen Arbeitsverhältnisses noch weitere Überstunden aufgelaufen sein könnten,
welche noch nicht ausbezahlt worden wären, zumal das Arbeitsverhältnis seit En-
de 2010 und damit im Tatzeitpunt bereits seit rund sechs Jahren beendet war.
Zudem erscheint die vom Beschuldigten 2 geltend gemachte Summe für noch
nicht ausbezahlte Überstunden in der Höhe von Fr. 15'000.– bis Fr. 16'000.–
(Prot. II S. 22) selbst bei 2-3 Überstunden pro Tag angesichts der kurzen Arbeits-
dauer von höchstens 4-6 Monaten und unter Berücksichtigung, dass bei Umrech-
nung seines Monatslohnes von brutto Fr. 3'300.– (Urk. D1/23/1) ein tiefer Stun-
denlohn resultiert, als absolut unrealistisch. Selbst wenn der Beschuldigte 2 allen-
falls subjektiv davon ausgegangen ist, dass noch Forderungen offen und nicht alle
Überstunden abgegolten gewesen wären, wusste er, dass er dieses Geld nicht
auf diese Art und Weise beim Privatkläger 1 als Privatperson eintreiben durfte,
sondern allfällige arbeitsrechtliche Forderungen auf dem gerichtlichen Weg gegen
die I._ AG hätte geltend machen müssen. Der Beschuldigte 2 wusste somit
resp. musste wissen, dass ihm die vom Konto des Privatklägers 1 abgehobenen
Beträge nicht zustanden. Er handelte einzig in der Absicht, sich am Vermögen
des Privatklägers 1 unrechtmässig zu bereichern.
4.1.4. Der Beschuldigte 2 hat damit den Tatbestand der Erpressung im Sin-
ne von Art. 156 Ziff. 1 und Ziff. 3 StGB hinsichtlich Dossier 2 erfüllt.
4.2. Auch der Privatkläger 2 wurde durch die Beschuldigten widerstandsun-
fähig gemacht, indem diese ihn nach Vorhalt eines Elektroschockgerätes sowie
unter Androhung, ihn mit einer Spritze zu sedieren und in einem Wald auszuset-
- 39 -
zen, fesselten und so zur Herausgabe der Bankkarten und des Codes zwangen
(Dossier 1, vorstehend, Erw. III.3. ff.). Nur durch das Überlassen der Bankkarten
und die Bekanntgabe des erforderlichen PIN-Codes wurde es den Beschuldigten
überhaupt möglich, die in der Anklageschrift aufgeführten Bankbezüge zulasten
des Privatklägers 2 vorzunehmen. Damit ist die für den Tatbestand der Erpres-
sung notwendige Mitwirkung des Opfers gegeben. Der Privatkläger 2 nannte den
Beschuldigten den Code für seine Bankkarten nur, da er unmittelbar mit einem
Elektroschockgerät bedroht wurde und ihm der Beschuldigte 2 zudem mit der mit-
geführten Spritze drohte, sodass er um sein Leben fürchtete. Der objektive Kau-
salzusammenhang zwischen der Nötigung und dem vermögensschädigenden
Verhalten ist damit gegeben. Durch die Drohung mit der Spritze und das Betäti-
gen des Elektroschockgerätes, sodass der Privatkläger 2 sprühende Funken se-
hen konnte, fürchtete dieser um sein Leben. Entsprechend ist das Qualifikations-
merkmal der Androhung einer gegenwärtigen Gefahr für Leib und Leben im Sinne
von Art. 156 Ziff. 3 StGB erfüllt. Der Privatkläger 2 wurde durch die Herausgabe
der Bankkarten und des Codes im Umfang der durch die Beschuldigten getätigten
Bargeldbezüge in seinem Vermögen geschädigt, sodass auch die Kausalität zwi-
schen Mitwirkung und Schadenseintritt gegeben ist. Die Beschuldigten gaben
dem Privatkläger 2 zwar dessen N._-Bankkarte zurück, seine übrigen Bank-
karten nahmen sie aber mit und eigneten sich diese an, um eigens darüber verfü-
gen zu können. Der objektive Tatbestand der Erpressung im Sinne von Art. 156
Ziff. 1 und Ziff. 3 StGB ist somit erfüllt. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz
(Urk. 114 S. 80) blieb es hinsichtlich der Geldforderung von Fr. 30'000.– aller-
dings lediglich beim Versuch, da die geplante Geldübergabe in O._ nicht
stattfand.
4.2.1. Der Beschuldigte 2 machte vor Vorinstanz geltend, der Privatkläger 2
habe die Bankkarten freiwillig herausgegeben und sei mit dem Geldbezug einver-
standen gewesen, zumal dieser selber vorgeschlagen habe, dass die Beschuldig-
ten mit seiner Kreditkarte das Hotel in L._ bezahlen sollten. Auch die Über-
gabe von Fr. 30'000.– habe der Privatkläger 2 freiwillig angeboten, da dieser ihm
dieses Geld schon lange versprochen habe (vorstehend, Erw. III.3.1.1.). Es erge-
ben sich keine Anhaltspunkte dafür, dass der Privatkläger 2 dem Beschuldigten 2
- 40 -
allgemein Geld und insbesondere eine Summe in der Höhe von Fr. 30'000.– ver-
sprochen hätte. Es liegt weder ein schriftliches Schenkungsversprechen noch ei-
ne diesbezügliche Absichtserklärung des Privatklägers 2 vor. Dieser verneinte
zudem, dass er dem Beschuldigten 2 Geld schulde. Auch habe er ihm nie Geld
versprochen und schon gar keine Zahlung in der Höhe von Fr. 30'000.– in Aus-
sicht gestellt (Urk. D1/7/2 S. 12 f., Antw. auf Fragen 76-85). Dass der Beschuldig-
te 2 als Übergabeort für die Fr. 30'000.– L._ vorgeschlagen und dann ge-
mäss eigenen Aussagen Angst gehabt habe, der Privatkläger 2 könnte die Polizei
verständigen (Prot. II S. 26 f.), sind ebenfalls starke Indizien dafür, dass er wuss-
te, dass er keinen Anspruch auf dieses Geld hat. Zudem wollte der Beschuldigte 2
nicht nur diese Fr. 30'000.– übergeben erhalten, sondern tätigte weitere Bezüge
mit den Bankkarten des Privatklägers 2, was ebenfalls zeigt, dass es dem Be-
schuldigten 2 einzig darum gegangen ist, möglichst viel Geld zu erlangen. Die
Aussage des Beschuldigten 2, wonach der Privatkläger 2 ihm dieses Geld schon
längere Zeit für eine Geschäftsübernahme in Q._ [Staat] in Aussicht gestellt
habe, erscheint offenkundig als Schutzbehauptung. Der Beschuldigte 2 wusste
somit, dass ihm dieses Geld nicht zustand, weshalb er den Privatkläger 2 durch
die Drohung, ihn mit einer Spritze zu sedieren, und das Betätigen des Elektro-
schockgerätes, sodass Funken sprühten, zur Herausgabe der Bankkarten und
des dazugehörigen Codes zwingen wollte, was ihm auch gelungen ist. Der Be-
schuldigte 2 handelte somit einzig in der Absicht, sich am Vermögen des Privat-
klägers 2 unrechtmässig zu bereichern.
4.2.2. Der Beschuldigte 2 hat damit den Tatbestand der Erpressung im Sin-
ne von Art. 156 Ziff. 1 und Ziff. 3 StGB auch hinsichtlich Dossier 1 erfüllt.
4.3. Der Beschuldigte 2 hat sich somit der mehrfachen Erpressung im Sinne
von Art. 156 Ziff. 1 und Ziff. 3 StGB schuldig gemacht.
5. Als Waffe gilt jeder Gegenstand, der nach seiner Bestimmung dem Angriff
oder der Verteidigung dient. Der Begriff der Waffe ist unabhängig von der Art der
Verwendung im konkreten Fall zu definieren. Gemäss Art. 4 Abs. 1 lit. e und g
WG gelten auch Elektroschockgeräte und Schusswaffenimitate als Waffen. Der
Beschuldigte 2 hat diese Waffen ohne entsprechende Bewilligung mitsichgeführt,
- 41 -
sodass er sich – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz (Urk. 114 S. 73 und S. 79
f.) – hinsichtlich Dossier 1 und 2 des mehrfachen Vergehens gegen das Waffen-
gesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. e
und g WG schuldig gemacht hat.
6. Einen Diebstahl im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB begeht, wer jemandem
eine fremde bewegliche Sache zur Aneignung wegnimmt, um sich oder einen an-
deren damit unrechtmässig zu bereichern. Nach einhelliger Lehre und Praxis
nimmt eine Sache weg, wer den an ihr bestehenden Gewahrsam eines anderen
bricht und neuen, in der Regel – nicht aber notwendigerweise – eigenen Gewahr-
sam begründet. Unter Gewahrsam wird dabei die tatsächliche Sachherrschaft
über eine Sache verstanden. Entscheidend ist dabei, in welchem Moment der Tä-
ter nach der Lebenserfahrung und dem normalen Lauf der Dinge die alleinige
Einwirkungsmöglichkeit auf die Sache erhält. Beim subjektiven Tatbestand wird
neben Vorsatz auch die Absicht, sich die Sache anzueignen und sich unrecht-
mässig zu bereichern, gefordert (NIGGLI/RIEDO, in: NIGGLI/WIPRÄCHTIGER, Basler
Kommentar Strafrecht II, a.a.O., N 14 ff. zu Art. 139 StGB).
6.1. Der Beschuldigte 2 versuchte mittels Flachwerkzeug die Eingangstüre
zum Gebäude des Geschäftsbetriebes, Mehrfamilienhaus, P._-gasse ..., ...
Zürich, aufzubrechen (vgl. vorstehend, Erw. III.5.1.), um ins Innere des Gebäudes
zu gelangen und dieses nach Wertgegenständen durchsuchen zu können. Seine
Beteuerung, er habe einfach nur ins Gebäude hineingewollt, aber weder etwas
holen noch Geld mitnehmen wollen, er habe einfach die Türe zerstören wollen, ist
unglaubhaft und erscheint offenkundig als Schutzbehauptung, nachdem sich aus
dem modus operandi bei den Dossier 1 und 2 ergibt (vorstehend, Erw. III.2.6.),
dass er stets im Bestreben handelte, Geld oder Wertgegenstände zu erlangen. Es
entbehrt jeglicher Plausibilität, dass er ausgerechnet diesmal die Mühen für eine
solche Tat auf sich nahm, ohne irgendwelchen geldwerten Deliktserlös anzustre-
ben, zumal er selber nicht zu plausibilisieren vermag, weshalb er „einfach so“ in
diese Räumlichkeiten habe eindringen und Schaden anrichten wollen. Entgegen
den Erwägungen der Vorinstanz (Urk. 114 S. 70) erscheint auch nicht plausibel,
dass der Beschuldigte 2 in den Büroräumlichkeiten bloss nach internen Dokumen-
- 42 -
ten der I._ AG habe suchen oder sich diesbezüglich Informationen beschaf-
fen wollen, worauf auch die Staatsanwaltschaft zutreffend hingewiesen hat
(Urk. 115 S. 2; Urk. 145 S. 3 f.). Der Beschuldigte 2 handelte damit wissentlich
und willentlich sowie mit Bereicherungsabsicht. Ihm gelang es allerdings nicht, ins
Innere des Gebäudes zu gelangen, sodass er den Tatort ohne Deliktsgut verlas-
sen musste und es zu keiner Aneignung und Gewahrsamsbegründung gekom-
men, sondern beim Versuch geblieben ist.
6.2. Der Beschuldigte 2 hat damit den Tatbestand des versuchten Dieb-
stahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB
hinsichtlich Dossier 3 erfüllt.
7. Somit ist der Beschuldigte 2 ferner der mehrfachen Erpressung im Sinne
von Art. 156 Ziff. 1 und Ziff. 3 StGB, des mehrfachen Vergehens gegen das Waf-
fengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1
lit. e und g WG (Dossier 1 und 2) sowie des versuchten Diebstahls im Sinne von
Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (Dossier 3) schuldig
zu sprechen.
V. Sanktion
1. Am 1. Januar 2018 sind die neuen Bestimmungen des Allgemeinen Teils
des Strafgesetzbuches (Änderung des Sanktionenrechts) in Kraft getreten
(AS 2016 1249). Der Beschuldigte 2 hat die zu beurteilenden Straftaten vor In-
krafttreten des revidierten Rechts verübt. Nach Art. 2 Abs. 1 StGB wird nach neu-
em Recht nur beurteilt, wer nach dessen Inkrafttreten ein Verbrechen oder Ver-
gehen begangen hat. Hat der Täter ein Verbrechen oder Vergehen vor Inkrafttre-
ten des neuen Rechts begangen, erfolgt die Beurteilung aber erst nachher, ist das
neue Recht anzuwenden, wenn es für den Täter milder ist (Art. 2 Abs. 2 StGB).
Wie sich nachfolgend ergibt, ist der Beschuldigte 2 mit einer mehrjährigen Frei-
heitsstrafe zu bestrafen. In diesem Bereich erweist sich das neue Recht nicht als
milder, weshalb das alte, bis zum 31. Dezember 2017 geltende Sanktionenrecht
anzuwenden ist.
- 43 -
2. Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten 2 mit 5 Jahren und 7 Monaten
Freiheitsstrafe (Urk. 114 S. 102). Der Beschuldigte 2 beantragt mit seiner Beru-
fung die Bestrafung mit einer Freiheitsstrafe von 31⁄2 Jahren, unter Anrechnung
der erstandenen Haft und des vorzeitigen Strafvollzuges (Urk. 146 S. 1). Die
Staatsanwaltschaft verlangte mit ihrer Berufung unter der Prämisse eines Schuld-
spruches auch wegen versuchten Diebstahls gemäss Dossier 3 eine Bestrafung
mit 6 Jahren und 10 Monaten Freiheitsstrafe (Urk. 115 S. 2; Urk. 145 S. 1).
3. Die allgemeinen Regeln und Kriterien der Strafzumessung wurden im vor-
instanzlichen Urteil unter Hinweis auf Rechtsprechung und Lehre zutreffend wie-
dergegeben und der massgebliche Strafrahmen gemäss Art. 156 Ziff. 1 und Ziff. 3
StGB in Verbindung mit aArt. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB korrekt mit Freiheitsstrafe
bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe nicht unter 180 Tagessätzen abgesteckt
(Urk. 114 S. 81 ff.), zumal es sich weder bei einem Schusswaffenimitat noch bei
einem Elektroschockgerät um eine Schusswaffe oder eine andere gefährliche
Waffe im Sinne der Qualifikation von Art. 140 Ziff. 2 StGB handelt (NIGGLI/RIEDO,
in: NIGGLI/WIPRÄCHTIGER, Basler Kommentar Strafrecht II, a.a.O., N 138 ff. zu
Art. 139 StGB). Dies braucht nicht wiederholt zu werden. Angesichts des konkre-
ten Tatvorgehens (nächtlicher Überfall durch maskierte Beschuldigte; Eindringen
durch Badezimmerfenster; Verwendung eines Schusswaffenimitates) ist die Vor-
instanz auch zurecht von der räuberischen Erpressung zum Nachteil des Privat-
klägers 1 (Dossier 2) als schwerstes Delikt ausgegangen, zumal es bei der dem
Privatkläger 2 abverlangten Übergabe von Fr. 30'000.– (Dossier 1) beim Versuch
blieb (Urk. 114 S. 83). Es ist daher zunächst die hypothetische Einsatzstrafe für
das schwerste Delikt (Dossier 2) zu bestimmen und diese hernach in Anwendung
des Asperationsprinzips (Art. 49 Abs. 1 StGB) für die weiteren Delikte angemes-
sen zu erhöhen.
3.1. Bei der Wahl der Sanktionsart sind die Zweckmässigkeit einer bestimm-
ten Sanktion, ihre Auswirkung auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre
präventive Effizienz zu berücksichtigen (BGE 134 IV 97 E. 4.2). Ist eine Gesamt-
strafe auszufällen, sind die Voraussetzungen für eine kurze unbedingte Freiheits-
strafe gemäss Art. 41 aStGB unbeachtlich, solange die Gesamtstrafe mindestens
- 44 -
sechs Monate beträgt (Urteil des Bundesgerichtes 6B_808/2017 vom 16. Oktober
2017 E. 2.1.3).
3.2. Der Beschuldigte 2 ist wegen der vorliegend zu beurteilenden Delikte zu
bestrafen, welche er trotz einer einschlägigen Vorstrafe aus dem Jahre 2010 in
Deutschland, mit einer Verurteilung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Mo-
naten, und weiteren einschlägigen Vorstrafen in der Schweiz, mit Verurteilungen
zu bedingten Geldstrafen, teilweise einhergehend mit dem Verbringen von weni-
gen Tagen in Untersuchungshaft, sowie bezüglich der jüngsten Vorstrafe aus dem
Jahre 2014, während laufender Probezeit, begangen hat (vgl. nachfolgend.
Erw. V.10.4. f.). Die kumulative Bemessung und Ausfällung einer separaten Geld-
strafe für weitere einzelne Delikte (Vergehen gegen das Waffengesetz, Hausfrie-
densbruch, Sachbeschädigung; vgl. BGE 138 IV 120 E. 5.2 und BGE 137 IV 57
E. 4.3.1), welche grösstenteils ohnehin in einem engen zeitlichen und sachlichen
Zusammenhang mit dem Hauptdelikt der räuberischen Erpressung stehen (zur
Ausnahme vom Grundsatz vgl. Urteil des Bundesgerichtes 6B_1011/2014 vom
16. März 2015 E. 4.4), fällt vor diesem Hintergrund insbesondere unter dem As-
pekt der präventiven Effizienz der Strafe und der Dauer und Intensität der zu be-
urteilenden Straftaten ausser Betracht (vgl. vorstehend, Erw. V.3.1.). Vielmehr ist
gestützt auf die erwähnte bundesgerichtliche Praxis ausnahmsweise für alle De-
likte gemeinsam eine Gesamtfreiheitsstrafe auszufällen, wie dies bereits die Vor-
instanz ohne nähere Begründung getan hat.
4. Somit ist zunächst die Tatkomponente der räuberischen Erpressung vom
22. August 2016 zum Nachteil des Privatklägers 1 (Dossier 2; Urk. 28 S. 3 ff.) zu
beurteilen.
4.1. Bei der objektiven Tatschwere der räuberischen Erpressung zum Nach-
teil des Privatklägers 1 ist zu gewichten, dass der Deliktsbetrag durch die Geldbe-
züge der beiden Beschuldigten mit rund Fr. 15'000.– überschaubar ist. Schwerer
als der Vermögensschaden des Privatklägers 1 wiegen die durch den nächtlichen
Überfall erlittenen psychischen Auswirkungen und Beeinträchtigungen sowie das
dadurch ausgelöste Gefühl der Unsicherheit in den eigenen vier Wänden, im ei-
genen Schlafzimmer. Verschuldenserhöhend fällt ins Gewicht, dass die Beschul-
- 45 -
digten zu zweit arbeitsteilig in Mittäterschaft vorgingen und damit dem Privatklä-
ger 1 auch zahlenmässig überlegen waren. Dass die Beschuldigten beim Überfall
ihr Gesicht verdeckten und den Privatkläger 1 durch insbesondere bedrohliche
Gesten mit einem Schusswaffenimitat zum Widerstand unfähig machten, ihn fes-
selten und damit auch seine Bewegungsfreiheit einschränkten, stellt kein im
Rahmen dieses Tatbestandes besonders zu gewichtendes Vorgehen dar, son-
dern ist diesem vielmehr immanent. Dennoch sind die Beschuldigten dreist und
durchaus skrupellos vorgegangen. Das unrechtmässige in Schach halten und
zum Widerstand unfähig machen des Privatklägers 1 in seinen eigenen Wohn-
räumlichkeiten dauerte ca. 1 3⁄4 Stunden. Zugutezuhalten ist ihnen demgegen-
über, dass sie keine übermässige Gewalt anwendeten und sich mindestens teil-
weise auch um das Wohlergehen des Privatklägers 1 sorgten. Mithin wäre auch
ein Tatvorgehen mit viel stärkerer Gewalteinwirkung und der damit einhergehen-
den Beeinträchtigung der körperlichen Integrität des Opfers sowie mit erheblich
höherem Vermögensschaden denkbar. Insgesamt ist der nächtliche Überfall in
den Privaträumlichkeiten aber als starken Eingriff in die persönliche Integrität des
Privatklägers 1 zu werten, was durch die Tatsachen, dass es sich nicht um einen
"klassischen" Schlafzimmerraub gehandelt hat und auch nicht auszuschliessen
ist, dass der Privatkläger 1 den Beschuldigten 2 erkannt hat, etwas relativiert wird.
Dennoch zeugt dieses Vorgehen von einer hohen kriminellen Energie des Be-
schuldigten 2 und seines Bruders, des Beschuldigten 1.
4.1.1. Hinsichtlich der Rollenverteilung zwischen beiden in Mittäterschaft
handelnden Beschuldigten ist beim Beschuldigten 2 verschuldenserhöhend zu
veranschlagen, dass er der Drahtzieher des Überfalls auf den Privatkläger 1 war.
Er war es, der diesen aus einer früheren beruflichen und privaten Bekanntschaft
kannte und gezielt als anscheinend geeignetes und solventes Opfer ausgewählt
hatte. So war es auch der Beschuldigte 2, der den Zeitpunkt der Tat und das kon-
krete Vorgehen bestimmte, während der Beschuldigte 1 als dessen eigentlicher
Handlanger agierte, indem er Anweisungen zu befolgen und Aufträge zu erfüllen,
mithin die eigentliche "Drecksarbeit" zu verrichten, hatte. So schickte der Be-
schuldigte 2 seinen Bruder zunächst auch alleine in die Wohnung des Privatklä-
- 46 -
gers 1 und folgte diesem erst, als er bemerkt hatte, dass der Privatkläger 1 sich
zur Wehr zu setzen versuchte.
4.1.2. Insgesamt ist die objektive Schwere dieser Tat des Beschuldigten 2
als keineswegs mehr leicht einzustufen.
4.2. Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass der
Beschuldigte 2 aus finanziellen Beweggründen gehandelt hat. Das Tatvorgehen
erfolgte fraglos direktvorsätzlich. Aus der letztlich unbestrittenen Begebenheit,
dass zwischen dem Beschuldigten 2 und dem Privatkläger 1 in der Vergangenheit
eine Verbindung im Sinne einer tieferen Bekanntschaft bestanden haben mag,
ergibt sich, dass der Privatkläger 1 kein Zufallsopfer war, sondern vom Beschul-
digten 2 aufgrund seiner früheren Kenntnisse gezielt ausgewählt wurde.
4.2.1. Die frühere Bekanntschaft mit seinem Opfer und der Umstand, dass
der Beschuldigte 2 bis ca. sechs Jahre vor der Tat für eine gewisse Zeit im Um-
feld des Privatklägers 1 erwerbstätig war, können nicht unberücksichtigt bleiben.
Den Vorderrichtern kann allerdings nicht gefolgt werden, wenn sie im Rahmen der
Täterkomponente erwogen, dass "davon ausgegangen werden müsse" (Urk. 114
S. 87, Ziff. 4.4.6.), dass der Beschuldigte 2 sich hinsichtlich seines Arbeitsverhält-
nisses mit der I._ AG im Jahre 2010 tatsächlich ausgenützt oder hintergan-
gen gefühlt habe und diese subjektiv empfundene Ungerechtigkeit durch seine
Tat wieder habe ausgleichen wollen. Möglicherweise habe auch das Gefühl per-
sönlicher und/oder sexueller Ausnutzung eine Rolle gespielt. Diese Umstände
sind nicht bei der Täterkomponente, sondern bei der Beurteilung der subjektiven
Tatschwere zu würdigen.
4.2.2. Nicht anders verhält es sich mit der Mutmassung, "es sei anzuneh-
men", der Beschuldigte 2 sei tatsächlich der Meinung gewesen, noch arbeitsrecht-
liche Ansprüche gegenüber der I._ AG infolge geleisteter Überstunden ge-
habt zu haben (Urk. 114 S. 87 f.). Die belegte Tatsache, dass ihm am Ende des
Arbeitsverhältnisses anscheinend Fr. 2'460.50 als Überstunden abgegolten wur-
den (Urk. D1/23/1+2) legt vielmehr den gegenteiligen Schluss und die Beweis-
würdigung nahe, dass es sich bei der Beteuerung des Beschuldigten 2, aufgrund
- 47 -
einer offenen arbeitsrechtlichen Forderung Anspruch auf das erpresste Geld ge-
habt zu haben, um eine leicht durchschaubare Schutzbehauptung handelt. Kon-
krete Anhaltspunkte, dass der Beschuldigte 2 ausgenützt worden wäre, gibt es
keine. Allerdings ist nicht auszuschliessen, dass er dies subjektiv so empfunden
haben könnte, was ebenfalls entsprechend zu berücksichtigen ist. Eine Verminde-
rung der Schuldfähigkeit im Sinne von Art. 19 Abs. 2 StGB oder andere Schuld-
milderungsgründe, wie achtenswerte Beweggründe oder schwere Bedrängnis
(Art. 48 StGB) kommen als Rechtsgrundlage jedoch nicht in Frage.
4.2.3. Aufgrund des Umstandes, dass sich der Privatkläger 1 und der Be-
schuldigte 2 näher gekannt haben und sich der Beschuldigte 2 subjektiv ausge-
nützt gefühlt haben könnte, relativiert die subjektive Schwere dieser Tat deren ob-
jektive Schwere in leichtem Umfang.
4.3. Somit ist das Verschulden des Beschuldigten 2 für die räuberische Er-
pressung vom 22. August 2016 zum Nachteil des Privatklägers 1 (Dossier 2) als
keineswegs mehr leicht bis mittel einzustufen und rechtfertigt eine hypothetische
Einsatzstrafe im Bereich von 3 Jahren Freiheitsstrafe, wobei der Tatsache, dass
es sich um keinen "klassischen" Schlafzimmerraub gehandelt hat, für welchen ei-
ne deutlich höhere Strafe auszufällen gewesen wäre, sondern sich der Privatklä-
ger 1 und der Beschuldigte 2 näher gekannt haben, entsprechend Rechnung ge-
tragen wird.
5. Der dabei ebenfalls begangene Hausfriedensbruch und das durch die
Verwendung eines Waffenimitates verübte Vergehen gegen das Waffengesetz
sind in zeitlicher und sachlicher Hinsicht derart untrennbar mit der räuberischen
Erpressung vom 22. August 2016 zum Nachteil des Privatklägers 1 verbunden,
dass deren Tatkomponente im Rahmen der Asperation (Art. 49 Abs. 1 StGB) nun
ebenfalls noch zu würdigen ist. Beide Tatbestände verfügen über einen jeweiligen
abstrakten Strafrahmen von Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe
(Art. 186 StGB; Art. 33 Abs. 1 WG).
5.1. Bei der objektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass der Beschul-
digte 2 zusammen mit seinem Bruder unberechtigt über ein Fenster in die priva-
- 48 -
ten Wohnräumlichkeiten des Privatklägers 1 eindrang und sich dort während der
Ausübung der räuberischen Erpressung gegen dessen Willen schamlos frei be-
wegte und damit dessen Hausrecht in krasser Weise verletzte. Die damit einher-
gehende Beeinträchtigung des individuellen Sicherheitsgefühls der Bewohner in
den eigenen vier Wänden, insbesondere im eigenen Schlafzimmer, wurde bereits
bei der Tatkomponente der räuberischen Erpressung gewichtet (Erw. V.4.1.),
weshalb dies nicht nochmals zu berücksichtigen ist. Bei der subjektiven Tat-
schwere ist zu beachten, dass die Verletzung des Hausrechts direktvorsätzlich im
Rahmen der räuberischen Erpressung erfolgte. Beim Motiv sind die bei der räube-
rischen Erpressung bereits gewichteten finanziellen Beweggründe anzuführen.
Das Tatvorgehen zeugt von einer Geringschätzung von fremden Eigentums- und
Hausrechten. Isoliert betrachtet, wäre das Tatverschulden beim Hausfriedens-
bruch als nicht mehr leicht einzustufen und eine hypothetische Einsatzstrafe in
der Grössenordnung von 6 Monaten Freiheitsstrafe festzusetzen.
5.2. Was die objektive Tatschwere des Vergehens gegen das Waffengesetz
anbelangt, ist verschuldensmindernd zu gewichten, dass es sich nicht um eine
echte, schiessfähige Handfeuerwaffe handelte, sondern ein insofern ungefährli-
ches aber täuschend ähnlich aussehendes Waffenimitat, was der Privatkläger 1
aber nicht wissen konnte. Dennoch wurde dieser durch die beiden Beschuldigten
willentlich damit bedroht und in Angst versetzt. Der Einsatz dieses Waffenimitates
erfolgte lediglich während der Dauer der räuberischen Erpressung und diente der
Verübung derselben, um an das Geld resp. die Bankkarten des Privatklägers 1 zu
gelangen. Insgesamt erweist sich das Verschulden bei diesem Delikt als ver-
gleichsweise leicht und würde isoliert betrachtet maximal eine Strafe von 30 Ta-
gessätzen Geldstrafe oder einen Monat Freiheitsstrafe rechtfertigen.
5.3. Da beide Delikte im Zuge der räuberischen Erpressung und damit ge-
wissermassen als deren Begleitdelikte und Bestandteile erfolgten, aber dennoch
teilweise andere Rechtsgüter verletzen, ist ihnen im Rahmen der Asperation zu-
rückhaltend mit einer lediglich geringen Erhöhung der hypothetischen Einsatzstra-
fe Rechnung zu tragen.
- 49 -
6. Im Rahmen der weiteren Asperation ist die Gewichtung der Tatkompo-
nente der räuberischen Erpressung vom 31. Oktober 2016 und deren Begleitdelik-
te zum Nachteil des Privatklägers 2 (Dossier 1; Urk. 28 S. 6 ff.) vorzunehmen.
6.1. Bei der objektiven Tatschwere der räuberischen Erpressung zum Nach-
teil des Privatklägers 2 ist zu gewichten, dass der Deliktsbetrag durch die Geldbe-
züge zwei Mal EURO 900.– beträgt. Hinzukommt die für den Folgetag angestreb-
te Übergabe von Fr. 30'000.–, zu der es infolge polizeilicher Überwachung und
Verhaftung des Beschuldigten 1 aber nicht mehr gekommen war. Schwerer als
der Vermögensschaden des Privatklägers 2 wiegen auch bei diesem die durch
den nächtlichen Überfall erlittenen psychischen Auswirkungen und Beeinträchti-
gungen sowie das dadurch ausgelöste Gefühl der Unsicherheit in den eigenen
vier Wänden. Auch bei dieser Tat fällt verschuldenserhöhend ins Gewicht, dass
die Beschuldigten zu zweit arbeitsteilig in Mittäterschaft vorgingen, dem Privatklä-
ger 2 somit zahlenmässig überlegen waren. Dass die Beschuldigten ihr Gesicht
verdeckten und ihr Opfer beim Betreten seiner Wohnung überfielen und in diese
drängten, ihn durch bedrohliche Gesten mit einem Elektroschockgerät und der
Drohung ihn mit einer Spritze zu sedieren und anschliessend in einem Wald lie-
genzulassen, zum Widerstand unfähig machten, ihn fesselten und damit auch
seine Bewegungsfreiheit einschränkten, stellt wiederum kein im Rahmen dieses
Tatbestandes besonders zu gewichtendes Tatvorgehen dar, sondern ist diesem
immanent. Dennoch sind die Beschuldigten dreist und durchaus skrupellos vor-
gegangen. Das unrechtmässige in Schach halten und zum Widerstand unfähig
machen des Privatklägers 2 in seinen eigenen Wohnräumlichkeiten dauerte min-
destens ca. eine Stunde. Zugutezuhalten ist ihnen demgegenüber, dass sie auch
diesem Opfer gegenüber keine übermässige Gewalt anwendeten und sich min-
destens teilweise auch um dessen Wohlergehen kümmerten. Mithin wäre wiede-
rum ein Tatvorgehen mit viel stärkerer Gewalteinwirkung und der damit einherge-
henden Beeinträchtigung der körperlichen Integrität des Opfers sowie mit erheb-
lich höherem Vermögensschaden denkbar. Insgesamt ist der nächtliche Überfall
in den Privaträumlichkeiten aber als starken Eingriff in die persönliche Integrität
des Privatklägers 2 zu werten, was durch die Tatsachen, dass es sich nicht um
einen "klassischen" Schlafzimmerraub gehandelt und der Privatkläger 2 den Be-
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schuldigten 2 bereits gekannt hat, etwas relativiert wird. Dennoch zeugt der nächt-
liche Überfall von einer hohen kriminellen Energie des Beschuldigten 2 und sei-
nes Bruders.
6.1.1. Was die Rollenverteilung zwischen den beiden beschuldigten Mittä-
tern anbelangt, ist auf das bereits bei der räuberischen Erpressung zum Nachteil
des Privatklägers 1 Erwogene zu verweisen (Erw. V.4.1.1.). Es ist verschuldens-
erhöhend zu veranschlagen, dass der Beschuldigte 2 der Drahtzieher war und
sein Bruder sein Handlanger. Der Beschuldigte 2 ging das Geld vom Bankomaten
abheben, während sein Bruder den Privatkläger 2 in Schach zu halten hatte.
6.1.2. Wäre auch die versuchte Erpressung der Fr. 30'000.– geglückt, wäre
die objektive Schwere der Tat als mittel einzustufen gewesen.
6.2. Bei der subjektiven Schwere dieser Tat liegen wiederum finanzielle Be-
wegründe vor, und das Tatvorgehen erfolgte direktvorsätzlich. Aus der Begeben-
heit, dass zwischen dem Beschuldigten 2 und dem Privatkläger 2 in der Vergan-
genheit eine tiefere Bekanntschaft oder Beziehung bestand, ergibt sich, dass
auch der Privatkläger 2 kein Zufallsopfer war, sondern vom Beschuldigten 2 wie-
derum aufgrund seiner früheren Kenntnisse gezielt ausgewählt wurde. Der Um-
stand, dass sich der Beschuldigte 2 und sein Opfer kannten, ist wiederum ent-
sprechend zu berücksichtigen und fällt leicht verschuldensmindernd ins Gewicht
(vgl. vorstehend, Erw. V.4.2.1.).
6.2.1. Eine Verminderung der Schuldfähigkeit im Sinne von Art. 19 Abs. 2
StGB oder andere Schuldmilderungsgründe, wie achtenswerte Beweggründe,
oder ein Handeln in schwerer Bedrängnis (Art. 48 StGB), kommen nicht in Be-
tracht.
6.2.2. Selbst wenn der Beschuldigte 2 aufgrund von angeblichen Verspre-
chen des Privatklägers 2 der Meinung gewesen sein sollte, gestützt darauf An-
recht auf das erbeutete Geld zu haben, hätte ihn dies keinesfalls zu verbotener
Eigenmacht und zur Verübung einer räuberischen Erpressung berechtigt. Es wäre
ihm vielmehr zuzumuten gewesen, geltend gemachte Ansprüche auf legalem
Wege durch Beschreiten des Rechtsweges einzufordern.
- 51 -
6.2.3. Der Umstand, dass sich der Privatkläger 2 und der Beschuldigte 2 nä-
her gekannt haben, ist wiederum zu berücksichtigen, sodass die subjektive
Schwere dieser Tat deren objektive Schwere leicht zu relativieren vermag.
6.3. Als verschuldensunabhängige Tatkomponente ist schliesslich zu be-
rücksichtigen, dass bezüglich der erpressten Fr. 30'000.– lediglich ein Versuch im
Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB vorliegt. Da es aber insbesondere die behördliche
Intervention mit der Verhaftung des Beschuldigten 1 und nicht das Zutun der bei-
den Beschuldigten war, welche eine Geldübergabe unterband, führt dieser Straf-
milderungsgrund maximal zu einer leichten Strafminderung.
7. Bei den auch bei der räuberischen Erpressung zum Nachteil des Privat-
klägers 2 (Dossier 1) begangenen Begleitdelikten des Hausfriedensbruches und
des durch die Verwendung eines Elektroschockgerätes erfüllten Vergehens ge-
gen das Waffengesetz ist im Rahmen der Asperation (Art. 49 Abs. 1 StGB) wiede-
rum die Tatkomponente zu würdigen (vgl. vorstehend, Erw. V.5.).
7.1. Der Umstand, dass das Eindringen in die Wohnräumlichkeiten beim Pri-
vatkläger 2 nicht heimlich durch ein Fenster, sondern anlässlich seiner Heimkehr
erfolgte, indem er von den Beschuldigten in seine Wohnung gedrängt wurde und
diese ihm folgten, ergibt sich keine unterschiedliche Gewichtung der objektiven
Tatschwere im Vergleich zur selben Tat zum Nachteil des Privatklägers 1. Auch
bei der Bewertung der subjektiven Tatschwere ergeben sich keine Unterschiede
(vgl. Erw. V.5.1.), sodass bei isolierter Betrachtung das Tatverschulden beim
Hausfriedensbruch ebenfalls als nicht mehr leicht einzustufen wäre, was im Rah-
men der Asperation zurückhaltend zu einer lediglich geringen Erhöhung der hypo-
thetischen Einsatzstrafe führen würde.
7.2. Zum Nachteil des Privatklägers 2 verwendeten die beiden Beschuldig-
ten keine Faustfeuerwaffe oder ein entsprechendes Imitat, sondern ein Elektro-
schockgerät, um diesen willentlich damit zu bedrohen, in Angst zu versetzen und
dadurch zum Widerstand unfähig zu machen. Der Einsatz des Elektroschockgerä-
tes erfolgte lediglich während der Dauer der räuberischen Erpressung, um an das
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Geld resp. die Bankkarten des Privatklägers 2 zu gelangen. Insgesamt erweist
sich das Verschulden auch bei diesem Delikt als vergleichsweise leicht.
7.3. Da beide Delikte im Zuge der räuberischen Erpressung zum Nachteil
des Privatklägers 2 und als Begleitdelikte begangen wurden, aber dennoch teil-
weise andere Rechtsgüter verletzen, ist ihnen im Rahmen der Asperation wiede-
rum lediglich zurückhaltend Rechnung zu tragen.
8. Insgesamt lässt die räuberische Erpressung vom 31. Oktober 2016, be-
gleitet vom Hausfriedensbruch zum Nachteil des Privatklägers 2 und des damit
einhergehenden Vergehens gegen das Waffengesetz (Elektroschockgerät; Dos-
sier 1; Urk. 28 S. 6 ff.), im Rahmen der Asperation eine Erhöhung der hypotheti-
schen Einsatzstrafe auf etwas über 4 Jahre Freiheitsstrafe als angemessen er-
scheinen.
9. Schliesslich ist noch die Würdigung und Gewichtung der Tatkomponente
bezüglich des versuchten Einbruchdiebstahls in der Nacht vom 14. Oktober 2016
zum Nachteil des Privatklägers 3 (Dossier 3; Urk. 28 S. 9 f.) vorzunehmen.
9.1. Bei der objektiven Tatschwere des Diebstahls ist zu gewichten, dass
sich der Beschuldigte 2 zu dieser Geschäftsliegenschaft begab, um in diese ein-
zudringen und dort erhofftes Geld oder Wertgegenstände zu erbeuten. Tatsäch-
lich erlangte er dort aber keine Beute, da es ihm nicht gelungen war, sich Zugang
zu diesen Räumlichkeiten zu verschaffen. Ein aus einem Diebstahl stammender
Vermögensschaden wurde daher nicht verursacht. Die objektive Schwere dieser
Tat erweist sich noch als leicht. Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere ist zu be-
rücksichtigen, dass der Beschuldigte 2 direktvorsätzlich handelte. Zwar wusste er
nicht genau, welche Wertgegenstände im Einbruchsobjekt anzutreffen gewesen
wären, doch wollte er selbstredend möglichst gute Beute machen. Seine Beweg-
gründe waren damit fraglos geldwerter Natur. Das Verschulden erweist sich aber
insgesamt als noch leicht. Als verschuldensunabhängige Tatkomponente ist der
Umstand leicht strafmindernd zu berücksichtigen, dass er von seinem Vorhaben
abliess, als es ihm nicht gelang, sich gewaltsam unberechtigten Zugang zu den
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Geschäftsräumlichkeiten zu verschaffen, weshalb ein blosser Versuch im Sinne
von Art. 22 Abs. 1 StGB vorlag.
9.2. Nachdem es dem Beschuldigten 2 nicht gelungen war, die Eingangstüre
zu den dortigen Geschäftsräumlichkeiten gewaltsam aufzubrechen, konnte er das
Objekt auch nicht betreten, weshalb keine Verletzung des Hausrechts erfolgte.
Diese Tat richtete sich auch nicht gegen private Wohnräume, sondern gegen eine
Geschäftsliegenschaft. Bei der subjektiven Tatschwere lag direkter Vorsatz vor.
Das Tatvorgehen zeugt von einer Geringschätzung von fremden Eigentums- und
Hausrechten. Insgesamt erweist sich das Verschulden als vergleichsweise leicht.
Der verschuldensunabhängigen Tatkomponente des Versuchs (Art. 22 Abs. 1
StGB) ist leicht strafmindernd Rechnung zu tragen, da der Beschuldigte 2 aus ei-
genem Antrieb von seinem Vorhaben abliess, als es ihm nicht gelungen war, die
Eingangstüre aufzubrechen.
9.3. Bei der objektiven Tatschwere der Sachbeschädigung ist zu berücksich-
tigen, dass der Beschuldigte 2 bei seinem Einbruchsversuch an der Eingangstüre
zu diesen Geschäftsräumlichkeiten (Türrahmen und Schloss) einen Sachschaden
in der Höhe von Fr. 2'000.– verursachte. Bei der subjektiven Schwere der Tat ist
das direktvorsätzliche Vorgehen zu berücksichtigen. Die Beweggründe standen
im Zusammenhang mit der Diebstahlsabsicht, waren rein geldwerter Natur und
geprägt vom Ansinnen, ins Innere des Objektes zu gelangen. Auch dabei offen-
barte der Beschuldigte 2 eine Geringschätzung fremden Eigentums. Angesichts
der Höhe des Sachschadens erweist sich das Verschulden aber als leicht.
9.4. Im Rahmen der Asperation führt diese Tat zu einer bloss leichten kaum
spürbaren Straferhöhung.
10. Bei der Würdigung der Täterkomponente kann die verschuldensange-
messene Strafe aufgrund von Umständen, die mit der Tat grundsätzlich nichts zu
tun haben, erhöht oder herabgesetzt werden. Massgebend hierfür sind im We-
sentlichen täterbezogene Komponenten, wie die persönlichen Verhältnisse, Vor-
strafen, Leumund, Strafempfindlichkeit und Nachtatverhalten, wie Geständnis,
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Einsicht, Reue etc. (HEIMGARTNER, in: DONATSCH/HEIMGARTNER/ISENRING/WEDER,
StGB Kommentar, 20. Auflage, Zürich 2018, N 14 ff. zu Art. 47 StGB).
10.1. Zum Werdegang und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldig-
ten 2 ist bekannt, dass er am tt. Mai 1983 in Q._ geboren wurde und dort
auch aufwuchs. Er sei dort zur Schule gegangen und habe eine Lehre zum Auto-
mechaniker sowie eine Ausbildung zum Skilehrer absolviert und als Langlaufski-
trainer gearbeitet. Er habe auch die Hochschule besucht. Vor seiner Verhaftung
sei er als selbständiger Taxifahrer tätig gewesen, was ziemlich gut gelaufen sei.
Als Taxifahrer und Langlaufskitrainer habe er zusammen ca. EURO 600.– bis
700.– verdient. Ab und zu habe ihn auch der Privatkläger 2 unterstützt. Er sei ver-
heiratet und habe einen Sohn. Zusammen mit seiner Frau, dem Kind und der
Schwiegermutter bewohne er eine Wohnung in R._ [Ort], Q._. Als seine
Familie vor mehr als zehn Jahren nach S._ [Staat] gezogen sei, habe er
nicht mitgehen wollen, da seine Grossmutter, bei der er sich die meiste Zeit auf-
gehalten habe, schwer krank geworden sei und er bei ihr habe bleiben wollen.
Inskünftig wolle er entweder bei seiner Schwiegermutter in T._ [Staat] leben
oder in seiner Heimat als Taxifahrer arbeiten. Er habe keine Schulden. Nach sei-
ner Heirat hätten sie die Wohnung seiner Schwiegermutter erhalten. Dies sei aber
nicht sein Vermögen, sondern gehöre seiner Ehefrau. In seiner Freizeit spiele er
Schach und schreibe Kindergeschichten. Seit er im Gefängnis sei, habe er bereits
drei Kindergeschichten für sein Kind geschrieben (Urk. 4/10 S. 26; Prot. I
S. 15 ff.).
10.2. Ergänzend fügte der Beschuldigte 2 anlässlich der Berufungsverhand-
lung an, dass er neben seinem Bruder auch noch eine Schwester habe, welche in
S._ lebe. Mit seinen Eltern und seiner Schwester habe er weiterhin telefo-
nisch Kontakt. Er sei im Jahr 2004 das erste Mal in die Schweiz gekommen, dann
wieder im Jahr 2010 als er bei der I._ gearbeitet habe, und zwischendurch
habe er einen Kollegen hier besucht. Aus seiner Zeit bei der I._ kenne er
auch den Privatkläger 2. Mit diesem habe er auch eine private Beziehung gehabt.
Den Privatkläger 1 habe er schon früher gekannt. Durch diesen habe er seine Ar-
beitsstelle bei der I._ erhalten. Bevor er dort mit seiner Arbeit begonnen ha-
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be, habe er mit dem Privatkläger 1 ebenfalls eine Beziehung gehabt. Er habe
teilweise auch in Deutschland gearbeitet. Im Jahr 2009 habe er bei der U._
gearbeitet (Prot. II S. 10 ff.).
10.3. Der Werdegang und die persönlichen Verhältnisse des Beschuldig-
ten 2 weisen keine strafzumessungsrelevanten Besonderheiten auf, weshalb sie
neutral zu würdigen sind.
10.4. Der Beschuldigte 2 ist im aktuellen Schweizerischen Strafregister mit
vier Vorstrafen und in jenem von Deutschland ebenfalls mit einer solchen ver-
zeichnet. Angesichts seiner Aussage vor Vorinstanz, wonach er aber "nicht straf-
rechtlich vorbestraft" sei, in Deutschland wegen einer Busse, und in der Schweiz
sei er "einfach von der Strasse mitgenommen" worden wegen eines Diebstahls-
versuches (Prot. I S. 16), scheint er seine Vorstrafen nicht ernstzunehmen.
10.4.1. Der Beschuldigte 2 wurde mit Urteil des Amtsgerichtes München
vom 18. Februar 2010 wegen mehrfachen Diebstahls und mehrfachen Computer-
betruges zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt (Urk. 25/3).
Weitere Verurteilungen gegen ihn erfolgten am 23. Juli 2012 wegen Vergehens
gegen das Waffengesetz durch das Ministère public de l'arrondissement de La
Côte, Morges, wofür eine bedingte Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu Fr. 50.–
ausgesprochen wurde. Ferner wurde er mit Strafbefehlen der Staatsanwaltschaft
Zürich-Sihl vom 3. November 2012 resp. 2. Juni 2013 wegen Diebstahls jeweils
mit einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 30.– bestraft, wobei die
Probezeit bei ersterem 3 Jahre und bei letzterem bloss 2 Jahre betrug. Mit Straf-
befehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 8. März 2014 wurde er
schliesslich wegen mehrfachen, teilweise versuchten, betrügerischen Miss-
brauchs einer Datenverarbeitungsanlage mit einer wiederum bedingten Geldstrafe
von 60 Tagessätzen zu Fr. 30.– bestraft, wobei diese Geldstrafen teilweise als
Zusatzstrafen erfolgten, und die Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt wurde
(Urk. 120). Erschwerend kommt hinzu, dass der Beschuldigte 2 während dieser
laufenden Probezeit weiter delinquiert hat und die vorliegend beurteilten Strafta-
ten beging (Urk. 120 S. 2).
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10.4.2. Diese diversen, meist einschlägigen Vorstrafen sowie das in ganz
erheblichen Ausmass weitere Delinquieren während laufender Probezeit ist emp-
findlich straferhöhend zu berücksichtigen.
10.5. Beim Nachtatverhalten ist dem Verhalten des Täters nach der Tat und
im Strafverfahren Rechnung zu tragen. Ein Geständnis, das kooperative Verhal-
ten eines Täters bei der Aufklärung von Straftaten sowie die Einsicht und Reue
wirken strafmindernd. Umfangreiche und prozessentscheidende Geständnisse
können eine Strafreduktion von bis zu einem Drittel bewirken (BGE 121 IV 202
E. 2d/cc). Der Grad der Strafminderung hängt aber insbesondere davon ab, in
welchem Stadium des Verfahrens das Geständnis erfolgte. Ein Geständnis kann
bei der Analyse des Nachtatverhaltens im Rahmen der Strafzumessung somit zu-
gunsten des Täters berücksichtigt werden, wenn es Ausdruck von Einsicht und
Reue ist.
10.5.1. Ein Verzicht auf Strafminderung kann sich demgegenüber aufdrän-
gen, wenn das Geständnis die Strafverfolgung nicht erleichtert hat, namentlich
weil der Täter nur aufgrund einer erdrückenden Beweislage oder erst nach Ausfäl-
lung des erstinstanzlichen Urteils gestand (Urteil des Bundesgerichtes
6B_426/2010 vom 22. Juli 2010 E. 1.5 mit Hinweisen).
10.5.2. Die bundesgerichtliche Praxis zeigt, dass nur ein ausgesprochen po-
sitives Nachtatverhalten zu einer maximalen Strafreduktion von einem Drittel füh-
ren kann. Zu einem solchen gehört ein umfassendes Geständnis von allem An-
fang an und aus eigenem Antrieb, also nicht erst auf konkrete Vorwürfe hin oder
nach Vorlage entsprechender Beweise oder gar erst nach Ergehen eines erstin-
stanzlichen Schuldspruches. Ferner gehört kooperatives Verhalten in der Unter-
suchung dazu, wenn beispielsweise aufgrund des Verhaltens eines Beschuldigten
weitere Delikte aufgeklärt oder Mittäter zur Rechenschaft gezogen werden kön-
nen, was ohne sein kooperatives Mitwirken nicht möglich gewesen wäre. Schlies-
slich gehört Einsicht ins Unrecht der Tat und Reue dazu. Nur wenn all diese Fak-
toren erfüllt sind, kann eine Strafreduktion von einem Drittel erfolgen. Fehlen ein-
zelne Elemente, ist die Strafe entsprechend weniger stark zu mindern (WIPRÄCH-
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TIGER/KELLER, in: Basler Kommentar Strafrecht I, 4. Auflage 2019, N 169 ff. zu
Art. 47 StGB).
10.5.3. Die Vorderrichter haben dem Beschuldigten 2 beim Nachtatverhalten
zurecht eine Strafreduktion mit der Begründung verweigert, seine Teilgeständnis-
se seien weitgehend der Beweislage geschuldet oder rein verfahrenstaktischer
Natur gewesen. Diese seien äusserst schleppend und jeweils erst erfolgt, als ein
Leugnen angesichts der erdrückenden Beweislage nicht mehr möglich gewesen
sei. Ausserdem habe der Beschuldigte 2 auch keinerlei Reue gezeigt, sich statt-
dessen bis zum Schluss vielmehr als Opfer einer Verschwörung gesehen. Über-
dies sei er auch nicht davon zurückgeschreckt, die Privatkläger zu diffamieren
(Urk. 114 S. 88). Dem ist nichts beizufügen.
11. Somit ergeben sich aus der Täterkomponente keine strafmindernden
Faktoren, während die diversen einschlägigen Vorstrafen und das Delinquieren
während laufender Probezeit eine Straferhöhung rechtfertigen. Demzufolge er-
weist sich eine Bestrafung des Beschuldigten 2 mit 5 Jahren Freiheitsstrafe als
angemessen. Einer Anrechnung der bislang erstandenen Haft und vorzeitigen
Strafvollzug von insgesamt 904 Tagen steht nichts entgegen (Art. 51 StGB).
12. Bei dieser Dauer der Freiheitsstrafe fällt die Gewährung eines bedingten
oder teilbedingten Strafvollzuges ausser Betracht (Art. 42 f. StGB).
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte 2 un-
terliegt mit seinen Anträgen; allerdings fällt die Strafe etwas tiefer aus. Die
Staatsanwaltschaft obsiegt mit ihrem beantragten Schuldspruch wegen versuch-
ten Diebstahls gemäss Dossier 3, unterliegt aber bei der beantragten Strafhöhe.
Entsprechend rechtfertigt es sich, dem Beschuldigten 2 drei Fünftel der Kosten
aufzuerlegen. Im Übrigen sind die Kosten des Berufungsverfahrens auf die Ge-
richtskasse zu nehmen.
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2. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind unter Vorbehalt des anteils-
mässigen Rückforderungsrechts des Staates gegenüber dem Beschuldigten 2 auf
die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 135 Abs. 4 StPO).