# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b02f493a-1368-43df-8491-88b903a8cc6f
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2012
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Z. F., geboren am 12. März 1970, algerischer Staatsangehöriger, reichte am 22.
November 2009 auf der Schweizer Botschaft in Algir ein persönliches Einreisegesuch
zwecks Vorbereitung der Heirat mit der Schweizer Bürgerin A. S.-K., geboren am 9.
Februar 1974, ursprünglich marokkanische Staatsangehörige, ein. A. S.-K. war am
9. September 2009 geschieden worden und hat eine Tochter aus erster Ehe.
Am 16. Dezember 2009 ging beim Ausländeramt (heute: Migrationsamt) ein Schreiben
ein, aus dem u.a. hervorgeht, Z. F. sei auf "islamische Art" mit einer anderen Frau
verheiratet und er beabsichtige, A. S.-K. "wegen der Papiere" zu heiraten und sich
nach ein paar Jahren scheiden zu lassen, um seine Frau aus Algerien in die Schweiz zu
holen. Am 28. Dezember 2009 beantwortete A. S.-K. Fragen des Ausländer- und des
Zivilstandsamtes. Anlässlich einer Besprechung beim Ausländeramt vom 28. Januar
2010 wurde A. S.-K. gefragt, ob sie Z. F. heiraten wolle, was diese gemäss Aktennotiz
mit der Begründung bejahte, sie sei lange genug alleine gewesen. Sie hat den Inhalt
des genannten Schreibens als falsch bezeichnet und versichert, Z. F. habe bestätigt,
dass dessen Inhalt nicht zutreffe (act. 30).
Am 22. Februar 2010 reiste Z. F. in die Schweiz ein und am 9. April 2010 fand die
Heirat in Y. statt. In der Folge wurde Z. F. eine bis 8. April 2011 gültige
Aufenthaltsbewilligung im Rahmen des Familiennachzugs erteilt.
Am 15. Oktober 2010 sprach A. F.-S. beim Ausländeramt vor und gab bekannt, dass
sie sich scheiden lassen wolle und dass ihr Ehemann aus der Schweiz wegzuweisen
sei (act. 41). Am 28. Oktober 2010 teilte das Einwohneramt dem Migrationsamt mit, A.
F.-S. habe am 12. Oktober 2010 beim Kreisgericht St. Gallen ein Gesuch um Erlass von
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Eheschutzmassnahmen gestellt (act. 43-45). Zudem hatte sie gegen Z. F. Strafanzeige
wegen Drohung im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt erstattet (act. 65), und gegen
Z. F. war am 27. Oktober 2010 eine polizeiliche Wegweisung mit Rückkehrverbot
ergangen (act. 48). Am 29. Oktober 2010 erliess die Familienrichterin
Eheschutzmassnahmen im Sinn einer dringlichen Anordnung und verlängerte die
Wegweisung mit Rückkehrverbot bis zum 16. November 2010, längstens aber bis zum
ordentlichen Entscheid. Z. F. wurde unter Androhung einer Busse verboten, sich in der
unmittelbaren Umgebung der Wohnung X-Strasse 11, Y., samt einem Umkreis von
100 m aufzuhalten und der Ehefrau auf dem Arbeitsweg abzupassen oder am
Arbeitsort aufzusuchen (act. 67-69). Mit Entscheid vom 9. November 2010 nahm die
Familienrichterin vom Getrenntleben der Ehegatten Kenntnis, wies A. F.-S. die
Wohnung an der X-Strasse 11 samt Hausrat zur alleinigen Benutzung zu und bestätigte
den Entscheid vom 29. Oktober 2010. Mangels Leistungsfähigkeit wurde auf einen
Unterhaltsbeitrag an Z. F., der bisher keiner Erwerbstätigkeit nachgegangen war,
verzichtet (act. 71-75).
Am 18. November 2010 ersuchte A. F.-S. das Migrationsamt erneut darum, Z. F. sei die
Aufenthaltsbewilligung zu entziehen, und erklärte, ihr Ehemann habe sie nur geheiratet,
um in der Schweiz leben zu können (act. 76).
Am 22. Dezember 2010 wurde der Sohn H. geboren, der wie die Mutter die
Schweizerische Staatsangehörigkeit besitzt. Am 24. Februar 2011 ordnete die
Familienrichterin im Zusammenhang mit der Feststellung der Vaterschaft die Erstellung
eines DNA-Gutachtens an (act. 91). Die Abklärungen ergaben, dass Z. F. der Vater des
Kindes ist (act. 124).
B./ Am 26. Januar 2011 stellte das Migrationsamt Z. F. den Widerruf der
Aufenthaltsbewilligung in Aussicht. Am 2. März 2011 nahm er, vertreten durch
Rechtsanwalt lic. iur. A. B., Stellung und beantragte, von einem Widerruf der
Aufenthaltsbewilligung sei abzusehen (act. 99-101). Z. F. machte geltend, er neige nicht
zur Gewalt bzw. die ehelichen Schwierigkeiten seien auf eine ernsthafte psychische
Erkrankung der Ehefrau zurückzuführen. Rund um den Sohn seien aussergewöhnliche
Streitereien entstanden, so auch in Bezug auf den Namen des Kindes. Eine Einigung
sei trotz Vermittlung des Zivilstandsamtes nicht zustande gekommen, weshalb in dieser
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Sache eine Beschwerde beim Amt für Bürgerrecht und Zivilstand hängig sei. Darüber
hinaus habe A. F.-S. ein Eheschutzverfahren eingeleitet, um zu verhindern, dass er das
neugeborene Kind sehen dürfe, dessen Vaterschaft er in Zweifel ziehe. Die Ehe könne
aber nicht als definitiv gescheitert betrachtet werden. Weiter führt er aus, sein
Aufenthalt in der Schweiz liege im öffentlichen Interesse, weil er bemüht sei, eine
Arbeitsstelle zu finden, um seinen Verpflichtungen gegenüber seiner Ehefrau und dem
Kind, soweit es dann tatsächlich sein Sohn sei, nachzukommen.
Am 7. April 2011 ordnete die Familienrichterin ergänzende Eheschutzmassnahmen an
(act. 119-125). Die Wegweisung mit Rückkehrverbot wurde aufgehoben, und es wurde
eine Beistandschaft angeordnet. Zudem wurde eine Vereinbarung der Ehegatten
betreffend die Kinderbelange genehmigt. Danach wird der Sohn H. in die Obhut der
Mutter gestellt und Z. F. wird ein vorerst begleitetes Besuchsrecht von anfänglich zwei
Stunden jedes zweite Wochenende eingeräumt, das vom Beistand organisiert wird.
Sodann wurde Z. F. verpflichtet, für seinen Sohn einen monatlichen Unterhaltsbeitrag
zu bezahlen (Fr. 600.-- in der Schweiz, Fr. 200.-- im Ausland).
Am 21. Juni 2011 lehnte es das Migrationsamt ab, die Aufenthaltsbewilligung von Z. F.
zu verlängern und setzte ihm Frist zur Ausreise bis 31. August 2011. Die Verfügung
wird damit begründet, die Familiengemeinschaft sei aufgelöst worden, bevor die Ehe
drei Jahre gedauert habe. Im weiteren habe Z. F. nie mit dem wenige Monate alten H.
zusammengelebt und er verfüge nur über ein begleitetes Besuchsrecht. Somit bestehe
in affektiver Hinsicht keine besonders enge Beziehung zwischen Vater und Sohn. In
Betracht falle zudem, dass Z. F. erst unter Druck des hängigen Verfahrens eine
Arbeitsstelle angetreten habe, während er vorher in finanzieller Hinsicht von seiner
Ehefrau abhängig gewesen sei. Nach dem kurzen Aufenthalt in der Schweiz sei ihm die
Rückkehr nach Algerien zumutbar.
C./ Am 5. Juli 2011 erhob Z. F., wiederum vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. A. B.,
gegen die Verfügung des Migrationsamtes vom 21. Juni 2011 Rekurs beim Sicherheits-
und Justizdepartement. Er stellte das Rechtsbegehren, die angefochtene Verfügung sei
aufzuheben und die Aufenthaltsbewilligung sei zu verlängern. Am 19. Juli 2011 stellte
der Rechtsvertreter von Z. F. ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung und teilte mit, seinem Mandanten sei die Arbeitsstellte als
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
landwirtschaftlicher Hilfsarbeiter in O. gekündigt worden. Dem Gesuch wurde am
20. Juli 2011 mit Wirkung ab 19. Juli 2011 entsprochen. Am 13. September 2011 teilte
A. F.-S. dem Sicherheits- und Justizdepartement mit, Z. F. bezahle den gerichtlich
festgelegten Unterhaltsbeitrag nicht oder verspätet, weshalb sie beim Sozialamt
Alimentenbevorschussung habe beantragen müssen. Der Rechtsvertreter von Z. F.
reichte eine persönliche Stellungnahme seines Mandanten vom 18. September 2011
ein.
Am 23. Februar 2012 wies das Sicherheits- und Justizdepartement den Rekurs von Z.
F. ab und lud das Migrationsamt ein, ihm eine neue Ausreisefrist zu setzen. Der
Entscheid wird im Wesentlichen damit begründet, Z. F. könne aus der Beziehung zu
seinem Kind keinen Anspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung ableiten.
D./ Am 8. März 2012 erhob Z. F., wiederum vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. A. B.,
gegen den Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartements vom 23. Februar 2012
Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Er stellte die Rechtsbegehren, der angefochtene
Entscheid sei aufzuheben und die Aufenthaltsbewilligung sei zu verlängern, eventuell

## Considerations

sei die Sache im Sinn der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. Sodann sei
ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und der unterzeichnende
Rechtsanwalt sei als sein unentgeltlicher Rechtsbeistand einzusetzen. Am 13. März
2012 reichte er diverse Schreiben ein, mit welchen eine Vielzahl von Personen
unterschriftlich bestätigen, dass Z. F. ihrer Meinung nach in der Schweiz bleiben solle.
Am 19. März 2012 verzichtete das Sicherheits- und Justizdepartement auf eine
Stellungnahme und beantragte, die Beschwerde sei abzuweisen.
Am 26. März 2012 gewährte der Präsident des Verwaltungsgerichts Z. F. die
unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung für das Verfahren vor
Verwaltungsgericht und bestimmte Rechtsanwalt lic. iur. A. B. als unentgeltlichen
Rechtsbeistand.
Am 30. März 2012 reichte der Rechtsvertreter von Z. F. ein Schreiben des Beistands
von H. F. vom 27. März 2011 (richtig wohl: 2012) ein. Daraus geht hervor, dass Z. F.
während den vergangenen begleiteten Besuchssonntagen gezeigt habe, dass er sehr
gut auf die Bedürfnisse seines Sohnes eingehen könne, weshalb einer Erweiterung der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Besuchskontakte innerhalb des Areals des Horts C. seiner Meinung nach nichts im
Wege stehe, sofern sich A. F.-S. damit einverstanden erklären könne.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
2. Nach Art. 42 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer
(SR 142.20, abgekürzt AuG) haben ausländische Ehegatten von Schweizerinnen und
Schweizern Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, wenn
sie mit diesen zusammenwohnen. Das Erfordernis des Zusammenwohnens besteht
nach Art. 49 AuG nicht, wenn für getrennte Wohnorte wichtige Gründe geltend
gemacht werden und die Familiengemeinschaft weiter besteht.
Der Beschwerdeführer, der unbestrittenermassen seit spätestens 28. Oktober 2010, zu
einem Zeitpunkt, als H. noch nicht geboren war, mit seiner Ehefrau nicht mehr im
gleichen Haushalt lebt, macht nicht geltend, es liege ein Anwendungsfall im Sinn von
Art. 49 AuG vor.
3. Der Beschwerdeführer beruft sich auf Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG, auf Art. 8 Ziff. 1 der
der Europäischen Menschenrechtskonvention (SR 0.101, abgekürzt EMRK), Art. 13
Abs. 1 der Schweizerischen Bundesverfassung (SR 101, abgekürzt BV) und auf Art. 9
Abs. 3 der UN-Kinderrechtekonvention (SR 0.107, abgekürzt KRK).
3.1. Nach Art.50 Abs. 1 AuG besteht der Anspruch des Ehegatten auf Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung nach Auflösung der Ehe oder der Familiengemeinschaft weiter,
wenn wichtige persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz
erforderlich machen. Wichtige persönliche Gründe können nach Abs. 2 dieser
Vorschrift namentlich vorliegen, wenn der Ehegatte Opfer ehelicher Gewalt wurde und
die soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet erscheint (vgl. auch
Art. 77 Abs. 2 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit, SR
142.201).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Die Aufzählung in Art. 50 Abs. 2 AuG ist nicht abschliessend. Der Gesetzgeber hat mit
dem Erfordernis der wichtigen persönlichen Gründe bewusst eine offene Formulierung
gewählt, die den rechtsanwendenden Behörden einen Beurteilungsspielraum einräumt
(M. Caroni, in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Handkommentar zum
Ausländergesetz, Bern 2010, N 23 zu Art. 50 AuG).
3.2. Dem Schutz des Familienlebens nach Art. 8 Ziff. 1 EMRK und Art. 13 Abs. 1 BV ist
im Rahmen der Härtefallregelung von Art. 50 AuG Rechnung zu tragen. Der Anspruch
auf Achtung des Familienlebens ist nicht absolut. Er verpflichtet die Behörden nicht in
jedem Fall, eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen (BGE 126 II 342 E. 3a). Den
konventions- und verfassungsrechtlichen Garantien ist Genüge getan, wenn das
Besuchsrecht im Rahmen von Kurzaufenthalten vom Ausland her ausgeübt werden
kann, wobei dessen Modalitäten allenfalls entsprechend auszugestalten sind
(BGer 2C_422/2010 vom 16. September 2010 E. 2.2.1; 2C_497/2007 vom 15. Januar
2008 E. 2.2). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung lässt sich für den nicht
sorgeberechtigen ausländischen Elternteil ein Anwesenheitsanspruch nur dann
ableiten, wenn zwischen ihm und dem Kind in affektiver und wirtschaftlicher Hinsicht
eine besonders enge Beziehung besteht, die wegen der Distanz zu seinem Heimatland
praktisch nicht aufrecht erhalten werden könnte, und wenn zusätzlich das bisherige
Verhalten des Ausländers zu keinerlei Klagen Anlass gegeben hat; nur unter diesen
Voraussetzungen kann das private Interesse am Verbleib in der Schweiz gestützt auf
ein Besuchsrecht ausnahmsweise das öffentliche Interesse an einer einschränkenden
Einwanderungspolitik beziehungsweise am Schutz der öffentlichen Sicherheit und
Ordnung überwiegen (BGer 2C_787 vom 16. Juni 2011 E. 3.2.1; 2C_718/2010 vom
2. März 2011 E. 3.2; 2C_195/2010 vom 23. Juni 2010 E. 6.6). Weder aus der KRK noch
aus dem in Art. 11 Abs. 1 BV garantierten Anspruch auf Schutz der Kinder und
Jugendlichen ergeben sich Ansprüche, die über Art. 8 EMRK und Art. 13 BV
hinausgehen (BGer 2C_787/2010 vom 16. Juni 2011 E. 3.3). Ausländische
Staatsangehörige müssen sich somit unter gewissen Umständen damit abfinden, dass
sie das Recht zum Besuch ihrer Kinder nur unter erheblichen Einschränkungen
ausüben können. Das Verwaltungsgericht hat es als zulässig erachtet, dass ein Vater
aus Nigeria bzw. Mütter aus Brasilien den Kontakt mit ihren in der Schweiz lebenden
Kindern mittels Besuchen, schriftlicher und telefonischer Kontakte oder anlässlich von
Ferienaufenthalten ausüben (VerwGE B 2003/221 vom 16. März 2004 i.S. R.M.S.,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
VerwGE B 2004/42 vom 18. Mai 2004 i.S. A.D. und VerwGE B 2005/85 vom
13. September 2005 i.S. L.O., in: www.gerichte.sg.ch, alle vom Bundesgericht bestätigt
mit Urteilen 2A.231/2004, 2A.371/2004 und 2A.626/2005).
Was die affektive Beziehung zwischen dem nicht sorgeberechtigten Elternteil und dem
Kind anbetrifft, ist die Tatsache allein, dass der nicht sorgeberechtigte Elternteil das
Kind regelmässig jedes zweite Wochenende zu sich auf Besuch sowie jährlich zwei
Wochen zu sich in die Ferien nimmt, nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
nicht geeignet darzutun, dass eine (besonders) enge Beziehung zum Kind besteht.
Vielmehr liegt damit eine normale Vater-Kind-Beziehung vor (BGer 2A.522/2006 vom
21. November 2006 E. 4.2; BGer 2C_787/2010 vom 16. Juni 2011 E. 3.2.2 mit Hinweis
auf BGer 2C_335/2009 vom 12. Februar 2010 E. 2.2.3). Erforderlich ist vielmehr, dass
ein grosszügig ausgestaltetes Besuchsrecht kontinuierlich, spontan und reibungslos
ausgeübt wird (BGer 2C_171/2009 vom 3. August 2009 E. 2.2 mit Hinweisen; BGer
2C_799/2010 vom 20. Februar 2011 E. 3.3.1 mit Hinweisen).
3.3. Unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer am 22. Februar 2010 in die Schweiz
einreiste, am 9. April 2010 A. S.-K. heiratete und spätestens seit dem 28. Oktober 2010
nicht mehr mit seiner Ehefrau im gleichen Haushalt lebt. Das Eheleben, das
offensichtlich nicht harmonisch verlaufen ist, dauerte somit nur rund ein halbes Jahr.
Seit rund zwei Jahren lebt der Beschwerdeführer nun getrennt von seiner Ehefrau in
der Schweiz.
3.4. Der Beschwerdeführer macht geltend, seine Beziehung zu H. begründe im Sinn
eines Härtefalls einen Anspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung.
3.4.1. Er begründet dies damit, zwischen ihm und seinem Sohn bestehe eine sehr enge
affektive Beziehung, weil er das Besuchsrecht seit Juli 2011 zweimal im Monat
wahrnehme. Die Tatsache, dass er H. bis Juli 2011 nicht habe sehen können, sei auf
das Verhalten von A. F.-S. zurückzuführen, die mit allen Mitteln versucht habe, den
Kontakt zwischen Vater und Sohn zu verhindern. Er würde gerne ein längeres und
unbegleitetes Besuchsrecht wahrnehmen, was ihm aber verunmöglicht werde, weil die
Kindsmutter damit nicht einverstanden sei, was ihm nicht zum Nachteil gereichen
dürfe. Sodann wäre es ihm nicht möglich, den Kontakt zu H. vom Ausland aus
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
schriftlich, telefonisch oder anlässlich von Ferienaufenthalten wahrzunehmen, weil A.
F.-S. alles daran setzen würde, dies zu verhindern, abgesehen davon, dass er nicht
über die erforderlichen finanziellen Mittel verfügen würde, um regelmässig in die
Schweiz fliegen zu können.
Der Beschwerdeführer hat nie mit seinem Sohn, der am 22. Dezember 2012 zwei Jahre
alt wird, zusammengelebt. Als H. am 22. Dezember 2010 geboren wurde, hatten sich
die Eltern bereits getrennt. H. steht in der Obhut von A. F.-S., d.h. der
Beschwerdeführer ist nicht sorgeberechtigt. Die persönliche Beziehung zwischen Vater
und Sohn wird dadurch aufrechterhalten, dass der Beschwerdeführer und H. jedes
zweite Wochenende drei Stunden (act. 3 des Beschwerdeführers) miteinander
verbringen. Es handelt sich um ein begleitetes Besuchsrecht, das von der
Beratungsstelle für Familien organisiert und vom Beschwerdeführer seit 9. Juli 2011
wahrgenommen wird. Es obliegt einem Beistand, über die Notwendigkeit der
Beibehaltung des begleiteten Besuchsrechts zu befinden und das Besuchsrecht
auszudehnen (act. 119-125).
Es mag zutreffen, dass sich der Beschwerdeführer auf Anhieb in seinen Sohn "verliebt"
hat, wie sein Rechtsvertreter schreibt. In diesem Zusammenhang fällt aber in Betracht,
dass er noch im Februar 2011 in Zweifel gezogen hatte, der Vater von H. zu sein und
dass Abklärungen des Instituts für Rechtsmedizin erforderlich waren, um die
Vaterschaft zu klären (act. 91, 108, 124). Dennoch macht der Beschwerdeführer
geltend, die Kindsmutter habe ihn seine Rechte in Bezug auf die Namensgebung des
Kindes nicht wahrnehmen lassen, was das Amt für Bürgerrecht und Zivilstand am
13. Januar 2011 bestätigt habe, indem seine Beschwerde geschützt worden sei. Dies
trifft nicht zu. Das Amt für Bürgerrecht und Zivilstand hat am 13. Januar 2011 verfügt,
falls bis zum 31. Januar 2011 keine Einigung der Kindseltern über den Vornamen
erfolge, werde das Kind mit dem Vornamen gemäss Geburtsanzeige (der Kindsmutter)
ins Personenstandsregister eingetragen. Sodann kann aufgrund der Tatsache, dass der
Kontakt zwischen Vater und Sohn lediglich zweimal je Monat während drei Stunden
innerhalb des Areals des Horts C. stattfindet und zudem begleitet ist, nicht gefolgert
werden, zwischen dem Kleinkind und dem Beschwerdeführer habe sich eine
besonders enge affektive Beziehung entwickelt. Daran vermag nichts zu ändern, dass
der Beistand und die Geschäftsführerin der Beratungsstelle für Familien bestätigen, der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdeführer habe einen guten Zugang zu H. gefunden, er pflege einen
einfühlsamen Umgang mit ihm und er würde die Besuche gerne länger und unbegleitet
wahrnehmen, was sie ihm zutrauen würden. Somit ist es nicht erforderlich, dem Antrag
des Beschwerdeführers, die beiden Personen seien als Zeugen zu befragen,
stattzugeben. Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer gemäss Schreiben des
Beistands vom 27. März 2011 seinen Pass jeweils abzugeben hat, was darauf
schliessen lässt, dass die Behörden die Möglichkeit einer Kindsentführung nicht
ausschliessen. Ebenfalls unberücksichtigt bleiben muss, dass die Kindsmutter den
Kontakt zwischen dem Beschwerdeführer und H. zufolge des belasteten Verhältnisses
zwischen den Eheleuten erschwert und offenbar nicht damit einverstanden ist, dass
ihm ein erweitertes Besuchsrecht eingeräumt wird. Aus fehlerhaftem Verhalten des
sorgeberechtigten Elternteils im Zusammenhang mit der Ausübung des Besuchsrechts
lässt sich kein Anspruch auf Aufenthaltsbewilligung begründen (BGer 2C_339/2009
vom 5. Januar 2010 E. 2.2.1). Schliesslich vermag die Tatsache, dass zahlreiche
Personen aus dem Umfeld des Beschwerdeführers (Freunde, Arbeitskollegen,
Mitglieder der Pfingstgemeinde) mit ihrer Unterschrift zum Ausdruck bringen, dass die
Aufenthaltsbewilligung aus ihrer Sicht verlängert werden sollte, nichts daran zu ändern,
dass die Voraussetzung, wonach in affektiver Hinsicht zwischen dem nicht
sorgeberechtigten Elternteil und dem Kind eine überdurchschnittlich enge Beziehung
vorliegen muss, im konkreten Fall nicht erfüllt ist.
Zutreffend ist, dass die räumliche Distanz zwischen Algerien und der Schweiz und die
bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnisse dem Beschwerdeführer die Ausübung des
Besuchsrechts vom Heimatland aus erschweren. Es ist deshalb nicht erforderlich,
seinem Antrag zu entsprechen, bezüglich der arbeitsmarktlichen Verhältnisse und des
Lohnniveaus in Algerien sei die Schweizer Botschaft in Algier zu befragen. Bei
entsprechender Anpassung der Besuchsmodalitäten - mit Unterstützung des Beistands
- erscheint die Aufrechterhaltung des persönlichen Kontakts zwischen dem
Beschwerdeführer und seinem Sohn auch von Algerien aus aber möglich und
zumutbar, auch wenn anzunehmen ist, dass die persönlichen Kontakte zwischen Vater
und Sohn zufolge des belasteten Verhältnisses zwischen dem Beschwerdeführer und
der Kindsmutter, für das A. F.-S. aber nach der allgemeinen Lebenserfahrung nicht
alleine verantwortlich sein dürfte, schwierig bleiben werden.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.4.2. Der Beschwerdeführer beruft sich weiter darauf, er habe auch in wirtschaftlicher
Hinsicht eine besonders enge Beziehung zu H. Er erziele ein Erwerbseinkommen, das
es ihm erlaube, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten und für H. Unterhaltsbeiträge zu
bezahlen. Er leiste die monatlichen Unterhaltszahlungen von Fr. 600.-- regelmässig,
was bei einem relativ kleinen Einkommen von Fr. 3'025.40 netto einen substantiellen
Beitrag an den Unterhalt seines Sohnes darstelle. Nach Bezahlung der Alimente bleibe
ihm knapp das Existenzminimum.
Ab Mitte März bis Ende Juni 2011 arbeitete der Beschwerdeführer als
landwirtschaftlicher Hilfsarbeiter in O., wo ihm netto Fr. 665.45 je Monat bar ausbezahlt
wurden. Seit August 2011 ist er bei der P. AG, als Hilfsarbeiter tätig. Gemäss eigenen
Angaben steht ihm monatlich (inkl. 13. Monatslohn) ein Betrag von Fr. 3'277.40 zur
Verfügung, während er einen Bedarf (inkl. Unterhaltsbeitrag für H. von Fr. 600.--) von
Fr. 3'537.-- errechnet. Zutreffend ist, dass sich das Sozialamt St. Gallen mit Schreiben
vom 1. März 2010 beim Beschwerdeführer für die regelmässige Bezahlung der
Unterhaltsbeiträge bedankt, wobei auf die letzte Überweisung vom 26. Januar 2012 für
den Monat Januar Bezug genommen wird. Belege, wonach der Betrag von Fr. 600.--
jeweils - auch für den Monat Februar 2012 - überwiesen worden ist, fehlen.
3.5. Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer aus der Beziehung
zum Sohn H. im Rahmen von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG weder aufgrund von Art. 8 EMRK
noch aufgrund von Art. 13 BV einen Anspruch auf Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung herleiten kann.
4. Nach Art. 96 Abs. 1 AuG berücksichtigen die zuständigen Behörden bei der
Ermessensausübung sowohl die öffentlichen Interessen als auch die persönlichen
Verhältnisse sowie den Grad der Integration des Ausländers. Wie ausgeführt (vgl. Ziff.
3.2 hievor) besteht ein öffentliches Interesse, dass Ausländer, bei denen nach kurzem
Aufenthalt in der Schweiz die familiären Voraussetzungen für die Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung wegfallen, die Schweiz wieder verlassen.
Der Beschwerdeführer reiste am 22. Februar 2010, im Alter von rund 40 Jahren, in die
Schweiz ein. Somit lebt er erst seit rund zweieinhalb Jahren hier. Der Beschwerdeführer
ist weder in strafrechtlicher noch in finanzieller Hinsicht negativ in Erscheinung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
getreten. Ab Mitte März 2011 bis Ende Juni 2011 arbeitete der Beschwerdeführer als
landwirtschaftlicher Hilfsarbeiter im Kanton K. und seit August 2011 hat er eine
unbefristete Anstellung als Hilfsarbeiter bei der P. AG, die ihm ein positives
Zwischenzeugnis ausgestellt hat. Der Beschwerdeführer übt aber keine besonders
qualifizierte Tätigkeit aus, die aus wirtschaftlicher oder arbeitsmarktlicher Sicht einen
weiteren Aufenthalt in der Schweiz erfordern würde. Aktenkundig ist weiter, dass das
persönliche Verhältnis zwischen dem Beschwerdeführer und A. F.-S. bereits vor der
Geburt von H. schwer belastet war und noch heute ist, was sich auch auf die Kontakte
zwischen Vater und Sohn auswirkt. Bezüglich der Umstände, die zu diesem Zerwürfnis
und zu einer polizeilichen Wegweisung mit Rückkehrverbot sowie der Einräumung
eines nur beschränkten Besuchsrechts geführt haben, machen der Beschwerdeführer
und die Kindsmutter widersprüchliche Angaben. Nach der allgemeinen
Lebenserfahrung ist aber nicht anzunehmen, diese Tatsache sei ausschliesslich auf das
Verhalten der Kindsmutter zurückzuführen, wie der Beschwerdeführer behauptet.
Der Beschwerdeführer macht geltend, die Nichtverlängerung der
Aufenthaltsbewilligung bewirke einen einschneidenden Eingriff in sein Familienleben
und die soziale Widereingliederung in Algerien sei bedroht. Wie ausgeführt, besteht
zwischen Vater und Sohn weder in affektiver noch in wirtschaftlicher Hinsicht eine
besonders enge Beziehung, weshalb es dem Beschwerdeführer zumutbar ist, den
Kontakt zu H. unter erschwerten Bedingungen von Algerien aus aufrechtzuerhalten.
Sodann hat der Beschwerdeführer den weitaus grössten Teil seines Lebens in der
Heimat verbracht und ist mit den dort herrschenden Verhältnissen bestens vertraut.
Somit ist er in der Lage, dort erneut Fuss zu fassen und sich wieder eine Existenz
aufzubauen. Weiter beruft sich der Beschwerdeführer darauf, er gehe einer festen
Erwerbstätigkeit nach und sei nicht auf Leistungen der öffentlichen Hand angewiesen.
Wie ausgeführt (Ziff. 3.4.2. hievor), ist der Beschwerdeführer aber nicht in der Lage,
seinen Lebensunterhalt aus eigener Kraft zu bestreiten und gleichzeitig die
Unterhaltsleistungen für H. von Fr. 600.-- je Monat zu erbringen, weshalb damit
gerechnet werden muss, dass dies früher oder später der Fall sein wird. Schliesslich
führt der Beschwerdeführer aus, er mache Fortschritte in der deutschen
Kommunikation und sei hier bestens integriert. Zutreffend ist, wie ausgeführt, dass sich
eine Vielzahl von Personen mit ihrer Unterschrift dafür einsetzen, dass dem
Beschwerdeführer das Aufenthaltsrecht in der Schweiz nicht abgesprochen werde.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Diese Tatsache vermag aber nichts daran zu ändern, dass das öffentliche Interesse an
der Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung und der Wegweisung des
Beschwerdeführers aus der Schweiz das private Interesse des Beschwerdeführers am
Verbleib in der Schweiz überwiegt.
5. Zusammenfassend ergibt sich, dass sich der angefochtene Entscheid als recht- und
verhältnismässig erweist. Demzufolge ist die Beschwerde abzuweisen.
5.1. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend gehen die amtlichen Kosten
grundsätzlich zu Lasten des Beschwerdeführers (Art. 95 Abs. 1 VRP). Zufolge
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss verfahrensleitender Verfügung
vom 26. März 2012 trägt indessen der Staat die amtlichen Kosten. Eine Gebühr von Fr.
2'000.-- ist angemessen (Art. 7, Ziff. 22 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12).
Auf die Erhebung der Kosten ist zu verzichten (Art. 99 Abs. 2 VRP).
5.2. Weiter wurde dem Beschwerdeführer mit verfahrensleitender Verfügung vom 26.
März 2012 die unentgeltliche Rechtsverbeiständung gewährt. Es liegt keine Kostennote
vor. Nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und
Rechtsagenten (sGS 963.75) beträgt das Honorar vor Verwaltungsgericht pauschal
Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Unter Berücksichtigung von Art. 31 Abs. 3 des
Anwaltsgesetzes (sGS 963.70) erachtet das Gericht eine Entschädigung von
Fr. 2'000.-- (inkl. Barauslagen, zuzüglich MWSt) für das Beschwerdeverfahren als
angemessen.
Demnach hat das Verwaltungsgericht