# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d1b9b921-1d30-445c-88bf-035c16c206c4
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1967, meldete sich erstmals
am
1
7.
März 2008 (Ein
gangsdatum) unter Hinweis auf psychische Leiden und Asthma
bronchialis
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbe
zug an (
Urk.
7/2). Nach medizinischen und erwerblichen Abklärungen verneinte die IV-Stelle
mit Verfügung vom 1
1.
Februar 2009 (
Urk.
7/20) einen Leistungs
anspruch.
Am 1
6.
März 2015 (Eingangsdatum) meldete sich die Versicherte erneut unter Hinweis auf psychische Leiden bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an
(Urk.
7/21).
Die IV-Stelle tätigte in der Folge medizinische und erwerbliche Abklärungen und wies das Leistungsbegehren nach durchgeführtem
Vorbe
scheidverfahren
(Vorbescheid vom
8.
Dezember 2016,
Urk.
7/61; Einwand vom 2
4.
Januar 2017,
Urk.
7/69; ergänzende
Einwandbegründung
vom 2
9.
März 2017
,
Urk.
7/74) mit Verfügung vom 1
0.
Mai 2017 ab (
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte am 1
2.
Juni 2017 Beschwerde und beantragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei ihr eine ganze Invali
denrente zuzusprechen. Eventualiter sei ihr eine Teilinvalidenrente zuzusprechen.
Subeventualiter
sei die Sache zur weiteren Sachverhaltsabklärung und Einholung eines polydisziplinären Gutachtens an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um die unentgeltliche Rechtspflege und Bestellung von Rechtsanwältin Jacqueline Schmid
Bürkli
als unentgeltliche Rechtsvertreterin (
Urk.
1). Mit Beschwerdeantwort vom 1
0.
August 2017 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6 unter Beilage ihrer Akten,
Urk.
7/1-78), worüber die Beschwerdeführerin am 1
4.
August 2017 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
8). Mit Schreiben vom
1.
Februar 2018 nahm die Beschwerdeführerin erneut Stellung (
Urk.
10), was der Beschwerdegegnerin am 1
2.
Februar
2018
zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
11).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung dafür, dass im Vergleich zur Abklärung im Jahr 2008 keine Zustandsverschlechterung habe fest
gestellt werden können. Auch habe sich der Zustand seit Januar 2016 verbessert.
Die Ängste bezögen sich auf soziale Belastungsfaktoren, welche invalidenversi
cherungsrechtlich nicht relevant seien. Zusammenfassend bestehe keine
Ewerbs
einbusse
(
Urk.
2).
Demgegenüber brachte die Beschwerdeführerin vor,
die Behauptung der Beschwerdegegnerin, dass sich die Ängste auf soziale Belastungsfaktoren bezie
hen w
ürden, widerspreche den ärztlichen Berichten
.
G
estützt auf die Arztberichte
habe sich
der Gesundheitszustand klar verschlechtert,
das Leiden habe sich
mitt
lerweile als schwere,
chronif
i
zierte
und therapieresistente komplexe psychische Erkrankung herausgestellt, welche Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit habe.
Der
Leidensdruck der Beschwerdeführerin sei gross,
aus finanzieller Not habe sie
die Ärztin und die Medikamente nicht bezahlen können,
weshalb die Heilbehand
lung
auf ein Minimum reduziert worden sei.
Bei
Zweifel
n
an der ärztlichen Ein
schätzung hätte
die Beschwerdegegnerin
auf alle Fälle ein Gutachten
einholen
müssen.
Auch sei die Abklärung im Haushalt nicht durchgeführt worden. Für die Invaliditätsbemessung sei die bisherige Tätigkeit zu 50
%
als Pflegerin und die 50%ige Tätigkeit im Haushalt zu Grunde z
u legen (
Urk.
1
; vgl. auch
Urk.
10
).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
0.
August 2017 (
Urk.
6) führte die Beschwerdegeg
nerin ergänzend aus,
dass sich grundsätzlich nur schwere depressive Störungen invalidisierend auswirkten,
welche
vorliegend nicht gegeben sei
en
. Auch hätten in der Therapie Fortschritte erzielt werden können, womit eine Therapieresistenz nicht gegeben sei.
Die
Therapiefrequenz von nur einer Sitzung pro Monat
spreche
gegen einen hohen Leidensdruck.
2.
2.1
Wurde eine Rente
wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuan
meldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invali
ditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSG
)
vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen,
ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegrün
dende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
2.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.3
2.3.1
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen,
ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (
vgl.
BGE
139 V 547
E. 5
,
131 V 49
E. 1.2
,
130 V 352
E. 2.2.1
; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme
eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt
eine psychiatrische,
lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (
vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2,
141 V 281 E. 2.1
, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6
). Eine fachärztlich
einwandfrei
festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die
nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende
Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arb
eitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7,
139 V 547 E. 5.2
, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG
).
2.3.2
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung).
Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung
–
fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz
auszuschliessen
sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder
äusserer
Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die gesamthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018 E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die
funktionellen
Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüs
sig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6;
vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3
).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
2.3.3
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie „funktioneller Schweregrad" (E. 4.3)
-
Komplex „Gesundheitsschädigung" (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex „Sozialer Kontext" (E. 4.3.3)
-
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich
entscheidend
ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
2.3.4
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkrankungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunfts
ängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vorder
grund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträch
tigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturel
len Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklä
rung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad sei
ner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen
verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
2.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
3
.
Die aktuelle medizinische Aktenlage präsentiert sich im Wesentlichen wie folgt:
3.1
Dr.
A._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie und Vertrauensärztin der Pensionskasse
B._
, untersuchte in deren Auf
trag die Beschwerdeführerin am 1
8.
November 2015 (
Urk.
7/41).
Dr.
A._
diagnostizierte eine rezidivierende depressive Störung, Status nach schwerer depressiver Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10 F33.3)
,
und konsta
tierte, dass eine gemischte
schizoaffektive
Psychose (ICD-10 F25.2) nicht sicher ausgeschlossen werden könne.
Die Beschwerdeführerin habe nach ca. 2 Wochen die Behandlung in der Tages
klinik abgebrochen, sie habe sich durch die Gruppensitzungen und die Informa
tionen der anderen Patienten
gestört gefühlt. Sie sei erneut in ambulanter psy
chiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung. Seit dem letzten Bericht gebe es schwere psychosoziale Belastungen, der Ehemann sei inhaftiert (
Urk.
7/41/3).
Im Verlauf zeige sich bisher keine Besserungstendenz, die psychosozialen Belas
tungen wirk
t
en krankheitserhaltend, die versicherte Person sei damit deutlich überfordert.
Es scheine sich um eine schwere komplexe psychische Erkrankung zu handeln, die angesichts von Länge und Art des Verlaufs als
chronifiziert
und therapieresistent beurteilt werden müsse.
Sie sei 100
%
arbeitsunfähig, eine Rückkehr an den angestammten Arbeitsplatz sei in absehbarer Zeit nicht möglich.
3.2
Die Ärzte der
Universitätsklinik C._
hielten in ihrem von der Beschwerdegegnerin eingeholten Bericht vom 2
6.
Januar 2016 1) eine
rezidivierende depressive Störung, Status nach schwerer Episode mit psychoti
schen Symptomen, derzeit noch mittelgradig depressiv (ICD-10 F33.3) seit min
destens Herbst 2014 mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit fest
(Urk.
7/43/2). Eine gemischte
schizoaffektive
Psychose (ICD-10 F25.2) könne derzeit nicht aus
geschlossen werden.
Ambulant werde sie seit dem 1
5.
Oktober 2014 bis auf wei
teres behandelt. Vom 2
5.
November bis zum
4.
Dezember 2014 sei ein stationärer Aufenthalt
und
vom
2.
bis zum 1
7.
November 2015 eine tagesklinische Behand
lung in der
C._
erfolgt
(vgl. auch Austrittsbericht vom
17.
November 2015,
Urk.
7/43/9 ff.; Austrittsbericht vom 2
4.
Dezember 2014,
Urk.
7/43/12 ff.).
Unter a
mbulanten Bedingungen habe
sich der Heilungsprozess zögerlich und bis dato nicht vollständig
gestaltet. Die Beschwerdeführerin sei bezüglich der Ein
nahme der Medikation zuverlässig. Sie habe
ein sie stützendes Familiensystem
.
A
llerdings sei der Ehemann für die Beschwerdeführerin völlig uner
wartet im Dezember für mehrere Monate inhaftiert
worden
, was zu einer deutlichen ern
eu
ten Dekompensation geführt habe
.
Sie sei
weit
erhin rasch r
eizüberflutet, habe
über die vergangenen Monate aber gelernt, sich selbst zu
beruhigen. Seit Sommer 2015 gebe
sie keine psychotischen Symptome mehr an. Di
e depressive Grund
stimmung habe
noch lange an
gehalten
und
sei
auch jetzt noch nicht völlig remittiert.
Sie sei
lange überzeugt
gewesen
, dass sie wieder in der Altenpflege arbeiten könne,
habe
dann aber in der Tagesklinik erkennen
müssen
, dass sie in der Gegenwart von mehreren Mensc
hen rasch völlig überfordert sei
und sich zurück
ziehen m
ü
ss
e
. Glücklicherweise
sei
es zu keiner erneuten psychotischen Dekompensation durch diese Überforderung
gekommen
, was durchaus
möglich
gewesen wäre, hätte
sie
nicht rechtzeitig reagiert. Neben der psychiatrischen Behandlung
sei
eine intensive Unterstützung d
urch die hiesige Sozialarbeiteri
n
erfolgt. Inzwischen habe die Beschwerdeführerin
an das Sozialamt angebunden werden
können
, was
sie sehr entlaste
. Es
hätten
mehrere Gespräche gemeinsam mit der
Beschwerdeführeri
n, d
em Ehemann, der Case-Managerin
der Stadt Zürich, der Sozialarbeiterin und der
Referentin
statt
gefunden
. Trotz des umfangreichen Unterstützungssystems und der gewährenden Haltung des Arbeitgebers
habe
e
s der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
nicht zu
gelassen
, einen Arbeits
versuch im Altenheim
D._
durchzuführen, nachdem die Teilnahme in der Tagesklinik bereits nach kurzer Zeit
habe abgebrochen werden müssen
.
Die Beschwerdeführerin sei aufgrund der Grunderkrankung nicht belastbar, habe eine mangelnde Konzentration, Aufmerksamkeit und Auffassungsgabe. Sie könne die Aufgaben nicht bewältigen, sich nicht gegen Mitmenschen «abgrenzen», sei dekompensationsgefährdet und bei Überforderung reizbar und agitiert. Die bis
herige Tätigkeit als Altenpflegerin sei nicht mehr zumutbar.
Die Prognose sei ungünstig. Anamnestisch bestünden derartige Beschwerden seit vielen Jahren, aktenkundig seit 200
7.
Von der letzten psychotischen Episode habe sich die Beschwerdeführerin bezüglich der psychotischen Symptomatik zwar voll
ständig erholt. Es bestehe aber weiterhin eine subdepressive bis depressive Grund
stimmung, die sich deutlich verschlimmere, sobald es zu schwerwiegenden Ereig
nissen in ihrer Umgebung komme.
3.3
Am
1.
Juli 2016 erstatteten die Ärzte der
C._
einen Verlaufsbericht (
Urk.
7/55). Sie diagnostizierten 1) eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mit
telgradige Episode (ICD-10 F33.1) und 2) einen Status nach mehreren schweren Episoden mit psychotischen Symptomen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit.
Der Zustand der Beschwerdeführerin habe sich im Vergleich zum Bericht vom Januar 2016 phasenweise nur unwesentlich gebessert und unterliege grossen Schwankungen.
Der Zustand sei weiterhin als instabil zu beurteilen. Es bestehe keine Arbeitsfä
higkeit, da die Beschwerdeführerin sofort überfordert wäre und
dekompensieren
würde.
Gegenwärtig fänden ca. alle 4 Wochen Konsultation
en
von 30 Minuten statt.
3.4
I
n der
von der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin eingeholten ärztlichen Stellungnahme der Ärzte der
C._
vom 2
5.
März 2017
diagnostizierten die Ärzte eine rezidivierende depressive Störung, Zustand nach schwerer Episode mit psy
chotischen Symptomen, derzeit noch mittelgradig depressiv
(
Urk.
7/73)
.
Unter ambulanten Bedingungen habe sich der Heilungsprozess trotz sehr verläss
licher Mitarbeit zögerlich und bis dato nicht vollständig gestaltet. Zunächst hät
ten sich die
lang anhaltenden
psychotischen Symptome zurückgebildet, was bis ca. August 2015 gedauert habe. Der Versuch einer tagesklinischen Behandlung im November 2015 habe wegen Reizüberflutung bereits nach wenigen Tagen wie
der abgebrochen werden müssen. Es sei ihr auch bis heute kaum möglich, den öffentlichen Verkehr zu benutzen.
Die depressive Stimmungslage habe sich über Monate hingezogen und sei bis heute nicht stabil remittiert. Nach meist nur symptomarmen Intervallen komme es immer wieder zu depressiven Zuständen, die zunehmend von Angst und Agi
tation geprägt seien. Im Vordergrund stünden dann Aufmerksamkeits- und aus
geprägte Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen sowie formale Denkstörun
gen im Sinne von Grübeln und Gedankenkreisen sowie belastende Angstzu
stände. Sie könne weiterhin kaum mehr als ein bis zwei Stunden unter Menschen sein, ziehe sich dann erschöpft zurück. Selbst von kleinen Alltagsaufgaben sei sie überfordert, könne auch nicht selbständig den Haushalt führen. Beispielsweise fange sie an, Wäsche zu machen oder den Schrank aufzuräumen, müsse die
Arbeit aber nach kurzer Zeit un
vermittelt abbrechen, weil ihr die Kräfte schwänden und sie sich hinlegen müsse. Aus Verzweiflung über die desolate Situation und den Verlust ihrer Identität als berufstätige Frau käme es auch schon zu Impulsdurch
brüchen mit Schreien, Zerschlagen von Geschirr und ähnlichem.
Phasenweise könne sich ihr Zustand auch noch deutlich verschlechtern. Dies
sei
z.B.
geschehen,
als bei ihr im Herbst 2016 die Diagnose
eines ausgeprägten Ute
rus-Prolaps
gestellt worden sei und trotz engagierter Physiotherapie die Indika
tion zur Operation gestellt worden sei. Bis dato habe sich die Beschwerdeführerin aus Angst dazu nicht entschieden. Erfreulicherweise sei es bisher nicht mehr zu psychotischen Symptomen gekommen.
Die Beschwerdeführerin sei anfangs mindestens einmal wöchentlich in die The
rapie gekommen, im Verlauf nur noch alle vier Wochen zu den Konsultationen. Diese dienten der Unterstützung in der Bewältigung des Alltags und dem Coaching der Medikation.
Vor dem Hintergrund der psychiatrischen Grunderkrankung sei nicht denkbar, dass die Beschwerdeführerin ihren Beruf als Betreuerin und
Pflegerin wieder auf
nehmen könn
e.
Es bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Angesicht der star
ken Einschränkung ihrer Fähigkeiten, selbst nur die basalen Anforderungen in der Alltagsgestaltung zu bewältigen, erübrige sich auch die Frage nach einer geringer-prozentigen angepassten Tätigkeit.
Daraus ergebe sich, dass sie auch nicht an Belastbarkeits- oder Aufbautrainings teilnehmen könne. Es sei leider auch nicht davon auszugehen, dass die Beschwer
deführerin von einem erweiterten Therapieprogramm profitieren würde.
4.
Der aktuelle medizinische Sachverhalt erweist sich als ungenügend abgeklärt:
4.1
Die Berichte von
Dr.
A._
datieren vom 2
5.
Februar 2015 und vom 1
8.
November 2015 (vgl.
Urk.
7/28;
Urk.
7/41)
, ein zeitnaher Bericht zur ange
fochtenen Verfügung liegt nicht vor. Der Bericht von
Dr.
A._
vom 1
8.
November 2015 ist in invalidenversicherungsrechtlicher Sicht nicht nachvoll
ziehbar: Unter
Ziff.
A.4 führte
Dr.
A._
aus, dass es keine nicht-medizi
nischen Gründe (z.B. psychosoziale) gebe, welche einen Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit hätten. Im Rahmen der Prognose gab sie hingegen an, dass bisher keine Besserungstendenz im Verlauf festzustellen sei, psychosoziale Belastungen krankheitserhaltend wirkten
und die Beschwerdeführerin
damit deutlich überfor
dert
sei
(
Urk.
7/41/4-5). Inwieweit die psychosozialen Belastungen krankheitser
haltend wirken können
,
ohne einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu zeitigen, ist – ohne weitere Begründung –
nicht nachvollziehbar.
Die Berichte von
Dr.
A._
lassen daher eine abschliessende Beurteilung des psychischen Gesund
heitszustandes nicht zu.
4.2
Die Ärzte der
C._
berücksichtigten in ihrer Einschätzung der Arbeitsfähigkeit ebenfalls psychosoziale Belastungsfaktoren (Inhaftierung des Ehemannes, Ängste wegen der sozialen und finanziellen Unsicherheit [
Urk.
7/43/3]; Tod des Vaters [
Urk.
7/43/12]; längere, durchaus ernst zu nehmende Erkrankung bei einer nahe
stehenden Person [
Urk.
7/55/2]; Uterus-Prolaps [
Urk.
7/73]), welche invaliden
versicherungsrechtlich
in der Regel
nicht relevant sind
, ausser w
enn
sie
zu einer eigentlichen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen verselbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner
Folgen verschlimmern (vgl. E. 2.3.4).
Ob in
casu
diese psychosozialen Belastungsfaktoren invalidenversicherungsrechtlich beachtlich sind oder nicht, lässt sich allerdings gestützt auf die vorliegenden Berichte der Ärzte der
C._
nicht klären.
Des Weiteren ist auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass
behandelnde
Arzt
personen
beziehungsweise Therapiekräfte
mitunter im Hinblick auf ihre auftrags
rechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientin
nen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Damit
lassen
sich die Arbeitsfähigkeit
und der Gesundheitszustand
der Beschwer
deführerin gestützt auf die Berichte der
C._
nicht abschliessend beurteilen.
4.3
Der
Einschätzung der Ärztin des Regionalen Ärztlichen Dienstes,
Dr.
E._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 1
0.
August 2016 kann
ebenfalls nicht
gefolgt werden (
Urk.
7/60/6):
Dr.
E._
führte aus, dass
sich im Vergleich zum Bericht von
F._
, Oberarzt Psychiatrie-Zent
rum
G._
,
vom
6.
Juni 2008
(
Urk.
7/13)
keine Verschlechte
rung ergeben habe.
Schon damals sei
die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, dazu noch akzentuierte Persönlich
keitsstruktur mit Betonung u.a. abhängiger und
histrionischer
Züge gestellt wor
den. Im psychopathologischen Befund würden in etwa die gleichen Symptome beschrieben, damals aber seien zusätzlich noch fast wahnhaft anmutende Ängste beschrieben worden
(Urk. 7/60/6)
.
B
ei schlechten Nachrichten
könne es
zu stimmungs
mässigen Einbrüchen kommen
, was normalpsychologisch sei und nicht als Krankheit interpretiert werden könne (
Urk.
7/75/3).
Eine eingehende Auseinandersetzung mit den von den behandelnden Ärzten fest
gestellten schweren
depressiven
Episoden mit psychotischen Phasen fand nicht statt. Des Weiteren ist aufgrund der nur sehr kurzen Begründung durch
Dr.
E._
nicht abschliessend beurteilbar, ob sich die psychosozialen Faktoren nicht allen
falls mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (vgl. E. 2.3.
4
).
4.4
Hinzu kommt, dass eine nach neuerer Rechtsprechung geforderte
Standardindi
katorenprüfung
anhand der vorliegenden medizinischen Unterlagen aufgrund der fehlenden Angaben in den vorliegenden ärztlichen Berichten und Einschätzungen nicht möglich ist
(vgl. E. 2.3)
.
Damit bleibt zusammenfassend f
estzuhalten, dass der psychische Gesundheitszu
stand aufgrund der vorliegenden Aktenlage nicht abschliessend beurteilt werden kann. Die Sache ist demnach an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (E. 2.
4
), damit sie den psychischen Gesundheitszustan
d der Beschwerdeführerin
im Rah
men eines medizinischen Gutachtens abklärt. Hernach hat die Beschwerdegegne
rin neu über einen allfälligen Leistungsanspruch zu entscheiden. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von
IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1bis IVG) und auf
Fr.
600.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rück
weisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (B
GE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Nach Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34
GSVGer
hat die obsiegende
beschwerdeführende
Person Anspruch auf den vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen festzusetzenden Ersatz der Parteikosten.
Rechtsanwältin Jacqueline Schmid
Bürkli
machte mit Eingabe vom
1
1.
September 2017
einen stattgehabten Aufwand von
12.4
Stunden und Baraus
lagen von Fr.
63.30 geltend (Urk. 9
),
was angemessen ist. D
er
Beschwerdeführer
in
ist entsprechend
eine Prozessentschädigung von Fr.
3‘014.60
(inklusive Baraus
lagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen.
Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und unentgeltliche Rechtsvertre
tung vom
1
2.
Juni 2017
(
Urk.
1) erweist sich damit als gegenstandslos.