# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 2c49fa56-a75d-4a48-93ea-a95dbf20891a
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 20
04
, wurde am
21. November 2014
durch
ihre
Mutter unter Hinweis auf
das Geburtsgebrechen
Ziff.
387
(
angeborene Epilepsie
)
bei der Invalidenversicherung zum Leis
tungsbezug angemeldet (Urk. 7/2
). Die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte
daraufhin
die medi
zinische Situation ab und sprach
der
Versicherten mit Mitteilung vom
17.
März 2015
mediz
inische Massnahmen zur Behandlun
g des Geburtsgebre
chens
Ziff.
387
gemäss dem Anhang zur Verordnung über Geburtsgebrechen (
GgV
-An
hang) vom 24.
Oktober 2014 bis 31. Oktober 2019
zu (Urk.
7/8).
1.2
Die Mutter
der
Versicherten ersuchte am
3. Oktober 2017 (Eingangsdatum)
um Kostenübernahme einer genetischen
Testung für die Versicherte
(Urk.
7/9
). Nach
ergangenem
Vorbescheid (Urk.
7/14
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
25.
Juni
2018
eine Kostengutsprache für eine
genetische Labordiagnostik (Urk.
7/
15 = Urk. 2)
.
2.
Die Versicherte erhob am 11. Juli 2018, gesetzlich vertreten durch ihre Mutter,
Beschwerde gegen die Verfügung vom
25. Juni 2018
(Urk. 2) und beantragte sin
n
gemäss, diese sei aufzuheben und es seien die Kosten für eine
genetische Analyse
zu übernehmen (Urk. 1
). Die IV-Stelle beantragte unter Beilegung einer Stellung
nahme des Regionales Ärztlichen Dienstes (RAD) vom
21./24. September 2018
(Urk.
7/17
) mit Beschwerdeantwort vom
10. Oktober 2018
(Urk.
6
) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Replik vom 5. Dezember 2018 reichte die Versicherte eine ärztliche Stellungnahme ein und hielt
gleichzeitig
an ihren Anträgen fest (Urk.
11 und Urk.
12
/1-2
)
. Die Beschwerdegegnerin hielt unter Beil
age
einer Stellung
nahme des RAD
(Urk. 15)
an der
beantragten
Abweisung fest (Urk. 14), was der Beschwerdeführerin am 12. April 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 16).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.
1
Versicherte haben gemäss Art. 12
des
Bundesgesetz
es
über die Invaliden
versi
che
rung (IVG)
bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch auf medizinische Mass
nahmen, die nicht auf die Behandlung des Leidens an sich, sondern unmitt
el
bar auf die Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich gerichtet
und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgaben
be
reich zu betätigen, dauernd und wesentlich zu verbessern oder vor wesentlicher Beeinträchtigung zu bewahren (Abs. 1).
Der Bundesrat ist befugt, die Massnahmen gemäss Abs. 1 von jenen, die auf die Behandlung des Leidens an sich gerichtet sind, abzugrenzen. Er kann zu diesem Zweck insbesondere die von der Versicherung zu gewährenden Massnahmen nach Art und Umfang näher umschreiben und Beginn und Dauer des Anspruchs regeln (Abs. 2)
1.
2
Versicherte haben bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch auf die zur Be
hand
lung von Geburtsgebrechen (Art. 3 Abs. 2
des
Bundesgesetz
es
über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrech
ts, ATSG
) notwendigen medizini
schen Massnahmen (Art. 13 Abs. 1 IVG). Der Bundesrat bezeichnet die Gebrechen, für welche diese Massnahmen gewährt werden. Er kann die Leistung ausschliessen, wenn das Gebrechen von geringfügiger Bedeutung ist (Art. 13 Abs. 2 IVG).
Als Geburtsgebrechen gelten diejenigen Krankheiten, die bei vollendeter Geburt bestehen (Art. 3 Abs. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 Satz 1
der
Ve
ror
dnung über Geburtsgebrechen,
GgV
). Die blosse Veranlagung zu einem Leiden gilt nicht als Geburtsgebrechen. Der Zeitpunkt, in dem ein Geburtsgebrechen als solches erkannt wird, ist unerheblich (Art. 1 Abs. 1
GgV
). Die Geburtsgebrechen sind in der Liste im Anhang aufgeführt. Das Eidgenössische Departement des Innern kann die Liste jährlich anpassen, sofern die Mehrausgaben einer solchen Anpassung für die Versicherung insgesamt drei Millionen Franken pro Jahr nicht übersteigen (Art. 1 Abs. 2
GgV
). Als medizinische Massnahmen, die für die Be
hand
lung eines Geburtsgebrechens notwendig sind, gelten sämtliche Vorkehren, die nach bewährter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft angezeigt sind und den therapeutischen Erfolg in einfacher und zweckmässiger Weise anstreben (Art. 2 Abs. 3
GgV
).
1.
3
Die medizinischen Massnahmen umfassen gemäss Art. 14 Abs. 1 IVG die Be
handlung, die vom Arzt oder von der Ärztin selbst oder auf ihre Anordnung durch
medizinische Hilfspersonen in Anstalts- oder Hauspflege vorgenommen wird (
lit
. a
),
mit Ausnahme von logopädischen und psychomotorischen Therapien
,
so
wie die Abgabe der vom Arzt oder der Ärztin verordneten Arzneien (
lit
. b). Beim Entscheid über die Gewährung von ärztlicher Behandlung in Anstalts- oder Haus
pflege ist auf den Vorschlag des behandelnden Arztes oder der behandelnden Ärztin und auf die persönlichen Verhältnisse der versicherten Person in ange
messener Weise Rücksicht zu nehmen (Art. 14 Abs. 3 IVG).
Als medizinische Massnahmen im Sinne dieser Bestimmung gelten sämtliche Vorkehren, die nach bewährter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft ange
zeigt sind und den therapeutischen Erfolg in einfacher und zweckmässiger Weise anstreben (Art. 2 Abs. 3
GgV
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) fest,
ge
mäss Art. 14 Abs.
1
IVG bestehe für die Übernahme der beantragten gene
ti
schen Labordiagnostik keine Grundlage, da es sich um eine diagnostische Leis
tung handle. Aus dieser könne - bei bereits lange vorher zugesprochenen Leistungen für Geburtsgebrechen - keine Therapie abgleitet werden, die nicht ohnehin aus
gehend von klinischem Verlauf, EEG-Kontrollen, MRI-Befunden und nichtge
ne
tischen Laborbefunden eingeleitet worden sei und in Zukunft eingeleitet werde. Für Nebenwirkungen der bisherigen antikonvulsiven Therapie mit zwei Medika
menten gebe es keine
Hinweise (S. 1).
In der Beschwerdeantwort vom
10. Oktober 2018 (Urk. 6) führte die Be
schwer
degegnerin weiter aus, die bisherige Abklärung und Behandlung des Leidens der Beschwerdeführerin sei
tens des Kinderspitals Z._
sei hochqualifiziert, sehr gründlich und in Übereinstimmung mit der herrschenden Lehrmeinung erfolgt. Für das Vor
liegen der - zur Begründung der Wichtigkeit einer genetischen Diagnose
–
ge
nannten Leiden gebe es keine Anhaltspunkte. Aus der molekulargenetischen Diag
nostik liessen sich keine zusätzlichen therapeutischen Konsequenzen ablei
ten, die nicht auch ohne molekulargenetische Befunde abgeleitet werden könnten (S. 1). Eine genetische Diagnostik sei daher hinsichtlich der weiteren Behandlung weder notwendig noch einfach oder zweckmässig beziehungsweise eingliede
rungs
wirksam im
IV
-rechtlichen Sinn (S.
2).
2.2
Demgegenüber stellte sich
die
Versicherte
im Wesentlichen
au
f den Standpunkt (Urk. 1
),
s
eit vier Jahren leide sie an Epilepsie. Die derzeitige medika
mentöse Be
handlung sei nicht zu
friedenstellend, da es immer wieder zu fokalen, therapie
resi
stenten epileptischen Anfällen mit Bewusstseinsminderung komme. Mit einer genetischen Analyse hoff
e sie auf
gezielte Therapiemöglichkeiten, die ihr best
möglich ein beschwerdefreies
Leben
gewährleisten könnten. Eine genetische Diag
nose könne Vorsorgemassnahmen treffen, die weitere Krankheitsbilder auszu
schliessen vermögen. Sollte sie weiterhin nicht adäquat therapiert werden können,
würden sich die Beeinträchtigungen voraussichtlich bis ins Erwachsenenalter manifestieren (S. 1).
In der Replik vom 5. Dezember 2018 (Urk. 11) führte sie weiter aus, es liege eine eindeutige Indikation für eine molekulargenetische Untersuchung vor. Sie müsse auf das Vorliegen eines neurokutanen Syndroms abgeklärt werden, um mögliche bleibende Folgeschäden zu verme
iden
beziehungsweise
reduzieren zu können (S.
1).
2.3
Strittig ist, ob die Beschwerdegegnerin die Kosten einer molekulargenetischen Untersuchung zu übernehmen hat.
3.
3.1
Die
Ärzte
des
Kinderspitals Z._
, Abteilung für klinische Neurophy
siolo
gie/EEG
, nannten im Bericht vom 19. Dezember 2014 (Urk. 7/6/2-4)
als Diagnose fokale epileptische Anfälle mit Bewusstseinsminderung (Ziff. 1.1). Dazu führten sie a
us, die Ätiologie der Epilepsie sei unklar (Ziff. 2.5). Der Behandlungsplan bestehe aus regelmässigen neuropädiatrischen Kontrollen mit EEG und einer antikonvulsiven Medikation aktuell mit
Levetriacetam
, gegebenenfalls sei im Verlauf eine Um
stellung notwendig (Ziff. 2.7).
3.2
Dr. med.
A._
, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, RAD, führte in seiner Stellungnahme vom 27. Februar 2015 (Urk. 7/7) aus,
bei Nachweis von Anfällen, pathologischem EEG und Dauermedikation könn
t
en
die Voraus
setzungen gemäss
GgV
Ziff. 387
aus
versicherungsmedizinischer Sicht
als erfüllt gelten
und
die
Kosten für die Behandlung des Geburtsgebrechens für die Dauer von fünf Jahren
übernommen
werden.
3.3
Die Ärzte des
Instituts für Medizinische Genetik der Universität
B._
führten in einer Stellungnahme
vom 19. September 2017 (Urk. 7/10) aus,
d
ie
Versicherte
weise eine Epilepsie unklarer Ursache mit unklarer Hyperintensität in der rechten
Crus
cerebri im MRI und eine ausgedehnte retikuläre
kapilläre
Malformation auf. In Zusammenschau der Befunde sei eine genetische Ursache sehr wahrschei
nlich. Man erach
te eine speditive genetische Abklärung zur Einordnung der Epil
epsie als indiziert. Denn solan
ge keine spezifische Diagnose bestehe, die das Krank
heits
bild ausreichend erkläre, seien ihr auch spezifische Behandlungspläne vor
ent
halten. Medik
amentöse Behandlungsweisen könn
ten je nach genetischem Be
fund spezifisch auf den Patienten zugeschnitten werden. Des Weiteren erlaube eine spezifische genetische Diagnostik
,
dem zu erwartenden Verlauf ent
sprechend rechtzeitige Untersuchungen oder Behandlungen
in die Wege zu leiten, um mög
li
che Komplikationen zu vermeiden.
3.4
Die
Ärzte
des
Z._
, Abteilung Bilddiagnostik/Radiologie, berich
teten am 23. Oktober 2017 (Urk. 7/12/4-5) von einem MR des Kopfs und des Halses und
führten aus, im Verlauf bestehe eine unveränderte kleine
hyperintense
Läsion im
Crus
cerebri rechts bei Verdacht auf
low
grade Gliom. Es bestehe keine Gefässmalformation zervikal oder intrakraniell.
3.5
Prof. Dr. med.
C._
, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin,
RAD,
führte in seiner Stellungnahme vom 19. März 2018 (Urk. 7/13/3) aus, g
e
mäss Art. 14 Abs. 1
IVG
bestehe für die Übernahme der
beantragten genetischen Labordi
agnostik keine Grundlage, da es sich um eine diagnostische
Leistung handle, aus der bei be
reits lange vorher zugesprochenem Geburtsgebrechen keine Therapie abgeleitet
werden kön
ne, die nicht ohnehin ausgehend von klinischem Verlauf, EEG-Kontrollen,
cMRI
-Befunden und nichtgenetischen Laborbefunden eingeleitet worden sei
und in Zukunft eingeleitet wer
de. Für Nebenwirkungen der bisherige
n antikonvulsiven Therapie mit zwei
Medikamenten gebe es keine Hin
weise.
3.6
Die
Ärzte
des Instituts für Medizinische Genetik
der Universität
B._
führten in der Stellungnahme vom 6. Juli 2018 (Urk. 7/16/6-8 = Urk. 3) aus,
da die
Versi
cherte
trotz Einnahme
von
Keppra
immer noch wiederkehrende Anfälle habe, sei eine molekulargenetische Diagnose von grosser Wichtigkeit, um die medika
men
töse Behandlung optimieren zu können und um das weitere Vorgehen zu be
stimmen.
3.7
Prof.
C._
(vorstehend E. 3.5), RAD, führte in seiner Stellungnahme vom 21./24. September 2018 (Urk. 7/17)
mit Hinweisen auf
die herrschende Lehrmeinung und
entsprechende Fachliteratur
aus, die hier vorliegende kindliche Epilepsie sei gründ
lich abgeklärt und im Verlauf Schritt für Schritt eine entsprechende Be
hand
lung veranlasst
worden
. Da bisher keine Blutspiegel der
Antikonvulsiva
ange
geben worden seien, könne angenommen werden, dass diesbezüglich noch Dosierungs
reserven bestehen könnten, um die Behandlung mit den derzeit zwei Medika
menten noch genauer zu steuern, wobei für die vorliegende Epilepsieform im Verlauf weitere Medikamente als Reserve oder Alternative zu Verfügung stünden
(S. 3 oben).
Die im Bericht vom 6. Juli 2018
(vorstehend E. 3.6)
angegeben
en
Medikamente
würden
für die hier vorliegende Epilepsieform nicht in Betracht
kommen.
Stiri
pentol
werde
nur beim
Dravet
-Syndrom (
schwere
myoklon
ische
Epilepsie) emp
foh
len. Ein
Dravet
-Syndrom
liege
nicht vor, da es si
ch beim
Dravet
-Syndrom um eine «
schwere epileptische Enzephalopathie, di
e im frühen Kindesalter beginnt»
,
handle
. Eine Enzephalopathie
liege
nicht vor. Der erste Anfall
sei
erst im Alter von
zehn
Jahren auf
getreten
.
«
Der Kernphänotyp des Syndroms zeigt epileptische Anfälle, kognitive Einschränkung
en, Verhaltensauffälligkeiten und
eine Ataxie
»
.
Eine Ataxie sei im ausführlichen neurologischen Status nicht beschrieben worden
.
Ethosuximid
werde
bei generalisierten Epilepsien mit Fieberkrämpfen, bei
myok
lonischen
Absenzen sowie b
ei
myoklonisch-astatischen
Krämp
fen empfohlen. Diese Leiden
würden
nicht vor
liegen
.
Clobazam
werde
bei Frontallappenepilepsie, Temporallappenepilepsie, generalisierten Epilepsien mit Fieberkrämpfen und Epi
lep
sien mit
Hippokampussklerose
empfohlen
. F
ür diese Leiden
bestünden
bei
der Versicherten
keinerlei Anhaltspunkte
(S. 3 Mitte)
.
In den
drei
MRI-Befunden
würden
im Gegensatz zu den Angaben in den
Anträgen zur molekulargenetischen Untersuchung
keine
kortikalen
Architekturstö
run
gen des Gehirns beschrieben. Für eine fokale kortikale Dysplasie
fänden
sich ebenfalls keine Anhaltspunkte. Gefässmalformationen des Gehirns u
nd
im Halsbereich
hätten sich in den MRI-Untersuchungen ebenfalls nicht finden lassen. Für schwer
wiegende n
e
urokutane
Erkrankungen
wie
Neurofibromatose
,
t
uberöse
Skle
rose
oder ein
Sturge
-Weber-Syndrom, die im Zusammenhang mit Epilepsie stehen könn
t
en,
seien
in den hier vorliegenden Arztberichten keine Anhalts
punkte zu finden. Die sich in der Gr
ö
sse nicht verändernde
hyperintense
Läsion von 3
mm Durchmesser
sei
im Ergebnis mehrfacher
Kontrollen
und in der Zusam
menschau verschiedener MRI-Untersuchungstechniken als
niedriggradiges
Gliom beschrie
ben worden. Aus diesen Befunden könne nicht auf die im Bericht vom 6. Juli 2018
vermuteten Leiden mit
Darmpolypen geschlossen werden (S. 3 unten).
Aus der be
antragten Leistung könnten nach derzeitigem Kenntnisstan
d, auf der Grundlage der vorlie
genden Arztberichte und gestützt auf die herrschende Lehr
meinung keine therapeutischen Konsequenzen abgeleitet werden, die nicht ohne
hin bisher
und im weiteren Verlauf auch oh
ne Kenntnis molekulargenetischer Befunde abgeleitet werden könnten
.
Aus dem geschilderten Verlauf
werde
deut
lich, dass eine hochqualifizierte Abklärung und Behandlung auch ohne Kenntnis molekulargenet
ischer
Befunde erfolgt
sei
und auch in Zukunft erfolgen
könne
(S.
3 unten).
Sofern Hinweise oder Befürchtungen in Bezug auf neurokognitive Einschränkungen
bestünden
,
könne
entsprechende neuropsychologische Diag
nos
tik beantragt werden und über
Blutspiegelmonitorin
g
könnte allenfalls eine
Dosis-Optimierung in Betracht gezogen werden. Aus molekulargenetischen Befun
den könn
t
en derartige therapeutische und diagnostische Hilfeste
llungen nicht abgeleitet werden
.
Gemäss Art. 14 Abs. 1
lit
.
a IVG besteh
e
aus versiche
rungs
medizinischer Sicht keine Grundlage zur Finanzierung der molekulargenetischen Diagnostik, da sich daraus keine therapeutischen Konsequenzen ableiten
liessen
, die nicht bereits aus den zahlreichen und gut dokumentierten Befunden und Verlaufsberichten gezogen worden und in Zukunft zu erwarten
seien
(S. 4 oben).
3.8
Prof. Dr. Dr. med.
D._
, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Ab
tei
lungsleiter
Neurologie
,
Kinderspital
Z._
, nannte im Bericht vom 27. Novem
ber 2018 (Urk. 12/2)
folgende
Diagnosen
(S. 1 Mitte):
-
fokale Epilepsie (Erstdiagnose August 2014)
-
Verdacht auf Low Grade-Gliom im
Crus
cerebri rechts
-
V
erdacht auf
neurokutane Erkrankung (kutanes Mosaik mit ausgedehnter retikulärer
kapillärer
Malformation)
Er führte aus, erfreulicherweise habe die Versicherte seit Mai 2018 keine Krampfanfälle durchgemacht, weshalb er die Medikation schrittweise verringert habe (S. 2 Mitte).
Entgegen der gutachterlichen Stellungnahme
bestehe
eine eindeutige Indikation für eine molekulargenetische Untersuchung. Insbesondere müsse
die Versicherte
auf das Vorliegen ei
nes neurokutanen Syndroms hin abge
klärt werden, um mögliche bleibende Folgeschäden zu vermeiden beziehungs
weise
reduzieren zu können
(S. 2)
.
3.9
In der Stellungnahme vom 5. Dezember 2018 (Urk. 12/1) führten die Ärzte
des Instituts für Medizinische Genetik aus, e
ine molekulargenetische Untersuchung sei indiziert, da der Verdacht auf ein neurokutanes Syndrom/
Neurokristopathie
bestehe.
E
ine
Diagnosensicherung
wäre wichtig, um mögliche bleibende Folge
schäden zu vermeiden beziehungsweise reduzieren zu können
(S. 1)
.
Eine gene
tische Diagnose wäre von grosser Wichtigkeit, um das weitere Vorgehen zu be
stimmen (S. 2).
3.10
Prof.
C._
(vorstehend E. 3.5), RAD, führte in der Stellungnahme vom 22. Janu
ar 2019 (Urk. 15) aus,
a
us versicherungsmedizinischer Sicht sollte in Bezug auf die Hautveränderungen auf die von PD Dr. med.
E._
gestellte Diagnose abge
stellt werden,
die
seit 2012 die Leitende
Ärztin
für Pädiatrische
Dermatologie im
Kinderspital
Z._
sowie Fachärztin für
Kinder- und Jugendmedizin und für
Dermatologie
sei. Nach
herrschender Lehrmeinung
seien
systemische Manifesta
tionen bei
Phakomatosis
pigmentovascularis
sehr selten.
Das Leiden
sei
demnach überwiegend auf die Haut begrenzt.
Für «
n
eurokutane Syndrome»
bestünden
keine Anhaltspunkte. Nach herrschender Lehrmeinung
würden
zu dieser Krank
heitsgruppe
neun
definierte Erkrankungen wie
Neurofibromatose
,
tuberöse
Skle
rose,
Sturge
-Weber-Syndrom, von Hippel-Lindau-Syndrom, PHACE (ein Syndrom
mit Malformationen im Bereich der hinteren Schädelgrube, die hier in 3 MRI-Untersuchungen ausgeschlossen worden
seien
),
Ataxia
teleangiectasia
, Linear
Ner
vus
Syndrome,
Hypomelanosis
und
Incontinentia
pigmenti
gehören.
Diese Leiden
seien
in den zahlreichen Arztberichten bisher an keiner Stelle in Betracht gezogen worden. Auch bei nochmaliger Durchsicht aller Arztberichte
fänden
sich
keine Befunde, die für diese Leiden sprechen würden
(S. 2 oben)
.
Für «
Neuro
kristopathie-Syndrome
»
gebe
es ebenfalls keine Anhaltspunkte, da diese Leiden definiert
seien
als Neuroblastome in Assoziation mit kongenitalem zent
ralem
Hypoventilationssyndrom (
Undine-Syndrom, CCHS = beatmungspflichtige Kinder
von Geburt an oder in einzelnen Fällen ab dem f
rühen Kleinkindesalter in soge
nannten
late
-
onset
-CCHS-Fällen) und/oder in Verbindung mit Morbus Hirsch
sprung, für den hier ebenfalls keine Anhaltspunkte
bestünden
. PHOX2B-Gen-Unter
suchungen, die bei Verdacht auf
Neurokristopathie
in Betracht kommen würden,
seien
nicht geplant
worden
(S.
2 Mitte)
.
Soweit im Bericht vom 19.
Septem
ber
2017 ausgeführt worden sei, dass
die molekulargenetischen Labor
be
funde auf die Behandlung der fokalen Epilepsie Einfluss haben könnten
, sei in der letzten Stellungnahme bereits ausgeführt worden, dass die angeführten Medi
kamente bei der Versicherten nicht in Betracht kommen würden.
Denn die Be
handlung von kindlichen Epilepsien orientiert sich zuerst am klinischen Bild der Anfälle, an den Begleitu
mständen (mit/ohne Fieber etc.) sowie
an den EEG- u
nd
cMRI
-Befunden
.
Gemäss Bericht vom 6. Juli 2018 solle nach
genetischen Ursa
chen kortikaler Architekturstörungen wie die fokale kortikale Dysplasie gesucht werden, obwohl in bisher drei
cMRI
-Untersuchungen v
om
10.
November
2014, 18.
Mai
2015 und 23.
Oktober
2017 keinerlei Hinweise für derartige morpholo
gisch erkennbare Veränderungen ausgewiesen
worden seien
. Für
Medulloblas
tome
und
Meningeome
liessen
sich bisher ebenfalls keine Anhaltspunkte
finden
. Eine Untersuchung der Nieren
zum Beispiel
mittels Ultraschall
sei
aus klinischer Sicht bisher nicht für indiziert gehalten worden. Mittels Ultraschall oder MRI könnten Wilmstumore (=
Nierentumor) auch ohne Kenntnis molekulargenet
ischer
Befunde erfasst werden. Da der Häufigkeitsgipfel von Wilmstumoren im 2./3.
Lebens
jahr
liege
, besteh
e
aus versicherungsmedizinischer Sicht kein nach
vollziehbarer Grund, nach Genmutationen zu suchen, die allenfalls mit diesem Tumor assoziiert sein könnten
(S. 2 unten)
.
Für d
en
im Bericht vom
5.
Dezember
2018
(vorstehend E. 3.9) ü
ber die von dermatologischer
beziehungsweise
neuro
logischer Seite gestellten Diagnosen hinausgehend
geäusserten
dringenden Ver
dacht auf eine
Neurokristopathie
bestünden
definitionsgemäss keine Anhalts
punkte, da bei
der Versicherten
keine Beatmung erforderlich
sei
und auch keine angeborenen Darmleiden (Morbus Hirschsprung) vorl
ä
gen
(S.
2 f.
)
.
D
a die beantragte molekulargenetische Diagnostik keine erkennbaren Auswir
kungen auf die Behandlung habe, sei aus versicherungsmedizinischer Sicht k
ein Anspruch auf Erstattung die
ser Diagnostik durch die IV-Stelle erkennbar. Ange
sichts d
es Diagnosewandels sei nicht er
kennbar, ob und wie der betroffenen Person und deren Elt
ern die entsprechenden Diagnose
gruppen erneut erläutert worden seien
(S. 3 Mitte)
.
4.
4.1
Gemäss Art. 2 Abs. 1 Satz 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) gelten als medizinische Massnahmen im Sinne von Art. 12 IVG (vgl. vorstehend E. 1.2) namentlich chirurgische, physiotherapeutische und psychotherapeutische Vorkehren, die eine als Folgezustand eines Geburtsgebrechens, einer Krankheit oder eines Unfalls eingetretene Beeinträchtigung der Körperbewegung, der Sinnes
wahrnehmung oder der Kontaktfähigkeit zu beheben oder zu mildern trachten, um die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, dauernd und wesentlich zu verbessern oder von wesentlicher Beein
trächtigung zu bewahren.
4.2
De
n
Bericht
en
der Ärzte
des Institut
s
für Medizinische Genetik lässt sich ent
nehmen, dass die
molekular
genetische Abklärung zur Einordnung der Epilepsie
dient (vgl. vorstehend E. 3.3) und eine molekulargenetische Diagnose
beziehungs
weise
eine Diagnosesicherung zur Optimierung der medikamentösen Behandlung und des weiteren Vorgehens
von den Ärzten des
Z._
als
äusserst
wichtig erachtet
wird
(vgl. vorstehend E.
3.3, E.
3.6, E. 3.8-9).
Hierzu
führte
Prof.
C._
,
RAD
,
in seinen Stellungnahmen
eingehend und mit Verweis
auf
die entspre
chende
Fachliteratur
nachvollziehbar aus, dass die vorliegende kindliche Epilep
sie sehr gründlich und in Übereinstimmung mit der herrschenden Lehrmeinung abgeklärt, die Diagnose fokale Epilepsie mit sekundär generalisierten Anfällen gestellt und im Verlauf Schritt für Schritt eine entsprechende Behandlung ver
anlasst worden sei.
Aus der beantragten Leistung könn
t
en nach dem derzeitigen Kenntnisstand, auf der Grundlage der vorliegenden Arztberichte und gestützt auf die herrschende Lehrmeinung keine therapeutischen
Konsequenzen abgeleitet werden, die nicht ohnehin bisher und im weiteren Verlauf auch ohne Kenntnis molekulargenetischer Befunde abgeleitet werden könn
t
en. Aus dem hier ge
schilderten Verlauf
werde
deutlich, dass eine hochqualifizierte Abklärung und Behandlung au
ch ohne Kenntnis molekulargenetische
Befunde erfolgt
sei
u
nd auch in Zukunft erfolgen könne
(vgl. vorstehend E. 3.7 und E. 3.10).
V
on ihrer Zielrichtung her stellt die molekulargenetische Untersuchung
nach dem Gesagten
in erster Linie
keine therapeutische, sondern eine
vorwiegend
diagnos
tische Vorkehr dar. Diagnostische Vorkehren allein gelten jedoch mangels thera
peu
tischen Charakters nicht als medizinische Massnahmen im Sinne von Art. 12 f.
IVG (vgl. AHI 1999 S. 43 E. 3a).
4.3
Eine Leistungspflicht kommt vorliegend allenfalls unter dem Gesichtswinkel der Abklärungsmassnahme im Sinne von Art. 78 Abs. 3 IVV in Betracht (vgl. AHI
1999 S. 43 E. 3a), wonach die Kosten von Abklärungsmassnahmen von der Ver
siche
rung getragen werden, wenn die Massnahmen durch die IV-Stelle ange
ordnet wurden oder, falls es an einer solchen Anordnung fehlt, soweit sie für die Zusprechung von Leistungen unerlässlich waren oder Bestandteil nachträglich zugesprochener Eingliederungsmassnahmen bilden.
Gemäss höchst
ge
richtlicher Rechtsprechung ist dafür jedoch erforderlich, dass gewichtige Hinweise für die Unrichtigkeit oder Unvollständigkeit der aktuellen Diagnose
bestanden
, von der fraglichen Massnahme tatsächlich ein genaueres und umfassenderes Krankheits
bild erwartet werden
konnte
und gestützt darauf eine andere Therapie als die bisher angewendete in Betracht fallen
konnte
(Urteil des
Bundesgerichts
I
322/05
vom
5. Dezember 2005
E. 5.1.2).
Die Beschwerdegegnerin sprach de
r
Versicherten mit Mitteilung vom
17. März 2015
medizinische Massnahmen zur Behandlung des Geburtsgebrechens Ziff.
387
(
angeborene Epilepsie
) gemäss
GgV
-Anhang vom
24. Oktober 2014 bis 31. Okto
ber 2019
zu (Urk.
7/8
). Daraus folgt, dass die Beschwerdegegnerin
der
Versicher
ten Leistungen, namentlich medizinische Massnahmen, bereits vor der
geplanten
molekulargenetischen Untersuchung zugesprochen hat, weshalb Letztere nicht für die Zusprechung v
on Leistungen unerlässlich
war
.
Vorliegend ergeben sich aufgrund
der Berichte der behandelnden Är
zte
zudem
keine Hinweise darauf, dass die gestellte Diagnose einer fokalen Epilepsie unrichtig oder unvollständig wäre. Dass mittels der zusätzlich beantragten molekulargenetischen Diagnostik
die medi
kamentöse Behandlung optimiert
und die spezifische genetische Diagnostik dem zu erwartenden Verlauf entsprechend rechtzeitige Untersuchungen oder Behandlungen in die Wege zu leiten erlaub
e (
vorstehend. E. 3.3, E. 3.6), ändert daran nichts.
Sodann liegen gestützt auf die ausführlichen Stellungnahmen von Prof.
C._
des RAD keine Hinweise dafür vor, dass gestützt auf die Ergebnisse der molekulargenetischen Diagnostik eine andere als die bisher für die Epilepsie angeordnete Therapie in Betracht kommen könnte. Vielmehr geht es
darum, die Therapie zu optimieren und den Entscheid bezüglich der Prophylaxe zu erleich
tern, nicht aber, diese grundlegend zu ändern.
Schliesslich vermag auch die Begründung, dass die Versicherte mittels molekulargenetischer Untersuchung auf
das Vorliegen eines neurokutanen Syndroms abgeklärt werden müsse (vgl. Urk.
11
)
,
nicht durchzudringen. So bestehen für neurokutane Syndrome wie im Übrigen auch für
Neurokristopathie
-Syndrome keinerlei Anhaltspunkte (vgl. vor
stehend E. 3.10).
Dass die Bestätigung der präziseren Diagnose eine notwendige Voraussetzung für die Behandlung
der Versicherten
darstellt (vgl.
Rz
1020 des Kreisschreibens über
die medizinischen Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung, KSME
)
,
ist nach dem Gesagten
ebenfalls
nicht
ausgewies
en
.
4.4
Insgesamt sind damit die Voraussetzungen für die Kostenübernahme der moleku
largenetischen Diagnostik
durch die Invalidenversicherung
nicht erfüllt und die angefochtene Verfügung vom
25. Juni 2018
erweist sich als rechtens. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
5.
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr.
500.-- festzusetzen und ausgangsgemäss de
r
Versicherten aufzuerlegen.