# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** e57939ce-145b-4755-97d5-f9a7ac67f533
**Court:** SG_VB
**Chamber:** SG_VB_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

Sachverhalt
A.
D. und E._ sind Eigentümer der Grundstücke Nrn. 001 und 002,
Grundbuch Z._, an der W._strasse in Z. Die Grundstücke liegen
gemäss geltendem Zonenplan der Gemeinde Z._ vom 19. Juni
1996 bzw. 14. September 2015 in der Wohnzone W2a und grenzen im
Westen an das in der Landwirtschaftszone gelegene Grundstück
Nr. 003, auf welchem Obstbau betrieben wird. Das Grundstück
Nr. 001 ist mit einem Einfamilienhaus (Vers.-Nr. 004) überbaut und
wird über die W._strasse (Gemeindestrasse 3. Klasse) erschlossen.
Die W._strasse mündet in östlicher Richtung in die N._strasse
(Gemeindestrasse 1. Klasse). Das Grundstück Nr. 002 ist unüberbaut.
B.
a) Mit Baugesuch vom 28. März 2017 beantragten D. und E._
bei der Gemeinde Z._ die Baubewilligung für den Abbruch des be-
stehenden Einfamilienhauses (Vers.-Nr. 004) und die Erstellung eines
Mehrfamilienhauses mit fünf Wohnungen und einer Tiefgarage auf den
Grundstücken Nrn. 001 und 002.
b) Innert der Auflagefrist vom 11. bis 24. April 2017 erhoben A. und
B._, vertreten durch lic.iur. Othmar Somm, Rechtsanwalt, St.Gallen,
sowie C._, vertreten durch Dr.iur. Werner Ritter, Rechtsanwalt, Wid-
nau, Einsprache gegen das Bauvorhaben.
c) Mit Beschluss vom 19. Dezember 2017 erteilte der Gemeinderat
Z._ die Baubewilligung unter Bedingungen und Auflagen und wies
die Einsprache von A. und B._ ab. Zur Begründung wurde im We-
sentlichen geltend gemacht, der Niveaupunkt sei korrekt ermittelt wor-
den und das Bauvorhaben führe nicht zu einer Übernutzung der Bau-
grundstücke. Im Übrigen seien auch das Attikageschoss, der kleine
Grenzabstand und die Umgebungsgestaltung korrekt. Die geplante
Erdsonde sei zudem vom Amt für Wasser und Energie (AWE) mit Ver-
fügung vom 8. November 2017 bewilligt worden.
d) Ebenfalls mit Beschluss vom 19. Dezember 2017 wies der
Gemeinderat Z._ die Einsprache von C._ ab. Zur Begründung
wurde im Wesentlichen geltend gemacht, die Sicherheit in Bezug auf
die Baugrube sei gegeben und für allfällige Erschütterungen durch
Bauarbeiten werde eine entsprechende Auflage verfügt. Im Übrigen
sei die Aufteilung des Grenzabstands gerechtfertigt und auch das At-
tikageschoss halte die Vorschriften ein. Schliesslich wurde auch die
privatrechtliche Einsprache nach Art. 684 des Schweizerischen
Zivilgesetzbuches (SR 210; abgekürzt ZGB) abgewiesen.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 59/2019), Seite 3/26
C.
a) Gegen diesen Beschluss erhoben A. und B._ durch ihren
Rechtsvertreter mit Schreiben vom 17. Januar 2018 Rekurs beim Bau-
departement (Nr. 18-361; im Folgenden Rekurs 1). Mit Rekursergän-
zung vom 16. Februar 2018 werden die Aufhebung des Einsprache-
entscheids sowie der Baubewilligung und die Abweisung des Bauge-
suchs unter Kostenfolgen beantragt. Zur Begründung wird geltend ge-
macht, die mit dem Baugesuch betrauten Mitglieder der Bauverwal-
tung hätten in den Ausstand treten müssen. Darüber hinaus seien die
Baugrundstücke nicht hinreichend erschlossen. Weiter füge sich das
Bauvorhaben ungenügend in die Landschaft ein, sei verunstaltend und
verletze ortsbildschützerische Vorgaben. Im Übrigen verletze das Bau-
vorhaben verschiedene Regelbauvorschriften.
b) Weiter erhob auch C._ durch seinen Rechtsvertreter mit
Schreiben vom 18. Januar 2018 Rekurs beim Baudepartement (Nr.
18-388; im Folgenden Rekurs 2). Mit Rekursergänzung vom 16. Feb-
ruar 2018 werden die Aufhebung des Einspracheentscheids sowie der
Baubewilligung und die Verweigerung der Baubewilligung, eventuali-
ter die Rückweisung an die Vorinstanz, unter Kostenfolgen beantragt.
Zur Begründung wird geltend gemacht, die Baugrundstücke seien
nicht hinreichend erschlossen. Weiter sei zweifelhaft, ob die Sicherheit
während der Bauphase gewährleistet sei. Diesbezüglich fehle insbe-
sondere ein detaillierter Baugrubenplan sowie ein Sicherheits- und
Kontrollkonzept. Im Übrigen bestehe die Gefahr einer Schädigung der
umliegenden Gebäude.
D.
a) Mit Vernehmlassung vom 2. März 2018 beantragen die Rekurs-
gegner, vertreten durch Dr.rer.publ. HSG Markus Möhr, Rechtsanwalt,
St.Gallen, den Rekurs 1 unter Kostenfolge abzuweisen. Zur Begrün-
dung wird geltend gemacht, von einer Befangenheit der Mitglieder der
Bauverwaltung könne keine Rede sein. Zudem verlaufe die öffentlich
klassierte W._strasse vom Knoten N._strasse/H._
strasse/M._strasse/W._strasse bis zum knapp 40 m entfernten
Baugrundstück Nr. 001 gerade und übersichtlich und genüge für eine
hinreichende Erschliessung. Weiter sei vom Bauvorhaben kein
Schutzgegenstand betroffen, weshalb einzig die Regelbauvorschriften
einzuhalten seien. Eine Verunstaltung sei überdies nicht ersichtlich. Im
Übrigen sei der Niveaupunkt vom Geometer bestätigt worden und
auch die übrigen Regelbauvorschriften seien eingehalten.
b) Mit Vernehmlassung vom 2. März 2018 beantragen die Rekurs-
gegner durch ihren Rechtsvertreter, den Rekurs 2 unter Kostenfolge
abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden könne. Zur Begrün-
dung wird geltend gemacht, das Bauvorhaben sei über die
W._strasse hinreichend erschlossen. Im Übrigen seien die Zweifel
des Rekurrenten 2 in Bezug auf die Sicherheit unbegründet. Schliess-
lich sei auf die zivilrechtliche Rüge nach Art. 685 ZGB nicht einzutre-
ten.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 59/2019), Seite 4/26
c) Mit Vernehmlassung vom 9. März 2018 beantragt die Vorinstanz
den Rekurs 1 unter Kostenfolge abzuweisen. Zur Begründung wird
geltend gemacht, die Erschliessung der Baugrundstücke sei aufgrund
der kurzen Distanz und der geplanten Wohneinheiten genügend. Wei-
ter seien das Baugrundstück und deren Umgebung nicht unter Schutz
gestellt, weshalb das Bauvorhaben aus ästhetischer Sicht nicht zu be-
mängeln sei. Die behördenverbindlichen Instrumente des Richtplans
sowie des Bundesinventars der schützenswerten Ortsbilder der
Schweiz von nationaler Bedeutung (nachfolgend ISOS) seien im Übri-
gen im Baubewilligungsverfahren nicht direkt anwendbar.
d) Mit Vernehmlassung vom 9. März 2018 beantragt die Vorinstanz
den Rekurs 2 unter Kostenfolge abzuweisen. Zur Begründung wird
geltend gemacht, die Erschliessung sei hinreichend und die Verkehrs-
sicherheit nicht gefährdet. Zudem werde die Beeinträchtigung wäh-
rend der Bauphase mittels Auflagen auf einem Minimum gehalten und
die Sicherheit der Baugrube sei hinreichend nachgewiesen.
e) Mit Amtsbericht vom 24. April 2018 führt das kantonale Tiefbau-
amt (TBA) zu den Rekursen 1 und 2 aus, die Ein- und Ausfahrt des
geplanten Bauvorhabens befinde sich rund 35 Meter vom Knoten
N._strasse/M._strasse entfernt und der Verlauf der W._strasse
sei in diesem Bereich gerade und übersichtlich. Da die W._strasse
auch dem Landwirtschaftsverkehr diene, könne sie nicht unter dem
Aspekt einer Grundstückszufahrt betrachtet werden. Insgesamt sei
aufgrund der zu geringen Fahrbahnbreiten und der fehlenden Sicher-
stellung der Sichtzonen eine hinreichende Erschliessung nicht gege-
ben.
E.
a) Das Baudepartement führte am 8. Juni 2018 in Anwesenheit der
Verfahrensbeteiligten sowie eines Vertreters des TBA einen Augen-
schein durch. Dabei wurde unter anderem festgestellt, dass der Kno-
tenpunkt N._strasse/M._strasse grosszügig dimensioniert ist und
eine gute Sicht zum Baugrundstück besteht.
b) Mit Eingabe vom 26. Juni 2018 lassen sich die Rekursgegner
zum Augenscheinprotokoll vernehmen. Aufgrund einer Neubeurtei-
lung der Sichtzonen sowie des Attikageschosses werde ein Korrektur-
gesuch zur nachträglichen Bewilligung bei der Baubewilligungsbe-
hörde eingereicht, weshalb das Verfahren bis dahin zu sistieren sei.
c) Mit Eingabe vom 27. Juni 2018 lässt sich der Rekurrent 2 zum
Augenscheinprotokoll vernehmen.
d) Mit Eingabe vom 6. Juli 2018 lassen sich die Rekurrenten 1 zum
Augenscheinprotokoll vernehmen.
F.
a) Mit Schreiben vom 10. Juli 2018 wurden die Rekurse 1 und 2 bis
zum Entscheid über das Korrekturgesuch sistiert.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 59/2019), Seite 5/26
b) Innert Frist erhoben die Rekurrenten 1 und 2 durch ihre
jeweiligen Rechtsvertreter wiederum Einsprache gegen das
Korrekturgesuch.
c) Mit Beschluss vom 20. November 2018 erteilte der Gemeinderat
Z._ die Baubewilligung für das Korrekturgesuch unter Bedingungen
und Auflagen und wies die Einsprache der Rekurrenten 1 ab, soweit
darauf eingetreten wurde. Weiter wurde auf Grundstück Nr. 001 eine
Sichtzone verfügt.
d) Ebenfalls mit Beschluss vom 20. November 2018 wies der
Gemeinderat Z._ die Einsprache des Rekurrenten 2 ab, soweit da-
rauf eingetreten wurde und erteilte die Baubewilligung für das Korrek-
turgesuch. Zudem wurde eine Sichtzone auf Grundstück Nr. 001 ver-
fügt. Der Antrag auf Durchführung eines Augenscheins wurde abge-
lehnt.
G.
a) Gegen diesen Beschluss erhoben die Rekurrenten 1 durch ihren
Rechtsvertreter mit Schreiben vom 10. Dezember 2018 erneut Rekurs
beim Baudepartement (Nr. 18-8089; im Folgenden Rekurs 3). Mit Re-
kursergänzung vom 7. Januar 2019 werden die Aufhebung des Ein-
spracheentscheids sowie der Baubewilligung und die Abweisung des
Baugesuchs unter Kostenfolgen beantragt.
b) Weiter erhob auch der Rekurrent 2 durch seinen Rechtsvertreter
mit Schreiben vom 12. Dezember 2018 Rekurs beim Baudepartement
(Nr. 18-8174; im Folgenden Rekurs 4). Mit Rekursergänzung vom
25. Januar 2019 werden die Aufhebung des Einspracheentscheids so-
wie der Baubewilligung und die Verweigerung der Baubewilligung,
eventualiter die Bewilligung des Korrekturgesuchs unter Auflagen,
subeventualiter die Rückweisung an die Vorinstanz, unter Kostenfol-
gen beantragt.
c) Mit Vernehmlassung vom 8. Februar 2019 beantragen die
Rekursgegner durch ihren Rechtsvertreter, die Rekurse 3 und 4 unter
Kostenfolge abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden könne.
d) Mit Vernehmlassung vom 18. Februar 2019 beantragt die
Vorinstanz die Rekurse 3 und 4 unter Kostenfolge abzuweisen.
e) Mit Amtsbericht vom 22. März 2019 führt das TBA zu den
Rekursen 3 und 4 aus, die Sichtverhältnisse seien nicht ausreichend
und der Haltepunkt für Fahrzeuge müsste baulich eingegrenzt werden.
Weiter sei eine hinreichende Erschliessung aufgrund der zu geringen
Fahrbahnbreiten nicht gegeben.
f) Mit Eingaben vom 11. April 2019 (Rekurrenten 1) und 26. April
2019 (Rekursgegner) wird zum Amtsbericht des TBA Stellung
genommen.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 59/2019), Seite 6/26
g) Mit Amtsbericht vom 5. Juni 2019 führt die Denkmalpflege zu
den Rekursen 1 und 3 aus, Z._ verfüge gemäss kantonalem
Richtplan über ein Ortsbild von kantonaler Bedeutung. Die
Baugrundstücke seien aufgrund der bestehenden Bebauung sowie
der grossen räumlichen Distanz zum historischen Zentrum für das
schützenswerte Ortsbild von Z._ nicht relevant. Sowohl das Ortsbild
von Z._ als auch die Einzelschutzobjekte Nr. 45 (Wohnhaus W._)
und Nr. 59 (Bildstock X._) würden durch das Bauvorhaben nicht
beeinträchtigt. Eine Zustimmung der kantonalen Denkmalpflege sei
nicht notwendig.
h) Mit Eingabe vom 5. Juli 2019 lassen sich die Rekurrenten 1 zum
Amtsbericht der Denkmalpflege vernehmen.
i) Mit Schreiben vom 20. September 2019 (Rekurrent 2) und
23. September 2019 (Rekurrenten 1) erfolgen weitere Eingaben.
H.
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten in den vor-

## Considerations

genannten Eingaben wird – soweit erforderlich – in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen
1.
1.1 Die Rekurse 1-4 stehen im gleichen rechtlichen und sachlichen
Zusammenhang. Sie betreffen den gleichen Streitgegenstand und
werfen teilweise dieselben Sachverhalts- und Rechtsfragen auf. Es ist
somit zweckmässig, sie verfahrensrechtlich zu vereinigen und durch
einen einzigen Entscheid zu erledigen (GVP 1972 Nr. 30).
1.2 Die Zuständigkeit des Baudepartementes ergibt sich aus
Art. 43bis des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1;
abgekürzt VRP).
1.3 Die Frist- und Formerfordernisse von Art. 47 Abs. 1 und Art. 48
VRP sind erfüllt. Die Rekursberechtigung ist gegeben (Art. 45 VRP).
Auf die Rekurse 1-4 ist – vorbehältlich Erw. 10 und Erw. 11 – einzutre-
ten, soweit die Rekurse 1 und 2 aufgrund des Korrekturgesuchs nicht
gegenstandslos geworden sind.
2.
Am 1. Oktober 2017 ist das Planungs- und Baugesetz (sGS 731.1; ab-
gekürzt PBG) in Kraft getreten und das Baugesetz vom 6. Juni 1972
(nGS 8, 134; abgekürzt BauG) aufgehoben worden (Art. 172 Bst. a
PBG). Die neuen Regelungen im PBG finden allerdings in der Regel
auf Baugesuche erst dann Anwendung, wenn die kommunalen Rah-
mennutzungspläne revidiert und in Kraft gesetzt sind. Mithin sind – so-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 59/2019), Seite 7/26
weit vorliegend überhaupt relevant – weiterhin das BauG und das ent-
sprechende Baureglement anwendbar, mit Ausnahme der gemäss An-
hang zum Kreisschreiben „Übergangsrechtliche Bestimmungen im
PBG“ vom 8. März 2017 (Baudepartement SG, Juristische Mitteilun-
gen 2017/I/1) als unmittelbar anwendbar erklärten Bestimmungen.
3.
Zu den Anträgen auf Durchführungen eines erneuten Augenscheins in
den Rekursen 3 und 4 zum Korrekturgesuch ist festzuhalten, dass sich
die vorliegend entscheidenden tatsächlichen Verhältnisse aus den
Verfahrensakten, insbesondere aus dem Augenscheinprotokoll vom
11. Juni 2018 und dazugehörender Fotodokumentation, und dem öf-
fentlich zugänglichen Geoportal (www.geoportal.ch) ergeben. Auf-
grund des am 8. Juni 2018 durchgeführten Augenscheins sind der Re-
kursinstanz die tatsächlichen Verhältnisse – welche sich seither nicht
massgeblich geändert haben – bekannt. Auf die Durchführung eines
Augenscheins sowie die beantragte Befragung des bereits am Augen-
schein vom 8. Juni 2018 anwesenden Rekurrenten 2 kann daher ver-
zichtet werden (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 1C_281/2015 vom
28. Juni 2016 Erw. 2 mit Hinweisen).
4.
Die Rekurrenten 1 werfen den Mitgliedern der Bauverwaltung vor, sie
seien aufgrund der Freundschaft des Gemeindeingenieurs mit den Re-
kursgegnern derart beeinflusst, dass zumindest der Anschein von Be-
fangenheit erweckt werde.
4.1 Nach Art. 29 Abs. 1 der Bundesverfassung (SR 101; abgekürzt
BV) hat jede Person in Verfahren vor Gerichts- und Verwaltungs-
instanzen Anspruch auf gleiche und gerechte Behandlung sowie auf
Beurteilung innert angemessener Frist. Von der entscheidenden Be-
hörde und deren Mitgliedern wird ein gewisses Mass an Unabhängig-
keit verlangt (G. STEINMANN, Kommentar zu Art. 29 BV, in: EHRENZEL-
LER/MASTRONARDI/SCHWEIZER/VALLENDER [Hrsg.], Kommentar zur
Schweizerischen Bundesverfassung, Zürich 2014, N 16 f. zu Art. 29
BV). Die bundesgerichtlichen Anforderungen an die Unabhängigkeit
der Mitglieder einer Entscheidbehörde werden im kantonalen Recht in
Art. 7 Abs. 1 VRP konkretisiert. Danach haben Behördenmitglieder,
Beamte, öffentliche Angestellte und amtlich bestellte Sachverständige
unter anderem von sich aus in den Ausstand zu treten, wenn sie aus
anderen Gründen befangen erscheinen (Art. 7 Abs. 1 Bst. c VRP).
Grundsätzlich haben sich Ausstandsbegehren immer gegen einzelne
Personen zu richten (vgl. BDE Nr. 48/2019 vom 6. August 2019
Erw. 2.2; Baudepartement SG, Juristische Mitteilungen 2016/III/7),
weil die Befangenheit einen inneren Gemütszustand betrifft. Deshalb
können nur natürliche Personen, nicht aber eine Gesamtbehörde be-
fangen sein (vgl. CAVELTI/VÖGELI, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kan-
ton St.Gallen – dargestellt an den Verfahren vor dem Verwaltungsge-
richt, 2. Aufl., St.Gallen 2003, N 180; B. SCHINDLER, Die Befangenheit
der Verwaltung, Diss. Zürich, Zürich/Basel/Genf 2002, S. 75 ff.; BDE
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 59/2019), Seite 8/26
Nr. 33/2016 vom 28. Juni 2016 Erw. 2.1.2, Baudepartement SG, Juris-
tische Mitteilungen 2016/III/7). Die Rüge der Rekurrenten 1 ist schon
deshalb unbegründet, weil sie sich allgemein gegen die Bauverwal-
tung richtet.
4.2 Der Einwand der Rekurrenten 1 ist aber auch aus nachfolgen-
den Gründen unbehelflich:
4.2.1 Der Ausstandsgrund nach Art. 7 Abs. 1 Bst. c VRP verlangt
nicht, dass die betroffene Person tatsächlich befangen ist. Es genügt,
wenn sie befangen sein könnte oder befangen erscheint. Allein das
persönliche Empfinden einer Partei reicht dafür aber nicht aus. Das
Misstrauen in die Unabhängigkeit und Unparteilichkeit muss durch ver-
nünftige Gründe objektiv gerechtfertigt sein (CAVELTI/VÖGELI, a.a.O.,
N 191). Misstrauen in die Unparteilichkeit kann namentlich in einem
bestimmten subjektiven Verhalten der betroffenen Person oder in
funktionellen und organisatorischen Gegebenheiten begründet sein.
Funktionelle und organisatorische Gründe werden aber nicht grund-
sätzlich als Ausstandsgründe anerkannt (I. HÄNER, Die Beteiligten im
Verwaltungsverfahren und Verwaltungsprozess, Zürich 2000, N 448).
Befangenheit ist in der Regel zu bejahen, wenn eine besonders aus-
geprägte Freundschaft oder Feindschaft besteht. Als befangen gilt
auch, wer ein unmittelbares persönliches Interesse am Ausgang des
Verfahrens hat (CAVELTI/VÖGELI, a.a.O., N 192). In Bezug auf die
Frage, ob eine Vorbefassung zum Ausstand führen muss oder nicht,
ist als massgebliches Kriterium zu prüfen, ob ein konkretes Verfahren
hinsichtlich der sich stellenden Fragen trotz Vorbefassung noch als of-
fen und nicht vorbestimmt erscheint. Keine zum Ausstand führende
Vorbefassung liegt in der Regel vor, wenn ein Gericht in einem frühe-
ren Verfahren die grundsätzlich gleiche Rechtsfrage zu entscheiden
hatte oder wenn eine Angelegenheit zur Neubeurteilung an die untere
Instanz zurückgewiesen oder in einem Revisionsverfahren neu aufge-
rollt wird (CAVELTI/VÖGELI, a.a.O., N 188, 193).
4.2.2 Die Rekurrenten 1 erachten sämtliche Mitarbeitenden der Bau-
verwaltung als befangen, weil der Gemeindeingenieur, F._, auf-
grund einer engen Freundschaft mit den Rekursgegnern von sich aus
in den Ausstand getreten ist. Gemäss Art. 2 Abs. 3 des Baureglements
der Gemeinde Z._ vom 30. März 1999 bzw. 19. Dezember 2014 übt
die Bauverwaltung die Bauaufsicht aus und vollzieht die Beschlüsse
des Gemeinderates. Sie ist zudem Auskunftsstelle in Baugesuchsfra-
gen und berät, wo nötig unter Beizug weiterer Fachleute. Neben F._
gehören der Bauverwaltung G._, H._ und I._ an. Die Rekurren-
ten 1 bringen keine konkreten Gründe vor, weshalb die vorgenannten
Personen im vorliegenden Fall befangen sein sollten. Einzig ein ver-
mutetes kollegiales Verhältnis zu einem befangenen Mitarbeiter reicht
dazu jedenfalls nicht aus. Allein aus dieser Tatsache, die sich in einer
Arbeitsorganisation zwangsläufig ergeben kann, lässt sich weder eine
Vorbefassung noch eine Befangenheit ableiten. Objektive Gründe da-
für, dass G._, H._ oder I._ bei der Behandlung der fraglichen
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 59/2019), Seite 9/26
Baugesuche befangen oder vorbefasst sein könnten, sind nicht er-
sichtlich. Sie vertreten keine eigenen Interessen bei der Beurteilung
der Baugesuche und haben zudem kein Antragsrecht zuhanden des
letztlich entscheidenden Gemeinderates. Die Ausstandsbegehren ge-
gen die Mitarbeitenden der Bauverwaltung sind unbegründet und folg-
lich abzuweisen.
5.
Die Rekurrenten 1 und der Rekurrent 2 rügen, das Bauvorhaben sei
nicht hinreichend erschlossen.
5.1 Nach Art. 22 Abs. 2 Bst. b des Bundesgesetzes über die Raum-
planung (SR 700; abgekürzt RPG) setzt die Erteilung einer Baubewil-
ligung voraus, dass das Land erschlossen ist. Insbesondere muss
nach Art. 19 Abs. 1 RPG die für die betreffende Nutzung hinreichende
Zufahrt bestehen. Da das Bundesrecht nur allgemeine Grundsätze
enthält, ergeben sich die Anforderungen an die Erschliessung im De-
tail aus dem kantonalen Recht (vgl. B. HEER, St.Gallisches Bau- und
Planungsrecht, Bern 2003, Rz. 508). Nach Art. 67 Bst. a PBG ist Land
strassenmässig dann erschlossen, wenn es über hinreichende Zu-
und Wegfahrten verfügt. Eine Zufahrt ist dann als hinreichend zu be-
trachten, wenn sie tatsächlich so beschaffen ist, dass sie bau- und ver-
kehrstechnisch der bestehenden und der geplanten Überbauung ge-
nügt, den zu erwartenden Fahrzeugen und Fussgängern sicheren
Weg bietet und von den öffentlichen Diensten (namentlich Feuerwehr,
Sanität, Kehrichtabfuhr und Schneeräumung) ungehindert benützt
werden kann, und – wenn sie über fremdes Grundeigentum führt –
rechtlich gesichert ist (vgl. HEER, a.a.O., Rz. 513 mit Hinweisen auf die
Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtes). Nach Art. 63 Abs. 2 des
Strassengesetzes (sGS 732.1; abgekürzt StrG) werden Zufahrten be-
willigt, wenn weder die Strasse beeinträchtigt noch der Verkehr gefähr-
det wird. Weitergehende Konkretisierungen insbesondere hinsichtlich
der Dimensionierung von Zu- und Wegfahrten hat das st.gallische
Recht nicht getroffen. Soweit dem kantonalen Recht keine besonderen
Regeln zu entnehmen sind, darf für die Auslegung und Anwendung
von Art. 67 Bst. a PBG auf den Gehalt von Art. 19 Abs. 1 RPG abge-
stellt werden (vgl. VerwGE B 2012/216 vom 22. Mai 2013 Erw. 3.1 mit
weiteren Hinweisen; BDE Nr. 18/2014 vom 1. April 2014 Erw. 2.1).
Art. 19 Abs. 1 RPG will mit dem Erfordernis der ausreichenden Er-
schliessung vor allem polizeiwidrige Zustände verhindern (EJPD/BRP,
Erläuterungen RPG, Bern 1981, N. 6 zu Art. 19). Es soll sichergestellt
sein, dass keine Bauten entstehen, die wegen fehlender Zufahrten so-
wie Versorgungs- und Entsorgungseinrichtungen feuer- und gesund-
heitspolizeiliche Gefahren bieten oder sonstige öffentliche Interessen
gefährden (WALDMANN/HÄNNI, Handkommentar, RPG 2006, Art. 19
N 12). Die Zufahrt muss die Verkehrssicherheit der übrigen Benützer
(Fussgänger, Radfahrer, Motorfahrzeugfahrer, öffentliche Dienste) ge-
währleisten sowie den Anforderungen des Natur- und Heimatschut-
zes, des Umweltschutzes sowie weiteren wichtigen Anforderungen der
Raumplanung (wie haushälterische Bodennutzung) genügen (Urteil
des Bundesgerichtes 1P.115/1992 vom 6. Mai 1993 Erw. 4, publ. in
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 59/2019), Seite 10/26
ZBl 95/1994 S. 89 und URP 1993 S. 449; A. JOMINI, in: Kommentar
zum RPG, Loseblattsammlung, Stand 2010, N 19 zu Art. 19 ff.
RPG). Was als hinreichende Zufahrt gilt, hängt von der beanspruchten
Nutzung des Grundstücks sowie von den massgeblichen (namentlich
örtlichen) Umständen des Einzelfalls ab (BGE 116 Ib 159 Erw. 6b;
WALDMANN/HÄNNI, a.a.O., Art. 19 N 21). Dies ist grundstücksbezogen
und differenziert zu bestimmen (V. MARANTELLI-SONANINI, Erschlies-
sung von Bauland, Bern 1997, S. 45). Dabei steht den kantonalen und
kommunalen Behörden ein erhebliches Ermessen zu (BGE 121 I 65
Erw. 3a; Urteil des Bundesgerichtes 1P.115/1992 vom 6. Mai 1993
Erw. 4, publ. in ZBl 95/1994 S. 89 und URP 1993 S. 449). Strassen,
welche der Erschliessung von Wohngebieten dienen, müssen ein ge-
fahrloses Kreuzen von Fahrzeugen ermöglichen und genügend Raum
für Fussgänger und Radfahrer freilassen. Nicht unbedingt erforderlich
ist jedoch, dass Kreuzungsmanöver zwischen Motorfahrzeugen auf
der ganzen Strecke möglich sind. Unter Umständen genügen zweck-
mässig angeordnete Kreuzungsstellen (GVP 1988 Nr. 97; HEER,
a.a.O., Rz. 508 ff.; Baudepartement SG, Juristische Mitteilungen
2010/II/2 und 2005/III/19).
5.2 Für die Beurteilung der technischen Anforderungen an eine hin-
reichende Zufahrt sind in der Regel die einschlägigen Normen des
Schweizerischen Verbands der Strassen- und Verkehrsfachleute
(VSS) massgebend. Diese gelten als Richtlinien für die technische
Ausgestaltung einer Strasse bzw. von Anlagen, die dem Verkehr
dienen. Sie bilden ein anerkanntes Hilfsmittel bei der Abklärung der
Frage, ob eine Strassenanlage den Anforderungen der
Verkehrssicherheit genügt. Ihre Anwendung muss indessen vor dem
Grundsatz der Verhältnismässigkeit standhalten, weshalb sie nicht
ungeachtet der konkreten Verhältnisse einem Entscheid zugrunde
gelegt werden dürfen (VerwGE B 2018/246 vom 8. Juli 2019 Erw. 5.3;
VerwGE B 2018/69 vom 19. November 2018 Erw. 2.3; GVP 1990
Nr. 99).
5.3 Die VSS Norm SN 640 045 "Projektierung, Grundlagen: Stras-
sentyp Erschliessungsstrassen" vom April 1992 umschreibt Grund-
sätze für Planung und Projektierung von Erschliessungsstrassen
(Ziff. 2). Erschliessungsstrassen sind Strassen innerhalb besiedelter
Gebiete und haben nur quartierinterne Bedeutung im Strassennetz
(Ziff. 4 Abs. 1). Je nach Grösse und Charakter des zu erschliessenden
Gebiets wird unterschieden zwischen Quartiererschliessungs- und Zu-
fahrtsstrassen sowie Zufahrtswegen (Ziff. 4 Abs. 3). Die Sicherheits-
anforderungen an Erschliessungsstrassen werden allgemein durch
geringe Verkehrsmengen und niedrige Geschwindigkeiten angestrebt,
weshalb der Ausbaustandard generell niedrig anzusetzen ist. Der
Erschliessungsstrassentyp „Zufahrtsweg“ dient der Erschliessung bis
zu 30 Wohneinheiten. Er ist auf den Grundbegegnungsfall
„Personenwagen/Fahrrad bei stark reduzierter Geschwindigkeit“ und
eine durchschnittliche stündliche Verkehrsbelastung von maximal 50
Fahrzeugen ausgerichtet. Für Zufahrtswege genügt ein Fahrstreifen
und sie müssen in der Regel keinen Wendeplatz aufweisen und nicht
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 59/2019), Seite 11/26
durchgehend befahrbar sein. Es handelt sich um Fusswege, die zum
gelegentlichen Befahren mit Motorfahrzeugen vorgesehen und
entsprechend befestigt sind. Für die seltenen Begegnungsfälle
zwischen Motorfahrzeugen können angrenzende Bankettflächen und
Vorplätze einbezogen werden (Ziff. 8 Abs. 6).
5.4 Die W._strasse ist als Gemeindestrasse 3. Klasse
ausgeschieden und erschliesst auf den ersten rund 45 m drei innerhalb
der Bauzone gelegene Wohneinheiten (Grundstücke Nrn. 005, 006
und 001) und führt danach in die Landwirtschaftszone, wo sodann
einzig der Hof mit dem Obstbaubetrieb des Rekurrenten 2 (Grundstück
Nr. 003) erschlossen wird. Durch das geplante Bauvorhaben soll auf
den Grundstücken Nrn. 001 und 002 ein Mehrfamilienhaus mit fünf
Wohneinheiten entstehen, womit inskünftig innerhalb des Baugebiets
sieben Wohneinheiten über die W._strasse erschlossen werden
sollen. Unbestrittenermassen dient die W._strasse sodann als
Zufahrt zum Obstbaubetrieb des Rekurrenten 2. Gemäss den
Amtsberichten des TBA vom 24. April 2018 und 22. März 2019 weist
die W._strasse im Bereich des Grundstücks der Rekurrenten 1 eine
Breite von ca. 3,50 bis 3,65 m – an einzelnen Stellen gemäss grober
Messung der asphaltierten Fläche am Augenschein auch etwas
weniger – und im Bereich des Baugrundstücks eine Breite von ca. 3,65
bis 4,00 m auf. Entgegen den Amtsberichten steht die Strasse dem
allgemeinen Motorfahrzeugverkehr nicht offen (vgl. Art. 8 Abs. 3 StrG).
Gemäss VSS-Norm SN 640 045 handelt es sich bei der W._strasse
grundsätzlich um einen Erschliessungsstrassentyp "Zufahrtsweg", da
dieser zur Erschliessung von Siedlungsgebieten in der Grösse bis zu
30 Wohneinheiten anzuwenden ist. Die Länge soll demnach auf etwa
40 bis 80 m begrenzt werden. Es handelt sich dabei um Fusswege,
die zum gelegentlichen Befahren mit Motorfahrzeugen vorgesehen
und dementsprechend befestigt sind. Für die seltenen
Begegnungsfälle zwischen Motorfahrzeugen können angrenzende
Bankettflächen und Vorplätze einbezogen werden (Ziff. 8). Gemäss
Tabelle 1 zur vorerwähnten VSS-Norm ist bei Zufahrtswegen vom
Grundbegegnungsfall PW/Fahrrad bei stark reduzierter
Geschwindigkeit und einer Belastbarkeit von 50 Fahrzeugen pro
Stunde auszugehen. Gemäss VSS-Norm SN 640 201 "Geometrisches
Normalprofil Grundabmessungen und Lichtraumprofil" ist bei stark
reduzierter Geschwindigkeit (bis 30 km/h) beim Grundbegegnungsfall
PW/Fahrrad eine Strassenbreite von mindestens 3,40 m (keine
Steigungen) sowie beim Begegnungsfall PW/PW eine Breite von
mindestens 4,40 m erforderlich (VerwGE B 2015/14 vom 20. Januar
2017 Erw. 11.1). Das Tiefbauamt geht gemäss den Amtsberichten
vorliegend vom Grundbegegnungsfall PW/PW aus.
5.5 Vorliegend ist insbesondere die Breite der W._strasse und
damit zusammenhängend die Frage möglicher Ausweichstellen
umstritten. Unbestrittenermassen beträgt die gerade und
übersichtliche Strecke zwischen der geplanten Zu- und Wegfahrt des
Baugrundstücks zum Knoten N._strasse/M._strasse rund 35 m.
Nicht bestritten und am Augenschein von der Fachstelle bestätigt wird
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 59/2019), Seite 12/26
sodann, dass im Bereich des vorerwähnten Knoten ein Kreuzen
sowohl von PW/PW als auch PW/LW problemlos möglich ist. Weil von
den wenigen Grundstücken, die über die W._strasse erschlossen
sind, kein relevanter Motorfahrzeugverkehr, insbesondere kein
Durchgangsverkehr, ausgeht, wird es zum Begegnungsfall sich
kreuzender Personenwagen nur selten kommen. Allerdings muss
zeitweise mit einem geringen bis mittleren Aufkommen von
Lieferfahrzeugen und Lastwagen gerechnet werden, weshalb nicht
unbesehen auf den für Zufahrtswege vorgesehenen
Grundbegegnungsfall PW/Fahrrad – welcher vorliegend eingehalten
wäre – abgestellt werden kann. In Übereinstimmung mit den
Amtsberichten des TBA ist deshalb auch der Begegnungsfall PW/PW
miteinzubeziehen, wobei die dafür erforderliche minimale Breite von
4,40 m nicht erreicht wird. Folglich müssen für den – wenn auch selten
– stattfindenden Begegnungsfall PW/PW oder PW/LW zweckmässig
angeordnete Ausweichstellen vorhanden sein. Eine solche befindet
sich unbestrittenermassen beim Knoten N._strasse/Mühle-
bergstrasse und somit etwa 35 m von den Baugrundstücken entfernt.
Da eine direkte Sichtverbindung von der Zu- und Wegfahrt zum Knoten
je nach baulicher Situation auf dem Grundstück Nr. 006 nicht in jedem
Fall gegeben ist, müsste im seltenen Begegnungsfall ein
ausfahrendes Fahrzeug ein wenig auf den geplanten grosszügig
dimensionierten Vorplatz zurücksetzen, damit vom Knoten
einfahrende Fahrzeuge ohne Inanspruchnahme von privaten
Grundstücken abgewartet werden können. Unter dem Blickwinkel der
Verkehrssicherheit ist es vertretbar, dass in sehr seltenen Fällen im
Schritttempo – vielfach mit integrierter Rückfahrhilfe – leicht
zurückgesetzt werden muss. Angesichts dieser Umstände sowie der
am Augenschein festgestellten gewachsenen örtlichen Verhältnisse in
einer ruhigen Wohngegend erweist sich die bestehende Erschliessung
in Bezug auf die Fahrbahnbreite als genügend und angemessen.
Zudem kann von den blosse Richtlinien bildenden VSS-Normen unter
Berücksichtigung der konkreten Verhältnisse im Einzelfall abgewichen
werden (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 1C_341/2018 vom 16. Januar
2019 Erw. 2.1 ff.; VerwGE B 2018/246 vom 8. Juli 2019 Erw. 5.3;
VerwGE B 2018/69 vom 19. November 2018 Erw. 3.2 mit Hinweisen).
Daran ändert nichts, dass praxisgemäss nicht ohne zwingende
Gründe von der Einschätzung der Fachstelle abgewichen wird
(VerwGE B 2017/184 vom 13. Dezember 2018 Erw. 4.1). Im
vorliegenden Fall hat das TBA zwar auch nach Durchführung eines
Augenscheins die hinreichende Erschliessung in einem nicht vom am
Augenschein anwesenden Experten verfassten Amtsbericht verneint.
Es ist jedoch Aufgabe der Rekursinstanz aus den korrekten fachlichen
Überlegungen und Ausführungen zu den VSS-Normen die konkrete
Rechtsfrage der hinreichenden Erschliessung unter Berücksichtigung
der konkreten Umstände und der örtlichen Verhältnisse zu
beantworten. Unter diesen Umständen rechtfertigt sich vorliegend
ausnahmsweise ein Abweichen von den Amtsberichten vom 24. April
2018 und 22. März 2019.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 59/2019), Seite 13/26
5.6 Im Übrigen wird in den Rekursen 3 und 4 geltend gemacht, die
Sichtzonen seien weiterhin nicht eingehalten. Diesbezüglich ist zu
erwähnen, dass die Rekursgegner ein Korrekturgesuch eingereicht
haben, welches das ursprüngliche Baugesuch in diesem Punkt ersetzt
und zu einer teilweisen Gegenstandslosigkeit der Rekurse 1 und 2
führt. Für die Beurteilung der Sichtzonen ist folglich auf die mit
Baubewilligung vom 20./26. November 2018 bewilligten Pläne des
Korrekturgesuchs abzustellen. Demnach haben die Rekursgegner die
Ein- und Ausfahrt derart verschoben, dass sowohl gegen Westen wie
gegen Osten eine Sichtzone von je 20 m auf dem eigenen Grundstück
eingehalten werden kann. Darüber hinaus wurden die Sichtbermen
von jeglichen Hindernissen befreit und namentlich durch den Verzicht
auf drei Besucherparkplätze ein grosszügiger Wende- bzw.
Vorplatzbereich geschaffen. Zur Sicherstellung der Sichtverhältnisse
bei Ein- und Ausfahrten sowie den Zugängen wurde auf Grundstück
Nr. 001 eine entsprechende Sichtzone verfügt. Damit die Sichtberme
bei jeder Zufahrt auf die W._strasse eingehalten wird, muss die
Fahrspur auf dem Vorplatz gemäss Auflage entsprechend markiert
werden. Gemäss der VSS-Norm SN 640 273a "Knoten –
Sichtverhältnisse in Knoten in einer Ebene" beträgt die erforderliche
Knotensichtweite bei einer Zufahrtsgeschwindigkeit von 30 km/h 20 m
bis 35 m (Tabelle 1). Sofern mit Velofahrern gerechnet werden muss,
ist bei einer Strasse ohne Steigungen eine Sichtweite von 25 m
erforderlich. Bei einer Längsneigung von -2 beträgt die Sichtweite
bereits 35 m. Gemäss Amtsbericht vom 22. März 2019 genügt eine
Sichtweite von 20 m nicht. Aufgrund der örtlichen Verhältnisse und der
konkreten Umstände im Einzelfall sind auch diese grundsätzlich
zutreffenden Aussagen zu relativieren. In Bezug auf die
Sichtverhältnisse gegen Osten kann wohl in Übereinstimmung mit
dem Amtsbericht des TBA davon ausgegangen werden, dass eine
Sichtweite von 20 m ausreicht, da die W._strasse in diese Richtung
flach oder leicht abfallend verläuft und sehr übersichtlich ist. Auch
wenn die W._strasse gegen die Landwirtschafszone im Westen
leicht ansteigt, genügt diesbezüglich die Einhaltung der minimalen
Sichtweite für vortrittsberechtigte Motorfahrzeuge von 20 m. Da über
die W._strasse auch im weiteren Verlauf in absehbarer Zukunft
einzig das Grundstück des Rekurrenten 2 erschlossen wird und
gemäss Geoportal (www.geoportal.ch) das Langsamverkehrsnetz der
Gemeinde Z._ weiter westlich über den B._weg und ein anderes
Teilstück der W._strasse in Richtung des Dorfzentrums von Z._
führt, ist auf diesem Bereich der W._strasse kaum mit Velofahrern
zu rechnen. Darüber hinaus sind insbesondere landwirtschaftliche
Fahrzeuge und Lastwagen aufgrund der Bestockung auf dem
angrenzenden Grundstück Nr. 003 bereits vorgängig gut erkennbar.
Aus Gründen der Verkehrssicherheit genügt somit die minimale
Sichtzone gemäss VSS-Norm SN 640 273a. Folglich erweist sich die
Verfügung einer zusätzlichen Sichtzone auf den angrenzenden
rekurrentischen Grundstücken als unverhältnismässig. Insgesamt
ergibt sich, dass aufgrund der massgeblichen (örtlichen) Verhältnisse
im Einzelfall die Einhaltung der Sichtzonen in Abweichung vom
Amtsbericht des TBA vom 22. März 2019 eingehalten sind. Allerdings
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 59/2019), Seite 14/26
sind die vom TBA geforderten baulichen Massnahmen zur
Sicherstellung einer zentrierten Ausfahrt und damit der Einhaltung der
minimalen Sichtzonen gerechtfertigt. Die von der Vorinstanz verfügte
Markierung genügt diesbezüglich nicht, da sie ohne Weiteres
missachtet werden kann. Es rechtfertigt sich daher, die entsprechende
Auflage im Beschluss der Vorinstanz vom 20./26. November 2018
anzupassen und zur Einhaltung der verfügten Sichtzonen
entsprechende bauliche Massnahmen an der Zufahrt (z.B. mittels
Rabatten oder Stellriemen) anzuordnen.
5.7 Vor dem Hintergrund der beanspruchten Nutzung des Bau-
grundstücks, den örtlichen Verhältnissen sowie der vorerwähnten Um-
stände ist der Entscheid der Vorinstanz in Bezug auf die Erschliessung
– mit Ausnahme der präzisierten Auflage – nicht zu beanstanden. All-
fällige Abweichungen von den VSS-Normen erweisen sich vorliegend
als angezeigt und verhältnismässig. Insgesamt ergibt sich, dass die
Erschliessung des Bauvorhabens hinreichend und die Rekurse 1-4
diesbezüglich abzuweisen sind.
6.
Die Rekurrenten 1 beanstanden zudem eine ungenügende Einord-
nung und Gestaltung des Bauvorhabens.
6.1 Gemäss der geltenden Schutzverordnung der Gemeinde Z._
vom 6. Juli 1998 (nachfolgend SchV) befindet sich in der näheren Um-
gebung der Baugrundstücke kein Ortsbildschutzgebiet. Dieses liegt
mehr als 300 m entfernt in nördlicher Richtung im Dorfkern von Z._
und ist von den Baugrundstücken aus nicht einsehbar. In rund 130 m
bis 150 m Entfernung befinden sich zudem die Einzelschutzobjekte
Nr. 45 (Wohnhaus W._) und Nr. 59 (Bildstock X._), wobei Erste-
res aufgrund der leicht erhöhten Lage vom Baugrundstück aus sicht-
bar ist. Gemäss kantonalem Richtplan verfügt Z._ über ein Ortsbild
von kantonaler Bedeutung (Koordinationsblatt S31 vom November
2017). Auch gemäss ISOS besitzt Z._ ein Ortsbild von kantonaler
Bedeutung, wobei die Baugrundstücke gemäss Inventarblatt vom Juni
1992 in der Umgebungsrichtung IV und das angrenzende Landwirt-
schaftsland in der Umgebungsrichtung III liegen. Gemäss dem Amts-
bericht der kantonalen Denkmalpflege vom 5. Juni 2019 ist das fragli-
che Gebiet aufgrund der bestehenden Bebauung aus dem 20. und
21. Jahrhundert sowie der grossen räumlichen Distanz zum histori-
schen Zentrum nicht relevant für das schützenswerte Ortsbild von
Z._, weshalb es dieses nicht beeinträchtige. Auch die in grösserer
Entfernung liegenden Einzelschutzobjekte Nrn. 45 und 59 würden
durch das Bauprojekt nicht beeinträchtigt. Zusammenfassend lasse
sich festhalten, dass keine Schutzobjekte beeinträchtigt werden und
das Bauprojekt keiner Zustimmung durch die kantonale Denkmal-
pflege gemäss Art. 122 Abs. 3 PBG bedürfe. Vorliegend ist insbeson-
dere die Anwendbarkeit des ISOS umstritten, weshalb diese Frage als
Erstes zu klären ist.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 59/2019), Seite 15/26
6.2 Der grundeigentümerverbindliche Schutz der Ortsbilder mittels
geeigneter planerischer Massnahmen ist Sache der Kantone bzw. der
politischen Gemeinden (vgl. dazu und zum Folgenden VerwGE
B 2013/48 vom 8. November 2013 Erw. 4.1.3 mit weiteren Hinweisen).
Nach Art. 114 Abs. 2 i.V.m. Art. 115 Abs. 1 Bst. g PBG sind Baudenk-
mäler, wozu unter anderem bedeutende Ortsbild und Einzelschutzob-
jekte und deren Umgebung gehören, als Schutzgegenstände zu erhal-
ten. Der nachgeführte kantonale Richtplan konkretisiert die bundes-
und kantonalrechtlichen Schutzvorgaben. Der Richtplan sieht vor, die
topographischen, räumlichen und architekturhistorischen Qualitäten,
die zum nationalen oder kantonalen Wert der Ortsbilder führten, unge-
schmälert zu erhalten und irreversible Schädigungen zu vermeiden.
Bei der Erfüllung von raumwirksamen Aufgaben (Bauvorhaben, Sach-
planungen, Nutzungs- und Schutzplanung, Erlasse, Verfügungen, Ge-
nehmigungen, Rekursentscheide, finanzielle Beiträge usw.) in den im
Richtplan bezeichneten schützenswerten Ortsbildern von nationaler
und kantonaler Bedeutung und deren Umgebung haben Kanton und
Gemeinden das ISOS und das Kantonsinventar systematisch als Ent-
scheidungsgrundlage beizuziehen, wenn eine umfassende Interes-
senabwägung erforderlich ist. Sie berücksichtigen dabei in ihren Inte-
ressenabwägungen die vom ISOS und vom Kantonsinventar festge-
legten Erhaltungsziele und überprüfen zudem raumwirksame Vorha-
ben auf mögliche Zielkonflikte mit diesen (kantonaler Richtplan, Koor-
dinationsblatt S31, S. 6).
6.3 Das Verwaltungsgericht hielt im vorerwähnten Entscheid zu ei-
nem Bauvorhaben innerhalb eines im kantonalen Inventar enthaltenen
Ortsbilds fest, für den Grundeigentümer verbindliche Rechtswirkungen
gingen im dort zu beurteilenden Fall weder vom ISOS noch vom Kan-
tonsinventar aus. Erst durch die Ortsplanung werde der darin vorge-
sehene Ortsbildschutz durch geeignete grundeigentümerverbindliche
Massnahmen umgesetzt werden müssen. Deshalb sei die Beschwer-
debeteiligte unter anderem nicht verpflichtet gewesen in Bezug auf
das Bauvorhaben des Beschwerdegegners die verschiedenen Interes-
sen im Licht des ISOS gegeneinander abzuwägen (VerwGE
B 2013/48 vom 8. November 2013 Erw. 4.3). Auch das Bundesgericht
erwog, das ISOS sei nicht als direkt anwendbares Recht zu verstehen.
Vielmehr habe nach Prüfung der geeigneten Massnahmen eine Um-
setzung in die entsprechenden Erlasse zu erfolgen. Erst wenn diese
grundeigentümerverbindlichen Festlegungen erfolgt seien, fänden
diese im Baubewilligungsverfahren Anwendung. Damit sei das ISOS
(im dort vorliegenden Fall) nur mittelbar, über die kommunale Nut-
zungsplanung, nicht aber unmittelbar im Baubewilligungsverfahren
von Bedeutung, zumal keine Situation vorliege, in welcher die kommu-
nale Nutzungsplanung die Schutzziele des ISOS geradezu missachte
(Urteil des Bundesgerichtes 1C_488/2015 vom 24. August 2016
Erw. 4.5.5 mit Hinweis auf J. LAIMBACHER, Zur Bedeutung des Bun-
desgerichtsentscheids Rüti [BGE 135 II 209] für das ISOS und das
IVS, Rechtsgutachten, 2012, S. 40 und 90).
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 59/2019), Seite 16/26
6.4 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass das ISOS im Baubewilli-
gungsverfahren nicht direkt anwendbar ist, soweit keine umfassende
Interessenabwägung erforderlich ist. Dies gilt ohne Einschränkungen
zumindest dann, wenn die kommunale Nutzungsplanung die mit dem
ISOS verbunden Ziele und zu treffenden Schutzmassnahmen bereits
umgesetzt hat und die massgebliche Planung diese Schutzziele nicht
geradezu missachtet. Da Z._ über kein Ortsbild von nationaler Be-
deutung verfügt und die geltende Schutzverordnung aus dem Jahr
1998 das Inventarblatt zum ISOS aus dem Jahr 1992 mutmasslich be-
rücksichtigt hat, ist vorliegend in Übereinstimmung mit der kantonalen
Denkmalpflege davon auszugehen, dass die kommunale Nutzungs-
planung die Schutzziele des ISOS und damit verbunden die Vorgaben
des kantonalen Richtplans – zumindest in Bezug auf das streitbe-
troffene Gebiet – nicht geradezu missachtet. Darüber hinaus soll das
Bauvorhaben in Regelbauweise ohne Ausnahmebewilligungen erstellt
werden, weshalb diesbezüglich ohnehin keine umfassende Interes-
senabwägung vorzunehmen ist.
6.5 Gemäss Art. 115 Abs. 1 Bst. g PBG besteht für Einzelschutzob-
jekte ein Umgebungsschutz. Gemäss Art. 4 Abs. 1 SchV dürfen Bau-
ten und Anlagen in der Umgebung von Schutzgegenständen deren
schutzwürdige Substanz und Lebensgrundlage nicht beeinträchtigen.
Eine Beeinträchtigung der rund 150 m entfernten Schutzobjekte auf
dem Grundstück des Rekurrenten 2 durch das Bauvorhaben ist nicht
ersichtlich, zumal sich dazwischen – wie am Augenschein festgestellt
– die Obstkulturen des Rekurrenten 2 befinden, welche mit einem auf-
fälligen Hagelschutz versehen sind. Diesbezüglich kann auf die zutref-
fenden Aussagen der kantonalen Denkmalpflege abgestellt werden.
6.6 Weiter machen die Rekurrenten 1 ohne nähere Begründung gel-
tend, das Bauvorhaben sei verunstaltend und führe zu keiner guten
Gesamtwirkung nach Art. 99 Abs. 2 PBG bzw. Art. 5 Abs. 2 SchV.
Vorab ist festzuhalten, dass die Gemeinde Z._ für das fragliche Ge-
biet keine entsprechenden Vorschriften aufgestellt hat, weshalb
Art. 99 Abs. 2 PBG nicht anwendbar ist. Zudem liegt wie erwähnt kein
geschütztes Ortsbild vor, weshalb Art. 5 Abs. 2 SchV von vornherein
nicht einschlägig ist. Zu prüfen bleibt, ob das Bauvorhaben verunstal-
tend ist (Art. 99 Abs. 1 PBG).
6.7 Das Verunstaltungsverbot ist in Art. 99 PBG geregelt und unmit-
telbar anwendbar. Inhaltlich deckt sich Art. 99 PBG im Wesentlichen
mit Art. 93 BauG (Botschaft und Entwurf der Regierung zum Pla-
nungs- und Baugesetz vom 11. August 2015, in: ABl 2015, S. 2489).
Nach Art. 99 Abs. 1 PBG sind Bauten und Anlagen untersagt, die das
Orts- oder Landschaftsbild verunstalten oder Baudenkmäler beein-
trächtigen. Das kantonale Recht regelt die Frage der Ästhetik von Bau-
ten und Anlagen, insbesondere den Begriff der Verunstaltung, ab-
schliessend (Baudepartement SG, Juristische Mitteilungen
2007/IV/34, S. 13 ff. mit Hinweisen). Von einer Verunstaltung im Sinn
von Art. 99 Abs. 1 PBG kann nach ständiger Lehre und Rechtspre-
chung zu Art. 93 Abs. 1 BauG nur gesprochen werden, wenn etwas
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 59/2019), Seite 17/26
offensichtlich Unschönes geschaffen wird. Eine Verunstaltung darf
nicht leichthin angenommen werden. Verunstaltung bedeutet eine
schwerwiegende Verletzung ästhetischer Werte. Gleichbedeutend ist
die Bezeichnung schwere, grobe oder erhebliche Beeinträchtigung.
Diese Voraussetzungen sind dann nicht erfüllt, wenn eine Baute oder
Anlage von einem ästhetisch ansprechbaren Durchschnittsbürger
zwar nicht als schön empfunden wird, diese aber keine positiv un-
schöne und ärgerliche Wirkung ausübt. Ein Bau oder eine Anlage
muss sich als qualifiziert unschön bezeichnen lassen (GVP 1998
Nr. 81; B. ZUMSTEIN, Die Anwendung der Ästhetischen Generalklau-
seln des kantonalen Baurechts, Diss. St.Gallen 2001, S. 131). Eine
Verunstaltung ist nur gegeben, wenn eine erheblich ungünstige Wir-
kung auf das Landschaftsbild und Ortsbild vorliegt (BGE 97 I 642). Ein
wesentlicher Gesichtspunkt bei der Prüfung der Einfügung einer Mas-
snahme in das Orts- und Landschaftsbild ist die Stärke des Gegensat-
zes zwischen dem zu beurteilenden Objekt und der Umgebung
(M. ZINGG, Naturschutz und Heimatschutz, insbesondere nach st.gal-
lischem Recht, Diss. Zürich 1975, S. 89). Ein Bauvorhaben ist daher
in ästhetischer Hinsicht nicht für sich allein zu beurteilen, sondern es
muss in Beziehung zu seiner Umwelt gesetzt und in Bezug auf die
Gesamtwirkung beurteilt werden (ZUMSTEIN, a.a.O., S. 105, 109 f.).
Nur ein Gegensatz zum Bestehenden, der erheblich stört, gilt dem-
nach gemäss der Rechtsprechung als Verunstaltung (BGE 90 I 342
mit Hinweis auf BGE 82 I 102 Erw. 4; vgl. auch BGE 114 Ia 343
Erw. 4b; Urteil des Bundesgerichtes 1C_346/2007 vom 16. Mai 2008
Erw. 3.3.1; VerwGE B 2019/22 vom 16. August 2019 Erw. 4.7).
6.8 Das geplante zweigeschossige Mehrfamilienhaus mit Attikage-
schoss weist eine Länge von rund 25 m und eine teilweise Breite von
rund 22 m auf und hebt sich damit hinsichtlich Massstäblichkeit von
den bestehenden Bauten in der unmittelbaren Umgebung ab. Nach
Regelbauweise wäre eine Gebäudelänge von maximal 30 m möglich
(Tabelle zu Art. 6 BauR). Das Bauvorhaben liegt zudem an der Grenze
zum Landwirtschaftsgebiet. Am Augenschein konnte hinsichtlich der
Umgebung festgestellt werden, dass mehrheitlich Einfamilienhäuser
vorherrschen, welche hinsichtlich Art, Grösse, Dachgestaltung sowie
Farbgebung und Architektur ein sehr heterogenes Bild abgeben. Et-
was weiter entfernt in westlicher Richtung befindet sich zudem der Hof
und die Hallen und Lagergebäude des Obstbaubetriebs des Rekurren-
ten 2. Es ist zwar anzuerkennen, dass das geplante Mehrfamilienhaus
im Vergleich zum bestehenden Wohnhaus und der bisherigen Bebau-
ung im Quartier einen Massstabssprung bedeutet und daher insbeson-
dere für die direkten Nachbarn Veränderungen und Einwirkungen ent-
stehen können. Allerdings lassen die Regelbauvorschriften ein Ge-
bäude in dieser Grössenordnung ohne Weiteres zu. Diesbezüglich ist
zu erwähnen, dass insbesondere aufgrund der vom PBG geforderten
Gesamtrevision der Ortsplanung und den Zielen und Grundsätzen der
Raumplanung (vgl. Art. 1 Abs. 2 Bst. abis und Art. 3 Abs. 3 RPG) ins-
künftig vermehrt verdichtet gebaut werden soll und deshalb vermehrt
auch in Einfamilienhausquartieren mit Mehrfamilienhäusern gerechnet
werden muss. Beim geplanten Bauvorhaben findet allerdings noch gar
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 59/2019), Seite 18/26
keine eigentliche Verdichtung statt, da es in Regelbauweise geplant
ist und diese vorliegend noch gar nicht an das revidierte Raumpla-
nungsrecht angepasst wurde. Die entsprechenden Einwendungen der
Rekurrenten 1 sind deshalb nicht stichhaltig. Im Übrigen ist die hete-
rogene Umgebung teilweise geprägt von weitläufigen Obstkulturen,
welche mit auffälligen Hagelschutznetzen versehen sind. Insgesamt
ist das vorhandene Landschaftsbild nicht von besonderer Qualität und
eine Beeinträchtigung von Schutzobjekten kann – wie vorgängig er-
wähnt und im Amtsbericht der Denkmalpflege bestätigt – ausgeschlos-
sen werden. Folglich stört das Bauvorhaben das bestehende Orts- und
Landschaftsbild oder Baudenkmäler nicht in qualifizierter Weise und
verstösst damit auch nicht gegen das Verunstaltungsverbot.
6.9 Nach dem Gesagten ergibt sich, dass für die Vorinstanz trotz
veralteter und sich in Revision befindlicher Schutzgrundlagen (vgl.
Art. 176 Abs. 2 Bst. b PGB) keine Veranlassung für nähere Abklärun-
gen bestand und der Einwand der Rekurrenten 1 genügend behandelt
wurde. Eine Beeinträchtigung von Baudenkmälern oder eine Verlet-
zung von weiteren denkmalpflegerischen oder gestalterischen Grund-
lagen oder gar eine Verunstaltung liegen nicht vor.
7.
Weiter rügen die Rekurrenten 1 die Festlegung des Niveaupunkts und
damit verbunden die Überschreitung der Gebäudehöhe sowie eine
Verletzung der Vorschriften zum Untergeschoss. Nach Ansicht der Re-
kurrenten 1 ist das Terrain auf Grundstück Nr. 002 aufgeschüttet wor-
den, weshalb der Niveaupunkt einiges tiefer zu liegen kommen
müsste.
7.1 Die Gebäudehöhe bezeichnet nach Art. 60 Abs. 1 BauG den
senkrechten Abstand zwischen dem Niveaupunkt und dem ausgemit-
telten Schnittpunkt der Fassade mit der Dachoberkante in der Fassa-
denmitte. Als Niveaupunkt gilt der Schwerpunkt des Gebäudegrund-
risses auf dem gewachsenen Boden (Art. 60 Abs. 2 BauG). Der
Rechtsbegriff "gewachsener Boden" meint grundsätzlich das natürli-
che, nicht künstlich gestaltete Gelände. Der gewachsene Boden ist
objektiv und unabhängig vom allfälligen Einfluss auf die Art der Einfü-
gung einer geplanten Baute zu bestimmen. Eine in der Praxis übliche,
generelle feste zeitliche Frist, nach deren Ablauf gestaltetes Terrain
ohne weiteres zu gewachsenem würde, besteht – anders als in ver-
schiedenen anderen Kantonen – im Kanton St.Gallen nicht. Auszuge-
hen ist von den Umständen im Einzelfall, wobei in erster Linie – sofern
nachvollziehbar – auf das letzte bekannte gewachsene Terrain abzu-
stellen ist. Das nachträglich gestaltete Terrain ist nur dort massgeblich,
wo es in nicht missbräuchlicher Weise zu einer grossflächigen Verän-
derung gekommen ist. Kleinräumige Geländeanpassungen auf einzel-
nen Grundstücken bleiben dagegen grundsätzlich unbeachtlich. Aus-
nahmen sind denkbar, wenn die Veränderungen aus Gründen, die
nicht in der Verantwortung des Grundeigentümers stehen, nicht wie-
derhergestellt werden können oder eine Wiederherstellung zu stos-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 59/2019), Seite 19/26
senden Ergebnissen führen würde. Dies kann bei grossflächigen Ge-
ländeaufschüttungen der Fall sein, die beispielsweise im Rahmen und
bedingt durch den Bau einer Strasse vorgenommen worden sind.
Diese Praxis, auf die im Einzelfall gegebene Beweislage bzw. die un-
terschiedlich vorhandenen Belege abzustellen, ist denn auch nicht will-
kürlicher oder ungerechter, als die Festsetzung irgendeiner starren
und beispielsweise mit zehn Jahren sehr kurzen Frist. Je weiter zurück
gewachsenes Terrain nachgewiesen werden kann, umso eher besteht
zudem die Gewähr dafür, dass es nicht innerhalb weniger Jahre oder
Jahrzehnte zu einer unbeabsichtigten erheblichen Veränderung der
Landschaft kommt (VerwGE B 2011/106 vom 20. März 2012 Erw. 5.2
mit Hinweisen).
7.2 Entgegen der Auffassung der Rekurrenten 1 bestehen keinerlei
Hinweise, dass der Niveaupunkt falsch festgelegt worden wäre. Zum
einen liegt der Niveaupunkt noch auf Grundstück Nr. 001, weshalb all-
fällige Aufschüttungen oder Geländeanpassungen auf Grundstück
Nr. 002 ohnehin nicht massgeblich wären. Auch der Niveaupunkt des
bestehenden Wohnhauses (Vers.-Nr. 004) hätte aufgrund des weiter
südlich liegenden Niveaupunkts des geplanten Gebäudes keine mass-
gebliche Aussagekraft in Bezug auf allfällige Geländeveränderungen.
Solche sind aufgrund der Akten (auch zu früheren Bauprojekten auf
den fraglichen Grundstücken), der Höhenkurven gemäss Geoportal
sowie der Feststellungen am Augenschein auch nicht ersichtlich. Das
Gelände fällt von Südwesten her ab, weshalb auch ein gut sichtbarer
Höhenunterschied zum westlich gelegenen Landwirtschaftsland sowie
dem östlich gelegenen Grundstück der Rekurrenten 1 besteht. Der Ni-
veaupunkt wurde zudem von einem erfahrenen Geometerbüro über-
prüft (vgl. beglaubigter Plan der Wälli AG vom 22. September 2017,
vi act. 9). Es gibt keine Anhaltspunkte, an der Richtigkeit der Messung
durch die ausgewiesenen Fachleute der Wälli AG zu zweifeln (vgl. Ur-
teil des Bundesgerichts 1C_245/2012 vom 3. Oktober 2012 Erw. 4.2).
Folglich haben die Rekursgegner den Niveaupunkt korrekt festgelegt
und die Vorinstanz hat diesen zu Recht bestätigt. Eine Pflicht zur wei-
teren Abklärung bestand nicht, zumal die Rekurrenten 1 ihre Behaup-
tung auch nicht weiter belegten.
7.3 Damit erübrigt sich auch die Rüge des fehlerhaften Unterge-
schosses nach Art. 13 Abs. 2 BauR. Da der Niveaupunkt korrekt fest-
gelegt wurde, gilt das den Niveaupunkt bis oberkant Decke gemessen
um 1.13 m überschreitende Geschoss als Untergeschoss und nicht als
Vollgeschoss. Auch die am ausgemittelten Schnittpunkt der Fassade
mit der Dachoberkante an der Fassadenmitte zu messende Gebäude-
höhe (Art. 60 Abs. 1 BauG) ist demnach gemäss den Plänen mit einer
Höhe von 6.83 m eingehalten (möglich wären 7.00 m gemäss Ta-
belle 1 zu Art. 6 BauR). Insgesamt ergibt sich, dass der Niveaupunkt
korrekt festgelegt wurde und damit auch keine Verletzung von Art. 13
Abs. 1 BauR und der Gebäudehöhe vorliegt.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 59/2019), Seite 20/26
8.
Die Rekurrenten 1 machen jedoch geltend, das gemäss Korrekturge-
such angepasste Attikageschoss verstosse weiterhin gegen Art. 13
Abs. 2 BauR, weshalb auch dieses als Vollgeschoss zu betrachten sei.
8.1 Die Rekursgegner verzichten gemäss Korrekturgesuch auf das
Brüstungselement auf dem Dach des Attikageschosses und korrigier-
ten die Gesamthöhe des Gebäudes aufgrund eines Rechnungsfehlers
geringfügig.
8.2 Gemäss Art. 13 Abs. 2 BauR gelten Geschosse, die als Attika-
geschoss an den Längsseiten unter einem Winkel von 55° a.T. vom
Schnittpunkt der Fassade mit der Dachhaut über dem obersten Voll-
geschoss zurückliegen, als Dachgeschosse und somit nicht als Voll-
geschosse. Bei Flachdächern dürfen offene oder geschlossene Brüs-
tungen die Gebäudehöhe um maximal 1.20 m überschreiten (Art. 8
Abs. 4 BauR). Bei Attikageschossen müssen die Vordächer sodann
mindestens unter einem Winkel von 55° ab maximaler Brüstungshöhe
zurückversetzt sein (Art. 8 Abs. 5 BauR).
8.3 Die Prüfung der Korrekturpläne (insbesondere Querschnitt 1
und 2 des Plans "Schnitte und Fassaden", vi act. 3 zum Korrekturge-
such) ergibt, dass es sich vorliegend um ein baureglementskonformes
Attikageschoss handelt. Dieses liegt demnach unter einem 55°-Winkel
über dem obersten Vollgeschoss zurück und auch die Vordächer hal-
ten den Winkel gemäss Art. 8 Abs. 5 BauR ein. Diesbezüglich ist zu
erwähnen, dass die entsprechenden Rügen der Rekurrenten 1 im Re-
kurs 1 durch das Korrekturgesuch zumindest teilweise gegenstandslos
geworden sind. Darüber hinaus machen die Rekurrenten 1 im Re-
kurs 3 einzig geltend, die Gebäudehöhe werde um einige Zentimeter
weiter überschritten. Dabei übersehen die Rekurrenten 1 allerdings,
dass die Gebäudehöhe bei der Dachoberkante des letzten Vollge-
schosses zu messen ist (vgl. Erw. 7.3) und das Attikageschoss als
Dachgeschoss die entsprechenden Bestimmungen einhält. Auch dies-
bezüglich ist der Rekurs somit abzuweisen.
9.
Die Rekurrenten 1 machen weiter geltend, die geplanten Abstellräume
seien zur anrechenbaren Bruttogeschossfläche (aBGF) zu zählen.
9.1 Nach Art. 61 Abs. 1 BauG ist die Ausnützungsziffer die Verhält-
niszahl der Summe aller anrechenbaren Geschossflächen zur anre-
chenbaren Parzellenfläche. Nach Art. 62 Abs. 2 BauG zählen zu den
anrechenbaren Geschossflächen die nutzbaren Geschossflächen ein-
schliesslich Gänge, Treppenhäuser und Mauerquerschnitte. Massge-
bend ist nicht die Bezeichnung eines Raums in den Planunterlagen
oder die Absicht der Baugesuchsteller, sondern die nach objektiven
Kriterien beurteilte Verwendungsmöglichkeit eines Raums
(vgl. GVP 1978 Nr. 3). Es ist somit davon auszugehen, welche Nut-
zung ein Raum in seiner baulichen Gestaltung zulässt. Kann ein Raum
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 59/2019), Seite 21/26
ohne eigentliche bauliche Änderungen als Wohn-, Schlaf- oder Ar-
beitsraum verwendet werden, ist er bei der Berechnung der Ausnüt-
zungsziffer einzubeziehen, gleichgültig wie er in den Baugesuchsplä-
nen bezeichnet und in seiner konkreten Ausgestaltung genutzt wird
(B. HEER, a.a.O., Rz. 665; GVP 1976 Nr. 52, S. 125; GVP 1978 Nr. 3,
S. 7 f.). Gemäss Art. 7 Abs. 2 und 3 BauR hat die Bodenfläche für
Wohn- und Schlafräume mindestens 10 m2 und das Lichtmass von
Fensterflächen von Aufenthaltsräumen hat mindestens 10 % der Bo-
denfläche zu betragen.
9.2 Im Erd- und Obergeschoss sind jeweils zwei Wohneinheiten, im
Attikageschoss ist eine Wohneinheit geplant. Je Wohneinheit ist ein
Abstellraum vorgesehen. Die fensterlosen Abstellräume weisen Flä-
chen zwischen 4,20 m2 und 6,30 m2 auf. Die bescheidene Raum-
grösse – insbesondere in Verbindung mit der fehlenden natürlichen
Belichtung – sämtlicher Abstellräume lässt keine Nutzung zu Wohn-
oder Arbeitszwecken zu. Alle diese gefangenen Räume sind objektiv
nur als Abstellräume nutzbar. Nicht massgeblich ist der Einwand der
Rekurrenten 1, wonach durch das Weglassen von nicht tragenden
Wänden der Wohnraum vergrössert werden könnte. Derartige hypo-
thetische Abweichungen von bewilligten Plänen sind grundsätzlich ei-
ner Bauherrschaft nicht zu unterstellen, zumal vorliegend keine An-
haltspunkte dafür vorliegen und der Bedarf an Abstellflächen in den
geplanten Wohnungen nicht bereits anderweitig gedeckt ist. Die
Vorinstanz hat demnach sämtliche Abstellräume zu Recht nicht zur
aBGF hinzugezählt. Somit ergibt sich, dass das Bauvorhaben die ma-
ximal zulässige Ausnützung von 0,45 (vgl. Tabelle zu Art. 6 BauR)
nicht überschreitet. Der Rekurs 1 ist deshalb in diesem Punkt unbe-
gründet.
10.
Im Übrigen machen die Rekurrenten 1 geltend, der kleine Grenzab-
stand sei ihnen gegenüber ohne Toleranz eingehalten und es bestehe
kein grosser Grenzabstand. Zudem werde im Zusammenhang mit ei-
ner geplanten Blocksteinmauer das Grundstück der Rekursgegner zu-
lasten der Rekurrenten 1 vergrössert. Diese nicht begründeten und
dadurch teilweise nicht nachvollziehbaren Rügen genügen jedenfalls
nicht der in Art. 48 Abs. 1 VRP statuierten Begründungspflicht. Es ver-
steht sich von selbst, dass Grenzabstände auch genau eingehalten
werden können und dass auch die Umgebungsgestaltung nicht auf
das Nachbargrundstück zu liegen kommen darf. Entsprechend sind
die wichtigsten Bauetappen auch der Baubehörde rechtzeitig zu mel-
den (vgl. Art. 150 PBG i.V.m. Art. 23 der Verordnung zum Planungs-
und Baugesetz [sGS 731.11; abgekürzt PBV] sowie Art. 27 BauR). Zu-
dem wurde der grosse Grenzabstand vorliegend gemäss Art. 9 BauR
auf die beiden Hauptwohnseiten aufgeteilt. Auf den Rekurs 1 ist dies-
bezüglich nicht einzutreten.
11.
Schliesslich macht der Rekurrent 2 Sicherheitsmängel bei der Bau-
grube geltend. Soweit der Rekurrent 2 sich dabei auf Art. 685 ZGB
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 59/2019), Seite 22/26
beruft, ist darauf nicht einzutreten. Die Vorinstanz hat die diesbezügli-
chen Einwendungen zu Recht auf den Zivilrechtsweg verwiesen (vgl.
Baudepartement SG, Juristische Mitteilungen 2017/II/6).
11.1 Nach Art. 101 PBG haben Bauten und Anlagen sowohl während
der Erstellung als auch während der Dauer des Bestehens den not-
wendigen Anforderungen an die Sicherheit nach den Regeln der Bau-
kunde zu entsprechen. Die Bestimmung beschränkt sich darauf, die
Bauherrschaft auf die – bereits gestützt auf das Privat- und Strafrecht
geltenden – Regeln der Baukunde zu verweisen (vgl. VerwGE
B 2016/215 vom 22. Februar 2018 Erw. 10 mit Hinweisen).
11.2 Weil die Baugrubensicherheit bereits während des Baubewilli-
gungsverfahrens ein Thema war, wurde ein entsprechendes geologi-
sches Gutachten eingeholt (siehe Kurzbericht Andres Geotechnik AG
vom 14. Dezember 2016, vi act. 5). Insbesondere aufgrund der an-
spruchsvollen Verhältnisse in der südwestlichen Grundstücksecke so-
wie der geplanten Böschungen, wurde als Sicherungsmassnahme der
Einsatz von gunitierten Bodenvernagelungen sowie die Erstellung ei-
nes Baugrubenplans empfohlen. Sofern die Bodennägel in das be-
nachbarte Grundstück des Rekurrenten 2 reichten und dafür keine Be-
willigung eingeholt werden könne, seien andere Baugrubenab-
schlüsse (z.B. über das Eck abgestützte Rühlwand) zu prüfen.
Schliesslich bestehe bei jedem Bau ein gewisses Restrisiko, welches
beim Bauherrn verbleibe. Aus diesem Grund seien vor Baubeginn eine
Risikoanlayse und ein umfassendes Kontrollkonzept zu erarbeiten,
was in der Regel auch von der Versicherung gefordert werde. Gestützt
auf diese Ausführungen wurde ein Baugrubenplan der Wälli AG vom
28. September 2017 eingereicht, welcher von der Vorinstanz am 3. Ja-
nuar 2018 zum Bestandteil der Baubewilligung erklärt wurde (vi act. 8).
Damit wird aufgezeigt, wie die empfohlenen Bodenvernagelungen und
Böschungssicherungen ohne Beeinträchtigung der Nachbargrundstü-
cke umgesetzt werden sollen.
11.3 Mit dem vorgängig aufgezeigten Vorgehen haben die Rekurs-
gegner bereits während des Baubewilligungsverfahrens Abklärungen
zum Baugrund vorgenommen und die geplanten Massnahmen aufge-
zeigt, was aufgrund der begründeten Zweifel an der Sicherheit vorlie-
gend auch verlangt werden konnte (vgl. BDE Nr. 48/2016 vom 3. Ok-
tober 2016 Erw. 5). Darüber hinausgehende Detailplanungen und
Massnahmen sind jedoch erst während der Bauausführung vorzuneh-
men, zumal nicht ersichtlich ist und vom Rekurrenten 2 auch nicht wei-
ter belegt wird, inwiefern die Sicherheit bei der Erstellung der projek-
tierten Baute unter Einhaltung der Regeln der Baukunde sowie der
aufgezeigten Massnahmen nicht gewährleistet sein sollte. Diesbezüg-
lich ist zudem nicht ersichtlich, inwiefern die umfangreichen Skizzen-
pläne eines erfahrenen Ingenieurbüros den Anforderungen an einen
detaillierten Baugrubenplan nicht genügen sollten. Auch die geforderte
Risikoanalyse und ein entsprechendes Sicherheits- und Kontrollkon-
zept können noch vor Baubeginn erstellt werden. Entsprechende Vor-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 59/2019), Seite 23/26
kehren liegen aufgrund der privatrechtlichen Haftungs- und Versiche-
rungsfragen zudem im eigenen Interesse der Rekursgegner (vgl.
GVP 2003 Nr. 103 Erw. 7b). Es besteht jedenfalls kein Anlass, die
Baubewilligung wegen der geplanten Baugrube zu verweigern. Im Üb-
rigen ist bezüglich der Fundation und allfällig damit verbundener Er-
schütterungen eine entsprechende Auflage in der Baubewilligung ge-
macht worden (vi act. 12, Ziff. 4). Aufgrund der getätigten Abklärungen
und Massnahmen erübrigt sich deshalb die Einholung von weiteren
Gutachten über die Auswirkungen des Bauvorhabens auf das Grund-
stück des Rekurrenten 2 und in Bezug auf die Baugrubensicherheit.
Die entsprechenden Anträge des Rekurrenten 2 sind abzuweisen. Ins-
gesamt ergibt sich, dass das Bauvorhaben den Anforderungen an die
Sicherheit genügt und der Rekurs 2 diesbezüglich abzuweisen ist, so-
weit darauf eingetreten werden kann.
12.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Rekurse 1 (Nr. 18-361) und 2
(Nr. 18-388) insofern gegenstandslos geworden sind, als die Rekurs-
gegner während des Rekursverfahrens ein Korrekturgesuch einge-
reicht haben, in welchem sie einzelne Rügen der Rekurrenten 1 (ins-
besondere hinsichtlich Erschliessung und Attikageschoss) und des
Rekurrenten 2 (hinsichtlich Erschliessung) teilweise berücksichtigt
bzw. anerkannt haben. Die teilweise Gegenstandslosigkeit haben so-
mit die Rekursgegner zu verantworten. Im Übrigen sind die Rekurse 1
und 2 jedoch abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Die Rekurse
3 (Nr. 18-8089) und 4 (Nr. 18-8174), welche die Bewilligung des Kor-
rekturgesuchs betreffen, sind abzuweisen.
13.
Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die Kos-
ten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen wer-
den. Die Entscheidgebühr beträgt Fr. 6'000.– (Nr. 10.01 des Gebüh-
rentarifs für die Kantons- und Gemeindeverwaltung, sGS 821.5). Dem
Ausgang des Verfahrens entsprechend, rechtfertigt es sich, den Re-
kurrenten 1 und 2 je ein Drittel dieser Kosten und den Rekursgegnern,
die die teilweise Gegenstandslosigkeit der Rekurse 1 und 2 zu vertre-
ten haben, ebenfalls einen Drittel davon zu überbinden. Entsprechend
haben die Rekurrenten 1 unter solidarischer Haftung eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.– zu bezahlen (Art. 96bis VRP). Die von
A._ am 25. Januar 2018 und 17. Dezember 2018 geleisteten
Kostenvorschüsse von jeweils Fr. 1'000.– sind mit den amtlichen
Kosten zu verrechnen. Der Rekurrent 2 hat entsprechend eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.– zu bezahlen. Die von C._ am
5. Februar 2018 und 19. Dezember 2018 geleisteten
Kostenvorschüsse von jeweils Fr. 1'000.– sind zu verrechnen. Die
Rekursgegner haben ebenfalls eine Entscheidgebühr von Fr. 2'000.–
unter solidarischer Haftbarkeit zu bezahlen.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 59/2019), Seite 24/26
14.
Die Rekurrenten 1, der Rekurrent 2, die Rekursgegner und die Vo-
rinstanz stellen in sämtlichen Verfahren ein Begehren um Ersatz der
ausseramtlichen Kosten.
14.1 Im Rekursverfahren werden ausseramtliche Kosten entschädigt,
soweit sie auf Grund der Sach- und Rechtslage notwendig und ange-
messen erscheinen (Art. 98 Abs. 2 VRP). Die ausseramtliche Entschä-
digung wird den am Verfahren Beteiligten nach Obsiegen und Unter-
liegen auferlegt (Art. 98bis VRP). Die Vorschriften der Schweizerischen
Zivilprozessordnung (SR 272) finden sachgemäss Anwendung
(Art. 98ter VRP).
14.2 Das Begehren der Rekurrenten 1 um Ersatz der ausseramtli-
chen Kosten in Rekurs 1 ist gutzuheissen, weil die Rekursgegner ein-
zelne Rügen anerkannt und daraufhin ein Korrekturgesuch eingereicht
haben, womit sie die teilweise Gegenstandslosigkeit des Rekurses
verursacht haben. Der Rekurs 1 wurde damit zu Recht erhoben. Da
das Verfahren zudem in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht Schwie-
rigkeiten bot, die den Beizug eines Rechtsvertreters rechtfertigen, be-
steht grundsätzlich Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung
(Art. 98bis VRP). Weil keine Kostennote vorliegt, ist die ausseramtliche
Entschädigung in Anwendung von Art. 6 in Verbindung mit Art. 22 der
Honorarordnung (sGS 963.75) ermessensweise auf Fr. 3'250.– (zu-
züglich Mehrwertsteuer) festzulegen; sie ist von den Rekursgegnern
zu gleichen Teilen zu bezahlen.
14.3 Das Begehren der Rekurrenten 1 um Ersatz der ausseramtli-
chen Kosten in Rekurs 3 ist abzuweisen, da sie in diesem Verfahren
unterliegen.
14.4 Das Begehren des Rekurrenten 2 um Ersatz der ausseramtli-
chen Kosten in Rekurs 2 ist gutzuheissen, weil die Rekursgegner ein-
zelne Rügen anerkannt und daraufhin ein Korrekturgesuch eingereicht
haben, womit sie die teilweise Gegenstandslosigkeit des Rekurses
verursacht haben. Der Rekurs 2 wurde damit zu Recht erhoben. Da
das Verfahren zudem in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht Schwie-
rigkeiten bot, die den Beizug eines Rechtsvertreters rechtfertigen, be-
steht grundsätzlich Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung
(Art. 98bis VRP). Weil keine Kostennote vorliegt, ist die ausseramtliche
Entschädigung in Anwendung von Art. 6 in Verbindung mit Art. 22
HonO ermessensweise auf Fr. 3'250.– (zuzüglich Mehrwertsteuer)
festzulegen; sie ist von den Rekursgegnern zu gleichen Teilen zu be-
zahlen.
14.5 Das Begehren des Rekurrenten 2 um Ersatz der ausseramtli-
chen Kosten in Rekurs 4 ist abzuweisen, da er in diesem Verfahren
unterliegt.
14.6 Die Begehren der Rekursgegner um Ersatz der ausseramtlichen
Kosten in den Rekursen 3 und 4 sind gutzuheissen, da sie in diesen
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 59/2019), Seite 25/26
Verfahren obsiegen. Dabei fielen ebenfalls wesentliche Aufwendun-
gen an, weshalb sich eine ausseramtliche Entschädigung rechtfertigt.
Weil keine Kostennote vorliegt, ist die ausseramtliche Entschädigung
in Anwendung von Art. 6 in Verbindung mit Art. 22 HonO ermessens-
weise auf jeweils Fr. 1'375.– sowie Barauslagen von Fr. 55.–, insge-
samt somit jeweils Fr. 1'430.– (zuzüglich Mehrwertsteuer) festzulegen.
Sie ist von den Rekurrenten 1 für den Rekurs 3 und vom Rekurrenten
2 für den Rekurs 4 zu bezahlen.
14.7 Die Vorinstanz hat grundsätzlich keinen Anspruch auf Ersatz der
ausseramtlichen Kosten (R. HIRT, Die Regelung der Kosten nach
st.gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, Lachen/St.Gallen 2004,
S. 176). Sie bringt keine Gründe vor, die ein Abweichen von dieser
Regel rechtfertigen. Ihre Begehren sind daher abzuweisen.