# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 1fcfb964-e175-47c9-ba2d-e63f1ae972d3
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
am 1
1.
Juni
2014, kam mit
einer
Tendovaginosis
stenosans
congenita
(angeborene
Sehnenscheidenverengung)
gemäss
Ziff.
191
des Anhangs zur Verordnung über Geburtsgebrechen (
GgV
),
Miss
bildungen des Zentralnervensystems und seiner Häute gemäss
Ziff.
381
GgV
, eine
m
Hydro
cephalus
congenitus
(angeborener Wasserkopf) gemäss
Ziff.
386
GgV
und leichten
cerebralen
Bewegungsstörungen gemäss
Ziff.
395
GgV
(vgl.
Urk.
10/32,
Urk.
10/
22
6/1)
zur Welt
. Am 3
0.
Juni 2014 wurde sie bei der Invaliden
vers
icherung zum Bezug von medizinischen Massnahmen (
Urk.
10/2) und a
m 1
7.
November 2014
zum Bezug einer
Hilflosen
ents
c
hädigung
angemeldet (
Urk.
10/57).
Ihr wurden
Kostengutsprache
n
für medizinische Massnahmen und
Hilfsmittel
erteilt
(
Urk.
10/2,
Urk.
10/13,
Urk.
10/50,
Urk.
10/51,
Urk.
10/63,
Urk.
10/66,
Urk.
10/154,
Urk.
10/169,
Urk.
10/170,
Urk.
10/186,
Urk.
1
0/204,
Urk.
10/218,
Urk.
10/225,
Urk.
10/254,
Urk.
10/260,
Urk.
10/276,
Urk.
10/304,
Urk.
10/323,
Urk.
10/325
,
Urk.
10/348,
Urk.
10/
351,
Urk.
10/365,
Urk.
10/379).
Gestützt auf eine Abklärung vor Ort (Bericht vom
2.
April 2015,
Urk.
10/118;
vgl. auch
Urk.
10/131
) sprac
h
ihr
die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Grau
bün
den, IV-Stelle,
zudem
eine Entschädigung für Hilflosigkeit leichten Grades
ab
1.
Juni 2014
sowie einen Intensivpflegezuschlag
von vier Stunden
(Intensiv
pflegezuschlag der Stufe 1)
ab
1.
November 2014
zu
. Im Rahmen einer
im Juni 2017 eingeleiteten
amtlichen Revision
führte die
–
infolge eines Wohn
sitz
wechsels der
Versicherten nunmehr zuständige
–
Sozial
versicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
eine erneute Abklärung vor Ort
durch
(
Bericht
vom 1
3.
September 2017,
Urk.
10/226; vgl. auch
Urk.
10/248) und sprach der Ver
sicherten mit Verfügung vom 1
2.
Januar 2018 eine Ent
schädigung für Hilflosig
keit mittleren Grades ab
1.
Juni 2017 zu.
Des Weiteren
bestätigte sie den An
spruch auf einen Intensivpflegezuschlag
von vier Stunden
(
Urk.
10/249). Im Juli 2020 erfolg
t
e eine erneute amtliche Revision (vgl.
Urk.
10/327). Die IV-Stelle Zürich veranlasste eine Abklärung vor Ort (Bericht 2
8.
Se
ptember 2020,
Urk.
10/333) und
bestätigte
nach
durch
geführte
m
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
10/354,
Urk.
10/
357,
Urk.
10/371)
mit Verfügung vom 1
8.
März 2021 den Anspruch
auf eine Entschädigung für Hilflosigkeit mittleren Grades. Den Intensivpflegezuschlag hob sie per 3
0.
April 2021 auf (
Urk.
2).
2.
Dagegen liess die Versicherte, vertreten durch ihren Vater und dieser vertreten
durch
lic
.
iur
.
Z._
, mit Eingabe vom
3.
Mai 2021 Be
schwerde erheben und beantragen, es sei die Verfügung vom 1
8.
März 2021 aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihr neben der bestätigten unver
änderten
Hilflosenentschädigung
für Minderjährige weiter
hin auch den Intensiv
pflegezuschlag
der
S
tufe 1 auszurichten, rückwirkend per
1.
Mai 2021 (
Urk.
1 S. 2). Mit Eingabe vom
7.
Juni 2021 liess sie zudem den Bericht der von ihr in Auftrag gegebenen Bedarfsabklärung (Bericht von
A._
,
dipl.
Pflegefach
frau
HF
, vom 2
0.
Mai 2021,
Urk.
7) einreichen (
Urk.
6). Die Beschwerdegegnerin schloss in der Beschwerdeantwort vom 1
6.
Juni 2021 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
9), was der Beschwerde
führerin zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
11).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
–
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
–
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
2.
2.1
Gemäss Art. 42 Abs. 1 IVG haben Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der Schweiz, die hilflos (Art. 9 ATSG) sind, An
spruch auf eine
Hilflosenentschädigung
. Vorbehalten bleibt Artikel 42
bis
IVG. Als hilflos gilt eine Person, die wegen einer Beeinträchtigung der Gesundheit für all
tägliche Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung bedarf (Art. 9 ATSG). Im Bereich der Invalidenversicherung gilt auch eine Person als hilflos, welche zu Hause lebt und wegen der gesundheit
lichen Beeinträchtigung dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen ist (Art. 42 Abs. 3 Satz 1 IVG; Art. 38 IVV). Liegt ausschliesslich eine Beein
träch
tigung der psychischen Gesundheit vor, so gilt die Person nur als hilflos, wenn sie Anspruch auf eine Rente hat (Art. 42 Abs. 3 Satz 2 IVG). Praxisgemäss sind die folgenden sechs alltäglichen Lebensverrichtungen massgebend (BGE 133 V 450 E. 7.2, 121 V 88 E. 3a, je mit Hinweisen):
-
Ankleiden, Auskleiden;
-
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
-
Essen;
-
Körperpflege;
-
Verrichtung der Notdurft;
-
Fortbewegung (im oder
ausser
Haus), Kontaktaufnahme.
2
.2
Art. 37 IVV sieht drei Hilflosigkeitsgrade vor. Gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung gilt die Hilflosigkeit als mittelschwer, wenn die versicherte Person trotz der Ab
gabe von Hilfsmitteln:
a.
in den meisten alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
b.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheb
licher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf; oder
c.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheb
licher Weise auf die Hilfe Dritter und überdies dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV angewiesen ist.
Nach der Rechtsprechung setzt Hilflosigkeit mittelschweren Grades nach Art. 37 Abs. 2
lit
. a IVV eine Hilfsbedürftigkeit in mindestens vier alltäglichen Lebens
verrichtungen voraus (BGE 121 V 88 E. 3b, 107 V 145 E. 2).
2.3
Die
Hilflosenentschädigung
für Minderjährige, die zusätzlich eine intensive Betreuung brauchen, wird um einen Intensivpflegezuschlag erhöht; dieser Zu
schlag wird nicht gewährt bei einem Aufenthalt in einem Heim. Der monatliche Intensivpflegezuschlag beträgt bei einem invaliditätsbedingten Betreuungs
aufwand von mindestens 8 Stunden pro Tag 100 Prozent, bei einem solchen von mindestens 6 Stunden pro Tag 70 Prozent
und bei einem solchen von mindestens 4 Stunden pro Tag 40 Prozent des Höchstbetrages der Altersrente nach Artikel 34 Absätze 3 und 5 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenen
ver
sicherung
(AHVG). Der Zuschlag berechnet sich pro Tag. Der Bundesrat regelt im Übrigen die Einzelheiten (
Art.
42
ter
Abs.
3 IVG).
Nach Art. 39 IVV liegt eine intensive Betreuung im Sinne von Artikel 42
ter
Abs. 3 IVG bei Minderjährigen vor, wenn diese im Tagesdurchschnitt infolge Beein
trächtigung der Gesundheit zusätzliche Betreuung von mindestens 4 Stunden benötigen (Abs. 1). Anrechenbar als Betreuung ist der Mehrbedarf an
Behand
lungs
- und Grundpflege im Vergleich zu nichtbehinderten Minderjährigen gleichen Alters. Nicht anrechenbar ist der Zeitaufwand für ärztlich verordnete medizinische Massnahmen, welche durch medizinische Hilfspersonen vorge
nommen werden, sowie für pädagogisch-therapeutische Massnahmen (Abs. 2). Bedarf eine minderjährige Person infolge Beeinträchtigung der Gesundheit zusätzlich einer dauernden Überwachung, so kann diese als Betreuung von zwei Stunden angerechnet werden. Eine besonders intensive behinderungsbedingte Überwachung ist als Betreuung von vier Stunden anrechenbar (Abs. 3).
2.4
Gemäss
Randziffer 8070 ff. des
Kreisschreibens über die Invalidität und Hilflo
sigkeit in der Invalidenversicherung (KSIH) ist im Rahmen der anrechenbaren Betreuung bei der Behandlungs- und Grundpflege der zeitliche Mehraufwand für die Betreuung gegenüber gleichaltrigen nichtbehinderten Minderjährigen zu berücksichtigen, der durch Massnahmen der Behandlungspflege (d.h. medizini
sche Massnahmen, sofern nicht durch mediz
inische Hilfspersonen erbracht)
und beziehungsweise oder der Grundpflege verursacht wird. Zur Sicherstellung der Rechtsgleichheit bei der Anspruchsbemessung wurden zum anrechenbaren Mehr
aufwand zeitliche Höchstgrenzen festgelegt, von welchen in begründeten Aus
nahmefällen abgewichen werden kann. Anhang IV zum KSIH nennt diese Höchst
grenzen sowie die für die Betreuung nicht behinderter Minderjähriger not
wendige Zeit (vgl.
Rz
. 8074 KSIH).
Bei den im KSIH enthaltenen Richtlinien zur Bemessung der massgebenden Hilflosigkeit bei Minderjährigen (Anhänge III und IV) handelt es sich bei den Altersangaben um Orientierungswerte, die nicht in jedem Fall absolut anzuwen
den sind. In den meisten Fällen kann es «normale» respektive nicht pathologisch (krankheits-)bedingte Abweichungen von den Zeitangaben sowohl nach oben als auch nach unten geben. Sie sind bei der Bemessung der Hilfsbedürftigkeit nicht zu berücksichtigen. In diesem Sinne sind die Richtlinien flexibel zu handhaben (KSIH, S. 214). Die Zeit für die altersentsprechende Hilfe basiert auf Erfahrungs
werten von verschiedenen IV-Stellen. Es handelt sich um durchschnittliche Werte. Im Weiteren werden Zusatzaufwände berücksichtigt. Die Werte stützen sich auf Erhebungen in Heimen, Krippen und bei Eltern (KSIH, S. 223).
2.5
Die Revision einer
Hilflosenentschädigung
richtet sich nach Art. 17 Abs. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 35 Abs. 2 IVV; das gesamte Rentenrevisionsrecht ist sinn
gemäss anwendbar (BGE 137 V 424 E. 2.2 mit Hinweisen; Urteile des Bundes
gerichts 9C_248/2017 vom 15. Februar 2018 E. 3.2 und 8C_30/2010 vom 8. April 2010 E. 2.2 mit Hinweis; Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invaliden
versicherung, 3. Auflage 2014,
Rn
139 zu Art. 30–31).
Nach Art. 17 Abs. 2 ATSG wird jede andere (als eine Invalidenrente) formell rechtskräftig zugesprochene Dauerleistung von Amtes wegen oder auf Gesuch hin erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben, wenn sich der ihr zu Grunde liegende Sachverhalt nachträglich erheblich verändert hat. Gemäss Art. 35 Abs. 2 Satz 1 IVV finden die Art. 87–88
bis
IVV Anwendung, wenn sich in der Folge – nach Entstehung des
Hilflosenentschädigungsanspruchs
(Art. 35 Abs. 1 IVV; BGE 125 V 256 E. 3b) – der Grad der Hilflosigkeit in erheblicher Weise ändert.
Die Erhöhung, Herabsetzung oder Aufhebung einer
Hilflosenentschädigung
ge
stützt auf Art. 17 Abs. 2 ATSG setzt folglich einen Revisionsgrund voraus. Da
runter ist jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, unter anderem Verbesserung oder Verschlechterung des Gesundheitszustandes oder Verwendung neuer Hilfsmittel, zu verstehen, die geeignet ist, den Grad der Hilflo
sigkeit und damit den Umfang des Anspruchs zu beeinflussen (BGE 137 V 424 E. 3.1 mit Hinweis; vgl. BGE 141 V 9 E. 2.3; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_248/2017 vom 15. Februar 2018 E. 3.2). Zeitlicher Referenzpunkt für die Prü
fung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte rechtskräftige Ver
fügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Leistungsanspruchs mit rechts
konformer Sachverhaltsabklärung und Beweiswürdigung beruht (vgl. BGE 133 V 108; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_204/2014 vom 9. September 2014 E. 3.2 und E. 3.3).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Anspruch auf
Hilflosen
entschädigung
in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (vgl. BGE 141 V 9 E. 2.3 und E. 6.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_72/2017 vom 23. Mai 2017 E. 1).
2.6
Gemäss Art. 69 Abs. 2 IVV kann die IV-Stelle zur Prüfung eines Leistungs
anspruchs unter anderem Abklärungen an Ort und Stelle vornehmen
(vgl. auch
Rz
8131 ff. des Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der IV, KSIH, gültig ab 1. Januar 2015).
Nach der Rechtsprechung hat ein Abklärungsbericht unter dem Aspekt der Hilflosigkeit (Art. 9 ATSG) oder des Pflegebedarfs folgen
den Anforderungen zu genügen: Als Berichterstatterin oder Berichterstatter wirkt eine qualifizierte Person, welche Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhält
nisse sowie der aus den seitens der Mediziner gestellten Diagnosen sich ergebenden Beeinträchtigungen und
Hilfsbedürftigkeiten
hat. Bei Unklarheiten über physische oder psychische Störungen und/oder deren Auswirkungen auf all
tägliche Lebensverrichtungen sind Rückfragen an die medizinischen Fach
personen nicht nur zulässig, sondern notwendig. Weiter sind die Angaben der Hilfe leistenden Personen zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und detailliert bezüglich der einzelnen alltäglichen Lebens
verrichtungen sowie der tatbestandsmässigen Erfordernisse der dauernden Pflege und der persönlichen Überwachung und der lebenspraktischen Begleitung sein. Schliesslich hat er in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen An
gaben zu stehen. Das Gericht greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Ent
scheidungsgrundlage im eben umschriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der die Abklärung tätigenden Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehlein
schätzungen vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklärungsperson näher am konkreten Sachverhalt ist als das im Beschwerdefall zuständige Gericht (
BGE 133 V 450 E. 11.1.1, 130 V 61 E. 6.1 f.
). Diese Grundsätze gelten entsprechend auch für die Abklärung der Hilflosigkeit unter dem Gesichtspunkt der lebenspraktischen Begleitung (BGE 133 V 450 E. 11.1.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_464/2015 vom 14. September 2015 E. 4) sowie unter dem Aspekt des Intensivpflegezuschlags (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_573/2018 vom 8. Januar 2019 E. 3.2).
3.
3.1
Aufgrund ihrer Geburtsgebrechen besteht bei der Beschwerdeführerin eine Bein
schwäche mit Sensibilitätsverlust, eine Instabilität beider Füsse sowie eine neurogene Blasen- und Darmentleerungsstörung
. Sie besucht den regulären Kindergarten, wobei eine Assistenzperson für sie zuständig ist (
Urk.
7 S. 1,
Urk.
10/333/1
). Es ist unbestritten
und aufgrund der Akten ausgewiesen
, dass sie Anspruch
auf
eine Entschädigung für Hilflosigkeit mittleren Grades hat. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht den Intensivpflege
zuschlag per 3
0.
April 2021 aufgehoben hat.
3.2
Die Beschwerdegegnerin
begründete
die Aufhebung des Intensivpflegezuschlags
damit,
h
insichtlich der alltäglichen Lebensverrichtungen Essen und Auf
stehen/Absitzen/Abliegen
habe s
ich
die Beschwerdeführerin
altersentsprechend entwickelt. In diesen Bereichen liege keine Hilflosigkeit mehr vor. In den all
täglichen Lebensbereichen An- und Auskleiden, Verrichten der Notdurft und Fortbewegung bestehe nach wie vor und in der alltäglichen Lebensver
r
ichtung Körperpflege nun seit Juli 2020 eine Hilflosigkeit.
Insgesamt sei
somit in vier alltäglichen Lebensverr
ichtungen eine Hilflosigkeit gegeben
. Eine intensive Betreuung im Sinne des Gesetzes sei anzunehmen, wenn die minderjährige Person im Tagesdurchschnitt infolge Beeinträchtigung der Gesundheit zusätzliche Betreuung von mindestens
vier
Stunden benötige. Im Falle der Beschwerde
führerin betrage der zeitliche Mehraufwand nunmehr 2 Stunden 44 Minuten
. Die notwendige Pflege habe sich insbesondere deswegen
reduziert, weil die
Beschwerdeführerin keine p
hysiotherapeutischen Übungen,
keine Elektro
simulationen
und keine Massnahmen wie die
Oxybut
yn
ineingabe
mehr benötige
. Da der zeitliche Mehraufwand
unter vier
Stunden
liege,
entfalle der Anspruch auf einen Intensivpflegezuschlag (
Urk.
2, vgl. auch
Urk.
9).
3.3
Die Beschwerdeführerin liess
in der Beschwerde
im Wesentlichen geltend machen,
d
ie am 2
8.
September 2020 durchgeführte Abklärung vor Ort habe nur ca. 40 Minuten gedauert. Die Beschwerdeführerin selber sei nicht anwesend gewesen.
Der Abklärungsbericht sei
zudem
unvollständig. So werde darin nicht erwähnt, dass sie
sich im August 2020 einer Operat
ion
habe
unterziehen
müssen
und
für sechs beziehungsweise acht Wochen an beiden Beinen einen Gips
getragen habe
.
Aufgrund der medizinischen Akten und des Krankheitsverlaufs werde bestritten, dass eine anspruchserhebliche Änderung des Sachverhalts eingetreten sei.
Die Beschwerdeführerin brauche nach wie vor Windeln und müsse weiterhin katheterisiert werden.
Die Abklärungsperson habe den notwendigen zeitlichen Mehraufwand falsch eingeschätzt. Dem Bericht von
Dr.
med.
B._
, Leitende Ärztin Rehabilitation am Kinderspital
B._
, vom 1
1.
Februar 2021
sei zu entnehme
n
, dass der zeitliche Mehraufwand höher sei, insbesondere beim Katheterisieren und Toilettentrai
ning. Unter Berücksichtigung der am Ab
klärungsbericht vorzunehmenden Korrekturen sei davon auszugehen, dass der zeitliche Mehraufwand 4 Stunden 19 Minuten betrage. Damit bestehe nach wie vor ein Anspruch auf einen Intensivpflegezuschlag der Stufe 1 (
Urk.
1). Mit Ein
gabe vom
7.
Juni 2021 verwies die Beschwerdeführerin auf den Bericht von
A._
vom 2
0.
Mai 202
1.
Gestützt darauf sei ein zeitlicher Mehraufwand von 5 Stunden 36 Minuten ausgewiesen (
Urk.
6).
4.
4.1
Der Verfügung vom 1
2.
Januar 2018, mit welcher die Beschwerdegegnerin die
Hilflosenentschädigung
leichten Grades auf
eine
solchen mittleren Grades erhöhte und den Anspruch auf einen Intensivpfl
e
gezuschlag von vier Stunden bestätigte, lag
en
im Wesentlichen folgende Beurteilungen zu Grunde.
4.2
Im Abklärungsbericht vom 1
3.
September 201
7
wurde ausgeführt, dass die
(da
mals im Zeitpunkt der Abklärung 3 Jahre und 1 Monate alte)
Beschwerdeführerin in folgenden Bereichen auf Dritt
hilfe angewiesen sei (
Urk.
10/226):
•
Ankleiden / Auskleiden
Die Beschwerdeführerin helfe beim Umkleiden des Oberkörpers mit. Beim Umkleiden des Unterkö
rpers könne sie keine Mithilfe l
eisten. Der zeitliche Aufwand betrage am Morgen 10 Minuten, am Abend 5 Minuten und tags
über 5 Minuten, insgesamt also 20 Minuten. Unter dem altersbedingten Abzug von 15 Minuten ergebe sich ein invaliditätsb
edingter Mehraufwand von 5 Minu
ten/Tag.
•
Aufstehen/Absitzen/Abliegen
Die Beschwerdeführerin könne sich mittels Krabbeln
fortbewegen. Auf dem Stuhl könne si
e noch nicht selbständig sitzen.
Deshalb müssten Positionswechsel durch Dritte ausgeführt werden. Anzurechnen sei ein pauschaler Aufwand für sämtliche Transfers von 20 Minuten. Ein alters
bedingter Abzug sei nicht vorzunehmen. Der invaliditätsbedingte Mehr
aufwand betrage somit 20 Minuten/Tag.
•
Essen
Die Beschwerdeführerin neh
me das Essen mit dem Löffel ein.
Die Löffel
führung gelinge ihr noch nicht zuverlässig. Trinken mit dem Glas könne sie selbständig. Der zeitliche Mehraufwand betrage insgesamt 55 Minuten (für Morgen-, Mittag- und Abendessen sowie
Zvieri
), Unter Berück
sichtigung des altersbedingten Abzugs von 90 Minuten resultiere ein invaliditätsb
edingter Mehraufwand von 0 Minu
ten/Tag.
•
Körperpflege
Die Körperpflege werde altersentsprechend durch Dritte ausgeführt.
•
Reinigung nach Verrichtung der Notdurft
Unverändert werde 6x täglich kathe
ter
isiert. Die Beschwerdeführerin trage tagsüber und in der Nacht Windeln
. Die Windeln würden bei jedem Katheterisieren und bei Bedarf nach Stuhlgang gewechselt. Dies ergebe 6 bis 8 Wickelvorgänge pro Tag. Neuerdings müsse aktive
s
Toiletten
training durchgeführt werden. Zweimal
täglich werde die Beschwerdeführerin nach dem Essen für 20 Minuten auf den Topf gesetzt. Weiterhin
müsse die Beschwerdeführerin zweimal
täglich mit
Oxybutynin
katheterisiert
w
e
r
den
.
Der zeitliche Mehraufwand betrage für Windelwechsel 7,5 Minuten (1,5
x
5 Minuten), Katheterisieren 60 Minuten (4
x 15 Minuten) und Kathete
risieren mit
Oxybutynin
60 Minuten (2
x
30 Minuten), insgesamt also
127,5 Minuten. Bei einem altersbedingten Abzug
von
10
Minuten
betrage der invaliditätsbedingte Mehraufwand 117,5 Minuten
/Tag
.
•
Fortbewegung/Pflege gesellschaftlicher Kontakte
I
n diesem Bereich
könnten keine zeitlichen Aufwände berücksichtigt wer
den. Fahrdienste im Zusammenhang mit den medizinischen Massnahmen würden
be
im Bereich Arzt- und Therapiebesuche berücksichtigt.
•
Dauernde medizinisch-pflegerische Hilfe
Zweimal
täglich je 30 Minuten würden Physiotherapieübungen durch
geführt. Die Heimübungen
seien ärztlich verordnet
, weshalb an therapie
freien Tagen 60 Minuten für Physiotherapieübungen
anzurechnen seien. Täglich sei
e
n
ViDe3-T
ropfen zu verabreichen, was jedoch
altersent
sprechend sei. Mehrmals täglich (ca. 5x) würden der Beschwerdeführerin die Knöchelorthesen an- und angezogen. Einmal täglich werde eine Elektrosimulation durchgeführt.
Es seien
für
Physio
thrapie
übungen
42 Minuten
(1.4
x/Tag
à 30 Minuten), für
Elektrosimulation 5 Minuten (1x/Tag à
5 Minuten) und
für Orthesen 25 Minuten/Tag (5x/
Tag à 5 Minuten), insgesamt
also
72 M
inu
ten/Tag
anzurechnen.
•
Persönliche Überwachung
Die Überwachung finde altersentsprechend statt.
•
Begleitung zu Arzt- und Therapiebesuchen
Für die Wegzeiten zu den Ärzten (Kinderspital,
Ortho
-Team, Augenarzt) und P
hysiotherapie würden die angegebenen Zeiten angerechnet, womit sich umgerechne
t ein zeitlicher Aufwand von 13,
3 Minuten/Tag ergebe.
Insgesamt ergab sich somit ein Mehraufwand von 3 Stunden 48 Minuten. Die Abklärungsperson hielt zusammenfassend fest, in fünf Bereichen sei eine Hilf
losigkeit ausgewiesen, womit ein Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
mittleren Grades ab Juni 2017 bestehe. Indessen seien die Voraussetzungen für die Ausrichtung eines Intensivpflegezuschlags nicht mehr erfüllt, weil der täg
liche Mehraufwand 3 Stunden 48 Minuten und damit unter vier Stunden betrage (
Urk.
10/226).
4.3
Dr.
med.
C._
, Oberärztin Rehabilitation am
Kinder
spital
B._
, hielt im
(im
Einwandverfahren
eingereichten
)
Bericht vom 2
0.
Oktober 2017 in Bezug auf den Abklärungsbericht fest, dass im Bereich Fortbewegung keine zeit
lichen Aufwände berücksichtigt worden seien mit der Begründung, dass sich die Beschwerdeführerin auf ihren Knien kriechend fortbewegen könne. Das sei richtig. Das freie Gehen sei der 3 1⁄2-jährigen Beschwerdeführerin
zur Zeit
gar nicht möglich. Es sei es
jedoch dringend nötig, dass die Beschwerdeführerin
nun zunehmend gehe.
Dies erfolge aktuell aufgrund der Sturzgefahr ausschliesslich gehalten. Z
iel sei es, dass die Beschwerdeführerin
ein freies Gehen erlerne. Aus ärztlicher Sicht sei die Fortbewegung im Hau
s im gehaltenen Gehen notwendig.
Die Mutter sei deswegen angewiesen worden, möglichst viel
mit der Beschwerde
führerin
zu laufen
, und zwar 6
x 15 Minuten pro Tag. Dieser zeitliche Mehrauf
wand sei
zusätzlich zu berücksichtigen (
Urk.
10/244).
4.4
In der ergänzenden Stellungnahme vom 1
2.
Januar 2018 hielt die Abklärungs
person fest, das Gehtraining von täglich 90 Minuten könne aufgrund der geltenden Richtlinien nicht berücksichtigt werden. Jedoch werde im Einwand nachvollziehbar dargelegt, dass die Aufwände für die Arzt- und Therapiebesuche 23,3 Minuten pro Tag betrügen.
Weiter werde im Einwand ausgeführt, dass die Orthesen 6x (statt 5x) im Tag an- und ausgezogen würden. Da dies ärztlich bestätigt werde, sei darauf abzustellen. Hingegen könne pro Mal aufgrund der Erfahrungswerte bloss ein Zeitaufwand von fünf Minuten angerechnet werden. Bei der d
auernde
n
medizinisch-pflegerische
n
Hilfe
sei somit ein Total von 77 Minuten zu berücksichtigen. Insgesamt ergebe sich mithin ein täglicher Mehr
auf
wand von 242,
8 Minuten (also von 4 Stunden und 2 Minuten). Damit seien die Voraussetzungen für die Ausrichtung des Intensivpflegezuschlags der Stufe 1 weiterhin erfüllt
(
Urk.
10/248)
.
5.
5.1
Grundlage der angefochtenen Verfügung vom
8.
März 2021 bildet insbesondere der Abklärungsbericht vom 2
8.
September
202
0.
Z
um besseren Verständnis der gesundheitlichen Situation der
(zum Zeitpunkt der Abklärung vor Ort 6 Jahre
alten)
Beschwerdeführerin
rechtfertigt es sich, nachfolgend
nicht nur Berichte zu zitieren, die im Rahmen der Revision der
H
ilflosenentschädigung
eingeholt wurden,
sondern auch
solche, die
im Zusammenhang mit medizinis
chen Mass
nahmen
verfasst wurden
.
5.2
Dr.
med.
D._
, Leitender Arzt Kinderorthopädie am Kantonsspital
E._
, hielt im Bericht vom 1
2.
Juli 2018 fest, die Beschwerdeführerin könne nun beinahe
frei gehen
, d
ies in Unterschenkelorthesen mit
Orthesen
schuhen
.
Beim Barfussgehen zeige sich jedoch eine massivste Instabilität der
Füsse mit Wegknicken
und Einsinken der Kniegelenke. Die Beschwerdeführerin dürfe daher keinen Schritt barfuss gehen (
Urk.
10/270). Im Bericht vom 2
4.
Mai 2019 bestätigte
Dr.
D._
, dass beim Gehen in Schuhen mit Unterschenkelorthesen mit Ausnahme des Insuffizienzhinkens ein schönes Gangbild bestehe (
Urk.
10/290).
5.3
Dr.
D._
erklärte im Bericht vom
7.
Juli 2020, bei der Beschwerdeführerin bestehe eine massivste Instabilität der Füsse. Es komme deswegen immer wieder zu Druckstellenproblemen aufgrund der Orthesen. Deshalb bestehe eine Indikation zur Plattfusskorrektur (
Urk.
10/326). Diese erfolgte mit Operation vom 1
0.
August 2020 (
Urk.
3).
5.4
Im Abklärungsbericht vom 2
8.
September 2020
(
Urk.
10/333)
wurde darauf hin
gewiesen, dass die Eltern bei der Abklärung zugegen gewesen seien, nicht aber die Beschwerdeführer
in. Sie habe sich zu jenem Zeitpunkt
im Kindergarten
befunden. Vor sechs Wochen habe sie sich an beiden Füssen operieren lassen müssen und sei aktuell auf einen Rollstuhl angewiesen. Laut Aussagen der Eltern bestünden bei der Beschwerdeführerin vorwiegend Einschränkungen beim Gehen und bei der N
otdurft. Tagsüber trage sie Unterschenkelorth
esen, diese müsse sie zur Fortbewegung tragen.
Die Oberschenkelorth
esen müsse sie täglich während zwei Stunden zu Therapiezwecken anziehen. Zu den einz
elnen Lebens
verrichtungen wurde
Folgendes ausgeführt:
•
Ankleiden / Auskleiden
Oberteile könne die Beschwerdeführerin selber an- und ausziehen. Für
das An- und Ausziehen der
Hosen, Socken und
Schuhe sei die Beschwerde
führerin wegen Gleichgewichtsproblemen auf Unterstützung angewiesen. Die Beschwerdeführerin trage
Unterschenkelo
rthesen beidseits zur Fort
bewegung. Aufgrund der Gefahr von D
ruckstellen müssten die Eltern diese
passgenau
anziehen. Zu Therapiezwecken
müsse die Beschwerdeführerin einmal
während zwei Stunden am Tag Oberschenkelorthesen tragen.
Der Aufwand für das An- und Auskleiden betrage gemäss Angaben der Eltern 25 Minuten. Dieser sei anrechenbar. Für das An- und Ausziehen der Hilfsmittel betrage der Aufwand gemäss der Eltern 15 Minuten. Dies ergebe ein Total von 40 Minuten. Unter Abzug für den Zeitaufwand für ein nicht behindertes Kind im selben Alter von 5 Minuten ergebe sich ein invaliditätsbedingter Mehraufwand von 35 Minuten
/Tag
.
•
Aufstehen/Absitzen/Abliegen
Die Beschwerdeführerin könne alle Positionswechsel
selbständig durch
führen. Sie
wache in der Nach
t
regelmässig mindestens einmal auf, was aber auch bei gesunden Kindern in diesem Alter der Fall sei. Ein invaliditätsbedingter Mehraufwand in diesem Bereich sei nicht ausge
wiesen.
•
Essen
Die Beschwerdeführerin zeige in diesem Bereich eine altersentsprechende Entwicklung. Ein invaliditätsbedingter Mehraufwand in diesem Bereich sei nicht ausgewiesen.
•
Körperpflege
Die Beschwerdeführerin benötige
Hilfe beim Duschen. Sie
habe ein Dusch
brett. Die Transfers würden von den Eltern übernommen. Zähneputzen könne die Beschwerdeführerin selbständig.
Das
Kä
m
men
der Haare
werde von Mutter übernommen
, jedoch könne die Beschwerdeführerin
dies auch selber machen
.
Da die Beschwerdeführerin Hilfe bei den Transfers benötige, werde beim Duschen ein Mehraufwand von 2 Minuten berück
sichtigt. Abzüglich des Zeitaufwands
für ein nicht behindertes Kind im selben Alter von 15 Minuten resultiere ein invaliditätsbedingter Aufwa
nd
von 0 Minu
ten.
•
Verrichten der Notdurft
Das Katheterisieren werde durch die
Eltern
übernommen: 6 x 5 Minuten/Tag. Gleichzeitig würden die Win
deln gewechselt. Diese trage die Beschwerdeführerin
Tag und Nacht. Für Stuhlgang melde sie sich seit einigen Wochen vermehrt. Physiologisch sei mit dem Darm alles in Ordnung. Die Problematik sei nicht erklärbar. Die Verzögerung werde mit
den
Blasenproblemen in Zusammenhang gebracht. Ein Toilettentraining werde 2 x 5 Minuten/Tag durchgeführt. Gemäss Angaben der Eltern werde für die Überprüfung der Reinlichkeit 30 Minuten aufgewendet, für das Katheterisieren weitere 30 Minuten (6 x 5 Minuten) und für das Toiletten
training 10
Minuten. Dies ergebe ein T
otal von 70 Minuten/Tag, was d
em invaliditätsbedingten Mehraufwand entspreche, da kein altersbedingter Abzug vorzunehmen sei.
•
Fortbewegung
Freies Gehen sei seit dem
4.
Altersjahr möglich. Fürs Treppenlaufen benötige die Beschwerdeführerin Hilfe. Sie müsse sich am Geländer halten oder geführt werden. Kurze Gehstrecken könne sie bewältigen, sofern es geradeaus gehe und der Weg eben sei.
Bei steilen, unebenen Wegen sowie bei
Treppen müsse sie geführt werden. Die Beschwerdeführerin müsse von der Mutter mit dem Auto in den Kindergarten gefahren werden. Der Schul
weg sei zu weit weg und es bes
t
ehe Sturzgefahr. In der Wohnung könne die Beschwerdeführerin kurz alleine sein.
Eine Hilflosigkeit in diesem Bereich sei weiterhin gegeben
. Die Beschwerdeführerin sei beim Treppenlaufen sowie bei erschwerten Strassenbedingungen auf Dritthilfe ausgewiesen. Ein
Mehraufwand in
folge Beeinträchtigung der Gesundheit sei nicht anrechenbar.
•
Behandlungspflege
Die Beschwerdeführerin erhalte eine Tablette für die Blase am Tag. Nach Angabe der Eltern belaufe sich der Aufwand auf eine Minute pro Tag. Anrechenbar seien 0 Minuten. Die Narben müssten mit einer Salbe täglich gepflegt werde
n. Gemäss Angaben der Eltern b
etrage
der Aufwand 1 Minute pro Tag. Dieser Aufwand sei anrechenbar. Das Anziehen der Ober
schenkelorthesen bet
rage nach Angaben der Eltern 2 x 5 Minuten
und werde in diesem Umfang angerechnet. Das An- und Auskleiden der Unterschenkelorthesen sei bereits im Bereich An- und Auskleiden berück
sichtigt worden. Insgesamt betrage der anrechenbare Mehraufwand unter dem Titel Behandlungspflege 11 M
inu
ten/Tag.
•
Begleitung zu Arzt- und Therapiebesuchen
Für die Wegzeiten zu den Ärzten (Urologie Kinderspital, Orthopädie Kinderspital, Sprechstunden Kinderspital,
Dr.
D._
,
F._
Ortho
pädie,
Dr.
G._
) sowie zur Physiotherapie betrage der Mehraufwand gemäss Angaben Eltern 31 Minuten
/Tag
. Dieser sei anzurechnen.
•
Gesellschaftliche Kontakte
Ein Mehraufwand unter diesem Titel sei nicht ausgewiesen.
•
Aufwendige Pflege
Eine aufwendige Pflege könne nicht mehr bejaht werden. Es würden keine regelmässigen Physio
therapie
übungen durch die Eltern mehr durchgeführt und auch keine Elektrostimulationen mehr. Das An
- und Abziehen der Orthesen werde bereits
be
im Bereich An- und Ankleiden berücksichtigt.
•
Persönliche Überwachung
Die Beschwerdeführerin bedürfe weder einer dauernden persönlichen Überwachung noch einer besonders intensiven Überwachung.
Zusammenfassend hielt die Abklärungsperson fest,
dass die Beschwerdeführerin
sich in zwei Bereichen
altersentsprechend entwickelt
habe
. In
den Bereichen Auf
stehen/Absitzen/Abliegen und Essen benötige sie keine Unterstützung mehr. Da
für könne der Bereich Körperpflege ab Juni 2020 anerkannt werden. Damit sei eine Hilfsbedürftigkeit in den Bereichen An- und Auskleiden, Körperpflege, Ver
richten der Notdurft und Fortbewegung gegeben. Mithin bestehe weiterhin ein Anspruch auf
Hilflosenentschädigung
mittleren G
rades. Eine aufwändi
ge Pflege sei nicht mehr notwendig
.
Der Mehraufwand für die Intensivpfleg
e betrage 2 Stunden 3
6
Minuten
(richtig: 2 Stunden 27 Minuten, vgl.
Urk.
10/333/5
Ziff.
2)
,
nämlich
1 Stunde 45 Minuten
Mehraufwand für die a
lltäglichen Lebensverrichtungen
(im Einzelnen: 35 Minuten für An- und Auskleiden, 0 Minuten
für
Aufstehen/Absitzen/Abliegen, 0 Minuten
für
Essen, 0 Minuten
für
Körperpflege, 70 Minuten
für
Verrichtung Not
durft, 0 Minuten
für
Fortbewegung)
,
11 Minuten Mehraufwand für die Behandlungspflege, 31 Minuten Mehraufwand für Arzt- u
nd Therapiebegleitung
und
0 Minuten Meh
raufwand für Überwachung
. Damit entfalle
ein Anspruch auf einen Intensivpflegezus
chlag
.
5.5
Dr.
med.
B._
, Leitende Ärztin Chirurgische Klin
ik am Kinderspital
B._
, führte
im (in Hinblick auf das
Einwandverfahren
verfassten) B
ericht vom 1
1.
Februar 2021 aus
, die Beschwerdeführerin leide an einer Bein
schwäche, einer neurogenen Blasenentleerungsstörung und einer neurogenen Darmentleerungsstörung. Aufgrund der Beinschwäche sei sie nicht altersent
sprechend mobil. Mit U
nterschenkelorth
esen sei
sie
gehfähig
, allerdings mit
einer reduzierte
n
Gehausdauer und Gangstrecke. Der Schulweg werde mit den Eltern per Auto zurückgelegt. Einmal pro Tag müsse die Beschwerdeführer
in
Knie
quengelorthesen
tragen, welche von den Eltern an- und angezogen würden. Auch die steifen Unterschenkelorthesen und die
Orthesenschuhe
würden mit Unter
stützung der Eltern an- und ausgezogen. Zusätzlich
werde die Beschwerde
führerin 4-5
x täglich durch die Eltern katheterisiert und nehme regelmässig Medikamente für die Blasenentleerung ein. Es müsse stets auf eine ausreichende Trinkmenge geachtet werden und trotzdem sei die Beschwerdeführerin nicht 100
%
kontinent
. Es komme zwischen den
Katheterzeiten
zum Einnässen. Bei trübe
m
Urin werde zusätzlich eine Blasenspülung durchgeführt. Bezüglich Darm
entleerung werde
ein regelmässiges Stuhl
/WC-Training durchgeführt, dies zwei
mal pro Tag
, circa
30 Minuten nach dem Essen
(
Urk.
10/370).
5.6
Dem Bericht von
Dr.
med.
H._
,
stv
. Leitende Ärztin
Departement Chirurgie am Kantonsspital
E._
, vom 2
2.
Februar 202
1
ist zu entnehmen, dass die Unterschenkelorthesen gut passen und es zu keinen Druckstellen kommt. Täglich würden die
Quengel
-Schienen zwei Stunden getragen (
Urk.
10/373/5). Im Bericht vom 1
2.
März 2021 betonte sie, dass die Knieextension gefö
rdert werden müsse. Dazu diene
einerseits die Physiotherapie, anderseits die
Quengel
-Schienen. Bei soweit zufriedenstellendem Verlauf bedürfe es zur Zeit keiner weiteren Mass
nahmen
(
Urk.
10/373/4
).
5.7
Mit Stellungnahme vom 1
8.
März 2021
(
Urk.
10/376)
nahm die Abklärungs
person zu den Einwänden der Beschwerdeführerin Stellung. Sie hielt fest, dass
sich
bezüglich der Bereiche
An- und Auskleiden
,
Aufstehen/Absitzen/Abliegen
, Verrichten der Notdurft, Essen und Fortbewegung
keine Anpassungen
recht
fertigten
.
Effektiv nahm sie jedoch im Rahmen
der Stellungnahme
beim Bereich An- und Auskleiden eine Änderung vor, indem sie
in der zusammenfassenden Aufstellung (siehe nachfolgend)
ein
en
Mehraufwand von 25 Minuten (statt von 35 Minuten wie im Abklärungsbericht vom
2
8.
September 2020) anrechnete. Z
um Bereich Körperpflege erläuterte die Abklärungsperson,
im Abklärungsbericht
seien
2 Minuten berücksichtigt worden.
Zusätzlich könnten 20 Minuten für die Unterstützung der Körperpflege gutg
eheissen werden. Daraus resultiere ein Auf
wand von 22 Minuten, wobei davon 5 Minuten für
den Zeitaufwand für ein nicht behindertes Kind im selbe
n Alter abzuziehen seien. Des Weiteren
könne ein
zusätzlicher
Mehraufwand für Arztbesuche von 5 Minuten pro Tag
(nebst den bereits anerkannten 31 Minuten)
berücksichtigt werden, insgesamt also 36 Minuten.
Da die Beschwerdeführerin im Rahmen des Einwands Aufwände für physiotherapeutische Massnahmen gel
tend gemacht hatte, rechnete
die Ab
klärungsperson
bei der aufwe
ndigen Pflege
(resp. Behandlungspflege)
neu 15 Minuten für Physiotherapie an
, betonte aber, dass anlässlich des Abklärungs
gesprächs die Vornahme von Physiotherapieübungen zu Hause verneint worden sei
. Im Rahmen ihrer zusammenfassenden
Aufstellung
berücksichtigte
die Ab
klärungsperson
diesen Mehraufwand
bei der Behandlungspflege.
In Bezug auf
die Behandlungspflege als solche
verneinte sie einen weiteren
Mehraufwand (vgl. dazu die Ausführungen unter medizinischen Massnahmen
,
Urk.
10/376/4
)
nebst den bereits anerkannten 11 Minuten
.
Insgesamt kam sie in der Aufstellung bei der Position Behandlungspflege so auf 26 Minuten.
Die Notwendigkeit einer per
sönlichen Überwachun
g verneinte sie
. Im Übrigen hielt sie fest, d
ass inzwischen
keine Elektrostimulation
und keine
Oxybutyni
neingabe
mehr erfolgten
. Schliess
lich
wies sie darauf hin, dass sie die Eltern der Beschwerdeführerin im Nachgang zum Ab
klärungsgespräch informiert ha
b
e, dass die IV keine Kosten für den Schultransport übernehme, wenn
das
Kind die reguläre Schule besuche. In einem solchen Fal
l
sei die Schulgemeinde zuständig.
Z
usammenfassend hielt die Abklärungsperson
folgende Mehraufwände fest:
An- und Auskleiden
25 Minuten pro Tag (Maximalpauschale
30 Minuten minus
Zeitaufwand nicht behindertes Kind 5 M
inu
ten)
Aufstehen/Absitzen/Abliegen
0 Minuten
Essen
0 Minuten
Körp
erpflege
7 Minuten pro Tag (22
Minuten Mehraufwand minus
Zeitaufwand nicht behindertes Kind 15 Minuten)
Fortbewegung
0 Minuten
Verrichten der Notdurft
70 Minuten
Arztbesuche
36 Minuten
Behandlungspflege
26 Minuten
Persönliche Überwachung
0 Minuten
Mehraufwand total
2 Stunden 44 Minuten
5.8
A._
nahm ihre Bedarfsabklärung unter Zuhilfenahme des Bedarfs
abklärungsinstruments RAI-Home-Care (RAI-HC) vor. Unter Berücksichtigung der einzelnen Positionen errechnete sie eine
n
behinderungsbedingten Mehrauf
wand von 5 Stunden 36 Minuten (
Urk.
7).
6.
6.1
Fest steht, dass ein Katheterisieren mit
Ox
ybut
yn
in
sowie eine Elektrosim
ulation nicht mehr notwendig sind
. Dafür wurden im Abklärungsbericht vom 1
3.
September 2017 insgesamt 65 Minuten/Tag berücksichtigt (
Urk.
8/2
26
)
. Ein Revisionsgrund
ist somit gegeben. Zu prüfen ist folglich, ob
die Beschwerde
gegnerin gestützt auf die Ausführungen ihrer Abklärungsperson zu Recht davon ausgegangen ist, dass nunmehr noch ein
Mehraufwand für die Intensivpflege von 2 S
tunden 44
Minuten besteht.
Soweit die Beschwerdeführerin moniert, dass im Bericht nicht berücksichtigt word
en sei, dass sie
sich im August 2020
einer Operation habe unterziehen müssen und danach während zwei Monaten einen Gips getragen habe (
Urk.
1
S. 5
), ist darauf hinzuweisen, dass dieser Umstand der Abklärungsperson bekannt war (
Urk.
10/333/1), jedoch vorliegend nicht weiter ins Gewicht fällt, weil die Aufhebung de
s Intensivpflegezuschlags per 3
0.
A
pril 2021 erfolgte.
D
ass die Beschwerdeführerin
selber
beim Abklärungsgespräch nicht anwesend war
, führt nicht dazu, dass dem Abklärungsbericht die Beweiskraft abzuerkennen wäre
. Der medizinische
Gesundheitszustand
der Beschwerdeführerin
ergibt
sich hinreichend aus den
Akten. Von den örtlichen und räumlichen Verhältnissen ko
nnte sich die Abklärungsperson
ein Bild machen. Auskunft über die notwendigen Lebens
verrichtungen und den damit verbundenen Aufwand gaben die Eltern. Die Beschwerdeführerin hätte dazu altersbedingt nichts beitragen können.
6.2
Hinsichtlich des Bereichs An- und Auskleiden
ging die Abklärungsperson im Bericht vom 2
8.
September 2020 von einem behinderungsbedingt
en Mehr
aufwand von 35 Minuten aus. I
n der Stellungnahme vom 1
8.
März 2021 legte sie ihn auf 25 Minuten fest (
Urk.
10/333/1,
Urk.
10/376).
Di
e Beschwerdeführerin
fordert
in der Beschwerde, dass nur schon für das An- und Ausziehen der Unter
schenkelorthesen (à 15 Minuten, mehrmals am Tag) sowie der Oberschenkel
orthesen (à 20 Minuten) ein höherer Mehraufwand zu berücksichtigen sei
(
Urk.
1 S. 5)
. Dazu ist festzuhalten, dass
Hilfsmittel, so
auch Orthesen, beim Bereich An- und Auskleiden zu berücksichtigen sind, soweit diese zur Aufrechterhaltung einer Lebensverrichtung benötigt werden.
Diesfalls
beträgt der anrechenbare Maximal
wert 15 Minuten. Das An- und Abziehen von Hilfsmittel
n
zu therapeutischen Zwecken ist bei der dauernden Pflege zu veranschlagen, dies mit einem Maximalwert von
5 Minuten pro Mal (Anhang IV des
KSIH, S. 224 u. S. 230).
Laut Angaben der Eltern betrug die Unterstützung für das An- und Auskleiden de
s
Unterkörpers 25 Minuten (
Urk.
10/333/1). Für das An- und Ausziehen der Unterschenkelorthesen ist
- wie soeben ausgeführt -
ein Zusatzaufwand von 15 Minuten anzurechnen.
Es rechtfertigt sich, diese beiden Aufwände zu kumulieren, auch wenn damit der Maximalwert von 30 Minuten, de
r im Anhang IV des
KSIH, S. 223,
im Bereich An-
und Auskleiden für Kinder bis 1
0 Jahren vorgesehen ist, überschritten wird.
Davon sind 5 Minuten für altersentsprechende
Hilfe abzu
ziehen (Anhang IV des
KSIH, S. 223). Damit resultiert im Bereich An- und An
kleiden ein behinderungsbedingter Mehraufwand von 35 Minuten. Dem Aufwand im Zusammenhang mit den Oberschenkelorthesen ist bei der Behandlungspflege Rechnung zu tragen.
6.3
Betreffend den Bereich Aufstehen/Absitzen/Abliegen hielt die Abklärungsperson in der Stellungnahme vom 1
8.
März 2021 fest, die Beschwerdeführerin könne sämtliche Position
swechsel selbständig vornehmen
(
Urk.
10/
376/3)
. Aus Gründen der Sicherheit seien der Beschwerdeführerin die Orthesen vor dem Aufstehen oder Abliegen, also im Bett, an- oder auszuziehen. Ein Aufwand für Transfers, wie im Einwand geltend gemacht, könne daher nicht berücksichtig
t werden. Diese Aus
führungen sind
nicht zu beanstanden und dagegen brachte die Beschwerde
führerin in der Beschwerde
denn
auch nichts mehr vor.
6.4
Da im Einwand vorgebracht worden war, dass die Beschwerdeführerin bei der Körperpflege mehr Hilfe benötige, etwa beim Duschen
(
Urk.
10/371/2)
, wurde in der Stellungnahme vom 1
8.
März 2021 ein zusätzliche
r Mehraufwand von 20 Minuten berücksichtigt. Unter Berücksichtigung der bereits anerkannten 2 Minuten sowie des alter
s
bedingten Abzugs von 15 Minuten (
vgl. a
uch Anhang IV des
KSIH, S. 227) resultierte
bei der Körperpflege insgesamt ein behinder
ungs
bedingter Mehraufwand von 7 Minuten
. Dies blieb in der Beschwerde zu Recht unbeanstandet.
6.5
Das Katheterisieren gilt als eine unübliche Art der Verrichtung der Notdurft. E
benfalls unter diesen
B
ereich fällt
die Notwendigkeit
von vermehrtem Wickeln
(KSIH
Rz
. 8058.1). Die Abklärungsperson hielt in der Stellungnahme vom 1
8.
März 2021 fest, es seien 6 x 5 Minuten für das Katheterisieren, 6 x 5 Minuten für das Wechseln der Windeln und 2 x 5 Minuten für das Toilett
entraining zu veran
schlagen
. Die Beschwerdeführerin trage Tag und Nacht Windeln.
Die Über
prüfung der Reinlichkeit sei daher nicht zu berücksichtigen, da die Beschwerde
führerin gewickelt und ein Toilettentraining vorgenommen werde. Leistungen könnten nicht doppelt erfasst werden. Zudem sei die Beschwerdeführerin kognitiv altersentsprechend entwickelt. Es könne deshalb erwartet werden, dass sie sich bei nassen Windeln melde. Das Einmalkatheterisieren entspreche einer All
tagsverrichtung, welche von den Eltern routiniert und mit Gewährleistung der Sterilität innerhalb von 5 Minuten durchgeführt werden könne
(
Urk.
10/376)
.
Gemäss Anhang IV des KSIH, S. 228, beträgt der Maximalwert für häufigen Windelwechsel 5 Minuten pro Mal; im Falle der Beschwerdeführerin somit 30 Minuten (6 x 5 Minuten).
Für das Katheterisieren sieht d
er Anhang IV des KSIH,
S. 227, zwar
einen Zusatzaufwand von 60 Minuten
im Sinne einer Höchstgrenze
vor.
Jedoch ist
die Annahme der Abklärungsperson, wonach die Eltern das Katheterisieren geübt se
in dürften, nicht
von de
r Hand zu weisen; dies nicht zu
letzt auch, weil die Beschwerdeführerin inzwischen sechs Jahre alt ist und damit den Vorgang des Katheterisierens besser verstehen und sich dabei entsprechend ruhig verhalten dürfte. Gemäss Abklärungsbericht gaben die Eltern gegenüber der Abklärungsperson an, dass sie die Beschwerdeführerin sechs Mal im Tag katheterisierten würden und pro Mal fünf Minuten benötigten, insgesamt also 30 Minuten (
Urk.
10/333/5). In der Beschwerde bestreiten die Eltern, diese Angabe so gemacht zu haben (
Urk.
1 S. 5).
Laut Dr.
B._
muss die Beschwerdeführerin (lediglich) vier bis fünf Mal katheterisiert werden (vgl. E. 5.5).
Wie es sich damit genau verhält, ob nun für das Katheterisieren 30 oder 60 Minuten einzusetzen sind, kann indessen
offen bleiben
, da sich so oder anders - wie sich nachfolgend ergibt - am Ergebnis nichts ändert. Was das Toilettentraining anbelangt,
gaben die Eltern gegenüber der Ab
klärungsperson
offenbar
zur
Auskunft, dass dieses
2 x 5 Minuten durchgeführt werde (
Urk.
10/333/3). In der Beschwerde möchte die Beschwerdeführerin hierfür 2 x 30 Minuten berücksichtigt haben (
Urk.
1 S. 5). Dabei beruft sie sich auf den Bericht von
Dr.
B._
.
Aus diesem vermag sie jedoch nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. Denn darin wird
ausgeführt, dass das Toilettentraining «zweimal pro Tag, circa 30 Minuten nach dem Essen» durchgeführt werde (
Urk.
10/370).
Von einem 30minütigen Toilettentraining ist darin mithin nicht die Rede. Vielmehr geht daraus hervor, dass das Toilettentraining 30 Minuten nach dem Essen stattfindet.
Überdies
erscheint fraglich
, dass ein 6jähriges Kind ein Toilettentraining von insgesamt einer Stunde im Tag einfach so über sich ergehen lässt. Auszugehen ist somit von einem Toilettentraining von 10 Minuten pro Tag.
Insgesamt ist beim Bereich Verrichtung der Notdurft somit von einem behinderu
ngsbedingten Mehraufwand von 70
Minuten
, höchstens jedoch von 100 Minuten
auszugehen.
6.6
Betreffend den
Bereich
Essen rechnete die Abklärungsperson keinen behinderungsbedingten Mehraufwand an
(
Urk.
10/333/2)
, was in der Beschwerde zu Recht nicht moniert wurde.
6.7
Die Abklärungsperson anerkannte, dass die Beschwerdeführerin im Bereich der Fortbewegung eingeschränkt is
t. Jedoch hielt sie zu Recht fest
, dass in diesem Zusammenhang kein behinderungsbedingter
zeitlicher Mehraufwand
berück
sichtigt werden kann
(
Urk.
10/333/3,
Urk.
10/376/4). Der Beschwerdeführerin ist freies Gehen mit den Unterschenkelorthesen möglich (
Urk.
10/333/2,
Urk.
10/370). Beim Treppenlaufen braucht sie Hilfe, entweder muss sie sich am Geländer halten oder sie muss geführt werden. Bei erschwerten Strassen
bedingungen braucht sie Dritthilfe wegen Sturzgefahr (
Urk.
10/333/3).
Soweit sich die Beschwerdeführerin in der Beschwerde auf diesen Umstand beruft (
Urk.
1 S. 8), ist sie darauf hinzuweisen, dass der Zeitaufwand für die Hilfestellung zur Fortbewegung im hier in Frage stehenden Sinn nicht zur Grund- oder Behandlungspflege im Sinne von
Art.
39
Abs.
2 IVV gehört (vgl. auch
Rz
. 8075 ff. KSIH). In
Rz
. 8077.2 KSIH wird denn auch festgehalten, dass in den Tag integrierte therapeutische Aktivitäten, wie etwa Treppen steigen, beim Intensiv
pflegezuschlag nicht berücksichtigt werden können. Sodann
berücksichtigte die Beschwerdegegnerin
für den Schulweg
keinen behinderungsbedingen Mehr
aufwand (
Urk.
10/333/3,
Urk.
376/6). Dies ist korrekt, weil für einen allfälligen Mehraufwand die Schule einzustehen hat (BGE 140 I 153).
6.8
Im Abklärungsbericht vom 2
8.
September 2020 bezifferte die Abklärungsperson den Aufwand für Arztbesuche mit 31 Minuten pro Tag
(
Urk.
10/333/4)
. Auf den Einwand der Beschwerdeführerin hin erhöhte sie in der Stellungnahme vom 1
8.
März 2021 den hierfür nötigen Aufwand um 5 Minuten auf 36 Minuten pro Tag
(
Urk.
10/376/4)
. Dies
blieb in der Beschwerde
unbestritten.
6.9
Für Behandlungspflege rechnete die Abklärungsperson im Bericht vom 2
8.
September 2020 eine Minute für die Narbenpflege und 10 Minuten (2 x 5 Minuten) für das An- und Ausziehen der Oberschenkelorthese
n
, insgesamt also 11 Minuten, an
. Dieses Vorgehen entspricht dem
KSIH (vgl. dazu E. 6.2 hiervor)
. Die Frage, ob zu Hause regelmässig physiotherapeutische Übungen durchgeführt würden, verneinten die Eltern
im Abklärungsgespräch, weshalb bei der auf
we
ndigen Pflege kein behinderungsbedingter Mehraufwand veranschlagt w
urde (
Urk.
10/333/4,
Urk.
10/
376). Nachdem im Einwand vorgebracht worden war, dass die Eltern pro Tag mit der Beschwerdeführerin Physio
therapie
übungen machen würden (
Urk.
10/371/3), berücksichtigte
die Abklärungsperson
in der Stellungnahme vom 1
8.
März 2021
zusätzlich
einen behinderungsbedingen Mehraufwand von
15
Minuten
und damit
bei diesem Bereich
insgesamt
einen solchen
von
26 Minuten
(
Urk.
10/376)
. Dies erscheint grosszügig, da
"Aussage
n
der ersten Stunde"
in
der Regel unbefangener und zuverlässiger sind als spätere Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können
(U
rteile
des Bundesgerichts
9C_515/2021 vom 1
5.
Dezember 2021 E
. 4.2.2, 8C_648/2013 vom 1
8.
Februar 2014 E. 3.2).
Zwar muss die Beschwerdeführerin während zwei Stunden, an denen sie die Oberschenkelorthesen trägt, ruhig auf dem Sofa liege
n
.
Es ist jedoch nicht zu beanstanden, dass die Abklärungsperson für die Lagerungs
kontrolle keinen Mehrauf
wand akzeptierte. Zu Recht wies
sie darauf hin, dass die Beschwerdeführerin keine kognitiven Einschränkungen oder Verhaltensauffällig
keiten aufweise und dass mit geeigneten Beschäftigungsmassnahmen die Zeit überbrückt werden könne. Seien die Schienen korrekt angebracht und liege die Beschwerdeführerin einigermassen ruhig, seien keine Massnahmen nötig (
Urk.
10/376/4).
6.10
Die Abklärungsperson verneinte das Erfordernis einer persönlichen Überwachung (
Urk.
10/333/4). Die Beschwerdeführer
in
brachte im Einwand vor, hierfür seien 120 Minuten einzusetzen (
Urk.
10/371/3). In der Beschwerde äusserte sie sich nicht mehr im Einzelnen dazu (
Urk.
1). Der Begriff der dauernden persönlichen Überwachung bezieht sich nicht auf die alltäglichen Lebensverrichtungen. Hilfe
leistungen, die bereits als direkte oder indirekte Hilfe in einem Bereich der all
täglichen Lebensverrichtung Berücksichtigung gefunden haben, können bei der Beurteilung der Überwachungsbedürftigkeit nicht nochmals ins Gewicht fallen. Vielmehr ist darunter eine Hilfeleistung zu verstehen, welche infolge des physischen, psychischen und/oder geistigen Gesundheitszustandes der ver
sicherten Person notwendig ist.
Eine Überwachungsbe
dürftigkeit darf an
genommen wer
den, wenn die versicherte Person ohne Überwachung mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit sich selbst oder
Drittpersonen gefährden würde (KSIH
Rz
. 8035
und
Rz
. 8078
).
Unter diesem Titel hielt die Abklärungsperson fest, die Beschwerdeführer
in sei kognitiv ein altersentsprechend entwickeltes Kind. Sie besuche den regulären Kindergarten. Der Vater habe zu Beginn des Abklärungs
gesprächs angegeben, die Beschwerdeführerin sei aufgrund ihrer Diagnose vor
wiegend beim Gehen und in der Notdurft eingeschränkt. Dies widerspiegle sich auch im Abklärungsbericht. Zudem hätten die Eltern erwähnt, dass
sie
die Beschwerdeführerin auch kurz alleine lassen könnten. Die nötigen Interventionen beziehungsweise Hilfestellungen durch die Eltern würden jeweils in den einzelnen Bereichen berücksichtigt. Es liege keine Überwachungssituation im Sinne der IV vor. Eine persönliche Überwachung sei nicht ausgewiesen (
Urk.
10/376/5). Dem ist nichts beizufügen.
6.11
N
ach dem Gesagten stellt der Abklärungsbericht vom 2
8.
September 2020 unter Berücksichtigung der Stellungnahme vom 1
8.
März 2021
grundsätzlich
eine zu
verlässige
Entscheidgrundlage
dar,
auch wenn einzelne Korrekturen vorzu
nehmen sind.
Vor diesem Hintergrund ist nicht entscheidend, ob das Abklärungs
gespräch 40 Minuten, wie in der Bes
chwerde vorgebracht (
Urk.
1 S. 3
)
,
oder 60 Minuten, so die Abklärungsperson (
Urk.
10/376/5), gedauert hatte. An der Beweiskraft des Berichts vom 2
8.
September 2020 in Verbindung m
it der Stellungnahme vom 1
8.
März
2021
vermag auch die Bedarfsabklärung von
A._
vom 2
0.
Mai 2021 nichts zu ändern. Eine Bedarfsabklärung unter Zuhilfe
nahme des Bedarfsabklärungsinstruments RAI-HC kann
Grundlage für die Beurteilung von Ansprüchen auf
Hilflosenentschädigung
bilden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_299/2018 vom 2
8.
J
anuar 2019 E. 5.2.2).
A._
berück
sichtigte
jedoch
Positionen, die nicht zu berücksichtigen sind, wie etwa
das Schneiden der Nägel oder das
Trainieren von sozialen Kontaktaufnahmen. Im KSIH wurden zur Sicherstellung der Rechtsgleichhe
it bei der Anspruchs
bemessung
zum anrechenbaren Mehraufwand zeitliche Höchstgrenzen festgelegt. Von diesen Höchstgrenzen weicht
A._
ab (
Urk.
7
). Zwar kann in begründenden Ausnahmefällen von den Höchstgrenzen abgewichen werden (E. 2.4 hiervor).
A._
begründet ihre abweichende Beurteilung jedoch nicht und es ist denn auch ni
cht ersichtlich, weshalb bei den einzelnen Bereichen
ein Aus
nahmefall vorliegen soll
, der ein Überschreiten der Höchstgrenzen rechtfertigen würde
. Folgte man der Beurteilung von
A._
, wäre auf eine Ver
schlechterung des Gesundheitszustands zu schliesse
n, was selbst die Beschwerde
führerin nicht behauptet. Der Bericht von
A._
ist daher nicht geeignet, eine klar feststellbare Fehleinschätzung der Abklärungsperson der IV-Stelle aufzu
zeigen.
6.12
Da somit (höchstens) von einem behinde
rungsbedingten Mehraufwand von 2 Stunden 5
4 Minuten
bzw. 3 Stunden 24 Minuten
(nämlich 35 Minuten für An- und Auskleiden, 0 Minuten für Aufstehen/Absitzen/Abliegen, 0 Minuten für Essen,
7 Minuten für Körperpflege, 70 bzw. 100
Minu
ten für Verrichtung Not
durft, 0
Minuten für Fortbewegung, 26 Minuten für die Behandlungspflege, 36 Minuten für Arzt- und Therapiebegleitung, 0 Minuten für Überwachung) auszu
gehen ist, entfällt der Anspruch auf einen Intensivpflegezuschlag. Dessen Auf
hebung per 3
0.
April 2021 erweist sich mithin als rechtens. Dies führt zur Ab
weisung der Beschwerde.