# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 01746ab3-d213-41bb-9fa5-dad5c0e4f5af
**Court:** ZH_BRK
**Chamber:** ZH_BRK_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
A.
Mit Verfügung vom 27. April 2022 setzte die Baudirektion Kanton Zürich den
kantonalen Gestaltungsplan Kiesabbaugebiet "Kiesgrube Tagelswangen",
mit Umweltverträglichkeitsprüfung und Waldrodung, fest. Die Publikation er-
folgte am 6. Mai 2022.
B.
Gegen diese Verfügung erhoben die IG KN, die A AG, die B AG, FH und MH,
MS und BS, MF und IF sowie TB mit gemeinsamer Eingabe vom 2. Juni 2022
Rekurs an das Baurekursgericht des Kantons Zürich und stellten folgende
Rechtsbegehren:
" 1. Die Verfügung der Baudirektion vom 27. April 2022 sei aufzuheben und der kantonale Gestaltungsplan "Kiesgrube Tagelswangen" sei dementsprechend nicht festzusetzen.
2. Das Materialgewinnungsgebiet Nr. 17 "Lindau, Tagelswangen" sei aus dem kantonalen Richtplan zu streichen, eventualiter sei , dass der entsprechende Eintrag nicht anwendbar ist.
3. Eventualiter sei die Etappe Nord, "Chäsen", aus dem kantonalen  zu streichen.
R3.2022.00117 Seite 3
4. Subeventualiter sei der kantonale Gestaltungsplan wie folgt  bzw. zu ergänzen:
4.1 Neuformulierung von Art. 9 GPV (Arbeitszeiten) wie folgt:
'1 Abbau-, Auffüll- und Rekultivierungsarbeiten finden von  bis Freitag [eventualiter: an Werktagen] unter Einhaltung der in Absatz 2 aufgeführten Zeiten innerhalb der gesetzlichen Arbeitszeiten statt.
2 Der Abbaubetrieb findet zwischen 07.00 Uhr und 17.00 Uhr, der Verladebetrieb zwischen 07.00 Uhr und 19.00 Uhr statt. Zwischen 12.00 und 13.00 Uhr ist eine Mittagspause . Ausnahme ist die Behebung von technischen .'
4.2 Ergänzung von Art. 10 GPV (Art der Fahrtenkontrolle) wie folgt (unterstrichene Teile):
'Die durch den Betrieb der Kiesgrube Tagelswangen  LKW-Fahrten sind dem Kanton Zürich sowie den  (Lindau und Illnau-Effretikon) jährlich auszuweisen.  das induzierte Verkehrsaufkommen (im Schnitt über die letzten drei Jahre) 40'000 LKW-Fahrten pro Jahr (Etappe 1,  via Vogelsang / Bietenholzstrasse) resp. 86'000 LKW-Fahrten pro Jahr (Etappe 2, Erschliessung via  / Zürcherstrasse) resp. 17'200 LKW-Fahrten pro Jahr im Zentrum von Tagelswangen, so ist die Strassenlärmsituation erneut zu beurteilen.'
4.3 Ergänzung von Art. 32 (Monitoring) Abs. 1 GPV wie folgt ( Teile):
'Es ist ein Monitoring der umweltrechtlichen Emissionen zu . Dieses ist zusammen mit dem ersten Baugesuch bei der Gemeinde einzureichen. Dabei sind insbesondere auch die Verkehrssituation in Tagelswangen und deren Auswirkungen auf den Fuss- und Veloverkehr, insbesondere die Schulwege, zu überwachen.'
5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der ."
Mit Präsidialverfügung vom 3. Juni 2022 wurde vom Rekurseingang unter
der Geschäftsnummer R3.2022.00117 Vormerk genommen und das Ver-
nehmlassungsverfahren eröffnet. Der Gemeinderat Lindau und die K AG
wurden als Mitbeteiligte in das Rekursverfahren einbezogen.
R3.2022.00117 Seite 4
C.
Mit gemeinsamer Eingabe vom 4. Juni 2022 erhoben auch die C AG, MG
sowie die Erbengemeinschaft GW, bestehend aus UW, BF, YS und LS Re-
kurs an das Baurekursgericht des Kantons Zürich und beantragten – unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen – im Sinne eines "Hauptantrags 1" was
folgt:
" Die Festsetzung des vorliegenden Gestaltungsplanes verbunden mit dem Waldrodungsgesuch sei mangels dem Vorliegen der  und der Nichtbeachtung der gesetzlichen Vorgaben und Verfahren aufzuheben."
Sodann stellten sie - unter Hinweis darauf, "die Details in den Begründungen"
würden als Bestandteil der Anträge gelten – die folgenden Eventualanträge:
" [Antrag 2:] Die Umgrenzung des Gestaltungsplans (GP) sei zu überprüfen und der Abstand zum Siedlungsgebiet sei im Sinne der Begründung neu festzulegen. Der vorgesehene Schutzwall sei auf mindestens 5.00 m zu erhöhen."
" [Antrag 3:] Die Höchstgeschwindigkeit auf der Zürcherstrasse in  sei ab Ortseingang auf höchstens 50 km/Std. festzusetzen.  verkehrsberuhigende Massnahmen wie z.B. ein Ortseingangskreisel in Tagelswangen seien festzulegen. Zur Vermeidung von  sei auch für die Wiederauffüllung ein Transportanteil über die Schiene von mindestens 50 % festzulegen."
" [Antrag 4:] Die räumliche Ausdehnung der Förderbandanlagen sei in ihrer Gesamtwirkung planlich und visuell darzustellen (maximale Ausdehnung aus der Sicht der Landschaft und der nahen Siedlungen). Der  inkl. Umweltverträglichkeitsbericht sei entsprechend zu ."
" [Antrag 5] Für das vorgesehene Monitoring (Art. 10 und Art. 32 GP-) sollen die wichtigsten organisatorischen und inhaltlichen  im Gestaltungsplan näher festgelegt werden. Das ganze Monitoring soll jederzeit öffentlich zugänglich sein. Die Berichtsfristen sollen  reduziert werden. Für das Monitoring sind zusätzliche  und verfahrensmässige Anordnungen im Sinne der nachfolgenden Begründung zu treffen."
" [Antrag 6] Die Bestimmung in Art. 4 Abs. 2 letzter Satz der Vorschriften zum Gestaltungsplan sei ersatzlos zu streichen. Allenfalls sei sie mit  eng gefassten Enddatum zu versehen. Sofern die Bestimmung nicht gestrichen wird, sei sie nochmals einem ergänzenden  zu unterstellen."
R3.2022.00117 Seite 5
Mit Präsidialverfügung vom 8. Juni 2022 wurde vom Rekurseingang unter
der Geschäftsnummer R3.2022.00118 Vormerk genommen und das Ver-
nehmlassungsverfahren eröffnet.
D.
Im Rekursverfahren G.-Nr. R3.2022.00117 verzichtete die Gemeinde Lin-
dau mit Schreiben vom 24. Juni 2022 ausdrücklich auf Einreichung einer
Vernehmlassung. Die Baudirektion beantragte mit Eingabe vom 6. Juli 2022
- unter Verweis auf den Mitbericht des Amts für Raumentwicklung (ARE) vom
5. Juli 2022 - die Abweisung des Rekurses (wobei im Mitbericht der Antrag
auf Abweisung, soweit auf den Rekurs einzutreten sei, lautete). Die K AG
beantragte mit Vernehmlassung vom 7. Juli 2022, der Rekurs sei abzuwei-
sen, sofern darauf einzutreten sei, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen
zulasten der Rekurrierenden.
Mit Replik vom 15. August 2022 und Dupliken vom 1. September 2022 (unter
Verweis auf den Mitbericht des ARE vom 31. August 2022) und vom 6. Sep-
tember 2022 hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. Der Gemeinderat
Lindau verzichtete stillschweigend auf Einreichung einer Duplik. Der mit Prä-
sidialverfügung vom 16. August 2022 als Mitbeteiligter in das Rekursverfah-
ren einbezogene Stadtrat Illnau-Effretikon verzichtete mit Schreiben vom
12. September 2022 ausdrücklich auf Einreichung einer Vernehmlassung.
Mit Eingabe vom 22. September 2022 haben die Rekurrierenden tripliziert,
wozu sich die K AG mit Eingabe vom 11. Oktober 2022 vernehmen liess.
E.
Auch im Rekursverfahren G.-Nr. R3.2022.00118 verzichtete die Gemeinde
Lindau mit Schreiben vom 24. Juni 2022 ausdrücklich auf Einreichung einer
Vernehmlassung. Die Baudirektion beantragte mit Eingabe vom 6. Juli 2022
– unter Verweis auf den Mitbericht des ARE vom 5. Juli 2022 – die Abwei-
sung des Rekurses (wobei im Mitbericht der Antrag auf Abweisung, soweit
auf den Rekurs einzutreten sei, lautete). Die K AG beantragte mit Vernehm-
lassung vom 7. Juli 2022, der Rekurs sei abzuweisen, sofern darauf einzu-
treten sei, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Rekurrie-
renden.
R3.2022.00117 Seite 6
Mit Replik vom 6. August 2022 und Dupliken vom 1. September 2022 (unter
Verweis auf den Mitbericht des ARE vom 31. August 2022) und vom 6. Sep-
tember 2022 hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. Der Gemeinderat
Lindau verzichtete stillschweigend auf Einreichung einer Duplik. Der mit Prä-
sidialverfügung vom 16. August 2022 als Mitbeteiligter in das Rekursverfah-
ren einbezogene Stadtrat Illnau-Effretikon verzichtete mit Schreiben vom
12. September 2022 ausdrücklich auf Einreichung einer Vernehmlassung.
F.
Auf die Vorbringen der Parteien wird, soweit zur Entscheidbegründung erfor-
derlich, in den nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen.

## Considerations

Es kommt in Betracht:
1.
Streitgegenstand bildet der kantonale Gestaltungsplan "Kiesgrube Tagels-
wangen", mit welchem der Kiesabbau, die Wiederauffüllung und die Rekulti-
vierung innerhalb des Gestaltungsplanperimeters geregelt werden sollen.
Das entsprechende, südwestlich von Tagelswangen (Gemeinde Lindau) und
Effretikon gelegene Gebiet ist im kantonalen Richtplan als Standort für Ma-
terialgewinnung verzeichnet (Richtplantext, Pt. 5.3.2, Karteneintrag Nr. 17).
Der eine Fläche von ca. 45,0 ha umfassende, auf dem Gemeindegebiet von
Lindau befindliche Gestaltungsplanperimeter bzw. das innerhalb desselben
gelegene Abbaugebiet von ca. 32,9 ha umfasst die drei räumlich getrennten
Teilgebiete "Rodig" (11,4 ha [Gestaltungsplangebiet] bzw. 4,5 ha [Abbauge-
biet]), "Schoren" (13,0 bzw. 11,4 ha) und "Chäsen" (20,6 bzw. 17,0 ha), wo-
bei in den massgebenden Plänen (act. 18.4 bis 18.6 [soweit nicht anders
vermerkt jeweils bezogen auf die Akten des Verfahrens G.-Nr.
R3.2022.00117]) für die jeweiligen Abbaugebiete Teilphasen des Abbaus
kartographisch festgehalten sind. Dabei befindet sich das Teilgebiet Rodig
südlich der – sich in diesem Bereich kreuzenden – Bahnlinie Zürich-Win-
R3.2022.00117 Seite 7
terthur und der Autobahn A1 bzw. A4, das weiter nordöstlich gelegene Ge-
biet Schoren zwischen Bahnlinie im Süden und Autobahn im Norden und das
Gebiet Chäsen nördlich des Abbaugebiets Rodig und nördlich von Bahnlinie
und Autobahn. Vorgesehen ist, zunächst die Etappe Süd (Rodig und Scho-
ren) und nach Abschluss derselben die Etappe Nord (Chäsen) abzubauen,
wobei von einer gesamten kieshaltigen Aushubmenge von ca. 7.9 Mio. m3
und einer Mehrauffüllung von ca. 1,063 Mio. Festkubikmeter ausgegangen
wird. Der Abbaubetrieb vom ersten Aushub für die eigentliche Kiesgrube bis
zur abgeschlossenen Wiederauffüllung darf für die Etappe Süd höchstens
16 Jahre und für die Etappe Nord höchstens 10 Jahre betragen, wobei beide
Fristen um je 2 Jahre verlängert werden können, falls ungünstige Witterung
eine vorschriftsgemässe Wiederauffüllung resp. Rekultivierung nicht zulässt.
Dabei darf die maximal offene Grubenfläche insgesamt 4,0 ha – sowie zu-
sätzlich eine offene Fläche von 1.0 ha für Wanderbiotope – nicht überschrei-
ten; für den Fall, dass Tunnelausbruch aus dem Brüttenertunnel mit dem
Förderband antransportiert und in die Kiesgrube eingebaut wird, kann die
maximal zulässige offene Grubenfläche auf 10,0 ha erhöht werden.
Hinsichtlich des Materialtransports ist vorgesehen, dass der Transport von
den Abbaugebieten zu den Verladegleisen – der im Teilgebiet Rodig zu er-
stellenden Verlade- und Anschlussgleisanlage – per Förderbandanlage er-
folgt, wobei das abgebaute Material mindestens zu 80 % per Bahn zur Auf-
bereitungsanlage in Bäretswil transportiert wird. Die Materialtransporte zur
Wiederauffüllung erfolgen demgegenüber grundsätzlich auf der Strasse. Da-
bei ist die Erschliessung der Etappe Süd über die auf dem Gebiet der Ge-
meinde Illnau-Effretikon gelegene Vogelsang-, Industrie- und Bietenholz-
strasse vorgesehen, von wo sich die Route in Richtung Autobahnanschluss
Hegnau fortsetzt; die Erschliessung der Etappe Nord erfolgt über die Staats-
strasse S-1 im sogenannten "Seuchenrank" an der Grenze zwischen den
Gemeinden Bassersdorf und Lindau, wobei der weitere Routenverlauf so-
wohl nach Westen (bzw. zunächst kurz Süden) – Strassenbezeichnung
Neue Winterthurerstrasse – in Richtung Autobahnanschluss Brüttisellen als
auch nach Osten (bzw. zunächst kurz Norden) – Strassenbezeichnung Zür-
cherstrasse – und damit durch Tagelswangen möglich ist.
Die zum Gestaltungsplangebiet gehörenden Flächen befinden sich grössten-
teils in der kantonalen Landwirtschaftszone, wobei es sich insoweit gemäss
den kartographischen Festlegungen im kantonalen Richtplan weitestgehend
R3.2022.00117 Seite 8
um Fruchtfolgeflächen handelt. Im östlichen Teil des Gebiets Rodig, in wel-
chem die Verlade- und Anschlussgleisanlage geplant ist, befindet sich Wald.
Aus diesem Grund und weil zudem die geplanten Strassen der internen Er-
schliessung - und teilweise auch Förderbandanlagen - durch Waldgebiete
führen, ist seitens der K AG ein Rodungsgesuch für - als temporär qualifi-
zierte - Rodungen im Umfang von 41'263 m2 eingereicht worden. Weiter be-
findet sich ein Teil des Abbaugebiets Chäsen innerhalb des Perimeters der
"glazial geprägten Form Vorwalden", welche als Teil des Objekts Nr. 101
"Drumlinlandschaft Nürensdorf-Lindau-Illnau" im Inventar der Natur- und
Landschaftsschutzobjekte von überkommunaler Bedeutung vom 4. Januar
1980 ("Inventar 80") verzeichnet war, jedoch im neuen, mit Verfügung der
Baudirektion vom 14. Januar 2022 festgesetzten kantonalen Inventar der
Landschaftsschutzobjekte (KILO) nicht mehr enthalten ist. Die nordöstlich
des Gebiets Chäsen gelegenen Gebäude des dem Abbaugebiet zugewand-
ten Dorfrandes von Tagelswangen gehören - von Nordwesten (beispiels-
weise Neustadtstrasse) Richtung Südosten (beispielsweise Büelstrasse) -
zur Gewerbezone G3b (mit einem der Kernzone zugeschiedenen Ein-
sprengsel), zur Kernzone und zur Wohnzone W2/1.3, wobei für letztere die
Lärmempfindlichkeitsstufe (ES) II, für die Flächen der anderen Zonen die ES
III gilt.
2.1.1
Die Rekurrierenden im Rekursverfahren G.-Nr. R3.2022.00117 bringen zur
Begründung ihrer Legitimation vor, das Kiesabbaugebiet reiche bis 250 m an
den Dorfrand von Tagelswangen heran. Aufgrund der erhöhten Lage der
Häuser am Ortsrand entstehe eine arenaähnliche Situation mit freiem Blick
in die Grube, wobei Schall und Staub direkt zu den Liegenschaften hochstei-
gen würden. Die teilweise geplanten Schutzwälle von mindestens 3,0 m
Höhe plus Heckenbepflanzung nützten aufgrund dieser Topographie wenig
bis nichts. Auch wenn die massgeblichen Immissionsgrenzwerte angeblich
eingehalten werden könnten, erhöhe sich die Lärmbelastung gemäss Um-
weltverträglichkeitsbericht (UVB) - welcher indessen nicht alle relevanten
Lärmarten beinhalte - deutlich und steige etwa an der Büelstrasse auf einen
Beurteilungspegel Lr von bis zu 51 db(A) an. Die Liegenschaften am Dorf-
rand würden ab Inkrafttreten des Gestaltungsplans erheblich an Wert verlie-
ren. Für die Etappe Nord werde mit 408 LKW-Fahrten pro Tag gerechnet.
Die Zusatzbelastung zum Gesamtverkehr auf der Staatsstrasse S-1 betrage
R3.2022.00117 Seite 9
nur 4 %, betreffend Schwerverkehrsfahrten jedoch 100 %. Zwar sollten da-
von nur etwa 20 % von bzw. nach Norden und damit durch Tagelswangen
fahren, doch sei diese Zahl lediglich im UVB - als Annahme zur Berechnung
des Zusatzverkehrs - erwähnt, nicht aber im Bericht Erschliessung, im Da-
tenblatt Verkehrsaufkommen oder in den Gestaltungsplanvorschriften
(GPV), wobei die Baudirektion im Bericht zu den Einwendungen im Gegenteil
betone, dass nicht vorgeschrieben werden könne, welche Route auf den
Staatsstrassen gefahren werde. Im schlimmsten Fall würden somit 100 %
des zusätzlichen Schwerverkehrs durch Tagelswangen fahren, weshalb be-
sonders betroffen auch die Anwohner der Zürcherstrasse sowie die Eltern
der diese Strasse überquerenden Schulkinder seien.
Spezifisch die einzelnen Rekurrierenden betreffend wird sodann darauf hin-
gewiesen, bei der Rekurrentin 1 (IG KN) handle es sich um einen Verein, der
im Sinne einer egoistischen Verbandsbeschwerde Rekurs erhebe. Gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung sei ausreichend, dass damit die Inte-
ressen einer Grosszahl - und nicht zwingend der Mehrheit - der Mitglieder
gewahrt würden. Von den 35 Mitgliedern des Vereins seien 21 am Dorfrand
von Tagelswangen in der ersten oder zweiten Bebauungstiefe gegen den
Kiesgrubenperimeter gelegen wohnhaft, als Eigentümer oder Mieter in unge-
kündigtem Mietverhältnis. Ein weiteres Mitglied wohne unmittelbar an der Z-
Strasse. Von den verbleibenden 13 Mitgliedern wohnten mehrere in dritter
Bautiefe am Dorfrand, andere wohnten nahe der Z-Strasse und hätten schul-
pflichtige Kinder. Hinsichtlich der weiteren Rekurrierenden wird ausgeführt,
die Rekurrierenden 2 bis 6 seien Eigentümer von Liegenschaften am Orts-
rand von Tagelswangen, während die Rekurrentin 7 an der Z-Strasse wohn-
haft sei. Bezüglich der beiden juristischen Personen erfolgen spezifische
Hinweise auf die erwarteten wirtschaftlichen Auswirkungen bei Realisierung
der Kiesgrube (Rekurrentin 2: Verlust von Mietzinseinnahmen; Rekurrentin
3: Infragestellung der aktuellen geschäftlichen Grundstücksnutzung [...]).
Die Rekurrierenden im Rekursverfahren G.-Nr. R3.2022.00118 verweisen
zur Begründung ihrer Legitimation darauf, sie seien "Grundbesitzer" bzw.
wohnhaft im Bereich der N-Strasse bzw. der Z-Strasse im Abstand von ca.
250 m zur geplanten Kiesgrube.
R3.2022.00117 Seite 10
2.1.2
Die Baudirektion verweist auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung, wo-
nach bei Entfernungen von mehr als 100 m eine Beeinträchtigung aufgrund
der konkreten Gegebenheiten glaubhaft gemacht werden müsse. Nur eine
deutlich wahrnehmbare Immissionszunahme vermöge die Legitimation zu
begründen. Im Verfahren G.-Nr. R3.2022.00117 führt die Baudirektion weiter
aus, Nachbarn seien zur Beschwerdeführung legitimiert, wenn sie mit Sicher-
heit oder zumindest grosser Wahrscheinlichkeit durch Immissionen wie bei-
spielsweise Lärm, Staub, Erschütterungen oder Licht betroffen würden. In
Bezug auf die monierte Verkehrszunahme werde ein besonderes Berührt-
sein bejaht, wenn eine Verkehrsanlage wahrnehmbar stärkere Lärmimmissi-
onen im Sinne von Art. 9 der Lärmschutzverordnung (LSV) erzeuge, was bei
einem Anstieg des Lärmpegels um 1 dB(A), entsprechend einer Verkehrszu-
nahme um 25 %, der Fall sei. Für die Fahrten in Richtung Tagelswangen sei
von einer plausiblen Annahme von 17'200 Fahrten/Jahr ausgegangen wor-
den. Selbst bei einer Verdoppelung der induzierten Fahrtenzahl durch Ta-
gelswangen würden die Emissionen beim am meisten belasteten Abschnitt
in Tagelswangen einzig um 0,8 dB(A) zunehmen. Beachtlich sei sodann,
dass die Rekurrierenden überwiegend und pauschal auf die Distanz von
250 m zum Gestaltungsplanperimeter abstellen würden, der Abstand zum
eigentlichen Kiesabbau aber zum Teil bedeutend höher sei. Die lärmschutz-
rechtlichen Planungswerte könnten zum Teil deutlich eingehalten werden. Im
Verfahren G.-Nr. R3.2022.00118 erachtet es die Baudirektion als fraglich, ob
die äusserst kurze und sehr allgemein gehaltene Begründung der Legitima-
tion die Anforderungen an deren substantiierte Darlegung zu erfüllen ver-
möge, zumal die lärmschutzrechtlichen Planungswerte eingehalten würden
und es bei der Z-Strasse auf der Höhe Tagelswangen zu keiner lärmschutz-
rechtlich wahrnehmbaren Verkehrszunahme komme.
Die K AG (im Folgenden: Mitbeteiligte) hält dafür, da sie bereits auf der Pla-
nungsebene eine Vielzahl von Massnahmen (namentlich Mindestabstand
von 250 m zum Siedlungsrand, Erstellung eines Schutzwalls, Einhausung
der Förderbänder) getroffen habe, um die Bewohner der Siedlungsgebiete
vor Immissionen - insbesondere betreffend Lärm, Staub und Erschütterun-
gen - zu schützen, und da diese Massnahmen gemäss UVB geeignet seien,
den fraglichen Schutz zu gewährleisten, misslinge den Rekurrierenden eine
immissionsrechtliche Begründung ihrer Legitimation. Eine solche ergebe
sich auch nicht aufgrund der Immissionen des Zubringerverkehrs, da die im
R3.2022.00117 Seite 11
UVB ausgewiesenen Lärmzunahmen entlang der Zufahrtsstrecken von ma-
ximal 0,7 dB(A) im nicht wahrnehmbaren Bereich liegen würden und der
durch den Kiesabbau erzeugte Verkehr einen maximalen Anteil von 1,6 %
des durchschnittlichen Tagesverkehrs (DTV) erreiche. Dabei sei mit an Si-
cherheit grenzender Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass entgegen der im
UVB als "worst case" zugrunde gelegten Annahme der Transport des Auf-
füllmaterials für die Kiesgrube "Chäsen" nicht über die ganze Zeitspanne von
Norden her erfolgen werde. Zudem sei der übrige Verkehr von im Schnitt
täglich 9'000 Fahrzeugen weder lärmtechnisch noch betreffend Verkehrssi-
cherheit zu vernachlässigen und würden Lastwagen in Tagelswangen zum
Dorfbild gehören, so dass der Zusatzverkehr nicht vom allgemeinen Stras-
senverkehr unterscheidbar sei. Spezifisch das Rekursverfahren G.-Nr.
R3.2022.00117 betreffend führt die Mitbeteiligte weiter aus, die Legitimation
ergebe sich auch nicht aus einer eingeschränkten Sicht, da keine spektaku-
läre Aussicht bestehe und zudem aufgrund der getroffenen Massnahmen
(Begrünung des Schutzwalls, Mindestabstand zur Siedlung, Wahrung des
Waldabstands) die Sicht ins Grüne während der gesamten Betriebszeit si-
chergestellt sei. Weiter würden sämtliche behaupteten Wertverluste der re-
kurrentischen Liegenschaften bestritten.
2.2
Im Raumplanungsrecht und im öffentlichen Baurecht ist gemäss § 338a des
Planungs- und Baugesetzes (PBG) zum Rekurs und zur Beschwerde be-
rechtigt, wer durch die angefochtene Anordnung berührt ist und ein schutz-
würdiges Interesse an ihrer Aufhebung oder Änderung hat (vgl. auch § 21
Abs. 1 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes [VRG]). Dasselbe gilt für die
Anfechtung von Erlassen (§ 338a Satz 2 PBG). § 338a PBG gilt auch für die
Anfechtung von Nutzungsplänen, wozu die Gestaltungspläne zählen
(VB.2018.00760 vom 8. Juli 2020, E. 1.2).
Das Erfordernis des Berührtseins beinhaltet, dass der Rekurrent in einer be-
sonderen, beachtenswerten, nahen Beziehung zum Streitgegenstand ste-
hen und stärker als beliebige Dritte oder die Allgemeinheit von diesem be-
troffen sein muss. Das vom Gesetz alsdann verlangte schutzwürdige Inte-
resse (Anfechtungsinteresse) setzt voraus, dass der Rekurrent mit der Gut-
heissung des Rekurses einen Nutzen erlangt bzw. einen Nachteil abwendet.
Sofern und soweit der Rekurs mit hierzu von vornherein ungeeigneten Rü-
gen begründet wird, fehlt es am Anfechtungsinteresse. Das Interesse kann
R3.2022.00117 Seite 12
rechtlicher oder tatsächlicher Natur sein. Das Kriterium der Schutzwürdigkeit
zeigt indes an, dass nicht jedes beliebige Interesse anerkannt wird; ob ein
Interesse schutzwürdig ist, ergibt sich aus seiner rechtlichen Würdigung. Der
angestrebte Nutzen muss stets ein eigener sein. Allein die Wahrnehmung
von öffentlichen Interessen oder Interessen Dritter genügt demnach nicht.
Der Rekurrent muss zudem von der Anordnung unmittelbar betroffen sein
(Martin Bertschi, in: Kommentar VRG, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, § 21
Rz. 10 ff. und 53 ff.).
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind Nachbarn zur Be-
schwerdeführung gegen ein Bauvorhaben - oder wie vorliegend gegen einen
Gestaltungsplan - legitimiert, wenn sie mit Sicherheit oder zumindest grosser
Wahrscheinlichkeit durch Immissionen (Lärm, Staub, Erschütterungen, Licht
oder andere Einwirkungen) betroffen werden, die der Bau oder Betrieb der
fraglichen Anlage hervorruft. Bei weiträumigen Einwirkungen kann ein gros-
ser Kreis von Personen zur Beschwerdeführung legitimiert sein. Als wichti-
ges Kriterium zur Beurteilung der Betroffenheit dient in der Praxis die räum-
liche Distanz zum Bauvorhaben bzw. zur Anlage. Die Rechtsprechung bejaht
in der Regel die Legitimation von Nachbarn, deren Liegenschaften sich in
einem Umkreis von bis zu rund 100 m befinden. Bei grösseren Entfernungen
muss eine Beeinträchtigung aufgrund der konkreten Gegebenheiten glaub-
haft gemacht werden. Allerdings wurde stets betont, dass nicht schematisch
auf einzelne Kriterien (insbesondere Distanzwerte) abgestellt werden dürfe,
sondern eine Gesamtwürdigung anhand der konkreten Verhältnisse erfor-
derlich sei. Bei Lärm, der durch eine Anlage oder deren Zubringerverkehr
verursacht wird, bejaht das Bundesgericht die Legitimation, wenn die Zu-
nahme deutlich wahrnehmbar ist; dies wird anhand von qualitativen (Art des
Verkehrsgeräuschs) und quantitativen Kriterien (Erhöhung des Lärmpegels)
beurteilt (BGE 140 II 214, E. 2.3; vgl. auch BGE 136 II 281, E. 2.3.1 und
2.3.2; je mit weiteren Hinweisen).
2.3.1
Der grösste Teil der Rekurrierenden beider Rekursverfahren leitet die Legiti-
mation aus dem Eigentum an Grundstücken ab, die sich in erster oder zwei-
ter Bautiefe am südwestlichen Dorfrand von Tagelswangen befinden (vgl. im
Einzelnen E. 2.3.2). Während im nordwestlichen Teil dieses Gebiets der Ab-
stand der rekurrentischen Liegenschaften bzw. Gebäude zum Abbaugebiet
R3.2022.00117 Seite 13
Chäsen ca. 250 m beträgt, befinden sich andere der fraglichen Liegenschaf-
ten in grösserer Entfernung, wobei sich für den südöstlichen Teil (Gebiet B-
Strasse) ab den Grundstücksgrenzen der ersten Bautiefe gemessen Distan-
zen zwischen ca. 300 und 350 m bis zum Gestaltungsplanperimeter des Ge-
biets Chäsen ergeben, von dem das Abbaugebiet nochmals um ca. 50 bis
60 m zurückversetzt ist; zum Abbaugebiet Schoren weisen die am weitesten
südöstlich gelegenen Grundstücke von Tagelswangen einen Abstand von
ca. 250 bis 300 m auf. Obwohl damit die massgeblichen Distanzen deutlich
mehr als 100 m betragen, ist aufgrund der aus den Plänen (vgl. insb.
act. 18.3) sowie der Karte "Digitale Höhenmodelle 2017 Bund" im Geoinfor-
mations-System des Kantons Zürich (GIS-ZH; https://maps.zh.ch/) ersichtli-
chen topographischen Verhältnisse (erhöhter Dorfrand auf einer Kote zwi-
schen ca. 495 bis 500 m im nordwestlichen und ca. 511 bis 515 m im süd-
östlichen Teil, von wo sich das bestehende Gelände bis auf eine Kote von
ca. 490 bis 495 m absenkt, um sodann im Abbaugebiet Chäsen wieder bis
auf maximal ca. 506 m anzusteigen) davon auszugehen, dass die mit dem
Kiesabbau einhergehenden landschaftlichen Veränderungen von den fragli-
chen Grundstücken aus ohne weiteres wahrnehmbar sein werden und auch
allfällige Immissionen primär diese Grundstücke betreffen würden. Schon in-
soweit unterscheidet sich die Situation der Rekurrierenden deutlich von der-
jenigen wie sie im Rahmen einer verpönten Popularbeschwerde, mit welcher
ausschliesslich öffentliche Interessen wahrgenommen werden sollen, gege-
ben wäre, ohne dass dabei angesichts der Dimensionen des streitbetroffe-
nen Vorhabens massgeblich ins Gewicht fallen würde, dass die zulässige
Minimaldistanz zum Siedlungsrand von 250 m teilweise wie dargelegt über-
schritten wird. Entscheidend ist sodann, dass im Rahmen der Legitimations-
prüfung eine Gesamtbetrachtung zu erfolgen hat, welche auch der Kombina-
tion verschiedener Einwirkungen Rechnung trägt. In diesem Sinn ist zu-
nächst davon auszugehen, dass die durch den Kiesabbau über einen länge-
ren Zeitraum bewirkte Veränderung des Landschaftsbildes auch bei objekti-
ver Betrachtung als nachteilig empfunden werden kann, wobei dieser Aspekt
entgegen der Mitbeteiligten - welche sich für ihre abweichende Ansicht aus-
schliesslich auf zivilrechtliche Entscheide zur nachbarrechtlichen Bestim-
mung von Art. 684 des Zivilgesetzbuchs (ZGB) stützt - nicht erst dann in Be-
tracht fällt, wenn eine geradezu "spektakuläre" Aussicht beeinträchtigt wird.
Den erwähnten kartographischen Darstellungen lässt sich sodann entneh-
men, dass die entsprechenden Veränderungen ungeachtet der Errichtung
eines Schutzwalls im nordöstlichen Teil des Abbaugebiets Chäsen sichtbar
R3.2022.00117 Seite 14
sein werden, kommt die Abdeckungswirkung des Walls (inklusive Bepflan-
zung) doch erst in einem relativ weit fortgeschrittenen Abbaustadium umfas-
send zum Tragen (vgl. insbesondere die Schnitte in act. 18.6, anhand derer
sich in Kombination mit den aus act. 18.3 ersichtlichen Distanzen die Abde-
ckungswirkung nachvollziehen lässt).
Was sodann die immissionsschutzrechtlichen Aspekte anbelangt, lässt die
Rekursgegnerschaft im Rahmen der Infragestellung der Legitimation ausser
Acht, dass die Rekurrierenden mit verschiedenen ihrer Rügen gerade die
Aussagekraft der immissionsrechtlichen Beurteilung im UVB in Frage stellen
und entsprechend im Ergebnis (insbesondere im Rahmen der eventualiter
bzw. subeventualiter gestellten Anträge) teilweise eine Überprüfung der
Frage verlangen, ob die angeordneten Immissionsschutzmassnahmen aus-
reichend sind. So wird im Rekursverfahren G.-Nr. R3.2022.00117 unter an-
derem beanstandet, bei der Ermittlung des Betriebslärms seien nicht alle
massgeblichen Lärmquellen berücksichtigt worden (vgl. nachfolgend E. 8),
während hinsichtlich der Verkehrszunahme moniert wird, diese beruhe für
die Etappe Nord auf einer Aufteilung der Verkehrsströme, die in den rechts-
verbindlichen Vorgaben des Gestaltungsplans keinen Niederschlag finde
(vgl. E. 7). Im Rekursverfahren G.-Nr. R3.2022.00118 werden unter anderem
eine fehlende Einhaltung des Abstandes zum Siedlungsrand, die unzu-
reichende Höhe des Schutzwalls, Unklarheiten bezüglich der Lage der För-
derbandanlagen sowie eine Erhöhung der Immissionen aufgrund des Um-
stands, dass die offene Grubenfläche gemäss den GPV unter bestimmten
Voraussetzungen 10 ha anstatt - wie im UVB zugrunde gelegt - lediglich 4 ha
betragen dürfe (vgl. E. 1), gerügt. Unabhängig davon, ob sich diese Vorbrin-
gen im Rahmen der materiellen Beurteilung als begründet erweisen, kann
damit jedenfalls im Kontext der Legitimationsprüfung nicht unbesehen auf
die entsprechenden immissionsschutzrechtlichen Beurteilungen abgestellt
werden, da andernfalls die materielle Prüfung in unzulässiger Weise vorweg-
genommen würde. Dabei kann es den Rekurrierenden umso weniger ver-
wehrt sein, die fraglichen Beurteilungen und die Angemessenheit der vorge-
sehenen Schutzmassnahmen in Frage zu stellen, als letztere gerade Aus-
druck davon sind, dass an sich - mithin vor Anordnung der entsprechenden
Massnahmen - von Emissionen auszugehen ist, welche zumindest unter
dem Aspekt des Vorsorgeprinzips gemäss Art. 11 Abs. 2 des Umweltschutz-
gesetzes (USG) eine Begrenzung verlangen. So kommt es hinsichtlich des
Betriebslärms entgegen dem Dafürhalten der Mitbeteiligten nicht lediglich
R3.2022.00117 Seite 15
darauf an, ob die entsprechenden Planungswerte eingehalten sind. Spezi-
fisch den Verkehrslärm betreffend - dem im Übrigen ohnehin nur für die Le-
gitimation der Rekurrentin 7 im Verfahren G.-Nr. R3.2022.00117 ausschlag-
gebende Bedeutung zukommt, während er im Übrigen, soweit relevant, je-
denfalls nur einen von mehreren Aspekten darstellt - ist sodann festzuhalten
was folgt: Einen Hinweis darauf, dass grundsätzlich eine entsprechende und
damit auch für die Legitimationsprüfung relevante Problematik besteht, liefert
bereits die Beurteilung des UVB durch die Baudirektion bzw. die jeweiligen
Fachstellen vom 2. Juli 2018 (act. 18.12), wo ausgeführt wird, auch wenn die
lärmschutzrechtlichen Bestimmungen eingehalten seien, sei während des
Betriebs der Kiesgrube die Lärmbelastung durch die Lastwagentransporte
nicht zu unterschätzen, weshalb auch bei der Anlieferung sämtliche Anstren-
gungen zu unternehmen seien, um Transporte per Lastwagen zu vermeiden
(a.a.O., S. 15, vgl. auch S. 31). Zu berücksichtigen ist weiter, dass zwar die
generelle Verkehrszunahme, welche für die Erschliessung der Etappe Nord
ausgewiesen wird, lediglich 4 % beträgt (vgl. die [gegenüber der insoweit
ohnehin identischen Schätzung in Anhang 5-1 des UVB] neuere Schätzung
des Verkehrsaufkommens gemäss act. 18.7.5; vgl. darauf Bezug nehmend
auch den Planungsbericht, der von maximal 4,8 % ausgeht [act. 18.7 S. 13]),
die Zusatzbelastung mit Schwerverkehr jedoch mit 100 % beziffert wird. Zwar
handelt es sich bei der zugrundeliegenden Anzahl von 204 Fuhren entspre-
chend 408 LKW pro Tag um die für die gesamte Etappe Nord prognostizier-
ten Werte, so dass insoweit die Aufteilung der Verkehrsströme Richtung
Westen und Osten unberücksichtigt bleibt. Da aber wie aufgezeigt im Ver-
fahren G.-Nr. R3.2022.00117 gerade die fehlende Verbindlichkeit einer ent-
sprechenden Aufteilung thematisiert wird, muss basierend auf den - der Le-
gitimationsprüfung zugrunde zu legenden - rekurrentischen Rügen für die
Verkehrszunahme in Tagelswangen von einem letztlich unbestimmten, je-
doch zumindest theoretisch denkbaren Wert in Höhe des gesamten zusätz-
lich generierten Verkehrs ausgegangen werden. Kann damit jedenfalls eine
signifikante Erhöhung des Schwerverkehrsanteils nicht ausgeschlossen wer-
den, so geht damit eine veränderte akustische Qualität des Verkehrsge-
räuschs einher, wobei eine solche qualitative Veränderung gemäss bundes-
gerichtlicher Rechtsprechung zur Folge haben kann, dass das Vorliegen ei-
ner wahrnehmbaren Veränderung auch dann zu bejahen ist, wenn die quan-
titative Lärmzunahme unter 1 dB(A) liegt (vgl. BGE 136 II 281, E. 2.5). Da
nun bei der im UVB vorgenommenen Ermittlung des Verkehrslärms für die
Etappe Nord die fragliche Aufteilung der Erschliessung Richtung Westen und
R3.2022.00117 Seite 16
Osten im Verhältnis 80 % zu 20 % zugrunde gelegt wurde - womit sich (nebst
einem höheren zukünftigen DTV und einer Umrechnung der täglichen Zu-
satzbelastung an den effektiv betroffenen 220 Tagen gemäss Anhang 5.1
auf einen Durchschnittswert für 365 Tage) die wesentlich tieferen ausgewie-
senen Anteile des Zusatzverkehrs am DTV erklären -, werden für die Stras-
senabschnitte in Tagelswangen Zunahmen von maximal 0,4 dB(A) ausge-
wiesen (act. 18.8 S. 29 und Anhang 8-1c; vgl. auch S. 17 f.). Berücksichtigt
man demgegenüber den unter anderem Gegenstand der rekurrentischen
Rügen bildenden Umstand, dass gegebenenfalls ein wesentlich höherer An-
teil als 20 % des Zusatzverkehrs durch Tagelswangen führen könnte, so
ergibt sich eine entsprechende Erhöhung des Emissionspegels, die sich
nicht zwingend auf die seitens der Baudirektion berechnete und ins Recht
gelegte Erhöhung um 0,8 dB(A) bei Verdoppelung des Anteils der LKW-
Fahrten durch Tagelswangen (vgl. act. 18.16) beschränken muss. Die Kom-
bination dieses Effekts einer Erhöhung des Emissionspegels in Abhängigkeit
von der effektiven Aufteilung der Verkehrsströme mit der vorstehend aufge-
zeigten Sichtweise, wonach aufgrund der qualitativen Veränderung des Ver-
kehrslärms auch bereits eine quantitative Zunahme von weniger als 1 dB(A)
als wahrnehmbar gelten kann, hat zur Folge, dass auch der Aspekt des Ver-
kehrslärms vorliegend für die Anerkennung der Legitimation der Rekurrieren-
den - soweit sie von diesem betroffen sind - spricht. Hinzu kommt schliess-
lich, dass die monierte Verkehrszunahme und dabei insbesondere der Um-
stand, dass diese ausschliesslich aus LKW-Fahrten besteht und damit - wie
dargelegt - zu einer Veränderung der Verkehrszusammensetzung führt, auch
unter dem Aspekt der in beiden Rekursverfahren thematisierten Verkehrssi-
cherheit relevant ist, was im Sinne einer weiteren Einwirkung ebenfalls in die
Legitimationsprüfung miteinzubeziehen ist.
Damit ergibt sich zusammenfassend, dass aufgrund der gebotenen Gesamt-
betrachtung die Legitimation derjenigen Rekurrierenden, welche diese aus
ihrem Bezug zu einem am Ortsrand von Tagelswangen gelegenen Grund-
stück herleiten, zu bejahen ist. Gestützt auf die vorstehenden Ausführungen
zu den Auswirkungen der Verkehrszunahme auf der Z-Strasse ist sodann
auch die Rekurrentin 7 im Rekursverfahren G.-Nr. R3.2022.00117 zur Re-
kurserhebung legitimiert. Hinsichtlich des Rekursverfahrens G.-Nr.
R3.2022.00118 ist sodann festzuhalten, dass zwar die eigentliche Begrün-
dung der Legitimation im Rahmen der Rekursschrift äusserst knapp gehalten
R3.2022.00117 Seite 17
ist. Indessen sind praxisgemäss auch die Ausführungen im Rahmen der ma-
teriellen Begründung des Rekurses in die Legitimationsbeurteilung miteinzu-
beziehen, soweit sie Aufschluss über die Legitimation zu geben vermögen
(vgl. auch VB.2008.00051 vom 10. Juli 2008, E. 4.3), was vorliegend wie auf-
gezeigt der Fall ist. Aus diesem Grund sowie mit Blick darauf, dass aufgrund
der umfassenden und im Rekursverfahren G.-Nr. R3.2022.00117 ohnehin
gebotenen Prüfung die Legitimation der Eigentümer entsprechend gelegener
Grundstücke feststeht, so dass es auch überspitzt formalistisch erschiene,
den Rekurrierenden im Verfahren G.-Nr. R3.2022.00118 unter Verweis auf
eine mangelhafte Substantiierung die materielle Prüfung ihrer Vorbringen zu
verweigern, ist auch in diesem Verfahren die Legitimation der Rekurrieren-
den anzuerkennen.
2.3.2
Hinsichtlich der einzelnen Rekurrierenden ist sodann festzuhalten was folgt:
Wie erwähnt erhebt die Rekurrentin 1 im Rekursverfahren G.-Nr.
R3.2022.00117 eine egoistische Verbandsbeschwerde. Ein als juristische
Person konstituierter Verband kann – im eigenen Namen, aber gewisser-
massen stellvertretend – die persönlichen Interessen seiner Mitglieder gel-
tend machen, wenn es sich um solche handelt, die er nach seinen Statuten
zu wahren hat, die der Mehrheit oder doch einer Grosszahl seiner Mitglieder
gemeinsam sind und zu deren Geltendmachung durch Rekurs jedes dieser
Mitglieder befugt wäre (sogenannte egoistische Verbandsbeschwerde; vgl.
BGE 142 II 80, E. 1.4.2.). Diese Voraussetzungen müssen kumulativ erfüllt
sein; sie sollen die Popularbeschwerde ausschliessen. Die Wahrung der In-
teressen der Mitglieder muss zu den statutarischen Aufgaben des Verbands
gehören, wobei an die Formulierung in den Statuten allerdings keine hohen
Anforderungen gestellt werden. Vorliegend ergibt sich aus Art. 2 der Vereins-
statuten (act. 6.2), dass Zweck des Vereins unter anderem die Bekämpfung
der geplanten Kiesgrube in Tagelswangen und dabei insbesondere die Wah-
rung der persönlichen Interessen der Mitglieder bei der Bekämpfung der
Kiesgrube sowie die Ergreifung der notwendigen Rechtsmittel ist. Sodann
ergibt sich aus der eingereichten Mitgliederliste (act. 6.5), dass 21 der 35
Mitglieder einen Bezug zu Grundstücken aufweisen, die sich in der ersten
und zweiten (bzw. in einem Fall in der dritten) Bautiefe am südwestlichen
Ortsrand von Tagelswangen befinden. Da 18 dieser 21 Mitglieder gemäss
Eigentümerauskunft im GIS-ZH Eigentümer der fraglichen Grundstücke sind,
R3.2022.00117 Seite 18
ist eine Mehrheit bzw. jedenfalls eine Grosszahl der Mitglieder im Sinne der
vorstehenden Ausführungen zur Rekurserhebung legitimiert, so dass auch
die Rekurslegitimation des Vereins anzuerkennen ist, wobei es sich bei die-
ser Sachlage insbesondere als entbehrlich erweist, bezüglich bestimmter
weiterer Mitglieder Nachweise betreffend das Bestehen eines auf unbe-
stimmte Dauer abgeschlossenen Mietverhältnisses einzufordern.
Die Rekurrierenden 2 bis 6 des Rekursverfahrens G.-Nr. R3.2022.00117
sind ebenfalls Eigentümer von entsprechenden Grundstücken der ersten und
zweiten Bautiefe, so dass auch ihre Legitimation zu bejahen ist. Ebenfalls
legitimiert ist die nachweislich in einem auf unbestimmte Dauer abgeschlos-
senen Mietverhältnis an der Z-Strasse in Tagelswangen wohnende Rekur-
rentin 7 (vgl. hierzu bereits E. 2.3.1).
Die Rekurrierenden 2 und 3 im Verfahren G.-Nr. R3.2022.00118 sind eben-
falls als Eigentümer von entsprechend gelegenen Grundstücken der ersten
Bautiefe zur Rekurserhebung legitimiert. Bei der Rekurrentin 1 (C AG) han-
delt es sich zwar nicht um die Eigentümerin der Liegenschaft [...] in Tagels-
wangen (Kat.-Nr. 1), die im Eigentum des Rekurrierenden 2 steht. Indessen
befindet sich gemäss Handelsregisterauszug die Domiziladresse der Rekur-
rentin 1 an der fraglichen Adresse, wobei der Rekurrent 2 als einzelzeich-
nungsberechtigter Verwaltungsratspräsident der Rekurrentin 1 fungiert. Un-
ter diesen Umständen ist auch die Legitimation der Rekurrentin 1 zu bejahen.
2.3.3