# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** a268352b-ac00-4ae4-9879-65e82aae387f
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ X.Y. ist am 21. Oktober 1972 in G., Kosovo, geboren und anschliessend in ihrem
Heimatland aufgewachsen. Am 20. Juli 1990 heiratete sie einen in der Schweiz
niedergelassenen Landsmann, worauf sie am 24. August 1990 im Rahmen des
Familiennachzugs in die Schweiz einreiste. In den Jahren 1991, 1994 und 1995 gebar
sie eine Tochter und zwei Söhne.
B./ a) Am 14. März 2012 widerrief das Migrationsamt des Kantons St. Gallen ihre
Niederlassungsbewilligung und setzte ihr eine Ausreisefrist an, nachdem das
Kreisgericht See-Gaster sie am 22. November 2011 wegen Gefährdung des Lebens,
einfacher Körperverletzung (zum Nachteil einer wehrlosen/unter Obhut stehenden
Person), fahrlässiger Körperverletzung sowie Tätlichkeiten gegenüber einem Kind
rechtskräftig mit einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und einer Busse von Fr. 500.--
bestraft hatte (Vorakten Migrationsamt act. 106-123).
b) Der Verurteilung vom 22. November 2011 lag die Anklageschrift der
Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen vom 21. Juni 2011 zu Grunde, die der
Verurteilten eventualvorsätzliche versuchte Tötung, mehrfache qualifizierte vorsätzliche
Körperverletzung, Drohung, Tätlichkeiten, fahrlässige einfache Körperverletzung sowie
pflichtwidriges Verhalten bei Unfall zur Last gelegt hatte (Vorakten Migrationsamt
act. 102). Die Anklage warf ihr insbesondere vor, ihre Tochter am 1. Dezember 2008
gewürgt und mit einem Eletrokabel, einem Gürtel, einer Spraydose und einem
Schuhlöffel aus Metall spitalreif geschlagen zu haben. Auf Geheiss der Mutter habe die
Tochter dem Kinderarzt und im Spital jedoch erzählen müssen, einen Motorradunfall
erlitten zu haben. Dem behandelnden Arzt kam dies allerdings suspekt vor. Seiner
Meinung nach entsprach das Verletzungsmuster eher dem einer Schlägerei (Vorakten
Migrationsamt act. 64, 101 und 118). Die hauptsächlich vorgeworfenen Delikte datieren
vom 11. Mai 2009. Die Jugendliche gelangte damals an die Polizei, nachdem ihre
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Mutter sie schwer gewürgt und bis zur Bewusstlosigkeit geschlagen hatte. Dabei zog
sie sich Würgemale am Hals sowie Punktblutungen in einem Auge unterhalb der
Pupillen, mehrere Blutergüsse von Schlägen mit einem schmalen Schlagwerkzeug am
Rücken und Oberschenkel, Prellungen am Kopf, eine Bisswunde am Oberarm, diverse
Rötungen und heftige Striemen von Schlägen am ganzen Körper sowie eine
Schürfwunde von einem Küchenmesser an einem Mittelfinger zu (Vorakten
Migrationsamt act. 74 ff.). Der dritte Vorfall datiert vom 20. März 2009, als X.Y. auf dem
Trottoir eine Frau anfuhr, die wegen des Aufpralls auf die Motorhaube flog. Statt sich
um die Verletzte zu kümmern, beschimpfte sie die Angefahrene als Schlampe und fuhr
davon, obwohl sich diese bei der Kollision eine Schwellung und Kontusion am linken
Knie zugezogen hatte und deswegen zwei Wochen gehbehindert war
c) An der Gerichtsverhandlung vom 22. November 2011 zog die Tochter den
Strafantrag vom 12. Mai 2009 gegen ihre Mutter zurück (Vorakten Migrationsamt
act. 119) und widerrief ihre Aussage, dass sie von ihrer Mutter am 1. Dezember 2008
spitalreif geschlagen worden sei. Folglich sprach das Gericht die Angeklagte bezüglich
des Vorfalls vom Dezember 2008 mangels an Beweisen frei, zumal der Arzt - trotz
erheblicher Zweifel - nicht mit Sicherheit ausschliessen konnte, dass die festgestellten
Verletzungen nicht gleichwohl vom behaupteten Verkehrsunfall stammten. Eine
Verurteilung wegen der Drohung, dass die Angeklagte ihre Tochter noch stärker
misshandeln und sogar töten werde, musste wegen des zurückgezogenen Strafantrags
fallen gelassen werden. Bei den verbleibenden Offizialdelikten gelangte das Gericht
jedoch zur Überzeugung, dass die Beschwerdeführerin das Leben ihrer Tochter im
Sinn von Art. 129 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (SR 311.0, abgekürzt StGB)
gefährdet hatte, zumal es die dafür erforderliche Skrupellosigkeit der misshandelnden
Mutter ohne weiteres als gegeben ansah. Eine eigentliche Tötungsabsicht der Mutter
erachtete das Gericht demgegenüber als nicht erwiesen. Hinsichtlich des
Verkehrsunfalls kam das Gericht zum Schluss, X.Y. habe die Fussgängerin fahrlässig
angefahren. Den Tatbestand der Fahrerflucht erachtete es dagegen als nicht erfüllt,
nachdem der herbeieilende Parkwächter sie wegen des darauffolgenden Streits
zwischen der Fahrerin und der Verletzten vom Parkplatz weggewiesen hatte. Das
Gericht sprach sie deshalb vom Vorwurf des pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall im
Sinn von Art. 92 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt SVG) frei.
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C./ Die Weggewiesene rekurrierte am 29. März 2012 gegen den verfügten Widerruf der
Niederlassungsbewilligung beim Sicherheits- und Justizdepartment des Kantons St.
Gallen. Die Rekursinstanz bestätigte am 20. November 2012 jedoch, dass der Widerruf
der Niederlassungsbewilligung recht- und verhältnismässig sei.
D./ Gegen den ablehnenden Entscheid erhob die Rekurrentin am 5. Dezember 2012
beim Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen Beschwerde. Mit
Beschwerdebegründung vom 20. Januar 2013 beantragt sie die kostenpflichtige
Aufhebung des angefochtenen Entscheids und der Wegweisung vom 14. März 2012
sowie die Rückweisung der Angelegenheit zur weiteren Abklärung und Neubeurteilung.
Sie macht dabei im Wesentlichen geltend, die Wegweisung sei ihr und ihrer Familie
unzumutbar.
E./ Die Vorinstanz beantragt mit Vernehmlassung vom 28. Januar 2013, die
Beschwerde kostenpflichtig abzuweisen und verzichtet ansonsten auf eine
Stellungnahme.
F./ Auf die weiteren von den Verfahrensbeteiligten vorgebrachten Ausführungen wird,

## Considerations

soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
2. Die Beschwerdeführerin beantragt ohne weitere Begründung eine mündliche
Verhandlung.
2.1. Art. 6 Ziff. 1 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten
(SR 0.101, abgekürzt EMRK), der in diesem Zusammenhang regelmässig angerufen
wird, ist auf ausländerrechtliche Verfahren nicht anwendbar, weshalb gestützt auf diese
Vorschrift kein Anspruch auf eine öffentliche Verhandlung besteht (VerwGE B 2012/127
vom 12. März 2013 E. 2.1. mit Hinweisen, abrufbar unter: www.gerichte.sg.ch).
2.2. Nach Art. 55 Abs. 1 VRP wird eine mündliche Verhandlung angeordnet, wenn sie
zur Wahrung der Parteirechte notwendig ist oder zweckmässig erscheint. Mit der
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Beschwerde an das Verwaltungsgericht können einzig Rechtsverletzungen geltend
gemacht werden (Art. 61 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeführerin kann sich sodann
darauf berufen, die angefochtene Verfügung oder der angefochtene Entscheid würden
auf einem unrichtig oder unvollständig festgestellten Sachverhalt beruhen (Art. 61 Abs.
2 VRP). Der anwaltlich vertretenen Beschwerdeführerin war es im Rahmen der
Beschwerdeeingabe und ihrer Ergänzung möglich darzulegen, inwiefern die Vorinstanz
ihre persönlichen Verhältnisse unrichtig oder unvollständig festgestellt und gewürdigt
habe. Ihr war es somit möglich, ihren Rechtsstandpunkt im Rahmen des
Schriftenwechsels zum Ausdruck zu bringen. Dementsprechend konnte sie hinreichend
geltend machen, inwiefern der angefochtene Entscheid das Recht verletze bzw. im
Widerspruch zur bundesgerichtlichen Rechtsprechung stehe. Mithin ist es unnötig, zur
Wahrung der Parteirechte der Beschwerdeführerin eine mündliche Verhandlung
durchzuführen (VerwGE B 2012/127 vom 12. März 2013 E. 2.2., abrufbar unter:
www.gerichte.sg.ch).
3. Nach Art. 63 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und
Ausländer (SR 142.20; abgekürzt AuG) in Verbindung mit Art. 62 lit. b AuG kann die
Niederlassungsbewilligung eines Ausländers widerrufen werden, wenn er zu einer
längerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Eine solche liegt vor, wenn die
Freiheitsstrafe mehr als ein Jahr beträgt (BGE 135 II 377 E. 4.2; BGer 2C_226/2013
vom 8. September 2013 E. 3.1). Die längerfristige Freiheitsstrafe im Sinn von Art. 62
lit. b AuG muss sich - im Regelfall (vgl. VerwGE B 2013/17 vom 8. November 2013
E. 2.1.1., abrufbar unter: www.gerichte.sg.ch) - auf ein einziges Strafurteil stützen. Es
dürfen also nicht mehrere kürzere Strafen, die in ihrer Gesamtheit mehr als ein Jahr
ausmachen, zusammengezählt werden (BGE 137 II 297 Regeste).
Die Beschwerdeführerin bestreitet zu Recht nicht, dass der Widerrufsgrund der
längerfristigen Freiheitsstrafe bzw. der Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr erfüllt
ist, nachdem das Strafgericht sie am 22. November 2011 zu einer Freiheitsstrafe von
zwei Jahren verurteilt hatte.
4. Art. 63 AuG gewährt der zuständigen Behörde beim Entscheid über den Widerruf der
Niederlassungsbewilligung einen Ermessensspielraum. Der Widerruf einer
Niederlassungsbewilligung ist anzuordnen, wenn er bei sorgfältiger Abwägung der
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Interessen verhältnismässig erscheint (Art. 5 Abs. 2 der Bundesverfassung, SR 101,
abgekürzt BV). Dabei berücksichtigen die Behörden nach Art. 96 Abs. 1 AuG die
öffentlichen Interessen und die persönlichen Verhältnisse sowie den Grad der
Integration, wobei namentlich die Schwere des Verschuldens, die Dauer der
Anwesenheit in der Schweiz sowie die dem Ausländer und seiner Familie drohenden
Nachteile ins Gewicht fallen (BGer 2C_295/2009 vom 25. September 2009 E. 4.3). Je
länger ein Ausländer in der Schweiz lebt, desto strengere Anforderungen sind an die
Voraussetzungen einer Wegweisung nach Art. 66 AuG zu stellen. Eine solche ist
indessen selbst bei einem Ausländer, der bereits in der Schweiz geboren ist und hier
sein ganzes bisheriges Leben verbracht hat (sogenannte Ausländer der zweiten
Generation), insbesondere bei Gewaltdelikten bzw. wiederholter schwerer
Straffälligkeit, nicht ausgeschlossen. Ausschlaggebend ist die Verhältnismässigkeit der
Massnahme im Einzelfall, die praxisgemäss gestützt auf die gesamten wesentlichen
Umstände geprüft werden muss (BGer 2C_160/2009 vom 1. Juli 2009 E. 3.1; BGer 2A.
71/2007 vom 7. Mai 2007 E. 3.2, mit Hinweisen).
4.1. Ausgangspunkt und Massstab der fremdenpolizeilichen Güterabwägung ist die
Schwere des strafrechtlichen Verschuldens, das sich nach dem Wortlaut des Gesetzes
in einer längeren Freiheitsstrafe niederschlagen soll. Die Administrativbehörde hat sich
dabei mit den Erwägungen des Strafrichters auseinanderzusetzen, um zu einer eigenen
Gefahrenprognose zu gelangen (Nägeli/Schoch in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser,
Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, Rz. 22.188). Neben dem strafrechtlichen
Verschulden sind insbesondere die Art und Schwere der Straftaten, die durch die
Straftat verletzten Rechtsgüter, die Art und Umstände der Tatbegehung (einfache oder
mehrfache Delinquenz) sowie das Verhalten nach der Tat zu berücksichtigen. Während
das Strafrecht vom Resozialisierungsgedanken geprägt ist und bei strafrechtlichen
Vollzugsmassnahmen somit die Wiedereingliederung der Verurteilten in die
Gesellschaft im Vordergrund steht, ist aus Sicht der Ausländerbehörden das Interesse
an der öffentlichen Ordnung und Sicherheit entscheidend. So wird etwa im Strafrecht
die Unsicherheit bei einem vorzeitig Entlassenen bewusst in Kauf genommen, dass er
rückfällig werden könnte, weshalb eine Probezeit angeordnet wird. Aus
ausländerrechtlicher Sicht jedoch ist das Risiko eines Rückfalls umso weniger
hinzunehmen, je schwerer die Tat wiegt, welche die ausländische Person begangen hat
(vgl. S. Hunziker, in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar, Bern
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2010, N 12 zu Art. 63 AuG mit Hinweisen). Aus diesem Grund kann bei
Berücksichtigung aller entscheidenden Umstände schon eine einzige Verurteilung
wegen einer besonders schwer wiegenden Straftat zur Wegweisung führen. Sofern wie
vorliegend das Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft
einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits
über die Freizügigkeit (Freizügigkeitsabkommen, SR 0.142.112.681) nicht zur
Anwendung gelangt, kommt dem Gesichtspunkt einer allfälligen Rückfallgefahr ohnehin
keine vorrangige Bedeutung zu, weshalb insbesondere im Zusammenhang mit
Gewaltdelikten selbst ein relativ geringes Restrisiko nicht hingenommen werden muss
(BGer 2C_477/2008 vom 24. Februar 2009 E. 2.3).
4.2. Konkret beurteilten die Strafrichter das Verschulden der Beschwerdeführerin als
schwer, wobei sie darauf hinwiesen, dass die Verurteilte ihre unter ihrer Obhut
stehende Tochter nicht bloss massiv misshandelt, sondern darüber hinaus in
Lebensgefahr gebracht hatte. Damit ist auch im Administrativverfahren von einem sehr
schweren Verschulden der Beschwerdeführerin auszugehen. Dies zeigt sich
insbesondere hinsichtlich der begangenen Delikte, der Tatumstände und der
ausgefällten Strafe von zwei Jahren, wobei allerdings zu berücksichtigen ist, dass die
Einsatzstrafe beinahe drei Jahre betragen hat und in erster Linie deshalb erheblich
gemindert wurde, weil die Verurteilte noch weitere unmündige Kinder zu betreuen hatte
(vgl. weiter hinten E. 4.7.).
4.2.1. Anlässlich des strafrechtlich hauptsächlich relevanten Vorfalls vom 11. Mai 2009
erschien die Beschwerdeführerin unerwartet am Arbeitsplatz der Tochter, wo sie
feststellen musste, dass ihre - immerhin schon - 17-jährige Tochter eine Zigarette
geraucht und das Mobilfunktelefon benutzt hatte, obwohl sie ihr dies untersagt hatte. In
der Folge zerrte sie ihre Tochter ins Auto, wo sie diese ohrfeigte. Zu Hause
angekommen schlug sie den Kopf der Tochter drei Mal gegen den Heizkörper des
Badzimmers. Anschliessend drosch sie ungefähr 20 Mal mit einem Ledergurt gegen
den Kopf und den Rücken sowie die Arme und Beine des Opfers. Nachdem die
Beschwerdeführerin sowohl die herbeieilende Tante als auch eine Schulkollegin
abwimmeln konnte, fuhr sie unvermindert fort, auf ihr Kind einzuschlagen. Zusätzlich
drohte sie mit einem Rüstmesser. Als die Misshandelte versuchte, ihrer Mutter das
Messer zu entreissen, verletzte sie sich am rechten Mittelfinger. Statt endlich mit den
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Gewalttaten aufzuhören, ergriff die Beschwerdeführerin ein Elektrokabel, legte dieses
zwei Mal zusammen und drosch damit weiter auf ihre Tochter ein. Als es dieser gelang,
das Kabel zu fassen, biss die Mutter die Gepeinigte in den Arm, riss dieser ein
Haarbüschel aus und legte das dadurch wieder frei bekommene Elektrokabel um den
Hals ihrer Tochter und zog kräftig und lange zu. Diese konnte sich zwar befreien, erlitt
dabei aber multiple Strangmarken und Abschürfungen im Bereich der Halsseiten, des
Nackens und des Kehlkopfs sowie Punktblutungen im linken Auge. Als die Tochter
alsdann wegzurennen versuchte, packte die Mutter sie erneut und warf sie mit voller
Wucht auf den Boden, wo diese ohne Bewusstsein liegen blieb.
4.2.2. Auf Grund der Akten gelangt das Verwaltungsgericht weiter zur Überzeugung,
dass es nicht bei diesem einen Vorfall geblieben ist, sondern dass die
Beschwerdeführerin ihre Tochter zudem über einen längeren Zeitraum misshandelt hat.
Die Tochter sagte aus, sie sei zu Hause seit der sechsten Klasse geschlagen worden.
Dem Kind und später der Jugendlichen war es auf Grund des familiären Drucks
verständlicherweise nicht möglich, sich gegen die dabei erlittenen Misshandlungen zu
wehren oder einen Aussenstehenden um Hilfe zu bitten. So sagte die Tochter auch
aus, dass ihre Brüder Ähnliches über sich ergehen lassen mussten (Vorakten
Migrationsamt act. 64 und 71). Sie gab glaubwürdig zu Protokoll, dass ihre Mutter sie
auch einen Monat vor der polizeilichen Intervention in das Auto gezerrt hatte, wo diese
mit einem Schuh auf sie einschlug und sie dabei mit einem Metallteil am Kopf verletzte,
so dass sie blutete und eine Narbe davon trug (Vorakten Migrationsamt act. 65).
Dementsprechend erschien die Tochter auch öfters mit Verletzungen in ihrem
Lehrbetrieb, wo bekannt war, dass sie von ihrer Mutter regelmässig geschlagen wurde,
wie eine Arbeitskollegin aussagte (Vorakten Migrationsamt act. 73). Eine weitere
Kollegin gab zu Protokoll, man habe gewusst, dass die Betroffene öfters von ihren
Eltern geschlagen werde (Vorakten Migrationsamt act. 72). Eine Arbeitskollegin der
Beschwerdeführerin wiederum sagte aus, sie habe selbst gesehen, wie diese ihre
Tochter ins Gesicht geschlagen habe. Auf ihre Intervention hin, damit aufzuhören, habe
die Beschwerdeführerin lediglich geantwortet, sie dürfe machen, was sie wolle
(Vorakten Migrationsamt act. 72).
4.2.3. Für die vorgängig geschilderten Verfehlungen liegen zwar keine rechtskräftigen
Verurteilungen vor. Im administrativen Verfahren muss aber anders als im
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Strafverfahren, wo vor einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung gilt,
mangels rechtskräftiger Verurteilung nicht davon ausgegangen werden, die
Beschwerdeführerin habe sich nichts zuschulden kommen lassen (BGer 2C_318/2010
vom 16. September 2010 E. 2.1 und 3.2). Der Grund dafür liegt darin, dass die mit dem
Widerruf der Niederlassungsbewilligung verbundene Wegweisung keine Strafe,
sondern eine ordnungsrechtliche Massnahme darstellt, die ihrerseits auf einen
polizeirechtlichen Gefahrentatbestand ausgerichtet ist. Somit darf im Rahmen der
vorliegenden administrativen Verhältnismässigkeitsprüfung nicht unberücksichtigt
bleiben, dass die Beschwerdeführerin ihre wehrlose und unter ihrer Obhut stehende
Tochter gemäss deren glaubwürdigen Aussagen und den protokollierten
Beobachtungen Dritter immer wieder misshandelt hat. Ohne Erwähnung dieser Vorfälle
entstände sonst das verzerrte Bild, beim strafrechtlich relevanten Vorfall habe es sich
um einen einmaligen Vorfall gehandelt und die Beschwerdeführerin habe sich davon
abgesehen stets korrekt verhalten (VerwGE B 2010/197 vom 22. Februar 2011
E. 3.1.2., abrufbar unter: www.gerichte.sg.ch). Das Gleiche gilt besonders auch für den
Vorfall vom 1. Dezember 2008, als die Beschwerdeführerin die Tochter offensichtlich
spitalreif geschlagen hat. Allein der Umstand, dass die Ärzte - entgegen ihrer
ausdrücklichen Zweifel - nicht mit Sicherheit ausschliessen konnten, dass die zahlreich
festgestellten Gewaltverletzungen nicht doch vom behaupteten, aber nicht weiter
dokumentierten Verkehrsunfall her stammten und somit strafrechtlich nicht relevant
waren, lässt die ursprüngliche Aussage der Verletzten im Administrativverfahren nicht
als unglaubwürdig erscheinen. Die Tochter ist heute zwar erwachsen und bereits
verheiratet, sie lebt aber noch immer im gleichen Haus wie ihre Eltern und ihre
kosovarischen Verwandten (Vorakten Migrationsamt act. 109). Es ist daher
verständlich, dass sie ihre Aussagen vor zweieinhalb Jahren auf (in)direkten Druck ihrer
Familie zwischenzeitlich widerrufen hat. Die damalige Aussage stimmt mit den
Beobachtungen Dritter überein, die unabhängig voneinander ausgesagt haben, dass
die Beschwerdeführerin ihre Tochter immer wieder misshandelt habe.
4.3. Für die Beschwerdeführerin bzw. gegen den Widerruf ihrer
Niederlassungsbewilligung spricht, dass sie seit über 20 Jahren und damit ihr halbes
Leben ununterbrochen in der Schweiz lebt. Da sie bis zur Volljährigkeit in ihrem
Heimatland aufgewachsen und erst im Rahmen des Familiennachzugs ihres im Kosovo
geheirateten Landsmanns in die Schweiz nachgefolgt ist, gilt sie aber klar nicht als
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Ausländerin der zweiten Generation. Beruflich ist sie als langjährige Putzkraft tätig,
wobei sie von ihrem Arbeitgeber geschätzt wird (act. 8/2). Eine besonders qualifizierte
Tätigkeit übt sie damit jedoch nicht aus. Weiter macht sie geltend, sie mache im
örtlichen Turnverein mit. Sie ist weder verschuldet noch weiter vorbestraft. Den Akten
lässt sich einzig entnehmen, dass im Jahr 1998 ein Verfahren wegen Fälschen von
Ausweisen gegen sie gelaufen ist, weil sie die Unterlagen der theoretischen
Führerprüfung, die sie auf Albanisch absolviert hat, mit einem manipulierten
Kugelschreiber ausfüllte, auf dem sich Lösungen der Prüfungsfragen befunden haben
(Vorakten Migrationsamt act. 15). Sie kann sich auf Deutsch bzw. Schweizerdeutsch
verständigen, an der Gerichtsverhandlung musste aber gleichwohl ein Dolmetscher
beigezogen werden (Vorakten Migrationsamt act. 122).
4.4. Ihre relativ lange Aufenthaltsdauer in der Schweiz korrespondiert aber trotzdem
insofern nicht mit der sozialen Integration in die hiesige Gesellschaft, als sie die
begangenen schweren Gewaltverbrechen noch immer bagatellisiert und diese selbst
heute noch damit rechtfertigt, dass sie an sich nichts Schlechtes habe tun wollen und
ihre Motive ja nicht schlecht gewesen seien. Diese Einstellung entspricht mitnichten
den hiesigen Wertvorstellungen, wie Eltern mit ihren unter ihrem Schutz stehenden
Kindern umzugehen haben.
4.4.1. Das Gleiche gilt für die Vorstellung der Beschwerdeführerin, dass mit
Gewaltverbrechen innerhalb der Familie die öffentliche Ordnung und Sicherheit
grundsätzlich nicht gestört werden könne, solange jedenfalls, als es dabei bei einer rein
familieninternen Angelegenheit bleibe und "keine Rechtsgüter unbeteiligter Dritter
beeinträchtigt oder gefährdet" würden (act. 7, S. 16 Ziff. III. 9.). Das Gegenteil ist der
Fall. Die Familie ist kein rechtsfreier Raum und das Recht auf körperliche und geistige
Unversehrtheit gemäss Art. 10 Abs. 2 BV ist innerhalb der Familie ebenso garantiert wie
ausserhalb des Familienbereichs. Dementsprechend handelt es sich in Bezug auf die
erlittenen Misshandlungen bei der damals unmündigen Tochter einzig um ein Opfer
und nicht etwa um eine an den Delikten "Beteiligte", wie die Beschwerdeführerin
darstellen lässt. Gewalttaten innerhalb der Familie sind im Gegenteil speziell perfid, weil
sich Kinder und Jugendliche kaum wehren können, wenn sie von den eigenen Eltern
misshandelt werden.
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4.4.2. Die Beschwerdeführerin ist sich offensichtlich nicht bewusst, dass sie wegen
schwerwiegender Offizialdelikte verurteilt worden ist, wegen Delikten also, die der Staat
von Amtes wegen ahndet, ohne dass dafür ein Strafantrag nötig wäre. Somit hat es
vorliegend auch keine Rolle gespielt, dass die misshandelte Minderjährige einen
Strafantrag gegen ihre Mutter gestellt hat und - auf Grund welcher Motivation auch
immer - anlässlich der Hauptverhandlung keine Bestrafung ihrer Mutter mehr wollte
und ihren Strafantrag deswegen zurückgezogen hat. Die unmittelbar angezeigten
Straftaten hat die Beschwerdeführerin nur insoweit zugegeben, als diese auf Grund der
ärztlichen Befunde zweifelsfrei erwiesen waren. Die weiteren zahlreichen Vorfälle aber,
von denen das Verwaltungsgericht auf Grund der Akten ebenfalls überzeugt ist, streitet
sie nach wie vor ab oder bagatellisiert diese (vgl. dazu auch den fachärztlichen Bericht
über den Verlauf und die Psychotherapie bei X.Y. vom 14. Februar 2011, act. 8/1).
4.5. Es steht zwar ausser Frage, dass Eltern bei der Erziehung von Jugendlichen an
ihre Grenzen stossen können. Vorliegend handelt es sich aber um Straftaten und
Verfehlungen, die weit über eine entschuldbare Affekthandlung hinaus gehen. Von einer
"einmaligen verzweifelten Entgleisungstat", wie die Beschwerdeführerin nun vorbringen
lässt, kann somit keine Rede sein. Die Beschwerdeführerin hat ihre schutzbefohlene
Tochter im Gegenteil über längere Zeit hinweg immer wieder zum Teil schwer
misshandelt. Dies zeigt sich insbesondere beim aus strafrechtlicher Sicht
entscheidenden Vorfall im Jahr 2009, bei welchem die Beschwerdeführerin immer
wieder von Neuem dazu ansetzte, ihre Tochter sogar lebensgefährlich zu verletzen,
wobei sie sich davon selbst dann nicht abhalten liess, als sie dabei von Dritten gestört
wurde.
4.6. Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie habe zwischenzeitlich erfolgreich eine
Gewalttherapie absolviert. Diese hat sie am 25. November 2009 aber nach 12
Sitzungen von sich aus abgebrochen, obgleich ihre Therapeutin empfohlen hatte, die
Behandlung fortzuführen (act. 8/1). Zum bedingt gewährten Vollzug der Freiheitsstrafe
gilt zu bedenken, dass nach den Bestimmungen des neuen allgemeinen Teils des
Strafgesetzbuches (Art. 42 Abs. 1 StGB, SR 311.0) der bedingte Strafvollzug keine
günstige Prognose voraussetzt, sondern allein das Fehlen einer ungünstigen Prognose
genügen lässt. Damit bildet im weiten Bereich prognostischer Unsicherheit der
Strafaufschub die Regel. In fremdenpolizeilicher Hinsicht indessen kommt für die
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Legalprognose - mit Blick auf das im Vordergrund stehende Interesse der öffentlichen
Ordnung und Sicherheit - ein strengerer Beurteilungsmassstab zum Tragen als im
strafrechtlichen Sanktionenrecht. Während sich also das Strafrecht auf die
Resozialisierungschancen des Straftäters fokussiert, steht für die Ausländerbehörden
das Interesse der öffentlichen Ordnung und Sicherheit im Vordergrund. Die
Ausländerbehörden haben eine umfassende Abwägung aller öffentlichen und privaten
Interessen vorzunehmen, woraus sich ein im Vergleich mit den Straf- und
Strafvollzugsbehörden strengerer Beurteilungsmassstab ergibt (BGer 2C_218/2011
vom 4. Januar 2012 E. 3.3.1 mit Hinweisen; BGer 2C_1026/2011 vom 23. Juli 2012 E.
4.2 mit Hinweisen; BGE 120 1b 129 E. 5b). Dass auch das Strafgericht nicht restlos
davon überzeugt war, dass sich die Verurteilte fortan wohlverhalten werde, zeigt sich
insbesondere darin, dass es die Probezeit nicht wie üblich auf das Minimum von zwei
Jahren angesetzt, sondern auf drei Jahre erhöht hat (Vorakten Migrationsamt act. 109).
Davon abgesehen, dass sich den Akten nichts entnehmen lässt, dass "eine
Wiederholungsgefahr praktisch ausgeschlossen werden" könne, wie die
Beschwerdeführerin vorbringen lässt, kommt es auf die Rückfallgefahr wie gesagt
ohnehin nicht entscheidend an. Ausserhalb des Anwendungsbereichs des
Freizügigkeitsabkommens mit der EU kann im Rahmen der Interessenabwägung
vielmehr auch generalpräventiven Gesichtspunkten Rechnung getragen werden. Dazu
kommt, dass das Bundesgericht in Übereinstimmung mit der in Europa herrschenden
Rechtsüberzeugung bei Delikten gegen die körperliche Integrität generell eine strenge
Praxis verfolgt, womit selbst ein geringes Restrisiko nicht hingenommen werden muss
(BGer 2C_695/2012 vom 28. Januar 2013 E. 3.2.1 und 2C_109/2012 vom
12. Dezember 2012 E. 3.2). In solchen Fällen besteht ein erhebliches öffentliches
Interesse an der Fernhaltung der ausländischen Person (BGer 2C_11/2013 vom
25. März 2013 E. 3.2 mit Hinweisen). Aus Sicht der Ausländerbehörde steht - anders
als im Strafverfahren - die Einhaltung von Ordnung und Sicherheit im Zentrum, die
selbstverständlich auch verletzt sind, wenn innerhalb der eigenen Familie Offizialdelikte
begangen werden. Schliesslich sind die vorliegend relevanten Straftatbestände in
Art. 121 Abs. 3 BV genannte Anlasstaten, die nach dem Verfassungsgeber dazu führen
sollen, dass der Ausländer aus der Schweiz ausgewiesen und mit einem Einreiseverbot
belegt wird. Diese Verfassungsbestimmung ist zwar nicht direkt anwendbar. Deren
Wertung ist aber im Rahmen der Interessenabwägung insoweit Rechnung zu tragen,
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als dies zu keinem Widerspruch zu übergeordnetem Recht bzw. zu Konflikten mit dem
Beurteilungsspielraum führt, den der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte den
einzelnen Konventionsstaaten bei der Umsetzung ihrer Migrations- und
Ausländerpolitik im Rahmen des Rechts auf Schutz des Privat- und Familienrechts
belässt (BGer 2C_348/2012 vom 13. März 2013 E. 3.2).
4.7. Zum Strafmass von immerhin zwei Jahren ist zu erwähnen, dass die Einsatzstrafe
30 Monate "plus einige Monate" betrug, also praktisch drei Jahre (Vorakten
Migrationsamt act. 110). Die erhebliche Reduktion rührte augenscheinlich daher, dass
die Strafe bedingt ausgesprochen werden bzw. dass die Beschwerdeführerin die
Freiheitsstrafe nicht absitzen sollte (Art. 42 Abs. 1 StGB). Nebst dem, dass die
Verurteilte keine Vorstrafen aufwies und sich während der Verfahrensdauer
wohlverhalten hatte, teilweise geständig war und das Opfer nicht mehr auf einer
Verurteilung bestand, berücksichtigte das Strafgericht nämlich vor allem, dass die
Beschwerdeführerin damals noch zwei weitere minderjährige Kinder hatte und deshalb
speziell strafempfindlich war. Unter diesen Umständen bezeichnete das Strafgericht
die maximale Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die für die Gewährung des bedingten
Strafvollzugs nötig ist, als "gerade noch schuldangemessen" (Vorakten Migrationsamt
act. 110).
4.8. Es mag zutreffen, dass die Beschwerdeführerin in ihrem Heimatland nicht die
gleichen beruflichen Perspektiven finden wird wie in der Schweiz, wie sie vorbringen
lässt. Die in der Schweiz erworbene Berufserfahrung und ihre
Fremdsprachenkenntnisse werden ihr dort aber hilfreich sein, sich von den zahlreichen
einheimischen Stellensuchenden abzusetzen. Entscheidend ist jedoch in erster Linie,
dass die Wegweisung einzig ihrem fehlbaren und kriminellen Verhalten zuzuschreiben
und insofern hinzunehmen ist. Das fast immer gegebene Interesse, die besseren
wirtschaftlichen Verhältnisse in der Schweiz bzw. die hiesigen Sozialleistungen nutzen
zu können, ist für die Abwägung der Interessen nicht entscheidend (BGer 2C_364/2010
vom 23. September 2010 E. 2.2.8). Immerhin ist die Beschwerdeführerin aber in ihrem
Heimatland aufgewachsen, womit sie dort den prägenden Teil ihres Lebens verbracht
hat. Alsdann ist sie mit ihrer Muttersprache nach wie vor bestens vertraut. Es darf
somit ohne Weiteres davon ausgegangen werden, dass sie sich bei ihrer Rückkehr in
ihr Heimatland wieder zu Recht finden wird.
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4.9. Die Beschwerdeführerin verweist darauf, dass eine Rückkehr auch deshalb nicht
zumutbar sei, weil ihr Ehemann und ihre mittlerweile erwachsenen Kinder ebenfalls hier
leben und dies in einem grossen eigenen Mehrfamilienhaus zusammen mit den Eltern
ihres Ehemanns, dessen Brüder und deren Familien. Die Tochter, eben verheiratet,
habe ebenfalls eine Wohnung in diesem Haus bezogen.
4.9.1. Art. 8 Ziff. 1 der Europäischen Menschenrechtskonvention (SR 0.101, abgekürzt
EMRK) garantiert das Familienleben. Eine Wegweisung eines straffälligen Ausländers
ist aber trotzdem zulässig, wenn sie eine Massnahme darstellt, die für die nationale
Sicherheit und öffentliche Ordnung bzw. zur Verhinderung von strafbaren Handlungen,
zum Schutz der Gesundheit und Moral nötig ist (Art. 8 Ziff. 2 EMRK). Als zulässiges
öffentliches Interesse kommt sodann das Durchsetzen einer restriktiven
Einwanderungspolitik in Betracht. Eine solche ist im Hinblick auf ein ausgewogenes
Verhältnis zwischen schweizerischer und ausländischer Wohnbevölkerung, die
Schaffung günstiger Rahmenbedingungen für die Eingliederung der in der Schweiz fest
ansässigen Ausländer und die Verbesserung der Arbeitsmarktstruktur sowie eine
möglichst ausgeglichene Beschäftigung im Licht von Art. 8 Ziff. 2 EMRK zulässig (BGE
2C_364/2010 vom 23. Septemer 2010 E. 2.2.1).
4.9.2. Der Schutzbereich des Familienlebens ist in erster Linie auf die Kernfamilie im
engeren Sinn, das heisst auf die Eheleute und deren minderjährige Kinder beschränkt,
sofern eine gelebte und intakte Beziehung besteht (Raselli/Hausammann/Möckli/
Urwyler in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser, a.a.O., Rz. 16.65). Die drei Kinder der
Beschwerdeführerin sind mittlerweile alle volljährig und fallen somit nicht mehr unter
den Schutzbereich von Art. 8 Ziff. 1 EMRK. Dies gilt auch für die beiden Söhne, die
noch zu Hause leben. Die Beschwerdeführerin bringt nichts vor, weshalb die beiden
jungen Männer fortan nicht weiterhin bei ihrem Vater bzw., wenn dieser mit seiner Frau
ins gemeinsame Heimatland zurückkehren sollte, selbstständig oder bei den
zahlreichen nahen Verwandten im gleichen Haus oder im selben Dorf resp. in der
nahen Umgebung wohnen könnten. Soweit sie sich noch in einer Ausbildung befinden
sollten, könnten die jungen Erwachsenen dafür selber aufkommen oder sich für
entsprechende Unterstützungsleistungen an die Gemeinde oder den Kanton wenden.
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4.9.3. Der Ehemann ist ebenfalls Bürger von Kosovo, wo er im Wesentlichen
aufgewachsen ist, bevor er seinerseits im Rahmen des Familiennachzugs mit 14 Jahren
in die Schweiz eingereist ist. Mit seinem Heimatland blieb er eng verbunden, was sich
insbesondere darin zeigt, dass er eine dort ansässige Landsfrau geheiratet hat und
auch in der Schweiz mit seiner Grossfamilie lebt und arbeitet. Die Rückkehr in sein
Heimatland wird ihn zugegebenermassen empfindlich treffen. Seine Tätigkeit als
selbstständiger Automechaniker wird er aber auch im Kosovo ausüben können. Wie
bereits hinsichtlich seiner Ehefrau ausgeführt, ändert allein der Umstand, dass die
wirtschaftlichen Verhältnisse dort weniger günstig sind, an der grundsätzlichen
Zumutbarkeit einer Rückkehr nichts. Die Beschwerdeführerin beruft sich in diesem
Zusammenhang auf den Bundesgerichtsentscheid BGer 2C_97/2012 vom
14. Dezember 2012, wonach eine Wegweisung unverhältnismässig sein soll, wenn dem
Ehepartner des Wegzuweisenden persönlich nichts vorzuwerfen sei. Jener Fall lag aber
insofern anders, als dem Widerruf der Niederlassungsbewilligung dort keine
längerfristige Freiheitsstrafe zu Grunde lag, sondern lediglich die Tatsache, dass der
Wegzuweisende Schulden von rund Fr. 30'000.-- hatte und verschiedentlich straffällig
geworden war, wobei der Unrechtsgehalt der einzelnen Verstösse nicht besonders
gravierend war. Vorliegend waren die Gewaltdelikte aber speziell perfid und das
Verschulden der Verurteilten deshalb so gross, weil es sich beim Opfer um eine
Minderjährige handelte, die unter der Obhut der Täterin stand und sich auch wegen
des Drucks der Grossfamilie gar nicht wehren konnte. Beim anderen Entscheid ging es
dagegen lediglich um Verurteilungen wegen Verstössen gegen das Strassenverkehrs-
und Transportgesetz sowie strafbare Handlungen gegen das Vermögen. Dazu kommt,
dass dem Ehemann der Wegzuweisenden hier zwar keine strafrechtliche Mitschuld,
aber sehr wohl eine familiäre Mitverantwortung trifft, zumal er sich als Ehepartner und
Miterziehungsberechtigter gegenüber seiner fehlbaren Frau nicht für seine schutzlose
Tochter eingesetzt hat. So muss ihm zumindest im Rahmen des
Administrativverfahrens vorgeworfen werden, dass er den fortwährenden
Misshandlungen seiner Ehefrau der gemeinsamen Tochter gegenüber keinen Einhalt
geboten hat, obwohl selbst Aussenstehende die offensichtlichen Gewaltverletzungen,
welche die Tochter zu Hause erlitten hatte, mitbekommen haben. Dieses Versagen als
Vater und Ehemann wiegt die Umstände auf, dass er schon lange in der Schweiz lebt
sowie beruflich integriert und wirtschaftlich erfolgreich ist. Da er aber selber über eine
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Niederlassungsbewilligung verfügt, steht es ihm durchaus frei, weiterhin in der Schweiz
zu bleiben. Sollte er sich also dazu entscheiden, in der Schweiz wohnen zu bleiben,
wäre es ihm unter den erwähnten Umständen zumutbar, die Ehegemeinschaft
besuchsweise im Kosovo oder in der Schweiz sowie mittels der heute zahlreich zur
Verfügung stehenden Kommunikationsmittel zu leben. Immerhin werden persönliche
Besuche auch künftig selbst in der Schweiz möglich sein, weil mit Inkrafttreten des
neuen Ausländergesetzes per 1. Januar 2008 das Instrument der Ausweisung mit
Ausnahme der sogenannten politischen Ausweisung gemäss Art. 68 AuG abgeschafft
wurde. Anders als die altrechtliche Ausweisung stellt ein Bewilligungswiderruf keine
Fernhaltemassnahme mehr dar. Ein allfälliges Einreiseverbot müsste vielmehr
zusätzlich vom zuständigen Bundesamt verfügt werden (Art. 67 AuG) und wäre
überdies nur befristet. Allein durch die hier streitige Massnahme werden Reisen in die
Schweiz zu Besuchszwecken bei Erfüllung der gesetzlichen Einreisevoraussetzungen
also nicht auf längere Zeit verunmöglicht (BGer 2C_650/2010 vom 10. Februar 2011
E. 4.2).
5. Zusammenfassend ergibt sich also, dass die Wegweisung der Beschwerdeführerin
auf Grund der vorliegenden Umstände im öffentlichen Interesse liegt und
verhältnismässig ist. Auf Grund des massiven Fehlverhaltens der Beschwerdeführerin
bedeutet der Widerruf ihrer Niederlassungsbewilligung für sie keine unzumutbare
Härte, auch wenn er sie hart trifft. Das Gleiche gilt für ihren Ehemann, auch wenn sich
dieser strafrechtlich nichts zu Schulden kommen liess. Die Interessenabwägung
insgesamt führt dazu, dass die öffentlichen Interessen die privaten überwiegen, zumal
die Verbrechen seiner Ehefrau gegen die auch unter seiner Obhut stehende und noch
minderjährige Tochter vor allem in seinem Haus passiert sind, und er die einzige
Person gewesen ist, die dem schändlichen Treiben seiner Frau ein Ende hätte bereiten
bzw. diese daran hätte hindern können. Die Vorinstanz hat den Widerruf der
Niederlassungsbewilligung somit zu Recht bestätigt. Den Eheleuten ist es zumutbar,
zusammen in ihr gemeinsames Heimatland zurückzukehren oder sich im Rahmen von
Besuchen im Kosovo oder der Schweiz persönlich zu treffen. Der Rekursentscheid hält
somit sowohl vor Bundesrecht als auch vor Art. 8 EMRK stand, weshalb die
Beschwerde abzuweisen ist.
6. (...).
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