# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 6c18a36b-cccf-5a49-ba85-2f53e792aa2d
**Court:** AR_OG
**Chamber:** AR_OG_003
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** AR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt
A. A.1
A_, geb. am XX.XX.1961 und seit 5. April 2013 verheiratet, meldete sich am
20. Mai 2013 (IV act. 1) bei der Invalidenversicherung wegen eines seit 16. Mai 2012
bestehenden Burnouts an. Bereits am 10. November 1999 (IV act. 8.2, 12/17) hatte ihr
diese als Hilfsmittel Perücken oder einen anderen Haarersatz zugesprochen aufgrund des
Haarverlusts im Rahmen einer Chemotherapie zur Behandlung von Brustkrebs. Nach
Angaben von Frei, praktischer Arzt, Oberriet, vom 21. Mai, 19. Juni und vom
10. September 2012 (IV act. 51, 15/37) sei sie vom 16. bis 27. Mai 2012 zu 100%, vom
28. Mai bis 27. Juni 2012 zu 50% und vom 1. bis 30. September 2012 zu 40% arbeits-
unfähig gewesen (s. ferner die Eintragungen auf der Krankenkarte der Krankentaggeldver-
sicherung Mobiliar [IV act. 51, 14/37]).
A.2
Laut Bericht von D_, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Altstätten, vom
2. Oktober 2012 (IV act. 26, 3/4) bestehe wegen einer rezidivierenden depressiven
Störung, gegenwärtig leicht- bis mittelgradige Episode, seit 1. Oktober 2012, dem Datum
des Erstgesprächs, eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit. Auf März 2013 sei die Hochzeit mit
dem langjährigen Partner geplant und auf April 2013 der Umzug nach Ungarn. Dem
90jährigen Onkel, bei dem sie täglich vorbeischaue, habe sie davon noch nichts erzählt.
A.3
Mit Bericht vom 12. Juli 2013 (IV act. 15) ergänzte Psychiater D_, bei der seit Mai 2012
bestehenden Erkrankung mit leichter Einschränkung des Konzentrationsvermögens und
leicht bis mittel eingeschränkter Belastbarkeit seien als belastend einzustufen der Tod der
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88jährigen Mutter im April 2012, die Tätigkeit als Bauführerin, die Betreuung des 90jährigen
alleinstehenden Onkels, bei dem sie seit über dreissig Jahren täglich vorbeigehe, und der
im Februar 2013 ebenfalls gestorben sei, die Hochzeit mit dem langjährigen Lebenspartner
und der Plan, nach Ungarn auszuwandern. Deswegen attestiere er bis Ende Juni 2013 eine
50%ige Arbeitsunfähigkeit, wobei jedoch zufolge Abnahme der Stressoren eine Besserung
erwartbar sei. Mit der Patientin habe er vereinbart, dass sie sich bei einer Verschlechterung
elektronisch melde. Eine Medikation mit Venlafaxin und Trittico sei etabliert.
A.4
Gemäss Arbeitgeberbericht vom 28. August 2013 (IV act. 24) sei die Versicherte dort seit
11. Mai 1981 tätig, zuletzt als Bauleiterin. Seit Eintritt des Gesundheitsschadens bzw. seit
19. Juni 2012 sei sie nur noch zu 50% tätig.
A.5
Dem Bericht der Berufsberatung der Invalidenversicherung vom 29. August 2013
(IV act. 23) ist zu entnehmen, dass die Versicherte zwischen Ungarn und der Schweiz
pendle, weil ihr Ehemann dort ein Gästehaus führe. Devisierungen könne sie in Ungarn
machen, wo es ihr mangels Druck besser gehe.
Mit Schreiben vom 28. Oktober 2013 (IV act. 27) erinnerte die Invalidenversicherung A_
an ihre Mitwirkungspflicht, da sie seit 25. September 2013 telefonisch nicht erreichbar sei.
Gemäss Aktennotiz vom 26. November 2013 (IV act. 29) habe die Versicherte telefonisch
gemeint, dass sie ab Dezember 2013 zu 40% tätig sei und aufgrund des guten
Heilungsverlaufes davon ausgehe, ab Frühling 2014 wieder vollzeitlich erwerbstätig sein zu
können. Gleichentags wurden im Rahmen der Frühintervention Beratung und
Unterstützung zur Erhaltung des derzeitigen Arbeitsplatzes gewährt (IV act. 30).
A.6
Mit Bericht vom 23. September 2013 (IV act. 26) meinte Hausarzt C_ jedoch, die
bisherige Tätigkeit als Bauführerin sei gesundheitsbedingt nur noch während ca. 2h/Tag
zumutbar, und dies mit leicht verminderter Leistungsfähigkeit.
A.7
Psychiater D_ attestierte mit Bericht vom 17. März 2014 (IV act. 34) einen stationären
Zustand. Der Verlauf sei unbefriedigend, bei schwankender, aber auf tiefem Niveau
liegender Depression, die in Ungarn eher zunehme, was einen Zusammenhang mit dem
psychosozialen Kontext als plausibel erscheinen lasse.
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A.8
Mit Aktennotiz vom 21. März 2014 (IV act. 35) meinte Dr. E_ vom regionalärztlichen
Dienst (RAD), die Tätigkeit als Bauleiterin sei wahrscheinlich nicht mehr vollzeitlich aus-
führbar. Im Rahmen bzw. nach einer Therapie, die bisher zu wenig intensiv erfolgt sei, und
ohne das Pendeln zwischen der Schweiz und Ungarn sei eine Tätigkeit wie als Bauzeich-
nerin ohne Bauleitung vollzeitlich zumutbar, zumal seit Anfang Februar 2014 keine Arbeits-
unfähigkeit mehr attestiert werde.
Gemäss Aktennotiz der Berufsberatung vom 28. März 2014 (IV act. 36) habe die Versi-
cherte nach eigenen Angaben bis Ende 2013 wieder zu 100% arbeiten wollen, aber nur
noch 40% erreicht, vorwiegend via Homeoffice in Ungarn, und dies wegen Müdigkeit, feh-
lender Konzentration sowie Blockaden bei der Arbeit. Der bisherige Arbeitgeber sei kürzlich
pensioniert worden und nehme Aufträge nur noch in beschränktem Mass an, weshalb er
ihre Stelle nicht mehr neu besetze, sondern die Arbeit extern an einen Freischaffenden
vergebe. Das Gästehaus in Ungarn werde vom Ehemann und einer Angestellten besorgt
und stelle keine zusätzliche Belastung dar. Nach Auffassung der Invalidenversicherung
seien die therapeutischen Bemühungen ungenügend; ausserdem wirke das Pendeln zwi-
schen der Schweiz und Ungarn belastend, auch wenn die Versicherte gerade wegen der
grösseren Ruhe und der Möglichkeit zur Erwerbstätigkeit im Homeoffice dorthin gezogen
sei. Allenfalls seien bezüglich Therapie Auflagen zu machen oder aber ein Gutachten
anzuordnen.
A.9
Mit Verlaufsbericht vom 8. April 2014 (IV act. 40) bezeichnete Hausarzt C_ den Zustand
der Patientin, die regelmässig durch Kollege D_ behandelt werde, als stationär. Dieser
meinte jedoch am 22. Mai 2014 (IV act. 44), ihm sei nicht bekannt, ob derzeit noch eine
Therapie laufe. In der bisherigen Tätigkeit bestehe bis Ende April 2014 eine 40%ige
Arbeitsfähigkeit, die adaptiert vermutlich noch höher liege. Bereits am 14. April 2014
(IV act. 41, 2/3) hatte der bisherige Arbeitgeber gemeint, nach einem Zusammenbruch am
16. Mai 2012 sei die Versicherte nicht mehr zu 100%, sondern nur noch zu 40% arbeits-
fähig. Davon war auch im Bericht der Berufsberatung über die Frühintervention vom
25. April 2014 (IV act. 42) die Rede, da die Versicherte in der bisherigen Tätigkeit (nur) zu
40% tätig sei, womit sie ihre Ressourcen als ausgeschöpft betrachte. Deshalb werde die
Eingliederung abgeschlossen, was der Versicherten am 26. Mai 2014 mitgeteilt wurde
(IV act. 45).
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A.10
Gemäss Aktennotiz des regionalärztlichen Dienstes vom 20. Juni 2014 (Dr. E_;
IV act. 46) könne die Arbeitsfähigkeit wegen des instabilen Zustandes der Versicherten
nicht abschliessend beurteilt werden, auch nicht durch einen Gutachter. Bei bzw. nach
Ausschöpfung der therapeutischen Massnahmen sei adaptiert (wohl) von einer
80-100%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Bisher fehle es an einer angemessenen psy-
chiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung, die ambulant mit häufigeren Konsultationen
oder teil- bzw. vollstationär erfolgen könnte. Auffallend sei, dass die krankgeschriebene
Versicherte nach Ungarn ausgewandert sei, obwohl Psychiater D_ dies als Belastung
taxiert habe. Bei Wegfall des belastenden Pendelns zwischen den beiden Ländern sei mit
einer Besserung zu rechnen.
B. B.1
Mit Vorbescheid vom 10. Juli 2014 (IV act. 47) lehnte die IV-Stelle das Leistungsgesuch bei
einem Invaliditätsgrad von 17% ab. Dagegen erhob die Versicherte am 7. August 2014
(IV act. 48) zunächst mündlich und danach am 11. August 2014 (IV act. 49) auch noch
schriftlich Einwand.
B.2
Am 22. September 2014 verfügte die IV-Stelle gemäss Vorbescheid (IV act. 50), wobei sie
das Invalideneinkommen wie schon im Vorbescheid bei voller Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten Tätigkeit anhand eines Tabellenlohns mit Fr. 66‘364.-- und das Validenein-
kommen mit Fr. 79‘950.-- bezifferte.
B.3
Dagegen erhob die Versicherte mit Schreiben vom 27. Oktober und vom 11. Novem-
ber 2014 Beschwerde mit den eingangs wiedergegebenen Anträgen. Da die bisherige
Tätigkeit leidensadaptiert sei, sei fraglich, welche andere adaptierte Tätigkeit zu 100%
zumutbar sein sollte.
B.4
Mit Beschwerdeantwort vom 8. Dezember 2014 entgegnete die IV-Stelle, die psychischen
Beschwerden seien wesentlich auf psychosoziale Belastungen zurückzuführen. Ausserdem
habe bisher keine engmaschige Behandlung stattgefunden. Am 5. Januar 2015 replizierte
die Versicherte, der behandelnde Psychotherapeut stufe die Reisen nach Ungarn zu
Unrecht als belastend ein, und zu ihm bestehe kein Vertrauensverhältnis; ausserdem
arbeite sie überwiegend von Ungarn aus, ohne ständiges Pendeln. Mit Duplik vom
20. Januar 2015 blieb auch die IV-Stelle bei ihrer bisherigen Auffassung.
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## Considerations

Erwägungen
1. Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der Prozessvoraussetzungen ergibt, dass
diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der Form- und
Fristerfordernisse erfüllt sind. Auf die Beschwerde ist deshalb einzutreten.
2. Als Invalidität gilt gemäss Art. 4 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) in Verbindung mit Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die durch einen körperlichen oder geistigen
Gesundheitsschaden als Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall verursachte,
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit andauernde Erwerbsunfähigkeit. Gemäss
Art. 28 IVG haben versicherte Personen Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie min-
destens zu siebzig Prozent, auf eine Dreiviertelrente, wenn sie mindestens zu sechzig Pro-
zent, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu fünfzig Prozent und auf eine Viertel-
rente, wenn sie mindestens zu vierzig Prozent invalid sind.
3. 3.1
Bei der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit stützt sich die Verwaltung (und im Beschwerde-
fall das Gericht) auf Unterlagen, welche von ärztlichen und gegebenenfalls auch anderen
Fachleuten zur Verfügung zu stellen sind (Urteile des Bundesgerichts 9C_636/2013 vom
25. Februar 2014 Erw. 4.2.1 und 4.2.2, 9C_922/2013 vom 19. Mai 2014 Erw. 3.2.1). Auf-
gabe des Arztes ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu neh-
men, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person
arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die
Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden kön-
nen (BGE 132 V 93 Erw. 4).
3.2
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streiti-
gen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Be-
schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in
der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE 125 V 351
Erw. 3a, 134 V 231 Erw. 5.1). In Bezug auf Berichte von Hausärzten bzw. behandelnden
Ärzten darf und soll der Richter der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass deren
Angaben mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifels-
fällen eher zugunsten ihrer Patienten ausfallen (BGE 125 V 351 Erw. 3, 135 V 465
Erw. 4.5; Urteile des Bundesgerichts 8C_641/2013 vom 23. Dezember 2013 Erw. 5.4,
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8C_637/2013 vom 11. März 2014 Erw. 2.2.2), was auch mit der unterschiedlichen Natur
von Behandlungs- und Begutachtungsauftrag zusammenhängen mag (Urteile des Bundes-
gerichts 8C_768/2012 vom 24. Januar 2013 Erw. 3, 8C_107/2013 vom 23. April 2013
Erw. 3). Gleichwohl hat der Richter zu prüfen, ob eine von einer Partei eingeholte ärztliche
Stellungnahme in rechtserheblichen Fragen die Auffassungen und Schlussfolgerungen des
von der Verwaltung oder vom Gericht bestellten medizinischen Sachverständigen derart zu
erschüttern vermag, dass davon abzuweichen ist.
4. 4.1
Im vorliegenden Fall erfolgte die Anmeldung durch die Versicherte aufgrund eines Burn-
outs. Diese Diagnose (ICD-10 Z73.0) bildet jedoch (noch) kein Indiz für eine rechtlich
erhebliche Gesundheitsbeeinträchtigung, da es sich bei den Z-Kodierungen zwar um Fakto-
ren handelt, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des
Gesundheitswesens führen (können). Die Kategorien Z00-Z999 sind aber für Fälle vorge-
sehen, in denen Sachverhalte als "Diagnosen" oder "Probleme" angegeben sind, die nicht
als Krankheit, Verletzung oder äussere Ursache unter den Kategorien A00-Y89 klassifizier-
bar sind (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 28. Juni 2012 Erw. 3.1; s. auch
Urteil des Bundesgerichts 9C_726/2014 vom 25. Februar 2015 Erw. 3.1.1).
Hingegen spricht der behandelnde Psychiater D_ in seinen Berichten von einer
rezidivierenden depressiven Störung (ICD-10 F 33.1) mit dadurch bedingter wechselnder
Arbeitsunfähigkeit, bei allerdings günstiger Prognose im Falle einer Abnahme der stressen-
den Umstände. Sofern eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt ist, ist
sogleich die Frage zu beantworten, ob und inwiefern - allenfalls bei geeigneter therapeu-
tischer Behandlung - von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig erwartet
werden kann, zu arbeiten (eventuell in einem geschützten Rahmen) und einem Erwerb
nachzugehen (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 28. Juni 2012 Erw. 3.2).
4.2
Die IV-Stelle bezeichnet das Pendeln zwischen Ungarn und der Schweiz als Grund für die
psychischen Beschwerden, während die Versicherte meint, gerade mit Blick auf die grös-
sere Ruhe dorthin ausgewandert zu sein. Aufgrund der Umstände ist allerdings nicht aus-
zuschliessen, dass die Verlegung des Wohnsitzes ins Ausland erfolgte, um dem früheren
Freund und jetzigen Ehemann nachzufolgen und ihm dort im Gästehaus zu helfen, wenn-
gleich die Beschwerdeführerin letzteres mit Hinweis auf eine Hilfskraft bestreitet. In diesem
Zusammenhang ist auch darauf hinzuweisen, dass der bisherige Arbeitgeber gemäss
Aktennotiz der Berufsberatung vom 28. März 2014 kürzlich pensioniert worden sei und
Aufträge nur noch in beschränktem Mass annehme, weshalb er die Stelle der Versicherten
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nicht mehr besetzt, sondern diese Arbeiten an einen Freischaffenden (ohne fixen Lohn)
vergeben habe.
4.3
Letztlich kann die Frage nach dem Grund für die (teilweise) Emigration jedoch ohnehin
offen bleiben, da der RAD mit Aktennotiz vom 20. Juni 2014 bei der Versicherten von
einem instabilen Zustand ausging, weshalb die Arbeitsfähigkeit ärztlich nicht abschliessend
beurteilbar sei, auch nicht durch einen Gutachter. Bisher fehle es an einer angemessenen
psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung, weder ambulant mit höherfrequenten
Konsultationen noch teil- oder vollstationär; allein diese Feststellung weckt Zweifel an der
Intensität bzw. Erheblichkeit der von der Versicherten geklagten gesundheitlichen
Beschwerden. Ferner gehe Hausarzt C_ im Verlaufsbericht vom 8. April 2014 zu Unrecht
von einer regelmässigen Behandlung durch Psychiater D_ aus, und dessen Ver-
laufsbericht vom 22. Mai 2014 sei eher knapp und vage.
Vor diesem Hintergrund erstaunt es, dass der RAD die Aktenlage als ausreichend bezeich-
nete. Vielmehr wäre die von ihm monierte fehlende psychiatrische Behandlung mit Hinweis
auf die der Versicherten obliegende Schadenminderungspflicht einzuleiten, was von der
Berufsberatung mit Aktennotiz vom 28. März 2014 über die Standortbestimmung am bishe-
rigen Arbeitsplatz zu Recht thematisiert wurde, und erst hernach verbindlich zur Arbeits-
fähigkeit Stellung zu nehmen gewesen. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist des-
halb die angefochtene Verfügung vom 22. September 2014 aufzuheben und die Sache zur
ergänzenden Abklärung im erwähnten Sinn und zur Neuentscheidung an die IV-Stelle
zurückzuweisen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_299/2014 vom 30. März 2015
Erw. 5.2). Dieser bleibt es anheimgestellt, ob sie (abschliessend) ein medizinisches Gut-
achten einholt oder nicht (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_606/2012 vom
14. Januar 2013 und 8C_980/2012 vom 18. April 2013; s. aber auch Urteile des Bundes-
gerichts 8C_242/2014 vom 27. Mai 2014 sowie 8C_18/2015 vom 30. April 2015).
4.4
Bei diesem Verfahrensausgang sei nur noch am Rande erwähnt, dass sich vorliegend auf-
grund der von den behandelnden Ärzten C_ und D_ attestierten Arbeitsunfähigkeiten
die Frage nach einem Anspruch auf eine befristete Invalidenrente hätte stellen können. In
Anbetracht des Anmeldedatums bei der IV-Stelle vom 20. Mai 2013 hätte mit Blick auf
Art. 29 Abs. 1 IVG, wonach ein allfälliger Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von
sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs entstehen kann, ein sol-
cher frühestens am 1. November 2013 (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_954/2012 vom
10. Mai 2013 Erw. 4.2) entstanden sein können. Doch attestierte Allgemeinpraktiker C_
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der Beschwerdeführerin gemäss Krankenkarte für die Krankentaggeldversicherung eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 16. bis 27. Mai 2012, eine 50%ige vom 28. Mai bis 29. Juli
2012 und eine solche von 40% ab 30. Juli 2012, wohl bis 31. August 2012, sowie mit
Zeugnis vom 10. September 2012 eine 40%ige Arbeitsunfähigkeit für den September 2012.
Psychiater D_ seinerseits bescheinigte der Beschwerdeführerin ab Anfang Oktober 2012
bis Ende April 2014 praktisch durchgehend - mit Ausnahme der Zeit vom 16. bis 30. April
2013 - eine zwischen 50% und 75% liegende Arbeitsunfähigkeit. Mithin dürfte die
Voraussetzung von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG - durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit von min-
destens 40% während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch, der nur in einer Perio-
de von mindestens 30 aufeinanderfolgenden Tagen mit voller Arbeitsfähigkeit zu sehen
wäre (Urteile des Bundesgerichts 9C_7/2008 vom 18. September 2008 Erw. 3 zum bisheri-
gen Art. 29ter der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201] und
8C_448/2010 vom 19. November 2010 Erw. 2.2 zu der lediglich redaktionell und seit
1. Januar 2008 gültigen Fassung dieser Bestimmung) - erfüllt sein. Die weitere Voraus-
setzung von Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG, dass nach Ablauf des Wartejahres eine Invalidität von
mindestens 40% vorliegt, ist von Anfang November 2013 bis Ende April 2014 erfüllt, sodass
für diese Zeitspanne Anspruch auf eine befristete Invalidenrente entstanden wäre, dies
aber nur, falls auf die Angaben der behandelnden Ärzte C_ und D_ abgestellt würde.
5. 5.1
Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung
oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung kostenpflichtig. Die Rückwei-
sung der Sache an die Vorinstanz (mit noch offenem Ausgang) gilt praxisgemäss für die
Frage der Auferlegung der Gerichtskosten wie auch der Parteientschädigung als vollständi-
ges Obsiegen, und dies unabhängig davon, ob sie überhaupt beantragt oder ob das
Begehren im Haupt- oder im Eventualantrag gestellt wurde (BGE 132 V 215 Erw. 6.1; Urteil
des Bundesgerichts 8C_54/2013 vom 8. Mai 2013 Erw. 6). Dementsprechend ist der
Beschwerdeführerin der von ihr einbezahlte Kostenvorschuss von Fr. 800.-- zurückzuer-
statten.
5.2
Nach Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf
Ersatz der Parteikosten. Dem Verfahrensausgang entsprechend ist der Beschwerdeführerin
zulasten der IV-Stelle eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 2'500.-- (inklusiv Baraus-
lagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen.
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