# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 5e773716-ede6-4902-8fb6-7a4a582b103a
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2012
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
Seite 2 — 23
I. Sachverhalt
A.1. A. ist am _ in Z. geboren und dort zusammen mit drei Schwestern und zwei Brüdern bei seinen Eltern aufgewachsen. Er besuchte acht Jahre die Volksschule und anschliessend zwei Jahre die Berufsschule mit Spezialgebiet Automechanik. In der Folge arbeitete er eigenen Aussagen zufolge in Z. als Hirte und Maurer. Aufgrund der Vorakten muss er sich in den Jahren 2003 bis 2007 mindestens vorübergehend in Deutschland und der Schweiz aufgehalten haben. Am 9. Februar 2004 reiste er illegal in die Schweiz ein und ersuchte um Asyl. Zu diesem Zweck hielt er sich anschliessend für rund zweieinhalb Monate im Asylzentrum Y. auf, wo er seit dem 22. April 2004 als vermisst gemeldet wird. Anfangs des Jahres 2010 reiste er eigenen Angaben zufolge nach Frankreich, wo er in X. (in der Nähe von W.) ohne Arbeitsbewilligung als Automechaniker tätig war. Sein monatliches Nettoeinkommen belief sich dabei auf € 350.-- bis € 400.--. A. ist Vater von Zwillingen, welche am 16. Juli 2010 geboren wurden. Die Identität der Mutter der Zwillinge ist nicht bekannt.
2. A. ist in der Schweiz und in Deutschland mit sechs Vorstrafen verzeichnet. Mit Urteilen des Amtsgerichts V. vom 17. Juli 2003 bzw. vom 25. November 2003 wurde er wegen Diebstahls zu Geldstrafen von 40 Tagessätzen zu je € 5.00 bzw. 25 Tagessätzen zu je € 5.00 verurteilt; mit Urteil des Amtsgerichts U. vom 20. August 2003 wurde er – wiederum wegen Diebstahls – zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je € 10.00 verurteilt. Am 11. Juni 2004 verurteilte das Bezirksamt T. A. wegen Diebstahls, Sachbeschädigung, geringfügigen Diebstahls, Widerhandlung gegen Art. 23 Ziff. 1 des BG über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer sowie Widerhandlung gegen Art. 19a BetmG zu 81 Tagen Gefängnis bedingt bei einer Probezeit von zwei Jahren. Das Bezirksgericht S. verurteilte A. mit Urteil vom 15. September 2005 wegen bandenmässigen Diebstahls, mehrfacher Sachbeschädigung und Hehlerei zu 27 Monaten Gefängnis, wobei gleichzeitig die zuvor vom Bezirksamt T. ausgesprochene Probezeit von zwei Jahren widerrufen wurde. Schliesslich wurde A. vom Landgericht R. mit Urteil vom 27. Februar 2007 wegen mehrfachen Diebstahls zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt.
B. Mit Verfügung vom 18. Januar 2010 eröffnete die Staatsanwaltschaft Graubünden eine Strafuntersuchung gegen A. wegen Diebstahls etc. und beauftragte mit der Durchführung der Untersuchung das Untersuchungsrichteramt ZZ.. Am 9. September 2010 wurde Rechtsanwalt lic. iur. Adrian Scarpatetti als amtlicher Verteidiger von A. eingesetzt.
Seite 3 — 23
C. Der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 21. Februar 2011 liegt folgender Sachverhalt zugrunde:
„1. Hauptsachverhalt (Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO)
Gewerbsmässiger Diebstahl gemäss Art. 139 Ziff. 2 StGB, Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 3 StGB sowie mehrfache Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB.
In der Zeit zwischen dem 25. November 2009 und dem 31. Mai 2010 verübte der Beschuldigte an verschiedenen Orten in der Schweiz drei Einbruchdiebstähle in Bijouterien. Der Gesamtdeliktsbetrag beläuft sich auf CHF 270'678.--, der verursachte Sachschaden auf CHF 28'500.--. Der mittel- und arbeitslose Beschuldigte, der sich ausschliesslich zur Begehung von Einbruchdiebstählen in der Schweiz aufhielt, wollte sich mit dem Erlös aus diesen Einbrüchen eine Rückenoperation finanzieren.
Im Einzelnen werden dem Beschuldigten folgende Einbruchdiebstähle zur Last gelegt:
1.1 Im Verlauf des 24. November 2009 gelangte der Beschuldigte angeblich von W. herkommend mit Bus und Zug nach P.. Dort hielt er sich vorerst in einer Bar an der Promenade in der Nähe des Casinos auf, verliess diese aber wieder, ohne etwas konsumiert zu haben. Vor der Bar stellte er fest, dass sich auf der anderen Strassenseite an der O. das Bijouteriegeschäft „B.“ befand. Auf seinem weiteren Weg in Richtung Bahnhof kam er an einer Baustelle vorbei, wo er ca. eine Stunde schlief. Dort fand er anschliessend einen Spalthammer sowie mehrere Kleidungsstücke (unter anderem ein Paar Arbeitshandschuhe) und entschloss sich sogleich, in das Bijouteriegeschäft B. einzubrechen. Zu diesem Zweck nahm er den Spalthammer und die Arbeitshandschuhe und begab sich am frühen Morgen des 25. November 2009, um ca. 02.45 Uhr, mit einem in der Nähe der Baustelle aufgefundenen Fahrrad zum Bijouteriegeschäft B.. Dort schlug er mit dem Spalthammer ein Loch in das Schaufenster und entwendete – durch die beschädigte Scheibe eingreifend – aus der Auslage 25 Uhren im Wert von CHF 183'110.--. Dabei verursachte er einen Sachschaden von ca. CHF 12'000.--.
In der Folge nahmen zwei Gäste der ca. 200 m von der Bijouterie B. gelegenen C., sowie ein Taxifahrer, die den Einbruch beobachtet hatten, die Verfolgung des Beschuldigten auf. Diesem gelang es zwar zu entkommen. Auf seiner Flucht verlor er aber auf der N. in P. das erwähnte Deliktsgut, welches die Kantonspolizei Graubünden unmittelbar danach dem Bijouteriegeschäft B. zurückerstattete.
Akten: act. 5.1, 6.6 f., 6.9, 6.11, 6.13, Dossier 7
1.2 Am 30. Mai 2010, kurz vor 04.00 Uhr, demontierte der Beschuldigte die Lamellenstore vor der Schaufensterscheibe der Firma E. am M. in T., schlug mit einem unbekannten Gegenstand die Panzeralarmglasscheibe ein und entwendete – durch die beschädigte Scheibe eingreifend – 11 Uhren im Wert von CHF 25‘700.--. Dabei verursachte er einen Sachschaden von ca. CHF 6‘500.--.
Bei seiner Anhaltung durch die französischen Zollbehörden am Abend des 1. Juni 2010, um 21.45 Uhr, im TGV (Nr._, Wagen Nr._) kurz vor
Seite 4 — 23
dessen Ankunft in L. führte der Beschuldigte die am 30. Mai 2010 in T. entwendeten 11 Uhren in einer Tasche mit sich. Sie wurden am 7. September 2010 durch die Kantonspolizei Aargau der Versicherung des Geschädigten („F.“) übergeben.
Akten: act. 6.6, 6.10 f., 6.13, Dossier 8
1.3 Am 31. Mai 2010, zwischen 03.05 Uhr und 03.13 Uhr, schlug der Beschuldigte mit einem unbekannten Gegenstand ein Loch in das Sicherheitsglasfenster der Bijouterie G. am K. in J. und entwendete – mit einem Hilfsmittel durch die beschädigte Scheibe eingreifend – 14 Uhren im Wert von CHF 61‘868.--. Dabei verursachte er einen Sachschaden von ca. CHF 10‘000.--.
Bei seiner Anhaltung durch die französischen Zollbehörden am Abend des 1. Juni 2010, um 21.45 Uhr, im TGV (Nr._, Wagen Nr._) kurz vor dessen Ankunft in L. führte der Beschuldigte auch die am 31. Mai 2010 in J. entwendeten 14 Uhren in einer Tasche mit sich. Sie wurden am 13. August 2010 durch die Kantonspolizei Bern dem Vertreter der Inhaberin der Bijouterie G. (G.), H., übergeben.
Akten: act. 6.6, 6.11, 6.13, Dossier 9
2. Alternativsachverhalt (Art. 325 Abs. 2 StPO)
2.1 Diebstahl gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB sowie Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 3 StGB
Im Verlauf des 24. November 2009 gelangte der Beschuldigte angeblich von W. herkommend mit Bus und Zug nach P.. Dort hielt er sich vorerst in einer Bar an der Promenade in der Nähe des Casinos auf, verliess diese aber wieder, ohne etwas konsumiert zu haben. Vor der Bar stellte er fest, dass sich auf der anderen Strassenseite an der O. das Bijouteriegeschäft „B.“ befand. Auf seinem weiteren Weg in Richtung Bahnhof kam er an einer Baustelle vorbei, wo er ca. eine Stunde schlief. Dort fand er anschliessend einen Spalthammer sowie mehrere Kleidungsstücke (unter anderem ein Paar Arbeitshandschuhe) und entschloss sich sogleich, in das Bijouteriegeschäft B. einzubrechen. Zu diesem Zweck nahm er den Spalthammer und die Arbeitshandschuhe und begab sich am frühen Morgen des 25. November 2009, um ca. 02.45 Uhr, mit einem in der Nähe der Baustelle aufgefundenen Fahrrad zum Bijouteriegeschäft B.. Dort schlug er mit dem Spalthammer ein Loch in das Schaufenster und entwendete – durch die beschädigte Scheibe eingreifend – aus der Auslage 25 Uhren im Wert von CHF 183‘110.--. Dabei verursachte er einen Sachschaden von ca. CHF 12‘000.--.
In der Folge nahmen zwei Gäste der ca. 200 m von der Bijouterie B. gelegenen C., sowie ein Taxifahrer, die den Einbruch beobachtet hatten, die Verfolgung des Beschuldigten auf. Diesem gelang es zwar zu entkommen. Auf seiner Flucht verlor er aber auf der N. in P. das erwähnte Deliktsgut, welches die Kantonspolizei Graubünden unmittelbar danach dem Bijouteriegeschäft B. zurückerstattete.
Akten: act. 5.1, 6.6 f., 6.9, 6.11, 6.13, Dossier 7
2.2 Mehrfache Hehlerei gemäss Art. 160 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
Seite 5 — 23
Am Vormittag des 1. Juni 2010 hielt sich der Beschuldigte in einem Restaurant am Bahnhof von X. auf. Während er dort einen Kaffee trank, konnte er durch das Fenster des Restaurants beobachten, wie in einer Entfernung von ca. 15 bis 20 m eine ihm unbekannte männliche Person sich auffällig verhielt und in einem Gebüsch etwas versteckte. Nachdem diese unbekannte Person den Bereich des Gebüschs verlassen hatte und in der Annahme, diese Person hätte dort Drogen versteckt, begab sich der Beschuldigte dorthin und fand eine schwarze Plastiktasche. Darin befanden sich mehrere Armbanduhren. Aufgrund der Fundsituation und der an den Uhren angebrachten Preisschildern musste dem Beschuldigten klar gewesen sein, dass diese durch ein Vermögensdelikt erlangt worden waren. Trotzdem nahm er in der Folge die Tasche mit den Uhren mit sich und fuhr mit dem TGV in Richtung I., um die Uhren dort einer Bekannten zu zeigen und sie später zu verkaufen oder einem Arzt als Entgelt für eine durchzuführende Rückenoperation zu übergeben. Vor der Ankunft des TGV in L. wurde der Beschuldigte von den französischen Zollbehörden angehalten und kontrolliert. Dabei stellte sich heraus, dass die erwähnte Plastiktasche exakt das Deliktsgut aus den vorne unter Ziff. 1.1.2 und Ziff. 1.1.3 dargestellten Einbruchdiebstählen zum Nachteil der Bijouterie E. in T. vom 30. Mai 2010 bzw. zum Nachteil der Bijouterie G. in J. vom 31. Mai 2010 enthielt.
Akten: act. 6.6, 6.10 f., 6.13, Dossiers 8 f.“
D. Am 5. Januar 2011 reichte die G. gegen A. eine als „Klage“ bezeichnete Schadenersatzforderung in Höhe von Fr. 1‘000.-- ein, welche sie alsdann mit Schreiben vom 18. April 2011 vorbehaltlos zurückzog.
E. Anlässlich der Hauptverhandlung vor dem Bezirksgericht Prättigau/Davos vom 23. Juni 2011 stellte die Staatsanwaltschaft Graubünden folgende Schlussanträge:
„1. A. sei des gewerbsmässigen Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 2 StGB sowie der mehrfachen Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
2. Dafür sei er mit 42 Monaten Freiheitsstrafe zu bestrafen.
3. Die erstandene Untersuchungshaft sei dem Angeklagten im Vollzugsfall anzurechnen.
4. Kostenfolge sei die gesetzliche.“
A., vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Adrian Scarpatetti, seinerseits stellte folgende Anträge:
„1. A. sei wegen Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB sowie wegen Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
2. A. sei hierfür zu einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten zu verurteilen.
Seite 6 — 23
3. Die Untersuchungs- sowie Sicherheitshaft sei ab dem 1. Juni 2010 anzurechnen.
4. Alles unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge (zzgl. 8% MwSt).“
F. Mit Urteil vom 23. Juni 2011, im Dispositiv mitgeteilt am 27. Juni 2011, erkannte das Bezirksgericht Prättigau/Davos wie folgt:
„1. A. ist schuldig des gewerbsmässigen Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 2 StGB sowie der mehrfachen Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB.
2. Dafür wird A. mit einer Freiheitsstrafe von 42 Monaten bestraft. Daran ist die erstandene Untersuchungshaft von 182 Tagen anzurechnen.
3. (Kosten).

## Considerations