# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 7e07f085-62ed-43d6-a30e-f46e61125f62
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1963,
war seit Ju
n
i 1999
als
Wagenführer
bei d
er
Y._
angestellt (
Urk.
7/12/67
Ziff.
3,
Urk.
7/16) und über diese bei der Suva gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert.
A
m 2
8.
Januar 2004
erlitt er
einen Unfall
, als er auf dem vereisten Boden ausrutschte
(
Urk.
7/12/67
Ziff.
2 und 4-6).
Mit Verfügung vom 2
6.
November 2004 (
Urk.
7/12/44-45) lehnte die Suva eine Leistungspflicht für die Folgen des Ereignisses vom 2
8.
Januar 2004 ab. Eine dagegen erhobene Einsprache wies die Suva mit
Einspracheentscheid
vom
9.
März 2005 ab (
Urk.
7/12/13-21).
Der Versicherte meldete sich am
1
5.
Dezember 2004 bei der Invalidenversiche
rung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/3).
Am 1
6.
Juli 2005 erlitt der Versicherte im Ausland einen weiteren Unfall
, als er auf der Autobahn fuhr und von hinten von einem anderen Auto gerammt wurde
(
Urk.
7/35/41
Ziff.
2 und 4-6).
Mit Verfügung vom 2
4.
Oktober 2006 (
Urk.
7/44/4-5) verneinte die Suva eine Leistungspflicht für einen im Zusammen
hang mit dem Unfall geltend gemachten Zahnschaden. Mit Verfügung
vom 2
5.
Oktober 2006
(
Urk.
7/44/2-3 =
Urk.
7/43)
stellte die Suva die für die
übrigen
Folgen des Unfalles vom 1
6.
Juli 2005 erbrachten Versicherungsleistungen per 3
0.
N
ovember 2006 ein
(
beide Verfügungen
bestätigt mit
Einspracheentscheid
der Suva vom 2
9.
März 2007,
Urk.
7/45).
1.2
Mit Ver
fügungen vom 2
2.
September und
2
1.
Oktober 2008 (
Urk.
7/75-76,
Urk.
7/74) sprach die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, dem Versicherten rückwirkend ab dem
1.
Januar 2005 eine
Viertelsrente
mit
entsprechende
n
Kinderrenten zu
, welche sie mit
Verfügung vom
1.
Dezember 2008 (
Urk.
7/78)
wiedererwägungsweise aufhob
.
Der Versicherte
gab
in der Folge ein psychiatrisches Gutachten (
Urk.
7/85)
in Auftrag
. Die IV-Stelle holte ein polydisziplinäres Gutachten (
Urk.
7/99) ein. Mit Verfügung
en
vom 1
0.
M
ai und 2
0.
Juli 2011
(
Urk.
7/11
7
-120
) sprach die IV-Stelle dem Versicherten ab dem
1.
Januar 2005 eine
Viertelsrente
und ab dem
1.
März 2009 aufgrund einer Verschlechterung
des Gesundheitszustandes
eine ganze Rente mit entsprechenden Kinderrenten zu.
1.3
Im
September 2012
wurde eine
Rentenrevision ein
geleitet
(vgl.
Urk.
7/12
3
). Am 1
7.
Februar 2014 teilte
die IV-Stelle dem
Versich
erten mit
,
dass unverändert Anspruch auf d
ie bisherige ganze Rente besteht
(
Urk.
7/142).
Die am 1
3.
Februar 2014 im Sinne einer Schadenminderungspflicht auferlegte Intensivierung der psychiatrischen Behandlung und Aufnahme einer tagesklinische
n
Behandlung (
Urk.
7/141) ersetzte sie nach dagegen erhobener Einsprache a
m
1.
September 2014
mit der
Durchführung
einer Ressourcen
aktivierenden Behandlung zur Verbesserung des Gesundheitszustandes (
Urk.
7/148).
Nach Prüfung einer Unter
stützung zum beruflichen Wiedereinstieg hielt die IV-Stelle am 2
7.
April 2015 fest, dass aus Sicht des Versicherten eine Beratung und Begleitung aktuell nicht angezeigt sei (
Urk.
7/160).
1.4
Im September 2015 wurde
erneut eine Revision
eingeleitet (vgl.
Urk.
7/166).
Die IV-Stelle gab
am 2
7.
Mai 2016 eine Observation des Versicherten
in Auftrag
(
Urk.
7/184
-185
, vgl. auch den Abklärungsbericht vom
8.
November 2016,
Urk.
7/183/2-23
).
Mit Verfügung vom 2
7.
September 2018 (
Urk.
7/191) sistierte
sie die
laufende Rente per Ende September 201
8.
Die IV-Stelle holte in der Folge ein
polydisziplinäres Gutachten (Psychiatrie einschliesslich Neuropsychologie und Rheumatologie,
Urk.
7/214/42-55; Teilgutachten vgl.
Urk.
7/211
,
Urk.
7/212
und
Urk.
7/214
/1-41
) ein.
Am 1
5.
Oktober 2020 (
Urk.
7/219) erliess
sie
den Vorbescheid betreffend Rentenanspruch
, mit welchem sie die rückwirkende Aufhebung der Rente per 3
1.
Mai 2016 in Aussicht stellte
. Der Versicherte brachte dagegen Einwände (
Urk.
7/225) vor. Mit Verfügung vom 2
5.
März 2021 (
Urk.
7/228 =
Urk.
2) hob die IV-Stelle die Rente rückwirkend per 3
1.
Mai
2016 auf.
2.
2.1
Der Versicherte erhob am
4.
Mai 2021 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2
5.
März 2021 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei die IV-Stelle zu verpflichten, die gesetzlich geschuldeten Leistungen zu gewähren. Insbesondere sei ihm auch nach Mai 2016 eine Rente auszurichten. Eventuell seien Eingliederungsmassnahmen vorzunehmen. Des Weiteren sei festzustellen, dass kein Anspruch auf die angekündigte Rückforderung bestehe (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1-3).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
2.
Juli 2021 (
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am 1
9.
Ju
li 2021 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
9).
Am
1
9.
Januar 2022 (
Urk.
13)
reichte
d
er
Beschwerdeführer
einen neuen
Arztbericht (
Urk.
14/2) ein.
2.2
Mit Verfügung vom 1
0.
Juni 2021 forderte die Beschwerdegegnerin vom Beschwerdeführer für die vom
1.
Juni bis 3
1.
Oktober 2016 ausgerichtete Kinder
rente und die
dem Beschwerdeführer
vom
1.
Juni 2016 bis 3
0.
September 2018
a
usgerichtete Rente insgesamt
Fr.
44'878 zurück. Der Beschwerdeführer erhob
gegen die Rückforderung
am 1
3.
Juli 2021 ebenfalls Beschwerde
.
Das Verfahren ist unter V
erfahren-
Nr. IV.2021.00451 beim hiesigen Gericht hängig.
Mit Gerichtsverfügung vom 2
2.
Dezember 2021 wurde das V
erfahren
Nr. IV.2021.00451 bis zum rechtskräftigen Abschluss des
vorliegenden
V
erfahrens
(
Nr. IV.2021.00292
)
in Sachen der Parteien sistiert.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (Art.
17 Abs
.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesent
lichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabe
nbereich von Bedeutung (BGE 141
V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetisc
hen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I
28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisions
rechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Weder eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens genügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesundheitszustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang vielmehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E. 2.3, je mit Hinweisen).
1.
4
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
Dabei braucht es sich nicht u
m eine formelle Verfügung (Art.
49 ATSG) zu handeln. Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle deswegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit
. f IVV auf dem W
eg der blossen Mitteilung (Art. 51 ATSG), ist im darauf
folgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangssachverhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bun
desgerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E.
3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 201
3 E.
3.1.2).
1.5
Die Herab
setzung oder Aufhebung der Renten, der
Hilflosenentschädigungen
und der Assistenzbeiträge erfolgt gemäss
Art.
88
bis
Abs. 2 IVV:
a.
frühestens vom ersten Tag des zweiten der Zustellung der Verfügung folgen
den Monats an;
b.
rückwirkend ab Eintritt der für
den Anspruch erheblichen Änderung, wenn die beziehende Person die Leistung zu Unrecht erwirkt hat oder der ihr nach Art. 77 IVV zumutbaren Meldepflicht nicht nachgekommen ist, unabhängig davon, ob die Verletzung der Meldepflicht oder die unrechtmässige Erwirkung ein Grund für die Weiterausrichtung der Leistung war (seit dem 1. Januar 2015 geltende Fassung.
Eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit ist auch im Anwendungsbereich von Art. 88
bis
Abs. 2
lit
. b IVV erst erheblich, wenn sie gemäss Art. 88a Abs. 1 IVV berücksichtigt werden darf, das heisst, wenn sie aller Wahrscheinlichkeit nach längere Zeit andauern wird oder ohne wesentliche Unterbrechung bereits drei Monate angedauert hat (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_232/2016 vom 30. September 2016 E. 4 und 9C_1022/2012 vom 16. Mai 2013 E. 3.3.1)
.
1.6
Nach
Art.
31
Abs.
1 ATSG ist jede wesentliche Änderung in den für eine Leistung massgebenden Verhältnissen von den Bezügerinnen und Bezügern, ihren Ange
hörigen oder Dritten, denen die Leistung zukommt, dem Versicherungsträger oder dem jeweils zuständigen Durchführungsorgan zu melden (vgl. auch
Art.
77 IVV).
Ob eine Meldepflicht besteht, beurteilt sich nach den konkreten Umständen des Einzelfalls. Massgebend ist die Umschreibung der Aufmerksamkeit, welche der als meldepflichtig betrachteten Person oder Stelle zumutbar ist. Dabei ist etwa auf die Fähigkeiten und den Bildungsstand der betreffenden Person abzustellen. Von Bedeutung ist insoweit, dass die betreffende Person in unzweideutiger Form auf konkrete Meldepflichten hingewiesen wird. Sodann kann sich die Melde
pflicht nur auf Sachverhaltsänderungen beziehen, um welche die betreffende Person sowohl bezüglich ihres Vorliegens als auch hinsichtlich der Auswirkungen auf den Leistungsanspruch weiss beziehungsweise wissen müsste. Insoweit ist ein schuldhaftes Fehlverhalten erforderlich, wobei nach der Rechtsprechung bereits eine leichte Fahrlässigkeit ausreicht (
Kieser
ATSG-Kommentar,
4.
Aufl., 2020
N 14 ff. zu
Art.
31 ATSG).
Die Verletzung der Meldepflicht wurde unter anderem in Fällen bejaht
, als ein Strafvollzug, die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit oder der Aufenthalt im Ausland nicht gemeldet wurde oder die versicherte Person Alltags
aktivitäten zeigte, die auf eine erhebliche Gesundheitsverbesserung hinwiesen (
Kieser
, a.a.O., N 20 zu
Art.
31
m.w.H
.).
Soweit bei einer korrekten Meldung eine Leistungsanpassung erfolgt wäre, wird die weiterhin ausgerichtete Leistung zu einer unrechtmässig bezogenen Leistung, welche der Rückerstattung an den Versicherungsträger unterliegt (
Art.
25
Abs.
1 ATSG,
Kieser
, a.a.O. N 26 zur
Art.
31 ATSG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
warf dem Beschwerdeführer in der angefochtenen Verfügung vom 2
5.
März 2021 (
Urk.
2) eine Verletzung der Meldepflicht
vor,
da
er mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zumindest
seit
der
Observation im Juni 2016 in einer behinderungsangepass
ten Tätigkeit voll arbeitsfähig
sei
.
Die Verbesserung seines Gesundheitszustandes hätte er der Be
schwerdegegnerin melden müssen
(
S. 13 unten
, S. 15
).
Die Beschwerdegegnerin hielt weiter fest,
n
ach den neu
eingeholten
neuropsychologischen, rheumatologischen und psychiatrischen Teilgutachten
sei der Beschwerdeführer in der bisherigen Tätig
keit als LKW-Chauffeur aus interdisziplinärer Si
cht nicht mehr arbeitsfähig (S. 2 Mitte).
Aus rheumatologischer und psychiatrischer Sicht bestehe in einer optimal angepassten Tätigkeit ei
ne Arbeitsunfähigkeit von 50
%
, die
im Längsverlauf seit zirka Juni 2016
gelte (S. 2 unten)
. Im Rahmen der neu
ropsychologischen Unter
suchung
seien
jedoch
Widersprüche zwischen den kognitiven Testergebnissen und den Aktivitäten des Beschwerdeführers festgestellt worden. Ein Test zur Validierung der geklagten psychischen Symptome und Schmerzen habe ergeben, dass es sich mit einer Wahrscheinlichkeit von 93
%
um eine vorgetäuschte Störung handle
.
E
ine bewusstseinsnahe Aggravation
erscheine
nach der Symptomvalidierung
zumindest als sehr wahrscheinlich
. Die kognitiven Einschränkungen könnten daher als
nicht
authentisch und die Ergebnisse der kognitiven Tests als nicht aussagekräftig
betrachtet
werden (S. 2 f.).
Gemäss dem psychiatrischen Gutachter stünden die beobachteten Aktivitäten
und die in der Untersuchung erkennbaren Leistungsreserven
in einem W
iderspruch zur
völlig dysfunktional-selbstlimitierenden Position des
Beschwerdeführer
s
bezogen auf Arbeitsprozesse
.
Die Erklärung der Inkonsistenz sei gemäss dem psychiatrischen Teilgutachten aber mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit im Rahmen unbewusster Aggravationsprozesse vor dem Hintergrund anhaltender innerpsychischer kultureller Konfliktdynamiken verstehbar (S. 3 oben). Eine bewusste Aggravation oder Simulation könne
gemäss dem Gutachten
nicht sicher abgeleitet werden (S. 3 unten).
Der Beschwerdeführer habe sich bei der
Observation im Jahr 2016 psychisch und physisch unauffällig gezeigt.
So habe er
mehrmals einen Personenwagen gelenkt
und kleinere Einkäufe getätigt
(S. 10 Mitte).
Die Gutachter hätten auf Inkonsis
tenzen hingewiesen
.
Im neuropsychologischen und im psychiatrischen Teilgut
achten sei zudem eine Aggravation festgestellt worden, die der
psychiatrische Gutachter
als unbewusst beziehungsweise als bewusstseinsfern qualifiziert habe (S. 12 oben).
Nach Durchführung des strukturierten Beweisverfahrens erscheine eine schwere
Ausprägung einer Schmerzstörung und/oder einer Depression
indes als nicht
überwiegend wahrscheinlich. Die festgestellten
namhaften
Ressourcen könnten
zudem
für eine angepasste Tätigkeit verwertet werden.
In einer angepassten Tätigkeit liege daher m
it überwiegender Wahrscheinlichkeit keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vor (S. 12 Mitte).
Eine schwere oder mittel
gradige Depression sowie eine Schmerzstörung seien zu verneinen und es liege eine Aggravation vor, womit ein Revisionsgrund vorliege (S. 12 unten).
Im massgebenden Zeitpunkt der Rentenaufhebung per Ende Mai 2016 sei der Beschwerdeführer weder 55 Jahre alt gewesen noch habe er 15 Jahre lang eine Rente bezogen
. Zudem sei eine rückwirkende Renteneinstellung nicht von vorgängigen Eingliederungsmassnahmen abhängig und es fehle auch in subjek
tiver Hinsicht am Eingliederungswillen, weshalb er auf den Weg der Selbstein
gliederung zu verweisen sei (S. 13 f., S. 15).
2.2
Der Beschwerdeführer brachte vor,
nach dem Vorliegen der
von der Beschwerde
gegnerin eingeholten
Teilgutachten
im Mai 2019
seien
bis zum Vorbescheid vom Oktober 2020 zirka 1.5 Jahre verstrichen. Die Verzögerung habe sich nicht aus weiteren medizinischen Abklärungen ergeben. Es liege
ein Verstoss gegen
Art.
4
Abs.
1 der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) und
Art.
29
Abs.
1 der Bundesverfassung (BV) vor (
Urk.
1 S. 4
Ziff.
6).
Bei der Stellungnahme des
Regionalen Ärztlichen Dienstes (
RAD
)
vom 1
1.
Juni 2019 bestünden mehr als nur geringe Zweifel.
Die
RAD-Ärztin habe bei der zentralen Abgrenzungsfrage
zur
Aggravation auf veraltete und überholte Kriterien verwiesen. Sodann hätten weder
der RAD noch die neuropsychologische Gutachterin zur massgebenden wissenschaftlichen Evidenz der Tests, dem Bildungsstand, dem kulturellen Hintergrund, der ethnischen Zugehörigkeit und der Sprachkompetenz
des Beschwerdeführers
Stellung genommen (S. 4
Ziff.
7-8).
Weiter werde
nicht klar, ob und wer bei der Beschwerdegegnerin geprüft habe, ob aus medizinischer und/oder rechtlicher Sicht von einem beweiswertigen Gutachten ausgegangen werden könne
. Aus der angefochtenen Verfügung werde
ebenfalls
nicht deutlich, ob die Beschwerdegegnerin davon ausgehe, dass das Gutachten Beweiswert habe
oder nicht
(S. 6
Ziff.
10 oben).
Bei der Beurteilung von Inkonsistenzen/Aggravation sei eine sorgfältige Prüfung nicht nur auf breiter Beobachtungsbasis, sondern auch in zeitlicher Hinsicht erforderlich (S. 8 unten).
Weiter wäre es
die Aufgabe der RAD-Ärztin gewesen, eine gesundheitliche Verbesserung aus den Befunden des Gutachtens abzuleiten. Dies habe sie nicht
getan
. S
ie habe sich lediglich einseitig dazu geäussert, dass entgeg
en dem psychiatrischen Gutachten von einer bewusstseinsnahen
Aggrava
tion auszugehen sei (S. 10 oben).
Der Gutachter habe des Weiteren nicht
allein soziokulturelle Befunde erhoben. Die erhobenen Befunde seien die Grundlage für die psychiatrischen Diagnosen. Es handle sich um medizinische
und
nicht um soziokulturelle Befunde (
S. 13
Ziff.
14 unten).
Eine Verletzung der Meldepflicht liege nicht vor, da eine unterschiedliche Auffassung über den Gesundheitszustand bestehe und
Dr.
Z._
noch im März 2017 eine volle Arbeitsunfähigkeit bescheinigt habe (S. 15).
Unter Annahme einer sich aus dem Gutachten ergebenden rentenausschliessen
den Verbesserung der Arbeitsfähigkeit wäre dessen Datum massgebend und der Beschwerdeführer alsdann 55 Jahre alt beziehungsweise habe 15 Jahre eine Rente bezogen. Der angebliche fehlende Eingliederungswille sei sodann nicht mit der subjektiven Krankheitsüberzeugung gleichzusetzen, welcher seitens Beschwerde
gegnerin mit einem – indessen nie durchgeführten – Mahn- und
Bedenkzeitver
fahren
zu begegnen wäre (S. 16
Ziff.
16).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob
gestützt auf die
medizinische Aktenlage
von einer massgeblichen gesundheitlichen Verbesserung
und damit einem Revisionsgrund
auszugehen
ist
. Der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers ist dabei mit den Verhältnissen zum Zeitpunkt der
Rentenzusprache
vom 1
0.
Mai und 2
0.
Juli 2011 zu vergleichen.
Des Weiteren ist zu prüfen, ob dem Beschwerdeführer
im Zusammenhang mit
der von der Beschwerdegegnerin angenommenen
Verbesse
rung
seines Gesundheitszustandes
eine Verletzung der Meldepflicht vorzuwerfen ist und ob die Beschwerdegegnerin die
Rente
daher
zu Recht
rückwirkend
per 3
1.
Mai 2016 aufgehoben hat.
Ferner ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf
Eingliederungsmassnahmen
hat.
Im vorliegenden Verfahren nicht zu prüfen ist
hingegen
, wie es sich mit der vom Beschwerdeführer gerügten zeitlichen Verzögerung durch die Beschwerdegegnerin (
Urk.
1 S. 4
Ziff.
6) verhält, zumal eine solche mittels Rechtsverweigerungs- oder Rechtsverzögerungs
beschwerde geltend zu machen gewesen wäre und die Beschwerdegegnerin zwischenzeitlich eine anfechtbare Verfügung erlassen hat.
3.
3.1
Der Beschwerdeführer verletzte sich beim Unfall vom 2
8.
Januar 2004 am rechten Handgelenk (
Urk.
7/12/67
Ziff.
2, 4-6 und 9).
Am 1
6.
Juli 2005 erlitt er im Ausland einen Auffahrunfall (
Urk.
7/35/41
Ziff.
4-6 und 9).
3.2
Die
Ärzte des Universitätsspitals A._
, Rheumaklinik und Institut für Physikalische Medizin, nannten im Bericht vom 1
6.
August 2005 (
Urk.
7/18) als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches
lu
mbospon
dylogenes
Schmerzsyndrom rechts
und einen Verdacht auf eine
Periarthropathia
humeroscapularis
rechts. Die Diagnosen bestünden seit Januar 2004 (
lit
. A). Die Ärzte
des Universitätsspitals A._
attestierten für eine leichte bis mittelschwere Arbeit unter Wechselbelastung eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
(S. 3
Ziff.
7).
3.3
Die Ärzte des Psychiatriezentrums
B._
stellte im Bericht vom
7.
Juni 2006 (
Urk.
7/37) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
lit
. A):
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
-
Differentialdiagnose: mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11)
-
somatisch: Status nach Distorsionstrauma der Halswirbelsäule (HWS) vom 1
6.
Juli 2005 mit chronischem
zervikovertebralem
und -
zephalem
Syndrom
-
chronisches
lumbospondylogenes
Syndrom beidseits, rechtsbetont
Die Ärzte des Psychiatriezentrums
B._
gaben zur Arbeitsfähigkeit an,
dass seit
Mitte August 2004 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bestehe
(
lit
. B).
3.4
Die Gutachter des Begutachtungsinstituts
C._
erstatteten am
5.
Dezember 2007 (
Urk.
7/56
/2-21
) ein polydisziplinäres Gutachten
der Fachrich
tungen Innere Medizin, Neurologie und Psychiatrie
.
Die Gutachter stellte folgende Diagnosen mit Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit
(S. 16 f.
Ziff.
5.1):
-
leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0)
-
chronisches
cervicocephales
und
cervicovertebrales
Schmerzsyndrom
-
Status nach HWS-Distorsionstrauma nach Auffahrunfall am 1
6.
Juli 2005
-
chronisches
lumbospondylogenes
Syndrom, beidseits
-
Wirbelsäulenfehlhaltung,
Fehlform
, muskuläre
Dysbalance
-
Status nach Sturzereignis auf den Rücken im Januar 2004
Die Gutachter nannten zudem als
Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähig
keit
(S. 17
Ziff.
5.2):
-
Schmerzverarbeitungsstörung (ICD-10 F54)
-
anamnestisch
Periarthropathia
humeroscapularis
rechts, Erstdiagnose Juni 2005
-
metabolisches Syndrom
-
Medikamenten-
Malcompliance
Die Gutachter führten zur Arbeitsfähigkeit aus
, der Explorand sei gelernter Primarlehrer. In der Schweiz habe er zunächst während fünf Jahren
als Industriearbeiter
in der Textilindustrie
gearbeitet
. Von Juni 1999 bis Juni 2005 habe er
als Chauffeur
bei der
Y._
gearbeitet (S. 17
Ziff.
6.2). Aufgrund der erhobenen Befunde
sei aus psychiatrischer Sicht eine leichte depressive
Episode
zu diagnostizieren. Daraus
resultiere eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20
%
. Aus neurologischer Sicht könnten dem Exploranden aufgrund des chronischen
cervicocephalen
und
cervico
-vertebralen Schmerzsyndrom
s
sowie des chronischen
lumbospondylogene
n
S
yndroms beidseits körperlich schwere Tätigkeiten bleibend nicht mehr zugemutet werden. Aus internistischer Sicht bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (S. 17 f.
Ziff.
6.2). Körperlich leichte bis intermitt
ierend mittelschwere körperlich
belastende Tätigkeiten
seien
bei einer Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 80
%
zumutbar. Diese könne vollschichtig umgesetzt werden (S. 18
Ziff.
6.2). Die
se
Einschränkung der Arbeits
fähigkeit bestehe aus medizinisch-theoretischer Sicht seit März 200
6.
Nach
dem er
sten Unfallereignis vom 2
8.
Januar 2004
bis März 2006
habe
über die Zeit gemittelt eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für körperlich leichte bis intermittierend mittelschwere Tätigkeiten von 50
%
bestanden (S. 18
Ziff.
6.3).
Die Prognose bezüglich einer Reintegration in den Arbeitsprozess sei aufgrund der ausgeprägten subjektiven Krankheitsüberzeugung als sehr ungünstig zu bezeichnen.
3.5
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychothe
rapie, erstattete am 2
8.
Januar 2009 (
Urk.
7/85)
ein vom Beschwerdeführer in Auftrag gegebenes Gutachten.
Die Gutachterin
führte
aus, d
er Explorand befinde sich seit März 2006 in einer ambulanten psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung. Die Sitzungen fänden alle zwei Wochen statt (S. 22
Ziff.
3.4).
Aktuell ergebe sich die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung mit einer gegenwärtig schweren depressiven Episode ohne psychotische Symptome. Als Hauptsymptome seien die depressive Stimmung, eine
Anhedonie
und eine erhöhte Ermüdbarkeit zu nennen.
Ausserdem leide der Explorand unter Konzent
rationsstörungen, einem verminderten Selbstwertgefühl, Gefühlen der Schuld und von Wertlosigkeit, negativen Zukunftsperspektiven, Angstgefühlen, Schlaf
störungen und einer Minderung des Appetits. Zusätzlich fänden sich als Symptome ein Interesseverlust, die Unfähigkeit auf günstige Ereignisse emotional zu reagieren, ein frühmorgendliches Erwachen, ein Morgentief mit einer deut
lichen Verschlechterung der Grundsti
mmung,
eine
Zunahme der Kopfschmerzen
im Laufe des Nachmittags, eine psychomotorische
Hemmung und der Verlust von Appetit und Libido (S. 23 oben).
Die aktuelle gutachterliche Beurteilung weiche deutlich von jener durch
den
psychiatrischen
Gutachter
des
Zentrums C._
ab. Dieser
habe im Gutachten vom
5.
Dezember 2007 die Diagnose einer leichten depressiven Episode gestellt. Es falle auf, dass in sämtlichen ärztlichen Berichten, die vor und nach der Begutachtung durch
Dr.
N._
erstellt worden
seien
, eine mindestens mittelgradig ausgeprägte Depression
beschrieben worden
sei (S. 23 Mitte).
Dr.
D._
nannte als psychiatrische Diagnosen eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2)
,
und eine Schmerzverarbeitungsstörung (ICD-10 F54, S. 24
Ziff.
3.5 unten). Aufgrund der rezidivierende depressiven Störung mit einer gegenwärtig schweren depressiven Episode bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
. In Anbetracht des seit 2005 bestehenden Krankheitsverlaufes ohne Remissionsphasen
, der
begl
eitenden chronischen Schmerzen,
eines sozialen Rückzugs und der bisher unbefriedigenden Behandlungsergebnisse
sei die depressive Erkrankung als
chronifiziert
zu betrachten
. Die Wiedererlangung einer vollen Arbeitsfähigkeit sei derzeit nicht zu erwarten
(S. 24
Ziff.
3.6). Das seit dem zweiten Unfall vom Juli 2005 bestehende chronische Schmerzsyndrom mit anhaltenden Kopf- und Nackenschmerzen zeige im Verlauf eine zusätzliche psychische Überlagerung mit einer Ausweitung der Schmerzen in den
Thorax
bereich
, Krankheitsängsten sowie einer verstärkten Selbstbeobachtung der Schmerzzustände im eigenen Körper. Die verstärkte
Somatisierungsneigung
sei im Rahmen der schweren depressiven Erkrankung durchaus erklärbar (S. 28
Ziff.
3 unten).
E
s sei davon auszugehen
, dass die Arbeitsunfähigkeit aus
psychi
atrischer
Sicht se
it Mai 2006
zwischen 50 und 100
% betragen habe (S. 29
Ziff.
4 Mitte).
3.6
3.6.1
Die Gutachter der
E._
erstatteten am 1
9.
Oktober 2009 (
Urk.
7/99
/1-33
) im Auftrag der Beschwerdegegnerin ein poly
disziplinäres Gutachten.
Es
beruht auf den fachärztlichen
Untersuchungen
durch
Dr.
med.
F._
,
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
Dr.
med.
G._
, Fachärztin für Rheumatologie und für Physikalische Medizin und Rehabilitation,
Dr.
med.
H._
, Facharzt für
Oto
-
Rhino
-Laryngologie und für Psychiatrie und Psychotherapie, und Prof.
Dr.
med.
I._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom
4.
und
5.
August 2009, der Konsensbesprechung der Gutachter und den ihnen zur Verfügung gestellten Akten (S. 2 unten).
Die Gutachter
innen und Gutachter
führten
zur Anamnese aus, seit dem Unfall von 2005 persistierten Nacken- und Kopfschmerzen. Im Falle der Zunahme der Kopfschme
rzen nach dem Mittag komme eine
Übelkeit
hinzu. Die Kopfschmerzen würden vom Nacken aufsteigen
wie ein Band über die Kopfmitte bis frontal. Es bestünden einerseits Nacken-/Kopfschmerzen, anderseits lumbale Schmerzen mit Schmerzen im rechten Gesäss
und auf der Innenseite des Oberschenkels, der Wade und teilweise im rechten Fuss
(S. 21
Ziff.
4.1 Mitte).
Der Beschwerdeführer
kaufe ein und fahre
kürzere
Strecken mit dem Auto (S. 21
Ziff.
4.1 unten).
3.6.2
Zur rheumatologischen Untersuchung wurde ausgeführt, während der klinischen Untersuchung habe sich eine unbehinderte Mobilität gezeigt. Das Gangbild sei flüssig und
hinkfrei
. Die Wirbelsäule sei lotrecht mit abgeflachter Lendenlordose und
Kopfprotraktion
. Eine Bewegungseinschränkung der Halswirbelsäule bestehe nicht. Im Bereich der zervikalen
Paravertebralmuskulatur
würden bereits bei feiner Palpation Schmerzen angegeben.
Bei einem nur leicht erhöhten Tonus
liege
eine diffuse
Druckdolenz
der Nacken-/Schultergürtelmuskulatur rechts
vor
. Die Brustwirbelsäule sei frei beweglich. Weiter bestehe eine leichte Bewegungs
einschränkung der Lendenwirbelsäule mit
einem allseitigen
Endphasenschmerz.
In den aktuellen Röntgenaufnahmen der HWS
würden
weder relevante degenerative noch posttraumatische Veränderungen
dargestellt
.
An der unteren Lendenwirbelsäule (LWS) zeigten sich leichte bis mässige Degenerationen, betont
lumbosacral
.
Insgesamt bestehe aus
muskuloskelettaler
Sicht eine Diskrepanz zwischen dem Ausm
ass der subjektiven Beschwerden und
der geltend gemachten Leistungsunfähigkeit
und
der Eindrücklichkeit der klinischen und radiomorpho
logischen Befunde. Für die Diskrepanz dürften vor allem psychologische Faktoren verantwortlich sein. Der Unfall von 2005 habe zu einer HWS-Distorsion mit einem entsprechenden
nuchalen
Beschwerdebild geführt. Klinisch oder radiomor
phologisch seien keine strukturellen traumatischen Läsionen nachgewiesen worden (S. 24 unten). Aus
rein
rheumatologischer Sicht sei eine körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit, wenn möglich wechselbelastend, zu 100
%
zumutbar (S. 25 oben).
3.6.3
Zur psychiatrischen Untersuchung wurde ausgeführt, im Vordergrund seien
eine
schwere psychomotorische Verlangsamung
des Beschwerdeführers
,
eine
leise Sprechstimme, das verlangsamte Sprechtempo und eine deutliche Antwortlatenz gestanden.
Bei guter Kooperation des Exploranden seien
Konzentration
s- und Merkfähigkeitsstörungen,
eine niedergeschlagene Stimmung und ein verminder
ter Antrieb beobachtet worden
. Die psychometrischen Testverfahren hätten kongruent das Bild einer mittelgradigen bis schweren depressiven Episode ergeben
. Der Rey-Test habe eindeutig für eine gute Kooperation und gegen eine Simulation oder Aggravation gesprochen
(S. 26 Mitte). Das beschriebene Symptombild lasse sich durch eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome abbilden
. Der Serumspiegel für Citalopram
liege im
unteren Wirkbe
reich, was für die Einnahme des Medikaments spreche
(S. 26 unten).
Aus psychiatrischer Sicht betrage d
ie Arbeitsfähigkeit
0
%
. Hierfür seien
die
psycho
motorische Verlang
samung, Konzentrationsstörungen, eine eingeschränkte Umstellungsfähigkeit und eine erniedrigte Stresstoleranz im Rahmen der depres
siven Episode verantwortlich (S. 27 oben).
Im
C._
-Gutachten sei aufgrund einer leichten depressiven Episode eine psychiatrische Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20
%
festgestellt worden. Offenbar habe sich der Zustand des Exploranden seitdem gravierend verschlech
tert
, obwohl die damals berichtete und beschriebene Psychopathologie bereits damals für einen höheren Schweregrad der Depression gesprochen habe
. Die Gutachter stimmten mit der Einschätzung durch
Dr.
D._
überein
(S. 27 unten).
3.6.4
Die Gutachter
innen und Gutachter
stellten gesamthaft folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 28
Ziff.
6.1).
-
schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2)
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
chronisches
zervikozephales
Schmerzsyndrom
-
Status nach HWS-Distorsion infolge Heckauffahrkollision
am 1
6.
Juli 2005
-
chronische
occipitale
Kopfschmerzen
-
Schmerzchronifizierung
-
chronisches
Lumbovertebralsyndrom
-
pseudoradikuläre
Ausstrahlung in die rechte untere Extremität
-
leichte bis mässige degenerativ
e Veränderungen der unteren LWS,
b
etont
lumbosacral
Die Gutachter nannten zudem als
Diagnose einen Verdacht auf eine Hyperthy
reose (ohne Ein
fluss auf die Arbeitsfähigkeit,
S. 28
Ziff.
6.2).
Aus somatischer Sicht bestünden erhebliche Diskrepanzen zwischen den subjektiv angegebenen Schmerzen und der subjektiv daraus resultierenden Einschränkung jeglicher Belastbarkeit gegenüber den radiologischen und klinisch objektiven Befunden und der weitgehend freien Beweglichkeit in der Untersuchungs
situation. Es sei vor allem ein chronisches
zervikozephales
Schmerzsyndrom zu diagnostizieren mit
einer freien
Beweglichkeit der HWS und nur sehr geringen muskulären Verspannungen im Bereich der HWS (S. 30 unten).
Für die
Chronifi
zierung
der Schmerzen dürfte ausschliesslich die psychiatrische Fehlverarbeitung massgebend sein. Aus rein somatischer Sicht
sei aufgrund des
zervikozephalen
Schmerzsyndroms und des chronischen
lumbospondylogenen
Schmerzsyndroms eine körperlich schwere Arbeit nicht mehr möglich. Dazu zähle auch die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Lastwagenchauffeur im Stückguttransport für die
Y._
. Für eine körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit bestehe aus somatischer Sicht
aber
eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 100
%
(S. 31 oben).
Ausschlaggebend sei die psychiatrische Einschätzung. Es sei von einer weitge
henden Schmerzfehlverarbeitung auszugehen. Diese dürfte sich aus der initialen Beschwerdesituation
speisen und
aus dem Unverständnis der Nicht-Anerkennung der Unfallkausalität der Beschwerden
,
der Verunsicherung bezüglich seiner körperlichen Leistungsfähigkeit, dem subjektiven Nicht-Erfüllen-Können seiner Rolle als Vater, Ehemann und
Ernährer und
der Verunsicherung bezüglich seiner beruflichen Situation und der Chancen auf dem Arbeitsmarkt (S. 31 oben). Es sei von einer Verschlechterung gegenüber der Situation von 2007 auszugehen
. Etwas irritierend sei, dass die angeblich regelmässig und in korrekter Dosis eingenom
menen antidepressiven Medikamente beide im Serumspiegel deutlich unter dem Wirkbereich lägen, was entweder auf eine rasche
Metabolisierung
oder eine mangelnde Compliance
hinweise
(S. 31 Mitte).
Im angestammten Beruf bestehe derzeit keine verwertbare Arbeitsfähigkeit. Eine Intensivierung der Therapie sowie der sozialrehabilitativen Massnahmen sei dringend indiziert, um den
jungen
Exploranden nicht endgültig in die
Chronif
i
zierung
abgleiten zu lassen und
ihn
in seinem dysfunktionalen Krankheitskon
zept zu bestärken (S. 31
Ziff.
7.2). In einem geschützten Rahmen sei derzeit eine Tätigkeit im Sinne einer Tagesstrukturierung mit einem Pensum von 60-80
%
zumutbar. Ein Schwerpunkt müsste auf eine schrittweise Steigerung der allgemeinen Leistungsfähigkeit gelegt werden (S. 31 f.
Ziff.
7.3).
3.7
Die Ärzte des
Psychiatriezentrum
s
B._
berichteten am 1
9.
Novem
ber 2010 (
Urk.
7/128
/1-2
) über
die
tagesklinische Behandlung
des Beschwerde
führers
von
7.
Juni bis 1
5.
Juli 201
0.
Sie nannten als Diagnosen eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2) und eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.4).
3.8
Mit Verfügungen vom 1
0.
Mai und
2
0.
Juli 2011 (
Urk.
7/118-120
,
Urk.
7/117) sprach die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer ab dem
1.
Januar 2005 eine
Viertelsrente
und ab dem
1.
März 2009 aufgrund einer gesundheitlichen Verschlechterung eine ganze Rente
zu.
4.
4.1
Vom 2
5.
Februar bis 2
6.
März 2012 befand sich der Beschwerdeführer erstmals in stationärer Behandlung in der
Klinik J._
AG, deren Arzt am 1
5.
Mai 2012 über den Aufenthalt berichtete und eine rezidivierende depressive Störung bei gegenwärtig mittelgradiger depressiver Episode mit somatischen Syndrom (ICD-10 F33.11) sowie eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (F45.4) diagnostizierte (
Urk.
7/133 S. 1). Der Zustand des Beschwerdeführers habe sich gebessert, was die depressive Symptomatik, die innere Unruhe und Distanzierung in Bezug auf die Schmerzsymptomatik anbelange. Trotz
sozialarbeiterischer
Unterstützung habe er nicht zu einer Arbeit im prinzipiell indizierten geschützten Rahmen motiviert werden können (S. 4).
Dr.
med.
K._
, Fachärztin fü
r Psychiatrie und Psychotherapie,
nannte
aufgrund ihrer monatlichen Kontrollen
im Bericht vom 1
3.
November 2013 (
Urk.
7/136) als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) und eine anhaltende depressive Störung, mittelgradig (ICD-10 F33.1, S. 1 oben).
Dr.
K._
attestierte für die Tätigkeit als Lehrer eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
, zirka seit 2004, sicher seit Herbst 201
4.
Weiter gab sie an, versuchsweise sei eine Anwesenheit von zwei Stunden täglich in einem geschützten Rahmen zumutbar. Dies habe sich bisher nicht umsetzen lassen
. Trotz
einer
leichten Verbesserung sei eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit gegeben
(S. 2 unten).
Dr.
med.
L._
, Facharzt für Innere Medizin, hielt mit Bericht vom 1
1.
Dezember 2013 ausgehend von im Wesentlichen gleichen Diagnosen eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
seit März 2009 fest (
Urk.
7/137).
Mit Mitteilung vom 1
7.
Februar 2014 (
Urk.
7/142) bestätigte die
Beschwerdegeg
nerin
die unveränderte Ausrichtung einer ganzen Rente der Invalidenversiche
rung.
4.2
Dr.
med.
M._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, RAD, nahm am 2
9.
Dezember 2016 (
Urk.
7/190 S. 4) Stellung
zur
Observation
des Beschwerdeführers vom
2.
Juni bis
7.
Oktober 2016 (vgl.
Urk.
7/183
/
2). Er führte aus,
bei dem
vorgelegten Bildmaterial liessen sich keine wesentlichen körper
lichen funktionellen Einschränkungen oder Beschwerdezeichen erkennen. Die Zielperson sei offenbar auch in der Lage, einen PKW durch mehrere Kilometer intensiven Stadtverkehr routiniert zu lenken und zu parkieren (S. 4 oben). Für die
bisherigen
somatischen Diagnosen eines chronische
n
lumboradikulären
Syndroms mit Ischialgie rechts, einer chronischen
Zervikalgie
mit Status nach HWS-Distorsion 2005 und einer Periarthritis
humeroscapularis
rechts fänden sich keine Akutzeichen
.
Allein a
nhand des Bildmaterials sei
eine abschliessende Beurteilung
zur Chronizität der somatischen Diagnosen
indes
nicht möglich
(S. 4 Mitte).
4.3
Der Beschwerdeführer ist seit November 2015 bei
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, praktischer Arzt,
in ambulanter Behandlung
(
Urk.
7/171
Ziff.
1.2).
Dr.
Z._
nannte im Bericht vom
8.
März 2017 (
Urk.
7/171) als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, mittel- bis
schwergradig
(ICD-10 F33.X)
,
und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4,
Ziff.
1.1).
Er
gab zur Arbeitsfähigkeit an,
eine Veränderung sei nicht festzustellen
.
Es
sei weiterhin von einer vollschichtigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen
(
Ziff.
1.6).
4.4
Dr.
med.
O._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, RAD
,
führte in der Stellungnahme vom 1
2.
Februar 2018 (
Urk.
7/190 S. 5 f.)
zur Observation
des Beschwerdeführers
aus, die Hausärztin habe im Bericht vom
8.
März 2017 eine schwere Konzentrations- und Merkfähigkeitsstörung beschrieb
en. Die in den Observationen von Juni und August 2016
gezeigten Verhaltensweisen seien
jedoch
absolut unauffällig. Der Beschwerdeführer zeige ein lockeres, lässiges und zum Teil schwungvolles Gangbild mit entspanntem Gesichtsausdruck.
Er sei in einer lockeren Haltung im Restaurant gesessen, habe in seinem Getränk gerührt und interessiert die Zeitung gelesen. Beim Autofahren hätten sich keine Auffälligkeiten gezeigt. Er fahre und parkiere ohne Probleme. Das Observations
material spreche insgesamt gegen eine
höhergradige
Einschränkung durch eine depressive Symptomatik.
Die immer wieder geklagten schweren Konzentrations
störungen könnten beim sicheren Autofahren und Parkieren, beim Einkaufen, Zeitungslesen oder im Gespräch mit Anderen nicht erkannt werden. Weiter sei auch keine reduzierte Mimik oder Gestik sichtbar
. Der Beschwerdeführer beteilige sich aktiv am Gespräch mit Anderen
(S. 5 f.).
Zusammenfassend sei ein einschrän
kender Gesundheitsschaden zum Zeitpunkt der Observationen nicht plausibel nachvollziehbar.
Eine massive Besserung der postulierten schweren depressiven Symptomatik sei glaubhaft, zumindest zum Zeitpunkt der Observationen (S. 6 oben).
4.5
4.
5
.1
Dr.
phil.
P._
, Neuropsychologin FSP, erstatt
ete am
8.
März 2019 (
Urk.
7/211/3-16
) im Auftrag der Beschwerdegegnerin ein neuropsychologisches Teilgutachten.
Es
beruht auf der neuropsychologischen Untersuchung vom
8.
März 2019 und den der Gutachterin zur Verfügung gestellten Akten (
S.
1
Ziff.
1.1 unten).
Dr.
P._
führte
zu den angegebenen Beschwerden aus
, der Explorand leide unter Kopfschmerzen, vergesse viel und fühle sich überlastet. Sein Zustand sei seit 2006 nie besser geworden (S. 5
Ziff.
3.1 unten).
Beim Rey
Memory Test, einem Symptomvalidierungsverfahren, hätten sich Hinweise für eine Aggravation oder Simulation von kognitiven Defiziten ergeben. Es seien
nur
6 der 15 Symbole wiedergegeben worden (S. 10
Ziff.
4.3.2 oben). Ein weiterer Test
zur Validierung der psy
chischen Symptome und Schmerzen
habe ergeben, dass es sich mit einer Wahrscheinlichkeit von 93
%
um eine vorgetäuschte Störung handle und das Resultat aus einer nicht glaubwürdigen Präsentation herkomme
.
Da alle Parameter auffällig ausgefallen seien,
sei
von einer
nicht
ausreichenden Leistungsbereitschaft des Exploranden während der Durchführung der kognitiven Tests
auszugehen
(S. 10
Ziff.
4.3.2 unten).
Beim Beschwerdeführer seien alle vier Parameter der Symptomvalidierung auffällig gewesen, sodass eine
Aggravation
oder Simulation
der Beschwerden als sehr wahrscheinlich eingestuft werden
müsse
. Die Ergebnisse der kognitiven Tests könnten daher nicht als aussagek
räftig betrachtet werden.
Im
Stroop
Test sei die Leistung mit zunehmender Komplexität der Tafe
l
n schneller geworden, was sich nicht plausibel erklären lasse (
S. 11 oben). Die Performance in der Testung weise im Vergleich mit der Performance im täglichen Leben (Autofahren, Einkaufen) auf Diskrepanzen hin. So habe die Reaktionsgeschwindigkeit in der
Alertness
a
uf
gabe
in einem weit unterdurchschnittlichen Bereich gelegen, was ein unfallfreies Autofahren mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verun
möglichen würde (S. 11 unten).
4.
5
.2
Die Testuntersuchung habe anhand des kognitiven Testprofils beurteilt eine insgesamt mindestens mittelschwere bis schwere kognitive Störung ergeben mit Einschränkungen von
attentionalen
, exekutiven, mnestischen und visuell-räum
lichen Teilfunktionen (S. 12
Ziff.
5 Mitte). Bei einer
mindestens mittelschweren bis schweren kognitiven Störung wäre die betroffene Person in der Verrichtung diverser Alltagsaktivitäten wie
zur Migros
oder zum Onkel
zu spazieren und beim Einkaufen oder
Kochen auf die Hilfe von Drittpersonen angewie
sen. Insbesondere wäre sie nicht
in der Lage, selbständig ein Auto zu lenken. Gemäss den Angaben des Exploranden
fahre er jedoch - zumindest für kürzere Strecken - sein eigenes Auto. Beispielsweise sei er unlängst mit seiner Frau nach Hinwil gefahren, was einer Strecke von zirka 16 Kilometern entspreche. Der Umstand, dass der Explo
rand überhaupt in der Lage sei, ein Auto zu lenken, stehe in starkem Widerspruch zu den ermittelten kognitiven Testergebnissen (S. 12
Ziff.
5 unten).
Die umfassende Symptomvalidierung habe gewichtige Auffälligkeiten gezeigt. Die Resultate der Symptomvalidierungstests sprächen für eine unzureichende Leistungsbereitschaft während der Untersuchung.
Diese
liessen sich nicht durch das Vorliegen einer nichtorganischen oder organischen psychischen Störung, durch eine Schmerzproblematik oder durch allfällige unerwünschte Nebenwir
kungen der Medikamente erklären. Die Tests seien derart gestaltet, dass sie sogar von Patienten mit fortgeschrittener Demenz mit durchaus genügenden Leistun
gen gelöst werden könnten. Zusammenfassend sei sehr wahrscheinlich von einer Aggravation auszugehen.
Dabei handle es
sich um eine bewusst intendierte, verschlimmernde oder überhöhende Darstellung einer vorhandenen Störung zum Zweck der Erlangung von (materiellen) Vorteilen (S. 13 oben). Eine reine Simulation von Beschwerden lasse sich mit den Methoden der Neuropsychologie in der Regel nicht beweisen (S. 13 Mitte). Bei Vorliegen einer vorgetäuschten kognitiven Störung (bewusstseinsnahe Aggravation oder Simulation) seien sowohl die Glaubhaftigkeit der angegebenen Beschwerden wie auch die Plausibi
lität der diagnostisch festgestellten kognitiven Leistungseinbussen in Frage gestellt. Das im Rahmen der neuropsychologischen Untersuchung ermittelte
kognitive Testprofil besitze somit kaum Aussagekraft. Ob überhaupt eine kognitive Störung bestehe, lasse sich nicht erschliessen.
Dr.
P._
nannte daher als Diagnose eine nicht
authentische kognitive Störung, sehr wahrscheinlich im Rahmen einer Aggravation von Beschwerden (ICD-10 F68.0, S
.
13 unten). Aufgrund der sehr wahrscheinlichen
Aggravation von Beschwerden sei keine präzise Stellungnahme zur Funktions- und Arbeitsfähigkeit
des Beschwerde
führers
möglich, zumindest nicht anhand des ermittelten Testprofil
s
. Zur Fahreignung könne ebenfalls keine gültige Eins
chätzung erfolgen (S. 14 oben).
4.
6
4.
6
.1
Dr.
med.
Q._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Rheumatologie, erstattete am 1
9.
April 2019 (
Urk.
7/212) das rheumatologische Teilgutachten. Der Gutachter führte zu den aktuellen Beschwerden aus,
der Beschwerdeführer habe
Schmerzen von der rechten Hüfte und dem Rücken bis ins B
ein ausstrahlend
angegeben
(S. 18 Mitte). Eine Zunahme der Schmerzen verspüre er beim Bücken oder beim Tragen und Heben von Gewichten von zwei bis drei kg für etwa zehn Minuten. Gehen könne er ohne Belastung etwa 20 Minuten, dann würden die Schmerzen intensiver und er müsse eine Pause
einlegen
. Beim Stehen bestehe oft ein Schwindelgefühl
. Beim Drehen des Kopfes verspüre er im Bereich der unteren Halswirbelsäule Schmerzen
(S. 18 unten).
Der Gutachter gab zur Observation des Beschwerdeführers vom
2.
Juni bis
7.
Oktober 2016 an, nach dem Observationsbericht seien keine Zeichen einer gesundheitlichen körperlichen oder psychischen Beeinträchtigung sichtbar
gewesen
. Der Beschwerdeführer
habe
unauffällig und normal
gewirkt
, auch in kurzen Beobachtungsphasen im Restaurant oder beim Einkaufen in der Migros (S. 23
Ziff.
4.3 Mitte).
4.
6
.2
Dr.
Q._
nannte als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 24
Ziff.
6.1):
-
chronisches
lumbospondyloge
ne
s
Syndrom rechts
-
Diskopathie
der unteren L
WS mit anamnestisch kleinen Diskus
hernien bei L4/5 links
und
L5/S1 rechts, klinisch keine Anhaltspunkte für eine
radikuläre
Reiz- oder Ausfallsymptomatik
-
Osteochondrose
bei L5/S1
-
chronisches
Cervikalsyndrom
-
Zustand nach HWS-
Distorsion 2005 ohne strukturelle traumatische Läsion
-
minimale monosegmentale degenerative Veränderungen C3/4
Der Gutachter
stellte sodann die folgenden
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 25
Ziff.
6.2):
-
Epicondylopathia
humeri
radialis
links
-
anamnestisch Status nach
Periarthropathia
humeroscapularis
rechte Schulter
-
aktuell klinisch kein pathologischer Befund
-
Status nach
Strumektomie
2014
-
substituierte Hypothyreose
-
arterielle Hypertonie
-
anamnestisch Stimmbandpolypen
Der Beschwerdeführer sei 2004 auf den Rücken
beziehungsweise
das Gesäss gestürzt. Seither klage er über Becken- und Rückenschmerzen. Eine Computer
tomographie der LWS habe lediglich geringe degenerative Veränder
ungen ohne eine Fraktur ergeben. Im Juli 20
0
5 habe der Beschwerdeführer zusätzlich eine HWS-Distorsion erlitten. Ein sp
äter durchgeführtes MRI der HWS sei
bis auf diskrete degenerative Veränderungen unauffällig gewesen
(S. 25
Ziff.
6.3 Mitte). Der Beschwerdeführer habe sich in der rheumatologischen Untersuchung kooperativ gezeigt. Demonstrative Verhaltensweisen seien
nicht festgestellt worden (S. 26
Mitte). In der körperlichen Untersuchung habe sich unverändert zum Vorgutachten der
E._
eine freie Beweglichkeit der HWS
gezeigt, nun
ohne
Einschrän
kung der Beweglichkeit der LWS.
Die im Vorgutachten beschriebenen diffusen
myofaszialen
Befunde
seien nicht mehr vorhanden. Es finde sich ledig
lich eine
Druckdolenz
im
Musculus
trapezius
descendens
rechts sowie im Ansatz
bereich des
Musculus
glutaeus
medius
am Tr
ochanter
ma
jor
rechts
.
Die Befunde der peripheren Gelenke seien weitgehend unauffällig.
Neurologisch bestünden keine Hinwe
ise für eine aktuelle
radikuläre
Reiz- oder Ausfallsymptomatik
. Eine leichte zirkuläre Hypästhesie im Bereich des rechten Beines könne keiner Nerven
wurzel zugeordnet werden
(S. 26 unten).
Zusammenfassend bestünden weiterhin die rheumatologischen Diagnosen eines
lumbospondylogenen
Syndroms rechts und eines noch
residuellen
cervicovertebralen
Syndrom
s
. Die übrigen klinischen Untersuchungsbefunde seien weitgehend unauffällig. Die Untersuchung der rechten Schulter sei
nun
vollständig unauffällig (S. 27 oben).
Die verschiedenen medikamentösen
Behandlungen
und die ambulanten und stationären Rehabilitationsmassnahmen hätten keinen wesentlichen positiven Effekt auf die chronische Schmerzproblematik gehabt. Dies weise auf den vorwiegend nicht-organischen Charakter der chronischen Schmerzen hin (S. 28
Ziff.
7.2).
Es bestehe eine deutliche Diskrepanz zwischen den subjektiv empfun
denen Schmerzen und den funktionellen Einschränkungen einerseits und den objektivierbaren klinischen und radiologischen Befunden anderseits. Dies lasse auf eine wesentliche nicht-organische Ursache der chronischen Schmerzen schliessen (S. 29
Ziff.
7.3).
Aufgrund der
Osteochondrose
bei L5/S1 sei aus rheumatologischer Sicht eine Einschränkung der körperlichen Belastbarkeit der Wirbelsäule gegeben. Dies betreffe häufiges,
repetitives
Heben und Tragen von Lasten von über zirka 7 kg und gelegentlich von
Einzellasten von
über zirka
20-25 kg. Weiter bestünden Einschränkungen für häufige Arbeiten in körperlich ungünstigen Zwangshaltungen des Rumpfes
, längeres nach vorn geneigtes Stehen oder Sitzen, häufige Arbeiten in gebückter Stellung oder mit extendiertem Rumpf sowie häufige belastete Rumpfrotationen
(S. 29
Ziff.
7.4). Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Lastwagenchauffeur sei aufgrund der
erwähnten
Einschränkungen ungünstig. Für eine körperlich leichte und mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeit
gemäss obigem Belastungsprofil
sei der Beschwerde
führer aus rheumatologischer Sicht nicht in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt (S. 29
Ziff.
8.1).
Bezüglich der
cervikalen
und
cervikocephalen
Symptomatik sei es subjektiv zu einer Verbesserung gekommen.
D
ie objektiven strukturellen Befunde seien unverändert (S. 30
Ziff.
8.3.1 unten).
4.
7
4.
7
.1
Dipl. Arzt
Dr.
med.
R._
, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, erstattete am 1
6.
Mai 2019 (
Urk.
7/214/1-41) das psychiatrische Teilgutachten.
Der Gutachter
führte aus,
der Beschwerdeführer
sei alle drei Wochen bis einmal im Monat bei
Dr.
Z._
in Behandlung. Er nehme weiterhin die Antidepressiva Citalopram und
Remeron
ein
(S. 18 oben). Im
S._
habe er unent
geltlich als Lehrer gearbeitet
(S. 18 unten). In der Schweiz habe er acht Jahre in einer Textil
fabrik und anschliessend als LKW-Chauffeur bei der
Y._
gearbeitet (S. 19 oben). Er habe weiterhin chronische Nacken- und Rückenschmerzen mit Ausstrahlung in das rechte Bein
bei
einem stechend-ziehenden
Charakter
der Schmerzen
(S. 21 oben).
4.
7
.2
Zur
Persönlichkeitsstruktur des Beschwerdeführers fänden sich im Rahmen der klinisch-psychiatrischen Exploration und Untersuchung keine pathologischen Auffälligkeiten. Er zeige Hinweise für ein gutes intellektuelles A
usgangsniveau und
zeige sich differenziert, reflexions- und intellektuell anpassungsfähig (S. 22
Ziff.
4 Mitte).
Es fänden
sich
Hinweise für mögliche kulturell mitbedingte psychodynamisch wirksame Faktoren in der Ausgestaltung der Schmerzwahr
nehmung und -verarbeitung. Der Explorand erlebe die subjektive Beeinträch
tigung im Rahmen des Schmerzerlebens und der depressiven Entwicklung im subjektiven Modell
als
katastrophisierend
und konflikthaft gegenüber dem eigenen Selbstbild als Familienoberhaupt im kulturellen Kontext der H
erkunfts
familie
(S. 22 unten).
Funktionell finde sich eine ausgeprägte Tendenz zur Selbst
limitierung im Rahmen des Krankheitskonzepts mit dysfunktionalen Überzeugun
gen und se
kundärem Vermeidungsverhalten. Dabei zeigten sich in
der verbalen Darstellung
der Beschwerden deutliche Aggravationstendenzen, wahrscheinlich krankheitsbedingt und möglicherweise im Rahmen der subjektiv eingenommenen Position
,
krank und im Vergleich zum früheren Selbst- und Leistungsbild nicht mehr arbeitsfähig zu sein
. Hinw
e
ise für eine bewusstseinsnahe Aggravation oder Simulation fänden sich im Rahmen der klinisch-psychiatrischen Untersuchung nicht. Der Explorand zeige nur wenig ausgeprägte nonverbale Schmerzäusserun
gen und sei insgesamt sehr um Kontrolle bemüht
(S. 23 oben).
Der bestimmte Serumspiegel von Citalopram sei vereinbar mit der angegebenen Medikation und Dosierung und gebe einen Hinweis auf eine regelmässige Einnahme des Medika
ments (S. 23 Mitte).
4.7.3
Dr.
R._
stellte
die folgenden psychiatrischen
Diagnosen (S. 27
Ziff.
6):
-
rezidivierende depressive Störung, fluktuierender Verlauf, aktuell formal maximal mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11)
-
chronische Schmer
z
störung mit körperlichen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
neuropsychologische Diagnose
(
Dr.
P._
)
: nicht authentische kognitive Störung
sehr wahrscheinlich im Rahmen einer
Aggravation von Beschwerden (ICD-10 F68.0)
Im Längsverl
auf könne
zirka seit
2004
eine zunächst reaktiv
e
anhaltende depressive Erkrankung nachvollzogen werden mit unterschiedlichen Ausprägungsgraden im Rahmen eines fluktuierenden
Krankheitsv
erlaufs. Eine vollständige Remission der depre
ssiven Symptomatik sei zu keinem
Zeitpunkt fachpsychiatrisch dokumentiert (S. 27 f.).
Es sei eine maximal mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom ableitbar. Dies bedeute formal gesehen eine Verbesserung des depressiven Krankheitsgeschehens gegenüber dem Vorgutachten der
E._
von 2009, der gutachterlichen Beurteilung durch
Dr.
D._
und jener
durch den
am
bulant behandelnden Psychiater.
Die formale
Verb
esserung korreliere mit der von allen Gutachtern und
den
behandelnden Ärzten abgeleiteten anzunehmenden Wahrscheinlichkeit eines fluktuierenden Verlaufs des Ausgestaltungsgrades der anhaltenden affektiven Erkrankung. Sie korreliere auch mit der offensichtlich guten medikamentösen Compliance
des im Referenzbereich liegenden Spiegels von Citalopram
(S. 28 oben).
Dies bedeute
einen Hinweis beziehungsweise eine Bestätigung für die bestehende Behandel- und Besserbarkeit des depressiven Krankheitsgeschehens mindestens im Sinn einer Teilremission (S. 28 Mitte).
Der mögliche fluktuierende Verlauf korreliere prinzipiell auch mit den Beobachtungen aus der in den Akten vorliegenden Observation hinsichtlich eines bessere
n Aktivitätsniveaus in der Alltagsgestaltung und der Lebensbewältigung. Die Beurteilung korreliere auch mit den Angaben des Exploranden zum Alltags- und Aktivitätsniveau (S. 28 unten).
Dr.
R._
sei
zur Diagnose eines gemischten Schmerzstörungsbildes gelangt, dessen Ausp
rägungsgrad hinsichtlich der beklagten Schmerzen
rheumatologisch
allein
nicht hinreichend erklärt werden könne. Die Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit körperlichen und psychischen Faktoren habe daher weiterhin volle Berechtigung (S. 28 f.).
In diesem Zusammenhang könne
auch
die weit
gehend dysfunktional-selbstlimitierte Position des Exploranden im Rahmen seines Krankheitskonzepts als kranker Mann eingeordnet werden.
Diese gebe
ihm mindestens innerhalb seiner Kultur die Möglichkeit, nach dem Rollenverlust als Familienoberhaupt und Ernährer der Familie das Gesicht zu wahren.
Die
Einschätzung korreliere auch mit dem positiven Erscheinungsbild des Beschwer
deführers im Rahmen der berichteten und im Observationsbericht gezeigten Alltagsaktivitäten (S. 29 oben). Es seien keine Hinweise für eine bewusstseinsnahe Aggravation oder Simulation festgestellt worden. Es handle sic
h eher um eine bewusstseinsferne
im Rahmen des Krankheitsgeschehens und des Konflikter
lebens begründete Verdeutlichungstendenz der Beschwerden, was psychiatrisch
möglich und im Rahmen des konflikthaften Selbsterlebens und Verharrens in der Krankenrolle erklärbar sei
(S. 29
Mitte).
Die bei der Observation beobachteten Aktivitäten stünden in einem Widerspruch zur eingenommenen völlig d
ysfunktional-selbstlimitierten
Position des Explo
randen bezogen auf Arbeitsprozesse. Dies sei möglicherweise weniger im Sinne einer bewussten Aggravation und Simulation verständlich, als vielmehr im Rahmen der eigenen Krankenrolle und des kulturell bedingten Krankheits
konzepts (S. 33 unten).
Die erfolgten psychiatrischen stationären und teilstationären
sowie
medikamen
tösen Behandlungsversuche seien als prinzipiell zielführend und leitliniengerecht zu beurteilen.
Es deute
sich eine gewisse Behande
l- und Besserbarkeit im Rahmen eines
fluktuierenden Verlaufs an. Dies korreliere auch mit dem aktuell mittel
gradig ausgeprägten depressiven Zustandsbild unter
adäquater
antidepressiver Medikation (S. 36
Ziff.
7.2 oben). Es liege eine Leistungsreserve für eine Teil
arbeitstätigkeit vor, die zunächst über einen geschützten Rahmen aufbaubar sei (S. 36
Ziff.
7.2 unten).
Eine Inkonsistenz
bestehe sicher
in der Diskrepanz zwischen der
gemäss dem Observationsmaterial zu be
stätigenden Alltagsfunk
tionalität
und den
in der Untersuchung
erkennbaren
Aktivitäts- und Leistungs
reserven
gegenüber der völlig dysfunktional selbstlimitierten Position
des Beschwerdeführers
im Hinblick auf Arbeitsprozesse. Die Diskrepanz könne aus gutachterlicher Sicht nicht vollständig aufgelöst werden (S. 36 f.
Ziff.
7.3). Im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung könnten die von
Dr.
P._
festgestell
ten Inkonsistenzen nicht vollständig aufgelöst werden. Diese seien aber mög
licherweise mit bewusstseinsfernen Aggravationstendenzen im Rahmen der Beschwerde- und Konfliktverarbeitung des Exploranden zu erklären (S. 37 Mitte). Als Ressource bestehe ein erkennbar gutes intellektuelles Ausgangsniveau. Als funktionelle Ressource sei
sodann
eine Leistungsreserve für Alltagsaktivitäten zu gewichten. Die
s
betreffe die Tagesgestaltung und das Führen eines Personen
wagens (S. 37
Ziff.
7.4). Gemäss dem Mini-ICF-APP ergäben sich mehrheitlich mittelgradige Leistungseinschränkungen hinsichtlich der Belastbarkeit, der Durchhaltefähigkeit, der Anpassungs- und Interaktionsfähigkeit
sowie
der situa
tiven und interpersonellen Flexibilität (S. 38 oben).
4.7.4
Für die bisherige Tätigkeit als LKW-Chauffeur bestehe
aus psychiatrischer Sicht ein
e Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(S. 38
Ziff.
8.1 Mitte).
Bezogen auf ein optimal angepasstes Tätigkeitsprofil liege aus psychiatrischer Sicht eine mittelgradige Leistungseinschränkung entsprechend einer Arbeitsunfähigkeit von 50
%
vor
. Der Explorand sei zur Umsetzung der Leistungsreserve aufgrund des langen Krankheitsprozesses auf unterstützende Zwischenschritte über einen wiederein
gliedernden Prozess angewiesen
(S. 38
Ziff.
8.1
unten
). Es werde die Fortsetzung der ambulanten psychiatrisch-psychotherapeutischen und psychopharmakolo
gisch antidepressiven Behandlung bei
Dr.
Z._
empfohlen
. Die Umsetzung des
prinzipiell ableitbaren
Leistungspotenzials für eine
Teila
rbeitsfähigkeit, gegebe
nenfalls über
einen Zwischenschritt
mit beruflichen Massnahmen in einem geschützten Rahmen, sei
im Rahmen der vom Beschwerdeführer eingenommenen Position
nicht zu erwarten
(S. 39
Ziff.
8.2).
4.
7
.5
Dr.
P._
,
Dr.
Q._
und
Dr.
R._
stellten in der interdisziplinären
Gesamtbeurteilung (
Urk.
7/214/42
-55) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 51 f.
Ziff.
4.2.1):
-
rezidivierende depressive Störung, fluktuierender Verlauf, aktuell formal maximal mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11)
-
chronische Schmerzstörung mit körperlichen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
chronisches
lumbospondylogenes
Syndrom rechts
-
chronisches
Cervikalsyndrom
Die Gutachter nannten sodann als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (S. 52
Ziff.
4.2.2):
-
Epicondylopathia
humeri
radialis
links
-
a
namnestisch Status nach
Periarth
ropathia
humeroscapularis
rechte
Schulter
, aktuell klinisch kein pathologischer Befund
-
Status nach
Strumektomie
2014
-
arterielle Hypertonie
-
anamnestisch Stimmbandpolypen
-
nicht authentische kognitive Störung
Die Gutachter beurteilten
den Beschwerdeführer
für die bisherige Tätigkeit als LKW-Chauffeur als nicht mehr arbeitsfähig. Für eine optimal angepasste Tätigkeit attestierten sie gesamthaft eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
, im Längsverlauf
mit erhöhter Wahrscheinlichkeit seit
zirka Juni 2016 (S. 54
Ziff.
4.7-4.9).
4.8
RAD-Arzt
Dr.
M._
führte in der Stellungnahme vom
7.
Juni 2019 (
Urk.
7/220 S. 7 ff.)
aus, nach dem rheumatologischen Teilgutachten von
Dr.
Q._
seien als Belastungsprofil
wechselbelastende körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten möglich, mit nur gelegentlich schweren
Arbeiten
(maximal 25 kg). Zu vermeiden seien Tätigkeiten ohne häufige Arbeiten in körperlich ungünsti
gen Zwangshaltungen des Rumpfes, längeres nach vorn geneigtes Stehen oder Sitzen, häufige Arbeiten in gebückter/rotierter Stellung oder mit extendiertem Rumpf.
Für die bisherige Tätigkeit als Lastwagenchauffeur bestehe dauerhaft eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
. Für eine angepasste Tätigkeit gemäss Belastungsprofil bestehe dauerhaft und weiterhin eine Arbeitsfähig
keit von 100
%
(S. 8 oben). Rein strukturell habe sich eine mässige
Osteochond
rose
bei L5/S1 von geringer Relevanz entwickelt. Ansonsten bestehe ein unveränderter objektiver Befund. Es sei zu einer
Besserung der vorgängigen
cervik
alen
und
cervicocephalen
Symptomatik gekommen (S. 8 unten).
4.9
Dr.
O._
nahm am 1
1.
Juni 2019 (
Urk.
7/220 S. 9 f.) Stellung zu den
medizi
nischen Abklärungen
. Sie führte aus,
die Schlussfolgerungen im psychiatrischen Teilgutachten seien nicht klar nachvollziehbar. In
der neuropsychologischen Untersuchung hätten
sich
im Hinblick auf die erzielten Testresultate, im beobach
teten Verhalten sowie den Eigenangaben des Beschwerdeführers Inkonsistenzen gezeigt. Zusammenfassend sei sehr wahrscheinlich von einer Aggravation auszugehen.
Dr.
P._
habe die Diagnose einer nicht authentischen kognitiven Störung sehr wahrscheinlich im Rahmen
einer
Aggravation von Beschwerden gestellt (S. 9 oben).
Aufgrund des psychopathologischen Befundes könne keine mittelgradige depressive Symptomatik erkannt werden.
Gemäss
Dr.
R._
sei eine vollständige Remission der depressiven Symptomatik zu keinem Zeitpunkt
dokumentiert
. Eine
rezidivierende depressive Störung liege
daher nicht vor, da eine solche eine vollständige Remission bedinge
(S. 9 unten).
Der psychiatrische Gutachter habe mehrfach beschrieben, dass zwar Aggrava
tionstendenzen vorliegen würden, diese aber nicht bewusst
seien
. Der Gutachter habe einerseits deutliche Aggravationstendenzen in der Darstellung der Beschwerden ermitteln können. Andererseits gebe er an, dass sich keine Hinweise für eine bewusstseinsnahe Aggravation oder Simulation gezeigt hätten, indem
er
das Verhalten als krankheitsbedingt und möglicherweise im Rahmen der subjek
tiv eingenommenen Position
(Selbstbild als Familienoberhaupt im kulturellen Kontext der Herkunftsfamilie)
zu erklären versuche (S. 9 f.). Weder bei einer Depression noch einer Schmerzstörung seien Aggravationstendenzen krankheits
bedingt. Das Selbstbild als Familienoberhau
p
t im kulturellen Kontext der Herkunftsfamilie sei ein soziokultur
eller Faktor (S. 10 oben). Die Aussage
von
Dr.
R._
zur dysfunktional-selbstlimitierten Position des Exploranden im Rahmen seines Krankheitskonzepts als kranker Mann lass
e unweigerlich
an einen sekundären Krankheitsgewinn/Rentenbegehren denken. In diesem Rahmen wäre eine bewusstseinsnahe Aggravation nicht unüblich. D
ie Kriterien zur Identifika
tion von Simulation seien erfüllt. Es müsse daher von einer bewussten Aggravation ausgegangen werden (S. 10 Mitte).
4.10
Dr.
O._
antwortete in der Stellungnahme vom 1
8.
Februar 2021 (
Urk.
7/229
S. 3 ff.) auf die Fragen des Rechtsdienstes der Beschwerdegegnerin.
Sie
gab an,
nach den ICD-10-Kriter
i
en handle es sich
nicht um eine rezidivierende depressive
Störung. Dies sei nicht überspitzt formalistisch, sondern entspreche den ICD-10-Kriterien
(S. 3
Ziff.
1).
Die in der Literatur von Slick et al verwendeten Kriterien würden auf eine bewusste Aggravation hinweisen (S. 4
Ziff.
2 unten).
4.11
Der Beschwerdeführer reichte am 1
9.
Januar 2022 (
Urk.
13) einen Bericht der Ärzte der Klinik
T._
vom
9.
November 2021 (
Urk.
14/2) ein.
Die Ärzte nannten als Diagnosen eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2)
,
und aktendiagnostisch eine somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4, S. 1 unten).
5.
5.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
5.
2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
5.
3
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapiere
sistenz auszuschliessen sei (E.
5.1). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsver
mögen
einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1).
Eine leicht- bis mittelgradige depressive Störung ohne nennenswerte Interferen
zen durch psychiatrische Komorbiditäten lässt sich im Allgemeinen nicht als schwere psychische Krankheit definieren. Besteht dazu noch ein bedeutendes therapeutisches Potential, so ist insbesondere auch die Dauerhaftigkeit des Gesundheitsschadens in Frage gestellt.
Diesfalls
müssen gewichtige Gründe vorliegen, damit dennoch auf eine invalidisierende Erkrankung geschlossen werden kann (zur Publikation vorgesehenes Urteil des Bundesgerichts 8C_280/2021 vom 17. November 2021 E. 6.2.2 mit Hinweis). D
ie Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktio
nellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
grundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und wider
spruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu trage
n (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE
144 V 50 E. 4.3).
5.
4
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
6.
6.1
Die Beschwerdegegnerin leitete im September 2015 eine
Rentenrevision
ein (vgl.
Urk.
7/166 S. 3 unten).
Zur Observation des Beschwerdeführers vom
2.
Juni bis
7.
Oktober 2016 liegt
unter anderem der Abklärungsbericht
vom
8.
November 2016 (
Urk.
7/183/2-23) vor.
Dr.
P._
,
Dr.
Q._
und
Dr.
R._
nannten in
ihr
en Teilgutachten vom
8.
März, 1
9.
April und 1
6.
Mai 2019
und der nachfolgenden Konsensbeurteilung
als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, fluktuierender Verlauf, aktuell maximal mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom,
eine chronische Schmerzstörung mit körperlichen und psychischen Faktoren,
ein
chronisches
lumbospondyloge
nes
Syndrom rechts und
ein
chr
onisches
Cervicalsyndrom
.
Die Gutachter kamen zur Einschätzung, dass dem Beschwerdeführer die angestammte Tätigkeit als Lastwagenchauffeur nicht mehr zugemutet werden kann. Für eine optimal ange
passte
Tätigkeit attestierten sie
gesamthaft eine Arbeitsunfähigkeit von
neu
50
%.
Diese gilt
aufgrund einer Verbesserung des Gesundheitszustandes
des Beschwer
deführers
sei
t Juni 2016 (vorstehend E. 4.7.5
).
Dr.
M._
attestierte
aus rheumatologischer Sicht
übereinstimmend mit Gutachter
Dr.
Q._
für eine behinderungsangepasste Tätigkeit eine zumutbare Arbeitsfähigkeit von 100 %
gemäss näher beschriebenem Belastungs
profil
(E. 4.8).
RAD-Ärztin
Dr.
O._
kam
zur Einschätzung
, dass
entgegen
dem psychiatrischen Gutachter
Dr.
R._
von einer bewus
sten Aggravation der Beschwerden
auszugehen sei
(E. 4.9 und 4.10 hiervor).
6.2
Die neuropsychologischen, rheumatologischen und psychiatrischen
Teilgutachten
und die gestützt darauf erfolgte interdisziplinäre Gesamtbeurteilung
von
Dr.
P._
,
Dr.
Q._
und
Dr.
R._
beruhen auf den erforderlichen polydisziplinären Untersuchungen des Beschwerdeführers und
erweisen sich für die streitigen Belange als umfassend.
Die Gutachter
trugen den geklagten
Beschwerden
sodann
ausreichend
Rechnung
und die
G
utachten wurden
in Kennt
nis und in Auseinandersetzung
mit den massgeblichen
Vorakten
erstellt
. Den Gutachtern lagen
insbesondere
die Akten zur Observation des Beschwerdeführers im Jahr 2016 vor und sie setzten sich mit den
dabei
gezeigten Aktivitäten
des Beschwerdeführers auseinander.
Gutachter
Dr.
R._
wies anhand des
kontrollierten
Serumspiegels
auf
eine ausreichende Einnahme
des Antidepressivums Cital
o
pram
im Rahmen des Referenzwertes
und damit auf eine ausreichende Compliance
des Beschwerde
führers
hin
(
Ziff.
4 S. 23)
.
Weiter l
egte er
anhand der erhobenen psychopatho
logischen Untersuchungsbefunde (
Ziff.
4 S.
22)
nachvollziehbar
dar, dass
die
K
riterien
einer rezidivierenden depressiven Störung bei aktuell maximal mittel
gradiger depressiver Episode mit somatischem Syndrom und einer chronischen Schmerzstörung mit körperlichen und psychischen Faktoren erfüllt s
ind.
Zum Observationsmaterial nahm er unter Hinweis darauf, dass
seriöserweise
eine Beurteilung nicht allein darauf abstellen könne,
differenziert
Stellung und
legte dar
, dass das dort gezeigte Verhalten mit den von ihm erhobenen Befunde
n
und gestellten Diagnosen vereinbar ist; auch sprach er den Beschwerdeführer während der Untersuchung laufend auf die in der Observation gezeigten Aktivitäten an
und liess ihn dazu Stellung nehmen
(S. 20 f.).
Mit Bezug auf die Teilgutachten
der anderen Disziplinen
zeigte er auf, inwiefern sie mit seiner Einschätzung über
einstimmen; so gelangte auch der rheumatologische Gutachter zum Schluss, dass ein Anteil des Schmerzgeschehens nicht organisch zu erklären sei
, was sich in der fachärztlich-psychiatrisch diagnostizierten Schmerzstörung widerspiegelt
. In Übereinstimmung mit der neuropsychologischen Gutachterin vermochte
auch
er
sodann
keine kognitive Einschränkung in der
psychiatrischen
Untersuchung feststellen
(
Ziff.
6 S. 29)
.
Der psychiatrische Gutachter diskutierte
sodann
die festgestellten Aggravationstendenzen
und bereinigte deren Auswirkungen bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit. Hinweise auf eine bewusstseinsnahe Aggrava
tion verneinte er im Rahmen der psychiatrischen Untersuchung ausdrücklich und wies darauf hin, dass der Beschwerdeführer
verbal zwar deutliche Aggravations
tendenzen, aber
nur wenig ausgeprägte
non-verbale
Schmerzäusserungen zeige und insgesamt sehr um Kontrolle bemüht sei (
Ziff.
4 S. 23 oben). D
ie von
Dr.
P._
in der neuropsychologischen Untersuchung
festgestellten
Inkonsistenzen
erklärte er
unter Hinweis auf den kulturellen
Hintergrund des Beschwerdeführers
als bewusstseinsferne Aggravation
(E. 4.7.2 hiervor)
.
Dr.
R._
nahm seine Beurteilung sodann unter ausdrücklicher Würdigung und abwägender Gewich
tung aller vorliegenden Informationen und Befunde zum Längsverlauf in der Fall- und Krankheitsentwicklung und aufgrund der aktuell von ihm und den anderen Gutachtern erhobenen Befunde vor.
Gestützt auf d
ie im
psychiatrische
n
Teilgutachten
erhobene Anamnese und Beurteilung von Konsistenz und Ressour
cen (S. 20 f., S. 36 ff.)
ist zudem die Durchführung eines strukturierten Beweis
verfahrens möglich.
Die Gutachter
beurteilten sodann auch den Verlauf und
beantworteten die Frage nach einer Verbesserung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers. Die Gutachten vermögen daher auch in der Beurteilung der medizinischen Situation in den Schlussfolgerungen der Gutachter zu überzeugen. Die Teilgutachten und die Gesamtbeurteilung
von
Dr.
P._
,
Dr.
Q._
und
Dr.
R._
erfüllen
somit
die Anforderungen an den Beweiswert
medizinischer
Gutachten (vgl. E. 5.3)
, weshalb darauf
abgestellt werden
kann
.
6.3
RAD-Ärztin
Dr.
O._
stellte darauf ab, dass abweichend zum Teilgutachten von
Dr.
R._
von einer bewussten Aggravation des B
eschwerdeführers auszu
gehen sei (E. 4.9 und 4.10).
Dem psychiatrischen Teilgutachten von
Dr.
R._
ist, wie erwähnt, voller Beweiswert beizumessen.
Daraus folgt, dass nicht
ohne Weiteres von
der Einschätzung
des Gutachter
s
zum Vorliegen einer bewusstseins
fernen Aggravation abgewichen werden
kann
,
zumal
der Gutachter
seine Beurteilung
ausführlich begründete.
Der Beschwerdeführer wies
zu Recht darauf hin, dass
die Beschwerdegegnerin
andernfalls
zur Klärung offener Fragen
und bei divergierender Beurteilung durch die Gutachter
zunächst
Rückfragen an
die Gutachter
hätte
stellen müssen (
Urk.
1 S. 7 f.), was sie als nicht erforderlich erachtete
.
Die
Begründung
der RAD-Ärztin
, wonach es sich um eine klare
und vom Gutachter abschliessend beurteilte
Inkongruenz gehandelt
habe und Rück
fragen unter Umständen suggestiv hätten verstanden werden können, leuchtet nicht ein (
Urk.
7/229 S. 5
Ziff.
4)
.
Soweit RAD-Ärztin
Dr.
O._
abweichend zum psychiatrischen Teilgutachten
zur Annahme
einer bewussten Aggravation gelangte, kann
ihr
im Übrigen
nicht gefolgt werden
.
Zunächst ist zu bemerken, dass
ihre Einschätzung nicht auf einer persönlichen Untersuchung des
Beschwer
deführers beruht
, während
der Gutachter seine Einschätzung gestützt auf die bei der Exploration gewonnenen persönlichen Eindrücke begründen konnte.
Sodann erschöpft sich auch ihre ausführliche Stellungnahme in diesem Punkt im Wesent
lichen in der Wiedergabe der theoretischen versicherungsmedizinischen Erkennt
nisse, ohne bezogen auf den konkreten Fall aufzuzeigen, weshalb auch in der psychiatrischen Untersuchung von einer bewussten Aggravation auszugehen
gewesen
wäre
. Auch lässt sich
entgegen ihrer Auffassung
nicht ohne weiteres von der in der einen (neuropsychologischen) Untersuchung festgestellte Aggravation auf eine solche in einer anderen (psychiatrischen) Untersuchung schliessen, zumindest nicht, soweit – wie hier – andere Beschwerden zu beurteilen sind
(
Urk.
7/229 S. 3 ff.
Ziff.
2
, S. 5
Ziff.
3
).
Was schliesslich die seitens RAD-Ärztin
mangels einer Remission
in Frage gestellte Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung angeht (
Urk.
7/229 S. 3
Ziff.
1), so stellte
Dr.
R._
ledig
lich fest, dass deren vollständige Remission nicht dokumentiert sei, nicht aber, dass sie nicht eingetreten sei. Zusammenfassend vermag die Einschätzung der RAD-Ärztin
an der
Beweiswertigkeit des psychiatrischen Gutachtens von
Dr.
R._
nicht
s
zu ändern.
6.4
Nach ständiger Rechtsprechung beurteilt das Sozialversicherungsgericht die Gesetzmässigkeit der Verwaltungsverfügungen beziehungsweise der
Einsprache
entscheide
in der Regel nach dem Sachverhalt, der zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens gegeben war. Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsver
fügung sein (BGE 130 V 138 E. 2.1 mit Hinweis). Jedoch sind Tatsachen, die sich erst später verwirklichen, insoweit zu berücksichtigen, als sie mit dem Streit
gegenstand in engem Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurtei
lung im Zeitpunkt des Erlasses der Verwaltungsverfügung beziehungsweise des
Einspracheentscheides
zu beeinflussen (BGE 121 V 362 E. 1b, 99 V 98 E. 4; Urteil des Bundesgerichts 8C_95/2017 vom 15. Mai 2017 E. 5.1 mit Hinweisen).
Der Bericht der Ärzte der Klinik
T._
vom
9.
November 2021 (
Urk.
14/2)
über einen
vorgesehenen
Klinikaufenthalt (
Urk.
14/2 S. 3
E. 3.7
)
betrifft einen S
achverhalt, der sich
nach Erlass der angefochtenen V
erfügung vom 2
5.
März 2021
ereignet hat
und nicht geeignet ist, die Beurteilung i
m Verfügungsz
eitpunkt zu beeinflussen
.
Der Bericht kann daher im vorliegenden Verfahren nicht berück
sichtigt werden.
Insoweit sich gestützt darauf nach Verfügungserlass eine Verschlechterung ergeben haben sollte,
wäre
dies im Übrigen mit dem gutachter
lich festgestellten fluktuierenden Verlauf vereinbar. Sollte sie von Dauer sein, wären allenfalls sich daraus ergebende Ansprüche im Rahmen einer Neuanmel
dung zu prüfen.
6.5
Der medizinische Sachverhalt ist
nach dem Gesagten
als dahingehend erstell
t
zu erachten, dass in der angestammten Tätigkeit als LKW-Chauffeur eine Arbeits
unfähigkeit von 100
%
besteht. Für eine behinderungsangepa
sste Tätigkeit
liegt
gesamthaft eine Arbeitsunfähigkeit von
neu
50
%
vor
.
Aus somatischer Sicht hat sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers bei einem chronischen
lumbospondylogenen
Syndrom und einem chronischen
Cervicalsyndrom
im Vergleich mit dem Vorgutachten der
E._
von 2009 (E. 3.6) nicht wesentlich verändert (E. 4.6.2). Hingegen
ist
aus psychiatrischer Sicht
von einer
Verbesse
r
ung des Gesundheitszustandes auszugehen
, da
neben einer
unveränderten
chronischen Schmerzstörung
aufgrund der
neu
erhobenen Befunde
noch
von einer
mittelgradige
n
statt schweren
depressive
n
Episode
und eine
r
Arbeit
sun
fähigkeit von 50 % anstelle von
zuvor
100
%
auszugehen ist
.
Dies führt zur umfassenden allseitigen Prüfung des Rentenanspruchs in rechtlicher und tatsäch
licher Hinsicht (E. 1.3).
6.
6
Zu prüfen bleibt
, ob die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf eine Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (vorstehend E. 5.5-5.6). Eine schlüssige Prüfung der massgebenden Standardin
dikatoren erweist sich gestützt auf das überzeugende Gutachten von
Dr.
R._
(
Urk.
7/214/1-41)
als möglich.
Im Rahmen der ersten Kategorie des «funktionellen Schweregrades» bestehen mit Bezug auf den Komplex Gesundheitsschädigung
als psychiatrische Diagnosen eine rezidivierende depressive Störung, aktuell mittelgradige depressive Episode, und eine chronische Schmerzstörung mit körperlichen und psychischen Faktoren (E. 4.7.3).
Die diagnoserelevanten Befunde erweisen sich
dabei
als mittelgradig ausgeprägt
; so
war die Grundstimmung mittelgradig depressiv ausgelenkt und die affektive Modulierbarkeit mittelgradig beeinträchtigt (
Ziff.
4 S. 22) und es ergab sich
aus der Gewichtung beider psychiatrischer Krankheitskomponenten gemäss Mini-ICF-App eine mittelgradige Leistungseinschränkung hinsichtlich Belastbar
keit, Durchhaltefähigkeit, Anpassungs- und Interaktionsfähigkeit und situativer und interpersoneller Flexibilität
(
Ziff.
4.3 S. 52,
Ziff.
7.4 S. 38)
.
Damit stimmen gemäss Gutachter
auch
die
bei
der Observation
im Jahr 2016
gezeigten Alltags
aktivitäten
überein
. Dem Beschwerdeführer waren Aktivitäten wie Einkaufen
in der Migros
, der Besuch eines Restaurants
und
Treffen von Bekannten trotz der psychischen Beschwerden möglich
(vgl. Abklärungsbericht vom
8.
November 2016,
Urk.
7/182/2-23)
.
In Bezug auf den Behandlungserfolg sind eine teilstatio
näre Behandlung in der Tagesklinik des Psychiatriezentrums
B._
2010 und eine stationäre Behandlung in der
Klinik J._
2012 zu verzeichnen (
Ziff.
7.1 S. 32); ferner ist eine medikamentöse Behandlung im therapeutisch relevanten Bereich erstellt bei
einer alle drei Wochen bis
monatlich
stattfindender
Behandlung durch
Dr.
Z._
seit November 2015 (E. 4.3), wobei die fachärzt
lich psychiatrischen, stationären und teilstationären und medikamentösen Behandlungsversuche als leitliniengerecht beurteilt wurden (
Ziff.
7.2 S. 36).
Damit ist im Hinblick auf die Schmerzproblematik von einer gewissen Behand
lungsresistenz auszugehen, während
es zu einer Verbesserung
der depressiven Symptomatik
von einer schweren depressiven Störung 2009 zu einer mittelgra
digen depressiven Störung gekommen
ist
.
Gemäss
Dr.
R._
ist darin
-
im Rahmen des
von ihm geschilderten
fluktuierenden Verlaufs
-
auch
eine
grund
sätzliche
Behandlungs- und Besserungsfähigkeit der
rezidivierenden depressiven Störung
zu sehen
(E. 4.7.3 hiervor).
Eine Komorbidität besteht insofern, als das aus rheumatologischer Sicht diagnostizierte chronische
lumbospondylogene
Syndrom rechts und das chronische
Zervikalsyndrom
sich zusätzlich, wenn auch nur im Hinblick auf das Belastungsprofil, einschränkend auswirken.
Der Komplex «Gesundheitsschädigung» erweist sich daher
insgesamt
als
mittelgradig
ausge
prägt.
Dr.
R._
gab
zur Persönlichkeitsstruktur an
, dass der Beschwerdeführer über Ressourcen
, eine Leistungsreserve
und ein gutes intelle
ktuelles Ausgangsnive
au verfügt
(
E. 4.7.3). Hierauf kann er bei
der Wiederaufnahme einer
Erwerbstätigkeit
zurückgreifen
.
Eine soziale Isolation besteht nicht
, trifft er sich doch mit einem Kollegen und verfügt über ein intaktes familiäres Netz
.
Bei
m beweisrechtlich entscheidenden verhaltensbezogenen Aspekt
der Konsistenz ist ebenfalls auf das bei der Observation gezeigte Aktivitätsniveau
des Beschwer
deführers
hinzuweisen
. Dem von ihm geschilderten Tagesablauf ist unter anderem zu entnehmen, dass er um sieben Uhr aufsteht, seine Medikamente einnehme und dann eine halbe Stunde frühstücke. Dann gehe er 45 bis 60 Minuten am See spazieren, mittags esse er gemeinsam m
it
seiner Frau, danach nehme er ein Antidepressivum, schaue etwas fern oder schlafe ein wenig. Manchmal mache er auch den Abwasch oder sauge etwas Staub. Bei schönem Wetter mache er wieder einen Spaziergang. Gegen 16 Uhr komme seine Frau zurück, wenn die Söhne da seien, esse man gemeinsam zu Abend. Dann schaue er wieder fern oder mache mit seiner Frau einen Spaziergang. Nach der Einnahme seiner Medikament
e
gehe er um 22.30 Uhr schlafen. Sein einziges Hobby seien die Blumen auf dem Balkon. Seinen Bruder in
U._
besuche man alle zwei bis drei Monate,
nach S._
fahre er einmal im Jahr (S. 20)
. Damit ist eine gleichmässige Ein
schränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen Lebensbereichen zu bejahen
. Angesichts der seitens Gutachter als leitliniengerecht erachteten
und zur Fortsetzung empfohle
nen
Therapie, welche unter anderem einen – wenn auch weiter zurückliegenden – stationären Aufenthalt und die ambulante Therapie bei
Dr.
Z._
umfasst, und der erstellten
Medikamentencompliance
ist
ein gewisser
Leidensdruck ausgewiesen
.
E
ntsprechend der Beurteilung durch die Gutachter
ist
nach Durchführung des strukturierten Beweisverfahrens
für die angestammte Tätigkeit von einer Arbeits
un
fähigkeit von 100
%
auszugehen
, die bereits zum Zeitpunkt der
Rentenzu
sprache
im Jahr 2011 bestand
. Für eine behinderungsangepasste Tätigkeit
besteht eine
Arbeitsunfähigkeit von 50
%
beziehungsweise eine
Arbeitsfähigkeit von 50
%
, dies im Längsverlauf
seit Juni 2016
(
Ziff.
4.7-4.9 S. 54)
.
6.7
In Anwendung von
Art.
88
bis
Abs.
2
lit
. a IVV erfolgt
eine
Rentenherabsetzung frühestens vom ersten Tag des zweiten der Zustellung der Verfügung folgenden Monats an, vorliegend mithin ab
1.
Mai 2021 (E. 1.5).
Die Beschwerdegegnerin warf dem Beschwerdeführer im Zusammenhang mit der
ab
Juni 2016
attestierten
gesundheitlichen Verbesserung eine Verletzung
seiner
Meldepflicht
vor
, welche zur rückwirkenden Rentenaufhebung führe
. Aus psychi
atrischer Sicht liegt zwar neben einer chronischen Schmerzstörung
eine Verbesserung
im dem Sinne
vor,
als
Dr.
R._
eine rezidivierende depressive Störung bei einer
neu
mittelgradigen depressiven Episode diagnostizierte
und eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
attestierte
.
Dabei handelt es sich grundsätzlich um eine erhebliche Verbesserung.
Der Gutachter
ging jedoch auch von einem
fluktuierenden
Verlauf der depressiven Erkrankung
aus (
vorstehend
E. 4.7.3).
Damit
ist fraglich
, ob eine Verbesserung hin zu einer mittelgradigen depressiven Episode für den Beschwerdeführer
bei
der vorausgesetzten gebotenen
Aufmerk
samkeit
überhaupt zu erkennen war
, zumal die
gleichzeitig bestehende
Schmerzsymptomatik
seit Jahren unverändert geblieben ist
.
Dem Beschwerdefüh
rer kann bei gebotener Aufmerksamkeit
letztlich
kein
Vorwurf im Sinne der Erkennbarkeit
der
gesundheitlichen Verbesserung gemacht werden
.
Daran ändern auch die im Rahmen der Observation festgestellten Aktivitäten nichts, korrelieren diese doch lediglich mit den erhobenen Befunden.
Es fehlt daher an einer schuld
haften Verletzung der Meldepflicht durch den Beschwerdeführer
(vorstehend
E.
1.
6)
.
Die seit Juni 2016 angenommene gesundheitliche Verbesserung mit einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
in einer behinderungsangepassten Tätigkeit
ist daher
mangels einer Verletzung der Meldepflich
t
erst
für
die Zukunft zu berücksichti
gen.
Damit bleibt es bei der Rentenanpassung ab
1.
Mai 202
1.
7.
7.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2
, 128 V 29 E. 1
).
7.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 145 V 141 E. 5.2.1, 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1).
Ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die versicherte Person die bisherige Tätigkeit unabhängig vom Eintritt der Invalidität nicht mehr ausgeübt hätte, kann das
Valideneinkommen
auf Grundlage der vom
Bundesamt
für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) berechnet werden, wobei die für die
Entlöhnung
im Einzelfall gegebenenfalls relevanten persönlichen und beruflichen Faktoren zu berücksichtigen sind (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenver
sicherung, 3. Auflage 2014,
Rn
55 f. zu Art. 28a). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwen
den (BGE 143 V 295 E. 4.1.3).
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgege
benen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5
.2, 129 V 472 E. 4.2.1
). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E
. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1). Die Verwendung der Tabellenlöhne
ist subsidiär, das heisst deren
Beizug
erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BG
E
142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/
Reichmuth
,
Bundesgesetz
über die Invalidenversicherung, 3.
Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
7.3
Nach der medizinischen Beurteilung ist dem Beschwerdeführer die angestammte Tätigkeit als LKW-Chauffeur nicht mehr möglich
. D
as Arbeitsverhältnis mit der
Y._
, wo er seit dem 1
2.
Juli 1999 als Wagenführer tätig
gewesen war
, löste er per 3
1.
Juli 2005
– offenbar
im Rahmen einer Reorganisation in deren Rahmen er auch eine Abfindung von
Fr.
40'000.-- erhielt (
Urk.
7/5
) - selber auf
(
Urk.
7/16). Damit ist nicht davon auszugehen, dass er im Gesundheitsfall dort weiterhin tätig wäre, weshalb
zur Ermittlung des
Valideneinkommen
s
die Tabellenlöhne
heranzuziehen sind
. Unter Berücksichti
gung der relevanten persönlichen und beruflichen Faktoren, insbesondere der langjährigen Erfahrung als LKW-Chauffeur mit entsprechendem Ausweis (
Urk.
7/1), erscheint es sachgerecht, auf den Wert
der Tabelle TA1_tirage_skill_level 2018, Kompetenzniveau 2, Männer, Sektor 3 Dienstleis
tungen, Ziffer 53 (Post, Kurier- und Expressdienste)
von
Fr.
5'
787
.
--
monatlich
abzustellen
. Angepasst an die Nominallohnentwicklung (Tabelle T39 Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der Reallöhne) und die betriebs
übliche Arbeitszeit (
T
03
.02.03.01.04.01 Betriebsübliche
Arbeitszeit
nach Wirtschaftsabteilungen
) für das Jahr 2020 als – im Zeitpunkt der Rentenan
passung 2021 - aktuellster veröffentlichter Wert ergibt dies ein
Valideneinkom
men
von rund
Fr.
73'612.65 (
Fr.
5’787.—x 12 : 4
0 x 41.7 : 2260 x 2298)
.
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist
angesichts der aus medi
zinischer Sicht noch zumutbaren Tätigkeiten
vom Tabellenlohn
TA1_tirage_
skill_level
2018, Kompetenzniveau
1
,
Total, Männer,
von
Fr.
5'
417
.-- monatlich
auszugehen.
Nach dem von
Dr.
Q._
und RAD-Arzt
Dr.
M._
aufgestellten Belastungsprofil sind dem Beschwerdeführer leichte und mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten
mit einem Arbeitspensum
von 50 % möglich (E. 4.6.2 und 4.8)
.
Rechtsprechungsgemäss ist der Umstand allein, dass nur noch leichte bis mittelschwere Arbeiten zumutbar sind, auch bei einge
schränkter Leistungsfähigkeit kein Grund für einen zusätzlichen leidensbedingten Abzug,
weil der Tabellenlohn im Kompetenzniveau 1 bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten umfasst (Urteil des Bundesgerichts 9C_507/2020 vom 29. Oktober 2020 E. 3.3.3.2 mit Hinweisen)
. Als lohnmindernd wirkt sich im vorliegenden Fall hingegen Teilzeitarbeit in einem Pensum von 50
%
aus, zumal sich gemäss Tabelle T18
,
Monatlicher Bruttolohn nach Beschäf
tigungsgrad,
beruflicher Stellung und Geschlecht, Privater und öffentlicher Sektor
,
bei einem Pensum von 50-74
%
im untersten Kompetenzniveau
bei Männern
eine Lohndifferenz von
Fr.
261.-- entsprechend etwa 4
%
ergibt. Angepasst an die Nominallohnentwicklung und die betriebsübliche Arbeitszeit im Jahr 2020 sowie unter Berücksichtigung eines leidensbedingten Abzugs von 5
%
ergibt dies ein Invalideneinkommen von
Fr.
32'730.40
(
Fr.
5'417.-- x 0.5 x
12 :
40 x 41.7: 2260 x 2298 x 0.95).
Vergleicht man das
Valideneinkommen
von
Fr.
73'612.65
mit dem Invalidenein
kommen von
Fr.
32'730.40
resultiert eine Erwerbseinbu
sse von
Fr.
40'882.25
, was einem
Invaliditätsgrad von
5
6
%
entspricht.
Somit besteht
ab Mai 2021
ein Anspruch auf eine halbe Rente.
7.4
Zusammenfassend besteht bis
zum 3
0.
April 2021 Anspruch auf die bisherige ganze Rente.
Die per Ende September 2018 sistierte Rente ist dem Beschwerde
führer
daher bis und mit April 2021
rückwirkend auszurichten
.
Ab dem
1.
Mai 2021 besteht aufgrund einer Verbesserung des Gesundheitszustandes noch ein Anspruch auf eine halbe Rente.
8.
8.1
Bei Personen, deren Rente revisionsweise herabgesetzt oder aufgehoben werden soll, sind nach mindestens fünfzehn Jahren Bezugsdauer oder wenn sie das 55. Altersjahr zurückgelegt haben, praxisgemäss in der Regel vorgängig Eingliederungsmassnahmen durchzuführen, bis sie in der Lage sind, das medi
zinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial mittels Eigenan
strengung auszuschöpfen und erwerblich zu verwerten. Ausnahmen von der
diesfalls
grundsätzlich («vermutungsweise») anzunehmenden Unzumutbarkeit einer Selbsteingliederung liegen namentlich dann vor, wenn die langjährige Absenz vom Arbeitsmarkt auf invaliditätsfremde Gründe zurückzuführen ist, wenn die versicherte Person besonders agil, gewandt und im gesellschaftlichen Leben integriert ist
oder
wenn sie über besonders breite Ausbildungen und Berufserfahrungen verfügt. Verlangt sind immer konkrete Anhaltspunkte, die den Schluss zulassen, die versicherte Person könne sich trotz ihres fortgeschrittenen Alters und/oder der langen Rentenbezugsdauer mit entsprechender Absenz vom Arbeitsmarkt ohne Hilfestellungen wieder in das Erwerbsleben integrieren. Die IV-Stelle trägt die Beweislast dafür, dass entgegen der Regel die versicherte Person in der Lage ist, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial auf dem Weg der Selbsteingliederung erwerblich zu verwerten (BGE 145 V 209 E. 5.1, Urteil des Bundesgerichts 8C_233/2021 vom 7. Juni 2021 E. 2.3 mit Hinweisen).
8
.2
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 Abs. 1 IVG Anspruch auf Eingliede
rungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Ausübung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Abs. 1
bis
). Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Massnahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsver
mittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
8.3
Der
1963 geborene
Beschwerdeführer bezog seit Januar 2005 eine
Viertelsrente
und seit März 2009 eine ganze Rente
und hatte i
m Zeitpunkt der Erstattung des Gutachtens vom April/Mai 2019 (vorstehend E. 4.5-4.7)
das 5
5.
Altersjahr zurückgelegt
. Damit ist
zu
prüfen, ob vor der Einstellung der Rente Eingliede
rungsmassnahmen
durchzuführen sind
(vorstehend E.
8.
1
). Die Beschwerdegeg
nerin verneinte dies
unter
Hinweis auf die Verletzung der Meldepflicht durch den Beschwerdeführer und darauf, dass es an der subjektiven Eingliederungsfähigkeit des Beschwerdeführers fehle (
Urk.
2 S. 15 f.).
Die Beschwerdegegnerin auferlegte dem Beschwerdeführer bereits mit Schreiben vom
1.
September 2014 die Pflicht, sich
einer Ress
o
urcen
aktivierenden Behandlung zu unterziehen (
Urk.
7/148). Am 2
7.
April 2015 stellte sie
nach Durchführung eines Standortgesprächs (
Urk.
7/159)
fest, dass eine Unterstützung in Form von Beratung und Begleitung nicht angezeigt sei (
Urk.
7/160). Die Beschwerdegegnerin hielt im internen Feststellungsblatt vom 2
7.
April 2015 dazu fest, beim Beschwerdeführer sei keine explizite Motivation sichtbar, alles Mögliche zu unternehmen, um die berufliche Situation zu verbessern (
Urk.
7/159 S. 1 Mitte).
Der psychiatrische Gutachter
Dr.
R._
hielt sodann fest
, dass die Umsetzung eines prinzipiell ableitbaren Leistungspotenzials für eine Teilarbeits
fähigkeit, gegebenenfalls über den notwendigen Zwischenschritt beruflicher Massnahmen im geschützten Rahmen, aufgrund des Verharrens des Beschwerde
führers in der vor allem beruflich völlig
limiterten
dysfunktionalen Position aus fachärztlich psychiatrischer Sicht kaum
erwartbar
sei (
Ziff.
7.2 S. 36,
Ziff.
8.2
S. 38,
Ziff.
8.4 S. 40)
.
Gemäss
Dr.
R._
ist somit auch im Fall von Gewährung beruflicher Massnahmen nicht zu erwarten, dass der Beschwerdeführer die attestierte Teilarbeitsfähigkeit umsetzen wird.
Damit ist
weder
vom Vorliegen
des
subjektiv
erforderlichen Eingliederungs
willens auszugehen
noch erscheinen Eingliederungsmassnahmen als objektiv geeignet
. Demnach ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin einen Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen mit der angefochtenen Verfügung verneint hat. Sollte der Beschwerdeführer seine Haltung geändert haben und an einer Eingliederungsmassnahme teilnehmen wollen, kann er sich bei der Beschwerdegegnerin wi
e
der anmelden, welche darüber neu zu verfügen hätte (Urteil des Bundesgericht 9C_469/2016 vom 2
2.
Dezember 2016 E. 7 und 8C_569/2015 vom 1
7.
Februar 2016 E. 5.2).
9.
9.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).
Die mit
Fr.
900.--
zu bemessenden Kosten
sind
aufgrund des weitgehenden Obsiegens des Beschwerdeführers
der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
9
.2
Nach
§
34
Abs.
1
GSVGer
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Dem anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer ist vorliegen
d
bei einem praxisge
mässen Stundenansatz von
Fr.
220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) eine Prozess
entschädigung von
2’500
.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen.