# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** ae1919c7-3b74-4f05-a8c8-ab6e51590028
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. X._ ist L.1_ Staatsangehörige und wuchs in L.1_ zusammen mit drei Brüdern bei ihren Eltern auf. Ein Bruder ist mittlerweile verstorben. Zum jüngsten Bruder hat sie schon mehrere Jahre lang keinen Kontakt mehr. Der dritte Bruder lebt im O.1_. Abgesehen davon hat sie in L.1_ weder Verwandte noch Familie. Ihre beiden Töchter wohnen in der Schweiz. X._ besuchte in L.1_ zehn Jahre die Grundschule und fünf Jahre die Universität. Seit 23 Jahren ist sie pensioniert. Vorher arbeitete sie als Lehrerin für Russisch und Literatur. Seit 1998 lebte sie in O.2_, vorher in O.3_. Sie erhält eine Rente von umgerechnet rund CHF 200.00 pro Monat.
Im schweizerischen Zentralstrafregister ist X._ nicht verzeichnet.
B. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Graubünden (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) vom 6. Juli 2015, mitgeteilt am 10. Juli 2015, wurde X._ des rechtswidrigen Aufenthaltes gemäss Art. 115 Abs. 1 lit. b AuG für schuldig befunden und mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je CHF 20.00, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von 2 Jahren, sowie einer Busse von CHF 200.00 bzw. im Falle derer schuldhafter Nichtbezahlung zu einer Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen bestraft.
Ebenfalls mit Strafbefehl vom 6. Juli 2015, mitgeteilt am 10. Juli 2015, wurde A._, die Tochter von X._, der Förderung der rechtswidrigen Ein-, Ausreise oder des rechtswidrigen Aufenthalts gemäss Art. 116 Abs. 1 lit. a AuG für schuldig befunden und mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je CHF 70.00, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von 2 Jahren, sowie einer Busse von CHF 400.00 bzw. im Falle derer schuldhafter Nichtbezahlung zu einer Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen bestraft.
Gegen die jeweiligen Strafbefehle erhoben sowohl X._ als auch A._ am 21. Juli 2015 fristgemäss Einsprache.
C. Nach Ergänzung der Strafuntersuchung erhob die Staatsanwaltschaft am 6. Januar 2016 beim Bezirksgericht Prättigau/Davos (seit 1. Januar 2017: Regionalgericht Prättigau/Davos) Anklage gegen X._ wegen rechtswidrigen Aufenthaltes gemäss Art. 115 Abs. 1 lit. b AuG sowie gegen A._ wegen der Förderung der rechtswidrigen Ein-, Ausreise oder des rechtswidrigen Aufenthalts gemäss Art. 116 Abs. 1 lit. a AuG. Der Anklageschrift liegt folgender Sachverhalt zugrunde:
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"Am _ 2014 reiste die L.1_ Staatsangehörige X._ von ihrem Heimatland in die Schweiz, wo sie bei ihrer in O.4_ lebenden Tochter A._ logierte. Für den Aufenthalt in der Schweiz hatte X._ (ausschliesslich) ein 90-tägiges Schengenraum Visum (bewilligungsfreier Touristenaufenthalt), was auch A._ bekannt war. Zwischen dem 15. Januar 2015 und dem 5. Februar 2015 reichte A._ in Absprache mit ihrer Mutter beim Amt für Migration und Zivilrecht Graubünden ein Gesuch um Nachzug von X._ in die Schweiz (Familiennachzugsgesuch) ein.
Obwohl das erwähnte Amt in der Folge weder das Gesuch noch einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz guthiess, blieb X._ nach Ablauf des bewilligungsfreien Aufenthaltes bis am 12. März 2015 ohne gültigen Rechtstitel in der Schweiz bzw. in O.5_. A._ beherbergte und betreute sie, wodurch der Aufenthalt von X._ in der Schweiz erst ermöglicht wurde. Dass sich X._ vom 23. Januar 2015 bis am 12. März 2015 illegal in der Schweiz aufhielt, nahmen beide Beschuldigten zumindest bewusst in Kauf.
Nach Bekanntwerden des unrechtmässigen Aufenthaltes verfügte das Amt für Migration und Zivilrecht Graubünden am 12. März 2015 die Wegweisung von X._. Weil Letztgenannte gleichentags bzw. unmittelbar nach Eröffnung des erwähnten Entscheids beim Empfangs- und Verfahrenszentrum in Altstätten ein Asylgesuch einreichte, konnte die Wegweisung nicht umgesetzt werden."
D. Anlässlich der Hauptverhandlung vom 14. Juli 2016 vor dem Bezirksgericht Prättigau/Davos stellten die Parteien folgende Schlussanträge:
Anträge Staatsanwaltschaft:
"1. X._ sei schuldig zu sprechen des rechtswidrigen Aufenthaltes gemäss Art. 115 Abs. 1 lit. b AuG.
2. Dafür sei sie zu verurteilen:
a) Zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je CHF 20.00.
Der Vollzug der Geldstrafe sei aufzuschieben unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren.
b) Zur Bezahlung einer Busse von CHF 200.00, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 10 Tagen.
3. A._ sei schuldig zu sprechen der Förderung der rechtswidrigen Ein-, Ausreise oder des rechtswidrigen Aufenthaltes gemäss Art. 116 Abs. 1 lit. a AuG.
4. Dafür sei sie zu verurteilen:
a) Zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je CHF 140.00.
Der Vollzug der Geldstrafe sei aufzuschieben unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren.
b) Zur Bezahlung einer Busse von CHF 840.00, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 6 Tagen.
5. Kostenfolge sei die gesetzliche."
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Anträge beschuldigte Personen:
"1. Es sei A._ freizusprechen.
2. Es sei X._ freizusprechen.
3. X._ und A._ seien die entstandenen Anwaltskosten mit 4'687.30 CHF zu entschädigen. Die Kosten seien von der Staatskasse zu tragen."
E. Gegen das am 14. Juli 2016 gefällte, gleichentags mündlich eröffnete und am 18. Juli 2016 ohne schriftliche Begründung mitgeteilte Urteil des Bezirksgericht Prättigau/Davos meldeten X._ und A._ am 22. Juli 2016 Berufung an. Daraufhin teilte das Bezirksgericht Prättigau/Davos den Parteien am 23. August 2016 das begründete Urteil mit. Darin erkannte es, wie folgt:
"1. X._ ist schuldig des rechtswidrigen Aufenthalts gemäss Art. 115 Abs. 1 lit. b AuG. Dafür wird X._ bestraft mit:
a) einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je CHF 20.00. Der Vollzug der Geldstrafe wird unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren aufgeschoben.
b) einer Busse von CHF 200.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse beträgt 10 Tage. Sie tritt an die Stelle der Busse, soweit dieselbe schuldhaft nicht bezahlt wird.
2. A._ wird von der Anklage der Förderung der rechtswidrigen Ein-, Ausreise oder des rechtswidrigen Aufenthalts gemäss Art. 116 Abs. 1 lit. a AuG freigesprochen.
3. Die Untersuchungsgebühren und Auslagen der Staatsanwaltschaft Graubünden betreffend X._ in Höhe von CHF 1'285.00 gehen zu Lasten von X._.
4. Die Untersuchungsgebühren und Auslagen der Staatsanwaltschaft Graubünden betreffend A._ in Höhe von CHF 1'285.00 gehen zu Lasten des Kantons Graubünden.
5. Die Gerichtsgebühr betreffend X._ in Höhe von CHF 2'000.00 geht zu Lasten von X._.
6. Die Gerichtsgebühr betreffend A._ in Höhe von CHF 2'000.00 geht zu Lasten der Bezirksgerichtskasse Prättigau/Davos.
7. X._ schuldet dem Bezirksgericht Prättigau/Davos:
Busse CHF 200.00
Gebühren/Auslagen Staatsanwaltschaft CHF 1'285.00
Gerichtsgebühr CHF 2'000.00
Total CHF 3'485.00
In Rechtskraft erwachsene Bussen und Verfahrenskosten sind innert 30 Tagen nach der Zustellung des Entscheids zu bezahlen.
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8. A._ wird gestützt auf Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO mit CHF 2'252.15 (inkl. Spesen und Mehrwertsteuer) aus der Bezirksgerichtskasse Prättigau/Davos entschädigt.

## Considerations