# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 6d05c6b5-afd2-4c92-b751-c99ca8871704
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt
A. B._ und A._ haben am _ vor dem Zivilstandsamt C._ geheiratet. Aus der Ehe zwischen B._ und A._ sind die gemeinsamen Kinder D._, geboren am _, und E._, geboren am _, hervorgegangen. Seit dem 22. Februar 2019 leben die Ehegatten getrennt.
B. Mit Eheschutzentscheid vom 16. September 2019, mitgeteilt am 18. September 2019, hat der Einzelrichter in Zivilsachen des Regionalgerichts Engiadina Bassa/Val Müstair die Trennungsvereinbarung von B._ und A._ gerichtlich genehmigt (Proz. Nr. 135-2019-121). Demnach sind die Kinder D._ und E._ ab Januar 2020 unter die alternierende Obhut der Mutter (Betreuungsanteil von 70%) und des Vaters (Betreuungsanteil von 30%) gestellt worden, wobei der Vater die Kinder jeden Mittwoch sowie jedes zweite Wochenende von Freitagabend bis Sonntagabend und die Mutter sie während der restlichen Zeit betreut.
C. A._ reichte am 25. August 2021 die Scheidungsklage gegen B._ beim Regionalgericht Engiadina Bassa/Val Müstair ein (Proz. Nr. 115-2021-10).
D. Mit E-Mail vom 6. September 2021 erstattete Dr. med. F._, Co-Leiterin der Kinderschutzgruppe Graubünden, eine Gefährdungsmeldung bei der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Engadin/Südtäler (nachfolgend: KESB Engadin/Südtäler) betreffend E._, wonach gemäss den Angaben der Mutter gegenüber Dr. med. G._, der Kinderärztin von E._, ein Übergriff des Vaters stattgefunden haben soll.
E. Mit E-Mail vom 7. September 2021 leitete die KESB Engadin/Südtäler die Gefährdungsmeldung zuständigkeitshalber an das Regionalgericht Engiadina Bassa/Val Müstair weiter, worauf ein Verfahren betreffend vorsorgliche Massnahmen im Ehescheidungsverfahren eröffnet wurde (Proz. Nr. 135-).
F. Gleichentags verfügte der Einzelrichter in Zivilsachen des Regionalgerichts Engiadina Bassa/Val Müstair mit superprovisorischem Entscheid, dass das Besuchsrecht von B._ betreffend E._ per sofort und bis auf Weiteres sistiert werde.
G. Mit superprovisorischem Entscheid vom 17. September 2021, mitgeteilt am 22. September 2021, ordnete der Einzelrichter am Regionalgericht Engiadina Bassa/Val Müstair die Befragung von E._ durch eine unabhängige
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Fachperson an, hob die Sistierung des Besuchsrechts von B._ wieder auf, ordnete ein durch eine Sozialpädagogin begleitetes Besuchsrecht an und ernannte Rechtsanwältin Dr. iur. K._ als Kindsvertreterin von E._.
H. Nach dem Eingang des Berichts über die Kinderbefragung und die Besuchsbegleitung sowie diverser Eingaben der Parteien und der Kindsvertreterin hob der Einzelrichter mit Entscheid vom 25. November 2021, mitgeteilt am 26. November 2021, sowohl die mit superprovisorischem Entscheid vom 7. September 2021 verfügte Sistierung des Besuchsrechts als auch die mit superprovisorischem Entscheid vom 17. September 2021 angeordnete Besuchsbegleitung auf. Damit lebte die Betreuungsregelung gemäss Eheschutzentscheid vom 16. September 2019 (Proz. Nr. 135-2019-121) wieder auf.
I. Mit Entscheid vom 28. Juni 2022, mitgeteilt am 29. Juni 2022, erkannte der Einzelrichter am Regionalgericht Engiadina Bassa/Val Müstair unter Berücksichtigung der erfolgten Eingaben der Parteien und der Kindsvertreterin im Einzelnen was folgt:
1. Die Betreuungsregelung (Mittwoch, Wochenenden und Ferien) gemäss Entscheid vom 16./18. September 2019 für die Dauer des Scheidungsverfahrens wird bis auf weiteres beibehalten.
2. Der Kindsvater wird verpflichtet, mit seiner Arbeitgeberin raschmöglichst nach Lösungen zu suchen, um die Betreuung der Kinder am Freitag oder am Montag, anstelle des Mittwochs übernehmen zu können.
3. Das Gericht nimmt Vormerk, dass sich die Parteien darauf geeinigt haben, E._ in medizinischen Belangen durch Frau Dr. med. H._, behandeln zu lassen.
4. Die Parteien werden verpflichtet, im Sinne einer Kindesschutzmassnahme, regelmässig an Mediationsgesprächen bei I._, teilzunehmen und mindestens so lange weiterzuführen als eine Einigung bei den Betreuungstagen sowie betreffend den Besuch des zweiten Kindesgartenjahrs von E._ in der öffentlichen oder in der L._ erreicht ist.
5. Das Gericht nimmt Vormerk, dass sich die Parteien darauf geeinigt haben, der Kindsmutter zu erlauben, E._ unpräjudiziell und ohne Kostenfolge für den Kindsvater für das erste Kindergartenjahr in der L._ anzumelden.
6. Das Gericht nimmt Vormerk, dass sich die Parteien darauf geeinigt haben, dass bei E._ im Januar 2023 eine entwicklungspädiatrische Untersuchung am J._ durchgeführt wird und jeder Partei das Recht zusteht, einen Entscheid betreffend
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weitere Beschulung von E._ zu verlangen, sollte im Anschluss an die Untersuchung keine Einigung über die weitere Beschulung von E._ erfolgen.
7. Die Kindsvertretung bezüglich der Sorgerechts- und Betreuungsfragen durch Dr. iur. K._ wird für E._ bis auf weiteres, voraussichtlich bis zum Abschluss des Ehescheidungsverfahrens, aufrechterhalten und für D._ ab sofort und bis auf weiteres, voraussichtlich bis zum Abschluss des Ehescheidungsverfahrens, errichtet.
8. Der Antrag der Kindsmutter und des Kindsvaters auf Einsicht in die audiovisuelle Aufnahme der Sitzung des Gutachters mit E._ wird abgewiesen.
9. Im Übrigen werden die Anträge abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann.
10. Die Gerichtskosten in Höhe von CHF 19'008.60 (Entscheidgebühr CHF 3'500.00, Kosten Gutachten und Besuchsbegleitung CHF 7'168.95, Kosten Vertretung von E._ CHF 8'339.65) gehen in Höhe von CHF 12'672.40 zu Lasten der Kindsmutter und in Höhe von CHF 4'986.20 (CHF 6'336.20 unter Abzug der bereits bezahlten CHF 1'350.00) zu Lasten des Kindsvaters. Die Parteien haben die ihnen auferlegten Kosten dem Gericht innert 30 Tagen zu bezahlen.
11. Die Kindsmutter hat den Kindsvater mit CHF 5'079.85 (inkl. Barauslagen und MwSt.) aussergerichtlich zu entschädigen.

## Considerations