# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 4f779661-c4c5-40db-ae36-58cd9c4afcd2
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1975,
schloss
in Polen eine kaufmännische Ausbildung ab.
I
n
der
Schweiz arbeitete sie zunächst als Serviceangestellte und
vom
1.
Februar 2000
bis 3
1.
März 2001
als Sachbearbeiterin bei der
Y._
in Zürich (
Urk.
5/2/
4
,
Urk. 5
/6).
Die Versicherte meldete sich am 1
5.
August 2
001 bei der Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
unter Hinweis auf Kreislaufprobleme, Müdigkeit und Rückenp
robleme
aufgrund der deswegen gestellten
Verdachts-
Diagnose
eines
Marfan-Syndrom
s
zum Bezug von Leistun
gen der Invalid
en
versicherung an (Urk. 5
/2
/5
).
Gestützt auf das rheumatologische Gutachten
von
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Innere Medizin und Rheumaerkran
kungen, vom 1
4.
März 2002 (
Urk.
5/29) und dessen Ergänzung vom 2
5.
Oktober 2002 (
Urk.
5/46) lehnte die IV-Stelle a
usgehend von einer 100%igen Arbeitsfä
higkeit in einer leidensangepassten, leichten und wechselbelastenden Tätigkeit das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 8. November 2002 ab
(Urk. 5
/47).
1.2
Am 2
3.
Mai 2008 machte die Versichert
e eine wesentliche Verschlech
terung ihres Gesundheitszustandes bei
chronische
n
thorako-vertebrale
n
und lumbo-vertebrale
n
/spondylogene
n
Beschwerden rechtsbetont
geltend (Urk. 5
/55
,
Urk. 5
/59
).
Die IV-Stelle holte bei der
A._
das Gutachten vom
5.
Mai 2011 ein (
Urk.
5/85).
Mit Verfügung vom 2
0.
Oktober 2011 verneinte
sie
eine wesentliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes
und demzufolge einen Rentenanspruch bei einem Invaliditätsgrad von 15
%
(Urk. 5/95
).
Die dagegen von der Versicherten erhobene Beschwerde wies das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich mit Urteil
IV.2011.01231
vom 27.
September 2013 ab
(
Urk.
5/104
).
Auf eine von der Versicherten dagegen erhobene Beschwerde trat das Bundesgericht mit Urteil
8C_829/2013
vom 28.
No
vember 2013 nicht ein
(
Urk.
5/106).
1.
3
Nachdem sie Ende 2015 an Brustkrebs erkrankt war, meldete sich
X._
a
m
20
.
September 2016
abermals
zum Leistungsbezug an
(Urk.
5/120/
4-
6).
Anlässlich des Standortgesprächs vom 2
3.
Januar 2017 gab sie an, i
hre seit 2010
in einem Pensum von etwa 50
%
ausgeübte Tätigkeit als Schmuck-Verkäuferin
(vgl.
Urk.
5/108/3)
sei ihr deswegen gekündigt worden (Urk.
5/132/1-2).
Mit Mitteilung vom 2
7.
Februar 2017
eröffnete
die IV-Stelle der Versicherten, dass berufliche Eingliederungsmassnahmen derzeit wunschgemäss nicht angezeigt seien und der Rentenanspruch geprüft werde (
Urk.
5/138).
In der Folge tätigte die IV-Stelle erwerbliche und medizinische Abklärungen und veranlass
t
e ein polydisziplinäres Gutachten
beim
B._
(
Urk.
5/164,
Urk.
6/168)
.
Das Gutachten
in den Dis
ziplinen Allgemeine Innere Medizin, Orthopädie,
Onkologie
und
Psychiatrie
wurde am 1
5.
November 2018 erstattet (
Urk.
5/176
/1-2
)
. Am 2
7.
März 2019 beantworteten die Experten
Ergänzungsfragen
der IV-Stelle
(
Urk.
5/177
, Urk.
5/181).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
5/183
-
184
) verneinte die IV
Stelle mit Verfügung vom
2
6.
August 2019
den
Anspruch
der Versicherten
auf eine Invalidenrente (
Urk.
5/188 =
Urk.
2).
2.
Dagegen
erhob die Versicherte
mit Eingabe vo
m 2
3.
September 2019 Besch
werde
und ersuchte sinngemäss u
m
die Zusprechung einer halben
Invalidenrente
. I
n prozessualer Hinsicht
beantragte sie die
Gewährung der unentgeltlichen Prozess
führung (
Urk.
1).
In der Beschwerdeantwort vom
2
9.
Oktober 2019
schloss die IV-Stelle auf
Abweisung der Beschwerde (Urk. 4), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom
3.
Dezember 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
11).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
Ver
ordnung über die Invalidenversicherung
,
IVV
), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante
Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hin
weis).
Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkun
gen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisions
rechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, wel
che auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
1.
4
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach
Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die gesamthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018 E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüs
sig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung
am 3
0.
November 2017
noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundes
gerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar
2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.
5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt i
n der angefochtenen Verfügung
fest
,
die Beschwerdeführerin
sei
seit 1
1.
Januar 2016 vollständig arbei
tsunfähig gewesen
;
mit diesem Datum
werde
das Wartejahr eröffnet. Während dieser Zeit sei die Beschwerdeführerin onkologisch therapiert worden
. Ü
berdies
habe sich
ihre
psy
chische Verfassung verschlechtert, weshalb
sie im Februar 2017 eine psychiatri
sche Behandlung aufgenommen
habe
. Nach ärztlicher Beurteilung habe ab Februar 2017 eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
bestanden. Aus somatischer Sicht habe sich diese in angepasster Tätigkeit bis Juli 2017 auf 70
%
gesteigert (
Urk.
2 S. 1). Die psychiatrischen Diagnosen
seien
nicht nachvollziehbar
; die Beeinträch
tigungen sei
e
n nicht
invalidisierend
, weshalb
auf
die
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
aus psychiatrischer Sicht
nicht abgestellt werde
n könne.
Vor
Auftreten
der gesund
heitlichen Einschränkung habe die
Beschwerdeführerin
etwa zu 50
%
gearbeitet; bei
einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
oder 70
%
in einer angepassten Tätigkeit
bestünden
dieselben
Verdienstmöglichkeiten
, weshalb
ein Rentenanspruch nicht entstanden
sei
(
Urk.
2 S. 2).
2.2
Dagegen brachte die Beschwerdeführerin vor, dass sie
seit
November 2015 aus psychischen Gründen nicht
arbeite
beziehungsweise arbeitsunfähig
sei
. Die Gut
achter hätten ihre tiefe Depression nicht berücksichtigt (
Urk.
1).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob bezüglich des Gesundheitszustands
der Beschwer
deführerin
und
ihrer
Arbeitsfähigkeit seit
Erlass der Verfügung vom
20.
Oktober 2011 (
Urk.
5/95), bestätigt mit Urtei
l des hiesigen Gerichts vom 27.
September 2013 (
Urk.
5/
104
),
eine erhebliche Änderung eingetreten ist.
3.
3.
1
Massgeb
end
für die Beurteilung des Gesundheitszustandes im
Referenzz
eitpunkt
war das
polydisziplinäre Gutachten des
A._
vom
9.
Mai 2011
mit Ergänzung vom
14.
Juni 2011 (
Urk.
5/85
,
Urk.
5/89).
Aufgrund der chirurgisch-internistischen, rheumatologischen und psychiatri
schen Untersuchungen
nannten
die Gutachter
innen
folgende Diagnosen mit Ein
fluss auf die Arbeitsfähigkeit:
chronisches panvertebrales Schmerzsyndrom mit aktueller Akzentuierung eines thorakovertebralen und lumbospondylogenen Schmerzsyndroms rechts mit/bei einer leichten Fehlform und Fehlhaltu
ng der Wirbelsäule, einer ausge
prägten muskulären Dekonditionierung mit Haltungsin
suffizienz, myofascialen Zeichen, tendenzieller Hyperlaxizität und kongenitaler Blockwirbelbildung HWK6/7
(
Urk.
5
/85 S. 30)
.
Den intermittierenden Spannungskopfschmerzen, Differenzialdiagnose: Migräne, einer sonstigen anhaltenden affektiven Störung (ICD-10 F34.8) und einem Status nach Varizenoperation rechts 2009 massen die Gutachterinnen keinen
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit be
i (
Urk.
5/85 S. 30).
Zusammenfassend erachteten die Gutachter
innen
die Beschwerdeführerin aus interdisziplinärer Sicht seit jeher sowohl für die aktuelle Tätigkeit als Schmuck
verkäuferin als auch für alle leichten, wechselbelastenden Tätigkeiten (wie auch
a
ls Sachbearbeiterin und Kleiderverkäuferin) als zu 100
%
arbeitsfähig.
Die Tätigkeit als
Servicekraft hingegen
hielten sie
aufgrund der verminderten Belast
barkeit der Wirbelsäule
für un
geeignet
(Urk.
5/
85/34-35
,
Urk.
5/89
)
.
3.2
Im Urteil v
om 2
7.
September 2013 wurde
n
die damals aufliegenden
medizini
sche
n Unterlagen
dargestellt (
Urk.
5/104 E. 2.3). Darauf wird verwiesen.
Das Gericht stellte auf das
als
beweiswertig
eingestuft
e
A._
-Gutachten ab und erwog,
die
IV
Stelle sei
bereits
i
m
damaligen
Vergleichszeitpunkt
im Jahr
2002
zum Schluss gekommen, dass die Beschwerdeführerin
für die damals
zuletzt
- ausschliesslich im Sitzen - ausgeübte und nicht mit idealer statischer Belastung verbundene (Büro-)Tätigkeit aufgrund des muskulären und konditionellen Defi
zits lediglich
zu 50
%
arbeitsfähig
war; h
ingegen
best
and
für eine leidensange
passte, wechselbelastende, körperlich leichte (Büro
)Tätigkeit ohne grössere statische Belastun
gen eine volle Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
5/47)
.
D
er gesundheitliche Zustand der Beschwerdeführerin
stelle
sich
im
Zeitpunkt
des Erlasses der Verfü
gung vom 2
0.
Oktober 2011
trotz
neu
hinzu gekommene
r
Diagnosen in Bezug auf die Auswirkun
gen auf die Arbeits
- und Erwerbs
fähigkeit unverändert dar (
Urk.
5/104 E. 3.4).
4.
4.1
Im vorliegenden Neuanmeldeverfahren si
nd
die
f
olgenden medizinischen
Unter
lagen zu den Akten genommen worden.
4.2
Im November 2015 wurde ein Mammakarzinom diagnostiziert (
Urk.
5/149/2)
, weshalb
im
C._
am 12.
Januar 2016 eine axil
l
äre Sentinel-Lymphonodektomie links, eine Ablatio mammae links sowie eine Komplettierung der axil
l
ären Lymphonodektomie bei positivem Sentinel Lymphknoten durchgeführt wurde
n
(
Urk.
5/149/1
9
)
. Anschliessend unterzog sich die Beschwerdeführerin
vo
n
Februar
bis
Juni 2016 einer adjuvanten Chemothe
rapie sowie
hernach
einer Bestrahlung. Im Anschluss
musste sie
eine antihormo
nelle Therapie auf
nehmen
(
Urk.
5/149/6-9
,
Urk.
5/156/7
-8
).
Laut Bericht
vom
9.
November 2017
von
Dr.
med.
D._
,
Facharzt für
Innere Medizin und
Onkologie,
vom
C._
habe
bis Ende September 2016 aus onkologischer Sicht eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestanden
(Urk.
5/156/2
,
Urk.
5/
1
56/9;
vgl. auch
Urk.
5/145/9
).
Die Leistungsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit sei vermindert (
Urk.
5/156/3).
4
.3
Laut übereinstimmenden Angaben des Arbeitgebers (
Urk.
5/118/5) und der Beschwerdeführerin (
Urk.
5/132/2) war diese seit der Brustoperation
im Januar 2016 arbeit
sunfähig (vgl. auch Urk.
5/118/3-4,
Urk.
5/131).
Im Zeugnis vom 29. September 2016 attestierte
Hausarzt
Dr.
med.
E._
, Facharzt für
Allgemeine Medizin,
ab diesem Tag eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit
(Urk.
5/133).
Gegenüber dem Krankentaggeldversicherer bescheinigte er a
m 22.
März 2017 eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
, entsprechend dem früheren Arbeitspensum und geltend
nunmehr
seit dem
1
3.
Februar 2017 (
Urk.
5/145/6).
A
m 2
6.
April 2017
berichtete
er
dem Krankentaggeldversicherer, die Beschwer
deführerin habe nach Überwindung des ersten psychischen Schocks nach der Mammakarzinom-Diagnose im Sommer 2016 eine chronische Depression ent
wickelt, welche sich gegen Ende 2016 kontinuierlich verstärkt habe. Es bestünden eine ausgeprägte psychische Erschöpfung, Schlafstörungen und vegetative Symp
tome (
Urk.
5/145/3).
Laut
Formularbericht
von
Dr.
E._
vom
6.
September 2017
leidet die Beschwer
deführerin seit 18 Jahren an einem chronischen Lumbovertebralsyndrom bei Hal
tungsinsuffizienz und Grosswuchs. Das Marfan-Syndrom habe genetisch ausge
schlossen werden können. Die Beschwerdeführerin sei nie mehr voll arbeitsfähig geworden. Im November 2015 sei ein Mammatumor diagnostiziert worden. Gleichzeitig sei eine behandlungsbedürftige reaktive Depression aufgetreten. Als Nebenwirkung der medikamentösen Therapie bestünden chronische Arthralgien und Muskelschmerzen (Urk. 5/149/1
2).
Wegen der deutlich eingeschränkten kör
perlichen und psychischen Belastbarkeit erachtete
Dr.
E._
die Beschwerdeführe
rin ab 2
9.
September 2016 und bis auf Weiteres für
vollständig
a
rbeitsunfähig als Boutique-Verkäuferin
(Urk. 5/149/2)
.
Eine wechselbelastende Tätigkeit sei ab
1.
Januar 201
7
für vier Stunden täglich zumutbar (
Urk.
5/149/4).
Ab dem Jahr 2018 könne mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit in einem Pen
sum von etwa 50
%
gerechnet werden (Urk. 5/149/3).
4
.4
Im Februar 2017 nahm die Beschwerdeführerin bei med. pract.
F._
, Fach
ärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
die
Behandlung auf.
Diese
diagnosti
zierte im Bericht vom 3
0.
November 2017 eine Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion gemischt (ICD-10 F43.22) sowie frühere Panikattacken bei
Mammakarzinom (
Urk.
5/157/6).
Mit
dieser
Diagnosestellung habe
die Beschwer
deführerin
zunehmende Ängste und daraufhin eine
depressive Störung
ent
wickelt, die
im Verlauf der Chemo
-
und Radiotherapie deutlich zugenommen
habe
. Massive Schlafstörungen, zeitweise Apathie und eine Antriebsstörung sowie eine ausgeprägte Anhedonie seien rasch hinzugekommen. Unter Einwir
kung der Hormontherapie
sei
in den letzten Monaten eine weitere Verschlechte
rung der Schlafstörungen durch Hitzewallungen in der Nacht sowie Glieder-
und Gelenkschmerzen eingetreten. Aktuell werde die Stimmung von der Beschwerde
führerin als besser beziehungsweise etwas aufgehellt wahrgenommen und beängstigende Gedanken könnten besser abgefangen und kontrolliert werden. Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen würden hingegen persistieren (
Urk.
5/157/7).
Als Schmuckverkäuferin sei die Beschwerdeführerin vom
2.
Februar bis am 14. Juli 2017 vollständig und anschliessend bis am 18. August 2017 zu 50
%
arbeitsunfähig gewesen
wegen
der raschen Erschöpfung verbunden mit Schläf
rigkeit infolge der erhöhten und schnellen Ermüdbarkeit
sowie der massiven Hitze
wallungen
. Die Beschwerdeführerin
sei
als Bijouterie-Verkäuferin für
hohe
Geldbeträge verantwortlich gewesen. Solchen Belastungen fühle sie sich nicht mehr gewachsen. Sie erlebe deutliche Konzentrationsstörungen und eine unge
nügende Anpassungsfähigkeit. Die traurigen, beängstigenden Gedanken über
die
unsichere Zukunft und Angst vor einem Tumorrezidiv wirkten sich massiv ablenkend aus
(
Urk.
5/157/8)
.
Die bisherige Tätigkeit sei nur in einem reduzierten Pensum von 40-50
%
und an einem nicht exponierten Ort denkbar.
Die Psychiaterin
empfahl einen Arbeitsver
such
mit zuerst 20
%
und
mit langsamer Steigerung
(
Urk.
5/157/8).
4.5
4.5.
1
Nach
ihren Untersuchungen der Beschwerdeführerin
im September 2018
nannten
die Gutachter des
B._
im Rahmen ihrer Konsensbeurteilung
folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
5/176/5)
:
-
Mittelgradige depressive Episode
-
Generalisierte Angststörung
-
Chronisches panvertebrales Schmerzsyndrom mit thora
k
overtebralem und lumbospondylogenem Schmerzsyndrom bei leichter Fehlhaltung der Wir
belsäule
-
Muskuläre
Dekonditionierung bei Haltungsinsuffizienz
-
Kongenitale Blockwirbelbildung HWK 6/7
-
Chronische Arthralgien und Muskelschmerzen als Nebenwirkung der endokrinen Therapie
Folgenden Diagnosen massen die Gutachter keine
Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit
zu
(
Urk.
5/176/5):
-
Invasives Mammakarzinom,
nicht-spezifischer Typ (NST)
links (Erstdiag
nose Januar 2016)
-
Anamnestisch Dyspepsie und gastroösophagealer Reflux
-
Rezidivierende chronische Kopfschmerzen (Spannungskopfschmerzen, Migräne)
-
Struma nodosa, seit der Kindheit bekannt (euthyreot
September 2018)
-
Status nach
Hypertonie
-
Status nach Varizenoperation rechts (2009)
Die
B._
-Gutachter
gelangten
im Rahmen der Konsensbeurteilung
zum Schluss,
aus internistischer, allgemeinmedizinischer Sicht finde sich bis auf das Mammakarzinom keine Erkrankung von Belang.
Aus orthopädischer Sicht lägen ein chronisches panve
rtebrales Schmerzsyndrom mit thora
kovertebralen und lumbospondylogenen Schmerzen bei Fehlhaltung und leichter Fehlform der Wirbelsäule, eine ausgeprägte muskuläre Dekonditio
nierung sowie ein Grosswuchs mit einer tendenzielle
n
Hyperlaxität vor. Die Nebenwirkung der endokrinen Therapie führe zusätzlich zu chronischen Arthral
gien und Muskelschmerzen in Armen und Beinen. Die Beweglichkeit im Bereich der linken Schulter sei durch die Mammaablatio eingeschränkt und Überkopfar
beiten
linksseitig
seien
somit
schwierig
(
Urk.
5/176/3).
Aus
onkologischer
Sicht sei das Mammakarzinom lege artis therapiert worden. Die Beschwerdeführerin befinde sich in der Nachsorge. Die Hitzewallungen und Gelenkschmerzen seien am ehesten auf die antihormonelle Therapie zurückzu
führen. Die Cancer Related Fatigue und die Vergesslichkeit seien eine mögliche Folge d
er intensiven Chemotherapie
(
Urk.
5/176/
3-
4)
.
Aus psychiatrischer Sicht erfüllte d
ie Beschwerdeführerin
die Kriterien e
iner mit
telschweren depressiven Episode mit vermindertem Antrieb, einer gesteigerten Ermüdbarkeit, einem Interesse
und
Freudverlust, einer depressiven Stimmung mit starken Stimmungseinbrüchen und
schwankungen und Konzentrations- und Schlafstörungen. Daneben leide sie an einer generalisierten Angststörung. Es seien weder die Kriterien einer hypochondrischen, noch jene einer somatoformen Störung erfüllt (
Urk.
5/176/4).
4.5.2
Betreffend die funktionellen
Auswirkungen
der Befunde und Diagnosen
(Urk. 5/176/6)
legten die Sachverständigen dar, dass
sich
mittelgradige Beein
trächtigungen
i
n den
Bereich
en
der Planung un
d
Strukturierung, der Flexibilität
und Umstellfähigkeit, der Anwendung fachlicher Kompetenzen sowie der Kon
taktfähigkeit zu Dritten und Spontanaktivitäten zeigten. Leicht beeinträchtigt seien die Anpassung an Regeln, die Durchhalte- und Selbstbehauptungsfähigkeit wie auch der Gruppenfähigkeit. Die Beschwerdeführerin zeige dysfunktionale Bewältigungsstrategien mit auf die
Angststörung
zurückzuführende
m
Vermeide
verhalten und damit verbunden eine Neigung zur Passivität. Dies zeige sich aus versicherungspsychiatrischer Sicht auch in der Selbstlimitation bezüglich einer niederprozentigen Arbeitsaufnahme.
Die Fatigue und die Vergesslichkeit
könnten Folge der intensiven Chemotherapie sein. Es dominiere indes das psychiatrische Geschehen und die Folgen der Che
motherapie w
irk
ten
höchstens symptomverstärkend.
Wegen der belastungsabhängigen
Rückens
chmerzen sei die Arbeitsfähigkeit funktionell eingeschränkt für schwere körperliche Arbeit
und
für repetitive Über
kopfarbeit. Das Tragen und Heben von schweren Lasten über 10 kg sei nicht möglich, ebenso
wenig
das Besteigen von Leitern oder Gerüsten.
Die
von der Beschwerdeführerin
beklagten, jedoch nicht objektivierbaren Hitzewallungen, Gelenkschmerzen und Muskelschmerzen würden zu keiner wesentlichen zusätz
lichen funktionellen Einschränkung führen (
Urk.
5/176/6).
Aufgrund der Akten
zeigten
sich gewisse Inkonsisten
zen
. Die B
eschwerdeführerin
habe
angegeben, erst seit der Brustkrebserkrankung psychiatrische Symptome aufzuweisen. Im Gutachten aus dem Jahr 2011 seien aber bereits depressive Symptome, insbesondere Stimmungseinbrüche, Vermeidungsverhalten, Schlaf
störungen und Erschöpfbarkeit mit hoher Tagesmüdigkeit erwähnt
worden
. Damals hätten aber Schmerzen im Vordergrund
ge
standen, welche anlässlich der aktuellen
psychiatrischen
Begutachtung nur einmalig auf Nachfrage erwähnt worden seien (
Urk.
5/176/7).
4.5.3
Die
B._
-Gutachter stuften die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in der
angestammten
Tätigkeit
aus rein psychiatrischer Sicht
auf 20
%
ein.
M
it der Diagnose eines Mammakarzinoms sei die Beschwerdeführerin
seit Januar 2016
zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen.
Retrospektiv
habe
aufgrund des typischerweise schwankenden Verlaufs depressiver Erkrankungen
vermutungsweise
höchstens phasenweise eine etwas höhere Arbeitsfähigkeit vorgelegen.
Spätestens in drei Jahren müsste unter intensiver Therapie das Erreichen einer Arbeitsfähigkeit von 80
%
möglich sein (
Urk.
5/176/8).
Für eine angepasste Tätigkeit gelte gemäss den
Experten des
B._
dasselbe. Eine angepasste Tätigkeit müsse dem Belastungsprofil gemäss orthopädischer Ein
schätzung entsprechen (vgl.
vorstehend
E.
4.5.2
), zusätzlich müsse wegen der
Dekonditionierung auf eine langsame Steigerung der Belastung geachtet werden
(
Urk.
5
/176/8).
Wegen
der Exazerbation der depressiven Störung, wie auch der ausgeprägten Angststörung mit dem Vorliegen eines ausgeprägten Vermeidungsverhaltens mit Neigung zu Passivität
hielten die
B._
-Gutachter eine Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht
für
realistisch. Aufgrund der kognitiven Einbussen mit starken Konzentrationsstörungen sei vorerst ein geschützter Arbeitsort empfehlenswert. In geschützter Umgebung mit engmaschiger psychotherapeutischer Behandlung und
ohne
Leistungsanforderung sei eine niederprozentige Arbeit möglich
, begin
nend mit 20
%
. Die Nebenwirkungen der hormonellen Therapie würden sich mög
licherweise symptomverstärkend auswirken
. Bei gutem Verlauf könne diese in drei Jahren beendet werden. Die Arbeitsunfähigkeit von 80
%
aus psychiatrischer Sicht, diejenige von etwa 40
%
aus onkologischer Sicht sowie die Arbeitsunfä
higkeit von
15
%
aus orthopädischer Sicht würden sich nach Einschätzung der Gutachter teilweise addieren
(
Urk.
5
/176/9).
4.5.4
Auf die
Rückfragen der Beschwerdegegnerin (
Urk.
5/177)
formulierten
der Inter
nist und die Psychiaterin des
B._
am 2
7.
März 2019
folgendes Zumutbarkeits
profil: aus orthopädischer Sicht sei nur eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit oh
n
e repetitives Arbeiten über Kopf möglich. Auch das Heben von Lasten über 10 kg sei nicht möglich, was einer rückenschonenden Tätigkeit mit Wechselbe
lastung entspr
eche.
Wechsel im Sinne von Belastungen im Stehen, Gehen und Sitzen seien not
wendig. Zudem sei das Besteigen von Leitern und auch ständiges Bücken oder Kauern nicht möglich (
Urk.
5/181/1).
Weiter erläuterten sie
unter Verweis auf einen Übertragungsfehler
, dass anlässlich der Konsenskonferenz die rein orthopädische Arbeitsunfäh
i
gkeit unter Berück
sichtigung sämtlicher Aspekte von 0
%
auf 15
%
erhöht worden
sei
, da nicht zuletzt wegen der Dekonditionierung Pausen eingelegt werden müssten und Zeit für die Physiotherapie und das Heimtraining eingerechnet werden müsse. Insge
samt entspreche das einer Gesamtarbeitsunfähigkeit von 15
%
(Urk
.
5/181/2).
D
ie verminderte Sitzungsfrequenz
sei
auf das V
ermeidungsverhalten und
das
«
Krankheitsmodell
»
der Beschwerdeführerin
zu
rückzuführen
,
wonach die
Ursache für die Arbeitsunfähigkeit auf somatische Ursachen zurückzuführen
sei
. Daher bestehe
in Bezug auf die Angsterkrankung und die Behandlungsmöglichkeiten eine Uneinsichtigkeit. Dasselbe gelte für den Vorbehalt gegenüber Psychophar
maka
(
Urk.
5/181/2). Eine Aktivierung werde von der Beschwerdeführerin als Bedrohung empfunden und
zunächst
zur Symptomverstärkung
führen
, so dass Belastungen oder eigenständig durchgeführte Aktivierungen und Veränderung
en
nicht erfolgen könnten (Urk.
5/181/3). Ein Beginn mit einer
mehr
als 20%igen
Arbeitsfähigkeit würde aus diesem Grund sehr bedrohlich wirken und mit grosser Wahrscheinlichkeit zu einem vorschnellen Abbruch führen
.
Die Gutachter gingen von einer möglichen Arbeitsfähigkeit von 80
%
aus
,
unter der Voraussetzung einer erfolgreichen Psychotherapie. Durch das Absetzen der endokrinen Therapie sei eventuell eine weitere leichte Verbesserung zu erzielen
(
Urk.
5/181/4).
4.6
Am 1
5.
April 2019
führte
Dr.
med.
G._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psycho
therapie
,
vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) aus, es
sei
schwierig
,
dem psy
chiatrischen Teilgutachten zu folgen; eine Überprüfung durch den Rechtsanwen
der sei wünschenswert (
Urk.
5/182/11).
In Bezug auf die Angststörung bemerkte sie
, dass im Gutachten keines der zwingend notwendigen Symptome
(
Palpitatio
nen, Schweissausbrüche, Tremor und Mundtrockenheit
, Beklemmungsgefühl, Schlafstörungen)
beschrieben worden sei. Dass Ängste vor einer erneuten Krebs
diagnose bestünden, sei normalpsychologisch, so dass der Diagnose einer gene
ralisierten Angststörung nicht gefolgt werden könne (Urk.
5/182/10).
Aufgrund der Äusserungen der Beschwerdeführerin, dass sie es liebe, kreativ tätig zu sein, Schmuck selber zu machen,
ihr die Natur und leichte Gartenarbeiten Freude bereiten würden und sie soziale Kontakte schätze, könnten weder eine mittelgradige depressive Symptomatik, noch ein Freudverlust
,
noch ein ausge
prägter Antriebsmangel erkannt werden (
Urk.
5/182/10). Hinsichtlich der Sit
zungsfrequenz sei die
Antwort auf die Frage, wie die Reduktion interpretiert wer
den könne, nicht nachvollziehbar.
Die
Beschwerdeführerin
hätte
bereits von Anfang an eine niedrige
Sitzungsf
requenz aufweisen müssen, würde es sich um ein Vermeidungsverhalten handeln. Inkonsistent sei die Aussage der Beschwer
deführerin, sie nehme das Medikament n
icht, weil es nicht wirke (Urk.
5/182/10).
Eine nur
20%
ige Arbeitsfähigkeit
sei mit
Selbstlimitation
begründet worden, was
nicht
angehe. Sie sehe überdies nicht ein, wieso eine aktivierende Massnahme bei einer generalisierten Angststörung bedrohlich wirke (
Urk.
5/182/11).
Aus der Sicht de
r
RAD
-Ärztin
sollte nebst einer adäquaten Therapie mit berufli
chen Massnahmen begonnen werden, dies am ehesten mit einem Pensum von 40-50
%
und einer Steigerung im Verlauf bis 100
%
.
Sie
erachtete eine ruhige, struk
turierte Tätigkeit mit wenig äusserem Druck, wenig Kundenkontakt und in wohl
wollendem Team
für
zumutbar
(
Urk.
5/182/11).
5
.
5
.1
Obschon das
strittige Leistungsgesuch auf einer Neuanmeldung fusst, wurde
den Sachverständigen des
B._
keine Fragen
bezüglich der gesundheitlichen Verän
derung
unterbreitet.
Letztere
beurteilten
demzufolge
zur Hauptsache
die
Leis
tungsfähigkeit
im Zeitpunkt
ihrer
Untersuchung im September 2018
,
während
ihre Expertise eine
ausdrückliche
Einschätzung
des
gesundheitlichen Verlauf
s und der
Frage der
Veränderung
des Gesundheitszustandes seit 2011
vermissen lässt
.
Grundsätzlich
kommt
einer neuen ärztlichen Einschätzung, die sich nicht hinreichend darüber ausspricht, inwiefern im Vergleich zur früheren Beurteilung eine effektive Veränderung des Gesundheitszustands eingetreten ist, für die Belange der Rentenrevision kein genügender Beweiswert zu (Urteil
e des Bundes
gerichts 8C_322/2018
vom 12.
Dezember 2018 E. 2.3,
9C_137/2017 vom
8.
No
vember 2017 E. 3.1
mit weiteren Hinweisen
).
5.
2
Den
medizinischen
Unterlagen
ist zur gesundheitlichen Veränderung gleichwohl zu entnehmen,
dass sich seit
Erlass
der
Verfügung vom 20.
Oktober 2011 der medizinische Sachverhalt insofern verändert hat, als dass
bei der
Beschwerdefüh
rerin
im
November 2015 ein
Brustkrebs
diagnostiziert wurde, der ab Januar 2016
operativ, medikamentös und mittels Bestrahlung behandelt werden musste
.
Dem
zufolge
war sie
unbestrittenermassen
seit Anfang Januar 2016
zu 100
%
arbeits
unfähig (Urk.
5/118/3
5,
Urk.
5/156/2)
.
In der Brustkrebserkrankung ist daher fraglos ein veränderter Sachverhalt
im Sinne eines Revisionsgrundes
zu erblicken.
Laut den Experten des
B._
würden im Weiteren die mittelgradige depressive Episode und die generalisierte Angststörung eine Arbeitsunfähigkeit von 80
%
nach sich ziehen, was eine wesentliche Veränderung gegenüber der
Einschätzung
der
A._
-Gutachter darstellt, die aus psychiatrischer Sicht keine Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit stellten (
Urk.
5/85/30).
Der Umstand, dass die Beschwerdegegnerin mit Eintritt der Arbeitsunfähigkeit im Januar 2016
das
Wartejahr
eröffnete (
Urk.
2 S. 1),
lässt den Schluss zu, dass auch sie eine gesundheitliche Verschlechterung annahm.
Zudem
sprach sie ausdrück
lich von einer Verschlechterung der psychischen Verfassung (
Urk.
2 S. 1).
Mit Blick auf das Wartejahr bleibt
zu bemerken, dass die Beschwerdegegnerin
mit Verfügung vom
8.
November 2002 nurmehr eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Sachbearbeiter
in
ange
n
ommen
hat
, während eine leidensangepasste Tätigkeit
als
vollumfänglich zumutbar
erachtet wurde,
was -
implizite
- zur Verneinung eines
Rentenanspruch
es führte
(
Urk.
5/47
; vgl. dazu auch
das Urteil vom 2
7.
September 2013
Urk.
5/104 E. 3.4).
Ob die Beschwerdeführerin daher ein neues Wartejahr mit Beginn im Januar 2016 zu
bestehen hat
(vgl. das Urteil des
Bunde
sgerichts I 285/02 vom 2
0.
Juni 2003 E.
4.3)
oder
ob bei einer gesundheitlichen Verschlechterung
ein Rentenanspruch
so oder anders
nach
Ablauf der
Frist von sechs Monaten
nach der Neuanmeldung im September 2016 (Art.
29
Abs.
1 IVG
), mithin im März 2017 entstehen würde (vgl. auch BGE 142 V 547 E. 3.2),
ist hier
in Anbetracht der nachfolgenden Erwägungen
nicht weiter zu erörtern
.
Das
unbestrittene
Vorliegen des
Revisionsgrund
es
führt zu einer neuen, an die bisherigen Feststellungen nicht gebundenen Anspruchsprüfung
(vorstehend E.
1.4)
. Die Beschwerdegegnerin
führte dazu aus,
die
psychiatrischen Diagn
os
en
seien nicht nachvollziehbar
,
und sprach ihnen
eine invalidisierende Wirkung ab
. Auf die gutachterlichen Schlussfolgerungen bezüglich Arbeits
(un)
fähigkeit
stellte sie nicht ab und
ging ab Februar 2017 von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit aus, welche
wenige Monate später auf 70
%
gesteigert werden könne
(
Urk.
2 S.
2).
In Anbetracht der ausgewiesenen Arbeitsunfähigkeit in der
früheren,
ausschliess
lich sitzenden Tätigkeit als Sachbearbeiterin bleibt im Folgenden zu prüfen,
wie es sich mit
dem
Beweiswert des
ZMG-Gutachten
s
hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit
verhält
.
5
.3
Der Onkologe de
s
B._
hielt
in seinem Teilgutachten
eine Arbeitsfähigkeit
in einer leidensangepassten Tätigkeit
von
etwa 70-80
%
für zumutbar (Urk.
5/176/39),
während
die Arbeitsunfähigkeit in der Konsensbeurteilung mit 40
%
beziffert wurde (Urk. 5/176/
9
)
, wohl unter Bezugnahme auf die
vom Onko
logen
in der bisherigen Tätigkeit als Verkäuferin bescheinig
ten Arbeitsunfähig
keit von 60-70
% (
Urk.
5/176/39)
.
Diese Diskrepanz blieb im Folgenden ungeklärt
genauso wie die Frage, aus welchen Gründen die eher leichte Tätigkeit als Schmuckverkäuferin nur zu 60-70
%
sein soll
.
Im orthopädischen Teilgutachten
war die Rede von einer
Arbeits
un
fähigkeit von 0
% in einer leidensangepassten Tätigkeit
(
Urk.
5/176/32)
und in der Konsens
beurteilung von 15
%
(
Urk.
5/176/9)
.
Der RAD
Arzt wies zu Recht auf
d
iese Dis
krepanz
hin (Urk.
5/182/7). Im Rahmen der Ergänzung des Gutachtens wurde die
Zumutbarkeitsbeurteilung
mit dem Hinweis auf einen Übertragungsfehler dahin
ge
hend
angepasst, dass
aus orthopädischer Sicht
sowohl in der angestammten als auch in einer leidensangepassten Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 15
%
vor
liege (Urk.
5/181/2)
wegen der
zusätzlichen Pausen
infolge
der Dekonditionie
rung und der erforderlichen Zeit für Physiotherapie und Heimtraining (
Urk.
5/181/2).
In orthopädischer Hinsicht fällt ins Gewicht, dass da
s
Schmerzsyndrom
bereits im Vergleichszeit
punkt im
Oktober 2011 Gegenstand der medizinischen Abklärun
gen
war
.
Die Gutachter des
A._
(
Urk.
5/85/30) und des
B._
(Urk.
5/176/31) nannten praktisch übereinstimmend die Diagnosen
eines
chronischen panverteb
ralen Schmerzsyndrom
s
mit thorakovertebralem und lumbospondylogene
m
Schmerzsyndrom
, so dass die abweichenden Zumutbarkeitsbeurteilungen in Bezug auf eine Verweistätigkeit mit einer Arbeitsfähigkeit von 100
%
(
A._
) beziehungsweise
von 85
%
(
B._
) nicht einleuchten. Dies gilt umso mehr, als d
ie Beschwerdeführerin
a
nlässlich der Begutachtung im
B._
angab
, die körperlichen Schmerzen
seien
seit der Brustkrebserkrankung deutlich in den Hintergrund getreten (
Urk.
5/176/41).
Gemäss den
B._
-Gutachtern
führte die antihormonelle Therapie nach der Brust
k
rebserkran
k
ung
zwar
zu erheblichen Nebenwirkungen in Sinne von chronischen Arthralgien und Muskelschmerzen
, doch
schrieben sie diesen keine wesentlichen
zusätzlichen funktionellen Einschränkungen
zu
(
Urk.
5/176/6). D
ie Mammaablatio
bewirkte
Bewegungseinschränkungen der lin
ken Schulter namentlich in Bezug auf Überkopfarbeiten
, was die Gutachter im Rahmen des
Zumutbarkeitsprofil
s
mit leichten bis mittelschweren wechselbelas
tenden Tätigkeiten berücksichtigten
(
Urk.
5/181/1). Nicht plausibel erscheint die postulierte Einschränkung von 15
%
in einer Tätigkeit, die das Zumutbarkeits
profil erfüllt.
Laut dem
B._
-Gutachten ist die Dekonditionierung Folge von körperlichen Beschwerden
. Allerdings gab
die Beschwerdeführerin dem begutachtenden Orthopäden
an
, dass sie zweimal in der Woche Physiotherapie habe und daneben fast täglich Gymnastik mache, jeden zweiten Tag jogge
, schwimme und Velo fahre (
Urk.
5/176/29).
Unter diesen Umständen
ist eine Dekonditionierung oder eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
von 15
%
in einer Verweistätigkeit aus körperlichen Gründen
nicht
nachvollziehbar
, da
die
Physiotherapie im Rahmen
einer
Erwerbstätigkeit ausgeübt werden k
ann
und
ausgedehnte
sportliche Aktivi
täten
von vornherein nicht geeignet sind,
eine
Einschränkung der
beruflichen
Leistungsfähigkeit nach sich zu ziehen.
Wohl vor dem Hintergrund, dass laut d
en ZMG-Gutachtern
zur Hauptsache die psychiatrischen Beschwerden die Arbeitsfähigkeit ei
nschränken
und zwar zu 80
%
,
erörterten sie nicht im Detail, wie die Zumutbarkeitsbeurteilung allein aus somatischer Sicht ausfällt.
Selbst
wenn
die aus orthopädischer Sicht bescheinigte Arbe
itsunfähigkeit ausser Acht
fallen
soll
,
kann
aus somatischer Sicht die seitens des Onkologen formulierte Einschränkung v
on 20-30
%
nicht ohne Weiteres von der Hand gewiesen werden
, zumal
auch
der Hausarzt
Anfang 2017 lediglich eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
attestierte (vorstehend E. 4.3).
Die
Beschwerdegegnerin
ging
ab Februar 2017
von einer Restarbeitsfähigkeit von 50
%
aus, was nach dem Gesagten
allein aus somatischer Sicht
als wohlwollend erscheint
.
Dem
B._
-Gutachten ist keine Veränderung in dem Sinne zu entneh
men, dass die Arbeitsfähigkeit ab Juli 2017
auf
70
%
gestiegen wäre
und auch der angefochtene Entscheid entbehrt diesbezüglich jeder Begründung.
Zu prüfen bleibt, wie
es
sich
in
psychiatrische
r Hinsicht verhält.
5
.4
Die
B._
-Gutachter
bescheinigten auf der Grundlage der
von ihnen
erhoben
en
mittelgradige
n
depressive
n
Episode und
der
generalisierte
n
Angststörung
eine Arbeitsunfähigkeit von 80
%
.
Entgegen den Angaben der Beschwerdeführerin, wonach die psychiatrischen Symptome mit der Krebserkrankung aufgetreten
sind
, wiesen die Sachverständigen
im Rahmen der Konsistenzprüfung zu Recht
dar
auf
hin
, dass die Beschwerdeführerin bereits im Vergleichszeitpunkt 2011 psychi
at
risch
abgeklärt wurde
(
Urk.
5/176/
7)
.
Die begutachten
d
e Psychiaterin des
A._
diskutierte
damals
die Kriterien sowohl für eine depressive Episode oder eine Dys
thymia als auch für
eine somatoforme Schmerzstörung
, erachtete diese indes als nicht erfüllt. Sie beschrieb ein eher dy
s
funktionales Bewältigungsverhalten mit Neigung zur Passivität und Selbstlimitierung in dem Sinne, dass sich die Beschwerdeführerin auf keinen Fall zutraue, mehr als 50
%
zu arbeiten (Urk.
5/85/34)
.
Inwiefern sich die Verhältnisse seither geändert haben und die zurückhaltendere Zumutbarkeitsbeurteilung der
B._
-Gutachte
r rechtfertigen, haben diese nicht dargelegt.
Es ist nicht auszuschliessen, dass im Zusammenhang mit der Krebser
kra
n
kung
und ihrer Behandlung in psychiatrischer Hinsicht
eine Dekompensation eingetreten ist, wie med. pract.
F._
- allerdings in Unkenntnis der Vorak
ten, weshalb nicht auf ihre Beurteilung abgestellt werden kann - ausgeführt hat. Es wird daher abzuklären sein, ob eine gesundheitliche Veränderung eingetreten
ist
, welche eine abweichende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit rechtfertigt.
In diesem Zusammenhang bleibt festzuhalten, dass die RAD-Ärztin zu Recht die Frage
aufgeworfen
hat, inwiefern
a
ktivierende Massnahme
n oder ein neuer Arbeitsversuch
bedrohlich und symptomverstärkend
wirken sollen
(Urk. 7/182/11; vgl. auch Urk. 5/176/6, Urk.
5/176/46
,
Urk.
5/181/4
)
, zumal
sich
die
Gutachter aus medizinisch-theoretischer Sicht zu
r Arbeitsfähigkeit zu äussern
haben. Es ist auch
nicht ersichtlich, ob und inwieweit
die Experten de
s
B._
das
dysfunktionale
Verhalten
der Beschwerdeführerin
und namentlich
ihre
Neigung zur Passivität
bei der Zumutbarkeitsbeurteilung
ausgeklammert haben
.
Die
B._
-
Gutachter
hielten
im Untersuchungszeitpunkt
eine Arbeitsfähigkeit
von 20
%
für zumutbar und empfahlen zum Einstieg einen
ges
chützten
Arbeitsplatz
und
eine begleitende engmaschige Psychotherapie
(
Urk.
5/176/9)
.
Soweit diese erfolgreich verlaufe, sei eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
möglich (
Urk.
5/181/4).
In Abweichung
von
der
behandelnde
n
Psychiaterin
, welche
die zunächst 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab 1
8.
Juli 2017 auf 50
%
reduzierte (vorstehend E. 4.4; vgl. auch
Urk.
5/176/5)
,
erwähnten die
B._
-Gutachter i
m
gleichen Zeitraum keine Verbesserung, sondern hielten
ohne Auseinandersetzung mit den Vorakten
eine Erhöhung der
2
0%igen Arbeitsfähigkeit erst in
Zukunft
und erst nach der eng
maschigen Psychotherapie für zumutbar
.
Die RAD-Ärztin hat
im Weiteren
zu Recht fest
gehalten
, dass
die
gutachterliche
Einschätzung
der Arbeitsunfähigkeit
rechtsprechungs
ge
mäss mittels Prüfung der Standardindikatoren zu plausibilisieren ist.
Laut Bundesgericht haben nicht nur die Organe der Rechtsanwendung, sondern auch die
begutachtenden Ärzte die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall mit Blick auf die normativ vorgegebenen Kriterien zu beurteilen. Bei der Abschätzung der Folgen aus den diagnostizierten gesund
heitlichen Beeinträchtigungen nimmt zuerst der Arz
t Stellung zur Arbeitsfähig
keit.
Seine Einschätzung ist eine wichtige Grundlage für die anschliessende juris
tische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann
(BGE 141 V 281 E. 5.2).
Die
B._
-Gutachter haben
sich zwar zu den funktionellen Auswirkungen der psy
chiatrischen Diagnosen geäussert sowie
Persönlichkeitsaspekte, Belastungsfakto
ren und Ressourcen wie auch die Konsistenz diskutiert
(Urk. 5/176/6-7). Doch
haben
sie
nicht
sämtliche
beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281)
schlüssig und widerspruchsfrei behandelt und gewürdigt. Namentlich unterblieb eine
Auseinandersetzung
mit dem
«funktionelle
n
Schwe
regrad»
und die K
omplexe
«Gesundheitsschädigung»
und
«Sozialer Kontext»
blie
ben
gänzlich
unbeachtet.
Beim
entscheidend
en
verhaltensbezogene
n
Aspekt der Konsistenz
unterblieb die Beurteilung,
ob die
Einschränkung des Aktivitäten
niveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen
gleichmässig
und der Leidens
druck
ausgewiesen
ist.
Ohne diese Ergänzungen aus medizinischer Sicht kann weder die IV-Stelle noch das Gericht eine zuverlässige Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit aus psychiatri
scher Sicht vornehmen.
Entgegen dem Vorgehen der Beschwerdegegnerin geht es in Anbetracht der gutachterlichen Einschätzung nicht an, d
e
n
von der begutach
tenden Psychiaterin des
B._
erhobenen Befunde
n
und
der
im Rahmen der Kon
sensbeurteilung
postulierte
n
Arbeits
un
fähigkeit
einfach eine invalidisierende Wirkung abzusprechen. V
or dem Hintergrund der durchgemachten Brustkrebs
erkrankung und de
s
Bericht
s
von med. pract.
F._
, die das Beschwerdebild als Anpassungsstörung und depressive Reaktion gemischt fasste (
Urk.
5/157/6)
und
ihrerseits eine Arbeitsunfähigkeit attestierte, kann
eine
eigentliche Prüfung
der
Standardindikatoren aus gutachterlicher Sicht
nicht
unterbl
e
iben.
Es
kann auch nicht auf die Beurteilung
durch
med. pract.
F._
abgestellt werden, da die von ihr diagnostizierte Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion gemischt (ICD-10 F43.22)
wie sämtliche F43.-Diagnosen als ursächli
chen Faktor eines aussergewöhnlich belastendenden Ereignisses bedarf. Obschon die Krebsdiagnose zweifelsfrei zu einer erheblichen körperlichen und psychischen Belastung geführt hat, kann nicht
von einem
Ereignis mit aussergewöhnlichen Bedrohung oder katastrophenartigem Ausma
ss gesprochen werden. Die entspre
chende Diagnose
und die daran angeknüpften Folgen vermögen
daher nicht zu überzeugen.
5.5
Die RAD
-Ärztin
hielt das Gutachten
in Bezug auf die Erkenntnisse aus der
psychiatrische
n
B._
-Begutachtung
nicht
für nachvollziehbar
, sondern
berufli
che Massnahmen in einem
Pensum von 40 bis 50
%
als realistisch
(Urk.
5/182/
10-
11)
. Im Verlauf sollte eine Steigerung bis 100
%
möglich sein, wobei sie sich zum zeitlichen Aspekt nicht äusserte. Mit welcher Begründung
sie zu
dieser Einschätzung
gelangte
,
erläuterte
die RAD-Ärztin
nicht
. Mangels eige
ner Untersuchung formulierte sie keine Befunde, weshalb
auf
die RAD
-Stellungnahme
nicht
abzustellen ist
und
sie
insbesondere die gutachterliche
Kon
sensbeurteilung
nicht
zu ersetzen
vermag
.
5.6
Nach dem Gesagten
greift die
Schlussfolgerung der Beschwerdegegnerin zu kurz, welche einen psychisch begründeten, invalidisierenden Gesundheitsschaden ver
neinte und
sogar die
Zumutbarkeitsbeurteilung der RAD-
Ärztin
(Urk.
5/182/12)
ausser Acht liess
.
Mit diesem Vorgehen unterliess sie auch, das für sämtliche psy
chischen Krankheiten
, namentlich leichte bis mittelgradige depressive Geschehen
erforderliche
strukturierte Beweisverfahren
durchzuführen,
obschon die RAD-Ärztin
die
Überprüfung aus Rechtsanwendersicht
als
angezeigt
erachtet
hatte
(
Urk.
5/182/11).
5.
7
Gesamthaft vermögen die medizinischen Erhebungen und Erkenntnisse der Beschwerdegegnerin nicht zu überzeugen, so dass eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes
mit massgebenden
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
und den
Invaliditätsgrad
nicht abschliessend zu
beurteil
en
ist.
Die ärztlichen Abklärungen sind nach dem Gesagten zu ergänzen.
6
.
Je nach Ausgang der
medizinischen Verhältnisse
wird sich die
Frage nach der anwendbaren
Invaliditätsbemessungsmethode (
Art.
16 ATSG und Art.
28
a
IVG
)
stellen
. Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig ein
zustufen ist
was je zur Anwendung einer anderen Methode der Invaliditätsbe
messung (Einkommensvergleich, gemischte Methode) führt -, ergibt sich aus der Prüfung, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde
(vgl. dazu BGE 142 V 290)
.
D
ie
Beschwerdegegnerin
stufte
die Beschwerdeführerin
mit der
Begründung, diese
habe zuletzt ein Pensum von
maximal
50
%
ausgeübt, entsprechend als
zu
20
50
% erwerbstätig
ein
(
Urk.
5/182/13)
. Nicht berücksichtigt hat
die Beschwer
degegnerin den Umstand, dass die Beschwer
deführerin
vor der erstmaligen Anmeldung zum Leistungsbezug zu 100
%
erwerbstätig
war.
Im Rahmen der Anspruchsprüfung im Jahr 2011 wurde die Beschwerdeführerin
dementsprechend als
im Gesundheitsfall voll erwerbstätig eingestuft
(vgl. Feststellungsblatt vom 2
0.
Oktober 2011,
Urk.
5/94/7)
, obschon sie seit 2010 nur teilzeitig als
Verkäufe
rin in einem Schmuckgeschäft tätig
war
(
Urk.
5/134).
A
uch vor dem Hintergrund der Kinderlosigkeit der Beschwerdeführerin sowie
der
knappen finanziellen Ver
hältnisse von ihr und ihrem Ehemann
, der seinerseits von einer Invalidenrente und Zusatzleistungen lebt
(
Urk.
5/132/3 und
Urk.
9 S. 3,
Urk.
10/2,
Urk.
10/6
)
,
ist eine lediglich 50%ige Arbeitstätigkeit im
massgebenden hypothetischen
Gesund
heitsfall nicht
hinreichend erstellt
.
Soweit die reduzierte Erwerbstätigkeit tatsäch
lich nicht auf gesundheitliche Gründe zurückzuführen
wäre
,
hätte die Beschwer
degegnerin klären müssen, ob
daneben eine Tätigkeit im A
ufgabenbe
reich besteht.
7.
Damit
erweisen sich die
medizinischen und erwerblichen
Abklärungen der Beschwerdegegnerin als unvollständig und es fehlt
an der Grundlage für einen Entscheid. Die Sache ist daher in Gutheissung der Beschwerde an die Beschwer
degegnerin zurückzuweisen, damit diese, nach
ergänzenden Erhebungen im Sinne der Erwägungen
, eine neue Beurteilung
der Neuanmeldung
vornehme und
hernach
über den Leistungsanspruch de
r Beschwerdeführerin
neu verfüge.
8
.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG)
und auf
Fr.
8
00.-- anzusetzen.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung einer Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen
(BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.