# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** baa7a312-92b3-5fee-b668-29a7ee4895dc
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
A._
(Jahrgang
1952)
war durch ihren Arbeitgeber
B._
bei der Stiftung Aben
drot berufsvorsorgeversichert (
Urk.
2/4).
Am 1
4.
Juni 1999 erfolgte im Rahmen der Wohneigentumsförderung (WEF) ein
Vorbezug
für selbstbewohn
tes Wohneigentum in der Höhe von
Fr.
150'000.-- (
Urk.
2/4). Am 1
4.
März 2016, zwei Monate vor ihrer ordentlichen Pensionierung,
verstarb A._
(vgl.
Urk.
1 S. 3).
X._
,
geboren 1990,
Tochter von A._
und alleinige Erbin, machte in der Folge bei der Stiftung Abendrot Todesfallleistungen geltend (
vgl.
Urk.
2/6).
Diese anerkannte, dass
X._
Anspruch auf ein Todesfall
kapital hat. Indessen blieb dessen Berechnung vor dem Hintergrund des erfolgten WEF-Vor
bezugs strittig
(
vgl.
Urk.
2/6).
2.
Mit Eingabe
vom 2
6.
Januar 2017 (
Urk.
1)
erhob
X._
Klage gegen die Stiftung Abendrot und beantragte, die Beklagte sei zu verpflichten, ihr gestützt auf
Art.
35
Ziff.
2 des Leistungsreglements der Beklagten den Betr
ag von
Fr.
75'000.-- (Restbetrag aus Todesfallkapital) nebst Zins zu 5
%
seit 2
9.
April 2016 zu bezahlen (
Ziff.
1 des Rechtsbegehrens). Zudem sei die Beklagte zu ver
pflichten, der Klägerin gestützt auf
Art.
36
Ziff.
4 des L
eistungsreglements
den Betrag von
Fr.
10'700.65 nebst Zins zu 5
%
seit 2
9.
April 2016 zu bezahlen (
Ziff.
2 des Rechtsbegehrens;
Urk.
1 S. 2). Die Stiftung Abendrot schloss in der Klageantwort vom 2
4.
Februar 2017 auf Abweisung der Klage (
Urk.
7 S. 2). Mit R
eplik vom
8.
März 2017 hielt
X._
am Antrag 1 fest, den Antrag 2 zog sie zurück (
Urk.
12 S. 2). Die Stiftung Abendrot
bestätigte
in der Duplik vom 2
3.
Mai 2017
ihren Antrag auf Abweisung der Klage (
Urk.
15 S. 2).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
1.1.1
Gemäss
Art.
20a
Abs.
1 des
Bundesgesetzes über die
berufliche Alters-, Hinter
lasse
nen- und Invalidenvorsorge (BVG
) kann die Vorsorgeeinrichtung in ihrem Reglement neben den Anspruchsberechtigten nach den
Art.
19 (überlebender
Ehegatte), 19a (eingetragene Partnerin oder Partner) und 20 (Waisen) als begüns
tigte Personen für die
Hinterlassenenleistungen
vorsehen, natürliche Personen, die von der versicherten Person in erheblichem Masse unterstützt worden sind, oder die Person, die mit dieser in den letzten fünf Jahren bis zu ihrem Tod unun
terbrochen eine Lebensgemeinschaft geführt hat oder die für den Unterhalt eines oder mehrerer gemeinsamer Kinder aufkommen muss (
lit
. a); beim Fehlen von begünstigten Personen nach
lit
. a: die Kinder der verstorbenen Person, welche
die Voraussetzungen für eine Wa
isenrente nach
Art.
20 nicht erfüllen, die Eltern oder die Geschwister (
lit
. b); beim Fehlen von begünstigten Personen nach
lit
. a und b: die übrigen gesetzlichen Erben, unter Ausschluss des Gemeinwesens (
lit
. c).
1.
1.
2
Nach
Art.
35
Ziff.
1 des Leistungsreglements der Beklagten (Ausgabe
1.
Januar 2015
,
Urk.
2/3)
besteht Anspruch auf die Ausrichtung eines Todesfallkapitals, wenn eine unverheiratete aktiv versicherte Person vor Erreichen des Schlussalters stirbt, ohne dass eine Begünstigungserklärung für eine Le
benspartnerrente abge
geben und ein Altersguthaben erworben wurde.
Nach
Art.
35
Ziff.
2 des Leistungsreglements entspricht die Höhe des Todesfall
kapitals, soweit im Vorsorgeplan nichts
anderes
geregelt wurde, dem halben Al
tersguthaben am Ende des Sterbemonats.
1.
1.
3
Die versicherte Person kann gemäss
Art.
36
Ziff.
1
des Leistungsreglements für die Ausrichtung des Todesfallkapitals mit schriftlicher und zu Lebzeiten der Stif
tung eingereichter Begünstigungserklärung begünstigen: natürliche Person
en, d
ie von der versicherten Person während mindestens zwei Jahren in erheblichem Mass
unterstützt worden sind (
lit
. a). Beim
Fehlen von begünstigenden Personen nach Buchstabe a): die direkten Nachkommen der verstorbenen Personen, die El
tern oder die Geschwister (
lit
. b).
Nach
Art.
36
Ziff.
3
des Leistungsreglements wird das Todesfallkapital ohne An
gabe einer Begünstigungserklärung durch die versicherte Person an die in
Art.
36
Abs.
1
lit
. b genannten Personen in der Reihenfolge direkte Nachkommen, Eltern, Geschwister ausgerichtet.
Sind keine direkten Nachkommen, Eltern oder Ge
schwister vorhanden oder wünscht die versicherte Person ausdrücklich keine Be
günstigung, verfällt das Kapital der Stiftung.
1.2
1.2.1
Art.
331e
Abs.
1 des Obligationenrechts (OR) und
Art.
30c
Abs.
1 BVG sehen vor, dass die versicherte Person bis drei Jahre vor Entstehung des Anspruchs auf Al
tersleistungen von seiner Vorsorgeeinrichtung einen Betrag für Wohneigentum zum eigenen Bedarf geltend machen kann.
Mit dem Bezug wird gleichzeitig der Anspruch auf Vorsorgeleistungen entspre
chend den jeweiligen
Vorsorgereglementen
und den technischen Grundlagen der Vorsorgeeinrichtung gekürzt. Um eine Einbusse des Vorsorgeschutzes durch eine Leistungskürzung bei Tod und Invalidität zu vermeiden, bietet die Vorsorgeein
richtung eine Zusatzversicherung an oder vermittelt eine solche (
Art.
331e
Abs.
4 OR,
Art.
30c
Abs.
4 BVG),
1.2.2
Der bezogene Betrag muss laut
Art.
30d
Abs.
1 BVG von der versicherten Person oder ihren Erben an die Vorsorgeeinrichtung zurückbezahlt werden, wenn das Wohneigentum veräussert wird (
lit
. a); Rechte an diesem Wohneigentum einge
räumt werden, die wirtschaftlich einer Veräusserung gleichkommen (
lit
. b); oder beim Tod der versicherten Person keine Vorsorgeleistung fällig wird (
lit
. c).
1.2.3
Das Leistungsreglement der Beklagten sieht in
Art.
52
Ziff.
2 vor, dass die Ver
pfändungen von Vorsorgeleistungen oder des erworbenen Altersguthabens sowie der
Vorbezug
von Altersleistungen
zum Erwerb von Wohneigentum si
c
h
nach den gesetzlichen Vorschriften des Bundesgesetzes über die Wohneigentumsför
derung mit Mitteln der beruflichen Vorsorge richten.
2.
2.1
Den in der Klage gestellte
n
Antrag 2 zog die Klägerin mit der Replik zurück. Insofern ist die Klage gegenstandslos geworde
n. Zu prüfen bleibt der Antrag
1.
In di
esem Zusammenhang ist
unbestritten, dass die Klägerin Begünstigte im Sinne von
Art.
36 des Leistungsreglements ist und somit grundsätzlich Anspruch auf das Todesfallkapital hat. Strittig ist
, inwiefern der bereits als WEF-
Vorbezug
aus
bezahlte Betrag von
Fr.
150'000.-- bei der Berechnung des Todesfallkapitals zu berücksichtigen ist.
2.2
Die Beklagte stellte folgende Berechnung des Todesfallkapitals an:
Vorhandenes Altersguthaben per 3
1.
März 2016
Fr.
293'271.40
Vorbezug
für Wohneigentum
Fr.
150'000.00
Total
Fr.
443'271.40
Hälfte davon
Fr.
221'635.00
./.
Vorbezug
für Wohneigentum
Fr.
150'000.00
Total fällig
Fr.
71'635.
70
Den Betrag von
Fr.
71'635.70 üb
erwies sie per 1
1.
April 2016 auf
das Konto der Klägerin (
Urk.
2/6, vgl. auch
Urk.
7 S. 5).
2.3
Die Klägerin
bestreitet die Rechtmässigkeit einer
Kürzung der Vorsorgeleistungen in Folge eines getätigten W
EF-Vorbezugs nicht grundsätzlich. Jedoch erachtet sie
die Berechnung der Beklagten mit
der
Auf- und Anrechnung von
Fr.
150'000.--
als
unzulässig.
Gemäss Wortlaut von
Art.
30c
Abs.
4 BVG werde mit dem Vorbe
zug gleichzeitig der Anspruch auf Vor
sorge
leistungen entsprechend den jeweili
gen
Vorsorgereglementen
und den technischen Grundlagen der Vorsorgeeinrich
tungen gekürzt. Im konkreten Fall fehle es aber an einer solchen reglementari
schen Regelung. Das Todesfallkapital gemäss
Art.
35
Ziff.
2 des Leistungsregle
ments an die Klägerin stelle eine überobligatorische Leistung dar.
Deswegen und da
im Leistungsreglement eine
der Bestimmung von
Art.
30c
Abs.
4
BVG
ent
sprechende Grundlage fehle
, bestehe keine Pflicht der Klägerin zur Rückzahlung respektive keine Grundlage für die Auf
-
und Anrechnung gemäss Berechnung der Beklagten. Mit ihrer Vorgehensweise umgehe die Beklagte sodann die gesetzliche Regelung von
Art.
30d
Abs.
1
lit
. c
BVG, welche eine Pflicht zur Rückzahlung verneine.
Richtigerweise betrage
das Todesfallkapital und somit der Anspruch der Klägerin auf Vorsorgeleistungen nach
Art.
35
Ziff.
2 des Leistungsreglements
Fr.
146'635.70 (= Hälfte des ungekürzten Altersguthabens von
Fr.
293'271.40). Unter Berücksichtigung des bereits erhaltenen Betrags von
Fr.
71'635.70 bestehe mithin noch ein Restanspruch von 75'000.-- (
Urk.
1 S. 5 ff.,
Urk.
12 S. 2 ff.).
2.4
Die Beklagte
macht
geltend,
Art.
30c
Abs.
4 BVG sowie der gleichlautende
Art.
331e OR bezögen sich sowohl auf den obligatorischen als auch überobliga
torischen Bereich der beruflichen Vorsorge. Aus diesem Grund sei eine zusätzlic
he reglementarische Regelung für die
Kürzung des WEF-Vorbezugs an die Vorsor
geleistungen, im vorliegenden Fall an das Todesfallkapital, nicht erforderlich (
Urk.
7 S. 4). Weiter hielt die Beklagte fest,
Art.
30d
Abs.
1
lit
. c BVG sehe eine Rückzahlungsplicht der Erben des Versicherten vor, wenn beim Tod des Versi
cherten keine Vorsorgeleistungen fällig werde. Diese Regelung fusse auf der Ge
setzeskonzeption des BVG
, wonach bei Versicherten, die keine rentenberechtigten Hinterlassenen hätten, keine Leistungen erfolgten, namentlich auch kein Todes
fallkapital zur Auszahlung gelange. Vorliegend sei aber unbestrittenermassen ein Todesfallkapital fällig geworden, weshalb gemäss
Art.
30d
Abs.
1
lit
. c BVG e
contrario
keine Rückerstattungspflicht bestehe. Dies bedeute, dass das Todesfall
kapital gemäss
Art.
30c
Abs.
4 BVG sowie
Art.
331
Abs.
4 OR entsprechend dem getätigten WEF-
Vorbe
zug
zu kürzen sei (
Urk.
7 S. 4 f.
).
Art.
30c
Abs.
4 und
Art.
30d
Abs.
1
lit
. c BVG seien demnach für die vorliegende Berechnung des Todesfallkapitals anwendbar, ohne dass dafür zusätzlich eine reglementarische Grundlage erforderlich sei. Abgesehen davon enthalte jedoch das Leistungsregle
ment in
Art.
52
Ziff.
2 eine entsprechende Bestimmung (
Urk.
1
5
S. 3).
3.
3.1
Die Wohneigentumsförderung mit Mitteln der beruflichen Vorsorge ist in den
Art.
30a ff.,
Art.
331d und 331e OR und der Verordnung über die Wohneigen
tumsförderung mit Mitteln der beruflichen Vorsorge (WEFV) geregelt. In
Art.
52
Ziff.
2 des Leistungsreglements wird für den
Vorbezug
von Altersleistungen zum Erw
erb von Wohneigentum darauf verwiesen. Das L
eistungsreglement über
nimmt dadurch
die Regelung von
Art.
30c
Abs.
4 BVG respektive
Art.
331e
Abs.
4 OR, wonach mit dem WEF-
Vorb
ezug
gleichzeitig der Anspruch auf Vor
sorgeleistungen zu kürzen ist. Mithin besteht eine reglementarische Grundlage für das Vorgehen der Beklagten, was die Klägerin verkennt. Vor diesem Hinter
grund kann die Frage
offen bleiben
, ob es für die Kürzung überhaupt einer reg
lementarischen Regelung bedarf. Immerhin ist festzuhalten
, dass die gesetzliche Regelung zur Wohneigentumsförderung den gesamten Bereich der beruflichen Vorsorge betrifft (vgl. dazu Hans-Ulrich Stauffer, Berufliche Vorsorge,
2.
Auflage,
2012,
Rz
. 152 sowie
Rz
. 1128 ff.
,
insbs
. 1135 und 1135). Dies legt
nahe, dass
Art.
30d
Abs.
1
lit
. c BVG
als Grundlage für
die
vorliegende
Berechnung des To
desfallkapitals genügen würde, ohne dass zusätzlich eine reglementarische Grundlage erforderlich wäre.
3.2
Vorliegend
wurde
ein Todesfallkapital fällig. Gemäss
Art.
30d
Abs.
1
lit
. c BVG e
contrario
besteht daher keine Rückerstattungspflicht, was unbestritten ist. In Fäl
len, in denen keine Rückzahlungspflicht besteht, werden die
Hinterlassenenleis
tungen
gekürzt. Damit wird sichergestellt, dass nicht zu Lasten des gesamten Vor
sorgewerks Renten- oder Kapitalleistungen zu erbringen sind (vgl. dazu Hans-Ulrich Stauffer,
a.a.O
,
Rz
.
11
67). Diese Rechtsauffassung findet sich übrigens
auch im Auszug aus Vetter, II. Die aktuelle vorsorg
e
rechtliche Praxis, S. 93 in: 29 Jahre Wohneigentumsförderung mit Mitteln der beruflichen Vorsorge, 201
4, auf wel
chen sic
h die Klägerin beruft
(
Urk.
1 S. 5,
Urk.
2/10
).
3.3
Durch die Rückzahlung beziehungsweise die Kürzung der
Hinterlassenenleistun
gen
soll sichergestellt werden, dass Versicherte mit einem
Vorbezug
gegenüber jenen Versicherten, die keinen
Vorbezug
machen, nicht bessergestellt werden (vgl. Hans-Ulrich Stauffer,
in: Handkommentar zum BVG und FZG, Schnei
der/Geiser
/
Gächter
[Hrsg.], 2010,
Rz
. 7 zu
Art.
30d
BVG
). Der vorliegende Fall bildet ein anschauliches Beispiel dazu
. Ohne
Vorbezug
hätte die Todesfallleistung
- unter Ausserachtlassung der Verzinsung des Vorbezugs -
Fr.
221
'635.-- ([
Fr.
293'271.40 +
Fr.
150'000.--
] :
2) betragen. Folgte man der Berechnung der Klägerin, beliefen sich die Leistungen unter dem Strich auf
Fr.
296'635.70
(
Fr.
150'000.-- [als
Vorbezug
] + 146'635.70 [als Todesfallleistungen]). Dies hätte eine Mehrbelastung der Vorsorgeeinrichtung und der res
tlichen Versicherten zur Folge.
Mit der Kürzung, wie sie die Beklagte vorgenommen hat, wird diese Un
gleichbehandlung vermieden.
Dies führt zur Abweisung der Klage.
4.
Das
Verfahren ist kostenlos (
Art.
73
Abs.
2 BVG).
Art.
73
Abs.
2 BVG schliesst einen Anspruch der obsiegenden
Versicherungsträgerin
auf eine Prozessentschä
digung zwar nicht aus. Indes werden den Trägern der beruflichen Vorsorge ge
mäss BVG beziehungsweise den mit
öffentlichrechtlichen
Aufgaben betrauten Or
ganisationen in Anlehnung an die Rechtsprechung zu
Art.
159
Abs.
2 des bis Ende 2006 in Kraft gestandenen Bundesgesetzes über die Organisation der Bun
desrechtspflege (Bundesrechtspflegegesetz/OG) praxisgemäss keine Parteient
schädigungen zugesprochen. Es besteht kein Grund, bei der Beklagten - trotz ih
res
entsprechenden Antrages (
Urk.
7 S. 2 u. 7
) - anders zu verfahren (vgl. BGE 128 V 133 E. 5b, 126 V 150 E. 4a, 118 V 169 E. 7 und 117 V 349 E. 8, mit Hinweisen; vgl. auch BGE 122 V 125 E. 5b und 320 E. 1a und b sowie 112 V 356 E. 6).