# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 621d9b0e-8939-4a3f-8f78-0b6d371f386e
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_004
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt:
1. Bis im Herbst 2020 liess die Steuerverwaltung des Kantons Graubünden
(KStV) die auf den Kontoauszügen von Banken aufgeführten Kosten beim
steuerbaren Einkommen zum Abzug zu (Ziff. 17.1 der Steuererklärung).
Dann stellte die KStV fest, dass immer mehr Banken "all-in-Gebühren"
(All-in-Fee) anbieten und nicht sämtliche Leistungen in diesem Paket als
Vermögensverwaltungskosten gelten. Sie änderte daraufhin "ihre Praxis"
bzw. wandte ihre eigentlich bisher vorgesehene, aber nicht tatsächlich
gelebte bzw. geprüfte Praxis nun an und liess nur noch die in der
Wegleitung zur Steuererklärung aufgeführten Abzüge zu. Mit Schreiben
vom 9. Oktober 2020 informierte die KStV alle Mitarbeiter im Kommissariat
(Veranlagungsabteilung der natürlichen Personen) und die
mitveranlagenden Gemeindesteuerämter über die Feststellung der All-in-
Fee und das angepasste Vorgehen auf alle noch offenen Fälle. Zudem
wurde der Schweizerische Treuhandverband, Sektion Graubünden, mit
Schreiben vom 15. Dezember 2020 über die Präzisierung der bisherigen
Praxis informiert. Ohne detaillierte Aufschlüsselung von Pauschalkosten
wurde lediglich eine Pauschale zum Abzug zugelassen (max. 2.5 Promille
oder CHF 9'000.--). Diese "Praxispräzisierung" fand von einem Tag auf
den anderen statt. Bei denjenigen Steuerpflichtigen, die vor diesem
Stichtag veranlagt wurden, wurden die Vermögensverwaltungskosten wie
bisher anerkannt, in der Regel gemäss Abrechnung der Bank, sprich auch
Pauschalgebühren.
2. In der Steuererklärung 2018 machten A._ effektive private
Vermögensverwaltungskosten von insgesamt CHF 35'229.-- geltend. Mit
definitiven Veranlagungsverfügungen der Kantons- und Gemeindesteuern
sowie der direkten Bundessteuern 2018 vom 12. März 2021 liess die KStV
lediglich die reinen Vermögensverwaltungskosten in der Höhe von
CHF 10'694.-- zu. Die dagegen erhobene Einsprache von A._ vom
23. März 2021, die sich nicht gegen die Aufrechnung als solche
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(Aufrechnung = nicht vollständiger Abzug der geltend gemachten
Vermögensverwaltungskosten), sondern vielmehr gegen die rückwirkende
Anwendung der "Praxisänderung Herbst 2020" auf die Steuerveranlagung
2018 der Beschwerdeführer richtete, wies die KStV mit Hinweis auf ihre
Praxisänderung mit Entscheid vom 7. April 2021 ab.
3. Gegen diesen Entscheid erhoben A._ (nachfolgend
Beschwerdeführer) am 6. Mai 2021 Beschwerde beim Verwaltungsgericht
des Kantons Graubünden und beantragten, der Einspracheentscheid vom
7. April 2021 sowie die Veranlagungsverfügung vom 12. März 2021 seien
aufzuheben und die Steuerverwaltung anzuweisen, die
Vermögensverwaltungskosten im Umfang von CHF 35'229.-- in Abzug zu
bringen. Sie begründeten dies im Wesentlichen damit, dass die
Steuerverwaltung gegen Art. 8 der Eidgenössischen Bundesverfassung
(BV; SR 101) und Art. 6 EMRK verstosse, wenn sie die "Praxisänderung
Herbst 2020" unmittelbar auf alle noch nicht veranlagten Fälle anwende.
Die Steuerverwaltung handle willkürlich nach Art. 9 BV und verletze den
Gleichbehandlungsgrundsatz nach Art. 8 BV, wenn sie nach erfolgter
Praxisänderung in derselben Veranlagungsperiode unterschiedliche
Massstäbe betreffend Abzugsfähigkeit von Vermögensverwaltungskosten
anwende. Die Steuerbehörden des Kantons Graubünden hätten mit dieser
Praxisänderung eine langjährige, rechtlich korrekte Praxis plötzlich und
unangekündigt geändert und neuerdings "All-in-fee-Gebühren" nicht mehr
zum Abzug zugelassen. Die bisherige Praxis sei grosszügig gewesen,
habe aber nicht gegen geltendes Recht verstossen. Im Rahmen ihres
Ermessens habe die KStV der grosszügigen Abzugsfähigkeit im Herbst
2020 ein Ende gesetzt. Ob die für den Steuerpflichtigen ungünstige
"Praxisänderung Herbst 2020", die nur bei den noch nicht veranlagten
Fällen zur Anwendung gelange, zum Tragen komme, hänge einzig vom
Zufall bzw. dem Arbeitstempo des zuständigen Steuerkommissärs ab, was
mit Art. 8 und Art. 9 BV nicht in Einklang zu bringen sei. Es seien keine
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nachvollziehbaren Gründe für diese rechtsungleiche Behandlung
ersichtlich, weder stünden öffentliche Interessen auf dem Spiel, noch
seien private Interessen auszumachen, die für die rückwirkende
Anwendung der Praxisänderung sprechen würden. Praxisänderungen
seien wie Gesetze zu behandeln, dabei gelte der Grundsatz der
Nichtrückwirkung (BGer 2A.320/2002).
4. Die KStV (nachfolgend Beschwerdegegnerin) beantragte mit
Vernehmlassung vom 26. Mai 2021 die Abweisung der Beschwerde. Sie
führt dazu im Wesentlichen dieselbe Argumentation wie im
Einspracheentscheid an, wonach nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung eine Praxis geändert werden müsse, wenn die Behörde
zur Einsicht gelange, dass das Recht bisher unrichtig angewendet worden
sei oder eine andere Rechtsanwendung dem Sinn des Gesetzes oder
veränderten Verhältnissen besser entspreche. Das Bundesgericht halte
daran fest, dass die Regeln für die Rückwirkung einer Praxisänderung und
bei Rechtsänderungen unterschiedlich seien. Die mit der Praxisänderung
zwangsläufig verbundene Ungleichbehandlung sei unter dem
Gesichtswinkel des Gebots der Rechtsgleichheit hinzunehmen und
verlange lediglich, dass die der alten und der neuen Praxis unterliegenden
Fälle je gleich behandelt würden. Dass die Erwartungshaltung des
Steuerpflichtigen in die im Zeitpunkt der Sachverhaltsverwirklichung
geltende Rechtslage nicht enttäuscht werden solle, und einer
Praxisänderung ein gewisses Überraschungsmoment innewohnen könne,
spiele nur eine Rolle, wenn der Steuerpflichtige die frühere Praxis kenne,
was mangels Publizitätserfordernis nicht erwartet werden könne. Dies sei
der Unterschied zu einer Änderung der Rechtslage. Die Frage, ob es
verfassungsrechtlich geboten sei, bestimmte Erwartungshaltungen des
Steuerpflichtigen nicht zu enttäuschen, stelle sich auch im Licht des
Vertrauensschutzprinzips. Es sei deshalb zu prüfen, ob eine frühere Praxis
als Vertrauensgrundlage herangezogen werden könne. Es stelle sich aber
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die Frage, ob eine behördliche Praxis allgemein als Vertrauensgrundlage
dienen könne. Für Verfahrensfragen werde dies in der Rechtsprechung
bejaht, hingegen werde abgelehnt, dass eine Praxis in Anwendung des
materiellen Rechts als Vertrauensgrundlage dienen könne (BGE 135 II 78
E.3.2).
Im vorliegenden Fall seien in der Wegleitung der Steuererklärung 2018 die
abzugsfähigen und die nicht abzugsfähigen
Vermögensverwaltungskosten festgehalten. Diese Praxis bestehe seit
Jahren und sei unverändert in der Wegleitung 2020 publiziert worden. Im
Jahre 2020 habe die Steuerverwaltung festgestellt, dass immer mehr
Bankinstitute ihre Gebühren für die Vermögensverwaltung mittels sog. All-
in-Fee Pauschalen in Rechnung stellen und auf dem Depotauszug als
Bankspesen ausweisen würden. Dabei seien auch nicht abzugsfähige
Kosten in diesen Fees enthalten. Ein Grossteil der pauschal
ausgewiesenen Kosten der Vermögensverwaltung seien steuerlich nicht
abzugsfähig. Da es sich in vielen Fällen um sehr hohe nicht abzugsfähige
Vermögensverwaltungskosten handle, sei beschlossen worden, dass die
geltend gemachten All-in-Fees (Pauschalgebühren) ab sofort detailliert
nachgewiesen werden müssten, um eine gesetzeskonforme Umsetzung
der geltenden Praxis sicherzustellen. Die Praxisänderung verstosse weder
gegen Art. 8 und Art. 9 BV noch Art. 6 EMRK. Die Tatsache, dass immer
mehr ungerechtfertigte Vermögensverwaltungskosten steuerlich geltend
gemacht würden (All-in-Fee), habe eine Praxisänderung zur
Sicherstellung der korrekten Anwendung des geltenden Rechts förmlich
aufgedrängt.
5. Mit Replik vom 8. Juli 2021 hielten die Beschwerdeführer fest, dass sie
sich nicht auf den Vertrauensschutz berufen würden, sich vielmehr auf das
Rechtsgleichheitsgebot und das Willkürverbot stützten (Art. 8 und 9 BV).
Eine solche Veranlagungspraxis, wonach es vom Zufall abhänge, ob der
Steuerpflichtige für das Jahr 2018 vom zuständigen Kommissariat vor dem
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9. Oktober 2020 veranlagt worden sei oder nach dem Erlass der
Praxisänderung, sei willkürlich. Ein öffentliches Interesse an der sofortigen
Umsetzung der Praxisänderung auf alle noch nicht veranlagten Fälle habe
nicht bestanden, die Beschwerdegegnerin mache zu Recht keine solchen
Gründe geltend. Indem eine klare Abgrenzung der Praxisänderung auf
eine bestimmte Veranlagungsperiode unterlassen worden sei, führe dies
vorliegend zu einer Verletzung des verfassungsmässigen Rechts auf
rechtgleiche Behandlung.
6. Mit Duplik vom 3. August 2021 hielt die Beschwerdegegnerin an ihrem
Antrag fest und führte an, es habe zu keiner Zeit eine bewusste Praxis der
Steuerverwaltung bestanden, wonach nicht abzugsfähige Kosten der
privaten Vermögensverwaltung zum Abzug zugelassen worden wären.
Unter der falschen Annahme, dass die von den Banken auf dem
Steuerauszug pauschal ausgewiesenen "Bezahlte Spesen"
abzugsberechtigt seien, seien diese ohne Einforderung von detaillierten
Nachweisen über deren Zusammensetzung zum Abzug zugelassen
worden. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung hinsichtlich Wirkungen
einer Praxisänderung folge dem Legalitätsprinzip. Die
Beschwerdegegnerin habe umgehend nach Vorliegen der Erkenntnisse
aus ihrer Überprüfung reagiert und die veranlagenden Mitarbeiter und
Gemeindesteuerämter über das neue Vorgehen informiert. Entgegen der
Behauptung der Beschwerdeführerin in der Replik bestehe sehr wohl ein
öffentliches Interesse an der Umsetzung der Praxisänderung. Die
Öffentlichkeit dürfte entgegen der Meinung der Beschwerdeführer grosses
Interesse an einer sofortigen Umsetzung der detaillierten Überprüfung der
Vermögensverwaltungskosten haben, da daraus höhere Steuern
resultierten.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften und
den angefochtenen Einspracheentscheid wird, soweit erforderlich, in den
Erwägungen eingegangen.
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## Considerations

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt des vorliegenden verwaltungsgerichtlichen
Beschwerdeverfahren bildet der Einspracheentscheid vom 7. April 2021,
mit welchem die Beschwerdegegnerin die Einsprache der heutigen
Beschwerdeführer vom 23. März 2021 abgewiesen und gleichzeitig einen
Teil der geltend gemachten Vermögensverwaltungskosten nicht zum
Abzug zugelassen hat (vgl. beschwerdeführerische Akten [Bf-act.] 1;
beschwerdegegnerische Akten [Bg-act.] 8). Ein solcher Entscheid kann
mit Beschwerde an das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden
weitergezogen werden (vgl. Art. 50 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden [StHG;
SR 642.14] i.V.m. Art. 139 Abs. 1 des Steuergesetzes für den Kanton
Graubünden [StG; BR 720.000] und Art. 29 Abs. 2 des Gesetzes über die
Gemeinde- und Kirchensteuern [GKStG; BR 720.200]). Die sachliche
Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ergibt sich aus Art. 29 Abs. 1 lit. b
des kantonalen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR
370.100), wonach das Verwaltungsgericht Beschwerden gegen
Entscheide von Dienststellen der kantonalen Verwaltung und von
unselbständigen Anstalten des kantonalen Rechts beurteilt, soweit das
kantonale Recht den direkten Weiterzug vorsieht, was hier – wie gesehen
(vgl. Art. 139 Abs. 1 StG) – der Fall ist. Demzufolge fällt die Beurteilung
der vorliegenden Beschwerde in die Zuständigkeit des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden. Als formelle und
materielle Adressaten des angefochtenen Einspracheentscheids sind die
Beschwerdeführer überdies berührt und weisen ein schutzwürdiges
Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung auf (vgl. Art. 50 VRG). Auf
die zudem frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist demnach
einzutreten (Art. 52 Abs. 1 und Art. 38 VRG).
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2. Die Praxisänderung bzw. die Präzisierung der Praxis (de facto: strengere
Anwendung beim Abzug der Vermögensverwaltungskosten) wird in der
Beschwerde nicht gerügt, so dass die Frage, ob die Praxis der
Beschwerdegegnerin korrekt ist, nicht Gegenstand dieses Verfahrens ist
und damit offengelassen werden kann. Von den Beschwerdeführern
gerügt wird einzig der Zeitpunkt der Anwendung der neuen Praxis. Es wird
geltend gemacht, dass durch die Anwendung der Praxisänderung auf alle
im Zeitpunkt der Änderung noch nicht veranlagten Fälle eine Verletzung
von Art. 8 und Art. 9 BV vorliege.
3.1. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung muss eine Praxis geändert
werden, wenn die Behörde zur Einsicht gelangt, dass das Recht bisher
unrichtig angewendet worden ist oder eine andere Rechtsanwendung dem
Sinn des Gesetzes oder veränderten Verhältnissen besser entspricht. Die
Änderung muss sich auf ernsthafte, sachliche Gründe stützen können, die
umso gewichtiger sein müssen, je länger die bisherige Rechtsanwendung
praktiziert worden ist (vgl. BGE 145 V 50 E.4.3.1, 142 V 87 E.5; 133 V 37
E.5.3.3). Die Praxisänderung muss zudem in grundsätzlicher Weise als
zukünftig wegleitende Neuausrichtung für alle gleichartigen Sachverhalte
gelten. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, ist die Praxisänderung
rechtsprechungsgemäss zulässig und steht mit den Grundsätzen der
Rechtssicherheit und der Rechtsgleichheit nicht im Widerspruch, obwohl
sie zwangsläufig mit einer Ungleichbehandlung der früheren und neueren
Fälle verbunden ist (vgl. BGE 125 II 152 E.4c/aa m.H.; Urteil des
Bundesgerichts 2A.573/2002 vom 21. Mai 2003 E.3.2 m.H., in: StE 2003
B 22.2 Nr. 17 E. 3.2 m.w.H.; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 8. Aufl., Zürich/St. Gallen 2020, Rz. 590 ff.; REICH,
Steuerrecht, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2020, § 4 Rz. 113, m.H).
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3.2. Praxisänderungen sind unmittelbar auf alle Veranlagungen anwendbar,
die im Zeitpunkt der Änderung noch nicht in Rechtskraft erwachsen sind.
Sämtliche noch nicht rechtskräftigen Veranlagungen sind demnach,
ungeachtet der Steuerperiode die sie betreffen, nach der neuen Praxis zu
beurteilen (vgl. BGE 142 V 551 E.4.1, 135 II 78 E.3.2, 132 II 153 E.5.1;
Urteile des Bundesgerichts 2C_199/2017 vom 12. Juni 2018 E.3.5,
2C_957/2017 vom 22. Dezember 2017 E.3.4, 2C_509/2013/2C_510/2013
und 2C_527/2013/2C_528/2013 vom 8. Juni 2014 E.2.4.4 und 2.4.5;
REICH, a.a.O., § 4 Rz. 114, m.H.). Umgekehrt gilt der Grundsatz, dass
spätere Praxisänderungen keinen Revisionsgrund für rechtskräftige
Verfügungen darstellen (vgl. RICHNER/FREI/KAUFMANN/MEUTER,
Handkommentar zum DBG, 3. Aufl. 2016, Vorbemerkungen zu Art. 109–
121 DBG Rz. 89 m.H.). Das Bundesgericht hält daran fest, dass die
Regeln für die Rückwirkung einer Praxisänderung und bei
Rechtsänderungen unterschiedlich sind (vgl. BGE 123 V 25 E.3a in fine,
119 Ib 103 E.4). Die mit der Praxisänderung zwangsläufig verbundene
Ungleichbehandlung ist unter dem Gesichtswinkel des Gebots der
Rechtsgleichheit hinzunehmen und verlangt lediglich, dass die der alten
und der neuen Praxis unterliegenden Fälle je gleich behandelt werden
(vgl. BGE 112 Ia 193 E.2b; Urteil des Bundesgerichts 2A.320/2002 vom
2. Juni 2003 E. 3.4.3.7 f.; vgl. auch Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
A-4785/2007 vom 23. Februar 2010 E. 2.4).
3.3. Einer Praxisänderung kann – im Gegensatz zu einer Rechtsänderung –
ein gewisses Überraschungsmoment innewohnen. Der Steuerpflichtige
muss dabei, um in seiner Erwartungshaltung in die im Zeitpunkt der
Sachverhaltsverwirklichung geltende Rechtslage überhaupt enttäuscht zu
werden, die frühere Praxis kennen, was mangels Publizitätserfordernis
nicht erwartet werden kann. Zu Recht folgen deshalb die Auswirkungen
von Praxisänderungen dem Legalitätsprinzip, so dass Schranken des
Rückwirkungsverbots auf Gesetzesänderungen, nicht aber auf zu
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beurteilende Auswirkungen der einschränkenden Auslegung einer
bestehenden, stabilen und unveränderten Gesetzeslage anwendbar sind
(siehe Urteil des Kantonsgerichts Luzern 7W 13 7 vom 29. November
2017 E.3.2.3).
3.4. Im vorliegenden Fall ist zudem fraglich, ob überhaupt eine Praxisänderung
und nicht vielmehr eine Anpassung der Handhabung der bisherigen Praxis
vorliegt. Die Beschwerdegegnerin hat den Sachverhalt betreffend die
Steuererklärung 2018 der Beschwerdeführer detaillierter geprüft als
bisher. Sie hat aber nicht die Auszüge der Banken aus den Vorjahren im
Wissen der nicht abzugsfähigen Kosten akzeptiert und nun mit der
"Praxisänderung Herbst 2020" nicht mehr. Vielmehr war der
Beschwerdegegnerin angeblich nicht bekannt, dass mit den
ausgewiesenen Gebühren auf den Steuerausweisen der Bankinstitute
bzw. auf den Jahresabschlussbuchungen auch nicht abzugsfähige Kosten
ausgewiesen wurden. Mit anderen Worten wendet die
Beschwerdegegnerin nun ihre bisherige Praxis, die bereits gleichlautend
in der Wegleitung zur Steuererklärung 2018 ausgewiesen wurde, weiterhin
an (vgl. Bg-act. 9 und 10).
4.1. Die Beschwerdeführer machen gegen die sofortige Anwendung der
"Praxisänderung Herbst 2020" geltend, deren Anwendung auf alle noch
nicht veranlagten Fälle führe zu einer Verletzung der Rechtsgleichheit,
hänge es doch vom Zufall ab, ob eine Steuerveranlagung vor oder nach
einer Praxisänderung getroffen werde. Zudem verletze die Anwendung
der neuen Praxis das Willkürverbot.
Der Grundsatz der Rechtsgleichheit gemäss Art. 8 BV verlangt, dass
Gleiches nach Massgabe seiner Gleichheit gleich und Ungleiches nach
Mass-gabe seiner Ungleichheit ungleich behandelt wird (vgl. BGE 138 I
225 E.3.6.1). Nach Art. 9 BV hat sodann jede Person Anspruch darauf,
von den staatlichen Organen ohne Willkür behandelt zu werden. Beim
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Willkürverbot werden – im Gegensatz zum Gebot der rechtsgleichen
Behandlung – nicht verschiedene Rechtsanwendungsakte miteinander
verglichen, sondern das Verhältnis zwischen dem angewandten
Rechtssatz und dem Anwendungsakt geprüft (vgl.
HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 572 und 605 ff.). Wird eine
Praxisänderung vorgenommen, weil nach ernsthafter und gründlicher
Abklärung erkannt wird, dass eine andere Auslegung einer
Gesetzesbestimmung deren Inhalt besser wiedergibt als die bisherige
Praxis, gebietet das Legalitätsprinzip, dass die Bestimmung unverzüglich
richtig angewendet wird. Kann sich die Praxisänderung – wie im
vorliegenden Kontext – auf ernsthafte, sachliche und gewichtige Gründe
stützen und erfolgt sie nicht im Sinn einer blossen momentanen
Schwankung, sondern soll sie als zukünftig wegleitende Neuausrichtung
für alle gleichartigen Fälle gelten, dann überwiegt das Interesse an der
richtigen Rechtsanwendung dasjenige an der Rechtssicherheit,
Rechtsgleichheit und dem Vertrauensschutz (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 2C_634/2012 vom 20. Oktober 2014 E.4, 2A.573/2002
vom 21. Mai 2003 E.3.2; REICH, a.a.O., § 4 Rz. 113 f. m.H.).
4.2. Zwar ist den Beschwerdeführern beizupflichten, wenn sie rügen, dass es
von Zufälligkeiten abhänge, ob eine Steuerveranlagung im Zeitpunkt der
"Praxisänderung Herbst 2020" bereits erfolgt sei oder nicht. Der mit einer
Praxisänderung verursachte Konflikt mit dem verfassungsmässigen Gebot
der Gleichbehandlung ist jedoch – wie bereits dargelegt – unvermeidbar
und deshalb jedenfalls dann hinzunehmen, wenn die Behörde die
Änderung konsequent und ohne Schwanken umsetzt. Andernfalls
bestünde unter Umständen ein Anspruch auf Gleichbehandlung im
Unrecht (vgl. HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 599). Wenn bei einem
anderen Steuerpflichtigen gewisse unzulässige Abzüge unabsichtlich
(aufgrund falscher Annahmen oder aus Unachtsamkeit) zum Abzug
zugelassen wurden, kann dies jedoch nicht dazu führen, dass andere
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Steuerpflichtige die Anwendung dieser Praxis verlangen können (vgl. BGE
139 II 49 E.7.1).
4.3. Die Beschwerdeführer können auch nichts zu ihren Gunsten ableiten aus
der Tatsache, dass die Beschwerdegegnerin im Steuerjahr 2017 (und
allenfalls auch vorher) bei der Steuerveranlagung die gesamten All-in-Fee
zum Abzug zugelassen hat. Die Beschwerdegegnerin kann gemäss
ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts jede periodische
Veranlagung vornehmen, ohne an allfällige Einschätzungen oder Fehler
vom Vorjahr gebunden zu sein, einer Veranlagung bei periodischen
Steuern kommt nur für die betreffende Periode Rechtskraft zu, die
tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse können daher in einem
späteren Veranlagungszeitraum durchaus anders gewürdigt werden (vgl.
dazu statt vieler Urteile des Bundesgerichts 2C_273/2013, 2C_274/2013
vom 16. Juli 2013 E.3.4, 2C_361/2011 vom 8. November 2011 E.3.3).
Eine abweichende Beurteilung in früheren Steuerperioden schafft ebenso
wenig eine Vertrauensgrundlage wie die Tatsache, dass in einem ersten
Einschätzungsvorschlag eine andere Aufrechnung vorgesehen war (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 2C_273/2013, 2C_274/2013 vom 16. Juli 2013
E.4.2). Wenn also im einen Jahr ein Abzug für Berufskosten zugelassen
wurde (z.B. auswärtige Verpflegung), kann die Steuerverwaltung im
darauffolgenden Jahr diesen Abzug reduzieren oder streichen, wenn der
Abzug im Vorjahr (oder in den Vorjahren) zu Unrecht gewährt worden war.
4.4. Es verstösst auch nicht gegen Treu und Glauben, wenn die kantonale
Steuerverwaltung im Laufe des Veranlagungsverfahrens 2018 zur
Auffassung gelangt, dass die geltend gemachten
Vermögensverwaltungskosten anhand der (Praxis-)Wegleitung vertieft zu
prüfen und durch die Beschwerdeführer nachzuweisen sind. Der Umstand,
dass die Beschwerdegegnerin in früheren Steuerperioden bei den
Beschwerdeführern Vermögensverwaltungskosten ohne vertiefte Prüfung
akzeptiert hat, begründet auch keinen Verstoss gegen die
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Rechtsgleichheit nach Art. 8 BV (vgl. Urteil des Bundesgerichts
2C_273/2013, 2C_274/2013 vom 16. Juli 2013 E.4.2).
4.5. Nach dem Gesagten liegt weder eine Verletzung des
Rechtsgleichheitsgebots nach Art. 8 noch ein Verstoss gegen das
Willkürverbot im Sinne von Art. 9 BV vor, so dass sich der
Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin vom 7. April 2021 als
rechtens erweist und die Beschwerde damit abzuweisen ist.
5. Hinzuweisen ist noch darauf, dass die Praxis betreffend Abzug der
privaten Vermögensverwaltungskosten nicht absolut gilt, können doch
Gewinnungskosten vom Einkommen abgezogen werden (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 2C_929/2014 vom 10. August 2015 E.3.2). Das StHG
sieht keine ausdrückliche Regelung für die privaten
Vermögensverwaltungskosten vor. Nach Art. 9 Abs. 1 StHG werden von
den gesamten steuerbaren Einkünften die zu ihrer Erzielung notwendigen
Aufwendungen und die allgemeinen Abzüge abgezogen. Für die
notwendigen Kosten für Fahrten zwischen Wohn- und Arbeitsstätte kann
ein Maximalbetrag festgesetzt werden. Das StHG äussert sich damit
lediglich zu Abzügen bei den Einkünften, in Bezug auf das Vermögen wird
bloss dargelegt, dass das gesamte Vermögen besteuert und wie dieses
bemessen wird. Die direkte Bundessteuer kennt keine Vermögenssteuer,
daher ist eine beschränkte Abzugsmöglichkeit der privaten
Vermögensverwaltungskosten bei den Bundessteuern gerechtfertigt. Ob
dies bei den Kantons- und Gemeindesteuern, die hingegen eine
Vermögenssteuer kennen, auch so sein muss, sei dahingestellt.
Auch gilt es zu berücksichtigen, dass mit Wertschriften nicht bloss
steuerfreie Kapitalgewinne erzielt werden. So kann z.B. durch den Kauf
von Aktien oder Obligationen (und anderen Wertschriften) steuerbares
Einkommen durch Dividendenzahlungen oder Zinszahlungen erzielt
werden. Die damit anfallenden Kosten für den Erwerb solcher Titel (inkl.
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allfällige Anlageberatungskosten) und für die Aufbewahrung solcher Titel
(inkl. Kosten für Geltendmachung der Zins- und Dividendenzahlungen)
könnten durchaus als Gewinnungskosten (Kosten zur Erzielung des
Einkommens) erachtet werden. Insoweit erweist sich eine Praxis, die
kategorisch den Abzug solcher Kosten vom Einkommen ausschliesst,
zumindest als prüfenswert.
Im vorliegenden Fall wurde einzig eine Verletzung von Art. 8 und 9 BV
geltend gemacht. Eine solche liegt – wie bereits ausgeführt – nicht vor.
Daher erübrigt sich vorliegend eine inhaltliche Prüfung der von der
Beschwerdegegnerin gelebten Praxis.
6. Im Rechtsmittelverfahren hat in der Regel die unterliegende Partei die
Kosten zu tragen (Art. 73 Abs. 1 VRG). Mehrere Beteiligte an einem
gemeinsam verlangten oder veranlassten Verfahren haften für die Kosten
in der Regel solidarisch (Art. 72 Abs. 2 VRG). Die Verfahrenskosten
bestehen aus der Staatsgebühr, den Gebühren für die Ausfertigungen und
Mitteilungen des Entscheids sowie den Barauslagen (Art. 75 Abs. 1 VRG).
Die Staatsgebühr beträgt höchstens CHF 20'000.--, sie richtet sich nach
dem Umfang und der Schwierigkeit der Sache sowie nach dem Interesse
und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Kostenpflichtigen (Art. 75
Abs. 2 VRG). Vorliegend erscheint eine Staatsgebühr in der Höhe von
CHF 2'000.-- angemessen. Die Gerichtskosten sind demnach den
unterliegenden Beschwerdeführern, unter solidarischer Haftbarkeit,
aufzuerlegen. Bund, Kanton und Gemeinden sowie mit öffentlich-
rechtlichen Aufgaben betrauten Organisationen wird in der Regel keine
Parteientschädigung zugesprochen, wenn sie in ihrem amtlichen
Wirkungskreis obsiegen (Art. 78 Abs. 1 VRG). Davon abzuweichen
besteht hier kein Anlass.
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