# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** a6b90dc7-0098-4760-926a-c9de990a295a
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1989 geborene
X._
war im Jahr 2014 bei der SWICA Krankenversicherung AG
(SWICA)
obligatorisch krankenpflegeversichert (
Urk.
5 S. 2,
Urk.
6/18). Mit einem Formularbrief der CSS Kranken-Versicherung AG
(CSS)
vom
3.
Juni 2014 kündigte sie ihr Versicherungsverhältnis per 3
1.
Dezember 201
4.
Im gleichen Formular bestätigte die Agentur Kloten der CSS der SWICA, dass die Versicherte ab dem
1.
Januar 2015 bei der CSS
obli
gatorisch krankenversichert sei (
Urk.
6/15).
Am 2
2.
Juli 2014 bestätigte die SWICA der Versicherten den Eingang der Kündi
gung und teilte ihr mit, dass Prämienausstände bestünden und die Versicherte die Krankenkasse nur dann per
1.
Januar 2015 wechseln könne, wenn sie die Aus
stände bei der SWICA bis zum 3
1.
Dezember 2014 begleiche (
Urk.
6/14). Die Ver
sicherte bezahlte indessen die ausstehenden Prämien nicht (
Urk.
5 S. 3). Ein an die Agentur Kloten der CSS adressiertes Schreiben der SWICA vom
7.
Januar 2015 bezweckte, auch die CSS darüber in Kenntnis zu setzen, dass die Versicherte der S
WICA
noch Prämienausstände schulde. Die SWICA ersuchte
zudem
die CSS darum, den bei der CSS abgeschlossenen Krankenversicherungsvertrag zu stor
nieren und die Versicherte entsprechend zu informieren (
Urk.
6/13).
1.2
Am
1.
September 2015 teilte die
CSS der SWICA mit, dass sie den Vertrag mit der Versicherten wegen unzulässiger Doppelversicherung rückwir
kend per
1.
Januar 2015 aufhebe. Sie habe
aber in der Zwischenzeit schon Rechnungen von Leis
tungserbringern in der Höhe von
Fr.
794.50 für Behandlung
en
der Versicherten in der Zeit vom 2
6.
Januar bis 1
2.
Mai 2015
beglichen
. Sie ersuche die SWICA, ihr den für diese Zeit ungerechtfertigt bezahlten
Betrag
zurückzuerstatten (
Urk.
2/6).
In der daraufhin folgenden Korrespondenz stellte sich die SWICA, zuletzt mit Schreiben vom
5.
Januar 2015 (richtig: 2016;
Urk.
2/13), auf den Standpunkt, sie habe die CSS am
7.
Januar 2015 rechtzeitig darüber informiert, dass ein Ver
sicherungswechsel wegen Zahlungsausständen der Versicherten nicht möglich sei. Zudem bestehe bei der Ver
sicherten ein Leistungsaufschub. Aus diesen Grün
den
müsse
die SWICA für die von der CSS bezahlten Leistungen
nicht aufkom
men
. Die CSS habe sich dementsprechend mit ihrer Rückforderung an die Ver
sicherte oder die Leistungserbringer zu wenden (
Urk.
6/7,
Urk.
6/5,
Urk.
6/3,
Urk.
6/9; vgl. auch
Urk.
2/7,
Urk.
6/8,
Urk.
6/6,
Urk.
6/4 und
Urk.
6/2).
2.
Mit Eingabe vom 5. April 2016 erhob die CSS beim Sozialversicherungsgericht Klage gegen die SWICA mit dem Antrag, diese sei zu verpflichten, ihr Fr. 794.50 zuzüglich Zins zu 5 % seit dem 4. April 2016 zu bezahlen (
Urk.
1 S. 2). Mit Kla
geantwort vom 3. Mai 2016 beantragte die SWICA die Abweisung der Klage
und
ersuchte darum, die Versicherte zum Verfahren beizuladen (Urk. 5 S. 2). Mit Rep
lik vom 1
8.
Mai 2016 (
Urk. 9)
und Duplik vom 1
4.
Juni 2016 (Urk. 12) hielten die Parteien an den von ihnen gestellten Anträgen fest (vgl. auch Urk. 14-16).
Die mit Verfügung vom 1
5.
November 2016 zum Prozess beigeladene
X._
liess sich innert der ihr angesetzten Frist zur Stellung
nahme nicht vernehmen (
Urk.
22 und 23).

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
Die CSS war nicht
zum Erlass
einer
Verfügung gegenüber
der SWICA als anderem Krankenversicherer berechtigt
.
Sie hat sich daher zu Recht
direkt an das nach
Art.
87 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG) örtlich zustän
dige kantonale Versicherungsgericht
ge
w
andt (BGE 130 V 215).
Das Sozialversicherungsgericht ist zur Beurteilung der Klage
sachlich und örtlich
zuständig
, und deren Behandlung fällt beim
Streitwert
unter
Fr.
20’000.
-
in
die einzelrichterliche
Kompetenz
(
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversiche
rungsgericht;
GSVGer
).
In Fällen von grundsätzlicher Bedeutung kann
jedoch
das
Verfahren der Kammer zur Behandlung in ordentlicher Besetzung überwiesen werden
(
§
11
Abs.
4
GSVGer
)
. Dies ist in Bezug auf die vorliegende Klage ange
bracht. Sie ist daher in ordentlicher Besetzung zu beurteilen
.
2.
Die Klägerin
macht geltend,
der Wechsel
zu ihr
sei gemäss
Art.
64a
Abs.
6 KVG
gar nicht möglich gewesen
, wie sie erst im Nachhinein erfahren habe.
Die Ver
sicherte sei
somit
weiterhin bei der Beklagten versichert geblieben
, weshalb die Zahlungen der Klägerin von
Fr.
794.50 zu Unrecht erfolgt seien
.
Die Beklagte
argumentiert in eine andere Richtung, aber ebenfalls mit dem
Austrittsverbot gemäss
Art.
64a KVG.
W
egen der Zahlungsausstände der Versicherten habe deren Kündigung des Versicherungsverhältnisses per
1.
Januar 2015 gar nie Wirkung entfaltet und hätte die Klägerin die Versicherte infolgedessen nicht als Versicherte aufnehmen
und für sie keine Leistungen erbringen
dürfen.
3.
Jede Person mit Wohnsitz in der Schweiz muss sich für Krankenpflege versichern (
Art.
3
Abs.
1 KVG). Sie kann unter den Versicherern frei wählen (
Art.
4
Abs.
1 KVG). Unter Einhaltung einer dreimonatigen Kündigungsfrist kann sie den Ver
sicherer auf das Ende eines Kalendersemesters
wechseln
(
Art.
7
Abs.
1 KVG), bei einer Prämienerhöhung unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von einem Monat seit Ankündigung der Prämienerhöhung auf das Ende eines Monats (
Art.
7
Abs.
2 KVG).
Bei Absicht eines Wechsels des bisherigen Versicherers endet das Ver
sicherungsverhältnis mit diesem
erst
, wenn ihm der neue Versicherer mitgeteilt hat, dass die betreffende Person bei ihm ohne Unterbrechung des Versicherungs
verhältnisses versichert ist (
Art.
7
Abs.
5 Satz 1 KVG)
.
4.
4.1
Bezahlt die versicherte Person fällige Prämien oder Kostenbeteiligungen nicht, so hat der Versicherer ihr, nach mindestens einer schriftlichen Mahnung, eine Zah
lungsaufforderung zuzustellen, eine Nachfrist von 30 Tagen einzuräumen und sie auf die Folgen des Zahlungsverzugs hinzuweisen (
Art.
64a
Abs.
1 KVG). S
olange
d
ie
versicherte Person
die ausstehenden Prämien und Kostenbeteiligungen sowie die Verzugszinse und Betreibungskoste
n nicht vollständig bezahlt hat, kann sie gemäss
Art.
64a
Abs.
6 Satz 1 KVG den Versicherer nicht wechseln. Diese Situa
tion («Säumnis») beim Versicherten tritt ab Zustellung der Mahnung nach
Art.
105b
Abs.
1 der Verordnung über die Krankenversicherung ein (KVV), wie sich aus
Art.
105l
Abs.
1 KVV ergibt.
Reicht eine säumige versicherte Person ihrem Versicherer die Kündigung ein, so muss dieser sie informieren, dass die Kündigung keine Wirkung entfaltet, wenn die bis einen Monat vor Ablauf der Kündigungsfrist gemahnten Prämien, Kos
tenbeteiligungen und Verzugszinse sowie die bis zu diesem Zeitpunkt aufgelau
fenen Betreibungskosten bis zum Ablauf der Kündigungsfrist nicht vollständig bezahlt sind (
Art.
105l
Abs.
2 KVV). Unterbleibt diese Information, so ist ein Wechsel des Versicherers nicht möglich.
Sind die ausstehenden Beträge nach
Art.
105l
Abs.
2 KVV beim Versicherer, dem gekündigt worden ist, nicht rechtzeitig eingetroffen, so muss dieser die betroffene Person informieren, dass sie weiterhin bei ihm versichert ist und frühestens auf den nächstmöglichen Termin nach
Art.
7
Abs.
1 und 2 KVG den Versicherer wechseln kann. Der bisherige Versicherer muss zudem den neuen Versicherer innerhalb von 60 Tagen darüber informieren, dass die versicherte Person weiter
hin bei ihm versichert ist (
Art.
105l
Abs.
3 KVV).
4.2
Eine korrekt abgefasste Kündigung führt somit für sich allein noch nicht zur Beendigung des bisherigen Versicherungsverhältnisses
und zur Möglichkeit, ein neues zu begründen
. D
er Beginn
eines neuen Versicherungsverhältnisses ist viel
mehr durch die Weiterversicherungsbestätigung aufschiebend bedingt. Selbst wenn festgestellt wird, dass der bisherige Versicherer eine Kündigung zu Unrecht nicht akzeptiert hat, ist die rückwirkende Beendigung des Versicherungsverhält
nisses auf den Kündigungstermin nur dann möglich, wenn die Mitteilung des neuen Versicherers vor dem Kündigungstermin beim bisherigen Versicherer ein
getroffen ist. Die vom Gesetz vorgesehene Rechtsfolge bei einer Verspätung der Mitteilung besteht nicht in der rückwirkenden Anerkennung des
Wechsels der Krankenkasse
, s
ondern darin, dass -
je nach Konstellation
-
der bisherige oder der neue Versicherer der versicherten Person den
wegen der Verspätung der Mit
teilung
entstandenen Schaden,
zum Beispiel eine
Prämiendifferenz, zu ersetzen hat (
Art.
7
Abs.
5 Satz 2 bzw.
Abs.
6 KVG; Urteil des Bundesgerichts 9C_367/2017 vom 1
0.
November 2017 E. 3.2.2 mit Hinweisen auf Recht
sprechung und Literatur).
5.
5.1
Es steht fest, dass die Beklagte am 2
2.
Juli 2014 der Versicherten den Eingang der Kündigung bestätigt und ihr gleichzeitig mitgeteilt hat, es
bestünden
noch Prämienausstände. Zudem hat sie die Versicherte darauf hingewiesen, sie könne die von der Beklagten geführte Krankenkasse nur dann per
1.
Januar 2015 wech
seln, wenn sie die Ausstände bei der Beklagten bis zum 3
1.
Dezember 2014 beglichen habe (
Urk.
6/14).
Da die Versicherte die der Beklagten
geschuldeten
Ausstände
trotz dieses Hinweises
nicht getilgt ha
t
(
Urk.
5 S. 3), konnte gemäss der gesetzlichen Regelung kein neues
Versicherungsverhältnis
zur Klägerin
ent
stehen
, sondern dieses
bestand von Gesetzes wegen weiterhin mit der Beklagten,
namentlich im Zeitraum vom 2
6.
Januar bis 1
2.
Mai 2015, in welchem die Klä
gerin für Rechnungen von Leistungserbringern im Zusammenhang mit Behand
lungen der Versicherten insgesamt
Fr.
794.50 aufgewendet hat
.
Die Beklagte hielt
dafür,
sie
habe auch
die Klägerin
am
7.
Januar 2015
ordnungsgemäss
und recht
zeitig
darüber
informiert, dass ein Versicherungswechsel wegen Zahlungsaus
ständen der Versicherten nicht möglich sei
.
5.2
Das von der Beklagten angeführte Schreiben an die Klägerin vo
m
7.
Januar
2015
(
Urk.
6/13
) enthielt
tatsächlich
den in
Art.
105l KVV vorgeschriebenen Hinweis, dass die Versicherte weiterhin bei der Beklagten versichert bleibe und kein Wech
sel zur Klägerin stattfinden könne, da die zugunsten der Beklagten ausstehenden Beträge
nicht respektive nicht rechtzeitig bei der Beklagten eingetroffen seien
.
Die Klägerin
argumentierte jedoch,
d
iese
s Schreiben erst
gut sieben Monate spä
ter,
am 1
8.
August 201
5
erhalten
zu
habe
n. Deshalb sei es betreffend den im vorliegenden Verfahren massgeblichen Zeitraum in Bezug auf die eingeklagte Forderung unwirksam geblieben
(
Urk.
1 S. 3 Erwägung 4.4
sowie
Urk.
9 S. 2 Erwägung 4).
Was die Feststellung des Zeitpunkts betrifft, in welchem das
Schreiben vom
7.
Januar 2015
der Klägerin zugegangen ist, behauptete die Beklagte nicht, den Brief
eingeschrieben versandt
zu haben. Sie
führte
auch keine Umstände a
n,
welche anstelle der - demnach fehlenden - postalischen Bescheinigung mit genügender Sicherheit auf den effektiven
Zeitpunkt der
Zustellung des Schreibens schliessen
liessen
(
Urk.
5 S. 3 Ziffer 4 und
Urk.
12 S. 2 Ziffer 2).
Aus den Akten ergibt sich dazu nur, dass eine Kopie des an die Versicherte gerichteten Informa
tionsschreibens der Beklagten vom 2
2.
Juli 2014 am 2
0.
August 2015 bei der Klägerin einging, samt einer Kopie des besagten Briefs der Beklagten vom
7.
Januar 2015 an die CSS, Agentur Kloten. Dieser trägt ebenfalls den Eingangs
stempel «2
0.
Aug. 2015» und enthält den Hinweis, der Krankenversicherungs
wechsel sei nicht zustande gekommen (
Urk.
2/4-5).
6.
Das Bundesgericht hat
in einem vergleichbaren Fall
zur Beweissituation erwogen, falls der Versand eines
Schreiben
s
im Rahmen eines beabsichtigten Wechsels der Krankenkasse
nicht eingeschrieben
erfolgt sei,
sei nicht ersichtlich, mit welchen Abklärungsmassnahmen sich der Empfang durch den bisherigen Krankenver
sicherer
trotzdem
nachweisen liesse.
In solchen Fällen
bleibe offen
, das heisst unbewiesen
,
an welchem Datum
der Wechsel des Versicherers mitgeteilt worden sei
und die beabsichtigte Wirkung habe entfalten können
. Die
Folgen der
Beweis
losigkeit
wirkten
sich
zu Lasten de
s alten Versicherers
aus
(
Art.
8 des Zivilgesetz
buches, ZGB; Urteil des Bundesgerichts 9C_490/2015 vom
7.
Januar 2016 E. 4.1).
Analog ist im vorliegenden Fall zu entscheiden. Aus den Akten ergibt sich kein anderes Empfangsdatum für das fragliche Schreiben als der 2
0.
August 201
5.
Eine frühere Zustellung ist nicht belegt.
Die
Folgen der
Beweislosigkeit
betreffend eine frühere Zustellung hat die
Beklagte
zu trage
n. Somit ist
anzuneh
men
, dass die Klägerin das Schreiben vom
7.
Januar 2015 erst am
2
0.
August 2015 erhalten hat.
Die Beklagte als bisheriger
Versicherer
hat demgemäss die Klägerin als (vermeintlich)
neuen Versicherer
nicht
innerhalb
von 60 Tagen dar
über informiert
, dass die vers
icherte Person weiterhin bei ihr
versichert
sei
(
Art.
105l
Abs.
3 KVV).
Daraus konnte die Klägerin schliessen, dass der
aufsch
ie
ben
d
bedingte
Beginn
des
neuen Versicherungsverhältnisses
nunmehr erfolgt sei.
7.
7.1
Ein Krankenversicherer kann gegenüber
einem andern Krankenversicherer
gerichtlich
keinen Rückforderungsanspruch geltend machen, weil
Art.
25
Abs.
1 ATSG gemäss
Art.
1
Abs.
2
lit
. d KVG auf Streitigkeiten unter
Krankenversiche
rer
n
keine
Anwendung findet (
BG
E 138 V 426 E.
4.2). Gemäss der bundesgericht
lichen Rechtsprechung ist indessen dennoch e
ine
direkte
Rückabwicklung unter den Krankenversicherern anzustreben
, um
Leistungsdoppelbezüge zu verhindern respektive Folgen von Fehlern, welche den Wechsel des Versicherten verunmög
licht haben, rückgängig zu machen. Um dies zu realisieren,
steht
dem
vermeint
lichen
gegenüber dem
tatsächlich
zuständigen Krankenversicherer
gemäss dem Bundesgericht anstelle eines Rückforderungs-
unter Umständen ein Rückerstat
tungsanspruch gestützt auf die analoge Anwendung der Regeln über die unge
rechtfertigte Bereicherung im Sinne von
Artikel 62 bis
67 OR
zu
,
wenn der
ver
meintliche Krankenversicherer
infolge einer Doppelversicherung zu Unrecht Leis
tungen ausgerichtet ha
t
(
BGE 138 V 426
E. 5.1 und E. 5.2.3;
Eugster
, Die obliga
torische Krankenpflegeversicherung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungs
recht [SBVR], Band XIV,
3.
Auflage, Basel 2016, S. 418
Rz
28
;
vgl. auch
Häfelin
/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht,
7.
Auflage, Zürich 2016,
Rz
148 ff. und 254 ff.).
7
.2
D
as Bundesgericht
hat sich dazu
im französisch redigierten Leitentscheid
BGE 138 V 426 (übersetzt in Praxis 4/2013 Nr. 42)
ausführlich
geäussert.
Übertragen auf den
hier zu beurteilenden Streitfall zwischen der CSS und der S
WICA
ergibt sich als Ausgangslage, dass
das Versicherungsverhältnis zwischen der Klägerin und der Versicherten gar nie
entstehen konnte und entstanden ist
, weil
jenes
mit der Beklagten im
fraglichen
Zeitraum nicht beendet war [
parce
que
l'ancien
rapport
qui
liait
la
prénommée
à la
recourante
n'avait
pas
pris
fin
pen
dant
la
période
considérée
]. Die
Zahlungen in der Höhe von insgesamt
Fr.
794.50
, welche die
Klägerin
ausgerichtet hatte, beruhten demnach nicht auf einem gülti
gen Rechtsgrund und waren deshalb von
der
Klägerin
nicht geschuldet [
repo
saient
dès
lors
pas
sur
une
cause
valable
et
n'étaient
,
partant
,
pas
dues
par
cet
assureur
] (BGE 138 V 426
respektive
Praxis 4/2013 Nr. 42
, je
E. 4.2).
Der unrechtmässige Charakter
der
Leistungen
gründete
auf der Tatsache, dass
die Klä
gerin
nicht die Schuldnerin der versicherten Person gewesen
ist. D
ie Versicherte
hatte der
CSS
nie
angehört
, und
diese
hat
deshalb die Rechnungen für die der Versicherten erbrachten Leistungen im Betrag von
Fr.
794.50 ohne Rechtsgrund bezahlt.
7.3
Das Bundesgericht hielt ferner fest, da
Art.
25
Abs.
1 ATSG zwischen
zwei
Kran
kenkassen
nicht
anwendbar sei und keine andere besondere Regelung zu diesem Gegenstand bestehe
,
indessen die
allgemeinen Regeln zur un
gerechtfertigten Bereicherung auf die
Folge
n
der fehlerhaften Abwicklung des Wechsels vom einen zum andern Versicherer
anwendbar seien,
schliesse dies die rückwirkende Auflösung der Versicherungsdeckung ein, die zu einer doppelten Versicherung geführt habe [
lorsqu'il
s'agit
de
remettre
en
état
la
situation
sous
l'angle
de
l'affiliation
de
l'assuré
en
raison
du
déroulement
incorrect
du
changement
d'assureur
,
ce
qui
implique
la
résiliation
rétroactive
de la
couverture
d'assurance
ayant
conduit
à
une
double
assurance
].
Der
Krankenversicher
er
,
der
als Folge des missglückten
Versichererwechsels
als Gläubiger in Erscheinung trete,
könnte sich zwar auch an die versicherte Person wenden. Dies sei
aber
eventuell
mit prakti
schen Schwierigkeiten
oder sogar
mit der Unmöglichkeit verbunden,
die
Forde
rung beim Versicherten
einzutreiben. U
m die
s im Vornherein zu verhindern,
sei
es
deshalb
gerechtfertigt, die Rückerstattung von zu Unrecht ausgerichteten Leis
tungen direkt zwischen den betroffenen Krankenversicherern
in Anwendung der
Regeln zur ungerechtfertigten
Bereicherung
abzuwickeln
(BGE 138 V 426
res
pektive
Praxis 4/2013 Nr. 42, je
E. 5.2.3).
[
la
caisse-maladie créancière peut se voir confrontée à des difficultés d'ordre pratique liées à l'impossibilité de récupé
rer sa créance auprès de l'assuré, voire selon le système de prise en charge des prestations auprès des fournisseurs de celles-ci. Aussi, pour faciliter la remise en état de la situation ("
Rückabwicklung
"), une restitution des prestations versées à tort directement entre les assureurs-maladie concernés se justifie, en application des règles sur l'enrichissement illégitime prévues par le CO
].
7
.
4
Der
CSS
könnten tatsächlich
Schwierigkeiten
erwachsen
, wenn sie
die Rückz
ah
lung im Gesamtbetrag von
Fr.
794.50
statt bei der Beklagten
bei der Versicherten ein
fordern
würde
.
Denn gemäss den Ausführungen der Beklagten hat im Zeitraum
vom 2
6.
Januar bis 1
2.
Mai 2015
ein Leistungsaufschub im Sinn von
Art.
64a
Abs.
2, 3 und 7 KVG bestanden, was die Klägerin in ihrer Replik (
Urk.
9)
nicht
in Abrede gestellt hat
und was das Rückforderungsprozedere wohl verkompliziert hätte. Der
Kanton Thurgau
führte ferner im fraglichen Zeitraum für die Kantons
einwohner
gestützt auf
Art.
64a
Abs.
7 KVG eine Liste für säumige Prämienzah
lende (§
§
1 sowie 9 ff. der
Verordnung des Regierungsrates des Kantons Thurgau zum Gesetz über die Krankenversicherung
vom 2
0.
Dezember 2011 in der Fas
sung vom
1.
Januar 2015)
. Je nach konkreter Regelung konnte dies
für
die betroffenen Personen
– wie die
Versicherte - zur Folge haben, dass ihnen
vom Krankenversicherer
nur noch Notfallbehandlungen bezahlt
werden mussten
.
Diese möglichen Komplikationen sind im vorliegenden Klageverfahren zwischen der CSS und der SWICA nicht von Belang. Denn weil die SWICA die CSS nicht innerhalb von
60 Tagen
darüber informiert hat
, dass die
V
ersicherte
den
Ver
sicherer nicht wechseln
könne (
Art.
105l
Abs.
3 KVV), durfte die Klägerin in guten Treuen davon ausgehen, dass die Voraussetzungen für einen Leistungsauf
schub gemäss
Art.
64a
Abs.
7 KVG nicht erfüllt seien, denn sonst hätte sie zwin
gend rechtzeitig eine solche Mitteilung der Beklagten erhalten müssen. Ange
sichts dessen braucht sich die Klägerin in diesem Klageverfahren, in welchem eine möglichst unkomplizierte Rückabwicklung des Versicherungsverhältnisses zwischen den beiden Versicherern anzustreben ist, von der Beklagten die Einrede nicht entgegenhalten zu lassen, ein Wechsel des Versicherungsverhältnisses wäre wegen des bestehenden Leistungsaufschubs ohnehin gar nicht möglich gewesen. Dies gilt aus dem gleichen Grund auch für den allenfalls möglichen Einwand, die Versicherte hätte wegen des Leistungsaufschubs nur einen Beitrag an die Gesamt
summe von
Fr.
794.50 zugute gehabt, weshalb sich die Forderung der Klägerin entsprechend reduziere.
Einer Rückabwicklung
des missglückten, weil unzulässigen
Wechsels der Kran
kenkasse steht demnach nichts im Wege. Sie muss unabhängig von der konkreten Ausgestaltung respektive Bedeutung der
Liste für säumige Prämienzahlende
im Kanton Thurgau erfolgen; dies in zeitlicher Hinsicht
bis zu den Verhältnissen, als die Beklagte noch und die Klägerin noch nicht Versicherer waren, das heisst
bis
und mit zum
1.
Januar 201
5.
Somit steht der Klägerin ein Anspruch auf Rücker
stattung des von ihr eingeklagten Betrages unter dem Titel «ungerechtfertigte Bereicherung» zu.
Ob und wie sich die
Beklagte
bei den Leistungserbringern oder bei der Versicher
ten schadlos halten kann
,
indem sie sich diesen gegenüber darauf beruft, eine Zahlungspflicht gegenüber der Versicherten hätte
für sie
wegen
des
bestehenden Leistungsaufschubs
nicht oder nicht im vollen Umfang bestanden, kann in diesem Verfahren nicht geklärt werden.
7
.
5
Die Klägerin verlangt nebst der Zahlung von
Fr.
794.50 die Zusprechung von Verzugszinsen von 5
%
seit dem
4.
April 2016 (
Urk.
1 S. 1).
Im Sozialversicherungsrecht hat vor dem Inkrafttreten des ATSG die Recht
sprechung eine Verzugszinspflicht grundsätzlich verneint, wenn sie nicht gesetz
lich vorgesehen war. Mit der Bestimmung des
Art.
26 ATSG ist für bestimmte Fälle eine
Verzugszinspflicht statuiert worden. Die Rechtsprechung hat daraus geschlossen, dass in den anderen, im Gesetz nicht genannten Fällen, keine Ver
zugszinspflicht besteht, so
namentlich
gestützt auf
Art.
1
Abs.
2
lit
. d KVG in Streitigkeiten der Versicherten unter sich (Urteil des Bundesgerichts 9C_98/2009 vom 3
0.
Juni 2009 E. 4.1 mit Hinweisen; Gebhard
Eugster
, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum KVG,
2.
Auflage 2018,
Art.
64a
Rz
. 5, derselbe in: SBVR Soziale Sicherheit-
Eugster
,
3.
Auflage 2016,
Rz
. 655; eher anderer Meinung:
Kieser
, ATSG-Kommentar,
3.
Auflage 2015,
N.
18 zu
Art.
26 ATSG, der aber ein
räumt, dass aus der ausdrücklichen Regelung von
Art.
26 ATSG geschlossen
wer
den kann
, dass in den im Gesetz nicht genannten Fällen keine Verzugszinspflicht bestehe).
Angesichts der geltenden Rechtsprechung ist somit kein Verzugszins zuzu
sprechen. Damit ist die Beklagte zusammenfassend in teilweiser Gutheissung der Klage zu verpflichten, der Klägerin
Fr.
794.50 zu bezahlen. Im Übrigen, das heisst bezüglich des eingeklagten Verzugszinses, ist die Klage abzuweisen.
8
.
Gemäss
§
33
Abs.
1
GSVGer
ist das Verfahren kostenlos.
Obsiegenden Behörden oder mit
öffentlichrechtlichen
Aufgaben betraute
n
Orga
nisationen darf in der Regel keine Parteientschädigung zugesprochen werden. In diesem Zusammenhang hat das Bundesgericht - von Sonderfällen abgesehen – auch den Krankenkassen keine Parteientschädigungen zugesprochen, weil sie als Organisationen mit
öffentlichrechtlichen
Aufgaben zu qualifizieren sind (BGE 112 V 356 E. 6 mit Hinweisen). Ausnahmsweise kann eine Prozessentschädigung gewährt werden, wenn wegen der Besonderheit oder Schwierigkeit der Sache der
Beizug
eines frei praktizierenden Anwalts notwendig war (BGE 119 V 448 E. 6b, Urteil des Bundesgerichts 9C_15/2009 vom 2
8.
Mai 2009 E. 4 mit Hinweisen). Da hier kein solcher Sonderfall vorliegt, hat die Klägerin keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.