# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b36c2fae-059a-4df0-9eb6-832ed435d7e9
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Mit Verfügung
vom
4.
Oktober 2017 (
Urk.
5/2) stellte
das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA)
X._
, geboren 1968,
wegen ungenü
gender per
sön
licher Arbeits
bemühungen
im Monat September 2017
für
sieben
Tage mit Beginn am 1.
Oktober 2017
in der An
spruchsberechtigung ein. Die
von der
Ver
si
cherten
am
7.
Oktober 2017
da
gegen erhobene Einsprache
(
Urk.
5/3/1)
wies das AWA
mit Entscheid vom
2.
November 2017
(Urk.
5/4 =
Urk.
2
) ab.
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom
2.
November 2017 erhob die
Versicherte am
7.
November
Beschwerde (Urk.
1) und
beantragte
sinngemäss dessen
Aufhe
bung
und
die
un
gekürzte Aus
richtung von Arbeitslosenentschädigung ab 1.
Oktober 2017
.
Mit Beschwer
deantwort
vom
2
3.
November 2017
(Urk.
4
) be
an
trag
te
das AWA d
ie Ab
wei
sung der Be
schwerde, wovon der Beschwerdeführerin am 30.
No
vem
ber 2017 Kenntnis gegeben wurde (Urk 6).
Die Einzelrichterin

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht
,
GSVGer
).
1.2
Nach
Art.
17
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenver
sicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG)
muss die versicherte Person, die Versicherungsleistungen beanspruchen will, mit Unterstützung des zustän
digen Arbeitsamtes alles Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu ver
meiden oder zu verkürzen. Insbesondere ist sie verpflichtet, Arbeit zu suchen, nötigen
falls auch ausserhalb ihres bisherigen Berufes. Sie muss ihre Be
mühun
gen nachweisen können. Gemäss
Art.
30
Abs.
1 lit.
c AVIG ist die versicherte Person in der Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie sich persönlich nicht genügend um zumutbare Arbeit bemüht.
D
ie zuständi
ge Amts
stelle hat die Arbeitsbe
mühungen der versicherten Person monatlich zu über
prüfen (
Art.
26
Abs.
3 AVIV
).
1.3
Art. 26 Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV), in der ab 1. April 2011 in Kraft ste
henden Fassung, schreibt vor, dass die versicherte Person
den Nachweis der
Arbeitsbemühungen
für jede Kontrollperiode spätestens am fünften Tag des folgen
den Monats oder am
ersten auf diesen Tag folgenden Werktag einreichen
muss, und dass d
ie Arbeitsbemühungen nicht mehr berücksichtigt
werden
, wenn
sie
die
se
Frist ver
streichen lässt und keinen entschuldbaren Grund geltend macht.
Im Gegensatz zu Art. 26 Abs. 2
bis
AVIV, in der bis 31. März 2011 gültig gewe
senen Fassung, ist gemäss Art. 26 Abs. 2 AVIV, in der ab 1. April 2011 in Kraft stehenden Fas
sung, welche
vom Bundesgericht in BGE 139 V 164 für
gesetz
mässig erachtet worden ist, die Ansetzung einer Nachfrist
für den Nachweis der Arbeitsbemü
hungen
nicht mehr erforderlich.
Ist die in der Ver
ordnung vor
gese
hene Frist ohne entschuldbaren Grund verpasst, führt dies direkt zur Nicht
be
achtung nachgereichter Beweismittel.
1.4
Art.
43
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche
rungs
rechts (ATSG)
bestimmt, dass der Versicherungsträger die Begehren prüft, die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vornimmt und die erforder
lichen Auskünfte einholt, wobei mündlich erteilte Auskünfte schriftlich festzu
halten sind. Eine Aufzählung der zulässigen Beweismittel enthält das ATSG indes nicht. Da im ATSG nicht abschliessend geregelte Verfahrensbereiche sich nach dem Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren (VwVG;
Art.
55
Abs.
1 ATSG) bestimmen, kommt diesbezüglich
Art.
12 VwVG ergänzend zur Anwen
dung. Danach stellte die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest und bedient sich nötigenfalls folgender Beweismittel:
-
Urkunden (lit. a);
-
Auskünfte der Parteien (lit. b);
-
Auskünfte oder Zeugnis von Drittpersonen (lit. c);
-
Augenschein (lit. d);
-
Gutachten von Sachverständigen (lit. e).
1.5
Nach dem Wortlaut von
Art.
12 VwVG hat sich die Behörde nötigenfalls
der im Gesetz
nicht abschliessend aufgelisteten
Beweismittel zu bedienen. Sie muss somit nicht zwingend über jedes Sachverhaltselement Beweis führen. Nicht bewiesen werden müssen offenkundige Tatsachen. Ebenfalls nicht beweisbe
dürftig sind auf allgemeiner Lebenserfahr
ung beruhende Erfahrungssätze.
Keine Beweisführung erfolgt sodann regelmässig in Bezug auf jene Tatsachen, die von sämtlichen Streitbeteiligten als zutreffend anerkannt werden
. Denn s
oweit die Parteien zur Mitwirkung an der Sachverhaltserhebung verpflichtet sind (
Art.
28 ATSG
),
ist
über unbestrittene Sachverhaltselemente, bei denen die Interessen
lage gebieten würde, dass die betroffene Partei selbst auf eine allfällige andere Faktenlage hinweist,
grundsätzlich
nicht Beweis
zu führen (Christoph Auer, Kommentar zum VwVG, St. Gallen 2008,
Art.
12 VwVG N 5).
1.6
Der Amtsbericht ist in
Art.
12 VwVG nicht ausdrücklich als Beweismittel erwähnt.
Art.
19 VwVG verweist
indes
für das Beweisverfahren
unter
a
nderem
auf
Art.
43-61
des Bundesgesetzes üb
er den Bundeszivilprozess (BZP)
. Nach Art.
49
BZP
kann von Amtsstellen und ausnahmsweise auch von Privat
per
sonen schriftliche Auskunft
eingeholt werden. Die schriftliche Auskunft beziehungs
weise der Amtsbericht
ist
nach freiem Ermessen
im Hinblick auf die Beweistauglichkeit
z
u prüfen
. Dabei
verlangt
der
Grundsatz der freien Beweis
würdigung (
Art.
55 ATSG in Verbindung mit
Art.
19 VwVG und
Art.
40 BZP) eine umfassende, inhaltsbezogene, verantwortliche und der behördlichen Begrün
dungspflicht genügende Prüfung aller Beweismittel (BGE 140 V 193 E.
3.1) unabhängig von ihrer Herkunft und ohne Bindung an förmliche Beweis
re
geln (BGE 137 V 210 E. 3.4.1.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_71/2016 vom
1.
Juli 2016 E. 5.1).
2.
2.1
Der Beschwerdegegner ging im angefochtenen Einspracheentscheid vom
2.
November 2017
(Urk. 2) davon aus, dass
die
Beschwerdeführer
in dem Regio
nalen Arbeitsvermittlungszentrum Zürich
Y._
(RAV)
am 2
9.
Sep
tember 2017
ein Nachweisformular
mit
insgesamt sieben Arbeits
bemü
hungen für den Monat September 2017 übergeben und dass sie ein zweites Nachweis
formular mit weiteren vier nachgewiesenen Arbeits
bemühungen für diesen Monat erst am
9.
Oktober 2017 und damit versp
ätet beim RAV einge
reicht habe. Da das verspätet eingereichte
zweite Nachweisformular als Beweis
mittel nicht mehr zu berücksichtigen sei
,
habe die Beschwerdeführerin für den Monat Sep
tember 2017
in quantitativer Hinsicht nicht genügend
Arbeitsbemü
hungen nach
gewiesen
, weshalb eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung ange
zeigt sei.
2.2
Die Beschwerdeführerin
bringt hiegegen vor, dass
sie die (beiden) Nachweisef
or
mulare betreffend sämtlicher elf
von ihr für den Monat September 2017 nach
gewiesenen Arbeitsbemühungen am 2
9.
September 2017 einer am Schalter täti
gen Mitarbeiterin des RAV übergeben und es nicht zu v
ertreten
habe
, wenn
das RAV
die abgegebenen Nachweise der Stellen
bemühungen nicht korrekt weiter
geleitet
habe
(
Urk.
1).
3.
3.1
In den Akten befinden sich ein am 2
9.
September 2017 datiertes
,
durch die Beschwerdeführer
in
vollständig
ausgefülltes und
unterzeichnetes Nachweisfor
mular
, worin insgesamt sieben Arbeitsbemühungen für den Monat September
2017
aufgeführt sind
(
Urk.
5/3/2),
sowie ein nicht datierte
s
Nachweisformular mit dem Hinweis
„Duplikat“, womit weitere vier Arbeitsbe
mühungen für den Monat September
2017 nachgewiesen wurden (Urk.
5/3/3).
3.2
Dem Prozessorientierten
Beratungsprotokoll des RAV (
Urk.
5/18) ist zu ent
nehmen, dass die Beschwerdeführerin anlässlich eines Beratungsgesprächs vom
6.
O
ktober 2017 erklärt habe, dass s
ie mehr Arbeitsbemühungen als die auf dem
ersten
Nachweisformular aufgeführten
(sieben)
Stellenbewerbungen nachge
wiesen habe, und dass
das zweite
Nachweisformular für den Monat September 2017 fehle. Eine Kopie des fehlenden zweiten Nachweisformulars habe die Beschwer
deführerin
dem
RAV
anschliessend
am
9.
Oktober 2017
zugestellt
.
3.3
In ihrer schriftlichen Einsprache vom
7.
Oktober 2017 (
Urk.
5/3/1) gegen die Verfügung vom
4.
Oktober 2017 (
Urk.
5/2) führte die Beschwerdeführerin aus, dass sie am
Vormittag des
2
9.
September 2017
beim RAV
vorgesprochen habe und am
dortigen, im ersten Oberg
eschoss
gelegenen Schalter
zwei Nachweis
formulare
mit insgesamt elf Nachweisen
von Arbeitsbemühungen
für
den
Monat September 2017 abgegeben habe
.
An dieser Darstellung hielt sie beschwerdeweise fest (Urk. 1).
4.
4.1
Der Beschwerdegegner hat zwar beim RAV das die Beschwerdeführerin betref
fende Prozessorientierte Beratungsprotokoll und weitere Unterlagen beigezogen. Er unterliess es
jedoch
, die
Sachverhaltsschilderung
der Beschwerdeführerin,
wonach
sie am 2
9.
September 2017 einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter
am
Schalter des RAV zwei Nachweisformulare mit insgesamt elf nachgewiese
nen Arbeitsbemühungen für den Monat September 2017 abgegeben habe,
näher abzuklären.
4.2
Vorliegend
spricht der Umstand
, dass die Beschwerdeführerin sowohl anlässlich des Beratungsgesprächs beim RAV vom
6.
Oktober 2017 (
Urk.
5/18), als auch im Rahmen der Einsprache vom
7.
Oktober 2017 (
Urk.
5/3/1) und der Beschwerde vom
7.
November 2017 (
Urk.
1) konstant und ohne Widersprüche aussagte,
dass
sie am 2
9.
September 2017 dem RAV zwei Nachweisformular mit insgesamt elf Nachweisen von Arbeitsbemühungen für den Monat September 2017 übergeben habe,
für die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen
(vgl. BGE
128 I 81 E. 2
).
D
er Beschwerdegegner
wäre daher
verpflichtet
gewesen
,
in Nachachtung des Unter
suchungsgrundsatzes
den Sachverhalt
in Bezug auf die Schilderungen der Beschwerdeführerin
ergänzend abzuklären
, ob die Behauptung der Beschwerde
führerin belegt werden kann
.
Dabei hätte
er beispielsweise
beim RAV
eine
schriftliche Auskunft beziehungsweise einen Amtsbericht
darüber
beiziehen können
, ob sich eine rechtzeitige Abgabe der vollständigen Suchbemühungen erstellen lässt beziehungsweise ob sich ein Verlust der Unterlage beim RAV rechtsgenüglich ausschliessen lässt.
5.
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
6.
Nach Gesagtem
steht auf Grund der vorliegenden Akten nicht mit genügender Bestimmtheit und insbesondere nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, ob die Beschwerdeführerin am 2
9.
September 2017 im Rahmen einer persönlichen Vorsprache beim RAV lediglich ein Nachweisfor
mulare betreffend sieben von ihr im Monat September 2017 getätigten Arbeits
bemühungen einreichte, oder ob sie dem RAV zwei solche Formulare mit insgesamt elf Arbeitsbemühungen für diesen Monat übergeben hat. Der Sach
verhalt erweist sich diesbezüglich daher
nicht als rechtsgenügend abge
klärt.
Der Be
schwerdegegner,
an welche
n
die Sache zur Durchführung ergän
zender Sach
verhaltsabklärungen zurückzuweisen ist, wird daher
den Sachver
halt diesbe
züglich ergänzend abklären und dabei sinnvollerweise die vollständi
gen, die Beschwerdeführerin betreffenden Akten des RAV
einholen
sowie das RAV auffordern,
die
Mitarbeitende
n
,
welche am 2
9.
September 2017
vormittags
am
Schalter tätig waren, zu den Sachverhaltsschilderungen der Beschwerde
führerin zu befragen
,
und betreffend der Ergebnisse dieser Befragungen, sowie betreffend der
grundsätzlichen
Fragen, ob
und wie
ein Vorsprechen einer versi
cherten Person am Schalter
des RAV
üblicherweise protokolliert wird, und ob bei einer Übergabe von Dokumenten am Schalter durch versicherte Personen diesen üblicherweise
oder allenfalls auf Verlangen
eine Quittung
ausgestellt wird, einen Amtsbericht beim RAV einholen und anschliessend
allenfalls
über
die Einstellung in der Anspruchsberechtigung wegen ungenügender Arbeitsbe
mühungen im Monat September 2017 erneut verfügen.