# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 045dfcc6-2771-4cc5-b720-cec2df98cdf0
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend versuchter Diebstahl etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom 24. März 2021 (GG200293)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 17. November 2020
(D1 Urk. 38) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 63 S. 44 ff.)
"Es wird erkannt:
" 1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− des versuchten Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit
Art. 22 Abs. 1 StGB sowie
− des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 6 Monaten Freiheitsstrafe, wovon bis und mit heute
53 Tage durch Haft erstanden sind.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre festge-
setzt.
4. Der Beschuldigte wird hinsichtlich des mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl
vom 24. Juli 2020 für die Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je Fr. 30.– (entsprechend
Fr. 1'800.–) ausgesprochenen bedingten Vollzugs verwarnt und die Probezeit von zwei
Jahren wird um ein Jahr verlängert.
5. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a Abs. 1 lit. d StGB für 5 Jahre des Landes
verwiesen.
6. Die Anordnung der Landesverweisung wird im Schengener Informationssystem nicht aus-
geschrieben.
7. Die Privatklägerin wird mit ihrem Schadenersatzbegehren auf den Weg des Zivilprozesses
verwiesen.
8. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 29. Oktober 2020 beschlag-
nahmten und bei der Kantonspolizei Zürich, Asservate Triage, lagernden Gegenstände:
− 1 Paar Schuhe und 1 Jeanshose (Asservat Nr. A014'145'461),
− 1 Jeansjacke (Asservat Nr. A014'145'472),
− 1 Rucksack mit diversen persönlichen Gegenständen
(Asservat Nr. A014'145'483),
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− 2 Fahrzeugspiegel (Asservat Nr. A014'145'494),
− 1 Schlüssel, KESO 1000, Nr. KA003834 (Asservat Nr. A014'145'507),
− 1 Kartenetui aus Metall samt Inhalt (Asservat Nr. A014'145'518),
− 1 Jeanshose (Asservat Nr. A014'145'530),
werden nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils dem Beschuldigten auf erstes Verlangen hin
zurückgegeben und nach unbenutztem Ablauf einer dreimonatigen Frist ab Rechtskraft der
Lagerbehörde zur gutscheinenden Verwendung überlassen.
9. Rechtsanwalt MLaw X._ wird für seine Aufwendungen als amtlicher Verteidiger des
Beschuldigten aus der Gerichtskasse mit Fr. 20'860.– (inkl. Auslagen und MwSt.) entschä-
digt.
10. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 2'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'100.00 Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 80.00 Auslagen Polizei
Fr. 1'200.00 Gebühr für das Haftbeschwerdeverfahren vor dem OGZ, Geschäfts-Nr. UB200155
Fr. 20'860.00 amtliche Verteidigung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
11. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen
der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt. Im Übrigen werden die
Kosten auf die Gerichtskasse genommen.
12. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbe-
halten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO im Umfang von einem Drit-
tel.
13. (Mitteilungen)
14. (Rechtsmittel)"
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Berufungsanträge: (Prot. S. 6)
a) der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 84 S. 2)
" 1. Der Angeklagte sei vom Vorwurf des versuchten Diebstahls und des
Hausfriedensbruchs freizusprechen.
2. Die Zivilansprüche der Privatklägerschaft seien abzuweisen.
3. Von einem Widerruf des mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-
Sihl vom 24. Juli 2020 gewährten bedingten Strafvollzugs sei abzu-
sehen.
4. Es sei dem Angeklagten eine angemessene Entschädigung und Ge-
nugtuung, jedoch mindestens CHF 200.00 pro Hafttag und CHF
3'000.00 pauschal für die erlittenen Einbussen und Umstände, insb. die
Untersuchungshaft zuzusprechen. Die Entschädigung sei mit 5% seit
dem 26. September 2020 zu verzinsen.
5. Die Untersuchungs- und Gerichtskosten seien auf die Staatskasse zu
nehmen. Die Kosten für die amtliche Verteidigung gemäss eingereich-
ter sowie aktualisierter Honorarnote seien ebenfalls auf die Staatskas-
se zu nehmen."
b) der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 69; schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
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## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil der Vorinstanz
vom 24. März 2021 wurde der Beschuldigte A._ anklagegemäss diverser
Delikte schuldig gesprochen und mit einer bedingten Freiheitsstrafe bestraft; für
eine bedingt aufgeschobene Vorstrafe wurde die Probezeit verlängert. Sodann
wurde eine Landesverweisung ausgesprochen (Urk. 63 S. 44 f.). Gegen diesen
Entscheid liess der Beschuldigte durch seinen amtlichen Verteidiger mit Eingabe
vom 31. März 2021 innert gesetzlicher Frist Berufung anmelden (Art. 399 Abs. 1
StPO; Urk. 58). Die Berufungserklärung der Verteidigung ging ebenfalls innert
gesetzlicher Frist bei der Berufungsinstanz ein (Art. 399 Abs. 3 StPO; Urk. 65).
Die Anklagebehörde hat mit Eingabe vom 21. Mai 2021 innert Frist mitgeteilt,
dass auf Anschlussberufung verzichtet wird (Urk. 69; Art. 400 Abs. 2 f. und Art.
401 StPO). Die durch die Verteidigung in der Berufungserklärung gestellten
Beweisergänzungsanträge wurden mit Präsidialverfügung vom 16. Juni 2021 be-
gründet abgewiesen (Art. 389 Abs. 3 StPO; Urk. 70). Die Verteidigung hat das
vorinstanzliche Urteil in der Berufungserklärung zunächst vollumfänglich ange-
fochten (Urk. 65). Die Anklagebehörde beantragt die Bestätigung des angefoch-
tenen Entscheides (Urk. 69). Nachdem die Verteidigung im Vorfeld der Beru-
fungsverhandlung mitgeteilt hatte, dass sie keinen Kontakt zum Beschuldigten
habe, wurde ihr Gelegenheit gegeben, ihr Plädoyer bis spätestens zum Beginn
der Verhandlung schriftlich einzureichen (Urk. 82), wovon sie Gebrauch machte
(Urk. 83 ff.). Sie beschränkte dabei ihre Berufung teilweise (Urk. 84 S. 2; Art. 399
Abs. 4 StPO). Der Beschuldigte blieb der Berufungsverhandlung unentschuldigt
fern (Prot. II S. 5).
2. Gemäss den Anträgen der Parteien sind im Berufungsverfahren nicht an-
gefochten
- die vorinstanzliche Regelung betreffend beschlagnahmte Gegenstände
(Urteilsdispositiv-Ziff. 8)
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- die vorinstanzliche Regelung betreffend die Entschädigung des amtlichen
Verteidigers (Urteilsdispositiv-Ziff. 9) sowie
- die vorinstanzliche Kostenfestsetzung (Urteilsdispositiv-Ziff. 10).
Vom Eintritt der Rechtskraft dieser Anordnungen ist vorab Vormerk zu nehmen
(Art. 404 StPO).
II. Schuldpunkt
1.1. Dem Beschuldigten A._ wird in der Anklageschrift der Anklagebehörde
vom 17. November 2020 zusammengefasst vorgeworfen, am 31. August 2020
nachts um ca. 23.20 Uhr zusammen mit den Mittätern B._ und C._ ver-
sucht zu haben, aus dem Geschäft D._ im Untergeschoss des Bahnhofs
E._ in Zürich Zigaretten im Wert von rund Fr. 9'314.-- zu stehlen. Zu diesem
Zweck seien B._ und C._ in das Geschäft eingestiegen und hätten die
Zigaretten behändigt, der Beschuldigte habe vor dem Geschäft Schmiere gestan-
den. Alle drei Mittäter seien bei dieser Aktion verhaftet worden (Urk. 38 S. 2).
1.2. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten anklagegemäss des versuchten
Diebstahls sowie des Hausfriedensbruchs schuldig gesprochen (Urk. 63 S. 44).
1.3. B._ und C._ wurden in der Nacht des 31. August 2020 in flagranti
im D._-Geschäft, in welches sie eingedrungen waren, verhaftet; der Be-
schuldigte gleichzeitig unmittelbar vor dem Tatort im Untergeschoss des Bahn-
hofs E._. Am Tatort hatten B._ und C._ Zigaretten im inkriminierten
Deliktsumfang zum Abtransport eingepackt. Entsprechend waren B._ und
C._ von Beginn weg geständig, in gemeinsamem Tatentschluss in den
D._ eingedrungen zu sein, um Zigaretten zu stehlen (D1 Urk. 1). Dafür wur-
den B._ und C._ des versuchten Diebstahls sowie des Hausfriedens-
bruchs schuldig gesprochen, was beide anerkannt haben (Urk. 70 f.; Urk. 61 im
Parallelverfahren SB210256; Abschreibung des Berufungsverfahrens SB210355
mit Präsidialverfügung vom 13. Juli 2021).
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1.4. Der Beschuldigte macht im gesamten bisherigen Verfahren – soweit er
überhaupt Aussagen machte – zusammengefasst geltend, er habe mit dem Dieb-
stahl von B._ und C._ nichts zu tun. Während diese im D._ gewe-
sen seien, habe er auf den Zug gewartet und wegfahren wollen (Prot. I S. 23 ff.;
Urk. 54 S. 10 Rz. 55). Die Vorinstanz hat die gesamten Aussagen des Beschul-
digten, wie er sie in sämtlichen seinen Einvernahmen deponiert hat, ausführlich
zitiert, worauf verwiesen wird (Urk. 63 S. 11-13).
1.5. Die Vorinstanz hat sodann auch die Aussagen von B._ (Urk. 63
S. 15 f.) und C._ (Urk. 63 S. 17-19) sowie die weiteren Beweismittel (Urk. 63
S. 21) detailliert wiedergegeben, die theoretischen Grundsätze der richterlichen
Beweiswürdigung angeführt (Urk. 63 S. 9-11) und anschliessend eine sorgfältige
und in allen Teilen überzeugende Beweiswürdigung angestellt (Urk. 63 S. 21-24).
Auf all dies wird zur Vermeidung von Wiederholungen verwiesen.
1.6. Die folgenden Erwägungen sind somit entsprechend namentlich zusam-
menfassender und allenfalls ergänzender Natur:
Es ist belegt und unbestritten, dass sich B._, C._ und der Beschuldigte
zusammen von F._ nach E._ und dort an den Tatort, die D._-Filiale
im Untergeschoss des Bahnhofs, begaben. B._ und C._ haben überein-
stimmend – und konstant – beschrieben, dass auf der Liftfahrt zum Unterge-
schoss besprochen worden sei, dass man nun zwecks Diebstahls in den D._
eindringe. B._ hat ausdrücklich ausgesagt, der Beschuldigte habe draussen
vor dem Tatort aufgepasst (D1 Urk. 8 S. 4 F/A 25). Der Beschuldigte macht nicht
etwa geltend, von der Diebstahlsabsicht von B._ und C._ nichts gemerkt
zu haben; vielmehr behauptet er, er habe im Lift ausdrücklich gesagt, er wolle
sich nicht beteiligen. Dies wurde von B._ und C._ bis zur Konfrontati-
onseinvernahme übereinstimmend nicht bestätigt, von C._ auch an der Kon-
frontationseinvernahme nicht (D1 Urk. 19 S. 6). Im Gegenteil hat C._ aus-
drücklich ausgesagt, er sei von B._ und dem Beschuldigten ("von den bei-
den") zur Beteiligung am geplanten Einbruch angehalten worden (D1 Urk. 9 S. 3
F/A 13) und ausdrücklich beide, B._ und der Beschuldigte, hätten im Lift über
den Einbruch gesprochen (D1 Urk. 19 S. 5). Nachdem er seine früheren Aussa-
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gen ausdrücklich als richtig bestätigt hatte, hat B._ an der Konfrontationsein-
vernahme dann augenscheinlich versucht, den Tatbeitrag der beiden Anderen
möglichst zu reduzieren: So sagte er aus, beide seine Begleiter hätten auf seinen
Vorschlag hin gesagt, sie hätten Angst und wollten dies nicht machen (D1 Urk. 19
S. 4 f.). Dies ist offensichtlich falsch: C._ selber hat nie geäussert, er habe
den Vorschlag von B._ zum Einbruch zurückgewiesen.
1.7. Es ist keinerlei nachvollziehbares Motiv ersichtlich, weshalb B._ und
C._ den Beschuldigten – übereinstimmend – falsch belasten sollten. Sie hät-
ten daraus keinerlei persönlichen Vorteil ziehen können; B._ hat den Be-
schuldigten auch nicht übermässig belastet, sondern vielmehr sich selber als Spi-
ritus rector und Kopf des gemeinsam zu verübenden Einbruchdiebstahls bezeich-
net. Die Darstellung des Beschuldigten, er habe nicht mitmachen wollen, er habe
sich von B._ und C._ getrennt und den Tatort verlassen wollen, ist mit
der Vorinstanz denn auch in der Tat schlicht absurd (Urk. 63 S. 22): Der Beschul-
digte hielt sich unmittelbar beim Tatort auf und er führte (anerkanntermassen;
Prot. I S. 25) wichtige persönliche Utensilien sowohl von B._ wie von
C._ mit sich (Mobiltelefon, Hausschlüssel, Dokumente). Es ist offensichtlich,
dass der Beschuldigte B._ und C._ nicht zurücklassen wollte, sondern
vielmehr auf diese wartete und sogar ihre Effekten verwahrte. Sein Vorbringen, er
habe die Wertsachen von B._ und C._ einfach ausserhalb des D._-
Geschäfts liegen lassen wollen, ist schlicht Unsinn, insbesondere wenn er kurz
vorher angibt, die Rückgabe sei nicht besprochen worden (Prot. I S. 25). Wenn
die Verteidigung (auch) im Berufungsverfahren auf die im Verlauf der Untersu-
chung den Beschuldigten entlastenden Aussagen der beiden anderen Beschul-
digten, die nachgeschoben und unglaubhaft sind, abstellen will (Urk. 84 S. 6 ff., S.
12), kann ihr nicht gefolgt werden. Damit sind die Schutzbehauptungen des Be-
schuldigten widerlegt und überzeugt vielmehr die Aussage B._s, dem Be-
schuldigten sei die Rolle des Aufpassers sowie Aufbewahrers der Effekten der
Mittäter ausserhalb des Geschäfts zugekommen.
1.8. An der soeben erwähnten Einschätzung ändert auch das (lediglich) zu
Beginn des Berufungsverfahrens erneut wiederholte Begehren der Verteidigung,
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es seien weitere Videoüberwachungsaufnahmen beizuziehen (Urk. 65 S. 2 ff.;
Urk. 70; Urk. 84 S. 1 ff.), nichts: Dass der Beschuldigte ausserhalb des D._-
Geschäfts an einer nahegelegenen Steckdose den Akku seines Mobiltelefons auf-
laden wollte, kann ihm geglaubt werden, entlastet ihn aber nicht vom eigentlichen
Tatvorwurf. Bezeichnenderweise hat C._ sinngemäss ausgesagt, B._
habe ihm im Innern des D._ gesagt, der Beschuldigte solle nach dem Aufla-
den des Mobiltelefons einen Fahrer zum Abtransport bestellen (D1 Urk. 9 S. 3 F/A
23). B._ hat ausgesagt, für das Aufladen seines (B._s) Handys wäre
dem Beschuldigten ein Teil der Beute zugestanden (D1 Urk. 13 S. 6 F/A 41). Die
Darstellung der Verteidigung, B._ und C._ hätten bestätigt, dass der
Beschuldigte bei der Steckdose auf einen Zug gewartet habe (Urk. 54 S. 6), ist
schliesslich aktenwidrig.
1.9. Auffällig ist sodann, dass sich der Beschuldigte und seine beiden Begleiter
nicht erst unmittelbar vor der Tat zum Tatobjekt begaben: Gemäss Videoauf-
zeichnung waren die Drei bereits rund 50 Minuten vor dem Einbruch in unmittel-
barer Nähe des Tatorts (D1 Urk. 27/1 S. 3 f.). Wenn der Beschuldigte wie behaup-
tet nach dem Eintreffen beim Bahnhof E._ auf der Fahrt im Lift ins Unterge-
schoss die gehörte Einbruchsabsicht der anderen tatsächlich verworfen hätte,
hätte er sich kaum noch über 50 Minuten lang mit diesen zusammen in der Nähe
des Tatortes aufgehalten. Sodann fand die Übernahme der Effekten der beiden
Einbrechenden durch den Beschuldigten offensichtlich nach dieser Liftfahrt ins
Untergeschoss statt. Der Beschuldigte nahm also die Wertgegenstände der bei-
den anderen zu einem Zeitpunkt an sich, in welchem er sowohl die Diebstahlsab-
sicht von B._ und C._ zurückgewiesen wie sich auch physisch von die-
sen getrennt haben will. Beides ist widerlegt.
1.10. Insgesamt ist auch der bestrittene Sachverhalt mit der Beweiswürdigung
der Vorinstanz zweifelsfrei und rechtsgenügend dahingehend erstellt,
- dass der Beschuldigte an der gemeinsamen Entschlussfassung zum Ein-
bruch in den D._ zwecks Diebstahl mitwirkte oder zumindest sich spätestens
bei der Liftfahrt zum Untergeschoss/Einbruchsobjekt dem von B._ geäusser-
ten Tatentschluss anschloss,
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- dass er vor dem Ladenlokal, welches – mit seinem Wissen und Einver-
ständnis – von seinen beiden Begleitern heimgesucht wurde, deren Wertsachen
aufbewahrte und
- dass er – auch – den Akku von B._ lud und dies offenbar sogar mit
dem Plan, dass allenfalls anschliessend damit ein Fluchtfahrzeug bestellt werden
soll.
1.11. Die Anklage wirft dem Beschuldigten vor, sich als Mittäter arbeitsteilig und
in Bereicherungsabsicht am Einbruchdiebstahl seiner Begleiter beteilig zu haben,
wobei seine aktive Beteiligung, die erstelltermassen aus den vorstehend ange-
führten Handlungen bestand, zusammengefasst mit "draussen Schmiere-Stehen"
umschrieben wird. Der Beschuldigte behauptet, sich vom Entschluss seiner bei-
den Begleiter zum Einbruch distanziert, diese vor Tatbeginn verlassen und sich
zum Tatzeitpunkt lediglich noch zufällig in der Nähe des Tatobjekts aufgehalten
zu haben. All dies ist wie erwogen klar widerlegt. Aus den Schutzbehauptungen
des Beschuldigten ist zudem ersichtlich, dass er sehr wohl weiss, was ihm vorge-
worfen wird.
2.1. Zur rechtlichen Würdigung hat die Vorinstanz vorab die Tatbestands-
elemente des Diebstahls wie des Hausfriedensbruchs angeführt und dann zu-
sammengefasst erwogen, der Beschuldigte habe sich sowohl an der vorgängigen
Planung des Delikts beteiligt, wie anschliessend durch seinen relevanten Tatbei-
trag seine Komplizen bei deren Eindringen in das Ladengeschäft und ihrem Dieb-
stahlsversuch psychisch und physisch massgeblich gefördert (Urk. 63 S. 26-29).
2.2. Dies trifft ohne Weiteres zu. Dass der Beschuldigte beim Erscheinen der
Polizei weder selber zu fliehen noch seine sich im D._ befindenden Kompli-
zen zu warnen vermochte, ändert daran entgegen der Argumentation der Vertei-
digung nichts (Urk. 54 S. 6 f., S. 10; Urk. 84 S. 5 f.). Wenn die drei Komplizen auf
dem Weg zum Tatort gemeinsam einen Einbruchsentschluss fällen und diesen
dann arbeitsteilig in die Tat umsetzen, erscheint der Beschuldigte durch das Leis-
ten des ihm zukommenden Tatbeitrags, mittels welchem er die beiden anderen
sowohl psychisch wie physisch wesentlich unterstützt, als Mittäter (BGE 118 IV
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397 E. 2b; Urteil des Bundesgerichts 6B_852/2015 vom 10. Februar 2016 E. 2.2.).
Dass der Beschuldigte wusste und billigte, dass seine beiden Begleiter in den
D._ eindrangen, um zu stehlen, wurde vorstehend erstellt. Wenn er behaup-
ten lässt, nicht gewusst zu haben, dass Zigaretten gestohlen werden sollen (Urk.
54 S. 8; Urk. 84 S. 16), ist dies ebenfalls unglaubhaft: Der Beschuldigte war ent-
gegen seiner Bestreitung am Fassen des Tatentschlusses beteiligt. B._ und
C._ sammelten in kurzer Zeit eine grosse Menge und ausschliesslich Ziga-
retten ein. B._ sagte auch ausdrücklich, sie hätten – wohl auch – Hunger ge-
habt, jedoch "Zigaretten gebraucht" (D1 Urk. 8 S. 4 F/A 26). Die gesamten Tat-
umstände zeigen klar, dass die angebliche Essensbeschaffung offensichtlich eine
Ausrede war und es vielmehr einzig oder zumindest hauptsächlich darum ging,
einen möglichst hohen Wert an Zigaretten zu stehlen. Und den – bei Einbrüchen
notorischen – Entschluss, einen möglichst hohen Deliktsbetrag zu realisieren, hat
der Beschuldigte mitgetragen.
2.3. Der angefochtene Schuldspruch ist insgesamt zu bestätigen.
III. Sanktion
1.1. Die Anklagebehörde beantragte im Hauptverfahren für den Beschuldigten
eine Freiheitsstrafe von 120 Tagen (Urk. 63 S. 2). Die Verteidigung stellte zum
Strafmass keinen Antrag und äusserte sich dazu auch materiell nicht (Urk. 63 S.
3; Urk. 54). Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe
von 6 Monaten (Urk. 63 S. 44).
1.2. Mit einlässlicher und zutreffender Begründung hat die Vorinstanz erwogen,
dass für den Beschuldigten, welcher bereits eine Geldstrafe als Vorstrafe aufweist
(Urk. 64), nur die Strafart der Freiheitsstrafe in Frage kommt (Urk. 63 S. 31 f. mit
Verweis auf die Praxis). Anschliessend hat sie nachvollziehbar bei der Tatkom-
ponente des Diebstahls das Verschulden als gerade noch leicht bezeichnet, wo-
bei sie berücksichtigt hat, dass sich die Tat im Versuch erschöpft hat, und dafür
eine keinesfalls zu tiefe Einsatzstrafe von 120 Tagen bemessen sowie diese in
keinesfalls zu strenger Abgeltung des Hausfriedensbruchs auf 150 Tage erhöht
(Urk. 63
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S. 32-34). Namentlich in Berücksichtigung der Tatsachen, dass der Beschuldigte
eine einschlägige Vorstrafe aufweist und innerhalb deren laufender Probezeit
erneut delinquiert hat, resultierte nach Beurteilung der Täterkomponente eine
Erhöhung der nach der Beurteilung der Tatkomponente bemessenen Einsatzstra-
fe auf letztlich 180 Tage respektive 6 Monate Freiheitsstrafe (Urk. 63 S. 34 f.).
Wenn die Verteidigung die von der Anklägerin vor Vorinstanz beantragte Frei-
heitsstrafe von 120 Tagessätzen als "absurd hoch" bezeichnet (Urk. 84 S. 18),
kann ihr nicht gefolgt werden. Gerade angesichts der erneuten Delinquenz des
Beschuldigten erst kurz nach einer einschlägigen Verurteilung fällt die angefoch-
tene Sanktion sehr milde aus, auch wenn sie das durch die Anklagebehörde be-
antragte, äusserst tiefe Strafmass deutlich übersteigt (Urk. 63 S. 2). Die vo-
rinstanzlich ausgesprochene Freiheitsstrafe von 6 Monaten ist zu bestätigen.
1.3. Der Anrechnung der erstandenen Untersuchungshaft steht nichts entgegen
(Art. 51 StGB).
2. Die Vorinstanz hat dem Beschuldigten – entgegen dem Antrag der Ankla-
gebehörde (Urk. 63 S. 29) – (erneut) den bedingten Strafvollzug gewährt (Urk. 63
S. 45). Dies ist äusserst milde, aufgrund des Verschlechterungsverbots jedoch
nicht zu ändern (Art. 391 Abs. 2 StPO). Wenn in Berücksichtigung der gravieren-
den, an der Legalprognose des Beschuldigten verbleibenden Zweifel eine gesetz-
lich nicht minimale Probezeit von drei Jahren angeordnet wurde (Art. 44 Abs. 1
StGB), ist dies zweifellos angezeigt.
3. Wiederum entgegen dem entsprechenden Antrag der Anklagebehörde
(Urk. 63 S. 2) hat die Vorinstanz auf den Widerruf des bedingten Vollzugs der
Vorstrafe verzichtet, obwohl der Beschuldigte innert der ihm angesetzten Probe-
zeit erneut und einschlägig delinquiert hat (Urk. 63 S. 45; Urk. 64). Hiezu gilt das
unter der vorstehenden Ziffer zur Gewährung des bedingten Strafvollzugs Erwo-
gene. Der Entscheid ist ohne Weiteres zu bestätigen.
4.1. Schliesslich hat die Vorinstanz den Beschuldigten für 5 Jahre des Landes
verwiesen (Urk. 63 S. 45). Der Beschuldigte, welcher gemäss Art. 66a Abs. 1 lit. d
StGB eine Katalogtat begangen hat, hat – völlig zu Recht – weder im Haupt- noch
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im Berufungsverfahren überhaupt versucht geltend zu machen, es liege ein Härte-
fall im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB vor (Urk. 54; Urk. 84 S. 17). Der Beschul-
digte befindet sich erst seit einigen Jahren in der Schweiz; nach Abweisung sei-
nes Asylgesuchs ist er lediglich vorläufig aufgenommen und er ist hier weder so-
zial noch wirtschaftlich auch nur ansatzweise integriert (vgl. Prot. I S. 17-22). Dies
zeigt sich auch daran, dass er unentschuldigt der Berufungsverhandlung fernge-
blieben und mutmasslich untergetaucht ist.
4.2. Betreffend die – gesetzlich minimale – Dauer der Landesverweisung
(Art. 66a Abs. 1 StGB) gilt einmal mehr das Verschlechterungsverbot.
5.1. Die Vorinstanz hat mit unzutreffender Begründung die Ausschreibung der
Landesverweisung im SIS ausdrücklich nicht angeordnet (Urk. 63 S. 40 f.).
5.2. Gemäss aktueller bundesgerichtlicher Praxis setzt Art. 24 Ziff. 2 lit. a SIS-II-
Verordnung weder eine Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von mindestens ei-
nem Jahr noch einen Schuldspruch wegen einer Straftat, die mit einer Mindest-
freiheitsstrafe von einem Jahr bedroht ist, voraus. Die Voraussetzung von Art. 24
Ziff. 2 lit. a SIS-II-Verordnung ist vielmehr erfüllt, wenn der entsprechende Straf-
tatbestand eine Freiheitsstrafe im Höchstmass von einem Jahr oder mehr vorsieht
(Urteil des Bundesgerichts 6B_19/2021 vom 27. September 2021 E. 5.1. mit Ver-
weis auf 6B_1178/2019 vom 10. März 2021 E. 4., insb. E. 4.8.).
5.3. Da das Unterlassen der Ausschreibung der Landesverweisung im SIS mit
Verweis auf Art. 391 Abs. 2 StPO im Berufungsverfahren jedoch schon aus
prozessualen Gründen nicht geändert werden kann (vgl. Urteil des Bundesge-
richts 6B_572/2019 vom 8. April 2020 E. 3.3.), ist eine Prüfung der weiteren
Voraussetzungen obsolet.
IV. Zivilforderung
Ausgangsgemäss ist die vorinstanzliche Regelung betreffend die Zivilforderung
der Privatklägerin D._ ohne Weiteres zu bestätigen (Urk. 63 S. 41 f. und S.
45).
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V. Kosten
1. Ausgangsgemäss ist die vorinstanzliche Kostenauflage zu bestätigen
(Art. 426 StPO; Urteilsdispositiv-Ziff. 11 und 12).
2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist praxisgemäss auf
Fr. 3'000.-- festzusetzen.
3. Im Berufungsverfahren unterliegt der einzig appellierende Beschuldigte mit
seinen Anträgen vollumfänglich. Daher sind ihm die Kosten dieses Verfahrens,
exklusive Kosten seiner amtlichen Verteidigung, aufzuerlegen (Art. 428 StPO).
4. Rechtsanwalt MLaw X._ macht für seine Bemühungen als amtlicher
Verteidiger des Beschuldigten im Berufungsverfahren eine Entschädigung von
Fr. 4'210.-- (inkl. Auslagen und MwSt.) geltend (Urk. 85). Der geltend gemachte
Aufwand ist ausgewiesen und angemessen. Entsprechend ist Rechtsanwalt
MLaw X._ für seine Bemühungen antragsgemäss mit Fr. 4'210.--
(inkl. Auslagen und MwSt.) aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Die Kosten
der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten sind einstweilen auf die Gerichts-
kasse zu nehmen; unter Vorbehalt einer Rückforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO.