# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 3e43c122-3e4d-4053-9c42-16c0da0644fd
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, I. Abteilung, vom 18. April 2018 (DG180003)
- 2 -
Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland, Zweigstelle
Flughafen, vom 15. Januar 2018 (Urk. 16) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Die Beschuldigte ist schuldig der qualifizierten Widerhandlung gegen das
Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. b BetmG in
Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG.
2. Die Beschuldigte wird bestraft mit 34 Monaten Freiheitsstrafe, wovon
166 Tage durch Haft erstanden sind.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 20 Monaten aufgescho-
ben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (14 Monate, ab-
züglich 166 Tage, die durch Haft erstanden sind) wird die Freiheitsstrafe
vollzogen.
4. Die Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66abis StGB für 10 Jahre des
Landes verwiesen.
5. Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informati-
onssystem angeordnet.
6. Der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom
4. November 2017 beschlagnahmte Stoffrollenkoffer "Sestini" wird eingezo-
gen und der Lagerbehörde zur Vernichtung belassen.
7. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom
4. November 2017 beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich
unter der Lagernummer A'010'919'398 aufbewahrten 2'283 Gramm Kokain-
gemisch werden eingezogen und sind nach Eintritt der Rechtskraft dieses
Urteils durch die Kantonspolizei Zürich zu vernichten.
- 3 -
8. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom
4. November 2017 beschlagnahmte Mobiltelefon "Samsung" wird eingezo-
gen und ist – soweit verwertbar – durch die Lagerbehörde zu verwerten und
im Übrigen zu vernichten. Ein allfälliger Erlös verfällt dem Staat.
9. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom
4. November 2017 beschlagnahmte Barschaft von Fr. 1'300.– wird eingezo-
gen und verfällt dem Staat.
10. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 3'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 860.– Gebühr für die Strafuntersuchung
Fr. 2'100.– Auslagen Vorverfahren
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
11. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden der
Beschuldigten auferlegt; davon ausgenommen sind die Kosten der
amtlichen Verteidigung, welche einstweilen und unter dem Vorbehalt von
Art. 135 Abs. 4 StPO von der Gerichtskasse übernommen werden.
Nachtragsurteil der Vorinstanz:
1. Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten, Rechtsanwalt lic. iur. Y._,
wird für seine Aufwendungen aus der Gerichtskasse mit dem Totalbetrag
von Fr. 13'343.05 (inkl. MWSt) entschädigt.
Berufungsanträge:
a) Der amtlichen Verteidigung der Beschuldigten:
(Urk. 68 S. 1)
1. In Aufhebung von Urteilsdispositiv-Ziff. 2 des Urteils des Bezirksge-
richts Bülach vom 18. April 2018, Geschäfts-Nr. DG180003-C, sei die
- 4 -
Beschuldigte mit maximal 24 Monaten Freiheitsstrafe, unter Anrech-
nung der erstandenen Haft und vorzeitigem Strafantritt, zu bestrafen;
2. In Aufhebung von Urteilsdispositiv-Ziff. 3 des Urteils des Bezirksge-
richts Bülach vom 18. April 2018, Geschäfts-Nr. DG180003-C, sei der
Vollzug der Freiheitsstrafe vollumfänglich aufzuschieben und die Pro-
bezeit auf 2 Jahre festzusetzen;
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Staatskas-
se für das Berufungsverfahren.
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland:
(Urk. 60, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

## Considerations

Erwägungen:
I. Gegenstand des Berufungsverfahrens
Mit Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, I. Abteilung, vom 18. April 2018 wurde die
Beschuldigte der qualifizieren Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz
im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. b in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG
schuldig gesprochen und mit einer Freiheitsstrafe von 34 Monaten bestraft. Der
Vollzug der Freiheitsstrafe wurde im Umfang von 20 Monaten aufgeschoben unter
Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren. Im Übrigen wurde der Vollzug der
Freiheitsstrafe angeordnet. Die Beschuldigte wurde für die Dauer von 10 Jahren
des Landes verwiesen, und es wurde die Ausschreibung der Landesverweisung
im Schengener Informationssystem angeordnet.
Gegen dieses Urteil hat die Beschuldigte mit Eingabe vom 25. April 2018 Beru-
fung angemeldet (Urk. 43) und mit Eingabe vom 8. August 2018 fristgerecht die
Berufungserklärung eingereicht (Urk. 54 und Urk. 56). Sie beantragt die Ausfäl-
- 5 -
lung einer bedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten unter Ansetzung einer Pro-
bezeit von zwei Jahren (Urk. 56/1).
Die Staatsanwaltschaft hat innert der mit Präsidialverfügung vom 22. August 2018
angesetzten Frist auf Anschlussberufung verzichtet und Bestätigung des vor-
instanzlichen Urteils beantragt (Urk. 60). Ihrem gleichzeitig gestellten Dispensati-
onsgesuch betreffend Teilnahme an der Berufungsverhandlung wurde entspro-
chen (Urk. 60).
Vorweg ist daher festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil bezüglich der Dis-
positiv-Ziffern 1 (Schuldspruch), 4 (Landesverweisung), 5 (Ausschreibung der
Landesverweisung im Schengener Informationssystem), 6 - 9 (Beschlagnahmun-
gen und Einziehungen), 10 und 11 (Kostenregelung) und das Nachtragsurteil vom
18. Juli 2018 (Festsetzung der Entschädigung der amtlichen Verteidigung) in
Rechtskraft erwachsen sind.
II. Strafzumessung
1. Anwendbares Recht
Am 1. Januar 2018 sind die neuen Bestimmungen des Allgemeinen Teils des
Strafgesetzbuches (Änderung des Sanktionenrechts) gemäss der Änderung vom
19. Juni 2015 in Kraft getreten (AS 2016 1249). Die Beschuldigte hat die zu beur-
teilende Straftat vor Inkrafttreten des neuen Rechts verübt. Das geltende (neue)
Recht ist daher auf diese nur anzuwenden, sofern es für die Beschuldigte im kon-
kreten Fall zu einem günstigeren Ergebnis führt (Art. 2 Abs. 2 StGB; Donatsch, in:
Donatsch/Heimgartner/Isenring/Weder [Hrsg.], Kommentar zum StGB,
20. Auflage 2018, N 10 zu Art. 2 StGB). Das ist nicht der Fall, da das geltende
(neue) Sanktionenrecht grundsätzlich keine mildere Bestrafung vorsieht und eine
Gesamtstrafenbildung gemäss Art. 46 Abs. 1 StGB, welche zu einem für den Tä-
ter günstigeren Ergebnis führt, in diesem Fall nicht zur Diskussion steht.
- 6 -
2. Strafzumessungsregeln
Die allgemeinen Regeln und Kriterien der Strafzumessung wurden im vor-
instanzlichen Urteil unter Hinweis auf die Lehre und Rechtsprechung korrekt wie-
dergegeben. Ausserdem wurde in zutreffender Weise auf die Strafzumessungskri-
terien des Betäubungsmittelstrafrechts hingewiesen (Urk. 55/1 S. 12 ff.). Dies
braucht nicht wiederholt zu werden.
3. Strafrahmen
Auch der massgebliche Strafrahmen für die qualifizierte Widerhandlung gegen
das Betäubungsmittelgesetz wurde durch die Vorinstanz korrekt abgesteckt
(Urk. 55/1 S. 11). Dieser erstreckt sich von einem bis zu 20 Jahren Freiheitsstrafe,
wobei die Möglichkeit besteht, mit dieser eine Geldstrafe zu verbinden (Art. 19
Abs. 1 lit. b BetmG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG).
Wie zu zeigen sein wird, liegen weder Strafschärfungs- noch Strafmilderungs-
gründe vor (vgl. E. 4.2), entsprechend bestehen auch keine aussergewöhnlichen
Umstände, die eine Über- oder Unterschreitung des ordentlichen Strafrahmens
rechtfertigen würden.
Die Vorinstanz hat eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 34 Monaten ausgespro-
chen. Da alleine die Beschuldigte Berufung erhoben hat, kommt die Ausfällung
einer schärferen Sanktion angesichts des Verschlechterungsverobtes von vornhe-
rein nicht in Frage (Art. 391 Abs. 2 StPO).
4. Tatschwere
4.1 Objektive Tatschwere
Was die objektive Tatschwere betrifft, ist zunächst darauf hinzuweisen, dass die
Beschuldigte in ihrem Koffer eine Menge von 2'283 Gramm Kokaingemisch mit
einem Reinheitsgrad von 96 % und mithin von 2'186 Gramm Reinsubstanz Koka-
in mit sich führte. Dadurch überschritt sie die Menge von 18 Gramm Reinsubstanz
Kokain, welche einen schweren Fall begründet (BGE 121 IV 332 E. 2a; BGE 109
IV 143 E. 3b; Fingerhuth/Schlegel/Jucker, Kommentar BetmG, 3. Aufl., Zürich
- 7 -
2016, N 176 und N 181 zu Art. 19 BetmG), um ein Vielfaches. Zu berücksichtigen
ist weiter, dass sie diese beachtliche Menge Kokain auf einmal versteckt in ihrem
Koffer, den sie eingecheckt hatte, von ... [Ort] nach Zürich transportierte und es
mithin bei einem Transport blieb. Hingegen fällt wiederum ins Gewicht, dass diese
Reise eine gewisse Planung erforderte und sich die Beschuldigte bereits in den
zwei bis drei Monaten vor der Reise mehrmals mit ihrem Auftraggeber "B._"
traf, um gemeinsam Absprachen und Vorkehrungen wie die Beantragung des
Reisepasses oder den Kauf der Flugtickets zu treffen. Was diese Vorkehrungen,
den Ablauf der Flugreise und die zu transportierenden Drogen anbelangt, ist der
Beschuldigten immerhin zugutezuhalten, dass sie jeweils auf Anweisung von
"B._" handelte und sie insbesondere nicht gänzlich von sich aus entschied,
welche Droge und welche Menge sie transportieren würde. In Anbetracht dessen,
dass der Beschuldigten nicht nur eine sehr grosse Menge Kokain, sondern auch
solches von sehr hoher Qualität anvertraut wurde, wäre grundsätzlich darauf zu
schliessen, dass ihr innerhalb des Drogenhandels eine Position auf unterer bis
mittlerer Hierarchiestufe zukam. Angesichts des Umstands, dass der Kokain-
transport aus Brasilien in die Schweiz für die Beschuldigte aber ein sehr hohes
Risiko in sich barg, beim Passieren der Sicherheitskontrollen und der Zollbehör-
den am Flughafen angehalten und festgenommen zu werden, ist trotzdem eher
von einer untergeordneten Stellung innerhalb des Drogenhandels auszugehen.
Insbesondere aufgrund der erheblichen Menge transportierten Kokains wiegt das
objektive Tatverschulden dennoch keinesfalls leicht.
4.2 Subjektive Tatschwere
4.2.1 Hinsichtlich der Gründe, welche sie zu diesem Kokaintransport bewogen
hätten, macht die Beschuldigte geltend, dass sie diese Reise letztlich nur angetre-
ten sei, weil sie sich vor den Konsequenzen gefürchtet habe, welche ihr von
"B._" für den Fall, dass sie den Transport nicht ausführen würde, angedroht
worden seien. Zwar räumte sie ein, der Begehung dieser Straftat zunächst tat-
sächlich aufgrund der in Aussicht gestellten Belohnung zugestimmt zu haben. Sie
brachte jedoch vor, dass sie dann kurz vor der Reise noch von sich aus davon
habe zurücktreten wollen, weil sie sich erst dann über die möglichen Gefahren
- 8 -
wie beispielsweise einer Verhaftung sowie darüber, dass sie einen grossen Fehler
begehen würde, bewusst geworden sei. Da "B._" sie daraufhin aber bedroht
habe, indem er ihr in Aussicht gestellt habe, dass es schlimm für sie enden wür-
de, weil sie schon so viel Geld für sie ausgegeben hätten, habe sie dem Vorha-
ben aus Angst dennoch zugestimmt (Urk. 3/1 S. 3 ff.; Urk. 3/3 S. 7 f.; Urk. 3/4
S. 5; Prot. I S. 12 f.; Prot. II S. 5, 10 f., 13 f.). Im Berufungsverfahren macht die
Verteidigung nun geltend, diese Unterdrucksetzung der Beschuldigten durch
"B._" sei nicht nur stark strafmindernd, sondern gar strafmildernd zu gewich-
ten. So seien die Voraussetzungen der Strafmilderungs- und Strafminderungs-
gründe von Art. 48 lit. a Ziff. 2 und 3 StGB erfüllt, da sie in einer schweren Be-
drängnis respektive unter dem Eindruck einer schweren Drohung gehandelt habe
(Urk. 56/1 S. 2; Urk. 68 S. 4 f.).
4.2.2 Die Vorinstanz gelangte hinsichtlich dieser durch die Beschuldigte geltend
gemachten Druck- und Zwangssituation zum Schluss, dass es sich bei ihren Aus-
sagen um Schutzbehauptungen gehandelt habe (Urk. 55/1 S. 10). Zwar liess die
Beschuldigte den erstinstanzlichen Schuldspruch unangefochten. Da tatsächliche
Umstände, die sich mildernd oder schärfend auf die Strafzumessung auswirken,
auch dann angefochten werden können, wenn mit der Berufung nur eine Abände-
rung der Strafhöhe beantragt wurde (Schmid, Praxiskommentar StPO, Art. 399
N 19; Urteil des Bundesgerichts 6B_85/2013 vom 4. März 2013 E. 2), steht diese
Einschränkung der Berufung einer Überprüfung der durch sie geltend gemachten
Druck- und Zwangssituation nicht entgegen. Für die Gewichtung dieser Drucksi-
tuation sind daher im Folgenden die diesbezüglichen Aussagen der Beschuldigten
im Einzelnen zu prüfen.
4.2.3 Dazu, wie es überhaupt zu diesem Drogentransport gekommen sei, erklärte
die Beschuldigte konstant, dass sie finanzielle Probleme gehabt habe, da sie ihr
Studium und andere persönliche Angelegenheiten nicht mehr habe finanzieren
können. Sie habe dann einmal im Gespräch mit einem befreundeten Paar davon
erfahren, dass ihr Bekannter selber schon einmal so eine Reise gemacht und da-
bei Geld verdient habe. So habe sie angefangen, sich für diese Sache zu interes-
sieren. Ausserdem räumte sie ein, dass sie bereits damals gewusst habe, dass
- 9 -
auch dieser Bekannte Drogen irgendwohin gebracht habe. In der Folge habe ihr
dieser Bekannte dann "B._" vorgestellt (Urk. 3/1 S. 1; Urk. 3/3 S. 3 f.; Prot. II
S. 11 ff.). Weiter sei es so abgelaufen, dass sie mehrmals mit "B._" gespro-
chen habe und er ihr gesagt habe, worum es gehe, wie es laufen solle und was
sie dabei verdienen würde. Insbesondere gab sie auch an, dass er ihr gesagt ha-
be, sie solle darüber nachdenken und ihm dann Bescheid geben. So habe sie
dann auch darüber nachgedacht und sich dafür entschieden (Urk. 3/3 S. 4). In der
Folge habe "B._" für sie einen Reisepass beantragt, und sie habe die Flugti-
ckets gebucht mit Geld, das ihr "B._" zu diesem Zwecke gegeben habe
(Urk. 3/1 S. 1; Urk. 3/3 S. 4, 6). In zeitlicher Hinsicht gab sie an, dass seit der
Kontaktaufnahme mit "B._" bis zur Reise insgesamt rund zwei bis drei Mona-
te vergangen seien (Urk. 3/1 S. 3; Prot. I S. 11).
4.2.4 Dass seitens ihrer Auftraggeber und somit insbesondere von "B._" im
Laufe der Planung dieses Transports ein gewisser Druck auf sie ausgeübt wurde,
um sicherzustellen, dass sie die Reise letztlich antreten würde, erscheint nicht
abwegig. Nicht nur aufgrund des bereits in die Beantragung des Reisepasses und
den Flugticketkauf investierten Geldes, sondern insbesondere auch in Anbetracht
der Menge des Kokains, welche der Beschuldigten zum Transport übergeben
wurde, und dem damit verbundenen Wert zeigt sich, wie wichtig das Gelingen
dieser Kurierreise auch für ihre Auftraggeber war. Dass ihr "B._" klargemacht
habe, dass ein Zurücktreten von dieser Reise negative Konsequenzen für sie ha-
ben würde, gab sie denn auch seit ihrer ersten Einvernahme konstant an (Urk. 3/1
S. 3, 5; Urk. 3/3 S. 7 f.; Urk. 3/4 S. 5; Prot. I S. 12 f.; Prot. II S. 13). Zu prüfen ist
jedoch, ob für die Beschuldigte letztlich tatsächlich die Angst vor diesen durch
"B._" angedrohten Konsequenzen ausschlaggebend dafür war, dass sie die-
se Kurierreise angetreten hatte.
4.2.5 Abgesehen davon, dass sie sich "B._" bereits im Wissen darum vorstel-
len liess, dass er Drogentransporte organisierte, erklärte sie von sich aus, dass
"B._" ihr Zeit gelassen habe, um über eine solche Reise nachzudenken und
sich zu entscheiden (Urk. 3/3 S. 4). Es handelte sich mithin nicht um eine sponta-
ne und kurzfristige Entscheidung ihrerseits, diese Kurierreise anzutreten. Zudem
- 10 -
machte sie nie geltend, dass bereits zum Zeitpunkt ihrer anfänglichen Entschluss-
fassung Druck auf sie ausgeübt worden wäre. Weiter erklärte die Beschuldigte,
dass ihr aus der Zeitungslektüre bekannt gewesen sei, dass es in Brasilien im Zu-
sammenhang mit dem Drogenhandel häufig zu Gewalttaten kommen würde
(Urk. 3/4 S. 6). Nicht zuletzt musste ihr auch in Anbetracht der ihr für die Reise
angebotenen Summe von 50'000 Reais, was ca. Fr. 15'000.– entspricht, bewusst
sein, dass die Ausführung dieses Auftrags mit erheblichen Risiken verbunden
sein würde. Dass sie schliesslich trotz der eingeräumten Bedenkzeit und im Wis-
sen darum, dass es sich um eine risikobehaftete und strafbare Tätigkeit handeln
würde, in dieses Vorgehen einwilligte, zeigt, dass sie dem Drogentransport nicht
nur nicht abgeneigt war, sondern dass sie diese Einkommensquelle bewusst
suchte. Angesichts der langen Vorlaufzeit von rund zwei bis drei Monaten sowie
in Anbetracht dessen, dass ihr die Risiken ihrer Tat bereits seit ihrer anfänglichen
Beschlussfassung bekannt waren, vermag ihr Vorbringen, dass ihr erst wenige
Tage vor der Abreise bewusst geworden sei, dass sie einen grossen Fehler be-
gehen würde und sie sich erst dann unter anderem vor einer möglichen Verhaf-
tung gefürchtet habe, weshalb sie von ihrem Vorhaben habe abkehren wollen,
nicht zu überzeugen. Dasselbe gilt auch dafür, dass sie erst dann den von
"B._" ausgehenden Druck zu spüren bekommen haben soll, diese Reise
auch durchzuführen. Insbesondere in Anbetracht dessen, dass sie auch von sich
aus erklärte, zuerst über das Angebot nachgedacht zu haben, bevor sie auf das
Angebot eingegangen sei (Urk. 3/3 S. 4), besteht vielmehr der Eindruck, dass sie
sich bereits von Beginn an Gedanken über die Risiken dieser Tat machte, der fi-
nanzielle Anreiz für sie aber stets übergeordnet war.
4.2.6 Dass ihre finanzielle Motivation bei der Begehung der Tat im Vordergrund
stand, geht sodann auch aus ihren Aussagen im Strafverfahren hervor. Im Laufe
des Verfahrens wurde sie mehrmals danach gefragt, weshalb sie diesen Drogen-
transport gemacht habe. Diese Frage beantwortete sie vorwiegend damit, dass
sie sich darauf nur eingelassen habe, weil sie ihr Studium nicht mehr habe bezah-
len können und ihr als Gegenleistung 50'000 Reais in Aussicht gestellt worden
seien, ohne dabei die Angst vor "B._" zu erwähnen (Urk. 3/1 S. 1; Urk. 3/2
S. 3; Prot. I S. 14). Während ihrer staatsanwaltschaftlichen Hafteinvernahme vom
- 11 -
4. November 2017 liess sie diese Angst sogar gänzlich unerwähnt und verwies
wiederum einzig auf die finanzielle Not als Grund für ihre Tat (Urk. 3/2 S. 3). Die
Angst vor möglichen negativen Konsequenzen als Motivation nannte sie demge-
genüber jeweils nur dann, wenn sie in der entsprechenden Frage auf ihr geltend
gemachtes zwischenzeitliches Zögern hingewiesen wurde (Urk. 3/3 S. 8; Urk. 3/4
S. 5; Prot. I S. 12 f.). Hätte die Angst vor "B._" hinsichtlich ihrer Entscheidung
jedoch einen so zentralen Stellenwert eingenommen, wie sie dies nun geltend zu
machen versucht, so wäre vielmehr zu erwarten gewesen, dass sie ihre damit
verbundenen Befürchtungen jeweils an erster Stelle genannt hätte, als sie nach
ihren Beweggründen gefragt wurde. Da sie dies jedoch unterliess, wird umso
deutlicher, dass sie in erster Linie aus finanziellen Gründen handelte und es sich
beim von "B._" ausgeübten Druck höchstens um einen zusätzlichen, aber
untergeordneten Beweggrund handelte. Ihr Vorbringen, dass sie die Reise trotz
ihrer Bedenken schliesslich nur aus Angst vor "B._" angetreten habe, erweist
sich daher als übertriebene Darstellung und insoweit als Schutzbehauptung.
4.2.7 Da die Beschuldigte die Kurierreise im Wesentlichen aufgrund der ihr in
Aussicht gestellten Belohnung von 50'000 Reais antrat, handelte sie weder in
schwerer Bedrängnis noch unter dem Eindruck einer schweren Drohung. Ent-
sprechend ist die Anwendbarkeit der Strafmilderungsgründe im Sinne von Art. 48
lit. a Ziff. 2 und 3 StGB – entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 56/1
S. 2; Urk. 68 S. 4 f.) – zu verneinen. In Anbetracht dessen, dass ihr hingegen zu-
zugestehen ist, dass sie der durch "B._" ausgeübte Druck, den Transport er-
folgreich durchzuführen, nicht gänzlich unbeeindruckt liess, ist diese Drucksituati-
on dennoch leicht verschuldensmindernd zu berücksichtigen.
4.2.8 Bezüglich der subjektiven Tatschwere ist zudem zu berücksichtigen, dass
die Beschuldigte mit Eventualvorsatz handelte. So wusste sie zwar nicht genau,
welche Drogen und welche Menge ihr davon zum Transport übergeben wurden,
da sie sich diesbezüglich nicht erkundigte. In Anbetracht dessen, dass ihr alleine
für den Transport eines Koffers in die Schweiz 50'000 Reais, was der ansehnli-
chen Summe von ca. Fr. 15'000.– entspricht, als Entschädigung in Aussicht ge-
stellt wurden, war ihr hingegen bewusst, dass es sich um eine erhebliche und
- 12 -
wertvolle Menge handeln musste. Da die Beschuldigte von sich aus angab, selber
keine Drogen zu konsumieren (Urk. 3/1 S. 4), ist sodann ausgeschlossen, dass
sie diese deliktische Tätigkeit zum Zwecke der Finanzierung eines eigenen Dro-
genkonsums ausgeübt hätte. Weiter ist zwar nicht anzuzweifeln, dass der Be-
schuldigten die nötigen finanziellen Mittel zur Fortführung ihres Studiums fehlten
und sie daher den ihr in Aussicht gestellten Kurierlohn auch zu diesem Zwecke
verwendet hätte. Gerade aufgrund dieses Vorbringens sowie in Anbetracht des-
sen, dass sie bei ihrer Grossmutter wohnen konnte, liegen jedoch keine Hinweise
dafür vor, dass sie sich in einer existenziellen Notlage befunden hätte. Schliess-
lich lag im Tatzeitpunkt auch keine verschuldensmindernde Beeinträchtigung ihrer
Schuldfähigkeit im Sinne von Art. 19 StGB vor. Aufgrund der eventualvorsätzli-
chen Tatbegehung sowie des von "B._" ausgehenden verspürten Drucks
vermag das subjektive Tatverschulden das objektive dennoch merklich zu relati-
vieren. Das Tatverschulden ist daher im Rahmen des schweren Falles des Koka-
inhandels insgesamt als nicht mehr leicht zu bewerten. Die Einsatzstrafe ist im
Bereich von 40 Monaten Freiheitsstrafe anzusetzen.
5. Täterkomponente
5.1 Vorleben
Die Beschuldigte wurde am tt. November 1994 in ... [Ort], Brasilien, geboren. Zu
ihren persönlichen Verhältnissen erklärte sie weiter, in einem zweistöckigen Haus
aufgewachsen zu sein, in dessen oberen Stockwerk ihre Eltern und ihr Bruder
und im Erdgeschoss ihre Grossmutter gewohnt hätten. Im Alter von 16 Jahren sei
sie aus der Wohnung ihrer Eltern ausgezogen und im Erdgeschoss bei ihrer
Grossmutter wieder eingezogen. Lediglich für zwei Jahre sei sie zwischenzeitlich
aus jenem Haus ausgezogen. In jener Zeit habe sie mit ihrem Ehemann zusam-
mengelebt. Diesen hätte sie im Alter von 16 Jahren mit dem Einverständnis ihrer
Eltern geheiratet. Sie seien aber nur während vier Jahren zusammen gewesen.
Anschliessend hätten sie sich getrennt. Zu einer Scheidung sei es aber bisher
noch nicht gekommen. In Brasilien habe sie auch bis zu ihrem 17. Lebensjahr die
Schule besucht. Danach habe sie während eineinhalb Jahren an der Universität
Buchhaltungswissenschaften studiert. Für die Kosten ihres Studiums sei bisher ih-
- 13 -
re Grossmutter mit deren Rente aufgekommen. Sie habe zwar während 9 Mona-
ten neben dem Studium noch ein Praktikum in einer Buchhaltungsfirma gemacht,
dieses habe sie aber nicht weitergeführt. Ausserdem habe sie auch schon als
Verkäuferin in einem Damenkleidergeschäft und in einem Büro als Aushilfe in der
Administration gearbeitet. Zu ihren finanziellen Verhältnissen gab sie an, dass sie
über kein Vermögen verfüge, sie aber Schulden in der Höhe von rund 10'000
Reais habe. Diese würden sich aus ausstehenden Ratenzahlungen für die Uni-
versität und für einen Bankkredit zusammensetzen (Urk. 14/2 S. 1 ff.; Prot. I
S. 7 f.; Prot. II S. 5 ff.).
Aus dem Werdegang und den persönlichen Verhältnissen der Beschuldigten er-
geben sich keine Besonderheiten, aus welchen sich strafmassrelevante Faktoren
ableiten lassen.
5.2 Vorstrafen
Die Beschuldigte ist im schweizerischen Strafregister nicht verzeichnet
(Urk. 14/1). Die Vorstrafenlosigkeit ist neutral zu behandeln (BGE 136 IV 1
E. 2.6.4).
5.3 Nachtatverhalten
Die Beschuldigte zeigte sich seit ihrer Festnahme am 3. November 2017 vollum-
fänglich geständig. Zwar blieb ihr angesichts des Drogenfundes in dem durch sie
mitgeführten Koffer kaum Raum für Bestreitungen. Da sie aber auch von Beginn
an einräumte, dass sie von sich aus einen entsprechenden Transportauftrag ge-
gen Entgelt angenommen habe und sie zu keinem Zeitpunkt behauptete, nichts
davon gewusst zu haben, dass sich Kokain in ihrem Koffer befinde, ist ihr Ge-
ständnis dennoch merklich strafmindernd zu berücksichtigen.
- 14 -
6. Fazit
Angesichts dieses strafmindernd zu gewichtenden Geständnisses rechtfertigt es
sich, die Einsatzstrafe aufgrund der Täterkomponente um 6 Monate Freiheitsstra-
fe zu reduzieren. Die durch die Vorinstanz festgesetzte Strafe von 34 Monaten
erweist sich vor diesem Hintergrund als angemessen.
Einer Anrechnung der seit dem 3. November 2017 bis und mit heute erstandenen
365 Tage Untersuchungs- und Sicherheitshaft sowie vorzeitigen Strafvollzug steht
nichts entgegen (Art. 51 StGB).
III. Strafvollzug
1. Teilbedingter Vollzug
Bei einer Dauer von 34 Monaten Freiheitsstrafe fällt der vollbedingte Strafvollzug
ausser Betracht (Art. 42 Abs. 1 StGB). Dass der Beschuldigten der teilbedingte
Vollzug dieser Freiheitsstrafe zu gewähren ist, steht bereits angesichts des zur
Anwendung gelangenden Verschlechterungsverbotes ausser Frage (Art. 391
Abs. 2 StPO). Demgegenüber bleibt Gegenstand der Überprüfung, in welchem
Umfang die Freiheitsstrafe bedingt aufzuschieben ist.
Insbesondere angesichts der Vorstrafenlosigkeit kann der Beschuldigten eine
günstige Legalprognose gestellt werden. Trotz dieser günstigen Prognose recht-
fertigt es sich jedoch, den vollziehbaren Teil der Freiheitsstrafe auf mehr als das
gesetzliche Minimum von 6 Monaten (Art. 43 Abs. 3 StGB) festzusetzen, da das
Tatverschulden in diesem Fall nicht mehr leicht wiegt. Auch wenn das Tatver-
schulden demnach nicht am untersten Rand liegt, so befindet es sich jedenfalls
noch nicht im Bereich eines mittleren Verschuldens. Dementsprechend erscheint
es angemessen, den vollziehbaren Strafteil auf deutlich weniger als die Hälfte der
Strafe und mithin auf 12 Monate Freiheitsstrafe festzusetzen. Im Übrigen (22 Mo-
nate) ist die Freiheitsstrafe zu vollziehen.
- 15 -
2. Probezeit
Da die Beschuldigte bis anhin deliktisch nicht in Erscheinung getreten ist sowie in
Anbetracht dessen, dass die Staatsanwaltschaft kein Rechtsmittel ergriffen hat,
bleibt es bei der durch die Vorinstanz festgesetzten Probezeit von 2 Jahren
(Art. 391 Abs. 2 StPO).
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres
Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Beschuldigte unterliegt
im Berufungsverfahren weitestgehend. Da sie lediglich hinsichtlich der im Unter-
schied zum vorinstanzlichen Urteil vorgenommenen Reduktion des unbedingt zu
vollziehenden Teils der Freiheitsstrafe um 2 Monate obsiegt, wobei es sich um ei-
nen wohlwollenden Ermessensentscheid handelt, rechtfertigt es sich, ihr dennoch
die Kosten des Rechtsmittelverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtlichen
Verteidigung, vollumfänglich aufzuerlegen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung
sind auf die Gerichtskasse zu nehmen, unter Vorbehalt der Rückzahlungspflicht
der Beschuldigten.
Die amtliche Verteidigung ist für ihre Bemühungen im Berufungsverfahren mit
Fr. 4'100.– (inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.