# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 7e615335-0ffd-4434-b28b-d5bd3f7d913f
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2012
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
Seite 2 — 31
I. Sachverhalt
A. A. wurde am 28. April 1990 in O. geboren und wuchs als Einzelkind bei seinen Eltern in P. auf. Dort besuchte er auch sechs Jahre die Primar- und anschliessend die Realschule. Im August 2006 begann er eine dreijährige Dachdeckerlehre bei der G. GmbH in Q., brach diese im September 2007 aber wieder ab und arbeitete danach temporär für die Firma H.. Am 4. August 2008 begann er bei der Firma I. AG eine Lehre als Detailhandelsfachmann. Im Juli 2011 schloss A. diese Lehre erfolgreich ab. Anschliessend war er bei der Firma J. AG in P. als Transportmitarbeiter/Möbelmonteur/Betriebsallrounder angestellt. Da er aufgrund einer Verletzung an der Hand, die er sich bei der Arbeit zugezogen hatte, längere Zeit nicht mehr einsatzfähig war, kündigte ihm die J. AG die Stelle. Am 1. Januar 2012 trat A. eine auf den 31. März 2012 befristete Anstellung als Mitarbeiter in der Produktion bei der K. AG in R. an. Am 2. April 2012 konnte er seine derzeitige, auf den 31. August 2012 befristete Arbeitsstelle bei der L. AG als Produktionsmitarbeiter antreten. Gemäss seinen Aussagen anlässlich der Berufungsverhandlung besteht die Aussicht, dass er eine Festanstellung bei der L. AG erhält. Er bezieht nach seinen Angaben ein monatliches Einkommen von ca. Fr. 3'600.--.
B. a) Bereits als Jugendlicher kam A. mit dem Gesetz in Konflikt: Am 22. Mai 2006 verurteilte ihn der Jugendanwalt wegen einfacher Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zu einer Arbeitsleistung von acht Halbtagen. Am 10. Juli 2006 erteilte ihm der Jugendanwalt einen Verweis wegen mehrfacher Widerhandlung gegen Art. 19a Ziff. 1 BetmG. Mit Entscheid vom 14. August 2007 wurde A. vom Jugendanwalt wegen einfacher Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 StGB zu einer persönlichen Arbeitsleistung von sechs Halbtagen verurteilt. Am 16. Mai 2008 verurteilte ihn der Jugendanwalt wegen Tätlichkeiten gemäss Art. 126 Abs. 1 StGB und bestrafte ihn mit einer Busse in Höhe von Fr. 200.--. Gleichzeitig verpflichtete er ihn gestützt auf Art. 23 JStG, an einem Gewaltpräventionskurs (Konfliktbewältigungstraining) beim Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst des Kantons Graubünden (KJPD) teilzunehmen.
b) Im Schweizerischen Zentralstrafregister ist A. zudem mit zwei Einträgen verzeichnet: Am 30. Juni 2009 verurteilte ihn das Bezirksgericht Plessur wegen einfacher Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zu einer bedingten Freiheitsstrafe von acht Monaten bei einer Probezeit von zwei Jahren. Diese Probezeit wurde durch den Kreispräsidenten P. am 27. August 2010 um ein
Seite 3 — 31
Jahr verlängert. Am 27. August 2010 verurteilte der Kreispräsident P. A. wegen einfacher Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, versuchter einfacher Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB und mehrfacher Widerhandlung gegen Art. 19a Ziff. 1 BetmG und bestrafte ihn mit einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je Fr. 20.-- sowie mit einer Busse von Fr. 300.--.
c) Schliesslich erfolgte am 21. Dezember 2009 eine Verurteilung wegen Tätlichkeit gemäss Art. 126 StGB. Als Strafe wurde eine Busse in Höhe von Fr. 300.-- bei einer Ersatzfreiheitsstrafe von drei Tagen ausgesprochen.
C. Die Staatsanwaltschaft Graubünden eröffnete am 22. Februar 2011 ein Strafverfahren gegen A. wegen einfacher Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 StGB. Mit Parteimitteilung vom 24. März 2011 teilte sie den Abschluss der Strafuntersuchung mit und stellte die Anklageerhebung beim Gericht in Aussicht. Am 15. April 2011 wurde MLaw Andri Hotz als amtlicher Verteidiger von A. eingesetzt. Ebenfalls am 15. April 2011 stellte die Staatsanwaltschaft Graubünden mittels Parteimitteilung im Weiteren die Einstellung des Verfahrens betreffend einfacher Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 StGB zum Nachteil von C. in Aussicht. Die entsprechende Teil-Einstellungsverfügung erging am 2. Mai 2011. Am 4. Juli 2011 erhob die Staatsanwaltschaft Graubünden Anklage gegen A.. Dieser Anklage liegt gemäss Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 4. Juli 2011 folgender Sachverhalt zugrunde:
„Am Samstag, 8. Januar 2011, versetzte der Beschuldigte B. in P., , auf dem Trottoir Höhe Bar ‚N.’, bewusst eine Ohrfeige und drei Faustschläge ins Gesicht. B. erlitt dadurch eine Gesichtskontusion und war während zwei bis drei Tagen arbeitsunfähig.“
D. Am 10. Januar 2011 reichte B. Zivilklage gegen A. ein. Er verzichtete auf die Bezifferung der Klage.
E. An der Hauptverhandlung vor dem Bezirksgericht Plessur am 6. Oktober 2011 nahmen A. und sein amtlicher Verteidiger, MLaw Andri Hotz, teil. Die Staatsanwaltschaft Graubünden war nicht vertreten.
Bereits in der Anklageschrift vom 4. Juli 2011 hatte die Staatsanwaltschaft Graubünden die folgenden Anträge gestellt:
Seite 4 — 31
„1. Der Beschuldigte sei schuldig zu sprechen der einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB.
2. Dafür sei er zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu CHF 30.-- zu verurteilen, entsprechend CHF 3'600.--.
3. Die mit Urteil des Bezirksgerichtsausschusses Plessur vom 30. Juni 2009 bedingt ausgesprochene Freiheitsstrafe von 8 Monaten sei zu widerrufen.
4. Die Verfahrenskosten seien dem Beschuldigten zu überbinden.“
Im Rahmen seines Vortrages stellte und begründete der Verteidiger die folgenden Anträge:
„1. Die beschuldigte Person sei der Verübung einer Tat in selbstverschuldeter Unzurechnungsfähigkeit gemäss Art. 263 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
2. Hierfür sei er mit einer Geldstrafe von maximal 40 Tagessätzen à Fr. 30.00 zu bestrafen.
3. Die in Ziff. 2 beantragte Geldstrafe sei gemäss Art. 37 StGB in gemeinnützige Arbeit umzuwandeln.
4. Vom Widerruf des bedingten Vollzugs der Vorstrafe sei abzusehen.
5. Unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge.“
F. Mit Urteil vom 6. Oktober 2011, mündlich eröffnet am 6. Oktober 2011, schriftlich begründet mitgeteilt am 28. Oktober 2011, erkannte das Bezirksgericht Plessur wie folgt:
„1. A. ist schuldig der einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB.
2. Dafür wird A. mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je CHF 30.00 verurteilt.
3. Die mit Urteil des Bezirksgerichts Plessur vom 30. Juni 2009 bedingt ausgesprochene Freiheitsstrafe von 8 Monaten wird hiermit widerrufen und ist zu vollziehen.
4. Der Zivilkläger B., verzichtete auf die Bezifferung der Klage.
Seite 5 — 31
5. a) Die Kosten des Verfahrens von CHF 4'890.00 (Untersuchungsgebühren und Auslagen der Staatsanwaltschaft Graubünden CHF 1'290.00, Gerichtsgebühren CHF 3'600.00) gehen zu Lasten von A..
b) Die Höhe der Entschädigung der amtlichen Verteidigung wird am Ende des Verfahrens in einem separaten Entscheid festgelegt. Sie geht – unter dem Vorbehalt der Rückerstattungspflicht der beschuldigten Person gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO – zu Lasten des Kantons Graubünden und wird aus der Gerichtskasse bezahlt.
c) A. schuldet dem Bezirksgericht Plessur folglich:
unbedingte Geldstrafe CHF 3'600.00 Verfahrenskosten CHF 4'890.00 Total CHF 8'490.00
In Rechtskraft erwachsene Bussen und Verfahrenskosten sind innert 30 Tagen nach der Zustellung des Entscheids mit beiliegendem Einzahlungsschein zu bezahlen.

## Considerations