# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** e1f209d7-7d41-4bcb-8e7e-0358044a82a3
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_007
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt
A. Am _ 2013 um 23:15 Uhr trat die 44-jährige E._ in die Zentrale Notfallstation des D._ in F._ ein. Der diensthabende Notfallarzt hatte sie mit der Diagnose Erysipel bei Status nach Ulcus cruris (Ulkus am Unterschenkel) nach Unfall mit Rezidiven eingewiesen. Als Nebendiagnosen hatte der Notfallarzt Asthma bronchiale, Eisenmangel, Hypertonie [Bluthochdruck], einen viralen Infekt der oberen Luftwege und Adipositas [Fettleibigkeit] festgehalten. Der in der Notfallstation initial gemessene Blutdruck war alarmierend tief, erholte sich jedoch schnell nach der Gabe von 1000 ml NaCl 0.9 %. Der rechte Unterschenkel, an dem sich der UIkus befand, war geschwollen, an einer Stelle rot-blau-livide verfärbt und schmerzte sehr stark. Etwa eine Stunde nach Eintritt in die Notfallstation klagte E._ über Übelkeit und heftige Bauchschmerzen. Durchfall stellte sich ein und E._ musste in der Folge immer wieder auf die Toilette. Schon zuvor hatte sie mehrere Tage an Durchfall gelitten. Die persistierenden Schmerzen in Bauch und Bein liessen nach der Gabe von Schmerzmitteln etwas nach. Die durchgeführten Blutuntersuchungen wiesen eine fortgeschrittene Sepsis nach und es entstand der Verdacht einer nekrotisierenden Fasziitis, einer ausserordentlich seltenen, oft sehr heftig verlaufenden bakteriellen Infektion der Muskelfaszien.
Am _ 2013 um ca. 02:30 Uhr wurde ein chirurgisches Konsilium durchgeführt; dabei fiel der Entscheid für eine Notoperation. Um den Infektfokus zu lokalisieren, wurden verschiedene bildgebende Untersuchungen gemacht, in deren Verlauf sich der Verdacht auf nekrotisierende Fasziitis mit Infektherd im rechten Unterschenkel erhärtete. Um 03:30 Uhr erhielt E._ ein starkes Antibiotikum; um 04:10 Uhr folgte eine weitere Antibiotikagabe. Ab 04:30 Uhr erfolgten die Prämedikation und die eigentliche Anästhesie. Bei der Intubation erlitt E._ einen Herzstillstand; in der Zeit von 04:55 Uhr bis 05:10 Uhr wurde sie mechanisch und medikamentös reanimiert. Anschliessend versuchten die Ärzte, eine zentrale Leitung subclavia [im Bereich unter dem Schlüsselbein] und jugulär [am Hals] zu legen, was trotz mehrerer Versuche nicht gelang. Schliesslich legten sie operativ Blutgefässe inguinal [im Leistenbereich] links frei und legten dort einen arteriellen und einen venösen Katheter ein. Um 06:20 Uhr begann die eigentliche Operation, eine Fasziektomie am Unterschenkel rechts. Der Chirurg entfernte die nekrotischen Faszien. Der Zustand der Patientin verschlechterte sich während der Operation zunehmend. Der Chirurg nahm telefonisch Rücksprache mit dem Co-Chefarzt der Chirurgie und diskutierte mit ihm die Amputation des rechten Beines. Bei jedoch schon präterminalem Zustand der Patientin fiel der Entscheid gegen eine Amputation aus. Nachdem auch am Oberschenkel
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nekrotische Faszien festgestellt worden waren, wurde die Operation nach intensiver Diskussion im Operationsteam aufgrund der kaum mehr vorhandenen Überlebenschancen eingestellt. Am _ 2013 um 07:05 Uhr verstarb E._.
B. Mit Schreiben vom 9. Juli 2013 warfen A._, B._ und C._, Mutter und Geschwister der Verstorbenen, dem D._ eine Fehlbehandlung ihrer Tochter beziehungsweise Schwester vor. In der Folge nahmen von Seiten des D._ mehrere Ärzte Stellung zu von den Hinterbliebenen aufgeworfenen Fragen. Die Hinterbliebenen liessen sich von Dr. med. H._, FMH Chirurgie, in Deutschland Anerkennung in Gefässchirurgie und Phlebologie, beraten.
C. Die Rechtsschutzversicherung der Hinterbliebenen sowie der Haftpflichtversicherer des D._ gaben je ein Kurzgutachten in Auftrag, welche Sorgfaltspflichtverletzungen durch die Ärzte am Kantonsspital bejahten beziehungsweise verneinten. Im Jahr 2014 beauftragten die Hinterbliebenen und die Haftpflichtversicherung des D._ gemeinsam und aussergerichtlich Dr. med. I._, FMH Chirurgie, FMH Allgemein- und Unfallchirurgie, Kaderarzt Orthopädie und Traumatologie, Leiter der chirurgischen Notfallstation am Universitätsspital J._, mit der Begutachtung der medizinischen Behandlung von E._. Der Gutachter kam in seiner Beurteilung vom 2. Januar 2015 zum Schluss, dass den Medizinern des D._ keine Behandlungsfehler vorgeworfen werden könnten. Indessen sei die Dokumentation in der Krankenakte teilweise missverständlich, unvollständig und von schlechter Qualität.
D. Die Hinterbliebenen legten die Patientenakte, soweit sie ihnen zur Verfügung stand, sowie das Gutachten von Dr. med. I._ ihrer Beraterin vor. In privatgutachterlichen Stellungnahmen hielt Dr. med. H._ ihre Beurteilung fest, wonach die ärztliche und pflegerische Betreuung von E._ ungenügend erscheine, die Diagnosen nicht lege artis erstellt worden seien, die Triage von einer Pflegeperson anstatt von ärztlichem Personal vorgenommen worden sei, wodurch die Diagnose verzögert worden und damit wertvolle Zeit verstrichen sei, und dass die Mortalitätsrate von adäquat behandelten Patienten mit einer gesicherten Diagnose der nekrotisierenden Fasziitis bloss 25 % betrage.
E. Die Hinterbliebenen beauftragten überdies Prof. Dr. med. K._, Direktor der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene des G._, mit der Erstellung eines privaten Gutachtens. In seiner am 27. Juni 2016
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erstatteten Beurteilung kritisierte er das D._ in verschiedenen Punkten; insbesondere bewertete er die Diagnosestellung, die Antibiotikagabe und die chirurgische Sanierung als verzögert, was die Mortalitätsrate bei der Patientin ungünstig beeinflusst habe.
F. Am 20. Juli 2017 erhoben A._, B._ und C._ beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden Staatshaftungsklagen (Teilklagen) gegen die D._ mit folgendem Rechtsbegehren:
1 Es sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin 1 [der Mutter A._] an die ab dem _ 2013 bis 20. Juli 2017 (Rechtshängigkeit der Klage) aufgelaufene Genugtuungssumme CHF 30‘000.00 zu zahlen.
2. Es sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin 2 [der Schwester B._] an die ab dem _ 2013 bis 20. Juli 2017 (Rechtshängigkeit der Klage) aufgelaufene Genugtuungssumme CHF 10‘000.00 zu zahlen.
3. Es sei die Beklagte zu verpflichten, dem Kläger 3 [dem Bruder C._] an die ab dem _ 2013 bis 20. Juli 2017 (Rechtshängigkeit der Klage) aufgelaufene Genugtuungssumme CHF 10‘000.00 zu zahlen.
4. Es sei davon Vormerk zu nehmen, dass alle Klagen sowohl in zeitlicher wie in sachlicher Hinsicht beschränkt sind und weitere Forderungen aus dem Todesfall vom _ 2013 vorbehalten bleiben.
5. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge (inkl. MWST von 8 %) zulasten der Beklagten.
Die Beklagte beantragte mit Klageantwort vom 25. Oktober 2017 die kostenfällige Abweisung der Klagen. Sie reichte zudem eine Dokumentation aus dem elektronischen Krankenhaus-Informationssystem (KIS) ein, die den Hinterbliebenen davor nicht zugänglich gewesen war.
G. Mit Replik vom 1. Dezember 2017 hielten die Kläger an ihren Anträgen fest und vertieften ihre Standpunkte. Sie rügten zudem, die Beklagte habe ihnen die KIS-Dokumentation vorenthalten; diese Dokumentation habe auch den Gutachtern nicht vorgelegen. Sie bestritten den Wahrheitsgehalt der KIS-Dokumentation und verlangten, diese sei aus dem Recht zu weisen.
In ihrer Duplik vom 30. Januar 2018 hielt die Beklagte an ihrem Antrag und an ihrer Begründung fest. Bezüglich der KIS-Dokumentation erklärte sie, diese sei den Angehörigen von E._ aufgrund unglücklicher Umstände zunächst tatsächlich nicht ausgehändigt worden. Die Dokumentation sei nicht manipuliert worden und sie sei nicht aus dem Recht zu weisen.
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Am 12. Februar 2018 reichten die Kläger eine Stellungnahme zur Duplik ein und am 22. Februar 2018 die Beklagte eine solche zur Stellungnahme der Kläger.
H. Am 24. Mai 2018 teilten die Kläger dem Verwaltungsgericht mit, dass sie Strafanzeige wegen Urkundenfälschung etc. eingereicht hätten. Sie legten Akten aus der Strafuntersuchung ins Recht. Es handelte sich unter anderem um das Protokoll eines von der Staatsanwaltschaft Graubünden am 26. April 2018 durchgeführten Augenscheins sowie um anlässlich des Augenscheins erstellte Ausdrucke und Screenshots aus dem KIS.
Mit Schreiben vom 7. Juni 2018 nahm die Beklagte Stellung zu den neu eingereichten Akten.
I. Am 29. November 2018 teilte die Beklagte mit, die Strafuntersuchung sei eingestellt worden. Sie legte die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 26. November 2018 bei. Mit Schreiben vom 5. Dezember 2018 hielten die Kläger fest, sie würden zu gegebener Zeit über ein Gesuch um Wiederaufnahme der Untersuchung des aussergewöhnlichen Todesfalls entscheiden.
J. Mit Schreiben vom 9. April 2019 an das Verwaltungsgericht bestätigten die Kläger ihr Interesse an einer Referentenaudienz zur Besprechung einer vergleichsweisen Erledigung der Angelegenheit. Am 17. April 2019 lehnte die Beklagte eine Referentenaudienz ab. Eine solche sei aus ihrer Sicht wenig zielführend, da sie keine Möglichkeit eines Entgegenkommens sehe.
K. Mit Urteil vom 28. Mai 2020, schriftlich mitgeteilt am 9. Juni 2020, entschied das Verwaltungsgericht Graubünden:
1. Die Klage wird abgewiesen.
2. Die Gerichtskosten, bestehend - aus einer Staatsgebühr von Fr. 5‘000.-- - und den Kanzleiausgaben von Fr. 1‘112.-- zusammen Fr. 6‘112.--
gehen unter solidarischer Haftbarkeit zu gleichen Teilen zulasten von A._, B._ und C._ und sind innert 30 Tagen seit Zustellung dieses Entscheides an die Finanzverwaltung des Kantons Graubünden, Chur, zu bezahlen.
3. Es wird keine Parteientschädigung gesprochen.

## Considerations