# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 626344ff-db61-5f4e-807a-c2c1f383d88a
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdegegner betreibt auf seinem Grundstück auf der Parzelle R._
Grundbuchblatt Nr. N._ seit 2008 eine Imkerei. Am 20. Juni 2016 reichte er bei der
Gemeinde R._ ein Baugesuch ein für das Aufstellen von 12 Prüfvölkermagazinen,
4 Pflegevölkermagazinen und maximal 40 Befruchtungskästen für die Bienenhaltung sowie
das Erstellen einer Bretterwand, wobei es sich hinsichtlich der Bienenvölker und der
Befruchtungskästen um ein nachträgliches Baugesuch handelt. Gleichzeitig ersuchte er um
einen öffentlichen Gastgewerbebetrieb mit Alkoholausschank. Am 12. August 2019 reichte
er eine Projektänderung ein, um den Grenzabstand zu einer benachbarten Parzelle
einzuhalten. Das Vorhaben befindet sich ebenfalls auf der Parzelle R._
Grundbuchblatt Nr. N._. Die Parzelle liegt in der Dorfzone O._. Gegen
das Bauvorhaben erhoben die Beschwerdeführenden Einsprache. Mit Gesamtentscheid
vom 4. April 2018 erteilte das Regierungsstatthalteramt Emmental die Baubewilligung
sowie die gastgewerbliche Betriebsbewilligung. Die Baubewilligung wurde unter folgenden
Bedingungen erteilt (Ziff. 4.1.2): "Damit das Bauvorhaben in der Dorfzone als zonenkonform beurteilt werden kann, müssen
folgende Voraussetzungen erfüllt sein:
- Auf der Parzelle Nr. N._ ist innert 60 Tagen nach Rechtskraft des
Gesamtbauentscheids eine geeignete und attraktive Bienentränke zu erstellen.
- Die Bretterwand ist innert 90 Tagen nach Rechtskraft des Gesamtbauentscheids zu erstellen.
Die Beplankung (schöne Seite) muss gegen die Nachbarn angeschlagen sein."
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2. Gegen den Gesamtentscheid vom 4. April 2018 reichten die Beschwerdeführenden
am 4. Mai 2018 Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons
Bern (BVE) ein. Sie beantragen die Aufhebung des Gesamtentscheids vom 4. April 2018
und die Abweisung des Baugesuchs. Dabei machen sie insbesondere geltend, die Anzahl
der ersuchten Bienenvölker sei in der Dorfzone nicht zonenkonform.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte einen
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Mit Eingabe vom 31. Mai 2018 bringt
die Gemeinde vor, die bewilligte Anzahl Bienenvölker werde als zu hoch beurteilt und die
Ortsüblichkeit sei nicht mehr gegeben. Sie halte an ihren Ausführungen im Amtsbericht
vom 28. Juli 2016 fest und spreche sich nach wie vor für die Reduktion der Bienenvölker
auf ein ortsübliches und tragbares Mass aus. Der Beschwerdegegner beantragt mit
Beschwerdeantwort vom 7. Juni 2018 die Abweisung der Beschwerde.
4. Am 8. August 2018 führte das Rechtsamt im Beisein der Verfahrensbeteiligten sowie
einer Vertretung des Veterinärdiensts des Amtes für Landwirtschaft und Natur (LANAT)
einen Augenschein mit Instruktionsverhandlung durch. Die Beteiligten erhielten
Gelegenheit, sich zum Protokoll des Augenscheins zu äussern und Schlussbemerkungen
einzureichen.
5. Auf die Rechtsschriften sowie auf das Ergebnis des Augenscheins wird, soweit für
den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191).
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## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintretensvoraussetzungen
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG2. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen, die Baugesuchsteller, die
Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 40 Abs. 2
BauG). Sämtliche Beschwerdeführenden haben sich als Einsprechende am
vorinstanzlichen Verfahren beteiligt. Die Beschwerdeführenden sind allesamt
Eigentümerinnen oder Eigentümer und/oder Bewohnerinnen oder Bewohner von Parzellen,
die unmittelbar an die Bauparzelle angrenzen oder höchstens eine Parzelle von dieser
entfernt sind. Sie sind als Nachbarinnen oder Nachbarn unmittelbar in eigenen
schutzwürdigen Interessen betroffen und von der mit dem vorinstanzlichen Entscheid
bewilligten Bienenhaltung in unmittelbarer Nähe besonders betroffen. Sie sind daher zur
Beschwerde befugt.
c) Die Beschwerde ist innert der Rechtsmittelfrist eingereicht worden (Art. 40 Abs. 1
BauG) und enthält einen Antrag und eine Begründung (Art. 32 Abs. 2 VRPG4). Auf die
form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist damit einzutreten.
2. Streitgegenstand
2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1). 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721). 4 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21).
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a) Anfechtungsobjekt ist die Verfügung der Vorinstanz. Der Streitgegenstand braucht
sich nicht mit dem Anfechtungsobjekt zu decken, kann aber auch nicht über dieses
hinausgehen. Innerhalb dieses Rahmens bestimmen die Parteien den Streitgegenstand.
Sowohl für das Einleiten eines Beschwerdeverfahrens als auch für dessen Umfang und
eine allfällige vorzeitige Beendigung gilt somit die Verfügungs- oder Dispositionsmaxime
sowie das Rügeprinzip. Die Parteien können den Streitgegenstand im Verlauf des
Verfahrens nicht erweitern, sondern nur einschränken.5
b) Die Beschwerdeführenden wehren sich in ihrer Beschwerde gegen die Anzahl der
von der Vorinstanz bewilligten Bienenvölker. Die mit dem angefochtenen Entscheid vom
4. April 2018 ebenfalls bewilligte Bretterwand sowie die darin erteilte gastgewerbliche
Betriebsbewilligung werden von den Beschwerdeführenden nicht angefochten und bilden
damit nicht Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens.
3. Bereinigungsgespräch
a) Die Beschwerdeführenden bringen vor, es hätte ein Bereinigungsgespräch im Sinne
von Art. 8 KoG durchgeführt werden müssen. So habe die Gemeinde mit ihrem
Amtsbericht vom 28. Juli 2016 den Antrag gestellt, die Bienenzucht sei auf ein ortsübliches
und tragbares Mass zu reduzieren. Wenn die Vorinstanz als Leitbehörde entgegen diesem
Antrag der Gemeinde das Baugesuch ohne Reduktion der Völkerzahl bewilligen wolle, so
habe diese ein Bereinigungsgespräch durchzuführen. Bei der Einigungsverhandlung vom
16. August 2017 habe es sich nicht um ein Bereinigungsgespräch gehandelt. Es sei
wünschenswert, dass das Rechtsamt der BVE das Bereinigungsgespräch nachhole.
b) Gemäss Art. 8 KoG führt die Leitbehörde dann mit den betroffenen Behörden und
Fachstellen ein Bereinigungsgespräch durch, wenn sie deren Beurteilung aufgrund der
Interessenabwägung oder aus andern rechtlichen Gründen nicht teilt oder wenn sie
Widersprüche unter den Amtsberichten feststellt. Unter Amtsbericht nach Art. 6 Abs. 1 KoG
wird im koordinierten Verfahren der Bericht verstanden, der an Stelle einer Verfügung tritt.
Mit einem Fachbericht dagegen holt sich die Leitbehörde nur Fachwissen ab, ohne dass
eine entsprechende Bewilligung, Zustimmung oder Genehmigung nötig wäre. Von einem
5 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 72 N. 6 bis 8.
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Amtsbericht darf die Leitbehörde nur bei vorgängiger Durchführung eines
Bereinigungsgesprächs abweichen. Keine gesetzliche Pflicht zum Führen eines
Bereinigungsgesprächs besteht dagegen, wenn die Leitbehörde von einem Fachbericht
abweichen will. Die Leitbehörde kann das Bereinigungsgespräch mit der
Einigungsverhandlung zusammenlegen, muss aber nicht.6
c) Die Beschwerdeführenden nehmen Bezug auf den Amtsbericht der Gemeinde vom
28. Juli 2016.7 Darin äussert sich die Gemeinde einerseits zur Frage der Ortsüblichkeit und
Zonenkonformität des umstrittenen Vorhabens, andererseits nimmt sie Stellung zum
Strassen-, Kanalisations-, Wasser- und Elektrizitätsanschluss. Nur hinsichtlich dieser
Anschlüsse jedoch bedarf das Vorhaben der Bewilligung/Zustimmung der Gemeinde, so
dass es sich nur diesbezüglich um einen Amtsbericht im Sinne von Art. 6 Abs. 1 KoG
handelt. Was die Beurteilung der Zonenkonformität betrifft, so bedarf das Vorhaben keiner
Bewilligung, Zustimmung oder Genehmigung der Gemeinde. Die von der Gemeinde
geäusserte Ansicht, wonach die ersuchte Anzahl der Bienenvölker in der Dorfzone von
R._ als übermässig betrachtet werde und daher zu reduzieren sei, ist zwar zu
berücksichtigen, eine Abweichung von dieser Meinung durch die Leitbehörde setzt jedoch
nicht zwingend ein Bereinigungsgespräch nach Art. 8 Abs. 1 KoG voraus.
Selbst wenn ein Bereinigungsgespräch mit der Gemeinde durchzuführen gewesen wäre,
so ist zu beachten, dass das Regierungsstatthalteramt als Leitbehörde am 16. August 2017
eine Einigungsverhandlung durchgeführt hat, an welcher neben den Beschwerdeführenden
und dem Beschwerdegegner auch Vertreter der Gemeinde teilnahmen. Thema dieser
Einigungsverhandlung war in erster Linie die Frage einer allfälligen Reduktion des
beantragten Bienenbestandes. Es ging mit anderen Worten um die von der Gemeinde
kritisierte Grösse des Bienenbestandes und die von ihnen ersuchte Reduktion. Mit dieser
Einigungsverhandlung hat das Regierungsstatthalteramt den Anforderungen von Art. 8
KoG Genüge getan. Dass die Einigungsverhandlung nicht gleichzeitig auch als
„Bereinigungsgespräch“ angekündigt wurde, schadet nicht. Entscheidend ist, dass es bei
dieser Verhandlung um die von der Gemeinde kritisierte Grösse des ersuchten
Bienenbestandes ging und die anwesenden Gemeindevertreter Gelegenheit hatten, ihre
Sicht der Dinge gegenüber der Leitbehörde darzulegen. Dass dabei die Parteien anwesend
6 Vgl. zum Ganzen: Heidi Walther Zbinden, Das Koordinationsgesetz, KPG-Bulletin 2/1996, S. 22 ff. 7 Vorakten pag. 157 ff.
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waren, ist nach Art. 8 Abs. 3 KoG ausdrücklich zulässig. Es liegt somit keine Verletzung
von Verfahrensvorschriften vor.
4. Zonenkonformität: Ausgangslage und Rechtliches
a) Mit seinem Baugesuch ersuchte der Beschwerdegegner um die Bewilligung für das
Aufstellen von 12 Prüfvölkermagazinen, 4 Pflegevölkermagazinen und maximal 40
Befruchtungskästchen. Gemäss den unbestrittenen Ausführungen der Vorinstanz
(Entscheid vom 4. April 2018, Ziff. 3.1.2.e) gestützt auf die Fachstelle enthalten die 40
Befruchtungskästchen im Durchschnitt je 1'000 Bienen, was insgesamt in etwa einem
vollwertigen Volk entspricht. Es ist deshalb beim umstrittenen Baugesuch von einem
massgebenden Wert von 17 Bienenvölkern auszugehen. Auf der Parzelle des
Beschwerdegegners (Parzelle R._ Grundbuchblatt Nr. N._) befinden sich
eine Halle für die Honigverarbeitung angrenzend an die Dorfstrasse sowie südöstlich
davon eine Lagerhalle, wobei diese Gebäude durch einen Technikraum verbunden sind.
Die 12 Prüfvölkermagazine befinden sich gemäss den bewilligten Plänen auf der
Südostseite der Lagerhalle, die 4 Pflegevölkermagazine sowie die 40
Befruchtungskästchen stehen an der Nordostfassade der Lagerhalle und des
Technikraums.8
b) Art. 22 Abs. 2 Bst. a RPG9 setzt für die Erteilung einer Baubewilligung voraus, dass
die Bauten und Anlagen dem Zweck der Nutzungszone entsprechen. Bauten und Anlagen
dürfen nicht zu Einwirkungen auf die Nachbarschaft führen, die der Zonenordnung
widersprechen (Art. 24 Abs. 1 BauG). Nur Immissionen, die mit der zonengemässen
Nutzung verbunden sind, müssen geduldet werden (vgl. Art. 89 Abs. 2 BauV10). Die in einer
Zone zulässigen Nutzungen werden durch die baurechtliche Grundordnung der Gemeinde
bestimmt (Art. 4 Abs. 1 BauG).
Die Zonenvorschriften sind generell und abstrakt formuliert. Entscheidend ist, ob mit der
fraglichen Nutzung typischerweise Belästigungen verbunden sind, die über das
8 Vgl. neben den bewilligten Plänen auch die Fotodokumentation des Augenscheins vom 8. August 2018. 9 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700). 10 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1).
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hinausgehen, was mit der betreffenden Zone verträglich ist. Abzustellen ist auf eine
abstrakte Immissionsbeurteilung, auf durchschnittlich objektivierte Bedingungen. Nur wenn
die Nutzung abstrakt als zonenkonform zu beurteilen ist, muss in einer zweiten
Beurteilungsstufe geprüft werden, ob die streitige Nutzung auch hinsichtlich der konkreten
Umstände und Immissionen mit der betreffenden Zone vereinbar ist.11
c) In Bezug auf die Auslegung und Anwendung kommunaler Bestimmungen sind die
Gemeinden im Rahmen der gesetzlichen Regelung und der übergeordneten Planung
autonom (Art. 65 Abs. 1 BauG). Es ist somit vorab Sache der Gemeinde zu bestimmen,
wie sie eine kommunale Vorschrift ausgelegt und angewendet haben will. Diese Autonomie
ist bei der Auslegung von kommunalen Bestimmungen durch eine Rechtsmittelinstanz zu
beachten.12
5. Zonenkonformität: Fachbericht Inforama
a) Bei der Beurteilung der Zonenkonformität der 17 Bienenvölker in der Dorfzone
O._ stützte sich die Vorinstanz auf die Stellungnahme der Fachstelle Bienen
Inforama des Amtes für Landwirtschaft und Natur des Kantons Bern vom 7. März 2017.
Diese kam zum Ergebnis, dass das Halten von 17 Bienenvölkern im ortsüblichen Rahmen
sei.
b) Die Beschwerdeführenden bringen vor, der Bericht der Fachstelle sei kritisch zu
würdigen. So würden dessen Verfasser und der Beschwerdegegner zusammen im
Kantonalvorstand des Verbandes Bernischer Bienenzüchtervereine sitzen. Es sei nicht
auszuschliessen, dass dieser Umstand den Berichtsinhalt beeinflusst habe. Dazu komme,
dass dem Inforama die Bienenhaltung gleichsam vom Amtes wegen ein Anliegen sei.
c) Soweit die Beschwerdeführenden dem Verfasser des Berichts mit diesen Vorbringen
eine Befangenheit vorwerfen, so erweist sich diese Rüge als verspätet. Ausstandgründe im
Sinne von Art. 9 VRPG müssen nach der Rechtsprechung sofort, d.h. ab Kenntnis der
11 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 24 N. 8a, mit weiteren Hinweisen. 12 BVR 2000 S. 105 E. 3a mit Hinweisen auf die entsprechende Rechtsprechung.
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Befangenheit, gerügt werden.13 Der Bericht der Fachstelle Bienen ist vom 7. März 2017.
Die Beschwerdeführenden hatten im vorinstanzlichen Verfahren die Gelegenheit, sich zu
diesem Bericht zu äussern, was sie mit Eingabe vom 18. Mai 201714 auch machten. Der
Verfasser des Berichts war den Beschwerdeführenden zu diesem Zeitpunkt bereits
bekannt. Damit hätten sie die Rüge der angeblichen Befangenheit gegenüber dem
Verfasser des Berichts bereits damals geltend machen müssen. Selbst wenn auf die
Rügen eingetreten werden könnte, wäre sie unbegründet. So ist der Verfasser des Berichts
lediglich als beratendes Mitglied des Kantonalvorstands des Verbandes Bernischer
Bienenzüchtervereine aufgeführt. Im Unterschied zu den ordentlichen Mitgliedern dieses
Vorstands – zu welchen der Beschwerdegegner gehört – hat er damit kein Stimmrecht.
Diese beratende Funktion, welche dem Verfasser des Berichts als Leiter der Fachstelle
Bienen des Kantons gegenüber allen Imkern und damit auch gegenüber dem betreffenden
Verband zukommt, vermag für sich noch keinen Anschein der Befangenheit zu begründen.
Konkrete Umstände, welche auf eine mangelnde Unparteilichkeit des Verfassers hindeuten
würden, sind weder erkennbar noch geltend gemacht. Aus der Rüge, das Inforama habe
von Amtes wegen ein Interesse an der Bienenhaltung, lässt sich ebenfalls keine
Befangenheit ableiten. Ohnehin können Ausstands- und Ablehnungsgründe bloss gegen
einzelne Mitglieder einer Behörde und gegen Personen, die eine Verfügung oder einen
Entscheid zu treffen haben, gerichtet werden, nicht aber gegen eine Behörde als solche.15
d) Die Fachstelle Bienen kam in ihrem Bericht vom 7. März 2018 zum Schluss, dass die
im Baugesuch beschriebene Imkerei des Beschwerdegegners nach den übermittelten
Unterlagen sehr gute Voraussetzungen dafür biete, dass die Nachbarschaft wenig bis
keine Immissionen erwarte. Die Tatsache, dass beim Zuchtprogramm von apisuisse
mitgearbeitet werde, biete Gewähr für genetisch sanftmütige Bienen. Die Immissionen
betreffend Bienenkot sei nur während einer kurzen Zeit im Jahr feststellbar und könne bei
guter Absprache zwischen Nachbarn und Imkern leicht gemindert werden. Die geplante
Bretterwand werde den Bienenflug so richten, dass der Grossteil des Kotes im Frühjahr im
Bereich des Sitzplatzes der Parzelle des Beschwerdegegners abgeben werde. Auch das
Schwärmverhalten sei zeitlich stark begrenzt. Völker von Imkereien, die züchten und gut
geführt seien, würden praktisch keine Schwärme abgegeben. Was das Stechen betreffe,
13 BVR 2005 S. 561 E. 4.1; BGE 141 III 210 E. 5.2, 136 I 207 E. 3.4. 14 Vorakten pag. 100 ff. 15 BVR 2002 S. 426 E. 1b/bb; VGE 2012/283 vom 15.5.2013, E. 1.2; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 9 N. 7.
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so werde mit der Bretterwand erreicht, dass weder durch Sicht Aggressionen bei den
Wächterbienen ausgelöst werden könnten, noch gefährliche Kollisionen von Flugbienen
und Personen entstünden. Diese Massnahmen würden der Gefahrenminimierung dienen.
Eine einmal gewählte Bienentränke werde von den Bienen sodann immer wieder
angeflogen. Um erfolgreich zu sein, müsse die Wasseraufnahmemöglichkeit beim Teich
abgedeckt oder entleert werden bei gleichzeitigem Aufstellen einer attraktiven
Tränkegelegenheit durch den Imker. Insgesamt sei ein Bienenstand mit 17 Völkern im
ortsüblichen Rahmen. Die für die Natur überlebenswichtigen Funktionen der Honigbienen
in der Bestäubung von Nutz- und Wildpflanzen sei höher zu gewichten als das kaum
erhöhte Risiko einer negativen Beeinträchtigung durch diese Bienenhaltung.
6. Zonenkonformität: Standpunkte der Beteiligten
a) Die Beschwerdeführenden bestreiten nicht, dass das Halten von Bienen in der
Dorfzone O._ grundsätzlich zulässig ist. Sie rügen jedoch, die Haltung von 17
Bienenvölkern sprenge den ortsüblichen Rahmen und sei in dieser gemischten Wohnzone,
in welcher die Wohnnutzung überwiege, nicht zonenkonform. Die Bienenhaltung auf der
Parzelle des Beschwerdegegners führe zu einer erhöhten Bienendichte in ihrem
Wohnquartier und damit zu spürbaren Beeinträchtigungen auf den benachbarten Parzellen:
Das längere Offenhalten von Fenstern und das Lüften von im Freien abgestellten
Fahrzeugen vor der Wegfahrt sei nicht möglich. Rasenmähen und Gartenarbeiten könnten
wegen der Gefahr von Bienenstichen nur am frühen Morgen oder am späten Abend
durchgeführt werden. Das Biotop auf der Parzelle der Beschwerdeführenden 1 und 2
werde von den Bienen als Tränke benutzt, das Aufhalten im Garten oder auf dem Balkon
sei durch den Bienenflug stark beeinträchtigt. Nicht möglich sei das Aufstellen von
Kinderplanschbecken und Haus-tiere mit Allergien könnten nicht frei im Garten gehalten
werden. Wie auch von der Gemeinde beantragt sei daher die Anzahl der Bienenvölker auf
ein ortsübliches Mass zu reduzieren. Nehme man die aktuelle Bienenhaltung im bebauten
Gebiet der Gemeinde R._ als Massstab für die Ortsüblichkeit und damit für die
Zonenkonformität, so werde klar, dass die vom Beschwerdegegner gehaltene Anzahl von
Bienenvölkern weit darüber hinausgehe. Vielmehr seien maximal vier bis fünf Völker
zulässig, was etwa der Zahl von Völkern entspreche, die bei anderen Liegenschaften im
Dorfkern gehalten würden. Die Ansicht des Inforama, wonach die Haltung von 17 Völkern
ortsüblich sei, sei nicht nachvollziehbar und werde bestritten. Aus diesem Bericht gehe
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hervor, dass gewisse Massnahmen zur Vermeidung von Störungen auf benachbarten
Parzellen ergriffen werden müssten (Bretterwand, Erstellen einer attraktiven
Tränkegelegenheit). Auch das Inforama gehe daher davon aus, dass ein gewisses
Stichrisiko bestehe und dass der Aufenthalt im Freien gestört werde, namentlich bei
Schwimmbädern und Planschbecken. Dies mache deutlich, dass die Bienenhaltung in
diesem Umfang zu übermässigen Beeinträchtigungen führe und daher nicht zonenkonform
sei. Anlässlich des Augenscheins vom 8. August 2018 und in den Schlussbemerkungen
vom 6. September 2018 weisen die Beschwerdeführenden sodann auf den störenden Kot
der Bienen und die dadurch verschmutzte Wäsche sowie die dadurch verschmutzten
Dachfenster hin. Sie hätten ihr Verhalten draussen derart angepasst bzw. eingeschränkt,
um nicht gestochen zu werden. Bereits die Angst vor einem Bienenstich beeinträchtige die
Lebensqualität. Die vorgeschriebenen Massnahmen (attraktive Bienentränke und
Bretterwand) würden sich sodann als wirkungslos erweisen.
b) Die Gemeinde spricht sich in ihrer Eingabe vom 31. Mai 2018 nach wie vor für eine
Reduktion der Bienenvölker auf ein ortsübliches und tragbares Mass aus. Die bewilligte
Anzahl Völker werde als massiv zu hoch beurteilt. Die Ortsüblichkeit sei nicht mehr
gegeben. Diese Ansicht bestätigten die Gemeindevertreter anlässlich des Augenscheins
vom 8. August 2018.
c) Der Beschwerdegegner führt in seiner Beschwerdeantwort vom 7. Juni 2018 aus, er
halte seit dem Jahr 2011 auf der fraglichen Parzelle Bienenvölker. Dabei sei die Zahl
teilweise höher gewesen als im jetzigen Zeitpunkt, ohne dass es irgendwelche
Reklamationen gegeben hätte. In den 12 Prüfvölkermagazinen und den vier
Pflegevölkermagazinen würden sich im März zwischen 5'000 und 10'000 Bienen aufhalten.
Der Höchstbestand von je 40'000 bis 50'000 Bienen pro Volk werde am längsten Tag
erreicht. Anschliessend nehme die Zahl auf 20'000 bis 25'000 ab und auch an warmen
Tagen in der zweiten Hälfte August und im September sei die Sammeltätigkeit der Bienen
kaum mehr vorhanden. Weniger als die Hälfte der Bienen, nur die sogenannten
Sammelbienen, würden die Magazine überhaupt verlassen. Er nehme aktiv am
Zuchtprogramm der Carnica-Imker teil; ein wesentlicher Teil des Programms sei die
Sanftmut der Bienen, er halte ausschliesslich solch selektionierte Völker. Der Standort sei
für ihn sehr wichtig, da Prüfvölker sehr arbeitsintensiv seien und mehrmals wöchentlich
kontrolliert werden müssten. Noch aufwändiger seien die Pflegevölker, diese Völker
würden täglich ein- bis zweimal kontrolliert. Die Magazine der Pflegevölker und die
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Befruchtungskästen seien nur rund drei Monate pro Jahr aufgestellt. In der betroffenen
Dorfzone O._ seien mässig störende Nutzungen zulässig. Nicht massgebend sei
die heutige Struktur der Zone. Die angeblichen Beeinträchtigungen würden blosse
Behauptungen darstellen und seien in keiner Art und Weise untermauert. Bienen würden
das Licht und die Helligkeit suchen und nicht in dunkle Bereiche bzw. Fenster fliegen.
Völlig übertrieben und falsch sei die Behauptung in Bezug auf das Rasenmähen und die
Gartenarbeiten. Er habe sodann den Beschwerdeführenden 1 und 2 Vorschläge für eine
befristete Abdeckung des Biotops gemacht, dieser Vorschlag sei leider abgelehnt worden.
In keiner Weise hilfreich seien die angeführten Vergleiche mit anderen Bienenständen in
der Gemeinde. Massgebend für einen Vergleich seien wenn schon die Kapazitäten und
nicht die aktuelle Situation. Im schweizerischen Schnitt wiesen die Bienenstände mehr als
10 Völker auf, wobei die Zahlen in ländlichen Gebieten wie R._ regelmässig höher
liegen würden. Insgesamt stelle die Bienenhaltung im heutigen Umfang keine übermässig
störende Nutzung bzw. rechtlich relevante Beeinträchtigung dar, sei im ortsüblichen
Rahmen und daher in der Dorfzone O._ zonenkonform. In den
Schlussbemerkungen vom 6. September 2018 ergänzte der Beschwerdegegner, man habe
sich während des Augenscheins längere Zeit auf der unmittelbar benachbarten Parzelle
der Beschwerdeführenden 3 und 4 aufgehalten. Trotz bestem Flugwetter für die Bienen sei
während der ganzen Zeit keine einzige Biene durch die Menschenmenge geflogen. Dies
zeige, wie subjektiv und übertrieben die Wahrnehmungen der Beschwerdeführenden seien.
Das Thema "Bienenkot" habe erst anlässlich des Augenscheins einen gewissen
Stellenwert erhalten, vorher sei dies noch kaum ein Thema gewesen. Die Bienen würden
weit weg von ihrer Behausungen koten, wie dies am Augenschein zutreffend ausgeführt
worden sei. Völlig irrational seien die Aussagen der Beschwerdeführenden hinsichtlich des
störenden Verhaltens der Bienen beim Essen im Garten. So würde sich etwa der
Lehrbienenstand P._ mit bis zu 20 Bienenvölkern in einem Abstand von 50 Metern
zu einem Restaurant mit grosser Gartenterrasse befinden. Trotz dieser Nähe zu den
Bienen müsse diese Terrasse nicht geschlossen werden.
7. Zonenkonformität: abstrakte Beurteilung
a) Wie ausgeführt, hat die Zonenkonformität eines Vorhabens grundsätzlich anhand
einer zweistufigen Beurteilung zu erfolgen (vgl. E. 4b). Zuerst ist eine abstrakte Beurteilung
anhand der betreffenden Zonenvorschriften vorzunehmen, wobei die Frage zu beurteilen
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ist, ob mit der fraglichen Nutzung typischerweise Belästigungen verbunden sind, die über
das hinausgehen, was mit der betreffenden Zone verträglich ist. Die konkrete Situation vor
Ort bzw. die konkreten Gegebenheiten (Struktur der entsprechenden Zone, Nähe der
Wohnhäuser, Haltung der Tiere) bleiben dabei irrelevant. Diese sind erst bei der konkreten
Beurteilung von Bedeutung (vgl. E. 8).
b) Die Imkerei des Beschwerdegegners befindet sich in der Dorfzone O._.
Gemäss Art. 30 Abs. 1 GBR16 umfasst die Dorfzone O._ Gebiete, in denen
vielfältigste Nutzungen erlaubt sind. Zugelassen sind Laden-, Büro-, Gewerbe- und
Wohnbauten sowie öffentliche Nutzungen. Bauten, die gestalterisch oder nutzungsmässig
den Charakter der Dorfzone O._ beeinträchtigen, sind untersagt. In der Dorfzone
gilt die Lärmempfindlichkeitsstufe III (ES III). Nach Art. 43 LSV17 sind in der ES III mässig
störende Betriebe zugelassen.
Damit unterscheidet sich diese Mischzone wesentlich von einer reinen Wohnzone, von der
störende Gewerbe fernzuhalten sind. In einer gemischten Zone dürfen Gewerbe errichtet
werden, die zwar gewisse Unannehmlichkeiten mit sich bringen, das gesunde Wohnen
aber nicht wesentlich beeinträchtigen. Es müssen somit mehr Immissionen in Kauf
genommen werden als in reinen Wohnzonen. Als mässig störend gelten gemäss
Rechtsprechung Betriebe, welche die Wohnnutzung nachts und zur üblichen Freizeit nicht
beeinträchtigen und deren Störungen während der übrigen Zeit aus wohnhygienischer und
gesundheitspolizeilicher Sicht noch hingenommen werden können.18
c) In der Wohnzone hat die Lehre und Rechtsprechung verschiedentlich im Rahmen der
abstrakten Beurteilung der Zonenkonformität gewisse Mengenbegrenzungen für die
Tierhaltung festgelegt19: So gelten gemäss Verwaltungsgericht des Kantons Bern etwa
mehr als drei Hunde pro Haushalt in Wohnzonen wegen ihrer Immissionen als nicht
zonenkonform.20 Die BVE erachtete die Haltung von drei bis vier Katzen pro Familie in der
Wohnzone als oberste Grenze des Zulässigen, acht Katzen zuzüglich zweier Würfe pro
16 Baureglement der Gemeinde R._ vom 5. September 2011, genehmigt durch das AGR am 25. Juni 2012. 17 Lärmschutz-Verordnung des Bundesrates vom 15. Dezember 1986 (LSV; SR 814.41). 18 VGE 2009/81 vom 30. Juni 2009 E. 4.3.3; BVR 2005 S. 334 E.3b; BVR 1986 S. 211 E. 4.a. 19 Vgl. zum Ganzen Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 24 N. 31e sowie Waldmann/Hänni, Handkommentar RPG, 2006, Art. 22 N. 29 mit verschiedenen Beispielen. 20 VGE 2011/234 vom 28. Oktober 2011, E. 3.3.2,
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Jahr dagegen als nicht mehr zonenkonform21. Elf Katzen, die keinen freien Auslauf haben,
beurteilte die BVE dagegen als in der Wohnzone zulässig.22 Bei Hühnern und Kaninchen
gelten nach einer kantonalen Weisung gut sechs bis zehn pro Familie in einer Wohnzone
als ortsüblich.23 Gemäss einem älteren Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons
Bern können in ländlichem Gebiet bis zu dreissig Hühner und zwei Hähne zulässig sein.24
Das Bundesgericht hat in der Wohnzone die Haltung von zwei Pferden in einer ländlichen
Gegend25 und die Haltung von zwei Ponys26 als zonenkonform beurteilt; im Kanton St.
Gallen wurden Pferdeboxen für maximal vier Pferde zugelassen.27 Was die Bienenhaltung
anbelangt, so kam das Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen im Rahmen der
abstrakten Prüfung der Zonenkonformität zum Schluss, dass ein Bienenwanderwagen mit
Raum für fünfzehn bis sechzehn Bienenvölker in der Wohnzone nicht zonengerecht sei.28
Generell ist nach bernischem Recht die gewerbsmässige Tierhaltung in Wohnzonen
untersagt (Art. 90 Abs. 2 BauV29).
In gemischten Wohn- und Gewerbezonen wie der vorliegend betroffenen Dorfzone fehlen
solche Präzedenzfälle zur Tierhaltung weitgehend; zur Haltung von Bienen in der
Mischzone sind keine Entscheide bekannt. Einzig ein unpublizierter
Bundesgerichtsentscheid aus dem Jahr 198330 äusserte sich zur Bienenhaltung in einer
Wohnzone, in welcher – gleich wie in der vorliegenden Mischzone – mässig störende
Betriebe zulässig sind. Dabei kam das oberste Gericht unter Berücksichtigung der
konkreten Verhältnisse zum Schluss, dass es nicht willkürlich sei, wenn die Vorinstanz ein
mit 18 Bienenvölkern belegtes Bienenhaus als höchstens mässig störenden Betrieb im
Sinne der kommunalen Zonenvorschrift einstufte.
21 BDE 110/2009/152 vom 12. März 2010, E. 3c. 22 BDE 120/2017/25 vom 31. August 2017, E. 3. 23 BSIG Nr. 7/725.1/1.1, S. 6. 24 VGE 17597 vom 25. Juli 1988. 25 BGE 101 Ia 206, E. 3b. 26 BGE 1A.225/1995 und 1P.479/1996 vom 9. September 1997, in URP 1998 S. 167. 27 Entscheid des Baudepartements St. Gallen vom 12. August 2003, in Juristische Mitteilungen 2003/IV, Nr. 36 S. 15 ff. 28 Entscheid des Verwaltungsgerichts St. Gallen vom 17. August 1999, in ZBl 2000 S. 423. 29 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1) . 30 BGE vom 22. Juni 1983, E. 5, erwähnt in Waldmann/Hänni, a.a.O. Art. 22 N. 29 (FN 111).
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Wie bereits ausgeführt, ist hier zu beachten, dass in einer gemischten Zone mehr
Immissionen in Kauf genommen werden müssen als in einer reinen Wohnzone. So sind in
einer solchen Mischzone im Unterschied zur Wohnzone etwa ein Garagenbetrieb, eine
Autoreparaturwerkstätte, eine Autowaschanlage, eine mechanische Werkstatt, eine
Bauspenglerei, der Werkhof einer Bauunternehmung, ein Metzgerei- oder
Schlächtereibetrieb, ein Gastwirtschaftsbetrieb mit Überzeitbewilligung oder öffentliche
Sportanlagen bis zu einer gewissen Grösse zulässig.31 Die in Mischzonen erhöhte
Toleranzschwelle gilt nicht nur für Lärm- oder Geruchsimmissionen, sondern auch für die
von der Bienenhaltung ausgehenden Emissionen. Das Halten von Bienenvölkern ist in
einer gemischten Zone grundsätzlich zulässig, was auch von den Beschwerdeführenden
nicht bestritten wird. Wo die genaue Obergrenze an zulässigen Bienenvölkern liegt, ab
welcher mit der Bienenhaltung typischerweise Belästigungen verbunden sind, die mehr als
mässig störend sind, muss hier nicht beurteilt werden. Im Vergleich zur aufgeführten
Rechtsprechung zur Tierhaltung in der Wohnzone und in Berücksichtigung der erhöhten
Schwelle des Zulässigen in der Mischzone sind die Auswirkungen durch die Haltung von
17 Bienenvölkern in dieser Zone als tolerierbar zu bezeichnen. Daran ändert auch der
aufgeführte Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons St. Gallens nichts, äussert
sich dieser doch – wie ausgeführt – zur Zonenkonformität in einer reinen Wohnzone;
daraus kann mit anderen Worten nicht abgeleitet werden, dass die dort geprüfte Anzahl
von Bienenvölkern in einer gemischten Zone nicht zulässig wäre. Zu beachten ist, dass in
einer gemischten Zone – im Unterschied zur Wohnzone – auch die gewerbsmässige
Tierhaltung zulässig ist. Dies macht deutlich, dass die Schwelle des Zulässigen deutlich
weiter oben anzusiedeln ist als in der Wohnzone. Auch die erwähnten Beispiele
zonenkonformer Nutzungen in der Mischzone machen dies deutlich; so sind kleine bis
mittelgrosse Gewerbebetriebe (wie Autogaragen, Spenglereibetriebe, Werkhöfe oder
Metzgereien) zulässig, welche mit nicht unerheblichen Emissionen verbunden sein können.
Die Art der Emissionen (Lärm, Geruch) dieser Betriebe lässt sich zwar nicht mit den durch
die Bienenhaltung resultierenden Emissionen vergleichen. Trotzdem zeigen diese
Beispiele und deren Ausmass an zu duldenden Emissionen auf, dass auch die Haltung von
17 Bienenvölkern im Rahmen der abstrakten Prüfung der Zonenkonformität als zulässig zu
erachten ist. Dass das Bundesgericht im aufgeführten, älteren Entscheid in einer
Wohnzone, in welcher mässig störende Betriebe zugelassen sind, die Haltung von 18
Bienenvölkern ebenfalls zuliess, bestätigt diese Einschätzung. Von Bedeutung ist dabei
31 Waldmann/Hänni, a.a.O., Art. 22 N. 37 mit weiteren Hinweisen.
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auch, dass die Haltung von 17 Bienenvölkern zwar zu einer leichten Erhöhung der
Bienendichte in der betreffenden Umgebung führt32, sich dadurch aber das Verhalten der
grundsätzlich nicht aggressiven Bienen nicht verändert. Auch die Nähe der Bienenstöcke
bedeutet nicht, dass von den Bienen eine grössere Gefahr ausgehen würde. So stechen
die Bienen auch in der Nähe ihrer Völker nur aus einem Abwehrverhalten, was sich auch
anlässlich des Augenscheins bestätigt hat, konnte man sich doch auch wenige Meter vor
den Bienenmagazinen gefahrlos aufhalten. Zu berücksichtigen ist schliesslich, dass die
aktive Phase der Bienen saisonal beschränkt ist und die Flugaktivität bereits im
Spätsommer/Herbst vermindert ist.
Insgesamt gehen von der Haltung von 17 Bienenvölkern generell-abstrakt nicht mehr als
mässig störende Emissionen aus. Zwar bringt diese Haltung gewisse Unannehmlichkeiten
mit sich, das gesunde Wohnen wird aber nicht wesentlich beeinträchtigt. Ob die Haltung
vorliegend zulässig und damit zonenkonform ist, muss daher anhand der vorliegenden
Gegebenheiten im Rahmen der konkreten Prüfung der Zonenkonformität geprüft werden
(vgl. E. 8).
8. Zonenkonformität: Konkrete Beurteilung
a) Bei dieser zweiten Beurteilungsstufe muss geprüft werden, ob die streitige Nutzung
auch hinsichtlich der konkreten Umstände und Immissionen mit der betreffenden Zone
vereinbar ist. Bei Immissionen wie etwa Lärm oder Geruch kann dabei auf die Vorgaben
des Umweltrechts abgestellt werden. Bei den vorliegend zu prüfenden Emissionen der
Bienenvölker geht dies jedoch nicht. Diese zweite Beurteilungsstufe besteht daher darin,
die konkreten Gegebenheiten (Struktur der entsprechenden Zone, Nähe der Wohnhäuser,
Haltung der Tiere) miteinzubeziehen und anhand dieser Faktoren zu beurteilen, ob 17
Bienenvölker in der betreffenden Dorfzone O._ zulässig sind. Auch diese konkrete
Prüfung steht unter der Prämisse, dass es sich bei der vorliegenden Dorfzone O._
um eine Mischzone handelt, in welcher mässig störende Betriebe zugelassen sind. Es
besteht damit ein Unterschied zu einer reinen Wohnzone, in welcher andere Massstäbe zu
gelten haben (keine störenden Betriebe, für das ruhige Wohnen bestimmt). Die von den
Beschwerdeführenden erwähnte Publikation der Landschaftskammer Nordrhein-Westfalen
32 Protokoll des Augenscheins vom 8. August 2018, S. 13, Votum des Fachmanns Veterinärdienst.
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äussert sich zur Bienenhaltung in Wohnzonen und ist bereits aus diesem Grund vorliegend
als Entscheidhilfe nicht geeignet. Da nur die örtlichen Verhältnisse und Strukturen der hier
betroffenen Dorfzone im Bereich der Imkerei massgebend für die konkrete Beurteilung
sind, ist sodann der insbesondere von der Gemeinde verwendete Begriff der Ortsüblichkeit
– bezogen auf die ganze Bauzone der Gemeinde R._ – hier höchstens in
untergeordneter Weise von Relevanz. Aus der bisher üblichen Anzahl Bienenvölker bzw.
der tatsächlich vorhandenen Anzahl Bienenvölker an anderen Standorten in R._
lässt sich nicht der Schluss ziehen, dass diese Anzahl hinsichtlich der Zonenkonformität im
vorliegenden Fall das Maximum des Zulässigen darstellt. Aus den von den
Beschwerdeführenden in der Beschwerde vorgebrachten Vergleichen (Rz. 18 ff der
Beschwerde) lässt sich daher nichts zu deren Gunsten ableiten. Irrelevant für die
Beurteilung der Zonenkonformität ist schliesslich, ob der Beschwerdegegner aufgrund der
Betreuungsintensität der Zuchtvölker oder wegen betrieblicher Abläufe auf die
Bienenvölker beim Imkereibetrieb angewiesen ist oder nicht. Im Unterschied zur
Zonenkonformität von Bauten ausserhalb der Bauzone, welche nur im Falle der
Notwendigkeit dieser Bauten bejaht werden darf (vgl. Art. 16a RPG und Art. 34 Abs. 4 Bst.
a RPV), stellt diese Notwendigkeit bei der Beurteilung der Zonenkonformität in der
Bauzone keine Voraussetzung dar. Es erübrigt sich daher, auf diesen Punkt näher
einzugehen.
b) Gemäss den unbestrittenen Ausführungen des Beschwerdegegners sind die vier
Pflegevölker drei Monate vor Ort und dies ab ca. Mitte Mai, danach werden sie auf die
Belegstellen verteilt. Die 12 Prüfvölker sind dagegen ganzjährig vor Ort. Die anlässlich des
Augenscheins vorhandenen Prüfvölker seien vom Juli und würden nächstes Jahr im
Sommer geprüft. Die maximal 40 Befruchtungskästchen würden von Mitte/Ende Juni bis
Ende September/anfangs Oktober vor Ort stehen. Die meisten Bienen seien am längsten
Tag des Jahres vorhanden, danach würde die Anzahl wieder abnehmen.33 Die
Sommerstärke eines grossen Volkes beträgt gemäss dem Fachmann des
Veterinärdienstes maximal 40'000 Bienen, die Winterstärke betrage 5'000 bis 10'000
Bienen.34
Die Einschätzungen der Fachstelle Bienen des LANAT zum Betrieb des
Beschwerdegegners und dessen Zuchthaltung (vgl. E. 5) haben sich anlässlich des
33 Protokoll des Augenscheins vom 8. August 2018, S. 4 f., Voten des Beschwerdegegners und seines Anwalts. 34 Protokoll des Augenscheins vom 8. August 2018, S. 5, Votum des Fachmanns Veterinärdienst.
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Augenscheins vom 8. August 2018 bestätigt. Auch der anlässlich des Augenscheins
beigezogene Fachmann des Veterinärdiensts des LANAT kam zum Schluss, dass die
Haltung und Zucht beim Betrieb des Beschwerdegegners nicht zu beanstanden sei, der
Betrieb optimal geführt sei und die Voraussetzungen betriebsseitig erfüllt seien, um
sanftmütige Bienen zu gewährleisten.35 Die BVE hat keinen Anlass, an dieser
übereinstimmenden Einschätzung der Fachleute zu zweifeln, zumal anlässlich des
Augenscheins trotz längerem Verweilen vor Ort (auch unmittelbar vor den
Bienenmagazinen) keine Probleme auftraten. Die vorgeschriebene Bretterwand sei sodann
eine sehr sinnvolle Massnahme und die vorhandene Bienentränke im Garten des
Beschwerdegegners sei sehr gut und könne nicht verbessert werden. Da die Bienen
Energie benötigten, um das Wasser zu transportieren, sei diese Tränke in unmittelbarer
Nähe der Magazine sinnvoll, auch wenn man damit nicht ausschliessen könne, dass sich
die Bienen auch andere Wasserstellen aussuchen und damit auch den Teich der
Beschwerdeführenden 1 und 2 anfliegen würden. Weitere Massnahmen für eine
zusätzliche Reduktion der Immissionen könne er nicht erkennen. 36
Nach der einstimmigen Einschätzung der Fachpersonen sowie dem am Augenschein
gewonnenen Eindruck steht für die BVE fest, dass der Betrieb des Beschwerdegegners die
Voraussetzungen eines fachgerecht und einwandfrei geführten Zuchtbetriebs erfüllt. Dies
und die Teilnahme am Zuchtprogramm der Carnica-Imker, womit strenge Vorgaben
einzuhalten sind und der Zuchtbestand regelmässig kontrolliert wird, bieten Gewähr für
sanftmütige Völker und die Minimalisierung des Stechrisikos. Ebenso wird – der
Einschätzung der Fachleute folgend – deutlich, dass betriebsseitig die möglichen
Massnahmen für eine weitere Reduktion der Immissionen getroffen wurden (attraktive
Bienentränke) oder gemäss Auflage des angefochtenen Entscheids noch zu treffen sind
(Bretterwand) und dass diese Massnahmen sehr wohl nützlich sind, um die aus Sicht der
Beschwerdeführenden störenden Immissionen weiter einzudämmen. Diese einwandfreie
Haltung der Tiere und damit die Qualität der Bienenhaltung ist – entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführenden in ihren Schlussbemerkungen (Rz. 13) – bei der Beurteilung der
konkreten Zonenkonformität sehr wohl von Bedeutung. So ist dadurch sowie durch die
getroffenen Massnahmen betriebsseitig sichergestellt, dass die Immissionen durch die
Bienen auf den Nachbarparzellen soweit als möglich reduziert werden.
35 Protokoll des Augenscheins vom 8. August 2018, S. 11, Voten des Fachmanns Veterinärdienst. 36 Protokoll des Augenscheins vom 8. August 2018, S. 8 und 12 und 13, Voten des Fachmanns Veterinärdienst.
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c) Die betreffende Dorfzone mit der Imkerei des Beschwerdegegners befindet sich
ausserhalb des Dorfkerns von R._ in der Nähe der westlichen Gemeindegrenze.
Neben der Imkerei und in derselben Zone befindet sich das Wohnquartier mit den Häusern
und Gärten der Beschwerdeführenden. Nördlich grenzt der Betrieb des
Beschwerdegegners an weitere Gewerbebetriebe an, u.a. an eine Autogarage mit
Tankstelle sowie an einen Spenglereibetrieb. In Südwestlicher Richtung gut 100 m entlang
der Hauptstrasse liegt ein weiterer Gewerbebetrieb, welcher sich aber nicht mehr in
derselben Zone befindet, sondern in einer reinen Gewerbezone zu liegen kommt. Im
Südosten wird das Quartier begrenzt durch die Bahnlinie. Nordwestlich der Imkerei –
getrennt durch die Hauptstrasse – befindet sich eine grössere Grün- bzw.
Landwirtschaftsfläche. Auch sonst ist das betreffende Quartier umgeben von Grünflächen.
Es handelt sich insgesamt um eine ländliche Gegend.
Die Haltung von 17 Bienenvölkern in der Nähe des Wohnquartiers führt zwar gemäss
Fachmann des Veterinärdiensts dazu, dass die Dichte an Bienen im Wohnquartier der
Beschwerdeführenden etwas höher ist als im Normallfall.37 Dies alleine bedeutet jedoch
nicht, dass deren Emissionen für die Nachbarn über das hinausgehen, was in einer
Mischzone wie der vorliegenden in ländlichem Gebiet noch als verträglich zu bezeichnen
ist. Zwar dürfte das Kollisionsrisiko aufgrund der etwas höheren Bienendichte ebenfalls
leicht ansteigen. Dennoch ist – wie bereits ausgeführt (E. 7c) – zu beachten, dass sich das
Verhalten der gut gehaltenen und damit grundsätzlich sanftmütigen Bienen auch bei etwas
erhöhter Dichte in der unmittelbaren Umgebung der Imkerei nicht verändert. Die Bienen
sind grundsätzlich nicht aggressiv und stechen nur aus einem Abwehrverhalten, wenn sie
also bedrängt werden. Die blosse Nähe der Wohnhäuser und Gärten der benachbarten
Beschwerdeführenden und die etwas höhere Bienendichte ändert nichts am
umschriebenen Stechverhalten der Bienen.38 Weiter ist zu berücksichtigen, dass das
Kollisionsrisiko in den aktiven Bienenmonaten grundsätzlich überall besteht. Als
Abgrenzung zu den Grundstücken der Beschwerdeführenden und insbesondere zur
Parzelle der Beschwerdeführenden 3 und 4 in unmittelbarer Nähe zu den
Bienenmagazinen wird sodann eine Bretterwand erstellt, welche die Flugbahn der Bienen
in die Höhe lenkt und damit als Schutz dient.39 Die Beschwerdeführenden konnten
37 Protokoll des Augenscheins vom 8. August 2018, S. 13, Votum des Fachmanns Veterinärdienst. 38 Protokoll des Augenscheins vom 8. August 2018, S. 11 und 13, sinngemässe Voten des Fachmanns Veterinärdienst. 39 Vgl. auch BGE vom 22. Juni 1983, E. 5, erwähnt in Waldmann/Hänni, a.a.O. Art. 22 N. 29 (FN 111).
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anlässlich des Augenscheins sodann von keinen Stechvorfällen berichten. Zu
berücksichtigen ist auch, dass sich das verstärkte Flugverhalten auf die Monate der
Nektarsuche beschränkt und damit bis ca. Mitte August andauert und sich die Flugtätigkeit
danach reduziert.40 Auch wenn die verstärkte Flugtätigkeit in der Umgebung der Imkerei
damit Monate trifft, an welchen die Anwohnerinnen und Anwohner oft draussen sind, so ist
sie dennoch saisonal beschränkt und bereits im Spätsommer/Herbst ist die Flugaktivität
vermindert. Bereits anlässlich des Augenscheins vom 8. August 2018 konnten trotz
schönem Wetter kaum noch Bienenaktivitäten auf den Parzellen der Beschwerdeführenden
bzw. im Teich der Beschwerdeführenden 1 und 2 festgestellt werden.
Es bleibt der auch anlässlich des Augenscheins gewonnene Eindruck, dass sich einzelne
Beschwerdeführende vorab wegen der Angst vor den Bienen und vor dem Stechen
eingeschränkt sowie gestört fühlen und ihr Verhalten deswegen anpassen. Auch wenn es
verständlich und nachvollziehbar ist, dass solche Ängste bestehen können, so ist bei der
rechtlichen Beurteilung der konkreten Zonenkonformität aber nicht auf das subjektive
Empfinden einzelner Personen abzustellen, sondern eine objektivierte Betrachtung
vorzunehmen. Zwar dürften bei dieser objektiven Betrachtungsweise – in Analogie zum
Umweltrecht (Art. 13 Abs. 2 USG41) – auch Personen mit erhöhter Empfindlichkeit zu
berücksichtigen sein. Dennoch wird klar, dass die saisonal etwas erhöhte Bienendichte bei
objektiver Betrachtungsweise keine übermässige Anpassung / Einschränkung der
Lebensweise auf den angrenzenden Grundstücken nötig macht.
Die Beschwerdeführenden stören sich etwa daran, dass bei längerem Offenhalten der
Fenster beim Haus und bei Autos regelmässig Bienen im Inneren befinden würden. Diese
Aussagen entsprechen nicht der Einschätzung der Fachleute zum Verhalten von Bienen:
Zwar ist gemäss dem Fachmann des Veterinärdiensts nicht auszuschliessen, dass Bienen
bei erhellten Räumen von gewissen Geschmäcken angezogen werden und damit bei
offenen Fenstern auch teilweise in einen Raum hineinfliegen. Grundsätzlich würden sie
jedoch nicht in dunkle Räume hineinfliegen.42 Das gelegentliche Verirren der Bienen in
Räume dürfte damit tagsüber eher selten vorkommen und kann bei Dunkelheit durch
einfach zu treffende Massnahmen – welche in Sommermonaten abgesehen davon auch für
das Abhalten von Mücken oder weiteren Insekten nötig sind – reduziert werden. Dasselbe
40 Protokoll des Augenscheins vom 8. August 2018, S. 5, Votum des Fachmanns Veterinärdienst. 41 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01). 42 Protokoll des Augenscheins vom 8. August 2018, S. 17, Votum des Fachmanns Veterinärdienst.
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gilt für offene Autos. Von einer nicht verträglichen Beeinträchtigung der Wohnnutzung kann
deswegen nicht ausgegangen werden. Die Ausführungen einzelner Beschwerdeführender
sodann, wonach draussen kaum mehr ein Kaffee getrunken bzw. gegessen werden kann43,
stehen im Widerspruch zu dem von den Fachleuten aufgezeigten und allgemein bekannten
Verhalten der Bienen, wonach diese nicht durch Essen oder Getränke angezogen werden
und sich ihr Verhalten diesbezüglich zu demjenigen von Wespen klar unterscheidet.
d) Die Verschmutzungen durch den Kot der Bienen (auf der aufgehängten Wäsche oder
auf Dachfenstern und Autos) erachten die Beschwerdeführenden weiter als besonders
schlimm.44 Gemäss dem Fachmann des Veterinärdiensts ist es aber ein Grundbedürfnis
von Bienen, möglichst weit weg von ihrem Stock zu koten. Sie würden daher zum abkoten
einige 100 Meter weg fliegen, wobei sie bei schlechtem Wetter weniger weit fliegen
würden.45 Insbesondere Sammelbienen haben offenbar grundsätzlich einen grösseren
Flugradius für die Abkotung.46 Dazu kommt, dass bemerkbare Verschmutzungen durch Kot
gemäss Bericht der Fachstelle Bienen vom 7. März 2017 vor allem im Frühling beim ersten
Ausflug nach der Winterpause (sog. Reinigungsflug), gelegentlich auch nach längeren
Schlechtwetterperioden, vorkommen würden. Dass es daher auf den Parzellen der
Beschwerdeführenden aufgrund der durch die 17 Bienenvölker vorhandenen, etwas
grösseren Bienendichte zeitweise zu Verschmutzungen durch den Kot der Bienen kommen
kann, ist (insb. bei schlechterem Wetter) nicht auszuschliessen. Die Verschmutzungen
durch den Kot der Bienen stellen bei objektiver Betrachtungsweise auch bei 17
Bienenvölkern keine übermässige, nicht mehr tragbare Beeinträchtigung dar, welche zur
Zonenwidrigkeit des Vorhabens führen würde. Ähnlich beurteilte dies das Baudepartement
des Kantons Aargau in einem Entscheid aus dem Jahr 198047, in welchem es eine
Versetzung von zwei Bienenhäusern mit insgesamt 29 Bienenvölkern weiter weg von den
Nachbarn in einer Wohnzone als nicht nötig einstufte. Dabei führte es aus, die
Versäuberungsflüge könnten zwar dazu führen, dass Hausfassaden, Fenster und
ausgehängte Wäsche verunreinigt würden. Bei diesen Einwirkungen handle es sich jedoch
um harmlose Erscheinungen. Die Fassadenverschmutzung werde durch den Regen zum
Teil wieder abgewaschen oder verblasse in den übrigen Beeinträchtigungen der Umwelt.
43 Protokoll des Augenscheins vom 8. August 2018, S. 17, Voten der Beschwerdeführenden s. 8 und 10. 44 Protokoll des Augenscheins vom 8. August 2018, S. 17, Voten der Beschwerdeführenden s. 6 und 9. 45 Protokoll des Augenscheins vom 8. August 2018, S. 7, Votum des Fachmanns Veterinärdienst. 46 Protokoll des Augenscheins vom 8. August 2018, S. 14, Votum des Fachmanns Veterinärdienst. 47 Entscheid des Baudepartements Kanton Aargau vom 13. Februar 1980, in AGVE 1980 S. 592.
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Vermehrte Fensterreinigungen seien in ländlichen Gegenden sodann gerade infolge
Insektenverschmutzung ohnehin nötig. Dieser Ansicht kann vorliegend gefolgt werden. In
diesem Zusammenhang ist nochmals daran zu erinnern, dass bei der vorliegenden
Mischzone auch diese Verschmutzungen – wie sämtlichen Immissionen – so lange toleriert
werden müssen, als diese nicht mehr als mässig störend sind. Diese Grenze wird hier –
unter Einbezug sämtlicher Immissionen durch die Haltung von 17 Bienenvölkern – nicht
überschritten.
e) Insgesamt kommt die BVE daher zum Schluss, dass die ersuchten 17 Bienenvölker
unter Berücksichtigung der konkreten Verhältnisse (ländliche Umgebung, nicht zu
beanstandende Haltung, erfahrener Imker, getroffene Massnahmen) trotz der Nähe der
umliegenden Parzellen der Beschwerdeführenden in der betreffenden Dorfzone zulässig
sind. Das Einfamilienhausquartier der Beschwerdeführenden mag zwar den Eindruck eines
reinen Wohnquartiers wecken. Tatsache ist aber, dass es sich nicht um eine Wohn-,
sondern um eine Mischzone handelt, und damit Letztere massgebend ist für die Frage des
zulässige Masses an zu duldenden Immissionen. Die Einschätzungen der Fachbehörde
sowohl im Fachbericht vom 7. März 2017 und anlässlich des Augenscheins vom 8. August
2018 sind plausibel und nachvollziehbar. Die von den Beschwerdeführenden geltend
gemachten Beeinträchtigungen widersprechen teilweise dem von den Fachleuten näher
dargelegten Verhalten der Bienen. Das subjektive Empfinden der Beschwerdeführenden
kann bei der vorzunehmenden objektivierten Beurteilung nicht im Vordergrund stehen. Die
Beschwerdeführenden berufen sich schliesslich auf die Gemeindeautonomie und die
Haltung der Gemeinde R._, wonach mit dieser Bienenhaltung das tragbare Mass
überschritten werde. Gestützt auf die konkreten Gegebenheiten, die Feststellungen der
Fachleute sowie auf die am Augenschein gewonnenen Eindrücke steht für die BVE aber
fest, dass dieser Ansicht der Gemeinde nicht gefolgt werden kann und vielmehr der
Vorinstanz Recht zu geben ist. Die Haltung von 17 Bienenvölkern bringt für die
benachbarten Beschwerdeführenden zwar gewisse Unannehmlichkeiten mit sich, das
gesunde Wohnen wird aber nicht derart beeinträchtigt, dass das in einer Mischzone zu
tolerierende Mass (mässig störende Betriebe) überschritten wäre. Die ersuchte
Bienenhaltung mit 12 Prüfvölkermagazinen, 4 Pflegevölkermagazinen und maximal 40
Befruchtungskästchen ist daher vorliegend in der betreffenden Dorfzone O._
zonenkonform.
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9. Parkplätze
a) Die Beschwerdeführenden weisen auf die Ausführungen im angefochtenen Entscheid
hin, wonach für die vorgesehenen Schulungen an maximal 10 Tagen pro Kalenderjahr
Autos in Absprache mit den jeweiligen Landeigentümern auf dazu nicht bewilligte Flächen
abgestellt werden könnten. Diese Absprachen seien nicht aktenkundig, womit eine
rechtliche Sicherung dieser Abstellplätze nicht nachgewiesen sei. Auf der
gegenüberliegenden Parzelle Nr. Q._ in der Landwirtschaftszone dürfe nicht
parkiert werden.
b) Gemäss den Ausführungen im vorinstanzlichen Entscheid (Ziffer 3.2.d) beträgt die
Bandbreite für Abstellplätze gemäss Art. 52 BauV zwischen einem und elf Parkplätzen. Die
Bauherrschaft befinde sich innerhalb der Bandbreite der Autoabstellplätze nach BauV. Dies
stellen die Beschwerdeführenden gemäss den Ausführungen in der Beschwerde nicht in
Frage. Die gemäss Aussagen des Beschwerdegegners für ausserordentliche Anlässe
(maximal 10 Anlässe) getroffene Abmachung, wonach er verschiedene Flächen in der
Nachbarschaft zur Parkierung benutzten darf (nach vorgängiger Mitteilung), ist hier nicht
näher zu prüfen. Insbesondere bedürfen diese Parkmöglichkeiten keiner rechtlichen
Sicherung, da der Beschwerdegegner die Vorgaben gemäss Art. 52 BauV für seinen
Betrieb gemäss den unbestrittenen Ausführungen im vorinstanzlichen Entscheid auf seiner
Parzelle einhält. Ob und wie oft auf weiteren Flächen in der Nachbarschaft parkiert werden
darf, kann daher im vorliegenden Verfahren offen bleiben.
10. Kosten
a) Die Beschwerde wird abgewiesen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen
die Beschwerdeführenden. Sie haben die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1
VRPG). Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer
Pauschalgebühr. Für besondere Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können
zusätzliche Gebühren erhoben werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Die Pauschalgebühr wird
festgesetzt auf Fr. 2'000.00 (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 und Art. 20 Abs. 1
GebV48). Für den Augenschein vom 8. August 2018 wird in Anwendung von Art. 20 Abs. 1
48 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
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GebV eine zusätzliche Gebühr von Fr. 500.00 erhoben. Die von den Beschwerdeführenden
zu tragenden Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren betragen somit Fr. 2'500.00.
b) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG).
Der Beschwerdegegner ist mehrwertsteuerpflichtig49 und kann somit die von seinem
Rechtsvertreter auf ihn überwälzte Mehrwertsteuer in seiner eigenen
Mehrwertsteuerabrechnung als Vorsteuer abziehen. Ihm fällt daher betreffend
Mehrwertsteuer kein Aufwand an und eine Abgeltung der Mehrwertsteuer käme einer mit
Art. 108 Abs. 3 i.V.m. Art. 104 Abs. 1 VRPG unvereinbaren Überentschädigung gleich. Die
in der Kostennote des Rechtsvertreters des Beschwerdegegners aufgeführte
Mehrwertsteuer ist daher bei der Bestimmung des Parteikostenersatzes nicht zu
berücksichtigen.50 Ansonsten gibt die Kostennote des Anwaltes des Beschwerdegegners
zu keinen Bemerkungen Anlass. Die Beschwerdeführenden haben somit dem
Beschwerdegegner Parteikosten im Betrag von Fr. 2'380.00 zu ersetzen.