# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** e336847f-e668-4e51-b91d-40ccc68bb9b5
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1980,
studierte an der Fachhochschule
in Deutschland
Maschinenbau
und reiste Ende 20
11 in die Schweiz ein, wo er
zunächst zweiein
halb Jahre als Berechnungsingenieur tätig war und
,
nach einem kurzen Unter
bruch mit Bezug von Arbeitslosenentschädigung
,
vom
1.
November 2014
bis
3
1.
Oktober 2015
(letzter effektiver Arbeitstag
7.
Juni 2015)
bei der
Y._
AG als Entwicklungsingenieur in einem 100%-Pensum angestellt
war
(
Urk.
6/
21
,
Urk.
6/2,
Urk.
6/9
)
.
Am
8.
September 2015 (Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte bei der So
zi
al
ver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, unter Hinweis auf psy
chi
sche Probleme zum Bezug von Leistungen der Invaliden
ver
sicherung an (Urk. 6/3).
Die IV-Stelle nahm Abklärungen in
medizinischer und
erwerblicher Hin
sicht vor
. Sie zog wiederholt die Akten der Krankentaggeldversicherung bei (
Urk.
6/10,
Urk.
6/16
)
,
darunter das Gutachten von
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 1
8.
Juli 2016 (
Urk.
6/25
),
holte
die aktuellen Berichte der behandelnden Ä
rzte (Urk.
6/17,
Urk.
6/
34,
Urk.
6/63
) sowie
einen Auszug aus dem Individuellen Konto de
s
Versich
er
ten (IK-Auszug; Urk. 6/9) ein
und ersuchte die
letzte
Arbeit
geberin um Aus
künfte (Arbeit
ge
ber
frageboge
n vom 2
0.
Juni 2016; Urk. 6/21
)
. Zur Klä
rung beruflicher Ein
gliede
rungs
mass
nahmen fand am
1.
Februar 2017
bei der IV-Stelle ein per
sön
liches Gespräch statt (Urk.
6/66 S. 3
). Die IV-Stelle ge
währte de
m
Versicherten
als Integrationsmassnahme Sup
port am Ar
beits
platz, durchgeführt bei der
ehemali
gen Arbeitgeberin des Beschwerdeführers, der
A._
AG,
dauernd
vom
1.
Juli bis 31. De
zember 2017 (vgl. Mitteilung vom 2
1.
Juni 2017,
Urk.
6/42)
mit anschliessender Verlängerung
vom 1.
Ja
nuar bis 3
0.
Juni 2018 (vgl. Mitteilung vom 1
9.
Dezember 2017,
Urk.
6/50).
Mit Schreiben vom
3.
Juli 2018 be
endete die IV-Stelle
die Integrationsmassnahme und leitete die Rentenprüfung ein (
Urk.
6/65).
Im Rahmen der Rentenprüfung beauftragte
die IV-Stelle
Prof.
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, in Zusam
menarbeit mit
Dr.
phil
.
C._
, Psychologin FSP und Neuro
psychologin PVK, mit der Durchführung einer
bidisziplinäre
n
Begut
achtung (psych
ia
trisch und neuropsycho
logisch)
,
über welche am
13. Sep
tem
ber 2018 (neuropsycholo
gisch) und
1.
Oktober 2
018 (psych
ia
trisch)
berichtet wurde (Urk.
6/77-
79).
In der Folge
veranlasste d
ie IV-Stelle eine aktenbasierte Ein
schätzung des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD).
Dr.
med.
D._
, Fach
ärztin Psychiatrie und Psy
cho
therapie, nahm am 1
0.
Oktober 2018 Stellung (vgl. Feststellungsblatt,
Urk.
6/89 S. 7ff.).
Ausgehend von der Möglichkeit einer we
sentlichen Verbesse
ru
ng des Gesundheitszustandes durch zielführende therapeu
tische Massnahmen auferlegte
die IV-Stelle dem Versicherten mit Schreiben
vom 6.
Dezember 2018 eine Scha
den
minderungspflicht (
Urk.
6/90).
Mit Vorbe
scheid vom
6.
De
zember 2018 stellte die IV-Stelle die Abweisung des
Leistungsbegehrens
in Aussicht (Urk. 6/91). Dagegen erhob der Versicherte mit Schreiben vom 17.
Ja
nuar 2019
(
Urk.
6/98) Ein
wand und ersuchte mit Schreiben vom 1
4.
Februar 2019 (
Urk.
6/100) erneut um Gewährung
von Integrationsmassnahmen
.
Die IV-Stelle verwies erneut auf die Schadenminderungspflicht (
Schreiben vom 2
4.
Juli 2019,
Urk.
6/111) und erliess am 24. Juli 2019 einen neuen Vorbescheid, mit dem sie die Abweisung des Leistungs
begehrens in Aussicht stellte (
Urk.
6/112)
, wogegen der Versicherte am 1
2.
September 2019 erneut Einwand erhob
(
Urk.
6/117)
.
Mit Verfügung vom
4.
Februar 2020
wies die IV-Stelle
das Leistungsbegehren
ab (
Urk.
6/123 =
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom
3.
März 2020 (Urk. 1) Be
schwer
de und beantragte
, die angefochtene Verfügung sei auf
zu
heben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ihm die gesetzlichen Leistungen aus
zu
richten. Es sei ein Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben, eventualiter
sei
die Angelegenheit zur Vornahme weiterer Abklärungen an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen
.
Die IV-Stelle schloss mit Beschwerdeantwort vom 1
9.
März 2020 auf Ab
weisung der Beschwerde (Urk. 5), was dem Beschwerdeführer mit Ver
fügung vom 25. März 2020 zur Kenntnisnahme zuge
stellt wurde (Urk. 7).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
Der Rentenanspruch entsteht gemäss
Art.
29 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Artikel 29
Abs.
1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18.
Alters
jahres folgt (
Abs.
1). Der Anspruch entsteht nicht, solange die versicherte Person ein Taggeld nach
Art.
22 IVG beanspruchen kann (
Abs.
2). Die Rente wird vom Beginn des Monats an ausbezahlt, in dem der Rentenanspruch entsteht (
Abs.
3).
1.3
1.3.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
IVG
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1,
130
V
396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145
V
215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Mit
BGE 145 V 215
dehnte
das Bun
desgericht diese Rechtsprechung auch auf Abhängig
keitserkrankungen aus.
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Bei der Einschätzung des tatsächlich erreichbaren Leistungsvermögens trifft die Rechtsanwender einerseits die Pflicht, die medizinischen Angaben daraufhin zu prüfen, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben. Es stellt sich also aus rechtlicher Sicht die Frage, ob und in wel
chem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheblichen Indi
katoren auf eine Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen, wie sie vom medi
zi
nisch-psychiatrischen Experten abschliessend eingeschätzt worden ist. Anderer
seits darf keine davon losgelöste Parallelüberprüfung «nach besserem juristischen Wis
sen und Gewissen» stattfinden. Vielmehr ist zu fragen, ob die funktionellen Aus
wirkungen medizinisch im Lichte der normativen Vorgaben widerspruchsfrei und schlüssig mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind (BGE 145 V 361 E. 3.2.2 mit Hinweisen). Hierzu müssen die ärztlichen Ex
perten ihre Arbeitsunfähigkeitsschätzung unter Beachtung der massgebenden In
di
kato
ren (Beweisthemen) hinreichend und nachvollziehbar begründen. Kommen sie dieser Aufgabe überzeugend nach, wird die medizinisch-psychiatrische Fol
gen
abschätzung auch aus der juristischen Sicht des Rechtsanwenders - Durch
füh
rungsstelle oder Gericht - Bestand haben. Andernfalls liegt ein triftiger Grund
vor, der rechtlich ein Abweichen davon gebietet (vgl. BGE 145 V 361 E. 4.3 mit Hinweisen).
Stets Rechnung zu tragen ist dem Umstand, dass die medizinische Folgen
ab
schät
zung notgedrungen eine hohe Variabilität aufweist und unausweichlich Ermes
senszüge trägt. Die psychiatrische Exploration eröffnet dem begutachten
den Psy
chiater daher praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb des
sen ver
schiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und rechtlich zu respektieren sind, sofern der Experte lege
artis
vorgegangen ist (BGE 145 V 361 E. 4.1.2 mit Hinweisen).
1.3.3
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.3.4
Zur Annahme einer Invalidität aus psychischen Gründen bedarf es in jedem Fall eines medizinischen Substrats, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und
nachgewiesenermassen
die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Bestimmen psy
chosoziale oder soziokulturelle Faktoren das Krankheitsgeschehen mit, dürfen die Beeinträchtigungen nicht einzig von den belastenden invaliditätsfremden Fakto
ren herrühren, sondern das Beschwerdebild hat davon psychiatrisch zu unter
scheidende Befunde zu umfassen. Solche von der soziokulturellen oder psycho
sozialen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselb
ständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann (BGE 141 V 281 E. 4.3.3; 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 9C_543/2018 vom 21. November 2018 E. 2.2).
Somit sind psychosoziale und soziokulturelle Faktoren nur mittelbar invaliditäts
begründend, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden Folgen des Gesundheitsschadens be
einflussen. Zeitigen soziale Belastungen direkt negative funktionelle Folgen, blei
ben sie bei der Beurteilung der Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeklammert (Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2018 vom 22. März 2019 E. 3). In einer ver
si
cherungsmedizinischen Begutachtung, welche sich nach den normativen Vor
ga
ben der Rechtsprechung orientiert, ist es daher nicht nur zulässig, sondern sogar geboten, solche invalidenversicherungsrechtlich nicht relevanten Umstände auf
zuzeigen und gegebenenfalls bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auszu
klammern (Urteil des Bundesgerichts 9C_740/2018 vom 7. Mai 2019 E. 5.2.1).
1.4
1.4.1
Im Gebiet der Invalidenversicherung gilt ganz allgemein der Grundsatz, dass die invalide Person, bevor sie Leistungen verlangt, alles ihr Zumutbare selber vorzu
kehren hat, um die Folgen ihrer Invalidität bestmöglich zu mildern (BGE
113
V
22 E. 4a mit Hinweisen). Dieses Gebot der Selbsteingliederung ist Ausdruck des in der ganzen Sozialversicherung geltenden Grundsatzes der Schadenminde
rungspflicht (vgl. BGE 120 V 368 E. 6b, 117 V 275 E. 2b), wobei jedoch von der versicherten Person nur Vorkehren verlangt werden können, die unter Berück
sichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzel
falles zumutbar sind (BGE 113 V 22 E. 4a mit Hinweisen auf Lehre und Recht
sprechung; ZAK 1989 S. 214 E. 1c). Als Ausdruck der allgemeinen Schadenmin
derungspflicht geht die Pflicht, die notwendigen Schritte zur Selbsteingliederung zu unternehmen, nicht nur dem Renten-, sondern auch dem gesetzlichen Einglie
derungsanspruch vor (Urteil des Bundesgerichts 9C_356/2014 vom 14. November 2014 E. 3.1 mit Hinweisen auf Urteile I 116/03 vom 10. November 2003 E. 3.1 und I 145/01 vom 12. September 2001 E. 2b).
1.4.2
Entzieht oder widersetzt sich eine versicherte Person einer zumutbaren Behand
lung oder Eingliederung ins Erwerbsleben, die eine wesentliche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder eine neue Erwerbsmöglichkeit verspricht, oder trägt sie nicht aus eigenem Antrieb
das
ihr Zumutbare dazu bei, so können ihr die Leis
tungen vorübergehend oder dauernd gekürzt oder verweigert werden. Sie muss
vorher schriftlich gemahnt und auf die Rechtsfolgen hingewiesen werden; ihr ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen. Behandlungs- oder Eingliederungs
massnahmen, die eine Gefahr für Leben und Gesundheit darstellen, sind nicht zumutbar (Art. 21 Abs. 4 ATSG).
Das Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
ist im Bereich der Invalidenversicherung zwingend. Der versic
herten Person ist unter substant
iierter Bezugnahme auf das von ihr geforderte Verhalten schriftlich mitzuteilen, welche Folgen ihre Wider
setzlichkeit nach sich ziehen kann, und sie ist aufzufordern, ihrer Schaden
min
derungspflicht nachzukom
men (
Kieser
, ATSG-Kommentar, 3.
Auf
lage 2015,
Art.
21 N 133-136).
1
.
5
1.
5
.1
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.
5
.2
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverläs
sige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
Den von Versicherung
strägern im Verfahren nach Art.
44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (sogenannte Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper
tise sprechen (BGE 135 V 465 E.
4.4; Urteil des Bundesgerichts 9C_823/2018 vom
11. Juni 2019 E.
2 mit Hinweisen).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom
4.
Februar 2020 (Urk. 2) hielt die Be
schwer
de
gegnerin fest, die
medizinische
Abklärung
habe ergeben, dass
die psychosoziale Belastungssituation
Ursprung des psychischen Leidens sei. Es könne ent
sprechend nicht von einem psychischen Leiden ausgegangen werden, welche
s
einen An
spruch auf IV-Leistungen generiere.
Betreffend die beantragten Integrationsmass
nahmen führte die Beschwerdegegnerin aus, d
er Beschwerdeführer sei in seiner ursprüng
lichen Tätigkeit zu 60
%
arbeitsfähig, weshalb keine Integrationsmass
nahmen angezeigt seien.
Beim Beschwerdeführer würden ausserdem keine ge
sund
heitsbedingten Einschränkungen bei der Stellensuche bestehen.
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde vom 3. März 2020 (Urk. 1) zusammengefasst geltend, die
Beschwerdegegnerin habe die
Indi
katorenprüfung
einseitig zu seinen Lasten vorgenommen.
Die psychische Krank
heit des Beschwerdeführers sei invalidisierend, was der Gutachter bestätigt habe.
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin stellte in der angefochtenen Verfügung vom
4.
Februar 2020
(
Urk.
2) im Wesentlichen auf das
bi
disziplinäre
Gutachten
v
on Prof. Dr.
B._
und
Dr.
phil.
C._
vom
1.
Oktober 2018 resp. 1
3.
September 2018
ab. Darin wer
den die bis zur Begutachtung des
Beschwerdeführer
s
aktenkundigen medi
zi
nisch
en
Berichte zusammengefasst (Urk.
6/77
/5-10
), weshalb sie an dieser Stel
le nicht noch einmal wiedergegeben werden. Soweit erforderlich, wird in den nach
fol
gen
den Erwägungen aber darauf Bezug genommen.
3.2
Am 1
3.
September 2018 wurde der Beschwerdeführer von
Dr.
phil.
C._
neu
ropsycho
logisch begut
achtet (vgl.
Urk.
6/79). Diese führte aus, die kognitiven Tests habe der Beschwerdeführer motiviert, konzentriert und sorgfältig be
ar
bei
tet. Das Vor
gehen sei strukturiert und ausdauernd
, d
ie zeit
liche Belast
bar
keit gut
gewesen. Es seien keine nachlassenden Leistungen ersichtlich gewesen, weder im Verlauf län
ge
rer Aufgaben noch über die gesamte Dauer der neuro
psycho
logi
schen Be
gut
achtung hinweg. Es habe sich auch keine Impulsi
vi
tät in Form einer verminderte
n Frustrationstoleranz gezeigt
(
Urk.
6/79/7).
Dr.
phil.
C._
kon
sta
tierte weiter, beim Be
schwer
deführer stünden Leis
tungs
einbussen im Bereich der mnestischen, der exe
ku
tiven und der
attentionalen
Funktionen im Vorder
grund. Im Bereich der mnes
tischen Funktionen seien mo
dalitätsunspezifisch die Lern- und Abruf
leistungen unterdurchschnittlich und die Wiedererkennungs
leistung verbaler In
for
mationen sogar weit unterdurch
schnitt
lich. Die langfristige
non-verbale
Ab
ruf
leistung läge untypischerweise über der Leistung im kurz
fristigen Abrufen. Im Bereich der Exekutivfunktionen seien die verbale Ideen
produktion, das Konzept
erkennen sowie die intellektuelle Flexi
bi
li
tät unter
durchschnittlich. Weiter seien die iso
lier
ten Aufmerksamkeitsfunktionen (
Alert
ness
und
selektive Aufmerk
sam
keit) sowie die Konzentrationsleistung un
ter
durchschnittlich (Urk. 6/79/8). Eine Aggravation von Beschwerden erachte sie als nicht wahr
schein
lich.
Dr.
phil.
C._
hielt fest,
d
ie neuro
psycho
logischen Be
funde würden für das Vorliegen einer maximal leichten bis mittelgradigen neuro
psy
cho
logi
schen Störung sprechen (
Urk.
6/79/9). Die ermittelte neuro
psychologische Stö
rung sei ätiologisch-
pathogenetisch
wahr
scheinlich haupt
sächlich im Rahmen der psychopathologischen Symptomatik zu verstehen. Bei der Einnahme zentral
ner
vös wirksamer Medikamente seien medi
kamentöse Ne
ben
wirkungen als leis
tungs
mindernde Faktoren ebenfalls möglich. Es sei wahr
scheinlich, dass sich mit einer etwaigen Besserung der psychiatrischen Sympto
ma
tik auch die kognitive Leistungsfähigkeit verbessere. Aus rein neuro
psycho
logischer Sicht würden sich keine Therapieempfehlungen ergeben. Dr.
phil.
C._
attestierte dem Beschwerde
führer aufgrund der maximal leichten bis mittel
schweren neuropsychologischen Stö
rung eine 40%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 6/79/10).
3
.3
Am 3
1.
August 2018 wurde der Beschwerdeführer von Prof.
Dr.
B._
begutachtet (
Urk.
6/77).
Die Erkenntnisse aus der neuropsychologischen Zusatzbegutachtung (vgl.
Urk.
6/79) wurden im Hauptgutachten vom
1.
Oktober 2018 integriert. Darin beschrieb Prof.
Dr.
B._
den Beschwerdeführer als
wach, bewusstseins
klar und allseitig orientiert. Anhaltspunkte für Wahn oder Sinnestäuschungen gebe es keine. Der Beschwerdeführer habe zwar von Konzentrationsstörungen berichtet, die Konzentrationsprüfung habe allerdings fehlerfrei durchgeführt werden könn
en. Die Auffassung sei nicht gestört und im Gespräch seien keine formalen Denk
störungen aufgefallen. Der Beschwerdeführer habe über Grübeln berichtet sowie eine Neigung zum Perfektionismus angegeben, Anhaltspunkte für eine eigent
li
che Zwangsstörung gebe es - so Prof.
Dr.
B._
-
jedoch keine.
Im Gespräch wirke der Beschwerdeführer affektarm, verharrt in der depressiven Mimik und gering ausgeprägt in der Gestik. Auch durch Scherze sei er kaum aus der etwas starren Mimik herauszubringen. Er habe über eine deutliche Störung der Vitalität und mittel ausgeprägte Hoffnungslosigkeit berichtet
. Seine Stimmung sei immer wie
der gereizt. In der Untersuchungssituation habe sich gelegentlich ein
dys
pho
ri
scher
Affekt gezeigt. Insgesamt wirke der Berichtstil gedrängt. Um seinen Zu
stand zu beschreiben, habe der Beschwerdeführer immer wieder plastische Schil
de
run
gen in einer leicht
klagsam
jammerigen
und bildhaften
Sprache gewählt.
Er wirke leicht
logorrhoisch
.
Der Beschwerde
führer habe ferner über deutliche In
suffizi
enz- und Schuldgefühle berichtet, ins
be
sondere den Tod seines Vaters be
treffend.
Ausserdem spüre e
r
eine deutliche Antriebshemmung. Diese sei
mo
ti
va
tional beeinflusst. Er müsse sich immer wieder zu Tätigkeiten aufraffen, aller
dings nicht zum Gang ins Fitness-Studio (
Urk.
6/77/19).
Prof.
Dr.
B._
konstatierte, beim Beschwerdeführer liege ein depressiv-ängst
li
ches Syn
drom vor. Die Niedergeschlagenheit drücke sich auch in Mi
m
ik und Ges
tik aus und beziehe sich vor allem auf die für ihn unbefriedigende aktuelle Lebens
situation. Die ängstliche Komponente bestehe im Rahmen einer allgemei
nen Zu
kunftsangst mit verringerter Hoffnung auf Besserung. Im Vordergrund
stehe
aber
das
Gefühl der Entfremdung gegenüber sich selbst und der Um
gebung.
Der Be
schwerdeführer
habe
plastisch
von
Derealisations
- und De
per
so
nalisa
t
i
ons
er
leben
(Druck auf den Kopf; Erleben wie durch eine Glasglocke, die über ihm liege; pelziges Gefühl bei Berührung usw.)
berichte
t
, ein psychotisches Erleben (Hallu
zi
na
tionen und Wahn) könne aber aus
ge
schlossen werden
(
Urk.
6/77/20)
.
Die
se
Ich-Störungen seien mit ihrem plötzlichen Beginn genau auf einen Tag im Mai 2015 terminiert.
Insgesamt wirke d
er Beschwerdeführer sehr unzufrieden mit seiner aktuellen Situation
, was sich
in verzweifelt geschilderten Beschwerden
äussere
.
Er zeige auch immer wieder Wut und Ärger, welchen er
sowohl
gegen sich selber
(mit gelegentlichen
aktiven Suizidgedanken
)
,
als
auch gegen andere
richte
. Da keine eigentliche Antriebs
störung vorliege (diese würde sich bei Depressiven auf alle oder zumindest die meisten Lebensbereiche beziehen), auch durchaus vielfältige Interessen im privaten Bereich vorlägen, die soziale Iso
lie
rung zwar vorhanden sei, aber psy
cho
pathologisch keinem sozialen Rückzug ent
spreche (
einem
vom Betroffe
nen selbst ausgehenden aktiven Rückzug), und auch die deprimierte Stimmung klar immer wieder von interessierten Phasen und ener
gischer Suche nach Erklärungen für seine Beschwerden unterbrochen werde, könne zusam
men
gefasst
die Diagnose einer depressiven Episode
aktuell
nicht be
grün
det werden.
D
er über viele Jahre andauernde Verlauf komme zwar bei
majo
ren
Depressionen vor, sei aber doch eher atypisch. Schliesslich gebe es
zwar
Non
responder
auf ver
schie
de
ne antidepressive Therapien, ein Nicht
an
sprechen auf alle (sehr viel
fäl
ti
gen, schulmedizinischen und alternativ
medizi
nischen) bis
he
ri
gen Therapie
ver
fahren, sei aber ausserge
wöhnlich. Für depressive Erkrankungen, die die diagnos
tischen Kriterien einer depressiven Episode nicht erfüllen und über min
des
tens zwei Jahre anhalten würden, komme nur die Diagnose einer
Dys
thy
mie
in Frage
.
Die geschilderten Angst
symptome seien
komorbid
zur
Dys
thymie
. Die Kriterien einer generali
sier
ten Angst
störung würden da
durch
aber
nicht erfüllt werden.
Weiter resultiere d
ie dramatische Schwere der Beschwerden nicht aus der Schwere und Kon
sistenz der angegebenen depressiven Symptome, son
dern einerseits aus dem ein
dringlich, in farbigen Bildern erzählten subjektiven Er
leben des Be
schwer
de
führers und andererseits aus der Fremdartigkeit der erleb
ten
Derealisa
tions
- und Depersonalisationssymptome. Bezüglich der persönlich
keits
bezogenen Art des Er
lebens
wäre
allenfalls
die Diagnose einer Persönlich
keits
störung ge
recht
fer
tigt. Es
würden
sich durchaus Muster
zeigen
, die bis in die Jugend des Beschwerde
führers zurückführten. Ob die Ab
weichungen innerer
Er
fahrungs
- und Verhal
tens
muster
allerdings
tatsächlich schon in der Kindheit oder Adoleszenz begon
nen hätten, sei
aber
kaum zu verifizieren. Auch sei unklar, ob die Abweich
ung im Erleben und Verhalten nicht auf andere Störungen zurück
zuführen seien.
Es sei deshalb
- im Einklang mit dem Vorgutachten -
von
einer akzentuierten Per
sön
lich
keit mit vor allem
histrionisch
en
, aber auch ängst
lich-vermeidenden, zwang
haften und asthe
nischen Kompo
nen
ten
auszugehen
.
Bei der diagnostischen Zuordnung der im Vordergrund stehenden
Derealisations
- und Depersonali
sa
tions
symptome spiele eine Rolle, dass diese schlagartig an einem Tag begonnen hätten und seither therapieresistent sowie weitgehend un
ver
ändert andauern würden.
Im Rahmen der dia
gnos
tischen Erörterung müsse ferner der ständige Gebrauch von
Temesta
erwähnt werden. Das Benzo
diazepin sei über eine Zeit von ungefähr einem Jahr in an
steigender Dosierung ein
genommen worden. Reduk
tions
ver
suche hätten zu einer verstärkten Sympto
matik geführt und seien erfolg
los ge
blie
ben. In der aktuellen Dosierung von 7mg/
d
entspreche dies nicht mehr einer «
low
-dose-
dependency
», sondern einer manifesten Benzodiazepin-Ab
hängig
keit
(
Urk.
6/77/21ff.)
.
Zusammengefasst diagnostizierte
Prof.
Dr.
B._
eine
Dysthymia
(ICD-10: F34.1), ein Depersonalisations- und
Derealisationssyndrom
(ICD-10: F48.1)
, eine p
sy
chi
sche und Verhaltens
störung durch Sedativa oder Hypnotika (Benzodiazepin), ak
ti
ve Abhängigkeit (ICD-10: F13.24)
,
sowie Probleme mit Bezug auf Schwierig
kei
ten bei der Lebens
bewältigung; akzentuierte Persönlichkeitszüge mit vor allem
histrionischen
Ant
eilen (ICD-10: Z73).
Da das
Derealisations
- und Depersona
li
sations
syn
drom Kern der psychischen Schwierigkeiten darstelle (
Urk.
6/77/26)
empfahl
er
ein intensives tiefenpsycho
logisches Vorgehen
mit dem Ziel der Bear
bei
tung dysfunktionaler innerpsychischer Konflikte (1-2 Sitzungen pro Woche; Urk. 6/77/29)
. Zu bedenken sei, dass ein nahezu freundschaftliches Verhältnis zur Therapeutin (Anrede mit Vornamen, Eingehen auf verzweifelte Therapievor
schläge) bei der vorliegenden Grundstörung mit dissoziativen Anteilen und der
histrionischen
Persönlichkeitsakzentuierung kon
tra
produktiv sei
. Ausserdem sei das verordnete
Temesta
im Sinne einer Entzugstherapie
abzusetzen
oder zumin
dest auf eine sehr kleine Dauerdosis
zu beschränke
n
(
Urk.
6/77/26).
Prof.
Dr.
B._
wies darauf hin, dass
beim Beschwerdeführer ein ausgeprägter primärer Krank
heits
gewinn vorliege. Die verzweifelten Versuche, eine Lösung seiner aktu
ellen Beschwerden (
deprimierte Stimmung
, Angst, schnelle Erschöpfung, Fremd
heits
er
leben) mit immer wieder neuen Therapieverfahren zu finden, seien bei hohem Leidens
druck gut nachzuvollziehen.
Im Sinne eines primären Krankheits
gewinns würden ihn aber diese Symptome davon abhalten, sich mit dem psycho
dynamischen Kern seiner Probleme auseinanderzusetzen
.
Ein eher bewusst
seins
naher sekundärer Krankheitsgewinn im Sinne einer aktiv betriebenen Über
ge
wich
tung der Symptome zum Ziel der Arbeitsentlastung sei hingegen nicht wahr
scheinlich.
Der Leidens
druck sei angesichts dessen, dass sich der Be
schwer
de
füh
rer aktiv fordernd be
lastenden und stigmatisierten Therapie
ver
fahren (z.B. EKT) unterziehe, glaub
haft. Auch die neuropsycho
lo
gische Unter
suchung habe keine ausreichenden Hinweise für eine Aggravation oder bewusste Simula
tion ergeben. Prof.
Dr.
B._
konsta
tierte weiter, gelinge es
dem Beschwerdeführer
die innerpsychischen Konflikte zu bearbeiten und funk
tional zu lösen, seien die Hei
lungs
chancen gut.
Positiv un
ter
stützend seien die Ressourcen des Beschwer
de
führers (ungestörter Antrieb in vielen Situationen, körperliches Training, Acht
sam
keitsübungen, gut speziali
sier
te Ausbildung, Ehefr
au und deren Familie; vgl. Urk.
6/77/25f.).
In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit führte Prof.
Dr.
B._
aus, wegen der zurzeit raschen Erschöpfbarkeit sei mit einer Einschränkung der Leistung von ca. 40-50 % zu rechnen. Die Arbeitsfähigkeit in der Tätigkei
t als Ingenieur betrage etwa 60
%. Die eingeschränkte Arbeitsfähigkeit decke sich auch mit der neuropsycho
logischen Untersuchung. Es sei zu erwarten, dass bei günstigem Therapieverlauf die Arbeitsfähigkeit im Verlauf eines Jahres auf 80-100 % gesteigert werden könne. Rückblickend sei die Arbeitsfähigkeit seit 2015 bei nicht zielgerichteter und nicht wirksamer Therapie stärker eingeschränkt gewesen (ca. 60
% Arbeits
unfähigkeit). Eine angepasste Tätigkeit sei nicht sinnvoll. Die geschilderten Ein
schränkungen würden sich auch bei allen angepassten Tätigkeiten mindestens im gleichen Masse zeigen. Es sei sogar zu vermuten, dass bei einer leichteren Tätig
keit die Motivation abnehme, weil diese nicht dem eigentlichen Kompetenzprofil des Beschwerdeführers und der damit verbundenen Selbstwertvorstellung ent
sprechen würde. Bei Unterforderung würde die Erschöpfung stärker zunehmen und ein Gewinn der Arbeitsfähigkeit sei unwahrscheinlich (
Urk.
6/77/28f.).
3.4
Die RAD-Ärztin
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psycho
the
ra
pie, empfahl in ihrer Stellungna
hme vom 1
0.
Oktober 2018 (
Urk.
6
/89 S. 9) voll
umfänglich auf die Beurteilungen im Gutachten abzustellen. Sowohl hin
sicht
lich des Gesundheitszustandes als auch der Arbeitsunfähigkeit/Arbeits
fähigkeit.
4.
4.1
Das Gutachten von
Prof.
Dr.
B._
und
Dr.
C._
erging in Kenntnis und in Aus
ein
an
dersetzung mit den
Vorakten
, den geklagten Beschwerden sowie ge
stützt auf eigene
klinische
und
testpsychologische
Untersuchungen. Die Gutachter haben ihre Diagnosen und Schlussfolgerungen ausführlich und differenziert be
gründet und zu den Beurteilungen in den
Vorakten
einlässlich Stellung bezogen. Mithin genügt das Gutachten den an eine beweiskräftige Entscheidungsgrundlage ge
stellten Anforderungen (vgl. E
. 1.7
).
Einwände gegen das Gutachten wurde
n
weder vom Beschwerdeführer noch sei
tens der Beschwerdegegnerin vorgebracht. Der medizinische Sachverhalt ist somit erstellt und die vom Beschwerdeführer even
tua
liter beantragte Einholung eines Gerichts
gutachtens (
Urk.
1 S. 2) erübrigt sich. Weitere
entscheid
relevante
Er
kennt
nisse sind davon nicht zu erwarten (anti
zi
pier
te Be
weiswürdigung; BGE 122 V 157 E.
1d).
4.2
In diagnostischer Hinsicht besteht unter den Parteien Einigkeit darüber,
dass beim Beschwerdeführer eine
Dysthymia
(ICD-10: F3
4
.
1
)
, ein Depersonalisations- und
De
reali
sa
tions
syndrom
(ICD-10: F48.1) sowie eine psychische und Verhaltens
stö
rung durch Sedativa und Hypnotika (ICD-10: F13.24)
vorlieg
en
.
Strittig und zu prüfen sind indes die Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers, welche grundsätzlich auch unter juristischen Gesichts
punk
ten zu beurteilen sind (vgl. E.
1.3
).
4.3
Vorliegend führte d
er psychiatrische Gutachter ausführlich aus, weshalb er trotz offenkundig vorliegendem depressiv-ängstlichen Syndrom
und
entgegen der bis
he
rigen medizinischen Einordnung
bei fehlender Antriebsstörung und viel
fältig
vor
han
denen Interessen im privaten Bereich
beim Beschwerdeführer
keine rezi
divierende depressive Störung diagnostizierte, sondern vielmehr von einer
Dys
thymia
ausging
(vgl.
Urk.
6/77/20ff.)
, welche als Folge der insgesamt als ver
zwei
felt erlebten Ich-Störung
en
und der psychosozialen Folgen
gesehen werden müsse (vgl.
Urk.
6/77/25).
Prof.
Dr.
B._
zeigte nachvollziehbar auf,
inwieweit die akzentuierte Persönlichkeitsstruktur die Konzentration auf das dramatisch erlebte Geschehen fördere und dysfunktional der Abwehr einer psycho
dyna
misch
en Aus
einandersetzung mit den innerpsychischen Ursachen der Be
schwer
den diene (vgl.
Urk.
6/77/27).
Der psychiatrische Gutachter hielt fest, der Beschwerdeführer
habe
Schwierig
kei
ten mit der psychosozialen Eingewöhnung in der Schweiz
gehabt
. Die soziale Isolation, hohe Arbeitslast und häufig erforderliche berufliche Reisetätigkeit hätte zu immer stär
ke
ren Belastungen und Stressreaktionen geführt
,
sodass es
schliess
lich im Jahr 2015 zu einer schlagartigen Verschlechterung des Befindens mit deutlichem
De
realisations
- und Depersonalisationserleben
gekommen sei (Urk.
6/77/24). In
so
fern ist mit der Beschwerdegegnerin davon auszugehen, dass
der
Auslöser
des
psychischen
Leidens
eine
psychosoziale Belastungssituation
war
(vgl.
Urk.
2)
.
Prof.
Dr.
B._
hob
die zahl
reichen Ressourcen des Beschwerde
füh
rers im privaten (Ehefrau und deren Fami
lie) und beruflichen (spezialisierte Inge
nieur-Aus
bil
dung, hohe In
telligenz) Be
reich hervor (vgl.
Urk.
6/77/25), schloss das V
or
liegen gesundheitsfremder Belastungsfaktoren
hingegen explizit aus und stellte fest
, dass
aktuell
alle im Gutachten be
schrie
benen Funk
tions
störungen psychia
trisch begrün
det seien (vgl. Urk. 6/77/28).
Er verwies auf die testpsycho
logische Unter
suchung, wonach insbesondere die Widerstands- und Durchhalte
fähigkeit sowie die Flexi
bi
lität und Umstellungsfähigkeit b
eeinträch
tigt seien (vgl. Urk.
6/78/3f.). Diese Aktivitäts- und Partizipationsbeeinträchti
gun
gen wür
den zu einer raschen Er
schöpf
bar
keit führen, welche sich einschrän
kend auf die Leis
tungsfähigkeit des Beschwerdeführers auswirke. Insbesondere die Kom
bi
na
tion der Persönlichkeits
akzentuierung mit den anderen psychia
trisch
en Dia
gno
sen wirke un
günstig auf die Belastbarkeit (vgl. Urk. 6/77/2
8
). An
gesichts dessen steht die gut
ach
terliche Arbeitsfähigkeitseinschätzung im Ein
klang mit den genannten Befun
den. Prof.
Dr.
B._
hielt zwar fest, dass die Ein
schränkungen des Akti
vi
täts
niveaus nicht in allen Lebens
bereichen vergleichbar seien und im Arbeits
bereich eine starke moti
va
tionale Komponente wirke, woraus eine raschere Erschöpf
bar
keit resul
tiere, er wies je
doch ausdrücklich darauf hin, dass diese In
kon
sistenz nicht auf einen bewusst
seinsnahen sekun
dä
ren Krank
heits
gewinn oder gezielte Simulation zu
rück
zu
führen sei, sondern vielmehr im Sinne der neu
rotischen Pro
ble
matik auf den vor
liegenden
,
bewusst
seins
fernen primären Krank
heits
ge
winn
zurückzuführen
sei.
Zu
dem seien die Sym
pto
me der
Derealisation
und Depersonali
sa
tion in ver
gleich
baren Lebens
be
rei
chen relativ konstant. So
dann führte er aus, dass die geklagten Symptome konsistent, plau
si
bel und ent
sprechend der Unter
such
ungs
ergebnisse valide und nach
voll
ziehbar seien, wenn man das Konzept der inner
psychischen dysfunk
tionalen Konflikt
ver
ar
bei
tung mitein
beziehe und den er
heb
lichen primären Krank
heitsgewinn be
rück
sich
ti
ge
. Eine Verstärkung durch die Persönlichkeitsstruktur des Beschwerde
führers sei wahrscheinlich, inner
psy
chi
sche Gründe (
stark
leistungs
bezogene Werte
ver
an
ke
rung, die 2015 in Frage ge
stellt werde)
könnten nur vermutet wer
den
(vgl. Urk. 6/77/27).
Eine Aggra
va
tion wurde aber auch seitens der
neuro
psycho
logi
sche
n
Gutachterin ver
neint
(vgl. E.
3
.2). Ferner bewertete Prof. Dr.
B._
die bis
heri
gen Be
hand
lungen i
n
mehr
facher Hinsicht unzureichend. Nicht nur seien sämt
liche Therapien auf die ver
mutete Diagnose einer depressiven Episode aus
ge
richtet worden, auch seien fraglich indizierte Therapien (z.B. Elektro
krampf
the
ra
pie [EKT], experimentelle Antibiotikagabe, Benzodiazepin-Dauergabe) durch
ge
führt wor
den, was kaum einem idealen thera
peutischen Vor
gehen entspreche (Urk. 6/77/25).
Vor diesem Hintergrund, ist es nachvollziehbar, dass der psychia
trische Gutachter die Ar
beits
fähigkeit des Be
schwerdeführers rückblickend seit 2015 bei nicht ziel
ge
rich
te
ter und nicht wirk
samer Therapie stärker eingeschränkt beur
teilte und ihm
bis zum Zeitpunkt der Begutachtung
ein
e
60%ige Arbeits
un
fähigkeit attes
tier
te
(vgl.
Urk.
6/77/28)
. Diese gutachter
liche Fest
stellung deckt sich mit den
an
läss
lich der beruflichen Einglie
de
rungs
mass
nahmen gewonnen Er
kennt
nissen
, ge
mäss denen die Belastbarkeit an vier Tagen die Woche auf 2 bis 4 Stunden am Tag eingegrenzt war
(vgl. etwa das Protokoll der Eingliederungs
beratung, Urk. 7/66/12ff.
).
Eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit könne mit einer tiefenpsychologischen Thera
pie mit dem Ziel der Bearbeitung dys
funk
tio
na
ler inner
psychischer Konflikte er
reicht werden, sodass im Verlauf eines Jahres die Ar
beits
fähigkeit auf 80 bis 100
% ges
teigert werden könne (vgl. Urk.
6/77/28f.).
Nach dem Gesagten erweist sich die gutachterliche Arbeitsfähigkeitsbeurteilung
-
mit Blick auf die dargelegte Rechtsprechung und insbesondere den Ermessens
spielraum der Mediziner (vgl. E. 1.
3.2
vorstehend)
-
als nachvollziehbar begründet und beweiswertig.
Eine Veranlassung von der gutachter
lich
en Arbeitsfähigkeits
schätzung abzuweichen besteht nicht
, zumal auch RAD-Ärztin
Dr.
D._
der Ein
schätzung der Gutachter zustimmte (vgl. E. 3.4)
.
Damit erübrigen sich Weite
run
gen zu den übrigen im Regelfall anzuwendenden Stan
dard
indikatoren.
4.4
Zusammenfassend i
st gestützt auf das Gutachten von
Prof.
Dr.
B._
und
Dr.
phil.
C._
mit dem im Sozialversicherungsrecht massgebenden Beweisgrad der über
wiegen
den Wahrscheinlichkeit erstellt, dass der Beschwerdeführer in seiner ange
stamm
ten Tätigkeit als
Entwicklungsingenieur
seit
Mai
2015
(
Ausbruch der
depressiven
Symptomatik,
Urk.
6/
10/12
;
stationäre Behandlung auf der Spezial
station für Depressionen und Angststörungen vom 2
3.
Juli bis
8.
Oktober 2015 in der i
nte
grier
ten Psychiatrie
E._
, vgl.
Urk.
6/
10/12ff.
; letzter effektiver Arbeitstag
7.
Juni 2015,
Urk.
6/21
) bis
zum Zeitpunkt der Be
gut
achtung im Sep
tember/
Oktober 2018 zu 6
0
%
arbeitsunfähig
war (vgl. E. 3.3 in
fine
)
.
Seit
der Begut
ach
tung
(September 2018; vgl.
Urk.
6/77/2)
ist der Beschwerdeführer zu 40
%
in seiner Ar
beits
fähigkeit eingeschränkt.
5.
5.1
Der von der Beschwerdegegnerin zu prüfende Rentenanspruch entstand gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach der Geltend
machung des Leistungsanspruchs (Anmeldung vom
8.
September 2015, Urk. 6/3) so
wie nach Ablauf des sogenannten Wartejahres (aktenkundige Arbeits
un
fähig
keit seit Juni 2015, vgl.
Urk.
6/77/3), mithin frühestens am 1. Juni 201
6.
5.2
Es steht aufgrund der Akten fest, dass der Beschwerdeführer aufgrund eines un
behandelten
Derealisations
- und Depersonalisationssyndroms und dadurch be
dingte psychische und Ver
haltens
störungen
sowie einer Benzo
diazepin-Ab
hän
gig
keit
in seiner Arbeitsfähigkeit erheblich eingeschränkt ist (vgl. E.
4.4
vor
ste
hend).
Zur Wie
dererlangung beziehungsweise Verbesserung der Ar
beits
fähigkeit in der zu
letzt ausgeübten Tätig
keit hielt
der psychiatrische
Gut
ach
ter im Oktober 2018
eine tiefenpsychologische Therapie (ein bis zwei Sitzungen pro Woche über 6 bis 12 Monate)
, wobei
wegen des
nahezu freundschaftliche
n
Verhältnis
ses
zur Therapeutin
ein Therapeutenwechsel angezeigt
sei,
sowie einen Entzug oder zumindest eine deut
liche Reduktion
(1-2 mg)
des Benzodiazepins (
Temesta
)
als dringend ange
zeigt
(vgl. E.
3.3
hiervor). Aufgrund der medizinischen Akten
lage ist entsprech
end erstellt, dass zur
Wiederherstellung einer rentenausschliessenden
Arbeitsfähigkeit des Be
schwerdeführers eine vor
gän
gi
ge
tiefenpsychologische Behandlung sowie eine
Benzodiazepin
ab
stinenz
erfor
der
lich wäre.
Der Beschwer
degeg
ner
in ist insoweit beizupflichten, als sich die ver
sicherte Person im
Rahmen der ihr obliegenden Schaden
minderungspflicht grundsätzlich allen Massnahmen zu unterziehen hat, welch
e ihr ermöglichen, ihre Arbeitsfähigkeit zu erhalten
bzw. zu verbessern
. In die
sem Sinne ist es dem Beschwerdeführer zumutbar, sich einer tiefen
psycho
logischen Behan
dlung bei einem neuen Thera
peuten zu un
terziehen.
H
ierfür ist allerdings eine angemessene Anpassungs
zeit
zuzubilligen (Urteil des Bundes
gerichts 9C_410/2009 vom
1.
April 2010 E. 5
.4). Die Verletzung der Scha
den
min
derungs
pflicht setzt denn auch ein vorsätzliches Verhalten seitens der ver
sich
erten Person voraus, wobei d
iese durch ein Bedenk- und Mahn
zeit
ver
fahren in die Lage
zu versetzen ist, sich die nach
teiligen Folgen i
hres Verhaltens zu ver
g
egenwärtigen (Urteil des Bundes
gericht
s I 824/06 vom 1
3.
März 2007 E.
3.3.1).
5.3
Die Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer mit Schreiben vom
6. De
zem
ber 2018
erstmals darauf hingewiesen, dass dieser seinen Gesundheitszustand mit der Durchführung einer
mindestens
sechsmonatigen
tiefenpsychologischen Be
hand
lung sowie einer
Entwöhnungstherapie von Benzo
di
azepinen
we
sentlich ver
bessern kann (Urk.
6/90
). Gleichzeitig wies sie auf das Informationsblatt «In
va
li
den
versicherung: Ihre Mitwirkungspflicht» hin, worin festgehalten werde, dass er
aufgefordert sei, sich denjenigen Be
handlungen oder Massnahmen zu unter
zie
hen, die zur Erhaltung oder Ver
besserung des Gesundheitszustandes bei
trügen.
Diese Mitwirkungspflicht gelte auch bei Abweisung einer Leistung zur Erhaltung und Verbesserung des Gesundheitszustandes und sie gelte auch im Hinblick auf eine zukünftige IV-Anmeldung.
Nach der Umsetzung der therapeu
tischen Massnahmen während mindestens sechs Monaten, könnte sie (die Beschwerdegegnerin) auf erneute Anmeldung hin seinen Anspruch auf eine berufliche Wiedereingliederung erneut prüfen und ihn im Rahmen von Arbeits
vermittlung und Arbeitstraining unterstützen.
Nehme
der
Beschwerde
führer nicht an den ent
sprechenden Massnahmen teil, könne dies dazu führen, dass auf ein zukünftiges Leistungs
gesuch nicht eingetreten werde (Ziffer 3). Im gleichen Schrei
ben hielt die Be
schwerdegegnerin fest, dass die Voraussetzungen für die
Zusprache
einer Rente nicht erfüllt seien, wobei der vorgesehene Entscheid se
pa
rat erfolge (Ziffer 1).
Die Beschwer
de
gegnerin riet dem Beschwerdeführer m
it Schreiben vom 1
1.
Dezember 2018 zum Therapeutenwechsel
(
Urk.
6/92)
.
Auf Nachfrage der Beschwerdegegnerin (vgl. Sch
reiben vom 2
4.
April 2019, Urk.
6/109) teilte der Beschwerdeführer mit, dass er nach wie vor bei
Dr.
med.
F._
in psychiatrischer Behandlung sei, die Therapieform entspre
chend der Empfehlung im Gutachten jedoch angepasst worden sei (vgl.
Urk.
6/110).
Woraufhin die Beschwerde
gegnerin am 2
4.
Juli 2019 ein erneutes Schreiben
erliess
, in dem
sie den Beschwerde
führer auf seine Schaden
minde
rungs
pflicht aufmerksam machte und explizit darauf hinwies, dass ein Thera
peu
ten
wechsel angezeigt
und eine reine Psychoanalyse nicht günstig sei
(
Urk.
6/111). Dass die Beschwerdegegnerin
in der Folge einen Behandlungsplan eingefor
dert hätte oder sich nach Ablauf d
er sechs Monate nach dem Gesundheitszustand des Beschwerde
führers erkundigt hätte, geht aus den Akten nicht
hervor.
Aus einer
Telefonnotiz vom 2
1.
Februar 2019 geht hervor, dass der Beschwerdeführer ein
mal pro Woche zur Therapie gehe und den Konsum von
Temesta
auf 2 mg habe reduzieren können (vgl.
Urk.
6/101).
Damit liegen keine medizi
nischen Berichte vor, gestützt auf
welche eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit des Be
s
chwerde
führers g
egenüber dem Zeitpunkt der medizinischen Begutach
tung im Septem
ber/Oktober 2018 b
eurteilt werden könnte. Im Feststellungs
blatt wird jedoch darauf verwiesen, dass der Beschwerdeführer im Oktober 2019 ein Praktikum bei der
G._
AG gestartet habe (
Urk.
6/122 S. 4). Seit Januar 2020 ist der Beschwer
deführer bei der
H._
AG als Projektleiter/Entwicklungs
ingenieur in einem Vollzeitpensum angestellt (vgl.
Urk.
3).
5.4
Mit Schreiben vom
6.
Dezember 2018 wurde der Beschwerdeführer folglich auf seine Pflicht aufmerksam gemacht sowie auf die Folgen der Widersetzlichkeit
hinsichtlich eines neuen Leistungsgesuches
hin
gewiesen. Eine
angemessene
Frist zur Durchführung der Mass
nah
men wurde ihm hingegen nicht gesetzt. Es sind auch keine Berichte von behan
deln
den Ärzten für
die Zeit nach
Hinweis auf die
Schadenminderungs
pflicht
ak
ten
kundig.
Soweit die Beschwerdegegnerin den Leistungsanspruch mit Hinweis darauf ver
neinte, dass sich der Gesundheitszustand de
s
Beschwerdeführer
s
mit einer adä
quaten Behandlung innert sechs Monaten verbessern lasse, ist dem entgegen
zu
halten, dass aufgrund der medizinischen Aktenlage im Zeitpunkt der Ent
stehung des Leistungsanspruchs (
Juni
2016) nicht von einer renten
aus
schliessenden Er
werbs
fähig
keit de
s
Beschwerdeführer
s
ausgegangen werden kann (vgl.
E. 3.3 in
fine
). Mit einer wesentlichen Ver
besserung des Gesundheitszustandes nach durch
ge
führter adäquater Be
handlung war
nach Einschätzung des Gutachters
- voraus
gesetzt
der
Beschwer
deführer begann im
Dezember 2018
mit der ent
sprechenden Behandlung - frü
hestens im
Juni 2019
zu rechnen gewesen. Angesichts dessen, dass
der Beschwerdeführer seinen Therapeuten nicht ge
wechselt hat,
hätte er
ent
sprechend
des erforderlichen
Mahn- und
Bedenk
zeit
verfahren
gemäss Art. 21 Abs. 4 ATSG
spätestens mit Schreiben vom
11.
De
zember 2018 (
Urk.
6/92) auf die Folgen einer kontraproduktiven Therapie bei der bisherigen Therapeutin hin
gewiesen werden müssen. Die anzudrohende Folge wäre gewesen, dass sein (bereits angemeldetes) Leistungsgesuch unter der An
nahme geprüft würde, wie wenn er die anempfohlenen Therapien (Therapie
wechsel einschliesslich Thera
peutenwechsel und Entzugsbehandlung)
während mindestens sechs Monaten
durchgeführt hätte. Na
chdem weder im Schreiben vom 6.
Dezember noch in d
em
jenigen vom 1
1.
Dezember 2018 noch in demjenigen vom 2
4.
Juli 2019
darauf hingewiesen wurde, dass entsprechend der
durch adäquate Therapie
zu erwarten
de
n
Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit
ein Entzug allfälliger Leistungen
drohe, kann dem Beschwerdeführer
auch nach Ablauf der notwendigen Therapie
dauer
gestützt auf Art. 21 Abs. 4 ATSG nicht ent
gegengehalten werden, er habe keine fachspezialärztliche Behand
lung in An
spruch genommen resp. nicht sämt
liche scha
den
mindernde Vorkehren ausge
schöpft
.
Mangels eines ordnungsge
mäss durchgeführten Mahn- und
Bedenkzeit
verfahrens
ist das Abstellen auf eine Arbeitsfähigkeit von
100
%
daher auch nicht nach sechs bzw. zwölf Monaten
zulässig, weshalb es bei der vom psychiatrischen Gutachter attes
tierten 60%igen Arbeitsunfähigkeit bis zum Zeitpunkt der Begut
achtung und 40%igen Arbeitsun
fähigkeit ab Begutachtung für
die
Tätigkeiten auf dem ersten Arbeits
markt zu bleiben hat (E.
3.3
).
Die Auferlegung einer Schaden
min
derungspflicht
ist
vorlie
gend indessen angezeigt.
6.
6.1
Im Zeitpunkt des
frühest
möglichen Rentenbeginns (Juni 2016) war der Be
schwerdeführer gemäss gutachterlicher Einschätzung in seiner angestammten Tätigkeit 40 % arbeitsfähig. Zu prüfen bleiben die er
werblichen Auswirkungen.
6.2
Bei der Invaliditätsbemessung kommt der allgemeinen Methode des Einkom
mensvergleichs gemäss
Art.
28a
Abs.
1 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG grundsätzlich Vorrang zu. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffern
mässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie indes nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annähe
rungswerte miteinander zu vergleichen. Wird eine Schätzung vorgenommen, so muss diese nicht unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annähe
rungswerten bestehen. Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser Pro
zentzahlen genügen. Das ohne eine Invalidität erzielbare hypothetische Erwerbs
einkommen ist alsdann mit 100 % zu bewerten, während das Invalideneinkom
men auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt (sog. Prozentvergleich; Urteil des Bundesgerichts 8C_131/2011 vom 5. Juli 2011 E. 10.2.1 mit Hinweis auf BGE 114 V 310 E. 3a).
Der Invaliditätsgrad ist namentlich dann durch Prozentvergleich zu ermitteln, wenn Validen- und Invalideneinkommen sich nicht hinreichend genau oder nur mit unverhältnismässig grossem Aufwand bestimmen lassen und in letzterem Fall zudem angenommen werden kann, die Gegenüberstellung der nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände geschätzten, mit Prozentzahlen bewerteten hypothetischen Einkommen ergebe ein ausreichend zuverlässiges Resultat. Diese Berechnungsweise ist insbesondere anwendbar, wenn die konkreten Verhältnisse
so liegen, dass die Differenz zwischen Validen- und Invalideneinkommen die für den Umfang des Rentenanspruchs massgebenden Grenzwerte von 70, 60, 50 und 40 % (Art. 28 Abs. 2 IVG) eindeutig über- oder unterschreitet (Urteil des Bundes
gerichts 9C_492/2018 vom 24. Januar 2019 E. 4.3.2 mit Hinweis auf Urteil 8C_333/2013 vom 11. Dezember 2013 E. 5.3 mit Hinweisen).
Sind indessen Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom gleichen Tabellenlohn zu berechnen, erübrigt sich deren genaue Ermittlung.
Diesfalls
ent
spricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berück
sichti
gung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn. Dies stellt keinen «Pro
zent
ver
gleich» dar, sondern eine rein rechnerische Vereinfachung (Urteil des Bundesge
richts 8C_148/2017 vom 19. Juni 2017 E. 4 unter Hinweis auf Urteil 9C_675/2016 vom 18. April 2017 E. 3.2.1
; vgl. jedoch Urteil 8C_296/2020 vom 2
5.
November 2020 E. 6.1
).
6.
3
Die Gutachter attestierten dem Beschwerdeführer von Juni 2015 bis Anfang Oktober 2018 eine 40%ige Arbeitsfähigkeit in seinem angestammten Beruf als Entwicklungsingenieur
, seit Oktober
2018
sei ihm ein 60%-Pensum zumutbar
(vgl. Urk. 6/77/
28
). Bei einer zumutbaren Arbeitsfähigkeit von 40 % in der ange
stammten Tätigkeit als
Entwicklungsingenieur
kann im Rahmen der Bemessung des Invaliditätsgrades ein
vereinfachter Erwerbs
vergleich vorgenommen werden (vgl. E.
6.2
). Das ohne Invalidität erzielbare hypothetische Erwerbseinkommen ist dabei grundsätzlich mit 100 % zu bewerten, während das Invalideneinkommen auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz zu veran
schla
gen ist, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt
.
Da die gutachterliche Ein
schätzung sämtliche Einschränkungen
bei zumutbarer vollzeitlicher Präsenz
berücksichtigt, bleibt kein Raum mehr für einen sogenannten Leidensabzug
.
Hie
raus folgt nach Ablauf des Wartejahres ein rentenbegründender Inva
li
di
täts
grad von 60
%
, im Zeitpunkt der Begutachtung, das heisst im September 2018 ein solcher von 40
%
.
6.4
Der Be
schwer
deführer hätte entsprechen
d
ab
1.
Juni 2016 An
spruch auf eine
Drei
viertels
rente
gehabt.
Rentenleistungen
sind jedoch
erst dann auszurichten, wenn keine zumut
baren Ein
glie
derungs
massnahmen mehr in Betracht fallen. Der in der Invaliden
ver
siche
rung geltende Grundsatz «Ein
glie
de
rung vor Rente» be
wirkt, dass die Rente hinter einer Eingliederungs
mass
nahme bzw. dem damit ver
bundenen Tag
geld zurücktritt (so
Art.
28
Abs.
1
lit
. a IVG). Ein Rentenanspruch kann erst nach Beendigung der Eingliederungs
massnahmen entstehen, und zwar selbst dann, wenn diese nur einen Teilerfolg brachten oder scheiterten. Vor die
sem Zeitpunkt ist eine Invali
den
rente, gegeben
en
falls auch
rückwirkend, nur
zuzusprechen, wenn die ver
sicherte Person nicht oder noch nich
t eingliederungs
fähig ist (Urteil des Bundes
gerichts 9C_689/2019 vom 20.
De
zem
ber 2019 E. 3.1 mit Hinweisen
; vgl.
auch Meyer/
Reichmuth
Recht
sprechung des Bundesge
richts zum IVG, 3. Aufl. 2014, Art. 28 IVG
Rz
.
7
).
Es steht fest,
dass
der Beschwerdeführer
ab
Juli 2017
bis Ende
Juni
201
8
Mass
nahmen beruflicher Art
im Sinne von
Art. 15ff.
IVG in Anspruch nah
m, wofür ihm
Taggelder aus
ge
richtet wur
den
, letztmals am
3
0.
Juni
2018
(vgl. Urk.
6/47, Urk.
6/57
). Der Beschwerdeführer war entsprechend nach Ablauf der einjährigen Wartezeit im Juni 2016 60 %
erwerbs
unfähig (Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG) und
bis Juli
2017
noch nicht eingliederungsfähig
bzw. es wurden ihm keine Eingliede
rungs
massnahmen bzw. Taggelder gesprochen
, weshalb ihm ab Juni 2016 eine
Dreiviertelsrente
der Invalidenversicherung zusteht. Dabei spielt es keine Rolle, dass in Zukunft Ein
gliede
rungs
massnahmen beab
sich
tigt waren (vgl. Meyer/
Reich
muth
,
a.a.O.
,
Art. 29
R
z
. 14 mit Hinweisen).
Der Taggeldanspruch
des
Beschwerde
führer
s
während der Zeit vom
1. Juli
2017 bis 3
0. Juni
2018 führt zwar zu einer Unterbrechung des Rentenanspruchs
(siehe E. 6.
5
unten)
, nicht jedoch zu einer Aufschiebung des Rentenbeginns (vgl. Meyer/
Reichmuth
, a.a.O.,
Art.
29
Rz
. 11f.).
6.
5
Das Taggeld wird grundsätzlich zusätzlich zur Rente ausgerichtet, dieses wird jedoch während der Dauer des Doppelanspruchs bei der Durchführung von
Ab
klärungs
- oder Eingliederungsmassnahmen um einen Dreissigstel des Renten
be
trags gekürzt (
Art.
47
Abs.
1
ter
IVG). Während einer Eingliederungsmass
nahme, die zu einer länger als drei Monate dauernden Taggeldberechtigung führt, wird die Rentenzahlung unterbrochen. Nach Wegfall des Taggeldanspruchs lebt die Rent
e wieder auf,
wobei der
Rentenanspruch für die Zukunft unter dem Gesichts
punkt der Revision zu erfolgen
hat
(AHI 1998 179 E. 2–3).
Die Dauer des
Taggeldbezugs
(
1.
Juli 2017 bis
1.
Juli 2018;
Urk.
6/47,
Urk.
6/52)
erstreckte sich über eine längere Zeit als drei Mo
na
te, was eine Sistierung des Rentenanspruchs zur Folge hat. Der Renten
an
spruch des Beschwerdeführers
ruhte vom
1. Oktober 2017
(Ende des dritten vollen Kalen
der
monats, der dem Beginn der Massnahme folgte;
Art.
47
Abs.
1
bis
lit
. b IVG) und lebte
grundsätzlich
am
1. Juni
2018 (Monat, in dem der Ta
ggeldanspruch endete; vgl. Art.
47
Abs.
2 IVG) wieder auf.
6.6
Seit dem Zeitpunkt der Begutachtung ist von einer Verbesserung der Arbeits
fä
higkeit und Erwerbsunfähigkeit von nunmehr bloss 40
%
auszugehen, weshalb unter Beachtung der revisionsrechtlichen Bestimmungen (Art 88a Abs.
1
der Ver
ordnung über
die Invalidenversicherung [IVV]
) der Rentenanspruch per
1.
Januar
20
19 auf eine
Viertelsrente
herabzusetzen ist. Angesichts dessen, dass der Be
schwer
de
führer im Januar 2020 eine Vollzeitstelle in seinem angestammten Beruf zu einem Jahreseinkommen von anfänglich
Fr.
93'600.-- antreten konnte (vgl.
Urk.
3), ist davon auszugehen, dass zu diesem Zeitpunkt erneut ein Revisions
grund eingetreten ist, was zur Aufhebung des Rentenanspruchs per 3
1.
März 2020
führen würde.
Für die Beurteilung der Gesetzmässigkeit der angefochtenen Ver
fügung oder des
Einspracheentscheids
ist für das Sozialversicherungsgericht
indes
in der Regel der Sachverhalt massgebend, der zur Zeit des Erlasses des an
gefochtenen Verwaltungsaktes gegeben war. Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwal
tungs
verfügung bilden (BGE 130 V 138 E. 2.1 mit Hinweis).
Da die angefochtene Verfügung vom
4.
Februar 2020 datiert und die Parteien zur nach Erlass der an
gefochtenen Verfügung sich auswirkenden Verbesserung der Erwerbsfähigkeit nicht abschliessend Stellung bezogen, ist die Sache diesbezüglich an die Be
schwer
de
gegnerin zurückzuweisen, damit sie - nach Abklärung des medizinisch
en und erwerblichen Verlaufs - über den Rentenanspruch nach dem
1.
März 2020 entscheide.
7.
7.1
Nach diesen Erwägungen ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, als die angefochtene Verfügung vom
4.
Februar 2020 aufzuheben und festzustellen ist, dass der Beschwerdeführer ab
1.
Ju
l
i 2016 bis 3
1.
Dezember 2018, unter Beach
tung der Anspruchskonkurrenz mit dem ab Juli 2018 ausgerichteten Taggeld der Invalidenversicherung,
Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und ab 1.
Januar 2019 Anspruch auf eine
Viertelsrente
der Invalidenversicherung hat. Hinsichtlich des Rentenanspruchs ab
1.
März 2020 ist die Sache
zur weiteren Abklärung und Entscheid
im Sinne der Erwägung 6.6 an die Beschwerdegegnerin zurück
zu
wei
sen.
7.2
Diesem Ausgang entsprechend
hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Par
teientschädigung (
Art.
61
lit
. g ATSG), die unter Beachtung des notwendigen Auf
wandes, der Bedeutung der Streitsache sowie unter Berücksichtigung der Schwie
rigkeit des Prozesses ermessensweise auf
Fr.
1'600.-- (inkl. Barauslagen u
nd Mehrwertsteuer) festzusetzen
ist.
7.3
Abweichend von
Art.
61
lit
. a ATSG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitig
kei
ten um die Verweigerung vo
n IV-Leistungen kostenpflichtig. D
ie Kosten
sind
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.--
festzulegen
(
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG), vorliegend auf Fr.
800.
—
festzusetzen
und der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.