# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 33d52b2c-f6a7-40bc-bce3-a79e79f7a1ef
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1966,
beantragte
aufgrund von Beschwerden im Zusammenhang mit zwei Bandscheibenvorfällen im Nackenbereich am 17. Juli 2015 bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle
,
die
Kostenübernahme für ein Stehpult
und für
einen Bürostuhl (Urk. 7/16-17).
Mit Mitteilungen vom 24. August 2015 gewährte die IV-Stelle die entsprechenden Kosten und schloss die Arbeitsplatzerhaltung ab (Urk. 7/24-25).
1.2
Unter Hinweis auf
ein Burnout und eine Depression
meldete sich die Versicherte am
12. August 2019
zum Leistungsbezug
bei der IV-Stelle
an (Urk.
7/30
). Die
IV-Stelle
klärte die medizinisc
he und erwerbliche Situation ab und
zog
die
Akten der
Krankentaggeldversicherung bei (Urk. 7/39
)
. Am 18. Dezember 2019 wurde das im Auftrag der Pensionskasse eingeholte psychiatrische Gutachten erstattet (Urk. 7/61).
Am 16. Mai 2020 teilte die Versicherte der IV-Stelle mit, sie habe per 1. Juni 2020 eine Anstellung in einem 50 %-Pensum gefunden (Urk. 7/73).
Daraufhin schloss die IV-Stelle die Eingliederungsmassnahmen mit Mitteilung vom 19. Mai 2020 ab (Urk. 7/74
).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
7/82; Urk. 7/84
, Urk. 7/86 sowie Urk. 7/89
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
10. Dezember 2020
einen Rentenanspruch bei einem Invaliditätsgrad von 30 %
(Urk.
7/95
= Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am
21. Januar 2021
Beschwerde gegen die Verfügung vom
10. Dezember 2020
(Urk.
2) und beantragte, diese
sei aufzuheben und es sei die Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen
. Eventuell sei ihr eine Rente gestützt auf einen Invaliditätsgrad von mindestens 40 % zuzusprechen
(Urk.
1 S.
2)
.
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
22. Februar 2021
(Urk.
6
) die Abweisung
der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am 9. März 2021 zur Kenntnis gebracht (Urk. 8
).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische Th
ese abstellen (BGE 125 V 351 E.
3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134
V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus,
die Beschwerdeführerin sei seit 1. April 2019 in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Per Ablauf des Wartejahres (April 2020) sei sie bereits wieder zu 50 % arbeitsfähig gewesen. Ohne gesundheitliche Einschränkung wäre sie weiterhin in ihrer bisherigen Tätigkeit als kaufmännische Angestellte in einem 70 %-Pensum tätig (S. 1).
Ab 1. Juni 2020 sei sie in einem 30 %-Pensum und ab 1. Juli 2020 in einem 50 %-Pensum arbeitstätig gewesen. Bei einer Aufteilung von 70 % Erwerbs- und 30 % Haushaltstätigkeit - wobei auf eine Haushalts
abklärung mangels nachvollziehbaren namhaften Einschränkungen verzichtet werden könne - ergebe sich ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 30 % (S. 2).
In der Beschwerdeantwort
(Urk. 6)
führte die Beschwerdegegnerin
insbesondere
aus, weitere Abklärungen bezüglich
des
somatischen Gesundheitszustand
es
würden sich erübrigen, da die Beschwerdeführerin tatsächlich eine 50%ige Arbeitstätigkeit ausübe und dort keine höhere Beeinträchtigung ausgewiesen sei (Ziff. 3).
Der
seit 1. Juli 2020 erzielte Lohn
sei als Invalideneinkommen heranzu
ziehen. Es sei insbesondere davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin nach Beendigung ihres befristeten Arbeitsverhältnisses weiterhin ein ähnliches Einkommen erzielen könne (Ziff. 4).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt (Urk. 1)
, das psychiatrische Gutachten
respektive die medizinischen Abklärungen würden sich als unvollständig erweisen, da die somatischen Diagnosen nur ungenügend berücksichtigt worden seien (Ziff. 12).
Zudem sei die Begründung des Gutachters zur Arbeitsfähigkeit widersprüchlich (Ziff. 13 f.). Sodann sei bisher keine Haushaltsabklärung durchgeführt worden, was nachzuholen sei (Ziff. 17 f.).
Die aktuelle Anstellung der Beschwerdeführerin sei eine befristete, weshalb noch
nicht klar sei, ob diese einer angepassten Tätigkeit entspreche
. Es könne nicht von einem besonders stabilen Arbeitsverhältnis ausgegangen werden, weshalb die statistischen Tabellenlöhne heranzuziehen seien (
Ziff.
20 f.
)
.
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den medizinischen Sach
verhalt genügend abgeklärt und gestützt darauf den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin zu Recht verneint hat.
3.
3.1
Aus den medizinischen Akten des Krankentaggeldversicherers (Urk. 7/39) geht hervor, dass die Beschwerdeführerin
per
1. April 2019
zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben wurde (vgl. Urk. 7/39/5-15).
3.2
Bei reduziertem psychophysische
m
Allgemeinzustand und insbesondere depressiv gefärbtem Erschöpfungserleben trat die Beschwerdeführerin
am
24. Juni 2019 in die
Rehaklinik Y._
ein
, wo sie bis zum 1. September 2019 hospitalisiert war
(
Austrittsbericht
vom 10. Oktober 2019, Urk. 7/49/2-9).
Im Rahmen einer somatischen Befun
d
erhebung wurde
ein regelrechter internis
tischer Befund festgehalten. Das
Sémont
-Manöver nach rechts sei positiv ausge
fallen (habe Schwindel, Übelkeit und Nystagmus a
usgelöst). Sonst
sei kein fokal-
neurologisches Defizit auszumachen gewesen (S. 8 Mitte). Im Rahmen der Physi
otherapie wurde
n
eine Problematik der Halswirbelsäule (HWS) mit Diskushernie unklarer Lokalisation, eine Spannungsproblematik Schultergürtel/HWS mit Auslösung von Kopfschmerzen (VAS 6), Schwindel bei Lage
wechsel/Bewegungsübergängen und teilweise schmerzhafte Rotations
bewegungen der HWS als Eintrittsbefund festgehalten. Es habe sich im Verlauf der Hospitalisierung ein deutlicher Zusammenhang zwischen stressgeprägten, belastenden Situationen und Gedanken zu den Verspannungen im HWS- und Schultergürtelbereich gezeigt.
Durch die Therapie
habe eine deutliche
Verbesser
ung
erreicht werden können. Insgesamt sei die Fortführung einer physiothera
peutischen Behandlung nicht unbedingt notwendig (S. 5).
Aus psychiatrischer Sicht wurde eine rezidivierende depressive Störung, gegen
wärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
,
bei psychophysi
schem Erschöp
fungszustand (ICD-10 Z73.0) diagnostiziert (S. 1).
Für die Zeit des stationären Aufenthaltes und weiter bis zum 30. September 2019 wurde der Beschwerdeführerin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (S. 3).
3.3
Dipl. med.
Z._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte in seinem Bericht vom 1. Oktober 2019 (Urk. 7
/46) ebenfalls die von der
Rehaklinik Y._
gestellten Diagnosen auf
(Ziff. 2.5) und attestierte der Beschwerdeführerin vom 1. April 2019 bis aktuell eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 1.3).
Er gab an, die Beschwerdeführerin sei eventuell i
n einer leidensangepassten Tätigkeit zwischen einer bis drei Stunden pro Tag arbeitsfähig (Ziff. 4.2).
3.4
Im Auftrag der Pensionskasse erstellte
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, am 18. Dezember 2019 ein
Gutachten
(Urk. 9/61).
Im Rahmen der Begutachtung habe die Beschwerdeführerin ein leichtgradiges bis allenfalls noch mittelgradiges depressives Zustandsbild gezeigt. Diagnostisch
handle es sich
bei ihr
um
eine
B
ipolar-II-Störung mit rezidivierenden depressiven und hypomanischen Phasen. Aktuell liege eine leicht- bis mittelgradige depres
sive Episode vor (ICD-10 F31.8). In Anbetracht des häufigen Wechsels der Phasen
sei
eventuell eine Rapid
Cycling
-Störung vor
handen
(definiert als mindestens vier affektive Episoden im Jahr; S. 22 f. Ziff. 7.1).
Die Angaben der Beschwerdeführerin seien
sowohl
in sich wie auch mit der Aktenlage und den Fremdauskünften
konsistent
gewesen (S. 23 Ziff. 7.2).
In Anbetracht des chronischen und therapeutisch nur schwer beeinflussbaren Verlaufs sei die Prognose in Bezug auf eine grundlegende Besserung respektive Stabilisierung eher ungünstig. Allerdings habe die Beschwerdeführerin bisher
keine konsequente phasenstabilisierende medikamentöse Behandlung in Anspruch genommen.
Jedoch
sei dabei zu beachten, dass die Datenlage für
B
ipolar-II-Störungen bezüglich medikamentöser Behandlung wesentlich schlech
ter sei als bei der
B
ipolar-I-Störung. Hinzu kämen traumatisierende Erlebnisse in der Kindheit und Jugend (wenn auch ohne
Traumafolgestörung
), was per se als prognostisch negativer Faktor beurteilt werden müsse. Zudem liege vermutlich affektiv ein Rapid
Cycling
vor, welche die Behandlung und Prognose zusätzlich erschwere.
Die Beschwerdeführerin besitze aber auch hohe Ressourcen, eine gute Compliance und hohe Motivation weiter zu arbeiten. Somit sei unter Einsatz einer geeigneten medikamentösen phasenprophylaktischen Behandlung die Wahr
scheinlichkeit einer zumindest teilweisen psychischen Stabilisierung mit Verbes
serung der Arbeitsfähigkeit hoch (S. 23 f. Ziff. 7.3).
Zur Arbeits
fähigkeit führte der Gutachter F
olgendes aus: Die angestammte Tätig
keit als Sachbearbeiterin beinhalte ein sehr breites Einsatzspektrum und sei ideal für eine Eingliederung. Unter geeigneten medizinischen Massnahmen sei mit einer Stabilisierung zu rechnen, so dass in zirka einem halben Jahr eine dauer
hafte Teilarbeitsfähigkeit von 50 % (bezogen auf ein Vollpensum) zu erwarten sei. Die Minderung der Arbeitsfähigkeit bestehe vor allem aufgrund zu erwar
tender erhöhter Fehlzeiten und zusätzlich verminderter Leistungsfähigkeit in depressiven Zuständen. Eine Teilarbeitsfähigkeit werde dann möglich, wenn jeweils für Krankheitsphasen eine Vertretung zur Verfügung stehe und der Einsatz eine gewisse Flexibilität zulasse. Ideal wäre eine Jahresarbeitszeit mit flexiblem Einsatz je nach Zustand
(S. 26 Ziff. 7.5)
.
Dasselbe gelte für eine angepasste Tätigkeit, wobei im Zentrum eine Eingliederung in ihrer angestammten Tätigkeit anzustreben sei, da Umschulungsmassnahmen oder berufliche Neuausrichtungen lediglich Unruhe und zusätzliche Belastungen mit sich bringen würden (Ziff. 7.6).
3.5
Im Februar 2020 nahm die Beschwerdeführerin eine psychiatrische Behandlung in der
Klinik B._
AG auf. Im Bericht vom 28. Oktober 2020 (Urk. 7/91/2-5) bestätigte
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, die von
Dr.
A._
gestellte Diagnose wie auch die zumutbare
Arbeitstätigkeit
von maxi
mal 50 % (Ziff. 2.5,
Ziff.
4.1-4.4). Im Rahmen der Grunderkrankung (bipolare Störung) und vor allem während depressive
r
Episoden komme es zu Funktions
einschränkungen wie reduzierte
r
Belastbarkeit, Überforderung im Alltag, rasche
r
Ermüdbarkeit und reduzierte
r
Stresstoleranz bei der Ausübung der beruflichen Tätigkeit (Ziff. 3.4).
4.
Gestützt auf die medizinische Aktenlage ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin nach Ablauf des Wartejahres per 1. April 2020 von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen wie auch einer angepassten Tätig
keit ausging: Die durch den Gutachter
in seiner
sehr
differenzierten Expertise
gestellte Diagnose sowie
seine
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
(vgl. E. 3.4)
wurde vom behandelnden Facharzt der
Klinik B._
AG bestätigt
(vgl. E. 3.5)
. Gegenteilige fachärztliche Berichte liegen nicht vor.
Eine weitere Abklärung des somatischen Gesundheitszustandes erübrigt sich vorliegend aus zwei Grü
nden: Einerseits wurde i
m Rahmen des stati
onären Aufenthaltes in der
Rehaklinik Y._
auch zum somatischen Gesundheits
zustand Stellung genommen und bei regelrechtem internistische
m
Befund, fest
gehaltenem Lagerungsschwindel ohne fokal-neurologischem Defizit
sowie
Rückenbeschwerden, welche nicht weiter behandlungsbedürftig waren nach Austritt, keine Arbeitsunfähigkeit aus somatischer Sicht attestiert (vgl. E. 3.2).
Andererseits
erbrachte die Beschwerdeführerin den Tatbeweis
,
dass sie trotz ihre
r
- insbesondere psychische
n
- Gesundheitsbeschwerden in einem 50 %-Pensum arbeitstätig sein konnte, indem sie ab 1. Juni 2020 zu 30 % und danach ab 1. Juli 2020 zu 50 % bei der Gemeinde
D._
tätig war (Urk. 7/76)
. Es ist
weder
rechtsgenüglich
dargetan noch aufgrund des Gesagten
üb
erwiegend wahrschein
lich, dass d
ie
Beschwerdeführerin
aus somatischen Gründen
zusätzli
ch zur ausgewiesenen Arbeitsunfähigkeit von 50 %
eingeschränkt ist.
Die Kritik der Beschwerdeführerin, die Begründung der Arbeitsfähigkeit von 50 % durch den Gutachter sei widersprüchlich (vgl. E. 2.2), verfängt nicht. Der Gutach
ter
stellte klar
, dass
bei der Beschwerdeführerin bisher keine konsequente phasenstabilisierende medikamentöse Behandlung angefangen wurde, jedoch auch eine solche aus verschiedenen Gründen k
eine Prognose bezüglich allfälliger Verbesserung der Arbeitsfähigkeit
zulasse. Zwar sei zumindest eine teilweise Stabilisierung bei Einsatz einer geeigneten medikamentösen Behandlung wahr
scheinlich, die Prognose für eine grundsätzliche Besserung sei bei nur schwer beeinflussbarem Verlauf jedoch eher ungünstig. Ein Widerspruch ist darin nicht zu erkennen.
Zusammenfassend ist
- bei übereinstimmenden fachpsychiatrischen Einschät
zungen ab April 2020 -
somit aus psychiatrischer Sicht eine 50%ige Arbeitsun
fähigkeit
in sämtlichen Tätigkeiten
überwiegend wahrscheinlich ausgewiesen.
5.
5.1
Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen dieser 50%igen Arbeitsun
fähigkeit.
5.2
Die Beschwerdegegnerin ging von einer Aufteilung von 70 % Erwerbstätigkeit und 30 % Aufgabenbereich (Haushalt) aus und errechnete
einen Invaliditätsgrad von 30 %. Eine Haushaltsabklärung oder genauere Abklärung der Statusfrage nahm die Beschwerdegegnerin nicht vor
(vgl. E. 2.1).
Vorliegend ist eine
Aufteilung in Erwerbs- und Haushaltstätigkeit
aber
nicht nachvollziehbar. Die Beschwerdeführerin war bis zur Krankschreibung ab April 2019 in einem 70 %-Pensum als Sachbearbeiterin bei
der
Gemeinde
verwaltung
E._
angestellt
(Verlaufsprotokoll Eingliederungsberatung vom 5. November 2019, Urk. 7/57/2 oben)
, wobei si
e
vom 9. Mai 2018 bis 7. November 2018
zusätzlich
noch
in einem 20 %-Pensum
als Springerin in der Sachbearbeitung einer anderen Gemeinde tätig war
, woraus insgesamt ein Arbeitspensum von 90 % resultiert
(vgl. Urk. 7/55/1; Urk. 7/54/1).
Im Teilzeitpensum war sie tätig, weil sie zirka im Jahr 2009 eine Ausbildung als Lebensberaterin absolviert hatte und sich in diesem Bereich eine
selbständigerwerbende
Tätigkeit aufbauen wollte mit dem Ziel
, künftig nur in dies
em Bereich erwerbstätig
zu sein
.
Da der Aufbau einer solchen Tätigkeit
nach ihren Angaben
jedoch finanziell schwierig sei, müsse sie daneben in einem Anstellungsverhältnis arbeiten können. Bisher habe sie nie mehr als Fr. 2'000.-- pro Jahr verdient im Bereich Lebensberatung (Urk. 7/57/6 oben). Im November 2019 sei die Beschwerdeführerin zusammen mit einem Bekannten dabei gewesen, das Interesse an Seminaren und Workshops für gewaltfreie Kommunikation abzuklären mit dem Ziel, im Frühjahr/Sommer 2020 damit beginnen zu können. Gleichzeitig begann die Beschwerdeführerin jedoch auch, sich auf ausgeschriebene Stellen zu bewerben, wobei sie
im Rahmen der Eingliederungsberatung angegeben hatt
e
,
auch eine «hochprozentige» Anstellung
einzugehen
, sofern sie eine
passende Stelle fände
und
sich bis dahin noch keine Zusage für die Seminare/Workshops im
selbständigerwerbenden
B
ereich ergeben hätte
(Urk. 7/57/6 unten).
Die Beschwerdeführerin war sich der Schwierigkeit des Aufbaus einer selbstän
digen Erwerbstätigkeit insbesondere auch hinsichtlich Generieren
s
ausreichender Einkünfte
durchaus
bewusst, weshalb sie
daneben eine Anstellung in einem Teilerwerbspensum von bi
s zu 70 % suchte (vgl. auch
Angaben
bei der Arbeits
losenkasse, Urk. 7/69
). Jedoch kann nicht davon ausgegangen werden, dass sie
im Gesundheitsfall
ganz
auf eine
- verglichen mit einer Anstellung -
weniger lukrative
selbständige Erwerbstätigkeit
gesetzt hätte
.
Niedrige Einkünfte
hätte sie
höchstens
in der Anfangs- und Aufbauphase in Kauf genommen (vgl. Verlaufsprotokoll Eingliederungsberatung vom 5. November 2019, Urk. 7/57/2).
5.3
Es ist
somit
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin
im Gesundheitsfall
vom zeitlichen Umfang her im Rahmen einer Vollerw
erbstätigkeit gearbeitete
hätte,
-
möglicherweise
aufgeteilt auf eine unselbständige wie auch eine selbständige Erwerbstätigkeit.
Auch aufgrund der
Lebenssituation der Beschwerdeführerin
(54-jährige geschiedene Frau mit zwei erwachsenen Kindern)
ist i
m Hinblick auf die allgemeine Lebenserfahrung
in einer solchen Konstellation
der Lebensumstände
von einer Vollerwerbstätigkeit auszu
gehen.
Die Statusfrage stellt sich daher nicht.
5.4
Da ihr eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht attestiert wurde, welche
für sämtliche
Tätigkeiten
(bisherige wie angepasste)
gilt
, ist von einer 50%igen Einschränkung in Bezug auf eine Vollerwerbstätigkeit auszugehen
. Die Beschwerdeführerin teilte am 16. Mai 2020 auch explizit mit, sie habe per Juni 2020 eine Anstellun
g in einem 50 %-Pensum gefunden und
orientierte die Beschwerdegegnerin gleichzeitig darüber, dass sie ihre Teilselbständigkeit somit nicht weiterverfolgen könne (Urk. 7/73).
5.5
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothe
tischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invali
ditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
Das von der Beschwerdegegnerin herangezogene Invalideneinkommen basierte auf einem lediglich befristet vom 1. Juni 2020 bis 31. Mai 2021 dauernden Arbeitsverhältnis (vgl. Urk. 7/76),
welches
somit keinesfalls stabil
war
und daher
nicht zur
Berechnung des Invaliditätsgrades
beigezogen
werden
kann
.
Jedoch kann b
ei der vorliegenden Ausgangslage,
wo Validen- und Invaliden
einkommen anhand derselben Tätigkeit zu ermitteln sind
, auch eine Gegenüber
stellung blosser Prozentzahlen genügen. Das ohne Invalidität erzielbare hypothe
tische Erwerbseinkommen ist alsdann mit 100 % zu bewerten, während das Invalideneinkommen auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt (soge
nannter Prozentvergleich; BGE 114 V 310 E. 3a mit Hinweisen). Aus dem rechnerischen Prozentvergleich resultiert somit ein Invaliditätsgrad von 50 %.
6.
Zusammenfassend ist gestützt auf die Aktenlage ab 1. April 2020 ein Invalidi
tätsgrad von 50 % und damit ein Anspruch auf eine halbe Invalidenrente ausge
wiesen. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen und die angefochtene Verfügung entsprechend aufzuheben.
7.
7.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie
der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
7.2
Nach
§
34
Abs.
1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
In Anwendung dieser Kriterien ist die Parteient
schädigung vorliegend auf Fr. 2'300.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.