# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** ef7d0b4e-2ddf-4885-a4ec-527f03e8b681
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend sexuelle Handlungen mit einem Kind und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Winterthur, Einzelgericht, vom 18. Juni 2021 (GG210003)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 21. Januar
2021 (Urk. 11) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 36 S. 48 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig der sexuellen Handlungen mit einem Kind im
Sinne von Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 10 Monaten Freiheitsstrafe.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre
festgesetzt.
4. Die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland vom 7. August
2018 für eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 60.– sowie die mit Strafbefehl
der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland vom 28. November 2018 für eine
Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 80.– je ausgesprochene bedingte Strafe wird
widerrufen.
5. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a Abs. 1 lit. h StGB für 6 Jahre des Lan-
des verwiesen.
6. Von der Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem
wird abgesehen.
7. Dem Beschuldigten wird ein lebenslängliches Tätigkeitsverbot im Sinne von Art. 67
Abs. 3 lit. b StGB erteilt, das jede berufliche und jede organisierte ausserberufliche
Tätigkeit umfasst, die einen regelmässigen Kontakt zu Minderjährigen mit sich
bringt.
8. Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom
18. Januar 2021 beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich, Asservaten-
Triage, aufbewahrten Gegenstände werden nach Eintritt der Rechtskraft dieses
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Urteils freigegeben und der Geschädigten, B._, geb. tt.mm.2007, auf erstes
Verlangen herausgegeben:
− Sportshirt (A013'954'137); − Sporthose (A013'954'126).
Der Geschädigten wird eine Frist von 30 Tagen ab Eintritt der Rechtskraft dieses
Urteils angesetzt, um die herauszugebenden Gegenstände selbst (oder durch eine
bevollmächtigte bzw. zur Vertretung berechtigte Person [bspw. Inhaber der elter-
lichen Sorge]) unter Vorlage dieses Urteils und eines amtlichen Ausweises, nach
telefonischer Voranmeldung, bei der vorgenannten Lagerbehörde abzuholen.
Werden die herauszugebenden Gegenstände nicht innert Frist abgeholt, werden
sie vernichtet. Die Lagerbehörde wird angewiesen, diese Anordnung innert
30 Tagen zu vollziehen und zu dokumentieren.
9. Von der Abnahme einer DNA-Probe und der Erstellung eines DNA-Profils im Sinne
von Art. 5 des DNA-Profil-Gesetzes wird abgesehen.
10. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 1'800.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'000.00 Gebühr für das Vorverfahren;
Fr. 15'140.45 Kosten amtliche Verteidigung (inkl. Auslagen und MwSt.);
Fr. 18'940.45 Total.
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
Wird auf eine Begründung dieses Entscheids verzichtet, ermässigt sich die
Entscheidgebühr auf 2/3.
11. Die Kosten des Vorverfahrens (Gebühr Vorverfahren) und des gerichtlichen  inklusive diejenigen der amtlichen Verteidigung werden dem Beschuldigten
auferlegt, diejenigen der amtlichen Verteidigung indessen einstweilen auf die
Gerichtskasse genommen. Eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt
vorbehalten.
12. (Mitteilungen)
13. (Rechtsmittel)"
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 51)
1. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der sexuellen Handlungen mit einem Kind
im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB von Schuld und Strafe freizu-
sprechen.
2. Auf den Widerruf des mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/
Unterland vom 7. August 2018 für eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je
CHF 60.-- unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren gewährten beding-
ten Strafvollzugs sowie Widerruf des mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
Winterthur/Unterland vom 28. November 2018 für eine Geldstrafe von
30 Tagessätzen zu je CHF 80.-- unter Ansetzung einer Probezeit von
2 Jahren gewährten bedingten Strafvollzugs sei zu vernichten.
3. Gegen den Beschuldigten sei kein Tätigkeitsverbot im Sinne von Art. 67
Abs. 3 lit. b StGB anzuordnen.
4. Gegen den Beschuldigten sei keine Landesverweisung anzuordnen.
5. Die Kosten des gesamten Verfahrens seien vollumfänglich auf die Staats-
kasse zu nehmen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung (einschliesslich
MWST) seien vollumfänglich auf die Staatskasse zu nehmen, ohne Vorbe-
halt der Rückzahlungsverpflichtung (Art. 135 Abs. 4 StPO).
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 43)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
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## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Verfahrensgang
Am 21. Januar 2021 erhob die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich (nach-
folgend: Staatsanwaltschaft) beim Bezirksgericht Winterthur Anklage (Urk. 11).
Am 18. Juni 2021 fällte die Vorinstanz das eingangs aufgeführte Urteil (Urk. 36 S.
48 ff.).
Zum Verfahrensgang bis zum erstinstanzlichen Urteil kann zwecks Vermeidung
von unnötigen Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz
verwiesen werden (Urk. 36 S. 4).
Am 21. Juni 2021 und damit innert der gesetzlichen Frist liess der Beschuldigte
Berufung anmelden (Art. 399 Abs. 1 StPO; Urk. 31). Das begründete Urteil wurde
dem amtlichen Verteidiger am 26. August 2021 zugestellt (Urk. 34). Mit Eingabe
vom 3. September 2021 reichte dieser innert der zwanzigtägigen Frist von
Art. 399 Abs. 3 StPO die Berufungserklärung ein (Urk. 38).
Mit Präsidialverfügung vom 20. September 2021 wurde die Berufungserklärung
der Staatsanwaltschaft zugestellt und ihr Frist angesetzt, um gegebenenfalls
Anschlussberufung zu erheben oder ein Nichteintreten auf die Berufung zu bean-
tragen (Urk. 41). Die Staatsanwaltschaft erklärte mit Eingabe vom 22. September
2021, auf eine Anschlussberufung zu verzichten, und beantragte die Bestätigung
des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 43).
Am 4. November 2021 wurde zur Berufungsverhandlung auf den heutigen Tag
vorgeladen (Urk. 45). Zu dieser erschienen der Beschuldigte in Begleitung seines
amtlichen Verteidigers Rechtsanwalt lic. iur. HSG X._ (Prot. II S. 3). Die
Verhandlung konnte ordnungsgemäss durchgeführt werden (Prot. II S. 3 ff.).
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2. Umfang der Berufung
Mit Blick auf die Berufungserklärung des Beschuldigten sind die Dispositiv-
Ziffern 8 (Herausgabe der beschlagnahmten Kleidungsstücke), 9 (Absehen von
Abnahme einer DNA-Probe und Erstellung eines DNA-Profils) und 10 (Kosten-
festsetzung) nicht angefochten und damit in Rechtskraft erwachsen, was vorab
mittels Beschluss festzustellen ist (Art. 404 Abs. 1 StPO).
Im übrigen Umfang (betr. Dispositiv-Ziffern 1-7 und 11) steht der angefochtene
Entscheid im Rahmen des Berufungsverfahrens unter Vorbehalt des Verschlech-
terungsverbotes zur Disposition. Dispositiv-Ziffer 6 betreffend Verzicht auf Aus-
schreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem gilt auf-
grund des zwingenden Konnexes zur Frage der Landesverweisung (Dispositiv-
Ziffer 5) als mitangefochten.
3. Prozessuale Vorbringen
3.1. Die amtliche Verteidigung macht – wie schon im erstinstanzlichen Verfahren
(Urk. 28 S. 1 und 3 ff.) – verschiedene prozessuale Mängel in Bezug auf die Be-
fragungen der Geschädigten geltend (Urk. 51 S. 1 und 4 ff.). Diese wurden von
der Vorinstanz mit ausführlicher und korrekter Begründung verneint (Urk. 36 S. 4
ff.).
3.2.1. Zunächst moniert die amtliche Verteidigung, die Geschädigte habe bei
der Einvernahme vom 28. Oktober 2020 bei der Kantonspolizei Zürich eine Maske
getragen, weshalb die Einvernahme als Beweismittel gänzlich unbrauchbar und
hinsichtlich Art. 143 StPO nicht verwertbar sei. Aufgrund der fehlenden Mimik und
Gestik habe man sich kein Bild über die Glaubwürdigkeit der Aussagen machen
können. Weil die Geschädigte ständig eine Maske getragen habe, sei zudem das
Teilnahmerecht des Beschuldigten im Sinne von Art. 147 StPO verletzt worden.
Schliesslich sei bei der zuvor – am 3. Juli 2020 – durchgeführten polizeilichen
Einvernahme das Teilnahmerecht des Beschuldigten nicht gewahrt worden, so-
dass auch diese Aussagen gegen den Beschuldigten nicht verwertbar seien (Urk.
28 S. 3 f., Urk. 51 S. 4 ff.).
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3.2.2. Hierzu ist zunächst auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz zur
Maskenpflicht für Einvernahmen ab einem Alter von 12 Jahren zu verweisen
(Urk. 36 S. 6). In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass die
Pflicht der Geschädigten, eine Maske zu tragen, während der Einvernahme
rechtens, verhältnismässig und zur Wahrung der öffentlichen Gesundheit geboten
war (Urk. 36 S. 7 f.). Weiter sind die Erwägungen im vorinstanzlichen Entscheid
zu übernehmen, wonach die Deutung der Merkmale der Körpersprache mangels
zuverlässiger Deutung für die Prüfung der Glaubhaftigkeit nicht entscheidend sein
könne. Auch eine rein akustische Übertragung einer Einvernahme stelle grund-
sätzlich noch keine wesentliche Beeinträchtigung des Teilnahmerechts dar (Urk.
36 S. 7 mit weiteren Verweisen). Mit der Vorinstanz ist sodann darauf hinzuwei-
sen, dass bei Vorliegen entsprechender Voraussetzungen eine anonyme Zeu-
genaussage oder das Verändern des Aussehens oder der Stimme eines Zeugen
zulässig sein könne, ohne das rechtliche Gehör zu verletzen (Urk. 36 S. 7 mit
Verweis auf Art. 149 Abs. 2 lit. a und b StPO). Von der Zulässigkeit ist mit der Vo-
rinstanz vorliegend umso mehr auszugehen, als lediglich Mund, Nase, Kinn und
Wangen der Geschädigten verdeckt waren. Dass das Gesicht der Geschädigten –
wie die Verteidigung behauptet (Urk. 51 S. 4) – "überhaupt nicht sichtbar gewe-
sen sei", ist nicht zutreffend. Gerade die Geschädigte fiel durch ihre gut erkennba-
re Mimik in der Augen- und Stirnpartie auf, aber auch durch ihre ausgeprägte
Gestik mittels Körperhaltung, Kopfstellung, Bewegungen der Arme und Hände
(vgl. Videoaufnahme der Einvernahme vom 28. Oktober 2020, Urk. 3/4). Die Teil-
nahmerechte des Beschuldigten in besagter Einvernahme wurden demzufolge
nicht verletzt, weshalb die diesbezüglichen Aussagen der Geschädigten ohne
weiteres verwertbar sind. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass dem Protokoll
der Einvernahme vom 28. Oktober 2020 nicht zu entnehmen ist, dass die Vertei-
digung gegen die Befragung der maskierten Geschädigten interveniert hätte. Die
Einwände wurden erst im gerichtlichen Verfahren vorgebracht.
3.2.3. In Bezug auf die erste Befragung der Geschädigten durch die Polizei vom
3. Juli 2020 (Urk. 3/1) ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass die Geschädigte
bei der Einvernahme vom 28. Oktober 2020 ausdrücklich auf jene erste Befra-
gung bei der Polizei angesprochen und dazu befragt wurde. Dem anwaltlich ver-
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tretenen Beschuldigten war es zudem möglich, diesbezüglich Ergänzungsfragen
zu stellen und seine Verteidigungsrechte auszuüben (Urk. 3/5 F/A 37 ff.). Damit
sind auch die am 3. Juli 2020 bei der Kantonspolizei Zürich getätigten Aussagen
der Geschädigten verwertbar (so auch in Urk. 36 S. 8).
Hinsichtlich der Verwertbarkeit der ersten polizeilichen Befragung der Geschädig-
ten am 3. Juli 2020 irrt die Vorinstanz, wenn sie ausführt, diese Befragung sei
wegen Verletzung des Teilnahmerechts des Beschuldigten nicht verwertbar
(Urk. 36 S. 8 Erw. 2.6). Gemäss klarem Wortlaut von Art. 147 Abs. 1 StPO haben
die Parteien nur bei staatsanwaltlichen Beweisaufnahmen ein Recht auf Teilnah-
me. Die polizeilichen Befragungen einer Geschädigten können ohne Anwesenheit
des Beschuldigten durchgeführt werden, es sei denn, es handle sich um eine
durch die Staatsanwaltschaft an die Polizei delegierte Einvernahme, was vor-
liegend nicht der Fall war (Schmid/Jositsch, Handbuch des schweizerischen
Strafprozessrechts, 3. Aufl., Zürich/St. Gallen 2017, S. 324 Rz 821). Die Vo-
rinstanz verwechselt das Teilnahmerecht mit dem Recht des Beschuldigten, im
Rahmen einer späteren Konfrontationseinvernahme Ergänzungsfragen zu stellen.
Diese Gelegenheit hatten der Beschuldigte und sein Verteidiger anlässlich der de-
legierten Videoeinvernahme der Geschädigten vom 28. Oktober 2020 (Urk. 3/4
und 3/5).
3.3.1. Weiter brachte die amtliche Verteidigung wie vor erster Instanz zusam-
mengefasst vor, die Geschädigte habe ihre Aussagen nicht gestützt auf ihre Erin-
nerungen gemacht, sondern ihre Aussagen seien grösstenteils das Produkt der
Vorbereitung mit und durch die Eltern der Geschädigten. Art. 143 Abs. 6 StPO sei
verletzt, weshalb die Aussagen der Geschädigten auch unter diesem Gesichts-
punkt nicht verwertbar seien (Urk. 28 S. 4 ff., Urk. 51 S. 9 ff.).
3.3.2. Die Vorinstanz hielt fest, dass die einzuvernehmende Person gemäss
Art. 143 Abs. 6 StPO ihre Aussagen aufgrund ihrer Erinnerung macht. Die Ge-
schädigte sei zu Beginn der Einvernahme vom 28. Oktober 2020 angehalten wor-
den, sich an die Wahrheit zu halten und niemanden falsch zu beschuldigen, was
diese zustimmend zur Kenntnis genommen habe. Die Geschädigte habe ausge-
sagt, sich am Tag der ersten Einvernahme genau erinnert zu haben und sich bei
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der zweiten Einvernahme, rund dreieinhalb Monate später, immer noch zu erin-
nern, aber nicht mehr so genau wie ursprünglich. Gemäss den eigenen Aussagen
der Geschädigten habe sie aufgrund ihrer Erinnerung ausgesagt. Aus den Bei-
spielen, welche die amtliche Verteidigung heranziehe, um die Unverwertbarkeit
der Aussagen der Geschädigten zu belegen, sei nichts anderes abzuleiten. Es sei
notorisch, dass ein Kind von zwölf Jahren einem gewissen Einfluss der Eltern un-
terstehe, was nicht mit einer Beeinflussung zu verwechseln sei. So sei es bei-
spielsweise ohne Weiteres nachvollziehbar, dass ein zwölfjähriges Mädchen von
ihren Eltern dazu motiviert werde, einen Schulsportkurs zu besuchen, oder von
diesen angehalten werde, zur Polizei zu gehen, wenn die Tochter ihnen von un-
erwünschten sexuellen Handlungen erzähle. Dass im familiären Rahmen bespro-
chen werde, wie man mit einem solchen Vorfall umgehen wolle, und einem Kind
aufgezeigt werde, weshalb eine Anzeigeerstattung der richtige Weg sein könne,
sowie dass man das Kind zu einer Einvernahme begleite, erscheine dabei als na-
türliche Schlussfolgerung. Im Übrigen entspreche es hinsichtlich Art. 301 ZGB
auch der Pflicht von Eltern, für ihre Kinder zu sorgen und für sie – unter Vorbehalt
der eigenen Handlungsfähigkeit der Kinder – Entscheidungen zu treffen. Die Kritik
der Verteidigung betreffend die Beeinflussung der Geschädigten durch die Eltern
erscheine damit als übertrieben und ungerechtfertigt. Das Alter der Geschädigten
und die damit einhergehende Stellung ihrer Eltern im Vorverfahren seien für die
strafprozessuale Verwertbarkeit ihrer Aussagen nicht relevant, sondern seien –
wenn überhaupt – erst bei der inhaltlichen Würdigung ihrer Aussagen zu berück-
sichtigen. Diese korrekten Erwägungen der Vorinstanz sind zu übernehmen (Urk.
36 S. 8 f. mit weiteren Verweisen). Ergänzend ist festzuhalten, dass die von der
Geschädigten teilweise gewählt wirkenden, gebrauchten Begriffe und Formulie-
rungen vor dem Hintergrund der sprachlichen Herkunft der Zwölfjährigen nicht er-
staunen mögen. Zudem wurde die Geschädigte auch mit Fragen konfrontiert,
welche sie nicht mit den Eltern zusammen antizipieren konnte.
3.3.3. Mit der Vorinstanz wie auch der Verteidigung ist ferner festzuhalten, dass
Zeugen nicht zu kontaktieren und schon gar nicht zu beeinflussen sind (Urk. 36
S. 9, vgl. Urk. 51 S. 14). Dass der Vater der Geschädigten den Trainer des Schul-
sportkurses kontaktierte, nachdem ihm seine 12-jährige Tochter von unerwünsch-
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ten sexuellen Handlungen während des Kurses erzählt hatte, ist mit der Vo-
rinstanz nachvollziehbar (Urk. 36 S. 9). Da der kontaktierte Trainer C._ keine
Aussagen zum eigentlichen Tatvorwurf tätigte und damit eine allfällige Beein-
flussung seitens des Vaters der Geschädigten keine Auswirkung zuungunsten
des Beschuldigten hatte, trifft das Argument des Verteidigers ins Leere.
3.4. Zu den Vorbringen der Verteidigung, der Verzicht der Geschädigten auf
die Stellung eines Strafantrags sei als Desinteresseerklärung zu werten, weshalb
das Verfahren einzustellen sei (Urk. 51 S. 14), ist mit der Vorinstanz Folgendes
festzuhalten (Urk. 36 S. 10): Die Geschädigte erklärte in den Einvernahmen klar,
dass sie den Beschuldigten aus der Anonymität holen und verhindern wolle, dass
so etwas auch anderen Kindern passiere (Urk. 3/1 F/A 49 f., Urk. 3/5 F/A 160 f.).
Damit kann keine sinngemässe Desinteresseerklärung angenommen werden. Ei-
ne solche würde zudem auch nur dann zur Einstellung des Verfahrens führen,
wenn ein geringes Strafverfolgungsinteresse vorliegt. Da vorliegend jedoch nicht
mehr von einem geringen öffentlichen Interesse an der Strafverfolgung ausge-
gangen werden kann, wäre eine Desinteresseerklärung ohnehin unbeachtlich. Mit
der Vorinstanz ist daraus der Schluss zu ziehen, dass der Verzicht der Geschä-
digten auf Strafantrag unbeachtlich und das Delikt von Amtes wegen zu verfolgen
ist.
4. Hinweise
Die urteilende Instanz muss sich nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich
auseinandersetzen oder jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen (BGE
141 IV 249 E. 1.3.1; BGE 139 IV 179 E. 2.2; BGE 138 IV 81 E. 2.2, je mit Hinwei-
sen). Die Berufungsinstanz kann sich somit auf die für ihren Entscheid wesentli-
chen Punkte beschränken.
Soweit für die tatsächliche und die rechtliche Würdigung des angeklagten Sach-
verhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies in
Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne dass dies jeweils explizit
Erwähnung findet.
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II. Sachverhalt
1. Dem Beschuldigten wird zusammengefasst zur Last gelegt, sich am 3. Juli
2020 im Fitnesscenter D._ in E._ hinter die damals 12-jährige Geschä-
digte gestellt zu haben, als diese Dehnübungen gemacht habe. Dazu habe sich
die Geschädigte zuerst mit gestreckten Beinen nach vorne und Richtung Boden
gebeugt, sodass sich ihr Gesäss nach oben gerichtet habe. Dabei soll der Be-
schuldigte seinen erigierten Penis gegen das Gesäss der Geschädigten gedrückt
haben. Weiter soll der Beschuldigte die Geschädigte aufgefordert haben, sich
breitbeinig hinzustellen, sich hin und her zu bewegen und die Arme zu schwen-
ken, während er sie an den Hüften gehalten habe, sodass sich ihr Gesäss bewegt
und sich sein erigierter Penis an ihrem Gesäss gerieben habe, was er auch ge-
wollt habe. Diese Dehnübungen habe der Beschuldigte, der im Kampfsportcenter
ausgeholfen habe, so angeleitet und während mehreren Minuten ausführen las-
sen, dass er seinen erigierten Penis am Gesäss der Geschädigten habe reiben
können. Der Beschuldigte habe dabei gewusst, dass es sich bei der Geschädig-
ten um ein 12-jähriges Mädchen, mithin um ein Kind unter 16 Jahren, gehandelt
habe (Urk. 11).
2. Der Beschuldigte hat diese Vorwürfe von Beginn weg (Urk. 2/1 S. 7 ff.,
Urk. 2/2 S. 6, Urk. 2/3 S. 2 ff.; Prot. I S. 9, S. 12 ff.) und bis heute (Urk. 50 S. 6 ff.)
bestritten.
3. Die Vorinstanz hat die theoretischen Grundsätze der richterlichen Beweis-
würdigung dargelegt (Urk. 36 S. 11 f.), worauf verwiesen werden kann. Ebenso
kann auf die aufgeführten, vorhandenen Beweismittel (Urk. 36 S. 13) und die
detailliert wiedergegebenen Aussagen des Beschuldigten (Urk. 36 S. 13 ff.), der
Geschädigten (Urk. 36 S. 15 ff.), der Auskunftsperson F._ (Urk. 36 S. 18 f.)
und des Zeugen C._ (Urk. 36 S. 19) verwiesen werden.
4. Die Erwägungen der Vorinstanz betreffend die Glaubwürdigkeit der genann-
ten Personen (Urk. 36 S. 22 ff.) sind zu relativieren. Grundsätzlich gilt, dass die
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Glaubhaftigkeit der konkreten, im Prozess relevanten Aussagen für die Wahr-
heitsfindung weitaus bedeutender ist als die allgemeine Glaubwürdigkeit der aus-
sagenden Personen (BGE 133 I 33 E. 4.3; Urteile 6B_257/2020 vom 24. Juni
2021 E. 5.4.3; 5A_550/2019 vom 1. September 2020 E. 9.1.3.1; je mit Hinwei-
sen). Der allgemeinen Glaubwürdigkeit eines Zeugen im Sinne einer dauerhaften
personalen Eigenschaft kommt nach heutiger Erkenntnis bei der Würdigung von
Zeugenaussagen daher kaum mehr relevante Bedeutung zu (vgl. 6B_323/2021
vom 11. August 2021, E. 2.3.3.). Das für die Zeugenaussage Gesagte kann auf
die Aussagenwürdigung generell übertragen werden, mithin auch auf die Aussa-
gen der Auskunftspersonen und des Beschuldigten.
5.1. Die Vorinstanz hat die Aussagen der befragten Personen korrekt gewürdigt.
Die folgenden Erwägungen sind lediglich wiederholender und teilweise ergänzen-
der Natur.
In der auf Video aufgezeichneten Befragung vermittelt die Geschädigte das Bild
eines altersgemäss entwickelten Mädchens mit guter Intelligenz, differenziertem
Denkvermögen und sehr guter Ausdrucksfähigkeit. Sie war in der Lage, prägnant
und nachvollziehbar auf die ihr gestellten Fragen zu antworten, was beispielswei-
se anhand dessen zu beobachten ist, wie die Geschädigte ihren Tagesablauf zu
Beginn der Videobefragung beschreibt (Urk. 3/4, Urk. 36 S. 25). Auch schilderte
sie realitätsnah, was sie sich in den jeweiligen Situationen überlegt habe. So er-
klärte sie, dass sie es – bevor es im Ring zu den Vorfällen gekommen sei – cool
gefunden habe, dass ihr der Beschuldigte beim Boxen helfe und ihr Tipps gebe
(Urk. 3/5 F/A 64 und F/A 75). Als sie etwas Hartes am Po gespürt habe, habe sie
zuerst gedacht, dass es ein Schutz gegen die Boxschläge sei. Als sein Glied bei
einer weiteren Dehnübung wieder an ihrem Po gewesen sei, habe sie gedacht,
das sei irgendwie nicht normal (Urk. 3/5 F/A 81). Nachvollziehbar und schlüssig
schilderte sie auch, wie sie im grossen Spiegel gesehen habe, dass das Glied in
der Hose wieder abgeflacht sei. Daran habe sie gemerkt, dass es sich nicht um
einen Schutz habe handeln können (Urk. 3/5 F/A 85 f.). Weiter beschrieb die Ge-
schädigte anschaulich ihre Erleichterung darüber, dass der Schüler, welcher nach
ihr den Kurs besucht habe, reingekommen sei. Er sei in ihrem Alter und auch
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grösser gewesen, weshalb sie sich nicht mehr so alleine gefühlt habe (Urk. 3/5
F/A 132). Ferner schilderte sie eindrücklich und für eine Jugendliche glaubhaft,
wie sie während der Übergriffe nicht gewusst habe, was sie machen solle. Sie
habe sich gefragt, was passieren würde, wenn sie sich wehren würde. Sie habe
sehr grosse Angst gehabt (Urk. 3/5 F/A 133). In Übereinstimmung mit der Fach-
psychologin G._ ist betreffend die Videobefragung vom 28. Oktober 2020
festzuhalten, dass die Geschädigte die einzelnen Handlungen detailliert beschrieb
und sich klar und verständlich mitteilte (Urk. 3/3 S. 2). Dass sie sich nach der Be-
fragung – wie sie sagte – erleichtert fühlte und froh war, dass es für sie nun abge-
schlossen sei (Urk. 3/5 F/A 189 f.), ist ihr in der Videobefragung auch aufgrund ih-
rer Sprechhaltung und Gestik anzumerken. Die Folgerung der Fachpsychologin
G._, dass die Angst vor dem Beschuldigten und das Zuwarten auf die Vide-
obefragung für die Geschädigte belastend waren (Urk. 3/3 S. 2), ist evident. Mit
der Vorinstanz spricht all dies für tatsächlich Erlebtes und gegen eine bloss erfun-
dene Geschichte der Geschädigten (Urk. 36 S. 26). Dass die Geschädigte bei ih-
rer zweiten Einvernahme detaillierter aussagte als noch bei der Polizei, ist entge-
gen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 51 S. 27) nicht verwunderlich, wurde die
Geschädigte bei der Videobefragung auch umfassender und durch eine Fachper-
son des Kindesschutzes befragt (vgl. Urk. 36 S. 27). Festzuhalten ist zudem, dass
die Geschädigte ihre Aussagen in der zweiten Einvernahme im Vergleich zur poli-
zeilichen Befragung nicht etwa dramatisierte, sondern bei ihren Kernaussagen
blieb. Bei der Geschädigten sind keinerlei Übertreibungstendenzen feststellbar.
Im Gegenteil: Sie gab verschiedentlich an, etwas nicht genau zu wissen, bei-
spielsweise bezüglich der genauen Uhrzeit der Übergriffe oder deren Dauer. So-
dann sagte sie klar aus, dass der Beschuldigte sie nie an den Brüsten oder an
nackter Haut angefasst habe, dass es bei der Übung mit dem Spagat nicht zu in-
timen Berührungen gekommen sei, dass er keine Videos von ihr gemacht oder
dass er sich nicht entblösst habe (vgl. auch Urk. 36 S. 26). Mit der Vorinstanz ist
schliesslich zu beachten, dass die Geschädigte gleich nach dem Training nach-
hause ging und ihren Eltern unter Tränen vom Erlebten erzählte, woraufhin der
Vater die Polizei benachrichtigte und die Geschädigte noch am gleichen Abend
bei der Polizei Aussagen tätigte (Urk. 36 S. 26). Dass sich die zwölfjährige Ge-
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schädigte diese Geschichte ausgedacht und eine solche Reaktion vorgetäuscht
haben soll, ist schlichtweg realitätsfremd (so auch Urk. 36 S. 26).
Sodann ist auch hervorzuheben, dass die Geschädigte auf das Stellen eines
Strafantrags betreffend sexuelle Belästigung verzichtet hat (Urk. 1/2) und sinnge-
mäss vorbrachte, lediglich zur Polizei gegangen zu sein, um andere Kinder zu
schützen, weil diese möglicherweise nicht den Mut hätten, zur Polizei zu gehen.
Sie wünsche sich, dass so etwas nicht mehr passiere (Urk. 3/1 F/A 50, Urk. 3/5
F/A 160 f.). Weshalb die Geschädigte den Beschuldigten grundlos belasten sollte,
ist nicht einzusehen.
Aufgrund des Umstands, dass die Geschädigte die Kleidung des Beschuldigten
anders beschrieb als der Beschuldigte selbst, kann entgegen der Ansicht der
Verteidigung (Urk. 51 S. 21 f.) nicht angenommen werden, dass eine unbekannte
Drittperson der Täter gewesen sein könnte. Wie bereits die Vorinstanz darlegte,
wurde im gesamten Verfahren von keiner der beteiligten Personen erwähnt, dass
eine unbekannte Person anwesend gewesen sei. Die Geschädigte sprach von
einem Aushilfstrainer, der bereits in der Vergangenheit anwesend gewesen sei
(Urk. 3/5 S. 4 f.), und F._ nannte die Person, welche ihn und die Geschädigte
trainiert habe sogar beim Namen (Urk. 4/3, Urk. 4/6 S. 5 ff.). Der Beschuldigte
selber gab stets an, die ganze Zeit an der Bar gewesen zu sein und ab und zu
nach den Kindern geschaut zu haben (zuletzt Urk. 50 S. 6 und 8). Dabei behaup-
tete auch der Beschuldigte nie, es sei noch eine weitere Person im Raum gewe-
sen. Für die Anwesenheit einer Drittperson bestehen demzufolge keine Anhalts-
punkte.
Die Aussagen der Geschädigten sind mit der Vorinstanz als insgesamt sehr
glaubhaft einzustufen (Urk. 36 S. 25 und S. 27).
5.2. Die Aussagen des achtjährigen F._, welcher sich zum relevanten Zeit-
punkt im Fitnessstudio befand, sind entgegen der Ansicht der Vorinstanz
(vgl. Urk. 36 S. 28) grundsätzlich als glaubhaft einzustufen. Die teilweisen Über-
treibungen bezüglich Dauer des Trainings oder Unsicherheiten betreffend die Dis-
tanz zwischen ihm, der trainierenden Geschädigten und dem Beschuldigten sind
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zweifellos auf dessen kindliches Alter zurückzuführen. Auch der Umstand, dass er
behauptete, der Beschuldigte habe eine Gesichtsmaske getragen, obwohl damals
keine Maskenpflicht galt, kann damit erklärt werden, dass solche ins tägliche Bild
gehören und sich knappe vier Monate später diesbezüglich jedermann irren könn-
te. Festzuhalten ist jedenfalls, dass F._ in Übereinstimmung mit der Geschä-
digten mehrfach erklärte, dass der Beschuldigte ihn und die Geschädigte trainiert
habe, resp. dass diese habe trainieren und er in den Sack habe boxen müssen,
wobei der Beschuldigte ihm gesagt habe, was er machen müsse (Urk. 4/6 F/A 34-
37, 52-54). Ebenso bestätigte er, dass der Beschuldigte die ganze Zeit mit ihnen
im Raum gewesen sei (Urk. 4/6 F/A 58 und 68). Auf seine diesbezüglichen Aus-
sagen kann abgestellt werden, zumal dieser Umstand auch mit den Aussagen der
Geschädigten und teilweise von C._ übereinstimmen (so auch die Vo-
rinstanz, Urk. 36 S. 28).
5.3. Hinsichtlich der Aussagen des Zeugen C._ ist zunächst festzuhalten,
dass dieser nichts über den eingeklagten Vorfall an sich sagen konnte, war er zur
fraglichen Zeit eben gerade nicht anwesend. Immerhin bestätigte er, dass der Be-
schuldigte damals im Fitnessstudio war. Die Vorinstanz wies zutreffend darauf
hin, dass C._ gegenüber der Polizei angab, der Beschuldigte hätte das Trai-
ning leiten sollen (Urk. 4/1 F/A 14 und 22 ff.), und er danach bei der Staatsanwalt-
schaft aussagte, der Beschuldigte habe das Training nicht leiten, sondern
lediglich die Musikanlage bedienen sollen (Urk. 4/7 F/A 28, Urk. 36 S. 29). Mit der
Vorinstanz ist anzunehmen, dass C._ offensichtlich vermeiden wollte, dass
öffentlich wird, dass er den Beschuldigten das Training ohne seine Anwesenheit
leiten liess. Zudem ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz unrealistisch, dass
sich C._ nur zehn Tage später nicht mehr erinnern konnte, weshalb er da-
mals das Studio verlassen musste und den Kurs nicht leiten konnte. Die vo-
rinstanzliche Schlussfolgerung, dass der Beschuldigte – wie es die Geschädigte
und F._ erzählten – das ganze oder zumindest einen Teil des Trainings leite-
te, weil es sich für C._ mit zwei Kindern nicht lohnte, es selbst durchzuführen
(Urk. 36 S. 29), ist zu übernehmen. Die Aussage von C._ in der polizeilichen
Befragung vom 14. Juli 2020, der Junge F._ habe ihm gesagt, dass der Be-
schuldigte nicht viel gemacht habe (Urk. 4/1 S. 3), ist für die Wahrheitsfindung des
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Gerichts weder massgeblich noch aussagekräftig. Darüber hinausgehende, sei-
tens F._ gegenüber C._ vorgebrachte Entlastungen des Beschuldigten
sind den Einvernahmeprotokollen entgegen der Interpretation der Verteidigung
(vgl. Urk. 51 S. 18) nicht zu entnehmen (Urk. 4/1 und Urk. 4/7).
5.4. Die Aussagen des Beschuldigten wirken in Übereinstimmung mit den
vorinstanzlichen Erwägungen insgesamt als unglaubhaft. Bereits in Bezug auf
nicht direkt den Anklagesachverhalt betreffende Umstände machte der Beschul-
digte offensichtlich falsche Angaben. So behauptete er, das Fitnesslokal nach der
vorliegend relevanten Trainingsstunde abgeschlossen zu haben und gegangen zu
sein (Urk. 2/1 S. 10, Urk. 2/2 S. 4 f.). Gemäss Polizeirapport vom 13. November
2020 haben Erhebungen beim Sportamt E._ jedoch ergeben, dass der im
Rahmen des Schulsports angebotene Kampfsportkurs bei C._ im ersten
Halbjahr 2020 jeweils freitags einmal von 16 Uhr bis 17 Uhr und einmal von 17
Uhr bis 18 Uhr geführt wurde (Urk. 1/7 S. 5; so auch aus der Liste betreffend
Schulsportkurse der Stadt E._ ersichtlich, Urk. 4/2 S. 2). Die Aussagen der
Geschädigten, dass gegen Ende ihrer Trainingsstunde ein Junge im Lokal er-
schienen sei, um den Kurs ab 17 Uhr zu besuchen (Urk. 3/5 F/A 116, F/A 132,
F/A 150), werden damit gestützt, resp. die Behauptungen des Beschuldigten wi-
derlegt. Auch die Vorbringen des Beschuldigten, dass er auch zuvor noch nie als
Trainer im Studio von C._ ausgeholfen habe, werden durch die Geschädigte
(Urk. 3/1 F/A 24, Urk. 3/5 F/A 26 f.) und F._ (Urk. 4/6 F/A 39, F/A 92 ff.) wi-
derlegt und sind mit der Vorinstanz als mindestens zweifelhaft einzustufen
(Urk. 36 S. 25). In Bezug auf den konkret vorgeworfenen Sachverhalt erweisen
sich die Darstellungen des Beschuldigten als Schutzbehauptungen. Insbesondere
wird die Behauptung des Beschuldigten, er habe sich nicht im Trainingsraum
aufgehalten, durch die Aussagen der Geschädigten und von F._ widerlegt.
Wenn die Vorinstanz schliesslich als erstellt erachtet, dass sich der Beschuldigte
im Trainingsraum aufgehalten und mit der Geschädigten trainiert hat, ist dies zu
übernehmen (Urk. 36 S. 25). Schliesslich ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass
ihn seine Aussagen, seine Schwester sei Polizistin und habe Kinder im gleichen
Alter (Urk. 2/1 S. 2), nicht zu entlasten vermögen. Zutreffend wies die Vorinstanz
darauf hin, dass solche abstrakten, kurzen und stereotypen Aussagen sogar eher
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für die Unrichtigkeit der Darstellung sprächen (Urk. 36 S. 25). Insgesamt ver-
mochte der Beschuldigte – im Gegensatz zu den glaubhaften Aussagen der Ge-
schädigten – weder zu überzeugen noch irgendwelche ihn entlastenden Argu-
mente vorzubringen.
5.5. Folglich ist auf die konkrete, glaubhafte und schlüssige Sachdarstellung der
Geschädigten abzustellen, welche durch die Aussagen von F._ und
ansatzweise von C._ gestützt wird. Der Tathergang im Sinne der Anklage ist
damit erstellt.
III. Rechtliche Würdigung
1. Staatsanwaltschaft und Vorinstanz gehen in Bezug auf den dem Beschuldig-
ten zur Last gelegten Sachverhalt von sexuellen Handlungen mit einem Kind im
Sinne von Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB aus.
2. Zu den massgeblichen rechtlichen Grundlagen kann ohne weiteres auf die
Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 36 S. 30). Zu Recht qualifizierte diese die
Handlungen des Beschuldigten im gegebenen Kontext als sexuelle Handlungen
(ebd.). Der Argumentation der Verteidigung, die Handlungen des Beschuldigten
seien als Trainingsunterstützung und nicht als sexuelle Handlungen zu werten
(Urk. 28 S. 18, Urk. 51 S. 30), kann nicht gefolgt werden. Zutreffend und entgegen
der Ansicht der Verteidigung (ebd.) hielt die Vorinstanz zutreffend fest, dass die
Handlungen des Beschuldigten objektiv eindeutig sexualbezogen waren (Urk. 36
S. 31). Ebenso ist mit der Vorinstanz zu verwerfen, dass es sich – wie die Vertei-
digung geltend macht (ebd.) – um eine Folge von Mutter Natur oder ohnehin um
einen unerheblichen Eingriff in das Rechtsgut der sexuellen Integrität handeln
würde (Urk. 36 S. 31). Die Übergriffe waren für die Geschädigte offensichtlich ein-
schneidend und über mehrere Monate belastend (Urk. 3/5 F/A 133 ff.). Dass die
inkriminierten Handlungen von relativ kurzer Dauer waren, kann mit der Vo-
rinstanz höchstens im Rahmen der Strafzumessung berücksichtigt werden (Urk.
36 S. 31).
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3. In subjektiver Hinsicht ist entgegen der Ansicht der Vorinstanz festzuhalten,
dass der Beschuldigte direkt- und nicht eventualvorsätzlich gehandelt hat, wusste
er doch unbestrittenermassen, dass es sich beim Training um einen Schulsport-
kurs handelte und dass die Geschädigte noch nicht 16 Jahre alt war. Nach glaub-
hafter Darstellung der Geschädigten fragte er sie ausdrücklich nach ihrem Alter
(Urk. 3/5 F/A 58). Auch von ihrem Äusseren her schätzt man die Geschädigte
kaum auf bereits 16-jährig. Schliesslich ist festzuhalten, dass der Beschuldigte in
seinen Befragungen selber stets von "Kindern" sprach.
4. Der Beschuldigte ist somit in Bestätigung der Vorinstanz der sexuellen
Handlungen mit einem Kind im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig zu
sprechen.
IV. Sanktion
1. Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von
10 Monaten (Urk. 36 S. 48).
2. Gestützt auf Art. 187 Ziff. 1 StGB reicht der anwendbare Strafrahmen von
Geldstrafe bis zu 5 Jahren Freiheitsstrafe, wobei vorliegend kein Grund ersichtlich
ist, der das Über- oder Unterschreiten des ordentlichen Strafrahmens erheischen
würde. Im Übrigen hat die Vorinstanz die allgemeinen Grundsätze der Strafzu-
messung zutreffend dargelegt (Urk. 36 S. 33 f.). Darauf kann verwiesen werden.
3. Tatkomponente
3.1. Was das Tatverschulden anbelangt, so ist in objektiver Hinsicht festzuhalten,
dass ein erheblicher Altersunterschied zum damals 32-jährigen Beschuldigten
und damit ein grosses Machtgefälle bestand. Diesen Umstand nutzte der Be-
schuldigte aus, wie auch dass der eigentliche Trainer des Sportkurses abwesend
war und nur zwei Kinder zum Training erschienen, welche dann ihm als Aushilfs-
lehrer unterstanden. Ebenso wirkt sich verschuldensmässig erschwerend aus,
dass die Handlungen des Beschuldigten alles andere als einvernehmlich, sondern
überraschend und hinterrücks passierten, und dass diese bei der Geschädigten
grosses Unbehagen auslösten und sie über längere Zeit belasteten. Schliesslich
- 19 -
sind auch die vorinstanzlichen Erwägungen zu übernehmen, wonach die vom Be-
schuldigten verübten Handlungen im Vergleich zu allen möglichen bzw. denkba-
ren sexuellen Handlungen nicht sehr schwer wiegen und diese während einer
vergleichsweise kurzen Dauer stattfanden. Das Verschulden ist als leicht zu quali-
fizieren (Urk. 36 S. 34).
3.2. Bezüglich der subjektiven Tatschwere ist festzuhalten, dass der Beschuldig-
te mit direktem Vorsatz handelte und die Absicht verfolgte, seine eigene Lust zu
befriedigen ohne Rücksicht auf das Wohlergehen der Geschädigten (vgl. auch
Urk. 36 S. 35). Dass es sich um eine spontane Aktion des Beschuldigten handel-
te, resp. er die Tat nicht geplant hatte, ist entgegen der Ansicht der Vorinstanz
nicht einfach anzunehmen, könnte er sich entsprechende Handlungen doch für
den Fall einer günstigen Gelegenheit zuvor ausgedacht haben. Das objektive Tat-
verschulden ist deshalb nicht zu relativieren.
3.3. Insgesamt bleibt es aber bei einem leichten Tatverschulden, weshalb die
Strafe im unteren Drittel des Strafrahmens anzusiedeln ist. Die hypothetische
Einsatzstrafe ist auf 9 Monate festzusetzen.
4. Täterkomponente
4.1. Was den Lebenslauf und die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten
anbelangt, kann grundsätzlich auf die Ausführungen der Vorinstanz mit weiteren
Verweisen (Urk. 36 S. 35 f.) verwiesen werden. Ergänzend führte der Beschuldig-
te an der Berufungsverhandlung im Wesentlichen aus, als Reinigungsmitarbeiter
fix angestellt zu sein und Fr. 21.– pro Stunde zu verdienen, resp. Fr. 3'700 bis
Fr. 3'800.– zur Verfügung zu haben. Den Namen der Arbeitgeberin wollte der
Beschuldigte nicht nennen (Urk. 50 S. 3 f.). Ferner gab der Beschuldigte an,
zusammen mit zwei Kollegen in einer Wohngemeinschaft zu wohnen und dabei
die Hälfte des Mietzinses von insgesamt Fr. 1'540.– zu bezahlen (Urk. 50 S. 5).
Die Vorinstanz erwog hierzu korrekt, dass die persönlichen Verhältnisse des
Beschuldigten nicht ins Gewicht fallen und strafzumessungsneutral zu beurteilen
sind (Urk. 36 S. 36). Der Umstand, dass der Beschuldigte weder zuvor als Sexu-
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alstraftäter, noch als Pädophiler in Erscheinung getreten ist, noch Kontakt zu
entsprechenden Szenen pflegt, kann entgegen der Meinung der Verteidigung
(Urk. 51 S. 36) nicht strafmindernd berücksichtigt werden, zumal von jedem
Menschen erwartet werden darf, dass sich dieser korrekt verhält.
4.2. Den Umstand, dass der Beschuldigte über zwei nicht einschlägige Vorstra-
fen verfügt (Urk. 40), erachtete die Vorinstanz zutreffend als marginal straferhö-
hend (Urk. 36 S. 36).
4.3. Den Ausführungen der Vorinstanz bezüglich fehlender Reue oder Einsicht
mangels Geständnisses kann beigepflichtet werden; dieser Umstand ist strafzu-
messungsneutral zu werten (Urk. 36 S. 36).
5. Unter Berücksichtigung der massgeblichen Strafzumessungsfaktoren
(Vorstrafen) erscheint dem Verschulden und den persönlichen Verhältnissen des
Beschuldigten die von der Vorinstanz ausgesprochene Strafe von 10 Monaten
angemessen. Eine höhere Sanktion ist aufgrund des Verschlechterungsverbots
nicht möglich.
6. Bezüglich der Strafart sind die vorinstanzlichen Erwägungen zu überneh-
men, wonach bei einer Sanktion von 10 Monaten nur eine Freiheitsstrafe in Be-
tracht kommt (Urk. 36 S. 36). Der Beschuldigte ist daher mit einer Freiheitsstrafe
von 10 Monaten zu bestrafen.
V. Vollzug
1. Die Vorinstanz hat die gesetzlichen Voraussetzungen, unter denen bei einer
Geld- oder einer Freiheitsstrafe der bedingte Vollzug zu gewähren ist, zutreffend
dargelegt, weshalb darauf verwiesen werden kann (Urk. 36 S. 37 f.).
2. Der Beschuldigte ist zu einer Freiheitsstrafe von 10 Monaten zu verurteilen,
womit ein bedingter Strafvollzug grundsätzlich möglich ist. Zurecht stellte die
Vorinstanz dem Beschuldigten keine ungünstige Prognose mit der zutreffenden
Begründung, dieser sei zwar vorbestraft, jedoch seien die Vorstrafen nicht ein-
- 21 -
schlägig, und der Beschuldigte sei bislang noch nie mit einer Freiheitsstrafe be-
straft worden (Urk. 36 S. 37).
3. Ferner wies die Vorinstanz zutreffend auf die bundesgerichtliche Recht-
sprechung hin, wonach im Fall eines Widerrufs von früheren Strafen eine
Schlechtprognose für die neue Strafe im Sinne von Art. 42 Abs. 1 StGB verneint
und diese folglich bedingt ausgesprochen werden kann (BGE 134 IV 140 Erw.
4.5.). Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass der – wie nachfolgend unter
Ziff. VI noch zu erläuternde – Widerruf der beiden bedingten Geldstrafen aus dem
Jahr 2018 eine genügende Warnwirkung erzeugt, um den Beschuldigten von wei-
terer Delinquenz abzuhalten (Urk. 36 S. 37 f.). Mangels ungünstiger Prognose ist
dem Beschuldigten daher der bedingte Vollzug der Freiheitsstrafe zu gewähren.
4. Aufgrund der besagten Vorstrafen ist die Probezeit jedoch auf drei Jahre
festzusetzen (so auch die Vorinstanz, Urk. 36 S. 38).
VI. Widerruf
1. Die Voraussetzungen für einen Widerruf zuvor bedingt ausgefällter Strafen
wurden im vorinstanzlichen Entscheid zutreffend dargelegt, worauf verwiesen
werden kann (Urk. 36 S. 39).
2. Der Beschuldigte wurde mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/
Unterland vom 7. August 2018 wegen Führens eines Motorfahrzeugs ohne
erforderlichen Führerausweis und wegen eines geringfügigen Vermögensdelikts
zu einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 60.– und einer Busse
sowie mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland, Zweigstelle
Flughafen, vom 28. November 2018 wegen mehrfacher Entwendung eines Motor-
fahrzeugs zum Gebrauch und mehrfachen Führens eines Motorfahrzeugs ohne
erforderlichen Führerausweis zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen
zu Fr. 80.– und einer Busse verurteilt (Urk. 40). In Bezug auf die bedingten Geld-
strafen wurden zweijährige Probezeiten festgesetzt.
Die vorliegend relevanten Tathandlungen beging der Beschuldigte am 3. Juli 2020
und damit während laufender Probezeiten.
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3. Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass der Beschuldigte im Jahr 2018 kurz
hintereinander und trotz des ersten laufenden Strafverfahrens erneut delinquierte.
Auch die zwei laufenden Probezeiten hielten ihn nicht von weiteren Straftaten ab.
Ein Widerruf der bedingten Geldstrafen scheint in Übereinstimmung mit der
Vorinstanz angezeigt, um den Beschuldigten von weiteren Straftaten abzuhalten
und den bedingten Strafvollzug der vorliegend auszusprechenden Freiheitsstrafe
gewähren zu können (Urk. 36 S. 39 f.; vgl. vorstehend Ziff. V/3.).
4. Die bedingt ausgesprochenen Geldstrafen vom 7. August 2018 und vom
28. November 2018 sind daher zu vollziehen.
VII. Landesverweisung
1. Die Vorinstanz verwies den Beschuldigten im Sinne von Art. 66a StGB für
sechs Jahre des Landes (Urk. 36 S. 49). Sie ging von einer obligatorischen
Landesverweisung aus und verneinte das Vorliegen eines Härtefalls im Sinne von
Art. 66a Abs. 2 StGB (Urk. 36 S. 43).
2. Die Verteidigung macht im Wesentlichen geltend, es bestehe kein Fernhalt-
einteresse der Schweiz, da dem Beschuldigten eine positive Legalprognose ge-
stellt werden könne und Bagatelldelikte bei der Intersessenbeurteilung nicht
herangezogen werden könnten. Der Beschuldigte hingegen habe ein grosses
persönliches Interesse am Verbleib in der Schweiz, um seine privaten und berufli-
chen Chancen wahrzunehmen. Zudem liege ein schwerwiegender persönlicher
Härtefall vor. Der Beschuldigte sei in der Schweiz integriert, lebe seit elf Jahre
hier, sein gesamter Sozialkreis sei in der Schweiz und er sei fähig und motiviert,
hierzulande seinen Lebensunterhalt zu verdienen (Urk. 51 S. 40 f.).
3. Das Gericht verweist den Ausländer, der – wie der Beschuldigte – wegen
sexuellen Handlungen mit einem Kind im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 StGB verurteilt
wird, unabhängig von der Höhe der Strafe für 5-15 Jahre aus der Schweiz
(Art. 66a Abs. 1 lit. h StGB). Die obligatorische Landesverweisung wegen einer
Katalogtat im Sinne von Art. 66a Abs. 1 StGB greift grundsätzlich unabhängig
von der konkreten Tatschwere (BGE 146 IV 105 E. 3.4.1 S. 108; 144 IV 332
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E. 3.1.3 S. 338 f.; je mit Hinweis). Sie muss zudem unabhängig davon ange-
ordnet werden, ob es beim Versuch geblieben ist und ob die Strafe bedingt,
unbedingt oder teilbedingt ausgesprochen wird (BGE 146 IV 105 E. 3.4.1
S. 108 mit Hinweisen).
4. Von der Landesverweisung kann nur "ausnahmsweise" abgesehen werden,
wenn sie kumulativ (1) einen schweren persönlichen Härtefall bewirken würde
und (2) die öffentlichen Interessen an der Landesverweisung gegenüber den pri-
vaten Interessen des Ausländers am Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen.
Dabei ist der besonderen Situation von Ausländern Rechnung zu tragen, die in
der Schweiz geboren oder aufgewachsen sind (Art. 66a Abs. 2 StGB; sog. Härte-
fallklausel). Die Härtefallklausel dient der Umsetzung des Verhältnismässigkeits-
prinzips (vgl. Art. 5 Abs. 2 BV; BGE 146 IV 105, E. 3.4.2; 144 IV 332, E. 3.1.2 und
E. 3.3.1). Sie ist restriktiv anzuwenden (BGE 144 IV 332, E. 3.3.1). Nach der bun-
desgerichtlichen Rechtsprechung lässt sich zur kriteriengeleiteten Prüfung des
Härtefalls im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB der Kriterienkatalog der Bestimmung
über den "schwerwiegenden persönlichen Härtefall" in Art. 31 Abs. 1 der Verord-
nung vom 24. Oktober 2007 über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit
(VZAE; SR 142.201) heranziehen. Da die Landesverweisung strafrechtlicher Na-
tur ist, sind auch strafrechtliche Elemente wie die Aussichten auf soziale Wieder-
eingliederung des Täters in die Interessenabwägung miteinzubeziehen (BGE 144
IV 332, E. 3.3.2, mit Hinweisen). Zu berücksichtigen sind namentlich der Grad der
(persönlichen und wirtschaftlichen) Integration, einschliesslich familiäre Bindun-
gen des Ausländers in der Schweiz bzw. in der Heimat, Aufenthaltsdauer und Re-
sozialisierungschancen. Ebenso ist der Rückfallgefahr und wiederholten Delin-
quenz Rechnung zu tragen. Dabei darf das Gericht auch vor dem Inkrafttreten
von Art. 66a StGB begangene Straftaten berücksichtigen (BGer 6B_1070/2018
vom 14. August 2019, E. 6.2.2, mit Hinweisen).
5.1. Der Beschuldigte wurde im Jahr 1987 im heutigen Nordmazedonien gebo-
ren, wo er nach Schulabschluss eine Lehre als Mechaniker absolvierte. Im Alter
von 23 Jahren kam er in die Schweiz, um hier eine Frau mit Schweizer Pass zu
heiraten. Die Ehe dauerte bis 2017 und blieb kinderlos. Seit 2018 hatte der
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Beschuldigte eine Freundin, resp. Verlobte, welche im Kosovo lebte, jedoch Ende
2021 bei einem Busunglück verstarb. In der Schweiz hat der Beschuldigte einen
Onkel und dessen Familie im Kanton St. Gallen. Seine Eltern, seine Schwester,
mehrere Cousins und Onkel sowie Freunde leben nach wie vor in Nordmazedoni-
en. Gemäss seinen Aussagen pflegt der Beschuldigte sowohl zu seiner Familie in
Nordmazedonien als auch zu seinen Verwandten in der Schweiz Kontakt. Er
verfügt über die Niederlassungsbewilligung C (Urk. 8/10 S. 2 f., Urk. 24/1; Prot. I
S. 16-18; Urk. 50 S. 1 ff.).
Die Ausführungen der Vorinstanz betreffend den beruflichen Werdegang des
Beschuldigten (Urk. 36 S. 42 mit weiteren Verweisen) können übernommen
werden. Demnach arbeitete der Beschuldigte in der Schweiz bei verschiedenen
Arbeitgebern, allerdings nicht – wie dies der Lebenslauf (Urk. 24/2) suggeriert –
lückenlos. So erklärte der Beschuldigte an der Hauptverhandlung, nie bei
"H._" tätig gewesen zu sein, sondern dies in seinem Lebenslauf lediglich
aufgeführt zu haben, um zu zeigen, dass er auch Arbeiten wie Umzüge und
Transporte erledigen könne. Von 2018 bis 2019 war der Beschuldigte bei der Fir-
ma I._ im Stundenlohn angestellt. Ab November 2019 war der Beschuldigte
arbeitslos und erhielt von der Arbeitslosenkasse Fr. 1'850.– für sich und ein weite-
rer Teil des Arbeitslosengeldes wurde direkt vom Betreibungsamt eingezogen. An
der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 13. Januar 2021 gab der Be-
schuldigte an, ihm sei per Februar 2021 eine Stelle in der Reinigung bei der Firma
J._ in E._ versprochen worden (Urk. 8/10 S. 4). An der Hauptverhand-
lung vom 18. Juni 2021 erklärte der Beschuldigte jedoch unter Vorlage entspre-
chender Unterlagen, immer noch arbeitslos zu sein (Urk. 27). Erneut gab er an,
eine Stelle für die folgende Woche in Aussicht zu haben, diesmal bei den K._
(Prot. I S. 18 und 24). Der Beschuldigte war in der Vergangenheit bereits während
fünf Monaten arbeitslos und wurde von Februar 2017 bis Januar 2018 sowie ab
Februar 2018 vom Sozialamt unterstützt (Prot. I S. 19; Urk. 36 S. 42). Gemäss vor
der Berufungsverhandlung eingereichter Unterlagen war der Beschuldigte in den
Monaten Juli bis November 2021 bei der L._ AG als Spezialreiniger ange-
stellt und bezog ein Gehalt von netto Fr. 2'723 bis Fr. 3'842 (Urk. 49/2-7). Heute
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ist der Beschuldigte offenbar nach wie vor fix angestellt und verdient zwischen Fr.
3'700 und Fr. 3'800.
5.2. Aufgrund des Ausgeführten ist festzuhalten, dass der Beschuldigte nicht nur
seine prägenden Kinder- und Jugendjahre, sondern auch sein Leben als junger
Erwachsener in Nordmazedonien verbrachte. Durch seine Eltern, Schwester und
weiteren Verwandten sowie Freunde hat er nach wie vor einen starken Bezug zu
seinem Heimatland. Seit seiner Scheidung verfügt der Beschuldigte, abgesehen
von einem Onkel und weiter entfernten Verwandten, über keine Familie in der
Schweiz (so auch Vorinstanz, Urk. 36 S. 43). Hinsichtlich seiner beruflichen In-
tegration ist festzuhalten, dass der Beschuldigte seine jeweilige Stelle nie lange
halten konnte, zuletzt von 2019 bis Mitte 2021 ohne Arbeit war und über Schulden
in der Höhe von aktuell Fr. 41'000 verfügt (Urk. 49/2, Urk. 50 S. 3 f. und S. 9). Mit
der Vorinstanz ist schliesslich festzuhalten, dass der Beschuldigte seit seiner
Scheidung keinen wesentlichen Bezug zur Schweiz mehr aufweist (Urk. 36 S. 43).
5.3. Der Beschuldigte ist demzufolge mit seinem Herkunftsland kulturell, sprach-
lich und persönlich enger verwurzelt als mit der Schweiz. Daran vermag auch eine
berufliche Tätigkeit nichts zu ändern (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_19/2021
Erw. 4.2.1. vom 27. September 2021). Dem noch jungen Beschuldigten ist es oh-
ne weiteres zuzumuten, sich in seiner Heimat wieder einzuleben, seinen erlernten
Beruf wieder aufzunehmen, resp. allfällige in der Schweiz erworbenen Fähigkei-
ten anzuwenden und sich sozial zu integrieren. Der Umstand, dass ein Leben in
der Schweiz vor allem wirtschaftlich komfortabler sein dürfte als in Nordmazedo-
nien, begründet keinen Härtefall.
Nach dem Ausgeführten ist klar, dass von einem schweren persönlichen Härtefall
im Sinne von Art. 66a nicht die Rede sein kann.
6. Liegt kein schwerer persönlicher Härtefall vor, erübrigt sich eine weitere
Interessenabwägung nach dem Gesetz (Urteil 6B_548/2020 vom 4. Februar 2021
Erw. 5.5.).
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7. Die Voraussetzungen für ein Absehen von der Landesverweisung gemäss
Art. 66a Abs. 2 StGB sind demzufolge nicht erfüllt. Der Beschuldigte ist in Anwen-
dung von Art. 66a Abs. 1 lit. h StGB des Landes zu verweisen.
8. Die Vorinstanz hat eine Landesverweisung für die Dauer von sechs Jahren
ausgesprochen. Dem ist unter Verweis auf die zutreffenden Erwägungen (Urk. 36
S. 44) sowie angesichts des Verschlechterungsverbots beizupflichten. Die vom
Beschuldigten begangene Tat ist nicht zu bagatellisieren, weshalb eine Reduktion
auf eine Dauer von fünf Jahren nicht angezeigt ist. In Bestätigung der Vorinstanz
ist der Beschuldigte daher für sechs Jahre des Landes zu verweisen.
9.1. Gemäss Art. 24 Abs. 2 SIS-II-VO ist eine strafrechtliche Verurteilung im
Schengener Informationssystem einzugeben, wenn die Straftat eine Gefahr für
die öffentliche Sicherheit oder Ordnung darstellt. Eine Ausschreibung muss auf
der Grundlage einer individuellen Bewertung ergehen und es muss gemäss Art.
21 SIS-II-VO eine Verhältnismässigkeitsprüfung vorgenommen werden, bei wel-
cher die Angemessenheit, Relevanz und Bedeutung des Falles berücksichtigt
wird (BGE 146 IV 172 Erw. 3.2.2.; Urteil vom 12. März 2020, 6B_643/2020, Erw.
4.3.). In der Aufzählung in Art. 24 Abs. 2 SIS-II-VO wird in lit. a erwähnt, dass eine
Ausschreibung insbesondere dann zu erfolgen habe, wenn der Straftäter wegen
einer Straftat verurteilt wurde, die mit Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr
bedroht ist. Dies bedeutet nicht, dass eine Ausschreibung nur in solchen Fällen
erfolgen darf, belegt aber, dass eine Ausschreibung mit einer gewissen Schwere
der Straftat im Zusammenhang stehen muss.
9.2. Die Vorinstanz verzichtete auf die Anordnung einer Ausschreibung der
Landesverweisung im Schengener Informationssystem. Von einer entsprechen-
den Ausschreibung ist vorliegend bereits aufgrund des Verschlechterungsverbots
abzusehen. Ohnehin ist jedoch festzuhalten, dass beim sexuellen Übergriff des
Beschuldigten zu seinen Gunsten von einer spontanen Entgleisung ausgegangen
werden kann. Er ist zumindest nicht einschlägig vorbestraft und es kann ihm keine
ungünstige Prognose gestellt werden. Es rechtfertigte sich deshalb, von einer
SIS-Ausschreibung abzusehen.
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VIII. Berufsausübungsverbot
1. Wird der Beschuldigte wie vorliegend wegen sexueller Handlungen mit ei-
nem Kind zu einer Strafe verurteilt, hat das Gericht diesem gemäss Art. 67 Abs. 3
lit. b StGB lebenslänglich jede berufliche und jede organisierte ausserberufliche
Tätigkeit zu verbieten, die einen regelmässigen Kontakt zu Minderjährigen um-
fasst. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist in casu nicht von einem beson-
ders leichten Fall im Sinne von Art. 67 Abs. 4bis StGB auszugehen, welcher aus-
nahmsweise von der Anweisung eines Tätigkeitsverbotes absehen liesse (Urk. 36
S. 45). Zutreffend hielt die Vorinstanz fest, dass ein entsprechendes Verbot den
Beschuldigten nicht allzu stark belasten dürfte, da dieser bislang eine Arbeitsstel-
le, die den Kontakt zu Kindern oder Jugendlichen umfasste, weder innehatte noch
anstrebt.
2. Demzufolge ist dem Beschuldigten ein lebenslängliches Tätigkeitsverbot im
Sinne von Art. 67 Abs. 3 lit. b StGB zu erteilen, das jede berufliche und jede
organisierte ausserberufliche Tätigkeit umfasst, die einen regelmässigen Kontakt
zu Minderjährigen mit sich bringt.
IX. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Kosten- und Entschädigungsfolgen im erstinstanzlichen Verfahren
Wie bereits ausgeführt, ist die erstinstanzliche Kostenfestsetzung (inklusive die
Entschädigung der amtlichen Verteidigung, Dispositivziffer 10) in Rechtskraft
erwachsen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die erstinstanzliche Kosten-
auflage (Dispositivziffer 11) zu bestätigen.
2. Kosten- und Entschädigungsfolgen im Berufungsverfahren
2.1. Die Gerichtsgebühr ist auf Fr. 3'000.00 zu veranschlagen (Art. 424 Abs. 1
StPO in Verbindung mit § 16 Abs. 1 und § 14 GebV OG).
2.2. Die Kosten im Rechtsmittelverfahren tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei im
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Rechtsmittelverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon ab, in
welchem Ausmass ihre vor Beschwerdeinstanz bzw. Berufungsgericht gestell-
ten Anträge gutgeheissen wurden (THOMAS DOMEISEN, in: Basler Kommentar,
Schweizerische Strafprozessordnung, Bd. II, 2. Aufl. 2014, N. 6 zu Art. 428
StPO).
Der Beschuldigte richtete sich mit seiner Berufung primär gegen den Schuld-
spruch sowie die angeordnete Landesverweisung und unterliegt im Berufungs-
verfahren mit sämtlichen Anträgen vollumfänglich. Ausgangsgemäss sind ihm
die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der amtlichen
Verteidigung, aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Kosten der amtlichen
Verteidigung für das Berufungsverfahren sind auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Eine allfällige Rückerstattungspflicht bleibt vorbehalten (Art. 135 Abs. 4 StPO).
2.3. Die amtliche Verteidigung macht im Berufungsverfahren einen Aufwand
von Fr. 9'477.65 (inkl. MwSt.) geltend (Urk. 52). Angesichts § 18 Abs. 1 i.V.m.
§ 17 Abs. 1 lit. a der Gebührenverordnung und des darin für Einzelrichterfälle
vorgesehenen Maximalbetrags ist Rechtsanwalt lic. iur. HSG X._ für seine
Aufwendungen im Berufungsverfahren pauschal und gesamthaft mit Fr. 8'000.–
(inkl. Auslagen und MwSt.) zu entschädigen.