# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 9b18c43b-245b-539a-a79b-69ed3504c314
**Court:** FR_TC
**Chamber:** FR_TC_010
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** FR / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt
A. Der Steuerpflichtige, geboren im Jahr 1986, absolvierte im Frühling/Sommer 2015 beim Kompetenzzentrum für friedensfördernde Auslandeinsätze der Armee (SWISSINT) die Ausbildung zum Militärbeobachter. Vom 4. September 2015 bis 28. September 2016 verpflichtete er sich für Einsätze der United Nations Truce Supervision Organisation (UNTSO) im Nahen Osten. Dieser Vertrag wurde bis 29. Dezember 2016 verlängert. Der tatsächliche Einsatz dauerte vom 7. September 2015 bis 14. Dezember 2016.
B. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz reichte der Steuerpflichtige am 15. Dezember 2016 die Steuererklärung betreffend die Steuerperiode 2015 bei der Steuerverwaltung des Kantons Freiburg (nachfolgend: Steuerverwaltung) ein.
In der Veranlagungsanzeige vom 19. Januar 2017 setzte die Steuerverwaltung das Einkommen des Steuerpflichtigen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit (Code 1.110) auf CHF 69‘084.- fest, wovon ein Betrag von CHF 37‘089.- auf seine bis zum 31. Juli 2015 in der Schweiz ausgeübte Tätigkeit (IT-Projektleiter bei B._ AG) sowie ein Betrag von CHF 31‘995.- auf seinen Auslandeinsatz (UNTSO-Militärbeobachter im Nahen Osten) entfällt. Unter Berücksichtigung der übrigen Steuerfaktoren ergab sich ein steuerbares Einkommen (Code 7.910) von CHF 62‘673.- (Bund; geschuldete Steuer: CHF 801.95) bzw. CHF 59‘986.- (Kanton; geschuldete Steuer: CHF 5‘322.15). Unter Hinweis auf das Kreisschreiben 1 der Schweizerischen Steuerkonferenz vom 30. Juni 2010 betreffend die Besteuerung von natürlichen Personen im Ausland mit einem Arbeitsverhältnis zum Bund oder zu einer anderen öffentlich-rechtlichen Körperschaft oder Anstalt des Inlandes (nachfolgend: Kreisschreiben) führte die Steuerverwaltung in ihren Bemerkungen aus, dass Steuerpflichtige, welche aufgrund einer Mission für die Swisscoy ihren Wohnsitz im Ausland hätten, keinen neuen Wohnsitz im Ansässigkeitsstaat begründen würden, ungeachtet der Dauer der Mission.
Gegen diese Steuerveranlagung erhob der Steuerpflichtige am 15. Februar 2017 Einsprache, welche er mit Eingabe vom 5. März 2017 ergänzte. Er beantragte, es sei festzustellen, dass seine unbeschränkte Steuerpflicht mit dem Wegzug ins Ausland geendet habe. Zur Begründung machte er geltend, nie Angehöriger der Swisscoy gewesen zu sein, und verwies auf das Urteil des Bundesgerichts 2C_873/2014 vom 8. November 2015, welches einen sehr ähnlichen Sachverhalt (UNTSO-Einsatz von über einem Jahr) behandle. Ausserdem sehe auch das Kreisschreiben vor, dass bei einem ununterbrochenen Aufenthalt im Ausland von länger als einem Jahr die unbeschränkte Steuerpflicht in der Regel mit der Abreise ins Ausland ende (Ziff. 2.2.1 des Kreisschreibens). Der Steuerpflichtige machte Ausführungen zur Dauer seines Einsatzes, zu seinen Wohnverhältnissen, Sprachkenntnissen, Freund- und Bekanntschaften, seiner Teilnahme am gesellschaftlichen Leben sowie seiner in Tel Aviv wohnhaften Freundin, mit der er die meisten Wochenenden sowie einen nicht geringen Teil der Ferien verbracht habe. Seine frühere Mietwohnung in Freiburg sei nach seiner Abreise weitervermietet worden; Grundeigentum besitze er keines.
Mit Einspracheentscheid vom 3. April 2017 wies die Steuerverwaltung die erhobene Einsprache ab. Zur Begründung führte sie an, dass es gemäss ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung für eine Wohnsitzverlegung ins Ausland nicht genüge, die Verbindungen zum bisherigen Wohnsitz zu lösen. Entscheidend sei vielmehr, dass nach den gesamten Umständen ein neuer Wohnsitz begründet werde und die Absicht des dauernden Verbleibens nachgewiesen sei. Diese
Kantonsgericht KG Seite 3 von 13
Voraussetzungen seien vorliegend gerade nicht erfüllt, da sich der Steuerpflichtige nur für eine befristete Zeit habe im Ausland aufhalten wollen. Dafür würden nicht nur das befristete Arbeitsverhältnis, sondern auch die Art seines Einsatzes (Entsendung in ein Krisengebiet) sowie der ebenfalls nur für eine befristete Zeit eingegangene Mietvertrag in Jerusalem sprechen. Sodann habe sich der Steuerpflichtige sofort nach Beendigung seines Einsatzes am 14. Dezember 2016 wieder in der Schweiz angemeldet (per 15. Dezember 2016 im Kanton Wallis, per 6. Januar 2017 in Bern). Heute arbeite er als Geschäftsführer der C._ GmbH und werde von der B._ AG bezahlt. Von derselben Firma sei er bereits vor seiner Abreise nach Israel entschädigt worden. Ausserdem besitze er 16 Stammanteile der C._ GmbH zu CHF 1‘000.-. Der steuerrechtliche Wohnsitz des Steuerpflichtigen befinde sich demzufolge für das ganze Steuerjahr 2015 im Kanton Freiburg, welcher auch zuständig sei für das Inkasso der Bundessteuer. Auch für das Steuerjahr 2016 bestehe im Kanton Freiburg eine unbeschränkte Steuerpflicht, da der Steuerpflichtige im Kanton Wallis keinen steuerrechtlichen Wohnsitz erworben habe.
C. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob der Steuerpflichtige, vertreten durch Rechtsanwalt Raffael Ramel, am 1. Mai 2017 Beschwerde an das Kantonsgericht Freiburg. Er stellt die folgenden Rechtsbegehren:
„1. Der Einspracheentscheid vom 3. April 2017 sei soweit die Kantonssteuer betreffend aufzuheben und es sei festzustellen, dass der Beschwerdeführer in den Steuerjahren 2015 und 2016 im Kanton Freiburg nicht steuerpflichtig ist und keine Kantonssteuer schuldet.
2. Es sei die Sache zu neuer Veranlagung der direkten Bundessteuer 2015 (ohne Kantonssteuer) sowie zur erstmaligen Veranlagung der direkten Bundessteuer 2016 (ohne Kantonssteuer) an die Kantonale Steuerverwaltung zurückzuweisen.
3. Dem Beschwerdeführer sei zu Lasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung gemäss Kostennote zuzusprechen.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge.“
In tatsächlicher Hinsicht bringt der Beschwerdeführer vor, dass Schweizer Militärbeobachter – anders als Angehörige der Swisscoy – nicht als militärisches Kontingent eingesetzt würden, sondern als Einzelpersonen. Er habe deshalb in der UNTSO nicht in einem Camp gelebt, sondern habe – abgesehen von gewissen Einschränkungen aus Sicherheitsgründen – grundsätzlich seinen Wohnort und seine Wohnung frei wählen können. Während der ersten drei Monate habe er zusammen mit anderen Militärbeobachtern in einer gemeinsam gemieteten Wohnung in Tiberias (Israel) gewohnt. Ab Anfang Dezember 2015 bis Mitte Dezember 2016 habe er in Jerusalem gelebt, in einer Mietwohnung zu seiner alleinigen Verfügung. In der arbeitsfreien Zeit habe er am gesellschaftlichen Leben teilgenommen, er spreche aufgrund eines Studienaufenthaltes in Tel Aviv in den Jahren 2012 bis 2013 hebräisch und habe viele Freunde und Bekannte in Israel. Die meisten Wochenenden sowie die Ferien habe er bei seiner in Tel Aviv wohnhaften Freundin/Verlobten verbracht, die er während seines Studienaufenthaltes kennengelernt habe. Während seines Auslandeinsatzes sei er lediglich für wenige Tage über Weihnachten 2015, für eine Woche im Sommer 2016 sowie Ende Oktober 2016 zur Erneuerung des Arbeitsvisums in die Schweiz gereist. Mitte Dezember 2016 sei er definitiv in die Schweiz zurückgekehrt, seine Verlobte sei ihm am 21. Dezember 2016 mit einem Touristenvisum nachgereist. Das Ehevorbereitungsverfahren laufe, zurzeit warte die Verlobte noch auf das Visum der Schweizer
Kantonsgericht KG Seite 4 von 13
Botschaft in Israel. In rechtlicher Hinsicht rügt der Beschwerdeführer eine Verletzung des rechtlichen Gehörs, da sich die Steuerverwaltung weder mit dem Kreisschreiben noch mit dem von ihm angeführten Bundesgerichtsurteil auseinandergesetzt habe. Sodann treffe es nicht zu, dass es sich im vorliegenden Fall lediglich um eine steuerlich unbeachtliche vorübergehende Unterbrechung des tatsächlichen Aufenthalts am steuerlichen Wohnsitz gehandelt habe. Dies sei schon allein deshalb offensichtlich falsch, weil er nach seiner Rückkehr aus Israel unbestrittenermassen nicht mehr an seine frühere Adresse in Freiburg gezogen sei, sondern sich zunächst im Kanton Wallis und dann in Bern angemeldet habe. Zudem habe er mit der Kündigung seiner Wohnung in Freiburg per Anfang September 2015 und seiner Abmeldung ins Ausland eindeutig und unmissverständlich seine Absicht dargetan, seinen Wohnsitz in Freiburg aufgeben zu wollen. Mit der Arbeitsaufnahme in Israel, welche von Anfang an für mehr als ein Jahr beabsichtigt gewesen sei, dem Eingehen eines Mietverhältnisses zuerst in Tiberias und danach in Jerusalem sowie dem Verbringen seiner Freizeit und Ferien zusammen mit seiner Freundin/Verlobten in Israel habe er unmissverständlich gezeigt, dass er den Mittelpunkt seiner persönlichen und ökonomischen Beziehungen und damit seinen Lebensmittelpunkt nach Israel verlegt habe. Sein Wohnsitz in Freiburg sei damit mit seinem Wegzug ins Ausland Anfang September 2015 aufgegeben worden und er für die Steuerjahre 2015 und 2016 nicht im Kanton Freiburg steuerpflichtig.
Der mit Verfügung vom 5. Mai 2017 auf CHF 800.- festgesetzte Kostenvorschuss wurde am 10. Mai 2017 geleistet.
In ihren Bemerkungen vom 17. Juli 2017 beantragt die Steuerverwaltung die Abweisung der Beschwerde. Sie vertritt den Standpunkt, den Anspruch auf rechtliches Gehör nicht verletzt zu haben. Weiter wird ausgeführt, dass das Kreisschreiben vorsehe, dass für alle militärischen Einsätze der Swisscoy ohne Rücksicht auf die Dauer des Auslandaufenthaltes eine durchgehende Steuerpflicht in der Schweiz bestehe. Es gebe keinen objektiven Grund dafür, das im UNTSO angestellte Personal in steuerlicher Hinsicht anders zu behandeln als jenes der Swisscoy, seien doch die Swisscoy und die UNTSO einfach in verschiedenen Einsatzgebieten tätig. Folglich rechtfertige die Abreise des Beschwerdeführers aus der Schweiz für zwei aufeinander folgende Einsätze nicht die Begründung eines Wohnsitzes im Ausland. Ohne Begründung eines neuen Wohnsitzes im Ausland bleibe der Wohnsitz in Freiburg während der Steuerperiode 2015 bestehen. Das Gleiche gelte für die Steuerperiode 2016, da die Anmeldung im Kanton Wallis per 15. Dezember 2016 noch nicht darauf schliessen lasse, dass der Beschwerdeführer dort einen Wohnsitz begründet habe. Die Tatsache, dass der Beschwerdeführer gleich nach seiner Rückkehr in der Schweiz einen Wohnsitz in Bern begründet habe und während seines Einsatzes im Ausland Inhaber und Gesellschafter der von ihm im Jahr 2014 gegründeten Gesellschaft geblieben sei, zeuge vom fehlenden Willen, einen ständigen Wohnsitz im Ausland zu begründen. Es sei deshalb gerechtfertigt, den Beschwerdeführer für die Steuerperioden 2015 und 2016 der kantonalen Steuerpflicht zu unterstellen. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass der Beschwerdeführer die Zuständigkeit des Kantons Freiburg für den Bezug der direkten Bundessteuer nicht bestreite.
Die Eidgenössische Steuerverwaltung verzichtete auf eine Vernehmlassung.
Ein zweiter Schriftenwechsel wurde nicht durchgeführt.

## Considerations

Erwägungen
Kantonsgericht KG Seite 5 von 13
1. Prozessuales