# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 008149fe-036d-4509-84ab-f4507ecdea9a
**Court:** AG_OG
**Chamber:** AG_OG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** AG / Northwestern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Obergericht entnimmt den Akten:
1.
Die Parteien heirateten am tt.mm.jjjj in der Türkei. Aus der Ehe sind die
Kinder C., geboren am tt.mm. 2000, D., geboren am tt.mm. 2005, und E.,
geboren am tt.mm. 2009, hervorgegangen.
2.
2.1.
Mit Klage vom 2. Dezember 2020 stellte die Klägerin beim Gerichts-
präsidium Brugg die folgenden Eheschutzbegehren:
"1. Es sei der Gesuchstellerin das Getrenntleben zu bewilligen.
2. Die eheliche Wohnung [...] in Q. sei der Gesuchstellerin und den beiden minderjährigen Kindern D. und E. zur alleinigen Benutzung zuzuweisen.
3. Der Gesuchsgegner sei anzuweisen, die eheliche Wohnung baldmöglichst unter Zurücklassung aller zugehöriger Schlüssel zu verlassen.
4. Die elterliche Obhut über die Kinder D., geb. am tt.mm. 2005, und E., geb. am tt.mm. 2009, sei bei der Gesuchstellerin zu belassen.
5. Das Kontaktrecht des Gesuchsgegners den Kindern gegenüber sei gerichtlich festzulegen.
6. Der Gesuchsgegner sei zu verpflichten, der Gesuchstellerin an den Unterhalt der Kinder monatlich vorschüssig Beiträge gemäss Beweisergebnis (Bar- und Betreuungsunterhalt) zuzüglich allfällig bezogene Kinderzulagen zu bezahlen und zwar beginnend mit der getrennten Wohnsitznahme.
7. Eventuell sei der Gesuchsgegner zu verpflichten, der Gesuchstellerin persönliche Unterhaltsbeiträge zu bezahlen und zwar und zwar beginnend mit der getrennten Wohnsitznahme.
8. Der Gesuchsgegner sei gestützt auf Art. 170 ZGB zu verpflichten, der Gesuchstellerin Auskunft über sein Einkommen, Vermögen und Schulden durch Vorlage aller notwendiger Dokumente zu geben.
9. Es sei per 1. Dezember 2020 die Gütertrennung anzuordnen.
- 3 -
10. Der Gesuchsgegner sei zu verpflichten, der Gesuchstellerin einen  von Fr. 4'000.00, Nachforderungsrecht vorbehalten, zu bezahlen.
11. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Gesuchsgegners."
2.2.
Mit Klageantwort vom 4. Februar 2021 beantragte der Beklagte:
"1. Es sei den Parteien das Getrenntleben zu bewilligen.
2. 2.1. Die eheliche Wohnung am [...] in Q. sei für die Dauer des Getrenntlebens dem Gesuchsgegner zur alleinigen Nutzung zuzuweisen.
2.2. [...]
2.3. [...]
3. 3.1. Die gemeinsamen Kinder D., geb. am tt.mm. 2005, und E., geb. am tt.mm. 2009, seien für die Dauer des Getrenntlebens unter die Obhut der Gesuchstellerin zu stellen.
3.2. Es sei davon Vormerk zu nehmen, dass die mündige Tochter C., geb. tt.mm. 2000, bei der Gesuchstellerin wohnhaft ist.
4. 4.1 Der Gesuchsgegner sei berechtigt und verpflichtet zu erklären, die Kinder D., geb. am tt.mm. 2005, und E., geb. am tt.mm. 2009, auf eigene Kosten wie folgt zu betreuen:
[...]
4.2 [...]
5. Der Gesuchsgegner sei zu verpflichten, an den Unterhalt von E. und D. monatlich im Voraus folgende Unterhaltsbeiträge zu bezahlen:
1. Phase: bis 31. März 2021
- Barbedarf von je CHF 750.00, zzgl. allfällig bezogener Kinderzulagen,
sowie
- 4 -
- Betreuungsunterhalt für E. von CHF 960.00.
2. Phase: ab 1. April 2021 bis 30.Juni 2021
- Barbedarf von CHF 750.00 für E. und von CHF 750.00 für D., zzgl.
allfällig bezogener Kinderzulagen,
sowie
- Betreuungsunterhalt für E. von CHF 334.00.
3. Phase: ab 1. Juli 2021 bis 31. August 2023
- Barbedarf von CHF 730.00 für E. und von CHF 680.00 für D., zzgl.
allfällig bezogener Kinderzulagen,
sowie
- Betreuungsunterhalt für E. von CHF 276.00.
4. Phase: ab 1. September 2023
- Barbedarf von je CHF 1'340.00, zzgl. allfällig bezogener Kinderzulagen.
6. Der Gesuchsgegner sei zu verpflichten an den persönlichen Unterhalt der Gesuchstellerin folgende Beiträge monatlich im Voraus zu bezahlen:
ab 1. September 2023
- CHF 156.30.
7. Die von der Gesuchstellerin am 8. Dezember 2020 bezogenen Geldbeträge von CHF 1'900 vom gemeinsamen Bankkonto bei der Credit Suisse, vormals Neue Aargauerbank, und von CHF 2'400.00 vom gemeinsamen Bankkonto bei der Aargauer Kantonalbank, total CHF 4'300.00, seien an den  der gemeinsamen Kinder und der Gesuchstellerin anzurechnen.
8. 8.1 Der Gesuchsgegner sei für berechtigt und verpflichtet zu erklären, die Verwaltung der Eigentumswohnung an der [...] in Q. zu besorgen und in dieser Funktion erforderliche Unterhalts- und Reparaturarbeiten in Auftrag zu geben.
8.2. Der Gesuchsgegner sei zu verpflichten, ein Liegenschaftskonto zu eröffnen und sämtlichen Zahlungsverkehr (Einnahmen sowie Ausgaben) betreffend die besagte Eigentumswohnung über dieses Konto abzuwickeln. Die  ist berechtigt, auf erstes Verlangen Einblick in die Kontounterlagen zu erhalten.
8.3. Der Gesuchsgegner erstellt jeweils bis spätestens Ende Februar des Folgejahres eine Abrechnung per Ende Jahr. Einen allfälligen Gewinn wird hälftig zwischen den Parteien geteilt. Einen allfälligen Verlust tragen die Parteien ebenfalls je zur Hälfte.
- 5 -
9. Es sei die Gütertrennung per 1. Dezember 2020 anzuordnen.
10. 10.1. Der Antrag auf Leistung eines Prozesskostenvorschusses sei mangels Leistungsfähigkeit des Gesuchsgegners abzuweisen.
10.2. Eventualiter für den Fall, dass Ziffer 9.1. nicht gutgeheissen wird, sei der Gesuchsgegner zur Leistung eines Kostenvorschusses von CHF 4'000.00 inkl. MwSt. zu verpflichten, unter Anrechnung Akonto Güterrecht.
11. Unter den ordentlichen Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.)."
2.3.
2.3.1.
An der Verhandlung vom 21. Mai 2021 stellte die Klägerin in der Replik die
folgenden Anträge:
"1. Festhalten an den Begehren gemäss Gesuch vom 2. Dezember 2020 mit folgenden Präzisierungen:
Ziffer 1: Es sei festzustellen, dass die Parteien seit 6. Januar 2021
getrennt leben.
Ziffer 6: Der Gesuchsgegner sei zu verpflichten, der Gesuchstellerin an den Unterhalt der beiden minderjährigen Kinder D. und E. monatlich vorschüssig die folgenden Beiträge zu bezahlen (und zwar rückwirkend ab getrennter Wohnsitznahme), zuzüglich bezogene Kinder- bzw. Ausbildungszulagen:
Sohn D. Barunterhalt Fr. 907.00 Betreuungsunterhalt Fr. 1'084.00 Anteil am Überschuss Fr. 1'255.00 Fr. 3'246.00
Tochter E. Barunterhalt Fr. 866.00 Betreuungsunterhalt Fr. 1'084.00 Anteil am Überschuss Fr. 1'255.00 Fr. 3'205.00
Ziffer 7: Der Gesuchsgegner sei zu verpflichten, der Gesuchstellerin einen persönlichen Unterhaltsbeitrag von monatlich vorschüssig Fr. 2'510.00 zu bezahlen und zwar rückwirkend ab getrennter Wohnsitznahme.
Ziffer 8 (Ergänzung): [...]
2. Soweit der Gesuchsgegner Anderes oder Weitergehendes verlangt, seien diese Begehren abzuweisen.
- 6 -
3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen."
2.3.2.
In der Duplik beantragte der Beklagte in Abänderung des in Ziffer 7 der
Klageantwort gestellten Rechtsbegehrens, die seit Dezember 2020 von
ihm geleisteten Unterhaltszahlungen und Leistungen von total
Fr. 32'040.85 seien an den Unterhaltsanspruch der gemeinsamen Kinder
und der Klägerin anzurechnen. Im Übrigen hielt der Beklagte an seinen
Rechtsbegehren fest.
2.3.3.
Anschliessend wurden die Parteien befragt und sie nahmen abschliessend
zum Beweisergebnis Stellung.
2.4.
Mit Teilentscheid vom 20. September 2021 wurden der Teilvergleich der
Parteien vom 13./15. August 2021 betreffend Obhut, Besuchsrecht sowie
Errichtung einer Besuchsrechtsbeistandschaft gerichtlich genehmigt und
damit Bestandteil des Urteilsdispositivs. Das Verfahren wurde bezüglich
Getrenntleben, Zuteilung der ehelichen Wohnung und Herausgabe von
Gegenständen zufolge Vergleichs von der Kontrolle abgeschrieben.
Zudem wurde per 1. Dezember 2020 die Gütertrennung angeordnet.
2.5.
Am 21. Januar 2022 fällte die Gerichtspräsidentin von Brugg den folgenden
Teilentscheid:
"1.
1.1.
Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin an den Unterhalt von
D. monatlich vorschüssig mit Wirkung ab 1. Januar 2021 folgende Beträge,
zuzüglich allfällige Kinder- und/oder Ausbildungszulagen, zu bezahlen:
- Fr. 1'543.55 vom 1. Januar bis 31. März 2021
(davon Fr. 202.95 Betreuungsunterhalt)
- Fr. 2'217.30 vom 1. April bis zum 31. Juli 2021
(davon Fr. 888.15 Betreuungsunterhalt)
- Fr. 1'742.95 vom 1. August bis 31. Oktober 2021
- (davon Fr. 888.15 Betreuungsunterhalt)
- Fr. 1'193.55 ab 1. November 2021 bis 30. April 2022
(davon Fr. 0.00 Betreuungsunterhalt)
- Fr. 1'418.40 ab 1. Mai 2022 bis 30. April 2023
(davon Fr. 0.00 Betreuungsunterhalt)
- 7 -
- Fr. 1'398.95 ab 1. Mai 2023 bis zur Volljährigkeit bzw. bis eine
angemessene Ausbildung ordentlicherweise
abgeschlossen werden kann
(davon Fr. 0.00 Betreuungsunterhalt)
1.2.
Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin an den Unterhalt von
E. monatlich vorschüssig mit Wirkung ab 1. Januar 2021 folgende Beträge,
zuzüglich allfällige Kinder- und/oder Ausbildungszulagen, zu bezahlen:
- Fr. 1'479.45 vom 1. Januar bis 31. März 2021
(davon Fr. 202.95 Betreuungsunterhalt)
- Fr. 2'164.65 vom 1. April bis zum 31. Juli 2021
(davon Fr. 888.15 Betreuungsunterhalt)
- Fr. 1'713.35 vom 1. August bis 31. Oktober 2021
- (davon Fr. 888.15 Betreuungsunterhalt)
- Fr. 3'221.85 vom 1. November 2021 bis 30. April 2022
(davon Fr. 2'007.90 Betreuungsunterhalt)
- Fr. 1'878.35 vom 1. Mai 2022 bis 30. April 2023
(davon Fr. 474.05 Betreuungsunterhalt)
- Fr. 1'384.85 ab 1. Mai 2023 bis zur Volljährigkeit bzw. bis eine
angemessene Ausbildung ordentlicherweise
abgeschlossen werden kann
(davon Fr. 0.00 Betreuungsunterhalt)
1.3.
Darüber hinaus wird der Gesuchsgegner verpflichtet, sich nach vorheriger
Absprache an den ausserordentlichen Kosten im Sinne von Art. 286
Abs. 3 ZGB hälftig zu beteiligen, namentlich betreffend a.o. Arztkosten,
Nachhilfestunden, Brillen, Schullager, Hobbys, Sportausrüstungen etc., sobald
sie den Betrag von Fr. 200.00 überschreiten und nicht eine Versicherung
(beispielsweise die Krankenkassen oder die IV) für diese Kosten aufkommt.
2.
Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin an den persönlichen
Unterhalt monatlich vorschüssig mit Wirkung ab 1. Januar 2021 folgende
Beträge zu bezahlen:
- Fr. 2'278.05 vom 1. Januar bis 31. März 2021
- Fr. 1'007.55 vom 1. April bis zum 31. Juli 2021
- Fr. 47.35 vom 1. August bis 31. Oktober 2021
- Fr. 641.45 vom 1. November 2021 bis 30. April 2022
- Fr. 2'276.50 vom 1. Mai 2022 bis 30. April 2023
- Fr. 2'216.05 ab 1. Mai 2023
3.
Der Gesuchsgegner wird berechtigt, bereits geleistete Unterhaltsbeiträge in der
Höhe von Fr. 16'206.35 an die rückwirkend geschuldeten Unterhaltsbeiträge
gemäss Ziffern 1 und 2 hiervor anzurechnen.
- 8 -
4.
Bei der Festsetzung der Unterhaltsbeiträge wurde von folgenden Werten
ausgegangen:
Gesuchstellerin:
- Monatliches Nettoeinkommen
(inkl. 13. Monatslohn, exkl. Kinder- / Ausbildungszulagen)
ab 1. Januar bis 31. März 2021 Fr. 1'820.40
ab 1. April 2021 bis 30. April 2022 Fr. 450.00
ab 1. Mai 2022 bis 30 April 2023 Fr. 2'250.00
ab 1. Mai 2023 Fr. 3'350.00
- Vermögen p.m.
- familienrechtlicher Bedarf
ab 1. Januar bis 31. Oktober 2021 Fr. 2'226.25
ab 1. November 2021 bis 30. April 2022 Fr. 2'457.90
ab 1. Mai 2022 bis 30. April 2023 Fr. 2'724.05
ab 1. Mai 2023 Fr. 2'745.15
Gesuchsgegner:
- Monatliches Nettoeinkommen Fr. 12'774.20
(inkl. 13. Monatslohn, exkl. Kinder- / Ausbildungszulagen)
- Vermögen p.m.
- familienrechtlicher Bedarf
ab 1. Januar bis 31. März 2021 Fr. 5'195.05
ab 1. April bis 31. Juli 2021 Fr. 6'377.10
ab 1. August bis 31. Oktober 2021 Fr. 9'223.15
ab 1. November 2021 bis 30. April 2022 Fr. 7'075.85
ab 1. Mai 2022 bis 30. April 2023 Fr. 4'924.45
ab 1. Mai 2023 Fr. 4'953.40
D.:
- Monatliches Nettoeinkommen
(inkl. 13. Monatslohn, exkl. Kinder- / Ausbildungszulagen)
bis 31. Oktober 2021 Fr. 200.00
ab 1. November 2021 Fr. 250.00
- Vermögen p.m.
- familienrechtlicher Bedarf
ab 1. Januar bis 31. Oktober 2021 Fr. 1'031.10
ab 1. November 2021 bis 30. April 2022 Fr. 1'122.80
ab 1. Mai 2022 bis 30. April 2023 Fr. 1'158.90
ab 1. Mai 2023 Fr. 1'139.45
E.:
- Monatliches Nettoeinkommen Fr. 200.00
(inkl. 13. Monatslohn, exkl. Kinder- / Ausbildungszulagen)
- Vermögen p.m.
- familienrechtlicher Bedarf
ab 1. Januar bis 31. Oktober 2021 Fr. 1'001.50
ab 1. November 2021 bis 30. April 2022 Fr. 1'093.20
ab 1. Mai 2022 bis 30. April 2023 Fr. 1'129.30
ab 1. Mai 2023 Fr. 1'109.85
- 9 -
5.
Im Übrigen werden die Anträge abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.
6.
Die Entscheidgebühr für den begründeten Entscheid von Fr. 4'000.00 wird den
Parteien je im Betrag von Fr. 2'000.00 auferlegt.
7.
Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen."
3.
3.1.
Gegen den ihm am 4. Mai 2022 zugestellten begründeten Entscheid erhob
der Beklagte am 16. Mai 2022 fristgerecht Berufung und stellte folgende
Anträge:
"1.
Es seien die Ziffern 1.1 und 1.2 und die Ziffern 2. – 4. des (Teil)Urteils vom
21. Januar 2022 aufzuheben und es sei stattdessen wie folgt zu entscheiden:
1.1.
Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin an den Unterhalt von
D. monatlich vorschüssig ab 1. Januar 2021 folgende Beträge, zzg. allfällige
Kinder- und/oder Ausbildungszulagen, zu bezahlen:
- 1. Januar bis 31. März 2021 CHF 1'209.00
(inkl. CHF 203.00 Betreuungsunt.).
- 1. April bis 31. Juli 2021 CHF 1'002.00.
- 1. August bis 31. Oktober 2021 CHF 831.00
- 1. November 2021 bis 30. April 2022 CHF 963.00
- 1. Mai 2022 bis 30. April 2023 CHF 1'418.00.
- 1. Mai 2023 bis zur Volljährigkeit bzw. bis eine angemessene
Ausbildungordentlicherweise abgeschlossen ist CHF 1'398.00.
1.2.
Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin an den Unterhalt von
E. monatlich vorschüssig ab 1. Januar 2021 folgende Beträge, zzg. allfällige
Kinder- und/oder Ausbildungszulagen, zu bezahlen:
- 1. Januar bis 31. März 2021 CHF 1'179.00
(inkl. CHF 203.00 Betreuungsunt.).
- 1. April bis 31. Juli 2021 CHF 972.00.
- 1. August bis 31. Oktober 2021 CHF 802.00.
- 1. November 2021 bis 30. April 2022 CHF 984.00.
- 1. Mai 2022 bis 30. April 2023 CHF 1'404.00.
- 1. Mai 2023 bis zur Volljährigkeit bzw. bis eine angemessene Ausbildung
ordentlicherweise abgeschlossen ist CHF 1'384.00.
- 10 -
2.
Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin an den persönlichen
Unterhalt monatlich vorschüssig ab 1. Januar 2021 folgende Beträge zu
bezahlen:
- 1. Januar bis 31. März 2021 CHF 350.00.
- 1. April bis 31. Juli 2021 CHF 59.00.
- 1. August bis 31. Oktober 2021 CHF 00.00.
- 1. November 2021 bis 30. April 2022 CHF 182.00.
- 1. Mai 2022 bis 30. April 2023 CHF 338.00.
- 1. Mai 2023 bis zur Volljährigkeit bzw. bis eine angemessene Ausbildung
ordentlicherweise abgeschlossen ist CHF 383.00.
3.
a)
Der Gesuchsgegner wird berechtigt erklärt, bereits geleistete Unterhalts-
beiträge in der Höhe von CHF 41'048.65 (Stand 15.05.2022) an die rückwirkend
geschuldeten Unterhaltsbeiträge gemäss Ziffer 1 und 2 hiervor anzurechnen.
b)
Es sei dem Gesuchsgegner rechtzeitig vor der Ausfällung des obergerichtlichen
Urteils Gelegenheit zu geben, die weiteren anzurechnenden Unterhalts-
zahlungen für die Zeit ab 16. Mai 2022 mitzuteilen und zu belegen und ihm auch
diesbezüglich das Anrechnungsrecht zuzusprechen. Eventualiter seien für die
Zeit ab 16. Mai 2022 (erstmals Zahlung im Mai) weitere monatliche Unter-
haltszahlungen von CHF 3'000.00 zu berücksichtigen und anrechenbar zu
erklären.
4.
Es seien die massgeblichen Einkommen und Bedarfswerte im angefochtenen
Urteil gemäss den obigen Anträgen und den nachfolgenden Ausführungen zu
korrigieren und im obergerichtlichen Urteil festzuhalten.
5.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen im Berufungsverfahren zulasten der
Gesuchstellerin."
3.2.
In der Berufungsantwort vom 9. Juni 2022 beantragte die Klägerin die
kostenfällige Abweisung der Berufung.
3.3.
Es folgten weitere Eingaben des Beklagten vom 22. Juni 2022 und der
Klägerin vom 4. Juli 2022.
- 11 -

## Considerations

Das Obergericht zieht in Erwägung:
1.
Gegen den angefochtenen Entscheid ist als Rechtsmittel die Berufung ge-
geben (Art. 308 Abs. 1 lit. b ZPO). Mit Berufung können beim Obergericht
als Rechtsmittelinstanz (§ 10 lit. c EG ZPO) die unrichtige Rechtsanwen-
dung und die unrichtige Feststellung des Sachverhalts geltend gemacht
werden (Art. 310 ZPO). Die Berufung ist schriftlich und begründet
einzureichen (Art. 311 Abs. 1 ZPO); sie hat Rechtsmittelanträge zu
enthalten, was sich aus der Begründungspflicht ergibt (REETZ/THEILER, in:
SUTTER-SOMM/HASENBÖHLER/LEUENBERGER [Hrsg.], Kommentar zur
Schweizerischen Zivilprozessordnung, 3. Aufl., Zürich 2016 [ZPO-Komm.],
N. 34 zu Art. 311 ZPO mit div. Hinweisen). In der Berufungsbegründung
(Art. 311 Abs. 1 ZPO) hat sich der Berufungskläger mit der Begründung im
erstinstanzlichen Entscheid im Einzelnen und sachbezogen auseinander
zu setzen (REETZ/THEILER, [ZPO-Komm., a.a.O., N. 36 zu Art. 311 ZPO).
Mit blossen Wiederholungen der eigenen Vorbringen vor erster Instanz, die
von dieser bereits abgehandelt wurden, wird dem Begründungserfordernis
nicht Genüge getan (HUNGERBÜHLER/BUCHER, in: DIKE-Kommentar ZPO,
2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2016, N. 27 ff. zu Art. 311 ZPO). Die
Beanstandungen am angefochtenen Entscheid haben die Parteien innert
der Berufungs- bzw. Berufungsantwortfrist vollständig vorzutragen; ein
allfälliger zweiter Schriftenwechsel oder die Ausübung des Replikrechts
dienen nicht dazu, die bisherige Kritik zu vervollständigen oder gar neue
vorzutragen. Die Rechtsmittelinstanz ist sodann nicht gehalten, von sich
aus alle sich stellenden tatsächlichen und rechtlichen Fragen zu
untersuchen, wenn die Parteien diese in oberer Instanz nicht mehr
vortragen. Das Obergericht beschränkt sich – abgesehen von
offensichtlichen Mängeln – grundsätzlich auf die Beurteilung der in der
Berufung und der Antwort auf diese gegen das erstinstanzliche Urteil
erhobenen Beanstandungen (BGE 142 III 413 Erw. 2.2.4). Tatsachen sind
dabei in der Rechtsschrift selber darzulegen; eine blosse Verweisung auf
die Beilagen reicht in aller Regel nicht (BGE 4A_281/2017 Erw. 5). Die
Einschränkung, dass im Berufungsverfahren das Vorbringen neuer Tatsa-
chen und Beweismittel nur im Rahmen von Art. 317 Abs. 1 ZPO möglich ist
(BGE 138 III 625 Erw. 2.2), gilt bei Kinderbelangen nicht (BGE 144 III 349
Erw. 4.2.1). Entgegen der Auffassung der Klägerin (Berufungsantwort S. 3)
ist es daher zulässig, in Kinderbelangen im Berufungsverfahren sämtliche
Vorbringen geltend zu machen und sämtliche Beweismittel einzureichen.
Im Bereich der Kinderbelange gilt die Erforschungsmaxime (Art. 296 Abs. 1
ZPO) und der Richter ist nicht an die Parteianträge gebunden (Offizialma-
xime, Art. 296 Abs. 3 ZPO). Die Untersuchungs- resp. Erforschungs-
maxime befreien die Parteien sodann weder von ihrer Behauptungs- und
Substantiierungslast noch von ihrer Mitwirkungspflicht, d.h. es liegt auch in
diesem Fall an ihnen, die erforderlichen tatsächlichen Grundlagen für die
- 12 -
geltend gemachten Ansprüche darzutun und die Beweise für die vorge-
brachten Tatsachen vorzulegen resp. zu beantragen (BGE 140 III 485 Erw.
3.3; BGE 5A_855/2017 Erw. 4.3.2, 5A_485/2012 Erw. 5). Verweigert eine
Partei die Mitwirkung, kann sich dies zu ihrem Nachteil auswirken. Bleiben
prozessrelevante Tatsachen beweislos, unterliegt diejenige Partei welche
die Beweislast trägt (vgl. GEHRI, in: Schweizerische Zivilprozessordnung,
Basler Kommentar [BSK-ZPO], 3. Aufl., Basel 2017, N. 17 zu Art. 55 ZPO).
Der Sachverhalt ist glaubhaft zu machen (BGE 5A_239/2017 Erw. 2.3).
2.
Die Vorinstanz berechnete den Unterhaltsanspruch der Kinder und der
Klägerin nach der vom Bundesgericht grundsätzlich für verbindlich
erklärten Methode der Existenzminima mit Überschussverteilung (vgl. zum
Ganzen hinten Erw. 6.1.).
Die Vorinstanz ging dabei von sechs Phasen aus (1. Phase: 1. Januar 2021
bis 31. März 2021 [Verlust Arbeitsstelle Klägerin]; 2. Phase: 1. April 2021
bis 31. Juli 2021; 3. Phase: 1. August 2021 [Beginn Mietverhältnis
Beklagter] bis 31. Oktober 2021 [16. Geburtstag D. am tt.mm. 2021]; 4.
Phase: 1. November 2021 bis 30. April 2022 [Ablauf Umstellungsfrist für
Stellensuche der Klägerin]; 5. Phase: 1. Mai 2022 bis 30. April 2023 [Ablauf
Umstellungsfrist für Pensumserhöhung der Klägerin]; 6. Phase: 1. Mai 2023
bis 31. Oktober 2023 [Volljährigkeit D. am tt.mm. 2023]).
Beim Beklagten ging die Vorinstanz von einem monatlichen
Nettoeinkommen von Fr. 12'324.20 und bei der Klägerin in der ersten
Phase von Fr. 1'370.40 aus. Zudem rechnete die Vorinstanz den Parteien
aus der Vermietung von zwei Eigentumswohnungen Mietzinseinnahmen
von je Fr. 450.00 an, woraus Gesamteinkommen von Fr. 12'774.20 für den
Beklagten und von Fr. 1'820.40 für die Klägerin resultierten. In der Zeit vom
1. April 2021 bis zum 30. April 2022 rechnete die Vorinstanz der Klägerin
lediglich die Mietzinseinnahmen von monatlich Fr. 450.00 als Einkommen
an. Ab 1. Mai 2022 ging die Vorinstanz von einem erzielbaren Einkommen
der Klägerin von monatlich Fr. 2'250.00 (Fr. 1'800.00 Erwerbseinkommen,
Fr. 450.00 Mietzinseinnahmen) und ab 1. Mai 2023 von Fr. 3'350.00
(Fr. 2'900.00 Erwerbseinkommen, Fr. 450.00 Mietzinseinnahmen) aus.
Den Kindern E. und D. rechnete die Vorinstanz die Kinderzulagen von
monatlich Fr. 200.00 bzw. (ab dem 16. Altersjahr) die Ausbildungszulagen
von Fr. 250.00 als Einkommen an.
Das familienrechtliche Existenzminimum des Beklagten bestimmte die
Vorinstanz in der ersten Phase mit Fr. 5'195.05 (Grundbetrag: Fr. 1'100.00;
Wohnkosten: Fr. 800.00; Krankenkasse: Fr. 388.35; Steuern: Fr. 2'000.00;
Kommunikationspauschale: Fr. 150.00; Versicherungspauschale:
Fr. 30.00; Abzahlung Schulden/Amortisation: Fr. 666.70; VVG: Fr. 60.00),
- 13 -
dasjenige der Klägerin mit Fr. 2'226.25 (Grundbetrag: Fr. 1'100.00;
Wohnkosten: Fr. 872.50; abzüglich Wohnkostenanteil Kinder: Fr. 500.00;
Krankenkasse: Fr. 418.15; Steuern: Fr. 2.50; Kommunikationspauschale:
Fr. 200.00; Versicherungspauschale: Fr. 30.00; VVG: Fr. 103.10),
dasjenige von D. mit Fr. 1'031.10 (Grundbetrag: Fr. 600.00; Wohnkosten-
anteil: Fr. 250.00; Krankenkasse: Fr. 100.00; Auslagen Schule: Fr. 69.00;
VVG: Fr. 12.10) und dasjenige von E. mit Fr. 1'001.50 (Grundbetrag:
Fr. 600.00; Wohnkostenanteil: Fr. 250.00; Krankenkasse: Fr. 100.00; VVG:
Fr. 51.50). In der zweiten Phase bestimmte die Vorinstanz das
familienrechtliche Existenzminimum des Beklagten mit Fr. 6'377.10 (neu:
Abzahlung Schulden: Fr. 1'182.05) und in der dritten Phase mit Fr. 9'223.15
(neu: Grundbetrag: Fr. 1'200.00; Wohnkosten: Fr. 1'500.00; Abzahlung
Schulden/Amortisation: Fr. 3'894.80). In der vierten Phase bestimmte die
Vorinstanz das familienrechtliche Existenzminimum des Beklagten mit
Fr. 7'075.85 (neu: Steuern: Fr. 1'133.35; Abzahlung Schulden/
Amortisation: Fr. 2'614.15), der Klägerin mit Fr. 2'457.90 (neu:
Stellensuche: Fr. 50.00; Steuern: Fr. 184.15), von D. mit Fr. 1'122.80 und
von E. mit Fr. 1'093.20 (neu: Steuern: je Fr. 91.70). In der fünften Phase
bestimmte die Vorinstanz das familienrechtliche Existenzminimum des
Beklagten mit Fr. 4'924.45 (neu: Steuern: Fr. 786.15; Abzahlung
Schulden/Amortisation: Fr. 809.95), der Klägerin mit Fr. 2'724.05 (neu:
auswärtige Verpflegung: Fr. 100.00; Arbeitswegkosten: Fr. 144.75;
Steuern: Fr. 255.55), von D. mit Fr. 1'158.90 und von E. mit Fr. 1'129.30
(neu: Steuern: je Fr. 127.80). In der sechsten Phase bestimmte die
Vorinstanz das familienrechtliche Existenzminimum des Beklagten mit
Fr. 4'953.40 (neu: Steuern: Fr. 958.35; Abzahlung Schulden/Amortisation:
Fr. 666.70), der Klägerin mit Fr. 2'745.15 (neu: auswärtige Verpflegung:
Fr. 160.00; Steuern: Fr. 216.65), von D. mit Fr. 1'139.45 und von E. mit
Fr. 1'109.85 (neu: Steuern: je Fr. 108.35).
3.
3.1.
In Bezug auf das Einkommen des Beklagten erwog die Vorinstanz
(Erw. 4.4.1. des angefochtenen Entscheids), dieser arbeite in einem 100%-
Pensum in seinem eigenen Unternehmen F. AG in R.. Er habe in den
letzten drei Jahren ein durchschnittliches Einkommen inkl. Bonus von
monatlich Fr. 12'324.20 erzielt (Jahreslohn 2018 netto Fr. 149'910.00
abzüglich Fr. 650.00 Kinderzulagen monatlich; Jahreslohn 2019 netto
Fr. 151'886.00 abzüglich Fr. 650.00 Kinderzulagen monatlich; Jahreslohn
2020 netto Fr. 164'016.00, abzüglich Fr. 400.00 Kinderzulagen monatlich
und während sieben Monaten Fr. 250.00). Der Beklagte mache geltend, er
habe seinen Lohn ab Januar 2021 aufgrund von Corona und dem neuen
GAV um Fr. 1'000.00 reduzieren müssen. Der Beklagte habe sich noch
Ende 2020 einen Bonus von Fr. 48'216.00 ausbezahlt, obwohl er da schon
gewusst habe, dass er aufgrund der Anpassungen im GAV ab dem
kommenden Jahr höhere Lohnkosten haben würde. Zudem habe er selber
- 14 -
eingeräumt, dass er der einzige Mitarbeitende seines Unternehmens sei,
der ab Januar 2021 weniger Lohn beziehe. Es sei deshalb unglaubwürdig,
dass er seinen Lohn ab Januar 2021 aus geschäftlichen Gründen habe
reduzieren müssen. Es sei folglich davon auszugehen, dass der Beklagte
weiterhin in der Lage sei, ein Einkommen in der Höhe seines Einkommens
von 2018 bis 2020 zu erzielen.
3.2.
3.2.1.
Der Beklagte macht in der Berufung (S. 5 f.) geltend, die Vorinstanz habe
das Einkommen im Jahr 2021 unberücksichtigt gelassen. Der zwischen-
zeitlich vorliegende Steuerlohnausweis 2021 der Firma weise ein Jahres-
nettoeinkommen von Fr. 107'510.00 bzw. nach Abzug der Kinder- und
Ausbildungszulagen von Fr. 102'710.00 aus. Werde unverändert wie in den
Vorjahren auf das deklarierte Nettoeinkommen und den Durchschnitt der
Jahre 2018 bis 2021 abgestellt, so resultiere neu ein massgebliches
Erwerbseinkommen von Fr. 11'383.00, welches ihm maximal anzurechnen
sei. Der Jahresabschluss 2020 zeige, dass die F. AG schon im Jahr 2020
einen Verlust erlitten habe, was zusätzlich eine Lohnreduktion
plausibilisiere. Der allfällige Einwand der Klägerin, der Beklagte habe sein
Einkommen fiktiv reduziert, indem ihm seitens der Firma statt Lohn ein
Darlehen ausgerichtet worden sei, könne widerlegt werden, werde doch mit
dem von der Treuhandstelle bescheinigten Kontokorrentsaldo von
Fr. 111'233.88 per 31. Dezember 2021 bescheinigt, dass diese Ver-
pflichtung des Beklagten gegenüber der Firma seit dem 31. Dezember
2020 nicht etwa zu-, sondern um knapp Fr. 37'000.00 abgenommen habe.
3.2.2.
Die Klägerin hält dem entgegen (Berufungsantwort S. 4 ff.), der Beklagte
arbeite, wie er selber ausführe, bei seinem eigenen Unternehmen und sei
daher als Selbständigerwerbender zu behandeln. Er habe es in der Hand,
die Höhe seines Lohnes zu bestimmen. Dafür, dass der dem Beklagten
ausbezahlte Lohn ab dem Zeitpunkt der Trennung der Parteien markant
gesunken sein solle und er sich angeblich keinen Bonus mehr habe
ausbezahlen können, bestünden keine sachlichen Gründe. Dem Beklagten
seien mindestens Fr. 12'324.20 als monatliches Nettoeinkommen
anzurechnen. Der Personalaufwand sei zwischen 2019 und 2020 um mehr
als 40% gestiegen. Es sei nicht realistisch, dass die Lohnkosten lediglich
aufgrund eines neuen GAV gestiegen sein sollten. Es sei davon
auszugehen, dass der Beklagte zusätzliches Personal eingestellt habe,
was zum starken Umsatzanstieg im 2020 passen würde. Das Einkommen
des Beklagten sei von 2018 bis 2020 trotz Corona stetig von Fr. 142'110.00
auf Fr. 160'226.00 gestiegen. Es sei nicht ersichtlich, weshalb dieses
Einkommen plötzlich derart abstürzen sollte. Dass sich der Beklagte im
Jahr 2021 keinen Bonus habe auszahlen lassen, stehe nicht mit einem
schlechten Geschäftsgang in Zusammenhang. Vielmehr habe der Beklagte
- 15 -
im Hinblick auf das vorliegende Eheschutzverfahren ein tieferes
Einkommen glaubhaft machen wollen. Es sei davon auszugehen, dass der
Beklagte den Gewinn durch die Bildung von stillen Reserven gedrückt
habe. Bei Auflösung der stillen Reserven sei davon auszugehen, dass auch
im Jahr 2020 ein Gewinn von mindestens Fr. 5'000.00 resultiert habe.
Wenn also das Jahr 2021 ebenfalls eingerechnet würde, ergebe sich ein
durchschnittliches monatliches Einkommen des Beklagten aus der F. AG
von Fr. 11'857.75 ({Fr. 142'110.00 [Einkommen 2018] + Fr. 5'000.00
[Gewinn 2018] + Fr. 144'086.00 [Einkommen 2019] + Fr. 5'000.00 [Gewinn
2019] + Fr. 160'266.00 [Einkommen 2020] + Fr. 5'000.00 [Gewinn 2020] +
Fr. 102'710.00 [angebliches Einkommen 2021] + Fr. 5'000.00 [Gewinn
2021]}: 48 Monate). Hinzurechnen sei der Gewinn der G. AG von
schätzungsweise Fr. 500.00 pro Monat, woraus ein Gesamteinkommen
von Fr. 12'357.75 resultiere und welches sogar noch höher sei als das
Einkommen, von welchem die Vorinstanz ausgegangen sei.
3.3.
3.3.1.
Der Beklagte ist Verwaltungsratspräsident mit Einzelzeichnungs-
berechtigung der F. AG (Handelsregisterauszüge vom 31. Mai 2022 und
vom 1. Dezember 2020, Berufungsantwortbeilage 3 und Klagebeilage 3).
Ob der Beklagte Alleinaktionär (Berufungsantwort S. 6) oder nur
"Mitinhaber" ist (Eingabe des Beklagten vom 22. Juni 2022, S. 1 f.), kann
offen gelassen werden: Der Beklagte selbst bezeichnet die F. AG als sein
"eigene[s] Unternehmen" (Berufung S. 5, act. 45), worauf er zu behaften
ist. Der Beklagte ist daher in unterhaltsrechtlicher Hinsicht als
Selbständigerwerbender zu qualifizieren. Um ein einigermassen
zuverlässiges Resultat zu erreichen und namentlich um Einkommens-
schwankungen Rechnung zu tragen, sollte auf das Durchschnittsnetto-
einkommen mehrerer - in der Regel der letzten drei - Jahre abgestellt
werden. Auffällige, d.h. besonders gute oder besonders schlechte
Abschlüsse, können unter Umständen ausser Betracht bleiben. Nur bei
stetig sinkenden oder steigenden Erträgen gilt der Gewinn des letzten
Jahres als massgebendes Einkommen, korrigiert insbesondere durch
Aufrechnungen von ausserordentlichen Abschreibungen, unbegründeten
Rückstellungen und Privatbezügen (statt vieler: BGE 143 III 617 Erw. 5.1;
BGE 5A_125/2020 Erw. 4.2.1 mit Hinweisen).
3.3.2.
Nach Art. 8 ZGB hat, wo das Gesetz es nicht anders bestimmt, derjenige
das Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu beweisen, der aus ihr
Rechte ableitet. Demgemäss hat die Partei, die einen Anspruch geltend
macht, die rechtsbegründenden Tatsachen nachzuweisen, während die
Beweislast für die rechtsaufhebenden bzw. rechtsvernichtenden oder
rechtshindernden Tatsachen bei der Partei liegt, die den Untergang des
Anspruchs behauptet oder dessen Entstehung oder Durchsetzbarkeit
- 16 -
bestreitet (BGE 141 III 241 Erw. 3.1). Vorliegend steht die erstmalige
Festsetzung des Unterhalts in Streit. Demnach obliegt es der Unterhalt
fordernden Partei, zu beweisen bzw. glaubhaft zu machen, wie gross die
wirtschaftliche Leistungskraft der pflichtigen Partei ist. Die pflichtige Partei
hat allerdings umfassend über ihre Einkommens- und Vermögens-
verhältnisse Auskunft zu erteilen. Gewisse Informationen über ihr
tatsächliches oder hypothetisches Leistungsvermögen sind sodann nur für
die pflichtige Partei greifbar. Es trifft sie daher insoweit eine Behauptungs-
und Substanziierungsobliegenheit, wenn sie in Abrede stellt, das strittige
hypothetische Einkommen tatsächlich erzielen zu können (BGE
5A_808/2018 Erw. 4.3 mit zahlreichen Hinweisen). Die Unterhalt fordernde
Partei hat sodann auch zu beweisen, dass die entsprechenden
Voraussetzungen erfüllt sind, mithin, dass es ihr nicht möglich bzw.
unzumutbar ist, selbst für den ihr gebührenden Unterhalt zu sorgen
(GLOOR/SPYCHER, Basler Kommentar zum Schweizerischen Zivilgesetz-
buch, 6. Auflage, 2018, N. 43 zu Art. 125 ZGB; BGE 5A_1049/2019 Erw.
4.4; BGE 5A_94/2011 Erw. 4.3). Der einen Unterhaltsanspruch geltend
machende Ehegatte hat zudem auch alle Sachverhaltselemente darzule-
gen und zu beweisen, welche der Wiederaufnahme oder der Ausdehnung
einer Erwerbstätigkeit entgegenstehen. Behauptet demgegenüber ein Un-
terhaltspflichtiger, der Ehegatte könne entgegen dessen Behauptung sofort
oder nach einer Umstellungsfrist ein bestimmtes Einkommen erzielen, hat
dieser, was die tatsächliche Erzielbarkeit eines konkreten oder höheren
Einkommens anbelangt, konkret zu behaupten, welche Tätigkeiten bzw.
welche Stellen für den anderen Ehegatten, dem ein hypothetisches Ein-
kommen angerechnet werden soll, reell möglich sind (BÜCHLER/CLAUSEN,
Die Eigenversorgungskapazität im Recht des nachehelichen Unterhalts:
Theorie und Rechtsprechung, in: FamPra.ch 2015, S. 14 mit Hinweis auf
BGE 5A_21/2012 Erw. 3.2 und HAUSHEER, Scheidungsunterhalt vor
Bundesgericht, ZBJV 2011, S. 391; BÄHLER/DU BOIS, Die Eigenversorgung
in der Praxis, in: SCHWENZER/BÜCHLER/FANKHAUSER, Siebte Schweizer
Familienrecht§Tage, 23./24. Januar 2014, S. 93 f.).
3.4.
Vorliegend ist das Einkommen des Beklagten aus selbständiger
Erwerbstätigkeit nach den dargelegten Grundsätzen zu ermitteln.
Abzustellen ist gestützt auf die insoweit übereinstimmenden Partei-
äusserungen (Berufung S. 5; Berufungsantwort S. 7; Eingabe der Klägerin
vom 4. Juli 2022, S. 2) auf die Durchschnittseinkommen der Jahre 2018 bis
und mit 2021, mithin der letzten vier Jahre. Im Berufungsverfahren
verurkundete der Beklagte die Jahresrechnung 2020 (Berufungsbeilage 3)
und die als vorläufig bezeichnete Jahresrechnung 2021 (Eingabe vom 22.
Juni 2022 S. 2; Beilage 1 zur Eingabe vom 22. Juni 2022). Aus der
Jahresrechnung 2020 (Berufungsbeilage 3) ist ersichtlich, dass der sog.
"Fertigungsertrag" von Fr. 891'294.95 im 2019 auf Fr. 1'505'179.74 im 2020
gestiegen ist (Erfolgsrechnung 2020, S. 1). Ebenfalls gestiegen sind (u.a.)
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=5A_808%2F2018&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F141-III-241%3Ade&number_of_ranks=0#page241
- 17 -
der Personalaufwand von Fr. 608'068.20 im 2019 auf Fr. 864'394.40 im
2020, die Positionen "URE Maschinen, Instrumente, Apparate" bzw. "URE
Mobiliar, Einrichtungen" von insgesamt Fr. 4'856.50 im 2019 auf
Fr. 25'883.35 im 2020 bzw. der "sonstige" Betriebsaufwand insgesamt von
Fr. 168'272.76 im 2019 auf Fr. 218'201.39 im 2020 (Erfolgsrechnung 2020
S. 2). Die Erfolgsrechnung 2020 (S. 3) weist einen Verlust von Fr. 2'035.06
aus. In der (vorläufigen) Jahresrechnung 2021 ist ein weiterer Anstieg des
"Fertigungsertrags" auf Fr. 2'122'907.78 (Erfolgsrechnung 2021, S. 1), des
Personalaufwands auf Fr. 1'122'230.55 (Erfolgsrechnung 2021, S. 2) und
des "sonstigen" Betriebsaufwands auf Fr. 223'723.21 (Erfolgsrechnung
2021, S. 3) dokumentiert, währenddem die Positionen "URE Maschinen,
Instrumente, Apparate" bzw. "URE Mobiliar, Einrichtungen" auf
Fr. 11'273.40 gesunken sind. Die Jahresrechnung 2021 weist einen Verlust
von Fr. 243'465.36 aus (Erfolgsrechnung 2021, S. 3). Der Beklagte macht
in der Berufung nicht mehr geltend, dass die Personalkosten aufgrund von
Anpassungen im GAV gestiegen sind. Es ist daher gestützt auf die
Jahresrechnung 2020 und die (vorläufige) Jahresrechnung 2021, auf
welche entgegen der Auffassung der Klägerin (Eingabe vom 4. Juli 2021,
S. 2) jedenfalls im Rahmen des Summarverfahrens abgestellt werden
kann, ohne Weiteres glaubhaft, dass der Beklagte aufgrund des
gestiegenen Umsatzes zusätzliches Personal eingestellt hat (Berufungs-
antwort S. 5). Der Beklagte bestreitet im Berufungsverfahren denn auch
nicht, dass der Umsatz und die Löhne der Angestellten gestiegen sind
(Eingabe vom 22. Juni 2022, S. 2 f.). Er macht aber in Bezug auf das ab
dem Jahr 2021 tiefere Einkommen geltend (a.a.O.), die F. AG sei im
Baugewerbe tätig, was mit sich bringe, dass Umsatz, Materialauslagen,
Löhne und andere relevante Positionen stark schwankten, weil teilweise
Rechnungsstellungen erst nach Abschluss einer Baustelle erfolgen
könnten, für neue Baustellen Anfangsinvestitionen anfielen und es auch
immer wieder zu kostspieligen Garantiefällen komme. Entsprechend
schwierig sei das Liquiditätsmanagement. Die Ausführungen des
Beklagten sind zwar eher allgemeiner Natur und sie stehen im Widerspruch
zur Argumentation vor Vorinstanz, wo er als Grund für das tiefere Einkom-
men ab Januar 2021 Umsatzrückgänge wegen der Corona-Pandemie und
höhere Lohnkosten wegen Änderungen im GAV vorbrachte (act. 45, 85,
101). Da aber glaubhaft ist, dass der Beklagte aufgrund des gestiegenen
Umsatzes auch zusätzliches Personal eingestellt hat, ist grundsätzlich
auch glaubhaft, dass der Betriebsaufwand gestiegen ist (wie z.B. der
sonstige" Betriebsaufwand von Fr. 168'272.76 im 2019 auf Fr. 223'723.21
im 2021; vgl. Eingabe der Klägerin vom 4. Juli 2022, S. 2; oder [im 2020]
der Aufwand für Unterhalt, Reparatur und Ersatz von Maschinen, Mobiliar,
vgl. Berufungsantwort S. 6 ff.). Ob die genannten Positionen tatsächlich
stille Reserven beinhalten, wie es die Klägerin behauptet und zu dieser
Frage die Einholung eines Gutachtens beantragt (Berufungsantwort S. 8;
vgl. auch Eingabe vom 4. Juli 2022, S. 3), kann vom Eheschutzrichter nicht
beurteilt werden, da im summarischen Verfahren grundsätzlich nur sofort
- 18 -
greifbare Beweismittel zu berücksichtigen und keine weitläufigen
Beweismassnahmen, wie zeitintensive Expertisen oder Zeugenbe-
fragungen, anzuordnen sind (Art. 254 ZPO; BGE 5A_972/2013 Erw. 6.2.3;
BGE 5P.201/2001 Erw. 3b). Von der Einholung eines Gerichtsgutachtens
zur Frage der Höhe von allfällig gebildeten stillen Reserven ist daher
abzusehen. Entsprechend ist auch kein "Gewinn [...]" von Fr. 5'000.00
aufzurechnen, wie es die Klägerin verlangt. Ebenfalls ist davon abzusehen,
dem Beklagten ein weiteres Einkommen von monatlich Fr. 500.00
(behaupteter Gewinn der G. AG, vgl. Berufungsantwort S. 7) anzurechnen,
nachdem von der Klägerin vor Vorinstanz unbestritten geblieben ist, dass
der Beklagte von der G. AG kein Einkommen erzielt (act. 45). Mit den
verurkundeten Jahresrechnungen 2020 und 2021 vermochte der Beklagte
trotz gestiegenem Umsatz in den Jahren 2020 und 2021 glaubhaft zu
machen, dass er aufgrund des Geschäftsgangs im 2021, in welchem
buchhalterisch ein Verlust von Fr. 243'465.36 ausgewiesen wird, kein
höheres Einkommen als das im Lohnausweis 2021 (Berufungsbeilage 2)
mit Fr. 107'510.00 bzw. nach Abzug der Kinder- und Ausbildungszulagen
mit Fr. 102'710.00 verurkundete beziehen und sich insbesondere auch
keinen Bonus auszahlen konnte, mithin, dass die Anpassung seines
Unternehmenslohns ab Januar 2021 "liquiditäts- und ertragsbedingt" ist
(Eingabe des Beklagten vom 22. Juni 2022, S. 2). Das durchschnittliche
und in den Lohnausweisen dokumentierte Einkommen des Beklagten in
den Jahren 2018, 2019 und 2020 bestimmte die Vorinstanz mit
Fr. 12'324.20 und ist im Berufungsverfahren insoweit unbestritten
geblieben, weshalb darauf abgestellt werden kann. Unter Berücksichtigung
des Einkommens im Jahr 2021 von Fr. 102'710.00 (ohne Kinderzulagen
von monatlich Fr. 400.00 bzw. jährlich Fr. 4'800.00) bzw. von monatlich
Fr. 8'559.16 ergibt sich ein durchschnittliches Einkommen des Beklagten
von Fr. 11'383.00. Zusätzlich ist dem Beklagten der ganze Ertrag von
Fr. 900.00 aus der Vermietung der den Parteien gehörenden Eigentums-
wohnungen anzurechnen (vgl. Erw. 4.4.1.2. nachstehend). Insgesamt
ergibt sich ein monatliches Nettoeinkommen des Beklagten von
Fr. 12'283.00. Dieses ist der Unterhaltsberechnung zu Grunde zu legen.
4.
4.1.
In Bezug auf das Erwerbseinkommen der Klägerin ist unbestritten, dass
diese bis Ende März 2021 bei der F. AG angestellt war und ein Einkommen
von monatlich Fr. 1'370.40 erzielte (Erw. 4.4.1. und 4.5.1. des angefochte-
nen Entscheids). Ab 1. Mai 2022 rechnete die Vorinstanz der Klägerin ein
hypothetisches Einkommen von Fr. 1'800.00 an. Sie erwog (Erw. 4.8.1. des
angefochtenen Entscheids), die Klägerin sei bis am 30. September 2021
arbeitsunfähig gewesen. Sie lasse ausführen, ihre Arbeitsunfähigkeit sei
vor allem trennungsbedingt. Es sei daher davon auszugehen, dass mit dem
vorliegenden Entscheid klare Verhältnisse geschaffen würden und die
Parteien und ihre gemeinsamen Kinder die Möglichkeit hätten, zur Ruhe zu
- 19 -
kommen, mithin die gesundheitliche Beeinträchtigung der Klägerin
weggefallen sei. Die Klägerin habe an der Verhandlung vom 21. Mai 2021
denn auch ausgeführt, sie sei parat, um zu arbeiten. Ihr sei nach einer
Übergangsphase von rund drei Monaten nach Zustellung des vorliegenden
Entscheides, mithin ab Mai 2022, die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit zu
50 % möglich und zumutbar. Die Klägerin habe keine abgeschlossene
Berufsausbildung, sie habe aber nach Ende ihrer Schulzeit bis vor ca. vier
Jahren gearbeitet. Unter anderem sei sie während 10 Jahren als
Verkäuferin im Detailhandel (H. AG, I.) und danach als Sachbearbeiterin/
Allrounderin in der F. AG tätig gewesen. Gemäss Salarium-Rechner
betrage das durchschnittliche monatliche Bruttoeinkommen einer 46-
jährigen Schweizer Verkäuferin mit 20 Dienstjahren bei einem Arbeitgeber
von 50 und mehr Beschäftigten und bei 21 Wochenstunden in der Region
Nordwestschweiz ohne Kaderfunktion und ohne abgeschlossene
Berufsausbildung Fr. 2'310.00 bzw. nach Abzug von Sozialbeiträgen von
rund 15 % gerundet Fr. 1'950.00. Mit den gleichen Werten in der
Berufsgruppe allgemeine Büro- und Sekretariatskräfte ergebe sich ein
Bruttolohn von mindestens Fr. 2'108.00 bzw. ein Nettolohn von gerundet
Fr. 1'800.00. Es sei davon auszugehen, dass es der Klägerin ab Mai 2022
möglich und zumutbar sei, in einem 50 %-Pensum ein monatliches
Nettoeinkommen von rund Fr. 1'800.00 zu verdienen. Ab 1. Mai 2023
rechnete die Vorinstanz der Klägerin sodann ein hypothetisches
Einkommen von monatlich Fr. 2'900.00 an. Sie erwog (Erw. 4.9.1. des
angefochtenen Entscheids), E. werde voraussichtlich per August 2022 in
die Oberstufe übertreten. Damit habe die Klägerin gemäss bundesge-
richtlicher Rechtsprechung grundsätzlich in einem 80 %-Pensum zu
arbeiten. Aufgrund der bisherigen Aufgabenteilung der Parteien in den
vergangenen vier Jahren, wonach der Beklagte alleine für das Erwerbsein-
kommen und die Klägerin für den Haushalt und die Kinderbetreuung
zuständig gewesen sei, der Tatsache, dass die Klägerin erst ab Mai 2022
wieder zu 50 % arbeiten müsse, ihrer gesundheitlichen Probleme sowie der
Tochter E. sei der Klägerin eine längere Übergangsphase bis Mai 2023 bis
zur Erhöhung ihres Arbeitspensums auf 80 % einzuräumen. Die Vorinstanz
rechnete der Klägerin zudem Mietzinseinnahmen von monatlich Fr. 450.00
als Einkommen an (Erw. 4.4.1. S. 14 des angefochtenen Entscheids).
4.2.
4.2.1.
Der Beklagte macht in der Berufung (S. 7 ff.) geltend, es sei schleierhaft,
warum die Vorinstanz der Klägerin ab 1. April 2021 nicht zumindest ein
Arbeitsloseneinkommen angerechnet habe. Wer sich im Wissen um seine
Arbeitsverpflichtung nicht bei der Arbeitslosenkasse anmelde, obwohl ihm
entsprechende Ansprüche zustünden, handle missbräuchlich und müsse
sich die rückwirkende Anrechnung des erzielbaren Einkommens gefallen
lassen. Bei dem unter der Replikbeilage 13 verurkundeten Arbeitsun-
fähigkeitszeugnis handle es sich insoweit um ein Gefälligkeitsgutachten,
- 20 -
als bereits am 19. Mai 2021 eine Arbeitsunfähigkeit bis 30. September 2021
bescheinigt werde und der Hausärztin bezüglich der von der Klägerin in der
Parteibefragung geschilderten psychischen Probleme die Befähigung
fehle. Einem solchen Arztzeugnis komme keine Beweiskraft zu, weshalb
davon auszugehen sei, dass die Klägerin seit der Trennung voll
arbeitsfähig gewesen sei. Die Klägerin verfüge sodann über eine 10-jährige
Berufserfahrung als Verkäuferin im Detailhandel und über Kenntnisse als
Sachbearbeiterin, weshalb ihr zumindest ein Nettoeinkommen von
Fr. 4'000.0 (100%, inkl. 13. Monatslohn) anzurechnen sei, wie es bei Lidl,
Aldi, Coop oder Migros erzielt werden könne. Der Klägerin sei ab 1. April
2021 ein monatliches Nettoeinkommen von Fr. 2'000.00 (50%) bzw.
zusammen mit dem Anteil am Liegenschaftsertrag von Fr. 2'450.00 und ab
1. Mai 2023 ein solches von Fr. 3'200.00 bzw. zusammen mit dem Anteil
am Liegenschaftsertrag von Fr. 3'650.00 anzurechnen.
4.2.2.
Die Klägerin hält dem entgegen (Berufungsantwort S. 9 ff.), es könne nicht
davon ausgegangen werden, dass sie auf dem ordentlichen Arbeitsmarkt
eine Stelle gefunden und ein Einkommen erzielt hätte. Die Stelle bei der F.
AG hätte sie nie erhalten, wenn sie nicht mit dem Eigentümer dieser
Unternehmung verheiratet gewesen wäre. Es habe sich um eine Pro-
Forma-Anstellung gehandelt. Die Klägerin habe keinen Anspruch auf
Arbeitslosentaggelder, da der Beklagte bei der F. AG eine arbeit-
geberähnliche Stellung habe. Selbst wenn die Klägerin aufgrund der
Trennung einen Anspruch auf Arbeitslosentaggelder gehabt hätte, könne
ihr nicht rückwirkend ein hypothetisches Einkommen angerechnet werden.
Die Trennung der Parteien sei dadurch ausgelöst worden, dass der
Beklagte eine aussereheliche Beziehung geführt habe. Als die Klägerin ihn
damit konfrontiert habe, sei der Streit eskaliert und der Beklagte sei
beinahe handgreiflich geworden. E. habe an der Befragung durch das
Gerichtspräsidium Brugg am 2. Juni 2022 darüber berichtet. Es sei daher
verständlich, dass die Klägerin durch die Trennung stark betroffen gewesen
sei, was zur Arbeitsunfähigkeit ab April 2021 geführt habe. Im März 2022
habe E. einen Zusammenbruch in der Schule erlitten. Seit diesem Vorfall
suche der Beklagte wieder vermehrt den Kontakt zur Klägerin und zu E..
Dies habe zu einer Dekompensation der Klägerin geführt und ihr Zustand
habe sich massiv verschlechtert. Sie sei deshalb auch heute nicht in der
Lage, ein Einkommen zu erzielen, weshalb der Klägerin auch ab Mai 2022
kein Einkommen anzurechnen sei. Dem Arbeitsunfähigkeitszeugnis der
Klägerin komme im vorliegenden Summarverfahren Beweiskraft zu. Die
Klägerin verfüge zudem über keine abgeschlossene Berufsausbildung, sie
habe während rund 10 Jahren als Verkäuferin im Detailhandel gearbeitet.
Die Klägerin habe seit mehreren Jahren nicht mehr richtig gearbeitet und
es sei ihr erst sechs Monate nach Rechtskraft des vorliegenden Urteils ein
hypothetisches Einkommen anzurechnen.
- 21 -
Zudem macht die Klägerin geltend (Berufungsantwort S. 8 f.), sie habe vom
Beklagten bisher noch nie irgendeinen Betrag aus dem Ertrag der
Liegenschaft [...] erhalten. Es sei der Beklagte, der diese Liegenschaft
verwalte, daher habe er vor Vorinstanz auch entsprechende Anträge
gestellt.
4.3.
4.3.1.
Für die Bemessung von Unterhaltsbeiträgen ist grundsätzlich das tatsäch-
lich erzielte Einkommen massgebend. Es kann aber ein hypothetisches
Einkommen angerechnet werden, sofern dieses zu erreichen zumutbar und
möglich ist (BGE 143 III 233 Erw. 3.2; BGE 137 III 121 Erw. 2.3;
BGE 5A_476/2013 Erw. 5.1). Ab dem Zeitpunkt der Scheidung bzw. ab
dem Trennungszeitpunkt, wenn keine vernünftige Aussicht auf Wieder-
aufnahme des Ehelebens mehr besteht, gilt das Primat der Eigen-
versorgung und damit grundsätzlich eine Obliegenheit zur (Wieder-
)Eingliederung in den Arbeitsprozess. Bei der Eigenversorgungskapazität
ist zu prüfen, was unter den konkreten Umständen an eigener Er-
werbstätigkeit zumutbar ist, und in tatsächlicher Hinsicht, was sich ange-
sichts der konkreten Verhältnisse bei hinreichenden Anstrengungen effek-
tiv als möglich erweist. Im Zusammenhang mit der Zumutbarkeit ist zu be-
merken, dass der unterhaltsverpflichtete Ehegatte seit jeher zur vollen Aus-
schöpfung seiner Erwerbskraft angehalten wurde, wenn dies zur Finanzie-
rung von familienrechtlichen Unterhaltsleistungen erforderlich ist, und ihm
ein hypothetisches Einkommen aufgerechnet wird, falls er seinen Verpflich-
tungen ungenügend nachkommt. Angesichts des Vorranges der Eigenver-
sorgung muss der gleiche Massstab für die Eigenversorgungsobliegenheit
des potentiell anspruchsberechtigten Teils gelten. Vom Grundsatz, wonach
ein Vollzeiterwerb als zumutbar gilt, ist abzuweichen, soweit der betref-
fende Teil gemeinsame Kinder betreut, denn hier bemisst sich die Zumut-
barkeit einer Erwerbstätigkeit nach Massgabe des Schulstufenmodells
(dazu im Einzelnen BGE 144 III 481 Erw. 4.7.6 - 4.7.8). Bei den tatsächli-
chen Verhältnissen ist auf das Alter, die körperliche Gesundheit, die
sprachlichen Kenntnisse, die bisherigen Tätigkeiten, die bisherigen und die
für den Wiedereinstieg zumutbaren Aus- und Weiterbildungen, die persön-
liche Flexibilität, die Lage auf dem Arbeitsmarkt u.Ä.m., mithin generell auf
die konkreten Chancen abzustellen, in einem bestimmten Bereich, welcher
nicht zwingend dem früheren Tätigkeitsfeld entsprechen muss, einer Er-
werbstätigkeit nachzugehen. Im Zentrum stehen mithin auch hier nicht ge-
neralisierende Vermutungen, sondern die konkreten Umstände des Einzel-
falles. Es dürfen vor dem Hintergrund der Maxime der Eigenversorgung alle
zumutbaren Anstrengungen für eine berufliche (Wieder-) Eingliederung
verlangt werden und es hat sich ein hypothetisches Einkommen anrechnen
zu lassen, wer sich diesen verweigert (BGE 147 III 249 Erw. 3.4.4).
Allerdings sind für die Erwerbsaufnahme Übergangsfristen zu gewähren,
die durchaus grosszügig ausfallen können und sollen (BGE 144 III
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- 22 -
481 Erw. 4.6; 147 III 308 Erw. 5.4). Im Übrigen ist für Zumutbarkeit, den
Umfang und die Übergangsfrist nicht nur die Trennung als solche relevant,
sondern sind auch die konkreten Umstände wie Ehedauer, Kinder-
betreuung etc. mitzuberücksichtigen (BGE 5A_112/2020 Erw. 5.5). Zur
Beurteilung, ob insbesondere gesundheitliche Einschränkungen einer Er-
werbstätigkeit entgegenstehen, ist das Gericht auf Unterlagen angewiesen,
die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu
stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheits-
zustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die betroffene Person arbeitsunfähig ist
(BGE 132 V 99 Erw. 4, 125 V 261 Erw. 4).
4.3.2.
Die vom Bundesgericht für die Berücksichtigung eines hypothetischen
Einkommens vorgeschriebene Übergangsfrist beginnt nach ständiger
Praxis der 5. Zivilkammer des Obergerichts mit der erstmaligen
autoritativen (richterlichen) Eröffnung der Umstellungspflicht zu laufen
(ZSU.2021.199, Erw. 3.4.4.). Die rückwirkende Anrechnung eines höheren
Einkommens als des tatsächlich erzielten kommt nach bundesgerichtlicher
Rechtsprechung nicht in Frage, wenn die rückwirkende Erzielung eines
solchen nicht möglich ist (BGE 5A_562/2009 Erw. 4.3; 5P.255/2003
Erw. 4.3.2). Allerdings muss ein von diesen Grundsätzen abweichender
Entscheid nicht zwangsläufig bundesrechtswidrig sein; je nach den
konkreten Gegebenheiten ist etwa von Bedeutung, ob die geforderte
Umstellung für die betroffene Person voraussehbar war. Die Abweichung
vom Grundsatz erfordert allerdings spezielle Gründe, welche im Entscheid
näher auszuführen sind (BGE 5A_549/2017 Erw. 4; vgl. zudem auch BGE
5A_720/2011 Erw. 6.1 zur willentlichen Aufgabe einer Erwerbstätigkeit
durch einen Unterhaltsansprecher).
4.4.
4.4.1.
4.4.1.1.
Unbestritten ist, dass die Parteien aus der Vermietung einer Liegenschaft
an der [...] in Q. einen Ertrag von monatlich Fr. 900.00 erzielen. Dem
Vorbringen der Klägerin, sie habe vom Beklagten bisher noch nie
irgendeinen Betrag aus dem Ertrag der Liegenschaft [...] erhalten und es
sei der Beklagte, der die Liegenschaft verwalte, hält der Beklagte entgegen
(Eingabe vom 22. Juni 2022, S. 3), der angefochtene Entscheid äussere
sich im Dispositiv nicht zur Liegenschaftsgesellschaft der Parteien. Damit
sei klar, dass diese Gesellschaft weiterhin gemeinsam verwaltet werde und
allfällige Gewinne oder Verluste beiden Parteien hälftig zuzuweisen seien.
Die Klägerin behaupte nicht einmal, dass sie die Vorlage der Liegen-
schaftsrechnung 2021 bereits verlangt oder abgemahnt hätte. Die
Abrechnung liege ohne Verschulden des Beklagten noch nicht vor. Die
Klägerin bringe nichts vor, was gegen die unstrittige Annahme spreche,
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- 23 -
wonach beiden Parteien ein durchschnittlicher Nettoertrag von Fr. 450.00
pro Monat zustehe und anzurechnen sei.
4.4.1.2.
Der Beklagte hat die Behauptung der Klägerin, es sei der Beklagte, der die
vermietete Liegenschaft verwalte, nicht substanziiert bestritten. Ebenso
wenig macht er geltend, dass er über den Ertrag von insgesamt monatlich
Fr. 900.00 nicht allein bzw. dass auch die Klägerin tatsächlich darüber
verfügen kann. Zudem hat der Beklagte nicht in Abrede gestellt, dass er
der Klägerin ihren hälftigen Anteil an den Mietzinserträgen in der Höhe von
monatlich Fr. 450.00 bisher nicht weitergeleitet hat. Selbst wenn die
Ausführungen des Beklagten in gesellschaftsrechtlicher Hinsicht zutreffend
wären, was offengelassen werden kann, ist im vorliegenden Eheschutz-
verfahren aufgrund des geltenden Effektivitätsgrundsatzes der ganze
Mietzinsertrag von Fr. 900.00 als Einkommen des Beklagten anzurechnen.
4.4.2.
4.4.2.1.
In Bezug auf das der Klägerin anrechenbare Erwerbseinkommen ist
vorweg streitig, ob diese ab 1. April 2021 einen Anspruch auf Arbeitslosen-
taggelder hatte, wie es der Beklagte geltend macht. Die Klägerin machte
bereits vor Vorinstanz geltend, dass sie "gegenwärtig krankgeschrieben"
sei. Zur Glaubhaftmachung verurkundete sie ein Arbeitsunfähigkeits-
zeugnis vom 19. Mai 2021 (Replikbeilage 13), in welchem Dr. med. J., FMH
Innere Medizin, der Klägerin vom 18. Mai 2021 bis 30. September 2021
eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit aufgrund einer "medizinischen
Erkrankung" attestierte. Weitere Angaben zum Gesundheitszustand der
Klägerin und insbesondere zur Frage, bezüglich welcher Tätigkeiten sie
arbeitsunfähig gewesen sein soll, enthält das Arbeitsunfähigkeitszeugnis
nicht, weshalb es den Anforderungen der Rechtsprechung an eine
beweiskräftige ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbeurteilung nicht genügt und
nicht darauf abgestellt werden kann (vgl. Erw. 4.3.1. vorstehend). Das
Gleiche hat für das im Berufungsverfahren eingereichte Arbeitsun-
fähigkeitszeugnis vom 8. Juni 2022 (Berufungsantwortbeilage 8) zu gelten,
in welchem der Klägerin rückwirkend vom 6. Januar 2021 bis 8. Juni 2022
eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit attestiert wird. Auch dem Arztbericht vom
12. Mai 2022 (Berufungsantwortbeilage 10) könne keine näheren Angaben
über die Art der gesundheitlichen Einschränkung und deren Auswirkungen
auf eine spezifische Erwerbstätigkeit der Klägerin entnommen werden. Ob
Dr. med. J. in fachlicher Hinsicht und aufgrund ihrer Eigenschaft als
Hausärztin der Klägerin geeignet ist, dieser eine Arbeitsunfähigkeit zu
attestieren, und ob es sich beim Arbeitsunfähigkeitszeugnis vom 19. Mai
2021 um ein Gefälligkeitszeugnis handelt, kann daher offengelassen
werden. Mit dem Hinweis auf die Trennungssituation (Berufungsantwort S.
10 f.) bzw. den Zusammenbruch von E. in der Schule im März 2022 und
die damit behauptete Verschlechterung des Gesundheitszustands der
- 24 -
Klägerin (Berufungsantwort S. 11 f.) vermag diese ebenfalls keine
Arbeitsunfähigkeit rechtsgenügend glaubhaft zu machen. Dieser Umstand
ändert aber nichts daran, dass die Klägerin aufgrund der von ihr geltend
gemachten und ärztlich attestierten vollumfänglichen Arbeitsunfähigkeit
mangels Vermittlungsfähigkeit keinen Anspruch auf den Bezug von
Arbeitslosentaggeldern hatte (vgl. Art. 15 Abs. 2 und Art. 28 AVIG). Es kann
daher offen gelassen werden, ob die Klägerin im Fall ihrer Vermittlungs-
fähigkeit aufgrund der arbeitgeberähnlichen Stellung des Beklagten in der
F. AG Baden überhaupt einen Anspruch auf Arbeitslosentaggelder gehabt
hätte. Der Beklagte macht geltend (Eingabe vom 22. Juni 2022, S. 4), die
Klägerin habe verschwiegen, dass sie sich bereits Ende 2021 bei der
Krankentaggeldversicherung der F. AG zum Bezug von Krankentaggeld-
leistungen angemeldet habe. Die Klägerin habe offenzulegen, ob ihr
Krankentaggelder ausbezahlt worden seien oder ob auch die Krankentag-
geldversicherung die Arbeitsunfähigkeit als bloss vorgetäuscht qualifiziert
habe. Sollte sich herausstellen, dass die Klägerin nicht nur auf Ansprüche
der Arbeitslosenkasse, sondern auch auf solche der Krankentaggeld-
versicherung verzichtet habe, treffe sie der Vorwurf des missbräuchlichen
"Einkommensverzichts" umso mehr. Mit diesen erst nach Ablauf der
Berufungsfrist erhobenen Vorbringen kann der Beklagte nicht mehr gehört
werden, da es sich um eine unzulässige Ergänzung der Berufung handelt
(Erw. 1 vorstehend). Aufgrund der Funktion des Beklagten als
Verwaltungsratspräsident mit Einzelzeichnungsberechtigung bei der F. AG
wäre aber ohne Weiteres davon auszugehen, dass dieser Kenntnis darüber
gehabt hätte, falls der Klägerin tatsächlich Leistungen zu Lasten der
Krankentaggeldversicherung der F. AG ausgerichtet worden wären. Zudem
bestünde ein Anspruch der Klägerin auf Krankentaggeldleistungen
grundsätzlich nur dann, wenn die behauptete Arbeitsunfähigkeit noch
während des Arbeitsverhältnisses, welches unbestrittenermassen am
31. März 2021 endete, eingetreten wäre. Aufgrund des vor Vorinstanz
eingereichten Arbeitsunfähigkeitszeugnisses, in welchem erst ab 18. Mai
2021 eine Arbeitsunfähigkeit attestiert worden ist (vgl. Replikbeilage 13),
bzw. mangels einer echtzeitlichen Bescheinigung der (neuerdings)
behaupteten Arbeitsunfähigkeit vor dem 18. Mai 2021 bzw. 1. April 2021,
wäre daher davon auszugehen, dass die Klägerin keine Leistungen der
Krankentaggeldversicherung bezogen hat. Von einem missbräuchlichen
Einkommensverzicht, wie es der Beklagte behauptet (Berufungsantwort S.
8 oben), kann unter den gegebenen Umständen jedenfalls nicht die Rede
sein und es ist von der rückwirkenden Anrechnung eines hypothetischen
Einkommens abzusehen. Nachdem der angefochtene Entscheid der
Klägerin am 26. Januar 2022 eröffnet worden ist (act. 265), ist nicht zu
beanstanden, dass die Vorinstanz ihr ab Mai 2022 ein hypothetisches
Einkommen (von Fr. 1'800.00) angerechnet hat.
- 25 -
4.4.2.2.
Die Vorinstanz legte im angefochtenen Entscheid ausführlich und detailliert
dar, warum sie der Klägerin ein hypothetisches Einkommen von monatlich
netto Fr. 3'600.00 (für ein 100%-Pensum) anrechnete. Der Beklagte setzt
sich in der Berufungsbegründung nicht rechtsgenügend mit den
Erwägungen der Vorinstanz auseinander, indem er lediglich auf die 10-
jährige Berufserfahrung der Klägerin als Verkäuferin im Detailhandel und
über die Kenntnisse als Sachbearbeiterin verweist, was auch die
Vorinstanz berücksichtigte, und pauschal notorische Nettoeinkommen von
Fr. 4'000.00 (100%, inkl. 13. Monatslohn) bei Lidl, Aldi, Coop und Migros
behauptet (Berufung S. 9). Es hat daher mit einem monatlichen
Nettoeinkommen von Fr. 3'600.00 für ein 100%-Pensum bzw. von
Fr. 1'800.00 für ein 50%-Pensum bzw. von (gerundet) Fr. 2'900.00 sein
Bewenden.
4.4.2.3.
Streitig ist schliesslich, ob die Vorinstanz der Klägerin zu Recht erst ab Mai
2023 ein Einkommen von Fr. 2'900.00 angerechnet hat, nachdem das
jüngste Kind E. unbestrittenermassen im August 2022 die Oberstufe
übertritt und der Klägerin nach dem Schulstufenmodell daher bereits ab
diesem Zeitpunkt die Ausübung eines 80%-Pensums zumutbar wäre (BGE
144 III 481 Erw. 4.7.6). Soweit die Vorinstanz zur Begründung einer
längeren Übergangsfrist auf die gesundheitlichen Probleme der Klägerin
verweist, kann ihr nicht gefolgt werden, nachdem diese eine
Arbeitsunfähigkeit nicht genügend glaubhaft machen konnte. Die
Vorinstanz hat auch auf gesundheitliche Probleme der Tochter E.
hingewiesen, nachdem die Klägerin in der persönlichen Befragung
ausgeführt hatte, E. habe unter der Trennung gelitten und bis nachts um 3
Uhr nicht schlafen können (Erw. 4.9.1. des angefochtenen Entscheids; act.
92 unten). In der Berufungsantwort (S. 11) führte die Klägerin zudem aus,
E. habe im März 2022 in der Schule einen Zusammenbruch erlitten, was
u.a. zur Einleitung eines Verfahrens betreffend Abänderung des
Besuchsrechts geführt habe. Den von den Parteien aus dem vor dem
Familiengericht Brugg hängigen Verfahren betreffend Abänderung des
Besuchsrechts eingereichten Unterlagen kann (u.a.) entnommen werden,
dass das Verhältnis zwischen E. und dem Beklagten schwierig ist und ein
regelmässiger Kontakt seit der Trennung der Parteien nicht etabliert
werden konnte, E. schon vor der Trennung der Parteien unter
Panikattacken gelitten hat, der Gesundheitszustand von E. aufgrund einer
medikamentösen Behandlung und einer Verhaltenstherapie seit Juni 2021
bis zur erneuten Dekompensation im März 2022 stabil war und E. nun
wieder mit der Therapie begonnen hat (Bericht Kinderanhörung vom 2 Juni
2022 [Berufungsantwortbeilage 6]; Beschluss Familiengericht Brugg vom
24. Mai 2022 im Verfahren KEKV.2022.18; Bericht Dr. med. J. vom 12. Mai
2022 [Beilagen 5 und 7 zur Eingabe des Beklagten vom 22. Juni 2022]).
Damit sind gesundheitliche Probleme und ein erhöhter Betreuungsbedarf
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- 26 -
von E. glaubhaft. Da E. nun aber wieder mit der Therapie begonnen hat, ist
davon auszugehen, dass sich ihr Gesundheitszustand in absehbarer Zeit
verbessern und stabilisieren wird. Dass die Vorinstanz vor diesem
Hintergrund eine Pensumserhöhung auf 80% erst ab 1. Mai 2023 als
zumutbar erachtet hat, liegt im Rahmen ihres Ermessens und ist nicht zu
beanstanden. Der Klägerin ist daher ab 1. Mai 2023 ein hypothetisches
Einkommen von Fr. 2'900.00 anzurechnen.
5.
5.1.
5.1.1.
5.1.1.1.
Die Vorinstanz berücksichtigte ab der zweiten Phase (d.h. ab 1. April 2021)
die Abzahlung von Steuerschulden im familienrechtlichen Existenz-
minimum des Beklagten. Sie erwog (Erw. 4.4.2. S. 16 des angefochtenen
Entscheids), die Steuerschulden der Parteien beliefen sich ausweislich der
Akten auf Fr. 27'816.00 (Fr. 10'314.00 [2017] + Fr. 4'343.00 [2018] +
Fr. 3'591.00 [2019] + Fr. 9'568.00 [2020]). Der Beklagte habe glaubhaft
gemacht, dass er die Steuerschulden monatlich abbezahle und zwar im
Juni 2021 im Betrag von Fr. 1'500.00, ab Juli bis November 2021 im Betrag
von Fr. 3'228.10, im Dezember 2021 im Betrag von Fr. 5'018.50 und ab
Januar bis Juni 2022 im Betrag von Fr. 859.50. Der Beklagte habe aber
nicht bereits seit Januar 2021 monatlich Steuerschulden im Betrag von
Fr. 1'500.00 abbezahlt, weshalb sie in dieser Phase nicht in seinem
familienrechtlichen Existenzminimum berücksichtigt werden könnten. Für
die ganze Phase 2 (April bis und mit Juli 2021) ging die Vorinstanz aus
Praktibilitätsgründen von einem durchschnittlichen monatlichen Betrag von
Fr. 1'182.05 aus (vgl. im Einzelnen Erw. 4.5.2. des angefochtenen Ent-
scheids).
5.1.1.2.
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung können Kosten für die
Schuldentilgung im Rahmen des sog. familienrechtlichen Existenz-
minimums berücksichtigt werden (vgl. dazu BGE 147 III 265 Erw. 7.2).
Einzukalkulieren sind daher auch tatsächlich geleistete Abzahlungen von
Steuerschulden vergangener Steuerperioden (BGE 140 III 337 Erw. 4.2.3.),
was bei den Parteien dem Grundsatz nach unbestritten ist.
5.1.1.3.
Der Beklagte macht geltend (Berufung S. 10), er habe in der ersten Phase,
vom 1. Januar bis 31. Mai 2021, nachweislich Steuerschulden in der Höhe
von monatlich Fr. 1'500.00 bezahlt, und er verweist dazu auf die
Kontoauszüge 2020 und 2018 vom 8. März 2022 (Berufungsbeilagen 5 und
6), welche entgegen der Auffassung der Klägerin (Berufungsantwort S. 15)
aufgrund der im vorliegenden Verfahren fehlenden Novenschranke
berücksichtigt werden können. Daraus ist ersichtlich, dass in den Monaten
- 27 -
Februar bis Mai 2021 Zahlungen für die offenen Steuern 2020 und 2018
geleistet wurden. Der Beklagte hat aber nicht bestritten, dass sich die
Steuerschulden der Parteien aus den Jahren 2017, 2018, 2019 und 2020
auf Fr. 27'816.00 belaufen (angefochtener Entscheid Erw. 4.4.2., S. 16)
bzw. er hat in der Berufung nicht geltend gemacht, dass die tatsächlichen
Steuerschulden diesen Betrag übersteigen. Nachdem die Vorinstanz die
Tilgung der insoweit unbestrittenen Steuerschuld von Fr. 27'816.00 im
familienrechtlichen Existenzminimum des Beklagten (mit Wirkung ab
1. April 2021) vollumfänglich berücksichtigt hat, besteht keine
Veranlassung, die in den Monaten Februar bis Mai 2021 vom Beklagten
geleisteten Abzahlungen für Steuerschulden zusätzlich zu berücksichtigen.
5.1.2.
5.1.2.1.
Die Vorinstanz liess die vom Beklagten geltend gemachte Tilgung von
Kreditkartenschulden gänzlich unberücksichtigt. Sie erwog (Erw. 4.4.2.
S. 16 des angefochtenen Entscheids), der Beklagte mache monatliche
Zahlungen an die Kreditkartenfirma Cembra und Cornercard im Betrag von
Fr. 300.00 bzw. Fr. 500.00 geltend. Der Beklagte habe selber ausgeführt,
dass er nicht die Kreditkartenschulden abbezahle, sondern mit diesem
Betrag die über die Kreditkarte abgewickelten Einkäufe inkl. Zins begleiche.
Es finde folglich keine Schuldentilgung statt. Aus denselben Gründen sei
der geltend gemachte Kontokorrent gegenüber der F. AG im Betrag von
Fr. 121'381.36 per 31. März 2021 nicht zu berücksichtigen. Auch diese
Schulden der Familie würden ausweislich der Akten und der Aussagen des
Beklagten nicht abbezahlt, sondern lediglich die über das Jahr neu
ausgefallenen Ausgaben für die Ferien, Familienunterhalt oder Familien-
schulden via Bonus Ende Jahr (teilweise) ausgeglichen.
5.1.2.2.
5.1.2.2.1.
Der Beklagte macht geltend (Berufung S. 11 ff.), aus den nachbeschafften
Abrechnungen ergebe sich, dass der Schuldsaldo bei der Cornercard per
anfangs 2021 Fr. 3'178.60 und bereits per 13. Juli 2021 nur noch
Fr. 1'240.25 betragen habe, d.h. die Schuld um Fr. 1'938.35 reduziert
worden sei. Bei der Mastercard habe der Schuldsaldo per Januar 2021
Fr. 9'350.40 und per 8. Januar 2022 nur noch Fr. 6'730.00 betragen,
woraus sich ein Rückzahlungsbetrag von Fr. 2'620.40 ergebe. Insgesamt
habe der Beklagte im Jahr 2021 Fr. 4'558.75 bzw. monatlich durch-
schnittlich Fr. 380.00 abbezahlt. Da der Beklagte glaubhaft gemacht habe,
dass er die Kreditkartenschulden regelmässig zurückbezahlt habe und
zurückbezahle, sei ihm eine entsprechende Schuldtilgungsrate dauerhaft
für die ganze Trennungszeit anzurechnen. Es sei zudem unbestritten, dass
es sich um gemeinsame Schulden handle und über diese Karten
Familieneinkäufe getätigt worden seien.
- 28 -
5.1.2.2.2.
Die Klägerin hält dem entgegen (Berufungsantwort S. 16 ff.), betreffend die
Cornercard bleibe unklar, ob die Schuld von Fr. 3'178.60 während dem
Zusammenleben oder erst nach dem 31. Dezember 2020 entstanden sei.
Es sei zu vermuten, dass der Beklagte den entsprechenden Betrag nach
seinem Auszug im Januar 2021 ausgegeben habe, um seine neue
Wohnung einzurichten. Es sei nicht glaubhaft, dass der Beklagte
gemeinsame, eheliche Schulden getilgt habe. Auch betreffend Mastercard
sei unklar, wann und wofür diese Schulden eingegangen worden seien. Die
vom Beklagten vorgebrachten Schuldentilgungen und deren Ver-
wendungszweck würden bestritten.
5.1.2.3.
Damit Kosten für die Schuldentilgung im Rahmen des sog.
familienrechtlichen Existenzminimums berücksichtigt werden können (Erw.
5.1.1.2 vorstehend), ist vorausgesetzt, dass die Schulden vor Aufhebung
des gemeinsamen Haushalts eingegangen wurden und der Wert beiden
Ehegatten weiterhin dient beziehungsweise bereits gemeinsam verbraucht
wurde (BGE 5A_131/2007 Erw. 2.2; SCHWENZER/RAVEANE,
FamKommentar Scheidung, 4. Auflage, 2022, N. 104b zu Art. 125 ZGB;
HAUSHEER/SPYCHER, Handbuch des Unterhaltsrechts, 2. Auflage, 2010,
Rz. 02.43), nicht aber, wenn sie einzig im Interesse einer Partei liegen, es
sei denn, beide würden solidarisch haften (BGE 5A_453/2009 Erw. 4.3.2,
5C.70/2004 Erw. 3.3.5.2.). Entscheidend ist danach einzig, dass die
eingegangene Schuld nicht bloss einem Ehegatten diente, sondern für den
Unterhalt beider Ehegatten eingesetzt wurde (BGE 5A_452/2010 Erw. 3.2).
Schuldverpflichtungen werden sodann nur berücksichtigt, wenn tatsächlich
Abschlagszahlungen geleistet werden (AGVE 1986, S. 26).
5.1.2.4.
Der Beklagte führte in der persönlichen Befragung vom 21. Mai 2021 aus,
es handle sich bei den Kreditkartenschulden hauptsächlich um Schulden
aus den Sommerferien 2018 und 2019. An die Cembra Master Card
bezahle er regelmässig Fr. 300.00, bei der Cornercard habe er vor einem
Monat angefangen, Fr. 500.00 zu bezahlen. Die Visa Cornercard sollte in
fünf Monaten "fertig" sein (act. 103). Die Klägerin hat die Ausführungen des
Beklagten zum Verwendungszweck der eingegangenen Kreditkarten-
schulden vor Vorinstanz nicht bestritten. Es kann daher als glaubhaft
erachtet werden, dass die vom Beklagten geltend gemachten Kreditkarten-
schulden für den Familienunterhalt eingegangen wurden. Nachdem die
Klägerin zum ersten Mal in der Berufungsantwort (S. 16) geltend gemacht
hat, die Kreditkartenschulden des Beklagten seien erst im Januar 2021
entstanden, reichte dieser im Rahmen des Replikrechts mit Eingabe vom
22. Juni 2022 Abrechnungen der Cembra Money Bank vom 8. Dezember
2020 mit einem offenen Rechnungsbetrag von Fr. 9'555.15 und der
Cornerbank vom 14. Dezember 2020 mit einem offenen Rechnungsbetrag
- 29 -
von Fr. 3'259.80 ein (vgl. Beilagen 8 und 9). Damit ist erstellt, dass vor der
Trennung der Parteien Kreditkartenschulden des Beklagten in der Höhe
von rund Fr. 12'815.00 bestanden. Was die vom Beklagten geltend
gemachte Tilgung der Kreditkartenschulden anbelangt, stellte die Vor-
instanz fest (Urteil S. 16 unten), der Beklagte habe selber ausgeführt, dass
er nicht Kreditkartenschulden abbezahle, sondern den [Verzugs-]zins und
[laufende] Einkäufe begleiche. Die diesbezüglichen Äusserungen des
Beklagten in der persönlichen Befragung (act. 106) bezogen sich allerdings
auf das Jahr 2019, weshalb daraus keine direkten Rückschlüsse auf den
hier interessierenden Zeitraum ab 1. Januar 2021 gezogen werden können.
Gemäss Abrechnung der Cembra Money Bank vom 8. Dezember 2020
(a.a.O.) bestand in jenem Zeitpunkt ein offener Rechnungsbetrag von
Fr. 9'555.15 bei Zahlungen von Fr. 300.00 und neuen Belastungen von
Fr. 122.35 gegenüber der Vorperiode. Aus der Rechnung der Cembra
Money Bank vom 8. Januar 2021 (Antwortbeilage 14) geht hervor, dass ein
offener Rechnungsbetrag von Fr. 9'350.40 bei neuen Belastungen von
Fr. 95.25 und Zahlungen von Fr. 300.00 gegenüber der Vorperiode
bestand. Am 8. Februar 2022 bestand ein offener Rechnungsbetrag von
Fr. 6'497.45 bei neuen Belastungen von Fr. 67.45 und Zahlungen von
Fr. 300.00 (Abrechnung der Cembra Money Bank vom 8. Februar 2022,
Berufungsbeilage 8). Am 8. Juni 2022 bestand sodann noch ein offener
Rechnungsbetrag von Fr. 5'440.50 bei Zahlungen von Fr. 300.00 und
neuen Belastungen von Fr. 57.00 (Abrechnung vom 8. Juni 2022, Beilage
10 zur Eingabe des Beklagten vom 22. Juni 2022). Damit ist erstellt, dass
der Beklagte bereits vor der Trennung die Kreditkartenschuld reduzierte
und sich die Schuld des Beklagten gegenüber der Cembra Money
zwischen dem 8. Januar 2021 und dem 8. Juni 2022 um Fr. 3'909.90 bzw.
um monatlich durchschnittlich Fr. 217.00 (18 Monate) reduzierte. Damit hat
der Beklagte glaubhaft gemacht, dass er die Kreditkartenschulden
gegenüber der Cembra Money Bank im Zeitraum vom 1. Januar 2021 bis
zum 30. Juni 2022 mit regelmässigen Abzahlungsraten von monatlich
durchschnittlich Fr. 217.00 getilgt hat. Aus der Rechnung der Corner Bank
vom 14. Dezember 2020 (a.a.O.) geht hervor, dass in jenem Zeitpunkt ein
offener Saldo von Fr. 3'259.80 bei neuen Belastungen von Fr. 78.05 und
Zahlungen von Fr. 300.00 bestand. Am 13. Januar 2021 bestand ein
offener Rechnungsbetrag von Fr. 3'178.60 bei Belastungen von Fr. 118.80
und Zahlungen von Fr. 200.00 gegenüber der Vorperiode (Rechnung
Corner Bank vom 13. Januar 2021, Antwortbeilage 14). Am 12. Februar
2021 bestand ein offener Rechnungsbetrag von Fr. 3'152.05 bei neuen
Belastungen von Fr. 31.35 und Zahlungen von Fr. 200.00 (Rechnung
Corner Bank vom 12. Februar 2021, Berufungsbeilage 7), und am 13. Juli
2021 bestand noch ein offener Rechnungsbetrag von Fr. 1'240.25 bei
Zahlungen von Fr. 500.00 (Rechnung Corner Bank vom 13. Juli 2021,
Berufungsbeilage 7). Auch der Corner Bank leistete der Beklagte somit
schon von der Trennung Abzahlungsraten und die Kreditkartenschulden
haben sich im Zeitraum vom 1. Januar 2021 und 31. Juli 2021 um
- 30 -
Fr. 1'938.35 reduziert. Damit vermochte der Beklagte glaubhaft zu machen,
dass er im besagten Zeitraum von rund sieben Monaten mit Raten-
zahlungen von monatlich durchschnittlich Fr. 277.00 die Kreditkarten-
schulden gegenüber der Corner Bank reduziert hat.
5.1.2.5.
Der Beklagte konnte nach dem Gesagten glaubhaft machen, dass es sich
bei den Kreditkartenschulden gegenüber der Cembra Money Bank und der
Corner Bank um vor der Trennung der Parteien entstandene Schulden für
den Familienunterhalt handelt und dass die Schulden von ihm durch
Abschlagszahlungen effektiv auch reduziert werden bzw. worden sind. In
Bezug auf die Kreditkartenschuld gegenüber der Corner Bank reichte der
Beklagte keine aktuellen Abrechnungen ein, aus welchen hervorgehen
würde, dass er auch nach Juli 2021 Abschlagszahlungen leistete. Es
können daher nur Schuldenrückzahlungen von Januar bis und mit Juli 2021
berücksichtigt werden. In Bezug auf die Kreditkartenschuld bei der Cembra
Money Bank hat der Beklagte hingegen glaubhaft gemacht, dass er
mindestens bis im Juni 2022 Abschlagszahlungen geleistet hat, weshalb
glaubhaft ist, dass er auch zukünftig Abschlagszahlungen in der bisherigen
Höhe leistet. Bei durchschnittlichen monatlichen Zahlungen von Fr. 217.00
und einer im Juni 2022 noch offenen Schuld von Fr. 5'440.50 ist davon
auszugehen, dass die Schulden Ende Juli 2024 getilgt sein werden. Im
familienrechtlichen Existenzminimum des Beklagten sind vom 1. Januar
2021 bis zum 31. Juli 2021 daher Schuldenrückzahlungen von Fr. 494.00
(Fr. 217.00 + Fr. 277.00) und vom 1. August 2021 bis Ende Juli 2024
Fr. 217.00 unter dem Titel Schuldentilgung zu berücksichtigen (nebst den
unbestrittenen Fr. 666.70 für Amortisationszahlungen, vgl. Urteil S. 17
oben). Da das Eheschutzverfahren aber bereits seit Dezember 2020
hängig ist, wird darauf verzichtet, ab August 2024 eine weitere
Berechnungsphase vorzunehmen (vgl. zur Unterhaltsberechnung hinten
Erw. 6).
5.1.3.
5.1.3.1.
Der Beklagte machte nebst den Kreditkartenschulden auch die
Rückzahlung einer Kontokorrentschuld gegenüber der F. AG in der Höhe
von Fr. 121'381.36 im familienrechtlichen Existenzminimum geltend. Die
Vorinstanz erwog diesbezüglich (Erw. 4.4.2. S. 17 des angefochtenen
Entscheids), auch diese Schulden der Familie würden ausweislich der
Akten und den Aussagen des Beklagten nicht abbezahlt, sondern es
würden lediglich die über das Jahr neu ausgefallenen Ausgaben für die
Ferien, Familienunterhalt oder Familienschulden via Bonus Ende Jahr
(teilweise) ausgeglichen.
- 31 -
5.1.3.2.
Der Beklagte macht geltend (Berufung S. 11 f.), er könne mit den
zwischenzeitlich erstellten Unterlagen nachweisen, dass er nicht nur
jährlich Fr. 20'000.00 des Firmendarlehens zurückzahlen müsse, sondern
dieser Rückzahlungsverpflichtung auch nachkomme, habe doch der
Kontokorrentsaldo per 31. Dezember 2020 Fr. 148'135.76 und per
31. Dezember 2021 nur noch Fr. 111'233.88 betragen. Da unbestritten sei,
dass über dieses Kontokorrentkonto bei der Firma gemeinsame
Investitionen in die Liegenschaften [...] bzw. familiäre Lebenshaltungs-
kosten bezahlt worden seien, sei deren Rückzahlung mit jährlich
Fr. 20'000.00 bzw. monatlich Fr. 1'666.00 für die ganze Zeit der Trennung
beim familienrechtlichen Existenzminimum des Beklagten aufzurechnen.
5.1.3.3.
Der Beklagte ist auf seinen eigenen Ausführungen zu behaften, wonach
über das Kontokorrentkonto der F. AG u.a. Investitionen in die Liegenschaft
der Parteien getätigt wurden. Solche Investitionen sind vermögens-
mehrend und die entsprechenden, vom Beklagten behaupteten
Rückzahlungen können daher bei der Unterhaltsberechnung grundsätzlich
nicht im Bedarf berücksichtigt werden (vgl. BGE 127 III 289 Erw. 2a/bb;
BGE 5A_105/2017 Erw. 3.3.1). Da der Beklagte sich nicht näher dazu
geäussert hat, in welchem Umfang (über das Kontokorrentkonto)
Investitionen in die eheliche Liegenschaft getätigt wurden und welcher
Betrag für die Lebenshaltung ausgegeben wurde, können nur schon aus
diesem Grund keine Rückzahlungen zur Verminderung der Kontokorrent-
schuld im familienrechtlichen Existenzminimum des Beklagten
berücksichtigt werden. Die von der Klägerin aufgeworfenen Fragen (wie
z.B. der Zulässigkeit des Darlehensvertrages oder ob tatsächlich
Rückzahlungen von einem privaten Konto des Beklagten auf ein Konto
seiner AG erfolgt sind, vgl. Berufungsantwort S. 17), können daher
offengelassen werden.
5.2.
5.2.1.
Die Vorinstanz berücksichtigte im angefochtenen Entscheid in den ersten
beiden Phasen (1. Januar bis 31. Juli 2021) Wohnkosten von Fr. 800.00 im
Existenzminimum des Beklagten. Sie führte aus (Erw. 4.4.2.), der Beklagte
habe vorübergehend bei seiner Mutter und seinem berufstätigen Bruder
gewohnt. Er mache zwar nicht geltend, dass er in dieser Phase
Wohnkosten habe, praxisgemäss seien ihm trotzdem Wohnkosten im
Betrag von Fr. 800.00 anzurechnen. Die Klägerin macht geltend
(Berufungsantwort S. 14), es seien dem Beklagten keine Wohnkosten in
dieser Phase anzurechnen, da dies gegen den Effektivitätsgrundsatz
verstosse.
- 32 -
Dass die Vorinstanz dem Beklagten in den ersten beiden Phasen
Wohnkosten angerechnet hat, ist nicht zu beanstanden: Es kann nicht Sinn
und Zweck des Entgegenkommens der Mutter und des Bruders des
Beklagten sein, ihre mit dem Verzicht auf Wohnkosten dem Beklagten
zugewendete Leistung indirekt der Klägerin zukommen zu lassen
(HAUSHEER/SPYCHER, a.a.O., Rz. 01.44). Es hat daher mit Wohnkosten des
Beklagten in den ersten beiden Phasen von monatlich Fr. 800.00 sein
Bewenden.
5.2.2.
5.2.2.1.
Ab dem 1. August 2021 berücksichtigte die Vorinstanz Wohnkosten von
Fr. 1'500.00 im Existenzminimum des Beklagten. Sie erwog (Erw. 4.6.1.
des angefochtenen Entscheids), der Beklagte habe eine 5.5-Zi.-Wohnung
in Q. mit einem monatlichen Mietzins von Fr. 2'220.00 plus zwei Parkplätze
für je Fr. 110.00 pro Monat angemietet Die 5.5-Zi.-Attikawohnung sei aber
offensichtlich nicht den persönlichen Verhältnissen des Beklagten und
seiner Familie sowie dem Wohnungsmarkt im Bezirk S. angemessen,
insbesondere da der Beklagte (wohl) mehrheitlich alleine wohne. Es müsse
dem Beklagten klar sein, dass er sich nicht während eines laufenden
Eheschutzverfahrens eine so teure Wohnung alleine anmieten könne,
weshalb ab 1. August 2021 praxisgemäss angemessene Wohnkosten im
Betrag von Fr. 1'500.00 eingesetzt würden.
5.2.2.2.
5.2.2.2.1.
Der Beklagte macht geltend (Berufung S. 13), die Vorinstanz habe seine
Wohnkosten ohne Übergangsfrist gekürzt. Da er Anspruch auf denselben
Wohnkomfort wie die Klägerin habe, habe er in guten Treuen davon
ausgehen dürfen, dass bei ihm auch die beiden Kinder mit Anspruch auf je
ein eigenes Zimmer lebten, und dass er in seiner Wohnung ein Büro und
einen Parkplatz benötige. Es seien ihm daher mindestens Fr. 1'900.00
zuzubilligen.
5.2.2.2.2.
Die Klägerin hält dem entgegen (Berufungsantwort S. 18 f.), sie lebe mit
den drei Kindern zusammen in der ehelichen 5.5-Zimmerwohnung. Der
Beklagte lebe mehrheitlich alleine und die Kinder seien – wenn überhaupt
– lediglich jedes zweite Wochenende bei ihm. Es könne daher nicht mehr
von demselben Wohnkomfort gesprochen werden. Der Beklagte habe
wissen müssen, dass ein Mietzins für eine Wohnung und Parkplätze von
Fr. 2'420.00 massiv überhöht sei. Er habe treuwidrig gehandelt und die
Vorinstanz habe ihm zu Recht keine Übergangsfrist angerechnet.
- 33 -
5.2.2.3.
Gemäss Ziffer II./1 lit. b der im Kreisschreiben der Schuldbetreibungs- und
Konkurskommission des Obergerichts vom 21. Oktober 2009 enthaltenen
Richtlinien für die Berechnung des betreibungsrechtlichen Existenz-
minimums [Notbedarf] nach Art. 93 SchKG [SchKG-Richtlinien;
KKS.2005.7]) können nur die angemessenen Wohnkosten - welche
gemäss der auf das Ergänzungsleistungsrecht Bezug nehmenden
Rechtsprechung des Bundesgerichts für eine alleinstehende Person
Fr. 1'100.00 im Monat nicht wesentlich übersteigen sollten (BGE 5C.6/2002
Erw. 4b/cc, 5P.6/2004 Erw. 4.4) - im Existenzminimum angerechnet
werden. Benützt ein Schuldner zu seiner grösseren Bequemlichkeit eine
teurere Wohnung, so kann der Mietzins, grundsätzlich nach Ablauf des
nächsten Kündigungstermins, auf ein Normalmass herabgesetzt werden
(Ziff. II/1 SchKG-Richtlinien). Im Bereich des Ergänzungsleistungsrechts
werden gemäss dem seit 1. Januar 2021 geltenden Art. 10 Abs. 1 lit. b ELG
für eine alleinstehende Person Mietkosten von jährlich Fr. 16'440.00 in der
Region 1, von Fr.15'900.00 in der Region 2 und von Fr. 14'520.00 in der
Region 3 als Ausgaben anerkannt. Gemäss Art. 26 ELV umfasst die Region
1 die fünf Grosszentren Bern, Zürich, Basel, Genf und Lausanne, die
Region 2 umfasst die Gemeinden "städtisch" und "intermediär", die Region
3 die Gemeinden der Kategorie "ländlich". Die Gemeinde Q. AG gehört zur
Region 2
(https://www.bsv.admin.ch/bsv/de/home/sozialversicherungen/ergaenzun
gsleistungen/grundlagen-und-gesetze/grundlagen/mietkosten-
ergaenzungsleistungen.html). Im Rahmen des familienrechtlichen
Existenzminimums können den finanziellen Verhältnissen entsprechende
statt am betreibungsrechtlichen Existenzminimum orientierte Wohnkosten
berücksichtigt werden (BGE 147 III 265 Erw. 7.2).
5.2.2.4.
Im Rahmen des betreibungsrechtlichen Existenzminimums bzw. des
Ergänzungsleistungsrechts wären dem Beklagten für sich allein Mietkosten
von monatlich Fr. 1'325.00 (Fr. 15'900.00 : 12) anzurechnen. Unter
Berücksichtigung, dass der Beklagte zur Ausübung des Besuchsrechts für
die Kinder E. und D. auf zusätzlichen Platzbedarf angewiesen ist, sind die
von der Vorinstanz angerechneten Wohnkosten von Fr. 1'500.00 immer
noch als am betreibungsrechtlichen Existenzminimum orientierte Wohn-
kosten zu qualifizieren. Vorliegend haben die Parteien aufgrund der
finanziellen Situation aber unbestrittenermassen Anspruch auf Deckung
des familienrechtlichen Existenzminimums und damit auf ihren finanziellen
Verhältnissen angemessene Wohnkosten. Zuzugestehen ist dem
Beklagten angesichts des Alters der Kinder E. und D. eine Viereinhalb-
zimmerwohnung, nachdem er nicht substanziiert dargetan hat, dass er
zwecks Ausübung seiner selbständigen Erwerbstätigkeit auf ein
zusätzliches Zimmer angewiesen ist. Eine Suchanfrage auf
www.comparis.ch/immobilien am 11. August 2022 hat ergeben, dass in Q.
https://www.bsv.admin.ch/bsv/de/home/sozialversicherungen/ergaenzungsleistungen/grundlagen-und-gesetze/grundlagen/mietkosten-ergaenzungsleistungen.html https://www.bsv.admin.ch/bsv/de/home/sozialversicherungen/ergaenzungsleistungen/grundlagen-und-gesetze/grundlagen/mietkosten-ergaenzungsleistungen.html https://www.bsv.admin.ch/bsv/de/home/sozialversicherungen/ergaenzungsleistungen/grundlagen-und-gesetze/grundlagen/mietkosten-ergaenzungsleistungen.html http://www.comparis.ch/immobilien%20am%2011
- 34 -
fünf Viereinhalbzimmerwohnungen zu Mietzinsen von Fr. 1'670.00,
Fr. 1'750.00, Fr. 2'000.00, Fr. 2'300.00, Fr. 2'530.00 und Fr. 2'550.00
ausgeschrieben waren. In S. waren 18 Viereinhalbzimmerwohnungen
inseriert, fünf zu Mietzinsen zwischen Fr. 1'690.00 und Fr. 1'850.00, die
restlichen 13 Wohnungen zu Mietzinsen zwischen Fr. 2'000.00 und
Fr. 3'000.00. In T. waren drei Viereinhalbzimmerwohnungen zu Mietzinsen
von Fr. 1'710.00, 1'960.00 und Fr. 2'360.00 ausgeschrieben. Selbst wenn
der Beklagte nur Anspruch auf Wohnkosten im Rahmen des
betreibungsrechtlichen Existenzminimums hätte, wäre es schwierig, eine
Viereinhalbzimmerwohnung zu einem Mietzins von Fr. 1'500.00 zu finden.
Nachdem der Beklagte aber Anspruch auf höhere als am betreibungs-
rechtlichen Existenzminimum orientierte Wohnkosten hat und die Klägerin
überdies nicht bestritten hat, dass der Beklagte Anspruch auf einen
Parkplatz hat (vgl. Berufungsantwort S. 18 unten, wo die Klägerin ausführt,
es sei nicht ersichtlich, weshalb der Beklagte zwei Parkplätze für sich
benötige), sind die von ihm geltend gemachten Wohnkosten von
Fr. 1'900.00 (inkl. Parkplatz) jedenfalls nicht als unangemessen hoch zu
qualifizieren. Der Beklagte ist berechtigt, das Mietverhältnis "3-monatlich
im Voraus" jeweils per Ende März, Juni und September zu kündigen (vgl.
Mietvertrag vom 21. Juni 2021, Beilage 23 zur Eingabe des Beklagten vom
4. August 2021). Der Beklagte kann den Mietvertrag somit erst per 31. März
2023 ordentlich kündigen, weshalb ihm erst ab 1. April 2023 tiefere
Wohnkosten angerechnet werden dürften. Da der Beklagte die Anrechnung
der (tieferen als der effektiv bezahlten) Wohnkosten aber schon ab
1. August 2021 geltend macht (Berufung S. 13), sind in seinem
familienrechtlichen Existenzminimum ab 1. August 2021 Wohnkosten von
Fr. 1'900.00 zu berücksichtigen.
5.3.
Nachdem die übrigen Bedarfspositionen der Parteien und der Kinder
unbestritten geblieben sind, ist in Abweichung vom angefochtenen
Entscheid von folgenden familienrechtlichen Existenzminima des
Beklagten auszugehen:
1. Januar 2021 bis 31. März 2021: Fr. 5'689.05 (Grundbetrag: Fr. 1'100.00;
Wohnkosten: Fr. 800.00; Krankenkasse: Fr. 388.35; Steuern: Fr. 2'000.00;
Kommunikationspauschale: Fr. 150.00; Versicherungspauschale:
Fr. 30.00; VVG: Fr. 60.00; neu: Amortisation/Abzahlung Schulden:
Fr. 1'160.70)
1. April 2021 bis 31. Juli 2021: Fr. 6'871.10 (neu: Amortisation/Abzahlung
Schulden: Fr. 1'676.05)
1. August 2021 bis 31. Oktober 2021: Fr. 9'840.15 (neu: Wohnkosten:
Fr. 1'900.00; Amortisation/Abzahlung Schulden: Fr. 4'111.80)
- 35 -
1. November 2021 bis 30. April 2022: Fr. 7'692.85 (neu: Amortisation/
Abzahlung Schulden: Fr. 2'831.15)
1. Mai 2022 bis 30. April 2023: Fr. 5'541.45 (neu: Amortisation/Abzahlung
Schulden: Fr. 1'026.95)
Ab 1. Mai 2023: Fr. 5'570.40 (neu: Amortisation/Abzahlung Schulden:
Fr. 883.70)
6.
6.1.
Bei der (vorliegend zur Anwendung gelangenden) Methode der
Existenzminima mit Überschussverteilung werden die vorhandenen
Ressourcen (effektive oder hypothetische Einkommen) auf die beteiligten
Familienmitglieder dahingehend verteilt, dass in einer bestimmten
Reihenfolge (Barunterhalt, Betreuungsunterhalt der Kinder, ehelicher und
nachehelicher Unterhalt) das betreibungsrechtliche bzw. bei genügenden
Mitteln das sog. familienrechtliche Existenzminimum (zu welchem
typischerweise die Steuern, eine Kommunikations- und Versicherungs-
pauschale, den finanziellen Verhältnissen entsprechende statt am
betreibungsrechtlichen Existenzminimum orientierte Wohnkosten, über die
obligatorische Grundversicherung hinausgehende Krankenkassenprämien
oder private Vorsorgeaufwendungen von Selbständigen gehören) der
Beteiligten gedeckt und alsdann ein verbleibender Überschuss nach der
konkreten Situation ermessensweise verteilt wird. Der Überschuss wird
grundsätzlich zwischen den Eltern und den minderjährigen Kindern nach
"grossen und kleinen Köpfen" verteilt. Zuerst ist der Barunterhalt der
minderjährigen Kinder und im Anschluss der Betreuungsunterhalt,
sodann ein allfälliger (nach-)ehelicher Unterhalt und abschliessend der
Volljährigenunterhalt zu decken (vgl. zum Ganzen BGE 147 III 265 Erw. 7,
7.1-7.3).
6.2.
Es ergibt sich somit folgende Unterhaltsberechnung:
1. Januar 2021 bis 31. März 2021:
Barunterhalt D. und E.:
Fr. 1'515.35 (D.) bzw. Fr. 1'485.75 (E.)
(fam.rechtl.* Existenzminimum D. Fr. 1'031.10 + 1/6-Überschussanteil** Fr. 684.25
[Einkommen Beklagter Fr. 12'283.00 + Einkommen Klägerin Fr. 1'370.40 +
Einkommen Kinder Fr. 400.00 ./. fam.rechtl. Existenzminimum Beklagter
Fr. 5'689.05 ./. fam.rechtl. Existenzminimum Klägerin Fr. 2'226.25 ./. fam.rechtl.
Existenzminimum D. Fr. 1'031.10 ./. fam.rechtl. Existenzminimum E. Fr. 1'001.50]
./. Einkommen Fr. 200.00)
- 36 -
Betreuungsunterhalt D. und E. (vgl. dazu Art. 285 Abs. 2 ZGB und BGE
144 III 377 Erw. 7 [Bestimmung nach der sog. Lebenshaltungs-
kostenmethode):
je Fr. 427.90 (Fr. 855.00 [fam.rechtl. Existenzminimum Klägerin Fr. 2'226.25 ./.
Einkommen Klägerin Fr. 1'370.40] x 0.5)
Der Unterhaltsbeitrag für D. beläuft sich somit auf Fr. 1'943.25 (Fr. 1'515.35
Barunterhalt + Fr. 427.90 Betreuungsunterhalt) und für E. auf Fr. 1'913.65
(Fr. 1'485.75 Barunterhalt + Fr. 427.90 Betreuungsunterhalt).
Die Klägerin hat ebenfalls Anspruch auf ihren Anteil am Überschuss von
einem Drittel, d.h. von Fr. 1'368.50, welcher ihr als persönlicher
Unterhaltsbeitrag zuzusprechen ist.
1. April 2021 bis 31. Juli 2021:
Barunterhalt D. und E.:
Fr. 1'089.90 (D.) bzw. Fr. 1'060.30 (E.)
(fam.rechtl.* Existenzminimum D. Fr. 1'031.10 + 1/6-Überschussanteil** Fr. 258.80
[Einkommen Beklagter Fr. 12'283.00 + Einkommen Kinder Fr. 400.00 ./. fam.rechtl.
Existenzminimum Beklagter Fr. 6'871.10 ./. fam.rechtl. Existenzminimum Klägerin
Fr. 2'226.25 ./. fam.rechtl. Existenzminimum D. Fr. 1'031.10 ./. fam.rechtl.
Existenzminimum E. Fr. 1'001.50] ./. Einkommen Fr. 200.00)
Betreuungsunterhalt D. und E.:
je Fr. 1'113.10 (fam.rechtl. Existenzminimum Klägerin Fr. 2'226.25 x 0.5)
Der Unterhaltsbeitrag für D. beläuft sich somit auf Fr. 2'203.00 (Fr. 1'089.90
Barunterhalt + Fr. 1'113.10 Betreuungsunterhalt) und für E. auf Fr. 2'173.40
(Fr. 1'060.30 Barunterhalt + Fr. 1'113.10 Betreuungsunterhalt). Aufgrund
der Geringfügigkeit der Differenz hat es mit den Unterhaltsbeiträgen
gemäss dem angefochtenen Entscheid von Fr. 2'217.30 (D.) und von
Fr. 2'164.65 (E.) sein Bewenden.
Die Klägerin hat Anspruch auf ihren Anteil am Überschuss von einem
Drittel, d.h. von Fr. 517.70, welcher ihr als persönlicher Unterhaltsbeitrag
zuzusprechen ist.
1. August 2021 bis 31. Oktober 2021:
In dieser Phase beläuft sich das familienrechtliche Existenzminimum des
Beklagten auf aufgrund von höheren Wohnkosten (Fr. 1'900.00) sowie von
Schuldenzahlungen (Fr. 4'111.80) auf Fr. 9'840.15. Es sind in dieser Phase
zu wenig Mittel vorhanden, um die familienrechtlichen Existenzminima der
Parteien und der Kinder vollumfänglich zu decken. Da in den
- 37 -
familienrechtlichen Existenzminima der Kinder und der Klägerin aber nur
relativ geringfügige Erweiterungen von insgesamt weniger als Fr. 200.00
berücksichtigt sind (Steuern, VVG-Prämien), rechtfertigt es sich, diese so
zu belassen und die Barunterhalte für D. und E. auf Fr.831.10 (Fr. 1'031.10
./. Fr. 200.00) bzw. Fr. 801.50 (Fr. 1'001.50 ./. Fr. 200.00) und den
Betreuungsunterhalt auf je Fr. 1'113.10 festzusetzen, woraus Unterhalts-
beiträge von Fr. 1'944.20 für D. bzw. Fr. 1'914.60 für E. resultieren. Ein
Unterhaltsanspruch für die Klägerin persönlich ist mangels Vorliegens
eines Überschusses in dieser Phase nicht zuzusprechen.
1. November 2021 bis 30. April 2022:
Barunterhalt D.: Fr. 933.80
(fam.rechtl.* Existenzminimum D. Fr. 1'122.80 + 1/6-Überschussanteil** Fr. 61.00
[Einkommen Beklagter Fr. 12'283.00 + Einkommen Kinder Fr. 450.00 ./. fam.rechtl.
Existenzminimum Beklagter Fr. 7'692.85 ./. fam.rechtl. Existenzminimum Klägerin
Fr. 2'457.90 ./. fam.rechtl. Existenzminimum D. Fr. 1'122.80 ./. fam.rechtl.
Existenzminimum E. Fr. 1'093.20] ./. Einkommen Fr. 250.00)
Barunterhalt E.: Fr. 954.20
(fam.rechtl.* Existenzminimum Fr. 1'093.20 + 1/6-Überschussanteil** Fr. 61.00 ./.
Einkommen Fr. 200.00)
Betreuungsunterhalt E.:
Fr. 2'457.90 (fam.rechtl. Existenzminimum Klägerin)
Der Unterhaltsbeitrag für D. beläuft sich somit auf Fr. 933.80 (nur
Barunterhalt; Erw. 4.7.3. des angefochtenen Entscheids [unbestritten]) und
der Unterhaltsbeitrag für E. auf Fr. 3'412.10 (Fr. 954.20 Barunterhalt +
Fr. 2'457.90 Betreuungsunterhalt). Der Unterhaltsbeitrag für E. ist damit
zwar höher als im angefochtenen Entscheid (Fr. 3'221.85), insgesamt sind
die beiden Kinderunterhaltsbeiträge von D. und E. (Fr. 1'193.55) aber
Fr. 69.50 tiefer als im angefochtenen Entscheid, weshalb sie neu
festzusetzen wären. Die Abweichung beträgt aber weniger als 2%. Wie die
Festsetzung des nachehelichen (vgl. BGE 5A_310/2010. 5A_327/2010
Erw. 2.2 mit Hinweisen) entzieht sich auch der während der Ehe
geschuldete Kinderunterhalt einer exakten mathematischen Berechnung.
Eine Korrektur des angefochtenen Urteils in diesem Punkt (Kinderunterhalt
zwischen dem 1. November 2021 und 30. April 2022) ist somit vor dem
Hintergrund der gegebenen, guten wirtschaftlichen Verhältnisse und der
nur wenige Monate dauernden Berechnungsphase nicht angezeigt.
Die Klägerin hat Anspruch auf einen Überschussanteil von einem Drittel,
d.h. von Fr. 122.10. Nachdem der Beklagte in dieser Phase einen
Unterhaltsanspruch der Klägerin von Fr. 182.00 anerkannt hat, ist ihr dieser
als Unterhaltsbeitrag zuzusprechen.
- 38 -
1. Mai 2022 bis 30. April 2023:
Barunterhalt D.: Fr. 1'572.10
(fam.rechtl.* Existenzminimum D. Fr. 1'158.90 + 1/6-Überschussanteil** Fr. 663.20
[Einkommen Beklagter Fr. 12'283.00 + Einkommen Klägerin Fr. 1'800.00 +
Einkommen Kinder Fr. 450.00 ./. fam.rechtl. Existenzminimum Beklagter
Fr. 5'541.45 ./. fam.rechtl. Existenzminimum Klägerin Fr. 2'724.05 ./. fam.rechtl.
Existenzminimum D. Fr. 1'158.90 ./. fam.rechtl. Existenzminimum E. Fr. 1'129.30]
./. Einkommen Fr. 250.00)
Barunterhalt E.: Fr. 1'592.50
(fam.rechtl.* Existenzminimum Fr. 1'129.30 + **1/6-Überschussanteil Fr. 663.20 ./.
Einkommen Fr. 200.00)
Betreuungsunterhalt E.:
Fr. 924.05 (fam.rechtl. Existenzminimum Klägerin Fr. 2'724.05 ./. Einkommen
Fr. 1'800.00)
Der Unterhaltsbeitrag für D. beläuft sich somit auf Fr. 1'572.10
(Barunterhalt) und der Unterhaltsbeitrag für E. auf Fr. 2'516.60
(Fr. 1'592.50 Barunterhalt + Fr. 924.05 Betreuungsunterhalt
Die Klägerin hat Anspruch auf einen Überschussanteil von einem Drittel,
d.h. von Fr. 1'326.40, welcher ihr als persönlicher Unterhaltsbeitrag
zuzusprechen ist.
Ab 1. Mai 2023:
Barunterhalt D.: Fr. 1'734.15
(fam.rechtl.* Existenzminimum D. Fr. 1'139.45 + **1/6-Überschussanteil Fr. 844.70
[Einkommen Beklagter Fr. 12'283.00 + Einkommen Klägerin Fr. 2'900.00 +
Einkommen Kinder Fr. 450.00 ./. fam.rechtl. Existenzminimum Beklagter
Fr. 5'570.40 ./. fam.rechtl. Existenzminimum Klägerin Fr. 2'745.15 ./. fam.rechtl.
Existenzminimum D. Fr. 1'139.45 ./. fam.rechtl. Existenzminimum E. Fr. 1'109.85]
./. Einkommen Fr. 250.00)
Barunterhalt E.: Fr. 1'754.55
(fam.rechtl.* Existenzminimum Fr. 1'109.85 + **1/6-Überschussanteil Fr. 844.70./.
Einkommen Fr. 200.00)
Die Klägerin hat Anspruch auf einen Überschussanteil von einem Drittel,
d.h. von Fr. 1'689.40, welcher ihr als persönlicher Unterhaltsbeitrag
zuzusprechen ist.
*Gemäss der Praxis des Bundesgerichts sind im erweiterten Barbedarf der
Kinder neuerdings ihre Steueranteile auszuscheiden (vgl. dazu im
Einzelnen BGE 147 III 457 Erw. 4.2.3.5). Die Vorinstanz verzichtete im
angefochtenen Entscheid aufgrund der "sehr tiefen Steuerbelastung" der
- 39 -
Klägerin im Jahr 2021 auf eine Ausscheidung der Steueranteile der Kinder
in den ersten drei Phasen von 1. Januar bis 31. Oktober 2021 (Erw. 4.4.2.
S. 15 f.), was unangefochten geblieben ist und weshalb nicht weiter darauf
eingegangen werden muss. Die Steuern der Parteien und bzw. die
Steueranteile der Kinder (ab der vierten Phase) sind ebenfalls unbestritten
geblieben, weshalb diese wie im angefochtenen Entscheid zu übernehmen
sind.
**Die Vorinstanz plafonierte den Überschussanteil der Kinder D. und
E. aufgrund der "weit überdurchschnittlich guten finanziellen Verhältnisse"
der Parteien auf 50% ihres Grundbarbedarfs bzw. betreibungsrechtlichen
Existenzminimums (ohne Drittbetreuungskosten) (Erw. 4.4.3. des
angefochtenen Entscheids). Die von der Vorinstanz vorgenommene
Plafonierung des Überschussanteils entsprach der Praxis im Kanton
Aargau (vgl. Ziff. 2.3.1. der Empfehlungen der obergerichtlichen Kammer
für Kindes- und Erwachsenenschutz für die Bemessung von Unterhalts-
beiträgen für Kinder vom 1. Mai 2017 [XKS.2017.2; Unterhalts-
empfehlungen]), wird vom Bundesgericht in seiner neuen Praxis aber nur
bei weit überdurchschnittlich guten finanziellen Verhältnissen als zulässig
erachtet, welche jedenfalls bei einem massgebenden Einkommen der
Eltern von rund Fr. 11'000.00 im Monat noch nicht vorliegen (vgl. BGE
5A_52/2021 Erw. 7.3.1). Vorliegend besteht daher ebenfalls keine
Veranlassung, geradezu von weit überdurchschnittlich guten finanziellen
Verhältnissen im Sinn der bundesgerichtlichen Rechtsprechung auszu-
gehen, weshalb eine Plafonierung des Überschusses nicht angezeigt ist
(Berufungsantwort S. 20) und dieser nach "grossen" und "kleinen" Köpfen
(je 1/3 für die Parteien und je 1/6 für die Kinder D. und E.) zu verteilen ist.
6.3.
Die im angefochtenen Entscheid angeordneten Unterhaltsbeiträge für die
Kinder E. und D. sind neu und in Anwendung der Offizialmaxime vom
1. Januar 2021 bis 31. März 2021 auf Fr. 1'943.25 bzw. Fr. 1'913.65, vom
1. August 2021 bis 31. Oktober 2021 auf Fr. 1'944.20 bzw. 1'914.60, vom
1. Mai 2022 bis 30. April 2023 auf Fr. 1'572.10 bzw. Fr. 2'516.60 und ab
1. Mai 2023 auf Fr. 1'734.15 bzw. Fr. 1'754.55 festzusetzen. Die
Unterhaltsbeiträge für die Klägerin persönlich sind neu auf Fr. 1'368.50
(1. Januar 2021 bis 30. März 2021), Fr. 517.70 (1. April 2021 bis 31. Juli
2021), Fr. 0.00 (1. August 2021 bis 31. Oktober 2021), Fr. 182.00
(1. November 2021 bis 30. April 2022), Fr. 1'326.40 (1. Mai 2022 bis
30. April 2023) und Fr. 1'689.40 (ab 1. Mai 2023) zu reduzieren.
7.
7.1.
Die Vorinstanz berechtigte den Beklagten im angefochtenen Entscheid,
bereits erbrachte Unterhaltsleistungen von insgesamt Fr. 16'206.35
- 40 -
anzurechnen und mit den rückwirkend geschuldeten Unterhaltsbeiträgen
zu verrechnen (vgl. im Einzelnen Erw. 5.3. des angefochtenen Entscheids).
7.2.
7.2.1.
Der Beklagte verlangt die Anrechnung von bereits geleisteten
Unterhaltsbeiträgen von Fr. 41'048.65 (Stand 16. Mai 2022) (Berufung
S. 16 ff.).
7.3.
Gemäss Lehre und der Rechtsprechung des Bundesgerichts sind bei einer
rückwirkenden Verpflichtung zur Leistung von Unterhaltsbeiträgen schon
erbrachte Unterhaltsleistungen in Abzug zu bringen (HAUSHEER/REUSSER/
GEISER, Berner Kommentar, Bern 1999, N. 23 zu Art. 173 ZGB;
ISENRING/KESSLER, BSK ZGB, a.a.O., N. 11 zu Art. 173 ZGB; BRÄM/
HASENBÖHLER, Zürcher Kommentar, Zürich 1998, N. 150 zu Art. 163 ZGB;
BGE 135 III 315), d.h. es ist zunächst die Höhe des Unterhaltsanspruchs
zu berechnen und alsdann unter Berücksichtigung von bereits erbrachten
Leistungen der noch zu bezahlende Betrag festzulegen und zuzusprechen.
Die Erhebung der bisherigen Leistungen bildet somit Teil der (rück-
wirkenden) Unterhaltsregelung. Als Unterhaltszahlungen können nur
Leistungen angerechnet werden, die „Unterhaltscharakter“ haben bzw. die
Gegenstand der Unterhaltsverpflichtung sind, die mit dieser Anrechnung
als erfüllt erklärt wird. Soweit die Zahlungen Posten betreffen, die weder
Teil des (familienrechtlichen) Existenzminimums noch der konkreten
Überschussverteilung sind, können sie deshalb nur angerechnet werden,
wenn davon auszugehen ist, der Aufwand sei Teil des nicht für einen
besonderen Verwendungszweck bestimmten weiteren Überschussanteils,
der dem Unterhaltsberechtigten zugewiesen wird.
7.4.
7.4.1.
Der Beklagte wurde rückwirkend per 1. Januar 2021 zur Leistung von
Unterhaltsbeiträgen verpflichtet. Die Vorinstanz berücksichtigte in der Zeit
vom 21. Dezember 2020 bis zum 23. April 2021 verschiedene vom
Beklagten getätigte Banküberweisungen in der Höhe von insgesamt
Fr. 4'600.00. Entgegen der Behauptung der Klägerin (Berufungsantwort
S. 20) hat die Vorinstanz die vom Beklagten geltend gemachten
Geldbezüge von Fr. 1'900.00 und Fr. 2'400.00 vom 8. Dezember 2020 nicht
zur Anrechnung zugelassen (vgl. Erw. 5.3. S. 32 des angefochtenen
Entscheids), was sich auch aus den entsprechenden Bankauszügen
(Replikbeilagen 15 und 16) ergibt. Die Vorinstanz berücksichtigte hingegen
Zahlungen von insgesamt Fr. 1'500.00, welche der Beklagte der Klägerin
bzw. D. am 21. Dezember 2020 unbestrittenermassen leistete. Sie führte
aus (Erw. 5.3. S. 31), diese Überweisungen seien zwar vor der Trennung
vom 6. Januar 2021 erfolgt, seien aber zeitlich so nah an der Trennung,
- 41 -
dass das Gerichtspräsidium davon ausgehe, dass sie der Klägerin für den
Unterhalt im Januar 2021 zur Verfügung gestanden seien. Den Beklagten
trifft die Beweislast für bereits erbrachte Unterhaltsleistungen, d.h. auch
dafür, dass diese der Klägerin im Januar 2021 noch zur Verfügung standen.
Zu Recht bringt die Klägerin vor (Berufungsantwort S. 21), dass dies nicht
glaubhaft gemacht wurde. Die Vorinstanz hat die Zahlungen vom
21. Dezember 2020 von insgesamt Fr. 1'500.00 daher zu Unrecht als
bereits erbrachte, anrechenbare Unterhaltszahlungen qualifiziert.
Der Beklagte macht für die Zeit vom 26. Mai 2021 bis 28. März 2022
zusätzliche Zahlungen von insgesamt Fr. 19'200.00 (Berufung S. 17) bzw.
ab Beginn der Unterhaltspflicht am 1. Januar 2021 insgesamt Fr. 23'800.00
geltend. Die vom Beklagten einzeln aufgeführten Zahlungen betragen
insgesamt Fr. 17'700.00. Aus den Auszügen aus dem Privatkonto NAB vom
26. Februar 2021 bis 29. April 2022 (Berufungsbeilage 10, S. 5) ist aber
ersichtlich, dass am 27. September 2021 ebenfalls Zahlungen von
Fr. 1'000.00 an die Klägerin bzw. von Fr. 500.00 an D. erfolgten. Dass der
Beklagte im Zeitraum vom 26. Mai 2021 bis am 28. März 2022 Zahlungen
von Fr. 19'200.00 an die Klägerin und D. geleistet hat, ist daher
nachgewiesen. Die Klägerin macht geltend (Berufungsantwort S. 21 f.), der
Beklagte sei verpflichtet, die Unterhaltsbeiträge an sie und nicht an D. zu
bezahlen. Mit Zahlungen an D. könne der Beklagte folglich keine gerichtlich
festgesetzten familienrechtlichen Unterhaltsverpflichtungen tilgen. Es
könnten daher höchstens Zahlungen von Fr. 15'000.00 als
Unterhaltszahlungen angesehen werden. Zudem hätte der Beklagte bis
zum Teilurteil vom 21. Januar 2022 die zusätzliche Bezahlung von
Unterhaltsbeiträgen geltend machen können. Es seien daher nur
Fr. 7'000.00 an zusätzlich bezahlten Unterhaltsbeiträgen zu akzeptieren.
Es ist zwar richtig, dass der Unterhaltsbeitrag durch Leistung an dessen
gesetzlichen Vertreter oder den Inhaber der Obhut erfüllt wird, solange
das Kind minderjährig ist (Art. 289 Abs. 1 ZGB). Zu Recht bringt der
Beklagte aber vor, dass die Klägerin bis zur Erstattung der
Berufungsantwort am 9. Juni 2022 nie beanstandet hat, dass der Beklagte
einen Teil des Kinderunterhalts an D. direkt leistet, und es daher
rechtsmissbräuchlich ist, wenn sie im Nachhinein die Qualifikation als
Unterhaltszahlungen und deren Anrechnung bestreitet (Eingabe des
Beklagten vom 22. Juni 2022, S. 10 f.). Aus diesem Grund und aufgrund
der fehlenden Novenschranke sind die vom Beklagten im Zeitraum vom
26. Mai 2021 bis am 28. März 2022 geleisteten Unterhaltszahlungen von
Fr. 19'200.00 ebenfalls anzurechnen. Insgesamt sind dem Beklagten daher
nicht nur Fr. 4'600.00, sondern Fr. 22'300.00 (Fr. 4'600.00 + Fr. 19'200.00
./. Fr. 1'500.00 [Zahlungen vom 21. Dezember 2020]) anzurechnen.
- 42 -
7.4.2.
Die Vorinstanz rechnete des Weiteren die vom Beklagten am
31. Dezember 2020 und 31. März 2021 geleisteten Hypothekarzins-
zahlungen in der Höhe von je Fr. 1'555.00 als Unterhaltszahlungen an. Der
Beklagte macht geltend (Berufung S. 17 f.), er habe für die ganze Zeit den
Hypothekarzins der ehelichen Liegenschaft bezahlt, bis und mit heute
Fr. 9'744.90. Die Klägerin hält dem entgegen (Berufungsantwort S. 21 f.
[Rz. 31 und 33]), die Hypothekarzinsen würden im Nachhinein zur Zahlung
fällig, die per 31. Dezember 2020 bezahlten Hypothekarzinsen beträfen
somit die Zeitperiode von Oktober bis Dezember 2020, weshalb der Betrag
von Fr. 1'555.00 nicht als Unterhaltsbeitrag berücksichtigt werden könne.
In Bezug auf die vom Beklagten geltend gemachten Hypothekarzinsen von
Fr. 9'744.90 könne dieser die Schuld nicht dadurch tilgen, dass er
Rechnungen der Klägerin bezahle. Es sei zwar korrekt, dass die Klägerin
bis heute keine Hypothekarzinsen bezahlt habe, der Beklagte habe die
entsprechenden Rechnungen aber nicht an sie weitergeleitet. Es habe für
den Beklagten keine Notwendigkeit bestanden, die Rechnungen direkt zu
bezahlen. Der geltend gemachte Betrag könne daher nicht an die
Unterhaltszahlungen angerechnet werden. Der Beklagte hat die
Ausführungen der Klägerin zur Fälligkeit der Hypothekarzinsen in seiner
Eingabe vom 22. Juni 2022 nicht bestritten, weshalb sie glaubhaft sind. Die
am 31. Dezember 2020 geleisteten Hypothekarzinsen von Fr. 1'555.00 sind
daher nicht als geleistete Unterhaltszahlungen zu berücksichtigen. Das
Gleiche hat für die von der Vorinstanz berücksichtigte, vom Beklagten am
28. Dezember 2020 bezahlte Stromrechnung im Betrag von Fr. 305.45 zu
gelten (Berufungsantwort S. 21). Hingegen können die danach vom
Beklagten unbestrittenermassen geleisteten Hypothekarzinsen von
insgesamt Fr. 8'189.00 (Fr. 9'744.00 ./. Fr. 1'555.00) aufgrund des
Effektivitätsprinzips als geleistete Unterhaltszahlungen angerechnet
werden, nachdem die Klägerin explizit anerkannt hat, dass sie bisher keine
Hypothekarzinsen bezahlt hat. Das Gleiche hat wiederum für vom
Beklagten bezahlten und von der Vorinstanz berücksichtigten
Stromrechnungen vom 27. April 2021 (Fr. 418.90) und vom 30. April 2021
(Fr. 305.00) zu gelten.
7.4.3.
Der Beklagte macht geltend (Berufung S. 18), er habe monatlich Fr. 100.30
und Fr. 100.25 für Lebensversicherungsprämien der Kinder, für 12 Monate
im 2021 somit Fr. 2'406.60, bezahlt. Dazu ist zu sagen, dass Positionen für
Lebensversicherungsprämien im familienrechtlichen Existenzminimum der
Kinder weder von der Vorinstanz berücksichtigt noch von den Parteien
geltend gemacht wurden. Die vom Beklagten geleisteten, von der Klägerin
im Grundsatz unbestrittenen Zahlungen des Beklagten (Berufungsantwort
S. 23) können daher nicht als bezahlte Unterhaltsbeiträge angerechnet
werden.
- 43 -
7.4.4.
Der Beklagte macht sodann geltend (Berufung S. 18 unten), er habe am
30. Dezember 2020 die Krankenkasse für die ganze Familie
vorschussweise für Januar 2021 bezahlt, was nach Abzug seiner eigenen
Prämie von Fr. 448.60 mit Fr. 1'168.00 als anrechenbare Leistungen zu
berücksichtigen sei. Nachdem die Klägerin nicht bestritten hat, dass der
Beklagte diese Zahlungen tatsächlich geleistet hat (Berufungsantwort S. 23
unten), können sie als Unterhaltszahlungen angerechnet werden.
7.4.5.
Des Weiteren macht der Beklagte von ihm bezahlte Rechnungen von
insgesamt Fr. 1'099.80 geltend (Rechnung HEV vom 29. März 2021 von
Fr. 60.00; Rechnung AXA vom 14. Mai 2021 von Fr. 138.60; Rechnung
Helvetia vom 5. Juli 2021 von Fr. 205.80; Rechnung RA K. vom 16. April
2021 von Fr. 695.00) (Berufung S. 19). Der Beklagte legt nicht dar,
inwiefern es sich bei diesen Zahlungen um solche mit Unterhaltscharakter
handelt bzw. inwieweit damit Positionen abgegolten worden sind, welche
Teil des familienrechtlichen Existenzminimums bilden. Der blosse Hinweis
auf Beilagen ist nicht ausreichend für eine genügende Substanziierung. Der
geltend gemachte Betrag von Fr. 1'099.80 kann daher nicht berücksichtigt
werden.
7.4.6.
Schliesslich beantragt der Beklagte, es sei auch ein von der Klägerin am
3. Mai 2021 (recte wohl: 3. Mai 2022 [vgl. Berufungsantwort S. 25 und
Eingabe des Beklagten vom 22. Juni 2022, S. 12) am Bankschalter S.
zulasten des Hypothekarkontos bezogener Betrag von Fr. 1'300.00 als
anrechenbare Zahlung zu berücksichtigen (Berufung S. 19). Die Klägerin
hält dem entgegen (vgl. Berufungsantwort S. 25), es handle sich beim
Bezug vom 3. Mai 2022 um einen Akontobezug von ihr zustehendem Ertrag
aus der Liegenschaft [...] und nicht um einen Unterhaltsbeitrag. Sie mache
Verrechnung geltend. Da die Klägerin den Bezug von Fr. 1'500.00 zulasten
des Hypothekarkontos ausdrücklich anerkannt und im Rahmen des
Eheschutzverfahrens der ganze Liegenschaftsertrag dem Beklagten als
Einkommen angerechnet wird, ist der Betrag von Fr. 1'500.00 als
Unterhaltszahlung anzurechnen.
7.4.7.
Zusammenfassend ergeben sich nach dem Gesagten vom Beklagten
geleistete Zahlungen mit Unterhaltscharakter von insgesamt Fr. 41'148.80
(Fr. 22'300.00 + Fr. 8'190.90 [Fr. 16'206.35 ./. Fr. 4'600.00 ./. Fr. 305.45 ./.
Fr. 1'555.00 ./. Fr. 1'555.00] + Fr. 8'189.90 + Fr. 1'168.00 Krankenkasse +
Fr. 1'300.00). Der vom Beklagten in den Berufungsanträgen geltend
gemachte Anrechnungsbetrag von Fr. 41'048.65 ist damit glaubhaft
gemacht.
- 44 -
7.4.8.
Was den weiteren Antrag des Beklagten in der Berufung anbelangt, es sei
ihm rechtzeitig vor der Ausfällung des obergerichtlichen Urteils Gelegenheit
zu geben, die weiteren anzurechnenden Unterhaltszahlungen für die Zeit
ab 16. Mai 2022 mitzuteilen bzw. zu belegen und es sei ihm das
Anrechnungsrecht zuzusprechen, bzw. es seien eventualiter für die Zeit ab
16. Mai 2022 monatliche Unterhaltszahlungen von Fr. 3'000.00 anzu-
rechnen, anbelangt, so ist der Beklagte darauf hinzuweisen, dass es ihm
unbenommen gewesen wäre, dem Obergericht die entsprechenden
Dokumente unaufgefordert zukommen zu lassen und den Berufungsantrag
(Ziff. 3 lit. a) neu zu beziffern (vgl. Art. 317 und Art. 229 Abs. 3 ZPO). Dies
hat der Beklagte nicht getan, weshalb der Berufungsantrag (Ziff. 3 lit. b)
abzuweisen ist. Es hat daher mit dem vom Beklagten glaubhaft gemachten
und in der Berufung in der Höhe von Fr. 41'048.65 bezifferten Betrag sein
Bewenden.
8.
Die Prozesskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt
(Art. 106 Abs. 1 ZPO). Vollständige Auferlegung der Prozesskosten an eine
Partei erfolgt, wenn die andere Partei mit ihren Rechtsbegehren vollständig
durchgedrungen ist (JENNY, ZPO-Komm., a.a.O., N. 6 zu Art. 106). Bei
Nichteintreten und bei Klagerückzug gilt die klagende Partei als
unterliegend. Hat keine Partei vollständig obsiegt, so werden die Prozess-
kosten nach dem Ausgang des Verfahrens verteilt (Art. 106 Abs. 2 ZPO).
Beim gegebenen Ausgang des Verfahrens – der Beklagte obsiegt mit
seiner Berufung betreffend Unterhaltsbeiträge für die Kinder und für die
Klägerin persönlich im Ergebnis nur in geringem Ausmass, und betreffend
anrechenbare Unterhaltszahlungen vollumfänglich - ist die obergerichtliche
Spruchgebühr zu 90% dem Beklagten und zu 10% der Klägerin
aufzuerlegen. Der Beklagte ist zudem zu verpflichten, der Klägerin 80%
ihrer richterlich auf Fr. 2'207.85 (Grundentschädigung für
überdurchschnittliches Verfahren Fr. 3'250.00 [§ 3 Abs. 1 lit. b und Abs. 2
AnwT sowie Kostennote vom 9. Juni 2022, Berufungsantwortbeilage 13];
tarifgemässe Abzüge [20%, keine Verhandlung, § 6 Abs. 2 AnwT; 25%,
Rechtsmittelabzug, § 8 AnwT]; angemessen erscheinende Auslagen von
Fr. 100.00 [Kostennote vom 9. Juni 2022] und 7.7% Mehrwertsteuer)
festzusetzende Parteientschädigung zu bezahlen.
- 45 -