# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** df10e89c-ecac-4c28-8ddc-59d623a32d14
**Court:** CH_BSTG
**Chamber:** CH_BSTG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** CH / Federation
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Prozessgeschichte:
A. Am 18. November 2014 erstattete die Fédération Internationale de Football
Association (FIFA) bei der Bundesanwaltschaft Strafanzeige gegen Unbekannt
aufgrund des Verdachts, dass Einzelpersonen inkriminierte Vermögenswerte via
Schweiz verschoben hätten. Zur Begründung verwies die FIFA auf den «Report
on the Inquiry into the 2018/2022 FIFA World CupTM Bidding Process». Gleichen-
tags übermittelte die FIFA der Bundesanwaltschaft mittels separatem Schreiben
die folgenden drei Teile des sog. Garcia-Berichts: «Report on the Inquiry into the
2018/2022 FIFA World CupTM Bidding Process», «Report on Issues Related to
the U.S. Bid Team» und «Report on Issues Related to the Russian Bid Team»
(TPF 266.262.2.007 ff.; 266.262.2.447 ff.).
B. Am 10. März 2015 eröffnete die Bundesanwaltschaft ein Verfahren (SV.15.0088)
gegen Unbekannt wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung (Art. 158 Ziff. 1
Abs. 3 StGB) und Geldwäscherei (Art. 305bis StGB) aufgrund des Verdachts,
dass im Zusammenhang mit der Vergabe der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft
(nachfolgend: FIFA-WM) für die Jahre 2018 und 2022 Unregelmässigkeiten be-
gangen bzw. Personen unrechtmässig bereichert worden seien (siehe Medien-
mitteilung der Bundesanwaltschaft vom 27. Mai 2015; abrufbar unter:
<https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-
57391.html>; zuletzt abgerufen am 28. September 2022).
C. Am 26. Mai 2015 erliess der damalige Leitende Staatsanwalt des Bundes Olivier
Thormann eine Verfügung betreffend Edition und Beweismittelbeschlagnahme
(TPF 266.262.2.874 ff.), gestützt worauf am 27. Mai 2015 eine begleitete Edition
am Sitz der FIFA in Zürich durchgeführt und verschiedene Akten sichergestellt
wurden (siehe Medienmitteilung der Bundesanwaltschaft vom 27. Mai 2015,
a.a.O.).
D. Am 27. Mai 2015 informierte die Bundesanwaltschaft die Öffentlichkeit über die
vorgenannten Umstände und teilte mit, dass gleichentags im Zusammenhang mit
einem separaten, von der für den Bezirk Ost von New York zuständigen Staats-
anwaltschaft geführten Strafverfahren rechtshilfeweise Fussballfunktionäre fest-
genommen und in Auslieferungshaft versetzt worden seien (siehe Medienmittei-
lung der Bundesanwaltschaft vom 27. Mai 2015, a.a.O.).
E. Am 8. Juli 2015 trafen sich Michael Lauber (damaliger Bundesanwalt), André
Marty (damaliger Informationschef der Bundesanwaltschaft) sowie Rinaldo
Arnold (Oberstaatsanwalt im Kanton Wallis) im Büro des ehemaligen Bundesan-
waltes zu einer Besprechung; dieses Treffen wurde nicht protokolliert. Im Zusam-
menhang mit diesem sowie drei weiteren, von den Vertretern der Bundesanwalt-
schaft nicht protokollierten Treffen vom 22. März 2016 (mit Michael Lauber, Gi-
anni Infantino [damaliger und aktueller FIFA-Präsident], André Marty und Rinaldo
Arnold), 22. April 2016 (mit Michael Lauber, Gianni Infantino, Olivier Thormann
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und Marco Villiger [damaliger Leiter Rechtsdienst der FIFA]) und 16. Juni 2017
(mit Michael Lauber, Gianni Infantino, André Marty, Rinaldo Arnold und allenfalls
einer fünften Person) ist derzeit eine von zwei ausserordentlichen Bundesanwäl-
ten geführte Strafuntersuchung gegen Teilnehmer dieser Treffen wegen Ver-
dachts auf Amtsmissbrauch (Art. 312 StGB), Verletzung des Amtsgeheimnisses
(Art. 320 StGB) und Begünstigung (Art. 305 StGB) hängig (TPF 266.661.001 ff.;
Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-2138/2020 vom 22. Juli 2020 Lit. B;
siehe auch Berichte der Gerichtskommission vom 9. September 2020 [abrufbar
unter: <https://www.parlament.ch/centers/kb/Documents/2020/Kommissionsbe-
richt_GK-V_20.211_2020-09-09.pdf>; zuletzt abgerufen am 28. Septem-
ber 2022] und 2. Dezember 2021 [abrufbar unter: <https://www.parla-
ment.ch/centers/kb/Documents/2021/Kommissionsbericht_GK-V_21.204_2021-
12-02.pdf>; zuletzt abgerufen am 28. September 2022]).
F. Am 23. Juli 2015 erliess der damalige Leitende Staatsanwalt des Bundes Olivier
Thormann eine Verfügung an die Bank A. und verlangte unter anderem die Her-
ausgabe von Unterlagen betreffend zweier auf Michel François Platini (nachfol-
gend: Platini) lautenden bzw. ihn begünstigenden Konten mit folgenden Interna-
tionalen Bankkontonummern (IBAN): «1» und «2» (BA 07.101-0001 ff.). Mit
Schreiben der Bank A. vom 28. Juli 2015 wurden der Bundesanwaltschaft die
entsprechenden Auskünfte erteilt und die verlangten Bankunterlagen zu vorge-
nannten zwei Konten übermittelt, namentlich sämtliche Basisdokumente, interne
Notizen betreffend Abklärungen über Hintergründe zu Transaktionen und Konto-
auszüge für den Zeitraum ab Mai 2007 bis Juli 2015 (BA 07.101-0007 f.).
G. Am 9. September 2015 erliess die Bundesanwaltschaft eine weitere Verfügung
an die Bank A. und verlangte zur Identifizierung einer Zahlung vom 1. Feb-
ruar 2011 in Höhe von Fr. 2 Millionen, welche von einem Konto der FIFA bei der
Bank A. auf das auf Platini lautende Konto mit der IBAN «1» erfolgt sein soll,
weitere Unterlagen (BA 07.101-0010 ff.). Mit Schreiben vom 10. Septem-
ber 2015 übermittelte die Bank A. der Bundesanwaltschaft Detailbelege zur vor-
genannten Zahlung, namentlich die – sowohl für das Kundendossier der FIFA als
auch für jenes von Platini unabhängig voneinander erstellten – zwei internen No-
tizen betreffend die Hintergrundabklärungen zu dieser Transaktion (BA 07.101-
0015 ff.).
H. Am 15. September 2015 erliess die Bundesanwaltschaft eine weitere Verfügung
an die Bank A. und verlangte weitergehende Informationen im Zusammenhang
mit der konkreten Ausführung der vorgenannten Zahlung vom 1. Februar 2011 in
Höhe von Fr. 2 Millionen (BA 07.101-0023 ff.). Die entsprechende Auskunft
wurde mit Schreiben der Bank A. vom 16. September 2015 erteilt (BA 07.101-
0028 f.).
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I. Mit Verfügung des damaligen Leitenden Staatsanwalts des Bundes Olivier Thor-
mann vom 24. September 2015 wurde eine Strafuntersuchung (SV.15.1013) ge-
gen Joseph S. Blatter (nachfolgend: Blatter) wegen ungetreuer Geschäftsbesor-
gung (Art. 158 StGB), eventualiter Veruntreuung (Art. 138 StGB), eröffnet. In der
Eröffnungsverfügung wurde festgehalten, dass der Verdacht bestehe, dass Blat-
ter als FIFA-Präsident unter Verletzung seiner Treuepflichten bewirkt oder zuge-
lassen habe, dass die FIFA am Vermögen geschädigt werde, indem diese am
1. Februar 2011 eine Zahlung über Fr. 2 Millionen an Platini getätigt habe. Zu-
dem habe der Verdacht bestanden, dass Blatter unter Verletzung seiner Treue-
pflichten bewirkt oder zugelassen habe, dass die FIFA bzw. die FIFA Marketing &
TV AG am Vermögen geschädigt worden sei, indem die FIFA bzw. die FIFA Mar-
keting & TV AG im Jahre 2005 der Caribbean Football Union bzw. ihrem damali-
gen Präsidenten TV-Rechte unter dem Marktwert veräussert und vertragliche
Rechte der FIFA gegenüber der Caribbean Football Union nicht durchgesetzt
habe, um diese bzw. ihren damaligen Präsidenten unrechtmässig zu bereichern
(BA 01.100-0001 f.).
J. Am 25. September 2015 fand am Sitz der FIFA eine Hausdurchsuchung statt,
anlässlich welcher eine Vielzahl von physischen Dokumenten und elektronischen
Datenträgern sichergestellt wurden (BA 08.101-0001 ff.; -0024 ff.).
K. Ebenfalls am 25. September 2015 wurden Blatter (als Beschuldigter) und Platini
(als Auskunftsperson) zeitgleich und separat zum vorgenannten Sachverhalt be-
treffend die Zahlung vom 1. Februar 2011 in Höhe von Fr. 2 Millionen befragt
(BA 13.001-0001 ff.; 12.001-0001 ff.).
L. Im Anschluss edierte und beschlagnahmte die Bundesanwaltschaft ver-
schiedenste Unterlagen, namentlich Bankunterlagen (BA 07.101 ff.; 08.100 f.).
Zudem wurden mehrere Befragungen von in die untersuchten Vorgänge invol-
vierten Personen durchgeführt (BA 12.002 ff.).
M. Mit Verfügung vom 29. Mai 2020 (BA 01.202-0001) dehnte der zwischenzeitlich
neu eingesetzte Verfahrensleiter (Staatsanwalt des Bundes Thomas Hildbrand)
die ursprünglich im Zusammenhang mit der Zahlung vom 1. Februar 2011 in
Höhe von Fr. 2 Millionen nur gegen Blatter geführte Strafuntersuchung auf Platini
aus. Gegen Platini bestand der Verdacht der Gehilfenschaft zur ungetreuen Ge-
schäftsbesorgung (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 i.V.m. Art. 25 StGB), eventualiter
Gehilfenschaft zur Veruntreuung (Art. 138 i.V.m. Art. 25 StGB), sowie Urkunden-
fälschung (Art. 251 StGB).
N. Im Zeitraum von August 2020 bis März 2021 führte die Bundesanwaltschaft ins-
besondere weitere Einvernahmen mit Blatter (13.001-0276 ff.) und Platini
(13.004-0011 ff.) sowie mit mehreren Zeugen und Auskunftspersonen durch
(BA 12.002-0213 ff.; 12.009-0146 ff.; 12.010-0105 ff.; 12.012-0078 ff.; 12.013-
0127 ff.; 12.014-0013 ff.; 12.015-0013 ff.).
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O. Am 15. März 2021 fand die Schlusseinvernahme von Platini (BA 13.004-0573 ff.)
und in der Zeit vom 9. bis 12. August 2021 die Schlusseinvernahme von Blatter
statt (BA 13.001-0598 ff.).
P. Mit Verfügung vom 22. Juni 2021 trennte die Bundesanwaltschaft den nachfol-
gend zu beurteilenden Teilsachverhalt betreffend die Zahlung der FIFA an Platini
vom 1. Februar 2011 in Höhe von Fr. 2 Millionen vom mittels Verfügung vom
22. Mai 2020 eingestellten Verfahren betreffend den Verkauf von TV-Rechten an
die Caribbean Football Union bzw. ihren damaligen Präsidenten (siehe Prozess-
geschichte Lit. I) ab und führte die abgetrennte Untersuchung gegen Blatter und
Platini in einem separaten Verfahren (SV.21.0850) weiter (BA 16.001-0377 ff.;
16.004-0345 ff.).
Q. Mit Schreiben vom 30. August 2021 kündigte die Bundesanwaltschaft den Par-
teien den bevorstehenden Abschluss des Vorverfahrens an, informierte sie über
die beabsichtigte Anklageerhebung gegen Blatter und Platini und setzte ihnen
eine Frist bis zum 27. September 2021 zur Stellung von Beweisanträgen
(BA 03.100-0001 ff.; 03.200-0001 ff.). Die FIFA verzichtete mit Schreiben vom
13. September 2021 auf die Stellung von Beweisanträgen (BA 19.101-0001). Die
von den Verteidigern gestellten Beweisanträge (BA 19.102-0001 ff. [betreffend
Blatter]; 19.103-0001 ff. [betreffend Platini]) wurden mit Verfügung der Bundes-
anwaltschaft vom 8. Oktober 2021 vollumfänglich abgewiesen (BA 19.102-
0007 ff.; 19.103-0017 ff.).
R. Am 29. Oktober 2021 erhob die Bundesanwaltschaft bei der Strafkammer des
Bundesstrafgerichts Anklage (TPF 266.100.001 ff.) gegen Blatter wegen Betrugs
(Art. 146 Abs. 1 StGB), eventualiter Veruntreuung (Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB),
subeventualiter ungetreuer Geschäftsbesorgung (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1
und 3 StGB), sowie Urkundenfälschung (Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1 und 2 StGB) und
gegen Platini wegen Betrugs (Art. 146 Abs. 1 StGB), eventualiter Gehilfenschaft
zu Veruntreuung (Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 i.V.m. Art. 25 StGB), subeventualiter Ge-
hilfenschaft zu ungetreuer Geschäftsbesorgung (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und 3
i.V.m. Art. 25 StGB), und Urkundenfälschung (Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1
und 2 StGB). Den Beschuldigten wurde zusammengefasst vorgeworfen, zum
Nachteil der FIFA unrechtmässig eine Zahlung von Fr. 2 Millionen sowie
Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von Fr. 229'126.– zugunsten von Platini er-
wirkt zu haben (näher E. 2 [Anklagevorwurf]).
S. Mit Verfügung vom 16. November 2021 lud die Vorsitzende die Parteien ein, bis
zum 7. Dezember 2021 Beweisanträge zu stellen und zu begründen
(TPF 266.400.003 f.). Im Anschluss entschied die Vorsitzende mit weiteren Ver-
fügungen über Beweismassnahmen über die gestützt auf die Verfügung vom
16. November 2021 und später gestellten Beweisanträge und ordnete verschie-
dene Beweismassnahmen von Amtes wegen an (TPF 266.250.001 ff.).
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T. Am 29. März 2022 setzte die Vorsitzende die Daten der Hauptverhandlung
(8. bis 22. Juni 2022) fest und erliess in der Folge die Vor- bzw. Einladungen an
die Parteien, Zeugen und Dolmetscher (TPF 266.320 ff.). Mit Verfügungen vom
5. April 2022 (TPF 266.255.010 ff.) und 2. Juni 2022 (TPF 266.255.019 ff.) wies
sie die Anträge der Verteidigung von Platini vom 1. April 2022
(TPF 266.522.175 f.) und 24. Mai 2022 (TPF 266.522.186 ff.) auf Verschiebung
der Hauptverhandlung ab.
U. In der Zeit vom 8. bis 21. Juni 2022 fand die Hauptverhandlung in Anwesenheit
der Bundesanwaltschaft, der Rechtsbeistandschaft der FIFA sowie der Beschul-
digten Blatter und Platini in Begleitung ihrer Verteidiger am Sitz des Bundesstraf-
gerichts statt.
V. Das Urteil wurde am 8. Juli 2022 mündlich eröffnet und begründet.
W. Die Bundesanwaltschaft (mit Schreiben vom 15. Juli 2022 [TPF 266.940.001 f.])
und die FIFA (mit Schreiben vom 18. Juli 2022 [TPF 266.940.003]) meldeten in
der Folge Berufung gegen das Urteil an und verlangten die Zustellung des schrift-
lich begründeten Urteils. Mit Schreiben vom 18. Juli 2022 ersuchte auch Platini
um Zustellung des schriftlich begründeten Urteils (TPF 266.940.004).
X. Am 28. September 2022 wurde das schriftlich begründete Urteil der Berufungs-
kammer des Bundesstrafgerichts (zusammen mit den Berufungsanmeldungen
und Akten) sowie den Parteien zugestellt.
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## Considerations

Die Strafkammer erwägt:
1. Prozessuales
In prozessualer Hinsicht ist einleitend näher auf die von den Verteidigern an der
Hauptverhandlung aufgeworfenen Vorfragen i.S.v. Art. 339 Abs. 2 StPO einzu-
gehen (E. 1.1-1.3). Über diese entschied das Gericht anlässlich der Hauptver-
handlung in einem prozessleitenden Beschluss gemäss Art. 339 Abs. 3 StPO,
der von der Vorsitzenden summarisch begründet wurde (TPF 266.720.019 ff.).
Eine vollständige Begründung dieses Beschlusses erfolgt im vorliegenden En-
dentscheid (hierzu HAURI/VENETZ, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler
Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, Art. 339 StPO
N. 21). Im Anschluss wird auf die übrigen prozessualen Aspekte eingegangen
(E. 1.4 f.).
1.1 Zuständigkeit
1.1.1 Der Verteidiger von Platini machte geltend, die angeklagten Straftaten unterstün-
den nicht der Bundesgerichtsbarkeit gemäss Art. 23 und 24 StPO und die Straf-
kammer des Bundesstrafgerichts sei folglich für deren Beurteilung sachlich nicht
zuständig. Zur Begründung führte er zusammengefasst aus, dass der diesem
Strafverfahren zugrundeliegende Sachverhalt – nach der Abtrennung des Sach-
verhaltskomplexes im Zusammenhang mit dem Verkauf von TV-Rechten an die
Caribbean Football Union bzw. ihren damaligen Präsidenten (siehe Prozessge-
schichte Lit. I und P) – keinen Auslandsbezug i.S.v. Art. 24 Abs. 1 lit. a StPO auf-
weise und es diesem auch nicht an einem eindeutigen kantonalen Schwerpunkt
i.S.v. Art. 24 Abs. 1 lit. b StPO mangle, sondern dessen Schwerpunkt – trotz der
von Platini ausgestellten angeblich gefälschten Urkunde im Kanton Waadt
(Nyon) – vielmehr im Kanton Zürich liege. Zwar habe der Sachverhaltskomplex
betreffend den Verkauf von TV-Rechten an die Caribbean Football Union bzw.
ihren damaligen Präsidenten einen wesentlichen Auslandsbezug aufgewiesen
und wohl die Zuständigkeit des Bundes nachgezogen. Als dieser Sachverhalts-
komplex abgetrennt worden sei, hätte das vorliegende Verfahren aber – aufgrund
des Wegfalls dieses Auslandsbezugs – an die kantonalen Strafverfolgungsbe-
hörden übergeben werden müssen. Zudem sei der in Art. 26 Abs. 3 StPO ent-
haltene Grundsatz der perpetuatio fori im vorliegenden Fall nicht anwendbar, da
dieser gemäss dessen Wortlaut einzig bei Einstellung, nicht jedoch bei Abtren-
nung des die Bundesgerichtsbarkeit begründenden Verfahrensteils zur Anwen-
dung komme. Es werde – so der Verteidiger weiter – immer deutlicher, dass die
Entscheidung, die Zahlung vom 1. Februar 2011 in Höhe von Fr. 2 Millionen un-
ter Verletzung der Regeln über die Bundeszuständigkeit zu untersuchen und an-
zuklagen, das Ergebnis einer mutmasslich rechtswidrigen Absprache zwischen
Gianni Infantino und den höchsten Instanzen der Bundesanwaltschaft war mit
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dem Ziel, die Kandidatur von Platini für das Amt des FIFA-Präsidenten auszu-
schliessen. Eine etwaige behauptete Bundeszuständigkeit wäre – auch mit Blick
auf diese Umstände – missbräuchlich. Das Verfahren sei demnach an die Bun-
desanwaltschaft zurückzuweisen, damit diese über das weitere Vorgehen, ins-
besondere die Abtretung an eine zuständige kantonale Staatsanwaltschaft, ent-
scheiden könne (TPF 266.522.177 ff.; 266.720.005 f.).
1.1.2
1.1.2.1 Die Strafkammer des Bundesstrafgerichts urteilt in Fällen der Bundesgerichts-
barkeit als erstinstanzliches Gericht, sofern die Bundesanwaltschaft die Beurtei-
lung nicht den kantonalen Behörden übertragen hat (Art. 35 Abs. 1 des Bundes-
gesetzes über die Organisation der Strafbehörden des Bundes vom
19. März 2010 [StBOG; SR 173.71]). Welche Straftaten der Bundesgerichtsbar-
keit unterstehen, ergibt sich aus Art. 23 und 24 StPO. Bei Verbrechen des zwei-
ten und elften Titels des Strafgesetzbuches kann die Bundesanwaltschaft eine
Untersuchung eröffnen, wenn die Straftaten entweder zu einem wesentlichen
Teil im Ausland oder in mehreren Kantonen begangen worden sind und dabei
kein eindeutiger Schwerpunkt in einem Kanton besteht (Art. 24 Abs. 1 und 2
lit. a StPO) und alternativ keine kantonale Strafverfolgungsbehörde mit der Sa-
che befasst ist oder die zuständige kantonale Strafverfolgungsbehörde die
Staatsanwaltschaft des Bundes um Übernahme des Verfahrens ersucht (Art. 24
Abs. 2 lit. b StPO). Die Eröffnung einer Untersuchung nach Art. 24 Abs. 2 StPO
begründet Bundesgerichtsbarkeit (Art. 24 Abs. 3 StPO). Ist in einer Strafsache
sowohl Bundesgerichtsbarkeit als auch kantonale Gerichtsbarkeit gegeben, so
kann die Bundesanwaltschaft die Vereinigung der Verfahren in der Hand der
Bundesbehörden oder der kantonalen Behörden anordnen (Art. 26 Abs. 2 StPO).
Eine so begründete Gerichtsbarkeit bleibt bestehen, auch wenn der die Zustän-
digkeit begründende Teil des Verfahrens eingestellt wird (Art. 26 Abs. 3 StPO).
1.1.2.2 Die Zuständigkeit wird zweckmässigerweise zu einem möglichst frühen Zeitpunkt
festgelegt. Die in diesem Stadium des Verfahrens bestehenden Unsicherheiten
führen häufig dazu, dass die Strafverfolgungsbehörden sich über die Zuständig-
keit verständigen. Haben die eidgenössischen und kantonalen Strafverfolgungs-
behörden eine Vereinbarung über die Bundesgerichtsbarkeit getroffen, darf die
Strafkammer des Bundesstrafgerichts diese nur in Frage stellen, wenn die Ver-
einbarung auf einem eigentlichen Missbrauch des Ermessens beruht. Nach der
Rechtsprechung ist eine nachträgliche Änderung der einmal vereinbarten Zu-
ständigkeit zwar möglich, es bedarf dafür aber triftiger Gründe. Das ergibt sich
namentlich bei fortgeschrittener Untersuchung bereits daraus, dass Gründe der
Effizienz und der beschleunigten Durchführung des Verfahrens gegen eine sol-
che Änderung sprechen. Diese Zweckmässigkeitsüberlegungen sind auch anzu-
stellen, wenn sich die Bundesanwaltschaft mit dem als zuständig in Betracht fal-
lenden Kanton nicht verständigt hat, weil sie die Bundesgerichtsbarkeit für gege-
ben hielt. Auch ohne (ausdrückliche) Vereinbarung zwischen den Strafverfol-
gungsbehörden ist eine Änderung der Zuständigkeit nur in Betracht zu ziehen,
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wenn triftige Gründe dies gebieten. Denn allgemein gilt, dass die Strafverfolgung
leiden müsste, wenn die Zuständigkeit ohne Notwendigkeit nachträglich in die
Kantone verschoben würde, was allenfalls sogar dazu führt, dass unter den Kan-
tonen ein (negativer) Kompetenzkonflikt entbrennt. Wenn das Untersuchungs-
verfahren nahezu abgeschlossen ist, ist ein Wechsel der Zuständigkeit in der
Regel zu vermeiden. Das muss erst recht gelten, wenn die Untersuchung bereits
vollständig zu Ende geführt und Anklage erhoben worden ist. In diesem Sinne
darf die Strafkammer des Bundesstrafgerichts die Bundesgerichtsbarkeit nach
Anklageerhebung nur ausnahmsweise, nur aus besonders triftigen Gründen in
Frage stellen. Denkbar ist etwa, dass bereits die Annahme einer Ermittlungskom-
petenz durch die Bundesanwaltschaft als offensichtlich missbräuchlich erscheint,
oder dass der Angeschuldigte die Zuständigkeit mit besonders gewichtigen Ar-
gumenten bestreitet, wobei im Hinblick auf den Zweck der Strafverfolgung stets
eine umfassende Interessenabwägung vorzunehmen und in diesem Rahmen
auch dem Prozessverhalten Rechnung zu tragen ist (BGE 133 IV 235 E. 7.1
m.w.H.).
1.1.3 Vorliegend kann offen bleiben, ob der diesem Strafverfahren zugrundeliegende
Teilsachverhalt einen wesentlichen Auslandbezug i.S.v. Art. 24 Abs. 1 lit. a StPO
aufweist oder es diesem an einem eindeutigen kantonalen Schwerpunkt i.S.v.
Art. 24 Abs. 1 lit. b StPO mangelt und dieser Teilsachverhalt folglich für sich al-
leine eine die Bundesgerichtsbarkeit begründende Untersuchungseröffnung
nach Art. 24 Abs. 2 StPO erlaubt hätte. Die am 24. September 2015 ursprünglich
verfügte Verfahrenseröffnung erfolgte nämlich nicht nur wegen des nachfolgend
zu prüfenden Teilsachverhalts, sondern auch wegen des Verdachts der unge-
treuen Geschäftsbesorgung (Art. 158 StGB), eventualiter Veruntreuung
(Art. 138 StGB), im Zusammenhang mit dem Verkauf von TV-Rechten an die
Caribbean Football Union bzw. ihren damaligen Präsidenten (siehe Prozessge-
schichte Lit. I). Es ist unbestritten, dass die Voraussetzungen von Art. 24
Abs. 2 StPO zumindest im Zusammenhang mit letzterem Sachverhaltskomplex
erfüllt waren, namentlich aufgrund dessen – von der Verteidigung von Platini
selbst eingeräumten (TPF 266.522.179) – wesentlichen Auslandsbezugs i.S.v.
Art. 24 Abs. 1 lit. a StPO (zu den entsprechenden internationalen Sachverhalts-
elementen siehe auch Beschluss der Beschwerdekammer des Bundesstrafge-
richts BB.2020.203 vom 21. Juli 2021 E. 2.2). Auch wenn die Voraussetzungen
von Art. 24 Abs. 2 StPO in Bezug auf den diesem Strafverfahren zugrundelie-
genden Teilsachverhalt nicht erfüllt gewesen wären, hätte die Bundesanwalt-
schaft das diesbezügliche Verfahren nicht an die kantonalen Strafverfolgungsbe-
hörden abtreten müssen, sondern hätte dieses vielmehr in der Hand der Bundes-
behörden vereinigen können (Art. 26 Abs. 2 StPO). Die gemeinsame Verfolgung
und Beurteilung der beiden Sachverhaltskomplexe durch die Bundesanwalt-
schaft stand demnach im Zeitpunkt der Verfahrenseröffnung – sei es gestützt auf
Art. 24 Abs. 2 oder Art. 26 Abs. 2 StPO – im Einklang mit den strafprozessualen
Regeln über die Zuständigkeiten und war überdies aufgrund des Grundsatzes
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der Verfahrenseinheit geboten (Art. 29 Abs. 1 lit. a StPO). Gleiches gilt für die
Ausdehnung des in Bundesgerichtsbarkeit geführten Verfahrens auf Platini
(Art. 29 Abs. 1 lit. b StPO). Entgegen dem Vorbringen des Verteidigers von Pla-
tini hätte das Verfahren nach der Abtrennung des Sachverhaltskomplexes betref-
fend den Verkauf von TV-Rechten an die Caribbean Football Union bzw. ihren
damaligen Präsidenten auch nicht an die kantonalen Strafverfolgungsbehörden
abgetreten werden müssen. Gemäss Ziff. I.2 der Verfügung der Bundesanwalt-
schaft vom 22. Juni 2020 (BA 16.001-0378; 16.004-0346) erfolgte die Abtren-
nung dieses Sachverhaltskomplexes aufgrund der diesbezüglich erlassenen –
und in der Zwischenzeit in Rechtskraft erwachsenen – Einstellungsverfügung
vom 22. Mai 2020 (Prozessgeschichte Lit. P; siehe Beschluss der Beschwerde-
kammer des Bundesstrafgerichts BB.2020.203 vom 21. Juli 2021). Entgegen
dem Vorbringen der Verteidigung ist der Grundsatz der perpetuatio fori auch in
einer solchen Konstellation anwendbar, ist Art. 26 Abs. 3 StPO doch nicht nur bei
Einstellung des die Bundesgerichtsbarkeit begründenden Verfahrensteils, son-
dern allgemein bei dessen Erledigung anwendbar (Beschluss der Beschwerde-
kammer des Bundesstrafgerichts BB.2018.184 vom 3. April 2019 E. 4.4; Urteil
der Strafkammer des Bundesstrafgerichts SK.2020.15 vom 13. Januar 2021
E. 1.1).
1.1.4 Zusammenfassend ist – jedenfalls unter dem Gesichtspunkt der Begründung der
Bundesgerichtsbarkeit – nicht ersichtlich, dass die vorliegend relevante Untersu-
chungseröffnung und Verfahrensführung in Bundeszuständigkeit auf einem
offensichtlichen Ermessensmissbrauch der Bundesanwaltschaft beruhen. Diese
stehen gestützt auf die dem Gericht vorliegenden Informationen vielmehr im Ein-
klang mit den strafprozessualen Zuständigkeitsregeln. Daran würde aufgrund
des Verfolgungszwangs (Art. 7 Abs. 1 StPO) auch die von Platinis Verteidigung
behauptete, angebliche Absprache zwischen Gianni Infantino und Vertretern der
Bundesanwaltschaft, den Sachverhalt betreffend die Zahlung der FIFA vom
1. Februar 2011 in Höhe von Fr. 2 Millionen durch die Bundesanwaltschaft un-
tersuchen und anklagen zu lassen, nichts ändern. Die Frage nach der Existenz
solcher Absprachen kann an dieser Stelle somit ausdrücklich offen gelassen wer-
den. Weitere besonders triftige Gründe, welche die sachliche Zuständigkeit der
Strafkammer des Bundesstrafgerichts ausnahmsweise entfallen lassen könnten,
werden weder behauptet noch sind solche ersichtlich.
1.1.5 Im Ergebnis ist festzuhalten, dass die Zuständigkeit der Strafkammer des Bun-
desstrafgerichts für die Beurteilung der angeklagten Straftaten gegeben ist. Der
Antrag von Platinis Verteidiger, das Verfahren an die Bundesanwaltschaft zu-
rückzuweisen, war demnach im Rahmen der Vorfragen abzuweisen.
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1.2 Legitimation der FIFA als Privatklägerschaft
1.2.1 Der Verteidiger von Platini bestritt die Legitimation der FIFA als Privatkläger-
schaft. Zur Begründung führte er zusammengefasst aus, dass in den Akten zwar
eine Anwaltsvollmacht liege, welche vom Deputy Secretary General Administra-
tion und Chief Legal & Integrity Officer der FIFA unterzeichnet sei. Diese Voll-
macht sei aber bereits am 7. März 2019 und somit vor Ausdehnung des Strafver-
fahrens auf Platini ausgestellt worden, weshalb dieser gar nicht von dieser Voll-
macht umfasst sei. Zudem sei auch nicht erkennbar, dass der Deputy Secretary
General Administration und Chief Legal & Integrity Officer der FIFA vereinsrecht-
lich zuständig seien, um die FIFA als Privatklägerschaft in einem Strafverfahren
gegen zwei ehemalige Spitzenvereinsfunktionäre zu konstituieren. Hierfür sei
mindestens ein Beschluss des Vereinsvorstandes erforderlich. Die FIFA sei folg-
lich nicht als Privatklägerschaft zuzulassen (TPF 266.522.180; 266.720.009 f.).
Der Verteidiger von Blatter schloss sich der aufgeworfenen Vorfrage in Bezug
auf die Legitimation der FIFA als Privatklägerschaft an. Zur Begründung führte er
zusammengefasst aus, dass es für eine gültige Konstituierung als Privatkläger-
schaft bei der FIFA als Verein eines Beschlusses des Vereinsvorstandes, wenn
nicht gar der Vereinsversammlung bedürfe, zumal es sich vorliegend um eine
Klage gegen den ehemaligen Präsidenten und einen ehemaligen Vize-Präsiden-
ten der FIFA handle. Die bei den Akten liegende und lediglich durch zeichnungs-
berechtigte Personen der FIFA-Administration unterschriebene Vollmacht ge-
nüge folglich nicht. Die FIFA sei deshalb nicht als Privatklägerschaft im vorlie-
genden Verfahren zuzulassen (TPF 266.521.017; 266.720.004/017).
1.2.2 Gemäss Art. 104 Abs. 1 StPO sind Parteien im Hauptverfahren die beschuldigten
Personen (lit. a), die Privatklägerschaft (lit. b) und die Staatsanwaltschaft (lit. c).
Als Privatklägerschaft gilt die geschädigte Person gemäss Art. 115 Abs. 1 StPO,
die ausdrücklich erklärt, sich am Strafverfahren als Straf- oder Zivilklägerin zu
beteiligen (Art. 118 Abs. 1 StPO). Die Erklärung ist gegenüber einer Strafverfol-
gungsbehörde spätestens bis zum Abschluss des Vorverfahrens abzugeben
(Art. 118 Abs. 3 StPO). Die geschädigte Person kann die Erklärung schriftlich
oder mündlich zu Protokoll abgeben (Art. 119 Abs. 1 StPO). Juristische Perso-
nen erklären die Konstituierung als Privatklägerschaft durch ihre Organe oder
durch eine rechtsgültig bevollmächtigte Rechtsbeistandschaft (vgl. PITTELOUD,
Code de procédure pénale suisse, 2012, Art. 118 bis 121 StPO N. 263; MAZZUC-
CHELLI/POSTIZZI, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar,
Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, Art. 118 StPO N. 10).
1.2.3 Vorab ist festzuhalten, dass zu Recht unbestritten ist, dass die FIFA im vorlie-
genden Verfahren (angeblich) geschädigte Person i.S.v. Art. 115 Abs. 1 StPO
ist. Bestritten wird lediglich ihre rechtsgültige Konstituierung als Privatkläger-
schaft und damit ihre Parteistellung. Diesbezüglich ergibt sich aus den Akten Fol-
gendes: Rechtsanwältin Hohl-Chirazi wurde mit Vollmacht der FIFA vom
7. März 2019, unterzeichnet durch B. (Deputy Secretary General Administration)
- 16 -
SK.2021.48
und C. (Chief Legal & Integrity Officer), als Rechtsbeistandschaft für das durch
die Bundesanwaltschaft geführte Verfahren SV.15.1013 sowie alle damit zusam-
menhängenden Verfahren eingesetzt und namentlich zur Vertretung der FIFA vor
staatlichen Behörden und Gerichten sowie zur Klageeinreichung in deren Namen
ermächtigt (BA 15.101-0098). Mit Eingabe vom 16. Dezember 2019 erklärte
Rechtsanwältin Hohl-Chirazi im Namen der FIFA ausdrücklich, dass sich diese
im (zum damaligen Zeitpunkt nur gegen Blatter geführten) Verfahren SV.15.1013
als Privatklägerschaft beteilige, und machte gleichzeitig privatrechtliche Ansprü-
che gegen Blatter geltend (BA 15.101-0289). Mit Eingabe vom 24. August 2021
– und somit nach Ausdehnung des Strafverfahrens auf Platini (siehe Prozessge-
schichte Lit. M) und Abtrennung des nachfolgend zu beurteilenden Teilsachver-
halts vom restlichen Sachverhaltskomplex (siehe Prozessgeschichte Lit. P) –
machte Rechtsanwältin Hohl-Chirazi namens der FIFA unter Verweis auf Art.
118 f. StPO privatrechtliche Ansprüche gegen Blatter und Platini geltend
(BA 15.101-0767 ff.). Anderweitige Erklärungen der FIFA bzw. ihrer Organe be-
treffend die Privatklägerschaft befinden sich nicht in den Akten.
1.2.4 Zu prüfen ist somit, ob die FIFA sich durch die vorgenannten Erklärungen von
Rechtsanwältin Hohl-Chirazi im vorliegenden Verfahren gültig als Privatkläger-
schaft konstituiert hat. Hierfür ist erforderlich, dass Rechtsanwältin Hohl-Chirazi
– erstens – gültig als Rechtsbeistandschaft der FIFA sowie zur Erhebung der
Privatklage im Namen der FIFA bevollmächtigt wurde und – zweitens – form- und
fristgerecht eine entsprechende Erklärung abgegeben hat. Diesbezüglich ist re-
levant, dass B. (Deputy Secretary General Administration) und C. (Chief Legal &
Integrity Officer), welche die Vollmacht vom 7. März 2019 unterzeichneten, ge-
mäss Handelsregistereintrag der FIFA im Zeitpunkt der Vollmachtserteilung über
eine Kollektivunterschrift zu zweien verfügten und auch heute noch über eine
solche verfügen (siehe <https://zh.chregister.ch/cr-portal/auszug/aus-
zug.xhtml?uid=CHE-107.301.064>; zuletzt abgerufen am 28. September 2022).
Auch waren und sind sie gemäss FIFA-internen Zuständigkeitsregeln zu zweit
zur Vertretung der FIFA berechtigt (Art. 14, 15 und 20 der Internen Organisati-
onsweisung der FIFA [TPF 266.551.431 ff.]). Aus den dem Gericht vorliegenden
Akten ergibt sich im Übrigen nicht, dass gemäss FIFA-internen Zuständigkeits-
vorschriften für die Bevollmächtigung einer Rechtsanwältin in einem Strafverfah-
ren bzw. für die Erhebung einer Privatklage in einem solchen Verfahren – sei es
gegen den ehemaligen Präsidenten bzw. Vize-Präsidenten der FIFA oder gegen
eine andere Person – die Zustimmung einer übergeordneten Instanz, namentlich
des Vereinsvorstandes oder der Vereinsversammlung, notwendig wäre. Somit
wurde Rechtsanwältin Hohl-Chirazi mittels Vollmacht vom 7. März 2019 rechts-
gültig als Rechtsbeistandschaft der FIFA eingesetzt und ist seither – im Rahmen
der erteilten Vollmacht – zu deren Vertretung berechtigt, namentlich zur Klage-
einreichung bei staatlichen Behörden und Gerichten im Verfahren SV.15.1013
und damit zusammenhängenden Verfahren (BA 15.101-0098). Dies umfasste
namentlich auch die am 16. Dezember 2019 bzw. am 24. August 2021 form- und
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fristgerecht gegenüber der Bundesanwaltschaft im Namen der FIFA vorgenom-
menen Erklärungen, sich im Verfahren wegen nachfolgend zu beurteilendem
Sachverhalt als Privatklägerschaft zu konstituieren, handelte es sich dabei doch
um Erklärungen gegenüber einer Behörde (Bundesanwaltschaft), welche das
Strafverfahren SV.15.1013 (Erklärung vom 16. Dezember 2019) bzw. das davon
abgetrennte und folglich mit Ersterem zusammenhängenden Verfahren
SV.21.0850 (Erklärung vom 24. August 2021) betraf. Dass das Strafverfahren
erst nach der Vollmachtserteilung auf Platini ausgedehnt worden ist, ändert da-
ran nichts, war er doch im Zeitpunkt der Vollmachtserteilung sowohl in sachver-
haltsmässiger als auch persönlicher Hinsicht – als Empfänger der Zahlung, zu
welcher er als Auskunftsperson einvernommen wurde – davon umfasst. Im Übri-
gen ist festzuhalten, dass die FIFA bzw. ihre Organe trotz Kenntnis des vorlie-
genden Strafverfahrens die Privatklage bis zum Urteilsdatum weder gegen Blat-
ter noch gegen Platini zurückgezogen haben. Nach dem Gesagten ergibt sich,
dass sich die FIFA im vorliegenden Verfahren gegen Blatter und Platini rechts-
gültig als Privatklägerschaft konstituiert hat.
1.2.5 Im Ergebnis ist die FIFA als Privatklägerschaft im vorliegenden Verfahren gegen
Blatter und Platini zuzulassen.
1.3 Antrag auf Vertagung der Hauptverhandlung und Sistierung des Verfahrens
1.3.1 Der Verteidiger von Platini beantragte anlässlich der Hauptverhandlung die Ver-
tagung der Hauptverhandlung bzw. die Sistierung des Verfahrens bis die von ihm
beantragten Aktenbeizüge aus dreier anderer Verfahren erfolgt seien (Akten aus
dem noch hängigen Verfahren der ausserordentlichen Bundesanwälte im Zu-
sammenhang mit den von Vertretern der Bundesanwaltschaft nicht protokollier-
ten Treffen [siehe Prozessgeschichte Lit. E], Akten der Verfahren der Aufsichts-
behörde über die Bundesanwaltschaft sowie des Bundesverwaltungsgerichts be-
treffend des in diesem Zusammenhang eingeleiteten und in der Zwischenzeit
rechtskräftig abgeschlossenen Disziplinarverfahrens gegen den ehemaligen
Bundesanwalt Michael Lauber und die Akten des mittels Einstellungsverfügung
der Bundesanwaltschaft vom 9. November 2018 rechtskräftig abgeschlossenen
Strafverfahrens gegen den ehemaligen Leitenden Staatsanwalt des Bundes und
ursprünglichen Verfahrensleiter des vorliegenden Verfahrens Olivier Thormann
im Zusammenhang mit mehreren angeblichen Kontakten zwischen diesem und
dem ehemaligen Leiter Rechtsdienst der FIFA). Als Begründung führte er in all-
gemeiner Hinsicht aus, dass zwischen dem vorliegenden und den vorgenannten
Verfahren ein enger Konnex bestehe und die Akten aus den drei Verfahren damit
für die Einordnung der Verfahrensakten und Verfahrenshandlungen im vorliegen-
den Verfahren zentral seien. Zudem präzisierte er, dass die Akten für die Erken-
nung allfälliger Ausstandsgründe gegen den ehemaligen Verfahrensleiter Olivier
Thormann zentral seien und Aufschluss über Aspekte im Zusammenhang mit
dem Anfangsverdacht bzw. der Beweisverwertbarkeit liefern würden
(TPF 266.721.484 ff.; 266.720.007 ff.; 266.720.018 f.).
- 18 -
SK.2021.48
1.3.2 Die Strafbehörden setzen zur Wahrheitsfindung alle nach dem Stand von Wis-
senschaft und Erfahrung geeigneten Beweismittel ein, die rechtlich zulässig
sind. Über Tatsachen, die unerheblich, offenkundig, der Strafbehörde bekannt
oder bereits rechtsgenügend erwiesen sind, wird nicht Beweis geführt
(Art. 139 StPO). Gemäss Art. 339 Abs. 2 StPO können das Gericht und die Par-
teien Vorfragen aufwerfen, insbesondere betreffend Verfahrenshindernisse
(lit. c) sowie die Akten und die erhobenen Beweise (lit. d). Bei der Behandlung
solcher Vorfragen kann das Gericht die Hauptverhandlung jederzeit vertagen, um
die Akten oder die Beweise zu ergänzen oder durch die Staatsanwaltschaft er-
gänzen zu lassen (Art. 339 Abs. 5 StPO).
1.3.3
1.3.3.1 Vorab ist festzuhalten, dass die beantragten Akten – wie Platinis Verteidiger zu
Recht nicht vorbringt – nicht zur Beurteilung des materiellen Anklagesachverhalts
relevant sind. Dies ergibt sich bereits daraus, dass die drei Verfahren weder die
gleichen Parteien noch denselben Sachverhalt betreffen. In Bezug auf das Dis-
ziplinarverfahren gegen den ehemaligen Bundesanwalt Michael Lauber sowie
das Strafverfahren gegen den ehemaligen Leitenden Staatsanwalt des Bundes
Olivier Thormann ist überdies festzuhalten, dass diese rechtskräftig abgeschlos-
sen und die entsprechenden Endentscheide bei den Akten liegen bzw. öffentlich
zugänglich sind (Verfügung der Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft
vom 2. März 2020 [TPF 266.721.001 ff.], Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
A-2138/2020 vom 22. Juli 2020 [Entscheiddatenbank des Bundesverwaltungs-
gerichts], Einstellungsverfügung der Bundesanwaltschaft vom 9. Novem-
ber 2018 [TPF 266.522.153 ff.]), sodass sich die wesentlichen Akteninhalte oh-
nehin bereits aus den tatsächlichen Erwägungen der jeweiligen Endentscheide
ergeben.
1.3.3.2 Ein Beizug der beantragten Akten ist aber auch aus prozessualer Sicht nicht not-
wendig. Sofern Platinis Verteidiger seine Anträge damit begründet, dass die ent-
sprechenden Akten der Erkennung allfälliger Ausstandsgründe gegen den ur-
sprünglichen Verfahrensleiter Olivier Thormann dienen würden, ist darauf hinzu-
weisen, dass die Strafkammer des Bundesstrafgerichts als erstinstanzliches Ge-
richt – selbst nach Anklageerhebung – nicht für die Behandlung von Ausstands-
verfahren zuständig ist (Art. 59 Abs. 1 StPO; BGE 148 IV 17 E. 2). Folglich kann
im vorliegenden Verfahren auch nicht darüber Beweis geführt werden, ob ent-
sprechende Ausstandssgründe vorliegen. Hierfür ist – nach Eingang eines ent-
sprechenden Ausstandsgesuchs (Art. 58 Abs. 1 StPO) – vielmehr die Beschwer-
dekammer des Bundesstrafgerichts zuständig (Art. 59 Abs. 1 lit. b StPO; zur Zu-
lässigkeit von Beweisabnahmen im Ausstandsverfahren siehe Urteil des Bundes-
gerichts 1B_186/2019 vom 24. Juni 2019 E. 4.1). Wie noch zu zeigen sein wird,
begründet auch die aufgeworfene Thematik des Anfangsverdachts bzw. die da-
mit zusammenhängende prozessuale Frage der Beweisverwertbarkeit den Bei-
zug der beantragten Akten nicht (E. 1.4). Inwiefern die Edition der beantragten
- 19 -
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Akten darüber hinaus prozessual für die «Einordnung der Verfahrensakten und
Verfahrenshandlungen im vorliegenden Verfahren» entscheidend sein könnte,
wird von der Verteidigung weder näher begründet noch ist dies für das Gericht
ersichtlich.
1.3.4 Im Ergebnis sind die beantragten Akten weder aus materieller noch prozessualer
Sicht entscheidwesentlich. Entsprechend war die Hauptverhandlung nicht zu ver-
tagen bzw. das Verfahren nicht zu sistieren. Die entsprechenden Anträge waren
demnach im Rahmen der Vorfragen abzuweisen.
1.4 Tatverdacht und Beweisverwertbarkeit
1.4.1 Die Verteidigung von Platini brachte das vorliegende Verfahren bzw. deren Er-
öffnung mehrfach in Zusammenhang mit den von den Vertretern der Bundesan-
waltschaft nicht protokollierten Treffen (siehe Prozessgeschichte Lit. E) und
machte darüber hinaus zusammengefasst geltend, dass unklar sei, wie die Bun-
desanwaltschaft auf die inkriminierte Zahlung vom 1. Februar 2011 in Höhe von
Fr. 2 Millionen aufmerksam geworden sei. In diesem Zusammenhang verwies
der Verteidiger einerseits auf die Aussagen des ursprünglichen Verfahrensleiters
Olivier Thormann anlässlich der Hauptverhandlung, wonach der FIFA-Mitarbeiter
D. (zu seiner Person E. 3.5.2.15) ihn im Rahmen der begleiteten Edition vom
27. Mai 2015 (siehe Prozessgeschichte Lit. C) auf die Zahlung aufmerksam ge-
macht habe. Andererseits verwies er auf verschiedene öffentlich zugängliche
Medienberichte, wonach sich der ehemalige Informationschef der Bundesanwalt-
schaft André Marty einerseits dahingehend geäussert haben soll, dass die Bun-
desanwaltschaft durch einen Whistleblower auf die Zahlung aufmerksam ge-
macht worden sei, und andererseits erklärt haben soll, dass die Finanzanalysten
der Bundesanwaltschaft auf die inkriminierte Zahlung gestossen seien. Weder
der angebliche Hinweis von D. an Olivier Thormann – den D. im Übrigen anläss-
lich der Hauptverhandlung bestritt (TPF 266.767.008 f.) – noch derjenige eines
allfälligen Whistleblowers seien dokumentiert worden. Dass die Finanzanalysten
der Bundesanwaltschaft selbst auf die Zahlung aufmerksam geworden seien, er-
scheine aufgrund der anlässlich der begleiteten Edition vom 27. Mai 2015 sicher-
gestellten Datenmenge (9-11 Terrabytes) unwahrscheinlich und diese seien im
Zeitpunkt der Verfahrenseröffnung überdies vollumfänglich versiegelt und folglich
nicht verwertbar gewesen. Aufgrund der Fernwirkung unverwertbarer Beweise
gemäss Art. 141 Abs. 4 StPO seien auch die gestützt auf diese Erstbeweise er-
hobenen Zweitbeweise – mithin sämtliche Beweise dieses Verfahrens – unver-
wertbar (TPF 266.721.484 ff.). Auch der Verteidiger von Blatter wies auf diese
Problematik hin, ohne jedoch die Unverwertbarkeit ausdrücklich geltend zu ma-
chen (TPF 266.721.435 f.).
- 20 -
SK.2021.48
1.4.2
1.4.2.1 Wenn die Strafprozessordnung einen Beweis als unverwertbar bezeichnet, darf
dieser in keinem Falle verwertet werden (Art. 141 Abs. 1 StPO). Beweise, die
Strafbehörden in strafbarer Weise oder unter Verletzung von Gültigkeitsvorschrif-
ten erhoben haben, dürfen nicht verwertet werden, es sei denn, ihre Verwertung
sei zur Aufklärung schwerer Straftaten unerlässlich (Art. 141 Abs. 2 StPO). Be-
weise, bei deren Erhebung Ordnungsvorschriften verletzt worden sind, sind ver-
wertbar (Art. 141 Abs. 3 StPO). Ermöglichte ein Beweis, der nach Art. 141
Abs. 2 StPO nicht verwertet werden darf, die Erhebung eines weiteren Beweises,
so ist dieser nicht verwertbar, wenn er ohne die vorhergehende Beweiserhebung
nicht möglich gewesen wäre (Art. 141 Abs. 4 StPO). Es liegt somit keine Fern-
wirkung des Beweisverwertungsverbots gemäss Art. 141 Abs. 4 StPO vor, wenn
der Folgebeweis im Sinne eines hypothetischen Ermittlungsverlaufs zumindest
mit einer grossen Wahrscheinlichkeit auch ohne den illegalen ersten Beweis er-
langt worden wäre. Entscheidend sind die konkreten Umstände des Einzelfalls.
Die bloss theoretische Möglichkeit, den Beweis rechtmässig zu erlangen, genügt
nicht (BGE 138 IV 169 E. 3.3.3; Urteil des Bundesgerichts 6B_654/2019 vom
12. März 2020 E. 3.2.3).
1.4.2.2 Im Zusammenhang mit den erwähnten Bestimmungen zur Beweiserhebung und
-verwertung ist in rechtlicher Hinsicht relevant, dass die beschuldigte Person An-
spruch darauf hat, dass das Verfahren in den vom Gesetz vorgesehenen Formen
durchgeführt und abgeschlossen wird (Art. 2 Abs. 2 StPO). Die Staatsanwalt-
schaft leitet das Vorverfahren (Art. 16 Abs. 2 StPO), das aus dem Ermittlungs-
verfahren der Polizei und der Untersuchung der Staatsanwaltschaft besteht
(Art. 299 Abs. 1 StPO). Das Vorverfahren wird eingeleitet durch die Ermittlungs-
tätigkeit der Polizei oder die Eröffnung einer Untersuchung durch die Staatsan-
waltschaft (Art. 300 Abs. 1 StPO). Zudem ist jede Person berechtigt, Straftaten
bei einer Strafverfolgungsbehörde schriftlich oder mündlich anzuzeigen
(Art. 301 Abs. 1 StPO). Aufgrund der im Strafverfahren geltenden Dokumentati-
onspflicht (hierzu BGE 143 IV 408 E. 8.2) sind mündlich erstattete Strafanzeigen
zu protokollieren (Art. 76 Abs. 1 StPO; RIEDO/BONER, in: Niggli/Heer/Wiprächti-
ger [Hrsg.], Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl.
2014, Art. 301 StPO N. 15). Die Staatsanwaltschaft eröffnet namentlich dann
eine Untersuchung, wenn sich aus den Informationen und Berichten der Polizei,
aus der Strafanzeige oder aus ihren eigenen Feststellungen ein hinreichender
Tatverdacht ergibt (Art. 309 Abs. 1 lit. a StPO). Die zur Eröffnung einer Strafun-
tersuchung erforderlichen tatsächlichen Hinweise auf eine strafbare Handlung
müssen erheblich und konkreter Natur sein. Blosse Gerüchte oder Vermutungen
genügen nicht. Der Anfangsverdacht soll eine plausible Tatsachengrundlage ha-
ben, aus der sich die konkrete Möglichkeit ergibt, dass eine Straftat begangen
worden ist (Urteile des Bundesgerichts 6B_572/2021 vom 10. Februar 2022
E. 3.1; 6B_700/2020 vom 17. August 2021 E. 3.3; 6B_472/2020 vom
- 21 -
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13. Juli 2021 E. 2.2.1). Lediglich in sachverhaltsmässig und rechtlich klaren Fäl-
len kann die Staatsanwaltschaft eine Nichtanhandnahmeverfügung erlassen und
folglich darauf verzichten, eine Untersuchung zu eröffnen (vgl. Art. 309 Abs. 4
i.V.m. Art. 310 Abs. 1 StPO). Im Zweifelsfall ist eine Untersuchung zu eröffnen
(BGE 137 IV 285 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 6B_572/2021 vom 10. Feb-
ruar 2022 E. 3.1). Ohne Vorliegen eines Tatverdachts bedeutet die Eröffnung ei-
nes Strafverfahrens indes eine unstatthafte Beweisausforschung (sog. «fishing
expedition»), die zur Unverwertbarkeit der damit erlangten Beweismittel führen
kann (BGE 137 I 218 E. 2.3.2; TPF 2015 1 E. A.2.5). Schliesslich ist festzuhal-
ten, dass Aufzeichnungen und Gegenstände, die nach Angaben der Inhaberin
oder des Inhabers wegen eines Aussage- oder Zeugnisverweigerungsrechts
oder aus anderen Gründen nicht durchsucht oder beschlagnahmt werden dürfen,
zu versiegeln sind und von den Strafbehörden weder eingesehen noch verwen-
det werden dürfen (Art. 248 Abs. 1 StPO).
1.4.3 Die am 24. September 2015 formell gegen Blatter verfügte Untersuchungseröff-
nung im Zusammenhang mit dem vorliegend relevanten Sachverhalt stützte sich
gemäss der Eröffnungsverfügung (BA 01.100-0001 f.) bzw. dem entsprechenden
Entwurf (TPF 266.510.044 f.) zusammengefasst auf öffentlich zugängliche
Medienberichte, auf anlässlich der begleiteten Edition vom 27. Mai 2015 sicher-
gestellte Dokumente betreffend Platini sowie auf von der Bank A. edierte Bank-
unterlagen. Es gilt in einem ersten Schritt zu prüfen, ob die letztgenannten Un-
terlagen am 24. September 2015 verwertbar waren und folglich zur Verdachts-
begründung gegen Blatter verwendet werden konnten (E. 1.4.3.1). Anschlies-
send ist zu prüfen, ob gestützt auf die am 24. September 2015 verwertbaren Un-
terlagen hinreichende tatbezogene (E. 1.4.3.2) und täterbezogene (E. 1.4.3.3)
Verdachtsmomente vorlagen, um die Untersuchung gegen Blatter zu eröffnen.
1.4.3.1 Verwertbarkeit der verdachtsbegründenden Unterlagen
Sowohl die anlässlich der begleiteten Edition vom 27. Mai 2015 sowie die bei der
Bank A. edierten Unterlagen, auf welche sich die Untersuchungseröffnung gegen
Blatter stützte, wurden im Rahmen des gegen Unbekannt geführten Ursprungs-
verfahrens SV.15.0088 des Verfahrenskomplexes «Weltfussball» erlangt. Die
damalige Untersuchungseröffnung erfolgte aufgrund des Verdachts, dass im Zu-
sammenhang mit der FIFA-WM 2018 und 2022 Unregelmässigkeiten begangen
bzw. Personen unrechtmässig bereichert worden seien (siehe Prozessge-
schichte Lit. B). In allgemeiner Hinsicht wird von Seiten der Parteien nicht bestrit-
ten, dass diese Untersuchungseröffnung gestützt auf einen hinreichenden Tat-
verdacht erfolgte. Auch die dem Gericht diesbezüglich vorliegenden Akten, na-
mentlich die Strafanzeige der FIFA vom 18. November 2014 sowie der Garcia-
Bericht (siehe Prozessgeschichte Lit. A), ergeben, dass ein hinreichender Tat-
verdacht für diese Untersuchungseröffnung bestanden hat. Die im Rahmen die-
ses Ursprungsverfahrens erhobenen Unterlagen waren demnach auch für die
- 22 -
SK.2021.48
Verdachtsbegründung gegen Blatter verwertbar, sofern diese nicht von einem
Beweisverwertungsverbot erfasst waren.
a) Betreffend die Unterlagen aus der begleiteten Edition vom 27. Mai 2015
Die Untersuchungseröffnung vom 24. September 2015 stützte sich konkret auf
folgende 4 Unterlagen aus der begleiteten Edition vom 27. Mai 2015
(TPF 266.510.044 f.): ein FIFA-internes Factsheet betreffend Platini, ein FIFA-
internes Accountsheet betreffend Platini sowie zwei Schreiben der FIFA an Pla-
tini vom 30. Oktober 2009 und 19. November 2012. Aus diesen Unterlagen ist
ersichtlich, dass die FIFA am 1. Februar 2011 einen Betrag von Fr. 2 Millionen
zugunsten von Platini für dessen in den Jahren 1998 bis 2002 erbrachte Tätigkeit
für die FIFA bezahlt hat; das Schreiben vom 19. November 2012 thematisiert dies
sogar ausdrücklich. Auf dem Factsheet betreffend Platini sind zudem zwei Ge-
schäftsbeziehungen bei der Bank A. mit folgenden Internationalen Bankkonto-
nummern (IBAN) vermerkt: «1» und «2» (BA B07.203.059-0103 bis -0110 [Pagi-
nas im Verfahren SV.15.0088] bzw. BA B07.201.002-0103 bis -0110 [Paginas im
vorliegenden Verfahren]).
Die vorgenannten Unterlagen befanden sich am Tag der begleiteten Edition –
zusammen mit 226 weiteren Seiten (DIN A4) zu den übrigen damaligen Mitglie-
dern des FIFA-Exekutivkomitees – in einem blauen Ordner mit der Aufschrift
«EXCO 2009-2011» (Pos. Nr. 01.02.0002; TPF 266.262.2.918;
BA B07.203.059-0001 ff. [Paginas im Verfahren SV.15.0088] bzw.
BA B07.201.002-0001 ff. [Paginas im vorliegenden Verfahren]). Zu Recht unbe-
stritten ist, dass dieser Ordner bzw. dessen Inhalt ordnungsgemäss durch die
Bundesanwaltschaft erhoben worden ist. So ordnete die Bundesanwaltschaft mit
Verfügung vom 26. Mai 2015 die Edition und Beschlagnahme verschiedener Do-
kumente an, u.a. sämtlicher für den Zeitraum vom 1. Januar 2009 bis 31. De-
zember 2011 bestehenden Unterlagen und Belege bezüglich die Entlöhnung und
Entschädigung der Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees, namentlich von Blatter
und Platini (TPF 266.262.2.874 ff.). Zum Vollzug der Edition und Beschlagnahme
dieser Dokumente wurde am 27. Mai 2015 von 7.50 bis 21.30 Uhr am Sitz der
FIFA die erwähnte begleitete Edition durchgeführt (TPF 266.262.2.881 ff.). Aus
den Akten ist sodann ersichtlich, dass der Erhalt der Editions- und Beschlagnah-
meverfügung vom 26. Mai 2015 zu Beginn der begleiteten Edition durch Vertreter
der FIFA unterschriftlich bestätigt worden ist (TPF 266.262.2.877;
266.262.2.883).
Hinsichtlich der Verwertung der Unterlagen zur Verdachtsbegründung ist festzu-
halten, dass auf der zu Beginn der begleiteten Edition unterschriebenen
Empfangsbestätigung von den Vertretern der FIFA zwar handschriftlich «Wir er-
klären Siegelung» vermerkt worden ist (TPF 266.262.2.877; 266.262.2.883). Im
Verlauf der begleiteten Edition wurde diese vorläufig erklärte Siegelung jedoch
dahingehend präzisiert, dass sie in Bezug auf einen Teil der konkret erhältlich
- 23 -
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gemachten Unterlagen einerseits bekräftigt bzw. wiederholt und andererseits wi-
derrufen worden ist (TPF 266.262.2.883 f.; 266.262.2.893 f.; 266.262.2.895 ff.;
266.262.2.902 ff.). Keine Siegelung wurde namentlich für den blauen Ordner mit
der Aufschrift «EXCO 2009-2011» (Pos. Nr. 01.02.0002) bzw. dessen Inhalt er-
klärt (TPF 266.262.2.902). Entgegen dem Vorbringen der Verteidigung (E. 1.4.1)
waren die sich in diesem Ordner befindenden Unterlagen somit spätestens am
Ende des 27. Mai 2015 nicht versiegelt und folglich für die am 24. Septem-
ber 2015 formell verfügte Eröffnung der Untersuchung gegen Blatter verwertbar.
b) Betreffend die von der Bank A. edierten Unterlagen
Die Eröffnungsverfügung stützt sich weiter auf zwei von der Bank A. edierte –
und unabhängig voneinander erstellte – interne Notizen betreffend Hintergrund-
abklärungen zur inkriminierten Zahlung vom 1. Februar 2011 in Höhe von
Fr. 2 Millionen (TPF 266.510.044 f.): Konkret handelt es sich dabei einerseits um
eine für das Kundendossier von Platini erstellte Notiz vom 23. März 2011
(BA B07.102.024.01.K-0032 f. [Paginas im Verfahren SV.15.0088] bzw.
BA B07.101.001.01.K-0032 f. [Paginas im vorliegenden Verfahren]) sowie ande-
rerseits um eine für das Kundendossier der FIFA erstellte Notiz vom
21. März 2011 (BA 07.102-0379 [Pagina im Verfahren SV.15.0088] bzw.
BA 07.101-0019 [Pagina im vorliegenden Verfahren]).
Betreffend die Erhebung dieser Beweismittel ist in chronologischer Hinsicht Fol-
gendes festzuhalten: Im Anschluss an die begleitete Edition vom 27. Mai 2015
und immer noch im Rahmen der Untersuchung SV.15.0088 verlangte die Bun-
desanwaltschaft von der Bank A. erstmals mit Verfügung vom 23. Juli 2015 – und
damit nach dem ersten von den Vertretern der Bundesanwaltschaft nicht proto-
kollierten Treffen vom 8. Juli 2015 (siehe Prozessgeschichte Lit. E) – die Heraus-
gabe von Bankunterlagen betreffend die sich auf dem vorgenannten Factsheet
betreffend Platini vermerkten Bankkonten mit den IBAN «1» und «2» (BA 07.102-
0361 ff. [Paginas im Verfahren SV.15.0088] bzw. BA 07.101-0001 ff. [Paginas im
vorliegenden Verfahren]). Mit Schreiben der Bank A. vom 28. Juli 2015 wurden
der Bundesanwaltschaft die entsprechenden Bankunterlagen übermittelt, na-
mentlich die für das Kundendossier von Platini erstellte interne Notiz vom
23. März 2011 (BA 07.102-0367 ff. und B07.102.024.01.K-0032 f. [Paginas im
Verfahren SV.15.0088] bzw. BA 07.101-0007 ff. und B07.101.001.01.K-0032 f.
[Paginas im vorliegenden Verfahren]). Am 9. September 2015 erliess die Bun-
desanwaltschaft eine weitere Verfügung an die Bank A. und verlangte zur Iden-
tifizierung der inkriminierten Zahlung weitere Unterlagen (BA 07.102-0370 ff. [Pa-
ginas im Verfahren SV.15.0088] bzw. BA 07.101-0010 ff. [Paginas im vorliegen-
den Verfahren]). Mit Schreiben vom 10. September 2015 übermittelte die Bank
A. der Bundesanwaltschaft Detailbelege zur vorgenannten Zahlung, namentlich
die für das Kundendossier der FIFA erstellte interne Notiz vom 21. März 2011
sowie erneut die für das Kundendossier von Platini erstellte Notiz vom
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SK.2021.48
23. März 2011 (BA 07.102-0375 ff. [Paginas im Verfahren SV.15.0088] bzw.
BA 07.101-0015 ff. [Paginas im vorliegenden Verfahren]).
Die vorgenannte Chronologie der Verfahrenshandlungen zeigt, dass die vorlie-
gend relevante Zahlung vom 1. Februar 2011 in Höhe von Fr. 2 Millionen spätes-
tens am 9. September 2015 in den Fokus der Ermittlungen der Bundesanwalt-
schaft rückte, als diese spezifisch hierzu Bankunterlagen von der Bank A. ver-
langte. Aus der Chronologie lässt sich indes nicht eindeutig ableiten, zu welchem
genauen Zeitpunkt und aufgrund welcher Ursache die Bundesanwaltschaft kon-
kret von der inkriminierten Zahlung erfahren hat. Namentlich bleibt unklar, ob die
Transaktion bereits am Tag der begleiteten Edition vom 27. Mai 2015 aufgrund
eines Hinweises von D. – wie dies der ehemalige Verfahrensleiter Olivier Thor-
mann behauptete (TPF 266.761.009/012 f.), von D. indes bestritten wird
(TPF 266.767.008 f.) – oder aufgrund eines Hinweises anlässlich des von den
Vertretern der Bundesanwaltschaft nicht protokollierten Treffen vom
8. Juli 2015 – wie dies Platinis Verteidiger für am wahrscheinlichsten hält
(TPF 266.721.485) – oder schliesslich ganz allgemein aufgrund der im Zeitraum
vom 27. Mai bis 9. September 2015 erfolgten Ermittlungstätigkeit der Bundesan-
waltschaft bekannt geworden ist. Ohne die Szenarien eines allfälligen Hinweis-
gebers eindeutig ausschliessen zu können oder wollen, ist jedoch festzuhalten,
dass die vorgenannte Chronologie eher dafür spricht, dass die Bundesanwalt-
schaft ohne entsprechenden Hinweis auf die inkriminierte Zahlung aufmerksam
wurde. Hätte nämlich D. am 27. Mai 2015 oder eine andere Person anlässlich
des nicht protokollierten Treffens vom 8. Juli 2015 auf die Zahlung aufmerksam
gemacht, wäre zu erwarten gewesen, dass die Bundesanwaltschaft bei der Bank
A. bereits mit ihrer ersten Verfügung vom 23. Juli 2015 – und nicht erst mit ihrer
Verfügung vom 9. September 2015 – spezifische Auskünfte und Detailbelege zur
inkriminierten Zahlung verlangt hätte. Im Ergebnis kann diese Frage aber ohne-
hin offengelassen werden. Für das Gericht besteht nämlich im Sinne eines hypo-
thetischen Ermittlungsverlaufs eine grosse Wahrscheinlichkeit, dass die Bundes-
anwaltschaft – unabhängig von einem allfälligen, aufgrund mangelnder Protokol-
lierung allenfalls nicht verwertbaren Hinweis – aufgrund der am 27. Mai 2015 si-
chergestellten, nicht versiegelten und demnach verwertbaren Unterlagen, na-
mentlich aufgrund der vorgenannten 4 Dokumente betreffend Platini im blauen
Ordner mit der Aufschrift «EXCO 2009-2011» (E. 1.4.3.1a), auf die inkriminierte
Zahlung gestossen wäre. Es mag zwar – wie Platinis Verteidiger im Grundsatz
zu Recht vorbringt (TPF 266.721.485) – zutreffen, dass diese FIFA-internen Un-
terlagen die damalige Verdachtslage nicht unmittelbar hätten erhärten können,
da allfällige Korruptionszahlungen zur Beeinflussung der Vergabe der FIFA-WM
2018 und 2022 nicht von der FIFA, sondern vielmehr von den Länderteams, wel-
che sich um die Austragung der FIFA-WM 2018 und 2022 beworben hatten, er-
folgt wären. Für das Gericht liegt es dennoch nahe, dass die Bundesanwaltschaft
primär diese Unterlagen sichten wollte bzw. im Sinne eines hypothetischen Er-
mittlungsverlaufs gesichtet hätte, da sie diese einerseits in ihrer Verfügung vom
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SK.2021.48
26. Mai 2015 ausdrücklich verlangt hatte und andererseits in solchen Unterlagen
insbesondere Bankdaten der Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees zu erwarten
waren, welche für die weiteren Ermittlungen in einem Strafverfahren dieser Art
unerlässlich sind. Unter Berücksichtigung, dass die inkriminierte Zahlung sich
ohne Weiteres aus den 4 Dokumenten betreffend Platini ergibt (E. 1.4.3.1a) und
die Zahlung bereits aufgrund der Höhe des ausbezahlten Betrages sowie der
zeitlich lang zurückliegenden Dauer der erbrachten und damit vergüteten Dienst-
leistungen Platinis auffällt, besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass die
Bundesanwaltschaft bereits bei Sichtung dieser Unterlagen auf die inkriminierte
Zahlung aufmerksam geworden ist bzw. wäre. Aber selbst wenn die Bundesan-
waltschaft die inkriminierte Zahlung zu diesem Zeitpunkt noch nicht bemerkt
hätte, ist sehr wahrscheinlich, dass die Bundesanwaltschaft – erneut unabhängig
von einem allfälligen, aufgrund mangelnder Protokollierung allenfalls nicht ver-
wertbaren Hinweis – aufgrund der in Platinis Factsheet vermerkten Bankdaten
bei der Bank A. – wie in einem Verfahren der vorliegenden Art üblich – entspre-
chende Bankunterlagen allgemeiner Natur betreffend Platinis Bankkonten ediert
hätte. Spätestens bei der Sichtung der ihr übermittelten Bankunterlagen, nament-
lich der internen Notiz vom 23. März 2011, wäre sie auf die inkriminierte Zahlung
aufmerksam geworden, hätte anschliessend die in der Verfügung an die Bank A.
vom 9. September 2015 beschriebenen Unterlagen zur Identifizierung der inkri-
minierten Zahlung verlangt und dadurch schliesslich die beiden internen Notizen
erhalten. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die von der Bank A. mittels
Verfügungen vom 23. Juli 2015 und 9. September 2015 edierten Unterlagen, na-
mentlich die zur Verdachtsbegründung verwendeten internen Notizen vom
21. und 23. März 2011, im Sinne eines hypothetischen Ermittlungsverlaufes mit
einer grossen Wahrscheinlichkeit auch ohne einen allfälligen Hinweisgeber er-
langt worden wären, diese demnach nicht von der Fernwirkung eines allfälligen
Beweisverwertungsverbots erfasst sind und folglich zur Verdachtsbegründung
gegen Blatter verwertet werden konnten. Aus diesem Grund kann an dieser
Stelle ausdrücklich offengelassen werden, ob es einen Hinweisgeber – sei dies
D. anlässlich der begleiteten Edition vom 27. Mai 2015 oder eine andere Person
anlässlich des von den Vertretern der Bundesanwaltschaft nicht protokollierten
Treffens vom 8. Juli 2015 – gegeben hat und ob die fehlende Protokollierung ei-
nes solchen Hinweises im konkreten Fall überhaupt zu einer Verwertungsprob-
lematik geführt hätte.
1.4.3.2 Tatbezogene Verdachtsmomente
Die tatbezogenen Verdachtsmomente ergeben sich in primis aus den vorgenann-
ten, anlässlich der begleiteten Edition vom 27. Mai 2015 erhobenen Unterlagen
betreffend Platini, wird darin doch zusammengefasst festgehalten, dass die FIFA
am 1. Februar 2011 einen Betrag von Fr. 2 Millionen zugunsten von Platini für
dessen in den Jahren 1998 bis 2002 erbrachte Tätigkeit für die FIFA bezahlt habe
(BA B07.201.002-0103 ff.). Diese Zahlung wirkt – wie der Entwurf der Eröff-
nungsverfügung selbst ausführt (TPF 266.510.044 f.) – bereits aufgrund der
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SK.2021.48
Höhe des ausbezahlten Betrages sowie der zeitlich lang zurückliegenden Dauer
der (angeblich) erbrachten und damit vergüteten Dienstleistungen Platinis ver-
dächtig. Verdachtserhöhend wirkt sich zudem der Umstand aus, dass der Zah-
lungsgrund aus den damaligen Unterlagen nicht klar ersichtlich war. So war die
Zahlung in den FIFA-internen Unterlagen einerseits als Bonus (siehe Factsheet
betreffend Platini [BA B07.201.002-0103]) und andererseits als Lohn bzw. «Sa-
laries» deklariert (siehe Accountsheet betreffend Platini [BA B07.201.002-0107]).
Gleiches gilt für die von der Bank A. erhältlich gemachten Informationen, habe
es sich bei der inkriminierten Zahlung gemäss den edierten internen Notizen
doch einerseits um eine Bonuszahlung im Zusammenhang mit der FIFA-
WM 2010 (siehe Notiz vom 21. März 2011 [BA 07.101-0019]) und andererseits
um eine aufgeschobene Vergütung für von Platini in den Jahren 1998 bis 2002
erbrachten Leistungen für die FIFA gehandelt (siehe Notiz vom 23. März 2011
[B07.101.001.01.K-0032 f. bzw. BA 07.101-0020]). Der Entwurf der Eröffnungs-
verfügung hält überdies nachvollziehbar fest, dass sich verdachtserhöhend auch
die Umstände ausgewirkt haben sollen, dass Platini gemäss öffentlich zugängli-
chen Medienberichten seine Tätigkeit als Berater in den Jahren 1998 bis 2002
unentgeltlich geleistet habe und gemäss dem Accountsheet (BA B07.201.002-
0107) prima vista nicht ersichtlich gewesen sei, dass für die Bezahlung der
Fr. 2 Millionen Rückstellungen aufgelöst worden seien (TPF 266.510.045). Die
Zahlung vom 1. Februar 2011 bettete sich schliesslich zeitlich bestens sowohl in
die laufende Untersuchung betreffend der im Jahr 2010 vorgenommenen
Vergabe der FIFA-WM 2018 und 2022 sowie die FIFA-Präsidentschaftswahl im
Jahr 2011 ein und es konnte daher zum damaligen Zeitpunkt nicht ausgeschlos-
sen werden, dass die inkriminierte Zahlung damit hätte in Verbindung stehen
können. Im Ergebnis steht für das Gericht somit ausser Frage, dass die Bundes-
anwaltschaft gestützt auf die vorgenannten Verdachtsmomente ein Strafverfah-
ren wegen allfälliger Vermögensdelikte, namentlich wegen ungetreuer Ge-
schäftsbesorgung (Art. 158 StGB), zwingend eröffnen musste.
1.4.3.3 Täterbezogene Verdachtsmomente
Für das Gericht erscheint es im Grundsatz auch nachvollziehbar, dass die Un-
tersuchung zunächst nur gegen Blatter eröffnet worden ist. So war aus dem Zu-
sammenspiel zwischen den von der Bundesanwaltschaft erhobenen, vorgenann-
ten Unterlagen und öffentlich zugänglichen Medienberichten (BA 10.201-0003 f.)
ersichtlich, dass es sich bei der von Platini in den Jahren 1998 bis 2002 erbrach-
ten und mit den Fr. 2 Millionen (angeblich) vergüteten Tätigkeit um Beraterdienst-
leistungen zugunsten des damaligen FIFA-Präsidenten Blatter gehandelt haben
soll (TPF 266.510.044). Die damalige Strafuntersuchung wurde zudem aus-
schliesslich wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung (Art. 158 StGB), eventuali-
ter Veruntreuung (Art. 138 StGB), geführt (BA 01.100-0001 f.;
TPF 266.510.050 ff.). Die von diesen Sonderdelikten verlangten besonderen Tä-
tereigenschaften kamen gemäss den öffentlich zugänglichen Handelsregisterda-
ten – jedenfalls prima vista – ausschliesslich Blatter und nicht Platini zu, verfügte
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SK.2021.48
Letzterer doch nicht über eine entsprechende Zeichnungsberechtigung für die
FIFA. Es ist daher nachvollziehbar, dass Blatter als verantwortlicher FIFA-Präsi-
dent für die Bundesanwaltschaft primär als mutmasslicher Täter in Frage gekom-
men ist.
1.4.4 Für die am 29. Mai 2020 formell verfügte Ausdehnung der Strafuntersuchung auf
Platini (Prozessgeschichte Lit. M) bestand nach dem Gesagten und unter Be-
rücksichtigung, dass Platini Empfänger der inkriminierten Zahlung war, ebenfalls
ein hinreichender Tatverdacht.
1.4.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass für die Eröffnung der Strafuntersu-
chung gegen Blatter und Platini wegen dem vorliegend zu beurteilenden Sach-
verhalt ein hinreichender Tatverdacht bestand, welcher sich auf verwertbare Un-
terlagen stützte. Es kann daher im vorliegenden Verfahren offengelassen wer-
den, ob die Bundesanwaltschaft allenfalls durch einen allfälligen Hinweisgeber
auf die inkriminierte Zahlung vom 1. Februar 2011 in Höhe von Fr. 2 Millionen
aufmerksam gemacht worden ist.
1.5 Verjährung
1.5.1 Wie noch zu zeigen sein wird, sind die Beschuldigten in der Hauptsache freizu-
sprechen, da entgegen der Anklage in tatsächlicher Hinsicht nicht erstellt ist,
dass die inkriminierte Zahlung von Fr. 2 Millionen sowie die darauf geleisteten
Sozialversicherungsbeiträge nicht gestützt auf eine zwischen der FIFA und Pla-
tini im Jahr 1998 abgeschlossene mündliche Vereinbarung geleistet worden sind.
Aufgrund dieses Beweisergebnisses handelten die Beschuldigten u.a. nicht in
der Absicht, sich oder einen anderen unrechtmässig zu bereichern, sodass die
angeklagten Straftatbestände des Betrugs, der Veruntreuung und der qualifizier-
ten ungetreuen Geschäftsbesorgung bereits deswegen nicht erfüllt sind (näher
E. 2 [Anklagevorwurf] und E. 3 [Tatsächliches]).
1.5.2 Zu prüfen wäre indes, ob sich die Beschuldigten des Grundtatbestandes der un-
getreuen Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 Ziff. 1 StGB bzw. der Gehilfen-
schaft hierzu, welcher kein Handeln in unrechtmässiger Bereicherungsabsicht
voraussetzt, strafbar gemacht haben. Die Strafandrohung des Grundtatbestan-
des lautet allerdings auf Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren oder Geldstrafe und die
Verjährungsfrist für solche Delikte betrug gemäss der im mutmasslichen Hand-
lungszeitpunkt (2011) geltenden, milderen und folglich massgebenden (Art. 2
Abs. 2 und Art. 389 Abs. 1 StGB) altrechtlichen Regelung 7 Jahre (aArt. 97
Abs. 1 lit. c StGB, in der bis zum 31. Dezember 2013 in Kraft gewesenen Fas-
sung). Die Strafverfolgung wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung gemäss
Art. 158 Ziff. 1 StGB bzw. Gehilfenschaft dazu gemäss Art. 25 StGB ist demnach
bereits vor Anklageerhebung – im Jahr 2018 – verjährt. Das Verfahren gegen die
Beschuldigten wegen des Grundtatbestandes der ungetreuen Geschäftsbesor-
gung (Blatter) bzw. Gehilfenschaft dazu (Platini) ist folglich einzustellen.
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SK.2021.48
2. Anklagevorwurf
2.1 Die Anklage wirft Blatter und Platini in der Hauptsache Betrug vor, indem sie zu-
sammengefasst – aufgrund gemeinsamer Entschlussfassung und Planung sowie
durch Zusammenwirken bei der Tatausführung – Mitarbeitende der FIFA über
den Bestand einer aus der von Platini in der Zeit von Juli 1998 bis Juni 2002
zugunsten des damaligen FIFA-Präsidenten Blatter erbrachten Beratertätigkeit
resultierenden – in Wahrheit indes nicht bestehenden – Forderung der FIFA zu-
gunsten von Platini in Höhe von Fr. 2 Millionen getäuscht hätten. Erfolgt seien
die Täuschungshandlungen einerseits durch mehrfache wahrheitswidrige münd-
liche Angaben von Blatter als damaliger FIFA-Präsident und Platini als damaliger
FIFA-Vizepräsident im Jahr 2010/2011, wonach sich die Forderung auf eine zwi-
schen ihnen im Jahr 1998 mündlich abgeschlossene Vereinbarung stütze, sowie
andererseits durch die von Platini vorgenommene Einreichung einer fiktiven
Rechnung vom 17. Januar 2011 über Fr. 2 Millionen und die von Blatter auf die-
ser Rechnung unterschriftlich vorgenommene Bestätigung der Forderung. AIs
Folge dieser arglistigen täuschenden Handlungen seien durch die mit der Ab-
wicklung dieser angeblichen Forderung befassten und irrtümlicherweise von de-
ren Bestand ausgehenden Mitarbeitenden der FIFA am 1. Februar 2011 von ei-
nem auf die FIFA lautenden Konto Fr. 2 Millionen auf ein Konto von Platini sowie
am 24. März 2011 Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von Fr. 229'126.– zu-
gunsten von Platini an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich über-
wiesen worden. In der Höhe der genannten Beträge sei die FIFA geschädigt und
Platini unrechtmässig bereichert worden.
Aufgrund des oben beschriebenen Verhaltens sollen sich die Beschuldigten
eventualiter der Veruntreuung (Blatter) bzw. der Gehilfenschaft dazu (Platini)
oder subeventualiter der ungetreuen Geschäftsbesorgung (Blatter) bzw. der Ge-
hilfenschaft dazu (Platini) strafbar gemacht haben.
2.1.1 Weiter wird Blatter und Platini Urkundenfälschung vorgeworfen, indem Platini am
17. Januar 2011 und Blatter am 18. Januar 2011 die vorgenannte, für die Buch-
haltung der FIFA bestimmte Rechnung unterschrieben und damit deren unrichti-
gen Inhalt bekräftigt hätte, wonach die FIFA Platini aus dessen in den Jah-
ren 1998 bis 2002 erbrachten Beratertätigkeit noch Fr. 2 Millionen sowie entspre-
chende Sozialversicherungsbeträge schulde. Mit der Einreichung und Unter-
zeichnung der Rechnung hätten die Beschuldigten die mit der Abwicklung der
Zahlung befassten Mitarbeitenden der FIFA über den wahren Hintergrund der
Leistung täuschen wollen und die Auszahlung der Fr. 2 Millionen und der Sozial-
versicherungsbeiträge von Fr. 229'126.– angestrebt.
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3. Tatsächliches
3.1 Übersicht über die in den Sachverhalt involvierten Parteien
3.1.1 FIFA
3.1.1.1 Die FIFA ist ein Verein im Sinne von Art. 60 ff. ZGB mit Sitz in Zürich (Art. 1 FIFA-
Statuten, in der jeweils geltenden Fassung [BA B07.201.078 f.; nachfolgend:
FIFA-Statuten]). Seit dem 2. April 1996 ist die FIFA im Handelsregister des Kan-
tons Zürich eingetragen (<https://zh.chregister.ch/cr-portal/auszug/aus-
zug.xhtml?uid=CHE-107.301. 064>; zuletzt abgerufen am 28. September 2022).
3.1.1.2 Mitglieder der FIFA sind die insgesamt 211 nationalen Mitgliedsverbände
(Art. 3 ff. bzw. 10 ff. FIFA-Statuten; siehe auch Liste der Mitgliedsverbände
[BA B07.201.082-0001 ff.]). Die nationalen Mitgliedsverbände, die dem gleichen
Kontinent angehören, haben sich zu insgesamt 6 Konföderationen zusammen-
geschlossen; diejenigen des europäischen Kontinents zur Union des Associa-
tions Européennes de Football (UEFA) (Art. 9 bzw. 20 FIFA-Statuten).
3.1.1.3 Im für das vorliegende Strafverfahren relevanten Zeitraum von 1998 bis 2011
gliederte sich die FIFA in folgende statutarischen Organe (Art. 10 bzw. 21 FIFA-
Statuten):
 den Kongress als legislatives und oberstes Organ (entspricht der Vereinsver-
sammlung im Sinne von Art. 64 ff. ZGB);
 das Exekutivkomitee als exekutives Organ (entspricht dem Vereinsvorstand
im Sinne von Art. 69 ff. ZGB);
 das Generalsekretariat als administratives Organ;
 die ständigen Kommissionen und Ad-hoc-Kommissionen mit unterstützender
und beratender Funktion, namentlich die Finanzkommission (Art. 23 lit. a bzw.
34 lit. a FIFA-Statuten).
Die Statuten sahen ferner das Amt des Präsidenten der FIFA vor. Im vorliegend
relevanten Zeitraum war der Präsident von Statuten wegen vorsitzendes Mitglied
des Exekutivkomitees (Art. 19 i.V.m. 21 bzw. 30 i.V.m. 32 FIFA-Statuten).
3.1.2 Joseph S. Blatter
3.1.2.1 Blatter war seit 1975 bei der FIFA tätig und wurde am 15. Januar 1982 als Ge-
neralsekretär der FIFA gewählt (BA B07.201.102.1-0002; -0006). Hinsichtlich
dessen Rechte und Pflichten als Generalsekretär im für den vorliegend relevan-
ten Zeitraum im Jahr 1998 ist Folgendes relevant:
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SK.2021.48
a) Aus den Statuten ergibt sich, dass Blatter als Generalsekretär namentlich für
die Kontoführung und -verwaltung, die Ausführung von Entscheiden des Exeku-
tivkomitees, die Protokollführung, die Korrespondenz, die Beziehungspflege so-
wie die Organisation des Generalsekretariats, einschliesslich die Ernennung des-
sen Personals, verantwortlich war (Art. 43 Abs. 3 FIFA-Statuten, in der Fassung
vom 4. Juli 1996 [BA B07.201.078-0065 ff.]). Der zwischen der FIFA und Blatter
nachträglich abgeschlossene Arbeitsvertrag vom 11. Dezember 1989
(BA B07.201.102.1-0001 ff.) hält darüber hinaus fest, dass «le Secrétaire Géné-
ral remplit le rôle de Directeur Général (Chief Executive Officer) dans tous les
domaines en relation avec les objectifs de la Fédération, comme décrits dans les
Statuts et décidés, soit par le Congrès, soit par le Comité Exécutif, soit par le
Président de la FIFA» (Art. 2 des Arbeitsvertrages). Als Lohn wurde eine Vergü-
tung von jährlich Fr. 720'000.– sowie eine im Ermessen des FIFA-Präsidenten
stehende Gratifikation vereinbart (Art. 3 des Arbeitsvertrages).
b) Blatter war in seiner Funktion als Generalsekretär seit dem 2. April 1996 bis
19. November 1998 zudem im Handelsregister des Kantons Zürich mit
Einzelunterschrift für die FIFA eingetragen (siehe <https://zh.chregister.ch/cr-
portal/auszug/auszug.xhtml?uid=CHE-107.301.064>; zuletzt abgerufen am
28. September 2022).
3.1.2.2 Am 8. Juni 1998 wurde Blatter anlässlich des 51. FIFA-Kongresses in Paris erst-
mals als Präsident der FIFA gewählt (TPF 266.551.123). In der Folge wurde er
mehrmals als FIFA-Präsident wiedergewählt, letztmals am 29. Mai 2015 (siehe
Mitteilung der FIFA vom 29. Mai 2015 [<https://www.fifa.com/de/about-fifa/orga-
nisation/media-releases/fifa-prasident-blatter-fur-eine-funfte-amtszeit-wiederge-
wahlt-ich-nehm-2610303>]; zuletzt abgerufen am 28. September 2022). Hin-
sichtlich dessen Rechte und Pflichten als FIFA-Präsident im anklagerelevanten
Zeitraum ist Folgendes massgebend:
a) Gemäss den Statuten kam Blatter als Präsident u.a. die Aufgabe zu, die FIFA
in rechtlicher Hinsicht zu vertreten (Art. 21 bzw. 32 FIFA-Statuten). Statutarisch
war dessen Vertretungsbefugnis im vorliegend relevanten Zeitraum von 1998 bis
2011 – mit Ausnahme der in den Jahren 1999 bis 2003 geltenden Beschränkun-
gen in Bezug auf Immobilientransaktionen (Art. 21 Abs. 2 FIFA-Statuten) – nicht
beschränkt (Art. 21 bzw. 32 FIFA-Statuten e contrario).
b) Mit Wirkung per 1. Januar 2004 wurde gestützt auf den mit Statutenänderung
vom 19. Oktober 2003 in Kraft getretenen Art. 31 Abs. 12 der FIFA-Statuten erst-
mals ein internes Organisationsreglement der FIFA erlassen. Das Organisations-
reglement beschränkte die Vertretungsbefugnis des FIFA-Präsidenten zum Ab-
schluss von Verträgen im Namen der FIFA nicht (Art. III.9.1 f. i.V.m. Anhang 2
des Organisationsreglements in den Fassungen vom 1. Januar 2004 und 8. De-
zember 2005 [BA B07.201.077-0023; -0032; -0081; -0090] sowie Art. 7.1 i.V.m.
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Art. 24.5 des Organisationsreglements in der Fassung vom 1. Januar 2008
[BA B07.201.077-0127; -0142]).
c) In den Akten befinden sich zudem zwei sog. Präsidentschaftsverträge, welche
zwischen der FIFA und Blatter abgeschlossen worden sind (Vertrag vom 18. Ap-
ril 1999 [BA B18.102.002-0188 ff.], Vertrag vom 5. Februar 2008
[BA B07.201.102.1-0007 ff.]). Diese halten fest, dass Blatter die ihm gemäss
FIFA-Statuten zukommenden Aufgaben und Verantwortlichkeiten wahrzuneh-
men habe und sämtliche für deren Erfüllung notwendigen Rechte besitze (Art. 1
der genannten Verträge). Zudem sei er für sämtliche Angelegenheiten im Zu-
sammenhang mit den in den Statuten festgelegten Zielen der FIFA verantwortlich
(Art. 2 der genannten Verträge). Im Übrigen werden in den Verträgen vor allem
Blatters finanzielle Ansprüche gegenüber der FIFA geregelt, namentlich, dass er
Anspruch auf einen jährlichen Lohn von Fr. 1.2 Millionen sowie eine durch die
Finanzkommission festzulegende Gratifikation von mindestens Fr. 600'000.–
(Art. 3.1 und 3.2 des Vertrages vom 18. April 1999) bzw. von Fr. 2 Millionen so-
wie einer durch die Finanzkommission festzulegende Gratifikation habe (Art. 3.1
und 3.2 des Vertrages vom 5. Februar 2008).
d) Aus dem Handelsregister des Kantons Zürich ergibt sich schliesslich, dass
Blatter im Zeitraum vom 20. November 1998 bis 20. Oktober 2013 – und somit
unmittelbar anschliessend an dessen Einzelzeichnungsberechtigung als Gene-
ralsekretär – in seiner damaligen Funktion als FIFA-Präsident über eine Einzel-
zeichnungsberechtigung für die FIFA verfügte. Diese wurde per 21. Okto-
ber 2013 in eine Kollektivunterschrift zu zweien umgewandelt und per 25. Au-
gust 2016 aus dem Handelsregister gelöscht (siehe <https://zh.chregister.ch/cr-
portal/auszug/auszug.xhtml?uid=CHE-107.301.064>; zuletzt abgerufen am
28. September 2022).
3.1.3 Michel François Platini
3.1.3.1 Platini war ab den 1970-er Jahren bis zum Jahr 1987 professioneller Fussball-
spieler in mehreren nationalen Fussballvereinen (Association Sportive Nancy
Lorraine [AS Nancy], Association Sportive de Saint-Étienne Loire [AS Saint-Éti-
enne], Juventus Football Club S.p.A. [Juventus Turin]) und in der französischen
Nationalmannschaft sowie dreifacher Gewinner des Ballon d’Or (1983, 1984,
1985). Im Zeitraum von 1988 bis 1992 war er französischer Nationaltrainer und
anschliessend Co-Präsident der in Frankreich stattfindenden FIFA-WM 1998
(BA BA07.201.001-0088; -0209).
3.1.3.2 Nach Blatters Wahl zum FIFA-Präsidenten am 8. Juni 1998 übte Platini ein Be-
ratermandat zu dessen Gunsten aus (näher zur Beratertätigkeit und deren Dauer
E. 3.4). Aufgrund der im Jahr 2002 erfolgten Wahl von Platini in das Exekutivko-
mitee der UEFA und FIFA wurde die Beratertätigkeit per 30. Juni 2002 beendet
(BA 11.101-0027). Am 26. Januar 2007 wurde Platini erstmals sowie
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im März 2011 und März 2015 erneut als Präsident der UEFA gewählt (siehe Me-
dienmitteilungen der UEFA vom 17. Juli 2017 [<https://www.uefa.com/in-
sideuefa/news/01e1-0f85dd078ff8-9fd266bc935f-1000--past-presidents>; zuletzt
abgerufen am 28. September 2022]). Als UEFA-Präsident war Platini ex officio
auch Vize-Präsident der FIFA und damit weiterhin Mitglied des Exekutivkomitees
der FIFA (Art. 19 Abs. 4 UEFA-Statuten [BA B07.201.108-0240 ff.] i.V.m. Art. 30
FIFA-Statuen). Er verfügte gemäss Handelsregister des Kantons Zürich indes
nicht über eine Zeichnungsberechtigung für die FIFA (siehe <https://zh.chregis-
ter.ch/cr-portal/auszug/auszug.xhtml?uid=CHE-107.301.064>; zuletzt abgerufen
am 28. September 2022).
3.2 Übersicht über die Beweisthematik
3.2.1 Unbestritten und aktenkundig ist, dass Platini nach Blatters Wahl zum FIFA-Prä-
sidenten bis zum 30. Juni 2002 dessen Berater war (BA 11.101-0027). Zur Re-
gelung dieser Beratertätigkeit haben Platini und die FIFA, vertreten durch Blatter,
am 25. August 1999 einen schriftlichen Vertrag abgeschlossen, welcher rückwir-
kend auf den 1. Januar 1999 in Kraft trat und festlegte, dass Platini für diese
Tätigkeit Anspruch auf eine jährliche Vergütung von Fr. 300'000.–, exkl. Ausrich-
tung allfälliger Sozialversicherungsbeiträge, hatte (Art. 4, 5 und 7 des schriftli-
chen Vertrags [BA B07.301.002-0003 ff.]; näher hierzu E. 3.5.2.1). Die FIFA hat
für die in der Zeit vom 1. Januar 1999 bis 30. Juni 2002 erbrachten Beratertätig-
keit von Platini – gestützt auf von diesem an die FIFA gesandte Rechnungen
(BA B07.201.006.2.4.6-0880 ff.) – insgesamt Fr. 1'050'000.– an Platini bezahlt;
die erste Zahlung erfolgte am 29. September 1999 (BA 11.102-0008 bis 0018).
Entsprechend wurde die im schriftlichen Vertrag vereinbarte Vergütung vollstän-
dig beglichen. Weiter unbestritten und erstellt ist zudem, dass Platini mit Rech-
nung vom 17. Januar 2011 für seine Beratertätigkeit in den Jahren 1998 bis 2002
insgesamt Fr. 2 Millionen, einschliesslich Sozialversicherungsbeiträge, forderte
(BA B07.301.002-0201). Nachdem diese Rechnung bei der FIFA einging, wurde
diese durch Blatter am 18. Januar 2011 unterzeichnet (BA B07.301.002-0202).
Schliesslich überwies die FIFA am 1. Februar 2011 einen Betrag von Fr. 2 Milli-
onen auf ein Konto von Platini (BA B08.101.059-0006 ff.) und am 24. März 2011
Sozialversicherungsbeiträge zugunsten von Platini in Höhe von Fr. 229'126.– an
die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich; letzterer Betrag entsprach
den Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträgen der AHV, IV, EO, FAK und ALV ge-
mäss damals geltenden Ansätzen, zzgl. entsprechender Verwaltungskosten
(BA B07.201.115-0001 ff.).
3.2.2 In tatsächlicher Hinsicht strittig und nachfolgend anhand der dem Gericht vorlie-
genden Personal- und Sachbeweise zu klären sind jedoch folgende drei Aspekte:
Erstens wird zu prüfen sein, ob Platini seine Beratertätigkeit – wie im schriftlichen
Vertrag vom 25. August 1999 festgehalten und von der FIFA behauptet – erst ab
dem 1. Januar 1999 oder – wie in der Anklageschrift umschrieben und von den
Beschuldigten geltend gemacht – bereits im Juli 1998 aufgenommen hat (E. 3.4).
- 33 -
SK.2021.48
Zweitens wird der Grund für die nachträgliche Zahlung vom 1. Februar 2011 in
der Höhe von Fr. 2 Millionen an Platini zu klären sein, nämlich ob es sich hierbei
– wie von den Beschuldigten vorgebracht – um eine gestützt auf eine mündliche
Vereinbarung geschuldete und aufgeschobene Forderung Platinis aus seiner Be-
ratertätigkeit für Blatter handelt oder ob diese Überweisung – wie in der Anklage-
schrift umschrieben – lediglich zur Bereicherung von Platini erfolgte (E. 3.5).
Schliesslich wird auf die zugunsten von Platini geleisteten Sozialversicherungs-
beiträge in Höhe von Fr. 229'126.– einzugehen sein (E. 3.6).
3.3 Rechtliches betreffend die Beweisthematik
3.3.1
3.3.1.1 Zum Abschluss eines Vertrages ist die übereinstimmende gegenseitige Wil-
lensäusserung der Parteien erforderlich. Sie kann ausdrücklich oder stillschwei-
gend sein (Art. 1 OR). Das Zustandekommen bzw. der Inhalt eines Vertrags be-
stimmt sich in erster Linie durch die subjektive Auslegung, d.h. nach dem über-
einstimmenden wirklichen Parteiwillen (Art. 18 Abs. 1 OR). Was die Parteien
beim Vertragsabschluss gewusst, gewollt oder tatsächlich verstanden haben, ist
eine Tatfrage (BGE 133 III 675 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 5A_15/2018
vom 16. April 2019 E. 4.2). Gleiches gilt für die Frage, in wessen Namen die Ver-
tragsparteien gehandelt haben (Urteil des Bundesgerichts 4A_69/2012 vom
2. Mai 2012 E. 3.3).
3.3.1.2 Ein Verein als juristische Person schliesst Rechtsgeschäfte durch seine Organe
ab (Art. 55 Abs. 2 ZGB). Vorausgesetzt ist, dass die mit der Organfunktion be-
fasste Person für den Verein als juristische Person und nicht im eigenen Namen
handelt (JAKOB, in: Büchler/Jakob [Hrsg.], Kurzkommentar ZGB, 2. Aufl. 2018,
Art. 55 ZGB N. 6; MEIER-HAYOZ/FORSTMOSTER/SETHE, Schweizerisches Gesell-
schaftsrecht, 12. Aufl. 2018, § 2 N. 39). Bei einem solchen rechtsgeschäftlichen
Organhandeln ist zwischen der Vertretungsmacht («rechtliches Können») und
der Vertretungsbefugnis («rechtliches Dürfen») zu unterscheiden. Die Vertre-
tungsmacht nach aussen wird – neben sich aus dem Verbot von sog. «Insichge-
schäften» (Selbstkontrahieren und Doppelvertretung) ergebenden (vorliegend
nicht relevanten) Einschränkungen (hierzu BGE 144 III 388 E. 5.1) – nur vom
Vereinszweck begrenzt und umfasst demnach sämtliche Rechtshandlungen,
welche dieser mit sich bringen kann bzw. durch diesen nicht geradezu ausge-
schlossen sind (JAKOB, a.a.O., Art. 55 ZGB N. 5 f. und Art. 69 ZGB N. 2; MEIER-
HAYOZ/FORSTMOSTER/SETHE, a.a.O., § 2 N. 41). Nur in Extremfällen sind Vertre-
tungshandlungen wegen Zweckwidrigkeit und damit Überschreitung der Vertre-
tungsmacht als von Anfang an unverbindlich und ungültig anzusehen (Urteile des
Bundesgerichts 4A_147/2014 vom 19. November 2014 E. 3.1.1; 4A_46/2016
vom 20. Juni 2016 E. 5.2; REITZE, in: Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kom-
mentar, Zivilgesetzbuch I, 7. Aufl. 2022, Art. 54/55 ZGB N. 22). Handelt ein Or-
gan in Ausübung seiner Vertretungsmacht, vermag es die juristische Person ge-
genüber gutgläubigen Dritten auch dann zu binden, wenn es intern – gemäss
- 34 -
SK.2021.48
dessen Vertretungsbefugnis – nicht zur Vertretung befugt ist (REITZE, a.a.O.,
Art. 54/55 ZGB N. 23). Etwas anderes gilt bei Beschränkungen, die im Handels-
register eingetragen oder dem Dritten kundgetan sind. In diesem Fall entfällt eine
rechtsgeschäftliche Bindung infolge Bösgläubigkeit des Dritten (REITZE, a.a.O.,
Art. 54/55 ZGB N. 24, 26). Zudem ist bei einem Konflikt zwischen den Interessen
der juristischen Person und jenen des handelnden Organs zwar grundsätzlich
davon auszugehen, dass die Vertretungsbefugnis nach dem mutmasslichen Wil-
len der juristischen Person stillschweigend jene Geschäfte ausschliesst, welche
sich als interessen- bzw. pflichtwidriges Vertreterhandeln erweisen. Eine still-
schweigende Beschränkung der Vertretungsbefugnis kann aber dem gutgläubi-
gen Dritten nicht entgegengehalten werden. Der Interessenkonflikt vermag die
Vertretungsmacht nur zu begrenzen, wenn er für den Dritten erkennbar war oder
dieser ihn wenigstens bei gebührender Sorgfalt hätte erkennen müssen. Ist kein
Interessenkonflikt in diesem Sinn erkennbar, soll sich der Vertragspartner auf die
Vertretungsbefugnis gemäss Handelsregistereintrag verlassen können. Die Auf-
merksamkeit, die vom Vertragspartner hinsichtlich eines möglichen Interessen-
konflikts verlangt werden kann, hängt von der Art des abgeschlossenen Rechts-
geschäfts ab (BGE 144 III 388 E. 5.1; 126 III 361 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts
4A_147/2014 vom 19. November 2014 E. 3.1.1).
3.3.2
3.3.2.1 Gemäss Art. 10 Abs. 3 StPO geht das Gericht von der für die beschuldigte Per-
son günstigeren Sachlage aus, wenn unüberwindliche Zweifel daran bestehen,
dass die tatsächlichen Voraussetzungen der angeklagten Tat erfüllt sind. Diese
Bestimmung operationalisiert den verfassungsmässigen Grundsatz der Un-
schuldsvermutung (in dubio pro reo; Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK).
Sie verbietet es, bei der rechtlichen Würdigung eines Straftatbestands von einem
belastenden Sachverhalt auszugehen, wenn nach objektiver Würdigung der ge-
samten Beweise ernsthafte Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt tatsächlich
so verwirklicht hat, oder wenn eine für die beschuldigte Person günstigere Tat-
version vernünftigerweise nicht ausgeschlossen werden kann. Auf der anderen
Seite kann keine absolute Gewissheit verlangt werden; abstrakte und theoreti-
sche Zweifel sind kaum je ganz auszuräumen (BGE 144 IV 345 E. 2.2.1).
3.3.2.2 Keine Anwendung findet der Grundsatz in dubio pro reo auf die Frage, welche
Beweismittel zu berücksichtigen und wie sie gegebenenfalls zu würdigen sind.
So stellt das Gericht bei sich widersprechenden Beweismitteln nicht unbesehen
auf den für den Angeklagten günstigeren Beweis ab. Mit andern Worten enthält
der Grundsatz keine Anweisung, welche Schlüsse aus den vorhandenen Beweis-
mitteln zu ziehen sind. Die Beweiswürdigung als solche wird vom Grundsatz der
freien und umfassenden Beweiswürdigung beherrscht: Nach Art. 10 Abs. 2 StPO
würdigt das Gericht die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten Verfahren
gewonnenen Überzeugung (BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.1). Der Grundsatz in dubio
pro reo wird erst anwendbar, nachdem alle aus Sicht des urteilenden Gerichts
- 35 -
SK.2021.48
notwendigen Beweise erhoben und ausgewertet worden sind. Insoweit stellt er
gerade keine Beweiswürdigungsregel dar. Im Falle einer uneinheitlichen, wider-
sprüchlichen Beweislage muss das Gericht die einzelnen Gesichtspunkte gegen-
einander abwägen und als Resultat dieses Vorgangs das Beweisergebnis fest-
stellen. Dieses kann je nach Würdigung als gesichert erscheinen – sofern die
Widersprüche bereinigt werden konnten – oder aber mit Unsicherheiten behaftet
bleiben. Das Beweisergebnis kann aber auch deswegen zweifelhaft sein, weil es
im Kontext der feststehenden Tatsachen verschiedene Deutungen zulässt und
damit verschiedene Sachverhaltsalternativen in den Raum stellt. Zum Tragen
kommt der Grundsatz in dubio pro reo jetzt erst bei der Beurteilung des Resultats
der Beweisauswertung, das heisst beim auf die freie Würdigung der Beweismittel
folgenden Schritt vom Beweisergebnis zur Feststellung derjenigen Tatsachen,
aus denen sich das Tatsachenfundament eines Schuldspruchs zusammensetzt
(BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.2). Eine tatbestandsmässige, zum Schuldspruch bei-
tragende Tatsache ist rechtserheblich festgestellt, sobald das Gericht erkennt,
dass die Zuverlässigkeit des Beweisergebnisses nicht ernsthaft zu bezweifeln ist.
Die freie Beweiswürdigung ermächtigt den Richter schon bei vernünftig schei-
nenden Zweifeln an der Schuld des Angeklagten, diesen freizusprechen. Mit
Blick auf die Ausprägung des Grundsatzes in dubio pro reo als Beweislastregel
muss ein Sachverhalt nach Überzeugung des Gerichts umgekehrt mit an Sicher-
heit grenzender Wahrscheinlichkeit erstellt sein, damit er dem Angeklagten zur
Last gelegt werden kann. Die dem Grundsatz in dubio pro reo zugrundeliegende
Regel ist mithin eine Anforderung zum Beweismass. Für die richterliche Über-
zeugung ist ein jeden vernünftigen Zweifel ausschliessendes Urteil eines beson-
nenen und lebenserfahrenen Beobachters erforderlich (BGE 144 IV 345
E. 2.2.3.3).
3.3.2.3 Liegen keine direkten Beweise vor, ist nach der Rechtsprechung auch ein indi-
rekter Beweis zulässig. Indizien (Anzeichen) sind Hilfstatsachen, die, wenn sel-
ber bewiesen, auf eine andere, unmittelbar rechtserhebliche Tatsache schliessen
lassen. Es gilt, die Indizien daraufhin zu überprüfen, ob sie ausschliesslich für
eine Hypothese sprechen oder ob sie ambivalent sind, weil sie je nach Kontext
unterschiedlich verstanden werden können. Die dem Grundsatz in dubio pro reo
zugrundeliegende Regel weist den Rechtsanwender an, ernsthaften Anhalts-
punkten für alternative Sachverhalte nachzugehen und zu prüfen, ob sich daraus
allenfalls ein unüberwindlicher Zweifel ergibt, der es verbietet, den tatbestands-
mässigen Sachverhalt anzunehmen. Der erfolgreiche Indizienbeweis begründet
eine der Lebenserfahrung entsprechende Vermutung, dass die nicht bewiesene
Tatsache gegeben ist. Für sich allein betrachtet deuten Indizien jeweils nur mit
einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf eine bestimmte Tatsache hin. Auf das ein-
zelne Indiz ist der Grundsatz in dubio pro reo denn auch nicht anwendbar. Ge-
meinsam – einander ergänzend und verstärkend – können Indizien aber zum
Schluss führen, dass die rechtserhebliche Tatsache nach der allgemeinen Le-
benserfahrung gegeben sein muss. Der Indizienbeweis ist dem direkten Beweis
- 36 -
SK.2021.48
gleichgestellt (BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.4, 2.2.3.6; Urteil des Bundesgerichts
6B_1427/2016 vom 27. April 2017 E. 3).
3.4 Tatsächliches betreffend die Dauer von Platinis Beratertätigkeit
3.4.1 Standpunkte der Parteien
Während sowohl die Bundesanwaltschaft (TPF 266.100.004) als auch die Be-
schuldigten (TPF 266.721.467; 266.721.490) den Standpunkt vertreten, Platini
habe seine Beratertätigkeit ab Juli 1998 ausgeübt, macht die FIFA – im Wider-
spruch zu ihrer bei den Gerichten im Kanton Waadt eingereichten und hängigen
Zivilklage gegen Platini vom 8. Juni 2020, gemäss welcher dieser unverzüglich
(«aussitôt») nach Blatters Wahl zum FIFA-Präsidenten am 8. Juni 1998 mit sei-
ner Beratertätigkeit begonnen haben soll (BA B07.201.108-0027) – geltend, Pla-
tini habe seine Beratertätigkeit erst am 1. Januar 1999 aufgenommen
(TPF 266.721.317). Unbestritten und aktenmässig erstellt ist demgegenüber,
dass das Beratermandat von Platini per Ende Juni 2002 beendet worden ist
(BA 11.101-0027; TPF 266.100.004; 266.721.338; 266.721.467; 266.721.490).
Nachfolgend ist folglich ausschliesslich näher auf den Beginn von Platinis Bera-
tertätigkeit einzugehen.
3.4.2 Beweismittel
3.4.2.1 Schriftlicher Vertrag vom 25. August 1999
Der zwischen der FIFA, vertreten durch Blatter, und Platini abgeschlossene
schriftliche Vertrag, welcher die Beratertätigkeit regelte, trat mit Wirkung per
1. Januar 1999 in Kraft (Art. 7 des schriftlichen Vertrags [BA B07.301.002-
0003 ff.]; näher E. 3.5.2.1).
3.4.2.2 Protokolle der Sitzungen des FIFA-Exekutivkomitees
Anlässlich der Sitzung des FIFA-Exekutivkomitees vom 9. Juli 1998 wurde die
FIFA-Präsidentschaft offiziell an Blatter übergeben. Platini nahm an dieser ersten
Sitzung nach Blatters Wahl zum FIFA-Präsidenten weder teil noch wurde er an-
lässlich der Sitzung erwähnt (BA B07.201.011-0002 ff.). Dies gilt auch für die üb-
rigen Sitzungen im Jahr 1998 (Sitzung vom 24./25. September 1998
[BA B07.201.011-0078 ff.]; Sitzung vom 3./4. Dezember 1998 [BA B07.201.012-
0025 ff.]). Anlässlich der Sitzung vom 3./4. Dezember 1998 stellte Blatter das
neu geschaffene Entwicklungsprogramm der FIFA namens «Goal» vor und die
Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees gratulierten ihm für dessen rasche Ent-
wicklung (BA B07.201.012-0036). An der darauffolgenden Sitzung vom
11./12. März 1999 wurde Platini schliesslich erstmals offiziell gegenüber den Mit-
gliedern des FIFA-Exekutivkomitees vorgestellt (BA B07.201.012-0134 f.).
- 37 -
SK.2021.48
3.4.2.3 Übrige FIFA-interne Sachbeweise
Aus den übrigen dem Gericht vorliegenden FIFA-internen Sachbeweisen ergibt
sich, dass Platini seine Beratertätigkeit bereits im Jahr 1998 aufgenommen hat
(siehe etwa Pressekonferenz von Blatter anlässlich des 51. FIFA-Kongresses
vom 7.-8. Juni 1998 [TPF 266.551.125; Datei «48288_PAL_0002_Con-
gress_part_6.F12» ab Minute 04:02]; FIFA-internes Factsheet zu Platini
[BA B07.301.002-0250]; E-Mail vom damaligen FIFA-Generalsekretär E. vom
24. September 2007 [BA B07.301.002-0018; zu seiner Person E. 3.5.2.16];
Schreiben der FIFA an Platini vom 15. April 2009 und 29. Oktober 2009 betref-
fend die Anrechnung seiner Beratertätigkeit ab 1998 an seinen Rentenanspruch
[BA B07.301.002-0257 f.]; bei der FIFA abgelegter Lebenslauf von Platini aus
dem Jahr 2006 im Hinblick auf die UEFA-Präsidentschaftskampagne
[BA B07.201.001-0209]; FIFA-interne Funktionsübersicht zu Platini
[BA B08.101.045-0002]).
3.4.2.4 UEFA-interne Sachbeweise
a) In den Akten befindet sich ein Dokument mit dem Titel «Key Issue: Role of
Michel Platini» vom 19. September 1998 (BA 07.202-0013). Dieses wurde vom
damaligen UEFA-Generalsekretär, F., im Hinblick auf ein sog. «Bureau Meeting»
des UEFA-Exekutivkomitees vom 12. November 1998 verfasst (BA 07.202-
0093 ff.; B07.203.001.0103-0584). Es weist u.a. folgenden Inhalt auf:
«Platini was involved in the election campaign in favour of [Blatter]. The latter announced
already then, that Platini would be the future Sports Director of FIFA. Platini would there-
fore become an employee of FIFA. This is an interesting constellation, since as a future
employee, Platini‘s behavior towards certain members of the Executive Committee during
the months prior to the elections was quite unacceptable. On the other hand one has to
have doubts about Platini’s qualifications as Sports Director, which would require him to
manage all sports related matters, including competitions and to guide the personnel in
question. Therefore, the question must be asked, what is the profile of the position as
projected by [Blatter]. Moreover, there are rumours that Platini wishes to have his working
place in Paris. This seems impossible, if the position is supposed to be the one as de-
scribed above. There has been talk about SFr. 1 million as salary. Who will decide on
this? Other rumours indicate that the relationship between [Blatter] and Platini has cooled
off. For many observers this comes not as a surprise, considering their personality. Both
like to be the main actors. Therefore, it might be meeting [Blatter’s] secret wish, if a majority
of the Executive Committee were opposed to Platini being given the role originally pro-
posed.»
b) Aktenkundig ist ferner ein UEFA-Dokument mit sog. «Confidential Com-
ments» vom 29. November 1998 (B07.203.001.0103-0619 ff.). Dieses
wurde vom damaligen Generalsekretär der UEFA, F., im Zusammenhang
- 38 -
SK.2021.48
mit einer vorbereitenden Sitzung vom 3. Dezember 1998 verfasst, an wel-
cher sich verschiedene Fussballfunktionäre der UEFA und anderen Konfö-
derationen mit dem damaligen UEFA-Präsidenten G. im Hinblick auf die glei-
chentags stattfindende Sitzung des FIFA-Exekutivkomitees trafen
(B07.203.001.0103-0585 f.). Es weist u.a. folgenden Inhalt auf:
«6. Restructuring of the FIFA General Secretariat
[...]. The role of Platini and his professional status is still open. Rumours are heard that he
will be the head of a development programme, with 11 directors and an equal number of
centres to be spread over the six continents with the objective to provide technical educa-
tion and assistance. [...]»
3.4.2.5 Aussagen Joseph S. Blatter
a) Blatter führte an seiner ersten staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom
25. September 2015 in Bezug auf die Dauer von Platinis Beratermandat einer-
seits aus, dass Platini – zeitgleich während seines Beratermandats – auch noch
Präsident des Organisationskomitees der FIFA-WM 1998 in Frankreich gewesen
sei (BA 13.001-0003 Z. 23-25). Im Verlaufe dieser ersten Einvernahme gab er
später auf Vorhalt eines Artikels der französischen Agence France-Presse vom
29. Januar 1999, wonach Platini neu als Berater für den FIFA-Präsidenten tätig
sei, und Frage, ob er bestätigen könne, dass Platini die Beratertätigkeit im Ja-
nuar 1999 aufgenommen habe, andererseits zu Protokoll: «Ja, das ist so. Ich
weise daraufhin, dass es so war, wie es geschrieben ist, nämlich als Berater (ad-
visor)» (BA 13.001-0004 Z. 27-32; -0018).
b) Anlässlich der übrigen Einvernahmen gab Blatter zusammengefasst an, dass
Platini unmittelbar nach dem Ende der FIFA-WM 1998 mit der Beratertätigkeit
begonnen resp. dieser jedenfalls bereits Ende 1998 mit Aktivitäten für die FIFA
betraut gewesen sei (BA B07.203.001.0103-0143; -0149; 13.001-0296 Z. 19-21;
TPF 266.731.006) bzw. gab generell zu Protokoll, dass Platini im Zeitraum ab
1998 sein Berater gewesen sei (BA 13.001-0771 Z. 7; -0799 Z. 27).
3.4.2.6 Aussagen Michel François Platini
a) Platini führte anlässlich seiner ersten staatsanwaltschaftlichen Einvernahme
vom 25. September 2015 aus, unmittelbar nach Blatters Wahl zum FIFA-Präsi-
denten am 8. Juni 1998 mit seiner Beratertätigkeit begonnen zu haben
(BA 12.001-0002 Z. 15; -0005 Z. 25 f.).
b) Bei späteren Befragungen gab Platini zu Protokoll, dass er im Juli/August 1998
bzw. nach Beendigung seiner Tätigkeit im Rahmen des Organisationskomitees
der FIFA-WM 1998 mit seiner Beratertätigkeit für Blatter begonnen habe
(BA B07.203.001.0103-0298; 13.004-0040 Z. 5-10; TPF 266.732.005).
- 39 -
SK.2021.48
3.4.2.7 Übrige Personalbeweise
a) H., welche Platini zusammen mit I. in dessen Beratertätigkeit für Blatter ab
Januar 1999 unterstützte, gab am 18. November 2015 an, dass Platini spätes-
tens ab dem zweiten Semester des Jahres 1998 begonnen habe, für die FIFA zu
arbeiten (BA B07.201.006.2.3-0366). Anlässlich ihrer rechtshilfeweise durchge-
führten Einvernahme vom 26. Juli 2016 machte sie keine konkreten Angaben
zum Beginn von Platinis Tätigkeit, sondern führte lediglich aus, dass sie selbst
erst ab Januar 1999 begonnen habe, Platini zu unterstützen (BA 12.005-
0003 ff.).
b) I., welcher Platini zusammen mit H. in dessen Beratertätigkeit für Blatter ab
Januar 1999 unterstützte, machte in seiner Einvernahme vom 27. Juli 2016 keine
konkreten Angaben zum Beginn von Platinis Tätigkeit, sondern führte lediglich
aus, dass er selbst erst ab Januar 1999 begonnen habe, Platini zu unterstützten
(BA 12.006-0003; -0006 f.). In seiner schriftlichen Erklärung vom 18. Au-
gust 2020 führte er aus, dass Platini im Zeitraum von September 1998 bis 2002
Blatters Berater gewesen sei (BA 13.004-0131).
c) Soweit übrige Personen zum Beginn von Platinis Beratertätigkeit befragt wur-
den, gaben diese in allgemeiner Weise an, dass dieser ab 1998 Blatters Berater
gewesen sei (Aussage von J., ehemaliger Mitarbeiter der UEFA [BA 12.008-
0043: «this was public information. I think you can even find it on his Wikipedla
biography that he was working for the FIFA President as advisor between 1998
and 2002»]; siehe auch die Aussagen von E., ehemaliger FIFA-Generalsekretär
[BA 12.010-0080 Z. 17-25; -0087 Z. 8-11]; K., ehemaliger FIFA-Generalsekretär
[B07.203.001.0103-0782]; L., ehemalige FIFA-Mitarbeiterin [BA 12.012-0093
Z. 2-6]).
3.4.3 Beweiswürdigung und Beweisergebnis
3.4.3.1 Einleitend sind die Aussagen der Beschuldigten (E. 3.4.2.5 f.) zu würdigen. Dabei
ist festzustellen, dass Blatter und Platini bereits anlässlich ihrer ersten Einver-
nahme im Kern übereinstimmend ausgesagt haben, dass Platini während bzw.
nach dessen Tätigkeit im Rahmen der Organisation der FIFA-WM 1998 mit der
Beratertätigkeit begonnen habe. Da diese FIFA-WM im Zeitraum vom
10. Juni bis 12. Juli 1998 stattfand (BA B07.201.084-0007), ist aus diesen Erst-
aussagen der Beschuldigten zu schliessen, dass Platini sein Beratermandat im
Juni oder Juli 1998 aufgenommen hat. Blatter hat in der gleichen Einvernahme
zwar auf Frage auch bestätigt, dass Platini ab Januar 1999 als dessen Berater
begonnen habe. Diese Aussage machte er indes erst im Nachhinein und über-
dies im Zusammenhang mit sowie unter explizitem Verweis auf einen Artikel der
französischen Agence France-Presse vom 29. Januar 1999, wonach Platini neu
als Berater für den FIFA-Präsidenten tätig sei. Aufgrund der zeitlichen Abfolge
- 40 -
SK.2021.48
von Blatters Erstaussagen sowie des Umstandes, dass der Artikel kein spezifi-
sches Datum nennt, sondern lediglich festhält, dass Platini «neu» Blatters Bera-
ter sei, kann aus dieser singulären Aussage in ihrem Gesamtzusammenhang
nichts hinsichtlich des effektiven Beginns der Beratertätigkeit abgeleitet werden.
Im Übrigen haben sich die Beschuldigten auch in sämtlichen späteren Einver-
nahmen im Vor- und Hauptverfahren durchgehend übereinstimmend und konsis-
tent im Sinne ihrer ersten Aussagen geäussert.
3.4.3.2 Diese Aussagen der Beschuldigten werden durch eine Vielzahl von Beweismit-
teln gestützt, welche ebenfalls dafür sprechen, dass Platini seine Beratertätigkeit
bereits im Juli 1998 bzw. jedenfalls im Verlauf des Jahres 1998 aufgenommen
hat. Hierzu zählen namentlich die zahlreichen FIFA-internen Sachbeweise
(E. 3.4.2.3). Diese widerspiegeln das für administrative Belange zentrale Wissen
der FIFA und ihnen kommt in Bezug auf die hier zu beantwortende Frage folglich
erhöhte Bedeutung zu. Da die entsprechenden Unterlagen bereits vor der ersten
angeklagten Handlung im Jahr 2010 erstellt worden sind, stehen sie in keinem
Zusammenhang mit den angeklagten Straftaten, sodass ausgeschlossen werden
kann, dass sie im Nachhinein zur Plausibilisierung des von den Beschuldigten
vorgebrachten Sachverhalts fabriziert worden sind. Die in diesen Sachbeweisen
festgehaltene Information, dass Platini bereits im Jahr 1998 als Berater tätig war,
wurde zudem von mehreren ehemaligen FIFA- und UEFA-Mitarbeitenden bestä-
tigt (E. 3.4.2.7). Von besonderem Gewicht sind dabei die Erklärungen der Zeit-
zeugen H. und I., welche damals unmittelbar mit Platini zusammengearbeitet ha-
ben und erklärten, Platini habe spätestens ab dem zweiten Semester des Jahres
1998 bzw. im September 1998 sein Beratermandat aufgenommen
(E. 3.4.2.7a/b).
3.4.3.3 Auch die folgenden, übrigen Beweismittel lassen sich – entgegen den Vorbringen
der Privatklägerschaft (TPF 266.721.309-318) – bei objektiver Würdigung in Ein-
klang mit den vorgenannten Personal- und Sachbeweisen bringen bzw. schlies-
sen jedenfalls nicht aus, dass Platini bereits im Juli 1998 sein Beratermandat auf-
genommen hat.
a) Der schriftliche Vertrag vom 25. August 1999 (E. 3.4.2.1) trat zwar erst per
1. Januar 1999 in Kraft. Wie zu zeigen sein wird, kommt das Gericht indes zum
Schluss, dass nicht ausgeschlossen werden kann, dass neben diesem schriftli-
chen Vertrag noch eine zusätzliche, im Jahr 1998 abgeschlossene mündliche
Vereinbarung bestand, welche Platinis Beratertätigkeit regelte und in mehrfacher
Weise über den schriftlichen Vertrag hinausging (dazu E. 3.5.3). Insofern kann
aus dem Zeitpunkt des Inkrafttretens des schriftlichen Vertrags nichts hinsichtlich
des effektiven Beginns der Beratertätigkeit abgeleitet werden.
b) Die fehlende Erwähnung von Platini in den Sitzungsprotokollen des FIFA-Exe-
kutivkomitees aus dem Jahr 1998 bzw. die erstmalige Erwähnung von Platini an-
lässlich der Sitzung vom 11./12. März 1999 (E. 3.4.2.2) zeigt zwar, dass Platini
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im Jahr 1998 gegenüber den Mitgliedern des FIFA-Exekutivkomitees noch nicht
formell als Blatters Berater in Erscheinung trat. Zu berücksichtigen ist jedoch,
dass Platini nicht Berater des Exekutivkomitees, sondern des ehemaligen FIFA-
Präsidenten war. Der Umstand, dass Platini erst im März 1999 offiziell gegenüber
den Mitgliedern des FIFA-Exekutivkomitees vorgestellt worden ist, schliesst folg-
lich nicht zwingend aus, dass Platini seine Beratertätigkeit bereits im Juli 1998
aufgenommen hat. Darüber hinaus ist zu beachten, dass Blatter bereits anläss-
lich der Sitzung vom 3./4. Dezember 1998 das neu geschaffene Entwicklungs-
programm der FIFA namens «Goal» vorgestellt hat. Unter Berücksichtigung,
dass dieses Entwicklungsprogramm damals unstreitig eine von Platinis Haupt-
aufgaben war und die Konzeptentwicklung des Programms gemäss den damali-
gen Mitgliedern des FIFA-Exekutivkomitees rasch erfolgte, kann aus den er-
wähnten Protokollen durchaus auch gefolgert werden, dass Platini bereits vor
Dezember 1998 als Berater tätig war und Blatter namentlich bei der Entwicklung
des «Goal»-Programms unterstützte bzw. erst diese Unterstützung die rasche
Konzeptentwicklung ermöglichte.
c) Damit konsistent ist auch, dass innerhalb der UEFA bis im November 1998
lediglich Gerüchte – und folglich kein gefestigtes Wissen – in Bezug auf Platinis
Rolle bei der FIFA existierten (E. 3.4.2.4). Daraus lässt sich zwar ableiten, dass
die UEFA damals (noch) nicht über Platinis neue Rolle bei der FIFA informiert
war. Der Grund für diese fehlende Kenntnis kann einerseits darin liegen, dass
Platinis Beraterfunktion damals tatsächlich noch nicht fixiert war und darüber folg-
lich noch nicht definitiv informiert werden konnte. Andererseits ist auch denkbar,
dass die FIFA die UEFA aus sportpolitischen oder anderen Gründen nicht unmit-
telbar zu Beginn über Platinis Beratertätigkeit hat informieren können oder wol-
len. Letztere Variante kann bereits deshalb nicht ausgeschlossen werden, da es
sich bei der FIFA und der UEFA um zwei separate juristische Personen mit je-
denfalls teilweise divergierenden Interessen handelt und Platinis Position als Be-
rater des damaligen, neu gewählten FIFA-Präsidenten als für die FIFA strate-
gisch bedeutsame, interne Personalangelegenheit bezeichnet werden kann.
Hinzu kommt, dass die Stimmung zwischen der FIFA und UEFA nach der Wahl
von Blatter zum FIFA-Präsidenten am 8. Juni 1998 bzw. der damit einhergehen-
den Nicht-Wahl von G., welcher jedoch UEFA-Präsident blieb, nachvollziehbar-
erweise getrübt war (siehe hierzu namentlich die Zeugenaussagen von M., ehe-
maliger Vize-Präsident der FIFA und UEFA [TPF 266.766.006 f.]; N., ehemaliger
UEFA-Mitarbeiter [TPF 266.763.008 f.]; zu diesen Personen E. 3.5.2.13 f.). Folg-
lich schliesst das bei der UEFA fehlende gefestigte Wissen in Bezug auf Platinis
neue Funktion bei der FIFA nicht aus, dass dieser sein Beratermandat bereits im
Juli 1998 aufgenommen hat.
d) Gleiches gilt schliesslich für den Umstand, dass H. und I. erst im Jahr 1999
ihre Tätigkeit aufgenommen haben (E. 3.4.2.7a/b). Auch dies schliesst selbstre-
dend nicht aus, dass Platini bereits früher Beraterdienstleistungen für Blatter er-
bracht hat, was diese, wie gesehen, selber angaben.
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SK.2021.48
3.4.3.4 Nach dem Gesagten hat das Gericht keine Zweifel, dass Platini bereits im
Juli 1998 mit seiner Beratertätigkeit begonnen hat. Dies ergibt sich nicht nur ge-
stützt auf die übereinstimmenden und konstanten Aussagen der Beschuldigten,
welche im Wesentlichen durch eine Vielzahl von Sach- und Personalbeweisen
bestätigt werden. Vielmehr existieren auch keine Beweismittel, welche den
Schluss zulassen würden, dass Platini erst im Januar 1999 mit dieser Tätigkeit
begonnen hat. Im Übrigen entspricht es der allgemeinen Lebenserfahrung, dass
bei Antritt einer neuen Führungsfunktion ein erhöhter Beratungsbedarf besteht,
sodass es für das Gericht durchaus nachvollziehbar erscheint, dass Platini un-
mittelbar nach der am 8. Juni 1998 stattgefundenen Wahl von Blatter zum neuen
FIFA-Präsidenten begonnen hat, diesen zu beraten.
3.4.3.5 Im Ergebnis ist festzuhalten, dass Platini im Zeitraum von Juli 1998 bis Juni 2002
Berater des ehemaligen FIFA-Präsidenten Blatter war.
3.5 Tatsächliches betreffend die mündliche Vereinbarung zwischen der FIFA
und Platini
3.5.1 Standpunkte der Parteien
Die Anklage beruht zusammengefasst auf der Hypothese, dass das Vertragsver-
hältnis betreffend Platinis Beratertätigkeit zugunsten von Blatter ausschliesslich
durch den schriftlichen Vertrag vom 25. August 1999 geregelt worden sei, wel-
cher eine jährliche Vergütung von Fr. 300'000.– (ohne Ausrichtung von
Sozialversicherungsbeiträgen) stipulierte. Die sich für die FIFA aus diesem Ver-
trag ergebenden Verpflichtungen seien im Jahr 2002 vollständig erfüllt worden
und bei der inkriminierten Zahlung von Fr. 2 Millionen habe es sich folglich nicht
um eine geschuldete und aufgeschobene Forderung gehandelt
(TPF 266.100.003). Die FIFA schloss sich dieser Anklagehypothese im Wesent-
lichen an (TPF 266.721.294 f.). Demgegenüber machten die Beschuldigten Blat-
ter und Platini zusammengefasst geltend, die Zahlung beruhe auf einer im Jahr
1998 zwischen Platini und der FIFA, vertreten durch Blatter, abgeschlossenen
mündlichen Vereinbarung. In dieser mündlichen Vereinbarung sei festgehalten
worden, dass Platini für dessen in den Jahren 1998 bis 2002 geleisteten Bera-
tertätigkeit mit jährlich Fr. 1 Million vergütet werden solle; diese Vergütung habe
aber aufgrund der damaligen finanziellen Situation der FIFA nicht bezahlt werden
können. Platini habe deshalb – entsprechend des schriftlichen Vertrages vom
25. August 1999 – vorerst lediglich Fr. 300'000.– pro Jahr erhalten; der Restbe-
trag sei aufgeschoben und bis im Jahr 2011 nicht bezahlt worden. Beim geleis-
teten Betrag von Fr. 2 Millionen handle es sich folglich um eine nachträglich be-
zahlte und geschuldete Forderung der FIFA gegenüber Platini
(TPF 266.721.433 ff.; 266.721.531 ff.). Nachfolgend ist zu prüfen, ob Blatter und
Platini tatsächlich mündlich übereingekommen sind, dass Platini für seine in der
Zeit von Juli 1998 bis Juni 2002 geleistete Beratertätigkeit mit jährlich Fr. 1 Mil-
lion vergütet werden sollte, und – falls eine solche Übereinkunft in tatsächlicher
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Hinsicht bestand – ob damit rechtsgültig eine mündliche Vereinbarung zwischen
der FIFA und Platini abgeschlossen worden ist.
3.5.2 Beweismittel
3.5.2.1 Schriftlicher Vertrag vom 25. August 1999
In den Akten befindet sich ein auf Französisch verfasster schriftlicher Vertrag
zwischen der FIFA und Platini vom 25. August 1999 (BA B07.301.002-0003 ff.),
welcher in Zürich von Blatter in seiner Funktion als FIFA-Präsident sowie von
Platini unterschrieben wurde. Der Vertrag trat rückwirkend auf den 1. Ja-
nuar 1999 in Kraft (Art. 7 des schriftlichen Vertrags) und untersteht Schweizer
Recht (Art. 10 des schriftlichen Vertrags). Inhaltlich wurde im schriftlichen Vertrag
zusammengefasst vereinbart, dass Platini die FIFA, insbesondere ihren Präsi-
denten, in allen Angelegenheiten des internationalen Fussballs zu beraten und
unterstützen habe; dies namentlich vor dem Hintergrund von Platinis Erfahrun-
gen als Fussballspieler und -trainer sowie als Co-Präsident des französischen
Organisationskomitees der FIFA-WM von 1998. Gegenüber Dritten könne er als
Berater des Präsidenten der FIFA auftreten. Seine Funktion könne er unabhän-
gig und an hierfür geeigneten Orten ausüben (Art. 1 und 2 des schriftlichen Ver-
trags). Platini könne für seine Tätigkeit die Infrastruktur der FIFA verwenden
(Art. 3 des schriftlichen Vertrags). Als Vergütung wurde ein Betrag von jährlich
Fr. 300'000.– (inkl. MWST und anderen Steuern) vereinbart; dieser Betrag wurde
handschriftlich in den Vertrag eingesetzt (Art. 4 des schriftlichen Vertrags).
3.5.2.2 Rechnung von Platini vom 17. Januar 2011
Aktenkundig ist eine von Platini in Nyon unterschriebene und an die FIFA, zu-
handen D., adressierte Rechnung vom 17. Januar 2011 mit dem Betreff «salaires
1998/9, 1999/0, 2000/1, 2001/2» (BA B07.301.002-0201). Die Rechnung wurde
am 18. Januar 2011 auch von Blatter unterzeichnet (BA B07.301.002-0202). In-
haltlich wurde mit der Rechnung im Wesentlichen für die Jahre 1998 bis 2002 ein
Betrag von Fr. 2 Millionen, welcher im gegenseitigen Einvernehmen aufgescho-
ben worden sei, in Rechnung gestellt sowie um die Begleichung der AHV und
übrigen Sozialversicherungsbeiträge (inkl. Arbeitnehmerbeiträge) ersucht:
«Monsieur D.,
Je vous prie de bien vouloir me régler le payement du salaire pour ces quatre années qui avait été différé d’un commun accord à savoir :
1998-1999 CHF 500'000.–
1999-2000 CHF 500'000.–
2000-2001 CHF 500'000.–
2001-2002 CHF 500'000.–
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Soit CHF 2'000'000.– net (dont la FIFA assure le payement de l’AVS et de toute
autre prestation sociale, y compris celles à la charge de l’employé), pour solde
de tout compte.»
3.5.2.3 Tabelle betreffend Vergütungen der Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees;
unterzeichnet von O.
O. war seit 1998 sowie im anklagerelevanten Zeitraum Vize-Präsident der FIFA
und Vorsitzender der Finanzkommission der FIFA. Am 30. Juli 2014 verstarb er
(TPF 266.551.106 ff.; BA B07.201.002-0055; B07.201.036-0033).
In den Akten befindet sich eine von ihm in seiner Funktion als Vorsitzender der
Finanzkommission der FIFA unterzeichnete Tabelle (BA B07.301.002-0188). Die
Tabelle ist undatiert; an deren unteren Rand ist folgender Pfad vermerkt:
«O:\Consolidation & Compliance\Closing\Jahresabschluss 2010\12 Jahresab-
schluss 2010\IAS 24\Exco 2010.xls». Inhaltlich ist in der Tabelle zusammenge-
fasst, welche Auslagen und Vergütungen an die im Jahr 2010 im Amt gewesenen
Mitglieder des Exekutivkomitees der FIFA bezahlt wurden. Die Vergütungen be-
trugen Fr. 10'000.– (1 Mal), Fr. 150'000.– (1 Mal), Fr. 300'000.–
(20 Mal), Fr. 1'100'000.– (1 Mal), Fr. 1'300'000.– (2 Mal) und zugunsten von Pla-
tini Fr. 2'657'071.–.
3.5.2.4 Übrige FIFA-interne Sachbeweise betreffend die Zahlung von Fr. 2 Millionen
a) Gemäss Bericht der Abteilung Forensische Finanzanalyse der Bundesanwalt-
schaft vom 25. Januar 2021 (nachfolgend: FFA-Bericht) ergeben sich aus den
Buchhaltungsunterlagen der FIFA keine Anhaltspunkte, dass die FIFA im Zeit-
raum von 1998 bis 2010 für Platinis (angebliche) Forderung in Höhe von Fr. 2 Mil-
lionen Rückstellungen gebildet habe (Ziff. 3.2 f. FFA-Bericht [BA.11.102-0029 bis
0031]). Buchhalterisch wurde die (angebliche) Forderung erstmals am 31. De-
zember 2010 erfasst, indem hierfür transitorische Passiven in Höhe von
USD 2 Millionen gebildet und am 1. Januar 2011 aufgelöst wurden; der Bu-
chungstext lautete: «Accrual 2010, M. Platini 1998/1999/2000/2001»
(BA B08.101.059-0007 f.). Anschliessend hat die FIFA am 1. Februar 2011 einen
Betrag von Fr. 2 Millionen auf dem buchhalterischen Kreditorenkonto von Platini
verbucht und den entsprechenden Betrag auf ein auf Platini lautendes Konto bei
der Bank A. überwiesen. Als Grund für die Verbuchung und Zahlung wurde an-
gegeben, dass es sich bei den Fr. 2 Millionen um Vergütungen («Salaries») für
die Jahre 1998-2002 handle (BA B08.101.059-0003; -0005; -0006; zum Ganzen
Ziff. 3.1 FFA-Bericht [BA.11.102-0028 f.]).
b) Im Übrigen wird die Zahlung von Fr. 2 Millionen an Platini in den FIFA-internen
Sachbeweisen, namentlich in den Protokollen des Exekutivkomitees
(BA B07.201.011 ff.; TPF 266.721.089 ff.) und der Finanzkommission
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(BA B07.201.036 ff.) sowie in den Jahresabschlüssen und übrigen Finanzunter-
lagen der FIFA (BA B07.201.072; TPF 266.721.106 ff.), nicht ausdrücklich er-
wähnt.
3.5.2.5 UEFA-interne Sachbeweise betreffend die Zahlung von Fr. 2 Millionen
a) In den Akten befindet sich ein vom damaligen UEFA-Generalsekretär, F., ver-
fasstes Dokument mit dem Titel «Key Issue: Role of Michel Platini» vom 19. Sep-
tember 1998. Darin wurde – neben dem Umstand, dass bei der UEFA Gerüchte
kursiert haben sollen, dass Platini Angestellter der FIFA werden würde – nament-
lich Folgendes festgehalten (BA 07.202-0013; näher E. 3.4.2.4):
«[...]. Moreover, there are rumours that Platini wishes to have his working place in Paris.
This seems impossible, if the position is supposed to be the one as described above.
There has been talk about SFr. 1 million as salary. Who will decide on this? [...]»
b) F. bestätigte in seiner schriftlichen Erklärung vom 11. Dezember 2015 gegen-
über der FIFA-Ethikkommission, dass im Jahr 1998 Gerüchte bestanden hätten,
dass Platini für seine neue Tätigkeit bei der FIFA mit Fr. 1 Million entlöhnt werden
würde. Zum damaligen Zeitpunkt habe es diesbezüglich aber weder eine offizi-
elle – innerhalb der UEFA bekannte – Bestätigung noch sonst eine Kommunika-
tion seitens der FIFA gegeben (BA B07.203.001.0103-0586).
3.5.2.6 Sachbeweise betreffend die finanzielle Situation der FIFA
a) Bilanzen der FIFA für die Jahre 1998 bis 2010
In den Akten liegen die Bilanzen der FIFA für die Jahre 1998 bis 2010. Darin sind
folgende Kennzahlen (jeweils gerundet auf tausend CHF [für die Jahre 1998-
2006] bzw. USD [für die Jahre 2007-2010]) festgehalten (Ziff. 5.2 FFA-Bericht
[BA 11.102-0035 f. mit Hinweis auf die entsprechenden Aktenstellen]):
Liquide Mittel Forderungen Kurzfristige Schulden
Jahresergebnis Eigenkapital
1998 18'735 23'554 20'971 33'584 63'390
1999 22'152 21'526 26'452 -40'422 -67'558
2000 320'794 33'870 221'613 151'883 84'325
2001 434'700 90'577 438'380 71'337 154'120
2002 328'332 113'314 308'573 -3'242 150'878
2003 341'147 290'152 523'991 141'517 94'192
2004 301'035 428'288 682'824 157'829 237'832
2005 680'188 271'637 953'768 214'152 460'744
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2006 377'760 317'555 568'089 248'283 616'924
2007 487'738 192'296 505'409 49'246 642'527
2008 706'358 423'635 716'300 183'655 902'210
2009 1'447'577 414'200 1'030'105 196'416 1'061'080
2010 1'609'436 307'398 847'853 201'946 1'280'136
b) Revisionsbericht betreffend Geschäftsjahr 1999
Im Revisionsbericht vom 4. April 2000 wurde betreffend das Geschäftsjahr 1999
u.a. Folgendes festgehalten: «Further we would like to draw attention to the fact
that the association's liabilities exceed their assets at year end. It should be
noted, however, that the association owns intangible assets like TV-rights, which
are not capitalised in the financial Statements. Revenues from such intangible
assets already realised in the year 2000 amount to CHF 144,5 million so that the
association's capital is covered again at the date of this report» (BA B08.101.027-
0326 f.).
c) Finanzberichte der FIFA für die Jahre 2002 bis 2010
Im Jahresbericht für das Geschäftsjahr 2002 ist u.a. Folgendes erwähnt: «If we
review the financial period from 1999 to 2002, appraised for the last time using
the cash method, FIFA can look back over the most trying years since its foun-
dation, especially against the wider background of political and economic events.
The bankruptcy of our marketing and television partners, P. and Q., hit FIFA very
hard. Other set-backs included the attacks on 11 September 2001, the cancella-
tion of insurance cover for the 2002 FIFA WorldCupTM and the unmistakable
downturn of the world economy. [...] The 1999 – 2002 period will be remembered
for a number of unexpected events. However, FIFA was able to take the correct
steps to ensure that every obligation was fulfilled on time and in its entirety. For
example, despite a turbulent economic climate, the securitization transaction al-
lowed FIFA to obtain the liquidity required to look after its interests independently
of banks or third parties» (BA B07.201.072-0007; -0044).
Auch für die Jahre 2003 bis 2010 hielt die FIFA in ihren Finanzberichten jeweils
fest, dass sie in der Lage sei, alle finanziellen Verpflichtungen gegenüber sämt-
lichen Anspruchsgruppen in vollem Umfang erfüllen zu können
(BA B08.101.027-0301; -0409 und BA B07.201.072-0120; -0219; -0319).
d) FFA-Bericht
Die FFA analysierte, wie sich die Liquiditätssituation der FIFA bei einer zusätzli-
chen jährlichen Zahlung von Fr. 700'000.–, was der (angeblichen) Restforderung
von Platini entspricht, ausgewirkt hätte. Sie kommt zusammengefasst zum
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Schluss, dass keine Gründe ersichtlich seien, dass die FIFA nicht in der Lage
gewesen wäre, die von Platini geltend gemachten angebliche Vergütung von je-
weils Fr. 1 Million pro Jahr zu begleichen (Ziff. 5.3 FFA-Bericht [BA 11.102-
0038 ff.]).
3.5.2.7 Sachbeweise betreffend Platinis Büro in Paris
a) Gemäss schriftlicher Bestätigung der R. vom 2. Oktober 2015 habe deren
Tochtergesellschaft, S., mittels schriftlichem Mietvertrag vom 5. Februar 1999 für
jährlich EUR 62'130.60 Büroräumlichkeiten in Paris gemietet. Diese Räumlich-
keiten seien von Platini für dessen Tätigkeit für die FIFA genutzt worden. Die
entsprechenden Mietkosten für die Jahre 1999 bis 2002 habe die Tochtergesell-
schaft an die FIFA weiterfakturiert (BA B08.103.002-0237). Der Mietvertrag liegt
bei den Akten (BA B08.103.003-0021 ff.).
b) Gemäss FFA-Bericht ergebe sich gestützt auf die Buchhaltungsunterlagen der
FIFA aus den Jahren 1999 bis 2002, dass die FIFA die entsprechenden Mietkos-
ten für das vorgenannte Büro in Paris übernommen habe (Ziff. 2.5 FFA-Bericht
[BA 11.102-0021 f.]).
c) Gemäss Protokoll der Sitzung des FIFA-Exekutivkomitees vom 20. Okto-
ber 2015 habe die FIFA für Platinis Büro in Paris bezahlt, obwohl die Bezahlung
dieser zusätzlichen Auslage in keiner schriftlichen Vereinbarung vereinbart wor-
den sei (TPF 266.721.092 ff.).
3.5.2.8 Aussagen Joseph S. Blatter
a) Anlässlich seiner ersten staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 25. Sep-
tember 2015 gab Blatter zu Protokoll, nicht mehr zu wissen, ob die Beratertätig-
keit von Platini vertraglich geregelt gewesen sei (BA 13.001-0005 Z. 2-4; -0012
Z. 4-6). Hinsichtlich der Vergütung für die Beratertätigkeit führte er aus, dass Pla-
tini mit etwa Fr. 500'000.– pro Jahr, insgesamt mit Fr. 2 Millionen, entschädigt
worden sei (BA 13.001-0004 Z. 11; -0009 Z. 19-28). Platini habe damals zwar
gesagt, dass er «1 Mio. wert» sei; dieses Geld sei jedoch nicht vorhanden gewe-
sen und Platini habe dann trotzdem angefangen zu arbeiten (BA 13.001-0004
Z. 11-13). Nach Eingang der Rechnung vom 17. Januar 2011, mit welcher Platini
für seine Beratertätigkeit eine Nachforderung von Fr. 2 Millionen mit der Begrün-
dung geltend gemacht habe, er hätte entgegen Blatters Zusage nur Fr. 500'000.–
in den ersten 4 Jahren verdient, anstatt der von Blatter «angeblich versproche-
nen Million», seien er (Blatter) sowie der Generalsekretär und Finanzchef über-
rascht gewesen (BA 13.001-0009 Z. 19-23; -0015 Z. 17-20). Da Platini im
Jahr 2011 erneut gesagt habe, dass er «1 Mio. wert» sei, hätten sie zusammen
beschlossen, die Rechnung zu bezahlen und die Differenz zu begleichen
(BA 13.001-0009 Z. 30-32; -0010 Z. 1-7). Der Entscheid sei schlussendlich von
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ihm als FIFA-Präsidenten getroffen worden; der Generalsekretär und der Finanz-
chef hätten hiervon aber gewusst. Ob andere Personen oder FIFA-Gremien, na-
mentlich das Exekutivkomitee oder die Finanzkommission, in die Bezahlung der
Rechnung involviert gewesen seien, wisse er nicht (BA 13.001-0010 Z. 11-14;
-0011 Z. 11-14). Auch wisse er nicht, auf welches gemeinsames Einverständnis
zum Zahlungsaufschub sich Platini in der Rechnung vom 17. Januar 2011 be-
ziehe (BA 13.001-0015 Z. 30-33) bzw. er wisse allgemein nicht, ob Platini sich
für die geltend gemachte Forderung auf einen schriftlichen Vertrag habe berufen
können (BA 13.001-0011 Z. 16-18). Weshalb die FIFA den Betrag nicht bereits
in den Jahren von 2002 bis 2010 bezahlt habe, wisse er nicht; er wies jedoch
darauf hin, dass Platini die Rechnung erst im Jahr 2010 (recte: 2011) gestellt
habe (BA 13.001-0013 Z. 8-14). Platini habe ihm persönlich nie erklärt, weshalb
er die Rechnung erst so spät eingereicht habe (BA 13.001-0012 Z. 8-11). Später
in der Einvernahme und auf Vorhalt des schriftlichen Vertrages zwischen der
FIFA und Platini vom 25. August 1999 bestätigte Blatter, dass dieser schriftliche
Vertrag die Beratertätigkeit von Platini geregelt habe; er sei jedoch immer der
Meinung gewesen, Platinis jährliche Vergütung sei auf Fr. 500'000.– und nicht
wie in Artikel 8 des Vertrages stipuliert auf Fr. 300'000.– festgelegt worden
(BA 13.001-0016 Z. 2-13). Auf die Frage, weshalb die Nachzahlung bewilligt wor-
den sei, obwohl im schriftlichen Vertrag lediglich eine Vergütung von
Fr. 300'000.– festgelegt worden sei, gab er an, dass dies «das Rätsel der Sache»
sei (BA 13.001-0016 Z. 20-23).
b) Im Rahmen seiner Anhörung vor der Untersuchungskammer der FIFA-Ethik-
kommission vom 1. Oktober 2015 gab Blatter zu Protokoll, dass er – nach seiner
Wahl zum FIFA-Präsidenten im Juni 1998 – mit Platini vereinbart habe, dass die-
ser als sein «technisches Gewissen» arbeiten solle (BA B07.203.001.0103-
0141). Als Vergütung für diese Tätigkeit habe Platini einen Betrag von Fr. 1 Mil-
lion pro Jahr verlangt (BA B07.203.001.0103-0141 bis 0043). Er habe dieses An-
gebot in Bezug auf die Vergütungshöhe angenommen, Platini aber aufgrund der
damaligen finanziellen Situation der FIFA mitgeteilt, dass die FIFA ihm den voll-
ständigen Betrag nicht bezahlen könne. Schriftliche Unterlagen seien zwischen
den Parteien nicht ausgetauscht worden, da es sich um ein sog. mündliches
Gentlemen’s Agreement zwischen dem FIFA-Präsidenten und einem Fussball-
star gehandelt habe (BA B07.203.001.0103-0141 f.). Die Annahme des Ange-
bots beschrieb er – zusammengefasst – wie folgt: «I said, ‘Okay, I like you. I want
to have you’, and he said, ‘This is my price.’ I said ‘Okay. You will have the price.
But not now’» (BA B07.203.001.0103-0141 f.) bzw. «you work for me, we cannot
pay you now, we pay you later» (BA B07.203.001.0103-0153). In der Folge sei
der schriftliche Vertrag vom 25. August 1999 abgeschlossen und in diesem die
jährliche Vergütung mit Fr. 300'000.– beziffert worden (BA B07.203.001.0103-
0141). Nach Eingang von Platinis Rechnung vom 17. Januar 2011 habe er ge-
genüber D. erklärt, dass er nach der FIFA-WM 1998 mit Platini das vorgenannte
Gentlemen’s Agreement abgeschlossen habe und dieser mit der Rechnung die
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noch ausstehende Zahlung verlange. Auf Frage von D. habe er deshalb bestätigt,
dass die FIFA diesen Betrag schulde und er deshalb zu bezahlen sei
(B07.203.001.0103-0152; -0157). Vor der Rechnungsstellung habe er nicht ge-
wusst, ob Platini den Betrag je einfordern werden würde. Er habe auch nie mit
Platini darüber gesprochen (BA B07.203.001.0103-0152; -0157). Weshalb Pla-
tini mit der Geltendmachung der Forderung so lange gewartet habe, wisse er
nicht und sei über den Zeitpunkt der Geltendmachung auch überrascht gewesen
(BA B07.203.001.0103-0153 f.). Allenfalls habe Platini die Forderung noch vor
der bevorstehenden FIFA-Präsidentschaftswahl im Jahr 2011 geltend machen
wollen und ihn als noch amtierenden FIFA-Präsidenten für den Fall seiner Nicht-
Wiederwahl an die ausstehende Forderung erinnern wollen, da dieser – obschon
einzelne Personen vom Gentlemen’s Agreement gewusst haben sollen – als Ein-
ziger die Forderung habe beweisen können (BA B07.203.001.0103-0153).
c) Anlässlich der zweiten staatsanwaltlichen Einvernahme vom 1. Septem-
ber 2020 führte Blatter aus, dass er und Platini – nach vorgängigen Treffen –
während der FIFA-WM bzw. des FIFA-Kongresses 1998 übereingekommen
seien, dass Platini für ihn als Berater arbeiten solle. Letzterer habe ihm indes
gesagt, dass er teuer sei. Als Vergütung hätten sie sich auf Fr. 1 Million geeinigt
(BA 13.001-0280 Z. 35-40). In Bezug auf die vertraglichen Grundlagen des Be-
ratermandats präzisierte er, dass sowohl eine mündliche Vereinbarung als auch
ein schriftlicher Vertrag bestanden hätten. Die mündliche Vereinbarung sei wäh-
rend der FIFA-WM 1998 zwischen ihm und Platini persönlich abgeschlossen wor-
den und habe eine jährliche Vergütung von Fr. 1 Million vorgesehen. Gestützt auf
diese mündliche Vereinbarung habe Platini seine Tätigkeit bei der FIFA aufge-
nommen. Anschliessend sei aus administrativen Gründen zusätzlich ein schriftli-
cher Vertrag abgeschlossen worden, in welchem die jährliche Vergütung mit
Fr. 300'000.– beziffert worden sei. Im schriftlichen Vertrag sei eine tiefere Vergü-
tung festgelegt worden, da die FIFA die zwischen Blatter und Platini mündlich
vereinbarte jährliche Vergütung von Fr. 1 Million nicht habe bezahlen können. Mit
diesem schriftlichen Vertrag sei die mündliche Vereinbarung jedoch nicht aufge-
hoben worden; diese sei weiterhin gültig gewesen (BA 13.001-0285 Z. 1-33;
-0286 Z. 1-11). Letztere habe seine Konklusion im Jahr 2011 gefunden, weil es
dann – anders als zum Zeitpunkt des Abschlusses der mündlichen Vereinbarung
– möglich gewesen sei, die Schulden zu begleichen (BA 13.001-0280 Z. 40-44).
Nachdem die finanzielle Situation der FIFA im Jahr 2001 u.a. aufgrund mehrerer
Konkurse von Vertragspartnern (vgl. dazu E. 3.5.2.6c) erschüttert worden sei
(BA 13.001-0293 Z. 19 f.; -0294 Z. 1-26), habe sich diese zwar im Jahr 2002 be-
reits wieder verbessert und die FIFA hätte die Vergütung in Höhe von Fr. 2 Milli-
onen dann begleichen können (BA 13.001-0295 Z. 6-14, 22 f.). Da Platini die
Auszahlung zu diesem Zeitpunkt aber nicht verlangt habe und diese innerhalb
der FIFA vergessen worden sei, habe die FIFA dies unterlassen (BA 13.001-
0295 Z. 14-23; -0299 Z. 10-12). Weshalb im schriftlichen Vertrag keine entspre-
chende Klausel hinsichtlich der mündlich vereinbarten jährlichen Vergütung von
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Fr. 1 Million aufgenommen worden sei, wisse er nicht; dies hätte man machen
sollen. Dabei habe es sich jedoch um einen buchhalterisch administrativen Vor-
gang gehandelt, um welchen er sich persönlich nicht gekümmert habe
(BA 13.001-0286 Z. 13-19). Die mündliche Vereinbarung sei seines Wissens
auch sonst nicht in schriftlicher Form festgehalten worden (BA 13.001-0289 Z. 7-
9). Ansonsten sei es zwar nicht vorgekommen, dass die FIFA vergleichbare Ver-
pflichtungen auf rein mündlicher Basis eingegangen sei (BA 13.001-0289 Z. 12-
15). Die Situation mit Platini im Jahr 1998 sei aber – aufgrund der von Blatter
angestrebten Neuausrichtung der FIFA und den damit einhergehenden perso-
nellen Veränderungen – für Blatter sowie die FIFA besonders gewesen
(BA 13.001-0289 Z. 18-33; -0290 Z. 1-28). Zudem habe es Personen gegeben,
die von Beginn an von dieser mündlichen Vereinbarung gewusst hätten: Auf Sei-
ten Blatters seien dies T. (zu seiner Person E. 3.5.2.10) sowie Blatters Tochter,
welche als persönliche Betreuerin und Coach für dessen Präsidentschaftskandi-
datur fungiert habe, gewesen; auf Seiten Platinis habe U. (zu seiner Person
E. 3.5.2.11) davon gewusst (BA 13.001-0291 Z. 1-25). Hinsichtlich der Vorgänge
ab dem Jahr 2010 führte Blatter aus, dass er wahrscheinlich Ende 2010 das erste
Mal von D. darauf aufmerksam gemacht worden sei, dass Platini seine Forderung
geltend gemacht habe (BA 13.001-0299 Z. 17 f.). Zuvor habe er mit Platini die
ausstehende Forderung nie thematisiert (BA 13.001-0300 Z. 20-22). Auf Vorhalt
seiner Erstaussage, über die Forderung überrascht gewesen zu sein, präzisierte
er, dass er nicht über den Umstand, dass die FIFA eine Rechnung erhalten habe,
sondern über den Zeitpunkt der Rechnung bzw. dass diese so spät gekommen
sei, überrascht gewesen sei (BA 13.001-0300 Z. 1-11).
d) Anlässlich der Schlusseinvernahme vom 9.-12. August 2021 wiederholte Blat-
ter im Wesentlichen die in der Einvernahme vom 1. September 2020 gemachten
Aussagen. Er führte namentlich aus, dass mit Platini sowohl eine mündliche Ver-
einbarung (sog. Handshake-Vertrag) sowie ein schriftlicher Vertrag abgeschlos-
sen worden seien. Bei der Verfassung des schriftlichen Vertrages vom 25. Au-
gust 1999 sei als jährliche Vergütung ein Betrag von Fr. 300'000.– festgehalten
worden, da die mündlich vereinbarte Fr. 1 Million pro Jahr zu diesem Zeitpunkt
«viel zu viel» gewesen sei (BA 13.001-0605 Z. 28-31; -0606 Z. 8-18; -0607 Z. 1-
8; -0608 Z. 24-45). Die Vergütung gemäss mündlicher Vereinbarung in der Höhe
von jährlich Fr. 1 Million habe aber weiterhin Bestand gehabt (BA 13.001-0632
Z. 11-19). Der mit der Rechnung vom 17. Januar 2011 von Platini geltend ge-
machte Betrag von Fr. 2 Millionen habe auf der mündlichen Vereinbarung beruht
und sei ausstehend gewesen, weshalb Blatter die Rechnung unterschrieben und
den Auftrag zur Auszahlung erteilt habe (BA 13.001-0634 Z. 32-36; -0635 Z. 1-
6; -0636 Z. 1-10; -0638 Z. 3-12; -0762 Z. 6 f.; -0763 Z. 16-20; -0771 Z. 6-15;
-0798 Z. 9-17; -0799 Z. 25-35; -0800 Z. 1 f.).
e) An seiner während der Hauptverhandlung durchgeführten Einvernahme er-
gänzte Blatter, dass er mit Platini bereits im Rahmen der Organisation der FIFA-
WM 1998 zusammengearbeitet habe. Blatter habe ihm gesagt, dass es gut wäre,
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wenn sie auch später zusammenarbeiten würden. Als er dann als FIFA-Präsident
gewählt worden sei, hätten sie diese Zusammenarbeit umgesetzt
(TPF 266.731.006). Im Anschluss an diese Wahl hätten sie zusammen eine
mündliche Vereinbarung abgeschlossen und als jährliche Vergütung Fr. 1 Million
vereinbart (TPF 266.731.005/007 f.). Diese mündliche Vereinbarung bzw. dieses
Gentlemen’s Agreement habe seiner Ansicht nach Gültigkeit gehabt
(TPF 266.731.012). Im Anschluss sei aus administrativen Gründen der schriftli-
che Vertrag vom 25. August 1999 geschlossen worden und vorerst – aufgrund
der schlechten finanziellen Lage der FIFA – eine jährliche Vergütung in der Höhe
von Fr. 300'000.– festgelegt worden (TPF 266.731.006 ff.). Im Übrigen wieder-
holte er im Wesentlichen seine zuvor gemachten Aussagen
(TPF 266.731.005 ff.).
3.5.2.9 Aussagen Michel François Platini
a) Anlässlich seiner ersten staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 25. Sep-
tember 2015 gab Platini einleitend zu Protokoll, dass für seine Beratertätigkeit in
den Jahren 1998 bis 2002 eine jährliche Vergütung von Fr. 1 Million vereinbart
worden sei (BA 12.001-0003 Z. 13-16). In Bezug auf das Zustandekommen des
Vertragsverhältnisses führte er aus, Blatter habe ihn anlässlich eines Treffens im
Jahr 1998 in Singapur angefragt, ob er ihn bei dessen Kampagne hinsichtlich der
Wahl zum FIFA-Präsidenten unterstützen wolle. Nach dreimonatiger Bedenkzeit
habe er Blatter mitgeteilt, dass er ihn bei dessen Kampagne unterstützen werde
und er – nach dessen Wahl zum FIFA-Präsidenten – dessen Berater in Fussball-
Angelegenheiten sein könne. Auf Blatters Frage nach der Höhe der Vergütung
für die Beratertätigkeit, habe er ihm entgegnet, dass er «1 Million» wolle. Er habe
sinngemäss präzisiert, dass Blatter die Währung, in welcher die Vergütung zu
bezahlen sei, festlegen könne. Dieser habe ihm gesagt, dass er mit Fr. 1 Million
pro Jahr vergütet werden würde (BA 12.001-0004 Z. 27-41). Da die FIFA zu die-
ser Zeit grosse finanzielle Probleme gehabt habe, sei er vorerst nicht bezahlt
worden. Blatter habe ihm anschliessend erklärt, dass er ihm aufgrund fehlender
finanzieller Mittel nicht Fr. 1 Million pro Jahr zahlen könne; er habe ihm jedoch
die Hälfte davon, d.h. Fr. 500'000.–, gegeben (BA 12.001-0004 Z. 41-45; -0005
Z. 1-3; -0007 Z. 18-29). Insgesamt habe er für seine 4-jährige Beratertätigkeit
folglich Fr. 2 Millionen ausbezahlt erhalten (BA 12.001-0008 Z. 2 f.). Auf die Dif-
ferenz zur vereinbarten jährlichen Vergütung von Fr. 1 Million, d.h. auf insgesamt
weitere Fr. 2 Millionen, habe er indes nicht verzichtet, sondern diese sei schuldig
geblieben. Er erinnere sich, dass er Blatter gesagt habe, dass sie dies – wenn
die FIFA finanziell besser aufgestellt sei – zu besprechen hätten (BA 12.001-
0008 Z. 18-21). Zum Zeitpunkt der Beendigung seiner Beratertätigkeit im Jahr
2002 habe er die ausstehende Forderung in Höhe von Fr. 2 Millionen wohl nicht
geltend gemacht, da er geglaubt habe, dass die FIFA zu diesem Zeitpunkt immer
noch finanzielle Probleme gehabt habe (BA 12.001-0012 Z. 38-41). Später hätte
die FIFA die Schuld sicher begleichen können, er habe die Forderung aber nicht
geltend gemacht (BA 12.001-0012 Z. 43-45). Er sei kein Mann des Geldes und
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habe allfällige Ausfallsrisiken, namentlich im Zusammenhang mit einer potentiel-
len Nicht-Wiederwahl von Blatter, nicht bedacht, sondern vielmehr darauf ver-
traut, dass er den ausstehenden Betrag eines Tages erhalten werde (BA 12.001-
0013 Z. 12-26). Die Diskussion um die Bezahlung des ausstehenden Betrags sei
später von ihm selbst initiiert worden; zuerst wohl mündlich und anschliessend
mittels Einreichung der Rechnung vom 17. Januar 2011 (BA 12.001-0012 Z. 14-
26; -0016 Z. 8-13). Auf die Frage, weshalb er diesen Zeitpunkt für die Geltend-
machung der Forderung ausgewählt habe, gab Platini an, dass er sich an seine
Forderung erinnert habe und die FIFA viel Geld gehabt habe (BA 12.001-0012
Z. 30-36). Ob ein schriftlicher Vertrag existiere, welcher die vereinbarte jährliche
Vergütung von Fr. 1 Million festhalte, wisse er nicht (BA 12.001-0004 Z. 41;
-0007 Z. 2). Auf jeden Fall habe es aber eine «moralische Vereinbarung» («cont-
rat moral») mit Blatter als FIFA-Präsidenten gegeben (BA 12.001-0007 Z. 2 f.).
Zu einem späteren Zeitpunkt in der Einvernahme und auf Vorhalt des schriftli-
chen Vertrages zwischen der FIFA und Platini vom 25. August 1999 bestätigte
er, dass dieser seine Beratertätigkeit für Blatter geregelt habe (BA 12.001-0016
Z. 15-25). Bei der darin festgehaltenen Vergütung von jährlich Fr. 300'000.– habe
es sich um den Betrag gehandelt, welcher die FIFA ihm habe ausbezahlen kön-
nen. Nachdem Blatter ihm gesagt habe, dass er ihn nicht vollständig bezahlen
könne, habe er um jährlich Fr. 500'000.– gebeten; erhalten habe er anscheinend
einen Betrag von jährlich Fr. 300'000.– (BA 12.001-0017 Z. 1-4). Auf Frage, ob
es sich bei diesem schriftlichen Vertrag um den einzigen Vertrag gehandelt habe,
erklärte Platini, dass es nur einen Vertrag gegeben habe (BA 12.001-0016 Z. 27-
29).
b) Im Rahmen seiner Anhörung vor der Untersuchungskammer der FIFA-Ethik-
kommission vom 1. Oktober 2015 gab Platini einleitend zu Protokoll, dass er Blat-
ter im Januar 1998 in Singapur getroffen und dieser ihm mitgeteilt habe, dass er
für dessen FIFA-Präsidentschaftskampagne seine Unterstützung benötige. Nach
einer mehrmonatigen Bedenkzeit habe er Blatter anlässlich eines Treffens in Zü-
rich mitgeteilt, dass er ihn unterstützen werde. Zudem seien sie übereingekom-
men, dass er Blatters Berater bei der FIFA im Zusammenhang mit Angelegen-
heiten des Fussballs werde. Auf Blatters Frage nach der Höhe der Vergütung für
diese Beratertätigkeit, habe er ihm mitgeteilt, dass er 1 Million wolle, wobei Blat-
ter die Währung, in welcher die Vergütung zu bezahlen sei, festlegen könne. Die-
ser habe ihm entgegnet, dass er Fr. 1 Million erhalten werde. Anschliessend sei
Blatter zum FIFA-Präsidenten gewählt worden und er habe mit seiner Beratertä-
tigkeit begonnen. Nach einigen Monaten habe er Blatter darauf angesprochen,
dass er bisher nicht bezahlt worden sei, woraufhin dieser ihm erwidert habe, dass
er ihm nicht den vollständigen Betrag, sondern lediglich Fr. 300'000.– bezahlen
könne. Daraufhin sei der schriftliche Vertrag vom 25. August 1999 aufgesetzt
worden (BA B07.203.001.0103-0297 f.). Mit dem Vorschlag, vorerst nur mit
Fr. 300'000.– pro Jahr vergütet zu werden, sei er einverstanden gewesen, da
Blatter ihm erklärt habe, dass der Rest später geregelt werde; was nach seinem
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Verständnis bedeutet habe, dass die FIFA die Differenz später bezahlen werde
(BA B07.203.001.0103-0298; -0301 f.; -0308). Weshalb in Bezug auf die Diffe-
renz kein Hinweis im schriftlichen Vertrag enthalten sei, wisse er nicht. Da er
Blatter vertraut habe, sei ein entsprechender Hinweis für ihn aber auch nicht nötig
gewesen (BA B07.203.001.0103-0311 f.; -0342). Aufgrund der damaligen finan-
ziellen Schwierigkeiten der FIFA und dem Umstand, dass seine eigenen finanzi-
ellen Verhältnisse gut geregelt gewesen seien, habe er die Forderung vorerst
nicht geltend gemacht. In den Jahren 2009/2010 sei die FIFA jedoch finanziell
sehr gut aufgestellt gewesen und sie habe einzelnen Mitarbeitern komfortable
Abfindungszahlungen ausgerichtet, sodass er sich entschieden habe, seine For-
derung schliesslich mittels Rechnung vom 17. Januar 2011 geltend zu machen
(BA B07.203.001.0103-0298; -0327 bis 0329). Mit der Rechnungsstellung habe
er V. (zu seiner Person E. 3.6.2.7) beauftragt, welcher diese in Absprache mit D.
verfasst habe (BA B07.203.001.0103-0332 f.; -0341). Bei der Rechnungsstellung
bzw. beim Auftrag hierzu sei ihm sodann ein Fehler passiert, da er – bevor die
Bundesanwaltschaft ihm den schriftlichen Vertrag vom 25. August 1999 vorge-
halten habe – der Ansicht gewesen sei, er habe pro Jahr bereits Fr. 500'000.–
und nicht lediglich Fr. 300'000.– erhalten (BA B07.203.001.0103-0329 f.;
-0333 f.).
c) Anlässlich seiner zweiten staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 31. Au-
gust 2020 führte Platini zusammengefasst aus, dass alles korrekt gelaufen sei.
Er habe für die FIFA gearbeitet und Blatter resp. die FIFA habe ihm gezahlt, was
geschuldet gewesen sei. Heute bestrafe die FIFA ihn, weil sie ihn bezahlt habe.
Diese Fr. 2 Millionen hätten für die FIFA finanziell keinerlei Bedeutung. Man
wolle, dass er aus dem Fussball verschwinde und der jetzige Präsident der FIFA
in seiner Funktion verbleibe (BA 13.004-0017 Z. 14-24; -0018 Z. 12-19). Im Üb-
rigen machte er von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch, wies aber
gleichzeitig darauf hin, dass er an späteren Einvernahmen Aussagen machen
werde (BA 13.004-0012 Z. 7-11).
d) An seiner dritten staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 7. Septem-
ber 2020 bestätigte und wiederholte Platini auf Frage der Bundesanwaltschaft im
Wesentlichen seine am 25. September 2015 und 1. Oktober 2015 gemachten
Aussagen, namentlich, dass Blatter ihm im Januar 1998 in Singapur mitgeteilt
habe, dass er hinsichtlich dessen FIFA-Präsidentschaftskampagne seine Unter-
stützung benötige, er Blatter nach einigen Monaten Bedenkzeit seine Unterstüt-
zung zugesichert habe und sie gleichzeitig vereinbart hätten, dass er Blatters
Berater bei der FIFA werden würde. Für Letzteres habe er – unabhängig der
Währung – eine Vergütung von 1 Million verlangt, woraufhin Blatter ihm entgeg-
net habe, dass er für die Beratertätigkeit eine jährliche Vergütung von Fr. 1 Mil-
lion erhalten werde (BA 13.004-0030 Z. 1-29; -0031 Z. 5-16; -0032 Z. 7-33; -0033
Z. 1-27). In Bezug auf das Zustandekommen des schriftlichen Vertrages zwi-
schen der FIFA und Platini vom 25. August 1999 ergänzte er, dass er im Au-
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gust 1999 immer noch keinen Vertrag gehabt habe und folglich bei seinen Ge-
schäftsreisen nicht versichert gewesen sei. Er habe deswegen mit Blatter eine
Besprechung initiiert, in welcher dieser ihm mitgeteilt habe, dass die FIFA nicht
über viel Geld verfüge. Sie hätten sich anschliessend darauf geeinigt, dass die
FIFA ihm einen Vertrag mit einer jährlichen Vergütung von Fr. 300'000.– ausstel-
len und später entschieden werde, wie die Differenz zur zuvor vereinbarten jähr-
lichen Vergütung von Fr. 1 Million zu erfolgen habe (BA 13.004-0034 Z. 4-22;
-0039 Z. 1-22). Platini fügte an, dass er wegen Blatter für die FIFA habe arbeiten
wollen, er diesem vollstes Vertrauen geschenkt habe und darauf vertraut habe,
dass die vereinbarte Vergütung bzw. die Differenz hierzu später bezahlt werden
würde (BA 13.004-0037 Z. 1-23; -0039 Z. 25-33). Weiter gab er auf Frage, wes-
halb er den ausstehenden Betrag nicht bei Beendigung seiner Beratertätigkeit im
Jahr 2002 geltend gemacht habe, an, dass es nicht zu seinen Werten gehöre,
etwas zu verlangen. Es wäre an Blatter gewesen, an den ausstehenden Betrag
zu denken und zu bezahlen (BA 13.004-0042 Z. 27-33; -0043 Z. 1-11). Erstmals
habe er D. im März 2010 und anschliessend erneut anlässlich der FIFA-WM 2010
auf den ausstehenden Betrag aufmerksam gemacht (BA 13.004-0044 Z. 1-5;
-0045 Z. 1-28). Schliesslich präzisierte Platini, dass er bei der Rechnungsstellung
vom 17. Januar 2011, welche durch V. erfolgt sei, davon ausgegangen sei, dass
er für seine Beratertätigkeit jährlich bereits Fr. 500'000.– und nicht nur
Fr. 300'000.– erhalten habe; dieser Irrtum sei ihm erst bewusst geworden, als
ihm anlässlich der Einvernahme vom 25. September 2015 der schriftliche Ver-
trag vom 25. August 1999 vorgehalten worden sei. Aufgrund dieses Irrtums habe
er lediglich Fr. 2 Millionen statt Fr. 2.8 Millionen in Rechnung gestellt (BA 13.004-
0046 Z. 16-33; -0047 Z. 1-10).
e) Anlässlich der vierten staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 16. Novem-
ber 2020 präzisierte Platini, dass hinsichtlich des Zustandekommens seines Be-
ratermandats wie folgt zu differenzieren sei: In einer ersten Phase, in welcher
Blatter für die Wahl als FIFA-Präsident kandidiert habe, hätten er und Blatter über
ein Vertragsverhältnis für den Zeitraum ab und unter der Bedingung dessen Wahl
gesprochen. Nach dessen Wahl, sei er (Platini) Angestellter der FIFA gewesen.
In der letzten Phase – bei Abschluss des schriftlichen Vertrages zwischen der
FIFA und Platini vom 25. August 1999 – habe Blatter ihn darüber informiert, dass
die FIFA nicht zahlen könne, weil sie kein Geld habe; er aber später bezahlt wer-
den würde (BA 13.004-0208 Z. 1-8). Weiter präzisierte Platini seine Handlungen
in Bezug auf die Geltendmachung seiner (angeblich) bestehenden Forderung in
der Höhe von Fr. 2 Millionen wie folgt: Innerhalb der FIFA habe er u.a. mit D.
darüber gesprochen (BA 13.004-0188 Z. 1-3). Mit Blatter habe er nie über Geld
gesprochen, namentlich habe er weder vor noch nach der Rechnungsstellung
vom 17. Januar 2011 über die (angeblich) ausstehende Forderung in Höhe von
Fr. 2 Millionen gesprochen (BA 13.004-0187 Z. 19-22; -0188 Z. 9-30). D. habe er
jedoch sagen können, dass andere ehemalige Mitarbeiter der FIFA (W. und X.)
sehr viel Geld erhalten hätten und ihm das Gleiche zustehen würde (BA 13.004-
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0188 Z. 1-3). Gegenüber diesem habe er deshalb erwähnt, dass die FIFA ihm
noch Geld schulde und diesem die Situation erklärt. Ob D. das Ganze mit Blatter
besprochen habe, wisse er nicht (BA 13.004-0186 Z. 27 f.; -0191 Z. 1-8). D. habe
ihn anschliessend gebeten, für den (angeblich) ausstehenden Betrag eine Rech-
nung zu erstellen, woraufhin er ihm mitgeteilt habe, er solle die Rechnungsstel-
lung mit V. besprechen (BA 13.004-0192 Z. 18-23). Innerhalb der UEFA habe er
zum Zeitpunkt der Geltendmachung der Forderung lediglich mit V. gesprochen
(BA 13.004-0186 Z. 3-6). Ihn habe er informiert, dass die FIFA ihm für die
Jahre 1998 bis 2002 noch Geld schulde und die FIFA hierfür eine Rechnung be-
nötige, woraufhin sich dieser hinsichtlich der Rechnungsstellung mit D. bespro-
chen habe (BA 13.004-0184 Z. 21-29; -0186 Z. 9-20; -0194 Z. 30-33). Platini ge-
stand ein, sich bis zum Zeitpunkt, als man ihm gesagt habe, er solle für die For-
derung eine Rechnung stellen, nicht sicher gewesen sei, ob der Betrag von
Fr. 2 Millionen tatsächlich bezahlt werden würde. Er habe zwar gewusst, dass
die FIFA ihm diesen Betrag schulde; jedoch habe es sich um eine weit zurücklie-
gende Schuld gehandelt (BA 13.004-0189 Z. 9-19). Hätte die FIFA die zivilrecht-
liche Verjährung geltend gemacht, wäre dies aber auf seinen Fehler – die späte
Geltendmachung – zurückzuführen gewesen (BA 13.004-0188 Z. 3-6).
f) An der Schlusseinvernahme machte Platini zusammengefasst geltend, dass
sämtliche ihm zur Last gelegten Vorwürfe falsch seien (BA 13.004-0600 f.). Im
Übrigen machte er von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch
(BA 13.004-0579 bis -0600; -0798 bis -0803). Auch an seiner Einvernahme wäh-
rend der Hauptverhandlung bestritt Platini die gegen ihn erhobenen Vorwürfe und
wiederholte im Übrigen im Wesentlichen seine zuvor gemachten Aussagen
(TPF 266.732.005 ff.).
3.5.2.10 Aussagen T.
a) T. trat im Jahr 1995 als Legal Counsel in die FIFA ein und war anschliessend
bis im Jahr 2000 bei der FIFA tätig, zuletzt als Marketingdirektor
(BA B07.203.001.0103-0405; TPF 266.762.008).
b) In den Akten befindet sich eine von T. verfasste schriftliche Erklärung vom
10. März 2016. Darin führte er zusammengefasst aus, dass er sich erinnere,
dass er im Frühjahr 1998 Blatter vorgeschlagen habe, einen bekannten Fussbal-
ler in dessen FIFA-Präsidentschaftskampagne miteinzubeziehen, um so dessen
Glaubwürdigkeit zu stärken. Sie seien dann in persönlichen Gesprächen zum
Schluss gekommen, dass Platini hierfür geeignet wäre. Zeitnah habe anschlies-
send ein Treffen im Beisein von Blatter, Platini und ihm in Monaco stattgefunden,
anlässlich welchem die Idee besprochen und namentlich erörtert worden sei,
dass Platini im Falle der Wahl von Blatter zum FIFA-Präsidenten für die FIFA im
Stab des Präsidenten tätig werden würde. Zu einem späteren, ihm nicht mehr
genau bekannten Zeitpunkt vor oder nach Blatters Wahl zum FIFA-Präsidenten
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habe Blatter ihm erklärt, dass Platini für seine Tätigkeit bei der FIFA eine Vergü-
tung von Fr. 1 Million pro Jahr fordere. Blatter und er hätten anschliessend die
Angemessenheit dieser Forderung besprochen und sie seien zusammenfassend
zum Schluss gekommen, dass die Vergütung zwar hoch, aber angemessen sei.
Aus Gründen der damals mangelnden Liquidität sei die Fälligkeit der Lohnzah-
lungen dem Liquiditätsplan der FIFA anzupassen gewesen. Ihm sei nach diesem
Gespräch mit Blatter klar gewesen, dass die FIFA mit Platini einen Arbeitsvertrag
über vier Jahre mit einem Lohn von jährlich Fr. 1 Million vereinbaren werde
(BA B07.203.001.0103-0401 f.).
c) Anlässlich seiner Zeugeneinvernahme an der Hauptverhandlung bestätigte
und wiederholte T. den Inhalt dieser schriftlichen Erklärung. Er präzisierte dabei
namentlich, dass beim Treffen in Monaco und unmittelbar danach noch nicht über
eine konkrete Bezahlung gesprochen worden sei. Seiner Wahrnehmung nach sei
die Bezahlung indes Gegenstand von einem oder mehreren nachfolgenden Ge-
sprächen gewesen. Jedenfalls sei Blatter zu einem späteren, ihm nicht mehr be-
kannten Zeitpunkt zu ihm gekommen und habe ihm gegenüber geäussert, dass
Platini Fr. 1 Million für seine Tätigkeit verlange. Sie wären anschliessend zum
Schluss gekommen, dass die Forderung angemessen sei. Er wisse zwar nicht,
ob die Vereinbarung tatsächlich getroffen worden sei. Er sei aber – aufgrund der
geplanten Vermarktung der Immaterialgüterrechte der FIFA und der damit ein-
hergehenden massiven Steigerung der Einnahmen sowie der Veränderung der
Organisations- und Lohnstrukturen innerhalb der FIFA – davon ausgegangen,
dass eine entsprechende Vereinbarung zwischen der FIFA und Platini abge-
schlossen werden würde (TPF 266.762.009 ff.). In Bezug auf die in seiner schrift-
lichen Erklärung angesprochene mangelnde Liquidität fügte T. an, dass die da-
malige finanzielle Situation nicht gut gewesen sei und seines Wissens bis ins
Jahr 2005 ein Liquiditätsengpass von über Fr. 250 Millionen bestanden habe.
Aus diesem Grund sei für Platinis Lohnzahlung ein entsprechender, angepasster
Zahlungsmodus notwendig gewesen (TPF 266.762.013).
3.5.2.11 Aussagen U.
U. war im Zeitraum von 1993 bis 1998 Generalsekretär des Organisationskomi-
tees der FIFA-WM 1998 in Frankreich, im Zeitraum von 2005 bis 2010 General-
sekretär der R. sowie von Mai bis November 2015 Mitglied der Untersuchungs-
kammer der FIFA-Ethikkommission (BA B07.203.001.0103-0355). Die letztge-
nannte Tätigkeit beendete er, um in der vorliegenden Sache im Rahmen des
FIFA-Ethikverfahrens als Zeuge aussagen zu können (BA B07.203.001.0103-
0351). In der von ihm zuhanden des Internationalen Sportgerichtshofs (Tribunal
Arbitral du Sport) verfassten schriftlichen Erklärung vom 19. November 2015
führte er zusammengefasst aus, dass er sich daran erinnere, dass Platini ihm
anlässlich einer internationalen Fussballkonferenz im Januar 1998 in Singapur
erzählt habe, dass Blatter ihm (Platini) eröffnet habe, dass der damalige FIFA-
- 57 -
SK.2021.48
Präsident, Y., Platini als dessen Nachfolger habe installieren wollen; unter Bei-
behaltung von Blatter als FIFA-Generalsekretär. Platini sei überrascht über die-
sen Vorschlag gewesen und habe sich zu diesem Zeitpunkt nicht bereit gefühlt,
die FIFA-Präsidentschaft zu übernehmen. Nach diesem Treffen im Januar 1998
sei die Idee eines «ticket inversé» (Blatter als FIFA-Präsident und Platini als des-
sen Berater) entstanden und Platini habe ihm anlässlich eines späteren, im Zeit-
raum von Januar bis Juni 1998 stattgefundenen Treffens erzählt, dass er Blatter
erneut getroffen habe und dieser ihn gefragt habe, was er als Vergütung wolle,
worauf Platini entgegnet habe, er wolle – unabhängig von der Währung – 1 Mil-
lion. Was schliesslich zwischen Platini und der FIFA bzw. Blatter vereinbart wor-
den sei, wisse er jedoch nicht (BA B07.203.001.0103-0352 ff.). Im Rahmen sei-
ner Anhörung am 16. Februar 2016 im FIFA-Ethikverfahren wiederholte er die
vorgenannten Äusserungen im Wesentlichen (BA B07.203.001.0103-1569).
3.5.2.12 Aussagen Z.
a) Z. war ab 1992 Mitglied des Exekutivkomitees der UEFA und ab 1998 Mitglied
des Exekutivkomitees der FIFA bzw. später Vize-Präsident der beiden Vereine;
diese Tätigkeiten übte er während des gesamten anklagerelevanten Zeitraums
aus (TPF 266.551.123; 266.551.634 ff.; 266.765.006).
b) In den Akten befindet sich eine von ihm verfasste schriftliche Erklärung vom
8. Februar 2016. Darin führte er zusammengefasst aus, dass ihn der ehemalige
Präsident der FIFA-Finanzkommission, O., anlässlich des 61. FIFA-Kongresses
im Mai/Juni 2011 über die Genehmigung der Zahlung in Höhe von Fr. 2 Millionen
an Platini im Zusammenhang mit dessen Beratertätigkeit für die Jahre 1998 bis
2002 informiert habe. In diesem Kontext habe O. ihm u.a. auch erklärt, dass Blat-
ter ihn über die mündliche Vereinbarung mit Platini auf dem Laufenden gehalten
habe und ihn namentlich darüber informiert, dass zwar eine Vergütung von
Fr. 1 Million pro Jahr vereinbart worden sei, vorläufig aber aus politischen Grün-
den lediglich jährlich Fr. 300'000.– ausbezahlt worden seien. Weiter habe O. ihm
mitgeteilt, dass es dessen Überzeugung gewesen sei, dass die Zahlung – trotz
Genehmigung durch das Exekutivkomitee der FIFA – letztlich Platinis Ruf scha-
den könne, wenn er sich als FIFA-Präsident bewerben würde; und dies obwohl
dieser das Recht dazu gehabt habe, mehr als Fr. 2 Millionen zu verlangen, da
sein Gesamtlohn für die Beratertätigkeit Fr. 4 Millionen betragen und man ihm
erst Fr. 1.2 Millionen ausbezahlt habe (BA 15.106-0004 ff.).
c) Anlässlich seiner Zeugeneinvernahme an der Hauptverhandlung bestätigte
und wiederholte Z. den Inhalt dieser schriftlichen Erklärung. Er präzisierte dabei,
dass O. ihm erklärt habe, dass Blatter ihm von Anfang an, ab 1998, erklärt habe,
dass das Beratermandat mit Platini sowohl auf einer mündlichen Vereinbarung
als auch einem schriftlichen Vertrag gefusst habe. O. habe ihm erklärt, dass na-
mentlich aufgrund der damaligen finanziellen Situation der FIFA im schriftlichen
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SK.2021.48
Vertrag als Lohn höchstens das habe vereinbart werden können, was der dama-
lige Generalsekretär verdient habe. Der andere, mündlich vereinbarte Restbetrag
sei dann erst später bezahlt worden (TPF 266.765.011 f.). Auf Vorhalt des UEFA-
Dokuments mit dem Titel «Key Issue: Role of Michel Platini» vom 19. Septem-
ber 1998 sowie der entsprechenden Sitzungsunterlagen (vgl. dazu E. 3.5.2.5)
gab er zu Protokoll, diese Dokumente nicht zu kennen. Er könne aber bestätigen,
dass innerhalb der UEFA bereits im Jahr 1998 Gerüchte kursiert hätten, wonach
Blatter Platini für jährlich Fr. 1 Million als dessen Berater habe anstellen wollen
(TPF 266.765.008 ff.).
3.5.2.13 Aussagen M.
M. war spätestens ab 1994 bis 2002 Vize-Präsident sowohl der FIFA als auch
der UEFA (TPF 266.766.006). Anlässlich seiner Zeugeneinvernahme an der
Hauptverhandlung gab er zusammengefasst an, nichts über die Beratertätigkeit
von Platini zu wissen; auch nicht gerüchteweise (TPF 266.766.007 f.). Dies wie-
derholte er auf Vorhalt des UEFA-Dokuments mit dem Titel «Key Issue: Role of
Michel Platini» vom 19. September 1998 sowie der entsprechenden Sitzungsun-
terlagen (vgl. dazu E. 3.5.2.5), gab indes gleichzeitig an, dass er weder seine
Teilnahme an diesen Sitzungen noch den Inhalt der entsprechenden Dokumente
bestreite (TPF 266.766.007 ff.).
3.5.2.14 Aussagen N.
N. trat im Jahr 1994 bei der UEFA als Ressortleiter Disziplinarwesen ein und war
bis im Jahr 2012 bei der UEFA tätig, zuletzt als Abteilungsleiter der Abteilung
Sportgerichtsbarkeit (TPF 266.763.007). Anlässlich seiner Zeugeneinvernahme
an der Hauptverhandlung gab er zusammengefasst zu Protokoll, dass er im Jahr
1998, wohl anlässlich einer Abteilungssitzung im November, informiert worden
sei, dass Blatter Platini als dessen Berater für eine Vergütung von einer Million
habe engagieren wollen, wobei er sich nicht an die Währung erinnern könne. Es
sei auch darüber gesprochen worden, dass Platini ein Büro in Paris zur Verfü-
gung gestellt werden würde (TPF 266.763.008 f.). Er gehe davon aus, dass dies
auch ein Thema im Exekutivkomitee der FIFA gewesen sei. Er wisse es aber
nicht, namentlich nicht, ob dies je an einer Sitzung traktandiert worden sei. Je-
denfalls sei die ganze Thematik rund um die Anstellung von Platini und die Ver-
gütung von einer Million aber innerhalb der UEFA diskutiert worden
(TPF 266.763.009/012). Schliesslich fügte er an, dass er zwar gewusst habe,
dass Platini der Berater von Blatter gewesen sei, weil Platini diesen auf dessen
Reisen begleitet habe. Was aber konkret vereinbart worden sei, wisse er nicht
(TPF 266.763.009).
- 59 -
SK.2021.48
3.5.2.15 Aussagen D.
a) D. trat im Februar 2003 als Stv. Finanzdirektor in die FIFA ein, wurde im
Jahr 2004 zum Finanzdirektor und schliesslich im Jahr 2007 zum Direktor für Fi-
nanzen und Administration und Stv. Generalsekretär befördert. Diese Tätigkeit
übte er bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 2016 aus (BA B07.201.102.2-
0001 ff.; 12.002-0219 f.; TPF 266.767.005).
b) Er gab anlässlich seiner Einvernahme vom 25. September 2015 an, dass Pla-
tini ihm im Jahr 2010 mehrere Male mündlich mitgeteilt habe, dass für seine
frühere Tätigkeit zugunsten der FIFA noch ein Teil der vereinbarten Vergütung
ausstehend sei, woraufhin er diesen gebeten habe, diese Forderung schriftlich
geltend zu machen (BA 12.002-0003 Z. 22-27). Der schriftliche Vertrag vom
25. August 1999 sei ihm bekannt gewesen und er habe diesen vermutungsweise
eingesehen als Platini ihn mündlich über die Forderung informiert habe
(BA 12.002-0004 Z. 31-37). Im schriftlichen Vertrag sei gemäss Platini bewusst
ein tieferer Betrag festgehalten worden, da die FIFA damals finanziell nicht in der
Lage gewesen sei, ihm das mündlich vereinbarte Honorar vollständig auszube-
zahlen (BA 12.002-0003 Z. 29-32; -0004 Z. 39-45). Gestützt auf die Differenz
zwischen der im schriftlich vereinbarten Vertrag vom 25. August 1999 festgehal-
tenen Vergütung von jährlich Fr. 300'000.– und der mit der Rechnung vom
17. Januar 2011 nachträglich geltend gemachten Forderung von jährlich
Fr. 500'000.– sei er davon ausgegangen, dass insgesamt eine jährliche Vergü-
tung von Fr. 800'000.– vereinbart worden sei (BA 12.002-0004 Z. 44 f.; -0005
Z. 1 f.). Dieser Betrag sei ihm sicherlich hoch, aber nicht absolut unverhältnis-
mässig erschienen (BA 12.002-0007 Z. 4-18). Da die Jahre 1998 bis 2001 sehr
kritische Jahre für die Liquidität der FIFA gewesen seien, wäre die Auszahlung
des vollständigen Honorars zwar wohl möglich, aber nicht vertretbar gewesen
(BA 12.002-0008 Z. 15-21).
c) Im Rahmen der Einvernahme vom 4. September 2020 gab D. in Bezug auf die
inkriminierte Zahlung von Fr. 2 Millionen zu Protokoll, dass diese nach seinem
Verständnis das Ergebnis einer Vereinbarung aus dem Jahr 1998 gewesen sei
(BA 12.002-0228 Z. 7-23). Im Jahr 2010 habe er anlässlich eines Gesprächs mit
Platini das erste Mal von einer zu dessen Gunsten ausstehenden Forderung er-
fahren, wobei er nicht mehr wisse, ob Platini ihm damals den Betrag von Fr. 2 Mil-
lionen genannt habe; jedenfalls habe er ihm nie unterschiedliche Beträge ge-
nannt (BA 12.002-0230 Z. 12-14; -0231 Z. 1-33; -0238 Z. 5-23). Über diese In-
teraktion habe er vermutungsweise Blatter informiert, welcher ihm bestätigt habe,
dass die Forderung bestehe (BA 12.002-0232 Z. 1-9; -0238 Z. 1 f.). Nach Ein-
gang der bei Platini eingeforderten Rechnung vom 17. Januar 2011 habe er
diese Blatter vorgelegt, welcher ihm den darin festgehaltenen Sachverhalt bestä-
tigt und ihm den Auftrag zur Auszahlung erteilt habe (BA 12.002-0237 Z. 22-33;
-0239 Z. 1-13; -0240 Z. 1-3). In die Bezahlung der Rechnung seien sowohl BB.
als auch CC. involviert gewesen (BA 12.002-0234 Z. 26-30; zu diesen Personen
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SK.2021.48
E. 3.5.2.17 f.). Etwa im März 2011 sei schliesslich auch O. in den hier relevanten
Sachverhalt involviert worden: Diesem sei im Hinblick auf die Sitzung des FIFA-
Exekutivkomitees vom 2. März 2011 eine Übersicht über die im Jahr 2010 an die
Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees geleisteten Zahlungen vorgelegt worden
(vgl. dazu E. 3.5.2.3), welche u.a. die inkriminierte Zahlung enthalten habe. Nach
deren Prüfung habe O. das Dokument unterschrieben und damit sein Einver-
ständnis zu den darin enthaltenen Zahlungen bestätigt (BA 12.002-0240 Z. 6-26;
-0241 Z. 8-33; -0242 Z. 1-8). Anlässlich der Sitzung des FIFA-Exekutivkomitees
sei die inkriminierte Zahlung von Fr. 2 Millionen wohl nicht besprochen worden;
jedenfalls seien Lohnzahlungen im Gremium grundsätzlich nie diskutiert worden
(BA 12.002-0242 Z. 26-31). Zudem präzisierte D. seine Ausführungen betreffend
die finanzielle Situation der FIFA wie folgt: Grundsätzlich sei die FIFA im Jahr
1999 und davor in einer prekären finanziellen Situation gewesen (BA 12.002-
0224 Z. 18 f.). Er wisse von Berichten des ehemaligen Finanzchefs, X., und des
ehemaligen Personalchefs, AA. (zu dessen Person E. 3.5.2.19), dass es in den
Jahren 1998 zeitweise mit den Löhnen Schwierigkeiten gegeben habe. Insge-
samt sei es aufgrund der Probleme mit den grossen Partnern der FIFA (vgl. dazu
E. 3.5.2.6c) notwendig geworden, eine sog. «Securitisation-Transaktion» durch-
zuführen, um die Liquiditätssituation der FIFA zu verbessern (BA 12.002-0225
Z.8-13). Wie zu dieser Zeit allfällige Zahlungsaufschübe in der Buchhaltung re-
gistriert worden seien, insbesondere ob Rückstellungen oder Abgrenzungen ge-
bildet worden seien, wisse er nicht (BA 12.002-0225 Z. 16-32). Ab 2002 habe
sich die Liquiditätssituation, u.a. aufgrund der «Securitisation-Transaktion», sig-
nifikant verbessert (BA 12.002-0224 Z. 19 f.). Er denke, dass die FIFA im Jahr
2002 in der Lage gewesen sei, eine einmalige Summe von Fr. 2 Millionen als
Honorarentschädigung für einen Berater zu zahlen (BA 12.002-0224 Z. 30 ff.).
Weiter erklärte er auf die Frage, ob bei der FIFA im Jahr 1999 formalisierte Pro-
zesse für den Abschluss von Verträgen in Millionenhöhe bestanden hätten, dass
die FIFA in den frühen Jahren «sehr pragmatisch, um nicht zu sagen hemdsär-
melig», geführt worden sei (BA 12.002-0227 Z. 1-4). Als er bei der FIFA ange-
fangen habe, habe ihm der ehemalige Personalchef, AA., erklärt, dass es, als
dieser als Personalchef angefangen habe, eine ganze Reihe von Arbeitsverträ-
gen gegeben habe, welche auf mündlicher Basis geschlossen worden seien und
AA. es als sein Verdienst erachtet habe, sämtliche Arbeitsverhältnisse auf eine
schriftliche Basis zu stellen (BA 12.002-0227 Z. 4-8).
3.5.2.16 Aussagen E.
a) E. trat im Jahr 2003 als Direktor der Abteilung «Marketing und TV» in die FIFA
ein und war anschliessend ab Juli 2007 bis September 2015 Generalsekretär der
FIFA (BA 12.010-0054 Z. 6 f.; -0110 Z. 17 f.; -0111 Z. 25 f.; -0114 Z. 1-26).
b) Im Rahmen seiner Einvernahme vom 22. März 2018 gab er in Bezug auf die
inkriminierte Zahlung zusammengefasst zu Protokoll, dass Blatter ihm anlässlich
einer gemeinsamen, regelmässigen Sitzung am Ende des Jahres 2010 mitgeteilt
- 61 -
SK.2021.48
habe, dass Platini bei Blatter telefonisch um die Bezahlung von Geld für dessen
Beratertätigkeit verlangt habe (BA 12.010-0051 Z. 17-19; -0077 Z. 20-27). Blatter
sei in diesem Moment über den Zeitpunkt und die Höhe der geltend gemachten
Forderung, nicht jedoch über die Forderung als solche überrascht gewesen
(BA 12.010-0052 Z. 1-10; -0081 Z. 4-15). Gleichzeitig habe Blatter ihm auch mit-
geteilt, dass er sich darum nicht kümmern müsse, sondern er dies direkt mit D.
regeln werde (BA 12.010-0052 Z. 2/25 f.; -0081 Z. 17-19). Als von Platini gefor-
derten Betrag habe Blatter ihm damals einen Betrag in der Höhe von Fr. 4 Milli-
onen genannt (BA 12.010-052 Z. 12-15). Da schliesslich Fr. 2 Millionen ausbe-
zahlt worden seien, gehe er davon aus, dass es in Bezug auf die auszuzahlende
Summe eine Verhandlung bzw. zumindest eine Diskussion gegeben habe
(BA 12.010-0079 Z. 34-37; -0080 Z. 1-12).
c) Anlässlich der Einvernahme vom 9. November 2020 präzisierte E., dass er
erstmals von Blatter erfahren habe, dass Zahlungen für Platinis Beratertätigkeit
ausstehend seien (BA 12.010-0123 Z. 1-7; -0124 Z. 33). Seine bisherigen Aus-
sagen bestätigte er und fügte an, dass Blatter ihm gesagt habe, dass er eine
Forderung von Platini über den Betrag von Fr. 4 Millionen erhalten und ihn gleich-
zeitig darüber informiert habe, dass sich D. dieser Sache annehmen werde
(BA 12.010-0123 Z. 17-27). Er habe den Betrag von Fr. 4 Millionen nicht erfun-
den, jemand habe ihm diese Information gegeben (BA 12.010-0124 Z. 10 f.).
3.5.2.17 Aussagen BB.
BB. war im Zeitraum von 2006 bis 2016 Leiter der Buchhaltung der FIFA und
anschliessend der Tochtergesellschaften der FIFA (BA 12.014-0018 Z. 13-25).
Anlässlich seiner Einvernahme vom 3. September 2020 führte er zusammenge-
fasst aus, dass er das erste Mal während des buchhalterischen Abschlusspro-
zesses Ende 2010 – wohl von D. – vernommen habe, dass Platini eine ausste-
hende Forderung in der Höhe von Fr. 2 Millionen für seine Beratertätigkeit gel-
tend gemacht habe; in diesem Umfang habe er buchhalterisch eine Abgrenzung
gebildet (BA 12.014-0028 Z. 20-32; -0029 Z. 1-15; -0030 Z. 24-30; -0042 Z. 17-
20). Zuvor seien buchhalterisch weder Rückstellungen noch Abgrenzungen für
die Forderung gebildet worden (BA 12.014-0036 Z. 29-32). Anschliessend habe
D. ihm bzw. der Buchhaltungsabteilung die Rechnung vom 17. Januar 2011, wel-
che durch Blatter unterschrieben gewesen sei, weitergeleitet und die Weisung
erteilt, die entsprechende Zahlung auszuführen (BA 12.014-0019 Z. 31-37; -0031
Z. 1-4). Nach der Erfassung und Verbuchung der Forderung sei das Ganze an
die Controlling-Abteilung zur Freigabe der Zahlungsausführung weitergeleitet
worden (BA 12.014-0031 Z. 7-11). Er selbst habe – namentlich aufgrund des Um-
standes, dass im Zeitpunkt der Tätigkeit in den Jahren 1999 bis 2002 keine Rück-
stellungen gebildet worden seien, er keinen schriftlichen Vertrag gesehen habe
und die Rechnung erst rund 10 Jahre nach der geleisteten Beratertätigkeit ge-
stellt worden sei – gewisse Bedenken gehabt (BA 12.014-0037 Z. 7-26). Diese
habe er innerhalb des Finanzteams der FIFA, u.a. D. und CC., kundgetan
- 62 -
SK.2021.48
(BA 12.014-0037 Z. 28-30; -0038 Z. 1-18). In Bezug auf die finanzielle Situation
der FIFA gab er weiter zu Protokoll, dass sich diese ab dem Jahr 1999 stetig
verbessert und im Jahr 2006 gut gewesen sei (BA 12.014-0022 Z. 9-13). Ab dem
Jahr 2000 wäre die FIFA nach seiner Einschätzung sicherlich in der Lage gewe-
sen, eine einmalige Summe von Fr. 2 Millionen als Honorarentschädigung für ei-
nen Berater auszuzahlen (BA 12.014-0022 Z. 16-30). Ein allfälliger Zahlungsauf-
schub hätte – wenn die Forderung mehrere Jahre zurückliege – zurückgestellt
werden müssen; wie ein solcher in den Jahren 1999 bis 2002 aber tatsächlich
behandelt worden sei, wisse er nicht (BA 12.014-0024 Z. 8-15).
3.5.2.18 Aussagen CC.
CC. war im Zeitraum von 2006 bis 2012 als Leiter der Abteilung «Konsolidierung
und Compliance» bei der FIFA angestellt (BA 12.013-0132 Z. 2-14). Anlässlich
seiner Einvernahme vom 2. September 2020 gab er in Bezug auf die inkriminierte
Zahlung in Höhe von Fr. 2 Millionen zu Protokoll, dass er etwa drei Monate vor
deren Auszahlung am 1. Februar 2011 bzw. jedenfalls nicht vor 2010 das erste
Mal vernommen habe, dass Platini für seine Beratertätigkeit ausstehende Vergü-
tungsansprüche geltend gemacht habe (BA 12.013-0141 Z. 1-14). Er sei diesbe-
züglich von D. informiert worden (BA 12.013-0146 Z. 23-26). Wann er konkret
über Platinis Forderung informiert worden sei und ob ihm diesbezüglich ein kon-
kreter Betrag genannt worden sei, wisse er aber nicht mehr (BA 12.013-0142
Z. 1-32; -0146 Z. 23-32). Als er zum ersten Mal von dieser Forderung erfahren
habe, sei – für ihn und D. – noch unklar gewesen, ob dieser eine vertragliche
Grundlage zugrunde gelegen habe; insbesondere, da in diesem Zeitpunkt noch
keine Rückmeldung von Blatter vorgelegen habe (BA 12.013-0147 Z. 11-21).
Blatter habe im Anschluss aber gegenüber D. bestätigt, dass diesbezüglich eine
mündliche Vereinbarung bestehe (BA 12.013-0147 Z. 23-25; -0149 Z. 28-33;
-0151 Z. 14-20). Er selbst habe in Bezug auf die Plausibilität der Forderung Be-
denken gehabt, namentlich aufgrund der fehlenden schriftlichen Vertragsgrund-
lage und dem Umstand, dass die Forderung im Zusammenhang mit einer Tätig-
keit, die vor rund 10 Jahren geleistet worden sei, geltend gemacht worden sei
(BA 12.013-0152 Z. 15-27; -0159 Z. 14-23). Diese Bedenken habe er, wie er ver-
mute, an D. herangetragen (BA 12.013-0152 Z. 29-31). Nach Eingang der Rech-
nung sei diese auch innerhalb der Finanzabteilung der FIFA – u.a. mit D. und BB.
– diskutiert worden und sämtliche Involvierten seien zum Schluss gekommen,
dass die Rechnung bezahlt werden könne (BA 12.013-0158 Z. 9-27; -0160 Z. 4-
15). Auch sei die Rechnung, glaube er, mit der Revisionsgesellschaft besprochen
worden, wobei er sich nicht mehr an deren Rückmeldung erinnern könne
(BA 12.013-0160 Z. 17-32). Hinsichtlich der finanziellen Situation der FIFA führte
er weiter aus, dass diese in der Zeit von 1999 bis 2001 kritisch gewesen sei und
namentlich grosse finanzielle Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Kon-
kurs von Vertragspartnern der FIFA (vgl. dazu E. 3.5.2.6c) und der Annullations-
kosten der FIFA-WM bestanden hätten (BA 12.013-0135 Z. 26-29; -0136 Z. 2-
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20). Die Liquiditätssituation der FIFA habe sich anschliessend kontinuierlich ver-
bessert und die FIFA sei ab seinem Eintritt im Jahr 2006 finanziell gut aufgestellt
gewesen (BA 12.013-0135 Z. 28 f.; -0137 Z. 4-9). Ob die FIFA im Jahr 2002 in
der Lage gewesen sei, eine einmalige Summe von Fr. 2 Millionen als Honora-
rentschädigung für einen Berater auszuzahlen, könne er nicht beantworten
(BA 12.013-0136 Z. 22-30). Ab Beginn seiner Tätigkeit seien ihm aber keine Li-
quiditätsengpässe bekannt, welche eine solche Zahlung verhindert hätten
(BA 12.013-0137 Z. 11-13). Auch sonst sei ihm nicht bekannt, dass Zahlungen
bei fehlender Liquidität über längere Zeit aufgeschoben worden seien
(BA 12.013-0137 Z. 16-18). Falls es doch zu solchen Zahlungsaufschüben ge-
kommen sei, wären hierfür Abgrenzungen gebildet worden (BA 12.013-0137
Z. 26-32).
3.5.2.19 Aussagen AA.
AA. trat im Juni 1999 als Personalverantwortlicher in die FIFA ein und war bis im
Jahr 2007 in der FIFA tätig, zuletzt als Stv. Generalsekretär (TPF 266.764.005).
Anlässlich seiner Zeugeneinvernahme an der Hauptverhandlung gab er zusam-
mengefasst an, dass das Personalwesen in der FIFA im Juni 1999 relativ unor-
ganisiert gewesen sei, namentlich habe keine strukturierte Ablage von personal-
rechtlichen Verträgen existiert und es habe Mitarbeitende ohne oder ohne ord-
nungsgemässen Vertrag gegeben. Er habe sich deswegen für die Verschriftli-
chung von Verträgen bzw. allgemein für strukturierte personalrechtliche Pro-
zesse eingesetzt (TPF 266.764.005 f.). In Bezug auf die finanzielle Situation der
FIFA führte er aus, dass die FIFA im Jahr 1999 oder 2000 aufgrund von Liquidi-
tätsproblemen Schwierigkeiten gehabt habe, die Löhne zu zahlen
(TPF 266.764.008). Schliesslich gab er an, den schriftlichen Vertrag zwischen
der FIFA und Platini vom 25. August 1999 weder zu kennen noch etwas mit die-
ser zu tun gehabt zu haben (TPF 266.764.007).
3.5.3 Beweiswürdigung und Beweisergebnis
3.5.3.1 Zu Beginn ist auf die einzigen direkten Beweise – die Aussagen der Beschuldig-
ten (E. 3.5.2.8 f.) – betreffend den (angeblichen) Abschluss der mündlichen Ver-
einbarung sowie der damit vereinbarten jährlichen Vergütung von Fr. 1 Million
einzugehen.
a) Einleitend sind die Erstaussagen der Beschuldigten vom 25. September 2015
zu würdigen, welche sie zu Protokoll gegeben haben, bevor ihnen der schriftliche
Vertrag zwischen der FIFA und Platini vom 25. August 1999 vorgehalten wurde.
Platini und Blatter machten bereits zu Beginn übereinstimmend geltend, dass
Platini für seine Beratertätigkeit eine jährliche Vergütung von «1 Million», ohne
die Währung zu präzisieren, verlangt habe. Ihre Aussagen stimmen weiter da-
hingehend überein, dass vereinbart worden sei, die Vergütung in Schweizer
Franken auszurichten. Dies wurde zwar lediglich von Platini explizit zu Protokoll
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gegeben, ergibt sich aber implizit auch aus den Erstaussagen von Blatter, worin
dieser bereits zu Beginn der ersten Einvernahme die Währung immerhin bezüg-
lich der in den Jahren 1998 bis 2002 effektiv bezahlten Vergütung präzisierte
(BA 13.001-0004 Z. 11 f.). Ferner gaben die beiden Beschuldigten übereinstim-
mend zu Protokoll, dass die jährliche Vergütung von Fr. 1 Million damals auf-
grund der finanziellen Situation der FIFA nicht habe bezahlt werden können und
Platini deshalb ausschliesslich Fr. 500'000.– (recte: Fr. 300'000.–) pro Jahr er-
halten habe. Unklarer sind die Erstaussagen darüber, was in Bezug auf die Dif-
ferenz zwischen den geforderten Fr. 1 Million und effektiv bezahlten
Fr. 500'000.– (recte: Fr. 300'000.–) vereinbart wurde. Während Platini zu Proto-
koll gab, er habe auf diesen Betrag nicht verzichtet und die Differenz sei folglich
schuldig geblieben, äusserte sich Blatter zu Beginn seiner ersten Einvernahme
nicht ausdrücklich hierzu, sondern machte lediglich geltend, dass Platini seine
Beratertätigkeit dann dennoch – obwohl die jährliche Vergütung von Fr. 1 Million
nicht habe bezahlt werden können – aufgenommen habe. Zu dieser Thematik
wurde Blatter damals von der Bundesanwaltschaft auch nicht ausdrücklich be-
fragt (BA 13.001-0003 ff.). Bei der in der gleichen Einvernahme im Anschluss
durchgeführten Befragung zur Zahlung vom 1. Februar 2011 gab Blatter indes
an, dass es sich dabei um eine Zahlung für Platinis Beratertätigkeit in den Jah-
ren 1998 bis 2002 gehandelt habe. Gemäss Blatter habe Platini diesen Betrag
für seine Beratertätigkeit mit der Begründung geltend gemacht, «er hätte entge-
gen meiner Zusage nur Fr. 500'000.– in den ersten 4 Jahren verdient, anstatt der
von mir angeblich versprochenen Million» (BA 13.001-0009 Z. 21 f.). Da Platini
im Jahr 2011 nochmals gesagt habe, dass er «1 Million» wert sei, habe die FIFA
die Differenz, insgesamt also Fr. 2 Millionen, bezahlt. Daraus ergibt sich implizit,
dass Blatter sich daran erinnerte, dass die FIFA die Differenz zwischen der ef-
fektiv bezahlten und der von Platini geforderten Vergütung schuldig geblieben
war. Dass Blatter von der «angeblich versprochenen Million» sprach, ändert da-
ran entgegen dem Vorbringen der Bundesanwaltschaft und FIFA nichts
(TPF 266.721.220; 266.721.351/361). Aus dieser singulären Verwendung des
Begriffes «angeblich» kann im Gesamtzusammenhang nichts zulasten der Be-
schuldigten abgeleitet werden, sind die Aussagen doch ansonsten im Kern in
sich kongruent und ergibt sich daraus, dass sich sowohl Platini als auch Blatter
daran erinnerten, dass Platini für seine Tätigkeit mit jährlich Fr. 1 Million vergütet
werden sollte. Schliesslich stimmen die Aussagen der Beschuldigten im Kern
auch dahingehend überein, weshalb die Fr. 2 Millionen erst im Jahr 2011 bezahlt
worden seien. Beide gaben diesbezüglich an, dass Platini erst zu diesem Zeit-
punkt eine entsprechende Rechnung gestellt und folglich erst dann die Bezah-
lung der (behaupteten) Restforderung verlangt habe. Im Ergebnis wirkt der von
den Beschuldigten geschilderte Sachverhalt für das Gericht zwar objektiv etwas
ungewöhnlich, jedoch weder von Vorneherein unrealistisch noch unplausibel.
Deshalb und unter Berücksichtigung, dass die entsprechenden Schilderungen
der Beschuldigten im Kern in sich kongruent sowie an sich nachvollziehbar sind,
erscheinen ihre Aussagen nicht per se unglaubhaft. Entgegen dem Vorbringen
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SK.2021.48
der FIFA (TPF 266.721.356) ist auch nicht von einer Kollusion zwischen den Be-
schuldigten auszugehen, wurden die Aussagen doch einerseits in zeitgleich und
unabhängig voneinander durchgeführten Einvernahmen gemacht und wäre an-
dererseits doch davon auszugehen, dass Blatter diesfalls kongruenter zu Platinis
Erstaussagen ausgesagt hätte.
b) Im Anschluss an die vorgenannten Erstaussagen wurde den Beschuldigten in
ihren ersten Einvernahmen vom 25. September 2015 – und nachdem beide aus-
sagten, sich nicht an einen schriftlichen Vertrag betreffend die Beratertätigkeit zu
erinnern (BA 13.001-0011 Z. 16-18; 12.001-0007 Z. 2 f.) – der schriftliche Ver-
trag zwischen der FIFA und Platini vom 25. August 1999 vorgehalten. Beide ga-
ben daraufhin unabhängig voneinander an, dass sie davon ausgegangen seien,
dass Platini während seiner Beratertätigkeit bereits mit jährlich Fr. 500'000.– und
nicht wie im schriftlichen Vertrag festgehalten mit Fr. 300'000.– vergütet worden
sei. In diesem Kontext ist auch Blatters Antwort («Das ist das Rätsel der Sache»)
auf die Frage zu lesen, weshalb die Nachzahlung bewilligt worden sei, obwohl im
schriftlichen Vertrag eine Vergütung von Fr. 300'000.– festgelegt worden sei.
Diese Äusserung erfolgte zeitlich nämlich erst nach Blatters vorgenannten Erst-
aussagen, in welcher er die jährliche Vergütung von Platini mit Fr. 1 Million be-
zifferte (siehe vorne lit. a), und überdies zeitlich unmittelbar nach Vorhalt des
schriftlichen Vertrags sowie seiner Äusserung, dass er davon ausgegangen sei,
dass Platini während seiner Beratertätigkeit bereits Fr. 500'000.– pro Jahr erhal-
ten habe. Inwiefern Blatters Äusserung – wie von der FIFA argumentiert
(TPF 266.721.362) – als «Geständnis» für dessen Schuld zu werten sei bzw. –
wie von der Bundesanwaltschaft vorgebracht (TPF 266.721.221) – «vielsagend»
sei, ist für das Gericht daher sowie aufgrund der kryptischen Natur von Blatters
Aussage nicht nachvollziehbar. Gleiches gilt für das Vorbringen der FIFA in Be-
zug auf Platinis Aussage, dass es nur einen (einzigen) Vertrag gegeben habe,
welcher seine Beratertätigkeit geregelt habe (TPF 266.721.294/322). Auch diese
Aussage erfolgte zeitlich erst nach Platinis vorgenannten Erstaussagen, in wel-
chen er seine jährliche Vergütung mit Fr. 1 Million bezifferte (siehe vorne lit. a),
und überdies auch erst auf Vorhalt des schriftlichen Vertrages vom 25. Au-
gust 1999. Sie ist folglich auch in diesem Zusammenhang zu lesen, sodass Pla-
tinis Äusserungen dahingehend zu verstehen sind, dass es nur einen schriftli-
chen Vertrag gegeben habe. Dass er damit seine zuvor gemachten Aussagen
zur – von ihm als «contrat moral» bezeichneten – mündlichen Vereinbarung habe
widerrufen bzw. korrigieren wollen, ist nicht ersichtlich, sodass aus seiner Aus-
sage nicht gefolgert werden kann, dass neben dem schriftlichen Vertrag keine
mündliche Vereinbarung bestanden hat. Im Ergebnis erscheint es daher nicht per
se unglaubhaft, dass die Beschuldigten im Jahr 2010 bzw. 2011 sowie während
ihrer ersten Einvernahme von einer bereits bezahlten jährlichen Vergütung von
Fr. 500'000.– und folglich von einer (angeblich) mündlich vereinbarten Restfor-
derung von insgesamt Fr. 2 Millionen ausgingen. In Bezug auf das Vorbringen
der FIFA, die Beschuldigten hätten sich auch diesbezüglich abgesprochen
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SK.2021.48
(TPF 266.721.356), kann auf die vorgenannten Ausführungen verwiesen werden
(siehe vorne lit. a).
c) In den nachfolgenden Befragungen präzisierten die Beschuldigten jeweils ihre
vorgenannten Ausführungen, ohne davon in inhaltlicher Hinsicht abzuweichen.
Namentlich führten beide bereits im Rahmen der Anhörung im FIFA-Ethikverfah-
ren vom 1. Oktober 2015 in Bezug auf die vertraglichen Grundlagen der Berater-
tätigkeit aus, dass diesbezüglich zwischen einer mündlichen Vereinbarung (von
Blatter als Gentlemen’s Agreement bezeichnet) und dem schriftlichen Vertrag
vom 25. August 1999 zu differenzieren sei. Platini begründete die späte Geltend-
machung seiner (angeblichen) Restforderung zudem bereits während der vorge-
nannten Anhörung vom 1. Oktober 2015 sowie in den nachfolgenden Einvernah-
men damit, dass die FIFA im Jahr 2010 finanziell gut aufgestellt gewesen sei und
ehemalige FIFA-Mitarbeitende (W. und X.) damals komfortable Abfindungszah-
lungen erhalten hätten. Teilweise uneinheitlich sind indes – wie von der Bundes-
anwaltschaft zu Recht vorgebracht (TPF 266.721.191 ff.) – deren Angaben zum
Zeitpunkt des Abschlusses der mündlichen Vereinbarung, namentlich ob dieser
vor oder nach Blatters Wahl zum FIFA-Präsidenten erfolgte. Solche uneinheitli-
chen Aussagen in Bezug auf einen wesentlichen Sachverhaltskomplex können
zwar grundsätzlich belastend wirken. Vorliegend darf jedoch nicht ausser Acht
gelassen werden, dass die Befragungen rund 17-24 Jahre nach dem Abschluss
der angeblichen mündlichen Vereinbarung stattgefunden haben, sodass nicht er-
wartet werden kann, dass sich die Beschuldigten an den konkreten Zeitpunkt des
Abschlusses der Vereinbarung erinnern können. Dies umso weniger als es dies-
bezüglich – wie die Beschuldigten mehrfach geltend gemacht haben – mehrere
Gespräche zwischen ihnen gegeben habe. Gleiches gilt – entgegen dem Vor-
bringen der Bundesanwaltschaft (TPF 266.721.217 ff./227) – für die von den Be-
schuldigten teilweise geltend gemachten Erinnerungslücken. Im Ergebnis kann
aus diesen teilweise uneinheitlichen Aussagen und Erinnerungslücken folglich
nichts zulasten der Beschuldigten abgeleitet werden.
d) Im Ergebnis ist festzuhalten, dass die Beschuldigten über mehrere Jahre hin-
weg und im Kern übereinstimmend zu Protokoll gegeben haben, dass sie nach
mehreren Gesprächen im Jahr 1998 – sei dies vor oder nach Blatters Wahl zum
FIFA-Präsidenten (hierzu E. 3.5.3.4) – eine mündliche Vereinbarung betreffend
Platinis Beratertätigkeit abgeschlossen hätten, mit welcher eine jährliche Vergü-
tung in Höhe von Fr. 1 Million vereinbart worden sei. Gestützt darauf hätte Platini
nach der Wahl von Blatter zum FIFA-Präsidenten seine Beratertätigkeit aufge-
nommen. Aufgrund der damaligen finanziellen Lage der FIFA habe in den Jahren
1998 bis 2002 indes nicht der gesamte Betrag bezahlt werden können, weshalb
Platini gemäss dem später abgeschlossenen schriftlichen Vertrag vom 25. Au-
gust 1999 vorerst mit lediglich Fr. 300'000.– pro Jahr vergütet worden sei. Die
entsprechende Restforderung sei die FIFA aber schuldig geblieben und von Pla-
tini mittels Rechnung vom 17. Januar 2011 geltend gemacht worden. Dieser
Sachverhalt erscheint zwar aus objektiver Sicht etwas ungewöhnlich, aber weder
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SK.2021.48
von Vorneherein unrealistisch noch unplausibel. Die entsprechenden Schilderun-
gen der Beschuldigten können daher auch nicht per se als unglaubhaft eingestuft
werden.
3.5.3.2 Andere direkte Sach- oder Personalbeweise zur vorliegend relevanten Beweis-
thematik liegen nicht vor. Es existieren indes verschiedenste Indizien. Diese sind
in der Folge daraufhin zu überprüfen, ob sie ausschliesslich für eine Hypothese
– den Anklagesachverhalt oder den von den Beschuldigten vorgebrachten Alter-
nativsachverhalt – sprechen oder ob sie ambivalent sind, weil sie je nach Kontext
unterschiedlich verstanden werden können (E. 3.3.2).
a) Einleitend ist zu bemerken, dass UEFA-interne Dokumente aus dem
Jahr 1998 festhalten, dass bekannt war, dass Platini im Jahr 1998 für seine Be-
ratertätigkeit eine jährliche Vergütung von Fr. 1 Million gefordert habe
(E. 3.5.2.5). Überdies haben mehrere Zeugen unisono sowie im Einklang zu vor-
genannten Dokumenten und deshalb für das Gericht glaubhaft zu Protokoll ge-
geben oder schriftlich erklärt, dass ihnen Platinis Forderung – wenn auch teil-
weise nur hinsichtlich des Betrages und nicht der Währung – im Jahr 1998 be-
kannt gewesen sei bzw. haben die in den UEFA-internen Dokumenten enthalte-
nen Feststellungen hinsichtlich Platinis Forderung zumindest bestätigt
(E. 3.5.2.10 [T.]; 3.5.2.11 [U.]; 3.5.2.12 [Z.]; 3.5.2.13 [M.]; 3.5.2.14 [N.]). Gestützt
auf diese Sachbeweise sowie die Erklärungen der genannten Zeitzeugen hat das
Gericht keine Zweifel, dass Platini während entsprechenden Vertragsverhand-
lungen bzw. Gesprächen im Jahr 1998 eine Vergütung von «1 Million» pro Jahr
verlangt hat. Dies wird im Übrigen weder von der Bundesanwaltschaft noch der
FIFA bestritten (TPF 266.721.221; 266.721.296 ff.). Dass die Vergütung in
Schweizer Franken ausfallen würde und dies auch für Platini evident sein
musste, da die FIFA als Schweizer Verein die Löhne in Schweizer Franken be-
zahlt, ist nicht ernsthaft zu bezweifeln, auch wenn Platini die Währung zunächst
offenliess. Dies umso mehr als eine Vergütung von jährlich Fr. 1 Million im Kon-
text des Fussballs und angesichts der damaligen Entlöhnung von Blatter als ehe-
maliger Generalsekretär und FIFA-Präsident (E. 3.1.2) sowie des damaligen Sta-
tus' von Platini (E. 3.1.3.1) und seinem Potential für die FIFA und für Blatter als
neuen FIFA-Präsidenten nicht abwegig erscheint. Entsprechend handelte es sich
bei Platini – entgegen dem Vorbringen der FIFA (TPF 266.721.327) – auch nicht
um «einen einfachen Berater». Vielmehr war Platini eine Schlüsselfigur in Blat-
ters FIFA-Präsidentschaftskampagne sowie für dessen FIFA-Präsidentschaft.
Die vorgenannten Indizien beweisen zwar für sich alleine nicht, dass Blatter als
Vertreter der FIFA das Angebot von Platini angenommen hat bzw. sie tatsächlich
übereingekommen sind, die Beratertätigkeit mit jährlich Fr. 1 Million zu vergüten.
Sie machen aber deutlich, dass eine solche Forderung Platinis jedenfalls wäh-
rend den Vertragsverhandlungen im Raum stand. Insofern stehen die Indizien im
Einklang mit dem von den Beschuldigten vorgebrachten Alternativsachverhalt,
auch wenn sie für sich allein den Anklagesachverhalt noch nicht zu entkräften
vermögen.
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SK.2021.48
b) Dass Blatter gegenüber Platini kommuniziert hat, dass er dessen Angebot be-
treffend die Vergütung in Höhe von Fr. 1 Million pro Jahr annehme, wird indes
durch die Aussagen und Erklärungen von T. indiziert. Dieser führte zwar aus,
dass er nicht wisse, ob tatsächlich eine Vergütung von Fr. 1 Million pro Jahr ver-
einbart worden sei. Der Zeuge erinnerte sich aber daran, dass er und Blatter in
einem Gespräch im Jahr 1998 – vor oder nach dessen Wahl zum FIFA-Präsiden-
ten – zum Schluss gekommen seien, dass Platinis Forderung angemessen sei,
weshalb er davon ausgegangen sei, dass die entsprechende Vergütung auch
tatsächlich vereinbart worden sei. Insofern bestätigt T., dass Blatter die Absicht
hatte, mit Platini eine Vergütung von jährlich Fr. 1 Million zu vereinbaren
(E. 3.5.2.10).
Die Bundesanwaltschaft macht geltend, der Zeuge T. sei nicht glaubwürdig.
Hierzu führte sie zusammengefasst aus, dass die Beziehung zwischen Blatter
und dem Zeugen durch eine «umfassende Begünstigung T.s durch Blatter» ge-
kennzeichnet sei, «die im richtigen Moment nach einer Gegenleistung» gerufen
habe. Dies zeige sich namentlich darin, dass Blatter diesem den Marketingbe-
reich der FIFA übertragen habe, ohne dass der Zeuge einschlägige fachliche Er-
fahrung hierfür gehabt habe. Zudem habe Blatter die (durch den damaligen FIFA-
Generalsekretär vorgenommene) fristlose Entlassung von T. mittels unilateraler
Entscheidung mit Fr. 1.3 Millionen «vergoldet» (TPF 266.721.255 f.). In dieser
Hinsicht ist festzuhalten, dass Blatter und der damalige Generalsekretär, K., sich
über die Qualifikationen von T. uneinig gewesen waren (BA B18.102.002-0068;
-0072; -0093; -0098). Gemäss den dem Gericht vorliegenden Akten wurde Blat-
ter jedoch weder für die Beförderung von T. zum Marketingdirektor noch für die
Ausrichtung der Entschädigung für dessen fristlosen Kündigung in Höhe von
Fr. 1.3 Millionen seitens der FIFA je zur Rechenschaft gezogen, was impliziert,
dass diese Handlungen den Interessen der FIFA nicht widersprachen. Aber
selbst wenn diese ungerechtfertigt gewesen wären, ist zu berücksichtigen, dass
sich die Vorfälle vor rund 22 Jahren ereigneten und der Zeuge seit dem Jahr
2000 nicht mehr für die FIFA oder Blatter arbeitet. Im Lichte dieser Erwägungen
hat das Gericht keine Bedenken in Bezug auf die Glaubwürdigkeit des Zeugen.
Die Bundesanwaltschaft bestritt auch die Glaubhaftigkeit der Aussagen von T.
Sie bringt diesbezüglich in der Hauptsache vor, dass dessen Aussagen falsch
seien, da – entgegen dessen Äusserungen – die Idee, Platini in die FIFA-Präsi-
dentschaftskampagne von Blatter zu involvieren, weder gestützt auf T.s Idee
noch in Monaco, sondern anlässlich eines Treffens zwischen Blatter und Platini
in Singapur entstanden sei (TPF 266.721.227). Unabhängig davon, dass vorlie-
gend nicht die Aussage betreffend das Treffen in Monaco, sondern diejenige be-
treffend die Besprechung zwischen dem Zeugen und Blatter hinsichtlich der An-
gemessenheit der geforderten Vergütung von Fr. 1 Million beweismässig unmit-
telbar relevant ist, steht auch erstere Aussage im Einklang mit den übrigen Be-
weisen, erscheint doch wahrscheinlich, dass es – wie die Beschuldigten mehr-
fach geltend gemacht haben – mehrerer Besprechungen zwischen Blatter und
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Platini bedurfte, um den Rahmen ihrer zukünftigen Zusammenarbeit zu definie-
ren. Insofern kann zumindest nicht ausgeschlossen werden, dass es auch ein
Treffen in Monaco gegeben hat. Auch der Umstand, dass sich der Zeuge in den
Jahren 2015 und 2022 nicht mehr genau an den Zeitpunkt des Treffens im
Jahr 1998 erinnerte, anlässlich welchem er mit Blatter über die Angemessenheit
der Vergütung gesprochen habe, erscheint – entgegen dem Vorbringen der Bun-
desanwaltschaft (TPF 266.721.227) – aufgrund des Zeitablaufs seit der Bespre-
chung durchaus nachvollziehbar.
Im Ergebnis sind somit keine Gründe ersichtlich, um an der Glaubwürdigkeit des
Zeugen oder an der Glaubhaftigkeit seiner Aussagen zu zweifeln. Aufgrund des
Umstandes, dass T.s Aussagen indizieren, dass Blatter mit einer Vergütung von
jährlich Fr. 1 Million für Platinis Beratertätigkeit einverstanden gewesen war und
die Absicht hatte, eine Vergütung in dieser Höhe zu vereinbaren, wirken diese
Zeugenaussagen für die Beschuldigten entlastend, sprechen sie doch aus-
schliesslich für die Verwirklichung des von den Beschuldigten vorgebrachten Al-
ternativsachverhalts und somit gegen den Anklagesachverhalt.
c) Ein weiteres Indiz dafür, dass Blatter gegenüber Platini kommuniziert hat, dass
er mit einer Vergütung von jährlich Fr. 1 Million einverstanden sei, stellen die Er-
klärungen und Aussagen von Z. dar. Dieser führte namentlich aus, dass O. ihm
im Jahr 2011 mitgeteilt habe, dass Blatter ihn von Beginn weg, d.h. ab dem
Jahr 1998, über die vertraglichen Grundlagen sowie die vereinbarte Vergütung
von insgesamt Fr. 1 Million pro Jahr informiert habe. Insofern bestätigte O. ge-
genüber Z., dass Blatter mit Platini vereinbart habe, dass dieser für die Berater-
tätigkeit mit Fr. 1 Million pro Jahr vergütet werden sollte (E. 3.5.2.12).
Die Glaubwürdigkeit dieses Zeugen wird von der Bundesanwaltschaft und der
FIFA bestritten. Die Bundesanwaltschaft macht in allgemeiner Hinsicht in Bezug
auf die Glaubwürdigkeit des Zeugen und von O., auf dessen Schilderungen sich
der Zeuge bezieht, unter Verweis, dass es sich bei ihnen sowie den Beschuldig-
ten um Personen mit ehemaligen Spitzenpositionen innerhalb der FIFA oder
UEFA handle, Folgendes geltend: «Ihre Glaubwürdigkeit Iiegt im Argen, wenn es
um ihre Angaben betreffend Sachverhalte geht, welche sich angeblich auf höchs-
ter Fussballebene zugetragen haben sollen und bei denen es um zwei ehemalige
Granden des Fussballs geht. [...] Die involvierten Personen würden einander nie
beschmutzen. Im Gegenteil» (TPF 266.721.230 f.). In Bezug auf O. führt die Bun-
desanwaltschaft konkreter aus, dass die argentinische Justiz gegen diesen we-
gen des Verdachts der Korruption, Geldwäscherei und Steuerhinterziehung in
einem hohen zweistelligen Millionenbereich ermittelt habe, wobei es indes nicht
zu einer Verurteilung gekommen sei (TPF 266.721.230). Betreffend den Zeugen
präzisiert die Bundesanwaltschaft, dass gegen diesen verschiedene Verfahren
geführt worden seien (Strafuntersuchung in Spanien wegen Urkundenfälschung
und Unterschlagung sowie Disziplinarverfahren des spanischen Sportgerichts-
hofs) und er von der FIFA mit einer Strafe von Fr. 25'000.– wegen Verstosses
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SK.2021.48
gegen die Bestimmungen des FIFA-Ethikreglements im Zusammenhang mit der
Vergabe der FIFA-WM 2018 und 2022 bestraft worden sei (TPF 266.721.230).
Der Zeuge gab anlässlich der Hauptverhandlung zu Protokoll, dass die spanische
Justiz gegen ihn insgesamt 10 Verfahren geführt habe, wobei 9 davon eingestellt
und 1 Verfahren aktuell noch hängig sei. Sämtliche Verfahren seien nicht mit sei-
nen ehemaligen Positionen bei der FIFA und UEFA, sondern mit derjenigen beim
spanischen Fussballverband im Zusammenhang gestanden
(TPF 266.765.005 f.). Zusammenfassend ist festzuhalten, dass gemäss den dem
Gericht vorliegenden Informationen die gegen den Zeugen geführten bzw. noch
hängigen Verfahren nicht in einem unmittelbaren Zusammenhang mit dem vor-
liegenden Sachverhalt stehen, sondern mit diesem lediglich durch die Thematik
des Fussballs – und damit in einem weiten Sinne – verbunden sind. Inwiefern
diese sowie insbesondere die nicht zu einer Verurteilung geführten Verfahren
gegen den Zeugen und O. deren Glaubwürdigkeit per se in Frage stellen könn-
ten, ist demnach nicht ersichtlich. Die FIFA beschränkt sich bei ihrer Bestreitung
der Glaubwürdigkeit des Zeugen darauf, auf den Umstand hinzuweisen, dass die
vom Zeugen wiedergegebenen Informationen ursprünglich vom Beschuldigten
Blatter selbst stammen würden und mittelbar – über O. – an den Zeugen über-
mittelt worden seien und es sich bei ihm folglich um einen Zeugen vom doppelten
Hörensagen handle, welcher – so die Rechtsbeistandschaft der FIFA – gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung (Urteile des Bundesgerichts 6B_342/2015
vom 15. Oktober 2015 E. 6.3; 6B_862/2015 vom 7. November 2016 E. 4.2) kein
Zeuge sei (TPF 266.721.597). Entgegen den Ausführungen der FIFA hält das
Bundesgericht in den zitierten Urteilen lediglich fest, dass ein Zeuge vom Hören-
sagen nicht einen sog. «témoin à charge» darstelle. Dem Gericht ist es – auf-
grund des Grundsatzes der freien Beweiswürdigung (Art. 10 Abs. 2 StPO) – aber
durchaus erlaubt, Aussagen eines solchen Zeugen zu berücksichtigen, nament-
lich zur Entlastung der Beschuldigten (siehe vorgenannte Urteile des Bundesge-
richts; kürzlich bestätigt in Urteil des Bundesgerichts 6B_1403/2021 vom
9. Juni 2022 E. 2.4). Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass die Glaubhaftigkeit
der gemachten Aussagen, auf welche sogleich einzugehen ist, für die Wahrheits-
findung weit entscheidender ist als die Glaubwürdigkeit des Aussagenden
(BGE 147 IV 534 E. 2.3.3; 133 I 33 E. 4.3).
Betreffend die Glaubhaftigkeit von Z. Aussagen bringt die Bundesanwaltschaft
zusammengefasst vor, diese seien zum einen Teil inhaltlich falsch, und er habe
die damit wiedergegebenen Informationen zum anderen Teil gar nicht wissen
können (TPF 266.721.231/572). Falsch seien dessen Ausführungen, dass so-
wohl die Finanzkommission als auch das Exekutivkomitee der FIFA die Zahlung
genehmigt habe, werde diese doch in den entsprechenden Sitzungsprotokollen
nicht thematisiert (TPF 266.721.231). Im Zeitpunkt des zwischen dem Zeugen
und O. stattgefundenen Gesprächs im Jahr 2011, auf welches sich der Zeuge
bezieht, habe er überdies nicht erfahren können, dass Platini das Recht dazu
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gehabt habe, mehr als die geforderten Fr. 2 Millionen zu verlangen, da sein Ge-
samtlohn Fr. 4 Millionen betragen habe und ihm lediglich Fr. 1.2 Millionen aus-
bezahlt worden seien. Die Beschuldigten hätten nämlich erst während der ersten
staatsanwaltlichen Einvernahme vom 25. September 2015 bemerkt, dass Platini
mit jährlich Fr. 300'000.– und nicht wie von ihnen angenommen mit Fr. 500'000.–
vergütet worden sei. Wie O. von diesem Irrtum bereits im Jahr 2011 habe erfah-
ren und den diesem Irrtum zugrundeliegenden Sachverhalt dem Zeugen folglich
habe mitteilen können, sei nicht ersichtlich. Für die Bundesanwaltschaft stelle
sich daher die Frage, ob gegen den Zeugen ein Verfahren wegen falscher Zeu-
genaussage und Begünstigung eingeleitet werden müsse
(TPF 266.721.233 f./572). Es trifft zu, dass die inkriminierte Zahlung von
Fr. 2 Millionen weder in den Sitzungsprotokollen der Finanzkommission noch des
Exekutivkomitees der FIFA erwähnt wird (E. 3.5.2.4b). Zu berücksichtigen bleibt
indes, dass O. die Zahlung gemäss der von ihm unterzeichneten Zahlungsüber-
sicht zum Jahresabschluss 2010 (E. 3.5.2.3), welche ihm im März 2011 durch D.
vorgelegt worden war (E. 3.5.2.15), bekannt sein musste und er diese in seiner
Funktion als Präsident der Finanzkommission und Vize-Präsident und folglich
Mitglied des Exekutivkomitees der FIFA zumindest – gemäss den dem Gericht
vorliegenden Akten – nicht beanstandete. Insofern ist es durchaus plausibel,
dass O. dem Zeugen im Mai/Juni 2011 mitgeteilt hat, dass die Zahlung durch die
Finanzkommission und das Exekutivkomitee der FIFA genehmigt worden sei,
auch wenn dessen Handlungen – im Sinne einer rein formell-juristischen Be-
trachtungsweise bzw. unter Berücksichtigung der Kompetenzen von O. – nicht
zwingend einer Genehmigung der genannten FIFA-Gremien gleichkam. Hinsicht-
lich der Aussage, wegen welcher die Bundesanwaltschaft erwägt, ob gegen den
Zeugen ein Strafverfahren eingeleitet werden müsse, ist festzuhalten, dass die
Ausführungen von Z. nach Ansicht des Gerichts durchaus plausibel und nach-
vollziehbar sind. Zwar gingen die Beschuldigten zu Beginn der Einvernahme vom
25. September 2015 irrtümlich davon aus, dass Platini für seine Tätigkeit bereits
mit jährlich Fr. 500'000.– vergütet worden sei. Im Jahr 1999 als sie den schriftli-
chen Vertrag unterschrieben, kannten sie aber den Betrag der schriftlich verein-
barten Teilvergütung. Wenn nun Blatter – wie vom Zeugen vorgebracht – O. be-
reits im Jahr 1998 bzw. 1999 über die mündliche Vereinbarung mit Platini bzw.
die damit vereinbarte jährliche Vergütung von Fr. 1 Million und den Umstand,
dass ihm gemäss schriftlichem Vertrag lediglich eine Vergütung von
Fr. 300'000.– bezahlt worden sei, informierte, kannte auch O. ursprünglich so-
wohl die insgesamt mündlich vereinbarte Vergütung von Fr. 4 Millionen als auch
die schriftlich vereinbarte Teilvergütung von insgesamt Fr. 1'200'000.–. Da nicht
ersichtlich ist, wieso sich auch O. über die bereits an Platini bezahlte Teilvergü-
tung hätte irren sollen, konnte er auch wissen und dem Zeugen folglich mitteilen,
dass Platini das Recht gehabt habe, mehr als Fr. 2 Millionen – nämlich
Fr. 2.8 Millionen – für seine Beratertätigkeit zu verlangen.
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Im Ergebnis sind somit keine Gründe ersichtlich, um per se an der Glaubwürdig-
keit des Zeugen oder an der Glaubhaftigkeit dessen Aussagen zu zweifeln. Auf-
grund des Umstandes, dass Z.s Aussagen indizieren, dass Blatter mit Platini für
dessen Beratertätigkeit eine Vergütung von jährlich Fr. 1 Million vereinbart hat,
wirken diese – unter Berücksichtigung, dass es sich bei ihm um einen Zeugen
vom Hörensagen handelt – für die Beschuldigten leicht entlastend, sprechen sie
doch ausschliesslich für die Verwirklichung des von den Beschuldigten vorge-
brachten Alternativsachverhalts und somit gegen den Anklagesachverhalt.
d) Näher zu betrachten ist ferner der schriftliche Vertrag zwischen der FIFA und
Platini vom 25. August 1999 (E. 3.5.2.1). Die Bundesanwaltschaft und die FIFA
weisen zu Recht darauf hin (TPF 266.721.200 ff.; 266.721.332 ff.), dass in Art. 4
des schriftlichen Vertrags Platinis Vergütung mit lediglich Fr. 300'000.– pro Jahr
beziffert wird und dieser überdies keine Hinweise auf eine zusätzliche mündliche
Vereinbarung bzw. eine Vergütung von jährlich insgesamt Fr. 1 Million enthält.
Dies mag zwar auf den ersten Blick den Schluss zulassen, dass Platinis Vergü-
tung jährlich lediglich Fr. 300'000.– betragen hat. Zu berücksichtigen ist jedoch,
dass der schriftliche Vertrag auch andere tatsächlich vereinbarte Vertragsinhalte
nicht regelte. Der schriftliche Vertrag trat gemäss seinem Art. 7 nämlich erst per
1. Januar 1999 in Kraft und deckte folglich den Anfang von Platinis Beratertätig-
keit – den Zeitraum vom 1. Juli bis 31. Dezember (E. 3.4) – nicht ab. Dies stellt
ein gewichtiges Indiz dafür dar, dass neben dem schriftlichen Vertrag eine andere
vertragliche Grundlage existiert haben muss, welche das erste halbe Jahr von
Platinis Beratertätigkeit regelte. Zudem ist im schriftlichen Vertrag – wie Platinis
Verteidigung zu Recht ausführt (TPF 266.721.501 f.) und das FIFA-Exekutivko-
mitee bei der internen Aufarbeitung des vorliegenden Sachverhalts im Jahr 2015
selber festgehalten hat (E. 3.5.2.7c) – auch nicht geregelt, dass Platini auf Kos-
ten der FIFA für seine Tätigkeit ein Büro in Paris zur Verfügung gestellt wird. Dies
wurde von Platini – wie sich aus den UEFA-internen Dokumenten ergibt
(E. 3.5.2.5) – zwar bereits im Jahr 1998 gefordert. In Art. 3 des schriftlichen Ver-
trags wird indes lediglich ausgeführt, dass Platini für seine Tätigkeit die Infra-
struktur der FIFA verwenden könne. Beim Büro in Paris handelte es sich aber
gerade nicht um Infrastruktur der FIFA, sondern um eine von S. gemietete Lie-
genschaft (E. 3.5.2.7a). Demnach war die FIFA gestützt auf den schriftlichen Ver-
trag vom 25. August 1999 nicht verpflichtet, die entsprechenden – von S. ihr wei-
terfakturierten – Mietkosten für die Jahre 1999 bis 2002 zu übernehmen. Auf-
grund dieser nur teilweisen Verschriftlichung der Abreden betreffend Platinis Be-
ratertätigkeit hat das Gericht keine Zweifel, dass neben dem schriftlichen Vertrag
eine zusätzliche mündliche Vereinbarung zwischen Platini und der FIFA bzw.
Blatter bestand. Dass mit einer solchen u.a. auch die (angebliche) Vergütung von
jährlich Fr. 1 Million geregelt worden war, kann daher nicht ausgeschlossen wer-
den. Dies umso weniger als ein solches Vorgehen im Einklang mit der allgemei-
nen Lebenserfahrung steht, wären wesentliche Vertragsbestandteile doch an-
sonsten erst rund 1 Jahr nach Beginn dessen Beratertätigkeit geregelt worden.
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SK.2021.48
e) Sämtliche übrigen Indizien wirken sich im Ergebnis weder zulasten noch zu-
gunsten der Beschuldigten aus, können mithin je nach Kontext, in welchen sie
gesetzt werden, sowohl für den Anklagesachverhalt als auch den von den Be-
schuldigten vorgebrachten Alternativsachverhalt sprechen. Zu erwähnen sind
namentlich folgende Umstände:
 Die Mündlichkeit der zusätzlichen Vereinbarung: Dass die Beschuldigten die
jährliche Vergütung von Fr. 1 Million mittels einer mündlichen Vereinbarung
geregelt haben sollen, erscheint in objektiver Hinsicht aufgrund der Höhe der
Vergütung zwar in gewissem Masse ungewöhnlich und könnte daher durch-
aus belastend ins Gewicht fallen. Zu berücksichtigen ist indes, dass dies –
unabhängig von der rechtlichen Qualifizierung des entsprechenden Berater-
vertrages – rechtlich zulässig ist (Art. 11 Abs. 1 i.V.m. Art. 320 Abs. 1 bzw.
Art. 394 ff. OR), sodass die mündliche Form der Vereinbarung höchstens
leicht belastend wirken könnte. Vorliegend ist überdies auch die konkrete Or-
ganisationsstruktur zu beachten, welche in den Jahren 1998/1999 bei der
FIFA vorherrschte. Diesbezüglich gab der damalige Personalverantwortliche,
AA., zu Protokoll, dass in jenen Jahren Arbeitsverträge auf mündlicher Basis
vorkamen bzw. in allgemeiner Hinsicht Personen ohne bzw. ohne ordnungs-
gemässen Arbeitsvertrag bei der FIFA angestellt waren (E. 3.5.2.19; siehe
auch Aussagen von D. [E. 3.5.2.15]). Diese Aussage steht im Einklang mit
dem Umstand, dass selbst Blatters Tätigkeit als Generalsekretär erst mittels
Arbeitsvertrag vom 11. Dezember 1989 schriftlich geregelt wurde, obwohl die-
ser bereits seit dem Jahr 1982 als Generalsekretär amtete und er mit einem
mit Platinis angeblicher Vergütung von Fr. 1 Million vergleichbaren Betrag
(Fr. 720'000.–) entlöhnt wurde (E. 3.1.2.1). Im Übrigen sah auch das erstmals
per 1. Januar 2004 in Kraft getretene interne Organisationsreglement der
FIFA noch keine Formvorschriften für den Abschluss von Verträgen vor
(BA B07.201.077-0001 ff.). Erst das per 1. Oktober 2008 revidierte Organisa-
tionsreglement ordnete an, dass Verträge grundsätzlich schriftlich abzu-
schliessen seien (Art. 24.2 des Organisationsreglements [BA B07.201.077-
0119 ff.]). Im Ergebnis erscheint der Abschluss einer mündlichen Vereinba-
rung für Platinis Beratertätigkeit im Jahr 1998 daher weder per se unwahr-
scheinlich noch unplausibel. Daran ändert – entgegen dem Vorbringen der
Bundesanwaltschaft (TPF 266.721.197 f.) – auch der Umstand nichts, dass
D., BB. und DD. keine entsprechenden mündlichen Vereinbarungen bekannt
waren, traten D. und BB. doch erst mehrere Jahre nach dem (angeblichen)
Abschluss der mündlichen Vereinbarung in die FIFA ein (E. 3.5.2.15; 3.5.2.17)
und war DD. nicht für personalrechtliche Angelegenheiten zuständig (zu ihrer
Person E. 3.6.2.9).
 Die handschriftlich vermerkte Vergütung von Fr. 300'000.– im schriftlichen
Vertrag vom 25. August 1999: Die Bundesanwaltschaft bringt vor, dass aus
dem Umstand, dass die Vergütung von Fr. 300'000.– handschriftlich in den
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SK.2021.48
schriftlichen Vertrag eingesetzt worden ist, zu schliessen sei, dass die Vergü-
tung bis zu diesem Zeitpunkt noch Gegenstand von Verhandlungen und folg-
lich noch nicht vereinbart gewesen sei (TPF 266.721.199). Dieser Schluss ist
indes nicht zwingend. Aus der handschriftlichen Einsetzung des Betrages
kann nämlich auch gefolgert werden, dass die Vergütung von Fr. 1 Million be-
reits vereinbart war, indes am 25. August 1999 noch verhandelt werden
musste, welchen Teilbetrag Platini vorläufig erhalten sollte.
 Der Zahlungsaufschub aufgrund der finanziellen Lage der FIFA: Die im schrift-
lichen Vertrag vom 25. August 1999 vorgesehene Teilvergütung von
Fr. 300'000.– wurde von den Beschuldigten damit begründet, dass die FIFA
damals finanziell nicht in der Lage gewesen sei, das eigentlich vereinbarte
Jahressalär von Fr. 1 Million vollständig auszuzahlen (E. 3.5.2.8 f.). Dass die
FIFA genau in jener Zeit Schwierigkeiten hatte, teilweise die Löhne zu bezah-
len, hat der Zeuge AA. anlässlich der Hauptverhandlung bestätigt
(E. 3.5.2.19). Auch weitere Zeugen haben die damals schwierige finanzielle
Lage der FIFA geschildert (E. 3.5.2.10 [T.]; 3.5.2.15 [D.]; 3.5.2.17 [BB.];
3.5.2.18 [CC.]). Dies steht im Einklang mit dem negativen Jahresergebnis im
Jahr 1999 sowie den Ausführungen im FIFA-Jahresbericht 2002, wonach es
sich bei den Jahren 1999 bis 2002 um «the most trying years since its [FIFAs]
foundation» gehandelt habe (E. 3.5.2.6a/c). Zwar kann gestützt auf die dem
Gericht vorliegenden Akten nicht ausgeschlossen werden, dass die Bezah-
lung von jährlich Fr. 1 Million – wie im FFA-Bericht ausgeführt (E. 3.5.2.6d) –
faktisch möglich gewesen wäre. Die vorgenannten Beweismittel zeigen je-
doch, dass die von den Beschuldigten vorgebrachte Begründung für die
schriftlich vereinbarte Teilvergütung plausibel ist.
 Der Zeitpunkt der Geltendmachung der Restforderung: Platini hat seine (an-
gebliche) Restforderung weder bei Beendigung seiner Beratertätigkeit im
Juni 2002 noch unmittelbar danach, sondern – nach vorgängiger mündlicher
Ankündigung im Jahr 2010 – erst mittels Rechnung vom 17. Januar 2011 gel-
tend gemacht. Unter Berücksichtigung der allgemeinen Lebenserfahrung er-
scheint diese rund 8.5 Jahre spätere Geltendmachung, namentlich aufgrund
der damit für den Gläubiger verbundenen Beweisprobleme und den vom
Schuldner zu erwartenden (Verjährungs-)Einreden, objektiv ungewöhnlich
und könnte daher durchaus belastend ins Gewicht fallen. Aus einer späten
oder gar verspäteten Geltendmachung kann indes weder allgemein noch in
Bezug auf den konkreten Fall ohne Weiteres auf den Nichtbestand der Forde-
rung geschlossen werden, sodass sich dies höchstens leicht belastend aus-
wirken könnte. Vorliegend sind – wie die Verteidigung von Platini zu Recht
vorbringt (TPF 266.721.514 ff.) – zudem die konkreten Umstände des vorlie-
genden Einzelfalls zu berücksichtigen. So war Platini – wie er selbst geltend
machte (E. 3.5.2.9) – aufgrund seiner finanziellen Verhältnisse (BA 17.001-
0011 ff.; B17.001.001-0001 ff.) nicht auf die (angeblich) vereinbarte Restver-
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SK.2021.48
gütung angewiesen. Überdies war er auch nach 2002 weiterhin in die Organi-
sationsstruktur der FIFA eingebettet, sodass die vorgenannten Vollstre-
ckungsrisiken zumindest teilweise minimiert waren. Nachgewiesen ist sodann
– wie von Platini vorgebracht (E. 3.5.2.9) –, dass W. im Jahr 2010 eine Ab-
gangsentschädigung von Fr. 2'298'000.– (BA B08.101.262-0359) und X. eine
solche in Höhe von Fr. 7'917'990.30 (BA B07.201.005-0038) erhalten haben
bzw. die FIFA im Jahr 2010 keine Liquiditätsprobleme mehr hatte
(E. 3.5.2.6a). Dass Platini sich in diesem Zusammenhang wieder an seine ei-
gene (angebliche) Restforderung erinnerte und diese geltend machte, er-
scheint daher nicht unglaubhaft.
 Die Höhe der geltend gemachten Restforderung: Hinsichtlich der Tatsache,
dass Platini mit seiner Rechnung weniger einforderte, als ihm gemäss der (an-
geblichen) mündlichen Vereinbarung eigentlich zugestanden hätte, weil er
sich im Betrag geirrt haben will, erachtet das Gericht als plausibel. Dies weil
beide Beschuldigten in der allerersten Einvernahme vor Vorhalt des schriftli-
chen Vertrages übereinstimmend davon ausgingen, dass Platini gestützt auf
den schriftlichen Vertrag bereits Fr. 2 Millionen erhalten habe (E. 3.5.2.8 f.).
Daraus kann somit – entgegen den Vorbringen der Bundesanwaltschaft und
der FIFA (TPF 266.721.210; 266.721.358 f.) – nichts zulasten der Beschuldig-
ten abgeleitet werden.
 Die FIFA-interne Behandlung der Restforderung: Die (angeblich) aufgescho-
bene Forderung wurde erstmals im Dezember 2010 buchhalterisch erfasst.
Zuvor wurden hierfür keine Rückstellungen gebildet (E. 3.5.2.4a). Dies wirkt
objektiv betrachtet ungewöhnlich und könnte daher durchaus belastend ins
Gewicht fallen. Aus der fehlenden buchhalterischen Erfassung der (angebli-
chen) Forderung kann indes nicht ohne Weiteres auf den Nichtbestand der
Forderung geschlossen werden, sodass sich dies höchstens leicht belastend
auswirken könnte. Zu berücksichtigen ist zudem, dass die von Platini gestellte
Restforderung sowie der Umstand, dass hierfür seit 1998 keine Rückstellun-
gen gebildet worden sind, innerhalb der FIFA bekannt waren. Entsprechend
haben die zuständigen Mitarbeitenden intern auch Bedenken in Bezug auf die
(angebliche) Forderung geäussert und die Thematik besprochen; u.a. auch
mit der Revisionsstelle der FIFA, welche ihre Arbeiten im Zeitraum vom
15. November 2010 bis 28. Januar 2011 ausführten (BA B08.101.076-0009),
also gerade im Zeitraum, als Platini die Fr. 2 Millionen geltend gemacht hat
und diese buchhalterisch erfasst worden sind (E. 3.5.2.17 [BB.]; 3.5.2.18
[CC.]). Gemäss den dem Gericht vorliegenden Akten intervenierten die zu-
ständigen Mitarbeitenden sowie auch der Präsident der Finanzkommission
letztlich nicht gegen die Zahlungsausführung, sondern erachteten diese viel-
mehr als berechtigt (E. 3.5.2.3 [O.]; 3.5.2.15 [D.]; 3.5.2.17 [BB.]; 3.5.2.18
[CC.]). Wie die fehlende buchhalterische Erfassung nicht beweist, dass die
Forderung nicht bestanden hat, beweist auch die Zahlungsausführung deren
Bestand nicht. Letzteres zeigt indes, dass die Transaktion als Ganzes in den
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SK.2021.48
Augen der zuständigen Mitarbeitenden und des Präsidenten der Finanzkom-
mission der FIFA unter Berücksichtigung der konkreten Organisationsstruktur
der FIFA gerade nicht als derart ungewöhnlich erschien, um die Auszahlung
der Fr. 2 Millionen zu verweigern. Insgesamt kann daher aus der FIFA-inter-
nen Behandlung der (angeblichen) Forderung nichts zugunsten oder zulasten
der Beschuldigten abgeleitet werden. Gleiches gilt für die – für die Verdachts-
begründung ursprünglich relevante – uneinheitliche FIFA-interne Behandlung
der Forderung als Lohn bzw. Bonus (E. 1.4.3.2). Wie sich im Verlaufe der Er-
mittlungen – aufgrund DD.s Aussagen – gezeigt hat, wurden die Fr. 2 Millio-
nen nämlich aus rein administrativen Gründen in Platinis Factsheet als Bonus
und nicht wie im Accountsheet als Vergütung eingetragen (BA 12.015-0044
Z. 12-20).
 Aussagen von E.: Sowohl die Bundesanwaltschaft als auch die FIFA wollen
aus den Aussagen von E., wonach er vernommen habe, dass Platini zunächst
einen Lohn von Fr. 4 Millionen gefordert habe, schliessen, dass der an Platini
ausbezahlte Betrag von Fr. 2 Millionen das Resultat von im Jahr 2010 geführ-
ten Verhandlungen zwischen Blatter und Platini gewesen sei und es sich dabei
folglich nicht um eine bereits bestehende Forderung gehandelt habe
(TPF 266.721.214 f.; 266.721.350 ff.). Einleitend ist festzustellen, dass aus-
schliesslich E. den Betrag von Fr. 4 Millionen erwähnt hat. Sämtliche übrigen
in den Sachverhalt involvierten Personen sprachen unisono von einer (angeb-
lichen) Restforderung von Fr. 2 Millionen (E. 3.5.2.15 [D.]; 3.5.2.17 [BB.];
3.5.2.18 [CC.]). Zu berücksichtigen ist weiter, dass E. in seiner ersten Einver-
nahme von einem (angeblichen) Telefongespräch zwischen Blatter und Platini
gesprochen hat, anlässlich welchem diese Forderung von Fr. 4 Millionen an-
geblich gestellt worden sei. Bei seiner zweiten Einvernahme erwähnte er die-
ses Telefongespräch nicht mehr, sondern erklärte uneinheitlich einerseits,
dass Blatter ihm mitgeteilt habe, dass Platini Fr. 4 Millionen gefordert habe.
Unmittelbar nach dieser Aussage führte er aus, dass ihm «jemand» die ent-
sprechende Information betreffend die Fr. 4 Millionen gegeben habe (E.
3.5.2.16). Aus E.s Aussagen erschliesst sich somit nicht eindeutig, in welchem
Zusammenhang und von wem er den Umstand vernommen haben soll, dass
Platini ursprünglich Fr. 4 Millionen gefordert habe. Einheitlich bleibt indes der
genannte Betrag von Fr. 4 Millionen. Dieser Betrag entspricht der Gesamtver-
gütung, welche Platini aufgrund der (angeblichen) mündlichen Vereinbarung
habe erhalten sollen, sodass durchaus plausibel ist, dass E. diesen Betrag
vernommen hat. Da sich der Zeuge indes nicht mehr an den konkreten Kon-
text erinnert, in dem ihm dieser Betrag mitgeteilt wurde, können seine Aussa-
gen im Gesamtkontext nur dahingehend verstanden werden, dass dieser Be-
trag die gemäss der (angeblichen) mündlichen Vereinbarung geschuldete Ge-
samtvergütung von Fr. 4 Millionen darstellt. Aus den Aussagen von E. lässt
sich somit nichts zulasten der Beschuldigten ableiten. Dies gilt im Übrigen un-
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SK.2021.48
abhängig davon, ob E. aufgrund seiner im Jahr 2014 gegenüber Blatter ge-
machten Äusserung «vous ne pouvez pas lâcher la bride de Michel. Il n‘est
pas bon dans tous les sens du terme et même si vous respectez ou aimez
plus vos ennemis que vos amis, il est temps de lui faire mettre genoux à terre»
(BA B08.101.021-0002) als glaubwürdig zu erachten ist.
 Das fehlende Motiv: Die Bundesanwaltschaft brachte weder in der Anklage-
schrift (TPF 266.100.001 ff.) noch während ihres Parteivortrages ein konkre-
tes Motiv der Beschuldigten für die angeblich unrechtmässige Zahlung vor,
sondern führte anlässlich der Hauptverhandlung lediglich in allgemeiner Hin-
sicht aus, dass es bei der Zahlung «um die Gier nach dem irdischen Manna»
gegangen sei (TPF 266.721.213) bzw. das Motiv im persönlichen Verhältnis
der Beschuldigten zu sehen sei (TPF 266.721.253). Namentlich hat die Bun-
desanwaltschaft es aber als nicht erwiesen angesehen, dass die Zahlung im
Zusammenhang mit der FIFA-Präsidentschaftswahl im Jahr 2011 gestanden
habe (TPF 266.721.212 f.). Auch die FIFA nannte kein konkretes Motiv der
Beschuldigten für die ihnen vorgeworfenen Handlungen, brachte diese aber in
Zusammenhang zur FIFA-Präsidentschaftswahl im Jahr 2011 und machte
diesbezüglich geltend, dass Platini sowie die UEFA öffentlich die Kandidatur
von Blatter unterstützt hätten (TPF 266.721.345 ff./368). Auch wenn die Zah-
lung vom 1. Februar 2011 einen gewissen zeitlichen Zusammenhang zur
FIFA-Präsidentschaftswahl vom 1. Juni 2011 aufweist, ist gestützt auf die dem
Gericht vorliegenden Akten nicht ersichtlich, dass die Zahlung in Abgeltung
einer Leistung Platinis im Zusammenhang mit dieser Wahl – sei es als Gegen-
leistung für die Unterstützung von Blatter oder als Verzicht auf eine eigene
Präsidentschaftskandidatur – steht. Es trifft zwar zu, dass die Mitglieder des
UEFA-Exekutivkomitee, u.a. Platini als damaliger Präsident der UEFA, am
6. Mai 2011 öffentlich erklärten, dass sie Blatter bei der kommenden FIFA-
Präsidentschaftswahl unterstützen werden und allen UEFA-Mitgliedern emp-
fahlen, dies ebenfalls zu tun (BA 13.001-0571). Der Nachweis, dass die Zah-
lung in Höhe von Fr. 2 Millionen eine Gegenleistung für Platinis Unterstützung
gewesen sein soll, scheitert aber bereits an den Umständen, dass die FIFA-
Präsidentschaftswahl geheim erfolgte (Art. 27 der FIFA-Statuten
[BA B07.201.079-0236] i.V.m. Art. 10 der Geschäftsordnung des Kongresses
der FIFA [BA B07.201.079-0283]) und eine Vielzahl von europäischen Fuss-
ballfunktionären im Übrigen unisono erklärten, bei der Wahl bzw. ihrer Stimm-
abgabe weder durch Platini noch durch eine andere Person beeinflusst wor-
den zu sein (B07.203.001.0103-1428 ff.). Zudem ist auch nicht ersichtlich,
dass Platini in den Jahren 2010/2011 bereits die Absicht gehabt hätte, selbst
als Kandidat für die FIFA-Präsidentschaft antreten zu wollen, führten doch
mehrere Zeugen unabhängig voneinander aus und war in den Medien bereits
am 12. Januar 2011 und folglich vor der Inrechnungstellung und Auszahlung
der inkriminierten Zahlung bekannt, dass Platini zu diesem Zeitpunkt vielmehr
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SK.2021.48
beabsichtigt habe, im Jahr 2011 zur Wiederwahl als UEFA-Präsident anzutre-
ten (12.010-0076 Z. 13-19; -0131 Z. 11-15 [E.]; BA 12.009-0171 [V.]; 10.202-
0005). Platini kandidierte sodann auch erneut als UEFA-Präsident und wurde
schliesslich im März 2011 wiedergewählt (E. 3.1.3.2). Auch ein Zusammen-
hang zwischen der inkriminierten Zahlung und der Vergabe der FIFA-WM an
Russland (2018) und Katar (2022) kann – wie ursprünglich noch vermutet
(E. 1.4.3.2) – nicht rechtsgenügend nachgewiesen werden. Unabhängig da-
von, ob die Zahlung von der FIFA bzw. Blatter geeignet gewesen wäre, das
Stimmverhalten von Platini zu beeinflussen, ergeben sich aus den dem Ge-
richt vorliegenden Akten, namentlich aus den Feststellungen des ausführli-
chen Garcia-Berichts (siehe Prozessgeschichte Lit. A), keine entsprechenden
Anhaltspunkte für einen solchen Zusammenhang. Bei der Vergabe an Katar
ist überdies zu beachten, dass lediglich Platini für die Austragung der FIFA-
WM 2022 in Katar gestimmt hat (TPF 266.262.2.368). Demgegenüber unter-
stützte Blatter die Bewerbung der Vereinigten Staaten von Amerika
(TPF 266.731.012). Inwiefern Blatter folglich ein Interesse daran gehabt ha-
ben könnte, in diesem Zusammenhang die inkriminierte Zahlung an Platini
ausrichten zu lassen, erschliesst sich dem Gericht nicht. Schliesslich ist auf-
grund der finanziellen Verhältnisse von Platini (BA 17.001-0011 ff.;
B17.001.001-0001 ff.) auch ein rein finanzielles Motiv nicht per se ersichtlich.
3.5.3.3 Im Ergebnis ist festzuhalten, dass die vorgenannten Beweismittel und Indizien
für das Gericht in ihrer Gesamtheit ein Bild erzeugen, dass bei objektiver Be-
trachtung ernsthafte Zweifel erzeugt, dass sich der Sachverhalt tatsächlich wie
in der Anklageschrift umschrieben verwirklicht hat. Das Gericht kann den von den
Beschuldigten vorgebrachten Alternativsachverhalt vernünftigerweise nicht aus-
schliessen und erachtet es als wahrscheinlich, dass Blatter und Platini sich im
Jahr 1998 – sei es vor oder nach Blatters Wahl zum FIFA-Präsidenten am
8. Juni 1998 (hierzu sogleich E. 3.5.3.4) – tatsächlich übereinstimmend mündlich
dahingehend geäussert, verstanden und in diesem Verständnis geeinigt haben,
dass Platini für dessen Beratertätigkeit zugunsten der FIFA bzw. ihres Präsiden-
ten ab Juli 1998 mit jährlich Fr. 1 Million vergütet werden sollte. Ausgangspunkt
für dieses Beweisergebnis sind die anlässlich der ersten staatsanwaltschaftli-
chen zu Protokoll gegebenen und im Kern übereinstimmenden, nicht per se un-
glaubhaften Erstaussagen der Beschuldigten, welche im Verlaufe des Verfah-
rens mehrfach wiederholt, bestätigt und präzisiert worden sind. Als gewichtiges
Indiz für die Verwirklichung des von den Beschuldigten vorgebrachten Alternativ-
sachverhalts spricht sodann der schriftliche Vertrag zwischen der FIFA und Pla-
tini vom 25. August 1999 bzw. dessen (fehlenden) Vertragsbestimmungen. Der
schriftliche Vertrag enthält nämlich wesentliche und zwischen den Vertragspar-
teien nachweislich vereinbarte Vertragsbestimmungen nicht. Aufgrund dieser nur
teilweisen Verschriftlichung der Abreden betreffend Platinis Beratertätigkeit hat
das Gericht keine Zweifel, dass neben dem schriftlichen Vertrag eine zusätzliche
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mündliche Vereinbarung zwischen Platini und der FIFA bzw. Blatter bestand, wel-
che namentlich das erste halbe Jahr von Platinis Beratertätigkeit sowie die Nut-
zung von Platinis Büro in Paris regelte. Daraus kann zwar nicht direkt darauf ge-
schlossen werden, dass sich Blatter und Platini in dieser mündlichen Vereinba-
rung auch betreffend die jährliche Vergütung von Fr. 1 Million geeinigt haben.
Dies kann aber auch nicht ausgeschlossen werden. Dass eine solche mündliche
Einigung zustande gekommen ist, wird indes durch die Aussagen der Zeitzeugen
T. und Z. indiziert. Diese Zeugenaussagen stehen zudem im Einklang mit der
allgemeinen Lebenserfahrung, werden wesentliche Vertragsbestimmungen – wie
namentlich die Vergütung – doch üblicherweise zu Beginn der Tätigkeit und nicht
erst rund 1 Jahr nach deren Beginn geregelt. Sie fügen sich schliesslich auch in
den übrigen Sachverhalt ein, ist doch erstellt, dass Platini die entsprechende Ver-
gütung bereits im Jahr 1998 – und folglich vor Abschluss des schriftlichen Ver-
trages – gefordert hat, es Vertragsverhandlungen zwischen Blatter und Platini
betreffend die Vergütung in Höhe von Fr. 1 Million pro Jahr gegeben hat und die
noch ausstehende Restvergütung in der Höhe von Fr. 2 Millionen (recte:
Fr. 2.8 Millionen) von Platini nachgefordert und schliesslich auch bezahlt worden
ist. Im Übrigen existieren auch keine Beweismittel oder Indizien, welche den ein-
deutigen Schluss zulassen würden, dass eine solche mündliche Vereinbarung
betreffend die Vergütung von Fr. 1 Million pro Jahr nicht getroffen worden wäre.
3.5.3.4 Nachdem das Gericht davon auszugehen hat, dass sich Blatter und Platini im
Jahr 1998 tatsächlich übereinstimmend mündlich dahingehend geeinigt haben,
dass Platini für dessen Beratertätigkeit mit jährlich Fr. 1 Million vergütet werden
soll, ist zu prüfen, ob durch diese Willensäusserungen rechtsgültig ein Vertrag
zwischen der FIFA und Platini zustanden gekommen ist. In dieser Hinsicht ist
massgebend, dass Blatter während des gesamten Jahres 1998 – zuerst als Ge-
neralsekretär und anschliessend als FIFA-Präsident – mit Einzelunterschrift für
die FIFA im Handelsregister eingetragen war (E. 3.1.2). Damit vermochte Blatter
die FIFA – entgegen dem Vorbringen der Bundesanwaltschaft
(TPF 266.721.195 f.) – unabhängig von seiner internen Vertretungsbefugnis
während des gesamten Jahres 1998 gegenüber Dritten rechtsgeschäftlich zu
binden, sofern einerseits das konkrete Rechtsgeschäft vom Vereinszweck um-
fasst bzw. von diesem nicht geradezu ausgeschlossen war und andererseits der
Dritte gutgläubig war (E. 3.3.1.2). Dass der Abschluss eines Vertrages zur Bera-
tung des FIFA-Präsidenten in Angelegenheiten des Fussballs nicht vom Vereins-
zweck der FIFA gedeckt wäre, ist weder ersichtlich noch wird dies geltend ge-
macht. Die Bundesanwaltschaft bringt indes sinngemäss vor, dass Blatter vor
dessen Wahl zum FIFA-Präsidenten und folglich in der Funktion als Generalsek-
retär aufgrund seines intern geregelten Aufgabenbereichs (E. 3.1.2.1) nicht über
die interne Vertretungsbefugnis verfügt habe, um im Namen der FIFA einen sol-
chen Beratervertrag mit Platini gültig abzuschliessen (TPF 266.721.195 f.).
Hierzu ist festzuhalten, dass eine solche allfällige interne Vertretungsbeschrän-
kung nur dann einen gültigen Vertragsabschluss hindern würde, wenn Platini
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diese kundgetan oder sonst nachweislich bekannt war (E. 3.3.1.2). Ob eine sol-
che allfällige interne Vertretungsbeschränkung tatsächlich bestanden hat und
diese Platini bewusst war, kann vorliegend jedoch offengelassen werden. Denn
auch wenn sich Blatter und Platini vor der FIFA-Präsidentschaftswahl am
8. Juni 1998 unter der aufschiebenden Bedingung (Art. 151 ff. OR), dass Blatter
als FIFA-Präsident gewählt wird, mündlich geeinigt hätten, dass Platini ab
Juli 1998 für Fr. 1 Million als Berater des FIFA-Präsidenten angestellt werden
würde, hätten sie diese übereinstimmende gegenseitige Willensäusserung spä-
testens bei Aufnahme von Platinis Beratertätigkeit im Juli 1998 – und damit nach
Blatters Wahl zum FIFA-Präsidenten – zumindest stillschweigend (Art. 1
Abs. 2 OR) wiederholt und bekräftigt. Zu diesem Zeitpunkt verfügte Blatter so-
wohl im externen als auch internen Verhältnis über die Kompetenz, die FIFA beim
Abschluss dieses Beratervertrags zu vertreten (E. 3.1.2.2). Im Übrigen ist der
Abschluss der mündlichen Vereinbarung – unabhängig von der rechtlichen Qua-
lifizierung des entsprechenden Beratervertrages als Arbeitsvertrag oder Auf-
trag – formgültig (Art. 11 Abs. 1 i.V.m. Art. 320 Abs. 1 bzw. Art. 394 ff. OR). Auch
sind keine Inhalts- oder Willensmängel (Art. 19 ff. OR) ersichtlich. Im Ergebnis
kam demnach durch die vorgenannten mündlichen Willensäusserungen von
Blatter als FIFA-Präsident und Platini ein gültiger Vertrag zwischen der FIFA und
Platini zustande, wonach Platini ab Juli 1998 Berater des neu gewählten FIFA-
Präsidenten Blatter wurde und hierfür eine jährliche Vergütung von Fr. 1 Million
erhielt.
3.5.3.5 Schliesslich ist festzuhalten, dass sich aus dem schriftlichen Vertrag zwischen
der FIFA und Platini vom 25. August 1999 keine Anhaltspunkte dafür ergeben,
dass die Vertragsparteien damit die zuvor geschlossene mündliche Vereinba-
rung hätten aufheben oder ersetzen wollen. Im Gegenteil wird dies von den Be-
schuldigten ausdrücklich bestritten (E. 3.5.2.8 f.). Im Unterschied zum ebenfalls
erst nachträglich verschriftlichten Vertrag betreffend Blatters Tätigkeit als FIFA-
Generalsekretär vom 11. Dezember 1989 (siehe Präambel des Vertrages
[BA B07.201.102.1-0002]), enthält der schriftliche Vertrag vom 25. August 1999
zudem weder ausdrückliche (Aufhebungs-)Erklärungen in Bezug auf die mündli-
che Vereinbarung noch findet sich darin eine sog. Gesamtvertrags- oder Voll-
ständigkeitsklausel («merger clause» oder «entire agreement clause»), wonach
dieser abschliessend sämtliche zwischen den Vertragsparteien mit Blick auf das
Beratermandat getroffenen Abreden enthalten würde (hierzu ausführlich
MÜLLER, Protecting the Integrity of a Written Agreement, Diss. 2013, S. 177 ff.).
Der schriftliche Vertrag war folglich ein die mündliche Vereinbarung ergänzender
Vertrag und hat diese somit nicht ersetzt oder gar aufgehoben. Die mit der münd-
lichen Vereinbarung vereinbarte Abrede betreffend die jährliche Vergütung von
Fr. 1 Million blieb somit auch nach Abschluss des schriftlichen Vertrages beste-
hen.
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3.5.3.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Gericht zugunsten der Beschuldig-
ten vernünftigerweise nicht ausschliessen kann, dass Blatter und Platini sich tat-
sächlich dahingehend mündlich geeinigt haben, dass Platini für dessen Berater-
tätigkeit zugunsten der FIFA bzw. ihres Präsidenten ab Juli 1998 mit jährlich
Fr. 1 Million vergütet werden sollte. Durch diese übereinstimmende gegenseitige
Willensäusserung von Blatter und Platini kam eine mündliche Vereinbarung zwi-
schen der FIFA und Platini gültig zustande, gestützt worauf Platini für seine Be-
ratertätigkeit eine jährliche Vergütung von Fr. 1 Million hat verlangen können.
Diese mündliche Vereinbarung wurde durch den in der Folge abgeschlossenen
schriftlichen Vertrag zwischen der FIFA und Platini vom 25. August 1999 weder
ersetzt noch aufgehoben. Die FIFA hat Platini für dessen Beratertätigkeit von
Juli 1998 bis Juni 2002 bis zum 1. Februar 2011 eine Vergütung von Fr. 1.2 Mil-
lionen bezahlt. Im Zeitpunkt der inkriminierten Zahlung in Höhe von Fr. 2 Millio-
nen bestand folglich noch eine Restforderung von Platini gegenüber der FIFA in
Höhe von Fr. 2.8 Millionen. Die an Platini überwiesenen Fr. 2 Millionen waren
folglich von der FIFA geschuldet.
3.6 Tatsächliches betreffend die Sozialversicherungsbeiträge
3.6.1 Standpunkte der Parteien
Die Bundesanwaltschaft und die FIFA machten unter Verweis auf den schriftli-
chen Vertrag vom 25. August 1999 zusammenfassend geltend, dass die Ausrich-
tung der Sozialversicherungsbeiträge nicht geschuldet gewesen sei
(TPF 266.100.008 f.; 266.721.295/397). Demgegenüber erklärten die Verteidiger
von Blatter und Platini zusammenfassend, dass die auf den nachträglich bezahl-
ten Fr. 2 Millionen ausgerichteten Sozialversicherungsbeiträgen gestützt auf eine
im Jahr 2011 bei der FIFA existierende Praxis geschuldet gewesen seien
(TPF 266.721.470 f.; 266.721.516 f.). Darauf ist in der Folge näher einzugehen.
3.6.2 Beweismittel
3.6.2.1 Schriftlicher Vertrag vom 25. August 1999
Der zwischen der FIFA und Platini abgeschlossene schriftliche Vertrag vom
25. August 1999 regelte in Bezug auf allfällige Sozialversicherungsbeiträge Fol-
gendes: «Monsieur Michel Platini ne bénéficiera d’aucune assurance sociale ou
professionnelle découlant de la présente convention. Monsieur Michel Platini
confirme par la présente qu’il est assuré de façon adéquate sur le plan profes-
sionnel en tant qu’indépendant en France» (Art. 5 des schriftlichen Vertrags
[BA B07.301.002-0005]).
3.6.2.2 Rechnung von Platini vom 17. Januar 2011
Aktenkundig ist eine von Platini unterschriebene und an die FIFA adressierte
Rechnung vom 17. Januar 2011. Mit der Rechnung wurde – neben dem Betrag
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SK.2021.48
von Fr. 2 Millionen für in den Jahren 1998 bis 2002 erbrachte Beraterdienstleis-
tungen – um Begleichung der AHV und übrigen Sozialversicherungsbeiträge
(inkl. Arbeitnehmerbeiträge) ersucht. Die Rechnung wurde am 18. Januar 2011
auch von Blatter unterzeichnet (BA B07.301.002-0201 f.; näher E. 3.5.2.2).
3.6.2.3 Übrige FIFA-interne Sachbeweise
a) In den Akten befindet sich eine E-Mail von E. vom 24. September 2007, mit
welcher er damalige FIFA-Mitarbeiter darüber informierte, dass die Jahre 1998
bis 2007 für die Berechnung von Platinis Rentenanspruch zu berücksichtigen
seien (BA B07.301.002-0018).
b) Aktenkundig sind zudem zwei an Platini gerichtete Schreiben der FIFA vom
15. April 2009 (unterzeichnet durch E.) bzw. vom 29. Oktober 2009 (unterzeich-
net durch D.), mit welchen er informiert wurde, dass die Dienstjahre ab 1998 bei
der Rentenberechnung angerechnet werden (BA B07.301.002-0257 f.).
c) Gemäss dem in den Akten liegenden Protokoll der Sitzung des FIFA-Exeku-
tivkomitees vom 20. Oktober 2015 habe es sich beim schriftlichen Vertrag zwi-
schen der FIFA und Platini vom 25. August 1999 um einen Arbeitsvertrag gehan-
delt (TPF 266.721.091).
3.6.2.4 Aussagen Joseph S. Blatter
Anlässlich Blatters ersten Befragungen vom 25. September 2015, 1. Okto-
ber 2015 und 1. September 2020 wurde er weder näher zur Ausrichtung der So-
zialversicherungsbeiträge an Platini befragt noch hat er sich hierzu spontan ge-
äussert (BA 13.001-0001 ff.; -0276 ff.; BA B07.203.001.0103-0139 ff.). Im Rah-
men der Schlusseinvernahme gab Blatter auf Frage an, sich nicht daran erinnern
zu können, dass vereinbart worden sei, dass Platini die Sozialversicherungsbei-
träge selber zu bezahlen habe (BA 13.001-0607 Z. 18 f.). Nach Eingang von Pla-
tinis Rechnung vom 17. Januar 2011 habe er lediglich bestätigt, dass die
Fr. 2 Millionen noch ausstehend seien und er habe die unterschriebene Rech-
nung an die Buchhaltung weitergeleitet. Die FIFA habe den Betrag dann auto-
matisch – ohne seine Anweisung – als Lohn und folglich mit Sozialversicherungs-
beiträgen abgerechnet (BA 13.001-0607 Z. 19-27; -0639 Z. 26-29). Allgemein sei
er an der operativen Ausführung der Zahlung nicht beteiligt gewesen und kenne
folglich die entsprechenden Details nicht, insbesondere hinsichtlich der geleiste-
ten Sozialversicherungsbeiträge (BA 13.001-0760 Z. 29-31; -0761 Z. 1-18; -0762
Z. 22 f.). Zudem habe er erst im Nachhinein erfahren, dass zusätzlich zur Zah-
lung in Höhe von Fr. 2 Millionen auch noch AHV und andere Sozialversiche-
rungsbeiträge bezahlt worden seien (BA 13.001-0763 Z. 17 f.; -0764 Z. 28 f.).
Dies wiederholte er im Wesentlichen anlässlich seiner Einvernahme an der
Hauptverhandlung (TPF 266.731.012).
- 83 -
SK.2021.48
3.6.2.5 Aussagen Michel François Platini
Im Rahmen seiner Anhörung vor der Untersuchungskammer der FIFA-Ethikkom-
mission vom 1. Oktober 2015 gab Platini auf Frage, weshalb er in der Rechnung
vom 17. Januar 2011 auch die Ausrichtung von Sozialversicherungsbeiträgen
gefordert habe, zu Protokoll, dass dies entweder so vereinbart gewesen sei oder
dies eine Folge der Diskussion zwischen V. und D. in Bezug auf die Ausgestal-
tung der Rechnung gewesen sei. Er selbst verstehe nicht viel hiervon und könne
deshalb nicht mehr dazu sagen (BA B07.203.001.0103-0339 f.). Dies wieder-
holte er im Wesentlichen anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen Einver-
nahme vom 7. September 2020 (BA 13.004-0041 Z. 1-12). Im Rahmen des Vor-
verfahrens wurde Platini ansonsten weder näher zur Ausrichtung der Sozialver-
sicherungsbeiträge befragt noch äusserte er sich spontan dazu (Einvernahmen
vom 25. September 2015 [BA 12.001-0001 ff.], 31. August 2020 [BA 13.004-
0011 ff.] und 16. November 2020 [BA 13.004-0179 ff.]) bzw. machte von seinem
Aussageverweigerungsrecht Gebrauch (Schlusseinvernahme vom
15. März 2021 [BA 13.004-0573 ff.]). Anlässlich seiner Einvernahme an der
Hauptverhandlung gab er auf Frage an, nicht zu wissen, was hinsichtlich der So-
zialversicherungsbeiträge vereinbart worden sei (TPF 266.732.008).
3.6.2.6 Aussagen D.
D. gab im Rahmen seiner Befragung vor der Untersuchungskammer der FIFA-
Ethikkommission vom Oktober 2015 zu Protokoll, dass es im Jahr 2010 im Hin-
blick auf die Rechnungsstellung betreffend Platinis Forderung in Höhe von
Fr. 2 Millionen eine Besprechung mit Platinis Mitarbeiter betreffend die Sozial-
versicherungen gegeben habe (BA B07.203.001.0103-0533 f.). Da Platinis Be-
ratertätigkeit in den Jahren 1998 bis 2002 auch für dessen Rentenanspruch be-
rücksichtigt worden seien und er überdies Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees
gewesen sei, habe die FIFA auf den Fr. 2 Millionen auch Sozialversicherungs-
beiträge bezahlt (BA B07.203.001.0103-0539). Anlässlich seiner Zeugeneinver-
nahme vom 25. September 2015 erklärte D., dass er mit V. die Rechnungsstel-
lung betreffend Platinis Forderung besprochen und diesem mitgeteilt habe, dass
die FIFA die AHV übernehmen werde. Das Resultat dieser Besprechung sei die
Rechnung vom 17. Januar 2011 gewesen (BA 12.002-0003 Z. 25-27 und Z. 34-
37; -0005 Z. 27 f.; -0008 Z. 1-9).
3.6.2.7 Aussagen V.
V. war seit dem 1. September 2000 sowie im anklagerelevanten Zeitraum in ver-
schiedenen Funktionen bei der UEFA tätig und hat sich zudem um ver-
schiedenste administrative Angelegenheiten von Platini gekümmert (BA 12.009-
0016 f.; -0090 ff.; -0153 f.). Im Rahmen seiner Befragung vor der Untersuchungs-
kammer der FIFA-Ethikkommission vom 19. Oktober 2015 erklärte er, dass Pla-
tini ihn Ende 2010 beauftragt habe, mit D. hinsichtlich der Abwicklung von Platinis
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SK.2021.48
Forderung von Fr. 2 Millionen Kontakt aufzunehmen. Dies habe er getan und ge-
stützt auf die von D. erhaltenen Instruktionen die Rechnung vom 17. Januar 2011
erstellt. Dieser habe ihm namentlich gesagt, dass die FIFA sowohl die Arbeitge-
ber- als auch Arbeitnehmerbeiträge der AHV bezahlen werde (BA
B07.203.001.0103-1188 f.). Dies wiederholte er im Wesentlichen anlässlich sei-
ner Zeugeneinvernahme vom 20. Februar 2018 und gab zu Protokoll, dass D.
ihm mitgeteilt habe, wie er die Rechnung zu formulieren habe, u.a. dass er darin
den jeweilig geschuldeten Betrag pro Jahr aufführen und festhalten solle, dass
die FIFA die AHV-Zahlungen zu übernehmen habe. Er habe die Anweisungen
genau befolgt und gestützt darauf die Rechnung vom 17. Januar 2011 verfasst
(BA 12.009-0102 ff.; -0106). In Bezug auf die in der Rechnung vom 17. Ja-
nuar 2011 enthaltene Formulierung, dass «la FIFA assure le payement de l‘AVS
et de toute autre prestation sociale, y compris celles à la charge de I‘employé»
präzisierte er, dass er – aufgrund Platinis Anweisung, alles müsse korrekt erfol-
gen – sich bei D. erkundigt habe, wie bezüglich der Beiträge der AHV und übrigen
Sozialversicherungen vorgegangen werden solle, woraufhin dieser ihm entgeg-
net habe, dass diese von der FIFA übernommen würden; Platini habe ihm dies-
bezüglich keine besonderen Weisungen erteilt (BA 12.009-0108). Die vorge-
nannten Aussagen bestätigte er an seiner Zeugeneinvernahme vom
11. März 2021 und erklärte, dass Platini die Sozialleistungen bei Auftragsertei-
lung nicht angesprochen habe, sondern D. ihm – auf entsprechende Frage, wie
mit den Sozialleistungen umzugehen sei – mitgeteilt habe, dass die FIFA sowohl
die Arbeitgeber- als auch Arbeitnehmerbeiträge bezahlen werde (BA 12.009-
0165 f.).
3.6.2.8 Aussagen CC.
CC. gab im Rahmen seiner Befragung vor der Untersuchungskammer der FIFA-
Ethikkommission vom 21. Oktober 2015 zu Protokoll, die Begleichung der Sozi-
alversicherungsbeiträge auf den an Platini bezahlten Fr. 2 Millionen sei – seit ei-
ner Praxisänderung der Sozialversicherungsbehörden und der FIFA im
Jahr 2009 – üblich gewesen (BA B07.203.001.0103-1208 f.; -1213 f.). Anlässlich
seiner Zeugeneinvernahme vom 2. September 2020 präzisierte er, dass sich die
Praxis der Ausgleichskassen während seiner Zeit bei der FIFA in Bezug auf
sog. Freelancer geändert habe und diese neu als Angestellte der FIFA zu be-
trachten gewesen seien. Es habe zudem eine Vereinbarung zwischen der FIFA
und den Ausgleichskassen sowie dem Bundesamt für Sozialversicherung exis-
tiert, wonach auch Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees als Angestellte zu be-
handeln gewesen seien (BA 12.013-0167 Z. 20-26).
3.6.2.9 Aussagen DD.
DD. trat im Jahr 1999 als Assistentin in die Finanzdirektion der FIFA ein und war
im Zeitraum von 2005 bis 2016 in der Abteilung «Consolidation and Compliance»
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SK.2021.48
für die Bereiche Jahresabschluss, Buchhaltung und das interne Controllingsys-
tem zuständig (BA 12.015-0018 Z. 23-27). Sie gab anlässlich ihrer Zeugenein-
vernahme vom 8. September 2020 zusammenfassend an, dass die FIFA bei Mit-
gliedern des FIFA-Exekutivkomitees immer die Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-
beiträge der entsprechenden Sozialleistungen bezahlt habe. Sie gehe davon
aus, dass die FIFA die geleisteten Sozialversicherungsbeiträge auf den an Platini
bezahlten Fr. 2 Millionen übernommen habe, da dieser für seine Beratertätigkeit
in den Jahren 1998 bis 2002 wie ein Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees behan-
delt worden sei (BA 12.015-0042 Z. 1-19).
3.6.3 Beweiswürdigung und Beweisergebnis
3.6.3.1 Betreffend die zu Gunsten von Platini überwiesenen Sozialversicherungsbeiträge
in Höhe von Fr. 229'126.– ist in tatsächlicher Hinsicht zwischen der Zeitperiode,
in welcher die mündliche Vereinbarung (1998) und der schriftliche Vertrag (1999)
abgeschlossen worden sind, und dem Zeitpunkt der Rechnungsstellung bzw.
Auszahlung (2011) zu differenzieren.
a) Im erstgenannten Zeitraum (1998-1999) hatte Platini Wohnsitz in Frankreich
und arbeitete für die in der Schweiz domizilierte FIFA, wobei er seine Tätigkeit
auf dem Gebiet einer Vielzahl von Staaten ausübte, ihm jedoch hierfür in Paris
ein Büro zur Verfügung gestellt wurde. Angesichts der vagen Aussagen der bei-
den Beschuldigten zu dieser Thematik bzw. der diesbezüglich geltend gemach-
ten fehlenden Detailkenntnisse (E. 3.6.2.4 f.) sowie der übrigen Aktenlage bleibt
es – selbst unter Berücksichtigung des damals geltenden Koordinationsrechts
(Art. 7 ff. des Abkommens zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft
und der Französischen Republik über Soziale Sicherheit vom 3. Juli 1975;
SR 0.831.109.349.1) – unklar, was gemäss der zwischen der FIFA und Platini
abgeschlossenen mündlichen Vereinbarung hinsichtlich sozialversicherungs-
rechtlichen Leistungen geregelt worden war. Klar ist indes, dass im schriftlichen
Vertrag vom 25. August 1999 diesbezüglich Folgendes vereinbart wurde: «Mon-
sieur Michel Platini ne bénéficiera d’aucune assurance sociale ou professionnelle
découlant de la présente convention. Monsieur Michel Platini confirme par la pré-
sente qu’il est assuré de façon adéquate sur le plan professionnel en tant qu’in-
dépendant en France» (E. 3.6.2.1).
b) Anschliessend veränderten sich die für die Leistung von Sozialversicherungs-
beiträgen wesentlichen Umstände in zweifacher Hinsicht. So hatte Platini ab dem
Jahr 2007 sowie auch im Zeitpunkt der Rechnungsstellung und Bezahlung der
Sozialversicherungsbeiträge im Jahr 2011 seinen Wohnsitz nicht mehr in Frank-
reich, sondern in der Schweiz (BA B07.301.002-0028; TPF 266.310.046). Ferner
bestand gemäss den Aussagen von CC. und DD. bei der FIFA im Jahr 2011 eine
mit den Sozialversicherungsbehörden abgesprochene (neue) Praxis, wonach
erstens sowohl die für die FIFA tätigen sog. Freelancer als auch die Mitglieder
des FIFA-Exekutivkomitees als Angestellte zu behandeln waren und zweitens die
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SK.2021.48
FIFA jeweils sowohl die sozialversicherungsrechtlichen Arbeitgeber- als auch die
Arbeitnehmerbeiträge bezahlte (E. 3.6.2.8 [CC.]; 3.6.2.9 [DD.]). Letzteres ergibt
sich auch daraus, dass der in der Rechnung vom 17. Januar 2011 aufgenom-
mene Passus «dont la FIFA assure le payement de l‘AVS et de toute autre
prestation sociale, y compris celles à la charge de l‘employé» nicht die Folge von
allfälligen besonderen Weisungen von Blatter oder Platini gewesen ist. Vielmehr
wurde diese Formulierung gemäss den im Kern übereinstimmenden Aussagen
von D. und V. einzig aufgrund einer zwischen ihnen im Hinblick auf die Rech-
nungsstellung stattgefundene Besprechung eingefügt, in welcher D. – auf Frage
von V., wie mit den Sozialleistungen umzugehen sei – erwidert hatte, dass die
FIFA sowohl die Arbeitgeber- als auch die Arbeitnehmerbeiträge übernehmen
werde (E. 3.6.2.6 [D.]; E. 3.6.2.7 [V.]). Diese FIFA-interne Qualifizierung von Pla-
tinis Beratertätigkeit als unselbständige Erwerbstätigkeit entsprach schliesslich
auch im Jahre 2015 noch der Ansicht des FIFA-Exekutivkomitees und ist im Üb-
rigen auch in sich kongruent, wurden die hierfür geleisteten Dienstjahre doch
auch für die Berechnung von Platinis Rentenanspruch berücksichtigt (E. 3.6.2.3).
Aus den dem Gericht vorliegenden Akten ergeben sich schliesslich auch sonst
keine Anhaltspunkte dafür, dass anderweitige FIFA-interne Richtlinien oder Re-
gelungen eine solche Praxis ausgeschlossen hätten.
3.6.3.2 Nach dem Gesagten ergibt sich, dass bei der FIFA im Jahr 2011 – unabhängig
von resp. in Änderung der ursprünglichen Regelung gemäss Art. 5 des schriftli-
chen Vertrages vom 25. August 1999 – eine gelebte Praxis existierte, wonach
Berater wie Platini intern und gegenüber den Sozialversicherungsbehörden als
unselbständig Erwerbende qualifiziert und von der FIFA hierfür sowohl Arbeitge-
ber- als auch Arbeitnehmerbeiträge geleistet worden sind. Entsprechend dieser
Praxis waren auf der an Platini für seine Beratertätigkeit nachträglich bezahlten
Vergütung von Fr. 2 Millionen auch die bezahlten Sozialversicherungsbeiträge in
Höhe von Fr. 229'126.– geschuldet.
3.7 Ergebnis in tatsächlicher Hinsicht
3.7.1 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass Platini im Zeitraum von Juli 1998 bis
Juni 2002 Berater des damaligen FIFA-Präsidenten Blatter war (E. 3.4). Diese
Beratertätigkeit war sowohl durch einen schriftlichen Vertrag vom 25. Au-
gust 1999 sowie – entgegen dem Anklagesachverhalt – auch durch eine mündli-
che Vereinbarung geregelt. Gestützt auf die mündliche Vereinbarung konnte Pla-
tini für seine Beratertätigkeit eine jährliche Vergütung von Fr. 1 Million verlangen.
Die FIFA hat Platini bis zum 1. Februar 2011 insgesamt lediglich eine Vergütung
von Fr. 1.2 Millionen (jährlich Fr. 300'000.–) bezahlt, sodass die an Platini zu die-
sem Zeitpunkt überwiesenen Fr. 2 Millionen – entgegen der Anklageschrift – ge-
schuldet waren (E. 3.5). Zudem waren – entgegen der Anklageschrift – gemäss
einer bei der FIFA im Jahr 2011 gelebten Praxis auf der an Platini für seine Be-
ratertätigkeit nachträglich bezahlten Vergütung von Fr. 2 Millionen auch Sozial-
versicherungsbeiträge in Höhe von Fr. 229'126.– geschuldet (E. 3.6).
- 87 -
SK.2021.48
3.7.2 Nach dem Gesagten waren sowohl die an Platini überwiesenen Fr. 2 Millionen
als auch die zu seinen Gunsten überwiesenen Sozialversicherungsbeiträge in
Höhe von Fr. 229'126.– von der FIFA geschuldet, sodass die Beschuldigten na-
mentlich nicht in unrechtmässiger Bereicherungsabsicht im Sinne der angeklag-
ten Vermögensdelikte (Betrug [Art. 146 Abs. 1 StGB], Veruntreuung [Art. 138
Ziff. 1 Abs. 2 StGB], qualifizierte ungetreue Geschäftsbesorgung [Art. 158 Ziff. 1
Abs. 1 und 3 StGB]) handelten (siehe zu diesem Tatbestandsmerkmal Urteile
des Bundesgerichts 6B_66/2008 vom 9. Mai 2008 E. 5.3.3; 6B_355/2007 vom
4. September 2007 E. 3.1; NIGGLI/RIEDO, in: Niggli/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler
Kommentar, Strafrecht, 4. Aufl. 2018, Vor Art. 137 StGB N. 85) und die von den
Beschuldigten unterschriebene Rechnung nicht unwahr im Sinne von Art. 251
Ziff. 1 StGB ist. Die Beschuldigten sind somit von den Vorwürfen des Betrugs,
eventualiter der Veruntreuung (Blatter) bzw. der Gehilfenschaft dazu (Platini),
subeventualiter der ungetreuen Geschäftsbesorgung (Blatter) bzw. der Gehilfen-
schaft dazu (Platini), sowie der Urkundenfälschung frei zu sprechen.
4. Beschlagnahmte Gegenstände und Vermögenswerte
4.1 Gegenstände und Vermögenswerte einer beschuldigten Person oder einer Dritt-
person können gemäss Art. 263 Abs. 1 StPO beschlagnahmt werden, wenn die
Gegenstände und Vermögenswerte voraussichtlich als Beweismittel gebraucht
werden (lit. a), zur Sicherstellung von Verfahrenskosten, Geldstrafen, Bussen
und Entschädigungen gebraucht werden (lit. b), den Geschädigten zurückzuge-
ben sind (lit. c) oder einzuziehen sind (lit. d). Ist der Grund für die Beschlagnahme
weggefallen, so hebt die Staatsanwaltschaft oder das Gericht die Beschlag-
nahme auf und händigt die Gegenstände oder Vermögenswerte der berechtigten
Person aus (Art. 267 Abs. 1 StPO). Ist die Beschlagnahme eines Gegenstandes
oder Vermögenswertes nicht vorher aufgehoben worden, so ist über seine Rück-
gabe an die berechtigte Person, seine Verwendung zur Kostendeckung oder
über seine Einziehung im Endentscheid zu befinden (Art. 267 Abs. 3 StPO).
4.2
4.2.1 Mit Verfügungen der Bundesanwaltschaft vom 24. November 2020 und
1. März 2021 wurden aus dem Vermögen von Platini Vermögenswerte in Höhe
des angeblichen Deliktsbetrags von CHF 2'229'126.– im Hinblick auf die spätere
Vermögenseinziehung beschlagnahmt (BA 07.101-0096 ff.; -0143 ff.). Mit Verfü-
gung der Bundesanwaltschaft vom 1. März 2021 wurde die Verwertung dieser
Vermögenswerte angeordnet und der Erlös schliesslich auf das Konto [...] der
Eidgenössischen Finanzverwaltung überführt (BA 07.101-0143 ff.). Gemäss dem
zum Urteilszeitpunkt aktuellsten Kontoauszug befanden sich auf diesem Konto
per 30. April 2022 Vermögenswerte in Höhe von Fr. 2'229'788.55
(TPF 266.510.091).
- 88 -
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4.2.2 Das Verfahren gegen die Beschuldigten wurde teilweise eingestellt; im Übrigen
wurden Blatter und Platini freigesprochen (E. 1.5.2; 3.7.2). Ausgangsgemäss ist
der Grund für die Beschlagnahme der Vermögenswerte weggefallen. Da die be-
schlagnahmten Vermögenswerte ursprünglich aus Platinis Vermögen stammen,
ist das beschlagnahmte Guthaben auf dem Konto [...] der Eidgenössischen Fi-
nanzverwaltung in Höhe von Fr. 2'229'788.55 (per 30. April 2022) an Platini her-
auszugeben. Die entsprechenden Anträge auf Restitution und Einziehung be-
schlagnahmter Vermögenswerte sowie auf Begründung von Ersatzforderungen
und Zusprechung von Vermögenswerten (TPF 266.721.286; 266.721.390 ff.)
sind abzuweisen.
4.3 Sämtliche übrigen im Beschlagnahmeverzeichnis SV.21.0850 aufgeführten und
durch die Bundesanwaltschaft beschlagnahmten Dokumente und Gegenstände
sind als Beweismittel bei den Akten zu belassen.
5. Zivilklagen
5.1 Die geschädigte Person kann zivilrechtliche Ansprüche aus der Straftat als Pri-
vatklägerschaft adhäsionsweise im Strafverfahren geltend machen (Art. 122
Abs. 1 StPO). Gemäss Art. 126 Abs. 1 StPO entscheidet das Gericht über die
anhängig gemachte Zivilklage, wenn es die beschuldigte Person schuldig spricht
(lit. a) oder freispricht und der Sachverhalt spruchreif ist (lit. b). Die Zivilklage wird
hingegen u.a. auf den Zivilweg verwiesen, wenn das Strafverfahren eingestellt
wird oder die beschuldigte Person freigesprochen wird, der Sachverhalt aber
nicht spruchreif ist (Art. 126 Abs. 2 lit. a und d StPO).
5.2 Die FIFA hat sowohl gegen Blatter als auch gegen Platini eine Zivilklage anhän-
gig gemacht (TPF 266.721.388 ff.). Das Verfahren gegen die Beschuldigten
wurde teilweise eingestellt; im Übrigen wurden Blatter und Platini freigesprochen
(E. 1.5.2; 3.7.2). Ausgangsgemäss sind die Zivilklagen der FIFA gegen Blatter
und Platini demnach auf den Zivilweg zu verweisen.
6. Verfahrenskosten
6.1
6.1.1 Die Verfahrenskosten setzen sich zusammen aus den Gebühren zur Deckung
des Aufwands und den Auslagen im konkreten Straffall (Art. 422 Abs. 1 StPO;
Art. 1 Abs. 1 des Reglements des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über
die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR;
SR 173.713.162]). Die Gebühren sind für die Verfahrenshandlungen geschuldet,
die im Vorverfahren von der Bundeskriminalpolizei und von der Bundesanwalt-
schaft sowie im erstinstanzlichen Hauptverfahren von der Strafkammer des Bun-
desstrafgerichts durchgeführt oder angeordnet worden sind (Art. 1 Abs. 2
- 89 -
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BStKR). Die Höhe der Gebühr richtet sich nach Bedeutung und Schwierigkeit der
Sache, der Vorgehensweise der Parteien, ihrer finanziellen Situation und dem
Kanzleiaufwand (Art. 5 BStKR); sie bemisst sich nach Art. 6 und Art. 7 BStKR.
Die Auslagen umfassen die vom Bund vorausbezahlten Beträge, namentlich die
Kosten für die amtliche Verteidigung, Übersetzungen, Gutachten, Mitwirkung an-
derer Behörden, Porti, Telefonspesen und andere entsprechende Kosten
(Art. 422 Abs. 2 StPO; Art. 1 Abs. 3 BStKR). Im Vorverfahren beträgt die Gebühr
für die polizeilichen Ermittlungen Fr. 200.– bis Fr. 50'000.– und für die Untersu-
chung im Falle einer Anklageerhebung Fr. 1'000.– bis Fr. 100'000.– (Art. 6 Abs. 3
lit. b und Abs. 4 lit. c BStKR). Im Hauptverfahren vor dem Kollegialgericht beträgt
die Gebühr Fr. 1'000.– bis Fr. 100'000.– (Art. 7 lit. b BStKR).
6.1.2 Die beschuldigte Person trägt die Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird
(Art. 426 Abs. 1 StPO). Bei Einstellung des Verfahrens oder bei Freispruch ge-
hen die Kosten grundsätzlich zu Lasten des Staates, sofern die beschuldigte Per-
son nicht rechtswidrig und schuldhaft die Einleitung des Verfahrens bewirkt oder
dessen Durchführung erschwert hat (Art. 426 Abs. 2 StPO).
6.2
6.2.1 Die Bundesanwaltschaft bezifferte die Verfahrenskosten des Vorverfahrens mit
insgesamt Fr. 87'502.70 (Gebühr von Fr. 50'000.– und Auslagen von
Fr. 37'502.70 [TPF 266.100.102; 266.810.001 ff.]). Unter Berücksichtigung der in
E. 6.1.1 erwähnten Kriterien wird die Gerichtsgebühr auf Fr. 25'000.– festgesetzt.
Die gerichtlichen Auslagen betragen Fr. 18'514.25 (TPF 266.862 ff.; 266.891 f.).
Insgesamt betragen die Verfahrenskosten somit Fr. 131'016.95.
6.2.2 Das Verfahren gegen die Beschuldigten wurde teilweise eingestellt; im Übrigen
wurden Blatter und Platini freigesprochen (E. 1.5.2; 3.7.2). Sie haben das Ver-
fahren weder rechtswidrig und schuldhaft eingeleitet noch dessen Durchführung
erschwert. Ausgangsgemäss gehen die Verfahrenskosten von Fr. 131'016.95
demnach zulasten der Eidgenossenschaft.
7. Entschädigung und Genugtuung
7.1
7.1.1 Wird die beschuldigte Person ganz oder teilweise freigesprochen oder wird das
Verfahren gegen sie eingestellt, so hat sie gemäss Art. 429 Abs. 1 StPO An-
spruch auf Entschädigung ihrer Aufwendungen für die angemessene Ausübung
ihrer Verfahrensrechte (lit. a), der wirtschaftlichen Einbussen, die ihr aus ihrer
notwendigen Beteiligung am Strafverfahren entstanden sind (lit. b) sowie auf Ge-
nugtuung für besonders schwere Verletzungen ihrer persönlichen Verhältnisse
(lit. c). Hauptanwendungsfall der Genugtuung ist der im Gesetz ausdrücklich er-
wähnte Freiheitsentzug. Eine schwere Persönlichkeitsverletzung kann aber auch
andere Ursachen haben, etwa eine extensive Medienberichterstattung (BGE 146
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-IV-339%3Ade&number_of_ranks=0#page339
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SK.2021.48
IV 231 E. 2.6.1 f.; 143 IV 339 E. 3.1). Die Strafbehörde prüft den Anspruch von
Amtes wegen. Sie kann die beschuldigte Person auffordern, ihre Ansprüche zu
beziffern und zu belegen (Art. 429 Abs. 2 StPO).
7.1.2 Die Privatklägerschaft hat gemäss Art. 433 Abs. 1 StPO gegenüber der beschul-
digten Person Anspruch auf angemessene Entschädigung für notwendige Auf-
wendungen im Verfahren, wenn sie obsiegt (lit. a) oder die beschuldigte Person
gemäss Art. 426 Abs. 2 StPO kostenpflichtig wird, weil sie rechtswidrig und
schuldhaft die Einleitung des Verfahrens bewirkt oder dessen Durchführung er-
schwert hat (lit. b).
7.1.3 Auf die Berechnung der Entschädigung der ganz oder teilweise freigesprochenen
beschuldigten Person, der Wahlverteidigung und der gänzlich oder teilweise ob-
siegenden Privatklägerschaft sind die Bestimmungen über die Entschädigung
der amtlichen Verteidigung gemäss Art. 11 ff. BStKR anwendbar
(Art. 10 BStKR). Die Anwaltskosten umfassen das Honorar und die notwendigen
Auslagen, namentlich für Reise, Verpflegung und Unterkunft sowie Porti und Te-
lefonspesen (Art. 11 Abs. 1 BStKR). Das Honorar wird nach dem notwendigen
und ausgewiesenen Zeitaufwand des Verteidigers bemessen. Der Stundenan-
satz beträgt mindestens Fr. 200.– und höchstens Fr. 300.– (Art. 12 Abs. 1
BStKR). In Ermangelung ausserordentlicher Umstände betragen die Stundenan-
sätze für Rechtsanwälte praxisgemäss Fr. 230.– für Anwaltstätigkeit und
Fr. 200.– für Reise- und Wartezeit (Entscheide des Bundesstrafgerichts
BB.2019.45 vom 18. September 2019 E. 3.1 und SK.2018.47 vom 26. April 2019
E. 6.1) und der Stundenansatz für die Tätigkeit von Praktikanten und Praktikan-
tinnen Fr. 100.– (Urteil des Bundesgerichts 6B_118/2016 vom 20. März 2017
E. 4.4; Urteil des Bundesstrafgerichts SK.2017.10 vom 31. Oktober 2017 E. 4.3).
Die Auslagen werden im Rahmen der Höchstansätze aufgrund der tatsächlichen
Kosten vergütet (Art. 13 BStKR).
7.2 Entschädigung und Genugtuung an Joseph S. Blatter
7.2.1 Der Verteidiger von Blatter machte hinsichtlich des Entschädigungsanspruches
geltend, dass er bis zum 16. Juni 2022 einen Verteidigungsaufwand von insge-
samt 290 Stunden gehabt habe. Im Übrigen legte er die Festsetzung der Ent-
schädigungshöhe in das Ermessen des Gerichts (TPF 266.721.473). Weiter be-
antragte er im Namen von Blatter die Ausrichtung einer Genugtuung, wobei er
die Festsetzung deren Höhe wiederum ins Ermessen des Gerichts legte. Als Be-
gründung führte er aus, dass die überaus lange Verfahrensdauer und das welt-
weite Interesse am vorliegenden Verfahren den Ruf von Blatter massiv beein-
trächtigt habe und bei diesem tiefe Spuren hinterlassen hätten. Er erklärte
schliesslich, dass die Genugtuungssumme der Sepp Blatter Stiftung gespendet
werde (TPF 266.721.473).
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7.2.2 Das Verfahren gegen Blatter wurde teilweise eingestellt; im Übrigen wurde er
freigesprochen (E. 1.5.2; 3.7.2). Herabsetzungs- oder Verweigerungsgründe
nach Art. 430 Abs. 1 StPO liegen nicht vor. Für Blatters Ansprüche ergibt sich
daraus Folgendes:
7.2.2.1 Entschädigungsanspruch
Einleitend ist festzuhalten, dass der geltend gemachte Verteidigungsaufwand
von 290 Stunden angemessen erscheint. Hinzu kommt der Verteidigungsauf-
wand für die restliche Dauer der Hauptverhandlung vom 17. bis 21. Juni 2022
(11.25 Stunden), für die Urteilseröffnung vom 8. Juli 2022, inkl. Nachbespre-
chung (2.5 Stunden), sowie der seit dem 17. Juni 2022 entstandene zeitliche
Reiseaufwand (10 Stunden). Insgesamt beträgt der Aufwand des Verteidigers
demnach 313.75 Stunden (303.75 Stunden Arbeitsaufwand; 10 Stunden Reise-
aufwand). In Ermangelung besonderer Umstände beträgt der Stundenansatz
praxisgemäss Fr. 230.– für den Arbeitsaufwand und Fr. 200.– für den Reiseauf-
wand (E. 7.1.3). Erhöhend zu berücksichtigen sind weiter die dem Verteidiger
entstandenen Auslagen im Zusammenhang mit dessen Teilnahme an der Haupt-
verhandlung vom 8. bis 21. Juni 2022 und der Urteilseröffnung vom 8. Juli 2022.
Hierzu zählen die Reisekosten für die Strecke Zürich-Bellinzona von insgesamt
Fr. 312.– (6 Halbtax-Bahnbilletts zu je Fr. 52.– [Art. 13 Abs. 2 lit. a BStKR]), die
Hotelkosten für die 10 Verhandlungstage, wobei von einem durchschnittlichen
Preis von Fr. 145.– pro Tag ausgegangen wird (Fr. 1'450.– [Art. 13 Abs. 2 lit. d
BStKR]), sowie schliesslich die Verpflegungskosten für 10 Mittags- und Nachtes-
sen zu je Fr. 27.50 (Fr. 550.– [Art. 13 Abs. 2 lit. c BStKR i.V.m. Art. 43 Abs. 1 lit.
b VBPV]). Insgesamt beträgt der Verteidigungsaufwand folglich Fr. 79'885.95
(inkl. 7.7 % MWST). Zu vergüten sind ferner die dem Beschuldigten Blatter privat
im Zusammenhang mit dessen Teilnahme an der Hauptverhandlung und Ur-
teilseröffnung entstandenen Auslagen (Reise-, Unterkunfts- und Verpflegungs-
kosten). Diese stimmen mit den dem Verteidiger entstandenen Kosten überein,
sodass bezüglich deren Berechnung auf die vorgenannten Ausführungen verwie-
sen werden kann; sie betragen Fr. 2'312.–. Im Ergebnis hat die Eidgenossen-
schaft Blatter Fr. 82'197.95 (inkl. 7.7 % MWST) als Entschädigung zu zahlen.
7.2.2.2 Genugtuungsanspruch
Gegenstand des Strafverfahrens waren angebliche Straftaten des langjährigen
und weltweit bekannten ehemaligen FIFA-Präsidenten Blatter zugunsten des
ebenfalls weltweit bekannten ehemaligen Profi-Fussballspielers und langjährigen
Fussballfunktionärs Platini im Zusammenhang mit der Vergabe der FIFA-WM
2018 und 2022, eines der bedeutendsten Sportereignisse der Welt. Entspre-
chend wurde das Strafverfahren von Anfang an von einem grossen medialen In-
teresse im In- und Ausland begleitet. Der Beschuldigte Blatter wurde jahrelang in
der Öffentlichkeit in einer Vielzahl von Staaten unter voller Namensnennung mit
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schwerwiegenden Vorwürfen konfrontiert. Er wurde dadurch in seinen persönli-
chen Verhältnissen besonders schwer beeinträchtigt und hat daher Anspruch auf
eine Genugtuung. Dabei ist indes zu berücksichtigen, dass das Strafverfahren
gegen den Beschuldigten Blatter ursprünglich auch wegen anderer angeblicher
Straftaten in einem anderen Teilsachverhalt (siehe Prozessgeschichte Lit. I) ge-
führt worden ist. Das hiesige Verfahren stellte somit nicht die alleinige Ursache
der Persönlichkeitsverletzungen des Beschuldigten im Zusammenhang mit der
Medienberichterstattung dar. Relativiert wird die Schwere der Persönlichkeitsver-
letzung ferner dadurch, dass Blatter gerade auch wegen dem starken medialen
Interesse die Möglichkeit hatte, seine Sicht der Dinge in der Öffentlichkeit darzu-
legen. Weitere genugtuungsrelevante Umstände sind nicht ersichtlich. Zwar trifft
es zu, dass seit der Verfahrenseröffnung im September 2015 bis zum Urteilszeit-
punkt rund 7 Jahre vergingen. Namentlich unter Berücksichtigung, dass der für
das vorliegende Verfahren relevante Sachverhalt aufgrund des Grundsatzes der
Verfahrenseinheit (Art. 29 StPO) ursprünglich zusammen mit einem anderen
Teilsachverhalt mit starkem internationalen Bezug untersucht worden ist
(E. 1.1.3) und die Bundesanwaltschaft für den vorliegenden Sachverhaltskom-
plex die Buchhaltungsunterlagen der FIFA für die Jahre 1998 bis 2010 hat aus-
werten müssen (E. 3.5.2.6), erscheint die Verfahrensdauer jedoch noch nicht
derart lang, dass diese genugtuungserhöhend zu berücksichtigen wäre. Im
Lichte des Dargelegten sowie unter Berücksichtigung der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung im Zusammenhang mit Persönlichkeitsverletzungen aufgrund
von Medienberichterstattung (LANDOLT, Genugtuungsrecht, 2. Aufl. 2021,
S. 211 ff.) erscheint eine Genugtuung in Höhe von Fr. 20'000.– der Schwere der
erlittenen Verletzung des Persönlichkeitsrechts angemessen. Die Eidgenossen-
schaft hat Blatter in diesem Umfang eine Genugtuung auszurichten.
7.3 Entschädigung und Genugtuung an Michel François Platini
Die Verteidigung von Platini machte in dessen Namen einen Entschädigungsan-
spruch von insgesamt Fr. 241'193.20 geltend, bestehend aus den Anwaltskosten
von Fr. 237'040.10 und den privaten Reise-, Unterkunfts- und Verpflegungsaus-
lagen von Platini in Höhe von Fr. 4'153.10 (TPF 266.721.554). Die Anwaltskosten
gliedern sich gemäss Honorarnote zusammengefasst in einen Aufwand von
601.5 Stunden zu einem Stundensatz von Fr. 300.– (574.5 Stunden Anwaltstä-
tigkeit und 27 Stunden Reisezeit von Rechtsanwalt Nellen und Kanzleipartnerin),
einen Aufwand von 97.67 Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 150.– (Ar-
beits- und Reisezeit Praktikantin) sowie aus Auslagen von Fr. 24'992.60, zzgl.
MWST von 7.7 % (TPF 266.721.152). Der Verteidiger begründete seinen Ar-
beitsaufwand damit, dass es sich um ein sehr aufwendiges Verfahren gehandelt
habe, namentlich aufgrund der Aktenmenge, der aktiv auftretenden Privatkläger-
schaft und dem Umstand, dass Platini französischsprachig sei, weshalb neben
ihm als Hauptverteidiger auch eine weitere Rechtsanwältin sowie eine An-
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waltspraktikantin an der Verteidigungsarbeit, insbesondere an der Hauptver-
handlung, beteiligt gewesen seien (TPF 266.721.552). Auf die Ausrichtung einer
Genugtuung hat Platini verzichtet (TPF 266.721.551).
7.3.1 Das Verfahren gegen Platini wurde teilweise eingestellt; im Übrigen wurde er frei-
gesprochen (E. 1.5.2; 3.7.2). Herabsetzungs- oder Verweigerungsgründe nach
Art. 430 Abs. 1 StPO liegen nicht vor. Für Platinis Ansprüche ergibt sich daraus
Folgendes:
7.3.1.1 Entschädigungsanspruch
a) Das Honorar ist gemäss den praxisgemässen Stundenansätzen für Rechtsan-
wälte (Fr. 230.– für Anwaltstätigkeit bzw. Fr. 200.– für Reise- und Wartezeit) und
Praktikanten (Fr. 100.–) zu berechnen (E. 7.1.3). Die Entschädigung zu einem
darüber hinausgehenden Stundenansatz – wie von der Verteidigung beantragt –
ist nicht angezeigt. Zwar handelt es sich beim vorliegenden Fall aufgrund des
Aktenbestandes und der Verfahrensdauer um einen umfangreichen Fall. Die Ver-
fahrensdauer, das Aktenvolumen sowie der Umstand, dass Platini französisch-
sprachig ist, bzw. der damit verbundene Zeitaufwand sind aber nicht im Rahmen
der Festlegung des Stundenansatzes, sondern des Stundenaufwandes zu be-
rücksichtigen (Beschlüsse der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts
BB.2011.32 vom 23. August 2011 E. 3.2.2 in fine; BB.2018.149 vom 5. Au-
gust 2019 E. 7.5.3). Ausserordentliche Umstände, die einen erhöhten Stunden-
ansatz rechtfertigen würden, sind weder ersichtlich noch werden solche von der
Verteidigung vorgebracht (TPF 266.721.552).
b) Hinsichtlich des Stundenaufwandes ist festzuhalten, dass der Einbezug einer
weiteren Rechtsanwältin sowie einer Praktikantin in die Verteidigungsarbeit vor-
liegend im Grundsatz zwar angemessen erscheint; dies jedoch einzig zur Vorbe-
reitung der Hauptverhandlung. Entgegen dem Vorbringen des Verteidigers ist
nicht ersichtlich und wird auch nicht näher begründet, inwiefern die Teilnahme
der zusätzlichen Rechtsanwältin sowie der Praktikantin an der Hauptverhandlung
nötig gewesen wäre. Der hierfür geltend gemachte Aufwand von insgesamt
162.75 Stunden, bestehend aus 73.25 Stunden für die zusätzliche anwesende
Rechtsanwältin und 89.5 Stunden für die anwesende Praktikantin, sind demnach
nicht zu vergüten. Zu kürzen ist zudem der vom Verteidiger geltend gemachte
Aufwand von insgesamt 4.5 Stunden für die Urteilseröffnung (TPF 266.721.151),
hat diese doch (inkl. der praxisgemäss auf 1 Stunde festzulegender Nachbespre-
chung) lediglich 2.5 Stunden gedauert. Im Ergebnis gliedert sich der Stundenauf-
wand in 499.25 Stunden für Anwaltstätigkeit (zu je Fr. 230.–), 27 Stunden Reise-
zeit (zu je Fr. 200.–) und 8.17 Stunden für Arbeitszeit der Praktikantin (zu je
Fr. 100.–). Aufgrund des engagierten Verteidigungsstils von Rechtsanwalt Nellen
und unter Berücksichtigung, dass Platini die Verfahrenssprache Deutsch nicht
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versteht, was zu einer Erschwerung der Verteidigungsarbeit führen kann, er-
scheint dieser Aufwand – auch im Vergleich zum tieferen Aufwand von Rechts-
anwalt Erni – noch angemessen.
c) Von den geltend gemachten anwaltlichen Auslagen von Fr. 24'992.60 sind –
entsprechend den obigen Ausführungen – die geltend gemachten Reise-, Unter-
kunfts- und Verpflegungskosten der an der Hauptverhandlung zusätzlich anwe-
senden Anwältin, Praktikantin und anderen Personen von Fr. 12'166.60 abzuzie-
hen. Ferner werden die von Rechtsanwalt Nellen und seiner Praktikantin im Zu-
sammenhang mit der Urteilseröffnung geltend gemachten Unterkunftskosten von
Fr. 981.– nicht vergütet (TPF 266.721.151), wäre aufgrund deren Beginn um
10.00 Uhr eine Anreise am Vortag doch nicht nötig gewesen. Schliesslich sind
entsprechend dem anwendbaren Reglement für Reisen innerhalb der Schweiz
lediglich die Kosten eines Halbtax-Bahnbilletts erster Klasse zu vergüten (Art. 13
Abs. 2 lit. a BStKR), sodass die im Zusammenhang mit der Anwesenheit von
Rechtsanwalt Nellen höheren Kosten (Bahnbilletts nicht zum Halbtax-Tarif und
Taxikosten [266.721.149 ff.]) entsprechend um insgesamt Fr. 944.20 zu kürzen
sind. Gleiches gilt für die im Vorverfahren geltend gemachten Reiseauslagen im
Zusammenhang mit Einvernahmen ausserhalb von Bern (TPF 266.721.143 ff.),
was eine Kürzung von insgesamt Fr. 602.– zur Folge hat. Die geltend gemachten
Taxikosten von Fr. 370.– im Zusammenhang mit Einvernahmen am Hauptstand-
ort der Bundesanwaltschaft in Bern (TPF 266.721.141 f.; 144) sind aufgrund der
unmittelbaren örtlichen Nähe der Anwaltskanzlei des Verteidigers zur Bundesan-
waltschaft gänzlich zu streichen. Im Ergebnis betragen die zu vergütenden an-
waltlichen Auslagen somit Fr. 9'928.80.
d) Von den Platini privat entstandenen Auslagen, welche mit Fr. 4'153.10 bezif-
fert werden, sind ausschliesslich die im Zusammenhang mit seiner persönlichen
Teilnahme an der Hauptverhandlung effektiv entstandenen Unterkunftskosten
(insgesamt Fr. 1'560.–) und reglementarisch zu vergütenden Verpflegungskos-
ten für insgesamt 10 Mahlzeiten (ausmachend Fr. 275.–) zu vergüten. Die dar-
über hinaus für sich und andere Personen geltend gemachten Auslagen sind
nicht zu vergüten. Im Ergebnis betragen die zu vergütenden, Platini privat ent-
standenen Auslagen somit Fr. 1'835.–.
e) Zusammenfassend hat die Eidgenossenschaft Platini Fr. 142'893.25 (inkl.
7.7 % MWST) als Entschädigung zu zahlen.
7.3.1.2 Genugtuungsanspruch
Platini hat auf die Ausrichtung einer Genugtuung verzichtet (TPF 266.721.551).
Davon wird Vormerk genommen.
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7.4 Entschädigung an die FIFA
7.4.1 Die FIFA machte gegenüber den Beschuldigten eine Entschädigung von
Fr. 429'319.50 geltend (TPF 266.721.406 ff.).
7.4.2 Das Verfahren gegen die Beschuldigten wurde teilweise eingestellt; im Übrigen
wurden Blatter und Platini freigesprochen (E. 1.5.2; 3.7.2). Die Beschuldigten
sind nicht kostenpflichtig i.S.v. Art. 426 Abs. 2 StPO (E. 6.2.2). Ausgangsgemäss
ist der FIFA demnach keine Entschädigung zuzusprechen.
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