# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 482e2edf-f0b7-5b4a-8a38-9fb88769c544
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1977 geborene
X._
arbeitete seit dem
1.
Oktober 2009 als Pflegerin/Haushaltshilfe im Stundenlohn beim Spitex-Verein
Y._
und war dadurch bei
damaligen Beamtenversicherungskasse des Kantons Zürich (heute:
BVK Perso
nalvorsorge des Kantons Zürich;
BVK)
berufsvorsorgeversichert (Arbeitgeberbescheinigung vom
7.
April 2010, Urk.
7/10), als sie sich am 22.
März 2010 (Eingangsdatum) bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug anmeldete (
Urk.
7/4).
Nach Vornahme medizinischer und erwerblicher Abklärungen und n
ach durchgeführtem
Vorbe
scheidverfahren
(Vorbescheid vom 1
4.
März 2012,
Urk.
7/67, und Einwand der BVK vom 1
2.
Juli 2012,
Urk.
7/73) sprach die IV-Stelle
X._
mit Verfügung vom
8.
August 2012 mit Wirkung ab
1.
Januar 2011 eine ganze Rente zu (
Urk.
7/84-90).
Die von der BVK am 3.
September 2012 erhobene Beschwerde, mit welcher sie beantragte, der Leistungsbeginn sei auf den frü
hestmöglich Zeitpunkt vor dem
1.
Januar 2011 festzusetzen (Urk.
7/95/
3
-
7
)
,
wurde
vom hiesigen Gericht mit Urteil vom 27.
März 2013 in dem Sinne
gutge
heissen
, dass die angefochtene Verfügung aufgehoben und di
e Sache
an die
IV-Stelle zurückgewiesen
wurde
, damit diese abkläre, ob
X._
bereits ab September 2010, das
heisst
sechs Monate nach der Anmeldung zum Leistungsbezug, in einem Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung begründenden
Ausmass
in der Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt war
(Prozess Nr. IV.2012.00860)
. Der IV-Stelle wurde aufgegeben, die Krankengeschichte von
X._
bei
Dr. med.
B._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
und
bei
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
beizuziehen und diese beiden behandelnden Ärzte über
d
en Verlauf der Arbeitsfähigkeit zu befragen. Im Weiteren habe die IV-Stelle abzuklären, in welchem Umfang
X._
ab dem – allen
-
falls neu festzusetzenden – Beginn des Rentenanspruchs in der Arbeitsfä
higkeit eingeschränkt war (
Urk.
7/98).
1.2
Im Nachgang zu
m
Urteil des hiesigen Gericht
s
holte die IV-Stelle einen Bericht bei
Dr.
B._
ein (Bericht vom 2
4.
Juli 2013,
Urk.
7/102) und
gab
beim
(
im Folgenden:
D._
)
ein polydisziplinäres (Allgemeine Innere Medizin, Gynäkologie, Kardiologie, Psychiatrie und
Angio
logie
) Gutachten in Auftrag (Mitteilu
ng vom 1
6.
September 2013, Urk.
7/108
).
D
as
D._
erstattete
sein
Gutac
hten am 3
0.
Dezember 2013 (Urk.
7/123).
Mit Vorbescheid vom 1
2.
Februar 2014 stellte die IV-Stelle in Aussicht,
X._
ab Januar 2011 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen
(
Urk.
7/127)
. Nachdem die BVK dagegen am
2.
Mai 2014 Einwand erhoben hatte (
Urk.
7/132)
,
erliess
die IV-Stelle am
4.
September 2014 einen neuen
Vor
bescheid
, mit welchem sie die
Zusprache
einer ganzen Rente ab Mai 2011 in Aussicht stellte (
Urk.
7/136). Dagegen erhob die BV
K
am 1
6.
Oktober 2014 erneut Einwand (
Urk.
7/140).
Mit Verfügung vom 1
2.
März 2015 sprach die
IV-Stelle
X._
mit Wirkung ab
1.
Mai 2011 eine ganze Rente zu (
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob die BVK am 2
9.
April 2015 Beschwerde und beantragte, die Verfügung vom 1
2.
März 2015 sei aufzuheben und es sei die Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese nach Vornahme der erfor
derlichen Abklärungen über den Rentenbeginn neu entscheide (
Urk.
1). Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom
8.
Juni 2015 die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6).
X._
, welche mit Verfü
gung vom 1
6.
Juni 2015 zum Verfahren beigeladen wurde (
Urk.
8), reichte keine Stellungnahme ein, was den Parteien am 2
7.
August 2015 mitgeteilt wurde (
Urk.
10).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Beschwerdegegnerin
geht
davon aus, dass die Beigeladene seit Mai 2010 in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei (
Urk.
7/143). Ein
e
früher begonnene dau
erhafte Arbeitsunfähigkeit lasse sich nicht belegen, auch wenn die
Grunder
krankung
der Beigeladenen schon länger bestehe (
Urk.
6
; vgl. auch Urk. 7/134
).
1.2
Die Beschwe
r
deführerin bringt zur Begründung ihrer Beschwerde im Wesentli
chen vor, gemäss dem Urteil des
angerufenen
Gerichts vom 2
7.
März 2013 sei die Wartezeit spätestens im Januar 2010 zu eröffnen. Es sei nicht nachvollzieh
bar, dass die
D._
-Gutachter erst ab Mai 2010 eine 100%ige A
rbeitsunfähig
keit attestierten.
Das Gutachten beantworte auch nicht, wie vom angerufenen Gericht im Urteil vom 2
7.
März 2013 verlangt, den chronologischen Ver
lauf
der Arbeitsunfähigkeit ab September 200
9.
Die Gutachter setzten sich auch nicht mit den divergierenden ärztlichen Meinungen auseinander. Auf das Gutachten könne daher nicht abgestellt werden. Die von der Beschwerdegegnerin vorge
nommen Abklärungen
könnten
die vom angerufenen Gericht im Urteil vom 2
7.
März 2013 als offen bezeichneten Fragen nicht beantworten
(
Urk.
1)
.
2.
Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbe
schwerdeverfahren
ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht, indem Ver
waltung und Sozialversicherungsgericht von sich aus für die richtige und voll
ständige Abklärung des Sachverhaltes zu sorgen haben
(BGE 120 V 357 E. 1a).
Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne der
Beweisfüh
rungslast
begriffsnotwendig aus, da es Sache des Sozialversicherungsgerichts oder der verfügen
den Verwaltungsstelle ist, für die Zusammentragung des Beweismaterials besorgt zu sein (BGE 115 V 111 E. 3d/
bb
; Maurer,
Sozialversi
cherungsrecht
, Bd. I, 2. unveränderte Aufl., Bern 1983, S. 438
Ziff.
7a). Im
Sozi
al
versicherungsprozess
tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten
wollte
(BGE 115 V 133 E. 8a). Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des
Untersuchungs
grundsatzes
aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrschein
lichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117
V
261 E. 3b).
3
.
3.1
Das hiesige Gericht kam mit Urteil vom
2
7.
März 2013 zum Schluss, dass sich gestützt auf die von der Beschwerdegegnerin vor
g
enommenen Abklärungen nicht schlüssig beurteilen lasse, ob die Beigeladene bereits vor Januar 2010 ohne wesentlichen Unterbruch in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt gewesen sei (
Urk.
7/98/12 E. 6.3). Im Weiteren hielt das hiesige Gericht fest, dass nicht nachvollziehbar sei, weshalb die Beschwerdegegnerin von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit der Beigeladenen für sämtliche Tätigkeiten ab
1.
Januar 2011 ausgegangen sei (
Urk.
7/98/12 E. 7). Die Sache wurde deshalb an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen, damit diese abkläre, ob die Beigeladene bereits sechs Monate nach Anmeldung zum Leistungsbezug, das heisst ab Sep
tember 2010 Anspruch auf eine Invalidenrente habe. Hierzu wurde der
Be
-
schwerdegegnerin
aufgegeben, die Krankengeschichte der Beigeladenen bei
Dr.
B._
und
Dr.
C._
beizuziehen und diese beiden behandelnden Ärzte über den Verlauf der Arbeitsfähigkeit der Beigeladenen zu befragen. Im Weite
ren sei genauer abzuklären, in welchem Umfang die Beigeladene ab dem – al
-
lenfalls
neu festzusetzenden – Beginn des Rentenanspruchs in der Arbeitsfä
higkeit eingeschränkt gewesen sei (
Urk.
7/98/12 E. 8).
3.
2
Im Nachgang zum Urteil des hiesigen Gerichts stellte die Beschwerdegegnerin
Dr.
B._
das Standardformular für ärztliche Berichte in
invalidenversiche
rungsrechtlichen
Verfahren zu (
Urk.
7/102), wobei sie als ergänzende Frage anführte: „Arbeitsfähigkeit bis heute und auf längere Sicht?“ (
Urk.
7/102/6). Die Krankengeschichte der Beigeladenen verlangte die Beschwerdegegnerin von
Dr.
B._
nicht ein.
Dr.
B._
füllte den zugestellten Fragebogen teilweise aus, auf die von der Beschwerdegegnerin gestellte Ergänzungsfrage g
ing sie jedoch nicht näher ein.
Von
Dr.
C._
holte die Beschwerdegegnerin im Nachgang zum Urteil des hiesigen Gerichts vom 2
7.
März 2013 keinen Bericht ein, offenbar aufgrund der Tatsache, dass
die delegiert arbeitende Psychotherapeutin
der
Beschwerdegeg
nerin
mitteilte,
die Beigeladene
sei
seit etwa 2010 nicht mehr in
ihr
er
Behand
lung (vgl. Notiz vom
9.
Juli 2013,
Urk.
7/101).
In den Akten der Beschwerdegegnerin findet sich eine an die Gutachter gerich
tete ergänzende Fragestellung, gemäss welcher die Gutachter unter anderem gebeten werden, die Krankengeschichte der Beigeladenen bei
Dr.
B._
und
Dr.
C._
beizuziehen und diese beiden behandelnden
Ärzte über den Verlauf der Arbeitsfähigkeit der Beigeladenen zu befragen (
Urk.
7/104).
Die
Beschwerdegegnerin
forderte
die
D._
-Gutachter tatsächlich auf,
die entspre
chende Passage im Urteil vom 2
7.
März 2013 zu beachten, worin die
Beschwer
degegnerin
aufgefordert wurde,
bei
Dr.
B._
und
Dr.
C._
die Kranken
geschichte der Beigeladenen beizuziehen und diese beiden
Ärzte
über den Ver
lauf der Arbeitsfähigkeit der Beigeladenen
zu befragen
(
Urk.
7/123/6).
Es steht
aber
fest, dass
den
D._
-Gutachter
n weder
die
entsprechenden
Krankenge
schichte
n
der Beigeladenen
vorlagen,
noch
bei den damals behandelnden Ärz
ten
über den Verlauf der Arbeitsfähigkeit der Beigeladenen
nähere Informatio
nen eingeholt wurden
(vgl. insbesondere
Urk.
7/123/9-10).
Die
D._
-Gutach
ter attestierten der Beigeladenen eine 100%ige Arbeitsfähigkeit ab Mai 2010
unter Hinweis darauf, dass die Beigeladene im Herbst 2009 an einer Lungenent
zündung erkrankt sei und auch damals eine Arbeitsunfähigkeit bestanden haben dürfte
(
Urk.
7/123/
38
).
3.3
Wie dargelegt (E. 3.1) kam das hiesige Gericht im Urteil vom 2
7.
März 2013 zum Schluss, dass gestützt auf die damals vorhandenen Akten nicht beurteilt werden könne, ob die Beigeladene bereits vor Januar 2010 ohne wesentlichen Unterbruch in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt war
,
und dass zur Klärung dieser Frage Informationen
bei den
vor Januar 2
010 behandelnden Psychiater
n
Dr.
C._
und
Dr.
B._
einzuholen sind.
Auch wenn mit die
sen Erwägungen nicht explizit ausgeführt, ist dem Urteil dennoch hinreichend klar zu entnehmen, dass es darum geht, einen allenfalls vor dem
1.
Januar 2011 entstandenen Rentenanspruch abzuklären, wobei infolge der im März 2010 erfolgten Anmeldung ein Rentenanspruch frühestens im September 2010 hätte entstehen können. Dieser Rentenbeginn würde voraussetzen, dass seit Septem
ber 2009 ununterbrochen eine mindestens 20%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden hat, durchschnittlich eine mindestens 40%ige Arbeitsunfähigkeit und ab Sep
tember 2010 eine fortgesetzte Erwerbsunfähigkeit von mindestens 40
%
. Ein früherer Beginn der Arbeitsunfähigkeit (als September 2009) ist ebenfalls nicht ausgeschlossen, jedoch nicht mehr rentenbildend und daher nicht mehr Beweisthema. Zur Abklärung, ab wann die Beigeladene ununterbrochen in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt gewesen ist, sind die (damals) behandelnden Ärzte um Auskunft zu bitten, wobei die Krankengeschichten als echtzeitliche Dokumentation unabdingbar sind.
Diese Informationen, sprich Krankenge
schichte und konkrete
Nachfrage
zum Verlauf der Arbeitsfähigkeit, wurden weder von der Beschwerdegegnerin noch von den
D._
-Gutachte
rn eingeholt, weshalb die
D._
-
Gutachter – mit Ausnahme der nachträglichen subjektiven Angaben der Beigeladen
en
–
über keine im Zeitpunkt des Urteils vom 2
7.
März 2013 dem Gericht nicht bekannten Informationen über den psychischen Gesundheitszustand der
Beigeladenen
vor Januar 2010 verfügten.
Die Beurtei
lung der Arbeitsfähigkeit der Beigeladenen vor Januar 2010 durch die
D._
-Gutachter beruht somit auf einer
(
wie vom hiesigen Gericht im Urteil vom 2
7.
März 2013 festgestellt
)
ungenügenden tatsächlichen
Grundlage.
Die Beschwerde ist daher gutzuheissen,
d
ie angefochten
e
Verfü
gung vom 12.
März 2015 aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit
diese
– wie bereits im Urteil vom 2
7.
März 2013 angeordnet
–
die Kran
kengeschichte der Beigeladenen bei Dr.
B._
und Dr.
C._
beizieht und diese beiden (ehemals) behandelnden Ärzte über den Verlauf der Arbeitsfähig
keit
und des Gesundheitszustandes
der Beigeladenen seit ihrem eigenen Behandlungsbeginn befragt
. Hernach hat die Beschwerdegegnerin – allenfalls unter Einholung einer Stellungnahme der
D._
-Gutachter
zum Beginn der Arbeitsunfähigkeit
– über den Leistungsanspruch
der Beigeladenen
, insbeson
dere dessen Beginn, neu
zu
verfüge
n
.
4.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG) und auf Fr. 400.-- anzusetzen.
Die Gerichtskosten sind ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.