# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 22d6f5c8-fde9-510c-afea-26c3f2729ca7
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin reichte am 31. Juli 2014 bei der Gemeinde Walterswil ein
Baugesuch ein für den Austausch der bestehenden Sendeanlage auf Parzelle Walterswil
Grundbuchblatt Nr. D._. Die Parzelle liegt in der Landwirtschaftszone. Gegen das
Bauvorhaben erhob unter anderen der Beschwerdeführer Einsprache. Mit
Gesamtentscheid vom 12. Dezember 2014 erteilte das Regierungsstatthalteramt
Oberaargau die Baubewilligung.
2. Dagegen reichte der Beschwerdeführer am 8. Januar 2015 Beschwerde bei der Bau-,
Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er beantragt die Aufhebung
des Gesamtentscheides vom 12. Dezember 2014. Dem Bauvorhaben sei die
Baubewilligung zu verweigern, eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die
Vorinstanz zurückzuweisen. Gleichzeitig reichte der Beschwerdeführer ein Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege bei der BVE ein.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Das Amt für Berner Wirtschaft (beco)
hält in seiner Stellungnahme vom 26. Januar 2015 an seinem Amtsbericht vom
10. September 2014 fest, ohne einen Antrag zu stellen. Das Amt für Gemeinden und
Raumordnung (AGR) beantragt in seiner Stellungnahme vom 28. Januar 2015 die
Abweisung der Beschwerde. Die Beschwerdegegnerin beantragt in ihrer
Beschwerdeantwort vom 10. Februar 2015, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf
einzutreten sei. Gleichzeitig beantragte sie, das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege
sei abzuweisen, und der Beschwerdeführer sei zur Leistung von Sicherheit für die
Parteientschädigung zu verpflichten. Das Regierungsstatthalteramt Oberaargau beantragt
in seiner Vernehmlassung vom 11. Februar 2015 die Abweisung der Beschwerde. Die
Gemeinde Walterswil stellt in ihrer Stellungnahme vom 11. Februar 2015 keinen Antrag,
sondern verweist lediglich auf ihren Amtsbericht vom 24. Oktober 2014, der seine
Gültigkeit behalte.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
3
Mit Verfügung vom 18. März 2015 hiess die instruierende Behörde das Gesuch des
Beschwerdeführers um Erteilung des Rechts auf unentgeltliche Rechtspflege gut und
befreite ihn für das Beschwerdeverfahren RA Nr. 110/2015/2 von Kosten- und allfälligen
Vorschuss- und Sicherstellungspflichten. Gleichzeitig schrieb es das Gesuch der
Beschwerdegegnerin, der Beschwerdeführer sei zur Leistung von Sicherheit für die
Parteientschädigung zu verpflichten, als erledigt vom Geschäftsverzeichnis ab.
4. Auf die Rechtsschriften und Vorakten wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in
den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintreten
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG2. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen ihrer
Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG in Verbindung mit
Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Einsprache des Beschwerdeführers wurde abgewiesen, womit er
formell beschwert ist. Er wohnt rund 350 m vom Bauvorhaben entfernt. Der maximale
Abstand, bis zu dem die Berechtigung zur Einsprache gegeben ist, beträgt gemäss
Standortdatenblatt vom 13. Mai 2014 1'546 m. Damit ist der Beschwerdeführer auch
materiell beschwert. Er ist daher zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf seine form- und
fristgerecht eingereichte Beschwerde wird eingetreten.
2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
4
2. Vorinstanzliche Erwägungen
a) Der Beschwerdeführer rügt die vorinstanzlichen Erwägungen im angefochtenen
Entscheid. Es sei nicht richtig, dass die Sendeleistung im bisherigen Rahmen fortgeführt
werde. Tatsächlich werde die Sendeleistung um den Faktor 6.8 erhöht. Entgegen der
anderslautenden Aussage im angefochtenen Entscheid ergebe sich dies auch aus dem
Amtsbericht des beco, der von einem Um- und Ausbau spreche. Zudem seien neu
insgesamt acht Antennen in zwei Senderichtungen geplant, bisher handle es sich um drei
Einzelantennen. Zudem lasse der neue Antennentyp zusätzlich zum bisherigen GSM-
Standard die Verwendung der neuen Funkdienste UMTS und LTE zu. Auch insofern
handle es sich nicht um eine massvolle Erweiterung, was bei pflichtgemässer Abklärung
des Sachverhalts für die Vorinstanz erkennbar gewesen wäre.
b) Die Vorinstanz hat in Erwägung 3.1 des angefochtenen Entscheids Folgendes
geschrieben: "Vorliegend ist unbeachtlich, ob mit dem Bauvorhaben die Anzahl der
Sendeantennen von 3 auf 8 erhöht wird. Die Bewilligungsfähigkeit des Bauvorhabens setzt
ausschliesslich voraus, dass sich die Sendeleistung im ursprünglich bewilligten Umfang
hält. Dass mit dem Austausch der Sendeanlage eine 6.8-fache Erhöhung der
Sendeleistung einhergeht, ist eine Parteibehauptung der Einsprecher, welche vom
Amtsbericht des beco vom 10.09.2014 widerlegt wird. Gemäss dem vorgenannten
Amtsbericht wird die Sendeleistung mit dem geplanten Austausch der Mobilfunkt-
Basisstation im bewilligten Rahmen fortgeführt."
c) Gemäss dem aktuell gültigen Standortdatenblatt vom 11. Mai 2009 für den fraglichen
Sendemast betreibt die Beschwerdegegnerin zurzeit zwei Antennenpanels des Typs
K742236 mit den Senderichtungen 230° und 330°. Jedes der beiden Antennenpanels
sendet auf dem Frequenzband 1'800 MHz mit einer bewilligten Sendeleistung von 1'250 W
für GSM-Funkdienste und auf dem Frequenzband 2'100 MHz mit einer bewilligten
Sendeleistung von 910 W für UMTS-Funkdienste. Insgesamt ergibt sich aus diesen vier
Antennenkonstellationen eine kumulierte Sendeleistung von 4'320 W.
Das Bauvorhaben der Beschwerdegegnerin sieht den Ersatz der beiden bestehenden
Antennenpanels durch zwei neue Antennenpanels des Typs K80010664 vor. An den
Senderichtungen wird nichts geändert, die beiden neuen Antennenpanels sollen ebenfalls
5
mit den Senderichtungen 230° und 330° betrieben werden.4 Beide Antennenpanels senden
gemäss Angabe im Standortdatenblatt je auf dem Frequenzband 800 MHz und 1'800 MHz.
Dies ergibt wiederum vier Antennenkonstellationen mit den Laufnummern 1 bis 4. Die
Beschwerdegegnerin verwendet für die neuen Antennenpanels allerdings die Methode der
umhüllenden Antennendiagramme. Dies erlaubt es, im Standortdatenblatt zwei oder mehr
Frequenzbänder in einer Spalte zusammenzufassen.5 Im vorliegenden Fall hat die
Beschwerdegegnerin in der Spalte mit dem angegebenen Frequenzband 800 MHz die
Frequenzbänder 800 und 900 MHz sowie in der Spalte mit dem angegebenen
Frequenzband 1'800 MHz die Frequenzbänder 1'800 und 2'100 MHz zusammengefasst.6
Daher sind im Standortdatenblatt unter den vier Laufnummern 1 bis 4 je zwei
Antennennummern aufgeführt (E2/K2, E1/K1, S2/U2 und S1/U1). So gesehen ergeben
sich neu acht Antennenkonstellationen. Allerdings wird für die zusammengefassten
Frequenzbänder eine Gesamtsendeleistung bewilligt. Für die Antennennummern E2/K2
(Laufnummer 1) und E1/K1 (Laufnummer 2) sind dies je 1'600 W, für die
Antennennummern S2/U2 (Laufnummer 3) und S1/U1 (Laufnummer 4) sind dies je
5'600 W.7 Die kumulierte Sendeleistung der acht Antennenkonstellationen beträgt somit
14'400 W. Der abgestrahlte Funkdienst ist im Standortdatenblatt nicht mehr ersichtlich,
dieser muss gemäss Rundschreiben des Bundesamts für Umwelt (BAFU) vom
24. September 2010 nicht mehr angegeben werden. Es kann jedoch davon ausgegangen
werden, dass die Beschwerdegegnerin mit den neuen Antennenpanels GSM-, UMTS- und
LTE-Funkdienste anbieten wird.
Somit wird mit dem Bauvorhaben im Vergleich mit dem aktuell bewilligten Zustand die
kumulierte Sendeleistung von 4'320 auf 14'400 W erhöht. Zudem wird zu den bisherigen
Funkdiensten GSM und UMTS neu auch LTE-Funkdienste angeboten. Rein optisch ändert
sich am Sendemast nichts. Die zwei bestehenden Antennenpanels der
Beschwerdegegnerin werden durch zwei neue Antennenpanels mit den gleichen
Senderichtungen ersetzt.
4 Vgl. Zusatzblatt 1 des Standortdatenblatts, Vorakten pag. 67 5 Vgl. Nachtrag des BAFU vom 28. März 2013 zur Vollzugsempfehlung zur NISV für Mobilfunk- und  des BUWAL, Ziff. 3.2.1 6 Vgl. dazu die beiden entsprechenden Antennendiagramme in der Beilage zum Standortdatenblatt, Vorakten pag. 89 und 90 7 Vgl. Zusatzblatt 2 des Standortdatenblatts, Vorakten pag. 69
6
d) Die Aussage der Vorinstanz in der Erwägung des angefochtenen Entscheids, dass
sich die Sendeleistung im ursprünglich bewilligten Umfang halte, ist demnach unzutreffend.
Tatsächlich findet eine Leistungserhöhung um das 3.3-fache statt. Ebenso unzutreffend ist
die Aussage der Vorinstanz, dass sich aus dem Amtsbericht des beco vom 10. September
2014 ergebe, dass die Sendeleistung mit dem geplanten Austausch der Mobilfunk-
Basisstation im bewilligten Rahmen fortgeführt werde. Vielmehr spricht dieser Amtsbericht
von einem "Umbau und Erweiterung der bestehenden Mobilfunk-Basisstation".
Insofern ist die Rüge des Beschwerdeführers somit zwar berechtigt. Der Anfechtung
unterliegen jedoch nur die behördlichen Anordnungen, nicht auch die Begründung, denn
nur die Anordnungen werden rechtswirksam.8 Sofern sich die unzutreffende Begründung
der Vorinstanz nicht auf ihren Entscheid ausgewirkt hat, ist dies daher unerheblich. Ob sich
die unzutreffende Begründung auf den Entscheid ausgewirkt hat, wird im Zusammenhang
mit der Ausnahmebewilligung zu prüfen sein (siehe unten Erwägung 3).
e) Bezüglich der Anzahl Antennen hat die Vorinstanz den Sachverhalt nicht
unzutreffend wiedergegeben. Sie liess offen, ob die Anzahl Antennen erhöht wird, da dies
unbeachtlich sei. Ob diese Aussage richtig ist, wird ebenfalls im Zusammenhang mit der
Ausnahmebewilligung zu prüfen sein (siehe unten Erwägung 3). Analoges gilt hinsichtlich
des Umstands, dass die bestehende Anlage lediglich GSM- und UMTS-Funkdienste
beinhaltet und mit dem Bauvorhaben eine Erweiterung auf LTE-Funkdienste stattfinden
soll.
f) Im Übrigen wurde das Baugesuch hinsichtlich der nichtionisierenden Strahlung vom
beco als kantonaler Fachbehörde geprüft. Dieses hat in seinem Amtsbericht vom
10. September 2014 beantragt, die Anlagegenehmigung zu erteilen. Die Aussage des
Beschwerdeführers, im Kanton Bern würden in erster Instanz Behörden über Baugesuche
von Mobilfunkantennen entscheiden, die von dieser Technik keine Ahnung hätten, ist somit
nicht zutreffend.
3. Ausnahmebewilligung
8 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 49 N. 4; BVR 1996 S.473 E. 3.a
7
a) Der Beschwerdeführer rügt, es lägen keine objektiven Gründe vor, weshalb das
Bauvorhaben an den vorhandenen Standort gebunden sei. Auch das AGR vermöge keine
solchen zu nennen. Seine blosse Behauptung, dem Bauvorhaben stünden keine
überwiegenden Interessen entgegen, genüge nicht. Gemäss Beschwerdeführer hätte das
AGR zur Beurteilung der Zonenkonformität der geplanten massiven Hochrüstung der
bestehenden Anlage eine Netzabdeckungskarte einholen müssen. Dann wäre erkennbar
geworden, dass mit der geplanten Anlage die Gemeinden Oeschenbach und Ursenbach
abgedeckt werden sollen. Daher gehöre die Antenne in die Bauzone von Oeschenbach
und Ursenbach und nicht in die Landwirtschaftszone von Walterswil.
Daran vermöge auch der Umstand nichts zu ändern, dass mit dem Bauvorhaben eine
bereits bestehende Anlage ersetzt werden solle. Es handle sich nicht um einen Austausch
der alten Anlage, sondern um eine Hochrüstung, die nicht mehr als massvoll bezeichnet
werden könne. Es gelte deshalb der Bundesgerichtsentscheid 1C.200/2012 vom
17. Dezember 2012, in welchem das Bundesgericht das Nach- und Umrüsten von
bestehenden Mobilfunkantennen in der Landwirtschaftszone verbiete. Illegal gewordene
Anlagen dürften keinesfalls noch aufgerüstet werden. Anders als in diesem
Bundesgerichtsfall werde im vorliegenden Fall nicht nur von GSM auf UMTS, sondern
zusätzlich auch noch auf LTE hochgerüstet. Zudem solle die Sendeleistung vorliegend
nicht nur um das 2.66-fache wie im Bundesgerichtsfall, sondern um das 6.8-fache
hochgerüstet werden.
b) Die Beschwerdegegnerin hat ihr Ausnahmegesuch für den Austausch der Antennen
damit begründet, dass es sich um einen bereits bestehenden Masten handle, welcher nicht
einfach verschoben werden könne. Ansonsten müsste ein neuer Standort gesucht werden,
was mit erheblichen Mehrkosten und Aufwänden verbunden wäre. Aus technischen
Gründen und um die Qualität der Netzabdeckung zu gewährleisten, sei sie jedoch auf
diesen Standort angewiesen.9
In ihrer Beschwerdeantwort beruft sich die Beschwerdegegnerin auf eine raumplanerisch
motivierte Standortgebundenheit. Es werde weder neues Nichtbauzonenland in Anspruch
genommen noch finde eine Zweckentfremdung von Nichtbauzonenland statt. Der bereits
9 Vorakten pag. 21
8
bestehende Standort präsentiere sich unter Beachtung aller massgebenden Interessen als
derart vorteilhaft, dass er einer zusätzlichen Antenne in der Bauzone vorzuziehen sei.
c) Das AGR hat die Erteilung der Ausnahmebewilligung nach Art. 24 RPG10 damit
begründet, dass es sich um ein Bauvorhaben handle, das aus objektiven Gründen an den
vorgesehenen Standort gebunden sei. Dem Vorhaben stünden zudem keine
überwiegenden Interessen entgegen. Welche objektiven Gründe dies sind, dazu äussert
sich die Ausnahmebewilligung vom 24. November 2014 jedoch nicht.
In seiner Stellungnahme vom 28. Januar 2015 verweist das AGR bezüglich der
Standortgebundenheit darauf, dass mit dem Bauvorhaben der Vereinbarung unter den
Mobilfunkbetreibern nachgelebt werde, wonach ausgewählte Standorte von möglichst
vielen Betreibern genutzt werden sollen. Zudem liege der bestehende Antennenmast auf
einer Anhöhe, was die Erschliessung eines grossen Gebiets erlaube. Schliesslich stehe die
Mastkonstruktion in unmittelbarer Nähe eines bestehenden Skilifts.
d) Anlagen dürfen nur mit behördlicher Bewilligung errichtet oder geändert werden
(Art. 22 Abs. 1 RPG). Voraussetzung einer Bewilligung ist unter anderem, dass die
Anlagen dem Zweck der Nutzungszone entsprechen (Art. 22 Abs. 2 Bst. a RPG). Das
Bauvorhaben sieht den Ersatz von zwei bestehenden Mobilfunkantennen durch zwei neue
Antennen vor. Dabei wird die kumulierte Sendeleistung der Anlage um das 3.3-fache
erhöht und neu werden zusätzlich LTE-Funkdienste betrieben. Somit handelt es sich um
eine Änderung einer Anlage, die nur mit behördlicher Bewilligung zulässig ist. Der Standort
der Mobilfunkantennen liegt in der Landwirtschaftszone. Die Anlage ist daher nicht
zonenkonform und erfüllt damit die Bewilligungsvoraussetzungen gemäss Art. 22 RPG
nicht. Sie darf daher nur bewilligt werden, wenn sie die Voraussetzungen für Ausnahmen
nach Art. 24 ff. RPG erfüllt. Dies ist unbestritten.
e) Ebenso unbestritten ist, dass aufgrund der mit dem Ersatz der bestehenden Anlage
verbundenen erheblichen Änderungen an der Anlage keine Ausnahmebewilligung gemäss
Art. 24c RPG für bestehende zonenwidrige Anlagen ausserhalb der Bauzonen erteilt
werden kann. Die Anlage wird künftig nicht nur GSM- und UMTS-Funkdienste, sondern
auch LTE-Funkdienste abdecken. Allein diese Änderung der Anlage in eine LTE-Station
10 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700)
9
stellt eine wesentliche Änderung dar. Zumal darüber hinaus eine Erhöhung der kumulierten
Sendeleistung der Anlage um das 3.3-fache geplant ist. Der Rahmen einer teilweisen
Änderung bzw. einer massvollen Erweiterung, wie ihn Art. 24c Abs. 2 RPG verlangt, wird
damit gesprengt. Somit bedarf die projektierte Mobilfunkanlage einer neuen Bewilligung
gemäss Art. 24 RPG.11
f) Abweichend von Art. 22 Abs. 2 Bst. a RPG können Bewilligungen erteilt werden,
Anlagen zu errichten oder ihren Zweck zu ändern, wenn der Zweck der Anlagen einen
Standort ausserhalb der Bauzonen erfordert und keine überwiegenden Interessen
entgegenstehen (Art. 24 RPG). Voraussetzung ist somit zunächst, dass der Zweck der
Anlage einen Standort ausserhalb der Bauzonen erfordert. Das gilt nicht nur für die
erstmalige Bewilligung einer Anlage ausserhalb der Bauzone, sondern grundsätzlich auch
für jede Änderung oder Erweiterung einer bestehenden, zonenfremden Anlage.12 Dabei
genügt jedoch eine relative Standortgebundenheit: Es ist nicht erforderlich, dass überhaupt
kein anderer Standort in Betracht fällt; es müssen jedoch besonders wichtige und objektive
Gründe vorliegen, die den vorgesehenen Standort gegenüber anderen Standorten
innerhalb der Bauzone als viel vorteilhafter erscheinen lassen.13
g) Das Bundesgericht hat zur Standortgebundenheit von Mobilfunkanlagen Folgendes
ausgeführt: "Mobilfunkantennen können nach der Rechtsprechung ausnahmsweise auf
einen Standort ausserhalb der Bauzonen angewiesen sein, wenn eine Deckungs- oder
Kapazitätslücke aus funktechnischen Gründen mit einem oder mehreren Standorten
innerhalb der Bauzonen nicht in genügender Weise beseitigt werden kann bzw. es bei
einem Standort innerhalb der Bauzonen zu einer nicht vertretbaren Störung der in anderen
Funkzellen des Netzes verwendeten Frequenzen kommen würde. Nicht ausreichend sind
dagegen wirtschaftliche Vorteile des gewählten Standorts (z.B. geringere
Landerwerbskosten; vor-aussichtlich geringere Zahl von Einsprachen) oder zivilrechtliche
Gründe für die Standortwahl, wie z.B. die Weigerung von Eigentümern, einer
Mobilfunkantenne auf ihren Grundstücken innerhalb der Bauzonen zuzustimmen (...).
Unter besonderen qualifizierten Umständen kann sich allerdings ein Standort ausserhalb
der Bauzonen unter Beachtung aller massgebenden Interessen als derart vorteilhaft
11 Vgl. BGE 133 II 409 E. 3 12 BGE 133 II 409 E. 4.1 13 BGE 136 II 214 E. 2.1 mit Hinweisen
10
erweisen, dass er ausnahmsweise in weiteren als den vorne genannten Fällen als
standortgebunden im Sinne von Art. 24 lit. a RPG anerkannt werden kann. Im Unterschied
zu anderen Bauten und Anlagen (wie Strassen, Parkplätzen, Deponien,
Materialgewinnungsanlagen, Sportanlagen usw.) können Mobilfunkantennen ausserhalb
der Bauzonen angebracht werden, ohne dafür zwingend neues unüberbautes
Nichtbauzonenland in Anspruch zu nehmen. Dies ist der Fall, soweit sie auf bestehende
Bauten und Anlagen, wie hier dem bestehenden Antennenmast, montiert werden. Diesem
Umstand ist bei der im Rahmen der Standortevaluation vorzunehmenden
Interessenabwägung, in welche namentlich Standorte innerhalb aber auch solche
ausserhalb der Bauzonen einzubeziehen sind, Rechnung zu tragen. Bei den Standorten
ausserhalb der Bauzonen können nach dem Gesagten somit nicht mehr nur solche
ausgewählt werden, die für eine angemessene Abdeckung für die Mobiltelefonie aus
technischen Gründen unentbehrlich sind. Vielmehr können sich bei der genannten
Abwägung auch Standorte ausserhalb der Bauzonen gegenüber solchen innerhalb der
Bauzonen als wesentlich geeigneter erweisen, soweit sie auf bestehenden Bauten und
Anlagen angebracht werden können. Eine entsprechende auf die speziellen Verhältnisse
der Mobilfunktechnik zugeschnittene Bejahung der Standortgebundenheit ist jedoch an die
folgenden, streng zu beachtenden Bedingungen zu knüpfen:
Grundvoraussetzung einer solchen erweiterten ausnahmsweisen Bejahung der
Standortgebundenheit ist, dass die Mobilfunkanlage ausserhalb der Bauzonen keine
erhebliche Zweckentfremdung von Nichtbauzonenland bewirkt und nicht störend in
Erscheinung tritt. Ein positiver Ausgang der genannten Interessenabwägung reduziert sich
somit wie erwähnt grundsätzlich auf Örtlichkeiten, an welchen sich bereits zonenkonforme
oder zonenwidrige Bauten und Anlagen befinden. Auch wenn sich ein bereits baulich
genutzter Standort im Rahmen der Standortabklärung als klarerweise besser geeignet
erweist als ein Standort innerhalb der Bauzonen, so darf eine Ausnahmebewilligung für
eine Mobilfunkantenne nur erteilt werden, wenn als zusätzliche Voraussetzung
gewährleistet ist, dass dem Vorhaben keine überwiegenden Interessen entgegenstehen
(...)."14
h) Zunächst kann festgehalten werden, dass unbestritten ist, dass die Antennen primär
der Versorgung von Bauzonen und nicht der Landwirtschaftszone dienen. Gemäss der
14 BGE 133 II 409 E. 4.2
11
Beschwerdegegnerin sollen mit der Anlage die umliegenden Siedlungszonen versorgt
werden. Dabei macht die Beschwerdegegnerin nicht geltend, sie sei auf den bestehenden
Standort ausserhalb der Bauzonen angewiesen, weil eine Deckungs- oder Kapazitätslücke
aus funktechnischen Gründen mit einem oder mehreren Standorten innerhalb der
Bauzonen nicht in genügender Weise beseitigt werden könne. Als standortgebunden im
Sinne von Art. 24 Bst. a RPG anerkannt werden kann die erweiterte Mobilfunkantenne
somit nur unter besonderen qualifizierten Umständen, nämlich wenn sich der Standort
ausserhalb der Bauzonen im Vergleich zu einem Standort innerhalb der Bauzonen
aufgrund einer Gesamtsicht unter Beachtung aller massgebenden Interessen als viel
vorteilhafter erweist.
i) Mit den beiden geplanten Antennenpanels sollen die heute vorhandenen zwei
Antennenpanels auf dem bestehenden Antennenmast ersetzt werden. Dieser freistehende
Mast wird neben der Beschwerdegegnerin auch von der Sunrise, der Swisscom und der
Kantonspolizei genutzt. Mit dieser Konzentration auf einen Mast wird die Vorgabe des
Bundesamts für Raumentwicklung (ARE), wonach bei der Erstellung mehrerer
eigenständiger Netze wenn möglich die Antennenstandorte zusammengelegt werden
sollen, bestmöglich Rechnung getragen.15 Zudem kann von diesem Standort, der auf einer
Anhöhe liegt, ein grosses Gebiet mit nur einer Anlage erschlossen werden. Damit erübrigt
sich das Erstellen einer Vielzahl von kleineren und nahe bei einander liegenden Anlagen.
An der Grundkonstruktion des Antennenmasts wird durch das Bauvorhaben nichts
verändert: Weder Höhe noch Ausladung der bestehenden Antenne wird verändert. Somit
wird weder zusätzliches Nichtbauzonenland in Anspruch genommen noch findet eine
zusätzliche Zweckentfremdung von Nichtbauzonenland statt. Mit der Integration der
Antennen in die bestehende Mastkonstruktion, die neben einem bestehenden Skilift steht,
wird das Orts- und Landschaftsbild nicht zusätzlich belastet, zumal die neuen
Antennenpanels an Stelle von zwei alten Panels montiert werden.
Unter diesen Umständen wäre mit einer Verweigerung der Ausnahmebewilligung aus
raumplanerischer Sicht nichts gewonnen. Im Gegenteil: Der bestehende Antennenmast
würde sowohl von der Beschwerdegegnerin als auch den übrigen Antennenbetreiberinnen
im bisherigen Umfang weiter genutzt und es käme mindestens eine weitere, im Baugebiet
liegende Anlage der Beschwerdegegnerin hinzu. Konkrete Alternativstandorte in der
Bauzone von Oeschenbach und Ursenbach müssen bei dieser Ausgangslage keine geprüft
15 Merksätzen zur Problematik von Mobilfunkanlagen und Raumplanung, BRP/ARE Juni 1998 / Juli 2000 / Dezember 2004
12
werden. Der bereits bestehende Standort präsentiert sich unter Beachtung aller
massgebenden Interessen als derart vorteilhaft, dass er einer zusätzlichen Antenne in der
Bauzone vorzuziehen ist. Mit einem neuen Antennenstandort in der Bauzone würde eine
solche zusätzlich belastet, ohne dass damit für die Nichtbauzone etwas gewonnen werden
könnte.
j) Zwar kann gemäss dem vom Beschwerdeführer zitierten Bundesgerichtsentscheid
1C.200/2012 vom 17. Dezember 2012 allein aus dem Umstand, dass am vorgesehenen
Standort bereits eine Antennenanlage der Beschwerdegegnerin besteht, nicht geschlossen
werden, dass der bestehende Standort unter Beachtung aller massgebenden Interessen
viel geeigneter wäre. Allerdings ist der vorliegende Fall nicht mit dem Bundesgerichtsfall
vergleichbar. Im Gegensatz zum vorliegenden Fall wurde der bestehende
Antennenstandort im Bundesgerichtsfall nicht zusätzlich von weiteren Mobilfunkanbietern
oder für Rundfunk- und Funksender genutzt. Nur unter diesen Umständen erschien es
nicht ausgeschlossen, dass die damalige Gesuchstellerin auf den bisherigen Standort
ausserhalb der Bauzonen verzichten könnte und verzichten würde, sofern die
Standortevaluation ergäbe, dass eine neue Mobilfunkantenne innerhalb der Bauzonen zu
errichten sei. Im vorliegenden Fall steht demgegenüber eine Aufgabe des Standorts
ausserhalb der Bauzone nicht zur Diskussion. Der Standort wird auch von zweit
Mitbewerbern sowie der Kantonspolizei für deren Antennen genutzt. Das Bundesgericht
hat denn auch in früheren, ähnlich gelagerten Fällen anerkannt, dass eine Konzentration
von Antennenanlagen unter bestimmten Umständen sinnvoller sein kann, als zusätzlich zu
einer bestehenden Anlage den Bau neuer Basisstationen, innerhalb oder ausserhalb der
Bauzone, zu verlangen.16
k) Somit erfordert der Zweck der Anlagen einen Standort ausserhalb der Bauzonen, d.h.
die strittigen Antennen sind (relativ) standortgebunden. Dem Vorhaben stehen keine
überwiegenden Interessen entgegen, auch der Beschwerdeführer vermag keine solchen zu
nennen. Daher wurde zu Recht eine Ausnahmebewilligung für Anlagen ausserhalb der
Bauzone gemäss Art. 24 RPG erteilt.
Dies gilt unabhängig davon, ob und in welchem Ausmass die Anlage durch das
Bauvorhaben aufgerüstet wird. Die diesbezüglich unzutreffende Aussage in der
16 BGE 133 II 409 E. 4.3.; Urteil 1A.274/2006 vom 6. August 2007 E. 4.4
13
vorinstanzlichen Begründung (vgl. oben Erwägung 2.d) hat somit keinen Einfluss auf den
Entscheid und ist daher unerheblich. Die Beschwerde erweist sich demnach als
unbegründet. Sie wird abgewiesen und der angefochtene Gesamtentscheid wird bestätigt.
4. Kosten
a) Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr
(Art. 103 Abs. 1 VRPG17). Für Entscheide in einer Verwaltungsjustizsache wird eine
Gebühr von Fr. 200.-- bis Fr. 4’000.-- je Beschwerde erhoben (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m.
Art. 19 Abs. 1 und Art. 20 Abs. 1 GebV18). In Anwendung dieser Bestimmungen wird die
Pauschale auf Fr. 1'600.-- festgelegt.
Die Verfahrenskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Bei
diesem Ausgang des Verfahrens gilt der Beschwerdeführer als unterliegende Parteien. Die
unzutreffende Aussage der Vorinstanz in der Begründung des angefochtenen
Gesamtentscheids (vgl. Erwägung 2.d) vermag daran nichts zu ändern. Sie war für den
Entscheid nicht relevant (vgl. Erwägung 3.l) und ist daher auch bei den Kosten nicht zu
berücksichtigen. Der Beschwerdeführer hat demnach die Verfahrenskosten von Fr. 1’600.--
zu tragen.
Da dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 18. März 2015 das Recht auf unentgeltliche
Rechtspflege erteilt wurde, trägt der Kanton vorläufig seine Verfahrenskosten. Besteht
Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege, werden die Kosten aber nur vorläufig erlassen.
Die Pflicht der Partei zur Nachzahlung infolge verbesserter wirtschaftlicher Verhältnisse
richtet sich nach den Vorschriften der Schweizerischen Zivilprozessordnung und der
Anwaltsgesetzgebung (Art. 113 Abs. 1 VRPG). Eine Partei, der die unentgeltliche
Rechtspflege gewährt wurde, ist zur Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage
ist. Der Anspruch des Kantons verjährt zehn Jahre nach Abschluss des Verfahrens
17 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 18 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
14
(Art. 123 ZPO19). Der Beschwerdeführer wird dementsprechend zur Rückzahlung
verpflichtet.
b) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Beschwerdegegnerin hat demnach
Anspruch auf Parteikostenersatz. Diese Parteikosten hat der Beschwerdeführer zu tragen,
Parteikostenansprüche der obsiegenden Gegenpartei sind vom Anspruch auf
unentgeltliche Rechtspflege ausgenommen.20
Die Kostennote des Anwaltes der Beschwerdegegnerin beläuft sich auf Fr. 3'559.70
(Honorar: Fr. 3'200.--, Auslagen: Fr. 96.--, Mehrwertsteuer: Fr. 263.70) und gibt
grundsätzlich zu keinen Bemerkungen Anlass. Die Beschwerdegegnerin ist jedoch
mehrwertsteuerpflichtig.21 Nach der Praxis des Verwaltungsgerichts ist deshalb die in der
Kostennote aufgeführte Mehrwersteuer bei der Bestimmung des Parteikostenersatzes nicht
zu berücksichtigen.22 Der Beschwerdeführer hat somit der Beschwerdegegnerin
Parteikosten in der Höhe von Fr. 3'296.-- (inklusive Auslagen) zu ersetzen.