# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 66126500-8f72-4571-89a7-380a1c6a63b9
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend qualifizierter Raub
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 7. Abteilung, vom 5. Dezember 2019 (DG190252)
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Anklage
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 28. August
2019 (Urk. D1/20/9) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz (Urk. 37 S. 40 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig des qualifizierten Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1
StGB in Verbindung mit Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 28 Monaten, wovon 12 Tage
durch Haft erstanden sind.
3. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 61 StGB in eine Einrichtung für junge Erwachsene
eingewiesen. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird zu diesem Zweck aufgeschoben.
4. Rechtsanwalt lic. iur. X._ wird für seine Bemühungen als amtlicher Verteidiger mit pau-
schal Fr. 11'000.00 (inkl. Barauslagen und MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt.
5. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 3'000.00 Gebühr Strafuntersuchung
Fr. 840.00 Kosten Kantonspolizei Zürich
Fr. 11'000.00 amtliche Verteidigung
Fr. 20'050.20 Gutachten/Expertisen etc.
Fr. 10.00 Zeugenentschädigung
6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen
der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten im Umfang von Fr. 10'000.00 aufer-
legt und im darüber hinaus gehenden Betrag abgeschrieben.
7. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbe-
halten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
8. [Mitteilung]
9. [Rechtsmittel]"
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung (Urk. 58 S. 2)
1. Es sei festzustellen, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 7. Abteilung,
vom 5. Dezember 2019 betreffend die Dispositivziffern 4, 5 und 7 in Rechts-
kraft erwachsen ist.
2. Der Beschuldigte und Berufungskläger sei schuldig zu sprechen des Raubes
im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB.
3. Der Beschuldigte und Berufungskläger sei zu bestrafen mit einer Freiheits-
strafe von höchstens 9 Monaten, unter Anrechnung der erstandenen Unter-
suchungshaft.
4. Es sei dem Beschuldigten und Berufungskläger der bedingte Strafvollzug zu
gewähren, und die Probezeit sei auf 2 Jahre festzusetzen.
5. Es sei dem Beschuldigten die Weisung zu erteilen, während der Probezeit
die bei Dr. med. B._ begonnene Therapie fortzusetzen.
6. Die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens, ausge-
nommen die Kosten für die amtliche Verteidigung, seien dem Beschuldigten
und Berufungskläger in einem angemessen reduzierten Umfang unter
CHF 10'000.00 aufzuerlegen und im darüber hinaus gehenden Betrag abzu-
schreiben.
Die Kosten des obergerichtlichen Verfahrens seien auf die Staatskasse zu
nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft (Urk. 61 S. 1)
1. Ziff. 1 des Dispositives des Urteils der Vorinstanz vom 5. Dezember 2019 sei
aufzuheben und der Beschuldigte sei des versuchten qualifizierten Raubes
im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 140 Ziff. 4
und Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
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2. Ziff. 2 des Dispositives des Urteils der Vorinstanz vom 5. Dezember 2019 sei
aufzuheben und der Beschuldigte sei mit 3 1/2 Jahren Freiheitsstrafe als
Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich - Limmat vom
3. Dezember 2020 zu bestrafen.
3. Im Übrigen sei das Urteil der Vorinstanz zu bestätigen.
4. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien dem Beschuldigten aufzuer-
legen.

## Considerations

Erwägungen:
I. Verfahrensgang, Umfang der Berufung und Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Vermei-
dung von Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz im
angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 37 S. 4 E. I.).
1.2. Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich wurde der Beschuldigte gemäss dem
eingangs wiedergegebenen Urteilsdispositiv schuldig gesprochen und bestraft.
Gegen dieses Urteil meldete er fristgemäss Berufung an (Urk. 32). Ihr begründe-
tes Urteil versandte die Vorinstanz am 11. März 2020 (Urk. 36/1-3).
1.3. Innert Frist erklärte der Beschuldigte mit Eingabe vom 30. März 2020 Beru-
fung (Urk. 39 f.). Mit Verfügung vom 6. April 2020 ging die Berufungserklärung an
den Privatkläger und die Staatsanwaltschaft und wurde diesen Frist angesetzt,
um zu erklären, ob Anschlussberufung erhoben wird oder um ein Nichteintreten
auf die Berufung zu beantragen (Urk. 41). Mit Eingabe vom 16. April 2020 erklärte
die Staatsanwaltschaft innert Frist Anschlussberufung (Urk. 43 f.). Mit Verfügung
vom 6. Mai 2020 wurde die Anschlussberufung dem Beschuldigten und dem
Privatkläger zugestellt (Urk. 45).
1.4. Zur Berufungsverhandlung vom 15. Februar 2021 erschienen der
Beschuldigte in Begleitung seines amtlichen Verteidigers, Rechtsanwalt lic. iur.
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X._, sowie der Stellvertretend Leitende Staatsanwalt lic. iur. P. Gossner als
Vertreter der Anklagebehörde (Prot. II S. 4). Im Anschluss an die Verhandlung
erging nachfolgendes Urteil.
2. Umfang der Berufung
Der Beschuldigte ficht die Dispositiv-Ziffern 1 (Schuldspruch), 2 (Freiheitsstrafe),
3 (Massnahme i.S.v. Art. 61 StGB) und 6 (Kostenauflage) des vorinstanzlichen
Entscheids an, die Staatsanwaltschaft die Dispositiv-Ziffern 1 und 2. Nicht ange-
fochten und damit in Rechtskraft erwachsen sind die Dispositiv-Ziffern 4 (Ent-
schädigung der amtlichen Verteidigung), 5 (Kostenfestsetzung) und 7 (Kostenauf-
lage Entschädigung der amtlichen Verteidigung). Hiervon ist vorab mit Beschluss
Vormerk zu nehmen.
3. Prozessuales
Soweit für die tatsächliche und rechtliche Würdigung des eingeklagten Sachver-
haltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies in
Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne dass dies jeweils explizit
Erwähnung findet. Weiter ist an dieser Stelle festzuhalten, dass aus dem
Anspruch auf rechtliches Gehör die Pflicht des Gerichts folgt, seinen Entscheid zu
begründen. Die Begründung muss kurz die wesentlichen Überlegungen nennen,
von denen sich das Gericht hat leiten lassen und auf die es seinen Entscheid
stützt. Es darf sich aber auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken und
muss sich nicht ausdrücklich mit jeder tatsächlichen Behauptung und jedem recht-
lichen Einwand auseinandersetzen und diese widerlegen. Es kann sich mithin auf
die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Ein unverhältnismässi-
ger Motivationsaufwand kann nicht eingefordert werden. Ebenso wenig lässt
sich Art. 6 Ziff. 1 EMRK in der Weise auslegen, dass eine detaillierte Antwort auf
jedes Argument gefordert würde (vgl. dazu statt Weiterer BGer 6B_689/2019 vom
25. Oktober 2019 E. 1.5.2., mit Hinweisen).
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II. Sachverhalt
1. Anklagevorwurf
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, er und C._ hätten am 5.
August 2018 um ca. 05:45 Uhr beim Bahnhof D._ in Zürich den Privatkläger
E._ angesprochen und ihn nach seinem Mobiltelefon gefragt, um damit tele-
fonieren zu dürfen. Der Privatkläger habe ihnen das Mobiltelefon jedoch nicht ge-
ben wollen. Er habe gesagt, dass er selber nur noch 10% Akku habe. Spontan
hätten sich der Beschuldigte und C._ entschlossen, dem Privatkläger das
Telefon und auch gleich noch weitere Wertsachen gewaltsam abzunehmen und
seien in der Folge immer aufdringlicher geworden. Der Beschuldigte habe ver-
sucht, dem Privatkläger das Mobiltelefon wegzunehmen. C._ habe dem Pri-
vatkläger ein bis zwei Mal heftig mit der Faust gegen den Kopf geschlagen. Der
Beschuldigte und C._ hätten sodann abwechslungsweise mit den Fäusten
auf den Privatkläger eingeschlagen und ihm mit den Füssen gegen den Körper
getreten, unter anderem auch gegen den Kopf. Auch als der Privatkläger zu Bo-
den gegangen sei, hätten die beiden mit den Füssen gegen seinen Kopf getreten.
Der Beschuldigte habe dem Privatkläger das Mobiltelefon und C._ habe ihm
den Rucksack samt Inhalt (Portemonnaie mit ID, Bankkarte, ein alter Lehrlings-
ausweis, eine Frauenfeldkarte und Fr. 2.-- bis 3.--, Boxen im Wert von Fr. 250.--,
zwei Powerbanks im Wert von insgesamt Fr. 30.-- und Kopfhörer im Wert von
Fr. 20.--) entrissen. Der Beschuldigte und C._ seien sodann mit dem geraub-
ten Gut davon gerannt mit dem Ziel, sich die Beute zu sichern und diese für sich
zu behalten. Mit ihrem körperlichen gewalttätigen Einwirken hätten C._ und
der Beschuldigte dem Privatkläger die in der Anklageschrift aufgeführten Verlet-
zungen zugefügt. Als der Beschuldigte und C._ wie geschildert auf den Pri-
vatkläger körperlich eingewirkt hätten, habe der Beschuldigte dem Privatkläger
Verletzungen zufügen wollen, eventualiter habe er dies in Kauf genommen. Über-
dies habe er auch in Kauf genommen, dass der Privatkläger, insbesondere durch
die Fusstritte gegen den Kopf, lebensgefährliche Verletzungen erleiden würde, als
sie ihn, wie geschildert, ausgeraubt hätten. Lebensgefährliche Verletzungen habe
der Privatkläger jedoch nicht erlitten. Damit habe sich der Beschuldigte des ver-
suchten qualifizierten Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Verbin-
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dung mit Art. 140 Ziff. 4 und Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig gemacht (Urk. D1/20/9
S. 2 f.).
2. Standpunkt des Beschuldigten
Was den Standpunkt des teilweise geständigen Beschuldigten betrifft, kann auf
die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden, wonach er im
Wesentlichen die Fusstritte, die er und/oder C._ gegen den Körper und ins-
besondere den Kopf des Privatklägers verübt haben soll(en), bestritt und den
Sachverhalt im Übrigen weitgehend anerkannte (Urk. 37 S. 6 E. B.). Der
Beschuldigte liess zu den eingeklagten Fusstritten vor Vorinstanz zusammen-
gefasst geltend machen, gestützt auf die vorliegenden Beweise lasse sich nicht
erstellen, dass er den Privatkläger getreten habe, zumal er von keinem der Betei-
ligten konkret beschuldigt worden sei, den Privatkläger getreten zu haben, auch
nicht vom Privatkläger selbst, weshalb auf die Aussagen des Beschuldigten abzu-
stellen sei, der dies konstant bestritten habe (vgl. dazu Urk. 27 S. 5-8 Rz. 11-23).
Diesen Standpunkt vertrat der Beschuldigte respektive dessen Verteidigung auch
an der heutigen Berufungsverhandlung (Urk. 57 S. 11; Urk. 58 S. 4-6 Rz. 8-20).
3. Sachverhaltserstellung und Beweismittel
Die Vorinstanz hat die massgebenden Grundsätze der Sachverhaltserstellung
und der Beweiswürdigung sowie die vorliegend relevanten Beweismittel zutref-
fend wiedergegeben, worauf zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen verwie-
sen werden kann (Urk. 37 S. 6-10 E. C. und D.1.). Unbesehen der prozessualen
Einwände der Verteidigung zur Verwertbarkeit (Urk. 27 Rz. 5 ff.; Urk. 58 S. 3 f.
Rz. 3-7) ist nicht entscheidend auf die polizeilichen Einvernahmen des Beschul-
digten und des Mitbeschuldigten C._ abzustellen. Unter Bezugnahme auf die
entsprechenden Vorbringen der Verteidigung hat die Vorinstanz in diesem Zu-
sammenhang sodann zutreffend dargelegt, weshalb die Einvernahmen des Pri-
vatklägers uneingeschränkt verwertbar sind (Urk. 37, S. 9 f. E. D 1.3. und
D.1.4.2.), auch darauf kann verwiesen werden.
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4. Aussagen des Privatklägers
Die Vorinstanz hat die relevanten Aussagen des Privatklägers richtig zusammen-
gefasst und zutreffend gewürdigt (Urk. 37 S. 10-15 E. D.2.), worauf zunächst ver-
wiesen werden kann. Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass die lebens-
nahen, authentisch und tatsächlich erlebt wirkenden, in der Abfolge logischen,
keine Strukturbrüche aufweisenden und im Kerngeschehen detaillierten und kon-
stanten Aussagen des Privatklägers glaubhaft sind und überzeugen. Bezüglich
der eingeklagten Fusstritte ist insbesondere davon auszugehen, dass der Privat-
kläger zwar nicht ganz einheitlich schildern konnte, wer ihm die Fusstritte versetz-
te, dies jedoch aufgrund der von ihm geschilderten Situation der Glaubhaftigkeit
seiner Angaben keinen Abbruch tut. Klar und konstant gab er diesbezüglich
jedoch an, dass er erst als er zu Boden gefallen sei, mit den Füssen getreten
worden sei (vgl. in diesem Sinne a.a.O., S. 14 f. E. D.2.4.). Die Verteidigung
bekundete im Rahmen der Berufungsverhandlung Zweifel an den Aussagen des
Privatklägers und hielt fest, die Aussagen des Privatklägers seien "äusserst
unpräzise und mithin mit grösster Vorsicht zu würdigen" (vgl. Urk. 58 S. 6 Rz. 17).
Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden. Der Privatkläger hat ausser den
Fusstritten den gesamten Tathergang ganz genau geschildert. Die Aussagen des
Privatklägers sind sehr konzis und zeugen davon, dass er das Tatgeschehen
ganz genau wahrgenommen hat. Aus den glaubhaften Aussagen des Privat-
klägers ergeben sich sodann keinerlei Anhaltspunkte für die Version des
Beschuldigten, gemäss welcher er vor C._ vom Tatort geflüchtet sein will.
Gemäss den konstanten und glaubhaften Schilderungen des Privatklägers rann-
ten beide zusammen weg, was auch die Zeugin F._ beobachten konnte (vgl.
E. II. 7.).
5. Aussagen des Beschuldigten
Die wesentlichen Aussagen des Beschuldigten wurden von der Vorinstanz eben-
falls zutreffend wiedergegeben und gewürdigt (Urk. 37 S. 15-21 E. D.3.), worauf
vorab verwiesen werden kann. Die Vorinstanz hat richtig aufgezeigt, dass die
Aussagen des Beschuldigten diverse Widersprüche aufweisen, über weite
Strecken wirr, ausweichend, vage, nicht schlüssig und insgesamt nicht überzeu-
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gend sind. Besonders augenfällig erscheint dabei unter anderem, dass der
Beschuldigte einerseits ein "Blackout" und Erinnerungslücken geltend machte,
andererseits jedoch detaillierte Aussagen deponierte und sich zumindest mehr-
heitlich sicher sein wollte, dem Privatkläger keine Fusstritte verpasst zu haben,
um dann aber doch wieder einzuräumen, dass die Schilderungen des Privat-
klägers bezüglich des Vorfalls stimmen könnten (vgl. in diesem Sinne a.a.O., 20 f.
E. D.3.8.). Soweit sich seine Aussagen nicht mit der glaubhaften Sachdarstellung
des Privatklägers, die vom Beschuldigten ja über weite Strecken anerkannt
wurde, in Einklang bringen lassen, kann ihm jedenfalls nicht geglaubt werden.
6. Aussagen des Mitbeschuldigten C._
Auch die wesentlichen Aussagen des Mitbeschuldigten C._ wurden von der
Vorinstanz zutreffend dargestellt und gewürdigt (Urk. 37 S. 21 f. E. D.4.), worauf
zunächst verweisen werden kann. Als Mitbeschuldigter hat er ebenfalls ein Inte-
resse daran, den Sachverhalt in einem für ihn möglichst günstigen Licht darzustel-
len, ohne der Wahrheitspflicht zu unterstehen. Seine Aussagen wirken ebenfalls
ausweichend und sind teils vage, auch machte er Erinnerungslücken geltend, un-
ter anderem hinsichtlich der eingeklagten Tritte (vgl. in diesem Sinne a.a.O., S. 22
E. D.4.4.). Was den Mitbeschuldigten C._ betrifft gilt letzlich ebenso, dass
ihm nicht geglaubt werden kann, soweit sich seine Aussagen nicht mit den glaub-
haften Schilderungen des Privatklägers decken.
7. Aussagen der Zeugin F._
Die wesentlichen Aussagen der Zeugin F._ wurden von der Vorinstanz zu-
treffend wiedergegeben und gewürdigt (Urk. 37 S. 22 f. E. D.5.), darauf kann
verwiesen werden. Ihre Aussagen sind zwar glaubhaft, aber nicht sehr konkret
und damit zur Erstellung des strittigen Sachverhalts nur sehr beschränkt sach-
dienlich. Immerhin gab sie betreffend die Schläge an, von Weitem habe es aus-
gesehen wie Tritte, was für die Version des Privatklägers spricht. Zudem führte
sie aus, sie [der Beschuldigte und C._] seien mit dem Rucksack in der Hand
aus dem Bahnhofsgebäude rausgerannt gekommen, was gegen die Version des
Beschuldigten spricht, wonach er sich vor C._ vom Tatort entfernt habe.
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8. Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin (IRM) zur körperlichen  des Privatklägers vom 23. August 2018
Im IRM-Gutachten zur körperlichen Untersuchung des Privatklägers vom
23. August 2018 (Urk. D1/9/1) sind die in der Anklage umschriebenen Verletzun-
gen festgehalten. Diese sind, mit Ausnahme der Verletzungen des Schienbeines
und des Handgelenkes (die beiden letzten Spiegelstriche in der Anklageschrift),
die sich gestützt auf das Gutachten bereits in Abheilung befanden und auch laut
Angaben des Privatklägers als vorfallunabhängig zu werten sind, erstellt (vgl. in
diesem Sinne zutreffend Urk. 37 S. 25 E. D.6.2. unter Hinweis auf Urk. D1/9/1
S. 4). Weiter ist dem Gutachten zu entnehmen, dass die zum Teil geformt
erscheinenden Blutergüsse an der rechten Gesichtsseite sowie die Schwellung
mit Hautunterblutung und Abschürfung an der Stirn rechts als Folge stumpfer
Gewalteinwirkung interpretiert werden könnten. Eine Entstehung durch
Faustschläge bzw. Tritte, wie vom Privatkläger angegeben, erscheine möglich.
Die geformt erscheinenden Anteile an der rechten Wange, welche über den
Kieferwinkel bis an die rechte Halsseite reichten, liessen auf die Einwirkung eines
konkreten Gegenstandes schliessen. Ein Schuh könne bei entsprechender
Formung geeignet sein, diese Befunde verursacht zu haben. Eine Lebensgefahr
habe nicht belegt werden können, da der Privatkläger während der Untersuchung
jegliche Schmerzen, Unwohlsein, Übelkeit oder Erbrechen verneint habe. Aus
rechtsmedizinischer Sicht sei jedoch anzumerken, dass Schläge bzw. Tritte
gegen den Kopf grundsätzlich zu lebensbedrohlichen Verletzungen (Schädel-
brüchen, Blutungen im Kopfinnern, Hirngewebsverletzungen etc.) führen könnten.
Die festgestellten Verletzungen entsprächen nicht dem typischen Bild einer
Selbstbeibringung, sondern fügten sich vielmehr plausibel in den vom Privatkläger
vorgetragenen Sachverhalt ein. Die festgestellten Verletzungen würden voraus-
sichtlich innerhalb kurzer Zeit folgenlos, ggf. unter Narbenbildung, abheilen
(Urk. D1/9/1 S. 4). Auch davon ist auszugehen. Festzuhalten bleibt, dass das
Gutachten ebenfalls klar für die Darstellung des Privatklägers spricht.
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9. Ergebnis
Die Vorinstanz hat die erhobenen Beweismittel abschliessend nochmals
abgehandelt und im Wesentlichen zutreffend gewürdigt (Urk. 37 S. 24 f. E. D.6.),
worauf vorab verwiesen werden kann. Einzig entgegen der Vorinstanz ist davon
auszugehen, dass dem Privatkläger nicht nur zwei Fusstritte verpasst wurden, als
er am Boden lag, zumal dieser konstant und glaubhaft angegeben hat, "ca. fünf-
mal" getreten worden zu sein (Urk. D1/5/1 S. 4 F/A 29, D1/5/2 S. 8 F/A 52 und
S. 12 F/A 95), wobei weiter davon auszugehen ist, dass er dabei zweimal am
Kopf bzw. im Gesicht getroffen wurde (Urk. D1/5/1 S. 4 F/A 30), was sich zwang-
los mit dem vorliegenden IRM-Gutachten in Einklang bringen lässt. Im Übrigen ist
mit der Vorinstanz der eingeklagte Sachverhalt mit Ausnahme der vorgeworfenen
Fusstritte, bevor der Privatkläger zu Boden fiel, der Frage, welcher der beiden
Beschuldigten dem Privatkläger die ca. fünf Fusstritte verpasste sowie der vorfall-
unabhängigen Verletzungen des Schienbeines und des Handgelenkes, als erstellt
zu betrachten. Die Darstellung des Beschuldigten, gemäss welcher er sich vor
C._ vom Tatort entfernt haben will, findet in den Akten keine Stütze bzw. ist
aufgrund der übereinstimmenden Schilderungen des Privatklägers und der Zeugin
F._ widerlegt. Auch aus der aktenkundigen Überwachungskameraaufnahme,
worauf immerhin ersichtlich ist, dass die beiden Beschuldigten unmittelbar nach-
einander, mit geringem Abstand flüchteten (vgl. Urk. D1/1/7), ergibt sich nichts,
was die Aussagen des Privatklägers und der Zeugin F._ entkräften würde.
Damit ist erstellt, dass der Beschuldigte zumindest dabei war, als der Privatkläger
am Boden lag und getreten wurde. Wie der Umstand, dass der Privatkläger durch
den Beschuldigten und/oder den Mitbeschuldigten C._ mit insgesamt ca. fünf
Fusstritten traktiert wurde, rechtlich zu behandeln ist, ist nachfolgend zu prüfen.
III. Rechtliche Würdigung
1. Standpunkt des Beschuldigten
Der Beschuldigte liess vor Vorinstanz seine Mittäterschaft an den Fusstritten bzw.
am Versuch einer schweren Körperverletzung bestreiten. Er habe die Fusstritte
des Mitbeschuldigten C._ nicht bemerkt und diese seien für ihn nicht vorher-
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sehbar gewesen. Somit habe er sie auch nicht billigen können. Selbst wenn von
Mittäterschaft ausgegangen würde, sei der qualifizierte Tatbestand im Sinne von
Art. 140 Ziff. 4 StGB nicht erfüllt, da es an einer konkreten, naheliegenden, unmit-
telbaren, akuten und hochgradigen Lebensgefahr fehle. Dem Privatkläger sei
nachweislich auch keine schwere Körperverletzung zugefügt worden. Ebensowe-
nig liege eine besondere Gefährlichkeit im Sinne von Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB
vor. Es sei deshalb von einem Raub im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
auszugehen (vgl. dazu Urk. 27 S. 8-11 Rz. 24-36). Im Rahmen der Berufungsver-
handlung liess der Beschuldigte dazu ergänzend vorbringen, er habe sich vor
C._ vom Tatort entfernt, weshalb er die Fusstritte von diesem nicht gesehen
habe und auch nicht habe sehen können. Dementsprechend habe er die Fusstrit-
te auch nicht gebilligt, womit keine Mittäterschaft an den Fusstritten vorliege. In
Bezug auf den qualifizierten Tatbestand im Sinne von Art. 140 Ziff. 4 StGB ver-
wies er auf die vorinstanzlichen Erwägungen (vgl. Urk. 58 S. 7-10 Rz. 21-35).
2. Standpunkt der Staatsanwaltschaft
Im Rahmen ihrer Anschlussberufung vom 16. April 2020 führte die Staatsanwalt-
schaft zur Frage der rechtlichen Einordnung eines Raubes, bei dem eine lebens-
gefährliche Verletzung nicht eingetreten, aber versucht worden sei, aus, bei
jedem versuchten Delikt sei bei der rechtlichen Einordnung vorerst vom vollende-
ten Delikt auszugehen. Vorliegend wäre bei Verursachung einer schweren, also
lebensgefährlichen Verletzung von einem Raub im Sinne von Art. 140 Ziff. 4 StGB
auszugehen. Gemäss dieser Bestimmung sei die Strafe Freiheitsstrafe nicht unter
fünf Jahren, wenn der Täter das Opfer in Lebensgefahr bringe, ihm eine schwere
Körperverletzung zufüge oder es grausam behandele. Die vorsätzliche Zufügung
einer schweren Körperverletzung führe also zu dieser Qualifizierung. Ebenso
führe aber auch eine eventualvorsätzlich zugefügte lebensgefährliche Verletzung
zu einer Qualifizierung gemäss Art. 140 Ziff. 4 StGB. Wenn nun lediglich der
Erfolg nicht eingetreten sei, also die zugefügte Verletzung nicht lebensgefährlich
sei, so ändere dies grundsätzlich nichts an der Qualifizierung des Raubes, denn
dieser sei ja vollendet, jedoch sei die Qualifizierung nicht vollendet, sondern nur
versucht. Damit sei der Beschuldigte des versuchten qualifizierten Raubes im
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Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 140 Ziff. 4 und
Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen. Die Vorinstanz führe diesbezüglich
lediglich aus, der Versuch, das Opfer in Lebensgefahr zu bringen sowie eine
bloss versuchte schwere Körperverletzung sei für eine Qualifikation im Sinne von
Art. 140 Ziff. 4 StGB nicht ausreichend. Weshalb dies nicht ausreichend sein
solle, führe sie jedoch nicht aus (Urk. 43 S. 2, u.a. unter Hinweis auf Urk. 37 S. 29
E. III.4.3.). Im Rahmen der Berufungsverhandlung hielt die Staatsanwaltschaft an
diesem Standpunkt fest (Urk. 61 S. 1 f.).
3. Standpunkt der Vorinstanz
Die Vorinstanz verurteilte den Beschuldigten wegen qualifizierten Raubes im
Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3
StGB.
4. Würdigung
4.1. Die Vorinstanz hat zunächst unter Hinweis auf die einschlägige Recht-
sprechung und Lehre den Tatbestand des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1
StGB sowie dessen qualifizierte Formen im Sinne von Art. 140 Ziff. 4 und Ziff. 3
Abs. 3 StGB abgehandelt (Urk. 37 S. 26 E. III.2.1.-2.3.). Die entsprechenden Aus-
führungen sind zutreffend, es kann darauf verwiesen werden.
4.2. Die Vorinstanz hat sodann die von der Verteidigung anerkannte objektive
und subjektive Tatbestandsmässigkeit im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 StGB bejaht
(Urk. 37 S. 27 E. III.3.), die entsprechenden Ausführungen sind zutreffend, auch
darauf kann verweisen werden. Weiter führte sie aus, zur Beurteilung, ob vor-
liegend ein Qualifikationsgrund gegeben sei, sei zunächst zu klären, ob die
Fusstritte dem Beschuldigten anzurechnen seien (a.a.O.), was ebenfalls richtig
ist.
4.3. In einem nächsten Schritt kam die Vorinstanz vor dem Hintergrund der
einschlägigen rechtlichen Grundlagen zum zutreffenden Schluss, dass dem
Beschuldigten die Fusstritte, selbst wenn er sie nicht selbst ausgeführt haben
sollte, als in mittäterschaftlicher Tatbegehung ausgeführte anzurechnen seien
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(Urk. 37 S. 27-29 E. III.4.1. f.), worauf vollumfänglich verwiesen werden kann.
Lediglich teilweise rekapitulierend und ergänzend sei dazu festgehalten, dass sich
der Beschuldigte und der Mitbeschuldigte C._ gemäss erstelltem Sachverhalt
gemeinsam entschlossen haben, den Privatkläger auszurauben und diesen zu-
nächst abwechslungsweise mit Faustschlägen traktierten, um ihm gewaltsam sein
Mobiltelefon und weitere Wertsachen abzunehmen, als sich dieser nicht gefügig
zeigte. Sie haben demnach – jedenfalls konkludent – bei der Entschlussfassung
und Ausführung des Raubes in massgebender Weise zusammengewirkt, sodass
beide als "Hauptbeteiligte" erscheinen. Weiter ist wie gesehen davon auszuge-
hen, dass sie dem Privatkläger ca. fünf Fusstritte gegen Kopf und Körper verpass-
ten, wobei nicht erstellt ist, ob der Privatkläger vom Beschuldigten und/oder vom
Mitbeschuldigten C._ getreten wurde. Erstellt ist indes entgegen den Bestrei-
tungen der Verteidigung bzw. des Beschuldigten, dass der Beschuldigte und der
Mitbeschuldigte C._ gemeinsam flüchteten (vgl. E. II. 9.), womit der Beschul-
digte bei Verabreichung der Fusstritte noch immer aktiv am Geschehen beteiligt
war und sich nicht etwa bereits vom Tatort entfernt hatte. Es liegen auch keinerlei
Hinweise vor, wonach er sich, sollten die Fusstritte tatsächlich ausschliesslich
vom Mitbeschuldigten C._ ausgeführt worden sein, in irgendeiner Weise von
dieser Aktion distanziert hätte. Vielmehr machte er bis zur Voll- und Beendigung
der Tat mit. Sollte der Beschuldigte die Fusstritte nicht selber ausgeführt haben,
ist deshalb ohne Weiteres davon auszugehen, dass er sich dem Plan des Mitbe-
schuldigten C._, auch noch mit Füssen auf den Privatkläger einzutreten, im
Verlauf der Tatausführung angeschlossen und sich diesen zu eigen gemacht hat.
Dafür spricht nicht zuletzt, dass der Beschuldigte ja auch damit einverstanden
war, gemeinsam mit dem Mitbeschuldigten C._ den Privatkläger zunächst
mit Fäusten zu traktieren, mithin diesen mit brachialer Gewalt zur Herausgabe
des Raubguts zu bringen. Selbst wenn also ausschliesslich der Mitbeschuldigten
C._ die Fusstritte ausgeführt haben sollte, kann nicht von einem dem Be-
schuldigten nicht zurechenbaren Exzess die Rede sein. Damit sind dem Beschul-
digten die Fusstritte, selbst wenn er sie nicht selbst verübt haben sollte, als in mit-
täterschaftlicher Tatbegehung ausgeführte anzurechnen. Entsprechend ist es für
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die Frage der rechtlichen Qualifikation des Raubes unerheblich, ob der Beschul-
digte den Privatkläger selbst mit den Füssen getreten hat oder nicht.
4.4. Die Vorinstanz verneinte in der Folge das Vorliegen eines Qualifikations-
merkmals im Sinne von Art. 140 Ziff. 4 StGB (Lebensgefahr, schwere Körperver-
letzung oder grausame Behandlung) und führte dazu unter anderem aus, der
Versuch, das Opfer in Lebensgefahr zu bringen, sowie eine bloss versuchte
schwere Körperverletzung seien für eine Qualifikation im Sinne von Art. 140 Ziff. 4
StGB nicht ausreichend (Urk. 37 S. 29 E. III.4.3.). Das trifft nicht zu, ein Versuch
ist auch bei den qualifizierten Tatbestandsvarianten grundsätzlich möglich. Aller-
dings ist ein Versuch der qualifizierten Deliktsvariante "Lebensgefahr" gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung erst dann gegeben, wenn der Täter damit
begonnen hat, das Opfer einer unmittelbaren Lebensgefahr auszusetzen
(BGE 120 IV 115 = Pra 83 [1994] Nr. 255 S. 844; vgl. dazu statt Weiterer
DONATSCH, Strafrecht III, Delikte gegen den Einzelnen, 11. Auflage, S. 184, § 9,
3.4 a). Dies ist vorliegend nicht der Fall, hält doch das IRM-Gutachten fest, dass
eine Lebensgefahr nicht belegt werden konnte (vgl. dazu Urk. D1/9/1 S. 4 bzw.
vorne unter E. II.8.). Diese Tatbestandsvariante fällt damit aus diesem Grund
ausser Betracht.
4.5. Zu prüfen ist das Vorliegen eines Versuchs der qualifizierten Deliktsvarian-
te "Schwere Körperverletzung". Dazu was folgt: Soweit in den Qualifikationen
neben den Rechtsgütern Eigentum und Freiheit der Person ein weiteres Rechts-
gut tangiert ist, insbesondere die persönliche Integrität, ist Versuch des qualifizier-
ten Raubs möglich (BGE 124 IV 97, 101 f.; vgl. dazu bzw. zum versuchten qualifi-
zierten Raub statt Weiterer DONATSCH, Strafrecht III, Delikte gegen den Einzelnen,
11. Auflage, S. 181, § 9, 3., TRECHSEL/CRAMERI in PK StGB, 3. Auflage, N 23 zu
Art. 140 und NIGGLI/RIEDO, BSK StGB II, 4. Auflage, N 173 zu Art. 140). Dies ist
vorliegend der Fall. Der Beschuldigte und der Mitbeschuldigte C._ schlugen
beide zunächst mit Fäusten auf den Privatkläger ein, unter anderem auf dessen
Kopf. Mindestens einer der beiden trat hernach gegen den am Boden liegenden
Privatkläger, wiederum unter anderem zweimal gegen dessen Kopf. Wie ausge-
führt, muss sich der Beschuldigte diese Fusstritte gegen den Kopf des Privatklä-
- 16 -
gers anrechnen lassen, selbst wenn er sie nicht selbst verübt haben sollte. Mit
Schlägen und Fusstritten gegen den Kopf des Privatklägers nahm der Beschuldig-
te eine schwere Körperverletzung des Privatklägers zumindest in Kauf. Bei der
Kopfregion handelt es sich um einen besonders sensiblen Bereich des menschli-
chen Körpers und Kopfverletzungen, insbesondere Verletzungen der Hirnregion,
können gravierende Folgen nach sich ziehen (vgl. in diesem Sinne auch das vor-
liegende IRM-Gutachten; Urk. D1/9/1 S. 4 bzw. vorne unter E. II.8.). Das Bundes-
gericht hat denn auch immer wieder festgehalten, dass es der allgemeinen Le-
benserfahrung entspricht, dass Fusstritte und Faustschläge in den Kopfbereich
eines am Boden liegenden Opfers – selbst wenn dieses sich zusammenrollt und
den Kopf mit den Händen zu schützen versucht – zu schwerwiegenden Beein-
trächtigungen der körperlichen Integrität führen können. Die bundesgerichtliche
Rechtsprechung setzt für die Erfüllung des Tatbestandes der versuchten schwe-
ren Körperverletzung auch nicht voraus, dass neben den eigentlichen Fusstritten
oder Schlägen an den Kopf ein aggravierendes Moment, etwa eine besondere
Heftigkeit der Tritte, die Wehrlosigkeit des Opfers, die Traktierung mit weiteren
Gegenständen oder die Einwirkung mehrerer Personen, hinzutreten muss (vgl.
dazu statt Weiterer BGE 6B_1024/2017, Urteil vom 26. April 2018, E. 2.2.1 und
BGE 6B_1180/2015, Urteil vom 13. Mai 2016, E. 4.1.). Für die rechtliche Würdi-
gung ist sodann nicht von Bedeutung, dass der Privatkläger keine schweren Ver-
letzungen erlitt, zumal keine vollendete, sondern lediglich eine versuchte eventu-
alvorsätzliche schwere Körperverletzung zur Diskussion steht und es in der Natur
der versuchten Tatbegehung liegt, dass der Erfolg nicht eintritt. Entscheidend ist
demnach nicht, wie intensiv die Tritte tatsächlich waren, sondern was für Folgen
der Beschuldigte aufgrund seiner Tritte für möglich gehalten und in Kauf genom-
men hat (vgl. dazu statt Weiterer BGE 6B_1180/2015, Urteil vom 13. Mai 2016, E.
4.1.). Ausschlaggebend ist dabei vorliegend, dass es letztlich nur dem Zufall zu
verdanken ist, dass das Verletzungsbild nicht schwerer ausgefallen ist, zumal im
Rahmen des dynamischen Tatgeschehens die Intensität der entstehenden Verlet-
zungen weder dosier- noch kontrollierbar war. Dies gilt umso mehr, als der Be-
schuldigte und der Mitbeschuldigte C._ den Privatkläger zu zweit traktierten
und der Beschuldigte zudem betrunken war und unter dem Einfluss von Drogen
- 17 -
stand (vgl. dazu Urk. D1/8/8). Das Risiko schwerer Verletzungen muss deshalb
als derart hoch und konkret eingestuft werden, dass sich dem Beschuldigten bei
seiner Vorgehensweise das schwere Verletzungsrisiko als derart wahrscheinlich
aufdrängen musste, dass sein Verhalten als Inkaufnahme desselben gewertet
werden muss.
5. Ergebnis
Der Beschuldigte ist des versuchten qualifizierten Raubes im Sinne von Art. 140
Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 140 Ziff. 4 StGB und Art. 22 Abs. 1
StGB schuldig zu sprechen.
IV. Strafe
1. Strafrahmen
1.1. Die Strafe ist grundsätzlich innerhalb des vom Gesetzgeber vorgesehenen
ordentlichen Strafrahmens der schwersten anzuwendenden Strafbestimmung
festzusetzen. Dieser kann bei Vorliegen gesetzlicher Strafschärfungs- bzw.
Strafmilderungsgründe gemäss Art. 48 f. StGB nach oben respektive nach unten
erweitert werden, woraus sich der theoretische Strafrahmen ergibt. Gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist der ordentliche Strafrahmen jedoch nur
zu verlassen, wenn ausserordentliche Umstände vorliegen und die für die betref-
fende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall zu hart bzw. zu milde erscheint.
Der ordentliche Strafrahmen wird bei Vorliegen von Strafschärfungs- oder Straf-
milderungsgründen demnach nicht automatisch nach oben bzw. nach unten
erweitert (vgl. dazu statt Weiterer BGE 136 IV 55 E. 5.8).
1.2. Der Beschuldigte hat sich des versuchten qualifizierten Raubes im Sinne
von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 140 Ziff. 4 StGB und
Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig gemacht. Art. 140 Ziff. 4 StGB sieht einen Strafrah-
men von Freiheitsstrafe nicht unter fünf bis hin zur gesetzlich festgelegten
Höchstdauer von 20 Jahren vor (vgl. dazu auch Art. 40 Abs. 2 StGB). Der
Beschuldigte weist gemäss gutachterlicher Beurteilung eine tatzeitpunktaktuelle
mittelgradig verminderte Schuldfähigkeit im Sinne von Art. 19 Abs. 2 StGB auf
- 18 -
(Urk. D1/15/13 S. 78). Nachdem vorliegend überdies der Strafmilderungsgrund
des Versuchs zur Anwendung gelangt (Art. 22 Abs. 1 StGB) und – wie noch zu
zeigen sein wird – das Tatverschulden des Beschuldigten im Rahmen der von ihm
verübten qualifizierten Tatbestandsvariante als noch leicht einzustufen ist, liegen
insgesamt derart aussergewöhnliche Umstände vor, dass eine Unterschreitung
der angedrohten Mindeststrafe in Anwendung von Art. 48a StGB angezeigt ist.
2. Strafzumessung
2.1. Vorbemerkung
Die Vorinstanz hat die allgemeinen Strafzumessungsregeln zutreffend dargelegt
(Urk. 37 S. 31 f. E. IV. 2.1.), darauf kann verwiesen werden.
2.2. Tatverschulden
2.2.1. Was das objektive Tatverschulden anbelangt, so ist zunächst festzuhalten,
dass die vom Beschuldigten erfüllte qualifizierte Raubtatbestandsvariante neben
den Rechtsgütern Eigentum und Freiheit besonders auch die körperlichen Inte-
grität, mithin Leib und Leben schützt. Vor allem gegenüber Letzteren liess der
Beschuldigte jeden Respekt vermissen. Um einen vergleichsweise geringen
Deliktsbetrag zu erlangen, schlug er mit Fäusten auf sein Opfer ein und traktierte
es zudem mit Fusstritten, als es bereits wehrlos am Boden lag, wobei sich die
Schläge und Fusstritte unter anderem gegen den Kopf des Opfers richteten.
Erschwerend kommt hinzu, dass der Beschuldigte diese Tat unter Ausnutzung
der zahlenmässigen Überlegenheit zusammen mit einem Mittäter beging. Mit
seiner Tat offenbarte er ein grosses Gewalt- und Aggressionspotenzial und eine
erhebliche kriminelle Energie. Das Opfer trug denn auch nicht unerhebliche Ver-
letzungen davon und es ist wie gesehen nur dem Zufall zu verdanken, dass diese
nicht gravierender ausfielen. Zugunsten des Beschuldigten ist zu veranschlagen,
dass es sich um eine nicht von langer Hand geplante Spontantat handelte.
2.2.2. In subjektiver Hinsicht ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte aus
völlig nichtigem Motiv handelte. Hinsichtlich des Grundtatbestand des Raubes
liegt direkt-, hinsichtlich der Qualifizierung, d.h. der versuchten schweren Körper-
- 19 -
verletzung, eventualvorsätzliches Handeln vor. Stark strafreduzierend wirkt sich
die mittelgradig verminderte Schuldfähigkeit aus. Insgesamt wird das objektive
Tatverschulden durch das subjektive deutlich relativiert.
2.2.3. Aufgrund des gesamten, im Rahmen einer qualifizierten Tatbestands-
erfüllung als noch leicht einzustufenden Tatverschuldens, ist eine hypothetische
Einsatzstrafe von 60 Monaten Freiheitsstrafe festzusetzen.
2.2.4. Ebenfalls deutlich strafreduzierend wirkt sich aus, dass die qualifizierte
Tatbestandsvariante im Versuchsstadium stehenblieb, wohingegen der Grundtat-
bestand erfüllt wurde, weshalb die veranschlagte Einsatzstrafe um 15 Monate auf
45 Monate Freiheitsstrafe zu reduzieren ist.
2.3. Täterkomponente
Was die persönlichen Verhältnisse und das Vorleben des Beschuldigten betrifft,
kann auf die zutreffenden Ausführungen im vorinstanzliche Entscheid verwiesen
werden (Urk. 37 S. 33 f. E. IV.2.3.1. f.). Ergänzend ist lediglich festzuhalten, dass
der Beschuldigte aktuell alleine lebt, die Wohnungsmiete Fr. 800.– beträgt und er
finanziell vom Sozialamt unterstützt wird (Urk. 57 S. 2 und 4). Der Beschuldigte
delinquierte in der Vergangenheit mit hoher Kadenz und hat offensichtlich grosse
Mühe damit, sich gesetzeskonform zu verhalten. Neben den bereits von der
Vorinstanz aufgelisteten (immerhin nicht einschlägigen) Jugendvorstrafen ist der
Strafbefehl der Bundesanwaltschaft vom 20. November 2019 wegen Gewalt und
Drohung gegen Behörden und Beamte sowie Beschimpfung, begangen am
26. Januar 2019, zu berücksichtigen, mit dem der Beschuldigte mit einer beding-
ten Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 30.-- bestraft wurde. Weiter ist das
Urteil des Amtsgerichts Lindau vom 6. Dezember 2019 wegen Widerhandlung
gegen ausländische Bestimmung, begangen am 27. September 2019, zu berück-
sichtigen, mit dem der Beschuldigte mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu
EUR 40 bestraft wurde. Sodann wurde der Beschuldigte mit Strafbefehl der
Staatsanwaltschaft Zürich - Sihl vom 26. Februar 2020 wegen mehrfachen (teil-
weise versuchten) Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz und Über-
tretung des Betäubungsmittelgesetzes, begangen im Zeitraum vom 1. März 2017
- 20 -
bis 4. Januar 2020, mit einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu
Fr. 30.-- sowie mit einer Busse von Fr. 1'000.-- bestraft (Urk. 49). Zuletzt wurde
der Beschuldigte mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich - Limmat vom
3. Dezember 2020 wegen mehrfachen Vergehens gegen das Betäubungsmittel-
gesetz und mehrfacher Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes, begangen im
Zeitraum vom 1. Dezember 2019 bis 29. November 2020, mit einer bedingten
Freiheitsstrafe von 3 Monaten sowie einer Busse von 300.-- bestraft (Urk. 52),
womit er auch mehrfach während laufendem Strafverfahren delinquierte. Die
zahlreichen Vorstrafen und das wiederholte Delinquieren während laufendem
Strafverfahren wirken sich deutlich straferhöhend aus. Etwas relativiert wird dies
lediglich dadurch, dass es sich um relativ niederschwellige Delinquenz handelt
und die Delikte, abgesehen von Gewalt und Drohung gegen Behörden und
Beamte, nicht einschlägig sind. Leicht relativierend wirkt sich auch aus, dass der
Beschuldigte eine nicht ganz einfache Jugend hatte und aufgrund seines doch
noch sehr jungen Alters eine erhöhte Strafempfindlichkeit aufweist. In Würdigung
des Gesagten ist die aus der Tatkomponente resultierende Einsatzstrafe um
3 Monate zu erhöhen. Betreffend das Nachtatverhalten kann sodann ebenfalls auf
die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 37 S. 34 f.
E. IV.2.3.3.), mit der davon auszugehen ist, dass der Beschuldigte zwar eine
gewisse Reue an den Tag legte, wirkliche Einsicht aber nicht erkennbar ist, und
auch sein Teilgeständnis vor relativ erdrückender Beweislage erfolgte, weshalb
Reue und Teilgeständnis nur geringfügig bzw. im Umfang von 5 Monaten straf-
reduzierend ins Gewicht fallen. Damit resultiert insgesamt eine Freiheitsstrafe von
43 Monaten.
2.4. Die vorliegend zu beurteilende Tat beging der Beschuldigte, bevor er mit
Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich - Limmat vom 3. Dezember 2020 mit
einer bedingten Freiheitsstrafe von 3 Monaten sowie einer Busse von Fr. 300.--
bestraft wurde (Urk. 52). Es liegt damit ein Fall von retrospektiver Konkurrenz vor.
Die erwogene Freiheitsstrafe von 43 Monaten ist deshalb im Sinne von Art. 49
Abs. 2 StGB unter Anwendung des Asperationsprinzips (mittels hypothetischer
Gesamtstrafenbildung) um einen Monat zu reduzieren und als Zusatzstrafe aus-
zufällen.
- 21 -
3. Auszufällende Strafe
In Würdigung sämtlicher Strafzumessungsgründe ist der Beschuldigte mit einer
Freiheitsstrafe von 42 Monaten als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsan-
waltschaft Zürich - Limmat vom 3. Dezember 2020 zu bestrafen. Der Anrechnung
der erstandenen Untersuchungshaft von 12 Tagen steht nichts entgegen.
V. Massnahme und Vollzug der Strafe
1. Standpunkt des Beschuldigten
Der Beschuldigte lehnte vor Vorinstanz die Anordnung einer Massnahme für
junge Erwachsene im Sinne von Art. 61 StGB insbesondere mangels Verhältnis-
mässigkeit und Erforderlichkeit ab (Urk. 27 S. 17-21 Rz. 58-21; vgl. dazu auch
Prot. I S. 13 und 19). Im Rahmen des Berufungsverfahrens blieb er bei diesem
Standpunkt und liess dazu zusammengefasst vorbringen, er besuche seit Juli
2019 eine ambulante Therapie, welche positiv verlaufen, angemessen und aus-
reichend sei. Im Übrigen liege gemäss Bericht seines Therapeuten Dr. med.
B._ vom 11. Februar 2021 keine erhebliche Persönlichkeitsstörung mehr vor,
weshalb eine Massnahme für junge Erwachsene im Sinne von Art. 61 StGB von
Vornherein nicht mehr in Betracht komme (Urk. 58 S. 14-18 Rz. 57-77; Urk. 59/1).
2. Standpunkt der Staatsanwaltschaft
Die Staatsanwaltschaft beantragte vor Vorinstanz die die Anordnung einer Mass-
nahme für junge Erwachsene im Sinne von Art. 61 StGB (Urk. 26 S. 3 f.). Im
Rahmen der Berufungsverhandlung hielt die Staatsanwaltschaft an diesem
Standpunkt fest (Urk. 61 S. 4; Prot. II. S. 8-9, 11).
3. Standpunkt der Vorinstanz
Die Vorinstanz ordnete gestützt auf das vorliegende Gutachten von
Prof. Dr. G._ und Dr. phil. H._, Psychiatrische Universitätsklinik Zürich,
Klinik für Forensische Psychiatrie, vom 10. Mai 2019 (Urk. D1/15/13) eine Mass-
nahme für junge Erwachsene im Sinne von Art. 61 StGB an, unter Aufschub der
verhängten Freiheitsstrafe.
- 22 -
4. Würdigung
4.1. Die Vorinstanz hat die theoretischen Voraussetzungen für die Anordnung
von therapeutischen Massnahmen im Allgemeinen bzw. einer Massnahme für
junge Erwachsene im Sinne von Art. 61 StGB im Speziellen zutreffend dargelegt
(Urk. 37 S. 35 f. E. V.2. und S. 36 f. E. V.3.2. [Grundsätze], S. 37 E. V.3.3. [Mass-
nahmewilligkeit] und S. 38 E. V.3.4. [Verhältnismässigkeit]), darauf kann ver-
wiesen werden. An dieser Stelle sei nochmals Art. 61 Abs. 1 StGB im Wortlaut
wiedergegeben: War der Täter zur Zeit der Tat noch nicht 25 Jahre alt und ist er
in seiner Persönlichkeitsentwicklung erheblich gestört, so kann ihn das Gericht in
eine Einrichtung für junge Erwachsene einweisen, wenn: (a.) der Täter ein Ver-
brechen oder Vergehen begangen hat, das mit der Störung seiner Persönlich-
keitsentwicklung in Zusammenhang steht; und (b.) zu erwarten ist, dadurch lasse
sich der Gefahr weiterer mit der Störung seiner Persönlichkeitsentwicklung in
Zusammenhang stehender Taten begegnen.
4.2. Der Beschuldigte war im Tatzeitpunkt knapp 18 Jahre alt, womit eine
Massnahme im Sinne von Art. 61 StGB grundsätzlich infrage kommt. Er ist des
versuchten qualifizierten Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Ver-
bindung mit Art. 140 Ziff. 4 StGB und Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
Gemäss dem überzeugenden Gutachten von Prof. Dr. G._ und Dr. phil.
H._, Psychiatrische Universitätsklinik Zürich, Klinik für Forensische Psychiat-
rie, vom 10. Mai 2019, litt der Beschuldigte im Tatzeitpunkt an psychischen Stö-
rungen, die mit der Tat im Zusammenhang stehen, namentlich an einer Störung
des Sozialverhaltens (ICD-10: F91) sowie an einem Abhängigkeitssyndrom (ICD-
10: F12.2) von Cannabis und schädlichem Gebrauch von Alkohol (ICD-10: F10.1),
wobei die festgestellten psychischen Störungen und die problematische bzw. er-
heblich gestörte Persönlichkeitsentwicklung weiterhin bestehen (Urk. D1/15/13 S.
77 und S. 79 f.). Entgegen der Darstellung der Verteidigung liegen dem Gutach-
ten dieselben Grundlagen wie heute zugrunde. In Bezug auf den von der Vertei-
digung eingereichten Bericht von Dr. med. B._ vom 11. Februar 2021 (Urk.
59/1) ist zunächst festzuhalten, dass dieser die weitere deliktische Karriere des
Beschuldigten offenbar nicht kennt. So wurde der Beschuldigte seit der vorliegend
- 23 -
zu beurteilenden Tat immerhin zweimal wegen jeweils mehrfachen Vergehens
gegen das Betäubungsmittelgesetz und (mehrfacher) Übertretung des Betäu-
bungsmittelgesetzes verurteilt. Zuletzt erwirkte der Beschuldigte mit Strafbefehl
der Staatsanwaltschaft Zürich - Limmat vom 3. Dezember 2020 wegen Marihua-
na- und Ecstasy-Konsums, -Besitzes sowie -Verkaufs, begangen im Zeitraum
vom 1. Dezember 2019 bis 19. November 2020, eine bedingte Freiheitsstrafe von
3 Monaten unter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren sowie eine Busse von
Fr. 300.-- (Urk. 52). Weiter räumte der Beschuldigte anlässlich der heutigen Beru-
fungsverhandlung immerhin ein, nach wie vor Marihuana zu konsumieren (act. 57
S. 7). Ebenfalls eingeräumt hat der Beschuldigte, dass sein Umfeld seinen Kon-
sum beeinflusst und er Marihuana benötigt, um Stress abzubauen, sowie um mit
seinen Sorgen umzugehen (a.a.O. S. 9-10). Damit kann entgegen dem Bericht
von Dr. med. B._ vom 11. Februar 2021 nicht ernsthaft davon ausgegangen
werden, es bestehe keine Substanzabhängigkeit mehr. Auch wenn der Beschul-
digte, abgesehen von der Verurteilung wegen Gewalt und Drohung gegen Beam-
te und Behörden, nebst der vorliegend zu beurteilenden Tat keine weiteren Ge-
waltdelikte verwirklicht hat, manifestiert sich in seinem deliktischen Verhalten,
dass er offenbar nicht fähig ist, sich gesetzeskonform zu verhalten. Dass der Be-
schuldigte nach wie vor deutlich Mühe mit regelkonformem Verhalten hat, ergibt
sich zudem nicht zuletzt auch aus seinen eigenen Angaben im Rahmen der heu-
tigen Berufungsverhandlung (a.a.O. S. 4-7). Damit ist das Vorliegen einer ernst-
haften Störung des Sozialverhaltens mit dem Gutachten nach wie vor zu bejahen.
Entsprechend kann auf den Bericht von Dr. med. B._ vom 11. Februar 2021
nicht abgestellt werden, welcher in Bezug auf die Störung des Sozialverhaltens
"höchstens noch von einem leichten Ausprägungsgrad" ausgeht. Die Vorausset-
zungen gemäss Art. 61 Abs. 1 lit. a StGB sind damit nach wie vor erfüllt.
4.3. Laut Gutachten besteht beim Beschuldigten die Gefahr, dass er erneut
Straftaten begeht. Ohne entsprechende Massnahmen seien mit hoher Wahr-
scheinlichkeit ähnliche Delikte, wie sie in der Vergangenheit bereits vom Beschul-
digten begangen worden sind (BetmG, Hinderung einer Amtshandlung, Betrug,
Sachbeschädigung), zu erwarten. Dass der Beschuldigte zum aktuellen Zeitpunkt
geplante schwere Gewalttaten begehe, sei weniger wahrscheinlich. Demgegen-
- 24 -
über seien Raubdelikte, die unter Substanzeinfluss und mit Mittätern begangen
werden, mit höherer Wahrscheinlichkeit zu erwarten. Dies gelte insbesondere
dann, wenn der Beschuldigte weiter missbräuchlichen Substanzkonsum betreibe
und sich seine soziale Lage weiter zuspitze, indem Kontrollstrukturen wegfielen
bzw. er sich diesen entziehe. Die Gefahr weiterer Delikte ergebe sich aus der
Störung des Sozialverhaltens bzw. aus der sich andeutenden Entwicklung einer
dissozialen Persönlichkeitsstörung und durch den Substanzmittelmissbrauch,
wobei aktuell vor allem der THC- und Alkoholkonsum im Zusammenhang mit den
Straftaten stünden (Urk. D1/15/13 S. 78). Das Gutachten spricht sich klar für die
Anordnung einer Massnahme im Sinne von Art. 61 StGB aus, diese sei geeignet,
die Wahrscheinlichkeit weiterer Straftaten zu verringern (a.a.O., S. 79 f.). Die vom
Gutachter festgestellte Rückfallgefahr hat sich zudem inzwischen mehrfach ver-
wirklicht (vgl. E. IV. 2.3.). Damit sind auch die Voraussetzungen gemäss Art. 61
Abs. 1 lit. b StGB erfüllt.
4.4. Zur Frage der Massnahmewilligkeit kann vollumfänglich auf die im Einklang
mit den überzeugenden gutachterlichen Ausführungen stehenden Erwägungen im
Entscheid der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 37 S. 37 f. E. V.3.3.), mit der
insbesondere davon auszugehen ist, dass an die Therapiewilligkeit keine allzu
strengen Anforderungen zu stellen sind, da die Therapiemotivation Teil der
Behandlung bildet, wobei auch im vorliegenden Fall das Gutachten den fehlenden
Behandlungswillen zu Beginn der Massnahme nicht als Ausschlusskriterium
ansieht (vgl. zu Letzterem Urk. D1/15/13 S. 79).
4.5. Was die Frage der Verhältnismässigkeit betrifft, kann schliesslich zunächst
ebenfalls auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden
(Urk. 37 S. 38 f. E. V.3.4.). Ergänzend ist festzuhalten, dass beim Beschuldigten
eine erhöhte Behandlungsbedürftigkeit gegeben ist und ihm das Erziehungs- und
Ausbildungsheim I._ zusammen mit einer ambulanten Therapie offensichtlich
nicht die nötigen Strukturen geben können, die er gemäss dem Gutachten benö-
tigt, hat er doch mit seiner weiteren deliktischen Tätigkeit unter Beweis gestellt,
dass mildere Massnahmen nicht ausreichen, um der Rückfallgefahr und seiner
Behandlungsbedürftigkeit hinreichend zu begegnen. Schliesslich ist nicht davon
- 25 -
auszugehen, dass dem Beschuldigten verunmöglicht wird, seinen Lehrabschluss
zu machen, wenn dieser unmittelbar bevorsteht. Insgesamt erweist sich die An-
ordnung einer Massnahme für junge Erwachsene im Sinne von Art. 61 StGB da-
mit als verhältnismässig.
5. Ergebnis
Die Voraussetzungen für die Anordnung einer Massnahme im Sinne von Art. 61
StGB sind erfüllt. Der Vollzug der auszufällenden Freiheitsstrafe ist gestützt auf
Art. 57 Abs. 2 StGB zugunsten der Massnahme aufzuschieben.
VI. Kosten und Entschädigungsfolgen
1. Erstinstanzliches Verfahren
Bei diesem Verfahrensausgang hat es bei der angemessenen vorinstanzlichen
Kostenverteilung sein Bewenden. Dispositiv-Ziffer 6 des vorinstanzlichen Urteils
ist entsprechend zu bestätigen.
2. Berufungsverfahren
2.1. Die Gebühr für das Berufungsverfahren ist praxisgemäss auf Fr. 3'000.--
festzusetzen.
2.2. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte
unterliegt mit seinen Anträgen vollumfänglich, während die Staatsanwaltschaft mit
ihren obsiegt. Damit sind dem Beschuldigten die Kosten des Berufungsverfahrens
vollumfänglich aufzuerlegen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung des Beschul-
digten sind einstweilen und unter Vorbehalt der Nachzahlungspflicht nach Art. 135
Abs. 4 lit. a StPO auf die Gerichtskasse zu nehmen.
2.3. Die durch den amtlichen Verteidiger des Beschuldigten, Rechtsanwalt
lic. iur. X._, geltend gemachten Aufwendungen für das Berufungsverfahren
(Urk. 60) sind ausgewiesen und erscheinen angemessen. Dementsprechend ist –
unter Berücksichtigung eines Zuschlags für die Dauer der Berufungsverhandlung
- 26 -
samt Nachbesprechung – die amtliche Verteidigung mit Fr. 5'000.-- (inkl. MwSt.)
aus der Gerichtskasse zu entschädigen.