# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 144431c0-edc6-526f-9195-19285864bd69
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin reichte am 26. Januar 2016 bei der Stadt Bern ein
Baugesuch ein für folgendes Vorhaben: "Ersatzbau Park-Café. Gastgewerbebetrieb mit
Betriebsbewilligung A mit Alkoholausschank. Umgebungsgestaltung durch Stadtgrün
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Bern". Die Bauparzelle Bern 2 Grundbuchblatt Nr. F._ liegt in der Zone für
öffentliche Nutzungen (ZöN), Freifläche A (FA). Bei der ebenfalls betroffenen Parzelle Bern
2 Grundbuchblatt Nr. G._ handelt es sich um eine Strassenparzelle. Gegen das
Bauvorhaben erhoben unter anderen die Beschwerdeführer Einsprache. Mit
Gesamtentscheid vom 24. August 2017 erteilte das Regierungsstatthalteramt Bern-
Mittelland die Baubewilligung.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführer am 27. September 2017 gemeinsam
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie
beantragen die Aufhebung des Gesamtentscheides vom 24. August 2017. Aus der
Begründung ergibt sich, dass damit gleichzeitig die Erteilung des Bauabschlags beantragt
werden soll. Eventualiter beantragen sie, der Gesamtentscheid sei mit zwei Auflagen zu
ergänzen. Einerseits sei die maximale Sitzplatzzahl der Aussenbewirtschaftungsfläche
täglich ab 19.00 Uhr auf maximal 30 zu beschränken. Anderseits sei die maximale Anzahl
Einzelbewilligungen nach Art. 7 GGG1 auf sechs pro Jahr zu beschränken, wobei
Musikveranstaltungen im Freien nicht zu bewilligen seien.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Das Regierungsstatthalteramt Bern-
Mittelland verzichtet mit Eingabe vom 13. Oktober 2017 auf das Einreichen einer
förmlichen Vernehmlassung. Die Beschwerdegegnerin beantragt in ihrer
Beschwerdeantwort vom 27. Oktober 2017, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf
eingetreten werden könne, und der Gesamtentscheid sei zu bestätigen. Im Rahmen der
Verfahrensinstruktion holte das Rechtsamt unter anderem einen Fachbericht bei der
Kommission zur Pflege der Orts- und Landschaftsbilder (OLK) ein. In der Folge erhielten
die Verfahrensbeteiligten Gelegenheit, zum Ergebnis des Beweisverfahrens Stellung zu
nehmen.
1 Gastgewerbegesetz vom 11. November 1993 (GGG; BSG 935.11) 2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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4. Auf die Rechtsschriften, Vorakten und Fachberichte wird, soweit für den Entscheid
wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintreten
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG3. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG4 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen, die Baugesuchsteller, die
Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG
i.V.m. Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführer sind als (Gesamt-)Eigentümer der
Nachbarparzellen Bern 2 Grundbuchblatt Nr. H._ (Beschwerdeführer 1) und
Nr. I._ (Beschwerdeführer 2), die mit ihrer gemeinsamen Einsprache nicht
durchgedrungen sind, durch den vorinstanzlichen Gesamtentscheid beschwert und daher
zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde
wird eingetreten.
2. Denkmal- und Ortsbildschutzbestimmungen
a) Das Bauvorhaben beinhaltet den Ersatz eines Kioskgebäudes durch einen Neubau
für einen Gastgewerbebetrieb auf dem J._platz. Der J._platz ist eine
kleine historische Parkanlage, die durch drei Strassen begrenzt und von Baumalleen
gesäumt ist. Geprägt wird die Parkanlage insbesondere durch die am Nordrand der Anlage
gelegenen Villen und die dazugehörigen Gärten und Vorplätze sowie den Strassenraum.
Die Beschwerdeführer weisen auf den besonderen denkmalpflegerischen Wert des
J._platzes und dessen Umgebung hin. Der Park und die angrenzenden Gebäude
3 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 4 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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seien nicht nur im kantonalen und kommunalen Inventar eingetragen, sondern aufgrund
des Bundesinventars der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler
Bedeutung (ISOS) auch bundesrechtlich geschützt. Die schützenswerten Objekte und
Ensembles müssten ungeschmälert bewahrt und dürften durch Veränderungen in ihrer
Umgebung nicht beeinträchtigt werden. Gemäss ISOS seien Neubauten unzulässig und
bestehende Störungen zu beseitigen, was bei der Auslegung und Anwendung der
baurechtlichen Vorschriften zu berücksichtigen sei. Der Neubau würde einen störenden
Fremdkörper in der qualitativ hochwertig gestalteten Umgebung darstellen. Es bestehe
kein Anspruch darauf, den durch den bestehenden Imbissstand gesetzten "Fussabdruck"
fortzuführen. Vielmehr müsse diese Bausünde entfernt werden, ohne gleichzeitig eine neue
zu schaffen.
b) Die Beschwerdegegnerin verweist darauf, dass Baudenkmäler nach den
Bedürfnissen des heutigen Lebens und Wohnens für bisherige oder passende Zwecke
genutzt und unter Berücksichtigung ihres Werts verändert werden könnten. Das
Beeinträchtigungsverbot durch Veränderungen in der Umgebung von Baudenkmälern sei
nicht absolut zu verstehen und bedeute nicht, dass die Umgebung überhaupt nicht
verändert werden dürfe. Der Neubau füge sich in das Quartierbild ein, zumal heute bereits
ein ähnliches Gebäude vorhanden sei. Weder werde der J._platz durch den
Neubau in seiner Funktion beeinträchtigt noch in seiner Pracht geschmälert. Durch den
Betrieb des Restaurants erfahre er gar eine Aufwertung. Ein Neubau könne nicht verboten
werden und das Bauvorhaben verletze die denkmalpflegerischen Schutzbestimmungen
nicht.
c) Bauten und Anlagen dürfen Orts- und Strassenbilder nicht beeinträchtigen. Die
Gemeinden können nähere Vorschriften erlassen (Art. 9 BauG). Bauten, Gebäudeteile und
Gestaltungen des öffentlichen sowie privaten Aussenraumes, die sich in ihrer Erscheinung
nicht in das Stadt-, Quartier- und Strassenbild sowie die Stadtsilhouette einfügen oder die
Einheitlichkeit der wesentlichen Merkmale der betreffenden Bebauung nicht wahren, sind
gemäss den Vorschriften der Stadt Bern unzulässig, auch wenn sie den übrigen
Bauvorschriften entsprechen (Art. 6 Abs. 1 BO5).
5 Bauordnung der Stadt Bern vom 24. September 2006 (BO; SSSB Nr. 721.1)
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Baudenkmäler sind herausragende Objekte und Ensembles von kulturellem, historischem
oder ästhetischem Wert. Dazu gehören namentlich Ortsbilder, Baugruppen, Bauten,
Gärten, Anlagen, innere Bauteile, Raumstrukturen und feste Ausstattungen (Art. 10a
Abs. 1 BauG). Baudenkmäler können nach den Bedürfnissen des heutigen Lebens und
Wohnens für bisherige oder passende neue Zwecke genutzt und unter Berücksichtigung
ihres Wertes verändert werden. Sie dürfen durch Veränderungen in ihrer Umgebung nicht
beeinträchtigt werden (Art. 10b Abs. 1 BauG).
d) Das Bauinventar der Stadt Bern wurde im Verlaufe des vorliegenden
Baubewilligungs- und Beschwerdeverfahrens überarbeitet. Zur Zeit der Einreichung des
Baugesuchs bildete der J._platz zusammen mit den schützenswerten
Baudenkmälern J._platz 4-6, 14, 16 und 18 das Ensemble 3 "J._platz"
des Bauinventars K._ 1988/96. Direkt angrenzend und zu einem kleinen Teil
überragend lag westlich des J._platz das Ensemble 2 "Vordere
K._strasse" mit diversen schützenswerten Baudenkmälern. Dieses Ensemble 2
wiederum wurde teilweise überlagert von der Gebäudegruppe E mit diversen
schützenswerten Baudenkmälern. Südlich des J._platzes lag direkt angrenzend
das Ensemble 1 "L._" mit teilweise schützenswerten und teilweise erhaltenswerten
Baudenkmälern.
Bei den Ensembles und Gebäudegruppen des Bauinventars K._strasse 1988/96
handelte es sich um Baugruppen des kantonalen Inventars. Als Ensembles wurden
umbaute Bereiche bezeichnet, deren Bedeutung vorwiegend sowohl im städtebaulichen
Kontext als auch im räumlichen Zusammenwirken der einzelnen Objekte oder
Objektgruppen lag. Bauvorhaben im Bereich von Ensembles oder an zugehörigen
Objekten mussten von allen Baubeteiligten mit besonderer Sorgfalt in stadtplanerischer
und denkmalpflegerischer Hinsicht behandelt werden.6
Heute gehört der J._platz zur Baugruppe "Vordere K._strasse" des
Bauinventars 2018 der Stadt Bern. Diese Baugruppe umfasst unter anderem die bisherigen
Ensembles 2 und 3 sowie die bisherige Gebäudegruppe E. Unmittelbar südlich des
J._platzes liegt die Baugruppe "L._", die dem bisherigen Ensemble 1
entspricht. Eine Baugruppe zeichnet sich durch einen räumlichen oder historischen
6 Bauinventar K._ 1988/96, S. 431
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Zusammenhang aus. In Baugruppen werden Objekte zusammengefasst, deren Wert in
ihrer Wirkung in der Gruppe liegt. Die Wirkung solcher Gruppen kann schon durch das
Wegfallen oder Verändern eines einzelnen Elements oder das Hinzufügen eines
Fremdkörpers empfindlich gestört werden. Allfällige Veränderungen innerhalb einer
Baugruppe sind sorgfältig, mit Blick auf das Ganze und unter Beratung der Fachstelle zu
planen.7
In der näheren Umgebung des J._platzes finden sich sowohl gemäss Bauinventar
1988/96 als auch gemäss Inventar 2018 zahlreiche Baudenkmäler, die meisten davon mit
der Bewertungskategorie schützenswert. Insbesondere sind auch fast alle direkt um den
J._platz herum liegenden Gebäude schützenswerte Baudenkmäler, so zum
Beispiel die Gebäude J._platz 14, 16 und 18, die in unmittelbarer Nachbarschaft
zum Bauvorhaben liegen. Kein Baudenkmal ist das bestehende Kioskgebäude
J._platz 10a, das durch das Bauvorhaben ersetzt werden soll.
In der Sache hat sich die Situation durch die Überarbeitung des Bauinventars der Stadt
Bern vom Inventar K._strasse 1988/96 zum Inventar 2018 somit nicht wesentlich
geändert. Insbesondere befinden sich sowohl vor als auch nach der Inventarrevision die
gleichen schützenswerten Baudenkmäler in der unmittelbaren Umgebung des
Bauvorhabens. Zwar lag die Bauparzelle im alten Inventar in einem Ensemble, während
dem sie im heutigen Inventar in einer Baugruppe liegt. Allerdings galten bereits die alten
Ensembles als Baugruppen der kantonalen Inventare.
e) Im ISOS ist der J._platz Teil des Gebiets Nr. 8 mit der Umschreibung
"Vornehmes Wohnviertel am vorderen Rand des K._plateaus, Villen und
Reihenmietshäuser in umzäunten Gärten, um 1840–1900". Das Gebiet ist der
Aufnahmekategorie AB zugeteilt, was bedeutet, dass es ursprüngliche Substanz (A) bzw.
ursprüngliche Struktur (B) hat. Es hat gewisse räumliche Qualität, besondere
architekturhistorische Qualität und besondere Bedeutung. Das Gebiet hat das
Erhaltungsziel A. Dies bedeutet, dass die Substanz erhalten werden soll, indem alle
Bauten, Anlageteile und Freiräume integral erhalten und störende Eingriffe beseitigt
werden. Gemäss den Erhaltungshinweisen besteht ein Abbruchverbot, Neubauten sind
nicht zulässig und für Veränderungen braucht es Detailvorschriften. Der J._platz
7 http://bauinventar.bern.ch > Bewertungskategorien
http://bauinventar.bern.ch
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selber ist jedoch nur als Hinweis aufgenommen, wobei der bestehende Kioskbau auf dem
J._platz nicht erwähnt wird, auch nicht als Störfaktor.
Zwar sind das ISOS und die damit verbundenen Schutzziele nicht unmittelbar verbindlich,
da das Erteilen einer Baubewilligung für das hier umstrittene Vorhaben in der Bauzone
keine Bundesaufgabe im Sinne von Art. 2 NHG8 ist.9 Das ISOS gilt aber für die Behörden
von Kanton und Gemeinden auch im Baubewilligungsverfahren zumindest als Empfehlung
und es ist entsprechend bei der Beurteilung des hier umstrittenen Projekts zu
berücksichtigen.10
f) Das vorliegende Bauprojekt orientiert sich in seiner Situierung grundsätzlich am
heute bestehenden Gebäude J._platz 10a. Im Südwesten und Südosten werden
die heutigen Gebäudefluchten und Abmessungen annähernd übernommen. Gegen Norden
wird der heute durch die L-Form des bestehenden Baus aufgespannte Aussenraum
überbaut. Die nördliche Ecke des Neubaus rückt bis auf 85 cm an den Strassenrand heran.
Der eingeschossige Neubau wird vollständig unterkellert. Mit 4 m Gebäudehöhe überragt
er den heute bestehenden Bau um ca. 1.2 m, was eine Erhöhung des kleinen Gebäudes
um rund 40 % bedeutet. Auf dem Dach befinden sich zudem diverse technische Anlagen,
welche die Dachkante um bis zu 1.5 m überragen. Die Fassadenpläne zeigen eine
grossformatige Faserzementplatten-Verkleidung in Kombination mit Öffnungen
unterschiedlicher Grössen und Formate. Der Gästeraum im Südosten wird optisch durch
ein Vordach in Sichtbeton vom übrigen Gebäudevolumen ausgezeichnet. Die
Umgebungsgestaltung nimmt den heute bestehenden Vorplatz im Südosten auf und
vergrössert ihn Richtung Park. Im Südwesten sind entlang der Strasse zwischen den
Platanen weitere Sitzplätze vorgesehen. Entlang der Nordostfassade ist eine Lounge
geplant, die zum Strassenraum um einige Stufen erhöht zu liegen kommt.
g) Im angefochtenen Gesamtentscheid hält die Vorinstanz fest, das ISOS sei im
Baubewilligungsverfahren nicht unmittelbar von Bedeutung. Die Nutzung des
J._platzes als Parkanlage mit Gastgewerbebetrieb sei unter denkmalpflegerischen
Aspekten möglich. Im Übrigen wird bezüglich Denkmal- und Ortsbildschutzbestimmungen
8 Bundesgesetz vom 1. Juli 1966 über den Natur- und Heimatschutz (NHG; SR 451) 9 BGer 1A.11/2007 vom 16.5.2007, E. 2. 10 BVR 2008 S. 117 E. 2b; VGE 2012/332 vom 11.9.2013, E. 4.4; VGE 22020 vom 28.9.2005, E. 2.4.1.
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primär auf die Stellungnahmen des Bauinspektorats und der Direktion für Tiefbau, Verkehr
und Stadtgrün der Stadt Bern verwiesen.
Im Bericht vom 1. Juli 2016 schreibt das Bauinspektorat, die Stadtbildkommission begrüsse
im Grundsatz einen Ersatzbau am heutigen Standort. Sie empfehle für den Ersatzbau ein
entsprechendes Qualitätssicherungsverfahren durchzuführen. Im Zusammenhang mit den
Einsprachen schreibt das Bauinspektorat in diesem Bericht, der heutige Standort sei mit
der moderaten Erweiterung im Grundriss (Fussabdruck) übernommen worden. Die
Stadtbildkommission wie auch die Denkmalpflege begrüssten einen Ersatzbau im
Grundsatz am Standort des J._platzes. Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten
empfehle die Stadtbildkommission für den Ersatzbau ein qualitätssicherndes Verfahren
durchzuführen. Im Bericht vom 7. Dezember 2016 wiederholt das Bauinspektorat, die
Stadtbildkommission begrüsse im Grundsatz einen Ersatzbau am heutigen Standort beim
J._platz. Die Stadtbildkommission nehme zur Kenntnis, dass für den Ersatzbau
kein entsprechendes Qualitätssicherungsverfahren durchgeführt worden sei.
Die Direktion für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün betont in ihrer Stellungnahme vom
11. April 2016 den gartendenkmalpflegerischen Wert des J._platzes. Bauten
würden sich nur sehr bedingt mit der filigranen Parkanlage vertragen. Da es sich beim
Bauprojekt jedoch um einen Ersatzneubau handle und dessen Lage den
gartendenkmalpflegerischen Wert der Anlage berücksichtige, habe Stadtgrün Bern keine
grundsätzlichen Einwände. Die Lage des Bauprojekts sichere den langfristigen Erhalt des
räumlich bedeutsamen Baumkranzes, welcher rahmenartig um die Anlage angelegt sei.
Durch die periphere Lage am äussersten Nordrand beeinträchtige das Bauprojekt auch
nicht die grossartige, hallenartige Stimmung im Innern der Parkanlage.
Die Vorinstanz kommt im angefochtenen Gesamtentscheid gestützt auf diese
Stellungnahmen zum Schluss, es seien keine Einwände der Denkmalpflege eingegangen.
Die Ausführungen der Vorinstanz sind insofern zutreffend, als die Denkmal- und
Ortsbildschutzbestimmungen einer gastgewerblichen Nutzung nicht grundsätzlich
entgegenstehen. Zudem darf davon ausgegangen werden, dass die Lage des
Ersatzneubaus innerhalb des J._platzes hinsichtlich des Stadtbilds, des
Denkmalschutzes und des gartendenkmalpflegerischen Werts prinzipiell gut gewählt ist
und ein Neubau an diesem Standort grundsätzlich möglich ist. Zur Gestaltung des
Neubaus und der Frage, ob diese den hohen Anforderungen in diesem sensiblen Umfeld
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gerecht wird, lässt sich den Ausführungen aber nichts entnehmen. Weder die
Stadtbildkommission noch die städtische Denkmalpflege, die anders als Stadtgrün Bern für
eine solche Beurteilung in Frage kommen, haben sich zur Gestaltung geäussert. Dass von
diesen beiden Stellen keine Einwände aktenkundig sind, vermag eine inhaltliche
Auseinandersetzung nicht zu ersetzen. Das von der Stadtbildkommission empfohlene
Qualitätssicherungsverfahren wurde nicht durchgeführt. Dass die Stadtbildkommission
diesen Verzicht zur Kenntnis genommen hat, kann nicht als Zustimmung gedeutet werden.
h) Im Beschwerdeverfahren hat das Rechtsamt einen Fachbericht der OLK eingeholt.
Die OLK führt in ihrem Bericht vom 27. Februar 2018 aus, das Bauvorhaben sei im Bereich
der bereits heute bebauten westlichen Ecke des J._platzes geplant. Im Gegensatz
zum bestehenden Gebäude aus den 1960er-Jahren besetze der Neubau jedoch nordseitig
eine grössere Fläche und komme so deutlich näher an die Strasse zu liegen, was den
Ersatz zweier Bäume bedinge. Dieses Verhalten beeinträchtige zum einen die
Wahrnehmung des unmittelbar nördlich angrenzenden Strassenraumes mit seiner
prägenden Allee (bis heute bestimmten im Wesentlichen Baumsilhouetten das
Lichtraumprofil der Strasse) und zum andern in bedeutendem Mass auch die Hierarchie
der Parkanlage, welche in erster Linie durch die kranzbildenden Linden und Platanen
getragen werde. Verstärkt werde diese negative Wahrnehmung durch die bezugslose
Geometrie des nordöstlichen Gebäudeabschlusses am projektierten Pavillon. Die
Gestaltung und Materialisierung des geplanten Neubaus seien ebenso ungenügend wie die
Dachgestaltung mit den technischen Aufbauten. Der geplante Neubau beeinträchtige aus
diesen Gründen den Park und dessen Wahrnehmung im Stadtbild, was die
ausserordentliche stadträumliche Qualität des Gebietes deutlich mindere.
Gemäss OLK entsprechen die Situierung, die Volumetrie und die Gestaltung der Fassaden
nicht den gestalterischen Anforderungen, welche die hoch bewertete Umgebung von einem
Neubau an diesem Ort verlange. Mit der nördlichen Ausweitung des Ersatzbaus bis auf
85 cm an die Strasse heran würden zentrale Gestaltungselemente verletzt. Die
Bezugslosigkeit der Gebäudegeometrie im nordöstlichen Bereich (die Fassadenflucht
orientiere sich weder am Strassenverlauf noch an anderen räumlich prägenden Elementen)
verdeutliche die fehlende Sensibilität im Umgang mit der qualitativ hochbewerteten
Umgebung. Dem Projekt fehle die Auseinandersetzung mit seiner Umgebung und werde
deshalb den besonderen Qualitäten dieses Ortes nicht gerecht. Durch die beliebige
Gestaltung verunkläre das Projekt den Ort und strahle dadurch negativ auf seine
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Umgebung aus. Aus diesen Gründen würde der geplante Neubau einen störenden
Fremdkörper darstellen und zu einer deutlichen Beeinträchtigung der Umgebung führen.
Als Fazit hält die OLK fest, sie begrüsse im Grundsatz die Absicht, das bestehende
Gebäude J._platz 10a durch einen Neubau als Park-Café zu ersetzen. Jedoch
müssten dafür an diesem stadtgeschichtlich wichtigen und baulich sensiblen Ort die
massgebenden Gestaltungselemente von Quartierstruktur, Strassenraum, Parkanlage und
begleitender Bebauung erkannt, gewürdigt und entsprechend berücksichtigt werden. Es
werde mit Nachdruck empfohlen, die Angelegenheit von Grund auf neu aufzugleisen, das
heisse, eine Analyse des Ortes sowie ein quartierverträgliches Nutzungskonzept zu
erstellen, für ein neu zu erarbeitendes Projekt ein qualitätssicherndes Verfahren
durchzuführen und dabei die zuständigen Fachstellen während des gesamten Verfahrens
(inklusive Ausführungsphase) prozessbegleitend einzubinden. Gestützt auf diese
Ausführungen beantragt die OLK, die am 24. August 2017 erteilte Baubewilligung
aufzuheben.
i) Diese Ausführungen der OLK sind nachvollziehbar und überzeugend. Die
Beschwerdegegnerin hält zwar in ihrer Stellungnahme vom 26. März 2018 in Kenntnis des
OLK-Gutachtens an ihrem Bauvorhaben fest. Sie vermag die Argumente und
Schlussfolgerungen der OLK jedoch nicht zu entkräften. Ihr Hinweis, ihr sei am
26. September 2014 bereits ein Projekt an dieser Stelle bewilligt worden, ist für die
ästhetische Beurteilung des aktuellen Bauvorhabens ebenso wenig stichhaltig wie ihre
Einschätzung, wonach das heutige Bauvorhaben betrieblich eine wesentliche
Verbesserung zum früher bewilligten Projekt wäre. Auch der weitere Hinweis der
Beschwerdegegnerin auf eine Bewilligung vom 10. Januar 2018 für einen Spielplatz auf
dem J._platz ist im vorliegenden Zusammenhang nicht ausschlaggebend. Dass
die im vorinstanzlichen Baubewilligungsverfahren eingeholten Berichte zur Gestaltung des
Neubaus und der Frage, ob diese den hohen Anforderungen in diesem sensiblen Umfeld
gerecht wird, nicht aussagekräftig sind, wurde bereits ausgeführt (siehe oben Bst. g). Dies
gilt auch für den von der Beschwerdegegnerin in ihrer Stellungnahme vom 26. März 2018
zitierten internen Amtsbericht von Stadtgrün Bern vom 11. April 2015. Soweit die
Beschwerdegegnerin geltend macht, der Standort für einen Ersatzneubau sei klar und
dafür seien keine weiteren Abklärungen erforderlich, steht dies nicht in Widerspruch zum
OLK-Bericht und vermag die Kritik der OLK am Bauvorhaben daher nicht zu entkräften.
Schliesslich vertritt die Beschwerdegegnerin die Meinung, das umstrittene Bauvorhaben
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wäre eine wesentlich bessere Lösung als der heutige Zustand. Selbst wenn dies zutreffen
würde, genügte dies nicht. Bewilligungsfähig ist ein Bauvorhaben nicht aufgrund eines
Vergleichs mit dem Ist-Zustand, sondern aufgrund der Konformität mit den gesetzlichen
Vorgaben.
k) Diese Voraussetzung ist hier nicht erfüllt. Das OLK-Gutachten hat nachvollziehbar
und überzeugend aufgezeigt, dass das Bauvorhaben den Ästhetik- und
Denkmalpflegevorschriften nicht entspricht. So wirken die Gestaltung und Materialisierung
des Ersatzbaus bezugslos und vermittelten ein uneinheitliches zusammengestückeltes
Bild. Ebenso mangelhaft ist die Dachgestaltung mit den technischen Aufbauten, die von
den umliegenden Bauten, dem Strassenraum und auch aus dem Park heraus gut
wahrnehmbar ist. Das Durchbrechen der bestehenden Baumreihe mit dem geplanten
Baukörper widerspricht den übergeordneten Gestaltungsprinzipien der Anlage des
J._platzes und stört ebenso die Wahrnehmung und das Bild des nördlich
angrenzenden Strassenraums. Insbesondere aus diesen Gründen stellt das Bauvorhaben
einen störenden Fremdkörper dar und fügt sich nicht in das Quartier- und Strassenbild ein.
Zudem würde es Baudenkmäler durch eine Veränderung ihrer Umgebung beeinträchtigen.
Das Bauvorhaben kann daher nicht bewilligt werden. Demzufolge wird die Beschwerde
gutgeheissen. Der angefochtene Gesamtentscheid wird aufgehoben und dem Baugesuch
wird der Bauabschlag erteilt. Die weiteren von den Beschwerdeführern vorgebrachten
Rügen müssen unter diesen Umständen nicht mehr geprüft werden.
3. Kosten
a) Von der Aufhebung des angefochtenen Gesamtentscheids ist auch die
Kostenliquidation für das vorinstanzliche Verfahren betroffen. Die amtlichen Kosten für das
erstinstanzliche Baubewilligungsverfahren haben in jedem Fall die Gesuchstellenden zu
tragen, Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 52 Abs. 1 BewD11). Die amtlichen
Kosten bleiben daher der Beschwerdegegnerin zur Bezahlung auferlegt. Diese Kosten
belaufen sich gemäss Ziff. 4.2 des Gesamtentscheids des Regierungsstatthalteramts Bern-
Mitteland vom 24. August 2017 auf Fr. 17'906.25. Für das Inkasso ist das
Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland zuständig.
11 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1)
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b) Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr.
Für besondere Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren
erhoben werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG12). Für Entscheide in einer Verwaltungsjustizsache
wird eine Pauschalgebühr von Fr. 200.-- bis Fr. 4'000.-- je Beschwerde erhoben (Art. 19
Abs. 1 i.V.m. Art. 4 Abs. 2 GebV13). In Anwendung dieser Bestimmungen wird die
Pauschale auf Fr. 2'000.-- festgelegt. Dazu kommen die Kosten für das Gutachten der OLK
vom 27. Februar 2018 von Fr. 2'000.-- (Rechnung vom 26. März 2018). Die Kosten des
Beschwerdeverfahrens betragen somit insgesamt Fr. 4'000.--.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird grundsätzlich die Beschwerdegegnerin
kostenpflichtig (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Einer Gemeinde können Verfahrenskosten nur
auferlegt werden, wenn sie in ihren Vermögensinteressen betroffen ist (Art. 108 Abs. 2
VRPG). Die Stadt Bern ist als Bauherrin und Grundeigentümerin in ihren
Vermögensinteressen betroffen. Demzufolge hat die Beschwerdegegnerin die
Verfahrenskosten von Fr. 4'000.-- zu tragen.
c) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat
die unterliegende Beschwerdegegnerin den obsiegenden Beschwerdeführern deren
Parteikosten zu ersetzen.
Die Parteikosten umfassen den durch die berufsmässige Parteivertretung anfallenden
Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Die Kostennote des Anwalts der Beschwerdeführer
beläuft sich auf Fr. 7'335.-- (Honorar Fr. 6'750.--, Auslagen Fr. 50.--, Mehrwertsteuer
Fr. 535.--). Nach Art. 11 Abs. 1 PKV14 beträgt das Honorar in verwaltungsrechtlichen
Beschwerdeverfahren Fr. 400.-- bis Fr. 11'800.-- pro Instanz. Innerhalb des Rahmentarifs
bemisst sich der Parteikostenersatz nach dem in der Sache gebotenen Zeitaufwand sowie
der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 41 Abs. 3
12 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 13 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21). 14 Verordnung vom 17. Mai 2006 über die Bemessung des Parteikostenersatzes (Parteikostenverordnung, PKV; BSG 168.811)
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KAG15). Im vorliegenden Fall ist der gebotene Zeitaufwand als durchschnittlich zu werten,
da neben der Beschwerde zusätzlich eine Stellungnahmen zu einer denkbaren weiteren
Auflage und eine Stellungnahme zum Ergebnis des Beweisverfahrens mit zwei
Fachberichten einzureichen waren. Bei Baukosten gemäss Baugesuch von Fr. 850'000.--
und den umstrittenen Rechtsfragen sind die Bedeutung der Streitsache und die
Schwierigkeit des Prozesses insgesamt ebenfalls als durchschnittlich einzustufen. Daher
erscheint ein Honorar von Fr. 5'500.-- als angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat den
Beschwerdeführern somit Parteikosten in der Höhe von Fr. 5'986.65 (Honorar Fr. 5'500.--,
Auslagen Fr. 50.--, Mehrwertsteuer mit den zwei Steuersätzen aufgeteilt gemäss Verhältnis
in der Kostennote Fr. 436.65) zu ersetzen.