# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c3d2dd1e-4674-5564-b914-0ceb234fc7d6
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1967, war von Juli 2013 bis September 2015
bei der
Y._ GmbH
als Promoter tätig, wobei der letzte Arbeitstag der 1
9.
Mai 2015 war (
Urk.
12/21
Ziff.
2.1,
Ziff.
2.3 und
Ziff.
2.7). Am 3
0.
September 2015 (
Urk.
12/4) mel
dete er sich wegen verschiedene
r
Beschwerden bei der Invalidenversicherung an. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen und zog Akten der Unfallversicherung (
Urk.
12/14) sowie der Taggeldversicherung (
Urk.
12/28) bei.
Sodann liess sie den Versicherten
bidisziplinär
(psychiatrisch und rheumato
logisch)
begutachten (
Urk.
12/38;
Urk.
12/41;
Urk.
12/42). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
12/44;
Urk.
12/48
;
Urk.
12/53;
Urk.
12/56;
Urk.
12/59), in dessen Rahmen weitere Arztberichte
Urk.
12/55;
Urk.
12/58;
Urk.
12/58) ergingen,
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
7.
Juli 2017 einen Leistungsanspruch des Versicherten (
Urk.
12/61 =
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am 1
3.
September 2017 (
Urk.
1) Beschwerde gegen die Verfügung vom 1
7.
Juli 2017 (
Urk.
2) und beantragte deren Aufhebung. Weiter beantragte er, es sei nicht auf das psychiatrische Gutachten vom
8.
September 2016 abzustellen. Eventualiter sei ein psychiatrisches Gutachten bei einem
psychotraumatologischen
Psychiater einzuholen (S. 2).
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Eingabe vom 3
0.
Oktober 2017 (
Urk.
11) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am 1
5.
November 2017 unter antragsgemässer (
Urk.
1 S. 2) Bewilligung der unent
geltlichen Prozessführung zur Kenntnis gebracht (
Urk.
13). Der Beschwerdeführer reichte weitere medizinische
Unterlagen (
Urk.
16/1-3;
Urk.
19/1-6;
Urk.
22) ein, wovon die Beschwerdegegnerin in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
17;
Urk.
20;
Urk.
23).
Mit Beschluss vom 1
4.
Dezember 2018 (
Urk.
24) nahm das Gericht in Aussicht, ein polydisziplinäres Gutachten der Fachrichtungen Allgemeine Innere Medizin, Orthopädie und Psychiatrie einzuholen. Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs der Parteien (
Urk.
26,
Urk.
28,
Urk.
35), in dessen Rahmen der Beschwerdeführer weitere medizinische Unterlagen einreichte (
Urk.
27/1-25), ordnete das Gericht mit Beschluss vom 1
9.
Juli 2019 das Gerichtsgutachten definitiv an (
Urk.
36). Dieses wurde am
5.
Dezember 2019 von
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Prof.
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, und
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
C._
, erstattet (
Urk.
48). Dazu nahm der Beschwerdeführer am 2
8.
Januar 2020 (
Urk.
52) Stellung, währen
d
die Beschwerdegegnerin auf eine Stellungnahme verzichtete (
Urk.
53), wovon die Parteien am
5.
Februar 2020 in Kenntnis gesetzt wurden (
Urk.
54). Mit Gerichtsverfügung vom
6.
Februar 2020 (
Urk.
55) wurde die AXA Stiftung berufliche Vorsorge zum Prozess beigeladen, welche
sich in der Folge nicht vernehmen liess (
Urk.
57)
.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und
E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.4
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis
mittelschwere Depressionen).
Gemäss BGE 142 V 342 ist die Recht
sprechung gemäss BGE 141 V 281 auch auf eine posttraumatische Belastungs
störung anwendbar
.
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nach
weis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweis
losigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_
580/2017 vom 16. Januar 2018 E.
3.1 mit Hinweisen).
1.5
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) wie folgt: Aus psychiatrischer Sicht lägen keine Diagnosen vor, welche den Beschwer
deführer in seiner Arbeitsfähigkeit einschränkten. Aus rheumatologischer Sicht sei ihm die bisherige Tätigkeit als Promoter weiterhin in einem vollen Pensum zumutbar. Auf das
im Verwaltungsverfahren eingeholte
psychiatrische Gutachten sei abzustellen. Zwar seien hinsichtlich einer posttraumatischen Belastungs
störung
(PTBS)
im Jahr 2009 erstmals Symptome aufgetreten, jedoch habe der Beschwerdeführer trotz dieses Störungsbildes über mehrere Jahre bis im Septem
ber 2015 arbeiten können.
Ein Grund für die Verschlechterung bestehe nicht und aus versicherungsmedizinischer Sicht seien die Kriterien einer posttraumatischen Belastungsstörung nicht erfüllt. Eine
Indikatorenprüfung
sei
zudem
nicht vorzu
nehmen, da gemäss Gutachten sowohl die angestammte als auch eine angepasste Tätigkeit zu 100
%
zumutbar sei (S. 1-2). Selbst wenn ein psychisches Leiden mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit vorliegen würde, sei keine Therapieresistenz gegeben (
Urk.
11).
2.2
Dem hielt der Beschwerdeführer entgegen (
Urk.
1), er sei bereits 2009 in stationärer psychiatrischer Behandlung gewesen, dabei sei berichtet worden, dass er Traumatisierungen durch Gräueltaten der Taliban in seiner Heimat Afghanistan angedeutet habe. Man habe eine Therapie im Ambulatorium
D._
empfohlen (S. 4). Dort seien die Diagnosen einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) sowie eines Status nach schädlichem Gebrauch von Kokain gestellt worden (S. 5). Er leide an den typischen Symptomen einer PTBS und habe versucht, sich durch Arbeit abzulenken, habe dies aber nicht geschafft (S. 7).
Der psychiatrische Gutachter habe entsprechende Symptome festgestellt und die PTBS als Differentialdiagnose gestellt. Ein typisches auslösendes Ereignis habe bestanden. Die Diagnosekriterien verlangten nicht, dass die Betroffenen Beweismaterial für ihre traumatischen Erfahrungen vorlegen müssten. Ebenso sei ein verzögerter Symptombeginn möglich. Die Angaben im psychiatrischen
Gut
ach
ten würden durch die Ärzte der p
sychiatrischen
Klinik E._
klar widerlegt. Ausserdem sei angesichts seiner tiefen Einkommen eher von Arbeits
versuchen auszugehen. Es sei eine Begutachtung mit
Indikatorenprüfung
notwendig (S. 8 f.).
Sein Gesundheitszustand habe sich seit Verfügungserlass am 1
7.
Juli 2017 massiv verschlechtert. So hätten die Schmerzen im Rücken, an den Schultern und den Füssen zugenommen. Daneben seien eine Chronifizierung der schweren Depres
sion und der Schmerzstörung sowie ein Aneurysma und Thoraxschmerzen aufgetreten, so dass er vollständig arbeitsunfähig sei (
Urk.
26 S. 2).
Gestützt auf das Gerichtsgutachten sei seit dem Ende des Arbeitsverhältnisses von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen, diese bestehe somit seit dem 2
0.
Mai 2015 (
Urk.
52 S. 2 unten f.).
2.3
Streitig und zu prüfen
sind
der Invalidi
tätsgrad und der Rentenanspruch des Beschwerdeführers.
3.
3.1
Die Ärzte der
E._
, wo sich der Beschwerdeführer vom 2
6.
Mai bis 1
1.
Juni 2009 stationär aufhielt, stellten mit Bericht vom
6.
August 2009 (
Urk.
12/3/3-5) folgende Diagnosen (S. 1):
-
längere depressive Reaktion (ICD-10 F43.21)
-
Störungen durch Kokain, ständiger Gebrauch (ICD-10 F14.25)
DD: posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
Der Beschwerdeführer gebe an, seit fünf bis sechs Jahren in der Schweiz zu sein und genauso lange Kokain zu konsumieren. Seit November 2008 gehe er keiner Arbeit mehr nach
und habe einen ablehnenden Asylentscheid bekommen; er hätte bereits am
3.
März 2009 die Schweiz verlassen müssen und solle ausgeschafft werden. Er sei wegen Drogenhandels inhaftiert gewesen und wolle von Kokain entzogen werden (S. 1). Der Patient deute Traumatisierungen durch Gräueltaten der Taliban an (S. 2). Es werde eine ambulante Therapie im Ambulatorium
D._
empfohlen (S. 3).
3.2
V
om 3
1.
August bis
4.
November 2009 unterzog sich der Beschwerdeführer einer ambulanten Behandlung im Ambulatorium
D._ an der p
sychiatrischen Poliklinik der Universität
F._
. Mit Bericht vom
5.
November 2009 (
Urk.
12/38/50-53
) wurden folgende Diagnosen gestellt (S. 1):
-
posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
-
Status nach schädlichem Gebrauch von Kokain (ICD-10 F14.1)
-
Zukünftige Gefängnisstrafe oder andere Form der Inhaftierung
Der Beschwerdeführer sei gegenwärtig deutlich beeinträchtigt und vorgealtert und stehe unter starkem Leidensdruck. Neben den Symptomen der posttrauma
tischen Belastungsstörung berichte er, dass er unter sehr starkem Druck stehe, da er eine Busse nicht bezahlen könne. Er habe das Ambulatorium um finanzielle Hilfe gebeten. Er bleibe in seinen Antworten stets sehr vage und
teile
auf die Frage, ob er auch tagsüber Szenen und Bilder aus dem Krieg sehe, mit, dass er immer wisse, was um ihn herum passiere, jedoch nicht wisse, was genau vor dieser Tür sei. Im Abschlussgespräch habe ein vorwiegend unruhiges Zustands
bild bestanden. Er sei ungehalten darüber gewesen, dass das Ambulatorium die Busse nicht zahlen könne (S. 1-2). Man habe mit ihm keine
traumaspezifische
Psychotherapie beginnen können,
da die soziale Problematik im Vordergrund gestanden habe. Er leide weiterhin an den Symptomen der posttraumatischen Belastungsstörung, die sich unter den gegebenen sozialen Schwierigkeiten verstärkt zeige (S. 4).
3.3
Gemäss Unfallmeldung vom 2
9.
Mai 2015 (
Urk.
12/11/22)
rutschte der Beschwer
deführer
am 1
9.
Mai 2015 in ein
er Fussgängerunterführung
aus und prallte mit Rücken und Schul
ter auf den Boden (
Ziff.
4-6
).
Gemäss
Zeugnis des erstbehan
delnden Arztes
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Hausarzt des Beschwerdeführers (vgl.
Urk.
12/4
Ziff.
6.5), sei d
ies
er
nach
eigene
n
Angaben im Treppenhaus gestürzt und habe eine Kontusion des Kopfes, der Schulter und des Rückens erlitten (vgl.
Urk.
12/2
Ziff.
2). Es bestehe eine volle Arbeitsunfähigkeit ab 1
9.
Mai 2015 (
Ziff.
8).
Eine bildgebende Untersuchung vom
4.
Juni 2015
habe
erosive
Chondrosen
L3/L4 und L4/L5 mit Verdacht auf eine Instabilität vor allem auf Höhe L4/L5
ergeben
. Dort bestehe eine Spinalkanalein
engung über 60
%
mit flacher Diskushernie
und Tangierung der Nervenwurzeln L5 im Recessus beidseits (
Urk.
12/12/3).
3.4
Dr.
G._
diagnostizierte mit Bericht vom 2
2.
Oktober 2015 (
Urk.
12/11/1-5) ein
lumbospondylogenes
Syndrom (
Ziff.
1.1). In der angestammten Tätigkeit bestehe
seit 1
9.
Juli 2015
volle Arbeitsunfähigkeit. Körperlich belastende Arbeiten seien nicht mehr möglich (
Ziff.
1.6-1.7). Es stelle sich die Frage, ob mit einer wechseln
den sitzenden und stehenden Tätigkeit eine Teilarbeitsfähigkeit erzielt werden könne (
Ziff.
1.8).
3.5
Die Ärzte der
Klinik H._
, Wirbelsäulenchirurgie, stellten mit Bericht vom
2.
November 2015 (
Urk.
12/13) folgende Diagnosen (S. 1):
-
chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom links mit und bei
-
Claudicatio Symptomatik
-
beginnender Spondylarthrose L2-5 beidseits
-
mässiger
Rezessusstenose
L3-S1 beidseits
-
Status nach dreimaliger Infiltration, ohne Linderung der Beschwerdesympto
matik
Die radikulären Beschwerden seien erklärbar, jedoch sei das Gesamtbild der Schmerzsymptomatik in dem vom Patienten angegebenen Ausmass radiologisch nicht erklärbar. Bei nicht klarer Lokalisierung bestehe keine Operationsindikation. Der Hausarzt des Beschwerdeführers werde um eine allfällige Zuweisung zu einer multimodalen Schmerztherapie gebeten (S. 2).
3.6
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, diagnosti
zierte mit Schreiben vom 1
6.
Dezember 2015 (
Urk.
12/20) posttraumatische Ereignisse sowie eine rezidivierende mittelgradige Depressi
on mit somatischen Beschwerden
(ICD-10 F33.3).
Der Beschwerdeführer stehe seit dem 1
5.
Oktober 2015 bei ihm in Behandlung.
Die posttraumatischen Beschwerden hätten sich in den letzten Monaten verstärkt. Die traumatisierenden Ereignisse mit Alpträumen, Depressionen, zusätzlichen Körperschmerzen
und der Umstand, dass seine zwei Söhne
nicht in der Schweiz bleiben könnten, beeinflussten die Gefühle des Beschwerdeführers negativ und verstärkten seine Zurückgezogenheit. Aus psychiatrischer Sicht sei er aufgrund seiner geringen Belastbarkeit, Depression und Vorgeschichte zu 100
%
krankgeschrieben.
Der Beschwerdeführer habe in seiner Heimat Afghanistan viele Tote und viel Blut gesehen. Er sei traumatisiert vom Krieg und den Bildern, die er gesehen habe. Zwischen 1990 und 1991 sei er mehrmals im Gefängnis gewesen. Zusätzlich habe er Angst um seine zwei erwachsenen Kinder, welche immer noch in Afghanistan lebten. Er leide unter einer Verminderung der Konzentration aufgrund der schrecklichen Bilder aus der Heimat und einer Verminderung der Ausdauer aufgrund seiner Schmerzen. Der Affekt sei flac
h, die Grundstimmung deprimiert. Er sei seit dem 1
5.
Oktober 2015 zu 100
%
krankgeschrieben
(
Schreiben vom 1
3.
Januar 2016;
Urk.
12/23).
3.7
Dr.
I._
stellte mit Bericht vom
4.
Mai 2016 (
Urk.
12/30) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
rezidivierende mittelgradige Depression mit somatischen Beschwerden
(ICD-10 F33.11)
-
posttraumatische Ereignisse in der Heimat bestehend seit 1
5.
Oktober 2015
Aus psychiatrischer Sicht sei eine Arbeit in einer geschützten Werkstatt sinnvoll. Im ersten Arbeitsmarkt sei der Beschwerdeführer zu 100
%
arbeitsunfähig (
Ziff.
2.1-2.2). Die Behandlung bestehe aus Verhaltenspsychotherapie alle zwei bis drei Wochen und Medikamenten (
Ziff.
3.1).
3.8
Am
8.
September 2016 erstattete Prof.
Dr.
med.
J._
, Fach
arzt für Neurologie sowie für Psychiatrie und Psychotherapie
,
sein unter Berück
sichtigung der Akten, Erhebung der Anamnese und Durchführung einer eigenen Untersuchung verfasstes psychiatrisches Gutachten (
Urk.
12/38).
Der Beschwerdeführer berichte, sein Leben sei ab seiner Jugendzeit mit dem Beginn des heiligen Krieges kompliziert geworden. Er habe auch als Kämpfer am heiligen Krieg teilgenommen. Seine Eltern seien getötet worden, als eine Granate in ihr Haus geworfen worden sei. Dabei seien auch Kinder verletzt worden. Dies sei etwa 2003 geschehen, kurz vor seiner Ausreise in die Schweiz. Er sei im Alter von etwa 16 Jahren mit einer afghanischen Frau verheiratet worden, welche bei der Geburt des dritten Kindes zusammen mit diesem verstorben sei.
Die beiden erwachsenen Söhne aus dieser Ehe seien von der IS verhaftet worden; der Beschwerdeführer habe seit etwa 9 Monaten keinen Kontakt mehr zu ihnen. Er sei in zweiter Ehe mit einer Schweizerin verheiratet, welche aus psychischen Gründen eine Invalidenrente beziehe (S. 18 f.).
Der Beschwerdeführer habe ein soziales Netzwerk mit zahlreichen afghanischen und pakistanischen Freunden. Er habe sich jedoch sozial zurückgezogen. Er berichte, dass Erinnerungen an den Krieg in Afghanistan sowie Schmerzen im Vordergrund seiner Beschwerden stünden. Er habe Albträume von kriegerischen Ereignissen. Zudem berichte er von sich aufdrängenden Ereignissen mit Nachhal
lerinnerungen. Er sei sehr unruhig und finde keine innere Ruhe. Filmbeiträge mit Gewalt oder kriegerischen Aktivitäten meide er. Er habe erfahren, dass sein Cousin in Afghanistan enthauptet worden sei. Seither habe sich seine Sympto
matik verschlechtert, er habe Angs
t vor allem und j
edem.
Wenn er unterwegs sei, dann denke er, verfolgt zu werden. Er sei traurig und habe keine Lebenslust mehr. Er habe versucht, sich durch Arbeit abzulenken, habe dies aber nicht geschafft.
Er berichte, sich an nichts mehr freuen zu können, keine Interessen mehr zu haben und vergesslich zu sein (S. 20 f.).
Er habe wegen Schmerzen im Zeitraum von 2008 bis 2009 Kokain konsumiert. Afghanische Kollegen mit ähnlichen Beschwerden hätten ihm geraten, dies zu tun. Er sei von April bis November 2008 wegen Drogenhandels inhaftiert gewesen (S. 22).
Zum Tagesablauf berichte der Beschwerdeführer, er stehe zwischen 09:00 und 10:00 auf. Nach der Morgentoilette trinke er Milch und nehme seine Medikamente ein. Am Vormittag begleite er die Ehefrau nach
K._
, die dort aktuell einen Kurs besuche. Er gehe während dieser Zeit spazieren. Nach der Rückkehr nach Hause zwischen 13:30 und 14:00 schaue er dann Fernsehen und mache hernach einen Mittagsschlaf. Danach koche
er das Mittagessen mit der Ehefrau. Dann schaue man gemeinsam Fernsehen. An der Hausarbeit beteilige er sich nicht. Zu Bett gehe er zwischen 21:00 und 22:0
0.
Nach Einnahme der Medikamente könne er bis etwa 01:00 durchschlafen, hernach habe er Schlafstörungen. Nach Ressour
cen befragt, nenne er nach langem Überlegen seine Ehefrau. Aktuell gehe er etwa zweimal im Monat zu
Dr.
I._
(S. 23).
Prof.
J._
stellte Störungen des Kurzzeitgedächtnisses fest. Im zeitlichen Verlauf der etwa zweieinhalbstündigen Untersuchung sei es zu einem Abfall der Konzentration und der Aufmerksamkeit gekommen; der Beschwerdeführer habe dem Untersuchungsverlauf immer schwerer folgen können.
Weiter stellte
Prof.
J._
erhöhte Arousal und eine psychomotorisch mässige Agitiertheit fest
. Es würden Beziehungsideen (
Verfolgtwerden
) geäussert. Hinsichtlich
der Affektivität sei die Grundstimmung zum negativen Pol verschoben. Die Schwingungs
fähig
keit sei mässig eingeschränkt, die Vitalgefühle seien gemindert. Das Selbstwert
empfinden sei reduziert.
Die Psychomotorik sei deutlich verlangsamt und der Antrieb sei deutlich reduziert
. Es bestünden eine Reduktion der Freudfähigkeit und der Interessen, ein leichter sozialer Rückzug, verminderter Appetit, eine reduzierte Libido und passive Todeswünsche (S. 25).
Alle Antidepressiva seien nicht im Blutbild nachweisbar gewesen, ebenso wie das Analgetikum. Dies lasse Fragen zum tatsächlichen Leidensdruck des Beschwerde
führers aufkommen. Diagnostisch sei von einer mittelgradigen depressiven Episode mit somatischem Syndrom auszugehen, welche jedoch vor allem auf der Grundlage psychosozialer Probleme bestehe.
Differentialdiagnostisch sei eine posttraumatische Belastungsstörung zu erwähnen
. Diese Störung folge jedoch mit einer Latenz von Wochen bis Monaten, selten mehr als sechs Monate nach dem Trauma. Bei wenigen Betroffenen nehme die Störung einen chronischen Verlauf über Jahre und könne in eine andauernde Persönlichkeitsstörung übergehen (S. 31). Beim Beschwerdeführer wäre das auslösende Ereignis zwar geeignet, eine derartige Störung
zu verursachen, jedoch
beruhten die Angaben
ausschliesslich auf subjektiven anamnestischen Angaben des Versicherten
. Sein Asylantrag sei 2009 abgelehnt worden. Weiter lasse sich das zeitliche Kriterium des Auftretens von Symptomen im Kontext mit dem Auslöser nicht mit Sicherheit feststellen. Aufgrund der vorliegenden objektiven Unterlagen sei es erstmals im Jahr 2009 zum Auftreten entsprechender Symptome gekommen, womit die diagnostischen Kriterien nicht erfüllt wären. Zudem habe der Beschwerdeführer bis zu seiner Entlassung im September 2015 unter diesem Störungsbild gearbeitet. Es sei nicht klar, warum sich die Verschlechterung einstellte. Die Kriterien für eine PTBS seien somit
nicht erfüllt. Weiter sei von einer Schmerzverarbeitungsstörung auszu
gehen, da Diskrepanzen zwischen den subjektiven Klagen und den objektiven Befunden bestünden. Für eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren gemäss ICD-10 F45.41 spreche das Auftreten der chro
nischen Schmerzen im Zusammenhang mit den psychosozialen und emotionalen Belastungsfaktoren beim somatischen Krankheitskonzept des Beschwerdeführers
(S. 32).
Prof.
J._
hielt weiter fest, es liege beim Beschwerdeführer aus psychiatrisch-gutachterlicher Sicht ein mässiger Gesundheitsschaden vor, wobei wesentliche Anteile des Störungsbildes durch psychosoziale Belastungsfaktoren ausgelöst seien und unterhalten würden. Zudem fänden sich zahlreiche Inkonsistenzen
.
Das Störungsbild sei de facto unbehandelt, da sich laborchemisch von keinem einzi
gen Antidepressivum auch nur Spur
en nachweisen liessen. Psychosoziale Fakto
ren hätten eine dominierende Rolle (S. 33).
Prof.
J._
stellte keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Die folgenden Diagnosen hätten
keinen Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit (S. 33):
-
mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11), reaktiv, bei
-
chronischer Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren (ICD-10 F45.41) und multiplen psychosozialen Belastungsfaktoren mit und bei
-
Problemen in Verbindung mit Ausbildung und Beruf
-
Problemen in Verbindung mit Arbeitslosigkeit
-
Problemen in Verbindung mit ökonomischen Verhältnissen
-
Betroffensein von Katastrophen, Krieg oder sonstige Feindseligkeiten
Aus psychiatrisch-gutachterlicher Sicht dominierten IV-fremde Faktoren in der Entstehung und Aufrechterhaltung des psychopathologischen Bildes. Zudem bestünden einige Inkonsistenzen. Insbesondere habe der Beschwerdeführer unter diesem Störungsbild, welches gemäss Akten seit 2009 bestehe, problemlos zuvor gearbeitet. Es sei kein Ereignis erkennbar, welches zum Ausbruch der Störung geführt haben solle. Bei fehlenden Blutserumspiegeln der Antidepressiva sei der tatsächliche Leidensdruck zu hinterfragen. Daher könne Prof.
J._
aus gutachterlicher Sicht keine mittel- und langfristige Arbeitsunfähigkeit bescheini
gen, die die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in der zuletzt ausgeübten und in einer adaptierten Tätigkeit um mehr als 20
%
einschränke. Dies gelte seit der Antragstellung (S. 34).
3.9
Dr.
med.
L._
,
Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und Rheumatologie, stellte in ihrem am
1.
Oktober 2016 unter Berücksichtigung der Akten, Erhebung der Anamnese
und Durchführung einer eigenen Untersuchung erstatteten Gutachten (
Urk.
12/41
/1-64
) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 51):
-
verminderte Belastbarkeit und Beschwerden der LWS bei
-
kongenital engem Spinalkanal mit mittelschwerer Spinalkanalstenose L4/L5 und geringer auch L3/L4 bei
-
degenerativen Veränderungen mit schweren Spondylarthrosen L2 bis L4 beid
seits sowie leichten foraminalen bzw.
rezessalen
Stenosen L3 bis S1 beidseits ohne Kompression neurogener Strukturen
-
bildgebend seit Jahren im Wesentlichen unverändert
-
mit unauffälligen neurologischen und elektrodiagnostischen Befunden
-
ohne radikuläre Zeichen
Die folgenden Diagnosen hätten keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 51):
-
ausgedehnte chronische Schmerzen
-
Adipositas
-
Vitamin D-Mangel
-
sehr leichte subklinische
Hypothyhreose
-
Status nach jahrelangem
Kokainabusus
mit Inhaftierung wegen Drogenhan
del
s
von April bis November 2008
-
aktuell kein Nachweis von Drogen
Es seien Diskrepanzen aufgefallen. So verschwinde das Schmerzstöhnen bei Ablenkung und
der Beschwerdeführer
zeige intermittierend einen hinkenden Gang, der sich bei Ablenkung normalisiere. Die Beweglichkeit der Lendenwirbel
säule sei in der Lateralflexion beidseits leicht eingeschränkt bei normaler Inklination und Reklination. Die Brust- und Halswirbelsäule seien normal beweg
lich. Radikuläre Zeichen seien nicht vorhanden. Der Beschwerdeführer verfüge über eine erfreulich grosse Muskelmasse von 50
%
, was gegen eine körperliche Schonung, wie er sie schildere, spreche. Die bildgebenden Befunde der Lenden
wirbelsäule seien nicht gravierend, da keine Kompression neurogener Strukturen aufgetreten sei, dennoch hätten sie Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 52).
Laborchemisch seien im Blut ein Schmerzmittel und ein Antidepressivum nachweisbar, jedoch weit unter dem therapeutischen Bereich. Dass der Beschwer
deführer anamnestisch nicht lange sitzen und nur noch fünf Minuten gehen könne, sei nicht verifiziert und lasse sich aus den Befunden nicht ableiten. Dasselbe gelte auch für seine Angaben, wonach er nur Lasten von ein bis zwei Kilogramm tragen könne (S. 53).
Die angestammte Tätigkeit als Verkäufer von Telefonkarten sei für ihn adaptiert. Er könne diese Tätigkeit zu 100
%
ausüben. Zudem könne der Beschwerdeführer auch als Reinigungsmitarbeiter, als Küchenhilfe oder als Barmitarbeiter uneinge
schränkt tätig sein, sofern er dabei keine Lasten über 12.5 kg hantieren müsse. In der angestammten oder einer angepassten Tätigkeit habe nie eine lang andau
ernde Arbeitsunfähigkeit bestanden. Eine besonders LWS-belastende Tätigkeit habe er nie lang andauernd ausüben können, denn er sei mit einem engen Spinalkanal zur Welt gekommen
(S. 55)
.
3.10
In der
bidisziplinären
Zusammenfassung vom
1.
Oktober 2016 (
Urk.
12/42) wiederholten die Gutachterin und der Gutachter ihre jeweiligen Diagnosen (vgl. vorstehende E. 3.8 und 3.9) und kamen zum Schluss, dass der Beschwerdeführer in einer LWS-schonenden Tätigkeit mit leichtem bis mittelschwerem Belastungs
niveau (max. 12.5 kg) zu 100
%
arbeitsfähig sei. In der angestammten Tätigkeit habe nie eine lang andauernde Arbeitsunfähigkeit bestanden.
3.11
Gestützt auf diese Beurteilung hielt RAD-Arzt
Dr.
med.
M._
, Facharzt für Chirurgie, am 1
0.
Oktober 2016 fest, der Beschwerdeführer
sei in der ange
stammten Tätigkeit, welche einer angepassten entspreche, durchgehend zu 100
%
arbeitsfähig gewesen. Er
solle häufiges Heben und Tragen von Lasten ohne Hilfs
mittel und längeres Verharren in vornüber geneigter Haltung vermeiden, ebenso seien unerwartete asymmetrische Lasteinwirkungen auszuschliessen. Eher günstig seien wechselbelastende Tätigkeiten (
Urk.
12/
43/
7).
3.12
Mit Bericht vom 1
4.
Februar 2017 (
Urk.
12/55
=
Urk.
3/4
) zuhanden der Rechts
vertretung des Beschwerdeführers stellten die
Fachpersonen
der
E._
, wo sich der Beschwerdeführer vom 2
2.
Dezember 2016 bis 2
6.
Januar 2017 in stationärer Behandlung befunden hatte,
folgende Diagnosen (S. 1):
-
schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2)
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
Für die Zeit der stationären Behandlung habe für die angestammte Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bestanden. Es sei davon auszugehen, dass diese Arbeitsunfähigkeit auch darüber hinaus zumindest kurzfristig bestanden habe. Eine leidensangepasste Tätigkeit, beispielsweise in einfachen Sortier-
und Verpackungsaufgaben, bei der keine grosse körperliche Anstrengung zu erbrin
gen sei und die keine grosse Verantwortung beinhalte, sei allenfalls zu 10
%
zumutbar. Zudem
sei eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit durch adäquate Behandlung möglich, allerdings in begrenztem Ausmass (S. 1). Die Fachpersonen hielten fest,
sie gingen mit Prof.
J._
hinsichtlich der Diagnose der chronischen Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren einig, ebenso mit der Feststellung der verschiedenen psychosozialen Belastungsfakto
ren. Allerdings erfülle der Beschwerdeführer ihrer Meinung nach die Kriterien einer schweren depressiven Episode, da alle drei für die leichte und mittelgradige depressive Episode typischen Symptome der bedrückten Stimmung, des Interes
severlusts und der Freudlosigkeit sowie der Verminderung des Antriebs und der erhöhten Ermüdbarkeit gegeben seien. Zudem seien sechs der anderen häufigen Symptome gegeben, nämlich verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit, vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, ausgeprägte Gefühle von Wertlosigkeit und Schuld, ausgeprägte negative und pessimistische Zukunftsper
spektiven, Suizidgedanken und ausgeprägte Schlafstörungen. Es sei laut Diagnose
kriterien unwahrscheinlich, dass ein Patient während der schweren depressiven Episode in der Lage sei, soziale, häusliche und berufliche Aktivitäten fortzuführen. Diese Fähigkeiten seien beim Beschwerdeführer
eingeschränkt (S. 2 Mitte).
Bezüglich des während des stationären Aufenthaltes geäusserten Verdachts auf eine posttraumatische Belastungsstörung müsse eingeräumt werden, dass aufgrund der vorliegenden Informationen, insbesondere da kein Dolmetscher anwesend sei, keine ausreichende Beurteilung möglich sei, ob die Diagnose tatsächlich gerechtfertigt sei. Zwar gebe der Beschwerdeführer Flashbacks an und es seien Schlafstörungen, Schreckhaftigkeit, vermehrte Reizbarkeit, Konzentra
tionsstörungen und emotionale Taubheit sichtbar. Doch sei insbesondere bezüglich der Übererregung nicht abschliessend zu klären, ob diese im Zusam
menhang mit einer posttraumatischen Belastungsstörung oder mit der vorliegenden depres
siven Episode stünden. Allerdings sei eine genaue Evaluation ohne Dolmetscher nicht abschliessend möglich und nicht Inhalt ihres primären Behandlungsauftra
ges (S. 2 unten f.).
Im Behandlungszeitraum habe die Arbeitsunfähigkeit 100
%
betragen. Es sei nicht gerechtfertigt, anhand von fehlenden Blutserumspiegeln von Antidepres
siva auf den tatsächlichen Leidensdruck zu schliessen. Die sicherlich fragliche Compliance habe keine direkte Auswirkung auf die Beurteilung der Arbeitsfähig
keit eines Patienten (S. 3 Mitte).
Die Fachpersonen wiesen darauf hin, dass sie lediglich die Einschätzung schilderten, die sie aufgrund der Behandlung in einem bestimmten Zeitraum gemacht hätten. Mangels Dolmetscher habe die Verständigung mit dem Patienten beeinträchtigt gewesen sein
können. Letztlich sei während der Behandlung ledig
lich die Stabilisierung des Patienten das Ziel gewesen und nicht die Beurteilung seiner Arbeitsfähigkeit (S. 3 unten).
3.13
Dr.
I._
hielt mit Zeugnis vom
8.
März 2017 (
Urk.
12/58/1) fest, der Patient leide unter einer Verminderung der Konzentration aufgrund der schrecklichen Bilder in seiner Heimat sowie einer Verminderung der Ausdauer aufgrund seiner Schmerzen, und diagnostizierte eine rezidivierende depressive Störung, gegen
wärtig schwere Episode mit somatischem Syndrom, sowie eine posttraumatische Belastungsstörung. Aus psychiatrischer Sicht sei der Beschwerdeführer aufgrund der Diagnosen zu 100
%
krankgeschrieben.
3.14
Im Bericht über das Erstgespräch vom 1
1.
April 2017
(
Urk.
16/1; eingereicht am 2
2.
November 2017) hielten die Ärzte des Ambulatoriums für
D._
am
N._
fest,
beim Beschwerdeführer seien überlappende und interdepen
dente Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung, einer depressiven Episode sowie einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren zu finden.
Angesichts der schweren und chronifizierten Sympto
matik mit progredientem Ressourcenverlust und psychosozialer Desinte
gration, einer beträchtlichen Vermeidungstendenz sowie zusätzlich fortbe
stehender Belastung durch
den Kontaktverlust gegenüber den Söhnen sei von einer einge
schränkten Prognose auszugehen. Es wurden folgende Diagnosen gestellt (S. 1):
-
posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2)
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
Die
traumaspezifische
Psychopathologie sei erfüllt: So liege das traumatische Ereignis im Auffinden seiner bei einem Bombenangriff getöteten Eltern, der Versorgung seiner ebenfalls beim Angriff verletzten Kinder und im häufigen Zeuge sein von Kriegshandlungen. Er leide an Albträumen und mehrfach
täg
lichen
Flash-backs, meide den Kontakt zu anderen Menschen und versuche wenig Nachrichten zu sehen. Er verbringe viel Zeit in seinem Zimmer. Er sei misstrauisch und zeige eine deutliche Angst vor anderen Menschen, sei überzeugt, dass die meisten Menschen schlecht seien. Er leide an Schlaf- und Konzentrationsstörun
gen, einer erhöhten inneren Anspannung und an Reizbarkeit. Begonnen hätten die Symptome vor etwa vier Jahren nach einem unklaren Sturzereignis mit Bewusst
seinsverlust während der Arbeit. Eine psychotherapeutische Behandlung, die auf eine Aufarbeitung der
traumatischen Erlebnisse ausgerichtet sei und darauf abziele, die Intrusionen zu reduzieren, sei angezeigt. Eine antidepressive Medikation werde gegenwärtig vom Patienten abgelehnt, da er grundsätzlich vermute, dass ihm Medikamente nicht helfen würden (S. 2).
Anamnestisch habe die Symptomatik
2014
begonnen, nachdem er während der Arbeit als Aussendienstmitarbeiter in einer
Flüchtlingsunterkunft Handy-
SIM
karten
verkauft habe. Er könne sich nicht erinnern, wie es zum Zusammen
bruch gekommen sei. Unter den Flüchtlingen in der Unterkunft seien auch Afghanen gewesen. Er wisse noch, dass er plötzlich auf der Strasse zusammen
gebrochen sei. Er sei im Spital aufgewacht
und habe oberflächliche Verletzungen an den Beinen gehabt. In den folgenden Wochen hätten die Symptome begonnen und im Verlauf an Intensität zugenommen. Er sei seither nicht mehr arbeitsfähig (S. 3).
3.15
Die Ärzte des Ambulatoriums für
D._
am
N._
stellten in ihrem am 2
9.
Mai 2017 zuhanden der Rechtsvertretung des Beschwerdeführers erstatteten Bericht (
Urk.
12/58/2-5
=
Urk.
3/3
)
die Diagnose einer schweren depressiven Störung ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2) sowie einer posttraumatischen Belastungsstörung. Der Beschwerdeführer befinde sich am Ambulatorium in Behandlung; alle Termine hätten mit Unterstützung eines Dolmetschers stattgefunden. Seit Beginn der Behandlung am 1
1.
April 2017 bestehe in der angestammten Tätigkeit als Verkäufer von Telefonkarten, als Reinigungsfachmann oder als Restaurant-Mitarbeiter eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit. Angesichts der schweren psychiatrischen Symptomatik, welche insbe
sondere eine ausgeprägte soziale Angst, deutlich erhöhte Anspannung und innere Unruhe sowie reduzierte Konzentration, verminderten Antrieb, Schlafstörungen mit intrusivem Wiedererleben schwerer traumatischer Ereignisse in Form von Albträumen und Flashbacks sowie starken Stimmung
s
schwankungen beinhalte, sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer gegenwärtig auch in einer leidensangepassten Tätigkeit nicht arbeitsfähig sei (S. 1).
Mit der Diagnosestellung durch Prof.
J._
sei man teilweise einverstanden, da man von einer schweren depressiven Episode ausgehe. Weiter sei ein Auftreten einer posttraumatischen Belastungsstörung später als sechs Monate zwar selten, aber nicht unmöglich. Das Diagnoseklassifikationssystem DSM-IV erachte die PTBS mit verzögertem Beginn als so häufig,
dass dafür sogar eine eigene Sub
diagnose geführt werde ("
delayed
onset
PTSD").
Ein verzögerter Symptombeginn könne also nie als Ausschlusskriterium einer PTBS angeführt werden. Angesichts des Erlebens schwerer Kriegshandlungen im Heimatland, häufigem intrusivem Wiedererleben (Albträume und Flashbacks),
deutlichem Vermeidungsverhalten, kognitive
r
Veränderungen im Sinne von reduzierter Konzentration und Ängsten sowie erhöhter innerer Anspannung seien die Diagnosekriterien erfüllt.
Weiter bestehe auch eine chronische Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren (ICD-10 F45.41). Die Ärzte hielten fest, dass diese kurze Gegendar
stellung naturgemäss nicht die Qualitätskriterien einer Begutachtung erfüllen und sämtliche Aspekte beleuchten könne
. Dennoch rechtfertigten die geäusserten Zweifel die Einholung eines Zweitgutachtens (S. 2).
4.
4.1
Nach Erlass der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 1
7.
Juli 2017 ergingen weitere Arztberichte.
Für die Beurteilung der Gesetzmässigkeit der angefochtenen Verfügung oder des
Einspracheentscheides
ist für das Sozialversicherungsgericht in der Regel der Sachverhalt massgebend, der zur Zeit des Erlasses des angefochtenen Verwal
tungsaktes gegeben war. Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung bilden (BGE 130 V 138 E. 2.1 mit Hinweis). Sie können indessen, unter Wahrung des rechtlichen Gehörs, berücksichtigt werden, wenn sie kurze Zeit nach dem Erlass des angefochtenen Entscheids eingetreten sind, sich ihre Beachtung aus prozessökonomischen Gründen unbedingt aufdrängt und sie hinreichend klar feststehen (BGE 105 V 156 E. 2d; ZAK 1984 S. 349 E. 1b). Dies ist der Fall, wenn sie mit dem Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des
Entscheiderlasses
zu beeinflussen (BGE
99 V 98 E. 4 mit Hinweisen).
4.2
Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens wurden folgende Berichte eingereicht
, die den obgenannten Voraussetzungen entsprechen und damit zu berücksichtigen sind
, soweit sie geeignet erscheinen, die Beurteilung zu beeinflussen
:
Die Ärzte
des Ambulatoriums für
D._
am
N._
stellten mit Bericht vom 2
2.
November 2017 (
Urk.
16/1) folgende Diagnosen (S. 1):
-
posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2)
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
Analog zur Vorberichterstattung finde man überlappende und interdependente Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung, einer depressiven Episode sowie
einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren. Angesichts der schweren und chronifizierten Symptomatik mit progre
dientem Ressourcenverlust und psychosozialer Desintegration, einer beträcht
lichen Vermeidungstendenz sowie zusätzlich fortbestehender Belastung durch den Kontaktverlust gegenüber den Söhnen sei von einer eingeschränkten Prog
nose auszugehen.
4.3
Dr.
med.
O._
, Facharzt für Neurochirurgie, stellte mit Bericht vom 3
1.
Oktober 2017 (
Urk.
19/1) folgende, gekürzt wiedergegebenen Diagnosen (S. 1):
-
chronische Kopfschmerzen, Schwindel bei radiologisch Aneurysma an der gefensterte
n
Arteria
communicans anterior
-
chronisches
lumbo-spondylogenes
Schmerzsyndrom mit
claudicatio
Spinalis intermittens und multiseg
mentale Spinalkanalstenose
sowie Diskushernie
und
Diskusprotrusion
-
Schulterschmerzen links bei radiologisch chronischem Outlet-
Impingement
bei Zeichen rezidivierender Reizung im Bereich der
Rotatorenmanschette
, aktuell Kapsulitis
adhäsiva
, minimale Reizung in der Bursa und Aktivierung im AC-Gelenk bei leichter Arthrose
-
chronische Depression mit Angst und Panikattacken sowie Antriebsvermin
derung mit Vergesslichkeit und Konzentrationsstörungen
Zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers äusserte sich
Dr.
O._
abgesehen von verschiedenen Arbeitsunfähigkeitszeugnissen (vgl.
Urk.
19/2-6) nicht,
dies in der Folge auch in seinen Berichten
vom
9.
Februar 2018 (
Urk.
27/1
) und 1
2.
März 2018 (
Urk.
27/7).
4.4
PD
Dr.
med.
P._
, Facharzt für Neurochirurgie, Universitätsspital
N._
, führte mit Bericht vom
3.
November 2017 (
Urk.
27/6) aus, es ergebe sich aktuell aufgrund der Grösse des Aneurysmas mit scharfer Begrenzung keine zwingende Indikation für eine Behandlung. Es sei eine Nachkontrolle vereinbart.
4.5
Dr.
O._
führte am
7.
März 2018 eine mikrochirurgische
Hemilaminektomie
, eine
Foramintomie
und Dekompression L3/4 und L4/5 links, eine Neurolyse und
H
erunterbrennen der
Diskusprotrusion
L3/4 und L4/5 links sowie eine Dekom
pression der Gegenseite L3/4 und L4/5 sowie Dekompression des NW L4 und L5 links durch (
Urk.
27/8). Der postoperative Verlauf sei komplikationslos gewesen (
Urk.
27/7 S. 2).
4.6
Die
Ärzte des Kantonsspitals
Q._
, Medizinische Poliklinik / Infektiologie, stellten mit Bericht vom 2
2.
März 2018 (
Urk.
22
=
Urk.
27/10
) folgende,
hier
verkürzt aufgeführte Diagnosen (S. 1):
-
erfolgreich behandelte peritoneale Tuberkulose, Erstdiagnose (ED) 1
7.
August 2017
-
H. pylori assoziierte Gastritis Juni 2017
-
Choleozystolithiasis
, ED Mai 2017
-
distale sensible Polyneuropathie der Beine, ED August 2017
-
Depression
-
chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom, ED 2003
-
chronische
Sesamoiditis
Metatarsophalangealgelenk
I beidseitig
-
Polyarthrose
Angaben zur Arbeitsfähigkeit wurden nicht gemacht.
4.7
Mit Verlaufsbericht vom
4.
April 2018 (
Urk.
27/9) hielt
Dr.
O._
bei unverän
derter Diagnose fest, dass der Beschwerdeführer über teilweise auftretende, sich danach wieder lindernde Schmerzen berichte (S. 1 unten). Aufgrund der Gesamt
situation sei er zu 100
%
arbeitsunfähig und sollte eine ganze Rente erhalten
(S. 3 unten
; vgl. auch Bericht vom
4.
Januar 2019;
Urk.
27/18
).
4.8
Die Ärzte des
Ambulatoriums für
D._
am
N._
hielten mit Abschlussbericht vom 1
8.
Mai 2018 (
Urk.
27/11) bei unveränderter Diagnose fest, es seien neben einer ausgeprägten sozialen Angst, rezidivierenden Intrusionen, sozialem Rückzug und vermehrter Schreckhaftigkeit eine ausgeprägte Depressi
vität sowie Verbitterung vorhanden. Im Rahmen der Behandlung hätten sich sowohl eine
traumaspezifische
als auch eine prozessorientierte Psychotherapie aufgrund starker Verhaftung in subjektiver Hilflosigkeit sowie fehlender Bereit
schaft zu kritischer Auseinandersetzung als nicht umsetzbar erwiesen. Insbeson
dere die Verbitterung mit stark externaler
Schuldattribution
habe sich als thera
peutisch schwer anzugehen gezeigt. In Anbetracht der Chronifizierung und Schwere der psychischen Erkrankung sei von einer limitierten Prognose auszugehen (S. 1). Die Gespräche seien auf Wunsch des Patienten mit einem Dolmetscher geführt worden, jedoch habe sich im Verlauf gezeigt, dass er recht gut Deutsch spreche und verstehe. Für den gesamten Behandlungszeitraum habe eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bestanden (S. 2).
4.9
Mit Abschlussbericht vom 1
1.
Dezember 2018 (
Urk.
27/16) über die teilstationäre Behandlung vom 1
1.
Juli bis 1
1.
Oktober 2018 stellten die
Ärzte der i
ntegrierten Psychiatrie
R._
folgende Diagnosen (S. 1):
-
posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
Zum Austrittszeitpunkt habe sich eine leicht verbesserte Stimmung sowie eine leichte Reduktion von Grübeln/Gedankenkreisen und von Selbstzweifeln gezeigt. Die Arbeitsunfähigkeit habe weiterhin 100
%
betragen (S. 3).
4.10
Dr.
med.
S._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und
Dr.
phil.
T._
, Psychotherapeutin, stellten mit Bericht vom
9.
Januar 2019 (
Urk.
27/17) folgende Diagnosen (S. 1):
-
posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
-
rezidivierende depressive Störung, aktuell schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2)
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
Es bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(S. 2).
5.
5.1
Die Ärzte der
C._
stellten in ihrem Gerichtsgutachten vom
5.
Dezember 2019 (
Urk.
48) nach Berücksichtigung der Akten, Erhebung der Anamnese und Durchführung einer internistischen, psychiatrischen, orthopä
dischen und laborchemischen Untersuchung folgende
,
hier
teilweise verkürzt wiedergegebene
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 6
Ziff.
4.2):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit
synthy
men
psychotischen Symptomen (ICD-10 F33.3)
-
aktuelle psychotische Symptomatik mit Akoasmen und diskreter parano
ider Symptomatik
-
Erstdiagnose einer depressiven Symptomatik im Juni 2009
-
seit 2015 durchgängige depressive Symptomatik, schwankend zwischen mittelgradig und schwer
-
psychotraumatologische
Symptomatik
-
bei einer Anamnese mit Bürgerkriegserfahrung in Afghanistan und Flucht im Jahre 2004
-
Symptomebene:
-
Erstbeschreibung einer
psychotraumatologischen
Symptomatik 2009
-
schwankender Verlauf mit anamnestisch durchgängiger Symptomatik und passageren Verschlechterungen 2009 und ab 2014
-
Hypervigilanz
, erhöhte Schreckhaftigkeit
-
lebendige Erinnerungen, wiederholende Träume, affektive Überflutun
gen (
flashbacks
)
-
Vermeidungsverhalten: Am stärksten zu beobachten in der
2.
Thera
piesequenz
im Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer 2017,
Traumaexposition
war in der Behandlung nicht möglich
-
entspricht einer posttraumatischen Belastungsstörung ICD-10 F33.1
-
zerviko
-
thorako
-vertebrales und
lumbo-spondylogenes
Schmerzsyndrom mit Ausstrahlungen ins linke Bein ohne neurologische Ausfälle
-
Status nach Spinalkanalstenose L3/4
> L4/5 >L5/S1 mit
Nervenwurzel
kompression l4
rezessal
beidseits und fraglich L5 sowie S1
rezessal
beidseits
-
Status nach mikrochirurgischer
Hemilaminektomie
,
Foraminotomie
und Dekompression am
7.
März 2018 (
Dr.
O._
)
Die folgenden Diagnosen hätten keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 7):
-
Kokainkonsum 2007/2008, diagnostische Einordnung bei Widersprüchen Akten/Anamnese nicht möglich
-
Schulterschmerzen links bei Bursitis subacromialis
-
peripatelläre
Knieschmerzen links
-
fersenbetonte Fussschmerzen links ohne klare Pathologie
-
Helicobacter pylori-assoziierte Gastritis Juni 2017
-
Cholezystolithiasis ED Mai 2017
-
Vitiligo
-
Adipositas,
BMI 32.7 kg/m
2
-
Status nach subklinischer Hypothyreose, aktuell Normalbefund
-
Vitamin D - Mangel, aktuell schwer
-
Verdacht auf Adipositas-assoziiertes Hypoventilations-Syndrom
-
Velosturz am 1
2.
Dezember 2006 (Schulterkontusion links, HWS-Kontusion links)
-
Sturz am 1
7.
Juli 2012
-
distale sensible Polyneuropathie der Beine, ED August 2017 gemäss Akten
-
Diagnose eines inzidentellen Aneurysmas der A. communicans anterior (keine Interventions-Indikation)
-
Status nach jahrelangem
Kokainabusus
-
erfolgreich behandelte peritoneale Tuberkulose, ED 1
7.
August 2017
5.2
Dem psychiatrischen Teilgutachten (
Urk.
48/2) ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer, auf die in den Akten erwähnte Depression ang
e
sprochen, in Tränen
ausgebrochen sei und eine Hyperventilationsneigung gezeigt habe. Er habe mitgeteilt, schon Angst zu haben, sobald davon gesprochen werde (S. 2 Mitte). Er habe nach eigenen Angaben eine Verschlechterung entwickelt, als er die SIM-Karten verkauft habe. Die Stelle habe er eigentlich in guter Erinnerung, habe aber in den Flüchtlingsheimen vermehrt Kontakt mit Landsleuten gehabt und ihre Geschichten gehört, was ihm vielleicht nicht gutgetan habe. Über seine Zeit in Afghanistan sage er, dass er starke Erinnerungen habe, wie im Film drinnen sei. Er sehe die Toten vor sich und spüre dabei auch die starken Emotio
nen, es sei wie ein starker Schmerz. Bei dieser Schilderung weine er affektiv stark bewegt und werde von seinen Gefühlen überflutet (S. 3).
Der Gutachter führte aus, dass aufgrund der starken Symptombelastung in der aktuellen Untersuchung darauf fokussiert worden sei, Teilaspekte der Anamnese
nachzuexplorieren
. Der Beschwerdeführer teile mit, in etwa zwei bis drei Gefechte verwickelt gewesen zu sein, und werde dabei motorisch unruhig. Als seine Eltern gestorben seien, sei er nicht im Dorf gewesen. Man habe ihm gesagt, dass seine Eltern verwundet worden seien, und er sei sofort zurückgekehrt. Dort habe er realisiert, dass man ihn mit der Mitteilung habe schonen wollen, seine Eltern seien durch Granatbeschuss gestorben. Er sei zusammengebrochen (S. 4 Mitte). Der Leidensdruck wirke hoch und authentisch (S. 8 Mitte).
Der Befund habe ergeben, dass der Beschwerdeführer wach und bewusstseinsklar sowie allseits orientiert sei. Es liessen sich keine relevanten Aufmerksamkeits- und Gedächtnisdefizite beobachten. Der Versicherte wirke überpräsent, gehetzt. Es werde deutlich, dass er in der Untersuchung ermüde. Das Denken sei in der Tendenz langsam. Teilweise wirke er im Sprachfluss angetrieben (S. 9). Er fühle sich immer wieder von hinten beobachtet und bedroht und habe das Gefühl, jemand könnte ihn angreifen. Diese Schilderung sei nicht typisch für eine Wahn
symptomatik, sondern für ein Gefühl der Bedrohung bei einem
Hyperarousal
im Kontext einer
psychotraumatologischen
Symptomatik. Weiter schildere der Beschwerdeführer dissoziative und halluzinatorische Symptome. Die Mimik sei deutlich depressiv und habe sich einzig aufgehellt, als die Dolmetscherin mitge
teilt habe, ihr Vater stamme aus
der selben
Region wie der Versicherte. Die Psychomot
orik sei sehr eingeschränkt, die Mimik depressiv, es bestehe kaum Schwingungsfähigkeit (S. 10). Affektiv bestehe eine starke innere
Berührtheit
nach 5 Minuten bei der Rückmeldung des Kenntnisstandes aus den Akten und eine starke affektive Überflutung, als er auf
psychotraumatologische
Aspekte angesprochen worden sei (S. 11 oben). Laborchemisch sei Mirtazapin nachweis
bar, Quetiapin nicht. Bei einer
abends eingenommenen tiefen Dosierung und der kurzen Halbwertszeit von 6 Stunden sei der Nachweis dieser Medikation nicht notwendigerweise zu erwarten (S. 11 unten).
In der aktuellen Untersuchung zeige der Versicherte eine schwere depressive Symptomatik mit zur Depression passenden psychotischen (
synthymen
) Symptomen. Er sei deutlich depressiv herabgestimmt und affektlabil. Die Schwingungs
fähigkeit sei eingeschränkt, er habe einen Interessen- und Freudenverlust. Der Antrieb sei deutlich reduziert, er sei gesteigert ermüdbar. Das Selbstvertrauen sei tief. Er habe dauernd passive Sterbewünsche und immer wieder aktive Suizidge
danken. Er
klage
über ein vermindertes Denk- und Konzentrationsvermögen, sei psychomotorisch gehemmt und beklage Schlaf
störungen. Die für eine schwere Episode geforderten 8 Symptome seien damit mehr als
erfüllt. Der Versicherte habe zudem diskrete psychotische Symptome im Sinne von Akoasmen, Geräusch
halluzinationen und eine paranoide Symptomatik entwickelt, die eine geringe Wahndynamik zeige (S. 14 Mitte).
Zur
psychotraumatologischen
Symptomatik hielt
Dr.
Z._
fest, diese postuliere einen Zusammenhang von Traumatisierung und Entwicklung von psychischen Symptomen. In diesem Kontext sei die posttraumatische Belastungsstörung nur eine von vielen möglichen Reaktionsmustern nach Traumatisierungen; eine der häufigsten Störungen sei die Depression. Somit ergäben sich klinische Über
schneidungen. In der ersten Hospitalisation von Mai bis Juni 2009 habe der Versicherte Traumatisierungen durch Gräueltaten der Taliban angedeutet (S. 14 unten). Anschliessend habe er im Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer einen starken Leidensdruck gezeigt, über Albträume und vegetative Übererregbarkeit berichtet. Es wurde die Diagnose einer PTBS gestellt. Der Beschwerdeführer habe aus klinischer Sicht nachvollziehbar von einem schwankenden Verlauf berichtet. 2009 seien die Symptome stärker geworden, er habe sich aber wieder stabilisieren können. 2015 sei die Problematik wieder stärker geworden, was der Beschwerde
führer auf die Kontakte mit geflüchteten Landsleuten und die zunehmende Belastung durch die Ereignisse in Afghanistan und den unklaren Verbleib seiner Söhne zurückführe.
2015 habe
Dr.
I._
von posttraumatischen Ereignissen geschrieben, es habe jedoch die Depression im Vordergrund gestanden. Im Gutachten von Prof.
J._
würden detailliert
psychotraumatologische
Symp
tome festgehalten und beschrieben, dass die Konzentration beeinträchtigt und ein erhöhter Arousal vorhanden gewesen sei. Auch 2017 und 2018 sei eine PTBS diagnostiziert worden. Der Beschwerdeführer habe seit 2017 in verschiedenen Behandlungssettings versucht, sich der Auseinandersetzung mit den trauma
tischen Vorereignissen zu stellen. Klinisch sei es nicht aussergewöhnlich, dass dies zu einer relevanten Verschlechterung
der Symptomatik und zu einem ausgeprägten Vermeidungsverhalten, sprich zu einem nicht bewusstseinsnahen Vermeiden der therapeutischen Auseinandersetzung führen könne (S. 15).
Anamnestisch sei der Beschwerdeführer Geschehen von aussergewöhnlicher Bedrohung ausgesetzt gewesen. Die Traumainhalte seien in den Akten gut doku
mentiert. Der Beschwerdeführer habe eine starke vegetative Begleitung mit Schwitzen, innerer Unruhe und psychomotorischer Agitiertheit gezeigt. Er habe seit 2015 einen kontinuierlichen sozialen Rückzug entwickelt (S. 16 Mitte). Es bestünden schwere bis mittelschwere Funktionseinschränkungen gemäss Mini-ICF-APP (S. 17 f.).
Zum Gutachten von Prof.
J._
führte
Dr.
B._
aus, dessen Aussage, wonach der Beschwerdeführer Falschangaben zur Einnahme von Mirtazapin getätigt habe, könne nicht nachvollzogen werden
. D
ieses Medikament sei nach
gewiesen worden, wobei der Referenzbereich nichts über die Compliance
aussage
. Es sei nicht dokumentiert, wann zuletzt und in welchem Intervall der Versicherte das Medikament genau eingenommen habe. Dass Quetiapin nicht nachweisbar gewesen sei, sage wiederum nichts über die Compliance aus. Prof.
J._
habe dokumentiert, dass es abends eingenommen werde, die genaue Zeit werde nicht
genannt
. Bei der nicht retardierten Form, wie sie der Beschwerdeführer verwendet habe, bestehe eine Eliminationshalbwertzeit von 7 Stunden, womit nicht auszu
schliessen sei, dass der Nichtnachweis nur schon durch die tiefe Dosierung und die schnelle Halbwertszeit erklärt werden könnte (S. 18 unten f.). Weiter halte Prof.
J._
fest, dass psychosoziale Faktoren in der Entstehung und Aufrecht
erhaltung des Störungsbildes eine dominierende Rolle spielten. Daneben stelle er die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode mit somatischem Syndrom und halte fest, dass zwar gewisse Inkonsistenzen, aber keine Hinweise für eine Aggravation bestünden. Somit hätte Prof.
J._
die Arbeitsfähigkeit auch mit Berücksichtigung
der gestellten und dokumentierten Diag
nosen diskutieren müssen
(S. 19). Weiter stimme
Dr.
B._
mit Prof.
J._
überein, was den Schweregrad der Depression angehe, die geschilderte Symptomatik sei weniger schwer ausgeprägt gewesen als in der aktuellen Untersuchung. Die Herleitung der Diagnosen durch Prof.
J._
sei jedoch aus näher dargelegten Gründen nicht mit den Kriterien nach ICD-10 kompatibel (S. 20).
Zur Ve
rlaufsbeurteilung hielt
Dr.
B._
fest, es habe sich seit 2015 aus der mittelschweren depressiven Symptomatik bereits im Dezember 2016 eine schwere depressive Symptomatik entwickelt, die im Bericht der
E._
dokumentiert sei.
Diese persistiere seither. Die
psychotraumatologische
Symptomatik werde seit dem Gu
tachten
unverändert geschildert. Auch der dysfunktionale Umgang mit Schmerz werde unverändert geschildert und in den Akten beschrieben
(S. 22
Mitte
).
5.3
Aus orthopädischer Sicht (
Urk.
48/3) wurden erhebliche Diskrepanzen zwischen den subjektiv
g
eklagten Beschwerden und den objektivierbaren Befunden gesehen (S. 13 oben). So teile der Beschwerdeführer mit, keine 10 Meter ohne Schmerzen gehen zu können, habe aber die 100 m vom Warte- ins Sprechzimmer problemlos gehen können. Bei der Untersuchung sei
er völlig unkooperativ gewesen, hebe die linke Schulter nur 50° an, sie sei passiv jedoch praktisch frei beweglich. Beim Händedruck drücke er links viel schwächer als rechts, obwohl dies mit der Schulter gar nichts zu tun habe (S. 11 unten). Am Rücken sei die sehr kräftige Muskulatur überall weich, werde aber überall gleichmässig als schmerz
haft und druckdolent angegeben. Eine Differenzierung dieser Schmerzen sei nicht möglich (S. 12).
Die angestammte Tätigkeit als Telefonkartenverkäufer sei optimal angepasst, es bestehe aber wegen der Schmerzen ein erhöhter Pausenbedarf. Damit bestehe für diese Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
, was seit September 2018, somit
6 Monate nach der Operation vom
7.
März 2018, gelte (S. 13
Ziff.
8.1). Für andere Tätigkeiten sei ein Belastungsprofil zu beachten, wobei ebenfalls eine Arbeits
fähigkeit von 80
%
bestehe. Da der Beschwerdeführer seit 1
9.
Mai 2015 und 1
7.
Juli 2017 nicht in einem anderen Zustand als heute gewesen sei, könne die Arbeitsfähigkeit gleich eingestuft werden (S. 13
Ziff.
8.2).
5.4
In der Konsensbeurteilung (
Urk.
48 S. 5 unten ff.) hielten die Gutachter fest, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei die psychiatrische Einschätzung führend; eine schwere psychiatrische Erkrankung sei ausgewiesen. Aus orthopädischer Sicht zeigten sich wesentliche Diskrepanzen zwischen der Beschwerdeintensität und den tatsächlich objektivierbaren Befunden
so
wie zwischen der gezeigten Einschränkung und den frei beobachtbaren Bewegungsmöglichkeiten. Aus den orthopädischen Befunden resultiere eine gewisse qualitative Einschränkung und könne bestenfalls eine 20%ige Leistungsminderung aufgrund der Schmerzen begründet werden. Neurologisch könne weiterhin keine Läsion festgestellt werden, und die internistischen Befunde hätten keine spezifische Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit.
Die Grundpersönlichkeit lasse sich aufgrund der eigenen Untersuchung wegen der hohen Symptombelastung nicht beurteilen (S. 8 unten). Die
psychotraumato
logische
Symptomatik, zu der sowohl die depressive Störung wie auch die
psychotraumatologische
Symptomatik gehöre, sei seit 2016 trotz Behandlung
weitgehend chronifiziert.
Es hätten mehrere adäquate, auch Guideline-gestützte Behandlungsversuche stattgefunden. Der Versicherte habe nie
traumakonfronta
tiv
behandelt werden können, weil seit 2016 dauernd Kontraindikationen für eine konfrontative Traumatherapie bestünden (S. 9 oben).
Es bestehe derzeit eine volle Arbeitsunfähigkeit für jede Tätigkeit aus psychiat
rischen Gründen. Eine Arbeit im ersten Arbeitsmarkt oder im geschützten Arbeitsumfeld sei aufgrund der psychiatrischen Diagnosen nicht möglich. Medizinische Massnahmen zur Tagesstrukturierung seien theoretisch möglich. Rein
somatisch wäre die zuletzt ausgeübte Tätigkeit im Verkauf von Telefon
karten oder vergleichbaren Arbeiten optimal angepasst. Wegen der Schmerzen im Rücken könne generell ein leicht erhöhter Pausenbedarf (Arbeitsfähigkeit 80
%
) begründet werden. Die somatisch mögliche Arbeitsfähigkeit sei jedoch aus psychiatrischen Gründen nicht umsetzbar
(S. 9 Mitte)
.
Seit mindestens der Hospitalisation vom 2
2.
Dezember 2016 bestehe aufgrund der schweren depressiven Symptomatik keine Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt. Zwischen Mai 2015 und 2
2.
Dezember 2016 sei der Verlauf aufgrund der Akten nur eingeschränkt zu beurteilen. Die von Prof.
J._
diagnostizierte mittelschwere depressive Symptomatik in Kombination mit der
psychotraumatologischen
Symptomatik spreche für eine mindestens 50%ige Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit. Allerdings könnten die damals geschilderten subjektiven Angaben auch eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit begründen. Es bleibe somit rückblickend ein Ermessensspielraum offen, der mit Mitteln der medizi
nischen Begutachtung nicht konkretisiert werden könne. Orthopädisch sei eine Arbeitsunfähigkeit für 6 Monate spätestens ab Operation am
7.
März 2018 begründbar, davor und danach bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
in ange
passtem Profil (S. 9
unten
). Dieses bestehe wie folgt: Keine Lasten von mehr als 10 kg heben, keine Überkopfarbeiten mit dem linken Arm, Gehstrecke maximal 500 m, Arbeiten in ungünstigen Stellungen nur in Ausnahmefällen, keine Expo
sition in zu grosser Kälte, Gehen auf unebenem Boden nur ausnahmsweise (S. 10 oben).
Aus psychiatrischer Sicht sei der Leidensdruck nachvollziehbar. Die somatisch festgestellten Diskrepanzen seien im Rahmen der psychiatrischen Beurteilung einzuordnen. Inkonsistenzen ergäben sich im Hinblick auf die Schilderungen des früheren Kokainkonsums, was jedoch für die Gesamtbewertung von untergeord
neter Bedeutung erscheine (S. 12).
6.
6.1
Bei Gerichtsgutachten weicht das Gericht nach der Pra
xis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Fachleute ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schlussfolgerungen gelangt. Abweichende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachleute dem Gericht als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung durch eine weitere Fachperson im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne eine solche vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 351 E. 3b/
aa
).
6.2
Es ist vorliegend kein Grund ersichtlich, der ein Abweichen von der Beurteilung durch
die Gutachter der
C._
rechtfertigen
würde. Das Gutachten vermag den praxisgemässen Anforderungen (vgl. vorstehend E. 1.3) vollumfänglich zu genügen. Es ist somit darauf abzustellen. Der Beweiswert des Gerichtsgutachtens wird denn auch von den Parteien nicht in Frage gestellt.
6.3
Die Gutachter kamen unter sorgfältiger Herleitung der Diagnose zum Schluss, dass der Beschwerdeführer in somatischer Hinsicht an einem
zerviko
-
thorako
-vertebralen und
lumbo-spondylogenen
Schmerzsyndrom mit Ausstrahlungen ins linke Bein ohne neurologische Ausfälle leidet, was sich bei seiner Arbeitsfähigkeit insoweit auswirke, als
dass er
- mit vorübergehender vollständiger Arbeitsun
fähigkeit aufgrund der Operation vom
7.
März 2018 - in
der angestammten und in
angepassten Tätigkeiten
seit Mai 2015
zu 80
%
arbeitsfähig ist (vgl. vorstehend E. 5.3). Dies ist nachvollziehbar und schlüssig
und entspricht im Wesentlichen der Einschätzung durch
Dr.
L._
(vgl. vorstehend E. 3.9), die wie Prof.
A._
erhebliche
somatische
Diskrepanzen festgestellt hatte
, jedoch von voller Arbeits
fähigkeit ausging.
Massgeblichen Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit des Beschwer
deführers hat
die psychiatrische Erkrankung
.
In psychiatrischer Hinsicht bestätigte
Dr.
B._
die durch die behandelnden Ärzte und Fachpersonen der
E._
, des
N._
sowie
Dr.
I._
gestellten Diagnosen einer PTBS und einer rezidivierenden depressiven Störung mittel- bis schwergra
diger Ausprägung.
Er diagnostizierte eine seit 2015 durchgängige depressive Symptomatik, welche zwischen mittelgradig und schwer schwanke. Gegenwärtig bestehe eine schwere Episode mit
synthymen
psychotischen Symptomen. Die PTBS zeige einen schwankenden Verlauf mit passagerer Verschlechterung 2009 und 2014 (vgl. Diagnoseliste, vorstehend E. 5.1).
Dr.
B._
leg
t
e nach
vollziehbar dar, dass die PTBS im Kontext von Traumatisierung und Ent
wicklung von psychischen Symptomen nur eines von vielen möglichen Reaktionsmustern und eine der häufigsten Störungen die Depression sei. Damit ergäben sich klinische Überschneidungen (vgl. vorstehend E. 5.2). Diese Über
schneidungen spiegeln sich in den Berichten der behandelnden Therapeuten durchgängig wieder (vgl. vorstehend E. 3.1, 3.6-3.7, 3.12-3.15, E. 4.2 sowie 4.8-9).
Der Beschwerdeführer habe aus klinischer Sicht nachvollziehbar von einem schwankenden Verlauf berichtet, wobei die Problematik ab 2015 wieder stärker geworden sei. 2015 habe
Dr.
I._
von posttraumatischen Ereignissen geschrie
ben, es habe jedoch die Depression im Vordergrund gestanden. Prof.
J._
habe detailliert
psychotraumatologische
Symptome, eine beeinträchtigte Konzentration und einen erhöhten Arousal beschrieben. Auch 2017 und 2018 sei eine PTBS diagnostiziert worden. Es sei nicht aussergewöhnlich, dass die vom Beschwerdeführer versuchte Auseinandersetzung mit den traumatischen Ereig
nissen zu einer relevanten Verschlechterung und einem ausgeprägten Vermeidungsverhalten und zu einem nicht bewusstseinsnahen Vermeiden der therapeutischen Auseinandersetzung führen könne. Eine mangelnde
Therapie
compliance
kann dem Beschwerdeführer somit nicht vorgeworfen werden. Dies gilt auch hinsichtlich der von Prof.
J._
monierten
Medika
mentencompliance
:
Dr.
B._
legte nachvollziehbar dar, weshalb im vorliegenden Fall aus einem tiefen Medikamentenspiegel keine genügenden Rückschlüsse gezogen werden
können
. Weiter bestätigte
Dr.
B._
bezüglich der Diagnose einer PTBS, dass der Beschwerdeführer Geschehen von ausserge
wöhnlicher Bedrohung ausgesetzt gewesen sei; die Traumainhalte seien in den Akten gut dokumentiert. An der Diagnose einer PTBS ist somit nicht zu zweifeln.
6.4
Die gutachterliche Beurteilung umfasste das ganze Leistungsprofil mit sowohl negativen als auch positiven Anteilen (vorstehend E. 1.4-5) und ist so verfasst, dass die attestierte Arbeitsunfähigkeit «gleichsam aus dem Saldo aller wesent
lichen Belastungen und Ressourcen» (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1) abgeleitet wurde. Der psychiatrische Gutachter ist bei der Beantwortung der Frage, wie er das Leistungsvermögen einschätzte, den einschlägigen Indikatoren gefolgt, er hat ausschliesslich funktionelle Ausfälle berücksichtigt, welche Folge der gesundheit
lichen Beeinträchtigung sind, und seine versicherungsmedizinische Zumutbar
keitsbeurteilung ist auf objektivierter Grundlage erfolgt. Die von der Rechtsan
wendung zu prüfende Frage, ob er sich an die
massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten und das Leistungsvermögen in Berücksichtigung der einschlägigen Indikatoren eingeschätzt hat (BGE 141 V 281 E. 5.2.2), ist klar zu bejahen. Die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage lassen sich anhand der Standardindikato
ren schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachweisen, weshalb auf das Gutachten abzustellen ist.
6.5
Die Berichte der behandelnden Ärzte stehen grundsätzlich in Übereinstimmung mit der Einschätzung durch die Gerichtsgutachter.
Weshalb auf
das Teilgutachten von Prof.
J._
nicht abgestellt werden
kann, wurde von
Dr.
B._
hinreichend dargelegt (vgl. vorstehend E. 5.2); darauf wird verwiesen.
Prof.
J._
vermochte nicht überzeugend darzulegen, weshalb die von ihm diag
nostizierte mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom bei chronischer Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren keinerlei Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers habe, zudem wäre eine genauere Abgrenzung der psychosozialen Faktoren erforderlich gewesen
, zumal Prof.
J._
festhielt, diese hätten das Störungsbild ausgelöst und würden es unterhalten
. Prof.
J._
verwies zudem auf «zahlreiche Inkonsistenzen», tatsächlich nannte er jedoch nur zwei, nämlich den fehlenden Nachweis der Medikation - was von
Dr.
B._
relativiert wurde - und dass der Beschwerde
führer bis 2015 gearbeitet habe
(vgl. S. 34 des Gutachtens)
.
Insgesamt genügte dieses Gutachten den praxisgemässen Anforderungen nicht.
6.6
Zum Verlauf der Arbeitsunfähigkeit hielten die Gutachter fest,
es bestehe mindestens ab 2
2.
Dezember 2016, dem Zeitpunkt der Hospitalisation in der
E._
(vgl. vorstehend E. 3.12), aufgrund der persistierenden schweren depressiven Symptomatik keine Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt mehr. Zwischen Mai 2015 und 2
2.
Dezember 2016 sei der Verlauf aufgrund der Akten nur einge
schränkt zu beurteilen. Die von Prof.
J._
diagnostizierte mittelschwere depressive Symptomatik in Kombination mit der
psychotraumatologischen
Symptomatik spreche für eine mindestens 50%ige Einschränkung der Arbeits
fähigkeit, wobei die damals geschilderten subjektiven Angaben auch eine vollständige Arbeitsunfähigkeit begründen könnten. Damit bleibe ein Ermessens
spielraum, der mit Mitteln der medizinischen Begutachtung nicht konkretisiert werden könne (vgl. vorstehend E. 5.3).
Das Wartejahr begann im Mai 2015 und lief im Mai 2016 ab
(vgl.
Urk.
12/28/23)
. Zu diesem Zeitpunkt attestierte
Dr.
I._
dem Beschwerdeführer eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
(vgl. vorstehend E. 3.7
)
. Die Begutachtung durch Prof.
J._
fand am 2
8.
August 2016 statt (vgl.
Urk.
12/38 S. 1). Gestützt auf die Beurteilung durch
Dr.
B._
,
wonach ab Mai 2015 eine mindestens 50%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden habe,
ist von einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
ab Mai 2016 auszugehen. Für eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
, wie sie
Dr.
I._
annahm,
bestehen
jedoch
keine genügenden Anhaltspunkte, zumal sowohl
Dr.
I._
als auch Prof.
J._
in diesem Zeitraum
lediglich
eine rezidivierende depressive Episode mittel- und nicht schwergradiger Ausprägung diagnostizierten.
Somit bestand ab Mai 2016 eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
und ab Dezember 2016 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
in jeder Tätigkeit.
7.
7.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2
, 128 V 29 E. 1
).
7.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt s
ein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1,
134 V 322 E. 4.1).
7.3
Bei der Invaliditätsbemessung kommt der allgemeinen Methode des Einkom
mensvergleichs gemäss
Art.
28a
Abs.
1 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG grundsätzlich Vorrang zu. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffern
mässig nicht genau
ermittelt werden können, sind sie indes nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annähe
rungswerte miteinander zu vergleichen. Wird eine Schätzung vorgenommen, so muss diese nicht unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annähe
rungswerten bestehen. Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen genügen. Das ohne eine Invalidität erzielbare hypothetische Erwerbseinkommen ist alsdann mit 100 % zu bewerten, während das Invaliden
einkommen auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt (sog. Prozentver
gleich; Urteil des Bundesgerichts 8C_131/2011 vom 5. Juli 2011 E. 10.2.1 mit Hinweis auf BGE 114 V 310 E. 3a).
Der Invaliditätsgrad ist namentlich dann durch Prozentvergleich zu ermitteln, wenn Validen- und Invalideneinkommen sich nicht hinreichend genau oder nur mit unverhältnismässig grossem Aufwand bestimmen lassen und in letzterem Fall zudem angenommen werden kann, die Gegenüberstellung der nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände geschätzten, mit Prozentzahlen bewerteten hypothetischen Einkommen ergebe ein ausreichend zuverlässiges Resultat. Diese Berechnungsweise ist insbesondere anwendbar, wenn die konkreten Verhältnisse so liegen, dass die Differenz zwischen Validen- und Invalideneinkommen die für den Umfang des Rentenanspruchs massgebenden Grenzwerte von 70, 60, 50 und 40 % (Art. 28 Abs. 2 IVG) eindeutig über- oder unterschreitet (Urteil des Bundes
gerichts
9C_492/2018 vom 24. Januar 2019 E. 4.3.2 mit Hinweis auf Urteil
8C_333/2013 vom 11. Dezember 2013 E. 5.3 mit Hinweisen).
Sind indessen Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom gleichen Tabellenlohn zu berechnen, erübrigt sich deren genaue Ermittlung. Diesfalls ent
spricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichti
gung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn. Dies stellt keinen «Prozentver
gleich» dar, sondern eine rein rechnerische Vereinfachung (Urteil des Bundesge
richts 8C_148/2017 vom 19. Juni 2017 E. 4 unter Hinweis auf Urteil 9C_675/2016 vom 18. April 2017 E. 3.2.1).
7.4
Bei einer Arbeitsunfähigkeit von 50
%
in der angestammten und jeder anderen Tätigkeit ergibt sich ab Mai 2016 ein Invaliditätsgrad von 50
%
. Ab
Dezember 2016 bestand eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
in jeder Tätigkeit und damit ein Invaliditätsgrad von 100
%
.
Gemäss Art. 88a Abs. 2
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
ist eine Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit oder der Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, oder eine Zunahme der Hilflosigkeit oder Erhöhung des invaliditätsbedingten
Betreuungsaufwandes
oder Hilfebedarfs zu berücksichtigen, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate ange
dauert hat. Art. 29
bis
IVV ist sinngemäss anwendbar.
Die Erhöhung eines Rentenanspruchs setzt demnach eine relevante Verschlech
terung der Erwerbsfähigkeit von drei (vollen) Monaten (vgl. BGE 130 V 343
E. 3.5.3 mit Hinweis auf ZAK 1986 S. 345), aber kein neues Wartejahr nach
Art.
28 Abs. 1
lit
. b IVG voraus (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_985/2009 vom 2. März 2010 E. 4.4.2 mit Hinweisen). Dies gilt nicht nur bei der revisionsweisen Neufest
setzung einer laufenden Rente, sondern auch dann, wenn gleichzeitig rückwir
kend beispielsweise eine halbe und eine diese ablösende ganze Rente zuge
sprochen wird (BGE 121 V 264 E. 6a und E. 6b/
dd
mit Hinweisen; Urteile des Bundesgerichts 9C_718/2008 vom 2. Dezember 2008 E. 4.1.1 und I 792/06 vom 26. September 2007 E. 8.2).
7.5
Somit hat der Beschwerdeführer ab Mai 2016 Anspruch auf eine halbe und ab März 2017 auf eine ganze Rente.
Der angefochtene Entscheid ist nicht rechtens. Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde.
8.
8.1
Die Gerichtskosten nach Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind auf Fr. 1‘0
00.-- anzusetzen und
ausgangsgemäss
der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
8.2
Die Kosten eines Gerichtsgutachtens können dem Versicherungsträger auferlegt werden, wenn die Abklärungsergebnisse aus dem Verwaltungsverfahren in rechtserheblichen Punkten nicht ausreichend beweiswertig sind, und zur Durch
führung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick auf die Wahrung der Verfahrensfairness entfällt (vgl. BGE 139 V 225 E. 4.2 mit Verweis auf BGE 137 V 210).
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der
angefochtenen Verfügung auf das
Gutachten von Prof.
J._
, obwohl diese
s
nicht zu überzeugen
vermag (vgl. vorstehend E. 6.5).
Dementsprechend sind der Beschwerdegegnerin die Kosten für das Gerichtsgutachten in Höhe von
Fr.
14'753.60
aufzuerlegen.
8.3
Nach
§
34
Abs.
1
des
Gesetz
es
über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat die
vertretene
obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen
(
§
34
Abs.
3
GSVGer
)
und sind vorliegend beim praxisgemässen Stun
denansatz von
Fr.
185.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer)
ermessensweise
auf
Fr.
3'600.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen und von der Beschwerde
gegnerin zu bezahlen.