# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 908d2bbc-20b3-48d3-96e7-24c5337915ba
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_003
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

3. Nach medizinischer Abklärung der Sachverhaltes teilte die IV-Stelle
A._ mit Schreiben vom 5. März 2012 sowie 23. April 2012 mit, dass
ihr Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche für die Zeit vom
28. März 2012 bis zum 30. Juni 2012 gewährt werde.
4. Daraufhin unternahm A._ vom 1. Mai 2012 bis zum 31. Juli 2012
einen Arbeitsversuch im Betrieb "B._" in O.1._. In der Zeit vom
1. Dezember 2012 bis zum 28. Februar 2013 erfolgte sodann ein
Arbeitstraining im Einsatzprogramm "C._" in O.1._, welches bis
zum 31. Mai 2013 verlängert wurde. Einen weiteren Arbeitsversuch
absolvierte A._ vom 1. Juli 2013 bis zum 30. September 2013 in der
D._ SA in O.2._. Daraus resultierte ein unbefristetes
Arbeitsverhältnis mit Arbeitsbeginn am 2. Dezember 2013, wobei für die
Zeit vom 2. Dezember 2013 bis zum 1. März 2014
Einarbeitungszuschüsse zugesprochen wurden. Während der Dauer
dieser Massnahmen erhielt A._ Taggelder der Invalidenversicherung.
5. Die IV-Stelle teilte A._ daraufhin mit Schreiben vom 4. März 2014
mit, dass aufgrund der Tatsache, dass sie per 1. Dezember 2013 eine
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Stelle gefunden habe, welche ihrer gesundheitlichen Situation
entspreche, die Arbeitsvermittlung abgeschlossen sei.
6. Der zuständige Arzt des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD),
Dr. med. E._, gab in der Abschlussbeurteilung vom 17. April 2014
an, dass bei A._ seit dem 1. Februar 2013 eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit bestehe. Der Arbeitgeber von A._ habe am
28. Februar 2014 zwar über eine Unzufriedenheit berichtet. Da aber keine
Krankschreibung erfolgt sei, könne diese Unzufriedenheit keine
gesundheitlichen Gründe haben.
7. Mit Vorbescheid vom 24. April 2014 teilte die IV-Stelle A._ mit, dass
sie ab dem 1. Oktober 2012 bis zum 30. November 2012 aufgrund eines
IV-Grades von 50 % Anspruch auf eine halbe IV-Rente habe. Zur
Begründung führte die IV-Stelle aus, dass A._ nach Ablauf des
Wartejahres am 4. Oktober 2012 die angestammte Tätigkeit als
Verkäuferin im Rahmen von 50 % wieder zuzumuten sei. Per Ende 2012
habe sich der Gesundheitszustand nochmals verbessert. Aus
medizinischer Sicht könne ihr die bisherige Tätigkeit als Verkäuferin ab
dem 1. Februar 2013 wieder zu 100 % zugemutet werden, weshalb der
Invaliditätsgrad ab diesem Zeitpunkt 0 % betrage. Während der Dauer der
Eingliederungsmassnahmen habe A._ IV-Taggelder bezogen, so
dass ein allfälliger Rentenanspruch in dieser Zeit entfalle.
8. Am 15. Mai 2014 erhob A._ gegen diesen Vorbescheid Einwand,
wobei sie die diesbezügliche Begründung mit Schreiben vom 23. Juni
2014 nachreichte. Sie machte geltend, dass das Arbeitsverhältnis bei der
D._ SA zeitgleich mit der Einstellung der Einarbeitungszuschüsse
aufgelöst worden sei. Die Wiedereingliederung sei folglich nicht erreicht
worden und die medizinische Prognose bezüglich Arbeitsfähigkeit habe
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sich nicht bewahrheitet. Derzeit sei ihr gemäss Arztattest lediglich eine
Beschäftigung im geschützten Rahmen zumutbar. Ab März 2014 sei ihr
deshalb eine ganze IV-Rente zuzusprechen.
9. Mit Verfügung vom 22. August 2014 hielt die IV-Stelle vollumfänglich an
ihrem Vorbescheid und der diesbezüglichen Begründung fest. Zum
Einwand von A._ führte sie aus, dass A._ in wohlwollendem
Arbeitsumfeld zu 100 % arbeitsfähig sei, wie sie dies während den
Eingliederungsmassnahmen selbst bewiesen habe.
10. Gegen diese Verfügung liess A._ (nachfolgend Beschwerdeführerin)
am 16. September 2014 Beschwerde an das Verwaltungsgericht erheben.
Sie beantragte, dass die Verfügung vom 22. August 2014 aufzuheben
und ihr ab 1. Oktober 2012 eine unbefristete ganze IV-Rente
zuzusprechen sei. Zudem sei ihr die unentgeltliche Prozessführung zu
gewähren. Zur Begründung führte sie aus, dass es nicht zutreffe, dass sie
als Verkäuferin zu 100 % arbeitsfähig sei. Es läge zudem eine
unterdurchschnittliche Intelligenz vor, welche bei der Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit berücksichtigt werden müsse. Alle Arbeitseinsätze ab
Anfang des Jahres 2011 hätten wegen zunehmender Ängste nach
kürzester Zeit wieder aufgelöst werden müssen. Auch die Weiterbildung
zur Detailhandelsfachfrau habe sie wegen ungenügender Leistungen und
der Angst nach O.3._ zu fahren, aufgeben müssen. Die gute
Prognose, welche die behandelnden Ärzte der Psychiatrischen Dienste
Graubünden ihr im Januar 2012 hinsichtlich der Wiedererlangung der
Arbeitsfähigkeit als Verkäuferin gestellt hätten, habe sich nicht erfüllt. Bei
der Anstellung in der C._ habe es sich zudem, entgegen der Ansicht
der IV-Stelle, um ein Arbeitstraining gehandelt, welches mit einer
Anstellung im ersten Arbeitsmarkt nicht vergleichbar sei. Weiter gab die
Beschwerdeführerin an, dass es aufgrund der durchgeführten
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Eingliederungsmassnahmen erwiesen sei, dass sie auf dem ersten
Arbeitsmarkt nicht arbeitsfähig sei. Dies werde auch durch den Bericht
der behandelnden Ärztin bestätigt. Das Arbeitsverhältnis mit der D._
SA sei gleichzeitig mit dem Auslaufen der Einarbeitungszuschüsse per
Ende Februar 2014 gekündigt worden. Es sei deshalb nicht
nachvollziehbar, weshalb die beruflichen Massnahmen dennoch Anfang
März 2014 abgeschlossen und ihr gleichzeitig eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit attestiert worden seien.
11. Mit Vernehmlassung vom 29. September 2014 beantragte die IV-Stelle
(nachfolgend Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde und
verwies vorweg auf ihre Begründung in der angefochtenen Verfügung
vom 22. August 2014. Bezüglich der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
stütze sie sich auf die Einschätzung des RAD ab, wonach die
Beschwerdeführerin trotz einer Panikstörung und einer leichten
depressiven Episode in der angestammten Tätigkeit als
Detailhandelsassistentin in einem wohlwollenden Arbeitsumfeld 50 % (1.
Oktober 2012 bis 30. November 2012) respektive 100 % (ab 1. Februar
2013) ohne Leistungsminderung arbeitsfähig sei. Es liege zwar
unbestritten eine unterdurchschnittliche Intelligenz vor, diese sei
allerdings nicht als Gesundheitsschaden mit pathologischem Wert
einzustufen. Weiter führte die Beschwerdegegnerin aus, dass
Eingliederungsmassnahmen insbesondere bei psychischen Beschwerden
grundsätzlich nicht geeignet seien, die IV-rechtliche Arbeitsfähigkeit
festzustellen. Das Einsatzprogramm in der C._ befinde sich des
Weiteren ziemlich nah am ersten Arbeitsmarkt, so dass die
Schlussfolgerung des RAD durchaus gerechtfertigt sei. Abschliessend
führte sie aus, dass es für die Beschwerdeführerin genügend
behinderungsgeeignete Einsatzmöglichkeiten gebe.
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12. In der am 23. Oktober 2014 eingereichten Replik hielt die
Beschwerdeführerin vollumfänglich an ihren Ausführungen in der
Beschwerde vom 16. September 2014 fest. Ergänzend führte sie aus,
dass sie nicht bloss an einer Panikstörung und einer leichten depressiven
Episode leide. Vielmehr lägen auch eine phobische Störung und eine
Minderintelligenz sowie ein Verdacht auf eine Persönlichkeitsstörung vor,
welche bei der Beurteilung des invalidisierenden Gesundheitsschadens
nicht ausser Acht gelassen werden dürften. Sie sei zur Zeit weder im
ersten Arbeitsmarkt noch in einer anderweitigen
behinderungsangepassten Tätigkeit zu 50 % bzw. 100 % arbeitsfähig.
Sollte wider Erwarten trotzdem von einer Arbeitsfähigkeit auf dem ersten
Arbeitsmarkt ausgegangen werden, so sei ein Leidensabzug von 25 % zu
gewähren.
13. Die Beschwerdegegnerin verzichtete mit Schreiben vom 29. Oktober
2014 auf eine Duplik und verwies vollumfänglich auf ihre Vernehmlassung
vom 29. September 2014 und die angefochtene Verfügung vom
22. August 2014.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften und in
der angefochtenen Verfügung sowie auf die im Recht liegenden
Beweismittel wird, soweit rechtserheblich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Beschwerdeverfahrens ist die
Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 22. August 2014
(beschwerdeführerische Akten [Bf-act.] 2). Das Verwaltungsgericht des
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Kantons Graubünden ist aufgrund von Art. 69 Abs. 1 lit. a des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) i.V.m.
Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG;
BR 370.100) zur Beurteilung der erhobenen Beschwerde sachlich und
örtlich zuständig. Als Verfügungsadressatin ist die Beschwerdeführerin
beschwert und damit zur Beschwerde legitimiert. Auf die fristgerecht
eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten.
2. Die Beschwerdegegnerin sprach der Beschwerdeführerin mit der
vorliegend angefochtenen Verfügung vom 22. August 2014 gestützt auf
einen Invaliditätsgrad von 50 % eine befristete halbe IV-Rente für die Zeit
vom 1. Oktober 2012 bis zum 30. November 2012 zu. Ab dem 1. Februar
2013 sei ihr die bisherige Tätigkeit als Verkäuferin wieder zu 100 %
zumutbar, woraus sich ab diesem Zeitpunkt ein Invaliditätsgrad von 0 %
ergebe und folglich kein Rentenanspruch mehr bestehe. Während der
Dauer der Eingliederungsmassnahmen habe die Beschwerdeführerin ein
IV-Taggeld bezogen, weshalb während dieser Zeit ein allfälliger
Rentenanspruch entfalle. Die Beschwerdeführerin macht demgegenüber
geltend, dass sie zur Zeit auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht arbeitsfähig
und ihr deshalb ab dem 1. Oktober 2012 eine unbefristete ganze IV-Rente
zuzusprechen sei. Strittig und nachfolgend zu prüfen ist daher, ob und in
welchem Umfang die Beschwerdeführerin ab dem 1. Oktober 2012
Anspruch auf eine IV-Rente hat, wobei insbesondere die Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin im ersten Arbeitsmarkt umstritten ist.
3. a) Eine IV-Rente kann nur gewährt werden, wenn eine Invalidität vorliegt.
Als Invalidität gilt gemäss Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m.
Art. 4 Abs. 1 IVG die durch einen körperlichen oder geistigen
Gesundheitsschaden verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere
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Zeit dauernde, ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit als Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall. Der Rentenanspruch entsteht
grundsätzlich, wenn eine versicherte Person ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern kann, während mindestens eines Jahres ohne wesentlichen
Unterbruch durchschnittlich zu mindestens 40 % im bisherigen Beruf oder
Aufgabenbereich eingeschränkt gewesen ist und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid im Sinne von Art. 8 ATSG ist (Art. 28
Abs. 1 IVG). Sind diese Voraussetzungen erfüllt, so steht der versicherten
Person bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % eine
Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % eine halbe
Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % eine
Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 %
eine ganze Rente zu (Art. 28 Abs. 2 IVG).
b) Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16
ATSG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird
zunächst das Erwerbseinkommen bestimmt, welches die versicherte
Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen
durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage
erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen). Dieses wird sodann in
Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der
Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die
beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst
genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus
der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt
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(allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E.3.4.2
m.w.H).
4. Die Beschwerdegegnerin hat das Valideneinkommen der
Beschwerdeführerin für das Jahr 2014 auf Fr. 50’815.-- festgelegt (Bf-
act. 2). Dies wird von der Beschwerdeführerin nicht bestritten.
5. Für die Bemessung des Invalideneinkommens ist entscheidend, in
welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten einem Versicherten
noch eine Erwerbstätigkeit zugemutet werden kann. Zur Beantwortung
dieser Fragen sind die Sozialversicherungsträger und
Sozialversicherungsgerichte auf Unterlagen angewiesen, die von Ärzten
und anderen Fachleuten zur Verfügung zu stellen sind. Auftrag der Ärzte
bzw. Fachleute ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher
Tätigkeiten der Versicherte arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind ärztliche
Auskünfte eine wichtige Grundlage zur Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen dem Versicherten noch zugemutet werden können
(BGE 132 V 93 E.4, 125 V 256 E.4).
6. a) Vorliegend stützt sich die Beschwerdegegnerin für die Beurteilung der
verbliebenen Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auf die
Einschätzung des RAD-Arztes Dr. med. E._, welcher der Meinung
ist, dass die Beschwerdeführerin trotz gesundheitlichen Beschwerden -
Panikstörung und leichte depressive Episode - in einem wohlwollenden
Arbeitsumfeld 50 % (1. Oktober 2012 bis 30. November 2012) respektive
100 % (ab 1. Februar 2013) arbeitsfähig sei. Es liege zwar unbestritten
eine unterdurchschnittliche Intelligenz vor, diese sei aber nicht als
Gesundheitsschaden mit pathologischem Wert einzustufen. Eine solche
wäre erst dann als pathologisch einzustufen, wenn ein IQ von 69 oder
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tiefer vorläge. Zudem würden die Psychiatrischen Dienste Graubünden
bei ihrer Einschätzung der Auswirkungen der psychischen Beschwerden
auf die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin sehr vage bleiben und
zur Frage der Arbeitsfähigkeit nicht klar Stellung nehmen. Die
durchgeführten Eingliederungsmassnahmen seien des Weiteren
grundsätzlich nicht geeignet, die IV-rechtliche Arbeitsfähigkeit
festzustellen. Es sei einzig entscheidend, was der Beschwerdeführerin
aufgrund des ärztlichen Befundes zugemutet werden dürfe und nicht,
welche Arbeitsleistung sie effektiv erbringe.
b) Demgegenüber macht die Beschwerdeführerin geltend, dass sie weiterhin
100 % arbeitsunfähig sei. Es läge zudem eine unterdurchschnittliche
Intelligenz vor, wobei insbesondere die Fähigkeit zur parallelen
Verarbeitung von Situationen mit hoher Informationsdichte
unterdurchschnittlich sei, also im Bereich geteilte Aufmerksamkeit.
Gemäss ärztlicher Beurteilung sei davon auszugehen, dass sie auch im
Alltag rasch an ihre Kapazitätsgrenzen gelange und somit einen
erheblichen Teil der Umgebungsinformationen verpasse und nicht
adäquat verarbeiten könne. Entsprechend sei auch ihre schulische
Laufbahn verlaufen. Sie habe Mühe gehabt dem Schulstoff zu folgen und
habe ab der fünften Klasse eine separate Kleinklasse besucht. Nach dem
Lehrabschluss als Detailhandelsassistentin habe sie Mühe gehabt, in der
Arbeitswelt Fuss zu fassen. Alle Arbeitseinsätze ab Anfang des
Jahres 2011 hätten wegen zunehmender Ängste nach kürzester Zeit
wieder aufgelöst werden müssen. Auch die Weiterbildung zur
Detailhandelsfachfrau habe sie wegen ungenügender Leistungen und der
Angst, nach O.3._ zu fahren, aufgeben müssen. Die gute Prognose,
welche die Ärzte der Psychiatrischen Dienste Graubünden ihr hinsichtlich
der Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit als Verkäuferin gestellt hätten,
habe sich leider nicht erfüllt. Dies zeige sich deutlich an den Ergebnissen
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der durchgeführten Eingliederungsmassnahmen. Den ersten
Arbeitsversuch in der Sandwichbar B._ habe sie wegen den
andauernden Ängsten, Unsicherheiten und Zweifeln nur aufgrund der
zusätzlichen Unterstützung durch den Jobcoach bewältigen können. Der
behandelnde Psychologe habe bereits zum damaligen Zeitpunkt
begründete Zweifel gehegt, dass sie an der Front und im direkten
Kundenkontakt tätig sein könne. Das Einsatzprogramm C._ sei für
sie gut verlaufen, da sie unter geschützten Rahmenbedingungen habe
arbeiten können. Bei der Anstellung in der C._ habe es sich aber,
entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin, um ein Arbeitstraining
gehandelt, welches mit einer Anstellung im ersten Arbeitsmarkt nicht
vergleichbar sei. Dies werde auch durch den zuständigen Programmleiter
bestätigt. Dieser habe festgehalten, dass er sie nicht für 100 %
arbeitsfähig auf dem ersten Arbeitsmarkt halte. Aus dem erfolgten
Arbeitsversuch bei der D._ könne auch nicht auf eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit geschlossen werden. Obwohl ein Arbeitsvertrag mit
Einarbeitungszuschüssen abgeschlossen worden sei, habe der
Arbeitgeber am 28. Februar 2014 der Beschwerdegegnerin mitgeteilt,
dass die Beschwerdeführerin keine Fortschritte mache. Jeder ihrer
Schritte müsse kontrolliert werden und Gezeigtes werde nicht so
durchgeführt wie verlangt. Daher habe der Arbeitgeber das
Arbeitsverhältnis auch mit dem Auslaufen der Einarbeitungszuschüsse
aufgelöst. Es könne daher nicht nachvollzogen werden, weshalb die
Beschwerdegegnerin dennoch Anfang März 2014 die beruflichen
Massnahmen abgeschlossen und ihr gleichzeitig eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit als Verkäuferin attestiert habe. Die durchgeführten
Eingliederungsmassnahmen würden zeigen, dass sie zur Zeit auf dem
ersten Arbeitsmarkt nicht arbeitsfähig sei. Dies werde auch durch den
Bericht der behandelnden Ärztin der Psychiatrischen Dienste Graubünden
vom 4. Juni 2014 bestätigt. Der RAD-Arzt habe in seine Beurteilung
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zudem die vorliegende Angst- und Panikstörung in Kombination mit der
Minderintelligenz nicht einfliessen lassen, so dass seine Beurteilung
weder vollständig noch medizinisch nachvollziehbar sei. Die
Intelligenzminderung dürfe bei der Beurteilung der Frage nach dem
invalidisierenden Gesundheitsschaden nicht ausser Acht gelassen
werden.
7. a) Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes bzw. der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin sind zunächst die relevanten Arztberichte und
Gutachten wiederzugeben:
 Am 10. November 2011 erfolgte eine testpsychologische
Untersuchung der Beschwerdeführerin durch einen Psychologen von
den Psychiatrischen Diensten Graubünden. Im diesbezüglichen
Bericht wurde festgehalten, dass sich gute bis sehr gute Testresultate
in der Reaktionsbereitschaft und der Aufmerksamkeitsaktivierung
(allgemeine Wachheit) zeigen würden. Genügend seien ebenfalls die
Fehlerkontrolle und die Fähigkeit zur Unterdrückung von Störreizen
sowie die Umstellfähigkeit/Flexibilität. Klar unterdurchschnittlich sei die
Fähigkeit der Beschwerdeführerin zur parallelen Verarbeitung von
Situationen mit hoher Informationsdichte, also im Bereich geteilte
Aufmerksamkeit. Es sei davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin hier auch im Alltag rasch an Kapazitätsgrenzen
komme und somit einen erheblichen Teil der Umgebungsinformation
verpasse und deshalb nicht verarbeiten könne. Etwa mittelgradig
unterhalb der Normen sei die Arbeitsgenauigkeit bei monotonen,
selbstgesteuerten Testaufgaben. Zusammenfassend ergebe sich bei
der Beschwerdeführerin ein Gesamt-IQ von 72 Punkten. Hierbei
handle es sich um einen niedrigen bis sehr niedrigen Testwert,
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welcher deutlich unterhalb des Normbereichs liege
(beschwerdegegnerische Akten [Bg-act.] 29 S. 3 f.).
 Mit Arztbericht vom 24. Januar 2012 gaben Dr. med. F._
(Oberärztin) sowie lic. phil. G._ (Psychologin) von den
Psychiatrischen Dienste Graubünden an, dass die
Beschwerdeführerin an einer Panikstörung, bestehend seit März 2011,
sowie an einer leichten depressiven Episode, bestehend seit
Oktober 2011, leide. Die Patientin leide seit der Schulzeit unter
Ängsten. Die missglückten Stellenantritte, die nicht bewältigte
Zusatzausbildung als Detailhandelsfachfrau, der Tod des Grossvaters
sowie der Suizid eines Kollegen hätten im Herbst 2011 zu einer
Verstärkung der Angstsymptomatik mit einer Ausweitung des
Vermeidungsverhaltens sowie zur Entwicklung einer depressiven
Episode geführt. Deshalb sei die Beschwerdeführerin ab dem
4. Oktober 2011 in teilstationärer Behandlung in einer Tagesklinik. Es
könne allerdings von einer günstigen Prognose und einer
weitgehenden Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit ausgegangen
werden. Anzustreben sei ein schrittweiser und begleiteter
Wiedereinstieg in die Erwerbsarbeit mit einem Startpensum von
maximal 50 % in den ersten drei Monaten. Bei gutem Verlauf sei eine
Steigerung der Arbeitsfähigkeit im nächsten halben Jahr auf 80 bis
100 % möglich (Bg-act. 15 S. 1 ff.).
 Dr. med. E._ hielt in der RAD-Abschlussbeurteilung vom 17. April
2014 (Bg-act. 89 S. 9) fest, dass die Beschwerdeführerin nach
mehreren gescheiterten Anstellungen sehr verunsichert sei und an
Angstattacken leide. Sie sei aktuell in intensiver psychiatrisch-
psychotherapeutischer Behandlung und es sei mit einer guten
Prognose gerechnet worden. Im Rahmen der Arbeitsvermittlung sei
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die Arbeitsleistung der Beschwerdeführerin schrittweise auf 100 %
gesteigert worden. Gemäss dem Bericht des Einsatzprogrammes
C._ bestehe seit dem 1. Februar 2013 eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit. Der jetzige Arbeitgeber habe am 28. Februar 2014
zwar über eine Unzufriedenheit berichtet. Da aber keine
Krankschreibung bestehe, habe diese Unzufriedenheit keine
gesundheitlichen Gründe.
 Mit Arztbericht vom 4. Juni 2014 gaben Dr. med. H._ (Oberärztin)
und I._ (Assistenzärztin) von den Psychiatrischen Diensten
Graubünden an, dass sich gezeigt habe, dass die Beschwerdeführerin
unter suboptimalen Arbeitsbedingungen nicht in der Lage sei,
einfachste Tätigkeiten zur Zufriedenheit des Arbeitgebers
auszuführen, obwohl sie sich diesbezüglich sehr motiviert gezeigt
habe, die Arbeit zu behalten. Andererseits sei es vorher von einer
anderen (geschützten) Stelle, an der die Beschwerdeführerin ständig
Anweisungen bekommen habe und für ihre Arbeit gelobt worden sei,
zu einer zufriedenstellenden Zusammenarbeit gekommen. Derzeit
werde von ihrer Seite realistischerweise aber lediglich die Möglichkeit
einer Beschäftigung im geschützten Rahmen gesehen, wo durch die
Unterstützung der Beschwerdeführerin eventuell ein grösseres
Selbstvertrauen hergestellt werden könne, so dass eine Beschäftigung
kontinuierlich ausgeführt werden könne (Bg-act. 85 S. 9).
 Mit Schreiben vom 11. September 2014 (Bf-act. 3) bestätigten
Dr. med. H._ (Oberärztin) sowie I._ (Assistenzärztin) von
den Psychiatrischen Diensten Graubünden, dass es sehr schwierig
sein dürfte, eine Aussage zu machen, zu welchem Teil die
Beschwerdeführerin unter einer primären oder sekundären
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Intelligenzminderung leide. Auch wenn es Ziel der Behandlung sei, die
Ängste besser in den Griff zu bekommen, scheine es aktuell
kontraproduktiv, die Beschwerdeführerin zu zwingen, in ihrem
erlernten Beruf tätig zu sein. Andererseits sei aus therapeutischer
Sicht ein baldiger Arbeitsbeginn am zweiten Arbeitsmarkt sinnvoll. Der
Beschwerdeführerin sei es lediglich in einer geschützten Einrichtung
ohne Kundenkontakt (C._) möglich gewesen, gut im
Arbeitsprozess zu funktionieren. Es sei eine optimierte und
angepasste Situation am ersten Arbeitsmarkt mit genügend Rücksicht
und Unterstützung der Beschwerdeführerin nötig, damit ein
Funktionieren überhaupt vorstellbar wäre, oder aber eine geschützte
Arbeitsstätte, wo auf ihre psychischen Probleme Rücksicht genommen
werden könne. Zusammenfassend sei es eine Tatsache, dass eine
leichte Intelligenzminderung per se nicht zwingend die Arbeitsfähigkeit
beeinträchtigen müsse. Es müsse dabei aber berücksichtigt werden,
dass eine Kombination von leichter Intelligenzminderung, Angst- und
Panikstörung sowie Persönlichkeitsakzentuierung sicher zu einer
Beeinträchtigung der Alltagskompetenz, der Leistungsfähigkeit und
Arbeitsfähigkeit führen können und somit in Hinblick auf eine
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin die Zusammenwirkung aller
Diagnosen und die psychiatrische Komorbidität in ihrer Ganzheit
gesehen werden müsse.
b) Arztberichte unterliegen wie sämtliche Beweismittel in
sozialversicherungsrechtlichen Verfahren der freien Beweiswürdigung
(Art. 61 lit. c ATSG). Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist
somit entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend
ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden
ist, in der Darstellung der medizinischen Zusammenhänge und in der
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Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet, und ob die
Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E.5.1,
125 V 351 E.3a). Nach der Rechtsprechung kann bei der
Beweiswürdigung allerdings auf gewisse Richtlinien abgestellt werden. So
ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten
von externen Spezialärzten, welche aufgrund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten
Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen
Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht
konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE
137 V 210 E.1.3.4; 125 V 351 E.3b/bb). In Bezug auf Berichte von
behandelnden Ärzten darf und soll der Richter der Erfahrungstatsache
Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre
auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten
ihrer Patienten aussagen. Der Bericht eines behandelnden Arztes hat
somit nicht den gleichen Rang wie ein von der IV-Stelle nach dem
vorgegebenen Verfahrensrecht eingeholtes Gutachten. Er verpflichtet
indessen - wie jede substanziiert vorgetragene Einwendung gegen ein
solches Gutachten - den Richter zu prüfen, ob der Bericht des
behandelnden Arztes die Auffassungen und Schlussfolgerungen des
förmlich bestellten Gutachters derart zu erschüttern vermag, dass davon
abzuweichen ist (BGE 125 V 351 E.3c). Auch den Berichten und
Gutachten versicherungsinterner Ärzte kommt Beweiswert zu, sofern sie
als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich
widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit
bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in einem
Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon
auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf
vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die
Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen.
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Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im
Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des
Gutachters allerdings ein strenger Massstab anzulegen (BGE 125 V 351
E.3b/ee). Gemäss Art. 59 Abs. 2bis IVG stehen die RAD den IV-Stellen zur
Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs
zur Verfügung. Die RAD-Ärzte sind in ihrem medizinischen Sachentscheid
im Einzelfall unabhängig. RAD-Berichte haben deshalb einen
vergleichbaren Beweiswert wie ein anderes Gutachten, sofern sie den
materiellen und formellen Anforderungen genügen (Urteil des
Bundesgerichts 9C_323/2009 vom 14. Juli 2009 E.4.3.2). Auch wenn die
Rechtsprechung den Berichten versicherungsinterner medizinischer
Fachpersonen stets Beweiswert zuerkannt hat, kommt ihnen
praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder
einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger in
Auftrag gegebenen Gutachten zu. So hat die Rechtsprechung bezüglich
Gerichtsgutachten ausgeführt, das Gericht weiche nicht ohne zwingende
Gründe von den Einschätzungen des medizinischen Experten ab. Auch
der EGMR hat diesbezüglich erwogen, der Meinung eines von einem
Gericht ernannten Experten komme bei der Beweiswürdigung
vermutungsweise hohes Gewicht zu. Hinsichtlich von
Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholter, den
Anforderungen der Rechtsprechung entsprechender, Gutachten externer
Spezialärzte wurde festgehalten, das Gericht dürfe diesen Gutachten
vollen Beweiswert zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Soll ein Versicherungsfall jedoch
ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind
an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen
auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende
Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465, E.4.4 m.w.H.).
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8. a) Bei den oben genannten Arztberichten ist in Bezug auf die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin ein Widerspruch zwischen den
Arztberichten der Psychiatrischen Diensten Graubünden und der RAD-
Abschlussbeurteilung durch Dr. med. E._ erkennbar. Während der
RAD-Arzt Dr. med. E._ ab dem 1. Februar 2013 eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin als Verkäuferin annimmt (Bg-
act. 89 S. 9), erwarteten die Ärztinnen der Psychiatrischen Dienste
Graubünden anlässlich ihres ersten Berichts vom 24. Januar 2012 zwar,
dass bei gutem Verlauf eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit im nächsten
halben Jahr auf 80 bis 100 % möglich sei (Bg-act. 15 S. 3), relativierten
diese günstige Prognose indessen mit den nachfolgenden Berichten vom
4. Juni 2014 (Bg-act. 85 S. 9) sowie 11. September 2014 (Bf-act. 3). In
den besagten Berichten erfolgte zwar keine prozentmässige Festlegung
der Arbeitsfähigkeit. Es geht aber deutlich hervor, dass die
Arbeitsfähigkeit bzw. Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin im ersten
Arbeitsmarkt weiterhin eingeschränkt ist. So gaben die Ärztinnen an, dass
derzeit lediglich eine Beschäftigung im geschützten Rahmen gesehen
werde und es kontraproduktiv sei, die Beschwerdeführerin zu zwingen, in
ihrem erlernten Beruf tätig zu sein. Andererseits sei aus therapeutischer
Sicht ein baldiger Arbeitsbeginn am zweiten Arbeitsmarkt sinnvoll (Bf-
act. 3, Bg-act. 85 S. 9). Hieraus geht klar hervor, dass eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin im ersten Arbeitsmarkt derzeit
verneint wird. Diese Einschätzung erscheint schlüssig und
nachvollziehbar. Die am 17. April 2014 erfolgte RAD-
Abschlussbeurteilung erging hingegen vor den besagten Arztberichten
der Psychiatrischen Dienste Graubünden vom 4. Juni 2014 bzw.
11. September 2014, so dass sich dessen Beurteilung nur auf die
gestellte günstige Prognose der Psychiatrischen Dienste Graubünden
vom 24. Januar 2012 sowie auf die erfolgten Eingliederungsmassnahmen
- 19 -
stützen konnte. Wie die Psychiatrischen Dienste Graubünden allerdings
selbst angeben, hat sich die günstige Prognose bis zum heutigen
Zeitpunkt nicht verwirklicht. Dies lässt erste Zweifel an der RAD-
Beurteilung aufkommen.
Der Vollständigkeit halber gilt es zu erwähnen, dass in
sozialversicherungsrechtlichen Streitigkeiten für die Beurteilung der
Gesetzmässigkeit einer Verwaltungsverfügung grundsätzlich der sich bis
zum Erlass der Verfügung verwirklichte Sachverhalt massgebend ist.
Tatsachen, die diesen Sachverhalt seither verändert haben, sollen
grundsätzlich Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung sein (BGE
121 V 362 E.1b m.w.H.). Der Bericht der Psychiatrischen Dienste
Graubünden vom 11. September 2014 erging zwar nach dem Erlass der
Verfügung am 22. August 2014, da er allerdings zu keiner Veränderung
führt, sondern lediglich eine Präzisierung, insbesondere des Berichtes
vom 4. Juni 2014, darstellt, ist er vorliegend bei der Beurteilung dennoch
zu berücksichtigen.
b) Umstritten ist weiter, ob die Intelligenzminderung der Beschwerdeführerin
bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit berücksichtigt werden muss oder
nicht. Diesbezüglich führten die behandelnden Ärztinnen der
Psychiatrischen Dienste Graubünden in ihrem Schreiben vom
11. September 2014 aus, dass eine leichte Intelligenzminderung nicht per
se zwingend die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen müsse. Eine solche
könne aber in Kombination mit Angst- und Panikstörung sowie
Persönlichkeitsakzentuierung sich zu einer Beeinträchtigung der
Alltagskompetenz, der Leistungsfähigkeit und Arbeitsfähigkeit führen, so
dass im Hinblick auf eine Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin die
Zusammenwirkung aller Diagnosen und die psychiatrische Komorbidität in
ihrer Ganzheit gesehen werden müsse (Bf-act. 3). Dies erscheint
- 20 -
schlüssig und nachvollziehbar. Bei der Einschätzung durch den RAD-Arzt
Dr. med. E._ blieb die besagte Intelligenzminderung indessen
vollkommen unberücksichtigt.
c) Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin kann
neben den vorhandenen Arztberichten auch die Tätigkeit im
Einsatzprogramm C._ in O.1._ mitberücksichtigt werden,
insbesondere da sich selbst der RAD-Arzt Dr. med. E._ in seiner
Abschlussbeurteilung vom 17. April 2014 darauf bezog (Bg-act. 89 S. 9).
Eine Berücksichtigung der besagten Tätigkeit rechtfertigt sich deshalb,
weil es sich dabei zwar um ein Arbeitstraining handelt, welches sich
gemäss dem Programmleiter aber ziemlich nahe am ersten Arbeitsmarkt
befindet (Bf-act. 3). Dies wird von der Beschwerdegegnerin nicht
bestritten. In seinem Schlussbericht vom 31. Mai 2013 beurteilte der
Programmleiter die Leistung und das Verhalten der Beschwerdeführerin
durchwegs positiv (Bg-act. 54). In der Aktennotiz vom 8. September 2014
relativierte er diese Sichtweise allerdings deutlich, indem er ausführte,
dass sich das Arbeitstraining zwar ziemlich nahe am ersten Arbeitsmarkt
befinde, die Programmteilnehmer aber nicht der vollen Belastung wie auf
dem ersten Arbeitsmarkt unterstehen würden. Zudem sei die
Beschwerdeführerin dem erhöhten Leistungsstress in einer A la Carte-
Küche nicht gewachsen, er würde aber einen Einsatz in einer
Produktionsküche durchaus sehen. Es sei allerdings eine sehr gute
Einführung und ein rücksichtsvoller Chef nötig, welcher der
Beschwerdeführerin Vertrauen schenke. Er schätze jedoch, dass die
Beschwerdeführerin dem Druck, welcher von einer 100% Stelle auf dem
ersten Arbeitsmarkt ausgehe, auf Dauer nicht standhalten könne (Bf-
act. 4). Diese divergierende Einschätzung kann damit erklärt werden,
dass der Schlussbericht vom 31. Mai 2013 an das Amt für Industrie,
Gewerbe und Arbeit Graubünden (KIGA) positiver und wohlwollender
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formuliert wurde und die Leistung der Beschwerdeführerin im Programm
zwar gut war, aber die Teilnehmer eben nicht der vollen Belastung wie im
ersten Arbeitsmarkt unterstanden. Obwohl das Pensum der
Beschwerdeführerin in der C._ ab Februar 2013 auf 100 % erhöht
wurde (vgl. Bg-act. 69 S. 9), kann angesichts dieser Beurteilung des
Programmleiters nicht die Rede davon sein, dass die Beschwerdeführerin
durch die erfolgreiche Teilnahme bewiesen habe, dass sie 100 %
arbeitsfähig in der angestammten Tätigkeit sei. Eine Beurteilung in Bezug
auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin im ersten Arbeitsmarkt
gab der Programmleiter anlässlich der Aktennotiz vom 8. September 2014
ab, wo er ausführte, dass die Beschwerdeführerin seiner Ansicht nach
einem 100%-Pensum auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht standhalten
könne (Bf-act. 4). Diese Beurteilung steht denn auch im Einklang mit den
übrigen gescheiterten Arbeitsversuchen bzw. Festanstellungen, welche
immer wieder beendet wurden. So wurde insbesondere auch das
Arbeitsverhältnis bei der D._ SA in O.2._ gekündigt, obwohl die
Beschwerdeführerin als Hilfsbäckerin angestellt und so dem Druck von
Zeit und Kundenkontakt nicht ausgesetzt war wie bei anderen
Anstellungen. Dennoch war der Arbeitgeber der Ansicht, dass die
Beschwerdeführerin keine Entwicklung mache, jeder Schritt kontrolliert
werden müsse und Gezeigtes nicht so ausgeführt werde wie gewünscht
(Bg-act. 69 S. 12). Die Begründung des RAD-Arztes Dr. med. E._,
dass die Unzufriedenheit des Arbeitgebers keine gesundheitlichen
Gründe haben könne, da keine Krankschreibung bestehe (Bg-act. 89
S. 9), ist nicht überzeugend. Ein Arbeitnehmer ist nicht verpflichtet bei
gesundheitlichen Problemen ein Arztzeugnis einzureichen, falls er sich
dennoch zur Arbeitsstelle bemüht. Dies schliesst allerdings nicht aus,
dass keine gesundheitliche Diagnose für die Unzufriedenheit des
Arbeitgebers ausschlaggebend war. Die erfolgten arbeitsmarktlichen
Massnahmen und das gescheiterte Arbeitsverhältnis zeigen deutlich auf,
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dass die Beschwerdeführerin zur Zeit nicht ohne Weiteres in den ersten
Arbeitsmarkt entlassen werden kann und dort von ihr eine volle
Leistungsfähigkeit zu erwarten wäre.
d) Vor diesem Hintergrund erscheint die Einschätzung des RAD-Arzes
Dr. med. E._ als zweifelhaft, so dass vorliegend nicht darauf
abgestellt werden kann. Insbesondere konnte die prognostizierte
Erhöhung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit auf ein
100%-Pensum nicht umgesetzt werden. Weder das Arbeitstraining im
Einsatzprogramm C._ noch die Tätigkeit bei der D._ SA sind zu
vergleichen mit einer 100%igen Arbeitstätigkeit als Verkäuferin bzw. in
einer adaptierten Tätigkeit. Sowohl die Arztberichte der behandelnden
Ärztinnen der Psychiatrischen Dienste Graubünden als auch die
Erfahrungen der erfolgten Arbeitsversuche widersprechen der
Einschätzung des RAD, wonach die Beschwerdeführerin sowohl als
Verkäuferin, wie auch in adaptierter Tätigkeit zu 100% arbeitsfähig sein
soll.
e) Es ist somit festzustellen, dass die Beschwerdeführerin derzeit nicht in
den ersten Arbeitsmarkt entlassen und dort eine volle Leistungsfähigkeit
von ihr erwartet werden könnte. Die Frage, ob die Beschwerdeführerin im
ersten Arbeitsmarkt überhaupt nicht oder nicht mindestens teilweise
leistungsfähig ist, ist nicht ausreichend geklärt. Die Angelegenheit ist
folglich zum jetzigen Zeitpunkt nicht spruchreif und an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Diese hat abzuklären, ob allenfalls weitere
Eingliederungsmassnahmen möglich und sinnvoll wären. Falls dies
verneint wird, ist nach erfolgter fachärztlicher Abklärung der
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin eine erneute Beurteilung in
Bezug auf den Rentenanspruch vorzunehmen.
- 23 -
9. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde gutzuheissen und
zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz
zurückzuweisen ist.
10. a) Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei
Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen
vor dem kantonalen Verwaltungsgericht kostenpflichtig. Diese Kosten
werden nach Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im
Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Vorliegend setzt das
Gericht die von der unterliegenden Beschwerdegegnerin zu tragenden
Kosten auf Fr. 700.-- fest.
b) Nach Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Partei Anspruch auf Ersatz
der Parteikosten. Darunter fallen insbesondere die Kosten für die
anwaltliche Vertretung (KIESER, ATSG-Kommentar, 2. Aufl., Zürich 2009,
Art. 61 Rz. 113 ff.). Da die Beschwerdegegnerin unterlegen ist, hat sie die
Beschwerdeführerin zu entschädigen. Vorliegend ist die
Beschwerdeführerin durch eine Rechtsanwältin vertreten, welche
innerhalb der Hilfsorganisation Integration Handicap tätig ist. Für die
Entschädigung kann auf die eingereichte Honorarnote (10 Stunden
Zeitaufwand zuzüglich Fr. 18.50 Barauslagen) abgestellt werden, wobei
der aktuelle Stundenansatz für Hilfsorganisationen oder
Rechtsschutzversicherungen nach der Praxis des Verwaltungsgerichts
Fr. 160.-- beträgt (PVG 2010 Nr. 31). Auch das Bundesgericht hat
festgehalten, dass von Bundesrechts wegen keine generelle
entschädigungsrechtliche Gleichstellung zwischen einer gemeinnützigen
Organisation und freiberuflich tätigen Anwälten verlangt sei. So habe die
gemeinnützige Organisation keine Gewinnabsicht und sie müsse die
Selbstkosten möglichst gering halten. Ferne müssten die Anwälte solcher
Organisationen nicht das volle unternehmerische Risiko tragen. Der
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bundesrechtliche Entschädigungsrahmen bei einer gemeinnützigen
Organisation sei zwischen Fr. 130.-- und Fr. 180.-- pro Stunde
anzusetzen. In diesem Rahmen sei die Festsetzung des Honorars Sache
des Kantons (Urteil des Bundesgerichts 9C_415/2009 vom 12. August
2009 E.5.4 und 9C_688/2009 vom 19. November 2009 E.5). Demzufolge
hat die unterlegene Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin
aussergerichtlich mit Fr. 1'618.50 (inkl. MWST) zu entschädigen.
c) Bei diesem Verfahrensausgang wird das Gesuch der obsiegenden
Beschwerdeführerin um unentgeltliche Rechtspflege hinfällig.