# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 166107c5-9b06-4b0f-8d1e-9a4d9b14eeb9
**Court:** ZH_VG
**Chamber:** ZH_VG_001
**Year:** 2010
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
I.
A.
Dr.med. A (im Folgenden: A) ist Facharzt FMH für Gynäkologie und Geburtshilfe mit Praxis in C. Im Verlauf der letzten Jahre stellte er mehreren Mitgliedern des Vereins „DIGNITAS – Menschenwürdig leben – Menschenwürdig sterben“ (im Folgenden: Dignitas) ein Rezept für den Bezug einer tödlichen Dosis Natrium-Pentobarbital (NaP) zum Zweck der Suizidbeihilfe aus.
B.
Am 26. August 2008 leitete die Gesundheitsdirektion aufgrund von Hinweisen der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich ein Aufsichtsverfahren gegen A ein. Grund für die Verfahrenseinleitung war der Verdacht, A habe die ärztliche Sorgfaltspflicht verletzt im Zusammenhang mit der Rezeptierung von Natrium-Pentobarbital für zwei Personen, die zum Zweck der Suizidbeihilfe aus dem Ausland angereist waren und von Dignitas am 23. Mai bzw. 13. Juni 2008 in den Freitod begleitet wurden. A nahm zu den erhobenen Vorwürfen schriftlich Stellung und wurde am 20. Januar 2009 vom Kantonsarzt angehört.
C.
Am 28. Oktober 2008 stellten Dignitas, A und ein weiterer Arzt gegenüber der Gesundheitsdirektion sinngemäss den Antrag, es sei festzustellen, dass Ärzte grundsätzlich (unter näher umschriebenen Voraussetzungen) dazu berechtigt seien, nach nur einmaliger Konsultation einer suizidwilligen Person ein Rezept für eine letale Dosis Natrium-Pentobarbital auszustellen, und dass die Gründe für den Todeswunsch im Rahmen dieser Konsultation nicht mehr überprüft werden müssten; eventualiter sei festzustellen, dass A seine Sorgfaltspflicht nicht verletzt habe im Zusammenhang mit den Suizidbeihilfen, die zur Einleitung des Aufsichtsverfahrens vom 26. August 2008 geführt hätten. Mit Verfügung vom 9. Februar 2009 trat die Gesundheitsdirektion auf die gestellten Feststellungsbegehren nicht ein. Gegen diesen Nichteintretensentscheid erhob Dignitas am 12. März 2009 Rekurs beim Regierungsrat; das Verfahren ist zurzeit noch hängig.
D.
Am 4. März 2009 leitete die Gesundheitsdirektion – wiederum aufgrund von Hinweisen der Oberstaatsanwaltschaft – erneut ein A betreffendes Aufsichtsverfahren ein. Diesmal lautete der Vorwurf dahingehend, er habe am 27. März 2008 möglicherweise die ärztliche Sorgfaltspflicht verletzt im Zusammenhang mit der Rezeptierung von Natrium-Pentobarbital für einen psychisch kranken Mann, der zum Zweck der Suizidbeihilfe aus Spanien angereist war und am 28. März 2008 unter Begleitung von Dignitas den Freitod gefunden hatte. A nahm zu den erhobenen Vorwürfen am 9. April 2009 Stellung und stellte ferner die Anträge, es sei festzustellen, (1.) dass es Ärzten grundsätzlich (unter näher beschriebenen Voraussetzungen) erlaubt sei, psychisch kranken Suizidwilligen NaP-Rezepte auszustellen, (2.) dass die in einem Exit-Gutachten genannten Anforderungen an psychiatrische Gutachten betreffend psychisch kranke Suizidwillige unverhältnismässig hoch seien und (3.) dass er (A) seine ärztliche Sorgfaltspflicht im Zusammenhang mit der NaP-Rezeptierung vom 27. März 2008 für einen psychisch kranken Suizidwilligen nicht verletzt habe.
E.
Mit Verfügung vom 26. August 2009 erliess die Gesundheitsdirektion gegenüber A ein unbefristetes Verbot der Rezeptur von Natrium-Pentobarbital im Rahmen der Suizidbeihilfe.
II.
Gegen diese Anordnung erhob A am 30. September 2009 Beschwerde beim Verwaltungsgericht und beantragte, die Angelegenheit sei zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und seien die vor der Vorinstanz gestellten Feststellungsbegehren gutzuheissen. Ferner sei die Behandlung der vorliegenden Beschwerde einstweilen – bis zur Erledigung des vor dem Regierungsrat hängigen Rekursverfahrens – zu sistieren; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (inkl. Mehrwertsteuer) zulasten der Gesundheitsdirektion.
Mit Beschwerdeantwort vom 1. Dezember 2009 beantragte die Gesundheitsdirektion die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Beschwerdeführers.
Am 3. Dezember 2009 wies der verfahrensleitende Abteilungspräsident des Verwaltungsgerichts das Sistierungsbegehren des Beschwerdeführers ab.
Die Kammer

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Das Verwaltungsgericht ist zur Behandlung der Beschwerde sachlich und funktionell zuständig (§ 41 in Verbindung mit § 19a Abs. 2 Ziff. 2 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 [VRG]). Weil auch die übrigen Voraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde grundsätzlich einzutreten.
1.2
Nicht einzutreten ist allerdings auf den Eventualantrag des Beschwerdeführers auf Gutheissung seiner am 9. April 2009 gestellten Feststellungsbegehren (Sachverhalt I.D), wofür sich die Beschwerdegegnerin als nicht zuständig erachtet hatte (act. 4 Ziff. 7). Es kann weder Aufgabe der Gesundheitsbehörden noch des Verwaltungsgerichts sein, anstelle der gesetzgebenden Instanzen die Zulässigkeit der Rezeptierung von Natrium-Pentobarbital im Rahmen von Feststellungsverfügungen auf generell-abstrakte Weise zu prüfen sowie Schlussfolgerungen wissenschaftlicher Untersuchungen ohne konkreten Fallbezug zu beurteilen. Vielmehr können die rechtsanwendenden Instanzen nur im konkreten Einzelfall überprüfen, ob das Verhalten eines Arztes den rechtlichen Anforderungen genügt. Aufgrund der mit der Suizidbeihilfe verbundenen ethischen Fragen liegt es in erster Linie am Gesetzgeber, eine heute allenfalls bestehende Rechtsunsicherheit zu beseitigen und losgelöst vom Einzelfall darüber zu entscheiden, ob und unter welchen Bedingungen die Abgabe von Natrium-Pentobarbital durch Suizidhilfeorganisationen gestattet ist (vgl. BGr, 1. April 2009, 2C_839/2008, E. 1.2 und E. 3.2.1, www.bger.ch; BGE 133 I 58 E. 6.3.2; VGr, 22. Oktober 2009, VB.2009.00298, E. 3.2 und E. 4.4, www.vgrzh.ch).
1.3
In Bezug auf die Feststellungsbegehren, die der Beschwerdeführer am 28. Oktober 2008 stellte (Sachverhalt I.C), ist anzumerken, dass diese nicht Thema der vorliegend angefochtenen Verfügung sind. Sie waren vielmehr Gegenstand des am 9. Februar 2009 ergangenen Nichteintretensentscheids (act. 9/15), gegen den der Beschwerdeführer beim Regierungsrat Rekurs erhoben hat.
2.
Der Beschwerdeführer macht geltend, die am vorinstanzlichen Entscheid mitwirkenden Personen seien befangen gewesen, soweit sie der römisch-katholischen Kirche oder fundamentalistisch gesinnten evangelischen Kreisen angehörten, welche die Suizidbeilhilfe aus weltanschaulich-religiösen Gründen prinzipiell ablehnten. Diese Personen hätten aufgrund von Art. 29 Abs. 1 BV in den Ausstand treten müssen. Gleiches gelte auch für sämtliche Entscheidträger gerichtlicher Instanzen.
Dieses Vorbringen überzeugt nicht. Zum einen hat der Beschwerdeführer nicht näher spezifiziert, welche am vorinstanzlichen Entscheid bzw. am vorliegenden Urteil beteiligten Personen seiner Ansicht nach befangen seien; er stützt sich lediglich auf „Nichtwissen (act. 2 S. 33). Zum anderen stellt alleine die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Glaubensgemeinschaft gemäss Lehre und Rechtsprechung grundsätzlich keinen Befangenheitsgrund dar, zumal Art. 15 der Bundesverfassung (BV) die Glaubens- und Gewissensfreiheit gewährleistet und jeder Person das Recht einräumt, ihre Religion und ihre weltanschauliche Überzeugung frei zu wählen und allein oder in Gemeinschaft mit anderen zu bekennen. So wenig in Prozessen mit politischem Gehalt bestimmte Entscheidungsträger allein wegen ihrer politischen Herkunft abgelehnt werden können, so wenig ist dies in Fällen mit sonstigem weltanschaulichem Gehalt möglich wegen der Konfessionszugehörigkeit (BGr, 7.1.2010, 8C_474/2009, E. 8.6 und E. 8.7, www.bger.ch; vgl. Alfred Kölz/Jürg Bosshart/Martin Röhl, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 2. A., Zürich 1999, § 5a N. 14; Benjamin Schindler, Die Befangenheit der Verwaltung, Diss., Zürich/Basel/Genf 2002, S. 127–129). Die Befangenheitsrüge erweist sich somit als unbegründet.
3.
In Bezug auf das am 26. August 2008 eingeleitete Aufsichtsverfahren (Sachverhalt I.B) macht der Beschwerdeführer in erster Linie Verfahrensmängel geltend.
3.1