# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** ee250099-8489-4133-b27e-fa4fa9d5ea9b
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
ist für ihre Tätigkeit als Fusspflegerin seit
1.
Januar 2016 als
Selb
ständigerwerbende
der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Aus
gleichs
kasse, angeschlossen (
Urk.
7/4). Am 1
1.
Juli 2016 meldete sie der Verwaltung eine Erweiterung ihrer Geschäftstätigkeit in Form eines Beratungs- und Dienstleis
tungs
services für Gemeinden und Privatpersonen und wollte sich hierfür eben
falls als
Selbständigerwerbende
registrieren lassen (
Urk.
7/9). Auf Aufforderung der Ausgleichskasse hin (
Urk.
7/10) reichte sie am 2
5.
Juli 2016 verschiedene Unterlagen ein (
Urk.
7/11). In der Folge
teilte ihr jene mit,
für
ihre Tätigkeit in der Branche Beratungs- und Dienstleistungsservice
für
Privatpersonen
werde sie
ab 1. April 2016 als
selbständig Erwerbende qualifizier
t
,
wo
gegen
sie bezüglich ihrer Tätigkeit
für die Gemeindeverwaltungen
Y._
und
Z._
als unselb
ständig
Erwerbende
gelte (
Schreiben vom 2
5.
August 2016 [
Urk.
7/14
]; siehe auch Urk. 7/15-17
).
Damit zeigte sich
X._
nicht einverstanden (
Urk.
7/19).
Mit Verfügung vom 1
8.
November 2016 verneinte
die Ausgleichskasse das Vor
liegen einer selbständigen Erwerbstätigkeit betreffend die Springer-Tätigkeit für die Gemeinden
Y._
und
Z._
(
Urk.
7/20-22). Eine hiergegen erhobene Einsprache (
Urk.
7/24) wies sie mit Entscheid vom 7. April 2017 ab (
Urk.
7/29; verschickt am 2
8.
Juli und
4.
September 2017 [Urk. 7/32 und Urk. 7/34]).
2.
Dagegen erhob
X._
am 5. Oktober 2017
Beschwerde und beantragte,
der angefochtene
Einspracheentscheid
sei aufzuheben und ihre Tätigkeit sei als selb
ständig erwerbend anzuerkennen (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 2
1.
November 2017 schloss die Ausgleichskasse auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6). Mit Gerichtsverfügung vom 2
2.
November 2017 wurden die Gemeinden
Y._
und
Z._
zum Prozess beigeladen (
Urk.
8). Erstere verzichtete auf eine Stellungnahme (
Urk.
10), während die Gemeinde
Z._
am 12. Dezem
ber 2017 eine Eingabe machte (
Urk.
12-13/1-7).
Hierzu liessen sich die anderen Parteien nicht
mehr
vernehmen (
Urk.
17).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Der
Einspracheentscheid
vom
7.
April 2017 wurde der Beschwerdeführerin im Zeit
raum zwischen
6.
und 2
0.
April 2017 nicht (mit eingeschriebener Post) zuge
stellt (
Urk.
4 und
Urk.
7/38). Am 2
8.
Juli 2017 wurde ihr deshalb eine Kopie zuge
schickt (
Urk.
7/32).
Mit Schreiben vom 14.
August 2018 bestätigte die Beschwer
de
führerin den Erhalt des
Einspracheentscheid
s
(
Urk.
7/33).
Die Beschwerde vom 5. Oktober 2017 (Urk. 1) wurde gleichentags der Post übergeben. Die Frage, ob das Rechtsmittel rechtzeitig erhoben wurde, kann aufgrund der nachfolgenden Erwägungen
offen gelassen
werden
.
2.
2.1
Die sozialversicherungsrechtliche Beitragspflicht Erwerbstätiger richtet sich unter anderem danach, ob das in einem bestimmten Zeitraum erzielte Erwerbsein
kommen als solches aus selbständiger oder aus unselbständiger Erwerbstätigkeit zu qualifizieren ist (Art. 5 und 9
des Bundesgesetzes über die Alters-
und
Hinter
lassenenversicherung
[AHVG]
sowie Art. 6 ff.
der Verordnung über die Alters-
und
Hinterlassenenversicherung
[
AHVV
]
)
.
Nach Art. 5 Abs. 2 AHVG gilt als massgebender Lohn jedes Entgelt für in unselbständiger Stellung auf bestimmte
oder unbestimmte Zeit geleistete Arbeit; als Einkommen aus selbständiger Erwerbs
tätigkeit gilt nach Art. 9 Abs. 1 AHVG jedes Einkommen, das nicht Entgelt für in unselbständiger Stellung geleistete Arbeit darstellt.
Nach der Rechtsprechung beurteilt sich die Frage, ob im Einzelfall selbständige oder unselbständige Erwerbstätigkeit vorliegt, nicht aufgrund der Rechtsnatur des Vertragsverhältnisses zwischen den Parteien. Entscheidend sind vielmehr die
wirt
schaftlichen Gegebenheiten. Die zivilrechtlichen Verhältnisse vermögen dabei
allenfalls gewisse Anhaltspunkte für die AHV-rechtliche Qualifikation zu bieten, ohne jedoch ausschlaggebend zu sein. Als unselbständig erwerbstätig ist im All
gemeinen zu betrachten, wer von einem Arbeitgeber in betriebswirtschaftlicher beziehungsweise arbeitsorganisatorischer Hinsicht abhängig ist und kein spezifi
sches Unternehmerrisiko trägt.
Aus diesen Grundsätzen allein lassen sich indessen noch keine einheitlichen, schematisch anwendbaren Lösungen ableiten. Die Vielfalt der im wirtschaftlichen Leben anzutreffenden Sachverhalte zwingt dazu, die beitragsrechtliche Stellung einer erwerbstätigen Person jeweils unter Würdigung der gesamten Umstände des Einzelfalles zu beurteilen. Weil dabei vielfach Merkmale beider Erwerbsarten zu Tage treten, muss sich der Entscheid oft danach richten, welche dieser Merkmale im konkreten Fall überwiegen (BGE 144 V 111 E. 4.2 mit Hinweisen).
2.2
Eine versicherte Person kann gleichzeitig für eine Tätigkeit als
Selbständiger
werbende
und für eine andere als
Unselbständigerwerbende
qualifiziert werden. Daher ist bei einer Versicherten, die gleichzeitig mehrere Tätigkeiten ausübt, jedes Erwerbseinkommen unter den konkreten Umständen dahingehend zu überprüfen, ob es selbständiges oder unselbständiges Erwerbseinkommen ist (BGE 122 V 169 E. 3b mit weiteren Hinweisen).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin führte im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 7. April 2017 – unter Hinweis auf Randziffer 4006 der Wegleitung
des Bundes
amts für Sozial
versicherungen
über den massgebenden Lohn in der AHV, IV und EO (WML) – aus, Einkommen aus einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis gehöre zum massgeblichen Lohn. Nur wenn die öffentliche Funktion auf eigenes Risiko ausgeübt werde, liege eine selbständige Tätigkeit vor. Dies treffe bei der von der Beschwerdeführerin ausgeübten Springertätigkeit für Gemeindever
waltungen nicht zu (
Urk.
2 S. 1). Im Rahmen der Beschwerdeantwort vom 2
1.
Novem
ber 2017
brachte die Beschwerdegegnerin unter anderem vor
,
als Springerin werde die Beschwerdeführerin in den Gemeinden für Aufgaben ein
gesetzt, die normalerweise von
deren
Angestellten ausgeführt würden
. Daher sei sie in die Arbeitsorganisation der Verwaltung eingebunden. Es müsse davon aus
gegangen werden, dass sie in ihrer Tätigkeit weisungsgebunden agiere und in einem Unterordnungsverhältnis zu ihren Vorgesetzten stehe. Es treffe für jedes Auftrags- und Arbeitsverhältnis zu, dass man in eigenem Namen auftrete, wes
halb dies bei der Beurteilung des Beitragsstatuts nicht massgebend sein könne. Es spreche allenfalls der Umstand, dass sie ihre Aufträge von den Gemeinden selber akquiriere und keinem Konkurrenzverbot unterliege
,
für eine selbständige Tätigkeit. Die Merkmale einer unselbständigen Erwerbstäti
gkeit seien jedoch gegenüber denjenigen einer selbständigen Erwerbstätigkeit derart gewichtig, dass keine selbständige Erwerbstätigkeit angenommen werden könne (
Urk.
6
S. 2
f.).
3.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt,
ihre Springertätigkeit weise verschiedene Merkmale auf, die für eine selbständige Erwerbstätigkeit sprächen. Sie habe Investitionen getätigt und es seien Akquirie
rungsbemühungen belegt. Sie trage das Unternehmerrisiko und handle in eige
nem Namen und auf eigene Rechnung. Ihre Tätigkeit vor Ort gleiche wohl derjenigen eines unselbständig Erwerbenden
. Sie weise jedoch drei entscheidende Unterschiede auf: sie unterstehe keinem Konkurrenzverbot und es bestehe weder ein Unterordnungsverhältnis noch
ein Weisungsrecht (
Urk.
1 S. 2
f.).
3.3
Die Beigeladene 2 machte geltend,
für den vom
2.
Mai bis 3
0.
Juni 2016 statt
gefundenen Springereinsatz sei eine Leistungsvereinbarung abgeschlossen worden.
Mit der Beschwerdeführerin sei eine Mandatsentschädigung vereinbart worden. Mit Mail vom 2
3.
August 2016 habe jene mitgeteilt, dass sie für die betreffende Tätigkeit nicht als
Selbständigerwerbende
gelte. Folglich müsse sie sich von ihren jeweiligen Einsatzgemeinden anstellen lassen. Dies habe zum Abschluss einer nachträglichen befristeten Anstellungsverfügung geführt. Der Bruttolohn habe
der Mandatsentschädigung abzüglich der gesetzlichen Sozialabgaben entspro
chen
(
Urk.
12).
4.
4.1
Streitig ist, ob die von der Beschwerdeführerin erbrachten Arbeitsleistungen für die Gemeinden
Y._
und
Z._
als selbständige oder unselbständige Tätig
keiten
zu qualifizieren sind.
4.1.1
Mit der Beigeladenen 1 schloss die Beschwerdeführerin am 1
4.
respektive 2
1.
Juli 2016 eine Leistungsvereinbarung für einen vom
2.
bis 3
1.
August 2016 (mit der Option um Verlängerung) dauernden Springereinsatz ab (
Urk.
7/11/7-8).
Am
23.
August 2016 reichte sie
der Beschwerdegegnerin
die Präsidialverfügung der Beigeladenen 1 vom 1
4.
Juli 2016 ein
(
Urk.
7/13). Darin wird festgehalten, dass das Mandat für den Springereinsatz vom
2.
bis 3
1.
August 2016 an die Firma
A._
–
B._
, erteilt und durch die Beschwerdeführerin ausge
führt wird (Urk. 7/12)
.
Folglich teilte die Beschwerdeführerin mit, die zugestellte Leistungsvereinbarung sei obsolet und die
A._
werde ihre AHV-Beiträge abrechnen (
Urk.
7/13).
Diese gilt somit für die im Streit liegende Tätigkeit als Arbeitgeberin der Beschwerdeführerin, was zur entsprechenden Abweisung der Beschwerde führt.
4.1.2
Mit der Beigeladenen 2 schloss die Beschwerdeführerin am 1
1.
März 2016 eben
falls eine Leistungsvereinbarung ab, und zwar für einen vom
2.
Mai bis 30. Juni 2016 (mit der Option um Verlängerung bis 2
8.
Juli 2016) dauernden Springer
einsatz (
Urk.
7/11/9-10). Am 2
3.
August 2016 informierte sie
die Beigeladene 2
dahin
gehend, dass sie von der Beschwerdegegnerin nicht als selbständige Sprin
gerin anerkannt werde und sich jeweils von den Gemeinden anstellen lassen müsse. Die Beigeladene 2 werde deshalb in den nächsten Tagen
ein Schreiben erhalten mit der Bitte um nachträgliche Entrichtung der Sozialversiche
rungs
bei
träge auf den ausbezahlten Entschädigungen (
Urk.
13/3). In der Folge wurde durch die Beigeladene 2 eine (nachträgliche [vgl.
Urk.
12
S. 1]) Anstellungsver
fügung für die Zeit vom
2.
Mai bis 3
0.
Juni 2016 erlassen, die von der Beschwer
deführerin gegengezeichnet wurde (
Urk.
13/4; siehe auch die Lohnabrechnung vom 1
2.
Dezember 2017 [
Urk.
13/6]).
Vor diesem Hintergrund
wird klar, dass die Beschwerdeführerin
letztlich auch
in
Bezug auf ihre Tätigkeit bei der
B
eigeladenen
2
in einem Arbeitsverhältnis stand. Dementsprechend
erübrigt sich eine Prüf
ung der Frage, ob die erbrachte Arbeits
leistung für die Beigeladene 2
als selbständige
oder unselbständige Tätigkeit
zu qualifi
zieren
ist
. Dies führt
zur Abweisung der Beschwerde
auch für diese im Streit liegende Tätigkeit
.
4.2
Im Übrigen überwiegen bei der
ausgeführte
n
Springertätigkeit
ohnehin eindeutig die Gesichtspunkte, welche für eine unselbständige Erwerbstätigkeit sprechen. Die von der Beschwerdeführerin a
usgeübte Amtstätigkeit bedingte die Eingliederung in die Arbeitsorganisation des Gemeinwesens, für das sie tätig war. Sie war dabei an gesetzliche Vorgaben gebunden und hatte Beschlüsse und Verfügungen der Sozialbehörde umzusetzen (vgl.
Urk.
7/11/9-10 S. 2).
Kraft ihrer amtlichen Tätig
keit konnte und durft
e die Beschwerdeführerin gegen a
ussen nicht in eigenem Namen und auf eigene Rechnung auftreten.
Sie wurde
zudem
nach Stundenauf
wand entschädigt und nicht für den Arbeitserfolg als solchen bezahlt (vgl. BGE 122 V 169 E. 6a/
bb
).
Nicht von Bedeutung ist
das Delkredererisiko, da kaum Ge
fahr bestand, dass die Beigeladenen ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nach
kommen könnte
n
.
Sofern eine Tätigkeit keine kostspielige Infrastruktur oder keine
erheblichen personellen Mittel erfordert – wie dies auf die angebotene Tätig
keit der Beschwerdeführerin zutrifft –, sind
überdies
insbesondere Art und Umfang der wirtschaftlichen und arbeitsorganisatorischen Abhängigkeit vom Auftrag- oder Arbeitgeber entscheidend und nicht das Unternehmerrisiko (Urteil des Bun
des
gerichts 9C_1029/2012 vom 2
7.
März 2013 E. 4.1 mit weiteren Hinweisen).
Da sich die Beurteilung der Frage, ob die von der Beschwerdeführerin erbrachten Arbeitsleistungen als selbständige oder unselbständige Tätigkeiten zu qualifi
zie
ren sind, unter Berücksichtigung aller konkreter Umstände nach dem Einzelfall richtet, ist
der – unbelegte – Beitragsstatus von
B._
von der
A._
ohne Belang. Zu keinem anderen Ergebnis führt auch der Hinweis auf das Bun
desgerichtsurteil 9C_1094/2009 vom 3
1.
Mai 201
0.
Darin ging es nicht wie vor
liegend um eine freie Prüfung des Beitragsstatu
t
s im Rahmen einer erstmaligen
Beurteilung, sondern darum,
ob
unter den Voraussetzungen der Wiedererwägung oder der prozessualen Revision auf bereits aufgrund von selbständiger Erwerbs
tätigkeit entrichteten persönlichen Beiträgen nachträglich paritätische Beiträge erhoben werden dürfen.
Diesbezüglich liess das Bundesgericht denn auch explizit offen,
ob bei einer erstmaligen Prüfung
eine andere Beurteilung des Falls
zutref
fend gewesen wäre (E. 3.7)