# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 310e26a7-ebee-5225-95c4-da62bd9a1c6a
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1963,
Mutter von vier Kindern (
geboren
1985, 1986, 1988 und 1992)
war zuletzt von 2001 bis 2004 in
Y._
arbeitstätig (
Urk.
6/7 Ziffer 4.3)
, seither übt
e
sie keine Erwerbstätigkeit mehr aus.
Am 1. September 2010 meldete sie sich bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/7). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürichs,
IV-Stelle, holte in der Folge
Arztberichte (
Urk.
6/16,
Urk.
6/21-22)
, Auszüge aus dem individuellen Konto (IK
-Auszug
;
Urk.
6/1-2,
Urk.
6/14)
und
ein
Gutachten
, welche
s
am 20. Oktober 2011
erstattet wurde
(
Urk.
6/28)
,
ein
und führte eine Haushaltsabklärung (
Urk.
6/33)
durch
.
Nach durchgeführtem Vorb
e
scheidverfahren (
Urk.
6/36,
Urk.
6/37
-38
,
Urk.
6/4
1
)
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 8. Juni 2012 (
Urk.
6/44 =
Urk.
2) einen Anspruch der Versicherten auf Leistungen der Invalidenversiche
rung.
2.
Gegen die Verfügung vom 8. Juni 2012 (
Urk.
2) erhob die Versicherte am 1
2.
Juli 2012 Beschwerde mit dem Antrag
, die angefochtene Verfügung sei auf
zuheben und es sei ihr eine Rente auszurichten
(
Urk.
1
S. 2
Ziff.
1 und
2)
.
Mit Beschwerdeantwort vom 4. September 2012 (
Urk.
5) beantragte die IV-Stel
le die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin m
it Verfügung vom
2.
Oktober 2012 (
Urk.
11) zur Kenntnis gebracht
wurde
, g
leichzeitig wurde
n
antragsgemäss (
Urk.
1 S- 2
Ziff.
3) die Gewährung
der
unentgeltliche
n
Prozes
sführung
und Rechtsvertretung
bewilligt.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Beschwerdeführerin macht
e
eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör geltend
(
Urk.
1 S. 3
Ziff.
3.2
)
. Sie begründet
e
dies im Wesentlichen damit, dass im Rahmen der Haushaltsabklärung die Frage, wie viel sie arbeiten würde, wenn sie gesund wäre,
zwar
gestellt, aber nicht im Protokoll festgehalten wor
den
sei
.
Es sei
stattdessen
aus den in diesem Zusammenhang gemachten Aussa
gen zur bisherigen Berufstätigkeit eine nicht den Tatsachen entsprechende Feststellung abgeleitet und dem
E
ntscheid zugrunde gelegt worden. Ein solches Vorgehen verletze das rechtliche Gehör in grober Weise. Es gehe nicht an,
die
für den Fall entscheidende Frage nicht zu stellen oder nicht zu protokollieren
und danach aufgrund einer Unterstellung zu entscheiden, ohne ihr die Gelegen
heit zu geben, sich zu dieser Unterstellung noch einmal zu äussern.
Diese Rüge der Verletzung des
rechtlichen
Gehörs
ist
– da formeller
Natur
-
vorab zu prüfen.
1.2
Gemäss Art. 29
Abs.
2
der Bundesverfassung (
BV
)
haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer Person eingreift.
Dazu gehört insbesondere deren Recht, sich vor Erlass des in ihre Rechtsstellung ein
greifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise ent
weder mit
zuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 132 V 368 E. 3.1 S. 370 mit Hinweisen).
Das Recht, angehört zu werden, ist formeller Natur. Die Verletzung des rechtli
chen Gehörs führt ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sa
che selbst zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Es kommt mit anderen Worten nicht darauf an, ob die Anhörung im konkre
ten Fall für den Ausgang der materi
el
len Streitentscheidung von Bedeutung ist, d.h. die Be
hörde zu einer Änderung ihres Entscheides veranlasst wird oder nicht (BGE 132 V 387 E. 5.1 S. 390; 127 V 431 E. 3d/aa S. 437).
Nach der Rechtsprechung kann eine
nicht besonders schwerwiegende
Ver
letzung des rechtlichen Gehörs ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die be
troffene Person die Möglichkeit erh
ält, sich vor einer Beschwerde
instanz zu äussern, die sowohl
den Sachverhalt wie die Rechts
lage frei überprüfen kann (BGE 127 V 431 E. 3d/aa S. 437). Von einer Rückweisung der Sache an die Verwaltung ist selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Ge
hörs dann abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalisti
schen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 132 V 387 E. 5.1 S. 390 mit Hinweis).
1.3
Den Akten ist zu entnehmen, dass d
ie Haushaltsabklärung am 15. Februar 2012 durchgeführt
worden ist
(
Urk.
6/33
S. 1
). Auf die Frage, wie die Erwerbstätigkeit ohne Behinderung aussehe,
h
at
die Beschwerdegegnerin einzig
festgehalten
,
dass
die Beschwerdeführerin
in
Y._
in einem Pensum
von 50 %
gearbeitet habe
(S. 3
Ziff.
2.5).
Die Beschwerdeführerin konnte sich nicht explizit zu der Haushaltsabklärung
äussern, sondern ihr
wurde erst im Rahmen des Vorbescheidsverfahrens eine Frist
für mögliche Einwände
angesetzt, um sich zum
in Aussicht gestellten
Entscheid
der Beschwerdegegnerin
zu äussern (
Urk.
6/35).
Innert
dieser Frist hat die Beschwerdeführerin
ihre
Einwände
gemacht und konnte sich in Kenntnis der umfassenden Akten – auch der Haushaltsabklärung – dazu äussern
(
Urk.
6/37)
.
Damit konnte sich die Beschwerdeführerin im Rahmen des Vorbescheidsverfahrens
, also
vor Erlass des Entscheid
s
,
umfassend dazu äussern.
Mit diesen Einwänden hat sich die Beschwerdegegnerin im Entscheid vom 8. Juni 2012 (
Urk.
2) sodann
auseinandergesetzt
.
Damit hatte die Beschwerdeführerin die Möglichkeit, sich (auch) zu diesem Punkt im gerichtlichen Verfahren zu äussern (vor
stehend E
. 1.2), womit eine allfällige Gehörsverletzung als geheilt zu betrachten ist.
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs.
1 des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs.
2 ATSG).
2.2
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufga
benbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a
Abs.
2 IVG) festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der unent
geltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28a
Abs.
3 IVG; gemischte Methode der Invaliditätsbemessung).
Nach der Gerichts- und Verwaltungspraxis wird zunächst der Anteil der Erwerbs
tätigkeit und derjenige der Tätigkeit im Aufgabenbereich (so unter an
derem im Haushalt) ermittelt; die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person ohne gesundheitliche Beeinträchtigung erwerbstätig wäre, beurteilt sich mit Rücksicht auf die gesamten Umstände, so die persönlichen, familiären, sozi
alen und erwerblichen Verhältnisse. Im Rahmen der gemischten Methode be
stimmt sich die Invalidität dadurch, dass im Erwerbsbereich ein Einkommens- und im Aufgabenbereich ein Betätigungsvergleich vorgenommen wird, wobei sich die Gesamtinvalidität aus der Addierung der in beiden Bereichen ermittel
ten und gewichteten Teilinvaliditäten ergibt (BGE 130 V 393 ff. E. 3.3 mit Hin
weisen; vgl. BGE 134 V 9).
2.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
2.4
Für den Beweiswert eines Berichtes über die Abklärung im Haushalt einer versi
cherten Person sind - analog zur Rechtsprechung betreffend die Beweiskraft von Arztberichten (BGE 125 V 351 E. 3a mit Hinweis) - verschiedene Faktoren zu berücksichtigen: Es ist wesentlich, dass der Bericht von einer qualifizierten Person verfasst wird, die Kenntnis von den örtlichen und räumlichen Verhält
nissen sowie den aus den medizinischen Diagnosen sich ergebenden Beein
trächtigungen und Behinderungen hat. Weiter sind die Angaben der versicher
ten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, be
gründet und angemessen detailliert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein und in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen. Trifft all dies zu, ist der Abklärungsbericht voll beweiskräftig (AHI 2003
S. 218 E. 2.3.2 [in BGE 129 V 67 nicht veröffentlichte Erwägung]; Urteil des Bundesgerichts I 733/03 vom 6. April 2004 E. 5.1.2; vgl. auch BGE 130 V 61 E. 6.2 und 128 V 93 f. E. 4 betreffend Abklärungsberichte im Zusammenhang mit der Hauspflege und Hilflosigkeit). Diese Beweiswürdigungskriterien sind nicht nur für die im Abklärungsbericht enthaltenen Angaben zu Art und Umfang der Behinderung im Haushalt massgebend, sondern gelten analog für jenen Teil ei
nes Abklärungsberichts, der den mutmasslichen Umfang der erwerblichen Tä
tigkeit von teilerwerbstätigen Versicherten mit häuslichem Aufgabenbereich im Gesundheitsfall betrifft (Urteil des Bundesgerichts I 236/06 vom 19. Juni 2006 E. 3.2).
Der Abklärungsbericht ist seiner Natur nach in erster Linie auf die Ermittlung des Ausmasses physisch bedingter Beeinträchtigungen zugeschnitten, weshalb seine grundsätzliche Massgeblichkeit unter Umständen Einschränkungen erfah
ren kann, wenn die versicherte Person an psychischen Beschwerden leidet. Grundsätzlich jedoch stellt er auch dann eine beweistaugliche Grundlage dar, wenn es um die Bemessung einer psychisch bedingten Invalidität geht, d.h. wenn die Beurteilung psychischer Erkrankungen im Vordergrund steht (AHI 2004 S. 137 E. 5.3). Widersprechen sich die Ergebnisse der Abklärung vor Ort und die fachmedizinischen Feststellungen zur Fähigkeit der versicherten Person, ihre gewohnten Aufgaben zu erfüllen, ist aber in der Regel den ärztlichen Stel
lungnahmen mehr Gewicht einzuräumen als dem Bericht über die Haushaltsabklärung, weil es der Abklärungsperson regelmässig nur beschränkt möglich ist, das Ausmass des psychischen Leidens und der damit verbundenen Einschrän
kungen zu erkennen (Urteil des Bundesgerichts 9C_631//2009 vom 2. Dezember 2009 E. 5.1.2 mit Hinweisen).
2.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen
Verfügung
(
Urk.
2) gestützt auf die Haushaltsabklärung davon aus, dass
die Beschwerdeführerin ohne Gesundheitsschaden einer Tätigkeit als Hilfsarbeiterin
in
einem Pensum von 50 % nachg
inge
und die restlichen 50 % in den Aufgabenbereich entfallen würde
n
.
Aus ärztlicher Sicht s
ei
ihr die Ausübung einer Hilfstätigkeit sowie jeder ande
ren Tätigkeit in einem Pensum vo
n
50 % voll zumutbar
(S. 2 oben)
.
3.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt, sie sei entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin willens
,
einer Tätigkeit mit eine
m Pensum von 100 % nachzugehen (
Urk.
1
S. 3
Ziff.
3.2).
3.3
Strittig und zu prüfen
ist vorliegend die Statusfrage, während d
ie Arbeitsfähig
keit der Beschwerdeführerin nicht in Frage g
estellt
wurde
.
4.
4.1
Dr.
med.
Z._
, Oberarzt, und
Dr.
med.
A._
, Assistenzarzt
,
beim Psychiatrischen-Psychologischen Dienst der Stadt
B._
, nannte
n
in
ihrem
Bericht vom 8. November 2010 (
Urk.
6/16) als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1) eine Anpassungsstörung, Angst und
eine
depressive Reaktion gemischt (F43.22).
Sie führten
aus, die Beschwerdeführerin sei seit 28. Januar 2010 in Behandlung
und wegen mangelnden Deutschkenntnissen sei keine systematische
Befragung
möglich gewesen.
Die B
e
schwerdeführerin
leide unte
r starken Rückenschmerzen, die sie
nicht beurteilen könn
t
e
n
(
Ziff.
1.7).
Sie hätten
ihr eine Arbeitsunfähigkeit
von
100 % vom 28. Januar bis 21. März 2010 und vom 2
2.
März bis 21. Juni 2010
eine Arbeitsunfähigkeit von 50 %
attestiert (
Ziff.
1.6).
4.2
Dr.
med.
C._
, FMH Allgemeine Medizin, nannte in seinem Bericht vom 24. Juni 2011 (
Urk.
6/21
=
Urk.
6/26/34-38
)
folgende
Diagnosen
mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
Anpassungsstörung, Angst und Depression, gemischt (F43.22)
unklare chronische Müdigkeit / chronische Schlafstörung
chronische muskuläre Schmerzen im Schultergürtel-/Nacken- und Lendenwirbelsäule (LWS)-/Beckenbereich
Periarthropathia-humeroscarpularis-Syndrom
(
PHS
)
beidseitig / Femoropatellarsyndrom beidseitig
arterielle Hypertonie
Adipositas
Er nannte weiter als Diagnose
n
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
b
enigne Struma multinodosa mit leichter Hypothyreose und eine Hyperlipidämie
(
Ziff.
1.1).
Er führte aus, die Beschwerdeführerin sei seit 2
2.
August 2006 bei ihm in Be
handlung (
Ziff.
1.2).
Sie habe im Jahr 2005 einen Ausrutscher mit Sturz auf den Rücken gehabt und leide seither an Rückenschmerzen zunächst im LWS-/Beckenbereich mit
pseudoradikulärer
Ausstrahlung ins rechte Bein, daneben aber auch
an
chronische
n
Nacken-, Kopf und Schultergürtel
s
chmerzen
und zu
dem beidseitig
an einer
PHS
(
Ziff.
1.4).
Er habe bisher keine
Arbeits
un
fähigkeit
definiert. Zur Abschätzung der (teilweisen) Arbeitsunfähigkeit im Haushalt wür
den ihm genauere Angaben fehlen
(
Ziff.
1.6).
4.3
Dr.
med.
D._
,
I
nnere Medizin
FMH, speziell Rheumaerkrankungen
, und
Dr.
med.
E._
, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie
, erstattete
n am 20. Oktober 2011
ihr
bidisziplinäres Gutachten (
Urk.
6/28
S. 10
) und nannten folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
9.1.1):
sonstige depressive Episoden (F33.8)
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie (
S. 10
Ziff.
9.1.2):
Nikotinabusus
Fibromyalgie-Syndrom
Adipositas Grad I (Body-Mass-Index (BMI) 34.3 kg/m
2
)
Vitamin D-Mangel
Hyperthyreose mit adäquater medikamentöser Therapie
arterielle Hypertonie
Hypercholesterinanämie
Sie führten aus, die Beschwerdeführerin sei in ihrer angestammten Tätigkeit zu 50 % arbeitsfähig. Aus psychischer Sicht sei eine Steigerung der Arbeitsfähig
keit längerfristig denkbar
,
und a
us rheumatologischer Sicht sei die Beschwer
deführerin nie über längere Zeit arbeitsunfähig gewesen (S. 10
Ziff.
9.2.1).
Aus psychiatrischer Sicht sei die Beschwerdeführerin in adaptierten Tätigkeiten
zu
50 % arbeitsfähig
. Sie sei f
ür adaptierte Tätigkeiten mit Flexibilität bezüglich der Arbeitsteilung und ohne grosse Anforderungen an die Konzentration und Ausdauer einsatzfähig
(S. 10
Ziff.
9.2.3
und
Ziff.
9.2.4
).
Dr.
D._
führte in ihrem Teilgutachten vom 27. August 2011 (
Urk.
6/26) aus,
dass die vorhandenen Befunde weder das Ausmass noch die Dauer
der
Be
schwerden erklär
t
en. Aufgrund der Klagen der Beschwerdeführerin, der Anam
nese und der klinischen Untersuchung sowie de
r
Resultate der bildgebenden- und Laboruntersuchungen könne sie sämtliche Tätigkeiten ausüben, die Frauen in ihrem Alter üblicherweise machen können (S. 19
Ziff.
8).
Dr.
E._
führte
in seinem Teilgutachten vom 20. Oktober 201
1 (
Urk.
6/28 S.
1-10)
aus,
in der Gesamtschau zeichne sich das Bild der Beschwerdeführerin ab, die über lange Jahre hinweg schweren psychosozialen Belastungssituationen ausgesetzt gewesen sei
, aber in der Lage
sei,
all diese Schwierigkeiten zu bewäl
tigen.
D
ie Beschwerdeführerin habe aufgrund ihrer Lebensumstände eine rezidi
vierende depressive Störung entwickelt, da immer wieder Belastungen hinzuge
kommen seien. I
m Rahmen der aktuellen Untersuchung
zeigten
die Befunde Hinweise auf eine aktuell mittelgradig ausgeprägte depressive Symp
t
omatik
und eine leichte Beeinträchtigung durch die Angststörung im Rahmen der vorlie
gend
en depressiven Störung
(S. 8
Ziff.
6
Mitte
).
4.4
Im Nachtrag vom 28. Dezember 2011 (
Urk.
6/30) führte
Dr.
E._
aus
, er habe die Diagnose einer sonstigen rezidivierenden depressiven Episode gestellt, da die Beschwerdeführerin von der Symptomatik her nicht nur die klassischen depres
siven Symptome angebe, sondern auch Phase
n
mit eher ängstlich-depressiver Symptomatik beschrieben habe und aktuell ein Mischbild angegeben werde mit anhaltenden immer wieder auftretenden Schmerzen in Schulter und Rücken und ausgeprägter Kraftlosigkeit
,
für die keine organische Ursachen gefunden werden könne (S. 1 f.
unten
).
Die Diagnose einer Anpassungsstörung sei anfangs si
cherlich gerechtfertigt gewesen, inzwischen biete sich aber ein Krankheitsbild, das seit 2004 mit einzelnen depressiven Episoden bestehe. Damit seien die Kri
terien für eine rezidivierende depressive Störung gegeben.
Im Rahmen des Spielraumes der ICD
-
10 Klassifizierung und a
ufgrund des Symptombildes sei eine rezidivierende depressive Störung diagnostiziert worden, es sei aber auch die Diagnose einer rezidivierenden gegenwärtig mittelgradigen depressiven Störung denkbar (S. 2 Mitte).
Die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit von 50 % beziehe sich auf ein Pensum von 100 % (S. 2 unten).
4.5
Am 24. Januar 2012 (
Urk.
6/34/7) nahm
Dr.
med.
F._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH
,
Medizin SAPPM, Regionalärztlicher Dienst (RAD), zum medizinischen Sachverhalt Stellung:
Das Vorliegen einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtigen mittelgradigen Ausmasses
,
könne plausibel angenommen werden. Seit 2
2.
März 2010
sei
von einer anhaltenden Arbeits
unfähigkeit von 50 % auszugehen in jeder der Beschwerdeführerin zumutbaren Tätigkeit, deren protrahierter Verlauf und Dauer allerdings mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf eine fehlende adäquate Behandlung, besser auf die feh
lende Bereitschaft der Beschwerdeführerin, sich adäquat psychiatrisch-psycho
therapeutisch behandeln zu lassen, zurück zu führen sein dürfte. Auf die im Gutachten festgestellte Arbeitsunfähigkeit könne abgestellt werden.
4.6
Das Gutachten (inklusive Nachtrag)
beruht auf den notwendigen Untersuchun
gen, berücksichtigt die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden und setzt sich mit diesen sowie dem Verhalten der Beschwerdeführerin auseinander. Das Gutachten wurde in Kenntnis der Vorakten abgegeben, leuchtet in der Dar
legung der medizinischen Situation ein und die Schlussfolgerungen der Gut
achter sind in nachvollziehbarer Weise begründet. Es erfüllt die praxisgemässe
n Kriterien (vgl. vorstehend E
. 2.5) und weist keine Mängel auf. Demnach kann für die Entscheidfindung darauf abgestellt werden.
Somit ist der medizinische Sachverhalt dahingehend erstellt, dass eine Arbeits
-
fähigkeit von 50 % für alle Tätigkeiten besteht.
5.
5.1
Die Beschwerdegeg
nerin ging in
der angefochtenen Verfügung
(
Urk.
2) von ei
ner
Erwerbst
ätigkeit
von 50 %
ohne
Gesundheitsschaden aus (vgl. E
. 3.1). Die Beschwerdeführerin ist demgegenüber der Ansicht, sie
würde
ohne Gesundheitsschaden zu 100 % erwerbstätig
sein
(vgl. E
. 3.2).
5.2
Die
Beschwerdeführerin besuchte in G._
die Sekundarschule mit Abschluss im 15. Lebensjahr. Nach Abschluss der Sekundarschule heiratete sie ihren ersten Ehemann. Aus der Ehe gingen 3 Söhne (
geboren
1985, 1986, 1988) hervor.
Die Ehe zerbrach nach 11 Jahren
und die Söhne verblieben beim Vater. Die Be
schwerde
führerin kehrte wieder nach G._
zurück, wo sie zwischenzeitlich bei ihrer Mutter lebte. Einer beruflichen Tätigkeit ging sie nicht
nach.
Die Be
schwerdeführerin
heiratete 1992 ihren zweiten Ehemann und im selben Jahr wurde
ein weiterer
Sohn geboren.
Im Jahr 1999 reiste sie
mit
ihrer Familie nach
Y._
.
Ihr
Ehemann
kehrte im Jahr 2001
mit dem Sohn wieder nach G._
zurück, dies in ihrer Abwesenheit. Trotz Anzeig
e
hat sie bis heute kei
nen Kontakt mehr zu ihrem Sohn (
Urk.
6/28
S. 3
Ziff.
3.3).
Bis zu ihrem Aufenthalt in
Y._
is
t die Beschwerdeführerin keiner
beruflichen Tätigkeit nachgegangen (
Urk.
6/28
S. 4
Ziff.
3.4).
Die Beschwerdeführerin lebte
so
dann
von 2001 bis 2004
alleine
in
Y._
und
arbeitete bei einem Mini-
Markt als
angelernte
Kassiererin
mit
einem Pensum von 50 %
. Während
dieser
Zeit
in
Y._
lernte sie ihren dri
tten Ehemann
kenn
en. Im Jahr 2004 folgte die Heirat und sie zog mit ihm
in die Schweiz.
In dieser Zeit
verspürte das Ehepaar einen starken Kinderwunsch, welcher aber nicht erfüllt wurde
(
Urk.
6/28
S. 3 f.
Ziff.
3.3).
Die Beschwerdeführerin
arbeitet
seit
4. Oktober 2010
zu 50 % im Geschäftsbereich Arbeitsintegration (Teillohn/Recycling) der sozialen
Einrichtungen und Betriebe der Stadt
B._
(
Urk.
6/40).
5.3
Im Bericht
zur Haushaltsabklärung vom
27. März
2012
(
Urk.
6/33)
über die am 15. Februar 2011
durchgeführte
Abklärung
erfolgte
die Qualifikation mit einer
Erwerbstätigkeit von
50 %
u
nd eine
r
Haushaltstätigkeit von 5
0 %
.
Auf die Frage „Würde heute ohne die Behinderung eine Erwerbstätigkeit ausgeübt
?
“ wurde folgende Antwort der Beschwerdeführerin protokolliert: Sie habe als Kassiererin in einem Pensum von 50 % gearbeitet. T
rotz zusätzlicher Aushilfe bei Krankheitsausfällen und Ferienabwesenheiten
habe sie
,
über das ganze Jahr gesehen,
in
einem Pensum von 50 % gearbeitet
.
Nach der Einreise in die Schweiz habe sie mit ihrem Ehemann eine Familie gründen wollen. Sie sei mehrmals schwanger gewesen, habe jedoch immer einen Abort erlitten. Seit dem Abort im Jahr 2004 sei es ihr zunehmend gesundheitlich schlechter ergan
gen und sie habe deshalb auch keine neue Arbeitsstelle gesucht
.
Sie habe sich an verschiedenen Orten
auf Stellen mit
Pensen
von
50 % beworben
. J
edoch habe sie immer eine
Absage erhalten (S. 3
Ziff.
2.5
).
Im Vorbescheidverfahren machte die
Beschwerdeführerin
geltend, sie
sei wil
lens
,
ohne Beeinträchtigung einer Erwerbstätigkeit von 100 % nach
zu
gehen
,
und sie habe
dies
schon
in
der
Haushaltsabklärung angegeben
(
Urk.
6/41 S. 2
Ziff.
11)
.
5.
4
Im Lichte der dargelegten Umstände ist es nicht überwiegend wahrscheinlich, dass die Beschwerdeführerin ohne gesundheitliche Beeinträchtigung einer vollzeitlichen Erwerbstätigkeit nachginge. Vielmehr erscheint es plausibel, dass sie im von der Beschwerdegegnerin
angenommenen
Umfang von 50 % arbeiten würde.
Der
nicht protokollierte
n
Aussage der Beschwerdeführerin, sie
sei willens ohne
Beeinträchtigung einer Erwerbstätigkeit von 100 %
nachzugehen
(vgl. E
. 5.2),
stehen
genügend Hinweise
gegenüber
, die für die
von
der Beschwerdegegnerin
vorgenommene
Qualifikation
sprechen.
Die Beschwerdeführerin ist vor ihrer Erwerbstätigkeit in
Y._
keiner beruflichen Tätigkeit nachgegangen. In
Y._
hat sie, obwohl sie
a
lleinstehend war und ihre Kinder bei den
jeweiligen
Vätern aufwuchsen, nur ein Pensum von 50 % wahrgenommen. S
eit ihrer Einreise in die Schweiz im Jahr 2004
hat sie
nicht mehr
gearbeitet
, was aus
dem IK-Auszug
(
Urk.
6/1-2,
Urk.
6/14)
hervor
geht
.
Auch wenn nach der Heirat 2004 ein ausgeprägter K
inderwunsch
vorhanden war,
hätte die Beschwerdeführerin auch in dieser Zeit eine Arbeitsstelle
mit vollem Pensum
suchen können.
Eine
(auch volle)
Erwerbstätigkeit
einer Frau schliesst
nicht
grundsätzlich eine Schwangerschaft aus.
Indes
hat sich die Be
schwerdeführerin
offensichtlich vorwiegend
auf Stellen mit einem Pensum von 50 % beworben
(
Urk.
6/32)
.
Es ist so
mit
nicht überwiegend wahrscheinlich,
dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfalle mehr als 50 % arbeiten würde.
Nach dem A
usgeführten steht fest, dass der
Qualifikation
durch die
Beschwerdegegnerin gefolgt werden kann
, wonach d
ie Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall zu 50 % erwerbstätig
wäre
.
5.5
Gemäss d
er
von der Beschwerdegegnerin
vorgenommenen und, wie dargelegt, zu bestätigenden Qualifikationen
entfallen
auf
den Haushaltsbereich 50 % und
auf
den Erwerbsbereich 50 %.
Im
Haushaltsbereich
besteht eine Einschränkung von 5 %
(vgl.
Urk.
6/33 S. 9
Ziff.
8)
, was einem Invaliditätsgrad von 2.5 % entspricht.
Bei einer
Arbeitsfäh
igkeit von 50 % besteht keine Einschränkung
im 50 % betragenden Erwerbsbereich,
daraus resultiert ein Invaliditätsgrad von 0 %.
Die angefochtene Verfügung vom
8.
Juni 2012 erweist sich daher als rechtens, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
6.
6.1
Da
es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der B
eschwerdeführerin aufzuerlegen, infolge bewilligter unentgeltlicher Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, dies unter Hinweis auf §16
Abs.
4
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer).
6
.2
Mit Honorarnote vom
1
2.
November 2013
(
Urk.
14
) machte der unentgeltliche
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin einen Aufwand von
6
Stunden und
5
Mi
nuten
sowie
Barauslagen
von
Fr.
36
.
--
geltend
. Beim praxisgemässen Stundenansatz von
Fr.
200.
--
(zu
züglich
Mehrwertsteuer) ist er somit mit
Fr.
1‘352.90
(inklusive Barauslagen und M
ehrwertsteuer) aus der Gerichts
kasse
zu entschädigen
.