# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f001e352-14e5-43a7-adc9-b0b479b3eafb
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1965, alleinerziehende Mutter eines 2004 gebore
nen Sohnes (Urk. 7/1 Ziff. 3.1), arbeitete seit dem Jahre 2001 als Raum
pflegerin in einem Pflegeheim (Urk. 7/1 Ziff. 6.3.1, Urk. 7/5/1), als sie
sich bei einem Sturz
am 21. Januar 2006
Prellungen an der rechten Schulter sowie am rechten Arm zuzog
(
Urk. 7/
8/2 Z
iff.
9
). Am 20. September 2007 meldete sich die Versicherte bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug (berufliche Massnahmen und Rente, Urk. 7/1 Ziff.
7.3 und
7.8) an.
Die
Sozialversicherungs
anstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte in der Folge medizinische Berichte (
Urk. 7/5
, Urk. 7/10
), einen Arbeitgeberbericht (
Urk. 7/12
) sowie einen Auszug aus dem individuellen Konto
(IK-Auszug; Urk. 7/7
, Urk. 7/23, Urk. 7/25
) ein und zog die Akten des Unfallversicherers bei (Urk. 7/8
, Urk. 7/13-14
).
Mit Verfügung vom 26. Juni 2007
sowie
Einspracheentscheid
vom 18. Sep
-
tember
2007
stellte der Unfallversicherer die Leistungen mit Ausnahme derjenigen zur Behandlung der Beschwerden der rechten Schulter
per 22. März 2007
ein (Urk. 7/8/4-5
, Urk. 7/14/2-7
)
.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/21-22) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 19. Februar 2008 einen Rentenanspruch der Versi
cherten (Urk. 7/24).
1.2
Am 26. August 2009 meldete sich die Versicherte aufgrund einer Verschlechte
rung des psychischen und physischen Gesundheitszustandes erneut zum
Ren
tenbezug
an (Urk. 7/27) und reichte aktuelle Arztberichte ein (Urk. 7/25
= Urk. 7/29
). Die IV-Stelle holte weitere medizinische Berichte (
Urk. 7/36-37
), ei
nen aktuellen IK-Auszug (Urk. 7/33)
sowie einen aktuellen Arbeitgeberbericht (Urk. 7/34) ein und veranlasste eine polydisziplinäre Begutachtung der Versi
cherten (Urk. 7/43).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/46-47, Urk. 7/50, Urk. 7/54, Urk. 7/61, Urk. 7/67-68
, Urk. 7/89
), in dessen Rahmen die IV-Stelle weitere Arztberichte (Urk. 7/55-56, Urk. 7/64
, Urk. 7/69
) sowie einen IK-Auszug (Urk. 7/59) einholte
und die Versicherte
bidisziplinär
begutachten liess (Urk. 7/81-82),
verneinte
die IV-Stelle mit Verfügung vom 27. Februar 2012 ei
nen Rentenanspruch der Versicherten erneut (Urk. 7/91
= Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 27. Februar 2012 (Urk. 2) erhob die Versicherte am 29. März 2012 Beschwerde und beantragte die
Zusprache
einer Invalidenrente, eventuell die Durchführung weiterer medizinischer Abklärungen (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 10. Mai 2012 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6). Mit Verfügung vom 24. August 2012 wurde dies der Versicherten mitgeteilt und zugleich antragsgemäss die unentgeltliche
Prozess
führung
und Rechtsvertretung bewilligt (Urk. 10).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.
1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs.
1 ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs.
1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmög
lichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück
sichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs.
2 ATSG).
1.
2
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87
Abs.
3 IVV eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Vo
raussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im
Revi
sionsgesuch
glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität in ei
ner für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Verände
rung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17
Abs.
1 ATSG vorzuge
hen (vgl. dazu BGE 130 V 71; AHI 1999 S. 84 E. 1b mit Hinweisen; vgl. auch AHI 2000 S. 309 E. 1b mit Hinweisen). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine
anspruchs
begründende
Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im
Beschwer
defall
obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 130 V 71 E. 3.2.2 und 3.2.3, 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.
3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
be
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261
Erw
. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 261
Erw
. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70
Erw
. 4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 352
Erw
. 3a, 122 V 160
Erw
. 1c).
2.
2.1
In
der Verfügung vom 19. Februar 2008
ging die Beschwerdegegnerin
davon aus, dass d
er
Beschwerdeführerin ab 1. Februar 2007 die angestammte Tätigkeit im bisherigen Pensum von 50 % wieder zumutbar sei, und verneinte dement
sprechend einen Rentenanspruch (Urk. 7/24 S. 2).
I
n der angefochtenen Verfügung
ging die Beschwerdegegnerin
erneut
davon
aus, dass der Beschwerdeführerin leichte körperliche Tätigkeiten zu 100 % zu
mutbar seien (Urk.
2
S. 1). Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit könne als leichte
Tä
tigkeit
beurteilt werden und sei somit weiterhin zumutbar. Eine Verschlechte
rung des Gesundheitszustandes sei im Vergleich zu den Abklärungen im Jahr 2008 nicht ausgewiesen
.
Bisher habe die Beschwerdeführerin ihre Tätigkeit in einem Pensum von 50 % ausgeübt, die restlichen 50 %
sei
en auf den Aufga
benbereich
entfallen
. Dabei stützte sich die Beschwerdegegnerin insbesondere auf das Gutachten
der Medizinischen Abklärungsstelle
Y._
(
Medas
)
vom 2. Juni 2010 sowie das psychiatrisch-rheumatologische Gutachten vom 16. November bzw. 13. Dezember 2011. Insgesamt ergebe sich kein
rentenbe
gründender
Invaliditätsgrad (S. 2).
In der Beschwerdeantwort vom 10. Mai 2012 (Urk. 6) führte die
Beschwerdegeg
nerin
ergänzend aus,
entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin könne bereits dem ersten
Medas
-Gutachten gefolgt werden. Zudem sei dem Re
gionalen Ärztlichen Dienst (RAD) auch der bei der ersten Begutachtung feh
lende Arztbericht zur Stellungnahme vorgelegt worden. Es sei folglich nicht zu beanstanden, dass die Arbeitsfähigkeit im zweiten Gutachten ab dem Zeitpunkt des ersten Gutachtens beurteilt werde
. Weiter habe der psychiatrische Gutachter
Dr.
med.
Z._
, Psychiatrie Psychotherapie FMH,
auch die bereits vorhandenen Arztberichte gewürdigt. Auch bei Vorliegen einer mittelgradigen depressiven Episode lasse sich aus versicherungsmedizinischer Sicht keine Ar
beitsunfähigkeit von 100 % begründen. In beiden Gutachten sei festgehalten worden, dass die Beschwerdeführerin in ihrer Haushaltstätigkeit nicht einge
schränkt sei, weshalb sich eine Haushaltabklärung erübrigt habe. Bezüglich der Qualifikation sodann sei darauf hinzuweisen, dass sich das Kind bereits im Schulalter befinde und die Beschwerdeführerin dennoch nie eine
Arbeitstätig
keit
von mehr als 50 % aufgenommen habe. Eine Vollzeitarbeitstätigkeit sei entsprechend zu verneinen (S. 2).
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin
geltend,
bis zur Geburt ihres Sohnes
habe sie in einem Pensum von
100 % gearbeitet. Danach habe sie ihr Arbeitspensum auf 50 % reduziert, um die Betreuung ihres Kindes zu gewähr
leisten. Inzwischen hätte sie jedoch längst wieder in einem vollen Pensum gear
beitet, da ihr Sohn mittlerweile acht Jahre alt sei und die Schule besuche. Allein aufgrund ihres schlechten Gesundheitszustandes sei dies nicht möglich (
Urk. 1
S. 6
Ziff. 2.2)
.
Am 21. April 2008 sei
s
ie von einem unbekannten Mann so stark in den Nacken geschlagen worden, dass sie gestürzt sei
,
was zu
starke
n
Nacken- und
Arm
schmerzen
geführt
habe, welche erneut Physiotherapie notwendig gemacht hätten.
Dieses Ereignis habe zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustan
des geführt, welche trotz diverser Therapieversuche bis heute andauere und sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirke
(S. 7 f. Ziff. 2.3.1). Schon seit zirka dem Jahre 2003 besteh
e
sodann die depressive Erkrankung. Im Zeitpunkt der letzten Ver
fügung vom 19. Februar 2008 habe eine leichte Depression vorgelegen.
Der Verlauf
zeige jedoch, dass die psychische Entwicklung nicht stabil sei und of
fenbar auch nicht mit den entsprechenden Medikamenten in den Griff zu be
kommen sei. Inzwischen komme es immer wieder zu mittelschweren Episoden
. Auch die persönliche Situation sei Ausdruck der psychischen und physischen Erkrankung. So sei ihrem Sohn ein Beistand beigeordnet worden und er werde ab Frühjahr fremdplatziert (S. 8 f. Ziff. 2.3.2). Der Hausarzt bestätige eine volle Arbeitsunfähigkeit, dies auch in einer angepassten Tätigkeit und im Haushalt. Auch die
A._
habe eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit attestiert (Ziff. 2.4).
Weiter machte die Beschwerdeführerin geltend, die Gutachten von Dr.
med.
J._
, Spezialarzt FMH für Rheumatologie,
und Dr.
Z._
seien un
brauchbar, da der erhebliche Zeitraum von 2008 bis 2010 unberücksichtigt ge
blieben sei. Der Rheumatologe
beziehe
sich sodann
auf altes Bildmaterial, ohne eigene neue Untersuchungen zu veranlassen (S. 9 Ziff. 2.5
Rz
36). Dr.
J._
lehne sich an das bereits im Oktober 2010 fundiert kritisierte
Medas
-Gutachten an, ohne nachvollziehbare eigene Erkenntnisse darzulegen. Sein Gutachten sei daher unbrauchbar (S. 10
Rz
40). Auch das Gutachten von Dr.
Z._
werfe viele Fragen und Zweifel auf und sei im Ergebnis ebenfalls nicht brauchbar. Sehr auffällig sei dabei die Diskrepanz zwischen dem Bericht der
A._
vom 27. Juli 2011, in welchem eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, diagnostiziert werde, und dem Gutachten vom 13. Dezember 2011, in welchem Dr.
Z._
von einer knapp
leichtgradigen
Episode spreche (S. 11
Rz
43).
Dr.
Z._
habe zudem ei
nen
K._
als Dol
metscher beigezogen, welchen sie als
L._
jedoch kaum verstanden habe (S. 12
Rz
46).
Selbst wenn Dr.
Z._
sie am 25. Novemb
e
r 2011 an ei
nem besseren Tag untersucht
hätte
,
sprächen
die Gesamtumstände eindeutig ge
gen einen psychi
sch stabilen Gesundheitszustand
. Wäre sie durch Psychothera
pie und verabreichte Psychopharmaka inzwischen wirklich stabil,
platzierte
man ihren Sohn nicht in einem Wohnheim fremd, um das Kind zu schützen und ihr Gelegenheit zu geben, ihre Gesundheit und ihre Psyche in den Griff zu bekom
men (S. 13
Rz
52). Derzeit müsse davon ausgegangen werden, dass sie aufgrund des fatalen Zusammenspiels einer schmerzhaften Weichteilerkrankung und
(
mindestens
)
einer erheblichen und sehr instabilen psychischen Erkrankung
sei
t
dem Ereignis vom 21. April 2008 weiterhin auch in angepasster Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig sei (S. 13
Rz
54).
2.3
Strittig und zu prüfen ist somit einerseits die Statusfrag
e
und andererseits, ob
und
falls ja
in welchem Ausmass
sich der Gesundheitszustand
und die Arbeits
fähigkeit
der Beschwerdeführerin
seit der letzten rechtskräftigen Verfügung vom 19. Februar 2008 verändert haben.
3.
3.
1
Sowohl im Rahmen einer erstmaligen Prüfung des Rentenanspruches als auch anlässlich einer Rentenrevision (Art. 17
Abs.
1 ATSG) stellt sich unter dem Ge
sichtspunkt des Art. 28a
Abs.
3 IVG in Verbindung mit Art. 16 und 7 Abs. 2 ATSG die Frage nach der anwendbaren Invaliditätsbemessungsmethode. Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichter
werbstätig einzustufen ist
was je zur Anwendung einer anderen Methode der
Invaliditätsbemessung (Einkommensvergleich, Betätigungsvergleich, gemischte Methode) führt -, ergibt sich - auch nach In-Kraft-Treten des ATSG (vgl. SVR 2005 IV Nr. 21 S. 83 E. 4.2 mit Hinweis [I 249/04]) - aus der Prüfung, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitli
che Beeinträchtigung bestünde. Das Kriterium der Zumutbarkeit einer Erwerbs
tätigkeit bezieht sich nicht auf den Gesundheits-, sondern auf den
Invaliditäts
fall
. Entscheidend ist nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versi
cherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in wel
chem Pensum sie hypothetisch, d.h. ohne Gesundheitsschaden, aber bei sonst gleichen Verhältnissen, erwerbstätig wäre (Art. 27
bis
IVV; BGE 131 V 51 E. 5.1.2 S. 53 und E. 5.2 S. 54; SVR 2006 IV Nr. 42 S. 151, E. 5.1.2, I 156/04; vgl. auch BGE 125 V 146 E. 5c/
bb
S. 157). Die gemischte Methode bezweckt damit eine möglichst wirklichkeitsgerechte Bemessung des Invaliditätsgrades. Sie findet auch Anwendung, wenn der versicherten Person ohne gesundheitliche Beein
trächtigung eine vollzeitliche Erwerbstätigkeit zumutbar wäre, sie aber trotzdem eine solche nicht ausüben würde (BGE 133 V 504 E. 3.3 in
fine
; vgl. auch BGE 133 V 477 E. 6.3 S. 486). Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönli
chen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der
Ver
waltungsverfügung
entwickelt haben. Dabei sind die konkrete Situation und die Vorbringen der versicherten Person nach Massgabe der allgemeinen Lebenser
fahrung zu würdigen. Für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit ist der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich (BGE 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b, je mit Hinweisen, Urteil des Bundesgerichts I 266/05 vom 11. April 2006 E. 4.2, vgl. auch BGE 133 V 504 E. 3.3).
3.
2
Die Beschwerdegegnerin stufte die Beschwerdeführerin als im Gesundheitsfall zu 50 % erwerbstätig ein, nachdem diese bisher in diesem Rahmen gearbeitet hatte (Urk. 2 S. 2).
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin geltend, bis zur Geburt ihres Sohnes habe sie in einem Pensum von 100 % gearbeitet. Da ihr Sohn mittlerweile acht Jahre alt sei und die Schule besuche, hätte sie längst wieder in einem vollen Pensum gearbeitet. Lediglich aufgrund ihres schlechten Gesundheitszustandes sei dies nicht möglich (Urk. 1 S. 6 Ziff. 2.2).
Zutreffend ist, dass die Beschwerdeführerin
zunächst
in einem Pensum von 80 % im Reinigungsdienst angestellt war und zusätzlich zu 20 % als Putzfrau arbeitete (vgl. Urk. 7/5/8 Ziff. 3).
Nach der Geburt ihres Sohnes im Jahre 2004
reduzierte sie ihr Pensum auf 50 % (Urk. 7/12/3 Ziff. 2.9). Zu beachten ist je
doch, dass die
alleinerziehende
Beschwerdeführerin vom Vater ihres Sohnes keine Alimente erhält
und dementsprechend Sozialhilfegelder
bezieht
(vgl. Urk. 7/69 S. 2 Ziff. 1.4)
. Im
Gesundheitsfall
wäre sie daher gezwungen,
einer Arbeit nach
zu
gehen.
Da sie vor der Geburt ihres Sohnes zu 100 % arbeitstätig war, ist mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwie
genden Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin ohne den Gesundheitsschaden wieder in einem Pen
sum von 100 % erwerbstätig wäre, zumal sie wirtschaftlich zur Bestreitung ihres Lebensunterhalts auf ein volles Einkommen angewiesen wäre (vgl.
Valideneinkommen
Ziff.
6.2).
4.
4.
1
Am 28. November sowie 12./13. Dezember 2006 nahm die Beschwerdeführerin an einem
Arbeitsassessment
im
B._
teil (Urk. 7/8/23-33). In seinem Bericht vom 4. Januar 2007 nannte
Dr.
med.
C._
, Oberarzt,
folgende Diagnosen (S. 5 Ziff. 2.1):
Zervikobrachialsyndrom
rechtsbetont bei
Status nach Schulter-Kopfkontusion rechts am 21. Januar 2006
Pseudoradikuläre
Ausstrahlungen Arm rechts bei
myofsazialen
Befun
den
c
hronische
atrophe
Gastritis, Diagnose Juni 2006
Penicillinallergie
Das bisherige Pensum von 50 % als Angestellte in der Reinigung sei der Be
schwerdeführerin grundsätzlich zumutbar, wobei lediglich das Entsorgen der 10 bis 15 kg schweren Müllsäcke nicht mehr möglich sei (S. 3 Ziff. 1.1). Andere leichte Tätigkeiten mit einer deutlichen Einschränkung für Tätigkeiten über Kopf bzw. mit kraftvollem Armeinsatz seien der Beschwerdeführerin ebenfalls zumutbar. Ohne Einbezug einer vollständigen Evaluation der arbeitsbezogenen funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) sei jedoch keine Beurteilung des zumut
baren zeitlichen Umfanges möglich (S. 4 Ziff. 1.2).
4.
2
Dr.
D._
, beratender Arzt des zuständigen Unfallversicherers,
führte am 14. Juni 2007 aus, die posttraumatische AC-Gelenksarthrose mit mögliche
m
subacrominalem
Impingement
-Syndrom rechts sei überwiegend wahrscheinlich auf das Ereignis vom 21. Januar 2006 zurückzuführen. Die festgestellten Verän
derungen
entsprächen
weder einem Vorzustand noch
träten sie
spontan auf (Urk. 7/8/43). Das
Zervikobrachialsyndrom
rechts hingegen sei nur möglicher
weise auf
das
Ereignis vom 21. Januar 2006 zurückzuführen. Bis Ende Juni 2006 sei die HWS-Problematik im Sinne einer vorübergehenden Verschlimme
rung ohne richtunggebenden Charakter unfallbedingt ausgewiesen. Die
Haupt
kraftwirkung
habe jedoch die Schulter betroffen und die
Mitbeteilung
der HWS sei somit als moderat zu beurteilen (Urk. 7/8/44).
4.
3
In ihrem Bericht vom 9. Juli 2007 (Urk. 7/53) nannte
Dr.
med.
E._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Vertrauensärztin der zuständigen Pensionskasse, folgende Diagnosen (Ziff. 1):
l
eichte depressive Episode (ICD-10 F33.0) bei anamnestisch rezidivieren
den depressiven Episoden
b
elastende Lebensumstände (ICD-10 Z63)
p
osttraumatische AC-Gelenksarthrose mit möglichem
subacrominalen
Im
pingementsyndrom
rechts
Zervikobrachialsyndrom
rechts
Urininkontinenz
Zirka im Jahre 2003 habe die Beschwerdeführerin erstmals wegen depressiver Symptome psychotherapeutische Hilfe gesucht (Ziff. 3). Sie sei mit ihrer gegen
wärtigen Situation deutlich überfordert. Mit dem Kind sei sie völlig alleine ge
lassen, der Vater kümmere sich nicht um seinen Sohn (Ziff. 4). Die psychiatri
sche Diagnose rechtfertige zum Beurteilungszeitpunkt keine Arbeitsunfähigkeit, aus psychiatrischer Sicht bestehe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit bei einem Pen
sum von 50 %. Nach Rücksprache mit dem behandelnden Psychiater erachte sie die Attestierung einer auf drei Monate begrenzten, verminderten Leistungsfä
higkeit, mit kontinuierlicher Leistungssteigerung innerhalb des unverändert absolvierten Arbeitspensums für indiziert
(Ziff. 12)
.
4.
4
Der Hausarzt
Dr.
med.
F._
,
FMH Allgemeine Medizin, nannte in sei
nem Bericht vom 15. Oktober 2007 (Urk. 7/10/3-6) folgende Diagnosen (
lit
. A):
chronisch invalidisierende Nacken-, Schulter- und Oberarmschmerzen rechts bei DH C4/5 mit
radikulärem
Syndrom C5 rechts, zervikaler
Hy
perlordose
und rezidivierender
Epicondylitis
lateralis
rezidivierendes
Lumbovertebralsyndrom
mit segmentalen Dysfunktionen bei Haltungsinsuffizienz
wiederholte mittelschwere depressive Phasen bei sozial belastenden Le
bensumständen
Mischinkontinenz bei Zystozele I-II,
Rektozele
I und
Descensus
uteri
I
chronisch
atrophe
Gastritis mit
Anchlorhydrie
Übergewicht (BMI 28.5)
Nach Phasen wechselnder Arbeitsfähigkeit sei die Beschwerdeführerin nun seit dem 30. Juli 2007 als Putzfrau und Hausfrau vollständig arbeitsunfähig. Als Hausfrau bestehe eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit. Auch in den Phasen voller Erwerbstätigkeit sei die Beschwerdeführerin immer nur vermindert einsatzfähig gewesen (
lit
. B).
Die Prognose für eine volle Erwerbsfähigkeit sei momentan
desolat. Die Beschwerdeführerin sei fremdsprachig mit mässigen
Deutschkennt
nissen
, habe eine langdauernde Emigrationsgeschichte mit dürftiger Integration hinter sich, verfüge über eine mangelhafte Schul- und keine Berufsausbildung und sei alleinerziehende Mutter in sozialer Isolation. Bei ungünstigen statischen Verhältnissen werde sich die HWS-Pathologie rasch verschlechtern. Die drin
gend nötige soziale Unterstützung sei nirgends sichtbar und die psychischen Defizite seien bei der tristen Biographie kaum mehr
kompensierbar
(
lit
. D.7).
4.
5
Dr.
med.
G._
, Allgemeine Medizin FMH, Vertrauensarzt de
r zuständi
gen Pensionskasse
, nannte in seinem Bericht vom 4. August 2008 (Urk. 7/29) folgende Diagnosen (Ziff. 1):
chronisch invalidisierende Nacken-, Schulter- und Oberarmschmerzen rechts
Schulter-
Kopfprotraktion
bei ausgeprägter Haltungsinsuffizienz und all
gemeiner
Dekonditionierung
Mögliches intermittierendes
radikuläres
Syndrom C5 bei mittelgradi
ger Einengung des
Neuroforamen
Höhe C4/5 rechts
Uppercross
-Syndrom
rezidivierendes
Lumbovertebralsyndrom
mit segmentalen Dysfunktionen bei Haltungsinsuffizienz
rezidivierende leichte bis
mittelschwere depressive Phasen bei sozial
be
-
las
tenden Lebensumständen
Mischinkontinenz bei
Z
ysto
z
ele I-II,
Re
k
to
z
ele
I und
Descensus
uteri I
chronisch
atrophe
Gastritis mit
Anchlorhydrie
Übergewicht (BMI 28.5)
Die objektiven somatischen Befunde seien seit der letzten Untersuchung
im Au
gust 2007
unverändert. Ein zwischenzeitlich durchgeführtes MRI der HWS habe keine Hinweise für strukturelle Veränderungen gezeigt. Zwischenzeitlich durch
geführte Therapieversuche hätten keinerlei Verbesserungen der Symptomatik gebracht. Die Lebenssituation der Beschwerdeführerin sei unverändert, sie wohne alleine mit ihrem Sohn, der nun in den Kindergarten komme. Die soziale Isolierung habe sich
chronifiziert
(Ziff. 3).
Die Prognose bezüglich zukünftiger Arbeitsfähigkeit sei desolat. Trotz intensiver Bemühungen eines ausgedehnten Helfernetzes, inklusive Schaffung einer Sozialstelle, sei hinsichtlich beruflicher Reintegration keinerlei Erfolg zu verzeichnen. Es sei von einer andauernden Er
werbsunfähigkeit und Berufsinvalidität auszugehen (Ziff. 10). Auch eine andere zumutbare Arbeit komme nicht in Frage (Ziff. 6).
4.
6
In seinem Bericht vom 23. September 2009 (Urk. 7/36) führte der Hausarzt Dr.
F._
aus, die Beschwerdeführerin sei am 21. April 2008 beim Aussteigen aus der S-Bahn von einem unbekannten Mann so stark in den Nacken geschla
gen worden, dass sie vornüber gestürzt sei. Aufgrund erneuter starker Nacken-/Armschmerzen sei die Physiotherapie wieder aufgenommen und wiederholt lo
kal Cortison injiziert worden, wobei mit diesen Therapien nicht einmal der Sta
tus quo ante bezüglich April 2008 habe erreicht werden können
(Ziff. 1)
.
Als Diagnosen nannte Dr.
F._
sodann folgende (Ziff. 4):
chronisch invalidisierende Nacken-, Schulter- und Oberarmschmerzen rechts bei Diskushernie C4/5 rechts, ausgeprägter Haltungsinsuffizienz mit hochthorakaler Hyperkyphose, tief-zervikaler Hyperlordose und lumbalem Flachrücken bei allgemeiner
Dekonditionierung
Uppercross
-Syndrom
chronisch rezidivierendes
Lumbovertebralsyndrom
mit segmentaler Dys
funktion
rezidivierende leichte, häufiger mittelschwere depressive Phasen bei so
zial belastenden Lebensumständen
Mischinkontinenz bei Zystozele 2. Grades,
Rektozele
und
Descensus
uteri 1. Grades mit andauernder Symptomatik nach zwei Operationen
chronisch
atrophe
Gastritis
D
ie Beschwerdeführerin habe seit seinem letzten Zeugnis in reduziertem Um
fang an einem geschützten Arbeitsplatz als Kantinen- und
Reinigungsmitarbei
terin
in einem Alters- und Pflegeheim gearbeitet, habe jedoch auch diese Leis
tungen nicht erbringen können. Bis auf
Weiteres
sei sie auf dem ersten Ar
beitsmarkt
zu
100 % arbeitsunfähig (Ziff. 3).
4.
7
Im Auftrag der Beschwerdegegnerin wurde die Beschwerdeführerin in der
MEDAS
Y._
polydisziplinär begutachtet. In ihrem auf den ihnen zur Verfügung gestellten Unterlagen sowie eigene
n
Befragungen und Untersuchun
gen
basierenden Gutachten vom 2. Juni 2010 (Urk. 7/43) diagnostizierten die beteiligten Ärzte mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit einzig eine
Periarthropa
thia
humeroscapularis
rechts ohne Hinweise auf eine
Impingementsymptomatik
und ohne Einschränkung der Beweglichkeit (S. 13 Ziff. 4.1). Als Diagnosen ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nannten sie sodann ein
genera
lisiertes Schmerzsyndrom
(
bevorzugt
die rechte Körperhälfte)
sowie psycholo
gische Faktoren und Verhaltensfaktoren bei andernorts klassifizierten Krank
heiten. Die Kriterien für
Fibromyalgie
seien erfüllt (
S. 13
Ziff. 4.2). Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit in einer Wäscherei sei der Beschwerdeführerin, da es sich offenbar um eine körperlich leichte Tätigkeit gehandelt habe, uneingeschränkt zumutbar, die Arbeitsfähigkeit betrage 100 %. Die diagnostisch als objektivier
barer Gesundheitsschaden im Vordergrund stehende
Periarthropathia
humeros
capularis
rechts führe infolge verminderter Belastbarkeit zu einer Einschrän
kung für körperlich mittelschwere und schwere Tätigkeiten sowie für Arbeiten an oder über Schulterhöhe wie auch für klassische Reinigungsarbeiten. All dies sei der Beschwerdeführerin im Rahmen der vorgegebenen Einschränkungen nicht mehr möglich. Die Tätigkeit als Hausfrau in einem Zweipersonenhaushalt sei der Versicherten aufgrund der guten Einteilbarkeit der anfallenden Arbeiten
uneingeschränkt zumutbar (
S. 14
Ziff. 5.1).
Behinderungsangepasst seien der Beschwerdeführerin lediglich noch körperlich leichte Tätigkeiten, gehend und/oder sitzend, zumutbar, dies in uneingeschränktem Ausmass (S. 14 Ziff. 5.2). Die Arbeitsunfähigkeit sei auf das Datum der erneuten Anmeldung bei der Invalidenversicherung am 26. August 2009 zurückzudatieren bei seither im Wesentlichen unverändertem Gesundheitszustand (S. 14 Ziff. 5.4).
4.8
Dr.
med.
H._
, Fachärztin FMH für Neurologie, untersuchte die Be
schwerdeführerin einmalig am 25. Oktober 2010, konnte jedoch keinerlei neu
rologische Befunde feststellen und machte auch keinerlei Angaben betreffend die Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/55/7-8).
4.
9
Die behandelnden Ärzte der
I
,
A._
,
diagnostizierten in ihrem Bericht vom 27. Juli 2011 (Urk. 7/69) mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivie
rende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode sowie ohne Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine chronische Schmerzstörung mit somati
schen und psychischen Faktoren (Ziff. 1.1). Als Haushaltshilfe sei die Beschwer
deführerin seit dem Behandlungsbeginn am 10. Mai 2011 und bis auf
Weiteres
zu 100 % arbeitsunfähig (Ziff. 1.6).
Es bestünden eine verminderte
Aufmerk
samkeits
-
spanne sowie eine verminderte Stresstoleranz. Weiter bestehe im for
malen Gedankengang eine
Grübelneigung
, welche sich negativ auf die Kon
zentrationsfähigkeit und die Schlafqualität auswirke. Bei anhaltender
Reiz
überforderung
und fehlenden
Copingstrategien
neige die Beschwerdeführerin
zu
sozialem Rückzug, was wiederum zu einer Verschlechterung der depressiven Symptome führen könne. Die Beschwerdeführerin sei in ihrer Fähigkeit, sich so
zial zu integrieren, mittelgradig eingeschränkt.
Die bisherige Tätigkeit sei nicht mehr zumutbar. Eine Arbeitsfähigkeit am ersten Arbeitsmarkt scheine im Mo
ment und bis auf
Weiteres
nicht gegeben. Eine Beschäftigung im Rahmen einer geschützten Tätigkeit zur Tagesstrukturierung sei ab dem 30. Juni 2011 mit ei
nem Belastungsprofil von 20 % (acht Stunden pro Woche) zumutbar (Ziff. 1.7).
4.
10
Am 16. November 2011 wurde die Beschwerdeführerin im Auftrag der
Beschwer
degegnerin
rheumatologisch begutachtet (Urk. 7/82). In seinem auf den vorhandenen Akten, d
er
eigene
n
Untersuchung sowie Besprechungen mit Dr.
Z._
basierenden Gutachten nannte Dr.
J._
folgende Diagnosen (S. 13 Ziff. 1):
generalisierte Schmerzen ohne erkennbare, ausreichend erklärende organi
sche Veränderungen
mögliche,
leichtgradige
Periarthropathia
humeroscapularis
rechts, aktuell ohne erkennbare
Impingementsymptomatik
Adipositas
Das aktuelle Beschwerdebild habe seinen Anfang im Anschluss an ein Schulter-Nacken-Trauma im Januar 2006 genommen, erst der weitere klinische Verlauf bei gleichzeitiger Therapieresistenz habe schliesslich im
Medas
-Gutachten
vom Juni 2010 weg von der
Fokusierung
auf eine umschriebene Pathologie hin zu einem generalisierten Schmerzbild geführt. Klinisch liessen sich derzeit kaum relevante krankhafte Befunde erheben. Im Gegensatz zur
Medas
-Untersuchung sei
en
auch an der rechten Schulter keine gröberen Auffälligkeiten erkennbar, insbesondere
liessen sich keine
Impingementzeichen
finden und die Schulter sei frei beweglich. Angesichts der diffusen Schmerzen könne eine leichte
residuelle
Periarthropathia
humeroscapularis
kaum mehr s
icher abgegrenzt werden (S. 13 f. Ziff. 1).
Die letzterwähnte Tätigkeit in einer Wäscherei sei
der Beschwerdeführerin zu 100 % zumutbar. Obwohl sich heute keine sichere Schulterpathologie
mehr er
kennen lasse, seien angesichts der Vorgeschichte häufigere Arbeiten über Kopf nicht ratsam, da sich ein organisch begründetes Schmerzrezidiv bei grösserer Schulterbelastung rechts nicht ausschliessen lasse (S. 14 Ziff. 2). Zumutbar seien der Beschwerdeführerin sodann alle ihrer Konstitution und ihrem
Trainingszu
stand
angepassten Tätigkeiten unter Berücksichtigung der erwähnten Rück
sichtnahme auf die rechte Schulter. So seien
ihr auch leichtere
Putzarbeiten zu
mutbar (S. 14 Ziff. 3). Der Grad der Arbeitsfähigkeit habe sich seit dem letzten Gutachten nicht grundsätzlich verändert, die etwas verbesserte Situation an der rechten Schulter könne vernachlässigt werden (S. 15 Ziff. 10).
4.
1
1
Dr.
Z._
begutachtete die Beschwerdeführerin am 25. November 20
11 und erstattete am 13. Dezember 2011 gestützt auf die vorhandenen Akten, eigene Untersuchungen sowie die Besprechungen mit Dr.
J._
sei
n
Gutachten (Urk. 7/81 S. 1).
Dabei nannte er folgende Diagnosen (S.
10
Zu 1
):
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig knapp
leichtgradige
Epi
sode (ICD-10 F33.0)
familiäre Schwierigkeiten, mässige kulturelle Integration (ICD-10 Z63/Z60.3)
Im Jahre 2003 sei die Beschwerdeführerin erstmals verstimmt gewesen, habe aber keine psychiatrische Behandlung aufgenommen. Im Sommer 2007 sei eine leichte depressive Episode diagnostiziert worden, nachdem die Beschwerdefüh
rerin bereits vorher wegen der schwierigen psychosozialen Situation in eine Erschöpfung geraten sei. Im Anschluss daran habe sie während Jahren eine re
lativ günstige psychische Phase durchgemacht, wobei sich in dieser Zeit die Schmerzkrankheit bzw. die psychosomatische Überlagerung derselben
verstärkt habe. Im Herbst 2010 sei es zu einer verstärkten Depressivität gekommen, wobei
erneut ungünstige soziale und familiäre Schwierigkeiten eine Rolle gespielt hätten. Im Mai 2011 habe die Beschwerdeführerin subjektiv deutlich an psy
chischen Beschwerden gelitten und deshalb auch eine ambulante psychiatrische Therapie aufgenommen. Ab August 2011 habe sich eine relevante Verbesserung der Depression eingestellt, die Beschwerdeführerin gehe deshalb nur noch selten zum Therapeuten. Von April bis August 2011 habe vorübergehend eine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit von über 20 % bestanden, seither habe sich die Arbeitsfähigkeit jedoch auf 85 % gesteigert
(S. 11 f. Zu 5)
.
Die Beschwerdefüh
rerin zeige hinsichtlich der früher ausgeübten Tätigkeiten weitgehend erhaltene Fähigkeiten. Im Haushalt sei sie nicht eingeschränkt (S. 11 Mitte).
5.
5.1
Zunächst ist bezüglich der Kritik der Beschwerdeführerin an den Gutachten von Dr.
J._
und Dr.
Z._
festzuhalten, dass beide Gutachten die
praxisge
mässen
Kriterien (vgl. vorstehend E. 1.
5
) erfüllen.
Zutreffend ist zwar, dass Dr.
J._
auf eigene bildgebende Untersuchungen verzichtete und sich
ausschliesslich
auf das bereits bestehende Bildmaterial
aus den Jahren 2006 bis 2009
stützte (Urk. 7/82 Ziff. 4.1-2).
Es ist jedoch
der Fach
kompetenz des
begutachtenden Rheumatologen
überlassen, wie er die Explora
tion im Einzelnen durchführt.
Insbesondere steht es
dem Gutachter frei zu ent
scheiden, welche Untersuchungen er als notwendig erachtet. Nachdem sich
an
lässlich
der ausführlichen klinischen Untersuchung kaum relevante krankhafte Befunde erheben liessen (E. 4.
10
), kann Dr.
J._
der Verzicht auf weitere
bild
gebende
Untersuchungen nicht vorgeworfen werden.
Unzutreffend ist sodann der Vorwurf, der erhebliche Zeitraum von 2008 bis 2010 sei unberücksichtigt geblieben.
Dr.
J._
verschaffte sich
einen Überblick über sämtliche vorhande
nen Arztberichte
aus der Zeit von Januar 2006 bis Juli 2011
(vgl. Urk. 7/82/2-5 Ziff. 1.1) und setzte sich auch mit diesen auseinander (vgl. Urk. 7/82/15 Ziff. 7).
Ebenso ist auch nicht ersichtlich, inwiefern sich Dr.
J._
zu Unrecht
an das
Medas
-Gutachten
angelehnt haben sollte
.
Seit der
Medas
-Begutachtung
fanden keine rheumatologischen Untersuchungen mehr statt. Der einzige Bericht, wel
cher nicht von einem psychiatrischen Facharzt verfasst wurde, ist derjenige von Dr.
H._
, in welchem jedoch weder ein neurologischer Befund noch eine Be
urteilung der Arbeitsfähigkeit festgehalten wurde (E. 4.8).
Dass der Gutachter
somit
Bezug auf die letzte
rheumatologische
Beurteilung
nahm
,
entspricht dem absolut normalen Vorgehen.
Was sodann das Gutachten von Dr.
Z._
betrifft, stösst die Argumentation der Beschwerdeführerin ebenfalls ins Leere.
Die von ihr monierte Diskrepanz
zwischen dem Bericht der
A._
, in welchem eine rezidivierende depressive Stö
rung, gegenwärtig mittelgradige Episode, genannt wurde, und der Beurteilung durch Dr.
Z._
, welcher lediglich eine knapp
leichtgradige
Episode fest
stellt
e
, führt nicht zur Unverwertbarkeit des Gutachtens
,
zeichnen sich doch
r
e
zidivierende depressive Störungen gerade durch einen schwankenden Verlauf aus
. Ein solcher ergibt sich
denn auch im vorliegenden Fall aus den
Arztbe
richten
(vgl. E. 4.3-
4.
5).
Was
sodann
die Kritik der Beschwerdeführerin an de
m
anlässlich der Begutachtung durch
Dr.
Z._
anwesenden Dolmetscher be
trifft (
Urk.
1 S.
1
2
Ziff.
46 f.
),
ergeben
sich aus dem Gutachten keinerlei Hin
weise darauf, dass die Beschwerdeführerin Verständigungsprobleme gehabt hätte.
Die Tatsache, dass der Sohn der Beschwerdeführerin seit Frühjahr 2013 fremdplatziert ist, lässt
weiter
keinen Rückschluss auf die gesundheitliche Situ
ation der Beschwerdeführerin zu.
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit kann somit
vollumfänglich
auf die bei
den Gutachten von Dr.
J._
und Dr.
Z._
abgestellt werden.
5.2
Bezüglich der somatischen Beschwerden
hielt der Vertrauensarzt der Pensions
kasse, Dr.
G._
, im August 2008 fest, die objektiven somatischen Befunde hätten sich seit der letzten Untersuchung
im August 2007 nicht verändert. Auch ein zwischenzeitlich durchgeführtes MRI der HWS ergab keine Hinweise für strukturelle
Veränderungen (E. 4.5).
D
er Hausarzt
führte
in seinem Bericht
vom 23.
September 2009
sodann
aus, der am 21. April 2008 erlittene Schlag in den Nacken habe zu erneuten starken Nacken- und Armschmerzen geführt. Die Di
agnosen blieben
jedoch
im Wesentlichen unverändert, wobei Dr.
F._
die
ra
dikuläre
Symptomatik nicht mehr erwähnte
(E. 4.6). Dass das Ereignis vom 21. April 2008 demnach zu einer anhaltenden Verschlechterung des Gesund
heitszustandes
geführt hätte, kann somit ausgeschlossen werden. Gestützt auf das Gutachten von Dr.
J._
ist somit organisch von einer
leichtgradigen
Schulterproblematik auszugehen, wobei die zuletzt ausgeübte Tätigkeit in einer Wäscherei nach wie vor zu 100 % zumutbar ist.
Auch andere
körperlich
leichte Tätigkeiten sind der Beschwerdeführerin zu 100 % zumutbar, wobei häufigere Arbeiten über Kopf zu vermeiden sind (E. 4.
10
).
5.3
Nachdem bezüglich der psychischen Beschwerden eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (E. 4.1
1
) beziehungsweise eine chronische Schmerzstörung (E. 4.
9
) sowie eine
Fibromyalgie
/ generalisiertes Schmerzsyndrom (E. 4.7) diag
nostiziert wurde
n
, ist zunächst unter Berücksichtigung der Rechtsprechung zu prüfen, ob die festgestellte
somatoforme
Problematik einen invalidisierenden Gesundheitsschaden darstellt, oder ob der Beschwerdeführerin die
Willensan
strengung
zur Überwindung der Schmerzen zumutbar ist.
Eine fachärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung begründet als solche noch keine Invalidität.
Vielmehr besteht eine Vermutung, dass die
somatoforme
Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die Feststellung einer psychischen
Komorbidität
von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer. Massgebend sein können auch weitere Faktoren, so: chronische körperli
che Begleiterkrankungen; ein mehrjähriger,
chronifizierter
Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne längerdauernde Rück
bildung; ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn; "Flucht in die Krankheit"); das Scheitern einer konsequent durchgeführten ambulanten oder stationären Behandlung (auch mit unter
schiedlichem therapeutischen Ansatz) trotz kooperativer Haltung der versicher
ten Person. Je mehr dieser Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die ent
sprechenden Befunde darstellen, desto eher sind - ausnahmsweise - die Vo
raussetzungen für eine zumutbare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 130 V 352). Diese im Bereich der
somatoformen
Schmerzstörungen entwickelten Grundsätze werden rechtsprechungsgemäss bei der Würdigung des invalidisie
renden Charakters von
Fibromyalgien
(BGE 132 V 65 E. 4 S. 70), dissoziativen Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen (SVR 2007 IV Nr. 45 S. 150, I 9/07
E. 4 am Ende),
Chronic
Fatigue
Syndrome (CFS; chronisches Müdigkeits
-
syndrom) und Neurasthenie (Urteile 9C_662/2009 vom 17. August 2010 E. 2.3; 9C_98/2010 vom 28. April 2010 E. 2.2.2 und I 70/07 vom 14. April 2008 E. 5), bei dissoziativen Bewegungsstörungen (Urteil 9C_903/2007 vom 30. April 2008 E. 3.4), bei einer HWS-Verletzung (Schleudertrauma) ohne organisch nachweis
bare Funktionsfälle (BGE 136 V 279) sowie bei nicht organischer
Hypersomnie
(BGE 137 V 64 E. 4.1 und 4.2 mit Hinweisen) analog angewendet.
Gemäss
der Praxis des Bundesgerichts ist demnach von untergeordneter Bedeutung,
dass die
somatoforme
Problematik von den jeweiligen Ärzten verschieden diagnostiziert wurde.
Zum zentralen Kriterium der psychischen
Komorbidität
ist zunächst festzuhal
ten, dass die psychischen Verstimmungen erstmals bereits im Jahre 2003 auf
traten und damit rund drei Jahre vor dem Unfall, welcher zu den somatischen
Beschwerden führte
(E. 4.3)
.
Dass es sich bei den depressiven Verstimmungen um reaktive Begleiterscheinungen der
somatoformen
Problematik handelt, kann somit ausgeschlossen werden. In allen Arztberichten werden jedoch die schwie
rigen Lebensumstände der Beschwerdeführerin betont. Diese ist sozial isoliert, als alleinerziehende Mutter
vom Kindsvater alleine gelassen und
mit der Erzie
hung ihres Sohnes überfordert
und finanziell von der Sozialhilfe abhängig (vgl. E.4.3, E. 4.4, E. 4.5, E. 4.
9
, E. 4.1
1
).
Zur Annahme der Invalidität nach Art. 8 ATSG ist - auch bei psychischen Erkrankungen - in jedem Fall ein medizini
sches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich be
einträchtigt. Je stärker psychosoziale und soziokulturelle Faktoren wie bei
spielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender fi
nanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das
Beschwer
debild
mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde De
pression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychi
schen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbstständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutach
tende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psy
chosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung fin
den, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer
Ge
sundheitsschaden
gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a S. 299; Urteil des Bundesge
richts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Die
psychosoziale Belastungssituation
steht vorliegend im Vordergrund
.
Der
rezidivie
renden depressiven Störung mit leicht bis mittelgradigen Episoden
, im Zeitpunkt der Begutachtung knapp
leichtgradig
, fehlt es
am notwendigen Schweregrad, um eine psychische
Komorbidität
von der geforderten Schwere und Ausprägung
bejahen
zu können
.
Somit bleiben Intensität und Konstanz der alternativ zum Zug kommenden weite
ren Kriterien zu prüfen.
Neben den psychischen Beschwerden beziehungsweise dem generalisierten Schmerzsyndrom liegt eine
leichtgradige
Schulterproblematik vor (vgl. E. 5.2).
Allerdings entwickelte sich die Schmerzstörung aus den chronischen Nacken-, Schulter- und Oberarmschmerzen, so dass dabei nicht von einer körperlichen Begleiterkrankung ausgegangen werden kann.
Was sodann den Rückzug in allen Belangen des sozialen Lebens betrifft, ist die
ser zu bejahen, nachdem sowohl
Dr.
E._
(E. 4.3), der Hausarzt Dr.
F._
(E. 4.4) und Dr.
G._
(E. 4.5) als auch die Ärzte der
A._
(E. 4.
9
) die soziale Isolation der Beschwerdeführerin beschrieben.
Die Beschwerdeführerin hat sich zwar immer wieder in psychotherapeutische Behandlung begeben, dass sie jedoch mittels verschiedener, auch stationärer oder alternativer Therapieansätze versucht hätte, die Beschwerden zu überwin
den, ergibt sich nicht aus den Akten und wurde im Übrigen auch nicht geltend gemacht. Es kann somit nicht davon ausgegangen werden, dass der
Krankheits
verlauf
therapeutisch nicht mehr beeinflussbar ist und unterschiedliche Be
handlungen gescheitert sind.
Die Gesamtwürdigung der bei Fehlen einer psychischen
Komorbidität
zu beachten
den zusätzlichen Kriterien führt zum Schluss,
dass insgesamt höchstens ein Kriterium, dasjenige des Rückzugs in allen sozialen Belangen, erfüllt ist und damit der Schluss der ausnahmsweisen Unzumutbarkeit der willentlichen Schmerzüberwindung unzulässig ist. Somit ist der Regelfall der zumutbaren Überwindbarkeit gegeben und die aufgrund der diagnostizierten
somatoformen
Problematik attestierte Arbeitsunfähigkeit bleibt im
sozialversicherungsrechtli
chen
Rahmen ausser Betracht.
5.4
Zusammenfassend ist der medizinische Sachverhalt als dahingehend erstellt zu betrachten, dass bei der Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht keine in
validisierenden Einschränkungen bestehen,
und ihr trotz der bestehenden
leichtgradigen
Schulterproblematik
die bisherige, körperlich leichte Tätigkeit in einer Wäscherei wie auch jede andere körperlich leichte Tätigkeit in einem Pensum von 100 % zumutbar ist
,
wobei
auf
Arbeiten über Kopf
zu verzichten ist
.
6.
6.1
Es bleibt somit die Prüfung der erwerblichen Auswirkungen der bestehenden Einschränkungen vorzunehmen, nachdem die Beschwerdeführerin nun, im Ge
gensatz zur ersten rentenverneinenden Verfügung vom 19. Februar 2008, als voll erwerbstätige Person zu qualifizieren ist.
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu
bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei
nander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
6.2
Für die Ermittl
ung des ohne Gesundheitsschaden
erzielbaren Einkommens (
Vali
deneinkommen
) ist entscheidend, was die versicherte Person aufgrund ihrer beruflichen Fähigkeiten und persönlichen Umstände mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit ohne den Gesundheitsschaden, aber sonst bei unveränderten Ver
hältnissen verdienen würde (RKUV 1993 Nr. U 168 S. 100 E. 3b mit Hinweis), wobei für die Vornahme des Einkommensvergleiches grundsätzlich auf die Ge
gebenheiten im Zeitpunkt des mutmasslichen Rentenbeginns,
hier
mithin auf das Jahr 2009, abzustellen ist (BGE 128 V 174, BGE 129 V 222).
Im vorliegenden Fall ist vom letzten Verdienst der Beschwerdeführerin als
Haus
wirtschaftsangestellte
in einem Pflegezentrum
auszugehen (Urk. 7/43 Ziff. 2.7). Dabei erzielte sie im Jahre 2009 bei einem Pensum von
50 % ein Jahreseinkommen in der Höhe von
gerundet
Fr. 27‘272.95 (Urk. 7/34 Ziff. 2.10). Nachdem die Beschwerdeführerin
nun
als voll Erwerbstätige zu qualifizieren ist
(vgl. vorstehend E. 3.2)
,
ergibt sich ein
Valideneinkommen
in der Höhe von rund Fr.
54‘546.--
(Fr. 27‘272.95
x
2
).
6.3
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-er
werblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, na
mentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufge
nommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den
vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstrukturerhebun
gen
(LSE) herangezogen werden (BGE 126 V 75 f. E. 3b/
aa
und
bb
, vgl. auch BGE 129 V 472 E. 4.2.1). Für die Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss auf die standardisierten Bruttolöhne (Tabellengruppe A) abgestellt (BGE 129 V 472 E. 4.2.1 mit Hinweis), wobei jeweils vom so genannten Zentralwert (Median) auszugehen ist. Bei der Anwendung der Tabellengruppe A gilt es ausserdem zu berücksichtigen, dass ihr generell eine Arbeitszeit von 40 Wochenstunden zu
grunde liegt, weshalb der massgebliche Tabellenlohn auf die entsprechende
be
triebsübliche
Wochenarbeitszeit aufzurechnen ist (BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 75 f. E. 3b/
bb
, 124 V 321 E. 3b/
aa
; AHI 2000 S. 81 E. 2a).
Nachdem die Beschwerdeführerin seit der Auflösung des Arbeitsverhältnisses per Ende August 2009 (Urk. 7/34 Ziff. 2.1) keiner Erwerbstätigkeit mehr nach
geht, sind für die Ermittlung des Invalideneinkommens Tabellenlöhne beizuzie
hen und es ist vom mittleren Lohn für
Frauen
, die einfache und repetitive Ar
beiten ausführen, auszugehen. Dieser belief sich im Jahre
2008
auf monatlich Fr. 4‘
116
.-- (LSE 20
08
, Bundesamt für Statistik, Neuenburg 20
10
, TA1, Total, Niveau 4), mithin Fr.
49‘392
.-- im Jahr (Fr. 4‘
116
.-- x 12). Unter Berücksichti
gung der Nominallohnerhöhung
von 2.1 % im Jahr 2009 (
Die Volkswirtschaft,
6/2011
, Tab. B10.2, Total)
sowie einer wöchentlichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden (Die Volkswirtschaft, 6/2011, Tab. B9.2, Total)
ergibt dies
bei dem der Beschwerdeführerin zumutbaren Arbeitspensum von 100 %
für das Jahr 2009
ein
Invaliden
einkommen von gerundet Fr.
52‘572.--
(Fr.
49‘392
.-- x
1.0
2
1
:
40 x 41.7
).
6.4
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen
Durch
-
schnitts
werten
ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kürzen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass versicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwer
arbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten
nurmehr
beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht erreichen. Der ur
sprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug entwickelte sich in der Folge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Recht
sprechung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszuge
hörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhalts
punkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen ver
werten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25
%
des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75). Dabei ist zu beachten, dass allfällige bereits bei der Parallelisierung der
Vergleichsein
kommen
mitverantwortliche invaliditätsfremde Faktoren im Rahmen des soge
nannten Leidensabzuges nicht nochmals berücksichtigt werden dürfen (BGE 134 V 322 E. 5.2).
Die Beschwerdeführerin machte einen Leidensabzug von mindestens 20 % gel
tend und begründete dies mit der Tatsache, dass sie aufgrund ihrer körperlichen Einschränkungen lediglich noch leichte Putzarbeiten ausführen könne. Solche Stellen gebe es aber nicht, und wenn, dann seien sie erheblich schlechter be
zahlt als normale Reinigungsarbeiten. Aufgrund ihrer schlechten Deutsch- und mangelhaften Rechenkenntnisse müsse sie ebenfalls mit einer schlechteren Be
zahlung rechnen. Auch werde eine Teilzeitanstellung schlechter bezahlt (Urk. 1 S. 19 Ziff. 78 f.).
Nachdem der Beschwerdeführerin nur noch körperlich leichte Tätigkeiten ohne Arbeiten über Kopf zugemutet werden können, erscheint ein Leidensabzug ge
rechtfertigt. N
icht zu berücksichtigen sind hingegen die mangelnden
Deutsch
kenntnisse
sowie die fehlende Berufsau
sbildung der Beschwerdeführerin, da es sich dabei um invaliditätsfremde Faktoren handelt.
Den Gegebenheiten des vorliegenden Falles angemessen ist ein Abzug von höchs
tens 10 %.
6.5
Bei einem Abzug von 10 % beträgt das Invalideneinkommen rund Fr.
47‘315.--
(Fr.
52‘572.--
x 0.9; vgl. vorstehend E. 6.3). Bei einem
Valideneinkommen
in der Höhe von Fr.
54‘546.--
(vgl. vorstehend E. 6.2) beträgt die
Einkommensein
busse
somit Fr.
7‘231.
--, was einem
rentenausschliessenden
Invaliditätsgrad von
13.26
% entspricht.
Demgemäss ist die Beschwerde abzuweisen.
7.
7.1
Da es
im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
9
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen, zufolge Ge
währung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Ge
richtskasse zu nehmen. Die Beschwerdeführerin ist auf
§ 16 Ab. 4 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hinzuweisen.
7.2
Für das Beschwerdeverfahren wurde der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 24. August 2012 die unentgeltliche Rechtsvertretung bewilligt (Urk. 10). Mit Honorarnote vom 19. August 2013 machte Rechtsanwältin Katja Ziehe, Küsnacht, Aufwendungen von insgesamt 13.17 Stunden sowie Auslagen von Fr. 78.30 geltend (Urk. 12), was angemessen erscheint. Unter Berücksichtigung eines Stundenansatzes von
Fr.
200.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ist eine Ent
schädigung von Fr. 2'929.30 zu bezahlen.