# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 6740bad0-b78b-4e85-9d01-61434b166101
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_003
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt:
1. A._ meldete sich erstmals im November 2012 unter Hinweis auf eine
Rheumaerkrankung bei der IV-Stelle des Kantons B._ zum
Leistungsbezug an (berufliche Integration/Rente). Diese klärte in der Folge
den Sachverhalt ab und holte verschiedene Arztberichte ein. Die Dres.
med. C._ und D._, rheumatologische Poliklinik des Spitals
T._, stellten in ihrem Bericht vom 12. Februar 2013 folgende
Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit: Allgemeine
Schwäche und Schmerzen als Residuum einer Myositis bestehend seit
2007 sowie Verdacht auf eine Depression und eine Dekonditionierung.
Zudem verwiesen sie auf ihren Bericht vom 9. Januar 2013, in welchem
unter anderem eine Dermatomyositis bei Erstmanifestation im 2007 mit Polymyositis, lymphozytärer Dermatitis, Adynamie, Leistungsintoleranz,
Myalgien und Hepatitis ausgewiesen wurde. Der Hausarzt med. pract.
E._ hielt in seinem Bericht vom 20. Mai 2013 fest, dass A._ leicht
ausser Atem komme und ermüdbar sei. Weiter stellte der behandelnde
Psychiater am 13. November 2013 namentlich folgende Diagnosen:
Verdacht auf eine unverarbeitete posttraumatische Belastungsstörung
(PTBS), mittelschwere depressive Episode chronischen Verlaufs sowie Schwierigkeiten bei der kulturellen Eingewöhnung. Dr. med. F._,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ärztlicher
Dienst (RAD), wies in ihrem psychiatrischen Untersuchungsbericht vom
17. Dezember 2013 unter anderem folgende Diagnosen aus: somatoforme
autonome Funktionsstörung mehrerer Organe und Systeme mit
Schmerzen, Dyspnoe und vegetativen Symptomen wie Schwitzen,
depressive Episode mit chronischem Verlauf, aktuell leicht, PTBS mit
vorwiegend Körpererinnerungen, Hyperarousal und Rückzug,
subsyndromal, sowie nicht näher bezeichnete dissoziative Störung.
Mit Verfügung vom 19. März 2014 verneinte die IV-Stelle des Kantons
B._ mangels eines Gesundheitsschadens mit invalidisierender
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Wirkung im Rechtssinne einen Anspruch auf Leistungen der
Invalidenversicherung. Das dagegen eingeleitete Beschwerdeverfahren
wurde infolge Rückzugs des Rechtsmittels mit Urteil vom 23. Mai 2014 als
erledigt abgeschrieben.
2. Im Juli 2014 meldete sich A._ erneut bei der IV-Stelle des Kantons
B._ zum Leistungsbezug an (berufliche Integration/Rente). Ihr neuer
Hausarzt Dr. med. G._ wies in seinem Verlaufsbericht vom
2. September 2014 einen verschlechterten Gesundheitszustand aus und
stellte folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit:
Verschlechterung der rheumatischen Beschwerden, neuro-vaskuläre
Probleme - transiente ischämische Attacke am 9./10. Juni 2014, schwere
Depression, Anpassungsstörung, zunehmende psychische und körperliche
Ermüdbarkeit und Leistungsschwäche. Demgegenüber diagnostizierten
die Dres. med. H._ und I._, Neurozentrum des Spitals T._,
in ihrem Bericht vom 13. November 2014 neben der bekannten
Dermatomyositis unter anderem einen Verdacht auf eine transitorische
ischämische Attacke am 9. Juni 2014 bei klinisch transienten
sensomotorischen Ausfällen im linken Arm und der linken Gesichtsseite
sowie ein fibromyalgieformes Krankheitsbild. Die neu behandelnde
Psychiaterin Dr. med. J._ und Psychotherapeutin K._ stellten in
ihrem Bericht vom 2. September 2014 eine ausgeprägte PTBS sowie eine
mittelschwere depressive Episode mit chronischem Verlauf fest. In der
Folge liess die IV-Stelle des Kantons B._ A._ durch Dr. med.
L._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, psychiatrische
Universitätsklinik Q._, psychiatrisch begutachten. In seinem am
23. März 2016 erstatteten Gutachten wies er aus psychiatrischer Sicht eine
aktuell leichte depressive Episode seit 2013, im Verlauf leicht bis
mittelgradig ausgeprägt ohne zwischenzeitliche Remission, sowie
aktenanamnestisch eine PTBS bei aktuell nicht erfüllten Kriterien aus. Die
angestammte Tätigkeit als Leiterin eines Schneiderateliers befand er für
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nicht mehr zumutbar. Dagegen wies er für eine einfache, an ihre
körperlichen Möglichkeiten angepasste Verweistätigkeit mit regelmässigen
Pausen und ohne Leitungsfunktion, Personalführung und
Kundenbetreuung eine ca. 70%ige Arbeitsfähigkeit aus (unter
Ausklammerung der somatischen Einschränkungen).
Mit Verfügung vom 9. Juni 2017 wies die IV-Stelle des Kantons B._
das Leistungsbegehren von A._ ab. Gemäss psychiatrischer
Abklärung liege aktuell eine leichte depressive Episode (seit 2013), im
Verlauf leicht bis mittelgradig, vor. Dabei handle es sich um eine
gesundheitliche Beeinträchtigung, die medizinisch behandelbar sei und zu
keiner langandauernden Arbeitsunfähigkeit führe. Aus somatischer Sicht
bestehe eine Dermatomyositis. Aufgrund der Diagnose bestehe eine
maximale Leistungseinschränkung von 10 % für jede angepasste
Hilfsarbeit. Insgesamt liege keine invalidenversicherungsrechtlich
relevante gesundheitliche Einschränkung vor.
3. Nachdem A._ in den Kanton Graubünden gezogen war, meldete sie
sich im Juli 2020 bei der IV-Stelle des Kantons Graubünden zum
Leistungsbezug an (berufliche Integration/Rente). Zur Begründung einer
wesentlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszustands reichte sie
einen Bericht von Dr. med. M._, Fachärztin für Rheumatologie, vom
28. Juli 2020 ein. Mit Vorbescheid vom 13. August 2020 stellte ihr die IV-
Stelle das Nichteintreten auf ihr Leistungsbegehren in Aussicht.
4. In der Folge legte A._ namentlich einen Arztbericht von Dr. med.
N._, psychiatrische Klinik P._, vom 8. September 2020 ins Recht.
Nach Einholung einer ärztlichen Stellungnahme beim RAD-Arzt Dr. med.
O._, Facharzt für Chirurgie, verfügte die IV-Stelle am 2. Oktober 2020
wie vorbeschieden und sie trat mangels glaubhaft gemachter
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Verschlechterung des Gesundheitszustands auf das Leistungsbegehren
von A._ nicht ein.
5. Hiergegen erhob A._ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am
29. Oktober 2020 Beschwerde an das Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden. Neben der Aufhebung der Verfügung der IV-Stelle vom
2. Oktober 2020 beantragte sie sinngemäss, es sei auf ihr
Leistungsbegehren bzw. ihre Neuanmeldung einzutreten. Zudem sei auf
die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und die
unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren. Begründend führte sie im
Wesentlichen aus, dass ihre chronische Erkrankung zu sekundären Folgen
und somit zu einer Verschlechterung ihres Gesundheitszustands geführt
habe. Die IV-Stelle habe ihr Gesuch nicht sorgfältig geprüft, keine
notwendigen Abklärungen vorgenommen und somit ihre Sorgfaltspflicht
verletzt.
6. In ihrer Vernehmlassung vom 23. Dezember 2020 (Eingang) beantragte
die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Für die Begründung verwies
sie primär auf die angefochtene Verfügung.
Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften, die angefochtene
Verfügung sowie die übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der IV-Stelle
des Kantons Graubünden vom 2. Oktober 2020, womit auf das
Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin nicht eingetreten wurde.
Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen
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IV-Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle
anfechtbar. Als kantonales Versicherungsgericht ist das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden für die Beurteilung der
vorliegenden Beschwerde sowohl örtlich als auch sachlich zuständig (Art. 1
Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1] und Art. 49 Abs. 2 lit. a
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100]). Die
Beschwerdeführerin ist Adressatin der angefochtenen Verfügung, weshalb
sie durch die angefochtene Verfügung unmittelbar betroffen ist und ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung
oder Änderung hat. Sie ist demnach zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 59 ATSG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht (Art. 60 und
Art. 61 ATSG) eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten.
2. Der Streitgegenstand erschöpft sich vorliegend in der Frage, ob die IV-
Stelle zu Recht mangels glaubhaft gemachter Verschlechterung des
Gesundheitszustands durch die Beschwerdeführerin nicht auf deren
Leistungsbegehren eingetreten ist. Darüber hinausgehende, erst im
vorliegenden Beschwerdeverfahren geltend gemachte Vorbringen der
Beschwerdeführerin, namentlich zur Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit
und deren Verwertbarkeit auf dem massgebenden Arbeitsmarkt sowie zu
der in diesem Zusammenhang geltend gemachten Verletzung von
Menschenrechten und der Menschenwürde, zielen am Streitgegenstand
vorbei und sind daher von Vornherein nicht zu hören.
3.1. Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert,
so wird eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn damit glaubhaft gemacht
wird, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch
erheblichen Weise geändert hat (Art. 87 Abs. 3 i.V.m. Abs. 2 der
Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]; Urteil des
Bundesgerichts 8C_256/2019 vom 23. August 2019 E.6.1). Eine solche
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Änderung der tatsächlichen Verhältnisse kann namentlich in einer
Verschlechterung des Gesundheitszustands mit entsprechend
verminderter Arbeitsfähigkeit oder in geänderten erwerblichen
Auswirkungen einer im Wesentlichen gleich gebliebenen Beeinträchtigung
der Gesundheit liegen. Dagegen stellt eine bloss abweichende Beurteilung
eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts keine relevante
Änderung dar (Urteil des Bundesgerichts 8C_606/2019 vom 5. Dezember
2019 E.3.2 m.w.H.; vgl. zum Ganzen auch Urteil des Bundesgerichts
8C_541/2019 vom 23. Dezember 2019 E.3.1).
3.2.1. Im Rahmen der Prüfung, ob auf eine Neuanmeldung einzutreten ist, findet
der Untersuchungsgrundsatz, wonach die Verwaltung resp. das Gericht
von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen hat, keine Anwendung. Es ist
Sache der versicherten Person, das Vorliegen eines veränderten
Sachverhalts glaubhaft zu machen. Erst wenn dies erfolgt ist und die IV-
Stelle auf die Neuanmeldung eintritt, hat sie unter Anwendung des
Untersuchungsgrundsatzes den massgeblichen Sachverhalt zu erstellen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_476/2019 vom 18. September 2019 E.3
m.w.H.). Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens sind allerdings
herabgesetzte Anforderungen an den Beweis verbunden; die
Tatsachenänderung muss nicht nach dem im Sozialversicherungsrecht
sonst üblichen Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 138 V
218 E.6) erstellt sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend
gemachten rechtserheblichen
Sachumstands wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn
durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender
Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen (vgl.
zum Ganzen Urteile des Bundesgerichts 9C_725/2019 vom 27. Januar
2020 E.2.2 und 8C_389/2019 vom 5. September 2019 E.2.1 m.w.H.).
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3.2.2. Da der Untersuchungsgrundsatz rechtsprechungsgemäss erst greift, wenn
die Verwaltung auf ein Gesuch eintritt, zielt das Vorbringen der
Beschwerdeführerin, wonach die IV-Stelle keine Abklärungen
vorgenommen und insofern ihre Sorgfaltspflicht verletzt habe, von
vornherein ins Leere.
3.3.1. Die zeitliche Vergleichsbasis für die Frage, ob eine rentenrelevante
Veränderung des Sachverhalts glaubhaft ist, bildet der Zeitpunkt der letzten
umfassenden materiellen Prüfung. Der Vergleichszeitraum erstreckt sich
grundsätzlich bis zur Prüfung und Beurteilung des Gesuchs, d.h. bis zum
Erlass der Verfügung betreffend die Neuanmeldung. Für die
beschwerdeweise Überprüfung einer Nichteintretensverfügung ist somit
der Sachverhalt, wie er sich der Verwaltung bot, resp. die Aktenlage bei
Erlass dieser Verfügung massgeblich (Urteil des Bundesgerichts
8C_256/2019 vom 23. August 2019 E.6.1 m.w.H.; vgl. auch Urteil des
Bundesgerichts 9C_725/2019 vom 27. Januar 2020 E.2.2 m.w.H.).
3.3.2. Insofern sind die von der Beschwerdeführerin im vorliegenden
Beschwerdeverfahren ins Recht gelegten medizinischen Berichte,
namentlich jener von Dr. med. M._ vom 13. Oktober 2020
(beschwerdeführerische Akten [Bf-act.] 2), vom behandelnden Hausarzt
vom 16. Oktober 2020 (Bf-act. 3), von Dr. med. N._ vom 20. Oktober
2020 (Bf-act. 5) sowie das ärztliche Zeugnis vom 16. Oktober 2020 (Bf-
act. 4), unbeachtlich. Denn Aktenstücke, die erst nach Erlass der
Eintretensverfügung entstanden sind, können nicht dazu beitragen, einen
bestimmten Sachverhalt im Zeitpunkt des Entscheids über das Eintreten
auf eine Neuanmeldung glaubhafter zu machen (Urteil des Bundesgerichts
8C_606/2019 vom 5. Dezember 2019 E.4.2.2).
4.1. Im hier zu beurteilenden Fall bildet die Verfügung der IV-Stelle des Kantons
B._ vom 9. Juni 2017, mit welcher das Leistungsbegehren der
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Beschwerdeführerin nach einlässlichen medizinischen Abklärungen
abgewiesen wurde, die zeitliche Vergleichsbasis für die Frage, ob eine
rentenrelevante Veränderung des Sachverhalts glaubhaft ist. Die IV-Stelle
des Kantons B._ erachtete dabei die seinerzeitig aktuelle leichte
depressive Episode (seit 2013), im Verlauf leicht bis mittelgradig, als
medizinisch behandelbar, weshalb sie aus psychiatrischer Sicht keine
langandauernde Arbeitsunfähigkeit annahm. Aus somatischer Sicht hielt
sie eine Dermatomyositis fest, aufgrund welcher sie eine maximale
Leistungseinschränkung von 10 % für jede angepasste Hilfsarbeit annahm.
Insgesamt verneinte sie eine invalidenversicherungsrechtlich relevante
gesundheitliche Beeinträchtigung (vgl. IV-act. 116).
4.2. Diesem Entscheid lagen neben mehreren Berichten der behandelnden
Ärzte insbesondere das psychiatrische Gutachten von Dr. med. L._
vom 23. März 2016 sowie die Stellungnahme der RAD-Ärztin R._ vom
6. März 2017 zugrunde. Daraus geht im Wesentlichen was folgt hervor:
Mit Bericht vom 2. September 2014 wies der neue Hausarzt Dr. med.
G._ einen verschlechterten Gesundheitszustand aus. Er stellte
folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit: Verschlechterung
der rheumatischen Beschwerden, neuro-vaskuläre Probleme - transiente
ischämische Attacke 9./10. Juni 2014, schwere Depression,
Anpassungsstörung, zunehmende psychische und körperliche
Ermüdbarkeit und Leistungsschwäche. Er erachtete die
Beschwerdeführerin bis auf Weiteres zu 100 % arbeitsunfähig (vgl. IV-
act. 68 S. 1 f.). Die Dres. med. H._ und I._ diagnostizierten mit
Bericht vom 13. November 2014 neben der bekannten Dermatomyositis
unter anderem einen Verdacht auf eine transitorische ischämische Attacke
am 9. Juni 2014 bei klinisch transienten sensomotorischen Ausfällen im
linken Arm und der linken Gesichtsseite sowie ein fibromyalgieformes
Krankheitsbild als Residuum der Myositis mit allgemeiner Schwäche und
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Schmerzen. Sie erachteten die Arbeitsfähigkeit als gegeben (vgl. IV-act. 75
S. 2 f.).
Die neu behandelnde Psychiaterin Dr. med. J._ und
Psychotherapeutin K._ stellten in ihrem Bericht vom 2. September
2014 eine ausgeprägte PTBS sowie eine mittelschwere depressive
Episode mit chronischem Verlauf fest. Die sehr schweren, sequentiell
angelegten Traumatisierungen in der Vergangenheit und mehrfachen
Überbelastungen der Beschwerdeführerin hätten zwangsläufig zu
seelischen Reaktionen, wie der aktuell gezeigten depressiven
Stimmungslage, der generellen Freudlosigkeit sowie weiteren zahlreichen
Symptomen wie einer PTBS mit wiederkehrenden Albträumen geführt.
Diese kämen zusammengefasst in einer massiven Beeinträchtigung des
psychischen und körperlichen Wohlbefindens, verbunden mit einer
massiven Müdigkeit und Hoffnungslosigkeit sowie zusätzlich über
körperliche Schmerzen zum Ausdruck (vgl. IV-act. 69 S. 1 ff.). Am 10. März
2015 berichteten Dr. med. J._ und Psychotherapeutin K._ von
einem nicht wesentlich veränderten Gesundheitszustand: Es liege eine
mittelschwere Depression vor mit ausgeprägter Müdigkeit. Im
Psychostatus wiesen sie zudem auf diffuse Schmerzen, schnelle
Erschöpfbarkeit, Einschränkungen bei der Ausübung alltäglicher Arbeiten,
Antriebslosigkeit, gedrückte Stimmung, Niedergeschlagenheit und sozialen
Rückzug hin (vgl. IV-act. 86). In seinem psychiatrischen Gutachten vom
23. März 2016 wies Dr. med. L._ unter anderem eine aktuell leichte
depressive Episode seit 2013, im Verlauf leicht bis mittelgradig ausgeprägt
ohne zwischenzeitliche Remission, sowie aktenanamnestisch eine PTBS
bei aktuell nicht erfüllten Kriterien aus (vgl. IV-act. 97 S. 26). Dazu hielt er
namentlich fest, insgesamt hätten im aktuellen Querschnittbefund
Beschwerden über erhöhte Ermüdbarkeit (auch im Verlauf des Gesprächs
objektivierbar), eine Antriebsminderung, sozialer Rückzug sowie eine
Schmerzproblematik imponiert. Die affektiven Symptome seien eher leicht
- 11 -
ausgeprägt gewesen. Eine relevante Angstsymptomatik sei nicht eruierbar
gewesen, insbesondere seien auch die Kriterien einer PTBS gemäss ICD-
10 nicht erfüllt (vgl. IV-act. 97 S. 30). In Anlehnung an die entsprechende
ICD-10-Klassifikation für depressive Episoden sei vom Vorliegen einer
leichtgradigen depressiven Episode auszugehen. Gestützt auf die Akten
sei anzunehmen, dass die affektive Symptomatik seit 2013 in einer leicht-
bis mittelgradigen Ausprägung bestehe. Eine vollständige Remission der
Symptomatik sei aktenanamnestisch nicht verzeichnet. Dr. med. L._
erachtete die angestammte Tätigkeit der Beschwerdeführerin als Leiterin
eines Schneiderateliers für nicht mehr zumutbar. Dagegen wies er für eine
einfache, an ihre körperlichen Möglichkeiten angepasste Verweistätigkeit
mit regelmässigen Pausen und ohne Leitungsfunktion, Personalführung
und Kundenbetreuung eine ca. 70%ige Arbeitsfähigkeit aus (unter
Ausklammerung der somatischen Einschränkungen) (vgl. IV-act. 97 S. 33).
In ihrer Beurteilung vom 6. März 2017 führte RAD-Ärztin R._ aus, der
psychiatrische Gutachter habe bei der Beschwerdeführerin eine leichte
depressive Episode, im Verlauf leicht bis mittelgradig ausgeprägt ohne
zwischenzeitliche Remission, diagnostiziert, und er habe die Kriterien für
eine PTBS als nicht erfüllt erachtet. Weiter hielt sie fest, dass sich die
Beschwerdeführerin seit dem 10. Februar 2015 nicht mehr in
psychiatrischer Behandlung befinde. Dem psychiatrischen Gutachten sei
zu entnehmen, dass zusammenfassend von einer prämorbid unauffälligen
Persönlichkeit der Beschwerdeführerin ausgegangen werde. Die
Entwicklung der psychischen Beschwerden stehe im Zusammenhang mit
den angegebenen mehrfachen belastenden Ereignissen in der
Vorgeschichte (Migration, schwierige soziokulturelle Eingewöhnung sowie
somatische Komorbidität mit u.a. Muskelschwäche, Schmerzen etc.).
Gestützt darauf ging RAD-Ärztin R._ davon aus, dass die psychischen
Beschwerden eher die Folge der Grundproblematik im kulturellen und
sozialen Bereich darstellten. Damit sollten die Lösungen mit adäquaten
- 12 -
Instrumenten in diesen Lebenssphären und nicht mit medizinischen
Massnahmen gesucht werden (vgl. IV-act. 114 S. 4). In somatischer
Hinsicht hielt RAD-Ärztin med. pract. S._, Fachärztin für Physikalische
Medizin und Rehabilitation, in ihrer Beurteilung vom 6. Juli 2016 fest, dass
der Beschwerdeführerin die angestammte Tätigkeit als Schneiderin wie
jede andere leichte, überwiegend sitzende Tätigkeit ganztags mit einer
maximalen Leistungsreduktion von 10 % zumutbar sei (vgl. IV-act. 106).
5.1. In der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 2. Oktober 2020 trat die
IV-Stelle mangels glaubhaft gemachter Verschlechterung des
Gesundheitszustands auf das Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin
nicht ein (vgl. IV-act. 151). Dabei stützte sie sich namentlich auf die
Beurteilungen von RAD-Arzt Dr. med. O._ vom 13. August 2020 und
30. September 2020, worin dieser in somatischer Hinsicht zum Schluss
kam, dass bereits in der Vorgeschichte der Beschwerdeführerin erhebliche
körperliche und schmerzhafte Funktionseinschränkungen dokumentiert
worden seien, weshalb eine wesentliche Verschlechterung des
Gesundheitszustands nicht nachvollziehbar sei (vgl. Case Report, IV-
act. 153 S. 5). In psychiatrischer Hinsicht folgerte er, dass von einer
jahrelangen depressiven Erkrankung mit wechselhaften leicht- bis
mittelgradigen Episoden auszugehen sei. Diese seien in den ausführlichen
Abklärungen der IV-Stelle des Kantons B._ bereits berücksichtigt
worden, weshalb nicht von einer Verschlechterung des
Gesundheitszustands auszugehen sei (vgl. Case Report, IV-act. 153
S. 10).
5.2. Die Beschwerdeführerin wendet dagegen im Wesentlichen ein, dass ihre
chronische Erkrankung zu sekundären Folgen und somit zu einer
Verschlechterung ihres Gesundheitszustands geführt habe. Chronische
Erkrankungen gingen im Alter mit einer deutlichen Verringerung der
Lebensqualität und Selbstständigkeit einher. Es könne nicht davon
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ausgegangen werden, dass ihre Gesundheit unverändert stabil bleiben
werde. Vielmehr könne deren Verschlechterung mit zunehmendem Alter
nicht ausgeschlossen werden. Zur Begründung einer wesentlichen
Verschlechterung ihres Gesundheitszustands reichte sie im
vorinstanzlichen Verfahren insbesondere einen Bericht von Dr. med.
M._ vom 28. Juli 2020 und von Dr. med. N._ vom 8. September
2020 ein. Im Einzelnen lässt sich diesen Berichten Folgendes entnehmen:
5.2.1. Dr. med. M._ hielt in ihrem Bericht vom 28. Juli 2020 fest, dass die
Beschwerdeführerin, welche seit August 2019 durch sie betreut werde,
bereits seit zehn Jahren wegen einer Polymyositis in rheumatologischer
Behandlung stehe. Es hätten bereits zahlreiche immunsuppressive
Therapien stattgefunden, die (jedoch) zu keiner Remission geführt hätten.
Seit August 2019 bestehe eine deutlich verstärkte Krankheitsaktivität mit
deutlicher Erhöhung der Kreatinkinase. Klinisch äussere sich dies in einer
allgemeinen Schwäche und verstärkten Müdigkeit. Durch die langjährige
Krankheitssymptomatik sei es zusätzlich zu einer chronisch generalisierten
Schmerzsymptomatik gekommen. Im Alltag sei die Beschwerdeführerin
durch die bestehende Krankheitsaktivität komplett eingeschränkt. Es
bestünden eine ausgeprägte Müdigkeit und Schwäche. Aus
rheumatologischer Sicht sei ihr keine Tätigkeit zumutbar; es bestehe eine
anhaltende 100%ige Arbeitsunfähigkeit (vgl. zum Ganzen IV-act. 143).
5.2.2. Dr. med. N._ diagnostizierte in seinem Bericht vom 8. September
2020 neben der Polymyositis (ICD-10: M33.2) eine rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10: F33.1). Er
hielt fest, dass bei der Beschwerdeführerin, welche seit dem 24. Oktober
2019 in einer ambulanten psychiatrisch-psychotherapeutischen
Behandlung stehe, psychische und kognitive Einschränkungen im Bereich
der Konzentration und der Aufmerksamkeit sowie Einschränkungen in der
Belastungsfähigkeit bestünden. Ein verlangsamtes Denken sowie
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Konzentrationsstörungen führten zu einer erhöhten Fehlerquote,
verlangsamtem Arbeitstempo sowie erhöhtem Anleitungsbedarf. Zudem
bestehe eine reduzierte Belastbarkeit infolge einer starken
Schmerzsymptomatik mit Bewegungseinschränkungen sowie einer
affektiven Labilität (vgl. zum Ganzen IV-act. 147).
6. Wie nachfolgend zu zeigen sein wird, geht in Würdigung dieser Berichte
aus dem Vergleich zwischen der im Verfügungszeitpunkt am 2. Oktober
2020 gegebenen medizinischen Situation und derjenigen, wie sie sich
anlässlich der Verfügung vom 9. Juni 2017 bot, nicht hervor, dass die
Beschwerdeführerin glaubhaft dargelegt hätte, dass sich die tatsächlichen
Verhältnisse in einer für den Leistungsanspruch erheblichen Weise
verändert haben.
6.1. Zwar geht aus dem Bericht von Dr. med. M._ vom 28. Juli 2020 in
somatischer Hinsicht mit Blick auf die Polymyositis hervor, dass seit August
2019 eine deutlich verstärkte Krankheitsaktivität mit deutlicher Erhöhung
der Kreatinkinase (4000 U/ml) bestehe (vgl. IV-act. 143), was in dieser
Form im Zeitpunkt des Verfügungserlasses am 9. Juni 2017 nicht der Fall
war. Mit Bezug auf den Krankheitsverlauf ergibt sich aus den Akten
vielmehr was folgt: Die Polymyositis manifestierte sich erstmals kurz nach
der Einreise der Beschwerdeführerin in die Schweiz im Jahr 2007 (vgl.
Berichte vom 20. September 2007 [IV-act. 20 S. 6] und vom 21. Dezember
2007 [IV-act. 20 S. 2]), wobei sich im Vergleich zu den von Dr. med.
M._ im Bericht vom 28. Juli 2020 festgestellten Werten eine ähnlich
hohe Kreatinkinase zeigte (vgl. Bericht vom 29. Oktober 2007 [IV-act. 20
S. 4]). In der Folge wurden gegen Ende des Jahres 2012 bzw. Anfang 2013
jedoch weder laborchemisch noch radiologisch Zeichen für eine Myositis
bzw. eine Entzündungsaktivität infolge der durchgeführten Therapie mit
Methotrexat und niedrig dosiertem Steroid festgestellt (vgl. Berichte vom
9. Januar 2013 [IV-act. 18 S. 1 f.], vom 18. Juli 2013 [IV-act. 36 S. 7 f.],
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vom 8. Januar 2014 [IV-act. 48 S. 2] und vom 13. Februar 2014 [IV-
act. 103 S. 31]; vgl. ferner Bericht vom 12. Februar 2013 [IV-act. 17]). Ein
Rezidiv zeichnete sich sodann gegen Ende des Jahres 2014 mit einer
zunehmenden Aktivität vor allem im Bereich der Abduktoren links betont ab
(vgl. Berichte vom 31. Dezember 2014 [IV-act. 81 S. 9 f. bzw. IV-act. 103
S. 22 f.] und vom 25. November 2014 [IV-act. 103 S. 24 f.]). Dieses wurde
im Februar 2015 bei erhöhter Kreatinkinase bestätigt und mit einer
Mabthera-Gabe behandelt (vgl. Berichte vom 5. März 2015 [IV-act. 103
S. 20 f.] und vom 31. März 2015 [IV-act. 103 S. 17 f.]), was zu einer
Regredienz der Entzündungsaktivität führte (vgl. Bericht vom 20. Mai 2015
[IV-act. 103 S. 14 f.]), bevor sich die Kreatinkinase-Werte wieder auf dem
Niveau vor dem letzten Schub einpendelten und sich die Grunderkrankung
stabilisierte (vgl. Berichte vom 16. Juli 2015 [IV-act. 103 S. 11 ff.], vom
30. Oktober 2015 [IV-act. 103 S. 8 ff.], vom 6. Mai 2016 [IV-act. 103 S. 5 ff.]
und vom 7. Juni 2016 [IV-act. 103 S. 2 f.]). Die fehlende Krankheitsaktivität
der Polymyositis vermochte aber grundsätzlich nichts am beklagten
Beschwerdebild, insbesondere was die angegebene Müdigkeit und
Schwäche anbelangt, zu ändern. Vielmehr klagte die Beschwerdeführerin
auch in Phasen der Remission der Polymyositis über eine ausgeprägte und
persistierende Müdigkeit, eine ausgeprägte (Muskel)Schwäche, eine
starke Erschöpfbarkeit, einen unveränderten Ganzkörperschmerz und
Schwitzen (vgl. psychiatrisches Gutachten vom 23. März 2016 [IV-act. 97
S. 14 f. und S. 29] sowie Berichte vom 7. Juni 2016 [IV-act. 103 S. 2 f.],
vom 6. Mai 2016 [IV-act. 103 S. 6 f.], vom 30. Oktober 2015 [IV-act. 103
S. 9], vom 16. Juli 2015 [IV-act. 103 S. 13], vom 25. November 2014 [IV-
act. 103 S. 25], vom 13. Februar 2014 [IV-act. 53 S. 7 f.], vom
24. September 2013 [IV-act. 36 S. 1], vom 15. November 2013 [IV-act. 43
S. 3], vom 20. Mai 2013 [IV-act. 25 S. 1], vom 9. Januar 2013 [IV-act. 18
S. 2 und S. 4] und vom 21. Dezember 2012 [IV-act. 53 S. 16 f.]). So wurden
denn auch die allgemeine Schwäche und Schmerzen von Seiten der
behandelnden Ärzte als Residuen der seit 2007 bestehenden Myositis
- 16 -
eingeordnet (vgl. Berichte vom 18. Juli 2013 [IV-act. 36 S. 9], vom
12. Februar 2013 [IV-act. 17 S. 1] und 9. Januar 2013 [IV-act. 18 S. 1 f.]).
Zudem gab die Beschwerdeführerin selbst an, dass die Beschwerden wie
Müdigkeit und Ganzkörperschmerzen unverändert seien und sich so
anfühlten wie seit der Erstmanifestation des Krankheitsbildes (vgl.
psychiatrisches Gutachten vom 23. März 2016 [IV-act. 97 S. 16] sowie
Berichte vom 31. März 2015 [IV-act. 103 S. 19], vom 18. Juli 2013 [IV-
act. 36 S. 8] und vom 13. Februar 2014 [IV-act. 53 S. 8]). Insofern kann
angenommen werden, dass die anlässlich der Neuanmeldung von Dr. med.
M._ ausgewiesenen Funktionseinschränkungen in befundlicher
Hinsicht bereits im Zeitpunkt des Verfügungserlasses am 9. Juni 2017
bekannt waren und in die seinerzeitige Einschätzung einer maximal
10%igen Leistungsreduktion in der angestammten Tätigkeit als
Schneiderin bzw. in jeder anderen leichten, überwiegend sitzenden
Tätigkeit (vgl. dazu Aktennotiz von RAD-Ärztin med. pract. S._ vom
6. Juli 2016 [IV-act. 106] und Bericht von RAD-Ärztin med. pract. S._
vom 22. Januar 2015 [IV-act. 78 S. 3 f.] i.V.m. Beurteilung durch RAD-
Ärztin med. pract. S._ vom 8. Januar 2014 [IV-act. 48 S. 3]) sowie den
damaligen Entscheid eingeflossen sind (vgl. IV-act. 116). Da die
Polymyositis ferner bereits seit dem Jahr 2007 bestand und in diesem
Zusammenhang generelle Schmerzen beklagt wurden (vgl. Berichte vom
13. November 2014 [IV-act. 75 S. 3], vom 15. November 2013 [IV-act. 43
S. 3], vom 18. Juli 2013 [IV-act. 36 S. 7 bzw. IV-act. 103 S. 35], vom
13. Februar 2014 [IV-act. 53 S. 8], vom 24. September 2013 [IV-act. 36
S. 1], vom 9. Januar 2013 [IV-act. 18 S. 2 und S. 4] sowie vom
17. Dezember 2013 [IV-act. 47 S. 2]), ist zudem davon auszugehen, dass
bereits anlässlich der Verfügung vom 9. Juni 2017, d.h. rund zehn Jahre
nach der Erstmanifestation, eine chronisch generalisierte
Schmerzsymptomatik vorlag. Insgesamt ergibt sich somit, dass in
somatischer Hinsicht mit dem Bericht von Dr. med. M._ vom 28. Juli
2020 keine den Leistungsanspruch berührende Verschlechterung des
- 17 -
Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin geltend gemacht wurde.
Vielmehr handelt es sich bei der Einschätzung von Dr. med. M._ um
eine bloss abweichende Beurteilung eines im Wesentlichen gleich
gebliebenen Sachverhalts, was vorliegend unbeachtlich ist.
6.2. Gleichermassen mangelt es auch mit Blick auf den psychischen
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin an einer glaubhaft
gemachten Änderung der tatsächlichen Verhältnisse. So wurde im
psychiatrischen Gutachten von Dr. med. L._ vom 23. März 2016,
welches der Verfügung vom 9. Juni 2017 zugrunde lag (vgl. IV-act. 116),
zwar eine leichtgradige depressive Episode festgestellt; zugleich wurde
aber darauf hingewiesen, dass seit dem Jahr 2013 eine affektive
Symptomatik in einer leicht- bis mittelgradigen Ausprägung ohne
zwischenzeitliche Remission bestehe (vgl. IV-act. 97 S. 33; vgl. auch IV-
act. 97 S. 26). Dies findet denn auch seine Stütze in den Akten: Mit Bericht
vom 13. November 2013 wies der damals behandelnde Psychiater
namentlich eine mittelschwere depressive Episode chronischen Verlaufs
aus (vgl. IV-act. 41 S. 2), während RAD-Ärztin Dr. med. F._ anlässlich
ihrer Untersuchung am 20. November 2013 eine depressive Episode mit
chronischem Verlauf, aktuell leicht, feststellte (vgl. IV-act. 47 S. 4). Die neu
behandelnde Psychiaterin Dr. med. J._ und Psychotherapeutin
K._ diagnostizierten in ihren Berichten vom 2. September 2014 und
10. März 2015 wiederum eine mittelschwere depressive Episode mit
chronischem Verlauf (vgl. IV-act. 69 S. 1 und IV-act. 86 S. 1). Wenn nun
Dr. med. N._ in seinem Bericht vom 8. September 2020 erneut eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode,
diagnostiziert (vgl. IV-act. 147), vermag die sich darauf abstützende
Beschwerdeführerin demnach keine Verschlechterung des psychischen
Zustands glaubhaft zu machen.
- 18 -
Hinzu kommt, dass Dr. med. N._ selbst eine leichte Verbesserung des
psychischen Zustands unter medikamentöser Behandlung feststellte (vgl.
IV-act. 147 S. 2). Auch stimmt der im Bericht von Dr. med. N._ vom
8. September 2020 aufgeführte Psychostatus mit den früheren
aktenkundigen psychopathologischen Befunderhebungen weitgehend
überein (vgl. hinsichtlich beeinträchtigter Grundstimmung: psychiatrisches
Gutachten von Dr. med. L._ vom 23. März 2016 [IV-act. 97 S. 23 f.],
Berichte von Dr. med. J._ und Psychotherapeutin K._ vom
10. März 2015 [IV-act. 86 S. 1] und 2. September 2014 [IV-act. 69 S. 2],
Bericht des damals behandelnden Psychiaters vom 13. November 2013
[IV-act. 41 S. 1]; bezüglich reduziertem Antrieb: psychiatrisches Gutachten
von Dr. med. L._ vom 23. März 2016 [IV-act. 97 S. 24 und S. 29 f.],
Bericht von Dr. med. J._ und Psychotherapeutin K._ vom
10. März 2015 [IV-act. 86 S. 1], Bericht des damals behandelnden
Psychiaters vom 13. November 2013 [IV-act. 41 S. 2]; betreffend
Gedankenkreisen: psychiatrisches Gutachten von Dr. med. L._ vom
23. März 2016 [IV-act. 97 S. 24], Untersuchungsbericht von RAD-Ärztin Dr.
med. F._ vom 17. Dezember 2013 [IV-act. 47 S. 5]; hinsichtlich
sozialem Rückzug: psychiatrisches Gutachten von Dr. med. L._ vom
23. März 2016 [IV-act. 97 S. 30; vgl. auch S. 15 und S. 19], Bericht von Dr.
med. J._ und Psychotherapeutin K._ vom 10. März 2015 [IV-
act. 86 S. 1], Untersuchungsbericht von RAD-Ärztin Dr. med. F._ vom
17. Dezember 2013 [IV-act. 47 S. 4]; bezüglich (Ein-)Schlafstörungen:
psychiatrisches Gutachten von Dr. med. L._ vom 23. März 2016 [IV-
act. 97 S. 15, S. 16, S. 20 und S. 32], Untersuchungsbericht von RAD-
Ärztin Dr. med. F._ vom 17. Dezember 2013 [IV-act. 47 S. 3], Bericht
des damals behandelnden Psychiaters vom 13. November 2013 [IV-act. 41
S. 2]). Darüber hinaus finden die im Bericht von Dr. med. N._ vom
8. September 2020 explizierten kognitiven Einschränkungen, namentlich
im Bereich der Konzentration und Aufmerksamkeit sowie im verlangsamten
Denken mit erhöhter Fehlerquote, grundsätzlich ihr Korrelat in früheren
- 19 -
Befunderhebungen (vgl. psychiatrisches Gutachten von Dr. med. L._
vom 23. März 2016 [IV-act. 97 S. 23 und S. 30], Untersuchungsbericht von
RAD-Ärztin Dr. med. F._ vom 17. Dezember 2013 [IV-act. 47 S. 5],
Bericht des damals behandelnden Psychiaters vom 13. November 2013
[IV-act. 41 S. 2]), weshalb sie als bereits bekannt und vorbestehend zu
gelten haben.
6.3. Insgesamt ist somit nicht zu beanstanden, wenn die IV-Stelle mangels
glaubhaft gemachter Verschlechterung des Gesundheitszustands durch
die Beschwerdeführerin nicht auf deren Leistungsbegehren eingetreten ist.
7. Im Ergebnis erweist sich die Beschwerde somit als unbegründet, weshalb
sie abzuweisen ist.
8. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei
Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen
der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von CHF 200.-- bis CHF 1'000.--
festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher
Aufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Kosten in Berücksichtigung
des bundesrechtlichen Kostenrahmens auf CHF 700.-- fest. Diese sind von
der unterliegenden Beschwerdeführerin zu tragen (vgl. Art. 73 Abs. 1
VRG). Der obsiegenden IV-Stelle steht kein Anspruch auf eine
aussergerichtliche Parteientschädigung zu (Art. 61 lit. g ATSG e contrario).
9.1. Zu prüfen bleibt, ob das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche
Rechtspflege gutzuheissen ist, das heisst, ob die Kosten von CHF 700.-- in
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (vorläufig) von der
Gerichtskasse zu übernehmen sind.
- 20 -
9.2. Nach Art. 29 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (BV; SR 101) hat jede Person, die nicht über die
erforderlichen Mittel verfügt, Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege,
wenn ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint (vgl. auch Art. 76
VRG). Vorliegend steht fest, dass die Beschwerdeführerin öffentlich
unterstützt wird (vgl. URP-Akten). Ihre Bedürftigkeit ist damit ausgewiesen.
Da die vorliegende Streitsache darüber hinaus nicht aussichtslos erschien,
sind die Kosten von CHF 700.-- in Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung (vorläufig) von der Gerichtskasse zu übernehmen.