# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 6ff7e4fa-b03e-49e1-a416-d2c1e3b4b173
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt
A. X._ ist – nachdem sie mit Kaufvertrag vom 10. Dezember 2014 von ihrem Bruder A._ dessen Anteile übernommen hatte – je zur Hälfte Miteigentümerin der Liegenschaften Nrn. _ und _ in O.1_. Je ein Viertel Miteigentum an diesen Parzellen gehört ihren Geschwistern Y.2_ und Y.1_. Beides sind unüberbaute Liegenschaften an der Talstrasse in O. und messen je 743 m2. Daneben sind X._, Y.2_ und Y.1_ Miteigentümer im gleichen Verhältnis der Parzelle Nr. _ in O.1_ Dorf im Ausmass von 5415 m2, überbaut mit einem Geschäftshaus und Nebenlokali-täten.
B. Am 11. Juli 2017 liess X._, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Philipp Dobler, beim Vermittleramt Engiadina Bassa/Val Müstair gegen Y.2_ und Y.1_, damals beide vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Lukas Küng, eine Klage betreffend Aufhebung von Miteigentum an den drei Liegenschaften in O.1_ einreichen. Die Vermittlungsverhandlung fand am 30. August 2017 in O.3_ statt, an welcher X._ mit ihrem Rechtsvertreter sowie Y.2_ mit seinem Sohn als Begleiter teilnahmen. Die in O.2_ wohnhafte Y.1_ und Rechtsanwalt lic. iur. Lukas Küng erschienen nicht zur Schlichtungsverhandlung. Eine Einigung konnte nicht erzielt werden, so dass am 28. September 2017 die Klagebewilligung ausgestellt wurde (vgl. RG act. II./2).
C.a. Mit Eingabe vom 12. Januar 2018 reichte X._ (nachfolgend Klägerin) unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten von Y.2_ und Y.1_ (nachfolgend die Beklagten) Klage beim Regionalgericht Engiadina Bassa/Val Müstair (nachfolgend Regionalgericht) ein. Die Klägerin begehrte zum einen die Feststellung, dass das Miteigentum an der Liegenschaft Nr. _ aufgehoben werde, wobei dieses öffentlich zu versteigern und der Erlös zu 50 % an sie und zu je 25 % an die Beklagten zu verteilen sei. Zum anderen sei festzustellen, dass das Miteigentum an den Liegenschaften Nrn. _ und _ aufgehoben werde, wobei die Liegenschaften körperlich zu teilen seien: An der Liegenschaft Nr. _ sei ihr das Alleineigentum zuzusprechen; die Liegenschaft Nr. _ sei so zu teilen, dass die Beklagten zu je 50 % Eigentümer würden. Im Weiteren stellte die Klägerin ein Rechtsbegehren betreffend die für die Liegenschaften Nrn. _ und _ eingetragenen Fuss- und Fahrwegrechte. Subeventuell seien auch die Liegenschaften Nrn. _ und _ öffentlich zu versteigern und der Erlös – nach Abzug der Versteigerungskosten und der Grundstückgewinnsteuern – im Verhältnis des Miteigentums zu verteilen, d.h. 50 % an die Klägerin und je 25 % an die Beklagten.
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C.b. Mit Schreiben vom 29. Januar 2018 teilte Rechtsanwalt lic. iur. Lukas Küng dem Regionalgericht Engiadina Bassa/Val Müstair mit, dass er die Beklagten nicht mehr vertrete (vgl. RG act. V./4). Diese reichten in der Folge eigenhändig verfasste Klageantworten ein.
In seinen Schreiben vom 24. Januar 2018 (RG act. I./2) und 20. März 2018 (RG act. V./10) äusserte sich Y.2_ mit keinem Wort zur Aufhebung des Miteigentums an den betreffenden Liegenschaften. Vielmehr forderte er das  auf, ihm "Ihre amtliche Legitimation" zu erbringen. Er beruft sich unter anderem auf Bestimmungen des Deutschen Bürgerlichen Gesetzbuches und legt seine "Allgemeinen Geschäftsbedingungen" bei.
Y.1_ schrieb dem Regionalgericht am 14. April 2018, "gemäss Vereinbarung beim Friedensrichter" werde die Liegenschaft B._ körperlich geteilt, nämlich Parzelle Nr. _ für ihre Schwester X._ und die Parzelle Nr. _ für ihren Bruder Y.2_ und sie. Betreffend die Liegenschaft Nr. _ wünsche sie eine Schätzung und die Schwester X._ "von uns auszahlen zu lassen".
C.c. Angesichts des Prozessverhaltens von Y.2_ wandte sich der Rechtsvertreter der Klägerin an die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (nachfolgend KESB) Engadin/Südtäler und stellte die Errichtung einer Vertretungsbeistandschaft zur Diskussion. Eine Eröffnung eines entsprechenden Abklärungsverfahrens wurde indessen vom Leiter der KESB Engadin/Südtäler mit Schreiben vom 24. April 2018 (RG act. V./14) mit der Begründung abgelehnt, gemäss Auskunft des Regionalgerichtspräsidenten Engiadina Bassa/Val Müstair könne Y.2_ den Sachverhalt und die Zusammenhänge verstehen. Ausserdem sei davon auszugehen, dass sich Y.2_ gegen die Errichtung einer Beistandschaft wehren würde. Ein Dialog mit ihm scheine unmöglich.
C.d. Der Präsident des Regionalgerichts Engiadina Bassa/Val Müstair ordnete am 1. Mai 2018 einen zweiten Schriftenwechsel an (RG act. V./16).
Mit Replik vom 30. Mai 2018 hielt der Rechtsvertreter der Klägerin an deren Rechtsbegehren gemäss Klageschrift fest und teilte mit, er verstehe "die Ausführungen des Beklagten Ziff. 1 [Y.2_] dahingehend, dass sich das angerufene Gericht den von ihm aufgestellten Regeln unterstellt, ansonsten er dessen Entscheidungen nicht anerkennt". Er nahm deshalb lediglich zur Frage der Zuständigkeit Stellung und äusserte sich nicht weitergehend zu  Fragen der Eigentumsaufhebung (RG act. V./18). Das Schreiben des Regionalgerichts betreffend Zustellung der Replik und Aufforderung zur
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Einreichung einer Duplik wurde von Y.2_ nicht entgegengenommen bzw. deren Annahme verweigert (vgl. RG act. V./18). Y.1_ reichte keine Duplik ein.
C.e. Mit Beweisverfügung vom 28. September 2018 wurden nur die von der Klägerin eingereichten Urkunden zum Beweis zugelassen. Über den Beweisantrag von Y.1_, es sei eine Schätzung der Liegenschaft Nr. _ zu veranlassen, wurde nicht befunden.
C.f. Nachdem der Präsident des Regionalgerichts Engiadina Bassa/Val Müstair am 19. November 2018 zur Hauptverhandlung auf den 28. Februar 2019 vorgeladen hatte, erfolgte am 28. November 2018 ein weiteres Schreiben von Y.2_ an das Regionalgericht (RG act. V./24), in welchem er den Präsidenten des Regionalgerichts Engiadina Bassa/Val Müstair unter anderem als seinen Treuhänder ernennen wollte, und welches damit inhaltlich bezogen auf den Streitgegenstand völlig unverständlich ist.
C.g. An der Hauptverhandlung vom 28. Februar 2018 waren die Klägerin mit ihrem Rechtsvertreter und Y.1_ anwesend. Y.2_ erschien nicht. Der klägerische Rechtsvertreter stellte wiederum den Antrag auf Durchführung einer öffentlichen Versteigerung der Liegenschaft Nr. _. Y.1_ wollte diese Liegenschaft nach wie vor in der Familie behalten und die Klägerin auszahlen. Gleichzeitig stellte sie aber das Begehren, "[d]ie Grundstücke sollen geteilt oder öffentlich versteigert werden." (vgl. Protokoll der Hauptverhandlung [RG act. VII./1]).
C.h. Mit Entscheid vom 28. Februar 2019 erkannte das Regionalgericht Engiadina Bassa/Val Müstair was folgt (act. B.2):
1. Die Klage wird teilweise gutgeheissen.
2. Das Miteigentum von X._, Y.2_ und Y.1_ an Grundstück Nr. _, Plan Nr. 2, O.1_, Grundstück Nr. _, Plan Nr. 5, O.1_ und Grundstück Nr. _, Plan Nr. 5, O.1_, alle Grundbuch der Gemeinde O.1_, wird richterlich aufgehoben.
3. Die Aufhebung des Miteigentums an den Grundstücken Nrn. _ und _, beide Plan Nr. 5, O.1_, hat durch körperliche Teilung zu erfolgen, dahingehend, dass die klagende Partei (X._) Alleineigentümerin des Grundstücks Nr. _ und die beklagten Parteien 1 und 2 ([sic] und Y.1_) jeweils Eigentümer zur Hälfte des Grundstücks Nr. _ werden.
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4. Das Grundbuchamt O.1_ wird angewiesen, X._ als Alleineigentümerin des Grundstücks Nr. _, Plan Nr. _, Grundbuch O.1_, einzutragen.
5. Das Grundbuchamt O.1_ wird angewiesen, Y.2_ (sic) und Y.1_ jeweils als Eigentümer zur Hälfte des Grundstücks Nr. _, Plan Nr. _, Grundbuch O.1_, einzutragen.
6. Die Aufhebung des Miteigentums an Grundstück Nr. _, Plan Nr. _, O.1_ , hat durch Versteigerung des Grundstücks Nr. _ unter den Miteigentümern zu erfolgen.
7. Die Parteien werden angewiesen, die Versteigerung unter den Miteigentümern (Art. 651 Abs. 2 ZGB) durchzuführen.
8. Der Erlös der Versteigerung ist nach Abzug der Versteigerungskosten und der Grundstückgewinnsteuern an die Parteien im Verhältnis ihres Miteigentums, d.h. an die klagende Partei zu 50 % und an die beklagten Parteien zu je 25 %, zu verteilen.
9. Soweit innert 4 Monaten seit Rechtskraft des Urteils keine Versteigerung des Grundstücks Nr. _ unter den Miteigentümern erfolgt ist, hat die Aufhebung des Miteigentums nach entsprechender Meldung an das Konkursamt Engiadina Bassa/Val Müstair durch eine der Parteien, mittels öffentlicher Versteigerung des Grundstücks Nr. _, Plan Nr. 2, O.1_, zu erfolgen. Der Erlös der Versteigerung ist nach Abzug der Versteigerungskosten und der Grundstückgewinnsteuern an die Parteien im Verhältnis ihres Miteigentums, d.h. an die klagende Partei zu 50 % und an die beklagten Parteien zu je 25 %, zu verteilen.
10. Das Konkursamt Engiadina Bassa/Val Müstair wird angewiesen, die in Ziff. 9 des Dispositivs genannte öffentliche Versteigerung gemäss Art. 78a VZG durchzuführen, wobei die Kosten vorweg aus dem Erlös zu decken sind.
11. Für [die] Steigerung gelten die folgenden Bedingungen:
1. Das Grundstück wird nach dreimaligem Aufruf des höchsten Angebotes zugeschlagen. Es besteht ein Mindestzuschlagspreis von CHF 5'000'000.00.
[...]
4. [...] Anwesenheit ist erforderlich. [...]
[...]
12. Das Ergebnis der Steigerung ist dem Gericht mitzuteilen (Art. 78 Abs. 4 VZG).
13. (Kosten)
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14. (Parteientschädigung)
15. (Gerichtskosten im Falle einer schriftlichen Begründung).
15. (Schriftliche Begründung)
16. (Mitteilung).
C.i. Der Entscheid wurde den Parteien am 6. März 2019 ohne schriftliche Begründung mitgeteilt. Die Postsendung an Y.2_ wurde von diesem wieder an das Regionalgericht mit dem Vermerk "Kein Vertragspartner" auf dem Couvert retourniert (vgl. RG act. V./26).
C.j. Keine der Parteien verlangte in der Folge eine Begründung des Entscheides.
D. Am 9. Mai 2019 bescheinigte das Grundbuchamt O.1_ den Vollzug des ergangenen Entscheids in Bezug auf die Liegenschaften Nrn. _ (Eintragung der Beklagten als je hälftige Miteigentümer) und _ (Eintragung der Klägerin als Alleineigentümerin; vgl. RG act. V./27).
E. Der vorgesehene Steigerungsleiter C._ des Betreibungsamtes Engiadina Bassa/Val Müstair lud die Parteien zu einer Steigerung am 8. August 2019 ein. Die Beklagten verweigerten die Teilnahme und Y.1_ teilte im betreffenden Schreiben mit, sie sei für die Durchführung einer öffentlichen Versteigerung. Aus diesem Grunde bot die Klägerin die Notarin D._ auf, welche ein Protokoll in Form einer öffentlichen Urkunde über den Steigerungsablauf erstellte. Die Steigerung wurde von E._, O.4_, geleitet, nachdem sich C._ davon zurückgezogen hatte. Für die Liegenschaft Nr. _ bot die Klägerin den Betrag von CHF 2'000'000.00. Davon seien je CHF 500'000.00 an die Beklagten auszubezahlen, wobei die Klägerin dies ab einem Sperrkonto in Ratenzahlungen von je CHF 2'500.00 pro Monat begleichen wollte (vgl. RG act. V./28 Anhang 2).
F. Mit Schreiben vom 20. August 2019 an das Grundbuchamt O.1_ erklärte Rechtsanwalt Dr. iur. Philipp Dobler die Umstände der Miteigentumsaufhebung an der Liegenschaft Nr. _ und dessen Steigerung und vertrat unter anderem die Auffassung, diese sei nahezu wertlos, da das Gebäude unvermietet sei und sich in der roten Zone befinde. Ausserdem sei der heutige Verkehrswert mit der Nutzniessung zugunsten der Mutter F._ belastet (vgl. RG act. V./28 Anhang 3).
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G. Am 22. August 2019 stellte E._ die öffentliche Urkunde über die Steigerung dem Grundbuchamt O.1_ zwecks Eintragung der Handänderung zu (vgl. RG act. V./28 Anhang 1).
H. Das Grundbuchamt O.1_ stellte am 27. August 2019 beim Regionalgericht Engiadina Bassa/Val Müstair ein Gesuch um Erläuterung der Dispositivziffern 6 und 7 des Entscheids vom 28. Februar 2019 "und zwar dahingehend, ob die vorliegende Abwicklung mit dem einseitigen Vorgehen und dem einseitig beanspruchten Verfügungsrecht einer Miteigentümerin den Anordnungen und der Absicht (Entscheidwillen) des Gerichts entspricht" (vgl. RG act. V./28).
I. Nach Zustellung des Gesuchs an die Verfahrensparteien zur Kenntnisnahme liess Y.2_ dem Regionalgericht zwei weitere Schreiben, datierend vom 11. und 24. September 2019, zukommen. Deren Inhalt bezieht sich weder auf die durchgeführte Steigerung noch ganz grundsätzlich auf den Gegenstand der Miteigentumsaufhebung und zeugt allgemein von völligem Unverständnis in der Sache (vgl. RG act. V./31 und 34).
J. Mit Erläuterungsentscheid vom 17. September 2019, mitgeteilt am 23. September 2019, erkannte das Regionalgericht Engiadina Bassa/Val Müstair was folgt (act. B.1):
1. Der Entscheid des Regionalgerichts Engiadina Bassa/Val Müstair vom 28. Februar 2019 (Proz. Nr. 115-2018-2), mitgeteilt am 6. März 2019, wird dahingehend erläutert, dass die in Ziff. 11 aufgeführten Steigerungsbedingungen sowohl für die Versteigerung unter den Miteigentümern (Ziff. 6 ff.) als auch für die öffentliche Versteigerung (Ziff. 9 f.) gelten.
2. (Kosten)

## Considerations