# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 53738490-e704-4be0-af75-8e86a0495568
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. B._ wurde am _1966 in O.1_ geboren. Er wuchs in geordneten Verhältnissen bei seinen Eltern in O.2_ auf, wo er die Primar- und die Realschule besuchte. Anschliessend absolvierte er eine dreijährige Maurerlehre. Im Jahre 1994 wechselte er in die Skibranche. Bei der C._ AG war er vorerst zwei Jahre lang als Fabrikationsmitarbeiter angestellt, dann wechselte er in den Kundendienst derselben Firma, den er während sechseinhalb Jahren leitete. Ab dem Jahr 2002 war er während eineinhalb Jahren für die Firma D._ AG in O.3_ tätig. Anschliessend kehrte er zu der C._ AG zurück, diesmal in den Rennbereich. Mit seiner Tätigkeit als Rennsportcenterleiter erzielt er ein Einkommen von netto Fr. 5‘100.-- im Monat. Seit dem Jahr 2004 ist B._ verheiratet. Er hat keine Kinder.
B._ ist weder im Schweizerischen Strafregister noch im Register für Administrative Massnahmen (ADMAS) verzeichnet.
B. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 29. Februar 2012, mitgeteilt am 6. März 2012, wurde B._ der fahrlässigen Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 1 StGB schuldig gesprochen. Dafür wurde er mit einer Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu je Fr. 110.--, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von zwei Jahren, sowie mit einer Busse von Fr. 500.--, bei schuldhafter Nichtbezahlung mit einer Ersatzfreiheitsstrafe von vier Tagen, bestraft. Zudem wurden ihm die Verfahrenskosten auferlegt.
Die Staatsanwaltschaft Graubünden legte ihrem Strafbefehl den folgenden Sachverhalt zu Grunde:
„Am 3. April 2011 um ca. 14.27 Uhr fuhr B._ mit dem Personenwagen Toyota J Previa, Kontrollschilder LU Z.1_, von O.4_ herkommend über die K._strasse in einer Kolonne von mindestens vier Fahrzeugen bzw. mehreren Fahrzeugen in Richtung O.5_. Nach dem Kieswerk der Firma E._ setzte er, nachdem er sich mit einem Blick im linken Aussen- sowie im Innenspiegel betreffend den nachfolgenden Verkehr bzw. die freie Fahrt vergewissert und den linken Blinker gestellt hatte, auf einem geraden Teilstück zum Überholen des vor ihm fahrenden Fahrzeuges, Kontrollschilder VS Z.2_, gelenkt von F._, an. Indessen unterliess es der Beschuldigte sich mit einem Seitenblick (leichtes Kopfdrehen nach links) zusätzlich nach hinten zu vergewissern, ob ein weiteres Fahrzeug im Begriff war, die Kolonne zu überholen, obschon der Beschuldigte bereits rund 100 – 200 m nach der Ortschaft O.4_ im Aussenspiegel wahrnahm, dass ein weisser Sportwagen beim Überholen war. Als B._ mit seinem Fahrzeug rund 1 m über die Leitlinie auf der Gegenfahrbahn war, bemerkte er im linken Aussenspiegel, dass dieser weisse Sportwagen
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im Begriff war seine Hintermänner bzw. diese Kolonne zu überholen. Sofort zog B._ sein Fahrzeug wieder auf die Normalspur zurück. Obwohl A._ mit seinem weissen Oldtimer Triumph GB 20 TR, Kontrollschilder GR Z.3_, noch nach links auszuweichen versuchte, verlor er aufgrund seines Brems- bzw. Schleudermanövers die Beherrschung über sein Fahrzeug und geriet über den rechten Fahrbahnrand hinaus. In der Folge schlug A._ mit seinem Fahrzeug im dortigen Wiesland auf, wobei dieser aus dem Fahrzeug geschleudert wurde und mit mittelschweren Verletzungen liegen blieb. A._ erlitt eine traumatische Hirnverletzung, eine offene Nasenbein- und Septumfraktur, Rissquetschwunden an Ober- und Unterlid rechts, eine Thoraxkontusion, eine Schmerzfraktur der Zähne 11-13 sowie eine Rissquetschwunde am Bein rechts. A._ stellte am 14. April 2011 Strafantrag wegen Körperverletzung.“
C. Ebenfalls am 14. April 2011 hatte sich A._ als Privatkläger im Sinne von Art. 118 Abs. 1 StPO konstituiert, indem er ausdrücklich erklärte, dass er sowohl als Straf- als auch als Zivilkläger am Verfahren teilzunehmen wünsche.
D. Gegen den Strafbefehl vom 29. Februar 2012 liess B._ am 9. März 2012 Einsprache erheben. Mit Parteimitteilung vom 19. März 2012 teilte die Staatsanwaltschaft Graubünden den Abschluss der Strafuntersuchung mit und stellte die Überweisung des Strafbefehls ans Gericht in Aussicht. Gleichzeitig setzte sie Frist für die Geltendmachung allfälliger Beweisergänzungsanträge. Am 29. März 2012 stellte der Verteidiger von B._ den Antrag, es seien zwei weitere, näher bezeichnete Zeugen einzuvernehmen. Diesen Antrag lehnte die Staatsanwaltschaft mit Verfügung vom 19. April 2012, mitgeteilt am 20. April 2012, ab. Mit Verfügung vom 16. Juli 2012, mitgeteilt am 17. Juli 2012, überwies die Staatsanwaltschaft Graubünden den Strafbefehl ans Bezirksgericht Albula mit dem Hinweis, dass sie am Strafbefehl festhalte.
E. An der Hauptverhandlung vor dem Bezirksgericht Albula am 25. April 2013 waren B._ mit seinem Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. iur. Jean-Pierre Menge, sowie der Privatkläger A._ mit seinem Vertreter, Rechtsanwalt lic. iur. Benno Burtscher, anwesend. Die Staatsanwaltschaft Graubünden wurde durch Staatsanwalt lic. iur. Franz Moser vertreten.
Der Staatsanwalt stellte und begründete in seinem Plädoyer den Antrag, B._ der fahrlässigen Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen und ihn mit einer Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu je Fr. 110.--, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von zwei Jahren, sowie mit einer Busse von Fr. 500.--, ersatzweise mit einer Freiheitsstrafe von vier Tagen, zu bestrafen.
Der Verteidiger beantragte in seinem Plädoyer was folgt:
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„1. B._ sei von Schuld und Strafe freizusprechen
2. Unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge.“
Der Privatkläger stellte in seinem Plädoyer die folgenden Anträge:
„1. Die adhäsionsweise eingereichte Zivilklage wird zurückgezogen.
2. Dem Privatkläger seien keine Verfahrenskosten und Parteientschädigungen bezüglich der Zivilklage aufzuerlegen.
3. B._ sei der fahrlässigen Körperverletzung gemäss Art. 125 StGB schuldig zu sprechen. Dafür sei er nach richterlichem Ermessen zu bestrafen.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Beschuldigten.“
F. Mit Urteil vom 25. April 2013, nicht mündlich eröffnet, im Dispositiv mitgeteilt am 26. April 2013, schriftlich begründet mitgeteilt am 7. Mai 2013, erkannte das Bezirksgericht Albula, Erstinstanzliches Strafgericht, wie folgt:
„1. B._ wird vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 1 StGB freigesprochen.
2. Die Zivilklage wurde zurückgezogen.
3. Die Kosten des Verfahrens von CHF 7‘172.00 (Untersuchungskosten der Staatsanwaltschaft Graubünden CHF 3‘172.00, Gerichtskosten CHF 4‘000.00) gehen zulasten des Kantons Graubünden.
4. B._ wird zulasten des Kantons Graubünden mit CHF 10‘408.00 (inkl. Barauslagen und MwSt.) entschädigt. Die Auszahlung erfolgt aus der Gerichtskasse.

## Considerations