# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 21e1d0da-eab0-4b4e-bf5b-793492d5d1a3
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt:
A. X._ wurde am _1977 in O.1_ geboren und wuchs zusammen mit einer Schwester bei seinen Eltern in O.2_ auf. Dort besuchte er sechs Jahre die Primar- und drei Jahre die Sekundarschule. Anschliessend absolvierte er bei der L._ in O.3_ eine dreijährige kaufmännische Berufslehre, welche er im Jahre 1996 erfolgreich abschloss. Seither arbeitet er als selbständiger Kaufmann im Bereich Immobilien. Gemäss Aussagen anlässlich der Hauptverhandlung vor der Vorinstanz beläuft sich sein monatliches Einkommen auf Fr. 165‘000.--. Den eigenen Angaben gegenüber dem Untersuchungsrichter zufolge beträgt X._ Vermögen mehr als Fr. 5 Mio..
Im Jahr 2013 heiratete X._ H._. Sie sind Eltern zweier Kinder.
Im Schweizerischen Zentralstrafregister ist X._ nicht verzeichnet. Bezüglich seines Leumunds hat die Stadtpolizei O.3_ nichts Negatives vermerkt.
B. Mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 23. November 2010 wurde X._ wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB, Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung gemäss Art. 164 Ziff. 1 StGB und Gläubigerbevorzugung gemäss Art. 167 StGB in Anklagezustand versetzt. Dieser Anklage liegt gemäss Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 23. November 2010 folgender Sachverhalt zugrunde:
„II. A._, B._ und X._ werden angeklagt
der ungetreuen Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB und der Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung gemäss Art. 164 Ziff. 1 StGB.
1. A._, B._ und X._ zum Nachteil der einfachen Gesellschaft ‚A._ und B._, Café J._‘ Seit Ende 1995 betrieben A._ und B._ in O.4_ das Café J._. Gegen aussen trat der Betrieb als einfache Gesellschaft (‚A._ und B._, Café J._‘) auf (act. B1.1.2-4, C1.2.2-5). Finanziert wurde der Betrieb der einfachen Gesellschaft durch die Graubündner Kantonalbank (nachfolgend: GKB) mittels verschiedener Hypothekar- und Betriebskredite (act. C1.2.2-5). Als Sicherheit für diese Kredite hatte B._ der GKB von Beginn der Geschäftsbeziehung an eine ‚Maximal-Grundpfandverschreibung von nominell Fr. 950‘000.-- im 1. Rang‘ auf eine an die Liegenschaft des Café J._ angrenzende Parzelle in O.4_ gewährt (act. C1.2.2, C1.2.5). Ab dem 7. September 2004 trat das Café J._ gegen aussen nicht mehr als einfache Gesellschaft, sondern als Einzelfirma ‚Café J._ A._‘ auf (act. B.1.1, B.1.8).
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Ab dem 7. September 2004 war das Café J._ im Handelsregister als Einzelfirma ‚Café J._ A._‘ eingetragen. Per 30. November 2003 bewertete das Café J._ seine Aktiven wie folgt (act. B1.1.14, C1.2.61, C1.2.65):
Debitoren gegenüber der K._ AG 179‘169.80 Debitoren gegenüber Dritten 61‘620.55 Vorräte 210‘299.90 Mobile Sachanlagen 1‘331‘160.95 Total 1‘782‘251.20
Ab ca. Juli 2004 kümmerte sich X._ im Auftrag von A._ und B._ um die finanzielle Sanierung des Café J._ (act. A2.1.15; A2.1.17, S. 4; A2.2.7, S. 3). Bereits nach unmittelbarer Aufnahme dieser Tätigkeit stellte er fest, dass das Café J._ (bzw. deren Gesellschafter A._ und B._) vor dem Konkurs standen (act. A2.2.7, S. 2; C1.2.60; C1.2.37).
Am 13. August 2004 traten A._ und B._ auf Anraten von X._ sämtliche Debitorenguthaben des Café J._, deren Vorräte sowie deren mobile Sachanlagen (Maschinen, Apparate und Einrichtungen) an B._ ab. Rechtsanwalt W._, O.7_, beurkundete den entsprechenden Abtretungsvertrag zwischen A._ und B._ (act. C1.2.31). B._ verfügte zu diesem Zeitpunkt über keinerlei Forderungen gegenüber der einfachen Gesellschaft ‚A._ und B._, Café J._‘.
Nachdem am 22. Februar 2005 A._ seine Zahlungsunfähigkeit erklärt hatte, eröffnete das Bezirksgerichtspräsidium Maloja am 11. März 2005 über ihn den Konkurs (act. B1.1.9). In diesem Konkurs erlitten die Gläubiger einen Verlust von CHF 779‘247.65 (act. C1.1.10, act. C1.2.60).
2. A._ und X._ zum Nachteil der K._ [K._ AG]
Neben der Sanierung der einfachen Gesellschaft kümmerte sich X._ ab ca. Juli 2004 im Auftrag von A._ und B._ auch um die finanzielle Sanierung der K._ (act. A2.1.15, S. 2; A2.2.7, S. 3). Auch in diesem Zusammenhang musste er schnell feststellen, dass die K._ vor dem Konkurs stand (act. A2.2.7, S. 2; C1.2.37). Ab der ausserordentlichen Generalversammlung vom 10. August 2004 war X._ faktisch Geschäftsführer der K._.
Per 30. November 2003 bewertete die K._ ihre Aktiven wie folgt (act. B1.3.19, B1.3.21):
Forderungen (ohne interne Debitoren) + transitorische Aktiven 132‘358.25 Vorräte 84‘343.70 Mobile Sachanlagen 521‘456.00 Total 738‘157.95
Anlässlich der ausserordentlichen Generalversammlung der K._ vom 10. August 2004 in O.4_ trat A._ als deren Einzelzeichnungsbevollmächtigter und auf Anraten von X._ sämtliche Debitorenguthaben der K._ sowie deren sämtliches Inventar (Maschinen, Apparate, Einrichtungen und Lagerbestände) an
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B._ ab (act. C1.2.35.2). B._ verfügte zu diesem Zeitpunkt über keine Forderung gegenüber der K._.
Nachdem am 22. Februar 2005 die K._ ihre Insolvenz erklärt hatte, eröffnete das Bezirksgerichtspräsidium Maloja am 11. März 2005 über die K._ den Konkurs (act. B1.3.13). In diesem Konkurs erlitten die Gläubiger einen Verlust von CHF 1‘372‘105.65 (act. B1.3.17, act. C1.2.60).
3. X._ zum Nachteil der Einzelfirma ‚Café J._‘ und der K._
Am 16. August 2004 eröffnete B._ auf Anraten des faktischen Geschäftsführers der K._, X._, bei der Banca Raiffeisen Engiadina Val Müstair (nachfolgend: Raiffeisen) ein auf sie lautendes Privatkonto mit der Nummer Z.2_ (act. C1.2.36). Neben B._ war ab dem 10. September 2004 auch X._ einzelzeichnungsberechtigt über dieses Konto (act. C1.2.38). Von Eröffnung dieses Kontos an bis Ende des Jahres 2004 wickelte X._ den gesamten Bankverkehr der Einzelfirma und der K._ über dieses Konto ab, während er die bisherigen Konti dieser beiden Betriebe bei der GKB (Z.5_ [act. C1.2.56], Z.6_ [act. C1.2.55]) sowie bei der Raiffeisen (Nr. Z.3_; act. C1.2.56) stilllegte. In diesem Zeitraum bezahlten die Schuldner der K._ und der Einzelfirma rund CHF 1.3 Mio. auf dieses Konto ein (act. C1.2.63).
Am 21. Oktober 2004 gab X._ eine Überweisung vom erwähnten Konto in Höhe von CHF 500‘000.-- auf das auf ihn lautende Konto bei der Raiffeisen, Nr. Z.4_, in Auftrag (act. C1.2.41). Von dort liess X._ diesen Betrag am 26. Oktober 2004 auf das Konto der Mutter von B._, C._, bei der GKB mit der Nr. Z.7_ überweisen (act. C1.2.47). Auf Veranlassung von X._ amortisierte C._ am 20. November 2004 die bei der GKB zu Lasten von A._ und B._ offenen Kredite mit den Kreditorennummern Z.6_, Z.8_, Z.9_ vollständig bzw. die Hypothek Z.10_ im Umfang von CHF 40‘435.76 (act. C1.2.47). Zudem tilgte sie ebenfalls auf Veranlassung von X._ rückständige Zinsen in Höhe von CHF 40‘584.85 (act. C1.2.46 und 64).
Im Konkurs der K._ erlitten die Gläubiger einen Verlust von CHF 1‘372‘105.65 (act. B1.3.17, act. C1.2.60)
III. A._ und X._ werden angeklagt
der Gläubigerbevorzugung gemäss Art. 167 StGB.
Gemäss einem Darlehensvertrag vom 18. Juli 2001 (act. C2.1.2) gewährte D._ A._ ein Darlehen von max. CHF 500‘000.--. Dieses war vereinbarungsgemäss für die Finanzierung der Einrichtung in dem durch A._ betriebenen Café mit Verkaufsladen im M._ Center in O.5_ zu verwenden. Vermieter der erwähnten Lokalitäten war der Darlehensgeber D._. Die tatsächlich gewährte Darlehenssumme betrug CHF 485‘000.-- (act. B1.1.5, S. 3). In der Folge gelang es A._ nicht, die im Darlehensvertrag vereinbarten Amortisationszahlungen zu leisten.
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Ca. im August 2004 kam es zwischen X._ als Vertreter von A._ und D._ zu einem Gespräch. Dabei ersuchte X._ D._, die Darlehensvereinbarung vom 18. Juli 2001 sowie das damit zusammenhängende Miet- und Pachtverhältnis mit A._ aufzulösen (act. A2.1.22, S. 3; A2.2.6, S. 2; A2.2.8, S. 7). Ergebnis dieser Besprechung war neben der rückwirkenden (auf 1. Januar 2004) Übertragung der Darlehens- und Mietforderungen von D._ an die N._ GmbH (act. C2.1.4) eine zwischen D._ und A._ am 20. Oktober 2004 abgeschlossene ‚Vereinbarung für die vorzeitige Auflösung des Mietverhältnisses‘ (act. C2.1.3). Darin wurde insbesondere die vorzeitige Auflösung des Mietvertrages ‚per 27. November 2004‘ und der Übergang des in den Geschäftsräumlichkeiten befindlichen ‚Gross- und Kleininventars‘ in das Eigentum der N._ GmbH ‚zur Tilgung des Darlehens‘ vereinbart. Das erwähnte Inventar hatte zu diesem Zeitpunkt einen geschätzten Liquidationswert von CHF 100‘000.-- (act. A1.1.15, C2.1.6).
Nachdem am 22. Februar 2005 A._ seine Zahlungsunfähigkeit erklärt hatte, eröffnete das Bezirksgerichtspräsidium Maloja am 11. März 2005 über ihn den Konkurs (act. B1.1.9). In diesem Konkurs erlitten die Gläubiger einen Verlust von CHF 779‘247.65 (act. B1.1.10, act. C1.2.60). Weder D._ noch die N._ GmbH gaben in diesem Konkurs zu kollozierende Ansprüche ein (act. A1.2.9).“
C. An der Hauptverhandlung vor dem Bezirksgericht Maloja am 19. und 20. Juni 2012 waren X._ mit seinen beiden Verteidigern, Rechtsanwalt Dr. iur. et lic. oec. HSG Marco Toller und Rechtsanwalt lic. iur. Dieter Jann LL.M., sowie die ebenfalls angeklagten E._ und A._ in Begleitung ihrer Verteidiger anwesend. Die auch angeklagte B._ war von der Teilnahme an der Hauptverhandlung dispensiert worden, weshalb lediglich ihr Verteidiger daran teilnahm. Die Staatsanwaltschaft Graubünden wurde durch einen Staatsanwalt vertreten.
Der Staatsanwalt stellte und begründete in seinem Plädoyer folgenden Antrag:
„1.1.X._ sei schuldig zu sprechen
- der ungetreuen Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB sowie
- der mehrfachen Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung gemäss Art. 164 Ziff. 1 StGB
Er sei dafür zu einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten, bedingt aufgeschoben, bei einer Probezeit von 2 Jahren, und einer Busse von CHF 2‘500.--, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 15 Tagen, zu verurteilen
1.2. [Antrag bezüglich A._.]
1.3. [Antrag bezüglich B._.]
1.4. [Antrag bezüglich E._.]
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2. Das Verfahren sei in Bezug auf Ziff. III der Anklageschrift einzustellen.
3. Die Verfahrenskosten seien den Beschuldigten aufzuerlegen.“
Die Verteidigung verlangte in ihrem Plädoyer, X._ sei von Schuld und Strafe vollumfänglich freizusprechen, soweit das Verfahren nicht ohnehin einzustellen sei. Dementsprechend seien die Verfahrenskosten der Staatskasse zu überbinden und X._ sei zu Lasten der Staatskasse eine angemessene Entschädigung für seine Verteidigung zuzusprechen.
D. Mit Urteil vom 19./20./25. Juni 2012, nicht mündlich eröffnet, im Dispositiv mitgeteilt am 26. Juni 2012, schriftlich begründet mitgeteilt am 11. September 2012, erkannte das Bezirksgericht Maloja, Erstinstanzliches Strafgericht, wie folgt:
„1. Das Strafverfahren gegen X._ wegen Gläubigerbevorzugung gemäss Art. 167 StGB wird eingestellt.
2. X._ wird vom Vorwurf der Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung gemäss Art. 164 Ziff. 1 StGB freigesprochen.
3. X._ ist schuldig der mehrfachen ungetreuen Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB.
4. Dafür wird er mit einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je CHF 3‘000.- sowie zur Bezahlung einer Busse von CHF 10‘000.-, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 4 Tagen, verurteilt.
5. Der Vollzug der Geldstrafe wird bedingt aufgeschoben; die Probezeit beträgt 2 Jahre.
6. Die Kosten des Verfahrens, bestehend aus:
- Untersuchungsgebühr der Staatsanwaltschaft CHF 2‘171.25 - Barauslagen der Staatsanwaltschaft CHF 265.75 - Gerichtsgebühr CHF 4‘550.00 Total CHF 6‘987.00
werden im Umfang von CHF 4‘658.00 X._ auferlegt. Ein Drittel wird auf die Staatskasse genommen, d.h. CHF 812.35 zulasten des Kantons Graubünden und CHF 1‘516.65 zulasten des Bezirksgerichts Maloja.
7. X._ wird im Sinne von Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO eine Entschädigung zulasten der Gerichtskasse von CHF 30‘000.- inkl. MwSt. zugesprochen.

## Considerations