# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 92b5cbf6-08cb-5a8d-b885-f67d8bca6631
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdeführer beantragte mit nachträglichem Baugesuch vom 16. März 2018
die Bewilligung der Umnutzung der Liegenschaft Roggwil Gbbl. Nr. D._ in eine
Reparaturwerkstatt. Die Gemeinde teilte ihm mit, das Gesuch sei unvollständig,
insbesondere weil die Unterschrift der Grundeigentümerin fehle. Da der Beschwerdeführer
trotz entsprechender Aufforderung der Gemeinde kein verbessertes Baugesuch einreichte,
RA Nr. 110/2019/145 Seite 2 von 15
schrieb die Gemeinde das Baugesuchsverfahren mit Verfügung vom 4. Juni 2018 ab und
ordnete die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands an.
2. Dagegen erhob der Beschwerdeführer Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und
Energiedirektion des Kantons Bern (BVE). Mit Entscheid vom 12. November 2018
(RA Nr. 110/2018/80) erwog die BVE, der Beschwerdeführer habe gegenüber der
Grundeigentümerin aufgrund des bis zum 31. Oktober 2019 rechtskräftig erstreckten
Mietverhältnisses den zivilrechtlichen Anspruch, bis zu diesem Zeitpunkt in den gemieteten
Geschäftsräumlichkeiten gewerblich tätig zu sein. Dem Beschwerdeführer komme somit ─
unabhängig von der schriftlichen Zustimmung der Grundeigentümerin ─ ein
schützenswertes Interesse am Baubewilligungsverfahren zu. Die fehlende Unterschrift der
Grundeigentümerin stelle somit keinen Mangel dar, welcher das Eintreten auf das
Baugesuch hindere. Die BVE hiess die Beschwerde gut, hob die Verfügung auf und wies
die Sache zur Fortsetzung des Verfahrens an die Gemeinde zurück.
3. Daraufhin wurde das Verfahren fortgesetzt. Mit Schreiben vom 15. Januar 2019 teilte
das Regierungsstatthalteramt Oberaargau dem Beschwerdeführer mit, das Baugesuch sei
formell und materiell mangelhaft. Es forderte ihn u.a. zur Ergänzung des Situationsplans
mit Massangaben (Grenz- und Strassenabstände, Länge und Breite), zur Einreichung von
Projektplänen (Grundriss, Umgebungsplan, Schnitt und Fassaden), zur Ergänzung
fehlender Angaben auf den Baugesuchsformularen, zur Berechnung der erforderlichen
Abstellplätze und deren Kennzeichnung im Umgebungsplan sowie zur Einreichung eines
Brandschutzkonzepts auf. Es wies den Beschwerdeführer darauf hin, dass das Gesuch als
zurückgezogen gelte, wenn es nicht innert Frist mit den geforderten Verbesserungen
wieder eingereicht werde.
Mit Verfügung vom 20. Mai 2019 teilte das Regierungsstatthalteramt Oberaargau dem
Beschwerdeführer, der Gemeinde und der Grundeigentümerin mit, es habe den
Beschwerdeführer mehrmals aufgefordert, die Unterlagen gemäss der Mängelliste vom
15. Januar 2019 einzureichen, und ihm schliesslich eine letzte Frist bis 30. April 2019
gesetzt. Da bis anhin keine Akten eingegangen seien, beabsichtige das
Regierungsstatthalteramt, das Verfahren abzuschreiben und die Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustandes mit einer Frist bis Ende Oktober 2019 anzuordnen. Die
RA Nr. 110/2019/145 Seite 3 von 15
Verfahrensbeteiligten erhielten Gelegenheit, innert 10 Tagen eine Stellungnahme
einzureichen.
Der Beschwerdeführer reichte gegen diese Verfügung Beschwerde bei der BVE ein. Auf
diese trat die BVE mit Entscheid vom 16. Juli 2019 (RA Nr. 110/2019/102) nicht ein, weil
sie den formellen Anforderungen an eine Beschwerde, namentlich hinsichtlich Anträgen
und Begründung, nicht genügte und zudem die Voraussetzungen für die Anfechtbarkeit
einer Zwischenverfügung nicht erfüllt waren.
4. Mit Verfügung vom 26. Juli 2019 schrieb das Regierungsstatthalteramt Oberaargau
das Verfahren ab. Es ordnete die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands bis
31. Oktober 2019 an. Ab diesem Zeitpunkt dürften die betroffenen Räumlichkeiten nicht
mehr als Reparaturwerkstatt genutzt werden und seien ihrer ursprünglich bewilligten
Nutzung wieder zuzuführen. Sämtliche betriebsspezifischen Einrichtungen seien innert der
Frist aus den Räumlichkeiten zu entfernen.
5. Dagegen reichte der Beschwerdeführer am 11. August 2019 Beschwerde bei der
BVE ein. Er beantragt sinngemäss die Aufhebung der Verfügung vom 26. Juli 2019,
namentlich im Kostenpunkt. Zur Begründung macht er insbesondere geltend, er habe bei
der Beschaffung bzw. Erstellung der notwendigen Unterlagen keine Unterstützung
erhalten. Die Grundeigentümerin habe die Unterschrift auf dem Baugesuch verweigert.
Dafür trage der Beschwerdeführer keine Verantwortung, weshalb ihm keine Kosten
auferlegt werden dürften.
6. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, holte die Vorakten
ein und führte den Schriftenwechsel durch. Es beteiligte die Grundeigentümerin von Amtes
wegen am Verfahren. Zudem wies es darauf hin, dass die Akten des Verfahrens
RA Nr. 110/2018/80 beigezogen werden.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (Organisationsverordnung BVE, OrV BVE; BSG 152.221.191)
RA Nr. 110/2019/145 Seite 4 von 15
Der Beschwerdeführer reichte mit Eingaben vom 25. August 2019 und vom 27. August
2019 weitere Unterlagen zu den Akten, darunter insbesondere das Original der Rechnung
des Regierungsstatthalteramtes für die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens.
Das Regierungsstatthalteramt beantragte mit Stellungnahme vom 10. September 2019 die
Abweisung der Beschwerde, sofern darauf einzutreten sei. Dasselbe beantragte
sinngemäss auch die Gemeinde mit Eingabe vom 30. September 2019.
Mit Verfügung vom 27. September 2019 gewährte das Rechtsamt den
Verfahrensbeteiligten das rechtliche Gehör zur in Betracht gezogenen Ergänzung von
Dispositivziffer 2 der angefochtenen Verfügung, wonach die von Amtes wegen am
Verfahren beteiligte Grundeigentümerin zur Duldung der Wiederherstellung verpflichtet
werden solle. Die Verfahrensbeteiligten erhielten zudem Gelegenheit für die Einreichung
von Schlussbemerkungen. Der Beschwerdeführer reichte am 1. Oktober 2019 (Eingang
beim Rechtsamt der BVE am 7. Oktober 2019) eine Stellungnahme mit Beilagen ein. Mit
einer weiteren Eingabe vom 2. Oktober 2019 (Eingang beim Rechtsamt der BVE am
15. Oktober 2019) hielt er sinngemäss an seinen Anträgen fest. Zur Frage der Ergänzung
der angefochtenen Verfügung äusserte er sich nicht. Das Regierungsstatthalteramt erklärte
sich mit Eingabe vom 2. Oktober 2019 mit der fraglichen Ergänzung der angefochtenen
Verfügung einverstanden und hielt im Übrigen an seiner Auffassung fest. Die Gemeinde
wies mit Stellungnahme vom 14. Oktober 2019 auf die Stellung der von Amtes wegen
beteiligten Grundeigentümerin im Verfahren hin, äusserte sich aber nicht zur allfälligen
Ergänzung der angefochtenen Verfügung. Sie verzichtete auf Schlussbemerkungen. Die
von Amtes wegen Beteiligte erklärte mit Schreiben vom 15. Oktober 2019, dass sie mit der
in Betracht gezogenen Ergänzung der angefochtenen Verfügung einverstanden sei. Sie
stellte keine Anträge.
RA Nr. 110/2019/145 Seite 5 von 15

## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintretensvoraussetzungen
a) Bauentscheide können nach Art. 40 BauG2 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Zur Beschwerde befugt sind die
Baugesuchstellerinnen, die Baugesuchsteller, die Einsprecherinnen, die Einsprecher und
die zuständige Gemeindebehörde (Art. 40 Abs. 2 BauG). Gemäss Art. 49 Abs. 1 BauG
können auch baupolizeiliche Verfügungen nach Art. 45 bis 48 BauG innert 30 Tagen seit
Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit für die
Beurteilung der Beschwerde zuständig.
b) Der Beschwerdeführer ist als Baugesuchsteller durch die angefochtene Verfügung,
mit der das Baubewilligungsverfahren abgeschrieben wird und ihm Kosten auferlegt
werden, beschwert. Zudem ist er Adressat der Wiederherstellungsanordnung. Er ist daher
zur Beschwerdeführung legitimiert. Die Beschwerdefrist wurde gewahrt. Auf die
Beschwerde ist grundsätzlich einzutreten.
c) Das Regierungsstatthalteramt macht in seiner Stellungnahme vom 10. September
2019 geltend, der Beschwerde könne nicht entnommen werden, welche Anträge der
Beschwerdeführer stelle. Auch setze er sich inhaltlich nicht mit der angefochtenen
Verfügung auseinander. Die Ausführungen des Beschwerdeführers zu Streitigkeiten mit
der Ver-mieterschaft stünden mit dieser in keinem erkennbaren Zusammenhang. Die
Mindestanforderungen an die Begründung einer Beschwerde seien nicht eingehalten, es
sei daher nicht auf diese einzutreten.
d) Gemäss Art. 32 Abs. 2 VRPG muss die Beschwerde einen Antrag, die Angabe von
Tatsachen und Beweismitteln, eine Begründung sowie eine Unterschrift enthalten;
greifbare Beweismittel sind beizulegen. Hierbei handelt es sich um Gültigkeits- und
Prozessvoraussetzungen. An Laieneingaben sind dabei keine hohen Anforderungen zu
stellen. Es ist ausreichend, wenn sich die Anträge aus dem Zusammenhang sinngemäss
ergeben.3 Aus der Begründung muss aber zumindest ersichtlich sein, inwiefern und
weshalb die angefochtene Verfügung beanstandet wird. Sie muss sich wenigstens in
2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0) 3 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 32 N. 13
RA Nr. 110/2019/145 Seite 6 von 15
minimaler Form mit der angefochtenen Verfügung auseinandersetzen und sinngemäss
darauf schliessen lassen, in welchen Punkten und weshalb sie aufgehoben werden soll.
Auf Begehren ohne Begründung ist nicht einzutreten.4
e) Der Beschwerde lässt sich entnehmen, dass der Beschwerdeführer der Ansicht ist, er
habe die Nichterfüllung der formellen Anforderungen an das Baugesuch nicht zu vertreten.
Sinngemäss wendet er sich damit auch gegen die mit der angefochtenen Verfügung
gezogene Konsequenz, wonach das mit dem Baugesuch des Beschwerdeführers
eingeleitete Baubewilligungsverfahren abzuschreiben ist und er die Verfahrenskosten zu
tragen hat. Demnach beantragt er sinngemäss die Aufhebung der Beschwerde, namentlich
im Kostenpunkt. Darauf ist einzutreten.
f) Aus den Unterlagen, die der Beschwerdeführer im vorliegenden
Beschwerdeverfahren eingereicht hat, geht hervor, dass er vom Regionalgericht
Emmental-Oberaargau mit Entscheid vom 30. September 2019 im zivilrechtlichen
Ausweisungsverfahren verpflichtet worden ist, die fragliche Liegenschaft bis spätestens
15. Oktober 2019, 12 Uhr zu räumen. Damit ist fraglich, inwiefern er noch ein aktuelles
Rechtsschutzinteresse an der Beurteilung der Frage hat, ob das Baubewilligungsverfahren
zu Recht abgeschrieben wurde. Hinsichtlich der Frage der Kostentragung ist das Vorliegen
eines Rechtsschutzinteresses zu bejahen. Weitere Abklärungen zum
Rechtsschutzinteresse müssen nicht getroffen werden. Wie zu zeigen sein wird, ist die
Beschwerde, soweit darauf einzutreten ist, ohnehin abzuweisen.
2. Mangelhaftes Baugesuch
a) Das Baugesuch ist der Gemeindeverwaltung auf dem amtlichen Formular
einzureichen (Art. 34 Abs. 1 BauG). In Art. 10 ff. BewD5 wird im Einzelnen geregelt, welche
Angaben und Unterlagen das Baugesuch umfassen muss. Dazu gehört namentlich der
Situationsplan mit u.a. Bezeichnung von Lage und Grundfläche des Bauvorhabens sowie,
in Zahlen, seine Abstände von den Strassen und Parzellengrenzen, mit Angabe der
Fahrzeugabstellplätze etc. (Art. 10 Abs. 3 sowie Art. 13 Bst. f und g BewD). Einzureichen
sind sodann Projektpläne mit Grundrissen, Schnitten und Fassadenansichten (Art. 14
4 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 32 N. 15; BVR 2006 S. 470 E. 2.4; BGE 131 II 470 E. 1.3 5 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1)
RA Nr. 110/2019/145 Seite 7 von 15
BewD). Auf Verlangen der Baubewilligungsbehörde ist ein Umgebungsgestaltungsplan
einzureichen (Art. 15 Abs. 2 Bst. c BewD i.V.m. Art. 29 Abs. 1 GBR6). Die Behörde kann
weitere Unterlagen einfordern, u.a. solche betreffend Sicherheitsvorkehren wie namentlich
ein Brandschutzkonzept (Art. 15 Abs. 1 BewD, vgl. Art. 21 BauG).
b) Das Regierungsstatthalteramt hat den Beschwerdeführer mit Schreiben vom 15.
Januar 2019 darauf aufmerksam gemacht, dass sein Baugesuch den formellen
Anforderungen nicht genüge. Es hat die fehlenden Angaben und Unterlagen im Einzelnen
aufgelistet. Mit Verfügung vom 20. Mai 2019 hat es festgehalten, dass die fraglichen Akten
nicht eingegangen seien, und unter Gewährung des rechtlichen Gehörs die Abschreibung
des Verfahrens angekündigt. In der angefochtenen Verfügung hält es fest, dass die dem
Beschwerdeführer mitgeteilten Mängel des Baugesuches nicht behoben bzw. die
geforderten Akten und Pläne nicht eingereicht worden seien, demnach das Gesuch als
zurückgezogen gelte und das Verfahren abzuschreiben sei.
c) Der Beschwerdeführer behauptet nicht, dass er die fraglichen Angaben und
Unterlagen eingereicht habe. Ebenso wenig legt er dar, dass sein Baugesuch auch ohne
diese den gesetzlichen Anforderungen genüge. Er vertritt die Ansicht, dass ihm die Mängel
des Baugesuchs nicht angelastet werden dürften, da er beim Ausfüllen der
Baugesuchsformulare und bei der Beschaffung der Unterlagen keine Unterstützung
erhalten habe, namentlich seitens der Grundeigentümerin.
d) In baurechtlicher Hinsicht liegt die Verantwortung für die vollständige und
widerspruchsfreie Einreichung des Baugesuchs samt allen erforderlichen Unterlagen beim
Baugesuchsteller.7 Es ist Sache des Baugesuchstellers, sich so zu organisieren, dass er
das Baugesuch den gesetzlichen Vorschriften entsprechend einreichen kann.
e) Stellt die Baubewilligungsbehörde bei der vorläufigen Prüfung eines Baugesuches
formelle Mängel fest, weist sie das Gesuch zur Verbesserung zurück. Sie setzt eine
angemessene Frist mit dem Hinweis darauf, dass das Gesuch als zurückgezogen gilt,
wenn es nicht innert der Frist bei ihr wieder eingereicht wird (Art. 18 Abs. 1 BewD).
6 Baureglement der Gemeinde Roggwil BE vom Februar 2007, genehmigt vom Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) am 22. Oktober 2007 7 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 34 N. 19a
RA Nr. 110/2019/145 Seite 8 von 15
Das Regierungsstatthalteramt hat dieses gesetzlich vorgeschriebene Vorgehen
eingehalten. Es hat dem Beschwerdeführer detailliert mitgeteilt, welche Verbesserungen
und Ergänzungen erforderlich sind, und ihm Frist zur Verbesserung gesetzt.
Die BVE hat mit Entscheid vom 12. November 2018 (RA Nr. 110/2018/80) festgehalten,
dass der Beschwerdeführer aufgrund des bis am 31. Oktober 2019 rechtskräftig
erstreckten Mietverhältnisses unabhängig von der schriftlichen Zustimmung der
Grundeigentümerin ein schützenswertes Interesse am Baubewilligungsverfahren habe.
Das Regierungsstatthalteramt führte daher in seinem Schreiben vom 15. Januar 2019 die
fehlende Unterschrift der Grundeigentümerin auf dem Baugesuchsformular zu Recht nicht
als zu verbessernden Mangel an. Offenbar verlangte es zunächst die Unterzeichnung des
Situationsplans durch die Grundeigentümerin. Auf der in den Vorakten enthaltenen Kopie
des Schreibens vom 15. Januar 2019 ist dieser Hinweis handschriftlich gestrichen.8
Gemäss den Ausführungen in der Beschwerde wurde dem Beschwerdeführer seitens des
Regierungsstatthalteramts mitgeteilt, dass die Unterschrift der Grundeigentümerin
entbehrlich sei. Abgesehen von diesem offenbar nachträglich korrigierten Punkt hat das
Regierungsstatthalteramt dem Beschwerdeführer diverse weitere Mängel des Baugesuchs
mitgeteilt.
Der Beschwerdeführer bestreitet die Mängelliste nicht. Es ist auch nicht ersichtlich, dass
diese zu beanstanden ist. Der Beschwerdeführer hat innert der zunächst bis 15. Februar
2019 angesetzten und bis 30. April 2019 verlängerten9 Frist kein verbessertes Baugesuch
eingereicht. Die Mängel des Baugesuches wurden also nicht behoben. Das Baugesuch
war daher gemäss Art. 18 Abs. 1 BewD abzuschreiben. Das Regierungsstatthalteramt hat
dazu vorgängig das rechtliche Gehör gewährt und schliesslich mit der angefochtenen
Verfügung das Verfahren abgeschrieben. Dieses Vorgehen war korrekt. Die Abschreibung
des Baubewilligungsverfahrens ist nicht zu beanstanden.
3. Wiederherstellung
8 Vorakten, pag. 38 9 Vorakten, pag. 34
RA Nr. 110/2019/145 Seite 9 von 15
a) Mit der Abschreibung des Baubewilligungsverfahrens wurde dieses beendet. Da es
sich um ein nachträgliches Baugesuch handelte, hatte das Regierungsstatthalteramt mit
der Beendigung des Baubewilligungsverfahrens auch über die Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustands zu entscheiden.10
b) Die Wiederherstellungsverfügung muss im öffentlichen Interesse liegen,
verhältnismässig sein und darf den Vertrauensgrundsatz nicht verletzen. Eine
Wiederherstellungsmassnahme ist verhältnismässig, wenn sie geeignet ist, das
angestrebte Ziel zu erreichen, nicht weiter geht, als zur Herstellung des rechtmässigen
Zustands nötig ist und die Belastung für die pflichtige Person in einem vernünftigen
Verhältnis zum verfolgten Ziel steht.11
Nach der Praxis des Verwaltungsgerichts gilt es als unverhältnismässig, eine an sich
bewilligungsfähige Baute oder Anlage bloss wegen Fehlens der Baubewilligung beseitigen
zu lassen (sog. formelle Rechtswidrigkeit). In Fällen, in denen kein nachträgliches
Baugesuch gestellt wird, hat die Rechtsmittelbehörde deshalb summarisch zu prüfen, ob
das Vorhaben bewilligt werden könnte (sog. materielle Rechtswidrigkeit).12
c) Der Beschwerdeführer legt nicht dar, dass die Wiederherstellungsanordnung gemäss
Dispositivziffer 2 der angefochtenen Verfügung diesen Vorgaben widerspricht. Die
Beendigung der unbewilligten Nutzung und die Entfernung der betriebsspezifischen
Einrichtungen sind als Massnahmen zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands
geeignet und erforderlich. Die Umsetzungsfrist von rund 2 Monaten ist verhältnismässig,
zumal aufgrund der im Mietschlichtungsverfahren getroffenen Einigung zwischen
Grundeigentümerin und Beschwerdeführer seit rund einem Jahr feststeht, dass das
Mietverhältnis spätestens auf den 31. Oktober 2019 endet. Unter diesen Umständen
erübrigt sich eine summarische Prüfung der Bewilligungsfähigkeit des Bauvorhabens.
d) Aufgrund der im Verlauf des Beschwerdeverfahrens verstrichenen Zeit muss jedoch
die Wiederherstellungsfrist aus Gründen der Verhältnismässigkeit neu angesetzt werden.
Dabei ist zu berücksichtigen, dass im Kanton Bern Kündigungen von Mietverträgen per
31. Dezember nicht üblich sind und es daher schwierig wäre, zum Jahreswechsel neue
10 Vgl. Art. 46 Abs. 2 Bst. e BauG 11 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 46 N. 9; BVR 2013 S. 85 E. 5.1 12 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 46 N. 15a
RA Nr. 110/2019/145 Seite 10 von 15
Geschäftsräumlichkeiten zu finden. Die Frist zur Wiederherstellung des rechtmässigen
Zustands gemäss Dispositivziffer 2 der angefochtenen Verfügung wird daher von Amtes
wegen neu angesetzt bis 31. Januar 2020.
Diese Fristansetzung betrifft nur die baupolizeiliche Verpflichtung zur Wiederherstellung
des rechtmässigen Zustands. Die zivilrechtlichen Ansprüche und Verpflichtungen aus dem
Mietverhältnis zwischen dem Beschwerdeführer und der Grundeigentümerin bleiben davon
unberührt. Insbesondere hat die baupolizeiliche Wiederherstellungsfrist keinen Einfluss auf
die Dauer bzw. Beendigung des Mietverhältnisses oder die Wirksamkeit einer
zivilgerichtlich angeordneten Ausweisung.
e) Nach den allgemeinen Grundsätzen des Verwaltungsrechts ist die
Wiederherstellungsverfügung an den Störer zu richten. Als Störer gilt, wer die
Baurechtswidrigkeit selber oder durch Personen, für deren Verhalten er verantwortlich ist,
verursacht hat. Gemäss Art. 46 Abs. 2 BauG richten sich Wiederherstellungsanordnungen
in erster Linie an die Grundeigentümerschaft (bzw. gegebenenfalls an die Inhaberschaft
eines Baurechts). Die Grundeigentümerschaft gilt als sogenannte Zustandsstörerin, da sie
über die Sache, welche den ordnungswidrigen Zustand bewirkt, rechtliche bzw.
tatsächliche Gewalt hat. Daneben kann sich eine Wiederherstellungsanordnung gegen
weitere Störer richten, namentlich gegen die Bauherrschaft als sogenannte
Verhaltensstörerin. Auch der Nutzer einer rechtswidrigen Anlage oder der Eigentümer
wegzuräumender Gegenstände können als Verhaltensstörer ins Recht gefasst werden.13
Im vorinstanzlichen Verfahren war die B._ nicht als Partei beteiligt. Die in der
angefochtenen Verfügung getroffene Wiederherstellungsanordnung richtet sich nur gegen
den Beschwerdeführer. Die Grundeigentümerin ist jedoch, da es gesetzlich vorgeschrieben
ist, in jedem Fall (mit) ins Recht zu fassen. Damit wird gewährleistet, dass die
Wiederherstellungsanordnung durchsetzbar ist. Das Rechtsamt hat daher den
Verfahrensbeteiligten mit Verfügung vom 27. September 2019 mitgeteilt, es werde in
Betracht gezogen, die angefochtene Verfügung mit einer Verpflichtung der
Grundeigentümerin, die Wiederherstellung zu dulden, zu ergänzen. Dagegen wurden im
Rahmen der Gehörsgewährung von den Verfahrensbeteiligten keine Einwände erhoben.
Die fragliche Ergänzung wird mit vorliegendem Entscheid angeordnet.
13 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 46 N. 12
RA Nr. 110/2019/145 Seite 11 von 15
RA Nr. 110/2019/145 Seite 12 von 15
4. Kosten
a) Der Beschwerdeführer beantragt, dass ihm die Kosten des erstinstanzlichen
Verfahrens nicht auferlegt werden sollen. Nicht er, sondern die Grundeigentümerin bzw.
das für diese handelnde Verwaltungsratsmitglied habe diese verursacht.
b) Gemäss Art. 52 Abs. 1 BewD tragen die Gesuchstellenden die amtlichen Kosten des
Baubewilligungsverfahrens. Dies gilt unabhängig vom Verfahrensergebnis und den
Gründen für dieses.
Die amtlichen Kosten einer vom Regierungsstatthalteramt ausgestellten Baubewilligung
setzen sich zusammen aus einer Gebühr für die Leistungen des
Regierungsstatthalteramtes gemäss der kantonalen Gebührenverordnung14 und einer
Gebühr für die Leistungen der Gemeinde nach deren Gebührenregelung.15 Ist, wie
vorliegend, auch über die Wiederherstellung zu befinden, können auch dafür Gebühren
erhoben werden.
Bei der Bestimmung der Verfahrenskosten ist der Bedeutung der Bausache angemessen
Rechnung zu tragen; insbesondere kann bei kleinen Bauvorhaben oder bei
verhältnismässig hohen Expertisekosten von einer vollen Kostenüberwälzung an den
Gesuchsteller abgesehen werden (Art. 52 Abs. 2 BewD). Dafür besteht jedoch vorliegend
kein Anlass. Die mit der angefochtenen Verfügung erhobenen Verfahrenskosten setzen
sich gemäss deren Erwägung 10 zusammen aus einer Gebühr des
Regierungsstatthalteramtes von Fr. 400.– sowie Gebühren der Gemeinde von Fr. 737.55.
Gesamthaft wurden dem Beschwerdeführer für das erstinstanzliche Verfahren
Verfahrenskosten von Fr. 1'137.55 auferlegt. Diese stehen in einem angemessenen
Verhältnis zum entstandenen Aufwand.
Für eine Kostenüberwälzung auf die Grundeigentümerin oder auf das für diese handelnde
Verwaltungsratsmitglied besteht keine gesetzliche Grundlage. Es ist demnach nicht zu
beanstanden, dass das Regierungsstatthalteramt dem Beschwerdeführer die Kosten des
14 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21) 15 Vgl. Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 38-39 N 18b
RA Nr. 110/2019/145 Seite 13 von 15
erstinstanzlichen Verfahrens von Fr. 1'137.55 auferlegt hat. Die dagegen gerichtete Rüge
ist unbegründet.
Entsprechend ist dem Beschwerdeführer das zu den Akten des Beschwerdeverfahrens
gereichte Original der Rechnung des Regierungsstatthalteramtes vom 16. August 2019 zu
retournieren.
c) Der Beschwerdeführer dringt mit den in der Beschwerde vorgebrachten Rügen nicht
durch. Als unterliegende Partei hat er die Verfahrenskosten des Beschwerdeverfahrens zu
tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG16). Diese werden bestimmt auf eine Pauschalgebühr von
Fr. 800.– (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV).
d) Ersatzfähige Parteikosten sind nicht angefallen (Art. 104 Abs. 3 und 4 VRPG). Die
von Amtes wegen am Verfahren Beteiligte hat im Beschwerdeverfahren keine Anträge
gestellt und kann keinen Parteikostenersatz beanspruchen (Art. 108 Abs. 3 VRPG).