# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 116725ac-c52c-469c-a22b-b561b04b8b15
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend mehrfache Vergewaltigung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 3. Abteilung, vom 19. April 2016 (DG150326)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich - Limmat vom 19. November
2015 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. D1/32).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte B._ ist schuldig
- der versuchten Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB in Verbindung
mit Art. 22 Abs. 1 StGB (Dossier 2),
- der mehrfachen Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB
(Dossiers 2 und 3),
- der versuchten Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB in
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (Dossier 2),
- der Beschimpfung im Sinne von Art. 177 StGB (Dossier 2),
- der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB (Dossier 2),
- des Missbrauchs einer Fernmeldeanlage im Sinne von Art. 179septies
StGB (Dossier 3).
2. Der Beschuldigte B._ ist nicht schuldig und wird freigesprochen
- der mehrfachen Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB
(Dossiers 1 und 2),
- der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB (Dossier 1),
- der mehrfachen Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB, teilweise in Ver-
bindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (Dossier 1),
- der Sachentziehung im Sinne von Art. 141 StGB (Dossier 2),
- der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB (Dossier 2).
3. Das Verfahren betreffend den Vorwurf der weiteren mehrfachen Drohung im
Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB (Dossier 2) wird eingestellt.
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4. Der Beschuldigte wird bestraft
- mit 14 Monaten Freiheitsstrafe (wovon bis und mit heute 369 Tage
durch Haft und vorzeitigen Massnahmeantritt erstanden sind)
- mit einer Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu CHF 10.– (entspricht
CHF 150.–) sowie
- mit einer Busse von CHF 800.– (für die Übertretungen).
5. Die Freiheitsstrafe und die Geldstrafe werden vollzogen. Die Busse ist zu
bezahlen.
6. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 8 Tagen.
7. Es wird eine vollzugsbegleitende ambulante Behandlung des Beschuldigten
im Sinne von Art. 63 StGB (Behandlung psychischer Störungen) angeord-
net.
8. Dem Beschuldigten wird im Sinne von Art. 67b StGB für die Dauer von
3 Jahren verboten, mit der Geschädigten C._ direkt oder über Drittper-
sonen Kontakt aufzunehmen, namentlich auf telefonischem, schriftlichem
oder elektronischem Weg, bzw. sie anderweitig anzusprechen.
Missachtet der Beschuldigte das Kontaktverbot, kann er im Sinne von
Art. 294 Abs. 2 StGB mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe
bestraft werden.
9. Die Privatklägerin A._ wird mit ihrer Zivilklage auf den Weg des Zivil-
prozesses verwiesen.
10. Das Genugtuungsbegehren des Beschuldigten wird abgewiesen.
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11. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
CHF 6'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:
CHF 1'100.00 Gebühr Anklagebehörde
CHF 183.00 Kosten Kantonspolizei Zürich
CHF 14'895.05 Auslagen Untersuchung
CHF 528.00 diverse Kosten
CHF 34'904.75 amtliche Verteidigung
CHF 15'270.45 unentgeltliche Rechtsbeiständin der Privatklägerin
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
12. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenom-
men diejenigen der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Rechts-
beiständin der Privatklägerin, werden dem Beschuldigten zu 1/3 auferlegt
und im Übrigen (2/3) auf die Gerichtskasse genommen.
13. Die amtliche Verteidigung wird mit CHF 34'904.75 (inkl. MwSt.) entschädigt.
Diese Kosten werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt
eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO im Umfang von einem
Drittel.
14. Die unentgeltliche Rechtsbeiständin der Privatklägerin wird mit
CHF 15'270.45 (inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt.
Berufungsanträge:
a) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat:
(Urk. 153 S. 1)
1. Das Urteil der Vorinstanz sei aufzuheben.
2. Der Beschuldigte sei gemäss Anklageschrift vom 19. November 2015 zu verurteilen.
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b) Der Vertreterin der Privatklägerschaft:
(Urk. 154 S. 1 f.)
1. Dispositivziffer 2 des vorinstanzlichen Urteils sei aufzuheben und der Beschuldigte sei unter Hinweis auf das Anklagedossier 1 der  Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB, der  Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB sowie der  Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB, teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen und angemessen zu bestrafen.
2. a) Der Beschuldigte sei zu verpflichten der Privatklägerin A._, Schadenersatz in der Höhe von Fr. 3'783.35 zuzüglich 5 % Zins ab 18. Mai 2014 zu bezahlen.
2. b) Zudem sei festzustellen, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin A._, dem Grundsatz nach schadenersatzpflichtig ist, soweit die der Privatklägerin entstandenen und in Zukunft  Kosten nicht von einem anderen Kostenträger übernommen werden und soweit sie kausale Folge der strafbaren Handlung des Beschuldigten sind.
3. Es sei der Beschuldigte zu verpflichten, der Geschädigten A._, für den immateriellen Schaden, eine Genugtuung in angemessener Höhe von mindestens Fr. 25'000.–, zuzüglich 5 % Zins seit dem 18. Mai 2014 zu bezahlen.
4. Es sei der Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin eine nach richterlichem Ermessen festzusetzende Umtriebsentschädigung zu bezahlen.
5. Es seien die gesamten Verfahrenskosten, einschliesslich der Kosten der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin (zzgl. 8 % MWSt) vollumfänglich dem Beschuldigten aufzuerlegen bzw. auf die Staatskasse zu nehmen.
c) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 155 S. 2)
1. Es sei das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 3. Abteilung, vom 19.  2016 (DG150326-L/U) zu bestätigen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der .
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## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte und Prozessuales
1. Der Beschuldigte wurde mit Urteil des Bezirksgerichtes Zürich vom 19. April
2016 der versuchten Nötigung (Dossier 2), der mehrfachen Drohung (Dossiers 2
und 3), der versuchten Drohung (Dossier 2), der Beschimpfung (Dossier 2), der
Tätlichkeiten (Dossier 2) und des Missbrauchs einer Fernmeldeanlage (Dossier 3)
schuldig gesprochen. Von den Vorwürfen der mehrfachen Vergewaltigung (Dos-
siers 1 und 2), der sexuellen Nötigung (Dossier 1), der mehrfachen, teilweise ver-
suchten Nötigung (Dossier 1), der Sachentziehung (Dossier 2) und der Sachbe-
schädigung (Dossier 2) wurde er freigesprochen. Zudem erfolgte eine Einstellung
des Verfahrens betreffend den Vorwurf der weiteren mehrfachen Drohung in Dos-
sier 2. Das Bezirksgericht bestrafte den Beschuldigten mit einer unbedingten
Freiheitsstrafe von 14 Monaten (davon 369 Tage durch Haft und vorzeitigen Mas-
snahmenantritt erstanden), einer unbedingten Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu
Fr. 10.– und einer Busse von Fr. 800.–. Zudem ordnete das Bezirksgericht eine
vollzugsbegleitende ambulante Behandlung des Beschuldigten (Behandlung psy-
chischer Störungen) an und erteilte ihm ein Kontaktverbot gegenüber der Ge-
schädigten C._. Die Privatklägerin A._ wurde mit ihrer Zivilklage auf den
Weg des Zivilprozesses verwiesen (Urk. 97). Sodann erging der Beschluss, den
Beschuldigten aus dem vorzeitigen Massnahmenvollzug zu entlassen (Entlas-
sungsbefehl; Urk. 98).
2. Urteil und Beschluss wurden den Parteien mündlich eröffnet und im Disposi-
tiv übergeben (Prot. I S. 43 f.). Die Staatsanwaltschaft erhob direkt im Anschluss
an die Urteilseröffnung Berufung und verlangte die Fortsetzung der Sicherheits-
haft (Prot. I S. 44). Gleichentags erhob die Staatsanwaltschaft Beschwerde gegen
den Entlassungsbefehl und beantragte die Fortsetzung des vorzeitigen Mass-
nahmenvollzugs, eventualiter die Anordnung der Sicherheitshaft, sowie die su-
perprovisorische Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde
(Urk. 99A). Mit Eingabe vom 20. April 2016 (Poststempel) meldete auch die Pri-
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vatklägerin fristgerecht Berufung gegen das erstinstanzliche Urteil vom 19. April
2016 an (Urk. 104). Mit Präsidialverfügung der I. Strafkammer des Obergerichts
vom 26. April 2016 wurde der Beschluss des Bezirksgerichts Zürich vom 19. April
2016 auf Entlassung des Beschuldigten aus dem vorzeitigen Massnahmenvollzug
aufgehoben und der Antrag der Staatsanwaltschaft auf Aufrechterhaltung des
vorzeitigen Massnahmenvollzugs gutgeheissen (Urk. 109 S. 23). Die hiergegen
vom Beschuldigten erhobene bundesgerichtliche Beschwerde wurde mit Urteil
vom 7. Juni 2016 der I. öffentlich-rechtlichen Abteilung des Bundesgerichts abge-
wiesen (Urk. 120).
3. Das begründete Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 19. April 2016 wurde
der Verteidigung und der Staatsanwaltschaft am 22. Juni 2016 sowie der Vertrete-
rin der Privatklägerin am 27. Juni 2016 zugestellt (Urk. 118 und 119/1-2). Am
28. Juni 2016 reichte die Staatsanwaltschaft fristgerecht ihre Berufungserklärung
ein und erklärte ihre Berufung nicht beschränken zu wollen. Zusätzlich stellte sie
die Beweisanträge, die Privatklägerin sowie die Geschädigte D._ seien zu
befragen (Urk. 122). Die Berufungserklärung der Privatklägerschaft erfolgte eben-
falls innert Frist mit Eingabe vom 18. Juli 2016 (Poststempel), wobei die Privatklä-
gerin ihre Berufung auf die Dispositivziffer 2 hinsichtlich des Dossiers 1 und die
Dispositivziffer 9 beschränkte (Urk. 127). Anschlussberufungen wurden keine er-
hoben. Mit Eingabe vom 22. August 2016 beantragte die Vertreterin der Privatklä-
gerin, dem urteilenden Gericht solle mindestens eine Person des weiblichen Ge-
schlechts angehören. Für den Fall der Befragung der Privatklägerin anlässlich der
Berufungsverhandlung sei diese im Sinne von Art. 153 StPO von einer Person
weiblichen Geschlechts einzuvernehmen, dem Beschuldigten nicht direkt gegen-
über zu stellen und zudem sei gemäss Art. 70 Abs. 1 lit. a StPO die Öffentlichkeit,
eventualiter mit Ausnahme der akkreditierten Gerichtsberichterstatter, von der Ge-
richtsverhandlung auszuschliessen (Urk. 135 S. 2).
4. In der Folge wurden die Parteien zur Berufungsverhandlung auf den 3. Feb-
ruar 2017 vorgeladen (Urk. 138). Im Hinblick auf die Verhandlung beschloss die
hiesige Strafkammer am 10. November 2016, die Publikumsöffentlichkeit von der
Berufungsverhandlung auszuschliessen und die akkreditierten Gerichtsberichter-
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statter unter Erteilung von Auflagen zuzulassen. Zudem wurde der Beweisantrag
der Staatsanwaltschaft betreffend Einvernahme der Geschädigten D._
einstweilen abgewiesen (Urk. 139). Zur Berufungsverhandlung erschienen der
Beschuldigte in Begleitung seines amtlichen Verteidigers, Staatsanwalt Dr. Bränd-
li für die Anklagebehörde sowie die Privatklägerin in Begleitung ihrer unentgeltli-
chen Rechtsbeiständin (Prot. II S. 7). Sie stellten die eingangs erwähnten Anträ-
ge.
5. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist in prozessualer Hinsicht vorweg
festzuhalten, dass die erforderlichen Strafanträge für die eingeklagten Antragsde-
likte (Dossier 2 : Drohung, Beschimpfung, Tätlichkeiten, Sachbeschädigung, Sa-
chentziehung; Dossier 3: Drohung und Missbrauch einer Fernmeldeanlage) vor-
liegen (Urk. 121 S. 5, D2/3-4 und D3/2). Auf weitere prozessuale Aspekte wird
soweit notwendig an der entsprechenden Stelle nachfolgend eingegangen.
II. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
1. Dossier-Nr. 1: A._
1.1. In Dossier-Nr. 1 wird dem Beschuldigten vorgeworfen, die Privatklägerin
A._ im ungefähren Zeitraum vom 18. Mai 2014, 23.30 Uhr, bis 19. Mai 2014,
01.30 Uhr, in deren Wohnung an der ...strasse ... in ... Zürich zum Beischlaf ge-
zwungen und ihr drei Finger in den Anus gesteckt zu haben (Urk. 32 S. 3 f.). Am
folgenden Tag dem 19. Mai 2014, um ca. 08.30 Uhr, habe der Beschuldigte der
Privatklägerin befohlen, ihn an ihrer Wohnadresse beim Personenmeldeamt an-
zumelden. Gleichentags am Abend von ca. 21.00 Uhr bis 23.30 Uhr, habe er die
Privatklägerin ein weiteres Mal in deren Wohnung zum Beischlaf gezwungen.
Vom 1. bis 18. Juni 2014 habe er zudem versucht, die Privatklägerin zu einer Ab-
treibung zu bewegen (Urk. 32 S. 3-5).
1.2. Durch diese Handlungen habe sich der Beschuldigte der mehrfachen Ver-
gewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB schuldig gemacht, wonach je-
mand verurteilt wird, der eine Person weiblichen Geschlechts zur Duldung des
Beischlafs nötigt, namentlich in dem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter
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psychischen Druck setzt oder zum Widerstand unfähig macht. Zudem habe der
Beschuldigte den Tatbestand der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189
Abs. 1 StGB erfüllt, wonach jemand bestraft wird, der eine Person zur Duldung
einer beischlafsähnlichen oder einer anderen sexuellen Handlung nötigt, nament-
lich indem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter psychischen Druck setzt
oder zum Widerstand unfähig macht. Im Weiteren würdigte die Staatsanwaltschaft
die Handlungen des Beschuldigten als Nötigung und versuchte Nötigung im Sinne
von Art. 181 StGB. Danach wird schuldig gesprochen, wer jemanden durch Ge-
walt oder Androhung ernstlicher Nachteile oder durch andere Beschränkung sei-
ner Handlungsfreiheit nötigt, etwas zu tun, zu unterlassen oder zu dulden. Der
Beschuldigte bestreitet diese Vorwürfe vollumfänglich (Urk. D1/17 S. 3-7, Urk. 85
S. 8-13, Prot. II S. 36 ff.).
1.3. Zur Erstellung des Sachverhalts gemäss Dossier 1 stehen als Beweismittel
hauptsächlich die Aussagen des Beschuldigten und der Privatklägerin (Urk. D1/3,
D1/5, D1/8, D1/9, D1/10, D1/11, D1/16, D1/17) sowie der SMS-Verkehr zwischen
den beiden im Zeitraum vom 8. bis 18. Juni 2014 zur Verfügung (Urk. D1/18/10,
Urk. 137). Zudem liegen ärztliche Befunde bezüglich der Privatklägerin von
Dr. med. E._, Dr. med. F._ und Dr. med. G._ vor (Urk. D1/20/7,
D1/20/9, D1/20/11). Bezüglich der Theorie zur Beweiswürdigung und der Würdi-
gung von Aussagen im Besonderen kann auf die entsprechenden Ausführungen
der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 121 S. 6 und S. 22). Im erstinstanzlichen
Urteil werden sodann die Aussagen der Privatklägerin und des Beschuldigten um-
fassend wiedergegeben, relevante Nachrichten aus dem SMS-Verkehr aufgeführt
und die ärztlichen Befunde zusammengefasst. Auf die nochmalige Wiedergabe
wird an dieser Stelle verzichtet und auf die entsprechenden Stellen im erstinstanz-
lichen Urteil verwiesen (Urk. 121 S. 7-22).
1.4. Der Vorinstanz folgend kann bezüglich der Rahmenumstände der eingeklag-
ten Taten aufgrund der übereinstimmenden Aussagen der Privatklägerin und des
Beschuldigten festgehalten werden, dass der Beschuldigte und die Privatklägerin
eine Bekanntschaft pflegten, in deren Rahmen es vor den eingeklagten Taten
mindestens einmal zu einvernehmlichem Geschlechtsverkehr kam (Urk. D1/3
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S. 7, D1/5 S. 1). Zudem steht fest, dass der Beschuldigte vom 18. auf den 19. Mai
2014 sowie vom 19. auf den 20. Mai 2014 bei der Privatklägerin übernachtete und
es beide Male zum Geschlechtsverkehr kam. Während die Privatklägerin geltend
macht, der Beschuldigte habe gegen ihren Willen gehandelt und sie mittels Ge-
walt zum Geschlechtsverkehr gezwungen und ihr ausserdem anlässlich der ers-
ten Vergewaltigung gegen ihren Willen drei Finger in den Anus gesteckt, bestrei-
tet dies der Beschuldigte. Sie hätten immer normalen Sex miteinander gehabt und
niemals gegen den Willen der Privatklägerin (Urk. D1/3 S. 2 f., D1/5 S. 2 f.). Zu
den Schilderungen der Privatklägerin zum Kerngeschehen schreibt die Vor-
instanz, dass diese Ausführungen - im Gegensatz zu den detailliert geschilderten
Rahmenumständen - relativ pauschalisiert, knapp und stereotyp ausgefallen seien
und die Privatklägerin zusehends Erinnerungslücken geltend mache. Darüber
hinaus liessen sich in den Aussagen der Privatklägerin Widersprüche, Ungereimt-
heiten und fehlende Konstanz erkennen (Urk. 121 S. 24). Ausserdem sei das An-
zeigeverhalten der Privatklägerin nicht restlos nachvollziehbar und aus den SMS-
Nachrichten, die sie dem Beschuldigten im Juni 2014 geschrieben habe, gehe
zwar ihre grosse Wut hervor und sie werfe dem Beschuldigten darin alles Mögli-
che vor, jedoch erwähne sie mit keinem Wort eine Vergewaltigung (Urk. 121
S. 26 f.). Diesen Feststellungen der Vorinstanz ist vollumfänglich beizupflichten
und auf die nachvollziehbare Begründung hierzu kann verwiesen werden
(Urk. 121 S. 22-31). Nachfolgend werden die wichtigsten Punkte zur Verdeutli-
chung noch einmal aufgeführt und insbesondere der zeitliche Ablauf der Ge-
schehnisse rund um die eingeklagten Vorwürfe nochmals dargestellt.
1.4.1. In der polizeilichen Einvernahme vom 18. Juni 2014 führte die Privat-
klägerin im Wesentlichen aus, dass sie dem Beschuldigten am Abend des 18. Mai
2014 telefonisch angeboten habe, dass er bei ihr übernachten könne, da er aus
der Wohnung geworfen worden sei. Er habe sie danach mit unterdrückter Num-
mer angerufen und da habe sie die Befürchtung gehabt, dass er etwas Böses im
Schilde führe. Um ca. 21.00 Uhr habe sie ihm geschrieben, dass sie frühzeitig ins
Bett gehen möchte, dass er kommen solle, wenn er wolle. Sein Natel sei abge-
schaltet gewesen und sie habe ihn nicht erreicht. Sie wisse, dass er kriminelle
Energie habe. Zwischen 22.00 Uhr und 23.00 Uhr habe sie die Notrufnummer 117
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angerufen. Sie habe wie einen sechsten Sinn gehabt und gespürt, dass er ihr et-
was machen werde. Um 23.30 Uhr habe er sie angerufen. Sie sei auf die Strasse
hinunter gegangen und da habe sie ihn gesehen. Er habe gar nicht so böse aus-
gesehen (Urk. D1/3 S. 2). In der Folge nahm die Privatklägerin den Beschuldigten
mit in ihre Wohnung. Dieses von der Privatklägerin selbst geschilderte Verhalten
im Vorfeld zu den Ereignissen mutet sehr seltsam an und wirft diverse Fragen auf,
wie beispielsweise, weshalb sie zuerst aus Angst vor dem Beschuldigten die Poli-
zei anruft und diesen danach in ihrer Wohnung mitnimmt. Die Privatklägerin schil-
derte danach weiter, wie der Beschuldigte sie aufs Bett gerissen, mit beiden Hän-
den gepackt, seine Ellenbogen um sie gelegt und sie durchgefickt habe. Anläss-
lich des Geschlechtsverkehrs habe er ihr drei Finger in den Arsch gesteckt, wel-
che sie habe wegreissen können. Danach habe sie den Schlafsack genommen
und im Garten geschlafen. Am Morgen habe sie in der Apotheke die Pille danach
geholt, sei zurück nach Hause gegangen, wo der Beschuldigte von ihr verlangt
habe, dass sie zum Personenmeldeamt gehen und ihn anmelden solle. Sie sei
dann auf das Personenmeldeamt in H._ gegangen und habe ihn angemel-
det. Danach sei sie zur Arbeit gegangen. Danach hätten sie sich am Hauptbahn-
hof getroffen und seien etwas essen gegangen. Er sei sehr lieb zu ihr gewesen.
Dann seien sie zu ihr nach Hause gegangen (Urk. D1/3 S. 6). Im Widerspruch da-
zu hatte die Privatklägerin zunächst das gemeinsame Essen nicht erwähnt und
nur ausgesagt, am Abend sei es ihr nicht gut gegangen wegen einer Kundenbe-
schwerde. Als sie ihm von dieser Beschwerde erzählt habe, habe ihn das nicht in-
teressiert (Urk. D1/3 S. 2 f.).
1.4.2. Auch dieses Verhalten der Privatklägerin wirft Fragen auf. Es erscheint
nicht plausibel, dass sie nach der angeblichen Vergewaltigung in den Garten ging,
um dort zu schlafen, den Beschuldigten in ihrer Wohnung übernachten liess und
auch am nächsten Morgen nicht zur Polizei, sondern in die Apotheke ging, obwohl
sie am Abend vorher ohne einen konkreten Anlass nicht gezögert hatte, die Not-
rufnummer der Polizei zu wählen (Urk. D1/2 S. 3). Zurück zu Hause schickte sie
den Beschuldigten nicht weg, sondern ging auf sein angebliches Verlangen zum
Personenmeldeamt, um ihn an ihrer Wohnadresse anzumelden und danach zur
Arbeit. Am Abend fühlte sie sich gemäss ihren Angaben nicht wegen des Vorfalls
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in der vorhergehenden Nacht, sondern wegen einer Kundenbeschwerde nicht gut.
Dies besprach sie mit dem Beschuldigten, der sie letzte Nacht vergewaltigt haben
soll. Wiederum forderte sie diesen weder auf ihre Wohnung zu verlassen, noch
ging sie zur Polizei. Stattdessen liess sie den Beschuldigten erneut bei sich über-
nachten. In dieser Nacht habe er sie dann erneut in den Würgegriff genommen
und sie "durchgebumst". Sie habe ihn wegstossen können und danach wieder im
Garten übernachtet (Urk. D1/3 S. 3). Auch nach dieser erneuten Vergewaltigung
durch den Beschuldigten, erstattete die Privatklägerin jedoch nicht direkt Anzeige,
sondern erst am 3. Juni 2014, allerdings nicht wegen einer Vergewaltigung, son-
dern wegen Tätlichkeiten (Urk. D1/11 S. 14).
1.4.3. Erstellt ist, dass die Privatklägerin in der Folge schwanger wurde und
deswegen am 3. Juni 2014 ihre Gynäkologin Dr. med. E._ konsultierte
(Urk. D1/20/7). Gemäss den Aussagen der Privatklägerin berichtete sie dem Be-
schuldigten am 1. Juni 2014 von der Schwangerschaft. Vom 8. bis 18. Juni 2014
fand ein reger SMS-Verkehr zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin
statt, wobei insbesondere die Privatklägerin dem Beschuldigten zahlreiche SMS
schrieb. Sie machte ihm diverse Vorwürfe und beschimpfte ihn massiv. Jedoch
warf sie ihm nicht vor, sie vergewaltigt zu haben. Die Vorinstanz verwies hierzu
insbesondere auf zwei Textnachrichten der Privatklägerin, worin sie dem Be-
schuldigten Folgendes schrieb: "Es ist WIE eine Vergewaltigung: mit einem Un-
terschied. Ich habe diesen Mann DER MICH VERACHTET HAT GELIEBT." "Du
bist ein krimineller SAUHUND der mich gewürgt hat und tätlich geworden ist.
SEIT er weiss dass ich schwanger bin" (Urk. 137 S. 6 und S. 16). Sie schrieb wie
eine Vergewaltigung und eben gerade nicht, dass es eine gewesen sei. Zudem
sprach sie von Würgen und Tätlichkeiten, seit er von der Schwangerschaft ge-
wusst habe, somit nach dem 1. Juni 2014 (Urk. 121 S. 27). Lediglich um das Bild
zu vervollständigen werden im Folgenden ein paar der rund 60 Textnachrichten,
welche die Privatklägerin dem Beschuldigten am 8. Juni 2014 zwischen 13.32 Uhr
und 23.09 Uhr schickte, wörtlich aufgeführt (Urk. 137 S. 15-17):
15:27 HALT DIE FRESSE VERSAGER. Auf dich: einen Doppel Axel. Dich kann man NUR auslachen geh mal joggen DU OBERPFEIFE und kauf 5kg Fusscreme du verpestest die WELT stinkschnarchsauhund. PFUI GRUSIG. Und DICH hab ich GELIEBT wie kann man NUR so blind sein DU BIST WIDERLICH
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15:29 Ich scheisse dir DEIN LEBEN LANG INS GESICHT DU UNFAEHIGER  INSPORTLICHER HAESSLICHER STINKENDER SCHNARCHENDER MEGA VERSAGER. Auf dich kann JEDE FRAU: scheissen.
15:31 AUF NIE WIEDER. In 9 Monaten sehen WIR UNS VOR GERICHT Versager. DAS IST MEIN LETZTES WORT. Amen
15:37 Du bist die grösste NULL die mir JE ueber den Weg gelaufen ist. DU HAST NUR : EINEN GEILEN SCHWANZ. Den Rest kann man verbrennen
15:40 Nicht mal im Bett bist du gut. Also kein Problem. Hau ab. :-) und tschüss
17:12 Lueg dich mal an ...pfui gruselig. Igitt. Mir luegt uf de strass JEDE nah jetzt no VIEL meh. Ich krieg das chind UND HUERATE OHNE WEITERES EN 10000 FACH  ISCH JA NOED SCHWIERIG : DU BISCH WUERKLICH MIT A.B.S.T.A.N.D. De groescht VERSAGER WO ICH JE ATROFFE HAN. Erhäng DICH. Waer s best
18:24 Ich seg dr wahrheit du verdammte sauhunds Abfall : du hesch mich a dem abig NUR duregvoglet wegen Migrationsamt. Damit ich dich anmelde
18:31 WIR SEHEN UNS WIEDER. In genau 9 MONATEN vor GERICHT ich mach dir so FEUER unterm ARSCH. DU KRIEGST SO EINS GESCHOBEN von meinem . Dir wird hoeren und SEHEN vergehen. VERSGER. Bis dann. NAMASTE OM. Damit habe ich besprochen. Im NAMEN MEINER FAMILIE. A._
18:35 Der BESTE MOMENT in meinem LEBEN ist DER TAG AN DEM DU ERSCHOSSEN WIRST. Ich werde singen und tanzen vor FREUDE UND GLUECK. Endlich ist B._ TOT. Hurrrraaaaaaaaaa
18:37 LEB WOHL VERSAGER. BIS IN 9 MONATEN. Hoffentlich wirst du bis dann VON EINEM AUS DEINEM KRIMINELLEN KREISEN ERSCHOSSEN. Wie FROH wäre ich. !!! Und GOTT DANKBAR. Ende ich hab gesprochen. A._
20:58 DU SCHULDEST MIR GELD DEINE STINKFUESSE HABEN MEINE WOHNUNG VERPESTET DU BIS SCHLIMMER ALS AIDS
21:01 Ich frag mich WIRKLICH WARUM dich deine Mutter nicht abgetrieben hat. RIESEN FEHLER ... Richt ihr das GERN aus von mir
21:03 JEDESMAL BEIM SCHEISSEN SCHREIB ICH DEINEN NAMEN AUF EINEN  UND SCHEISS DRUEBER. Auf dich : kann man SCHEISSEN
Diese SMS schrieb die Privatklägerin rund drei Wochen nach den angeblichen
Vergewaltigungen und der sexuellen Nötigung. Wie die Vorinstanz zutreffend aus-
führte erwähnte die Privatklägerin im gesamten SMS-Verkehr vom 8. bis 18. Juni
2014 jedoch keine sexuellen Übergriffe seitens des Beschuldigten. Die Nachrich-
ten zeugen nicht von Angst vor dem Beschuldigten, sondern von einer ungeheu-
ren Wut ihm gegenüber. Die Privatklägerin war offensichtlich tief verletzt und fühl-
te sich vom Beschuldigten ausgenutzt (Urk. 121 S. 26 f.).
1.4.4. Am 18. Juni 2014 wurde die Privatklägerin infolge einer Anzeige des
Beschuldigten gegen sie wegen Drohung auf dem Polizeiposten I._ der
Stadtpolizei Zürich befragt. Anlässlich dieser Befragung sagte sie, sie müsse
dringend einen Termin im Triemlispital wahrnehmen, da sie schwanger sei und es
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um Leben und Tod gehen würde. Sie verliess den Polizeiposten um 16.30 Uhr
und erschien um ca. 17.15 Uhr auf der Regionalwache J._, wo sie Anzeige
gegen den Beschuldigten wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung erstatten
wollte und schliesslich auf dem Hauptdetektivbüro zur Sache befragt wurde
(Urk. D1/1 S. 2 und 5 f., D1/3). In Anbetracht des von ihr gewählten Zeitpunktes
für die Anzeigeerstattung und angesichts dessen, dass seit den Vorfällen bereits
über vier Wochen vergangen waren und Gegenstand der von der Privatklägerin
am 3. Juni 2014 erstatteten Strafanzeige lediglich Tätlichkeiten vom 20. Mai 2014
waren, drängt sich der Schluss auf, dass die Privatklägerin lediglich aus Rache
mit einer Gegenanzeige reagierte.
1.4.5. Am 11. Dezember 2014 wurde die Privatklägerin in Ergänzung zur letz-
ten Einvernahme nochmals polizeilich befragt. Thematisiert wurde unter anderem
auch die Anmeldung beim Einwohneramt. Gemäss Auskunft der Einwohnerkon-
trolle hat sich der Beschuldigte am 20. Mai 2014 selbst angemeldet, da eine An-
meldung durch Dritte gar nicht möglich sei. Die Privatklägerin korrigierte daraufhin
ihre Aussage dahingehend, dass sie lediglich das erforderliche Formular auf dem
Einwohneramt abgeholt habe, welches der Beschuldigte dann ausgefüllt habe
und damit selbst zum Personenmeldeamt gegangen sei, um sich anzumelden
(Urk. D1/8 S. 2). Der Privatklägerin wurden anlässlich der Befragung auch ihre
Textnachrichten an den Beschuldigten vorgehalten. Sie bejahte, dass die hell ein-
gefassten SMS von ihr seien: "[...] das stimmt...ich möchte mich aber nicht dazu
äussern. Warum bringt er diese SMS vor, er hat mich ja anschliessend mit Tele-
fonaten terrorisiert. Ich habe nach wie vor Angst vor ihm" (Urk. D1/8 S. 3). Es
stellt sich die Frage, weshalb sie nicht bereits bei der ersten Einvernahme den
korrekten Ablauf der Anmeldung beim Einwohneramt schilderte und es ist be-
zeichnend, dass sie zu den zahlreichen primitiven Textnachrichten nichts sagte,
sondern sogleich von sich ablenkte und auf den Beschuldigten hinwies, der sie
terrorisiert habe. Dieses Aussageverhalten der Privatklägerin weckt erhebliche
Zweifel an der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen.
1.4.6. Am 29. Juni 2015 wurde die Privatklägerin als Auskunftsperson von der
Staatsanwaltschaft befragt. Bezüglich der Geschehnisse vom 18. bis 20. Mai
- 16 -
2014 führte die Privatklägerin hauptsächlich aus, dass sie sich nicht mehr erin-
nern könne und verwies auf ihre Aussagen bei der Polizei. Auf die Frage, was sie
während des ersten Vorfalls dem Beschuldigten gesagt habe, gab sie zur Antwort:
"Nichts. Ich mag mich nicht mehr erinnern. Falls ich etwas gesagt habe, ich weiss
es nicht mehr. Was ich mich erinnern kann, ist, dass ich ihm gesagt habe, dass
ich nicht Sex mit ihm haben will. Ich sagte ihm nicht, 'ich will nicht'. Ich sagte ihm
einfach, ich finde das keine gute Idee. Meine Müdigkeit war sicher auch ein tra-
gender Faktor, weshalb ich nicht geschrien habe" (Urk. D1/11 S. 6).
1.5. Diese Aussage widerspricht, wie bereits die Vorinstanz hervorhob, in einem
entscheidenden Punkt ihrer ersten Aussage bei der Polizei, wonach sie mindes-
tens zehnmal gesagt habe, dass sie das nicht wolle (Urk. D1/3 S. 4). Im Hinblick
auf den zweiten Vorfall führte die Privatklägerin aus, dass sie nicht mehr wisse,
ob der Beschuldigte bereits in der Wohnung gewesen sei, als sie von der Arbeit
nach Hause gekommen sei: "Ich weiss nicht, ob er schon da war oder ob er erst
kam. Ich weiss es nicht mehr. Er versuchte mich wieder zu Sex zu überreden.
Dann weiss ich nicht, ob er es geschafft hat [...]" (D1/11 S. 7). Die Wortwahl
"überreden" spricht gegen eine Vergewaltigung. Auf die Frage, ob sie sich erinne-
re könne, in welcher Position sie bei dem zweiten Vorfall auf dem Bett gelegen
habe, antwortete sie: "Irgendwie auf dem Bett. Aber ich mag mich nicht erinnern
in welcher Position. Was ich weiss ist, dass ich sehr durcheinander war wegen
des Vorfalls auf der Arbeit. Ich war nervlich am Ende" (Urk. D1/11 S. 8). Wie be-
reits bei der Polizei führte die Privatklägerin im Zusammenhang mit der zweiten
Vergewaltigung auch in dieser Einvernahme aus, dass die Arbeit der Grund dafür
gewesen sei, dass es ihr an diesem 19. Mai 2014 nicht gut gegangen sei und
nicht die Vergewaltigung vom Vortag.
1.6. Anlässlich der Berufungsverhandlung führte die Privatklägerin auf Vorhalt
diverser an den Beschuldigten gesandter SMS sinngemäss aus, dass es sich um
eine emotionale Überreaktion gehandelt habe (Prot. II S. 18-21). "Ich war in einer
emotionalen, nicht kontrollierbaren Verfassung. Ich kann nicht nachvollziehen,
warum ich das geschrieben habe. Es ging mir damals sehr schlecht" (Prot. II
S. 19). Die Privatklägerin wurde damit konfrontiert, dass ihre Nachrichten nicht
- 17 -
den Eindruck hinterlassen würden, dass sie Angst vor dem Beschuldigten gehabt
habe, worauf sie antwortete, dass, wenn man Angst habe, man nicht immer Angst
zeigen müsse. Man greife zur Gegenaggression (Prot. II S. 21). Selbst wenn man
jedoch davon ausgehen würde, dass die Privatklägerin, wie von ihr geschildert,
zwar Angst hatte, aber zum Gegenangriff übergegangen war, erklärt sich damit
nicht, weshalb sie den Beschuldigten in den SMS zwar beschimpfte und Vorwürfe
machte, die Vergewaltigungen jedoch unerwähnt liess. Stattdessen geht aus den
SMS deutlich hervor, dass die Privatklägerin gegenüber dem Beschuldigten Ge-
fühle hegte, jedoch enttäuscht wurde und dieser Enttäuschung mittels Beschimp-
fungen und Vorwürfen Ausdruck verlieh. Die Staatsanwaltschaft und die Privat-
klägerschaft machen diesbezüglich geltend, der SMS-Verkehr sei unvollständig.
Sie gehen davon aus, dass diverse SMS-Nachrichten im dokumentierten Zeit-
raum selektiv entfernt worden seien. Der Beschuldigte habe die für ihn ungünsti-
gen oder belastenden Nachrichten nachträglich entfernt (Urk. 153 S. 3 ff.,
Urk. 154 S. 4 ff.). Lücken im SMS-Verkehr können tatsächlich nicht ausgeschlos-
sen werden. Ob der SMS-Verkehr vollständig ist, spielt vorliegend jedoch keine
Rolle, da die vorhandenen SMS aussagekräftig genug sind. Sie zeichnen ein Bild,
welches sich auch nicht durch weitere für den Beschuldigten allenfalls unvorteil-
hafte SMS umstossen liesse. Dasselbe gilt für allfällige Telefonate und deren In-
halt.
1.7. Zusammengefasst lassen diverse Umstände an der Glaubhaftigkeit der
Aussagen der Privatklägerin bezüglich der zweifachen Vergewaltigung und sexu-
ellen Nötigung zweifeln, so namentlich die Nicht-Anzeige der Vergewaltigung an-
lässlich der Anzeigeerstattung wegen Tätlichkeiten am 3. Juni 2014, der Ablauf
der Geschehnisse am 18. und 19. Mai 2014 und das Aussageverhalten der Pri-
vatklägerin selbst. Den ärztlichen Befunden sind ebenfalls keine Indizien für se-
xuelle Übergriffe zu entnehmen und die Textnachrichten der Privatklägerin an den
Beschuldigten sprechen sogar eine deutlich andere Sprache. Diese deuten eher
darauf hin, dass die Privatklägerin nicht vergewaltigt wurde, sondern freiwillig Sex
mit dem Beschuldigten hatte und sich im Nachhinein darüber ärgerte. Mithin ist
der Sachverhalt gemäss Anklageschrift S. 3 und 4 zum Nachteil der Privatklägerin
- 18 -
A._ nicht erstellt. Der Beschuldigte ist daher von den Vorwürfen der mehrfa-
chen Vergewaltigung und der sexuellen Nötigung frei zu sprechen.
2. Was die eingeklagte Nötigung vom 19. Mai 2014 hinsichtlich der Anmeldung
beim Personenmeldeamt an der Wohnadresse der Privatklägerin anbelangt, kann
auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 121
S. 29). Bereits bei der Polizei korrigierte die Privatklägerin ihre Aussage dahinge-
hend, dass nicht sie den Beschuldigten auf dem Einwohneramt angemeldet habe,
sondern sie die Formulare abgeholt habe, mittels derer sich der Beschuldigte in
der Folge an ihrer Wohnadresse angemeldet habe (Urk. D1/8 S. 2). Dies bestätig-
te die Privatklägerin auch bei der Staatsanwaltschaft (Urk. D1/11 S. 11). Eine Nö-
tigung käme somit nur hinsichtlich des Abholens der Formulare in Betracht. Dies
wurde aber weder eingeklagt, noch lässt sich ein solcher Sachverhalt aufgrund
der Aussagen oder Textnachrichten der Privatklägerin erstellen. Zu Recht ging die
Vorinstanz davon aus, dass aufgrund der Aussagen und der erstellten Gescheh-
nisse vom 19. Mai 2014 nicht erstellt ist, dass der Beschuldigte der Privatklägerin
Gewalt androhte und sie Angst vor ihm hatte (Urk. 121 S. 29).
3. Bezüglich des Vorwurfs der versuchten Nötigung zur Abtreibung des Kindes
ist insbesondere die Einvernahme der Privatklägerin durch die Staatsanwaltschaft
zu beachten. Die Privatklägerin wurde gefragt, wie der Beschuldigte sie unter
Druck gesetzt habe, die Schwangerschaft abzubrechen, was der genaue Wortlaut
gewesen sei und ob er zu ihr gesagt habe 'Treib das Kind ab'. Letztere Fragen
verneinte die Privatklägerin ausdrücklich: "Nein, das hat er nie gesagt. Er sagte
einfach, ich sei krank und er wolle das Kind nicht. Er hat mir einfach extrem böse
Sachen gesagt" (Urk. D/1/11 S. 12). Dass der Beschuldigte die Privatklägerin als
krank bezeichnete und zum Ausdruck brachte, dass er das Kind nicht will, ist dem
SMS-Verkehr vom 8. bis 18. Juni 2014 zu entnehmen (Urk. 137). Die Androhung
ernstlicher Nachteile, um die Privatklägerin zu einer Abtreibung zu bewegen, lässt
sich jedoch weder aufgrund des SMS-Verkehrs noch aufgrund der Aussagen der
Privatklägerin erstellen. Im Übrigen kann hierzu auf die Begründung im vor-
instanzlichen Urteil verwiesen werden (Urk. 121 S. 29-31), der vollumfänglich zu
folgen ist.
- 19 -
4. Die Vorinstanz gelangte infolge ihrer sorgfältigen und ausführlichen Beweis-
würdigung zum Ergebnis, dass sich die Vorwürfe in Dossier 1 nicht erstellen las-
sen (Urk. 121 S. 22-31). Dem ist uneingeschränkt zuzustimmen und der Beschul-
digte somit von den Vorwürfen der mehrfachen Vergewaltigung im Sinne von
Art. 190 Abs. 1 StGB, der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB,
sowie der mehrfachen, teilweise versuchten Nötigung im Sinne von Art. 181
StGB, teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB, hinsichtlich Dossier-Nr. 1
freizusprechen.
2. Dossier-Nr. 2: D._
2.1. In Dossier-Nr. 2 wird dem Beschuldigten vorgeworfen, die Geschädigte
D._ im Zeitraum vom 20. Januar bis 15. April 2015 mehrfach bedroht, zwi-
schen dem 1. Februar bis 15. April 2015 mehrfach beschimpft und sie am 10. Ap-
ril 2015 in der Altstadt in K._ bespuckt zu haben. Im ungefähren Zeitraum
vom 12. April 2015, 22.00 Uhr bis 13. April 2015, 09.00 Uhr soll der Beschuldigte
die Geschädigte D._ an einer nicht näher bekannten Adresse im ... [Region]
im Zimmer eines Kollegen zum Beischlaf gezwungen haben. Am folgenden Tag
dem 14. April 2015 habe der Beschuldigte versucht D._ mittels Drohungen
zu monatlichen Zahlungen von Fr. 500.– zu bewegen. Ferner habe der Beschul-
digte in der Nacht vom 15. auf den 16. April 2016 die Kontrollschilder am Fahr-
zeug der Geschädigten weggerissen und in einem Abfallcontainer entsorgt
(Urk. 32 S. 6-9).
2.2. In prozessualer Hinsicht machte die Verteidigung bezüglich der eingeklagten
mehrfachen Drohung anlässlich der Hauptverhandlung geltend, dass das Ankla-
geprinzip verletzt sei. Abgesehen von den zwei konkreten Drohungen vom
20. Januar und 10. April 2015 seien in der Anklageschrift keine weiteren, konkre-
ten Drohungen genannt. Es sei aus der Anklageschrift nicht ersichtlich, wie, mit
welchen Worten, wann und wie viele Male der Beschuldigte die Geschädigte im
Zeitraum vom 20. Januar bis 15. April 2015 bedroht haben soll, weshalb das Ver-
fahren in diesem Punkt gemäss Art. 329 Abs. 4 StPO einzustellen sei (Urk. 91
S. 22 f.).
- 20 -
Bezüglich des Inhalts des Anklageprinzips kann auf die Erwägungen der Vor-
instanz verwiesen werden (Urk. 121 S. 32). Es ist dieser auch in ihrer Schlussfol-
gerung zuzustimmen, dass abgesehen von den zwei spezifisch geschilderten
Drohungen vom 20. Januar und 10. April 2015 die weiteren Drohungen gegen-
über D._ zu ungenau umschrieben sind und daher das Verfahren bezüglich
des Vorwurfs der weiteren mehrfachen Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1
StGB (Dossier 2) einzustellen ist (vgl. Urk. 121 S. 32).
2.3. Eine Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB liegt vor, wenn der Täter
jemanden durch schwere Drohung in Schrecken oder Angst versetzt.
2.3.1. Der Beschuldigte anerkennt, der Geschädigten D._ am 20. Januar
2015 mit den Worten gedroht zu haben, dass sie einen Fehler mit ihm gemacht
habe und deswegen nun eine Rechnung mit ihm offen habe und dass er der Ge-
schädigten am 10. April 2015 damit gedroht habe, sie kaputt zu machen, er kenne
ihren Arbeitsweg, er werde ihr den Kopf abreissen, er werde sie auf den Strich
schicken, von nun an sage er was laufe und wann er mit ihr Sex habe. Der Be-
schuldigte wollte der Geschädigten dadurch auch Angst machen (Urk. D1/17 S. 8,
Urk. 85 S. 16, Urk. 155 S. 11).
2.3.2. Der Verteidigung wie auch der Vorinstanz ist jedoch in ihrer Argumen-
tation zu folgen, dass es sich bei der Drohung vom 20. Januar 2015 lediglich um
einen Versuch handelte. Ein Versuch liegt vor, wenn der Täter, nachdem er mit
der Ausführung eines Verbrechens oder Vergehens begonnen hat, die strafbare
Tätigkeit nicht zu Ende führt oder der zur Vollendung der Tat gehörende Erfolg
nicht eintritt oder dieser nicht eintreten kann (Art. 22 Abs. 1 StGB). Die Geschä-
digte sagte aus, sie habe die Drohungen, die Ende Januar erfolgten, noch nicht
ernst genommen und noch keine Angst gehabt (Urk. D2/7 S. 3). Der Erfolg der
Drohung in Form von Angst und Schrecken ist somit nicht eingetreten, weshalb
lediglich eine versuchte Drohung vorliegt (Urk. 91 S. 21 f., Urk. 121 S. 33,
Urk. 155 S. 11). Im Gegensatz dazu nahm die Geschädigte die Drohung vom
10. April 2015 durchaus ernst und wurde dadurch massiv in Angst versetzt. Es ist
folglich von einer versuchten und einer vollendeten Drohung auszugehen und der
Beschuldigte in diesem Sinne schuldig zu sprechen.
- 21 -
2.4. Wer jemanden in anderer Weise als in derjenigen gemäss Art. 173 f. StGB
durch Wort, Schrift, Bild, Gebärde oder Tätlichkeiten in seiner Ehre angreift,
macht sich der Beschimpfung gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB schuldig.
2.4.1. Der Beschuldigte ist geständig, die Geschädigte D._ auf dem Ge-
biet der Altstadt von K._ im Zeitraum vom 1. Februar bis 15. April 2015 wie-
derholt per Whatsapp sowie von Angesicht zu Angesicht mit den Worten
'Schlampe', 'Fick dich' und 'Du bist Scheisse' und weiteren ehrverletzenden Aus-
drücken beschimpft zu haben (Urk. D1/17 S. 9, Urk. 85 S. 16 f., Urk. 155 S. 11).
2.4.2. Dabei handelt es sich unbestrittenermassen um Beschimpfungen im
Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB. Diese stellen keine auf einem Gesamtvorsatz be-
ruhende Handlungseinheit dar, da sich der Beschuldigte immer wieder von Neu-
em dazu entschlossen hat, Beschimpfungen auszusprechen (vgl. Jürg-Beat
Ackermann, in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 3. Aufl. 2013, N. 24 ff. zu Art. 49).
In Abweichung von der rechtlichen Würdigung der Vorinstanz liegt somit keine
einfache, sondern eine mehrfache Tatbegehung vor. Das Verbot der reformatio in
peius kommt vorliegend nicht zum Tragen, da die Staatsanwaltschaft und die Pri-
vatklägerschaft Berufung erhoben (Art. 391 Abs. 2 StPO). Demzufolge ist der Be-
schuldigte der mehrfachen Beschimpfung schuldig zu sprechen.
2.5. Nach Art. 126 Abs. 1 StGB wird bestraft, wer gegen jemanden Tätlich-
keiten verübt, die keine Schädigung des Körpers oder der Gesundheit zur Folge
haben. Das Bespucken schädigt zwar weder den Körper noch die Gesundheit der
betroffenen Person, überschreitet jedoch das allgemein übliche und gesellschaft-
lich geduldete Mass der physischen Einwirkung auf einen Menschen und stellt
folglich eine Tätlichkeit dar (Andreas Donatsch, in: Donatsch
[Hrsg.]/Flachsmann/Hug/ Weder, Kommentar zum Strafgesetzbuch, 19. A., Zürich
2013, Verlag Orell Füssli, [kurz: OFK-StGB], N. 1 zu Art. 126).
2.5.1. Anlässlich der Verhandlung vor dem Bezirksgericht Zürich und auch an
der Berufungsverhandlung anerkannte der Beschuldigte, der Geschädigten am
10. April 2015 auf das T-Shirt im Brustbereich gespuckt zu haben (Urk. 85 S. 17,
Urk. 155 S. 11).
- 22 -
2.5.2. Der Beschuldigte erfüllte daher mit dem Bespucken der Geschädigten
den Tatbestand der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB.
2.6. Den Vergewaltigungsvorwurf bestreitet der Beschuldigte und macht geltend
mit der Geschädigten D._ am 12. April 2015 zweimal einvernehmlich Sex
gehabt zu haben (Urk. D1/17 S. 7 f., Urk. 85 S. 13 ff., Prot. II S. 42 f.).
2.6.1. Eine Vergewaltigung setzt nach Art. 190 Abs. 1 StGB voraus, dass der
Täter eine weibliche Person mittels Drohung, Gewalt, Anwendung von psychi-
schem Druck oder Bewirken der Widerstandsunfähigkeit zur Duldung des Ge-
schlechtsverkehr nötigt.
2.6.2. Die Staatsanwaltschaft stützt sich bei ihrem Anklagevorwurf haupt-
sächlich auf die Aussagen der Geschädigten. Diese gab an der polizeilichen und
der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 17. April bzw. 9. Oktober 2015 zu
Protokoll, dass sie sich am Abend des 12. April 2015 mit dem Beschuldigten ge-
troffen habe. An diesem Treffen habe er ihr erzählt, dass er in einer Gang sei,
welche auch Mordaufträge erledige und dass er jeden Monat Schutzgeld bei allen
Kebabständen in K._ einnehmen müsse. Er wisse zudem immer, wo sie sei
und was sie mache. Er habe ihr unheimlich Angst gemacht. Er habe an diesem
Abend bei ihr schlafen wollen, was sie nicht wollte. Sie habe ihn nach Hause ge-
fahren. Er sei kurz reingegangen und habe angekündigt wieder zu kommen. Er
sei wieder rausgekommen und habe gesagt, sie solle mit reinkommen. Sie habe
gesagt, dass sie Angst hätte, reinzugehen. Er habe ihr gesagt, dass sie keine
Angst haben müsse und schlussendlich sei sie mit reingegangen. Sie schilderte
weiter, dass er angefangen habe, sie zu küssen. Sie sei dermassen verängstigt
gewesen, dass sie mitgemacht habe. Dann seien sie auf sein Zimmer gegangen
und hätten dort miteinander geschlafen. Sie habe nur mit ihm Sex gehabt aus
Angst davor, dass wenn sie nicht freiwillig mitmache, er es dann trotzdem mache
(Urk. D2/9 S. 3-4, Urk. D1/14 S. 6-8). Der Beschuldigte führte ebenfalls aus, dass
die Geschädigte ihm, als sie bei seinem Kollegen zu Hause angekommen seien,
gesagt habe, dass sie Angst habe. Dann habe er gesagt, warum Angst, es sei
kein Wolf hier. Er habe es komisch gefunden, dass sie Angst habe. Dann habe
sie gesagt, sie kenne ihn nicht so gut und er habe gesagt, dann solle sie machen,
- 23 -
was sie wolle. Dann sei sie doch mit raufgekommen. Er habe den Kollegen kurz
noch darauf aufmerksam gemacht, dann sei sie raufgekommen und sie hätten
miteinander geschlafen (Urk. 85 S. 15). Die weiteren detaillierten Aussagen der
Geschädigten und des Beschuldigten können dem vorinstanzlichen Urteil ent-
nommen werden (Urk. 121 S. 35-43).
2.6.3. Es ist der Vorinstanz zuzustimmen, dass aufgrund der übereinstim-
menden Angaben des Beschuldigten und von D._ davon auszugehen ist,
dass diese zwischen dem 12. April 2015, ca. 22.00 Uhr und dem 13. April 2015,
ca. 09.00 Uhr, mindestens einmal Geschlechtsverkehr miteinander hatten. Jedoch
blieb strittig, ob der Beschuldigte die Geschädigte wissentlich und willentlich zum
Beischlaf nötigte, sei es, indem er sie bedrohte, unter psychischen Druck setzte
oder zum Widerstand unfähig machte (Urk. 121 S. 44 f.). Nach eingehender Wür-
digung der Aussagen der Geschädigten und des Beschuldigten gelangte die Vo-
rinstanz zum Ergebnis, dass der Vorwurf der Vergewaltigung nicht erstellbar sei.
Insbesondere mangle es am Nachweis des für die Erfüllung des subjektiven Tat-
bestandes vorausgesetzten inneren Sachverhalts (Urk. 121 S. 49). Dem ist zuzu-
stimmen und es ist diesbezüglich vollumfänglich auf die zutreffende Begründung
der Vorinstanz zu verweisen (Urk. 121 S. 43-50). Die Geschädigte selbst sagte
nämlich, dass sie dem Beschuldigten wahrscheinlich nicht das Gefühl gegeben
hätte, dass sie nicht möchte, aber sie habe in sich so eine Angst gehabt
(Urk. D2/9 S. 5). Sie wurde gefragt, ob sie sich durch den Beschuldigten zum Ge-
schlechtsverkehr genötigt gefühlt habe, was sie verneinte: "Ich sage nicht, dass er
mich gezwungen hatte" (Urk. D2/9 S. 6). Auch die Frage, ob sie wegen dem se-
xuellen Vorfall gegen den Beschuldigten Anzeige erstatten wolle, verneinte sie
und begründete dies damit, dass sie nicht glaube, dass er gespürt habe, dass sie
Angst gehabt habe. Sie wisse auch nicht wie er reagierte hätte, wenn er es ge-
spürt hätte (Urk. D2/9 S. 8). In der Befragung bei der Staatsanwaltschaft sagte die
Geschädigte wiederum, dass sie dem Beschuldigten, als sie Sex gehabt hätten,
nicht wirklich gezeigt habe, dass sie Angst gehabt habe und er habe während des
Geschlechtsverkehrs auch keine Gewalt angewendet (Urk. D1/14 S. 8 f.). Auf-
grund dieser Aussagen ist auch von einer weiteren Befragung der Geschädigten,
wie es von der Staatsanwaltschaft beantragt wurde, abzusehen. Es kann davon
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ausgegangen werden, dass die Geschädigte ihre Aussagen wiederum bestätigen
würde und die erneute Befragung keine neuen Aspekte zu Tage bringen würde.
Der Beweisantrag der Staatsanwaltschaft wird daher definitiv abgewiesen
(Urk. 122 S. 3) und der Beschuldigte ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz
vom Vorwurf der Vergewaltigung frei zu sprechen.
2.7. Bezüglich der versuchten Nötigung vom 14. April 2015 kann ebenfalls voll-
umfänglich auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden
(Urk. 121 S. 34 f.).
2.7.1. Wer jemanden durch Gewalt oder Androhung ernstlicher Nachteile o-
der durch andere Beschränkung seiner Handlungsfreiheit nötigt, etwas zu tun, zu
unterlassen oder zu dulden, erfüllt den Tatbestand der Nötigung im Sinne von
Art. 181 StGB.
2.7.2. Der Beschuldigte schrieb der Geschädigten D._ "Schau zu, dass
du das Geld hast. Ich mach kein Spass mit dir. Du willst Scheisse haben. Gut,
kriegst du". Der Beschuldigte ist bezüglich dieses Anklagevorwurfs grundsätzlich
geständig (Urk. D1/17 S. 10, Urk. 91 S. 26, Urk. 155 S. 12) und der entsprechen-
de Auszug der Nachrichten auf Whatsapp liegt bei den Akten (Urk. D2/5 S. 3 f.).
Das Geständnis deckt sich mit dem Untersuchungsergebnis, so dass davon aus-
zugehen ist. Die Geschädigte hat dem Beschuldigten jedoch nicht wie von ihm
gefordert Fr. 500.- überwiesen, weshalb der für die Nötigung notwendige Erfolg
ausgeblieben ist und der Beschuldigte nur der versuchten Nötigung schuldig zu
sprechen ist.
2.8. Eine Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB liegt vor, wenn
jemand eine Sache, an der ein fremdes Eigentums-, Gebrauchs- oder Nutznies-
sungsrecht besteht, beschädigt, zerstört oder unbrauchbar macht. Wer dem Be-
rechtigten ohne Aneignungsabsicht eine bewegliche Sache entzieht und ihm
dadurch einen erheblichen Nachteil zufügt, macht sich der Sachentziehung ge-
mäss Art. 141 StGB schuldig.
- 25 -
2.8.1. Der Beschuldigte bestritt, die Kontrollschilder am Fahrzeug der Ge-
schädigten weggerissen und in einen Container geworfen zu haben (Urk. D1/17
S. 10 f., Urk. 85 S. 18, Prot. II S. 44) und die Geschädigte vermutete lediglich,
dass es der Beschuldigte gewesen sein könnte (Urk. D2/7 S. 6, Urk. D1/14 S. 14).
Weitere Beweismittel für die Täterschaft des Beschuldigten liegen nicht vor. Im
Übrigen kann auch hier auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwie-
sen werden, wonach der Anklagesachverhalt angesichts der Beweislage nicht er-
stellt ist (Urk. 121 S. 50-53). Der Beschuldigte ist somit von den Vorwürfen der
Sachbeschädigung und -entziehung frei zu sprechen.
2.9. Hinsichtlich des Dossiers-Nr. 2 kann zusammengefasst festgehalten wer-
den, dass das Verfahren bezüglich des Vorwurfs der weiteren mehrfachen Dro-
hung (abgesehen von den Drohungen vom 20. Januar und 10. April 2015) im Sin-
ne von Art. 180 Abs. 1 StGB einzustellen ist, der Beschuldigte der versuchten Nö-
tigung im Sinne von Art. 181 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB, der
mehrfachen, teilweise versuchten, Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB,
teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB, der mehrfachen Beschimpfung
im Sinne von Art. 177 StGB und der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1
StGB schuldig zu sprechen ist. Hingegen ist er von den Vorwürfen der Vergewal-
tigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB, der Sachentziehung im Sinne von
Art. 141 StGB sowie der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB
freizusprechen.
3. Dossier-Nr. 3: C._
3.1. In Dossier-Nr. 3 wird dem Beschuldigten vorgeworfen, sich der mehrfachen
Drohung und des Missbrauchs einer Fernmeldeanlage schuldig gemacht zu ha-
ben, indem er im Zeitraum vom 5. bis 24. November 2014 die Geschädigte
C._ mittels zahlreichen Telefonanrufen und SMS damit bedroht habe, dass
er sie holen komme, dass seine Männer sie holen kommen würden und dass er
sie fertig machen würde (Urk. 32 S. 9-10).
3.2. Der Missbrauch einer Fernmeldeanlage setzt voraus, dass eine Fernmelde-
anlage aus Bosheit oder Mutwillen zur Beunruhigung oder Belästigung miss-
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braucht wird (Art. 179septies StGB) und die Drohung beinhaltet, dass der Täter je-
manden durch schwere Drohung in Schrecken oder Angst versetzt (Art. 180
Abs. 1 StGB).
3.3. Prozessual machte die Verteidigung betreffend der mehrfachen Drohung ei-
ne Verletzung des Anklageprinzips geltend. Aus der Anklageschrift gehe nicht
hervor, ob die Drohungen per SMS oder per Telefon ausgesprochen worden sei-
en und um wie viele Drohungen es sich handeln solle. Einzig drei Drohungen sei-
en konkret erwähnt und bei diesen sei zugunsten des Beschuldigten davon aus-
zugehen, dass sie in einem engen zeitlichen und örtlichen Rahmen erfolgten und
auf einem Willensentschluss beruhten, weshalb lediglich von einer Drohung aus-
zugehen sei (Urk. 91 S. 27 f.).
Wiederum kann - um unnötige Wiederholungen zu vermeiden - betreffend Inhalt
des Anklageprinzips und auch in Bezug auf die Subsumtion auf die zutreffenden
Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 121 S. 54). Das Anklage-
prinzip wurde vorliegend nicht verletzt.
3.4. Der Beschuldigte anerkannte die Vorwürfe betreffend C._ vollumfäng-
lich (Urk. D1/17 S. 11 f., Urk. 85 S. 18, Urk. 155 S. 12) und ist daher hinsichtlich
des Dossiers-Nr. 3 wegen mehrfacher Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1
StGB und wegen Missbrauchs einer Fernmeldeanlage im Sinne von Art. 179septies
StGB schuldig zu sprechen.
III. Strafe
A. Vorbemerkungen
1. Die Vorinstanz bemass mit sorgfältiger und einlässlicher Begründung für die
vom Beschuldigten erfüllten Tatbestände eine Freiheitsstrafe von 14 Monaten, ei-
ne Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu Fr. 10.– und Fr. 800.– Busse als die dem
Verschulden des Beschuldigten angemessene Sanktion (Urk. 121 S. 56-65). Sie
erwog, angesichts der neu zu beurteilenden nicht mehr leichten Delinquenz des
Beschuldigten und der bisher ohne abhaltende Wirkung gebliebenen Geldstrafen
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und Bussen sei eine Geldstrafe für die mehrfachen, teilweise versuchten Drohun-
gen und die versuchte Nötigung nicht mehr gerechtfertigt und statt dessen eine
Freiheitsstrafe auszufällen (Urk. 121 S. 63 Ziff. IV. B. 8.1).
Da vorliegend für die teilweise versuchten Drohungen, welche zum Teil in den
Zeitraum vor dem Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach vom
17. Februar 2015 fielen, nur eine Freiheitsstrafe in Betracht komme, mit dem
Strafbefehl vom 17. Februar 2015 jedoch eine unbedingte Geldstrafe und eine
Busse ausgesprochen worden seien, verwarf die Vorinstanz eine allfällige retro-
spektive Gesamtstrafenbildung mangels gleichartiger Strafen. Sie verzichtete da-
her darauf, eine Zusatzstrafe zu bestimmen. Weil zudem für die Beschimpfung
nach Art. 177 StGB nach gesetzlicher Strafandrohung nur eine Geldstrafe ausge-
sprochen werden könne und die Übertretungen zwingend mit einer Busse zu
sanktionieren seien, seien diese mangels Gleichartigkeit der Strafart zusätzlich
zur Freiheitsstrafe auszufällen (Urk. 121 S. 63 f. Ziff. IV.B. 8.3-9.1).
2. Die Vorinstanz hat die allgemeinen Regeln der Strafzumessung nach Art. 47
StGB und die Bildung einer Gesamtstrafe im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB de-
tailliert und korrekt dargelegt (Urk. 121 S. 56 ff.). Des weiteren hat sie in Nachach-
tung der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichts (Urteil 6B_466/2013 vom
25. Juli 2013 E. 2.1 und 2.3.2, mit Hinweisen, bestätigt in Urteilen 6B_375/2014
vom 28. August 2014 E. 2.6 und 6B_1246/2015 vom 9. März 2016 E. 1.1) bei der
Gesamtstrafenbildung grundsätzlich korrekterweise für die Festsetzung der Ein-
satzstrafe zunächst alle objektiven und subjektiven verschuldensrelevanten Um-
stände beachtet, in einem weiteren Schritt die übrigen Delikte beurteilt und aufge-
zeigt, in welchem Ausmass die Einsatzstrafe in Anwendung des Asperationsprin-
zips zu erhöhen ist und schliesslich erst nach Festlegung der (hypothetischen)
Gesamtstrafe für sämtliche Delikte die allgemeinen Täterkomponenten berück-
sichtigt (Urk. 121 S. 58-62 Ziff. IV.B. 2.-6). Die Vorinstanz ging somit auch metho-
disch grundsätzlich korrekt vor. Ebenfalls korrekt sind ihre Ausführungen zu der
aufgrund der gesetzlichen Strafandrohung für die Beschimpfung auszufällenden
Geldstrafe und zur zwingend für die Übertretungen auszufällenden Busse.
- 28 -
3. Die Vorinstanz stellte ausserdem zutreffend fest, dass vorliegend aufgrund
der teilweise vor dem Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach vom
17. Februar 2015 begangenen Delikte ein Fall retrospektiver Konkurrenz zu prü-
fen ist (Urk. 121 S. 63). Der Beschuldigte wurde mit diesem Strafbefehl zu einer
unbedingten Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu Fr. 30.– und einer Busse von
Fr. 800.– bestraft (Urk. D1/28/4). Schematisch kann dies wie folgt dargestellt wer-
den:
B. Gesamtstrafenbildung bei teilweiser retrospektiver Konkurrenz
1. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung greift das Asperationsprinzip
nach Art. 49 Abs. 1 StGB nur, wenn mehrere gleichartige Strafen ausgesprochen
werden. Bei ungleichartigen Strafen scheidet die Bildung einer Gesamtstrafe aus.
Solche Strafen sind zu kumulieren (BGE 141 IV 61 E. 6.1.2). Gemäss ACKER-
MANN greift somit die Strafschärfungsregel von Art. 49 Abs. 1 StGB nur, wenn
mehrere gleichartige Strafen, also "mehrere Geldstrafen, Arbeitsstrafen, zeitige
Freiheitsstrafen, lebenslange Freiheitsstrafen oder (gewisse) Bussen" ausgespro-
chen würden (Jürg-Beat Ackermann, in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 3. A. Ba-
sel 2013, [kurz: BSK Strafrecht I] N 90 zu Art. 49). Verlangen die zu beurteilenden
Tatbestände zwingend die Ausfällung unterschiedlicher Strafarten (z.B. Freiheits-
- 29 -
strafe und Geldstrafe; Freiheitsstrafe ist mit einer Busse zu verbinden, usw.), sind
für mehrere gleichartige Strafen jeweils Gesamtstrafen zu bilden, was auch für
mehrere Übertretungsbussen gilt (Ackermann, a.a.O., N 93, 101 und 131 zu
Art. 49).
Das Gericht kann somit eine Gesamtfreiheitsstrafe nur aussprechen, wenn es im
konkreten Fall für jede einzelne Tat eine Freiheitsstrafe ausfällen würde. Diese
Voraussetzungen gelten auch für die Bildung einer Zusatzstrafe bei retrospektiver
Konkurrenz. Der Zweitrichter ist im Rahmen der Zusatzstrafenbildung nicht be-
fugt, die Strafart des rechtskräftigen ersten Entscheides zu ändern (BGE 141 IV
61 E. 6.1.2; BGE 138 IV 120 E. 5.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_829/2014 vom
30. Juni 2016 E. 2.3.2, zur Publ. in der AS vorgesehen).
2.1. Die Vorinstanz hat für die Ausfällung der Freiheitsstrafe aufgrund der unter-
schiedlichen Strafart zu Recht keine Gesamtstrafenbildung mit den Delikten, die
Gegenstand des Strafbefehls vom 17. Februar 2015 waren, vorgenommen und
statt dessen für jene Einzeldelikte, für welche sie eine Freiheitsstrafe als ange-
messen erachtete, eine separate Gesamtfreiheitsstrafe nach den Regeln der As-
peration gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB festgesetzt.
2.2. Dass das Bezirksgericht Zürich gedanklich für die mehrfachen, teilweise
versuchten, Drohungen keine Geld-, sondern eine Freiheitsstrafe aussprach, er-
weist sich angesichts der zahlreichen auch einschlägigen Vorstrafen des Be-
schuldigten (Urk. D1/28/4), die ihn offenbar nicht dahin gehend beeindruckten,
von deliktischem Verhalten abzusehen, ebenfalls als korrekt (Urk. 121 S. 63). Bei
der Wahl der Sanktionsart ist als wichtiges Kriterium die Zweckmässigkeit einer
bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Umfeld
sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen (BGE 134 IV 97 E. 4.2). Da
Art. 41 StGB in erster Linie bezweckt, dass kein Freiheitsentzug von weniger als
sechs Monaten angeordnet wird, stellt sich dieses Problem bei der Bildung einer
Gesamtstrafe nicht, wenn als Einsatzstrafe für die schwerste Straftat eine Frei-
heitsstrafe festgesetzt und deren Dauer für die weiteren Delikte angemessen er-
höht wird (Urteil des Bundesgerichts 6B_1246/2015 vom 9. März 2016 E. 1.2.2
mit Hinweisen).
- 30 -
2.3. Im Unterschied zu den Freiheitsstrafen liegen allerdings bezüglich den
Geldstrafen und den Übertretungsbussen gleichartige Strafarten für Delikte vor,
die teils vor und teils nach dem Strafbefehl vom 17. Februar 2015 begangen wur-
den, so dass - zusätzlich und neben der Freiheitsstrafe - eine teilweise retrospek-
tive Gesamtstrafe bezüglich der Geldstrafen (als teilweise Zusatzstrafe zur
Grundstrafe) und bezüglich der Übertretungsbussen (als Zusatzstrafe zur Grund-
strafe) zu bilden ist. Hätte das Gericht sämtliche Delikte - einschliesslich derjeni-
gen, die dem Strafbefehl zugrunde liegen - zum gleichen Zeitpunkt zu beurteilen
gehabt, hätte es in concreto ebenfalls dreierlei Strafarten festzusetzen gehabt und
hätte - um dem Beschuldigten das Asperationsprinzip zu gewähren, innerhalb der
verschiedenen Strafarten je eine Gesamtstrafe bilden müssen. Nicht anders ist
daher nun bei Vorliegen (teilweise) retrospektiver Konkurrenz vorzugehen.
3. Für das Vorgehen zur Bildung einer retrospektiven Gesamtstrafe kann auf
die neuste bundesgerichtliche Rechtsprechung verwiesen werden, wo dieses ein-
lässlich dargelegt wird (Urteil 6B_829/2014 vom 30. Juni 2016 E. 2.4.3-2.4.4, zur
Publ. in der AS vorgesehen).
C. Konkrete Strafzumessung
1. Gesamtfreiheitsstrafe für die mehrfachen Drohungen und die Nötigung
Bezüglich der Bildung der Gesamtfreiheitsstrafe im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB
stellte die Vorinstanz zutreffend fest, dass von den mehrfach begangenen Dro-
hungen im Sinne von Art. 180 StGB gegenüber der Geschädigten C._ (Dos-
sier Nr. 3) als dem schwersten Delikt auszugehen und unter angemessener Erhö-
hung für die übrigen Delikte eine Gesamtstrafe festzusetzen ist, wobei vorliegend
keine ausserordentlichen Umstände ersichtlich sind, die ein Verlassen des Straf-
rahmens erfordern. Sie hat unter Hinweis auf die bundesgerichtliche Rechtspre-
chung und die Lehre richtig festgestellt, dass die relevanten Strafzumessungsfak-
toren statt dessen innerhalb des ordentlichen Strafrahmens straferhöhend bzw.
strafmindernd obligatorisch zu berücksichtigen sind und grenzte den anwendba-
ren Strafrahmen, der von einem Tagessatz bis zu 360 Tagessätzen Geldstrafe
oder bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe reicht, richtig ein (Urk. 121 S. 56). Auch auf
- 31 -
diese Ausführungen kann, um unnötige Wiederholungen zu vermeiden, vollum-
fänglich verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).
1.1. Tatkomponenten der mehrfachen Drohung gegenüber C._ (Dossier 3)
1.1.1. Die Vorinstanz beurteilte die objektiven und subjektiven Tatkomponen-
ten der mehrfachen Drohung gegenüber C._ (Dossier 3) gesamthaft, was
sich angesichts des engen zeitlichen und sachlichen Zusammenhangs der Taten
sowie desselben Tatvorgehens als sinnvoll erweist (Urk. 121 S. 58).
1.1.2. In objektiver Hinsicht ist der Vorinstanz zu folgen, dass der Beschuldig-
te der Geschädigten innerhalb eines kurzen Zeitraumes von knapp drei Wochen
massiv drohte, ihr gegenüber gar ein regelrechtes Stalking betrieb, wodurch sie
ganz erheblich eingeschüchtert wurde (Urk. 121 S. 58). Insbesondere wirkt sich
die mehrfache Tatbegehung verschuldenserhöhend aus. Zusätzlich zu den Erwä-
gungen der Vorinstanz fällt zudem verschuldenserhöhend der über den Erfolg der
Drohungen hinausgehende Verlust des Sicherheitsgefühls bei der Geschädigten
C._ in Betracht, der ihre Lebensqualität spürbar beeinträchtigte. So schilder-
te C._, dass sie fast jede Nacht vom Beschuldigten geträumt, sich ohne Be-
gleitung fast nicht mehr aus dem Haus getraut habe und viel weniger nach
draussen gegangen sei als früher. Sie fürchtete sich davor, entführt oder getötet
zu werden (Urk. D1/12 S. 6 und S. 9). Das objektive Verschulden ist daher doch
als erheblich einzustufen.
1.1.3. In subjektiver Hinsicht ist verschuldenserhöhend zu berücksichtigen,
dass der Beschuldigte einen grossen zeitlichen Aufwand betrieb, um die Geschä-
digte permanent einzuschüchtern. Er ging systematisch, gezielt und hartnäckig
vor mit dem Ziel, sie gefügig zu machen, so dass sie sich schliesslich mit ihm tref-
fen würde (Urk. D3/1 S. 4). Er sprach von seinen Männern, die sie holen kommen
würden, so dass sie sich nicht nur vor dem Beschuldigten, sondern auch vor wei-
teren Personen fürchtete. Der Beschuldigte war wütend und fühlte sich gekränkt
(Urk. D1/10 S. 5; Urk. D1/21/10 S. 57). Er offenbart durch sein Verhalten, dass er
die Geschädigte als unabhängige Person und deren Willen nicht respektierte,
nicht einmal nachdem ihm ihre Ablehnung durch die zweimaligen Vorstrafen be-
- 32 -
kannt war. So wurde er auf Anzeige der Geschädigten hin mit Strafbefehl der
Staatsanwaltschaft Luzern vom 23. Juli 2014 wegen Belästigung der Geschädig-
ten durch tägliche Telefonanrufe auf ihr Handy mit einer Busse von Fr. 500.– und
bereits am 5. November 2014 von derselben Behörde auf Anzeige der Geschä-
digten hin erneut wegen Belästigung durch tägliche Telefonanrufe und SMS-
Mitteilungen mit einer Busse von Fr. 800.– bestraft (Urk. D3/7/1-2). Er handelte
demzufolge aus rein egoistischen Motiven und niederen Beweggründen. Dr. med.
L._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Schwerpunkt forensische
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, ... [Ort], stellt in ihrem Gutachten vom
21. September 2015 über den Beschuldigten die Diagnose einer schwer ausge-
prägten dissozialen Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.2), aufgrund welcher für
die Delikte der Dossiers 2 und 3 eine leichte Reduktion der Schuldfähigkeit be-
standen habe (Urk. D1/21/10 S. 82 f.). Verschuldensmässig wirkt sich diese leicht
verminderte Schuldfähigkeit zwar leicht zu Gunsten des Beschuldigten aus, je-
doch überwiegen die verschuldenserhöhenden Komponenten, so dass das objek-
tive Tatverschulden nicht relativiert und statt dessen noch verstärkt wird.
1.1.4. Insgesamt ist das Verschulden entgegen der Vorinstanz als erheblich
einzustufen und erscheint eine Einsatzstrafe von 9 Monaten als angemessen.
1.2. Tatkomponenten der mehrfachen Drohung gegenüber D._ (Dossier 2)
1.2.1. Wiederum rechtfertigt es sich, das Verschulden gesamthaft zu beurtei-
len. Grundsätzlich kann auf die vorinstanzlichen Ausführungen zum objektiven
wie auch subjektiven Tatverschulden verwiesen werden (Urk. 121 S. 59).
1.2.2. Hervorzuheben ist auch hier zum objektiven Tatverschulden, dass der
Beschuldigte durch sein Verhalten, namentlich die heftige Androhung physischer
Gewalt, die er durch die Beschimpfung und an das Anspucken (Tätlichkeit) noch
unterstrich, die Geschädigte D._ derart verängstigte, dass sie nicht nur eine
neue Arbeitsstelle in Zürich nicht antrat, sondern nach Deutschland zog
(Urk. D1/14 S. 1, 12 und 15). Wie bereits bei der Geschädigten C._ bewirkte
der Beschuldigte bei D._ über den Erfolg der Drohung hinaus eine markante
- 33 -
Einschränkung der Lebensqualität und zudem den Verlust des Sicherheitsempfin-
dens. Das objektive Verschulden erscheint somit durchaus als erheblich.
1.2.3. In subjektiver Hinsicht ist nebst den egoistischen Beweggründen von
einem gezielten Vorgehen auszugehen, was schwer wiegt. Der Beschuldigte er-
zählte der Geschädigten von Prostitution, Schutzgeldern und Auftragsmorden, um
sie einzuschüchtern. Er verwendete teilweise im Gespräch die Wir-Form und sug-
gerierte D._ wie auch bereits C._ damit, dass er nicht allein sei, sondern
zu einer Gruppe gehöre, welche ihr ebenfalls Schaden zufügen könnte. Der Be-
schuldigte ging systematisch vor, um die Geschädigte D._ gefügig zu ma-
chen, denn er fühlte sich auch von ihr ausgenutzt und war deswegen wütend
(Urk. D1/10 S. 5 f.). Die vollständige Negierung der eigenen und gegebenenfalls
gegenteiligen Bedürfnisse der Geschädigten durch den Beschuldigten zeugt von
einer krassen Geringschätzung der anderen Person. Selbst unter Berücksichti-
gung der auch hier zu beachtenden leicht verminderten Schuldfähigkeit
(Urk. D1/21/10 S. 71) und der zufolge Vollendung des Versuchs nur ganz leichten
Verschuldensminderung wird die objektive Tatschwere durch die subjektiven
Komponenten nicht relativiert.
1.2.4. Das Verschulden ist somit immer noch als erheblich einzustufen. Die
Einsatzstrafe ist daher unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips um weite-
re 5 Monate zu erhöhen.
1.3. Tatkomponenten des Nötigungsversuchs gegenüber D._ (Dossier 2)
1.3.1. Auch bezüglich der verschuldensrelevanten Umstände bei der versuch-
ten Nötigung gegenüber D._ kann vorab vollumfänglich auf das vorinstanzli-
che Urteil verwiesen werden (Urk. 121 S. 59 f.).
1.3.2. Ergänzend ist hinsichtlich der objektiven Tatschwere der Kontext der
Nötigungshandlung zu erwähnen. Der Beschuldigte hatte die Geschädigte zu die-
sem Zeitpunkt bereits bedroht, beschimpft und bespuckt, weshalb das Verschul-
den nicht mehr als leicht eingeschätzt werden kann. Erschwerend fällt auch ins
Gewicht, dass die Tatbegehung in der Öffentlichkeit erfolgte, wo sich die Geschä-
- 34 -
digte dem Beschuldigten nicht entziehen konnte. Ausserdem muss in diesem ei-
ner "Schutzgelderpressung" nahe kommenden Verhalten eine Zunahme der An-
drohung von Nachteilen gegenüber der Geschädigten erblickt werden, was ver-
schuldenserhöhend zu würdigen ist.
1.3.3. Subjektiv handelte der Beschuldigte wiederum aus niederen Beweg-
gründen wie Wut und Kränkung, was zu seinen Lasten zu berücksichtigen ist.
Ausserdem zeugt das Tatvorgehen von hoher krimineller Energie, so dass auch in
Berücksichtigung der leicht verminderten Schuldfähigkeit das Verschulden nicht
relativiert wird.
1.3.4. Strafmindernd ist der vollendete Versuch zu berücksichtigen.
1.3.5. Insgesamt wiegt das Tatverschulden nicht mehr leicht. Eine Erhöhung
der Strafe in Anwendung des Asperationsprinzips um 4 Monate erscheint hierfür
angemessen, womit eine Strafe von 18 Monaten resultiert.
1.4. Täterkomponenten und weitere tatfremde Strafzumessungsgründe
1.4.1. Zum Lebenslauf des Beschuldigten kann zunächst auf die Ausführun-
gen im vorinstanzlichen Urteil (Urk. 121 S. 60) und die ausführliche biographische
Anamnese durch die Gutachterin (Urk. D/1/21/10 S. 27 f.) verwiesen werden. An-
lässlich der Berufungsverhandlung führte der Beschuldigte zu seinem Vorleben
und seinen persönlichen Verhältnissen ergänzend Folgendes aus: Er habe eine
Niederlassungsbewilligung C, welche noch bis 2018 gültig sei. Ab der fünften
Klasse sei er in der Schweiz zur Schule gegangen. Die Realschule habe er auf-
grund sprachlicher Schwierigkeiten zeitweise in einer Kleinklasse absolviert. Mit
16 Jahren sei er zu Hause ausgezogen, weil es ihn belastet habe, dass seine
Mutter während der Beziehung mit seinem Stiefvater fremd gegangen sei. Un-
längst habe er zu seiner Mutter wieder Kontakt aufgenommen. Sein Stiefvater sei
im Jahr 2013 gestorben. Zu seiner Familie in M._ [Staat in Südamerika] habe
er nicht so viel Kontakt, da die Telefonate viel kosten würden. Er sei ledig und ha-
be keine Kinder. Diabetiker sei er infolge häufiger sportlicher Betätigung nicht
mehr. Zurzeit gehe es ihm gesundheitlich gut. Vermögen habe er keines, jedoch
- 35 -
Schulden, schätzungsweise in der Höhe von Fr. 35'000.– bis Fr. 40'000.– (Prot. II
S. 23 ff.).
Die Gutachterin stützte sich für die Beurteilung der Persönlichkeitsentwicklung im
Wesentlichen auf die Angaben des Beschuldigten (Urk. D1/21/10 S. 59 ff.), er-
wähnte jedoch, dass es möglich sei, dass dessen Angaben ein verfälschtes Bild
seiner Lebens- und Entwicklungsgeschichte abgeben würden. Dem ist aufgrund
der teilweise widersprüchlichen Aussagen des Beschuldigten bezüglich seiner
Kindheit und Jugend zuzustimmen. Aus dem Lebenslauf und den persönlichen
Verhältnissen ergeben sich insgesamt jedoch keine strafzumessungsrelevanten
Komponenten.
1.4.2. Bei der Beurteilung des Vorlebens des Beschuldigten sind insbesonde-
re seine zahlreichen Vorstrafen einzubeziehen. Aus dem Strafregister entfernte
Vorstrafen dürfen gemäss Art. 369 Abs. 7 StGB nicht berücksichtig werden. Hin-
gegen sind nicht eintragungspflichtige Vorstrafen in analoger Berücksichtigung
von Art. 369 Abs. 3 StGB während zehn Jahren zu beachten (BGE 135 IV 95 f.).
Im vorinstanzlichen Urteil sind die Strafbefehle vom 4. Juli 2008, 12. Oktober
2011, 18. Januar 2013 und 29. November 2013 aufgeführt (Urk. 121 S. 61). Die
fünfte im vorinstanzlichen Urteil nicht erwähnte Verurteilung vom 17. Februar
2015 ist im Rahmen der Gesamtstrafenbildung als Grundstrafe zur Drohung vom
10. April 2015 und der versuchten Nötigung vom 14. April 2015 gegenüber
D._ zu betrachten (Urk. D1/28/4). Im vorinstanzlichen Urteil nicht erwähnt,
jedoch ebenfalls zu berücksichtigen, sind die beiden Strafbefehle vom 23. Juli
2014 und 5. November 2014, mit welchen der Beschuldigte wegen Missbrauchs
einer Fernmeldeanlage je zu einer Busse verurteilt wurde (Urk. D3/7/1-2). Der
Beschuldigte ist folglich mehrfach, teilweise einschlägig, vorbestraft und hat selbst
während laufender Probezeit sowie auch laufender Strafuntersuchung mehrfach
delinquiert. Ausserdem ist zu erwähnen, dass der Beschuldigte nun zum dritten
Mal gegenüber der Geschädigten C._ straffällig wurde. All diese Aspekte und
die dadurch zu Tage tretende besondere Uneinsichtigkeit wirken sich ganz erheb-
lich straferhöhend aus. Zwar zeigte sich der Beschuldigte, wie auch die Vo-
rinstanz ausführte, grösstenteils geständig, jedoch hätten dem Beschuldigten die-
- 36 -
se Delikte auch ohne sein Geständnis nachgewiesen werden können, weshalb
sich das Geständnis in leichter Modifikation zur Vorinstanz nur unwesentlich
strafmindernd auswirkt.
1.4.3. Es rechtfertigt sich somit insgesamt, die Strafe asperierend um weitere
3 Monate zu erhöhen.
1.4.4. Folglich resultiert für die mehrfache, teilweise versuchte, Drohung ge-
genüber C._ (Dossier 3) und D._ (Dossier 2) sowie die versuchte Nöti-
gung gegenüber letzterer (Dossier 2) eine Freiheitsstrafe von 21 Monaten.
2. Retrospektive Gesamtgeldstrafe für die mehrfache Beschimpfung
Wie vorstehend dargelegt (Erwägung III. B. 2.3) ist in Abweichung vom vor-
instanzlichen Urteil die Strafe für die mehrfache Beschimpfung als teilweise Zu-
satzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach vom 17. Febru-
ar 2015 auszusprechen, da die Beschimpfungen gegenüber D._ teilweise vor
und teilweise nach dem Strafbefehl vom 17. Februar 2015 erfolgten. Der Be-
schuldigte wurde mit dem genannten Strafbefehl wegen Beschimpfung gegenüber
des Strafklägers N._ zu einer unbedingten Geldstrafe von 10 Tagessätzen
zu Fr. 30.– verurteilt, weil er diesen als "Hurensohn" betitelte (Strafbefehl vom
17. Februar 2015 der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach, Geschäftsnr.
ST.2014.4561).
Strafrahmen
2.1.1. Der Strafrahmen für die Beschimpfungen im Sinne von Art. 177 StGB
reicht von einem Tagessatz Geldstrafe bis zu 90 Tagessätzen Geldstrafe zu
höchstens Fr. 3'000.–, wie die Vorinstanz ebenfalls zutreffend festhielt (Urk. 121
S. 56). Auch bezüglich der Geldstrafe liegen keine ausserordentlichen Umstände
vor, die zu einer Ausweitung des Strafrahmens führen würden, so dass die Strafe
innerhalb des ordentlichen Strafrahmens festzusetzen ist.
2.1.2. Die mehrfache Beschimpfung zum Nachteil der Geschädigten D._
ist der schwerwiegendere Tatkomplex als die einfache Beschimpfung von
- 37 -
N._. Vorliegend drängt es sich jedoch auf, nicht zwischen den Beschimpfun-
gen vor und denjenigen nach dem Strafbefehl vom 17. Februar 2015 unterschei-
den, sondern diese Beschimpfungen gesamthaft als einen Deliktsblock zu be-
trachten und das Verschulden einheitlich zu beurteilen, weil sich die einzelnen
Beschimpfungen gegenüber der Geschädigten D._ keinem exakten Datum
zuordnen, sondern sich lediglich auf den Zeitraum vom 1. Februar bis 15. April
2015 eingrenzen lassen. Die einzelnen Beschimpfungen hängen zudem eng mit-
einander zusammen und der Täter benutzte immer wieder dieselben Worte und
Ausdrücke, um die Geschädigte zu beschimpfen. Um so mehr rechtfertigt sich ei-
ne Gesamtbetrachtung dieser Taten.
Hypothetische Strafe für die neu zu beurteilenden Delikte (Dossier 2)
2.2.1. Das objektive Tatverschulden des Beschuldigten in Bezug auf die Be-
schimpfungen gegenüber der Geschädigten D._ ist als nicht mehr leicht ein-
zustufen. Die mehrfache Tatbegehung innerhalb von nur 2 Monaten wirkt sich
verschuldenserhöhend aus. Zudem hat er die Geschädigte auf vielfältige Art und
Weise (per Whatsapp oder von Angesicht zu Angesicht) mit primitiven Worten an
verschiedenen Orten beschimpft, namentlich auch auf dem Arbeitsweg und sonst
in der Öffentlichkeit, wo sie keine Möglichkeit hatte, ihm zu entgehen.
2.2.2. In subjektiver Hinsicht ist der verwerfliche Beweggrund zu veranschla-
gen. Der Beschuldigte wollte die Geschädigte aus Wut und Rache kränken, auch
akzeptierte er ihre ablehnende Haltung nicht, was wiederum Ausdruck für eine ei-
gentliche Geringschätzung der Geschädigten darstellt, alleine aus dem Grund,
dass sie sich seinem Willen und seinen Machtbestrebungen nicht unterordnen
wollte. Bei der Verfolgung von Gelegenheiten, die Geschädigte zu beschimpfen,
offenbart der Beschuldigte ausserdem eine hohe kriminelle Energie, indem er
hartnäckig daran blieb, die Geschädigte abzupassen. Selbst bei Berücksichtigung
der leichten Verminderung der Schuldfähigkeit ist das Verschulden auch subjektiv
nicht mehr als leicht einzuschätzen.
2.2.3. Bezüglich der Täterkomponenten kann auf die diesbezüglichen Ausfüh-
rungen bei der Strafzumessung für die Drohung und die Nötigung verwiesen wer-
- 38 -
den, wonach sich aus dem Lebenslauf nichts für die Strafzumessung Relevantes
ergibt. An dieser Stelle straferhöhend wirkt sich die einschlägige Vorstrafe vom
18. Januar 2013 wegen mehrfacher Beschimpfung aus, zeigt dies doch, dass der
Beschuldigte nicht nur uneinsichtig und unbelehrbar, sondern auch der geltenden
Rechtsordnung gegenüber völlig gleichgültig ist.
2.2.4. Insgesamt wiegt das Verschulden nicht mehr leicht und erscheint eine
(hypothetische) Geldstrafe von 30 Tagessätzen hierfür als angemessen.
Asperation um die Grundstrafe (Strafbefehl vom 17. Februar 2015)
2.3.1. Die (hypothetische) Geldstrafe von 30 Tagessätzen muss nun um die
mit Strafbefehl vom 17. Februar 2015 ausgesprochene Grundstrafe (10 Tages-
sätze Geldstrafe) für den einzelnen Vorfall vom 17. Oktober 2014 asperiert wer-
den. Dies führt dazu, dass sich die Grundstrafe gedanklich um 5 Tagessätze re-
duziert.
2.3.2. Von der (hypothetischen) Strafe von 30 Tagessätzen Geldstrafe für die
neu zu beurteilenden Delikte (Beschimpfungen gegenüber der Geschädigten
D._) ist daher die Reduktion der Grundstrafe im Umfang von 5 Tagessätzen
abzuziehen, womit sich eine teilweise Zusatzstrafe von 25 Tagessätzen Geldstra-
fe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach ergibt.
Tagessatzhöhe
Die Höhe des Tagessatzes bestimmt das Gericht nach den persönlichen und wirt-
schaftlichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils, namentlich nach
Einkommen und Vermögen, Lebensaufwand, allfälligen Familien- und Unterstüt-
zungspflichten sowie nach dem Existenzminimum (Art. 34 Abs. 2 StGB).
Da der Beschuldigte über kein Vermögen und keine Einkünfte verfügt
(Urk. 134/2), ist die Höhe des Tagessatzes in Übereinstimmung mit der Vor-
instanz auf Fr. 10.– festzusetzen (Urk. 121 S. 64).
- 39 -
Fazit (teilweise) retrospektive Gesamtgeldstrafe
Für die mehrfache Beschimpfung im Sinne von Art. 177 StGB (Dossier 2) ist der
Beschuldigte mit einer Geldstrafe von 25 Tagessätzen à Fr. 10.–, teilweise als
Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach vom 17. Feb-
ruar 2015 zu bestrafen.
3. Retrospektive Gesamtbusse für mehrfache Übertretungen
Der Beschuldigte wurde mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach
vom 17. Februar 2015 nebst der genannten Geldstrafe wegen Beschimpfung
auch zu einer Busse von Fr. 800.– wegen Tätlichkeiten verurteilt, da er den Straf-
kläger N._ zweimal stark geohrfeigt hatte (Strafbefehl vom 17. Februar 2015
der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach, Geschäftsnr. ST.2014.4561). Wie vorste-
hend dargelegt (Erwägung III. B. 2.3) ist in Abweichung vom vorinstanzlichen Ur-
teil die Strafe für die Übertretungen als teilweise Zusatzstrafe zum Strafbefehl der
Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach vom 17. Februar 2015 auszusprechen, da die
Tätlichkeit gegenüber D._ nach, jedoch der Missbrauch der Fernmeldeanla-
ge zum Nachteil der Geschädigten C._ vor dem Strafbefehl vom 17. Februar
2015 erfolgten.
Strafrahmen
3.1.1. Der Strafrahmen für die Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 StGB und
den Missbrauch einer Fernmeldeanlage im Sinne von Art. 179septies StGB, für wel-
che als einzige Sanktion die Busse vorgesehen ist, reicht bis höchstens
Fr. 10'000.–, wie die Vorinstanz unter Hinweis auf Art. 106 Abs. 1 StGB zutreffend
festhielt (Urk. 121 S. 56). Auch bezüglich der Übertretungsbussen liegen keine
ausserordentlichen Umstände vor, die zu einer Ausweitung des Strafrahmens füh-
ren würden, so dass die Strafe innerhalb des ordentlichen Strafrahmens festzu-
setzen ist.
3.1.2. Der Tatkomplex des Missbrauchs einer Fernmeldeanlage zwischen
dem 5. und 24. November 2014 zum Nachteil von C._ stellt zusammen mit
der Tätlichkeit vom 17. Oktober 2014 den schwerwiegenderen Tatkomplex dar als
- 40 -
die einzelne Tätlichkeit vom 10. April 2015 zum Nachteil der Geschädigten
D._ (Anspucken). Laut Vorgehensweise des Bundesgerichts ist daher die
Gesamtstrafe der neuen Straftaten, der die schwerste Tat zugrunde liegt, um die
Grundstrafe angemessen zu erhöhen, worauf die infolge Asperation eintretende
Reduzierung der rechtskräftigen Grundstrafe von der Strafe für die neu zu beurtei-
lenden Delikte abzuziehen ist und die Zusatzstrafe ergibt (Urteil 6B_829/2014
vom 30. Juni 2016 S. 13 E. 2.4.4, zur Publ. in der AS vorgesehen).
Hypothetische Gesamtstrafe neu zu beurteilende Übertretungen
3.2.1. Auszugehen ist vom Missbrauch einer Fernmeldeanlage zum Nachteil
von C._ (Dossier 3).
Das objektive Tatverschulden wiegt nicht mehr leicht, worauf angesichts der un-
wahrscheinlich hohen Anzahl an SMS und Telefonanrufen an einem einzigen Tag
zu Recht auch die Vorinstanz hingewiesen hat, auf deren Erwägungen im Übrigen
verwiesen werden kann (Urk. 121 S. 64 f.).
In subjektiver Hinsicht ist straferhöhend zu berücksichtigen, dass der Beschuldig-
te bereits mehrfach einschlägig vorbestraft ist. So wurde er mit Strafbefehl vom
18. Januar 2013 unter anderem des mehrfachen Missbrauchs einer Fernmeldean-
lage zum Nachteil seiner Mutter schuldig gesprochen sowie mit Strafbefehl vom
23. Juli 2014 und mit Strafbefehl vom 5. November 2014 bereits zweimal wegen
Missbrauchs einer Fernmeldeanlage zum Nachteil von der hier ebenfalls Geschä-
digten C._ zu einer Busse von Fr. 500.– bzw. Fr. 800.– verurteilt
(Urk. D1/7/1-2), was unter dem Titel Gleichgültigkeit gegenüber der hiesigen
Rechtsordnung und Uneinsichtigkeit deutlich straferhöhend ins Gewicht fällt. Er-
schwerend zulasten des Beschuldigten fällt in Betracht, dass sein Tatvorgehen
rein egoistisch motiviert ist und eine gravierende Geringschätzung anderer Men-
schen offenbart. Auch wenn hier ebenfalls die leichte Verminderung der Schuld-
fähigkeit zu berücksichtigen ist, überwiegen die negativen subjektiven Komponen-
ten.
- 41 -
Das Verschulden wiegt daher insgesamt nicht leicht, weshalb (isoliert betrachtet
oder hypothetisch) eine Busse von Fr. 1'000.– für den erneuten Missbrauch einer
Fernmeldeanlage zum Nachteil von C._ (Dossier 3) angemessen erscheint.
3.2.2. Für die nach dem Strafbefehl vom 17. Februar 2015 erfolgte Tätlichkeit
gegenüber D._ (Dossier 2) ist der Vorinstanz in ihrer Beurteilung zuzustim-
men und auf ihre Erwägungen zu verweisen, wonach das Verschulden insgesamt
eher leicht wiegt (Urk. 121 S. 65). Isoliert betrachtet erschiene eine Busse von
Fr. 400.– angemessen.
3.2.3. In Anwendung des Asperationsprinzips ist für die neuen Übertretungen
(Tätlichkeit und den Missbrauch der Fernmeldeanlage) eine hypothetische Ge-
samtstrafe von Fr. 1'200.– Busse festzusetzen.
Angemessene Erhöhung um die Grundstrafe
3.3.1. Die für die neuen Übertretungsdelikte festgesetzte hypothetische Ge-
samtstrafe von Fr. 1'200.– Busse ist nun um die mit Strafbefehl der Staatsanwalt-
schaft Brugg-Zurzach vom 17. Februar 2015 ausgesprochene Grundstrafe
(Fr. 800.– Busse) zu erhöhen. Bei gleichzeitiger Beurteilung der Grundstrafe zu-
sammen mit den neuen Delikten (hypothetische Gesamtstrafe) würde der Vorfall
vom 17. Oktober 2014 nur asperierend gewertet und fiele dadurch weniger stark
ins Gewicht, so dass jedenfalls eine Reduktion der Grundstrafe im Umfang von
Fr. 200.– zu berücksichtigen ist.
3.3.2. Die infolge Asperation eingetretene Reduktion der Grundstrafe ist von
der (hypothetischen) Gesamtstrafe für die neuen Delikte abzuziehen. Von der
Busse von Fr. 1'200.– sind somit Fr. 200.– abzuziehen, womit eine (teilweise) Zu-
satzstrafe von Fr. 1'000.– Busse zum Strafbefehl vom 17. Februar 2015 resultiert.
4. Fazit
Zusammengefasst ist der Beschuldigte mit 21 Monaten Freiheitsstrafe sowie als
teilweise Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Brugg - Zurzach
- 42 -
vom 17. Februar 2015 mit einer Geldstrafe von 25 Tagessätzen zu Fr. 10.– und
Fr. 1'000.– Busse zu bestrafen.
5. Anrechnung Untersuchungshaft
1. Das Gericht rechnet die Untersuchungshaft, die der Täter während dieses
oder eines anderen Verfahrens ausgestanden hat, auf die Strafe an. Ein Tag Haft
entspricht einem Tagessatz Geldstrafe oder vier Stunden gemeinnütziger Arbeit
(Art. 51 StGB). Besteht die Sanktion aus verschiedenen Strafarten, erfolgt die An-
rechnung der Untersuchungshaft zunächst an die (bedingte oder unbedingte)
Freiheitsstrafe, dann an die (bedingte oder unbedingte) Geldstrafe und zuletzt an
eine allfällige Busse, wobei bei Bussen die Anrechnung auf der im Sinne von
Art. 106 Abs. 3 StGB ausgesprochenen Ersatzfreiheitsstrafe basiert (Markus Hug,
in: OFK-StGB, a.a.O., N. 6 zu Art. 52). Der Begriff der Untersuchungshaft wird in
Art. 110 Abs. 7 StGB umschrieben. Gemäss Art. 431 Abs. 2 StPO sind zudem
Untersuchungs- und Sicherheitshaft auch auf freiheitsentziehende Massnahmen
anzurechnen, wie das Bundesgericht jüngst ausdrücklich feststellte (BGE 141 IV
236 E. 3.6).
2. Der Beschuldigte wurde am 16. April 2015, um 15.00 Uhr, durch die Regio-
nalpolizei angehalten, kontrolliert und in der Folge vorläufig festgenommen
(Urk. D1/27/1 S. 2). Am 20. April 2015 wurde die Untersuchungshaft angeordnet
und diese fortwährend verlängert bis zur Anklageerhebung am 23. November
2015 (Urk. D1/27/11, Urk. D1/27/28, Urk. D1/27/44, Urk. D1/32). Am folgenden
Tag wurde die Sicherheitshaft angeordnet (Urk. 34) und am 9. Dezember 2015
wurde dem Beschuldigten der vorzeitige Massnahmenantritt bewilligt (Urk. 38).
Die Massnahme trat der Beschuldigte im Massnahmenzentrum O._ am
22. Dezember 2015 an (Urk. 57). Mit Beschluss vom 19. April 2016 sollte der Be-
schuldigte entlassen werden (Urk. 98). Dieser Entscheid wurde in der Folge je-
doch aufgehoben und die Fortsetzung der Sicherheitshaft bzw. des vorzeitigen
Massnahmenvollzugs angeordnet (Urk. 109 S. 23). Per 30. Juni 2016 wurde der
Beschuldigte vom Massnahmenzentrum O._ mangels Erfüllung der Anforde-
rungen zur Verfügung gestellt und befand sich ab dann vorübergehend in Sicher-
- 43 -
heitshaft bis er am 21. Juli 2016 den vorzeitigen Vollzug im Massnahmenzentrum
P._ fortsetzen konnte, wo er sich bis heute befindet (Urk. 126, Urk. 128/2).
3. Der Beschuldigte verbrachte somit bis zum heutigen Zeitpunkt 660 Tage in
Polizei-, Untersuchungs- und Sicherheitshaft sowie im vorzeitigen stationären
Massnahmenvollzug. Diese Tage sind ihm an die ausgesprochene Strafe anzu-
rechnen.
IV. Vollzug
1. Zu den allgemeinen Ausführungen bezüglich der Voraussetzungen für die
Ausfällung einer bedingten oder teilbedingten Strafe kann auf das vorinstanzliche
Urteil verwiesen werden (Urk. 121 S. 65 f. Ziff. V.1.1-2).
1.1. Vorliegend ist die objektive Voraussetzung für einen bedingten oder teilbe-
dingten Strafvollzug sowohl für die Freiheitsstrafe wie auch für die Geldstrafe er-
füllt.
1.2 Es mangelt jedoch, wie die Vorinstanz zutreffend ausführte, an der Voraus-
setzung der günstigen Prognose (Urk. 121 S. 66 Ziff. V.2). Unter Verweis auf das
psychiatrische Gutachten von Dr. med. L._ (Urk. D1/21/10 S. 83) hielt die
Vorinstanz insbesondere fest, dass beim Beschuldigten ein hohes Risiko leichter
bis mässig schwerer allgemeiner Delinquenz in einem breiten Spektrum von Be-
trug, Eigentums- und Betäubungsmitteldelikten bestehe und ebenso mit hoher
Wahrscheinlichkeit leichte Gewaltstraftaten wie Drohungen oder einfache Tätlich-
keiten zu erwarten seien (Urk. 121 S. 66). Die Gutachterin hält weiter fest, dass
massgeblich für das Risiko erneuter Straftaten beim Beschuldigten seine disso-
ziale Persönlichkeitsstörung und die damit verbundenen Einstellungen, emotiona-
len Reaktionsbereitschaften und Verhaltensweisen seien. Die Persönlichkeitsstö-
rung habe im Laufe der Zeit auch seine Lebensumstände stark geprägt, so dass
er seit Jahren einen sozial unangepassten, unsteten, das allgemeine Delinquenz-
risiko zusätzlich ungünstig beeinflussenden Lebensstil pflege (Urk. D1/21/10
S. 84). Angesichts dieser sachverständigen Einschätzung und der zahlreichen,
teils einschlägigen, Vorstrafen, die den Beschuldigten samt und sonders nicht von
- 44 -
weiterer Straffälligkeit abhalten konnten, kann dem Beschuldigten mit der Vor-
instanz keine günstige Prognose mehr gestellt werden.
1.3. Folglich sind die Freiheitsstrafe und die Geldstrafe zu vollziehen.
2.1. Eine Busse kann von Gesetzes wegen nicht bedingt ausgesprochen werden
(Art. 105 Abs. 1 StGB). Gemäss Art. 106 Abs. 2 StGB spricht der Richter im Urteil
für den Fall, dass die Busse schuldhaft nicht bezahlt wird, eine Ersatzfreiheitsstra-
fe von mindestens einem Tag und höchstens drei Monaten aus.
2.2. Mit der Vorinstanz erscheint in ständiger Praxis ein Umwandlungssatz von
einem Tag Ersatzfreiheitsstrafe pro Fr. 100.– Busse auch im vorliegenden Fall als
angemessen (Urk. 121 S. 65), so dass die Ersatzfreiheitsstrafe auf 10 Tage fest-
zusetzen ist.
2.3. Zusammengefasst ist die Busse zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die
Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von
10 Tagen.
V. Massnahme
1. Vorinstanz und Parteianträge
1.1. Die Staatsanwaltschaft beantragt die Anordnung einer stationären Mass-
nahme im Sinne von Art. 59 Abs. 1 StGB (Urk. D1/32 S. 12, Urk. 153 S. 12).
1.2. Demgegenüber stellt die Verteidigung die Anträge, dass von der Anordnung
einer stationären Massnahme abzusehen sei und der Beschuldigte aus der Haft
bzw. dem stationären Massnahmenzentrum zu entlassen sei (Urk. 91 S. 2). Die
Verteidigung machte vor der Vorinstanz geltend, dass der Beschuldigte willens
sei, seine Probleme im Rahmen einer Psychotherapie anzugehen. Das sei auch
der Grund dafür, dass er sich bereit erklärt habe, die Zeit bis zur Verhandlung zu
nutzen, um sich im Massnahmenzentrum O._ im Rahmen einer therapeuti-
schen Behandlung seinen Problemen zu stellen. Der Beschuldigte bleibe für diese
Behandlungssituation jedoch nicht motivierbar und er habe sich innerlich gegen
- 45 -
eine weitere stationäre Behandlung eingestellt. Eine Behandlung unter Zwang wä-
re auch gemäss dem Gutachten nicht erfolgreich. Der Beschuldigte sei daher mit
einer stationären Massnahme nach Art. 59 Abs. 1 StGB nicht einverstanden
(Urk. 91 S. 29 f.). Anlässlich der Berufungsverhandlung führte die Verteidigung
zur Anordnung einer stationären Massnahme zusammengefasst aus, dass eine
solche unverhältnismässig sei. Der Beschuldigte habe seine Zustimmung zum
vorzeitigen Massnahmenvollzug gegeben, ohne sich der Konsequenzen bewusst
zu sein. Der Beschuldigte habe die Zeit in O._ als schikanös empfunden. Er
bleibe für die Behandlungssituation nicht motivierbar und habe sich innerlich ge-
gen eine stationäre Behandlung eingestellt. Für den Beschuldigten bleibe eine
stationäre Massnahme ungeeignet, um seine psychischen Probleme langfristig zu
lösen. Hingegen könnte eine ambulante Massnahme nach Art. 63 StGB, welche
der Beschuldigte auch befürworte, sinnvoll sein (Urk. 155 S. 12-14).
1.3. Die Vorinstanz setzte sich mit dem Gutachten von Dr. med. L._ und ih-
ren Empfehlungen auseinander und dabei insbesondere mit der Frage, ob eine
stationäre oder eine ambulante therapeutische Massnahme anzuordnen sei
(Urk. 121 S. 67-72). Sie erwog schliesslich, dass die Gutachterin von einer langen
Behandlungsdauer ausgehe und eine stationäre Massnahme nach Art. 59 Abs. 4
StGB bis zu fünf Jahren dauern könne, vorliegend jedoch infolge der Freisprüche
als Anlassdelikte nur Straftaten im eher leichteren Bereich, nicht jedoch schwere
Gewaltdelikte, verblieben. Damit stehe eine stationäre Massnahme in einem deut-
lichen Missverhältnis zur von ihr auszusprechenden Freiheitsstrafe von 14 Mona-
ten. Da auch gemäss Gutachten keine Ausführungsgefahr betreffend die Drohun-
gen vorliege und eine schwere Gefährdung der öffentlichen Sicherheit nicht be-
stehe, ordnete sie eine vollzugsbegleitende ambulante Behandlung im Sinne von
Art. 63 StGB (Behandlung psychischer Störungen) an, sah aber vom Aufschub
der Freiheitsstrafe ab (Urk.121 S. 71 f.).
- 46 -
2. Bisheriger Behandlungsverlauf im vorzeitigen Massnahmenvollzug
2.1. Massnahmenzentrum O._
2.1.1. Der Beschuldigte beantragte anlässlich seiner Befragung vom 20. Ok-
tober 2015, in welcher er mit dem Gutachten von Dr. med. L._ konfrontiert
wurde, den vorzeitigen Massnahmenantritt (Urk. D1/16 S. 5), welcher ihm am
9. Dezember 2015 vom Bezirksgericht Zürich bewilligt wurde (Urk. 38). Per
22. Dezember 2015 wurde der Beschuldigte ins Massnahmenzentrum O._
eingewiesen (Urk. 57). Noch am gleichen Tag rief der Beschuldigte C._ an
und bedrohte sie abermals (Urk. 58-60, Urk. 85 S. 20 f.). Nachdem der Vorfall
dem Massnahmenzentrum O._ zur Kenntnis gebracht worden war, teilte die
Abteilungsleiterin des Massnahmenzentrums dem Amt für Justizvollzug mit, dass
sich der Beschuldigte vor allem gegenüber weiblichen Mitarbeitenden in verschie-
denen Situationen distanzlos, fordernd und abwertend verhalten und geäussert
habe (Urk. 69). Unter anderem habe er gegenüber einer Bezugsperson geäus-
sert, dass er bei einer Rückversetzung oder irgendwann rauskommen werde und
in Erfahrung bringen werde, wo sie wohne. Er werde sich dann noch an sie erin-
nern. Daraufhin sprach das Massnahmenzentrum einen schriftlichen Verweis we-
gen wiederholter Drohung aus. Im Verweis vom 23. Januar 2016 ist festgehalten,
dass sich der Beschuldigte gegenüber der Schreibenden mehrmals unangemes-
sen verhalten habe, indem er eine Drohung ausgesprochen habe und Aussagen
gemacht habe, die von der Schreibenden als unterschwellig drohend wahrge-
nommen worden seien. Als Reaktion auf die mündliche Ermahnung, dies künftig
zu unterlassen, habe der Beschuldigte eine weitere Drohung ausgesprochen
(Urk. 70). Die Vorinstanz holte beim Massnahmenzentrum noch vor der erstin-
stanzlichen Verhandlung einen Verlaufsbericht über die Behandlung des Be-
schuldigten ein und fasste diesen Bericht im Urteil zusammen, worauf hier ver-
weisen wird (Urk. 72, Urk. 121 S. 70 f.). Hervorzuheben ist die abschliessende
Stellungnahme der Vollzugsleiterin des Massnahmenzentrums in diesem Ver-
laufsbericht vom 23. März 2016. Sie hielt fest, obschon der Beschuldigte bereits
seit vier Monaten in der geschlossenen Beobachtungs- und Triageabteilung des
Massnahmenzentrums eingewiesen sei, verlaufe der Einstieg auf die Behandlung
- 47 -
gesamthaft sehr zögerlich. Der Beschuldigte sei selber der Ansicht, keine statio-
näre Massnahme zu brauchen. Die Massnahmenbedürftigkeit sei aus ihrer Sicht
jedoch klar gegeben (Urk. 75A S. 8).
2.1.2. Der Beschuldigte anerkennt zwar, dass sein Verhalten problematisch
ist, verkennt aber das Ausmass. So sagte er zum Gutachten befragt, dass er nicht
bestreite, ein Problem zu haben, aber nicht so massiv, wie dies die Gutachterin
schreibe (Urk. D1/16 S. 2). Mit der Diagnose der Gutachterin konfrontiert führte er
aus: "Ich sage dazu, dass ich irgendwo eine Störung habe, mit meiner Verhal-
tensweise insbesondere, aber eine dissoziale Persönlichkeitsstörung habe ich
nicht" (Urk. D1/16 S. 3). In der weiteren Befragung vom 20. Oktober 2015 führte
er auf Vorhalt der gutachterlichen Einschätzung einer hohen Wahrscheinlichkeit
für die erneute Begehung leichter Gewalttaten aus: "Wenn man einsieht, dass
man einen Fehler gemacht hat und schon sechs Monate im Gefängnis ist und
mental stark ist, und überlegt, was in jener Zeit falsch mit mir lief, kann ich sagen,
dass ich auch anders umgehen kann [...]" (Urk. D1/16 S. 3). Im Massnahmen-
zentrum O._, in welches er danach eingewiesen wurde, verhielt er sich je-
doch nicht im Sinne seiner Erkenntnis anders als bisher, sondern rief umgehend
C._ an und drohte ihr erneut. Er erhielt sogar einen schriftlichen Verweis,
weil er eine weibliche Angestellte des Massnahmenzentrums wiederholt bedrohte.
Anlässlich der erstinstanzlichen Verhandlung vom 11. April 2016 sagte der Be-
schuldigte, dass er in den vier Monaten des vorzeitigen stationären Massnah-
menvollzugs bereits viel gelernt habe. Er könne mit Konflikten sehr gut umgehen.
Früher habe er das nicht gekonnt. Die Frage, ob er immer noch eine Therapie
brauche, verneinte er (Urk. 85 S. 5 f.). Diese Selbsteinschätzung widerspricht je-
doch der Einschätzung der Bezugspersonen von O._, wie dem Verlaufsbe-
richt zu entnehmen ist (Urk. 75A S. 8).
2.2. Massnahmenzentrum P._
Per 21. Juli 2016 wurde der Beschuldigte in das Massnahmenzentrum P._
eingewiesen (Urk. 128/2). Der von der hiesigen Kammer eingeholte Verlaufsbe-
richt vom Massnahmenzentrum P._ vom 23. Januar 2017 (Urk. 144/2) hält
einerseits fest, dass sich der Beschuldigte gegenüber den Mitarbeitenden des
- 48 -
Massnahmezentrums meist angemessen und freundlich verhalten habe, ebenso
im Umgang mit den Mitinsassen, obwohl er dort eine kontrollierende und bestim-
mende Position versucht habe einzunehmen (Urk. 144/2 S. 6 f. S. 11 und S. 13).
Dank seiner guten Aufnahmefähigkeit habe er erfolgreich in diverse Arbeiten ein-
geführt werden können, die er pflichtbewusst und in einwandfreier Qualität erle-
digt habe. Beim Beschuldigten gebe es keine Anzeichen oder Hinweise auf den
Konsum unerlaubter Substanzen und von Alkohol (a.a.O. S. 11 f. und S. 14). An-
dererseits hält der Bericht fest, habe der Beschuldigte zweimal diszipliniert wer-
den müssen; einmal wegen Drohung gegenüber dem Anstaltspersonal und ein-
mal wegen Missachtung einer ausdrücklichen Anordnung (a.a.O. S. 15). Der bis-
herige Verlauf der therapeutischen Arbeit habe sich aufgrund der ablehnenden
und misstrauischen Haltung des Beschuldigten schwierig gestaltet. Im geschütz-
ten Rahmen zeige er sich bis jetzt angepasst. Eine offene Auseinandersetzung
mit den risikorelevanten Persönlichkeitsmerkmalen und Verhaltensmustern sei
ausstehend (a.a.O. S. 16 f.). Auffallend sei, dass der Beschuldigte über Monate
intensivster therapeutischer Arbeit hinweg eine sehr geringe Beeinflussbarkeit
zeige. Eine aus Sicht des Massnahmenzentrums notwendige vertiefte therapeuti-
sche Arbeit mit einer selbstkritischen Auseinandersetzung mit den risikorelevan-
ten Persönlichkeitsmerkmalen und Verhaltensmustern fehle bis heute komplett. In
diesem Sinne könnten sie daher die Schlussaussage der Gutachterin unterstrei-
chen. In der Gesamtschau zeige der Beschuldigte bis heute in Bezug auf das
Wollen (sich seiner Problembereiche bewusst sein und Verantwortung für eigene
Handlungen zu übernehmen sowie bereit sein, problematische Verhaltensweisen
zu ändern) noch keine Bereitschaft. In Bezug auf das Wissen (Deliktmechanis-
men zu kennen und zu verstehen sowie Risikosituationen, Frühwarnzeichen und
Bewältigungsstrategien zu kennen) und Können (erarbeitetes Wissen auf der
Handlungsebene risikopräventiv umzusetzen) zeige er noch keine deliktpräven-
tiven Kompetenzen. In diesem Sinne stünden auch sie ganz am Anfang eines the-
rapeutischen Prozesses (a.a.O. S. 17).
- 49 -
3. Gutachten
3.1. Frau Dr. med. L._ erstellte das forensisch-psychiatrische Gutachten
über den Beschuldigten vom 21. September 2015 (Urk. D1/21/10; Art. 56 Abs. 3
StGB), das bereits im Zusammenhang mit der leicht verminderten Schuldfähigkeit
des Beschuldigten herangezogen wurde (siehe Erwägung Ziff. III. C. 1.1.3). Die
Gutachterin diagnostizierte beim Beschuldigten wie erwähnt eine schwer ausge-
prägte dissoziale Persönlichkeitsstörung im Sinne von ICD-10 F 60.2. Diese Stö-
rung steht gemäss Gutachten in einem direkten Zusammenhang mit den aktuell
verfahrensgegenständlichen Delikten (Urk. D1/21/10 S. 82 und 84). Folglich liegt
beim Beschuldigten eine schwere psychische Störung im Sinne von Art. 59 Abs. 1
StGB vor, welche mit den von ihm begangenen Delikten in Zusammenhang steht
(Art. 59 Abs. 1 lit. a StGB). Bezüglich der Rückfallgefahr kann auf die Ausführun-
gen zur Prognosestellung hinsichtlich dem Vollzug der Strafen verwiesen werden
(siehe Erwägung Ziff. IV.1.). Die Gutachterin hält zusammenfassend fest, das die
gesamte Delinquenzentwicklung des Beschuldigten in einem mehr oder minder
engen Zusammenhang zu seiner dissozialen Persönlichkeitsstörung erklärt wer-
den könne. Teilweise handle es sich dabei um Delikte, welche Ausdruck seiner
sozial unangepassten und dissozialen Lebensweise seien, teilweise zeige sich ei-
ne spezifische Deliktdynamik, in deren Zentrum eine erhöhte Kränkbarkeit im
Rahmen interpersoneller Konflikte bestehe, wobei dieser letztgenannte Aspekt
über das üblicherweise im Rahmen der sozialen Persönlichkeitsstörung zu erwar-
tende Mass an gestörter Beziehungsfähigkeit hinausgehe und eine besondere
psychopathologische Qualität besitze (Urk. D1/21/10 S. 75). Die Gutachterin stellt
jedenfalls beim Beschuldigten ein erhöhtes Risiko weiterer Straftaten sowohl im
Bereich der leichten bis mässig schweren allgemeinen Delinquenz, als auch bei
leichten Gewaltstraftaten wie Drohungen oder einfache Tätlichkeiten, insbesonde-
re im Rahmen von Beziehungskonflikten, fest (Urk. D1/21/10 S. 83 f.). Sie schil-
dert, dass seine spezifische Persönlichkeit, insbesondere die in seinem Falle
stark ausgeprägten psychopathischen Persönlichkeitszüge im Sinne von Hare
(2003) mit starken Auffälligkeiten im Lebensstil, der interpersonellen Kontaktge-
staltung und der Affekt- und Emotionsregulation, das Auftreten kritischer Konflikt-
situationen mit einer erhöhten Gefahr aggressiven Verhaltens begünstigten. Die
- 50 -
grundsätzlich ungünstige Situation mit einem hohen Risiko erneuter Gewaltdelin-
quenz im weitesten Sinne wird auch durch die statistische Analyse anamnesti-
scher Daten im VRAG illustriert, wo der Beschuldigte in die dritthöchste Risikoka-
tegorie mit Rückfallraten von über 50 % falle (Urk. D1/21/10 S. 77).
3.2. Gemäss Gutachten können dissoziale Persönlichkeitsstörungen und damit
assoziierte forensisch-psychiatrisch relevante Probleme (dissoziale Kognitionen,
Beziehungsprobleme, gestörte Impuls- und Affektkontrolle) grundsätzlich foren-
sisch-psychiatrisch behandelt werden. Dadurch liesse sich bei erfolgreichem The-
rapieverlauf die Gefahr neuerlicher Straftaten effektiv reduzieren (Urk. D1/21/10
S. 84). Zur Frage, welche der gesetzlich vorgesehenen therapeutische Massnah-
men beim Beschuldigten zweckmässig seien, stellt die Gutachterin fest, dass aus
forensisch-psychiatrischer Sicht beim Beschuldigten eine stationäre forensisch-
psychiatrische Behandlung in einer mit der Behandlung dissozialer, persönlich-
keitsgestörter Straftäter erfahrenen Institution indiziert sei. Dabei sei aufgrund der
komplizierten Gesamtsituation im Falle des Beschuldigten mit einer langen statio-
nären Behandlungsdauer zu rechnen (Urk. D1/21/10 S. 80 f. und 85). Eine ambu-
lante Massnahme nach Art. 63 StGB wäre im Falle des Beschuldigten nur mit
fraglichem Erfolg durchführbar. Eine ambulante Behandlung biete aus forensisch-
psychiatrischer Sicht nur geringe Erfolgsaussichten, da es nicht wahrscheinlich
sei, dass der Beschuldigte sich in einem ambulanten Therapiesetting verbindlich
integrieren lasse und psychosoziale Rehabilitations- und Resozialisierungsmass-
nahmen mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht umgesetzt werden könnten
(Urk. D1/21/10 S. 80 f. und S. 86).
4. Art der Massnahme
4.1. Rechtsgrundlagen
4.1.1. Bezüglich der allgemeinen Voraussetzungen für eine therapeutische
Massnahme zur Behandlung psychischer Störungen gemäss Art. 56 StGB kann
auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 121
S. 67 f. Ziff. VI.1.1 und VI.1.3). Beim Entscheid über die Anordnung einer Mass-
nahme nach den Art. 59 bis 61, 63 und 64 StGB hat das Gericht das Verhältnis-
- 51 -
mässigkeitsprinzip zu beachten (Art. 56 Abs. 2 StGB) und sich zwingend auf eine
sachverständige Begutachtung zu stützen (Art. 56 Abs. 3 StGB). Das Gericht ist
entsprechend dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung indessen nicht an die
Schlussfolgerungen im Gutachten gebunden. Es darf jedoch in Fachfragen nicht
ohne triftige Gründe vom Gutachten abweichen und Abweichungen müssen be-
gründet werden (BGE 141 IV 369 E. 6.1 mit Hinweisen).
4.1.2. Nach Art. 59 Abs. 1 StGB ist für die Anordnung einer stationären the-
rapeutischen Massnahme erforderlich, dass der Täter psychisch schwer gestört
ist, sein Verbrechen oder Vergehen im Zusammenhang mit seiner psychischen
Störung steht und zu erwarten ist, dadurch lasse sich die Gefahr weiterer mit sei-
ner Störung in Zusammenhang stehender Taten begegnen. Gemäss Art. 63
Abs. 1 StGB kann das Gericht, wenn der Täter psychisch schwer gestört ist, an-
ordnen, dass er nicht stationär, sondern ambulant behandelt wird, wenn er eine
mit Strafe bedrohte Tat verübt, die mit seinem Zustand in Zusammenhang steht
und wenn zu erwarten ist, dadurch lasse sich der Gefahr weiterer mit dem Zu-
stand des Täters in Zusammenhang stehender Taten begegnen.
4.1.3. Gemäss Rechtsprechung des Bundesgerichts ermöglicht das Mass-
nahmerecht eine spezialpräventiv flexible, einzelfall- und situationsgerechte An-
wendung. Es hängt vom Zustand des Täters ab, ob auf eine ambulante Therapie
oder auf eine stationäre Behandlung zu erkennen ist. Massgebend für die Wahl
der Massnahme muss grundsätzlich sein, welche Form der Behandlung für die
optimale Erreichung des Massnahmezwecks notwendig und geeignet ist (Urteil
des Bundesgerichts 6B_366/2014 vom 23. April 2015 E. 2.2.3 mit Hinweisen). Bei
stationären therapeutischen Massnahmen im Sinne von Art. 59 StGB ist die Be-
handlung und damit die Besserung des Täters von zentraler Bedeutung. Das
Besserungsziel allein rechtfertigt die Anordnung einer Massnahme jedoch nicht.
Die Behandlung und damit die Besserung eines Täters stehen letztlich vielmehr
immer im Dienste der Gefahrenabwehr. Sie stellen lediglich ein Mittel dar, mit
welchem das Ziel, die Verhinderung oder Vermeidung künftiger Straftaten, er-
reicht werden soll. Die stationäre Massnahme muss mit anderen Worten im Hin-
blick auf die Deliktsprävention Erfolg versprechen. Oberstes Ziel deliktpräventiver
- 52 -
Therapien ist die Reduktion des Rückfallrisikos bzw. die künftige Straflosigkeit des
Täters (BGE 141 IV 236 E. 3.7 mit Hinweisen).
4.2. Konkrete Anwendung
4.2.1. Die Ausführungen von Dr. med. L._ im Gutachten von 21. Sep-
tember 2015 sind nachvollziehbar und überzeugen. Es besteht für das Gericht
keinerlei Veranlassung davon abzuweichen. Die Gutachterin hat sich eingehend
mit allen Facetten der Fragestellung durch die Staatsanwaltschaft befasst und mit
aller Deutlichkeit und sorgfältiger Begründung dargelegt, dass alleine eine statio-
näre Massnahme als zielführend erachtet wird.
4.2.2. Zudem decken sich die gutachterlichen Feststellungen auch mit denje-
nigen aus den Verlaufsberichten der Massnahmenzentren. Daraus ist zu entneh-
men, dass sich der Beschuldigte noch nicht effektiv auf die therapeutische Be-
handlung eingelassen hat. Da wie berichtet die Therapiearbeit erst ganz am An-
fang steht, spricht die nur eingeschränkte Massnahmenwilligkeit nicht gegen die
Durchführung einer stationären Massnahme, zumal an die Bereitschaft, eine sta-
tionäre Massnahme gemäss Art. 59 StGB zu absolvieren, keine allzu strengen
Anforderungen zu stellen sind (Urteil des Bundesgerichts 6B_463/2016 vom
12. September 2016 E. 1.3.3 mit Hinweisen). Die Gutachterin hielt zur Behand-
lungsbereitschaft des Beschuldigten fest, dass dieser im Rahmen der Begutach-
tung grundsätzlich Bereitschaft geäussert habe, sich einer forensisch-
psychiatrischen Behandlung zu unterziehen, wobei er eine ambulante Behand-
lung bevorzugen würde, was aus gutachterlicher Sicht geringe Erfolgsaussichten
biete. Bei einer Problemkonstellation, wie sie im Fall des Exploranden vorliege,
sei eine Behandlung gegen den Willen des Betroffenen langfristig nicht erfolgreich
durchführbar (Urk. D1/21/10 S. 85). Hierauf beruft sich auch die Verteidigung
(Urk. 91 S. 29). Der Beschuldigte offenbarte in der erstinstanzlichen Verhandlung
seine mangelnde Fähigkeit zur Selbsteinschätzung sowie seine fehlende Einsicht,
indem er versuchte sein Verhalten zu verharmlosen oder die Verantwortung hier-
für seinem Gegenüber zuzuschieben (vgl. Urk. 85 S. 19-23). An der Berufungs-
verhandlung wurde infolge seiner Aussagen deutlich, dass er nicht bereit ist, sich
vollumfänglich auf eine Therapie einzulassen. Er zweifelte das Wissen, das Kön-
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nen und die Einschätzungen seiner Therapeuten an (Prot. II S. 30 ff.) und äusser-
te sogar den Verdacht, dass die jeweiligen Berichte der Massnahmenzentren in
deren Eigeninteressen und dementsprechend zu seinen Ungunsten formuliert
seien (Prot. II S. 29 und S. 34). Immer noch fehlt es dem Beschuldigten an einer
realistischen Selbsteinschätzung, so sagte er wiederholt, er habe grosse Fort-
schritte gemacht (Prot. II S. 32 und 33), was der Einschätzung der Therapeuten
des Massnahmenzentrums P._ offenkundig widerspricht (vgl. Ziff. V.2.2).
Seine Aussagen sowie sein Verhalten im vorzeitigen stationären Massnahmen-
vollzug zeigen, dass die Einschätzung der Gutachterin weiterhin zutrifft, dass
deutlich ausgeprägte psychopathische Wesenszüge, wie sie im Falle des Be-
schuldigten bestehen, die Behandlung erschweren würden (Urk. D1/21/10 S. 84).
Dennoch stellt die Gutachterin zumindest eine partielle Therapiemotivation des
Beschuldigten fest und folgert, dass im Fall des Beschuldigten trotz gewisser zu
erwartender Schwierigkeiten zunächst versucht werden sollte, Behandlungshin-
dernisse zu überwinden und eine tragfähige Therapiesituation zu schaffen
(Urk. D1/21/10 S. 85).
4.2.3. Diese Darlegungen überzeugen, so dass aufgrund der schlüssigen
gutachterlichen Erwägungen vorliegend kein Zweifel besteht, dass der Beschul-
digte behandlungsbedürftig ist und ohne geeignete Behandlung eine Gefahr für
die öffentliche Sicherheit darstellt, da ein hohes Risiko besteht, dass der Beschul-
digte aufgrund seiner schwer ausgeprägten dissozialen Persönlichkeitsstörung
weitere Delikte, insbesondere leichte Gewaltstraftaten, begehen wird. Der Gut-
achterin folgend ist, da eine ambulante Massnahme keinen Erfolg verspricht, eine
stationäre therapeutische Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB sowohl erfor-
derlich wie auch geeignet, um den Beschuldigten erfolgreich zu therapieren.
5. Verhältnismässigkeit
5.1. Die Verteidigung macht geltend, dass eine stationäre Behandlung unver-
hältnismässig wäre (Urk. 91 S. 30, Urk. 155 S. 12 f.). Zu diesem Ergebnis gelang-
te auch die Vorinstanz. Eine stationäre Massnahme stehe in einem deutlichen
Missverhältnis zur Freiheitsstrafe von 14 Monaten. Ausserdem verblieben als An-
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lassdelikte nur noch Straftaten im eher leichteren Bereich (Nötigung, Drohung),
nicht jedoch schwere Gewaltdelikte. Der Beschuldigte habe seine Drohungen bis-
lang nie verwirklicht und sei auch sonst nicht durch die Anwendung physischer
Gewalt aufgefallen. Auch gemäss Gutachten liege keine Ausführungsgefahr be-
treffend Drohungen vor. Eine schwere Gefährdung der öffentlichen Sicherheit be-
stehe nicht (Urk. 121 S. 71).
5.2. Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit gemäss Art. 56 Abs. 2 StGB setzt
bei der Anordnung einer Massnahme voraus, dass der mit ihr verbundene Eingriff
in die Persönlichkeitsrechte des Täters im Hinblick auf die Wahrscheinlichkeit und
Schwere weiterer Straftaten nicht unverhältnismässig ist. Je mehr eine Ein-
schränkung der persönlichen Freiheit das Mass einer schuldabhängigen Strafe
bezüglich Dauer und/oder Behandlungsintensität überschreitet, umso gewichtige-
re Delinquenz muss der Begründung einer ungünstigen Legalprognose zugrunde
liegen, um die Massnahme rechtfertigen zu können. Das sog. Übermassverbot
verbietet die Anordnung einer Massnahme, wenn von einem Täter in Zukunft
blosse Übertretungen oder andere Delikte von weniger grosser Tragweite zu er-
warten sind (Marianne Heer, in: BSK Strafrecht I, a.a.O., N. 36 f. zu Art. 56).
5.3. Durch die Anordnung einer stationären Massnahme würde die persönliche
Freiheit des Beschuldigten massiv eingeschränkt. Eine solche Massnahme kann
erstmals bis zu fünf Jahre dauern und auch eine Verlängerung ist möglich (Art. 59
Abs. 4 StGB). Die vorliegend auszusprechende Freiheitsstrafe beträgt 21 Monate
und liegt damit höher als die von der Vorinstanz ausgesprochene Freiheitsstrafe,
jedoch immer noch unter der maximalen Dauer einer stationären Massnahme. Im
Vordergrund für die Prüfung der Verhältnismässigkeit steht jedoch nicht die aus-
zusprechende Strafe, sondern die Wahrscheinlichkeit weiterer Straftaten und die
voraussichtliche Schwere dieser Delikte. Die Vorinstanz stellte sich auf den
Standpunkt, dass sich die vorliegend zu beurteilenden Straftaten im eher leichte-
ren Bereich bewegen und der Beschuldigte nicht durch Anwendung physischer
Gewalt aufgefallen sei. Dabei verkennt sie, dass der Beschuldigte unter anderem
Vorstrafen wegen einfacher Körperverletzung, wegen Gewalt und Drohung gegen
Behörden und Beamte und eine Verurteilung zu Tätlichkeiten aufgrund von zwei
- 55 -
Ohrfeigen aufweist. Er wurde somit erwiesenermassen bereits mehrfach hand-
greiflich und beliess es nicht stets bei Drohungen und Beschimpfungen. Diese Art
von leichten Gewaltstraftaten wie Drohungen oder Tätlichkeiten sind beim Be-
schuldigten gemäss Gutachten mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten und der
Beschuldigte hat auch seit der Begutachtung bereits wieder Drohungen ausge-
sprochen. Zwar handelt es sich nicht um schwere Gewalttaten, doch ist auch das
Ausmass der Taten zu beachten. Die Taten richteten sich gegen zwei Frauen, mit
welchen der Beschuldigte sich eine Beziehung erhoffte. Er belästigte beide über
eine nicht unerhebliche Dauer mittels Anrufen und Nachrichten, beschimpfte sie,
drohte beiden mit körperlicher Gewalt und zeigte damit das Verhalten eines
Stalkers. Beim Stalking handelt es sich um eine vom Opfer nicht intendierte ex-
zessive Verfolgung eines Menschen mit andauernder oder wiederholter Belästi-
gung, Bedrohung oder gar Ausübung von Gewalt. Dabei sollte man sich unab-
hängig vom Gewaltrisiko vor Augen halten, dass insbesondere langjähriges Stal-
king-Verhalten bei Betroffenen zu vielfältigen psychischen Belastungen bzw. Stö-
rungen führt und daher keinesfalls eine Bagatelle darstellt (Marianne Heer/Elmar
Habermeyer, in: BSK Strafrecht I, a.a.O., N 38 zu Art. 59). Für beide Geschädig-
ten wirkten sich die Delikte und das allgemeine Verhalten des Beschuldigten
ihnen gegenüber erheblich negativ aus. Beide waren massiv verängstigt, verletzt
in ihrem Sicherheitsempfinden und schränkten sich infolgedessen in ihrer Lebens-
führung ein, um jeglichen Kontakt zum Beschuldigten zu vermeiden. Dies sind die
typischen Auswirkungen von Stalking, welches im Unterschied zu einem einzel-
nen Delikt eben gerade nicht Bagatellcharakter aufweist.
5.4. Auch wenn es sich nicht um Bagatelldelikte handelt, ist der Verteidigung zu-
zustimmen, dass es sich um Delinquenz im unteren Bereich der Kriminalität han-
delt und daher die öffentliche Sicherheit nicht in derart schwerer Weise gefährdet
wäre, dass die Anordnung einer stationären Massnahme noch verhältnismässig
erschiene. Dies gilt insbesondere, da die Gutachterin mit einer langen stationären
Behandlungsdauer rechnet (Urk. D1/21/10 S. 81). So schreibt sie, dass eine um-
fassende, sachgerechte forensische-psychiatrische Behandlung im Fall des Be-
schuldigten sehr wahrscheinlich intensiv und langwierig sein würde
(Urk. D1/21/10 S. 80). Demzufolge ist davon auszugehen, dass die erstmalige
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maximale Dauer von fünf Jahren bei der stationären Massnahme ausgeschöpft
werden müsste. Eine stationäre Massnahme erscheint angesichts der Dauer des
damit einhergehenden Freiheitsentzugs nicht mehr verhältnismässig, weshalb ei-
ne solche wenngleich sie gemäss Gutachterin indiziert wäre, nicht angeordnet
werden kann.
5.5. Der Beschuldigte ist und bleibt indessen behandlungsbedürftig, weshalb
trotz geringer Erfolgsaussichten eine ambulante Behandlung des Beschuldigten
im Sinne von Art. 63 StGB (Behandlung von psychischen Störungen) anzuordnen
ist. Der Strafvollzug ist hierfür nicht aufzuschieben.
VI. Kontaktverbot
Bezüglich der Verhängung eines Kontaktverbots des Beschuldigten gegenüber
C._ im Sinne von Art. 67b StGB kann vollumfänglich auf die zutreffenden
Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 121 S. 72-75 Ziff. VII). Für
die Anordnung eines Kontaktverbots gegenüber der Privatklägerin oder der Ge-
schädigten D._ besteht, wie die Vorinstanz bereits ausführte, keine Veran-
lassung (Urk. 121 S. 73 Ziff. VII.12). Dem Beschuldigten zu verbieten für eine
Dauer von drei Jahren Kontakt zur Geschädigten C._ aufzunehmen, er-
scheint jedoch sowohl notwendig, als auch sinnvoll, hatte er diese doch selbst
noch aus dem vorzeitigen Massnahmenvollzug heraus kontaktiert, obwohl er von
den diesbezüglichen Vorstrafen und der aktuellen Anklage positiv wusste, dass
sie keinen Kontakt zu ihm wünscht. Im Übrigen ist der Beschuldigte mit der An-
ordnung des Kontaktverbots auch einverstanden (Prot. I S. 36).
Dem Beschuldigten ist daher im Sinne von Art. 67b StGB für die Dauer von drei
Jahren zu verbieten, mit der Geschädigten C._ direkt oder über Drittperso-
nen Kontakt aufzunehmen, namentlich auf telefonischem, schriftlichem oder elekt-
ronischem Weg, bzw. sie anderweitig anzusprechen. Missachtet der Beschuldigte
das Kontaktverbot, kann er im Sinne von Art. 294 Abs. 2 StGB mit Freiheitsstrafe
bis zu einem Jahr oder Geldstrafe bestraft werden.
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VII. Zivilklage
Die Privatklägerin stellte vor Vorinstanz wie auch vor Obergericht ein Schadener-
satz- und ein Genugtuungsbegehren (Urk. 87 S. 1, Urk. 127).
Zu den allgemeinen rechtlichen Grundlagen hinsichtlich der adhäsionsweise gel-
tend zu machenden Zivilforderungen kann erneut vollumfänglich auf die zutref-
fenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 121 S. 75-76
Ziff. VIII).
Der Beschuldigte wird mit dem vorliegendem Urteil in sämtlichen Anklagevorwür-
fen betreffend die Privatklägerin (Dossier 1) freigesprochen. Der Sachverhalt für
die Beurteilung des Zivilanspruchs der Privatklägerin ist daher, wie auch die Vor-
instanz feststellte, nicht spruchreif. Die Privatklägerin A._ ist daher mit ihrer
Zivilklage auf den Weg des Zivilprozesses zu verweisen (Art. 126 Abs. 2 lit. d
StPO).
VIII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Kosten- und Entschädigungsfolgen erste Instanz
1.1. Gestützt auf Art. 428 Abs. 3 StPO hat die Rechtsmittelinstanz von Amtes
wegen auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung zu befinden,
wenn sie selber ein neues Urteil fällt und nicht kassatorisch entscheidet (Griesser
in: ZH StPO Komm., a.a.O., N 14 zu Art. 428).
Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person die Verfahrenskos-
ten, wenn sie verurteilt wird. Ausgenommen sind die Kosten der amtlichen Vertei-
digung. Wird das Verfahren eingestellt oder die beschuldigte Person freigespro-
chen, können ihr die Verfahrenskosten ganz oder teilweise auferlegt werden,
wenn sie rechtswidrig und schuldhaft die Einleitung des Verfahrens bewirkt oder
dessen Durchführung erschwert hat (Art. 426 Abs. 2 StPO).
Nach der Rechtsprechung sind der beschuldigten Person, die bei mehreren an-
geklagten Straftaten nur teilweise schuldig gesprochen, im Übrigen aber freige-
- 58 -
sprochen wird, die Verfahrenskosten nur anteilmässig aufzuerlegen. Dies gilt je-
denfalls, soweit sich die verschiedenen Anklagekomplexe klar auseinanderhalten
lassen. Die anteilmässig auf die mit einem Freispruch endenden Anklagepunkte
entfallenden Kosten verbleiben gestützt auf Art. 423 StPO i.V. m. Art. 426 Abs. 2
StPO beim Staat (Urteil des Bundesgerichts 6B_151/2014 vom 4. Dezember 2014
E. 3.2; Riklin, OFK-StPO, 2. A., Zürich 2014, N 2 zu Art. 426; Griesser in: ZH
StPO Komm., a.a.O., N 3 zu Art. 426).
1.2. Die Vorinstanz befasste sich einlässlich mit der Kostenauflage und berück-
sichtigte dabei auch den Ausgang des erstinstanzlichen Verfahrens für den Be-
schuldigten. Infolge der erfolgten Freisprüche und der teilweisen Einstellung des
Verfahrens verlegte sie die Kosten zulasten des Beschuldigten lediglich im Um-
fang von einem Drittel und nahm zwei Drittel auf die Staatskasse (Urk. 121
S. 76 f.).
1.3. Die Kostenregelung der Vorinstanz wurde seitens der Parteien nicht sub-
stanziert bestritten und blieb inhaltlich unangefochten (Urk. 153 und 154). Die An-
fechtung der vorinstanzlichen Kostenregelung (Dispositivziffern 11 und 12) ist
somit einzig bedingt durch die von Staatsanwaltschaft und Privatklägerschaft be-
antragten Schuldsprüche.
1.4. Die von der Vorinstanz festgesetzte erstinstanzliche Gerichtsgebühr ist der
Grösse des Falles und des dadurch entstandenen Aufwandes angemessen und
nicht zu beanstanden. Im Übrigen nahm die Vorinstanz eine detaillierte, konkret
auf das vorliegende Verfahren umgesetzte Kostenaufteilung vor, welche die ge-
setzlichen Vorgaben beachtete und nachvollziehbar ist. Das Kostendispositiv der
Vorinstanz (Ziffern 11 und 12) ist somit vollumfänglich zu bestätigen.
1.5. Die von der Vorinstanz festgesetzten Entschädigungen des amtlichen Ver-
teidigers und der unentgeltlichen Rechtsvertreterin der Privatklägerin (Urk. 121
S. 82; Dispositivziffern 13 und 14) wurden nicht substanziiert bestritten. Die An-
fechtung dieser vorinstanzlichen Regelungen ist somit ebenfalls einzig bedingt
durch den von der Staatsanwaltschaft beantragten Schuldspruch, der sich auch
auf die Kosten- und Entschädigungsfolgen auswirkt. Die vorinstanzliche Festset-
- 59 -
zung der Entschädigung an den amtlichen Verteidiger im Umfang von
Fr. 34'904.75 (inkl. MwSt) ist ohne weiteres zu bestätigen, da der geltend ge-
machte Aufwand im Einklang mit den Ansätzen der Verordnung des Obergerichts
des Kantons Zürich über die Anwaltsgebühren vom 8. September 2010 (Anw-
GebV) steht und sich als angemessen erweist. Die Entschädigung an die unent-
geltliche Rechtsvertreterin der Privatklägerin setzte die Vorinstanz auf
Fr. 15'270.45 (inkl. MwSt) fest. Auch dieser Honoraranspruch erweist sich gestützt
auf die eingereichte Honorarnote und die AnwGebV als angemessen. Die vor-
instanzlichen Entschädigungen an die amtliche Verteidigung (unter dem Vorbehalt
der Rückforderung vom Beschuldigten im Sinne von Art. 135 Abs. 4 StPO) und
die unentgeltliche Rechtsvertretung sind daher zu bestätigen.
2. Kosten- und Entschädigungsfolgen des Berufungsverfahrens
2.1. Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmit-
telverfahrens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Sind mehrere
beteiligte Personen kostenpflichtig, so werden die Kosten anteilmässig auferlegt
(Art. 418 Abs. 1 StPO).
2.2. Die Staatsanwaltschaft und die Privatklägerin unterliegen mit ihren Anträgen
vollumfänglich. Der Beschuldigte, der lediglich die Bestätigung des vorinstanzli-
chen Urteils beantragte und nicht Berufung erhoben hatte, unterliegt einzig hin-
sichtlich des Strafmasses. Ausgangsgemäss würde sich somit rechtfertigen, die
Kosten des Berufungsverfahrens anteilmässig den Berufungsklägern aufzuerle-
gen. Im Falle des Unterliegens der Staatsanwaltschaft wie vorliegend trägt jedoch
der Kanton die Kosten (Niklaus Schmid, Schweizerische Strafprozessordnung
(StPO), Praxiskommentar, 2. Aufl. 2013, N. 3 zu Art. 428). Der Privatklägerin als
ebenfalls unterliegender Partei wurde die unentgeltliche Rechtspflege gewährt, so
dass auch ihr keine Verfahrenskosten auferlegt werden können (Art. 136 Abs. 2
lit. b StPO). Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr ist demzufolge ausser Ansatz
fallen zu lassen und die übrigen Kosten des Berufungsverfahrens sind auf die Ge-
richtskasse zu nehmen.
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2.3. Der amtliche Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. iur. Y._, reichte mit Eingabe
vom 27. Januar 2017 seine Honorarnote und anlässlich der Berufungsverhand-
lungen einen Nachtrag hierzu ein (Urk. 147 und 156). Insgesamt erweist sich eine
Entschädigung von rund Fr. 10'000.– als angemessen, weshalb er entsprechend
zu entschädigen ist. Der von der unentgeltliche Rechtsbeiständin der Privatkläge-
rin, Rechtsanwältin lic. iur. X._, geltend gemachte Aufwand erweist sich
ebenfalls als angemessen (Urk. 145), weshalb sie mit rund Fr. 6'000.– zu ent-
schädigen ist.
3. Entschädigung und Genugtuung für zu Unrecht erlittene Haft
3.1. Der Beschuldigte beantragt, es sei ihm eine Genugtuung in der Höhe von
Fr. 200.– für jeden zu Unrecht in Untersuchungs- und Sicherheitshaft verbrachten
Tag zuzusprechen (Urk. 91 S. 31).
3.2. Wird die beschuldigte Person ganz oder teilweise freigesprochen oder wird
das Verfahren gegen sie eingestellt, so hat sie gemäss Art. 429 Abs. 1 StPO An-
spruch auf: Entschädigung ihrer Aufwendungen für die angemessene Ausübung
ihrer Verfahrensrechte (lit. a); Entschädigung der wirtschaftlichen Einbussen, die
ihr aus ihrer notwendigen Beteiligung am Strafverfahren entstanden sind (lit. b);
Genugtuung für besonders schwere Verletzungen ihrer persönlichen Verhältnisse,
insbesondere bei Freiheitsentzug (lit. c). Unter litera c fallen Zwangsmassnah-
men, die rechtmässig angeordnet wurden, sich jedoch im Nachhinein als unnötig
erweisen (Niklaus Schmid, Schweizerische Strafprozessordnung (StPO), Praxis-
kommentar, 2. Aufl. 2013, N. 10 zu Art. 429).
3.3. Vorliegend ist ein Teil des Verfahrens einzustellen und ist der Beschuldigte
von diversen Vorwürfen freizusprechen, insbesondere vom schwersten Anklage-
vorwurf der mehrfachen Vergewaltigung. Hingegen ergehen auch Schuldsprüche
hinsichtlich Nötigung und Drohung, wofür eine Freiheitsstrafe von 21 Monaten
ausgesprochen wird. Die Anordnung der Untersuchungs- und Sicherheitshaft er-
folgte nicht nur aufgrund des Vergewaltigungsvorwurfs, sondern auch wegen des
Tatverdachts in Bezug auf die Tatbestände der Nötigung und Drohung. Dies
ergeht aus den entsprechenden Entscheiden des Bezirks- und des Obergerichts
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(Urk. 109 und Urk. 120). Im Übrigen kann diesbezüglich erneut auf die detaillier-
ten Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 121 S. 78 f.). Der Frei-
heitsentzug infolge Polizei-, Untersuchungs- und Sicherheitshaft von insgesamt
271 Tagen erweist sich dementsprechend als gerechtfertigt, weshalb dem Be-
schuldigten hierfür keine Genugtuung auszurichten ist.
3.4. Gemäss Art. 431 Abs. 2 StPO besteht ein Anspruch auf Entschädigung und
Genugtuung, wenn im Fall von Untersuchungs- und Sicherheitshaft die zulässige
Haftdauer überschritten ist und der übermässige Freiheitsentzug nicht an die we-
gen anderer Straftaten ausgesprochenen Sanktionen angerechnet werden kann.
Der Beschuldigte verbrachte nebst der Untersuchungs- und Sicherheitshaft weite-
re 389 Tage im vorzeitigen Massnahmenvollzug. Der durch Haft und vorzeitigen
Massnahmenvollzug erfolgte Freiheitsentzug von insgesamt 660 Tagen bis heute
übersteigt die auszusprechende Strafe (Freiheitsstrafe von 21 Monaten, Geldstra-
fe von 25 Tagessätzen und Busse von Fr. 1'000.–) nicht, womit kein Fall von
Überhaft vorliegt. Dem Beschuldigten ist daher auch unter diesem Titel keine Ent-
schädigung bzw. Genugtuung zuzusprechen.