# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d65b03d7-c42f-4cce-b888-659f59d87cdd
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1963, meldete sich im März 2007 bei der Inva
lidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 11/1
;
Urk.
11/5
). Die Sozialversi
cherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihr mit Verfügung vom 20. Mai 2008 b
ei einem Invaliditätsgrad von 100
%
eine
ganze Rente ab 1
.
Sep
tember 2006 und bei einem Invaliditätsgrad von 52
%
eine halbe Rente ab 1. Sep
tember 2007 zu (Urk. 11/32
-
33
).
1.
2.
Am 16. Dezember 2009 und am 7. März 2011 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, der Rentenanspruch sei unverändert (Urk. 11/55; Urk. 11/64).
1.3
Am 28. Januar 2013 meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf Rücken
schmerzen respektive auf ein
lumbospondylogenes
Syndrom zum
Bezug einer höheren Rente
an (Urk. 11/69).
Die IV-Stelle holte ein
bidisziplinäres
Gutachten ein, welches am 17. Mai 2014 beziehungsweise am 2. Juni 2014 erstattet wurde (Urk. 11/101; Urk. 11/104). Mit Verfügung vom 22. Januar 2015 wies sie das Gesuch um eine Erhöhung der Rente bei einem Invaliditätsgrad von 52
%
ab (Urk. 11/113).
1.4
Am 12. April 2016 stellte die Versicherte unter Hinweis auf eine Verschlechterung ihrer gesundheitlichen Situation erneut ein Gesuch um eine
ganze
Rente (Urk. 11/121). Die IV-Stelle klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab und holte bei
der
Y._
ein polydisziplinäres Gutachten ein, welches am 8. Februar 2018 erstattet wurde (Urk. 11/161). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
11/163
; Urk.
11/164; Urk. 11/169) hob die IV-Stelle mit Verfügung vom
12. Juni 2018
die bisher ausgerichtete
halbe
Rente
per Ende Juli 2018
auf (Urk.
11/173
= Urk. 2
).
2.
Die Versicherte erhob am
16. August 2018
Beschwerde
gegen die Verfügung vom 12. Juni 2018 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es seien ihr die gesetzlichen Leistungen, namentlich mindestens eine halbe Rente auch über den 31. Juli 2017 (richtig: 2018) hinaus
,
zuzusprechen, eventuell sei ein polydiszipli
näres Gerichtsgutachten, subeventuell ein verwaltungsinternes polydisziplinäres Gutachten einzuholen (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom
2
0.
September 2018 (
Urk.
10) beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom 25. September 2018
wurde der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort zugestellt
und mitgeteilt, dass über ihren Antrag auf
unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung
(vgl. Urk. 1 S. 2) zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werde
(Urk.
12
).
Mit Verfügung vom 21. Januar 2020 (Urk. 13) wurden die
GastroSocial
Pensionskasse und die Pensionskasse Stad
t Zürich zum Prozess beigeladen. Während letztere am 31. Januar 2020 ihren Verzicht auf Stellungnahme mitteilte (Urk. 16), reichte erstere eine solche mit Eingabe vom 10. Februar 2020 (Urk. 17) ein.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
ti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Ist eine anspruchserhebliche Änderung des Sachverhalts nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, bleibt es nach dem Grundsatz der materiellen Beweislast beim bisherigen Rechtszustand (Urteil des Bundesgerichts
9C_418/2010
vom 29. August 2011
).
1.4
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, wel
che auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer
Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht
.
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
1.6
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Mass
gabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen.
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.7
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regel
fall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141
V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) gestützt auf das polydisziplinäre Gutachten (Urk. 11/161) davon aus, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin spätestens seit Begutachtungsab
schluss am 8. Februar 2018 wesentlich verbessert habe. Es seien wieder jegliche Tätigkeiten vollzeitlich zum
utbar (S. 1 unten). Entgegen den
im Einwand vorge
brachten Argumenten sei der Psychostatus im Gutachten fachgerecht nach AMDP erhoben worden. Der Gutachter
setze
sich mit den Voreinschätzungen auseinan
der und begründe abweichende Einschätzungen. Er führe teilweise eine andere Bewertung der Befunde (Posttraumatische Belastungsstörung [PTBS] und Opioid-Fehlmedikation), aber auch eine klare Besserung der Depression auf. Die sich daraus ergebende Schlussfolgerung, dass keine Arbeitsunfähigkeit gegeben sei, sei
aus medizinischer Sicht nachvollziehbar (S. 2 Mitte).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1), die
Y._
-Gutachter hätten ausgeführt, teils werde der Gesundheitszustand lediglich anders beurteilt (PTBS, Opioid-Fehlmedikation), teils sei auch angesichts des jetzigen psychiatrischen Befunds, der keine erhebliche Depressivität mehr ausweise, keine psychiatrische begründete Minderung der Arbeitsfähigkeit mehr zu erkennen. Insgesamt scheine den Gutachtern jedoch eher eine lediglich andere Bewertung zu überwiegen. Es handle sich also überwiegend um eine abweichende medizinische Einschätzung eines im Wesentlichen unveränderten Gesundheits
zustandes, der nicht eine Rentenaufhebung zur Folge habe könne (S. 8 Ziff. 18).
Zur Beurteilung der Invalidisierung eines psychiatrischen Gesundheitsschadens sei sodann primär der lege
artis
erhobene psychopathologische Befund und der Schweregrad der Symptomatik massgebend (S. 9 Ziff. 20).
Der Gutachter habe die AMDP-Items nicht lege
artis
geprüft (S. 9 Ziff. 21). Von den AMDP-Items der Kategorie Affektivität fänden sich im Gutachten nur gerade vier, obwohl diese Kategorie 21 verschiedene Items vorsehe, welche gerade zur Beurteilung von Stö
rungen aus dem depressiven Formenkreis essentiell seien. Dies
sei als grober Man
gel zu werten, welcher
keine zuverlässige Beurteilung im vorliegenden Kontext
erlaube
. Er sei vorliegend besonders gravierend, weil bisher die rezidivierende depressive Störung primär für ihre Invalidität massgebend gewesen sei, weshalb der Kategorie Affektivität besondere Aufmerksamkeit hätte geschenkt werden müssen. Den diesbezüglichen Befund habe der Gutachter sodann gestützt auf die reine Fremdbeurteilung durch ihn erhoben, obwohl diverse der betreffenden Items unter Einschluss der Selbstbeurteilung erhoben werden müssten (S. 9 ff. Ziff. 22).
Ein Vergleich der massgebenden Zeitpunkte sei infolge des lücken- und mangel
haften
psychiatrischen Befunds gar nicht erst mit dem Beweisgrad der überwie
genden Wahrscheinlichkeit möglich (S. 11 Ziff. 23).
Weiter
suche man im psychiatrischen Teilgutachten vergeblich eine
fachgerechte
Herleitung der gestellten Diagnosen und eine Auseinandersetzung mit den in den
Vorakten
gestellten Diagnosen. Es bleibe somit im Dunkeln, weshalb höchstens ein leichtgradiges depressives Symptom zu objektivieren sei, weshalb eine PTBS zu diagnostizieren und weshalb eine
subsyndromale
Symptomausprägung anzu
nehmen sei (S. 12 Ziff. 25). Unerfindlich sei, weshalb die anhaltende somatoforme Schmerzstörung nunmehr plötzlich nicht mehr invalidisierend sein solle.
Diese Diagnose sei vom psychiatrischen Teilgutachter weder gestellt noch ausgeschlos
sen und sorgfaltspflichtwidrig gar nicht erst diskutiert worden, obwohl sie akten
kundig mehrfach diagnostiziert worden sei (S. 12 Ziff. 26). Mit den Voreinschät
zungen hätten sich die Gutachter nicht auseinandergesetzt und ihre davon abweichende Einschätzung
nicht
begründet (S. 13 Ziff. 27). Bei massiv anders
lautender Beurtei
lung gegenüber den behandelnden Ärzten wäre auch eine fremdanamnestische Auskunft bei diesen einzuholen gewesen (S. 13 Ziff. 28).
2.3
Die beigeladene
GastroSocial
Pensionskasse
vertrat die Auffassung (Urk. 17), es lägen genügend Anhaltspunkte für eine Veränderung des rechtserheblichen Gesundheitszustands vor, was die Beschwerdegegnerin zu einer umfassenden Neuüberprüfung ermächtige. Selbst bei gleichbleibendem Gesundheitszustand sei jedoch eine Neubeurteilung des Gesundheitszustands nicht per se ausgeschlossen, könne sich doch auch aufgrund der eingetretenen Anpassungs- beziehungsweise Angewöhnungszeit eine Revision aufdrängen. Im Übrigen werde auf die Ausfüh
rungen in der ang
efochtenen Verfügung verwiesen.
2.
4
Die Verfügung vom 22. Januar 2015 (Urk. 11/113), mit welcher die Beschwerde
gegnerin das Gesuch der Beschwerdeführerin um eine Erhöhung der Rente bei einem Invaliditätsgrad von 52
%
ablehnte, beruhte auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdi
gung und Durchführung eines Einkommensvergleichs. Der dieser Verfügung zugrundeliegende Sachverhalt bildet also vorliegend die Vergleichsbasis
(vgl. vorstehend E. 1.4)
.
Strittig und zu prüfen ist die Frage, ob seither eine wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen der Beschwerdeführerin, insbesondere betreffend ihren Gesundheitszustand, eingetreten ist und ob sie
weiterhin
über einen Ren
tenanspruch verfügt.
3.
3.1
Der Verfügung vom 2
2.
Januar 2015 (
Urk.
11/113) lagen folgende Berichte zugrunde:
Dr. med.
Z._
, Facharzt für Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin, nannte im vertrauensärztlichen Bericht vom 27. Februar 2013 (Urk. 11/78) zuhanden der Pensionskasse Stadt Zürich (PKZH) folgende Diagno
sen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 2 Ziff. A 1):
-
lumbospondylogenes
Syndrom mit/bei
-
Spondylose ventral am
thorakolumbalen
Übergang
-
leichten
spondylarthrotischen
Veränderungen im 4. und 5. Lendenwir
bel und im Kreuzbein (L4-S1)
-
Diskusprotrusion
auf Höhe L1/2, Magnetresonanztomographie (MRI) der Lendenwirbelsäule (LWS) vom 2. April 2012
-
s
tationärer Aufenthalt i
n der Rheumaklinik des
Stadtspitals
A._
vom 14. bis 19. Januar 2013 (Exazerbation eines
lumbospondylogenen
Schmerzsyndroms)
-
d
epressive Entwicklung
-
stationäre
Hospitalisation
an der psychiatrischen Universitätsklinik 2005
Die Versicherte habe früher in der Pflege gearbeitet, zurzeit verrichte sie aber lediglich leichtere Service- und Reinigungsarbeit
en
in einem Pensum von 20
%
. In der Pflege sei sie aufgrund der jetzigen Beschwerden kaum arbeitsfähig (S. 5 Ziff. A 7.1). Für eine Verweistätigkeit (leichte Arbeit mit Wechselbelastung) bestehe eine Restarbeitsfähigkeit von 20 bis 30
%
(S. 5 Ziff. A 7.2).
3.2
Die Ärzte des
A._
führten im Bericht vom 5. April 2013 (Urk. 11/80
/6-8
) aus, die Beschwerdeführerin sei vom
14. bis 19. Januar 2013 zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen. Vom 20. Januar bis am 3. Februar 2013 sei sie aus rheumatologischer Sicht zu 25
%
arbeitsfähig gewesen. Die weitere Arbeitsunfähigkeit werde durch die psychiatrischen Diagnosen bestimmt (S. 2 Ziff. 1.6).
3.3
Dr. med.
B._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
führte
im Bericht vom 19. April 2013 (Urk. 11/81/1-6)
aus, er behandle die Patientin seit 2002 (S. 1 Ziff. 1.2). Er nannte
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1 Ziff. 1.1):
-
lumbospondylogenes
Syndrom seit 2009 mit/bei
-
Spondylose ventral am
thorakolumbalen
Übergang
-
leichten
spondylarthrotischen
Veränderungen in L4-S1
-
Diskusprotrusion
auf Höhe L1/2 (MRI der LWS vom 2. April 2012)
-
stationärer Aufenthalt an der Rheumaklinik des
A._
vom 14. bis 19. Januar 2013 (Exazerbation eines
lumbospondylogenen
Schmerzsyn
droms)
-
rezidivierende depressive
Störung, aktuell leicht bis mittelschwer (ICD-10 F33.1)
-
Adipositas bei einem Body Mass Index (BMI) von 40
Seit dem 13. Februar 2013 arbeite die Patientin wieder in einem Pensum von 20
%, allerdings nicht in der angestammten Tätigkeit als Pflegeassistentin, son
dern in einem Arbeitsversuch als Mitarbeiterin im Speisesaal mit leichter, wech
selbelastender Tätigkeit. Auf längere Sicht sei die Tätigkeit als Pflegeassistentin nicht zumutbar. In angepasster Tätigkeit sei ein Pensum von 20 bis 30
%
zumut
bar (S. 1 oben).
Die Patientin habe seit Jahren chronische Rückenschmerzen. Im Rahmen des Schmerzsyndroms und der schlechten beruflichen Perspektiven habe eine Ver
schlechterung der Depression stattgefunden. Sie
leide unter
bedrückte
r
Stim
mung, Interessensverlu
st, Freudlosigkeit, vermindertem
Antrieb, vermehrte
r Ermüdbarkeit, vermindertem
Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl, Selbstvor
würfe
n
, Schuldgefühle
n
gegenüber dem Ehemann und dem Arbeitgeber, Kon
zentrationsstörungen, pessimistische
n
Zukunftsgedanken und Libidoverlust (S. 2 Ziff. 1.4).
3.4
Dr.
Z._
(vorstehend E. 3.1) führte am 13. Mai 2013 eine Verlaufskontrolle durch, worüber er am 14. Mai 2013 (Urk. 11/83) berichtete. Er stellte fest, die Versicherte bewältige seit Februar 2013 ein reduziertes Pensum von 20
%
. Die Ursache der protrahierten Rückenschmerzen sei unklar und durch die leichten degenerativen Veränderungen an der Wirbelsäule kaum erklärt. Für ihre bisherige Tätigkeit werde sie als nicht mehr arbeitsfähig erachtet. Unklar sei der psychiat
rische/psychosomatische Anteil (S. 5 Ziff. A 7.1). Aus rheumatologischer Sicht werde sie für leichtere, behinderungsangepasste Arbeit mit Wechselbelastung für 50
%
arbeitsfähig erachtet (S. 5 Ziff. A 7.2).
Es bestehe ein Verdacht auf Selbstli
mitierung (S. 5 Ziff. A 8, S. 7 Ziff. A 9.1).
3.5
Dr. med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, nannte im vertrauensärztlichen Bericht zuhanden der PKZH vom 5. August 2013 (Urk. 11/101/83-95) folgende psychiatrischen Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 2 Ziff. A 1):
-
aktuell unter Behandlung höchstens leichte depressive Episode (F32.0)
-
Verdacht einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (F45.4) seit gut 2 Jahren
-
Abhängigkeit von Opioiden (Schmerzmedikation, Einnahme seit gut 2 Jahren) gemäss F11.24 bei einer akzentuierten Persönlichkeit (Z73.1)
Die Explorandin habe gleich zu Beginn des Gesprächs erklärt, nicht depressiv zu sein. Sie sei es tatsächlich nicht, sondern deutlich verschlossen und
retentiv
. Es sei schlecht möglich, mit ihr affektiv in Kontakt zu treten, ihr Leiden sei nicht einfühlbar (S. 5 Ziff. A 3.3). Es sei bekannt, dass Opioide in der Behandlung von unerklärbaren chronischen Schmerzen nicht angezeigt seien. Sie verlören ihre Wirksamkeit nach 3 Monaten, während die Abhängigkeit vom Medikament mit den entsprechenden Nachteilen bleibe. Ein Entzug wäre sinnvoll (S. 6 Ziff. A 5). Laut Dr.
Z._
(vorstehend E. 3.1 und 3.4) sei die Explorandin aus rheumatologi
scher Sicht zu 50
%
arbeitsfähig für eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit. Aus psychiatrischer Sicht lasse sich keine zusätzliche, über diese Einstufung hinaus
gehende Arbeitsunfähigkeit begründen. Die Prognose sei im vorliegenden Fall trotzdem fraglich, da die Somatisierung chronifiziert und fixiert sein dürfte. Zudem sei die
Opioidabhängigkeit
ein Hindernis für eine berufliche Reintegration (S. 7 Ziff. 7.2).
3.6
Dr.
B._
(vorstehend E. 3.3) führte im Bericht vom 24. Dezember 2013 (Urk. 11/97) aus, die Depression habe sich im September 2013 deutlich ver
schlechtert. Aktuell sei die Patientin mittelschwer bis schwer depressiv
mit
näher genannten Symptomen.
Im Rahmen der Verschlechterung der Depression sei es auch zu einer Zunahme der Rückenschmerzen gekommen. Die Patientin sei seit dem 4. Oktober 2013 für alle Arbeiten zu 100
%
arbeitsunfähig (S. 1 Mitte).
3.
7
Am 17. Mai 2014 erstattete Dr. med. und Dr. sc. nat.
D._
, Fach
ärztin für Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin,
ihr rheumatologisches Gutachten (Urk. 11/101
/2-61
).
Sie nannte keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S.
54
Ziff. 9.1). Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie (Ziff. 9.2):
-
Nikotin-Abusus
-
ausgedehnte chronische Schmerzen
-
Adipositas Grad III (BMI 42.3 kg/m
2
)
-
arterielle Hypertonie mit adäquater medikamentöser Therapie
-
Verdacht auf Oxycodon-Abhängigkeit mit
-
starkem bis sehr starkem Oxycodon-Konsum im Zeitraum von etwa Mitte November 2013 bis Mitte April 2014 gemäss Haaranalyse
-
Vitamin D-Mangel (Erstdiagnose Juni 2012)
-
aktuell 28
nmol
/l
-
essenzielle
Thrombozytose
(Erstdiagnose März 2006) mit/bei
-
negativer JAK-2 V617F-Mutation
-
Mikrohämaturie unklarer Ätiologie (Erstdiagnose 2011).
Die Beschwerdeführerin klage seit Jahren über ständige ausgedehnte Schmerzen praktisch im ganzen Körper. Sie könne nur zwanzig Minuten lang sitzen, dann würden vermehrte Schmerzen auftreten und sie müsse sich bewegen (S. 55 Ziff. 10 oben). Die vorhandenen Befunde erklärten das Ausmass ihrer Beschwer
den nicht. Sie könne sämtliche Tätigkeiten zu 100
%
ausüben bezogen auf ein Pensum von 100
%
(S. 55 Ziff. 10
unten). Ihre Arbeitsfähigkeit in
der ange
stammten und einer angepassten Tätigkeit betr
age
entsprechend 100
%
(S. 57 Ziff. 11.1 unten, S. 58 Ziff. 11.3).
3.8
Am 2. Juni 2014 erstattete PD Dr. med.
E._
, Facharzt für Psy
chiatrie und Psychotherapie, sein psychiatrisches Gutachten (Urk. 11/104). Er nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 7 Ziff. 4.1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (F33.1)
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (F45.4)
-
Opioid-Abhängigkeitssyndrom (F11.2).
Die Explorandin, die in Chile zur Welt gekommen sei, habe eine sehr unglückliche Kindheit und Jugendzeit erlebt, die von regelmässiger körperlicher Gewalt und sexuellem Missbrauch (Vergewaltigungen)
durch den
Vater geprägt gewesen seien
. Früh – im Alter von 14 Jahren – sei sie deshalb von zu Hause ausgezogen und im Alter von 16 Jahren bereits Mutter geworden. Im Alter von 17 Jahren sei sie ihrem damaligen Ehemann in die Schweiz nachgezogen. Unterdessen sei sie zum vierten Mal verheiratet. Die ersten drei Ehen seien alle sehr konfliktreich verlaufen und seien teilweise durch Gewaltausübungen der Ehemänner gekenn
zeichnet gewesen (S. 7 Ziff. 5).
In der Untersuchung habe die Explorandin im objektiven Psychostatus mehrere Parameter gezeigt, die mittelgradig pathologisch ausgelenkt gewesen seien, ins
besondere die Parameter, die die Affektivität abbildeten. Es habe weitgehend hohe Kongruenz zwischen den objektiven Untersuchungsbefunden und den subjekti
ven Angaben bestanden. So habe die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode gut untermauert werden können. Diese sei Teil einer rezidivierenden depressiven Störung, die im Verlaufe der letzten Jahre Fluktuationen unterworfen gewesen sei und zum Teil auch ein schweres Ausmass angenommen habe (S.
8 oben).
Die depressive Störung werde teilweise durch anhaltende Körperschmerzen auf
rechterhalten, die nicht vollumfänglich mit somatischen Korrelaten untermauert
werden könnten. Da bei der Explorandin klare emotionale und psychosoziale Belastungen wie auch keinerlei Hinweise für bewusstseinsnahe Mechanismen bestünden, zumal sowohl eine Aggravation wie auch eine Begehrlichkeit fehlten, seien die Eingangskriterien für eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung erfüllt (S. 8 f.).
Die Explorandin habe aus ihrem Alltag berichtet, dass sie einzelnen Haushaltstä
tigkeiten nachgehen könne, jedoch auch über eine erhöhte Ermüdbarkeit und eine deutliche Antriebsminderung, sodass sie immer wieder Pausen einlegen müsse und auch auf die Mithilfe ihrer beiden Stieftöchter angewiesen sei. Insgesamt könnten die vers
icherungsmedizinischen Richtlin
i
e
n der Swiss Insurance Medi
cin
e
(SIM),
wonach
bei einer mittelgradigen depressiven Episode qualitative Funktionseinb
ussen in der Höhe von 50
%
vorlä
gen, untermauert werden (S. 9 Mitte). Beim Vorliegen einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung müss
ten die Foerster-Kriterien separat gewürdigt werden. Mit der mittelgradigen depressiven Episode liege eine relevante psychiatrische Komorbidität vor. Rele
vante chronische körperliche Erkrankungen lägen keine vor (S. 9 unten). Die Foerster-Kriterien seien somit teilweise erfüllt, sodass der Explorandin nicht mehr eine vollumfängliche aktive Willensleistung zugemutet werden könne, um ihre
Körperschmerzen zu überwinden. Die sich daraus ergebenden qualitativen Funk
tionseinbussen seien aber bereits in denjenigen mitberücksichtigt, die sich aus der mittelgradigen depressiven Episode ergäben (S. 10 oben).
Die
Opioidabhängigkeit
habe keinerlei Auswirkungen auf di
e Arbeitsfähigkeit
. Zusammengefasst könnten bei der Explorandin aus psychiatrischer Sicht quali
tative Funktionseinbussen in der Höhe von 50
%
attestiert werden (S. 10 Mitte). Somit bestehe aus psychiatrischer Sicht in der angestammten oder in einer Ver
weistätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
(S. 10 Ziff. 6+7).
Die depressive Störung bestehe seit vielen Jahren, wobei hauptsächlich eine mit
telgradige depressive Symptomatik dominiere. Somit habe sich an der Arbeitsfä
higkeit aus rein psychiatrischer Sicht in den letzten Jahren nichts
verändert
(S. 10 Ziff. 8).
3.9
Dr.
D._
und Dr.
E._
führten in ihrer
bidisziplinären
Zusammenfassung vom 2. Juni 2014 (Urk. 11/104/16) aus, es bestehe aus
bidisziplinärer
Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
.
3.10
Dr. med.
F._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), führte in seiner Stellungnahme vom 15. August 2014 (Urk. 11/108 S. 6) aus, im Gutachten werde klar deklariert, dass die Arbeitsunfä
higkeit von 50
%
aufgrund
der mittelgradigen Depression seit Jahren gegeben sei. Die somatischen Befunde führten nachweislich zu keiner
Minderu
ng der Arbeitsfähigkeit.
Also sei seit dem letzten Entscheid vom 7. März 2011 keine Ver
änderung gegeben.
Gestützt auf diese Beurteilung
verneinte
die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom
2
2.
Januar 2015 eine relevante Verschlechterung und bestätigte den Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine halbe Rente (
Urk.
11/113).
4.
4.1
Im Rahmen des Revisionsgesuchs (
Urk.
11/121) ergingen die folgenden medizi
nischen Berichte:
Dr. med.
G._
, Facharzt für Chirurgie, führte i
n
einem undatierten, im April 2016 verfassten (vgl.
Urk.
11/
116)
Bericht (Urk. 11/125/1-6) aus, er behandle die Beschwerdeführerin seit dem 5. März 2015 (Ziff. 1.2). Er nannte fol
gende Diagnosen mit Auswirkung auf die die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
chronische Kreuzschmerzen mit pseudoradikulärer Ausstrahlung
-
Depression
-
morbide
Obesitas
Es liege seit vielen Jahren ein
lumbo
-vertebrales Schmerzsyndrom vor. Es bestünden eine
Druckdolenz
der Lendenwirbelsäule und paravertebrale
Myogelo
sen
. Die Prognose sei insgesamt eher ungünstig (Ziff. 1.4).
Als Küchenhilfe bestehe eine volle Arbeitsunfähigkeit seit
3.
August 2016 (
Ziff.
1.6).
Die Patientin sei wegen der chronischen Kreuzschmerzen, wegen der Depression und Adipositas arbeitsunfähig. Vorläufig sei keine berufliche Tätigkeit möglich (Ziff. 1.7).
4.2
Vom 2. August bis am 5. September 2016 war die Beschwerdeführerin in der Reha
k
lini
k
H._
hospitalisiert. Im Austrittsbericht vom 23. September 2016 (Urk. 11/133/6-12) wurden folgende Diagnosen genannt (S. 1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (F33.1) bei psychophysischem Erschöpfungszustand (Z73.0).
-
Lendenwirbelsäulen-Syndrom bei bekanntem, konservativ behandeltem lumbalem Diskusprolaps
-
Parästhesien in beiden Händen bei Rückenlage
-
Zustand nach Stolpersturz im April 2016 mit Fraktur im Mittelfussbereich rechts und Sehnenruptur im Bereich des lateralen Sprunggelenks rechts sowie mit Distorsion im Schulterbereich rechts
-
koronare Risikofaktoren: Adipositas,
Dyslipoproteinämie
,
kompensierter arterieller Hypertonus
-
Zustand nach Operation einer Bauchdeckenhernie im Oberbauch
Die Patientin habe an e
inem ganzheitlich orientierten
interdisziplinären Behand
lungsprogramm für Patienten mit psychosomatischen Erkrankungen teilgenom
men. Sie sei in reduziertem psychophysischen Allgemeinzustand bei insbesondere stark depressivem Erleben in das Rehabilitationsprogramm eingetreten. Im Lauf des Aufenthalts habe sich ihr psychophysischer Gesamtzustand fortwährend ver
bessert (S. 2 Mitte).
Sie sei für die Dauer des Klinikaufenthaltes und anschliessend bis zum 11. September 2016 zu 100
%
arbeitsunfähig (S. 3). Zum psychopatho
logischen Befund
bei der Aufnahme
wurde ausgeführt, die Patientin wirke affek
tiv deprimiert und ängstlich
. Der Kontakt und Rapport sei gut herstellbar. Sie sei bewusstseinsklar und zu allen Qualitäten orientiert. Sie habe keine Sinnestäu
schungen oder Ich-Störungen und keine formalen oder inhaltlichen Denkstörun
gen. Es gebe keine Hinweise auf Suizidalität (S. 7 unten).
4.3
Dr.
F._
(vorstehend E. 3.10) führte in seiner Stellungnahme vom 28. November 2016 (Urk. 11/135 S. 4 f.) aus, aufgrund der medizinischen Befunde sei klar, dass gegenüber 2014 keine Veränderung gegeben sei, welche eine Veränderung der Arbeitsfähigkeit ergeben würde. Es bestehe also weiterhin eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
in angestammter und angepasster Tätigkeit.
4.4
Dr. med. univ.
I._
,
Fachä
rzt
in
für
Psychiatrie und Psychotherapie
, führte im Bericht vom 28.
Februar
2017 (Urk. 11/140) aus, sie behandle die Beschwerdeführerin seit dem 7. Mai 2014 (Ziff. 1.2). Sie nannte folgende psychi
atrischen Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1 Ziff. 1.1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (F33.1), bestehend seit zirka 2004
-
Agoraphobie (F40.0)
Aktuell sei die Patientin nicht arbeitsfähig. Zurzeit sei sie zur Stabilisierung in einer psychiatrischen Tagesklinik, nachdem ein Arbeitsversuch mit einem Pen
sum von 50
%
im
von der Beschwerdegegnerin betriebenen
Gastronomiebetrieb «Arbeitskette» trotz hoher Motivation aufgrund fehlender psychischer Stabilität und wiederkehrender körperlicher Einschränkungen habe abgebrochen werden müssen. Auf längere Sicht werde eine Eingliederung in einen geschützten Arbeitsbetrieb zu mindestens 50
%
angestrebt. Eine Rückkehr in den primären Arbeitsmarkt werde aus heutiger Sicht prognostisch ausgeschlossen (S. 1 oben).
Durch die Schmerzsymptomatik komme es zu einer Aggravation der depressiven Symptomatik. Die chronischen Schmerzen führten zu einer Verminderung der Aktivitäten sowie einer Zunahme von Zukunftssorgen, Grübeln und Gedanken
drehen. Andererseits erschwerten bestehende dysfunktionale Kognitionen sowie die depressiv bedingte Antriebsminderung das Erlernen neuer Strategien um Umgang mit der Schmerzproblematik und den sekundären Ängsten. Therapeu
tisch werde darauf mit einem multimodalen Ansatz reagiert. Neben regelmässiger Psycho- und Pharmakotherapie werde die Symptomatik mittels Ernährungsbera
tung,
Medizinischer Trainingstherapie (
MTT
)
, körperlicher Betätigung sowie einer regelmässigen Tagesstruktur
(Tagesklinik, Arbeitsintegrationsversuch) angegan
gen. Dadurch habe in den letzten zwei Jahren eine Stabilisierung, jedoch keine Verbesserung der Symptomatik erzielt werden können (S. 2 Ziff. 1.4 oben)
.
Die depressive Symptomatik sowie die chronische Schmerzproblematik seien trotz hoher Therapiemotivation und regelmässiger Therapie seit Jahren ausgeprägt. Innerhalb der Therapie sei es zu einer Antriebs
steiger
ung gekommen, so dass die Wahrnehmung einer regelmässigen, sehr niederschwelligen Tagesstruktur mög
lich geworden sei. Dies habe zu einer Verminderung der Suizidgedanken sowie zu mehr Lebensfreude geführt. Ein regelmässiges Training sowie alternative Stra
tegien zum Umgang mit chronischen Schmerzen hätten aufgrund der depressiven Symptomatik nicht längerfristig umgesetzt werden können. Die Gewichtsreduk
tion infolge der Nahrungsumstellung sowie der zusätzlichen Bewegung hätten zu einer leichten Verbesserung des Gesamtzustandes geführt. Dennoch persistierten die chronisch depressive sowie schmerzbedingte Symptomatik und die die damit einhergehenden Ängste (S. 2 Ziff. 1.4 Mitte).
Die psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung finde 14-tägig statt. Aktuell besuche die Patientin ei
ne psychiatrische Tagesklinik (p
sychiatrische
K
linik
J._
) jeweils
nachmittags an 4 Tagen pro Woche (S. 2 Ziff. 1.5).
In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Hilfspflege
Betagtenbetreuung
und Gast
ronomiefachfrau sei die Patientin seit Mai 2014 zu 100
%
arbeitsunfähig (S. 3 Ziff. 1.6). Sie habe im Verlauf der Tätigkeit bei der Arbeitskette eine Zunahme der Schmerzsymptomatik, Gedankendrehen, Grübeln, Zukunftsängste, eine Zunahme der Schlafstörung sowie eine Appetitabnahme gezeigt (S. 3 Ziff. 1.7). Als ange
passte Tätigkeit werde eine leichte körperliche Tätigkeit im Pensum von 50
%
im Team und ohne psychische Belastung angestrebt (S. 3 Ziff. 1.7).
4.5
Die Beschwerdeführerin weilte vom 23. Januar bis zum 1. März 2017 teilstationär in der
J._
. Im Bericht vom 12. Juni 2017 (Urk. 11/147) nannten deren Ärzte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 2 Ziff. 1.1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (F33.1)
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (F45.4)
-
schädlicher Gebrauch von Analgetika im Rahmen der Diagnose der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung
Die teilstationäre Behandlung sei zur Stabilisierung, Aktivierung und Vorberei
tung auf den Wiederantritt einer geschützten Tätigkeit erfolgt (S. 3 Ziff. 1.4). Auf
grund des kurzen Aufenthalts könne nur bedingt eine Prognose gestellt werden. Es habe sich jedoch zuletzt ein eher instabiles Zustandsbild mit deutlicher Depressivität und Beeinträchtigung im Alltag und in der sozialen Teilhabe im Zusammenhang mit körperlichen Symptomen gezeigt (S. 3 Mitte Ziff. 1.4).
In der zuletzt ausgeübten
Tätigkeit als Hilfsköchin sei d
ie
Beschwerdeführerin
seit 1. März 2017 zu 100
%
arbeitsunfähig (S. 4 Ziff. 1.6). Es bestehe eine Depressivi
tät mit Affektlabilität, Antriebsminderung, Gedankenkreisen mit folgender Kon
zentrationsminderu
ng, Rückenschmerzen, erhöhte Ab
lenkbarkeit durch körperli
che Sensationen und Fokussierung auf diese, Insuffizienzgefühle und Versagens
ängste (S. 4 Ziff. 1.7). Zum Zeitpunkt des Austritts habe keinerlei Belastbarkeit bestanden. Eine Zustandsverbesserung vorausgesetzt, wäre die Wiederaufnahme einer geschützten Tätigkeit zu einem initial geringeren Pensum von wenigen Stunden pro Tag zu befürworten (S. 5 Ziff. 1.7).
5.
5.1
Am 8. Februar 2018 erstatteten Dr. med.
K._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Dr. med.
L._
,
Facharzt für Orthopädische Chi
rurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, und Dr. med.
M._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Y._
, ihr polydisziplinäres Gutachten (Urk. 11/161).
5.2
Dr.
K._
führte im internistischen Teilgutachten aus, eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei nicht zu attestieren und auch
in den Akten
seien keine eigen
ständigen internistischen Begründungen für eine Arbeitsunfähigkeit dargestellt worden (S. 19 Ziff. 2.1.5).
5.3
Dr.
L._
nannte im orthopädischen Teilgutachten folgende Diagnosen (S. 23 Ziff. 2.2.4):
-
Adipositas Grad III
-
beginnende Gonarthrose rechts
Vorrangig klage die
Versicherte
über Rückenschmerzen lumbal. Eine neurologi
sche Defizitsymptomatik habe nicht erhoben werden können, die Beweglichkeit
der LWS sei als objektiv nicht namhaft gestört anzusehen. Die bildmorphologisch erkennbaren degenerativen Veränderungen der LWS erklärten die Rückenschmer
zen nicht. Allenfalls liege hier eine Überbelastung des Achsenskeletts bei erheb
licher Adipositas vor, was mittels Gewichtsreduktion zu beheben sei (S. 24 Ziff. 2.2.5 oben). Eine Notwendigkeit für eine Opioid-Medikation lasse sich orthopädisch nicht erkennen. Hier sei eine Revision der Medikation notwendig. Die Versicherte sei aus orthopädischer Sicht für körperlich leichte bis mittel
schwere Arbeiten, also auch für die derzeitige Tätigkeit im Reinigungsdienst, als zu 100
%
arbeitsfähig (Pensum und Rendement 100
%
) anzusehen (S. 24 Ziff. 2.2.5 unten).
5.4
Dr.
M._
nannte im psychiatrischen Teilgutachten folgende Diagnosen (S. 29 Ziff. 2.3.3):
-
rezidivierende depressive Störung, derzeit maximal leichtgradig ausge
prägt (F33.0)
-
PTBS
subsyndromaler
Ausprägung (F43.1)
-
Opioid-Fehlgebrauch
Zum psychiatrischen Befund nach AMDP hielt er unter anderem fest (S. 27 ff. Ziff. 2.3.2): Bezüglich
Mnestik
könne die Versicherte Lebensdaten sicher rekon
struieren. Eine Zeitgitterstörung liege nicht vor. Lang- und Kurzzeitgedächtnis seien intakt. Im 3-Begriffe-Test erinnere sie 3 von 3 Begriffen. Konzentration und Aufmerksamkeit seien unauffällig, der
Substraktionstest
werde sicher durchge
führt. Das formale Denken sei geordnet, auf das Wesentliche beschränkt und in angemessener Geschwindigkeit. Eine Grübelneigung werde berichtet. Die Versi
cherte schildere Angst, die alleine zu Hause und in Dunkelheit, aber auch agora
phobisch gefärbt auftrete. Weiter werde ein
getriggertes
angstbesetztes szenisches Wiedererleben traumatisierender Situationen berichtet. Es würden ein partielles Vermeidungsverhalten, bezogen auf die öffentlichen Verkehrsmittel, und ein par
tieller sozialer Rückzug berichtet (S. 28 Mitte). Bezüglich Affektivität wirke die Stimmung allenfalls leichtgradig depressiv, die affektive Schwingungsfähigkeit sei intakt. Die Auslenkung zum positiven Pol gelinge. Es gebe keinen Hinweis für Schuldgefühle. Es bestehe Insuffizienzerleben. Der Antrieb wirke leichtgradig ver
mindert. Mimik und Gestik seien ungestört (S. 29 Mitte).
Die affektive Schwingungsfähigkeit sei somit ungestört, sodass derzeit ein allen
falls leichtgradiges depressives Syndrom zu objektivieren sei. Anamnestisch sei diesbezüglich ein rezidivierender Erkrankungsverlauf mit abgrenzbaren Phasen etwa Mitte der 90er-Jahre, um das Jahr 2000 sowie seit 2014 mit schwankendem Verlauf herauszuarbeiten. Zugrundeliegend sei eine PTBS schlüssig zu diagnosti
zieren (S. 30 oben Ziff. 2.3.4). Weiter herauszuarbeiten sei eine langjährige
undokumentierte
Opioid-Verordnung, die geeignet sei, negativ mit den psychi
schen Störungen zu interagieren. Hier sei eine Revision der Medikation notwen
dig. Eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit sei nicht mit der gebotenen Wahr
scheinlichkeit zu attestieren. Die berichteten affektiven und vegetativen Beein
trächtigungen seien angesichts des hiesigen Befunds nicht derart gravierend aus
geprägt, dass eine Minderung der Arbeitsfähigkeit resultiere und eine Arbeitstä
tigkeit sei auch therapeutisch eher wünschenswert (Stabilisierung von Tages
struktur, Selbstwertgefühl und sozialer Teilhabe). Vorrangig notwendig seien eine Entgiftung und Entwöhnung von sämtlichen Opioid-Schmerzmitteln und eine
traumaspezifische
Therapie. Eine höhergradige Symptomintensität der PTBS sei nicht herauszuarbeiten, sodass diesbezüglich eine
subsyndromale
Symptomaus
prägung anzunehmen sei (S. 30 Mitte Ziff. 2.3.4).
5.5
In der zusammenfassenden Konsensbeurteilung (S. 31 ff.)
nannten die Gutachter folgende
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 37
Ziff.
III. 1):
-
Adipositas Grad III
-
beginnende Gonarthrose rechts
Die folgenden Diagnosen hätten keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 38
Ziff.
2):
-
arterielle Hypertonie,
Dyslipidämie
, Nikotinkonsum
-
Hämaturie
-
Opioid-Fehlgebrauch
-
rezidivierende depressive Störung, derzeit maximal leichtgradig ausge
prägtes depressives Syndrom (ICD-10 F33.0)
-
posttraumatische Belastungsstörung,
subsyndromaler
Ausprägung (ICD-10 F43.1)
D
ie Arbeitsfähigkeit der Versicherten in der derzeit ausgeübten sowie jedweder vergleichbaren Tätigkeit oder auch einer anderen, körperlich überwiegend leich
ten bis mittelschweren, wechselbelastend oder überwiegend sitzend ausgeübten Tätigkeit des allgemeinen Arbeitsmarkts sei als nicht limitiert anzusehen (S. 31 Mitte Ziff. 3). Der psychiatrische Gutachter Dr.
E._
(vorstehend E. 3.8) habe
im Juni 2014
eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
empfohlen (S. 34 Mitte). Diese Emp
fehlung sei aus Sicht der
Y._
-Gutachter jedoch nicht ausreichend schlüssig, da eine Opioid-Abhängigkeit beziehungsweise ein entsprechender Fehlgebrauch reversibel sei und bekanntlich mit psychischen Störungsfolgen einhergehe, die auch Schmerzsyndrome umfassten. Die Diagnose einer somatoformen Schmerz
störung sei also im Vorgutachten nicht differenziell abgrenzend zum Opioid-Kon
sum diskutiert worden. Weiter fehle im Vorgutachten eine ausreichende Berück
sichtigung der PTBS, die gesamte Einschätzung erscheine also eher verkürzend und nicht vollständig. Eine eigenständige somatoforme Schmerzstörung sei zude
m auch im Folgebericht der Rehak
lini
k
H._
(vorstehend E. 4.2) nicht mehr genannt
(S. 33 f.)
. Der jetzige psychiatrische Befund sei nicht mehr derart ausgeprägt, dass eine eigenständige psychiatrische Begründung für eine Arbeits
unfähigkeit fortbestehe. Insofern sei eine Besserung anzunehmen (S. 35 oben).
5.6
Im Rahmen der Beantwortung der Gutachtenfragen (S. 35 ff. Ziff. 4) wurde aus
geführt, eine retrospektive Bewertung der Arbeitsfähigkeit lasse sich anhand der Vorberichte wegen deren Uneinheitlichkeit und wechselnden Empfehlungen, teils auch wegen der Unvollständigkeit (PTBS) und nicht ausreichenden Schlüssigkeit (Opioid-Fehlgebrauch)
,
kaum zeitlich eingrenzen und quantifizieren. Die Bewer
tung gelte also ex
nunc
(S. 41 oben Ziff. IV.1).
Auf die Frage
,
ob seit der letzten Revision eine Verbesserung des Gesundheitszustandes eingetreten sei oder ob es sich um einen im Wesentlichen unveränderten Gesundheitszustand handle, des
sen Auswirkungen auf die Arbeitsf
ähigkeit nun anders beurteilt wü
rde
n
, wurde ausgeführt, die Gutachter beurteilten den Gesundheitszustand teils lediglich anders (PTBS, Opioid-Fehlmedikation), teils sei auch angesichts des jetzigen psy
chiatrischen Befunds, der keine erhebliche Depressivität mehr ausweise, keine psychiatrisch begründete Minderung der Arbeitsfähigkeit mehr zu erkennen. Ins
gesamt scheine
ihnen
jedoch eher eine lediglich andere Bewertung zu überwiegen (S. 41 unten Ziff. VII.1).
5.7
Dr.
N._
(vormals Dr.
I._
; vorstehend E. 4.4
)
führte in ihrer Stellung
nahme vom 16. Juli 2018 (Urk. 3) aus,
im Behandlungszeitraum der le
tzten etwas mehr als vier Jahre
habe die Patientin neben mehreren depressiven Episoden eine chronifizierte Residualsymptomatik gezeigt, so dass
nach wie vor eine psychiat
risch begründete Arbeitsunfähigkeit
bestehe
, wobei nicht von einer baldigen Bes
serung auszugehen sei.
Diese Einschätzung beziehe sich auf in der Therapie besprochene
n
und über einen längeren Zeitraum beobachtete
n
näher genannte
n
Symptome.
Die Schwingungsfähigkeit sei stark tagesabhängig und je nach depressiver Stimmung stärker und schwächer ausgeprägt, generell aber einge
schränkt (S. 1 Mitte).
Der
Antrieb sei grundsätzlich vermindert und hänge stark mit der vorliegenden Schmerzsymptomatik zusammen (S. 1 unten). Eine Entgif
tung und Entwöhnung von Opioid-Schmerzmitteln werde begrüsst, es werde aber nicht davon ausgegangen, dass sich dadurch die restliche Symptomatik soweit bessere, dass die Arbeitsfähigkeit wiederhergestellt werden könne. Eine
trauma
spezifische
Therapie sei anfänglich initiiert worden (2014), müsse jedoch ausge
schlossen werden, da die Beschwerdeführerin weder genügend Stabilität noch ausreichend Ressourcen für eine traumatische Exposition mitbringe. Die
trauma
bedingten
Symptome seien zudem im Hintergrund und für die berufliche Funkti
onsfähigkeit von unwesentlicher Bedeutung (S. 2)
.
6.
6.1
In
rein
somatischer Hinsicht wurden
sowohl
von
der
Vorgutachterin
(vorstehend E. 3.7)
als auch
von den
Y._
-
Gutachtern (vorstehend E. 5.2 und E 5.3) eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
attestiert. Ein Revisionsgrund
in somatischer Hinsicht wird denn
von der Beschwerdeführerin auch nicht geltend gemacht. Zu fokussie
ren ist nachfolgend auf die Beurteilung von deren psychischen Gesundheitszu
stand.
6.2
Die
Y._
-Gutachter hielten fest, hinsichtlich der PTBS und der Opioid-Fehl
medikation liege gegenüber dem Vergleichszeitpunkt lediglich eine andere Beur
teilung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin vor (vorstehend E. 5.6).
Sie führten aus, es sei keine höhergradige Symptomintensität der PTBS heraus
zuarbeiten, so dass eine
subsyndromale
Symptomausprägung anzunehmen sei (vorstehend E. 5.4). Im Vorgutachten fehle eine ausreichende Berücksichtigung der PTBS (vorstehend E. 5.5). Zwar trifft
es
zu,
dass
im Vorgutachten keine
PTBS diagnostiziert wurde und einer solchen folgerichtig keine
relevante Bedeutung zugeschrieben
werden konnte
. Indem dies jedoch auch im
Y._
-Gutachten nicht der Fall ist, erschliesst sich weder, weshalb die PTBS im Vorgutachten nicht ausreichend berücksichtigt worden sein soll, noch weshalb
nun diesbezüglich
eine andere Beurteilung des Gesundheitszustandes vorl
i
egen soll.
Diese Ausfüh
rungen erweisen
sich als nicht nachvollziehbar.
Was den
Opioidkonsum
anbelangt, so ist aufgrund der übereinstimmenden medizinischen Berichte erstellt, dass die Beschwerdeführerin zirka seit Mitte 2011 Opioide als Schmerzmedikamente zu sich nimmt (vgl. vorstehend E 3.5). Während der
psychiatrische
Vorgutachter zum Schluss gekommen war, die
Opioidabhän
gigkeit
habe keinerlei Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (vorstehend E. 3.8),
hielt
zwar
auch Dr.
M._
im psychiatrischen
Y._
-Teilgutachten fest,
eine
Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit
durch den
Opioidkonsum
sei nicht mit der gebotenen Wahrscheinlichkeit zu attestieren. Er bezeichnete
aber
die Einschät
zung eine
r
Arbeitsfähigkeit von 50
%
durch den Vorgutachter nicht als ausrei
chend schlüssig, da eine Opioid-Abhängigkeit beziehungsweise ein entsprechen
der Fehlgebrauch reversibel sei und mit psychischen Störungsfolgen einhergehe, die
auch Schmerzsyndrome umfassten. Die Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung sei also im Vorgutachten nicht differenziell abgrenzend zum Opioid-Konsum diskutiert worden (vorstehend E. 5.5).
Diese Abgrenzung nimmt zwar auch Dr.
M._
kaum vor, was als Mangel gewertet werden muss.
Es ist den
Y._
-Gutachtern
aber
darin zuzustimmen, dass betreffend den Opioid-Fehlge
brauch beziehungsweise die nicht aufrecht erhaltene Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung eine lediglich andere Beurteilung desselben Gesundheitszustandes vorliegt.
6.3
Der Vorgut
achter machte keine
genaueren
Angaben darüber
, in welchem Aus
mass die anhaltende somatoforme Schmerzstörung die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführer
in beeinträchtige. Er hielt ledi
glich fest, die sich aus ihr erge
benden qualitativen Funktionseinbussen seien bereits in denjenigen mitberück
sichtigt, die sich aus der mittelgradigen depressiven Episode ergäben
. Diese betrügen 50
%
(vorstehend E. 3.8).
Der psychiatrische
Y._
-Teilgutachter ging
in affektiver Hinsicht
demgegenüber von einem allenfalls leichtgradigen depres
siven Syndrom aus (vorstehend E 5.
4), was als Verbesserung des Gesundheitszu
standes anzusehen sei (vorstehend E. 5.6
).
6.4
Der konkreten aktuellen Ausprägung der depressiven Störung kommt somit
eine wichtige
Bedeutung zu, worauf die Beschwerdeführerin zu Recht hinwies (vorste
hend E. 2.2).
Sowohl die Ärzte der Reha
k
lini
k
H._
im September 2016
nach fünfwöchi
gem stationärem Klinikaufenthalt
(vorstehend E. 4.2),
die die Beschwerdeführerin seit vier Jahren
im Zweiwochentakt
behandelnde Psychiaterin
Dr.
N._
(vormals
I._
) im Februar 2017
und im Juli 2018
(vorstehend E. 4.4
und E. 5.7
) wie auch die Ärzte der
J._
im Juni 2017 nach fünfwöchigem teilstationärem Aufenthalt (vorstehend E. 4.5) diagnostizierten bei der Beschwerdeführerin eine rezidivierende depressive Störung mittelgradiger Episode. Alle drei Berichte wur
den eigenständig, nachvollziehbar und sorgfältig verfasst.
Wie die Beschwerdeführerin zu Recht geltend machte (vorstehend E 2.2)
,
wäre vom psychiatrischem
Y._
-Teilgutachter
Dr.
M._
, welcher die Beschwerde
führerin persönlich nur an einem Tag für 90 Minuten
untersuchte
(vgl. Urk. 11/157 S. 1)
,
eine kritische Auseinandersetzung mit diesen
Vorakten
zwingend zu erwarten gewesen.
Eine solche fa
nd jedoch nicht statt, im
Y._
-Gutachten ist lediglich eine kurze Zusammenfassung dieser drei Berichte zu fin
den (Urk. 11/161 S. 34). So verbleibt zur Begründung der gestellten Diagnose lediglich die Querschnittbeurteilung
des Psychostatus’
nach AMDP am Tag der
Untersuchung
durch
Dr.
M._
. Ob diese nach den Regeln der Kunst durchgeführt wurde oder nicht, kann hier offenbleiben. Effektiv wäre unter dem Titel «Affekti
vität» wohl
mit der Beschwerdeführerin (vorstehend E. 2.2)
eine grössere Begrün
dungsdichte angezeigt gewesen, nachdem der Vorgutachter noch angegeben hatte, es seien in der Untersuchung insbesondere diejenigen Parameter patholo
gisch ausgelenkt gewesen, die die Affektivität abbildeten (vorstehend E. 3.8)
,
und auch die Ärzte der
J._
und der
Rehak
lini
k
H._
von Störungen der Affek
tivität
berichtet hatten (vorstehend E 4.2
und E. 4.5
).
Angesichts dessen, dass die Schwingungsfähigkeit gemäss Dr.
N._
und nach allgemeiner Erfahrung stark tagesabhängig sein kann (vorstehend E. 5.7),
vermag die
von Dr.
M._
gestellte Diagnose
einer maximal leichtgradig ausge
prägten Depression
mangels Auseinandersetzung mit den
durchgehend anders
lautenden, auf Längsschnittbeurteilungen beruhenden
Vorakten
nicht zu über
zeugen. Dasselbe gilt für die im Gutachten angestellte zu oberflächliche
Indika
torenprüfung
, wo unter verschiedenen Titeln immer wieder derselbe Textblock eingefügt wurde (vgl. etwa
Urk. 11/161
S. 36 Ziff.
4,
Ziff
8
, S. 37
Ziff.
5, S. 39
Ziff.
2, S. 40
Ziff.
3
).
6.5
Dass sich die rezidivierende Depression mittlerweile von einer mittelgradigen
hin
zu einer leichten Ausprägung verbessert haben solle, lässt sich durch das
Y._
-Gutachten somit nicht erstellen.
Es ist die Aussage
der Gutachter zu beachten, wonach es sich bei ihrer Beurteilung insgesamt eher überwiegend um eine andere Bewertung eines im Wesentlichen unveränderten Gesundheitszustandes handle.
Dass dies effektiv der Fall ist, zeigt sich nicht nur an der aufgegebenen Diagnose der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (vgl. oben E. 6.2 und E. 6.3), sondern auch daran, dass die
Y._
-Gutachter ohne weitere Begründung davon ausgingen, die gesamte Einschätzung im Vorgutachten erscheine als eher verkür
zend und nicht vollständig, die Empfehlung einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
sei nicht schlüssig (vorstehend E 5.5).
Eine revisionsbegründende Veränderung des Gesundheitszustandes liegt nicht vor.
E
ine anspruchserhebliche Änderung des Sachverhalts
ist
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, womit es beim bisherigen Rechtszustand bleibt (vgl. vorstehend E. 1.6). Zumal umgekehrt auch keine Verschlechterung des Gesundheitszustandes ausgewiesen ist, liegt kein Revisionsgrund vor.
6.6
In Gutheissung der Beschwerde
ist daher die Verfügung der Sozial
versicherungs
anstalt des
Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 1
2.
Juni 2018 aufzuheben und fe
stz
u
stellen, dass die
Beschwerdeführer
in ab 3
1.
Juli 2018 weiterhin Anspruch auf eine halbe In
validenrente hat.
7.
7.1
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 800.-- fe
stz
usetzen und ausgangsgemäss
zu 3⁄4
der Beschwerdegegnerin
und zu 1⁄4 der Beigeladenen 1
aufzuerle
gen.
7.2
Nach
§
34
Abs.
1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerdeführerin
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Beim praxisge
mässen Stundenansatz von Fr. 220
.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ist die Prozessentschäd
igung ermessensweise auf Fr. 2’8
00.--
(inklusive Baraus
lagen und Mehrwertsteuer) fe
stz
usetzen und der Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.