# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 78cb321f-dab2-435b-b893-6c91dacb874c
**Court:** BL_SG
**Chamber:** BL_SG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** BL / Northwestern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Tax

## Facts

Sachverhalt:
1. Mit Verfügungen vom 21. Mai 2015 wurde die Pflichtige zur Zahlung einer Staatssteuer
2014 in Höhe von Fr. 3‘494.75 und direkten Bundessteuern 2014 in Höhe von Fr. 400.05 veran-
lagt.
2. Mit Schreiben vom 3. Juni 2015 ersuchte die Pflichtige um Erlass der Staats- und direk-
ten Bundessteuern 2014. Zur Begründung brachte sie vor, ihre finanzielle Situation sei derzeit
schlecht. Sie sei seit dem 1. Dezember 2014 arbeitslos und Mutter geworden.
3. Mit Entscheid der Taxations- und Erlasskommission vom 25. August 2015 wurde das
Gesuch abgewiesen und die offenen Steuerforderungen ab dem Datum des Erlassgesuches für
die Dauer der Arbeitslosigkeit, längstens aber bis zum 30. November 2016 verzugszinsfrei ge-
stundet. Zur Begründung führte sie aus, Arbeitslosigkeit allein vermöge grundsätzlich keinen
Steuererlass zu begründen. Einerseits könnten während einer bestimmten Dauer Arbeitslosen-
gelder bezogen werden, andererseits werde ein Steuererlass nur bei andauernder Verschlech-
terung der finanziellen Lage gewährt.
4. Mit Revisionsgesuch vom 14. Dezember 2015 wandte sich die Pflichtige an die Taxa-
tions- und Erlasskommission und führte aus, sie lebe nun von der Sozialhilfe.
5. Mit Entscheid vom 12. Januar 2016 trat die Taxations- und Erlasskommission auf das
Revisionsgesuch nicht ein. Zur Begründung führte sie aus, die Stundung dauere noch bis zum
30. November 2016.
6. Mit Eingabe vom 24. Januar 2016 erhob die Pflichtige mit dem Begehren, die Staats-
und direkten Bundessteuern 2014 seien zu erlassen, Rekurs. Zur Begründung führte sie aus,
das ihr zur Verfügung stehende Geld reiche nicht aus, um die offenen Steuern zu bezahlen.
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7. Mit Vernehmlassung vom 28. April 2016 beantragte die Taxations- und Erlass-
kommission die Abweisung des Rekurses. Zur Begründung führte sie aus, ob die Dauerhaf-
tigkeit der finanziellen Notlage eintreten werde, habe im Zeitpunkt des Gesuches noch nicht
beurteilt werden können, weswegen vorderhand bloss eine verzugszinsfreie Stundung gewährt
worden sei. Erst nach Ablauf der Stundungsfrist könne erneut ein Gesuch um Steuererlass ge-
stellt werden.
8. Anlässlich der heutigen Verhandlung hielt die Taxations- und Erlasskommission an ih-
rem Begehren fest. Auf Frage hin, wieso mit Entscheid vom 25. August 2015 das Verfahren
nicht bis zum Zeitpunkt, in welchem die Dauerhaftigkeit der finanziellen Notlage habe festge-
stellt werden können, sistiert worden sei, antwortete der Vertreter der Taxations- und Erlass-
kommission, man könne nicht jedes Verfahren, bei welchen der Sachverhalt noch nicht ganz
klar sei, ausstellen, zumal eine Sistierung des Verfahrens nicht notwendig sei, da, sobald sich
die finanzielle Situation geändert habe, wieder ein neues Gesuch eingereicht werden könne.

## Considerations

Das Steuergericht zieht in Erwägung:
1. Das Steuergericht ist gemäss § 139b Abs. 2 des Gesetzes über die Staats- und Ge-
meindesteuern (Steuergesetz) vom 7. Februar 1974 (StG) sowie § 11 Abs. 2 der Vollzugsver-
ordnung zum Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer vom 13. Dezember 1994 (Voll-
zugsverordnung) zur Beurteilung des vorliegenden Rekurses zuständig. Im Übrigen gelten die
Bestimmungen gemäss den §§ 124 - 132 StG. Gemäss § 129 Abs. 2 StG werden Rekurse, de-
ren umstrittener Steuerbetrag wie im vorliegenden Fall Fr. 8'000.-- pro Steuerjahr nicht über-
steigt, vom Präsidenten und zwei Richterinnen und Richtern des Steuergerichts beurteilt. Da die
in formeller Hinsicht an einen Rekurs zu stellenden Anforderungen erfüllt sind, ist ohne weitere
Ausführungen darauf einzutreten.
2. Ist die Vorinstanz wie in casu auf ein Revisionsgesuch nicht eingetreten, hat das Steu-
ergericht praxisgemäss lediglich zu prüfen, ob dieser Nichteintretensentscheid zu Recht erfolgt
ist. Deshalb sind nur solche Rügen zu berücksichtigen, die sich auf die Eintretensfrage bezie-
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hen. Ausgeschlossen von der richterlichen Prüfung bleiben jene Rügen, welche die materielle
Seite betreffen. Kommt das Gericht zum Schluss, dass auf das Revisionsgesuch hätte eingetre-
ten werden müssen, ist der Rekurs gutzuheissen und der Fall zur materiellen Beurteilung an die
Vorinstanz zurückzuweisen. Andernfalls muss der Rekurs abgewiesen und der vorinstanzliche
Entscheid bestätigt werden (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Kommentar zum Zürcher
Steuergesetz, 3. A. Zürich 2013; Entscheid des Steuergerichts [StGE] Nr. 44/2008 vom 30. Mai
2008, E. 2, www.bl.ch/steuergericht).
3. Vorab ist zu prüfen, ob die Praxis der Taxations- und Erlasskommission, ein Steuerer-
lassgesuch zu behandeln und alsdann, wenn sich die finanzielle Situation geändert hat, erneut
in derselben Angelegenheit zu entscheiden, rechtmässig ist.
a) Gemäss Art. 167 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer
(DBG) vom 14. Dezember 1990 können steuerpflichtigen Personen, für die infolge einer Notla-
ge die Bezahlung der Steuer, eines Zinses oder einer Busse wegen Übertretung eine grosse
Härte bedeuten würde, die geschuldeten Beträge ganz oder teilweise erlassen werden. Ein ent-
sprechendes Gesuch ist nach Art. 167b Abs. 1 und Art. 167c DBG i.V.m. Art. 5 ff. der Verord-
nung des EFD über die Behandlung von Gesuchen um Erlass der direkten Bundessteuer vom
12. Juni 2015 (Steuererlassverordnung) bei der zuständigen kantonalen Verwaltung für die di-
rekte Bundessteuer einzureichen. Entsprechend bestimmt § 139b Abs. 1 StG, dass steuer-
pflichtigen Personen, für die infolge einer Notlage die Bezahlung der Steuern, Zinsen, Bussen
und Gebühren eine grosse Härte bedeuten würde, die geschuldeten Beträge ganz oder teilwei-
se erlassen werden können. Über ein entsprechendes Gesuch entscheidet die Taxations- und
Erlasskommission nach Anhörung des zuständigen Gemeinderates (§ 139b Abs. 2 StG). Ein
Erlass oder Teilerlass der Staatssteuer hat auch die entsprechende Herabsetzung der Gemein-
desteuer zur Folge (§ 139b Abs. 3 StG).
b) Art. 13 der Steuererlassverordnung regelt den Entscheid. Gemäss Abs. 1 dieser
Bestimmung kann die Gewährung des Steuererlasses an Bedingungen und Auflagen wie Ab-
zahlungen oder die Leistung von Sicherheiten geknüpft werden. Kann gemäss Abs. 2 den wirt-
schaftlichen Verhältnissen der gesuchstellenden Person mit Zahlungserleichterungen Rech-
nung getragen werden, so weist die Erlassbehörde das Gesuch ganz oder teilweise ab und
empfiehlt der zuständigen kantonalen Behörde, eine Stundung zu gewähren oder Ratenzahlun-
gen zu bewilligen.
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c) Aus keiner der vorstehend zitierten Normen kann die Taxations- und Erlasskom-
mission etwas zu ihren Gunsten ableiten. Vielmehr fehlt es für die von der Vorinstanz ange-
wandte Praxis an einer gesetzlichen Grundlage. Zudem stehen der Praxis der Taxations- und
Erlasskommission der Grundsatz des Anspruchs auf den Erlass eines Entscheides und der
Grundsatz der res iudicata entgegen. Gemäss Art. 29 Abs. 1 der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV) hat jede Person in Verfahren vor
Gerichts- und Verwaltungsinstanzen Anspruch auf gleiche und gerechte Behandlung sowie auf
Beurteilung innert angemessener Frist. Das aus dieser Norm abgeleitete Verbot der formellen
Rechtsverweigerung ist verletzt, wenn eine Behörde in einem Rechtsanwendungsverfahren
ganz oder teilweise untätig bleibt, obwohl nach den massgebenden Verfahrensvorschriften ein
Anspruch auf Verfahrenserledigung besteht (vgl. BSK BV-Waldmann, Art. 29 N 23). Gestützt
darauf ist die Taxations- und Erlasskommission verpflichtet, einen Entscheid zu fällen, mit wel-
chem ein Erlassgesuch abschliessend beurteilt wird. Dies ergibt sich überdies aus dem Grund-
satz der res iudicata. Eine solche ist dann anzunehmen, wenn die strittige Angelegenheit mit
einem schon rechtskräftig beurteilten Anspruch identisch ist. Dies trifft zu, wenn der betreffende
Anspruch dem Gericht aus demselben Rechtsgrund und gestützt auf denselben Sachverhalt
erneut zur Beurteilung unterbreitet wird. Liegt eine res iudicata vor, ist ein neues Prozessverfah-
ren über diesen Streitgegenstand und damit eine erneute gerichtliche Beurteilung grundsätzlich
nicht mehr zulässig. Die materielle Rechtskraft bzw. die Rechtsbeständigkeit schneidet diesfalls
vielmehr die Möglichkeit ab, den Streit erneut aufzugreifen (vgl. Entscheid des Kantonsgerichts
Basel-Landschaft vom 24. März 2015, 740 14 322, E. 2.1., m.w.H., www.bl.ch/kantonsgericht),
wo das Kantonsgericht entschieden hat, dass über einen Prämienverbilligungsanspruch für das
Bezugsjahr 2014, über welchen bereits in einem früheren Verfahren entschieden worden war,
nicht nochmals geurteilt werden kann. Dasselbe muss für das Steuererlassverfahren gelten.
Wurde über ein Gesuch für ein Steuerjahr entschieden, ist auf ein weiteres Gesuch für dasselbe
Jahr nicht mehr einzutreten, da über dieselbe Streitsache nicht mehrfach geurteilt werden darf.
d) Zusammenfassend ergibt sich, dass die eingangs zitierte Praxis unzulässig ist.
Ein Gesuchsteller hat Anspruch darauf, dass über sein Erlassgesuch befunden wird, ohne dass
die Taxations- und Erlasskommission später erneut auf seinen Fall zurückkommt. Entgegen der
Ansicht der Vorinstanz erwachsen Steuererlassentscheide in formelle und materielle Rechts-
kraft, zumal ansonsten Rechtsmittelverfahren obsolet wären. Ist im Entscheidzeitpunkt die an-
dauernde Verschlechterung der finanziellen Lage nicht klar und kann deswegen noch nicht ab-
schliessend über das Steuererlassgesuch entschieden werden, ist das Verfahren bis zu jenem
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Zeitpunkt, in dem sich die Sachlage geklärt hat, auszustellen und alsdann über das Gesuch zu
entscheiden.
e) Vorliegend ist damit der Entscheid der Taxations- und Erlasskommission vom
25. August 2015, mit welchem das Steuererlassgesuch abgewiesen und die offenen Steuerfor-
derungen ab dem Datum des Erlassgesuches für die Dauer der Arbeitslosigkeit, längstens aber
bis zum 30. November 2016 verzugszinsfrei gestundet wurde, in Rechtskraft erwachsen. Dar-
aus folgt, dass die Rekurrentin entgegen der von der Vorinstanz vertretenen Meinung bereits
während der Stundungsfrist beschwert ist und deshalb Anspruch darauf hat, dass das
Revisionsbegehren geprüft wird, umso mehr als die Revisionsfrist von 90 Tagen (vgl. dazu die
Ausführungen unter Erw. 4 hiernach) am 30. November 2016 längst abgelaufen wäre.
4. Zu prüfen bleibt damit, ob die Voraussetzungen für eine Revision gegeben sind.
a) Gemäss § 132 Abs. 1 StG kann eine rechtskräftige Veranlagung oder ein rechts-
kräftiger Entscheid auf Antrag oder von Amtes wegen zugunsten des Steuerpflichtigen revidiert
werden, wenn erhebliche Tatsachen oder entscheidende Beweismittel entdeckt werden (lit. a);
wenn die erkennende Behörde erhebliche Tatsachen oder entscheidende Beweismittel, die ihr
bekannt waren oder bekannt sein mussten, ausser Acht gelassen oder in anderer Weise we-
sentliche Verfahrensgrundsätze verletzt hat (lit. b); wenn ein Verbrechen oder Vergehen die
Verfügung oder den Entscheid beeinflusst hat (lit. c). Gemäss § 132 Abs. 2 StG ist eine Revisi-
on jedoch ausgeschlossen, wenn der Antragsteller als Revisionsgrund vorbringt, was er bei der
ihm zumutbaren Sorgfalt schon im ordentlichen Verfahren hätte geltend machen können. Ge-
mäss § 132 Abs. 3 StG muss das Revisionsbegehren innert 90 Tagen seit Entdeckung des Re-
visionsgrundes, spätestens jedoch innert 10 Jahren nach Eröffnung der Verfügung oder des
Entscheids eingereicht werden. Gemäss § 132 Abs. 4 StG ist für die Behandlung des Revisi-
onsbegehrens diejenige Behörde zuständig, welche die fragliche Verfügung oder den fraglichen
Entscheid erlassen hat.
b) An die Sorgfalt der steuerpflichtigen Person bei der Wahrung ihrer Rechte im
Veranlagungsverfahren dürfen nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung einige Anforde-
rungen gestellt werden. Es ist grundsätzlich davon auszugehen, dass sie ihre eigenen finanziel-
len Verhältnisse kennt, und dass sie die Veranlagungsverfügung nach Erhalt überprüft und all-
fällige Mängel rechtzeitig rügt. Sie kann nicht die Revision verlangen, um im Rechtsmittelverfah-
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ren Versäumtes nachzuholen (vgl. Entscheid des Bundesgerichts [BGE] vom 21. Mai 1997,
E. 3d, in: Archiv für Schweizerisches Abgaberecht [ASA], Bd. 67, S. 398). Insbesondere kann
die Revision als ausserordentliches Rechtsmittel nicht mit Einwendungen begründet werden,
die im ordentlichen Rechtsmittelverfahren hätten erhoben werden können (vgl. BGE 111 1b
210, E. 1, m.w.H., in diesem Sinne auch Vallender in: Kommentar zum Schweizerischen Steu-
errecht I/2b, Art. 147 DBG N 6). Die Revision ist zum Beispiel ausgeschlossen, wenn aus Nach-
lässigkeit des Steuerpflichtigen (oder seines Vertreters) wesentliche Sachverhaltselemente im
ordentlichen Veranlagungs- oder Rechtsmittelverfahren nicht vorgebracht worden sind oder
wenn der Steuerpflichtige bei Prüfung der ihm eröffneten Veranlagung, allenfalls unter Beizug
eines Sachverständigen, den Sachverhalts- oder Rechtsirrtum der Behörde sofort hätte entde-
cken können (vgl. Zweifel/Casanova, Schweizerisches Steuerverfahrensrecht, § 26 N 54).
c) Vorliegend wurde mit Entscheid der Taxations- und Erlasskommission vom
25. August 2015 das Steuererlassgesuch unter Hinweis auf die Arbeitslosigkeit, welche für sich
allein keinen Steuerlass zu begründen vermöge, abgewiesen. Nur bei andauernder Verschlech-
terung der finanziellen Lage könne ein Steuerlass gewährt werden. Ab dem 1. Oktober 2015
war die Rekurrentin nicht mehr arbeitslos, sondern bezog Sozialhilfe. Die drohende Sozialhilfe-
abhängigkeit war für die Taxations- und Erlasskommission aufgrund der bereits seit dem 1. De-
zember 2014 andauernden Arbeitslosigkeit und der Geburt der Tochter, für welche die Rekur-
rentin als Alleinerziehende aufzukommen hat, bereits im Entscheidzeitpunkt absehbar, so dass
es sich dabei um eine erhebliche Tatsache handelt, welche die Vorinstanz hätte berücksichti-
gen müssen. Damit ist ein Revisionsgrund gegeben. Überdies erfolgte das Revisionsgesuch
vom 14. Dezember 2015 innert der 90tägigen Frist seit Entdeckung des Revisionsgrundes, d.h.
der Sozialhilfeabhängigkeit am 1. Oktober 2015. Daraus folgt, dass die Taxations- und Erlass-
kommission hätte auf das Revisionsgesuch eintreten müssen.
Damit erweist sich der Rekurs als begründet und ist gutzuheissen.
5. Ausgangsgemäss sind der Rekurrentin nach § 130 StG i.V.m. § 20 Abs. 1 und 3 des
Gesetzes vom 16. Dezember 1993 über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung
(VPO) keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.
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