# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** af003ceb-f076-4c59-afaf-c7214d94ce53
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der 1979 geborene
X._
wurde am 15. Mai 2017 angeschossen und erlitt dabei zum einen eine Schussverletzung im Gesicht mit komplexen Brüchen und Zerstörung des linken Augapfels und zum anderen eine Sch
ussver
letzung am Oberarm (Urk.
10/
40/25
). Die SWICA Versicherungen AG (SWICA) erbrachte als Unfallversicherung die
gesetzlichen Leistungen (Urk.
10/
40/224-225
). Am
27. Juni 2017 (Eingangsdatum)
meldete
sich
X._
unter Hinweis auf
den unfallbedingten
Verlust des linken Auges bei der
Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zum Bezug einer Augenprothese an (Urk. 10/1). Nach Einholung eines Berichts der Augenklinik des Universitäts
spitals
Y._
(Urk. 10/4)
und mehrfacher Aufforderung zur Einreichung eines Kostenvor
an
schlags für
das beantragte Hilfsmittel
(Urk. 10/3, 8, 11
,
12)
, erteilte die IV-Stelle mit Mitteilung vom 31. Mai 2018 Kostengutsprache für eine Glas-Augenprothese (Urk. 10/16).
Am 30. Juli 2018 beantragte die SWICA
unter Bezugnahme auf
das bei ihr hängige Unfallverfahren
die Durchführung eines Meldeverfahrens, woraufhin die IV-Stelle mitteilte, dass keine Anmeldung pen
dent sei (Urk. 10/19).
Am 24. August 2018 (Eingangsdatum) meldete sich
X._
bei der IV-Stelle unter Hinweis
auf das Ereignis vom 1
5.
Mai 2017
und eine seither bestehende 100%ige Arbeitsunfähigkeit
zur beruflichen
Integra
tion respektive zum Bezug einer Rente an (Urk. 10/20).
Die IV-Stelle tätigte darauf
hin erwerbliche
(Urk. 10/21)
sowie
medizinische
(
Urk. 10/27, 35, 43, 44
)
Abklä
rungen
und zog insbesondere die Akten der
SWICA
bei (Urk. 10/40, 41). Mit Schreiben vom 2. November 2018 teilte die SWICA der IV-Stelle mit, dass sie zur Abklärung der weiteren Leistungspflicht
ein polydisziplinäres Gutachten in den Fachrichtungen Orthopädie, Ophthalmologie, Neurologie,
Psychiatrie und Kieferchirurgie
vorsehe und gab der IV-Stelle Gelegenheit
,
Zusatzfragen einzu
reichen (Urk. 10/38
). Die IV-Stelle stellte ihre Zusatzfragen mit
Schreiben
vom 12. November 2018 (Urk. 10/39). Anlässlich eines Telefonats vom 17. Januar 2019 mit der zuständigen Sachbearbeiterin der IV-Stelle wies der Versicherte darauf hin, immer noch zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben zu sein
(Urk. 10/47), woraufhin die IV-Stelle gleichentags die Mitteilung erliess, dass keine Eingliede
rungsmassnahmen möglich seien (Urk. 10/49). Am 1. Mai 2019 erstattete das
Z._
sein Gutachten (Urk. 10/57)
, woraufhin die IV-Stelle dem Versicherten am 8. Juli 2019 die Abwei
sung seines Leistungsbegehrens in Aussicht stellte (Urk. 10/65) und am 18. September 2019 wie vorbeschieden verfügte (Urk. 10/67). Nachdem die Rechts
vertreterin des Versicherten am 26. September 2019 telefonisch
mitgeteilt hatte
, den Vorbescheid nicht erhalten zu haben (Urk. 10/68), hob die IV-Stelle gleichentags die Verfügung vom 26. September 2019 wiedererwägungsweise auf (Urk. 10/69). Mit Eingabe vom 28. Oktober 2019
erhob
der Versicherte Einwand gegen den Vorbescheid vom 8. Juli 2019
(Urk. 10/72) und ergänzte Ersteren
a
m 26. Februar 2020 unter Auflage eines Berichts der Psychiatrischen Universitäts
klinik
A._
vom 19. November 2019 über die neuropsychologische Unter
suchung vom 4. November 2019 (Urk. 10/82 und 83). Nach
Beizug
der Ver
laufsakten der SWICA
(Urk. 10/92) verfügte die IV-Stelle am 29. April 2021 wie vorbeschieden (Urk. 2 [=
Urk. 10/98]).
2.
Dagegen liess der Versicherte am 31. Mai 2021 Beschwerde erheben und bean
tragen, es sei die Verfügung vom 29. April 2021 aufzuheben und festzustellen, dass er die invalidenversicherungsrechtliche Voraussetzung des Wartejahres erfülle. Zudem seien ihm
berufliche (Eingliederungs-)Massnahmen zuzusprechen und
diese
durchzuführen
. Eventualiter
sei ihm eine IV-Rente zuzusprechen.
Subeventualiter
seien ergänzende Abklärungen (insbesondere eine
B._-
Abklä
rung) durchzuführen.
Subsubeventualiter
sei zur Klärung der Frage der gesund
heitlichen
Beeinträchtigungen und der entsprechenden Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers ein gerichtliches Gut
achten zu veranlassen. In prozessualer Hinsicht liess er zudem um die Vereini
gung mit dem bereits hängigen Verfahren UV.2021.00029, die Gewährung der unentgelt
lichen Prozessführung und Rechtsvertretung sowie um Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels ersuchen (Urk. 1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 6. September 2021 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 9), worüber der Beschwerdeführer mit Verfügung vom 15. September 2021 in Kenntnis gesetzt wurde. Gleichentags wurde dessen Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung gutgeheissen
. Zudem wurde ihm
mitge
teilt,
dass für die Vereinigung des vorliegenden Verfah
rens mit dem Verfahren Nr.
UV.2021.00029 kein Anlass bestehe und
dass die Anordnung eines zweiten Schriftenwechsels nicht für nötig erachtet werde, es den Parteien aber unbenom
men bleibe, sich
zur Sache nochmals zu äussern
(Urk. 11). Der Beschwerdeführer liess sich darauf
hin
nicht mehr vernehmen.
3.
Die
SWICA
sprach dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 29. November 2019 im Zusammenhang mit dem Ereignis vom 15. Mai 2017 eine Integritätsent
schädigung von Fr. 51'870.-- zu. Demgegenüber verneinte sie den Anspruch auf eine Invalidenrente und stellte auch die Taggeldleistungen und Heilbehandlungs
kosten per 31. Mai 2019 ein. Die dagegen vom Beschwerdeführer am 17. Januar 2020 erhobene Einsprache wies die SWICA mit Entscheid vom 7. Dezember 2020 ab, wogegen der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 25. Januar 2021 Beschwerde beim hiesigen Gericht einl
egte (Verfahren UV.2021.00029), welche
mit heutigem Urteil
abgewiesen wurde
.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
–
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
–
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfol
gend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen all
seitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den Vor
akten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusam
menhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Ex
perten in einer Weise begründet sind, dass die rechts
anwendende Person sie prü
fend nachvollziehen kann, und ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räu
mende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen er
schweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a; 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die
IV-Stelle
erwog im angefochtenen E
ntscheid, das von der Unfallversicherung veranlasste polydisziplinäre Gutachten
der
Z._
AG
, worauf auch
sie
abstelle, habe ergeben, dass dem Versicherten seit April 2018 die angestammte sowie auch angepasste Tätigkeiten wieder zu 100 % zugemutet werden könnten. Der mit dem Einwand eingereichte Bericht der
Psychiatrischen Universitäts
klinik
A._
vom 19. November 2019 vermöge daran nichts zu ändern. Dieser sei aus versicherungsmedizinischer Sicht nicht verwert
bar, da keine Überprüfung der Anstrengungsbereitschaft des Versicherten mithilfe erprobter Verfahren erfolgt sei und eine bewusste Selbstlimitierung bei ange
strebtem Krankheitsgewinn nicht ausgeschlossen werden könne.
Da die IV
Anmel
dung am 28. August 2017 erfolgt sei, sei das Wartejahr nicht erfüllt. Selbst bei Erfüllen des Wartejahres ergäbe sich keine Erwerbseinbusse, da dem Versi
cherten auch jegliche angepassten Tätigkeiten zu 100 % zumutbar seien. Bei fehlenden invaliditätsbedingten Einschränkungen bei der Stellensuche bestehe auch kein Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen. Zudem hätten die medizi
nischen Abklärungen ein nachvollziehbares Zumutbarkeitsprofil ergeben, wes
halb auch eine
B._
-Abklärung nicht nötig sei (Urk. 2).
In der Beschwerdeantwort
hielt die Beschwerdegegnerin ergänzend fest, der Ein
wand des Beschwerdeführers, wonach die Leitlinien zur Beurteilung von Schädel-Hirn-Traumata
hinsichtlich der erforderlichen Bildgebung
nicht eingehalten worden seien
und nun nicht zu seinen Ungunsten ausgelegt werden dürften
, gehe gänzlich am Ziel vorbei.
So sei das Gehirn gemäss neurologischer Expertise nicht verletzt worden
(Urk. 9)
.
2.2
Der Beschwerdeführer brachte demgegenüber vor
,
das
zuhanden der Unfallversi
cherung erstattete
Gutachten der
Z._
AG erweise sich als widersprüchlich und nicht beweiskräftig, weshalb nicht darauf abgestellt werden dürfe. So sei insbe
sondere widersprüchlich, dass im neuropsychologischen Gutachten das Vorliegen kognitiver Einbussen nicht habe ausgeschlossen werden können, die Gutachter im Rahmen der Gesamtbeurteilung aber dennoch zum Schluss gekommen seien, dass eine 100%ige Arbeitsfähigkeit vorliege. Diese Einschätzung beruhe auf einer von der neuropsychologischen Gutachterin zu Unrecht festgestellten verminder
ten Leistungsbereitschaft. So sei bei der Beurteilung der Leistungsbereitschaft nicht berücksichtigt worden, dass der Beschwerdeführer nur über einen Sonder
schulabschluss verfüge. Bei der arte
legis
durchgeführten Abklärung
der
Psychiatrischen Universitäts
klinik
A._
sei die Anstrengungs- und Kooperationsbereitschaft des Beschwerdeführers demgegen
über eindeutig festgestellt worden. Demgemäss
sei
aus neuropsychologischer Sicht
bei
m
Versicherten von einer Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50-70 % auszugehen, welche mindestens teilweise überwiegend unfallkausal sei. Anders als die Unfallversicherung, habe die Invalidenversicherung aber nicht nur die unfallkausalen Einschränkungen, sondern die Einschränkungen der kognitiven respektive verhaltensregulatorischen Fähigkeiten insgesamt zu berücksichtigen
(
Urk.
1)
.
3.
3.1
Die Gutachter des
Z._
stellten in ihrem Gutachten vom 1. Mai 201
9 (Urk. 10/57
) folgende unfall
rele
vante
n
Diagnosen (Urk. 10
/57
/
13
):
-
Status nach Schussverletzung rechter Oberarm (Durchschuss der Weich
teile mit regelrechter Wundheilung) und
-
Status nach Kopfschussverletzung mit Mittelgesichtsfrakturen und Verlust des linken Auges am 15.05.2017 mit
-
Amaurose bei Status nach
Eviszeration
des linken Auges im Rahmen der Schussverletzung, Anpassung einer Schalenprothese
-
Echte Monokel-Situation rechts
-
Bulbuslazeration
Auge links mit
Eviszeration
des Auges 16.05.2017
-
Revision mit Entfernung von orbitalen Zysten 20.02.2018
-
aktuell Versorgung mit Glasauge
Als nicht-unfallrelevant führten sie folg
ende Diagnosen an (Urk.
10/57
/13
):
-
Status nach
Polytoxikomanie
(ICD F19.25)
-
Cannabisabusus
(ICD F12.1)
-
Amphetamine-Abusus (ICD F15.1)
-
Chronisches
Zervikalsyndrom
bei Nachweis einer zervikalen
Bandschei
benhernierung
-
Leichter
hyperoper
Astigmatismus rechts
-
Beginnende periphere Linsentrübung rechts
Zur medizinischen Vorgeschichte hielten die Gutachter fest, dass der Versicherte am 15. Mai 2017 einen Kopfschuss erlitten habe. Der Schusskanal sei durch die rechte Wange und oberhalb der oberen Zahnreihe durch den Sinus
maxillaris
rechts bis zur lateralen
Orbitawand
supraorbital links gegangen. Es habe eine mehr
fragmentäre Fraktur des Sinus
maxillaris
rechts, eine Jochbeinfraktur rechts sowie eine
Orbitabodenfraktur
rechts resultiert. Der linke Augenbulbus sei voll
ständig zerstört worden. Das Hirnparenchym sei nicht getroffen worden und die
frontobasalen
Hirnstrukturen seien unversehrt geblieben. Beim Eintreffen an der Unfallstelle habe der Notarzt einen GCS-15 festgestellt, wobei diese Situation auch in der Notfallstation des Unispitals praktisch konstant geblieben sei. In der sofort durchgeführten Computertomografie (CT) des Schädels hätten sich normale Verhältnisse in der vorderen Schädelgrube und kein intrakranielles Hämatom gefunden. Die Hirnventrikel seien schmal und mittelständig gewesen. Zudem habe eine Durchschussverletzung am rechten Oberarm vorgelegen. Gemäss Akten sei der Versicherte zum Zeitpunkt des Ereignisses deutlich unter der Wirkung von Kokain gestanden, wobei das Institut für Rechtsmedizin des
Universitäts
spitals Y._
(IRM) auch den Konsum von Cannabis und
Midazolam
habe
nachweisen können (Urk.
10/57
/12
).
Gegenüber den Gutachtern berichtete der Versicherte, dass er nirgends Schmerzen habe. Nur im Bereich der Augenprothese links spüre er manchmal einen Druck oder habe das Gefühl, es kratze. Die Einäugigkeit bereite ihm grosse Mühe. Das Raumgefühl sei gestört und es bestehe immer wieder die Tendenz, an Türra
hmen anzu
stossen (Urk.
10/57
/24
). Er habe keine Geduld mehr, werde schnell nervös und habe das Gefühl, sich überall rechtfertigen zu müssen. Er begebe sich nicht gerne unter Menschen. Er habe Gleichgewichtsstörungen. Er weine viel, sei immerzu traurig. Seine Freundin habe ihn mittlerweile verlassen. Er habe von keiner Stelle Geld bekommen und sei weiterhin auf die Sozialhilfe angewiesen. Er habe viele Schulden und habe zuletzt nicht
ein
mal seinen Augenarzt bezahlen können. Er gerate schnell in Stresssituationen, reagier
e leicht gereizt (Urk.
10/57
/
31
). Nach dem Unfall sei es ihm zunächst psychisch gut gegangen, er habe inso
fern keine Probleme gehabt. Ab Herbst 2017 sei es dann bergab gegan
gen. Seine Freundin habe Abstand genommen, es habe Betreibungen gegeben und es sei ausserdem um die Weihnachtszeit gewesen. Ende 2017/Anfang 2018 sei es ihm psychisch
schlecht gegangen (Urk.
10/57
/32
).
Der neurologische Gutachter hielt fest, dass das Gehirn von der Schussverletzung am Kopf nicht betroffen gewesen sei. Neurologisch seien keine Ausfälle nach
weisbar. Auch die
frontobasalen
Strukturen wie zum Beispiel die Riechfasern seien intakt und es bestehe keine Anosmie. Die Trigeminussensibilität sei in allen drei Ästen unauffällig und die
Fazialisinnervation
im Bereich der Stirn sowie den Augen- und Mundpartien sei ebenfalls korrekt. Die kaudalen Hirnnerven seien intakt und es seien auch hier keine Ausfäl
le festzustellen (Urk.
10/57
/14
). Aus neurologischer Sicht bestehe sowohl in der bisherigen als auch in einer Ver
weistätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Da zu keinem Zeitpunkt neurologi
sche Ausfälle zu verzeichnen gewesen seien, habe auf neurologischer Ebene auch nach dem Ereignis vom 15. Mai 2017 kein Grund für eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestanden (Urk.
10/57
/28
).
Die neuropsychologische Gutachterin berichtete, der Versicherte habe in der Mehr
heit der durchgeführten Testverfahren unterdurchschnittliche Ergebnisse erbracht. Die Ergebnisse der Beschwerdevalidierung seien überwiegend auffällig. So lägen die Ergebnisse des Versicherten in einem der drei durchgeführten Beschwer
devalidierungsverfahren mehrere Standardabweichungen unter dem Niveau von Patienten mit einem schweren Schädel-Hirn-Trauma sowie von Patien
ten mit Depression, in mehreren Parametern zudem im Bereich von Patienten mit Demenz im fortgeschrittenen Stadium. Eine schwere Hirnfunktions-Störung vom Schweregrad einer Demenz könne beim Versicherten jedoch ausge
schlossen werden. Es bestehe zudem eine deutliche Diskrepanz zum Funktions
niveau im Alltag. Würde das in der Testung gezeigte Leistungsvermögen dem tat
sächlichen Leistungsvermögen des Versicherten entsprechen, wäre eine eigen
ständige Lebensführung nicht möglich. Aus der Zusammenschau der Verhaltens
beobachtung, des Testprofils und der auffälligen Ergebnisse in der Beschwerde
validierung ergäben sich Hinweise für eine unzureichende Leistungsbereitschaft in der Testung. Mit den in den Akten angegebenen Diagnosen seien die aktuell erhobenen, zum Teil schweren Minderleistungen nicht zu vereinbaren. Sie seien auch nicht mit den Auswirkungen eines chronischen Cannabisgebrauchs zu erklären. Somit könnten auf der Grundlage der aktuell erhobenen Testergebnisse keine Aussagen zu allfällig vorhandenen kognitiven Defiziten und deren Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit getroffen werden. Auch ein Integritätsschaden könne nicht angegeben werden. Dabei könne nicht geschlossen werden, dass keine kognitiven Einbussen vorliegen würden. Ob jedoch authentische kognitive Störungen im Rahmen der psychiatrischen und neurologischen Diagnosen vorhanden seien, entziehe sich aufgrund der eingeschränkten Mitwirkung des Pro
banden den Erkenntnismöglichkeiten der Untersucherin. Aktuell stünden beim Versicherten jedoch motivational-affektive Einflüsse im Vordergrund, sodass keine validen Aussagen zur kognitiven Leistungsfähigkeit getroffe
n werden könnten (Urk.
10/57
/82
f.).
Auf der psychiatrischen Ebene hätten sich keine unfallrelevanten Diagnosen finden lassen. Nicht unfallrelevant sei
en
ein Status nach
Polytoxikomanie
, ein
Cannabisabusus
sowie ein
Amphetaminabusus
. Im Rahmen der psychiatrischen Exploration habe der Versicherte von alltagsrelevanten körperlichen und psychi
schen Beeinträchtigungen berichtet, welche sich nicht zu einer psychiatrischen Diagnose zusammenfassen lassen würden. Zum einen würden sie sich in einem Bereich bewegen, der durchaus normalpsychologischen Reaktionen entspreche. Zum anderen seien sie im Zusammenhang mit diversen psychosozialen Belas
tungsfaktoren zu sehen. Beeinträchtigungen, Defizite oder Phänomene mit Krank
heitswert lägen auf psychiatrischem Gebiet nicht vor. Insbesondere liege weder anamnestisch noch klinisch eine Depression vor, zumal der psychopatho
logische Befund dafür keinerlei Hinweise liefere und eine antidepressive Behand
lung nicht stattfinde. Anamnestisch müsse von einem
Substanzabusus
ausge
gangen werden, auch
wenn konkrete psychische oder somatische Folgeschäden nicht bekannt seien. Hinweise auf ein Abhängigkeitssyndrom
lägen nicht vor (Urk.
10/57
/14, 37
). In Anlehnung an das Mini-ICF-APP lägen beim Versicherten keine nennenswerten Beeinträchtigungen vor, die ihn daran hindern würden, ein
e
seinem Ausbildungs- und Kenntnisstand angemessene Tätigkeit auf dem allge
meinen Arbeitsmarkt zu verrichten. Aus psychiatrischer Sicht sei die Arbeits
fähigkeit in der bisherigen und in einer Verweistätigkeit weder retrospektiv noch aktue
ll eingeschränkt (Urk.
10/57
/39
).
Gemäss dem orthopädischen Gutachter hätten sich zum Untersuchungszeitpunkt keine wesentlichen Funktionseinschränkungen gezeigt (Urk.
10/57/47
). Die Beur
teilung der schweren Gesichtsverletzung erfolge durch den Kieferchirurgen. Die Armverletzung sei vollständig ausgeheilt. Als Vorzustand und unfallunabhängig sei ein chronisches
Zervikalsyn
drom
zu benennen (Urk. 10/57/49
). Aus ortho
pä
disch-
traumatologischer
Sicht sei die Arbeitsfähigkeit des Versicherten nach der Versorgung der linken Augenhöhle mit einem Glasauge sowohl in der bishe
rigen als auch in einer leidensadaptierten Tätigkeit etwa ab März des Jahres 2018 als uneingeschränkt einzuschätzen. Am 23. März 2018 sei die
Osteosynthese
mate
rial
entfernung
erfolgt, welche für sich genommen erneut eine Arbeitsunfä
higkeit von etwa 10-14 Tagen nach sich ziehe. Eine darüber hinaus anhaltende Arbeits
unfähigk
eit lasse sich orthopädisch-
traumatologisch
nicht begründen (Urk. 10/
57/48
). Mit Kenntnis der nicht unfallbedingten zervikalen Bandschei
benverlage
rung sei die Arbeitsschwere auf körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten mit Heben und Tragen von Lasten bis zu 15 kg begrenzt. Tätigkeiten in und über Kopfhöhe sollten
vermieden werden (Urk. 10/57/47, 51
).
In der kieferchirurgischen Untersuchung habe festgestellt werden können, dass die Mittelgesichtsfrakturen sehr gu
t verheilt seien (Urk. 10/57/14
). Die strikt kiefer
chirurgischen Verletzungen (Schuss durchs Mittelgesicht) hätten keinen Ein
fluss auf die Arb
eitsfähigkeit (Urk. 10/57/65
). Das Hauptproblem des Versi
cherten sei der Gesichtsfeldverlust durch das Fehlen des linken Auges. Daran habe er sich noch nicht adaptiert, weshalb Tätigkeiten in allen Bereichen der Verwen
dung von schweren Maschinen sowie Tätigkeiten, welche gutes Gleichgew
i
cht b
r
a
uchten
oder der Präzision im nahen und mittelnahen Bereich bedürf
t
en
, ungeeignet seien. Zu 100 % möglich seien Sekretariats-Arbeiten oder einfache manuelle sitzende Arbeiten. Schweres Heben und Tragen seien ebenfalls zu 100 % möglich, zumal der Versicherte gemäss eigenen Angaben körperlich sehr fit sei. Arbeiten mit erhöhter Konzentration wären dem Versicherten nur bei stundenweisem (also wenige Stunden am Tag),
mit
stufenweisem
Beginn zuzumuten (Urk. 10/57/66
f.).
In der ophthalmologischen Untersuchung habe rechts ein normaler
Fernvisus
von 1.0 ohne Korrektur festgestellt werden können. Zudem hätten sich peripher begin
nende Linsentrübungen finden lassen. Links bestehe eine Amaurose. Die anam
nestisch provisorische Schalenprothese sei
schön angepasst (Urk. 10/57/71
). Retro
spektiv sei der Versicherte aus ophthalmologischer Sicht unter Berücksich
tigung einer 4-monatigen Angewöhnungszeit an die echte
Monokelsituation
bis Ende September 2017 sowohl in der angestammten als auch in angepasster Tätig
keit vollumfänglich arbeitsunfähig gewesen. Anschliessend habe aufgrund der häufigen Arztkonsultationen und Anpassung der provisorischen Prothese eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in jeglicher Tätigkeit bestanden. Ab Januar 2018 sei dem Versicherten in der angestammten Tätigkeit eine 75%ige Arbeitsfähigkeit und in leidensangepasster Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkei
t zu attestieren
. Aktuell sei der Versicherte aus ophthalmologischer Sicht voll belastbar. Es seien nur geringe Einschränkungen zu berücksichtigen, da als Einäugiger nicht alle Tätig
keiten ausgeführt werden könnten respektive dürften, wie zum Beispiel das Arbeiten auf Gerüsten und das F
ü
hren von Motorfahrzeugen von höheren
Kate
gorien als die Kategorie B (Urk. 10/57/72 f.).
Der Integritätsschaden betrage 35 %, wobei 30 % auf die einseitige Blindheit und 5 % auf die kosmetische Ent
stellung zurü
ckzuführen seien (Urk. 10/57/76
).
Im Rahmen der Gesamtbeurteilung hielten die Gutachter fest, dass sich der Ver
sicherte von der Schussverletzung im Mai 2017 – abgesehen vom Total-Verlust des linken Auges – praktisch vollständig erholt habe. Von Seiten des zentralen oder
peripheren Nervensystems seien glücklicherweise nie Ausfälle vorhanden gewesen. Die aktuellen neuropsychologischen Testergebnisse könnten wegen man
gelnder Anstrengungsbereitschaft nicht beurteilt werden. Da
keine unfall
relevante psychiatrische Diagnose vorliege, sei bei normaler Neurologie auch nicht davon auszugehen, dass neuropsychologisch doch noch ein Schaden vor
liegen könnte. Auf der orthopädisch-
traumatologischen
Ebene sei ebenfalls kein bleibender Nachteil vorhanden (Urk.
10/57
/1
5
). Aufgrund der Einäugigkeit seien die Entstehung einer Unsicherheit bei der Bewegung im Raum, das gelegentliche Anstossen oder Erschrecken bei fehlendem Gesichtsfeld nach links aussen sowie auch ein vermehrtes Müdigkeitsgefühl des rechten intakten Auges zwar nach
vollziehbar (Urk.
10/57
/1
6
). Dennoch sei der Versicherte aus ophthalmologischer Sicht voll belastbar und es seien diesbezüglich nur geringe Einschränkungen zu berücksichtigen, da als Einäugiger nicht alle Tätigkeiten ausgeführt werden könnten respektive dürften. Insgesamt attestierten die Gutachter dem Versicher
ten aufgrund unfallbedingter Ursachen unter Berücksichtigung der vorgenannten Einschränkungen eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit
. Aufgrund krankheitsbedingter Ursachen seien dem Versicherten nur mittelschwere Tätigkeiten mit Heben und Tragen von Lasten bis maximal 15 kg zumutbar (Urk. 10/57/18).
Zudem hielten sie fest, dass der Verlust des linken Auges irreversibel sei und mit einer namhaften Besserung der Gesundheitsschädigung nicht mehr gerechnet werden könne (Urk. 10/57/17).
3.2
Im Bericht vom 19. November 2019 über die neuropsychologische Untersuchung vom 4. November 2019 stufte Frau
C._
, Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP an der Psychiatrischen Universitätsklinik
A._
, das neurokognitive Leistungsprofil des Versicherten als kohärent ein bei Leistun
gen, die sich im durchschnittlichen bis mehrheitlich unterdurchschnittlichen bis weit unterdurchschnittlichen Bereich befänden, mit insgesamt besseren Leistun
gen im visuell-figuralen Bereich in Tests zur Intelligenz, zum Gedächtnis und zu den Exekutivfunktionen. Insbesondere würden auch die Ergebnisse des IQ-Tests mit demjenigen des Gedächtnistests korrelieren. Mehrere Faktoren liessen auf eine prämorbide Einschränkung sowohl der Intelligenz als auch der Verhaltens
regulation schliessen. Der Versicherte habe die Sonderschule für Kinder und Jugend
liche mit Lern- und Verhaltensregulationsproblemen besucht. Dies stütze den in dieser neuropsychologischen Untersuchung erhobenen Befund einer deut
lich unterdurchschnittlichen Intelligenz. Der früh begonnene Drogenkonsum, sowie die gehabte Adipositas per magna, würden zudem auf eine prämorbide Ver
hal
tensstörung hinweisen. Während der aktuellen neuropsychologischen Unter
suchung habe sich eine starke psychomotorische Unruhe gezeigt. Ätio
logisch sei von einer frühkindlichen
cerebralen
Entwicklungsstörung mit Teil
leistungsstörungen auszugehen, ohne entsprechenden Hinweis auf Geburts
kompli
kationen, am ehesten genetisch (DD pränatal) erworben. Als weiterer kognitions
beeinträchtigender Faktor müsse wahrscheinlich auch der langjährige Substanz
konsum angesehen werden. Allerdings könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Schussverletzung respektive die damit einhergehenden physi
schen und/oder psychischen Verletzungen zu einer weiteren Verschlechterung der kognitiven bzw. verhaltensregulatorischen Fähigkeiten beigetragen hätten. Dabei müsse betont werden, dass Menschen mit kognitiven Einschränkungen naturge
mäss über weniger Ressourcen verfügen würden, um die negativen Auswirkungen von zusätzlichen gravierenden Lebensereignissen bzw. von einer Kopfverletzung durch einen Schuss zu kompensieren. Unter Einbezug der Beurteilung der neuro
psychologischen Störung durch den
Zuweiser
Dr.
D._
werde die Arbeits
unfähigkeit auf mindesten
s 50-70 % eingeschätzt (Urk. 3/3
).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte ihren Entscheid massgeblich auf das von der Unfallversicherung eingeholte polydisziplinäre Gutachten der
Z._
AG (Urk. 2).
Diesbezüglich ist vorab darauf hinzuweisen, dass die Herkunft eines Arztberichts für dessen Beweiswert nicht entscheidend ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_397/2021 vom 3. August 2021 E. 3.2.1).
Vorliegend
erhielt die IV-Stelle Gele
genheit, insbesondere hinsichtlich unfallfremder Faktoren Zusatzfragen zu stellen (Urk. 10/39).
Das Gutachten erging
unter Berücksichtigung der relevanten
Vorakten
(Urk.
10/
57/7-12
) und den vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden (Urk.
10/57/24, 31, 43
,
60
-
61
, 6
9, 79-80
) sowie gestützt auf die umfassenden und sorgfältigen fach
ärztlichen Untersuchungen (Urk.
10/57/26
-2
7, 34-36 ,45
-4
7, 62, 71, 80-81)
. Die Gutachter beantworteten die gestellten Fragen umfassend und begründeten die medizinischen Überlegungen sowie die daraus gezogenen Schlussfolgerungen in nachvollziehbarer
Weise (Urk.
10/57/14-19, 27-28, 36-40, 47-52
,
63-67, 71-76, 82-83
). Mithin erfüllt das Gutachten die an eine beweis
kräftige ärztliche
Beur
teilung gestellten Anforderungen vollumfänglich.
4.2
An der Beweiskraft des Gutachtens vermögen denn auch
die Vorbringen
des Beschwerdeführers keine Zweifel zu erwecken. So ist unzutreffend, dass die neuro
psychologische Gutachterin den geringen Bildungsstand des Beschwerde
füh
rers nicht berücksichtigt hat. Vielmehr wurden in der Testung neben den Alters
normen auch bildungskorrigierte Normen verwendet (Urk.
10/57/80
). Die neuropsychologische Gutachterin wies in ihrer Beurteilung auch ausdrücklich darauf hin, dass drei unterschiedliche Beschwerdevalidierungsverfahren verwen
det worden seien, wovon insbesondere der WMT («Word Memory Test») eine hohe Sensitivität und Spezifität besitze und Vergleichswerte verschiedenster klinischer Populationen liefere. Dieser Test sei für verschiedene klinische Gruppen, darunter auch Personen mit niedriger Bildung oder Intelligenzminderung, mit guter Anstrengungsbereitschaft ohne Probleme zu bewältigen. Die Ergebnisse des Beschwer
deführers lägen hingegen mehrere Standardabweichungen unter dem Niveau von Patienten mit einem schweren Schädel-Hirn-Trauma oder einer Depres
sion (Urk.
10/57/
8
2
). Vor diesem Hintergrund erweist sich die Schluss
fol
gerung der neuropsychologischen Gutachterin, wonach Hinweise für eine unzu
reichende Leistungsbereitschaft in der Testung bestehen (Urk.
10/57/82
), entge
gen der Auffassung des Beschwerdeführers als nachvollziehbar begründet.
Auch der Einwand, es sei widersprüchlich, dass die Gutachter eine 100%ige Arbeitsfähigkeit attestiert hätten, obschon die neuropsychologische Gutachterin kognitive Einb
ussen nicht ausgeschlossen habe
, läuft ins Leere. So ist diesbe
züglich darauf hinzuweisen, dass eine neuropsychologische Abklärung lediglich eine Zusatzuntersuchung darstellt, welche bei begründeter Indikation in Erwä
gung zu ziehen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_752/2018 vom 12. April 2019 E. 5.3 mit Hinweisen), und es grundsätzlich Aufgabe des psychiatrischen –
oder allenfalls des neurologischen – Facharztes bleibt, die Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung allfälliger neuropsychologischer Defizite einzuschätzen (9C_299/2019 vom 27. Juni 2019 E. 4 mit Hinweis). Vorliegend ergaben sich in der psychiatrischen Untersuchung keine Hinweise auf kognitive Defizite des Beschwerdeführers. Der psychiatrische Gutachter wies darauf hin, dass der Beschwer
deführer das gesamte Explorationsgeschehen wach und durchgehend aufmerksam verfolgt habe. Im Verlauf der Exploration hätten Aufmerksamkeit, Ausdauer und Konzentrationsvermögen nicht nachgelassen. Der Beschwerde
führer habe sich stets auf die jeweiligen Gesprächsinhalte und Gesprächstempi angemessen ein- und umstellen können
. Zudem seien das Kurzzeit- und Lang
zeitgedächtnis im klinischen Befund nicht gestört. Der Versicherte könne sich durchaus an Details in der Anamnese erinnern. Es
gelinge
ihm, Sachverhalte zeit
lich korrekt in ein Zeitraster einzuordnen.
Sodann erscheine das Intelligenzniveau unter Berücksichtigung von schulischem und beruflichem Werdegang sowie klini
schem Gesamteindruck durchschnittlich
(Urk.
10/57/34
f.
). Ebenso wenig ergaben sich aus neurologischer Sicht Anhaltspunkte für ein kognitives Defizit, erwiesen sich doch sowohl die unmittelbar nach dem Unfall durchgeführte Compu
tertomografie des Schädels (Urk.
10/57/23
) als auch die im Rahmen der Begutachtung erhobenen klinischen Befunde (Urk.
10/57
/2
6
) als unauffällig. In der Konsensbeurteilung kamen die Gutachter denn auch zum Schluss, dass bei Fehlen einer unfallrelevanten psychiatrischen Diagnose sowie bei normaler Neurologie nicht davon auszugehen ist, dass neuropsychologisch doch noch ein Scha
den vorliegen könnte (Urk.
10/57/15
). Diese Einschätzung überzeugt.
4.
3
Daran vermag auch der vom Beschwerdeführer aufgelegte Bericht der
Psychiatrischen Universitäts
klinik
A._
vom 19. November 2019, wonach seine Arbeitsunfähigkeit auf mindestens 50-70 % einzuschätzen sei (Urk. 3/2 S. 8), nichts zu ändern.
Dieser wurde der Gutach
terstelle zur Beurteilung vorgelegt (Urk. 10/92/13)
.
Die neuropsychologische Gutach
terin erachtete die Ergebnisse der Untersuchung der
Psychiatrischen Universitäts
klinik
A._
in ihrer über
zeugen
den Stellungnahme vom 3
1.
März 2020
als versicherungsmedizinisch nicht ver
wertbar, da keine Überprüfung der Anstrengungsbereitschaft mithilfe erprobter Verfahren erfolgt sei
und eine bewusste Selbstlimitierung bei angestreb
tem Krankheitsgewinn nicht ausgeschlossen werden könne
. Die Leistungsbereit
schaft sei ausschliesslich aufgrund der Verhaltensbeobachtung beurteilt worden. Die wissenschaftliche Literatur zeige jedoch, dass auch Experten nicht in der Lage
seien, anhand der Verhaltensbeobachtung oder des Testprofils zuverlässig authen
tische Defizite von nicht-authentischen Defiziten zu unterscheiden (Urk.
10/92/14-15
). Diese Einschätzung
überzeugt
, weshalb nicht auf den Bericht der
Psychiatrischen Universitäts
klinik
A._
abzustellen ist und sich weitere Ausführungen dazu erübrigen.
4.
4
Sodann
vermag der Beschwerdeführer auch aus den mit der Beschwerde einge
reichten Leitlinien betreffend Begutachtung nach gedecktem Schädel-Hirntrauma (Urk. 3/3) nichts für sich zu gewinnen, zumal angesichts der unauffälligen neu
rologischen Befunde (vgl. E. 3.1) keine Hinweise auf ein Schädel-Hirn-Trauma vorlie
gen.
4.
5
Schliesslich kann der Beschwerdeführer auch aus seinem Hinweis, die Beschwer
degegnerin habe nicht nur die unfallkausalen Einschränkungen zu berücksich
tigen, nichts zu seinen Gunsten ableiten. Im Rahmen der psychiatrischen Begut
achtung haben sich keine Hinweise auf vorbestehende kognitive Defizite ergeben (vgl. E. 4.
2
). Im Übrigen haben sich sämtliche Gutachter zu allfälligen krankheits
bedingten
respektive vorbestehenden
Einschränkungen geäussert, wobei sich solche einzig im Rahmen der orthopädischen Untersuchung ergeben haben. Die festgestellten zervikalen Beschwerden wurden denn auch im Rahmen des Belas
tungsprofils berücksichtigt (vgl. E. 3.1).
4.
6
Zusammenfassend
vermag der Beschwerdeführer mit seinen Argumenten nicht durchzudringen
. D
em Gutachten der
Z._
AG
ist entsprechend
voller Beweis
wert beizumessen
.
Unter Berücksichtigung der von den Gutachtern auch retro
spektiv vorgenommenen Arbeitsfähigkeitsbeurteilungen, ist der Beschwerdefüh
rer ab März des Jahres 2018 sowohl in angestammter wie auch in angepasster Tätigkeit (leichte bis mittelschwere Tätigkeiten mit Heben und Tragen von Lasten bis zu 15 kg) als vollumfänglich arbeitsfähig einzuschätzen. Von ergä
nzenden Beweis
massnahmen, namentlich einem Gerichtsgutachten (Urk. 1 S. 2 und Ziff. 21), ist kein
entscheidre
levanter
Aufschluss zu erwarten, weshalb
im Sinne einer antizipierten Beweiswürdigung davon abzusehen
ist
(
BGE 1
36 I 229 E. 5.3 mit Hinweisen).
5
.
Nach dem
Gesagten
erweist sich
die angefochtene Verfügung
der Beschwerde
gegnerin vom 29. April 2021 als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
6
.
6
.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 1'000.-- fest
zulegen (
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und
auf Fr.
8
00.-- festzusetzen. Die Kosten sind entsprechend dem Verfahrensausgang
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Urk.
11) jedoch einst
weilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
6
.2
Überdies ist der unentgeltlichen
Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers, Rechts
anwältin Andrea Steiner
Lettoriello
,
eine Entschädigung aus der Gerichtskasse zu entrichten. Eine Honorarnote wurde nicht eingereicht, weshalb die Entschädi
gung, wie mit Verfügung vom 15. September 2021 angekündigt, nach Ermessen festzusetzen ist (Urk. 11). Unter Berücksichtigung dessen, dass der Rechtsvertre
terin die Akten des vorliegenden Verfahrens grösstenteils aus dem Parallelver
fahren Nr. UV.2021.00029 bekannt waren und in beiden Verfahren im Wesentli
chen dieselben Rügen erhoben wurden, erscheint ein Betrag von Fr. 1'
4
00.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.
6
.3
Der Beschwerdeführer wird auf § 26 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen, wonach er zur Nachzahlung der ihm erlassenen Gerichtskosten und der Kosten seiner Rechts
vertretung verpflichtet ist, sobald er dazu in der Lage ist.