# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 1f02f58c-63cf-5fb7-874e-409abddeb8b1
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
X.Z._ und Y.Z._ sind verheiratet und wohnen in einer Eigentumswohnung in A._
(act. 5/6/I/al). X.Z._ war Gründungsaktionär der B._ AG; bis September 2014 hatte er
zudem Einsitz im Verwaltungsrat der Gesellschaft. Bis Ende 2009 hielt X.Z._ 50 von
insgesamt 300 Namenaktien mit einem Nennwert von CHF 500 pro Aktie. Im Jahr 2010
veräusserte er insgesamt 15 Namenaktien an die B._ AG. Seit 2009 bestand
ausserdem ein Aktionärsbindungsvertrag mit Vorhand-, Vorkaufs- und Kaufrechten.
X.Z._ ist weiter Gesellschafter und Geschäftsführer der von ihm zusammen mit seinem
Sohn im Jahr 2004 gegründeten C._ GmbH, an der er bei einem Stammkapital von
CHF 30'000 mit einer Stammeinlage über CHF 28'000 beteiligt war. Seit Mitte 2014 hält
er 26 von 30 Stammanteilen mit einem Nennwert von je CHF 1'000 (vgl. www.zefix.ch;
act. 5/6/I/x).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/8
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.
Mit Abschlussvereinbarung vom 28. Mai 2014 anerkannten die C._ GmbH und X.Z._
je einzelnen gegenüber der B._ AG, dieser CHF 475'000 zu schulden. Sie einigten
sich, die Schuld zum einen mittels Verrechnung von Darlehensforderungen in der Höhe
von insgesamt CHF 328'000 zu tilgen und zum andern der B._ AG 35 Aktien für total
CHF 147'000 entschädigungslos zurückzugeben (act. 5/2/4). Gemäss
Wertschriftenverzeichnis stellte X.Z._ die 35 Namenaktien der C._ GmbH per 30. Juni
2014 zur Verfügung (act. 5/6/I/ab). Die Gesellschaft verbuchte die 35 Aktien als Kauf
mittels Darlehensgutschrift zugunsten von X.Z._ (act. 5/6/I/m S. 6). Im Weiteren
wurden die Aktien mit Aktienkaufvertrag vom 18./25. September 2014 durch
Darlehensverrechnung zum Preis von CHF 147'000 an die B._ AG übertragen
(act. 5/6/I/x).
C.
Das Steueramt veranlagte das Ehepaar Z._ mit Verfügungen vom 12. April 2017 für die
Kantons- und Gemeindesteuern 2014 mit einem im Kanton St. Gallen steuerbaren
Einkommen von CHF 194'600 zum Satz von CHF 206'400 und einem im Kanton
St. Gallen steuerbaren Vermögen von CHF 953'000 zum Satz von CHF 1'376'000
(act. 5/6/I/p, q) sowie für die direkte Bundessteuer 2014 mit einem steuerbaren
Einkommen von CHF 137'700 zum Satz von CHF 144'100 (act. 5/6/I/t, u). Die
Veranlagungsbehörde rechnete insbesondere die Differenz zwischen dem
Verkaufspreis und dem Nennwert der Beteiligung an der B._ AG im Betrag von
CHF 129'500 als steuerbaren Vermögensertrag auf. Mit Entscheiden vom 2. bzw.
3. Juli 2018 wies das kantonale Steueramt die von X.Z._ und Y.Z._ gegen die beiden
Veranlagungsverfügungen erhobenen Einsprachen ab (act. 5/6/I/a, f). Dagegen erhob
das Ehepaar Z._ Rekurs und Beschwerde bei der Verwaltungsrekurskommission,
welche mit Entscheid vom 29. August 2019 die Rechtsmittel guthiess und die
Angelegenheit zu neuer Veranlagung und Ausscheidung im Sinne der Erwägungen an
das kantonale Steueramt zurückwies (act. 2).
D.
Das kantonale Steueramt (Beschwerdeführer) erhob gegen den Entscheid der
Verwaltungsrekurskommission (Vorinstanz) mit Eingabe vom 30. September 2019
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Rechtsbegehren, der angefochtene
Entscheid vom 29. August 2019 sei aufzuheben, und die Einspracheentscheide vom
2./3. Juli 2018 seien zu bestätigen (act. 1). Mit Vernehmlassung vom 8. Oktober 2019
verwies die Vorinstanz auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und
beantragte die Abweisung der Beschwerde (act. 4). Am 4. November 2019 nahmen
X.Z._ und Y.Z._ (Beschwerdegegner) Stellung zum Verfahren und beantragten die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/8
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
kosten- und entschädigungspflichtige Abweisung der Beschwerde (act. 7). Die
Eidgenössische Steuerverwaltung (Beschwerdebeteiligte) liess sich mit Eingabe vom
4. November 2019 ebenfalls vernehmen und beantragte die Gutheissung der
Beschwerde zulasten der Beschwerdegegner (act. 8).
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten und die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
(...)
2.
(...)
3.
Steuerbar sind nach Art. 33 Abs. 1 lit. c StG (in der bis 31. Dezember 2014 gültigen
Fassung) Dividenden, Gewinnanteile, Liquidationsüberschüsse und geldwerte Vorteile
aus Beteiligungen aller Art, soweit sie keine Rückzahlung von Grund- oder
Stammkapital sowie von Einlagen, Aufgeldern und Zuschüssen, die von den Inhabern
der Beteiligungsrechte nach dem 31. Dezember 1996 geleistet worden sind, darstellen.
Als Ertrag aus beweglichem Vermögen im Sinn dieser Bestimmung gilt auch der Erlös
aus der Übertragung einer Beteiligung von wenigstens 5 Prozent am Grund- oder
Stammkapital einer Kapitalgesellschaft oder Genossenschaft aus dem Privatvermögen
in das Geschäftsvermögen einer Personenunternehmung oder einer juristischen
Person, an welcher der Veräusserer oder Einbringer nach der Übertragung zu
wenigstens 50 Prozent am Kapital beteiligt ist, soweit die gesamthaft erhaltene
Gegenleistung den Nennwert der übertragenen Beteiligung übersteigt (Art. 33 Abs. 1
lit. b StG; sog. Transponierung). Die kantonalen Bestimmungen entsprechen sowohl
der steuerharmonisierten (vgl. Art. 7 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 7a Abs. 1 lit. b des
Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und
Gemeinden, SR 642.14, StHG) als auch der direktsteuerlichen Regelung (vgl. Art. 20
Abs. 1 lit. c in Verbindung mit Art. 20a Abs. 1 lit. b DBG).
3.1.
bis
Unbestritten und aufgrund der Akten belegt ist, dass die streitbetroffene Beteiligung
von 35 Namenaktien 11.67 Prozent des Aktienkapitals der B._ AG entspricht und
3.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/8
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.
Umstritten und somit zu prüfen ist, ob der Transponierungstatbestand bei Vorliegen der
entsprechenden gesetzlichen Voraussetzungen strikt angewendet werden muss oder
ob aufgrund der verfolgten und tatsächlich vollzogenen wirtschaftlichen Zwecksetzung
ausnahmsweise darauf verzichtet werden kann.
demnach die für den Transponierungstatbestand geltende Schwelle von 5 Prozent
überschreitet. Der Beschwerdegegner hält ausserdem 26 der insgesamt
30 Stammanteile der C._ GmbH, mithin 86.67 Prozent; er ist folglich nach der
Übertragung zu wenigstens 50 Prozent am Kapital beteiligt. Der Kaufpreis der
streitbetroffenen Beteiligung (CHF 147'000) übersteigt zudem ihren Nennwert
(CHF 17'500) bei Weitem, womit auch diese gesetzliche Voraussetzung
unbestrittenermassen erfüllt ist.
Eine Transponierung liegt vor, wenn eine natürliche Person Aktien an eine Gesellschaft
verkauft, die sie selbst beherrscht, und der Preis über dem Nennwert der verkauften
Aktien liegt. Grund für diese Besteuerung ist, dass gar kein echter Verkauf vorliegt. In
wirtschaftlicher Betrachtung liegt eine Umstrukturierung im Vermögen der
steuerpflichtigen Person vor, mit der es dieser gelingt, Reserven, deren Ausschüttung
steuerbar ist, in eine Kaufpreisforderung, die grundsätzlich steuerfrei bezogen werden
kann, umzuwandeln bzw. zu "transponieren". Der Verkauf zu einem Preis über dem
Nominalwert erlaubt es dem Verkäufer nämlich, einen Teil der Reserven der
"verkauften" Gesellschaft steuerfrei an sich zu ziehen, indem die verkaufte Gesellschaft
diese steuerfrei an die Käuferin ausschüttet. Irrelevant ist, in welcher Form der
Kaufpreis ausbezahlt wird: Die Besteuerung erfolgt unabhängig davon, ob der
Kaufpreis in bar ausbezahlt wird oder ob der Verkäufer nur eine Gutschrift erhält
(U. Schenker, 20 Jahre M&A – Aktivitäten aus steuerlicher Sicht, in: R. Tschäni [Hrsg.],
Mergers & Acquisitions XX, Zürich 2018, S. 222 ff.). Mit der gesetzlichen Normierung
sind die Voraussetzungen der Transponierung verobjektiviert worden. Die
Beschränkung der Besteuerung auf Missbräuche wurde namentlich mit dem
objektivierten Quoten-Kriterium von 50 Prozent der Aktien der übernehmenden
Gesellschaft erreicht, dem in den parlamentarischen Beratungen das Erfordernis von
5 Prozent der Aktien der übertragenden Gesellschaft hinzugefügt wurde. Die
subjektiven Beweggründe, die einen Anteilsinhaber zur Vornahme einer Transponierung
veranlassen, sind dementsprechend unerheblich. Eine Transponierung kann deshalb
auch dann vorliegen, wenn sich die Voraussetzungen der Transponierung im Rahmen
der Erfüllung von vertraglichen Verpflichtungen (z. B. aus einem
4.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/8
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Aktionärsbindungsvertrag) ergeben. Massgebend ist, dass bei der Übertragung von
Beteiligungsrechten aus dem Privatvermögen ins Geschäftsvermögen ein Wechsel des
Besteuerungssystems stattfindet. Sinn und Zweck der Norm ist die steuerliche
Erfassung der latenten Steuerlast auf den noch nicht ausgeschütteten Reserven der
Gesellschaft, deren Beteiligungsrechte veräussert werden, da diese mit der
Veräusserung untergehen (BGer 2C_168/2017 vom 26. Oktober 2017 E. 2.3; Entscheid
des Verwaltungsgerichts Zürich SB.2016.00077 vom 31. Mai 2017 E. 3.2 mit
Hinweisen; Reich/Helbing/Duss, in: Zweifel/Beusch [Hrsg.], Bundesgesetz über die
direkte Bundessteuer, N 84 zu Art. 20a DBG; vgl. auch Botschaft zum
Unternehmenssteuerreformgesetz II, BBl 2005 4733, 4845).
Die Beweggründe, weshalb der Beschwerdegegner die Beteiligung an die C._ GmbH
übertragen hat, spielen keine Rolle. Massgeblich für die steuerrechtliche Beurteilung
sind vielmehr die Abläufe, wie sie sich objektiv zugetragen haben. Die Besteuerung der
Transponierung setzt denn auch keine Steuerumgehung voraus. Es ist einzig darauf
abzustellen, ob der Beschwerdegegner trotz der Übertragung auf das weitere
Schicksal der übertragenen Beteiligung direkten oder indirekten Einfluss nehmen kann
oder nicht (vgl. BGer 2C_133/2015, 2C_134/2015 vom 4. März 2016 E. 5; Richner/Frei/
Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 3. Aufl. 2016, N 62 ff. zu Art. 20a DBG).
In der Abschlussvereinbarung vom 28. Mai 2014 wurde unter anderem die
entschädigungslose Rückgabe von 35 Aktien der B._ AG festgehalten. Aufgrund des
Umstands, dass Darlehensschulden aufgelöst werden sollten, kann sich die
entschädigungslose Rückgabe somit nur auf den Beschwerdegegner beziehen,
welcher die Aktien der C._ GmbH per 30. Juni 2014 zur Verfügung stellte. Die
Zurverfügungstellung erfolgte jedoch nicht gratis, sondern gegen eine
Darlehensgutschrift (Gegenkonto 2250; act. 5/6/I/m/S. 6). Die gewählte Abwicklung
über die GmbH erfüllte die angestrebten Zwecke des Beschwerdegegners, nämlich
sich den Wert der Aktien persönlich gutschreiben zu lassen und anschliessend die
Aktien durch die GmbH an die AG zu übertragen. Dass dem Beschwerdegegner auch
andere Transaktionsarten zur Übertragung der Aktien offenstanden, ohne den
Transponierungstatbestand zu erfüllen (beispielsweise mittels Verbuchung als
Gewinnreserve), ist unerheblich. Der Beschwerdegegner hat seine Beteiligung an der
B._ AG in die von ihm beherrschte C._ GmbH eingebracht. Im Gegenzug erwarb er
von dieser eine Darlehensgutschrift, welche über dem Nennwert der übertragenen
Beteiligung liegt. Der Beschwerdegegner nahm auf das Schicksal der Beteiligung der
B._ AG insoweit Einfluss, als diese in der Folge von der C._ GmbH auf die B._ AG
4.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/8
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
5.
(...)