# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 527e1e98-1ad9-4e7c-b34c-0f816d69c3d6
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend
einfache Verletzung der Verkehrsregeln
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom 31. Mai 2013 (GC130049)
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Strafverfügung:
Der Strafbefehl Nr. 2012-013-388 des Stadtrichteramts Zürich vom 14. Januar
2013 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 31).
Urteil der Vorinstanz (Urk. 45)
"Es wird erkannt:
1. Der Einsprecher ist schuldig der einfachen Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne
von Art. 44 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG.
2. Der Einsprecher wird bestraft mit einer Busse von Fr. 300.–.
3. Bezahlt der Einsprecher die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine
Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen.
4. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf Fr. 600.–. Allfällige weitere Auslagen
bleiben vorbehalten.
5. Die Gerichtskosten werden dem Einsprecher auferlegt. Über diese Kosten stellt die
Gerichtskasse Rechnung.
Die Kosten des Stadtrichteramtes Zürich gemäss Strafbefehl Nr. 2012-013-388
vom 14. Januar 2013 im Betrag von Fr. 1'023.50 werden dem Einsprecher auf-
erlegt. Über diese Kosten sowie die Busse von Fr. 300.– stellt die Kasse des
Stadtrichteramtes Zürich Rechnung.
6. (Mitteilungen)
7. (Rechtsmittelbelehrung)"
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Berufungsanträge:
a) Des Beschuldigten:
(Urk. 61 S. 2)
1. Der Beschuldigte und Berufungskläger sei in Aufhebung des Urteils
des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abteilung, Einzelgericht, vom 31. Mai
2013, vollumfänglich freizusprechen;
2. sämtliche Verfahrenskosten seien auf die Staatskasse zu nehmen bzw.
der Kasse des Stadtrichteramtes zur Abschreibung zu überlassen;
3. dem Beschuldigten und Berufungskläger sei eine angemessene Ent-
schädigung für das Untersuchungs- und das erstinstanzliche Verfahren
von Fr. 3'000.– sowie für das Berufungsverfahren eine solche von
Fr. 1'500.– (je inkl. MwSt) zuzusprechen.
b) Des Stadtrichteramts Zürich:
(Urk. 66, sinngemäss)
Bestätigung des vorinstanzlichen Entscheides.

## Considerations

Erwägungen:
I. Verfahrensgang
1. Am 5. Februar 2012, um ca. 12.50 Uhr, kam es auf der B._-Strasse ...
in Zürich zu einer Kollision zwischen dem vom Beschuldigten gefahrenen Perso-
nenwagen "Rover GB 75 2.5 i, Tourer", Kontrollschild ZH ..., und dem von
C._ gefahrenen Personenwagen "Mercedes-Benz D", Kontrollschild ZH ...
(Urk. 1/1).
2. Mit Strafbefehl Nr. 2012-013-388 des Stadtrichteramts Zürich vom 1. März
2012 wurde der Beschuldigte wegen Nichtgewährens des Vortritts beim Fahrstrei-
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fenwechsel gestützt auf Art. 44 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG
mit einer Busse von Fr. 300.– bestraft. Zudem wurden ihm die Spruchgebühr so-
wie weitere Auslagen von Fr. 303.– auferlegt (Urk. 2/1). Gegen diesen Strafbefehl
liess der Beschuldigte mit Schreiben vom 9. März 2012 innert Frist Einsprache
erheben (Urk. 3/1).
3. Nach Durchführung der ergänzenden Untersuchung, insbesondere der
Einvernahmen des Beschuldigten (Urk. 22), des am Verkehrsunfall beteiligten
C._ (Urk. 23) sowie des Zeugen D._ (Urk. 24), hielt das Stadtrichteramt
Zürich an der gegen den Beschuldigten ausgefällten Busse von Fr. 300.– fest.
Zudem auferlegte es ihm die Spruchgebühr sowie die aufgelaufenen Kosten von
insgesamt Fr. 1'023.50 (Urk. 25). Auf Antrag des Verteidigers (Urk. 27) erliess das
Stadtrichteramt Zürich am 14. Januar 2013 einen neuen Strafbefehl, in welchem
es den Anklagesachverhalt präzisierte (Urk. 31). Nachdem der Beschuldigte da-
gegen mit Eingabe vom 21. Januar 2012 (recte: 2013) fristgerecht Einsprache er-
heben liess (Urk. 33), hielt das Stadtrichteramt Zürich mit Schreiben vom
29. Januar 2013 am Strafbefehl fest und überwies in der Folge die Akten dem Be-
zirksgericht Zürich (Urk. 34; Urk. 37).
4. Das Bezirksgericht Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht (nachstehend:
Vorinstanz), sprach den Beschuldigten mit vorstehend wiedergegebenem Urteil
vom 31. Mai 2013 im Sinne des Strafbefehls schuldig und bestrafte ihn mit einer
Busse von Fr. 300.–. Für den Fall der schuldhaften Nichtbezahlung der Busse
wurde eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen festgesetzt. Die Kosten des
Gerichtsverfahrens sowie die Kosten des Stadtrichteramts Zürich wurden dem
Beschuldigten auferlegt (Urk. 40). Dagegen liess der Beschuldigte anlässlich
der Hauptverhandlung mündlich Berufung anmelden (Prot. I S. 12) und nach
Zustellung des begründeten Urteils (Urk. 42 = 45) fristgerecht beim Obergericht
die Berufungserklärung einreichen (Urk. 48).
5. Mit Präsidialverfügung der hiesigen Kammer vom 6. Dezember 2013 wurde
dem Stadtrichteramt Zürich eine Kopie der Berufungserklärung zugestellt und
Frist angesetzt, um Anschlussberufung zu erheben oder um begründet ein Nicht-
eintreten auf die Berufung zu beantragen (Urk. 51). Mit Eingabe vom 12. Dezem-
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ber 2013 teilte das Stadtrichteramt Zürich mit, dass keine Anschlussberufung er-
hoben werde (Urk. 52). Nachdem mit Präsidialverfügung vom 8. Januar 2014 die
schriftliche Durchführung des vorliegenden Verfahrens angeordnet und dem Be-
schuldigten Frist angesetzt wurde, schriftlich die Berufungsanträge zu stellen und
zu begründen (Urk. 55), liess der Beschuldigte mit Eingabe vom 17. März 2014
innert erstreckter Frist (vgl. Urk. 57 und 59) die Berufungsbegründung einreichen
(Urk. 61). Mit Präsidialverfügung vom 18. März 2014 wurde das Doppel der
Berufungsbegründung dem Stadtrichteramt Zürich und der Vorinstanz zugestellt
und Frist angesetzt zur Einreichung der Berufungsantwort bzw. zur freigestellten
Vernehmlassung (Urk. 63). Die Vorinstanz verzichtete am 21. März 2014 auf eine
Vernehmlassung (Urk. 65). Das Stadtrichteramt Zürich teilte mit Eingabe vom
24. März 2014 mit, dass es auf eine Berufungsantwort verzichte (Urk. 66).
6. Das Verfahren erweist sich damit als spruchreif.
II. Prozessuales
1. Kognition
1.1. Gemäss Art. 398 Abs. 1 StPO ist die Berufung zulässig gegen Urteile
erstinstanzlicher Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilweise abge-
schlossen worden ist. Im Rahmen einer Berufung überprüft das Obergericht den
vorinstanzlichen Entscheid üblicherweise frei bezüglich sämtlicher Tat-, Rechts-
und Ermessensfragen (Art. 398 Abs. 3 StPO). Bildeten jedoch ausschliesslich
Übertretungen Gegenstand des erstinstanzlichen Hauptverfahrens, so schränkt
Art. 398 Abs. 4 Satz 1 StPO die Kognition der Berufungsinstanz ein. In diesen
Fällen darf das angefochtene Urteil lediglich dahingehend überprüft werden, ob es
rechtsfehlerhaft ist, d.h. ob eine Rechtsverletzung durch die Vorinstanz vorliegt,
oder ob eine offensichtlich unrichtige Feststellung des Sachverhaltes durch
die Vorinstanz gegeben ist. Relevant sind dabei klare Versehen bei der Sach-
verhaltsermittlung, wie namentlich Versehen, Irrtümer oder offensichtliche Diskre-
panzen zwischen der sich aus den Akten sowie der Hauptverhandlung ergeben-
den Akten- sowie Beweislage und der Urteilsbegründung. Weiter in Betracht
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kommen insbesondere Fälle, in denen die gerügte Sachverhaltsfeststellung auf
einer Verletzung von Bundesrecht, in erster Linie von Verfahrensvorschriften der
StPO selbst, beruht. Gesamthaft gesehen dürften regelmässig Konstellationen
relevant sein, die als willkürliche Sachverhaltserstellung zu qualifizieren sind (vgl.
Schmid, StPO - Praxiskommentar, Zürich 2013, 2. Auflage, Art. 398 N 12 f.;
Eugster, Basler Kommentar - StPO, Basel 2011, Art. 398 N 3). Willkür bei der
Beweiswürdigung liegt vor, wenn der angefochtene Entscheid offensichtlich
unhaltbar ist oder mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch steht.
Dass eine andere Lösung oder Würdigung ebenfalls vertretbar erscheint oder
gar vorzuziehen wäre, genügt nicht (vgl. BGE 134 I 140 E. 5.4 mit Hinweisen). Ei-
ne vertretbare Beweiswürdigung ist daher noch nicht willkürlich, auch wenn die
Berufungsinstanz anstelle des Vorderrichters allenfalls anders entschieden hätte.
1.2. Sodann können gemäss Art. 398 Abs. 4 Satz 2 StPO neue Behauptungen
und Beweise im Berufungsverfahren nicht mehr vorgebracht werden, wenn – wie
hier – ausschliesslich Übertretungen Gegenstand des erstinstanzlichen Hauptver-
fahrens bildeten. Die Berufungsinstanz entscheidet aufgrund der bereits vor erster
Instanz vorgebrachten Behauptungen und der bestehenden Beweisgrundlage.
Hat die erste Instanz Beweise willkürlich nicht abgenommen, kann die Berufungs-
instanz den Entscheid nur aufheben und muss den Fall zur Beweisabnahme und
einer neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen (Eugster, Basler
Kommentar - StPO, a.a.O., Art. 398 N 3).
1.3 Das Obergericht hat somit zu überprüfen, ob die vom Beschuldigten vorge-
brachten Beanstandungen von der Überprüfungsbefugnis gemäss Art. 398 Abs. 4
StPO gedeckt sind. In einem allfälligen nicht von der genannten Befugnis umfass-
ten Umfang wird auf die Berufung nicht eingetreten. Es ist somit festzustellen, ob
das vorinstanzliche Urteil im Bereich der zulässigen Kognition Fehler aufweist.
2. Umfang der Berufung
Der Beschuldigte beschränkt seine Berufung nicht und beantragt, freigesprochen
zu werden (vgl. Urk. 61). Damit bildet das ganze vorinstanzliche Urteil Berufungs-
gegenstand und ist mithin in keinem Punkt in Rechtskraft erwachsen.
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III. Sachverhalt
1. Der von der Vorinstanz als unbestritten (Urk. 45 S. 6) bzw. als erstellt
(Urk. 45 S. 18) erachtete Sachverhalt wurde vom Beschuldigten nicht angefoch-
ten. Entsprechend ist nachstehend von folgendem äusseren Geschehensablauf
auszugehen:
2. Der Beschuldigte sowie C._ fuhren am 5. Februar 2012, um ca. 12.50
Uhr, auf der B._-Strasse in Zürich stadteinwärts. Während dieser Fahrt
wechselten beide Autolenker, der Beschuldigte vor C._ fahrend, von der
rechten auf die linke Fahrspur und überholten den vor ihnen auf der
rechten Fahrspur fahrenden silbrigen "VW Golf", der seine Geschwindigkeit
reduzierte, um kurz vor der B._-Strasse ... auf einen Parkplatz abzubiegen
(Urk. 45 S. 6, vgl. auch S. 20). Nachdem C._ den "VW Golf" passierte,
wechselte er zeitlich vor dem Beschuldigten wieder auf den rechten Fahrsteifen.
In der Folge wechselte auch der Beschuldigte auf den rechten Fahrstreifen.
Da sich C._ in diesem Zeitpunkt bereits neben dem Beschuldigten,
beinahe auf gleicher Höhe befand, kam es zur Kollision (Urk. 45 S. 18).
III. Rechtliche Würdigung
1. Die Vorinstanz qualifizierte das Verhalten des Beschuldigten als Nichtge-
währen des Vortritts beim Fahrstreifenwechsel und damit als einfache Verletzung
der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 44 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90
Ziff. 1 SVG (Urk. 45 S. 18 ff.).
2. Die Verteidigung macht – wie bereits vor Vorinstanz (vgl. Prot. I S. 5 ff.) –
geltend, dass auf den vorliegenden Sachverhalt nicht Art. 44 Abs. 1 SVG, son-
dern Art. 35 Abs. 2 und 3 SVG anwendbar sei. Es handle sich um ein Überholen
im Kolonnenverkehr, bei welchem der Beschuldigte unter den Überholern die
erste und der am Unfall beteiligte C._ die zweite Position inne gehabt habe.
Für beide habe gegolten, dass sie auf die anderen Strassenbenützer, insbeson-
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dere den Überholten aber auch je auf den anderen Überholer besonders Rück-
sicht hätten nehmen müssen. Diese Rücksichtnahme hätte es geboten, dass die
beiden Überholer bei der "Auflösung" der Überholformation unter sich dieselbe
Reihenfolge untereinander hätten beibehalten sollen und nicht einer rücksichtlos
versuchen würde, durch rascheres Zurückwechseln auf die rechte Fahrspur und
Beschleunigen einen Positionsgewinn zu erzielen. Der Beschuldigte sowie der
ihm nachfolgende C._ hätten zueinander nicht im Verhältnis von zwei im Pa-
rallelverkehr je auf einer anderen Fahrspur fahrenden Fahrzeuge gestanden,
sondern zwei im Längsverkehr hintereinander zirkulierende Fahrzeuge, für die
insbesondere auch Art. 34 Abs. 4 SVG gelte. Dementsprechend habe sich der
Beschuldigte nicht der einfachen Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von
Art. 90 Ziff. 1 in Verbindung mit Art. 44 Abs. 1 SVG schuldig gemacht (Urk. 61
S. 2 ff.).
3.1. Fahrzeuge müssen grundsätzlich rechts, auf breiten Strassen innerhalb der
rechten Fahrbahnhälfte (Art. 34 Abs. 1 SVG) und auf Strassen mit Sicherheits-
linien rechts dieser Linien fahren (Art. 34 Abs. 2 SVG). Es ist links zu überholen
(Art. 35 Abs. 1 SVG). Überholen und Vorbeifahren an Hindernissen ist nur ge-
stattet, wenn der nötige Raum übersichtlich und frei ist und der Gegenverkehr
nicht behindert wird. Im Kolonnenverkehr darf nur überholen, wer die Gewissheit
hat, rechtzeitig und ohne Behinderung anderer Fahrzeuge wieder einbiegen
zu können (Art. 35 Abs. 2 SVG). Wer überholt, muss auf die übrigen Strassen-
benützer, namentlich auf jene, die er überholen will, besonders Rücksicht nehmen
(Art. 35 Abs. 3 SVG). Der Fahrzeugführer, der überholen will, muss vorsichtig
ausschwenken und darf nachfolgende Fahrzeuge nicht behindern (Art. 10 Abs. 1
VRV). Nach dem Überholen hat der Fahrzeugführer wieder einzubiegen, sobald
für den überholten Strassenbenützer keine Gefahr mehr besteht (Art. 10 Abs. 2
VRV).
3.2. Besondere Vorschriften bzw. Ausnahmen von den vorstehend genannten
allgemeinen Regeln gelten – unter anderem – für Strassen mit mehreren
Fahrstreifen in der gleichen Richtung. Auf solchen Strassen darf der Fahrer sei-
nen Streifen nur verlassen, wenn er dadurch den übrigen Verkehr nicht gefährdet
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(Art. 44 Abs. 1 SVG). Diese Bestimmung stellt eine Vortrittsregel dar. Dem seinen
Streifen beibehaltenden Fahrer steht der Anspruch auf unbehinderte Fortsetzung
seiner Fahrt zu (Bundesgerichtsentscheide 6B_453/2012 vom 19. Februar 2013,
E. 2.2.1, und 6B_10/2011 vom 29. März 2011, E. 2.2.1, mit Hinweis). Zudem ist
auf derartigen Strassen grundsätzlich der äusserste Streifen rechts zu benützen.
Dies gilt aber nicht beim Überholen, Einspuren, Fahren in parallelen Kolonnen
sowie innerorts (Art. 8 Abs. 1 VRV). Beim Fahren in parallelen Kolonnen sowie
innerorts auf Strassen mit mehreren Fahrstreifen in der gleichen Richtung ist das
Rechtsvorbeifahren an anderen Fahrzeugen gestattet, sofern diese nicht halten,
um Fussgängern oder Benützern von fahrzeugähnlichen Geräten den Vortritt
zu lassen. Das Rechtsüberholen durch Ausschwenken und Wiedereinbiegen ist
jedoch untersagt (Art. 8 Abs. 3 VRV).
4. Der vorliegend zu beurteilende Verkehrsunfall ereignete sich – wie er-
wähnt – auf der B._-Strasse ... in Zürich stadteinwärts. Bei dieser Strasse
handelt es sich um eine Hauptstrasse innerorts. Es führen zwei Fahrstreifen
stadteinwärts, die eine später Richtung E._-Strasse und die andere Richtung
Oerlikon Zentrum bzw. Zürich Seebach. Diese beiden Fahrstreifen sind durch
eine Leitlinie voneinander getrennt. Die entgegengesetzten Fahrsteifen sind durch
eine Baumallee in der Mitte der Fahrbahn abgegrenzt (Urk. 1/1 S. 4; vgl. auch
Urk. 1/2 S. 1).
4.1. Im Unfallbereich handelt es sich bei der B._-Strasse folglich um eine
Strasse mit mehreren Fahrstreifen in der gleichen Richtung im Sinne von Art. 44
Abs. 1 SVG sowie Art. 8 Abs. 1 und 3 VRV. Da sich diese Strasse innerorts befin-
det, besteht auf ihr gemäss Art. 8 Abs. 1 VRV eine Ausnahme vom allgemeinen
Gebot des Rechtsfahrens (vgl. Art. 34 SVG). Zudem ist auf dieser Strasse das
Rechtsvorbeifahren an anderen Fahrzeugen nach Art. 8 Abs. 3 VRV ausdrücklich
gestattet. Nicht erlaubt ist aber nach dieser Bestimmung das Rechtsüberholen
durch Ausschwenken und Wiedereinbiegen. Ein Ausschwenken für sich allein
oder ein Einbiegen für sich allein sind aber gemäss Art. 44 Abs. 1 SVG wiederum
gestattet, sofern durch das Verlassen des Fahrstreifens der übrige Verkehr nicht
gefährdet wird (vgl. auch BGE 126 IV 192 E. 2a).
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4.2. Im vorliegenden Fall wechselten der Beschuldigte sowie der hinter ihm
fahrende C._ von der rechten auf die linke Fahrspur, um den auf der rechten
Fahrspur abbremsenden und auf einen Parkplatz abbiegenden "VW Golf" zu
überholen. Nach dem Überholen waren weder der Beschuldigte noch C._
verpflichtet, gemäss Art. 10 Abs. 2 VRV wieder auf die rechte Fahrspur einzubie-
gen. Vielmehr stand es ihnen frei, nach dem Überholen entweder ihre Fahrt auf
der linken Fahrspur fortzusetzen (Art. 8 Abs. 1 VRV) oder wieder auf die rechte
Fahrspur zu wechseln (Art. 44 Abs. 1 SVG). Zudem ist zu berücksichtigen, dass
die beiden Fahrspuren in unterschiedliche Richtungen führen, wie dies
den entsprechenden Beschilderungen, die vom Unfallort her ersichtlich sind, ent-
nommen werden kann (vgl. Urk. 1/2). Entsprechend durfte auch aus diesem
Grund die Fahrt auf der linken Fahrspur fortgesetzt werden und es musste kein
Spurwechsel erfolgen. Da der Beschuldigte und C._ somit nicht verpflichtet
waren, nach dem Überholen wieder auf die rechte Fahrspur zu wechseln, bestand
für C._ – entgegen der Verteidigung (Urk. 64 S. 3 f.) – auch keine Pflicht, ei-
ne vor bzw. während dem Überholen bestehende Reihenfolge der Fahrzeuge zu
beachten. Der Spurwechsel des Beschuldigten von der rechten auf die linke
Fahrspur musste für C._ unter den gegebenen Umständen – da es sich ins-
besondere um eine Strasse mit mehreren Fahrstreifen in gleicher Richtung han-
delt – nicht als Überholmanöver (also die Absicht, wieder auf die rechte Fahrspur
zurückzukehren) erkennbar sein. Entsprechend konnte C._ – entgegen der
Verteidigung – nicht wissen und hätte auch nicht wissen müssen, dass der Be-
schuldigte überholen und wieder auf den rechten Fahrstreifen zurückkehren woll-
te. Vielmehr durfte C._ annehmen, dass der Beschuldigte allenfalls auf der
linken Fahrspur bleiben will. Folglich durfte C._ zeitlich vor dem Beschuldig-
ten auf die rechte Fahrspur wechseln, beschleunigen und dadurch auf die Höhe
des Beschuldigten aufschliessen. Beim anschliessenden Spurwechsel durch den
Beschuldigten war dieser sodann – mit der Vorinstanz (Urk. 45 S. 20) – gegen-
über C._ vortrittsbelastet gewesen. Er hätte folglich den linken Fahrstreifen
nur verlassen dürfen, wenn er dadurch den übrigen Verkehr, mithin auch
C._, nicht gefährdet hätte. Indem der Beschuldigte aber seinen Fahrstreifen
verliess und dabei mit dem rechts neben ihm fahrenden Fahrzeug von C._
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kollidierte, erfüllte der Beschuldigten den objektiven Tatbestand von Art. 44 Abs. 1
SVG.
4.3. Eine Verletzung von Art. 44 Abs. 1 SVG kann – mit der Vorinstanz (Urk. 45
S. 20) – sowohl durch vorsätzliches als auch durch fahrlässiges Handeln erfüllt
werden (Art. 100 Ziff. 1 Abs. 1 SVG). Es kann diesbezüglich auf die vollständigen
und zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Art. 82 Abs. 2
StPO). Wie vorstehend dargelegt, war C._ nach dem Überholen
des "VW Golf" berechtigt, zeitlich vor dem Beschuldigten wieder auf die rechte
Fahrspur zu wechseln und anschliessend auf den links neben ihm fahrenden
Beschuldigten aufzuschliessen. Es bestand für ihn – wie erwähnt – keine Pflicht,
eine ursprüngliche Reihenfolge der Fahrzeuge beizubehalten. Entsprechend
konnte und durfte der Beschuldigte – entgegen der Verteidigung (Urk. 61 S. 4) –
nicht ohne Weiteres damit rechnen, dass die rechte Fahrspur neben ihm frei ist.
Indem der Beschuldigte beim Verlassen seines Fahrstreifens die gebotene Vor-
sicht, zu der er nach den gegebenen Umständen und seinen persönlichen Ver-
hältnissen verpflichtet gewesen war, nicht beachtete, handelte er fahrlässig und
hat damit auch den subjektiven Tatbestand von Art. 44 Abs. 1 SVG erfüllt.
4.4. Die rechtliche Würdigung der Vorinstanz ist damit zutreffend und gibt zu
keinerlei Beanstandungen Anlass. Der Beschuldigte ist nach dem Gesagten der
einfachen Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 44 Abs. 1 SVG in
Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG schuldig zu sprechen und angemessen zu
bestrafen.
IV. Strafzumessung
1. Gemäss den zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz reicht der gesetzli-
che Strafrahmen vorliegend bis zu Fr. 10'000.– Busse (Art. 90 Ziff. 1 SVG sowie
Art. 102 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 103 und Art. 106 Abs. 1 StGB). Für
den Fall des schuldhaften Nichtbezahlens der Busse ist eine Ersatzfreiheitsstrafe
von mindestens einem Tag und höchstens drei Monaten auszusprechen. Busse
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und Ersatzfreiheitsstrafe sind je nach den Verhältnissen des Täters so zu
bemessen, dass dieser die Strafe erleidet, die seinem Verschulden angemessen
ist (Art. 106 Abs. 2-3 StGB).
2. Die durch die Vorinstanz ausgesprochene Busse von Fr. 300.– erscheint
dem Verschulden und den Verhältnissen des Beschuldigten angemessen und ist
unter Hinweis auf die vorinstanzlichen Ausführungen zu bestätigen (Urk. 45 S. 21;
Art. 82 Abs. 4 StPO).
3. Ebenfalls zu bestätigen ist die vorinstanzliche Anordnung einer Ersatz-
freiheitsstrafe von 3 Tagen im Falle der schuldhaften Nichtbezahlung der Busse
(Urk. 45 S. 21; Art. 82 Abs. 4 StPO).
V. Kostenfolge
1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die erstinstanzliche Kostenregelung
(Dispositivziffern 4 und 5) zu bestätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO).
2. Im Berufungsverfahren werden die Kosten nach Obsiegen und Unterliegen
auferlegt (Art. 428 Abs. 1 StPO). Mit dem heutigen Urteil unterliegt der Beschul-
digte mit seiner Berufung vollständig. Die Kosten des Berufungsverfahrens sind
deshalb ebenfalls dem Beschuldigten aufzuerlegen.