# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d711b255-00a3-4490-b6a7-6b69e4d413f2
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1965 im Kosovo geborene X._ erlernte nach der Grundschule in ihrer Heimat den Schneiderinnen-Beruf und ist Mutter von vier in den Jahren 1982 bis 1989 geborenen Kindern. Sie lebt seit 1996 in der Schweiz. In den Jahren 2006 bis 2009 arbeitete sie bei verschiedenen Arbeitgebern in der Reini
gungsbranche und im Servicebereich mit wechselndem Beschäftigungs
grad. Am 15. Oktober 2009 meldete sie sich unter Hinweis auf einen engen Spi
nalkanal und Beschwerden in den Beinen und im Rücken bei der Invaliden
ver
sicherung zum Leistungsbezug (berufliche Massnahmen, Rente) an (Urk. 7/3, Urk. 7/6, Urk. 7/39 S. 13). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, traf daraufhin diverse Abklärungen (Urk. 7/1-2, Urk. 7/5, Urk. 7/8-22, Urk. 7/27-31) und veranlasste eine orthopädisch-
rheumatologisch-neurolo
gische Begutachtung der Versicherten in der
Y._ (Urk. 7/37-38)
. Gestützt auf das
inter
disziplinäre Gutachten der
Y._
vom 1
5.
Juni 2011 (
Urk. 7
/39) ermittelte
sie
einen rentenaus
schliessenden Invaliditätsgrad von 10
%
und verneinte mit
Verfü
gung vo
m
16. Januar 2012, nach Durchfüh
rung des
Vorbescheid
verfahrens
(
Urk. 7
/43
, Urk. 7/45, Urk. 7/47-48), das Beste
hen eines Rentenanspruchs (Urk. 7/49). Die von
der Versicherten dagegen erho
bene Beschwerde (
Urk.
7/57/3-16) wurde zunächst vom Sozialversicherungsge
richt mit Urteil IV.2012.00210 vom 3
1.
Mai 2013 (
Urk.
7/64) und, nachdem das Verfahren von der Versicherten an die nächsthöhere Instanz weitergezogen worden war
(Urk. 7/65/2-21)
,
vom Bundesgericht mit Urteil 9C_579/2013 vom
3.
Dezember 2013 (
Urk.
7/66) abgewiesen.
1.2
Am 7. April (Urk. 7/69-71) respektive am 20. Juni 2014 meldete sich die Ver
sicherte bei der IV-Stelle erneut zum Leistungsbezug an (Urk. 7/79; vgl. auch Urk. 7/75, Urk. 7/77-78; vgl. auch Urk. 787/1-2). Nach Durchführung des Vor
be
scheidverfahrens (Urk. 7/73-74) trat die IV-Stelle mit Verfügung vom 1. Juli 2014 auf das neue Leistungsbegehren nicht ein, da sie eine wesentliche Verän
derung der tatsächlichen Verhältnisse als nicht glaubhaft erachtete (Urk. 7/82).
1.3
Am 24. Dezember 2014 ersuchte die Versicherte unter Hinweis auf eine zuneh
mende, therapieresistente Schmerzsituation an der Lenden-, Halswirbelsäule und der Schulter sowie eine mittelschwere bis schwere depressive Episode erneut bei der IV-Stelle um die Ausrichtung von Leistungen (Urk. 7/87-88). Die IV-Stelle liess die Versicherte daraufhin am 9. April 2015 durch ihren Regio
nalen Ärztlichen Dienst RAD (med. pract. Z._, Fachärztin für Orthopä
dische Chirurgie und Traumatologie, sowie med. pract. A._, Facharzt für
Psy
chiatrie und Psychotherapie, untersuchen (Urk. 7/95). Gestützt auf den orthopä
dischen und den psychiatrischen RAD-Bericht vom 6. Mai 2015 (Urk. 7/99-100) ermittelte die IV-Stelle einen Invaliditätsgrad von 0 % (Urk. 7/102-103) und verneinte mit Vorbescheid vom 8. Juli 2015 das Bestehen eines Rentenan
spruchs (Urk. 7/104). Nachdem die Versicherte dagegen Einwand erhoben hatte (Urk. 7/105, Urk. 7/107), erliess die IV-Stelle ankündigungs
gemäss die einen Rentenanspruch verneinende Verfügung vom 29. September 2015 (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin Caterina Nägeli, mit Eingabe vom 29. Oktober 2015 Beschwerde und beantragte die Zusprechung einer ganzen Rente ab 1. Februar 2012, eventualiter die Einholung eines gerichtlichen, neutralen und spezialärztlichen Gutachtens über ihren Gesund
heitszustand und ihre Arbeitsfähigkeit, subeventualiter die Rückweisung der Sache an die IV-Stelle, damit diese ein Gutachten einhole beziehungsweise weitere Abklärungen tätige (Urk. 1 S. 2 f.). Mit Beschwerdeantwort vom 26. November 2016 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (Urk. 6). Mit Eingabe vom 20. Februar 2017 (Urk. 9) reichte die Beschwerdefüh
rerin mehrere Verlaufsberichte ihrer behandelnden Ärzte ein (Urk. 10/1-6), wel
che der IV-Stelle zur Kenntnisnahme zugestellt wurden (Urk. 11).

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (Art. 8
ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von min
destens 70 Prozent auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV
), so ist im Beschwerdeverfah
ren zu prüfen, ob im Sinne von
Art.
17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invalidi
tätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
Anlass zur Ren
tenrevision
im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG
gibt jede wesentliche Än
derung in den tatsächlichen Ver
hältnissen, die geeignet ist, den Invaliditäts
grad und damit den Renten
anspruch zu beeinflussen. Insbeson
dere ist die Rente nicht nur bei einer wes
ent
lichen Änderung des Gesundheits
zustandes, sondern auch dann revi
dier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswir
kungen des an sich gleich geblie
benen Gesundheitszu
standes erheblich verän
dert ha
ben (BGE
130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen).
Eine Verän
derung der gesund
heitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswir
kun
gen auf die Ar
beitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bundesgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E.
1.2 und I 212/03 vom 28. August
2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurtei
lung der Auswirkun
gen eines im We
sentlichen unverändert gebliebenen Ge
sund
heitszustandes auf die Arbeitsfä
higkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichs
basis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Ände
rung des Invalidi
tätsgrades bilden die letzte rechts
kräftige Verfügung oder der letzte rechts
kräf
tige Einspracheentscheid, welche oder welcher auf einer materi
ellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechts
konformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditäts
bemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesge
richts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung führte die IV-Stelle zur Begründung der Ableh
nung des Rentenbegehrens der Beschwerdeführerin aus, gemäss den Untersuchungsberichten des RAD habe sich der Gesundheitszustand seit der Begutachtung in der Y._ im Juni 2011 nicht verändert. Die Beschwerdeführerin sei seit damals zwar in ihrer angestammten Tätigkeit als Reinigungsmitarbeiterin nicht mehr arbeitsfähig; in einer körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit ohne regelmässige Hebe- und Tragebelastungen über 10 kg, ohne Arbeiten auf Leitern und Gerüsten, ohne häufige Zwangshal
tungen, ohne häufige wirbelsäulenbelastende Arbeiten sei sie dagegen zu 100 % arbeitsfähig. In Frage kämen etwa Kontroll-, Überwachungs- oder Sortierarbei
ten. Der Lohn, den sie als gesunde Reinigungsmitarbeiterin im Jahr 2012 erzielten könnte, betrage gemäss den Tabellenlöhnen des Bundesamtes für Sta
tistik Fr. 51‘504.--. Ebenfalls gestützt auf die Tabellenlöhne ergebe sich für das Jahr 2012 ein Invalideneinkommen von Fr. 51‘441.--, welches in einer Hilfsar
beit erzielt werden könne. Da die behinderungsbedingten Einschränkungen bereits im Belastungsprofil berücksichtigt würden, sei kein leidensbedingter Abzug vom Tabellenlohn vorzunehmen. Da der Einkommensvergleich zu einem Invaliditätsgrad von 0 % führe, bestehe kein Rentenanspruch (Urk. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellt sich dagegen auf den Standpunkt, sie habe rückwir
kend ab dem 1. Februar 2012 Anspruch auf eine ganze Rente, da sich ihre gesundheitliche Situation derart verschlechtert habe (Urk. 1 S. 6). Die orthopädische RAD-Beurteilung, wonach sie zu 100 % arbeitsfähig sei, sei falsch. Dr. med. B._, Facharzt für Innere Medizin, sei im Jahr 2010 noch davon ausgegangen, dass sie in einem angepassten Beruf zu 50-60 % arbeits
fähig sei. Gemäss seinem Bericht vom 3. Dezember 2014 sei zwischenzeitlich eine derartige Verschlechterung der psychischen und physischen Gesundheit eingetreten, dass sie gegenwärtig vollumfänglich arbeitsunfähig sei. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb sich die RAD-Ärzte nicht ansatzweise an den differen
zierten Schlussfolgerungen von Dr. B._ orientiert hätten. Auch ihre Haus
ärztin Dr. med. C._, Fachärztin für Innere Medizin, habe im Bericht vom 9. Oktober
2015 die gesundheitliche Verschlechterung dokumentiert.
Es
seien starke Zweifel an der Objektivität der RAD-Orthopädin med. pract.
Z._
angebracht
, da sie ihre Angaben im Untersuchungsbericht teilweise falsch wie
dergegeben habe. Hinzu komme, dass die Untersuchung in einer für sie sehr traumatisierenden und schmerzhaften Weise durchgeführt worden sei, was auch dem Bericht von Dr. C._ vom 9. Oktober 2015 entnommen werden könne. Ferner seien die von ihr eingereichten Berichte im orthopädischen Untersuchungsbericht gänzlich unberücksichtigt geblieben. Der Bericht sei also auch unvollständig (Urk. 1 S. 7-11). Auch beim psychiatrischen Untersuchungs
bericht von med. pract. A._ vom RAD müsse davon ausgegangen werden, dass der Arzt seinen Bericht zu ihren Ungunsten
verfasst habe. Im Unter
suchungsbericht seien einige wichtige Details des Gesprächs sowie angebliche Beobachtungen falsch festgehalten worden. Die Untersuchung selber sei in einer unangenehmen Weise durchgeführt worden und sie ha
be das Gefühl gehabt, dass ihr niemand Gehör schenke. Weiter werde im Bericht festgehalten, dass sie bei kleinen Scherzen mitlachen würde. Daraus, dass sie als ehemalige Service
angestellte stets freundlich, zuvorkommend und sehr gepflegt sei, dürfe aber nicht zu ihren Ungunsten auf eine fehlende Depression geschlossen werden. Zudem habe med. pract. A._ in seinem Bericht die Diskussion der medizi
nischen Vorberichte und Gutachten sehr kurz gehalten und insbesondere dem Bericht von Dr. med. D._ und Dr. med. E._, Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie vom F._ vom 29. Juli 2015 (richtig: 29.Juli 2014; Urk. 7/86/7) kaum Beachtung geschenkt. In diesem Bericht werde klar aufgezeigt, dass sich bei ihr, beginnend ab dem 1. Februar 2012, eine klare depressive Symptomatik abgezeichnet habe. Da ihre Schmerzen das Ausmass eines dauernden, schweren und quälenden Schmerzes erreicht hätten, liege eine somatoforme Schmerzstörung vor.
Die damit zusammenhängende Leistungseinschränkung stelle keine Aggravation dar, da entgegen der Ansicht des RAD keine Diskrepanzen zwischen den geschilderten Schmerzen und ihrem tatsächlichen Verhalten bestünden. Die vom RAD durchgeführten Untersuchungen liessen eine fachärztlich einwand
freie Diagnose überhaupt nicht zu. Mittels einer neutralen und vollständigen Begutachtung könne festgestellt werden, dass eine somatoforme Schmerzstö
rung tatsächlich vorliege.
Eventualiter sei eine solche Untersuchung zu veran
lassen. Aufgrund der Berichte der Dres. B._ und C._ vom 3. Dezember 2014 sowie des F._ vom 29. Juli 2014 stehe fest, dass sich ihr Gesundheitszustand aufgrund der erheblichen Schmerzsymptomatik und der eigenständigen psychiatrischen Erkrankung stark verschlechtert habe (Urk. 1
S. 11 ff.).
3.
3.1
Die IV-Stelle beurteilte den medizinischen Sachverhalt und die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin bei Erlass der in Rechtskraft erwachsenen, einen Ren
tenanspruch verneinenden Verfügung vom 16. Januar 2012 aufgrund des von ihr eingeholten Gutachtens der Y._ vom 15. Juni 2011. Dieses Vor
gehen wurde mit den Urteilen des Sozialversicherungsgerichts
IV.2012.00210 vom 3
1.
Mai 2013 (
Urk.
7/64
) sowie des Bundesgerichts
9C_579/2013 vom
3. Dezember 2013 (Urk. 7/66) geschützt.
Das Gutachten der Y._ vom 15. Juni 2011 gliedert sich in einen ortho
pädi
schen/rheumatologischen sowie einen neurologischen Teil. Bei ihren Schlussfolgerungen berücksichtigten die Gutachter auch das Ergebnis der jeweils anderen Teilbegutachtung (Urk. 7/39 S. 1 und 11). Dem Teilgutachten von Dr. med. G._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, ist
zu entnehmen, dass die Feinmotorik der Beschwerde
führerin beim Ausziehen unauffällig war. Die Untersuchung der Wirbelsäule ergab einzig über den Dornfortsätzen der Lendenwirbelsäule Berührungs- und Druckdolenzen. Zusätzlich bestanden para
vertebral im Bereich der Rückenstre
cker Druckdolenzen. Bei der Seitneigung war die Wirbelsäule mit Gegenspannen bis 30/0/30° beweglich. Laut Dr.
G._
bestanden im Bereich der Schulter-Nacken-Partie vermehrte Druckdolenzen wegen eines Hartspanns der Trapezii beidseits. Die Beweglichkeit der Halswirbelsäule sei in allen Ebenen allenfalls endgradig eingeschränkt gewesen. Im Bereich der Schultergelenke hä
tten vor allem am rechten Tuber
c
ulum majus am Ansatz der Supraspinatussehne Druck
dolenzen bestanden, bei voller Beweglichkeit des Gelenks. Die Beschwerdefüh
rerin habe während der Untersuchung sensible Missempfindungen in der Loge des Nervus ulnaris rechts und an den Zehen I und V der linken und rechten un
teren Extremität angege
ben. Dr.
G._
diagnostizierte einen Zustand nach operativer Dekompression der Segmente L3-L5 bei Spinalkana
lstenose am 16. Dezember 2009,
e
r erhob einen
Verdacht
auf eine beginnende Spondylarthrose in der Halswirbelsäule und diagnostizierte eine muskuläre Dysbalance/Insuffizienz im Schulter-Na
cken-Bereich sowie in der Lendenwirbelsäule, ohne wesentlichen behindernden Effekt. In seiner abschliessenden Beurteilung hielt er fest, die erhobenen
Be
funde entsprächen einer leichtgradigen Störung und erlaubten durchaus weiter
hin eine vollzeitliche, angepasste körperliche Arbeit in Tätigkeiten mit leichter körperlicher Wechselbelastung sowie ohne ständige Zwangshaltung der Wir
belsäule oder schweres Heben und Tragen (Urk. 7/39 S. 1 ff.).
Der andere Teilgutachter
Dr.
med. H._, Facharzt für Neurologie,
erhob im
Rah
men
der
klinischen Untersuchung
eine
frei
e B
eweglich
keit der
Kopf- und Hals
wirbelsäule
in sämtlichen Richtungen
.
Es
habe ein leichtgradiges Vertebralsyn
drom erho
ben werden können, wobei die Beschwerdeführerin bei den formalen Bewe
gungsproben in sämtlichen Richtungen aktiv gegengespannt, ausserhalb der formalen Prüfung aber eine deutlich bessere Beweglichkeit der Lendenwir
bel
säule gezeigt habe. Bei den Kraftproben habe sie mangelhaft mitgearbeitet. Da
bei hätten keine umschriebenen myotom-bezogenen Paresen und Arthro
pathien nachgewiesen werden
können. Im Lasègue-Manöver habe sie einen lumbalen Schmerz mit Ausbreitung zur linken Grosszehe angegeben. Im rechten Schulter
gelenk hätten Bewegungsschmerzen erhoben werden können. Das Hoffman-Ti
nel-Zeichen sei über dem Sulcus ulnaris
rechts positiv gewesen. Der Tibialis-posterior-Reflex sei links nicht erhalten und rechts nicht auslösbar gewesen, die übrigen Muskeldehnungsreflexe an Armen und Beinen seien sei
tengleich mit
tellebhaft auslösbar gewesen. Hinsichtlich der psychischen und
neuropsychologischen Funktionen hätten keine auffälligen Befunde erhoben werden können. Dr.
H._
diagnostizierte ei
nen leichtgradigen Defekt nach Wur
zelkompression L5 links ohne behindernden Effekt, den Verdacht auf ein Sulcus-ulnaris-Syndrom rechts sowie ein leicht
gradiges lumbales Vertebralsyn
drom. Er gelangte zum Schluss, dass die abge
laufene leichtgradige Wurzelkom
pression L5 links nicht zu einer relevanten Parese des Grosszehenhebers führe und demzufolge nicht behindernd wirke. Anamnese und Lokalbefund im Bereich der rechten Schulter sprächen zwar für eine leichtgradige Periarthro
pathia humeroscapularis rechts, auch dar
aus resultiere aber keine wesentliche Behinderung. Hinsichtlich des leichtgradi
gen Sulcus-ulnaris-Syndroms rechts bestünden sodann ebenfalls
keine Hinweise für eine behindernde Parese oder sensible Defizite. Da die erhobenen Störungen insgesamt leichtgradig ausge
prägt seien, vermöchten sie einzig eine qualitative Einschränkung der Arbeits
fähigkeit zu begründen. Schwere körperliche Arbeiten seien der Beschwerde
führerin nicht mehr zumutbar. Hinsichtlich einer körper
lich leichten und wech
selbelastenden Tätigkeit, beispielsweise als Verkäuferin oder Lageristin, an einer Kasse oder einem Auskunftsschalter, könne ihr nach der erfolgreichen lumbalen Operation vom Dezember 2009 keine gesundheitlich bedingte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert werden.
Abschliessend sei darauf hinzuweisen, dass im Rahmen der klinischen Untersuchung sichere Zeichen für eine bewusstseinsnahe demonstrative Dar
bietung von Einschränkungen und Beschwerden hätten beobachtet werden können
(Urk. 10/39 S. 11 ff.).
3.2
3.2.1
Dem Bericht vom 4. Februar 2014 von Dr. med. I._, Facharzt für Neurolo
gie und Oberarzt im neurophysiologischen Labor der Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie des J._, ist zu entnehmen, dass dieser Arzt die Beschwerdeführerin wegen einer Schmerzexazerbation im Januar 2014 zur Objektivierung der Symptomatik neurologisch und elektro
diagnostisch untersuchte. Laut seinem Bericht ergab die klinische Untersuchung eine
Minderinnervation der linken unteren Extremität
, wobei im Seitenvergleich eine
leichte Parese des Extensor hallucis longus aufgefallen sei. Die Reflexe seien seitengleich mittellebhaft gewesen, der Babinski-Test sei beidseits negativ ausgefallen. Im rechten Arm habe eine Hypästhesie vorgelegen, betroffen seien die Finger I, IV und V gewesen. Im linken Bein habe am lateralen Ober- und Unterschenkel, am ganzen Fuss medial, dorsal und plantar ein Minderempfin
den bezüglich sämtlicher sensibler Modalitäten bestanden, im Sinne e
iner sich über mehrere Segmente
von L2 bis und mit S1 erstreckenden Hypästhesie. Fer
ner hätten ein schmerzbedingtes Schonhinken des linken Beins sowie ein bereits ab 20° auf beiden Seiten positiver Lasègue erhoben werden können. Elektro
diagnostisch zeigten sich die Befunde einer leicht
en
bis mässigen, chronisch neurogenen Schädigung sämtlicher untersuchter Kennmuskeln L5 links. Die übrigen Segmente L3/4 und L5/S1 zeigten keine neurogenen Veränderungen, so dass unter Berücksichtigung der Klinik nicht von einer relevanten Affektion von S1 auszugehen sei. In seiner abschliessenden Beurteilung hielt
Dr. I._
fest, ein Teil der Befunde sei sicherlich auf eine schmerzbedingte Minderinnervation
zurückzuführen. Die Untersuchung der schmerzgeplagten Beschwerdeführerin sei erschwert gewesen, weil sie praktisch nur mit angewinkelten Knien habe lie
gen können. Nebst dem bereits 2012 dokumentierten chronischen panverteb
ralen Schmerzsyndrom und der funktionellen Hypästhesie der rechten oberen Extremität leide sie an einem
seit dem 2. Januar 2014 ohne eigentliches Trauma exazerbierten chronischen radikulären Reiz-Syndrom L5 links mit senso-moto
rischen Ausfällen.
Zusätzlich vorhanden sei eine nicht unerhebliche Überlage
rung mit sensiblen Ausfällen, die nicht durch diese Befunde erklärt werden könnten
(Urk. 7/86/17-18).
Die Psychiater Dr. med. E._ und Dr. med. D._ vom F._ behandelten die Beschwerdeführerin seit dem 27. Februar 2012. Gestützt auf die bis zur letzten Kontrolle am 20. Mai 2014 erhobenen Befunde diagnostizierten sie in ihrem Bericht vom 29. Juli 2014 eine rezidivierende depressive Störung, gegen
wärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom, bestehend seit 2009, sowie ein chronisches therapierefraktäres Schmerzsyndrom mit Schmerzen in der Lenden- und Halswirbelsäule sowie einer Schulterproblematik rechts bei Supraspinatussehnenruptur mit Instabilität der Bizepssehne und AC-Arthrose. Wegen der Schmerzen habe sie ein rezidivierendes depressives Zustandsbild entwickelt, welches mit massiven Schlafproblemen, Antriebslosigkeit, mangeln
dem Selbstwertgefühl und einer depressiven Verstimmung einhergehe. Aktuell sei der affektive Rapport herstellbar, jedoch wenig schwingungsfähig, die Stim
mung sei ängstlich-depressiv gewesen, teilweise hoffnungslos. Die Beschwer
deführerin habe immer wieder das Gesicht verzogen. Es bestünden massive Ein- und Durchschlafstörungen sowie frühes Erwachen. Der Appetit sei vermindert. Die Beschwerdeführerin sei psychomotorisch unruhig gewesen, habe versucht, im Sitzen Entlastung zu finden und habe zwischendurch immer wieder aufste
hen und herumgehen müssen. Seit längerer Zeit
seien wegen der starken Schmerzen Suizidideen aufgetreten, allerdings habe sie eine akute Selbstgefähr
dung glaubhaft verneint. Aufgrund der erheblichen Schmerzsymptomatik sei die Beschwerdeführerin nicht wegfähig und zu 100
%
arbeitsunfähig. An psychi
schen Einschränkungen bestünden nämlich zusätzlich eine gedrückte Stim
mung
, Energielosigkeit und eine mangelnde Fähigkeit zur Erholung. Die Kon
zentration, das Auffassungsvermögen sowie die Anpassungsfähigkeit seien stark vermindert (Urk. 7/86/1-5).
Im Schreiben an die Rechtsanwältin der Beschwerdeführerin vom 18. September 2014 ergänzte Dr. D._ vom F._ den Bericht vom 29. Juli 2014 und hielt fest, die Beschwerdeführerin habe als Folge der Schmerzsymptomatik, welche sich innerhalb der letzten zweieinhalb Jahre verschlechtert habe, ein zuneh
mend depressives Zustandsbild entwickelt. Seit dem 31. Mai 2013 sei die
Depression leicht progredient wegen der Hoffnungslosigkeit, dass sich ihre Schmerzsituation verbessern werde. Während der letzten 3-6 Monate habe sie wiederholt passive Suizidgedanken geäussert
, so dass jetzt von einer schweren depressiven Episode ausgegangen werden müsse (Urk. 7/86/8).
Am 3. Dezember 2014 berichteten die Hausärzte Dr. med. B._ und Dr. med. C._ über den gesundheitlichen Verlauf seit Januar 2012. Als in der Zwischenzeit neu
hinzugetretene Diagnosen erwähnten sie ein lumboradikuläres
Schmerzsyndrom mit breitbasiger Diskushernie auf Höhe LWK1/2 mit Impres
sion des Duralsackes gemäss MRI vom 17. April 2014
, eine Zunahme des myofaszialen Schmerzsyndroms, rezidivierende Stürze infolge Kraftverlust im linken Bein bei einer Parese des Extensor hallucis longus links und einem sensomotorischen Ausfall L5 links, eine schwere Depression, Schlafstörungen im Rahmen der Schmerzproblematik, eine eingeschränkte Therapiemöglichkeit bei Status nach schwerer anaphylaktischer Reaktion, möglicherweise durch die eingenommenen Medikamente Lyrica, NSAR und PPI ausgelöst, sowie eine zunehmende Dekonditionierung. Die Gesamtsituation habe sich massiv ver
schlimmert. Die Verschlimmerung des Schmerzsyndroms sei bildgebend doku
mentiert und werde durch die Klinik bestätigt. Trotz sämtlicher therapeutischer Interventionen klage die Beschwerdeführerin über persistierende Schmerzen. Die starken Schmerzen führten auch zu vegetativen Symptomen wie starkes Schwit
zen, was die Beschwerdeführerin als lästig empfinde und weshalb sie soziale Anlässe zunehme
nd meide. Da sie auch nachts keine schmerzfreie Lage finde, sei es nun auch zu der schweren Depression und Schlafstörungen gekommen. Erschwerend wirke sich aus, dass sie auf sämtliche Schmerzmittel und auch antidepressive Therapien schwer allergisch reagiere. Da zusätzlich noch eine nachgewiesene Läsion der Schulter (Supraspinatussehnenruptur mit Instabilität der Bizepssehne und AC-Arthrose) vorliege, bestehe eine derart komplexe Aus
gangslage, dass eine Therapie in der Praxis praktisch nicht mehr möglich sei. Dementsprechend sei sie in jedem Beruf zu 100 % arbeitsunfähig (Urk. 7/86/9-11; vgl. auch Urk. 7/86/12-18).
3.2.2
Laut Bericht von med. pract Z._ vom RAD vom 6. Mai 2015 über die ortho
pädische Untersuchung der Beschwerdeführerin vom 9. April 2015 gab die Beschwerdeführerin an, dass sie in allen Lebensbereichen durch die Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule stark eingeschränkt sei. Von der RAD-Ärztin zu einer allfälligen Veränderung seit 2012 befragt, antwortete die Beschwerdefüh
rerin, seit rund eineinhalb Jahren an zunehmenden Schmerzen beider Leisten zu leiden. Ferner trage das linke Bein sie nicht
mehr zuverlässig, sie sei 2-3 Mal am Bahnhof fast gestürzt, zuletzt vor 6-7 Monaten. Vor 2012 sei sie ebenfalls mehrmals wegen des linken Beins gestürzt. Seit mehr als einem Jahr seien zudem die Schmerzen unerträglich. Weder das Stehen noch
das Sitzen sei ohne Abstützen möglich, da sie sonst unter wahnsinnigen Schmerzen leide. Beim Gehen benutze sie meistens Walking Stöcke oder Unterarmgehstützen. Laut der RAD-Ärztin erschien sie ohne Hilfsmittel zur Untersuchung. Weiter gab die Beschwerdeführerin an, mit dem Tram oder Bus könne sie sich fortbewegen, da sie dort die Position wechseln könne. Das Autofahren gelinge für maximal 10 Minuten.
In die Ferien fahre sie mit dem Ehemann mit dem Auto, wobei sie meist liege und stündlich eine Pause machen müsse. Seit mehr als zwei Jahren könne sie nicht mehr durchschlafen. Sie schlafe jede Nacht maximal zwei Stun
den insgesamt. Zu ihrem Alltag befragt
,
gab die Beschwerdeführerin an, wegen der Schmerzen etwa um fünf Uhr morgens aufzuwachen. Wenn sie aus dem Bett aufstehe, könne sie zunächst nur auf den Knien rutschen und kriechen. Sie mache dann 5-8 Minuten lang ihre Übungen, worauf sie langsam gerade gehen könne. Die gesamte Haushaltarbeit werde von ihrem Mann und ihren Kindern erledigt. Sie verbringe ihren Tag mit Lesen im Liegen und einem gelegentlichen Spaziergang am Nachmittag, wobei sie zur Sicherheit meist Walkingstöcke oder Gehstützen mitnehme. Zwischendurch mache sie Übungen. Hobbys habe sie nicht. Sie sehe sich nicht mehr in der Lage, eine Arbeit auszuüben, zumal sie über keine Ressourcen mehr
verfüge (Urk. 7/99/1-4).
Med. pract. Z._ wies bei der Darstellung des medizinischen Befunds einlei
tend darauf hin, dass die Beschwerdeführerin sehr gepflegt und im War
tebereich anscheinend sehr entspannt gewesen sei. Als sie aufgerufen worden sei, habe sie sich mühsam erhoben und sei den Untersuchern mit schleppendem Gangbild entgegengetreten. Während der Anamneseerhebung sei sie etwa alle 15 bis 20 Minuten für etwa fünf Minuten aufgestanden und habe sich hinter den Stuhl gestellt. Sie habe keine Anzeichen von Erschöpfung oder Müdigkeit gezeigt und keine dunklen Augenringe gehabt. Trotz ihrer teils heftigen Schmerzäusserungen habe sie während der gesamten Anamnese keine vegetati
ven Reaktionen wie Schweissausbrüche oder Veränderungen der Atmung gezeigt. Das Auskleiden sei im Stehen erfolgt, teilweise mit Festhalten am Mobiliar,
ohne Trickbewegungen, aber mit zahlreichen Schmerzäusserungen. Das Ankleiden sei flüssig im Sitzen erfolgt. Zum Anziehen der Hose habe sie die Hose zunächst auf den Boden vor den Stuhl gesetzt, den rechten Fuss in das Hosenbein gestellt und die Hose über das rechte Bein gezogen. Dabei sei sie in der Lage gewesen, das Bein im Sitzen bis fast zur Horizontalen gestreckt zu heben. Auch auf der anderen Seite sei dies möglich gewesen. Bei leichtem Druck auf die Scheitelhöhe habe sie über starke Schmerzen in der Lendenwirbel
säule geklagt. Der angegebene Druckschmerz über den Dornfortsätzen ab C3 bis Th1 sei bei Ablenkung nicht reproduzierbar gewesen. Beim Betasten des Musculus Trapezius rechts habe sie massive Schmerzen und eine Schmerzausstrahlung in den 4. und 5. Finger rechts angegeben. Unter Ablenkung habe sie trotz kräfti
gem Druck auf den rechten Trapezius keinerlei Abwehrreaktion gezeigt. Bei der Beweglichkeitsprüfung der Halswirbelsäule habe sie über rechtsseitige Schmer
zen geklagt. Die Untersuchung der Brust- und Lendenwirbelsäule habe keinen paravertebralen Hartspann ergeben. Sie habe über einen starken Druckschmerz im Bereich Th6 bis S3 und einen nicht reproduzierbaren Druckschmerz im lum
bosakralen Übergang geklagt. Weiter hätten ein Druckschmerz der ISG beidseits und fraglich positive Valleix-Druckpunkte erhoben werden können.
Die Beweg
lichkeit der Brust- und Lendenwirbelsäule sei nicht konsistent prüfbar gewesen, da die Beschwerdeführerin schon beim Scheinmanöver einer globalen Drehung des gesamten Rumpfes einschliesslich des Beckens im Stand über massivste Schmerzen geklagt habe. Selbst eine angedeutete Vorneigung des Rumpfes, welche in anderen Momenten möglich gewesen sei, werde nicht aus
geführt. Im Spontanverhalten hätten sich keine Hinweise für eine schwerwie
gende
Funktionsminderung der Schultern ergeben. Druckschmerzen seien rechts über dem Acromioclaviculargelenk, Sulcus Musculus bicipitis und links über dem Sulcus Musculus bicipitis und allenfalls leicht über dem Coracoid angege
ben worden. Beim Betasten des rechten Ellenbogens habe die Beschwerdeführe
rin über Schmerzen im rechten Oberarm geklagt. Sodann habe sie eine Taubheit des 5. Fingers rechts geschildert. Auffällig sei, dass trotz ihrer Angabe, sie könne eigentlich nur stehen und sitzen, indem sie sich mit den Armen ständig abstütze, keine Schwielen an den Unterarmen, Handballen oder über den Fin
gerknöcheln bestanden hätten.
Bei der Untersuchung der unteren Extremitäten sei die Beschwerdeführerin spontan niedergekniet, um die Hose vom Boden auf
zuheben.
Der Gang ohne Hilfsmittel sei langsam mit schwankendem Gangbild gewesen. Bei der Untersuchung der Hüftgelenke habe sie über einen Leisten-Druckschmerz mit Schmerzen in der Lendenwirbelsäule geklagt. Die Prüfung der Hüftgelenksbeweglichkeit sei schwierig und mit einem kräftigen aktiven Gegenspannen verbunden gewesen. Die Untersuchung der Knie-, Sprunggelenke und Füsse habe keine besonderen Befunde ergeben. Die Bewegungsprüfung der Zehen sei schwierig gewesen, auf der linken Seite hätten angedeutet tastbare Osteophyten des Grosszehengrundgelenks erhoben werden können. Die Tests nach Babinski, Bragard und Lasègue seien nicht auslösbar gewesen, die Achil
les-, Patellar-, Biceps- und Tricepssehnenreflexe sowie der Radiusperiost-Reflex seien auslösbar gewesen. Bei der segmentalen Untersuchung der groben Kraft sei keine Reduktion der Kraft aufgefallen, allerdings bei eingeschränkter Beur
teilbarkeit aufgrund mangelnder Compliance. So habe die Beschwerdeführerin beidseits eine Unfähigkeit, das gestreckte Bein von der Liege zu heben demons
triert, im Rahmen anderer Untersuchungen sei diese Bewegung jedoch möglich gewesen. Für die Fussheber und –senker sowie die Grosszehenstrecker und –beuger habe sie links eine vollständige Parese demonstriert, zugleich sei der Abrollvorgang des Fusses ungestört gewesen. Insgesamt seien fünf von fünf Waddel-Zeichen positiv gewesen. Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte med. pract. Z._
eine schmerzhafte Bewegungs- und Belastungseinschränkung der Lendenwirbelsäule bei Status nach Dekom
pression L3-L5 im Dezember 2009 sowie eine fragliche Bewegungseinschrän
kung der rechten Schulter.
In ihrer abschliessenden Würdigung wies sie darauf hin, dass die Untersuchung von zahlreichen Inkonsistenzen gekennzeichnet gewesen sei. Es habe ein deutlicher Kontrast zwischen den geklagten Beschwer
den und den objektivierbaren Befunden bestanden, ohne dass sich Hinweise auf Nervenwurzelreizungen oder Ausfälle ergeben hätten. Im Vergleich zum Gut
achten der Y._ vom 15. Juni 2011 zeige sich eine erhebliche Symp
tomausweitung, allerdings ohne objektive Hinweise für eine wesentliche Ver
schlechterung des Gesundheitszustandes. Das vom damals begutachtenden Neurologen vermutete Sulcus-ulnaris-Syndrom rechts sei nicht mehr nachweis
bar, zumal die Beschwerdeführerin nicht mehr über entsprechende Beschwerden geklagt habe. Insgesamt sei aber ein somatischer Gesundheitsschaden mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit ausgewiesen. In einer körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit ohne regelmässige Hebe- und Tragebelastungen über 10 kg, ohne Arbeiten auf Leitern und Gerüsten, ohne häufige Zwangs-
hal
tungen, ohne häufige wirbelsäulenbelastende Arbeiten sei sie dagegen zu 100 % arbeitsfähig (Urk. 7/99/4-10).
3.2.3
Dem Bericht von med. pract. A._ vom RAD vom 6. Mai 2015 über die psychi
atrische Untersuchung der Beschwerdeführerin vom 9. April 2015 ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin dem RAD-Psychiater angab, es gehe ihr seit rund drei Jahren seelisch schlecht, da sie die anhaltenden Schmerzen zermürbten. Sie könne immer weniger machen, erhalte aber glücklicherweise viel Hilfe vom Ehemann und ihren Kindern. Sie habe nur noch wenig Freude am Leben. Freude bereiteten ihr die Kinder und die sechs Enkel. Sie habe immer wieder wahnsinnige Schmerzen. Laut dem Bericht von med. pract A._ zeigte sich die Beschwerdeführerin anlässlich der Befunderhebung freundlich und be
reitwillig im Kontakt. Es hätten sich bei flüssigem und zusammenhängendem Gedankengang keine Anhaltspunkte für Sinnestäuschungen, Ich-Störungen und inhaltliche Denkstörungen ergeben. Sie habe prompt geantwortet und aus eige
ner Initiative Ausführungen gemacht. Sie sei wach gewesen; Anzeichen von Müdigkeit seien nicht erkennbar gewesen. Affektiv habe eine leicht reduzierte Schwingungsfähigkeit bestanden, wobei sie bei kleinen Scherzen mitgelacht habe und nur wenig Leidensdruck spürbar gewesen sei. Selbst bei Angabe von Schmerzen habe sie nur selten eine eindeutige Schmerzmimik gezeigt. Mehr
mals habe sie gepresst geatmet. Sie sei über die ganze zweieinhalbstündige Untersuchung aufmerksam und konzentriert gewesen und habe keine klinisch auffälligen Gedächtnisstörungen gezeigt. Ferner sei sie glaubhaft nicht suizidal. Sie habe auf entsprechende Anfrage angegeben, einmal im Tag eine ausgiebige Mahlzeit einzunehmen und sich selbst als im Kern starke und gründliche Per
sönlichkeit wahrzunehmen. Im Anschluss an die Untersuchung sei sie gebeten worden, sich in ein Labor zu begeben. Dabei habe beobachtet werden können, dass sie die 450 Meter lange Strecke durch die Langstrasse flüssig schlendernd, ohne Stöcke, mit kurzem Verweilen vor einer Schuhauslage bis zur Tramhalte
stelle zurückgelegt habe, wo sie problemlos in das Tram eingestiegen sei. Auf
gefallen sei med. pract. A._ der Widerspruch zwischen ihren angeblich star
ken Schlafstörungen und den fehlenden Anzeichen von Müdigkeit anlässlich der Untersuchung. Ferner seien trotz der angegebenen anhaltenden Schmerzen während der Untersuchung kaum vegetative Schmerzsymptome beobachtbar gewesen. Im neurologischen Gutachten von Dr. H._ aus dem Jahr 2011 seien auch psychische Befunde erwähnt. Diese seien unauffällig und entsprächen im Wesentlichen dem heutigen Befund. Auch dort sei vermerkt worden, dass die Beschwerdeführerin trotz der angegebenen Schlafstörungen nicht müde gewirkt habe und auch keinen schmerzgequälten Eindruck gemacht habe. Im Bericht der K._ vom 5. Januar 2012 sei über ein Behandlungsprogramm für Patienten mit chronischen Schmerzen berichtet worden (vgl. Urk. 7/58/1). Das F._ habe eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgra
dige Episode mit somatischem Syndrom diagnostiziert, wobei eine Schmerzsymptomatik mit Auswirkung auf die Psyche erörtert worden sei. Somit gingen die behandelnden Psychiater nicht von einer primären Depression, son
dern von depressiven Folge-/Begleitsymptomen bei einer Schmerzsymptomatik aus.
In seiner abschliessenden Beurteilung hielt med. pract. A._ fest, er habe trotz der subjektiven Klagen keine gravierenden psychischen Befunde, die eine Depression belegen könnten, wahrnehmen können. Eine psychiatrische Diag
nose könne nicht gestellt werden. Insbesondere liege keine somatoforme Schmerzstörung vor, da kein andauernder, schwerer und quälender Schmerz zu erkennen sei. Möglicherweise sei die Beschwerdeführerin subjektiv von ihrer Leistungsunfähigkeit überzeugt. Jedenfalls beziehe sie wegen der umfang
reichen Hilfe des Ehemannes und der Kinder einen grossen sekundären Krank
heitsgewinn. Insgesamt sei davon auszugehen, dass sich die Leistungsfähigkeit im Vergleich zu 2011 nicht wesentlich verändert habe (Urk. 7/100).
3.2.4
Laut Bericht der Hausärztin Dr. C._ vom 9. Oktober 2015 habe die Beschwerdeführerin nach der Untersuchung bei der Invalidenversicherung bei ihr einen Termin gehabt. Dabei habe sie über die für sie traumatischen Erleb
nisse während dieser Untersuchung berichtet. Angeblich sei anlässlich der Untersuchung eine sehr schmerzhafte Hyperextension durchgeführt worden. Die Ärztin habe mit dem Knie im Rücken ihren Kopf festgehalten und diesen nach hinten gezogen. Sie habe wegen der unerträglichen Schmerzen geschrien, geweint und um eine Pause gebeten, welche ihr offenbar nicht gewährt worden sei. Offenbar habe die Beschwerdeführerin zu einer Blut- und Urinprobe gehen müssen. Die Urinprobe sei in einer für sie entwürdigenden Weise entnommen worden, unter Aufsicht einer unbekannten Person, welche ihr ohne Handschuhe den vollen Urinbecher vom Intimbereich entfernt habe. Die Beschwerdeführerin habe dann über die Hände dieser Person uriniert, weil sie den Harnstrahl nicht habe stoppen können, was für sie absolut demütigend gewesen sei (Urk. 3).
3.2.5
Am 24. Januar 2017 führte Dr. med. L._, Facharzt für Radiologie, mit der Frage nach dem Vorliegen einer Kompression S1 links oder einer anderen Ner
venwurzelkompression eine MRI-Untersuchung der Lendenwirbelsäule durch. Dabei zeigten sich laut seinem Untersuchungsbericht in allen lumbalen Seg
menten degenerative Veränderungen, hauptsächlich Chondrosen/ Osteochond
rosen und Diskus-Osteophyten-Komplexe. Weiter gelangten ein Anulusriss und eine mediale Diskusprotrusion im Segment L5/S1 mit Zeichen einer chronischen Reizung der Wurzel S1 links zur Darstellung, welche laut Dr. L._ die Symptomatik der Beschwerdeführerin befriedigend erklärten. Als weitere Befunde erwähnte Dr. L._ eine foraminale Stenose L4/5 links, bedingt durch den Diskus-Osteophyten-Komplex und eine subligamentäre Diskushernie L1/2 rechts mediolateral (Urk. 10/2; vgl. auch Urk. 10/1, Urk. 10/3-6).
4.
4.1
Zu prüfen ist, ob sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit der erstmaligen Verneinung eines Rentenanspruchs mit der Verfügung vom 16. Januar 2012 (Urk. 7/49), bestätigt durch die Urteile des Sozialversicherungs
gerichts
IV.2012.00210 vom 3
1.
Mai 2013 (
Urk.
7/64)
sowie des Bundesgerichts
9C_579/2013 vom
3. Dezember 2013 (Urk. 7/66), wesentlich verändert hat. Dabei ist zunächst strittig, ob den orthopädischen und den psychiatrischen RAD-Berichten vom 6. Mai 2015 (Urk. 7/99-100) Beweiskraft zukommt.
4.2
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifika
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis ver
sicherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehö
ren – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuver
lässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
4.3
4.3.1
Der Bericht von med. pract. Z._ basiert zwar auf einer Erhebung der Anam
nese und der geklagten Beschwerden und einer - soweit sich dies aus dem Bericht erschliessen lässt - umfassenden klinischen Untersuchung der Beschwerdeführerin. Der Beschwerdeführerin ist indes beizupflichten, dass sich med. pract. Z._ nur ungenügend mit den Berichten der behandelnden Ärzte auseinandergesetzt hat. Zwar äusserte sie im Untersuchungsbericht vom 6. Mai 2015, anhand der Aktenlage bestehe keine Klarheit über den Gesund
heitszustand (Urk. 7/99/1, Urk. 7/99/9-10, Urk. 7/103/2). Sodann legte sie im Untersuchungsbericht vom 6. Mai 2015 dar, sie habe keine Hinweise auf Ner
venwurzelreizungen, insbesondere einzelner Nervenwurzeln der Lendenwirbel
säule, gefunden (Urk. 7/99/10). In ihrer ergänzenden Stellungnahme vom 28. September 2015 hielt sie nochmals fest, sie habe die Berichte der behan
delnden Ärzte bei der Beurteilung der körperlichen Belastbarkeit berücksichtigt, die in diesen Berichten erwähnten Diagnosen würden aber aufgrund der von ihr klinisch festgestellten ordentlichen Funktion des Bewegungsapparats keine dau
erhafte Arbeitsunfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit begründen (Urk. 7/108/3).
Indessen setzte sich med. pract. Z._ in ihrem Bericht nicht mit dem vom Neurologen Dr. I._ gemäss Bericht vom 4. Februar 2014 e
lektrodiagnos
tisch
erhobenen – und damit objektivierbaren - Befund
einer leicht
en
bis mässi
gen, chronisch neurogenen Sc
hädigung sämtlicher untersuchter
Kennmuskeln L5 links
und der Beurteilung dieses Arztes, dass die
Beschwerdeführerin seit dem
2.
Januar 2014 an einem exazerbierten chronischen radikulären – also die Nervenwurzel betreffenden - Reiz-Syndrom L5 links mit senso-motorischen Ausfällen leide
, auseinander.
Dieser Befund divergiert mit ihrer orthopädischen und lediglich auf klinischer Untersuchung basierenden Beurteilung, dass keine Hinweise für Nervenwurzelreizungen vorlägen. Da Nervenwurzelreizungen zum Spezialgebiet der Neurologen gehören, führt das Fehlen einer eingehenden und überzeugenden Auseinandersetzung mit dem abweichenden Befund zu mindes
tens geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit der Beurteilung von med. pract.
Z._
.
4.3.2
Auch fehlt im Bericht von med. pract. Z._ eine Auseinandersetzung mit dem sich im zeitlichen Verlauf verändernden Befund der MRI-Untersuchungen. Insbesondere der im Bericht der Hausärzte Dr. B._ und C._ vom 3. Dezember erwähnte und als Beilage eingereichte MRI-Untersuchungsbericht vom 17. April 2014, wo als neuer Befund eine breitbasige Diskushernie auf Höhe L1/2 mit Impression des Duralsackes erwähnt wird (Urk. 7/86/16), sowie die von Dr. L._ am 24. Januar 2017 bildgebend erhobenen Zeichen einer chronischen Reizung der Wurzel S1 (Urk. 10/2) könnten – müssen aber nicht zwingend - im Zusammenhang mit korrelierenden klinischen Befunden eine Verschlimmerung der Beschwerden erklären.
Schliesslich liegt mit der von den Hausärzten erwähnten Supraspinatussehnen
ruptur mit Instabilität der Bizepssehne und AC-Arthrose ein Hinweis auf eine weitere gesundheitliche Verschlechterung vor, zumal die Gutachter der Y._ noch eine leichtgradige Periarthropathia humeroscapularis rechts erho
ben hatten. Auch auf diese Problematik geht med. pract. Z._ nicht näher ein.
In ihrem Bericht erwähnte die Ärztin einzig in allgemeiner Weise, für die medi
zinisch-technischen Untersuchungen verweise sie auf das Dossier, ohne jedoch auf diese im Einzelnen Bezug zu nehmen, ohne diese zu diskutieren oder die dortigen Befunde zum Beispiel mit eigenen veranlassten Bildern zu widerlegen (Urk. 7/99/9). Dies genügt jedoch in keiner Weise, wenn die bildgebenden Abklärungen Widersprüchliches zum selber Dargelegten und Erhobenen hervor
gebracht hatten, wie das vorliegend – wie gezeigt wurde - teilweise der Fall war. Dies gilt umso mehr, da verschiedene Ärzte und auch med. pract. Z._ teilweise inkonsistentes Verhalten der Beschwerdeführerin aufzeigten, für welche sie keine hinreichende Erklärung finden konnten: Zu nennen sind etwa das mit dem vorherigen Verhalten nicht in Einklang zu bringende Fehlen einer Schmerzangabe der abgelenkten Beschwerdeführerin bei kräftigem Druck auf den rechten Trapezius (Urk. 7/99/5) und die von den Ärzten beobachtete Ver
haltensänderung der Beschwerdeführerin am Anfang und am Ende der Unter
suchung, je nach dem, ob sie sich von den Ärzten beobachtet fühlte oder nicht (Urk. 7/99/4, Urk. 7/100/3). Ferner waren gemäss der Orthopädin fünf von fünf Waddell-Zeichen positiv (Urk. 7/99/9). In solchen Fällen ist es umso wichtiger, die abweichenden ärztlichen Berichte, die selber somatische Erklärungen in den bildgebenden Verfahren für ein bestimmtes Verhalten festgestellt hatten, einzeln und detailliert zu würdigen. Da sich med. pract. Z._ in ihrem Bericht nicht eingehend mit den genannten Befunden der behandelnden Ärzte ausei
nandergesetzt hat, bestehen Zweifel an der Zuverlässigkeit ihrer Beurteilung. Deshalb kann auf ihren Bericht vom 6. Mai 2015 nicht abschliessend abgestellt werden. Bei diesem Ergebnis kann offen bleiben, ob die RAD-Ärzte bei der Erstellung ihrer Untersuchungsberichte entsprechend der Rüge der Beschwer
deführerin nicht objektiv waren.
4.4
Hinsichtlich des Berichts der Hausärzte Dr. B._ und Dr. C._
vom 3. Dezember 2014 ist zu beachten, dass sich diese Ärzte gemäss www.doctorfmh.ch auf Innere Medizin spezialisiert haben und sich ihr Bericht dementsprechend im Wesentlichen darin erschöpft, die Diagnosen und Befunde der behandelnden Spezialärzte und die subjektiven Angaben der Beschwerde
führerin wiederzugeben. Dr. B._ und Dr. C._ haben in ihrem Bericht keine detaillierten Untersuchungsbefunde aufgeführt, aufgrund welcher ihre Diagnosestellung und die Beurteilung, dass die Beschwerdeführerin nicht mehr arbeitsfähig sei, nachvollzogen werden könnte. Schliesslich ist auch von Belang, dass sie auf das bereits von den Gutachtern der Y._ beobachtete inkonsistente Verhalten der Beschwerdeführerin in ihrer Beurteilung nicht ein
gegangen sind. Deshalb kann darauf nicht abgestellt werden.
Auf die Diagnosestellung und Beurteilung der Arbeitsfähigkeit aus psychiat
rischer Sicht durch die Dres. E._ und D._ vom F._ kann ebenfalls nicht abgestellt werden, weil auch diese Ärzte sich mit dem bereits durch das Gutachten der Y._ aktenmässig dokumentierten inkonsistenten Ver
halten der Beschwerdeführerin nicht auseinandergesetzt haben. In ihrem Bericht wird sogar vermerkt, die Beschwerdeführerin sei nicht wegfähig, was nach der Beobachtung der RAD-Ärzte nicht zutrifft. Ferner haben diese Ärzte im Bericht vom 29. Juli 2014 festgehalten, die von ihnen diagnostizierte mittelgradige depressive Störung bestehe seit 2009 (Urk. 7/86/3). Dies steht im Kontrast zum in psychischer Hinsicht unauffälligen Untersuchungsbefund des Gutachters Dr. H._ vom 20. April 2011 (Urk. 7/39/19-20) und spräche im Übrigen gegen eine wesentliche gesundheitliche Verschlechterung seit Erlass der ursprüng
lichen rentenablehnenden Verfügung.
4.5
Nach dem Gesagten besteht zur Klärung der Frage, ob und inwiefern sich der Gesundheitszustand und die zumutbare Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin seit der erstmaligen Verneinung eines Rentenanspruchs mit Verfügung vom 16. Januar 2012 wesentlich verändert haben, weiterer Abklärungsbedarf. Wegen der Komplexität des Beschwerdebildes ist eine interdisziplinäre Begutachtung anzuordnen, welche wegen der abzuklärenden Symptomatik nicht nur unter Beteiligung der Fachdisziplinen Orthopädie/Rheumatologie sowie Psychiatrie, sondern auch Neurologie zu erfolgen haben wird. Da die IV-Stelle die Beein
trächtigungen der Beschwerdeführerin nach ihrer Neuanmeldung zum Renten
bezug bisher nicht gutachtlich abgeklärt hat, ist die Sache an sie zurückzuwei
sen, damit sie die ergänzenden Abklärungen vornehme und hernach erneut über den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin entscheide. Damit obsiegt die Beschwerdeführerin in ihrem Subeventualstandpunkt (Urk. 1 S. 2). Die ange
fochtene Verfügung ist aufzuheben.
5.
5.1
Ausgangsgemäss gehen die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- zulasten der unterlie
genden IV-Stelle (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
5.2
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3 GSVGer).
Unter
Berücksichtigung dieser Kriterien ist die Prozessentschädigung de
r Beschwerdeführerin
ermessensweise auf
Fr. 2‘3
00.
--
festzusetzen
(inklusive Bar
auslagen und MWSt)
.