# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 09704566-43c3-5edb-bb3d-9c1f4befa91b
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Die Politische Gemeinde Bad Ragaz ist Eigentümerin des Grundstücks Nr. 535 an
der Sarganserstrasse 31 im Ortszentrum von Bad Ragaz. Das Grundstück mit der
Schulanlage Kleinfeld liegt in der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen. Im Osten
grenzt das Grundstück an die Sarganserstrasse. Nördlich, westlich und südlich des
Grundstücks sind Wohngebiete.
Das Grundstück ist wie folgt bebaut: In der westlichen Hälfte ist ein Rasenplatz zum
(Fussball-)Spielen, an dessen Rand die 80 Meter-Laufbahn verläuft. In der östlichen
Hälfte liegen die Schulhäuser Kleinfeld Ost und West sowie nördlich davon die
Turnhalle. Die Gebäude sind durch Pausenhallen miteinander verbunden. Auf dem
Schulareal gibt es einen Hartplatz mit vier festinstallierten Basketballkörben. Der Platz
wird von vier Masten mit Scheinwerfern ausgeleuchtet. Zwischen dem Hartplatz und
dem Schulhaus Kleinfeld West besteht eine überdachte Pausenhalle mit mehreren
Tischtennis- und Tischfussball-Tischen. Im Zentrum des Areals gibt es eine
Kugelstossanlage, ein Reck und ein Klettergerüst. Zwischen den beiden Schulhäusern
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Kleinfeld Ost und West befindet sich ein Platz mit verschiedenen Spielgeräten und
einer Arena mit Sitzgelegenheiten.
B./ X.Y. ist Eigentümer des Grundstücks Nr. 0000 an der X.-strasse 0 in Bad Ragaz.
Das Grundstück liegt nördlich der Schulanlage Kleinfeld. X.Y. hat von seinem
Grundstück aus Blick auf die Nordfassade der Turnhalle sowie den Hartplatz mit
dahinter liegender Pausenhalle und anschliessendem Schulhaus Kleinfeld West.
C./ Im Jahr 1994 stellte die Politische Gemeinde Bad Ragaz ein Baugesuch, welches
die Erweiterung der Schulanlage (insbesondere um das Schulhaus Kleinfeld Ost) zum
Gegenstand hatte. Gegen das Bauvorhaben erhob unter anderem X.Y. Einsprache.
Zwecks deren Erledigung schloss der Schulrat Bad Ragaz mit den Einsprechern am 8.
Juli 1995 eine Vereinbarung mit folgendem Inhalt: «Auf Wunsch der Einsprecher wird
der Schulrat das bestehende Benützungsreglement vom 16.5.1989 in dem Sinne
abändern, dass die abendliche Benützungsdauer von 21.00 Uhr auf 20.00 Uhr
zurückgenommen wird und an Sonn- und Feiertagen die Platzbenützung generell
unterbleibt. Davon ausgenommen ist die vom Schulrat bewilligte Benützung der
Anlagen durch Sportvereine an Werktagen. Der Schulrat kann an Sonn- und Feiertagen
im Einzelfalle eine Bewilligung zur Benützung erteilen, wenn der Sportplatz
Giessenpark dafür nicht geeignet ist oder durch andere Anlässe besetzt ist.» Die
Vereinbarung wurde zum integrierenden Bestandteil im Bauentscheid Nr. 34/1995
erklärt.
D./ Am 28. April 2009 beschloss der Gemeinderat Bad Ragaz ein neues
Benützungsreglement für die Schulanlagen der Gemeinde, das nach Ablauf der
Referendumsfrist am 26. August 2009 vom Bildungsdepartement des Kantons St.
Gallen genehmigt und auf den 1. Oktober 2009 in Vollzug gesetzt wurde. Es sieht in
Art. 22 als Grundsatz vor, dass die Benützung von Schulaussenanlagen am Abend bis
22 Uhr gestattet ist.
E./ Am 1. September 2010 reichte die Politische Gemeinde Bad Ragaz ein Baugesuch
für Änderungen an der Schulanlage Kleinfeld West ein. Dem Baugesuch legte sie einen
Situationsplan, acht Fotos des Schulgeländes und das Benützungsreglement für
Schulanlagen der Gemeinde Bad Ragaz bei; das Benützungsreglement wurde indessen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
nicht als Beilage im Baugesuchsformular ausgewiesen. Die Baugesuchstellerin
umschrieb das Bauvorhaben mit «Änderungen an einer ortsfesten Anlage». Gleiches
steht beim Projektbeschrieb. Das Baugesuch lag vom 3. September bis zum 16.
September 2010 öffentlich auf.
Mit Eingabe vom 16. September 2010 erhob (unter anderen) X.Y. über Rechtsanwalt
lic. iur. Andrin Perl, Chur, öffentlich-rechtliche und privatrechtliche Einsprache gegen
das Baugesuch und beantragte, das Baugesuch zur Verbesserung/Vervollständigung
an die Bauherrschaft zurückzuweisen; eventualiter sei es vollumfänglich abzuweisen.
Gleichzeitig wurde um Ansetzung einer Nachfrist zur Sachverhaltsdarstellung und
Begründung der gestellten Anträge ersucht. Die Ergänzung erging mit Eingabe vom 6.
Januar 2011 innert angesetzter Frist. Sie ist nur noch als privatrechtliche Einsprache
bezeichnet und enthält den Antrag, es sei das angefochtene Baugesuch aufzuheben;
eventualiter sei das angefochtene Baugesuch unter Aufnahme der Auflage in die
Baubewilligung zu erteilen, wonach die Vereinbarung vom 8. Juli 1995 als
integrierender Bestandteil der Baubewilligung uneingeschränkt Gültigkeit hat.
Mit Entscheid vom 26. April 2011 lehnte der Gemeinderat Bad Ragaz die Einsprache
ab und erteilte die Baubewilligung. Begründet wurde die Abweisung der Einsprache
insbesondere damit, dass der Gegenstand des Baugesuchs klar und vollständig
bezeichnet sei und weder die Ausdehnung der Benützungszeiten noch die zusätzlichen
Spieleinrichtungen zu einer Überschreitung der massgeblichen
Lärmimmissionsgrenzwerte führe, weshalb von einer Aussenlärmbeurteilung
abgesehen werden könne. Bezüglich des Vergleichsvertrags wurde angeführt, dass
dieser nur im gleichen Ausmass rechtsbeständig sei wie der Bauentscheid Nr. 34/1995.
Der Vergleichsvertrag verhindere deshalb die Beurteilung und Bewilligung des
vorliegenden Baugesuches nicht. Verwiesen wurde zudem auf das erhebliche
öffentliche Interesse an der Öffnung der Schulanlagen für die Bevölkerung.
F./ Mit Eingabe vom 6. Mai 2011 reichte X.Y. über seinen Rechtsvertreter Rekurs gegen
den Bauentscheid beim Baudepartement ein mit dem Antrag, die Baubewilligung sei
abzulehnen, eventualiter sei die Baubewilligung unter Aufnahme der Auflage, dass die
Vereinbarung vom 8. Juli 1995 integrierter Bestandteil der Baubewilligung sei, zu
erteilen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Die Rekursinstanz (nachfolgend: Vorinstanz) wies den Rekurs mit Entscheid vom
18. April 2012 ab. Sie erwog im Wesentlichen, eine Überschreitung der anwendbaren
Immissionsgrenzwerte sei nicht zu erwarten, und trotz ausgedehnter Benützungszeiten
sei der Vorsorgeverpflichtung Genüge getan. Bezüglich der Rechtsbeständigkeit des
Vergleichsvertrages und der Auflage im Bauentscheid Nr. 34/1995 seien die
Voraussetzungen für einen Widerruf gegeben, denn es bestünde ein erhebliches
öffentliches Interesse an ausgedehnteren Nutzungszeiten der Schulaussenanlagen
durch die Öffentlichkeit. Das öffentliche Interesse überwiege gegenüber den privaten
Interessen der Anwohner nach Ruhe und Erholung.
G./ Gegen den Rekursentscheid liess X.Y. (nachfolgend: Beschwerdeführer) mit
Eingabe vom 2. Mai 2012 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit folgenden
Anträgen erheben
"1. Der angefochtene Entscheid Nr. 13/2012 vom 18.04.2012 des Baudepartements
des Kantons St. Gallen sei vollumfänglich aufzuheben.Das diesem Entscheid zugrunde
liegende Baugesuch der politischen Gemeinde Bad Ragaz gemäss Bauanzeige vom
01.09.2012 (recte: 01.09.2010) sei vollumfänglich abzuweisen.
2. Unter voller Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der politischen Gemeinde
Bad Ragaz, sowohl für das Verfahren vor Baudepartement des Kantons St. Gallen, als
auch für das Verfahren vor Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen."
Mit Eingabe vom 25. Mai 2012 reichte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
innert angesetzter Frist die Beschwerdebegründung nach.
In der Vernehmlassung vom 14. Juni 2012 beantragte das Baudepartement des
Kantons St. Gallen (nachfolgend Vorinstanz) die Abweisung der Beschwerde unter
Verweis auf die Begründungen im angefochtenen Entscheid und die ergänzenden
Anmerkungen. Gleiches beantragte die Politische Gemeinde Bad Ragaz (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) in der Vernehmlassung ihres Rechtsvertreters vom 2. Juli 2012.
Am 12. Juli 2012 nahm der Beschwerdeführer ergänzend Stellung zu den
Vernehmlassungen; er hielt dabei an den Rechtsbegehren gemäss Beschwerde fest.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Auf die Begründungen der Verfahrensbeteiligten sowie die Ausführungen im
angefochtenen Entscheid wird - soweit erforderlich - in den nachstehenden
Erwägungen einzugehen sein.

## Considerations

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
2. Gemäss den Vorinstanzen bildet Gegenstand des streitigen Bauvorhabens die
nachträgliche Bewilligung der auf der Spielwiese erstellten Spielgeräte sowie die
Ausweitung der Benützungszeiten der Aussenanlagen; es ist beabsichtigt, die
Benützung der Aussenanlagen an den Wochentagen sowie am Samstag nicht nur bis
20 Uhr, sondern bis 22 Uhr und überdies im gleichen zeitlichen Rahmen an den Sonn-
und Feiertagen der Allgemeinheit zu erlauben. Zwar geht weder die geplante
Verlängerung der Benützungszeiten noch die nachträgliche Bewilligung der Spielgeräte
hinreichend klar aus dem Baugesuch hervor. Der Beschwerdeführer erhob jedoch
rechtzeitig Einsprache. Entsprechend erwuchs ihm aus dem seiner Meinung nach
ungenügenden Baugesuch kein Rechtsnachteil.
3. Der Beschwerdeführer moniert, das Bauvorhaben entspreche nicht den gesetzlichen
Anforderungen. Es verletze den schriftlichen Vergleichsvertrag vom 8. Juli 1995;
ausserdem sei dem umweltschutzrechtlichen Vorsorgeprinzip nicht Rechnung getragen
und die Aussenlärmsituation ungenügend ermittelt worden.
3.1. Der Beschwerdeführer erhob bereits im Jahr 1994 Einsprache gegen die damals
geplante Erweiterung des Schulhauses Kleinfeld. Zur Erledigung der Einsprache
schlossen er, sechs weitere Einsprecher sowie die Schulgemeinde Bad Ragaz am 8.
Juli 1995 eine Vereinbarung. Darin einigten sie sich darauf, dass das bestehende
Reglement über die Benützung der Schulanlagen in dem Sinn geändert werde, dass –
mit Ausnahme der bewilligten Benützung durch Sportvereine an Werktagen - die
Aussenanlagen am Abend nur bis 20 Uhr benützt werden dürfen und an Sonn- sowie
Feiertagen die Platzbenützung generell unterbleibt; im Gegenzug erklärten die
Einsprecher den Rückzug der Einsprache. Am 13. Juli 1995 erteilte der Gemeinderat
von Bad Ragaz der Schulgemeinde die Baubewilligung für die Schulhauserweiterung.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Die Vereinbarung vom 8. Juli 1995 wurde dabei zum integrierenden Bestandteil der
Baubewilligung erklärt. Ob die Schulgemeinde Bad Ragaz die Änderung des
Benützungsreglements entsprechend der vertraglichen Abmachung dann auch formell
vornahm, geht aus den im Recht liegenden Akten nicht hervor. Offenbar wurden jedoch
Hinweistafeln mit den Benützungszeiten aufgestellt (vgl. Akten Vorinstanz, act. 12/25
Ziff. 14), sodass von einer Umsetzung der Vereinbarung auszugehen ist. Gegenteiliges
wurde auch nicht behauptet. Die Beschwerdegegnerin könnte aus einem allenfalls
vereinbarungswidrigen Verhalten ohnehin nichts für sich ableiten.
3.2. Der Einbezug der Vereinbarung vom 8. Juli 1995 in die damalige Baubewilligung
führte nicht zur Ablösung der vertraglichen Abmachung durch die Verfügung. Vielmehr
wurde dadurch die Baubewilligung mit einer Auflage verknüpft, deren Inhalt die im
damaligen Einspracheverfahren geschlossene Vereinbarung bildet. Aus dieser
Verknüpfung lässt sich – entgegen den Vorinstanzen – nicht ableiten, die Vereinbarung
sei nur so lange und im gleichen Mass rechtsbeständig wie die Verfügung. Es trifft zwar
zu, dass eine Auflage mit dem Ablauf oder Entzug der Bewilligung, deren Bestandteil
sie bildet, ebenfalls dahinfällt. Ein Zurückkommen auf die im Jahr 1995 erteilte
Baubewilligung steht hier jedoch gar nicht zur Diskussion, sondern Streitgegenstand
bildet die nachträgliche Bewilligung der bereits erstellten Spielgeräte unter
gleichzeitiger Anpassung der Benützungszeiten der Schulanlage Kleinfeld an das
zwischenzeitlich geänderte Benützungsreglement für Schulanlagen der Politischen
Gemeinde Bad Ragaz.
3.3. Unbestritten blieb, dass es sich bei der Vereinbarung vom 8. Juli 1995 um einen
öffentlich-rechtlichen Vertrag handelt. Mit dessen Unterzeichnung wurde eine
verwaltungsrechtliche Streitigkeit zwischen den privaten Einsprechern und der
Schulgemeinde Bad Ragaz als Baugesuchstellerin beigelegt, womit es möglich war,
mit der Erstellung des zusätzlich benötigten Schulraumes zu beginnen. Auch wenn das
damals geltende Benützungsreglement längere Benützungszeiten der Aussenanlagen
im Vergleich zur geschlossenen Vereinbarung vorsah, spricht nichts gegen deren
ursprüngliche Zulässigkeit. Die Abänderung der entsprechenden Ordnung lag in der
Kompetenz der Schulgemeinde. Ausserdem muss sich auch ein Benützungsreglement
nicht einfach über die bau- und umweltschutzrechtlichen Vorschriften hinwegsetzen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.4. Die Beschwerdegegnerin will nun mittels der im Streit liegenden Baubewilligung
die Benützungszeiten der Aussenanlagen ausdehnen. Dabei übersieht sie zunächst
einmal, dass es nicht möglich ist, vertragliche Rechte durch hoheitliche
Einzelanordnung zu schmälern (M. Imboden, Der verwaltungsrechtliche Vertrag, Basel
1958, S. 102). Eine einseitige Abänderung von vertraglichen Rechten und Pflichten
stünde im Widerspruch zur Rechtsnatur des Vertrages. Es kann nämlich nicht an einer
Partei liegen, über Vertragsinhalt oder -bestand zu befinden (B. Knapp, Précis de droit
administratif, 4. Auflage, Basel 1991, Rz. 1531; ihm folgend Häfelin/Müller/Uhlmann,
Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Auflage, Zürich 2010, Rz. 1131c). Streitigkeiten aus
verwaltungsrechtlichen Verträgen sind grundsätzlich im Klageverfahren zu klären
(ebenso St. Vogel, Die clausula rebus sic stantibus als Mittel zur Anpassung und
Aufhebung von verwaltungsrechtlichen Verträgen, in: ZBl 109/2008, S. 308 f.; F. Klein,
Die Rechtsfolgen des fehlerhaften verwaltungsrechtlichen Vertrags, Diss. Zürich 2003,
S. 205 und 213; Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., Rz. 1124a). Dies gilt auch im
vorliegenden Fall. Er liegt jedoch insofern speziell, als die Beschwerdegegnerin die ihrer
Ansicht nach nicht mehr bestehende Bindung an die vertraglich zugesicherten
Benützungszeiten der Aussenanlagen der Schule Kleinfeld dadurch zum Ausdruck
brachte, dass sie darauf im Rahmen der Baubewilligung für die Spielgeräte zurückkam.
Gegen diese Verfügung konnte sich der Beschwerdeführer im Anfechtungsverfahren
zur Wehr setzen. Ob dies auch mit Bezug auf die geänderten Benützungszeiten gilt,
kann letztlich offen bleiben. Obschon die Beschwerdegegnerin mit der Baubewilligung
vom Vertrag abweichen will, ist es (jedenfalls) dem Verwaltungsgericht möglich, über
die Zulässigkeit der Vertragsanpassung beziehungsweise –aufhebung zu befinden: Das
Verwaltungsgericht wäre gemäss Art 78 VRP nämlich auch in Klagefällen im Sinn von
Art. 76 VRP kantonal letztinstanzlich zuständig. Aus verfahrensökonomischen Gründen
macht es denn auch Sinn, über die entsprechende Frage zu entscheiden.
3.5. Im Jahr 2009 erliess der Gemeinderat von Bad Ragaz ein neues
Benützungsreglement für Schulanlagen. Es trat am 1. Oktober 2009 in Kraft und sieht
in Art. 22 Abs. 2 vor, dass die Benützung von Aussenanlagen bis 22 Uhr gestattet ist.
Die Vereinbarung vom 8. Juli 1995 steht damit nicht im Einklang. Sie leidet somit an
einem (nachträglich eingetretenen) Mangel, zumindest soweit von der
lärmschutzrechtlichen Zulässigkeit der reglementarischen Benützungszeiten
ausgegangen wird. Das will aber nicht heissen, dass aufgrund der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Reglementsänderung die vertraglich zugesicherten Benützungszeiten nicht mehr
gelten.
3.5.1. Der Grundsatz «Pacta sunt servanda» gilt auch für verwaltungsrechtliche
Verträge (St. Vogel, a.a.O., S. 298 f.). Solche Verträge führen in der Regel zu einer
dauerhaften gegenseitigen Bindung. Sie wollen gerade die Möglichkeit, einseitig auf die
Einhaltung von vertraglichen Pflichten zu verzichten, ausschliessen (Häfelin/Müller/
Uhlmann, a.a.O., Rz. 1122). Sie schaffen besondere Vertrauenspositionen, weshalb sie
denn auch höhere Bestandeskraft als eine Verfügung geniessen (vgl. B. Weber-Dürler,
Neuere Entwicklungen des Vertrauensschutzes, in: ZBl 103/2002, S. 281 ff., 299).
Dementsprechend ist eine Anpassung oder Aufhebung infolge geänderter Verhältnisse
nur in engen Grenzen zulässig. Praxis und Lehre verlangen für eine Vertragsanpassung
oder -änderung, dass sich die Verhältnisse seit dem Vertragsabschluss dauerhaft
sowie wesentlich geändert haben und die Änderung im damaligen Zeitpunkt nicht
voraussehbar war (St. Vogel, a.a.O., S. 304 ff.; F. Klein, a.a.O., S. 206 ff.; Häfelin/
Müller/Uhlmann, a.a.O. Rz. 1124; Verwaltungsgericht ZH, in: ZBl 88/1987, S. 134 ff.
[140], E. 3g). Dies gilt für tatsächliche und rechtliche Veränderungen nach
Vertragsabschluss gleichermassen; gegenüber Rechtsänderungen wird indes von einer
noch weitergehenden Immunität des Vertrages ausgegangen (vgl. B. Weber-Dürler,
a.a.O., S. 299 f.). Erforderlich ist eine umfassende Abwägung aller auf dem Spiel
stehenden öffentlichen und privaten Interessen im Einzelfall (St. Vogel, a.a.O., S. 308;
F. Klein, a.a.O., S. 215). Zu prüfen ist insbesondere, inwieweit schützenswerte
Rechtspostionen begründet wurden und in welchem Umfang sie Beständigkeit
beanspruchen können (BGer 1C_168/2008 vom 21. April 2009 E. 4.3). Grundsätzlich
sind aber für einen Eingriff in den Vertrag bedeutende öffentliche Interessen zu fordern.
Zuweilen wird sogar die Meinung vertreten, dass Rechtsänderungen, die von einem am
Vertrag beteiligten Gemeinwesen ausgehen, eine Vertragsänderung oder –aufhebung
von Vornherein ausschliessen (St. Vogel, a.a.O., S. 305 f.; F. Klein, a.a.O., S. 215).
3.5.2. Vorliegend verpflichtete sich die Schulgemeinde Bad Ragaz in der Vereinbarung
vom 8. Juli 1995, das bestehende Benützungsreglement in dem Sinn zu ändern, dass
die abendliche Nutzung der Anlagen nur bis 20 Uhr erlaubt und an Sonn- und
Feiertagen generell untersagt ist. Ein Änderungsvorbehalt wurde nicht fixiert. Auch ist
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
die Regelung nicht so zu verstehen, dass sie nur so lange wie das (geänderte)
Benützungsreglement Bestand haben sollte. Ebenso wenig bezog sie sich einzig auf
die im Jahr 1995 bewilligten Bauten und Anlagen.
3.5.3. Die Vorinstanz erwog im angefochtenen Entscheid, das Interesse der
Öffentlichkeit an der Nutzung von Schulanlangen habe sich seit dem Jahr 1995
erheblich geändert. Worauf sie diese Feststellung zurückführt, legt sie jedoch nicht dar.
Sie führt keine objektiv erkennbaren Umstände für die behaupteten geänderten
tatsächlichen Verhältnisse an. Ein Vergleich zwischen dem aktuellen und dem im Jahr
1995 noch geltenden Benützungsreglement (vgl. Akten Vorinstanz, act. 12/4 und act.
12/19) für Schulanlagen zeigt vielmehr, dass die Benützungszeiten zu Gunsten der
Allgemeinheit nicht erheblich erweitert wurden. Ein entsprechendes Nutzungsbedürfnis
bestand also schon damals. Fraglich erscheint sodann, ob eine unvorhergesehene
Änderung gegeben ist, stellt doch die Vereinbarung vom 8. Juli 1995 einen
Kompromiss dar zwischen dem Bedürfnis am (möglichst schnellen) Ausbau der
Schulanlage und einer möglichst uneingeschränkten Nutzung der Aussenanlagen
einerseits sowie dem Ruhebedürfnis der Anwohner andererseits. So sind (klar)
überwiegende öffentliche Interesse an längeren Nutzungszeiten mindestens derzeit
nicht erkennbar. Gerade in der Zeit zwischen 20 und 22 Uhr erhöht sich das Bedürfnis
der Bevölkerung nach Ruhe und Erholung erheblich. Dies zeigt sich beispielsweise
schon daran, dass lärmige Verrichtungen wie Teppichklopfen und Rasenmähen abends
ab 20 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen untersagt sind (vgl. Art. 1 Polizeiliche Erlasse
und Verbote der Gemeinde Bad Ragaz).
3.5.4. Als Fazit ist somit festzuhalten, dass die Vereinbarung vom 8. Juli 1995 nach wie
vor Bestand hat. Die restriktiven Voraussetzungen, unter denen eine gerichtliche
Vertragsänderung oder -aufhebung möglich ist, sind nicht erfüllt oder jedenfalls nicht
nachgewiesen. Weder bestehen momentan erheblich geänderte tatsächliche
Verhältnisse seit Vertragsabschluss, noch rechtfertigt das mittlerweile geänderte
Benützungsreglement für Schulanlagen eine Abweichung vom Vertrag.
3.6. Da bereits die Vereinbarung vom 8. Juli 1995 der Bewilligung von geänderten
Nutzungszeiten entgegensteht, kann dahingestellt bleiben, ob sich das Baugesuch
wegen des Fehlens eines Lärmgutachtens als unzureichend erweist; gleiches gilt für
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
die Frage, ob Massnahmen im Rahmen der vorsorglichen Emissionsbegrenzung zu
treffen sind. Unter diesen Umständen erweist sich denn auch die Durchführung eines
Augenscheins als entbehrlich.
4. Die Baubewilligung wurde somit zu Unrecht erteilt, soweit sie geänderte
Benutzungszeiten betrifft. Anders verhält es sich hingegen mit Bezug auf die
Spielgeräte, welche ebenfalls Gegenstand des Baugesuchs der Beschwerdegegnerin
bilden. Es ist nicht ersichtlich und wird (selbst) vom Beschwerdeführer nicht geltend
gemacht, dass diese nicht bewilligungsfähig wären. Dies blieb im gesamten Verfahren
unbestritten, sodass die Spielgeräte materiell eigentlich gar nie Streitgegenstand
waren. In Betracht fällt jedoch, dass der Beschwerdeführer im Rekursverfahren die
Ablehnung der Baubewilligung und im vorliegenden Verfahren die vollumfängliche
Aufhebung des angefochtenen Entscheids sowie (wiederum) die vollumfängliche
Ablehnung des Baugesuchs beantragt hat. Dem Beschwerdeantrag kann insoweit, als
er die Spielgeräte beschlägt, nicht stattgegeben werden. In diesem Umfang ist die
Beschwerde vielmehr abzuweisen. Es ist jedoch von einem überwiegenden Obsiegen
des Beschwerdeführers auszugehen.
5. (...).
Demnach hat das Verwaltungsgericht