# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 7e4aa11b-dd1d-5e3d-b53b-427d02a0f745
**Court:** ZH_BRK
**Chamber:** ZH_BRK_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
A.
Mit Beschlüssen vom 4. März 2021 und 16. März 2021 setzten die Gemein-
deräte X und Y je das Strassenprojekt für einen Fuss- und Wanderweg im
B.-Tobel gemäss den zugehörigen Unterlagen und Plänen fest und wiesen
die von B. H. gegen das Projekt erhobene Einsprache ab. Gleichzeitig mit
den kommunalen Entscheiden wurden die forstrechtliche, die wasserbaupo-
lizeiliche, gewässerschutz- und naturschutzrechtliche Bewilligung sowie die
Bewilligung betreffend die Bodenrekultivierungen und Terrainveränderungen
der Baudirektion Kanton Zürich vom 12. März 2020 eröffnet.
B.
Gegen diese Entscheide gelangte B. H. mit Rekurseingabe vom 16. April
2021 fristgerecht an das Baurekursgericht des Kantons Zürich und bean-
tragte das Folgende:
" 1. Die angefochtenen Verfügungen seien aufzuheben.
2. Es sei von einer Festsetzung des Fuss- und Wanderwegprojekts abzusehen. Eventuell sei auf das Teilstück "H" des Fuss- und Wanderwegs zu verzichten.
3. Es sei ein Fachgutachten zur Bedeutung des B.-Tobels für den Biotopschutz, den Landschaftsschutz, die Ökomorphologie, den Artenschutz und den Waldschutz einzuholen.
4. Es sei ein Augenschein durchzuführen.
5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der ."
C.
Mit Präsidialverfügung vom 21. April 2021 wurde vom Rekurseingang Vor-
merk genommen und das Vernehmlassungsverfahren eröffnet.
R2.2021.00071 Seite 3
D.
Mit gemeinsamer Eingabe vom 20. Mai 2021 beantragten die Rekursgeg-
ner 1 und 2 die Abweisung des Rekurses, soweit auf diesen einzutreten sei,
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Rekurrentin.
Die Rekursgegnerin 3 schloss mit Eingabe vom 25. Mai 2021 auf Abweisung
des Rekurses.
E.
In den weiteren Rechtsschriften hielten die Parteien, soweit sie sich äusser-
ten, an ihren jeweiligen Anträgen fest.
F.
Am 23. September 2021 führte eine Delegation der zweiten Abteilung des
Baurekursgerichts einen Augenschein vor Ort durch.

## Considerations

Es kommt in Betracht:
1.
Die Gemeinden X und Y planen, den R.-Weg in X durch das B.-Tobel mit der
Stiftung S. in Y mittels eines Fuss- und Wanderwegs zu verbinden. Die ge-
plante Wegführung zur Hangkante der S.-Weid soll zunächst circa auf Höhe
der Liegenschaft H.-Strasse 62 nördlich des B.-Baches durchs Tobel führen,
dann auf Höhe des Zuflusses des S.-Baches in den B.-Bach via einen Steg
den B.-Bach queren und von dort über einen Treppenweg zur Hangkante der
S.-Weid führen (sog. Teilstück H des geplanten Fuss- und Wanderwegs).
Kurz vor der S.-Weid ist eine Wegverbindung zur B.-Strasse vorgesehen
(Teilstück B). Von der S.-Weid soll der geplante Wanderweg das B.-Tobel
erneut gegen Norden queren und anschliessend bis zur Sch.-Strasse in X
führen (Teilstücke C, D, E, F und G; vgl. act. 19.60.1). Die gesamte Wegstre-
cke beträgt 1,2 km.
R2.2021.00071 Seite 4
2.
Das streitbetroffene Projekt wurde durch die Gemeinderäte X und Y festge-
setzt (§ 15 Abs. 2 Satz 1 Strassengesetz [StrG]). Demzufolge ist das Baure-
kursgericht nach § 41 Abs. 1 StrG zur Behandlung des vorliegenden Rekur-
ses sachlich zuständig. Auch für die Behandlung der Rügen im Zusammen-
hang mit der kantonalen Gesamtverfügung ist das Baurekursgericht sachlich
zuständig (vgl. § 329 Abs. 1 des Planungs- und Baugesetzes [PBG]).
Die Rekurrentin ist Eigentümerin der Parzelle Kat.-Nr. 1 in Y, welche im Nor-
den direkt an den B.-Bach und den S.-Bach angrenzt und damit nur durch
diese Gewässer vom geplanten Fuss- und Wanderweg bzw. dessen Teil-
stück H getrennt ist. Unbestrittenermassen hat die Rekurrentin innerhalb der
Auflagefrist Einsprache gegen das Projekt erhoben, womit diese Vorausset-
zung für die Rekurserhebung erfüllt ist (vgl. § 17 Abs. 1 und 4 StrG). Auf-
grund der vorgetragenen Rügen (u.a. unrechtmässige Beeinträchtigung des
Tobels) und der räumlichen Beziehungsnähe zum geplanten Fuss- und Wan-
derweg ist die Rekurrentin mehr als beliebige Dritte von den angefochtenen
Entscheiden betroffen und daher im Sinne von § 21 Abs. 1 des Verwaltungs-
rechtspflegegesetzes [VRG] bzw. § 338a PBG zur Rekurserhebung legiti-
miert. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf den
Rekurs einzutreten.
3.1.
Die Rekurrentin stellt sich zunächst auf den Standpunkt, das von den kom-
munalen Vorinstanzen bei der Q. GmbH eingeholte Fachgutachten vom Juni
2019 beruhe auf falschen Annahmen und sei qualifiziert unvollständig.
Das Gutachten gehe fälschlicherweise davon aus, dass der im Streit lie-
gende Weg im regionalen Richtplan [...] verankert sei und messe dem Weg
in der Folge aufgrund dieser falschen Annahme ein zu hohes öffentliches
Interesse zu. Der Umstand, dass die Interessenabwägung primär Aufgabe
der dafür zuständigen Behörde sei, ändere nichts daran, dass ein Gutachten
vollständig und richtig sein müsse. Im Gutachten sei zudem auch die Tatsa-
che unberücksichtigt geblieben, dass es sich beim B.-Tobel um das letzte
unberührte Bachtobel zwischen Y und Z handle. Zu Unrecht sei die regionale
Bedeutung des Tobels im Gutachten vollends unberücksichtigt geblieben.
Die Einzigartigkeit des B.-Tobels in der Region bzw. sein Situationswert hätte
R2.2021.00071 Seite 5
zwingend Gegenstand der gutachterlichen Abklärungen sein müssen. Im Üb-
rigen müsse ganz grundsätzlich bezweifelt werden, dass der effektive Prü-
fungsperimeter des Gutachtens tatsächlich 50 m beidseits des geplanten
Wegs betragen habe, nachdem der Rekurrentin nicht bekannt sei, dass ihr
Grundstück, welches innerhalb dieses Streifens liege, im Zuge der Begut-
achtung besichtigt worden sei. Ferner äussere sich das Gutachten zu Un-
recht auch mit keinem Wort zur Ökomorphologie im Tobel sowie zur Bedeu-
tung des Tobels als Vernetzungskorridor für gewässer- und gehölzgebun-
dene Tierarten. Selbst wenn die Ökomorphologie nur (aber immerhin) mit
den geplanten zwei Brücken beeinträchtigt werde, hätte dieser Themenbe-
reich zwingend im Gutachten abgehandelt werden müssen. Es sei sodann
offensichtlich, dass der geplante Weg die Vernetzungsfunktion im Tobel mit
den zu erwartenden Störungen durch Fussgänger erheblich verschlechtere.
Insbesondere bei Spaziergängern mit Hunden sei das Störungspotential be-
sonders gross. Hieran könne eine allfällige Leinenpflicht sowie ein Beleuch-
tungsverzicht im Tobel nichts ändern. Schliesslich blende das Gutachten
auch aus, dass in unmittelbarer Nähe des geplanten Wegs bereits Wege vor-
handen seien, die in den kommunalen Verkehrsrichtplänen als Fusswege
markiert seien.
Weil die Sachverhaltsabklärungen damit insgesamt unvollständig seien, sei
ein weiteres biologisches Fachgutachten einzuholen, welches diese Aspekte
berücksichtige.
3.2.
Im Zuge der Planung des im Streit liegenden Wanderwegs beauftragten die
kommunalen Vorinstanzen die Q. GmbH mit der Erstellung eines biologi-
schen Gutachtens, welches vom Juni 2019 datiert (nachfolgend Gutachten;
act. 14.4). Die Q. GmbH hatte den Auftrag, die Auswirkungen des Bauvorha-
R2.2021.00071 Seite 6
bens auf die Flora und Fauna im B.-Tobel zu beurteilen und detaillierte Infor-
mationen zum Vorkommen von geschützten und seltenen Arten sowie von
schützenswerten Lebensräumen im Tobel aufzuzeigen (vgl. Gutachten S. 1).
Für ein Gutachten wird allgemein verlangt, dass dieses vollständig, klar so-
wie gehörig begründet und widerspruchslos ist; ausserdem muss die sach-
verständige Person hinreichende Sachkenntnisse und die nötige Unbefan-
genheit bewiesen haben (VB.2010.00032, E. 5.2, in BEZ 2011 Nr. 21).
3.2.1
Unbestrittenermassen wird im Gutachten zwar fälschlicherweise davon aus-
gegangen, dass im überarbeiteten regionalen Richtplan [...] der streitgegen-
ständliche Fussweg verankert sei (vgl. Gutachten S. 2). Wie die Rekurrentin
zutreffend ausführt, wurde der Planeintrag bei der Überarbeitung des regio-
nalen Richtplans gelöscht. Die Rekurrentin verkennt indes, dass der feh-
lende Eintrag im regionalen Richtplan keinen Einfluss auf die biologische Be-
urteilung des Bauprojekts durch die Q. GmbH hatte, zumal es nicht Aufgabe
der Q. GmbH war, eine Interessenabwägung vorzunehmen. Eine solche ist,
wie die kommunalen Vorinstanzen zu Recht ausführen, allein den zuständi-
gen Behörden vorbehalten. Aufgabe der Q. GmbH war es einzig, ein biologi-
sches Fachgutachten zu erstellen. Sollte die Q. GmbH dem Weg tatsächlich
ein "zu hohes öffentliches Interesse zugemessen haben", so die Rekurrentin,
wäre dies daher irrelevant. Der vorliegende Schriftenwechsel zeigt sodann,
dass sich die Rekursgegnerschaft durchaus bewusst ist, dass im regionalen
Richtplan kein betreffender Planeintrag mehr existiert. Auch in den angefoch-
tenen Entscheiden wurde richtigerweise einzig davon ausgegangen, dass
hinsichtlich des Projekts ein Planeintrag in den kommunalen Verkehrsplänen
existiert.
3.2.2.
Sodann trifft es entgegen dem Dafürhalten der Rekurrentin gerade nicht zu,
dass die regionale Bedeutung des Tobels nicht erkannt wurde. Im Gutachten
wird explizit ausgeführt, dass das Tobel im Bereich des Bauprojekts von Er-
holungsdruck weitgehend unberührt sei, was für störungsanfällige Tierarten
in der Region sehr selten sei (Gutachten S. 10). Die Besonderheit der Tobel-
situation im regionalen Kontext wurde damit durchaus – und im vorliegenden
Kontext auch genügend – erkannt. Als Konsequenz davon wurde denn auch
R2.2021.00071 Seite 7
richtigerweise eine Anpassung der ursprünglich geplanten Wegführung ver-
langt (vgl. nachstehend E. 6.5.2). Eine tiefergehende Untersuchung des To-
bels im regionalen Kontakt erscheint nicht erforderlich, war man sich bei der
Projektplanung doch, wie aufgezeigt, grundsätzlich bewusst, dass es sich –
zumindest teilweise (siehe sogleich) – um eines der wenigen unberührten
Tobel in der [...]Region handelt. Abgesehen davon ist der Rekurrentin auch
klar zu widersprechen, wenn sie mit ihren Ausführungen suggeriert, es
handle sich um eines der letzten gänzlich unberührten Tobel in der Region.
Wie anlässlich des Augenscheins festgestellt, existieren insbesondere beim
Teilstück H bereits sehr umfangreiche zivilisatorische Eingriffe (siehe hierzu
ausführlich nachstehend E. 3.2.4). Eine Begutachtung setzt sodann nicht
zwingend die Begehung sämtlicher Grundstücke entlang des Untersu-
chungsperimeters voraus, sofern angenommen werden kann, dass sich die
Verhältnisse bei den untersuchten Standorten bzw. Grundstücken vergleich-
bar präsentieren wie bei den umliegenden Grundstücken, oder aber, sofern
die Verhältnisse auf einem fraglichen Grundstück auch von Drittstandorten
aus genügend beurteilt werden können. Ob das Grundstück der Rekurrentin
im Zuge der Begutachtung des Tobels tatsächlich begangen wurde, kann
vorliegend offenbleiben. Aus biologischer Sicht scheint es gestützt auf die
Eindrücke anlässlich des Augenscheins durchaus möglich, dass auf die Ver-
hältnisse auf dem rekurrentischen Grundstück auch von der angrenzenden
Umgebung aus genügend geschlossen werden konnte.
3.2.3.
Auch was die Ökomorphologie betrifft, sind die Sachverhaltsabklärungen der
Rekursgegnerschaft nicht zu beanstanden. Wie die Rekursgegnerschaft zu-
treffend ausführt, werden die Fliessgewässer (B.-Bach, Sch.-Bach und S.-
Bach) durch das Projekt nicht beeinträchtigt. Die beiden geplanten Bach-
überquerungen sind ohne Veränderungen des Bachbettes und unter Einbe-
zug des kantonalen Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) aus-
zuführen (vgl. act. 3.3, Dispositiv-Ziffer III. lit. a in Verbindung mit Erwägun-
gen lit. C). Die Brückenübergänge stellen einfache Fussgängerstege mit ge-
ringfügigen Verbauungen dar, welche den Tobelboden nicht nennenswert
verändern (vgl. act. 14.3, S. 11; act. 14.5, S. 3); auf zusätzliche Verbauun-
gen der Bachböschungen muss gemäss den Nebenbestimmungen in der an-
gefochtenen kantonalen Verfügung verzichtet werden (vgl. act. 3.3, Disposi-
tiv-Ziffer II.2 lit. h). Abgesehen von diesen beiden zurückhaltenden Bach-
überquerungen kommt der Weg nur teilweise im Uferstreifen zu liegen
R2.2021.00071 Seite 8
(vgl. act. 19.60.1). In weiten Teilen besteht zudem keine Sichtverbindung
zum Gewässer im Tobelgrund.
3.2.4.
Nicht anders verhält es sich mit der Vernetzungsfunktion des B.-Tobels zwi-
schen dem [...]See und den wertvollen Lebensräumen [...]. Auch wenn das
Gutachten diesen Themenbereich nicht eigens abhandelt, erhellt aus den
übrigen fachgutachterlichen Ausführungen insgesamt genügend, dass die
Wanderung von Tieren und die Ausbreitung von Pflanzen auch mit dem ge-
planten Fuss- und Wanderweg erhalten bleibt. Mit der "Offizialisierung" der
bereits bestehenden Trampelpfade im Tobel ist übereinstimmend mit dem
Gutachten davon auszugehen, dass eine Situation für die Tiere geschaffen
wird, an die sich diese besser gewöhnen können als an unregelmässige Stö-
rungen (vgl. Gutachten S. 10), wenn auch klar scheint, dass ein offizieller
Fussweg regelmässig häufiger frequentiert werden dürfte als ein Trampel-
pfad. Wie anlässlich des Lokaltermins festgestellt, existieren beim Teil-
stück H viele bereits stark ausgetretene und damit sehr gut begehbare – in-
offizielle – Pfade (vgl. Protokoll, Fotos Nrn. 16-23), welche augenscheinlich
aufzeigen, dass das Tobel bereits sehr rege von Spaziergängern betreten
wird (so insbesondere der Abschnitt vom Eingang ins Tobel circa auf Höhe
der Liegenschaft H.f.-Strasse 62 bis zur geplanten Bachüberquerung R. und
dann anschliessend auf der anderen Seite des Gewässers auch hangauf-
wärts; vgl. Protokoll, Fotos Nrn. 16-23; vgl. auch act. 9, Abbildung 3 und 4).
Mit der Feuerstelle beim Zufluss des S.-Baches in den B.-Bach konnten an-
lässlich des Augenscheins sogar auch Hinweise auf dauernde Freizeitau-
fenthalte von Spaziergängern festgestellt werden (vgl. Protokoll, Foto Nr. 18;
derartige Installationen sind im Rahmen des Bauprojekts untersagt
[vgl. act. 3.3, Dispositiv-Ziffer II.1 lit. c]). Die Fliessgewässer, welchen in
puncto Vernetzungsfunktion eine entscheidende Bedeutung zukommt, wer-
den vom Bauprojekt, wie bereits ausgeführt, nicht direkt tangiert und lediglich
an zwei Stellen mit zurückhaltenden Fussgängerstegen (einfache Holzstege
mit beschichtetem Holzrost und einseitigen Geländern) überquert
(vgl. act. 14.3, S. 11; act. 14.5, S. 3). Der Weg hat, wenn immer möglich,
ausserhalb des Uferstreifens zu verlaufen (vgl. act. 3.3, Dispositiv-Ziffer II.1
lit. b und III. lit. a). Auch wird auf eine Beleuchtung des Wegs verzichtet
(vgl. act. 14.3, S. 14) und es soll ein Fahrverbot für Velos gelten (vgl. act. 3.3,
Dispositiv-Ziffer III. lit. b). Damit die zu erwartenden Störungen auf ein Mini-
R2.2021.00071 Seite 9
mum reduziert werden können, wurde die Wegführung sodann mehrfach an-
gepasst (siehe nachstehend E. 6.5.2). Angesichts dieser Umstände ist da-
von auszugehen, dass die Vernetzungsfunktion im Rahmen der rekursgeg-
nerischen Sachverhaltsabklärungen genügend berücksichtigt wurde und
diese auch nach Erstellung des Wanderwegs weiterhin gewährleistet bleibt.
3.2.5.