# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 415094e1-49e3-4644-b0fc-7deb073f9e68
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1958, arbeitete seit dem
1.
Januar 2010 in einem Pensum von 60
%
bei der
Y._
als Leiter Finanzen und war in dieser Eigenschaft bei der Suva gegen Berufs- und Nichtberufsunfälle versichert. Mit Unfallmeldung vom 1
3.
Mai 2015 wurde der Suva angezeigt, dass der Versicherte am
4.
Mai 2015 im Verlauf eines Fahrlehrgangs auf dem
Z._
infolge einer Kühlmittelspur eines vor ihm fahrenden Teilnehmers ins Schleudern geriet und trotz Gegenlenkung und Einleitung einer Notbremsung in die Leitplanken geprallt sei (
Urk.
8/1).
Die Ärzte des
A._
hielten in ihrem Bericht vom
4.
Mai 2015 fest, dass anamnestisch weder eine Amnesie noch eine Bewusstlosigkeit vorgelegen habe. Klinisch sei der Versicherte wach und orientiert, die Pupillenreaktion sei prompt und seitengleich. Er habe leichte Nackenschmerzen, das Abdomen sei weich und schmerzlos.
Beim Röntgen der Halswirbelsäule (HWS) in zwei Ebenen sei kein Hinweis auf frische knöcherne Verletzungen zu erkennen. In der Sonographie des Abdomens sei keine freie Flüs
sigkeit oder Organverletzungen zu erkennen. Der Versicherte lehne eine statio
näre Überwachung gegen Unterschrift ab (
Urk.
8/30).
Die Suva trat auf den Schaden ein und erbrach
te die gesetzlichen Leistungen. Die Suva teilte dem Versicherten mit Verfügung vom 1
8.
Mai 2016 mit, dass sie die Leistungen
mit Wirkung ab dem
1.
Mai 2016
kürzen würden, da es sich bei dem S
port
fahrlehrgang um ein Wagnis gehandelt habe (
Urk.
8/119). Am 2
5.
Mai 2016 verfügte die Suva die Einstellung der Leistungen per 3
0.
Juni 2016, da die noch geklagten Beschwerden organisch nicht hinreichend nachweisbar seien und die Adäquanz zu verneinen sei (
Urk.
8/123).
Der
Versicherte
erhob
am 3
1.
Mai 2016 Einsprache
gegen die Verfügung vom 1
8.
Mai 2016
(
Urk.
8/126
; ergänzende Ein
sprache vom 1
1.
Juli 2016,
Urk.
8/132
)
und am
3.
Juni 2016 gegen die Verfügung vom 2
5.
Mai 2016 (
Urk.
8/127; ergänzende Einsprache vom 1
1.
Juli 2016,
Urk.
8/133). Die Krankenversicherung des Versicherten erhob am
9.
August 2016 Einsprache gegen die Verfügung vom 2
5.
Mai 2016 (
Urk.
8/140). Die Suva teilte dem Rechtsvertreter des Versicherten am
2.
Februar 2017 telefonisch mit, dass sie ihre Verfügungen zurückzögen und die Leistungen vorläufig weiterhin erbringen würden (
Urk.
8/166).
Nach den Untersuchungen des Versicherten durch
den
Konsiliarpsychiater
der Suva
med.
pract
. B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, am 1
1.
April 2017 (
Urk.
8/216; ergänzender Bericht vom 1
2.
Juni 2017,
Urk.
8/238) und
durch
Kreisarzt
Dr.
med. C._
, Facharzt für Chirurgie, vom 1
3.
Juni 2017 (
Urk.
8/240) verfügte die Suva erneut die Einstellung der Leistungen per 3
0.
Juni 2017 infolge fehlender
Adäquanz der noch geklagten Beschwerden, wel
che organisch nicht hinreichend nachweisbar seien. Die Abklärungen zur Hör
schädigung würden noch laufen und sie würden diesbezüglich separat informie
ren, ob ein Anspruch auf eine Integritätsentschädigung bestehe (
Verfügung vom 1
9.
Juni 2017,
Urk.
8/249). Der Versicherte erhob hiergegen am 1
8.
August 2017 Einsprache (
Urk.
8/2
63
). Mit Schreiben vom 1
4.
September 2017 teilte die Sozi
alversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, der Suva mit, dass
vom 1
6.
Oktober 2017 bis zum 1
5.
Januar 2018 ein Belastbarkeitstraining stattfinde
n werde
(
Urk.
8/272). Am 1
7.
August 2017 untersuchte die Kreisärztin
Dr.
med. D._
, Fachärztin für
Oto
-
Rhino
-Laryngologie und Arbeitsmedizin, den Versicherten (
Urk.
8/275). Mit Verfügung vom
3.
Oktober 2017 sprach die Suva dem Versicherten eine Integritätsentschädigung von 5
%
in Höhe von
Fr.
6'300.
--
zu
(
Urk.
8/278)
, woraufhin der Versicherte seine Einsprache ergänzte (
Urk.
8/280).
Mit
Einspracheentscheid
vom 2
1.
Februar 2018 wies die Suva die Einsprache gegen die Verfügung vom 1
9.
Juni 2017 ab (
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob hiergegen am 2
0.
März 2018 Beschwerde und beantragte, es sei der Einsprache-Entscheid vom 2
1.
Februar 2018 aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen (insbesondere Taggelder und Heilungskosten) auch nach dem 3
0.
Juni 2017 bis zur Erlangung des medizinischen Endzustandes weiterhin auszurichten. Es sei ihm nach Abschluss der Eingliederungsmassnah
men und/oder bei Erreichung des medizinischen Endzustandes eine mindestens 50%ige Invalidenrente auszurichten und es sei ihm eine Integritätsentschädigung auf der Basis einer Integritätseinschränkung von mindestens 30
%
zuzusprechen. Des Weiteren sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, auch für die zukünfti
gen, noch anfallenden medizinischen Massnahmen, welche zur Erhaltung des Gesundheitszustandes dienten, aufzukommen. Eventualiter sei der Fall an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen und es sei unter Berücksichtigung der neuen Schmerzrechtsprechung gemäss BGE 141 V 281 ein neutrales polydiszip
linäres Gutachten anzuordnen (
Urk.
1).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
8.
April 2018 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7 unter Beilage ihrer Akten,
Urk.
8/1-292 und
Urk.
9).
Mit Replik vom 2
1.
August 2018 hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen fest (
Urk.
13). Die Beschwerdegegnerin schloss
duplicando
wiederum auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
17),
was dem Beschwerdeführer am 1.
Oktober 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
18).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Beschwerdegegnerin hielt im angefochtenen
Einspracheentscheid
dafür
(Urk. 2)
, dass
ausserhalb der Hörschädigung des Beschwerdeführers und des zwi
schenzeitlich verheilten unfallbedingten Schulterschadens rechts kein objekti
vierbares organisches Substrat mehr vorhanden sei,
das
die Beschwerden erkläre. Damit sei die leichte bis mittelgradige neuropsychologische Funktionsstörung nach der Rechtsprechung letztlich einer psychischen Beschwerdeproblematik gleichzusetzen.
Der Beschwerdeführer leide unter einem Beschwerdebild eines HWS-Schleudertraumas, womit der Kausalzusammenhang nach der Schleuder
trauma-Praxis zu prüfen sei. Dabei sei von einem mittelschweren Unfall auszu
gehen, wobei keines der bundesgerichtlich erstellten Kriterien erfüllt sei. Damit sei die adäquate Kausalität der noch bestehenden Beschwerden zum Unfall vom
4.
Mai 2015 zu verneinen.
1.2
Der Beschwerdeführer brachte demgegenüber im Wesentlichen vor (
Urk.
1),
dass der medizinische Endzustand noch nicht erreicht sei, da insbesondere von der Ergotherapie noch namhafte Verbesserungen des Gesundheitszustandes erwartet würden.
Ginge man von einem medi
zinischen Endzustand aus, so sei
festzuhal
ten, dass die natürliche Kausalität
gegeben sei. Die adäquate Kausalität sei des Weiteren klar zu bejahen, da es sich vorliegend um einen schweren Unfall gehandelt habe.
Allerdings wären auch ausreichend Kriterien erfüllt um die Adä
quanz zu bejahen, wenn man von einem mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu einem schweren Unfall ausgehen würde.
Bezüglich Integritätsentschädigung sei festzuhalten, dass diese gestützt auf die Tabelle 19 bei leicht bis mittelschweren psychischen Schäden in Höhe von 20 bis 35
%
festzusetzen sei. Med.
pract
.
B._
habe eine Depression leichten bis mitt
leren Grades diagnostiziert, so dass er Anspruch auf eine Integritätsentschädi
gung von
mindestens
30
%
habe
, wobei diesbezüglich die HWS-Einschränkungen noch nicht berücksichtigt würden.
Die Heilbehandlungsleistungen seien gestützt auf
Art.
21 des
Bundesgesetz
es
über die Unfallversicherung (UVG)
weiterhin zu übernehmen, da er zur Erhaltung seiner
verbleibenden Erwerbsfähigkeit dauernd der Behandlung und Pflege bedürfe.
Eventualiter sei ein polydisziplinäres Gutachten anzuordnen, da unfallkausale HWS-Verletzungen ohne organisch nachweisbare Funktionsausfälle von BGE 141 V 281 klar erfasst würden.
1.3
Die Beschwerdegegnerin hielt mit Beschwerdeantwort und Duplik fest (
Urk.
7 und
Urk.
17
), dass die anlässlich des Unfalls verletzte rechte Schulter wieder voll funk
tionsfähig und in alle Richtung normal beweglich sei. Hinweise auf unfallbe
dingte organische Verletzungen der HWS bestünden keine. Eine namhafte Besse
rung der noch bestehenden organisch nicht ausgewiesenen Folgen sei nicht mehr zu erwarten, womit der Fallabschluss zur Recht erfolgt sei.
Daran würden auch die durchgeführten Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung nichts ändern, da für die Beurteilung der Leistungsansprüche grundsätzlich der Sach
verhalt im Zeitpunkt des Einsprache-Entscheides massgebend sei und zu diesem Zeitpunkt seien IV-Massnahmen kein Thema mehr gewesen.
Auch liege lediglich
ein mittelschwerer Unfall vor, womit – wie bereits ausgeführt – eine Adäquanzprüfung vorzunehmen sei.
Von einem weiteren Gutachten seien keine wesentlichen neuen Erkenntnisse zu erwarten, so dass darauf in antizipier
ter Beweiswürdigung zu verzichten sei.
1.4
Replicando
konstatierte der Beschwerdeführer ergänzend, dass er aufgrund der zahlreichen somatischen und psychischen Leiden weiterhin zu 80
%
erwerbsun
fähig sei.
Die kreisärztlichen Einschätzungen hätten weniger Gewicht als dieje
ni
ge der behandelnden Ärzte, da diese
in einem Abhängigkeitsverhält
nis zur Beschwerdegegnerin stünden
. Der Endzustand sei des Weiteren auch nicht erreicht, da die Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung erst am 2
4.
November
2017 abgebrochen worden seien (
Urk.
13).
2.
2.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. November 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesgeset
zes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversi
cherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dem
entsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. Septem
ber 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeit
punkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am
4.
Mai 2015
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwen
dung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
2.2
Gemäss
Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) sind Versicherungsleistungen - soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt - bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt voraus, dass zwischen dem versicher
ten Ereignis und dem eingetretenen Schaden ein natürlicher und ein adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE 129 V 181 E. 3.1-2 mit Hinweisen).
2.3
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter Einstellung der vorübergehen
den Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung abzuschliessen, wenn von der Fortsetzung der ärztli
chen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der versi
cherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmass
nahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (vgl. Art. 19 Abs. 1, Art. 24 Abs. 2 UVG; Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2. Mai 2014 E. 4.1, vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3). In diesem Zeit
punkt ist der Unfallversicherer auch befugt, die Adäquanzfrage zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts 8C_377/2013 vom 2. Oktober 2013 E. 7.2 mit Hinweis auf
BGE
134 V 109, vgl. auch Urteil 8C
_
454/2014 vom 2. September 2014 E. 6.3).
Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfä
higkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Die Verwendung des Begrif
fes «namhaft» in Art. 19 Abs. 1 UVG verdeutlicht demnach, dass die durch weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinne von Art. 10 Abs. 1 UVG erhoffte Bes
serung ins Gewicht
fallen muss. Weder eine weit entfernte Möglichkeit eines positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von weiteren Massnahmen – wie etwa einer Badekur – zu erwartender geringfügiger therapeutischer Fortschritt verleihen Anspruch auf deren Durchführung. In die
sem Zusammenhang muss der Gesundheitszustand der versicherten Person prog
nostisch und nicht aufgrund retrospektiver Feststellungen beurteilt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2. Mai 2014 E. 4.1 mit Hinweisen, insbes. auf BGE 134 V 109 E. 4.3; vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3).
Für die Einstellung der vorübergehenden Leistungen braucht der Entscheid der Invalidenversicherung über Eingliederungsmassnahmen nicht abgewartet zu wer
den, wenn von weiterer ärztlicher Behandlung keine namhafte gesundheitliche Besserung mehr erwartet werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_588/2013 Urteil vom 16. Januar 2014 E. 3.3) und keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass durch allfällige Eingliederungsmassnahmen das der Invaliditäts
bemessung der Suva gestützt auf die medizinischen Abklärungen zugrunde gelegte Invalideneinkommen verbessert und so der die Invalidenrente der Unfall
versicherung bestimmende Invaliditätsgrad beeinflusst werden kann (vgl. Urteil des Bundesgericht 8C_588/2013 vom 16. Januar 2014 E. 3.5).
2.4
2.4.1
Ist ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule diagnostiziert und liegt ein für diese Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit,
Visusstörungen
, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung und so weiter vor, so ist der natürliche Kausal
zusammenhang zwischen dem Unfall und der danach eingetretenen Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit in der Regel anzunehmen. Es ist zu betonen, dass es gemäss obiger Begriffsumschreibung für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs genügt, wenn der Unfall für eine bestimmte gesundheit
liche Störung eine Teilursache darstellt (BGE 117 V 359 E. 4b).
2.4.2
Die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und der infolge eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule auch nach Ablauf einer ge
wissen Zeit nach dem Unfall weiterbestehenden gesundheitlichen Beein
trächtigun
gen, die nicht auf organisch nachweisbare Funktionsausfälle zurück
zuführen sind, hat nach der in BGE 117 V 359 begründeten Rechtsprechung des Bundesgerichts in analoger
Anwendung der Methode zu erfolgen, wie sie für psy
chische Störun
gen nach einem Unfall entwickelt worden ist (vgl. BGE 123 V 98 E. 3b, 122 V 415 E. 2c). Es ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall eine massgebende Bedeu
tung für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise der Erwerbsunfähigkeit zu
kommt. Das trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schwere aufweist oder mit ande
ren Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Demnach ist zunächst zu ermitteln, ob der Unfall als leicht oder als schwer zu betrachten ist oder ob er dem mittleren Bereich angehört. Auch hier ist der adäquate Kausalzu
sammenhang zwischen Unfall und gesundheitlicher Beeinträchtigung bei leichten Unfällen in der Regel ohne Weiteres zu verneinen und bei schweren Unfällen ohne Weiteres zu bejahen, wogegen bei Unfällen des mittleren Bereichs weitere Kriterien in die Beurteilung mit einzu
beziehen sind. Je nachdem, wo im mittleren Bereich der Unfall einzuordnen ist und abhängig davon, ob einzelne dieser Kri
terien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, genügt zur Bejahung des adä
quaten Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder müssen mehrere herangezogen werden.
Als Kriterien nennt die Rechtsprechung hier:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen;
-
fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung;
-
erhebliche Beschwerden;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen.
Diese Aufzählung ist abschliessend. Anders als bei den Kriterien, die das Bundes
gericht in seiner oben zitierten Rechtsprechung (BGE 115 V 133) für die Beurtei
lung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und einer psy
chischen Fehlentwicklung für relevant erachtet hat, wird bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall mit Schleudertrauma der Halswirbelsäule und den in der Folge eingetretenen Beschwerden auf eine Dif
ferenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet, da es bei Vorliegen eines solchen Traumas nicht entscheidend ist, ob Beschwerden medizinisch eher als organischer und/oder psychischer Natur bezeichnet werden (BGE 134 V 109; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., 1999 Nr. U 341 S. 409 E. 3b, 1998 Nr. U 272 S. 173 E. 4a; BGE 117 V 359 E. 5d/
aa
und 367 E. 6a).
2.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt oder die befragte Ärztin in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unpartei
lichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters oder der Gutachterin aller
dings ein strenger Massstab anzulegen (RKUV 1999 Nr. U 356 S. 572; BGE 135 V 465 E. 4.4, 125 V 351 E. 3b/
ee
, 122 V 157 E. 1c; vgl. auch BGE 123 V 331 E. 1c).
3.
Die medizinische Aktenlage präsentiert sich im Wesentlichen folgendermassen:
3.1
Die Ärzte des
A._
hielten in ihrem Bericht vom
4.
Mai 2015 fest, dass anamnestisch weder eine Amnesie noch eine Bewusstlo
sigkeit vorgelegen habe. Klinisch sei der
Beschwerdeführer
wach und orientiert, die Pupillenreaktion sei prompt und seitengleich. Er habe leichte Nackenschmer
zen, das Abdomen sei weich und schmerzlos. Beim Röntgen der Halswirbelsäule (HWS) in zwei Ebenen sei
en
kein
e
Hinweis
e
auf frische knöcherne Verletzungen zu erkennen. In der Sonographie des Abdomens sei
en
keine freie Flüssigkeit oder Organverletzungen zu erkennen. Der
Beschwerdeführer
lehne eine stationäre Überwachung gegen Unterschrift ab
(
Urk.
8/30). Sie attestierten eine volle Arbeitsunfähigkeit vom
4.
bis
9.
Mai 2015 (
Urk.
8/50).
3.2
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, untersuchte den Beschwerdeführer am 1
2.
Mai 2015 (
Urk.
8/10
; vgl. auch
Urk.
8/32
). Er attestierte dem Beschwerdeführer eine volle Arbeitsunfähigkeit bis zum 2
8.
Mai 201
5.
Ab dem
2
9.
Mai 2015 sei er zu 25
%
arbeitsfähig. Im Dokumentationsbo
gen für Erstkonsultation nach
kranio
-zervikalem Beschleunigungstrauma hielt
Dr.
E._
fest, dass der Beschwerdeführer sofort unter Nackenschmerzen, Schwindel und Hörstörungen gelitten habe. Kopfschmerzen sowie Schlafstörun
gen seien nach 72 Stunden aufgetreten. Hinzu seien sofortige Beschwerden in der Brust- und Lendenwirbelsäule gekommen (BWS und LWS).
3.3
Dr.
me
d. F._
, Facharzt für Ohren-, Nasen- und Halskrankhei
ten, untersuchte den Beschwerdeführer am 2
8.
Mai 2015
(
Urk.
8/91).
Dr.
F._
diagnostizierte einen Zustand nach Knalltrauma und eine Schwerhörig
keit beidseits.
3.4
3.4
.1
Dr.
med. G._
, Facharzt für Orthopädie, diagnostizierte in seinem Bericht vom 2
4.
Juni 2015
(
Urk.
8/16)
eine posttraumatische, subtotale
Supraspi
natussehnenruptur
, MR-tomographisch verifiziert (02.06.2015)
,
mit Instabilität der langen
Bizepssehne
an der rechten Schulter. Als Nebendiagnosen hielt er 1) Gehörsprobleme, verstärkt nach Airbag-Explosion, 2)
HWS-Distorsion im Rah
men des Verkehrsunfalles vom
4.
Mai 2015 und 3) PAVK, Status nach
Dissektion
der A.
iliaca
commun
is
rechts 2006 (Stent-Einlage) fest.
Dr.
G._
konstatierte, dass er neben dem Fortführen der Physiotherapie bei entsprechendem Leidensdruck sicherlich die
arthroskopische
Sehnennaht und insbesondere auch die
Bizepsversatzoperation
empfohlen
habe. Nach 3 Monaten würden sie
eine neue Standortbestimmung durchführen, bis dahin erfolge weiter Physiotherapie.
3.4
.2
Am
7.
August 2015 erfolgte die
arthroskopische
Rotatorenmanschettenrekon
struktion
durch
Dr.
G._
(
Urk.
8/26).
Dr.
G._
attestierte dem Beschwerdeführer eine volle Arbeitsunfähigkeit während 6 Wochen. Im Austritts
bericht vom
9.
August 2015 wurde ein regelrechter
peri
- und postoperativer Ver
lauf geschildert (
Urk.
8/33).
3
.4
.3
Anlässlich der Kontrolle 6 Wochen nach der Operation
führte
Dr.
G._
aus, dass sich ein radiologisch unauffälliger Befund 5 Wochen nach der Operation zeige. Sobald der rechte Arm auf Brusthöhe geführt werden könne, sei das Auto
fahren wieder erlaubt. Bis dahin sei der Beschwerdeführer voll arbeitsunfähig (Bericht von
Dr.
G._
vom 1
7.
September 2015,
Urk.
8/51).
3.5
Die Ärzte der Neurologie der
H._
hielten in ihrem Bericht vom 1
5.
Oktober 2015 folgende Diagnosen fest (
Urk.
8/59):
-
Posttraumatische subtotale
Supraspinatussehnenruptur
der Schulter rechts mit Status nach
arthroskopischer
Rotatorenmanschettenrekon
struktion
und Tenotomie der langen
Bizepssehne
am
7.
August 2015
-
Anamnestisch Hypakusis beidseits rechtsbetont, nach Airbag-Explosion verstärkt
-
Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung
-
Klinisch: Hirnnerven
bland
(Hypakusis sei gering ausgeprägt vorbeste
hend),
Spurling
-Test beidseits negativ, Hinweise auf Affekt-Labilität
-
EMNG 1
4.
Oktober 2015:
N.
medianus
und
N.
ulnaris
rechts mit Normal
befund, keine
Denervationszeichen
. M. supra- und
infraspinatus
, M.
tri
zeps
brachii
rechts
-
MRI HWS 1
4.
Oktober 2015: keine relevante Neurokompression
Im neurologischen Status zeige sich bis auf die aktuell operierte rechte Schulter, welche nach Kraftgrade
n noch nicht beurteilt werden kö
nn
e
, ein normaler Befund mit
blanden
Hirnnerven und keinen Hinweisen auf eine zervikale
Radikulopathie
. MR-tomographisch fänden sich degenerative Veränderungen mit
Osteoch
ondro
sen
und leichter
Diskusprotrusion
ohne relevante Neurokompression. Korrelie
rend hierzu zeige sich auch ein unauffälliger neurologischer Status. Bezüglich der angegebenen Kribbelparästhesien der rech
ten Hand intermittierend habe
sich auch in der
Medianus
- und
Ulnarisneurographie
ein Normalbefund
gezeigt
, sie gingen am ehesten von
myofaszialen
Beschwerden aus. In der Untersuchung falle eine leichte Affektlabilität auf. Nach ausgeprägtem Beschleunigungstrauma mit Vollbremsung nach 200
km/h hätten sie zum Ausschluss von vor allem frontalen
shearing
injuries
ein MRI
des
Schädel
s
durchführen lassen. Die Beschwerden seien jedoch auch möglich im Rahmen eines posttraumatischen Belastungssyndroms, weshalb sie je nach Bildbefund gegebenenfalls eine psychologische, psychiatri
sche oder medikamentöse Therapie besprechen würden.
3.6
Dr.
G._
konstatierte in seinem Bericht vom
3.
November 2015, dass es seitens der Schulter tadellos gehe. Schmerzmittel würden keine mehr eingenom
men. Im Rahmen des MTT solle nun eine Kräftigung erfolgen. Bis in 3 Monaten eine Standartkontrolle durchgeführt werde, betrage die Arbeitsunfähigkeit 100
%
(
Urk.
8/65).
3.7
3.7
.1
Am
4.
November 2015 wurde ein MRI des Schädels durchgeführt. Die Ärzte der Neurologie der
H._
diagnostizierten in Folge vereinzelte subkorti
kale
Marklagerveränderungen, einzelner kleiner Signalausfall links parietal (dif
ferentialdiagnostisch Verkalkung, Mikroblutung), kein akuter Hirninfarkt, kein SDH, HW auf
shearing
injuries
.
MR-tomographisch ergebe
sich kein klares Korrelat infolge des Verkehrsunf
alles, v.a. keine Hinweise auf
S
cherverletzung nach erfolgtem Beschleunigungstrauma. Die beschriebenen neurokognitiven und vegetativen Stö
rungen sähen sie
somit am ehesten im Rahmen einer posttraumatischen Reaktion, welche
sich
5 Monate nach dem
Verkehrsunfall
noch
gut in einem Wandel befinden kö
nn
e. Unterstüt
zend hätten sie
eine antidepressive und schmer
z
distanzierende Therapie mit Citalopra
m vorerst 20
mg begonnen und wür
den die Verträglichkeit in ca. 3 Wochen in einer Telefonsprechstunde
mit dem Beschwerdeführer anschauen. Zudem hätten sie
auch die Möglichkeit einer psychologi
schen/
psychothera
-
peutischen
Unterstützung erwähnt,
er
möchte
aber
zunächst den Verlauf abwarten. Bezüglich der subkortikalen
Marklagerveränderung emp
fä
hlen
sie
eine weitere gute Kontrolle der vaskulären Risikofaktoren mit vor allem Einstellung des Blutdrucks mit den Zielwerten unter 140/9
0
mmHg
. Bezüglich der
p
AVK
we
rd
e
bereits Aspirin
lOO
mg/d eingenommen.
3.7
.2
Am 2
5.
November 2015 fand eine Telefonkonsultation statt,
anlässlich derer der Beschwerdeführer berichtet habe, sich nach Durchsicht der im Beipackzettel erwähnten Nebenwirkungen gegen eine medikamentöse Therapie entschieden zu haben. Er möchte zunächst, wie auch von ihnen empfohlen, eine psychologische bzw. psychotherapeutische Unterstützung bei Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung in Anspruch nehmen. S
ie
hätten
mit dem Beschwerdeführer besprochen, dass Citalopram unter den Antidepressiva und schmerzdistanzieren
den Medikamenten mit Präparaten aus derselben Medikamentengruppe ein ver
gleichsweise geringes Nebenwirkungspotential aufweise, dennoch unterstützten sie ebenso eine psychologische und psychotherapeutische Behandlung, welche zur Verarbeitung des Erlebten und
beim
Erlernen von Verhaltensstrategien sicher einen positiven Einfluss haben werde. Sie hätten keinen weite
ren Termin verein
bart (
Urk.
8/77
).
3.8
Der Kreisarzt
Dr.
C._
hielt in seiner Stellungnahme vom
1.
Dezember 2015 fest, dass bez
ü
g
lich der HWS und dem Schädel strukturelle Läsionen nicht überwie
gend wahrscheinlich seien. In Bezug auf die Schulter könne mit einer weiteren Behandlung eine namhafte Besserung erreicht werden, nicht aber bezüglich HWS, da keine überwiegend wahrscheinliche unfallbedingte strukturelle Läsion vorliege (
Urk.
8/69).
3.9
Dr.
G._
hielt in seinem Bericht vom
9.
Februar 2016
fest, dass der Verlauf klinisch und
sonographisch
sehr erfreulich sei. Es zeige sich eine seitengleiche, schmerzfreie Abduktionskraft bei voller Wiederherstellung der Schulterfunktion. Er habe die Behandlung abgeschlossen, weise jedoch daraufhin, dass die Arbeits
fähigkeit aufgrund der neurologischen Begleiterkrankung/Verletzu
ng nicht wie
derhergestellt sei (
Urk.
8/93).
3.10
Am 2
5.
Februar und
3.
März 2016 wurde die kognitive Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers durch die Ärzte der
I._
abgeklärt
(
Urk.
8/104)
.
Im Bericht vom
9.
März 2016 diagnostizierten d
ie Untersucher
eine Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2) und
hielten fest,
dass
d
er
Beschwerdeführer
über ein im oberen Durchschnittsbereich liegendes
Intelligenz
niveau
verfüge
.
D
ie kogniti
ve Verarbeitungsgeschwindigkeit u
nd Konzentrati
onsfähigkeit des Beschwerdeführers
seien
erheblich eingeschränkt. Das ver
bale Gedächtnis sei
ungestört, ebenfalls die
visuokonstruktiven
Fertig
keiten. Betref
fend d
ie
Exekutivfunktionen ergä
ben sich leichte bis mittelgradige Defizite hin
sichtlich der kognitiven Flexibilität und Problemlösefähigkeit. D
eutliche Leis
tungseinbussen ergä
ben sich h
insichtlich der Aufmerksamkeitsfunktionen: Das Arbeitstempo sei
bei einer sehr genauen und sorgf
ältigen Aufgabenbearbeitung mas
siv reduziert. In der vorlie
genden Untersuchung zeige
sich das
Bild eines rasch überforderten Beschwerdeführers
mit Schwierigkeiten, sich veränderten Umständen flexibel und we
ndig anzupassen. Am ehesten seien die festge
stellten Defizite vor dem Hintergrund einer depressiven Symptomatik zu i
nterpretieren. Es fä
nden sich bei intakten Gedächtnis- und Wah
rn
ehmungsfunktionen sowie fehl
ender Perseverationsneigung kei
ne Hinweise auf hirnorganisch bedingte Abbauprozesse.
3.11
Auf Rückfrage der Beschwerdegegnerin diagnostizierten die Behandler der
I._
im Bericht vom
4.
April 2016 (
Urk.
8/110) eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1). Es hätten keine Beschwerden vorbestanden. Der Beschwerdefüh
rer gebe an, dass er seit dem Unfall vom
3.
Mai 2015 von Gefühlüberflutungen geplagt sei, aus nichtigem Anlass weine, sich zeitweise gereizt, ungeduldig, dünn
häutig und nervös fühle. Er leide unter Wortfindungsstörungen und stottere leicht. Eine Durchschlafstörung raube ihm die Tagesenergie. Er könne sich oft nicht konzentrieren und habe häufig wenig Antrieb. Die Freude und das Interesse an einigen früher geliebten Tätigkeiten sei
en
ihm verloren gegangen. Aus psy
chiatrischer Sicht sei der Beschwerdeführer 50
%
arbeitsfähig. Allerdings bestehe bei dieser 50%igen Anwesenheit eine Leistungseinbusse von 50
%
aufgrund aktueller kognitiver Defizite.
3.12
Kreisärztin
Dr.
med.
J._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychothera
pie, führte in ihrer Kurzstellungnahme vom 2
0.
April 2016 aus, dass die gegen
wärtig bestehenden psychischen Beschwerden mit überwiegender Wahrschein
lichkeit natürlich kausal auf den Unfall vom
4.
Mai 2015 zurückzuführen seien. Die Kostengutsprache für die Behandlung in der
I._
könne gegeben werden. Ein Verlaufsbericht sei in ca. 4 Monaten einzuholen (
Urk.
8/111).
3.13
Dr.
C._
konstatierte
am 2
0.
Mai 2016
, dass bezüglich der rechten Schulter keine weitere Verbesserung mehr zu erwarten sei und es könne diesbezüglich von einem stabilen Zustand ausgegangen werden (
Urk.
8/113).
3.14
Dr.
F._
untersuchte den Beschwerdeführer erneut am 2
8.
Mai und 2
3.
Juni 201
6.
Er führte aus, dass der Belästigungsgrad und die subjektive Laut
heit des Tinnit
u
s zuzunehmen schienen. Eine einfache Maskierungsbehandlung habe keinen Erfolg gehabt. Bei zunehmender Dekompensation sei eine intensive Dauerbehandlung zu erwägen (
Urk.
8/193).
3.15
Dr.
med. K._
, Facharzt für Anästhesiologie/
Interventionelle
Schmerzthe
rapie, diagnostizierte in seinem Bericht vom
8.
Juli 2016 eine
therapiefraktäre
Zervikobrachialgie
beidseits mit:
-
Verdacht auf
zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom bei
-
Status nach
whiplash
Trauma der HWS 2015
-
Status nach operativer Versorgung einer traumatischen Schulterverlet
zung rechts 2015
-
Verdacht auf posttraumatische Schmerzverarbeitungsstörung
-
Cannabinoidtherapie
Er halte basierend auf den empfohlenen ISIS-Guidelines die Indikation gegeben für eine
interventionelle
Blockade der medial
branches
, vorerst C4-7 beidseits, allenfalls erweitert nach C2-
3.
Der Beschwerdeführer werde sich dies überlegen und bei Bedarf wieder in der Sprechstunde vorstellig werden (
Urk.
8/132).
3.16
Dr.
med. L._
, Fachärztin für Radiologie, führte in ihrem Bericht über das MRI der HWS vom 1
1.
November 2016 aus (
Urk.
8/181), dass multisegmen
tale degenerative Veränderungen mit
Osteochondrose
, Spondylose,
Spondylarth
rosen
und
Unkovertebralarthrosen
mit konsekutiver hochgradiger
foraminaler
Stenose im Segment C3/C4 links und C6/C7 rechts sowie mässiger
foraminaler
Stenose im Segment C3/C4 rechts, C4/C5 links, C5/C6 links und C6/C7 links ersichtlich seien. Darüber hinaus bestünden multisegmentale
Diskusprotrusionen
mit leichter
linksseitiger
Myelonimpression
im Segment C5/C
6.
Eine
höhergra
dige
Spinalkanalstenose liege nicht vor.
3.17
Dr.
med.
M._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatolo
gie des Bewegungsapparates, hielt in seinem Bericht
vom
1.
Dezember 2016
die
(
gekürzt wiedergegebenen
)
Diagnosen
1) ein chronisches
zervikovertebrales
Schmerzsyndrom, 2) einen Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung und 3) einen Verdacht auf posttraumatische Wortfindungsstörungen bei Status nach Verkehrsunfall vom
4.
Mai 2015 fest (
Urk.
8/186).
In den MRI-tom
ographischen Aufnahmen der HWS hätten
mul
tisegmentale degenerative Verän
derungen (
Osteochondrosen
, Spondylose,
Spondylarthrose
und
Unkovertebralarthrosen
) der HWS nachgewiesen werden
können
. Aufgrund des anamnestischen positiven Ansprechens der bis
dato in Anspruch genommenen Wärmebehandlun
gen/Wärmetherapien empfehle er
diese bis auf weiteres fortzuführen. Der
Beschwerdeführer berichte
diesbezüglich, dass er Zuhause eine
Sauna habe und diese nahezu täglich in Anspruch nehme
. Zusätzlich könnte eine häusliche Infra
rot-Therapie in Form einer Infrarot-Lampe, welche im Inte
rnet käuflich erworben werden kö
nn
e
, in Erwägung gezogen werden. Um die Genesung un
d dem Wohl
befinden
zusätzlich zu dienen, könnten auch warme Heublumenwi
ckel/Kirschkernkissen oder Fango-Behand
lung in Erwägung gezogen werden.
Auch
alt
ernative Therapieverfahren/Therapiemassnahmen wie
Cranio
-Sakral-Behandlungen
sollten
in Erwägung gezogen werden. Längerfristig
würde der Beschwerdeführer
aufgrund des positiven Ansprechens der zuvor in Anspruch genommenen p
hysiotherapeutischen Massnahmen
von einer Langzeit-Phys
iothe
rapie profitieren
.
Der Beschwerdeführer äusser
e sich mit
der
Vorgehensweise ein
verstanden.
3.18
Dr.
C._
führte auf Rückfrage der Beschwerdegegnerin
am 2
3.
November 2016
aus, dass die von
Dr.
K._
festgehaltenen Beschwerden nicht überwiegend wahrscheinlich unfallkausal seien. Ob die Behandlungsempfehlung krankheitsbe
dingt Sinn mache und eine wesentliche Verbesserung zu erwarten sei, sei in die
sem Kontext nicht relevant, unfallbedingt bestehe keine Indikation dazu (
Urk.
8/153).
3.19
Dr.
K._
notierte in seinem Bericht zuhanden der Beschwerdegegnerin vom 2
6.
November 2016, dass sich der Beschwerdeführer seit der Erstkonsultation nicht mehr gemeldet habe, die von ihm vorgeschlagenen Massnahmen seien somit nicht umgesetzt worden (
Urk.
8/156).
3.20
Die Behandler der
I._
diagnostizierten im Verlaufsbericht vom
3.
März 2017 eine mittelgrad
ig
e depressive Episode mit somatischen Syndrom (ICD-10 F32.11).
Es finde
eine
supportive
Psychotherapie mit Anteilen aus der Verhaltenstherapie sowie eine Psychopharmakotherapie statt. Der Beschwerdeführer erscheine regel
mässig zur 2-3-wöchigen Konsultation und zeige sich durchgehend
compliant
.
Das Zustandsbild habe sich nicht gravierend verändert seit dem letzten Bericht. Der Beschwerdeführer sei sehr bemüht, alle therapeutischen Möglichkeiten aus
zuschöpfen, um sein körperliches, geistiges und psychisches Befinden zu verbes
sern. Es enttäusche ihn, dass dies nur sehr bedingt gelinge (
Urk.
8/174).
3.21
Der Kreisarzt med.
pract
.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte am 1
4.
März 2017 aus, dass aufgrund der Behandlungsberichte der
I._
leider keine namhafte Besserung in Bezug auf die Arbeitsfähig
keit/Leistungsfähigkeit erkennbar sei. Im neuropsychologischen Bericht vom
4.
April 2016 werde zudem darauf hingewiesen, dass die kognitiven Einschrän
kungen am ehesten mit dem depressiven Zustandsbild erklärbar seien und es keine Hinweise auf eine hirnorganisch verursachte, neuropsychologische Störung gebe. Somit spreche heute, knapp zwei Jahre nach dem Unfallereignis, aufgrund der Berichte alles für einen bereits vorhandenen stabilen Gesundheitszustand, auf allerdings bescheidenem Niveau. Die unglückliche Entwicklung seit dem Unfall
ereignis hinterlasse den Eindruck, als hätten sich manche, allenfalls auch vorbe
stehende und/oder unfallfremde Faktoren auf die durch das Unfallereignis verur
sachte/ausgelöste Schmerz- und Beschwerdeentwicklung gewissermassen aufge
laden. Er sei allerdings nicht ganz sicher, ob man lediglich mit einer aktenmässi
gen Beurteilung der Situation im Hinblick auf einen Fallabschluss
gerecht werde. Er schlage eine psychiatrische Untersuchung vor.
3.22
Am 2
1.
März 2017 erfolgte ein weiteres MRI des Schädels an der
N._
durch Prof.
Dr.
med.
O._
Facharzt für Neuroradiologie. Dieser hielt unspezifische Marklagerveränderungen, die am ehesten
mikroangiopathisch
bedingt seien, fest. Fraglich sei
,
ob kardiovaskuläre Risikofaktoren oder Hinweise auf eine
Vaskulitis
bestünden. Auch ein kleines Kavernom angrenzend an das
Hinterhorn
des linken Seitenventrikels sei feststellbar (
Urk.
8/203).
3.23
Am 1
6.
März 2017 wurde der Beschwerdeführer verhaltensneurologisch-neu
ropsychologisch untersucht und am
6.
April 2017 wurde das MRI besprochen.
Dr.
med. P._
, Fachärztin für Neurologie führte in ihrem Bericht dies
bezüglich aus
(
Urk.
8/209)
,
dass die Befunde einer formal leichten bis mittelgra
digen neuropsychologischen Funktionsstörung entsprächen, die überwiegend durch die
somatischen Beschwerden, respektive Schmerzinterferenzen und eine psychische Fehlverarbeitung seit dem Unfallereignis (differentialdiagnostisch Anpassungsstörung?) bedingt sei
en
. Die spontansprachlichen Auffälligkeiten ent
sprächen dabei einer funktionellen/dissoziativen Störung. Die sonstigen sprach
lichen und sprachassoziierten Funktionen seien unauffällig, insbesondere ergä
ben sich keine Hinweise auf eine neurodegenerative oder eine sonstige Hirner
krankung. Die Ursache für den sehr protrahierten Verlauf nach dem Unfallereig
nis 05/2015 sei nicht klar und müsste allenfalls auch im Hinblick auf aktuell noch vorliegende Unfallfolgen im Rahmen eines interdisziplinären Gutachtens geklärt werden. Unter Berücksichtigung des Fehlens einer im Rahmen des Unfallereig
nisses zugezogenen traumatischen Hirnverletzung und auch den wiederholten Schädel-MRIs, die strukturelle traumatisch bedingte Läsionen ausschliessen, seien oben aufgeführte neurokognitive Befunde aber als nicht direkt unfallbedingt zu wer
t
en. Die MRI Verlaufsuntersuchung habe zudem keine sonstigen relevanten strukturellen Auffälligkeiten, die allenfalls die fehlende Erholung im posttrauma
tischen Verlauf erklären könnten, gezeigt.
Aus rein neuropsychologischer Sicht sei aktuell unter Berücksichtigung der glaubhaft verminderten Belastbarkeit (differentialdiagnostisch Folge einer
Dekonditionierung
im Verlauf), der defizitären Aufmerksamkeitsleistung, der ver
minderten Merkschwäche und der Ermüdbarkeit theoretisch von einer Einschrän
kung von 50-70
%
auszugehen. Da im Vordergrund eine affektpathologische Erkrankung stehe, müsse bezüglich Arbeitsfähigkeit in erster Linie aus fachpsy
chiatrischer Sicht Stellung genommen werden.
Im Hinblick auf die Beurteilung der Belastbarkeit seien IV-Reintegrationsmassnahmen dringend empfehlenswert.
Ergotherapeutische Behandlung mit Hirnleistungstraining, insbesondere zur Ver
besserung der Aufmerksamkeitsleistung und zur Steigerung der Belastbarkeit sei emp
fehlenswert
. Eine entsprechende Verordnung sei abgegeben worden. Eine engmaschige fachpsychiatrische Betreuung sei ebenfalls zu empfehlen.
3.24
3.24
.1
Med.
pract
. B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und
Kon
siliarpsychiater
der Beschwerdegegnerin, untersuchte den Beschwerdeführer am 1
1.
April 201
7.
In seinem Bericht vom
3.
Mai 2017 hielt er folgende Diagnosen fest (
Urk.
8/216/8):
-
Depressive Störung, aktuell eher leichteren Grades, im Längsverlauf aber bis mittleren Grades
(
ICD-10 F32.0/32.1)
-
Verdacht
auf Konversionssymptomatik, am ehesten im Rahmen der Affektstörung und weniger als eigenständig
e dissoziative Störung zu sehen
-
Hyperthyme
(differentialdiagnostisch
zyklothym
e) Persönlichkeitsakzen
tuierung. Differentialdiagnose: Verdacht auf
Zyklothymia
(ICD-10
F34.0).
Med.
pract
.
B._
konstatierte
(
Urk.
8/216/8 ff.)
, dass
sich beim Beschwerdefüh
rer
anlässlich der Expl
oration ein buntes und jeweils
rasch wechselndes, effekti
ves Mischbild
manifestiere. Immer wieder sei
er den Tränen nahe, k
urze Zeit spä
ter k
ö
nn
e
er wieder Lachen, oder er rea
giere, innerlich sichtlich ange
spannt mit psychomotorischer Unruhe, manchmal auch unwillkürlichen Tics im Gesicht oder nervösem Kratzen des Kopfes. Zusammenfass
end mü
ss
e
von einem
hyperthymen
, gewissermassen also unwillkürlich übersteuerten Ausdruck der rasch wechseln
den Affekte gesprochen werden. Insge
samt überwiege
die depressive Stimmungs
lage, mit zwischendurch aufblitzendem Lachen, je nach erzähltem Inhalt, pha
senweise aber durchaus auch emotional
entspannteren
Momenten, wenn
er
zum Beispiel über seine familiäre Herkunft, oder auch gewisse Phasen seines
früheren Berufslebens berichte
.
Auf der kognitiven Seite zeige
sich ein vor allem zu Beginn sp
ru
nghaftes Denken, durch da
s ganze Gespräch hindurch bleibe
das Denken aber
zumindest assoziativ. Diese persönlichen Eigenarten seien dem Beschwerdeführer durchaus auch bewusst und
er
bestätige, dass die Umgebung öfters mit seinem Denk-, Sprech- und Arbeitstempo Mühe gehabt habe.
Die ganze, an sich sehr lebendige Art des
Beschwerdeführers lege
den Schluss nahe, dass schon vor dem Unfallereignis vom Mai 2015 gewisse Persönlich
keits
eigenheiten vorgelegen hätten, welche im Min
desten als
hyperthymer
Persönlich
keitsstil bezeichnet werden könnten. Wie weit sogar von einer ei
gentlichen zyk
lothymen Persönlichkeit auszugeben
sei
, oder ob sich die affektive Störung auch schon im Bereiche einer sogenannten Bipolar-II-Affekt
störung bewegt haben könnte, sei
aufgrund einer nur einmaligen Untersuchung und nur weniger fremd
anam
nestischen Angaben offen zu las
sen.
Einem
s
olchen Persönlichkeitsstil komme per se
kein Krankhe
itswert zu. Er kö
nn
e aber selbstver
ständlich in bestimmten Lebenssituationen, zum Beispiel in der B
ewältigung von körperlichen Ein
schränkungen, oder allgemein in der Bewältigung von vorübergehenden, oder auch andauernden Leistungseinschränkungen eher ersc
hwerend wirken.
Im Verlauf
seit dem Unfallereignis spreche
bei diesem
Beschwerdeführer
m
anches dafür, dass
ihm
genau diese Einschränkungen grösste Mühe bereite
te
n und er bis heute keinen geeigneten Umgang damit
habe finden können
. Er
habe
einerseits mit einer
depressiven Entwicklung
reagiert
, andererseits aber auch mit konversi
onsneurotischen Symptomen, wie das Stottern und anderen unbewussten Reak
tionen wie mimischen Tics und Tic-artigem, nervösen Kratzen der Kopfhaut. Insofern gehe
er
mit der im verhaltensneurologischen Bericht von
Fr. Dr.
P._
/
Fr.
Q._
geäusserten Einschätzung, dass beim gesamten psychischen Zustandsbild auch konversionsneurotische Anteile mitwirkten, durchaus einig. Das hilflose Ausgeliefert-Sein den körperlichen Symptomen gegenüber, die sich schon früh ankündigende, verzögerte Genesung mit Schulteroperation und ver
stärkten
Tinnitusbeschwerden
, der drohende und auch eingetretene Verlust der Arbeitsstelle, die Belastung durch einen durch ihn selbst nicht mehr zu führenden selbständigen Handel mit Musikinstrumenten und vor allem auch der Verlust des Musizierens als Schlagzeuger,
hätten
sehr bald eine depressive Entwicklung nach sich
gezogen
. Die depressive Störung
habe
anamnestisch phasenweise
den
mitt
leren Grad
erreicht, dürfte sich aktuell
aber in einem eher leichteren Grad bewe
gen. Prägend insbesondere bezüglich der Belastbarkeit im Alltag schein
e
heute viel eher eine sehr instabile, auch für den
Beschwerdeführer
nich
t verlässliche Affektlage, mit Ü
berforderungsgefühlen, aber auch einer ganz erh
eblichen Affektlabilität und -irri
tabilität.
Die Schmerzproblematik,
des Nackens, der Schulter und des Rückens scheine
zumindest aktuell eher im Hintergrund zu stehen, der Tinnitus persistiere seit dem Unfallereignis gegenüber dem Vorzustand auf erhöhtem Niveau. Der in den psy
chiatrischen Berichten beschriebene Verlauf zwischen Frühjahr 2016 und Früh
jahr 2017, insbesondere auch die gleich gebliebene Einschätzung bezüglich der
Arbeitsfähigkeit, sowohl in zeitlicher, als auch in leistungsmässiger Hinsicht, leg
t
en einen p
sychisch stabilen Gesundheitszustand nahe. Zwar sei
der Vorschlag einer ambulanten Ergotherapie
grundsätzlich auch aus psychiat
rischer Sicht sinn
voll. Dass hier ein Hirnleistungstraining allerding
s wesentliche Verbesserungen be
züglich der kognitiven Leistungsfähigkeit zu bringen verm
ö
g
e
,
sei zu bezwei
feln
. Auch dass eine namhafte Besserung in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit mittels ergotherapeutisch
en Massnahmen erreicht werden kö
nn
e, dü
rf
e
nicht ohne wei
teres erwartet werden. Die nur noch in 2-3wöchentlichem Rhythmus durchge
führte psychiatrisch-psychotherapeuti
sche Behandlung dokumentiere
ebenfalls, dass seitens der Behandler nicht mehr mit einer namhaften Besserung in Bezug auf d
ie Arbeitsfähigkeit gerechnet we
rd
e
.
Med.
pract
.
B._
vertrat die Meinung,
dass
auf längere Sicht eine Arbeits
fähig
keit von insgesamt 50
%
(ca. 50
%
zeitlich, bei 100% Leistungsfähigkeit) aus psy
chiatrischer Sicht durchaus realistisch erwar
tet und auch zugemutet werden dü
rf
e
. Allerdings solle der
Beschwerdeführer
im Rahmen zum Beispiel eines Belastbarkeitstrainings schrittweise an eine solche Arbeitsfähigkeit auch auf dem offenen Stellenmarkt herangeführt werden. Einen Wiedereingliederungsversuch im Sinne
eines Belastbarkeitstrainings,
beginnend mit 50
%
Präsenzzeit, halte er
ab sofort für zumutbar. Eine halbtägige Arbeitstätigkeit, vorerst in geschütztem Rahmen einer IV-Massnahme und danach auf dem offenen Stellenmarkt, würde das Wiedererlangen auch ein
er psychischen Stabilität jeden
falls eher unterstüt
zen.
3.24
.2
Auf Rückfrage der Verwaltung führte med.
pract
.
B._
am 1
3.
Juni 2017 ergän
zend aus, dass er abweichend von den vorhergehenden Einschätzungen von einer zeitlichen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50
%
ausgehe, aber nicht ohne weiteres bzw. ohne eine konkrete und qualifiziert durchgeführte Abklärung der Belastbarkeit im Rahmen einer beruflichen Massnahme von einer zusätzlichen leistungsmässigen Einschränkung auszugehen sei. Aus psychiatrischer Sicht bestünden keine Einwände gegen einen möglichst baldigen Fallabschluss.
Die Ergotherapie mache Sinn, bis eine geeignete Tagesstruktur im Sinne einer beruflichen Wiedereingliederung aufgegleist sein werde. Behandlungstechnisch sei keine namhafte Besserung mittels weiterer psychiatrischer und psychothera
peutischer Behandlung zu erwarten. Er würde den Zeitpunkt des zweiten Ver
laufsberichtes der
I._
vom
3.
März 2017 als Zeitpunkt für das Erreichen des stabilen psychischen Gesundheitszustandes annehmen (
Urk.
8/238).
3.25
Kreisarzt
Dr.
C._
untersuchte den Beschwerdeführer am 1
3.
Juni 2017 und stellte folgende Diagnosen (
Urk.
8/240/
8)
:
-
Status nach Autounfall am 04.05.2015 mit HWS-Distorsion und Schulter
kontusion rechts mit
Supraspinatussehnenruptur
und Instabilität der lan
gen
Bizepssehne
rechtsseitig und
arthroskopischer
Rotatorenmanschet
tenrekonstruktion
und Tenotomie der langen
Bizepssehne
am 07.08.2015
-
Keine unfallbedingten st
rukturellen Läsionen an der HWS
Subjektiv trä
ten manchmal spontane Schmerzen an der rechten Schulter auf, Käl
teintoleranz und Schmerzen im Nacken, Zunahme des Tinnitus und Abnah
me der Hörfähigkeit. Objektiv fä
nden sich eine vollständig unauffällige rechte Schulter mit seitengleicher Beweglichkeit und Kraftentwicklung, eine leichte Bewegungs
einschränkung d
er HWS und muskuläre Verspannun
gen paravertebral beidseits im
Bereich der gesamten Wirbelsäule. Bezügl
ich der rechten Schulter finde
sich ein sehr erfreuliches und
nicht alltägliches Operationser
gebnis mit voller Funkti
onsfä
higkeit. Bezüglich der HWS sei
schon früher Stellung genommen
worden
, dass keinerlei unfallbedingte struktu
relle Läsionen aufgetreten seien. Die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden seien
auf die mehrfach nachgewiese
nen, ausschliesslich degenerativen Veränderungen zurückzuführen, so dass sowohl in Bezug auf die rechte Schulter als auch in Bezug auf die HWS keine weitere unfal
lbedingte Therapie notwendig sei
. Bei
dem ausgezeichneten Ergebnis sei
auch nicht zu erwarten, dass durch weitere Massnahmen noc
h eine Verbesse
rung auftreten kö
nn
e
. Von somatischer Seite bezüglich der HWS und bezüglich der rechten Schulter wäre somit ein administrativer Abschluss möglich. Bezüglich der psychischen Situa
tion und des Gehörs verweise er
auf die Beur
teilung der entsprechenden Fach
ärzte. Von Seiten der r
echten Schulter und der HWS werde
die
Erheblichkeitsgrenze
für
eine Integritätsent
schädigung nicht erreicht.
3.26
Am 1
7.
August 2017 führte
Dr.
D._
eine audiologische Untersuchung durch und diagnostizierte dabei einen Status nach Unfallereignis am
4.
Mai 2015 bei einem Fahrlehrgang auf dem
Z._
mit
-
HWS-Distorsion und Schulterkontusion rechts mit
Supraspinatussehnen
ruptur
-
vorbestehende Hochtoninnenschwerhörigkeit beidseits
-
Zunahme eines vorbestehenden Tinnitu
s
Dr.
D._
hielt fest, dass e
s mit überwiegender Wahrscheinlichkeit durch die Air
bag-Explosion beim Autounfall zu einem akustischen Trauma im Bereich des Innenohres beidseits gekommen
sei
, sodass die Unfallkausalität zwischen einer Verschlimmerung vorbestehender Ohrgerä
usche und dem Ereignis am
4.
Mai
2015 anzuerkennen
sei
. Die vorbestehende Ho
chtoninnenohrschwerhörigkeit habe
sich unfallbedingt nicht auf ein erhebliches Mass ausgeweitet. Die Arbeits
fähigkeit
des Beschwerdeführers
sei
aus ORL-fa
chärztlic
her Perspektive nicht ein
geschränkt. Weitere the
rapeutische Massnahmen halte sie
bei seit mehr als 30 Jahren bestehenden Ohrgeräuschen für nicht zielführend oder erforderlich.
Der Beschwerdeführer sei
darüber orientiert, dass die Wahrscheinlichkeit, dass die Ohrgeräusche spontan sistier
t
en, als gering einzuschätzen
sei. Vom erreichten Endzustand kö
nn
e
ausgegangen werden. Ein
e kausale Tinnitus- Therapie sei
nicht bekannt, von einer allfälligen Hörgeräteanpassung, ggf. mit Tinnitus-
Noisern
wäre jedoch gemäss ORL-ärztlicher Erfahrung ein Hörgewinn zu erwarten, mit dem üblicherweise auch eine Reduzierung der Ohrgeräusche durch Anhebung de
r Hörschwellen erzielt werden kö
nn
e
. Bei
entsprechendem Therapiewunsch wäre diese Massnahme als leitliniengerechte und evidenzbasierte Therapieoption zulasten des Unfallereignisses zu übernehmen nach Vorliegen einer ORL-fa
chärztlichen Hörgeräteexpertise (
Urk.
8/275/7).
Aufgrund des audiometrisch dokumentierten Verlaufes ergebe sich für die Ein
busse der Hörleistung bei posttraumatisch nicht erreichter
Erheblichkeitsgrenze
keine unfallbedingte Einbusse der Integrität gemäss Tabelle 12 der Integritätsent
schädigungen. Für den vorbestehenden, seit dem Unfallereignis vermehrten Tin
nitus schätze sie einen unfallbedingten Integritätsschaden gemäss Tabelle 13 in Höhe von 5
%
bei überwiegend dauernd bestehendem, doppelseitigem Ohrge
räusch mit deutlicher subjektiver Belästigung, in Ruhe als störend empfunden, Verrichtungen wie Lesen, Schreiben und Zuhören sowie Konzentration erfor
dernde Arbeiten in ruhiger Umgebung
dauernd mässig oder zeitweise stark beeinträchtigend, also höchstens mittelgradig kompensiert und von mittelgradi
gem Persönlichkeitswert (Leidensdruck). Bei der Bemessung der Integritätsent
schädigung sei der pathologische Vorzustand berücksichtigt worden (
Urk.
8/275/6).
4.
Zu prüfen ist vorab, ob der Fallabschluss per
3
0.
Juni 2017
zu Recht erfolgte und falls ja, ob die weiterhin bestehenden Restbeschwerden noch kausal zum Ereignis vom
4.
Mai 2015
sind.
In
casu
nicht zu prüfen ist des Weiteren
die Höhe der Integritätsentschädigung für den Tinnitus bzw. die Hörschädigung, da diese in einer separaten Verfügung vom
3.
Oktober 2017 verfügt wurde (
Urk.
8/178) und damit nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet (vgl. auch
Urk.
8/280/20 E. 7.4).
4.1
Die Einschätzungen von med.
pract
.
B._
,
Dr.
C._
und
Dr.
D._
beruhen auf fundierter Aktenkenntnis
und eigenen Untersuchungen (E. 3.24, E. 3.25 und
E.
3.26)
. Die Darlegung der medizinischen Zusammenhänge ist schlüssig und die Beurteilung der medizinischen Situation leuchtet ein. Indizien, die gegen die Zuverlässigkeit der Stellungnahmen sprechen, bestehen keine.
Med.
pract
.
B._
führte in seinem Untersuchungsbericht vom
3.
Mai 2017 und der Stellungnahme vom 1
3.
Juni 2017 nachvollziehbar aus, dass behandlungs
technisch keine namhafte Besserung mittels weiterer psychiatrischer und psycho
therapeutischer Behandlung zu erwarten sei. Der in den psychiatrischen Berichten beschriebene Verlauf zwischen Früh
jahr 2016 und Frühjahr 2017 lege
einen psy
chisch stabilen Gesundheits
zustand nahe. Auch die Behandlung in Abständen von
2-3
Wochen
dokumentiere, dass seitens der Behandler nicht mehr mit einer namhaften Besserung gerechnet werde. Die Ergotherapie mache Sinn, bis eine geeignete Tagesstruktur aufgegleist sei (E. 3.24.1-2).
Dr.
C._
konstatierte, dass bezüglich der HWS keine unfallbedingten strukturel
len Läsionen vorlägen (E. 3.25), was auch von den Ärzten der Neurologie der
H._
(E. 3.7.1) und von
Dr.
P._
(E. 3.23) bereits früher bestätigt wurde. Für den Fallabschluss zu berücksichtigen ist nur der unfallbedingte, nicht aber der krankheitsbedingte Gesundheitszustand (vgl.
Rumo-Jungo
/Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung [UVG], Zürich/Basel/Genf 2012, 4. Aufl., S. 101
).
In Bezug auf die rechte Schulter führte
Dr.
G._
bereits im Bericht vom
9.
Februar 2016 aus, dass die Schulterfunktion voll wiederhergestellt sei und er die Behandlung abschliesse (E. 3.9), was auch von
Dr.
C._
entsprechend über
nommen wurde (E. 3.25).
Dr.
D._
hielt bezüglich der Hochtoninnenschwerhörigkeit fest, dass sich diese unfallbedingt nicht auf ein erhebliches Mass ausgeweitet habe. Es könne auch beim Tinnitus vom erreichten Endzustand ausgegangen werden. Eine Arbeitsun
fähigkeit bestehe aus ORL-fachärztlicher Perspektive nicht (vgl. E. 3.26). Für den Tinnitus, welcher sich durch den Unfall verschlimmert habe, bemass
Dr.
D._
die Integritätsentschädigung auf 5
%
, was allerdings nicht Gegenstand des vor
liegenden Verfahrens bildet (vgl. E. 4).
4.2
4.2.1
Hiergegen brachte der Beschwerdeführer vor (
Urk.
1 S. 18), dass der medizinische Endzustand noch nicht erreicht sei, da er sich weiterhin in diversen medizinischen Behandlungen befinde und insbesondere von der Ergotherapie Verbesserungen der Hirnleistungen erwartet würden.
Der Zeitpunkt des allfälligen Fallabschlusses - und damit der in diesem Zusam
menhang gegebenenfalls vorzunehmenden Adäquanzprüfung - ist dann gegeben, „wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des - unfallbedingt beeinträchtigten - Gesundheitszustands mehr erwartet werden kann“ (BGE 137 V 199 E. 2.2.3.1). Die namhafte Verbesserung bezieht sich hierbei in erster Linie auf die Verbesserung der Arbeitsfähigkeit (BGE 134 V 109 E. 4.3).
Med.
pract
.
B._
führte diesbezüglich allerdings nachvollziehbar aus, dass von der Ergotherapie bzw. dem Hirnleistungstraining
keine
wesentliche Verbesserung bezüglich der k
ognitiven Leistungsfähigkeit
und auch
k
eine namhafte Verbesse
rung der Arbeitsfähigkeit zu erwarten
sei
(E. 3.24.1).
An der Einschätzung von med.
pract
.
B._
vermag auch der
replicando
einge
reichte Bericht der
Behandler der
I._
vom 1
9.
Juni 2018 nichts zu ände
rn (
Urk.
14/1) – sie führten aus, dass es zwischenzeitlich im Jahr 2016 zu kurzen Verbesserungen gekommen sei, im Anschluss habe es immer wieder Verschlech
terungen gegeben und seit einem knappen Jahr verschlechtere sich der psychische Zustand zunehmend. Entsprechend attestierten sie seit dem
1.
Januar 2016 eine durchgehende Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
14/1/5).
Dies lässt auch auf einen
thera
peutisch nicht mehr besserungsfähigen
psychischen Gesundheitszustand schlies
sen.
4.2.2
Der Beschwerdeführer argumentierte,
der Fallabschluss
sei auch
klar verfrüht erfolgt, da die Eingliederungsmassnahmen der IV-Stelle erst am 2
4.
November 2017 abgeschlossen worden seien (
Urk.
13 S. 6).
Dabei verkennt der Beschwerde
führer, dass im vorliegend massgeblichen Zeitpunkts des Erlasses des
Einsprache
entscheides
vom 2
1.
Februar 2018 die Eingliederungsmassnahmen abgeschlossen waren. Darüber hinaus hätte der Entscheid
der Invalidenversicherung über Ein
gliederungsmassnahmen nicht abgewartet
werden müssen
,
da von
weiterer ärzt
licher Behandlung keine namhafte gesundheitliche Besserung mehr erwartet wer
den
konnte
und
keine Anhaltspunkte dafür vorla
gen, dass durch allfällige Ein
gliederungsmassnahmen der
unfallversicherungsrechtliche
Invalidi
tätsgrad beeinflusst werden konnte
(vgl. E. 2.3).
4.3
Zusammenfassend
ist die Beschwerdegegnerin zu Recht davon ausgegangen, dass nach dem
3
0.
Juni 2017
keine namhafte Ve
rbesserung mehr zu erwarten ist
.
5.
Mit dem Fallabschluss ist anhand der Schleudertrauma-Praxis zu prüfen, ob ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall des Beschwerdeführers und
den über den
3
0.
Juni 2017
hinaus noch vorhandenen Beschwerden vorliegt (vgl. E. 2.4.2).
5.1
Strittig ist, ob das Unfallereignis als schwer oder mittelschweres Ereignis zu qua
lifizieren ist.
5.1.1
Im Unfallschein vom 1
3.
Mai 2015 wurde festgehalten, dass der Beschwerdefüh
rer im Verlauf des Fahrerlehrgangs infolge einer Kühlmittelspur eines vor ihm fahrenden Teilnehmers ins Schleudern geraten und trotz Gegenlenkung und Ein
leiten einer Notbremsung in die Leitplanken geprallt sei (
Urk.
8/1; vgl. auch Bestätigung Sportfahrerlehrgang,
Urk.
8/10/5). Dabei sass der Beschwerdeführer in einem Schalensitz mit 6-Punkt-Gurt und trug zusätzlich einen Helm. Alle Air
bags lösten aus (Unfalldokumentation vom 1
7.
September 2015,
Urk.
8/46).
In der Beschwerde führte der Beschwerdeführer aus, dass er seitlich frontal mit einer Geschwindigkeit von über 200
km/h mit der Leitplanke kollidiert sei und nur dank 5-Punkt-Gurt, Sturzhelm und verstärkter Fahrgastzelle überlebt habe (
Urk.
1 S. 22).
5.1.2
Das Bundesgericht qualifizierte folgende Unfälle als mittelschwer im engeren Sinne:
-
Das
Fahrzeug der Versicherten wurde bei der Kollisi
on auf der rechten (Bei
fahrer-)
Seite auf der Höhe der Hinterachse von der Front eines anderen Perso
nenwagens gerammt. Es drehte sich um die eigene Achse und prallte dann in einen Wegweiser.
Der
Unfallverursacher
war
bei der Kollision mit einer Geschwindigkeit von 105 bis 115 Stundenkilometern im Zuge eines
Strass
en
rennens
unterwegs gewesen (Urteil des Bundesgerichts 8C_611/2016 vom 1
6.
Dezember 2016 E. 3.2-3.3)
-
B
eim Abbiegen nach links auf eine Autobahneinfahrt
kollidierte
ein entgegen
kommender Personenwagen frontal mit der rechten Fahrzeugseite
des
Autos.
Die Versicherte
zog sich dabei ein Polytrauma zu
(Urteil des Bundesgerichts
8C_268/20
14 vom
9.
September 2014 E. 3.6)
-
Die Versicherte
fuhr mit ihrem Personenwagen auf der
Hauptstrasse
, als ein Autofahrer ein Stopp-Signal überfuhr und mit ca. 40 km/h ungebremst seit
lich-frontal mit ihr kollidierte
(Urteil des Bundesgerichts
8C_303/2013 vom 1
2.
Dezember 2013 E. 5.2
)
-
Das Fahrzeug der versicherten Person wurde bei einem Überholmanöver mit ca. 100 km/h abrupt abgebremst, geriet dabei ins Schleudern, prallte gegen einen
Strassenwall
, überschlug sich und kam auf die Fahrerseite zu liegen (Urteil des Bundesgerichts 8C_169/2007 vom
5.
Februar 2008 E. 4.2)
-
Ein Auto kam auf der Autobahn in einer
Kurve ins Schleudern, überschlug
sich und kam auf dem Dach liegend zum Stillstand (Urteil des Bundesgerichts U 258/06 vom
1
5.
Mär
z
2007 E. 5.2)
-
Der Personenwagen überschlug sich bei einer Geschwindigkeit von ca. 90 km/h auf einer Autobahn über die Mittelplanke hinweg – wobei der Versicherte hinausgeschleudert wurde – und kam mit Totalschaden auf der Gegenfahrbahn auf dem Dach zu liegen (Urteil des Bundesgerichts vom U 492/06 vom 1
6.
Mai 2007 E. 4.2).
5.1.3
Unter Berücksichtigung der hohen Geschwindigkeit, des Einleitens der Notbrem
sung, die die Geschwindigkeit überwiegend wahrscheinlich vor dem Aufprall stark reduzierte
(vgl. hierzu auch Expertise vom
9.
August 2015,
Urk.
9)
, der se
it
lich-frontalen Kollision mit
Sicherheitsabsperrungen und den vorhandenen zusätzlichen Sicherheitsinstallationen im Auto ist unter Berücksichtigung der oben genannten bundesgerichtlichen Rechtsprechung von einem
im engeren Sinne
mittelschweren Unfall auszugehen.
5.2
Bei im engeren Sinne mittelschweren Unfällen müssen drei der massgeblichen Kriterien oder eines der Kriterien ausgeprägt erfüllt sein (Urteil des Bundesge
richts 8C_897/2009 vom 2
9.
Januar 2010 E. 4.5).
5.2.1
Ob besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit des Unfalls vorliegen, beurteilt sich objektiv und nicht aufgrund des subjektiven Empfindens beziehungsweise Angstgefühls der versicherten Person. Zu beachten ist, dass jedem mindestens mittelschweren Unfall eine gewisse Eindrücklichkeit eigen ist, welche somit noch nicht für eine Bejahung des Kriteriums ausreichen kann. Es wird nur das Unfallgeschehen an sich und nicht die dabei erlittene Ver
letzung betrachtet. Der nachfolgende Heilungsprozess wird bei diesem Kriterium nicht einbezogen (Urteil des Bundesgerichts 8C_372/2013 vom 2
8.
Oktober 2013 E. 7 mit Hinweisen auf nicht
publ
. E. 3.5.1 des Urteils
BGE 137 V 199
; SVR 2013 UV Nr. 3 S. 7 E. 6.1 sowie Urteil 8C_15/2013 vom 24. Mai 2013 E. 7.1).
Vorliegend liegen weder besonders dramatische Umstände noch eine besondere Eindrücklichkeit des Unfalls vor, da im Rahmen eines derartigen Sportfahrerlehr
gangs die Sicherheitsmassnahmen hoch
sind und
der geschilderte Unfallablauf
sich im Rahmen dessen bewegte, womit bei derartigen Tätigkeiten gerechnet werden muss.
5.2.2
Die Diagnose einer HWS-Distorsion (oder einer anderen, adäquanzrechtlich gleich zu behandelnden Verletzung) genügt für sich allein nicht zur Bejahung des Kri
teriums
der Schwere und besonderen Art der erlittenen Verletzung. Zur Bejahung dieses Kriteriums bedarf es einer besonderen Schwere der für das Schleuder
trauma beziehungsweise für die adäquanzrechtlich äquivalente Verletzung typi
schen Beschwerden oder besonderer Umstände, die das Beschwerdebild beeinflus
sen können. Es kann sich dabei zum Beispiel um eine beim Unfall eingenommene spezielle Körperhaltung und die dadurch bewirkten Komplikationen handeln. Auch erhebliche Verletzungen, welche sich die versicherte Person neben dem Schleudertrauma, der äquivalenten Verletzung der HWS oder dem Schädel-Hirn
trauma beim Unfall zugezogen hat, können bedeutsam sein (BGE 134 V 109 E. 10.2.2).
Der Beschwerdeführer zog sich keine strukturell nachweisbaren Läsionen an der HWS zu, erlitt allerdings eine Verletzung der rechten Schulter, welche zwischen
zeitlich wieder abgeheilt ist
.
Darüber hinaus verschlimmerte sich sein Tinnitus
(vgl. E. 3). Damit sind die Verletzungen
allerdings entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers
weder als schwer noch als besondere
r
Art zu qualifizieren, so dass dieses Kriterium ebenfalls zu verneinen ist.
5.2.3
Das Kriterium der fortgesetzt spezifischen, belastenden ärztlichen Behandlung bis zum Fallabschluss (
BGE 134 V 109
E. 10.2.3) bedingt, gesamthaft betrachtet, eine kontinuierliche, mit einer gewissen Planmässigkeit auf die Verbesserung des Gesundheitszustandes gerichtete ärztliche Behandlung von ungewöhnlich langer Dauer. Blosse ärztliche Verlaufskontrollen und Abklärungsmassnahmen sowie
manualtherapeutische
und medikamentöse Behandlungen vermögen das Krite
rium nicht zu erfüllen (
Urteil des Bundesgerichts 8C_62/2013 vom 1
1.
September 2013 E. 8.3
). Dies gilt auch für ärztlich/physiotherapeutische Behandlungen, medizinische Trainingstherapie sowie für einen stationären Aufenthalt in einer Rehaklinik, soweit sich die Behandlungen in einem nach HWS-Distorsionen üblichen Umfang bewegen. Insbesondere können Behandlungen mit Massage, Heimgymnastik, Atlastherapie,
Kraniosakraltherapie
, Neuraltherapie sowie
Korti
soninfiltration
oder Lymphdrainage nicht als überdurchschnittlich belastend im Sinne der Rechtsprechung bezeichnet werden; praxisgemäss werden an dieses Kriterium deutlich höhere Anforderungen gestellt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_635/2013 vom 9. April 2014 E.
4.4.3
mit Hinweis auf Urteil 8C_910/2009 vom 13. Januar 2010 E. 4.4
).
Daran ändert auch nichts, wenn Schmerzmittel verab
reicht oder Psychopharmaka eingenommen wurden und letztere allenfalls Neben
wirkungen aufwiesen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_377/2013 vom 2. Oktober 2013 E.
7.3.2 und
8C_29/2010 vom 27. Mai 2010 E. 5.3).
Der Beschwerdeführer befand sich
lediglich für die
Operation
an der Schulter
in stationärer Behandlung. Die physiotherapeutischen Behandlungen bewegten sich ebenfalls in einem üblichen Rahmen. Die 2-3wöchentlich stattfi
ndenden Thera
pien in der
I._
,
die Ergotherapie
und die weiteren wahrgenommenen Behand
lungen reichen
ebenfalls nicht aus,
um das
Kriterium
der belastenden ärztlichen Behandlung
zu erfüllen.
5.2.4
Adäquanzrelevant können nur in der Zeit zwischen dem Unfall und dem Fallab
schluss ohne wesentlichen Unterbruch bestehende erhebliche Beschwerden sein. Die Erheblichkeit beurteilt sich nach den glaubhaften Schmerzen und nach der Beeinträchtigung, welche die verunfallte Person durch die Beschwerden im Lebensalltag erfährt (Urteil des Bundesgerichts 8C_682/2013 vom 1
4.
Februar 2014 E.
11.2
mit Hinweis auf BGE 134 V 109 E. 10.2.4).
Dr.
G._
hielt bereits in seinem Bericht vom
3.
November 2015 fest, dass keine Schmerzmitte
l mehr eingenommen würden (E. 3.
6)
. Im ausführlichen Bericht der
I._
vom
4.
April 2016 fig
ur
ieren Schmerzen nicht unter den vom Beschwerdeführer angegebenen Beschwerden (
Urk.
8/110). Damit ist dieses Kri
terium nicht erfüllt.
5.2.5
Eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert, liegt klarerweise nicht vor.
5.2.6
Auf einen schwierigen Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen (BGE 134 V 109 E. 10.2.6) darf nicht schon aus der blossen Dauer der ärztlichen Behand
lung und der geklagten Beschwerden geschlossen werden. Es bedarf vielmehr besonderer Gründe, welche die Genesung bis zum Fallabschluss beeinträchtigt oder verzögert haben. Der Umstand, dass trotz verschiedener Therapien keine Beschwerdefreiheit erreicht werden konnte und der Heilungsverlauf nicht linear verlief, genügt
hiefür
nicht (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_682/2013 vom 1
4.
Februar 2014 E. 11.3 und 8C_29/2010 vom 2
7.
Mai 2010 E. 5.3).
Die beiden Teilaspekte des Kriteriums des schwierigen Heilungsverlaufs und der erheblichen Komplikationen müssen nicht kumulativ erfüllt sein (Urteil des Bundesgerichts 8C_29/2010 vom 27. Mai 2010 E. 5.3 mit Hinweis auf SVR 2009 UV Nr.
41
S.
142).
Die Verletzung der rechten Schulter heilte ohne wesentliche Komplikationen ab und
seitens der HWS liegt ebenfalls kein schwieriger Heilungsverlauf oder erheb
liche Komplikationen vor. Die psychotherapeutisch-psychiatrische Behandlung erfolgt alle 2-3 Wochen, womit auch hier nicht von einem schwierigen Heilungs
verlauf bzw.
erheblichen Komplikationen ausgegangen werden kann. Damit ist dieses Kriterium zu verneinen.
5.2.7
Was das Kriterium der erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen anbelangt, ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass bei leich
ten bis mittelschweren Schleudertraumen der HWS ein längerer oder gar dauern
der Ausstieg aus dem Arbeit
sprozess vom medizinischen Standpunkt aus als eher ungewöhnlich erscheint. Nicht die Dauer der Arbeitsunfähigkeit ist daher mass
gebend, sondern eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit als solche, die zu überwinden die versicherte Person ernsthafte Anstrengungen unternimmt. Darin liegt der Anreiz für die versicherte Person, alles daran zu setzen, wieder ganz oder teilweise arbeitsfähig zu werden. Gelingt es ihr trotz solcher Anstren
gungen nicht, ist ihr dies durch Erfüllung des Kriteriums anzurechnen. Konkret muss ihr Wille erkenn
bar sein, sich durch aktive Mitwirkung
raschmöglichst
wieder optimal in den Arbeitsprozess einzugliedern. Solche Anstrengungen der versicherten Person kön
nen sich insbesondere in ernsthaften Arbeitsversuchen trotz allfälliger per
sönli
cher Unannehmlichkeiten manifestieren. Dabei ist auch der persönliche Ein
satz im Rahmen von medizinischen Therapiemassnahmen zu berücksichtigen. Sodann können Bemühungen um alternative, der gesundheitlichen Einschrän
kung besser Rechnung tragende Tätigkeiten ins Gewicht fallen. Nur wer in der Zeit bis zum Fallabschluss nach
Art.
19
Abs.
1 UVG in erheblichem Masse arbeitsunfähig ist und solche Anstrengungen auszuweisen vermag, kann das Kri
terium erfüllen (Urteil des Bundesgerichts 8C_252/2007 vom 1
6.
Mai 2008 E. 7.7.1 mit Hinweis
auf
BGE 134 V 109
E. 10.2.7; vgl. auch
Urteil 8C_635/2013 vom
9.
April 2014 E. 4.4.5
).
Das Kriterium der erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstren
gun
gen bis zum Fallabschluss bezieht sich nicht nur auf den angestammten Beruf, sondern auch auf alternative leidensangepasste Arbeiten (Urteil des Bundesge
richts
8C_62/2013 vom 11. September 2013 E. 8.7 mit Hinweis auf BGE
134
V
109
E. 10.2.7).
Der Beschwerdeführer war in
i
tial zu 100
%
, ab dem
1.
Jul
i
2016 zu 75
%
erwerbs
unfähig geschrieben, weshalb dieses Kriterium allenfalls als erfüllt gelten könnte
. V
or dem Hintergrund, dass der Beschwerdeführer das Belastbarkeitstraining, das eine zweistündige Präsenzfähigkeit erforderte, nach gut einem Monat am 2
4.
November 2017 abbrach (
Urk.
8/284), ist es allerdings jedenfalls nicht in aus
geprägter Weise erfüllt.
5.3
Z
usammenfassend lieg
t
höchstens ein Kriterium
in
nicht
ausgeprägter Weise vor, so dass die Beschwerdegegnerin zu Recht einen adäquaten Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom
4.
Mai 2015
und den über den
3
0.
Juni 2017
hinaus geklagten Beschwerden verneint hat.
6.
6.1
Entsprechend erweist sich eine Prüfung der natürlichen Kausalität als auch die Prüfung eines Anspruchs auf Integritätsentschädigung für die weiterhin beklag
ten Beschwerden
hinfällig, wobei der Vollständigkeit halber zu erwähnen ist, dass die Integritätsentschädigung für den unfallkausal verschlimmerten Tinnitus nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet (vgl. E. 4).
6.2
6.2.1
Bezüglich der weiterhin geklagten Beschwerden ist – nebst dem als unfallkausal anerkannten verstärkten Tinnitus – aufgrund mangelnder Adäquanz auch keine weitere Prüfung für die weitere Übernahme von Heilungskosten im Sinne von
Art.
21 UVG zu prüfen.
6.2.2
Gestützt auf
Art.
21 UVG werden n
ach der Festsetzung der Rente die Pflegeleis
tungen und
Kostenvergütungen (
Art.
10–13) gewährt, wenn er:
-
an einer Berufskrankheit leidet;
-
unter einem Rückfall oder an Spätfolgen
leidet und die Erwerbsfähigkeit
durch medizinische Vorkehren wesentlich v
erbessert oder vor wesentlicher
Beein
trächtigung bewahrt werden kann;
-
zur Erhaltung seiner verbleibenden Erwerbsf
ähigkeit dauernd der Behandlung
und Pflege bedarf;
-
erwerbsunfähig ist und sein Gesundheitszustand durch medizinische Vorkeh
ren
wesentlich verbessert oder vor wesent
licher Beeinträchtigung bewahrt
werden kann.
Der verschlimmerte Tinnitus hat gestützt auf die Ausführungen von
Dr.
D._
keine Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit,
womit kein Anspruch auf Über
nahme der Heilungskosten im Sinne von
Art.
21 UVG besteht.
6.3
Von weiteren Abklärungen, wie vom Beschwerdeführer gefordert, sind keine zusätzlichen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf in antizipierter Beweis
würdigung (vgl. BGE 122 V 157 E. 1d mit Hinweisen) zu verzichten ist.
Damit ist die Beschwerde vollumfänglich abzuweisen.
7
.
Das Verfahren ist kostenlos
(Art. 1 Abs. 1 UVG in Verbindung mit Art. 61
lit
. a ATSG).