# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 38d378a5-fa4a-4f33-acde-88116bdb6f1f
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Vereitelung einer Massnahme zur Feststellung der Fahrunfähigkeit etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, Einzelgericht, vom 6. Mai 2021 (GG210014)
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Anklage: (Urk. 15)
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 11. Februar
2021 ist diesem Urteil beigeheftet
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 35 S. 24 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− des vorsätzlichen pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall (Führerflucht) im Sinne von
Art. 92 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 51 Abs. 3 SVG;
− der vorsätzlichen Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG in
Verbindung mit Art. 44 Abs. 1 SVG, Art. 8 Abs. 2 VRV und Art. 10 Abs. 1 VRV sowie
− der Übertretung des BG über die Betäubungsmittel im Sinne von Art. 19a Ziff. 1
BetmG.
2. Der Beschuldigte A._ ist nicht schuldig und wird vom Vorwurf der vorsätzlichen Vereite-
lung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit (Motorfahrzeugführer) im Sinne
von Art. 91a Abs. 1 SVG freigesprochen.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Busse von Fr. 1'500.–.
4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfrei-
heitsstrafe von 15 Tagen.
5. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 1'500.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 2'000.– Gebühr für die Strafuntersuchung
Fr. 1'873.60 Auslagen Vorverfahren (Gutachten)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden, mit Ausnahme der
Kosten des Gutachtens, dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten für das Gutachten in der
Höhe von Fr. 1'873.60 werden auf die Gerichtskasse genommen.
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7. Dem Beschuldigten wird eine Prozessentschädigung von Fr. 1'672.– (inkl. MwSt.) für an-
waltliche Verteidigung aus der Gerichtskasse zugesprochen.
Das Verrechnungsrecht des Staates bleibt vorbehalten.
8. (Mitteilungen.)
9. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge:
a) der Staatsanwaltschaft (Urk. 53 S. 1 f.):
1. Der Beschuldigte sei schuldig zu sprechen der vorsätzlichen Vereitelung von
Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit (Motorfahrzeugführer) im
Sinne von Art. 91a Abs. 1 SVG.
2. Der Beschuldigte sei zu bestrafen mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen
zu CHF 130.00 (entsprechend CHF 11'700.00) sowie einer Busse von
CHF 2'700.00.
3. Dem Beschuldigten sei der bedingte Vollzug der Geldstrafe unter Ansetzung
einer Probezeit von 2 Jahren zu gewähren.
4. Es sei eine Ersatzfreiheitsstrafe von 20 Tagen bei schuldhafter Nichtbe-
zahlung der Busse festzusetzen.
5. Dem Beschuldigten seien die Kosten für das Vor-, Haupt- und Berufungsver-
fahren vollumfänglich aufzuerlegen.
6. Dem Beschuldigten sei keine Prozessentschädigung zuzusprechen.
b) der Verteidigung des Beschuldigten (Urk. 54 S. 1):
1. Das Verfahren sei in Bezug auf den Vorwurf der Widerhandlung gegen
Art. 19a BetmG einzustellen; im Übrigen sei der Beschuldigte vollumfänglich
freizusprechen.
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2. Die Kosten der Untersuchung und des erst- und zweitinstanzlichen Verfah-
rens seien auf die Staatskasse zu nehmen.
3. Dem Beschuldigten sei eine Entschädigung für seine anwaltlichen Bemü-
hungen im erst- und zweitinstanzlichen Verfahren gemäss eingereichter Ho-
norarnote zuzusprechen.

## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte und Prozessuales
1. Mit dem eingangs im Dispositiv zitierten Urteil vom 6. Mai 2021 wurde der
Beschuldigte A._ vom Bezirksgericht Bülach, Einzelgericht, wegen verschie-
dener Übertretungen schuldig gesprochen und mit einer Busse von Fr. 1'500.–
bestraft. Vom Hauptvorwurf der Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung
der Fahrunfähigkeit wurde er freigesprochen (Urk. 35 S. 24). Gegen das mündlich
eröffnete Urteil meldete die Staatsanwaltschaft am 11. Mai 2021 rechtzeitig Beru-
fung an (Urk. 28-29). Nach Zustellung des begründeten Urteils am 30. Juni 2021
(Urk. 34) reichte die Staatsanwaltschaft die Berufungserklärung am 5. Juli 2021
fristgerecht ein (Urk. 39). Sie richtet sich gegen den Freispruch vom Vorwurf der
Vereitelung und die damit verbundenen Nebenfolgen.
2. Mit Präsidialverfügung vom 9. Juli 2021 wurde die Berufungserklärung der
Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten zugestellt und Frist zur Erklärung der
Anschlussberufung angesetzt (Urk. 41). Während die Staatsanwaltschaft auf
Anfrage des Gerichts mitteilte, mit einem schriftlichen Verfahren einverstanden zu
sein (Urk. 43), erhob der Beschuldigte mit Eingabe vom 30. Juli 2021 fristgerecht
Anschlussberufung und wünschte die Durchführung eines mündlichen Verfahrens
(Urk. 44). Mit der Anschlussberufung lässt der Beschuldigte sämtliche Anklage-
punkte anfechten und beantragt einen vollumfänglichen Freispruch unter
ausgangsgemässer Kostenfolge. Somit ist festzuhalten, dass alle Ziffern des
vorinstanzlichen Urteils als (mit-)angefochten zu erachten sind.
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3. Mit Vorladung vom 16. November 2021 wurden die beiden Parteien auf heu-
te zur Berufungsverhandlung vorgeladen (Urk. 49), an welcher der Beschuldigte
und sein Verteidiger sowie der Vertreter der Staatsanwaltschaft teilnahmen (Prot.
II S. 3).
II. Schuldpunkt
1. Vorab kann zum Sachverhalt, zu den relevanten Beweismitteln und
insbesondere den Aussagen der Beteiligten auf die zutreffenden Ausführungen
der Vorinstanz verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO); eine Wiederholung erüb-
rigt sich.
2.1 Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten stark zusammenge-
fasst vor, auf der Autobahn A1 mit einem anderen Fahrzeug kollidiert bzw. streif-
kollidiert zu sein, wodurch an beiden Fahrzeugen Sachschaden entstanden sei.
Obschon der Beschuldigte die Kollision bemerkt und gewusst habe, dass der an-
dere Lenker die Polizei benachrichtigt und involviert haben wollte, habe er die Un-
fallörtlichkeit willentlich verlassen, ohne sich pflichtgemäss um den Schaden zu
kümmern, seine Personalien bzw. Angaben dem anderen Beteiligten bekanntzu-
geben, die Polizei zu informieren und auf diese zu warten. Stattdessen sei er an
den Wohnort seiner Freundin gefahren, wo er nach seiner Ankunft bewusst min-
destens vier Biere à 0,5 Liter sowie einen Schnaps getrunken habe. Dadurch ha-
be der Beschuldigte die genaue Ermittlung seines Blutalkoholgehalts im Unfall-
zeitpunkt vereitelt.
2.2 Weiter wird dem Beschuldigten vorgeworfen, er habe gleichentags am
Wohnort seiner Freundin in B._ einen Joint mit Marihuana konsumiert.
3.1 Verletzung der Verkehrsregeln
3.1.1 Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass sich aus den Akten und
den Aussagen der Beteiligten ohne Weiteres ergibt, dass der Beschuldigte und
C._ an der in der Anklageschrift bezeichneten Örtlichkeit auf der linken Fahr-
spur seitlich rechts bzw. links kollidiert sind, wobei der Beschuldigte auch linkssei-
tig die Leitplanke touchiert hat. Der Beschuldigte konnte schliesslich an C._
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vorbeiziehen, denn sein Fahrzeug hielt zuerst auf dem Pannenstreifen vor
C._ an. Während der Beschuldigte sich beim Überholen bereits auf der lin-
ken Fahrspur befunden haben will, als C._ auf die Überholspur gewechselt
habe und dabei seitlich in ihn hineingefahren sei, macht C._ geltend, er sei
bereits nahezu vollständig auf der linken Fahrspur gewesen, als sich der Be-
schuldigte von hinten herankommend linksseitig an ihm vorbeigedrängt habe
(Urk. 35 S. 13).
Wie die Vorinstanz zutreffend ausgeführt hat, finden sich sowohl in den Aussagen
des Beschuldigten als auch jenen von C._ gewisse Unstimmigkeiten betref-
fend das Unfallgeschehen und insbesondere betreffend das Geschehen auf dem
Pannenstreifen, wo die Fahrzeuge nach der Kollision zum Stillstand gekommen
sind (Urk. 35 S. 11 ff.). Auf das Geschehen nach der Kollision muss hinsichtlich
des Anklagesachverhalts betreffend die Verletzung von Verkehrsregeln indessen
nicht detailliert eingegangen werden. Entscheidend bleibt, was sich auf der Stras-
se abgespielt hat. Hierbei hätte sich der Beschuldigte – unabhängig von der Fra-
ge, ob sich C._ in der vorliegenden Konstellation völlig korrekt verhalten hat
– als Fahrer des hinteren Fahrzeugs jedenfalls zunächst vergewissern müssen,
ob die linke Überholspur frei ist, bevor er sie befahren durfte. Selbst wenn sich
auch C._ beim Einspuren nicht ausreichend nach hinten abgesichert haben
sollte, so würde dies nichts am Umstand ändern, dass die linke Spur nicht ausrei-
chend frei war, so dass sie vom Beschuldigten gefahrlos hätte befahren werden
können. Entsprechend ist – wie in er Anklageschrift umschrieben – erstellt, dass
der Beschuldigte aufgrund der mangelnden Platzverhältnisse auf der linken Fahr-
spur mit den Betonelementen am Fahrbahnrand kollidierte und es in der Folge zur
Streifkollision mit dem Fahrzeug von C._ kam.
Im Übrigen erscheint es aber ohnehin naheliegender, dass die Schilderung des
Geschehens von C._ zutrifft, da er es war, welcher die Polizei verständigt
hat. Wäre C._ tatsächlich erst dann auf die linke Spur geschwenkt, als der
Beschuldigte bereits dort gefahren war, hätte er wohl nicht nach dem Wegfahren
des Beschuldigten die Polizei gerufen, zumal er diesfalls selbst eine Bestrafung
hätte befürchten müssen. Nicht nachvollziehbar erscheinen sodann die Ausführ-
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ungen des Beschuldigten anlässlich der Berufungsverhandlung, wenn er die
Schuld an der Kollision einerseits ausschliesslich beim Unfallbeteiligten C._
sieht, gleichzeitig aber von einer 50/50 Konstellation ausgegangen sein will, in
welcher jeder seinen eigenen Schaden zu tragen gehabt hätte (Urk. 52 S. 5). Aus
diesen Aussagen des Beschuldigten ist vielmehr zu schliessen, dass er erkannt
hat, dass – auch – er einen Fahrfehler bzw. eine Verletzung der Verkehrsregeln
begangen hat. Weiter ist mit der Vorinstanz zu konstatieren, dass der Beschuldig-
te in der Untersuchung und den gerichtlichen Verfahren stets darauf bedacht war,
die Schäden an den Fahrzeugen kleinzureden, obschon die fotografisch festge-
haltenen Beschädigungen an den Fahrzeugen eindeutig über das Mass blosser
Parkschäden bzw. Verschmutzungen hinausgehen (Urk. 6 S. 4 f und S. 7 ff.).
Dies spricht ebenfalls dafür, dass der Beschuldigte erkannt hat, einen Fahrfehler
bzw. eine Verletzung der Verkehrsregeln begangen zu haben, andernfalls er die
durchaus erwähnenswerten Schäden an der Karosserie seines Fahrzeugs wohl
dem Unfallbeteiligten C._ hätte in Rechnung stellen wollen. Hierfür wäre
wiederum notwendig gewesen, dessen Personalien zu kennen, weshalb er zu
diesem Zweck länger an der Unfallörtlichkeit hätte verbleiben bzw. die Polizei
alarmieren müssen. Im Übrigen erscheint die Darstellung von C._ auch vor
dem Hintergrund plausibler, dass die Kollision nur kurz nach der Spurverbreite-
rung auf zwei Spuren stattfand und der vorne fahrende C._ hierbei als Erster
die Möglichkeit hatte, auf die linke Spur zu wechseln. Dass der Beschuldigte so
kurz nach der Spurverbreiterung bereits auf dem linken Fahrstreifen gefahren sein
soll, dass das vor ihm fahrende Fahrzeug von C._ keinen Spurwechsel mehr
hätte vornehmen dürfen, ist daher auch aus diesem Grund nicht naheliegend.
Fest steht auch, dass die beiden Fahrzeuge nicht etwa bereits geraume Zeit quasi
nebeneinander fuhren, als der Unfall passierte. Aufgrund der Aussagen beider
Beteiligten ergibt sich vielmehr, dass sich C._ kurz vor dem Unfall nur wenig
vor dem Beschuldigten auf der rechten Spur befand (Urk. 2/1 S. 4) und der Be-
schuldigte nach dem Einspuren links beschleunigte (Urk. 2/2 S. 2), was auch von
C._ so geschildert wurde (vgl. Urk. 1 S. 3 und Urk. 3 S. 4 "durchgewurstelt").
Es kann also keine Rede davon sein, dass sich der Beschuldigte zunächst versi-
cherte, dass die Verkehrssituation vor ihm hinreichend klar war.
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Mit der Vorinstanz ist entsprechend davon auszugehen, dass der Beschuldigte
das Fahrzeug von C._ überholt hat, als sich dieser bereits teilweise auf der
linken Spur bzw. im Spurwechselvorgang befand. Der Anklagesachverhalt ist in-
soweit erstellt.
3.1.2 Gemäss Art. 44 Abs. 1 SVG und Art. 10 Abs. 1 VRV darf der Fahrzeug-
führer seinen Fahrstreifen nur verlassen, wenn er dadurch den übrigen Verkehr
nicht gefährdet, und er muss vorsichtig ausschwenken, wenn er überholen will.
Überdies ist das Fahren in parallelen Kolonnen bei dichtem Verkehr gestattet,
wenn die rechte Fahrbahnhälfte dafür genügend Raum bietet (Art. 8 Abs. 2 VRV).
Gemäss erstelltem Sachverhalt hat der Beschuldigte das vor ihm fahrende Fahr-
zeug von C._ überholt, obwohl sich dieses bereits teilweise auf der linken
Spur befunden hat bzw. dabei war, einen Spurwechsel vorzunehmen. Entspre-
chend war für das hinter dem Fahrzeug von C._ fahrende Fahrzeug des
Beschuldigten nicht ausreichend Platz, um über den linken Fahrstreifen zu über-
holen. Er hat damit die Verkehrsregel von Art. 44 Abs. 1 SVG und Art. 10 Abs. 1
VRV verletzt. Er ist entsprechend im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG schuldig zu
sprechen, wonach mit Busse bestraft wird, wer Verkehrsregeln des
Strassenverkehrsgesetzes verletzt.
3.2 Pflichtwidriges Verhalten bei Unfall
3.2.1 Unbestritten und ohne Weiteres erstellt ist der Umstand, dass der
Beschuldigte die Kollision wahrnahm und auf dem Pannenstreifen angehalten hat-
te, um mit C._ darüber zu sprechen. Weiter ist auch anerkannt und ohne wei-
teres erstellt, dass der Beschuldigte in der Folge die Örtlichkeit verliess, ohne auf
die Polizei zu warten.
Die Aussagen von C._ hinsichtlich des Geschehens nach der Kollision wir-
ken grundsätzlich nachvollziehbar, wenn er schildert, er habe nach der Kollision
gehupt und die Lichthupe sowie den linken Blinker betätigt, damit der Beschuldig-
te anhalte. Dieser haben sodann auch ca. 10 Meter vor ihm auf dem Pannenstrei-
fen angehalten, sei ausgestiegen, zu ihm gekommen und habe aggressiv mit den
Händen herumgefuchtelt. Er (C._) sei daher nicht ausgestiegen, sondern ha-
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be bloss das Fenster etwas herunter gelassen. Der Beschuldigte habe dabei
herumgeschrien und mit den Händen herumgefuchtelt. Er (C._) habe mehr-
fach gesagt, dass er die Polizei beiziehen wolle, woraufhin der Beschuldigte ge-
sagt habe, es sei kein Schaden entstanden, weshalb dies nicht notwendig sei.
Nachdem er mehrmals wiederholt habe, dass die Polizei kommen solle, sei der
Beschuldigte davongelaufen. Er habe dann ein Foto vom Fahrzeug des Beschul-
digten gemacht und habe die Polizei verständigt. Während des Telefonats mit der
Polizei sei der Beschuldigte weggefahren (Urk. 3 S. 4). Diese Schilderung lässt
sich mit dem gesamten Ablauf des Vorfalles und insbesondere mit dem an-
schliessenden Wegfahren des Beschuldigten ohne Weiteres vereinbaren.
Demgegenüber erscheinen die Aussagen des Beschuldigten hinsichtlich des
Geschehens kurz nach der Kollision widersprüchlich und nicht glaubhaft. So führ-
te er zunächst aus, er habe nach der Kollision bloss kurz auf der Sperrfläche an-
gehalten, um durchzuschnaufen, sei dann aber wieder weitergefahren (Urk. 2/1
Frage 16). In der späteren Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft gab er dem-
gegenüber zu Protokoll, er sei ausgestiegen und habe – so wie im Polizeirapport
geschildert – die Schäden angeschaut. Da C._ sein Kennzeichen gehabt ha-
be, habe dieser gewusst, wo er wohne, weshalb es nicht notwendig gewesen sei,
weiter an der Unfallörtlichkeit zu verbleiben (Urk. 2/2 Frage 6 ff.). Aus den Aussa-
gen des Beschuldigten geht sodann übereinstimmend mit jenen von C._ her-
vor, dass er vor Ort sehr aufgebracht war (Prot. I S. 9 f.).
Entscheidend ist vorliegend, dass auszuschliessen ist, dass C._ dem
Beschuldigten explizit zu verstehen gegeben hätte, er verzichte auf das – gemäss
Art. 51 Abs. 3 SVG notwendige – Austauschen der Personalien etc. bzw. auf den
Beizug der Polizei. So ist unbestritten, dass sowohl der Beschuldigte als auch
C._ nach der Kollision auf dem Pannenstreifen angehalten haben, was
bereits nahelegt, dass C._ nicht auf die korrekte Regelung des Schadens-
falles und die dafür notwendigen Formalitäten verzichten wollte. Selbst wenn der
Beschuldigte seiner Schilderung folgend bloss wahrgenommen haben sollte, dass
C._ in seinem Auto sitzend ein Foto vom Fahrzeug des Beschuldigten
gemacht, ansonsten aber die Fenster geschlossen gehalten, keine Zeichen
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gemacht und ihn komplett ignoriert habe (so die sinngemässe Schilderung des
Beschuldigten in Urk. 2/2 Frage 8 ff.), wäre dennoch nicht von einem Verzicht auf
den Austausch der Personalien bzw. einen Beizug der Polizei auszugehen. Der
Umstand, dass C._ das Fahrzeug des Beschuldigten fotografiert hatte, kann
jedenfalls nicht den Austausch der Personalien bzw. den Beizug der Polizei er-
setzen. So wäre es C._ ohne spätere Kontaktierung der Polizei und deren
entsprechende Nachforschung nicht möglich gewesen, den Schadensfall ord-
nungsgemäss abzuwickeln. Insbesondere müsste der – in der Regel eruierbare –
Halter eines Fahrzeugs auch nicht zwingend der fehlbare Lenker gewesen sein.
Der Beschuldigte macht im Übrigen auch nicht geltend, er habe einen expliziten
Verzicht von C._ auf den Austausch der Personalien bzw. den Beizug der
Polizei wahrgenommen. Vielmehr befand er eigenmächtig, es sei doch ausrei-
chend, wenn C._ ein Foto von seinem Fahrzeug und dem entsprechenden
Kennzeichen gemacht habe, was – wie ausgeführt – nicht zutrifft und vom Be-
schuldigten auch erkannt werden musste. Schliesslich weist auch seine Aussage
gegenüber den später am Wohnort seiner Freundin eingetroffenen Polizeibeam-
ten, er habe sie schon – allerdings noch früher – erwartet (Urk. 5 S. 3), klar darauf
hin, dass er wusste, dass C._ die Polizei beiziehen wollte und würde.
Hinsichtlich des Vorbringens des Beschuldigten, es sei doch kein bzw. kein recht-
lich relevanter Schaden entstanden (Urk. 52 S. 5; Urk. 54 S. 7), ist festzuhalten,
dass selbst blosse Lackschäden als Sachschäden gelten, zumal auch deren Re-
paratur notorisch einige hundert bis tausend Franken kosten können. Im Übrigen
ergibt sich aus der bei den Akten liegenden Fotodokumentation, dass an den
Fahrzeugen ein Schaden entstanden war, welcher eindeutig über blosse Ver-
schmutzungen oder oberflächliche Kratzer hinausging (Urk. 6 S. 4 f und S. 7 ff.).
Der Beschuldigte räumte in der Befragung anlässlich der Berufungsverhandlung
schliesslich auch ein, dass der Schaden am Fahrzeug von C._ noch gravie-
render gewesen sei als bei seinem Fahrzeug (Urk. 52 S. 6). Ohnehin konnte der
Beschuldigte aber nicht davon ausgehen, dass die Schäden, welche er sich
anerkanntermassen angesehen hatte, von vornherein auch für den anderen Un-
fallbeteiligten so vernachlässigbar seien, dass er sich ohne Weiteres von der Un-
fallörtlichkeit hätte entfernen dürfen. Insbesondere war es dem Beschuldigten
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nicht möglich, auch Beschädigungen an nicht sichtbaren Teilen der Karosserie
der Fahrzeuge auszuschliessen. Für die Mutmassung der Verteidigung, die
Schäden an den Fahrzeugen könnten allenfalls auch bereits vor der Kollision be-
standen haben (Urk. 54 S. 7), bestehen im Übrigen keine Anhaltspunkte. Im Ge-
genteil passen die Beschädigungen an den Fahrzeugen vielmehr exakt zur Schil-
derung der Kollision durch die Unfallbeteiligten, weshalb ohne Weiteres erstellt ist,
dass diese beim vorliegend zu beurteilenden Vorfall entstanden sind. Mithin ent-
stand bei der Kollision ein Sachschaden, welchen der Beschuldigte auch wahrge-
nommen hat.
Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass der Beschuldigte – obschon er die
Kollision mit dem Fahrzeug von C._ wahrnahm, kurzzeitig auch angehalten
und sich die Schäden gesehen hatte – seine Fahrt fortsetzte, ohne zuvor ord-
nungsgemäss die Personalien mit C._ ausgetauscht oder die Polizei alar-
miert zu haben. Von einem Verzicht auf dieses Vorgehen seitens C._ konnte
der Beschuldigte nicht ausgehen.
Der Anklagesachverhalt ist diesbezüglich entsprechend erstellt.
3.2.2 Einer Übertretung im Sinne von Art. 92 Abs. 1 SVG macht sich schul-
dig, wer bei einem Unfall die Pflichten verletzt, die ihm das Strassenverkehrsge-
setz auferlegt. Ereignet sich ein Unfall, an dem ein Motorfahrzeug oder Fahrrad
beteiligt ist, so müssen gemäss Art. 51 Abs. 1 SVG alle Beteiligten sofort anhal-
ten. Sie haben zudem nach Möglichkeit für die Sicherung des Verkehrs zu sor-
gen. Ist dabei nur Sachschaden entstanden, so hat der Schädiger nach Art. 51
Abs. 3 SVG sofort den Geschädigten zu benachrichtigen und Namen und Adres-
se anzugeben. Wenn dies nicht möglich ist, hat er unverzüglich die Polizei zu ver-
ständigen.
Wie gesehen, verliess der Beschuldigte die Unfallörtlichkeit, ohne mit C._ die
Kontaktangaben ausgetauscht oder selbst die Polizei gerufen zu haben. Da an
den Fahrzeugen sichtbare Beschädigungen entstanden sind, wäre er hierzu ge-
mäss Art. 51 Abs. 3 SVG verpflichtet gewesen. Daran ändert auch nichts, wenn
der Beschuldigte die entstandenen Schäden kleinzureden versucht. Er ist ent-
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sprechend durch das Verlassen der Unfallörtlichkeit ohne vorgängig die Kontakt-
angaben ausgetauscht zu haben oder selbst die Polizei verständigt haben, den
Pflichten gemäss Art. 51 Abs. 1 und Abs. 3 SVG nicht nachgekommen. Diese Be-
stimmung soll gerade dazu dienen, dem Geschädigten aufwendige Abklärungen
zum fehlbaren Lenker zu ersparen. Daran würde sich auch nichts ändern, wenn
C._ ebenfalls eine Verkehrsregelverletzung vorgeworfen werden müsste,
denn die Pflichten gemäss Art. 51 SVG oblägen dem Beschuldigten jedenfalls
zumindest als Mitverursacher der Schäden. Demzufolge hat sich der Beschuldigte
der Übertretung von Art. 92 Abs. 1 SVG schuldig gemacht.
3.3 Vereitlung einer Massnahme zur Feststellung der Fahrunfähigkeit
3.3.1 Wie bereits ausgeführt, ist ohne Weiteres erstellt, dass der Beschuldig-
te die Örtlichkeit im Anschluss an die Kollision und nachdem er kurz auf dem
Pannenstreifen angehalten und C._ gesprochen hatte, verliess, ohne auf die
Polizei zu warten. Schliesslich gab der Beschuldigte zu Protokoll, nach Ankunft
am Wohnort seiner Freundin in B._ Alkohol konsumiert zu haben, wobei er
ca. vier 0.5-Liter Biere sowie etwas Schnaps getrunken habe (Urk. 4/2 Frage 24;
Urk. 52 S. 7). Ebenfalls erstellt ist, dass aufgrund dieser Tatsache der Blutalko-
holwert des Beschuldigten im Zeitpunkt des Unfallgeschehens nicht mehr eruiert
werden konnte (Urk. 7/6 am Ende).
Hinsichtlich des Vorwurfs, der Beschuldigte habe damit rechnen müssen, dass die
Polizei eine Alkoholprobe durchführen werde, ist auf die diesbezügliche jüngere
bundesgerichtliche Rechtsprechung einzugehen. Mit Leitentscheid vom 3. Juni
2016 (BGE 142 IV 324 = Pra 106 (2017) Nr. 56; vgl. auch die Medienmitteilung
des Bundesgerichts vom 23. Juni 2016) präzisierte das Bundesgericht seine bis-
herige Rechtsprechung zu den Voraussetzungen für einen Schuldspruch wegen
Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit. Es hielt neu
fest, dass Lenker eines Motorfahrzeugs, die in einen Unfall verwickelt sind, immer
mit der Möglichkeit eines Alkoholtests rechnen müssen. Eine Ausnahme könne
bloss dann gelten, wenn der Unfall ohne Zweifel auf eine vom Lenker völlig unab-
hängige Ursache zurückzuführen sei (seither mehrfach bestätigt unter anderem in
den aktuellen Entscheiden 6B_470/2021 vom 27. September 2021 E. 1.1.2;
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6b_531/2020 vom 7. Juli 2020 E. 1.3; 6B_441/2019 vom 12. September 2019
E. 2.1.1; 6B_53/2019 vom 22. Januar 2019 E. 6.3; 6B_461/2017 vom 26. Januar
2018 E. 2.3). Bei solchen vom Lenker völlig unabhängigen Ursachen ist wohl in
erster Linie an Fälle höherer Gewalt zu denken. Mit anderen Worten muss ge-
mäss dieser aktuellen und mehrfach bestätigten Rechtsprechung jeder Automobi-
list im Falle eines Unfalls grundsätzlich mit einem Alkoholtest der Polizei rechnen
und sich einem solchen unterziehen, ausser es lägen absolut aussergewöhnliche
Umstände vor, welche eine auf den Lenker zurückzuführende Unfallursache aus-
schliessen können. Ähnlich wie beim Tatbestand der Hinderung einer Amtshand-
lung ist dabei nicht erforderlich, dass der Täter, der sich einer polizeilichen Anord-
nung widersetzt, effektiv etwas zu verbergen hat. Genauso gut kann er sich aus
Bequemlichkeit oder obrigkeitsfeindlicher Einstellung etc. einer polizeilichen Mas-
snahme entziehen wollen. Es ist daher nicht von Bedeutung, ob der Beschuldigte
vor der inkriminierten Fahrt tatsächlich bereits Alkohol getrunken hatte oder nicht,
sondern einzig, ob er mit seinem Verhalten in Kauf nahm, dass er eine wahr-
scheinliche Anordnung eines Alkoholtest vereiteln könnte.
Da es beim fraglichen Vorfall zu einem Kontakt der Fahrzeuge sowie entspre-
chendem Sachschaden kam und ein Fahrfehler des Beschuldigten keinesfalls von
vornherein auszuschliessen war, ist unter Hinweis auf die erwähnte bundesge-
richtliche Rechtsprechung davon auszugehen, dass die Polizei mit grosser Wahr-
scheinlichkeit eine Alkoholprobe durchgeführt hätte, womit der Beschuldigte rech-
nen musste. Wenn die Verteidigung geltend macht, der Beschuldigte habe nicht
mit einem Besuch der Polizei rechnen müssen (Urk. 25 S. 5; Urk. 54 S. 8), über-
sieht sie, dass der Beschuldigte effektiv aber mit dem Erscheinen der Polizei noch
am gleichen Abend rechnete (vgl. Urk. 5 S. 5). Dies bestätigte der Beschuldigte
nochmals anlässlich der Berufungsverhandlung, in dem er zu Protokoll gab, er
habe seinem Mitbewohner Anweisungen gegeben, was dieser der Polizei sagen
solle, falls sie bei ihm auftauchen würden (Urk. 52 S. 6). Dass er dennoch nach
einem Unfall mit Sachschaden vor den Eintreffen der Beamten mindestens zwei
Liter Bier trank, spricht nicht eben für seine Glaubwürdigkeit (vgl. Urk. 39 S. 5).
Einer Alkoholprobe hat sich der Beschuldigte bereits durch das Wegfahren vom
Unfallort – spätestens aber durch den anschliessenden Alkoholkonsum – entzo-
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gen bzw. diese vereitelt. Angesichts der gesamten Umstände – Freitagabend, ge-
rade Fahrstrecke, relativ einfaches Einspurmanöver, aufgebrachtes Verhalten des
Beschuldigten – kann mit der Staatsanwaltschaft (Urk. 39 S. 7; Urk. 53 S. 5) und
entgegen der Ansicht der Vorinstanz (Urk. 35 S. 16), nicht davon ausgegangen
werden, die Polizei hätte auf eine Atemluft- resp. Blutalkoholprobe verzichtet.
Schon gar nicht wäre sie von einer lenker-unabhängigen Unfallursache gemäss
oben zitierter Bundesgerichtspraxis ausgegangen.
Der Anklagesachverhalt ist insoweit ebenfalls erstellt.
3.3.2 Gemäss erstelltem Sachverhalt hat sich der Beschuldigte demnach
wissentlich und willentlich einer Alkoholprobe entzogen, mit deren Durchführung
er rechnen musste. Er hat damit objektiven und subjektiven Tatbestand von Art.
91a Abs. 1 SVG erfüllt, wobei dieser in echter Konkurrenz zu jenem gemäss Art.
92 StGB (pflichtwidriges Verhalten bei Unfall) steht (OFK-GIGER, 8. Auflage, N 18
zu Art. 91a SVG). Der Beschuldigte ist entsprechend zusätzlich der Vereitelung
von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit schuldig zu sprechen.
3.4 Marihuanakonsum
3.4.1 Hinsichtlich des dem Beschuldigten weiter vorgeworfenen Marihuana-
konsums zeigt sich dieser geständig. Im Übrigen wurde gemäss pharmakolo-
gisch-toxikologischem Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität
Zürich vom 17. Juli 2020 ein angehobener Cannabiswert im Urin des Beschuldig-
ten festgestellt (Urk. 7/5), weshalb der Anklagesachverhalt diesbezüglich eben-
falls erstellt ist.
3.4.2 Der Beschuldigte hat sich durch den Konsum eines Joints mit Marihua-
na einer Übertretung im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG schuldig gemacht.
4. Fazit
Nach dem Gesagten ist der Beschuldigte nebst den eingangs erwähnten Über-
tretungen (Art. 90 Abs. 1 SVG; Art. 92 Abs. 1 SVG und Art. 19a Ziff. 1 BetmG)
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auch der vorsätzlichen Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrun-
fähigkeit im Sinne von Art. 91a Abs. 1 SVG schuldig zu sprechen.
III. Strafzumessung
1. Neu ist vorab eine Strafe für die Vereitelung von Massnahmen zur Fest-
stellung der Fahrunfähigkeit festzusetzen. Gemäss Art. 91a Abs. 1 SVG beträgt
die Strafe dafür Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe. Nachdem der
Beschuldigte nicht vorbestraft ist (Urk. 51) und keine schwere Straftat vorliegt, ist
zweifellos eine Geldstrafe auszufällen.
2.1 In objektiver Hinsicht gilt es festzuhalten, dass sich der Beschuldigte nach
einem vergleichsweise harmlosen Unfall, bei welchem kein erheblicher Sach-
schaden entstand, einer entsprechenden Alkoholprobe entzog.
Subjektiv handelte der Beschuldigte dabei mindestens eventualvorsätzlich. Ein
direkter Vorsatz betreffend die Vereitelung der Massnahme zur Feststellung der
Fahrunfähigkeit kann ihm nicht mit rechtgenügender Sicherheit nachgewiesen
werden, zumal es auch nicht ausgeschlossen scheint, dass er den bei seiner
Freundin konsumierten Alkohol – wie er sagte – bloss zur Entspannung und nicht
im Sinne eines absichtlichen Nachtrunks zu sich genommen haben könnte. Mit
der Verteidigung (Urk. 54 S. 9) ist zudem festzuhalten, dass es sich vorliegend
nicht um einen klassischen Fall von "Führerflucht" handelt, da der Beschuldigte
nach der Kollision immerhin angehalten und den Kontakt zum Unfallbeteiligten
C._ gesucht hat. Weiter traf er neben dem Wegfahren und dem Nachtrunk
keine besonderen Vorkehrungen, um eine Feststellung der Fahrunfähigkeit zu
vereiteln. Der Beschuldigte konnte von den Polizeibeamten problemlos kontaktiert
und am Wohnort seiner Freundin angetroffen werden. Das Tatverschulden ist an-
gesichts dieser Umstände als leicht zu bezeichnen. Es rechtfertigt sich, eine Ein-
satzstrafe im unteren Drittel des Strafrahmens festzusetzen. Übereinstimmend mit
dem Antrag der Staatsanwaltschaft erscheint eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen
als angemessen (Urk. 39 S. 2; Urk. 53 S. 1 f.).
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2.2 Reue oder Einsicht in das Unrecht der Tat sind beim Beschuldigten nicht zu
erkennen. Vielmehr stellt er sich nach wie vor auf den Standpunkt, es sei nicht
notwendig gewesen, an der Unfallörtlichkeit zu warten, und er habe nur zur
Beruhigung Alkohol getrunken. Vorbestraft ist der Beschuldigte nicht (Urk. 51),
was sich indessen bloss strafzumessungsneutral auswirkt (BGE 136 IV 1). Auch
mussten in der Schweiz bislang keine Administrativmassnahmen gegen den Be-
schuldigten verhängt werden (Urk. 24). In Deutschland wurde dem Beschuldigten
im Jahre 2005 zwar wegen Neigung zu Trunksucht die Fahrerlaubnis versagt
(Urk. 11/4; Prot. I S. 7), mit der Vorinstanz (Urk. 35 S. 22) fällt dies im heutigen
Zeitpunkt ca. 17 Jahre später aber nicht mehr ins Gewicht. Eine entsprechende
allfällige Vorstrafe wäre in der Schweiz längst aus dem Strafregister gelöscht.
Zu seinen persönlichen Verhältnissen führte der Beschuldigte in der Untersu-
chung und vor Vorinstanz aus, er sei in D._ (D) geboren und 2006 in die
Schweiz gekommen. Er arbeite als Maschinist auf Baustellen und verdiene mo-
natlich netto Fr. 5'000.– (inkl. 13. Monatslohn). Er lebe alleine und habe keine Un-
terhaltsverpflichtungen. Die Miete betrage monatlich Fr. 860.–. Er habe weder
Vermögen noch Schulden (Urk. 2/1 S. 6; Urk. 2/2 S. 6 f; Urk. 11/8; Prot. I S. 6).
Anlässlich der Berufungsverhandlung aktualisierte der Beschuldigte, seine Anstel-
lung sei aus wirtschaftlichen Gründen auf Ende Februar 2022 gekündigt worden,
weshalb er derzeit nach einer neuen Arbeitsstelle suche. Er erwarte dabei unge-
fähr ein ähnliches Gehalt wie er es bei der jetzigen Stelle erziele. Zu seinen
Wohnkosten führte der Beschuldigte aus, er habe noch immer seine eigene Woh-
nung, die Fr. 860.– pro Monat koste, daneben übernehme er aber auch den Miet-
zins in Höhe von Fr. 1'750.– für eine gemeinsam mit seiner Freundin bewohnte
Wohnung, wobei diese im Gegenzug mehr Haushaltsarbeiten erledige (Urk. 52
S. 1 ff.). Die persönlichen Verhältnisse sowie die übrigen täterbezogenen Straf-
zumessungskriterien wirken sich strafzumessungsneutral aus, wobei die finanziel-
len Verhältnisse bei der Bemessung der Tagessatzhöhe zu berücksichtigen sind.
2.3 Tagessatzhöhe
Die Höhe des Tagessatzes ist nach den persönlichen und wirtschaftlichen Ver-
hältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils, namentlich nach Einkommen und
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Vermögen, Lebensaufwand, allfälligen Familien- und Unterstützungspflichten so-
wie nach dem Existenzminimum zu bestimmen. Die soeben geschilderten finanzi-
ellen Verhältnisse des Beschuldigten – welche sich durch die Kündigung seiner
Arbeitsstelle nicht wesentlich verschlechtert haben, zumal der Beschuldigte eige-
nen Angaben zufolge im Gespräch mit neuen Arbeitgebern für eine vergleichbare
Anstellung ist (vgl. Urk. 52 S. 2) und er zudem gegebenenfalls auch Arbeits-
losenentschädigung beziehen könnte – sind keineswegs schlecht. Die Wohnkos-
ten für zwei Wohnungen übernimmt der Beschuldigte auf freiwilliger Basis, wes-
halb sich daraus betreffend die Tagessatzhöhe nichts Wesentliches ableiten lässt.
Insgesamt rechtfertigt sich angesichts dieser Umstände ein Tagessatz in Höhe
von Fr. 100.–.
3. Bussen
3.1 Hinsichtlich der Strafzumessung betreffend die einfache Verkehrsregelver-
letzung, das pflichtwidrige Verhalten bei Unfall sowie den Marihuanakonsum, wel-
che alle Übertretungen darstellen, kann vorab auf die Ausführungen der Vo-
rinstanz verwiesen werden (Urk. 35 S. 18 ff.)
3.2 Die Vorinstanz hat die wesentlichen Elemente hinsichtlich der relevanten
Strafzumessungskriterien grundsätzlich zutreffend aufgeführt (Urk. 35 S. 18 ff.).
Bei der konkreten Festsetzung der auszusprechenden Busse ist der Vorinstanz
indessen ein rechnerischer Fehler unterlaufen, indem sie die Einsatzbusse von
Fr. 1'500.– für das pflichtwidrige Verhalten bei Unfall aufgrund der einfachen Ver-
letzung der Verkehrsregeln asperiert effektiv um lediglich Fr. 500.– statt wie dort
festgehalten um Fr. 1'000.– erhöht hat (Urk. 35 S. 21). Somit wäre sie (vor der
Festlegung für die Busse für den Marihuanakonsum) richtigerweise bei Fr. 2'500.–
angelangt, was dem effektiven Tatverschulden auch angemessen ist.
3.3 Die für das Rauchen eines einzelnen Joints einer leichten Droge am Abend
des Unfalltages von der Vorinstanz festgesetzte Busse von Fr. 700.– (Urk. 35
S. 21) scheint indes als klar überhöht, zumal das – hier zwar nicht anwendbare –
Ordnungsbussengesetz für den Konsum von Cannabis lediglich eine Ordnungs-
busse in Höhe von Fr. 100.– vorsieht. Angesichts der Tatsache, dass der Be-
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schuldigte hier nach einem Unfall mit Sachschaden und vor dem Eintreffen der –
bereits erwarteten – Polizeibeamten noch einen Joint rauchte, besteht entgegen
der Verteidigung (Urk. 25 S. 5; Urk. 54 S. 9) kein Anlass, hier von einer Bestra-
fung abzusehen. Vielmehr erscheint hierfür isoliert betrachtet eine Busse in Höhe
von Fr. 250.– als angemessen, weshalb es sich rechtfertigt, die oben festgelegte
Busse in Anwendung des Asperationsprinzips gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB um Fr.
200.– auf Fr. 2'700.– zu erhöhen.
3.4 Nicht zu folgen ist den Ausführungen der Vorinstanz, wenn sie die ihr ange-
messen erscheinende Busse aufgrund der finanziellen Verhältnisse des Beschul-
digten um immerhin 40% reduziert (Urk. 35 S. 23). Der Beschuldigte erzielt ein
regelmässiges Einkommen von immerhin netto Fr. 5'000.– und weist keine Unter-
stützungspflichten auf. Zudem hat er verhältnismässig tiefe Mietkosten von bloss
Fr. 860.– zu tragen (Urk. 2/2 S. 7). Es ist entsprechend von einem zwar durch-
schnittlichen bis eher tieferen, aber keineswegs schlechten Einkommen auszuge-
hen. Relevante Schulden hat der Beschuldigte nicht (Urk. 2/2 S. 7; Urk. 52 S. 2).
Insgesamt rechtfertigt sich aufgrund der finanziellen Verhältnisse keine Reduktion
der Busse, welche die Strafe für gleich mehrere Übertretungen darstellt.
3.5 Der Beschuldigte ist somit mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu
Fr. 100.– sowie einer Busse in Höhe von Fr. 2'700.– zu bestrafen.
V. Vollzug
Nach Art. 42 Abs. 1 StGB schiebt das Gericht den Vollzug einer Geldstrafe oder
einer Freiheitsstrafe von weniger als zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine
unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung
weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten. Wurde der Täter innerhalb der
letzten fünf Jahre vor der heute zu beurteilenden Delinquenz nicht zu einer
Freiheitsstrafe von mehr als sechs Monaten verurteilt, gilt grundsätzlich die Ver-
mutung einer günstigen Prognose (Art. 42 Abs. 2 StGB) Wie erwähnt ist der
Beschuldigte in der Schweiz weder vorbestraft noch mussten gegen ihn
Administrativmassnahmen verhängt werden. Es ist entsprechend von einer guten
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Prognose auszugehen. Die Probezeit ist auf das gesetzliche Minimum von
zwei Jahren festzusetzen.
Die Busse ist demgegenüber zu bezahlen. Für den Fall, dass der Beschuldigte
die Busse schuldhaft nicht bezahlen sollte, ist praxisgemäss eine Ersatzfreiheits-
strafe von 27 Tagen festzusetzen.
VI. Kosten und Entschädigung
1. Ausgangsgemäss sind sämtliche Kosten der Untersuchung und des erst-
instanzlichen Verfahrens gemäss Ziff. 5 der Vorinstanz dem Beschuldigten
aufzuerlegen (Art. 426 Abs. 1 StPO). Dies betrifft nunmehr auch die Kosten des
IRM-Gutachtens in der Höhe von Fr. 1'873.60 (Urk. 14, Urk. 7/5), zumal der
Beschuldigte heute auch in diesem Punkt schuldig gesprochen wird (vgl. Urk. 35
S. 23). Dementsprechend ist dem Beschuldigten auch keine Prozessentschädi-
gung im Sinne von Ziff. 7 des vorinstanzlichen Dispositivs zuzusprechen.
2.1 Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist praxisgemäss auf
Fr. 3'000.– festzusetzen (Art. 424 Abs. 1 StPO i.V.m. § 16 Abs. 1 und § 14
GebV OG).
2.2 Die Kosten des Berufungsverfahrens sind vollumfänglich dem Beschuldigten
aufzuerlegen, nachdem die Staatsanwaltschaft mit ihren Anträgen obsiegt und die
Anschlussberufung des Beschuldigten nicht zu seinen Gunsten ausfällt (Art. 428
Abs. 1 StPO). Entschädigungen sind bei diesem Verfahrensausgang nicht zu
entrichten.