# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 5cdddd7b-c14d-51ef-ba1c-a925de2cf3d0
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdeführenden sind Eigentümer der Parzelle Saanen Grundbuchblatt
Nr. D._, auf der sich die ehemalige neuapostolische Kirche befindet. Die Parzelle
liegt in der Zone für öffentliche Nutzung (ZöN A 45). Nach Hinweisen von Dritten stellte die
Gemeinde am 9. März 2016 fest, dass das Grundstück durch die von Amtes wegen am
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Verfahren Beteiligte als Werk- und Lagerplatz für ihren Gartenbaubetrieb genutzt wird. Mit
separaten Schreiben vom 18. März 2016 wies die Gemeinde die Beschwerdeführenden
und die von Amtes wegen am Verfahren Beteiligte darauf hin, dass die vorgenommene
Umnutzung baubewilligungspflichtig sei und mangels Zonenkonformität nicht bewilligt
werden könne und gab ihnen Gelegenheit zur Stellungnahme.
Mit an die Beschwerdeführenden adressierter Wiederherstellungsverfügung vom 4. April
2016 forderte die Gemeinde Saanen die Beschwerdeführenden sowie die von Amtes
wegen am Verfahren Beteiligte auf, den Gewerbebetrieb sowie den Werk- und Lagerplatz
auf der Parzelle Saanen Grundbuchblatt Nr. D._ bis spätestens am 30. April 2016
zu räumen und den zonenkonformen Zustand (Kirche mit Garten) wiederherzustellen. Die
Gemeinde wies auf die Straffolgen bei Nichtbefolgung hin und drohte die Ersatzvornahme
an.
2. Gegen diese Verfügung reichten die Beschwerdeführenden am 28. April 2016
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie
erklären, sie hätten die Räumlichkeiten der von Amtes wegen am Verfahren Beteiligten
während der Umbauphase ihres Werkhofes kostenlos zur Verfügung gestellt und
beantragen sinngemäss, die bestehende Nutzung bis Ende August 2016 beibehalten zu
können.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, beteiligte die
Gartenbaufirma als Nutzerin von Amtes wegen am Verfahren, führte den Schriftenwechsel
durch und holte bei der Gemeinde die Vorakten ein. Die von Amtes wegen am Verfahren
Beteiligte beantragt die Einstellung des Verfahrens, womit sie sinngemäss die Aufhebung
der angefochtenen Wiederherstellungsverfügung verlangt. Die Gemeinde beantragt, die
Beschwerde sei abzuweisen und es sei ihr die aufschiebende Wirkung zu entziehen. Die
Wiederherstellung in den bewilligten Zustand sei sofort umzusetzen und das Gebäude und
die Umgebung seien umgehend zu räumen. Das Rechtsamt wies den Antrag auf Entzug
der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde mit Verfügung vom 6. Juni 2016 ab.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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4. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
Gemäss Art. 49 Abs. 1 BauG2 können baupolizeiliche Verfügungen nach Art. 45 bis 48
BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden.
Die Beschwerdeführenden sind als Adressaten durch die angefochtene Verfügung
beschwert und daher zur Beschwerde legitimiert. Auf ihre form- und fristgerecht
eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes
a) Die Beschwerdeführenden haben der von Amtes wegen am Verfahren Beteiligten ihr
Grundstück mit der ehemals neuapostolischen Kirche bis Ende August 2016 zur Nutzung
als Lager und Werkstatt zur Verfügung gestellt. Die von Amtes wegen am Verfahren
Beteiligte erklärt, ihr Familienbetrieb habe dieses Jahr die Möglichkeit, am bestehenden
Standort einen neuen Werkhof zu errichten. Während der Bauphase müsse das während
des Frühlings und Sommers benötigte Material zwischengelagert werden können. Es sei in
der Gemeinde Saanen leider schwierig oder fast unmöglich, für eine solche Übergangszeit
entsprechende Räumlichkeiten zu finden.
b) Baubewilligungspflichtig sind alle künstlich geschaffenen und auf Dauer angelegten
Bauten, Anlagen und Einrichtungen (Bauvorhaben), die in fester Beziehung zum Erdboden
stehen und geeignet sind, die Nutzungsordnung zu beeinflussen, indem sie zum Beispiel
den Raum äusserlich erheblich verändern, die Erschliessung belasten oder die Umwelt
beeinträchtigen (Art. 1a Abs. 1 BauG). Baubewilligungspflichtig ist auch die
2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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Zweckänderung von Bauten, Anlagen und Einrichtungen (Art. 1a Abs. 2 BauG). Nicht
baubewilligungspflichtig ist eine Umnutzung ohne bauliche Massnahmen nur dann, wenn
der neue Verwendungszweck der in der fraglichen Zone zugelassenen Nutzung entspricht
und sich die Änderung hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf Umwelt, Erschliessung und
Planung als höchstens geringfügig erweist.3 Nicht baubewilligungspflichtig sind sodann
geringfügige und zeitlich begrenzte Vorhaben wie beispielsweise das Aufstellen von
Fahrnisbauten wie Festhütten, Zirkuszelte, Tribünen sowie das Lagern von Material
während einer Dauer von bis zu drei Monaten pro Kalenderjahr (Art. 6 Abs. 1 Bst. m
BewD4).
Die vorliegend zu beurteilende Umnutzung der ehemals neuapostolischen Kirche zu einem
Gartenbaubetrieb ist mit Auswirkungen auf die Umwelt und Erschliessung verbunden. Sie
verändert das Verkehrsaufkommen und die Lärmbelastung. Wie unten in Erwägung 2d
gezeigt wird, ist der Gartenbaubetrieb auch nicht zonenkonform und die
Beschwerdeführenden und die von Amtes wegen am Verfahren Beteiligte beabsichtigen,
diese Umnutzung während sechs Monaten beizubehalten. Es handelt sich damit trotz
Befristung um eine bewilligungspflichtige Umnutzung. Da keine Bewilligung vorliegt, liegt
eine formell rechtswidrige Nutzung vor.
c) Wird ein Bauvorhaben ohne Baubewilligung oder in Überschreitung einer
Baubewilligung ausgeführt oder werden bei der Ausführung eines bewilligten Vorhabens
Vorschriften missachtet, so setzt die Baupolizeibehörde eine angemessene Frist zur
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands unter Androhung der Ersatzvornahme (Art.
46 Abs. 1 und 2 BauG). Mit der Wiederherstellungsverfügung ist auf die Möglichkeit der
Einreichung eines nachträglichen Baugesuchs hinzuweisen, sofern eine Baubewilligung
nicht offensichtlich ausser Frage steht.5 Die Wiederherstellungsverfügung muss im
öffentlichen Interesse liegen, verhältnismässig sein und darf den Vertrauensgrundsatz nicht
verletzen. Eine Wiederherstellungsmassnahme ist verhältnismässig, wenn sie geeignet ist,
das angestrebte Ziel zu erreichen, nicht weiter geht, als zur Herstellung des rechtmässigen
3 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 1a N 24; BGer 1C_120/2012 vom 22. August 2012 E. 3.2 4 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 5 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 46 N. 13 Bst. d
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Zustands nötig ist und die Belastung für die pflichtige Person in einem vernünftigen
Verhältnis zum verfolgten Ziel steht.6
d) Das Grundstück der Beschwerdeführenden mit der ehemaligen neuapostolischen
Kirche befindet sich in der Zone für öffentliche Nutzungen ZöN A 45. Nach Art. 19 GBR7
sind Zonen für öffentliche Nutzungen für Bauten und Anlagen im öffentlichen Interesse
bestimmt. Im vorliegenden Fall gilt gemäss Anhang 5 zum Gemeindebaureglement sodann
die Zweckbestimmung "Kirche mit Garten" und die Lärmempfindlichkeitsstufe I (ES I). Die
Einrichtung des temporären Gartenbaubetriebs dient allein den privaten
Gewerbeinteressen der von Amtes wegen am Verfahren Beteiligten und hat mit einer
Nutzung als Kirche mit Garten nichts zu tun. Der Gartenbaubetrieb der von Amtes wegen
am Verfahren Beteiligten ist nicht zonenkonform und damit nicht bewilligungsfähig, was die
Beschwerdeführenden und die von Amtes wegen am Verfahren Beteiligte zu Recht nicht
bestreiten. Angesichts dieser klaren Rechtslage konnte die Gemeinde darauf verzichten,
den Beschwerdeführenden Gelegenheit zur Einreichung eines nachträglichen Baugesuchs
zu geben. Die Zwischennutzung ist materiell rechtswidrig.
e) Die Gemeinde verlangt von den Beschwerdeführenden und von der von Amtes
wegen am Verfahren Beteiligten, den Gewerbebetrieb und den Werk- und Lagerplatz zu
räumen und den zonenkonformen Zustand (Kirche mit Garten) wiederherzustellen. Die
Beschwerdeführenden und die von Amtes wegen am Verfahren Beteiligte möchten die
rechtswidrige Nutzung demgegenüber bis Ende August 2016 weiterführen.
Die Durchsetzung der Einhaltung der Bauvorschriften und die Verhinderung von Bauten
und Nutzungen, die der baurechtlichen Ordnung widersprechen, liegen im öffentlichen
Interesse.8 Weder die Beschwerdeführenden noch die von Amtes wegen am Verfahren
Beteiligte können sich auf den Vertrauensgrundsatz berufen. Aus dem Schreiben der
Beschwerdeführenden vom 10. Dezember 2015 geht hervor, dass sie sich bei der
Gemeinde erkundigt hatten, ob die Liegenschaft der von Amtes wegen am Verfahren
Beteiligten für einen bestimmten Zeitraum vermietet werden kann und dass die Gemeinde
diese Anfrage negativ beantwortete.9 Die von Amtes wegen am Verfahren Beteiligte wurde
6 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 46 N. 9; BVR 2013 S. 85 E. 5.1 7 Baureglement der Einwohnergemeinde Saanen vom 11. März 2011 (GBR) 8 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 46 N. 9a 9 Vorakten, pag. 5
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darüber informiert, wie das Schreiben der Beschwerdeführenden vom 29. März 2016 an
die Gemeinde zeigt.10 Den Beschwerdeführenden und der von Amtes wegen am Verfahren
Beteiligten war damit bewusst, dass die nun ausgeübte Zwischennutzung rechtswidrig ist.
Trotzdem haben sie diese zugelassen bzw. aufgenommen. Sie sind damit bösgläubig, was
bei der nachfolgenden Prüfung der Verhältnismässigkeit zu berücksichtigen ist.11
Die Räumung der neuapostolischen Kirche und das in dieser Anordnung enthaltene
Benützungsverbot sind zur Wiederherstellung des zonenkonformen Zustandes geeignet.
Eine für die Beschwerdeführenden und die von Amtes wegen am Verfahren Beteiligte
weniger einschneidende Massnahme ist nicht ersichtlich. Es liegt ein schwerwiegender
Verstoss gegen die Zonenordnung vor. Die rechtswidrige Nutzung kann daher nicht bis
Ende August 2016 toleriert werden, zumal die Beschwerdeführenden und die von Amtes
wegen am Verfahren Beteiligte bösgläubig sind. Die Räumung des Areals und der
Räumlichkeiten ist nicht sehr aufwendig. Aus den Fotos in den Vorakten ist ersichtlich,
dass in den Räumen der Kirche eine provisorische Werkstatt eingerichtet ist und sich
einige Werkzeuge, Geräte und Materialien im Gebäude befinden. Zudem sind auf dem
Parkplatz Fahrzeuge der von Amtes wegen am Verfahren Beteiligten abgestellt.12 Die
Werkstatt und die Gerätschaften können ohne weiteres entfernt werden. Auch ist nicht
ersichtlich und wird von den Beschwerdeführenden und der von Amtes wegen am
Verfahren Beteiligten auch nicht belegt, weshalb kein anderer Standort gefunden werden
kann. Den Beschwerdeführenden erwächst aus der Wiederherstellung – abgesehen von
den Verfahrenskosten – kein Nachteil. Wie sie selbst ausführen, stellen sie ihr Grundstück
der von Amtes wegen am Verfahren Beteiligten unentgeltlich zur Verfügung. Die von
Amtes wegen am Verfahren Beteiligte muss für die verbleibende Umbauphase ihres
Werkhofes zwar eine andere Lösung suchen. Dies erscheint aber durchaus als möglich.
Zudem konnte sie während der Verfahrensdauer bereits von der rechtswidrigen Nutzung
profitieren. Die angeordnete Räumung erweist sich damit auch als zumutbar und
insgesamt als verhältnismässig.
f) Die Gemeinde hat die Wiederherstellungsfrist auf den 30. April 2016 festgelegt und
damit für die Räumung knapp einen Monat Zeit zur Verfügung gestellt. Die Räumung des
Grundstücks erscheint angesichts des provisorischen Charakters ohne weiteres während
10 Vorakten, pag. 15 11 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 46 N. 9c Bst. c 12 Vorakten, pag. 10
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dieser Frist möglich und es sollte auch möglich sein, innerhalb eines Monats einen
alternativen Standort zu finden. Die von der Gemeinde angesetzte Frist ist damit
verhältnismässig. Da die Frist während des Verfahrens verstrichen ist, wird diese von
Amtes wegen neu auf den 15. Juli 2016 festgelegt.
g) Zusammenfassend ist die Beschwerde abzuweisen und die
Wiederherstellungsverfügung der Gemeinde Saanen ist – mit neuer Frist – zu bestätigen.
Da sich der Sachverhalt ausreichend aus den Akten ergibt, ist auf weitere
Beweismassnahmen oder Besprechungen zu verzichten.
3. Kosten
Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführenden und die von
Amtes wegen am Verfahren Beteiligte. Sie haben die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108
Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine Pauschalgebühr von Fr. 600.00 (Art. 103
Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 GebV13). Den Beschwerdeführenden und
der von Amtes wegen am Verfahren Beteiligten werden davon je Fr. 300.00 zur Bezahlung
auferlegt. Parteikosten sind keine zu sprechen (Art. 104 Abs. 1 und 4 VRPG).