# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 07dbfbd5-3f10-4324-8929-44a4f5a6a9bb
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 3. Abteilung, vom 26. März 2020 (DG190330)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 14. Novem-
ber 2019 (Urk. 12) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− der qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im
Sinne dessen Art. 19 Abs. 1 lit. b, c, d und g sowie i.V.m. Abs. 2 lit. a;
− der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne
dessen Art. 19a Ziff. 1 sowie
− der Übertretung des Fernmeldegesetzes im Sinne dessen Art. 52
Abs. 1 lit. g.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 48 Monaten Freiheitsstrafe, wovon bis
und mit heute 522 Tage durch Haft erstanden sind, sowie mit einer Busse
von Fr. 800.–.
3. Die Freiheitsstrafe ist zu vollziehen.
4. Die Busse ist zu bezahlen.
5. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 8 Tagen.
6. Der bedingte Vollzug bezüglich der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
Limmattal-Albis vom 24. Juli 2018 ausgefällten Geldstrafe von
30 Tagessätzen zu Fr. 100.– (insgesamt Fr. 3'000.–) wird widerrufen.
7. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom
17. September 2019 beschlagnahmte Barschaft von Fr. 2'491.70, lagernd
bei der Bezirksgerichtskasse, wird zur Deckung der Busse und der Verfah-
renskosten verwendet.
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8. Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich
vom 17. September 2019 beschlagnahmten Gegenstände und Betäu-
bungsmittel werden eingezogen und der Lagerbehörde (Kantonspolizei Zü-
rich, TEU AssTri) zur Vernichtung überlassen:
− Auto-Störsender (GPS-Jammer, Mod. ...; Asservaten-
Nummer A011'973'721)
− sichergestellte Betäubungsmittel und Betäubungsmittelutensilien
(Lagernummer B03377-2018);
• 19.9 Gramm Kokain (A011'958'320)
• Plastikröhrchen
• Minigrips (A011'959'470)
9. Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich
vom 17. September 2019 beschlagnahmten Mobiltelefone samt Zubehör
und Schriftlichkeiten (lagernd bei der Kantonspolizei Zürich, TEU AssTri)
werden eingezogen und als Beweismittel bei den Akten belassen:
− Mobiltelefon iPhone schwarz (A011'959'209);
− Mobiltelefon iPhone silber (A011'959'163);
− Mobiltelefon iPhone silber (A011'959'243);
− Mobiltelefon Alcatel onetouch (A011'959'094);
− Mobiltelefon Nokia Schwarz (A011'958'353);
− Mobiltelefon BlackBerry (A011'958'357);
− Mobiltelefon Samsung (A011'959'287);
− Navigationsgerät TomTom (A011'959'356);
− Schreiben B._ AG betr. Hobbyraum (A011'958'442);
− Schriftstücke ab Boden Wohnzimmer (A011'959'425);
− Verpackung zu Mobiltelefon Nokia (A011'959'378);
− SIM-Kartenhalter zu Mobiltelefon Nokia (A011'959'583).
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10. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 5'500.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 6'000.00 Gebühr Strafuntersuchung
Fr. 1'000.00 Gebühr Beschwerdeverfahren (G. Nr. UB190141-0)
Fr. 1'380.00 Kosten Kantonspolizei Zürich
Fr. 5'547.15 Gutachten/Expertisen etc. Fr. 41'806.70 Auslagen Untersuchung Fr. 1'177.15 Honorar ehemalige amtl. Verteidigung RA X2._
Fr. 28'126.05 Honorar amtl. Verteidigung RA X1._
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
11. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten
auferlegt.
12. Der amtliche Verteidiger, Rechtsanwalt lic. iur. X1._, wird mit
Fr. 28'126.05 (inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt. Vorbehalten
bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
13. Es wird davon Vormerk genommen, dass der für die Einvernahmen vom
23. Oktober 2018 eingesetzte amtliche Verteidiger, Rechtsanwalt MLaw
X2._, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom
26. Oktober 2018 entschädigt wurde; vorbehalten bleibt eine Nachforderung
gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
Berufungsanträge:
a) Des Beschuldigten:
(Urk. 37 S. 1 f.; Urk. 64 S. 1 f.)
1. In Abänderung von Ziff. 1 des angefochtenen Urteils sei der Beschul-
digte von den Vorwürfen der qualifizierten Widerhandlung gegen das
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Betäubungsmittelgesetz gemäss Anklage vom 14. November 2019 und
deren Anklageziffern 1.1.3 und 1.1.4 (C._), 1.2 (Besitz BetmG),
1.3 (D._) und 1.5 (E._) von Schuld und Strafe freizusprechen.
Ferner sei er von der Übertretung des Fernmeldegesetzes gemäss An-
klageziffer 2 freizusprechen.
2. In Abänderung von Ziff. 2 und 3 des angefochtenen Urteils sei der Be-
schuldigte mit einer (unbedingten) Busse von CHF 200.– und einer
(bedingten) Freiheitsstrafe von 14 Monaten unter Anrechnung von
522 Tagen Haft zu bestrafen unter Gewährung für die Freiheitsstrafe
des bedingten Strafvollzuges und Ansetzung einer Probezeit von
2 Jahren. Für die Überhaft sei er angemessen aus der Staatskasse zu
entschädigen.
3. In Abänderung von Ziff. 5 des angefochtenen Urteils sei die Ersatzfrei-
heitsstrafe bei schuldhafter Nichtbezahlung der Busse auf 2 Tage an-
zusetzen.
4. In Abänderung von Ziff. 6 des angefochtenen Urteils sei der bedingte
Vollzug bezüglich der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Limmattal-
Albis ausgefällten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 100.– nicht zu
widerrufen.
5. In Abänderung von Ziffern 10 - 13 des angefochtenen Urteils seien die
Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens zu 3⁄4 auf
die Staatskasse zu nehmen und zu 1⁄4 dem Beschuldigten aufzuerle-
gen. Die bisherigen Kosten der amtlichen Verteidigung seien auf die
Staatskasse zu nehmen, wobei bezüglich der dem Beschuldigten auf-
zuerlegenden 1⁄4 der Verteidigungskosten eine Nachforderung gemäss
Art. 135 Abs. 4 StPO vorzubehalten sei.
6. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien, inklusive derjenigen der
amtlichen Verteidigung, vollumfänglich auf die Staatskasse zu nehmen.
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b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 40, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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## Considerations

Erwägungen:
I. Verfahrensgang
1. Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene mündlich eröffnete
Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 3. Abteilung, vom 26. März 2020 liess der Be-
schuldigte mit Eingabe vom 27. März 2020 Berufung anmelden (Urk. 30; Prot. I
S. 25 ff.; Art. 399 Abs. 1 StPO). Nach Erhalt des begründeten Urteils am 8. Juli
2020 liess der Beschuldigte mit Eingabe vom 28. Juli 2020 fristwahrend eine Be-
rufungserklärung im Sinne von Art. 399 Abs. 3 StPO einreichen (Urk. 34/2;
Urk. 37). Mit Präsidialverfügung vom 30. Juli 2020 wurde die Berufungserklärung
des Beschuldigten der Staatsanwaltschaft zugestellt und Frist zur Erklärung einer
Anschlussberufung oder zum Stellen eines Nichteintretensantrages angesetzt
(Urk. 38). Die Staatsanwaltschaft verzichtete mit Eingabe vom 10. August 2020
auf eine Anschlussberufung (Urk. 40).
2. Am 21. Oktober 2020 wurde zur Berufungsverhandlung auf den 2. Febru-
ar 2021 vorgeladen (Urk. 42). Am 21. Januar 2021 stellte die amtliche Verteidi-
gung ein Verschiebungsgesuch, nachdem der Beschuldigte laut ärztlicher Be-
scheinigung infolge einer operativen Zahn- und Unterkieferbehandlung nicht ver-
handlungsfähig sei (Urk. 44 f.). Das Verschiebungsgesuch wurde bewilligt, und
am 4. Februar 2021 wurde zur Berufungsverhandlung auf den 8. Oktober 2021
vorgeladen. Mit Eingabe vom 29. September 2021 ging ein erneutes Gesuch um
Verschiebung der Verhandlung beim Gericht ein, da der Beschuldigte weiterhin
aufgrund einer psychischen Symptomatik nicht verhandlungsfähig sei (Urk. 49
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und 50). In der Folge wurde die Verhandlung vom 8. Oktober 2021 verschoben
(Urk. 52) und auf den 18. März 2022 angesetzt (Urk. 55). Am 31. Januar 2022 er-
folgte ein weiteres Verschiebungsgesuch des Beschuldigten, da er aktuell nicht
verhandlungsfähig sei (Urk. 56). Mit Beschluss vom 10. Februar 2022 wurde der
Beschuldigte zu einer Untersuchung durch die Amtsärztin am 22. Februar 2022
aufgefordert, um eine allfällige Verhandlungsfähigkeit abzuklären. Dr. med.
F._ von der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich wurde aufgefordert, ein
entsprechendes Gutachten zu erstellen (Urk. 58). Diesem Gutachten vom 3. März
2022 ist zu entnehmen, dass sich aus forensisch-psychiatrischer Sicht zwar Diag-
nosen hätten stellen lassen, welche die Lebensbewältigung deutlich beeinträchti-
gen würden und psychiatrisch-psychotherapeutisch behandlungsbedürftig seien.
Gleichwohl gelangte die Gutachterin zum Schluss, dass sich eine Einschränkung
der Verhandlungsfähigkeit aus der erhobenen Symptomatik aus forensisch-
psychiatrischer Sicht nicht ableiten lässt (Urk. 60 S. 21).
3. Die Staatsanwaltschaft wurde auf Antrag und mit Zustimmung des Be-
schuldigten vom Erscheinen zur Berufungsverhandlung dispensiert (Urk. 40;
Urk. 47). Anlässlich derselben liess der Beschuldigte die eingangs aufgeführten
Anträge stellen (Urk. 64 S. 1 f.; Prot. II S. 6 f.).
II. Prozessuales
1. Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechts-
kraft des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Der Be-
schuldigte verlangt mit seiner Berufung im Wesentlichen einen Freispruch von
den Vorwürfen der qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelge-
setz hinsichtlich der Anklageziffern 1.1.3., 1.1.4., 1.2., 1.3. und 1.5. sowie der
Übertretung des Fernmeldegesetzes gemäss Anklageziffer 2. Als Folge dieser
beantragten Freisprüche beantragt er weiter eine Bestrafung mit Fr. 200.– Busse
und mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten, unter Ansetzung einer
Probezeit von 2 Jahren, eine Entschädigung der Überhaft, einen Verzicht auf den
Widerruf der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Limmattal-Albis ausgefällten
Geldstrafe von 30 Tagessätzen sowie eine Reduktion der erstinstanzlichen Ko-
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stenauflage auf einen Viertel der Kosten (Urk. 37; Urk. 64 S. 1 f.). Unangefochten
bleibt der vorinstanzliche Entscheid demnach hinsichtlich der Dispositivziffern 1
teilweise (Schuldspruch betreffend mehrfache Übertretung des Betäubungsmittel-
gesetzes), 7 - 9 (Einziehung und Verwendung beschlagnahmter Gegenstände
und Vermögenswerte) und 10 (Kostenfestsetzung). Dass das Urteil des Bezirks-
gerichtes Zürich, 3. Abteilung, vom 26. März 2020 in diesem Umfang in Rechts-
kraft erwachsen ist, ist vorab mittels Beschluss festzustellen.
2. Der Beschuldigte liess vor Vorinstanz geltend machen, sämtliche seit dem
19. März 2018 gegen ihn unternommenen Überwachungsmassnahmen würden
sich als unverwertbar erweisen, weshalb auch alle aus diesen gewonnenen Er-
kenntnisse wegen Nichtigkeit der Beweiserhebung keine Beachtung finden dürf-
ten (Urk. 23 S. 4 f.). Diese Rüge wiederholte die Verteidigung im Rahmen der Be-
rufungsverhandlung zwar nicht explizit. Angesichts des vollumfänglichen Verwei-
ses auf das vorinstanzliche Plädoyer ist nachfolgend dennoch auf dieses Vorbrin-
gen einzugehen (Urk. 64 S. 3). Begründet wurde das Vorbringen der Unverwert-
barkeit der erhobenen Beweismittel vor Vorinstanz einerseits damit, dass sich in
den Akten keine richterliche Genehmigung für das Gesuch der Staatsanwaltschaft
vom 19. März 2018 um Überwachung der Telefonnummer 1 finden lasse. Ande-
rerseits wurde vorgebracht, dass die in Art. 274 Abs. 2 StPO vorgesehene Frist
von 5 Tagen, innert welcher das Zwangsmassnahmengericht seit der Anordnung
der Überwachung entscheide, in Bezug auf die Überwachungsanträge der
Staatsanwaltschaft vom 12. April 2018 und vom 10. Juli 2018 nicht eingehalten
worden sei (Urk. 23 S. 4).
2.1 Bereits die Vorinstanz wies zutreffend darauf hin, dass das Überwa-
chungsgesuch der Staatsanwaltschaft vom 19. März 2018 entgegen der Bean-
standung des Beschuldigten mit Verfügung des Zwangsmassnahmengerichtes
des Obergerichtes des Kantons Zürich vom 21. März 2018 bewilligt wurde und
sich diese Bewilligung auch bei den Akten befindet (Urk. 4/6/3; Urk. 35 S. 10).
Gründe für eine Unverwertbarkeit der daraus resultierenden Überwachungsmass-
nahmen sind damit keine ersichtlich.
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2.2 Auch was den Einwand des Beschuldigten betrifft, wonach im Rahmen
der Genehmigungsverfahren der Überwachungsmassnahmen zweimal die 5-
tägige Frist gemäss Art. 274 Abs. 2 StPO nicht eingehalten worden sei, hielt die
Vorinstanz bereits zu Recht fest, dass es sich bei jener Regelung um eine Ord-
nungsvorschrift handelt (Urk. 35 S. 10 f.). Da die jeweiligen Genehmigungsent-
scheide bereits einen Tag nach Ablauf der Frist ergingen (Urk. 4/7/3; Urk. 4/15/6)
und damit nur kurze Überschreitungen der Fristen vorliegen, hat auch dies ent-
sprechend der Regelung aus Art. 141 Abs. 3 StPO, wonach Beweise, bei deren
Erhebung Ordnungsvorschriften verletzt wurden, verwertbar sind, keine Unver-
wertbarkeit der auf jene Genehmigungen gestützten Beweiserhebungen zur Folge
(Hansjakob/Pajarola, in: Donatsch/Lieber/Summers/Wohlers [Hrsg.], Kommentar
StPO, 3. Aufl. 2020, N 53 zu Art. 274; Urteil des Bundesgerichtes 1B_59/2014
vom 28. Juli 2014 E. 4.9).
3. Im Zusammenhang mit den aus diesen Überwachungsmassnahmen re-
sultierenden Abhörprotokollen machte die Verteidigung im Rahmen der Beru-
fungsverhandlung geltend, dass es sich bei deren Interpretation durch die Polizei
lediglich um Behauptungen und nicht um Beweismittel handle (Urk. 64 S. 13 f.;
Prot. II S. 17). Diesem Vorbringen ist grundsätzlich zuzustimmen. Dass diese Ab-
hörprotokolle durch die Polizei interpretiert wurden, ist jedoch nicht zu beanstan-
den, zumal sie der Beweiswürdigung unterliegen und interpretationsbedürftig sind.
Es obliegt dem Gericht, eine eigene Überprüfung der Inhalte der abgehörten Ge-
spräche vorzunehmen, nach welcher sich zeigt, ob sich die Interpretationen des
Gerichts mit denjenigen der Polizei decken oder nicht.
4. Weiter liess der Beschuldigte geltend machen, beim gegen ihn geführten
Strafverfahren könne nicht von einem fairen Verfahren gemäss Art. 6 Ziff. 1
EMRK die Rede sein. So könne in Anbetracht dessen, dass zwei ihn belastende
Personen vom selben Verteidiger vertreten worden seien, nicht ausgeschlossen
werden, dass Absprachen zu seinem Nachteil zwischen jener Verteidigung und
der Staatsanwaltschaft stattgefunden hätten. In diesem Zusammenhang falle auf,
dass sowohl D._ als auch E._ zunächst ihre Aussagen verweigert und
die ihnen gemachten Vorwürfe bestritten hätten, bevor sie ihn dann über Gebühr
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belastet hätten (Urk. 23 S. 3; Urk. 64 S. 3 ff.). Ausserdem widerspreche dem
Grundsatz eines fairen Verfahrens, dass die insgesamt 17 Genehmigungsent-
scheide von Überwachungsmassnahmen von nur gerade drei Richtern gefällt
worden seien (Urk. 23 S. 4 f.).
4.1 Auch mit diesen Vorbringen setzte sich die Vorinstanz schon vertieft
auseinander. Was die seitens des Beschuldigten aufgeworfenen Fragen in Bezug
auf den Umstand, dass sowohl D._ als auch E._ von Rechtswalt lic. iur.
Y._ verteidigt worden seien, betrifft, gelangte sie zum Schluss, dass keine
Anhaltspunkte dafür bestehen würden, dass die beiden Frauen kolludiert oder
sich überhaupt gekannt hätten. Die Sachverhaltskomplexe, in welche diese bei-
den Frauen gemäss der Staatsanwaltschaft involviert gewesen seien, würden sich
zudem örtlich und inhaltlich gänzlich unterscheiden, weshalb sich die Gefahr einer
Kollusion auch aus diesem Grund als unwahrscheinlich erweise. Eine Verletzung
des Fairnessgebotes schloss die Vorinstanz letztlich auch deshalb aus, weil nicht
ersichtlich sei, inwiefern es für die beiden Frauen von Vorteil hätte sein können,
den Beschuldigten unnötig zu belasten, zumal sie sich mit den diesbezüglichen
Angaben selber belastet hätten (Urk. 35 S. 19 f.).
4.1.1 Dem Beschuldigten ist insofern zuzustimmen, als nicht gänzlich in Ab-
rede zu stellen ist, dass die Vertretung zweier Verfahrensbeteiligter durch densel-
ben Rechtsbeistand problematisch sein kann und in solchen Fällen eine gewisse
Vorsicht geboten ist. Gleichwohl ist eine Mehrfachvertretung nicht von Vornherein
unzulässig. Art. 127 Abs. 3 StPO sieht vor, dass ein Rechtsbeistand in den
Schranken von Gesetz und Standesregeln im gleichen Verfahren die Interessen
mehrerer Verfahrensbeteiligter wahren kann. Die gesetzlichen Schranken der
Doppelvertretung ergeben sich im Wesentlichen aus Art. 12 lit. c BGFA. Gemäss
dieser Bestimmung meiden Anwältinnen und Anwälte jeden Konflikt zwischen den
Interessen ihrer Klientschaft und den Personen, mit denen sie geschäftlich oder
privat in Beziehung stehen. Grund dafür, weshalb Anwältinnen und Anwälte nicht
in ein und derselben Strafsache Parteien mit gegenläufigen Interessen vertreten
dürfen, ist der Umstand, dass sie sich andernfalls für keine der vertretenen Par-
teien voll einsetzen könnten. Das Doppelvertretungsverbot dient mithin in erster
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Linie dem Schutz der Vertretenen und nicht dem Schutz von Dritten. Dabei ist un-
bestritten, dass die Vertretung widerstreitender Interessen sowohl gleichzeitig (In-
teressenkonflikt im Zusammenhang mit zwei oder mehr bestehenden, laufenden
Mandaten) als auch zeitlich gestaffelt, also nacheinander (Interessenkonflikt zwi-
schen einem neu laufenden gegenüber einem früheren und abgeschlossenen
Mandat), strikt verboten ist. Das Bundesgericht geht davon aus, dass bei Mehr-
fachverteidigungen ein grundsätzlicher Interessenkonflikt besteht, der einen Ver-
fahrensausschluss eines erbetenen privaten Verteidigers (gestützt auf das An-
waltsberufs- und Strafprozessrecht) rechtfertigten kann, und eine solche deshalb
nur in Ausnahmefällen zulässig ist, etwa dann, wenn die Mitbeschuldigten durch-
wegs identische und widerspruchsfreie Sachverhaltsdarstellungen geben und ihre
Prozessinteressen nach den konkreten Umständen nicht divergieren. Eine Dop-
pelvertretung erachtet das Bundesgericht nur dann als zulässig, wenn in Bezug
auf die einzelnen Verfahrensbeteiligten keine Interessenkollision oder auch nur
der Anschein einer solchen besteht (Ruckstuhl, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger
[Hrsg.], Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, N 8 ff. zu Art. 127 StPO; BGE 145
IV 218 E. 2.1 = Pra 108 (2019) Nr. 123; Urteile des Bundesgerichts 1B_7/2009
vom 16. März 2009 E. 5.5 und 5.8 und 1B_528/2021 vom 21. Dezember 2021
E. 2.2 = Pra 111(2022) Nr. 26).
4.1.2 Die D._ und E._ gemachten Vorhalte weisen keine inhaltli-
chen Überschneidungen auf. Das heisst, ausser dem Umstand, dass ihnen bei-
den vorgeworfen wird, sich im Zusammenhang mit dem Beschuldigten der Betäu-
bungsmitteldelinquenz strafbar gemacht zu haben, weisen die ihnen gemachten
Vorwürfe keine Gemeinsamkeiten auf. Insbesondere wird ihnen nicht zur Last ge-
legt, bei der jeweils vorgeworfenen Betäubungsmitteldelinquenz zusammenge-
wirkt zu haben. Entsprechend sind auch keine sich widerstreitenden Prozessinte-
ressen der beiden ersichtlich, welche einer Vertretung durch dieselbe Verteidi-
gung entgegenstehen würden. In der Mandatierung von Rechtsanwalt lic. iur.
Y._ sowohl als amtlicher Verteidiger von D._ als auch von E._ ist
damit keine Verletzung von Art. 127 Abs. 3 StPO erkennbar.
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4.1.3 Aus den Akten gehen entgegen dem Vorbringen des Beschuldigten
auch keine Hinweise darauf hervor, dass eine mögliche Absprache zwischen der
Staatanwaltschaft und Rechtsanwalt lic. iur. Y._ zu den Belastungen des Be-
schuldigten durch D._ und E._ geführt haben könnte. So erfolgte das
Geständnis von E._, für den Beschuldigten gegen Bezahlung einen Kokain-
transport durchgeführt zu haben (Urk. 3/2 S. 2 ff.), bereits am 20. November 2018
und damit zu einem Zeitpunkt, zu welchem noch gar kein Mandatsverhältnis zwi-
schen Rechtsanwalt lic. iur. Y._ und D._ bestanden hatte. Dieser wurde
erst am 11. Dezember 2018 via Anwaltspikett als deren Verteidiger beigezogen
(Urk. 3/4 S. 1). Bereits aus diesem Grund erweist sich ein koordiniertes, auf eine
übermässige Belastung des Beschuldigten durch mehrere Verfahrensbeteiligte
gerichtetes Vorgehen als ausgeschlossen. Überdies finden die Eingeständnisse
von E._ und D._ – wie zu zeigen sein wird – eine Stütze in den aus den
Überwachungsmassnahmen hervorgegangenen Abhörprotokollen, was ebenfalls
gegen eine abgesprochene Falschbelastung des Beschuldigten spricht. Entspre-
chend ist auch keine Verletzung des Fairnessgebotes gemäss Art. 6 Ziff. 1 EMRK
ersichtlich.
4.1.4 Lediglich ergänzend ist auf einen weiteren Einwand der amtlichen Ver-
teidigung einzugehen. So stellte diese vor Vorinstanz in den Raum, dass es im
Zusammenhang mit der Mehrfachverteidigung durch Rechtsanwalt Y._ auch
auffällig sei, dass E._ von diesem nicht zur Konfrontationseinvernahme vom
2. Juli 2019 begleitet worden sei, obwohl sie habe amtlich verteidigt sein müssen
(Urk. 23 S. 4). Es ist darauf hinzuweisen, dass Rechtsanwalt Y._ auf Seite 1
des Protokolls der Konfrontationseinvernahme vom 2. Juli 2019 tatsächlich nicht
als anwesende Person vermerkt ist (Urk. 2/15). In der weiteren Protokollierung
finden sich jedoch Anhaltspunkte darauf, dass es sich dabei um ein Versehen
handelte und er auch in jener Einvernahme zugegen war. So wurde auf Seite 4
jenes Protokolls vermerkt, dass Rechtsanwalt lic. iur. Y._ keine Ergänzungs-
frage gestellt habe. Hinweise auf eine Verletzung des Fairnessgebotes lassen
sich wiederum nicht ableiten.
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4.2 Was den Einwand betrifft, dass die Entscheide betreffend die Genehmi-
gung von Überwachungsmassnahmen lediglich von drei Richtern gefällt worden
seien, wies die Vorinstanz richtigerweise darauf hin, dass es gerade den Gedan-
ken der Verfahrensökonomie und der Diskretion entspreche, dass sich nicht un-
nötig viele Personen mit einem Verfahren zu befassen hätten. Entsprechend stellt
denn auch die mehrmalige Befassung einer in einer Strafbehörde tätigen Person
mit derselben Sache im Rahmen derselben Stellung auch keinen Ausstandsgrund
im Sinne von Art. 56 StPO dar. Zu Recht verneinte die Vorinstanz daher eine Ver-
letzung des Grundsatzes eines fairen Verfahrens Art. 6 Ziff. 1 EMRK, gemäss
welchem ein faires Verfahren vor einem unabhängigen und unparteiischen, auf
Gesetz beruhenden Gericht garantiert wird (Urk. 35 S. 11 f.).
5. Der Beschuldigte liess weiter sowohl vor Vorinstanz als auch im Beru-
fungsverfahren einen Verstoss gegen das Beschleunigungsgebot und damit ver-
bunden das Vorliegen einer verdeckten Beugehaft geltend machen. Dabei liess er
monieren, dass eine erste Konfrontationseinvernahme mit einer Belastungszeugin
erst 8 Monate nach seiner Verhaftung stattgefunden habe, obwohl alle Belas-
tungspersonen entweder lange vor seiner Verhaftung oder unmittelbar danach
einvernommen worden seien und zudem alle Protokolle der Überwachungsmass-
nahmen bereits vorgelegen hätten. Dass die Untersuchung, bei welcher er aus-
schliesslich von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht habe,
weshalb seine Einvernahmen entsprechend kurz ausgefallen seien, derart lang-
sam vorangetrieben worden sei, lasse sich letztlich nur dadurch erklären, dass ihn
die Untersuchungsbehörde mit Beugehaft zu einem Geständnis habe bewegen
wollen (Urk. 23 S. 5 f.; Urk. 64 S. 3; Prot. II S. 10).
5.1 Die Vorinstanz verneinte eine Verletzung des Beschleunigungsgebots
durch die Staatsanwaltschaft während der Dauer der Untersuchungshaft des Be-
schuldigten. Sie erwog, dass gerade aufgrund der Aussageverweigerung des Be-
schuldigten eine längere Untersuchung erforderlich geworden sei. Dabei wies sie
darauf hin, dass sowohl eine aufwändige Auswertung von Überwachungsmass-
nahmen als auch die Befragungen mehrerer Belastungszeugen zu jeweils vonei-
nander unabhängigen Vorgängen notwendig gewesen seien. Zudem zeigte sie
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auf, dass innerhalb der rund 11 Monate zwischen der Verhaftung des Beschuldig-
ten am 22. Oktober 2018 und dem 26. September 2019 insgesamt 22 Einver-
nahmetermine stattgefunden hatten, wobei zwischen den einzelnen Terminen nur
selten mehr als drei bis vier Wochen vergangen seien. Letztlich gelangte sie zum
Schluss, dass es angesichts der Komplexität und des Umfangs der Ermittlungen
entgegen der Auffassung der amtlichen Verteidigung eher erstaunlich sei, dass
das Vorverfahren nur rund ein Jahr gedauert habe (Urk. 35 S 58 ff.).
5.2 Gemäss Art. 5 Abs. 1 StPO nehmen die Strafbehörden Strafverfahren
unverzüglich anhand und bringen sie ohne unbegründete Verzögerung zum Ab-
schluss. Ausserdem wird in Absatz 2 jener Bestimmung insbesondere in Bezug
auf beschuldigte Personen, die sich in Haft befinden, verlangt, dass deren Verfah-
ren vordringlich durchgeführt wird. Eine Verletzung dieses Gebotes in Bezug auf
inhaftierte beschuldigte Personen liegt dabei unter anderem dann vor, wenn ent-
weder die Haftfrist die mutmassliche Dauer der zu erwartenden freiheitsentzie-
henden Sanktion übersteigt oder wenn das Strafverfahren nicht genügend voran-
getrieben wird (Summers, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar
StPO, 2. Aufl. 2014, N 4 zu Art. 5 StPO; BGE 132 I 21 E. 4.1).
5.3 Zwar trifft zu, dass die erste Konfrontationseinvernahme zwischen dem
Beschuldigten und den Belastungszeugen erst rund acht Monate nach der Ver-
haftung des Beschuldigten durchgeführt wurde (Urk. 2/14). In der Zwischenzeit
wurden ihm jedoch im Rahmen umfangreicher etwa monatlich stattfindender Ein-
vernahmen die aus den Überwachungsmassnahmen zusammengetragenen Er-
gebnisse und die bereits getätigten Angaben der Belastungszeugen vorgehalten
(Urk. 2/2-10). Von einem Untätigbleiben der Untersuchungsbehörde bis zur
Durchführung der Konfrontationseinvernahmen kann daher nicht die Rede sein.
Zwar mögen die jeweiligen Einvernahmen des Beschuldigten entsprechend dem
Vorbringen der Verteidigung angesichts der Aussageverweigerung nicht so lange
gedauert haben. Der Vorbereitungsaufwand der Vorhalte für jene Einvernahmen
wurde alleine aufgrund des Umstandes, dass der Beschuldigte von seinem Aus-
sageverweigerungsrecht Gebrauch machte, jedoch nicht geschmälert. Darin, dass
es jeweils knapp einen Monat gedauert hatte, bis der Beschuldigte ein weiteres
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Mal einvernommen worden war, ist daher keine Verletzung des Beschleuni-
gungsgebots erkennbar. Ausserdem ist auch nicht zu beanstanden, dass es die
Untersuchungsbehörde vorgezogen hatte, dem Beschuldigten zunächst sämtliche
aus den Überwachungsmassnahmen gewonnenen Erkenntnisse vorzuhalten, be-
vor sie ihn mit den Belastungszeugen konfrontierte. In Bestätigung der vorinstanz-
lichen Schlussfolgerung ist daher eine Verletzung des Beschleunigungsgebots zu
verneinen. Das Vorverfahren wurde vielmehr durchaus beförderlich geführt. Auch
eine Beugehaft lag damit nicht vor. An dieser Einschätzung vermag auch der Um-
stand nichts zu ändern, dass die Verteidigung die Haft des Beschuldigten in ihrem
Vorbringen als verdeckte Beugehaft qualifizierte.
6. Der Beschuldigte liess die Unverwertbarkeit der Aussagen von D._
und E._ geltend machen, da diese unter Täuschung und unterschwelligen
Drohungen durch die Untersuchungsbehörde herbeigeführt worden seien. So sei
D._ beispielsweise mit der Anmerkung des sie einvernehmenden Polizeibe-
amten, er wolle ihr nicht noch eine grössere Menge als 450 Gramm Kokain unter-
jubeln, in suggestiver Weise unter Druck gesetzt worden. Dass dies Wirkung ge-
zeigt habe, sei dadurch ersichtlich, dass sie gestützt auf diese Unterstellungen ei-
ne Menge von 300 Gramm in den Raum geworfen habe, nachdem sie zunächst
noch von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht habe. Auch bei
E._ habe es zwischen ihren Einvernahmen vom 19. und vom 20. November
2018 zu Versprechungen und Druckausübungen seitens der Staatsanwaltschaft
kommen müssen, zumal andernfalls nicht interpretierbar sei, weshalb sie anläss-
lich der Hafteinvernahme plötzlich ausgesagt habe, dass sie ihre bisherigen Aus-
sagen korrigieren wolle. Hinweise auf entsprechende Vorgänge würden sich zu-
dem aus den Angaben von E._ ergeben, wonach der einvernehmende Poli-
zeibeamte angeblich lautgeworden sei und ihr offenbar erklärt habe, was "das
Problem" aus ihrer Sicht sei (Urk. 23 S. 9, 11. f.; Urk. 64 S. 3 f.).
6.1 Die Vorinstanz gelangte sowohl hinsichtlich der Aussagen von D._
als auch jener von E._ zum Schluss, dass diese verwertbar seien. Sie ver-
neinte dabei, dass sich aus den konkreten Angaben der beiden Frauen Hinweise
dazu ergeben würden, dass sie seitens der Untersuchungsbehörde unter Druck
- 16 -
gesetzt worden seien. Vielmehr gehe in Bezug auf die Angaben von D._ aus
dem Kontext der jeweiligen Befragungen hervor, dass die von der Verteidigung
beanstandete Frageweise der Transparenz und der Fairness gedient habe. Zu
den Angaben von E._ erwog die Vorinstanz, dass diese verteidigt gewesen
sei, als sie ihre Eingeständnisse getätigt habe und überdies aus ihren Antworten
hervorgehe, dass sie einem allfälligen äusseren Druck gewachsen und genügend
widerstandsfähig gewesen sei. Aus diesem Grund könne auch bei ihr nicht ange-
nommen werden, dass sie sich von einem allfälligen Druck der Strafverfolgungs-
behörden derart habe beeinflussen lassen, dass sie ihr Geständnis gestützt da-
rauf abgelegt habe (Urk. 35 S. 20 f., 29 f.).
6.2 Entsprechend diesen zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz, auf wel-
che vorab verwiesen werden kann, liegen entgegen dem Vorbringen der Verteidi-
gung weder hinsichtlich D._ noch hinsichtlich E._ Hinweise darauf vor,
dass diese ihre Eingeständnisse lediglich aufgrund einer Druckausübung oder
wegen Täuschungen durch die Strafverfolgungsbehörde getätigt hätten. Beide
waren verteidigt, als sie ihre Eingeständnisse abgelegt hatten. Ausserdem wie-
derholten beide ihre Angaben in Gegenwart des Beschuldigten im Rahmen ihrer
staatsanwaltschaftlichen Einvernahmen als Auskunftsperson vom 2. Juli 2018
bzw. 26. August 2018 (Urk. 2/15; Urk. 2/16). Beide Einvernahmen fanden jeweils
zu einem Zeitpunkt statt, zu welchen sich die beiden Frauen nicht mehr in Haft
befanden (Urk. 1/5 S. 3 ff.). Hätten sie ihre Geständnisse ursprünglich einzig des-
halb abgelegt, um eine möglichst rasche Haftentlassung herbeizuführen, wie dies
die Verteidigung in den Raum stellt, wäre zu erwarten gewesen, dass sie diese
widerrufen oder zumindest nicht mehr bestätigt hätten, nachdem sie aus der Haft
entlassen worden waren, zumal sie sich mit ihren Angaben auch erheblich selbst
belasteten. Überdies fällt insbesondere beim Aussageverhalten von D._ in
der polizeilichen Einvernahme vom 11. Dezember 2020 auf, dass sie den Vorhal-
ten des einvernehmenden Polizeibeamten auch teilweise widersprochen und Kor-
rekturen angebracht hat. So wehrte sie sich gegen gewisse ihr vorgehaltene
Mengen von bestelltem Kokain (Urk. 3/4 S. 9 ff.), was dagegen spricht, dass sie
sich vom einvernehmenden Polizeibeamten unter Druck gesetzt oder einge-
schüchtert gefühlt hatte. Auch die Eingeständnisse von E._ erfolgten nicht
- 17 -
lediglich durch Bejahung von ihr gemachten Vorhalten. Vielmehr schilderte sie
den Ablauf der in Frage stehenden Kokainlieferung und die Umstände, wie es da-
zu gekommen war, weitgehend frei und detailreich (Urk. 3/2 S. 2 ff.; Urk. 2/15 S. 2
ff.). Vor diesem Hintergrund sowie in Anbetracht dessen, dass die von ihr ge-
machten Angaben mit den Erkenntnissen aus den Überwachungsmassnahmen
übereinstimmen, sind auch hinsichtlich ihrer Eingeständnisse keine Gründe dafür
ersichtlich, diese als unverwertbar zu erachten.
7. Was die Aussagen von D._ und E._ betrifft, brachte die Vertei-
digung anlässlich der Berufungsverhandlung neu vor, dass diese beiden Aus-
kunftspersonen vor Vorinstanz hätten persönlich angehört werden müssen
(Urk. 64 S. 3).
7.1 Art. 343 Abs. 3 StPO verpflichtet das Gericht grundsätzlich, im Vorver-
fahren ordnungsgemäss erhobene Beweise nochmals zu erheben, sofern die un-
mittelbare Kenntnis des Beweismittels für die Urteilsfällung notwendig erscheint.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist eine unmittelbare Abnahme ei-
nes Beweismittels notwendig im Sinne von Art. 343 Abs. 3 StPO, wenn sie den
Ausgang des Verfahrens beeinflussen kann. Dies ist namentlich der Fall, wenn
die Kraft des Beweismittels in entscheidender Weise vom Eindruck abhängt, der
bei seiner Präsentation entsteht, beispielsweise wenn es in besonderem Masse
auf den unmittelbaren Eindruck einer Zeugenaussage ankommt, so wenn die
Aussage das einzige direkte Beweismittel (Aussage gegen Aussage) darstellt
(BGE 140 IV 196 E. 4.4.1 - 4.4.3; Urteil des Bundesgerichtes 6B_70/2015 vom
20. April 2016 E. 1.4.1).
7.2 Zur Beurteilung der jeweiligen Anklagesachverhalte liegen neben den
Aussagen von D._ und E._ weitere Beweismittel im Recht. Neben dem
Kokain, welches im Zusammenhang mit dem D._ betreffenden Tatkomplex
sichergestellt wurde, sind insbesondere die aus den Überwachungsmassnahmen
beider Auskunftspersonen resultierenden Abhörprotokolle vorhanden. Da es sich
bei den Aussagen von D._ und E._ somit nicht um das jeweils einzige
Beweismittel handelt, erweist sich eine unmittelbare Wahrnehmung dieser beiden
Auskunftspersonen durch das Sachgericht als nicht notwendig. Überdies wurde
- 18 -
eine entsprechende Einvernahme durch die Verteidigung auch nicht formell bean-
tragt.
8. Schliesslich liess der Beschuldigte vor Vorinstanz ausdrücklich und an-
lässlich der Berufungsverhandlung im Rahmen des Verweises auf das Plädoyer
vor Vorinstanz beanstanden, dass der Grundsatz verletzt worden sei, wonach das
Verfahren gegen angebliche Mittäter gemeinsam zu führen sei (Urk. 23 S. 12;
Urk. 64 S. 3).
8.1 Nach Art. 29 Abs. 1 lit. b StPO werden Straftaten gemeinsam verfolgt
und beurteilt, wenn Mittäterschaft oder Teilnahme vorliegt. Aus sachlichen Grün-
den können die Staatsanwaltschaft und die Gerichte gestützt auf Art. 30 StPO
Strafverfahren trennen oder vereinigen.
8.1.1 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung bezweckt der Grundsatz
der Verfahrenseinheit nach Art. 29 StPO die Verhinderung sich widersprechender
Urteile, sei dies bei der Sachverhaltsfeststellung, der rechtlichen Würdigung oder
der Strafzumessung. Damit gewährleistet er das Gleichbehandlungsgebot (Art. 8
BV) und dient der Prozessökonomie. Ausserdem wies das Bundesgericht darauf
hin, dass die Trennung von Verfahren bei mehreren Beschuldigten problematisch
sein könne, weil die getrennte Verfahrensführung mit einer Beschränkung der
Teilnahmerechte einhergehe, zumal bezüglich der Einvernahmen in separat ge-
führten Verfahren kein Anspruch auf Teilnahme und nicht derselbe auf Aktenein-
sicht bestehe. Die Verfahrenstrennung wiederum soll vor allem der Verfahrensbe-
schleunigung dienen bzw. eine unnötige Verzögerung vermeiden helfen. Als
sachlicher Trennungsgrund gilt etwa die länger dauernde Unerreichbarkeit einzel-
ner beschuldigter Personen oder die bevorstehende Verjährung einzelner Strafta-
ten (BGE 144 IV 97 E. 3.3; Urteile des Bundesgerichtes 6B_135/2018 vom
22. März 2019, E. 1.2 und 6B_467/2019 vom 19. Juli 2019, E. 5.1).
8.1.2 Im Entscheid 6B_1026/2017 vom 1. Juni 2018 setzte sich das Bun-
desgericht mit einer ähnlichen Konstellation wie derjenigen auseinander, die sich
in diesem Verfahren präsentiert. Dabei erwog es unter anderem, dass Lieferanten
und ihre Abnehmer im Betäubungsmittelhandel gemäss Lehre und Rechtspre-
- 19 -
chung als Akteure verschiedener Hierarchiestufen gelten würden und daher nicht
als Mittäter zu betrachten seien. Die extrem weite Fassung der Verbotsmaterie in
Art. 19 Abs. 1 BetmG habe vielmehr zur Folge, dass verschiedene der aufgezähl-
ten verbotenen Handlungen, welche zwar den Charakter der Mittäterschaft oder
Teilnahme an Drogengeschäften von Drittpersonen aufweisen könnten, als selb-
ständige Straftatbestände eingestuft würden. Wer in solchen Fällen selber alle
Merkmale eines gesetzlichen Straftatbestandes objektiv und subjektiv erfülle, sei
nach der Praxis nicht bloss Teilnehmer, sondern Täter. Wer etwa unbefugt Be-
täubungsmittel kaufe, sei bezüglich der gekauften Drogen "nur" Täter nach Art. 19
Abs. 1 lit. d BetmG, nicht auch Mittäter des Lieferanten (lit. c). Vor diesem Hinter-
grund erachtete das Bundesgericht Art. 29 Abs. 1 lit. b StPO, welcher die Beurtei-
lung von Mittätern und Teilnehmern in einem Verfahren gebiete, nicht als ein-
schlägig. Es erachtete mithin in einer solchen Konstellation eine Verfahrenstren-
nung bzw. eine von Anfang an getrennte Verfahrensführung als zulässig (a.a.O.,
E. 1.2.2; Schlegel, in: Donatsch/Lieber/Summers/Wohlers [Hrsg.], Kommentar
StPO, 3. Aufl. 2020, N 4 zu Art. 30 StPO).
8.1.3 Die Anklage wirft dem Beschuldigten einzig in Bezug auf G._
"G'._" Mittäterschaft vor. Was die Vorwürfe gemäss den Anklageziffern 1.1.1.
und 1.1.2. betrifft, gemäss welchen dem Beschuldigten Betäubungsmittelver-
kaufshandlungen von G._ "G'._" aufgrund eines gleichmassgeblichen
und arbeitsteiligen Zusammenwirkens angerechnet werden, wurde der Beschul-
digte erstinstanzlich implizit freigesprochen, weil sich diese Vorwürfe gemäss der
Vor-instanz nicht als erstellt erwiesen hatten (Urk. 35 S. 14). Mangels Anfechtung
durch die Staatsanwaltschaft hat es bei diesem Entscheid zu bleiben (vgl.
E. III.2.). Angesichts dieses Freispruchs in Bezug auf die in Mittäterschaft mit
G._ "G'._" vorgeworfenen Tathandlungen erübrigt sich mithin eine Prü-
fung, ob die Verfahren gegen den Beschuldigten und G._ "G'._" im Sin-
ne von Art. 29 StPO hätten gemeinsam geführt werden müssen.
8.1.4 Hinsichtlich der übrigen in der Anklageschrift erwähnten Nebentäter
des Beschuldigten geht aus den jeweiligen Umschreibungen des Anklagesach-
verhaltes hervor, dass ihnen ebenfalls strafbare Betäubungsmittelhandlungen
- 20 -
zum Vorwurf gemacht werden. Dabei lassen die jeweiligen Sachverhaltsum-
schreibungen darauf schliessen, dass ihnen jeweils die Täterschaft einer eigen-
ständigen Tatbestandsvariante von Art. 19 Abs. 1 StGB und nicht bloss Mittäter-
schaft mit dem Beschuldigten zum Vorwurf gemacht wird (Urk. 12 S. 2 ff.).
Gleichwohl geht aus der Umschreibung des Anklagesachverhaltes hervor, dass
die jeweiligen Nebentäter durch die Anklagebehörde auf einer tieferen Hierarchie-
stufe als der Beschuldigte angesiedelt werden. Bereits aufgrund des Umstandes,
dass den übrigen beschuldigten Personen selbständige Tätereigenschaft inner-
halb der Betäubungsmitteldelinquenz zukommt und sie nicht derselben Hierar-
chiestufe zugeordnet werden wie der Beschuldigte, erweist es sich nicht als unzu-
lässig, dass deren Strafverfahren getrennt geführt wurden (vgl. Urteil des Bun-
desgerichtes 6B_1026/2017 vom 1. Juni 2018, E. 1.2.2).
8.1.5 Dem Beschuldigten werden im Zusammenhang mit dem Handel von
Betäubungsmitteln insgesamt sechs Sachverhaltskomplexe zum Vorwurf ge-
macht. Da die weiteren in der Anklageschrift aufgeführten Beteiligten gemäss den
ihnen gemachten Vorwürfen jeweils nur in einen einzigen dieser Sachverhalts-
komplexe involviert sind, erweist sich die separate Verfahrensführung auch unter
den Gesichtspunkten der Prozessökonomie und des Beschleunigungsgebotes als
sachgerecht. Insbesondere in Anbetracht dessen, dass sich die übrigen Verfah-
rensbeteiligten im Gegensatz zum Beschuldigten bereits zu Beginn der gegen sie
geführten Strafuntersuchung mehrheitlich geständig zeigten und sich die gegen
sie erhobenen Vorwürfe mithin rascher als liquide erwiesen, wäre eine gemein-
same Verfahrensführung vor dem Hintergrund des zu beachtenden Beschleuni-
gungsgebotes aus deren Sicht als problematisch zu beurteilen gewesen (vgl. Ur-
teil des Bundesgerichtes 6B_1026/2017 vom 1. Juni 2018, E. 1.2.3). Schliesslich
ist auch nicht ersichtlich, dass aufgrund der getrennt geführten Verfahren eine
Gefahr sich widersprechender Entscheide aufgrund der unterschiedlichen Würdi-
gung von Beteiligtenaussagen bestehen würde. So finden die durch die Verfah-
rensbeteiligten gegen den Beschuldigten erhobenen Belastungen – wie zu zeigen
sein wird – auch eine Stütze in den Überwachungsprotokollen und sind damit ge-
wissermassen zusätzlich objektivierbar (vgl. Urteil des Bundesgerichtes
6B_1026/2017 vom 1. Juni 2018, E. 1.2.3). In Anbetracht dessen, dass mit
- 21 -
C._, E._, D._, H._ und I._ Konfrontationseinvernahmen
durchgeführt wurden und der Beschuldigte damit die Möglichkeit hatte, diesen Er-
gänzungsfragen zu stellen (Urk. 2/14-18), ist ihm letztlich kein Nachteil aus der
getrennten Verfahrensführung erwachsen. Das Vorgehen der Strafverfolgungsbe-
hörde ist damit nicht zu beanstanden.
9. Entsprechend dem bereits durch die Vorinstanz zu Recht angebrachten
Hinweis ist zudem zu beachten, dass in der Anklageschrift teilweise Daten verse-
hentlich falsch festgehalten worden sind. So wurde der Beschuldigte am
22. Oktober 2018 und nicht am 20. Oktober 2018 (Urk. 12 S. 3 Ziff. 1.3) bzw. am
23. Oktober 2018 (Urk. 12 S. 1) verhaftet (Urk. 9/2). Auch bei der Angabe in An-
klageziffer 1.4., wonach eine Lieferung am 25. Juni 2016 stattgefunden habe,
handelt es sich um einen offensichtlichen Verschrieb, zumal die Sicherstellung
von 5,3 Gramm Kokain, welche in der Anklage jener Lieferung zugeschrieben
wird, am 25. Juni 2018 stattgefunden hatte (Urk. 1/4).
III. Sachverhalt
1. Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift zusammengefasst vorge-
worfen, im Zeitraum von Januar 2018 bis zu seiner Verhaftung am 22. Oktober
2018 Kokain verkauft und gelagert zu haben sowie an einer Kokaineinfuhr aus
Deutschland in die Schweiz beteiligt gewesen zu sein. Weiter werden ihm Über-
tretungen des Fernmeldegesetzes und des Betäubungsmittelgesetzes zur Last
gelegt.
1.1 In Anklageziffer 1.1. wird ihm vorgeworfen, im Januar 2018 in gleich-
massgeblichem und arbeitsteiligem Zusammenwirken mit G._ "G'._" bei
vier Übergaben insgesamt 400 Gramm Kokain für Fr. 21'000.– an C._ ver-
kauft zu haben. Die erste Übergabe soll am 16. Januar 2018 zwischen G._
und C._ auf dem Parkplatz der Firma J._ an der K._-strasse ... in
Zürich stattgefunden haben. Dabei sollen C._ 100 Gramm Kokain für
Fr. 5'500.– übergeben worden sein (Ziff. 1.1.1.). Anlässlich der zweiten Übergabe
vom 22. Januar 2018 soll wiederum G._ an derselben Örtlichkeit 50 Gramm
- 22 -
Kokain – anstelle der eigentlich bestellten 100 Gramm Kokain – an C._
übergeben haben (Ziff. 1.1.2.). Am 24. Januar 2018 habe der Beschuldigte
C._ sodann an deren Wohnort an der L._-Strasse ... in Zürich 50
Gramm Kokain übergeben, wobei sie Fr. 700.– an die Restschuld bezahlt habe
(Ziff. 1.1.3.). Schliesslich soll der Beschuldigte C._ am 30. Januar 2018 um
ca. 23.00 Uhr wiederum an deren Wohnort 200 Gramm Kokain übergeben haben.
1.2 Gemäss Anklageziffer 1.2. soll er am 27. Februar 2018 in seinem als
"Bunker" dienenden Bastelraum an der M._-strasse ... in Zürich 31 Gramm
Kokain und zum Strecken dienende Utensilien (444 Gramm Streckmittel, Mörser,
Presse, Knistersäcke, Minigrip, Waage, Einweghandschuhe und Vakuumiergerät)
besessen haben.
1.3 In Anklageziffer 1.3. wird ihm zur Last gelegt, ab Anfang Februar 2018
die Abnehmerin D._ in Zürich bei rund 40 Übergaben von jeweils zwischen 5
und 20 Gramm mit insgesamt mindestens 300 Gramm Kokain zu einem Gramm-
preis von Fr. 70.– beliefert zu haben. Eine beabsichtigte letzte Übergabe am 22.
Oktober 2018 habe verhindert werden können, da der Beschuldigte beim Betreten
der Liegenschaft N._-strasse ... in Zürich um 13.20 Uhr unter Sicherstellung
von 20 Gramm Kokain (netto 19,9 Gramm, Gehalt 62 %, entsprechend 12,3
Gramm Reinsubstanz) festgenommen worden sei.
1.4 Weiter wird dem Beschuldigten in Anklageziffer 1.4. vorgeworfen, ab An-
fang Februar 2018 in Zürich bei zehn Verkäufen insgesamt rund 50 Gramm Koka-
in zum Grammpreis von Fr. 70.– an den Abnehmer I._ verkauft zu haben.
Dabei sei die letzte Lieferung von brutto 5,3 Gramm Kokain am 25. Juni 2018
nach dem Verkauf um 18.48 Uhr beim Abnehmer an der O._-strasse in Zü-
rich sichergestellt worden.
1.5 In Anklageziffer 1.5. wird ihm vorgeworfen, an einer Kokaineinfuhr aus
Deutschland und der anschliessenden Weitergabe beteiligt gewesen zu sein. So
soll er ca. im Februar 2018 seine Bekannte E._ während einer Autofahrt an-
gefragt haben, ob sie für eine Belohnung von Fr. 1'500.– für ihn ein Kilogramm
Kokain aus Deutschland in die Schweiz transportieren wolle. Nachdem E._
- 23 -
dies zunächst abgelehnt habe, soll der Beschuldigte ihr bei weiteren Anfragen ei-
nen Betrag von Fr. 2'000.– als Belohnung angeboten haben. Daraufhin habe sie
eingewilligt, und sie hätten sich Anfang März 2018 beide mit dem Lieferanten
"P._" in Deutschland in der Nähe der Schweizer Grenze getroffen. Am
14. März 2018 habe der Beschuldigte E._ schliesslich an ihrem Wohnort in
Q._ abgeholt und sie nach Zürich-R._ gefahren. Dort sei es zu einem
Autotausch gekommen. Der Beschuldigte habe bei einem Bekannten ein Fahr-
zeug für sich organisiert und den von ihm benutzten Personenwagen Honda
"Civic" E._ für die Kokaineinfuhr übergeben. Ausserdem habe er ihr um
15.43 Uhr für die Einfuhr ein separates Mobiltelefon überlassen und ihr im Koffer-
raum des Autos ein Versteck gezeigt. Wie vom Beschuldigten instruiert, sei
E._ dann via S._ nach T._ gefahren, wo sie um 17.04 Uhr im
Stadtteil U._ den Lieferanten "P._" getroffen habe, der ihr neben zwei
Säcken mit Lebensmitteln und Kosmetika auch ein Kilogramm Kokain übergeben
habe. Das in Folie verpackte und mit Klebeband umwickelte Kokain habe der Lie-
ferant – wie von E._ angeleitet – im Kofferraum auf der linken Seite hinter ei-
ner Abdeckung versteckt. Nach dem Transport des Kokains über die Grenze nach
V._ SG habe sie dort um 18.37 Uhr den vom Lieferanten informierten Be-
schuldigten getroffen. Dieser sei ins Fahrzeug zugestiegen und habe sie an die
Liegenschaft W._-strasse ... dirigiert, wo er das Kokain um 18.51 Uhr einem
namentlich nicht bekannten Abnehmer ausgehändigt habe. Unmittelbar nach die-
ser Übergabe habe der Beschuldigte E._ die versprochenen Fr. 2'000.– und
Fr. 100.– für Spesen übergeben.
1.6 Was den Verkauf von Drogen betrifft, wird dem Beschuldigten letztlich
zur Last gelegt, am Abend des 14. Juni 2018 um 19.56 Uhr dem Abnehmer
H._ an der M._-strasse in Zürich-AA._ eine Menge von 50 Gramm
Kokain (netto 49,6 Gramm, Reinheitsgehalt 96 %, entsprechend 47,6 Gramm
Reinsubstanz) verkauft zu haben, wobei dieses Kokain kurz darauf beim Abneh-
mer auf der Rückfahrt in AB._ in dessen Fahrzeug sichergestellt worden sei.
1.7 Überdies wird dem Beschuldigten in Anklageziffer 2. vorgeworfen, sich
einen sogenannten GPS-Jammer, dessen Gebrauch gesetzlich verboten sei, be-
- 24 -
schafft und diesen im von ihm benutzten Personenwagen Honda "Civic" verwen-
det zu haben, bis dieser anlässlich der Festnahme des Beschuldigten am
22. Oktober 2018 sichergestellt worden sei.
2. Ohne diese Entscheide im Urteilsdispositiv festzuhalten, gelangte die Vor-
instanz hinsichtlich der in den Anklageziffern 1.1.1. und 1.1.2. umschriebenen An-
klagevorwürfe zum Schluss, dass diese aufgrund der bei den Akten liegenden
Beweismittel nicht als erstellt erachtet werden könnten (Urk. 35 S. 14). Da das
vorinstanzliche Urteil einzig vom Beschuldigten angefochten wurde, hat es ange-
sichts des zur Anwendung gelangenden Verschlechterungsverbotes sowie auf-
grund von Art. 404 Abs. 1 StPO (BGE 139 IV 282 E. 2.6; Art. 391 Abs. 2 StPO)
beim Entscheid der Vorinstanz zu bleiben. Da der Urteilsspruch andernfalls den
durch die Anklage vorgegebenen Prozessgegenstand nicht erschöpfend erledigen
würde, sind die diesbezüglichen Entscheide durch die Aufnahme in das Dispositiv
zu formalisieren (vgl. BGE 142 IV 378 E. 1.3).
3. Was die in den Anklageziffern 1.4. und 1.6. umschriebenen Anklagevor-
würfe betrifft, zeigte sich der Beschuldigte im Vorverfahren, vor Vorinstanz und im
Berufungsverfahren geständig (Urk. 9/29 S. 1 f.; Prot. I S. 19, 22). Da sich dieses
Geständnis auch mit dem übrigen Beweisergebnis deckt, erweisen sich diese An-
klagesachverhalte als rechtsgenügend erstellt.
4. Der Beschuldigte, welcher konsequent von seinem Aussageverweige-
rungsrecht Gebrauch machte, lässt hingegen die Vorwürfe gemäss den Anklage-
ziffern 1.1.3., 1.1.4., 1.2., 1.3., 1.5. und 2. bestreiten. Der diesbezügliche Ankla-
gesachverhalt ist daher aufgrund der Akten und der vor Gericht vorgebrachten
Argumente nach den allgemeingültigen Beweisregeln zu erstellen.
4.1 Hinsichtlich des in Anklageziffer 1.2. erwähnten Bastelraums an der
M._-strasse ... in Zürich erlangte die Kantonspolizei Zürich im Rahmen von
diversen Observationen Hinweise darauf, dass der Beschuldigte über diesen ver-
fügen würde (Urk. 4/5/1 S. 2). Gestützt auf den Durchsuchungsbefehl der Staats-
anwaltschaft II des Kantons Zürich vom 20. März 2018 wurde am 27. März 2018
in jenem Bastelraum eine Hausdurchsuchung durchgeführt. Diese wurde dem
- 25 -
Beschuldigten zum damaligen Zeitpunkt aber noch nicht mitgeteilt (Urk. 6/1;
Urk. 2/4 Beilage act. 8.5). Anlässlich jener Durchsuchung wurden auf einem Pult
unter anderem 28 Gramm Kokain, welche sich in einem Knittersack befunden hat-
ten, sowie rund 3 Gramm Kokain in einer Glasschale vorgefunden. Ausserdem
befanden sich in jenem Raum weitere Gegenstände, welche auf die Weiterverar-
beitung und damit auch auf den Handel mit Betäubungsmitteln hinweisen, wie
beispielsweise Einweghandschuhe, eine Waage, Streckmittel, Minigrips und ein
Vakuumiergerät. Überdies waren eine Pistole und ein Magazin mit 7 Patronen auf
einem Regal deponiert (Urk. 2/4 S. 13 f.; Urk. 2/4 Beilagen act. 8.7 ff.; Urk. 2/4
Beilage act. 10.2). Ab der Griffschale jener Pistole und ab dem Magazin wurden
an jenem Tag DNA-Spuren entnommen. Eine Auswertung brachte den Beschul-
digten als Spurengeber hervor (Urk. 7/10 S. 2). Gestützt auf den Durchsuchungs-
befehl der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 20. März 2018 wurde je-
ner Bastelraum am 21. März 2018 ein weiteres Mal durchsucht. Im Rahmen jener
Hausdurchsuchung wurden zwar kein Kokain und keine Pistole mehr gesichtet,
auf dem Pult befanden sich jedoch noch immer Betäubungsmittelutensilien
(Urk. 2/4 Beilage act. 9.1; Urk. 2/4 Beilagen act. 9.7 ff.). Nach der Verhaftung des
Beschuldigten am 22. Oktober 2018 wurden im von ihm damals benutzten Fahr-
zeug Honda Civic gleichentags unter anderem ein zu jenem Bastelraum passen-
der Schlüssel und ein Schreiben der Liegenschaftsverwaltung jenes Bastelraums
vom 12. Juli 2018, mit welchem diese dem Beschuldigten die Kenntnisnahme sei-
nes Kündigungsschreibens mitgeteilt hatte, sichergestellt (Urk. 2/4 Beilage act. 6;
Urk. 2/4 Beilage act. 7). Gerade angesichts dieses Schreibens zeigt sich, dass es
sich beim Beschuldigten um den Mieter jenes Bastelraumes gehandelt hatte. Der
im von ihm gelenkten Fahrzeug aufgefundene Schlüssel belegt zudem, dass er
auch Zugang zu diesem Raum hatte. Angesichts der damals ab der Pistole si-
chergestellten DNA-Spuren des Beschuldigten liegt zudem auch nahe, dass er
bereits in jenem Zeitraum Zugang zu jenem Raum hatte, in welchem im Bastel-
raum rund 30 Gramm Kokain aufbewahrt worden waren. Diese Beweislage stellt
ein sehr gewichtiges Indiz dafür dar, dass das am 27. Februar 2018 vorgefundene
Kokain und die Betäubungsmittelutensilien entsprechend dem in Anklagezif-
fer 1.2. umschriebenen Vorwurf dem Beschuldigten zuzuordnen sind. Zwar brach-
- 26 -
te die Verteidigung anlässlich der Berufungsverhandlung vor, dass die im Bastel-
raum sichergestellten 31 Gramm Kokain eigentlich G._ "G'._" gehört
hätten, da es sich beim Beschuldigten lediglich um dessen Laufburschen gehan-
delt habe und er jenen Raum zur Tarnung von G._ "G'._" auf seinen
Namen habe mieten müssen (Urk. 64 S. 12). Dieser Einwand vermag jedoch nicht
zu überzeugen. Dass gewisse organisatorische Verbindungen zwischen dem Be-
schuldigten und G._ "G'._" bestanden haben, ist nicht in Abrede zu stel-
len. Entsprechendes geht denn auch – wie nachfolgend zu zeigen sein wird (vgl.
Erw. III.4.2 ff.) – unter anderem aus der SMS-Korrespondenz zwischen diesen
beiden hervor. Hinweise darauf, dass es sich beim Beschuldigten um einen aus-
schliesslich weisungsgebundenen Laufburschen von G._ "G'._" gehan-
delt haben könnte, liegen jedoch keine vor. Gerade in Anbetracht dessen, dass
der Beschuldigte im fraglichen Zeitraum so umfassend überwacht worden war,
hätten entsprechende Hinweise zum Vorschein treten müssen, wenn es sich bei
ihm tatsächlich nur um einen Laufburschen gehandelt hätte. Da der Beschuldigte
nicht nur über das Kündigungsschreiben betreffend den auf seinen Namen gemie-
teten Bastelraum, sondern auch über einen Schlüssel zu jenem Raum verfügte,
ist überdies auch auszuschliessen, dass er sich lediglich zur Tarnung von
G._ "G'._" als Mieter zur Verfügung gestellt hatte. Der Anklagesachver-
halt gemäss Ziffer 1.2. erweist sich demnach als erstellt. Zu berücksichtigen ist
jedoch, dass entsprechend dem Hinweis der Verteidigung nicht ausgeschlossen
werden kann, dass das im Bastelraum am 27. Februar 2018 vorgefundene Kokain
später durch den Beschuldigten an einen der in der Anklageschrift ebenfalls er-
wähnten Abnehmer verkauft wurde (Urk. 23 S. 7). Aus diesem Grund sind dem
Beschuldigten diese 31 Gramm Kokain nicht zusätzlich an die von ihm im ankla-
gegegenständlichen Zeitraum insgesamt umgesetzte Kokainmenge anzurechnen.
4.2 Die von den Anklageziffern 1.1.3. und 1.1.4. umfassten Vorwürfe gegen
den Beschuldigten gründen einerseits auf den Belastungen durch C._
(Urk. 2/14; Urk. 3/6) und den aus den Überwachungsmassnahmen resultierenden
Abhörprotokollen (Urk. 2/10 Beilagen 49 ff.).
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4.2.1 C._ erklärte in ihrer staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom
7. Mai 2019, dass sie den Beschuldigten und G._ "G'._" kennengelernt
habe, als sie mit Kollegen in Zürich R._ am Kiffen gewesen sei und diese
beiden dann dazugekommen seien. Sie seien dann auf das Thema Dealen ge-
kommen. Die beiden hätten gesagt, dass sie Ware hätten. Sie habe zu jener Zeit
gedealt und habe die Ware nicht mit ihrem eigenen Geld gekauft. Weiter gab sie
an, dass sie jeweils unterschiedlich viel, aber nicht mehr als Fr. 50.– für ein
Gramm Kokain bezahlt habe. Zum Beschuldigten gab sie weiter an, dass sie die-
sen nie richtig gekannt habe. G._ "G'._" habe diesen geschickt. Ausser-
dem merkte sie an, dass diese beiden Streit gehabt hätten. Was die Qualität des
übernommenen Kokains betrifft, gab sie an, dies nicht zu wissen, da sie selber
nicht konsumiere (Urk. 3/6 S. 2). Sie wurde weiter gefragt, wie es abgelaufen sei,
nachdem der Beschuldigte ihr am 24. Januar 2018 50 Gramm Kokain gebracht
habe. Dazu gab sie an, dass sie dieses in AC._ gegen Bares verkauft habe.
Anschliessend wurde sie gefragt, wo der Übergabeort der 200 Gramm Kokain
gewesen sei, die sie eine Woche später vom Beschuldigten erhalten habe. Sie
erklärte, dass dies – wenn sie sich nicht täusche – in Zürich R._ bei der
AD._ Tankstelle an der AE._-strasse gewesen sei. Danach sei sie wie-
derum nach AC._ gegangen und habe die Ware gegen Bares weitergegeben
(Urk. 3/6 S. 5). In jener Einvernahme wurde sie auch noch zu angeblichen Wei-
tergaben von rund 1,4 Kilogramm Kokain im Zeitraum zwischen September 2018
und Januar 2019 befragt, welche jedoch nicht im Zusammenhang mit dem Be-
schuldigten stehen (Urk. 3/6 S. 1 ff.).
4.2.2 In Anwesenheit des Beschuldigten und seiner amtlichen Verteidigung
wiederholte C._ anlässlich ihrer Einvernahme als Auskunftsperson vom 14.
Juni 2019, dass es zu einem ersten Kokainbezug von G._ "G'._" ge-
kommen sei, nachdem sie diesen beim Kiffen mit Bekannten getroffen habe und
er gesagt habe, dass er Material auftreiben könne. Weiter gab sie an, dass sie die
erste Portion Kokain von G._ "G'._" auf Kommission erhalten habe
(Urk. 2/14 S. 2). Die Frage danach, wann der Beschuldigte erstmals ins Spiel ge-
kommen sei, beantwortete sie damit, dass sie dies nicht mehr genau wisse, dass
G._ "G'._" aber irgendwie nicht habe kommen können und dieser dann
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den Beschuldigten geschickt habe. G._ "G'._" habe ihr gesagt, dass sie
diesem vertrauen könne, weshalb sie ihm dann auch das Geld gegeben habe. Zu
den jeweiligen Übergabeorten erklärte sie, dass der Beschuldigte ihr die ersten 50
in AA._ in dessen Auto übergeben habe. Ausserdem merkte sie an, zu glau-
ben, dass das Auto blau gewesen sei. Auf weitere Nachfrage erklärte sie, dass in
Zürich R._ auch ein Treffpunkt an der AD._ Tankstelle gewesen sei. Auf
die Frage, wo die Übergabe der 200 Gramm stattgefunden habe, gab sie an, dass
sie sich nicht richtig daran erinnern könne. Weiter wurde sie dazu befragt, wie das
Kokain jeweils verpackt gewesen sei. Sie erklärte, dass es in Säckli aus Vakuu-
mierungspapier verpackt gewesen sei und nicht in Minigrips. Sie verneinte, die
Menge jeweils nachkontrolliert zu haben, und sie gab erneut an, dass sie keine
Ahnung gehabt habe, was die Qualität des Kokains betreffe (Urk. 2/14 S. 3).
4.2.3 C._ bestätigte mithin im Rahmen jener Konfrontationseinvernah-
me – entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 64 S. 12) – dass es nicht
nur am 24. Januar 2018, sondern auch eine Woche später zu einer Kokainüber-
gabe an sie durch den Beschuldigten gekommen sei. Ausserdem geht aus ihren
Angaben hervor, dass sie anlässlich der ersten Übergabe 50 Gramm und anläss-
lich der zweiten Übergabe 200 Gramm Kokain entgegengenommen hatte. Weiter
lassen ihre Aussagen auch den Schluss zu, dass sie dem Beschuldigten im Rah-
men der ersten Kokainübergabe vom 24. Januar 2018 eine bei G._
"G'._" bestehende Restschuld bezahlt hatte. Zwar können ihren Angaben
keine Anhaltspunkte über die Qualität des entgegengenommenen Kokains ent-
nommen werden. Was den von ihr bezahlten Preis betrifft, geht aus ihren Aussa-
gen jedoch hervor, dass dieser maximal Fr. 50.– pro Gramm betrug. Wie die Vor-
instanz bereits zu Recht anmerkte, ist bei der Würdigung der Angaben von
C._ zwar zu berücksichtigen, dass auch gegen sie ein Strafverfahren wegen
Betäubungsmitteldelikten geführt wurde, und sie damit ein berechtigtes Interesse
daran hatte, ihre eigenen Taten in einem möglichst guten Licht darzustellen
(Urk. 35 S. 12). Da sie sich mit ihren Angaben über die erfolgten Kokainübernah-
men und insbesondere damit, dass sie einräumte, das Kokain anschliessend wei-
terverkauft zu haben, auch selbst erheblich belastete, geben ihre Aussagen je-
doch keinen Anlass, an deren Glaubhaftigkeit zu zweifeln. Dass auf ihre Angaben
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abgestellt werden kann, zeigen zudem die aus den Überwachungsmassnahmen
gewonnenen Erkenntnisse, welche sich ohne Weiteres mit diesen in Einklang
bringen lassen.
4.2.4 Aus der überwachten SMS-Konversation zwischen C._ und
G._ "G'._" vom 22. Januar 2018 geht hervor, dass sich die beiden über
ausstehende Schulden von C._ in der Höhe von insgesamt Fr. 3'300.– un-
terhielten und G._ "G'._" sie aufforderte, Fr. 700.– davon sofort zu be-
zahlen (Urk. 2/10 Beilagen 49 bis 55). Weiter teilte G._ "G'._" C._
am 24. Januar 2018 in einer SMS-Nachricht mit, dass er 50 Franken in der Ta-
sche habe und dringend Geld brauche. Anschliessend vereinbarten die beiden
wiederum mittels SMS-Nachrichten ein Treffen am selben Tag um 19.00 Uhr
(Urk. 2/10 Beilagen 56 bis 61). Schliesslich liegt die Abschrift einer SMS-
Nachricht vom 24. Januar 2018, 18.57 Uhr, ausgehend von der Nummer 2 an
G._ "G'._" mit dem Inhalt "Schreib ihr bin da", bei den Akten (Urk. 2/10
Beilage 62). Letzterer wandte sich um 18.59 Uhr mit der SMS-Nachricht "2 min
sie komt" an die Nummer 2 (Urk. 2/10 Beilage 66), worauf jener Teilnehmer um
19.09 Uhr zurückschrieb: "Sie hat mir 700 gegeben" (Urk. 2/10 Beilage 67). Diese
Nachrichten der Nummer 2 werden seitens der Strafverfolgungsbehörde dem Be-
schuldigten zugeordnet. Angesichts seiner Identifikation durch C._ als dieje-
nige Person, welche ihr am 24. Januar 2018 Kokain übergeben habe (Urk. 3/6
S. 5), besteht kein Anlass, diese Zuordnung anzuzweifeln. Diese SMS-
Korrespondenz zwischen C._, G._ "G'._" und dem Beschuldigten
wurde von der Strafverfolgungsbehörde so interpretiert, dass zwischen G._
"G'._" und C._ eine Übergabe von 50 Gramm Kokain und eine gleich-
zeitige Schuldentilgung durch C._ im Umfang von Fr. 700.– vereinbart wur-
de, wobei die Menge von 50 Gramm Kokain daraus abgeleitet wurde, dass
G._ "G'._" erwähnte, 50 Franken in der Tasche zu haben. Ausserdem
wurde in Anbetracht dessen, dass der Beschuldigte in jene Konversation involviert
wurde, und er es schliesslich war, welcher G._ "G'._" zurückmeldete,
dass "sie" ihm 700 gegeben habe, geschlossen, dass die Kokainübergabe an den
Beschuldigten erfolgt war und er diese letztlich auch ausführte (Urk. 2/10 S. 5 ff.).
Dieser Interpretation ist zu folgen, zumal die ausgewerteten SMS-Nachrichten auf
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diese Abläufe schliessen lassen und diese Interpretation durch C._ in glaub-
hafter Weise bestätigt wurde.
4.2.5 Im Recht liegen weitere ausgewertete SMS-Nachrichten, welche aus
Sicht der Strafverfolgungsbehörde auf eine wiederum von G._ "G'._" or-
ganisierte, am 30. Januar 2018 erfolgte Übergabe von 200 Gramm Kokain vom
Beschuldigten an C._ schliessen lassen (Urk. 2/10 S. 9 ff.). So schrieb
G._ "G'._" am 30. Januar 2018 um 19.30 Uhr ein SMS an die Nummer 3
mit dem Inhalt: "Bro, kannst du die Schwarze erledigen?" (Urk. 2/10 Beilage 73).
Als Benutzer dieser Telefonnummer wird von der Strafverfolgungsbehörden der
Beschuldigte vermutet. Bezüglich dieser Zuordnung wies bereits die Vorinstanz
darauf hin, dass dieselbe Nummer auch für die Kontakte zu I._ verwendet
worden sei (Urk. 3/9 Beilagen 50 ff.; Urk. 35 S. 15). Dass es zu den in der Ankla-
geschrift in Ziffer 1.4. umschriebenen Kokainübergaben vom Beschuldigten an
I._ gekommen ist, räumte dieser ein (Prot. I S. 22). Vor diesem Hintergrund
sowie angesichts der Identifikation durch C._ bestehen keine Zweifel daran,
dass es sich beim Kommunikationsteilnehmer mit der Nummer 3 um den Be-
schuldigten handelte. Im Übrigen zeigte sich auch aufgrund des GPS-Trackings
des vom Beschuldigten gelenkten Personenwagens Honda Civics, dass dieser
sich am Abend des 30. Januars 2018 kurz vor 23.00 Uhr bis kurz danach in der
Umgebung des Wohnorts von C._ bewegt hatte (Urk. 4/3/1 S. 2; Urk. 4/3/1
act. 6/1-4 ff.), was ebenfalls für ihn als Benutzer jener Telefonnummer spricht. Auf
die oberwähnte SMS-Nachricht reagierte der Beschuldigte jedenfalls um 19.30
Uhr mit der Nachfrage per SMS: "200?" (Urk. 2/10 Beilage 74). Daraufhin antwor-
tete G._ "G'._" mit: "Ja bro schreib ir kanst du?" (Urk. 2/10 Beilage 75).
Nachdem in der Folge verschiedene SMS-Nachrichten zwischen diesem und
C._ sowie zwischen ihm und dem Beschuldigten ausgetauscht worden wa-
ren, in welchen es um die Koordination eines Treffens ging (Urk. 2/10 Beilagen 76
ff.), teilte der Beschuldigte G._ "G'._" schliesslich um 22.51 Uhr an je-
nem Abend mit, dass er auf dem Weg und gleich da sei (Urk. 2/10 Beilage 105).
Wenig später, um 23.05 Uhr, meldete er sich erneut bei G._ "G'._" und
gab diesem per SMS bekannt: "Erledigt" (Urk. 2/10 Beilage 107). Auch was diese
SMS-Nachrichten betrifft, kann angesichts deren Inhalts, des Umstandes, dass
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sich das vom Beschuldigten gelenkte Fahrzeug um ca. 23.00 Uhr in der Umge-
bung des Wohnortes von C._ befand, sowie aufgrund ihrer Angaben, welche
mit der Interpretation durch die Strafverfolgungsbehörde übereinstimmen, einzig
darauf geschlossen werden, dass der Beschuldigte ihr am späten Abend des
30. Januar 2018 200 Gramm Kokain übergeben hatte. Die in den Anklageziffern
1.1.3. und 1.1.4. umschriebenen Sachverhalte erweisen sich damit als rechtsge-
nügend erstellt.
4.3 Zur Überprüfung des in Anklageziffer 1.3. umschriebenen Vorwurfs lie-
gen neben den Angaben von D._ (Urk. 3/3; Urk. 3/4; Urk. 3/5; Urk. 2/16)
auch die Protokolle von überwachten Telefonverbindungen (Urk. 2/6 Beilage 3 ff.)
und die Dokumentation der Sicherstellung einer Portion Kokain anlässlich der
Verhaftung des Beschuldigten am Wohnort von D._ (Urk. 6/5; Urk. 7/9 S. 2;
Urk. 9/2) bei den Akten.
4.3.1 Als der Beschuldigte am 22. Oktober 2018 beim Betreten der Liegen-
schaft N._-strasse ... in Zürich von der Kantonspolizei Zürich verhaftet wurde
(Urk. 9/2 S. 2), wurde D._ im Treppenhaus jener Liegenschaft von der Polizei
angetroffen (Urk. 3/3 S.1). Auch sie wurde kurzzeitig festgenommen und polizei-
lich befragt. Anschliessend wurde sie jedoch wieder auf freien Fuss gesetzt
(Urk. 1/5 S. 8). Im Rahmen jener polizeilichen Einvernahme vom 22. Oktober
2018 machte sie durchgehend von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch
(Urk. 3/3).
4.3.2 Am 11. Dezember 2018 wurde D._ erneut festgenommen und als
beschuldigte Person in Anwesenheit ihres Verteidigers einvernommen (Urk. 3/4
S. 1). Zu Beginn jener Einvernahme gab sie auf Nachfrage bekannt, dass sie die
Rufnummern "4" und "5" verwendet habe (Urk. 3/4 S. 3). Ausserdem erklärte sie
auf Vorhalt eines Fotobogens mit insgesamt acht Personen, den Beschuldigten
unter dem Namen "AF._" zu kennen (Urk. 3/4 S. 4). Auf weitere Nachfrage
gab sie sodann an, dass dieser ihr ab und zu Kokain gebracht habe (Urk. 3/4
S. 5). Ihr wurde in der Folge vorgehalten, dass gegen sie und den Beschuldigten
Überwachungsmassnahmen angeordnet worden seien und es zwischen ihr und
dem Beschuldigten im Zeitraum von Anfang Januar 2018 bis zur Verhaftung des
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Beschuldigten am 22. Oktober 2018 zu über 1'500 SMS- und Telefonverbindun-
gen gekommen sei, weshalb davon ausgegangen werde, dass es sich bei diesem
um einen ihrer Hauptlieferanten, wenn nicht den Hauptlieferanten gehandelt habe.
Dies bestätigte D._. Anschliessend hielt der einvernehmende Polizeibeamte
fest, dass er betreffend ihre Drogengeschäfte mit dem Beschuldigten von einem
Ankauf von rund 450 Gramm Kokain ausgehe und er ihr Auszüge der erlangten
Aufzeichnungen vorhalten werde (Urk. 3/4 S. 5). Sie bestätigte schliesslich, dass
die ihr vorgehaltenen SMS-Konversationen zwischen ihr und "AF._" bzw.
dem Beschuldigten geführt worden seien und es bei diesen sowie den ihr vorge-
spielten Gesprächen jeweils um Kokainbestellungen und -übergaben gegangen
sei (Urk. 3/4 S. 6 ff.). Zu den jeweiligen Bestellungen und Übergaben gab sie un-
ter anderem an, dass sie in der Regel höchstens 20 Gramm Kokain vom Be-
schuldigten gekauft habe (Urk. 3/4 S. 8) und es normalerweise – wenn sie nichts
geschrieben habe – Bestellungen von 5 Gramm Kokain gewesen seien (Urk. 3/4
S. 9, 11). Im Laufe der Einvernahme merkte der befragende Polizeibeamte an,
dass er ihr nicht eine noch grössere Menge Kokain "unterjubeln" wolle. Er erklärte
ihr in der Folge in Bezug auf eine SMS-Nachricht von ihr vom 10. Juni 2018, in
welcher sie vier Fragezeichen geschrieben habe, dass er diese Nachricht so in-
terpretiere, dass sie an jenem Tag 20 Gramm Kokain bestellt habe, zumal sie
dem Beschuldigten an dessen Verhaftstag ebenfalls vier Fragezeichen geschickt
habe und er damals 20 Gramm Kokain auf sich gehabt habe. Auf diesen Vorhalt
gab D._ schliesslich an, dass das nicht stimme, und sie damals nur 5 Gramm
Kokain bestellt habe (Urk. 3/4 S. 11). Auf einen weiteren Vorhalt räumte sie ein,
dass in den Nachrichten jeweils ein Punkt für 5 Gramm und 2 Punkte für
10 Gramm gestanden hätten. Dies hätten der Beschuldigte und sie einmal abge-
macht (Urk. 3/4 S. 11). Letztlich wurde ihr vorgehalten, dass die Auswertung der
überwachten Telefonkorrespondenzen 41 Treffen zwischen ihr und dem Beschul-
digten seit dem 8. Februar 2018 hervorgebracht hätten, bei welchen es immer um
Kokainübergaben gegangen sei. Sie wurde daraufhin gefragt, wie viel Kokain sie
seit Anfang Januar 2018 bis zu ihrer Verhaftung beim Beschuldigten eingekauft
habe. Sie gab an, dass sie dies nicht richtig einschätzen könne, sie aber sagen
würde, dass sie bei ihm während jener Zeit total ca. 300 Gramm Kokain einge-
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kauft habe (Urk. 3/4 S. 12 f.). Als Grammpreis nannte sie Fr. 70.–, wobei sie auf
Nachfrage erklärte, dass der Preis pro Gramm zunächst Fr. 60.– betragen habe
und dann auf Fr. 70.– bis Fr. 75.– erhöht worden sei. Den Vorhalt, dass sie dem-
nach für das Kokain total Fr. 21'000.– bezahlt habe, kommentierte sie damit, dass
dies so sein werde. Was den Verwendungszweck betrifft, erklärte sie, einen gros-
sen Teil selber konsumiert und rund 120 Gramm zu einem Preis von Fr. 100.– pro
Gramm verkauft zu haben (Urk. 3/4 S. 13).
4.3.3 Am 26. August 2019 fand schliesslich eine staatsanwaltschaftliche
Einvernahme von D._ als Auskunftsperson statt, anlässlich welcher der Be-
schuldigte und seine amtliche Verteidigung anwesend waren und die Möglichkeit
hatten, ihr Ergänzungsfragen zu stellen (Urk. 2/16 S. 1). In jener Einvernahme er-
klärte sie zunächst auf die Frage, woher sie den Beschuldigten kenne, dass sie
eine Nummer von ihm erhalten habe und sich dann bei ihm gemeldet habe. Die
Nachfrage, wozu diese Nummer gedient habe, beantwortete sie damit, dass diese
dem Bestellen von Kokain gedient habe (Urk. 2/16 S. 2). Zu den Modalitäten der
jeweiligen Kokainübergaben erklärte sie sodann, dass sie dem Beschuldigten je-
weils geschrieben habe, ob er vorbeikommen könne. Die Übergaben hätten dann
meistens bei ihr zu Hause stattgefunden. Übergeben worden seien ihr in einem
Plastiksack abgepackte Portionen von 5 Gramm. Anfangs habe sie Portionen von
einem Gramm erhalten, und dann seien es Portionen von 5 Gramm geworden.
Weiter erklärte sie, dass die Qualität des Kokains für sie gut gewesen sei. Weiter
wurde D._ gefragt, wie sie die Menge jeweils per SMS bestellt habe. Dazu
erklärte sie, dass es eigentlich jeweils klar gewesen sei, dass es 5 Gramm sein
sollten, da sie gar nicht mehr hätte bezahlen können. Daher habe sie eigentlich
keine bestimmte Menge bestellt. Weiter erklärte sie, dass sie sicher nicht mit Fra-
gezeichen gearbeitet habe (Urk. 2/16 S. 2). Was die beim Beschuldigten anläss-
lich seiner Verhaftung sichergestellte Kokainportion von rund 20 Gramm betrifft,
erklärte sie, dass diese sicher nicht für sie gewesen sei. Nur 5 Gramm wären für
sie gewesen (Urk. 2/16 S. 2 f.). Zur Bezahlung erklärte sie, dass sie ab und zu
Kokain auf Kommission erhalten habe. Jedenfalls habe sie Fr. 100.– für ein
Gramm und Fr. 350.– für 5 Gramm bezahlen müssen. Die Gesamtmenge Kokain,
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welche sie beim Beschuldigten gekauft habe, bezifferte sie mit etwa 300 Gramm
(Urk. 2/16 S. 3).
4.3.4 D._ bestätigte somit ihre anlässlich der polizeilichen Einvernahme
vom 11. Dezember 2018 getätigten Eingeständnisse, wonach sie im Rahmen von
rund 40 Treffen insgesamt etwa 300 Gramm Kokain vom Beschuldigten entge-
gengenommen habe, auch in dessen Gegenwart. Zwar vermochte sie nicht mehr
genau zu bezeichnen, zu welchen Gelegenheiten sie welche Mengen Kokain von
ihm bezogen hatte. Angesichts der Anzahl Übergaben, welche zwischen ihnen
stattgefunden hatten, sowie des langen Zeitraums von rund neun Monaten, inner-
halb welchem diese Übergaben durchgeführt worden waren, vermag dieser Um-
stand die Glaubhaftigkeit der Eingeständnisse von D._ nicht zu beeinträchti-
gen. Sie erklärte zudem, dass es sich zwar meistens um Lieferungen von 5
Gramm Kokain gehandelt habe. Aus ihren Angaben geht aber auch hervor, dass
sie vor allem zu Beginn auch Portionen von einem Gramm übernommen habe
und die Lieferungen maximal 20 Gramm betragen hätten. Der Umstand, dass es
sich nicht immer um dieselben Liefermengen gehandelt hatte, vermag ebenfalls
zu erklären, weshalb D._ nicht mehr in der Lage war, jeder einzelnen Über-
gabe eine genaue Kokainmenge zuzuordnen. Gerade weil sie offenlegte, dass sie
sich nicht mehr an die genauen Liefermengen erinnert und sie als durchschnittli-
che Grösse der übernommenen Portionen nicht das Minimum von einem Gramm,
sondern 5 Gramm nannte, erweisen sich auch ihre Angaben zu den Liefermengen
als glaubhaft. Zur Glaubhaftigkeit ihrer Eingeständnisse trägt zusätzlich bei, dass
sie sich durch die Belastung des Beschuldigten selbst nicht zu entlasten vermoch-
te. Auch ist nicht ersichtlich, dass sie ihn zu Unrecht übermässig zu belasten ver-
sucht hätte. So machte sie beispielsweise deutlich, dass sie den Beschuldigten
jeweils gefragt habe, ob er kommen könne. Entsprechend lastete sie ihm bei-
spielsweise auch nicht an, dass er die Kokainübernahmen initiiert hätte. Wie sich
nachfolgend zeigen wird, decken sich die von D._ gemachten Angaben auch
mit den aus den Überwachungsmassnahmen erlangten Aufzeichnungen der
Kommunikation zwischen ihr und dem Beschuldigten. Entsprechend sind keine
Gründe ersichtlich, weshalb zur Sachverhaltserstellung nicht auf die glaubhaften
Angaben von D._ abgestellt werden könnte.
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4.3.5 Aus den dem Beschuldigten im Rahmen seiner polizeilichen Einver-
nahme vom 8. Januar 2019 vorgehaltenen SMS-Nachrichten zwischen ihm und
D._ geht hervor, dass sich ihre Konversation stets um die Organisation von
Treffen drehte, welche jeweils von D._ initiiert worden waren (Urk. 2/6 Beila-
ge 3 ff.). In Anbetracht dessen, dass aus diesen SMS-Nachrichten keine Hinweise
auf konkrete im Rahmen jener Treffen jeweils geplante Aktivitäten hervorgehen
und auch der Beschuldigte nicht geltend machte, dass zwischen ihm und D._
eine freundschaftliche Beziehung bestanden hätte, welche von regelmässigen
Treffen geprägt gewesen wäre, liegt der Schluss nahe, dass jene Treffen einzig
der Übergabe von durch D._ bestellten Gütern dienten. Da jedoch nie konk-
ret die Rede davon war, welche Güter sie beim Beschuldigten bestellte, liegt auch
nahe, dass es sich dabei nicht um legale Geschäfte handelte. Dass die Angaben
von D._ in den Transkripten zu den Überwachungsmassnahmen eine Ent-
sprechung finden, wurde bereits durch die Vorinstanz eingehend aufgezeigt. Auf
jene Erwägungen kann verwiesen werden (Urk. 35 S. 24). Schliesslich spricht
auch der Umstand, dass der Beschuldigte am 22. Oktober 2020 beim Betreten
des Wohnhauses von D._ im Besitz von rund 20 Gramm Kokain festgenom-
men wurde, dafür, dass zwischen den beiden eine Geschäftsbeziehung betref-
fend den Handel mit Betäubungsmitteln bestand. In diesem Zusammenhang ist
darauf hinzuweisen, dass die anlässlich der Verhaftung des Beschuldigten ab
seiner Person sichergestellten 19,9 Gramm Kokaingemisch einen Reinheitsgrad
von 62 % aufwiesen und damit 12,3 Gramm Reinsubstanz Kokain entsprachen
(Urk. 6/5; Urk. 7/9; Urk. 7/12).
4.3.6 Aufgrund der aus den Überwachungsmassnahmen erlangten Erkennt-
nisse, des anlässlich der Verhaftung des Beschuldigten am Wohnort von D._
sichergestellten Kokains und insbesondere aufgrund deren glaubhaften Angaben
erweist es sich als erstellt, dass zwischen dem Beschuldigten und ihr seit Anfang
Februar 2018 bis zu seiner Verhaftung 40 Übergaben von Kokain stattgefunden
hatten. Was die Gesamtmenge des vom Beschuldigten an D._ veräusserten
Kokains betrifft, gelangte die Vorinstanz zum Schluss, dass aufgrund der Anga-
ben von D._ und in Berücksichtigung des Grundsatzes "in dubio pro reo" für
jede Einzellieferung von einer Menge von 5 Gramm Kokain und damit hinsichtlich
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sämtlicher Lieferungen von einer Gesamtmenge von 200 Gramm Kokain auszu-
gehen sei. Ausserdem erachtete sie es nicht als erstellt, dass die gesamte beim
Beschuldigten am 22. Oktober 2018 sichergestellte Menge von rund 20 Gramm
Kokaingemisch für D._ bestimmt gewesen sei. Auch betreffend jener Koka-
inportion ging sie davon aus, dass lediglich 5 Gramm für die Weitergabe an
D._ bestimmt gewesen seien (Urk. 35 S. 25 f.). Diese Schlussfolgerung der
Vorinstanz, wonach zu Gunsten des Beschuldigten von 40 Übergaben zu je 5
Gramm Kokain und entsprechend einer Gesamtmenge von 200 Gramm Kokain
auszugehen sei, wird seitens der Verteidigung kritisiert. Abgesehen davon, dass
sich aus Sicht der Verteidigung bereits die 40 Übergaben nicht hätten erstellen
lassen, hätte gestützt auf die Angabe von D._, wonach sie anfänglich Portio-
nen von einem Gramm und später solche von 5 Gramm übernommen habe, viel-
mehr vom arithmetischen Mittel, mithin von 20 Mal einem Gramm und von 20 Mal
5 Gramm (entsprechend 120 Gramm), ausgegangen werden sollen (Urk. 64
S. 14). Diesem Vorbringen kann nicht gefolgt werden. Da sich D._ nicht an
die genauen jeweils vom Beschuldigten entgegengenommenen Kokainmengen zu
erinnern vermag, kann es sich bei der Eruierung der Gesamtmenge des vom Be-
schuldigten übergebenen Kokains zwangsläufig lediglich um eine Annäherung an
die tatsächlich übergebene Menge handeln. Zwar gab D._ an, dass ihr zu-
nächst nur kleinere Portionen von jeweils einem Gramm geliefert worden seien.
Sie erklärte aber gleichzeitig, dass sie in der Regel 5 Gramm Kokaingemisch be-
zogen habe und es teilweise auch Portionen von bis zu 20 Gramm Kokainge-
misch gewesen seien, die sie vom Beschuldigten entgegengenommen habe. Die
Gesamtmenge Kokaingemisch, welche sie vom Beschuldigten übernommen ha-
be, bezifferte sie weiter mit rund 300 Gramm. Vor diesem Hintergrund zeigt sich,
dass die Annahme der Vorinstanz, wonach bei sämtlichen Übergaben jeweils 5
Gramm und damit insgesamt lediglich 200 Kokaingemisch übergeben worden
seien, bereits stark zugunsten des Beschuldigten getroffen wurde. Das vo-
rinstanzliche Vorgehen ist somit nicht zu beanstanden. Es rechtfertigt sich daher
in Anwendung von Art. 10 Abs. 3 StPO zu Gunsten des Beschuldigten für sämtli-
che Übergaben – und damit auch für jene, die für den 22. Oktober 2018 geplant
war – von einem Durchschnittswert von 5 Gramm Kokain auszugehen. Dement-
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sprechend ist erstellt, dass der Beschuldigte D._ zwischen Anfang Februar
2018 und dem 22. Oktober 2018 im Rahmen von 40 Treffen insgesamt 200
Gramm Kokaingemisch übergeben hat. Was die am 22. Oktober 2018 bei ihm si-
chergestellten rund 20 Gramm Kokaingemisch betrifft, so erweist es sich zumin-
dest als erstellt, dass er diese zu jenem Zeitpunkt besessen hat.
4.4 Beim in Anklageziffer 1.5. umschriebenen Vorwurf stützt sich die Staats-
anwaltschaft auf die Angaben von E._ (Urk. 3/1; Urk. 3/2; Urk. 2/15) und auf
die Auswertung der gegen den Beschuldigten angeordneten Überwachungs-
massnahmen (Urk. 2/2 VG 75 act. 14.4 ff.).
4.4.1 E._ wurde am 19. November 2018 an ihrem Arbeitsort festge-
nommen und gleichentags polizeilich als beschuldigte Person einvernommen
(Urk. 3/1 S. 1). Im Rahmen jener Einvernahme wurde ihr zunächst ein Fotobogen
mit sechs verschiedenen männlichen Personen vorgehalten, worauf sie den Be-
schuldigten als "A._" identifizierte. Auf die Frage, was sie mit diesem zu tun
habe, gab sie an, dass sie ihn durch Kollegen kennengelernt habe und sie ein
paarmal zusammen im Ausgang gewesen seien (Urk. 3/1 S. 4). Ihr wurde in der
Folge mitgeteilt, dass gegen den Beschuldigten technische Überwachungsmass-
nahmen zum Einsatz gekommen seien und gestützt auf die daraus gewonnenen
Erkenntnisse nun auch gegen sie ein Strafverfahren eröffnet worden sei. Im An-
schluss daran wurden ihr Aufzeichnungen von Gesprächen zwischen ihr und dem
Beschuldigten, welche sie telefonisch oder im vom Beschuldigten benutzten
Fahrzeug geführt hatten, vorgehalten (Urk. 3/1 S. 4 ff.). Was diese Gespräche be-
trifft, wurde ihr jeweils dargelegt, welche Schlussfolgerungen seitens der Strafver-
folgungsbehörde daraus gezogen wurden. Dabei entsprechen diese Schlussfolge-
rungen dem Sachverhalt, welcher unter Ziffer 1.5. Eingang in die Anklageschrift
gefunden hat. Zwar stellte E._ die Richtigkeit jener Schlussfolgerungen in je-
ner Einvernahme nicht gänzlich in Abrede, sie bestätigte jedoch nur das ihr vor-
gehaltene Rahmengeschehen. Dass bei den ihr vorgehaltenen Gesprächen Be-
täubungsmittel eine Rolle gespielt hätten und es unter anderem um ein Geheim-
fach im Fahrzeug des Beschuldigten gegangen sei, bestritt sie. Sie machte gel-
tend, dass es darum gegangen sei, dass sie auf Jobsuche gewesen sei und ihr
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der Beschuldigte angeboten habe, einen Gütertransport gegen eine Bezahlung
von Fr. 2'000.– durchzuführen. Konkret gab sie an, für den Beschuldigten in
Deutschland Kosmetikartikel und Lebensmittel übernommen und diese dann zu-
rück in die Schweiz transportiert zu haben (Urk. 3/1 S. 5 ff.). Nachdem ihr unter
anderem vorgehalten wurde, dass davon die Rede gewesen sei, dass sie für ein
Kilogramm Fr. 2'000.– erhalten habe und es damit eindeutig um ein Kilogramm
Kokain und nicht, wie sie dies behauptet habe, um ein Kilogramm Kosmetikartikel
gegangen sei, erklärte sie zunächst, dass die Interpretation nicht stimme. Als der
einvernehmende Polizeibeamte dann nachgefragt hatte, wie es dann stimme, gab
sie an, dass sie denke, man könne es sein lassen, da er nun lauter werde und ihr
dies nicht passe. Sie blieb in der Folge aber dabei, dass es beim Transport ledig-
lich um Kosmetikartikel und Lebensmittel gegangen sei (Urk. 3/1 S. 12). Zum
Schluss jener Einvernahme merkte sie noch an, dass sie für die Kosmetikartikel
und die Esswaren Fr. 2'000.– bezahlt habe und der Beschuldigte ihr das Geld da-
für gegeben habe (Urk. 3/2 S. 14).
4.4.2 Einen Tag nach dieser polizeilichen Einvernahme, am 20. November
2018, fand die staatsanwaltschaftliche Hafteinvernahme von E._ statt. Gleich
zu Beginn erklärte sie, dass sie ihre Aussagen vom vorhergehenden Tag gerne
etwas korrigieren und ergänzen würde. Weiter wies sie darauf hin, dass sie einen
Tag zuvor etwas unter Schock gestanden sei. Auf die Nachfrage, was sie korrigie-
ren wolle, gab sie an, dass es so gewesen sei, dass der einvernehmende Polizei-
beamte ihr erklärt habe, was das Problem aus Sicht der Strafverfolgungsbehörde
sei. Sie sei unter Schock gestanden und habe nicht gewusst, was hinten und was
vorne sei. Es sei aber korrekt, dass es sich bei jenem Kilogramm tatsächlich um
Betäubungsmittel und nicht, wie zuvor erklärt, um Kosmetika gehandelt habe, wo-
bei sie anfügte, dass sich auch Kosmetika im Fahrzeug befunden hätten (Urk. 3/2
S. 2). Im Zusammenhang mit diesem Eingeständnis ist darauf hinzuweisen, dass
der Einwand der Verteidigung, wonach es sich lediglich um eine Interpretation der
Untersuchungsbehörde handle, dass die jeweils erwähnte Einheit "1" einem Kilo-
gramm entspreche (Urk. 64 S. 10), nicht zutrifft. Vielmehr wurde dieser Umstand
auch durch E._ bestätigt. Überdies geht – wie zu zeigen sein wird (vgl. Erw.
III.4.4.5) – auch aus den Abhörprotokollen hervor, dass spezifisch von einem Ki-
- 39 -
logramm die Rede war. Im weiteren Verlauf der Einvernahme erklärte sie, wie es
zu jenem Transport gekommen sei. Dabei gab sie an, dass der Beschuldigte ihre
Situation – das heisst ihre Geldnot aufgrund ihrer Arbeitslosigkeit – gekannt habe.
Weiter erklärte sie, dass er die für den Transport in Aussicht gestellte Belohnung
von anfänglich Fr. 1'500.– auf Fr. 2'000.– erhöht habe (Urk. 3/2 S. 3). E._
wurde sodann nach dem Ablauf des Transports gefragt. Diesen schilderte sie so,
dass der Beschuldigte sie abgeholt und ein Auto für sich selbst gesucht habe.
Dazu habe er einen Kollegen in Zürich R._ getroffen. Sie sei dann über die
Grenze bei AG._ nach Deutschland gefahren. Für den genauen Zielort ver-
wies sie auf ihr Handy, auf welchem sie die Navigation eingeschaltet gehabt ha-
be. Weiter erklärte sie, dass sie dort dann P._, welchen sie zuvor schon ein-
mal mit dem Beschuldigten gesehen habe, auf dem Parkplatz eines AH._ ge-
troffen habe. Sie habe P._ dort abgeholt, und dann seien sie ca. 200 Meter
weitergefahren. Sie habe auf einem Parkplatz vor einer Garagenbox parkiert, wo
P._ ihr zwei Säcke mit Lebensmitteln und Kosmetika übergeben habe. Aus-
serdem habe er das Kilogramm bei sich gehabt. Dieses sei in Folie mit viel Kle-
beband eingewickelt gewesen. Sie habe nicht gesehen, wie er das gemacht habe,
sie habe ihn einfach gefragt, ob es gut eingepackt sei. Daraufhin habe ihr
P._ mitgeteilt, dass er es mit Honig beschmiert habe oder so, damit es von
Spürhunden nicht gefunden werde. Weiter merkte sie an, dass der Beschuldigte
ihr zuvor gesagt habe, dass es hinten links versteckt werden müsse. Dies habe
sie dann auch P._ so mitgeteilt. Dieser habe die Abdeckung dort zur Seite
gezogen und das Kokain dahinter gelegt (Urk. 3/2 S. 5). Weiter schilderte sie, wie
sie wieder in die Schweiz gefahren sei und den Beschuldigten wieder getroffen
habe. Dieser habe sie schliesslich an einen Ort dirigiert, wo ein Mann hinten links
zugestiegen sei. Dazu merkte sie an, dass sie ziemlich sicher sei, dass der Be-
schuldigte diesem die Ware draussen übergeben habe. Beide seien jedenfalls
wieder eingestiegen, und der Beschuldigte habe von diesem im Auto das Geld
erhalten. Auf entsprechende Nachfrage erklärte sie, dass auch sie ihre Belohnung
im Auto erhalten habe (Urk. 3/2 S. 5 f.). Gegen Ende der Einvernahme wurde
E._ gefragt, was der Beschuldigte wohl zu ihren Angaben sagen werde, wo-
- 40 -
rauf sie erklärte, dass er, wenn er ehrlich sei, sagen werde, dass es stimme (Urk.
3/2 S. 8).
4.4.3 Am 2. Juli 2019 wurde E._ schliesslich in Anwesenheit des Be-
schuldigten und seiner Verteidigung durch die Staatsanwaltschaft als Auskunfts-
person befragt (Urk. 2/15 S. 1). Im Rahmen jener Einvernahme bestätigte und
wiederholte sie ihre Angaben aus der Hafteinvernahme dazu, wie es zu jenem
Kokaintransport gekommen und wie dieser abgelaufen sei. Auch schilderte sie
erneut, dass der Beschuldigte die Ware einem Käufer weitergegeben habe, nach-
dem sie aus Deutschland zurückgekommen sei (Urk. 2/15 S. 3). Im Rahmen von
Ergänzungsfragen wurde sie von der Verteidigung des Beschuldigten darauf an-
gesprochen, dass sie in der Hafteinvernahme erwähnt habe, dass ihr der einver-
nehmende Polizeibeamte erklärt habe, was aus deren Sicht das Problem sei. In
diesem Zusammenhang fragte sie die Verteidigung, was der Polizeibeamte ge-
sagt habe, was bezüglich ihrer Aussage bei der Staatsanwaltschaft das Problem
sei. Diesbezüglich gab sie an, dass er gesagt habe, dass ihre damalige Aussage
nicht wahr gewesen sei, was man aus den Audiogesprächen höre, aus welchen
alles von A bis Z klar ersichtlich sei. Die weitere Frage der Verteidigung des Be-
schuldigten danach, ob sie die Ware beim Transport nach Deutschland gesehen
habe, beantwortete sie damit, dass sie die Ware nur verpackt gesehen habe. Was
genau drin gewesen sei, habe sie nicht gesehen (Urk. 2/15 S. 4).
4.4.4 E._ schilderte den Ablauf der Kokaineinfuhr aus Deutschland so-
wie die Umstände, wie es zu dieser gekommen sei, im Rahmen ihrer Einvernah-
men vom 20. November 2018 und vom 2. Juli 2019 übereinstimmend und detail-
liert. Insbesondere da sie auch von originellen Details, wie beispielsweise dem
Umstand, dass das Kokain vom Lieferanten in Deutschland mit Honig bestrichen
worden sei, berichtete, hinterlassen ihre Angaben den Eindruck von tatsächlich
Erlebtem. Dass sie im Rahmen ihrer ersten polizeilichen Einvernahme unmittelbar
nach ihrer Verhaftung noch abstritt, dass der von ihr für den Beschuldigten durch-
geführte Transport etwas mit Drogen zu tun gehabt hatte, vermag die Glaubhaf-
tigkeit ihres späteren Eingeständnisses nicht zu beeinträchtigen. So hatte sie in
Anbetracht dessen, dass sie sich damals ebenfalls mit einem gegen sie gerichte-
- 41 -
ten Strafverfahren konfrontiert sah, ein berechtigtes Interesse daran, ihr eigenes
Handeln in einem möglichst guten Licht darzustellen. Dadurch, dass sie in der
Folge erklärte, dass der Beschuldigte sie für die Einfuhr eines Kilos Kokain aus
Deutschland in die Schweiz bezahlt habe, belastete sie nicht nur diesen, sondern
auch sich selbst erheblich, zumal so auch ihr die Einfuhr einer grossen Menge
Betäubungsmittel zum Vorwurf gemacht werden musste. Auch vor dem Hinter-
grund, dass sie sich mit dieser Belastung des Beschuldigten nicht selbst entlasten
konnte, erweisen sich ihre Eingeständnisse als glaubhaft. Letztlich ist wiederum
darauf hinzuweisen, dass die von ihr gemachten Angaben zum Ablauf der Koka-
ineinfuhr in den Protokollen der überwachten Gespräche zwischen ihr und dem
Beschuldigten im von diesem gelenkten Honda Civic eine Entsprechung finden.
Auch auf die glaubhaften Angaben von E._ ist damit zur Erstellung des
Sachverhaltes abzustellen.
4.4.5 Im Rahmen der gegen den Beschuldigten angeordneten Überwa-
chungsmassnahmen wurde unter anderem der von ihm benutzte Personenwagen
Honda Civic mit technischen Überwachungsgeräten versehen, um die in jenem
Fahrzeug geführten Gespräche akustisch zu überwachen (Urk. 4/1/1 S. 3;
Urk. 4/1/2; Urk. 4/1/4). Im Rahmen eines auf diese Weise aufgezeichneten Ge-
sprächs zwischen dem Beschuldigten und E._ vom 28. Februar 2018 er-
wähnte er ein Geheimversteck. In diesem Zusammenhang berichtete er E._
davon, dass er auch schon mit 200 Gramm in jenem Geheimversteck gefahren
sei und diese 200 Gramm nicht gefunden worden seien (Urk. 2/5 act. 3.1 S. 1).
Weiter liegt die Übersetzung der abgehörten Gespräche, welche am 14. März
2018 im Honda Civic geführt wurden, bei den Akten. Aus jenem Gesprächsproto-
koll geht hervor, dass um 18.51.44 Uhr ein unbekannter Mann zum Beschuldigten
und E._ ins Auto gestiegen war. Dieser sagte "Die Ware gleich." Daraufhin
antwortete ihm der Beschuldigte: "Es ist im Gepäckraum, ich hole es rasch raus."
Weiter ist in jenem Protokoll vermerkt, dass der Beschuldigte und der unbekannte
Mann aus dem Auto aus- und anschliessend wieder eingestiegen waren (Urk. 2/2
VG 75 act. 14.4 f.). Gemäss jenem Protokoll verliess der unbekannte Mann das
Auto und damit auch den Beschuldigten und E._ bereits um 18.53.40 Uhr
wieder. Anschliessend geht aus dem Protokoll hervor, dass der Beschuldigte
- 42 -
Geldscheine zählte, wobei er bis 21 laut mitgezählt hatte. Danach bedankte er
sich bei E._, worauf diese den Dank zurückgab. Weiter schob der Beschul-
digte nach: "Ah, was für eine Mühe und Stress!" E._ fragte daraufhin "Wa-
rum?", worauf der Beschuldigte erklärte, dass sein Puls oben sei (Urk. 2/2 VG 75
act. 14.5). Im weiteren Verlauf des Gesprächs zwischen den beiden erkundigte
sich E._ beim Beschuldigten danach, ob er meine, dass es nochmals etwas
gebe oder ob es kritisch sei. Er antwortete daraufhin mit: "Wenn du möchtest,
schon ja." Weiter fragte er sie: "Ja willst du am Wochenende nochmals fahren?"
E._ sagte dann: "Dieses Wochenende? Nur am Samstag." Daraufhin erklärte
der Beschuldigte, dass es einfach immer "zwei eins" sein werde, und sie nicht
mehr machen könnten. E._ merkte dann an: "Also jetzt habe ich pro Kilo
zwei.", woraufhin der Beschuldigte erklärte, dass es mit tanken "zwei eins" seien
(Urk. 2/2 VG 75 act. 14.6). Die Angaben von E._, wonach sie nach Abspra-
che mit dem Beschuldigten und gegen Bezahlung von Fr. 2'100.– ein Kilogramm
Kokain in Deutschland übernommen und dieses mit dem vom Beschuldigten be-
nutzten Fahrzeug in die Schweiz gebracht habe, wo es vom Beschuldigten an ei-
nen unbekannten Dritten übergeben worden sei, lassen sich ohne Weiteres mit
den Inhalten dieser abgehörten Gespräche vereinbaren.
4.4.6 Angesichts der glaubhaften Angaben von E._ sowie insbesondere
aufgrund der bei den Akten liegenden Abhörprotokolle der zwischen ihr und dem
Beschuldigten geführten Gespräche, in welchen die Angaben von E._ eine
Entsprechung finden, erweist es sich als erstellt, dass am 14. März 2018 eine von
dieser durchgeführte und vom Beschuldigten koordinierte Einfuhr von einem Kilo-
gramm Kokaingemisch von Deutschland in die Schweiz stattfand. Auch ist auf-
grund der glaubhaften Angaben von E._ erstellt, dass der Beschuldigte ihr
dafür Fr. 2'100.– als Belohnung bzw. als Entgelt für Spesen bezahlt hatte und er
das Kokain unmittelbar nach der Einfuhr als Ganzes an einen unbekannten Mann
weiterveräusserte. Der Einwand der Verteidigung, wonach es sich beim jeweils
erwähnten einen Kilogramm auch um Amphetamine oder Bonbons gehandelt ha-
ben könnte (Urk. 64 S. 9 f.; Prot. II S. 17), erweist sich als blosse Spekulation.
Zwar trifft zu, dass gemäss den Abhörprotokollen nie ausdrücklich von Kokain die
Rede war. Zu berücksichtigen ist jedoch insbesondere, dass der Beschuldigte
- 43 -
entsprechend der als erstellt erachteten übrigen Anklagepunkte auch im Rahmen
weiterer Gelegenheiten mit Kokain, nicht jedoch mit anderen Betäubungsmitteln
gehandelt hat, und E._ für die Fahrt nach Deutschland eine nicht unerhebli-
che Entschädigung von Fr. 2'100.– erhalten hat. Entsprechend verbleiben im
Rahmen einer Gesamtbetrachtung keine im Sinne von Art. 10 Abs. 3 StPO un-
überwindlichen Zweifel daran, dass es sich bei der transportierten Ware um Koka-
in gehandelt hat. Wiederum liegen keine Hinweise zum genauen Reinheitsgrad
des Kokaingemischs vor. Der in Anklageziffer 1.5. umschriebene Sachverhalt er-
weist sich aber jedenfalls als rechtsgenügend erstellt.
4.5 Was den in Anklageziffer 2. umschriebenen Vorwurf betrifft, wurde nach
der Verhaftung des Beschuldigten am 22. Oktober 2018 ab dem Personenwagen
Honda Civic ein Auto-GPS-Jammer sichergestellt (Urk. 2/4 Beilage act. 6). Wie
sich aufgrund der vorstehenden Erwägungen zeigte, benutzte er ebendieses
Fahrzeug unter anderem zur Durchführung von Drogentransporten. So unter an-
derem im Rahmen der Kokaineinfuhr von E._ sowie beispielsweise für die
Anfahrt zum Wohnort von D._, wo er im Besitz von rund 20 Gramm Kokain
festgenommen wurde. Zwar ist der Beschuldigte nicht Halter jenes Fahrzeuges,
sondern seine Mutter (Urk. 4/1/1 S. 3). Dass das Fahrzeug aber noch von weite-
ren Personen gelenkt worden wäre, ist nicht bekannt. Gerade in Anbetracht des-
sen, dass er jenes Fahrzeug unter anderem zur Durchführung und zur Organisa-
tion von Drogentransporten verwendet hatte, liegt nahe, dass er auch ein Interes-
se daran hatte, dass die Vorgänge, welche sich rund um jenes Fahrzeug abge-
spielt hatten, und damit auch die jeweiligen Standorte des Fahrzeuges – insbe-
sondere gegenüber den Strafverfolgungsbehörden – unbekannt bleiben würden.
Demgegenüber liegen keine Hinweise dafür vor, dass noch weitere Personen ein
entsprechendes Interesse am Anbringen eines solchen Störsenders an jenem
Honda Civic gehabt haben könnten. Vor diesem Hintergrund sowie insbesondere
aufgrund der Sicherstellung des Jammers am vom Beschuldigten benutzen Fahr-
zeug liegen keine unüberwindlichen Zweifel im Sinne von Art. 10 Abs. 3 StPO da-
ran vor, dass er es war, welcher diesen angebracht hatte. Auch der in Anklagezif-
fer 2. umschriebene Sachverhalt erweist sich damit als rechtsgenügend erstellt.
- 44 -
5. Neben den vom Beschuldigten eingestandenen Anklagevorwürfen (An-
klageziffern 1.4. und 1.6.) sind entsprechend den vorstehenden Erwägungen auch
die in den Anklageziffern 1.1.3., 1.1.4., 1.2., 1.3., 1.5. und 2. umschriebenen Vor-
würfe rechtsgenügend erstellt. Einschränkungen sind dabei einzig in Bezug auf
Anklageziffer 1.3. zu beachten. Diesbezüglich ist in Anwendung des Grundsatzes
"in dubio pro reo" (Art. 10 Abs. 3 StPO) lediglich von einer Mindestmenge von 200
Gramm Kokain anstelle von 300 Gramm auszugehen, mit welcher der Beschul-
digte D._ im Rahmen von 40 Übergaben beliefert hatte.
5.1 Werden die vom Beschuldigten weitergegebenen Kokainmengen zu-
sammengezählt, so resultiert eine umgesetzte Gesamtmenge von 550 Gramm
Kokaingemisch (Ziff. 1.1.3. und 1.1.4.: 250 Gramm; Ziff. 1.3.: 200 Gramm;
Ziff. 1.4.: 50 Gramm; Ziff. 1.6.: 50 Gramm). Hinzu kommt ein Kilogramm Kokain-
gemisch, welches der Beschuldigte zunächst von E._ in die Schweiz einfüh-
ren liess und anschliessend weitergegeben hatte. Weiter ist dem Beschuldigten
der Besitz der 19,9 Gramm Kokaingemisch anzulasten, welche anlässlich seiner
Verhaftung sichergestellt worden waren. Wie bereits erwogen, sind ihm die
31 Gramm Kokaingemisch, welche sich am 27. Februar 2018 in seinem Bastel-
raum befunden hatten, nicht zusätzlich an die gesamte, umgesetzte oder beses-
sene Kokainmenge anzurechnen, zumal nicht ausgeschlossen werden kann, dass
er jenes Kokain in der Folge an D._ oder I._ weitergegeben hatte (vgl.
Erw. III.4.1). Entsprechend resultiert eine Gesamtmenge von rund 1'570 Gramm
Kokaingemisch, welches der Beschuldigte im Rahmen von kontinuierlichen Aktivi-
täten innerhalb des Drogenhandels von Januar 2018 bis Oktober 2018 weiterge-
geben oder besessen hat.
5.2 Was die Reinheitsgrade dieses Kokains betrifft, liegen einzig forensische
Auswertungen der 19,9 Gramm Kokaingemisch, welche anlässlich der Verhaftung
des Beschuldigten sichergestellt worden waren, sowie der 50 Gramm Kokainge-
misch, welche der Beschuldigte am 14. Juni 2018 H._ veräussert hatte, vor.
Gemäss dem Gutachten des forensischen Instituts Zürich (FOR) vom 11. Januar
2019 wies die Portion von 19,9 Gramm Kokaingemisch einen Reinheitsgrad von
62 % auf und entsprach damit 12,3 Gramm Reinsubstanz Kokain (Urk. 7/12). Die
- 45 -
an H._ veräusserte Kokainportion wies gemäss Gutachten des FOR vom
23. Juli 2018 einen sehr hohen Reinheitsgrad von 96 % auf und entsprach damit
47,4 Gramm Reinsubstanz Kokain (Beilage zu Urk. 1/1).
5.2.1 Sind die Reinheitsgrade gewisser Betäubungsmittelportionen unbe-
kannt, darf das Gericht gemäss Rechtsprechung des Bundesgerichtes vernünf-
tigerweise davon ausgehen, dass die Drogen von mittlerer Qualität sind, solange
es keine Hinweise auf eine besonders reine oder gestreckte Substanz gibt
(BGE 138 IV 100 E. 3.5.; Fingerhuth/Schlegel/Jucker, Kommentar BetmG,
3. Aufl., Zürich 2016, N 187 zu Art. 19 BetmG). Gründe, von dieser Praxis abzu-
weichen, sind – entgegen der Kritik der Verteidigung (Urk. 64 S. 7; Prot. II S. 16) –
keine ersichtlich.
5.2.2 Zwar wies die an H._ veräusserte Kokainportion einen sehr hohen
Reinheitsgrad auf. Die anlässlich der Verhaftung des Beschuldigten sichergestell-
te Portion wies mit 62 % wiederum aber eher einen unterdurchschnittlichen Rein-
heitsgehalt auf, weshalb beim Kokain, mit welchem der Beschuldigte Handel be-
trieb, weder von ausschliesslich besonders guter noch von ausschliesslich minde-
rer Qualität die Rede sein kann. Es rechtfertigt sich daher, in Bezug auf jene Ko-
kainportionen mit unbekanntem Reinheitsgrad jeweils von mittlerer Qualität aus-
zugehen. Gemäss der Statistik der Gruppe Forensische Chemie der Schweizeri-
schen Gesellschaft für Rechtsmedizin (SGRM) lag der Medianwert für Kokainkon-
fiskate zwischen einem und 10 Gramm im Jahre 2018 bei 65 %, für Kokainkonfis-
kate zwischen 10 Gramm und 100 Gramm bei 70 % und für Kokainkonfiskate
zwischen 100 Gramm und einem Kilogramm bei 74 % (vgl. Finger-
huth/Schlegel/Jucker, a.a.O., N 186 ff. zu Art. 19 BetmG). Entsprechend rechtfer-
tigt es sich, hinsichtlich der gemäss Anklageziffer 1.1.3. übergebenen 50 Gramm
Kokaingemisch von einem Reinheitsgrad von 70 % und damit von 35 Gramm
Reinsubstanz Kokain, hinsichtlich der gemäss Anklageziffer 1.1.4. übergebenen
200 Gramm Kokaingemisch von einem Reinheitsgrad von 74 % und damit von
148 Gramm Reinsubstanz Kokain sowie hinsichtlich des gemäss Anklageziffer
1.5. weitergegebenen Kilos Kokaingemisch von einem Reinheitsgrad von 74 %
und damit von 740 Gramm Reinsubstanz Kokain auszugehen. Da er an D._
- 46 -
und I._ jeweils Einzelportionen von zwischen 5 und 10 Gramm übergeben
hatte, rechtfertigt es sich – entsprechend dem Vorbringen der Verteidigung
(Urk. 64 S. 8) – auf die Referenzwerte der Kokainkonfiskate von zwischen einem
und 10 Gramm Kokaingemisch abzustellen. Entgegen der Auffassung der Vertei-
digung ist aber auch in Bezug auf diese Kokainportionen entsprechend den vor-
stehenden Erwägungen von mittlerer Qualität auszugehen und daher auf den
Medianwert und nicht auf den tiefstmöglichen Reinheitsgrad abzustellen. Dem-
nach ist in Bezug auf das in den Anklageziffern 1.3. und 1.4. erwähnte Kokainge-
misch, jeweils von einem Reinheitsgrad von 65 % auszugehen. Damit resultiert
für die an D._ insgesamt übergebenen 200 Gramm Kokaingemisch eine
Menge von 130 Gramm Reinsubstanz und für die an I._ übergebenen 50
Gramm Kokaingemisch eine Menge von 32,5 Gramm Reinsubstanz. Damit resul-
tiert eine Gesamtmenge von 1'145.40 Gramm Reinsubstanz Kokain (Ziff. 1.1.3.:
35 Gramm; Ziff. 1.1.4.: 148 Gramm; Ziff. 1.3.: 130 Gramm und 12,3 Gramm;
Ziff. 1.4.: 32,5 Gramm; Ziff. 1.5.: 740 Gramm; Ziff. 1.6.: 47,6 Gramm), welche der
Beschuldigte im Zeitraum zwischen Januar und Oktober 2018 besessen oder wei-
tergegeben hatte.
IV. Rechtliche Würdigung
1. Im angefochtenen Urteil wurden die in Anklageziffer 1. umschriebenen
Tathandlungen des Beschuldigten, mit Ausnahme derjenigen gemäss den Ankla-
geziffern 1.1.1. und 1.1.2., unter den Tatbestand des Verbrechens gegen das Be-
täubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. b, c, d und g BetmG in Ver-
bindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG subsumiert (Urk. 35 S. 48 f., 69).
2. Der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von
Art. 19 Abs. 1 lit. b, c, d und g BetmG macht sich strafbar, wer Betäubungsmittel
unbefugt lagert, versendet, befördert, einführt, ausführt, durchführt, veräussert,
verordnet, auf andere Weise einem andern verschafft, in Verkehr bringt, besitzt,
aufbewahrt, erwirbt, auf andere Weise erlangt oder wer zu einer dieser Wider-
handlungen Anstalten trifft. Hervorzuheben ist dabei, dass unter die Tatvariante
der Einfuhr grundsätzlich jedes tatsächliche Verbringen von Betäubungsmitteln
- 47 -
(aus dem Ausland) in das schweizerische Hoheitsgebiet bzw. den Geltungsbe-
reich des BetmG fällt. Hinsichtlich der Täterschaft ist nicht vorausgesetzt, dass
diese selbst beim Verbringen der Betäubungsmittel über die Grenze mitwirkt oder
gar Gewahrsam an den Betäubungsmitteln hat (Fingerhuth/Schlegel/Jucker,
a.a.O., N 45 f. zu Art. 19 BetmG). In subjektiver Hinsicht ist jeweils Vorsatz erfor-
derlich, wobei Eventualvorsatz genügt (Fingerhuth/Schlegel/Jucker, a.a.O., N 114
zu Art. 19 BetmG). Einer qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmit-
telgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG macht sich strafbar, wer weiss
oder annehmen muss, dass die Widerhandlung mittelbar oder unmittelbar die Ge-
sundheit vieler Menschen in Gefahr bringen kann. Eine Gefährdung der Gesund-
heit vieler Menschen im Sinne von Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG liegt gemäss bun-
desgerichtlicher Praxis ab einer Personenanzahl von mindestens 20 oder ab einer
Reinsubstanz von mindestens 18 Gramm Kokain vor (BGE 121 IV 332 E. 2a;
BGE 109 IV 143 E. 3b; Urteil des Bundesgerichtes 6B_1068/2014 vom 29. Sep-
tember 2015 E. 1.5; Fingerhuth/Schlegel/Jucker, a.a.O., N 176 und N 181 zu
Art. 19 BetmG).
2.1 Was die rechtliche Würdigung der Vorinstanz des erstellten Sachverhalts
gemäss der Anklageziffer 1. betrifft, ist zunächst darauf hinzuweisen, dass die
Tatbestandsvariante des Anstaltentreffens gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. g BetmG in
der Anklageschrift nicht umschrieben ist (Urk. 12 S. 2). Ein entsprechender
Schuldspruch fällt daher entgegen den vorinstanzlichen Erwägungen ausser Be-
tracht.
2.2 Durch die Weitergabe von Kokain an C._, D._, I._,
H._ und an einen unbekannten Abnehmer machte sich der Beschuldigte oh-
ne Weiteres der Tatbestandsvariante von Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG strafbar.
Ausserdem erfüllte er durch die Aufbewahrung von Kokain in seinem Bastelraum
und den Besitz von rund 20 Gramm Kokaingemisch zum Zeitpunkt seiner Verhaf-
tung auch die Tatbestandsvariante von Art. 19 Abs. 1 lit. d BetmG. Mit der Koor-
dination der Einfuhr eines Kilogramm Kokaingemischs von Deutschland in die
Schweiz machte er sich schliesslich der Tatbestandsvariante von Art. 19 Abs. 1
lit. b BetmG strafbar.
- 48 -
2.3 Dadurch, dass dem Beschuldigten Besitzes- oder Weitergabehandlun-
gen in Bezug auf eine Gesamtmenge von 1'145.40 Gramm Reinsubstanz Kokain
zur Last zu legen sind, wurde die bundesgerichtlich festgesetzte Grenze von 18
Gramm Reinsubstanz Kokain, welche einen schweren Fall im Sinne von Art. 19
Abs. 2 lit. a BetmG begründet, um ein Vielfaches überschritten.
2.4 Die Vorinstanz gelangte zum Schluss, dass der vom Beschuldigten ein-
malig gefällte Entschluss, sein Leben durch den Drogenhandel zu finanzieren,
dazu führe, dass sämtliche in Anklageziffer 1. umschriebenen Tathandlungen als
eine Handlungseinheit aufzufassen seien. Entsprechend sprach sie ihn der einfa-
chen und nicht der mehrfachen qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäu-
bungsmittelgesetz schuldig (Urk. 35 S. 49, 69).
2.4.1 Zwar ist grundsätzlich nicht zu beanstanden, dass sämtliche durch den
Beschuldigten erfolgten Weitergaben von Kokain als von einem einzigen gefällten
Tatentschluss umfasst erachtet wurden. Von den an die verschiedenen Abnehmer
gemäss den Anklageziffern 1.1.3., 1.1.4., 1.3., 1.4. und 1.6. erfolgten Lieferungen
von Kokainportionen, welche eine Menge von 200 Gramm nicht überstiegen, un-
terscheidet sich jedoch die vom Beschuldigten erfolgte Koordination der Einfuhr
von einem Kilogramm Kokaingemisch aus Deutschland durch E._. Da er zu
jenem Zwecke eine Drittperson gegen Bezahlung veranlasste, sich ebenfalls am
Betäubungsmittelhandel zu beteiligen und mit jener Einzeltat in den Besitz einer
grossen Menge Kokain gelangte, hätte es sich aufgedrängt, für jene Tathandlung
von einem separat gefassten Tatentschluss und damit auch von einer mehrfachen
qualifizierten Tatbegehung auszugehen.
2.4.2 Ein Schuldspruch wegen der mehrfachen qualifizierten Widerhandlung
gegen das Betäubungsmittelgesetz kommt jedoch nicht in Betracht, da nur der
Beschuldigte das vorinstanzliche Urteil angefochten und die Staatsanwaltschaft
auf das Erheben eines Rechtsmittels verzichtet hat. Angesichts des daher zu be-
achtenden Verschlechterungsverbots im Sinne von Art. 391 Abs. 2 StPO hat es
damit beim Schuldspruch wegen einer einfachen Tatbegehung zu bleiben.
- 49 -
3. Gemäss Art. 52 Abs. 1 lit. g FMG macht sich strafbar, wer Fernmeldean-
lagen oder andere Vorrichtungen, die dazu bestimmt sind, den Fernmeldeverkehr
oder den Rundfunk zu stören oder zu verhindern, herstellt, importiert, anbietet, auf
dem Markt bereitstellt, besitzt, in Betrieb nimmt, erstellt oder betreibt. Durch das
Anbringen des anklagegegenständlichen Jammers am von ihm benutzten Fahr-
zeug Honda Civic nahm der Beschuldigte eine Vorrichtung in Betrieb, die dazu
bestimmt war, den Fernmeldeverkehr zu stören. Die rechtliche Würdigung der
Anklagebehörde und der Vorinstanz erweist sich damit als zutreffend.
4. In Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils ist der Beschuldigte ferner des
Verbrechens gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. b,
c und d BetmG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG sowie der Übertre-
tung des Fernmeldegesetzes im Sinne von Art. 52 Abs. 1 lit. g FMG schuldig zu
sprechen.
V. Strafe
1. Mit angefochtenem Urteil wurde der Beschuldigte wegen Verbrechens
gegen das Betäubungsmittelgesetz, der Übertretung des Fernmeldegesetzes so-
wie der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes mit einer Frei-
heitsstrafe von 48 Monaten und mit Fr. 800.– Busse bestraft (Urk. 35 S. 89). Er
lässt mit seiner Berufung eine Bestrafung mit einer bedingten Freiheitsstrafe von
14 Monaten und mit Fr. 200.– Busse beantragen (Urk. 37 S. 1 f.; Urk. 64 S. 1).
2. Bei qualifizierter Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz reicht
der Strafrahmen von nicht unter einem Jahr bis zu 20 Jahren Freiheitsstrafe, wo-
mit eine Geldstrafe von mindestens drei und höchstens 180 Tagessätzen zu ma-
ximal Fr. 3'000.– verbunden werden kann (Art. 19 Abs. 2 BetmG; Art. 40 StGB;
Art. 34 Abs. 1 und 2 StGB). Für die mehrfache Übertretung des Betäubungsmit-
telgesetzes im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG sowie die Übertretung des Fern-
meldegesetzes im Sinne von Art. 52 Abs. 1 lit. g FMG ist eine separate Busse
auszufällen (Urteil des Bundesgerichtes 6B_65/2009 vom 13. Juli 2009 E. 1.2).
- 50 -
2.1 Der ordentliche Strafrahmen ist trotz Vorliegens allfälliger Strafschär-
fungs- und Strafmilderungsgründe nur zu erweitern, wenn aussergewöhnliche
Umstände vorliegen und die für die betreffende Tat angeordnete Strafe im konkre-
ten Fall zu hart, respektive zu milde erscheint. Die Frage einer Unterschreitung
des ordentlichen Strafrahmens kann sich stellen, wenn verschuldens- bzw. straf-
reduzierende Faktoren zusammentreffen, die einen objektiv an sich leichten Tat-
vorwurf weiter relativieren, so dass eine Strafe innerhalb des ordentlichen Rah-
mens dem Rechtsempfinden widerspräche (Art. 48, Art. 48a, Art. 49 Abs. 1,
Art. 19 Abs. 2, Art. 22 Abs. 1 StGB; BGE 136 IV 55 E. 5.8 S. 63; Urteil des Bun-
desgerichtes 6B_475/2011 vom 30. Januar 2012 E. 1.4.4). Das Gericht ist indes-
sen verpflichtet, Strafschärfungsgründe zumindest straferhöhend und Strafmilde-
rungsgründe strafmindernd innerhalb des ordentlichen Strafrahmens zu berück-
sichtigen (BGE 116 IV 300 E. 2.a).
2.2 Hinsichtlich der qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmit-
telgesetz liegen keine Strafschärfungsgründe vor. Auch eine relevante, die
Schuldfähigkeit vermindernde Betäubungsmittelabhängigkeit, wie sie bisweilen
bei Beschaffungskriminellen vorkommt, ist nicht gegeben. Zwar geht aus dem
Gutachten des IRM Zürich vom 15. Oktober 2019 zur Haaranalyse des Beschul-
digten hervor, dass dieser zumindest im Zeitraum von Anfang April 2018 bis An-
fang Oktober 2018 Kokain konsumiert hatte, wobei die ermittelten Werte mit ei-
nem schwachen bis mittleren Konsum vereinbar sind. Ausserdem zeigte sich laut
Gutachten, dass der Kokainkonsum im Zeitraum von ca. Anfang Juli 2018 bis An-
fang Oktober 2018 geringer war als zuvor. Überdies wurde beim Beschuldigten
für den Zeitraum von Anfang April bis Anfang Juli 2018 ein schwacher bis mittel-
starker Konsum von MDMA nachgewiesen (Urk. 7/15). Trotz dieses nachgewie-
senen Betäubungsmittelkonsums liegen keine Hinweise darauf vor, dass der Be-
schuldigte bei der Begehung der anklagegegenständlichen Delikte von einer ent-
sprechenden Abhängigkeit geleitet gewesen wäre. So berichtete E._ bei-
spielsweise davon, dass der Beschuldigte einmal im Ausgang die Rechnung im
Betrag von Fr. 8'000.– für mehrere Leute bezahlt habe (Urk. 3/2 S. 8). Es liegt
daher nahe, dass er das im Rahmen seiner Delinquenz erlangte Geld nicht in ers-
ter Linie für die Finanzierung einer allfälligen Betäubungsmittelabhängigkeit ein-
- 51 -
setzte, sondern für einen gehobeneren Lebensstil, als ihm dies die ihm entrichte-
ten Unfalltaggelder erlaubt hätten. Ausserdem spricht auch der Umstand, dass
sich sein Betäubungsmittelkonsum zwischen Juli 2018 und Oktober 2018 im Ver-
gleich zu den vorhergehenden Monaten reduziert hatte, dagegen, dass er an ei-
ner seine Steuerungsfähigkeit beeinträchtigenden Betäubungsmittelabhängigkeit
litt. Andernfalls wäre es ihm kaum möglich gewesen, seinen Konsum aus eigener
Kraft und ohne therapeutische Hilfe zu reduzieren. Entsprechend liegen auch kei-
ne Strafmilderungsgründe vor.
3. Das Gericht misst die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu. Es be-
rücksichtigt das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung
der Strafe auf dessen Leben (Art. 47 Abs. 1 StGB). Der Begriff des Verschuldens
muss sich auf den gesamten Unrechts- und Schuldgehalt der konkreten Straftat
beziehen. Zu unterscheiden ist zwischen Tat- und Täterkomponente. Als Grad-
messer für die objektive Tatschwere dient das Mass der Beeinträchtigung des
strafrechtlich geschützten Rechtsguts. Es lässt sich am Ausmass des verschulde-
ten Erfolges hinsichtlich Deliktsbetrag, Gefährdung, Sachschaden etc. sowie an-
hand der Art und Weise der Herbeiführung dieses Erfolges, der Willensrichtung,
mit der der Täter gehandelt hat, und dessen Beweggründe bemessen. Weiter be-
deutsam sind das Mass der Entscheidungsfreiheit beim Täter und die Intensität
seines deliktischen Willens. Je leichter es für den Täter gewesen wäre, die ver-
letzte Norm zu respektieren, desto schwerer wiegt die Entscheidung gegen diese
(Heimgartner, in: Donatsch/Heimgartner/Isenring/Weder, Kommentar StGB,
20. Aufl. 2018, N 6 ff. zu Art. 47 StGB; Wiprächtiger/Keller, in: Basler Kommentar
StGB, 4. Aufl. 2019, N 85 zu Art. 47 StGB; Trechsel/Thommen, in: Trechsel/Pieth,
Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 3. Aufl. 2018, N 17 ff. zu
Art. 47 StGB).
3.1 Im Bereich des Betäubungsmittelstrafrechts ist zu berücksichtigen, dass
der Drogenmenge und der daraus resultierenden Gefährdung bei der Bemessung
der Strafe keine vorrangige Rolle zukommen darf (BGE 118 IV 342 ff.; BGE 121
IV 202 E. 2d/cc; Urteil des Bundesgerichtes 6B_558/2011 vom 21. November
2011 E. 3.3.2). Es wäre verfehlt, im Sinne eines Tarifs überwiegend oder gar al-
- 52 -
lein auf dieses Kriterium abzustellen. Falsch wäre aber auch die Annahme, die-
sem Strafzumessungselement komme eine völlig untergeordnete oder gar keine
Bedeutung zu. Es ist nicht nebensächlich, ob jemand mit zwanzig oder zweihun-
dert Gramm einer gefährlichen Droge handelt.
3.2 Der Reinheitsgrad der Betäubungsmittel kann für das Verschulden von
Bedeutung sein. Handelt der Täter wissentlich mit ausgesprochen reinen Drogen,
ist das Verschulden schwerer, handelt er wissentlich mit besonders stark ge-
streckten Drogen, ist es leichter (BGE 122 IV 299). Steht indes nicht fest, dass
der Beschuldigte ein ausgesprochen reines oder besonders stark gestrecktes Be-
täubungsmittel liefern wollte, spielt der genaue Reinheitsgrad für die Gewichtung
des Verschuldens und bei der Strafzumessung keine Rolle. Die genaue Betäu-
bungsmittelmenge und gegebenenfalls ihr Reinheitsgrad verlieren zudem an Be-
deutung, wenn mehrere Qualifikationsgründe gemäss Art. 19 Abs. 2 BetmG ge-
geben sind, und sie werden umso weniger wichtig, je deutlicher der Grenzwert im
Sinne von Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG überschritten ist (BGE 121 IV 193).
3.3 Die objektive Tatschwere bestimmt sich bei Drogendelikten neben der
erwähnten eher sekundären Bedeutung der Drogenmenge (BGE 121 IV 202) und
der daraus folgenden Gesundheitsgefährdung namentlich auch nach der Art und
Weise der Tatbegehung (BGE 118 IV 348). Massgebend sind dabei u.a. die Häu-
figkeit und Dauer der deliktischen Handlungen, die aufgewendete persönliche
Energie, das gezeigte kriminelle Engagement, die hierarchische Stellung sowie
die Grösse der erzielten oder angestrebten Gewinne. Daneben kommt es darauf
an, wie der Täter mit der Droge in Kontakt gekommen ist und was er mit dieser
gemacht hat (Hug-Beeli, Kommentar Betäubungsmittelgesetz, Basel 2016, N 279
ff. zu Art. 26 BetmG). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes trifft bei-
spielsweise den Transporteur einer bestimmten Drogenmenge grundsätzlich ein
geringeres Verschulden als denjenigen, der diese Betäubungsmittelmenge ver-
kauft oder zum Zwecke des Weiterverkaufs erwirbt (Wiprächtiger/Keller, a.a.O.,
N 100 zu Art. 47 StGB; BGE 121 IV 206). Weiter beachtlich ist auch eine allfällige
Drogenabhängigkeit des Täters, ob er ausschliesslich des Geldes wegen handel-
te, ohne sich in einer finanziellen Notlage zu befinden, oder ob er es ablehnt zu
- 53 -
arbeiten, obwohl es ihm möglich wäre, und er es vorzieht, durch den Drogenhan-
del seinen Lebensunterhalt zu verdienen (BGE 107 IV 62 f.; BGE 118 IV 349).
Daraus ergibt sich, dass nicht einem einzelnen der aufgeführten Kriterien für die
Beurteilung des Verschuldens eine überwiegende Bedeutung zukommt. Der Ein-
bezug all dieser Kriterien und deren Gesamtwürdigung führt schliesslich zur Ge-
wichtung der Tatschwere und des Verschuldens.
3.3.1 Bei der objektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass sich der
Deliktszeitraum über rund neun Monate erstreckte, wobei seiner Drogenhandel-
stätigkeit einzig durch behördliche Intervention mit seiner Verhaftung ein Ende
gesetzt wurde. Innerhalb dieses Zeitraums veräusserte oder besass der Beschul-
digte insgesamt eine Menge von 1'145.40 Gramm Reinsubstanz Kokain. Den
Grenzwert für einen schweren Fall einer Widerhandlung gegen das Betäubungs-
mittelgesetz von 18 Gramm Reinsubstanz Kokain überschritt er damit massiv.
Ausserdem erwirtschaftete er mit dieser Tätigkeit einen namhaften Gewinn. Er
hatte zudem mehrere Abnehmer, an welche er meist mehrmals Kokain verkauft
hatte. Sein deliktisches Handeln beschränkte sich sodann nicht alleine auf die
Weitergabe von Kokain. Er liess auch Kokain von Deutschland in die Schweiz ein-
führen, er bunkerte Kokain in einem von ihm angemieteten Bastelraum und, wie
sich aufgrund der in jenem Bastelraum vorgefundenen Utensilien zeigte, streckte
und portionierte er das Kokain auch selbst. Weiter ist zu beachten, dass das vom
Beschuldigten umgesetzte Kokain mit 96 % teilweise einen sehr hohen Reinheits-
grad aufwies. Dieser Umstand spricht dafür, dass er zumindest auf einer mittleren
Hierarchiestufe innerhalb des Drogenhandels anzusiedeln ist. Leicht relativierend
ist in Bezug auf diese Schlussfolgerung zu berücksichtigen, dass dem Beschul-
digten im Rahmen einer neurologischen Untersuchung seines behandelnden Arz-
tes, Dr. med. AI._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, aus
dem Jahre 2017 eine Lernbehinderung attestiert wurde (Urk. 64 S. 15; Urk. 65
S. 3 f.). Vor diesem Hintergrund ist durchaus vorstellbar, dass der Beschuldigte
auf andere Personen angewiesen war, um sich von diesen zunächst gewisse
Vorgehensweisen innerhalb des Betäubungsmittelhandels sowie entsprechende
Fähigkeiten aneignen zu können. Dieser Umstand schliesst jedoch nicht aus,
dass er nach dem Erwerb der entsprechenden Kenntnisse in der Lage war, selb-
- 54 -
ständig innerhalb des Betäubungsmittelhandels zu agieren. Überdies ist zu be-
rücksichtigen, dass es dem Beschuldigten trotz dieser Lernbehinderung auch
möglich war, eine kriminelle Energie zu entwickeln. So zeigt sich insbesondere
daran, dass sich im Bastelraum des Beschuldigten neben dem gebunkerten Ko-
kain auch noch eine Waffe und Munition mit daran haftenden DNA-Spuren des
Beschuldigten befanden, dass seine Beteiligung im Betäubungsmittelhandel auch
von einer gewissen kriminellen Energie geprägt war. Auch der Umstand, dass er
für die von ihm organisierte Kokaineinfuhr aus Deutschland eine Drittperson in-
struiert, bezahlt und damit in den Drogenhandel eingebunden hatte, weist auf eine
gewisse Skrupellosigkeit in seinem Vorgehen hin. Insgesamt ist die objektive Tat-
schwere im Rahmen der schweren Widerhandlung gegen das Betäubungsmittel-
gesetz somit als keineswegs mehr leicht einzustufen und die hypothetische Ein-
satzstrafe in der Grössenordnung von zwischen 4 1⁄2 und 5 Jahren Freiheitsstrafe
festzusetzen.
3.3.2 Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere ist zu gewichten, dass der Be-
schuldigte aus finanziellen und damit aus rein egoistischen Motiven dem Betäu-
bungsmittelhandel nachging. So erklärte er im Rahmen der vorinstanzlichen
Hauptverhandlung, dass er mit Drogen gehandelt habe, weil ihm die Taggelder,
welche er von der Unfallversicherung ausbezahlt erhielt, nicht ausgereicht hätten
(Prot. I S. 20). Zwar trifft zu, dass der Beschuldigte Opfer eines Gewaltdelikts
wurde und aufgrund der dabei erlittenen Verletzungen finanziell auf Sozialversi-
cherungsleistungen angewiesen war. Gleichzeitig ist beim Beschuldigten gerade
in Anbetracht dessen, dass ihm entsprechende Leistungen ausgerichtet wurden,
keine finanzielle Notlage auszumachen, welche seine Delinquenz in subjektiver
Hinsicht zu relativeren vermöchte. Wie sich unter anderem aus den Angaben von
E._ zeigt, wendete der Beschuldigte beispielsweise im Ausgang hohe Geld-
beträge auf, was dagegen spricht, dass es ihm im deliktsrelevanten Zeitraum an
finanziellen Mitteln für lebensnotwenige Güter gefehlt haben könnte. Gleichwohl
kann nicht ausser Acht gelassen werden, dass sich beim Beschuldigten aufgrund
der psychischen und physischen Beeinträchtigungen, welche er aufgrund des an
ihm verübten schweren Gewaltdelikts erlitt, eine gewisse Perspektivlosigkeit ein-
stellte. Dass er aufgrund dieser Perspektivlosigkeit empfänglicher dafür wurde,
- 55 -
sich auf deliktische Weise ein zusätzliches Einkommen zu verschaffen und es ihm
entsprechend schwerer fiel, einer Beteiligung am Drogenhandel zu widerstehen,
ist daher leicht verschuldensmindernd zu berücksichtigen. Wie bereits erwogen,
liegen keine Hinweise darauf vor, dass seine Schuldfähigkeit im Deliktszeitraum
aufgrund einer Betäubungsmittelabhängigkeit eingeschränkt gewesen wäre (vgl.
Erw. V.2.2).
3.3.3 Angesichts der zu berücksichtigenden Perspektivlosigkeit des Be-
schuldigten vermag die subjektive Schwere der Tat die objektive Tatschwere
leicht zu relativieren. Das Tatverschulden wiegt damit innerhalb der schweren Wi-
derhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz insgesamt nicht mehr leicht, was
eine hypothetische Einsatzstrafe von rund 4 Jahren Freiheitsstrafe als angemes-
sen erscheinen lässt.
3.4 Bei der Würdigung der Täterkomponente kann die verschuldensange-
messene Strafe aufgrund von Umständen, die mit der Tat grundsätzlich nichts zu
tun haben, erhöht oder herabgesetzt werden. Massgebend hierfür sind im We-
sentlichen täterbezogene Komponenten, wie die persönlichen Verhältnisse, Vor-
strafen, Leumund, Strafempfindlichkeit und Nachtatverhalten, wie Geständnis,
Einsicht, Reue etc. (Heimgartner, a.a.O., N 14 ff. zu Art. 47 StGB).
3.4.1 Über die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten ist bekannt,
dass er am tt. November 1994 in Zürich geboren wurde. In Zürich wuchs er zu-
sammen mit einer Schwester auf und absolvierte die obligatorische Schulzeit von
9 Jahren. Eine Ausbildung oder Lehre hat er nicht gemacht. Sein Vater verstarb
gemäss den Angaben des Beschuldigten im Jahre 2004 in AJ._. Er sei dort
erschossen worden. Der Beschuldigte besuchte zu jener Zeit die Primarschule.
Der Tod seines Vaters führte beim Beschuldigten zu psychischen Problemen, wo-
rauf er eine Sonderschule besuchte. Ausserdem kam es zu ambulanten Mass-
nahmen der Jugendanwaltschaft. Diese Massnahmen endeten im Jahre 2013. Im
Alter von 15 oder 16 Jahren begann er, Drogen zu konsumieren. Im Jahre 2014
wurde der Beschuldigte Opfer eines Gewaltdelikts. Er erlitt dabei schwere Verlet-
zungen, welche unter anderem ein künstliches Koma, länger dauernde Spitalau-
fenthalte und zahlreiche Operationen nachsichzogen. Vor seiner Verhaftung am
- 56 -
22. Oktober 2018 erhielt er Unfalltaggelder in der Höhe von Fr. 2'500.– pro Monat.
Seine Mietkosten betrugen Fr. 500.– bis Fr. 800.–, welche er seiner Mutter be-
zahlte, bei der er auch wohnte (Urk. 10/3; Prot. I S. 9 ff.).
3.4.2 Anlässlich der Berufungsverhandlung ergänzte er zu seinen aktuellen
Verhältnissen (Prot. II S. 9 ff.), dass die Operationen, welche aufgrund des gegen
ihn verübten Gewaltdelikts nötig waren, inzwischen abgeschlossen seien, sofern
sich nichts mehr verkompliziere. Ausserdem gab er an, dass er derzeit eine
100 % IV-Rente in der Höhe von Fr. 1'593.– sowie Taggelder der Unfallversiche-
rung in der Höhe von Fr. 91.85 pro Tag beziehe. Eine UVG-Rente sei in Berech-
nung. Im Rahmen des Plädoyers seiner Verteidigung liess er mitteilen, dass er
mittlerweile nicht mehr mit seiner Mutter, sondern mit seiner Schwester zusam-
menwohne, und eine Katze habe (Urk. 64 S. 17; Prot. II S. 19).
3.4.3 Die Vorinstanz berücksichtigte die persönlichen Verhältnisse des Be-
schuldigten insbesondere aufgrund des frühen und tragischen Verlusts seines Va-
ters als im leichten bis mittleren Umfang strafmindernd. Ausserdem hielt sie fest,
dass der Beschuldigte im Jahre 2014 einen weiteren Schicksalsschlag erlitten ha-
be (Urk. 35 S. 53 ff.). Wenn die Vorinstanz im Zusammenhang mit diesem weite-
ren Schicksalsschlag von einem Unfall spricht (Urk. 35 S. 56), so wird sie dem
vom Beschuldigten tatsächlich Erlebten nicht gerecht. Vielmehr wurde der Be-
schuldigte Opfer eines gravierenden Gewaltdelikts, welches eine nachhaltige Be-
einträchtigung seiner Lebensqualität nachsichzog. Diesem Umstand, dass das an
ihm verübte Gewaltdelikt für den Beschuldigten schwerwiegende psychische und
physische Beeinträchtigungen zur Folge hatte und sich dieses daher auch negativ
auf seine Zukunftsperspektiven auswirkte, wurde jedoch bereits bei der Beurtei-
lung der subjektiven Tatschwere Rechnung getragen. Eine erneute Berücksichti-
gung dieses Umstands bei den persönlichen Verhältnissen käme einer Doppel-
verwertung gleich. Demgegenüber rechtfertigt es sich entsprechend den vo-
rinstanzlichen Erwägungen, unter dem Titel des Vorlebens den für den Beschul-
digten sehr einschneidenden frühen und tragischen Verlust seines Vaters straf-
mindernd zu berücksichtigen.
- 57 -
3.4.4 Der Beschuldigte ist im Schweizerischen Strafregister mit zwei Vorstra-
fen verzeichnet (Urk. 36; Urk. 62). Mit Strafbefehl der Jugendanwaltschaft Zürich-
Stadt vom 10. Januar 2013 wurde er wegen diverser Strassenverkehrsdelikten
sowie eines Vergehens gegen das Waffengesetz mit einem bedingten Freiheits-
entzug von 21 Tagen und einer Busse von Fr. 100.– bestraft. Zudem wurde er mit
Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis vom 24. Juli 2018 wegen gro-
ber Verletzung der Verkehrsregeln sowie wegen einfacher Verletzung der Ver-
kehrsregeln mit einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 100.–, bei
einer Probezeit von 3 Jahren, und einer Busse von Fr. 640.– bestraft. Auch wenn
diese Verurteilungen nicht wegen einschlägiger Delikte erfolgten und die zweite
Verurteilung nur in Bezug auf einen Teil der zu beurteilenden Delinquenz eine
Vorstrafe darstellt, so ist der Umstand, dass ihn diese beiden Verurteilungen nicht
von weiterer Delinquenz abzuhalten vermochten, dennoch straferhöhend zu ge-
wichten. Dabei ist insbesondere zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte unmit-
telbar nach der zweiten Verurteilung weiter delinquierte und dabei gar die ihm mit
jenem Entscheid auferlegte Probezeit missachtete. Überdies fällt auf, dass die zu
beurteilende Delinquenz weit schwerer wiegt, als die mit jenen Strafbefehlen ge-
ahndeten Delikte.
3.4.5 Umfangreiche und prozessentscheidende Geständnisse können eine
Strafreduktion von bis zu einem Drittel bewirken (BGE 121 IV 202 E.2d/cc). Das
Geständnis, das kooperative Verhalten bei der Aufklärung von Straftaten sowie
die Einsicht und Reue wirken strafmindernd. Der Grad der Strafminderung hängt
insbesondere davon ab, in welchem Stadium des Verfahrens das Geständnis er-
folgte (Wiprächtiger/Keller, a.a.O., N 169 ff. zu Art. 47 StGB). Der Beschuldigte
machte weitgehend von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch und ge-
stand einzig in Bezug auf zwei Anklageziffern die ihm gemachten Vorwürfe ein.
Was diese Eingeständnisse betrifft, ist jedoch zu beachten, dass ihm hinsichtlich
jener Vorwürfe aufgrund der gestützt auf Sicherstellungen, DNA-Spuren und Aus-
sagen von Abnehmern erdrückenden Beweislage kaum mehr Raum für Bestrei-
tungen blieb. Das teilweise Eingeständnis des Beschuldigten kann daher lediglich
sehr leicht strafmindernd berücksichtigt werden.
- 58 -
3.4.6 Schliesslich ist die Wirkung der Strafe auf das Leben des Beschuldig-
ten zu berücksichtigen. Damit ist die Strafempfindlichkeit des Täters angespro-
chen. Sie fällt etwa im Falle gesundheitlicher Probleme des Täters als strafmin-
dernder Faktor in Betracht, jedoch nur dann, wenn Abweichungen vom Grundsatz
einer einheitlichen Leidempfindlichkeit geboten sind, wie etwa bei Gehirnverlet-
zungen, Schwerkranken oder Taubstummen (BGer 6B_572/2010 vom 18. No-
vember 2010 E. 4.5). Der Beschuldigte liess vor Vorinstanz vorbringen, dass bei
ihm eine solche besondere Strafempfindlichkeit vorliege, zumal bei einer Inhaftie-
rung aufgrund der im Jahre 2014 erlittenen Verletzungen notwendig gewordene
Gesichtsoperationen zurückgestellt werden müssten und er aufgrund einer post-
traumatischen Belastungsstörung dringend auf eine ambulante Behandlung an-
gewiesen wäre (Urk. 23 S. 15). Abgesehen davon, dass der Beschuldigte an der
Berufungsverhandlung erklärte, dass die aufgrund des erlittenen Gewaltdelikts
nötig gewordenen Operationen und Eingriffe grundsätzlich abgeschlossen seien
(Prot. II S. 12), ist die medizinische Grundversorgung entsprechend den zutref-
fenden Hinweisen der Vorinstanz sowohl in physischer als auch in psychischer
Hinsicht in den Vollzugsanstalten gewährleistet (Urk. 35 S. 61; vgl. § 108 JVV).
Allfällige weitere medizinisch notwendige und nicht aufschiebbare Eingriffe könn-
ten damit auch während des Strafvollzugs durchgeführt werden. Seine medizini-
schen Bedürfnisse sind damit nicht geeignet, die Strafe zu mindern oder gar einen
Freiheitsentzug als unzumutbar erscheinen zu lassen.
3.4.7 Wie bereits erwogen, liegt – entgegen der Auffassung der Verteidigung
– auch keine strafmindernd zu berücksichtigende Verletzung des Beschleuni-
gungsgebotes vor (vgl. Erw. II.5.3).
3.5 Da die strafmindernd zu berücksichtigenden persönlichen Verhältnisse
und das teilweise Geständnis die straferhöhende Wirkung der Vorstrafen zu
überwiegen vermögen, wirkt sich die Täterkomponente insgesamt strafmindernd
auf die Strafzumessung aus. Es rechtfertigt sich daher, die hypothetische Ein-
satzstrafe von 4 Jahren Freiheitsstrafe auf 3 3⁄4 Jahre Freiheitsstrafe zu reduzie-
ren.
- 59 -
4. Für die mehrfache Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes sowie die
Übertretung des Fernmeldegesetzes ist der Beschuldigte zusätzlich mit einer
Busse zu bestrafen. Während eine Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes
mit einer Busse von bis zu CHF 10'000.– zu bestrafen ist (Art. 26 BetmG i.V.m
Art. 106 Abs. 1 StGB), sieht das Fernmeldegesetz für Übertretungen einen Bus-
senrahmen von bis zu Fr. 100'000.– vor (Art. 52 Abs. 1 FMG). Aufgrund des
Verschlechterungsverbotes liegt der Maximalbetrag der in diesem Fall für sämtli-
che zu beurteilenden Übertretungen auszufällenden Busse aber ohnehin bei
Fr. 800.–.
4.1 Mit der Bemessung der Höhe der Busse hat sich die Vorinstanz bereits
zutreffend auseinandergesetzt. Sie erwog hinsichtlich des Einsatzes des GPS-
Jammers zu Recht, dass das Verschulden in objektiver Hinsicht im untersten Be-
reich liegt, zumal der Beschuldigte mit dem Anbringen jenes Störsenders zwar die
Professionalität und die Routine seines deliktischen Handelns unterstrich, dieser
aber dennoch so angebracht war, dass er anlässlich der Verhaftung des Beschul-
digten leicht aufzufinden und sicherzustellen war. Auch in Bezug auf die mehrfa-
che Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes hielt die Vorinstanz zutreffend
fest, dass in objektiver Hinsicht zwar ins Gewicht fällt, dass der Beschuldigte ver-
schiedene Betäubungsmittel (Kokain und Ecstasy) regelmässig konsumiert hatte,
das objektive Tatverschulden aber dennoch im untersten Bereich anzusiedeln ist,
zumal es sich nicht um einen sehr langen Deliktszeitraum und einen schwachen
bis mittelstarken Konsum gehandelt hatte (Urk. 35 S. 64 f.).
4.2 Auch den vorinstanzlichen Erwägungen zur jeweiligen subjektiven Tat-
schwere, gemäss welchen das jeweilige objektive Tatverschulden durch Aspekte
der subjektiven Tatschwere keine Relativierung erfährt, ist zu folgen (Urk. 35
S. 64 f.). Die von der Vorinstanz für sämtliche Übertretungen festgesetzte Busse
von Fr. 800.– erweist sich vor diesem Hintergrund auch unter Berücksichtigung
der aktuellen Finanzlage des Beschuldigten als seinem Verschulden und seinen
finanziellen Verhältnissen angemessen. Sie ist zu bestätigen.
5. Somit ist der Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von 3 3⁄4 Jahren und
mit Fr. 800.– Busse zu bestrafen. Einer Anrechnung der erstandenen 522 Tage
- 60 -
Untersuchungs- und Sicherheitshaft (Urk. 9/2; Urk. 29) steht nichts entgegen
(Art. 51 StGB).
6. Wie die Vorinstanz zu Recht erwog, kommt die Gewährung des bedingten
oder teilbedingten Strafvollzuges bereits aus objektiven Gründen nicht in Frage,
da eine Freiheitsstrafe von 3 3⁄4 Jahren auszufällen ist (Urk. 35 S. 65; Art. 42
Abs. 1 StGB und Art. 43 Abs. 1 StGB). Die Busse ist zu bezahlen (Art. 105 Abs. 1
StGB). Für den Fall, dass der Beschuldigte diese schuldhaft nicht bezahlt, ist eine
Ersatzfreiheitsstrafe von 8 Tagen festzusetzen (Art. 106 Abs. 2 StGB).
VI. Widerruf
1. Begeht der Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder Ver-
gehen und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere Straftaten verüben wird, wi-
derruft das Gericht eine bedingte Strafe (Art. 46 Abs. 1 StGB). Ist hingegen nicht
zu erwarten, dass der Verurteilte weitere Straftaten begehen wird, so verzichtet
das Gericht gemäss Art. 46 Abs. 2 StGB auf den Widerruf, wobei es den Be-
schuldigten verwarnen oder die Probezeit um höchstens die Hälfte verlängern
kann. In die Beurteilung der Bewährungsaussichten ist im Falle des Widerrufs des
bedingt gewährten Strafvollzugs miteinzubeziehen, ob die neue Strafe bedingt
oder unbedingt ausgesprochen wird. Das Gericht kann zum Schluss kommen,
dass vom Widerruf des bedingten Strafvollzugs abgesehen werden kann, wenn
die neue Strafe vollzogen wird. Auch das Umgekehrte ist zulässig: Wird eine
frühere, bedingt ausgefällte Strafe widerrufen, kann unter Berücksichtigung der zu
erwartenden Wirkungen des Vollzugs dieser Strafe eine Schlechtprognose für die
neue Strafe im Sinne von Art. 42 Abs. 1 StGB allenfalls verneint und diese folglich
bedingt vollzogen werden (BGE 134 IV 140 E. 4.5).
2. Der Beschuldigte wurde während der gemäss Strafbefehl der Staatsan-
waltschaft Limmattal/Albis vom 24. Juli 2018 für eine Geldstrafe von 30 Tagessät-
zen zu Fr. 100.– laufenden Probezeit von 3 Jahren erneut straffällig (Urk. 36).
Entgegen der Auffassung der Verteidigung führt die Annahme, dass die delikti-
schen Handlungen des Beschuldigten von einem einheitlichen Willensentschluss
- 61 -
umfasst gewesen seien, nicht dazu, dass im Hinblick auf die Beurteilung des Wi-
derrufs sämtliche Delinquenz dem Zeitpunkt der Entschlussfassung und damit ei-
nem Zeitpunkt vor dem 24. Juli 2018 zuzuordnen wäre (Urk. 64 S. 18). Der
Schuldspruch wegen (einfachen) Verbrechens gegen das Betäubungsmittelge-
setz steht demnach einem Widerruf des bedingten Vollzugs der in Frage stehen-
den Strafe nicht von Vornherein entgegen.
2.1 Zu berücksichtigen ist aber, dass der Beschuldigte lediglich ein Teil der
neu zu beurteilenden Delinquenz innerhalb der für diesen Strafbefehl laufenden
Probezeit beging und es sich dabei nicht um einschlägige Delinquenz handelte.
Überdies ist nicht ausser Acht zu lassen, dass der Beschuldigte aufgrund dieser
neuen Delinquenz eine längere Freiheitsstrafe zu gewärtigen haben wird. Trotz
dieses bevorstehenden Strafvollzugs und der bereits erstandenen 522 Tage Haft
kann ihm jedoch keine günstige Legalprognose gestellt werden. So ging er unmit-
telbar nach Ergehen des in Frage stehenden Strafbefehls weiter dem Betäu-
bungsmittelhandel nach, was darauf hinweist, dass ihn jene Verurteilung unbe-
eindruckt liess. Ausserdem wiegt die nach jenem Strafbefehl gezeigte Delinquenz
weit schwerer als die dem Strafbefehl zugrunde liegenden Delikte, was ebenfalls
dazu führt, dass auf diesen Widerruf nicht zu verzichten ist.
2.2 Der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis vom 24. Juli
2018 für eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 100.– gewährte bedingte
Vollzug ist demnach zu widerrufen. Aufgrund der Ungleichartigkeit der Strafen fällt
eine Gesamtstrafenbildung mit der neu auszufällenden Freiheitsstrafe von
3 3⁄4 Jahren im Sinne von Art. 46 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 49 StGB ausser Betracht.
VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Ausgangsgemäss – es bleibt bei den vorinstanzlichen Schuldsprüchen –
ist die erstinstanzliche Kostenauflage, inklusive Nachforderungsvorbehalt im Sin-
ne von Art. 135 Abs. 4 StPO in Bezug auf die Kosten der amtlichen Verteidigung,
zu bestätigen (Dispositivziffern 11 - 13; Art. 426 Abs. 1 StPO).
- 62 -
2. Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 Satz 1 StPO). Der Beschul-
digte unterliegt mit seiner Berufung weitestgehend. Er erreicht einzig eine im Ver-
gleich zum angefochtenen Urteil um drei Monate reduzierte Freiheitsstrafe. Es
rechtfertigt sich daher, die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derje-
nigen der amtlichen Verteidigung, dem Beschuldigten zu neun Zehnteln aufzuer-
legen und im Übrigen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten der amtlichen
Verteidigung sind – unter Vorbehalt der Rückforderung im Umfang der Kostenauf-
lage – auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 135 Abs. 4 StPO).