# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 4dd20a5d-e9e9-4751-8a22-a0f78725c53b
**Court:** CH_BSTG
**Chamber:** CH_BSTG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** CH / Federation
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
A. Rechtsanwalt A. vertrat als amtlicher Verteidiger B. vor Bezirksgericht Aarau
vor erster und auf dessen Berufung hin und Anschlussberufung der Staats-
anwaltschaft vor Obergericht des Kantons Aargau (Strafgericht, 1. Kammer)
als zweiter Instanz.
B. Das Obergericht kürzte die für das zweitinstanzliche Verfahren geltend ge-
machte Anwaltsentschädigung von Fr. 9'305.30 mit Urteil vom 18. August
2020 unter verschiedenen Titeln auf Fr. 6'830.-- (act. 1.1).
C. Gegen die Kürzung erhebt Rechtsanwalt A. in einem Punkt am 10. Septem-
ber 2020 Beschwerde. Er verlangt, dass er für das obergerichtliche Verfah-
ren mit insgesamt Fr. 7'508.95 (inkl. Auslagen und MWST) zu entschädigen
sei. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. (act. 1)
D. Das Obergericht hat mit Hinweis auf das schriftliche Urteil am 14. September
2020 auf eine Vernehmlassung verzichtet (act. 3).
E. Das Obergericht setzte mit seinem Urteil vom 18. August 2020 das bereits
von der ersten Instanz gegenüber der Rechnung gekürzte Honorar für das
erstinstanzliche Verfahren auf Fr. 29'355.-- fest, wogegen, neben anderem,
der Beschwerdeführer am 30. September 2020 Beschwerde in Strafsachen
beim Bundesgericht erhob (act. 11.1).
F. Mit Urteil vom 21. Juni 2021 überwies das Bundesgericht die Sache zustän-
digkeitshalber zur Entscheidung an das Bundesstrafgericht.
G. Mit Eingabe vom 7. Juli 2021 liess sich das Obergericht zum weiteren Vor-
gehen nach Überweisung der Sache durch das Bundesgericht vernehmen,
am 14. Juli 2021 der Beschwerdeführer (act. 9; 11).
H. Auf die weiteren Ausführungen der Parteien und die Akten wird, soweit er-
forderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genommen.
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## Considerations

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gegen den Entschädigungsentscheid durch eine kantonale Berufungs- oder
Beschwerdeinstanz kann die amtliche Verteidigung bei der Beschwerdekam-
mer des Bundesstrafgerichts Beschwerde nach den Vorschriften der
Art. 393 ff. StPO erheben (Art. 135 Abs. 3 lit. b StPO i.V.m. Art. 35 Abs. 1
und Art. 37 Abs. 1 StBOG; BGE 143 IV 40 E. 3.2.2; 141 IV 187 E. 1.2). Die
amtliche Verteidigung zählt nicht zu den Verfahrensparteien (Art. 104 Abs. 1
StPO). Ihre Rechtsmittellegitimation ergibt sich aus Art. 135 Abs. 3 StPO.
Sie muss in eigenem Namen Beschwerde führen (BGE 140 IV 213 E. 1.4;
139 IV 199 E. 5.6 S. 204). Die Beschwerde gegen schriftlich oder mündlich
eröffnete Entscheide ist innert zehn Tagen schriftlich und begründet einzu-
reichen (Art. 396 Abs. 1 StPO). Die Frist für die Beschwerde beginnt mit der
Eröffnung des schriftlich begründeten Entscheids (BGE 143 IV 40 E. 3.4.4).
Mit der Beschwerde können gemäss Art. 393 Abs. 2 StPO Rechtsverletzun-
gen gerügt werden, einschliesslich Überschreitung und Missbrauch des
Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung (lit. a), die unvoll-
ständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts (lit. b) sowie die
Unangemessenheit (lit. c).
1.2 Der Beschwerdeführer erhielt von der Vorinstanz als amtlicher Verteidiger
tiefere Entschädigungen zugesprochen, als er beantragt hatte. Er ist damit
zu den vorliegenden Beschwerden legitimiert. Beide Beschwerden sind
formgerecht, und die Beschwerde betreffend die Entschädigung der amtli-
chen Verteidigung für das das obergerichtliche Verfahren (Sachverhalts-
teil 1) auch fristgerecht eingereicht worden. Separat zu prüfen ist die Recht-
zeitigkeit der Beschwerde betreffend Sachverhaltsteil 2 (Überweisung durch
das Bundesgericht).
1.3 Der Beschwerdeführer beantragt die Wiederherstellung der Frist für die An-
nahme des vom Bundesgericht überwiesenen Sachverhaltsteil 2.
1.3.1 Das Obergericht wendet in seiner Vernehmlassung ein, dem Beschwerde-
führer sei das Urteil des Obergerichts am 31. August 2020 zugestellt worden.
Er habe dagegen am 30. September 2020 Beschwerde beim Bundesgericht
eingereicht. Die Beschwerde, auf welche dieses mangels Zuständigkeit nicht
eingetreten sei, sei nicht innerhalb von 10 Tagen eingereicht worden, wes-
halb die zuständigkeitshalber an das Bundesstrafgericht überwiesene Hono-
rarbeschwerde gemäss Art. 135 Abs. 3 lit. b StPO verspätet (10 Tage Frist)
erfolgt sei und deshalb darauf nicht eingetreten werden könne.
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Der Beschwerdeführer argumentiert hingegen, er habe gestützt auf die bun-
desgerichtliche Rechtsprechung (BGE 140 IV 213 E. 1.6) die Beschwerde
gegen die Honorarbemessung für das erstinstanzliche Verfahren – innert der
30-tägigen Beschwerdefrist – beim Bundesgericht eingereicht, weil auch an-
dere Punkte des obergerichtlichen Urteils angefochten worden seien. Es
treffe ihn daher kein Verschulden, dass er die Beschwerde nicht innert der
Frist von 10 Tagen beim Bundesstrafgericht eingereicht habe. Unter diesen
Umständen würde es den Grundsatz von Treu und Glauben massiv verlet-
zen, auf die Beschwerde nicht einzutreten.
1.3.2 Gemäss Art. 94 Abs. 1 StPO kann eine Partei die Wiederherstellung der Frist
verlangen, wenn sie eine Frist versäumt hat und ihr daraus ein erheblicher
und unersetzlicher Rechtsverlust erwachsen würde; dabei hat sie glaubhaft
zu machen, dass sie an der Säumnis kein Verschulden trifft. Blosse Rechts-
unkenntnis ist kein Grund zur Wiederherstellung der versäumten Frist
(BGE 103 IV 131 E. 2; RIEDO, Basler Kommentar, 2. Aufl. 2014, Art. 94 StPO
N. 38). Im Grundsatz muss die Wiederherstellung immer möglich sein, wenn
das Verpassen den unersetzlichen Verlust prozessualer Ansprüche zur
Folge hat (RIEDO, a.a.O., Art. 94 StPO N. 28). Unersetzlich ist ein Rechts-
verlust, wenn die fragliche Verfahrenshandlung in einem späteren Verfah-
rensstadium nicht mehr nachgeholt werden kann. Typisches Beispiel ist etwa
der unwiederbringliche Verlust eines Rechtsmittels (RIEDO, a.a.O., Art. 94
StPO N. 29). Das Gesuch ist innert 30 Tagen nach Wegfall des Säumnis-
grundes schriftlich und begründet bei der Behörde zu stellen, bei welcher die
versäumte Verfahrenshandlung hätte vorgenommen werden sollen. Innert
der gleichen Frist muss die versäumte Verfahrenshandlung nachgeholt wer-
den (Abs. 2).
1.3.3 Zu prüfen ist einzig, ob den Beschwerdeführer an der Säumnis ein Verschul-
den trifft; die übrigen Voraussetzungen sind erfüllt und geben zu keinen Be-
merkungen Anlass.
Vorab ist festzuhalten, dass die Rechtsmittelbelehrung des Urteils des Ober-
gerichts keinen Hinweis auf Möglichkeit der Beschwerde gegen den Ent-
schädigungsentscheid an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts
enthielt. Aus unvollständiger Rechtsmittelbelehrung darf den Parteien kein
Rechtsnachteil erwachsen. Eine Partei geniesst aber keinen Vertrauens-
schutz, wenn sie oder ihr Anwalt den Mangel der Rechtsmittelbelehrung
durch Konsultierung des massgebenden Gesetzestextes allein hätte erken-
nen können (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 4A_204/2019 vom
11. Mai 2020 E. 1.3.2; BGE 135 III 374 E. 1.2.2.1 S. 376 mit Hinweisen);
andererseits wird auch von einem Anwalt nicht verlangt, dass er neben dem
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Gesetzestext auch die einschlägige Rechtsprechung oder Literatur nach-
schlage (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 4A_203/2019 vom 11. Mai
2020 E. 1.3.2; BGE 141 III 270 E. 3.3 S. 272 f.).
Was die Gesetzeskenntnis des Beschwerdeführers anbelangt, so kann ihm
keine Rechtsunkenntnis vorgeworfen werden, hat er doch die Entschädigung
der amtlichen Verteidigung für das Berufungsverfahren fristgerecht mit Be-
schwerde beim Bundesstrafgericht angefochten. Dies zeigt, dass ihm die
massgebenden Gesetzesbestimmungen (Art. 135 Abs. 3 lit. b StPO; Art. 396
Abs. 1 StPO) bekannt waren. Er hätte somit die Entschädigung der amtlichen
Verteidigung für das erstinstanzliche Verfahren ohne Weiteres ebenfalls in-
nert der 10-tägigen Beschwerdefrist beim Bundesstrafgericht anfechten kön-
nen. Es stellt sich daher die Frage, warum er dies nicht tat.
Der Wortlaut von Art. 135 Abs. lit. b StPO lässt in Bezug auf die vorliegende
Fallkonstellation Interpretationsspielraum offen. Der Beschwerdeführer hielt
sich daher an folgende bundesgerichtliche Rechtsprechung: Setzt die Straf-
behörde die Entschädigung der amtlichen Verteidigung für das kantonale
Verfahren vor erster und zweiter Instanz fest, ist die Entschädigung gesamt-
haft mit Beschwerde gemäss Art. 135 Abs. 3 lit. b StPO bei der Beschwer-
dekammer des Bundesstrafgerichts (Art. 37 Abs. 1 StBOG) anzufechten
(BGE 141 IV 187 E. 1.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_985/2013 vom
19. Juni 2014 E. 1.2). Dies Rechtsprechung betrifft die originären Entschädi-
gungsentscheide des Berufungsgerichts, wenn ausschliesslich diese beiden
Punkte angefochten sind (BGE 140 IV 213 E. 1.6 f.; Urteile des Bundes-
gerichts 6B_1124/2020 vom 21. Juni 2021 E. 1.4.2; 6B_647/2012 vom
10. Dezember 2012 E. 1.). Aus dieser Rechtsprechung folgt, dass sich der
Rechtsweg gabelt, falls auch materielle Punkte beim Bundesgericht ange-
fochten werden. Für die Festsetzung der amtlichen Entschädigung für das
erstinstanzliche Verfahren ist dann das Bundesgericht – zusammen mit den
materiellen Punkten – zuständig und für die Festsetzung der amtlichen Ent-
schädigung für das zweitinstanzliche Verfahren das Bundesstrafgericht.
Nachdem vorliegend genau diese Konstellation vorlag, focht der Beschwer-
deführer die Festsetzung der amtlichen Entschädigung für das erstinstanzli-
che Verfahren zusammen mit dem materiellen Punkt der Landesverweisung
beim Bundesgericht an und die Festsetzung der amtlichen Entschädigung
für das zweitinstanzliche Verfahren beim Bundesstrafgericht.
Das Bundesgericht legt in Erwägung 1.4.3 des Urteils 6B_1124/2020 vom
21. Juni 2021 dar, warum in der vorliegenden Konstellation trotzdem das
Bundesstrafgericht zuständig sein soll. Es hält zunächst fest, dass der Be-
schwerdeführer die Entschädigung der amtlichen Verteidigung für das Beru-
fungsverfahren zutreffend beim Bundesstrafgericht angefochten habe. Weil
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somit diese Entschädigung nicht unangefochten geblieben sei, liege ein An-
wendungsfall von Art. 135 Abs. 3 lit. b StPO vor, sodass das Bundesstrafge-
richt insgesamt zuständig werde und die Beschwerde in Strafsachen nicht
gegeben sei (e contrario BGE 140 IV 213 E. 1.7; Urteil des Bundesgerichts
6B_1115/2019 vom 3. Dezember 2019 E. 1; 6B_75/2017 vom 16. November
2017 E. 1).
Mit Blick auf die aktuelle Rechtsprechung des Bundesgerichts kann nicht ge-
sagt werden, der Beschwerdeführer hätte angesichts der fehlerhaften