# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 57a1d0a8-029d-4ffa-a790-ce31bd650554
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_007
**Year:** 2011
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A.1. A., geboren am 1. November 1958, verfügt über eine abgeschlossene kaufmännische Ausbildung bei der C.. Von März 1980 bis Juni 1983 arbeitete er als Buchhalter bei der Hotel- und Touristikfachschule in Z.. Nach dem Besuch eines Wirtekurses und der Absolvierung mehrerer Praktika in der Restaurationsbranche begann A. nebenberuflich mit der Ausbildung zum Buchhalter bei der D.. Zuletzt war er als Leiter Zahlungsverkehr/Buchhaltung/EDV bei der E. angestellt, womit er obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert war. Um sich vermehrt seinem Studium widmen zu können, kündigte er diese Stelle per Ende September 1988.
2. Am 6. August 1988, um 00.30 Uhr, ging A. zu Fuss am linken Strassenrand der Kantonsstrasse von Y. in Richtung Z., wobei er von einem überholenden Personenwagen von hinten angefahren wurde. In der Folge wurde er ins Rhätische Kantons- und Regionalspital Z. eingeliefert, wo eine leichte Commotio cerebri, der Verdacht auf ein Halswirbel-Schleudertrauma, eine Unterschenkelfraktur rechts mit beginnendem Compartmentsyndrom sowie multiple Prellungen und Kontusionen diagnostiziert wurden. Nach der operativen Versorgung der Fraktur wurde A. am 23. August 1988 aus dem Spital entlassen. Laut Arztbericht von Dr. med. F. vom 26. Juli 1989 bestand bis zum 11. Dezember 1988 eine vollständige und anschliessend bis zum 2. Januar 1989 eine hälftige Arbeitsunfähigkeit. Zudem liege bei A. seit dem Unfall eine ausgeprägte psychische Störung vor. Nach Abschluss der medizinischen Behandlung zeigte sich, dass A. eine Funktionseinbusse des rechten Beins im Umfang von 15 % davontragen würde. Mit Verfügung vom 21. Mai 1992 sprachen ihm die G. Versicherungen (nachfolgend G.) deshalb eine entsprechende Integritätsentschädigung zu und schlossen den Fall ab.
3. Der Unfall verursachende Automobilist wurde mit Urteil des Kantonsgerichtsausschusses von Graubünden vom 11. Oktober 1989 wegen fahrlässiger Körperverletzung und (einfacher) Verletzung der Verkehrsregeln mit einer Busse von Fr. 1'500.-- bestraft. Dieses Urteil erwuchs in Rechtskraft.
4. Ab Januar 1989 setzte A. sein Studium bei der D. für ein Jahr fort, brach es in der Folge aber ab, zumal er ein schulisches Scheitern befürchtete. Am 15. Mai 1991 meldete er sich unter Berufung auf seit dem Unfall auftretende psychische Probleme bei der Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Gestützt auf das Gutachten von Dr. med. H. vom 28. September 1992, welches A.
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eine posttraumatische Belastungsstörung attestierte, sprach ihm die Ausgleichskasse des Kantons Graubünden mit Verfügung vom 21. Januar 1993 eine ganze IV-Rente aufgrund eines IV-Grads von 70 % zu. Weitergehende von A. beantragte Nachzahlungen wurden allesamt mit der Begründung abgewiesen, er habe sich bei der IV verspätet zum Leistungsbezug angemeldet und die gesetzlich zulässige Rückwirkung seit der Anmeldung betrage grundsätzlich nur 12 Monate.
B.1. Mit Verfügung vom 17. Juni 1994 lehnte die G. gestützt auf das Gutachten von Dr. med. I. vom 3. Mai 1994 einen Anspruch von A. auf eine Invalidenrente ab. Zur Begründung wurde ausgeführt, zwischen dem Unfall vom 6. August 1988 und der heutigen vollen Arbeitsunfähigkeit bestehe kein natürlicher Kausalzusammenhang.
2. Die dagegen erhobene Einsprache wies die G. mit Entscheid vom 13. November 1995 ab. Gestützt auf das Gutachten von Dr. med. J., Chefarzt der Kantonalen Psychiatrischen Klinik N., vom 21. August 1995 sowie der Stellungnahme hierzu von Prof. Dr. med. K. vom 30. September 1995 gelangte sie zum Schluss, dass der natürliche Kausalzusammenhang zwischen Unfall und psychischer Störung zwar gegeben sei, es aufgrund der bereits vorbestehenden neurotischen Persönlichkeitsstruktur von A. hingegen an der notwendigen Adäquanz fehle.
3. Das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden hiess die dagegen erhobene Beschwerde mit Entscheid vom 27. September 1996 teilweise gut, hob den angefochtenen Einspracheentscheid auf und wies die Angelegenheit zu ergänzenden Abklärungen in medizinischer Hinsicht an die Versicherungsgesellschaft zurück.
4. In der Folge beauftragte die G. PD Dr. med. L. mit der psychiatrischen Begutachtung von A. und Dr. med. M. mit der Erstellung eines Aktengutachtens. Mit Verfügung vom 6. August 1999 sowie Einspracheentscheid vom 23. März 2000 wurde ein Rentenanspruch von A. gegenüber der Unfallversicherung abermals abgelehnt. Hiergegen erhobene Beschwerden wurden vom Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden (Urteil vom 7. Dezember 2000) und anschliessend auch vom Eidgenössischen Versicherungsgericht (Urteil vom 28. Mai 2002) abgewiesen.
C. Um allfällige Ansprüche gegen die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers, die B. Versicherungsgesellschaft (nachfolgend B.), zu wahren, hatte sich der anwaltlich vertretene A. von dieser ab dem Jahre 1990 mehrere
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Verzichtserklärungen auf die Einrede der Verjährung ausstellen lassen. In der am 11. September 1995 ausgestellten Verzichtserklärung nahm die B. auf das Schreiben des Rechtsvertreters von A. vom 4. September 1995 Bezug und stellte fest, dass sie mit Schreiben vom 23. Juni 1993 auf die Einrede der Verjährung bis am 6. August 1995 verzichtet habe. In diesem Sinne bestehe ihrerseits die Vermutung, dass die Ansprüche von A. heute verjährt seien. Gleichwohl erklärte sie sich für die Zukunft bereit, auf die Einrede der Verjährung bis am 6. August 1997 zu verzichten. Ergänzend wurde ausgeführt, dieser Verzicht erfolge ausdrücklich unter dem Vorbehalt, dass die Verjährung nicht bereits zum heutigen Zeitpunkt eingetreten sei. In ihrem Schreiben vom 4. Juli 1997 wies die B. auf ihr Schreiben vom 11. September 1995 hin und hielt ihre Meinung, dass die Ansprüche von A. vermutungsweise verjährt seien, aufrecht. In diesem Sinne erneuerte sie ihre Vorbehalte gemäss Schreiben vom 11. September 1995 und erklärte sich lediglich für die Zukunft bereit, auf die Einrede der Verjährung bis am 6. August 1998 zu verzichten. Der gleiche Vorbehalt wurde auch in den darauffolgenden Schreiben vom 27. Juli 1998, 7. Dezember 1999 und 9. Dezember 2000 angeführt, in welchen die B. jeweils eine Einredeverzichtserklärung abgab, sofern die Verjährung nicht bereits eingetreten sei. In ihrem Schreiben vom 26. Februar 2002 äusserte sich die B. gegenüber dem Rechtsvertreter von A. dahingehend, dass von ihrer Seite bereits zu einem früheren Zeitpunkt (Schreiben vom 11. September 1995) die Einrede der Verjährung erhoben worden sei, weil damals die Prolongation ihres Verjährungsverzichts vom 23. Juni 1993 nicht fristgerecht verlangt worden sei. Aus ihrer Sicht bestehe der seinerzeitige Vorbehalt, dass schon damals die Verjährung eingetreten sei, nach wie vor. Nun stelle sie fest, dass sie mit Schreiben vom 9. Dezember 2000 den Verjährungsverzicht bis zum 31. Januar 2001 verlängert habe. Eine Prolongation des Verzichts sei von der Gegenseite wiederum nicht rechtzeitig einverlangt worden, sodass sie davon ausgehe, dass allfällige Forderungen von A. zum heutigen Zeitpunkt definitiv als verjährt anzusehen seien. Um Weiterungen zu vermeiden, erkläre sie sich trotzdem bereit, auf die Einrede der Verjährung bis am 31. Dezember 2002 zu verzichten; dieser Verzicht erfolge ausdrücklich unter dem Vorbehalt, dass eine solche noch nicht eingetreten sei und gelte demzufolge nur für die Zukunft. Der gleichlautende Vorbehalt wurde sodann in den Einredeverzichtserklärungen vom 10. Dezember 2002, 15. Dezember 2003, 3. Dezember 2004, 9. November 2005 und 15. Dezember 2006 angebracht.
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D. Am 28. Dezember 2007 meldete A. vorliegende Streitsache beim Kreispräsidenten Fünf Dörfer zur Vermittlung an. Nach erfolglos verlaufener Sühneverhandlung vom 13. Februar 2008 wurde am 18. Februar 2009 der Leitschein ausgestellt. Mit Prozesseingabe vom 11. März 2009 prosequierte A. die entsprechende Klage gegen die B. an das Bezirksgericht Landquart mit folgendem Rechtsbegehren:
„1. Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger CHF 1'665'000.--, allenfalls einen Betrag nach richterlichem Ermessen, nebst 5% Zins p.a. für den Betrag von CHF 42'000.--, allenfalls nach richterlichem Ermessen, seit 6. August 1988 zu bezahlen.
2. Unter vermittleramtlicher, gerichtlicher und aussergerichtlicher Kosten und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beklagten.“
Die eingeklagte Forderung setzt sich aus einer Erwerbsausfallentschädigung (Fr. 779'562.--) und einer Genugtuung (Fr. 885'438.--) zusammen. Bezüglich der Verjährungsfrage äusserte sich der klägerische Rechtsvertreter dahingehend, dem Kläger sei am 28. Mai 2002 definitiv bekannt gewesen, dass er nach Vorliegen des Urteils des Eidgenössischen Versicherungsgerichts keine Versicherungsleistungen der Unfallversicherung seines ehemaligen Arbeitgebers, der G., beanspruchen könne. Somit sei ab diesem Zeitpunkt erstmals eine definitive Schadensberechnung möglich gewesen, welche der Beklagten vorgelegt worden sei. Infolge der kurzen Verjährungsfristen sei die Beklagte um Einredeverzichtserklärungen angefragt worden. Diese habe sämtliche Verzichte lückenlos bis Ende Dezember 2007 erklärt, als die Vermittlungsverhandlung durch den Kläger anbegehrt und somit der Verjährungslauf unterbrochen worden sei.
E. Mit Prozessantwort vom 15. Juli 2009 beantragte die B. die Abweisung der Klage, soweit auf diese eingetreten werden könne. In ihrer Rechtsschrift erhob sie ausdrücklich die Einrede der Verjährung hinsichtlich sämtlicher eingeklagter Schadenersatz- und Genugtuungsforderungen und bestritt, dass der Kläger den approximativen Schadensumfang erst nach Vorliegen des Entscheids des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 28. Mai 2002 habe bestimmen können. Darüber hinaus treffe es sicht zu, dass die ausgestellten Einredeverzichtserklärungen lückenlos bis Ende Dezember 2007 vorhanden seien. Vielmehr bestünden diesbezüglich zwei Lücken, auf welche die Beklagte die Gegenseite bereits im damaligen Zeitpunkt ausdrücklich und mehrfach hingewiesen habe. Angesichts der Verjährung erübrigten sich weitergehende Beweiserhebungen etc. und es sei zu prüfen, ob die Hauptverhandlung zunächst auf die Frage der Verjährung beschränkt werde. Diesem Antrag schloss sich der Rechtsvertreter von A. mit Vernehmlassung vom 20. Oktober 2009 an.
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F. In der Folge beschränkte das Bezirksgericht Landquart das Verfahren auf die Beurteilung der Verjährungsfrage und setzte die Hauptverhandlung – nachdem diese wegen Vergleichsverhandlungen zwischen den Parteien, welche gemäss Schreiben der B. vom 11. Oktober 2010 letztlich jedoch scheiterten, zunächst aufgeschoben worden war – auf den 16. Februar 2011 an. Mit Urteil vom 16. Februar 2011, mitgeteilt am 28. März 2011, erkannte das Bezirksgericht wie folgt:
„1. Die Klage wird vollumfänglich abgewiesen.
2. Die Kosten des Kreispräsidenten Fünf Dörfer als Vermittler im Betrage von Fr. 250.-- sowie die Kosten des Verfahrens vor Bezirksgericht Landquart, bestehend aus:
- einer Gerichtsgebühr von Fr. 4'040.00
- einer Schreibgebühr von Fr. 810.00
- den Barauslagen von Fr. 150.00
total somit Fr. 5'000.00
werden gänzlich dem Kläger auferlegt, welcher der Beklagten zudem eine ausseramtliche Entschädigung von pauschal Fr. 14'000.-- (Mehrwertsteuer darin enthalten) zu bezahlen hat.

## Considerations