# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 67a5f475-716b-4571-abcd-6cf97514eb3f
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1985, meldete sich erstmals am 31. August 2007 (Ein
gangsdatum) unter Hinweis auf Rücken- und Beinschmerzen bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbe
zug an (Urk.
2/
11/4). Die IV-Stelle tätigte erwerbliche sowie medizinische Abklärungen und holte das psychiatrische Gutachten von Dr. med.
Y._
,
Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 10. April 2008 ein (Urk.
2/
11/29). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Vorbescheide vom 30. Juni und 1. Juli 2008, Urk.
2/
11/33 und Urk.
2/
11/35) verneinte die IV-Stelle mit Verfügungen vom 12. und 15. September 2008 (Urk.
2/
11/36 und Urk.
2/
11/37) sowohl einen Anspruch auf eine Invalidenrente als auch auf berufliche Massnahmen.
Am 1. Dezember 2010 (Eingangsdatum) meldete sich die Versicherte erneut bei der IV-Stelle unter Hinweis auf Beschwerden im rechten Bein und im Rücken zum Leistungsbezug an (Urk.
2/
11/39). Die IV-Stelle tätigte wiederum erwerbliche und medizinische Abklärungen und holte das polydisziplinäre Gutachten des
Z._ GmbH
vom 24. Oktober 2011 ein (Urk.
2/
11/57). Nach Erlass des Vorbescheids vom 8. November 2011 (Urk.
2/
11/60) erhob die Versicherte am 3. Februar 2012 Einwand (Urk.
2/
11/67), woraufhin die IV-Stelle weitere medizinische Abklärungen tätigte und das polydisziplinäre Gutachten der Medizinischen Abklärungsstelle
A._
GmbH (MEDAS) vom 27. November 2013 einholte (Urk.
2/
11/90 und Urk.
2/
11/91). Nach einer Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt am 17. Juni 2014 (Haushaltsabklärungsbericht vom 29. September 2014, Urk.
2/
11/95) wies die IV-Stelle mit Verfügung vom 29. September 2014 das Leistungsbegehren ab (Urk.
2/
2).
Die hiergegen am
29. Oktober 2014
erhobene
Beschwerde (
Urk.
2/1) wies das hiesige Gericht mit Urteil vom 2
4.
März 2016 ab (
Verfahrensnr. IV.2014.01147;
Urk.
2/20), wogegen die Versicherte am Bundesgericht Beschwerde erhob. Mit Urteil
9C_296/2016
vom 2
9.
Juni 2016 hiess das Bundesgericht die Beschwerde teilweise gut, hob den Entscheid des hiesigen Gerichts auf und wies die Sache zu neuer Entscheidung
zurück (
Urk.
1).
2.
Mit Beschluss vom 2
1.
September 2016 gab das hiesige Gericht das psychiatri
sche Ergänzungs-Gutachten bei
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, in Auftrag (
Urk.
6),
wel
ches am
2.
März 2017 erstattet
wurde (
Urk.
11). Die Beschwerdeführerin nahm am 2
3.
März 2017 zum Gutachten
Stellung
(
Urk.
15), die Beschwerde
gegnerin verzichtete darauf (
Urk.
16), worüber die Parteien am 3
0.
März 2017
jeweils
in Kenntnis gesetzt wurden (
Urk.
17).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegan
gen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgeset
zes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsge
mäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Lei
den
mit Krankheitswert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Auf
bietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesge
richts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeits
fähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreivier
telsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medi
zinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswer
tes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt
und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den Vorakten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizini
schen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechts
anwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenen
falls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann Fredenhagen, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
Dr.
B._
hielt folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfä
higkeit fest (
Urk.
11 S. 26):
-
Schwere anhaltende somatoforme Schmerzstörung
(ICD-10
F45.4
)
-
Dissoziatives Geschehen
(ICD-10
F44
)
, insbesondere mit immer wieder auftretenden stuporösen Zuständen, möglicherweise aber auch Sensi
bilitä
tsstörungen und Schmerzerleben
-
Verdacht auf
ICD-10 F62: Unverkennbar seien
Hinweise auf eine kom
plextraumatische Bela
stungsstörung. In der ICD-10 werde
dieses Störungsbild meistens mit der Ziffer
ICD-10
F6
2.0, andauernde Per
sönlichkeitsä
nderung nach Extrembelastung, beschrieben.
Sie hätten
jedoch eine solche Codifizierung mit «Verdacht auf» versehe
n, da das vorhandene Material ihres
Erachtens nicht vollständig ausreichend belastbar
sei
, um versicherungsrechtlich diese diagnostische Klassifi
zi
erung beweiskräftig darzustelle
n.
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
lägen folgende vor
:
-
Status nach depressiver Episode (ICD-10
F32.8
)
oder nach rezidi
vieren
den depressiven Zuständen
(ICD-10
F33.8
)
entsprechend anamnestischen Angaben der Behandlerin sowie grenzwertige Bega
bung.
Letztlich hätten
diese per se nicht unbedingt als mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit zu sehenden diagnostischen Einschät
zungen in Komorbidität mit den vorgenannten diagnostischen Ein
schätzungen aber durchaus limitierenden Charakter auch auf die Arbeitsfähigkeit, insofern sie die Ressourcenarmut darstell
t
en.
Dr.
B._
konstatierte, dass die Arbeitsfähigkeit nicht gegeben sei und sie davon ausgingen, dass diese Annahme mit überwiegender Wahrschein
lichkeit seit Dezember 2010 bestehe - entsprechend der Einschätzung im Gutachten 2013 (
Urk.
11 S. 27 und S. 24 i.V.m.
Urk.
2/90/40).
2.2
Das Gutachten von Dr.
B._
vom
2.
März 2017
(Urk.
11
) vermag die an eine beweiskräftige gerichtliche Expertise gestellten Anforderungen voll
umfänglich zu erfüllen
. So tätigte er
sorgfältige, umfassende Abklärungen, berücksichtigte die geklagten
Beschwerden und begründete seine
Einschät
zung in nachvollziehbarer Weise sowie in Auseinan
dersetzung mit den Vorakten. Er
legte die medizinischen Zusammenhänge und die medizinische Situation einl
euchtend dar und begründete seine
Schlussfolgerungen nach
vollziehbar. Dem Gutachten kommt somit volle Beweiskraft zu. Etwas Gegenteiliges wird von den Parteien denn auch nicht vorgebracht (vgl. Urk.
15 und
Urk.
16
). Nach dem Gesagten besteht gemäss dem beweiskräfti
gen Gutachten aus psychiatrischer Sicht seit
Dezember 2010
eine 100%ige Einschrä
nkung der Arbeitsfähigkeit.
Die Beschwerdeführerin hat damit ab dem
1.
Dezember 2011 Anspruch auf eine ganze Rente
(
vgl.
E.
1.3
).
In Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung aufzuheben, und es ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin ab dem
1.
Dezember 2011
Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung hat.
3.
Gestützt auf
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Besc
hwerdeverfahren vor dem kanto
na
len Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert unter Berücksichti
gung des gesetzlichen Rahmens (
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.--) auf
Fr.
1‘000.-- festzusetzen und der unterliegenden Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
Der unentgeltliche Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin hat gestützt auf
Art.
61 lit. g ATSG in Verbindung mit
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht Anspruch auf eine Prozessentschädigung, die unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwier
igkeit des Prozesses auf
Fr.
3‘2
00.-- (inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen ist.