# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 86040536-f5f8-4267-a1d1-2ed8f00eadfc
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_002
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt:
1. A._, Jahrgang 1969, war zuletzt als Detailhandelsangestellte tätig. Am
20. September 2019 meldete sie einen Anspruch auf
Arbeitslosenversicherungstaggeld im Umfang von 100 % ab selbigem
Datum an.
2. Am 8. November 2019 wurde A._ vom Regionalen
Arbeitsvermittlungszentrum (nachfolgend RAV) aufgefordert, am 7. Januar
2020 an einem Beratungsgespräch teilzunehmen. Am 5. Januar 2020 teilte
A._ dem RAV mit, das Gespräch müsse verschoben werden, da sie
an diesem Tag ein Vorstellungsgespräch habe. Deshalb wurde das
Beratungsgespräch mit Schreiben vom 7. Januar 2020 auf den 10. Januar
2020 verschoben. Diesem Gespräch blieb A._ fern.
3. In der Folge wurde A._ mit Schreiben vom 13. Januar 2020 vom Amt
für Industrie, Gewerbe und Arbeit Graubünden (nachfolgend KIGA)
aufgefordert, zum versäumten Termin Stellung zu nehmen.
4. Mit Stellungnahme vom 14. Januar 2020 hielt A._ fest, es müsse sich
um ein Versehen handeln, sie habe sich korrekt abgemeldet, da sie ab dem
9. Januar 2020 eine Stelle habe antreten können.
5. Mit Schreiben vom 10. März 2020 wurde A._ aufgefordert, mit Frist bis
zum 20. März 2020 den Nachweis zu erbringen, dass sie am 10. Januar
2020 gearbeitet habe.
6. Am 19. März 2020 teilte A._ dem KIGA mit, dass sie aufgrund der
aktuellen Situation den Nachweis nicht fristgerecht erbringen könne.
7. Mit Verfügung vom 23. April 2020 wurde A._ wegen Nichtbefolgens
einer Weisung für fünf Tage in der Anspruchsberechtigung zum Bezug von
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Arbeitslosenversicherungstaggeld eingestellt. Das KIGA führte
begründend aus, dass A._ dem Beratungsgespräch vom 10. Januar
2020 ohne Angabe von Gründen ferngeblieben sei. Die verlangte
Bestätigung des Arbeitgebers, die nachgewiesen hätte, dass sie am 10.
Januar 2020 gearbeitet habe, sei bis dato nicht eingereicht worden.
8. Dagegen erhob A._ am 26. April 2020 fristgerecht Einsprache.
Begründend wurde ausgeführt, dass sie sich rechtzeitig mit E-Mail vom
8. Januar 2020, um 14:40 Uhr, vom Gespräch am 10. Januar 2020
abgemeldet habe. Die Entschuldigung sei eineinhalb Tage vor dem
Beratungsgespräch erfolgt. Im darauffolgenden Beratungsgespräch habe
ihr der RAV-Berater erklärt, dass er die E-Mail noch nicht geöffnet gehabt
hätte und sie deshalb angezeigt habe. Sie habe laut Vertrag seit dem 1.
Januar 2020 eine Anstellung, wobei sie am 9. Januar 2020 ihre Arbeit
aufgenommen habe. Wie bereits dargelegt, habe sie die bis zum Datum
der Einsprache erforderliche Abrechnung des Arbeitgebers noch nicht
erhalten.
9. Mit Einspracheentscheid vom 12. Mai 2020 lehnte das KIGA die
Einsprache vom 26. April 2020 ab. Begründend wurde ausgeführt, dass
beim KIGA in der Zwischenzeit die Zwischenverdienstbescheinigung wie
auch die Zeitnachweisliste der B._ AG von A._ über die
Kontrollperiode im Januar 2020 eingegangen seien. Aus diesen ergebe
sich, dass A._ am 10. Januar 2020 nicht gearbeitet habe, sodass ihre
Einsprache abgelehnt werde.
10. Mit E-Mail vom 16. Mai 2020 ersuchte A._ um eine neuerliche Prüfung
der Angelegenheit. Erklärend führte sie aus, dass im Wesentlichen aus
technischen Gründen (späterer Erhalt des Badge) und aufgrund
fehlerhafter manueller Erfassung der 10. Januar 2020 nicht als Arbeitstag
aufgenommen worden sei, obschon sie dann gearbeitet habe.
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11. Auf Nachfrage des KIGA bei der zuständigen Arbeitslosenkasse SYNA, ob
sie für den 10. Januar 2021 einen Zwischenverdienst angerechnet habe,
habe selbige verneint. Am 29. Mai 2020 teilte das KIGA A._ mit, es
werde nicht wiedererwägungsweise auf den Einspracheentscheid
zurückkommen.
12. Gegen diesen Einspracheentscheid vom 12. Mai 2020 erhob A._
(nachfolgend Beschwerdeführerin) am 12. Juni 2020 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden. In ihrer Beschwerde brachte
sie im Wesentlichen vor, dass sie am 9. Januar 2020 bei der Firma
C._, welche sich im B._ befinde, zu arbeiten begonnen habe. Sie
habe eine Vorgesetzte bei der C._, aber auch eine Vorgesetzte bei
B._. Die Zeiterfassung, die Schlüssel, der Personalkasten etc. laufe
alles über B._. B._ liefere jeweils zeitverzögert die Daten an ihren
Arbeitgeber, C._. Am 9. Januar 2020 sei ihr zwar der Arbeitsplatz
gezeigt worden, den Badge, welcher für die elektronische
Arbeitszeiterfassung notwendig sei, habe sie jedoch erst eine Woche
später erhalten. Folglich seien die Arbeitsstunden auf dem Zeitblatt erst
später von Hand eingetragen worden. Dies jedoch leider fälschlicherweise
verschoben, sodass der Samstag und der Sonntag als Arbeitstage erfasst
worden seien, obschon sie sonntags gar nicht gearbeitet habe. Ihre
Vorgesetzte bei B._ bestätige dies mit der der Einsprache beigelegten
E-Mail. Sie arbeite jeweils freitags und samstags, je nach Bedarf im Lager
auch am Donnerstag. Für den Termin vom 10. Januar 2020 habe sie sich
am 8. Januar 2020, um 14:40 Uhr, eineinhalb Tage vor dem besagten
Termin, per E-Mail entschuldigt, da sie ab dem 9. Januar 2020 ihre Stelle
habe antreten können. Der RAV-Berater habe ihr mitgeteilt, er habe die E-
Mail vom 8. Januar 2020 damals noch nicht gelesen gehabt und sie
deshalb anzeigen müssen. Am 16. März 2020 habe sie bei B._ die
Abrechnungen verlangt, diese aber bis Ende April 2020 nicht erhalten.
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13. Mit Vernehmlassung vom 29. Juni 2020 beantragte das KIGA (nachfolgend
Beschwerdegegner) die Abweisung der Beschwerde unter gesetzlicher
Kostenfolge. Den Beweis, dass die Beschwerdeführerin tatsächlich am
10. Januar 2020 gearbeitet habe, sei sie weiterhin schuldig geblieben. Die
ins Recht gelegte E-Mail von B._ vom 30. Dezember 2019 sei in
diesem Zusammenhang wenig hilfreich, da die später ausgestellte
Erfassung der tatsächlichen Arbeitszeiten dem geplanten Einsatz
widerspreche. Interessant sei immerhin, dass sich die Beschwerdeführerin
scheinbar bereits im Dezember 2019 mit B._ auf einen Einsatz
geeinigt habe. Daher stelle sich die Frage, ob das Beratungsgespräch vom
7. Januar 2020 tatsächlich habe verschoben werden müssen, was die
Beschwerdeführerin mit einem Vorstellungsgespräch bei B._
begründet habe.
14. Mit Replik vom 26. Juli 2020 hielt die Beschwerdeführerin an ihren
Ausführungen fest und vertiefte sie. Zur Frage des Vorstellungsgesprächs
am 7. Januar 2020 führte die Beschwerdeführerin aus, sie arbeite nicht für
B._, sondern in einem sogenannten Shop im Shop, bei dem das
Personal über eine externe Firma angestellt werde und diese Firma
innerhalb der Ladenfläche von B._ ihre eigenen Produkte verkaufe.
Kurz vor der Arbeitsaufnahme bei C._ habe sie sich im D._,
welcher sich auch im B._ befinde, vorgestellt. Die Arbeitslosenkasse
habe ausserdem die zwei Arbeitstage akzeptiert und nicht gestrichen.
Gerade dies zeige doch auf, dass sie zwei Tage gearbeitet haben müsse.
15. Mit Schreiben vom 4. August 2020 verzichtete der Beschwerdegegner auf
die Einreichung einer Duplik.
Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften und den
angefochtenen Einspracheentscheid sowie auf die im Recht liegenden
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Beweismittel wird, soweit rechtserheblich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Die Einzelrichterin zieht in Erwägung:
1.1. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet der
Einspracheentscheid des Beschwerdegegners vom 12. Mai 2020. Gemäss
Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG;
SR 837.0) i.V.m. den Art. 2 sowie Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG; SR 830.1) kann gegen Einspracheentscheide aus dem Bereich der
Arbeitslosenversicherung Beschwerde beim kantonalen
Versicherungsgericht erhoben werden. Laut Art. 100 Abs. 3 AVIG i.V.m.
Art. 128 Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV;
SR 837.02) ist für die Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen
(Einspracheentscheide) einer kantonalen Amtsstelle das
Versicherungsgericht desselben Kantons örtlich zuständig. Der
angefochtene Einspracheentscheid wurde vom Amt für Industrie, Gewerbe
und Arbeit Graubünden als kantonale Amtsstelle im Sinne von Art. 85 AVIG
erlassen, sodass die örtliche Zuständigkeit des angerufenen Gerichts
gegeben ist. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts des
Kantons Graubünden ergibt sich aus Art. 57 ATSG i.V.m. Art. 49 Abs. 2 lit.
a des kantonalen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR
370.100). Damit fällt die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde in die
Zuständigkeit des angerufenen Gerichts.
1.2. Als Adressatin des angefochtenen Einspracheentscheids ist die
Beschwerdeführerin berührt und weist ein schutzwürdiges Interesse an
dessen Aufhebung auf (Art. 59 ATSG). Auf die von ihr zudem frist- und
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formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 60 und Art. 61 lit. b ATSG) ist
damit einzutreten.
2. Gemäss Art. 43 Abs. 3 lit. a VRG entscheidet das Verwaltungsgericht in
einzelrichterlicher Kompetenz, wenn der Streitwert CHF 5'000.00 nicht
überschreitet und keine Fünferbesetzung vorgeschrieben ist.
Ausgangspunkt für die Bemessung des Streitwerts ist vorliegend der
versicherte Verdienst (Art. 23 AVIG) der Beschwerdeführerin von
CHF 3'597.00 (Beschwerdegegnerische Akten [Bg-act.] 1). Dieser wird ihr
im Umfang von 80% entschädigt (Bg-act. 1), was gemäss Art. 23 Abs. 1
AVIG und Art. 40a AVIV einem Taggeld von CHF 132.60
(CHF 3'597.00 x 0.8 : 21.7 Tage) entspricht. Mit der Verfügung vom
23. April 2020, bestätigt mit dem angefochtenen Einspracheentscheid vom
12. Mai 2020, wurde die Beschwerdeführerin für fünf Tage in der
Anspruchsberechtigung zum Bezug von Arbeitslosenversicherungstaggeld
eingestellt, was einen Streitwert von CHF 663.00 (CHF 132.60 x 5 Tage)
bedeutet. Nachdem der Streitwert somit unter CHF 5'000.00 liegt und für
diese Angelegenheit auch keine Fünferbesetzung vorgeschrieben ist (vgl.
Art. 43 Abs. 2 und 3 VRG), ist die Einzelrichterin zum Entscheid zuständig.
3.1. Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdegegner die
Beschwerdeführerin zu Recht wegen Nichtteilnahme am
Beratungsgespräch vom 10. Januar 2020 bzw. Nichtbefolgens einer
Weisung ohne entschuldbaren Grund mit Einspracheentscheid vom 12.
Mai 2020 betreffend die Verfügung vom 23. April 2020 für insgesamt fünf
Tage in der Anspruchsberechtigung zum Bezug von
Arbeitslosenversicherungstaggeld eingestellt hat.
3.2. Eine Versicherte hat Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung, wenn sie
die in Art. 8 AVIG formulierten Anspruchsvoraussetzungen erfüllt. Dazu
gehört unter anderem, dass sie die Kontrollvorschriften einhält (Art. 8
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Abs. 1 lit. g AVIG). Gemäss Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die Versicherte, die
Versicherungsleistungen beanspruchen will, alles Zumutbare
unternehmen, um die Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Die
Versicherte muss sich möglichst frühzeitig, spätestens jedoch am ersten
Tag, für den sie Arbeitslosenentschädigung beansprucht, persönlich bei
ihrer Wohngemeinde oder der vom Kanton bestimmten zuständigen
Amtsstelle zur Arbeitsvermittlung melden und von da an die
Kontrollvorschriften des Bundesrates befolgen (Abs. 2). Art. 17 Abs. 3 lit. b
AVIG bestimmt, dass die Versicherte auf Weisungen der zuständigen
Amtsstelle an Beratungsgesprächen und Informationsveranstaltungen
teilzunehmen hat. Gemäss Art. 21 Abs. 1 AVIV muss sich die Versicherte
nach der Anmeldung entsprechend den Anordnungen des Kantons zu
Beratungs- und Kontrollgesprächen persönlich bei der zuständigen
Amtsstelle melden. Die zuständige Amtsstelle legt die Termine für die
Beratungs- und Kontrollgespräche für jede Versicherte fest (Abs. 2). Art. 22
Abs. 1 AVIV sieht vor, dass das erste Beratungs- und Kontrollgespräch
innerhalb von fünfzehn Tagen nach der Anmeldung zur Arbeitsvermittlung
bei der Gemeinde oder der zuständigen Amtsstelle geführt werden muss.
Anschliessend führt die zuständige Amtsstelle mit jeder versicherten
Person in angemessenen Zeitabständen, jedoch mindestens alle zwei
Monate, Beratungs- und Kontrollgespräche durch (Abs. 2).
3.3. Befolgt die Versicherte die Weisungen der zuständigen Amtsstelle nicht,
indem sie namentlich eine zumutbare Arbeit nicht annimmt oder eine
arbeitsmarktliche Massnahme nicht antritt, so ist sie gemäss Art. 30 Abs. 1
lit. d AVIG in der Anspruchsberechtigung einzustellen. Aus dem Wortlaut
„namentlich“ ergibt sich, dass die Aufzählung nicht abschliessend ist, die
Einstellung in der Anspruchsberechtigung daher nicht notwendigerweise
die Erfüllung eines dieser aufgezählten Tatbestände voraussetzt. Damit
wird darauf hingewiesen, dass nicht jede Nichtbefolgung der
Kontrollvorschriften oder der Weisungen eine Einstellung zu rechtfertigen
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vermag. Auf jeden Fall ist aber eine Sanktionierung durch die Einstellung
in der Anspruchsberechtigung dort angezeigt, wo die Nichtbefolgung einer
Weisung Konsequenzen auf die Dauer der Arbeitslosigkeit hat (CHOPARD,
Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung, Diss., Zürich 1998, S. 146).
Was Weisungen des Arbeitsamts anbelangt, muss Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG
mit Art. 17 Abs. 3 lit. b AVIG in Zusammenhang gebracht werden. Danach
ist eine versicherte Person verpflichtet, an Beratungsgesprächen und
Informationsveranstaltungen sowie an Fachberatungsgesprächen nach
Art. 17 Abs. 5 AVIG teilzunehmen, wenn das Arbeitsamt letzteres
ausdrücklich vorschreibt. Widersetzt sich die betreffende Person einer
derartigen Weisung des Arbeitsamts, welche die Förderung ihrer
Vermittlung bezweckt, indem sie einen Termin insbesondere aus
Gleichgültigkeit verpasst, ist sie gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG in der
Anspruchsberechtigung einzustellen (CHOPARD, a.a.O., S. 87 f. m.w.H.).
4.1. Vorliegend wurde die Beschwerdeführerin für fünf Tage in ihrer
Anspruchsberechtigung eingestellt, weil sie der Weisung des zuständigen
RAV, zum Beratungsgespräch vom 10. Januar 2020 zu erscheinen, keine
Folge leistete. Die Beschwerdeführerin bestreitet vorliegend nicht, die per
E-Mail erfolgte Einladung des RAV vom 7. Januar 2020 erhalten zu haben
(Bf-act. 7). Ebenfalls unbestritten ist, dass sie dem Beratungsgespräch
vom 10. Januar 2020 ferngeblieben ist. Strittig ist im vorliegenden Fall
jedoch geblieben, ob der von der Beschwerdeführerin vorgebrachte
Rechtfertigungsgrund dieses Versäumnis zu entschuldigen vermag und
daher auf eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung zu verzichten ist.
In diesem Zusammenhang gilt es, den Einwand der Beschwerdeführerin zu
prüfen, wonach sie sich mit E-Mail vom 8. Januar 2020 beim RAV für das
Beratungsgespräch vom 10. Januar 2020 rechtzeitig abgemeldet habe.
4.2. Werden Weisungen oder Kontrollvorschriften der zuständigen Amtsstelle
aus entschuldbaren Gründen nicht befolgt, so müssen die Gründe, welche
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als Rechtfertigung für das Nichtbefolgen von Weisungen bzw.
Kontrollvorschriften angeführt werden, durch Belege, welche eine
Versicherte im Rahmen der ihr obliegenden Mitwirkungspflicht beim
Abklären eines Sachverhaltes beizubringen hat, erstellt sein. Die
zuständige Amtsstelle darf sich dabei nicht mit blossen Behauptungen
begnügen. Praxisgemäss muss andererseits das der versicherten Person
zur Last gelegte Verhalten in beweismässiger Hinsicht klar feststehen,
ansonsten eine Einstellung ausser Betracht fällt (vgl. BGE 124 V 234
E.4b/bb; vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts C_19/06
vom 5. Januar 2007 E.2.5; KUPFER BUCHER, in: STAUFFER/CARDINAUX
[Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts zum AVIG, 5. Aufl., Zürich
2019, S. 202). Nur ein unentschuldigtes Nichteinhalten eines Termins
genügt als Anlass für eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung, bildet
mithin einen Einstellungstatbestand (KUPFER BUCHER, a.a.O., S. 231).
4.3. Das Sozialversicherungsverfahren wie auch der
Sozialversicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz
beherrscht. Danach haben sowohl die Behörden im Verwaltungsverfahren
als auch das Versicherungsgericht im kantonalen Beschwerdeverfahren
von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Die Parteien haben dabei an
der Feststellung der rechtserheblichen Tatsachen mitzuwirken. Die blosse
Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den
Beweisanforderungen (Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit) nicht. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die
Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Fall der
Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus
dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Dieser
in Art. 8 ZGB enthaltene Grundsatz gilt auch im öffentlichen Recht (vgl.
BGE 138 II 465 E.6.8.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_634/2014 vom
31. August 2015 E.6.3.4). Demgemäss hat die Partei, die einen Anspruch
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geltend macht, die rechtsbegründenden Tatsachen zu beweisen, während
die Beweislast für die rechtsaufhebenden bzw. rechtsvernichtenden oder
rechtshindernden Tatsachen bei der Partei liegt, die den Untergang des
Anspruchs behauptet oder dessen Entstehung oder Durchsetzbarkeit
bestreitet (BGE 130 III 321 E.3.1). Diese Beweisregel greift allerdings erst
Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des
Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen
Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat,
der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 138 V 218 E.6 m.H.; Urteile des
Bundesgerichts 8C_831/2019 vom 13. Februar 2020 E.3.2.1 f.,
8C_794/2016 vom 28. April 2017 E.4.3.1).
4.4. Wie nachfolgend dargestellt spricht die Aktenlage vorliegendenfalls mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit für die Darstellung der
Beschwerdeführerin, wonach sie ihre Arbeit am 9. Januar 2020
aufgenommen und am 10. wie auch 11. Januar 2020 gearbeitet hat
(Beschwerdeführerische Akten [Bf-act.] 3 und Bg-act. 9). Die Vorgesetzte
hat der Beschwerdeführerin bereits mit E-Mail vom 30. Dezember 2019
mitgeteilt, dass ihr erster Arbeitstag für C._ im B._ der 9. Januar
2020 sein werde. Sie solle sich am Donnerstag 9. Januar 2020 am
Kundendienst melden und werde dann abgeholt. Die weiteren Arbeitstage
seien der Freitag 10. Januar und Samstag 11. Januar 2020 (Bf-act. 3).
Insofern sich der Beschwerdegegner auf den Standpunkt stellt, dass die
Beschwerdeführerin dem Beratungsgespräch vom 10. Januar 2020 ohne
Angabe von Gründen ferngeblieben sei, ist ihm aufgrund der Akten
entgegenzuhalten, dass sich die Beschwerdeführerin bereits am
Nachmittag des 8. Januar 2020, um 14.40 Uhr, und damit mit der
verlangten Vorlaufzeit von 24 Stunden, fürs Beratungsgespräch vom
10. Januar 2020 abgemeldet hat mit der Begründung, ab dem 9. Januar
2020 zu arbeiten und dies normalerweise freitags und samstags und
zwischendurch bei Arbeitsanfall auch donnerstags (Bf-act. 2 und Bg-act.
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6). Dabei ist nicht zu beanstanden, dass sich die Beschwerdeführerin per
E-Mail und nicht telefonisch abgemeldet hat, zumal sie und ihr RAV-Berater
regelmässig – und gerade im besagten Zeitraum zwischen dem 5. und 8.
Januar 2020 – über E-Mail kommuniziert haben (Bf-act. 1, 2 und Bg-act. 5,
6, 7 und 9). Es erscheint schlüssig, was die Beschwerdeführerin hinsichtlich
des Arbeitsstarts vom 9. Januar 2020 dartut, nämlich, dass der
Arbeitsbeginn am 9. Januar 2020 erfolgte, sie jedoch den Badge erst am
16. Januar 2020 erhielt, weshalb die Arbeitstage erst ab diesem Zeitpunkt
automatisch erfasst worden seien und daher die zuvor geleisteten
Arbeitstage von Hand eingetragen werden mussten (Bg-act. 17). Dies wird
auch mit E-Mail der Vorgesetzten der Beschwerdeführerin bestätigt (Bf-act.
3 und Bg-act. 17, S. 2). Auch das "Verrutschen" um einen Tag bei
manuellem Nachtragen erscheint nachvollziehbar, da B._ am Sonntag
geschlossen ist und somit von geleisteten Arbeitstagen am Freitag und
Samstag 10. und 11. Januar 2020 auszugehen ist (Bg-act. 6 und 17, S. 1-
3). Die Darstellung der Beschwerdeführerin, wonach sie am 10. Januar
2020 gearbeitet habe und deshalb nicht zum Beratungstermin am selbigen
Tag erscheinen konnte, leuchtet aufgrund der Aktenlage ein. Unter
anderem deshalb, weil es sich beim 10. Januar 2020 um einen Freitag
handelt und der Zeitnachweisliste zu entnehmen ist, dass sie an den
übrigen Arbeitstagen im Januar 2020 jeweils am Donnerstag, Freitag und
Samstag gearbeitet hat (Bg-act. 15). So verneinte die vom
Beschwerdegegner angefragte Arbeitslosenkasse SYNA denn auch nicht,
dass sie den 10. Januar 2020 als Arbeitstag betrachtete, sondern sie liess
vielmehr verlauten, sie könne nicht genau sagen, ob die
Beschwerdeführerin an diesem Tag gearbeitet habe oder nicht und verwies
auf die Zeitnachweisliste, wonach die Beschwerdeführerin am 10. Januar
2020 "nicht anwesend" gewesen sein soll (Bg-act. 15 und 18). Dass aber
von der Arbeitslosenkasse zehn Tage im Zwischenverdienst für den Januar
2020 abgerechnet wurden (Bg-act. 17 und 18), beweist mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit, dass die Beschwerdeführerin am 10. Januar 2020
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gearbeitet hat (Bf-act. 2 und 3, Bg-act. 6 und 17 und 18). Das Verhalten
des RAV-Beraters, welcher die E-Mail der Beschwerdeführerin vom 8.
Januar 2020 möglicherweise zu spät gelesen hat, kann der
Beschwerdeführerin nicht angelastet werden. Der von der
Beschwerdeführerin geschilderte Sachverhalt erscheint von allen
möglichen Geschehensabläufen der wahrscheinlichste. Entgegen der
Darstellung des Beschwerdegegners verpasste die Beschwerdeführerin
den Termin vom 10. Januar 2020 mit ihrem RAV-Berater damit nicht in
Verstoss gegen Kontrollvorschriften/Weisungen des RAV gemäss Art. 30
Abs. 1 lit. d AVIG aus Gleichgültigkeit oder Desinteresse, sondern sie hatte
sich rechtzeitig und angemessen abgemeldet und dies, weil sie an jenem
Tag bereits im Zwischenverdienst arbeitete und somit den Termin nicht
wahrnehmen konnte und ihn zur Förderung ihrer Vermittlung nicht
wahrnehmen musste. Vor diesem Hintergrund erfolgte die Einstellung in
der Anspruchsberechtigung zum Bezug von
Arbeitslosenversicherungstaggeld wegen Nichtbefolgens von
Kontrollvorschriften/Weisungen des RAV zu Unrecht.
5. Nach dem Gesagten erweist sich der angefochtene Einspracheentscheid
als unrichtig, was zur Gutheissung der dagegen erhobenen Beschwerde
unter Aufhebung des Einspracheentscheids vom 12. Mai 2020 und zur
Zusprache der Arbeitslosenentschädigung für die fünf Einstelltage führt.
6. Gemäss aArt. 61 lit. a ATSG i.V.m. Art. 83 ATSG ist das kantonale
Beschwerdeverfahren in arbeitslosenversicherungsrechtlichen
Streitigkeiten – ausser bei mutwilliger oder leichtsinniger Prozessführung –
kostenlos. Die nicht anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin hat keinen
Anspruch auf einen Parteikostenersatz (Art. 61 lit. g ATSG).
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