# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 3ea6938d-376b-5fd6-8f45-44745eb3646f
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 2000, wurde von ihrer Mutter
Y._
im März 2005 wegen einer allgemeinen Entwicklungsretardierung
(Bericht der
Kinderpraxis A._
über die Entwicklungsuntersuchung vom 30. Juni 2004,
Urk.
22/1; Bericht des Instituts für Medizinische Genetik der
Universität B._
vom 7. Dezember 2004,
Urk.
22/2)
bei der Invalidenversicherung angemeldet (
Urk.
13/2
; Angaben
der
Frühberatungsstelle für
Kinder vom 15. Juli 2005, Urk.
13/4 und
Urk.
13/5
)
. Diese
übernahm
bis Ende 2007
die Kosten für heilpä
dagogische Früherziehung (Verfügung
en
der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
vom 21. Juli
2005 und vom 5. Juli 2007, Urk.
13/6 und
Urk.
13/14
); ab Anfang 2008 kam der Kanton Zürich dafür auf (Brief der IV-Stelle vom Oktober 2007,
Urk.
13/15).
1.2
Nachdem i
m Februar
2011
im
Kinderspital C._
eine weitere
En
t
wicklungsun
tersuchung
durchgeführt
worden war
(Bericht vom 11. Februar 2011,
Urk.
13/21/10-13)
, fanden im Juli
2013 im Institut für Medizinische Genetik der
Universität B._
molekulargenetische Abklärungen statt, und es wurde bei
X._
eine
Mikrodeletion
am Chromosom 17 festgestellt (Bericht vom
22. Juli 2013,
Urk.
13/16
/1-3
).
Mit einer neuen Anmeldung
bei der Invaliden
-
ver
sicherung
vom 19. Dezember 2013
ersuchte die Mutter von
X._
daraufhin um die Zusprechung von medizinischen Massnahmen und
von
beruf
lichen
Eingliederungsmassnahmen (
Urk.
13/17).
Die IV-Stelle holte den Bericht von
Dr.
med.
Z._
, Anthroposophische Medizin und Facharzt für All
gemeine Medizin, vom 15. Januar 2014 ein (
Urk.
13/21/1-5)
sowie den Bericht des Kinderspitals
C._
vom 18. März 2014, wo
X._
im Januar 2014 kardiologisch untersucht worden war (
Urk.
13/25; vgl. das Zuweisungsschreiben von
Dr.
Z._
vom 17. Dezember 2013,
Urk.
22/5, und den Bericht des
Kinderspitals C._
vom 4. Februar 2014,
Urk.
22/8).
Am 1. April 2014 teilte die IV-Stelle der Mutter von
X._
mit, dass sie die Kosten für die Behandlung des Geburtsgebrechens Ziffer 313 bis zur Vollen
dung des 20. Altersjahrs übernehme (
Urk.
13/27).
1.3
Mit Schreiben vom 10. November 2014 ersuchte
Y._
die IV-Stelle um Übernahme der Kosten einer ergotherapeutischen Behandlung ihrer Tochter (
Urk.
13/40). Die IV-Stelle holte hierzu den weiteren Bericht von
Dr.
Z._
vom 14. November 2014 (
Urk.
13/44) und
die
S
tellungnahme der RAD-Ärztin
Dr.
med.
D._
vom 12. Dezember 2014 ein (
Urk.
13/45). Anschliessend eröffnete sie
Y._
mit Vorbescheid
vom 12. Dezember 2014, dass sie die Kostenübernahme für die Ergotherapie abzulehnen gedenke, da diese Thera
pie nicht im Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen Ziffer 313 stehe
und es an den Voraussetzungen für eine Übernahme als medizinische Massnahme ausserhalb der Behandlung eines Geburtsgebrechens ebenfalls fehle (
Urk.
13/46).
Der Vater
E._
erhob mündlich Einwendungen (
Telefon
notiz
der IV-Stelle vom 18. Dezember 2014,
Urk.
13/47)
, die IV-Stelle entschied jedoch mit Verfügung vom 6. Februar 2015 im beabsichtigten Sinn (
Urk.
2 =
Urk.
13/50).
2.
Mit Brief
an die IV-Stelle
, verfasst am
3. Februar 2015
und mitunterzeichnet von den Eltern von
X._
(
Urk.
13/52)
, wandte sich
Dr.
Z._
gegen die Verfügung vom 6. Februar 2015 und legte einen Bericht der
F._
vom 21. Januar 2015 bei (
Urk.
13/51). Die IV-Stelle leitete die Eingabe nach Rücksprache mit den Eltern (
Urk.
13/54) an das
Sozialversiche
rungsgericht
zur Behandlung als Beschwerde weiter (
Urk.
1/1 und
Urk.
1/2 sowie
Urk.
4
), und das Gericht holte die Vollmacht von
Y._
an
Dr.
Z._
ein (Verfügung vom 8. April
2015,
Urk.
6; Vollmacht vom 18.
April 2015,
Urk.
8; Telefonnotiz vom 6. Mai 2015,
Urk.
9).
In der
Beschwer
deantwort
vom 11. Juni 2015 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
12). Auf die gerichtliche Verfügung vom 12. Juni 2015 hin (
Urk.
14) nahm
Dr.
Z._
mit Zuschrift an die IV-Stelle vom 3. Juli 2015 namens der Versicherten nochmals Stellung (
Urk.
17). Die IV-Stelle überwies
die Stellungnahme
am 8. Juli 2015
dem Gericht
(
Urk.
16),
und dieses setzte die
Gegenpartei am 14. Juli 2015
davon in Kenntnis
(
Urk.
18).
In der Folge zog das Gericht von
Dr.
Z._
weitere Unterlagen bei (Verfü
gung vom 22. April 2016,
Urk.
20; Tel
efonnotiz vom 4. Mai 2016, Urk.
24), ins
besondere den psychomotorischen Abschlussbericht des Schulamtes der Stadt Zürich vom 27. Juni 2014 (
Urk.
25
=
Urk.
29/1). Daneben liess Dr.
Z._
dem Gericht verschiedene Verlaufsberichte der
F._
seit Januar 2015 zukommen (
Urk.
29/3-6). Die IV-Stelle verzichtete mit den Eingaben vom 24. Mai und vom 16. Juni 2016 auf eingehende
Stellungnahmen zu den neu eingereichten Unterlagen (
Urk.
30 und
Urk.
32). Am
25. Mai und am
21. Juni 2016 wurden diese Eingaben der Gegenpartei zugestellt (
Urk.
31 und
Urk.
33).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]).
Nicht erwerbstätige Per
sonen vor dem vollendeten 20. Altersjahr gelten als invalid, wenn die Beeinträchtigung ihrer körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit voraussichtlich eine ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit zur Folge haben wird (Art. 8 Abs. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 5 Abs. 2 IVG).
2.
2.1
Invalide oder von einer Invalidität bedrohte Versicherte haben gestützt auf Art. 8 Abs. 1 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese not
wendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im (nicht erwerblichen) Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu ver
bessern, zu erhalten oder ihre Verwertung zu fördern.
2.2
2.2.1
Zu den Eingliederungsmassnahmen gehören zunächst die in Art. 12 ff. IVG gere
gelten medizinischen Massnahmen (Art. 8 Abs. 3
lit
. a IVG).
2.2.2
Gemäss Art. 12 Abs. 1 IVG haben Versicherte bis zum vollendeten 20. Alters
jahr Anspruch auf medizinische Massnahmen, die nicht auf die Behandlung des Leidens an sich, sondern unmittelbar auf die berufliche Ein
gliederung oder in den (nicht erwerblichen) Aufgabenbereich gerichtet und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im (nicht erwerbli
chen) Auf
gabenbe
reich zu betätigen, dauernd und wesentlich zu verbessern oder vor wesentlicher Beeinträchtigung zu bewahren.
Gestützt auf die Kompetenz
-
delegation in Art. 12
Abs.
2 IVG
hat der Bundesrat in Art. 2
Abs.
1 Satz 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) die medizinischen Mass
-
nahmen im Sinne von Artikel 12 IVG näher umschrieben als
namentlich chirurgische, physiotherapeu
tische und psychotherapeutische Vorkehren, die eine
Beeinträchtigung der
Kör
perbewegung
, der Sinneswahrnehmung oder der Kontaktfähigkei
t, die
als
Fol
gezustand
eines Geburtsgebrechens, einer Krankheit
oder eines Unfalls einge
treten ist,
zu beheben oder zu mildern trachten, um die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen, dauernd und wesentlich zu verbessern oder vor wesentlicher
Beeinträchtigung zu bewahren.
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung erfüllt eine medizinische Vorkehr diese
gesetzlichen
Voraussetzungen
dann, wenn
das Leiden
ohne
diese Vorkehr
mit hinreichender Wahrscheinlichkeit zu einem schwer korrigierbaren, die spä
tere Ausbildung und Erwerbsfähigkeit
erheblich behindernden stabilen
patholo
gischen Zustand führen würde
.
Die Rechtsprechung verlangt hierfür
eine Prog
nose
mit zwei Aussagen
:
Z
um
einen muss erstellt sein, dass
ohne die vorbeu
gende Behandlung in naher Zukunft eine bleibende
und somit stabile
B
eein
trächtigung eintreten würde
,
und zum andern
muss angenommen werden können, dass mit
der Behandlung
ein ebenso stabiler Zus
tand herbeigeführt werden kann
,
der
vergleichsweise erheblich verbesserte Voraussetzungen für die spätere Ausbildung
und Erwerbsfähigkeit schafft
(BGE 131 V 9 E. 4.2; Urteile des Bundesgerichts 9C_372/2007 vom 3.
Januar 2008 E. 3.1 bis E. 3.3
, I 501/06 vom 29. Juni 2007 E. 5.2, I 302/05 vom 31. Oktober 2005 E.
3.1 und E. 3.2.2 sowie I 670/03 vom 27. August 2004 E. 3.1).
Demgegenüber
gilt
eine therapeu
tische Vorkehr, deren Wirkung sich in der Unterdrückung von Symptomen erschöpft,
nach der Rechtsprechung
nicht als m
edizinische Massnahme im Sinne von
Art. 12 IVG
, und zwar selbst dann nicht, we
nn sie im Hinblick auf die schulische und erwerbliche
Eingliederung unabdingbar ist. Eine von der Invalidenversicherung zu übernehmende medizinische Massnahme kann somit zwar sehr wohl eine gewisse Zeit andauern, sie darf jedoch nicht
Dauercha
rakter
im Sinne eines unbegrenzten Behandlungserfordernisses haben, wie dies beispielsweise beim Diabetes oder bei Schizophrenien der Fall ist
(Urteile des Bundesgerichts 9C_372/20
07 vom 3. Januar 2008 E. 3.3, I
501/06 vom 29. Juni 2007 E. 5.2, I 302/05 vom 31. Oktober 2005 E. 3.2.1 und I 670/03 vom
27. August 2004 E. 3.1).
Das Bundesgericht hat diese Rechtsprechung unter der Herrschaft der bis Ende 2007 gültig gewesenen Fassung von Art. 12 IVG entwickelt, um die Anspruchs
voraussetzungen für minderjährige Versicherte gegenüber denjenigen für erwachsene Versicherte zu erleichtern. Sie gilt jedoch weiterhin für die seit Anfang 2008 in Kraft stehende Fassung von Art. 12 IVG, die den Anspruch auf medizinische Massnahmen des Invalidenversicherungsrechts auf Minderjährige beschränkt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_355/2012 vom 29. November 2012 E. 1.2).
2.2.3
Ferner haben Versicherte bis zum vollendeten 20. Altersjahr nach Art. 13 Abs. 1 IVG Anspruch auf die zur Behandlung von Geburtsgebrechen (Art. 3 Abs. 2 ATSG) notwendigen Mass
nahmen. Dieser Anspruch besteht aufgrund der Rege
lung in Art. 8 Abs. 2 IVG im Sinne einer Ausnahme zu Art. 8 Abs. 1 IVG unab
hängig davon, ob die Massnahmen einer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den (nicht erwerblichen) Aufgabenbereich
dienen.
Die Unterscheidung zwischen Massnahmen mit Dauercharakter und Massnahmen zur Verhinderung einer stabilen Beeinträchtigung ist hier also nicht relevant für d
ie
Leistungs
pflicht
der Invalidenversicherung
.
Gemäss Art. 13 Abs. 2 IVG bezeichnet der Bun
desrat die Gebrechen, für welche diese Massnahmen gewährt werden. Gestützt auf diese Delegationsnorm hat der Bundesrat die Verordnung über
Geburtsge
brechen
(
GgV
) erlassen. In deren Anhang sind die einzelnen Gebrechen aufge
listet.
Die Aufzählung ist abschliessend, wobei dem Eidgenössischen Departement des Innern in Art. 1
Abs.
2 Satz 2
GgV
die Kompetenz übertragen ist, die Liste innerhalb einer
Limite
für die
Me
hrausgaben jährlich anzupassen (vgl. BGE 122 V 113 E.
3a/cc).
2.2.4
Nach Art. 14 Abs. 1 IVG umfassen die medizinischen Massnahmen die Behand
lung, die vom Arzt selbst oder auf seine Anordnung durch medizinische
Hilfs
personen
in Anstalts- oder Hauspflege vorgenommen wird, mit Ausnahme von logopädischen und psychomotorischen Therapien (
lit
. a), und die Abgabe der vom Arzt verordneten Arzneien (
lit
. b).
Sowohl die medizinischen Massnahmen nach Art. 12 IVG als auch diejenigen nach Art. 13 IVG zur Behandlung von Geburtsgebrechen müssen nach bewähr
ter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft angezeigt sein und den
Einglie
derungserfolg
beziehungsweise therapeutischen Erfolg in einfacher und zweck
mässiger Weise anstreben (Art. 2 Abs. 1 Satz 2
IVV
, Art. 2 Abs. 3
GgV
).
2.3
Bis Ende 2007 hatten zu den Eingliederungsmassnahmen auch die Massnahmen für die besondere Schulung bildungsfähiger Versicherter gehört, die das 20. Alters
jahr noch nicht vollendet hatten (Art. 19 IVG in Verbindung mit Art. 8 Abs. 3
lit
. c IVG, in Kraft gewesen bis Ende 2007). In der IVV hatte der Bundesrat als Massnahmen für die besondere Schulung den
Sonderschul
unter
richt
(Art. 8 ff. IVV, in Kraft gewesen bis Ende 2007), die Massnahmen zur Ermöglichung des Volksschulbesuchs (Art. 9 ff. IVV, in Kraft gewesen bis Ende 2007) und die Massnahmen zur
Vorbereitung auf den Sonder- und
Volksschul
unterricht
(Art. 10 f. IVV, in Kraft gewesen bis Ende 2007) unterschieden.
Im Zuge der Neugestaltung des Finanzausgleichs per 1. Januar 2008 (
Bundesge
setz über die Schaffung und die Änderung von Erlassen zur Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung zwischen Bund und
Kantonen [NFA]
vom
6. Oktober 2006) wurde der ganze Bereich der Sonderschulung den Kanto
nen übertragen. Dementsprechend wurden Art. 19 IVG und die Ausführungs
-
bestimmungen in Art. 8 ff. IVV aufgehoben (Botschaft zur Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgaben zwischen Bund und Kantonen vom 14. November 2001,
BBl
2002 II 2416 f. und 2467).
2.4
2.4.1
In der Zeit, als der Bereich der besonderen Schulung noch in die Kompetenz der Invalidenversicherung fiel, erfolgte zum einen eine Abgrenzung zwischen der Sonderschulung selbst und den Massnahmen pädagogisch-therapeutischer Art (
altArt
. 19 Abs. 2
lit
. c IVG,
altArt
. 8
ter
, 9 und 10 Abs. 2
lit
. c IVV), die den Schulunterricht begleiteten, ermöglichten oder auf ihn vorbereiteten, und zum andern eine Abgrenzung zwischen den Massnahmen pädagogisch-therapeuti
scher Art und den medizinischen Massnahmen nach Art. 12 und Art. 13 IVG.
Das Bundesgericht hielt fest, die Massnahmen pädagogisch-therapeutischer Art dienten im Gegensatz zur (Sonder-)Schulung nicht unmittelbar der Vermittlung von Kenntnissen und Fertigkeiten in schulischen Belangen, sondern seien darauf ausgerichtet, die beeinträchtigenden Auswirkungen der Behinderung auf die Schulung zu mildern und zu beseitigen, wobei der Begriff „therapeutisch“ verdeutliche, dass hierbei die Behandlung des Leidens im Vordergrund stehe. Die Abgrenzung gegenüber den medizinischen Massnahmen anderseits erfolge danach, ob das pädagogische oder das medizinische Moment überwiege (BGE 131 V 9 E. 5.2.1, 122 V 206 E. 3a, 114 V 22 E. 3a). Gemäss dem Bundesgericht war die Frage nach dem Überwiegen des pädagogischen oder medizinischen Moments im Einzelfall zu beurteilen, sodass dieselbe therapeutische Vorkehr je nach Kontext entweder eine medizinische Behand
lung oder eine pädagogisch-therapeutische Massnahme sein konnte (BGE 114 V 2
2 E. 3a).
2.4.2
Auch nach der Ausgliederung der pädagogisch-therapeutischen Massnahmen aus der Invalidenversicherung per Anfang 2008 ist deren Abgrenzung von den medizinischen Massnahmen erforderlich. Denn die Ausgliederung hat zur Folge,
dass die pädagogisch-therapeutischen Massnahmen
anders als die medizini
schen Massnahmen nicht mehr von der Invalidenversicherung übernommen werden, sondern neu zu Lasten der Kantone gehen (vgl.
Silvia Bucher,
Einglie
derungsrecht
der Invalidenversicherung, Bern 2011, S. 107).
Dabei wurden d
ie psychomotorischen und logopädischen Therapien, die bis anhin in gewissen Fällen als medizinische Massnahmen galten, neu in Art. 14 Abs. 1
lit
. a IVG ausdrücklich von der Leistungspflicht ausgenommen und somit als ausschliess
lich pädagogisch-therapeutische Massnahmen qualifiziert (vgl. Bucher, a.a.O.,
S. 112 ff.).
D
ie zitierte bundesgerichtliche Recht
sprechung zur Charakterisierung der pädagogisch-therapeutischen Massnahmen
ist daher weiterhin
anwendbar (zur Kasuistik vgl. Bucher, a.a.O., S. 106 ff.; Gabriela Riemer-Kafka, Soziale Sicherheit von Kindern
und Jugendlichen, Bern 2011, S.
188 f.).
3.
3.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die Kosten der Behand
lung von
X._
in der
F._
zu übernehmen hat.
Die Beschwerdegegnerin qualifizierte diese Behandlung als medizinische Mass
nahme und prüfte die Leistungspflicht in
Anwendung von Art. 12 und Art.
13
IVG.
3.2
Zu Recht gelangte sie dabei
gestützt auf die Stellungnahme von
Dr.
D._
vom
1
2.
Dezember 2014 (
Urk.
13/45
)
zum Schluss, dass bei der Versicherten
kein Geburtsgebrechen nach Art. 13 IVG vorliege, welches die Behandlung rechtfertige (
Urk.
2 S. 1). Denn in der abschliessenden Aufzählung im Anhang der
GgV
ist die bei der Versicherten festgestellte
Chromosomendeletion
mit ihrem gesamten
Behinderungskomplex nicht aufgeführt, anders als etwa
das
Turner-Syndrom (Ziffer 488
Anhang
GgV
) und seit März 2016 die
Trisomie 21 (Ziffer 489
Anhang
GgV
). Daher besteht eine Leistungspflicht nach Art. 13 IVG nur insoweit, als sich die
Chromosomendeletion
in
einzelnen
Krankheitsbildern
manifestiert, die in der Liste enthalten sind. Dies ist bei der festgestellten Herzanomalie gestützt auf Ziffer 313
Anhang
GgV
der Fall; diese wurde
indes
sen in den Berichten des
Kinderspitals C._
vom
4.
Februar und vom 18.
März 2014 als nicht behandlungsbedürftig und
als
ohne Relevanz auf die Belastbar
keit beurteilt (
Urk.
22/8 S. 2,
Urk.
13/25/6-7). Die allgemeine
Entwicklungsver
zögerung
hingegen,
deretwegen
die Ergotherapie durchgeführt wird,
fällt unter k
eine Ziffer des Anhangs der
GgV
,
insbesondere nicht unter die psychischen Erkrankungen und schweren Entwicklungsrückstände im
Kapitel XVI und auch nicht unter die Missbildungen, bei denen mehrere Organsysteme betroffen sind, im Kapitel XIX.
3.3
Mangels
eines
relevanten Geburtsgebrechens
stellte die
Beschwerdegegnerin
die weitere Frage
nach den Voraussetzungen für den Anspruch auf medizinis
che Massnahmen nach Art. 12 IVG und verneinte diese Voraussetzungen.
Die Ergotherapie ist im Kreisschreiben über die medizinischen Eingliederungs
-
massnahmen
der Invalidenversicherung als medizinische Massnahme im Sinne von Art. 12 ff. IVG aufgeführt (
Rz
1014-1017 KSME
, Stand
1.
Juli 2016
).
Dr.
Z._
begründete den Antrag auf Ergotherapie im Bericht vom
1
4.
Novembe
r
2014 allerdings damit, dass die regelmässige Psychomotorik-Therapie, welche der Versicherten von September 2009 bis Juni 2014 über das Schulamt der Stadt Zürich gewährt worden sei, aus institutionellen Gründen nicht mehr fortgesetzt werden könne und die Ergotherapie deshalb die psycho
motorische Therapie
-
also eine pädagogisch-therapeutische Massnahme
(
vgl.
Rz
1025 KSME)
-
ablösen solle. Dementsprechend
nannte
Dr.
Z._
als Indikation neben der intellektu
ellen Entwicklungsverzögerung ausdrücklich die psychomotorische Entwicklungsverzögerung mit Schwierigkeit
en im motori
schen Bereich (Urk.
13/44/4).
Die
Verlaufsberichte der
F._
ab Januar 2015 beschreiben denn auch Therapieziele und
Therapiein
halte
, die vergleichbar sind mit
denen, die im ps
ychomotorischen
Abschlussbe
richt
des Schulamtes vom 2
7.
Juni 2014
aufgezählt sind.
So wurden i
n jenem Abschlussbericht
unter den erreichten Fortschritten insbesondere
die Verbesse
rung im motorischen Bereich mit Gleichgewichtssicherheit, Balance, guter Kör
perhaltung und guter Stifthaltung sowie die Stärkung des Selbstvertrauens her
vorgehoben (
Urk.
25)
,
und es sind wiederum diese
Bereiche, die auch in der Ergotherapie eine zentrale Rolle spielen.
Die Berichte
der
F._
bezeichnen
als Schwerpunkte nämlich neben de
m Erlernen der Uhr
zeit wiederum
die Verbesserung
von Gleichgewicht, Koordination und Reaktion sowie der Feinmotorik mit Training des Werkzeuggebrauchs
und
der
Stifthal
tung
(Urk.
29/2
-5
) sowie Förderung des Selbstbewusstseins (
Urk.
29/4).
Daneben sind
in der Ergotherapie im Vergleich zur früheren Psychomotorik-Therapie
zwar neue Zielsetzungen hinzugekommen, bei diesen steht jedoch das
pädago
gische gegenüber dem medizinischen Element deutlich
im Vordergrund
.
Dies gilt für das Erlernen der U
h
rzeit und des Tastaturschreibens (
Urk.
29/2-5) ebenso wie für die Einübung eines Vortrags (
Urk.
29/4), die Einrichtung eines Arbeitsplatzes (
Urk.
29/5) und die Zeiteinteilung (
Urk.
29/
3 und
Urk.
29/4
).
Diese Gegebenheiten lassen die Ergotherapie im konkreten Anwendungsfall nicht als medizinische Massnahme erscheinen, für die unter den Voraussetzun
gen von Art. 12 IVG die Invalidenversicherung aufzukommen hat, sondern vielmehr als pädagogisch-therapeutische Massnahme, die seit Anfang 2008 in den
Leistungsbereich der Kantone fällt. Es liegt hier ein Anwendungsfall der bundesgerichtlichen Rechtsprechung vor, wonach dieselbe therapeutische Vor
kehr je nach Einzelfall eine medizinische Behandlung oder aber eine pädago
gisch-therapeutische Massnahme darstellen kann (BGE 114 V 22 E. 3a).
Denn es wäre nicht vereinbar mit der neuen Aufgabenteilung zwischen Kantonen
und Invalidenversicherung
, wenn
eine bestimmte therapeutische Vorkehr, für die der an sich zuständige Leistungsträger nicht oder nicht mehr aufkommt, unter einem anderen Titel vom anderen Leistungsträger
zu ü
bern
ehmen wäre
. Auf ein solches Ergebnis liefe es aber hinaus, wenn die Invalidenversicherung die vor
liegend zur Diskussion stehende Behandlung übernehmen würde, nachdem
das Schulamt im Bericht vom 27.
Juni 2014 festgehalten hatte, mit dem Übertritt in die Oberstufe und den vergangenen Jahren psychomotorischer Begleitung sei der Moment gekomme
n, die Therapie
abzuschliessen
, und die Versicherte sei bereit, den neuen Lebensabschnitt ohne psychomotorische Therapie zu meistern
(
Urk.
25).
Die Beschwerdegegnerin ist deshalb für die vorliegend zur Diskussion stehende Therapie schon deshalb nicht leistungspflichtig, weil
sie nicht als medizinische Massnahme im invalidenversicherungsrechtlichen Sinn einzustufen ist.
3.4
D
ie Beschwerdegegnerin
hätte aber
ihre Leistungspflicht selbst dann zu Recht verneint, wenn die Ergotherapie
vorliegendenfalls
als medizinische Massnahme gälte.
Wohl führte
Dr.
Z._
plausibel aus, es handle sich bei dieser Therapie um eine Integrationsmassnahme mit dem Ziel, der Versicherten bessere Chancen für die Meisterung des Alltags und für die berufliche Eingliederung zu vermitteln (
Urk.
1/1 und
Urk.
17).
Damit ist jedoch nur die eine Seite der vom Bundesge
richt verlang
ten Prognose beleuchtet
, nämlich der günstige Einfluss der Thera
pie
auf die spätere Erwerbsfähigkeit. Die weitere erforderliche Prognose, dass ohne die Therapie ein schwer korrigierbarer stabiler pathol
ogischer Zustand einträte
, ist h
ingegen mit den Angaben von Dr.
Z._
nicht belegt.
Dr.
Z._
legt
e
zwar dar, die Folge der Absetzung der laufenden Therapie wäre, dass lebenswichtige Fähigkeiten wie die feinmotorischen Funktionen und der Bezug zur Alltagsorientierung in Raum und
Zeit verloren gingen (
Urk.
17). A
us der Gefahr einer solche
n
Zurückbildung von
Fähigkeiten kann jedoch nicht ohne
Weiteres
auf die Gefahr der Ausbildung eines unumkehrbaren Defekts geschlossen werden
. Vielmehr ist die Aussage, die Weiterführung der Therapie solle der Gefahr einer Verkümmerung erworbener Fähigkeiten entgegenwirken,
als
Indiz für den Dauercharakter dieser Therapie
zu werten
, der die Übernahme als medizinische Massnahme ausschliesst. Daran ändert nichts, dass
Dr.
Z._
in der Beschwerdeschrift die Erwartung äusserte, die Therapie könne in etwa zwei Jahren abgeschlossen werden (
Urk.
1/1). Denn zum einen
ist
die Ergotherapie im Sinne der vorstehenden Ausführungen als
Anschlussthera
pie
einer langjährigen Psychomotorik
-Therapie zu verstehen, und zum andern ersuchte die
F._
bereits
in den Berichten vom 1
1.
Mai und vom
1
4.
Oktober 2015
um eine Verordnung für eine
Langzeitthera
pie
(
Urk.
29/3 und
Urk.
29/4).
Im Übrigen wird die Befürchtung einer Verküm
merung der erlernten Fähigkeiten durch die günstige Prognose im psychomoto
rischen Abschlussbericht relativiert, wo der Versicherten grosse Fortschritte im letzten Jahr attestiert wurden und ihr zugetraut wurde, ihren weiteren Weg ohne die bisherige therapeutische Begleitung zu machen (
Urk.
25).
3.5
Hat die Beschwerdegegnerin die zur Diskussion stehende Ergotherapie
somit
unter keinem Titel zu übernehmen, so ist die Beschwerde abzuweisen.
4.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.