# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 31c6c9e5-8564-4e39-8ea4-ed31766fe01d
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Die X. AG mit Sitz in Y. erhob gegen den Einspracheentscheid des kantonalen
Steueramts vom 10. März 2016 mit Eingabe vom 18. April 2016 Rekurs und
Beschwerde bei der Verwaltungsrekurskommission. Am 21. April 2016 setzte ihr die
Verwaltungsrekurskommission Frist zur Leistung eines Kostenvorschusses von je CHF
600 in beiden Verfahren bis 17. Mai 2016 mit der Androhung, die Verfahren bei nicht
fristgerechter Zahlung kostenpflichtig abzuschreiben. Die Frist wurde am 18. Mai 2016
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bis 2. Juni 2016 erstreckt. Nachdem die Kostenvorschüsse weder innert dieser Frist
noch später geleistet worden waren, schrieb der zuständige Abteilungspräsident der
Verwaltungsrekurskommission beide Rechtsmittelverfahren am 8. Juni 2016 ab. Die X.
AG reichte am 14. Juni 2016 ein Arztzeugnis vom 13. Juni 2016 ein, wonach A.B. – bis
6. Juni 2016 einzige zeichnungsberechtigte Person bei der X. AG – vom 31. Mai 2016
bis 13. Juni 2016 wegen Krankheit zu 100 Prozent arbeitsunfähig gewesen sei, und
ersuchte um Wiederherstellung der Frist. Die Verwaltungsrekurskommission wies das
Gesuch am 21. Juni 2016 ab mit der Begründung, das Verschulden an der Säumnis sei
nicht bloss leicht. Die Überweisung eines Geldbetrags von CHF 1‘200 verlange weder
besondere geistige oder körperliche Anstrengung noch einen erheblichen Zeitaufwand.
Weshalb der Vertreter der Beschwerdeführerin nicht in der Lage gewesen sein sollte,
die Handlung selbst vorzunehmen oder eine Hilfsperson damit zu betrauen, werde aus
dem nicht weiter begründeten ärztlichen Standardformular nicht ersichtlich.
B. Die X. AG (Beschwerdeführerin) erhob gegen den ihr am 29. Juni 2016
ausgehändigten Entscheid der Verwaltungsrekurskommission (Vorinstanz) mit nicht
unterzeichneter Eingabe vom 29. Juli 2016 Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Der
Eingabe lag eine gültig unterzeichnete Vollmacht der Beschwerdeführerin bei, mit
welcher der Präsident ihres Verwaltungsrates ermächtigt wird, in allen
Steuerangelegenheiten bis und mit dem Steuerjahr 2015 allfällige Rekurs- und
Beschwerdeinstanzen anzurufen und sie in den Verfahren zu vertreten. Dem vom
Präsidenten des Verwaltungsrats unterzeichneten Gesuch vom 1. September 2016 um
Erstreckung der Frist zur Leistung des Kostenvorschusses wurde am 2. September
2016 entsprochen und der Kostenvorschuss von CHF 1‘500 fristgerecht geleistet.
Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 7. Oktober 2016 unter Verweis auf

## Considerations

die Erwägungen des angefochtenen Entscheides die Abweisung der Beschwerde. Das
kantonale Steueramt (Beschwerdegegner) beantragte mit Hinweis auf die
bundesgerichtliche Rechtsprechung (BGer 2C_1212/2013 vom 28. Juli 2014), die
Beschwerde abzuweisen. Die Eidgenössische Steuerverwaltung verzichtete
stillschweigend auf eine Vernehmlassung.
Auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheides und die Ausführungen der
Beschwerdeführerin zur Begründung ihrer Anträge sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
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Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Da sich die Berechtigung zur Erhebung eines Kostenvorschusses durch die
Vorinstanz auch im Beschwerdeverfahren zur direkten Bundessteuer nach dem
kantonalen Recht richtet (vgl. U. Cavelti, in: Basler Kommentar zum Schweizerischen
Steuerrecht, Band I/2b, 2. Aufl. 2008, N 4a zu Art. 144 DBG), hat die Vorinstanz den
Rekurs zu den Kantons- und Gemeindesteuern einerseits und die Beschwerde zur
direkten Bundessteuer anderseits zu Recht im gleichen Dokument, aber mit getrennten
Dispositivziffern erledigt; unter diesen Umständen durfte auch die Beschwerdeführerin
die Beschwerden in einer gemeinsamen Rechtsschrift erheben (BGE 135 II 260 E. 1.3).
Ebenso ist es zulässig, dass das Verwaltungsgericht über die Beschwerden im gleichen
Akt entscheidet (vgl. BGer 2C_440 und 441/2014 vom 10. Oktober 2014 E. 1.2).
2. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 196 Abs. 1
des Steuergesetzes, sGS 811.1, StG; Art. 145 des Gesetzes über die direkte
Bundessteuer, SR 642.11, DBG, in Verbindung mit Art. 1 Abs. 3 und Art. 7 Abs. 2 der
Verordnung zum Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, sGS 815.1). Die
Beschwerdeführerin ist als Steuerpflichtige und am vorinstanzlichen Verfahren
Beteiligte zur Erhebung der Beschwerde befugt (Art. 196 Abs. 1 StG beziehungsweise
Art. 145 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 140 Abs. 1 DBG). Der Präsident des
Verwaltungsrats ist zur Erhebung der Rechtsmittel ermächtigt (act. 3.2). Die
Beschwerdeeingabe ist nicht unterzeichnet. Nachdem der Präsident des
Verwaltungsrates der Beschwerdeführerin das Gesuch um Erstreckung der Frist zur
Leistung des Kostenvorschusses in den Beschwerdeverfahren eigenhändig
unterzeichnet hat, wurde vorliegend darauf verzichtet, nachträglich die Unterzeichnung
der Beschwerde zu verlangen. Die Beschwerde gegen den am 29. Juni 2016
ausgehändigten vorinstanzlichen Entscheid wurde mit Eingabe vom 29. Juli 2016
rechtzeitig erhoben (Art. 196 Abs. 1 StG beziehungsweise Art. 145 Abs. 2 in
Verbindung mit Art. 140 Abs. 1 DBG) und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 161 StG in Verbindung mit Art. 64 und Art. 48 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP, beziehungsweise
Art. 142 DBG in Verbindung mit den genannten Bestimmungen; vgl. Richner/Frei/
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Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 2. Aufl. 2009, N 1 zu Art. 142 DBG). Auf
die Beschwerden ist dementsprechend einzutreten.
3. Zwischen den Verfahrensbeteiligten ist unbestritten, dass die Vorinstanz befugt ist,
im Rekurs- und Beschwerdeverfahren einen Kostenvorschuss zu erheben (Art. 161 StG
in Verbindung mit Art. 96 Abs. 1 VRP), dass die Beschwerdeführerin in den
vorinstanzlichen Rechtsmittelverfahren die erhobenen Vorschüsse nicht innert
angesetzter Frist bezahlt hat und die Verfahren deshalb androhungsgemäss
abgeschrieben werden können (Art. 96 Abs. 2 VRP). Umstritten ist, ob die Vorinstanz
das Gesuch um Wiederherstellung der Frist zur Leistung der Kostenvorschüsse hätte
gutheissen müssen.
3.1. Die Beschwerdeführerin macht auch vor Verwaltungsgericht geltend, das
Arztzeugnis vom 13. Juni 2016 müsse zum Nachweis genügen, dass der
Kostenvorschuss im vorinstanzlichen Verfahren nicht rechtzeitig habe geleistet werden
können. Der Arzt sei an das Berufsgeheimnis gebunden und nicht berechtigt,
irgendwelche Angaben bezüglich der Krankheit zu machen, weshalb der Präsident des
Verwaltungsrates der Beschwerdeführerin die von ihm erwarteten Handlungen nicht
habe ausführen können. Sei er zu 100 Prozent arbeitsunfähig, könne und dürfe von ihm
nicht erwartet werden, dass er Ersatzhandlungen vornehme. Schon gar nicht könne es
sein, dass Dritte für ihn handeln beziehungsweise für die Gesellschaft von der Bank
Geld beziehen. Dazu wären Instruktionen, Vollmachten etc. erforderlich. Diesbezüglich
werde aber ärztlich eine 100-prozentige Arbeitsunfähigkeit bestätigt. Nach dem Gesetz
sei es zulässig, dass für eine Gesellschaft nur eine Person handeln könne.
3.2. Die Wiederherstellung einer Frist kann gemäss Art.30ter Abs. 1 VRP ausser nach
Art. 148 Abs. 1 der Schweizerischen Zivilprozessordnung (Zivilprozessordnung; SR
272, ZPO) auch angeordnet werden, wenn der Verfahrensgegner zustimmt. Gemäss
Art. 148 Abs. 1 ZPO kann das Gericht eine Nachfrist gewähren, wenn die Partei
glaubhaft macht, dass sie kein oder nur ein leichtes Verschulden trifft. Die Beweislast
für den behaupteten Wiederherstellungsgrund trägt die säumige Partei, wobei die
Glaubhaftmachung der materiellen Voraussetzungen genügt. Die Gründe für die
Wiederherstellung sind soweit möglich zu belegen und entsprechende Beweismittel
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einzureichen (vgl. N. Frei, in: Berner Kommentar zum schweizerischen Privatrecht, ZPO
Band I, Bern 2012, N 36 zu Art. 148 ZPO).
Rechtsprechungsgemäss stellt eine Krankheit nur dann einen Wiederherstellungsgrund
dar, wenn sie kurz vor Ablauf der Frist auftritt und so ernsthaft ist, dass die betroffene
Person keine fristwahrenden Massnahmen mehr treffen kann. Eine 100-prozentige
Arbeitsunfähigkeit bedeutet nicht zwingend eine ernsthafte Erkrankung im Sinn dieser
Rechtsprechung (BGer 2C_1212/2013 vom 28. Juli 2014 E. 6.3 mit Hinweis auf
2C_1031/2013 vom 26. Mai 2014 E. 5.3 und 2C_401/2007 vom 21. Januar 2008 E. 3.3).
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann deshalb mit einem Arztzeugnis, in
dem ohne nähere Angabe von Gründen eine gänzliche Arbeitsunfähigkeit in einem
bestimmten Zeitraum bescheinigt wird, nicht eine Erkrankung nachgewiesen werden,
welche zur Wiederherstellung einer Rechtsmittelfrist im Sinn von Art. 133 Abs. 3 DBG
führt (BGer 2A.248/2003 vom 8. August 2003 E. 3).
Das vor Vorinstanz eingereichte Arztzeugnis, welches ohne weitere Angaben für den
fraglichen Zeitraum eine 100-prozentige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt, genügt –
wovon auch die Vorinstanz zu Recht ausgegangen ist – nicht, um eine
krankheitsbedingte Unfähigkeit des Präsidenten des Verwaltungsrates der
Beschwerdeführerin, eine Prozesshandlung innert Frist vorzunehmen, glaubhaft zu
machen. Weder aus dem Arztzeugnis selbst noch aus den Eingaben der
Beschwerdeführerin wird ersichtlich, welche Beeinträchtigungen zur behaupteten
Unfähigkeit geführt haben sollen, bei der Bank fristgerecht die Überweisung einer
Zahlung von CHF 1‘200 auszulösen oder durch eine Hilfsperson auslösen zu lassen.
Nachdem die Vorinstanz die Frist zur Leistung des Kostenvorschusses erstreckt hatte,
ohne die Erstreckung als letztmalig bezeichnet zu haben (act. 10/5), hätte die
Beschwerdeführerin auch ausführen müssen, aufgrund welcher konkreten Umstände
ihr Verwaltungsratspräsident oder eine von ihm beauftragte Hilfsperson nicht in der
Lage gewesen sein sollten, bei der Vorinstanz ein Gesuch um Erstreckung der
Zahlungsfrist einzureichen. Dem Hinweis der Beschwerdeführerin, der Arzt sei an das
Berufsgeheimnis gebunden, ist entgegen zu halten, dass es dem Präsidenten des
Verwaltungsrats freigestanden wäre, seinen Arzt in diesem Fall von der ärztlichen
Schweigepflicht zu entbinden (vgl. BGer 2C_823 und 824/ 2011 vom 28. Juni 2012 E.
4.2.1).
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3.3. Unter diesen Umständen hat die Beschwerdeführerin ein bloss leichtes
Verschulden an ihrer Säumnis nicht rechtsgenüglich belegt. Eine Wiederherstellung der
versäumten Frist wäre deshalb selbst bei einer allfälligen Zustimmung des
Verfahrensgegners nicht zu gewähren gewesen, zumal auch keine öffentlichen
Interessen für eine Wiederherstellung sprechen (vgl. VerwGE B 2014/232 vom 19.
Februar 2015 E. 2.1 und 2.2, www.gerichte.sg.ch). Dementsprechend hat die
Vorinstanz das Wiederherstellungsgesuch zu Recht abgewiesen und ist auf die
Rechtsmittel nicht eingetreten. Die Beschwerden sind deshalb unbegründet und
abzuweisen.
4. (...).