# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 1ee9506a-3ff8-4e2c-9237-14983d276bf9
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1973, absolvierte eine Lehre als
Coiffeuse
und arbeitete seit dem 1. September 2002
in der Kundenbetreuung
bei der
Y._
, welche Stelle ihr per 30. April 2014 gekündigt wurde
(
Urk.
8/4/4,
8/16/
2
, 8/16/7
). Ab dem 21. April 2014 bestand eine ärztlich attestierte voll
ständige Arbei
tsunfähigkeit (
Urk.
8/12/13-20). Die Ärzte diagnostizierten eine Erschöpfung und
chronifizierende
Schmerzen vor allem an den Händen und Füssen (
Urk.
8/14/5).
Am 1. Dezember 2014 meldete
X._
sich bei der
Sozialversiche
rungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, für die Berufliche Integration und für eine Rente
an (
Urk.
8
/4). Die IV-Stelle
zog die Akten des zuständigen Krankentaggeldversicherers (
Urk.
8/6, 8/11, 8/12/1-28) und weitere Arztberichte bei (
Urk.
8/14, 8/23
; vgl. aber:
Urk.
8/
19, 8/22
). Mit Vorbescheid vom
27. Mai 2015 (
Urk.
8/25) sah sie die Verneinung des Ren
tenanspruchs sowie des Anspruch
s auf berufliche Massnahmen vor
. Darauf
hin erhob die Versicherte am 9. Juni 2015 unter Beigabe verschiedener Berichte Einwand (
Urk.
8/27).
Aufgrund desselben und der in der Folge
bei
gezogenen weiteren Arztberichte (
Urk.
8/37, 8/43) veranlasste
die IV-Stelle
eine
bisdisziplinäre
Begutachtung (
Urk.
8/46). Das entsprechende Gutachten der
MEDAS Z._
dat
iert vom 29. August 2016 (
Urk.
8
/62). Die Versicherte teilte der IV-Stelle am 13. September 2016 mündlich mit, es
sei
entgegen ihren
Angaben vom
31. August 2016
im
A._
keine MRI-Untersuchung durchgeführt worden
. Aktuell bestehe der Verdacht auf ein Cushing-Syndrom. Sie wünsche einen baldigen Entscheid d
er Invali
denversicherung (
Urk.
8
/67
, 8/63
). Mi
t Verfügung vom 5. Oktober 2016
ver
neinte die IV-Stelle
das Bestehen eines Anspruchs auf berufliche Massnah
men und
auf
eine
Invalidenrente
und hielt fest
, gemäss dem Gutachten der
MEDAS Z._
vom 29. August 2016 bestehe in der bisherigen Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
2).
2.
Gegen diese Verfügung
richtet sich die Beschwerde der nunmehr durch Rechts
anwalt Stadler vertretenen
Versicherten vom
2.
November 2016 mit dem Rechtsbegehren, die Verfügung vom 5. Oktober 2016 sei aufzuheben und es seien ihr Leistungen der Invalidenversicherung zuzusprechen; eventu
aliter sei über den Gesundheitszustand und die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit zunächst noch ein neues rheumatologisches und psychiatrisches Gutachten erstellen zu lassen (
Urk.
1 S. 2). In der Beschwerdeantwort vom 27. Dezember 2016 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. Auf entsprechende telefonische Aufforderung
durch das Sozialversicherungsgericht
hin reichte
sie
weitere
,
im Gutachten der
MEDAS Z._
erwähnte Berichte ein, di
e sich
bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht bei den Akten befunden hatten (
Urk.
9, 10 und 11/1-6).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerde
führerin liess
in der Beschwerde
eine schwere Verletzung des rechtlichen Gehörs
rügen
. Sie habe sich vor Erlass der
leistungsablehnenden
Verfügung
vom 5. Oktober 2016
zum Gutachten der
MEDAS Z._
vom 29
. August 2016
nicht äussern können. Dieser schwere Mangel sei im Beschwerdeverfahren nicht heilbar und der angefochtene Entscheid bereits aus diesem Grund aufzuheben (
Urk.
1 S. 4).
Die Beschwerdegegnerin hielt hierzu fest, bezüglich Verletzung des recht
lichen Gehörs sei der Beschwerdeführerin grundsätzlich zuzustimmen. Die Beschwerdeführerin habe im Beschwerdeverfahren Gelegenheit erhalten, sich zum Gutachten zu äussern. Sie beantrage daher, die Verletzung ausnahms
weise als geheilt zu betrachten (
Urk.
7 S. 2).
2.
2.1
Gemäss Art. 57a
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
teilt die IV-Stelle der versicherten Person den vorgesehenen
Endent
scheid
über ein Leistungsbegehren oder den Entzug oder die Herabsetzung einer bisher gewährten Leistung mittels Vorbescheid mit (Satz 1). Die ver
sicherte Person hat Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinne von Artikel 42
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG;
Satz 2). Die Parteien können innerhalb einer Frist von 30 Tagen Ein
wände zum Vorbescheid v
orbringen (Art. 73
ter
Abs.
1 IVV
). Der Sinn und Zweck des
Vorbescheidverfahrens
besteht darin, eine unkomplizierte Diskus
sion des Sachverhalts zu ermöglichen und dadurch die Akzeptanz des Ent
scheids bei den Versicherten zu verbes
sern (BGE 134 V 106 E. 2.7
). Das
Vor
bescheidverfahren
geht über den verfassungsrechtlichen Mindestanspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29
Abs.
2
der Bundesverfassung,
BV) hinaus, indem es Gelegenheit gibt, sich nicht nur zur Sache, sondern auch zum vor
gesehenen Endentscheid zu äussern (
Urtei
l des Bundesgerichts 9C_617/2009 vom 15. Januar 2010, E. 2.
1
).
Ob die IV-Stelle, wenn sie auf Einwand der versicherten Person gegen den Vorbescheid hin weitere Abklärungen vornimmt, nochmals ein
Vorbescheid
verfahren
durchzuführen hat, hängt von den Umständen des Einzelfalles ab, unter anderem von der inhaltlichen Bedeutung der
Sachverhaltsvervollstän
digung
(Urteil des Bundesgerichts 9C_606/2014
vom 9. Dezember 2014, E. 2.1).
2.2
Das rechtliche Gehör
gemäss Art. 29
Abs.
2 BV
dient einerseits der
Sachauf
klärung
, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer Person eingreift. Dazu gehört insbesondere deren Recht, sich vor Erlass des in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 132 V 368 E. 3.1 mit Hinweisen).
Nach der Rechtsprechung kann eine – nicht besonders schwerwiegende – Ver
letzung des rechtlichen Gehörs ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwer
deinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprüfen kann (BGE 127 V 431 E. 3d/
aa
). Von einer Rückweisung der Sache an die Verwaltung ist selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs dann abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen füh
ren würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer
beförderlichen
Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 132 V 387 E. 5.1 mit Hinweis).
Wenn jedoch ein Gut
achten in überwiegender Weise von streitentscheidender Bedeutung ist,
kann die Verletzung der zu beachtenden Parteirechte nicht dadurch wieder gutgemacht werden, dass die betroffene Person sich nachträglich im Beschwerdeverfahren dazu äussern kann (
vgl.
Kieser
, ATSG-Kommentar,
3.
Auflage, Zürich 2015, Art. 42
Rz
21 mit Hinweis auf RKUV 1999 UV Nr. 25 S. 76).
3.
Es ist unbestritten, dass d
ie Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin vor
dem
Erlass der Verfügung vom
5.
Oktober 2016
hätte
Gelegenheit geben müssen, sich zum Gutachten der
MEDAS Z._
vom 2
9.
August 2016 (
Urk.
8/62) zu äussern.
Dass die zum damaligen Zeitpunkt noch nicht anwaltlich vertreten gewesene Beschwerdeführerin um einen baldigen Ent
scheid ersucht hatte, ändert daran nichts. Die Beschwerdegegnerin hätte das
rechtliche Gehör vorgängig des Erlasses der Leistungsverfügung oder im Rahmen eines erneuten
Vorbescheidverfahrens
gewähren können
(vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_606/2014 vom
9.
Dezember 2014, E. 2.3, und 9C_312/2014 vom 1
9.
September 2014, E. 2.2
.
2)
. Dass sie dies unterliess, stellt
angesichts der Bedeutung des Gutachtens für den Entscheid
(vgl.
Urk.
2 und
Urk.
7)
einen schwerwiegenden Mangel dar, welcher im vorliegenden Verfahren nicht geheilt werden kann.
Von einem formalistischen Leerlauf
einer Rückweisung
kann
im Übrigen
ange
sichts des Umstands, dass die Akten im Zeitpunkt der
Beschwerdeerhe
bung
nicht vollständig waren
(vgl.
Urk.
9, 10 und 11/1-6)
und in diesem Verfahren ein zweiter Schriftenwechsel durchgeführt werden müsste, eben
falls nicht ausgegangen werden.
Die angefochtene Verfügung vom
5.
Oktober 2016 ist daher aufzuheben und die Sache
ist
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese der Beschwerdeführerin das rechtliche Gehör zum Gutachten
der
MEDAS Z._
vom 2
9.
August 2016
(und zu den von den Gutachtern berück
sichtigten weiteren Berichten)
gewähre und hernach erneut verfüge. Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen.
4.
4.1
Das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht ist bei Strei
tigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Versicherungs
leistungen kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2).
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr.
5
00.--
festzusetzen und der unter
-
liegen
den Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
4.2
Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Parteient
-
schä
digung
, welche ermessensweise auf
Fr.
1‘9
00.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.
4.3
Das Gesuch der Beschwerdeführerin
um
unentgeltliche Rechtspflege und
um
Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsvertreters erweist sich damit als gegenstandslos (
vgl.
Urk.
1 S.
2).