# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** a627f1c7-9542-4a50-b9f1-5fbb56288bea
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1961 geborene X._, verheiratet und Mutter dreier Kinder (ge
bo
ren 1988, 1992 und 1995), war nach der Einreise in die Schweiz im Jahre 1991 von Juni 1996 bis Ende Dezember 1999 mit Unterbrüchen im Umfang von 22 Stunden pro Woche in der Firma C._ als
Raumpflegerin beschäftigt. Seither ging sie keiner Erwerbstätigkeit mehr nach.
Am 5. Februar 2001 meldete sie sich unter Hinweis auf Rücken- und
Nacken
schmerzen
sowie Nierenbeschwerden bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle des Kantons Zürich klärte die erwerblichen und medizinischen Verhältnisse ab und wies unter anderem gestützt auf ein interdisziplinäres Gutachten beim D._, Medizinische Abklärungsstelle (MEDAS) vom 28. Oktober 2003 das Begehren
mit
Einspracheentscheid
vom 8. April 2004 (vgl. Urk. 2/8/50) ab. Die dage
gen
am 13. Mai 2004 (Urk. 2/8/52/3-8) erhobene Beschwerde wurde mit Ur
teil des hiesigen Gerichts vom 9. November 2004 im Verfahren IV.2004.00310 (Urk. 2/8/56) abgewiesen. Das Eidgenössische Versicherungsgericht bestätigte diesen Entscheid und wies die dagegen erhobene
Verwaltungsgerichts
be
schwerde
mit Urteil I 807/04 vom 10. Juli 2006 ab (Urk. 2/8/60).
1.2
Am 7. September 2006 (Urk. 2/8/64) meldete sich X._ erneut zum Rentenbezug und für eine
Hilflosenentschädigung
an (Urk. 2/8/63). Die IV-Stelle klärte wiederum die medizinischen Verhältnisse ab, liess unter ande
rem ein psychiatrisches Gutachten bei Dr. med.
E._, Spezialpraxis FMH für Psychiatrie, psychologische Therapie und Coaching, vom 21. Juli 2008 (Urk. 2/8/86, vgl. dazu auch Urk. 2/8/87) anfertigen und führte eine Abklä
rung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt durch (Urk. 2/8/92). Mit Verfügung vom 12. Februar 2009 (Urk. 2/8/95) wies sie bei einem Invaliditätsgrad von 35 % weiterhin einen Rentenanspruch ab und ver
neinte mit Verfügung vom 10. März 2009 (Urk. 2/8/100) zudem einen An
spruch auf
Hilflosenentschädigung
(lebenspraktische Begleitung).
Gegen die Verfügungen vom 12. Februar 2009 (Urk. 2/8/95) und vom 10. März 2009 (Urk. 2/8/100) erhob die Versicherte am 18. März 2009 (Urk. 2/8/102/3-9) Beschwerde beim hiesigen Gericht. Mit
Referentenver
fü
gung
vom 8. Februar 2010 (Urk. 2/8/110/1-3) wurde der Prozess in Bezug auf die angefochtene Verwaltungsverfügung vom 10. März 2009 (Urk. 2/8/100)
betreffend
Hilflosenentschädigung
(lebenspraktische Begleitung) als durch Rückzug der Beschwerde erledigt abgeschrieben. Nachdem die IV-Stelle ge
stützt auf eine Stellungnahme ihres regionalärztlichen Dienstes (RAD) vom 9. August 2010 (Urk. 2/8/123) die Rückweisung der Angelegenheit zwecks weiterer Abklärungen (polydisziplinäre Begutachtung) beantragt und die Ver
sicher
te am 17. August 2010 ihren auf gerichtliche Rentenzusprechung lau
tenden Hauptantrag zurückgezogen hatten (Urteil des
Sozialver
siche
rungs
gericht
IV.2009.00275 vom 24. August 2010, Urk. 2/8/126/1-6 S. 3), schrieb das hiesige Gericht die Beschwerde im Umfang des auf gerichtliche
Renten
zu
sprechung
gerichtete Hauptbegehrens als durch Rückzug erledigt ab. So
dann
hob es die Verfügung vom 12. Februar 2009 in Gutheissung der Beschwerde im verbleibenden Umfang auf und wies die Sache an die
Be
schwerdegegnerin
zurück, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen über den Rentenanspruch der Versicherten neu befinde.
1.3
In der Folge veranlasste die IV-Stelle eine polydisziplinäre Begutachtung durch
die MEDAS F._
(vgl. da
zu F._-Gutachten vom 22. Februar 2011, Urk. 2/8/136) und stellte auf dieser Basis die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 2/8/140). Nach erfolgten Einwendungen (vgl. Urk. 2/8/144 und Urk. 2/8/146) mit Auflage verschiedener Berichte (Urk. 2/8/145) und eines psychiatrischen Gutachtens von Dr. med. G._ vom 31. August 2012 (Urk. 2/8/161), verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 21. Mai 2013 (Urk. 2/8/165) bei einem
Invalidi
täts
grad
von 24 % einen Rentenanspruch.
Die dagegen gerichtete Beschwerde (Urk. 2/1) mit dem Hauptantrag, es sei mit Wirkung ab 1. September 2006 eine ganze Invalidenrente auszurichten, wurde mit Urteil des hiesigen Gerichts IV.2013.00583 vom 28. November 2013 abgewiesen (Urk. 2/10). Dieses Urteil hob das
Bundesgericht
am 29. Oktober 2014 in teilweiser Gutheissung auf und wies die Sache ans hiesige Gericht zurück, damit es zur umfassenden Klärung der vorhandenen Gesundheitsschädigungen, ihrer Wechsel-Wirkungen (Komorbiditäten) und der gesamthaft resultierenden funktionellen Folgen in Beruf und Haushalt ein interdisziplinäres gerichtliches Obergutachten einhole und nach dessen Würdigung im Kontext mit den weiteren ärztlichen Stellungnahmen den Leistungsanspruch der Versicherten neu beurteile
(
9C_49/2014; Urk. 2/2/13 = Urk. 1
).
2.
Daraufhin nahm das Gericht im vorliegenden, neu angelegten Verfahren mit Beschluss vom 28. April 2015 in Aussicht, ein interdisziplinäres Gutachten bei der MEDAS H._ einzuholen und gab den Parteien Gelegenheit hierzu und zu den seitens des Gerichts formulierten Fragen Stellung zu nehmen (Urk. 3). Nach Eingang der Stellungnahmen der Parteien (Urk. 5 und Urk. 6), wurde mit Beschluss vom 25. August 2015 (Urk. 7) an der vorge
seh
enen Begutachtungsstelle festgehalten und der Fragenkatalog mit Blick auf
die geänderte bundesgerichtliche Rechtsprechung zur somatoformen
Schmer
z
störung
im Leitentscheid 9C_492/2014 vom 3. Juni 2015 (BGE 141 V 281)
angepasst und den Parteien erneut Gelegenheit gegeben, Stellung zu nehmen
.
Während die Beschwerdegegnerin auf eine Stellungnahme verzich
tete (Urk. 9),
liess sich die Versicherte nicht vernehmen.
Das mit Gerichtsverfügung vom 5. Oktober 2015 (Urk. 11) veranlasste Gut
achten wurde durch die MEDAS H._ am 10. August 2016 erstattet (Urk. 16). Mit Eingabe vom 5. September 2016 verzichtete die
Beschwerde
geg
nerin
auf eine Stellungnahme und wies unter Beilage einer
Todesfall
bescheinigung
darauf hin, dass die Versicherte am 18. Juni 2016 verstorben sei (Urk. 20 und Urk. 21). Die Erben, vertreten durch den Rechtsvertreter der verstorbenen Versicherten, reichten am 3. Oktober 2016 die
Erbenbescheini
gung
(Urk. 23) und eine Vertretungsvollmacht ein (Urk. 24). Mit Eingabe vom 31. Oktober 2016 (Urk. 25) legten sie neue medizinische Berichte — unter anderem auch den Obduktionsbericht — auf (Urk. 26/1 S. 1 f.). Diese Berichte wurden am 9. November 2016 (Urk. 27) der MEDAS-H._ zuge
stellt worauf diese am 7. Dezember 2016 ergänzend Stellung nahm (Urk. 28). Während die Beschwerdegegnerin wiederum auf Ausführungen verzichtete (Urk. 32), reichten die Beschwerdeführer hierzu mit Eingabe vom 17. Januar 2017 (Urk. 33) eine Stellungnahme ein, was den Parteien am 19. Januar 2017 gegenseitig zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 34).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die rechtlichen Grundlagen und Grundsätze betreffend den
Leistungsan
spruch
und die Invaliditätsbemessung (
Art.
28 des Bu
ndesgesetzes über die Invali
den
versicherung, IVG) sowie die intertemporal massgeblichen Bestimmungen sind
im
vorangegangenen Gerichtsurteil
bereits umfassend w
iedergegeben worden (Urk. 2/10 E. 1.1 bis E. 1.7).
Darauf kann, mit der nachfolgenden Er
gänzung, verwiesen werden.
1.2
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter
suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt
nis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begrün
det sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Bei Gerichtsgutachten weicht das Gericht nach der Praxis nicht ohne zwing
ende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Fachperson ab, deren Auf
gabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu
stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund
zum Abwei
chen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu ander
e
n Schlussfolgerungen gelangt.
Eine a
bweichende Beu
rteilung kann ferner gerechtfer
tigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachexperten dem Richter als triftig genug erscheinen, die Schlüssig
keit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass er die Über
prüfung durch einen Oberexperten für angezeigt hält, sei es, dass er ohne Oberexpertise vom
Ergebnis des Gerichtsgut
achtens
abweichende Schlussfol
ge
rungen zieht (BGE 125 V 352 E. 3b/
aa
mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte in der angefochtenen Verfügung vom 21. Mai
2013 (Urk. 2/2)
gestützt auf das Gutachten
des F._ vom 22. Februar 2011 (Urk. 2/8/136
) den Rentenanspruch. Dabei ging sie davon aus, die
Ver
sicherte
sei in der angestammten und in e
iner angepassten Tätigkeit zu 7
0
%
arbeitsfähig gewesen. Damit resultiere kein rentenbegründ
ender
Invaliditäts
grad
(Urk. 2/8/165 S. 2
).
2.2
Die Versicherte stellte sich demgegenüber in ihrer Beschwerde auf den Stand
punkt,
es könne
aus verschiedenen
—
näher
dargeleg
ten Gründen
—
nicht auf das
F._
-Gutachten abgestellt werden
. Hingegen sei auf die Gutachten von Dr. I._, Psychiatrie und Psychotherapie, vom 22. Dezember 2009 und von
Dr.
G._
, Psychiatrie und Psychotherapie, vom 31. August 2012 abzu
stellen
, die im Einklang mit der Auffassung von Dr. J._ stünden, wonach die Ver
sicherte in bisheriger und adaptierter Tätigkeit vollständig arbeitsunfähig sei (Urk. 2/1).
2.3
Das Bundesgericht erwog im Urteil 9C_49/2014 vom 29. Oktober
2014 (Urk. 1),
die im psychiatrischen Teilgutachten des F._ aufgeführten psy
cho
pathologischen Befunde seien nur punktuell, nicht aber systematisch auf die in der ICD-10 vorgegebenen Kriterien einer Depression bezogen. Eine konti
nu
ierliche Entwicklung des psychischen Leidens bleibe unkommentiert, und
die wesentlichen
Vorakten
seien nicht in diese Entwicklung eingeordnet worden
. Offen bleibe die Frage, ob die „subjektive Krankheitsüberzeugung"
be
wusstseinsnah
sei und damit von der Versicherten geändert werden könne oder ob es sich dabei um einen (für sie unbeeinflussbaren) Ausdruck der psychischen Beeinträchtigung handle (E. 4.3). Dr. G._ habe auf der
Grund
lage des Gutachtens des Dr. I._ sowie der eigenen Untersuchung und fremdanamnestischer Erhebungen anhand der einschlägigen ICD-Kriterien dargelegt, wie er selber zur Diagnose einer
schwergradigen
depressiven Epi
sode ohne psychotische Symptome komme, was auch aus zahlreichen Berich
ten der behandelnden Psychiater und des langjährigen Hausarztes hervor gehe (E. 4.4.1). Diese Parteiexpertisen, insbesondere die aktuellere aus dem Jahr 2012, stellten die Ergebnisse der F._-Begutachtung derart infrage, dass darauf nicht abgestellt werden dürfe. Indes könne der strittige
Leistungs
an
spruch
auch anhand der Parteigutachten nicht abschliessend beurteilt werden,
dies zumal sie keine Grundlage zu den Fragen enthielten, wie es sich mit dem Krankheitswert der dissoziativen Störung verhalte — das heisse, ob sich diese von den psychosozialen Umständen verselbständigt habe — sowie, gegebe
nen
falls, ob sie sich invalidisierend auswirke (E. 5). Die Sache sei daher an das kantonale Gericht zurückzuweisen, damit es zur umfassenden (auch die
somatische Seite einbeziehenden) Klärung der vorhandenen
Gesundheits
schä
di
gungen
, ihrer Wechsel-Wirkungen (Komorbiditäten) und der gesamthaft resul
tierenden funktionellen Folgen in Beruf und Haushalt ein interdis
zipli
nä
res gerichtliches Obergutachten einhole (E. 5 zweiter Absatz).
2.4
Nach Erstattung des Gerichtsgutachtens durch die MEDAS H._
(Urk. 16) und der ergänzenden Stellungnahme vom 7. Dezember 2016 (Urk. 28
)
machten die Beschwerdeführer geltend, auf das Gerichtsgutachten könne hinsichtlich der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht abgestellt wer
den, da die schwere Herz- und Gefässerkrankung einen wesentlichen Einfluss auf diese zu beurteilende Frage gehabt haben müsse. Es sei ein neuerliches Gutachten nur dann entbehrlich, wenn eine ganze Rente zugesprochen würde (Urk. 33 S. 2).
2.5
Strittig ist, ob die Versicherte beziehungsweise nach deren Ableben die Be
schwerdeführer als gesetzliche Erben
Anspruch auf Auszahlung einer Inva
lidenrente aufgrund der Neuanmeldung im September 2006 haben. Damit ist zu prüfen, ob sich der Sachverhalt seit dem
Einspracheentscheid
vom 8. April 2004, in dem ein Rentenanspruch — rechtskräftig und
letztinstanzlich
be
stätigt — abgewiesen wurde, und der strittigen Verfügung vom 21. Mai 2013 anspruchserheblich verändert hat.
3.
3.1
Am 10. August 2016 erstattete die MEDAS H._ das bei ihr vom Ge
richt in Auftrag gegebene polydisziplinäre Gutachten (Urk. 16/1). Die Experten (Dr. med. K._, Allgemeine Innere Medizin FMH; Dr. med. L._, Rheumatologie FMH; Dr. med. M._, Facharzt FMH Rheumatologie; Dr. med. N._, Neurologie FMH und Dr. med. O._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH) stützten sich auf die überlassenen Akten (S. 2 ff.) und auf die von ihnen im Rahmen ihrer Untersuchungen 2016 erhobenen Befunde (S. 34 ff.). Sodann hielten sie aufgrund der Angaben der Versi
cher
ten die Familien-, Sozial- und Berufsanamnese, den Tagesablauf (S. 30-32) sowie die geklagten Leiden fest (S. 32 ff.).
3.2
Folgende „Diagnosen mit wesentlicher Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit“ wurden aufgeführt (S. 45):
-
Anhaltende somatoforme Schmerzstörung ICD-10 F45.4
-
Chronische, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode mit somati
schem
Syndrom F32.11
-
Panikstörung (episodische paroxysmale Angst) ICD-10 F41.0
-
Unerwünschte Nebenwirkung bei therapeutischer Anwendung: Benzodia
ze
pine ICD-10 Y47.1
-
Chronische Niereninsuffizienz, mittelgradig, Stadium III, mit aktuellem
eGFR
von 34 ml/min mit/bei
-
chronischer
Refluxniere
mit Schrumpfniere rechts
-
inkompletter
tubulo
-interstitieller und selektiver
glomerulärer
Protei
nurie
-
Natrium, Kalium, Kalzium, Phosphat referenzwertig,
Parathormon
leicht
gradig erhöht, keine renale Anämie
-
Arterielle Hypertonie, ungenügend eingestellt
-
Anamnestisch Status nach rheumatischer Endokarditis mit mittelschwerer
Mitralinsuffizienz
und leichtgradiger
Aorteninsuffizienz
, nächste
Ver
laufs
kontrolle
im Oktober 2016 geplant
Als „Diagnosen ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, aber mit Krankheitswert“ wurde festgehalten (S. 45 f.):
-
Chronifiziertes
,
fibromyalgiformes
Ganzkörperschmerzsyndrom mit sensi
bler
Hemisymptomatik
rechts ohne adäquates organisches Korrelat aus rheumatologischer und neurologischer Sicht
-
Dekonditionierungssyndrom
auf dem Boden eines jahrelangen
Schonver
haltens
-
Chronisches
zerviko
-lumbal betontes, unspezifisches, panvertebrales Schmerzsyndrom mit/bei
-
bildformal leichten degenerativen Veränderungen C3/C4 und C6/C7
-
chronischen Kopfschmerzen vom Spannungstyp, rechts
hemikraniell
betont
-
Rezidivierende Verkrampfungen der rechten Hand mit/bei
-
klinisch keinem organischen Korrelat, funktionelle Ursache
-
rezidivierenden anfallsartigen Episoden mit akuter Müdigkeit/ Erschöp
fung, Augenschluss und Schwäche, am ehesten funktionell im Rahmen der psychiatrischen Problematik
-
Formal Osteoporose der LWS und
bifemorale
Osteopenie
mit/bei
-
klinisch latent, errechnetes absolutes Zehnjahres-Frakturrisiko 6 %
-
Risikofaktoren: primärer
Parathyreoidismus
bei Nebenschilddrüsen-
ade
nom
am rechten
Unterpol
-
Status nach minimal invasiver, video-assistierter
Parathyreoidektomie
rechts kaudal August 2010 mit/bei
-
primärem
Hyperparathyreoidismus
bei
Parathyreoidea
-Adenom am rechten
Unterpol
-
aktuell: Kalzium im Normbereich, PTH leicht erhöht
-
Status nach
floridem
Ulcus
duodeni
mit
Bulbusabgangsstenose
mit/bei
-
Status nach
Helicobacter
pylori-lnfektion
-
axialer
Hiatushernie
-
Feinknotige Mastopathie
-
Ovarialzyste links
-
Unklare Erhöhung der BSR, kontrollbedürftig, DD im Rahmen eines unspezifischen viralen Infektes der oberen Luftwege, asymptomatischer HWS
-
Makrozytär
hyperchromes
Blutbild, kontrollbedürftig
-
Hyperlipidämie
, therapie- und kontrollbedürftig
-
Isolierte Erhöhung der GGT,
kontrollbedürftig
-
Albträume lCD-10 F51.5
-
Nikotinabhängigkeit, gegenwärtiger Substanzgebrauch ICD-10 F17.25
-
Verdacht auf Abhängigkeit von Sedativa und Hypnotika, gegenwärtiger Substanzgebrauch ICD-10 F13.25
-
Asymptomatischer Senk-Spreizfuss beidseits
3.3
Aus rheumatologischer Sicht erörterte der Teilgutachter (S. 35 f.), im Rahmen der Untersuchung des Bewegungsapparates sei eine diffuse
Druckdolenz
am ganzen Körper, akzentuiert im Bereich der mittleren und unteren
Hals
wirbel
säule
beidseits, in der Schultergürtel- und Beckengürtelpartie sowie
prädo
mi
nant
an den
fibromyalgietypischen
Tenderpoints angegeben worden. Der
Wide
spread
Pain-lndex
(WPI) habe 19 Punkte (das Maximum) ergeben und die Funktionsprüfung sowohl des Achsenorgans und insbesondere auch der stammnahen Gelenke habe sich aufgrund des dysfunktional anmutenden Schmerzverhaltens mit Abwehr, Stöhnen und Grimassieren erheblich er
schwert und dadurch eingeschränkt gezeigt. Die Betrachtung der zur Ver
fügung gestandenen bildgebenden Untersuchungen habe ergeben, dass für diese Bewegungseinschränkungen kein entsprechendes Korrelat weder nativ
radiologisch noch computertomographisch noch
kernspintomographisch be
stehe
. Auch klinisch habe sich kein Anhalt für eine
radikuläre
Reiz- und/oder sensomotorische Ausfallsymptomatik und auch nicht für eine
Segmen
tin
sta
bilität
gezeigt. Die angegebene diffuse Oberflächen-Hypästhesie der ganzen rechten Körperseite von Scheitel bis Sohle lasse sich von somatisch-rheu
matologischer Seite her nicht erklären. Auch hätten keine Anhaltspunkte für
eine Erkrankung aus dem entzündlich-rheumatischen Formenkreis wie z. B. ein
e Arthritis gefunden werden können. Die Untersuchung sei aufgrund des
schwerst
dysfunktional anmutenden Verhaltens schwierig und durch die schmerzbedingte Abwehr der Versicherten teilweise verunmöglicht worden. Diesbezüglich hätten sich aber auch deutliche Diskrepanzen gezeigt, in dem die Kraft des Faustschlusses als Beispiel massiv abgeschwächt gezeigt worden sei, das selbständige Entkleiden unter Einsatz der Finger und Hände, den Stuhl zum Absitzen und Aufstehen mit den Händen zu verschieben aber möglich gewesen sei und sich keine auffallende muskuläre Atrophie im Bereich der intrinsischen Hand- und Unterarmmuskulatur bei weitgehend seiten
gleichen Umfängen an den oberen und unteren Extremitäten gezeigt habe. Als Zeichen eines bereits jahrelangen Schonverhaltens bestehe ein ausgeprägtes
Dekonditionierungssyndrom
mit entsprechendem
Haltungszer
fall
und muskulärer
Dysbalance
. Übereinstimmend mit der Beurteilung der Rheumaklinik des E._ wie auch mit dem Gutachten des F._ aus dem Jahr 2003 könnten die angegebenen, von der Versicherten als
invalidisierend empfundenen, chronischen und therapierefraktären Beschwer
den am Bewegungsapparat auf der Befundebene auch aktuell nicht erklärt werden. Es finde sich diesbezüglich weder ein klinisches, noch ein
laborche
misches
, noch ein bildgebendes Korrelat. Die im Gutachten des F._ mit Ein
fluss auf die Arbeitsfähigkeit erwähnte Diagnose eines chronischen
pan
ver
te
bralen
Schmerzsyndroms sei ohne Bezugnahme auf objektivierbare Be
funde und ohne Begründung von
relevanten Funktionseinschränkungen erfolgt. Die darauf attestierte leidensadaptiert 70%ige Arbeitsfähigkeit und die 100%ige Arbeitsunfähigkeit hinsichtlich körperlich schwerer Arbeiten entbehre einer somatischen Begründung. Von rheumatologischer Seite her sei die Versi
cherte seit der Einschätzung der rheumatologischen E._ 2000/2001 und dem Gutachten des F._ 2003 ohne zeitliche oder
leistungs
mässige
Einschränkung in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Raumpflegerin weiterhin und unverändert zu 100 % arbeitsfähig.
3.4
Die neurologische Teilgutachterin hielt fest (S. 36), in der klinischen Unter
suchung hätten sich keine objektivierbaren Auffälligkeiten gezeigt. Es werde
eine sensible, median begrenzte
Hemihypästhesie
rechts angegeben. Eine Parese
,
Feinmotorikstörungen
oder andere objektivierbare Auffälligkeiten der rechten Hand seien nicht fassbar und die Muskeleigenreflexe seien seiten
gleich. Beim Finger-Nase-Versuch werde konstant daneben gezeigt, dies im Gegensatz zum Untersuchungsbefund des Hauptgutachters Dr. K._. Der
Finger-Finger-Versuch dagegen sei gezielt und die Gangprüfung etwas zöger
lich, jedoch insgesamt als unauffällig zu beurteilen. Klinisch bestünden keine objektivierbaren neurologischen Auffälligkeiten. Ein MRI des Schädels vor drei Jahren habe einen Normalbefund und ein MRI der HWS keine Hinweise
für eine Rückenmarks- oder relevante
radikuläre
Problematik gezeigt und au
ch das EEG sei normal. Von neurologischer Seite könnten die Kopfschmer
zen als Kopfschmerzen vom Spannungstyp interpretiert werden, die sich von einem chronischen generalisierten Schmerzsyndrom nicht abgrenzen liessen. Trotz Angabe einer hohen Schmerzintensität wirke die Versicherte zwar apa
thisch, eher depressiv, aber nicht eigentlich schmerzgeplagt. Die chronischen generalisierten Schmerzen seien von neurologischer Seite nicht zu erklären und aus neurologischer Sicht bestehe somit keine Pathologie, die eine anhal
tende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zur Folge hätte.
3.5
Der psychiatrische Teilgutachter vermerkte (S. 37 f.), in der Familie seien viele somatische Erkrankungen bekannt. Die Versicherte habe nach
sechs Jahre
n
Schule
aus sozialen Gründen (Kosten/Schulweg) keine weiterführende
Schule oder eine Berufsausbildung absolvieren dürfen. Es bestünden klinische
Hinweise auf eine leicht überdurchschnittliche Intelligenz und damit sei die ausgeübte, eher monotone Arbeit mit wenigen Veränderungsmöglichkeiten auf die Länge eher belastend gewesen. Respekt und Würde seien in der
Her
kunftskultur
der Versicherten hohe Werte und sie sei überzeugt, dass sie mit
ihren Beschwerden und Einschränkungen nicht mehr arbeiten könne. Sie werd
e
von ihrer Familie unter
stützt und getragen und geniesse
viel Ver
ständnis
. Ihr Mann leide an den Folgen eines Unfalls und habe chronische Schmerzen, was eine Belastung sei und aufgrund klinischer Erfahrungen das Risiko, auch an einer Schmerzstörung und/oder Depression zu erkranken, erhöhe. Die relativ geringe Integration in der Schweiz schränke auch aus
gleichende Ressourcen ein. Die sozialen Kontakte beschränkten sich inzwi
schen weitgehend auf die Familien, Geschwister und deren Familien und professionelle Helfer, während die früher bestehenden Kontakte, vor allem zu Arbeitskolleginnen, krankheitsbedingt verloren gegangen seien. Vorliegend
komme die sehr lange Abwesenheit vom Arbeitsmarkt als weiterer Risiko
fak
tor
hinzu. Durch grosse Leistungen und harte Arbeit habe sich die Ver
sicher
te Anerkennung holen können, die sie sonst ausserhalb der Familie kaum ge
funden habe. I
hr Selbstwertgefühl
sei all die Jahre von ihrer Leistungs
fähig
keit abhängig gewesen und sie habe nie respektive erst sehr spät gelernt, auf Signale ihres Körpers zu achten und auf sich selber und ihre Grenzen Rück
sicht zu nehmen. Diese Konstellation erhöhe das Risiko für eine Somatisie
rungsstörung.
Damit sei eine somatoforme Schmerzstörung zu diskutieren (S. 38 f.), wobei anders als Dr. P._ (F._) argumentierte, auch zu Beginn der Schmerzen neben den
erwähnten Risikofaktoren sich auch Belastungen finde, wie es für Diagnose verlangt werde, insbesondere die Mehrfachbelastung, die Migration mit weitgehend fehlender Integration und sozialer Vernetzung in der Schweiz und die finanziellen Sorgen. Dazu komme, dass der Beginn der Schmerzen mehr als zehn Jahre zurückliege, so dass die Chance, einen auslösenden Kon
flikt oder eine entsprechende Belastung noch eruieren zu können, klein sei. Im Verlauf kämen weitere Belastungen hinzu, wie Verlust der Arbeit, des Ein
kommens und der Anerkennung und nicht zuletzt die langwierigen, belastenden gerichtlichen Auseinandersetzungen mit wiederholten Begutach
tungen. Diese Faktoren seien sekundär, dürften jedoch den Verlauf beein
flusst haben. Da die Schmerzen subjektiv im Vordergrund stünden und sich auch ausgeweitet hätten, sei differentialdiagnostisch eine anhaltende somato
forme Schmerzstörung zu diskutieren.
Die Schmerzen gingen der Depression zeitlich voran und seien unabhängig vom zeitlichen Verlauf der affektiven Symptomatik, so dass diese Diagnose zulässig wäre. Da die Coping-Möglichkeiten begrenzt seien, sei ein Ausdruck der psychischen und sozialen Probleme durch eine Körpersymptomatik plau
sibel. Die Schilderung entspreche einem andauernden, schweren und quälen
den Schmerz. Aufgrund der Akten und der somatischen Befunde könnten die Beschwerden nur zu einem relativ geringen, aber nicht zu einem wesent
lichen Teil auf körperliche Veränderungen zurückgeführt werden, was die Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung wieder ausschliessen würde. In der revidierten deutschen Version des ICD-10 sei jedoch eine neue
Unter
kategorie
geschaffen worden: Chronische Schmerzen mit somatischen und psychischen Faktoren, die differentialdiagnostisch zu erwägen sei. Unter Be
rücksichtigung der funktionellen Auswirkungen, die sich im Haushalt und im Tagesablauf zeigten, sei von einer schweren Schmerzstörung auszugehen. Die subjektive Einschätzung und die Schilderung der Schmerzen, die die
Ver
sicherte als anhaltend und quälend beschreibe, entsprächen einer schweren Schmerzstörung. Von daher sei es auch schwierig zu sagen, ob sich die
Schmerzstörung verglichen mit den
Vorakten
verändert habe. Subjektiv hätten
sich die Schmerzen zwar eher verschlechtert, aber in Bezug auf die Schmer
zen lasse sich keine Veränderung objektivieren. Der wahrscheinlichste Ver
lauf sei, dass sowohl subjektiv wie von den Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit und die Lebensqualität her, von einer
Chronifizierung
und damit verbunden von einer Verschlechterung auszugehen sei.
Panikanfälle seien schon seit langem aktenkundig und seien relativ einheit
lich beschrieben (S. 40), im Sinne eines mehr oder weniger konstanten Musters. Die wahrscheinlichste Einschätzung sei, dass es sich um ein tief eingefahrenes Muster handle, das ursprünglich im Rahmen eines Panikanfalls aufgetreten sei und sich inzwischen weitgehend etabliert und verselbständigt habe. Es bewirke sowohl eine Entlastung von Aufgaben als auch eine ver
mehrte Zuwendung. Es spreche viel dafür, diese Anfälle als Teil der Angst und eventuell auch der Depression und Schmerzstörung zu sehen und nicht als dissoziative Störung.
In den Akten seien auch eine depressive Episode sowie eine depressive Reak
tion diskutiert. Eine depressive Reaktion entspreche einer Anpassungsstörung und sei definitionsgemäss zeitlich begrenzt und dürfe gemäss ICD-10 höchs
tens sechs Monate anhalten, so dass diese Diagnose nicht mehr zulässig sei.
Wenn die Symptomatik noch vorhanden sei, sei eine Depression und/oder ei
ne Angststörung zu diagnostizieren. Die Werte in den Fremdbeurteilungs-Skalen betreffend Depression lägen im Bereich einer mittelgradigen Depressi
on. Ge
wisse Symptome wie Schlafstörungen und Reizbarkeit könnten sowohl bei einer Depression wie bei chronischen Schmerzen auftreten und es lasse sich nicht entscheiden, zu welchem Syndrom sie gehörten. Für die genaue Diag
nose sei die klinische Beurteilung entscheidend. Gemäss ICD-
Kriterien liege eine mittelgradige Depression vor. ICD-Kriterien seien in Bezug auf den
Schwe
regrad
aber nicht sehr praktikabel, so dass der klinische Eindruck einer
mittelgradigen Depression die beste Annäherung an den tatsächlichen
Schwe
regrad
sein dürfte. Es stelle sich die Frage, ob eine rezidivierende depressive Störung vorliege. Das würde bedeuten, dass Remissionen und später Rezidive vorgelegen hätten. Eine depressive Verstimmung sei erstmals im Jahr 2000 erwähnt worden, während Dr. P._ keine Depression gefunden habe. Ob dies tatsächlich eine Remission gewesen sei oder nur eine abweichende Ein
schätzung der depressiven Symptomatik, lasse sich nicht entscheiden. Es sei aber auf jeden Fall von einer chronischen Depression auszugeben. Für die Beurteilung der anhaltendenden Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit sei daher nicht nur vom momentanen Schweregrad auszugehen, sondern von einem durchschnittlichen Schweregrad und vorliegend von einer mittelgra
digen Depression.
Die wahrscheinlichste Annahme sei, dass der effektive Gesundheitszustand ab 2008 zwar etwas geschwankt, aber meist im Bereich einer mittelgradigen Depression gelegen habe.
Es werde über Angst berichtet, allein zu Hause zu sein (S. 41), Angst, es kö
nne etwas passieren oder einfach so; wenn die Versicherte schlechte Nachrichten höre, bekomme sie manchmal grosse Angst. Sie habe auch Angstanfälle ohne Grund, könne aber nicht sagen, wie oft. Diese Angstsymptome seien ein Teil der Depression, aber so ausgeprägt, dass die Diagnose einer Panikstörung gerechtfertigt sei. Für die eigenständige Diagnose einer generalisierten Angst
störung seien die Ängste jedoch zu wenig ausgeprägt und gehörten vorwiegend zur Depression. Die Versicherte nehme seit Jahren Benzodia
zepine ein, weshalb sich die Frage nach psychischen- und Verhaltens-Störungen durch Benzodiazepine oder einem Abhängigkeitssyndrom stellten. Es bestehe zwar eine körperliche Abhängigkeit, aber die Kriterien für die
psychiatrische Diagnose einer Abhängigkeit seien nicht erfüllt, da gemäss den Richtlinien Benzodiazepine zumindest in der Akutbehandlung einer Angstsymptomatik durchaus eingesetzt werden könnten.
Ausser den erwähnten Risikofaktoren und Ressourcen gebe es keine Hinweise
auf Persönlichkeitseigenschaften, welche die Umsetzung der restlichen Arbeits
fähigkeit einschränkten oder besonders fördern würden.
In Bezug auf die Schmerzen lasse sich eine gewisse Tendenz zur Verdeut
lichung, nicht jedoch eine Aggravation feststellen. Die Schilderung der Beschwerden, des Tagesablaufes, der Aktivitäten und der sozialen Kontakte mit einem ausgeprägten sozialen Rückzug sei konsistent mit den Befunden und den Akten. Auch sei die Versicherte regelmässig in psychiatrischer-psychotherapeutischer Behandlung. Die Serumspiegel der Medikamente lägen bei der verordneten Dosis im erwarteten Bereich, was für eine gute Compli
ance in Bezug auf die Medikamente spreche. Beides weise auf einen hohen Leidensdruck hin. Es sei jedoch nur ein Wiedereinstiegsversuch dokumentiert, was etwas gegen einen hohen Leidensdruck spreche, aber auch durch die subjektive Überzeugung, arbeitsunfähig zu sein, bedingt sein dürfte.
Zusammengefasst könne aus psychiatrischer Sicht von einer Arbeitsun
fähig
keit von etwa 50 % ausgegangen werden für die bisherige Tätigkeit als ange
lernte Mitarbeiterin in der Reinigung oder eine andere an ihre Schmerzen angepasste Tätigkeit. Die Arbeitsfähigkeit im Haushalt sei etwa um 25 % ein
geschränkt (S. 42).
3.6
Der fallführende Allgemeininternist hielt fest, es bestünden eine chronische Niereninsuffizienz Grad III, eine arterielle Hypertonie, welche ungenügend eingestellt sei, ein Status nach
floridem
Ulcus
duodeni
mit
Bulbusab
gangsstenose
, eine feinknotige Masterpartie, eine Ovarialzyste links, ein Status nach rheumatischer Endokarditis mit mittelschwerer
Mitralinsuffizienz
und
leichtgradiger
Aortainsuffizienz
, eine unklare Erhöhung der BSR, ein
makrozytär
hyperchromes
Blutbild, eine
Hyperlipidämie
und eine isolierte Erhöhung der GGT. Daraus resultiere in der Gesamtschau der Befunde und Diagnosen eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 40 %. Die
Nieren
in
suffizienz
habe sich seit der Begutachtung im F._ 2011 verschlechtert
und die kardiovaskulären Risikofaktoren seien ungenügend kontrolliert (S. 44
).
Damit bestehe eine Restarbeitsfähigkeit von 60 %, wobei nur noch körperlich leichte Tätigkeiten möglich seien, ohne Nacht- und Schichtarbeit, Nässe und Kälteexposition, Arbeiten unter Zeitdruck, ohne Tätigkeiten mit
Infektions
gefährdung
, mit grossen Temperaturschwankungen oder einer Exposition zu
nephrotoxischen
Substanzen sowie ohne Tätigkeit mit beruflichem Führen eines Motorfahrzeuges (S. 46).
3.7
Aus polydisziplinärer Gesamtschau vermerkten die Experten, es bestehe eine verwertbare und zumutbare Restarbeitsfähigkeit von 50 % in
leidensange
passter
Tätigkeit unter Berücksichtigung des dargelegten Belastungsprofils (S. 47). Zum Verlauf hielten sie fest, die attestierte Arbeitsunfähigkeit gelte grundsätzlich ab Datum des Gutachtens. Überwiegend wahrscheinlich habe die Arbeitsfähigkeit seit 2008 jedoch zwischen 40 bis 65 % aus psychia
trischer Sicht geschwankt. Aus internistischer Sicht gelte die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mit Datum des Gutachtens, wobei sich die
Nierenin
suffizienz
seit 2011 leicht verschlechtert habe (S. 48).
3.8
In der Stellungnahme vom 7. Dezember 2016 der MEDAS H._ hielten die Ärzte fest, die Versicherte sei am 16. Juni 2016 überraschend vor einer geplanten
Cholezystektomie
an einem akuten Myokardinfarkt gestor
ben. Ein Obduktionsbericht liege vor, welcher die Diagnose eines akuten Myokardinfarkts bestätige. In der MEDAS-Begutachtung sei auf ungenügend kontrollierte kardiovaskuläre Risikofaktoren hingewiesen worden. Die
Diag
nose einer koronaren Herzerkrankung finde sich nicht und betreffend das Herzleiden (Status nach rheumatischer Endokarditis, mittelschwere
Mitralin
suffizienz
, leichte
Aorteninsuffizienz
sowie arterielle Hypertonie) sei die Ver
sicherte in kardiologischer Kontrolle und ebenfalls in regelmässiger
nephro
lo
gischer
Kontrolle gestanden. Auch in diesen Berichten sei von einer koronaren Herzkrankheit nicht die Rede. Bei der klinischen Untersuchung sei die Versicherte kardiopulmonal kompensiert, ohne Stauungszeichen, ohne Ödeme gewesen und ebenfalls seien pektanginöse Beschwerden klar verneint worden. Was die Niereninsuffizienz anbelange, seien deutliche qualitative Ein
schränkungen festgelegt worden, welche auch bei einer koronaren Herz
krankheit ihre Gültigkeit hätten. Aufgrund der bekannten internistischen Diagnosen sei mit einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 40 % genü
gend Rechnung getragen worden (Urk. 28).
4.
4.1
Das umfangreiche Gerichtsgutachten erfüllt die praxisgemässen Kriterien (vorstehend E. 1.2), setzt sich mit den Aspekten der gesundheitlichen Beein
trächtigungen der Versicherten auseinander und berücksichtigt auch die medizinischen
Vorakten
und begründet Abweichungen, soweit die Beurtei
lung mit diesen nicht im Einklang steht. Insgesamt erweist sich das Gut
ach
ten als nachvollziehbar und vermag zu überzeugen. Insbesondere wurde auch mit Bezug auf die psychische Symptomatik und das Vorliegen einer rezi
di
vierenden Depression, die typischerweise Schwankungen im
Schwere
grad
zeigt
, für den Rechtsanwender einleuchtend dargelegt, dass verglichen mit den Berichten von Dr. P._, Dr. E._, Dr. Q._, Dr. I._, med.
pract
. J._ und Dr. G._ sich die Unterschiede
in der Beurteilung mit
Schwan
kungen entsprechen
d der Diagnose erklären liessen oder sich auch aus dem Zeitpunkt der Untersuchung ergeben könnten, wobei anzunehmen sei, dass sich durch die Ablehnung des Rentengesuches und die erneute Begutachtung die Störung vorübergehend verschlechtert habe. Ebenso wurde in Betracht gezogen, dass sich die Abweichungen in der Beurteilung auch mit unter
schiedlichen Untersuchungstechniken erklären lassen könnten, was sich auf
grund der Akten letztlich nicht mehr definitiv entscheiden lasse, da die wesent
lichen Angaben aus dem Psychostatus nicht überprüft werden könnten
. Die wahrscheinlichste Annahme sei, dass der affektive Gesundheitszustand ab 2008 zwar etwas geschwankt, aber meist im Bereich einer mittelgradigen Depression gelegen habe
(
Urk.
16/5 S. 14)
.
Zum Verlauf der Arbeitsfähigkeit wurde damit nachvollziehbar dargelegt, dass der Gesundheitszustand und damit die Arbeitsfähigkeit überwiegend wahrscheinlich seit dem Gutachten von Dr. E._ im Jahr 2008 zwar etwas geschwankt, aber immer in einem Bereich zwischen 40% und 65%, durch
schnittlich bei etwa 50 %, gelegen hat (Urk. 16/5 S. 24).
Nachvollziehbar wurde auch das Belastungsprofil aufgrund internistischer Gegebenheiten dargelegt wobei
qualitative Einschränkungen
insbesondere
auf
grund der Niereninsuffizienz berücksichtigt wurden (E. 3.6 hiervor). Sodann
begründeten die Experten einleuchtend, dass das plötzliche Auftreten eines akuten
Myokardinfarkt
s ohne Hinweise auf eine koronare Herzerkrankung nicht vorhersehbar war und das Belastungsprofil bis zum Zeitpunkt des Todesfalls nicht zusätzlich zu beeinflussen vermag (E. 3.8 hiervor).
Die Gesamtschau und die Beurteilung der Experten vermögen damit insge
samt zu überzeugen, weshalb darauf abzustellen ist und es sich insbesondere nicht aufdrängt, ein neuerliches (Akten-) Gutachten zu
veranlassen (
zu den
diesbezüglichen Vorbringungen der Beschwerdeführer vgl. Urk. 33). Eine weiter
gehende Arbeitsunfähigkeit ergibt sich nicht aus den Akten, eine solche
wurde aus kardiologischen Gründen nie attestiert.
4.2
Somit muss es mit den beweiskräftigen Schlussfolgerungen im
gerichtli
chen Sachverständigengutachten, welches
im Kontext mit
der Aktenlage und den fachärztlichen Berich
ten
steht und
auch
eine schlüssige Beurteilung
er
laub
t, sein Bewenden haben. Massgebend ist hierbei insbesondere auch, dass es sich bei der neben der somatoformen Schmerzstörung hinzukommenden depressi
ven Störung um ein langjähriges
chronifiziertes
Krankheitsgeschehen handel
t, welches trotz weitgehend adäquater therapeutischer Behandlung keine Besse
rung erfahren hat und auch mittels anderer therapeutischer Massnahmen keine günstige Prognose formuliert werden konnte (vgl. Urk. 16/5 S. 24 und S. 29 unten).
Der medizinische Sachverhalt ist mithin dahingehend erstellt, dass die Versicherte aus psychiatrischer Sicht seit der Untersuchung bei Dr. E._ vom 3. Juli 2008 (vgl. Urk. 2/8/86) durchschnittlich zu 50 % arbeitsunfähig ge
wesen war. Ab der Begutachtung in der MEDAS H._ im April (Untersuchungsdatum) 2016 kamen sodann weitere qualitative Einschrän
kung
en im Belastungsprofil aus internistischer Sicht hinzu, welche sich indes nur auf das Stellenprofil auswirkten.
Auf dieser Grundlage ist die Prüfung der erwerblichen Auswirkungen der Ein
schränkungen vorzunehmen.
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der Verfügung vom 21. Mai 2013 (Urk. 2/2) davon aus, dass die Versicherte ohne Gesundheitsschaden zu 100 % erwerbs
tätig wäre. Diese Qualifikation stimmt mit den Akten überein und ist weiter
hin nicht zu beanstanden (vgl. dazu Urk. 2/10 E. 5.1 mit Hinweisen).
Vorliegend erübrigt sich auch eine möglichst genaue Bezifferung und Gegen
überstellung von Validen- und Invalideneinkommen, um hernach aus der Einkommensdifferenz den Invaliditätsgrad bestimmen zu können. Denn der Versicherten ist die bisher ausgeübte Tätigkeit als angelernte Mitarbeiterin in der Reinigung wie auch jede andere angepasste Verweisungstätigkeit im bezifferten Umfang zu 50 % zumutbar. Ausserdem bestehen keine Anhalts
punkte dafür, dass sie ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem wirt
schaft
lichem Erfolg hätte verwerten können. Insbesondere ist nicht anzu
neh
men, dass sich die gesundheitlichen Beeinträchtigungen zusätzlich
lohnmin
dernd
auswirkten. Folglich besteht kein Raum für die Gewährung eines zu
sätzlichen leidensbedingten Abzugs beim Invalideneinkommen. Zu ergän
zen ist hierzu, dass die erst ab
April 2016
zu berücksichtigende Ver
schlech
terung der kör
per
lichen Beschwerden aufgrund der internistischen Problema
tik und damit weitergehende qualitative Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit aufgrund des reduzierten körperlichen Belastungsprofils keine relevanten Änderungen bewirken. Denn einerseits kann das Gericht grundsätzlich nicht über den Zeitpunkt der Verwaltungsverfügung — hier die Verfügung vom 12. Februar 2009 — hinaus entscheiden und anderseits hat die Verschlechterung im Zeit
punkt des Todesfalls der Versicherten am 18. Juni 2016 jedenfalls noch nicht drei Monate gedauert (Art. 88a Abs. 2 der Verordnung über die Invaliden
ver
sicherung, IVV).
Damit erweist es sich als gerechtfertigt, mittels Prozentvergleichs den
Invali
di
tätsgrad
auf 50 % festzusetzen, was einen Anspruch auf eine halbe Invali
denrente begründet.
5.2
5.2.1
Zu prüfen bleibt der Zeitpunkt des Rentenbeginns
.
Die
Verschlechterung des Gesundheitszustandes seit rechtskräftiger Leistungsabweisung mit Entscheid vom
8. April 2004 (vgl. Ziff. 1.1 Sachverhalt) ist vorstehenden Ausführungen folgend auf den 3.
Juli 2008
festzulegen wobei ab diesem Zeitpunkt von einer andauernden 50 % A
rbeitsunfähig
keit und Erwerbsunfähigkeit auszu
gehen ist (E. 4.2 hiervor).
Gemäss Art. 28 Abs. 1
lit
. b und
lit
. c IVG haben Versicherte Anspruch auf eine Rente, die während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durch
schnittlich mindestens zu 40 Prozent arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen
und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (Art. 8 ATSG)
sind.
Die Wartezeit im Sinne
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG gilt in jenem Zeitpunkt als eröffnet, in welchem eine deutliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit eingetreten ist. Als erheblich in diesem Sinne gilt bereits eine Arbeitsun
fähigkeit von 20
%
(AHI 1998 S. 124 E. 3c; Urteil des Bundesgerichts I 10/05 vom 1
4.
Juni 2005 E. 2.1.1 in
fine
mit Hinweisen).
5.2.2
Mit Blick auf die Neuanmeldung vom 18. September 2006 und die Ausfüh
rungen in der angefochtene Verfügung vom 12. Februar 2009, wonach eine Beeinträchtigung in der Arbeitsfähigkeit in angestammter und angepasster
Tätigkeit von 35 % festgehalten worden war (Urk. 2/8/95), rechtfertigt es sich
, die Wartezeit spätestens ab Datum der Neuanmeldung bei einer Arbeitsun
fähigkeit von 35 % zu eröffnen. Die Verschlechterung des Gesundheitszu
standes mit einer bleibenden Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit von 50 % ist gemäss den vorstehenden Ausführungen auf den 3. Juli 2008 festzulegen. Der Ablauf des Wartejahrs mit einer mindestens durchschnittlichen Arbeits
unfähigkeit von 40 % ist damit im November 2008 eingetreten (8 x 35% + 4 x 50% = 480 %). Damit entsteht ein Anspruch auf eine
Viertelsrente
ab November 2008 und — nachdem die 50%ige Arbeitsunfähigkeit drei weitere Monate gedauert hat (Art. 88a Abs. 2 IVV) — ab Februar 2009 ein Anspruch auf eine halbe Rente (Ulrich Meyer / Marco
Reichmuth
, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 3 Auflage,
Rz
36 zu Art. 28).
5.3
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Versicherte mit Wirkung ab 1. November 2008 Anspruch auf eine
Viertelsrente
und mit Wirkung ab 1. Februar 2009 Anspruch auf eine halbe Rente der Invalidenversicherung hat. Dies führt zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung und teilweisen Gutheissung der Beschwerde.
6.
6.1
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind nach dem
Ver
fah
rensaufwand
zu bemessen und ermessensweise auf Fr. 1‘000.-- festzu
setzen. In Anbetracht des praktisch weitgehenden Obsiegens der Beschwerde
führer sind die Kosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Zur Frage der Überbindung der Gutachtenskosten an die Beschwerdegegnerin hat das Bundesgericht festgehalten, dass vorliegend übereinstimmende
spe
zial
ärztliche
Begutachtungen einer polydisziplinären Untersuchung gegen
über
stünden und das MEDAS-Gutachten insbesondere in den Diagnosen und
Folgenabschätzung nicht aufschlussreich sei (Urteil 9C_49/2014 vom 29. Okto
ber 2014 E. 4.3 f.; Urk. 2/13).
Damit sind die vom Bundesgericht in BGE 137 V 210 E. 4.4.2 aufgestellten Kriterien, wie sie in Urteil 139 V 496 präzisiert wurden (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_301/2016 E. 2.2), namhaft gemacht und die Voraussetz
ungen zur Überbindung der Gutachtenskosten an die Beschwerdegegnerin erfüllt. Diese hat demnach die Kosten für das Gerichtsgutachten von Fr. 16’301.65 und Fr. 375.-- (vgl. Urk. 17 und Urk. 29) zu tragen.
6.3
Bei diesem Ausgang des Verfahrens haben die anwaltlich vertretenen Beschwer
deführer, gestützt auf Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht Anspruch auf eine Prozessentschädigung, die unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des
Prozesses auf Fr. 2‘800.-- (inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen ist.