# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 73c18228-d299-48b7-8f19-6e17d190efb9
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1973, war vom 2
5.
Juni 2007 bis 3
0.
April 2020 bei der Kantonspolizei Zürich angestellt und damit bei der AXA Versicherungen AG (nachfolgend: AXA) für Berufs- und Nichtberufsunfälle sowie Berufskrankheiten versichert, als er am 3
0.
April 2020 im Wellnessbereich
ausrutschte
und sich an der rechten S
chulter verletzte
(vgl. Unfallmeldung vom
2
2.
respektive 2
3.
September 2020
,
Urk.
12/A1-A2;
Urk.
12/A6). Die AXA erbrachte die gesetz
lichen Leistungen (
Urk.
12/A5
;
Urk.
12/A11
)
.
M
it Schreiben vom
9.
Dezember 2020 (
Urk.
12/A10)
lehnte sie
eine Leistungspflicht ab dem
1.
Januar 2021 ab. Dagegen wurden Einwände erhoben (
Urk.
12/A13
).
Mit Verfügung vom
7.
Januar 2021 (
Urk.
12/A16) stellte die AXA die Versiche
rungsleistungen per 3
1.
Dezember 2020 ein. Die dagegen vom Versicherten erho
bene Einsprache (
Urk.
12/A20) wies die AXA mit
Einspracheentscheid
vom 2
9.
Juli 2021 (
Urk.
12/A32 =
Urk.
2) ab.
2.
Der Versicherte erhob am 1
4.
September 2021 Beschwerde gegen den
Einsprache
entscheid
vom 2
9.
Juli 2021 (
Urk.
2) und beantragte, dieser sei aufzuheben und die Sache sei zur ergänzenden Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz zurück
zuweisen. Die Vorinstanz sei zu verpflichten, die Versicherungsleistungen rück
wirkend ab dem 3
1.
Dezember 2020 bis zur ergänzenden Sachverhaltsabklärung auszurichten. Eventualiter sei die Vorinstanz zu verpflichten, den Gesundheits
zustand mittels neutraler Expertise und persönlicher Untersuchung abklären zu lassen (
Urk.
1 S. 2).
Die AXA beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
9.
November 2021 (
Urk.
13) die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 2
3.
November 2021 (
Urk.
14) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Parteien haben nach
Art.
29
Abs.
2 der Bundesverfassung (BV) und
Art.
42 Satz 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs
rechts (ATSG) Anspruch auf rechtliches Gehör. Sie müssen nicht angehört werden vor Verfügungen, die durch Einsprache anfechtbar sind (
Art.
42 Satz 2
ATSG
).
Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer einzelnen Person eingreift. Dazu gehört insbesondere deren Recht, sich vor Erlass eines solchen Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (BGE 144 I 11 E. 5.3, 143 V 71 E. 4.1, je mit Hinweisen).
1.2
Aus Inhalt und Funktion des Akteneinsichtsrechts als Teil des Anspruchs auf rechtliches Gehör folgt nach der Rechtsprechung, dass grundsätzlich sämtliche beweiserheblichen Akten den Beteiligten gezeigt werden müssen. Denn es gehört zum Kerngehalt des rechtlichen Gehörs, dass die Adressaten eines Entscheids vor Erlass eines für sie nachteiligen Verwaltungsaktes zum Beweisergebnis Stellung nehmen können. Das Akteneinsichtsrecht ist somit eng mit dem Äusserungsrecht verbunden, gleichsam dessen Vorbedingung. Die Betroffenen können sich nur dann wirksam zur Sache äussern und geeignete Beweise führen oder bezeichnen, wenn ihnen die Möglichkeit eingeräumt wird, die Unterlagen einzusehen, auf welche sich die Behörde gestützt hat (Urteil des Bundesgerichts 9C_803/2019 vom 5. Mai 2020 E. 4.1 mit Hinweis).
Das rechtliche Gehör dient in diesem Sinne einerseits der Sachaufklärung und stellt andererseits ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht im Verfahren dar. Daraus ergibt sich, dass der Versicherer, welcher neue Akten beizieht, auf die er sich in seiner Verfügung zu stützen gedenkt, grundsätzlich verpflichtet ist, die Beteiligten über den
Aktenbeizug
zu informieren. Das Akteneinsichtsrecht bezieht sich auf sämtliche verfahrensbezogenen Akten, die geeignet sind, Grundlage des Entscheids zu bilden. Die Einsicht in die Akten, die für ein bestimmtes Verfahren erstellt oder beigezogen wurden, kann nicht mit der Begründung verweigert werden, die fraglichen Akten seien für den Verfahrensausgang belanglos. Es muss vielmehr den Betroffenen selber überlassen sein, die Relevanz der Akten zu beurteilen (BGE 132 V 387 E. 3.1 und 3.2 mit Hinweisen).
1.3
Das Recht, angehört zu werden, ist formeller Natur. Die Verletzung des rechtli
chen Gehörs führt ungeachtet der materiellen Begründetheit des Rechtsmittels in der Sache selbst zur Gutheissung der Beschwerde und zur Aufhebung des ange
fochtenen Entscheids (BGE 144 I 11 E. 5.3, 137 I 195 E. 2.2). Es kommt mit anderen Worten nicht darauf an, ob die Anhörung im konkreten Fall für den Ausgang der materiellen Streitentscheidung von Bedeutung ist, das heisst die Behörde zu einer Änderung ihres Entscheides veranlasst wird oder nicht (BGE 127 V 431 E. 3d/
aa
, 126 V 130 E. 2b mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Leistungseinstellung im angefochtenen
Einspracheentscheid
(
Urk.
2) damit,
dass
das
Unfalle
reignis
gestützt auf die über
einstimmenden Beurteilungen der beratenden Ärzte lediglich zu einer vorüber
gehenden Verschlimmerung des aktenkundigen Vorzustandes geführt habe.
Der beratende Arzt
Dr.
med.
Z._
habe
einleuchtend erklärt, weshalb die mit der Einsprache geltend gemachte Schulterinstabilität rechts nur möglicherweise auf das Ereignis zurückzuführen sei. Weitere Abklärungen seien nicht erforderlich. Aus den Ausführungen von PD
Dr.
med.
A._
könne – aus näher genannten Gründen - keine Kausalität abgeleitet werden. Die Folgen der anlässlich des
Unfalle
reignisses erlittenen Schulterverletzung seien spätestens am 3
1.
Dezember 2020 abgeheilt gewesen, womit über diesen Zeitpunkt hinaus kein Anspruch auf weitere Leistungen mehr bestehe (S. 4 f.).
In der Beschwerdeantwort (
Urk.
13) führte die Beschwerdegegnerin ergänzend aus,
dass
kein Widerspruch zwischen den beiden versicherungsinternen Beurtei
lungen bestehe. Der Unterschied bestehe lediglich darin, dass sich nur
Dr.
med.
Z._
mit der neuen Diagnose der Schulterinstabilität auseinandergesetzt habe, da die diesbezüglichen Berichte erst nach Verfügungserlass eingegange
n seien
(S. 4 ff.). Da dem Beschwerdeführer die
Aktenbeurteilung
von
Dr.
med.
Z._
erst mit dem
Einspracheentscheid
zugestellt worden sei, liege eine leichte Gehörsver
letzung vor, welche geheilt werden könne (S. 7 f.).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer im Wesentlichen auf den Stand
punkt
(
Urk.
1)
,
es könne nicht auf die versicherungsinternen Aktenbeurteilungen abgestellt werden (S. 11)
.
So habe kein lückenloser Befund vorgelegen und eine persönliche Untersuchung wäre notwendig gewesen.
Die Annahmen in den Aktenbeurteilungen würden nicht begründet
und es liege ein diametraler Wider
spruch zwischen den
Aktenbeurteilungen und dem
Sprechstundenb
ericht vom 2
6.
Januar 2021
vor
. Damit bestünden
erhebliche Z
weifel an den
Aktenbeurtei
lungen
, auf welche
folglich
nicht abgestellt werden
könne
. Der erforderliche Nachweis der fehlenden Kausalität könne von der Beschwerdegegnerin nicht erbracht werden, womit die Leistungspflicht bis auf Weiteres – zumindest bis zur Vornahme weiterer Abklärungen – zu bejahen sei (S. 14 ff.).
Die Beschwerde
gegnerin habe es
zudem
unterlassen, ihm die
entscheidrelevante
Aktenbeurtei
lung vom 1
5.
Mai 2021 vor Erlass des
Einspracheents
cheids
zukommen zu lassen. Dies
stelle eine schwere Verletzung des rechtlichen G
ehörs dar, welche
nicht geheilt werden könne
(S. 19 f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin einen Leistungsanspruch des Beschwerdeführers über den 3
1.
Dezember 2020 hinaus zu Recht verneint hat.
3.
3.1
Vorab gilt es
aufgrund deren formellen Natur
die vom Beschwerdeführer gerügte Gehörsverletzung zu beurteilen, wonach die Beschwerdegegnerin ihm die
Akten
beurteilung vom 1
5.
Mai 2021
erst mit dem
Einspracheentscheid
zugestellt habe (vgl.
Urk.
1 S.
19 f.
).
3.2
Die im Rahmen des
Einspracheverfahrens
durch
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Chirurgie,
erstattete Aktenbeurteilung vom 1
5.
Mai 2021 (
Urk.
12/M17) diente der Beschwerdegegnerin zur
Beurteilung der Kausalität
hinsichtlich
der
festgestellten
hinteren Instabilität bei Labrumläsion des
rechten
Schultergelenks (vgl. Berichte von
PD
Dr.
med.
A._
vom
2.
Dezember 2020 sowie
vom
5.
und 2
6.
Januar 2021;
Urk.
12/
M11-
M12,
Urk.
12/M16)
und bildete
diesbezüglich
die medizinische Entscheidungsgrundlage für den abschlä
gigen
Einspracheentscheid
vom
2
9.
Juli 2021 (
Urk.
2). Die Beschwerdegegnerin hat es – wie sie in der Beschwerdeantwort selbst eingestand (vgl.
Urk.
13 S. 7) – unterlassen, dem Beschwerdeführer
diese Aktenbeurteilung
vor Erlass des nun angefochtenen
Ei
nspracheentscheids
zuzustellen.
Dies stellt – insbesondere da diese Aktenbeurteilung
die
wesentliche Grundlage des
Einspracheentscheids
bildete (vgl.
Urk.
2 S
. 4 f.
) – eine schwere Verletzung des rechtlichen G
ehörs dar.
Spätestens im
Einspracheverfahren
hat die Verwaltung die allgemeinen Grunds
ätze des rechtlichen Gehörs zu wahren und der versicherten Person oder ihrem Vertreter Einsicht in die Akten zu gewähren, auf deren Grundlage sie den
Einspracheentscheid
abstützt.
Wird nach Erhebung einer Einsprache festgestellt, dass die Entscheidungsgrundlagen unvollständig sind, so ist der Sachverhalt unter Wahrung der Parteirechte zu vervollständigen (BGE 132 V 387 E. 4.1).
Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin (vgl.
Urk.
13 S. 7 f.) ist dieser Mangel im vorliegenden Verfahren keiner Heilung zugänglich
(vgl. zur Möglich
keit der Heilung BGE 142 II 218 E. 2.8.1, 137 I 195 E. 2.3.2)
. Denn es kann nicht Sinn des durch die Rechtsprechung geschaffenen Instituts der Heilung des recht
lichen Gehörs sein, dass Versicherungsträger sich über den elementaren Grund
satz des rechtlichen Gehörs hinwegsetzen und darauf vertrauen, dass solche Verfahrensmängel in einem von der betroffenen Person allfällig angehobenen Prozess dann behoben würden. Die nachträgliche Gewährung des rechtlichen Gehörs bildet häufig nur einen unvollkommenen Ersatz für eine unterlassene vorgängige Anhörung. Abgesehen davon, dass versicherten Personen dadurch eine Instanz verlorengehen kann, wird ihnen zugemutet, zur Verwirklichung ihrer Mitwirkungsrechte ein Rechtsmittel zu ergreifen (BGE 116 V 182 E. 3c).
3.3
Soweit der Beschwerdeführer die Ausrichtung der Versicherungsleistungen rück
wirkend ab dem 3
1.
Dezember 2020 bis zu
r
ergänzenden Sachverhaltsabklärung beantragt (vgl.
Urk.
1 S. 2), ist er darauf hinzuweisen, dass sich die Frage nach der Notwendigkeit ergänzender Sachverhaltsabklärungen erst stellt,
wenn eine Beurteilung einer versicherungsinternen Stelle nicht schlüssig ist und die offene Tatfrage nicht anhand anderer Beweismittel geklärt werden kann (BGE 137 V 210 E. 4.4.1.1)
. Dies braucht vorliegend (noch) nicht geklärt zu werden, geht es vorab einzig darum, dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör im
Einsprachever
fahren
einzuräumen.
3.4
Nach dem Gesagten ist der angefochtene
Einspracheentscheid
aus formellen Gründen – ungeachtet der materiellen Erfolgsauss
ichten der Beschwerde
(vorste
hend E. 1.
3
) – aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzu
weisen, damit sie über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers in einem rechtsgenügenden Verfahren neu entscheide. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
4.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung sowohl für die Frage der Auferlegung der Gerichtskosten wie auch der Parteientschädigung als vollstän
diges Obsiegen (BGE 137 V 57; vgl. auch BGE 141 V 281 E. 11.1 mit Hinweis), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädi
gung hat.
Die Prozessentschädigung ist gemäss
Art.
61
lit
. g
ATSG
in Verbindung mit
§
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) – ohne Rück
sicht auf den Streitwert – nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwie
rigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens zu bemessen. Unter Berück
sichtigung dieser Bemessungskriterien ist die Prozessentschädigung vorliegend auf
Fr.
1'200.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen.