# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 2b5890cd-e20a-4125-b13e-45893dd76956
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der
1973
geborene
X._
war zuletzt von
September 2011
bis
Mai 2013 (letzter effektiver Arbeitstag: 22. Oktober 2012)
als
Einrichter (Kunststofftechno
loge)
bei der
Y._
AG
tätig
(Urk. 8/20)
. Am
13. März 2013
meldete er sich unter Hinweis auf
eine seit August 2012 bestehende gesundheitliche Beeinträchtigung (Depression und Zwangsstörung)
bei der Invalidenversicher
ung zum Leistungs
bezug an (Urk. 8/8
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen
und zog die Akten der Krank
entaggeldversicherung bei (Urk. 8/10, U
rk. 8/27, Urk. 8/36
)
.
Die IV-Stelle führte von Oktober 2014 bis Februar 2016 mit
kurzen
Unterbrüchen Eingliede
rungsmassnahmen durch
(Urk. 8/49
,
Urk. 8/56
,
Urk. 8/64
,
8/86
,
Urk. 8/107
).
Hier
für sprach sie Taggeld
er
zu (Urk. 8/51, Urk. 8/59
,
Urk. 8/62,
Urk. 8/67, Urk. 8/90, Urk. 8/91, Urk. 8/99
).
Nach dem Umzug in den Kanton Luzern wurden dort
von April bis Dezember 2017
weitere berufliche Massnahmen durchgeführt
(vgl. Urk. 8/174, Urk. 8/212
, Urk. 8/242
)
. Die IV-Stelle Zürich richtete hierfür Taggel
der aus (Urk. 8/182
, Urk. 8/186
, Urk. 8/217, Urk. 8/221, Urk. 8/226
, Urk. 8/241).
In der Folge
liess
die IV-Stelle Zürich
den Versicherten
psychiatrisch begutachten (Expertise vom 15. Februar 2019
;
Urk. 8/260) und auferlegte ihm am 11. Novem
ber 2019 eine Schadenminderungsmassnahme (Urk. 8/276).
Nach durchge
führtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
8/305, Urk. 8/311, Urk. 8/312
)
sprach sie ihm
mit Verfügung
en
vom
26. Juli 2021
(Urk.
8/316, Urk. 8/334
, Urk. 8/347
=
Urk.
2/1
-2
) ab 1. Dezember 2017 eine ganze Rente
und Kinderrente
n
zu.
2.
Der Versicherte erhob am
31. August 2021
Beschwerde gegen die Verfügung
en
vom
26. Juli 2021 (Urk.
2
/1-2
) und beantragte,
diese seien aufzuheben, soweit ihm erst ab dem
1.
Dezember 2017 eine ganze Rente ausgerichtet worden sei und es sei die IV-Stelle zu verpflichten, ihm ab Oktober 2013 die gesetzlichen Leistungen, insbesondere eine ganze Rente sowie Kinderrenten auszurichten
(Urk. 1 S. 2
)
.
Am
10. November 2021 (Urk. 7
) beantragte die IV-Stelle die Abwei
sung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
15. November 2021
zu
r Kenntnis gebracht wurde (Urk. 9
). Mit Verfügung vom
24. März 2022 wurde die BVG-Sammelstiftung Swiss Life zum Prozess beigeladen (Urk. 10).
Mit Schreiben vom
5. April
2022 verzichtete die BVG-Sammelstiftung Swiss Lif
e auf eine Stellungnahme (Urk. 12
), was den Parteien mit
V
erfügung vom
7. April 2022
zur
Kenntnis gebracht wurde (Urk. 13
).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
4
Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Artikel 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Alters
jahres folgt (Abs. 1). Der Anspruch entsteht nicht, solange die versicherte Person ein Taggeld nach Art. 22 IVG beanspruchen kann (Abs. 2). Die Rente wird vom Beginn des Monats an ausbezahlt, in dem der Rentenanspruch entsteht (Abs. 3). Beträgt der Invaliditätsgrad weniger als 50 %, so werden die entsprechenden Renten nur an Versicherte ausbezahlt, die ihren Wohnsitz und ihren gewöhn
lichen Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der Schweiz haben. Diese Voraussetzung ist auch von Angehörigen zu erfüllen, für die eine Leistung beansprucht wird (Abs. 4).
1.5
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben die Beweise frei, das
heisst
ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss
zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene
n
Verfügung
en
vom 26. Juli 2021
(Urk. 2/1-2)
damit, dass
dem Beschwerdeführer seit dem 23.
Oktober 2012, Beginn der einjährigen Wartezeit, keine Erwerbstätigkeit mehr zumutbar sei. Die entstandene Erwerbseinbusse führe zu einem IV-Grad von 100 %. Er habe deshalb Anspruch auf eine ganze Rente.
Am Rentenbeginn
1.
Dezember 2017
werde aufgrund vorhandenem Eingliederungspotential festgehalten.
Wenn eine Massnahme länger als drei Monate dauere, könne in der Regel von einem Eingliederungspotential ausgegangen werden. Ab dem
16.
April 2014 habe Eingliederungspotential bestanden. Auch sei von einer günstigen Prognose ausgegangen worden. Der lange Zeitraum von Juni 2014 bis Februar 2018 mit Eingliederungsmassnahmen zeige das E
i
ngliederungspotential auf
(Urk. 2/1 Begründung S. 1)
.
2.2
Der Beschwerdeführer
stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk.
1),
der Rentenbeginn sei falsch. Das Wartejahr sei im Oktober 2013 abgelaufen
(S. 6
Rz
14).
Er sei nach Ablauf des Wartejahres 100 % erwerbsunfähig gewesen und bis Oktober 2014 noch nicht eingliederungsfähig gewesen beziehungsweise es seien ihm keine Eingliederungsmassnahmen beziehungsweise Taggelder
zu
gesprochen worden (S. 7
Rz
20). Ein Gutachten der Krankentaggeld
versicherung vom 2. November 2013 halte eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit fest (S. 6
Rz
17). Erst im Oktober 2014 sei eine Potentialabklärung in die Wege geleitet worden und er habe ein Taggeld erhalten (S. 6
Rz
18).
2.3
Strittig und zu prüfen ist die Frage des Rentenbeginns. Der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine ganze Rente ist unbestritten.
3.
3.1
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für
Psychiatrie und Psycho
therapie
,
nannte in seinem psychiatrischen Gutachten vom
15.
Februar 2019
(
Urk.
8/260
)
die folgenden Diagnosen mit Auswirku
ng auf die Arbeitsfähigkeit (S.
17 f
):
-
Zwangshandlungen mit Wasch- und Kontrollzwängen (ICD-10 F42.1)
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit
anankastischen
und ängstlichen Anteilen (ICD-10 F61.0)
Zudem nannte er folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 18):
-
Status nach langanhaltender depressiven Anpassungsstörung (ICD-10 F43.21)
-
Binge
Eating
(ICD-10 F50.8)
Beim Beschwerdeführer bestehe seit seiner Jugend eine Zwangsstörung, welche seit 2007 zu erheblichen Problemen in der Arbeitsleistung, bei den Kontrollgän
gen an Maschinen und zu Arbeitsplatzverlusten geführt habe. Die Zwangshand
lungen beanspr
u
chten privat und beruflich einen erheblichen Zeitaufwand und führten auch zu familiären Konflikten. Erst Ende 2012 habe sich der Beschwer
deführer für eine ambulante psychiatrisch/psychotherapeutische Behandlung entschieden. Im Laufe der Behandlung habe der Beschwerdeführer die Zwangs
handlungen etwas abmildern und Strategien entwickeln können, um das Gefühl eines Risikos durch das Nichteinhalten von Kontrollzwängen zu minimieren
. Dennoch sei es dem Versicherten noch nicht gänzlich gelungen, diese Zwangs
handlungen zu unterbinden (S. 18)
.
Der Beschwerdeführer zeige
anan
kastische
Anteile mit Gefühlen von Selbstzwei
fel
n
, dem Wunsch nach Perfektionismus, den ständigen Kontrollen und übertrie
bener Vorsicht. Ebenfalls bestünden ängstliche Anteile mit den Gefühlen von Anspannung, Besorgtheit und Unsicherheit und eine andauernde Sehnsucht nach Zuneigung und
danach,
akzeptiert zu werden. Auch würden vom Beschwerde
führer potenzielle Risiken in alltäglichen Situationen bis zur Vermeidung bestimmter Aktivitäten überbetont. Diese kombinierte Persönlichkeitsstörung sei bisher psychotherapeutisch nicht aufgegriffen worden und habe einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 18).
In der bisherigen Tätigkeit bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit seit Oktober 2012 (S. 22). In einer angepassten Tätigkeit, das heisse eine Tätigkeit ohne Kontrollgänge an Maschinen, ohne hohe Anforderungen an die Konzentra
tion und ohne zeitlichen Druck, bestehe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit seit Oktober 2012 (S. 23). Ein dreimonatiger tagesklinischer Aufenthalt mit verhaltensthera
peutischer Behandlung und einem sozialen Kompetenztraining sei zu empfehlen. Prognostisch sei nach der tagesklinischen Massnahme eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit auf 30 % und in
einer
angepassten Tätigkeit auf 80 % zu erwarten (S. 23).
3.2
Dr.
Z._
nahm am
13.
August 2019 (Urk. 8/270)
zu Rückfrage
n
Stellung.
3.3
Dr.
med. A._
, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie
, Regionaler Ärztlicher Dienst (
RAD
), führte
mit Stellungnahme vom 14.
August 2019
(Urk. 8/302/7-8)
aus, insgesamt sei aufgrund des Verlaufs und der Aktenlage der psychiatrische Gesundheitsschaden nachvollziehbar als die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigend zu beurteilen.
In bisheriger Tätigkeit bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit seit Oktober 201
2.
In einer angepassten Tätigkeit, das heisse eine Tätigkeit ohne Kontrollgänge an Maschinen, ohne hohe Anforderungen an die Konzentration und ohne zeitlichen Druck, bestehe eine 50%ige Arbeitsfähig
keit seit Oktober 2012
(S. 2).
Dr.
A._
führte aus, er erachte die Prognose, wonach nach einem tagesklinischen Aufenthalt eine Steigerung der Arbeitsfähig
keit auf 30 % beziehungsweise auf 80 % in einer angepassten Tätigkeit zu erwarten sei
,
als progressiv (S. 2).
3.4
Die Fachpersonen der
Psychiatrie B._
berichteten
am
10.
November 2020
(
Urk. 8/300
)
über eine tagesklinische Behandlung
vom 18.
M
ai bis 14.
August 2020 (Ziff. 1.2) und attestierten für diesen Zeitraum eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit (Ziff. 1.3)
.
Sie nannten als Hauptdiagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit Zwangsgedanken und -handlungen, gemischt (ICD-10 F42.2
; S. 4
).
Zudem nannten sie folgende Nebendiagnosen (S. 5):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2)
-
kombinierte und andere Persönlichkeitsstörungen (ICD-10 F61)
-
Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung (ICD-10 Z73)
-
andere Kontaktanlässe mit Bezug auf den engeren Familienkreis (ICD-10 Z63)
-
Kontaktanlässe mit Bezug auf das Berufsleben (ICD-10 Z56)
Die Zwangsstörung sei nach über 30 Jahren stark
chronifiziert
und schränke den Beschwerdeführer erheblich in seinem Leben ein, da sie praktisch seine gesamte Aufmerksamkeit und Zeit in Anspruch nehme (Ziff. 3.4).
Der Beschwerdeführer sei aufgrund seiner psychischen Instabilität zu 100 % arbeitsunfähig. Aufgrund seines psychischen Leiden besitze er momentan nicht die Fähigkeit, zu einer bestimmten Zeit zu erscheinen. Ihm seien Gleitzeiten (Start zwischen 9 und 10 Uhr) angeboten worden, jedoch habe er es wegen seinen Zwangshandlungen und -ritualen oft nicht geschafft, in diesem Zeitraum in der Tagesklinik zu erscheinen. Er sei durch seine psychosoziale Situation stark belastet, was zu einer starken
Gedankenrumination
führe. Aus diesem Grund habe er grosse Mühe, sich auf andere Tätigkeiten zu fokussieren und präsent zu sein. Zudem sei er stress-intolerant und habe grosse Mühe, Entscheidungen zu fällen und sei andauernd mit seinen Zwangshandlungen beschäftigt sowie durch seine schwere Depression stark belastet.
Denkbar würde für den Beschwerdeführer eine Beschäftigung im
zweiten
Arbeitsmarkt
beziehungsweise in einer angepassten Tätigkeit sein (Ziff. 2.7). Aktuell sei der Beschwerdeführer auch in einer angepassten Tätigkeit 100 % arbeitsunfähig, da er Mühe habe, sich von seinen Zwangshandlungen und -ritualen zu lösen und zu einer gegebenen Zeit an einem möglichen Arbeitsplatz zu erscheinen (Ziff. 4.2). Aus psychotherapeutischer Sicht werde eine Eingliede
rung in den ersten Arbeitsmarkt zu einer Dekompensation des bereits instabilen und stark eingeschränkten Zustandes des P
atienten führen (Ziff. 5).
3.5
Dr.
A._
,
RAD
, führte mit Stellungnahme vom
23.
November 2020 (Urk. 8/302/9-10)
aus, gemäss Bericht der Fachpersonen der
Psychiatrie B._
sei die Schadenminderungspflicht erfüllt worden (S. 1). Es bestehe ein Gesund
heitsschaden mit anhaltender Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit. D
r.
A._
nannte folgende Diagnosen:
-
Zwangs
störung
(ICD-10 F42.2
)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
mittelgradig
(ICD-10 F33.1
)
-
kombinierte
Persönlichkeitsstörung
(ICD-10 F61
.0
)
Es bestehe ein Gesundheitsschaden mit anhaltender Beeinträchtigung der Arbeits
fähigkeit. Der schwere Schweregrad der rezidivierenden depressiven Störung, der im Bericht der
Psychiatrie B._
postuliert werde, sei nicht nachvollziehbar, hingegen ein mittelgradiger Schweregrad. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit bestehe im 1.
Arbeitsmarkt eine vollständige Arbeitsunfähigkeit seit 201
2.
Diese Aktenbeurteilung stütze sich auf die medizinische Aktenlage und die Akten zu den umfangreichen Eingliederungsbemühungen (S. 2).
4.
4.1
Unbestritten und aufgrund des vorliegenden
psychiatrischen
Gutachtens von
Dr.
Z._
vom 15. Februar 2019 und des Berichts der
Fachpersonen der
Psychiatrie B._
vom 10. November 2020 ausgewiesen ist, dass
seit
Oktober
2012
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit besteht.
4.2
Was den vorliegend strittigen Rentenbeginn betrifft, entsteht
der Rentenanspruch gemäss Art.
29 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltend
machung des Leistungsanspruchs nach
Art.
29 Abs.
1 ATSG.
Die Anmeldung des Beschwerdeführers vom
13. März 2013 ging am 2
5.
März 2013
bei der Beschwer
degegnerin ein
(vgl. Aktenverzeichnis zu Urk. 8/8
), womit ein Rentenanspruch grundsätzlich frühestens am
1. September 2013
ent
stehen konnte (vorstehend E. 1.4
).
Seit dem 22. Oktober 2012 wurde dem Beschwerdeführer eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit attestiert
. Der
psychiatrische Gutachter kam zum Schluss, seit Okto
ber 2012 bestehe in der bisherigen Tätigkeit eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (vorstehend E. 3.1
, vgl. auch Urk. 8/10/5, Urk. 8/27/3
). Zum selben Schluss gelangte auch der RAD-Arzt
Dr.
A._
(vorstehend E. 3.5).
Das Wartejahr
(vgl.
Art.
28
Abs.
1
lit
. b und c IVG)
ist somit
überwiegend wahrscheinlich
im
Oktober 2013
abgelaufen.
4.3
Der Beschwerdeführer hätte entsprechend ab
1.
Oktober 2013
Anspruch auf eine
ganze Rente
gehabt. Rentenleistungen sind jedoch erst dann auszurichten, wenn keine zumutbaren Eingliederungsmassnahmen mehr in Betracht fallen. Der in der Invalidenversicherung geltende Grundsatz «Eingliederung vor Rente» bewirkt, dass die Rente hinter einer Eingliederungsmassnahme
beziehungsweise
dem damit verbundenen Taggeld zurücktritt (so
Art.
28
Abs.
1
lit
. a IVG). Ein Renten
anspruch kann erst nach Beendigung der Eingliederungsmassnahmen entstehen, und zwar selbst dann, wenn diese nur einen Teilerfolg brachten oder scheiterten. Vor diesem Zeitpunkt ist eine Invalidenrente, gegebenenfalls auch rückwirkend, nur zuzusprechen, wenn die versicherte Person nicht oder noch nicht eingliede
rungsfähig ist (Urteil des Bun
desgerichts 9C_689/2019 vom 20.
Dezember 2019 E. 3.1 mit Hinweisen; vgl. auch Meyer/
Reichmuth
,
Rechtsprechung des Bundes
gerichts zum IVG,
3.
Aufl. 2014,
Art.
28 IVG
Rz
. 7).
Es steht fest, dass der Beschwerdeführer ab
Oktober 2014
bis
Februar 2016
und von April bis Dezember 2017
Massnahmen beruflicher Art im Sinne von
Art.
15
ff. IVG in Anspruch nahm, wofür ihm
Taggelder ausgerichtet wurden
(vgl. Urk. 8/51, Urk. 8/59, Urk. 8/62, Urk. 8/67, Urk. 8/90, Urk. 8/91, Urk. 8/99
, Urk. 8/182, Urk. 8/186, Urk. 8/217, Urk. 8/221, Urk. 8/226, Urk. 8/241).
Der Beschwerdeführer war entsprechend nach Ablauf der einjährigen Wartezeit im Oktober 2013 100
%
erwerbsunfähig (
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG) und bis Oktober 2014 noch nicht eingliederungsfähig
beziehungsweise
es wurden ihm keine Eingliederungsmassnahmen
beziehungsweise
Taggelder
zu
gesprochen, weshalb ihm ab Oktober 2013 eine ganze Rente der Invalidenversicherung zusteht. Dabei spielt es keine Rolle, dass in Zukunft Eingliederungsmassnahmen beabsichtigt waren (vgl. Meyer/
Reichmuth
, a.a.O.,
Art.
29
Rz
. 14 mit Hinweisen). Der Tag
geldanspruch des Beschwerdeführers während der Zeit vom Oktober 2014 bis Februar 2016 und von April bis Dezember 2017 führt zwar zu einer Unter
brechun
g des Rentenanspruchs (siehe E.
4.4
unten), nicht jedoch zu einer Aufschiebung des Rentenbeginns (vgl. Meyer/
Reichmuth
, a.a.O.,
Art.
29
Rz
. 11
f.).
4.4
Das Taggeld wird grundsätzlich zusätzlich zur Rente ausgerichtet, dieses wird jedoch während der Dauer des Doppelanspruchs bei der Durchführung von Abklärungs- oder Eingliederungsmassnahmen um einen Dreissigstel des Renten
betrags gekürzt (
Art.
47
Abs.
1
ter
IVG). Während einer Eingliederungsmassnahme, die zu einer länger als drei Monate dauernden Taggeldberechtigung führt, wird die Rentenzahlung unterbrochen. Nach Wegfall des Taggeldanspruchs lebt die Rente wieder auf, wobei
die Prüfung
de
s
Rentenanspruch
s
für die Zukunft unter dem Gesichtspunkt der Revision zu erfolgen hat (AHI 1998 179
E. 2–3).
Die Dauer des Taggeldbezugs (
21.
Oktober 2014 bis Februar 2016 und
24.
April bis Dezember 2017
) erstreckte sich über eine längere Zeit als drei Monate, was eine Sistierung des Rentenanspruchs zur Folge hat. Der Rentenanspruch des Beschwerdeführers ruhte
ab
1.
Februar
2015
(Ende des dritten vollen Kalender
monats, der dem Beginn der Massnahme folgte;
Art.
47
Abs.
1
bis
lit
. b IVG) und lebte grundsätzlich am
1. Februar 2016
(Monat, in dem der Taggeldanspruch endete; vgl.
Art.
47
Abs.
2 IVG) wieder auf
.
Der Rentenanspruch r
uhte in der Folge erneut
ab
1. August 2017
und lebte grundsätzlich am
1.
Dezember 2017
wieder auf
.
4.5
Nach diesen Erwägungen ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, als die angefochtene Verfügung vom
26. Juli 2021
aufzuheben und festzustellen ist, dass der Beschwerdeführer ab
1. Oktober 2013
, unter Beachtung der Anspruchskon
kurrenz mit dem
vom Oktober 2014 bis Februar 2016 und vo
m
April bis Dezember 2017
ausgerichteten Taggeld der Invalidenversicherung, Anspruch auf eine
ganze Rente
der Invalidenversicherung hat.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig v
om Streitwert festzulegen (Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf Fr. 7
00.-- anzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach
§
34
Abs.
1
GSVGer
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Unter Berücksichtigung der vorgenannten Bemessungskriterien und einem gerichtsüblichen Stundenansatz von
Fr.
220.-- (zuzüglich
MWSt
) ist die
Beschwerdegegnerin daher zu verpflichten, dem anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer eine Prozessentschädigung von
Fr. 1’700
.-- (inklusive Baraus
lagen und
MWSt
) zu bezahlen.