# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 131f17d4-6a10-41f2-b121-0608dd58d0b6
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_003
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt:
1. Die 1982 geborene A._ wird seit dem 1. Juli 2014 auf der Basis eines
Vierpersonenhaushalts von der Stadt B._ öffentlich unterstützt. Im
selben Haushalt wohnen die beiden Kinder C._ (geb. 2006) und
D._ (geb. 2011) sowie die erwerbstätige Pflegetochter E._ (geb.
1998).
2. Gestützt auf eine Überprüfung der Auszüge des auf A._ lautenden
Kontos bei der PostFinance AG stellte die Abteilung Sozialleistungen der
Stadt B._ fest, dass E._ seit Mai 2021 monatlich CHF 1'000.--
sowie weitere Zahlungen (CHF 190.-- am 17. Juni 2021, CHF 90.-- [recte:
CHF 80.--] am 1. September 2021 und CHF 100.-- am 16. November
2021) an A._ geleistet hatte. Mit Verfügung vom 24. Januar 2022
verpflichtete die Abteilung Sozialleistungen A._ die in den Monaten
Mai 2021 bis November 2021 nicht deklarierten Mehreinnahmen von
insgesamt CHF 4'142.50 [recte: CHF 4'132.50] mit Beginn ab 1. März
2022 in monatlichen Raten von CHF 160.-- zurückzuerstatten.
3. Die von A._ am 3. Februar 2022 dagegen erhobene Beschwerde
wies der Stadtrat von B._ mit Entscheid vom 8., mitgeteilt am
14. März 2022, ab.
4. Mit dagegen beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden am
13. April 2022 erhobener Beschwerde beantragte A._ (nachfolgend
Beschwerdeführerin), der Entscheid sei aufzuheben und auf eine
Rückerstattung sei zu verzichten. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um
unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung. Zudem begehrte sie
an, es sei gegebenenfalls eine Prozessentschädigung zu gewähren. Zur
Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, die Pflegetochter
überweise seit 2017 ihren Anteil der Mietkosten von CHF 473.-- an den
- 3 -
Vermieter sowie ihren eigenen Anteil am monatlichen Grundbedarf von
CHF 500.-- (Lebensmittel, Hygieneprodukte, Wäsche, Haushalt, etc.) an
die Beschwerdeführerin, welche die gemeinsame Haushaltskasse führe,
was mit dem regionalen Sozialdienst so vereinbart worden sei. Die Familie
sei per Ende April 2021 in eine neue Wohnung gezogen, womit E._
neu ihren monatlichen Mietzinsanteil an die Beschwerdeführerin
überweise. Der durch die Abteilung Sozialleistungen festgestellte Betrag
von CHF 1'000.-- resultiere aus dem (neuen) Mietzinsanteil pro Person
von CHF 462.50 und dem Grundbedarf für eine Person in einem
Vierpersonenhaushalt von CHF 538.--. Rein rechnerisch müsste die
Pflegetochter monatlich noch 50 Rappen zusätzlich an die
Beschwerdeführerin bzw. an die gemeinsame Haushaltskasse
überweisen, um ihren Anteil zu decken. Somit bleibe kein Betrag mehr
übrig, den die Beschwerdeführerin zur Verfügung hätte und welchen sie
zu Unrecht erhalten hätte. Die Beschwerdeführerin sei bedürftig. Das
vorliegende Verfahren erweise sich als nicht aussichtslos und die
rechtsunkundige Beschwerdeführerin sei auf eine Rechtsvertretung
angewiesen.
5. In ihrer Vernehmlassung vom 4. Mai 2022 schloss die Stadt B._
(nachfolgend Beschwerdegegnerin) auf kostenfällige Abweisung der
Beschwerde. Begründend führte sie im Wesentlichen an, aufgrund der
Gesamtwürdigung der Sachlage bestehe zwischen der
Beschwerdeführerin mit ihren beiden Kindern und E._ eher eine
Zweckgemeinschaft als die geltend gemachte familienähnliche
Wohngemeinschaft. Aus sozialhilferechtlicher Sicht handle es sich bei den
monatlichen Zahlungen von CHF 1'000.50 und den drei Einzelzahlungen
von Juni, September und November 2021 mit nicht näher definiertem
Zweck um Zuwendungen Dritter. Die Sozialbehörde berücksichtige bei der
Bemessung des Unterstützungsbedarfs alle verfügbaren Einnahmen,
- 4 -
wozu sämtliche geldwerten Zuflüsse, die einer unterstützten Person zur
Verfügung stünden, gehörten. Unbegründet sei die vorgebrachte Kritik,
dass die Zahlungen von E._ keine im SKOS-Budget zu
berücksichtigenden Einnahmen darstellten, sei doch gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung einzig entscheidend, dass einer von
Sozialhilfe abhängigen Person Geld zugeflossen sei, das zur Bestreitung
des laufenden Lebensunterhaltes diene oder hätte dienen können. Dies
sei hier der Fall, habe die Beschwerdeführerin doch Einnahmen generiert,
die sie weder deklariert habe noch im SKOS-Budget berücksichtig worden
seien und von denen auch nicht nachgewiesen sei, welchem Zweck sie
dienten. Die Kontoauszüge enthielten jedenfalls keine Angaben dazu,
wofür die Beträge von E._ dienten. Die Einnahmen hätten aber
zumindest zur Bestreitung des laufenden Lebensunterhalts dienen
können. Unbestritten geblieben sei die Höhe der verfügten
Rückzahlungsraten.
6. Mit Eingabe vom 9. Mai 2022 führte die Beschwerdegegnerin ergänzend
zur Vernehmlassung vom 4. Mai 2022 an, die von E._ neben dem
Anteil am Mietzins ausgerichtete monatliche Zahlung über CHF 500.-- an
den Haushalt entspreche faktisch einer Haushaltsentschädigung, die der
unterstützten Person als Einnahme angerechnet werde.
7. Mit Replik vom 10. Mai 2022 brachte die Beschwerdeführerin vor, auf
Nachfrage habe der zuständige Sachbearbeiter des regionalen
Sozialdienstes die Vereinbarung mit E._ aus dem Jahr 2017
bestätigt, wonach diese ihren Mietanteil von CHF 473.-- direkt an den
Vermieter überwiesen habe (alte Wohnung). Der Mietanteil für die neue
Wohnung sei hingegen an die Beschwerdeführerin geleistet worden,
welche den gesamten Mietzins bezahlt habe. Zudem habe E._
CHF 500.-- an Grundbedarf für den Lebensunterhalt (GBL) abgegeben.
Somit habe kein anrechenbarer Zufluss stattgefunden, habe E._ doch
- 5 -
nur stets ihren eigenen Anteil am Haushalt beglichen. Für die Annahme
einer Zweckwohngemeinschaft fehle jegliches Indiz. Die Familie sei im
Gegenteil stets als Vierpersonenhaushalt betrachtet worden. Andernfalls
hätte auch der GBL anders berechnet werden müssen. Der
Beschwerdegegnerin sei lediglich darin zu folgen, dass zu prüfen sei, ob
die Zahlungen von Juni, September und November 2021 im Gesamtbetrag
von CHF 380.-- (recte: CHF 370.--) als Dritteinnahmen oder Geschenke
von kleinerem Umfang zu qualifizieren seien.
8. Mit Eingabe vom 12. Mai 2022 hielt die Beschwerdeführerin zur
ergänzenden Stellungnahme der Beschwerdegegnerin vom 9. Mai 2022
fest, die nachgereichte widersprechende Begründung der
Beschwerdegegnerin einer "faktischen Haushaltsführungsentschädigung"
existiere schlichtweg nicht. Ohne eine rechtskräftige Verfügung könne kein
Haushaltsführungsbeitrag angerechnet werden.
Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften und die übrigen
Akten wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.

## Considerations

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Nach Art. 49 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
(VRG; BR 370.100) beurteilt das Verwaltungsgericht Beschwerden gegen
Entscheide von Gemeinden, soweit diese nicht bei einer anderen Instanz
angefochten werden können oder nach kantonalem oder
eidgenössischem Recht endgültig sind. Der vorliegend angefochtene
Entscheid der Beschwerdegegnerin vom 8., mitgeteilt am 14. März 2022,
ist weder endgültig noch kann er bei einer anderen Instanz angefochten
werden. Folglich stellt er ein taugliches Anfechtungsobjekt für ein
Verfahren vor dem Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden dar. Als
- 6 -
formelle und materielle Adressatin des angefochtenen Entscheids ist die
Beschwerdeführerin davon überdies berührt und sie weist ein
schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung bzw. Änderung auf
(Art. 50 VRG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde (Art. 38 Abs. 1 und 2 sowie Art. 52 Abs. 1 VRG) ist somit
einzutreten.
2. Streitgegenstand bildet die Frage, ob die Beschwerdegegnerin die bei der
Bemessung des Unterstützungsbedarfs als Einnahme angerechneten
Überweisungen von E._ an die Beschwerdeführerin in den Monaten
Mai 2021 bis und mit November 2021 bzw. die in monatlichen Raten in der
Höhe von CHF 160.-- verfügte Rückerstattung der ausgerichteten
Sozialhilfeleistungen im Betrag von insgesamt CHF 4'142.50 (recte:
CHF 4'132.50) zu Recht geschützt hat. Daran vorbei zielende Vorbringen,
namentlich zum Vorliegen eines Pflegekindsverhältnisses, sind nicht zu
hören.
Da die massgebliche Streitwertgrenze von CHF 5'000.-- für die
Entscheidungskompetenz der Einzelrichterin nicht überschritten wird,
ergeht das Urteil in dieser Besetzung (Art. 43 Abs. 3 lit. a VRG).
3.1. Art. 12 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft
(BV; BR 101) gibt demjenigen, der in Not gerät und nicht in der Lage ist,
für sich zu sorgen, Anspruch auf Hilfe und Betreuung und auf die Mittel,
die für ein menschenwürdiges Dasein unerlässlich sind; dieses
Grundrecht auf Hilfe in Notlagen beschränkt sich auf ein Minimum im
Sinne einer Überlebenshilfe (BGE 130 I 71 E.4.1 mit Hinweisen). Die
Konkretisierung des grundrechtlichen Anspruchs sowie Art und Umfang
der wirtschaftlichen Hilfe für bedürftige Personen richten sich nach dem
Gesetz über die öffentliche Sozialhilfe im Kanton Graubünden
(Sozialhilfegesetz; BR 546.100) bzw. nach den Bestimmungen des
- 7 -
Gesetzes über die Unterstützung Bedürftiger (kantonales
Unterstützungsgesetz [UG]; BR 546.250). Die Sozialhilfe umfasst die
persönliche und materielle Hilfe und basiert im Rahmen der Subsidiarität
auf dem Grundsatz der Förderung der Eigenverantwortung (vgl. Art. 1
Abs. 2 i.V.m. Art. 3 Abs. 1 Sozialhilfegesetz; PVG 2009 Nr. 18 E.3c). Sie
muss nur dann gewährt werden, wenn sich die bedürftige Person nicht
selbst helfen kann oder wenn Hilfe von dritter Seite nicht oder nicht
rechtzeitig erhältlich ist (PVG 2009 Nr. 18 E.3c; vgl. BGE 141 I 153 E.4.2;
HÄNZI, Die Richtlinien der schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe,
Entwicklung, Bedeutung und Umsetzung der Richtlinien in den
deutschsprachigen Kantonen der Schweiz, Diss., Basel 2011, S. 114). Die
Sozialhilfe ist also subsidiär gegenüber der Möglichkeit der Selbsthilfe,
Leistungsverpflichtungen Dritter sowie freiwilliger Leistungen Dritter
(SKOS-Richtlinien Kapitel A.3 mit Erläuterung a; Urteil des
Verwaltungsgerichts [VGU] S 20 113 vom 22. Oktober 2021 E.2.3). Ihr
Umfang richtet sich nach den individuellen Besonderheiten und
Bedürfnissen sowie nach dem ausgewiesenen Bedarf unter Würdigung
der örtlichen und persönlichen Verhältnisse (Art. 3 Abs. 1
Sozialhilfegesetz i.V.m. Art. 2 Abs. 1 Satz 1 UG). Die
Unterstützungspflicht obliegt der politischen Gemeinde, in welcher die
bedürftige Person ihren Wohnsitz hat, wobei die bedürftige Person ihren
Wohnsitz in der Gemeinde hat, in der sie sich mit der Absicht dauernden
Verbleibens aufhält (Art. 5 Abs. 1 und Abs. 2 UG). Gemäss Art. 2 Abs. 2
UG berücksichtigt die zuständige Sozialbehörde bei der Bemessung des
Unterstützungsbedarfs namentlich Zuwendungen Dritter. Für die
Bemessung der Unterstützung durch die zuständige Gemeinde im Sinne
von Art. 2 UG sind grundsätzlich die SKOS-Richtlinien mit den
nachfolgenden Konkretisierungen massgebend (Art. 1 der
Ausführungsbestimmungen zum kantonalen Unterstützungsgesetz
[ABzUG; BR 546.270]). In die Berechnung des für die Bemessung der
- 8 -
Unterstützung massgebenden Lebensbedarfs ist namentlich der
Grundbedarf einzubeziehen (Art. 2 Abs. 1 lit. a ABzUG).
3.2. Gemäss SKOS-Richtlinie D.1. werden bei der Bemessung von finanziellen
Leistungen der Sozialhilfe alle verfügbaren Einnahmen berücksichtigt
(Abs. 1). Dazu wird in den Erläuterungen festgehalten, dass alle
geldwerten Zuflüsse, die einer unterstützten Person zur Verfügung stehen,
zu den Einnahmen gehören. Darunter fallen auch freiwillige Zuwendungen
Dritter, sofern keine Ausnahme gewährt wird (Erläuterung a). Verfügbare
Einnahmen werden im Zeitpunkt der Auszahlung angerechnet und es wird
erwartet, dass das Geld zur Finanzierung des Lebensbedarfs verwendet
wird (sog. Zuflusstheorie). Das Bundesgericht hat sich im Entscheid
8C_79/2012 zur Zuflusstheorie geäussert und dazu namentlich
festgehalten, entscheidend sei allein, dass Geld zugeflossen ist, das der
Bestreitung des laufenden Lebensunterhalts hätte dienen können (Urteil
des Bundesgerichts 8C_79/2012 vom 10. Mai 2012 E.2.2; vgl. ferner
SKOS-Richtlinie D.1., Erläuterung d). Allerdings sind freiwillige Leistungen
von Dritten dann nicht anzurechnen, wenn sie sich in einem relativ
bescheidenen Umfang halten, ausdrücklich zusätzlich zu den
Fürsorgeleistungen erbracht werden und sie der Dritte bei einer
Anrechnung einstellen würde (vgl. WIZENT, Sozialhilferecht, Zürich/St.
Gallen 2020, § 7 Rz. 645; WOLFFERS, Grundriss des Sozialhilferechts, 2.
Aufl., Bern 1999, S. 154; HÄNZI, Leistungen der Sozialhilfe in den
Kantonen, in: Häfeli (Hrsg.), Das Schweizerische Sozialhilferecht, Luzern
2008, S. 141; Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich
VB.2005.00067 vom 12. Mai 2005 E.3). Zudem ist das Einkommen
mündiger Kinder oder anderer Personen, welche im Haushalt von
Hilfeempfängern wohnen, nicht in die Bedarfsrechnung einzubeziehen;
diese Personen haben vielmehr einen angemessenen Beitrag an die
Haushaltskosten zu leisten (vgl. WIZENT, a.a.O., § 8 Rz. 703; WOLFFERS,
- 9 -
a.a.O., S. 153; HÄNZI, a.a.O., S. 140; Urteile des Bundesgerichts
8C_708/2018 vom 26. März 2019 E.4.3, 2P.48/2004 vom 26. Februar
2004 E.2.2.1; siehe auch LGVE 2007 II Nr. 17 vom 20. September 2007
E.5b/cc). Führt die unterstützte Person hingegen innerhalb einer
Haushaltsgemeinschaft den Haushalt für Personen, die nicht unterstützt
werden (berufstätige Kinder, Eltern, Partner), so wird gemäss SKOS-
Richtlinien beim Unterstützungsbudget eine
Haushaltsführungsentschädigung als Entgelt für Hausarbeiten (z.B.
Reinigung, Kochen, Bügeln usw.) als Einkommen angerechnet (Urteil des
Bundesgerichts 8C_708/2018 vom 26. März 2019 E.4.3 mit Hinweisen;
vgl. SKOS-Richtlinie D.4.5. Abs. 1 und 2). Dabei handelt es sich um eine
Entschädigung für erbrachte Dienstleistungen und gerade nicht um einen
Ersatz für jene Kosten, welche die nicht unterstützte Person im selben
Haushalt verursacht (wie Anteile an der Miete, Ausgaben für
Nahrungsmittel etc.).
3.3. Aus den Akten ergibt sich mit hinreichender Klarheit, dass die
erwerbstätige Pflegetochter E._ der Beschwerdeführerin neben
ihrem Anteil am Mietzins seit dem Umzug in die neue Wohnung im April
2021 im Betrag von CHF 462.50 (vgl. Akten der Beschwerdegegnerin [Bg-
act.] 1 S. 2 und S. 5) zusätzlich einen Beitrag an die Haushaltskosten
leistet, welcher ihre Auslagen abdeckt. So wurde bereits im
Leistungsentscheid vom 23. Juli 2020 ausgewiesen, dass die
Beschwerdeführerin von E._ monatlich einen Betrag von CHF 500.--
überwiesen erhält, wobei eine Erklärung hierfür erbeten wurde (vgl. Akten
der Beschwerdeführerin [Bf-act.] 5 S. 2). Daraufhin teilte der zuständige
Sozialarbeiter des Regionalen Sozialdienstes (RSD) der Sachbearbeiterin
Sozialhilfe am 26. August 2020 mit, dass die Beschwerdeführerin jeden
Monat CHF 500.-- von E._ erhalte, um Lebensmittel und
Hygieneprodukte etc. für diese einzukaufen. Dies sei bereits im Jahr 2017
- 10 -
so besprochen worden, als E._ ihre Lehre angetreten habe (vgl. Bf-
act. 6; siehe auch die Bestätigung des RSD vom 9. Mai 2022, wonach
E._ CHF 500.-- an GBL abgegeben habe, Akten der
Beschwerdeführerin zur Replik, Bf-R-act. 1). Diesen Beitrag an die
Lebenskosten bestätigte sodann E._ in ihrem Schreiben vom
1. September 2020, wobei sie konkret ausführte, CHF 500.-- an die
Beschwerdeführerin zu bezahlen für Lebensmittel, Wäsche und Haushalt
(vgl. Bf-act. 7). Letzteres ist damit im Sinne eines Ersatzes für jene Kosten
zu verstehen, welche die nicht unterstützte Pflegetochter E._
verursacht hat (wie Ausgaben für Nahrungsmittel, Pflegeprodukte,
Waschmittel, usw.). Denn dasselbe geht auch aus der Beschwerde an den
Stadtrat vom 3. Februar 2022 hervor, wobei die Beschwerdeführerin bzw.
E._ wiederum ausführte, dass der genaue Betrag bereits im Jahr
2017 zusammen mit dem zuständigen Sozialarbeiter berechnet worden
sei (vgl. Bg-act. 8). Aufgrund der Aktenlage liegt damit der Schluss nahe,
dass mit dieser Zahlung der Grundbedarf für den Lebensunterhalt von
E._ abgedeckt werden soll und diese nicht ein Entgelt für
Dienstleistungen der Beschwerdeführerin im Sinne eine
Haushaltsführungsentschädigung darstellt (siehe dazu auch nachfolgende
Erwägungen 3.4. f.).
3.4. Während E._, als sie zusammen mit der Beschwerdeführerin und
deren Kindern noch in der alten Wohnung lebte, ihren Anteil am Mietzins
ausweislich der Akten direkt an den Vermieter bezahlte (vgl. Bf-act. 4 S. 2
und 8 S. 2), änderte sich dies, als sie gemeinsam in die neue Wohnung an
der G._ zogen. Ab diesem Zeitpunkt bezahlte E._ ihren
Mietzinsanteil jeweils monatlich an die Beschwerdeführerin, welche
sodann den gesamten Mietzins überwies (vgl. Verlängerungsgesuch vom
7. Juni 2021 [Bg-act. 1 S. 2]). Weshalb die Abteilung Sozialleistungen dies
in der Leistungsverfügung vom 1. September 2021 dahingehend verstand,
- 11 -
dass die Beschwerdeführerin monatlich CHF 500.-- von E._ für ihren
Mietzinsanteil überwiesen erhalte (vgl. Bg-act. 2 S. 3), ist – wie die
Beschwerdeführerin zu Recht vorbringt – nicht vollends nachvollziehbar,
beläuft sich dieser gemäss Verlängerungsgesuch vom 7. Juni 2021 doch
nachweislich auf CHF 462.50 (vgl. Bg-act. 1 S. 5). Aufgrund des
Vorerwähnten zu dem von E._ geleisteten Beitrags an die
Haushaltskosten und der damit übereinstimmenden Betragshöhe liegt
vielmehr nahe, dass die CHF 500.-- dem Ersatz von E._ für ihre
Haushaltsauslagen im Sinne ihres anteiligen Grundbetrags entsprechen,
welcher von vor dem Umzug übernommen zu sein scheint.
3.5. In Würdigung der konkreten Umstände kann somit als hinreichend erstellt
erachtet werden, dass sich der in den Kontoauszügen der
Beschwerdeführerin und von E._ ab Mai 2021 überwiesene Betrag
von CHF 1'000.-- aus deren Mietzinsanteil von CHF 462.50 pro Person
und dem anteiligen Grundbedarf für eine Person in einem
Vierpersonenhaushalt von CHF 538.-- zusammensetzt (vgl. hierzu auch
Merkblatt Grundbedarf in Wohngemeinschaften des Kantonalen
Sozialamt Graubünden, abrufbar unter
https://www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/dvs/soa/beratung/Docume
nts/Grundbedarf%20in%20Wohngemeinschaften.pdf). Da dieser
geldwerte Zufluss nicht der Beschwerdeführerin zur Verfügung steht und
auch nicht der Bestreitung ihres Lebensunterhalts, sondern jenem von
E._ dient, ist er bei der Bemessung des Unterstützungsbedarfs nicht
als Zuwendung bzw. Einnahme anzurechnen.
3.6. Was die kleineren von E._ der Beschwerdeführerin überwiesenen
Beträge anbelangt, fehlen jegliche Angaben dazu in den Akten, obwohl die
Sozialhilfebehörde diesbezüglich eine Untersuchungspflicht traf (vgl.
Art. 11 VRG). Dabei wäre insbesondere zu prüfen gewesen, ob es sich
tatsächlich um Zuwendungen Dritter oder aber um nicht anrechenbare
- 12 -
freiwillige Leistungen handelt, da sie sich in einem relativ bescheidenen
Umfang halten. Zu diesem Zweck ist die Angelegenheit an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.7. Soweit der Einwand der Beschwerdegegnerin in der Vernehmlassung,
wonach eher eine Zweck-Wohngemeinschaft als eine familienähnliche
Wohngemeinschaft zwischen der Beschwerdeführerin mit ihren Kindern
und E._ bestehen soll, überhaupt zu hören ist, erweist er sich als
aktenwidrig (vgl. hierzu z.B. den Leistungsentscheid wirtschaftliche
Sozialhilfe vom 1. September 2021 [Bg-act. 2]). Angesichts des in einer
Zweck-Wohngemeinschaft markant höheren Grundbedarfs als in der
vorliegenden familienähnlichen Wohn- und Lebensgemeinschaft ist auch
nicht ersichtlich, was die Beschwerdegegnerin daraus zu ihren Gunsten
abzuleiten versucht.
4. Bezieht eine Person aufgrund falscher Auskünfte zu ihren Verhältnissen
oder weil sie Änderungen in ihren Verhältnissen nicht gemeldet hat zu
Unrecht Sozialhilfeleistungen, sind diese zurückzuerstatten (SKOS-
Richtlinien E.1.; vgl. auch Art. 11 Abs. 3 UG). Bei laufendem
Sozialhilfebezug kann die Rückerstattung ratenweise mit der
auszurichtenden Sozialhilfe verrechnet werden. Bei der Festsetzung der
monatlichen Raten ist allerdings darauf zu achten, dass die Höhe der
Rückerstattung inkl. einer allfälligen Sanktion nicht weiter geht als die
maximal zulässige Limite für Leistungskürzungen von 30 % des GBL
(SKOS-Richtlinien E.4; vgl. auch VGU U 19 98 vom 7. Januar 2020 E.5.1).
Darauf braucht bei diesem Verfahrensausgang indes nicht weiter
eingegangen zu werden, hat die Beschwerdegegnerin doch nach dem
Gesagten zu Unrecht die monatlichen Überweisungen von E._ dem
Einkommen der Beschwerdeführerin angerechnet. Im Rahmen der
Rückweisung hat die Beschwerdegegnerin jedoch zu prüfen, ob bzw.
inwiefern die kleineren Beträge (CHF 190.-- am 17. Juni 2021, CHF 90.--
- 13 -
[recte: CHF 80.--] am 1. September 2021 und CHF 100.-- am 16.
November 2021) möglicherweise zurückzuerstatten sind.
5. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten gestützt auf
Art. 73 Abs. 1 VRG der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen, wobei sich
eine Staatsgebühr von CHF 500.-- (zzgl. Kanzleiauslagen) als
angemessen erweist (vgl. Art. 75 Abs. 2 VRG). Zudem hat die
Beschwerdegegnerin die obsiegende, durch die Unabhängige Fachstelle
für Sozialhilferecht UFS vertretene Beschwerdeführerin nach Art. 78 Abs.
1 VRG aussergerichtlich angemessen zu entschädigen. Die
Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin machte am 10. Mai 2022 einen
Zeitaufwand von 365 Minuten (= 6.08 Stunden à CHF 180.--) und
Barauslagen von CHF 16.60 geltend. Entsprechend der Praxis des
Verwaltungsgerichts, wonach bei der Vertretung durch (Hilfs-)
Organisationen bzw. deren Rechtsdienst oder angestellten Anwälten nicht
der volle Anwaltstarif zu entschädigen ist, da ihre Arbeitssituation von
derjenigen der selbstständigen Anwälte abweicht und ihnen
strukturbedingte Einsparungen möglich sind, ist ein reduzierter
Stundenansatz in der Höhe von CHF 160.-- anzuwenden (vgl. PVG 2010
Nr. 31/32). Damit ergibt sich vorliegend ein reduziertes Honorar von
insgesamt CHF 989.95 (bestehend aus: Zeitaufwand 6.08 Stunden zu
reduziertem Stundenansatz von CHF 160.--/Stunde [CHF 973.35] zzgl.
Barauslagen und Fotokopien von CHF 16.60). Die Beschwerdegegnerin
hat die Beschwerdeführerin somit in diesem Umfang aussergerichtlich zu
entschädigen.
Bei diesem Verfahrensausgang wird das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege und Rechtsverbeiständung gegenstandslos.