# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 925425eb-fc29-44a5-9878-afdf5de2ab5d
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_001
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Ehescheidung
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichts am Bezirksgericht Hinwil vom 7. Januar 2013 (FE100188-E)
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Rechtsbegehren:
Es sei die Ehe der Gesuchsteller zu scheiden, unter gerichtlicher Regelung der Folgen.
Urteil des Bezirksgerichtes Hinwil vom 7. Januar 2013:
1. Die Ehe der Parteien wird geschieden.
2. Vom ehelichen Hausrat und Mobiliar behält jede Partei zu Eigentum, was
aufgrund der mit Verfügung vom 3. Februar 2011 vorgemerkten  der Parteien in ihrem Besitz ist. Die Parteien werden verpflichtet, die bis zum Eintritt der getrennten  noch offenen bzw. noch anfallenden Steuerverbindlichkeiten aus  Besteuerung und allfällige Nachsteuern (Bund, Kanton und ) im Verhältnis der je bei ihnen endgültig veranlagten Einkommen und Vermögen zu übernehmen. Im Übrigen wird festgestellt, dass die Parteien güterrechtlich bereits  sind.
3. Der Antrag des Beklagten auf Zusprechung einer Entschädigung nach Art. 124 ZGB wird abgewiesen.
4. Die Klägerin wird verpflichtet, dem Beklagten ab Rechtskraft des Schei-
dungsurteils monatliche Unterhaltsbeiträge von Fr. 937.– zu bezahlen,  je monatlich im Voraus. Solange der Beklagte aus seinem Verwaltungsratsmandat ein Einkommen erzielt, wird die Leistungspflicht der Klägerin in entsprechendem Umfang  bzw. sistiert.
5. Diese Unterhaltsbeiträge basieren auf dem Landesindex der Konsumenten-
preise des Bundesamtes für Statistik vom Dezember 2012 von 98.9 Punkten (Basis Dezember 2010 = 100 Punkte). Sie werden jeweils auf den 1. Januar, erstmals auf den 1. Januar 2014, nach folgender Formel an die Veränderung des Indexstandes bis Ende November des Vorjahres angepasst:
6. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 9'000.– ; die Barauslagen betragen:
Fr. 1'370.– Gutachten
7. Die Gerichtskosten werden den Parteien je zur Hälfte auferlegt. Der Anteil des Beklagten wird zufolge der ihm gewährten unentgeltlichen Prozessfüh-
neuer Unterhaltsbeitrag = alter Unterhaltsbeitrag x neuer Index
alter Index (98.9)
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rung einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. Der Beklagte wird auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 92 ZPO ZH in Verbindung mit Art. 404 Abs. 1 ZPO hingewiesen.
8. Die Prozessentschädigungen werden gegenseitig wettgeschlagen.
9. (Mitteilung)
10. (Berufung)
Berufungsanträge:
der Gesuchstellerin/Klägerin und Berufungsklägerin (Urk. 89):
In der Sache 1. Es sei Ziff. 4 und 5 des angefochtenen Urteils aufzuheben und es sei die  zu keinen Unterhaltsbeiträgen an den Beklagten persönlich zu verpflichten.
2. Es seien die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens dem Beklagten  und es sei der Beklagte zur Bezahlung einer Prozessentschädigung zu .
Eventualiter: Es sei Ziff. 4 des angefochtenen Urteils wie folgt abzuändern: Die Klägerin wird verpflichtet, dem Beklagten ab Rechtskraft des  monatliche Unterhaltsbeiträge von Fr. 771.- zu bezahlen, zahlbar je  im Voraus. Solange der Beklagte aus seinem Verwaltungsratsmandat ein Einkommen erzielt, wird die Leistung der Klägerin in entsprechendem Umfang reduziert.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zusätzlich 8% MwST zu Lasten des .
Abänderung von vorsorglichen Massnahmen: Es sei Ziff. 2 der mit Verfügung des Bezirksgerichtes Hinwil vom 3. Februar 2011 genehmigten Vereinbarung mit Wirkung ab heute, eventualiter Eintritt der  ersatzlos aufzuheben (Beilage 2).
des Gesuchstellers/Beklagten und Berufungsbeklagten (Urk. 97):
1. Es seien die Hauptanträge 1 und 2 der klägerischen Berufung abzuweisen;
2. In teilweiser Gutheissung des Eventualantrages sei die Klägerin zu verpflichten, dem Beklagten ab Rechtkraft des Scheidungsurteils monatliche Unterhaltsbeiträge von CHF 903.- zu bezahlen, zahlbar je monatlich im Voraus (Urteil Ziff. 4 Abs. 1).
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Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zusätzlich 8% MwSt zu Lasten der .
3. Im Weiteren beantrage ich, es sei das Begehren um Abänderung der  Massnahmen abzuweisen.
4. Sodann ersuche ich das Gericht um Gewährung der unentgeltlichen  und Bestellung des Unterzeichneten als Rechtsvertreter des .

## Considerations

Erwägungen:
A
1. Am 26. Oktober 2010 stellten die Parteien im Rahmen eines Eheschutzverfah-
rens vor dem Einzelrichter des Bezirksgerichts Hinwil ein gemeinsames Schei-
dungsbegehren. Im Rahmen jenes Verfahrens schlossen sie auch eine Vereinba-
rung über vorsorgliche Massnahmen für die Dauer des Scheidungsverfahrens ab.
Dabei verpflichtete sich die Gesuchstellerin und nachmalige Klägerin zu monatli-
chen Unterhaltsbeiträgen an den Gesuchsteller und nachmaligen Beklagten von
Fr. 800.-. Mit Urteil vom 7. Januar 2013 erliess der Einzelrichter das Scheidungs-
urteil und verpflichtete darin die Klägerin u.a. zur Leistung nachehelicher, inde-
xierter Unterhaltsbeiträge an den Beklagten von grundsätzlich Fr. 937.-.
Gegen dieses Urteil erhob die Gesuchstellerin/Klägerin am 23. Mai 2013 mit
schriftlicher Begründung rechtzeitig Berufung und stellte ein Begehren um Abän-
derung der vorsorglichen Massnahmen; den eingeforderten Gerichtskostenvor-
schuss von Fr. 8'000.- leistete sie ebenfalls rechtzeitig (Urk. 89, Urk. 95). Die Be-
rufungsantwort des Gesuchstellers/Beklagten, verbunden mit der Beantwortung
des Massnahmebegehrens sowie einem Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Rechtspflege für das Berufungsverfahren, ging am 27. August 2013 bei der
erkennenden Instanz ein und wurde der Gesuchstellerin/Klägerin am 3. Septem-
ber 2013 zugestellt (Urk. 97). Mit Beschluss vom 13. September 2013 wurde das
erstinstanzliche Urteil hinsichtlich des Scheidungspunktes sowie der nicht ange-
fochtenen Nebenfolgen als per 27. August 2013 rechtskräftig erklärt (Urk. 102).
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2. Das angefochtene Urteil erging nach dem Inkrafttreten der schweizerischen Zi-
vilprozessordnung, weshalb auf das Berufungsverfahren deren Vorschriften an-
wendbar sind (Art. 405 Abs. 1 ZPO). Damit sind neue tatsächliche Vorbringen im
Berufungsverfahren nicht mehr zulässig, soweit sie bereits im vorinstanzlichen
Verfahren hätten vorgebracht werden können (Art. 317 Abs. 1 ZPO).
B
1. Im Berufungsverfahren sind einzig die nachehelichen, indexierten Unterhalts-
beiträge der Gesuchstellerin/Klägerin (nachfolgend Klägerin) an den Gesuchstel-
ler/Beklagten (nachfolgend Beklagter) umstritten. Dabei ist von folgendem Sach-
verhalt auszugehen:
Die Parteien heirateten am tt. Oktober 1999; die Klägerin war damals 53-jährig,
der Beklagte 56-jährig. Für beide Eheleute war es die zweite Ehe. Kinder waren in
der Gemeinschaft nicht zu betreuen. Ab dem Jahre 2001 bezog die Klägerin eine
Invalidenrente von rund Fr. 2'740.- pro Monat. Der Beklagte war noch bis Oktober
2007 erwerbstätig. Im Oktober 2007 liess er sich frühzeitig pensionieren und liess
sich sein gesamtes Pensionskassenguthaben von rund Fr. 660'000.- auszahlen.
Fr. 160'000.- davon leistete er als Anzahlung für den Kauf der ehelichen Liegen-
schaft in D._, welche auf den Namen der Klägerin gekauft und eingetragen
wurde. Vom weiteren Pensionskassengeld erbrachte der Beklagte Leistungen für
die voreheliche Liegenschaft der Klägerin auf Ibiza und er bezahlte rückständige
Unterhaltsbeiträge von Fr. 100'000.- an seine geschiedene Ehefrau aus erster
Ehe. Der Rest wurde verbraucht, u.a. für den laufenden Lebensunterhalt der Par-
teien. Am 11. November 2009 vereinbarten die Parteien die Gütertrennung und
erklärten sich güterrechtlich als auseinander gesetzt. Damit verzichtete der Be-
klagte auf alle vermögensrechtlichen Ansprüche und Ersatzforderungen gegen
das Vermögen der Klägerin. Neun Monate später leitete die Klägerin die Ehe-
schutztrennung ein.
Heute ist der Beklagte vermögenslos. Er kann nach der Scheidung mit einer AHV-
Rente von Fr. 2'320.- rechnen. Er bezieht sodann eine weitere, ausländische
Rente von ca. Fr. 142.- pro Monat. Daneben ist er noch als Verwaltungsrat der
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C._ AG tätig und erhält dafür monatlich Fr. 1'000.- netto.
Die Klägerin bezieht eine AHV-Rente in ähnlicher Höhe wie jene des Beklagten.
Mit Porzellanmalkursen verdient sie zusätzlich Fr. 200.- bis Fr. 300.- monatlich.
Aus dem zwischenzeitlichen Verkauf ihrer Liegenschaft auf Ibiza war zur Zeit des
vorinstanzlichen Urteils ein Barvermögen von Fr. 240'000.- vorhanden. Sodann ist
die Klägerin Eigentümerin der ehemals ehelichen Liegenschaft, welche nach den
Feststellungen der Vorinstanz einen Nettowert nach Abzug der Hypothek und der
latenten Grundstückgewinnsteuern von Fr. 576'600.- repräsentiert.
2. Die Vorinstanz ist von einer lebensprägenden Ehe der Parteien ausgegangen,
die sie aus der Ehedauer von 12 Jahren sowie den vermögens- und unterhalts-
mässigen finanziellen Verflechtungen abgeleitet hat. Dementsprechend hat sie
eine Unterhaltspflicht der Klägerin aus nachehelicher Solidarität bejaht.
Nach den Feststellungen der Vorinstanz kann der Beklagte mit seinen Rentenein-
künften von total Fr. 2'462.- seinen Bedarf von Fr. 3'399.- nur so lange decken,
als ihm noch das Verwaltungsratshonorar von Fr. 1'000.- aus der C._ AG zu-
fliesst. Aus Altersgründen würden die letztgenannten Bezüge in absehbarer Zeit
indessen wegfallen und beim Beklagten ein Manko von Fr. 937.- eintreten. Bei der
Klägerin ständen einem Bedarf von Fr. 2'811.- Einkünfte von Fr. 2'520.- bis
Fr. 2'620.- gegenüber, weshalb auch der Bedarf der Klägerin nicht vollständig ge-
deckt sei. Indessen verfüge die Klägerin über erhebliches Vermögen, das sie in
nennenswertem Umfang erst aufgrund der Beiträge des Beklagten habe äufnen
können. Es sei der Klägerin daher möglich und auch zumutbar, nicht nur ihren ei-
genen Bedarf, sondern auch jenen des Beklagten durch ihr Vermögen und einen
sukzessiven Vermögensverzehr zu decken. Ein Deckungsbeitrag von Fr. 937.- an
den Bedarf des Beklagten entspreche unter Annahme der üblichen Lebensdauer
einem Vermögensverzehr von rund Fr. 157'000.-. Angesichts eines Vermögens
von insgesamt Fr. 800'000.- verblieben der Klägerin damit genügend Mittel, um
auch den eigenen Lebensunterhalt im Alter zu finanzieren. Entsprechend ver-
pflichtete die Vorinstanz die Klägerin zur Bezahlung nachehelicher Unterhaltsbei-
träge an den Beklagten von Fr. 937.- pro Monat von dem Zeitpunkt an, an wel-
chem die Verwaltungsratshonorare des Beklagten wegfallen werden.
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3. Im Berufungsverfahren macht die Klägerin zusammengefasst geltend, die Vo-
rinstanz sei zu Unrecht von einer lebensprägenden Ehe ausgegangen und habe
daraus eine nacheheliche Unterhaltspflicht der Klägerin abgeleitet. Der Verbrauch
des Pensionskassenguthabens des Beklagten sei kein ehebedingter Nachteil, wä-
re auch ohne die Ehe erfolgt und habe kein Vertrauen erwecken können, der Be-
klagte werde künftig durch die Klägerin finanziell abgesichert. Sodann habe der
Beklagte seine heutige Bedürftigkeit mutwillig herbeigeführt durch die leichtsinni-
ge Verschwendung des Pensionskassenguthabens. Die Klägerin ihrerseits sei
nicht leistungsfähig. Es könne ihr nicht zugemutet werden, ihr Vermögen für
nacheheliche Unterhaltsbeiträge an den Beklagten anzugreifen, insbesondere
nicht durch einen Verkauf der von ihr bewohnten Liegenschaft. Der Beklagte sei
für seinen Unterhalt auf die Ergänzungsleistungen zu verweisen (Urk. 89).
4. Der Beklagte verweist in seiner Berufungsantwort auf die mehr als 10-jährige
Ehedauer und die finanziellen Vorteile, welche die Klägerin durch ihn erlangt ha-
be. Erst durch diese - Finanzierung der ehelichen, heute allein der Klägerin gehö-
renden Liegenschaft in D._; Bezahlung von Hypothekarzinsen und -
amortisationen für die Liegenschaft der Klägerin auf Ibiza; gemeinsame Pflege ei-
nes sehr schönen, grossenteils vom Beklagten finanzierten Lebensstandards -
habe die Klägerin ihr heutiges Vermögen aufbauen können. Diese Vermögens-
dispositionen seien im Vertrauen des Beklagten auf den Weiterbestand der eheli-
chen Versorgungsgemeinschaft erfolgt und hätten zu einer lebensprägenden
Ehegemeinschaft geführt. Da die Klägerin ihr Vermögen erst durch die Leistungen
des Beklagten habe aufbauen können, rechtfertige sich heute auch ein Eingriff in
dieses Vermögen zur Bestreitung des nachehelichen Unterhaltsbedarfs des Be-
klagten. Die Höhe des dazu notwendigen Vermögensverzehrs der Klägerin sei
angemessen (Urk. 97).
C
1. Bei Eheabschluss haben sich die Ehegatten gegenseitig über die Übernahme
von Haushalts-, Betreuungs- und finanziellen Pflichten für die Gemeinschaft zu
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verständigen. Diese im Interesse der Gemeinschaft und in der Annahme ihres
Fortbestandes erfolgte Aufgabenverteilung kann dazu führen, dass bei der Schei-
dung ein Ehegatte nicht mehr ohne weiteres an seine voreheliche persönliche
oder wirtschaftliche Situation anknüpfen kann. Ist eine Ehegemeinschaft mit ihrer
Aufgabenverteilung lebensprägend geworden und ist ein Ehegatte nach der
Scheidung deswegen nicht mehr in der Lage, auf Dauer oder vorübergehend für
seinen eigenen Unterhalt selber aufzukommen, so kann er vom anderen, leis-
tungsfähigen Ehegatten als nacheheliche Solidaritätsleistung einen Beitrag an
seinen Lebensunterhalt verlangen. Der Anspruch geht dabei auf Gewährleistung
des bisherigen, ehelichen Lebensstandards, unter Berücksichtigung der eigenen
finanziellen Leistungsfähigkeit sowie der Leistungsfähigkeit des angesprochenen
Ehegatten. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung wird die Lebensprä-
gung einer Ehe als Voraussetzung einer nachehelichen Unterhaltspflicht vermu-
tet, wenn die Ehe mehr als 10 Jahre angedauert hat (BGE 132 III 598). Bei der
Ermittlung der finanziellen Leistungsfähigkeit des angesprochenen Ehegatten sind
sowohl seine laufenden Einkünfte als auch seine Vermögenseinkünfte zu berück-
sichtigen. Reichen diese Einkünfte nicht aus, kann dem leistungspflichtigen Ehe-
gatten je nach den Umständen auch ein Angreifen seiner Vermögenssubstanz
zugemutet werden. Dies ist insbesondere bei Ehegatten im AHV-Alter zumutbar,
wenn mit Ausnahme geringfügiger AHV-Renten keine weiteren Einkünfte vorhan-
den sind (BGE 138 III 289 Erw. 11.1.2 sowie ZR 110 Nr. 9, je mit weiteren Hin-
weisen).
2.1. Die Ehe der Parteien hat vorliegend bis zur Trennung etwas mehr als 10 Jah-
re gedauert, bis zur rechtskräftigen Scheidung knapp 14 Jahre. Die sich daraus
ergebende Vermutung der Lebensprägung erachtete die Vorinstanz als nicht wi-
derlegt, da die Ehe erhebliche finanzielle Konsequenzen für den Beklagten ge-
habt habe. Der Beklagte habe sein ganzes Vermögen, bestehend im Pensions-
kassenkapital, verloren und sei heute verarmt. Das Vermögen sei teilweise zur
Finanzierung des Erwerbs der klägerischen Liegenschaft in D._ verwendet
worden, wobei der Beklagte später auf eine Beteiligungsforderung verzichtet ha-
be. Ein weiterer Teil des Vermögens sei durch den gehobenen Lebensstandard
verbraucht worden.
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Was die Klägerin im Berufungsverfahren gegen diese Beurteilung einwendet,
vermag die Vermutung einer lebensprägenden Ehe aufgrund der unwiderruflichen
Vermögensdispositionen des Beklagten während der Ehe im Vertrauen auf deren
Fortbestand und die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz dazu nicht zu wi-
derlegen.
Der Beklagte hätte bei seiner Pensionierung kaum 25% seines Pensionskassen-
vermögens in den Erwerb eines gemeinsam zu bewohnenden Hauses investiert,
die Klägerin als Alleineigentümerin eintragen lassen und im November 2009 auf
jegliche güterrechtliche Ansprüche daran verzichtet, hätte er nicht auf den Fortbe-
stand der Ehe vertraut und darauf, damit eine sichere Investition zu tätigen und
sich ein günstiges Wohnrecht bis ins hohe Alter zu sichern. Der Beklagte liess
sich 2007 mit 64 Jahren pensionieren; der hälftige Beteiligungsanspruch der Klä-
gerin gemäss Art. 122ff ZGB am ausbezahlten Pensionskassenkapital hätte nur
Fr. 81'000.- betragen (Urk. 38/3), niemals aber die Fr. 160'000.-, die ihr der Be-
klagte allein durch Überschreibung des Hauses geschenkt hat, zuzüglich seinen
Verzicht auf eine Mehrwertbeteiligung am heutigen Nettowert des Hauses von
Fr. 576'600.- (Urk. 77 i.V.m. Urk. 90 S. 20). Dies ist - entgegen der Klägerin
(Urk. 89 S. 4) - klarer und nachhaltig prägender Ausfluss der ehelichen Gemein-
schaft.
Ähnliches gilt für den Verzicht auf alle weiteren güterrechtlichen Ansprüche ge-
mäss Gütertrennungsvertrag. Immerhin hat die Klägerin vor Vorinstanz anerkannt,
dass der Beklagte spätestens ab Frühling 2008 gewisse Zahlungen (Zinsen und
Hypothekamortisationen) auch für ihre voreheliche Liegenschaft auf Ibiza getätigt
hat, für welche sie 2010 einen Nettoverkaufserlös von Fr. 368'654.- erzielte
(Urk. 4/24; Urk. 20 S. 2, Urk. 36 S. 4, Urk. 44 S. 2). Auch hier hat der Beklagte of-
fensichtlich darauf vertraut, dass er weiterhin in den Genuss der Benützung dieser
Liegenschaft kommt oder aber direkt oder indirekt von einem nachmaligen Ver-
kaufserlös der Klägerin profitiert, als er im Ehevertrag auf güterrechtliche Ansprü-
che aus seinen Investitionen verzichtete (vgl. auch Urk. 4/11 und 4/13). Auch die-
se Vermögensentäusserungen des Beklagten sind klar ehebedingt und eine ehe-
überdauernde Folge seines Vertrauens auf den Fortbestand der ehelichen Wirt-
schaftsgemeinschaft. Dass die Klägerin bereits neun Monate nach der vollständi-
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gen Vermögensübertragung gemäss Ehevertrag die Trennung verlangen würde,
konnte der Beklagte nicht wissen.
Sodann pflegten die Parteien unbestrittenermassen einen gehobenen Lebens-
standard mit zwei Autos der gehobeneren Klasse, regelmässigen Reisen nach
Ibiza, Unterhalt der Liegenschaft in Ibiza etc. (Urk. 44 S. 9). Bereits ab dem
3. Ehejahr bezog die Klägerin an regelmässigen Einkünften nur noch eine Invali-
denrente von Fr. 2'743.- bis Fr. 2'873.- pro Monat, welcher ein Einkommen des
Beklagten von Fr. 15'000.- bis Fr. 16'000.- bis zu seiner Pensionierung gegen-
überstand und später das Pensionskassenkapital (Urk. 45/11-15; Urk. 6/2 und
6/5). Die beidseitigen Mittel wurden vollständig verbraucht. Hat die Klägerin, wie
behauptet, aus ihren verhältnismässig geringen Einkünften noch einen grösseren
Teil der Aufwendungen für ihre Liegenschaft auf Ibiza bestritten, konnte sie in je-
dem Fall nur noch einen kleinen Teil des weiteren gemeinsamen und gehobenen
laufenden Lebensunterhalts decken, in welcher Form auch immer, ob auch direkt
als Anteil an die gemeinsamen Steuern oder ab und zu auch indirekt mittels Be-
gleichung der Alimentenschulden des Beklagten bei seiner Frau aus 1. Ehe (Urk.
89 S. 5). Auch dieser vollständige Verbrauch sämtlicher Einkünfte für die beidsei-
tigen Bedürfnisse im gegenseitigen Einvernehmen und ohne Bildung bzw. Bewah-
rung von Rücklagen für die Zukunft, insbesondere nach der Pensionierung des
Beklagten, belegt ein dauerhaftes wirtschaftliches Ungleichgewicht der Lastenver-
teilung mit finanziellen Auswirkungen für den Beklagten über die Auflösung der
Ehe hinaus.
2.2. Die Klägerin bezeichnet sodann verschiedentlich die Herbeiführung der Be-
dürftigkeit durch den Beklagten als mutwillig.
Dass der Beklagte aus seinem Pensionskassenkapital nebst den vorerwähnten
Auslagen auch noch Fr. 100'000.- Alimentenschulden bei der Frau aus 1. Ehe be-
zahlt bzw. sein Vermögen auch dafür gebraucht hat (Urk. 89 S. 3/4), ist zwar für
die Beurteilung der vorliegenden Ehe als lebensprägende Gemeinschaft mit un-
wiederbringlichen finanziellen Konsequenzen für den Beklagten nicht von Bedeu-
tung, bedeutet aber umgekehrt keine mutwillige Vermögensentäusserung; der
Beklagte hat damit eine rechtliche Pflicht erfüllt. Zum anderen ist nicht zu verken-
nen, dass der Beklagte seine Vermögensdispositionen zugunsten der Klägerin
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gerade auch vor dem Hintergrund seiner erheblichen Unterhaltspflichten aus
1. Ehe getroffen haben dürfte, sei dies zwecks Benachteiligung der Ehefrau aus
1. Ehe oder sei dies zwecks Begünstigung bzw. "Absicherung" der Klägerin ge-
gen diese Unterhaltsforderungen. Eine mutwillige Vermögensentäusserung läge
in jedem Fall höchstens zulasten der geschiedenen Frau aus erster Ehe vor; die
Klägerin als Hauptprofiteurin kann sich nicht darauf berufen, um einen nacheheli-
chen Unterhaltsanspruch des Beklagten wegen Missbrauchs oder Unbilligkeit ab-
zuwehren.
Pensionskassenguthaben sind für die Deckung des Lebensunterhalts einschliess-
lich Alimentenverpflichtungen nach der Pensionierung bestimmt. Dass der Be-
klagte das Geld auch tatsächlich dafür gebraucht hat, ist daher nicht zu bean-
standen. Vom allenfalls unangebracht hohen Lebensstandard, ohne Rücksicht auf
die auch noch in weiterer Zukunft anfallenden Lebenshaltungskosten, profitierte
auch die Klägerin erheblich; sie fand im gegenseitigen Einvernehmen statt. Die
Klägerin ist auch aus diesem Grund nicht berufen, dem Beklagten den vollständi-
gen Verzehr des Geldes heute als mutwillig vorzuwerfen. Im Übrigen vermochte
die Klägerin nicht darzulegen oder zu substanziieren, dass der Beklagte mit dem
Pensionskassenkapital Ausgaben ausserhalb der beidseitigen Lebensbedürfnisse
und der vermögensmässigen Begünstigung der Klägerin getätigt hätte.
Eine missbräuchliche oder unbillige Berufung des Beklagten auf seine Bedürftig-
keit nach Auflösung einer lebensprägenden Ehe scheidet damit ebenfalls aus.
Damit kann der Beklagte von der Klägerin nachehelichen Unterhalt verlangen,
soweit er seinen Bedarf nicht aus eigener Kraft zu decken vermag und die Kläge-
rin leistungsfähig ist.
2.3. Familienrechtliche Unterhaltsansprüche gehen dem Anspruch auf staatliche
Ergänzungs- und Zusatzleistungen vor (Art. 11 Abs. 1 lit. h ELG; BGE 120 V 442,
BGer. P 40/06 vom 19.6.2007). Die Klägerin kann sich daher auch nicht unter
Hinweis auf die erreichte Alterslimite des Beklagten zum Bezug öffentlicher Un-
terstützungsleistungen einer allfälligen nachehelichen Unterhaltspflicht entziehen
(Urk. 89 S. 7).
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3. Die Vorinstanz hat die laufenden Renteneinkünfte des Beklagten auf Fr. 2'462.-
pro Monat beziffert. Hinzu tritt das Verwaltungsratshonorar von Fr. 1'000.-, das je-
doch altershalber mit der Zeit wegfallen wird. Den - leicht erweiterten - Bedarf des
Beklagten hat sie auf Fr. 3'399.- beziffert, worunter Fr. 386.- für die Krankenkas-
senprämie und weitere Fr. 83.- für Franchise und Selbstbehalte berücksichtigt
wurden (Urk. 90 S. 16). Aufgrund des Einwandes der Klägerin, es sei hier noch
die Prämienverbilligung von Fr. 166.- zu berücksichtigen (Urk. 89 S. 7), belegte
der Beklagte mit der Berufungsantwort die neu ab 2013 geltende Nettoprämie,
nach Abzug der Prämienverbilligung, von Fr. 269.05 (Urk. 98/1). Dieser Betrag
blieb seitens der Klägerin unbestritten. Damit reduziert sich der Bedarf des Be-
klagten - einschliesslich Franchise und Selbstbehalte - auf Fr. 3'282.-. Damit be-
trägt das Manko des Beklagten im Vergleich zu seinen Renteneinkünften
Fr. 820.-. Solange er noch das Verwaltungsratshonorar der C._ AG von
Fr. 1'000.- pro Monat beziehen kann, ist sein Bedarf hingegen gedeckt.
Für die Klägerin ist die Vorinstanz von einer AHV-Rente in ähnlicher Höhe wie je-
ne des Beklagten, somit von Fr. 2'320.- ausgegangen. Weiter hat sie Einkünfte
aus Porzellanmalkursen von Fr. 200.- bis Fr. 300.- berücksichtigt und so die Ein-
künfte auf insgesamt Fr. 2'520.- bis Fr. 2'620.- beziffert. Der leicht erweiterte Be-
darf der Klägerin wurde mit Fr. 2'811.- errechnet (Urk. 90 S. 17f). Diese Berech-
nungen blieben im Berufungsverfahren unbestritten. Es ist daher auch für das Be-
rufungsverfahren von einem grundsätzlichen Manko der Klägerin von Fr. 491.-
auszugehen, das sich um die Einnahmen aus den Porzellanmalkursen von
Fr. 200.- bis 300.- reduziert, solange die Klägerin diese zu geben vermag.
4.1. Die Vorinstanz ging von einem Liegenschaftsvermögen der Klägerin von net-
to Fr. 576'000.- aus, was im Berufungsverfahren unbestritten blieb. Die Vorinstanz
ging weiter von einem Barvermögen der Beklagten von Fr. 240'000.-, Stand
26.4.2011, aus (Urk. 45/16). Sie verpflichtete die Klägerin daher zu Unterhaltsbei-
trägen an den Beklagten im Umfang seiner Mankodeckung zulasten ihres Vermö-
gens bzw. durch Vermögensverzehr.
Wie vorstehend ausgeführt, ist es zumutbar, Unterhaltsbeiträge zulasten der
Vermögenssubstanz zuzusprechen, wenn im Alter ansonsten nur noch geringe
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Renteneinkommen zur Verfügung stehen. Die Vermögensbildung dient ja gerade
vornehmlich dazu, Reserven für Notfälle und das Alter zu bilden. Kommt dazu,
dass das Liegenschaftsvermögen der Klägerin vorliegend teilweise sogar unmit-
telbar aus Alterssparkapitalien finanziert wurde: Die Anzahlung von Fr. 160'000.-
an den seinerzeitigen Kaufpreis von Fr. 660'000.- (Urk. 4/22) wurde aus dem
Pensionskassenkapital des Beklagten finanziert, ebenso die späteren Zinsen. Die
Klägerin hätte bei einer Barteilung des Pensionskassenguthabens sodann nur mit
Fr. 81'000.- partizipiert (Urk. 38/8). Ginge man zugunsten der Klägerin davon aus,
dass sie ihren gesamten Anteil am Pensionskassenguthaben in die Liegenschaft
investiert hätte, hätte der Beklagte mindestens die andere Hälfte der Anzahlung
bzw. 12% des Erwerbspreises aus seiner Errungenschaft oder seinem Eigengut
finanziert. Hat die Liegenschaft heute einen Verkehrswert von mindestens
Fr. 776'600.- (Fr. 835'000.- abzgl. latente Grundstückgewinnsteuern von
Fr. 58'400.-), würden dem Beklagten ohne Berücksichtigung des Ehevertrages
12% bzw. Fr. 93'190.- davon zustehen. Dazu käme - ohne Ehevertrag - der Anteil
des Beklagten am 17%-Wertzuwachs des hypothekarisch finanzierten Kaufpreis-
anteils von anfänglich Fr. 500'000.-, der - ohne Ehevertrag - wohl Errungenschaft
bilden würde. Hat der Beklagte mit dem Ehevertrag auf alle diese Ansprüche ver-
zichtet, ist es gerechtfertigt, der Klägerin einen Verzehr des ihr nunmehr allein zu-
stehenden Immobilienvermögens für den laufenden Unterhalt beider Parteien im
Alter zuzumuten. Die Immobilie ersetzte das Alterskapital beider Parteien und
weitere namhafte Einkünfte ausser den AHV-Renten stehen den Parteien nicht
zu.
4.2. Vorliegend muss die Klägerin lebenslang ein eigenes Manko von maximal
Fr. 491.- durch ihr Vermögen abdecken. Kapitalisiert nach dem Berechnungspro-
gramm Leonardo, basierend auf den Tafeln von Stauffer/Schätzle und zu einem
Kapitalisierungssatz von 2%, ergibt dies für die 67-jährige Klägerin einen Kapital-
wert von Fr. 105'551.-. Das beim Beklagten abzudeckende Manko beträgt
Fr. 820.- ab dem Zeitpunkt, wo das Verwaltungshonorar der C._ AG wegfällt.
Eine nach denselben Grundlagen kapitalisierte lebenslange Rente in diesem Be-
trag mit einem um 1 - 3 Jahre aufgeschobenen Beginn ergäbe einen Kapitalwert
zwischen Fr. 96'481.- bis Fr. 114'707.-. Sind im derzeitigen Liegenschaftsvermö-
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gen der Klägerin Fr. 576'000.- Eigenkapital enthalten, so ist sie auch tatsächlich in
der Lage, neben ihrem eigenen Lebensunterhalt auch das Manko des Beklagten
von Fr. 820.- pro Monat in Form eines Unterhaltsbeitrages zu decken. Damit wird
der Klägerin zugemutet, ihre Liegenschaft zu verkaufen oder allenfalls entspre-
chend gewinnbringend zu vermieten. Dies ist gerechtfertigt, indem damit das Al-
tersvorsorgekapital realisiert wird und der dem Beklagten daraus zukommende
Betrag jedenfalls nicht höher ist als die güterrechtlichen Ansprüche, auf die er im
Ehevertrag im Vertrauen auf den Fortbestand der Ehe verzichtet hat.
Ein Verzehr des Immobilienvermögens ist umso mehr angezeigt, als die Klägerin
innerhalb von nur knapp zwei Jahren ihr Barvermögen zu grossen Teilen ver-
braucht hat. Die Vorinstanz ging noch von einem Barvermögen der Klägerin von
Fr. 240'000.- aus (Stand 26.4.2011, Urk. 45/16). Im Berufungsverfahren macht die
Klägerin unter Bezugnahme auf die Steuererklärung 2012 geltend, ihr Barvermö-
gen habe Ende 2012 nur noch Fr. 37'325.- betragen (Urk. 92/3, Urk. 89 S. 6f).
Den Vermögensschwund von Fr. 202'675.- innert 20 Monaten begründet sie mit
Unterhaltskosten für die Liegenschaft (mit Fr. 36'000.- im Jahr 2011 ausgewiesen
durch Urk. 45/9, Fr. 28'709.- im Jahr 2012 ausgewiesen durch Urk. 92/3), mit
Steuern (mit Fr. 480.- pro Jahr bzw. Fr. 40.- pro Monat, ausgewiesen durch
Urk. 92/4) sowie mit den vorsorglichen Unterhaltsbeitragsleistungen an den Be-
klagten (mit Fr. 9'600.- pro Jahr bzw. Fr. 800.- pro Monat, ausgewiesen durch
Urk. 92/3). Aus diesen zulasten des Barvermögens getätigten Auslagen ergibt
sich eine auf 20 Monate hochgerechnete Vermögensreduktion von Fr. 81'509.-.
Die restlichen Fr. 121'166.- ihres Vermögens hat die Klägerin somit für den eige-
nen Unterhalt sowie die Prozesskosten aufgebraucht (Urk. 89 S. 6). Schätzt man
Letztere auf Fr. 20'000.-, so hat die Klägerin sich selbst in dieser Zeit ein Ausga-
benbudget zulasten ihres Vermögens von rund Fr. 100'000.- bzw. Fr. 5'000.- pro
Monat zuzüglich Fr. 1'740.- AHV-Rente, total somit Fr. 6'740.- pro Monat zuge-
standen, Zusatzeinnahmen aus Porzellanmalkursen nicht eingerechnet. Ange-
sichts eines Bedarfs einschliesslich Liegenschaftsunterhalt von Fr. 2'811.- und der
finanziell knappen Zukunftsperspektiven erscheint ein solches Ausgabenbudget
zulasten des Vermögens als unangemessen und der dadurch bewirkte Vermö-
gensverzehr in den letzten zwei Jahren rechtfertigt die Zumutbarkeit des Immobi-
- 15 -
lienverkaufs umso mehr. Die derzeitigen Wohnkosten der Klägerin von rund Fr.
1'200.- liegen sodann nicht wesentlich unter den mutmasslichen Kosten einer
Mietwohnung.
5. Damit ist die Klägerin auch zweitinstanzlich zu monatlichen, indexierten Unter-
haltsbeiträgen an den Beklagten zu verpflichten ab dem Zeitpunkt, wo das Ver-
waltungshonorar des Beklagten wegfällt. Der Betrag ist indessen gemäss der vor-
stehenden Mankoberechnung auf Fr. 820.- pro Monat festzusetzen und die In-
dexklausel zu aktualisieren.
D
1. Die Parteien schlossen am 27. Januar/1. Februar 2011 eine Vereinbarung über
vorsorgliche Massnahmen. Damit verpflichtete sich die Klägerin zu monatlichen
Unterhaltsbeiträgen von Fr. 800.- an den Beklagten (Urk. 27 und 29). Mit ihrer Be-
rufungsbegründung vom 23. Mai 2013 beantragt die Klägerin die ersatzlose Auf-
hebung dieser Verpflichtung (Urk. 89 S. 8ff).
2. In der Vereinbarung vom 27. Januar/1. Februar 2011 wird die monatliche Zah-
lung von Fr. 800.- als Akonto der güterrechtlichen Ansprüche des Beklagten be-
zeichnet. Im Berufungsverfahren vertreten die Parteien indessen übereinstim-
mend die Ansicht, es handle sich dabei um normale Unterhaltsbeiträge im Sinne
vorsorglicher Massnahmen, und die Klägerin stellt dementsprechend auch ein
Begehren um Abänderung vorsorglicher Massnahmen, weil sich die Einkom-
menssituation des Beklagten verbessert habe (Urk. 89 S. 8f, Urk. 97 S. 9f). Das
Abänderungsbegehren ist daher nach den Regeln des Unterhaltsrechts zu beur-
teilen. Vorsorgliche Massnahmen sind abänderbar, wenn sich seit ihrem Erlass
die tatsächlichen Verhältnisse wesentlich und dauerhaft verändert haben. Eine le-
diglich andere, ermessensweise Beurteilung der tatsächlichen Verhältnisse führt
hingegen nicht zu einer Änderung.
3. Die Klägerin verweist zur Begründung ihres Begehrens darauf, dass der Be-
klagte aus AHV-Rente (Fr. 1'740.-), der ausländischen Rente (Fr. 142.-) und dem
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Verwaltungsratshonorar (Fr. 1'000.-) monatliche Einkünfte von Fr. 2'882.- erziele,
bei einem Bedarf von Fr. 3'233.- abzüglich Prämienverbilligung. Damit sei der Be-
klagte zumindest nicht auf Unterhaltsleistungen in der vereinbarten Höhe ange-
wiesen. Da sich nach der Scheidung die AHV-Rente auf Fr. 2'321.- erhöhen wer-
de, sei der Bedarf des Beklagten vollumfänglich gedeckt und der Anspruch auf
Unterhaltsleistungen nicht mehr gerechtfertigt (Urk. 89 S. 9).
Der Beklagte hält dem entgegen, es lägen keine veränderten Verhältnisse vor;
sodann habe er grundsätzlich Anspruch auf den vor der Klageeinreichung geleb-
ten Lebensstandard (Urk. 97 S. 9f).
4. Soweit die Klägerin geltend macht, das Manko des Beklagten sei kleiner als die
vereinbarten Fr. 800.- Unterhaltsleistungen, so stellt sie damit die Massnahme-
vereinbarung nachträglich in Frage, ohne veränderte tatsächliche Umstände gel-
tend zu machen. Damit ist sie nicht zu hören. Die Möglichkeit der Prämienverbilli-
gung war der Klägerin bereits beim Abschluss der Vereinbarung bekannt.
Veränderte Umstände macht die Klägerin jedoch insofern geltend, als sich die
AHV-Rente des Beklagten nach der Scheidung von Fr. 1'740.- auf Fr. 2'321.- er-
höhe. Dieser Umstand ist durch Urk. 6/23 und Urk. 75 belegt und wird vom Be-
klagten nicht bestritten.
Wie unter Erw. C/3 vorstehend gezeigt, hat der Beklagte unter Miteinbezug der
höheren AHV-Rente ab Rechtskraft des Urteils im Scheidungspunkt und unter Be-
rücksichtigung der Prämienverbilligung ein Manko von Fr. 820.- pro Monat. Die-
ses kann er zur Zeit noch mit dem Verwaltungsratshonorar von Fr. 1'000.- abde-
cken und es verbleibt ihm ein Überschuss von Fr. 180.- pro Monat. Mit Bezug auf
die vorerwähnten massgeblichen Bedarfspositionen im Zeitpunkt des Massnah-
meverfahrens ist einzig hinsichtlich der Krankenkassenprämie von einem abwei-
chenden Betrag auszugehen (damals Fr. 286.60 [Urk. 6/29a], heute Fr. 269.05),
weshalb sich der massgebliche Bedarf des Beklagten im Massnahmezeitpunkt
auf Fr. 3'299.55 belief. Umgekehrt belief sich das Einkommen aus ausländischen
Renten im Massnahmezeitpunkt nur auf Fr. 98.- (Urk. 26/1-13), was zusammen
mit der AHV-Rente (Fr. 1'740.-) und dem Verwaltungsratshonorar (Fr. 1'000.-)
Einkünfte von insgesamt Fr. 2'838.- ergab. Damit hatte der Beklagte im Mass-
nahmezeitpunkt ein Manko von rund Fr. 460.-. Mit dem vereinbarten Unterhalts-
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beitrag von Fr. 800.- wurde dem Beklagten somit ein Überschuss von Fr. 340.-
zugebilligt. Billigt man dem Beklagten denselben Überschuss auch nach Rechts-
kraft des Scheidungspunkts für das weitere Verfahren zu, sind die Unterhaltsbei-
träge ab diesem Zeitpunkt auf Fr. 160.- zu reduzieren. Der Scheidungspunkt wur-
de am 27. August 2013 rechtskräftig; die Anpassung der AHV-Rente greift ab
September 2013 Platz. Die vorsorglichen Unterhaltsbeiträge sind daher mit Wir-
kung ab 1. September und für die weitere Dauer des Verfahrens zum nacheheli-
chen Unterhalt auf Fr. 160.- zu reduzieren.
E
1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens - Reduktion des nachehelichen Unterhalts
von Fr. 937.- gemäss erstinstanzlichem Urteil auf Fr. 820.- im Berufungsverfahren
statt vollständige Aufhebung der Unterhaltspflicht - obsiegt die Klägerin im Haupt-
punkt zu rund 12%. Mit Bezug auf die Abänderung des Massnahmebegehrens -
Reduktion der Unterhaltsbeiträge auf Fr. 160.- ab 1. September 2013 statt voll-
ständige Aufhebung der Unterhaltsbeiträge von Fr. 800.- ab 1. Juni 2013 - obsiegt
die Klägerin zu rund 30%. Es rechtfertigt sich daher, die Kosten des Berufungs-
verfahrens der Klägerin insgesamt zu 85% und dem Beklagten zu 15% aufzuerle-
gen. Die Parteientschädigungen sind analog zu regeln.
2. Die erstinstanzlichen Kosten wurden den Parteien je zur Hälfte auferlegt und
die Prozessentschädigungen gegenseitig wettgeschlagen. Die Klägerin beantragt
in ihrer Berufung die vollumfängliche Kostenauflage an den Beklagten (Urk. 89
S. 2), worunter sie indessen eine dem Ausgang des Berufungsverfahrens ent-
sprechende Regelung der erstinstanzlichen Kosten- und Entschädigungsfolgen
versteht (Urk. 89 S. 8). Im Berufungsverfahren wird die nacheheliche Unterhalts-
pflicht der Klägerin im Grundsatz bejaht und lediglich betraglich modifiziert. Ange-
sichts der weiteren vor Vorinstanz strittigen Nebenfolgen der Scheidung und des
ausgedehnten vorinstanzlichen Massnahmeverfahrens rechtfertigt diese leichte
Korrektur indessen kein Abweichen vom erstinstanzlichen Kosten- und Entschä-
digungsdispositiv.
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3. Dem Beklagten wurde vor Vorinstanz die unentgeltliche Rechtspflege gewährt.
Für das Berufungsverfahren erneuert er dieses Begehren (Urk. 97 S. 2). Wie ge-
sehen verfügt der Beklagte nach Prozessende nur noch auf Zusehen hin dank
seines Verwaltungsratshonorars über einen Freibetrag von Fr. 180.- pro Monat.
Dieser erlaubt ihm nicht, die Kosten des vorliegenden Verfahrens und seiner an-
waltlichen Vertretung in absehbarer Zeit zu bezahlen. Vermögen hat er keines
mehr. Seine Bedürftigkeit ist daher auch für das Berufungsverfahren zu bejahen.
Sodann obsiegt der Beklagte im Hauptpunkt zu rund 88%, weshalb auch sein Be-
rufungsstandpunkt als aussichtsreich gelten kann. Das Begehren des Beklagten
um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege für das Berufungsverfahren ist
daher gutzuheissen.