# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 2f6603ea-c85b-43e7-a51f-de446eeb4586
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. X._, geboren am _1977 in O.1_, L.1_, zog mit seinen Eltern im Jahre 1980 in den O.2_, wo er die Schulzeit absolvierte, den Beruf des Schuhmachers erlernte und anschliessend in diesem Beruf arbeitete. Im Jahre 1997 verliess X._ den O.2_ und lebte in verschiedenen Ländern wie Syrien, Türkei, Jordanien und Bulgarien. Im Jahre 2002 reiste er in die Schweiz ein, wo er seither lebt. Zu Beginn arbeitete er als Verkäufer in einem Kiosk am Bahnhof in O.3_. Seit 2006/2007 arbeitet er als Taxichauffeur. Im Zeitpunkt der erstinstanzlichen Hauptverhandlung war er mit einem Vollzeitpensum als Chauffeur für die A._AG, tätig, wo er ein monatliches Nettoeinkommen (inkl. 13. Monatslohn) zwischen Fr. 3'800.-- und Fr. 4'100.-- erzielte. Zwischenzeitlich ist er bei einem anderen Taxiunternehmen angestellt, bei welchem er eigenen Angaben zufolge noch zwischen Fr. 2'800.-- und Fr. 3'200.-- pro Monat verdient. Weil er zusätzlich vom Sozialamt unterstützt wird, verfügt er über ein Einkommen von monatlich insgesamt Fr. 5'000.--. Er hat Schulden in Höhe von Fr. 50'000.--. X._ ist verheiratet und Vater zweier Kinder (Jahrgänge 2006 und 2011). Seine Ehefrau erzielt kein Einkommen.
Im schweizerischen Zentralstrafregister ist X._ mit einer Eintragung verzeichnet. Am 13. September 2007 wurde er von der Staatsanwaltschaft  wegen einer am 4. Mai 2007 begangenen groben Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 90 Ziff. 2 aSVG zu einer Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu je Fr. 60.--, bedingt vollziehbar bei einer Probezeit von zwei Jahren, sowie einer Busse von Fr. 800.-- verurteilt. Gemäss Auszug aus dem ADMAS-Massnahmenregister wurden ihm in der Folge der Führerausweis und der Ausweis für den berufsmässigen Personentransport für drei Monate (vom 15. Dezember 2007 bis 14. März 2008) entzogen (Grund: Geschwindigkeit). Mit einer weiteren Massnahme wurden ihm diese Ausweise als Folge einer am 21. Februar 2010 begangenen Widerhandlung (Grund: ungenügender Abstand) ein weiteres Mal für vier Monate (vom 1. Oktober 2010 bis 31. Januar 2011) entzogen.
B. Am 26. Februar 2013, mitgeteilt am 7. März 2013, erliess die Staatsanwaltschaft Graubünden einen Strafbefehl und sprach X._ der groben Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 32 Abs. 1 SVG, Art. 34 Abs. 2 SVG, Art. 35 Abs. 2 SVG, Art. 4a Abs. 1 lit. b VRV und Art. 39 Abs. 1 VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG, der Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 4a Abs. 1 lit. b VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG sowie der Übertretung der Chauffeurverordnung gemäss Art. 14 Abs. 1 ARV 1 in Verbindung mit Art. 21 Abs.
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2 lit. c ARV 1 schuldig und bestrafte ihn mit einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je Fr. 70.--, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von zwei Jahren, und mit einer Busse von Fr. 1'200.--, bei schuldhafter Nichtbezahlung an deren Stelle mit einer Ersatzfreiheitsstrafe von 15 Tagen. Gegen diesen Strafbefehl erhob X._ am 18. März 2013 Einsprache, woraufhin die Staatsanwaltschaft Graubünden weitere Beweise abnahm (Art. 355 Abs. 1 StPO). Mit Parteimitteilung vom 1. Oktober 2013 wurde die Strafuntersuchung abgeschlossen. Gemäss Verfügung vom 22. Oktober 2013 hielt die Staatsanwaltschaft Graubünden am Strafbefehl fest und überwies die Akten dem Bezirksgericht Albula zur Durchführung des Hauptverfahrens (Art. 355 Abs. 3 lit. a und Art. 356 Abs. 1 StPO). Die Staatsanwaltschaft Graubünden verzichtete auf eine Vorladung zur Hauptverhandlung.
C. Gemäss vorgenannter Überweisung wurde X._ der groben Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 32 Abs. 1 SVG, Art. 34 Abs. 2 SVG, Art. 35 Abs. 2 SVG, Art. 4a Abs. 1 lit. b VRV und Art. 39 Abs. 1 VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG, der Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 32 Abs. 1 SVG und Art. 4a Abs. 1 lit. b VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG sowie der Übertretung der Chauffeurverordnung gemäss Art. 14 Abs. 1 ARV 1 in Verbindung mit Art. 21 Abs. 2 lit. c ARV 1 angeklagt. Dieser Anklage legte die Staatsanwaltschaft Graubünden gemäss Strafbefehl vom 26. Februar 2013, welcher vorliegend als Anklageschrift gilt (Art. 356 Abs. 1 StPO), folgenden Sachverhalt zugrunde:
"Am Freitag, 4. Januar 2013, fuhr der Beschuldigte mit seinem Taxi Skoda CZ Octavia Kombi, Kontrollschild _ (CH), auf der _passstrasse von O.4_ in Richtung O.5_. Um 14.14 Uhr fuhr er durch den Tunnel _, Gemeindegebiet O.6_. Im Tunnel beschleunigte er sein Fahrzeug auf 105 km/h und überschritt damit bewusst die dort geltende Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h. Zudem überholte er im Tunnel einen Tanklastwagen-Anhängerzug, wobei er die Sicherheitslinie überfuhr, so dass ein entgegenkommender Personenwagenlenker sein Fahrzeug abbremsen musste. Der Beschuldigte wusste, dass das Überholen solcher Fahrzeuge im Tunnel verboten war und er durch dieses Überholmanöver eine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer schuf. Um 14.24 Uhr fuhr er auf der _passstrasse, in der _ebene, Gemeindegebiet O.7_, trotz der dort signalisierten Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h mit stark überhöhter Geschwindigkeit, nämlich nach Abzug der Toleranz von 10 km/h mit 118 km/h und somit 38 km/h schneller als erlaubt. Dies tat er, weil er aus krasser Unaufmerksamkeit die Geschwindigkeit nicht im Auge behielt, wobei der Beschuldigte die geltende Höchstgeschwindigkeit kannte oder aufgrund der angezeigten Signalisation zumindest hätte kennen müssen.
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Der Beschuldigte hatte am 4. Januar 2013 beim Fahrtschreiber die Uhr falsch eingestellt, so dass die Aufzeichnung auf dem Einlageblatt um 12 Stunden verschoben erfolgte."
D. Anlässlich der Hauptverhandlung vor Bezirksgericht Albula vom 13. Februar 2013 stellten die Parteien folgende Anträge:
"Anträge Staatsanwaltschaft Graubünden (gemäss Strafbefehl vom 26. Februar/7. März 2013):
1. X._ sei
a. der groben Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 32 Abs. 1 SVG, Art. 34 Abs. 2 SVG, Art. 35 Abs. 2 SVG, Art. 4a Abs. 1 lit. b VRV und Art. 39 Abs. 1 VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG,
b. der Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 4a Abs. 1 lit. b VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG sowie
c. der Übertretung der Chauffeurverordnung gemäss Art. 14 Abs. 1 ARV 1 in Verbindung mit Art. 21 Abs. 2 lit. c ARV 1
schuldig zu sprechen.
2. Dafür sei er mit einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je CHF 70.00, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von 2 Jahren, zu bestrafen.
3. Dafür sei er zudem mit einer Busse von CHF 1'200.00 zu bestrafen. Bei schuldhafter Nichtbezahlung trete an Stelle der Busse eine Ersatzfreiheitsstrafe von 15 Tagen.
4. Kostenfolge sei die gesetzliche.
Anträge beschuldigte Person:
1. X._ sei wegen des Verstosses gegen die Chauffeurverordnung im Sinne von Art. 14 Abs. 1 VRV (recte: ARV 1) in Verbindung mit Art. 21 Abs. 2 lit. c ARV 1 schuldig zu sprechen.
2. Im Übrigen sei X._ von Schuld und Strafe freizusprechen.
3. Unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge."
E. Gegen das am 13. Februar 2014 gefällte und am 14. Februar 2014 ohne schriftliche Begründung mitgeteilte Urteil des Bezirksgerichts Albula meldete X._ am 19. Februar 2014 Berufung an, woraufhin das Bezirksgericht Albula den Parteien das begründete Urteil am 14. April 2014 mitteilte. Darin erkannte es wie folgt:
"1. X._ ist schuldig
a) der groben Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 32 Abs. 1 SVG, Art. 34 Abs. 2 SVG, Art. 35 Abs. 2 SVG, Art. 4a Abs. 1 lit. b VRV und Art. 39 Abs. 1 VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG,
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b) der Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 4a Abs. 1 lit. b VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG sowie
c) der Übertretung der Chauffeurverordnung gemäss Art. 14 Abs. 1 ARV 1 in Verbindung mit Art. 21 Abs. 2 lit. c ARV 1.
2. a) Dafür wird X._ mit einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je CHF 70.00 bestraft.
b) Der Vollzug der Geldstrafe wird unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren aufgeschoben.
3. a) Dafür wird X._ zudem mit einer Busse von CHF 1'200.00 bestraft.
b) Die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse beträgt 15 Tage. Sie tritt an die Stelle der Busse, soweit dieselbe schuldhaft nicht bezahlt wird.
4. a) Die Kosten des Verfahrens von CHF 8'106.20 (Untersuchungskosten Staatsanwaltschaft Graubünden CHF 2'606.20, Gerichtsgebühren CHF 5'500.00) gehen zu Lasten von X._.
b) X._ schuldet dem Bezirksgericht Albula folglich:
Busse CHF 1'200.00 Verfahrenskosten CHF 8'106.20 Total CHF 9'306.20
In Rechtskraft erwachsene Bussen und Verfahrenskosten sind innert 30 Tagen nach der Zustellung des Entscheids mit beiliegendem Einzahlungsschein zu bezahlen.

## Considerations