# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** e5e6d37d-3088-4bd6-b63b-645f6021cccc
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend
Schändung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Horgen, III. Abteilung, vom 26. Februar 2014 (DG130023)
- 2 -
Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis vom 8. November 2013
(Urk. 21) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 41)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der Schändung im Sinne von Art. 191 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 2 Jahren Freiheitsstrafe (wovon 2 Tage durch
Haft erstanden sind).
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt.
4. Die Kantonspolizei Zürich wird angewiesen, die mit Beschlagnahmeverfügung der
Staatsanwaltschaft vom 6. November 2013 zu Beweiszwecken beschlagnahmten
Gegenstände des Beschuldigten diesem nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils
zurückzugeben. Es handelt sich um folgende Gegenstände:
- 1 Unterhose schwarz, Asservat-Nr. ...;
- kurze Hose jeansfarben, Asservat-Nr. ...;
- T-Shirt schwarz, Asservat-Nr. ....
5. Die Kantonspolizei Zürich wird angewiesen, die mit Beschlagnahmeverfügung der
Staatsanwaltschaft vom 6. November 2013 beschlagnahmten Gegenstände der
Privatklägerin dieser nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils zurückzugeben. Es
handelt sich um folgende Gegenstände:
- Slip, beigefarben, Asservat-Nr. ...;
- Damenschuhe Kunstleder, schwarz, Asservat-Nr. ...;
- Büstenhalter, beigefarben, Asservat-Nr. ...;
- Poloshirt, dunkelblau, Asservat-Nr. ...;
- Jeanshose, Asservat-Nr. ....
- 3 -
6. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin aus dem
eingeklagten Ereignis vom 10. Juni 2013 dem Grundsatze nach schadenersatz-
pflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatzanspru-
ches wird die Privatklägerin auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
7. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin Fr. 10'000.– zuzüglich 5 %
Zins ab 10. Juni 2013 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das
Genugtuungsbegehren abgewiesen.
8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin für das gesamte Verfahren
eine Prozessentschädigung von Fr. 4'000.– (zzgl. 8% MwSt.) zu bezahlen.
9. Der amtliche Verteidiger wird aus der Gerichtskasse entschädigt mit Fr. 5'400.–
(zzgl. 8% MwSt.).
10. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf
Fr. 3'300.00; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 10'164.95 Auslagen Vorverfahren;
Fr. 2'000.00 Gebühr Anklagebehörde;
Fr. 5'832.00 Kosten amtliche Verteidigung.
Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert sich die
Gerichtsgebühr um einen Drittel.
11. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen
diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt.
12. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen;
vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
13. (Mitteilungen)
14. (Rechtsmittelbelehrung)"
- 4 -
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
1. Der Beschuldigte sei mit einer bedingten Geldstrafe von 180 Tages-
sätzen à Fr. 10.– zu bestrafen. Die Strafe sei bedingt auszufällen unter
Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren.
Eventualiter sei eine bedingte Geldstrafe auszufällen.
2. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Privatklägerin Fr. 1'000.–
zuzüglich Zins zu bezahlen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(schriftlich; Urk. 52)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
c) Der Vertreterin der Privatklägerin:
(Urk. 54 S. 1)
Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Geschädigten für das Berufungs-
verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 731.40 zu bezahlen.
- 5 -

## Considerations

Erwägungen:
1. Prozessgeschichte
1.1. Mit vorstehend wiedergegebenem Urteil vom 26. Februar 2014 wurde der
Beschuldigte der Schändung im Sinne von Art. 191 StGB schuldig gesprochen
und mit einer bedingt bei einer Probezeit von 2 Jahren aufgeschobenen Freiheits-
strafe von 2 Jahren bestraft, wovon 2 Tage als durch Haft erstanden waren.
Weiter wurde über diverse beschlagnahmte Gegenstände entschieden und
es wurde festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin
dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des
Umfangs des Schadenersatzanspruches wurde die Privatklägerin auf den Weg
des Zivilprozesses verwiesen. Sodann wurde der Beschuldigte verpflichtet, der
Privatklägerin Fr. 10'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 10. Juni 2013 als Genugtuung
sowie eine Prozessentschädigung von Fr. 4'000.– zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer
zu bezahlen. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens
wurden dem Beschuldigten auferlegt und die Kosten der amtlichen Verteidigung
unter Vorbehalt der Nachzahlungspflicht gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO einstweilen
auf die Gerichtskasse genommen (Urk. 41 S. 26 ff.).
1.2. Gegen dieses den Parteien mündlich im Dispositiv eröffnete Urteil (Prot. I
S. 19.) liess der Beschuldigte am 27. Februar 2014 fristgerecht die Berufung
anmelden (Urk. 36). Nach Zustellung des begründeten Urteils (Urk. 38 = 41;
Urk. 39/3) liess der Beschuldigte am 11. Juni 2014 ebenfalls innert Frist die Beru-
fungserklärung einreichen (Urk. 42). Mit Präsidialverfügung vom 24. Juni 2014
wurde die Berufungserklärung in Anwendung von Art. 400 Abs. 2 und 3 StPO der
Privatklägerin sowie der Staatsanwaltschaft übermittelt, um gegebenenfalls An-
schlussberufung zu erheben oder Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen.
Gleichzeitig wurde der Privatklägerin Frist angesetzt, um zu erklären, ob sie
beantrage, dass dem urteilenden Gericht eine Person gleichen Geschlechts
angehöre und ob sie für den Fall einer Befragung verlange, dass sie von einer
Person gleichen Geschlechts einvernommen werde (Urk. 45).
- 6 -
1.3. Mit Schreiben vom 14. Juli 2014 liess die Privatklägerin beantragen, dass
dem urteilenden Gericht eine Person des gleichen Geschlechts angehöre. Zudem
verlangte sie, dass sie im Falle einer Befragung von einer Person des gleichen
Geschlechts einvernommen werde (Urk. 48). Die Staatsanwaltschaft teilte mit
Schreiben vom 18. August 2014 mit, dass die Bestätigung des vorinstanzlichen
Urteils beantragt werde (Urk. 52). Mit Schreiben vom 15. Oktober 2014 liess die
Privatklägerin beantragen, der Beschuldigte sei zu verpflichten, ihr für das Beru-
fungsverfahren eine Prozessentschädigung zu bezahlen. Zudem wurde mitgeteilt,
dass weder sie noch ihre Rechtsvertreterin an der Berufungsverhandlung
teilnehmen werden (Urk. 54).
1.4. Zu Beginn der heutigen Berufungsverhandlung, zu welcher der Beschuldigte
sowie der amtliche Verteidiger Rechtsanwalt lic. iur X._ erschienen sind, wa-
ren weder Vorfragen zu entscheiden noch Beweise abzunehmen (Prot. II S. 4 ff.).
Das vorliegende Urteil erging im Anschluss an die Berufungsverhandlung (Prot. II
S. 9 ff.).
2. Umfang der Berufung
2.1. Der Beschuldigte lässt das vorinstanzliche Urteil hinsichtlich der Sanktion
(Dispositiv-Ziffern 2 und 3) und des Entscheids betreffend die Genugtuung
(Dispositiv-Ziffer 7) anfechten (Urk. 42 S. 2; Urk. 58 S. 1).
2.2. Damit ist das vorinstanzliche Urteil in den folgenden Punkten unangefochten
geblieben und demnach in Rechtskraft erwachsen (Art. 399 Abs. 399 Abs. 3 StPO
in Verbindung mit Art. 402 und 437 StPO; Prot. II S. 6 f.):
- Schuldspruch (Dispositiv-Ziffer 1);
- Entscheide betreffend die beschlagnahmten Gegenstände
(Dispositiv-Ziffern 4 und 5);
- Entscheid betreffend die Schadenersatzforderung der Privatklägerin
(Dispositiv-Ziffer 6);
- 7 -
- Entscheid betreffend die Prozessentschädigung der Privatklägerin
(Dispositiv-Ziffer 8);
- Entscheid betreffend die Entschädigung der amtlichen Verteidigung
(Dispositiv-Ziffer 9);
- Kostenregelung (Dispositiv-Ziffern 10 bis 12).
Vom Eintritt der Rechtskraft dieser Anordnungen ist vorab Vormerk zu nehmen
(Art. 404 StPO).
3. Prozessuales
Die Verteidigung macht – wie bereits vor Vorinstanz (Urk. 33 S. 7) – geltend, dass
die Aussagen des Beschuldigten anlässlich der ersten polizeilichen Einvernahme
nicht verwertbar seien, da der Beschuldigte damals nicht gehörig verteidigt gewe-
sen sei (Urk. 58 S. 3 f.). Diesbezüglich ist allerdings zu beachten, dass der Be-
schuldigte anlässlich der Berufungsverhandlung den Schuldpunkt vollumfänglich
anerkannte bzw. durch seinen Verteidiger anerkennen liess (Urk. 58; Prot. II S. 6).
Zudem erklärte der Verteidiger ausdrücklich, dass von demjenigen Sachverhalt
auszugehen sei, welcher die Vorinstanz ihrem Urteil zugrunde gelegt habe
(Prot. II S. 8). Damit vermag dieser prozessuale Einwand des Verteidigers
nur noch Auswirkungen auf die Strafzumessung, mithin auf die Gewichtung des
Geständnisses, entfalten. Wie aber nachstehend noch zu zeigen ist, hat der
Beschuldigte auch in den übrigen Einvernahmen in der Untersuchung, vor
Vorinstanz und auch in der heutigen Berufungsverhandlung, in welchen er stets
anwaltlich verteidigt war, durchaus einen Fehler eingestanden. Dennoch hat er
in sämtlichen Einvernahmen stets versucht, seinen eigenen Tatbeitrag abge-
schwächt und beschönigend darzustellen. Zudem liess er insbesondere auch in
der heutigen Berufungsverhandlung durchblicken, dass er sich selber nicht
vollumfänglich und alleinig schuldig fühle. Folglich kann – entgegen der Verteidi-
gung – nicht von einem umfassenden Geständnis und einer vollen Einsicht und
Reue ausgegangen werden, selbst wenn die erste polizeiliche Einvernahme nicht
verwertbar wäre. Es ist somit für den Ausgang dieses Verfahrens unerheblich
- 8 -
ist, ob die erste polizeiliche Einvernahme verwertbar ist oder nicht. Damit kann
vorliegend die Frage betreffend die Verwertbarkeit der ersten polizeilichen
Einvernahme des Beschuldigten offen gelassen werden.
4. Strafzumessung
4.1. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten – wie dargelegt – wegen Schädigung
im Sinne von Art. 191 StGB mit einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren bestraft
(Urk. 41 S. 14 ff.).
4.2. Wie bereits vor Vorinstanz beantragt die amtliche Verteidigung auch
berufungsweise, der Beschuldigte sei mit einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen
zu Fr. 10.– zu bestrafen (Urk. 33 S. 1; Urk. 42 S. 3; Urk. 58 S. 1).
4.3. Die Vorinstanz ging zutreffenderweise vom ordentlichen Strafrahmen von
einer Freiheitsstrafe bis zu 10 Jahren oder Geldstrafe aus (Urk. 41 S. 14; Art. 191
StGB).
4.4. Weiter hat die Vorinstanz die Grundsätze, nach welchen eine Strafe
zuzumessen ist, richtig zusammengefasst (Urk. 41 S. 14 f.). Darauf und auf die
aktuelle Rechtsprechung des Bundesgerichts zu diesem Thema (BGE 136 IV 55
E. 5.4 ff; BGE 135 IV 130 E. 5.3.1; BGE 132 IV 102 E. 8.1, je mit Hinweisen;
Bundesgerichtsentscheide 6B_466/2013 vom 25. Juli 2013, E. 2.1, und
6B_274/2013 vom 5. September 2013, E. 1.2.2) kann vorab verwiesen werden
(Art. 82 Abs. 4 StPO). Ergänzend und präzisierend bleibt Folgendes festzuhalten:
4.4.1. Das Gericht hat in einem ersten Schritt das Gesamtverschulden (die objek-
tive und subjektive Tatschwere) zu qualifizieren und mit Blick auf Art. 50 StGB im
Urteil ausdrücklich zu benennen, wobei von einer Skala denkbarer Abstufungen
nach Schweregrad auszugehen ist. Hierauf ist – was die Vorinstanz an dieser
Stelle unterlassen hat (vgl. Urk. 41 S. 21) – in einem zweiten Schritt innerhalb des
zur Verfügung stehenden Strafrahmens die (hypothetische) Strafe zu bestimmen,
die diesem Verschulden entspricht. Die so ermittelte Strafe kann dann gegebe-
nenfalls in einem dritten Schritt aufgrund wesentlicher Täterkomponenten sowie
- 9 -
wegen eines blossen Versuchs im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB sowie aufgrund
wesentlicher Täterkomponenten verändert werden (BGE 136 IV 55 E. 5.7).
4.4.2. Im Falle einer verminderten Schuldfähigkeit ist diese bei der Strafzu-
messung im Rahmen der subjektiven Tatschwere zu berücksichtigen. Gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist dabei keine lineare Reduktion nach
einem bestimmten Tarif vorzunehmen. Eine leichte, mittelgradige oder schwere
Herabsetzung der Zurechnungsfähigkeit führt daher nicht zwingend zu einer rein
mathematischen Reduktion der Strafe um 25, 50 oder 75 % (BGE 136 IV 55
E. 5.6, mit Hinweisen). Liegt eine verminderte Schuldfähigkeit vor, ist – gegebe-
nenfalls aufgrund der tatsächlichen Feststellungen eines Gutachters – zu
entscheiden, in welchem Umfange die Schuldfähigkeit des Täters in rechtlicher
Hinsicht eingeschränkt ist und wie sich dies insgesamt auf die Einschätzung des
Tatverschuldens auswirkt (BGE 136 IV 55 E. 5.7).
4.5. Tatkomponente
4.5.1. Objektive Tatschwere
4.5.1.1. In objektiver Hinsicht fällt in Betracht, dass der Beschuldigte – gemäss
eingestandenem Sachverhalt – der Privatklägerin, die rund zwei Stunden nach
dem sexuellen Übergriff eine Blutalkoholkonzentration von mindestens 2.84 Ge-
wichtspromille sowie eine Konzentration von 26 μg/L Alprazolam aufwies,
zunächst in die Hose sowie an ihre Scheide griff und mit mindestens einem Finger
vaginal in die Geschädigte eindrang (Urk. 5/4 S. 3 ff.; Prot. I S. 10 ff.; vgl. auch
Urk. 41 S. 19). Sodann versuchte der Beschuldigte – was im Grundsatz ebenfalls
unbestritten blieb –, mit der Privatklägerin Geschlechtsverkehr zu haben (Urk. 5/4
S. 4 f.; Prot. I S. 10 ff.; vgl. auch Urk. 41 S. 19). Wenn der Beschuldigte diesbe-
züglich aber geltend macht, er habe "keine ernsthaften Versuchte gemacht, in die
Geschädigte einzudringen" (Urk. 5/4 S. 5) bzw. das Eindringen sei "nicht möglich"
gewesen (Prot. I S. 12; ebenso der Verteidiger in Urk. 33 S. 5), so ist dies als
blosser Versuch zu werten, seinen eigenen Tatbeitrag möglichst gering bzw. ab-
geschwächt darzustellen. So relativierte er auch sogleich selber diese Aussagen,
indem er weiter ausführte, er habe schon "indirekt" die Absicht gehabt, in sie ein-
- 10 -
zudringen. "Wenn Du einmal auf Fahrt bist, dann bist du auf Fahrt" (Prot. I S. 12).
Der Beschuldigte zog – gemäss dem von der Vorinstanz ausführlich und zu-
treffend erstellten Sachverhalt – der Privatklägerin die Hosen herunter, legte sich
sodann, nachdem er auch seine Hosen herunterzogen hatte, auf die Privatkläge-
rin und versuchte dann, mit seinem Glied in sie einzudringen. Dadurch kamen
seine Geschlechtsorgane direkt mit dem Schambereich der Geschädigten in
Kontakt (Urk. 41 S. 6 ff. und S. 19; vgl. auch Urk. 21 S. 2). Dass es nicht zum
Geschlechtsverkehr kam, lag damit nicht in der Einsicht des Beschuldigten oder
am Umstand, dass der Geschlechtsverkehr aufgrund der entsprechenden Lage
nicht möglich gewesen wäre, sondern – mit der Vorinstanz (Urk. 41 S. 19) –
vielmehr daran, dass sich der Beschuldigte durch den Zeugen B._ gestört
fühlte, weshalb er schliesslich schon nach kurzer Zeit von der Privatklägerin
abliess. Im Übrigen ist auf den von der Vorinstanz erstellten und bereits in
Rechtskraft erwachsene Sachverhalt abzustellen.
4.5.1.2. Durch diese Handlungen hat sich der Beschuldigte – mit der Vorinstanz
(Urk. 41 S. 19) – in erheblichem Masse an der Privatklägerin vergangen. Deutlich
erschwerend kommt hinzu, dass der Beschuldigte diese Tat zur Mittagszeit, mit-
hin zwischen 13.00 Uhr und 13.30 Uhr, und damit am helllichten Tag direkt neben
einer stark befahrenen Strassenkreuzung und in unmittelbarer Nähe von einer
Bushaltestelle – wo sich nach übereinstimmenden Aussagen des Beschuldigten
und des Zeugen B._ auch Kinder aufhielten – vorgenommen hat. Entspre-
chend hat er die Privatklägerin inmitten der Öffentlichkeit und damit für jedermann
in der näheren Umgebung gut sichtbar entblösst und an ihr sexuelle Handlungen
vorgenommen. Dadurch hat er die Privatklägerin in massiver Weise in ihrer
psychischen, physischen und sexuellen Integrität verletzt.
4.5.1.3. Wenn die Vorinstanz die objektive Tatschwere als "schwer" (Urk. 41
S. 19) qualifiziert, so erscheint dies – technisch gesehen – gleichwohl als zu hoch
und stimmt denn auch nicht mit der durch sie festgelegten "Einsatzstrafe" für das
objektive Tatverschulden überein (vgl. Urk. 41 S. 21). Ein "schweres" Versschul-
den müsste beim vorliegend massgeblichen Strafrahmen zu einer "Einsatzstrafe"
im oberen Drittel führen und wäre damit im Bereich von rund 8 Jahren
- 11 -
anzusiedeln. Die Vorinstanz hat das objektive Verschulden folglich tiefer gewertet,
denn die von ihr festgelegte "Einsatzstrafe" von 30 Monaten liegt im unteren
Drittel des massgeblichen Strafrahmens.
Angesichts des konkreten Strafrahmens sowie im Vergleich zu allen möglichen
unter den Tatbestand von Art. 191 StGB fallenden Delikte wiegt das objektive
Tatverschulden allerdings noch immer durchaus erheblich. Immerhin sind aber
doch noch um einiges schwerwiegendere Handlungen denkbar als jene, die der
Beschuldigte vorgenommen hat, insbesondere was die Art des Übergriffs und
dessen Zeitdauer anbetrifft.
4.5.2. Subjektive Tatschwere
4.5.2.1. In subjektiver Hinsicht ist zunächst zu prüfen, ob beim Beschuldigte eine
Verminderung der Schuldfähigkeit im Sinne von Art. 19 Abs. 2 StGB vorliegt.
Die Vorinstanz führte hierzu aus, dass die intellektuelle Einschränkung des
Beschuldigten zwar nicht sehr ausgeprägt sei. Es gebe keine Anhaltspunkte,
wonach die geistige Beeinträchtigung des Beschuldigten für dessen Unrechtsbe-
wusstsein relevant wäre. Das Erkenntnisvermögen des Beschuldigten hinsichtlich
Recht und Unrecht im Zusammenhang mit Sexualität, Integrität und Öffentlichkeit
sei grundsätzlich nicht eingeschränkt gewesen und jedenfalls nicht in der
Tatsache begründet, dass er IV-Rentner sei. Die intellektuelle Einschränkung des
Beschuldigten könne aber in leichtem Masse im Rahmen der etwas reduzierten
Steuerungsfähigkeit berücksichtig werden. Entsprechend sei eine leichte
Verminderung der Schuldfähigkeit anzunehmen (Urk. 41 S. 17 ff. und S. 20).
Der Verteidiger macht demgegenüber geltend, dass der Beschuldigte in seiner
geistigen Entwicklung eingeschränkt sei. Aufgrund seiner geistigen Defizite lebe
dieser von einer Invalidenrente und habe eine Beiständin. Damit dürfe zweifelsfrei
feststehen, dass die Schuldfähigkeit des Beschuldigten eingeschränkt sei. Auf-
grund der Tatsache, dass er eine Invalidenrente erhalte und verbeiständet sei, sei
mindestens von einer mittleren Einschränkung der Schuldfähigkeit auszugehen
(Urk. 33 S. 4 f.). Auch aus den Aussagen des Beschuldigten sei ersichtlich, dass
- 12 -
diese kindlich wirken und auf eine weit mehr als nur leicht verminderte Schuld-
fähigkeit hindeuten würden. Wer mit dem Beschuldigten spreche und zudem
wisse, dass er verbeiständet sei, merke relativ schnell, dass der Beschuldigte
wohl einen Intellekt eines 10 bis 13 Jähren habe (Urk. 58 S. 5).
Der Beschuldigte erlitt bei einem Verkehrsunfall, bei welchem sein Vater verstarb,
ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. Er erhält seither eine volle Invalidenrente.
Zudem ist er in vermögens- und verwaltungsrechtlicher Hinsicht verbeiständet
(vgl. Urk. 5/3 S. 7 f.; Urk. 41 S. 20). Alleine aus dem Umstand, dass er seither
eine Invalidenrente erhält und verbeiständet ist, lässt sich aber – entgegen der
Verteidigung – noch nicht ableiten, dass der Beschuldigte im Tatzeitpunkt nicht
fähig gewesen wäre, das Unrecht seiner Tat zu erkennen und gemäss dieser
Einsicht zu handeln. Angesichts des Aussageverhaltens des Beschuldigten (die
Vorinstanz hat dieses treffend analysiert; Urk. 41 S. 15-19) sind keine Anzeichen
ersichtlich, die für eine verminderte Schuldfähigkeit sprechen würden. So konnte
er den Einvernahmen ohne Weiteres folgen und auf die Fragen durchaus klar
antworten. Zudem fällt auf, dass der Beschuldigte selber über Schamgefühl
verfügt und seine eigene sexuelle Integrität zu schützen versucht. So erklärte er
auf die Frage, wann er sich vor dem Vorfall letztmals selber befriedigt habe: "Da
verweigere ich meine Aussage. Das ist mir zu intim" (Urk. 52 S. 7). Und schliess-
lich führte der Beschuldigte auch selber aus, es sei ein "mega Schiessdräck"
gewesen. Er wisse, dass er einen Fehler gemacht habe (Urk. 5/2 S. 9). Es liegen
damit – mit der Vorinstanz (Urk. 41 S. 18) – keine Anhaltspunkte vor, wonach das
Unrechtsbewusstsein des Beschuldigten aufgrund seiner geistigen Fähigkeiten
zur Tatzeit eingeschränkt war. Es ist somit von einer vollen Einsichtsfähigkeit des
Beschuldigten in das Unrecht der Tat auszugehen.
Es stellt sich aber die Frage, ob und inwiefern eine Einschränkung der Steue-
rungsfähigkeit des Beschuldigten vorliegt. Zwar kann grundsätzlich nicht alleine
aufgrund des Umstands, dass sich ein Täter nicht allgemein- bzw. gesellschafts-
üblich verhält, geschlossen werden, dass es ihm nicht oder nur eingeschränkt
möglich sei, einsichtsgemäss zu handeln. Vorliegend kann aber aufgrund des
konkreten Verhaltens des Beschuldigten bei der zu beurteilenden Tat nicht aus-
- 13 -
geschlossen werden, dass sich seine geistigen Defizite auf dessen Möglichkeit
und Fähigkeit zur Selbstbeherrschung und Kontrolle ausgewirkt haben könnten.
So hat sich der Beschuldigte – wie bereits dargelegt – am helllichten Tag, un-
mittelbar neben einer stark befahrenen Strassenkreuzung und neben einer Bus-
haltestelle an der Privatklägerin in massiver Weise vergangen. Dieses Verhalten
ist – mit der Vorinstanz (Urk. 41 S. 18) – nur schwer nachvollziehen und erscheint
– ohne gewisse Einschränkungen in der Steuerungsfähigkeit – kaum erklärbar.
Aufgrund der gesamten Umstände rechtfertigt es sich somit, zugunsten des
Beschuldigten von einer in leichtem Masse herabgesetzten Steuerungsfähigkeit
auszugehen. Diese Einschränkung der Schuldfähigkeit ist bei der vorliegenden
Strafzumessung leicht strafmindernd zu berücksichtigen. Im Übrigen kann auf
die zutreffenden und sehr differenzierten Erwägungen der Vorinstanz verwiesen
werden (Urk. 41 S. 15-19).
An diesem Schluss vermögen schliesslich die Ausführungen des Beschuldigten
anlässlich der Berufungsverhandlung nichts ändern. So machte er nun erstmals
geltend, er habe vor der Tat Tabletten gegen Migräne eingenommen gehabt und
sei deshalb nicht zu 100 % da gewesen. Dies sei, wie wenn man zwei Biere ge-
trunken hätte (Urk. 57 S. 6). Damals habe er sechs dieser Tabletten, deren Name
er aber nicht wisse, eingenommen gehabt. Gemäss seinem Arzt solle er nur zwei,
höchstens drei Tabletten zu sich nehmen (Urk. 57 S. 8). Auf Grund der vorliegen-
den Akten ist nicht ersichtlich, dass der Beschuldigte wegen der Einnahme von
Medikamenten in einem grösseren Masse als vorstehend angenommen in seiner
Schuldfähigkeit eingeschränkt war. So kann weder den Tatortfotos der Kantons-
polizei Zürich, auf welchen der Beschuldigte gut ersichtlich ist (Urk. 2/3), noch
anhand seiner ersten polizeilichen Einvernahme, welche unmittelbar nach dem
Vorfall erfolgte (Urk. 5/1), geschlossen werden, dass der Beschuldigte aufgrund
der Einnahme von Medikamenten in einem derartigen Zustand gewesen sein soll,
dass seine Schuldfähigkeit in einem schweren oder mittleren Masse herabgesetzt
war. Auch die Polizeibeamten haben keine entsprechenden Beobachtungen ge-
macht, die wohl zweifelsohne rapportiert bzw. im Einvernahmeprotokoll vermerkt
worden wären, hätten Anzeichen für eine erheblich verminderte Schuldfähigkeit
vorgelegen (vgl. Urk. 1 und Urk. 5/1).
- 14 -
4.5.2.2. Dem Beschuldigte ist – mit der Vorinstanz (Urk. 41 S. 11 ff. und S. 19) –
ein eventualvorsätzliches Handeln vorzuwerfen. Die Privatklägerin war aufgrund
ihres massiven Alkohol- und Medikamentenkonsums im Tatzeitpunkt wehrlos
und handlungsunfähig. Dieser Zustand ist aufgrund des pharmakologisch-
toxikologischen Gutachtens (Urk. 7/3), der Schilderungen der Privatklägerin sowie
der Wahrnehmung des Zeugen B._ ausgewiesen und war – wie der Foto-
dokumentation der Kantonspolizei Zürich zweifelsohne entnommen werden
kann (Urk. 2/3) – auch für Dritte augenfällig und offensichtlich erkennbar. Die
Wehrlosigkeit und Handlungsunfähigkeit der Privatklägerin musste damit auch
für den Beschuldigten – selbst bei Berücksichtigung seiner geistigen Defizite –
erkennbar gewesen sein. Entsprechend musste der Beschuldigte zumindest
damit rechnen, dass die Privatklägern nicht in der Lage war, in die sexuellen
Handlungen einzuwilligen oder sich dagegen zu wehren. Der Beschuldigte nahm
somit die Wehrlosigkeit der Privatklägerin zumindest billigend in Kauf.
4.5.2.3. Zu berücksichtigen ist schliesslich, dass der Beschuldigte die Tat nicht
im Voraus plante, sondern vielmehr spontan ausführte. Er handelte aus rein
egoistischen Gründen, um seine eigene Lust zu befriedigen. Dass er – wie die
Vorinstanz ausführte (Urk. 41 S. 19) – die zufällige Gelegenheit und damit den
wehrlosen Zustand der Privatklägerin schamlos ausnützte, trifft zwar zu. Dieses
Verhalten ist aber bereits tatbestandsimmanent, weshalb es hier nicht erneut
verwertet werden darf.
4.5.2.4. Das objektive Verschulden wird damit durch die subjektive Tatkomponen-
te leicht relativiert.
4.5.3. Fazit Tatkomponente
Ausgehend von der gesamten Tatschwere erscheint eine hypothetische Einsatz-
strafe von rund 26 bis 27 Monaten Freiheitsstrafe als angemessen.
- 15 -
4.6. Täterkomponente
4.6.1. Persönliche Verhältnisse
Hinsichtlich der persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten kann zunächst auf
die zusammenfassende Wiedergabe im vorinstanzlichen Urteil verwiesen werden
(Urk. 41 S. 20; Art. 82 Abs. 4 StPO). Anlässlich der Berufungsverhandlung
ergänzte der Beschuldigte, dass er immer noch nicht arbeite und eine IV-Rente
erhalte. Die IV-Rente gehe direkt an seine Beiständin. Von ihr erhalte er monatlich
Fr. 1'200.–. Sämtliche Zahlungen würden durch seine Beiständin erledigt. Er
wohne in einer 1-Zimmer-Wohnung. Er habe die Kinder jedes zweite Wochen-
ende bei sich. Abgesehen von den Besuchen seiner Kinder lebe er alleine in die-
ser Wohnung. Er lebe getrennt von seiner Ehefrau. Am 16. November 2014 finde
die Scheidungsverhandlung am Bezirksgericht Horgen statt (Urk. 57 S. 2 ff.). Die
persönlichen Verhältnisse wirken sich damit bei der vorliegenden Strafzumessung
neutral aus.
4.6.2. Vorstrafen
Der Beschuldigte weist im Schweizerischen Strafregister keine Vorstrafen auf
(Urk. 44). Die Vorstrafenlosigkeit ist ebenfalls strafzumessungsneutral zu werten
(vgl. BGE 136 IV 1 E. 2.6.).
4.6.3. Nachtatverhalten
Der Beschuldigte zeigte sich zu Beginn der ersten Einvernahme nicht geständig.
So bestritt er die Wahrnehmungen des Zeugen B._. Insbesondere stellte er
in Abrede, dass er seine Hand in der Hose der Privatklägerin gehabt habe, dass
er seine Hose sowie die Hose der Privatklägerin heruntergezogen habe und dass
er sich auf die Privatklägern habe legen wollen (Urk. 5/1 S. 1 ff.). Auch in den fol-
genden Einvernahmen zeigte sich der Beschuldigte – entgegen der Verteidigung
(Urk. 33 S. 7; Urk. 58 S. 6 f.) – nicht umfassend geständig. So gab er anlässlich
der Hafteinvernahme vom 11. Juni 2013 zwar zu, sexuelle Handlungen an der
Beschuldigten vorgenommen zu haben. Er versuchte aber darzulegen, dass die
Privatklägerin selber die Initiative für die sexuellen Handlungen ergriffen habe (die
- 16 -
Privatklägerin habe ihn geküsst, Urk. 5/1 S. 4; die Privatklägerin habe richtig mit
ihm geflirtet, Urk. 5/1 S. 5; "Ich wollte ihr ja nur die Hose anziehen. Sie hat in
ihrem Zustand die Hose immer nach unten gezogen. Sie sagte, 'ich wot Sex'.",
Urk. 5/1 S. 5; "Sie packte meine Hand und wollte, dass ich ihr an ihrem Ge-
schlechtsteil herum mache", Urk. 5/1 S. 6). Auch anlässlich der staatsanwaltlichen
Einvernahme vom 21. August 2013 war der Beschuldigte bestrebt, seine Hand-
lungen möglichst abgeschwächt und verharmlosend darzustellen (die Privatkläge-
rin sei beim Randstein gestolpert, als sie die Strasse überquert habe, er habe sie
aufgefangen, Urk. 5/3 S. 3; "Ich wollte eigentlich nur helfen", Urk. 5/3 S. 7). Dem
Beschuldigten ist zwar zugute zu halten, dass er den Anklagesachverhalt anläss-
lich der Schlusseinvernahme vom 16. September 2013 (Urk. 5/4 S. 5) sowie auch
vor Vorinstanz (Prot. I S. 10) grundsätzlich anerkannte. Anlässlich der Berufungs-
verhandlung machte er aber wiederum nur abgeschwächte und relativierende
Zugaben. So gab er – wie dargelegt – erstmals an, er sei aufgrund der Einnahme
von Medikamenten nicht voll da gewesen. Zudem bestritt er, der Privatklägerin
die Hosen herunter gezogen zu haben und er habe auch nie seinen Penis hervor-
geholt. Zudem weist er auch der Privatklägerin eine Teilschuld an diesem Vorfall
zu (Urk. 57 S. 6 f.). Und schliesslich hielt er fest: "Ich weiss, dass ich das, was mir
vorgeworfen wird, nicht gemacht habe" (Urk. 57 S. 8).
Bezüglich Reue und Einsicht ist dem Beschuldigten zwar durchaus zugute zu
halten, dass er eingestand, einen Fehler begangen zu haben ("Es ist ein mega
'Schiessdräck' gewesen. Ich weiss, dass ich einen Fehler gemacht habe. Das
wird mir nie mehr passieren. Es ist für mich eine grosse Lehre", Urk. 5/3 S. 9; vgl.
auch Urk. 57 S. 7). In der vom Beschuldigten geäusserten Kritik an seinem
Verhalten gegenüber der Privatklägerin schwingt aber nicht nur Reue und Einsicht
mit, sondern auch eine Portion Selbstmitleid, weil die ganze Geschichte publik
und er deswegen in ein Strafverfahren verwickelt wurde ("Es war ein Fehler.
Wir hätten es nicht in der Öffentlichkeit tun sollen", Urk 5/2 S. 10; auf die Frage,
weshalb er dies in einer gleichen Situation nicht mehr machen würde: "Weil man
in dieser Situation Probleme bekommt, welche eigentlich nicht da sind. Weil es
nicht richtig passiert ist und das kommt nicht ans Licht", Prot. I S. 13). Wie schon
- 17 -
die Vorinstanz richtig festgestellt hat, offenbaren solche Aussagen nicht wirkliche
Einsicht und Einfühlungsvermögen (Urk. 41 S. 21).
Das Nachtatverhalten ist damit nur leicht strafmindernd zu berücksichtigen.
4.6.4. Fazit Täterkomponente
Nach dem Gesagten kann festgehalten werden, dass sich die Täterkomponente
aufgrund des Nachtatverhaltens leicht strafmindernd auswirkt.
4.7. Würdigung
In Würdigung aller massgeblichen Strafzumessungsgründe erweist sich eine
Freiheitsstrafe von 24 Monaten als dem Verschulden und den persönlichen
Verhältnissen des Beschuldigten angemessen.
An diese Freiheitsstrafe sind die durch Untersuchungshaft erstandenen 2 Tage
anzurechnen (Art. 51 StGB; vgl. Urk. 41 S. 21).
5. Strafvollzug
Die Vorinstanz hat dem Beschuldigten den bedingten Strafvollzug unter
Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren gewährt (Urk. 41 S. 22). Von dieser
Regelung kann bereits aus prozessualen Gründen nicht abgewichen werden
(Verschlechterungsverbot, Art. 391 Abs. 2 StPO).
Entsprechend ist der Vollzug der auszusprechenden Freiheitsstrafe von 24 Mona-
ten aufzuschieben und eine Probezeit von 2 Jahren anzusetzen.
6. Genugtuung
6.1. Die Vorinstanz verpflichtete den Beschuldigten, der Privatklägerin eine Ge-
nugtuung von Fr. 10'000.– nebst 5 % Zins seit 10. Juni 2013 zu bezahlen (Urk. 41
S. 24). Diesbezüglich liess der Beschuldigte berufungsweise ausführen, dass
die von der Vorinstanz ausgesprochene Genugtuung viel zu hoch sei. Unter
Würdigung sämtlicher Umstände erscheine eine Genugtuung von Fr. 1'000.– als
angemessen (Urk. 58 S. 7 f.).
- 18 -
6.2. Hinsichtlich der Voraussetzungen für eine Genugtuung kann auf die Erwä-
gungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 41 S. 24; Art. 82 Abs. 4 StPO).
Sie hat dazu erwogen, der Beschuldigte habe die wehrlose Situation der Privat-
klägerin zur Befriedigung seiner eigenen Bedürfnisse ausgenutzt. Damit habe
er widerrechtlich und schuldhaft in die psychische und physische Integrität der
Privatklägerin eingegriffen. Dass sich die Privatklägerin nach dem Vorfall an
nichts habe erinnern können, mindere die Schwere des Eingriffs des Beschuldig-
ten nicht. Vielmehr seien das Gefühl des Kontrollverlustes und die Ungewissheit
über das Geschehene zu gewichten, welche nach einer solchen Tat einen
langwierigen Aufarbeitungsprozess auslösen könne. Die Tat stelle objektiv
eine erhebliche Verletzung der Persönlichkeitsrechte und der psychischen und
physischen Integrität der Privatklägerin dar (Urk. 41 S. 24).
6.3. Die Privatklägerin liess hierzu ausführen, dass sie in ihrer psychischen,
physischen und sexuellen Integrität schwer verletzt worden sei. Der Beschuldigte
habe die Situation, in der sie hilflos und schwach gewesen sei, schamlos ausge-
nützt. Sie sei von einem wildfremden Mann mitten am Tag in aller Öffentlichkeit
teilweise entblösst und es seien an ihr sexuelle Handlungen vorgenommen wor-
den, ohne dass sie die Möglichkeit gehabt habe, sich zu wehren. Die Übergriffe
des Beschuldigten seien für die Geschädigte mit einem immensen Kontrollverlust
verbunden und hätten bei ihr eine schwerwiegende Retraumatisierung ausgelöst.
Sie leide unter einer posttraumatischen Belastungsstörung. Sie leide unter
Alpträumen, Alertness in den Abend- und frühen Nachtstunden, Angst, Panik
und Hypervigilanz. Bis heute würden Einschränkungen, welche sich in Schlaf-
störungen und Alpträumen äussern, bestehen (Urk. 31 S. 3). Die Vertreterin der
Privatklägerin reichte dazu eine ärztliche Stellungnahme der Suchtmedizinischen
Tagesklinik ... (D) vom 10. Februar 2014 ein (Urk. 32/1).
6.4. Es fällt auf, dass sich die ärztliche Stellungnahme, welche die Privatklägerin
einreichen liess, nicht explizit auf die vorliegend zu beurteilende Tat vom 10. Juni
2013 bezieht. Vielmehr wird darin in allgemeiner Weise festgehalten, dass sich
die Privatklägerin bei der Suchtmedizinischen Tagesklinik ... (D) in tagesklinischer
Behandlung befinde und sie vom 21. Oktober 2013 bis am 10. Januar 2014 erst-
- 19 -
malig in der Suchtmedizinischen Tagesklinik behandelt worden sei. Neben den
phasenweise vorhandenen Entzugserscheinungen hätten insbesondere zu Be-
ginn der Behandlung 2013 noch erhebliche Symptome bestanden, die der eben-
falls diagnostizierten posttraumatischen Belastungsstörung zuzurechnen seien.
Sodann wurden die einzelnen Symptome, über welche die Privatklägerin geklagt
habe, einzeln aufgeführt. Weiter wurde ausgeführt, dass zum damaligen Zeitpunkt
noch eine Restsymptomatik bestehen würde, die sich vor allem in Schlafstörun-
gen und Alpträumen äussern würde. Abschliessend wurde festgehalten, es sei
rückblickend davon auszugehen, dass im Vorfeld der Behandlung 2013 eine
Traumareaktivierung stattgefunden haben dürfte (Urk. 32/1).
6.5. In diesem Zusammenhang ist zu berücksichtigen, dass die Privatklägerin
anlässlich der ersten polizeilichen Einvernahme am 11. Juni 2013 ausführte, sie
sei im Alter von 11 und 12 Jahren von ihrem Vater missbraucht worden. Sie
sei deswegen in Deutschland in Therapie gewesen und befinde sich derzeit in
Behandlung im Ambulatorium .... Seit sie 12 Jahre alt sei, habe sie Angst- und
Schlafstörungen (Urk. 3/1 S. 1 f.). Aufgrund dieser Schilderungen muss davon
ausgegangen werden, dass die inkriminierten Handlungen des Beschuldigten
nicht alleine ursächlich sind für die von der Privatklägerin beschriebenen bzw. der
in der ärztlichen Stellungnahme aufgeführten Symptome und der diagnostizierten
posttraumatischen Belastungsstörung. Diese Symptome wurden aber durch die
Tat vom 10. Juni 2013 zweifelsohne verstärkt oder erneut hervorgerufen.
6.6. Eine Genugtuung kann nur für Persönlichkeitsverletzungen zugesprochen
werden, die kausal zur vorgeworfenen Tat sind. Vor diesem Hintergrund, unter
Berücksichtigung der gesamten Umstände, insbesondere der massiven Be-
einträchtigung der Privatklägerin in ihrer psychischen, physischen und sexuellen
Integrität, sowie unter Einbezug von Genugtuungszahlungen in ähnlich gelagerten
Fällen erscheint – in Abweichung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 41 S. 21) –
einer Genugtuung in der Höhe von Fr. 7'000.– zuzüglich 5 % Zins seit
10. Juni 2013 angemessen.
- 20 -
7. Kosten- und Entschädigungsfolge
7.1. Im Berufungsverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe ihres
Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Vorliegend obsiegt der Be-
schuldigte teilweise in Bezug auf die Genugtuung. Im Übrigen dringt er mit seinem
Antrag bezüglich der Sanktion nicht durch. In Gewichtung dieser Ausgangslage
sind deshalb die Kosten des zweitinstanzlichen Verfahrens, mit Ausnahme
derjenigen der amtlichen Verteidigung, zu drei Vierteln dem Beschuldigten
aufzuerlegen und zu einem Viertel auf die Gerichtskasse zu nehmen.
7.2. Die Kosten der amtlichen Verteidigung in der Höhe von Fr. 3'800.– (Urk. 56)
sind dementsprechend zu einem Viertel definitiv und zu drei Vierteln einstweilen
und unter Vorbehalt der Rückzahlungspflicht gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO auf die
Gerichtskasse zu nehmen.
7.3. Der Beschuldigte ist ausgangsgemäss – die vorinstanzlich zugesprochene
Genugtuung wird von Fr. 10'000.– um Fr. 3'000.– auf Fr. 7'000.– reduziert – zu
verpflichten, der Privatklägerin für das Berufungsverfahren eine um 3/10 reduzier-
te Prozessentschädigung von Fr. 512.– (Urk. 54 und 55) zu bezahlen.