# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b6ba5e6e-a92e-4a9a-b05d-6ef120af5e10
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1965 geborene
X._
, Mutter zweier 1992 und 2000 gebore
ner Kinder, reiste 1997 aus
Y._
in die Schweiz ein und arbeitete
im Reinigungsdienst und in der Gastronomie;
zuletzt
war sie
vom 22. August 2011 bis 31. Juli 2019 als Betreuungsassistentin beim Schul- und Sportdepartement der Stadt
Z._
angestellt
; seit August 201
4
war sie im 60 %-Pensum tätig, letzter effektiver Arbeitstag war der 10. Juli 2017 (Urk. 7/50, Urk. 7/99, Urk. 7/124). Im März 2009
hatte
sie sich unter Hinweis auf eine im Juni 2007 erlittene Schulter- und Oberarmverletzung rechts erstmals bei der Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Lei
s
tungsbezug (berufliche Integration/Rente) an
gemeldet
(Urk. 7/2); seit dem 1. Mai 2009 bezog die Versi
cherte gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 11 % eine Rente der Unfallversi
cherung; zudem wurde ihr seitens der zuständigen Unfallversicherung eine Integritätsent
schädigung auf Basis einer 10%igen Integritätseinbusse zuge
sprochen (vgl.
Verfügung vom 31. Juli 2009, Urk. 7/20/1). Nach ent
sprechenden Abklärungen, insbesondere Beizug der UV-Akten (Urk. 7/10/1
162, Urk. 7/11/1
18, Urk. 7/12/1-33, Urk. 7/20/1-5), und durchge
führtem
Vor
bescheid
verfahren
(Urk. 7/23 f.) wies die IV-Stelle einen Anspruch auf Arbeitsvermittlung mit Ver
fügung vom 2. November 2009 mangels gesund
heitlicher Einschränkung bei der Stellensuche ab; für die Stellensuche sei das Regionale Arbeitsvermittlungs
zentrum (RAV) zuständig (Urk. 7/25). Mit Verfügung vom 3. November 2009 ver
neinte die IV
Stelle einen Rentenanspruch und begründete dies damit, aus dem Einkommensvergleich resultiere ein rentenausschliessender IV-Grad von 11 %; zudem bestünden reine Unfallfolgen (Urk. 7/26).
1.2
Im März 2011 meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf die im Juni 2007 erlittene Schulterverletzung erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (berufliche Massnahmen/Rente, Urk. 7/31). Mit Mitteilung vom 4. April 2011 erteilte ihr die IV-Stelle Kostengutsprache für eine Arbeitsvermittlung durch die
A._ AG
für die Dauer eines Jahres, längstens bis Ende April 2012 (vgl.
Urk. 7/36). Mit Mitteilung vom 24. Juli 2012
wies
die IV-Stelle
darauf hin, dass
die einjährige Nachbe
treuungszeit durch die
A._
-Beratungsperson im August 2012
endige
; das
A._
-Programm werde auf diesen Zeitpunkt hin offiziell beendet (Urk. 7/42; Abschlussbericht der
A._
AG, Urk. 7/47/1-2).
1.3
Im August 2012 ersuchte die Versicherte um Wiederaufnahme der Arbeitsver
mittlung. Dies weil die gefundene Stelle lediglich ein 20%-Pensum beinhalte und sie
gerne mehr arbeiten würde (Urk. 7/43). Nach durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
(Urk. 7/45) wies die IV-Stelle dieses Begehren mit der Begründung ab, die einjährige Nachbetreuung durch die
A._
-Beratungsperson sei im August 2012 abgelaufen; zuständig sei das RAV (vgl. Verfügung vom 8. Oktober 2012, Urk. 7/46).
1.4
Im Januar 2016 meldete sich die Versicherte abermals unter Hinweis auf das Schulter-/Armsyndrom rechts bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug (berufliche Integration/Rente) an (Urk. 7/52). Diese lud die Versicherte zu einem persönlichen Gespräch ein (Urk. 7/57) und erteilte im März 2016 im Sinne einer Frühinterven
tionsmassnahme Kostengutsprache für ein externes Ergonomie-Coaching am Arbeitsplatz (vgl. Mitteilung vom 15. März 2016, Urk. 7/59; vgl. auch Urk. 7/58). Diese Massnahme wurde im Oktober 2016 nach teilweiser Umsetzung der Empfehlungen aus dem Ergonomie-Coaching abgeschlossen; zeitgleich wurde der Versicherten mitgeteilt, dass sie ein rentenausschliessendes Einkommen erzielen könne (vgl. Mitteilung vom 4. Oktober 2016, Urk. 7/68; vgl. auch Verlaufsbericht Ergonomie-Coaching am Arbeitsplatz, Urk. 7/63 f.).
1.5
Am 28. Dezember 2017 meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf eine im Juni 2017 erlittene Distorsion des Fusses, Knochennekrose mit Arthrose rechts sowie einen abgebrochenen Knochen wiederum bei der IV-Stelle zum Leistungs
bezug an (berufliche Integration/Rente, Urk. 7/72). Die IV-Stelle lud die Versi
cherte zu einem persönlichen Gespräch ein und zog die Akten der beruf
lichen Vorsorge
einrichtung
bei (Urk. 7/79/1-22). Mit Schreiben vom 27. April 2018 teilte sie der Versicherten mit, aus gesundheitlichen Gründen seien derzeit keine Eingliederungsmassnahmen angezeigt (Urk. 7/82). Im Hinblick auf die Renten
prüfung zog die IV-Stelle die (Verlaufs-) Akten der beruflichen Vorsorge
ein
richtung
und Unfallversicherung bei (Urk. 7/84/1-10, Urk. 7/87/1-58, Urk. 7/95/1-24, Urk. 7/102/1-11). Mit Verfügung vom 25. Juni 2019 wurde das bisherige Arbeits
verhältnis der Versicherten seitens der Arbeitgeberin aus gesundheitlichen Gründen per 31. Juli 2019 aufgelöst (Urk. 7/124). Daraufhin erteilte die IV-Stelle Kostengutsprache für eine Arbeitsvermittlung rückwirkend vom 28. Juni bis 31. Dezember 2019 (vgl. Mitteilung vom 12. Juli 2019, Urk. 7/127); mit Mittei
lung vom 4. März 2020 übernahm sie zudem die Kosten für eine «Arbeitsvermitt
lung direkt» durch die
B._
AG,
Z._
(Urk. 7/147; vgl. auch Abschlussbericht, Urk. 7/158). Im November 2020 wurde die Arbeits
vermittlung erfolglos abgeschlossen (vgl. Mitteilung vom 27. November 2020, Urk. 7/159). Im Hinblick auf die Rentenprüfung beauftragte die IV-Stelle ihren Abklärungsdienst mit der Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit der Versicherten im Haushalt (Abklärungsbericht vom 9. Februar 2021, Urk. 7/161). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/165, Urk. 7/170) sprach die IV-Stelle der Versicher
ten mit Verfügung vom 3. Mai 2021 bei einem nach der
allgemeinen Methode bemessenen IV-Grad von 100 % eine vom 1. Juni 2018 bis 31. Januar 2019 befristete ganze und gestützt auf einen IV-Grad von 45 % ab dem 1. Februar 2019 eine unbefristete
Viertelsrente
, zuzüglich einer akzessori
schen Kinderrente,
zu (Urk. 2
; vgl. auch
Urk.
7/178
).
2.
Dagegen erhob
X._
am 2. Juni 2021 Beschwerde und bean
tragte, es sei die angefochtene Verfügung hinsichtlich der Zusprache einer unbe
fristeten
Viertelsr
ente
ab dem 1. Februar 2019 aufzuheben und der Beschwerde
füh
rerin ab diesem Zeitpunkt eine unbefristete halbe Rente zuzusprechen (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 16. August 2021 schloss die Beschwerdegeg
nerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was der Beschwerdeführerin am 19. August 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8).
3.
Mit Beschluss vom 2
1.
Januar 2021 wurde der Beschwerdeführerin die vorläufige Einschätzung der Rechtslage mitgeteilt, unter dem Hinweis, dass ihr - sollte das Gericht an der vorläufigen Einschätzung festhalten und die Sache zur ergänzen
den medizinischen Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückweisen
-
eine Schlechterstellung drohe. Diese bestehe darin, dass die zu tätigenden Abklärun
gen zu einem Resultat führen könnten, welche einen Anspruch auf Ausrichtung der gesprochenen Rente in Frage stellen könnte. Entsprechend wurde der Beschwerdeführerin Frist zur Stellungnahme und zur Erklärung darüber ange
setzt, ob sie an der Beschwerde festhalte oder ob sie diese zurückziehe (Urk. 9).
Innert der ihr mit Beschluss vom 2
1.
Januar 2021 angesetzten Frist liess sich die Beschwerdeführerin nicht vernehmen.
Entsprechend wird angenommen, dass sie an der Beschwerde festhält (vgl. Beschluss vom 2
1.
Januar 2021,
Disp
.-
Ziff.
1).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. De
zember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Nach der Rechtsprechung sind bei rückwirkender Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente die für die Rentenrevision geltenden Bestimmun
gen (Art. 17 ATSG in Verbindung mit Art. 88a IVV) analog anzuwenden (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_122/2020 vom 26. Februar 2021 E. 2). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Ände
rung der tatsächlichen
Verhältnisse eingetreten und damit der für die Abstufung oder Befristung erforderliche Revisionsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts im Zeitpunkt des Rentenbeginns mit demjenigen im
nach Massgabe des analog anwendbaren Art. 88a Abs. 1 IVV festzu
setzenden
-
Zeitpunkt der Anspruchsänderung (vgl. BGE 125 V 413 E. 2d mit Hin
weisen; vgl. statt vieler: Urteile des Bundesgerichts 8C_375/2017 vom 25. August 2017 E. 2.2 und 8C_350/2013 vom 5. Juli 2013 E. 2.2 mit Hinweis).
1.5
Die rückwirkend ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Reduktion abgestufte Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der Leistung und andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung (BGE 125 V 413 E. 2d; Urteil des Bundesgerichts 8C_780/2007 vom 27. August 2008 E. 2.3; vgl.
Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage 2014,
Rn
11 zu Art. 30–31). Rechtsprechungsgemäss bildet eine solche Verfügung insgesamt den Anfechtungs- und Streitgegenstand und unterliegt integral der gerichtlichen Prüfung, selbst wenn nur einzelne Punkte davon bestritten sind (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.2, 125 V 413 E. 2d; vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_440/2017 vom 25. Juni 2018 E. 5.1 [in BGE 144 V 153 nicht publiziert] und 9C_50/2011 vom 25. Mai 2011 E. 2.1).
Spricht die Verwaltung der versicherten Person eine abgestufte oder befristete Rente zu und wird beschwerdeweise einzig die Abstufung oder die Befristung der Leistungen angefochten, hat dies nicht eine Einschränkung des Gegenstandes des Rechtsmittelverfahrens in dem Sinne zur Folge, dass die unbestritten gebliebenen Bezugszeiten von der Beurteilung ausgeklammert blieben. Die gerichtliche Prü
fung hat vielmehr den Rentenanspruch für den gesamten verfügungsweise gere
gelten Zeitraum und damit sowohl die Zusprechung als auch die Abstufung oder Aufhebung der Rente zu erfassen (BGE 131 V 164 E. 2.2, 125 V 413 E. 2d; Urteile des Bundesgerichts 8C_765/2007 vom 11. Juli 2008 E. 2 und I 526/06 vom 31. Oktober 2006 E. 2.3 mit Hinweisen). Dabei ist in anfechtungs- und streitge
genständlicher Hinsicht irrelevant, ob eine rückwirkende Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente in einer oder in mehreren Verfügun
gen gleichen Datums eröffnet wird (BGE 131 V 164 Regeste; Urteil des Bundes
gerichts 8C_489/2009 vom 23. Oktober 2009 E. 4.1 mit Hinweis).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medi
zinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa
tion einleuchtet und ob
die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die Beschwerdegegnerin, aufgrund ihrer Abklärungen sei die Beschwerdeführerin seit Juni 2017 gesundheitlich einge
schränkt. Zeitgleich beginne das Wartejahr. Nach Ablauf des Wartejahrs habe weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Daraus ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 100 %. Im Januar 2019 habe sich ihre gesundheitliche Situation verbessert und sei die Beschwerdeführerin hinsichtlich einer
-
näher umschriebenen
-
angepassten Tätigkeit ab dem 1. Februar 2019 zu 70 % arbeits
fähig gewesen. Aus dem Einkommensvergleich resultiere ein Invaliditätsgrad von 45 %. Mithin habe die Beschwerdeführerin vom 1. Juni 2018 bis 31. Januar 2019 Anspruch auf eine ganze und ab dem 1. Februar 2019 Anspruch auf eine unbe
fristete
Viertelsrente
(Urk. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin bemängelte die Invaliditätsbemessung, insbesondere, dass die Beschwerdegegnerin auf einen leidensbedingten Abzug verzichtet habe. Unter Hinweis auf das Belastungsprofil rechtfertige sich ein leidensbedingter Abzug von mindestens 10 %, woraus ein Invaliditätsgrad von 50.1 % resultiere. Zudem wies die Beschwerdeführerin darauf hin, dass das Abstellen auf die LSE
in der Lehre zusehends kritisiert werde. Diese Kritik werde untermauert durch eine aktuelle Studie des Büros für arbeits- und sozialpolitische Studien (BASS), welche zum Schluss komme, dass für körperlich anstrengende Tätigkeiten mit geringen Anforderungen vergleichsweise hohe Löhne bezahlt würden. Dies führe im Ergebnis zu einer Verzerrung, welche sich dadurch äussere, dass der Median-Lohn im Kompetenzniveau 1 höher ausfalle als es den tatsächlichen Verhältnissen ent
spreche. Die Studie bestätige zudem, dass die Löhne von erwerbstätigen IV
Bezügern im Schnitt 17 % unter den statistischen Löhnen liegen würden. Zumin
dest sei dieser Aspekt beim leidensbedingten Abzug zu berücksichtigen (Urk. 1).
3.
Vorab ist darauf hinzuweisen, dass
die angefochtene Verfügung vom 3. Mai 2021 auf die gesamte Rentendauer ab dem 1. Juni 2018 bis zum Erlass der angefoch
tenen Verfügung einer gerichtlichen Überprüfung zu unterziehen ist (
vgl. E. 1.5
)
.
4.
4
.1
Am 1
4.
Juni 2017 rutschte die Beschwerdeführerin bei der Arbeit
auf einem Stein
a
us und
erlitt
dadurch
eine Distorsion der Lendenwirbelsäule
(LWS)
und des rechten oberen Sprunggelenks (OSG).
Zudem
bescheinigte der
erstbehandelnde Dr. med.
C._
, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin,
der Beschwerdeführerin
ab dem
1
6.
Juni 2017
eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit
(vgl.
Arztzeugnis
vom
3.
Juli 2017,
Urk.
7/87/43
; Bericht vom
4.
September 2017,
Urk.
7/87/44
). Die
nach
behandelnden Ärzte der Uniklinik
D._
(nachfolgend:
D._
)
diagnosti
zierten
eine OSG-
Distorsion rechts
am 1
4.
Juni 2017
und
einen Status
nach axialem Stauchungstrauma im Januar 2012
(vgl.
Konsiliarb
ericht vom 6.
Sep
tember 2017,
Urk.
7/87/19).
MR-tomographisch ergab sich kein Nachweis eine
r
S
ehnenläsion, dafür
eine im Vergleich zur Voruntersuchung (Januar 2013) pro
grediente
, nun fortgeschrittene
Talonavikul
ararthrose
mit Reizzustand bei vorbe
s
tehender Deformität des Os
navikul
are
nach Osteonekrose (vgl. MRI-Be
fund vom
4.
September 2017,
Urk.
7/87/21).
Bei frustraner konservativer Therapie wurde a
m 1
7.
November 2017 eine Arthrodese
talonavikulär
mit lokaler autologer Knochenanlagerung und Fixierung
naviculocuneinforme
rechts durchgeführt (vgl. Operationsbericht,
Urk.
7/87/23).
Infolge persistierender Beschwerden im medialen Rück- und Mittelfussbereich
rechts
, welche unter anderem auf das Osteosynthesematerial zurückgeführt wurden
(vgl. Konsiliar
bericht
e
vom 2
7.
März 2018,
2
2.
Juni 2018 und
5.
Juli 2018,
Urk.
7/87/3
5 f.
,
Urk.
7/95/5
-8
)
, erfolgte am 2
7.
Juli 2018 die
komplett
e Metall
entfernung
(vgl. Operationsbericht,
Urk.
7/95/9).
4
.2
Im
seitens der Unfallversicherung veranlassten medizinischen Abklärung
sbericht
vom 1
4.
November 2018 hielt
Dr.
med.
E._
,
Facharzt FMH für Orthopädi
sche Chirurgie
als Hauptdiagnosen
(1) eine Arthrodese
talonvi
k
ulär
rechts, (2)
Gonarthrose medial rechts sowie
(3) Hypothyreose fes
t
(
Urk.
7/95/18)
.
Die Beschwerdeführerin sei im Januar 2012 beim Aussteigen aus dem Bus mit dem rechten Fuss umgeknickt.
Im weiteren Verlauf habe sich eine
navi
k
ulare
Arthrose gebildet. Am 1
4.
Juni 2017 habe sie erneut ihr rechtes Fussgelenk verstaucht. Dadurch habe sich die
Talonavi
k
ular
-Arthrose aktiviert und eine Nekrose des Os naviculare eingestellt.
Die bestehenden Beschwerden seien überwiegend wahr
scheinlich unfallkausal
.
Hinsichtlich der angestammten Tätigkeit als Hortmit
arbeiterin bestehe derzeit keine Arbeitsfähigkeit; in einer angepassten über
wiegend sitzend ausgeübten Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin per sofort zu 100
%
arbeitsfähig
. Der Endz
ustand sei noch nicht erreicht
(
Urk.
7/95/16 ff.
; vgl.
auch
Urk.
7/87/54
)
.
4.
3
Die daraufhin
im
D._
durchgeführte Infiltration erbrachte eine 5
0%ige Besserung. Laut den behandelnden Ärzten stünden die
Restb
eschwerden im Zusammenhang mit der
subtalaren
Arthrose sowie Arthrose der A
nschluss
segmente im Mittelfuss.
Aktuell sei
die Beschwerdeführerin schmerzkompensiert und
eine Arbeitsaufnahme zu 50
%
mit ma
ximal drei Stunden am Tag
und maximal zwei Stunden am Stück
sinnvoll (vgl. Konsiliarbericht vom 1
4.
Januar 2019,
Urk.
7/104); seitens
Dr.
C._
wurde der Beschwerdeführerin ab dem 2
6.
Februar 2
019 eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit attestiert (
Urk.
7/119).
4.4
Vertrauensärztin
Dr. med.
F._
, Fachärztin FMH für Physikalische Medizin und Rehabilitation
,
hielt
im Bericht
vom
1
7.
Juni 2019
zuhanden der
Vorsorge
einrichtung
als Hauptdiagnose
mit Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit
Rest
beschwerden
im rechten Fuss
fest (
Urk.
7/
121
/2).
Ohne Aus
wirkunge
n auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierte sie
(1)
eine beginnende mediale Gonarthrose
sowie (2)
Hypothyreose
(
Urk.
7/
121
/2).
Die Beschwerdeführerin habe berichtet, keine schweren Gewichte über Treppen transportieren zu können; ansonsten sei sie
«
bei der Arbeit ausser für das Rennen voll einsatzfähig
»
. Objektiv bestehe ein leichtes Entlastungshinken rechts sowie eine eingeschränkte Beweglichkeit im rechten Fuss (vgl.
Urk.
7/121/3).
In der bisherigen Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin unfallbedingt dauerhaft arbeitsunfähig; hinsichtlich
eine
r
leichte
n, wechselbelastenden
Tätigkeit mit der Möglich
keit,
zeitweise zu sitzen
,
ohne Tragen von Lasten über 5 kg
für
länger als 5 Min
u
ten
bestehe eine 100
%
ige A
rbeitsfähig
keit
(
Urk.
7/120/2
;
vgl. auch Bericht vom 2
1.
Januar 2019,
Urk.
7/102).
4.
5
Im weiteren Verlauf berichtete die Beschwerdeführerin
über eine
zunehmend
e
Besserung
des
rechten Fuss
es mit der orthopädischen Schuhversorgung
. D
ie behandelnden Ärzte des
D._
hielten hinsichtlich der
talonaviculären
Arthro
des
e
ein zufriedenstellendes Ergebnis mit Restbeschwerden und
neu ein vo
rderes OSG-
Impingement
sowie den
Verdacht auf eine
Peroneal
sehnentendinopathie
des rechten Fusses
fest
(vgl. Konsiliarbericht vom
9.
August 2019,
Urk.
7/144/3 f.).
Im Arztzeugnis vom 1
8.
Juni 2019 postulierten sie eine Arbeitsunfähigkeit in angestammter Tätigkeit ab 2
4.
Juni 2019 und vermerkten, die Beschwerde
führerin sollte auf körperliche «belastbare» Tätigkeiten mit insbesondere Treppen
steigen/absteigen verzichten. Eine sitzende Tätigkeit sei zu 100
%
möglich (
Urk.
7/123/12).
4.
6
Vertrauensarzt
Dr.
med.
G._
, Facharzt FMH für Innere
Medi
zin, spez. Rheumatologie, diagnostizierte
am 2
0.
Ja
nuar 2020 als Hauptdiagnose eine persistierende deutliche Belastbarkeitseinschränkung und chronische Schmerz
entwicklung mit Einschränkung der Funktion im Bereich des rechten Fusses
(
Urk.
7/142/7)
.
Die Beschwerdeführerin habe am 1
7.
Januar 2012 eine OSG
Distorsion rechts mit Entwicklung einer Nekrose Os naviculare und am 1
4.
Juni
2017 eine erneute OSG-Distorsion (inkl. LWS-Distorsion)
mit notwendiger Arthrodese
talonavikulär
erlitten.
Die
navikula
re
Nekrose habe sich posttrauma
tisch entwickelt
. Diese sei
über mehrere Jahre
hinweg
einigermassen kompensiert verblieben, wobei stets Beschwerden bestanden hätten. Durch das
zweite
Ereignis vom 1
4.
Juni 2017 sei es zu einer Aktivierung und Progression der Arthrose gekommen, mit Beteiligung der N
achbarsgelenke, so dass
im November 2017
eine
Arthrodese
talonavikulär
und
naviculocuneiform
rechts
habe durchgeführt wer
den müssen. Das relevante E
reignis habe
am 1
7.
Januar
2012 stattgefunden;
das Ereignis vom 1
4.
Juni 2017 habe zu einer zusätzlichen Verschlechterung geführt. Es bestünden weder prä- noch posttraumatisch unfallfremde Faktoren; das aktuelle Beschwerdebild sei mit Sicherheit unfallbedingt
. Der Endzustand sei nun erreicht
(
Urk.
7/142/1,
Urk.
7/142/7). Hinsichtlich der angestammten Tätigkeit bestehe
unter Berücksichti
gung von Schonkriterien (z. B. V
ermeiden von repeti
tiven Wegstrecken)
eine zumutbare Restarbeitsfähigkeit von höchstens 50% bezogen auf ein Vollzeitpensum. In einer
-
näher umschriebenen
-
Verweistätig
keit sei die Beschwerdeführerin
im ange
stammten Pensum von 60
%
uneinge
schränkt arbeitsfähig; bezogen auf ein Vollzeitpensum bestehe eine 30%ige Arbeitsunfähigkeit
infolge der Ruhe
schmerzen
sowie Schwellungen mit Schmer
zen in sitzender Position
. Dabei handle es sich um eine Schätzung; für eine differenzierte Beurteilung bedürfe es einer
Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (
EFL
,
vgl.
Urk.
7/142/9).
4.
7
Im ärztlichen Zeugnis vom 2
5.
Februar 2020 hielt
Dr.
C._
fest, in
der ange
stammten Tätigkeit als Hortmitarbeiterin mit Treppengehen und Tragen von schweren Lasten, das heisst
in
mittelschwere
r
Tätigkeit mit vor allem gehenden und stehenden Arbeitsabläufen bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. In einer – näher umschriebenen – Verweistätigkeit sei die Beschwerdeführerin zu 100
%
arbeitsfähig (
Urk.
7/144/1).
4.
8
Dr.
med.
H._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie, Regiona
ler Ärztlicher Dienst (RAD),
hielt gestützt auf die bisherige Aktenlage a
m 13. Januar 2021
als Hauptdiagnosen mit
dauerhaften
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (1) eine
persistierende deutliche Belastbarkeitseinschränkung
und chronische Schmerzentwicklung mit Einschränkung der Funktion im Bereich des rechten Fusses sowie (2) den Verdacht auf eine medial betonte Gonarthrose rechts fest.
Ohne dauerhafte Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit best
ünden
(1) eine substituierte Hypothyreose, (2) anamnestisch Verdacht auf Arzneimittel
exanthem, (3) anamnestisch Verdacht auf Partialruptur der Supraspinatussehne vom
3.
Juli 2007 mit/bei symptomatischer AC-Gelenksarthrose sowie (4) anamnestisch OSG-Distorsion rechts am 1
7.
Januar 2012 (
Urk.
7/163/7). In ihrer angestammten
Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin
gestützt auf die Beurteilung von
Dr.
C._
seit dem 1
6.
Juni 2017 zu 100
%
arbeitsunfähig; hinsichtlich einer
– näher umschriebenen
-
Verweistätigkeit
bestehe gestützt auf die Einschätzung von
Dr.
G._
eine 70%ige Arbeitsunfähigkeit bezogen auf ein Vollzeitpensum (
Urk.
7/163/8).
5.
5.1
Aus den beigezogenen medizinischen Berichten der beruflichen Vorsorge
einrich
tung und der Unfallversicherung ergibt sich kein einheitliches Bild hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin. Während für die behandelnden Orthopäden des
D._
ab Januar 2019 auch in angestammter Tätigkeit eine Teilarbeitsfähigkeit bestand (E. 4.3) und sie für sitzende Tätigkeit jedenfalls ab Juni 2019 eine volle Arbeitsfähigkeit postulierten, nachdem offenbar auch sub
jektiv eine Besserung der Schmerzproblematik eingetreten war durch die ortho
pädische Schuhversorgung (E. 4.5), erachtete
Dr.
E._
in seinem Kurzgutachten vom 1
4.
November 2018 ab sofort eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in angepasster, überwiegend sitzender Tätigkeit für gegeben an (E. 4.2), so wie
Dr.
F._
in ihrem Bericht vom 1
7.
Juni 2019 (E. 4.4).
Dr.
C._
attestierte im Februar 2020 eine volle Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit (E. 4.7). Dem widersprechend hielt
Dr.
G._
im Januar 2020 infolge Ruheschmerzen sowie Schwellungen auch in angepassten sitzenden Tätigkeiten eine Einschränkung für gegeben und schätzte sie auf 30
%
, wobei er hinsichtlich dieser Angabe vage bleibt und für eine differenzierte Beurteilung auf die Notwendigkeit hinweist, eine EFL durch
zuführen (E. 4.6). Ferner bleibt darauf hinzuweisen, dass sich diese medizinischen Aussagen auf die unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit hinsichtlich der Ereignisse von Januar 2012 und Juni 2017 bezogen und die Beschwerdegegnerin wenig eigene Abklärungen tätigte. Auch wenn mit der beginnenden medialen Gon
arthrose sowie der Hypothyreose keine unfallfremden Diagnosen mit Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit erwähnt wurden, so verbleiben die Auswir
kungen des Schulter-/Armsyndrom rechts (vgl. Sachverhalt Ziffer 1.1) unbekannt und lässt die medizinische Aktenlage eine Gesamtschau missen. Die Stellung
nahme von RAD-Arzt
Dr.
H._
vom 1
3.
Januar 2021 (E. 4.8) erfolgte dem
nach auf einer unzulänglichen medizinischen Entscheidungs
grundlage ohne eigene fachärztliche Untersuchung, was den Anforderungen an eine ausreichende medizinische Entscheidungsgrundlage nicht zu genügen ver
mag.
5.2
Zusammenfassend lag der angefochtenen Verfügung kein hinreichend abgeklär
ter medizinischer Sachverhalt zugru
nde, welcher eine rechtskonforme Beur
tei
lung des
Gesundheitsschadens
sowie dessen Aus
wirkungen auf die Arbeits
fähig
keit der Beschwerdeführerin erlaubt hätte.
Daher ist die angefochtene Verfügung vom
3.
Mai 2021
aufzuheben und
die Sache
an die Beschwerde
gegnerin zurück
zuweisen, damit sie die erforderlichen Abklärungen veranlasse und danach erneut über das Leistungsbegehren entscheide. In diesem Sinne ist die Beschwerde
gut
zuheissen
.
6
.
6
.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2).
6
.2
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV
Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 7
00.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Be
schwerdegegnerin aufzuerlegen.
6
.3
Die vertretene Beschwerdeführerin hat Anspruch auf eine Prozessentschädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Die Entschädigung ist nach Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34
GSVGer
ohne Rücksicht
auf den Streitwert nach der Be
deutung der Streitsache, der Schwier
igkeit des Prozesses auf Fr. 1'8
00.-- (inkl. Bar
auslagen und
MWSt
) festzusetzen.