# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** dfa663d1-3615-4b08-9790-e96f468c3bc2
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend mehrfache Drohung etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Affoltern, Einzelgericht, vom 5. Oktober 2021 (GG210010)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 30. Juli 2021
(Urk. 20) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte, A._, ist schuldig
− der mehrfachen Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB,
− des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB sowie
− der mehrfach versuchten Gewalt und Drohung gegen Behörden und
Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB, jeweils in Verbindung mit
Art. 22 Abs. 1 StGB.
2. Die mit Entscheid des Amtes für Justizvollzug und Wiedereingliederung des
Kantons Zürich, Bewährungs- und Vollzugsdienste, vom 16. Februar 2021
verfügte bedingte Entlassung wird widerrufen. Der Beschuldigte wird in den
Vollzug der noch ausstehenden Reststrafe von 72 Tagen Freiheitsstrafe
rückversetzt.
3. Der Beschuldigte wird unter Einbezug dieses Strafrestes bestraft mit
9 Monaten Freiheitsstrafe als Gesamtstrafe, wovon bis und mit heute 188
Tage durch Untersuchungs- und Sicherheitshaft bereits erstanden sind.
4. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.
5. Es wird eine ambulante Behandlung des Beschuldigten, A._, im Sinne
von Art. 63 StGB (Behandlung psychischer Störungen) angeordnet. Der
Vollzug der Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben.
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6. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 1'800.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'000.– Gebühr Vorverfahren; Fr. 18'067.– Auslagen (Gutachten) Fr. 10'124.– Kosten amtliche Verteidigung (inkl. 7.7% MwSt.)
7. Die Kosten des Vorverfahrens und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten
auferlegt.
8. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden einstweilen auf die Gerichts-
kasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135
Abs. 4 StPO.
9. Rechtsanwalt Dr. iur. X._ wird für seine Aufwendungen als amtlicher
Verteidiger des Beschuldigten aus der Gerichtskasse mit Fr. 10'124.– (inkl.
7.7% MwSt.) entschädigt.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 138)
1. Es sei festzustellen, dass die Dispositiv-Ziffern 2, 4 und 5 des erstin-
stanzlichen Urteils in Rechtskraft erwachsen sind.
2. Der Beschuldigte sei schuldig zu sprechen:
− der mehrfach versuchten Gewalt und Drohung gegen Behörden
und Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB jeweils in Verbin-
dung mit Art. 22 Abs. 1 StGB
− der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB (Dossier 1, Straf-
tatbestand 2)
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Vom Vorwurf der mehrfachen Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1
StGB (Dossier 2, Straftatbestand 3 und 4) sei der Beschuldigte freizu-
sprechen.
3. Der Beschuldigte sei unter Einbezug des Strafrestes gemäss Dispositiv
Ziffer 2 des vorinstanzlichen Urteils mit 6 1⁄2 Monaten Freiheitsstrafe als
Gesamtstrafe zu bestrafen, wovon 188 Tage durch Untersuchungs-
und Sicherheitshaft bereits erstanden sind.
4. Alles unter gesetzlichen Kosten- und Entschädigungsfolgen.
b) Der Vertreter der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat:
(Urk. 130, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
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## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte
1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Vermei-
dung von unnötigen Wiederholungen auf die Erwägungen der Vorinstanz im an-
gefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 125 S. 5; Art. 82 Abs. 4 StPO).
2. Das erstinstanzliche Urteil erging am 5. Oktober 2021 (Urk. 101). Gleichen-
tags wurde der Beschuldigte aus der Sicherheitshaft entlassen (Urk. 108). Gegen
das Urteil liess einzig der Beschuldigte fristwahrend Berufung anmelden (Urk.
112). Anschlussberufung wurde keine erhoben. Das begründete Urteil wurde dem
Beschuldigten am 28. Januar 2022 zugestellt (Urk. 119 = Urk. 125; Urk. 120). Der
Beschuldigte liess mit Eingabe vom 17. Februar 2022 innert Frist die Berufungs-
erklärung erstatten, worin er die eingangs wiedergegebenen Anträge stellen liess
(Urk. 127).
3. Am 27. September 2022 fand die Berufungsverhandlung statt, zu welcher
der Beschuldigte in Begleitung seines amtlichen Verteidigers erschienen ist
(Prot. II S. 4 ff.).
II. Prozessuales
1. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung auf-
schiebende Wirkung und wird die Rechtskraft des angefochtenen Urteils dement-
sprechend gehemmt. Das Berufungsgericht überprüft somit das erstinstanzliche
Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO).
2.1. Mit der Berufungserklärung vom 17. Februar 2022 (Urk. 127) verlangt der
Beschuldigte die Aufhebung der Dispositivziffern 1 teilweise (betreffend Drohung
gemäss Dossier 2 Sachverhalte 3 und 4) sowie 3. Da die Dispositivziffern 2 (Wi-
derruf der bedingten Entlassung) und 4 (Vollzug der Strafe) eng mit dem Straf-
punkt zusammenhängen, sind diese ebenso in den zweitinstanzlichen Entscheid
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einzubeziehen. Dasselbe gilt für den Umfang der Kostenauflage (Dispositivziffern
7 und 8).
2.2. Unangefochten geblieben und nicht erneut zu überprüfen sind demgegen-
über die Dispositivziffern 2, 3 teilweise (betreffend Schuldsprüche wegen mehrfa-
cher versuchter Gewalt und Drohung gegen Beamte, Hausfriedensbruchs sowie
Drohung betreffend Dossier 1 Sachverhalt 2), 6 und 9 (Kostenhöhe und Entschä-
digung des amtlichen Verteidigers). Die Staatanwaltschaft beantragte die Bestäti-
gung des erstinstanzlichen Urteils (Urk. 130). Die Privatklägerschaft liess sich
nicht vernehmen. Insoweit ist das vorinstanzliche Urteil mithin unangefochten in
Rechtskraft erwachsen, was vorab mittels Beschluss festzustellen ist. Bezüglich
Dispositivziffer 5 wurde dies bereits mit Teilrechtskraftbeschluss vom 18. Juli
2022 festgestellt (Urk. 135).
III. Sachverhalt
1. Der Beschuldigte und seine Verteidigung anerkennen zwar den Sachverhalt
vollumfänglich (Prot. I S. 11; Prot. II S. 13 f.), machten dann aber in der Beru-
fungsverhandlung Hinsicht des Dossiers 2, Sachverhalte 3 und 4, geltend, der
Beistand B._ sei nicht in Angst und Schrecken versetzt worden (Prot. II S. 14
[Beschuldigter] und S. 15 ff. [Verteidigung]). Diesbezüglich kann der Beschuldigte
somit nicht als geständig angesehen werden, obwohl er den Sachverhalt in der
Untersuchung noch anerkannt hatte (vgl. die zutreffende Feststellung der Vo-
rinstanz in Erwägung II.4.1.). Der Sachverhalt ist in diesem Punkt zu erstellen.
2. Zur Frage, ob B._ in Angst und Schrecken versetzt wurde, ist vorab da-
rauf hinzuweisen, dass der äussere Sachverhalt unbestritten ist und nicht zur Dis-
kussion steht. Strittig ist einzig der innere Sachverhalt bezogen auf B._. Zur
Frage, was die Äusserungen des Beschuldigten in dessen Beistand ausgelöst
haben, bestehen nur die Aussagen von B._ selber, welche in der Folge einer
Würdigung zu unterziehen sind.
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3. Auf die Ausführungen der Vorinstanz zu den allgemeinen Grundlagen der
Beweiswürdigung kann im Wesentlichen verwiesen werden, um unnötige Wieder-
holungen zu vermeiden (Urk. 125 S. 6 f.; Art. 82. Abs. 4 StPO).
4. Die Aussagen von B._ dazu, was die die Äusserungen des Beschuldig-
ten in ihm auslösten (Urk. D1/6/5, insbesondere S. 7 f.), sind plausibel, nachvoll-
ziehbar, in ausreichendem Masse detailliert und widerspruchsfrei: Dieser gab in
der Zeugeneinvernahme vom 22. April 2021 hinsichtlich der noch strittigen Dro-
hungen zu Protokoll, er habe – nachdem er kurz zuvor den Kaufvertrag für den
Verkauf der Liegenschaft des Beschuldigten unterzeichnet habe – ob dieser Dro-
hungen wirklich Angst bekommen. Er sei deshalb nicht mehr Arbeiten gegangen,
sondern zu Hause geblieben. Ferner sei der Sozialdienst von einem Sicherheits-
dienst überwacht worden (Urk. D1/6/5 S. 7 f.). Überdies schilderte B._ an-
schaulich, wie er sich in seinem Alltagsverhalten beeinträchtigt fühlte und dieses
änderte. Seit diesen Drohungen habe jede Handlung, von der er vermuten muss-
te, dass sie gegen den Willen des Beschuldigten erfolgte, bei ihm eine riesen
Angst und Verunsicherung ausgelöst, was nun passieren würde, falls er irgendwo
auf den Beschuldigten treffen würde. Er schaue sich, wenn er das Haus verlasse,
jeweils um, aus Angst, dass der Beschuldigte plötzlich auftauchen und ihn über-
fahren könnte (Urk. D1/6/5 S. 7 f.). Mithin schilderte er nicht nur die äusseren
Umstände einer Verhaltensänderung, sondern erläuterte ebenso nachvollziehbar
sein Empfinden. Seine Aussagen sind als glaubhaft zu werten, wobei sie durch-
wegs auch aufgrund des eingestandenen äusseren Sachverhalts an Plausibilität
noch gewinnen. Zum einen hatte der Beschuldigte bereits anlässlich des Vorfalls
vom 21. Dezember 2020 (Dossier 2 Sachverhalt 2) eindrücklich seine Gewaltbe-
reitschaft demonstriert. Zum andern war insbesondere die Äusserung vom 31.
März 2021 (Dossier 2 Sachverhalt 4) nicht ein pauschale Drohung aus dem Mo-
ment heraus. Vielmehr handelte es sich bereits um eine sehr konkrete Beschrei-
bung dessen, was passieren werde. Zudem äusserte sich der Beschuldigte ge-
genüber seinem Sohn und nicht direkt gegenüber B._. Das macht es sehr
nachvollziehbar, dass letzterer die Äusserung des Beschuldigten für eine ernst-
gemeinte Ankündigung eines bereits – zumindest rudimentär – geplanten Vorge-
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hens hielt; dies umso mehr, als sich der Beschuldigte erkennbar in einer Situation
befand, in welcher er aus seiner Sicht nichts mehr zu verlieren hatte.
5. Zusammenfassend ist der Sachverhalt in diesem Punkt aufgrund der glaub-
haften Aussagen von B._, gestützt durch die weiteren Tatumstände, erstellt.
Daran vermögen auch die zahlreichen von der Verteidigung eingereichten Unter-
lagen mit Korrespondenz zwischen ihr und verschiedenen Behördenstellen und
Gerichten betreffend Beistandswechsel, welche im Nachgang an die vorliegend
zu beurteilenden Taten erging (Urk. 139/1-11), nichts zu ändern. Wenngleich nicht
ohne Weiteres ersichtlich ist, weshalb der Geschädigte sein Amt als Beistand
nicht früher und von sich aus niederlegte, nachdem das Vertrauensverhältnis zwi-
schen ihm und dem Beschuldigten offensichtlich erheblich gestört war, kann dar-
aus – entgegen der Verteidigung – nicht einfach der Umkehrschluss gezogen
werden, dass der Geschädigte B._ durch die Drohungen des Beschuldigten
nicht in Angst und Schrecken versetzt wurde bzw. werden konnte. Die wie darge-
legt sehr glaubhaften Aussagen des Geschädigten vermögen diese Umstände je-
denfalls nicht massgeblich in Zweifel zu ziehen. Vielmehr ist gar der Umstand,
dass der Beistand gemäss Verteidigung die persönliche Konfrontation (Besuche,
Besprechungen vor Ort etc.) mit dem Beschuldigten gemieden habe (Prot. II S. 18
f.), als Indiz dafür zu werten, dass der Geschädigte die Drohungen ernst nahm
und befürchtete, der Beschuldigte könnte diese wahrmachen.
IV. Rechtliche Würdigung
1.1 Der Beschuldigte sagte anlässlich der gerichtlichen Anhörung vom
10. Februar 2021, dass er seinem Beistand B._ den Kopf abhauen würde
bzw. dass er dies tun könne. Die Anklage vertritt den Standpunkt, der Beschuldig-
te habe dabei zumindest in Kauf genommen, dass B._ von dieser Äusserung
Kenntnis erhalten und dadurch in seinem Sicherheitsgefühl beeinträchtigt werden
würde.
1.2 Ebenso äusserte der Beschuldigte gegenüber seinem Sohn, dass er seinen
Beistand B._ umbringen würde. Er werde zudem das Gebäude der Sozial-
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dienste und die Polizeistation in C._ anzünden. Er rechne damit, dass er im
Kugelhagel sterben werde. Nach Ansicht der Anklage habe er dabei zumindest in
Kauf genommen, dass B._ von dieser Äusserung Kenntnis erhalten werde
und dadurch in seinem Sicherheitsgefühl beeinträchtigt werden würde.
2. Die Verteidigung bringt dagegen vor, es gehe nicht an, dass ein Beistand
nur über eine durchschnittliche Belastbarkeit verfüge. Als Opfer einer Drohung sei
ein Berufsbeistand an einer hohen Belastbarkeit zu messen (Prot. I. S. 11 f.). Die-
sen Standpunkt vertrat sie sinngemäss auch an der Berufungsverhandlung (Prot.
II S. 16 f.). Insofern ist denn auch nur auf diesen Einwand der Verteidigung einzu-
gehen.
3. Nach Art. 180 StGB ist strafbar, wer jemanden durch schwere Drohung in
Schrecken oder Angst versetzt. Sofern das Opfer nicht besonders verletzlich bzw.
schutzbedürftig ist, ist das Tatmittel der schweren Drohung an einem objektiven
Massstab zu messen. Nur diejenige Drohung gilt als schwer, die ein verständiger
Mensch mit durchschnittlicher Belastbarkeit als solche empfindet. Abgesehen von
den erwähnten besonders schutzbedürftigen Opfern sind die Anforderungen an
die schwere Drohung hoch anzusetzen (DELNON/RÜDY, in: Basler Kommentar
StGB, 4. Aufl. 2019, N 20-22 zu Art. 180 StGB). Immerhin dürfte der Verteidigung
insofern beizupflichten sein, als an die schwere der Drohung dann erhöhte Anfor-
derungen zu stellen sind, wenn der Täter von einer besonders robusten Psyche
des Opfers ausgehen darf.
Der Bedrohte muss zudem die Verwirklichung des angedrohten Übels befürchten.
Dies bedeutet einerseits, dass er die Zufügung des Übels für möglich hält oder
tatsächlich damit rechnet, und anderseits, dass der angedrohte Nachteil von sol-
cher Schwere ist, dass er Schrecken oder Angst auszulösen vermag. Geht das
Opfer von einem Witz oder einem Bluff der Täterschaft aus, ist ihm der angedroh-
te Nachteil nur unangenehm oder wirkt die Drohung aus anderen Gründen nicht
angsterzeugend, so fehlt es an der schweren Drohung im Rechtssinne, falls die
Umstände nicht auf einen (untauglichen) Versuch hinweisen (DELNON/RÜDY, in:
Basler Kommentar StGB, 4. Aufl. 2019, N 24 zu Art. 180 StGB).
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4.1 Die Vorinstanz hat diese Rechtslage korrekt wiedergegeben und auf die vor-
liegend noch zu beurteilenden Sachverhalte angewendet. Auf die entsprechenden
Erwägungen kann verwiesen werden (Urk. 125 S. 18-20 Ziff. 2.2.4 und 2.2.5. so-
wie Ziff. 3.2.1. und 3.2.2.). Im Sinne einer bekräftigenden Wiederholung sowie ei-
ner Ergänzung ist festzuhalten, was folgt:
4.2 Wie die Vorinstant richtig festhielt, verschlechterte sich das Verhältnis zwi-
schen dem Beschuldigten und B._ vorgängig zunehmend. Dies zeigte sich
bereits in Form von Drohungen (vgl. Dossier 2, Sachverhalte 1 und 2). Insbeson-
dere wurde das Verhältnis durch den anstehenden Verkauf der Liegenschaft des
Beschuldigten und der damit einhergehenden Räumung des Grundstücks belas-
tet. Die Haltung des Beschuldigten diesem Verkauf gegenüber führte bei B._
bereits zu einer latenten Angst vor dem Beschuldigten (Dossier 1 act. 6/5, S. 6 f.
F/A. 28). Unbestreitbar war dieser Verkauf für den Beschuldigten denn auch sehr
einschneidend. Hinzu kommt, dass der Beschuldigte seine Gewaltbereitschaft
sehr konkret zum Ausdruck brachte, indem er anlässlich der genannten Räumung
auf B._ zu rannte. B._ musste dabei von den anwesenden Kantonspoli-
zisten geschützt werden (Dossier 2 Sachverhalt 2). B._ musste also davon
ausgehen, dass der Beschuldigte vor physischer Gewalt nicht zurückschrecken
würde, was dem Beschuldigten denn auch bewusst sein musste, zumal er hin-
sichtlich seiner Drohung gemäss Dossier 2 Sachverhalt 4 selber zu Protokoll gab,
er habe die Leute erschrecken wollen (Urk. 99 S. 8). Wie weit die Gewaltbereit-
schaft des Beschuldigten gehen würde, war (und ist bis heute) nicht erkennbar.
B._ musste daher damit rechnen, dass der Beschuldigte, der – wie bereits
dargelegt – aus seiner eigenen Perspektive nicht mehr viel zu verlieren hatte, zum
Äussersten gehen könnte.
Unter der vorliegend gegebenen Prämisse einer glaubhaften Drohung ist eine
Drohung mit dem Tode zweifellos als schwere Drohung im Rechtssinne aufzufas-
sen. Auch wenn das Abschneiden des Kopfes wenig realistisch erscheint, bedeu-
tet dies nicht, dass B._ die Tötungsankündigung an sich nicht hätte ernst
nehmen müssen.
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Dass eine Todesdrohung geeignet ist, selbst psychisch sehr robuste Personen in
Angst und Schrecken zu versetzen, liegt an sich auf der Hand, ist doch die An-
drohung der Tötung besonders gravierend.
5. Der erforderliche Strafantrag liegt vor (Urk. D2/2). Zusammenfassend ist
somit festzuhalten, dass die Vorinstanz den Beschuldigten zurecht aufgrund der
Vorwürfe gemäss Dossier 2, Sachverhalte 3 und 4, der mehrfachen Drohung
schuldig gesprochen hat. Dies ist zu bestätigen.
V. Widerruf, Strafzumessung und Vollzug
1. Widerruf (Rückversetzung)
1.1. Die Vorinstanz hat die rechtlichen Grundlagen der Strafzumessung, zum
Widerruf und zum Vollzug zutreffend dargelegt (Urk. 125 S. 22 f., 24 ff. und 40).
Sie brauchen in diesem Umfang nicht wiederholt zu werden und es kann darauf
verwiesen werden.
1.2. Wie die Vorinstanz richtig und unangefochten erwog, wurde der Beschuldig-
te wegen einschlägiger Delikte bereits zweimal zu Freiheitsstrafen verurteilt. So-
dann wurde er aufgrund diverser Verfügungen des Statthalteramtes des Bezirkes
Affoltern vom 15. Juni 2018, 29. Oktober 2019 und 14. Februar 2020 zu jeweils
Fr. 50.– Busse oder einem Tag Ersatzfreiheitsstrafe, Fr. 200.– Busse oder zwei
Tage Ersatzfreiheitsstrafe sowie Fr. 150.– Busse oder zwei Tage Ersatzfreiheits-
strafe verurteilt (vgl. Urk. D2/3). Mit Verfügung vom 16. Februar 2021 des Amtes
für Justizvollzug und Wiedereingliederung wurde der Beschuldigte per
22. Oktober 2019 bedingt aus dem Strafvollzug entlassen, bei einem nicht ver-
büssten Strafrest von 72 Tagen. Die Probezeit wurde auf ein Jahr festgesetzt
(Urk. D2/3).
1.3. Der Beschuldigte beging in der Probezeit mehrfach Vergehen i.S.v. Art. 10
Abs. 3 StGB und hat sich damit nicht bewährt. Deshalb und gestützt auf das Gut-
achten vom 7. Juli 2021 (Urk. D1/7/13), welches dem Beschuldigten eine Mass-
nahmebedürftigkeit attestiert, kann nicht mehr von einer günstigen Legalprognose
ausgegangen werden, weshalb die ihm gewährte bedingte Entlassung aus dem
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Strafvollzug zu widerrufen und die Rückversetzung in den Strafvollzug anzuord-
nen ist (Strafrest 72 Tage).
1.4. Im Rahmen der Strafzumessung ist nachfolgend die Möglichkeit der Bildung
einer Gesamtstrafe im Sinne von Art. 89 Abs. 6 StGB zu prüfen, welche gleichar-
tige Strafen voraussetzt.
2. Strafart
2.1. Der Beschuldigte ist mehrfach vorbestraft (Urk. 137):
So wurde er am 3. Dezember 2015 wegen mehrfacher, teilweise versuchter Nöti-
gung zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 30.– (bedingt vollziehbar bei
einer Probezeit von 2 Jahren) sowie einer Busse von Fr. 300.– verurteilt. Die Pro-
bezeit von 2 Jahren wurde mit Strafbefehl vom 19. Mai 2017 um ein Jahr verlän-
gert. Mit Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich vom 14. Februar 2020 wurde
die bedingt ausgesprochene Geldstrafe widerrufen und der Vollzug der Geldstrafe
angeordnet.
Weiter wurde der Beschuldigte am 19. Mai 2017 wegen Gewalt und Drohung ge-
gen Behörden und Beamte zu einer unbedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen
zu Fr. 30.– verurteilt.
Am 22. Oktober 2019 wurde der Beschuldigte erneut wegen Gewalt und Drohung
gegen Behörden und Beamte zu einer Freiheitsstrafe von 45 Tagen verurteilt
(Urk. 137 S. 2).
Mit Urteil vom 14. Februar 2020 wurde der Beschuldigte wegen Drohung sowie
wegen Gewalt und Drohung gegen Behörde und Beamten (mehrfache Begehung)
zu einer Freiheitsstrafe von 8 Monaten verurteilt und es wurde eine ambulante
Behandlung angeordnet.
Überdies wurde der Beschuldigte am 15. Dezember 2020 wegen Hausfriedens-
bruchs zu einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu Fr. 30.– verurteilt.
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2.2. Offenkundig haben den Beschuldigten die bisherigen, nicht allzu lange zu-
rückliegenden Geld- und Freiheitsstrafen in keiner Weise beeindruckt, um delikts-
frei zu leben. Der Beschuldigte offenbarte ein gerüttelt Mass an Uneinsichtigkeit.
Die Verhängung von Geldstrafen verbietet sich daher auch nur für einzelne der
eingeklagten Delikte. Entsprechend ist vorliegend für sämtliche Straftaten eine
Freiheitsstrafe auszusprechen, weshalb in Anwendung von Art. 49 StGB mit der
zu widerrufenden Reststrafe (72 Tage Freiheitsstrafe) eine entsprechende Ge-
samtstrafenbildung vorzunehmen ist (Art. 89 Abs. 6 StGB).
3. Strafzumessung:
3.1. Die für die neue Straftat auszufällende Freiheitsstrafe bildet als Einsatzstrafe
die Grundlage der Asperation. Das Gericht hat diese folglich mit dem Blick auf
den Vorstrafenrest angemessen zu erhöhen (BGE 135 IV 146 E. 2.4.1).
3.2. Vorliegend ist der Beschuldigte der mehrfachen Drohung i.S.v. Art. 180
Abs. 1 StGB, des Hausfriedensbruchs i.S.v. Art. 186 StGB sowie der mehrfachen
versuchten Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamten i.S.v. Art. 285
Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen. Bei allen
drei Straftatbeständen beträgt der Strafrahmen Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren
oder Geldstrafe. Es liegt somit der Strafschärfungsgrund der Tatmehrheit und der
teilweise mehrfachen Tatbegehung vor. Als Strafmilderungsgrund ist die mittel-
gradig verminderte Schuldfähigkeit des Beschuldigten zu berücksichtigen (Dossi-
er 1, Urk. 7/13). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist jedoch nur unter
besonderen – vorliegend nicht gegebenen – Umständen der Strafrahmen zu er-
weitern.
3.3. Die Vorinstanz geht richtigerweise von der versuchten Gewalt und Drohung
gegen Behörden und Beamte gemäss Dossier 1, Sachverhalt 1 als schwerste Tat
aus (wobei der Unterschied zur Schwere der Taten gemäss Dossier 2 graduell
und vorliegend nicht massgeblich erscheint).
Die vorinstanzlichen Ausführungen sind in theoretischer Hinsicht allerdings inso-
fern zu korrigieren, als die Berücksichtigung des Strafmilderungsgrundes des
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Versuches nicht Teil der Erwägungen zum subjektiven Tatverschulden ist, zumin-
dest dann nicht, wenn – wie vorliegend – ein vollendeter Versuch vorliegt. Sodann
ist gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung im Falle eines versuchten Delikts
im Sinne einer besseren Nachvollziehbarkeit zuerst eine hypothetische Strafe für
das vollendete Delikt festzulegen. Die derart ermittelte hypothetische Strafe ist in
der Folge unter Berücksichtigung des Strafmilderungsgrundes von Art. 22 Abs. 1
StGB zu reduzieren (statt vieler Urteil des Bundesgerichts 6B_466/2013 vom
25. Juli 2013 E. 2.3.1).
3.3.1. Bezüglich der objektiven Tatschwere des Delikts der versuchten Gewalt
und Drohung gegen Behörden und Beamte hält die Vorinstanz richtig fest, dass
D._ in seinem Sicherheitsgefühl stark tangiert wurde und er sich davor fürch-
tete, dass der Beschuldigte zu ihm nach Hause gehen könnte, wo er Familie hat-
te, und seine Drohungen wahrmachen würde. Bei der ausgesprochenen Drohung
handelt es sich um das schlimmste Übel, welches einer Person angedroht werden
kann. Das objektive Tatverschulden kann als keineswegs mehr leicht bezeichnet
werden.
3.3.2. Bezüglich der subjektiven Tatschwere führt die Vorinstanz zutreffend aus,
dass der Beschuldigte aus einer aus seiner Sicht verzweifelten Lage heraus han-
delte. Schliesslich ist seine mittelgradig eingeschränkte Schuldfähigkeit zu seinen
Gunsten in Betracht zu ziehen (Urk. D1/7/13).
3.3.3. Gesamthaft hat die Vorinstanz das Verschulden zurecht als nicht mehr
leicht eingestuft. Jedoch die Einsatzstrafe – selbst unter der Berücksichtigung der
Strafreduktion zufolge blossen Versuchs – zu tief angesetzt. Ohne Berücksichti-
gung des Versuch wäre ein Freiheitsstrafe von 5 Monaten angemessen.
3.4. Das Mass der Reduktion der Strafe beim vollendeten Versuch hängt sodann
insbesondere von der Nähe des tatbestandsmässigen Erfolgs und den tatsächli-
chen Folgen der Tat ab. Die Reduktion der Strafe wird umso geringer sein, je nä-
her der tatbestandsmässige Erfolg und je schwerwiegender die tatsächlichen Fol-
gen der Tat waren (BGE 127 IV 92; vgl. auch Urteile des Bundesgerichts
6B_422/2008 vom 31. Juli 2008 und 6B_105/2010 vom 13. April 2010; schliess-
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lich WIPRÄCHTIGER/KELLER, in: Basler Kommentar StGB, 4. Aufl. 2019, N 24 zu
Art. 48a StGB).
Im vorliegenden Fall lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, wie nahe der tatbe-
standsmässige Erfolg lag. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass der Versuch nicht
folgenlos blieb, sondern beim betroffenen D._ ein empfindliches Unwohlsein
auslöste, welches ihn um seine Sicherheit und gar die Sicherheit seiner Familie
sogar bei sich zu Hause, wo man sich besonders sicher fühlen können sollte,
fürchten liess. Im Ergebnis ging die Vorinstanz somit zurecht davon aus, dass der
Versuch nur zu einer geringen Strafreduktion führt.
Gesamthaft betrachtet erscheint unter diesem Aspekt und der Tatsache, dass der
Beschuldigte mit nichts geringerem als dem Tod drohte, die vorinstanzlich festge-
setzte Einsatzstrafe als zu mild. Diese ist auf 4 Monate Freiheitsstrafe zu veran-
schlagen.
3.5. Hinsichtlich der Vorwürfe der Drohung (Dossier 1, Sachverhalt 2), der bei-
den Fälle versuchter Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte (Dossier
2, Sachverhalte 1 und 2) und der beiden Drohungen (Dossier 2, Sachverhalte 3
und 4):
Bezüglich der objektiven und subjektiven Tatschwere sowie zur teilweisen Be-
rücksichtigung des Versuchs kann im Wesentlichen auf die vorangehenden Er-
wägungen (Ziffer 3. vorstehend) verwiesen werden. Insbesondere hat der Be-
schuldigte abermals das Sicherheitsgefühl diverser Personen erheblich erschüt-
tert. Überdies wurden auf dem Notariat / Grundbuchamt C._ Vorkehrungen
für die Sicherheit der Mitarbeiter getroffen. So wurde die Haupttüre verschlossen
und die Identität aller Personen, die das Notariat / Grundbuchamt C._ betra-
ten, überprüft (vgl. Urk. D1/6/6 F/A 10 ff.; Urk. D1/6/7 F/A 11-14 sowie Urk. D1/6/8
FA 13-21).
Der Sozialdienst wurde überdies vom Sicherheitsdienst überwacht. Der Beistand
B._ fürchte sich vor jeglichen Handlungen, welche gegen den Willen des Be-
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schuldigten waren, da er Angst hatte, was passieren würde, wenn er irgendwo auf
den Beschuldigten treffen würde (Urk. D1/6/5 F/A 31 ff.).
Gesamthaft betrachtet ist das Verschulden des Beschuldigten entgegen der Ein-
schätzung der Vorinstanz nicht mehr als leicht zu betrachten. Generell ist darauf
hinzuweisen, dass die Äusserungen des Beschuldigten die diversen von seinen
Drohungen betroffenen Personen, die lediglich ihren Amtspflichten nachgingen,
stark trafen, was dem Beschuldigten durchaus bewusst sein musste und zumin-
dest teilweise auch von ihm beabsichtigt wurde ("Ich wollte die Leute erschre-
cken"; Urk. 99 S. 8). Ausserdem ist – gerade mit Blick auf die obere Grenze des
Strafrahmens – darauf hinzuweisen, dass kaum eine schwerere Drohung als die
Drohung mit dem Tode denkbar ist. Insofern fällt die Einschätzung des Verschul-
dens des Beschuldigten durch die Vorinstanz auch bei Anerkennung aller ver-
schuldensrelativierender Aspekte und der teilweise nur versuchten Tatbegehung
zu wohlwollend aus.
3.6. Die Vorinstanz weist bezüglich des Vorhalts gemäss Dossier 2, Sachver-
halt 2, darauf hin, dass der Beschuldigte ein 75-jähriger, kleiner und hagerer
Mann sei (Urk. 125 S. 31 Ziff. 2.2.5.1.), womit mutmasslich gesagt werden soll,
dass die vom Beschuldigten ausgehende Gefahr erkennbar gering gewesen sei.
Dabei lässt sie jedoch ausser Acht, dass sich die Gefährlichkeit einer Person nicht
nur aus ihrer körperlichen Konstitution ableitet, sondern zu einem erheblichen
Mass auch aus ihrer Gewaltbereitschaft und dem Mass an Rücksichtslosigkeit
(gegenüber anderen aber auch sich selber), mit der sie bereit ist vorzugehen.
Diesbezüglich ist abermals darauf hinzuweisen, dass der Beschuldige übelste
Drohungen ausstiess und selbst angesichts der Präsenz der Kantonspolizei keine
Skrupel hatte, auf B._ loszugehen.
3.7. Unter Berücksichtigung dieser Umstände und der Tatsache, dass nach dem
Asperationsprinzip die für die einzelnen Straftaten je einzeln angemessenen Stra-
fen nicht zu kumulieren, sondern zur Einsatzstrafe reduziert zu addieren sind,
ergibt sich für die genannten fünf Straftaten ein Zuschlag von insgesamt 5 Mona-
ten.
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Damit resultiert als Zwischenresultat eine Strafe von 9 Monaten Freiheitsentzug.
3.8. Bezüglich des Vorwurfs des Hausfriedensbruchs (Dossier 3) ist in objektiver
Hinsicht zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte die Räumlichkeiten des Sozi-
aldienstes C._ erst verliess, als ihm mitgeteilt wurde, dass die Polizei ver-
ständigt worden sei (Urk. 99 S. 9). Der Beschuldigte verhielt sich jedoch im We-
sentlichen nicht renitent.
Bezüglich der subjektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass der Beschul-
digte direktvorsätzlich handelte. Das Motiv kann – wie die Vorinstanz richtig aus-
führte – darin erblickt werden, dass der Beschuldigte Geld benötigte und – wie er
ausführte – telefonisch die Mitarbeiter des Sozialdienstes nicht erreichen konnte,
weshalb er dann vor Ort ging (Urk. 99 S. 9; vgl. auch Prot. II S. 14), was durchaus
nachvollziehbar erscheint.
Das Verschulden wiegt in diesem Punkt marginal, weshalb sich bloss ein Zu-
schlag von einem halben Monat auf 9 1⁄2 Monate Freiheitsstrafe rechtfertigt.
3.9. Zu den persönlichen Verhältnissen ist aufgrund der Ausführungen des Be-
schuldigten selber folgendes bekannt:
3.9.1. Der Beschuldigte ist in Zürich E._ mit einem Bruder aufgewachsen und
zur Schule gegangen. Im Jahr 1973 hat er geheiratet. Aus der Ehe sind seine
beiden Kinder, F._, Jahrgang 1975, und G._, Jahrgang 1977, hervorge-
gangen. Im Jahr 1972 hat der Beschuldigte das nach seinen Angaben älteste
Haus in H._ gekauft, welches er mit seiner Ehefrau so umgebaut hat, dass
es bewohnbar geworden ist. Seither hat er darin gelebt. Er hat lange als Architekt
und freischaffender Künstler gearbeitet. Anfangs der 90er Jahre hat er im Thea-
terbereich zu arbeiten begonnen und eigene Bühnenbilder kreiert. Im Jahr 2014
hat seine Ehefrau – mit welcher er nun noch eine lose freundschaftliche Bezie-
hung pflegt – die Scheidung eingereicht.
Die Leute in H._ hätten sich immer wieder daran gestört, dass er auf seinem
Grundstück Materialien für Requisiten- und Bühnenarbeiten gesammelt und gela-
gert hat. Deswegen wurde er von der Gemeinde immer wieder aufgefordert, sein
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Grundstück ordentlicher zu gestalten. In diesem Zusammenhang habe er nach
seiner Einschätzung einen Beistand bekommen. Im Jahr 2015 liess die Gemeinde
seine Sachen entsorgen lassen. Im Jahr 2017 brannte sein Haus bis auf die
Grundmauern nieder, nachdem es von jemandem angezündet worden sei, ohne
dass man je herausgefunden habe, von wem. Er konnte danach zunächst bei ei-
ner Freundin und hernach bei einer befreundeten Familie leben. Hernach kaufte
er einen Wohnwagen und wohnte darin auf seinem Grundstück. Später erhielt er
einen neuen Beistand. Schliesslich wurde sein Grundstück verkauft, zu einem aus
seiner Sicht zu tiefen Preis, was er als einen weiteren Tiefpunkt in seinem Leben
empfunden habe. Heute lebt er in einem Wohnheim "I._" in J._ bei
K._ (vgl. zum Ganzen Urk. 7/13 S. 23 ff.; Urk. 99 S. 1 ff. und Prot. II S. 6 ff.).
3.9.2. Der dargelegte Werdegang des Beschuldigten ist für die Strafzumessung
nicht relevant, soweit er nicht bereits im Rahmen des Tatverschuldens berück-
sichtigt wurde.
3.10. Wie bereits zuvor erwähnt ist der Beschuldigte mehrfach, teilweise ein-
schlägig vorbestraft, wobei er mehrfach während laufender Probezeit straffällig
wurde (E. V.2.1. vorstehend). Das zeugt einerseits von einer erheblichen Unein-
sichtigkeit und Unbelehrbarkeit, ist aber teilweise auch auf seine psychische Kon-
stitution zurückzuführen, die zur bereits erwähnten reduzierten Schuldfähigkeit
geführt hat. Die Vorstrafen führen zu einer Erhöhung der Strafe auf 11 Monate.
3.11. Hinsichtlich des Nachtatverhaltens ist das teilweise Geständnis des Be-
schuldigten zu berücksichtigen. Da sein Geständnis relativ spät erfolgte und die
Untersuchung nicht massgeblich erleichterte, wäre eine Reduktion um zwei Mo-
nate angemessen, wenn das Geständnis sämtliche Delikte umfasst hätte. Da der
Beschuldigte jedoch bis in die zweite Instanz nur teilweise geständig war, er-
scheint bloss eine Reduktion um einen Monat auf 10 Monate Freiheitsstrafe an-
gemessen.
3.12. Wie aufgezeigt, ist die mit Verfügung vom 16. Februar 2021 vom Amt für
Justizvollzug und Wiedereingliederung bedingte Entlassung des Beschuldigten
aus dem Strafvollzug, mit einem nicht verbüssten Strafrest von 72 Tagen, zu wi-
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derrufen und der Beschuldigte in den Strafvollzug dieser noch ausstehenden
Reststrafe zurückzuversetzen. Da es sich sowohl bei der aus dem Widerruf der
bedingten Entlassung des Beschuldigten resultierenden Reststrafe als auch bei
der neu festzusetzenden Strafe um eine unbedingte Freiheitsstrafe, mithin um
gleichartige Strafen handelt, ist eine Gesamtstrafe zu bilden. Bei der Bildung der
Gesamtstrafe ist die neue Strafe als "Einsatzstrafe" in sinngemässer Anwendung
des Asperationsprinzips (Art. 49 StGB) hinsichtlich der widerrufenen Strafe an-
gemessen zu erhöhen. Die verbleibenden 72 Tage sind daher nicht an die Strafe
zu addieren, sondern in Anwendung des Asperationsprinzips angemessen zu re-
duzieren. Daraus ergibt sich eine weitere leichte Erhöhung der Einsatzstrafe, wie
dies auch die Vorinstanz richtig ausgeführt hat. Die ermittelte Freiheitsstrafe von
10 Monaten ist hinsichtlich der Reststrafe (72 Tage) um 2 Monate zu erhöhen,
womit schliesslich eine Freiheitsstrafe von 12 Monaten resultiert.
3.13. Im Ergebnis erweist sich die von der Vorinstanz ausgefällte Freiheitsstrafe
von 9 Monaten als zu mild. Da jedoch nur der Beschuldigte Berufung erhoben hat,
hat es aufgrund des Verschlechterungsverbotes dabei sein Bewenden und es
bleibt beim vorinstanzlich ausgesprochenen Strafmass, an welches die bereits er-
standenen Haft (188 Tage) anzurechnen ist (Art. 51 StGB).
4. Vollzug
4.1. Unangefochten geblieben ist die vorinstanzliche Anordnung einer Mass-
nahme. Die Anordnung einer Massnahme setzt gemäss Art. 56 Abs. 1 lit. a StGB
die Gefahr weiterer Straftaten voraus. Es ist entsprechend von einer ungünstigen
Legalprognose auszugehen, weshalb – wie die Vorinstanz unter Verweis auf die
Rechtsprechung bereits zutreffend erwogen hat (Urk. 125 S. 40) – ein voll- oder
teilbedingter Strafaufschub gemäss Art. 42 und Art. 43 StGB vorliegend nicht in
Frage kommt.
4.2. Die Freiheitsstrafe ist entsprechend zu vollziehen.
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VI. Kosten und Entschädigungsfolgen
1. Ausgangsgemäss ist der Beschuldigte kostentragungspflichtig (Art. 426
Abs. 1 Satz 1 StPO). Davon ausgenommen sind grundsätzlich die Kosten der
amtlichen Verteidigung (Art. 426 Abs. 1 Satz 2 StPO), wobei die Rückzahlungs-
pflicht im Sinne von Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten bleibt. Danach sind die
Kosten zurückzuzahlen, sobald die beschuldigte Person in günstigere wirtschaftli-
che Verhältnisse kommt.
2. Die Höhe der Gerichtsgebühr bemisst sich gestützt auf § 199 Abs. 1 GOG
nach der Gebührenverordnung des Obergerichts vom 8. September 2010
[GebV OG]. In Anwendung von § 14 Abs. 1 und § 16 Abs. 1 GebV OG und unter
Berücksichtigung des Zeitaufwandes des Gerichts sowie der Schwierigkeit des
Falls ist die Gerichtsgebühr auf Fr. 3'000.– festzusetzen.
3. Nachdem die noch zu beurteilenden vorinstanzlichen Schuldsprüche alle-
samt bestätigt werden, ist auch das vorinstanzliche Kostendispositiv (Dispositiv-
Ziffern 7 und 8) zu bestätigen.
4. Der amtliche Verteidiger ist durch die Gerichtskasse zu entschädigen
(Art. 135 StPO i.V.m. Art. 426 StPO). Er machte mit Kostennote vom
26. September 2022 für das obergerichtliche Verfahren einen Zeitaufwand von
knapp 6,5 Stunden sowie Auslagen von Fr. 285.80 geltend (Urk. 140). Dieser
Aufwand erscheint angemessen. Unter zusätzlicher Berücksichtigung der Zeit für
die Teilnahme an der Berufungsverhandlung samt Reisezeit ist Rechtsanwalt Dr.
X._ mit pauschal Fr. 2'500.– (inkl. MwSt. und Auslagen) aus der Gerichts-
kasse zu entschädigen. Die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten gemäss
Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vorbehalten.