# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 96d929d4-b302-41e3-b97c-869dc0c84abc
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Der im Jahre 1967 geborene
Z._
ist gelernter Motorradmechaniker und war nach einigen Tätigkeiten von kürzerer Dauer ab
1998 für die
A._
AG erwerbstätig, zuletzt vom
1.
März 2005 bis zum 3
0.
November 2011 als Servicetechniker (
Urk.
13/1;
Urk.
13/3; Austritt am 3
1.
August 2011,
Urk.
13/21 S. 2). In den Monaten Dezember 2011 bis April 2012 bezog der Ver
sicherte Taggelder der Arbeitslosenversicherung (
Urk.
8/1).
In der Zeit vom
1.
Mai 2012 bis 3
0.
April 2013 war er bei der
B._
AG angestellt (letzter effektiver Arbeitstag 3
0.
April 2013,
Urk.
13/22 S. 2). Ab Mai 2013 bis zum 2
4.
September 2013 bezog der Versicherte wiederum Taggelder der Arbeitslosen
versicherung (
Urk.
8/1).
Aufgrund
einer chronischen Hepatitis-C-Erkrankung durchlief er in der Folge eine einjährige Therapie, wobei ihm ab
1.
Oktober 2013 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde (
Urk.
13/15 S. 2,
Urk.
13/8 S. 9).
Im Zusammenhang mit der chronischen Hepatitis-C-Erkrankung, Neuroder
mitis sowie einer wahnhaften Wahrnehmungsstörung meldete sich der Versi
cherte am
5.
Februar 2015 bei der IV-Stelle Kanton
Bern
zum Leistungsbezug an (
Urk.
13/1).
1.2
Diese klärte in der Folge den medizinischen und beruflichen Sachverhalt ab und stellte dem Versicherten mit Vorbescheid vom 2
3.
Juni 2016 ab
1.
August 2015 die Ausrichtung einer ganzen Rente in Aussicht (
Urk.
13/35); an diesem Entscheid hielt sie mit Verfügung vom 1
2.
Oktober 2016 fest (
Urk.
13/41).
Am 1
0.
Januar 2017 beantragte der Versicherte bei der Stiftung Auffangeinrich
tung BVG Invalidenleistungen aus der obligatorischen beruflichen Vorsorge für arbeitslose Personen (
Urk.
2/3); mit Schreiben vom 1
1.
Mai 2018 wies diese das entsprechende Begehren ab (
Urk.
2/4).
2.
Am
2
8.
Juni 2018
erhob der Versich
erte
Klage gegen die Stiftung Au
ffangein
richtung BVG und beantragte die Ausrichtung einer Invalidenrente entsprechend den Feststellungen der IV-Stelle (
Urk.
1).
Mit Klageantwort vom
2
1.
September 2018
beantragte die Beklagte die vollum
fängliche Abweisung der
Klage, unter Kostenfolge für den Kläger (Urk. 7
S. 2).
Mit Replik vom 2
8.
November 2018 sowie Duplik vom 1
0.
Januar 2019 hielten die Parteien an den bereits gestellten Begehren fest (
Urk.
16,
Urk.
20); die Duplik wurde dem Kläger mit Verfügung vom 1
1.
Januar 2019 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
22).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 24 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlasse
nen und Invalidenvorsorge (BVG) hat der Versicherte Anspruch auf eine volle Invalidenrente, wenn er im Sinne der Invalidenversicherung mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn er mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn er mindestens zur Hälfte und auf eine
Viertelsrente
, wenn er mindestens zu 40 % invalid ist. Gemäss Abs. 1 von Art. 26 BVG gelten für den Beginn des An
spruchs auf Invalidenleistungen sinngemäss die entsprechenden Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (Art. 29 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG). Die Invalidenleistungen nach BVG werden von derjenigen Vorsorgeeinrichtung geschuldet, welcher die den Anspruch erhe
bende Person bei Eintritt des versicherten Ereignisses angeschlossen war. Im Be
reich der obligatorischen beruflichen Vorsorge fällt dieser Zeitpunkt nicht mit dem Eintritt der Invalidität nach IVG, sondern mit dem Eintritt der Arbeitsunfä
higkeit zusammen, deren Ursache zur Invalidität geführt hat (vgl. Art. 23 BVG). Auf diese Weise wird dem Umstand Rechnung getragen, dass die versicherte Per
son meistens erst nach einer längeren Zeit der Arbeitsunfähigkeit (nach einer Wartezeit von einem Jahr gemäss Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG in Verbindung mit Art. 26 BVG) invalid wird. Damit nämlich der durch die zweite Säule bezweckte Schutz zum Tragen kommt, muss das Invaliditätsrisiko auch dann gedeckt sein, wenn es rechtlich gesehen erst nach einer langen Krankheit eintritt, während welcher die Person unter Umständen aus dem Arbeitsverhältnis ausgeschieden ist und daher nicht mehr dem Obligatorium unterstanden hat (BGE 123 V 262 E. 1b, 121 V 97 E. 2a, 120 V 112 E. 2b, je mit Hinweisen).
1.2
Anspruch auf Invalidenleistungen haben gemäss Art. 23 BVG Personen, die im Sinne der Invalidenversicherung zu mindestens 40 % invalid sind und bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, versichert wa
ren. Nach Art. 23 BVG versichertes Ereignis ist einzig der Eintritt der relevanten Arbeitsunfähigkeit, unabhängig davon, in welchem Zeitpunkt und in welchem Masse daraus ein Anspruch auf Invalidenleistungen entsteht. Die Versichertenei
genschaft muss nur bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit gegeben sein, dagegen nicht notwendigerweise auch im Zeitpunkt des Eintritts oder der Verschlimme
rung der Invalidität. Diese wörtliche Auslegung steht in Einklang mit Sinn und Zweck der Bestimmung, nämlich denjenigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitneh
mern Versicherungsschutz angedeihen zu lassen, welche nach einer längeren Krankheit aus dem Arbeitsverhältnis ausscheiden und erst später invalid werden. Für eine
einmal aus
während der Versicherungsdauer aufgetrete
ne
–
Arbeits
unfähigkeit geschuldete Invalidenleistung bleibt die Vorsorgeeinrich
tung somit leistungspflichtig, selbst wenn sich nach Beendigung des Vorsorge
verhältnisses der Invaliditätsgrad ändert. Entsprechend bildet denn auch der Wegfall der Versicherteneigenschaft kein Erlöschungsgrund (Art. 26 Abs. 3 BVG e
contrario
; BGE 123 V 262 E. 1a, 118 V 35 E. 5).
1.3
Art. 23 BVG kommt auch die Funktion zu, die Haftung mehrerer Vorsorgeein
richtungen gegeneinander abzugrenzen, wenn eine in ihrer Arbeitsfähigkeit be
reits beeinträchtigte versicherte Person ihre Arbeitsstelle (und damit auch die Vorsorgeeinrichtung) wechselt und ihr später eine Rente der Invalidenversiche
rung zugesprochen wird. Der Anspruch auf Invalidenleistungen nach Art. 23 BVG entsteht in diesem Fall nicht gegenüber der neuen Vorsorgeeinrichtung, sondern gegenüber derjenigen, welcher die Person im Zeitpunkt des Eintritts der invalidi
sierenden Arbeitsunfähigkeit angehörte.
Damit eine Vorsorgeeinrichtung, der eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer beim Eintritt der Arbeitsunfähigkeit angeschlossen war, für das erst nach Been
digung des Vorsorgeverhältnisses eingetretene Invaliditätsrisiko aufzukommen hat, ist indes erforderlich, dass zwischen Arbeitsunfähigkeit und Invalidität ein enger sachlicher und zeitlicher Zusammenhang besteht (BGE 130 V 270 E. 4.1). In sachlicher Hinsicht liegt ein solcher Zusammenhang vor, wenn der der Invali
dität zu Grunde liegende Gesundheitsschaden im Wesentlichen derselbe ist, der zur Arbeitsunfähigkeit geführt hat. Sodann setzt die Annahme eines engen zeit
lichen Zusammenhangs voraus, dass die versicherte Person nach Eintritt der Ar
beitsunfähigkeit nicht während längerer Zeit wieder arbeitsfähig wurde. Die frühere Vorsorgeeinrichtung hat nicht für Rückfälle oder Spätfolgen einer Krank
heit einzustehen, die erst Jahre nach Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit eintreten. Demnach darf nicht bereits eine Unterbrechung des zeitlichen Zusam
menhangs angenommen werden, wenn die Person bloss für kurze Zeit wieder an die Arbeit zurückgekehrt ist. Ebenso wenig darf die Frage des zeitlichen Zusam
menhangs zwischen Arbeitsunfähigkeit und Invalidität in schematischer (analo
ger) Anwendung der Regeln von Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Inva
lidenversicherung (IVV) beurteilt werden, wonach eine anspruchsbeeinflussende Verbesserung der Erwerbsfähigkeit in jedem Fall zu berücksichtigen ist, wenn sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussichtlich andauern wird. Zu berücksichtigen sind vielmehr die gesamten Umstände des konkreten Einzelfalles, namentlich die Art des Gesundheitsschadens, dessen prog
nostische ärztliche Beurteilung und die Beweggründe, die die versicherte Person zur
Wiederaufnahme der Arbeit veranlasst haben (BGE 123 V 262 E.
lc
, 120 V 112 E. 2c/
aa
und 2c/
bb
mit Hinweisen).
1.4
Für den Eintritt der Arbeitsunfähigkeit im Sinne von
Art.
23
lit
. a BVG ist die Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf massgeblich; sie ist relevant, wenn sie mindestens 20
%
beträgt und sich auf das Arbeitsver
hältnis sinnfällig auswirkt oder ausgewirkt hat. Der zeitliche Zusammenhang zur später eingetretenen Invalidität als weitere Voraussetzung für den Anspruch auf Invalidenleistungen der damaligen Vorsorgeeinrichtung beurteilt
sich hin
gegen nach der Arbeits
unfähigkeit
respektive Arbeitsfähigkeit
in einer der gesundheit
lichen Beeinträchtigung angepassten zumutbaren
Tätigkeit. Diese Beschäftigung muss
jedoch bezogen auf die angestammte Arbeit die Erzielung eines rentenaus
schliessenden Einkommens erlauben (
Urteil des Bundesgerichts 9C_536/2012 vom 28. Dezember 2012 E. 2.1.3).
2.
2.1
Der Kläger begründete die Kla
ge im Wesentlichen damit, dass die IV-Stelle
Bern
den Eintritt der IV-relevanten Arbeitsunfähigkeit auf den
1.
Oktober 2013 fest
gelegt habe. Zu diesem Zeitpunkt sei er bei der Beklagten berufsvorsorgerechtlich versichert gewesen, sodass aufgrund der Bindungswirkung des IV-Entscheids ein Rentenanspruch gegeben sei (
Urk.
1).
Im Zuge der Replik präzisierte der Kläger seine Ausführungen dahingehend, dass nicht bestritten werde, dass er sich am
1.
Oktober 2013 in der versicherungsrecht
lichen Nachdeckung befunden habe, welche sich aus den entsprechenden Merk
blättern der Arbeitslosenversicherung ergebe (
Urk.
16).
2.2
Demgegenüber machte die Beklagte im Wesentlichen geltend, dass
aufgrund der verspäteten Anmeldung des Klägers zum Bezug von IV-Leistungen bezüglich der auf den
1.
Oktober 2013 festgesetzten Arbeitsunfähigkeit im vorliegenden Ver
fahren keine Bindungswirkung bestehe
. Weiter stehe nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit fest, dass die paranoide Schizophrenie, welche letztlich zur Invalidität geführt habe, während der Dauer des Taggeldbezugs vom 2
3.
Dezem
ber 2011 bis 2
0.
April 2012 und vom
1.
Mai 2013 bis 2
4.
September 2013 einge
treten sei, namentlich fehle es an einer echtzeitlichen Einschätzung der Arbeits
unfähigkeit; eine blosse Vermutung genüge nicht (
Urk.
7 S. 16). Der Beginn der Arbeitsunfähigkeit werde im Rahmen der RAD-Stellungnahme vom 2
8.
Mai 2016 auch nicht weiter begründet (S. 16 f.). Erstmals werde die paranoide Schizophre
nie im Arztbe
richt von
Dr.
med.
D._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie,
vom 1
9.
Februar 2015 erwähnt, sie finde sich in keinem der zahl
reichen älteren Berichte; auch würden sich in den Akten keine Hinweise auf einen schubweisen Verlauf der Erkrankung ergeben (S. 17). Würde man weiter au
f den Bericht von
Dr.
med.
E._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
abstellen, wäre die massgebende Arbeitsunfähigkeit schon
während des Arbeits
verhält
nisses bei der
A._
AG eingetreten (S. 18).
Die Auflösung des Arbeitsverhältnisses per 3
0.
April 2013 habe dabei nicht gesundheitliche Gründe gehabt. Aufgrund der Akten sei davon auszugehen, dass die wegen der paranoi
den Schizophrenie eingetret
ene
Arbeitsunfähigkeit des Klägers frühestens mit Er
stellung des Arztberichts von
Dr.
D._
vom 1
9.
Februar 2015
eingetreten sei (S. 19); eine Nachdeckung bestehe dabei bei Bezügern von Arbeitslosentag
geldern nicht (S. 20, vgl. auch
Urk.
20).
3.
3.1
Aus der engen Verbindung zwischen dem Recht auf eine Rente der Invalidenver
sicherung und demjenigen auf eine Invalidenleistung nach BVG ergibt sich, dass der Invaliditätsbegriff im obligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge und in der Invalidenversicherung grundsätzlich der gleiche ist (BGE 123 V 269 E. 2a, 120 V 106 E. 3c, je mit Hinweisen).
Praxisgemäss sind daher die Vorsorgeeinrichtungen im Bereich der gesetzlichen Mindestvorsorge (Art. 6 BVG) an die Feststellungen der IV-Organe (Eintritt der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit, Eröffnung der Wartezeit, Festsetzung des Invaliditätsgrades) gebunden, soweit die IV-rechtliche Betrachtung aufgrund einer gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhaltbar erscheint (BGE 126 V 309 E. 1 in
fine
). Diese Konzeption fusst auf der Überlegung, die Organe der (obligatorischen) beruflichen Vorsorge von eigenen aufwändigen Ab
klärungen freizustellen, und gilt nur bezüglich Feststellungen und Beurteilungen der IV-Organe, welche im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend waren (BGE 132 V 1 E. 3.2). So hat beispielsweise eine verspätete Anmeldung zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung rechtsprechungsgemäss die freie Überprüfbarkeit des leistungserheblichen Sachverhaltes durch die Vorsorgeeinrichtung bezie
hungsweise das Berufsvorsorgegericht zur Folge (Urteil des Bundesgerichts 9C_49/2010 vom 23. Februar 2010 E. 2.1).
Diese Bindungswirkung setzt voraus, dass die Vorsorgeeinrichtung (spätestens) ins
Vorbescheidverfahren
(
aArt
. 73
bis
IVV; seit 1. Juli 2006: Art. 73
ter
IVV) einbe
zogen und ihr die Rentenverfügung formgültig eröffnet wurde (Urteil des Bun
desgerichts
9C_81/2010 vom 16. Juni 2010 E. 3.1, mit Hinweisen). Dem BVG-Versicherer steht ein selbständiges Beschwerderecht im Verfahren nach IVG zu. Unterbleibt ein solches Einbeziehen der Vorsorgeeinrichtungen, ist die IV
recht
liche Festsetzung des Invaliditätsgrades (grundsätzlich,
masslich
und zeit
lich) berufsvorsorgerechtlich nicht verbindlich (BGE 130 V 270 E. 3.1).
Stellt die Vorsorgeeinrichtung auf die invalidenversicherungsrechtliche Betrach
tungsweise ab, muss sich die versicherte Person diese entgegenhalten lassen, so
weit diese für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend war, und zwar ungeachtet dessen, ob der Vorsorgeversicherer im Verfahren der Invalidenversicherung beteiligt war oder nicht. Vorbehalten sind jene Fälle, in denen eine gesamthafte Prüfung der Aktenlage ergibt, dass die Invaliditätsbemes
sung der Invalidenversicherung offensichtlich unhaltbar war (BGE 130 V 270 E. 3.1).
3.2
Unbestritten ist vorli
egend, dass sich der Kläger am
5.
Februar 2015 bei der IV
Stelle zum Leistungsbezug angemeldet hat, wobei diese dem Kläger auf den
frühstmöglichen
Zeitpunkt hin (
1.
August 2015,
Art.
29
Abs.
1 IVG) eine ganze Rente zusprach. Aufgrund der Tatsache, dass die IV-Stelle den Eintritt der mass
gebenden Arbeitsunfähigkeit auf den
1.
Oktober 2013 festlegte, ist von einer ver
späteten Anmeldung des Leistungsanspruchs auszugehen
(siehe
Urk.
13/38)
, sodass im vorliegenden Verfahren eine freie Überprüfung erfolgen kann
4.
4.1
Aus den Akten der IV-Stelle ergibt sich, dass die
Rentenzusprache
im Hauptpunkt
, d.h. mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit,
gestützt auf die Diagnose einer paranoiden Schizophrenie (ICD-10 F 20.0) erfolgte (
Urk.
13/34 S. 10). Zu prüfen ist demnach, in welchem Zeitpunkt es aufgrund
von Wahnvorstellungen, Hallu
zinationen oder anderen Wahrnehmungsstörungen zu einer Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20
%
gekommen ist. Bei einer paranoiden Schizophrenie
stehen
dabei Störungen der Stimmung und des Antriebs nicht im Vordergrund (vgl. ICD
10,
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen, 1
0.
Auflage, S. 131). Entsprechend den unbestritten gebliebenen Ausführungen der Beklagten ist
wei
ter
von einer Dauer des Taggeldbezugs vom 2
3.
Dezember 2011 bis 2
0.
April 2012 und vom
1.
Mai 2013 bis 2
4.
September 2013 auszugehen (
Urk.
7 S. 16,
vgl. auch
Urk.
8/1).
4.2
4.2.1
Dr.
E._
führte in seinem Bericht vom 2
7.
Juni 2017 aus, dass der Kläger in ihrer Praxis in der Zeit vom
2.
Juni 2010 bis 2
7.
Mai 2011 in Behandlung gestande
n habe. Leider seien die Unterla
gen von Herr Schneider beim Praxisumzug im Februar 2012 verloren gegangen. Die Themen der Angst hätten um die dermato
logi
schen Erkrankungen und mögliche toxische Einwirkung durch die frühere Ar
beitsstelle und den damaligen Wohnraum gekreist. Es sei eine Anpassungs
störung (ICD-10 F43.22) sowie ein Verdacht auf eine hypochondrische Störung (F45.2) diagnostiziert worden (
Urk.
8/6).
4.2.2
In der Zeit vom
1.
Mai 2012 bis 3
0.
April 2013 war der Kläger als Allrounder bei
der
B._
AG erwerbstätig, wobei er lediglich in der Zeit zwischen
dem
3.
und
5.
April 2013 krankheitsbedingt abwesend war. Dem Fragebogen für
Arbeitgebende
ist dabei zu entnehmen, dass die Auflösung des Arbeitsverhält
nis
ses im Zusam
menhang mit einem Fahrausweisentzug sowie
der mangelnden Be
mühungen zur Wiedererlangung desselben wie auch der Änderung der Lebens
gestaltung gestanden habe (letzter effektiver Arbeitstag 3
0.
April 2013;
Urk.
13/22).
4.2.3
Dr.
D._
diagnostizierte in seinem Bericht
vom 1
9.
Februar 2015 mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine wahnhafte S
törung (ICD-10 F22.0) be
stehend
seit Jahren; DD: paranoide Schizophrenie (ICD-10 F20.0). Ohne Auswir
kung sei beim Kläger vormals ein ADHS diagnostiziert worden, bestehend seit der Kindheit; weiter liege ein Status nach Alkoholmissbrauch und Heroinsucht vor, eine Hepatitis, eine
Dermatopathie
mit diffusen Läsionen (DD: selbstverletzendes Verhalten?), ein Status nach Interferontherapie sowie eine
Eunuresis
nocturna
(
Urk.
13/12 S. 2).
Der Beschwerdeführer stehe bei ihnen seit dem
5.
Dezember 2014 in Behandlung. In der angestammten Tätigkeit sei seit Behandlungsbeginn von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen, fortlaufend, beziehungsweise seit Jahren
. Auch in einer angepassten Tätigkeit sei aktuell keine Arbeit zumutbar,
ebensowenig
seien Wiedereingliederungsmassnahmen möglich (S. 5).
4.3
In der Zeit vor dem ersten Taggeldbezug am 2
3.
Dezember 2011 ergibt sich somit aus psychiatrischer Sicht, dass der Beschwerdeführer in der Zeit vom
2.
Juni 2010 bis 2
7.
Mai 2011 bei
Dr.
E._
in Behandlung gestanden hat, dieser die Beschwer
den jedoch eher im Rahmen einer Anpassungsstörung beziehungsweise einer hy
pochondrischen Störung einordnete.
Dem Bericht von
Dr.
D._
ist dabei zu entnehmen, dass das
F._
bereits 2011 eine wahnhafte Störung differen
tialdiagnostisch in Betracht gezogen habe (
Urk.
13/12 S. 3). Dem Bericht über die
hepatologische
Kontrolle vom
2.
September 2011 (
F._
,
Bericht vom 1
5.
September 2011) kann demgegenüber eine entsprechende Diagnose nicht ent
nommen werden
(
Urk.
8/7)
. Auch wenn es somit möglich erscheint, dass die
von
Juni 2010 bis Mai 2011 vorhandenen psychischen Beschwerden bereits im Rah
men einer wahnhaften Störung zu sehen gewesen wären, führt dies nicht zu einer Leistungspflicht der Beklagten. Aufgrund des Bericht
s
des
F._
vom 1
5.
September 2011 standen zu diesem Zeitpunkt die somatischen Beschwerden im Vordergrund, eine wahnhaft
e
Störung wird nicht erwähnt,
ebensowenig
eine Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen (
Urk.
8/7). Generell kann aufgrund der Akten in der Zeit vom 2
3.
Dezember 2011 bis 2
0.
April 2012 nicht auf eine Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen geschlossen werden, so bestätigte auch
Dr.
med.
G._
, Facharzt FMH für Innere Medizin, in seinem Bericht vom 2
1.
Februar 2012 lediglich eine Arbeitsunfähigkeit bis zum 3
0.
April 2011 (
Urk.
8/4).
Bei dieser Aktenlage kann auch aus der Angabe von
Dr.
D._
, dass die wahnhafte Störung schon seit Jahren bestehe, nichts zu Gunsten des Klägers abgeleitet werden, kommt den echtzeitlichen Berichten in diesem Bereich der Anspruchsprüfung doch erhöhtes Gewicht zu. Weiter kann aus der unpräzisen Angabe nicht auf die überwiegende Wahrscheinlichkeit eines Sachverhalts ge
schlossen werden.
4.4
Durch die Akten belegt ist weiter, dass der Kläger in der Zeit des Arbeitsverhält
nisses vom
1.
Mai 2012 bis 3
0.
April 2013 abgesehen von zwei Krankheitstagen nicht in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt gewesen war
.
In der Zeit vom
1.
Mai 2013 bis 2
4.
September 2013 bezog der Kläger wiederum Taggelder der Arbeitslosenversicherung. Aus dem
ärztlichen Zeugnis von
Dr.
G._
vom 1
8.
Oktober 2013
ergibt sich
eine Behandlung sei
t August 2013 sowie eine 50%ige
Arbeitsunfähigkeit ab
1.
Oktober 2013 (Urk.
13/4 S. 4). Den Berichten der Fachärzte des
F._
vom 1
2.
Dezember
2013, 2
8.
Februar 2014 sowie 2
7.
August 2014 ist dabei zu entnehmen, dass die attestierte Arbeitsunfähigkeit im Zusammenhang mit der am 2
3.
August
2013 aufgenommenen Hepatitis-C-Behandlung zu sehen ist (
Urk.
13/8 S. 2 ff.). Dem Bericht vom 1
2.
Dezember 2013 ist dabei keine psychiatrische Diagnose zu entnehmen,
ebensowenig
wird eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit aus psychischen Gründen erwähnt. Damit erscheint auch für die Phase vom
1.
Mai 2013 bis 2
4.
September 2013 keine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit aufgrund einer wahnhaften Störung überwie
gend wahrscheinlich, sodass eine Leistungspflicht der Beklagten mangels sachli
cher Konnexität ausser Betracht fällt.
4.5
Die Beklagte wies in diesem Zusammenhang
auch
zu Recht darauf hin, d
ass es beim Taggeldbezug der Ar
beitslosenversicherung keine Nachdeckungsfrist gibt (vgl. Art. 10 Abs. 3 BVG e
contrario
; vgl. hierzu Hans-Ulrich Stauffer, Berufliche Vorsorge, 2. Auflage, Zü
rich, Basel, Genf 2012,
Rz
. 696).
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts vermögen fehlerhafte Verwaltungs
weisungen oder ein von der Verwaltung herausgegebenes fehlerhaftes Merkblatt in der Regel keine vom materiellen Recht abweichende Behandlung zu begrün
den, weil sie sich an einen unbestimmten Adressatenkreis richten und auf eine Vielzahl von Sachverhalten beziehen. Verlangt die Bürgerin oder der Bürger aber zu einer bestimmten, sie oder ihn betreffenden Frage eine Auskunft und erteilt die Behörde ihr oder ihm diese in Form der Abgabe eines Merkblattes (oder einer ähnlichen behördlichen Information), kann damit eine individuell-konkrete Zu
sicherung verbunden sein. Trifft dies zu, kann sich die betroffene Person auf die Unrichtigkeit der Auskunft berufen, sofern die übrigen Voraussetzungen des Ver
trauensschutzes erfüllt sind (BGE 109 V 52 E. 3b mit Hinweisen).
A
us dem fehlerhaften Merkblatt der
Beklagten kann der Kläger demnach nichts zu seinen Gunsten ableiten; zudem ist anzumerken, dass die von
Dr.
G._
ab
1.
Oktober 2013 festgehaltene Arbeitsunfähigkeit überwiegend wahrscheinlich somatische Gründe hatte
(E. 4.4)
.
Zusammenfassend kann nicht auf einen Eintritt der massgebende
n Arbeitsunfä
higkeit während den
Zeiten des Taggeldbezugs bei d
er Beklagten geschlossen werden, sodass auch keine zeitliche Konnexität vorliegt.
Dies führt
zur Abwei
sung der
Klage
.
5.
Der Beklagten
steht in ihrer Funktion als Trägerin der beruflichen Vorsorge trotz ihres Obsiegens keine Prozessentschädigung zu (§ 34 Abs. 2
GSVGer
; vgl. statt vieler: BGE 128 V 124 E. 5b).