# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f3c17a25-2958-48c0-8179-fe7a63445b96
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_002
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt:
1. Mit Schreiben vom 18. Januar 2022 reichte A._, Jahrgang 1994,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Marc G. Breitenmoser, ein Gesuch
um Genugtuung und Entschädigung nach Opferhilfegesetz beim
kantonalen Sozialamt Graubünden (nachfolgend Sozialamt) ein und
verlangte darin eine Genugtuung in der Höhe von CHF 15'000.-- nebst
Zins zu 5 % seit dem 1. Juli 2018. Zusammen mit dem Gesuch wurde das
Urteil des Regionalgerichts Plessur vom B._ (Proz. Nr. C._) und
das Urteil des Kantonsgerichts Graubünden vom D._ (E._)
sowie weitere Unterlagen eingereicht. Begründend führte er aus, dass der
Täter dem Gesuchsteller mit einer Bierflasche zuerst einen frontalen
Schlag auf den Stirn- und Augenbereich und in der Folge mit der
zerbrochenen Flasche einen weiteren Schlag auf die rechte Seite des
Kopfes beim Ohrbereich verpasst habe. Dergestalt habe der
Gesuchsteller eine schwere Verletzung am linken Auge erlitten, wobei
sogar eine Erblindung des Auges gedroht habe. Darüber hinaus habe der
Gesuchsteller neben den Verletzungen an der Ohrmuschel und hinter dem
rechten Ohr eine Rissquetschwunde mit arterieller Blutung im Bereich der
linken Stirn erlitten. Aufgrund dieser Verletzungen hätten zwei
Notoperationen durchgeführt werden müssen, nachdem ein "potenziell
lebensgefährlicher Zustand" bestanden habe. Heute sei immer noch eine
grosse, auffällige Narbe auf der Stirn gut sichtbar. Weiter leide der
Gesuchsteller immer noch unter den psychischen Folgen dieser Tat,
weshalb er sich auch einer psychiatrischen Behandlung unterziehen und
Psychopharmaka einnehmen musste. So sei bei ihm auch eine
Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion gemischt sowie
eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert worden. Noch
heute leide der Gesuchsteller u.a. an Gedankenkreisen,
Einschlafproblemen, Konzentrationsproblemen, Sorgen und Ängsten etc.,
weshalb er sich immer noch sehr zurückziehe, misstrauisch sei und nur
noch mit einem Pfefferspray aus dem Haus gehe. Vor diesem Hintergrund
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hätten sowohl das Regionalgericht Plessur als auch das Kantonsgericht
von Graubünden in ihren Urteilen dem Gesuchsteller eine Genugtuung
von CHF 15'000.-- nebst Zins zu 5% seit 1. Juli 2018 zugesprochen.
2. Mit Verfügung vom 7. Juli 2022 sprach das Sozialamt in teilweiser
Gutheissung des Gesuchs vom 18. Januar 2022 A._ eine
Genugtuung von CHF 2'000.-- zu und wies das Entschädigungsgesuch
ab. Begründend führte das Sozialamt aus, dass unter Würdigung der
konkreten Umstände sowie gestützt auf den Leitfaden zur Bemessung der
Genugtuung nach Opferhilfegesetz und der bisherigen
Genugtuungspraxis eine Genugtuung in der Höhe von CHF 8'000.-- als
angemessen zu erachten sei. Weiter sei die Genugtuung jedoch
herabzusetzen, da davon auszugehen sei, dass A._ nicht die in
seinem eigenen Interesse liegende Sorgfalt und Umsicht zu seinem
eigenen Schutz angewendet habe. Nach zwei hitzigen Diskussionen über
die politische Lage in Eritrea, in der Onyx-Bar und anschliessend im
Fahrzeug von A._, habe A._ zuerst zwei Mal gegen den Kopf
von F._ eingeschlagen. Durch dieses Verhalten habe A._ den
Angriff von F._ provoziert und ausgelöst. Somit sei von einem
schweren Verschulden von A._ auszugehen. Das Sozialamt
erachtete unter Würdigung der konkreten Umstände im vorliegenden Fall
sowie gestützt auf die bisherige Praxis eine Kürzung des Genugtuungs-
Anspruchs um 75 % als angemessen.
3. Dagegen erhob A._ (nachfolgend Beschwerdeführer) am
8. September 2022 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden. Darin beantragte er, es sei die Ziff. 1 des Dispositivs der
angefochtenen Verfügung des kantonalen Sozialamtes Graubünden vom
7. Juli 2022 aufzuheben und es sei dem Beschwerdeführer eine
Genugtuung in der Höhe von CHF 15'000.-- - eventualiter nach
richterlichem Ermessen - zuzusprechen, subeventualiter sei die
Angelegenheit zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, dies
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alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge, diese zuzüglich 7.7 %
Mehrwertsteuer, zu Lasten des Sozialamts. Überdies sei ihm die
unentgeltliche Rechtspflege sowie die Bestellung eines unentgeltlichen
Rechtsbeistandes in der Person von Rechtsanwalt lic. iur. Marc G.
Breitenmoser zu gewähren.
Begründend führte der Beschwerdeführer aus, dass das Sozialamt den
Sachverhalt unzutreffend dargelegt habe. Die Tat habe sich nicht am
1. Juni 2018, sondern am 1. Juli 2018 ereignet. Entgegen der
Sachverhaltsdarstellung in der angefochtenen Verfügung, wonach der
Beschwerdeführer F._ zuerst zweimal mit der Bierflasche gegen
dessen Kopf geschlagen haben soll, habe der Beschwerdeführer
richtigerweise F._ die Hand geben wollen, da sich dieser eigentlich
verabschieden wollte, worauf ihm dieser die Bierflasche gegen die linke
Gesichtshälfte geschlagen habe. F._ habe daraufhin den
Beschwerdeführer mit der Bierflasche an der Stirn und am Auge getroffen,
weshalb er stark blutete und sein Gesicht in die Hände nahm. Der
Beschwerdeführer habe sich dabei mit dem Kopf nach vorne gebeugt,
worauf F._ die mittlerweile zerbrochene Bierflasche von oben herab
gegen die rechte Gesichtsseite des Beschwerdeführers geschlagen und
ihn hinter seinem rechten Ohr verletzt habe. F._ habe daraufhin in
seiner Muttersprache geäussert, dass der Beschwerdeführer jetzt sterben
würde. Ergo treffe es nicht zu, dass F._ die Bierflasche vom
Beschwerdeführer behändigt haben soll, zumal er diese stets in seinen
Händen gehalten habe. Der Beschwerdeführer habe gemäss dem
rechtsmedizinischen Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin St. Gallen
vom 13. August 2018 eine schwere Verletzung am linken Auge,
Verletzungen an der Ohrmuschel und hinter dem rechten Ohr eine
Rissquetschwunde mit arterieller Blutung im Bereich der linken Stirn
erlitten. Angesichts dieser Kopfverletzungen und mithin aufgrund der
Läsionen von arteriellen Gefässen habe im Kantonsspital Graubünden
umgehend eine Notoperation durchgeführt werden müssen. In Folge
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wurde der Beschwerdeführer mit der REGA in das mit einer Augenklinik
ausgestattete Kantonsspital St. Gallen geflogen und dort nochmals
notoperiert werden. Unter Würdigung der beschriebenen Verletzungen sei
denn auch im besagten Gutachten von "scharfer Gewalt" und von einer
"scharfkantigen Gewalteinwirkung" die Rede. Wie des Weiteren aus dem
Gutachten vom 13. August 2018 hervorgehe, habe bei Eintritt in das
Kantonsspital Graubünden ein "potenziell lebensgefährlicher Zustand"
bestanden, weshalb zwingend eine Notoperation durchgeführt werden
musste.
In Abweichung der angefochtenen Verfügung sowie unter Hinweis auf das
betreffende Urteil des Kantonsgerichts Graubünden vom D._
(E._) habe sehr wohl eine akute Lebensgefahr vorgelegen. So hätten
nämlich die arteriellen Blutungen bei Nichtbehandlung in der Notfallstation
zum Kreislaufschock und Tod führen können, womit eine unmittelbare
Lebensgefahr vorgelegen hätte. Die betreffende Wundheilung habe auch
starke Schmerzen verursacht, wobei eine gut sichtbare, grosse Narbe an
der linken Stirnseite sowie über dem rechten Ohr zurückgeblieben seien,
welche ihn bleibend entstelle. Wie bereits erwähnt, habe auch der Verlust
des Sehorgans gedroht, wobei bei Austritt aus der Augenklinik zumindest
noch eine "geringe Sehkraft vorhanden war". Der Beschwerdeführer
benötige heutzutage ständig eine Brille um einigermassen sehen zu
können. Vor der Tat sei er brillenfrei gewesen, wobei unter Hinweis auf
das Urteil des Kantonsgerichts Graubünden vom D._ (E._)
festzuhalten sei, dass der Beschwerdeführer ohne Notoperation erblindet
wäre.
Weiter leide der Beschwerdeführer bis zum heutigen Tage an den
seelischen Folgen dieser Tat vom 1. Juli 2018. So habe sich der
Beschwerdeführer ab dem 24. Juli 2018 während langer Zeit in
psychiatrischer Behandlung bei den Psychiatrischen Diensten Aargau AG
befunden. Es seien ihm eine Anpassungsstörung mit Angst und
depressiver Reaktion gemischt diagnostiziert und eine posttraumatische
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Belastungsstörung festgestellt worden. Nebst der Einnahme von
Psychopharmaka (Antidepressiva etc.) sehe er sich mit Gedankenkreisen,
Einschlafproblemen, Konzentrationsproblemen, Sorgen und Ängsten etc.
konfrontiert, weshalb seine Lebensqualität nach wie vor beeinträchtigt sei.
Somit sei der Beschwerdeführer bezeichnenderweise auch nicht in der
Lage gewesen, an der damaligen Hauptverhandlung am Kantonsgericht
Graubünden vom D._ teilzunehmen. Auch in Zukunft werde der
Beschwerdeführer immer an die Tat erinnert werden, da ihn seine Narbe
im Gesicht beim Blick in den Spiegel daran erinnern werde.
Bei der Bemessung der Genugtuung sei entgegen der Meinung der
Vorinstanz nicht die Kategorie 2, sondern 3 bzw. sogar 4 massgebend,
welche eine Genugtuung von CHF 10'000.-- bis CHF 20'000.-- resp. von
CHF 20'000.-- bis CHF 50'000.-- vorsehe. Vor diesem Hintergrund sowie
unter Würdigung der konkreten Umstände im vorliegenden Fall sowie
gestützt auf den Leitfaden zur Bemessung der Genugtuung nach
Opferhilfegesetz und der bisherigen Genugtuungspraxis entbehre die von
der Vorinstanz berücksichtigte Genugtuung von CHF 8'000.-- jeglicher
Grundlage, weshalb zumindest von einer Genugtuung von CHF 15'000.--
auszugehen sei. Weiter gehe die Vorinstanz von einem schweren
Verschulden seitens des Beschwerdeführers aus, da dieser zuerst
zweimal mit der Bierflasche auf F._ eingeschlagen haben soll, obwohl
dies gemäss Anklageschrift vom 29. Oktober 2019 (Anm. des Gerichts:
Strafverfahren gegen F._) mitnichten zutreffe und auch bestritten
werde.
Im Ergebnis halte der Beschwerdeführer daran fest, dass die sowohl vom
Regionalgericht Plessur als auch vom Kantonsgericht Graubünden
adhäsionsweise zugesprochene Genugtuung in der Höhe von
CHF 15'000.-- als angemessen zu beurteilen sei. Dies umso mehr, als
F._ in zweiter Instanz keine Einwendungen gegen die von der
Vorinstanz zur Höhe dieses Anspruchs vorgenommenen Überlegungen
vorgebracht habe und folglich die Höhe der zugesprochenen Genugtuung
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eingestanden habe. Da das Sozialamt den Beschwerdeführer mit einer
Genugtuung von nur CHF 2'000.-- abspeise, müsse vorliegend von einer
Rechtsverletzung, einschliesslich einer Überschreitung und einem
Missbrauch des Ermessens, als auch von einer unrichtigen und
unvollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts im
Sinne von Art. 51 Abs. 1 VRG ausgegangen werden.
4. Mit der Vernehmlassung vom 3. Oktober 2022 beantragte das kantonale
Sozialamt Graubünden (nachfolgend Beschwerdegegner), die
Beschwerde abzuweisen unter Kostenfolge zulasten des
Beschwerdeführers. Für die Begründung wurde auf die Verfügung sowie
die dazugehörenden Akten verwiesen und überdies führte der
Beschwerdegegner aus, dass im Gesuch um Entschädigung und
Genugtuung vom 18. Januar 2022 der Beschwerdeführer betreffend
Tathergang und Verletzungen explizit auf die Darstellungen im Urteil des
Regionalgerichts Plessur vom B._ (Proz. Nr. C._) sowie im Urteil
des Kantonsgerichts Graubünden vom D._ (E._) verwiesen
habe. Während einer telefonischen Unterredung am 20. April 2022 seien
laut Beschwerdegegner weitere medizinische Unterlagen bezüglich
aktuellem Gesundheitszustand des Beschwerdeführers im Jahr 2022
einverlangt worden, welche dann auch eingereicht worden seien. Soweit
der Beschwerdeführer nun die Edition der Strafakten verlange und damit
eine von den Urteilen abweichende Sachverhaltsdarstellung begründen
möchte, könne ihm nicht gefolgt werden. Der Beschwerdeführer habe
bereits früher ausdrücklich darauf verwiesen, dass die Ausführungen der
Urteile zum Tathergang stimmen würden. Weiter stehe den kantonalen
Behörden bei der Festsetzung der Höhe der Genugtuung ein weiter
Ermessensspielraum zu, in welchen das Bundesgericht nur eingreife,
wenn grundlos von den in der Lehre und Rechtsprechung entwickelten
Grundsätzen abgewichen werde. Der vom Beschwerdeführer eingereichte
medizinische Bericht vom 28. April 2022, aus welchem hervorgehe, dass
die Narben heilbar seien, habe vom Kantonsgericht nicht berücksichtigt
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werden können (Urteil des Kantonsgerichts Graubünden vom D._
[E._]). Eine vom Kantonsgericht abweichende Beurteilung betreffend
die Narben sei folglich angebracht gewesen. Auch die psychischen Folgen
seien vom Beschwerdegegner gewürdigt worden, soweit sie belegt waren.
Der Beschwerdeführer werde Zeit seines Lebens auf eine Brille
angewiesen sein, jedoch sei ein vollständiger Verlust der Sehkraft oder
der Verlust eines Auges den Akten nicht zu entnehmen. Weiter habe eine
theoretische, aber keine akute Lebensgefährdung beim Beschwerdeführer
bestanden. Gemäss Leitfaden zur Bemessung der Genugtuung nach
Opferhilfegesetz vom 3. Oktober 2019 sei die dauerhafte
Sehbeeinträchtigung auch aufgrund von Vergleichsfällen in die Kategorie
2 eingeordnet worden und rechtfertige eine Entschädigung von
CHF 5'000.-- bis 10'000.--. Die Bemessungskriterien, insbesondere die
Intensität, das Ausmass und die Dauer der physischen und psychischen
Folgen seien angemessen berücksichtigt worden. Das vorliegende
Provozieren des Angriffs durch zweimaliges Zuschlagen mit einer
Bierflasche sei als schweres bis sehr schweres Verschulden zu
qualifizieren. Praxisgemäss zu Art. 44 OR seien Kürzungsansätze von 70-
80 % gerechtfertigt, wenn ein schweres Mitverschulden des Opfers
vorliege. Somit sei die Kürzung um 75 % nicht zu beanstanden.
5. Mit Schreiben vom 11. Oktober 2022 teilte der Beschwerdeführer mit, dass
er unter Hinweis auf die Ausführungen der Beschwerde vom 8. September
2022 auf eine Replik verzichte.
6. Am 12. Oktober 2022 ging die Honorarnote von RA lic. iur. Breitenmoser
ein.
Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften, die angefochtene
Verfügung sowie die eingereichten Beweismittel wird, soweit erforderlich,
in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
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## Considerations

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1.1. Anfechtungsobjekt ist vorliegend die Verfügung des Beschwerdegegners
vom 7. Juli 2022, worin dem Beschwerdeführer in teilweiser Gutheissung
seines Gesuchs vom 18. Januar 2022 eine Genugtuung in der Höhe von
CHF 2'000.-- zugesprochen und das Entschädigungsgesuch abgewiesen
wurde. Gemäss Art. 6 Abs. 1 der Vollziehungsverordnung zum
Bundesgesetz über die Hilfe an Opfer von Straftaten (VVzOHG;
BR 549.100) kann gegen die gestützt auf diese Verordnung ergangenen
Verfügungen innert 30 Tagen seit Mitteilung Beschwerde beim
Verwaltungsgericht eingereicht werden. Dieses überprüft die
angefochtene Verfügung frei. Die Verfügung des Beschwerdegegners
vom 7. Juli 2022 stellt ein taugliches Anfechtungsobjekt dar. Das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden ist gemäss Art. 26 Abs. 1
des Opferhilfegesetzes (OHG; SR 312.5) und Art. 6 VVzOHG örtlich und
sachlich zuständig.
1.2. Der Beschwerdeführer ist durch die angefochtene Verfügung berührt und
hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung,
weshalb er gemäss Art. 50 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) zur Beschwerde legitimiert
ist. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht (Art. 38 VRG; Art. 6 VVzOHG)
erhobene Beschwerde ist somit einzutreten.
2.1. Gemäss Art. 4 Abs. 1 VVzOHG kann das Amt zur Ermittlung des
Sachverhaltes Beteiligte und Auskunftspersonen befragen, sämtliche
Akten, Urkunden und Sachverständige beiziehen sowie andere
zweckmässige Erhebungen vornehmen. Die am Verfahren Beteiligten sind
verpflichtet, an der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken (Art. 11
Abs. 2 VRG), womit auch ausdrücklich das Opfer gemeint ist (Art. 4 Abs. 3
VVzOHG). Die Behörde erhebt die notwendigen Beweise, wobei sie an
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Begehren zur Ermittlung des Sachverhalts nicht gebunden ist (Art. 11
Abs. 3 VRG).
2.2.1. Vorliegend beantragt der Beschwerdeführer den Beizug der Akten der
Vorinstanz sowie der Akten des Strafverfahrens gegen F._, auf
welche der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde verwiesen habe. Zu
erwähnen ist dabei, dass der Beschwerdeführer in seinem Gesuch vom
18. Januar 2022 unter Punkt 2 ("Delikt und Täterschaft") unter der
Schilderung des Tathergangs und Verletzungen explizit auf das Urteil des
Regionalgerichts Plessur vom B._ (Proz. Nr. C._) sowie auf das
Urteil des Kantonsgerichts Graubünden vom D._ (E._)
verwiesen hat (Beschwerdegegnerische Beilagen [Bg-act.] A1 und A2
S. 2). Weitere medizinische Unterlagen bezüglich aktuellem
Gesundheitszustand im Jahr 2022 wurden mit Schreiben vom 30. Mai
2022 im vorinstanzlichen Verfahren nachgereicht. Zudem ist der
Beschwerdeführer anwaltlich vertreten und ihm ist nicht zuletzt aufgrund
dieses Umstands zumutbar, die relevanten Akten aus dem Strafverfahren
ins Beschwerdeverfahren einzubringen, da die am vorliegenden Verfahren
Beteiligten eine Mitwirkungspflicht trifft.
2.2.2. Das Regionalgericht Plessur hat in seinem Urteil festgestellt, dass der
Beschwerdeführer zuerst zweimal mit der Bierflasche gegen F._
schlug (Bg-act. A3 E.13.5). Diese Ausgangslage wurde vom
Kantonsgericht nicht korrigiert (Bg-act. A4 E.4.6.3 und 9.2). Aus den
Urteilen ist weiter zu entnehmen, dass F._ nach der Tat Kopfwunden
aufwies, welche in beiden Urteilen den Schlägen mit der Bierflasche durch
den Beschwerdeführer zuzuordnen sind (Bg-act. A3 E.5.3 und A4 E.4.6.3).
Somit bestand unter diesen Umständen auch für den Beschwerdegegner
kein Zweifel, dass der Beschwerdeführer zuerst zweimal mit der
Bierflasche gegen F._ geschlagen hatte.
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2.3. Es kann deshalb auf den Beizug weiterer Akten verzichtet werden, weil
das Gericht aufgrund der bereits abgenommenen Beweise seine
Überzeugung gebildet hat und ohne Willkür angenommen werden kann,
dass diese durch weitere Beweiserhebungen nicht geändert wird
(antizipierte Beweiswürdigung, vgl. BGE 143 III 297 E.9.3.2, 141 I 60 E.3.3
m.H., 140 III 16 E.2.1).
3.1. Gemäss dem OHG hat jede Person, die durch eine Straftat in ihrer
körperlichen, psychischen oder sexuellen Integrität unmittelbar
beeinträchtigt worden ist (Opfer), Anspruch auf Unterstützung nach
diesem Gesetz (Art. 1 Abs. 1 OHG). Das Opfer und seine Angehörigen
haben einen Anspruch auf eine Genugtuung, wenn die Schwere der
Beeinträchtigung es rechtfertigt; die Artikel 47 und 49 des
Obligationenrechts (OR; SR 220) sind sinngemäss anwendbar (Art. 22
Abs. 1 OHG). Bei Eingriffen in die körperliche Integrität wird die
erforderliche Schwere der Beeinträchtigung in der Regel verneint, wenn
die Verletzungen ohne grosse Komplikationen und dauernde Folgen
verheilen. Bei vorübergehenden Beeinträchtigungen setzt ihre genügende
Schwere besondere Umstände voraus, die etwa durch lange bzw.
mehrmonatige Spitalaufenthalte oder lange Arbeitsunfähigkeiten oder
Leidenszeiten mit besonders heftigen Schmerzen begründet werden
können. Die für eine Genugtuung erforderliche Schwere einer heilbaren
körperlichen Verletzung kann sich auch durch die damit bewirkten
erheblichen psychischen Beeinträchtigungen, wie posttraumatischen
Störungen mit Persönlichkeitsveränderungen, ergeben (Urteil des
Bundesgerichts 1C_320/2019 vom 23. April 2020 E.4.3 m.H.). Gemäss
der angefochtenen Verfügung des Beschwerdegegners sind die für die
Leistung einer Genugtuung erforderliche Kriterien der
Persönlichkeitsverletzung, Widerrechtlichkeit und des Verschuldens
gegeben (Beschwerdeführerische Beilagen [Bf-act.] 1). Somit ist
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vorliegend der Anspruch auf Genugtuung unbestritten und es wird folglich
nur auf die strittige Höhe der Genugtuung eingegangen.
3.2. Die Höhe der Genugtuung wird nach der Schwere der Beeinträchtigung
bemessen (Art. 23 Abs. 1 OHG), die namentlich von der Intensität und
Dauer der körperlichen und psychischen Folgen und ihren Auswirkungen
auf das Berufs- und Privatleben des Opfers abhängen (vgl. zum Ganzen
Urteil des Bundesgerichts 1C_320/2019 vom 23. April 2020 E.4.3 m.H.;
GOMM, in: GOMM/ZEHNTNER (Hrsg.), Handkommentar zum Opferhilferecht,
4. Aufl., Bern 2020, Art. 22 Rz. 9). Dies bestätigt auch der Leitfaden des
Bundesamtes für Justiz (BJ) zur Bemessung der Genugtuung nach OHG
vom 3. Oktober 2019 (nachfolgend Leitfaden OHG), wobei auch die
Umstände des Einzelfalles zu berücksichtigen sind (Leitfaden OHG Rz. 11
und 16; siehe auch Urteil des Bundesgericht 1C_509/2014 vom 1. Mai
2015 E 2.1).
3.3 Im Rahmen der Revision des Opferhilfegesetzes schrieb der Bundesrat in
der Botschaft, der Genugtuung komme eine wichtige symbolische Rolle
zu, denn mit ihr anerkenne das Gemeinwesen die schwierige Situation des
Opfers. Das Bundesgericht hielt zudem fest, dass die opferhilferechtliche
Genugtuung nicht gleich hoch wie die zivilrechtliche zu sein habe. Sie
dürfe tiefer angesetzt werden, da sie nicht vom Täter, sondern - als Akt
der Solidarität - von der Allgemeinheit bezahlt wird (Urteil des
Bundesgerichts 1C_542/2015 vom 28. Januar 2016 E.3.2). Gemäss
Leitfaden OHG ist die Genugtuung seit der Revision des OHG per
1. Januar 2009 durch einen Höchstbetrag beschränkt. Dieser beträgt
CHF 70'000.-- für das Opfer und CHF 35'000.-- für Angehörige. Die
Höchstbeträge haben zur Folge, dass die Genugtuung nach einer
degressiven Skala festzusetzen ist, die von den nach Zivilrecht gewährten
Beträgen unabhängig ist (Leitfaden OHG Rz. 17; Botschaft vom
9. November 2005 zur Totalrevision des OHG, BBI 2005 7165, S. 7226,
Ziff. 2.3.2). Die Festlegung von Höchstbeträgen führte zu einer klaren
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Abkoppelung der opferhilferechtlichen von der zivilrechtlichen
Genugtuung (vgl. GOMM, a.a.O., Art. 23 Rz. 4; Urteil des Bundesgerichts
1C_542/2015 vom 28. Januar 2016 E.3.2). Sie bringt den
gesetzgeberischen Willen zum Ausdruck, bei der Bemessung klar tiefer
anzusetzen als die zivilrechtliche Praxis (BBl 2005 S. 7226, Ziff. 2.3.2). Die
nach Privatrecht üblicherweise gewährten Beträge können jedoch einen
Hinweis darauf geben, welche Beeinträchtigungen höhere Genugtuungen
rechtfertigen. Die Höchstsummen sind für die schwersten Verletzungen
vorbehalten (BBI 2005 S. 7226, Ziff. 2.3.2; Urteil des Bundesgerichts
1C_542/2015 vom 28. Januar 2016 E.3.2).
3.4. Hat das Opfer zur Entstehung oder zur Verschlimmerung der
Beeinträchtigung beigetragen (bspw. nach vorgängigen Provokationen
und Pöbeleien), kann die Genugtuung des Opfers herabgesetzt oder
ausgeschlossen werden (Art. 27 Abs. 1 OHG; Leitfaden OHG Rz. 19).
Eine Kürzung wegen Mitverschuldens des Opfers ist separat auszuweisen
und explizit als Kürzung nach Art. 27 Abs. 1 und 2 OHG zu bezeichnen
(Leitfaden OHG Rz. 19). Die Opferhilfebehörde ist bei der Prüfung der
Angemessenheit der Genugtuung nicht an die Erkenntnisse des
Strafgerichts gebunden (Urteil des Bundesgerichts 1C_542/2015 vom
28. Januar 2016 E.4.1). Weiter steht den kantonalen Behörden laut
Bundesgericht bei der Festsetzung der Höhe der Genugtuung ein weiter
Ermessensspielraum zu, in welchen auch das Bundesgericht nur eingreift,
wenn grundlos von den in Lehre und Rechtsprechung entwickelten
Grundsätzen abgewichen wird, wenn Tatsachen berücksichtigt werden,
die für den Entscheid im Einzelfall keine Rolle spielen dürfen, oder wenn
umgekehrt Umstände ausser Betracht geblieben sind, die hätten beachtet
werden müssen, oder wenn sich der Entscheid als offensichtlich ungerecht
erweist (BGE 132 II 117 E.2.2.5).
3.5. Der Beschwerdeführer bringt vor, dass er gemäss dem
rechtsmedizinischen Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin St. Gallen
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vom 13. August 2018 eine schwere Verletzung am linken Auge und im
Einzelnen eine Verletzung der Horn- und Lederhaut, ein Hervortreten der
Regenbogenhaut, eine Trübung der Linse mit Verdacht auf eine
Verletzung derer vorderen Kapsel sowie eine Einblutung in den
Glaskörper erlitten habe, wobei sogar eine Erblindung des Auges gedroht
habe. Darüber hinaus habe er neben den Verletzungen an der
Ohrmuschel und hinter dem rechten Ohr eine Rissquetschwunde mit
arterieller Blutung im Bereich der linken Stirn erlitten. Im besagten
Gutachten sei die Rede von "scharfer Gewalt" und von einer
"scharfkantigen Gewalteinwirkung". Auch gehe hervor, dass bei Eintritt ins
Kantonsspital Graubünden ein "potenziell lebensgefährlicher Zustand"
bestand, weshalb zwingend eine Notoperation durchgeführt werden
musste. Die Wundheilung habe starke Schmerzen verursacht, wobei eine
gut sichtbare, grosse Narbe an der linken Stirnseite sowie über dem
rechten Ohr zurückgeblieben seien. Der Beschwerdegegner hielt jedoch
in der angefochtenen Verfügung dem entgegen, dass keine Hinweise für
eine akute Lebensgefahr vorhanden gewesen seien (Bf-act. 1 E.7).
3.6. Gemäss Urteil des Kantonsgerichts war das Ausmass der
Gewalteinwirkung hoch, da A._ nach dem Angriff blutüberströmt war
und notfallmässig ins Spital eingeliefert und operiert werden musste. Er
erlitt schwere Verletzungen und ohne die Notoperation wäre er am linken
Auge erblindet und die blutenden arteriellen Gefässverletzungen an der
Stirn hätten bei Nichtbehandlung bis zum Tod führen können (Urteil des
Kantonsgerichts Graubünden vom D._ [E._] E.6.4.1). Auch
attestiere das Gutachten, dass die chirurgisch versorgten Hautdefekte
voraussichtlich narbig abheilen und langfristig aufgrund ihrer Lokalisation
zu einer Entstellung führen könnten. Für das Kantonsgericht Graubünden
war objektiv der Tatbestand der schweren Körperverletzung ohne weiteres
erfüllt. Die beschriebenen Verletzungen seien laut Gericht auf den Fotos
des Instituts für Rechtsmedizin St. Gallen deutlich zu erkennen. Sie
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zeigten auf der Stirn von A._ eine tiefe und grosse, bogenförmig
verlaufende Narbe, mit welcher er arg und wohl bleibend entstellt sein
werde (Urteil des Kantonsgerichts Graubünden vom D._ [E._]
E.4.5; Bg-act. A12 und A18). Auch muss der einst brillenfreie
Beschwerdeführer heutzutage dauernd eine Brille tragen und
Physiotherapie in Anspruch nehmen (Bg-act. A10, A17, A19-22).
Dem hält der Beschwerdegegner entgegen, dass die Narben auf der Stirn
und hinter dem Ohr zwar sichtbar seien, allerdings könne durch eine
Behandlung mit Fraxel ND-Yag Laser in vier bis sechs Sitzungen eine
Rekonstruktion der Haut und des Subkutangewebes erreicht werden, was
zu einer optischen Verbesserung führen würde (Bg-act. A18). Somit sei
davon auszugehen, dass keine Entstellung des Gesichtes von der Tat
resultiere.
3.7. In der Beschwerde führte der Beschwerdeführer überdies begründend
aus, dass er bis zum heutigen Tag an den seelischen Folgen dieser Tat
vom 1. Juli 2018 leide, da er zum Zeitpunkt der Tat habe davon ausgehen
müssen, nun zu sterben. Ab dem 24. Juli 2018 habe sich der
Beschwerdeführer während über 1.5 Jahren in psychiatrischer
Behandlung bei den psychiatrischen Diensten Aargau AG befunden (Urteil
des Kantonsgerichts Graubünden vom D._ [E._] E.9.2; Urteil
des Regionalgerichts Plessur vom B._ [Proz. Nr. C._] E.13.3;
Gesuch um Genugtuung und Entschädigung nach Opferhilfegesetz des
Beschwerdeführers, S. 2-3). Gemäss deren Arztbericht vom 27. Juli 2018
wurde dem Beschwerdeführer eine Anpassungsstörung mit Angst und
depressiver Reaktion gemischt (ICD-10: F43.22) diagnostiziert, welche bis
zum heutigen Zeitpunkt andauere. Ferner sei auch eine posttraumatische
Belastungsstörung festgestellt worden (ICD-10: F43.1). Neben der
notwendigen Einnahme von Psychopharmaka sehe sich der
Beschwerdeführer immer noch mit Gedankenkreisen,
Einschlafproblemen, Konzentrationsproblemen, Sorgen und Ängsten etc.
konfrontiert, weshalb er in seiner Lebensqualität nach wie vor
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beeinträchtigt sei (Urteil des Regionalgerichts Plessur vom B._
[Proz. Nr. C._] E.13.3). So sei er auch nicht in der Lage gewesen an
der Hauptverhandlung vor dem Kantonsgericht am 10. Mai 2021
teilzunehmen und die Narbe erinnere ihn beim Blick in den Spiegel in
Zukunft an die Geschehnisse vom 1. Juli 2018 (Urteil des Kantonsgerichts
Graubünden vom D._ [E._] E.9.2).
3.8. Die psychischen Folgen werden vom Beschwerdegegner in der
angefochtenen Verfügung mitberücksichtigt und in Anbetracht sämtlicher
Umstände hat er die Beeinträchtigung des Beschwerdeführers der
Kategorie 2 des Leitfadens OHG ("Körperliche Beeinträchtigungen mit
längerem komplexerem Heilungsverlauf und möglichen Spätfolgen")
zugeordnet (Leitfaden OHG S. 12; GOMM, a.a.O., Art. 23 Rz. 12).
Beispiele für diese Kategorie sind Operationen, lange Rehabilitation,
Verminderung der Sehkraft, Darmlähmungen und erhöhte
Infektanfälligkeiten. Die Bandbreite der Höhe der Genugtuung liegt bei
dieser Kategorie bei CHF 5'000.-- bis
CHF 10'000.--.
Praxisbeispiele für Genugtuungen bei Körperverletzung sind
beispielsweise (weitere in GOMM, a.a.O., Art. 23 Rz. 35) - CHF 15'000 nach schwerer Körperverletzung mit Zertrümmerung des Mittelgesichts,
Bruch der Nase, Trümmerfraktur der Kieferhöhle, Bruch der Innenwand der
Augenhöhle, verschobener Bruch des Augenhöhlenbodens, zwei Operationen,
6monatige Arbeitsunfähigkeit, Depressionen, psychiatrische Dauerbehandlung (SD
BL, OH 19-20 vom 19. Februar 2020),
- CHF 15'000 nach versuchtem Raub und schwerer Körperverletzung, Schädel-
Hirntrauma, Bruch der Augenhöhlenwand, Nasenbeinbruch, posttraumatische
Belastungsstörung mit Panikattacken, mehrstündige Operation, verschobene Sehen,
16 Monate Arbeitsunfähigkeit (Adhäsionsentscheid CHF 15'000) (Kant.
Opferhilfestelle ZH 366/2019 vom 24. Oktober 2019),
- CHF 14'000 an einen jungen Mann nach fahrlässiger schwerer Körperverletzung mit
u.a. multiple Wirbelsäulen-, Beckenverletzungen und ein Gesichtsschädeltrauma;
- 17 -
langdauernde Arbeitsunfähigkeit mit Verzicht auf Sportstudium (GSI BE 2013-11810
vom 25. März 2019),
- CHF 10'000 nach versuchter vorsätzlicher Tötung durch Würgen am Hals bis zur
Bewusstlosigkeit, Brüche am Zungenbein und am Kehlkopf, Bruch des zweiten
Mittelfussknochens rechts; posttraumatische Belastungsstörung mit stationärem
Aufenthalt; Psychotherapie während mehr als zweieinhalb Jahren; Bb.2;
Adhäsionsentscheid CHF 15'000.-- (RDSG.2019.250 vom 17. Februar 2020),
- CHF 8'000 nach versuchter eventualvorsätzlicher Tötung tiefe Schnittwunden im
Bereich Brustkorb/Oberbauch mit Verletzung der Bauchartherie, Lungenfall;
Notoperation, Psychotherapie, langdauernde Arbeitsunfähigkeit
(Adhäsionsentscheid CHF 15'000) (Kant. Opferhilfestelle ZH 476/216 vom 16. Januar
2020),
- CHF 7'000 nach versuchter Tötung, tiefe Schnittverletzungen im linken Ohr,
Durchtrennung von Knorpel und Ohr, Schnittverletzungen an Rücken und Schulter;
stationäre psychiatrische Behandlung, Narben hinter dem Ohr, psychische
Beschwerden während zwei Jahren; Bb. 1 (Kant. Opferhilfestelle ZH 476/216 vom
16. Januar 2020).
3.9. Der Beschwerdeführer erlitt vorliegend durch den Angriff eine
Augenverletzung am linken Auge mit akutem totalem Sehverlust
(Blindheit), eine Riss-Quetschwunde am Kopf mit einer arteriellen
Gefässverletzung und eine Riss-Quetschwunde an der Ohrmuschel und
hinter dem Ohr auf der rechten Seite. Im Stirnbereich wies er mehrere
blutende Arterien auf. Aufgrund dieser arteriellen Gefässverletzungen war
eine notfallmässige Operation im Kantonsspital Graubünden erforderlich.
Aufgrund seiner Augenverletzung wurde er ins Kantonsspital St. Gallen
verlegt und dort notfallmässig am linken Auge operiert. Das
rechtsmedizinische Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin St. Gallen
vom 13. August 2018 attestierte, dass die chirurgisch versorgten
Hautdefekte voraussichtlich narbig abheilen und langfristig aufgrund ihrer
Lokalisation zu einer Entstellung führen könnten. Des Weiteren sei es zu
einer Perforation des linken Augapfels mit akuter Verminderung des
Sehvermögens gekommen (Urteil des Kantonsgerichts Graubünden vom
D._ [E._] E.4.5). Im Urteil des Regionalgerichts Plessur wurde
- 18 -
festgestellt, dass kein Hinweis auf eine akute Lebensgefahr vorgelegen
habe (Urteil des Regionalgerichts Plessur vom B._
[Proz. Nr. C._] E.6.1), im Urteil des Kantonsgerichts Graubünden
wurde von einem potentiell lebensgefährlichen Zustand ausgegangen
(Urteil des Kantonsgerichts Graubünden vom D._ [E._] E.4.5).
3.10. Die Einschränkung der Sehkraft des linken Auges, die den
Beschwerdeführer zum Tragen einer Brille führt, wurde von der Vorinstanz
angemessen berücksichtigt (Angefochtene Verfügung E.7; Bg-act. A17,
A19-A22). In Bezug auf die sichtbaren Narben auf der Stirn und hinter dem
Ohr, ist durch eine Behandlung mit Fraxel ND-Yag Laser in vier bis sechs
Sitzungen eine Rekonstruktion der Haut und des Subkutangewebes zu
erreichen, was zu einer optischen Verbesserung führen würde (Bg-
act. A18). Dies konnte jedoch bei der Feststellung des Kantonsgerichts,
wonach die Narbe im Gesicht den Beschwerdeführer "arg und wohl
bleibend entstellt", nicht berücksichtigt werden, da diese optische
Verbesserungsmöglichkeit erst nach dem Urteil vom 28. Mai 2021 von der
G._ AG (Zentrum für Plastische und Ästhetische Chirurgie) am
28. April 2022 festgestellt und vorgeschlagen wurde (Urteil des
Kantonsgerichts Graubünden vom D._ [E._] E.4.5; Bg-act. A18).
Aufgrund der Notoperation und anschliessenden Hospitalisation war der
Beschwerdeführer einige Zeit arbeitsunfähig. Es wurde zunächst eine
gänzliche Arbeitsunfähigkeit vom 2. Juli 2018 bis zum 5. August 2018
attestiert. Anschliessend folgten Verlängerungen bis zum 19. Januar
2019, wobei der Grad der Arbeitsunfähigkeit variierte (Urteil des
Regionalgerichts Plessur vom B._ [Proz. Nr. C._] E.13.5). Nebst
den physischen Folgen leidet der Beschwerdeführer unter den
psychischen Folgen und hat sich deshalb während über 1.5 Jahren in
psychiatrischer Behandlung bei den psychiatrischen Diensten Aargau AG
befunden. Dabei wurden gemäss Facharztbericht vom 27. Juli 2018 beim
Beschwerdeführer eine Anpassungsstörung mit Angst und depressiver
Reaktion gemischt (ICD-10: F43.22) diagnostiziert und eine
- 19 -
posttraumatische Belastungsstörung festgestellt (ICD-10: F43.1) (Urteil
des Kantonsgerichts Graubünden vom D._ [E._] E.9.2; Urteil
des Regionalgerichts Plessur vom B._ [Proz. Nr. C._] E.13.3;
Gesuch um Genugtuung und Entschädigung nach Opferhilfegesetz des
Beschwerdeführers, S. 2-3). In der Akteneinreichung des
Beschwerdeführers vom 30. Mai 2022 an den Beschwerdegegner finden
sich keine Unterlagen über psychotherapeutische bzw. psychiatrische
Behandlungen (Bg-act. A16). Wie bereits erwähnt, wurden die
Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers der Kategorie 2 des
Leitfadens OHG zugeordnet, welche "körperliche Beeinträchtigungen mit
längerem komplexerem Heilungsverlauf und möglichen Spätfolgen"
beinhaltet (Leitfaden OHG S. 12; GOMM, a.a.O., Art. 23 Rz. 12). Gemäss
Leitfaden fallen Operationen darunter, wie vorliegend die Notoperation
aufgrund der arteriellen Gefässverletzungen wie auch die Operationen am
linken Auge. Weiter wird auch die bei Kategorie 2 beinhaltete lange
Rehabilitation erfüllt, was aufgrund der zuvor beschriebenen (teilweisen)
Arbeitsunfähigkeit vom 2. Juli 2018 bis zum 19. Januar 2019 und auch der
über 1.5 Jahre dauernden psychiatrischen Behandlung begründet ist
(Leitfaden OHG S. 12). Die vom Beschwerdeführer geforderte Zuteilung
zur Kategorie 3 bzw. 4 würde körperliche Beeinträchtigungen mit
dauerhaften Folgen bzw. schwere körperliche Beeinträchtigungen mit
lebenslangen Folgen und ein schweres psychisches Trauma nach
aussergewöhnlich eindrücklichen Gewaltereignissen erfordern. Gemäss
Leitfaden fällt unter Kategorie 3 der Verlust der Milz, eines Fingers oder
des Geruchs- oder Geschmackssinnes (Leitfaden OHG S. 12). Vorliegend
ist eine verminderte Sehkraft vorhanden, jedoch liegt kein gänzlicher
Verlust vor. Daneben trägt der Beschwerdeführer eine Narbe auf der Stirn
und hinter dem Ohr davon, womit aber kein Verlust eines Glieds wie eines
Fingers, einer Milz oder des Geruchs- oder Geschmackssinnes gemäss
Kategorie 3 zu beklagen ist, womit sich auch die Prüfung der höheren
- 20 -
Kategorie 4 erübrigt und sich die Zuordnung zur Kategorie 2 als plausibel
erweist.
3.11. In nicht zu beanstandender Weise und unter Berücksichtigung der
Rechtspraxis hat der Beschwerdegegner die konkrete Höhe auf
CHF 8'000.-- festgelegt (GOMM, a.a.O., Art. 23 Rz. 35 ff.; z.B.
RDSG.2019.250 vom 17. Februar 2020, AG OHG 1'920 vom 23. Oktober
2012, Kant. Opferhilfestelle ZH 476/216 vom 16. Januar 2020, ZH 52/2011
vom 17. September 2013, Verfügung kantonales Sozialamt Graubünden
vom 31. März 2021). Da die Opferhilfebehörden bei der Prüfung der
Angemessenheit der Genugtuung nicht an die Erkenntnisse der
Strafbehörde gebunden sind und die Natur der Genugtuung nach
Opferhilfegesetz eine andere ist als nach Zivilrecht, ist die Abweichung der
Bemessung der Genugtuung von derjenigen des Urteils des
Kantonsgerichts Graubünden (adhäsionsweise CHF 15'000.--) mit nun
CHF 8'000.-- rechtskonform.
4.1. Der Beschwerdegegner hat in der angefochtenen Verfügung vom 7. Juli
2022 in Dispositiv Ziff. 1 dem Beschwerdeführer eine Genugtuung in Höhe
von CHF 2'000.-- zugesprochen. Somit hat er die Höhe der Genugtuung
aufgrund der Ausführungen zur Bemessung um 75 % respektive
CHF 6'000.-- herabgesetzt.
4.2. Die Entschädigung und die Genugtuung des Opfers können herabgesetzt
oder ausgeschlossen werden, wenn das Opfer zur Entstehung oder zur
Verschlimmerung der Beeinträchtigung beigetragen hat (Art. 27 Abs. 1
OHG; Leitfaden OHG Rz. 19). Das Selbstverschulden des Opfers wird
dabei prinzipiell nach den gleichen Regeln beurteilt wie das Verschulden
des Täters. Im Unterschied dazu ist die Widerrechtlichkeit der
Mitverursachung aber nicht Voraussetzung der Erheblichkeit des
Selbstverschuldens. Vorgehalten werden kann dem Opfer jedoch, dass es
die in seinem eigenen Interesse liegende Sorgfalt und Umsicht zu seinem
eigenen Schutz nicht aufgewendet hat. Vorwerfbar ist diese Verhalten
- 21 -
allerdings nur dann, wenn es die Möglichkeit einer Schädigung
voraussehen kann oder könnte und sein Verhalten dieser Voraussicht
nicht anpasst (GOMM, a.a.O., Art. 27 Rz. 8). Gleich wie das Verschulden
wird auch das Selbstverschulden nach einem objektiven Massstab
beurteilt (BGE 102 II 232 E.3a). Das tatsächliche Verhalten des Opfers
wird verglichen mit dem hypothetischen Verhalten eines durchschnittlich
sorgfältigen Menschen in der Lage des Opfers (GOMM, a.a.O., Art. 27
Rz. 8). Als leichtes bis mittleres Verschulden wird in der Praxis etwa das
Verhalten eines Opfers angesehen, das sich in alkoholisiertem Zustand
aus der Bar auf die Strasse begab, auf der eine gewalttätige
Auseinandersetzung zwischen englischen Fussballfans und Mitarbeitern
eines türkischen Ladens stattfand (GOMM, a.a.O., Art. 27 Rz. 9; Kürzung
um 50 % im Urteil des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich
OH.2006.00002 vom 29. Juni 2007). In Bezug auf die Praxis zu Art. 44 OR
ist festzuhalten, dass Kürzungssätze von 70-80 % nur dann gerechtfertigt
sind, wenn ein schweres Mitverschulden des Opfers vorliegt. So kann eine
Kürzung um 70 % zum Beispiel berechtigt sein, wenn das Opfer den Täter
ernsthaft verbal bedroht und durch vorgetäuschtes Ziehen einer Waffe aus
der Hosentasche im Notwehrexzess zum Schiessen veranlasst (GOMM,
a.a.O., Art. 27 Rz. 10; VerGer SO vom 14. November 2018,
VWBES.2018.115 E.9.4).
4.3. Das Regionalgericht Plessur führte aus, dass, soweit die
Staatsanwaltschaft geltend mache, die Aussage des Opfers, wonach nur
der Beschuldigte (F._) zugeschlagen habe, scheine mit dem
Beweisergebnis besser vereinbar zu sein, ihr nicht gefolgt werden kann.
Die Zeugen hätten nur vage Aussagen gemacht (Urteil des
Regionalgerichts Plessur vom B._ [Proz. Nr. C._] E.5.3).
Gemäss dem dem Urteil des Regionalgerichts Plessur zugrundeliegenden
Sachverhalt hat F._ dem Beschwerdeführer seine Bierflasche
gegeben, aus welcher der Beschwerdeführer trank. Danach habe der
Beschwerdeführer ihn (F._) plötzlich mit der Flasche geschlagen.
- 22 -
Einen Schlag habe er (F._) auf der rechten Kopfseite erfahren und
einen auf den Hinterkopf (Bg-act. A3 E.5.3 und 13.5). Den Akten war zu
entnehmen, dass F._ am Tag des Vorfalls zwei Kopfverletzungen
aufwies. Gemäss seitens des Gerichts eingeholtem Arztbericht von
Dr. med. H._ vom 28. November 2019 waren die Wunden trocken
und verkrustet. Die dort gemachten Sachverhaltsschilderungen deckten
sich mit den Schilderungen von F._ im Rahmen des Strafverfahrens
und wurden im Urteil des Regionalgerichts Plessur vom B._
(Proz. Nr. C._), sowie hernach im Urteil des Kantonsgerichts
Graubünden vom D._ (E._), den Schlägen mit der Bierflasche
durch den Beschwerdeführer zugeordnet (Bg-act. A3 E.5.3 und A4 E.4.6.3
und 9.2). Das Regionalgericht Plessur sowie auch das Kantonsgericht
Graubünden stellten fest, dass zunächst der Beschwerdeführer F._
zweimal mit der intakten Flasche auf den Kopf geschlagen und ihm hierbei
die vorerwähnten Verletzungen zugefügt hatte (Urteil des
Regionalgerichts Plessur vom B._ [Proz. Nr. C._] E.5.3; Urteil
des Kantonsgerichts Graubünden vom D._ [E._] E.4.6.3).
4.4. Folglich geht das Verhalten des Beschwerdeführers über das Beispiel des
Angetrunkenen, welcher die Bar auf die Strasse verlässt, wo eine
gewalttätige Auseinandersetzung stattfindet, hinaus, was mit einer
Herabsetzung der Genugtuung um 50 % sanktioniert wurde (GOMM,
a.a.O., Art. 27 Rz. 9; Urteil des Sozialversicherungsgerichts des Kantons
Zürich OH.2006.00002 vom 29. Juni 2007). Der Beschwerdeführer hat
selbst aktiv, ohne aus den Akten ersichtlichen Grund vorgängig zweimal
mit einer Bierflasche auf den Kopf von F._ eingeschlagen, was zu
zwei Kopfverletzungen führte. Somit ist aus opferschutzrechtlicher Sicht
die Würdigung als schweres Mitverschulden nicht zu beanstanden.
5. Im Lichte der Rechtspraxis und des vorhandenen Ermessensspielraums
ist die Herabsetzung der Genugtuung von CHF 8'000.-- um 75 % auf
CHF 2'000.-- rechtskonform. Die Beschwerde ist abzuweisen.
- 23 -
6.1. Der Beschwerdeführer reichte am 8. September 2022 das Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege und Bestellung eines Rechtsbeistandes beim
streitberufenen Gericht ein und beantragte damit, dass dem Gesuchsteller
für das Beschwerdeverfahren gegen den Beschwerdegegner betreffend
Ausrichtung einer Genugtuung und Entschädigung nach Opferhilfegesetz
mit Wirkung ab dem 8. Juli 2022 die unentgeltliche Rechtspflege zu
gewähren und RA lic. iur. Breitenmoser als unentgeltlicher Rechtsbeistand
zu bestellen sei.
6.2. Gemäss Art. 76 VRG kann die Behörde einer Partei, die nicht über die
erforderlichen Mittel verfügt, auf Antrag die unentgeltliche Prozessführung
bewilligen, sofern ihr Rechtsstreit nicht offensichtlich mutwillig oder von
vornherein aussichtslos ist (Abs. 1). Die Bewilligung befreit von allen
behördlichen Kosten und Gebühren, wobei die Bestimmungen über die
Erstattung ausdrücklich vorbehalten bleiben (Abs. 2).
6.3. Im vorliegenden Fall ist die Prozessführung weder mutwillig noch
aussichtslos. Somit ist folglich anhand der eingereichten Unterlagen über
die Einkommens- und Vermögenssituation zu prüfen, ob der Gesuchsteller
mittellos ist. Das Nettoeinkommen des Beschwerdeführers im Jahre 2021
beim Pflegezentrum I._ in J._ betrug CHF 57'372.-- (URP-
act. 1). Jedoch arbeitet der Beschwerdeführer seit August 2022 als Pfleger
im K._ Alterszentrum in L._, wo er gemäss dem ausgefüllten
Gesuchsformular um unentgeltliche Rechtspflege einen Nettolohn von
CHF 4'059.-- ausbezahlt erhält (URP-Gesuchsbeilagen). Somit ist dieses
Einkommen verfahrensrelevant, da eine unentgeltliche Rechtspflege ab
dem 8. Juli 2022 geltend gemacht wird. Der monatliche Grundbedarf
beträgt CHF 4'254.-- und setzt sich aus den folgenden Positionen
zusammen: Dem monatlichen, zur Verfügung stehenden Grundbetrag für
ein Ehepaar in der Höhe von CHF 1'700.-- und einer praxisgemässen
Erhöhung um 20 %, d.h. CHF 2'040.-- (Kreisschreiben des
Kantonsgerichts von Graubünden vom 18. August 2009 als
- 24 -
Aufsichtsbehörde über Schuldbetreibung und Konkurs betreffend
Änderung der Richtlinien für die Berechnung des betreibungsrechtlichen
Existenzminimums (Notbedarf) nach Art. 93 SchKG [KSK 09 39], S. 2;
siehe auch Urteile des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden U
20 97 vom 21. September 2021 E.4.1; U 20 26 vom 18. August 2020 E.4.2;
U 19 120 vom 11. März 2020 E.4; U 18 26 vom 26. Juni 2018 E.4.1). Die
Mietkosten inkl. Parkplatz betragen CHF 1'350.-- (URP-act. 3). Die
Krankenkassenprämie für den Gesuchsteller beläuft sich auf CHF 231.45
und für seine Ehefrau auf CHF 380.15 d.h. CHF 612.-- (URP-
Gesuchsbeilagen; URP-act. 4). Für die Steuern ist ein Betrag von
CHF 252.-- belegt. Für die Bewältigung des Arbeitswegs macht der
Beschwerdeführer monatliche Kosten von CHF 168.-- und für die
auswärtige Verpflegung monatliche Kosten von CHF 220.-- geltend.
Beides muss abschlägig beurteilt werden, da der Arbeitsweg ungefähr
sechs Kilometer beträgt, was nicht nur mit dem Auto zu bewerkstelligen ist
und auch die Einnahme des Mittagessens zu Hause nicht verunmöglicht.
Weiter verfügt der Gesuchsteller über keinerlei Vermögen.
Zusammengefasst ergibt sich ein monatlicher Bedarf von CHF 4'254.--.
Dem gegenüber steht ein monatlicher Nettolohn von CHF 4'059.--, was zu
einem monatlichen Fehlbetrag von CHF 195.-- führt. Angesichts dieses
Fehlbetrags und des Umstands, dass der Beschwerdeführer und seine
Ehefrau bald Eltern werden, womit sich die Kosten zusätzlich erhöhen
werden, steht fest, dass der Beschwerdeführer nicht in der Lage ist, die
Anwaltskosten selbst zu tragen.
6.4. Die Voraussetzungen für die unentgeltliche Rechtspflege sind erfüllt und
das Gesuch ist gutzuheissen. Folglich ist RA lic. iur. Breitenmoser als
unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen. Die eingereichte Honorar-
und Spesennote von RA lic. iur. Breitenmoser weist ein Honorar von
CHF 3'117.15 (14.05 Std. à CHF 200.-- [CHF 2'810.--; URP-Tarif]
zuzüglich pauschal 3 % [CHF 84.30] und 7.7 % MWST [CHF 222.85]) aus,
was vertretbar ist und somit vorerst auf die Staatskasse zu nehmen ist.
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Gemäss Art. 30 Abs. 3 OHG müssen das Opfer und seine Angehörige die
Kosten für einen unentgeltlichen Rechtsbeistand nicht zurückerstatten.
7.1 Gerichtskosten werden gemäss Opferhilfegesetz – vorbehältlich
mutwilliger Prozessführung – nicht erhoben, da die Verwaltungs- und
Gerichtsbehörden vom Opfer für Verfahren betreffend Genugtuung keine
Kosten erheben (vgl. Art. 30 Abs. 1 und 2 OHG).
7.2 Bund, Kanton und Gemeinden sowie mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben
betrauten Organisationen wird in der Regel keine Parteientschädigung
zugesprochen, wenn sie in ihrem amtlichen Wirkungskreis obsiegen (vgl.
Art. 78 Abs. 2 VRG). Davon abzuweichen besteht vorliegend kein Anlass,
so dass dem Beschwerdegegner keine Parteientschädigung
zuzusprechen ist.