# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** bd37c106-812f-4296-aa7e-77adfa79a738
**Court:** BE_SRK
**Chamber:** BE_SRK_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

den Akten entnommen:
A. Mit Eingabe vom 31. Mai 2018 (Akten Vorinstanz, pag. 32-29) ersuchten A._ und B._ (Rekurrenten) bei der Steuerverwaltung des Kantons Bern, Inkassostelle
_ (Erlassbehörde), um Erlass der rechtskräftig veranlagten kantonalen Steuern sowie
der direkten Bundessteuer für das Jahr 2017. Der entsprechende Steuerausstand betrug für die
kantonalen Steuern CHF 5'063.35 und für die direkte Bundessteuer CHF 158.-- (pag. 6 und 4).
Zuzüglich Verzugszins bis am 20. August 2018 belief sich die Steuerforderung auf insgesamt
CHF 5'349.95 (pag. 37 und 35).
B. Mit Entscheiden vom 20. August 2018 wies die Erlassbehörde das Gesuch vollumfänglich ab. Zur Begründung führte sie an, dass die monatlichen Einnahmen der Rekurrenten das
betreibungsrechtliche Existenzminimum um rund CHF 455.-- überschreiten würden. Damit sei
es den Rekurrenten möglich und zumutbar, die geschuldeten Steuern innert absehbarer Zeit
vollständig zu begleichen, weshalb kein Erlassgrund vorliege.
C. Gegen diese Entscheide haben die Rekurrenten am 28. August 2018 Rekurs betreffend die kantonalen Steuern und Beschwerde betreffend die direkte Bundessteuer an die
Steuerrekurskommission des Kantons Bern (Steuerrekurskommission) erhoben und zumindest
einen Teilerlass der hiervor erwähnten Steuerausstände beantragt. Sie begründen ihren Antrag
damit, dass sie die Steuern nicht bezahlen könnten, weil sie beide an Krebs erkrankt seien und
dementsprechend sehr hohe krankheitsbedingte Kosten tragen müssten.
D. Im vorliegenden Rekurs- und Beschwerdeverfahren handelt die kantonale Steuerverwaltung gemäss Generalvollmacht vom 25. Februar 2013 für die Gemeinde
C._.
E. Mit auf 16. Januar 2019 datierter Vernehmlassung (Posteingang 16.1.2019) hat sich die Steuerverwaltung des Kantons Bern, Region _ (Steuerverwaltung), geäussert und die
kostenpflichtige Abweisung von Rekurs und Beschwerde beantragt. Sie geht, gestützt auf
Angaben der Rekurrenten im Rekursverfahren, von einer monatlichen freien Einkommensquote
in der Höhe von CHF 766.40 aus und verneint, wie bereits die Erlassbehörde, das Vorliegen
eines Erlassgrunds.
F. Die Steuerrekurskommission hat den Rekurrenten am 16. Januar 2019 die Vernehmlassung der Steuerverwaltung zur Kenntnisnahme zugesandt und ihnen eine Frist bis
am 6. Februar 2019 zum Einreichen einer Stellungnahme gewährt. Die Rekurrenten haben sich
dazu nicht geäussert.
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G. Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat sich nicht vernehmen lassen.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien wird, soweit für den Entscheid von Bedeutung, in
den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Die Steuerrekurskommission zieht in Erwägung:
1. Entscheide des Regierungsrats, der Steuerverwaltung und der Gemeinden betreffend den Erlass von Kantons-, Gemeinde- und Kirchensteuern sowie der direkten Bundessteuer
können bei der Steuerrekurskommission durch Rekurs bzw. Beschwerde angefochten werden
(Art. 240 Abs. 1 und 7 des Steuergesetzes vom 21. Mai 2000 [StG; BSG 661.11] sowie
Art. 167g Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 über die direkte Bundessteuer
[DBG; SR 642.11] i.V.m. Art. 9 der Verordnung vom 18. Oktober 2000 über den Vollzug der
direkten Bundessteuer [BStV; BSG 668.11]). Die Steuerrekurskommission ist deshalb sachlich
und örtlich zuständig. Die Rekurrenten sind im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträgen
nicht durchgedrungen. Sie sind daher beschwert und zur Anfechtung befugt (Art. 195 Abs. 2
StG und Art. 167g Abs. 1, 2 und 4 DBG sowie Art. 140 ff. DBG i.V.m. Art. 3 BStV i.V.m. Art. 86
und 65 des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG
155.21]). Auf die form- und fristgerecht eingereichte Eingabe ist deshalb einzutreten.
Da der Streitwert unter CHF 10'000.-- liegt, fällt der vorliegende Entscheid in die
einzelrichterliche Zuständigkeit (Art. 70 Abs. 4 Bst. c des Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die
Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]).
2. Vorliegend ist strittig, ob die Rekurrenten Anspruch auf Erlass der kantonalen Steuern sowie der direkten Bundessteuer für das Steuerjahr 2017 haben.
3. Die Steuerveranlagung entspricht in der Regel der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit (Art. 127 Abs. 2 der Bundesverfassung [BV; SR 101]; Art. 104 Abs. 1 der
Verfassung des Kantons Bern [KV; BSG 101.1]), beruhen doch die Steuerbeträge auf in der
Vergangenheit erzieltem Einkommen und vorhandenem Vermögen. Im Wissen um die
Steuerbarkeit und die später anfallenden Steuern hat die steuerpflichtige Person grundsätzlich
Rückstellungen vorzunehmen. Bezahlt eine steuerpflichtige Person ihre Steuern nicht, ist das
Inkasso auf dem Weg der Pfändung der Regelfall. Dabei verzichtet das Gemeinwesen nicht
endgültig auf die Steuerforderung und kommt im Rahmen der Verlustscheinsverwaltung unter
Gewährleistung des betreibungsrechtlichen Existenzminimums allenfalls später zu seinem
Recht.
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3.1 Ist die Zahlung von rechtskräftig festgesetzten Kantons-, Gemeinde- und Kirchensteuern, der direkten Bundessteuer sowie von Zinsen, Gebühren oder Bussen infolge einer Notlage mit
einer erheblichen Härte verbunden, so können diese gestützt auf Art. 240 StG und Art. 167
DBG ganz oder teilweise erlassen werden. Das Erlassverfahren gehört nicht zum
Veranlagungsverfahren, sondern setzt eine rechtskräftige Veranlagung voraus und ist damit Teil
des Steuerbezugsverfahrens. Eine Überprüfung der Steuerforderung selbst ist im
Erlassverfahren ausgeschlossen (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum
DBG, 3. Aufl., 2016, N. 3 zu Art. 167 DBG).
3.2 Ziel jedes Erlasses ist es, bei einem krassen Missverhältnis zwischen den aktuellen wirtschaftlichen Möglichkeiten und den Steuerforderungen die steuerpflichtige Person nicht in
ihrer wirtschaftlichen Existenz zu gefährden und zu einer langfristigen und dauernden
Sanierung beizutragen. Voraussetzung für die Gewährung eines Erlasses ist eine finanzielle
Notlage, aufgrund welcher die Bezahlung der Steuern, Zinsen, Gebühren oder Bussen eine
erhebliche Härte bedeuten würde. Der Erlass soll es ermöglichen, einer wesentlichen und
voraussichtlich andauernden Verschlechterung der wirtschaftlichen Verhältnisse der
steuerpflichtigen Person seit der Steuerperiode, auf die sich das Erlassbegehren bezieht, in
besonders schweren Fällen Rechnung zu tragen. Blosse Schwankungen in den
Einkommensverhältnissen bilden jedoch keinen Erlassgrund. Mit Blick auf die rechtsgleiche
Behandlung aller Steuerpflichtigen muss der Erlass die seltene Ausnahme bleiben. Da das
Gemeinwesen mit dem Erlass endgültig auf die Steuerforderung verzichtet, soll er der
steuerpflichtigen Person selbst und nicht ihren weiteren Gläubigern zugutekommen (zum
Ganzen: Beusch/Raas in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über
die direkte Bundessteuer [DBG], 3. Aufl., 2017, N. 8 zu Vor Art. 167-167g DBG sowie N. 6 ff.
und N. 20 f. zu Art. 167 DBG, mit weiteren Hinweisen; Blumenstein/Locher, System des
schweizerischen Steuerrechts, 7. Aufl., 2016, S. 421 ff.; Bruno Knüsel, Rechtsgrundlagen des
Erlassverfahrens in ASA 52 S. 93 ff. insb. S. 97 Ziff. 4.c).
3.3 Um eine einheitliche Rechtsanwendung und Ermessensausübung zu ermöglichen, werden die rechtlich unbestimmten Begriffe der erheblichen Härte sowie der Notlage (Art. 240
StG und Art. 167 DBG) in den Steuergesetzen und der Steuererlassverordnung konkretisiert
(Verordnung des EFD über die Behandlung von Gesuchen um Erlass der direkten
Bundessteuer vom 12. Juni 2015 [Steuererlassverordnung, EV DBG; SR 642.121]). Die
Konkretisierung geschieht durch beispielhafte Aufzählung von Erlassgründen und
Ausschlussgründen, d.h. von Umständen, die einen Erlass teilweise oder ganz ausschliessen.
Für den Erlass der kantonalen Steuern sind zudem die Bestimmungen in der Verordnung vom
18. Oktober 2000 über den Bezug und die Verzinsung von Abgaben und anderen zum Inkasso
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übertragenen Forderungen, über Zahlungserleichterungen, Erlass sowie Abschreibungen
infolge Uneinbringlichkeit (Bezugsverordnung, BEZV; BSG 661.733) zu beachten.
3.4 Ob ein Erlass gewährt werden kann, ist aufgrund der gesamten wirtschaftlichen Verhältnisse der steuerpflichtigen Person zu beurteilen, wobei für die Beurteilung in erster Linie
die Verhältnisse im Zeitpunkt des Entscheids massgebend sind. Mitberücksichtigt werden
zudem die Entwicklung seit der Steuerperiode, auf die sich das Erlassbegehren bezieht, die
Zukunftsaussichten und insbesondere die Frage, ob im Zeitpunkt der Fälligkeit der
Steuerforderung eine fristgerechte Zahlung möglich gewesen wäre (Art. 240a StG;
Art. 10 EV DBG). Im Einzelnen ist zu prüfen, ob der steuerpflichtigen Person zur Begleichung
der Steuerforderungen Einschränkungen in der Lebenshaltung zumutbar sind bzw. gewesen
wären. Einschränkungen gelten grundsätzlich als zumutbar, wenn die Lebenshaltungskosten
der gesuchstellenden Person zum Zeitpunkt der Fälligkeit der Steuerforderung und des
Erlassentscheids das betreibungsrechtliche Existenzminimum gemäss Art. 93 des
Bundesgesetzes vom 11. April 1889 über Schuldbetreibung und Konkurs (SchKG; SR 281.1)
übersteigen (Art. 240a Abs. 3 StG; Art. 2 Abs. 3 EV DBG). Die Einzelheiten der Berechnung
sind dem Kreisschreiben Nr. B1 der Aufsichtsbehörde in Betreibungs- und Konkurssachen für
den Kanton Bern in der Fassung vom 1. Januar 2011 zu entnehmen ((einsehbar unter:
<https://www.justice.be.ch>, Rubriken "Zivilverfahren > Kreisschreiben > SchKG > KS B1 aB3"
[abgerufen am 8.3.2019]; nachfolgend: Kreisschreiben B1). Dessen Beilage 1 enthält die
einzelnen Ansätze gemäss den Richtlinien für die Berechnung des betreibungsrechtlichen
Existenzminimums (Notbedarf) nach Art. 93 SchKG vom 1. Juli 2009 der Konferenz der
Betreibungs- und Konkursbeamten der Schweiz. Ergibt sich aus der Differenz zwischen dem
zur Verfügung stehenden Einkommen und dem betreibungsrechtlichen Existenzminimum, dass
aus dem Überschuss die Steuerschuld innert absehbarer Zeit vollumfänglich beglichen werden
kann, liegt keine erhebliche Härte oder Notlage vor, und ein Erlass ist ausgeschlossen
(Art. 240b Abs. 1 Bst. b StG und Art. 240c Abs. 1 Bst. g StG; Art. 167 Abs. 1 DBG i.V.m. Art. 2
Abs. 1 und 2 EV DBG sowie Art. 13 Abs. 3 EV DBG). Selbst wenn das Einkommen im
Entscheidzeitpunkt nur knapp über oder gar unter dem Existenzminimum liegt, ein Härtefall
somit bejaht werden kann, ist von einem Erlass abzusehen, wenn einer der in Art. 240c Abs. 1
Bst. a bis g StG und Art. 167a Bst. a bis e DBG aufgezählten Ausschlussgründe gegeben ist
(vgl. BVR 2010 S. 401 E. 2.3).
4. Im Erlassgesuch vom 31. Mai 2018 erwähnen die Rekurrenten, dass den Steuerbehörden ihre Krankheitsgeschichte bereits seit einem für das Steuerjahr 2014 eingereichten
Erlassgesuch bekannt sei (pag. 31). In der Folge seien ihnen in den Vorjahren die Steuern
jeweils zumindest teilweise erlassen worden. Hierzu ist festzuhalten, dass die Erlassbehörde
https://www.justice.be.ch
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die finanzielle Lage bei der Beurteilung eines Erlassgesuchs jedes Mal neu überprüfen kann
(und muss) und nicht an frühere Entscheide gebunden ist (VGE 100 2017 66 vom 20.11.2017,
E. 3.4). Dementsprechend können die Rekurrenten aus früheren (teilweise) gutheissenden
Erlassentscheiden nichts zu ihren Gunsten ableiten. Zudem kann den Akten entnommen
werden, dass die Steuerverwaltung erst im Jahr 2018 Kenntnis von der Erwerbstätigkeit des
Rekurrenten als Hauswart erlangt hat (Notiz vom 1.6.2018, pag. 12). Das damit erzielte
Einkommen ist bei der Beurteilung des Erlassgesuchs mitzuberücksichtigen.
5. Im Folgenden werden die aktuellen wirtschaftlichen Verhältnisse der Rekurrenten beurteilt. Dabei werden die Einkünfte dem betreibungsrechtlichen Existenzminimum (dem
sogenannten "Zwangsbedarf") gegenübergestellt. Ein Grossteil der mit dem Erlassgesuch bzw.
mit dem Rekursschreiben eingereichten Unterlagen betrifft das Jahr 2017. Die Rekurrenten sind
von der Steuerrekurskommission mit Schreiben vom 16. Januar 2019 aufgefordert worden,
allfällige Veränderungen ihrer persönlichen und finanziellen Situation mitzuteilen und zu
belegen. Weil sie darauf nicht reagiert haben, wird im Folgenden davon ausgegangen, dass die
Verhältnisse weitgehend unverändert geblieben sind.
5.1 Sowohl der Rekurrent (Jahrgang 1945) als auch die Rekurrentin (Jahrgang 1950) beziehen eine AHV-Rente. Diese beträgt CHF 1'899.-- (Jahresbetrag CHF 22'788.--, pag. 24)
für den Rekurrenten und CHF 1'202.-- (Jahresbetrag CHF 14'424.--, pag. 25) für die
Rekurrentin. Dem Rekurrenten wird zudem eine Altersrente aus der beruflichen Vorsorge in der
Höhe von CHF 1'356.-- ausgerichtet (Jahresbetrag CHF 16'276.80, pag. 26). Zusätzlich ist der
Rekurrent als Hauswart erwerbstätig, wofür er mit monatlich CHF 225.-- entschädigt wird
(pag. 11). Insgesamt beträgt das Einkommen der Rekurrenten somit CHF 4'682.--, was mit
ihren eigenen Angaben übereinstimmt (Rekursbeilage 2).
5.2 Diesem Einkommen ist das betreibungsrechtliche Existenzminimum gegenüberzustellen. Dieses setzt sich aus einem Grundbetrag und Zuschlägen zusammen.
5.2.1 Der Grundbetrag für ein Ehepaar mit gemeinsamem Haushalt beträgt gemäss Ziff. I der Beilage 1 zum Kreisschreiben B1 CHF 1'700.--. Mit diesem Betrag sind Auslagen für Nahrung,
Kleidung, Körper- und Gesundheitspflege, Energie, Telekommunikation, Privatversicherungen,
Kultur und Freizeit zu finanzieren.
5.2.2 Als Zuschlag sind zunächst die Wohnkosten (Mietzins und Nebenkosten) zu berücksichtigen (Ziff. II/1 und 2 der Beilage 1 zum Kreisschreiben B1). Gemäss Mietvertrag
(pag. 28) beträgt der Mietzins für die von den Rekurrenten bewohnte 3-Zimmerwohnung
CHF 720.--, zuzüglich Nebenkosten von CHF 225.--. Demnach sind Wohnkosten von CHF 945.-
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- anzurechnen. Nicht zu berücksichtigen ist hingegen der Mietzins von CHF 100.-- für eine
Garage (pag. 27).
5.2.3 Zum Zwangsbedarf gehören zudem die Prämien für die obligatorische  (Ziff. II/3 der Beilage 1 zum Kreisschreiben B1). Diese betragen gemäss
Rechnungen für September 2018 für den Rekurrenten CHF 529.60 (Rekursbeilage 17) und für
die Rekurrentin CHF 508.40 (Rekursbeilage 8). Beide Ehegatten erhalten eine individuelle
Prämienverbilligung von je CHF 67.--. Insgesamt sind daher Krankenkassenprämien von
CHF 904.-- anzurechnen.
5.2.4 Weiter können selbstgetragene Krankheitskosten berücksichtigt werden (vgl. Ziff. II/8 der Beilage 1 zum Kreisschreiben B1). In der Steuererklärung pro 2017 deklarierten die
Rekurrenten Krankheitskosten von CHF 5'991.--, wovon die Steuerverwaltung CHF 3'217.--
akzeptierte (tatsächlich gewährter Abzug CHF 902.-- zuzüglich Selbstbehalt CHF 2'315.--; siehe
Veranlagungsverfügung, pag. 2). Pro Monat ergibt dies einen Betrag von CHF 268.--. Die
Rekurrenten machen CHF 266.70 geltend (zusammengesetzt aus der jährlichen Franchise von
je CHF 300.-- und dem maximalen jährlichen Selbstbehalt bei der obligatorischen
Krankenpflegeversicherung von je CHF 700.-- [pro Monat insgesamt CHF 166.70] sowie
monatlich CHF 100.-- für nicht nachgewiesene "Selbstkosten Apotheke", Rekursbeilage 2). Weil
ohne Einfluss auf das Ergebnis, wird auf weitere Abklärungen bezüglich dieser Selbstkosten
verzichtet und, übereinstimmend mit der Steuerverwaltung, für selbstgetragene
Krankheitskosten ein Betrag von CHF 267.-- angerechnet.
5.2.5 Private Versicherungen sind aus dem Grundbetrag zu finanzieren und für laufende Steuern wird in Erlassverfahren praxisgemäss kein Zuschlag zum Existenzminimum
berücksichtigt, weshalb die im Budget der Rekurrenten (Rekursbeilage 2) aufgeführten
Positionen von CHF 49.40 (Versicherung) bzw. CHF 108.65 (Steuern) nicht angerechnet
werden können.
5.3 Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich folgendes Budget (in ganzen CHF):
Einnahmen
Altersrente AHV Mann 1'899
Altersrente AHV Frau 1'202
Altersrente BVG Mann 1'356
Einkommen Hauswart 225
Total Einnahmen 4'682
Ausgaben
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Grundbetrag Ehepaar 1'700
Wohnkosten 945
Krankenkasse 904
Krankheitskosten 267
Total Auslagen 3'816
Freie Einkommensquote 866
Steuerausstand 5'350
Rückzahlbar in Monaten 6.2
Aus der Gegenüberstellung der Einnahmen mit dem Zwangsbedarf resultiert eine monatliche
freie Einkommensquote von CHF 866.--. Bei Beschränkung ihrer Lebenshaltungskosten auf das
betreibungsrechtliche Existenzminimum wäre es den Rekurrenten somit möglich, die
ausstehenden Steuern innerhalb von sieben Monaten zu begleichen. Diese Zeitspanne gilt als
absehbar im Sinn von Art. 240b Abs. 1 Bst. b StG (VGE 100 2017 209 vom 17.5.2018, in BVR
2018 S. 376, E. 4.1). Vorliegend fehlt es demnach an einer aktuellen finanziellen Notlage, die
einen Steuererlass begründen könnte. Andere Erlassgründe sind weder von den Rekurrenten
geltend gemacht worden noch ergeben sie sich aus den Akten. Rekurs und Beschwerde sind
daher abzuweisen.
6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens werden die Rekurrenten kostenpflichtig. Sie haben die gesamten Verfahrenskosten zu tragen einschliesslich allfälliger Auslagen für Gutachten
oder andere externe Kosten (Art. 144 Abs. 1 und 5 DBG sowie Art. 200 Abs. 1 StG i.V.m. Art. 1,
2, 53, 58 und 59 des Dekrets vom 24. März 2010 betreffend die Verfahrenskosten und die
Verwaltungsgebühren der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft
[Verfahrenskostendekret, VKD; BSG 161.12]). Die Verfahrenskosten, festgesetzt auf CHF 600.-
-, werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss verrechnet.
Da die Rekurrenten im vorliegenden Fall unterliegen, werden keine Parteikosten gesprochen
(Art. 200 Abs. 4 StG sowie Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom
20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren [VwVG; SR 172.021]).