# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** cb66c307-3226-444e-8c05-f6d3a912e9ac
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_003
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Public Administration

## Facts

I. Sachverhalt
1. Am 2. November 2012 hat die Z (nachfolgend: Genossenschaft) die Ausschreibung für
das selektive Verfahren Architekturleistungen für einen Neubau von zwölf alters- und pflege-
gerechten Wohngemeinschaften sowie eines neuen Begegnungszentrums publiziert. Unter
anderen hat sich die X (nachfolgend: Beschwerdeführerin) um die Präqualifikation beworben.
2. Mit Schreiben vom 7. Dezember 2012 hat die Genossenschaft der Beschwerdeführerin
mitgeteilt, sie sei mit 11 weiteren Architekturbüros ausgewählt worden, am Projektwettbewerb
teilzunehmen. Mit Schreiben vom 13. Dezember 2012 hat die Genossenschaft den nicht be-
rücksichtigten Bewerbern mitgeteilt, dass sie nicht am Projektwettbewerb teilnehmen können
und diese gleichzeitig darüber informiert, wer zur Teilnahme ausgewählt worden ist.
3. Nachdem die ausgewählten Architekturbüros ihre Projekte eingereicht hatten, hat das
von der Genossenschaft eingesetzte Preisgericht am 14. Juni 2013 beschlossen, dem von der
Beschwerdeführerin eingereichten Projekt den ersten Preis zu verleihen. Dies ist der Be-
schwerdeführerin am 14. Juni 2013 telefonisch mitgeteilt worden.
4. In der Folge haben diverse Sitzungen zwischen der Genossenschaft und der Be-
schwerdeführerin stattgefunden, bei welchen es um die Ausführung des Projektes sowie die
Vertragsmodalitäten ging. Ein Architekturleistungsvertrag ist trotz entsprechender Verhand-
lungen nie unterzeichnet worden; es sind jedoch gegenseitig Leistungen erbracht resp. Zah-
lungen getätigt worden. Im Zuge der laufenden Arbeitskontakte bzw. Verhandlungen hat die
Genossenschaft der Beschwerdeführerin mit Mail vom 2. September 2014 den Honorarvertrag
für die Projekt- und Bauleitung Phasen Bauprojekt und Ausführung zwischen der Y (nachfol-
gend: Beschwerdegegnerin) und der Genossenschaft (seitens der Beschwerdegegnerin am
20. Juni 2014 unterzeichnet) zur Kenntnis gebracht.
5. Die Beschwerdeführerin hat auf die vorgenannte Mail am 9. September 2014 mit ei-
nem Schreiben an die Genossenschaft reagiert. Es folgten diverse schriftliche wie telefoni-
sche Kontakte zwischen der Beschwerdeführerin und der Genossenschaft. Mit Schreiben vom
16. Oktober 2014 teilte Letztere der Beschwerdeführerin mit, dass sie von einer weiteren Zu-
sammenarbeit mit ihr absehe. Die Beschwerdeführerin, nunmehr anwaltschaftlich vertreten,
verlangte mit Schreiben vom 29. Oktober 2014 eine anfechtbare Verfügung, sollte die Genos-
senschaft daran festhalten, die der Beschwerdeführerin zugeschlagenen Leistungen nicht von
3
dieser ausführen lassen zu wollen. Die Genossenschaft, nun auch anwaltschaftlich vertreten,
nahm dazu mit Schreiben vom 13. November 2014 in der Art Stellung, dass das Projekt nicht
dem öffentlichen Submissionsrecht unterstehe und sich die von der Beschwerdeführerin ver-
langte Verfügung daher erübrige.
6. Mit Beschwerde vom 24. November 2014 gelangte die Beschwerdeführerin an die Ge-
sundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern (GEF). Sie beantragt,
1. Es sei superprovisorisch und eventualiter vorsorglich anzuordnen, dass die Arbeiten zur Erstellung
von altersgerechten Wohngemeinschaften bis zur rechtskräftigen Erledigung des vorliegenden Ver-
fahrens einzustellen seien.
2. Es sei superprovisorisch und eventualiter vorsorglich anzuordnen, dass die zwischen der Beschwer-
degegnerin und Beschwerdegegnerin geführten Vertragsarbeiten bis zur rechtskräftigen Erledigung
des vorliegenden Verfahrens einzustellen seien.
3. Es sei den Beschwerdeführern vollumfänglich Akteneinsicht zu gewähren, vor allem a) in die detail-
lierten Jahresabrechnungen der Beschwerdegegnerin für die letzten zehn Jahre; b) in die von der
Beschwerdegegnerin getätigten Abklärungen zur Unterstellung unter das Submissionsrecht; und es
sei der Beschwerdeführerin diesbezüglich Gelegenheit zur Stellungnahme im Rahmen des Schrif-
tenwechsels zu geben.
4. Es sei festzustellen, dass der Zuschlag vom 14. Juni 2013 an die Beschwerdeführerin weiterhin gültig
sei.
5. Es sei festzustellen, dass Vertragsschluss der Beschwerdegegnerin mit Beschwerdegegnerin ungül-
tig und eventualiter rechtswidrig sei.
6. Eventualiter zu 5.: Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, den mit Beschwerdegegnerin abge-
schlossenen Vertrag vom 20. Juni 2014 aufzulösen.
7. Es seien der Beschwerdeführerin keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.
8. Es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Beschwerdeführerin angemessenen Parteikos-
tenersatz zu leisten; in diesem Zusammenhang sei die Beschwerdeführerin vor der Fällung des Kos-
tenentscheides zur Einreichung der Honorarnote einzuladen.
7. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die GEF leitet, 1 beschränkte
das Verfahren mit Verfügung vom 27. November 2014 auf die Frage der Zuständigkeit. Mit
Verfügung vom 12. Dezember 2014 hat das Rechtsamt die Beschränkung des Verfahrens
aufgehoben und die Gesuche um superprovisorische Anträge abgewiesen.
1 Art. 10 der Verordnung vom 29. November 2000 über die Organisation und die Aufgaben der Gesundheits- und
Fürsorgedirektion (Organisationsverordnung GEF, OrV GEF; BSG 152.221.121)
4
8. Das Rechtsamt holte die Vorakten ein und führte den Schriftenwechsel durch. Die Ge-
nossenschaft beantragt in ihrer Beschwerdevernehmlassung vom 19. Dezember 2014, die
Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei. Weiter beantragt sie, das Akten-
einsichtsgesuch sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei; eventualiter sei das Aktenein-
sichtsgesuch bzw. Ziff. 4 der Verfügung der GEF vom 12. Dezember 2014 bis zum Entscheid
über die Anwendbarkeit des öffentlichen Beschaffungsrechts zu sistieren. Zudem seien die
vorsorglichen Massnahmen abzuweisen.
Auf die Rechtsschriften und Akten wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfol-

## Considerations

genden Erwägungen eingegangen.
II. Erwägungen
1. Zuständigkeit
Die Genossenschaft ist Betreiberin eines Wohn- und Pflegeheimes und eine Leistungserbrin-
gerin im Sinne des Sozialhilferechts (vgl. Art. 58 i.V.m. Art. 67 Abs. 2 Bst. b SHG 2 ). Gegen
Verfügungen der Genossenschaft, die diese als Leistungserbringerin im Sinne des SHG ge-
stützt auf das ÖBG 3 erlässt (vgl. Art. 2 Abs. 2 ÖBG), kann bei der in der Sache zuständigen
Direktion des Regierungsrates Beschwerde geführt werden (Art. 12 Abs. 1 ÖBG). Die GEF als
in der Sache zuständige Direktion ist somit grundsätzlich zur Beurteilung von Beschwerden
gegen beschaffungsrechtliche Verfügungen der Genossenschaft zuständig.
2. Anfechtungsobjekt und Streitgegenstand
a) Voraussetzung für ein beschaffungsrechtliches Beschwerdeverfahren ist das Vorliegen
einer Verfügung als Anfechtungsobjekt im vorgenannten Sinn. 4 Auch das Verweigern oder
Verzögern einer Verfügung gilt als solche (Art. 49 Abs. 2 VRPG 5 ). Den Betroffenen steht bei
einer in diesem Sinne fiktiven Verfügung der ordentliche Rechtmittelweg offen. 6
b) Das Beschwerdeverfahren ist des Weiteren grundsätzlich auf den Streitgegenstand
beschränkt. Dieser bezeichnet den Umfang, in dem das mit der angefochtenen Verfügung
geregelte Rechtsverhältnis umstritten ist. Zur Bestimmung des Streitgegenstandes ist von der
2 Gesetz vom 11. Juni 2001 über die öffentliche Sozialhilfe (Sozialhilfegesetz, SHG; BSG 860.1)
3 Gesetz vom 11. Juni 2002 über das öffentliche Beschaffungswesen (ÖBG; BSG 731.2)
4 Vgl. dazu in allgemeiner Weise zu Verwaltungsbeschwerdeverfahren: Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar
zum bernischen VRPG, 1997, Art. 25 N 13 sowie Art. 49 N. 1 ff. 5 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
6 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 49 N. 67
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angefochtenen Verfügung auszugehen. Der Streitgegenstand braucht sich nicht mit dem An-
fechtungsobjekt zu decken, kann jedoch auch nicht über das hinausgehen, was die Vo-
rinstanz geregelt hat. 7 Bei einer im Sinne von Art. 49 Abs. 2 VRPG fiktiven Verfügung bedeu-
tet dies, dass immer nur eine allfällige Rechtsverweigerung (resp. –verzögerung) Streitgegen-
stand sein kann. Denn erweist sich eine Rechtsverweigerungsbeschwerde als begründet,
führt dies nicht zur Gutheissung des Begehrens in der Hauptsache, sondern zu Anweisung an
die fehlbare Behörde, mit einem förmlichen Entscheid über die Sache zu befinden. 8 Soweit mit
Beschwerde Anträge über das Anfechtungsobjekt hinaus gestellt werden, ist darauf nicht ein-
zutreten. 9
c) Vorliegend ist unbestritten, dass keine Verfügung gemäss Art. 11 ÖBG als Anfech-
tungsobjekt vorliegt. So richtet sich die vorliegende Beschwerde denn auch ausdrücklich ge-
gen das einfache Schreiben der Genossenschaft vom 13. November 2014 (vgl. Beschwerde
vom 24. November 2014, Rz. 27 und 31), mit welchem sich die Genossenschaft implizit wei-
gert, eine Verfügung in der Sache zu erlassen. Anfechtungsobjekt ist somit die Fiktion einer
Verfügung, mit dem Inhalt der Weigerung des Erlasses einer Widerrufsverfügung. Streitge-
genstand kann somit vorliegend einzig die Frage sein, ob das Verhalten der Genossenschaft
bezüglich des angenommenen Widerrufs des angeblichen Zuschlages zugunsten der Be-
schwerdeführerin eine Rechtsverweigerung darstellt oder nicht.
Soweit mit Beschwerde vom 24. November 2014 Anträge nun über diesen Streitgegenstand
hinaus gestellt werden, geht die Beschwerde über das Anfechtungsobjekt hinaus. Namentlich
gehen die Rechtsbegehren Ziffn. 5 und 6 über das Anfechtungsobjekt und damit über den
soeben definierten Streitgegenstand hinaus; darauf kann nicht eingetreten werden. An dieser
Stelle ist zudem darauf hinzuweisen, dass die Rechtsbegehren ohnehin nicht im öffentlich-
rechtlichen Beschwerdeverfahren beurteilt werden könnten, da ein Vertragsschluss wie auch
der entsprechende Vertrag selber dem Privatrecht unterstehen. 10
3. Legitimation
a) In der Hauptsache beantragt die Beschwerdeführerin, „es sei festzustellen, dass der
Zuschlag vom 14. Juni 2013 an die Beschwerdeführerin weiterhin gültig sei“ (vgl. Ziff. 4 der
Hauptanträge in der Beschwerde vom 24. November 2014). Beim – nach den obigen Ausfüh-
rungen hier einzigen – verbleibenden Rechtsbegehren in der Sache handelt es sich demnach
um ein Feststellungsbegehren. Ob die Beschwerdeführerin diesbezüglich zur Beschwerde
7 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 72 N. 6
8 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 49 N. 73
9 Vgl. statt vieler: BVR 2011/391, E. 2.1, mit Hinweisen
10 Galli/Moser/Lang/Steiner, Praxis des öffentlichen Beschaffungsrechts, 3. Auflage, 2013, Rz. 1265
6
befugt ist, was Prozessvoraussetzung ist, ist nachfolgend von Amtes wegen zu prüfen
(Art. 20a VRPG).
b) Gemäss Art. 65 Abs. 1 VRPG ist zur Beschwerde befugt, wer a) vor der Vorinstanz am
Verfahren teilgenommen hat, b) durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist und
c) ein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung oder Änderung der Verfügung hat. Ein be-
sonderes Rechtsschutzinteresse bedürfen indes Feststellungsbegehren; diese sind gegen-
über Leistungs- oder Gestaltungsbegehren subsidiär. Denn mit Verfügung werden in der Re-
gel Leistungspflichten festgelegt oder Rechte und Pflichten gestaltend begründet, geändert
oder aufgehoben. Entsprechend haben die Verfahrensbeteiligten ihre Begehren abzufassen. 11
An einem schutzwürdigen Interesse fehlt es bei einem Feststellungsbegehren namentlich
dann, wenn das Rechtsschutzinteresse der beschwerdeführenden Partei durch ein leistungs-
verpflichtendes oder rechtsgestaltendes Urteil gewahrt werden kann. 12
Auf ein Begehren um
Erlass eines Feststellungsentscheides ist mit anderen Worten nicht einzutreten, wenn die be-
troffene Person weder ein schutzwürdiges Interesse an der Feststellung bestimmter Rechts-
folgen hat, noch solche dartun kann. 13
Zulässig sind Feststellungsverfahren demgegenüber
namentlich dann, wenn gewisse Rechtsfragen vorweg und ohne Durchführung eines aufwän-
digeren Verfahrens mit Rechtsbegehren auf Gestaltung oder Leistung entschieden werden
können. 14
Die Beschwerdeführungsbefugnis ist primär von der beschwerdeführenden Person nachzu-
weisen, da sich ihre Pflicht, die Beschwerde zu begründen, auch auf die Frage der Legitimati-
on erstreckt. 15
c) Die Beschwerdeführerin begründet ihre Beschwerdelegitimation mit keinen Worten,
weshalb auch Vorbringen bezüglich eines besonderen Feststellungsinteressens gänzlich feh-
len. Mit anderen Worten wird ein besonderes Feststellungsinteresse vorliegend nicht geltend
gemacht. Ein solches ist denn auch nicht ersichtlich: Strittig ist, wie bereits dargelegt, ob die
Genossenschaft eine Rechtsverweigerung begangen hat oder nicht, bzw. ob sie einen Zu-
schlagswiderruf zu verfügen hat oder nicht. Diesbezüglich ist das Rechtsschutzinteresse der
Beschwerdeführerin primär mittels eines rechtsgestaltenden Entscheides zu wahren, mit wel-
chem die Genossenschaft gegebenenfalls angewiesen würde, eine Verfügung in der Sache
zu erlassen. 16
Im Rahmen des Streitgegenstandes liegt keine Rechtsfrage vor, die mittels ei-
nes Vorentscheides in einem Feststellungsentscheid zu klären wäre. Ein schutzwürdiges Inte-
11 vgl. dazu BVR 2014/33, E. 1.4 und BVR 2011/564, E. 3.3, BVR 2010/337, E. 3.2, je mit Hinweisen; auch
Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 49 N. 19 ff. 12
BGE 128 V 41, E. 3a 13
Vgl. dazu e contrario Urteil des Verwaltungsgerichtes des Kantons Bern vom 18. November 2013,
Nr. 100.2013.80, E. 1.2.1 14
BVR 2008/5, E. 2.2, mit Hinweisen 15
Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 65 N. 1; BGE 120 Ib 431 E. 1 16
Vgl. BVR 2011/564, E. 3.3
7
resse der Beschwerdeführerin an der Beurteilung des Feststellungsbegehrens ist hier ent-
sprechend nicht ersichtlich; das Feststellungsbegehren ist unzulässig. Angesichts des Um-
standes, dass die Beschwerdeführerin rechtskundig vertreten ist, sind vorliegend insbesonde-
re auch keine Gründe denkbar, die erlauben würden resp. zu rechtfertigen vermöchten, in
Abweichung vom Wortlaut des unmissverständlichen Feststellungsbegehrens dasselbe in ein
Gestaltungsbegehren umzudeuten. Auf die Beschwerde kann daher auch in diesem Punkt
nicht eingetreten werden.
d) Zudem hätte die Beschwerde auch keine Erfolgsaussichten, wenn darauf (im Rahmen
des verbleibenden Antrages) eingetreten werden könnte:
Die Beschwerdeführerin begründet ihre Beschwerde damit, dass die Genossenschaft sich
rechtswidrig verhalten habe, indem sie den Zuschlag an die Beschwerdeführerin widerrufen
und den Auftrag freihändig an die Beschwerdegegnerin vergeben habe.
Zu den Vorbringen in Zusammenhang mit dem rechtswidrigen resp. ungültig erfolgten Zu-
schlagswiderruf ist Folgendes festzuhalten: Der Zuschlag ist zwingend als Verfügung auszu-
gestalten, also als individueller, an den Einzelnen gerichteten Hoheitsakt, durch den ein kon-
kretes verwaltungsrechtliches Rechtsverhältnis geregelt wird (Art. 13 Bst. g IVöB 17
). 18
Zudem
ist der Zuschlag zu begründen, und den Beteiligten mitzuteilen (Art. 13 Bst. h IVöB). Entspre-
chend den allgemeinen verwaltungsrechtlichen Grundsätzen ist eine Zuschlagsverfügung in
Schriftform zu erlassen. 19
Auch der Widerruf des Zuschlages hat mittels einer anfechtbaren
Verfügung zu erfolgen, soweit die Schwellenwerte des Einladungsverfahrens oder die tieferen
kommunalen Schwellenwerte erreicht werden (vgl. Art. 11 Abs. 2 Bst. f ÖBG und Art. 15
Abs. 1 bis
Bst. e IVöB). Sachlogisch kann ein Zuschlagswiderruf nur erlassen werde, wenn
überhaupt ein Zuschlag verfügt worden ist.
Vorliegend ist aktenkundig, dass die Genossenschaft keinen Zuschlagswiderruf verfügt hat;
der allfällige Erlass einer Widerrufsverfügung ist denn vorliegend auch Streitgegenstand. Auch
aktenkundig ist jedoch, dass die Genossenschaft gegenüber der Beschwerdeführerin – ent-
gegen deren Vorbringen – nie eine Zuschlagsverfügung erlassen hat. Gemäss den Angaben
der Beschwerdeführerin ist dieselbe am 14. Juni 2013 von der Genossenschaft telefonisch
über den Entscheid informiert worden, den Projektwettbewerb gewonnen zu haben. Implizit
bringt die Beschwerdeführerin vor, damit sei ihr beschaffungsrechtlich der Zuschlag zur Er-
bringung von Architekturleistungen erteilt worden (vgl. Beschwerde vom 24. November 2014,
Rz. 8). Nach dem Gesagten ist ein Zuschlag jedoch zwingend mittels schriftlicher und begrün-
17 Interkantonale Vereinbarung vom 25. November 1994 über das öffentliche Beschaffungswesen (IVöB;
BSG 731.2) 18
Vgl. Christoph Jäger, Öffentliches Beschaffungsrecht, in: Müller/Feller (Hrsg.), Bernisches Verwaltungsrecht,
2. Auflage, 2013, N. 147, mit Hinweisen; auch: Galli/Moser/Lang/Steiner, a.a.O., Rz 1265; sowie BVR 2005/350,
E. 4.4 19
Vgl. Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 49 N. 9
8
deter Verfügung zu vergeben. Dies ist hier offenkundig nicht der der Fall, eine Zuschlagsver-
fügung liegt nicht vor. Mangels eines Zuschlages im beschaffungsrechtlichen Sinn kann ein
solcher jedoch selbstredend auch nicht widerrufen werden. Das bedeutet, dass die Genos-
senschaft durch die Weigerung, eine Widerrufsverfügung zu erlassen, keine Rechtsverweige-
rung begangen hat; es mangelt an der materiellen Voraussetzung zum Erlass einer solchen
Widerrufsverfügung.
An dieser Tatsache vermögen auch die Ausführungen der Beschwerdeführerin zum persönli-
chen und sachlichen Geltungsbereich des Beschaffungsrechts nichts zu ändern. Im Gegen-
teil, diesbezügliche Vorbringen der Beschwerdeführerin grenzen an Rechtsmissbrauch: So-
weit sie zum heutigen Zeitpunkt geltend machen will, die Genossenschaft unterstehe dem
Beschaffungsrecht und diese habe sich beim Vertragsabschluss mit der Beschwerdegegnerin
dementsprechend rechtswidrig verhalten, bringt sie Argumente entgegen ihrem eigenen Han-
deln im Zusammenhang mit dem nicht beschaffungsrechtlichen Verhalten der Genossen-
schaft vor, von dem die Beschwerdeführerin bisher vor allem profitiert hat. Es ist aktenkundig,
dass die Genossenschaft seit der Ausschreibung des selektiven Verfahrens vom 2. November
2012 keinerlei beschaffungsrechtliche Handlungen mehr vorgenommen hat. Namentlich hat
sie weder die in Art. 11 Abs. 2 Bst. d ÖBG vorgesehene Präqualifikation noch gemäss Art. 11
Abs. 2 Bst. b ÖBG den Entscheid über das berücksichtigte Angebot, sprich den Zuschlag,
verfügt. Dieses Handeln der Genossenschaft schafft in der Tat Unklarheiten und wirft Fragen
bezüglich der Anwendbarkeit des Beschaffungsrechtes auf, welche im Rahmen des vorlie-
genden Beschwerdeverfahrens jedoch nicht beurteilt werden können. Massgebend ist, dass
die rechtskundig vertretene Beschwerdeführerin erkennen konnte und musste, dass die Ge-
nossenschaft seit der Ausschreibung des selektiven Verfahrens im November 2012 keine be-
schaffungsrechtlichen Handlungen mehr vorgenommen hat. Diesen Umstand kann die an-
waltschaftlich vertretene Beschwerdeführerin rechtlich einordnen und beurteilen. Nachdem die
Beschwerdeführerin also wissentlich ausserhalb eines Vergabeverfahrens einen Vertrag mit
der Genossenschaft eingegangen ist, sowie über den Zeitraum eines Jahres hinweg dieser
gegenüber Leistungen erbracht und Entschädigungen in beträchtlicher Höhe bezogen hat, will
sie sich nun für dieselbe Sache auf die Anwendbarkeit des Beschaffungsrechtes resp. die
widerrechtlich unterlassene Anwendung desselben berufen; solches Verhalten grenzt an
Rechtsmissbrauch. Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass jegliche Vorbringen in der
Beschwerde vom 24. November 2014 bezüglich einer rechtswidrigen freihändigen Vergabe an
die Beschwerdegegnerin ohnehin offensichtlich verspätet wären, hat die Beschwerdeführerin
doch erwiesenermassen spätestens seit dem 2. September 2014 Kenntnis vom Vertrags-
schluss zwischen der Beschwerdegegnerin und der Genossenschaft. 20
20 Vgl. dazu Galli/Moser/Lang/Steiner, a.a.O., Rz. 1279, mit Hinweisen
9
e) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass auf die Beschwerde vom 24. November 2014
nicht eingetreten werden kann. Denn soweit die Beschwerde nicht über den Streitgegenstand
hinaus geht, wird weder ein Feststellungsinteresse begründet vorgebracht, noch ist ein sol-
ches ersichtlich. Die Gesuche um vorsorgliche Massnahmen werden mit vorliegendem Ent-
scheid gegenstandslos und sind abzuschreiben. Dem Akteneinsichtsgesuch gemäss Ziff. 3
der Rechtsbegehren ist mit Verfügung vom 23. Januar 2015 im Umfang der eingereichten
Vorakten entsprochen worden. Soweit die Beschwerdeführerin mit vorgenanntem Rechtsbe-
gehren Beweisanträge stellt (vgl. Ziff. 3 Bst. a und b der Hauptanträge in der Beschwerde vom
24. November 2014), sind diese abzuweisen. Aus der Edition der dort genannten Beweismittel
sind für die vorliegend zu beurteilende Frage keine neuen Erkenntnisse zu erwarten.
4. Kosten
a) Die Verfahrenskosten, bestehend aus einer Pauschalgebühr (Art. 103 VRPG), werden
der unterliegenden Partei zur Bezahlung auferlegt, es sei denn, das prozessuale Verhalten
einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen Umstände rechtfertigten,
keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG).
Vorliegend unterliegt die Beschwerdeführerin vollumfänglich. Besondere Umstände, die eine
vom Unterliegerprinzip abweichende Verlegung rechtfertigen würden, liegen keine vor. Die
Verfahrenskosten, pauschal festzulegen auf Fr. 1‘200.00, sind der Beschwerdeführerin zur
Bezahlung aufzuerlegen (vgl. Art. 19 Abs. 1 GebV 21
).
b) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung oder
Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten ans Gemeinwesen als gerechtfer-
tigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Parteikosten umfassen den durch die berufsmässi-
ge Parteivertretung anfallenden Aufwand. Die Bemessung des Parteikostenersatzes richtet
sich nach den Vorschriften der Anwaltsgesetzgebung (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Im Beschwer-
deverfahren beträgt das Honorar 400 bis 11‘800 Franken pro Instanz (Art. 11 Abs. 1 PKV 22
).
Innerhalb des Rahmentarifs bemisst sich der Parteikostenersatz nach dem in der Sache gebo-
tenen Aufwand, der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 41
21 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV;
SR 154.21) 22
Verordnung vom 17. Mai 2006 über die Bemessung des Parteikostenersatzes (Parteikostenverordnung, PKV;
BSG 168.811)
10
Abs. 3 KAG 23
). Der Parteikostenersatz kann von der Höhe des Honorars abweichen (Art. 41
Abs. 5 KAG).
Die Kostennote des Rechtsvertreters der Genossenschaft beläuft sich auf Fr. 9‘877.68, inkl.
Auslagen und Mehrwertsteuer. Zur Begründung führt er insbesondere eine überdurchschnittli-
che Bedeutung der Streitsache für die Genossenschaft (80% des Gebührenrahmens) sowie
einen entsprechend überdurchschnittlich gebotenen Zeitaufwand an, wie auch eine über-
durchschnittliche Schwierigkeit des Prozesses. Entgegen dieser Einschätzung wird weder die
Bedeutung der Streitsache für die Genossenschaft hier als derart überdurchschnittlich beur-
teilt, noch ist der in der Sache gebotene Aufwand so hoch wie von der Genossenschaft gel-
tend gemacht. Letzteres namentlich auch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass der
Rechtsvertreter der Genossenschaft die Akten bereits vor diesem Beschwerdeverfahren kann-
te, und entsprechend kein Aktenstudium betreiben musste. Entsprechend der Bedeutung der
Streitsache und des in der Sache gebotenen Aufwandes erscheint im vorliegenden Fall eine
Kürzung des insgesamt geltend gemachten Honorars um rund einen Drittel als angemessen.
Dies entspricht Fr. 6‘000.00, exkl. Auslagen und Mehrwertsteuer. Der Parteikostenersatz der
Genossenschaft ist entsprechend auf Fr. 6‘691.70 festzusetzen.
23 Kantonales Anwaltsgesetz vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11)
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