# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 3bd2a795-91a5-4692-ab9d-35afd586674a
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Angriff und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - , vom 25. November 2019 (GG190106)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom
26. September 2019 (D1 Urk. 50) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 69 S.30 ff.)
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− des Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 7 Monaten Freiheitsstrafe, wovon bis und
mit heute 13 Tage durch Haft erstanden sind.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben.
4. Der bedingte Vollzug bezüglich der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
See/Oberland vom 31. Mai 2018 ausgefällten Geldstrafe von 120 Tages-
sätzen zu Fr. 10.– wird widerrufen.
5. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 7. Mai
2019 einzig als Beweismittel beschlagnahmte T-Shirt, schwarz, Grösse M
(A011'618'976) wird dem Privatkläger auf erstes Verlangen herausgegeben.
Sollte der Privatkläger den vorgenannten Gegenstand nicht innerhalb von
drei Monaten ab Rechtskraft dieses Urteils herausverlangen, wird dieser
vernichtet.
6. Die beim Forensischen Institut Zürich unter der Referenznummer K180701-
004 sichergestellten Spuren und Spurenträger werden nach Eintritt der
Rechtskraft durch die zuständige Lagerbehörde vernichtet.
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7. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 2'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'000.– Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 350.05 Auslagen Polizei (1/3 Kosten Spurenbericht und Fotos)
Fr. 320.95 Auslagen (1/3 Kosten Gutachten IRM betr. Privatkläger)
Fr. 13'152.05 amtliche Verteidigung.
8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten
auferlegt.
9. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO.
Berufungsanträge:
a) Der amtlichen Verteidigung:
(Urk. 84 S. 2)
1. Herr A._ sei vom Vorwurf des Angriffs, eventualiter der  Körperverletzung freizusprechen.
2. Es sei Herrn A._ eine Genugtuung aus der Staatskasse im Betrage von Fr. 2'200.00 (zuzüglich 5% Zins ab dem 21. Juli 2018) zuzusprechen.
3. Die Verfahrenskosten, inklusive diejenigen der amtlichen , seien auf die Staatskasse zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich:
(Urk. 75 S. 2, sinngemäss)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
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## Considerations

Erwägungen:
I. Verfahrensverlauf
1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Ver-
meidung unnötiger Wiederholungen auf die Erwägungen der Vorinstanz im ange-
fochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 69 S. 3 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Die
Hauptverhandlung vom 25. November 2019 vor Vorinstanz wurde mit Bezug auf
sämtliche in der Anklageschrift aufgeführten Beteiligten durchgeführt, mithin in
Anwesenheit des Beschuldigten A._, B._ (Beschuldigter im Verfahren
GG190104) und C._ (Beschuldigter im Verfahren GG190105) sowie deren
Verteidiger (Prot. I S. 6).
2. Der Beschuldigte wurde mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abtei-
lung - Einzelgericht, vom 25. November 2019 im Sinne des eingangs wiederge-
gebenen Dispositivs schuldig gesprochen und bestraft (Urk. 69 S. 30 ff.). Das Ur-
teil wurde gleichentags schriftlich im Dispositiv eröffnet (Urk. 60; Prot. I S. 12 ff.).
Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten hat am 2. Dezember 2019 fristgerecht
Berufung angemeldet (Urk. 62; Art. 399 Abs. 1 StPO). Das begründete Urteil
(Urk. 66 bzw. Urk. 69) wurde dem Verteidiger des Beschuldigten am 12. März
2020 zugestellt (Urk. 68/2), woraufhin dieser mit Eingabe vom 31. März 2020 in-
nert Frist die Berufungserklärung beim hiesigen Gericht einreichte (Urk. 71;
Art. 399 Abs. 3 StPO).
3. Innert der angesetzten Frist gemäss Art. 400 Abs. 3 lit. b StPO (Urk. 72)
verzichtete die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich (fortan Staatsanwalt-
schaft) am 14. April 2020 auf eine Anschlussberufung und beantragte die Bestäti-
gung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 75). Der Privatkläger liess sich nicht ver-
nehmen.
4. Am 2. März 2021 fand die Berufungsverhandlung in Anwesenheit des Be-
schuldigten und dessen amtlicher Verteidigung statt (Prot. II S. 3).
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II. Prozessuales
1. In der Berufungsschrift ist anzugeben, welche Abänderungen des erstin-
stanzlichen Urteils verlangt werden (Art. 399 Abs. 3 lit. b StPO). Die Verteidigung
des Beschuldigten ficht das bezirksgerichtliche Urteil bezüglich der Dispositivzif-
fern 1-4 sowie 8 und 9 an (Urk. 71 und Urk. 84). Entsprechend ist festzustellen,
dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom
25. November 2019 bezüglich der Dispositivziffern 5 (Herausgabe T-Shirt), 6
(Vernichtung Spuren und Spurenträger) sowie 7 (Kostenfestsetzung) in Rechts-
kraft erwachsen ist.
2. D._ hat sich im vorliegenden Verfahren als Privatkläger im Sinne ei-
nes Strafklägers konstituiert, gegenüber dem Beschuldigten jedoch keine Zivilan-
sprüche gestellt (D1 Urk. 38).
3. Die amtliche Verteidigung stellte anlässlich der Berufungsverhandlung
den Beweisantrag, es sei durch das Gericht abzuklären, ob E._ aktuell we-
gen psychischer Probleme verbeiständet sei, wobei dieser Umstand im zutreffen-
den Fall bei der Würdigung seiner Aussagen zu berücksichtigen sei (Urk. 84
S. 14; Prot. II S. 17 f.). Dazu ist festzuhalten, dass aus einer allfälligen Verbei-
ständung von E._ wegen aktuell bestehender psychischer Probleme keine
direkten Rückschlüsse auf dessen psychischen Zustand im Zeitpunkt seiner Ein-
vernahmen im Vorverfahren gezogen werden können. So bestehen keine konkre-
ten Hinweise darauf, dass E._ im damaligen Zeitpunkt unter psychischen
Problemen gelitten hätte, welche sich in relevanter Weise auf sein Aussagever-
halten ausgewirkt hätten. Die Verteidigung sah sich denn auch weder im Vorver-
fahren noch vor Vorinstanz dazu veranlasst, die Zuverlässigkeit der Aussagen
von E._ aufgrund möglicher psychischer Probleme desselben in Frage zu
stellen (vgl. Urk. 57 und Prot. I S. 11). Der Beweisantrag der Verteidigung ist
dementsprechend abzuweisen.
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III. Sachverhalt
1. Vorbemerkungen
Die Vorinstanz hat sich ausführlich und korrekt mit den Grundsätzen der Beweis-
würdigung befasst, so dass darauf zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen
vollumfänglich verwiesen werden kann (Urk. 69 S. 6 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Wei-
ter wurden die relevanten Aussagen der Beteiligten in Bezug auf die sachlich re-
levanten Inhalte umfassend wiedergegeben (Urk. 69 S. 10 ff.). Auf diese ist nach-
folgend daher nur noch ergänzend bzw. konkretisierend einzugehen. Zur Be-
weiswürdigung ist anzumerken, dass auch unter dem Gesichtspunkt des Grund-
satzes "in dubio pro reo" eine absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann.
Vielmehr müssen erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel an der Schuld
des Beschuldigten bestehen, die sich nach der objektiven Sachlage aufdrängen.
Dabei ist es Aufgabe des Richters, seinem Gewissen verpflichtet in objektiver
Würdigung des gesamten Beweisergebnisses zu prüfen, ob er von einem be-
stimmten Sachverhalt überzeugt ist und an sich mögliche Zweifel an dessen Rich-
tigkeit zu überwinden vermag (Art. 10 StPO; BGE 124 IV 86 E. 2a). Es liegt in der
Natur der Sache, dass mit menschlichen Erkenntnismitteln keine absolute Sicher-
heit in der Beweisführung erreicht werden kann; daher muss es genügen, dass
das Beweisergebnis über jeden vernünftigen Zweifel erhaben ist. Lässt sich ein
Sachverhalt nicht mit letzter Gewissheit feststellen, was schon im Wesen mensch-
lichen Erkenntnisvermögens liegt, so hindert dies den Richter nicht, willkürfrei
subjektiv mit Gewissheit davon überzeugt zu sein (vgl. Entscheid des Bundesge-
richtes 6B_172/2009 vom 29. Oktober 2009 E. 1.6. am Ende unter Hinweis auf
BGE 127 I 54 E. 2b).
2. Sachverhaltserstellung
2.1. Dem Beschuldigten wird zusammengefasst vorgeworfen, dass sich am
30. Juni 2018 im Park an der F._ in ... Zürich zunächst B._ zum
Privatkläger begeben habe, der beim Pavillon im Park mit weiteren Leuten am
Boden gesessen sei. Er habe diesen aufgefordert zu gehen, da der Privatkläger
früher einer Kollegin von ihm an das Gesäss gegriffen habe. Daraufhin habe sich
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eine verbale Auseinandersetzung entwickelt, im Rahmen derer der Beschuldigte
dazugestossen sei und den Privatkläger an den Ohren aus dem Sitzen
hochgezogen und ihm das Knie ins Gesicht gestossen habe, worauf der
Privatkläger an Nase und Lippe geblutet habe. Folglich sollen sich C._ und
B._ eingemischt und ebenfalls auf den Privatkläger eingeschlagen haben,
wobei sie ihn alle drei mit den Fäusten insbesondere gegen das Gesicht und den
Kopf, aber auch gegen den Rumpf und die Arme geschlagen und ihm Tritte gegen
die Beine versetzt haben. Währenddessen sei der Privatkläger mehrheitlich am
Boden gesessen und habe versucht, sich mit den Armen und den Beinen zu
schützen. Dem Privatkläger sei es dann gelungen wegzulaufen, wobei der
Beschuldigte ihm, in der Absicht, ihn nochmals zu schlagen, nachgegangen sei.
Dies sei dem Beschuldigten letztlich aber nicht gelungen, da er von Passanten
zurückgehalten worden sei.
Der Privatkläger habe von diesem Vorfall zahlreiche Hämatome, Schwellungen
und Hautabtragungen hinter den Ohren, namentlich am rechten Ohr, an der
rechten Gesichtsseite, an der Nase und im Bereich der Lippen erlitten. Weiter
habe er Hämatome und Schürfungen im Bereich des Halses, am gesamten
Rumpf sowie an Armen und Beinen davongetragen.
Der Beschuldigte habe erkannt, dass er und die übrigen Beteiligten sich in einer
personellen Übermacht befunden hätten. Seine Teilnahme sei in der Gruppen-
konstellation erfolgt, was dem Beschuldigten bewusst gewesen sei und was er
gewollt habe. Indem er im Bewusstsein handelte, nicht alleine zu agieren, habe er
auch die Handlungen seiner Mittäter beabsichtigt und sei hinter diesen gestan-
den, wie wenn es seine eigenen gewesen wären. Dabei habe er gewusst, dass
das Tun aller drei Mittäter geeignet gewesen sei, den Privatkläger zu verletzen
und er habe diese Verletzungen folglich zumindest in Kauf genommen (Urk. 50).
2.2. Die Vorinstanz kam nach Würdigung sämtlicher Aussagen zum Schluss,
dass aufgrund der mindestens in den Grundzügen übereinstimmenden Aussagen
der Beteiligten ohne Weiteres erstellt werden könne, dass der Beschuldigte,
B._ und C._ je auf den Privatkläger eingeschlagen hätten, währenddes-
sen dieser mehrheitlich am Boden gesessen sei und versucht habe, sich mit den
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Armen und den Beinen zu schützen. Einzig der in der Anklage geschilderte Knie-
stoss könne nicht eindeutig nachgewiesen werden, da dieser nur von der Zeugin
G._ geschildert worden sei, indes von sämtlichen übrigen Beteiligten, insbe-
sondere auch vom Privatkläger selber, nicht bestätigt wurde. Der Anklagesach-
verhalt könne somit, mit Ausnahme des Kniestosses, erstellt werden (Urk. 69
S. 18).
2.3. Im Vorverfahren und vor Vorinstanz bestritt der Beschuldigte die Vorwürfe
und machte geltend, sich an den Vorfall vom 30. Juni 2018 nicht mehr gross erin-
nern zu können. Seit seine Freundin kurz vor dem Vorfall gestorben sei, sei er nur
noch betrunken gewesen. Er habe damals extrem unter Alkohol- und Drogenein-
fluss gestanden (D1 Urk. 5/2 S. 3, S. 5 und S. 7; Prot. I S. 7 und S. 10). Anlässlich
der Berufungsverhandlung machte der Beschuldigte erneut geltend, sich aufgrund
seiner starken Alkoholisierung im Tatzeitpunkt nicht mehr an den Tathergang er-
innern zu können. Von anderen Personen habe er gehört, dass es zu einem Ge-
rangel gekommen sei, im Rahmen dessen Ohrfeigen ("flättere") verteilt worden
seien. Faustschläge, Knie- und Fussstösse habe es gemäss den Angaben dieser
Personen jedoch nicht gegeben (Prot. II S. 13 ff.).
2.4. Wie bereits vor Vorinstanz macht die Verteidigung auch im Berufungsver-
fahren geltend, dass es unstrittigerweise am Abend des 30. Juni 2018 zu einer
Auseinandersetzung gekommen sei. Es gehe indes nicht darum, den Beschuldi-
gen wegen der Teilnahme an einer irgendwie gearteten Keilerei bzw. Prügelei zu
bestrafen, sondern nur darum, ob sich der in der Anklageschrift geschilderte
Sachverhalt erstellen lasse. Sein Klient könne sich selber nicht gross an den Vor-
fall erinnern. Die Staatsanwaltschaft habe aus den verschiedenen Aussagen das
ihr ins Konzept Passende herausgespickt und dann einen Sachverhalt zusam-
mengebastelt. Es gebe indes in den einzelnen Aussagen selber wie auch unterei-
nander Widersprüche. Diese Aussagen seien zudem mit grosser Vorsicht zu wür-
digen, hätten doch alle direkt Beteiligten unter dem Einfluss von Alkohol und Be-
täubungsmitteln, teilweise auch Medikamenten, gestanden und litten zum Teil an
psychischen Problemen. Auch die Aussagen der Zeugen E._ und G._
seien nicht besonders verlässlich, sie würden auch zu einer H._-
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Hängerszene gehören. Der Zeuge E._ sei zudem der rechten Szene zuzu-
ordnen und könnte versucht sein, dem Beschuldigten eins auszuwischen. Zweifel
an der Glaubwürdigkeit von E._ würden zudem durch dessen sonderbares
Verhalten im Rahmen des Vorverfahrens geweckt. So habe er sich von seinem
Vater an die Zeugeneinvernahme begleiten lassen und sei dabei "ultranervös"
gewesen. Mit Bezug auf die Anklage sei nicht erstellt, dass der Beschuldigte dem
Privatkläger einen Kniestoss ins Gesicht versetzt habe. Dasselbe gelte für das
Einschlagen des Beschuldigten, B._ und C._, mithin von drei Personen,
auf den Privatkläger. Dann wäre nämlich mit schwereren Verletzungen, als sie
beim Privatkläger festgestellt worden seien, zu rechnen gewesen. Ebenfalls nicht
erstellt seien auf Grund von widersprüchlichen Aussagen die eingeklagten Tritte
gegen die Beine. Ebenso bestünden u.a. Differenzen in den Aussagen bezüglich
dem Einsatz einer Bierflasche. Zusammenfassend würden die Aussagen daher
auf Grund der zahlreichen Widersprüche und Ungereimtheiten kein stimmiges
Bild ergebe. Die Erinnerungen sämtlicher Beteiligter seien sodann nur lückenhaft
und wahrscheinlich im Nachhinein vom Hörensagen beeinflusst worden. Die aus-
sagenden Personen seien zudem alle nicht besonders vertrauenswürdig. Es sei
so, dass an diesem Abend offenbar geprügelt wurde. Was sich indes genau ab-
gespielt habe und wer was gemacht habe, lasse sich nicht im Detail rekonstruie-
ren, womit sich der Sachverhalt nicht erstellen lasse (Urk. 57 S. 3 ff.; Urk. 84 S. 2
ff.).
2.5. Unbestritten, anerkannt sowie von allen Beteiligten so ausgeführt und
damit erstellt ist, dass es am 30. Juni 2018 im Park an der F._ ... in ... Zürich
zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten, B._, C._
und dem Privatkläger gekommen ist (vgl. u.a. Urk. 57 S. 3 und S. 17). Es erfolgte
auf Grund des Geschehens ein Notruf um 21:58 Uhr an die Polizei (Urk. 1/7). Der
Privatkläger wurde kurz nach dem Ereignis, ab 23:56 Uhr, durch einen Arzt des
Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zürich körperlich untersucht (vgl.
Gutachten vom 30. August 2018, D1 Urk. 9/1). Er wies an der behaarten
Kopfhaut, hinter bzw. über den Ohren, an der Ohrmuschel, an der Gesichtshaut
(Wange/Schläfe/Kinn), an der Nase, an den Lippen/dem Mund, dem Hals, dem
Rumpf, den Armen sowie den Beinen zahlreiche Verletzungen auf, so unter
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anderem am Kopf Hautverfärbungen und Hautschwelllungen sowie
Hautabtragungen, eine geschwollene Nase mit dunkelroten angetrockneten
Antragungen, eine geschwollene Lippe mit Hautabtragungen, Schleimhautverfär-
bungen, Schleimhautdeffekte sowie Einblutungen, Hautverfärbungen und eine
rotbraun angetrocknte Antragung am Hals, Hautverfärbungen am gesamten
Rumpf (Schulterrückseiten, Nacken, Rückenhaut, Brustkorb, Bauch) sowie Haut-
verfärbungen, Hautabtragungen und Hautschwellungen an den Armen sowie den
Beinen (vgl. D1 Urk. 9/1 S. 2-6).
2.6. Die Aussagen des Beschuldigten können zur Sachverhaltsermittlung
nichts beitragen, da er sich - wie oben erwähnt - darauf beruft, sich nicht mehr
erinnern zu können bzw. besser nichts sagen wollte, weil man vom Hörensagen
zu lügen lerne. Im Rahmen des Vorverfahrens gab er an, sich daran erinnern zu
können, dass ein Mädchen gekommen sei und hysterisch geweint habe, sie sei
sexuell belästigt worden. B._ habe dann zu ihm gesagt, sie müssten etwas
machen, er, der Beschuldigte, müsse mitkommen. Er sei dann mit ihm
mitgegangen. Das Weitere wisse er nur vom Hörensagen. Der Beschuldigte
führte weiter aus, dass er nicht ohne Grund schlage, da müsse irgendetwas
vorher gelaufen sein. Gemäss seinen Angaben im Vorverfahren habe er im
Zeitpunkt des Vorfalls Stahlkappenschuhe getragen. Daraus schloss er, dass es
Brüche gegeben hätte, wenn er mit diesen getreten hätte. Auch habe er einen
Sargring an der linken Hand getragen. Wenn er damit geschlagen hätte, hätte es
schlimmere Verletzungen gegeben als diejeniegen, welche der Privatkläger davon
getragen habe. Mit seiner kaputten rechten Hand könne er zudem keine richtigen
Faustschläge mehr austeilen (D1 Urk. 5/2 S. 3 ff.; S. 6, S. 8 f.; Prot. I S. 10;
Prot. II S. 13 ff.).
2.7. Der Privatkläger wurde von der Polizei am 30. Juni 2018 unmittelbar nach
dem Vorfall befragt. Er sagte damals aus, dass B._ gekommen sei und ihn,
den Privatkläger, gefragt habe, weshalb er einer Kollegin an den Arsch gefasst
habe. Dies sei zwar passiert, sei seiner Ansicht nach indes nicht der Grund für die
Auseinandersetzung, aus seiner Sicht sei es eine alte Geschichte (D1 Urk. 7/1
S. 1). Der Beschuldigte und C._ seien hinter B._ gestanden, er selber
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sei auf dem Boden gesessen (D1 Urk. 7/1 S. 3). Er habe geantwortet, dass dies
keine böse Absicht gewesen sei, wobei er den genauen Wortlaut nicht mehr sa-
gen könne. B._ habe ein „Eins zu Eins“ gefordert, was er, der Privatkläger,
abgelehnt habe (D1 Urk. 7/1 S. 1 ff.). Dann habe ihn der Beschuldigte mit der
Faust ins Gesicht geschlagen, daraufhin sei es eskaliert (D1 Urk. 7/1 S. 2 f.).
Dann sei C._ gekommen und habe ihn ebenfalls geschlagen, auch B._
habe mitgemacht. Den Ablauf könne er nicht mehr genau sagen, am Schluss hät-
ten alle geschlagen. Dies mit den Fäusten und auch mit den Füssen. Er sei
hauptsächlich gegen den Kopf geschlagen worden, aber auch gegen die Beine
und die Arme (D1 Urk. 7/1 S. 2 ff.). Er könne die Schläge nicht einer Person zu-
ordnen (D1 Urk. 7/1 S. 4 f.). Er habe sich geschützt und die Schläge abgewehrt,
er selber habe nicht geschlagen (D1 Urk. 7/1 S. 4 f.). Er habe dann seine Schuhe
angezogen und sei weggelaufen, wobei der Beschuldigte ihn verfolgt und ver-
sucht habe, ihn zu schlagen. Er habe aber ausweichen können. Daraufhin hätten
unbekannte Passanten den Beschuldigte aufgehalten (D1 Urk. 7/1 S. 2 und S. 5
f.). Bei den späteren Einvernahmen bestätigte der Privatkläger diese Aussagen
und führte zudem aus, dass der Beschuldigte ihn mit den Fäusten ins Gesicht ge-
schlagen sowie mit den Füssen mehrmals auf seinen Oberkörper gekickt habe
(D1 Urk. 7/2 S. 2; Urk. 7/3 S. 3 ff.). Bei der Staatsanwaltschaft am 25. Juli 2018
gab der Privatkläger ausserdem an, dass ihn der Beschuldigte zunächst noch an
den Ohren gezogen habe (D1 Urk. 7/3 S. 15). Er wisse nicht mehr, wer ihn am
Anfang an den Kopf geschlagen habe, ob dies der Beschuldigte oder B._
gewesen sei. Er erinnere sich nicht mehr an Details (D1 Urk. 7/3 S. 4 f.). Er bestä-
tigte, dass es in der Folge mehrere Schläge auf den Kopf bzw. ins Gesicht mit
den Fäusten und Fusstritte gegeben habe und seiner Meinung nach alle drei ihn
geschlagen hätten. Wer was gemacht habe, wisse er nicht mehr, er könne dies
nicht zuordnen (D1 Urk. 7/3 S. 4 ff.). Er habe sich lediglich gewehrt bzw. Abwehr-
bewegungen gemacht. Er habe sicher niemanden geschlagen (D1 Urk. 7/3 S. 7).
Er habe dann gehen können, woraufhin ihn der Beschuldigte verfolgt habe. Dieser
sei dann aber von Passanten aufgehalten worden, weshalb nichts weiter passiert
sei (D1 Urk. 7/3 S. 6 f.). Er habe offene Lippen und Nasenbluten gehabt, die Nase
sei indes nicht gebrochen gewesen. Er habe es gemerkt am nächsten Tag. Die
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Schmerzen seien nicht extrem gewesen, einfach leichte Schmerzen (D1 Urk. 7/3
S. 11).
Die Schilderungen des Privatklägers sind in sich stimmig und spiegeln das ra-
sche, dynamische Geschehen wieder. Er wies darauf hin, wenn er gewisse Dinge
nicht mehr wusste. Er dramatisierte den Vorfall auch nicht, sondern führte u.a.
aus, dass dieser im Maximum 5 - 10 Minuten gedauert habe und dass er nicht
wisse, ob die Schläge heftig gewesen seien; er könne nicht sagen, ob die Täter
voll geschlagen hätten. Die Tritte seien eigentlich nicht zu heftig gewesen und
seien nicht ins Gesicht gegangen (D1 Urk. 7/3 S. 7). Das an den Ohren ziehen sei
nicht schlimm gewesen. Und selbst als ihm gesagt wurde, dass der Zeuge
E._ ausgesagt habe, dass er ins Gesicht getreten worden sei, verneinte dies
der Privatkläger erneut. Es habe zwar Tritte gegeben, aber nicht ins Gesicht, das
hätte er gemerkt, da es mehr weh getan hätte. Ebenfalls führte er, auf die ent-
sprechende Aussage von G._ angesprochen, aus, dass er sich definitiv nicht
daran erinnern könne, mit dem Knie ins Gesicht geschlagen worden zu sein (D1
Urk. 7/3 S. S. 15). Auch seine Verletzungen und Schmerzen schilderte der Privat-
kläger nicht als übermässig, es seien keine extremen Schmerzen gewesen, er sei
nicht im Spital gewesen, es seien einfach leichte Schmerzen gewesen, er habe es
am nächsten Tag gemerkt. Die Verletzungen seien mehrheitlich im Gesicht gewe-
sen, er habe offene Lippen und Nasenbluten gehabt, aber die Nase sei nicht ge-
brochen gewesen (D1 Urk. 7/3 S. 11). Auch versuchte der Privatkläger die Angrei-
fer nicht schlecht zu machen. So führte er aus, dass er nicht wisse, ob sie etwas
getrunken hätten oder nicht (D1 Urk. 7/3 S. 8). Der Privatkläger räumte weiter ein,
dass er der „I._ an den Arsch gefasst habe“, dies kurz vor dem Vorfall (D1
Urk. 7/3 S. 4 f.; vgl. auch D1 Urk. 7/1 S. 1).
Die Aussagen des Privatklägers sind somit als glaubhaft einzustufen, zumal sie
nicht nur in den Grundzügen, sondern auch in Details mit den Depositionen der
Zeugen wie auch der weiteren Aussagen übereinstimmen und somit ein stimmi-
ges Ganzes ergeben. Hierzu kann auf die nachfolgenden Ausführungen verwie-
sen werden. Der Privatkläger stand zwar unter dem Einfluss von Alkohol (vgl. den
Einwand der Verteidigung in Urk. 57 S. 12), so wies der Alkoholtest bei der poli-
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zeilichen Befragung um ca. 23:11 Uhr einen Wert von 0.65 mg/l auf (Urk. 7/1
S. 2). Seine Depositionen bei der polizeilichen Einvernahme zeigen indes keine
Einschränkungen (Urk. 7/1) und auch bei der medizinischen Untersuchung ab
23:56 Uhr wirkte der Privatkläger gemäss Einschätzung des untersuchenden Arz-
tes zu allen Qualitäten vollumfänglich orientiert (Urk. 9/1 S. 2). Der vom Privatklä-
ger geschilderte Tathergang deckt sich zudem mit seinen erlittenen Verletzungen.
So hält das Gutachten zur körperlichen Untersuchung des Instituts für Rechtsme-
dizin der Universität Zürich vom 30. August 2018 fest, dass die festgestellten
Blutergüsse als Folge stumpfer Gewalt interpretiert werden und mit dem geltend
gemachten Ereigniszeitraum in Einklang gebracht werden könnten. Eine Entste-
hung der Verletzungen durch Faustschläge sowie beschuhte Fuss- und Knietritte
würde möglich erscheinen bzw. könnte erklärt werden (Urk. 9/1 S. 6 f.).
2.8. G._ hat das Geschehen beobachtet und wurde zunächst bei der Poli-
zei als Auskunftsperson und danach bei der Staatsanwaltschaft als Zeugin be-
fragt. Ihre Aussagen decken sich weitgehend mit denjenigen des Privatklägers.
Sie führte aus, dass B._ zum Privatkläger hingegangen sei und ihm gesagt
habe, er solle aufstehen und weggehen. Der Beschuldigte sei hinzugegangen und
habe den Privatkläger an den Ohren gezogen (D1 Urk. 8/1 S. 1 f., S. 4 und
Urk. 8/2 S. 3). Ausserdem habe der Beschuldigte den Privatkläger mit dem Knie
gekickt, woraufhin er aus Nase und Lippe geblutet habe, und mehrmals mit den
Fäusten ins Gesicht geschlagen (D1 Urk. 8/1 S. 1, Urk. 8/2 S. 3 f. und S. 5 f.).
B._ habe den Privatkläger ebenfalls mit den Fäusten ins Gesicht geschlagen
(D1 Urk. 8/1 S. 1 f.; 8/2 S. 3 f.). Von Fusstritten ins Gesicht habe sie nichts mitbe-
kommen (D1 Urk. 8/1 S. 2; Urk. 8/2 S. 6 und S. 7). Auch dass eine dritte Person
den Privatkläger geschlagen habe, habe sie nicht bemerkt (D1 Urk. 8/2 S. 5). Der
Privatkläger habe bei einem Mäuerchen den Schuh anziehen wollen, worauf der
Beschuldigte mit einer Bierflasche in der Hand zu ihm gegangen und die Flasche
zerschlagen habe. B._ sei dann nochmals auf den Privatkläger losgegangen,
auch auf seinen Rücken und habe ihn schlagen wollen, sie habe ihn zurückgehal-
ten (D1 Urk. 8/1 S. 2 und Urk. 8/2 S. 4 f.). Daraufhin sei der Privatkläger wegge-
gangen. Der Beschuldigte sei ihm hinterhergerannt und jemand habe ihn dann zu-
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rückgehalten (D1 Urk. 8/1 S. 2; Urk. 8/2 S. 4 f.). Der Privatkläger habe sich nicht
gewehrt und nicht geschlagen (D1 Urk. 8/1 S. 2 f. und Urk. 8/2 S. 6).
Die Schilderungen von G._ sind nachvollziehbar, stimmig und zeugen von
einem eigenen Erleben. Hierfür spricht unter anderem der Umstand, dass sie aus-
führte, von einer dritten Person nichts mitbekommen zu haben; sie habe von die-
ser dritten Person über ihren Freund und andere Personen erfahren (D1 Urk. 8/2
S. 5). Diese Deposition zeigt einerseits, dass ihr Fokus auf bestimmte Aspekte
des Geschehens gerichtet war und andererseits, dass sie eigenes Erleben von
Erzähltem zu unterscheiden vermag. Sie sagte ebenfalls, wenn sie etwas nicht
wusste, z.B. ob jemand dem Privatkläger Fusstritte gegeben habe (D1 Urk. 8/2
S. 6 und S. 7). Weiter stimmen ihre Schilderungen sowohl in den Grundzügen als
auch in Details mit denjenigen des Privatklägers sowie von E._ überein, so
z.B. dass der Privatkläger seine Schuhe anziehen wollte und er dennoch weiter
geschlagen worden sei. G._ machte ihre Depositionen zudem als Zeugin un-
ter der Strafandrohung des Art. 307 StGB, was der Glaubhaftigkeit ihrer Aussa-
gen zusätzliches Gewicht verleiht. Anhaltspunkte für eine vorsätzliche Falschaus-
sage bestehen nicht und werden von der Verteidigung auch nicht geltend ge-
macht.
Die Verteidigung sieht indes die Aussagen von G._ als nicht verlässlich an,
da auch sie zur H._-Hängerszene gehöre, wo Betäubungsmittel erfahrungs-
gemäss dazugehören würden (Urk. 57 S. 12; Urk. 84 S. 13). Dem kann nicht zu-
gestimmt werden. G._ sagte unter der Strafandrohung des Art. 307 StGB als
Zeugin aus, dass sie an diesem Abend weder Alkohol getrunken noch Drogen
konsumiert hatte (D1 Urk. 8/2 S. 7). Es gibt keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass
diese Aussage nicht der Wahrheit entsprechen sollte. Ihre Depositionen sind zu-
dem - wie oben dargelegt - nachvollziehbar und stimmig, wobei gerade die Unsi-
cherheiten und Differenzen auf ein wahres Erleben schliessen lassen, was bei
Absprachen nicht der Fall wäre. Es handelte sich beim Vorfall um ein dynami-
sches Geschehen, welches von sämtlichen Beteiligten aus unterschiedlichen
Blickwinkeln und unter verschieden eigenem Erleben wahrgenommen wurde.
Aufgrund der Gesamtwürdigung der Aussagen von G._ im Zusammenhang
- 15 -
mit den übrigen Depositionen ergeben sich keine Anhaltpunkte für eine Verminde-
rung der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen.
Zu ergänzen ist, dass G._ als einzige Beteiligte einen Kick mit dem Knie
durch den Beschuldigten gleich zu Beginn der Auseinandersetzung schilderte
(E._ hat davon nichts mitbekommen; D1 Urk. 8/4 S. 6). Der Privatkläger sag-
te bei der Staatsanwaltschaft auf die entsprechende Frage hin aus, dass er sich
nicht daran erinnern könne, mit dem Knie ins Gesicht geschlagen worden zu sein
(D1 Urk. 7/3 S. 15). Bei dieser Differenz könnte es sich um einen Erinnerungsver-
lust des Privatklägers handeln, sieht das Gutachten doch eine Entstehung der
Verletzungen mit Knietritten als vereinbar und der Privatkläger hat damals gegen-
über dem untersuchenden Arzt zudem selber angegeben, dass Knietritte erfolgt
seien (D1 Urk. 9/1 S. 2 und 6). Eine zweifelsfreie Erstellung des anklagegegen-
ständlichen Kniestosses ist vor diesem Hintergrund insgesamt aber dennoch nicht
möglich. Dementsprechend ist zugunsten des Beschuldigten davon auszugehen,
dass kein Kniestoss erfolgte.
2.9. E._ hat den Vorfall ebenfalls beobachtet und wurde bei der Polizei
gleich nach dem Vorfall als Auskunftsperson und später bei der Staatsanwalt-
schaft als Zeuge befragt. Er schilderte die Auseinandersetzung in den Grundzü-
gen gleich wie der Privatkläger und G._. So führte er ebenfalls aus, dass
B._ zusammen mit dem Beschuldigten zum Privatkläger hingegangen sei
und ihn gefragt habe, weshalb er seiner Freundin an den Arsch gegriffen habe.
Der Privatkläger sei am Boden gesessen. B._ und der Beschuldigte hätten
beide mit den Fäusten auf den Privatkläger eingeschlagen und ihm dann auch
Fusstritte versetzt. Dann sei noch C._ hinzugekommen und habe den Privat-
kläger ebenfalls geschlagen. Auch als der Privatkläger seine Schuhe habe anzie-
hen wollen, hätten sie auf ihn eingeschlagen. Er habe eine Glasflasche klirren hö-
ren. Der Privatkläger habe dann Richtung Hauptbahnhof flüchten können und der
Beschuldigte sei ihm hinterher gerannt (D1 Urk. 8/3 S. 2 ff.; Urk. 8/4 S. 3 ff. und
S. 9). Im Gegensatz zu den Aussagen des Privatklägers und G._ soll indes
gemäss seiner polizeilichen Deposition B._ den Privatkläger zuerst mit der
Faust geschlagen haben (D1 Urk. 8/3 S. 2 f.). Bei der Staatsanwaltschaft sagte er
- 16 -
dann aus, dass er nicht mehr wisse, wer zuerst geschlagen habe (D1 Urk. 8/4
S. 3 f.; hierzu ist zu erwähnen, dass selbst B._ schilderte, der erste Schlag
sei durch den Beschuldigten erfolgt; D1 Urk. 4/2 S. 4 und S. 8). E._ schilder-
te auch eine geringe Gegenwehr des Privatklägers, so habe dieser, nachdem der
Beschuldigte auf ihn losgegangen sei, diesen am Bein gepackt und versucht, ihn
ebenfalls zu schlagen bzw. diesen wegzustossen (D1 Urk. 8/3 S. 4 und Urk. 8/4
S. 6). E._ erwähnte ausserdem bei der Polizei eine vierte Person (D1
Urk. 8/3 S. 2 und S. 5).
Die Schilderungen von E._ sind als glaubhaft zu werten. Dies gilt insbeson-
dere für die Depositionen bei der Polizei, da die Ereignisse damals noch frisch
waren. Seine Aussagen stimmen zudem sowohl in den Grundsätzen als auch be-
treffend Kleinigkeiten, u.a. dass der Privatkläger während der Auseinanderset-
zung seine Schuhe anziehen wollte (D1 Urk. 8/4 S. 3 und S. 5), mit den Deposi-
tionen des Privatklägers und G._ überein. Ebenso beschrieb er eine Ver-
schiebung des Geschehens zu einem Mäuerchen (D1 Urk. 8/4 S. 3 ff.); dies schil-
derte auch G._, (D1 Urk. 8/1 S. 2 und Urk. 8/2 S. 4).
Die geringfügigen Differenzen in den jeweiligen Aussagen können mit der Dyna-
mik und Geschwindigkeit des Vorfalls sowie den verschiedenen Wahrnehmungs-
winkeln erklärt werden. E._ sagte zudem aus, dass er dem Privatkläger nicht
geholfen habe, da er dachte, dass es besser so sei bzw. das Ganze sonst noch
mehr eskaliert wäre (D1 Urk. 8/3 S. 5 und Urk. 8/4 S. 6). Damit räumt er ein eige-
nes Fehlverhalten bzw. mangelnde Hilfestellung ein, was für die Wahrheit seiner
Ausführungen spricht. Ebenso schilderte er, dass er es eine verdammte Frechheit
gefunden habe, dass auf den Privatkläger eingeschlagen worden sei, obwohl die-
ser schon am Boden gewesen sei bzw. dass es nicht fair sei, zu dritt auf eine
Person loszugehen, was für ein wirkliches Erleben spricht (D1 Urk. 8/3 S. 2,
Urk. 8/4 S. 3). Es finden sich keine offensichtlichen Übertreibungen in den Aussa-
gen von E._, im Gegenteil sagte er, dass er nicht wisse, mit welcher Intensi-
tät B._ den Privatkläger ins Gesicht getreten habe sowie dass er nicht genau
gesehen habe, ob der Beschuldigte den Privatkläger auch getreten habe (D1
Urk. 8/3 S. 4). Ebenso räumte er ein, wenn er etwas nicht mehr wusste, so z.B.
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wer den ersten Schlag geführt hatte, ob dies ein Faustschlag oder ein Fusstritt
war (Urk. 8/4 S. 4) und erklärte, wenn er etwas nicht gesehen hatte (z.B. ob beim
Mäuerchen auch mit den Füssen getreten worden sei; Urk. 8/4 S. 5).
Die Verteidigung macht geltend, dass die Aussagen von E._ nicht verlässlich
seien, da auch er zu einer H._-Hängerszene gehöre, wo Betäubungsmittel
dazugehören würden. Er rechne sich der rechten Szene zu, der Beschuldigte sei
mithin ein Feindbild für ihn. Er könnte daher ein Motiv dafür haben, falsche Aus-
sagen zu machen. Auch habe er sich als Volljähriger von seinem Vater zur Zeu-
genaussage begleiten lassen und sei dabei "ultranervös" gewesen, was sonder-
bar anmute und Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit wecke (Urk. 57 S. 12 f.;
Urk. 84 S. 13 f.). Wie oben ausgeführt, sind die Aussagen von E._ in den
Grundzügen stimmig, nachvollziehbar und glaubhaft. Sie decken sich zudem über
weite Strecken mit den Depositionen des Privatklägers sowie G._. Er hat
seine Aussagen als Zeuge unter der strengen Strafandrohung des Art. 307 StGB
bestätigt bzw. wiederholt. Lügensignale sind in seinen Aussagen keine auszu-
machen. Aus der Tatsache, dass sein Vater bei der Zeugenaussage dabei war
(D1 Urk. 8/4 S. 1), kann nichts Negatives abgeleitet werden. Im Gegenteil zeigt
dies, dass E._ nicht versucht, das Geschehene vor seinen Eltern zu verheim-
lichen. E._ sagte zudem als Zeuge aus, dass er an diesem Abend vielleicht
zwei oder drei Biere gehabt und sich nicht betrunken gefühlt habe (D1 Urk. 8/4
S. 7). Dafür, dass dies nicht der Wahrheit entsprechen soll, finden sich in den Ak-
ten keine Anhaltspunkte. Auch aus dem Umstand, dass sich E._ der rechten
Szene zuschreibt (Urk. 8/4 S. 10), lässt sich nichts ableiten, was die Glaubhaf-
tigkeit dessen Aussagen trüben würde. Ein Motiv, weshalb er „solchen Leuten“
wie Punks und Homosexuellen eins auswischen wolle - wie dies die Verteidigung
ausführt (Urk. 57 S. 13; Urk. 84 S. 13 f.) -, lässt sich nicht erkennen. Dass hierfür
ein konkreter Grund vorliegen würde, macht die Verteidigung denn auch nicht gel-
tend.
2.10. Den Aussagen des Mitbeschuldigten C._ kann nichts Wesentliches
entnommen werden, seine - wenigen - Aussagen müssen zudem als äusserst un-
glaubhaft gewertet werden. So sagte er zunächst anlässlich seiner Hafteinver-
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nahme vom 4. Juli 2018 aus, dass der Privatkläger „besoffen wie ein Loch“ gewe-
sen und die Treppe runtergefallen sei; er sei mit dem Kopf voran nach unten ge-
knallt. Er, C._, habe ihm dann geholfen und ihn zum Bahngleis bzw. zum
Zug gebracht (D1 Urk. 3/2 S. 3 f.). Dass dies gelogen war, gab er anlässlich der
Konfrontationseinvernahme vom 26. Juli 2018 zu („Die Story mit der Treppe
stimmt so nicht.“; D1 Urk. 6/1 S. 3). Er sei zwar dabei gewesen, er habe den Pri-
vatkläger aber nicht geschlagen. Zu den Aussagen des Privatklägers sowie den
Zeugenaussagen äusserte er sich nicht, ausser dass vieles aus dem Kontext ge-
zogen sei bzw. es nicht stimme bzw. es deren Sicht sei (D1 Urk. 6/1 S. 7). Dass
es Probleme mit dem Privatkläger gab, räumte C._ ein, dies sei wegen den
sexuellen Übergriffen gewesen. Er habe dem Privatkläger gesagt, es wäre bes-
ser, wenn er ihm aus dem Weg gehen würde (D1 Urk. 6/1 S. 9). Weil die Gruppe
geschrien hätte, sie sollen den Privatkläger in Ruhe lassen, habe er zu der Grup-
pe gesagt, dass es um sexuelle Übergriffe durch den Privatkläger gehe und dass
er, C._, dort sei, um ihn „des Platzes zu verweisen“ (D1 Urk. 6/1 S. 10). Auf-
schlussreich ist seine Formulierung „Ich habe nur der ganzen Gruppe gesagt, weil
sie geschrien haben, wir sollen D._ in Ruhe lassen...“ (Urk. 6/1 S. 10). Seine
Behauptung, dass er nicht geschlagen habe, ist daher unglaubhaft und wird durch
die Aussagen des Geschädigten sowie der Zeugen widerlegt. Es ist daher davon
auszugehen, dass sich C._ am Angriff auf den Privatkläger aktiv beteiligte.
Er ist in der Zwischenzeit betreffend des Vorfalls rechtskräftig verurteilt (vgl.
SB2002143).
2.11. B._ räumte ein, dass ein Kollege (der Beschuldigte) dem Privatkläger
„eis ad Schnurre ghaue“ bzw. ihm „eins an den Latz“ gegeben habe sowie dass
auch er, B._, dem Privatkläger aus Notwehr „eini chlöpft“ bzw. ihm einmal ins
Gesicht geboxt habe. Der Privatkläger sei indes auch gewalttätig gewesen, er sei
kein Opfer (D1 Urk. 4/1 S. 4 f. und Urk. 4/2 S. 4 f.). Er führte aus, dass sie sich im
Park aufgehalten hätten und eine Frau ihm erzählt habe, dass der Privatkläger sie
„am Arsch“ gepackt habe. Einer von ihnen sei dann völlig ausgerastet und er,
B._, sei mit dem Beschuldigten zum Privatkläger hingegangen und habe ge-
sagt, dass es so nicht mehr weitergehe. C._ sei beim Vorfall auch dabei ge-
wesen, aber nicht von Anfang an (D1 Urk. 4/1 S. 4 und Urk. 4/2 S. 4). Er,
- 19 -
B._, sei vor dem Privatkläger in die Knie gegangen. Der Privatkläger habe
ihm eine Bierdose zwischen Kopf und Schulter geschlagen und in diesem Mo-
ment habe der Beschuldigte den Privatkläger mit der Faust geschlagen (D1
Urk. 4/1 S. 4; Urk. 4/2 S. 4 und S. 8). Der Privatkläger habe sich gewehrt, indes
sei der Beschuldigte ein guter Kampfsportler und habe den Privatkläger „ohne
Gewalt zu Boden getan“. Wenn man den Privatkläger und den Beschuldigten an-
schaue, sei ja klar, wer gewinne, der Privatkläger habe auch gemerkt, dass er
keine Chance habe. Darauf sei C._ dazugekommen und habe dem Privat-
kläger auch Vorwürfe gemacht (D1 Urk. 4/2 S. 4 f.; Urk. 6/1 S. 4). Der Privatkläger
sei dann aufgestanden mit einer Bierflasche in der Hand und habe „komm, komm“
gesagt. Daraufhin habe C._ aus dem Six-Pack des Privatklägers eine Bier-
flasche genommen und den Privatkläger ans „Mürli“ gedrückt (D1 Urk. 4/1 S. 5
und Urk. 4/2 S. 5, Urk. 6/1 S. 5). Bei der Polizei schilderte B._, dass dann
C._ die Bierflasche auf dem Mürli zerschlagen habe und er, B._, da-
raufhin C._ mit voller Kraft weggeschupft habe (D1 Urk. 4/1 S. 5). Gemäss
seinen Depositionen bei der Staatsanwaltschaft habe indes zuerst der Privatklä-
ger die Bierflasche zerschlagen und daraufhin C._ ebenfalls. Der Privatklä-
ger habe fast angefangen zu weinen und C._ habe dann gesagt, dass man
es nun sein lasse, der Privatkläger sei eh nicht Mann genug. Er, B._, habe
dann C._ weggestossen (D1 Urk. 4/2 S. 5, Urk. 6/1 S. 5). B._ schilderte
weiter, dass ihm der Privatkläger die Bierflasche ans Bein geworfen bzw. er plötz-
lich eine Verletzung am Bein gehabt habe. Er habe dann dem Privatkläger einmal
ins Gesicht geboxt, so dass er auf die andere Seite der Mauer gefallen sei (D1
Urk. 4/1 S. 5; Urk. 4/2 S. 5; Urk. 6/1 S. 5). Der Beschuldigte sei dann noch dem
Privatkläger nachgerannt, als dieser weggegangen sei (D1 Urk. 4/2 S. 5; Urk. 6/1
S. 6).
Auch aus den Aussagen von B._ geht der grobe äussere Ablauf des Ereig-
nisses hervor. Dass seine Schilderungen indes nicht das vollständige Geschehen
widerspiegeln, zeigen unter anderem die Verharmlosungen der eigenen Handlun-
gen. So hat er selber eingeräumt, dass der Privatkläger gesessen sei, als er ihn
geschlagen habe (D1 Urk. 6/1 S. 5). Von einer Notwehrsituation, wie B._ sie
geltend macht, kann mithin keine Rede sein. Auch war der Schlag gemäss seinen
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eigenen Aussagen so stark, dass der Privatkläger auf die andere Seite der Mauer
gefallen sei; zudem hätten G._ und C._ ihn zurückgehalten und ihn da-
ran gehindert, dem Privatkläger grösseren Schaden zuzufügen (Urk. 6/1 S. 5).
Weiter räumt B._ selber ein, dass „schon noch mehr“ passiert sei (D1
Urk. 4/1 S. 5), dass sein Kollege „ausgerastet sei“ und den Privatkläger geschla-
gen habe, sie hätten angefangen zu „schlegeln“ sowie dass „die anderen sich am
schlagen“ gewesen seien (D1 Urk. 4/2 S. 7 f.). Diese Schilderungen lassen sich
nicht anders als eine grobe Schlägerei werten. Auch die Aussagen, dass der Be-
schuldigte ebenfalls aus Gegenwehr gehandelt und sich C._ durch den Pri-
vatkläger ebenfalls bedroht gefühlt habe, was B._ anlässlich der Konfrontati-
onseinvernahme vom 26. Juli 2018 neu vorbrachte (D1 Urk. 6/1 S. 4 und S. 5),
sind als Versuche zu werten, die eigenen Handlungen der Täter zu verharmlosen.
Er sagte nämlich selber aus, dass der Beschuldigte dem Privatkläger klar überle-
gen gewesen sei und der Privatkläger keine Chance gehabt habe - der Beschul-
digte sei Kampfsportler (D1 Urk. 4/2 S. 4 f.; Urk. 6/1 S. 4) - und sich C._ vom
Privatkläger nicht habe einschüchtern lassen (D1 Urk. 6/1 S. 5). Das Verhalten
des Privatklägers schilderte er zudem so, dass dieser „gemeint“ habe, „er müsse
sich verbal gegen uns wehren als wir ihn aufforderten, den Platz zu verlassen“
(D1 Urk. 6/1 S. 4). Dies spricht für eine bloss verbale „Gegenwehr“ und damit ge-
gen einen körperlichen Angriff durch den Privatkläger, welcher sich zudem von
Beginn an einer personellen Übermacht gegenüber sah. Interessanterweise
brachte B._ erst bei den staatsanwaltschaftlichen Einvernahmen ins Spiel,
dass der Privatkläger zuerst die Bierflasche zerbrochen habe und daraufhin erst
C._. Diese Version macht indes keinen Sinn, denn warum hätte der Privat-
kläger daraufhin fast zu weinen anfangen sollen (D1 Urk. 4/2 S. 5) und weshalb
hätte B._ eingreifen und C._ wegstossen müssen, wenn dieser tatsäch-
lich - wie von ihm geschildert - zum Privatkläger gesagt hätte, komm, wir lassen
es sein (D1 Urk. 4/2 S. 5; Urk. 6/1 S. 5), mithin den Streit hätte beenden wollen.
Auch die Erklärung von B._, dass es gar nicht möglich sei, dass sie den Pri-
vatkläger „richtig“ geschlagen hätten, ansonsten dieser jetzt noch im Krankenhaus
wäre (D1 Urk. 4/2 S. 7), ist als verharmlosende Schutzbehauptung zu werten.
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B._ ist in der Zwischenzeit betreffend des Vorfalls rechtskräftig verurteilt
worden (vgl. SB200140).
2.12. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass sich auf Grund der
Aussagen der Beteiligten sowie der gesamten Umstände keine unüberwindbaren
Zweifel daran ergeben, dass sich der Sachverhalt - mit Ausnahme des Kniestos-
ses, vgl. Ziffer 2.8. oben - wie in der Anklageschrift umschrieben zugetragen hat.
Wie bereits vor Vorinstanz, macht die Verteidigung auch im Berufungsverfahren
geltend, dass kein gleichzeitiges Schlagen mit Fäusten erstellt sei (Urk. 57 S. 14
f.; Urk. 84 S. 15 f.). Hierzu ist zu bemerken, dass die Anklageschrift keine Gleich-
zeitigkeit umschreibt und auch das Tatbestandsmerkmal des Angriffs keine
Gleichzeitigkeit fordert. Einer Beteiligung an einem Angriff macht sich nämlich
schuldig, wer an Ort und Stelle in das Geschehen eingreift (BSK StGB I-MAEDER,
Art. 134 N 8). Der Verteidigung kann auch in ihrer Behauptung, dass sich nicht
mehr rekonstruieren lasse, wer was genau gemacht habe (Urk. 57 S. 17; Urk. 84
S. 18), nicht gefolgt werden. Einerseits wurde der Sachverhalt - mit Ausnahme
des dem Beschuldigten vorgeworfenen Kniestosses gegen das Gesicht des Pri-
vatklägers - erstellt und andererseits sind es gerade die Beweisschwierigkeiten
bei Taten von Personenmehrheiten, welche Anlass für die Einführung und An-
wendung der Bestimmung des Art. 134 StGB sind (BSK StGB I-MAEDER, Art. 134
N 1 und N 6).
IV. Rechtliche Würdigung
1. Hinsichtlich der rechtlichen Würdigung kann auf die zutreffende und un-
bestritten gebliebene Würdigung des Sachverhalts durch die Vorinstanz abgestellt
werden (Urk. 69 S. 18 ff.; Urk. 57 S. 18; Urk. 84 S. 19). Es handelte sich um eine
einseitige, von feindseligen Absichten getragene, gewaltsame Einwirkung auf den
Körper des Privatklägers durch den Beschuldigten sowie B._ und C._.
Der Beschuldigte ging bewusst und gewollt in einer Gruppenkonstellation zu-
sammen mit B._ und C._ auf den Privatkläger los und sie versetzten
ihm Schläge sowie Tritte. Der Privatkläger, welcher sich schützte bzw. lediglich
abwehrend verhielt, trug als Folge des Angriffs zahlreiche Hämatome, Schwellun-
- 22 -
gen und Hautabtragungen am Kopf, Gesicht, Rumpf sowie den Armen und Bei-
nen davon, was im Gutachten vom 30. August 2018 des Instituts für Rechtsmedi-
zin der Universität Zürich festgehalten wurde (vgl. D1 Urk. 9/1 S. 2 ff.). Eine Zu-
ordnung der einzelnen Verletzungen auf die verschiedenen Täter ist nicht möglich
(vgl. hierzu BSK StGB I-MAEDER, Art. 134 N 12). Das Gutachten führt zudem aus,
dass die festgestellten Verletzungen voraussichtlich folgenlos, gegebenenfalls un-
ter Narbenbildung, abheilen würden (D1 Urk. 9/1 S. 7), weist indes ebenso darauf
hin, dass aus rechtsmedizinischer Sicht Schläge bzw. Tritte gegen den Kopf
grundsätzlich zu lebensbedrohlichen Verletzungen (Schädelbrüchen, Blutungen
im Kopfinneren, Hirngewebsverletzungen etc.) führen können. Dem Privatkläger
wurde mitgeteilt, dass er sich notfallmässig in einem Spital vorstellen müsse, falls
es zu zunehmenden Symptomen kommen sollte (D1 Urk. 9/1 S. 7). Die dem Pri-
vatkläger zugefügten zahlreichen Verletzungen am ganzen Körper und die damit
verbundenen Schmerzen hatten Krankheitswert und können bei Weitem nicht
mehr als eine vorübergehende harmlose Störung des Wohlbefindens bezeichnet
werden, sondern sind als einfache Körperverletzungen zu qualifizieren. Der objek-
tive und der subjektive Tatbestand des Angriffs sowie die objektive Strafbarkeits-
bedingung der einfachen Körperverletzung sind mithin erfüllt.
Der Beschuldigte ist daher des Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB schuldig zu
sprechen.
2. Die Vorinstanz hat zudem zu Recht festgehalten, dass keine Rechtferti-
gungsgründe ersichtlich seien (Urk. 69 S. 21). Dem ist zu folgen, bestehen doch
hinreichende Anhaltspunkte dafür, dass der Beschuldigte sich in einer besseren
Verfassung als geltend gemacht befand und die behauptete Erinnerungslücke
weitgehend als Schutzbehauptung bzw. als Recht des Beschuldigten, sich nicht
selbst zu belasten (vgl. Prot. I S. 10; Prot. II S. 13 ff.), zu würdigen ist. So wusste
er zumindest noch im Vorverfahren zu berichten, dass ein Mädchen gekommen
sei und hysterisch geweint habe, sie sei sexuell belästigt worden. B._ habe
dann zu ihm gesagt, sie müssten etwas machen, er, der Beschuldigte müsse
mitkommen. Er habe dann zwei Dosen Bier ganz sicher in sich hineingedrückt und sei dann mit ihm mitgegangen. Das Weitere wisse er nur vom Hörensagen. In
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der Folge erwähnte er indes detailreich, was er alles vom Hörensagen wisse (D1
Urk. 5/2 S. 5 ff.). Er wusste zudem, dass er Stahlkappenschuhe getragen habe
(D1 Urk. 5/2 S. 9). Der Beschuldigte war auch nicht zu betrunken, um den Privat-
kläger zu verfolgen, als es diesem gelang, sich zu entfernen und zu versuchen,
diesen nochmals zu schlagen. Dieser Verfolgung wurde erst durch das Einschrei-
ten von Passanten ein Ende gesetzt. Mit der Verteidigung (vgl. Urk. 57 S. 18 und
Urk. 84 S. 20) sowie der Vorinstanz (Urk. 69 S. 21) kann indes festgehalten wer-
den, dass der Situation des Beschuldigten - er litt unzweifelhaft an einem Alkohol-
problem und einer psychisch schweren Situation durch den Tod seiner Partnerin -
im Rahmen der Strafzumessung Rechnung zu tragen ist.
V. Strafzumessung
1. Die Vorinstanz hat die Grundsätze, nach welchen eine Strafe zuzumes-
sen ist sowie den entsprechenden Strafrahmen, innerhalb welcher die Strafe fest-
zulegen ist, richtig dargestellt (Urk. 69 S. 21 f.), worauf zwecks Vermeidung unnö-
tiger Wiederholungen zu verweisen ist.
2. Das Gericht misst die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu. Das
Verschulden wird nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betrof-
fenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen
und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie weit der Täter nach den inne-
ren und äusseren Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung
zu vermeiden (Art. 47 Abs. 2 StGB). Der Begriff des Verschuldens muss sich je-
denfalls auf den gesamten Unrechts- und Schuldgehalt der konkreten Straftat be-
ziehen. Zu unterscheiden ist zwischen der Tat- und Täterkomponente (HEIM-
GARTNER, in: DONATSCH/HEIMGARTNER/ISENRING/WEDER, Kommentar zum StGB,
20. Auflage, Zürich 2018, N 5 ff. zu Art. 47 StGB). Bei der Tatkomponente sind die
objektive und die subjektive Tatschwere zu gewichten.
2.1. Zur objektiven Tatschwere ist auszuführen, dass der Beschuldigte sowie
B._ und C._ sich in einer personellen Übermacht befanden und auf den
sich passiv verhaltenden bzw. nur abwehrenden Privatkläger einschlugen. Alle
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drei traktierten mit Fäusten dessen Gesicht sowie dessen Kopf, was ein erhebli-
ches Verletzungspotential enthält und gerade im Gesicht zu länger dauernden
sichtbaren Verletzungen bzw. sogar zu Entstellungen führen kann. Weiter schlu-
gen sie ihn auch auf dessen Rumpf und Arme und gaben ihm Tritte gegen die
Beine. Daraus resultierten zahlreiche Hämatome, Schwellungen und Hautabtra-
gungen am Kopf, Gesicht, Rumpf sowie den Armen und Beinen des Privatklägers.
Das Verhalten der Täter zeigt Rücksichtslosigkeit und Verwerflichkeit sowie mani-
festiert eine Geringschätzung gegenüber dem unterlegenen Gegenüber. Dass der
Privatkläger vom Vorfall nicht gravierendere Verletzungen davontrug, ist ange-
sichts der Dynamik des Geschehens hauptsächlich dem Zufall zu verdanken bzw.
darauf zurück zu führen, dass dieser sich mit Armen und Beinen zu schützen
suchte. Selbst als Drittpersonen versuchten den Beschuldigten sowie B._
und C._ von ihrem Tun abzuhalten, machten sie mit ihrem Tun weiter. Der
Beschuldigte verfolgte den Privatkläger sogar noch, um ihn weiter zu schlagen,
als es diesem gelungen war, wegzulaufen. Das Verhalten des Beschuldigten
zeugt damit von einer grossen Gewaltbereitschaft und auch dem Willen, diese
Gewalt aufrecht zu erhalten. Er beteiligte sich zudem an dem Schlagen und Tre-
ten des Privatklägers, obwohl dieser ihm gegenüber keinen Anlass dazu gegeben
hatte. Weiter ist der angegebene Grund, nämlich, dass der Privatkläger früher ei-
ner Kollegin von B._ ans Gesäss gegriffen hatte, als zu geringfügig zu be-
zeichnen, um den erfolgten Angriff und die angewendete Gewalt gedanklich
nachvollziehen zu können. Vor dem Hintergrund vorstehender Erwägungen ist
das objektive Tatverschulden des Beschuldigten als nicht leicht zu qualifizieren.
Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere ist zugunsten des Beschuldigten davon
auszugehen, dass er eventualvorsätzlich handelte. Dagegen ist verschuldenser-
schwerend zu berücksichtigen, dass für den Beschuldigten überhaupt kein objek-
tiver Grund bestand, sich an den Gewalttätigkeiten gegenüber dem Privatkläger
zu beteiligen, da - wie oben ausgeführt - für ihn hierzu keinerlei Anlass bestand.
Der Privatkläger scheint für den Beschuldigten ein Feindbild zu sein, bezeichnet
er diesen doch u.a. als „Idioten“ und „Nuttensohn“ (vgl. D1 Urk. 5/2 S. 7 und
S. 13). Der Beschuldigte hat offensichtlich aus Freude an der Gewalt bzw. einer
Aggression heraus gehandelt; zudem verfolgte er den Privatkläger noch, als die-
- 25 -
ser weglief, um ihn noch einmal zu schlagen. Sein Motiv war damit der Wunsch,
zusammen mit B._ und C._, den Privatkläger zu schlagen und zu treten
und diesem damit Schmerzen zuzufügen. Der Beschuldigte hat Kampfsporterfah-
rung (D1 Urk. 5/2 S. 6 f.) und folglich Kenntnis davon, was Schläge beim Gegen-
über anrichten können. Die Vorinstanz berücksichtigte zudem, dass der Beschul-
digte sich im Zeitpunkt des Vorfalls offenbar in einem Vollrausch befunden habe,
mutmasslich auch Betäubungsmittel konsumiert hatte und sich aufgrund dessen,
dass seine Partnerin kurz zuvor verstorben war, in einem psychischen Ausnah-
mezustand befunden habe (Urk. 69 S. 23). Dem kann zwar im Grundsatz gefolgt
werden, indes ist relativierend anzumerken, dass es dem Beschuldigten durchaus
möglich war, dem Privatkläger nachzulaufen, als es diesem gelang, fortzulaufen.
Dies spricht dafür, dass er sich nicht in einem Zustand befand, welcher ihm ein
zielstrebiges Verfolgen verunmöglicht hätte. Die alkoholische Intoxikation und der
psychische Ausnahmezustand des Beschuldigten im Tatzeitpunkt sind insgesamt
dennoch merklich strafmindernd zu berücksichtigen. Anzumerken ist weiter, dass
der Beschuldigte zwar geltend machte, dass er ohne Grund nicht schlage und
nicht glaube, dass er damals Streit gesucht habe, er wolle einfach in Ruhe gelas-
sen werden (D1 Urk. 5/2 S. 8). Indes zeigte er sogar gegenüber der einverneh-
menden Staatsanwältin ein aggressives Verhalten, als im anlässlich der Haftein-
vernahme vom 17. Juli 2018 eröffnet wurde, dass dem Zwangsmassnahmenge-
richt ein Antrag auf Untersuchungshaft gestellt werde („Ich finde raus, wo Sie
wohnen. Sie kommen dran. (Der Beschuldigte wird laut und aggressiv)“; D1
Urk. 5/2 S. 13). Insgesamt wirkt sich das subjektive Tatverschulden nicht unbe-
trächtlich strafmindernd aus. Das objektiv als nicht leicht zu qualifizierende Tat-
verschulden reduziert sich deshalb auf ein gerade noch leichtes Verschulden.
Ausgehend von dem gerade noch leichten Verschulden erweist sich eine hypo-
thetische Einsatzstrafe von ca. 8 Monaten Freiheitsstrafe bzw. ca. 240 Tagessät-
zen Geldstrafe als angemessen.
2.2. Bei der Täterkomponente ist mit Bezug auf die persönlichen Verhältnisse
festzuhalten, dass der Beschuldigte sich sehr zurückhaltend zu seinem Lebens-
lauf bzw. seiner Kindheit äusserte (D1 Urk. 5/3 S. 6; Prot. I S. 8; Prot. II S. 3 ff.).
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Gemäss seinem Verteidiger kenne er seine leiblichen Eltern nicht, er sei bei Stief-
und Pflegeeltern sowie in Heimen aufgewachsen (Urk. 57 S. 18; Urk. 84 S. 20).
Weiter scheint er im Alter von neun Jahren von seinem Stiefvater dermassen ge-
schlagen worden zu sein, dass er ein Schädelhirntrauma erlitt (Urk. 56 S. 1;
Urk. 57 S. 18; Urk. 84 S. 20). Dokumentiert sind zudem Bemühungen der Mutter,
Verhaltensauffälligkeiten des 11-jährigen Beschuldigten in der Schule abklären zu
lassen. Diese wurden einem ADHD (Attention Defizit Hyperaktivity Disorder) zu-
geschrieben (vgl. Urk. 56). Der Beschuldigte erwähnte zudem, dass er im Alter
von zwölf Jahren eine Vergewaltigung seitens seines Stiefvaters erlitten habe,
woraufhin er diesen geschlagen habe und er, der Beschuldigte, daher mit 12 Jah-
ren vorbestraft sei (D1 Urk. 5/2 S. 7). Der Beschuldigte hat keinen ordentlichen
Schulabschluss und seine Ausbildung als Maler vor dessen Abschluss abgebro-
chen (Prot. I S. 8; Prot. II S. 12 f.). Er ist ledig, befindet sich aktuell aber wieder in
einer Partnerschaft, wobei er mit seiner Freundin - auch in beruflicher Hinsicht -
eine gemeinsame Zukunft plant (Prot. II S. 11 ff.). Zurzeit wohnt er im ...-Hospiz
an der J._-Strasse in Zürich und lebt von der Sozialhilfe, wobei ihm nach
sämtlichen Abzügen noch Fr. 640.– bis Fr. 680.– pro Monat zum Leben bleiben
(D1 Urk. 5/3 S. 5; Urk. 74, Prot. I S. 8; Prot. II S. 6 f.). Der Beschuldigte hat so-
dann Schulden in unbekannter Höhe, wobei diese gemäss seinen Angaben den
Betrag von Fr. 10'000.– nicht übersteigen (Prot. II S. 10). Weiter hat er eine ca. 8
Jahre alte Tochter, wobei er diese zufolge des getrübten Verhältnisses zur
Kindsmutter das letzte Mal an den Weihnachten des Jahres 2019 gesehen hat.
Eine Verpflichtung zur Bezahlung von Unterhaltsbeiträgen für seine Tochter be-
steht gemäss seinen Angaben nicht (Prot. II S. 6 und 10). In gesundheitlicher Hin-
sicht gab der Beschuldigte anlässlich der Berufungsverhandlung sodann an, ak-
tuell zweimal pro Woche Therapietermine bei einem Psychiater wahrzunehmen,
um seine schwierige Vergangenheit aufzuarbeiten (Prot. II S. 8). Abgesehen von
der medikamentösen Substitution mit Methadon, konsumiere er weder Drogen
noch Alkohol. Die Substitution sei sodann im Abbau begriffen (Prot. II S. 8).
Angesichts dieser besonderen Lebenssituation ist eine deutliche Strafreduktion
um einen Viertel, mithin um zwei Monate Freiheitsstrafe bzw. 60 Tagessätze
Geldstrafe, angemessen.
- 27 -
Der Beschuldigte weist diverse Vorstrafen auf: Am 9. Mai 2007 wurde er vom
Obergericht des Kantons Zürich wegen Raub, Diebstahl, Hausfriedensbruch so-
wie geringfügiger Sachbeschädigung zu einer Freiheitsstrafe von 21 Monaten so-
wie einer Busse von Fr. 300.– verurteilt. Am 13. Dezember 2011 erfolgte eine
Verurteilung der Staatsanwaltschaft See/Oberland zu gemeinnütziger Arbeit in
Höhe von 160 Stunden wegen Tierquälerei. Mit Strafbefehl vom 31. Mai 2018 der
Staatsanwaltschaft See/Oberland wurde der Beschuldigte zudem wegen einfa-
cher Körperverletzung, einfacher Körperverletzung mit einer Waffe sowie Drohung
zu einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu Fr. 10.– mit einer Probe-
zeit von drei Jahren sowie einer Busse von Fr. 300.– verurteilt (Urk. 70). Diese
Vorstrafen sind teilweise einschlägig, deren Begehung liegt indes schon über fünf
Jahre zurück (die dem Strafbefehl vom 31. Mai 2018 zu Grunde liegende Tat er-
eignete sich am 24. April 2013; Urk. 70).
Die Vorstrafen sind im Umfang von einem Monat Freiheitsstrafe bzw. 30 Tagess-
ätzen Geldstrafe straferhöhend zu berücksichtigen.
Beim Nachtatverhalten kann dem Beschuldigten kein Geständnis angerechnet
werden.
Eine strafmindernd zu berücksichtigende überlange Verfahrensdauer, wie sie von
der Verteidigung geltend gemacht wird (Urk. 84 S. 20), ist unter Beachtung des
Umstands, dass das Strafverfahren drei beschuldigte Personen betraf und sich
das Vorverfahren vor diesem Hintergrund als überdurchschnittlich aufwändig er-
wies, nicht gegeben.
2.3. Zusammenfassend ergibt sich, dass sich die von der Vorinstanz auf Grund
sämtlicher Strafzumessungsgründe festgesetzte Strafe von sieben Monaten Frei-
heitsstrafe bzw. 210 Tagessätze Geldstrafe als korrekt und angemessen erweist
und daher zu bestätigen ist. Da gemäss Art. 34 Abs. 1 StGB eine Geldstrafe
höchstens 180 Tagessätze betragen darf, sofern es das Gesetz nicht anders be-
stimmt, ist vorliegend auf sieben Monate Freiheitsstrafe zu erkennen. Eine Frei-
heitsstrafe wäre auch aus spezialpräventiven Gründen auszusprechen, hat sich
der Beschuldigte von der Eröffnung der verhängten Geldstrafe des Strafbefehls
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der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 31. Mai 2018 doch nicht davon abhal-
ten lassen, innerhalb eines Monats erneut straffällig zu werden.
2.4. Sodann sind die vom Beschuldigten im vorliegenden Verfahren durch Un-
tersuchungshaft erstandenen 11 Tage (Haft vom 16. Juli 2018 bis 26. Juli 2018;
D1 Urk. 18/1 und Urk. 18/16) an die auszufällende Freiheitsstrafe anzurechnen
(Art. 51 StGB).
VI. Vollzug
1. Die Vorinstanz hat den Vollzug der Freiheitsstrafe angeordnet, da dem
Beschuldigten in subjektiver Hinsicht keine günstige Prognose gestellt werden
könne (Urk. 69 S. 25 f.). Die Verteidigung kritisiert die Anordnung des Vollzugs
der Strafe. Gemäss dem ärztlichen Attest von Dr. med. K._ vom medizinisch-
sozialen Ambulatorium der Stadt Zürich sei es dem Beschuldigten gelungen, sich
vom Konsum illegaler und vom unkontrollierten Konsum legaler Drogen (Alkohol)
zu distanzieren. Zudem lebe er seit über einem Jahr selbständig in einer eigenen
Wohnung und habe neu eine feste Beziehung, wobei er mit seiner Freundin eine
– auch in beruflicher Hinsicht – gemeinsame Zukunft plane. Von der Gasse und
Orten wie dem H._-Park halte er sich fern. Eine Gefängnisstrafe würde sich
auf die Reintegrationschancen des Beschuldigten zweifellos negativ auswirken.
Eine konkrete Gefahr für die Begehung neuer Delikte sei heute schliesslich nicht
ersichtlich. So seien seit dem anklagegegenständlichen Vorfall bereits fast drei
Jahre vergangen, innert welcher sich der Beschuldigte absolut korrekt verhalten
und nie mit den Strafverfolgungsbehörden zu tun gehabt habe. Der Beschuldigte
habe das Vorliegen einer günstigen Prognose mithin bewiesen (Urk. 57 S. 20 f.;
Urk. 84 S. 20 ff.).
2. Die günstige Prognose wird gemäss Art. 42 Abs. 1 StGB vermutet. Das
Gericht hat den Vollzug der Strafe in der Regel aufzuschieben, wenn eine unbe-
dingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer
Verbrechen oder Vergehen abzuhalten. Der Strafaufschub ist die Regel, von der
grundsätzlich nur bei ungünstiger Prognose abgewichen werden darf. Entschei-
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dend sind unter anderem Vorleben und Charakter des Täters, wobei eine Ge-
samtwürdigung zu erfolgen hat (BSK StGB I-SCHNEIDER/GARRÉ, N 38 ff. zu Art. 42
StGB).
3. Der Beschuldigte ist mehrfach vorbestraft, was grundsätzlich negativ ins
Gewicht fällt. Am 9. Mai 2007 wurde er vom Obergericht des Kantons Zürich we-
gen Raub, Diebstahl, Hausfriedensbruch sowie geringfügiger Sachbeschädigung
zu einer massiven Freiheitsstrafe von 21 Monaten sowie einer Busse von
Fr. 300.– verurteilt und am 13. Dezember 2011 erfolgte eine Verurteilung der
Staatsanwaltschaft See/Oberland wegen Tierquälerei zu gemeinnütziger Arbeit in
Höhe von 160 Stunden. Mit Strafbefehl vom 31. Mai 2018 der Staatsanwaltschaft
See/Oberland wurde der Beschuldigte zudem wegen teilweise einschlägiger De-
likte, so wegen einfacher Körperverletzung, einfacher Körperverletzung mit einer
Waffe sowie Drohung zu einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je
Fr. 10.– mit einer Probezeit von drei Jahren sowie einer Busse von Fr. 300.– be-
straft (Urk. 70). Diese Tat ereignete sich indes schon im April 2013 und lag im
Zeitpunkt der Begehung des dem vorliegenden Verfahren zu Grunde liegenden
Angriffs bereits über fünf Jahre zurück.
Die Vorinstanz hat aus dem Umstand, dass der Beschuldigte kurz nach der Eröff-
nung dieses Strafbefehls vom 31. Mai 2018 - mithin lediglich einen Monat später -
im vorliegend zu beurteilenden Verfahren erneut einschlägig straffällig wurde, ab-
geleitet, dass sich der Beschuldigte durch die zuletzt ausgefällte bedingte Strafe
offensichtlich nicht habe beeindrucken lassen. Deshalb müsse davon ausgegan-
gen werden, dass eine erneute Gewährung des bedingten Vollzugs nicht ausrei-
chen würde, um den Beschuldigten von der Begehung neuer Delikte abzuhalten
(Urk. 69 S. 26). Dem ist grundsätzlich zuzustimmen, indes ist die über 5 Jahre
dauernde Deliktsfreiheit doch erheblich prognosebegünstigend zu werten. Zudem
starb kurz vor dem heute zu beurteilenden Vorfall die Partnerin des Beschuldigten
und er geriet in ein schweres Alkoholproblem (D1 Urk. 5/1 S. 3; Urk. 5/2 S. 7;
Urk. 56 S. 2). Im Gegensatz zu damals weist der Beschuldigte heute eine gefes-
tigte Lebenssituation auf. So hat er eine neue Freundin, mit welcher er eine ge-
meinsame persönliche und berufliche Zukunft plant. Zudem hat er den Konsum
- 30 -
von Alkohol und Drogen komplett eingestellt und nimmt zweimal pro Woche Ter-
mine bei einem Psychiater wahr, wobei die Therapie nach Einschätzung des Psy-
chiaters bisher zielführend und erfolgsversprechend verläuft (Prot. II S. 4 f., 7 ff.
und 11 f.; Urk. 85). In die Beurteilung einzubeziehen ist ebenfalls, dass dem vor-
zunehmendem Widerruf der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See/Oberland
vom 31. Mai 2018 bedingt ausgesprochenen Geldstrafe von 120 Tagessätzen
(vgl. die nachfolgenden Erwägungen unter Ziff. VII.) eine grosse Warnwirkung zu-
kommt, welche die Annahme einer günstigen Prognose begünstigt. In einer Ge-
samtwürdigung kann daher dem Beschuldigten der Aufschub der Strafe gewährt
werden. Auf Grund der verbleibenden Bedenken - insbesondere hinsichtlich der
Vorstrafen sowie der erneuten Delinquenz kurz nach Ausstellung des Strafbefehls
vom 31. Mai 2018 - ist die Probezeit auf 5 Jahre festzusetzen.
VII. Widerruf
1. Die Vorinstanz hat die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See/Ober-
land vom 31. Mai 2018 bedingt ausgesprochene Geldstrafe von 120 Tagessätzen
zu je Fr. 10.– widerrufen (Urk. 69 S. 27 ff.).
2. Die Verteidigung macht geltend, dass vorliegend keine ungünstige Prog-
nose vorliege und daher vom Widerruf abzusehen sei (Urk. 57 S. 22; Urk. 84
S. 25).
3. Begeht der Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder Ver-
gehen und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere Straftaten verüben wird, so
widerruft das Gericht die bedingte Strafe oder den bedingten Teil der Strafe.
(Art. 46 Abs. 1 StGB). Bei der Prognose sind u.a. die Art und Schwere der erneu-
ten Delinquenz zu berücksichtigen. Auch muss die mögliche Warnung der neuen
zu vollziehenden Strafe mitberücksichtigt werden; das Gleiche gilt in Bezug auf
die Wirkung des Vollzugs einer Strafe auf Grund des Widerrufs des bedingten
Strafvollzugs. Weiter ist eine Gesamtwürdigung, d.h. eine sorgfältige Abwägung
aller wesentlichen Umstände unter spezialpräventiven Gesichtspunkten vorzu-
nehmen. Wurde der bedingte Strafvollzug für die neue Strafe nur mit Bedenken
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gewährt, so ist in der Regel der Widerruf auszusprechen, um den Verurteilen als
zusätzliche Warnung von weiteren Delikten abzuhalten (BSK StGB I-SCHNEIDER/
GARRÉ, Art. 46 N 2 ff. und N 41 ff.).
4. Der Beschuldigte hat rund einen Monat nach Eröffnung des Strafbefehls
vom 31. Mai 2018 erneut einschlägig delinquiert. Schon dieser Umstand alleine
spricht für den Widerruf, zeigt er doch, dass sich der Beschuldigte von einer be-
dingten Strafe nicht von weiterem Delinquieren abhalten liess. Zu berücksichtigen
ist zudem, dass es vorliegend auf Grund des Aufschubs der Freiheitsstrafe für
das vorliegende Verfahren einer zusätzlichen Warnwirkung braucht, um den Be-
denken, welche beim Aufschub der Freiheitsstrafe auf Grund der Vorstrafen und
der gesamten Umstände bestehen, entgegentreten zu können (vgl. die obigen
Erwägungen unter Ziffer VI. 3.). Die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
See/Oberland vom 31. Mai 2018 bedingt ausgesprochene Geldstrafe - abzüglich
2 durch Haft erstandene Tagessätze - ist daher zu widerrufen.
VIII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Ausgangsgemäss – es bleibt beim vorinstanzlichen Schuldspruch – ist die
erstinstanzliche Kostenauflage (Ziff. 8 und 9) zu bestätigen (Art. 426 Abs. 1
StPO).
2. Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte unter-
liegt im Berufungsverfahren mit Ausnahme des Vollzugs der Freiheitsstrafe voll-
umfänglich. Dementsprechend sind die Kosten des Berufungsverfahrens, mit
Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung, dem Beschuldigten zu vier
Fünfteln aufzuerlegen und zu einem Fünftel auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen.
Die Rückzahlungspflicht gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO ist im Umfang von vier
Fünfteln vorzubehalten.
3. Die amtliche Verteidigung hat ihre Aufwendungen für das Berufungsver-
fahren mit Fr. 3'555.60 (inkl. Auslagen und MWST; Urk. 83 und Urk. 86) beziffert,
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wobei sich der von ihr für die Berufungsverhandlung eingesetzte Aufwand als zu
hoch erweist und um zwei Stunden zu kürzen ist (vgl. Prot. II S. 3 und 20). Dem-
entsprechend ist die amtliche Verteidigung für ihre Aufwendungen im Berufungs-
verfahren mit Fr. 3'000.– (inkl. Auslagen und MWST) aus der Gerichtskasse zu
entschädigen.