# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** ff79f885-333c-4637-a6d7-3ffebd9e9127
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der 1983 geborene
X._
leidet
seit seiner frühesten Kindheit an einem infantilen Autismus (Geburtsgebrechen Ziff. 401 gemäss Anhang zur Verord
nung über Geburtsgebrechen), weshalb die Invalidenversicherung seit 1986 wie
derholt Kostengutsprachen für medizinische, heilpädagogische und berufliche Massnahmen erteilte (Urk. 6/7, Urk. 6/9-10, Urk. 6/13, Urk. 6/15, Urk. 6/20, Urk. 6/23, Urk. 6/28, Urk. 6/32, Urk. 6/34
/1-2
, Urk. 6/38
/2,
Urk. 6/48, Urk. 6/50, Urk. 6/59, Ur
k. 6/68, Urk. 6/83, Urk. 8/87).
Am 16. Oktober 2018 meldete sich der Versicherte bei der Invalidenversicherung zwecks
beruflicher Massnahmen zum Leistungsbezug an (Urk. 6/150, Urk. 6/152). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, nahm medizinische und erwerbliche Abklärungen vor und erteilte am 31. Januar 2019
,
1. April 2019
und 7. Oktober 2019
Kostengutsprache
n
für eine Potenzialabklärung vom 25. Februar bis 22. März 2019
,
für Jobcoaching und Unterstützung bei der
Stellen
suche vom 1. April bis 30. September 2019
und für eine berufspraktische Vorbereitung vom 1. November 2019 bis 31. Januar 2020
durch
die Arbeits
integration Y._
(
Urk. 6/181, Urk. 6/187
, Urk. 6/194
).
Am 18. März 2020 ver
neinte die IV-Stelle einen Leistungsanspruch des Versicherten betreffend
einen
Arbeitsversuch bei
der
Z._
AG
und schloss die Eingliederungsberatung ab
(Urk. 6/224). Mit Vorbescheid vom 9. Oktober 2020 (Urk. 6/231) stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht, wogegen dieser am 5. November 2020 Einwand (Urk. 6/235) erhob.
Am 10. November 2020 wies die IV-Stelle das Leistungsgesuch des Versicherten verfügungsweise ab (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 7. Dezember 2020 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, es sei die Verfügung vom 10. November 2020 aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen in Form einer halben Rente seit 1. Februar 2020 sowie einer
Viertelsrente
seit 1. November 2020 auszurichten (S. 2). Mit Beschwerdeant
wort vom 25. Januar 2021 (Urk. 5
) schloss die Beschwerde
geg
nerin auf Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer
mit Verfügung vom
26. Januar 2020
(Urk. 7)
zur
Kenntnis gebracht wurde
.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1
.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die leistungsabweisende Rentenverfügung (Urk. 2) damit, dass
beim
Beschwerdeführer in einer zeitlich flexiblen Tä
tigkeit
ohne permanenten Zeit-/
Termindruck, ohne Schicht-/Nach
t
dienst, bei nur gerin
gem Publik
umsverkehr und
ohne besondere Anfor
derungen an das Umstellungs
-
/
Anpassungsvermögen eine
80
%
ige Arbeitsfähigkeit
vorliege
. Dieses Belastungs
profil entspreche einer
Verrichtung
im kaufmännischen Bereich
, mithin seiner angestammten Tätigkeit als gelernter
kaufmännischer Angestellter.
Da die Aus
übung der
angestammte
n
Tätigkeit zu 80 % zumutbar
sei
,
sei
die gesetzliche Wartefrist nicht erreicht
, weshalb
kein Einkommensvergleich
vorgenommen
werden müsse und
das Rentengesuch
abzuweisen sei
.
Im Zusammenhang mit dem Bericht von Dr. med.
univ.
A._
, Facharzt
FMH
für Psychiatrie und Psy
chotherapie
, vom 24. Mai 2019
(vgl. Urk. 6/191)
hielt die Beschwerdegegnerin fest, dass sich der Beschwerdeführer einverstanden erklärt habe, sich
(bei Dr.
A._
)
in fachärztliche Behandlung zu begeben, womit es sich um keinen direkten Auftrag seitens der Beschwerdegegnerin an
den genannten Psy
chiater
gehandelt habe und der entsprechende Bericht
damit
nicht als Gutachten zu werten sei (S. 2).
2.2
Demgegenüber
machte
der Beschwerdeführer
in seiner Beschwerdeschrift
(Urk. 1)
geltend
, dass
sich
die Beschwerdegegnerin
bei ihrem Entscheid
auf die Akten
beurteilung ihres Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD)
abgestützt
habe. Es sei
jedoch
auf das von der Beschwerdegegnerin beim externen Experten Dr.
A._
eingeholte
Gutachten abzustellen
, welchem
rechtsprechungs
g
emäss ein höherer
Beweiswert
zukomme
, da es durch die Beschwerdegegnerin und weitestgehend im Verfahren nach Art. 44
ATSG eingeholt worden sei (S. 3
f.
Ziff. 1
, S. 5 Ziff. 7 ff.
).
Betreffend
den
Invalidität
s
grad
führte
der B
eschwerde
führer aus
, dass mit Bezug auf das
Valideneinkommen
nicht auf das von ihm bei der
B._
erzielte Einkommen abgestellt werden könne. Es sei
bei ihm
ein seit früher Kindheit bestehender
Gesundheitsschaden aktenkundig,
wes
halb
der
Validenlohn
von allem Anfang an nicht gestützt auf
das
tatsächlich erzielte Einkommen
, sondern
aufgrund
statistische
r
Erhebungen zu bemessen sei (S. 7 Ziff. 14).
Das aktuelle Einkommen
beinhalte eine bestmögliche Verwertung der Restarbeitsfähigkeit,
so dass
ihm seit 1. Februar 2020 (50 %-Pensum) eine
halbe
Invalidenr
ente respektive ab 1. November 2020 (70 %-Pensum ab 1. August
2
020 zuzüglich drei Monate [Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invaliden
versicherung,
IVV])
eine
Viertelsrente
zuzusprechen sei (S. 7 f. Ziff. 17 ff.).
3.
3.1
Dr.
A._
nannte in seinem Bericht vom 24. Mai 2019 (Urk. 6/191) fol
gen
de Diagnosen (S. 8):
-
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Asperger-Syndrom (ICD-10 F84.5)
-
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
chroni
sche motorische
Tic
störung
(ICD-10 F95.1)
-
depressive Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2)
Dr.
A._
führte aus, dass der psychische Gesundheitszustand des Be
schwerdeführers
aktuell
als kompensiert zu bezeichnen sei, wobei klinisch fol
gende psychiatrisc
he Symptome festzustellen seien
: autistische, zwanghafte und depressive Züge sowie motorische Auffälligkeiten (S. 6).
Der Psychiater
hielt
ferner
fest, dass betreffend die Anpassung an Regeln und Routinen sowie die Wegfähigkeit keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
respektive
betreffend
die Flexibilität und Umstellungsfähigkeit eine leichtgradige Beeinträchtigung ohne deutliche Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
bestün
den.
Die Fähigkeit
bezüglich
Planung/Strukturierung von Aufgaben
und
die
Selbstpflege, die
Ents
cheidungs-/Urteilsfähigkeit und
die
Durchhaltefähigkeit seien
leicht- bis mittelgradig beeinträchtigt. Betreffend
die
Anwendung fachlicher Kom
petenzen und
die
Spontan-Aktivitäten
bestehe
eine mittelgradige Beeinträch
tigung mit eindeutigen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit respektive be
tref
fend
die
Selbstbehauptungsfähigkeit,
die
Kontakt-/Gruppenfähigkeit und famili
äre/intime Beziehungen eine mittel- bis schwergradige Beeinträchtigung (S. 8 ff.). Damit zeigten sich insbesondere in den Bereichen der sozialen Beziehungen
(interpersonell-emotional-sozial) und der damit verbundenen Selbstbehaup
tung
s
fäh
igkeit entsprechende Einbussen
(S. 12
).
Dr.
A._
nannte im Weiteren
folgende störungsbedingte
Funktionsstörungen der Arbeitsfähigkeit: höhergra
dige Beeinträchtigung der sozialen Interaktion im Rahmen der Begegnung und im Bereich
der interpersonell
en emotional-affektiven Geschick
lichkeit, motori
sche Ungeschicklichkeit, übermässige Zweifel und Vorsicht im sozialen Kontakt im Rahmen eines Vermeidungsverhaltens
sowie
Vermeidungsverhalten mit kon
se
kutiv rigiden und unflexiblen Lösungsstrategien im Sinne eines
r
egelzentrierten
Eigensinns und einer akzentuierten Gewissenhaftigkeit
(S. 13
f.). Als Ressourcen des Beschwerdeführers, welche im Rahmen einer beruflichen Eingliederung hilf
reich sein könnten,
nannte
der Psychiater
die fachlichen Kompetenzen
(z.B. gutes planerisches Geschick, rationaler Zugang beim Problemlösen)
,
Genauigkeit,
Zu
verlässigkeit,
einen guten
sprachliche
n
Ausdruck,
die
Höflichkeit, Korrektheit,
ein gutes Durchhaltevermögen, und eine gute Motivation bezüglich des ber
uflichen Wiedereinstiegs und der beruflichen
Entwicklung
(S. 14, S. 12).
Dr.
A._
erachtete die Tätigkeit als Buschauffeur im Umfang von maxi
mal fünf Stunden pro Tag als zumutbar, da beim Beschwerdeführer die Not
wendigkeit eines erhöhten Erholungsbedarfs (bei störungsbedingter akzentuierter Erschöpfung) ausserhalb der Arbeit bestehe. Durch die störungsspezifischen Defi
zite auf der emotional-sozialen Ebene müsse der Beschwerdeführer diese auf der rationalen (kognitiven) Ebene kompensieren und erfahre dadurch eine insgesamt erhöhte Belastung. Dadurch erkläre sich eine entsprechend reduzierte Durch
halte
fähigkeit (akzent
uierte Erschöpfung) mit erhöhtem
Erholungsbedarf mit der da
raus resultieren
den
Empfehlung einer täglichen Arbeitszeit von fünf bis sechs Stunden
im Rahmen der
angepa
ssten Tätigkeit
(
S. 14 f.)
.
3.2
Die RAD-Ärztin
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psycho
the
rapie,
führte
in ihrer Stellungnahme vom 21. Sept
ember 2020 (Urk. 6/230/4-6
)
folgende Diagnosen auf:
-
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Asperger-Syndrom (ICD-10 F84.5)
-
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
chronische motorische Tics
-
depressive Anpassungsstörung
Als Beschwerden nannte die RAD-Ärztin eine Unsicherheit im Nähe-Distanz-Bereich, eine rigide
imponierende
Herangehensweise im Kontext des Problem
lösens, die Entwicklung depressiver Symptome in Überforderungssituationen, eine
feinmotorische Ungeschicklichkeit, ein Rückzug in eine Phantasiewelt, über
mässige
Zweifel/Vorsicht, ein Vermeidungsverhalten,
ein
dysphorisch-depressi
ves Symptombild, wiederkehrende
Lebensüberdrussgedanken
und motorische Tics
(Urk. 6/230/5).
Mit Bezug auf
die bisherige Tätigkeit als Bus
chauffeur führte die RAD-Ärztin
folgende Einschränkungen auf: leichtgradige Einschränkungen der Flexibi
lität un
d Umstellungsfähigkeit;
leicht- bis mittelgradige Einschränkungen
der Planung/
Strukturierung von Aufgaben, Entscheidungs-/Urteilsfähigkeit, Durchhaltefähig
keit und Selbstpflege; mittelgradige Einschränkung der Anwendung fachlicher Kompetenzen und Spontan-Aktivitäten; mittel- bis schwergradige Einschränkun
gen der Selbstbehauptungsfähigkeit, Gruppenfähigkeit und der familiären/inti
men
Beziehungen (Urk. 6/230/5).
Im Zusammenhang mit dem Belastungsprofil hielt die RAD-Ärztin fest, dass die bisherige Tätigkeit als Buschauffeur in einem 50 bis maximal 60%igen Arbeits
pensum umsetzbar sei. Zeitlich flexible Tätigkeiten ohne permanenten Zeit-/Ter
mindruck, ohne Schicht-/Nach
t
dienst, be
i nur geringem Publikumsverkehr und
ohne besondere Anforderungen an das Umstellungs-/Anpassungsvermögen
seien medizinisch-theoretisch in einer wohlwollenden und konfliktarmen Arbeitsat
mos
phäre zu maximal 80 % möglich
(Urk. 6/230/5)
.
In der bisherigen Tätigkeit als Buschauffeur bestehe eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit von Januar 2018 bis Januar 2019 respektive ab Februar 2019 eine solche von 50 %. In einer angepassten Verrichtung sei von einer Arbeitsun
fähig
keit von 100
% von Januar 2018 bis Januar 2019 auszugehen, einer Arbeits
un
fähigkeit von 50 % von Februar 2019 bis April 2019 und einer Arbeits
un
fähigkeit von 20 % ab Mai 2019
(Urk. 6/230/5)
.
D
ie Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt
sei
aufgrund des Asperger-Syndroms vor allem qualitativ
einge
schränkt. Quantitativ
bestehe in einer angepassten Tätigkeit eine 20%ige Arbeits
unfähigkeit aufgrund eines erhöhten Pausenbedarfs. Die Tätigkeit als Buschauf
feur sei nicht als ideal angepasst zu bezeichnen
(Urk. 6/230/6)
.
4.
4.1
Die RAD-Ärztin
und Dr.
A._
gingen
übereinstimmend
von einem Asper
ger-Syndrom, einer chronischen motorischen
Ticstörung
sowie einer de
pressiven Anpassungsstörung aus, wobei sie einzig dem Asperger-Syndrom Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
beimassen.
Im Weiteren bestand Konsens
betreffend die
beim Beschwerdeführer
vorliegenden störungsspezifischen
Funktionseinschrän
kungen
,
und
die Ärzte attestierten in der Tätigkeit als Buschauffeur
eine Arbeits
fähigkeit
von 50 % respektive von fünf Stunden pro Tag.
4.2
Entsprechend der von den
Ärzten postulierten Arbeitsfähigkeit
war
der Beschwer
deführer vom 1. Februar bis 31. Juli 2020 mit einem 50 %-Pensum als Bus
chauffeur
bei der
Z._
AG
tätig
.
Das zunächst auf sechs Monate befristete Arbeitsverhältnis wurde ab 1. August 2020 weitergeführt, wobei
das Arbeits
pensum von 50
auf 70 % erhöht wurde. Ab
August 2020
übte der Beschwer
de
führer
eine gemischte Verrichtung aus, indem er sowohl als klassischer Bus
chauffeur im Überlandverkehr (und nicht im hektischeren Stadtverkehr) als auch im administrativen Bereich tätig war
(Urk. 6/213, Urk. 1 S. 8 Ziff. 18)
.
Diese Anstellung
wurde durch
die für die berufspraktische Vorbereitung zuständige
Y._
befürwortet
, wobei sie in ihrem Abschlussbericht vom 4. Februar 2020 (Urk. 6/216) darauf hinwies,
dass den aufgrund des Asperger-Syndroms beste
henden Bedürfnissen des Beschwerdeführers nach festen Strukturen, einer klaren Kommunikation und einem geregelten Arbeitsablauf im Rahmen des Anstel
lungsverhältnisses bei der
Z._
AG Rechnung getragen werden könne
(siehe detaillierte Übersicht
S. 3
)
.
Der Beschwerdeführer
arbeite für jeweils mindestens zwei Wochen am Stück in einem Früh- und Spätdienst à zirka vier Stunden
– und somit einem stark reduzierten Schichtbetrieb,
mit festen Arbeitszeiten und
ohne längere Pausen während des Dienstes
,
wobei der Arbeitsplan jeweils zwei
Monate im Voraus bekannt sei (Urk. 6/216 S. 3, Urk. 1 S. 8 Ziff. 18).
Als Chauf
feur arbeite
er
alleine und sei
nicht
ständig in ein Team eingebunden, wobei
die – in der Tätigkeit als Bus
fahrer wichtige
Eigenschaften der – Zuverlässigkeit und Pünkt
lichkeit
zu seinen
Kernkompetenzen
zählten
.
Seitens der
Y._
wurde zudem darauf hingewiesen, dass die
Z._
AG
s
eit längerem mit der IV
Thur
gau
zusammenarbeite
und die
Defizite
des Beschwerdeführers
mit der Arbeitge
berin
vor der Anstellung explizit besprochen
worden seien
(Urk. 6/216 S. 3)
. Vor diesem
Hintergrund
geht
der Hinweis der Beschwerdegegnerin, die Arbeitsstelle des Beschwerdeführers bei der
Z._
AG sei der gesundheitlichen Situation
nicht
angepasst, ins Leere
(Urk. 2 S. 1)
.
Im Übrigen spricht die RAD-Ärztin Dr.
C._
ebenfalls von einem 50 bis maximal 60%igen umsetzbaren Arbeits
pen
sum als
Buschauffeur und lediglich davon
, dass diese Tätigkeit nicht «als ideal»
angepasst zu bezeichnen sei (
Urk.
6/230 S. 5 und 6).
Ebenso wenig überzeugt
de
r
Einwand
der Beschwerdegegnerin
, als angestammte (und ange
passte)
Verrichtung gelte eine Tätigkeit im kaufmännischen Bereich, da der Beschwerdeführer gelern
ter kaufmännischer Angestellter sei.
In diesem Zusammenhang ist darauf hinzu
weisen, dass d
er Beschwerdeführer seine kaufmännische Lehre im geschützten Bereich
bereits
im
Juli 2004 abgeschlossen (Urk. 6/211
/17
) und
-
mit der Aus
nahme von drei Monaten in den Jahren 2006/2007
-
nie im kaufmännischen Bereich
gearbeitet hat (Urk. 6/216 S. 3), sondern von August
2007 bis März 2009 als Schulbusfahrer
respektive Taxicha
u
ffeur und von April 2009 bis Juli 2018 als Linienbu
schauffeur tätig war (Urk. 6/210
S.
2)
.
Im Übrigen
hat sich gemäss den Angaben von
Y._
die Suche nach einem Arbeitsversuch
im KV-Bereich
bei 60 Absagen
als sehr schwierig
gezeigt
(
Urk. 6/216
S. 1, S. 3).
4.3
Nach dem Gesagten
ist
demzufolge
festzuhalten
, dass die vom Beschwerdeführer bei der
Z._
AG ausgeübte Tätigkeit
sowohl in qualitativer als auch quan
ti
ta
tiver Hinsicht
angepasst einzustufen ist
.
Vor diesem Hintergrund
erübrigen sich Ausführungen betreffend die Frage nach der
Rechtsnatur
des Be
richts von Dr.
A._
vom 24. Mai 2019 (Urk. 6/191; vgl. Urk. 1 S. 5 Ziff. 7 ff., Urk. 2 S. 2).
5
.
5
.1
5
.1.1
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung an
gepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnah
men müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt s
ein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1,
134 V 322 E. 4.1).
Ist
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die versicherte Person die bisherige Tätigkeit unabhängig vom Eintritt der Invalidität nicht mehr ausgeübt hätte, kann das
Valideneinkommen
auf Grundlage der vom
Bundesamt für Statistik (BFS)
herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) berechnet werden, wobei die für die Entlöhnung im Einzelfall gegebenenfalls re
levanten persönlichen und beruflichen Faktoren zu berücksichtigen
sind (BGE 139 V 28 E. 3.3.2;
Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversiche
rung, 3. Auflage 2014,
Rn
55 f. zu Art.
28a
).
Für Versicherte ohne Ausbildung s
ieht Art.
26 der Verordnung über die Invali
denversicherung (IVV) vor: Konnte die versicherte Person wegen der Invalidität keine zureichenden beruflichen Kenntnisse erwerben, entspricht das Erwerbsein
kommen, das sie als Nichtinvalide erzielen könnte, den folgenden nach Alter ab
gestuften Prozentsätzen des jährlich aktualisierten Medianwertes gemäss
der
LSE
des
BFS
:
vor dem 21. Geburtstag:
70 %
ab dem 21. Geburtstag bis zum 25. Geburtstag:
80 %
ab dem 2
5.
bis zum 30. Geburtstag:
90 %
ab dem 30
.
Geburtstag:
100 %
Gemäss Ziff. 3035 des Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung (KS
I
H) des Bundesamtes für Sozialversicherung
(BSV), gültig ab 1. Januar 2015
, S
tand 1. Januar 20
21
,
sind Frühinvalide Versicherte, die seit ihrer Kindheit einen Gesundheitsschaden aufweisen und deshalb keine
zureichenden beruflichen Kenntnisse erwerben konnten. Dazu gehören Versi
cherte
, welche zwar eine Berufsausbildung beginnen und allenfalls auch ab
schliessen, zu Beginn der Ausbildung jedoch bereits invalid sind und mit dieser Ausbildung nicht dieselben Verdienstmöglichkeiten realisieren können wie eine nichtbehin
derte Person mit derselben Ausbildung. Der jährlich aktualisierte Me
dianwert gemäss der LSE wird den Versicherern mit IV-Rundschreiben des BSV mitgeteilt (Urteil de
s
Bundesgerichts 9C_611/2014 vom 19. Februar 2015 E. 3).
5
.1.2
Aufgrund de
s
beim Beschwerdeführer seit frühester Kindheit bestehenden
Asper
g
er-Syndrom
s
(siehe dazu etwa
Urk.
6/191 S. 2
ff.)
ist es überwiegend wahrschein
lich, dass
er
seine erworbenen Fachkenntnisse nicht gleichermas
sen wie andere Berufskollegen verwerten kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_233/2018 vom 11. April 2019 E.
3.1). Der Beschwerdeführer ist somit als Frühinvalider zu be
trachten, weshalb dem Einkommensvergleich der nach dem Alter abgestufte Tabellenlohn na
ch Art. 26 Abs. 1 IVV (vgl. E. 5
.1.1 hievor) zugrunde zu legen ist. Im Zeitpunkt des Verfü
gungserlasses (
10. November 2020
, Urk. 2)
wie auch des möglichen Rentenbeginns
war der Beschwerdeführer
über
30 Jahre alt und hat demnach Anspruch auf Berücksichtigung des
100
%igen LSE-Erwerbsein
kom
mens als
Validenlohn
.
Gemäss dem IV-Rundschreiben Nr. 393 des BSV vom 15. November
2019 beträgt der 100%ige Tabellenlohn per 1. Januar
2020
Fr.
83'500.--
.
5
.2
5
.2.1
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom
BFS
periodisch herausgegebenen LS
E
herangezo
gen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5
.2, 129 V 472 E. 4.2.1
). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Ta
bellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der ak
tuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E
. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1). Die Verwendung der Tabellenlöhne
ist subsidiär, das heisst deren Beizug erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invali
deneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch
Meyer/Reichmuth,
Bundesgesetz
über die Invalidenversi
cherung
,
3.
Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
5
.2.2
Der Beschwerdeführer war seit
Februar 2020
- und somit vor Erlass der an
gefochtenen Verfügung vom
10. November 2020
(Urk. 2) –
mit einem Pensum von 50 % bei der
Z._
AG
tätig, wobei er ein Bruttojahreseinkommen von Fr.
36
'000.-- erzielte (
Urk. 6/213
).
Ab 1. August 2020 erhöhte er sein Pensum a
uf 70 % und
sein Bruttojahreslohn
betrug
Fr. 50'400.
--
(Urk. 1 S. 8 Ziff. 18).
Dieser Lohn ist dem Invalideneinkommen zugrunde zu legen.
5
.
2.
3
Gestützt auf ein
Valideneinkommen
von Fr.
83’500
.-- (vgl. E.
5
.1.2) und einen Invalidenlohn von Fr.
36
'000.-- (vgl. E.
5
.2.2
) ergibt sich
eine
Ein
kommens
ein
busse von Fr.
47’500
.-- respektive
ein
Invali
ditätsgrad von
gerundet
57
% (vgl. E. 1.2
; zum Runden vgl. BGE 130 V 121 E. 3.2
).
Bei einem Invalidenlohn von Fr. 50'400.-- und einer Einkommensbusse von Fr.
33
'
100
.--
resultiert ein Inva
liditätsgrad
von
gerundet 40
%
.
5.
3
Nach
dem Gesagten ergibt sich, dass der Beschwerdeführer
vom 1. Februar bis 31. Oktober 2020
bei einem Invaliditäts
grad von 57 % Anspruch auf eine halbe Rente hat.
Ab
1. November 2020 besteht bei einem Invaliditätsgrad von 40 % ein Anspruch auf eine
Viertelsrente
. Dies führt z
ur Gutheissung der Be
schwerde.
6.
6.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung bemisst sich nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert (§ 34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
, in Verbindung mit Art. 61
lit
. g ATSG). Es ist dem Beschwerdeführer unter Berücksichtigung dieser Grundsätze eine Pro
zess
ent
schädigung von Fr. 2’000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen.