# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 3642a9eb-e0a9-4a15-bff6-e3df092c3e98
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 197
9 geborene
X._
, welche über keine Berufsausbildung verfügt,
reiste 199
3 in die Schweiz ein
und wurde
am 22. Juni
1999 und
am 3. Mai
2005 Mutter je eines Kindes
(Urk. 9/2).
Am 30. September
2005 verursachte die Versicherte einen Selbstunfall mit einem Personenwagen, woraufhin sie über Schmerzen im Brust- und Halsbereich klagte (vgl. die Verfügung der Stadt W
interthur vom 7. November 2005 [
Urk. 9/1/4
]
). Vom 25. Juni 1997 bis am 31. Juli 2006 war die Versicherte als Produktionsmitarbeiterin
bei der
Y._
(seit 2005: neu
Z._
) in
A._
tätig
;
ab de
m 1. September 2005 in einem 60
%-Pensum
(Urk.
9/6
). Am 20. November
2006 (Ein
gangsdatum)
meldete
sich
die Versicherte
unter Hinweis auf die Folgen
des
am 30. September 200
5 erlittenen Unfalls bei der So
zialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leis
tun
gen der Inv
alidenversicherung an (Urk. 9/2
). Die IV-Stelle zog die Akten des Unfallversicherers bei
und veran
lasste eine Begutachtung der Versicherten.
Das Gutachten der
B._
wurde am 15. J
anuar 2008 erstattet (Urk. 9/38
/1-59
). Am 2. Juni 2008 fand sodann eine Haushaltabklärung bei der Versicherten zu Hause statt (Beric
ht vom 20. Juni 2008 [
Urk. 9/45
]
).
D
ie IV-Stelle
sprach der Versicherten
mit Verfügung vom 21. November 2008
, ausgehend von einem Inva
liditätsgrad von 57 %, eine halbe Rente der Invalidenversicherung ab dem 1. August 2008 zu (Urk.
9/
61
).
1.2
Im September 2010 eröffnete die IV-Stelle ein ordentliches Re
ntenrevisionsver
fahren (Urk. 9
/
64
), klärte die erwerblichen und medizinischen Verhältnisse ab und veranlasste eine neuerliche Begutachtung der Versicherten. Dr. med.
C._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin und Rheumatologie, und Dr.
med.
D._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, erstatteten das
bidisziplinäre
Gutachten
am 1. Dezember 2011 (Urk. 9/119 und Urk. 9/122; inter
diszipli
näre Zusammenfassung vom 28. Dezember 2011 [Urk.
9/120
]).
Mit Verfü
gung vom 10. Dezember 2013 hob die IV-Stelle
die bisherige halbe Rente auf das Ende des auf die Zustellung
folgenden Monats auf (Urk. 9/158
).
Dagegen erhob die
Versicherte mit Eingabe vom 22.
Januar 2014 Beschwerde
beim hiesigen Ge
richt (Urk. 9/164/3-12). Dieses gelangte im Urteil vom 29. Juni 2015 zum Schluss, es sei
aufgrund der vorliegenden Akten nicht beurteilbar, ob es seit der
Ren
tenzusprache
zu einer Verbesserung des G
esundheitszustandes gekommen sei
oder nicht.
Die
angefochtene Verfügung vom 10. Dezember 2013 sei
deshalb aufzuheben und die Sache
sei
zur erneuten interdisziplinä
ren Begutachtung der Versicherten
, vorzugsweise in den
Fachdisziplinen Rheumatologie, Neurologie (inkl. elektrophysiologische Abklärung), und, falls die
s angezeigt sein sollte, in
Neu
ropsychologie und
Psychiatrie an die IV-Stelle zurückzuweisen. Allenfalls habe
diese
zu prüfen, ob Eingliederu
ngsmassnahmen durchzuführen seien. Danach habe
sie über den Rentenanspruch der
Versicherten
neu zu verfügen
(Urk. 9/177)
.
Infolgedessen tätigte die IV-Stelle weitere Abklärungen und veranlasste am 6. März 2017 eine polydisziplinäre Begutachtung der Versicherten (Urk. 9/204). Das Gutachten der
E._
wurde am 25. September
2017 erstattet (Urk. 9/221/2-146). Die IV-Stelle unternahm eine Internet-Recherche auf
face
book
(Urk. 9/229 = Urk. 8). Am 21. März 2018 teilte sie der Versicherten
mit, dass im
polydisziplinäre
n
Gutachten
vom 25. September 2017
viele Inkonsistenzen
zu finden seien und dass die Fotos auf
facebook
, auf welchen die Versicherte im Familien- und/oder Freundeskreis und auf Ausflügen zu sehen sei, teilweise zeitnah zu den gutachterlichen Untersuchungen aufgenommen worden seien. Es werde ihr daher Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt (Urk. 9/230). Die Ver
sicherte äusserte sich mit Eingabe vom 13. April 2018 (Urk. 9/231). Es folgten weitere Schriftenwechsel. Am 5. September 2018 teilte die IV-Stelle der Versi
cherten mit, dass eine polydisziplinäre medizinische Untersuchung bei der
F._
in
G._
veranlasst werde (Urk. 9/245). Auf Verlangen der Versicherten (Urk. 9/247) erliess die IV-Stelle am 27. September 2018 eine anfechtbare Ver
fügung und
hielt fest
, es werde an der Abklärung
in den Fachdisziplinen Allge
meine Innere Medizin, Rheumatologie, Neurologie und Psychiatrie sowie an der
Abklärungsstelle
und dem Fragenkatalog
festgehalten (Urk. 2 [= Urk. 9/248]).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 25. Oktober 2018 Beschwerde und beantragte, in Aufhebung der angefochtenen Verfügung sei die Beschwer
degegnerin zu verpflichten, eine Berentung der Beschwerdeführerin gestützt auf das bereits vorliegende polydisziplinäre medizinische Gutachten der
E._
durchzuführen. Eventuell sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzu
wei
sen mit der Verpflichtung, nach erfolgter ergänzter Abklärung des Sachverhalts im Sinne von Art. 43 ATSG allfällige Ergänzungsfragen an die Sachverständigen der
E._
zu stellen. In prozessualer Hinsicht beantragte die Beschwerde
führerin die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Urk. 1). Die Beschwer
degegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 30. November 2018 auf Abwei
sung der Beschwerde (Urk. 6), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 6. Dezember 2018 angezeigt wurde (Urk. 13).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Anfechtungsgegenstand ist die Zwischenverfügung vom
27. September 2018
(Urk.
2), mit welcher die Beschwerdegegnerin an der
polydisziplinären Begut
achtung der Beschwerdeführerin
festgehalten hat. Hierbei handelt es sich um eine Zwis
chenverfügung im Sinne von Art. 55 Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversich
erungsrechts (ATSG)
i.V.m
. Art. 5 Abs. 2 und Art.
46 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (
VwVG
), welche bei
Bejahung des nicht
wieder
gutzumachenden
Nachteils (Art. 46 Abs. 1
lit
.
a
VwVG
; BGE 132 V 93 E. 6.1) grundsätzlich selbständig mit Beschwerde angefochten werden kann.
1.2
Bei der Beurteilung des Merkmals des nicht
wieder gutzumachenden
Nachteils im Kontext der Gutachtenanordnung ist gemäss der R
echtsprechung (BGE 137 V 210 E.
3.4.2.7) die
Eintretensvoraussetzung
des nicht wieder gutzumachenden Nach
teils für das erstinstanzliche Beschwerdeverfahren zu bejahen, zumal die nicht sachgerechte Begutachtung in der Regel einen rechtlichen und nicht nur einen tatsächlichen Nachteil bewirken wird.
Beschwerdeweise geltend gemacht werden können materielle Einwendungen beispielsweise des Inhalts, die in Aussicht genommene Begutachtung sei nicht notwe
ndig, weil sie –
mit Blick auf einen bereits umf
assend abgeklärten Sach
ver
halt
–
bloss einer Zweitmeinu
ng entspreche (BGE 137 V 210 E.
3.4.2.7). Sodann
können personenbezogene
Ausstandsgründe
gerügt werden.
1.3
Nach den allgemeinen Regeln des Sozialversicherungsrechts hat der Versiche
rung
s
träger den rechtserheblichen Sachverhalt abzu
klären. Er ist nach dem in Art. 43 Abs.
1 ATSG statuierten Untersuchungsgrundsatz verpflichtet, die not
wen
digen Abklärungen von Amtes wegen vorzunehmen und die erforderlichen Auskünfte einzuholen. Die Verfahrensleitung liegt dabei beim Versicherungs
träger, dessen Ermessensspielraum in Bezug auf Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebungen gross ist (Urteil des Bundes
ge
richts 8C_4
81/2013 vom 7.
November 2013 E.
3.4). Was zu beweisen ist, ergibt sic
h aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass über den Leistungsanspruch zumindest mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden werden kann
. Die für die Beurteilung des Leistungsanspruchs von Amtes wegen durchzu
füh
rende
n Abklärungen im Sinne von
Art.
43 ATSG beinhalten indessen recht
spre
chungsgemäss nicht das Recht des Versicherungsträgers, eine „
second
opinion
“ zum bereits in einem Gutachten festgestellten Sachverhalt einzuholen, wenn ihm diese
r nicht passt (BGE 138 V 271 E.
1.1; Urteil des
Bundesgerichts U 571/06 vom 29. Mai 2007 E.
4.2). Entscheidend dafür, ob weitere Abklärungen angeordnet werden können und müssen, ist, ob die bereits vorliegenden Gutachten die praxis
gemässen inhaltlichen und beweismässigen Anforderungen erfüllen (Urteil des Bundesgerich
ts U 571/06 vom 29.
Mai 2007 E.
4.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) im Wesentlichen fest, im Gutachten der
E._
seien viel
e Inkonsistenzen fest
zustellen und es weise erhebliche Mängel auf. Es könne deshalb nicht darauf abge
stellt werden. Es sprächen keine Gründe gegen eine erneute polydisziplinäre Begutachtung.
2.2
Demgegenüber
führte
die Beschwerdeführerin
aus
(Urk.
1),
sie habe der Be
schw
er
degegnerin laufend die neusten medizinischen Berichte zukommen lassen, weil der medizinische Sachverhalt bis zum Erlass der materiellen Verfügung zu be
rücksichtigen sei. Die Beschwerdegegnerin hätte daraufhin auch den Sachver
ständigen der
E._
Ergänzungsfragen stellen können anstatt eine neue Begutachtung zu veranlassen. Es gehe nicht an, dass die Beschwerdegegnerin das Gutachten der
E._
mithilfe einer Internet-Recherche zu diskreditieren ver
suche. Die Stellung von Ergänzungsfragen an die bereits e
ingesetzten Sach
ver
ständigen sei
das einfachste und prozessökonomischste Vorgehen und
tangiere
die Persönlichkeitsrechte der Beschwerd
eführerin am wenigsten
.
2.3
Strittig ist
somit
die Notwendigkeit einer erneuten
polydisziplinären
Begutach
tung.
Dabei ist summarisch zu prüfen
, ob es sich bei der angeordneten poly
dis
ziplinären Begutachtung um das Einholen einer unzulässigen „
second
opi
nion
“ handelt, beziehungsweise ob eine genügende Beweislage vorliegt. Um diese Frage beantworten zu können, müsste die vorliegende Aktenlage auf ihre Vollstän
dig
keit und Schlüssigkeit hin überprüft werden. Eine eingehende Überprüfung der medizinischen Aktenlage würde aber dazu führen, dass der Endentscheid im Hin
blick auf die Beurteilung der medizinischen Sachlage weitgehend präjudiziert würde. Da die Verfahrenshoheit bis zum Abschluss des Verwaltungsverfahrens bei der Beschwerdegegnerin liegt und ihr deshalb im Rahmen der Verfahrens
leitung ein grosser Ermessensspielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit
von medizinischen Erhebungen zukommt, muss im vorliegen
den Verfahren die richterliche Prüfung bei einer knappen Beurteilung der Akten
lage im Sinne einer Plausibilitäts- respektive Missbrauchskontrolle ihr Bewenden haben. Entscheidend ist, ob die Gründe, die die Beschwerdegegnerin für die Not
wendigkeit einer weiteren polydisziplinären Abklärung anführt, plausibel er
schei
nen.
3.
3.1
Im Gutachten
der
E._
vom 25. September 2017
wurden aus interdis
zipli
närer Sicht die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführt (Urk. 9/221/31):
-
Chronifiziertes
zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom rechtsseitig mit Ausstrahlung Schultergürtel rechts in den rechten Arm (ICD-10 M54.3)
-
m
it begleitenden
myofaszialen
Anteilen;
-
Status nach HWS-Distorsio
n bei Auto-Auffahrunfall am 30.
9.2005 (ICD-10 S13.4);
-
Status nach mikrochirurgischer Diskektomie HWK6/7 von rechts, Cage-Einlage
7.
3.2012;
-
aktuell keine Hinweise für Dislokation.
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
Chronische Schmerzstörung mit psychischen und physischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden die folgenden genannt (Urk. 9/221/31
f.
):
-
Lumbovertebrales
bis intermittierend
lumbospondylogenes
Schmerz
syn
drom rechts (ICD-10M54.4)
-
Aktuell weitgehend unauffällige Radiomorphologie im Bereich der Lendenwirbelsäule;
-
MRI LWS 26.10.2015: Hypertrophierte Ligamenta
flava
in den Abschnitten LWK5/SWK1 und LWK4/5 beidseits mit Gelenkserguss beidseits rechtsbetont;
-
Verdacht auf intermittie
rende
facettäre
Überlastung.
-
Möglicherweise residuales sensibles Ausfallsyndrom C7 auf der rechten Seite bei Zustand nach Dekompressi
on und Cage-Einlage HWK6/7 vom 7.
3.2012 (ICD-10 M50.1
)
-
Chronischer Spannungskopfschmerz assoziiert mit
perikranialer
Ver
spannt
heit
(ICD-10
G44.2)
-
Status nach Adipositas Grad III, aktuell normalisiert (ICD-10 E66)
-
Status nach arterieller Hyp
ertonie bei Adipositas (ICD-10 I
10), aktuell normalisiert nach Gewichtsreduktion
-
Atypische
Thoraxschmerzen
(ICD-10 R07)
-
Ausschluss kardiales Korrelat in wiederholter kardialer Testung, keine typische A
namnese für Angina
pectoris
.
-
Status nach Nierenbeckenabgangsstenose rechtsseitig (ICD-10 N13), aktuell nach operativer Revision beschwerdefrei
-
Aktenkundlich
leicht eingeschränkte Nierenfunktion, wahrscheinlich ohne aktuelle klinische Relevanz.
-
Anamnestisch
Helic
obacter
pylori
-Gastritis (ICD-1
0 K29)
-
Aktuell unter
Eradikation
.
-
Mukositis
infolge
Sicca
-Syndrom als Nebenwirkung der Medikamente
Zur Arbeitsfähigkeit führten die Gutachter aus, die bisherige Tätigkeit als Fabrik
mitarbeiterin sei der Beschwerdeführerin
bereits aus rheumatologischer Sicht
nicht mehr möglich. Als Beginn der Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätig
keit sei zumindest unter Review der Vorbefunde die erste Begutachtung aus dem Jahr 2007/2008 anzunehmen. Grundsätzlich sei, was die ursprüngliche Ein
schätzung der Arbeitsfähigkeit angehe, der plausiblen Beurteilung im psychia
trischen Gutachten von Dezember 2011 zu folgen, wonach zum damaligen Zeit
punkt sowohl in der bisherigen als auch in einer angepassten Tätigkeit eine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit von 20-25 % vorgelegen habe. Ab März 2013 sei gemäss Abklärungsbericht der
H._
von einer ernsthaften Verschlechterung der Gesundheitslage auszugehen. Ab diesem Zeitpunkt
lasse sich eine Arbeits
fähigkeit auch in einer sehr gut angepassten Tätigkeit von nicht mehr als einem Drittel erkennen (Urk. 9/221/42 f.).
Die f
ür die bisherige Tätigkeit relevante
n Einschränkungen fä
nden sich
heute
ausgehend von einer depressiven Störung und einer chronischen Schmerzstörung in
Gestalt deutlicher bis schwerer Ein
schränkungen in den Bereichen der Anpassung an Regeln und Routinen, der Flexibilitäts- und Umstellungsfähigkeit, der Durchhaltefähigkeit, der
Selbstbe
hauptungs
- und Durchsetzungsfähigkeit und der Gruppenfähigkeit. In Anbetracht der vorhandenen Defizite sei die bisherige Tätigkeit nicht mehr zu bewältigen. Gesamtmedizinisch bestehe somit eine Arbeitsfähigkeit von 0 %.
Aus neurolo
gischer und allgem
eininternistischer Sicht bestehe
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
in einer angepassten Tätigkeit
.
Aus rheumatologischer Sicht sei die Beschwerdeführerin
hingegen auch in einer leicht
en körperlichen Tätigkeit zu 50
% eingeschränkt, da jede körperliche Tätigkeit gewisser Bewegungsablä
ufe der oberen
Extremität bedürfe
und der gesamte Bewegungsablauf der
Beschwer
de
führerin gestört sei
. Der
Umfang der Einschränkung ergebe
sich aus der Ausprä
gung der Befunde:
Sei
im Jahr 2008 noch eine Einschränkung in eine
r Verweis
tätigkeit von 20
% attestiert
worden, so habe
sich in der aktuellen Untersuchung eine weitere reproduzierbare Einschränkung der HWS-Beweglichkeit gezeigt. Da nun nicht nur die Rotation nach rechts,
sondern a
uch nach links eingeschränkt sei, wirke
sich dies funktionell im Zusammenspiel um mehr als die Summe beider Teile aus, da Ausgleichsbe
wegungen nicht mehr möglich seien
. Es
sei
daher nur eine leichte körperliche Tä
tigkeit in ein
em halbtägigen 50
%-Pensum möglich.
Aus psychiatrischer Sicht sei
auch ausgehend von einer einfachen, strukturierten Tätigkeit ohne das Bedienen gefährlicher Maschinen, ohne besondere Konzen
trationsanforderungen, ohne Lärmbelästigung, ohne störende Lichtverhältnisse, ohne Kundenkontakt sowie mit der Möglichkeit erhöhter Inanspruchnahme von Pausen, eine Präsenzzeit von mehr als 2 x 1
1⁄2
Stunden am Tag mit leichten Leistungseinschränkungen etwa im Bereich von 10
% gegenwärtig nicht zumut
bar.
Insgesamt liege somit in einer angepassten Tätigkeit eine erhebliche Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit im Umfang von mehr als zwei Dritteln (68 %) vor. Gesamtmedizinisch liege
die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin somit unter einem Drittel (Urk. 9/221/43 f.).
3.2
In der Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 14. Novem
ber 2017
(Urk. 7 S. 4
-7)
gelangte
I._
, Fachärztin für orthopädische Chirurgie und Traumatologie, medizinische Gutachterin SIM, Vertrauensärztin SGV
,
zum Schluss,
das
Gutachten der
E._
vom 25. September 2017 weise erhebliche fachliche Mängel auf. Der begutachtende Psychiater beschreibe Inkon
sistenzen und Kontextfaktoren. Weiter
führe er aus
,
d
as Verhalten bei der Prüfung der Konzentration
sei
auffällig
gewesen. Er diskutiere
aber
nicht, wie dies zu bewerten sei
. Auch die in der
Aktenlage vorliegenden Hinweise auf
Verhaltens
inkonsistenzen zitiere er zwar, diskutiere sie aber nicht. Er beschreibe sodann eine Selbst
limitierung und demonstrative Präsentation von Beschwerden sowie eine als legitim erlebte
Entschädigungshaltung und schliesse e
in
en
Krankheitsgewinn nich
t aus. Im Gegensatz dazu halte er
aber fest, auffällige Antworttendenzen hin
sichtlich der Beschwerden
lie
ssen sich ebenso wenig wie Simulation oder
Aggra
vation feststellen
.
Die Vertrauensärztin wies zudem darauf hin, dass die Angaben der Beschwerdeführerin keinen vollständigen sozialen Rückzug als plausibel erscheinen liessen. Auch die Angaben des begutachtenden Psychiaters zur Affek
tivität und zum Antrieb liessen keine schwerwiegenden Störungen erkennen. Die Herleitung der Diagnose «depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode»
bleibe kaum nachvollziehbar. Der Befund des aktuellen Gutachtens entspreche im Wesentlichen dem Befund, der auch von der
H._
am 25. März 2013 dokumentiert worden sei.
Auch die Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung im Gutach
ten sei nicht nachvollziehbar begründet. Eine wesentliche Verschlechterung des psychischen Zustands sei anhand der Befunde nicht nachvollziehbar. Auch ge
mäss dem rheumatologischen Teilgutachten sei die Befunderhebung von zahl
rei
chen Selbstlimitierungen geprägt gewesen. In den
Vorakten
fänden sich ebenfalls Hinweise darauf. Trotz der von ihm selbst dokumentierten
Hinweise auf Selbst
limitierung
stelle der begutachtende Rheumatologe die dargestellten Einschrän
kungen nicht in Frage. Im neurologischen Teilgutachten würden sodann weitere Inkonsistenzen dokumentiert. Die Konsensbeurteilung des Gutachtens bestehe schliesslich aus einer Zusammenschau der Kernsätze der Einzelgutachten. Eine
Auseinandersetzung mit den
von fast allen Gutachtern dargelegten Inkonsi
sten
zen
finde sich in der interdisziplinären Zusammenschau nicht. Damit sei nicht ersicht
lich, inwiefern sich die Gutachter kritisch mit den Ergebnissen ihrer Erhe
bungen auseinandergesetzt hätten. Es entstehe eher der Eindruck einer Zu
sam
men
stellung der Befunde. Eine kritische
konsensuale
Bewertung der Einzelerheb
ungen im Austausch, unter Berücksichtigung der Inputs der einzelnen Fachge
biete, sei nicht feststellbar.
4.
4.1
Die Kritik der Vertrauensärztin am Gutachten der
E._
vom 25. September 2017 ist berechtigt.
Im Gutachten finden sich zahlreiche Hinweise auf Inkonsi
ste
nzen, welche
unberücksichtigt blieben.
Dabei waren bereits bei früheren Be
g
ut
achtungen
Verdeutlichungstendenzen
(Urk. 7/38/18 sowie Urk. 7/119/9 [5 von
5
Waddell
-Zeichen])
beobacht
bar
.
Wenn die Gutachter der
E._
eine Ver
deut
lichungstendenz verneinen
(«Möglicherweise ist die damalige Einschät
zung der Arbeitsfähigkeit auf der vermuteten Annahme einer Verdeutli
chungs
tendenz seitens der Explorandin zustande
gekommen, was sich im aktuellen Gutachten jedoch anders
darstell
te
.
»
[
Urk. 9/221/50
]
)
, obwohl sie selbst zahlreiche Inkonsi
stenzen feststellen konnten, lässt sich dies somit nicht nachvollziehen.
4.2
Im Gutachten
der
E._
vom 25. September 2017
wurde gestützt auf die An
gaben der Beschwerdeführerin beispielsweise festgehalten, es sei zu einem Rückzug in allen Lebensbereichen gekommen und die Beschwerdeführerin sei zunehmend isoliert (Urk. 7/221/40). Die Konsistenz dieser anamnestischen Anga
ben wurde zwar bereits
im Gutachten in Zweifel gezogen: Die Sachverständigen hielten fest, es sei nicht ganz nachvollziehbar,
dass
die Beschwerdeführerin
zu Hause gar nichts
mehr machen könne, a
usser auf dem Sofa zu liegen,
dass sie
dann aber
selbständig den
Bus
nutzen könne, um
zu Therapeuten zu fahren oder
dass sie
jedes Jahr ein
en
Monat i
n den Kosovo reisen könne (Urk. 9/221/40)
.
Der eigens festgestellte Widerspruch
wurde
von den Gutachtern
aber nicht aufgelöst; e
ine mögliche
Verdeutlichungstendenz oder
e
ine Ag
gravation wurden verneint.
Auch d
ie
von der Beschwerdeführerin von Februar bis April 2017 auf
facebook
geposteten Bilder (Urk. 8)
stellen den von ihr anlässlich der psychiatrischen Begutachtung vom 29. Mai 2017 geschilderten Rückzug in Frage
.
Die Bilder zeigen, dass die Beschwerdeführerin Ausflüge mit Freunden und Familie unter
nimmt.
Es bleibt
überdies
ungeklärt
, welches Potential die Beschwerdeführerin
aus psy
chiatrischer Sicht
theoretisch mobilisieren könnte
(Ressourcen)
.
Immerhin
gelang
es ihr
im Jahr 2017
,
mit Hilfe einer Ernährungsbe
ratung bewusst 13
Kilogramm an Körperg
ewicht zu verlieren (Urk.
9/221/61), was aus Laiensicht von einer nicht zu unterschätzenden Willensstärke zeugt.
4.3
Inkonsistenzen lassen sich auch dem rheumatologischen und dem neurologischen Teilgutachten entnehmen.
Bei der neurologischen Untersuchung wurden diverse Auffälligkeiten festgestellt, sodass der begutachtende Neurologe die Befundkon
stellation für eine
zervikoradikuläre
Schädigung für gänzlich untypisch hielt. Er hielt sogar fest, es ergebe sich das Bild eines zunehmen
d
generalisierten Schmerz
syndroms mit einem non-
dermatomal
somatosensory
deficit
und einer ausge
prä
gten Schmerzhemmung mit allenfalls leichtgradigem sensomotorischem Ausfall
syn
drom C7 auf der rechten Seite, was jedoch das gesamte Ausmass der Sympto
me
und Einschränkungen bei Zustand nach erfolgreicher Dekompression der Wurzel C7 auf der rechten Seite
”
in
kein
st
er
Weise
”
erkläre (Urk. 7/221/111 f. [Gutachten S. 101 f.]). Im rheumatologischen Teilgutachten wurde festgehalten, in der aktu
ellen klinischen Untersuchung finde sich eine in Ruhe nach rechts geneigte Hals
wirbelsäule mit einer massiv eingeschränkten Halswirbelsäulenbeweglichkeit. In der klinischen Untersuchung sei es sehr schwer möglich gewesen, zu unter
schei
den, inwiefern die Halswirbelsäuleneinschränkungen lediglich durch will
ent
liche Anstrengung der Muskulatur beziehungsweise durch tatsächliche muskuläre Verspannungen hervorgerufen worden seien (Urk. 7/221/88 [Gu
tachten S. 78];
vgl. dazu auch den Untersuchungsbefund in Urk. 7/221/84 f. [Gutachten S. 74 f
.]). Eine Verdeutlichungstendenz lässt sich
demzufolge
bereits aus der Begutachtung erkennen.
Die von der Beschwerdeführerin von Februar bis April 2017 auf
face
book
geposteten Bilder (Urk. 8) begründen sodann erhebliche Zweifel an einer medizinischen Ursache für die anlässlich der Begutachtung präsentierte Rechts
neigung der Halswirbelsäule.
4.4
Nach dem Gesagten stellt das Gutachten
der
E._
vom 25. September 2017 eine ung
enügende Beurteilungsgrundlage dar.
Dem Antrag der Beschwerde
füh
rerin, die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, eine Berentung gestützt auf das bereits vorliegende polydisziplinäre Gutachten der
E._
durchzuführen (Urk. 1 S. 2, Antrag Ziff. 2), ist somit nicht stattzugeben.
4.5
Es kann sodann nicht erwartet werden, dass Ergänzungsfragen an die Gutachter der
E._
zu einer zufriedenstellenden Auflösung der Widersprüche
führen würde
n
, denn die Widersprüche ergeben sich bereits aus dem Gutachten selbst. Die von der Beschwerdeführerin
auf
facebook
geposteten Bilder
stellen lediglich weitere
Hinweise
für die v
on den Gutachtern
bereits selbst
festgestellten Inkon
sistenzen
dar, welche
weder
in der Einzel-
noch in
der Gesamtwürdigung
des Gutachtens
in nachvollzie
h
barer Weise
berücksichtigt wurden.
Die Durchführung einer weiteren polydisziplinären Begutachtung der Beschwerdeführerin stellt damit keine unzulässige Einholung einer «
second
opinion
» dar.
4.6
Damit ist die Beschwerde vollumfänglich abzuweisen.
5.
5.1
Da es vorliegend
nicht um die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung geh
t, ist das Beschwerdeverfahren – in Abweichung von Art. 69 Abs.
1
bis
IVG – gemäss Art. 61
lit
. a ATSG kostenlos. In diesem Umfang erweist sich das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege vom 25. Oktober 2018 (Urk. 1) als gegenstandslos.
5.2
Gestützt auf die eingereichten Unterlagen (Urk. 11 und Urk. 12) sind die Vor
aus
setzungen für die unentgeltliche
Rechtsvertretung
gemäss §
16 Abs.
2 des Geset
zes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) gegeben. Der B
eschwerde
führerin ist
die unentgeltliche Rechtsver
tretung
i
n der Person von Rechtsanwalt Massimo
Aliotta
zu gewähren.
Rechtsanwalt
Aliotta
reichte am 14. Januar 2019 eine Honorarnote ein (Urk. 15) und machte einen Aufwand im Umfang von Fr. 1'586.30 (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) geltend.
Dieser Aufwand erscheint für das vorliegende Ver
fa
hren als
angemessen, weshalb dem
mit heutigem Beschluss bestellten unent
geltlichen Rechtsvertreter
eine Entschädigung in Höhe von Fr.
1'586.--
(inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) aus der Gerichtskasse zuzusprechen ist.
Die Beschwerdeführerin wird auf d
ie Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs.
4
GSVGer
hingewiesen.