# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 2482a5ef-5109-496e-bc13-cb58325688f7
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_003
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Public Administration

## Facts

I. Sachverhalt
1. Im Jahr 1998 ist aus der ehemaligen CP-Beratungsstelle der X das Zentrum Y ent-
standen. Trägerschaft dieses Zentrums ist die X (fortan: Beschwerdeführerin).
2. Am 4. bzw. 14. Mai 2009 haben der Kanton Bern, handelnd durch das Alters- und Be-
hindertenamt (ALBA, fortan: Vorinstanz) und die Beschwerdeführerin für das Jahr 2009 einen
Leistungsvertrag (fortan: Leistungsvertrag 2009) abgeschlossen. In diesem Leistungsvertrag
wurde das Budget für das Jahr 2009 (fortan: Budget 2009) festgesetzt. Darin wurden Nettobe-
2
triebskosten von total CHF 1‘450‘504.00 vereinbart (Ziff. 4.1 i.V.m. Teil B Leistungsvertrag
2009).
3. Am 20. Dezember 2012 setzte die Vorinstanz in der „Betriebsbeitragsabrechnung und
Festsetzung des definitiven Kantonsbeitrags 2009 aufgrund des Leistungsvertrages (LV) 2009
Wohnheim“ (fortan: Betriebsbeitragsabrechnung 2009) die für die Abgeltung massgebenden
Nettobetriebskosten auf CHF 1‘450‘504.00 fest. Unter Berücksichtigung der Erträge aus der
inner- und ausserkantonalen Leistungsabgeltung 2009, der nachträglich vorgenommenen
Korrekturen (darunter die Übernahme eines Drittels der Budgetüberschreitung 2009) sowie
nach Abzug der vorgängig geleisteten Kantonsbeiträge 2009 (Akontozahlungen) resultierte
aus der Betriebsbeitragsabrechnung 2009 ein Saldo zugunsten des Kantons von
CHF 277‘297.00.
4. Mit Verfügung vom 20. Dezember 2012 setzte die Vorinstanz den Saldo der Betriebs-
beitragsabrechnung 2009 für die Abteilung erwachsene Behinderte auf CHF 277‘297.00 zu-
gunsten des Kantons fest. Die Vorinstanz bringt zur Begründung vor, sie anerkenne das Be-
triebsjahr 2009 als Aufbauphase und erlasse der Institution einen Drittel der überschrittenen
Nettobetriebskosten in der Höhe von CHF 88‘343.00. Nach Abzug der erfolgten Teilzahlungen
und unter Anerkennung eines Drittels der Mehrkosten schliesse die Betriebsbeitragsrechnung
2009 für die Abteilung erwachsene Behinderte mit einem Saldo zu Gunsten des Kantons von
CHF 277‘297.00 ab.
5. Mit Beschwerde vom 21. Januar 2013 gelangte die Beschwerdeführerin an die Ge-
sundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern (GEF). Sie beantragt die Aufhebung der
Verfügung vom 20. Dezember 2012, die volle Anrechnung der Nettobetriebskosten von
CHF 1‘715‘532.00 in der Betriebsbeitragsabrechnung 2009 unter Berücksichtigung der
Budgetüberschreitung von CHF 265‘082.00 sowie die Sistierung des Verfahrens bis zum Vor-
liegen eines rechtsgültigen Entscheids des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern über die
Aufhebung der angefochtenen Verfügung von Amtes wegen.
Zur Begründung bringt die Beschwerdeführerin vor, das Jahr 2009 sei vom Erweiterungsbau
des Zentrums Y., von der Erweiterung der Erwachsenenwohngruppe von vier auf zwölf Plätze
sowie von Krankheitsausfällen im Team der Nachtwache geprägt gewesen. Das Budget sei
insgesamt um CHF 265‘082.00 überschritten worden. Diese Budgetüberschreitung beruhe
einerseits auf der durch die Umbauarbeiten bedingten vorzeitigen Anstellung zusätzlicher
Nachtwachen, wodurch Zusatzkosten in der Höhe von CHF 24‘300.00 entstanden seien. An-
dererseits habe der erfreuliche Bauverlauf eine vorzeitige Inbetriebnahme der erweiterten Er-
wachsenenabteilung im August 2009 ermöglicht, was eine vorzeitige Inanspruchnahme der
bewilligten Stellenprozente und die Entstehung einer Abweichung im Personalaufwand im
3
Betreuungsbereich (inkl. Sozialleistungen und Zulagen) zwischen Budget und Rechnung 2009
im Umfang von CHF 110‘200.00 zur Folge gehabt habe. Schliesslich habe der Betrieb man-
gels Krankentaggeldversicherung Krankheitskosten in der Höhe von CHF 43‘900.00 selbst
tragen müssen, was Mehrkosten in entsprechender Höhe zur Folge gehabt habe. Es sei nicht
nachvollziehbar, weshalb die Vorinstanz nur dem Erlass eines Drittels der überschrittenen
Nettobetriebskosten, ausmachend CHF 88‘343.00, zustimme. Absatz 4.2 des Leistungsver-
trags sei nicht anwendbar, da die durch die vorzeitige Anstellung von zusätzlichem Personal
bedingten zusätzlichen Aufwendungen im direkten Zusammenhang mit dem Erweiterungsbau
des Zentrums Y und der Erweiterung der Erwachsenenwohngruppe des Zentrums Y stünden
und bedarfsgerecht seien.
6. Ebenfalls am 21. Januar 2013 gelangte die Beschwerdeführerin an das Verwaltungs-
gericht des Kantons Bern und beantragte die Aufhebung von fünf Verfügungen der Vorinstanz
vom 20. Dezember 2012 in Sachen Betriebsbeitragsabrechnungen des Zentrums Y, darunter
die vorliegend angefochtene Verfügung für das Jahr 2009, wegen offensichtlicher Unzustän-
digkeit. Zur Begründung führte die Beschwerdeführerin auf, es handle sich um eine Streitigkeit
aus dem Leistungsvertrag, weswegen die Vorinstanz nicht hätte verfügen dürfen. Streitigkei-
ten aus Vertrag seien vielmehr auf Klage hin vom kantonalen Verwaltungsgericht als einzige
Instanz zu beurteilen.
7. Mit Verfügung vom 25. Januar 2013 hat das Verwaltungsgericht des Kantons Bern das
Verfahren betreffend das Gesuch betreffend Kassation von Verfügungen wegen offensichtli-
cher Unzuständigkeit bis zur Erledigung des vorliegenden und der weiteren vor der GEF an-
gehobenen Beschwerdeverfahren sistiert.
8. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die GEF leitet, 1 holte die Vorak-
ten ein und führte den Schriftenwechsel durch.
9. Die Vorinstanz beantragte in ihrer Beschwerdevernehmlassung vom 19. März 2013 die
Abweisung der Beschwerde. Sie macht geltend, die angefochtene Verfügung bzw. die Be-
triebsbeitragsabrechnung 2009 basiere auf der tiefsten Variante der Nettobetriebskosten für
2009 und entspreche damit Absatz 4.1 des Leistungsvertrags. Der Erweiterung der Erwach-
senenwohngruppe sei mit der Gewährung zusätzlicher Mittel im Rahmen des Leistungsver-
trags (Platz- und Betreuungszuschläge) und im Rahmen der Betriebsbeitragsabrechnung
(Korrektur zu Gunsten des Zentrums Y im Ausmass von einem Drittel der Budgetüberschrei-
tung) angemessen Rechnung getragen worden. Dadurch hätten dem Zentrum Y rund
CHF 0.4 Mio. mehr als im Vorjahr zur Verfügung gestanden. Mehrkosten aufgrund von krank-
1 Art. 10 der Verordnung vom 29. November 2000 über die Organisation und die Aufgaben der Gesundheits- und
Fürsorgedirektion (Organisationsverordnung GEF, OrV GEF; BSG 152.221.121)
4
heitsbedingten Ausfällen seien im Rahmend der vereinbarten Nettobetriebskosten zu finanzie-
ren. Die Institution müsse ein sachgerechtes Controlling sicherstellen, um bei Abweichungen
vom Budget frühzeitig Korrekturmassnahmen ergreifen zu können.
10. Mit Replik vom 29. Mai 2013 brachte die Beschwerdeführerin unter Bestätigung der
Beschwerdeanträge vor, die Vorinstanz scheine ihre Auffassung zu teilen, wonach Artikel 4.2
des Leistungsvertrags nicht anwendbar sei. Das bedeute, dass die vorzeitige Anstellung von
zusätzlichem Personal anrechenbarer Aufwand darstelle und vom Kanton zu tragen sei.
11. Mit Duplik vom 1. Juli 2013 hielt die Vorinstanz an ihrer Auffassung fest. Sie wies da-
rauf hin, dass Absatz 4.2 des Leistungsvertrags irrelevant sei, weil er das Vorgehen in Bezug
auf Einnahmeausfälle und nicht anrechenbaren Aufwand regle. Die Budgetüberschreitung
2009 sei aufgrund des vertraglich vereinbarten Grundsatzes für die Berechnung des Betriebs-
beitrags nur teilweise angerechnet worden. Der Situation des Zentrums Y sei mit den zusätz-
lich gewährten Mitteln angemessen Rechnung getragen worden.
Auf die Rechtsschriften und Akten wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfol-

## Considerations

genden Erwägungen weiter eingegangen.
5
II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
1.1 Zuständigkeit
Angefochten ist die Verfügung der Vorinstanz vom 20. Dezember 2012. Diese ist gemäss
Art. 62 Abs. 1 Bst. a VRPG 2 bei der GEF als der in der Sache zuständigen Direktion anfecht-
bar. Die GEF ist somit zur Beurteilung der Beschwerde zuständig.
1.2 Anfechtungsobjekt und Streitgegenstand
1.2.1 Beschwerden sind nur im Rahmen des Streitgegenstands zulässig. Dieser bezeich-
net im Beschwerdeverfahren den Umfang, in dem das mit der angefochtenen Verfügung ge-
regelte Rechtsverhältnis umstritten ist. Zu seiner Bestimmung ist von der angefochtenen Ver-
fügung, dem Anfechtungsobjekt, auszugehen, das den Rahmen des Streitgegenstands vor-
gibt. Der Streitgegenstand braucht sich nicht mit dem Anfechtungsobjekt zu decken, doch
kann der Streitgegenstand nicht über das hinausgehen, was die Vorinstanz geregelt hat. 3 Den
Streitgegenstand definieren die Parteien; es gilt insoweit die Dispositionsmaxime (Verfü-
gungsgrundsatz). Konkret wird der Streitgegenstand durch die Beschwerdeanträge und die
Beschwerdebegründung umschrieben. Auszugehen ist in erster Linie von den Rechtsbegeh-
ren (Anträgen) der beschwerdeführenden Partei. Aus den Anträgen ergibt sich häufig nicht mit
wünschbarer Klarheit, inwieweit das Anfechtungsobjekt überprüft werden soll. Hier sind die
Beschwerdebegründung und die einzelnen darin enthaltenen Rügen heranzuziehen. 4 Soweit
über den derart bestimmten Streitgegenstand hinausgehende Begehren gestellt werden, fehlt
es an einem Anfechtungsobjekt, dessen Vorliegen Voraussetzung jedes Beschwerdeverfah-
rens ist. 5 Ausserhalb des Streitgegenstandes liegende Rügen sind demnach unzulässig, auf
sie ist nicht einzutreten. 6
Anfechtungsobjekt ist vorliegend die Verfügung vom 20. Dezember 2012. Demnach ist zu
prüfen, was Gegenstand der der Verfügung vom 20. Dezember 2012 ist, denn nur was mit der
angefochtenen Verfügung geregelt wird, kann durch die Rügen der Beschwerdeführerin zum
Streitgegenstand des Beschwerdeverfahrens gemacht werden.
2 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
3 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 72 N. 6; BGE 133 II 35 E. 2, 131 II
200 E. 3.2; BGer 2C_466/2007 vom 22.1.2008, E. 2.2; Markus Müller, Bernische Verwaltungsrechtspflege, 2011,
S. 148 4 BVR 2007 S. 241 E. 4.1; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 72 N. 7 f.; Markus Müller, a.a.O., S. 149
5 Art. 74 Abs. 1 VRPG; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 25 N. 13 und Art. 49 N. 2
6 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 72 N. 6 f.; zum Ganzen insbes. auch BVR 2011 S. 391 ff. E. 2.1
6
1.2.2 Die Beschwerdeführerin beantragt, in der Betriebsbeitragsabrechnung 2009 für die
Abteilung erwachsene Behinderte seien unter Berücksichtigung der Budgetüberschreitung
von CHF 265‘082.00 die vollen Nettobetriebskosten gemäss der Betriebsrechnung 2009 im
Gesamtumfang von CHF 1‘715‘532.00 zu berücksichtigen.
Die Vorinstanz hält in der Begründung der angefochtenen Verfügung vom 20. Dezember 2012
fest, sie erlasse der Institution einen Drittel der überschrittenen Nettobetriebskosten in der
Höhe von CHF 88‘343.00. Diese Reduktion ist dementsprechend in der Betriebsbeitragsab-
rechnung 2009 und der angefochtenen Verfügung vom 20. Dezember 2012 zu Gunsten der
Beschwerdeführerin berücksichtigt worden und der im Dispositiv der angefochtenen Verfü-
gung festgesetzte Saldo der Betriebsbeitragsabrechnung ergibt sich aus der um einen Drittel
reduzierten Budgetüberschreitung von CHF 176‘685.00 (statt wie ursprünglich
CHF 265‘028.00). Streitgegenstand sein kann somit nur noch, wer diese reduzierte Budget-
überschreitung in der Höhe von CHF 176‘685.00 übernehmen muss. Darüber hinausgehend
kann nichts zum Streitgegenstand gemacht werden.
Indem die Beschwerdeführerin die Berücksichtigung der ursprünglichen Budgetüberschreitung
von CHF 265‘028.00 beantragt, geht der von ihr umrissene Streitgegenstand im Umfang von
CHF 88‘343.00 über das Anfechtungsobjekt hinaus. Da der Streitgegenstand jedoch nicht
über das hinausgehen kann, was die Vorinstanz tatsächlich geregelt hat, fehlt es insoweit an
einem zulässigen Anfechtungsobjekt und damit an einer Voraussetzung für das Beschwerde-
verfahren. Im Umfang von CHF 88‘343.00 kann daher auf die Beschwerde nicht eingetreten
werden.
1.3 Beschwerdelegitimation
Zur Beschwerde ist befugt, wer vor der Vorinstanz am Verfahren teilgenommen hat oder keine
Möglichkeit zur Teilnahme erhalten hat, durch die angefochtene Verfügung oder den ange-
fochtenen Entscheid besonders berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an der Aufhe-
bung oder Änderung der Verfügung oder des Entscheids hat (Art. 65 Abs. 1 VRPG). Die Be-
schwerdebefugnis ist rein prozessrechtlicher Natur und zählt zu den Prozessvoraussetzun-
gen. Ob sie gegeben ist, ist daher von Amtes wegen zu prüfen. 7
Verfügungsadressat ist vorliegend das Zentrum Y, welches über keine eigene Rechtspersön-
lichkeit verfügt. Trägerin des Zentrums Y ist die Beschwerdeführerin. Diese hat am Verfahren
vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt
und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung. Die Beschwerdeführerin ist dem-
nach zur Beschwerdeführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VRPG legitimiert. Die unterzeichnende
Anwältin ist gehörig bevollmächtigt.
7 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 65 N. 1
7
1.4 Form
1.4.1 Parteieingaben müssen gemäss Art. 32 Abs. 2 VRPG u.a. eine Begründung enthal-
ten. Damit soll eine sichere, sorgfältige und rasche behördliche Prüfung gewährleistet werden.
Für die Anforderungen an Rechtsvorkehren wird unter anderem nach der Person, welche die
Eingabe verfasst hat (Laie oder rechtskundige Person) unterschieden. An die Begründung
sind zwar praxisgemäss keine hohen Anforderungen zu stellen. Jedoch muss sie sich wenigs-
tens in minimaler Form mit dem angefochtenen Erkenntnis auseinandersetzen und sinnge-
mäss darauf schliessen lassen, welche Rechtsnormen oder Grundsätze der Ermessensaus-
übung nach Auffassung der opponierenden Partei verletzt oder inwiefern Sachverhaltsele-
mente unrichtig oder unvollständig festgestellt worden sind. Werden mehrere Begehren ge-
stellt, so muss jedes Begehren begründet werden. Auf Begehren ohne Begründung ist nicht
einzutreten. 8 Die Pflicht, eine Rechtsverletzung zu begründen, gilt trotz des grundsätzlich gel-
tenden Gebots der Rechtsanwendung von Amtes wegen („iura novit curia“). Dieses Verfah-
rensprinzip kann nämlich nicht bedeuten, dass Verwaltungsjustizbehörden selbst nach abge-
legenen möglichen Rechtsverletzungen forschen müssen. 9
1.4.2 Vorliegend beantragt die Beschwerdeführerin die Tragung von budgetüberschreiten-
den Zusatzkosten in der Höhe von CHF 265‘082.00 [recte: CHF 265‘028.00] 10
durch den Kan-
ton Bern. In der Beschwerdeschrift vom 21. Januar 2013 begründet sie jedoch lediglich, wes-
halb die folgenden Zusatzkosten nach ihrer Ansicht vom Kanton abzugelten seien:
Anstellung einer zusätzlicher Nachtwache CHF 24‘300.00
Anstellung neuer Betreuungspersonen (inkl. Sozialleistungen und Zulagen) CHF 110‘200.00
Krankheitskosten CHF 43‘900.00
Total CHF 178‘400.00
Bezüglich der übrigen Zusatzkosten (d.h. der restlichen Budgetüberschreitung) von
CHF 86‘628.00 enthält die Beschwerde keine konkreten Ausführungen. Aus der Beschwerde-
schrift geht weder die Zusammensetzung dieser übrigen Zusatzkosten hervor noch wird dar-
gelegt, aus welchem Grund sie vom Kanton übernommen werden sollen. Lediglich aus der
Beschwerdebeilage 7, welche eine Aufstellung der Beschwerdeführerin enthält, kann die fol-
gende Zusammensetzung der restlichen Zusatzkosten herausgelesen werden:
8 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Nrn 10 und 15 zu Art. 32 Abs. 2 VRPG
9 Markus Müller, a.a.O., S. 149 f.
10 Die Differenz zwischen den vereinbarten Nettobetriebskosten gemäss vertragsrelevantem Budget 2009
(CHF 1‘450‘504.00) und den effektiven Nettobetriebskosten gemäss Betriebsrechnung 2009 (CHF 1‘715‘532.00)
beträgt CHF 265‘028.00
8
Leitung und Verwaltung CHF 6‘670.00
Arztdienst CHF 12‘500.00
Mutterschaftsurlaub CHF 9‘513.00
Sozialleistungen sowie Wochenend-, Nacht- und Betreuungszulagen CHF 44‘678.00
Personalsuche CHF 8’000.00
Personalanlässe CHF 700.00
Weniger Ertrag CHF 4‘567.00
Total CHF 86‘628.00
Aus dieser blossen Auflistung ergibt sich jedoch nicht, weshalb diese Zusatzkosten im Einzel-
nen vom Kanton nachträglich abgegolten werden sollen. Der Beschwerdeinstanz fehlen mithin
entscheidende Angaben, um die angefochtene Verfügung in diesem Umfang auf ihre Recht-
mässigkeit überprüfen zu können. Zu beachten ist ebenfalls, dass die Beschwerdeführerin
rechtskundig ist. Dementsprechend fallen die Anforderungen an die Begründungspflicht
strenger aus. Mangels rechtsgenügender Begründung wird deshalb im Umfang von
CHF 86‘628.00 nicht auf die Beschwerde eingetreten.
1.5 Frist
Die Beschwerde wurde gemäss Art. 67 VRPG fristgerecht eingereicht.
1.6 Ergebnis
Vorliegend war ursprünglich in der Sache umstritten, wer die budgetüberschreitenden Zusatz-
kosten in der Höhe von CHF 265‘028.00 zu tragen hat. Im Umfang von CHF 88‘343.00 ist
mangels zulässigem Streitgegenstand und im Umfang von CHF 86‘628.00 mangels rechtsge-
nügender Begründung nicht einzutreten. Zu beurteilen ist damit nur noch, wer die budget-
überschreitenden Zusatzkosten von CHF 90‘057.00 tragen muss. Auf die Beschwerde ist
demnach im Umfang von CHF 90‘057.00 einzutreten.
9
2. Verfahrensart / Gegenstand des Beschwerdeverfahrens
2.1 Gegenstand der Beschwerde sind Verfügungen, wenn das Gesetz nichts anderes
bestimmt (Art. 60 Abs. 1 Bst. a VRPG). Im Beschwerdeverfahren können nur Verfügungen zur
Überprüfung gebracht werden, nicht auch andere Handlungsformen. 11
Demgegenüber sind Streitigkeiten aus öffentlich-rechtlichen Verträgen, an denen der Kanton
beteiligt ist, vom Verwaltungsgericht als einzige Instanz im Klageverfahren zu beurteilen, so-
weit die zuständige Behörde die Streitigkeit nach dem Gesetz nicht durch Verfügung zu regeln
hat (Art. 87 Bst. b VRPG). Die verwaltungsrechtliche Klage ist unzulässig, wenn der behaupte-
te Anspruch auf dem Beschwerdeweg geltend gemacht werden kann (Art. 90 Abs. 1 VRPG).
Das Klageverfahren ist damit gegenüber dem Beschwerdeverfahren subsidiär und kommt
namentlich bei Streitigkeiten aus öffentlich-rechtlichen Verträgen und gewissen Streitigkeiten
über vermögensrechtliche Ansprüche zum Zug. 12
Nachfolgend ist zu klären, ob die Vorinstanz die streitige Angelegenheit mit Verfügung regeln
durfte und dementsprechend die Streitigkeit im vorliegenden Beschwerdeverfahren zu über-
prüfen ist.
2.2 Die Beschwerdeführerin ist eine juristische Person des Privatrechts, welche die Un-
terstützung kranker Kinder und Jugendlicher sowie behinderter Kinder, Jugendlicher und Er-
wachsener sowie deren stationäre und ambulante Behandlung bezweckt. Damit nimmt die
Beschwerdeführerin vorab Aufgaben der institutionellen Sozialhilfe wahr.
Die institutionelle Sozialhilfe ist in der Sozialhilfegesetzgebung geregelt. Die institutionellen
Leistungsangebote umfassen ambulante, teilstationäre und stationäre Leistungen in den ver-
schiedenen Wirkungsbereichen (Art. 58 Abs. 1 i.V.m. Art. 2 SHG 13
). Die Leistungen werden
gemäss Art. 58 Abs. 2 SHG vom Kanton, von Gemeinden oder von privaten Trägerschaften
und Personen erbracht (Leistungserbringer). Die Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF)
stellt im Rahmen der verfügbaren Mittel und der strategischen Vorgaben des Regierungsrates
die erforderlichen Leistungsangebote bereit (Art. 60 Abs. 1 SHG). Zu diesem Zweck schliesst
die zuständige Stelle der GEF mit Leistungserbringern Leistungsverträge ab (Art. 60 Abs. 2
Bst. a und Art. 62 Abs. 1 SHG). Die Leistungsverträge regeln die von der Leistungserbringerin
oder vom Leistungserbringer zu erbringenden Leistungen (Art, Menge und Qualität) und die
von ihr oder ihm zu liefernden Berichte und Daten sowie die von der Leistungsbestellerin oder
dem Leistungsbesteller zu leistende Abgeltung (Art. 63 Abs. 1 SHG).
11 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 49 N. 2
12 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 87 N. 1
13 Gesetz vom 11. Juni 2001 über die öffentliche Sozialhilfe (Sozialhilfegesetz, SHG; BSG 860.1)
10
2.3 Einzelheiten der Leistungsabgeltung sind in den Art. 74 ff. SHG und Art. 25 ff. SHV 14
geregelt. Gemäss Art. 74 Abs. 1 SHG erfolgt die Abgeltung von Leistungen der Leistungser-
bringer durch Beiträge des Kantons oder der Gemeinden an die Leistungserbringer oder an
die Leistungsempfänger. Art. 74 Abs. 2 SHG sieht vor, dass die Beiträge durch Vertrag oder
durch Verfügung gewährt werden können. Laut Vortrag zum SHG 15
werden Betriebsbeiträge
in der Regel durch (Leistungs-)Vertrag und nur ausnahmsweise (bei fehlendem Leistungsver-
trag) durch Verfügung gewährt. Gemäss Art. 76 Abs. 1 SHG gewährt der Kanton Beiträge an
die Leistungserbringer, die im Auftrag der Gesundheits- und Fürsorgedirektion Leistungen
anbieten und erbringen. So sind namentlich Leistungen, die im Rahmen eines Leistungsver-
trages erbracht werden, mit Beiträgen abzugelten (25 Abs. 1 SHV). Die Gewährung kantona-
ler Beiträge an Leistungserbringer der institutionellen Sozialhilfe richtet sich nach den Best-
immungen des StBG 16
und der StBV 17
(Art. 25 Abs. 2 SHV).
2.4 Vorliegend stützen sich die Beiträge gemäss Leistungsvertrag teilweise auch auf die
Gesetzgebung über die Institutionen zur Förderung und Eingliederung von invaliden Perso-
nen. Soweit die Beschwerdeführerin Leistungen in diesem Bereich erbringt, ist Folgendes
festzuhalten:
Mit Inkrafttreten von Art. 112b Abs. 2 BV 18
ging die Zuständigkeit zur Finanzierung des Baus
und Betriebs von Institutionen für die Eingliederung invalider Personen auf die Kantone über. 19
Dem Bundesgesetzgeber verblieb die Kompetenz zur Festlegung der Ziele der Eingliederung
sowie der Grundsätze und Kriterien (vgl. Art. 112b Abs. 3 BV). Gestützt hierauf hat er das
IFEG 20
erlassen. Da das IFEG keine verfahrensrechtlichen Vorschriften und auch keinen Vor-
behalt zugunsten des ATSG 21
enthält (vgl. hierzu Art. 2 ATSG), sind für das Verfahren allein
die kantonalen Vorschriften massgebend.
2.5 Das Staatsbeitragsgesetz gilt für alle Staatsbeiträge, die der Kanton gewährt (Art. 2
Abs. 1 StBG). Staatsbeiträge werden als Finanzhilfen oder Abgeltungen gewährt. Abgeltun-
14 Verordnung vom 24. Oktober 2001 über die öffentliche Sozialhilfe (Sozialhilfeverordnung, SHV; BSG 860.111)
15 Vortrag des Regierungsrates an den Grossen Rat zum SHG, Tagblatt des Grossen Rates des Kantons Bern
2001, Beilage 16. S. 30 16
Staatsbeitragsgesetz vom 16. September 1992 (StBG; BSG 641.1) 17
Staatsbeitragsverordnung vom 23. März 1994 (StBV; BSG 641.111) 18
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) 19
vgl. die Botschaft des Bundesrats zur Ausführungsgesetzgebung zur Neugestaltung des Finanzausgleichs und
der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen [NFA], in BBl 2005 S. 6029 ff., S. 6201; AS 2007 S. 5765 20
Bundesgesetz vom 6. Oktober 2006 über die Institutionen zur Förderung der Eingliederung von invaliden Perso-
nen (IFEG; SR 831.26) 21
Bundesgesetz vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1)
11
gen sind Leistungen, die an ausserhalb der Kantonsverwaltung stehende Staatsbeitragsemp-
fängerinnen oder –empfänger gewährt werden, um die finanziellen Lasten, welche sich aus
der Erfüllung öffentlich-rechtlich vorgeschriebener oder übertragener Aufgaben ergeben, zu
mildern oder auszugleichen (Art. 3 Abs. 1 und 3 StBG). Die Abschnitte III, VI und VII des
Staatsbeitragsgesetzes sind anwendbar, soweit andere Gesetze nichts Abweichendes vor-
schreiben (Art. 2 Abs. 2 StBG). Im III. Abschnitt des Staatsbeitragsgesetzes regelt Art. 9 die
Rechtsform der Beitragsgewährung (vgl. den Randtitel der Bestimmung). Demnach werden
Staatsbeiträge in der Regel durch Verfügung, Grossrats- oder Volksbeschluss gewährt
(Abs. 1). Sie können durch öffentlich-rechtlichen Vertrag gewährt werden, wenn das Gesetz
ihn zulässt und damit die Aufgabenerfüllung sichergestellt wird (Abs. 2 Satz 1). Die Ablehnung
von Gesuchen erfolgt in jedem Fall durch Verfügung (Abs. 3).
2.6 Das bernische Verwaltungsgericht hat am 4. Februar 2013 in einem Entscheid betref-
fend die staatliche Abgeltung von Diensterhöhungsbeiträgen festgehalten, dass Art. 9 Abs. 3
StBG beim Fehlen einer abweichender spezialgesetzlicher Regelung bereichsübergreifend für
das gesamte Staatsbeitragsrecht gelte. Eine nachträglich beantragte Erhöhung des Staatsbei-
trags sei in der Sache nichts anderes als ein ergänzendes Gesuch um Staatsbeiträge. Die
Ablehnung solcher Gesuche müsse in jedem Fall durch Verfügung erfolgen, auch wenn die
Beiträge grundsätzlich durch Vertrag gewährt würden. Art. 9 Abs. 3 StGB sei auch dann an-
wendbar, wenn ein Gesuch um vertraglich zu gewährende Staatsbeiträge teilweise abgewie-
sen werde. Dabei spiele es keine Rolle, ob ein Staatsbeitragsgesuch schon zu Beginn (teil-
weise) abgewiesen oder ob nur die Erhöhung eines im Grundsatz bereits gewährten Staats-
beitrags verweigert werde. 22
Dieser Entscheid wird in der Lehre dahingehend präzisiert, dass die Regelung in Art. 9 Abs. 3
StBG (Ablehnung von Beitragsgesuchen mittels Verfügung) keine Ausnahme vom Grundsatz
der Abwicklung von Vertragsstreitigkeiten auf dem Klageweg gemäss Art. 87 Bst. b VRPG
darstelle, da mit der Ablehnung eines Beitragsgesuchs nicht über eine Streitigkeit aus einem
öffentlich-rechtlichen Vertrag entschieden werde. Vielmehr läge im Zeitpunkt der Gesuchsab-
lehnung bezüglich des Gesuchsgegenstands noch gar kein Vertragsverhältnis vor. Bei durch
öffentlich-rechtlichen Vertrag gewährten Beiträgen sei das Beitragsgesuch – in der Terminolo-
gie des privaten Vertragsrechts – eine Einladung zur Offertstellung, welche in eine Offerte der
Behörde münden oder von der Behörde abgelehnt werden könne. Mit dem Gesuch würden
somit die Vertragsverhandlungen eingeleitet, mit der Ablehnung des Gesuchs ebendiese ab-
22 BVR 2013 S. 227 ff., insbes. E. 4.3 – 4.7
12
gebrochen. Von einer Streitigkeit aus Vertrag im Sinn von Art. 87 Bst. b VRPG könne folglich
noch keine Rede sein. 23
2.7 Vorliegend haben der Kanton Bern (handelnd durch die Vorinstanz) und die Be-
schwerdeführerin für das Jahr 2009 einen Leistungsvertrag abgeschlossen.
Ziffer 4.1 des Leistungsvertrags 2009 enthält den Grundsatz der Leistungsabgeltung. Danach
übernimmt die GEF die tiefste der folgenden drei (nach Rechnungsabschluss ermittelten)
Grössen:
1) Effektive Gesamtnettobetriebskosten;
2) Vereinbarte Gesamtnettobetriebskosten;
3) Vereinbarte Nettobetriebskosten pro Leistungseinheit x Anzahl effektiv erbrachter
Leistungseinheiten;
jede Grösse jeweils unter Abzug der effektiven Tariferträge und allenfalls weiter anre-
chenbar Erträge sowie abzüglich allfälliger Restdefizitbeiträge anderer Kantone.
Die geplanten Gesamtnettobetriebskosten (Ziff. 2) sowie die geplanten Nettobetriebskosten
pro Leistungseinheit (Ziff. 3) wurden in Teil B des Leistungsvertrags 2009 – im Budget 2009 –
vereinbart. Die Schlussabrechnung sowie die allfällige Schlusszahlung oder Rückforderung
erfolgt nach Prüfung der eingereichten Unterlagen und der Abrechnung allfälliger Restdefizit-
beiträge andere Kantone (Ziff. 4.1. des Leistungsvertrags 2009). Ziffer 4.2 des Leistungsver-
trags 2009 regelt sodann, dass Ausgabenüberschüsse aufgrund der Vernachlässigung von
Einnahmequellen sowie der Geltendmachung von nicht anrechenbarem Aufwand zu Lasten
der Institution gehen.
2.8 Am 20. Dezember 2012 hat die Vorinstanz gestützt auf Ziffer 4.1 des Leistungsver-
trags 2009 die Betriebsbeitragsabrechnung für die Abteilung erwachsene Behinderte für das
Jahr 2009 erstellt. Die Betriebsbeitragsabrechnung 2009 ist der angefochtenen Verfügung
vom 20. Dezember 2012 beigelegt und bildet eine Grundlage derselben. Sie ist deshalb in die
vorliegende Überprüfung einzubeziehen.
Die Betriebsbeitragsabrechnung 2009 basiert auf den im Budget 2009 vereinbarten Ge-
samtnettobetriebskosten von CHF 1‘450‘504.00 als tiefste der drei Grössen gemäss Ziff. 4.1
des Leistungsvertrags 2009. Demgegenüber betragen die effektiven Nettobetriebskosten ge-
23 Rütsche, Bemerkungen zum Urteil des Verwaltungsgerichts vom 4. Februar 2013, in BVR 2013 S. 238-240
13
mäss Betriebsrechnung 2009 CHF 1‘715‘532.00. Sie stellen vorliegend die höchste der drei
Grössen gemäss Ziff. 4.1. des Leistungsvertrags 2009 dar. Die Beschwerdeführerin beantragt
die volle Anrechnung der effektiven Nettobetriebskosten gemäss Betriebsrechnung 2009.
Die Differenz zwischen den vereinbarten Nettobetriebskosten gemäss vertragsrelevantem
Budget 2009 (CHF 1‘450‘504.00) und den effektiven Nettobetriebskosten gemäss Betriebs-
rechnung 2009 (CHF 1‘715‘532.00) beträgt CHF 265‘028.00. Gemäss den unbestrittenen
Ausführungen der Beschwerdeführerin ist diese Budgetüberschreitung einerseits auf die vor-
zeitige Anstellung einer zusätzlichen Nachtwache sowie zusätzlicher Betreuungspersonen,
andererseits auf Krankheitsausfälle zurückzuführen. Strittig ist, ob der Kanton Bern den
budgetüberschreitenden Aufwand in der Höhe von CHF 265‘028.00 zusätzlich abgelten muss.
2.9 Vorliegend hat die Vorinstanz entsprechend Ziffer 4.1 des Leistungsvertrags 2009 die
tiefste der drei möglichen Grössen, nämlich die vereinbarten Gesamtnettobetriebskosten ge-
mäss dem vertragsrelevanten Budget, vergütet. Indem die Beschwerdeführerin die Übernah-
me der effektiven Gesamtnettobetriebskosten gemäss Betriebskostenabrechnung 2009 bean-
tragt, verlangt sie die staatliche Abgeltung der vollen Nettobetriebskosten gemäss der Be-
triebsrechnung 2009 im Gesamtumfang von CHF 1‘715‘532.00 bzw. die staatliche Abgeltung
eines das vertraglich vereinbarte Budget 2009 um CHF 265‘028.00 übersteigenden Betrags.
In der Sache beantragt die Beschwerdeführerin nachträglich die Erhöhung eines Staatsbei-
trags. Sie stellt damit ein ergänzendes Gesuch um einen Staatsbeitrag. Gemäss Art. 9 Abs. 3
StBG und gestützt auf die zitierte Rechtsprechung 24
muss die Ablehnung dieses ergänzenden
Gesuchs in jedem Fall durch Verfügung erfolgen, auch wenn die Gewährung von Beiträgen
wie hier durch Leistungsvertrag erfolgt. Indem die Vorinstanz die Tragung der effektiven Ge-
samtnettobetriebskosten bzw. der gesamten Budgetüberschreitung verweigert, lehnt sie in der
Sache ein Gesuch der Beschwerdeführerin um einen Staatsbeitrag ab.
Zudem liegt bezüglich des Gesuchsgegenstands, d.h. des budgetüberschreitenden Betrags
von CHF 265‘028.00, kein Vertragsverhältnis vor. Vertraglich vereinbart ist nur die staatliche
Abgeltung des im Budget 2009 festgesetzten Betrags. Mit dem (ergänzenden) Gesuch der
Beschwerdeführerin um einen zusätzlichen Staatsbeitrag waren demnach die Vertragsver-
handlungen zum Abschluss einer ergänzenden vertraglichen Bestimmung erst eingeleitet, mit
der Ablehnung dieses Gesuchs durch die Vorinstanz ebendiese abgebrochen worden.
Die Vorinstanz hat das strittige Rechtsverhältnis demnach zu Recht mittels Verfügung gere-
gelt. Die Rechtmässigkeit dieser Verfügung ist im vorliegenden Beschwerdeverfahren zu beur-
teilen.
24 BVR 2013 S. 227 ff.
14
3. Materielle Beurteilung der angefochtenen Verfügung
3.1 Grundsätzliches
Wie in Erwägung 2.9 hievor erläutert, ist das Begehren der Beschwerdeführerin um vollum-
fängliche Tragung der Gesamtnettobetriebskosten gemäss Betriebsrechnung 2009 bzw. um
Tragung der gesamten Budgetüberschreitung als ergänzendes Gesuch um einen Staatsbei-
trag entgegenzunehmen.
Staatsbeiträge sind finanzielle Leistungen des Staates an private Personen und Unternehmen
oder an Gemeinwesen. Sie werden dem Staatsbeitragsempfänger für bestimmte Zwecke ge-
währt. Teilweise wird vorausgesetzt, dass der Staatsbeitragsempfänger eine bestimmte Auf-
gabe erfüllt. Die aus der Erfüllung einer vom Staat vorgeschriebenen oder übertragenen öf-
fentlichen Aufgabe erwachsenden Kosten werden in der Form einer Abgeltung vergütet. 25
Es
wird unterschieden zwischen Anspruchs- und Ermessenssubventionen. Auf Anspruchssub-
ventionen besteht ein Rechtsanspruch, welcher den Subventionsempfängern durch Spezial-
gesetze eingeräumt wird. Sobald die spezialgesetzlichen Voraussetzungen zur Gewährung
der Subvention erfüllt sind, ist die Behörde verpflichtet, einen Beitrag zu sprechen. Möglicher-
weise steht ihr ein Ermessen bei der Festsetzung der Beitragshöhe zu, keinesfalls aber ein
Entschliessungsermessen bezüglich der Subventionsgewährung an sich. 26
Verbleibt der Ver-
waltung hinsichtlich einzelner Beitragsvoraussetzungen ein gewisser Beurteilungsspielraum
und kann sie innerhalb bestimmter Grenzen den Subventionssatz festsetzen, so nimmt dies
einer Subvention nicht ihren Anspruchscharakter. 27
Der anspruchsbegründende Charakter
einer Subvention wird auch nicht dadurch ausgeschlossen, dass es an einer Festlegung der
Höhe der Beiträge oder jedenfalls ihrer Mindesthöhe fehlt. 28
Demgegenüber steht der Behörde
bei den Ermessenssubventionen ein Entschliessungsermessen zu, ob sie einen Beitrag aus-
richten will oder nicht. Dabei ist die Behörde aber keineswegs völlig frei, sondern an die all-
gemeinen Verfassungsgrundsätze, insbesondere an das Willkürverbot, die Rechtsgleichheit
und das Verhältnismässigkeitsprinzip gebunden. 29
3.2 Rechtsgrundlagen
3.2.1 Die Begründetheit des Gesuchs um Ausrichtung eines Staatsbeitrags ist mangels
Vorliegen einer vertraglichen Streitigkeit anhand der massgebenden gesetzlichen Grundlagen
25 Art. 3 Abs. 3 StBG; Lienhard/Engel/Schmutz, in: Müller/Feller (Hrsg.), Bernisches Verwaltungsrecht, 2013,
15. Kapitel Rz. 165 und 168 26
Lienhard/Engel/Schmutz, a.a.O., 15. Kapitel Rz. 171 27
BGE 110 Ib 397 E. 1 28
René A. Rhinow, Wesen und Begriff der Subvention in der Schweizerischen Rechtsordnung, 1971, 169 29
Lienhard/Engel/Schmutz, a.a.O., 15. Kapitel Rz. 172
15
(vgl. Erwägungen 2.2 ff. hievor und 3.2.2 ff. hienach) zu beurteilen. Vorbringen der Verfah-
rensbeteiligten, die sich auf die Anwendung und Auslegung leistungsvertraglicher Bestim-
mungen beziehen (wie etwa die Ziffern 4.1 und 4.2 des Leistungsvertrags 2009), können aus
diesem Grund im vorliegenden Beschwerdeverfahren nicht gehört werden.
3.2.2 Die für die Beurteilung der vorliegenden Angelegenheit massgebende EV IFEG 30
ist
seit dem 1. Januar 2013 ausser Kraft. Nach der Praxis des Bundesgerichts ist die Rechts-
mässigkeit eines Verwaltungsaktes grundsätzlich nach der Rechtslage zur Zeit seines Erlas-
ses zu beurteilen, nachher eingetretene Änderungen müssen unberücksichtigt bleiben. 31
Es
sollen jene Bestimmungen auf hängige Verfahren Anwendung finden, welche im Zeitpunkt der
Verwirklichung des Sachverhalts Geltung haben. Dabei ist auf jenen Sachverhalt bzw. Tatbe-
stand abzustellen, der rechtlich zu würdigen ist oder der zu Rechtsfolgen führt. 32
Vorliegend ist die Rechtsmässigkeit der Verfügung vom 20. Dezember 2012 zu würdigen. Für
die Beurteilung der relevanten Rechtsfragen sind demnach die am 20. Dezember 2012 gel-
tenden Rechtsgrundlagen – und somit auch die EV IFEG – heranzuziehen.
3.2.3 Das Staatsbeitragsrecht im Kanton Bern ist in zahlreichen Spezialerlassen geregelt.
Zusätzlich gilt das StBG für alle Staatsbeiträge, die der Kanton gewährt (Art. 2 Abs. 1 StBG).
Das StBG stellt lediglich den „Allgemeinen Teil“ des gesamten kantonalen Staatsbeitrags-
rechts dar und vereinheitlicht das in den diversen Spezialgesetzen geregelte Staatsbeitrags-
recht durch allgemeine Grundsätze und Verfahren, ist jedoch nie eigenständige Grundlage für
die Gewährung von Staatsbeiträgen. 33
Vorliegend finden sich die Rechtsgrundlagen für die Ausrichtung von Beiträgen im Bereich der
institutionellen Sozialhilfe nebst dem StBG und der StBV im IFEG, der EV IFEG (in Kraft vom
1. Januar 2008 bis 31. Dezember 2012), dem SHG und der SHV (vgl. auch die Erwägungen
2.2 ff. hievor).
3.2.4 Gemäss Art. 2 IFEG gewährleistet jeder Kanton, dass invalide Personen, die Wohn-
sitz in seinem Gebiet haben, ein Angebot an Institutionen zur Verfügung steht, das ihren Be-
dürfnissen in angemessener Weise entspricht. Die Kantone beteiligen sich soweit an den Kos-
ten des Aufenthalts in einer anerkannten Institution, dass keine invalide Person wegen dieses
Aufenthaltes Sozialhilfe benötigt (Art. 7 Abs. 1 IFEG). Hierbei handelt es sich um eine Mini-
malanforderung, welcher die Kantone entweder durch Ausrichtung von Subventionen an die
Institutionen oder durch Leistung von direkten Unterstützungsbeiträgen an die invaliden Per-
30 Einführungsverordnung vom 31. Oktober 2007 zum IFEG (EV IFEG; BAG 07-135; in Kraft bis zum 31. Dezember
2012) 31
BGE 122 V 85, 89, E. 3; BGE 112 Ib 39, 42 ff.; Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, Zürich
2010, Rz. 326 und 327 32
BGE 130 V 329, 333, E. 2.3; 129 V 1, 4, E. 1.2; 127 V 466, 467 E. 1; 123 V 71 E. 2 33
Lienhard/Engel/Schmutz, a.a.O., 15. Kapitel Rz. 162 f.
16
sonen nachkommen können. 34
Sieht das kantonale Recht die Kostenbeteiligung durch Sub-
ventionen an anerkannte Institutionen oder an invalide Personen vor, so muss ein Rechtsan-
spruch auf diese Subventionen gewährleistet sein (Art. 8 IFEG).
Der Kanton Bern setzte die bundesrechtlichen Vorgaben in der EV IFEG um. Die EV IFEG
bezweckt a) die Regelung der Anerkennung der Institution, b) die Gewährleistung der bisheri-
gen Leistungen der Invalidenversicherung (IV) für die Eingliederung erwachsener invalider
Personen durch den Kanton, sowie c) die Regelung der Finanzierung von Pilotprojekten im
Hinblick auf das Behindertenkonzept (Art. 1 EV IFEG). Die GEF gewährt anerkannten Institu-
tionen Betriebsbeiträge, soweit deren Kosten nicht durch Beiträge der aufgenommenen Per-
sonen, durch Dritte oder durch angemessene Anrechnung von Eigenmitteln gedeckt werden
(Art. 9 Abs. 1 EV IFEG). Sie schliesst mit den Institutionen Leistungsverträge ab. Der Leis-
tungsvertrag kann Auflagen enthalten, die sicherstellen, dass die Anerkennungsvorausset-
zungen eingehalten werden (Art. 9 Abs. 2 IFEG). Die Betriebsbeiträge sind so festzulegen,
dass diese zusammen mit Ergänzungsleistungen, die invaliden Personen mit Aufenthalt in
einer anerkannten Institution zur Finanzierung des Heimaufenthalts ausgerichtet werden,
mindestens die vor dem Inkrafttreten dieser Verordnung von der Invalidenversicherung ge-
währten Beiträge und die den invaliden Personen mit Aufenthalt in einer anerkannten Instituti-
on zur Finanzierung des Heimaufenthalts gewährten Ergänzungsleistungen, Zuschüsse ge-
mäss ZuD 35
oder wirtschaftliche Hilfe gemäss SHG umfassen (Art. 9 Abs. 3 EV IFEG). Seit
dem Ausserkrafttreten der EV IFEG am 31. Dezember 2012 erfolgt die Leistungsabgeltung an
Institutionen für Menschen mit einer Behinderung im Rahmen der institutionellen Sozialhilfe
(vgl. Art. 67 i.V.m. Art. 74 ff. SHG).
3.2.5 Im Kanton Bern stellt die GEF im Rahmen der verfügbaren Mittel und der strategi-
schen Vorgaben des Regierungsrates die erforderlichen Leistungsangebote bereit und
schliesst zu diesem Zweck u.a. Leistungsverträge mit Leistungserbringern ab (Art. 60 Abs. 1
und Abs. 2 Bst. a SHG). Dazu gehört die Bereitstellung der erforderlichen Angebote für er-
wachsene Menschen mit einem behinderungs- oder altersbedingten Pflege- und Betreuungs-
bedarf (Art. 67 Abs. 1 SHG). Zu den Angeboten gehören insbesondere die Leistungen von
Wohn- und Pflegeheimen sowie von Beschäftigungs- und Tagesstätten (Art. 67 Abs. 2 Bst. b
und e SHG). Gemäss Art. 74 Abs. 1 SHG erfolgt die Abgeltung von Leistungen der Leistungs-
erbringer durch Beiträge des Kantons oder der Gemeinden an die Leistungserbringer oder an
die Leistungsempfänger. Gemäss Art. 76 Abs. 1 SHG gewährt der Kanton Beiträge an die
Leistungserbringer, die im Auftrag der Gesundheits- und Fürsorgedirektion Leistungen anbie-
ten und erbringen.
34 BVR 2013 227 ff. E. 3.3.1
35 Dekret vom 16. Februar 1971 über Zuschüsse für minderbemittelte Personen (Zuschussdekret, ZuD; BSG
866.1)
17
3.2.6 Die Bemessung der Beiträge im Einzelnen wird (nebst Art. 9 Abs. 3 EV IFEG) in
Art. 75 SHG sowie Art. 27 SHV geregelt. Danach sind die Beiträge an die Leistungserbringer
und Leistungsempfänger grundsätzlich leistungsorientiert und nach Möglichkeit prospektiv
und aufgrund von Normkosten festzusetzen (Art. 75 Abs. 1 SHG, Art. 27 Abs. 1 SHV). Bei
Fehlen von Normkosten können die Beiträge unter Berücksichtigung der effektiven Betriebs-
und Baukosten festgesetzt werden (Art. 27 Abs. 2 SHV).
Was unter einer „leistungsorientierten Festsetzung der Staatsbeiträge“ zu verstehen ist, muss
durch Auslegung präzisiert werden: Dem Wortlaut sowie der systematischen Stellung der
massgebenden Bestimmungen lassen sich keine nähere Definition des Begriffs „leistungsori-
entiert“ entnehmen. Der Vortrag zum SHG 36
hält in Bezug auf Art. 75 Abs. 1 SHG nur gerade
fest, dass die Betriebsbeiträge grundsätzlich leistungs- bzw. outputorientiert zu bemessen und
nach Möglichkeit prospektiv und auf Grund von Normkosten festzusetzen seien, während die
Ausrichtung von Pauschalbeiträgen in begründeten Einzelfällen auch weiterhin möglich sei. In
der Lehre wird der Begriff der leistungsorientierten Beitragsbemessung dahingehend konkreti-
siert, dass grundsätzlich ausschliesslich jene in Menge und Qualität vertraglich definierten und
effektiv erbrachten Leistungen abzugelten seien. Die prospektive Ausrichtung bedeute, dass
der Leistungsvertrag im Voraus die Leistungserbringung im Folgejahr bzw. in den Folgejahren
regle. Normkosten seien diejenigen auf eine Leistungseinheit umgelegten Betriebskosten
(Personal- und Sachaufwand wie z.B. Mieten), die einem effizient geführten Betrieb eine kos-
tendeckende Leistungserbringung unter Einhaltung der Qualitätsvorgaben erlauben würden.
Die Normkosten seien leistungsvertraglich zu vereinbaren, sofern sie nicht verordnungsrecht-
lich vorgegeben seien. 37
3.2.7 Nachfolgend ist anhand der massgebenden Bestimmungen im IVEG und der EV
IFEG, in der Sozialhilfegesetzgebung und dem StBG sowie der entsprechenden Konkretisie-
rung in der Lehre zu prüfen, inwieweit der Kanton Bern der Beschwerdeführerin den Diffe-
renzbetrag zwischen vereinbarten Nettobetriebskosten gemäss Budget 2009 und den effekti-
ven Kosten gemäss Betriebsrechnung 2009 tragen muss.
36 Vortrag des Regierungsrates an den Grossen Rat zum SHG, Tagblatt des Grossen Rates des Kantons Bern
2001, Beilage 16. S. 30 37
Coullery/Meyer, in: Müller/Feller (Hrsg.), a.a.O., 12. Kapitel Rz. 144-147
18
3.3 Tragung von zusätzlichen Personalkosten in der Höhe von CHF 134‘500 infolge
zusätzlichen bzw. vorzeitigen Anstellungen
3.3.1 Die Beschwerdeführerin macht zum einen geltend, die Differenz zwischen dem im
Budget 2009 vereinbarten und dem effektiven Aufwand (d.h. die Budgetüberschreitung) sei
darauf zurückzuführen, dass infolge der Umbauarbeiten die Betreuten auf zwei Etagen (statt
wie bis anhin auf einer Etage) untergebracht worden seien. Aus Sicherheitsgründen seien
bereits ab Baubeginn im Mai 2008 zwei Mitarbeiterinnen (eine Nachtwache auf jeder Etage)
statt wie bis anhin eine Mitarbeiterin eingesetzt worden. Die für die Erweiterung der Erwach-
senen bewilligten Stellenprozente seien damit früher als geplant in Anspruch genommen wor-
den. Die zusätzlichen Kosten für diese vorzeitige Anstellung zusätzlicher Nachtwachen belau-
fe sich auf CHF 24‘300.00. 38
Zum anderen bringt die Beschwerdeführerin vor, im Zeitpunkt der Festsetzung des Budgets
für das Jahr 2009 im August 2008 seien erst drei Monate von insgesamt 15 Monaten Bauzeit
vergangen. In Anbetracht der Unsicherheit betreffend den Abschluss der Umbauarbeiten habe
die Leitung des Zentrums Y für das Jahr 2009 die Neuaufnahme von behinderten Erwachse-
nen sowie zusätzliche Personalkosten betreffend die Erwachsenenwohngruppe sehr zurück-
haltend budgetiert. Aufgrund des erfreulichen Bauverlaufs sei die erweiterte Erwachsenenab-
teilung schon im August 2009 in Betrieb genommen worden und die ersten vier Bewohner
hätten in der Zeit von August bis Oktober 2009 in die bestehende Erwachsenenwohngruppe
aufgenommen werden können. Da die Neuaufnahme von weiteren vier Bewohnern und Be-
wohnerinnen auf Anfang Januar 2010 bzw. Anfang Februar 2010 terminiert worden sei, hätten
die bewilligten Stellenprozente wegen der Einarbeitung der neuen Betreuungspersonen
mehrheitlich bereits im November und Dezember des Betriebsjahres 2009 in Anspruch ge-
nommen werden müssen. Deshalb weiche der Personalaufwand im Betreuungsbereich (inkl.
Sozialleistungen und Zulagen) im Betrag von CHF 110‘200.00 zwischen Budget und Rech-
nung 2009 ab. Der Bedarf an einer Erweiterung der Erwachsenenwohngruppe von vier auf
zwölf Plätze und damit einhergehend der Bedarf an zusätzlichem Personal seien ausgewie-
sen und zudem von der GEF seit dem Jahr 2000 anerkannt. Die vorzeitige Inbetriebnahme
des Erweiterungsbaus sei sowohl mit Blick auf die Rentabilität des Zentrums Y als auch mit
Blick auf die Tatsache, dass es im Kanton Bern für schwer mehrfach behinderte Erwachsene
– ausser denjenigen im Zentrum Y – keine solchen Plätze gäbe, angezeigt gewesen.
3.3.2 Die Vorinstanz bestreitet weder die Erforderlichkeit der Anstellung zusätzlicher
Nachtwachen während den Bauarbeiten noch bringt sie Einwände gegen die vorzeitige Inbe-
triebnahme der erweiterten Erwachsenenabteilung und den damit verbundenen zusätzlichen
Personalkosten vor. Sie macht jedoch geltend, der Aufnahme von vier neuen Bewohnern im
38 Beschwerde vom 21. Januar 2013, S. 3
19
Zeitraum August bis Dezember 2009 sei durch die GEF bereits Rechnung getragen worden,
indem die Nettobetriebskosten im Jahr 2009 um einen Platz- und Betreuungszuschlag von
Total CHF 300‘600.00 erhöht worden seien. Somit habe der Institution pro Platz – unabhängig
vom Eintrittsdatum – ein Betrag von CHF 75‘150.00 (CHF 18‘788.00 pro Platz und Monat) zur
Verfügung gestanden, womit die Mehrkosten abgedeckt seien. Nebst der Gewährung dieser
zusätzlichen Mittel im Rahmen des Leistungsvertrages (Platz- und Betreuungszuschläge) sei
der Erweiterung des Zentrums Y zudem im Rahmen der Betriebsbeitragsabrechnung (Korrek-
tur zu Gunsten des Zentrums Y im Ausmass von einem Drittel der Budgetüberschreitung) an-
gemessen Rechnung getragen worden. Insgesamt hätte das Zentrum Y durch diese Mass-
nahmen rund CHF 400‘000.00 mehr zur Verfügung gehabt als im Vorjahr. 39
3.3.3 Der Kanton Bern hat die Erbringung von stationären Leistungen der institutionellen
Sozialhilfe im Bereich der Betreuung und Forderung von Kindern, Jugendlichen und erwach-
senen Personen mit Behinderungen teilweise an private Institutionen übertragen. Die einzel-
nen von den Institutionen zu erbringenden Leistungen sowie die vom Kanton hierfür zu bezah-
lenden Entschädigungen werden jährlich durch Leistungsverträge festgelegt.
Während es im Ermessen des Kantons steht, an welche Institution die Erbringung von Leis-
tungen delegiert werden soll, besteht bezüglich der Abgeltung von delegierten Leistungen
kein Ermessen mehr. Vielmehr begründet Art. 76 Abs. 1 SHG i.V.m. Art. 8 IVEG einen An-
spruch der Leistungserbringer auf Abgeltung derjenigen Leistungen, welche im Auftrag der
GEF angeboten und erbracht wurden.
3.3.4 Die Betreuung von behinderten Erwachsenen – dazu zählen auch Nachtwachen –
gehört unbestrittenermassen zu den vom Kanton Bern bereitzustellenden Angeboten und zu
den von der Beschwerdeführerin im Auftrag der GEF angebotenen und erbrachten Leistun-
gen. Dementsprechend sind solche Leistungen vom Kanton abzugelten (Art. 76 Abs. 1 SHG).
Demnach hat die Beschwerdeführerin als Leistungserbringerin gemäss Art. 58 Abs. 2 SHG
einen Anspruch auf die staatliche Abgeltung der auf die zusätzlichen bzw. vorzeitigen Anstel-
lungen entfallenden Kosten (Art. 76 Abs. 1 SHG i.V.m. Art. 8 IFEG). Dies wird seitens der Vo-
rinstanz auch nicht in Abrede gestellt, ebenso wenig wie die Höhe des Entgelts für die er-
brachten Leistungen. Unbestritten ist ebenfalls, dass die vorgezogene Inbetriebnahme der
Erwachsenenabteilung nach Abschluss der Umbauarbeiten Sinn machte und die Beschwer-
deführerin nicht bis nach Abschluss des Betriebsjahrs 2009 damit warten musste.
3.3.5 Die Vorinstanz wendet jedoch ein, der darauf entfallende Zusatzaufwand sei bereits
abgegolten durch zusätzliche Platz- und Betreuungszuschläge von total CHF 300‘600.00 so-
39 Beschwerdevernehmlassung vom 19. März 2013, Duplik vom 1. Juli 2013, Schreiben der Vorinstanz an die Be-
schwerdeführerin vom 11. April 2011 (Vorakten)
20
wie durch die Tragung eines Drittels der Budgetüberschreitung in der Höhe von
CHF 88‘343.00.
Aus dem Leistungsvertrag 2009, Teil B, ergibt sich, dass im Budget 2009 zusätzliche Platz-
und Betreuungszuschläge von insgesamt CHF 300‘600.00 vorgesehen wurden. Damit über-
steigen die für das Jahr 2009 vereinbarten Nettobetriebskosten die für das Vorjahr 2008 ver-
einbarten Nettobetriebskosten (CHF 1‘134‘800.00) um CHF 315‘704.00. Indessen besteht
trotz diesem im Vergleich zum Vorjahr höherem Budget im Jahr 2009 im Bereich Personal ein
erhebliches Defizit (davon entfallen CHF 24‘300.00 auf die Anstellung einer zusätzlichen
Nachtwache und CHF 110‘200.00 auf die vorzeitige Anstellung von Betreuungspersonal).
Der Betriebsbeitrag wird grundsätzlich zum Voraus anlässlich der Festlegung des Budgets
ausgehandelt. Dabei ist es Sache der Beschwerdeführerin und der Vorinstanz, dass dieser
Betriebsbeitrag leistungsorientiert bemessen wird, d.h. jene in Menge und Qualität vertraglich
definierten und effektiv erbrachten Leistungen damit abgegolten werden. Mithin muss einem
effizient geführten Betrieb eine kostendeckende Erbringung der staatlich übertragenen Leis-
tungen möglich sein. Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang, dass nicht nur die zum
Voraus budgetierten Leistungen abzugelten sind, sondern sämtliche Leistungen, die im Auf-
trag der GEF erbracht wurden und die zur pflichtgemässen Erfüllung der staatlich übertrage-
nen Aufgaben erforderlich sind.
Vorliegend stellte sich die prospektive und leistungsorientierte Bemessung des Betriebsbei-
trags aufgrund des rund 15-monatigen Umbaus der Erwachsenenabteilung als schwierig her-
aus, insbesondere, da im Zeitpunkt der Budgeterstellung erst rund drei Monate der Umbauar-
beiten vergangen waren. Da über den Zeitpunkt der Beendigung der Bauarbeiten und damit
verbunden auch den Zeitpunkt der Inbetriebnahme der erweiterten Erwachsenenabteilung
Ungewissheit herrschte, wurde das Budget für das Jahr 2009 offenbar mit grosser Zurückhal-
tung erstellt. Nachdem der Umbau früher als erwartet fertiggestellt werden konnte, wurde die
erweiterte Erwachsenenabteilung vorzeitig in Betrieb genommen und die Beschwerdeführerin
stellte bereits im Jahr 2009 (statt erst wie geplant im Jahr 2010) zusätzliches Personal an.
Diese vorzeitige Anstellung führte zu zusätzlichem Personalaufwand und einer Überschrei-
tung des Budgets 2009. Dabei darf nicht aus den Augen verloren werden, dass die Be-
schwerdeführerin zur pflichtgemässen Erfüllung der ihr übertragenen Aufgaben eine zusätzli-
che Nachtwache sowie zusätzliches Betreuungspersonal anstellen musste. Es handelt sich
mithin um Leistungen, welche im Auftrag der GEF angeboten und erbracht wurden. Solche
Leistungen sind gemäss Art. 76 Abs. 1 SHG abzugelten.
Das Budget für das Betriebsjahr 2009 deckt nicht sämtliche staatlich abzugeltende Leistun-
gen, sondern wurde offenbar zu tief bemessen. Das wird auch daraus deutlich, dass nach
Inbetriebnahme der erweiterten Erwachsenenabteilung ab dem Betriebsjahr 2010 der abzu-
21
geltende Nettobetriebsbeitrag erheblich erhöht wurde. Aus einem Vergleich des Betriebsjah-
res 2009 mit dem nachfolgenden Betriebsjahr 2010 ergibt sich, dass die für das Jahr 2010
vereinbarten Nettobetriebskosten von total CHF 2‘633‘500.00 die für das Jahr 2009 vereinbar-
ten Nettobetriebskosten um CHF 1‘182‘996.00 übersteigen. Diese erhebliche Erhöhung des
Nettobetriebsbeitrags zeigt deutlich, dass die Vorinstanz selber von einer massgebenden –
durch die Erweiterung der Erwachsenenabteilung bedingten – Erhöhung der abzugeltenden
Leistungen der Beschwerdeführerin ausgeht.
Die Beschwerdeführerin hat demnach gestützt auf Art. 76 Abs. 1 SHG und Art. 8 IFEG einen
Anspruch auf Abgeltung des zusätzlichen Personalaufwands in der Höhe von
CHF 134‘500.00.
Dabei ist zu beachten, dass die Vorinstanz der Übernahme des Teilbetrags von
CHF 88‘343.00 bereits zugestimmt hat. Dieser Teilbetrag ist demnach vom gesamten Zusatz-
aufwand von CHF 134‘500.00 abzuziehen. Somit hat die Vorinstanz der Beschwerdeführerin
zusätzlich einen Betrag von CHF 46‘157.00 abzugelten. Das Gesuch um nachträgliche Abgel-
tung von zusätzlichen Personalkosten ist mithin im Betrag von CHF 46‘157.00 gutzuheissen.
3.3.6 Als Zwischenergebnis ist demnach festzuhalten, dass die Beschwerde im Umfang
von CHF 46‘157.00 gutzuheissen und Ziffer 1 der Verfügung vom 20. Dezember 2012 ent-
sprechend anzupassen ist. Der Saldo zugunsten des Kantons bzw. der von der Beschwerde-
führerin dem Kanton zurückzuerstattende Betrag ist um CHF 46‘157.00 zu reduzieren und
neu auf CHF 231‘140.00 festzusetzen.
3.4 Tragung von Krankheitskosten in der Höhe von CHF 43‘900.00
3.4.1 Schliesslich begründet die Beschwerdeführerin die Budgetüberschreitung mit nach
Abschluss des Leistungsvertrags 2009 entstandenen Krankheitskosten in der Höhe von
CHF 43‘900.00. Diese Kosten seien darauf zurückzuführen, dass sich drei Mitarbeiterinnen
der Nachtwache je einem unaufschiebbaren operativen Eingriff hätten unterziehen müssen.
Da das Zentrum Y keine Krankentaggeldversicherung abgeschlossen habe, hätten die Kosten
vom Betrieb getragen werden müssen.
Die Vorinstanz hält dem entgegen, Mehrkosten aufgrund von krankheitsbedingten Ausfällen
seien von der Beschwerdeführerin im Rahmen der vereinbarten Nettobetriebskosten zu be-
zahlen.
3.4.2 Weder in der Sozialhilfegesetzgebung noch dem StBG oder der StBV noch dem
IFEG oder der EV IFEG gibt es eine Bestimmung, welche explizit einen Rechtsanspruch auf
Abgeltung von budgetüberschreitenden Kosten, die infolge von Krankheitsausfällen entstan-
22
den sind, einräumt. Gestützt auf Art. 76 Abs. 1 SHG i.V.m. Art. 8 IFEG besteht nur gerade ein
Anspruch der Leistungserbringer auf Abgeltung der vom Kanton übertragenen Leistungen.
Welche Leistungen jedoch im Einzelnen abzugelten sind, wird weder im SHG noch der SHV
umschrieben. Auch aus Art. 15 StBG, wonach der durch öffentlich-rechtlichen Vertrag festge-
setzte Staatsbeitrag von der zuständigen Behörde überschritten werden darf, wenn die Mehr-
kosten auf bewilligte Projektänderungen, ausgewiesene Teuerung oder andere nicht beein-
flussbare Ursachen zurückzuführen sind, kann nichts Gegenteiliges abgeleitet werden: Vorlie-
gend ist die Budgetüberschreitung 2009 einerseits auf beeinflussbare Ursachen zurückzufüh-
ren, da die krankheitsbedingten Zusatzkosten durch den Abschluss einer Krankentaggeldver-
sicherung hätten verhindert oder doch erheblich vermindert werden können. Andererseits be-
gründet Art. 15 StBG laut Wortlaut auch beim Vorliegen nicht beinflussbarer Ursachen keinen
Rechtsanspruch auf eine Erhöhung des Staatsbeitrags.
Dementsprechend hat die Beschwerdeführerin keinen Rechtsanspruch auf Gewährung eines
zusätzlichen Staatsbeitrags in der Höhe von CHF 43‘900.00. Nachfolgend bleibt zu prüfen, ob
die Vorinstanz ihr Ermessen bei der Festsetzung des Staatsbeitrags korrekt ausgeübt hat,
indem sie die Ausrichtung eines zusätzlichen Staatsbeitrags für budgetüberschreitende Kos-
ten verweigerte.
3.4.3 Ob eine bestimmte Norm den Verwaltungsbehörden Ermessen einräumt, ist auf dem
Weg der Auslegung zu ermitteln. Das Ermessen kann durch eine ausdrückliche Ermächtigung
zum Handeln „nach Ermessen“, durch eine sog. „Kann-Vorschrift“ oder eine andere offene
Formulierung wie „nach Möglichkeit“ oder „soweit zumutbar“ eingeräumt werden. Nach der
neueren Lehre räumen alle offenen Normen Ermessen ein. 40
Durch das Ermessen erhalten
die Verwaltungsbehörden einen Spielraum für den Entscheid im Einzelfall. In ihrer Entschei-
dung sind die Behörden an die Verfassung gebunden und müssen insbesondere das Rechts-
gleichheitsgebot, das Verhältnismässigkeitsprinzip und die Pflicht zur Wahrung der öffentli-
chen Interessen befolgen. Ausserdem sind Sinn und Zweck der gesetzlichen Ordnung zu be-
achten. Pflichtgemässe Ausübung des Ermessens bedeutet schliesslich, dass der Entscheid
nicht nur rechtmässig, sondern auch angemessen (zweckmässig) sein muss. 41
Im Beschwer-
deverfahren können nicht nur Rechtsfehler, sondern es kann auch die Unangemessenheit
überprüft werden (Art. 66 VRPG).
Art. 9 Abs. 3 EV IFEG statuiert die Mindestanforderungen zur Festlegung von Betriebsbeiträ-
gen. Danach sind die Betriebsbeiträge so festzulegen, dass sie zusammen mit den invaliden
Personen ausgerichteten Ergänzungsleistungen mindestens die vor Inkrafttreten der EV IFEG
von der IV gewährten Beiträge und die den invaliden Personen mit Aufenthalt in einer aner-
40 Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 2010, Rz. 439 f. und Rz. 446
41 Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., Rz. 441
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kannten Institution zur Finanzierung des Heimaufenthalts gewährten Ergänzungsleistungen,
Zuschüsse gemäss ZuD oder wirtschaftliche Hilfe gemäss SHG umfassen.
Art. 75 Abs. 1 SHG und Art. 27 Abs. 1 SHV gehen über diese Mindestanforderungen heraus.
Sie sehen vor, dass die Beiträge an die Leistungserbringer und Leistungsempfänger grund-
sätzlich leistungsorientiert sowie nach Möglichkeit prospektiv und aufgrund von Normkosten
festzusetzen sind. Art. 27 Abs. 2 SHV sieht vor, dass bei Fehlen von Normkosten die Beiträge
unter Berücksichtigung der effektiven Betriebs- und Baukosten festgesetzt werden können.
Art. 75 Abs. 1 SHG und Art. 27 Abs. 1 SHV umschreiben den Grundsatz der Beitragsbemes-
sung in offener Weise, während Art. 27 Abs. 2 SHV eine „Kann-Vorschrift“ enthält. Demnach
gewähren sowohl Art. 75 Abs. 1 SHG als auch Art. 27 Abs. 1 und 2 SHV den rechtsanwen-
denden Behörden einen Entscheidungsspielraum und räumen ihnen damit ein gewisses Er-
messen ein. Nachfolgend ist somit zu prüfen, ob die Vorinstanz die zitierten Bestimmungen
korrekt angewandt und ihr Ermessen pflichtgemäss ausgeübt hat. Zu diesem Zweck ist zu
fragen, ob die kostendeckende Leistungserbringung durch einen effizient geführten Betrieb
die separate Abgeltung krankheitsbedingter Zusatzkosten erfordert oder ob solche Kosten
bereits bei der Festsetzung der Beiträge im Leistungsvertrag berücksichtigt wurden und damit
bereits abgegolten sind (vgl. zur Konkretisierung des Begriffs der „leistungsorientierten Bei-
tragsbemessung“ Erwägung 3.2.6 hievor).
Damit eine kostendeckende Leistungserbringung möglich ist, muss die Deckung des Perso-
nalaufwands gewährleistet sein. Der Personalaufwand beschränkt sich nicht auf die eigentli-
chen Lohnkosten. Vielmehr muss in einem effizient geführten Betrieb stets mit einem längeren
Ausfall von Mitarbeitenden infolge Krankheit gerechnet werden. Dementsprechend muss die
Führung des Betriebs grundsätzlich so organisiert sein, dass Krankheitsausfälle aufgefangen
werden können. Wie ein Betrieb konkret diesem Risiko begegnen will, ist ihm überlassen.
Primär wird dies durch den Abschluss einer Krankentaggeldversicherung geschehen oder
durch die Bildung von Reserven. Demnach muss der staatlich zu vergütende Personalauf-
wand auch Kosten wie etwa Versicherungsprämien und Selbstbehalte umfassen. Die Abgel-
tung für den Personalaufwand wird jährlich gestützt auf das entsprechende Budget im Leis-
tungsvertrag festgesetzt. Dieser leistungsvertraglichen Festsetzung der Staatsbeiträge gehen
vertragliche Verhandlungen zwischen dem Kanton und dem betroffenen Betrieb voraus. Dabei
ist es Aufgabe des Betriebs, die Betriebsbeiträge so auszuhandeln, dass der Personalauf-
wand im oben umschriebenen Sinn hinreichend abgegolten wird.
Vorliegend musste sich die Beschwerdeführerin des Risikos von Krankheitsausfällen bewusst
sein. Die infolge Krankheitsausfälle im Jahr 2009 entstandenen Zusatzkosten können dem-
entsprechend nicht als unvorhergesehen oder ausserordentlich gelten. Vielmehr gehören sol-
che Kosten zu dem Personalaufwand, welcher nach dem Grundsatz der leistungsorientierten
Finanzierung durch die zum Voraus festgesetzten Staatsbeiträge abzudecken ist. Ob die im
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Budget 2009 des Leistungsvertrags festgesetzten Staatsbeiträge den massgebenden Perso-
nalaufwand der Beschwerdeführerin hinreichend abdecken, kann in diesem Verfahren nicht
geprüft werden, da diese Frage den Leistungsvertrag beschlägt und allenfalls im Klageverfah-
ren beurteilt werden müsste. Einer künftigen zu knappen Bemessung der Staatsbeiträge
müsste die Beschwerdeführerin während den Vertragsverhandlungen zur Festsetzung des
Budgets für das kommende Jahr entgegentreten.
Der Grundsatz der leistungsorientierten Finanzierung steht damit einer nachträglichen separa-
ten Abgeltung von zusätzlichem krankheitsbedingten Personalaufwand entgegen. Solche
Kosten müssen in einem effizient geführten Betrieb vorhergesehen und bereits bei der Fest-
setzung der Beiträge im Leistungsvertrag einkalkuliert werden. Auch nach Auffassung der
Vorinstanz sind Mehrkosten aufgrund von krankheitsbedingten Ausfällen von Mitarbeitenden
von der Beschwerdeführerin im Rahmen der vereinbarten Nettobetriebskosten zu bezahlen
und nicht zusätzlich abzugelten. Der Vorinstanz kann demnach weder eine falsche Rechts-
anwendung noch die pflichtwidrige Ausübung ihres Ermessens vorgeworfen werden.
3.4.4 Als Ergebnis ist festzuhalten, dass die budgetüberschreitenden Krankheitskosten in
der Höhe von CHF 43‘900.00 einerseits mangels anspruchsbegründender Rechtsgrundlage,
andererseits aufgrund des in Art. 75 Abs. 1 SHG und Art. 27 Abs. 1 SHV statuierten Grund-
satzes der leistungsorientierten Bemessung nicht zusätzlich abzugelten ist. Die angefochtene
Verfügung erweist sich demnach in diesem Punkt als rechtmässig und die Beschwerde ist in
diesem Umfang abzuweisen.
4. Kosten
4.1 Die Verfahrenskosten, bestehend aus einer Pauschalgebühr (Art. 103 VRPG), wer-
den der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das prozessuale Verhalten einer Partei
gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen Umstände rechtfertigten, keine Verfah-
renskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG).
Vorliegend hat die Beschwerdeführerin die Berücksichtigung der gesamten Budgetüberschrei-
tung von CHF 265‘082.00 beantragt. Sie dringt im Betrag von CHF 46‘157.00 mit ihren Anträ-
gen durch und obsiegt damit im Umfang von rund einem Sechstel. Die Verfahrenskosten,
pauschal festgesetzt auf CHF 1‘500.00, werden dementsprechend der Beschwerdeführerin im
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Umfang von 5 /6, ausmachend gerundet CHF 1‘250.00, zur Bezahlung auferlegt (vgl. Art. 19
Abs. 1 GebV 42
).
4.2 Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung oder
die Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als ge-
rechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Für die Verlegung der Parteikosten im Be-
schwerdeverfahren gilt in erster Linie das Unterliegensprinzip. Bei teilweisem Unterliegen bzw.
Obsiegen einer Partei hat jede anwaltlich vertretene Partei nur nach Massgabe ihres Obsie-
gens einen Ersatzanspruch für ihren Parteiaufwand (in Form eines Parteikostenbeitrags). 43
Die Parteikosten umfassen den durch die berufsmässige Parteivertretung anfallenden Auf-
wand. Die Bemessung des Parteikostenersatzes richtet sich nach den Vorschriften der An-
waltsgesetzgebung (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Mit Kostennote vom 31. Juli 2014 hat die Be-
schwerdeführerin die ihr entstandenen Parteikosten mit CHF 1‘022.00 (CHF 1‘000.00 Honorar
zuzüglich CHF 22.00 Auslagen) beziffert. Diese Kostennote gibt zu keinen Bemerkungen An-
lass. Nach Massgabe ihres Obsiegens wird der Parteikostenersatz der Beschwerdeführerin
zulasten der Vorinstanz auf Fr. 171.00 (inkl. Auslagen) festgesetzt.
42 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; SR
154.21) 43
Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Nrn 12 und 14 zu Art. 108 Abs. 3 VRPG
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