# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 62b59f07-7384-48c7-bf47-22e6a4abe02a
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2010
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. A. ist am _ in Z. (Y.) geboren und dort als Einzelkind in geordneten Familienverhältnissen aufgewachsen. In Z. besuchte er den Kindergarten und ging acht Jahre zur Schule. Nach Beendigung der Schule arbeitete er ab dem Jahre 1996 bei verschiedenen Firmen als Hilfsarbeiter. Im Mai 2005 kam er in die Schweiz und war bis im Mai 2008 als Pizzaiolo in den Restaurants B. und C. in X. angestellt. Anschliessend war er arbeitslos, ehe es im Juli 2009 zu einem Anstellungsverhältnis als Hilfsarbeiter bei der Firma D. in X. kam. Dabei verdient er ca. Fr. 3'600.-- netto im Monat. A. verfügt über kein Vermögen und ist im Betreibungsregister mit einer Betreibung verzeichnet.
A. ist einmal vorbestraft: Am 9. November 2007 wurde er vom Kreispräsidenten Roveredo wegen grober Verletzung von Verkehrsregeln zu einer bedingten Geldstrafe von 15 Tagessätzen à Fr. 60.-- sowie einer Busse von Fr. 600.-- verurteilt.
Im vorliegenden Verfahren wurde A. am 7. Januar 2010 in X. verhaftet und anschliessend in Untersuchungshaft genommen, aus welcher er am 11. Februar 2010 entlassen wurde. Insgesamt befand er sich 36 Tage in Untersuchungshaft.
B. Mit Verfügung vom 11. Januar 2010 eröffnete die Staatsanwaltschaft Graubünden ein Strafverfahren gegen A. und wies die Durchführung der Untersuchung dem Untersuchungsrichteramt X. zu. Nachdem dieses die erforderlichen Beweiserhebungen vorgenommen hatte, schloss es die Untersuchung mit Verfügung vom 6. April 2010. Mit Verfügung vom 21. April 2010 versetzte die Staatsanwaltschaft Graubünden A. wegen Widerhandlung gegen Art. 19 Ziff. 2 lit. a BetmG, mehrfacher Widerhandlung gegen Art. 19 Ziff. 1 BetmG sowie mehrfacher Widerhandlung gegen Art. 19a Ziff. 1 BetmG in Anklagezustand. Dieser Anklage liegt gemäss Staatsanwaltschaft Graubünden folgender Sachverhalt zugrunde:
„1.1 In der Zeit von Februar 2009 bis zu seiner Verhaftung vom 7. Januar 2010 kaufte der Angeklagte in W. und dort zunächst bei einem namentlich unbekannten Chilenen 80 gr Kokain für Fr. 6'400.-- und dann bei E. weitere 1'820 gr Kokain zum Grammpreis zwischen Fr. 60.-- und Fr. 70.--; sodann führte er im Dezember 2009 weitere 15 gr Kokain von der Dominikanischen Republik in die Schweiz ein. Insgesamt verfügte er somit über 1'915 gr Kokain.
1.2 Einen Teil des übernommenen Kokains hat der Angeklagte selber konsumiert. Die restlichen 1'640 gr Kokain hat er im Zeitraum Februar 2009 bis Januar 2010 eigenhändig in Portionen zu 5 oder 10 gr Kokain
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abgepackt und anschliessend an Drittpersonen verkauft oder diesen beim gemeinschaftlichen Konsum überlassen. Diese Abgabehandlungen erfolgten praktisch ausschliesslich in X.; nur in einem Fall gab der Angeklagte das Kokain in U. ab. Beim Verkauf verlangte der Angeklagte für ein Gramm Kokain jeweils zwischen Fr. 80.-- und Fr. 100.--. Im Einzelnen tätigte er die nachfolgend aufgeführten Kokainabgaben:
- 15 gr an G.,
- 80 gr an _,
- 100 gr an _,
- 100 gr an _,
- 300 gr an _,
- 50 gr an _,
- 50 gr an _,
- 250 gr an _,
- 70 gr an _,
- 100 gr an _,
- 100 gr an _,
- 150 gr an F.,
- 5 gr an einen _,
- 10 gr an einen _,
- 10 gr an einen _,
- 250 für den Gemeinschaftskonsum.
1.3 Anlässlich seiner Festnahme vom 7. Januar 2010 in X. trug der Angeklagte 44 gr Kokain auf sich. Er hatte vor, dieses Kokain bei nächster sich bietender Gelegenheit Drittpersonen zu verkaufen.
1.4 Im Zeitraum von Februar 2009 bis Januar 2010 hat somit der Angeklagte unter vielen verschiedenen Malen insgesamt 1'684 gr Kokain gehandelt oder dies tun wollen. Am 7. Januar 2010 wurde beim Angeklagten Kokain sichergestellt und analysiert. Dabei ergab sich bezüglich des bei ihm zu Hause gefundenen Kokains ein Reinheitsgehalt von 64% und bezüglich des von ihm kurz vorher in W. geholten Kokains ein solcher von 10%. Die Qualität des vom Angeklagten gehandelten Kokains reicht demnach von schlecht bis sehr gut. Geht man von jeweils durchschnittlicher Qualität und damit hinsichtlich der 1'684 gr Kokain von einem Reinheitsgehalt von 30% aus, hat der Angeklagte 505.2 gr reines Kokain verkauft, sonstwie Drittpersonen abgegeben oder hiezu Anstalten getroffen.
1.5 Der Angeklagte hat ein Gramm Kokain für Fr. 60.-- bis Fr. 80.-- angekauft und dann für Fr. 80.-- bis Fr. 100.-- weiterverkauft. Mit dem Verkauf der 1'390 gr Kokain erzielte er demnach einen Bruttoerlös von über Fr. 111'000.--. Da er auf 1 verkauftes Kokaingramm eine Marge
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von Fr. 20.-- hatte, belief sich der mit dem Kokainverkauf erzielte Reinerlös auf mindestens Fr. 28'000.--.
2.1 In der Zeit von Januar 2008 bis Januar 2010 erwarb der Angeklagte in X. bei F. unter mehreren (Malen) total 5 kg Marihuana sowie bei G. 400 gr Marihuana. Einen Teil dieses Marihuanas hat der Angeklagte in der Folge selber konsumiert. Das restliche Marihuana, nämlich total 4'550 gr, hat er in X. an Drittpersonen verkauft. Im Einzelnen tätigte A. folgende Marihuana-Abgaben:
- 1 kg an _,
- 40 gr an _,
- 1 kg an _,
- 300 gr an _,
- 120 gr an _,
- 600 gr an _,
- 430 gr an _,
- 380 gr an _,
- 80 gr an _,
- 500 gr an _,
- 100 gr an _.
2.2 Dabei verlangte der Angeklagte für 100 gr Marihuana Fr. 1'250.-- und löste somit mit dem Verkauf der 4'550 gr Marihuana total Fr. 56'875.--. Dabei erzielte er auf 100 gr Marihuana, das er verkaufte, eine Marge von Fr. 350.--. Sein Reinerlös aus dem Marihuanaverkauf beläuft sich somit auf Fr. 15'925.--.
2.3 Von Januar 2008 bis Herbst 2009 verkaufte der Angeklagte in X. unter mehreren Malen Drittpersonen insgesamt 84 Ecstasy-Tabletten. Dabei gab er diese Pillen zum Einstandspreis von Fr. 5.-- pro Stück weiter.
3.1 In der Zeit von Januar 2008 bis zu seiner Festnahme vom 7. Januar 2010 konsumierte der Angeklagte unter mehreren verschiedenen Malen in X. total 225 gr Kokain. Sodann fand die Polizei bei ihm zu Hause 5.8 gr Kokain. Der Angeklagte wollte auch dieses Kokain selber konsumieren.
3.2 In der Zeit von Januar 2008 bis ca. Oktober 2009 hat der Angeklagte in X. unter mehreren Malen insgesamt 700 gr Marihuana durch Rauchen konsumiert.
3.3 Von Januar 2009 bis September 2009 schluckte der Angeklagte ca. 50 Ecstasy-Tabletten. Sodann wurden bei ihm anlässlich der Hausdurchsuchung 165 solcher Tabletten sichergestellt. Der Angeklagte hatte vor, auch diese Pillen selber zu konsumieren.
4.1 Das Mobiltelefon Samsung GT-C6112 und 3 SIM-Karten, die der Angeklagte für seine Drogengeschäfte benutzte, sowie eine Elektrowaage „tomol“, die er für das Abportionieren der Betäubungsmittel verwendet hatte, wurden beschlagnahmt. Ebenso beschlagnahmt wurden die bei der Festnahme bzw. der
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Hausdurchsuchung sichergestellten 49.8 gr Kokain und 165  sowie eine kleine Menge Marihuana.
4.2 Beschlagnahmt wurden sodann Fr. 700.-- Bargeld, das am 7. Januar 2010 bei der Hausdurchsuchung gefunden wurde und direkt aus dem Drogenverkauf stammt. Im Hinblick auf eine allfällige Ersatzforderung wurden sodann der dem Angeklagten gehörende Personenwagen H. mit einem Zeitwert von ca. Fr. 22'000.-- sowie ab dem Konto _ des Angeklagten bei der I. Fr. 3'617.25 beschlagnahmt.“
C. Mit Schreiben vom 22. Januar 2010 wurde Rechtsanwalt lic. iur. et oec. Pius Fryberg auf eigenen Antrag vom Untersuchungsrichter ab sofort zum amtlichen Verteidiger von A. ernannt.
D. Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 11. Juni 2010 stellte die Staatsanwaltschaft Graubünden in der Ergänzung zur Anklageschrift vom 21. April 2010 folgende Anträge:
„1. A. sei
- der Widerhandlung gegen Art. 19 Ziff. 1 BetmG in Verbindung mit Art. 19 Ziff. 2 lit. a BetmG,
- der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 19 Ziff. 1 BetmG und
- der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 19a Ziff. 1 BetmG,
schuldig zu sprechen.
2.a) Dafür sei er mit einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten sowie einer Busse von Fr. 600.--, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 6 Tagen, zu bestrafen.
b) Für den Teil von 20 Monaten sei die Freiheitsstrafe in Anwendung von Art. 43 StGB bei einer Probezeit von 2 Jahren bedingt aufzuschieben.
c) Die erstandene Untersuchungshaft von 36 Tagen sei an den zu vollziehenden Teil der Freiheitsstrafe anzurechnen.
3. Der für die vom Kreispräsidenten Roveredo mit Strafmandat vom 9. November 2007 ausgesprochene Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu je Fr. 60.-- gewährte bedingte Strafvollzug sei nicht zu widerrufen. Der Angeklagte sei diesbezüglich zu verwarnen.
4. Der Angeklagte sei gestützt auf Art. 71 Abs. 1 StGB zu einer Ersatzabgabe von Fr. 25'000.-- zu verurteilen. Von der zusätzlichen Erhebung einer Ersatzabgabe sei abzusehen.
5.a) Die beim Angeklagten beschlagnahmten Betäubungsmittel (49.8 gr Kokain, 165 Ecstasy-Tabletten und etwas Marihuana) sowie die sonstigen beschlagnahmten Gegenstände seien gestützt auf Art. 69 Abs. 1 StGB gerichtlich einzuziehen.
b) Das beschlagnahmte Bargeld in Höhe von Fr. 700.-- sei gestützt auf Art. 70 Abs. 1 StGB gerichtlich einzuziehen.
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c) Die auf dem Postkonto _ des Angeklagten beschlagnahmten Fr. 3'617.25 sowie der beschlagnahmte H. seien gerichtlich einzuziehen und als Ersatzforderung zu verwenden.
6. Kostenfolge sei die gesetzliche.“
E. Der Verteidiger machte in seinen Ausführungen zum Sachverhalt und zu den rechtlichen Erwägungen keine Bemerkungen. Der Angeklagte habe ein volles Geständnis abgelegt. Er habe zusammen mit Kollegen zunächst Drogen gekauft und konsumiert. Dabei habe er gemerkt, dass mit dem Verkauf von Drogen Geld verdient werden könne, woraufhin er damit angefangen habe. Er sei nicht skrupellos und konsumiere heute keine Drogen mehr. Er müsse, um den Führerausweis zu bekommen, immer wieder seinen Urin abgeben. Bisher habe es keine Beanstandungen gegeben. Er lebe in der Schweiz mit seiner Freundin zusammen. Zudem habe ihm die Fremdenpolizei mitgeteilt, dass er die Schweiz werde verlassen müssen, wodurch er genügend bestraft sei. Aus diesem Grund wurde eine bedingte Strafe beantragt. Der Angeklagte habe aus dem Vorfall seine Lehren gezogen und er stehe zu seiner Verantwortung. Hinsichtlich der Verwarnung und der Einziehungen könne den Anträgen der Staatsanwaltschaft gefolgt werden. Der Angeklagte entschuldigte sich in seinem Schlusswort. Er bereue seine Taten, werde nie mehr mit Drogen handeln, und übernehme die volle Verantwortung. Zudem wolle er weiterhin in der Schweiz leben.
F. Mit Urteil vom 11. Juni 2010, mitgeteilt am 15. Juli 2010, erkannte das Bezirksgericht Plessur wie folgt:
„1. A. ist der Widerhandlung gegen Art. 19 Ziff. 2 BetmG, der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 19 Ziff. 1 BetmG und der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 19a Ziff. 1 BetmG schuldig.
2.a) Dafür wird A. mit einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten, unter bedingtem Aufschub einer Teilstrafe von 24 Monaten, bestraft.
b) Der Vollzug der Teilstrafe von 24 Monaten wird unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren aufgeschoben.
c) Die erstandene Untersuchungshaft von 36 Tagen ist an den zu vollziehenden Teil der Freiheitsstrafe anzurechnen.
3.a) Dafür wird A. weiter mit einer Busse von CHF 600.00 bestraft.
b) Die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse beträgt 6 Tage. Sie tritt an die Stelle der Busse, soweit A. diese nicht bezahlt.
4. Auf den Widerruf der mit Strafmandat des Kreispräsidenten Roveredo vom 9. November 2007 bedingt ausgesprochenen Geldstrafe von 15 Tagessätzen à CHF 60.00 wird verzichtet. Der Angeklagte wird diesbezüglich verwarnt.
5.a) Die sichergestellten und mit Verfügung des Untersuchungsrichteramtes X. vom 6. April 2010 beschlagnahmten
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49.8 g Kokain, 165 Ecstasy-Tabletten und etwas Marihuana sind gestützt auf Art. 69 StGB gerichtlich einzuziehen und zu vernichten.
b) Die sichergestellten und mit Verfügung des Untersuchungsrichteramtes X. vom 6. April 2010 beschlagnahmten Gegenstände (1 Mobiltelefon Samsung GT-C6112 samt 2 SIM-Karten [I./I.], 1 SIM-Karte LycaMobile, 1 Elektrowaage Marke tomol) sind gestützt auf Art. 69 StGB gerichtlich einzuziehen und zu vernichten, soweit sie nicht verwertet werden können.
c) Das sichergestellte und mit Verfügung des Untersuchungsrichteramtes X. vom 6. April 2010 beschlagnahmte Bargeld von CHF 700.00 (Empfangsschein Nr. _ vom 15. Februar 2010) ist gestützt auf Art. 70 Abs. 1 StGB gerichtlich einzuziehen.
6. A. wird gestützt auf Art. 71 Abs. 1 StGB zu einer Ersatzforderung verurteilt. Zu ihrer Begleichung werden die auf dem Postkonto _ von A. beschlagnahmten CHF 3'617.25 sowie der beschlagnahmte H., NR. _ (Stammnummer _) gerichtlich eingezogen und verwertet. Mit der Verwertung wird die Staatsanwaltschaft Graubünden beuaftragt.
7.a) Die Kosten des Verfahrens von CHF 12'088.00 (Untersuchungskosten der Staatsanwaltschaft Graubünden von CHF 6'860.00, Gerichtskosten von CHF 2'000.00 und Honorar der amtlichen Verteidigung von CHF 3'228.00 inkl. 7.6% MwSt.) gehen zu Lasten von A..
b) Die Kosten der angerechneten Untersuchungshaft von CHF 6'170.00 sowie des Strafvollzuges gehen zu Lasten des Kantons Graubünden. A. hat sich daran nach Massgabe von Art. 380 Abs. 2 StGB zu beteiligen.
c) Die Kosten der Übersetzerin von CHF 180.00 gehen zu Lasten der Gerichtskasse.
d) Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden vorschussweise aus der Gerichtskasse beglichen.
e) Paula Da Silva Osorio schuldet dem Bezirksgericht Plessur folglich Total CHF 12'088.00 (Busse: CHF 600.00 [bereits bezahlt]; Verfahrenskosten: CHF 12'088.00). Dieser Betrag ist innert 30 Tagen seit Zustellung des Urteils auf das PC-Konto _ des Bezirksgerichtes Plessur zu überweisen.

## Considerations