# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b9353987-b083-4c80-81ce-9501036fe666
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_004
**Year:** 2010
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalte handle, die auch nicht mit VGU A 09 3 vergleichbar seien.
Bezüglich der Verjährung sehe Art. 187 Abs. 3 StG vor, dass nach
Inkrafttreten des angepassten Steuergesetzes die neuen
Verjährungsbestimmungen zur Anwendung gelangen. Es gelte damit Art. 125
StG. Das Recht eine Steuer zu veranlagen, verjähre für nicht periodische
Steuern wie hier fünf Jahre nach Ablauf des Jahres, in welchem der
steuerbegründende Tatbestand eingetreten sei (Abs. 1). Das Recht eine
Steuer zu veranlagen, sei in jedem Fall 10 Jahre nach Ablauf der
Steuerperiode verjährt (Art. 125 Abs. 4 StG). Eigentlich wäre vorliegend
sowohl die relative (5 J.) als auch die absolute (10 J.) Verjährung bereits
eingetreten. Dieses Resultat widerspreche aber dem klaren Willen des
Gesetzgebers, der ratio legis und einer verfassungskonformen Auslegung,
weshalb die Verjährungsfrist erst am 01.01.2006 zu laufen beginne. Sonst
müsse eine Gesetzeslücke oder eine planwidrige Unvollständigkeit
angenommen werden, welche die kantonale Steuerverwaltung als
rechtsanwendende Behörde in ihrem Sinne schliessen könne. Eine
unzulässige Rückwirkung würde nur vorliegen, wenn die später in Kraft
getretene Revision per 01.01.2008 auf den hier älteren Tatbestand
angewendet würde.
4. Mit Schreiben vom 19.04.2010 wies die Steuerverwaltung daraufhin, dass
Verwaltungsrichter ... in eigener Sache in einen ähnlich gelagerten Fall
verwickelt sei, weshalb das Verwaltungsgericht dessen Ausstand gemäss Art.
42 des Gerichtsorganisationsgesetzes (GOG) infolge Befangenheit noch zu
prüfen und darüber vorfrageweise zu urteilen habe.

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Zunächst gilt es bezüglich des Ausstandsbegehrens gemäss Art. 42 GOG zu
bemerken, dass der namentlich erwähnte Verwaltungsrichter in der Zeit vom
03.05.-14.05.2010 in den Ferien weilte und damit ordentlicherweise sein
Stellvertreter an der Gerichtssitzung vom 11.05.2010 teilnahm, weshalb sich
die Ausstandsfrage gar nicht stellt.
2. a) Materiell sind das anwendbare Recht sowie die Verjährungsfrage zu klären.
Laut Art. 188f Abs. 1 des Steuergesetzes für den Kanton Graubünden (StG;
BR 720.000) werden vor dem 1. Januar 2001 vollzogene Erbvorbezüge unter
Ehegatten per 31. Dezember 2000 besteuert. Für die Bewertung des
Vorempfanges sind die Verhältnisse zur Zeit der Ausrichtung massgebend.
Gemäss Art. 188f Abs. 2 StG werden die noch nicht besteuerten
Erbvorbezüge an die Nachkommen und an diesen gleichgestellte Personen
mit dem Inkrafttreten der Teilrevision (das heisst auf den 1. Januar 2008; so
bereits im Urteil vom 12. Mai 2009, VGU A 09 3 E. 2b) besteuert. Die
Besteuerung erfolgt nach den vor dem Inkrafttreten der Teilrevision geltenden
Steuersätzen zum Wert im Zeitpunkt der Ausrichtung des Vorempfangs.
Gemäss Art. 125 Abs. 1 StG verjährt das Recht, eine Steuer zu veranlagen,
für periodische Steuern 5 Jahre nach Ablauf der Steuerperiode, für nicht
periodische Steuern 5 Jahre nach Ablauf des Jahres, in dem der
steuerbegründende Tatbestand eingetreten ist (relative Verjährungsfrist).
Nach Art. 125 Abs. 4 StG verjährt das Recht, eine Steuer zu veranlagen, auf
jeden Fall 10 Jahre nach Ablauf der Steuerperiode (absolute Verjährungsfrist).
Gemäss Art. 187 Abs. 3 StG gelten nach dem Inkrafttreten dieses Gesetzes
(ab 01.01.2008) nur noch die neuen Verjährungsbestimmungen im Sinne von
Art. 125 StG. Die vor dieser Teilrevision geltende, altrechtliche
Übergangsregelung (aArt. 188f Abs. 2 StG) lautete demgegenüber wie folgt:
Vorempfänge auf Rechnung künftiger Erbschaft, welche vor dem 1. Januar
2001 ausgerichtet und noch nicht besteuert wurden, werden im Zeitpunkt des
Erbgangs zusammen mit dem übrigen Nachlass besteuert. Für die Bewertung
des Vorempfangs sind die Verhältnisse zur Zeit der Ausrichtung massgebend.
b) In tatbeständlicher Hinsicht ist erstellt, dass der Erblasser bereits am
19.10.2005 und somit eindeutig vor Inkrafttreten der Teilrevision des StG auf
den 01.01.2008 (mit der Abschaffung der Erbschafts-, Nachlass- und
Schenkungssteuer für direkte Nachkommen vom Erblasser; neu Art. 107 Abs.
2 StG) verstorben ist. Aufgrund dieser Tatsache unterscheidet sich der
vorliegende Streitfall in einem wesentlichen Punkt gegenüber dem
Leitentscheid in dieser Sache des Verwaltungsgerichts vom 12. Mai 2009
(VGU A 09 3), weil in jenem Fall der potentielle Erblasser zum Zeitpunkt der
neuen Steuerregel (per 01.01.2008) nachweislich noch lebte. Da die
gesetzliche Grundlage für die Erhebung der erwähnten Steuerart in direkter
Nachkommenslinie exakt auf jenes Datum hin ersatzlos gestrichen wurde
bzw. weggefallen ist, konnte dort logischerweise (mangels Rechtsgrundlage)
auch keine Besteuerung der potentiellen Erben mehr erfolgen. Im konkreten
Fall verhält es sich indes nachweislich gerade gegenteilig, weil der Erblasser
bereits am 19.10.2005 verstarb, der Steuertatbestand bereits früher
eingetreten ist, und somit von Gesetzes wegen eine steuerliche
Gleichbehandlung aller Erben oder Erbgemeinschaften mit den vor dem 31.
Dezember 2007 eingetretenen Todesfällen zu erfolgen hat. Die Einwände und
Argumente der Beschwerdeführer gegen die Erhebung der strittigen
Nachlasssteuer sind deshalb klar unbegründet.
c) Zu klären bleibt damit aber noch, ob die Vorempfangsabtretungen aus den
Jahren 1991 und 1992 inzwischen nicht längst verjährt sind und folglich von
daher keine Steuerpflicht mehr durchgesetzt werden kann. Ausgangspunkt
hierfür bildet Art. 125 StG, wonach zur Geltendmachung von latenten Steuern
sowohl die relative 5-jährige als auch die absolute 10-jährige Verjährungs-
bzw. Verwirkungsfrist respektiert werden muss. Entscheidend ist vorliegend
in diesem Zusammenhang, wann diese Fristen zu laufen begonnen haben.
Wie das Verwaltungsgericht grundsätzlich dazu bereits in verschiedenen
Urteilen festhielt und wie das Bundesgericht in einem Fall auch noch
ausdrücklich bestätigte, löst im Falle der Nachlassteuer der unentgeltliche
Vermögensübergang aus Erbrecht den eigentlichen Steuertatbestand aus.
Diese Auffassung deckt sich zudem auch mit Art. 108 Abs. 1 StG, worin
explizit festgehalten wird, dass der Steueranspruch im Zeitpunkt des
Vermögensüberganges bzw. der Zuwendung entsteht (so schon: VGE 515
und 516/95; VGU A 99 82 E. 2b samt Urteil Bundesgericht 27.10.2000
[2P.109/2000] E. 3b; VGU A 03 56; speziell zur Rückwirkung altrechtlicher
Vorgaben StE 6/2009 B 24.4 Nr. 77 bzw. BG-Urteil vom 05.12.2008
[2A.100/2007]). Klar davon zu unterscheiden ist aber bei
Aufschubtatbeständen wie dem vorliegenden, welche für die konkrete
Veranlagung noch die Erfüllung einer weiteren Voraussetzung (hier den Tod
des Vorempfanggebers) erfordern, die Besteuerung an sich, deren rechtliche
Wirkung erst bei der Erfüllung der zweiten Voraussetzung einsetzt, was
logischer- und notwendigerweise auch für die Verjährungsaspekte gelten
muss (vgl. VGU A 03 56 E. 3b in fine und A 99 82 E. 3a). Steuerauslösendes
Ereignis für den Beginn des Verjährungsfristenlaufs ist somit der Tod des
Erblassers am 19.10.2005; die erwähnten Verjährungsfristen haben deshalb
hier ab dem 01.01.2006 – für nicht periodische Steuern nämlich nach Ablauf
des Kalenderjahres - zu laufen begonnen. Den jeweiligen Zeitpunkten der
Vorempfangsabtretungen vor knapp 20 Jahren (1991/92) kommt in diesem
Zusammenhang keine weitere Bedeutung zu. Im konkreten Fall sind beide
Fristen zweifelsfrei eingehalten worden, da die fristrelevante
Veranlagungsverfügung betreffend Nachlasssteuer am 10.12.2009 erfolgt ist,
womit die relative 5-jährige als auch die absolute 10-jährige Verjährungsfrist
gemäss Art. 125 StG eingehalten wurden.
d) Zusammengefasst ergibt sich, dass hier noch das am 19.10.2005 geltende
Recht (aArt. 106 StG) zur Anwendung gelangt, wonach die Erhebung von
Nachlasssteuern für die direkten Nachkommen eines Erblassers noch
ordentlich vorgeschrieben und somit geboten war. Nachdem zudem weder die
relative noch die absolute Verjährung eingetreten ist, erweist sich die
Beschwerde auch diesbezüglich als unbegründet, was zu ihrer Abweisung
führt. Der angefochtene Entscheid ist somit rechtmässig und schützenswert.
3. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten nach Art. 73
Abs. 1 VRG anteilsmässig und unter solidarischer Haftung auf das Ganze den
einzelnen Beschwerdeführern aufzuerlegen. Eine aussergerichtliche
Entschädigung an die Vorinstanz entfällt indes laut Art. 78 Abs. 2 VRG, da
diese lediglich in ihrem amtlichen Wirkungskreis obsiegte.