# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** dd860fd3-78d4-4003-80a2-d074680dbd61
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1959,
arbeitete seit 1999 als selbständige
Coiffeuse
und mel
dete sich am 23. Mai 2000 bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbe
zug
an (Urk. 6/3, Urk. 6/23).
D
ie Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürichs, IV-Stelle, verneinte mit Verfügung vom 7. Dezember 2001 (Urk.
6/13
) einen Rentenanspruch,
was das hiesige Gericht mit Urteil vom 11. November 2002
im Verfahren Nr. IV.2002.00011
bestätigte (Urk.
6/24
).
Am 19. Oktober 2005 meldete sich die Versicherte erneut bei der IV-Stelle an (Urk. 6/30). Mit Verfügung vom 12. Dezember 2005 (Urk. 6/32) trat die IV-Stelle auf das erneute Gesuch nicht ein.
Am
25. März 2008
m
eldete sich
die Versicherte erneut
zum Leis
tungsbe
zug
an
(Urk.
6/34)
. Die IV-Stelle holte unter anderem ein polydis
ziplinäres Gutachten ein, das am 5. Juni 2009 erstattet wurde (Urk. 6/67). Mit Verfügung vom 4. Juli 2012 sprach
sie
der Versicherten eine be
fris
tete ganze Invalidenrente von Februar bis Juni 2008 zu (Urk. 6/132), was vom hiesigen Gericht mit Urteil
vom 16. Januar 2014
im Verfahren Nr.
IV.2012.00839 bestätigt wurde (Urk. 6/139
)
.
1.2
Am 14. Juli 2015 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (Urk. 6/150). Die IV-Stelle holte unter anderem ein polydisziplinäres Gutachten ein, das am 9. Juni 2016 erstattet wurde (Urk.
6/177), und verneinte mit Ver
fü
gung vom 15. November 2017 einen Leistungsanspruch (Urk. 6/217). Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das hiesige Gericht mit Urteil vom 13. März 2018 im Verfahren Nr. IV.2018.00001 gut (Urk. 6/2
22
) und wies die Sache an die IV-Stelle zurück, da kein Vorbescheid ergangen war (S.
4
E.
2.3
).
Die IV-Stelle holte in der Folge unter anderem ein polydisziplinäres Gutachten ein, das am 17. Juli 2019 erstattet wurde (Urk. 6/275)
,
und verneinte nach durch
geführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 6/279, Urk. 6/285) mit Verfügung vom 8.
Januar 2020 einen Rentenanspruch (Urk. 6/289 = Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am 7. Februar 2020 Beschwerde gegen die Verfügung vom 8. Januar 2020 (Urk. 2) und
beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr rückwirkend eine angemessene Invalidenrente zuzusprechen (Urk. 1 S. 2 oben).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 3. März 2020 (Urk. 5) die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 4. März 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 7).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
G
emäss Art. 28 Abs.
2
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
(
IVG
)
besteht
be
i einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente
.
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus, in näher umschriebener angepasster Tätigkeit
bestehe
eine Arbeitsfähigkeit von 100 %
(S. 2 oben). Sie bezifferte das
Valideneinkommen
2019 mit rund Fr.
52'418.-- und das Invalideneinkommen mit rund Fr. 55'349.-- (S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1), in den 2009 und 2016 erstatteten Gutachten seien die Gutachter zum Schluss gelangt, dass sie aus rheumatologischer / orthopädischer und aus psychiatrischer Sicht auch in einer adaptierten Tätigkeit beeinträchtigt sei (S. 10 Ziff. 7.2.4), was sie näher ausführte (S. 10 ff. Ziff. 7.2.4.1 und S. 15 Ziff. 7.2.4.2). Die Beschwer
degegnerin habe die Gutachten nicht hinreichend gewürdigt (S. 15 ff. Ziff. 7.2.5). Es seien deshalb ein fachärztliches orthopädisches oder rheumatologisches Gut
achten und eine Evaluation der Funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL)
zu veran
lassen (S. 17 Ziff. 7.3). Ferner sei beim Invalideneinkommen ein Leidensabzug von 25 % angezeigt (S. 18 f. Ziff. 7.4).
3.
Letztmals (rechtskräftig) beurteilt wurde der Gesundheitszustand bei der
Zu
spra
che
einer befristeten Rente 2012, bestätigt mit Urteil 2014 (dort E. 4.2 und 4.6). Per 2008 bestand eine Arbeitsfähigkeit von 80 % aus somatischer Sicht und eine (wegen der damaligen Rechtsprechung nicht massgebende) Einschränkung von 50 % aus psychiatrischer Sicht.
4.
4.1
Dr.
med.
Y._
,
Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie des Bewegungsapparates,
nannte in ihrem Schreiben vom
13.
Juli 20
15 (
Urk.
6/149)
die folgenden fussorthopädischen Diagnosen:
-
schwere posttraumatische Arthrose des
subtalaren
Gelenkes, vor allem der
anterioren
und
posterioren
Facette, abgeflachter Böhler-Winkel des
Calcaneus
nach komplexer
Calcaneusfraktur
, osteosynthetisch versorgt mit aktuell Ödem im Talus, vor allem zentral und nahe am unteren Sprunggelenk (USG) links
-
posttraumatische
calcaneocuboidale
Arthrose bei Status nach komplexer
osteosynthetisierter
Calcaneusfraktur
3. Februar 2007
-
Restsymptome oberes Sprunggelenk (OSG) rechts bei Status nach Unterschenkelfraktur mit
Pi
l
on
-Anteil, versorgt über eine Marknagelung und zusätzlich freien Schrauben bei Zustand nach
Frakturierung
ebenfalls am 3. Februar 2007
Die Patientin erwähne, dass sie seit Jahren Beschwerden in beiden Füssen und Sprunggelenken habe. In den letzten 2-3 Jahren hätte
sich
die Situation links aber drastisch verschlechtert
.
Inzwischen müsse sie bei jedem Schritt hinken
und es zeige sich auch immer wieder eine Schwellung und es träten auch Ruhe
schmerzen auf. Auf
der Gegenseite rechts habe sie keine Schwellung und keine Beschwerden, und wenn, dann nur bei vermehrter Belastung (S. 1 unten).
4.2
Die Ärzte des
Z._
,
Medas
A._
, erstatteten am
9.
Juni 20
16
ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdeführerin
(6/177)
. Sie nannte
n
folgende
Diagnosen
mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als
Coiffeuse
(S.
22 unten):
-
chronische Schmerzen linker Fuss bei/mit:
-
schwerer posttraumatischer Arthrose des
subtalaren
Gelenkes, vor allem der
anterioren
und
posterioren
Facette, abgeflachter Böhler-Winkel des
Calcaneus
nach komplexer
Calcaneusfraktur
, osteosyn
the
tisch versorgt mit aktuell Ödem im Talus, vor allem zentral und nahe am USG links
-
posttraumatischer
calcaneocuboidaler
Arthrose bei Status nach komplexer
osteosynthetisierter
Calcaneusfraktur
vom 3. Februar 2007
-
persistierende
Cervikalgien
bei/mit deutlichen degenerativen Verände
rungen mit
Osteochondrose
HWK 3-7 mit
Uncovertebralarthrosen
und
Spondyl
a
rthrosen
mit degenerativ bedingter
foraminaler
Kompression C4 links ohne
radikuläre
Zeichen und
Status
nach
HWS-Distorsionstrauma am
7. Januar 1999
-
c
hronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
(ICD-10
F45.41
)
Ferner nannten sie folgende Diagnosen ohne Relevanz für die Arbeitsfähigkeit (S.
23 oben):
-
Restsymptome OSG rechts bei Status nach Unterschenkelfraktur mit
Pi
l
on
-Anteil, versorgt über eine Marknagelung und zusätzlich freien Schrauben bei Zustand nach
Frakturierung
ebenfalls am 3. Februar 2007 bei gutem radiologischen Befund
-
Periarthropathia
humeroscapularis
(PHS) links bei leichten degenerativen Veränderungen im AC Gelenk ohne
Impingementzeichen
und
Tendin
o
pathie
der
Supra
s
pinatussehnen
mit einer partiellen Ruptur im Bereiche des tiefen Blattes ohne Retraktion der Muskulatur (MRI 2011) und guter Funktion der linken Schulter
-
Lumbalgien ohne grosses radiologisches Substrat
-
diskretes Lymphödem im Bereich der Beine beidseits
-
Status nach Eisenmangelanämie
-
Status nach Vitamin D Mangel
-
Adipositas Grad l
-
Status nach leichter
Antrum
- und Corpus-Gastritis und erfolgreicher HP-
Eradikation
Februar 2005
-
Spannungskopfschmerz
-
mögliches leichtes
costoclavikuläres
Syndrom
-
residuales sensibles Defizit im Areal des
Nervus
peroneus
superficialis
und
profundus
rechts
-
selbstlimitierendes,
aggravatorisches
Verhalten mit negativer Antwort
verzerrung
-
Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10 Z 73.1)
-
sonstige phobische Störungen (ICD-10 F40.8)
Zu
m
positiven und negative
n
Fähigkeitsprofil und den Ressourcen führten die Gutachter aus, es ergäben sich Beeinträchtigungen, mit Stress in bestimmten belastenden Situationen adäquat umzugehen, was zumindest zeitweise zu Defi
ziten in der Erfüllung der täglichen Routine führen könne (S. 28 unten). Arbeiten mit Heben und Tragen von schweren Lasten über 10 kg seien nicht zumutbar wie auch Arbeiten mit viel Überkopfarbeit und monotoner Haltung des Kopfes. Aus
schliesslich gehende und stehende Arbeiten und Arbeiten mit Gehen auf une
be
nem Gelände, auf Leitern und Treppensteigen seien nicht zumutbar. Zu bevor
zugen seien Arbeiten in sitzender Position mit der Möglichkeit des Hochlagerns des linken Fusses (S. 29 oben).
Aus psychiatrischer Sicht wurde ausgeführt, im Rahmen der aktuellen psy
chiatrischen Untersuchung hätten sich bei der Versicherten aktuell keine Hin
weise für eine relevante depressive Störung ergeben. Unter Berücksichtigung der vorhandenen Aktenlage sei es jedoch denkbar, dass im Verlauf leichte Schwan
kungen der Stimmungslage aufgetreten seien. Stimmungsschwankungen träten in gewissem Ausmass bei allen Menschen auf. Dies betreffe die Veränderung der Stimmung während des Tagesablaufes und sei von verschiedenen Faktoren ab
hängig (S. 25 unten).
Die beschriebene Ermüdbarkeit und Erschöpfbarkeit hätten in der Untersu
chungs
situation nicht nachvollzogen werden können, es habe weder eine Antriebs
schwäche noch eine auffallende Ermüdung
bestanden. Unter Berücksichtigung der psychosozialen Aspekte, der beiden Unfälle mit Verletzungen und längeren Auswirkungen auch auf den Beruf, dem Verlust ihres Lebenspartners nach Trennung und Scheidung und die Enttäuschung darüber, die Zuwendung ihrer erwachsenen Kinder ihren eigenen Familien gegenüber, die Verminderung des Vertrauens in die Funktionsfähigkeit des eigenen Körpers mit der Folge eines verstärkten
Schonverhaltens mit körperlichem Trainingsmangel, könnten dazu jedenfalls beigetragen und auch eine somatoforme Entwicklung angebahnt haben. Bei der Versicherten scheine sich ein Prozess der Konditionierung mit dysfunktionaler Verarbeitung der körperlichen Beschwerden und deren
Chroni
fizierung
zu zeigen. Gegenwärtig könne die Diagnose einer chronischen Schmerz
störung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) gestellt werden (S. 26 Mitte).
Zur Arbeitsfähigkeit führten die Gutachter aus, aus den Fachbereichen Innere Medizin und Neurologie f
ä
nden sich keine Diagnosen mit Beeinträchtigung
der
Arbeitsfähigkeit
. Aus dem Fachbereich Psychiatrie besteh
e
die Diagnose einer
chronischen Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren
(
F45.41
)
, welche eine Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit um 20 %
sowohl in der
ange
stammten, wie auch in einer Verweistätigkeit seit 2007 erg
ebe
. Federführend
sei
der Fachbereich
Orthopädie, wo die Folgen der schweren Verletzung von 2007 der linken unteren Extremität im
Vordergrund st
ünde
n. Die vorgeschlagene
sub
talare
und
calcaneocuboidale
Arthrodese
sei
weiterhin zu
diskutieren, obwohl die Versicherte Angst vor der O
peration
ha
be
. Die ebenfalls am
3. Februar 2007 erlittene
distale
Tibiafraktur
rechts zeig
e
klinisch und radiologisch ein gutes Resultat ohne Gelenkspaltverschmälerung.
Die Problematik im Schu
l
terbereich links
sei
klinisch und radiologisch nicht mehr evident. Im Bereiche der
Lenden
wirbelsäule (
LWS
)
zeig
t
en sich altersentsprechende degenerative Veränderungen ohne Relevanz.
I
m Bereich der
Halswirbelsäule (
HWS
)
zeig
t
en sich deutliche degenerative Veränderungen mit
Osteochondrose
HWK 3-7 mit
Uncoverte
bral
arthrosen
und
Spondylarthrosen
mit degenerativ bedingter
foraminaler
Kom
pression C4
links. Klinisch fehl
t
en jedoch
radikuläre
Zeichen
(S. 27 unten)
.
Die Problematik im Bereich der linken unteren
Extremität mit der Kombination der ausgeprägten Degeneration beding
t
en eine nicht mehr verwertbare
Arbeits
fähigkeit in der angestammten Tätigkeit als
Coiffeuse
seit dem Unfallereignis von 2007. Zusammengefasst ergebe sich eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % in der an
gestammten Tätigkeit als
Coiffeuse
seit 2007 und eine Arbeitsfähigkeit von 80
% in einer Verweistätigkeit im Rahmen des Zumutbarkeitsprofils (S. 27 f.).
In der angestammten Tätigkeit als
Coiffeuse
betrage die Arbeitsfähigkeit 0 %, in einer gemäss dem genannten Profil angepassten Tätigkeit betrage sie 80 %. Nach dem Unfallereignis vom 3. Februar 2007 habe sicherlich für 12-18 Monate eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit sowohl angestammt wie auch in Verweistätigkeit bestanden. Ab
dann sei die obengenannte Arbeitsfähigkeit von 80 % auch retrospektiv anwendbar (S. 23 Mitte).
4.3
Die Ärztinnen des
B._
führten mit Bericht vom 23.
Juli 2018 (Urk. 6/235) aus, sie behandelten die Beschwerdeführerin seit 1999 (Ziff. 1.1). Diese habe den eigenen
Coiffeursalon
1999 aufgegeben, seither sei nur ein Arbeitspensum von 20 % möglich (Ziff. 3.2).
In der Folge wurde die Beschwerdeführerin in der
C._
untersucht und behandelt, am
2.
August 20
18
in der Fuss-Sprechstunde
(
Urk.
6
/238
= Urk. 6/
240
-
242 =
Urk.
6/282),
am
31.
August 20
18
in der Wirbel
s
äulen-Sprechstunde
(
Urk.
6/251),
am
13.
September 20
18
in der Schulter-Sprechstunde
(
Urk.
6/283),
am
12.
Oktober 20
18
wiederum in der Wirbelsäulen-Sprechstunde
(
Urk.
6/252 =
Urk.
6/284)
.
4.4
Dr. med. D._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Regionaler Ärztlicher Dienst (
RAD
)
,
führte in seiner Stellungnahme vom
13.
Dezember 20
18 (6/278 S. 3 f.)
aus, im Vergleich zum Gutachten von 2016 könn
t
en folgende organische Veränderungen festgestellt werden (S. 3 unten):
-
Peroneus
brevis
Sehnenruptur
-
Rotatorenmanschettenruptur
Supraspinatus
(
transmural
vorderes Drittel) mit zunehmendem
Impingement
-
Trigger Finger
Dig
. III Hand links,
palmares
Handgelenksganglion rechts, leichtgradiges Karpaltunnelsyndrom (CTS) rechts
Es hätten weder klinisch noch neuroradiologisch sichere Hinweise auf eine Neurokompression bestanden (S. 3 f.). Klinisch seien ebenso ein regelrechter Gang und keine manifesten Gebrauchseinschränkungen der Arme festgestellt worden. Demnach sollten die neu aufgeführten organischen Veränderungen keine mass
geblichen funktionellen Konsequenzen nach sich ziehen. Ob eine erneute Begut
achtung angezeigt sei, sei administrativ zu entscheiden (S. 4 oben).
4.5
4.5.1
Die Ärzte
der
E._
erstatteten am 17. Juli 2019 ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (6/275). Sie stützen sich auf die ihnen überlassenen Akten, die Angaben der Beschwerde
führerin (S.
55 ff., S. 114 ff., S. 190 ff., S. 254 ff.
) und
die
von ihnen am
8. und 15. April 2019 durchgeführten Untersuchungen internistischer (S.
12 ff.
), neuro
logischer (S.
73 ff.
), orthopädischer (S.
149 ff.
) und psychiatrischer
(S.
213 ff.) Art
,
sowie ein am 17. Juli
2019
erstattetes
neuropsychologische
s
Gutachten (S. 279 ff.)
.
4.5.2
Die Gutachter nannten die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (S. 7 Ziff. 4.2):
-
leichtgradiges Karpaltunnelsyndrom rechts
-
subtalare
Arthrose links mit geringer Funktionsstörung
-
beginnende Fusswurzelarthrose rechts bei Status nach ausgeheilten Frak
turen und
Hallux
valgus
Korrektur mit geringer Funktionsstörung des MTP-1-Gelenkes
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden eine
Nervus
Peronaeusläsion
rechts mit Sensibilitätsstörung im
Peronaeusversorgungsgebiet
rechts und
Grosszehenheberplegie
rechts, eine Migräne, Differentialdiagnose (DD)
analgetikainduzierter
Kopfschmerz, eine Adipositas Grad I und eine Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01) genannt (S. 7 Ziff. 4.2)
.
4.5.3
In der Beurteilung führten die Gutachter aus, das Karpaltunnelsyndrom und die ebenfalls objektivierten orthopädischen Gesundheitsstörungen machten die über
wiegend stehend auszuübende und mit hohem beidhändigen Einsatz einherge
hende angestammte / erlernte Tätigkeit auf Dauer ungeeignet, da die Steh- und händische Belastbarkeit dauerhaft beeinträchtigt seien. Eine deutliche Entlastung (vor allem hinsichtlich der orthopädischen Befunde) durch eine Gewichts
reduk
tion sei zwar erreichbar, ebenso eine Besserung des Karpaltunnelsyndroms, was jedoch keine wesentliche Änderung an der bleibend reduzierten spezifischen Belastbarkeit in der angestammten Tätigkeit bewirken könne, dies auch unter Berücksichtigung der hier erhobenen Hinweise auf eine Aggravation. In diesem Sinne gehe auch die derzeitige Tätigkeit als
Coiffeuse
in einem berichteten Pen
sum von 20 % objektiv eher zu Lasten der Gesundheit und eine Umschulung sei auch hinsichtlich der langfristigen Perspektive sowie der wünschenswerten Erlan
gung einer vollen Arbeitsfähigkeit zu empfehlen (S. 7 Ziff. 4.3).
Die Biographie sowie die weitere psychiatrische Exploration zeig
t
en keinen Anhalt
für eine in Kindheit oder Jugend einsetzende, psychische und das Sozialverhalten
mit erheblichen negativen Folgen störende Auffälligkeit. Die ICD-10-Achsen
kriterien einer Persönlichkeitsstörung
seien
mithin nicht er
f
üllt
(S. 8 Ziff. 4.4)
.
S
oziale oder familiäre Be
l
astungsfaktoren mit funktioneller Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit l
ä
gen nicht vor. Selbständigkeit, Se
l
bstversorgungsfähigkeit und
soziale Interaktion
ersch
ie
nen anamnestisch und anhand der hiesigen objektiven
Befunde nicht namhaft reduziert
(S. 8 Ziff. 4.5). Zur Konsistenz führten die Gut
achter aus, dass
deutliche Diskrepanzen zwischen der anamnestisch reklamierten
nahezu maximalen Schmerzintensität und den objektiven Befunden (kein erheb
lich
schmerzgeplagter Eindruck, erhaltene Mobi
lität)
bestünden (S. 8 Ziff. 4.6).
4.5.4
Die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit betrage
-
aus seit 2017 ortho
pädischen und seit spätestens 2016 neurologischen Gründen
-
30 % von 2007 bis 2016 und 0 % seit 2017 (S. 8 Ziff. 4.7). Die neurologische Gesundheitsstörung (Karpaltunnelsyndrom) und die orthopädischen Gesundheitsstörungen wirkten additiv betreffend die obere und die untere Extremität und minderten die hän
dische Einsatzfähigkeit sowie die Steh- und Gehfähigkeit (S. 9 Ziff. 4.9).
In angepasster Tätigkeit betrage die Arbeitsfähigkeit aus Sicht aller Disziplinen 100 % (S. 8 Ziff. 4.8).
4.5.
5
Im orthopädischen Teilgutachten (S.
149 ff.) wurde unter anderem ausgeführt, die von der Versicherten geklagten
zervik
alen und lumbalen Beschwerden seien ohne auseichend korrelierendes objektives Befundkorrelat geblieben und liessen sich allenfalls im Kontext der gewichtsbedingten Überlastung des Achsenorgans ver
stehen (S. 207 f). Eine Gewichtsreduktion könne die subjektiven Beschwerden somit erheblich bessern. Die Bildbefunde seien für sich allein nicht derart ausge
prägt, dass eine Beschwerdebesserung durch eine Gewichtsreduktion nicht zu erwarten wäre, zumal dazu kein spinales
nervales
Defizit herausgearbeitet werden könne. Durch eine Gewichtsreduktion sei auch eine deutliche Beschwerdelin
derung im Bereich beider Füsse zu erwarten, wenngleich hier posttraumatisch
arthrotische
Veränderungen bereits irreversibel vorhanden seien. Die Mitarbeit der Versicherten bei einer Gewichtsreduktion sei medizinisch gut zumutbar, stehe in ihrem Gesundheitsinteresse und dürfe auch als Mass des subjektiven Leidens
drucks verstanden werden (S. 208 oben).
Für die geklagten spinalen Beschwerden fehle das objektive klinische Befund
korrelat. Auch habe die Versicherte im klinischen Eindruck nicht ihrer anam
nestisch hohen Schmerzintensität entsprechend beeinträchtigt gewirkt. Darüber hinaus zeige der Paracetamol-Wirkspiegel einen Wert unterhalb des therapeuti
schen Bereiches, was zumindest die proklamierte
Dafalgan
-Einnahme fraglich erscheinen lasse. Anamnestisch scheine eine ausreichende Selbstständigkeit, Selbst
versorgung und
Aktivität im Alltag auf, was die Annahme einer schwer
wiegenden Beeinträchtigung nicht stütze (S. 208 Ziff. 7.3).
Die
arthrotischen
Veränderungen im Bereich der Füsse seien bereits 2011 in der
C._
aktenkundig erwähnt worden, sodass aus Sicht des Gutachters der Gesundheitszustand als stationär zu beurteilen sei (S. 211 Mitte).
Aus Sicht des Gutachters besteh
e
eine
dauerhaft auf 30 % reduzierte
Arbeits
fähigkeit in der angestammten bisherigen Tätigkeit (
Coiffeuse
) seit dem
Unfall i
m
2007. Die Einschätzung des Gutachtens
2016
,
in
welch
em eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit in der angestammten Tätigkeit empfohlen
worden sei,
erschein
e
nicht schlüssig, da auch anteilig sitzende oder
wechselbelastende leichte Tätigkeiten vork
äm
en und die Versicherte zudem
berichte, aktuell in ihrer angestammten Tätigkeit in einem Pensum von 20 % zu
arbeiten (S. 211 unten).
In angepasster Tätigkeit bestehe aus orthopädischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 100 %, dies auch retrospektiv. Die aktenkundig (Vorgutachten 2016) emp
fohlene Minderung der Arbeitsfähigkeit auf 80 % in angepassten Tätigkeiten lasse sich aufgrund des hiesigen Befunds mit deutlichen Hinweisen auf (auch in 2016 in einer nachgehenden Stellungnahme nochmals hervorgehobenen) Inkonsisten
zen, der anamnestisch aufscheinenden erhaltenen Ressourcen sowie der (in der Vorbewertung nicht hinreichend berücksichtigten) nicht ausgeschöpften Thera
pie
optionen nicht bestätigen (S. 211 f.).
4.
6
Dr.
D._
,
RAD
(vorstehend E. 4.4), setzte sich in seiner Stellungnahme vom
20.
September 20
19 (6/278 S. 9 f.)
mit der vom Rechtsvertreter am
E._
-Gutachten geübten Kritik auseinander und legt
e
dar, aus welchen Gründen der Vorwurf, der orthopädische Gutachter habe sich nicht hinreichend mit früheren Beurteilungen auseinandergesetzt, unzutreffend sei (S. 10).
5.
5.1
Soweit in der Beschwerde (Urk. 1) mit Hinweisen auf das 2009 erstattete Gut
achten argumentiert wird (S. 6 f. Ziff. 7.2.1, S. 10 f. Ziff. 7.2.4.1.1)
, scheint übersehen worden zu sein, dass die Feststellungen im Gutachten zur
Zusprache
einer
ganzen
Rente
von Februar bis Juni
2008
im Juli 2012
führten (Urk. 6/132), und dass dies gerichtlich bestätigt worden ist (vorstehend E. 3).
5.2
Sodann wurde in der Beschwerde verschiedentlich auf ein Schreiben von Dr.
Y._
vom Juli 2015 (vgl. vorstehend E. 4.1) Bezug genommen (S. 12 oben, S. 12 unten) und
auf
eine «bildgebend nachgewiesene deutliche», gemäss Dr.
Y._
sogar «drastische» Verschlechterung des Gesundheitszustands am linken Fuss hingewiesen. Dies erheischt eine Klarstellung: Im Schreiben von Dr.
Y._
ist mit keinem Wort davon die Rede, es sei bildgebend eine Ver
schlechterung nachgewiesen
, sondern davon, dass die Patientin eine Verschlech
terung erwähnt habe, und dass sie - also die Beschwerdeführerin, nicht etwa Dr.
Y._
, die lediglich die Angaben ihrer Patientin referierte - diese als «dras
tisch» charakterisiert habe.
5.3
Die Rüge sodann, der orthopädische
E._
-Gutachter habe sich nicht hin
reichend mit früheren Beurteilungen auseinandergesetzt (S. 13 f. Ziff. 7.2.4.1.3), erscheint - wie bereits von Dr.
D._
(vorstehend E. 4.6) dargelegt - als
nicht gerechtfertigt. Der Gutachter hat nicht nur die von ihm umfassend erho
benen Befunde eingehend gewürdigt und zur anspruchsrelevanten Frage der Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit differenziert Stellung genommen, son
dern durchaus auch zu früheren Beurteilungen (vorstehend E. 4.5.5). Dass er dies nicht, wie beschwerdeweise postuliert, in erschöpfender Breite getan haben mag, ist mit der beschwerdeweise angeführten Rechtsprechung (S. 14 Mitte) umso mehr vereinbar, als
die aktuelle Einschätzung und
die
früher abgegebene nur gering
fügig voneinander abweichen.
5.4
Schliesslich erweist sich auch die Rüge, die Beschwerdegegnerin habe es unter
lassen, die vorhandenen medizinischen Unterlagen zu würdigen (S.
15
f. Ziff.
7.2.5), als unbegründet. Es ist im Gegenteil festzuhalten, dass seitens des RAD die nach dem Gutachten von 2016
erstattet
en Arztberichte darauf hin geprüft wurden, ob sich daraus eine andere Beurteilung als im Gutachten von 2016 ergebe (vorstehend E. 4.4), und das Gutachten von 2019 im Lichte der von der Beschwerdeführerin erhobenen Kritikpunkte gewürdigt wurde (vorstehend E.
4.6). Dass die Beweiswürdigung nicht
zum
von der Beschwerdeführerin als richtig erachteten Ergebnis geführt hat, kann nicht in den Vorwurf umgemünzt werden, sie sei nicht erfolgt.
5.5
Die gegen das Gutachten von 2019 erhobenen Einwände erweisen sich als nicht stichhaltig. Es erfüllt alle praxisgemässen Kriterien (vorstehend E. 1.
3
) vollum
fänglich, so dass darauf abgestellt werden kann.
Der Sachverhalt ist mithin dahingehend erstellt, dass in einer näher um
schrie
benen leidensangepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit besteht, die 100 % ge
mäss dem Gutachten von 2019 beziehungsweise 80 % gemäss dem Gutachten von 2016 beträgt.
5.6
Welchem Gutachten der Vorzug gebührt, kann
offen bleiben
, ebenso die Frage
eines allfälligen Leidensabzugs (Urk. 1 S. 18 f. Ziff. 7.4)
:
Wenn
vom Invaliden
ein
kommen von Fr. 55'349.-- (vorstehend E. 2.1) ausgegangen und
in beiden Punkt
en die für die Beschwerdeführerin günstigste Variante gewählt wird, nämlich eine Arbeitsfähigkeit von lediglich 80 % und ein maximaler Leidensabzug von 25 %, resultiert ein Invalideneinkommen von rund Fr.
33'209.
(Fr. 55'349.-- x 0.8 x 0.75). Beim - unbestrittenen (vgl. Urk. 1 S. 19 Ziff. 8) -
Valideneinkommen
von Fr. 52'418.-- ergibt dies eine Einkommenseinbusse von Fr. 19'209.--, was eine
n
Invaliditätsgrad von rund 37
% ergibt.
Damit wird der Mindestinvaliditätsgrad von 40 % (vorstehend E. 1.
2
) nicht erreicht und es besteht kein Rentenanspruch.
Die angefochtene Verfügung erweist sich mithin als rechtens, was zur Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde führt.
6.
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 700.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuer
legen.