# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 49090d34-f322-4990-92b6-68b834cf7952
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1986 geborene
X._
meldete sich unter Hinweis auf schwere
chro
nische
Depressionen am 23. Februar 2015 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an
(Urk. 7/2)
.
Die IV-Stelle tätigte
beruflich-
erwerbliche
und medizinische
Abklärungen (Urk. 7/4
, 7/10
, 7/13, 7/23, 7/24, 7/26
, 7/27 und 7/29
)
,
zog die Akten des Amtes für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich, Arbeitslosenkasse, bei (
Urk. 7/
9
, Urk. 7/15
)
und
erteilte m
it Schreiben vom 4. Januar 2016 Kostengutsprache für ein Auf
bautraining (Urk. 7/35)
,
wel
ches mit Mitteilung vom
21. Juli 2016
verlängert wurde
(Urk. 7/48)
.
Mit Schreiben vom 15. Dezember 2016 teilte die IV-Stelle dem
Ver
sicherten die Beendigung der
Inte
gra
tionsmassnahmen
mit (Urk. 7/61).
1.2
Im Rahmen
w
eitere
r
medizinische
r
Abklärungen (Urk. 7/67, 7/70
, 7/76, 7/83, 7/86, 7/95, 7/98
)
veranlasste die IV-Stelle eine
bi
disziplinäre Begutachtung des Ver
sicherten
bei Dr. med.
Z._
, Psychiatrie und Psycho
therapie, speziell Forensische Psychiatrie und Psychotherapie FMH, und lic. phil.
A._
, Fach
psycho
loge für Neuropsychologie FSP
(
Urk. 7/99, 7/100
)
,
welche das Gutachten am
28. Februar 2019
erstatteten
(Urk. 7/108)
.
Die von der IV-Stelle am 3. April 2019 gestellten Rückfragen (Urk. 7/109) beantwortete
Dr.
Z._
mit Schreiben vom 16. Mai 2019 (Urk. 7/111).
Gestützt auf das Gutachten sowie die
beantworteten Rückfragen stellte die IV-Stelle dem Versicherten mit Vorbescheid
vom 21. Juni 2019 die
Abweisung
des
Leistungs
be
gehrens in Aussicht (Urk. 7/114).
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 15. August 2019 Einwand (Urk. 7/115),
welchen er mit Eingabe vom 19. September 2019 ergänzte (Urk. 7/117).
Mit Verfügung vom 11. Dezember 2019
verneinte die IV-Stelle
einen
Leistungsa
nspruch (
Urk. 2 [=
Urk. 7/124
]
).
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 23. Januar 2020 Beschwerde und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Zu
sprech
ung einer ganzen Invalidenrente, eventualiter
sei
die
Sache
zur
rechts
ge
nüglichen
medi
zinischen Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, unter Kos
ten
folge zu deren Lasten. In prozessualer Hinsicht beantragte er die Ge
wäh
rung der unentgeltlichen Prozessführung (Urk. 1).
Die IV-Stelle schloss mit Be
schwerdeantwort vom 28. Februar 2020 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
5. März 2020 zur Kenn
t
nis gebracht wurde (Urk. 8).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundes
gesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
). Er
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Ein
gliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind aus
schliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über
windbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
1.2.1
Die An
nahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bun
des
gesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1
; 143 V 409 E. 4.5.2;
141 V 281 E.
2.1
;
130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fach
ärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2
;
1
43
V
409 E. 4.2.1;
141 V 281 E.
3.7
;
13
9 V 547 E. 5.2
;
127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2.
2
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418
;
143 V 409
;
141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.
3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen all
seitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den Vor
ak
ten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusam
menhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Ex
perten in einer Weise begründet sind, dass die rechts
anwendende Person sie prü
fend nach
vollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räu
mende Unsi
cherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen er
schweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a; 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die IV-Stelle stellte sich in der angefochtenen Verfügung auf den Standpunkt,
die von der Gutachterin attestierte Arbeitsunfähigkeit sei aus rechtlicher Sicht nicht nachvollziehbar. Der Beschwerdeführer verfüge in seinem Privatleben über sehr viele Ressourcen; so gehe er fast täglich in die Moschee und treffe sich mit einem guten Freund, habe eine Frau kennenlernen und in den Kosovo reisen kön
nen, surfe täglich im Internet und kommuniziere über soziale Medien. All dies spreche gegen eine
derart
schwere Depression, welche es ihm verunmögliche, einer Arbeitstätigkeit nachzugehen.
Damit übereinstimmend nehme der Be
schwer
de
führer weder regelmässige psychiatrische Behandlung in Anspruch noch – gemäss Medikamentenspiegel – regelmässig Medikamente ein, was auf einen bloss geringen Leidensdruck schliessen lasse. Im neuropsychologischen Gut
ach
ten hätten zudem keine verlässlichen Befunde erhoben werden können
, da d
ie
Tes
tun
gen allesamt sehr auffällig ausgefallen
seien. A
uch zeigten sich Wider
sprü
che zwischen den beiden Fachgutachten.
Das Gutachten sei in der Darlegung der medi
zinischen Zusammenhänge
folglich
weder
vollständig einleuchtend
noch
werde
die Schluss
folgerung in nachvollziehbarer Weise hergeleitet, woran auch die Antworten auf
die Rückfragen nichts geändert hätten.
Dennoch habe das Gut
ach
ten
ausreichend Informationen für die Durchführung eines strukturierten Be
weis
verfahrens geliefert und so ermöglicht, den Schweregrad des funktionellen Leis
tungsvermögens aus Sicht des Rechtsanwenders einzuschätzen. Dem
ent
spre
chend sei schliesslich von der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
durch die
Gut
achterin abgewichen worden (Urk. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer argumentierte demgegenüber, das Gutachten von Dr.
Z._
sei schlüssig und nachvollziehbar, es entspreche den Grund
sätzen von BGE 134 V 231 respektive BGE 125 V 35
1.
Weder der Indi
ka
toren
prü
fung noch dem tiefen Medikamentenspiegel, welcher nach heutigem medi
zi
nischen Wis
sensstand keine Aussage darüber zulasse, ob ein Medikament zuver
lässig einge
nommen werde, liessen sich Argumente für ein Abweichen vom Gut
achten ent
nehmen. Dies gelte umso mehr, als es der Gutachterin obliege, die Un
ter
suchungs
ergebnisse zu würdigen und zu interpretieren; eine losgelöste ju
ris
tische Parallel
prüfung
eine
s
beweiskräftigen
Gut
achtens sei unzulässig
.
Im Üb
rigen lasse das
negativ ausgefallene
Drogenscreening,
welches von der IV-Stelle ohne Hinweise auf einen möglichen Drogenmissbrauch angeordnet worden sei,
auf
Vor
einge
nommenhe
it ihm gegenüber schliessen (Urk. 1).
3.
3.1
Die IV-Stelle stützte
sich in der angefochtenen Verfügung
im Wesentlichen auf das von Dr.
Z._
und lic. phil.
A._
verfasste Gutachten vom 28. Feb
ruar 2019 (Urk. 7/108). Die Gutachter
führten darin folgende Diagnosen auf
(S. 32)
:
-
Rezidivierende depressive Störung, derzeit schwere Episode (ICD-10: F33.2)
-
Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen und narziss
tischen Anteilen (ICD-10: F61.0)
-
Posttraumatische Belastungsstörung, Erstdiagnose 2016, derzeit nicht nachweisbar
-
Nikotinabhängigkeit (ICD-10: F17.24)
Die psychiatrische Gutachterin hielt fest
(S.
3
2
-36
)
,
bei der Exploration habe sich eine schwere Depression auf dem Boden einer kom
bi
nierten Per
sön
lich
keits
stö
rung mit emotional instabilen und nar
ziss
tischen Zügen gezeigt, wohingegen
keine typischen Symptome einer Trauma
folge
störung im Sinne der vor
dia
gnos
ti
zierten posttraumatischen Belas
tungs
störung vor
ge
legen seien. D
ie drei Kern
kriterien für eine de
pressive Episode seien als erfüllt anzusehen, da der Be
schwer
de
führer unter Freud- und Interessenlosigkeit, Antriebsstörung und de
pressiver Stimmung leide
.
Mit dem Vorliegen von wiederkehrenden Suizid
ge
dan
ken, Kon
zentrations
stö
run
gen, Selbstwertverlust, Schuldgefühlen und Schlaf
stö
run
gen seien weitere Kriterien erfüllt, so dass derzeit eine schwere Ausprägung der depressiven Episode vor
liege. Da seit 2005 mehrere depressive Episoden be
schrie
ben worden seien, sei von einer mittlerweile deutlich
chronifizierten
de
pressiven Störung auszugehen.
Auch die allgemeinen Kriterien für eine Per
sön
lich
keitsstörung seien erfüllt; die Ab
weichung im Denken und Fühlen
,
in der Im
puls
kontrolle und in zwischen
menschlichen Beziehungen
führten zu Lei
dens
druck. Es fänden sich an Merk
ma
len impulsive Reaktionen, bis hin zu Wut
an
fällen, eine unbeständige launische Stim
mung, ein unklares Selbstbild, instabile Be
ziehungsgestaltung und an
hal
tende Gefühle von Leere. Daneben lägen nar
zisstische Züge mit Grössenideen, dem Gefühl, besonders und einzigartig zu sein, und Selbstbezogenheit vor. Die Kriterien für eine emotionale respektive nar
zisstische Persönlichkeitsstörung seien nicht eindeutig erfüllt, weshalb eine kom
bi
nierte Störung mit Merkmalen aus beiden Bereichen festzustellen sei.
Im Verlauf der psychischen Erkrankung seien verschiedene medikamentöse Stra
te
gien und nichtmedikamentöse Behandlungsansätze verfolgt worden, wel
che je
doch nicht zu einer anhaltenden Besserung der zunehmend verfestigten de
pres
siven Symptomatik geführt hätten.
Das Aufbautraining, bei dem der Be
schwer
deführer prinzipiell eine gute Motivation aufgewiesen
habe
, die Rah
men
be
din
gun
gen je
doch nicht habe einhalten und keine stabile Präsenz und Lei
stung habe auf
bauen können, sei zugunsten eines stationären Aufenthaltes im Oktober 2016
ab
gebrochen
worden. Zwischen Mai und August 2017
sowie
zwischen De
zember 2017 und Februar 2018 sei der Beschwerdeführer erneut stationär be
han
delt wor
den; nach dem Klinikaustritt sei er zusätzlich ambulant und durch die Psy
chiat
rie
spitex betreut worden. Die
traumaspezifische
Therapie habe wegen starker An
triebslosigkeit und Rückzugstendenz stationär durchgeführt werden müssen.
Der Beschwerdeführer beschreibe ein sehr zurück
ge
zogenes Leben mit nur weni
gen Bezugspersonen
(Mutter, Schwester, zwei Freun
de, Psychiater, Spitex). Kli
nisch
hätten sich keine Hinweise auf Aggravation ergeben, was mit den Ein
schät
zungen des ambulanten Behandlers sowie des stationär be
han
deln
den The
ra
peu
ten übereinstimme. Auch hätten sich weder klinisch noch labor
che
misch Hin
weise auf
Suchtmittelkonsum oder
medikamentöse
Noncompliance
er
geben.
Der Gesundheitsschaden sei als schwer einzustufen, da die Depression seit dem 19. Lebensjahr einen chronischen Verlauf genommen habe und in den letzten Jahren keine vollständige Remission mehr eingetreten sei. Der Umgang mit der affek
tiven Krankheit werde durch die überdauernde Persönlichkeitsstörung er
schwert; diese halte depressive Symptome sowie ein dysfunktionales subjektives Krank
heitskonzept (unheilbar krank zu sein, Krankheit als Strafe für eigenes Ver
sagen) aufrecht. Der Beschwerdeführer erscheine nicht nur im beruflichen, son
dern in den gesamten Lebensumständen erheblich beeinträchtigt.
Die Befunde der neuropsychologischen Untersuchung mit mittel
schwerer, teils schwerer kognitiver Beeinträchtigung
hätten
aufgrund auffälliger Re
sultate in den Symptomvalidierungsverfahren nicht als valide gewertet werden können.
Aus psychiatrischer Sicht sei zu vermuten, dass der Beschwerdeführer bei doku
men
tierter niedriger Aufmerksamkeit und Belastbarkeit in der Test
situation keine aus
reichende Anstrengungsbereitschaft gezeigt habe; auch in der psychiatrischen Unter
suchungssituation habe er konzentrationsgemindert, müde und angestrengt gewirkt. Vor dem Hintergrund seines Schulversagens und des negativen Verlauf
e
s der beruflichen Integrationsmassnahmen besitze der Be
schwerde
führer nur wenig Ver
trauen in die eigene kognitive Leistungsfähigkeit, er habe wenig Erfahrung und Routine mit entsprechenden Aufgabenstellungen und neige bei subjektivem Überforderungsgefühl zum raschen Aufgeben. Seine Kon
zentrationsfähigkeit in Be
zug auf intellektuelle Leistungen sei vielfach als ein
geschränkt dokumentiert
worden
, während ihm handwerkliches und praktisches Geschick eher attestiert worden sei. Gesamthaft deuteten die schlechten Leis
tungs
ergebnisse aus gut
ach
ter
licher Sicht nicht auf eine bewusste Täuschungs
absicht hin, sondern auf eine aus dem kom
plexen Störungsbild resultierende un
ge
nügende Motivation und An
stren
gungs
be
reitschaft.
Aus psychiatrischer Sicht bestehe in der angestammten Tätig
keit als angelernter Gipser wie auch in angepasster Tätigkeit seit mindestens November 2015 keine Arbeitsfähigkeit mehr (S. 39).
3.2
Die von der IV-Stelle am 3. April 2019 (Urk. 7/109) gestellten
Rückfragen
zum Gut
achten beantwortete Dr.
Z._
am 16. Mai 2019
umfassend, hielt indes an ihren Einschätzungen fest (Urk. 7/111)
.
Sie führte aus, das plötzliche Auftreten der Depression im Jahr 2015 lasse sich nicht erklären, zumal der Zeit
punkt schon länger zurückliege und aus dieser Zeit auch keine Arztberichte vor
handen seien.
Es seien keine Inkonsistenzen zwischen subjektiver Be
schwerde
an
gabe und objektivem Befund festgestellt worden;
d
ie aufgeführten Aktivitäten (Heirat, Kennenlernen einer anderen Frau, Durch
führen einer Reise, soziale und sportliche Aktivitäten, Lesen, im Internet surfen, Nach
richten schauen sowie Benutzung
sozialer Medien) seien für sich ge
nommen auch depressiven Menschen möglich, zumal die Depression vor
liegend phasen
weise verlaufe und auch bei zunehmender Chronifizierung nicht immer gleich stark ausgeprägt ge
wesen sei
.
Mit Blick auf die Persönlichkeitsstörung seien fünf der allgemeinen Kriterien nach ICD-10 zu bejahen. Beim Be
schwerdeführer
seien keine konkreten Anhaltspunkte für frühe Ver
haltensauffälligkeiten vorhanden, indes lägen auch keine konkreten Hinweise da
gegen vor. Seine Ver
haltens
abweichung sei jedoch stabil und von langer Dauer, was ausreiche, um das Kriterium G4 zu bejahen.
Hinsichtlich des Medikamentenspiegels habe sich in der Versicherungspsychiatrie die Ansicht durchgesetzt, dass
damit
primär nachgewiesen werden könne, ob ein Medikament eingenommen werde oder nicht
.
W
eiter
füh
ren
de Schlussfolgerungen aus
dessen Höhe
, beispielsweise auf regel
mässige Einnahme, seien hingegen nicht mit a
usreichender Sicherheit möglich
.
Schliesslich
könne die An
stren
gungs
be
reitschaft
bei einer Person, die Mühe
h
abe
, sich zu konzentrieren und über längere Zeit aufmerksam zu bleiben, früher nachlassen als bei Vergleichspersonen ohne diese Schwierig
keiten. Auch seien Schwankungen der Leistungsfähigkeit und der An
stren
gungsbereitschaft über einen Zeitraum von mehreren Stunden möglich, wes
halb es vorkommen könne, dass objektiv schwierigere Aufgaben besser als leich
tere gelöst würden, je nachdem, wann diese gestellt
würden
.
3.3
In der Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 31. Mai 2019 (Urk. 7/113 S. 9 f.) hielt Dr. med.
B._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, fest,
das Gutachten sei in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge nicht vollständig einleuchtend,
ebenfalls
seien die gezogenen Schluss
folgerungen nicht in klar nachvollziehbarer Weise hergeleitet worden
, a
uch die Antworten auf die Rückfragen hätten nicht zur vollständigen Klärung bei
getragen.
Die Diagnose einer rezidivierenden schweren depressiven Störung sei aufgrund der angegebenen Aktivitäten nicht nachvollziehbar, was aufgrund der nicht erfüllten ICD-10-Kriterien auch für die Diagnose der kombinierten Per
sönlichkeitsstörung mit emotional instabilen und narzisstischen Anteilen gelte. Auf die früher gestellte Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung sei die Gutachterin nicht eingegangen, auch sei gravierend, wie sie versuche, eine auf
fällige Symptomvalidierung mit nicht plausiblen Erklärungen auszuhebeln.
Es werde deshalb um eine Überprüfung durch den Rechtsanwender gebeten.
3.4
In der daraufhin vorgenommenen Ressourcenprüfung durch die IV-Stelle vom 19. Juni 2019 (Urk. 7/113 S. 10 f.) wurde festgehalten, der Beschwerdeführer ver
füge über sehr viele Ressourcen
;
die aufgeführten Aktivitäten (vgl. vorstehend E. 3.2) seien nicht möglich,
wenn
eine schwere Depression vorliege.
A
uch
sei nicht nachvollziehbar, weshalb der Beschwerdeführer regelmässig in die Moschee
gehen könne, nicht jedoch eine Behandlung wahrnehmen wolle oder könne. Zu
dem
lägen
mit Blick auf die Orientierungsprobleme
Aggra
vations
ten
denzen vor
.
Eine regelmässige Konsultation finde nicht statt, im Jahr 2017 hätten 14 Kon
sul
ta
tionen stattgefunden, im Jahr 2018 deren fünf. Folglich sei von einem geringen Lei
dens
druck auszugehen, was der tiefe Medi
ka
men
ten
spiegel bestätige.
Die dies
be
zügliche Begründung der Gutachterin (vgl. vor
stehend E.
3.2
) könne nicht nach
vollzogen werden.
Folglich sei dem Be
schwerdeführer eine volle Arbeits
fä
hig
keit zumutbar.
4.
4.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die IV-Stelle von der Beurteilung der im Gutachten vom
Februar 2019
attestierte
n
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
zu Recht
abwich und einen Leistungsanspruch verneinte.
4.2
Das Gutachten vom Februar 2018 (vgl. vorstehend E. 3.1)
beruht auf den
all
sei
tigen
Untersuchungen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden, wurde in Kennt
nis der und in Auseinandersetzung mit den Vorakten abgegeben
, be
ant
wortet sämtliche Fragen, erscheint in der Darlegung der medizinischen Zu
stände und Zusammenhänge als einleuchtend und begründet die Schluss
folge
rungen in nach
vollziehbarer Weise. Folglich erfüllt es die formellen An
forde
rungen an eine be
weiskräftige Expertise (vgl. vorstehend E. 1.3)
, weshalb grundsätzlich darauf ab
zustellen ist
.
Einer näheren Prüfung bedarf jedoch die getroffene Ein
schätzung der Arbeitsfähigkeit, zumal die I
V-Stelle – abweichend von der Beurteilung der gut
achterlich attestierten Arbeitsfähigkeit (vgl. vorstehend E. 3.1), jedoch in Über
einstimmung mit dem RAD (vgl. vorstehend E. 3.3) – auf Grundlage ihrer Ressourcenprüfung (vgl. vorstehend E. 3.4) zum Schluss
gelangte
,
dem Be
schwer
de
führer sei eine volle Arbeitsfähigkeit zumutbar.
4.3
Über das Zu
sam
men
wir
ken von Recht und Medizin bei der konkreten Rechtsan
wendung hat sich das Bun
desgericht verschiedentlich geäussert. Danach ist es sowohl den begut
achtenden Ärzten als auch den Organen der Rechtsanwendung aufgegeben, die Ar
beitsfähigkeit im Einzelfall mit Blick auf die normativ vorge
gebenen Kriterien zu beurteilen. Die medizinischen Fachpersonen und die Organe der Rechts
an
wen
dung prüfen die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht. Bei der Ab
schätzung der Fol
gen aus den diagnostizierten gesundheitlichen Beein
trächtigun
gen nimmt zuerst der Arzt Stellung zur Arbeitsfähigkeit. Seine Ein
schätzung ist eine wichtige Grund
lage für die anschliessende juristische Beur
teilung der Frage, welche Ar
beits
leistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 141 V 281 E.
5.2.1).
Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere darauf
hin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmen
bedingungen ge
halten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen an
hand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen las
sen. Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des struk
turierten Beweisverfahrens stattfinden, sondern im Rahmen der Be
weis
wür
di
gung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch an
hand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen Vorgaben Rechnung tragen. Entscheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im Rah
men des Sozialversicherungsrechts abschliessend nur aus juristischer Sicht beant
wortet werden kann. Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis für eine lang an
dauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Ein
schränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Ar
beits
un
fähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu er
bringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenansprechenden Person auswirkt (BGE 144 V 50 E. 4.3
).
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung
kann
folglich von der
medizinischen
Ein
schätzung der Arbeitsfähigkeit
abgewichen werden
, ohne dass
eine wie vor
liegend beweiskräftige Expertise dadurch
ihren Beweiswert verlöre (vgl. Urteil des Bundes
gerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 3.2).
4.
4
Dementsprechend
ist zu prüfen, ob der psychiatrisch attestierten Arbeits
un
fähig
keits
ein
schätzung im Gutachten zu folgen ist, weshalb
die gutachterlich dia
gnos
ti
zierten psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren zu unter
ziehen sind (vgl. vorstehend E. 1.2
.2
).
5.
5.1
5.1.1
Was den Komplex «Gesundheitsschädigung» betrifft, ist bezüglich des Indikators «Aus
prägung der diagnoserelevanten Befunde» festzuhalten, dass
sich die psy
chi
a
trische Gutachterin eingehend mit den diagnoserelevanten Befunden und deren Ausprägung auseinandersetzte.
Im Rahmen der
psychopathologische
n
Be
fund
aufnahme
sei
der Beschwerdeführer
wach, bewusst
seins
klar und allseits voll
stän
dig orientiert
, zeige
sich
im formalen Denken
indes
deutlich verlangsamt
. Auf
merk
samkeit und Kon
zen
tra
tion seien leicht bis mittel
gradig beeinträchtigt, ohne
relevante Gedächt
nis
stö
run
gen
, ohne inhaltliche Denkstörungen, Sinnes
täu
schungen oder Ich-Stö
run
gen
. Er imponiere deutlich nieder
geschlagen, hoff
nungs
los, resigniert, die affek
tive Schwingu
ngs
fähigkeit sei eingeschränkt.
Es be
stün
de
n
Krankheitseinsicht und Be
hand
lungs
bereitschaft bei ambi
valenter Hal
tung gegenüber medi
ka
men
töser Be
hand
lung
(Urk. 7/108 S. 21 f.)
.
Der neuropsychologische Gutachter hielt fest, der Beschwerdeführer
wirke
müde, Auf
merksamkeit und Arbeitsgeschwindigkeit seien mittel bis tief, er wir
ke
zudem
etwas träge und stark angestrengt, seufze und stöhne oft, schliesse kurz
zeitig die Augen, senke den Kopf nach hinten.
Die Belastbarkeit erscheine vermindert, das In
struktionsverständnis unauffällig.
Die affektive Schwin
gungs
be
reit
schaft sei ver
mindert, die Grundstimmung wirke deutlich, der Antrieb leicht redu
ziert
. Bei fehlen
der Validität könne eine neuropsychologische Diagnose nicht gestellt wer
den
(Urk. 7/108 S. 23 f.)
.
Hinsichtlich des
Indikators «
Behandlungs- und
Eingliederungs
erfolg
»
ist fest
zu
halten, dass sich der Beschwerdeführer ab 2005 verschiedenen ambulanten psy
chia
trisch-psycho
thera
peutischen Behandlungen mit medikamentösen und nicht
medi
ka
men
tösen Behandlungsansätzen unterzogen hat. Es fanden vier stationäre
Be
handlungen
statt, seit 2007 wird er wöchentlich durch die Psychiatriespitex un
ter
stützt
, er geht in grösseren Abständen zu seinem behandelnden Psychiater
.
Gemäss den Gutachtern stehe das antriebslos-depressive Rückzugs
ver
halten am
bu
lanten Behandlungen
(mit höherer Frequenz)
wie auch teil
s
t
atio
nären Behand
lungen entgegen, welche wiederholt vor
ge
schlagen, jedoch n
icht durch
geführt wor
den seien. Das Aufbautraining
wurde
zu
gunsten einer statio
nären Be
hand
lung
abgebrochen.
Die Gutachter hielten fest, auch bei Fortsetzung der indizierten psy
chiatrischen Weiterbehandlung sei in ab
seh
barer Zeit keine für die Ar
beits
fä
hig
keit relevante Verbesserung des psychischen Gesund
heits
zu
stan
des zu er
war
ten
, es könne gegenwärtig als Erfolg ge
wertet werden, wenn der Be
schwerde
füh
rer beispielsweise in einer Tagesklinik, einem Tageszentrum mit
Be
wegungs
- und Beschäftigungstherapie oder in einem ge
schützten Ar
beits
be
reich eine regel
mäs
sige Tagesstruktur aufbauen und länger
fristig ein
halten könne
(Urk. 7/108 S.
15 und
37)
.
Vor diesem Hintergrund kann
indes
nicht von einer
Be
hand
lungs
- oder Ein
gliederungs
resis
tenz ausgegangen werden.
Im Sinne einer Komorbidität ist zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer an einer Persönlichkeitsstörung leidet
.
Angesichts der als schwer diagnostizierte Depression
und
der fehlenden Be
hand
lungs
resistenz ist nach dem Gesagten
auf
eine mittel
gradige
Ausprägung der dia
gnose
relevanten Befunde zu schliessen.
5.1.2
Was die im
Komplex «Persönlichkeit»
zu prüfende
n
Merkmale anbelangt,
hielt
die psychiatrische Gutachterin
fest, die Per
sön
lichkeitsstörung halte die depressiven Symp
tome sowie ein dys
funk
tionales sub
jektives Krankheitskonzept aufrecht (Urk. 7/108 S. 32 f.; vgl. vor
stehend E. 3.1).
Die sozialen Interaktionsfähigkeiten seien beeinträchtigt, seine
Selbst
be
hauptungs
-, Gruppen- und Kontaktfähigkeit zu Dritten sowie die allgemeine, auch familiäre und intime Beziehungsgestaltung sei leicht bis mittelgradig ein
ge
schränkt (Urk. 7/108 S. 38).
Folglich beein
flusst die Per
sönlichkeitsstruktur des Be
schwerde
führers seinen Gesund
heits
zustand negativ.
5.1.3
Hinsichtlich des
Komplex
es
«sozialer Kontext»
ist
dem Gutachten zu entnehmen
, dass der Be
schwerde
führer
alleine in einer Wohnung lebt. Er verfüge
über gute Kon
takte zu den Schwestern und der Mutter, er
treffe
die
eine
Schwester ge
le
gent
lich
und telefoniere regel
mässig mit der Mutter.
Seine Schwester helfe ihm
zudem
im Haus
halt
.
Im Sommer 2018 habe er seine Familie im Kosovo besucht. Die Gross
eltern mütterlicherseits sowie mehrere Geschwister der Mutter sehe er kaum, er telefoniere selten mit ihnen. Er habe zwei Freunde in
C._
, mit einem davon besuche er in der Regel täglich die Moschee (Urk. 7/108 S. 19
und 56
).
In der therapiefreien Zeit lese
er
psychologische Literatur, meist einfach zu ver
stehende Ratgeber, gehe spazieren
, Kaffee trinken
oder in die Moschee. Zuhause sei er viel im Internet unterwegs, schaue Nachrichten, kommuniziere mit Kollegen über die sozialen Medien (Urk. 7/108 S. 20
und 56
).
Zudem versuche er, trotz seiner Ängste zum Schwimmen oder ins Fitness-Studio zu gehen (Urk. 7/108 S. 16).
Seine Spontanaktivität wie auch seine Ver
kehrs
fähig
keit seien nicht bis höchstens leicht eingeschränkt (Urk. 7/108 S. 38).
Vor diesem Hintergrund verfügt der Beschwerdeführer, trotz
des beschriebenen, sehr zurückgezogenen Lebens (vgl. vorstehend E. 3.1), über mobilisierende Res
sour
cen
(vgl. auch Urk. 7/108 S. 63)
.
5.1.4
Bezüglich der beweisrechtlich entscheidenden Kategorie der
«
Konsistenz»
ist zu
nächst auf die Ergebnisse der neuropsychologischen Untersuchung hinzuweisen. Demnach
ergäben sich Hinweise für eine wahrscheinlich negative Ant
wort
ver
zer
rung im kognitiven Bereich, beide durchgeführten Symptomvali
dierungs
ver
fahren seien auffällig, weshalb nicht von validen neuro
psycho
lo
gischen Be
fun
den ausgegangen werden könne.
So seien sämtliche primäre
n
wie sekundäre
n
Effort
parameter
auffällig und auch in der Analyse der Performanz er
gebe sich eine nicht plausible Konstellation (bessere Leistungen bei objektiv schwie
rigeren Auf
gaben).
Der Gutachter hielt fest, es
kön
nten weder die ab
sicht
liche Pro
duk
tion
neuro
psychologischer Defizite noch deren be
wusste Aggra
va
tion be
wiesen wer
den; vielmehr sei eine nicht bewusst ab
laufende Selbst
limi
tierung mög
lich.
Der Beschwerdeführer habe zudem müde
und
seine Belastbarkeit reduziert gewirkt, indes sei bloss eine Pause von ungefähr zehn Minuten nach knapp zwei Stunden eingelegt worden (Urk. 7/108 S. 60
und S. 62 f.
).
Entgegen der Auffassung der psychiatrischen Gutachterin (vgl.
Urk. 7/108 S. 37 f.
)
sind die negativen Auswirkungen der Depression nicht in fast allen Lebens
bereichen augenfällig. So verfügt der Beschwerdeführer über soziale Be
ziehungen, auch die Partnerschaft zu einer
neuen
Frau dauerte von Anfang 2018 bis Oktober 201
8.
Der Beschwerdeführer besuchte die in Deutschland lebende Frau
(Urk. 7/108 S. 19)
, reiste im Sommer 2018 in den Kosovo und besucht täg
lich die Moschee. Auch wenn er frühere Hobbies aufgab, so geht er neuen Hobbies wie dem Lesen oder Spazieren gehen nach; zudem
versucht er,
zum S
chwimmen oder ins Fitness-Studio zu gehen
, ist viel in den sozialen Medien unterwegs und schaut die Nachrichten
.
Demgegenüber fühlt sich der Beschwerdeführer subjektiv unfähig, einer Arbeitstätigkeit auch im geschützten Arbeitsmarkt nachzugehen
und gibt an, 2017 und 2018 fast den ganzen Tag über zu Hause geblieben zu sein
(vgl. Urk. 7/108 S. 20
und 56
).
Was den a
usgewiesene
n
Leidensdruck
anbelangt, ist dem Gutachten zu ent
neh
men, dass der Beschwerdeführer in grösseren Abständen
(im Jahr 2017 14 Kon
sul
tationen, im Jahr 2018 fünf Konsultationen, vgl. Urk. 7/108 S. 25)
seinen be
han
delnden Psychiater aufsucht und
das
Medikament
Seroquel
einnimmt, mit welchem er meistens relativ gut schlafen könne.
Er befand sich im Zeit
punkt der Exploration für drei Monate in stationärer
Traumabehandlung
, auch wenn die Gut
achterin eine posttraumatische Belastungsstörung nicht bestätigen konnte (Urk. 7/108 S. 15 und S. 33)
.
Der Medikamentenspiegel weist
schliesslich
eine Ein
nahme von Quetiapin weit unter dem Referenzwert aus (Urk. 7/108 S. 41).
Angesichts dieser Inkonsistenzen zwischen des angegebenen stark zurück
ge
zo
genen Lebens und den sozialen Kontakten, des täglichen Treffens mit einem Freund, des Besuches in der Moschee und der Ausübung von Hobbies kann nicht von einer gleichmässigen Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen gesprochen werden. Angesichts der
nur sehr weni
gen Konsultationen des behandelnden Psychiaters in den Jahren 2017 und 2018 sowie des tiefen Medikamentenspiegels kann
ebenso wenig
von einem er
heb
li
chen Leidensdruck ausgegangen werden.
5.2
Zusammengefasst
ist aus der detaillierten Prüfung der Standardindikatoren sowie deren Gesamtwürdigung ersichtlich, dass die gutachterliche Einschätzung der Ar
beits
unfähigkeit nicht hinreichend und nachvollziehbar begründet ist. Ins
be
son
dere mangelt es, angesichts der Inkonsistenzen und den nicht validen neuro
psy
chologischen Untersuchungsergebnissen, an einer plausiblen Erklärung für eine derart hohe
(vollständige)
Arbeitsunfähigkeit.
Auch wenn sich die Per
sön
lich
keitsstörung ressourcenhemmend auswirkt, liegen weder
eine
Be
hand
lungs
re
sis
tenz noch ein er
heb
licher Leidensdruck vor.
Trotz des
teilweisen
sozialen Rück
zuges verfügt der Be
schwerdeführer über mobilisierende Ressourcen, es zeigen sich mit Blick auf das Aktivitätsniveau
erhebliche
Inkonsistenzen.
Folglich fehlt es an einem stimmigen Gesamtbild für die Annahme einer rechtlich rele
vanten Funktionseinbusse (BGE 145 V 361 E. 4.4
), was sich zu Ungunsten des Beschwerdeführers auswirkt
(vgl. vorstehend E.
4.3
)
.
5.3
Da die vorhandenen medizinischen Akten eine schlüssige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers
erlauben, sind von
medizinischen
Weite
rungen
keine
entscheidrelevanten
neuen Aufschlüsse zu erwarten. Die
vom Beschwerdeführer
im Rahmen seines eventualiter gestellten Rückweisungsantra
g
e
s
beantragten ergänzenden medizinischen
Abklärungen
(Urk. 1 S. 2)
sind des
halb nicht erforderlich (antizipierte Bewe
iswürdigung, BGE 136 I 229 E.
5.3 mit Hinweisen
).
6.
Nach dem Gesagten
ist die IV-Stelle zu Recht von der gutachterlich attestierten Einschätzun
g
der Arbeitsfähigkeit abgewichen und hat den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers zu Recht verneint. Die Beschwerde erweist sich folglich als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist.
7.
7.1
Der Beschwerdeführer beantragte die Gewährung der unentgeltlichen Prozess
füh
rung (Urk. 1 S. 2).
Die Voraussetzungen zur Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss § 16 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) sind er
füllt, da d
er Beschwerdeführer Sozialhilfe
bezieht
(Urk. 3/4; vgl. auch Urk. 3/5)
und
der Prozess nicht aussichtslos
ist
.
7.2
Die Verfahrenskosten sind auf Fr.
7
00.-- festzusetzen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und aus
gangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen, zufolge Gewährung der
un
entgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu neh
men.
7.3
Der Beschwerdeführer wird auf § 16 Abs. 4 GSVGer hingewiesen, wonach er zur Nachzahlung der Auslagen verpflichtet ist, sobald er dazu in der Lage ist.