# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 5b5bb7e7-8223-45ca-955b-9b1965f61245
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2012
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. a) X._ wurde am _1941 in O.1_ geboren, wo er zusammen mit zwei Brüdern in geordneten Familienverhältnissen aufwuchs. In O.1_ besuchte er auch die Schulen und absolvierte eine KV-Lehre. Er machte Sprach- bzw. Auslandaufenthalte in O.2_, L.1_ und den L.2_. Später erlernte er an der Universität O.1_ die P._ Sprache. 1966 begann er bei der G._ AG zu arbeiten, wo er für das Osteuropa-Geschäft im Bereich Pflanzenschutzmittel tätig war. Später wurde er bei derselben Firma Prokurist. 1980 trat er aus der G._ AG aus und gründete die H._ AG mit Sitz in O.3_, die im Pflanzenschutzbereich tätig war. 1986 verkaufte er diese Firma und arbeitete als Berater für Chemieunternehmen. Ab dem 1. Mai 2008 arbeitete er bei der J._ Holding AG in O.4_/NW; er war Präsident des Verwaltungsrates. Gemäss seinen Aussagen anlässlich der Berufungsverhandlung ist er heute pensioniert. Er betreut jedoch noch vereinzelt Mandate in L.3_ und auch einzelne Mandate von Chemieunternehmungen, wobei er sich aussuchen kann, was er übernehmen will. Daneben bezieht er eine AHV-Rente.
Aus seiner ersten, 1966 geschlossenen Ehe gingen zwei Söhne hervor (Jahrgang 1972 und 1978); die Ehe wurde 1992 geschieden. Im Jahre 1996 verheiratete er sich mit Y._; sie haben keine gemeinsamen Kinder.
X._ ist im Schweizerischen Zentralstrafregister mit einem Urteil des Strafgerichts Baselland verzeichnet, wonach er am 19. Juni 1998 wegen mehrfacher Anstiftung zur Veruntreuung zu einer bedingten Gefängnisstrafe von neun Monaten, Probezeit zwei Jahre, verurteilt wurde.
b) Y._ wurde am _1966 in O.5_ (L.3_) geboren und wuchs zusammen mit einem jüngeren Bruder in geordneten Familienverhältnissen auf. In O.5_ besuchte sie auch zehn Jahre die Schule. Anschliessend absolvierte sie ein fünfjähriges Studium an der Universität in O.6_, welches sie mit einem Ingenieur-Diplom in Brückenbau abschloss. Danach arbeitete sie für die staatliche Strassenbaufirma K._ in O.7_. Im Jahre 1992 machte sie sich selbständig und übernahm in O.6_ ein Reisebüro. 1995 zog sie in die Schweiz zu X._, den sie 1996 heiratete. Von Mai 2008 bis Dezember 2009 war sie bei der J._ Holding AG als Sekretärin angestellt.
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Y._ ist Eigentümerin einer Wohnung in O.8_/I (Wert ca. € 1 – 1.2 Mio., belastet mit einer Hypothek von € 160'000.--). Sie und ihr Ehemann sind im weiteren Eigentümer zweier Wohnungen in O.6_ sowie zweier Wohnungen in O.9_.
Y._ ist im Schweizerischen Zentralstrafregister nicht verzeichnet.
B. Mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 22. Oktober 2009 wurden X._ und Y._ wegen mehrfacher Veruntreuung gemäss Art. 138 Ziff. 1 StGB sowie wegen versuchter Veruntreuung gemäss Art. 138 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 StGB in Anklagezustand versetzt. Dieser Anklage liegt gemäss Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 22. Oktober 2009 folgender Sachverhalt zugrunde:
„Die Angeklagten und A._ lernten sich im Jahr 2006 kennen. Mit Mail vom 10. Oktober 2006 teilte der Angeklagte A._ mit, dass der P._ Besitzer eine Pelletsanlage in O.9_ für € 3 Mio. verkaufen wolle. Sie, die Angeklagten, hätten bereits zugestimmt, bis Ende Oktober 2006 10 % als Anzahlung einzubringen (act. 4.8). Am 12. Oktober 2006 schlug der Angeklagte A._ vor, gemeinsam die Pelletsanlage mit einer Beteiligung von je 50 % zu übernehmen. Mit Mail vom 16. Oktober 2006 teilte der Angeklagte A._ mit, dass ein Freund aus O.10_ bereit sei, ihm € 260'000.-- als kurzfristigen Kredit für die Anzahlung von € 300’000.-- zu gewähren. Von A._ erbat er die sofortige Überweisung von € 40'000.--, so dass die geforderte Anzahlung geleistet werden könne (act. 4.13). Die L._ SA, mit Sitz in O.11_, überwies daraufhin von O.11_ aus noch am 16. Oktober 2006 € 40'000.-- auf das Konto der Angeklagten bei der UBS AG, Nr. _ (act. 4.18 und 8.7). Das Geld wurde in der Zeit vom 16. Oktober bzw. 13. November 2006 mittels Barbezügen bzw. Überweisungen abgehoben (act. 8.7). Am 6. November 2006 schlossen die Angeklagten und A._ eine Vereinbarung betr. Kauf der Pelletsanlage von B._ in O.9_ zum Preis von € 4.3 Mio. sowie betr. Immobiliengeschäften in L.3_ (act. 4.20). Am 24. November 2006 veräusserte A._ seinen Anteil am angeblichen Pelletsgeschäft an die L._ SA (act. 4.30). In der Folge reisten die Angeklagten und A._ nach L.3_, wo die fragliche Pelletsanlage besichtigt wurde. Am 17. November 2006 übergab der Angeklagte A._ einen P._ abgefassten Vertrag zwischen der M._, vertreten durch den Generaldirektor B._, und den Angeklagten, samt deutscher Übersetzung (act. 4.21 und 4.22). Darin wurde u.a. festgehalten, dass eine Anzahlung von € 300'000.-- bereits vor Unterzeichnung des Vertrags auf ein Bankkonto in O.9_ überwiesen worden sei sowie dass die Pelletsanlage per 1. Januar 2007 durch die Angeklagten übernommen werde. Eine Überweisung auf das fragliche Konto hat es allerdings nicht gegeben und die Pelletsanlage befindet sich auch nicht im Eigentum der Angeklagten. Nach der Rückkehr in die Schweiz übergab A._ am 22. November 2006 in O.11_ im Namen der L._ SA an die Angeklagte weitere € 60'000.-- in bar (act. 4.29). Dieses Geld war für die Tilgung von Darlehensschulden gegenüber dem Kreditgeber aus
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O.10_ bestimmt. Am 8. Januar 2007 forderte der Angeklagte A._ auf, weitere € 50'000.-- aufzubringen (4.35). Nachforschungen durch A._ ergaben bei ihm nun plötzlich Zweifel an der Seriosität der Angeklagten, so dass er dieses Geld nicht mehr überwies. Am 14. März 2007 teilte der Angeklagte A._ schliesslich per Mail mit, dass der Vertrag annulliert worden sei, sie ab sofort aus diesem Pelletsgeschäft draussen seien und er seine € 100'000.-- ‚ans Bein streichen könne’ (act. 4.52).
Die Angeklagten haben die ihnen anvertrauten € 100'000.-- nicht wie vereinbart in die Pelletsanlage investiert, sondern für private Zwecke verwendet.
Die L._ SA, vertreten durch RA lic. iur. A._, reichte am 6. Mai 2009 eine Adhäsionsklage mit folgenden Rechtsbegehren ein:
1. X._ und Y._ seien unter solidarischer Haftbarkeit zur Bezahlung von Fr. 151'170.00 (€ 100'000.00 zum Kurs 1.5117) zuzüglich 5 % Verzugszins seit 4. April 2007 zu verpflichten.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beklagten.“
C. Am 12. Februar 2010 fand vor dem Bezirksgerichtsausschuss Plessur die Hauptverhandlung statt. Mit Urteil vom 12. Februar 2010, mitgeteilt am 21. Juni 2010, erkannte der Bezirksgerichtsausschuss Plessur:
„1. a) X._ ist schuldig der mehrfachen Veruntreuung gemäss Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 und Abs. 2 StGB sowie der versuchten Veruntreuung gemäss Art. 138 Ziff 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 StGB.
1. b) Dafür wird X._ mit einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten bestraft.
1. c) Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren aufgeschoben.
2. a) Y._ ist schuldig der mehrfachen Veruntreuung gemäss Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 und Abs. 2 StGB sowie der versuchten Veruntreuung gemäss Art. 138 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 StGB.
2. b) Dafür wird Y._ mit einer Freiheitsstrafe von 9 Monaten bestraft.
2. c) Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren aufgeschoben.
3. Y._ und X._ werden unter solidarischer Haftung verpflichtet, der L._ SA CHF 60'000.00 zuzüglich Zins seit dem 1. September 2006 sowie CHF 90'000.00 zuzüglich Zins seit dem 1. Dezember 2006 zu bezahlen.
4. a) Die Kosten des Verfahrens von CHF 3'025.00 (Untersuchungskosten der Staatsanwaltschaft Graubünden von CHF 2'025.00 sowie Gerichtskosten von CHF 1'000.00) gehen zu
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Lasten von X._ und sind innert 30 Tagen auf das PC-Konto 70-3596-3 des Bezirksgerichts Plessur zu überweisen.
X._ ist unter solidarischer Haftung mit Y._ verpflichtet, die L._ SA mit CHF 2'654.40, inkl. Barauslagen und 7.6% MwSt., aussergerichtlich zu entschädigen.
b) Die Kosten des Verfahrens von CHF 2'825.00 (Untersuchungskosten der Staatsanwaltschaft Graubünden von CHF 1825.00 sowie Gerichtskosten von CHF 1'000.00) gehen zu Lasten von Y._ und sind innert 30 Tagen auf das PC-Konto 70-3596-3 des Bezirksgerichts Plessur zu überweisen.
Y._ ist unter solidarischer Haftung mit X._ verpflichtet, die L._ SA mit CHF 2'654.40, inkl. Barauslagen und 7.6% MwSt., aussergerichtlich zu entschädigen.
c) Die Kosten der Übersetzerin im Betrage von CHF 180.00 gehen zu Lasten der Gerichtskasse.

## Considerations