# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 4daf9b8b-9562-5717-8872-fe9424f4eff5
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Am 2. Juni 2017 stellte Dr. med. dent. X.Y., vertreten durch Rechtsanwalt PD Dr.
Peter Reetz, Zürich, beim Gesundheitsdepartement des Kantons St. Gallen (GD) unter
Berufung auf das Datenschutzgesetz (DSG; sGS 142.1) ein Gesuch um vollständige
Akteneinsicht und Auskunftserteilung mit Bezug auf die Akten des Disziplinarverfahrens
D-00-0000 (act. G 2.1). Mit Schreiben vom 7. Juni 2017 teilte ihm das GD mit, die
Zuständigkeit betreffend das erwähnte Verfahren sei aufgrund der
Beschwerdeerhebung auf das Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen (Verfahren B
2015/307) übergegangen. Für die strafrechtlichen Abklärungen sei die
Staatsanwaltschaft zuständig (act. G 2.2).
B.
a. Mit Eingabe vom 3. Juli 2017 stellte Rechtsanwalt Reetz für Dr. X.Y. das
Rechtsbegehren, es sei das GD anzuweisen, das Akteneinsichtsgesuch vom 2. Juni
2017 zu bearbeiten und dem Beschwerdeführer die gewünschte Akteneinsicht zu
erteilen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Vorinstanz (act. G 1).
b. In der Vernehmlassung vom 16. August 2017 beantragte die Vorinstanz, die
Rechtsverweigerungsbeschwerde sei abzuweisen (act. G 4).
c. In der Stellungnahme vom 4. Oktober 2017 bestätigte der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers seinen Standpunkt (act. G 8).
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d. Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten in den Eingaben des vorliegenden
Verfahrens wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.

## Considerations

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Nach Art. 88 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRP; sGS
951.1) kann Rechtsverweigerungsbeschwerde erhoben werden, soweit kein
ordentliches Rechtsmittel gegeben ist oder offenstand. Mit der
Rechtsverweigerungsbeschwerde kann nach Art. 88 Abs. 2 VRP geltend gemacht
werden, dass die Behörde sich weigere, eine vorgeschriebene Amtshandlung
vorzunehmen oder sie ungerechtfertigt verzögere (lit. a), die Amtsgewalt missbrauche
oder sich einer strafbaren Handlung oder Unterlassung schuldig gemacht habe (lit. b)
oder bei Ausübung der Befugnisse sonst willkürlich gehandelt habe (lit. c). Die
Rechtsverweigerungsbeschwerde ist nach Art. 90 Abs. 1 VRP zulässig innert 30 Tagen,
nachdem der Betroffene vom Beschwerdegrund Kenntnis erhalten hat. Die
Beschwerde, mit der die ungerechtfertigte Verzögerung einer Amtshandlung geltend
gemacht wird, ist nach Art. 90 Abs. 2 VRP an keine Frist gebunden. Art. 29 Abs. 1 BV
verbietet die formelle Rechtsverweigerung. Eine solche liegt vor, wenn die Behörde auf
eine ihr unterbreitete Sache nicht eintritt, obschon sie darüber entscheiden müsste. In
welcher Form und in welchem Umfang die entsprechenden Ansprüche zu gewähren
sind, lässt sich nicht generell, sondern nur im Hinblick auf den einzelnen Fall beurteilen
(BGE 117 Ia 116 E. 3a S. 117 f.). Die Rechtsverweigerungsbeschwerde ist als
subsidiäres Rechtsmittel ausgestaltet. Das bedeutet, dass es nur ergriffen werden
kann, wenn kein anderes Rechtsmittel gegeben ist oder gegeben war. Vor Ergreifung
der Rechtsverweigerungsbeschwerde müssen somit die ordentlichen Rechtsmittel
ausgeschöpft werden. Wird dies versäumt, bleibt auch die
Rechtsverweigerungsbeschwerde ausgeschlossen (Cavelti/Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen 2003, Rz. 1207).
Die Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts zur Behandlung der Beschwerde ist
gegeben (Art. 89 Abs. 1 lit. c VRP). Der Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des
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Rechtsmittels legitimiert (Art. 92 VRP in Verbindung mit Art. 64 und Art. 45 Abs. 1 VRP).
Die Eingabe vom 3. Juli 2017 wurde rechtzeitig eingereicht und enthält Antrag,
Sachdarstellung sowie Begründung. Die Sachurteilsvoraussetzungen sind insoweit
erfüllt (Art. 90 und 92 VRP in Verbindung mit Art. 64 und Art. 47 Abs. 1 sowie Art. 48
Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
2.
2.1. Im VerwGE B 2015/307 vom 24. August 2017, welchem das im Gesuch vom 2.
Juni 2017 (act. G 2.1) erwähnte Verfahren D-00-0000 vorangegangen war, hielt das
Verwaltungsgericht zur Akteneinsicht in die bisher nicht offengelegten 15
Patientenbeschwerden fest, die Vorinstanz habe die Patientenbeschwerden weder zur
Begründung der Verfügung vom 11. November 2013 (Bewilligungsverfahren) noch zur
Begründung der dort angefochtenen Verfügung verwendet, weshalb sie im
vorinstanzlichen Verfahren auch - als für den Entscheid nicht wesentliche Beweismittel
- ausser Betracht gefallen seien und dementsprechend auch nicht der Akteneinsicht
unterstanden hätten. Auch im Beschwerdeverfahren habe sich die Prüfung der
streitigen Aspekte nicht auf die vorerwähnten Aktenstücke gestützt, weshalb es sich
rechtfertige, diese nicht der Akteneinsicht des Beschwerdeführers persönlich zu
unterstellen. Seinem Rechtsvertreter sei eine entsprechende Einsichtsmöglichkeit
eingeräumt worden, von welcher dieser jedoch keinen Gebrauch gemacht habe
(VerwGE B 2015/307, a.a.O., E. 15.3.3).
2.2. Der Beschwerdeführer macht mit Bezug auf die vorinstanzliche Feststellung,
wonach die Zuständigkeit für das Disziplinarverfahren auf das Verwaltungsgericht
übergegangen sei, geltend, es sei für den Anspruch auf Akteneinsicht unbeachtlich, vor
welcher Instanz das Verfahren hängig sei. Die Vorinstanz habe eine
Aktenführungspflicht, welche mit der Beschwerdeerhebung nicht ende. Das Vorgehen
der Vorinstanz sei als Rechtsverweigerung zu qualifizieren (act. G 1). Das Gesuch des
Beschwerdeführers vom 2. Juni 2017 betrifft folgende Unterlagen und Sachverhalte
(act. G 2.1 Rz. 4-15):
1. Protokolle der ihn betreffenden „Interviews“ der Q. AG (A.K.) mit B.T. und C.N. oder
(bei fehlender Protokollierung) Auskunftserteilung über Zeitpunkt, Ort, Teilnehmer und
Themen der „Interviews“.
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2. Protokolle hinsichtlich der Besprechung zwischen A.K. und dem GD betreffend
Vorbereitung der Artikelserie der Q. AG.
3. Protokoll der im Artikel der Q. AG vom 28. Juni 2012 (act. G 2.3) erwähnten Sitzung
mit einem Zahnarzt aus L. oder (falls es an einem Protokoll fehlt) Auskunftserteilung
über Zeitpunkt, Ort, Themen und getätigte Äusserungen.
4. Akten betreffend die im vorerwähnten Zeitungsartikel angeführten zehn Fälle von
„X.Y.-Patienten“.
5. Ergebnis einer allfälligen Befragung der Teilnehmer der im erwähnten Zeitungsartikel
erwähnten Sitzung durch B.T.
6. Zustellung von Unterlagen betreffend den im erwähnten Zeitungsartikel angeführten
Briefwechsel.
7. Zustellung einer von C.N. im erwähnten Zeitungsartikel angeführten „Beschwerde im
Zusammenhang mit Dr. X.Y. im Frühjahr 2010“.
8. Mitteilung, auf welcher Rechtsgrundlage der Aufruf von B.T. im erwähnten
Zeitungsartikel (Meldung an das GD durch geschädigte Patienten, um diese beraten zu
können) beruht.
9. Mitteilung, von welchen im erwähnten Zeitungsartikel angeführten „neun Fällen vor
und einem Fall nach 2007“ C.N. Kenntnis gehabt habe und welchen Inhalts diese
gewesen seien.
10. Frage, ob das GD eine Liste mit angeblichen Patientenbeschwerden (act. G 7/162 f.
[B 2015/307]) der Q. AG übergeben, mitgeteilt oder bestätigt habe bzw. ob A.K.
Einsicht in die Patientenbeschwerden erhalten habe.
Die Vorinstanz bestätigt im vorliegenden Verfahren ihren Standpunkt, wonach die
Zuständigkeit im Disziplinarverfahren auf das Verwaltungsgericht
(Beschwerdeverfahren B 2015/307) übergegangen sei. Die Herausgabe der nicht
edierten Patientenbeschwerden bilde auch Gegenstand dieses Beschwerdeverfahrens.
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Das Gesuch vom 2. Juni 2017 beziehe sich zudem auf Sachverhalte, welche
Gegenstand einer Strafuntersuchung seien. Der Beschwerdeführer müsse das
Akteneinsichtsgesuch bei der zuständigen Behörde (Verwaltungsgericht,
Strafuntersuchungsbehörde) einreichen (act. G 4). Auf die inhaltlichen Aspekte des
Gesuchs vom 2. Juni 2017 ging die Vorinstanz auch in diesem Verfahren nicht ein.
2.3. Das Datenschutzgesetz regelt gemäss Art. 2 Abs. 1 DSG die Bearbeitung von
Personendaten durch öffentliche Organe. Nach Art. 2 Abs. 2 lit. c DSG ist das DSG
unter anderem in hängigen Verfahren der Zivil-, Straf- und gerichtlichen
Verwaltungsrechtspflege nicht anwendbar. Die vorliegende
Rechtsverweigerungsbeschwerde, welche in Bezug auf das vorerwähnte
Beschwerdeverfahren B 2015/307 als subsidiäres Rechtsmittel zur Anwendung kommt,
stützt sich jedoch auf datenschutzrechtliche Einsichts- und Auskunftsansprüche
betreffend das erstinstanzliche Disziplinarverfahren D-00-0000. Das Einsichtsgesuch
wurde m.a.W. nicht in einem hängigen Straf- oder Verwaltungsgerichtsverfahren
gestellt. Auf das (abgeschlossene) Verwaltungsverfahren (Disziplinarverfahren) ist das
DSG anwendbar. Nach Art. 17 DSG erteilt das öffentliche Organ der betroffenen
Person auf Gesuch und gegen Ausweis über die Identität Auskunft, welche
Personendaten über sie bearbeitet werden. Die Auskunft erfolgt in der Regel schriftlich
(Abs. 1). Es gewährt auf Verlangen der betroffenen Person Einsicht in die
Personendaten (Abs. 2). Bei Personendaten handelt es sich um Angaben, die sich auf
eine bestimmte oder bestimmbare Person beziehen (Art. 1 Abs. 1 lit. a DSG). Nach Art.
18 DSG lehnt das öffentliche Organ Auskunft und Einsicht ab, schränkt sie ein oder
verbindet sie mit Auflagen, soweit öffentliche oder schutzwürdige private Interessen
Dritter überwiegen.
2.4. Das Gesuch des Beschwerdeführers vom 2. Juni 2017 bezieht sich auf Angaben,
die ihn selbst betreffen bzw. auf Daten, die im Sinn von Art. 17 Abs. 1 DSG „über ihn
bearbeitet“ werden. Ein Einsichtsrecht nach Art. 17 Abs. 2 DSG ist somit grundsätzlich
zu bejahen. Dies ungeachtet des Umstands, dass das erstinstanzliche
Verwaltungsverfahren, auf welches der Informationsanspruch sich bezieht, bereits
abgeschlossen ist. Das datenschutzrechtliche Auskunfts- und Einsichtsrecht ist m.a.W.
nicht befristet und kann auch ausserhalb eines Verwaltungsverfahrens geltend gemacht
werden (vgl. zum Datenschutzgesetz des Bundes Rosenthal/Jöhri, Handkommentar
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zum Datenschutzgesetz, Rz. 4 und 5 zu Art. 8 DSG). Im Umstand, dass die Vorinstanz
in Verkennung der skizzierten Rechtslage die Bearbeitung des vom Beschwerdeführer
gestellten Auskunfts-/Einsichtsgesuches verweigerte, ist daher eine unzulässige
Rechtsverweigerung zu erblicken.
2.5. Bei der anstehenden Bearbeitung des Gesuches bleibt die Frage zu klären, ob
einer Herausgabe der Patientenbeschwerden wichtige öffentliche oder schutzwürdige
private Interessen Dritter entgegenstehen bzw. ob von einer Gefährdung von
Drittpersonen durch den Beschwerdeführer auszugehen ist. Diese Frage, zu welcher
keine Stellungnahme der Vorinstanz vorliegt, lässt sich gestützt auf die dem Gericht
vorliegenden Unterlagen nicht beantworten. Die Sache ist auch daher zur
diesbezüglichen Prüfung und Verfügung der Akteneinsicht an die Vorinstanz
zurückzuweisen.
3.
3.1. (...).
3.2. (...).