# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f61eb8f2-00f0-44e4-a391-a5f38dcc1a65
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Die 1970 geborene
A._
war bei der Sammelstiftung Vita (nachfolgend: Vita) berufsvorsorgeversichert, als sie am 2
2.
Juli 2014 verstarb (
Urk.
8/3). In der Folge erhoben sowohl
Y._
und
X._
als ihre Eltern wie auch
Z._
als ihr Lebenspartner An
spruch auf
das Todesfallkapital
(
Urk.
8/15 und
Urk.
8/17). Angesichts des Dop
pelzahlungsrisikos weigerte sich die Vita, ohne schriftlichen Vergleich unter den Ansprechern, eine schriftliche Verzichtserklärung
oder gerichtliche Beurteilung eine Auszahlung vorzunehmen
(
Urk.
8/21).
2.
Mit Eingabe vom 3
0.
November 2016 erhoben
Y._
und
X._
Klage gegen die Vita
und beantragten, es seien ihnen die regle
mentarischen Leistungen, insbesondere das Todesfallkapital auszurichten.
In pro
zessualer Hinsicht ersuchten sie um Beiladung von
Z._
(Urk. 1 S. 2)
. Mit Klageantwort vom 1
6.
Januar 2017 beantrag
t
e die Vita, es sei ihr
bei der Gerichtskasse des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich, eventuell bei einer anderen durch das Gericht zu bezeichnenden Stelle,
die Hinterlegung des sich per Todestag vom 2
2.
Juli 2014 ergebenden Todesfallkapitals von Fr.
116'317.65 mit schuldbefreiender Wirkung zu gestatten
. Dem Antrag auf Bei
ladung schloss sie sich an (
Urk.
7 S. 1). Mit
V
erfügung vom
2.
Februar 2017 wurde
Z._
zum Prozess beigeladen (Urk. 10).
Am
3.
April 2017
reichte er
eine Stellungnahme ein (Urk. 15).
Replicando
(Urk. 20) hielten die Klä
ger an ihrem Rechtsbegehren fest. Mit Verfügung vom 2
4.
August 2017 wurde der Beklagten die Hinterlegung des Todesfallkapitals von
A._
in Höhe von
Fr.
116'317.65 bei der Gerichtskasse des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich bewilligt (
Urk.
22).
Die Zahlung erfolgte am 1
2.
September 2017 (
Urk.
29).
Mit Duplik vom
4.
September 2017 verwies die Beklagte auf ihre in der Klageantwort
gestellten Rechtsbegehren (Urk.
24). Zur Replik und Duplik der Parteien nahm der Beigeladene a
m 25.
September 2017 Stellung (
Urk.
28).
Nach durchgeführter Instruktionsverhandlung (S. 7 des Protokolls)
erachtete
es
das hiesige Gericht
f
ür erforderlich, weitere Beweis
e
abzunehmen (
Urk.
39).
In der Folge wurde am 25. Februar 2019
eine Zeugeneinvernahme von
B._
,
C._
und
D._
durchgeführt
(
Urk.
53). Zum Beweis
ergebnis nahmen die Klagenden am 1
0.
April 2019
und der Beigeladene am 1
8.
Juni 2019
Stellung (
Urk.
57
und
Urk.
64
), wogegen
die Beklagte auf
eine Ein
gabe hierzu verzichtete
(
Urk.
56).
Die Sache erweist sich damit als spruchreif.
3.
Auf die Ausführungen der Parteien
und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Art.
20a
Abs.
1 des
Bundesgesetz
es
über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG)
sieht für
Hinterlassenenleistungen
folgende Kaska
denordnung vor:
Die
Vorsorgeeinrichtung kann in ihrem Reglement neben den Anspruchsberech
tigten n
ach den Artikeln 19 bis 20 (das heisst
überlebender Ehegatte, eingetragene Partnerin
oder eingetragener Partner respektive Waisen)
folgende begünstigte Personen für die
Hin
terlassenenleistungen
vorsehen:
a.
natürliche Personen, die vom Versicherten in erheblichem Masse unter
stützt worden sind, oder die Person, die mit diesem in den letzten fünf Jahren bis zu seinem Tod ununterbrochen eine Lebensgemeinschaft geführt hat oder die für den Unterhalt eines oder mehrerer gem
einsamer Kinder aufkommen muss;
b.
beim Fehlen von begünstigten Personen nach Buchstabe a: die Kinder des Verstorbenen, welche die Voraussetzungen nach Artikel 20 nicht erfüllen, die Elter
n oder die Geschwister; (...).
1.2
Die Beklagte machte von der
Ermächtigung gemäss
Art.
20a BVG Gebrauch und regelte
in ihrem
Vorsorgereglement Vita Classic
, Ausgabe 1/2014 (nachfolgend: Reglement)
mit
Ziff.
4.5.7 die Anspruchsberechtigung auf e
in Todesfallkapital wie folgt:
Anspruch auf die Tode
s
fallkapitalien
haben unabhängig vom Erbrecht:
a)
der überlebe
nde Ehegatte, bei dessen Fehlen
b)
die rentenberech
tigten Kinder, bei deren Fehlen
c)
übrige natürliche Personen, die von der verstorbenen versicherten Person in erheblichem Masse unterstützt worden sind, oder die Person, die mit dieser in den letzten fünf Jah
r
en bis zu ihrem Tod ununterbrochen eine eheähnliche Lebensgemeinschaft geführt hat oder die für den Unterhalt
eines oder mehrerer gemeinsamer Kinder aufkommen muss, bei deren Fehlen
d)
die übrigen Kinder, bei deren Fehlen
e)
die Eltern (...)
1.3
Unter dem Begriff der Lebensgemeinschaft im Sinne von
Art.
20a
Abs.
1
lit
. a BVG ist eine Verbindung von zwei Personen gleichen oder verschiedenen Ge
schlechts zu verstehen, welcher grundsätzlich Ausschliesslichkeitscharakter zu
kommt, sowohl in geistig-seelischer als auch in körperlicher und wirtschaftlicher Hinsicht. Dabei müssen diese Merkmale nicht kumulativ gegeben sein. Insbeson
dere ist weder eine ständige ungeteilte Wohngemeinschaft notwendig, noch dass eine Partei von der anderen massgeblich unterstützt worden war. Entscheidend ist, ob auf Grund einer Würdigung sämtlicher Umstände von der Bereitschaft beider Partner, einander Treue und Beistand zu leisten, wie es
Art.
159
Abs.
3
des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs (ZGB)
von Ehegatten fordert, auszugehen ist (
Urteil des Bundesgerichts 9C_771/2016 vom
4.
Mai 2017 E. 4.2.3 mit weiteren Hinweisen).
2.
2.1
Die Klagenden führten zur Klagebegründung aus,
die Verstorbene sei nicht ver
heiratet gewesen
und
habe keine Kinder gehabt. Sie sei nicht von natürlichen Personen in erheblichem Masse unterstützt worden und habe auch nicht bis zu ihrem Tod ununterbrochen eine eheähnliche Lebensgemeinschaft geführt. Ebenso habe sie auch nicht für den Unterhalt eines oder mehrerer Kinder aufkommen müssen.
Als ihre Eltern hätten sie deshalb Anspruch auf die reglementarischen Leistungen (
Urk.
1 S. 3 f.).
Der Beigeladene habe mit der Mutter seiner beiden Kinder eine Parallelbeziehung geführt. Dies führe dazu, dass er mit ihrer verstor
benen Tochter
keine eheähnliche Gemeinschaft gelebt habe (
Urk.
20 S. 4).
2.2
Die Beklagte gab an,
angesichts des Doppelzahlungsrisikos und der Geltendma
chung des Anspruchs auf Leistungen durch die Kläger und den Beigeladenen so
wie den sich widersprechenden Aussagen sei sie nicht in der Lage, eine Auszah
lung ohne gerichtliche Beurteilung vorzunehmen (
Urk.
7 S. 6).
2.3
Der Beigeladene stellte sich auf den Standpunkt
, aus den Akten ergebe sich, dass er mit
A._
eine eheähnliche Lebensgemeinschaft geführt habe, die faktisch mehr als fünf Jahre vor deren Tod ihren Anfang genommen habe.
Die mit der Mutter seiner beiden Kinder
geführte «spontane Parallelbezie
hung» habe in den letzten fünf Jahren vor dem Hinschied von
A._
nicht mehr bestanden. Sein jüngeres Kind sei am 19. März 2009 zur Welt gekommen und sei schon zum Zeitpunkt des Todes am 2
2.
Juli 2014 mehr als fünfjährig gewesen. Die Zeugung sei damit sechs Jahre vor
dem Todesfall erfolgt. Ab der Geburt des zweiten Kindes habe der Kontakt zur Mutter der beiden Kinder auf einer rein freundschaftlichen Basis bestanden und sich weitgehend in der Organisation und der Wahrnehmung der ihm zustehenden Besuchsrechte er
schöpft (
Urk.
15).
Auch die Klägerin habe gegenüber der Beklagten anlässlich eines Telefongesprächs erklärt, er habe mit der Verstorbenen eine Lebensgemein
schaft von mehr als fünf Jahren geführt (Urk. 28 S. 2).
3.
3.1
Streitig
und zu prüfen
ist
,
wer Anspruch auf das Todesfallkapital von Fr. 116'317.65 hat
. Dabei fragt sich, ob
es gestützt auf
Ziff.
4.5.7
lit
. c des Regle
ments dem Beigeladenen oder gestützt auf
Ziff.
4.5.7
lit
. e des Reglements den Klägern zusteht
.
Vorab ist auszuführen, dass die
Auszahlung des Todesfallkapitals an eine gemäss
Ziff.
4.5.7
lit
. c des Reglements an
spruchsberechtigte Person
voraus
setzt
, dass die Beklagte
bis spätestens vor der Verteilung der Leistung über deren Vorhandensein in Kenntnis gesetzt wurde (
Ziff.
4.5.7
lit
. i
4.
Abschnitt des Reglements).
Es ge
nügt, wenn dieser Status – hier jener des Lebenspartners – als möglich erscheint (Urteil des Bundesgerichts 9C_771/2016 vom
4.
Mai 2017 E. 4.1.2). Von den Par
teien wird vorliegend die Erfüllung dieses Erfordernisses zu Recht nicht in Frage gestellt.
Mithin ist zu prüfen,
ob
A._
und der Beigeladene in den letzten fünf Jahren
bis zum Hinschied
Erstge
nannter – das heisst vom 2
2.
Juli 2009 bis am 2
2.
Juli 2014 –
eine eheähnliche Lebensgemeinschaft geführt haben.
3.2
In Würdigung der Akten erscheint glaubhaft,
dass der Beigeladene und
A._
eine
Beziehung lebten.
Damit ist auc
h zu erklären, dass die Klä
gerin
2
gegenüber de
r
Beklagten
den Beigeladenen als Lebenspartner bezeichnete (
Urk.
8/4; siehe auch
Urk.
28 S. 2)
, in der Todesanzeige ein Lebenspartner – ohne Namensangabe – aufgeführt ist (
Urk.
8/5) und im anlässlich der Trauerfeier ver
lesenen Lebenslauf der Beigeladene – nun mit Namensangabe
– erwähnt wird (
Urk.
8/15).
Gleichzeitig
jedoch unterhielt der Beigeladene auch mit
D._
, der Mutter seiner beiden
2007 und 2009 geborenen
Kinder, eine Beziehung. Dieser Kontakt beruhte nicht nur auf einer rein freundschaftlichen Basis (
Urk.
15 S. 2) und be
stand
aus mehr als nur diversen «
Bsüechli
» (vgl. Protokoll S. 27)
.
Nach dem zeit
lichen Verlauf
der Beziehung
befragt
gab
D._
an, sie seien von 2004 bis 2013, eventuell 2014, ein Pa
ar gewesen (Protokoll S.
19
f.).
Die Zeugin ging davon aus, dass sie zusammen mit dem Beigeladenen und den gemeinsamen Kin
dern eine Familie bildete (Protokoll S. 19).
Dass sie anlässlich der Zeugeneinver
nahme zum Ausdruck gab, dass sie sich einzig bezüglich der Vaterschaft des Bei
geladenen sicher sei (
Urk.
64 S. 5; vgl. Protokoll S. 19), ist mit dem ihr gezeigten Verhalten des Beigeladenen – dieser
spricht diesbezüglich von einem Doppelleben (
Urk.
64 S. 9) – zu erklären.
D
er Beigeladene hielt sich mehrheitlich an den Wo
chenenden bei
der Zeugin
un
d den Kindern auf (Protokoll S.
20
f. und S. 24). Gemeinsame Ferien wurden bis ins Jahr 2011 respektive 2012 verbracht (Proto
koll S. 21).
Angesichts der Aussagen
der Zeugin
und der gelebten Umstände
ist nicht glaub
haft
, dass
ihr
der Beigeladene
durch sein Verhalten klar signalisiert hatte, dass er mit ihr einzig zwei Kinder zeugen, nicht aber eine Beziehung führte wollte (vgl.
Urk.
64 S. 7).
Dies gilt umso mehr, als er in seiner Stellungnahme vom
3.
April 2017
selber
eine
spontane Parallelb
eziehung mit der Zeugin
angibt, die einzig
in den letzten fünf Jahren vor dem Tod von
A._
nicht mehr bestanden habe (
Urk.
15 S. 2).
Die mit
D._
gelebte
Beziehung
– unab
hängig davon,
in welchem
(intimen)
Ausmass
diese g
epflegt
wurde –
schliesst
damit
eine umfassende Lebensgemeinschaft mit
A._
aus.
Hierfür spricht auch, dass
der Be
igeladene
– soweit aktenkundig –
seine Kinder nicht zur Verstorbenen auf Besuch
nahm respektive mit ihr und den Kindern keine gemeinsamen Ausflüge
oder
Ferien unternahm
.
V
or diesem Hintergrund
kann
die hier interessierende Beziehung
des Beigeladenen
mit
der Verstorbenen
nicht die für eine Lebensgemeinschaft nach Art. 20a
Abs.
1
lit
. a BVG respektive Ziff.
4.5.7
lit
. c des Reglements
erforderliche Intensität auf
gewiesen haben
.
Dies erhellt auch daraus, dass er die Beziehung zur Verstorbenen vor der Mutter seiner Kinder verheimlichte und damit nicht in aller Öffentlichkeit zu ihr stand. Zusam
menfassend
war beim Beigeladenen nicht die Bereitschaft zu erkennen, seiner Partnerin Treue und Beistand zu leisten, wie es
Art.
159
Abs.
3 ZGB von Ehegat
ten fordert (E. 1.3
hievor
; siehe hierzu auch BSK-Schwander,
6.
Auflage, Basel 2018
,
Art.
159 N 11).
Angesichts dessen ändert am
Ergebnis
nichts, dass nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung einer Lebensgemeinschaft im Sinne von Art.
20a
Abs.
1
lit
. a BVG nur grundsätzlich Aussc
hliesslichkeitscharakter zu
kommen muss
.
Bei dieser Sachlage kann auf die anbegehrten Zeugeneinvernahmen
von Freun
den
der Verstorbenen
(
Urk.
43 und 56) und
da sie
– wie auch die von ihnen ver
fassten Schreiben (
Urk.
8/22 und
Urk.
8/65) –
keine Rückschlüsse auf die
mit
D._
gelebte Beziehung
erlauben
,
verzichtet werden
.
Da glaubhaft ist, dass der Beigeladene einzig sein Steuerdomizil in
E._ h
atte,
drängt sich auch
eine Befragung von
F._
nicht
auf (
Urk.
38,
43 und
56; antizipierte Beweis
würdigung; BGE 122 V 157 E. 1d mit weiteren Hinweisen).
3.3
Nach dem Gesagten ergibt sich, dass der Beigeladene mit der verstorbenen
A._
keine eheähnliche Lebensgemeinschaft in den letzten fünf Jahren vor deren Ableben geführt hat. Das Todesfallkapital in der Höhe von Fr. 116'317.65 steht damit gestützt auf
Ziff.
4.5.7
lit
. e des Reglements den Klä
gern zu.
4.
Bei der Beurteilung der Frage nach der Anspruchsberechtigung auf das Todesfall
kapital handelt es sich um einen Streit zwischen den Klägern und dem Beigela
denen.
Die Beklagte hat ihre Leistungspflicht von Anfang an anerkannt und ein
zig aufgrund des Doppelzahlungsrisikos auf eine
r
gerichtliche
n
Beurteilung der Sache bestanden.
Angesichts dessen rechtfertig
t
es sich
– trotz des Obsiegens der Kläger – auf die
Zusprache
einer Prozessentschädigung zu verzichten.