# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** fc4d5dbd-4890-547c-9fd7-55b20d47dca3
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
Mit Beschluss vom 27. Februar 2018 genehmigte die Regierung des Kantons St. Gallen
das Projekt "Kantonsstrasse Nr. 0000_, X._ (Sanierung X._-strasse Etappe 0001_
D._ - E._"; vgl. technischer Bericht und Strassenplan 1:500, act. G 7/7 f.). Innerhalb
der von 30. Mai bis 28. Juni 2018 dauernden Auflagefrist wurden 24 Einsprachen
gegen das Ausführungsprojekt erhoben. Im Rahmen der Einspracheerledigung stellte
das Tiefbauamt einen Mangel in den Projektierungsarbeiten bezüglich der geplanten
Parkierungsanordnung bei den Grundstücken Nrn. 0002_ und 0003_ insofern fest,
als am Standort der Parkierungsanordnung gemäss Überbauungsplan vom November
1991 eine Schneeablagefläche vorgesehen ist. Im Zug der gemäss
Kantonsstrassenprojekt vorgesehenen Anpassungen an den Gemeindestrassen "A._-
strasse" und "B._-strasse" (Teilstrassenprojekte der Gemeindestrassen "A._" und
"B._-strasse") reichte K._ an diesem Standort ein privates Baugesuch auf den
Grundstücken Nrn. 0002_ und 0004_ zur Realisierung des erwähnten
Überbauungsplans ein. Mit Einspracheentscheid vom 30. März 2020 trat der
Gemeinderat X._ auf das Baugesuch nicht ein. In der Begründung wies er unter
anderem auf eine unzureichende Erschliessung hin (act. G 7/13). Gegen den
Einspracheentscheid erhob K._ Rekurs beim Baudepartement. Bei der Gemeinde X._
reichte er zudem ein Gesuch auf Erlass eines Teilstrassenplans zur Umklassierung der
B._-strasse in eine Gemeindestrasse zweiter Klasse ein (act. G 7/15).
Am 13. Oktober 2020 beschloss die Regierung, das Projekt Kantonsstrasse Nr. 0000_
werde in einen östlichen Projektteil (km 9.173 bis km 9.596) und einen westlichen
Projektteil (km 9.596 bis km 10.1) aufgeteilt. Der westliche Projektteil werde ersatzlos
widerrufen. Das Baudepartement werde eingeladen, das Verfahren für den östlichen
A.a.
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B.
Projektteil fortzusetzen und die Einsprachen für den westlichen Projektteil als
gegenstandslos abzuschreiben. Im Beschluss wurde zur Begründung unter anderem
festgehalten, durch das private Bauprojekt seien Rechtsfragen entstanden, die direkten
Einfluss auf das Kantonsstrassenprojekt hätten, auf deren Bereinigung das Tiefbauamt
aber keinen Einfluss nehmen könne. Diese Rechtsfragen seien in einem separaten
Rechtsmittelverfahren zu lösen. Sachgerecht sei eine Projekttrennung bei km 9.596,
weil dort ein technisch sinnvoller Abschluss des östlichen Projektteils möglich sei, ohne
dass der Übergang vom neuen zum bestehenden Strassenteil für die
Verkehrsteilnehmer "unnatürlich" oder "verwirrend" wirke. Im östlichen Projektteil, also
im Bereich "M._" bis zum Grundstück Nr. 0002_, seien keine Einsprachen mehr
vorhanden. Damit könne der östliche Projektteil nach Rechtskraft umgesetzt werden.
Im westlichen Projektteil seien noch drei Einsprachen offen. Dieser Teil werde ersatzlos
widerrufen, womit auch die offenen Einsprachen gegenstandslos würden. Zudem seien
auch die beiden Teilstrassenpläne "A._-strasse" und "B._-strasse" durch die
Gemeinde X._ zu widerrufen. Wenn die rechtliche Situation mit den Drittverfahren
rechtskräftig bereinigt sei, müsse im westlichen Projektteil ein neues Folgeprojekt
ausgearbeitet und aufgelegt werden (act. G 3.2). Mit Beschluss vom 19. Oktober 2020
widerrief der Gemeinderat X._ auch die Gemeindestrassenprojekte "A._" und "B._-
strasse" und wies den Antrag auf Änderung der Klassierung der B._-strasse ab (act. G
7/17-19).
Mit Verfügung vom 9. November 2020 (act. G 2) schrieb das Tiefbauamt die von K._
gegen das Kantonsstrassenprojekt Nr. 0000_ erhobene Einsprache als
gegenstandslos geworden von der Geschäftsliste ab (Ziffer 1) und hiess das Begehren
um Ersatz der ausseramtlichen Kosten von CHF 3'000 zuzüglich Barauslagen von 4%
und Mehrwertsteuer von 7.7% gut (Ziffer 2). Verfahrenskosten wurden nicht erhoben
(Ziffer 3). Zur Begründung der Zusprechung einer ausseramtlichen Entschädigung
wurde unter anderem festgehalten, aufgrund des komplexen Sachverhalts sei der
Beizug eines Rechtsanwalts gerechtfertigt gewesen. Zudem würden mit diesem
Verfahren auch eigentumsrechtliche Fragen zusammenhängen, für welche im
Landerwerbsverfahren der Ersatz der ausseramtlichen Kosten geschuldet gewesen
wäre. Der Widerruf des westlichen Teils des Kantonsstrassenprojekts sei als
vollständiges Obsiegen zu betrachten (act. G 2).
A.b.
Gegen den Beschluss der Regierung vom 13. Oktober 2020 und die Verfügung vom
B.a.
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9. November 2020 erhob Rechtsanwalt lic. iur. Urs Pfister, St. Gallen, für K._ mit
Eingabe vom 24. November 2020 Beschwerde (act. G 1). In der Beschwerdeergänzung
vom 5. Januar 2021 (act. G 6) beantragte der Rechtsvertreter, der Beschluss vom
13. Oktober 2020 sei aufzuheben. Dementsprechend sei die Angelegenheit an die
Regierung zurückzuweisen zur Weiterführung des Verfahrens für die Sanierung X._-
strasse, Etappe 0001_, Abschnitt "D._ - E._", und die Verfügung vom 9. November
2020 sei aufzuheben (Ziffer 1). Eventuell seien der Beschluss vom 13. Oktober 2020
und die Verfügung vom 9. November 2020 aufzuheben, und die Angelegenheit sei im
Sinn der Erwägungen zur nochmaligen Prüfung an die Regierung zurückzuweisen
(Ziffer 2). Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (Ziffer 3).
In der Vernehmlassung vom 27. Januar 2021 beantragte die Vorinstanz 2
(Baudepartement), auf die Beschwerde sei nicht einzutreten. Eventualiter sei die
Beschwerde abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei (act. G 9). Die Vorinstanz 1
(Regierung) verzichtete stillschweigend auf eine Vernehmlassung (vgl. act. G 11). Die
Beschwerdebeteiligte teilte am 18. Februar 2021 den Verzicht auf eine Vernehmlassung
mit (act. G 12).
B.b.
In der Stellungnahme vom 22. März 2021 stellte Rechtsanwalt Pfister in Ergänzung zu
den Beschwerdeanträgen den verfahrensrechtlichen Hauptantrag, das
Beschwerdeverfahren sei zu sistieren, bis die Rekursverfahren betreffend die
Gemeindestrassenprojekte "R._-strasse" und "B._-strasse" entschieden seien bzw.
allenfalls ebenfalls beim Verwaltungsgericht zur Prüfung vorlägen (Ziffer 1).
Verfahrensrechtlich beantragte er sodann eventualiter, das Beschwerdeverfahren sei zu
sistieren, bis die erwähnten Rekursverfahren ebenfalls entscheidreif seien (Ziffer 2). Für
den Fall, dass dem verfahrensrechtlichen Hauptantrag gemäss Ziffer 1 nicht
entsprochen werden sollte, werde die Durchführung eines gemeinsamen Augenscheins
durch die Beschwerdeinstanz und durch die Rekursinstanz beantragt (Ziffer 3; act. G
16). Zu diesen Anträgen äusserte sich die Vorinstanz 2 in der Eingabe vom 21. April
2021 mit dem Antrag um Abweisung des Antrags um Sistierung des
Beschwerdeverfahrens und Erledigung des Verfahrens ohne Verzug (act. G 19). Im
Schreiben vom 29. April 2021 hielt der verfahrensleitende Abteilungspräsident fest, er
sehe mit Blick auf den Verfahrensgegenstand keinen Grund, dem Sistierungsantrag
des Beschwerdeführers zu folgen und das Verfahren weiter zu verzögern, weshalb die
Angelegenheit dem Gericht demnächst zur Entscheidung vorgelegt werde (act. G 20).
In der Eingabe vom 27. Mai 2021 äusserte sich der Rechtsvertreter des
B.c.
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## Considerations

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Beschwerdeführers zur Stellungnahme vom 21. April 2021 und zum Schreiben vom
29. April 2021 (act. G 23).
Auf die Vorbringen in den Eingaben des vorliegenden Verfahrens wird, soweit für den
Entscheid erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
B.d.
Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Die Rechtsprechung
erfolgt in Fünferbesetzung, weil die Regierung als eine der Vorinstanzen entschieden
hat (Art. 18 Abs. 3 lit. b Ziff. 2 des Gerichtsgesetzes, sGS 941.1, GerG).
Art. 45 Abs. 1 VRP (in Verbindung mit Art. 64 VRP) setzt für die Rechtsmittelbefugnis
eine formelle und eine materielle Beschwer voraus. Die formelle Beschwer ist erfüllt,
wenn die rechtsuchende Person am Verfahren vor Vorinstanz teilgenommen hat und
mit ihren Anträgen nicht oder nicht vollständig durchgedrungen ist. Dies beurteilt sich
durch einen Vergleich der Rechtsbegehren mit dem Dispositiv des angefochtenen
Entscheids. Die Erwägungen können für sich allein nicht Anfechtungsobjekt sein
(Geisser/Zogg, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], Gesetz über die
Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2020, N 6 f. zu Art. 45
VRP). Die materielle Beschwer setzt voraus, dass der Beschwerdeführer über eine
spezifische Beziehungsnähe zur Streitsache verfügt und einen praktischen Nutzen aus
der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheids zieht. In Bausachen wird
eine Beziehungsnähe in der Regel angenommen, wenn das Grundstück des
Beschwerdeführers an das Baugrundstück angrenzt oder sich unmittelbarer Nähe bzw.
in einem Umkreis von 100 m befindet. Bei grösserer Entfernung ist die
Beeinträchtigung durch den Beschwerdeführer aufgrund der konkreten Gegebenheiten
zu begründen. Eine Gesamtwürdigung der rechtlich erheblichen Sachverhaltselemente
hat neben der Distanz etwa auch die Sichtverbindung, die Topographie, das
Erscheinungsbild der Baute und Art und Ausmass der durch das Vorhaben
verursachten Immissionen zu berücksichtigten. Dies gilt nicht nur für Bauvorhaben,
sondern sinngemäss auch für Beschwerden gegen Planungsentscheide. Der praktische
1.1. bis
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2.
Nutzen einer erfolgreichen Beschwerde kann rechtlicher oder auch nur tatsächlicher
Natur sein (Geisser/Zogg, a.a.O., N 9 ff sowie N 22 und 26 zu Art. 45 VRP). Im Weiteren
ist die Beschwerde innert 14 Tagen nach Eröffnung des angefochtenen Entscheids
einzureichen (Art. 47 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 64 VRP).
Unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer mit der am 10. November 2020 erfolgten
Zustellung der Verfügung der Vorinstanz 2 vom 9. November 2020 erstmals Kenntnis
vom Beschluss der Vorinstanz 1 vom 13. Oktober 2020 erhielt. Letzterer wurde ihm am
13. November 2020 zugestellt. Die vierzehntätige Rechtsmittelfrist hat damit mit
Eingabe vom 24. November 2020 (Poststempel) sowohl mit Bezug auf den Beschluss
der Vorinstanz 1 als auch hinsichtlich der Verfügung der Vorinstanz 2 als eingehalten zu
gelten. Aufgrund der Beteiligung am vorinstanzlichen Verfahren ist der
Beschwerdeführer durch den Beschluss vom 13. Oktober 2020 sowie die Verfügung
vom 9. November 2020 formell beschwert. Er ist auch materiell insofern beschwert, als
zwar eine besondere (örtliche) Beziehungsnähe zum verbleibenden Teil des
Strassenprojekts nicht dargetan ist (der verbleibende östliche Projektteil befindet sich
mindestens rund 200 m vom Grundstück Nr. 0002_ des Beschwerdeführers entfernt;
vgl. act. G 10/4 [Landerwerbs- und Enteignungsplan 1:500], G 7/8 und G 20/29
[Projekttrennung bei km 9.596]), sein Nutzen aus der Rechtsmittelerhebung jedoch
auch bloss darin liegen kann, dass das Projekt - mindestens vorerst und so wie
aufgelegt - nicht verwirklicht werden kann, sondern - wie nachstehend in E. 2
darzulegen sein wird - neu aufzulegen sein wird (vgl. Geisser/Zogg, in: Rizvi/Schindler/
Cavelti, a.a.O., N 14 zu Art. 45 VRP m.H.). Am Vorliegen der materiellen Beschwer
ändert der Umstand nichts, dass die vom Beschwerdeführer angeführten Argumente
sich im Wesentlichen auf das von ihm nach Auflage des Strassenprojekts eingereichte
private Bauprojekt beziehen, welches das streitige Kantonsstrassenprojekt nicht
tangiert. Ein schutzwürdiges Interesse des Beschwerdeführers an der Aufhebung des
angefochtenen Beschlusses sowie der angefochtenen Verfügung ist somit zu bejahen.
Auf die Beschwerde ist dementsprechend - unter Vorbehalt der nachstehend
darzulegenden Eintretenseinschränkungen - einzutreten.
1.2.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hält unter anderem fest, ohne die
Sanierung der Kantonsstrasse im fraglichen Abschnitt erscheine das Erfordernis der
hinreichenden Erschliessung für bauliche Veränderungen auf dem Grundstück Nr.
0002_ nicht erfüllt. Er rügt eine Verletzung des rechtlichen Gehörs (act. G 6 S. 11-14),
2.1.
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das Fehlen der Voraussetzungen für einen Widerruf des westlichen Teils des
Sanierungsprojekts (act. G 6 S. 14-16), eine Verletzung von Art. 32 f. des
Strassengesetzes (sGS 731.1, StrG) durch einen Widerruf des westlichen Projektteils
(act. G 6 S. 16 f.) und eine Verletzung der Erschliessungspflicht. Das
Kantonsstrassenprojekt in der Fassung gemäss Beschluss vom 27. Februar 2018 sei
rechts- und zweckmässig gewesen und sei dies bis heute. Der Widerruf gemäss
Beschluss vom 13. Oktober 2020 sei nicht nur aus verfahrensrechtlichen Gründen
unzulässig, sondern auch inhaltlich rechtswidrig (act. G 6 S. 17-19).
In der Einsprache vom 18. Juni 2018 an die Vorinstanz 2 hatte der Beschwerdeführer
die Aufhebung des Kantonsstrassenprojekts Nr. 0000_ (act. G 10/6) beantragt und in
der Eingabe vom 13. Mai 2020 zusätzlich die Begehren gestellt, dass auf die Abtretung
von Eigentumsrechten zu verzichten sei und (ausseramtliche) Kosten zu ersetzen seien
(act. G 10/20). Am 13. Oktober 2020 beschloss die Vorinstanz 1, das Projekt
Kantonsstrasse Nr. 0000_ in einen östlichen (km 9.173 bis km 9.596) und einen
westlichen Projektteil (km 9.596 bis km 10.1) zu trennen. Den westlichen Projektteil, in
welchem sich auch das Grundstück Nr. 0002_ des Beschwerdeführers befindet,
widerrief sie ersatzlos und lud die Vorinstanz 2 ein, das Verfahren für den östlichen
Projektteil fortzusetzen und die Einsprachen für den westlichen Projektteil als
gegenstandslos abzuschreiben (act. G 3.2).
2.2.
Nach Art. 28 Abs. 1 VRP können Verfügungen durch die erlassende Behörde geändert
oder aufgehoben werden, wenn der Widerruf die Betroffenen nicht belastet oder wenn
er aus wichtigen öffentlichen Interessen geboten ist. Art. 28 Abs. 1 VRP ist
grundsätzlich auf formell rechtskräftige Verfügungen anwendbar (vgl. GVP 2007 Nr. 68
und 1996 Nr. 58). Beim Widerruf einer formell rechtskräftigen Verfügung ist nach der
gesetzlichen Bestimmung eine Interessenabwägung geboten, wenn der Widerruf den
Betroffenen belastet. Art. 28 Abs. 1 VRP wird aber auch auf Verfügungen angewendet,
die formell noch nicht rechtskräftig sind, wobei die gesetzlichen Voraussetzungen
grundsätzlich ebenfalls gelten (vgl. GVP 2003 Nr. 37 mit Hinweis; GVP 1990 Nr. 68). In
der Praxis wird insbesondere die Befugnis der Verwaltung anerkannt, eine Verfügung
oder einen Entscheid während eines hängigen Rechtsmittelverfahrens zu widerrufen,
um den Rechtsmittelkläger klaglos zu stellen (T. Tschumi, in: Rizvi/Schindler/Cavelti
[Hrsg.], a.a.O., N 12 zu Art. 28 VRP). Diese Einschränkung des Devolutiveffektes dient
der Vereinfachung des Verfahrens. Die Verwaltung soll die Möglichkeit haben, eine
belastende Verfügung zu widerrufen, wenn dies dem Antrag in einem
2.3.
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Rechtsmittelverfahren entspricht und sie das Begehren als gerechtfertigt erachtet
(VerwGE B 2008/211 und 227 vom 24. März 2009 E. 2 mit Hinweisen). Ein Widerruf
kommt nur bei fehlerhaften Verfügungen in Betracht (T. Tschumi, a.a.O., N 6 zu Art. 28
VRP).
Nach Art. 39 Abs. 1 StrG wird für den Strassenbau das Planverfahren durchgeführt. Es
ersetzt das Baubewilligungsverfahren. Änderungen an Strassenprojekten können nicht
im Rahmen einer Verfügung bzw. eines Beschlusses und in Form eines Widerrufs im
Sinn von Art. 28 VRP erfolgen. Vielmehr ist nach Art. 47 StrG das Planverfahren erneut
durchzuführen, wenn das Projekt wesentlich geändert wird (Abs. 1). Ist die
Projektänderung unbedeutend, so werden die Betroffenen mit persönlicher Anzeige
unter Eröffnung einer Einsprachefrist von dreissig Tagen in Kenntnis gesetzt (Abs. 2).
Die vorliegend erfolgte Aufteilung des ursprünglichen Strassenprojekts in einen
östlichen und einen westlichen Teil sowie das Weglassen des westlichen Teils stellt
eine Projektänderung dar, welche nicht als unbedeutend im Sinn von Art. 47 Abs. 2
StrG taxiert werden kann. Somit hätte vorliegend das Strassenplanverfahren für diese
Projektänderung erneut durchgeführt werden müssen. Aus dem Umstand, dass gegen
den östlichen Teil offenbar keine Einsprachen mehr hängig waren, kann nicht
geschlossen werden, dass bei einer auf den östlichen Teil beschränkten Neuauflage
keine Einsprachen mehr eingehen werden. Der Beschluss der Vorinstanz 2 vom
13. Oktober 2020 lässt sich dementsprechend zufolge Nichteinhaltung der
strassenrechtlichen Verfahrensbestimmungen nicht aufrechterhalten. Die Sache ist zur
Weiterführung des Verfahrens (bzw. Durchführung eines Planverfahrens nach Art. 47
Abs. 1 StrG) an die Vorinstanz 1 zurückzuweisen.
Nachdem die Änderung des Kantonsstrassenprojekts nicht im Rahmen eines
Teilwiderrufs im Sinn von Art. 28 VRP hätte erfolgen dürfen, wurde auch die Einsprache
des Beschwerdeführers gegen das Kantonsstrassenprojekt durch den Teilwiderruf
nicht gegenstandslos und hätte dementsprechend in der Verfügung der Vorinstanz 2
vom 9. November 2020 nicht abgeschrieben werden dürfen. Die Verfügung der
Vorinstanz 2 ist dementsprechend ebenfalls aufzuheben. Auf die vom
Beschwerdeführer im Zusammenhang mit der Festlegung der ausseramtlichen
Entschädigung für das Einspracheverfahren gerügte Gehörsverletzung (act. G 6
S. 11-14) braucht bei diesen Gegebenheiten nicht weiter eingegangen zu werden.
Immerhin ist festzuhalten, dass die Vorinstanz 1 nicht ohne Weiteres vom
Nichtvorliegen von Einwänden des Beschwerdeführers gegen die Gutheissung seiner
Anträge ausgehen konnte, da die Änderung des Kantonsstrassenprojekts nicht im
2.4.
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Verfahren nach StrG ergangen war. Wäre letzteres der Fall gewesen, hätte der
Beschwerdeführer auch seine Vorbringen betreffend zu tiefe ausseramtliche
Entschädigung geltend machen können. Soweit der Beschwerdeführer indes eine
Gehörsverletzung für eine Vielzahl von weiteren Grundeigentümern und anderen
Betroffenen (Mietern, Pächtern) rügt (act. G 6 S. 12 f.), handelt es sich um Vorbringen
für Dritte bzw. für eine nicht näher bestimmte Allgemeinheit, auf welche zufolge
fehlenden Rechtsschutzinteresses des Beschwerdeführers nicht einzutreten ist.
Im Weiteren ist zur materiellen (inhaltlichen) Begründetheit der Anpassung des
Kantonsstrassenprojekts folgendes anzumerken: Wie vorstehend (E. A.a) und im
Beschluss vom 13. Oktober 2020 festgehalten, stellte das Tiefbauamt im Rahmen der
Einspracheerledigung bzw. während laufendem Rechtsmittelverfahren einen Mangel in
den Projektierungsarbeiten bezüglich der geplanten Parkierungsanordnung bei den
Grundstücken Nrn. 0002_ und 0003_ insofern fest, als am Standort der
Parkierungsanordnung gemäss Überbauungsplan vom November 1991 (act. G 10/7)
eine Schneeablagefläche vorgesehen ist (act. G 3.2). Als "Scheinargument" kann dies
entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers (act. G 6 S. 15) schon deshalb nicht
gelten, weil die fragliche Fläche nur zum Teil auf seinem eigenen Boden liegt und deren
Nutzung als Schneeablagefläche durch den Überbauungsplan festgelegt ist. Aufgrund
der präjudizierenden Wirkung des rechtskräftigen Überbauungsplans für das
Kantonsstrassenprojekt konnte letzteres nicht so umgesetzt werden, wie es öffentlich
aufgelegt worden war. Die Vorinstanz 2 weist in diesem Zusammenhang sodann darauf
hin, dass die Umsetzbarkeit des Baugesuchs des Beschwerdeführers ohne
Überbauungsplan in Frage gestellt wäre und überdies im Fall einer Aufhebung bzw.
Änderung des Überbauungsplans mit langdauernden Rechtsmittelverfahren zu rechnen
gewesen wäre. Die Rechtsmittelverfahren hätten das Kantonsstrassenprojekt, welches
bis zur rechtskräftigen Änderung des Überbauungsplans zu sistieren gewesen wäre,
unnötig verzögert (act. G 9 S. 4 f.). Dies führte die Vorinstanz 2 zum Entscheid, dass
nicht der Überbauungsplan aufzuheben bzw. abzuändern, sondern das Strassenprojekt
in zwei Teile aufzuteilen, der mit einem Mangel behaftete Projektteil aufzuheben und
lediglich der andere Teil weiterzuführen sei. Dies war insofern sachgerecht, als die
Sanierung der X._-strasse bereits in 14 Etappen aufgeteilt war und so der westliche
Teil der Etappe 0001_ in einer neuen Etappe projektiert werden kann. Hinzu kommt,
dass die X._-strasse sich unbestritten in einem sanierungsbedürftigen Zustand
befindet und im hier zur Diskussion stehenden östlichen Teil erhebliche
Verkehrssicherheitsdefizite aufweist. Im Weiteren schuf das private Baugesuch des
Beschwerdeführers eine Situation, in welcher der Ausgang des
2.5.
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Baubewilligungsverfahrens abzuwarten gewesen wäre, bevor eine Änderung des
Überbauungsplans hätte beantragt werden können. Hierauf weist die Vorinstanz 2 zu
Recht hin (vgl. act. G 9 S. 5). Mithin hätten sowohl die Sistierung des Strassenprojekts
als auch der Rechtsmittelweg das gesamte Strassenprojekt aller Voraussicht nach
erheblich verzögert. Vor diesem Hintergrund ging die Vorinstanz 1 zu Recht von der
sachlichen Begründetheit und Zulässigkeit einer inhaltlichen Anpassung des
Kantonsstrassenprojekts aufgrund des erwähnten formellen Mangels aus. Hieran
vermögen die Einwände des Beschwerdeführers, dass der Fussgängerschutz auch auf
dem fraglichen Abschnitt der Kantonsstrasse "A._ - E._" (km 9.596 bis km 10.10)
ungenügend sei, die Parkplätze auf Parzelle Nr. 0003_ verkehrsgefährdend bzw. nicht
länger tolerierbar seien, die Belange des öffentlichen Verkehrs mit der heute
gefährlichen Postautohaltestelle "X._ - B._" zwingend eine Umsetzung des
Strassenprojekts verlangen würden (act. G 6 S. 15 und S. 17, G 16 S. 5 f.) und damit
auch die Realisierung des westlichen Projektteils dringlich sei (act. G 23 S. 2), nichts zu
ändern, zumal die Projektanpassung offensichtlich nicht bedeutet, dass die Strasse im
westlichen Projektteil später überhaupt nicht saniert und allfällige
Verkehrssicherheitsmängel, wie sie vom Beschwerdeführer angeführt werden, nicht
behoben werden sollen. Vielmehr ist die Sanierungsbedürftigkeit (auch) des westlichen
Projektteils allseits unbestritten und aktenkundig. Hieraus lässt sich somit entgegen der
Auffassung des Beschwerdeführers (act. G 16 S. 7) keine inhaltliche Rechtswidrigkeit
der Projektanpassung ableiten. Indes ist für die Projektanpassung in Anwendung von
Art. 47 Abs. 1 StrG ein korrektes Verfahren durchzuführen.
Zum weiteren Einwand des Beschwerdeführers, dass das Kantonsstrassenprojekt für
die hinreichende Erschliessung seines Grundstücks Nr. 0002_ erforderlich sei bzw.
der Wegfall des Projekts im westlichen Teil die nicht zureichende Erschliessung
bewirke (act. G 6 S. 6 S. 11 f., S. 15 f. und S. 18 f.), ist festzuhalten, dass die Frage der
hinreichenden Erschliessung sowie die vom Beschwerdeführer in diesem
Zusammenhang angeführten Gemeindestrassenprojekte (B._-strasse, A._-strasse)
nicht Gegenstand des angefochtenen Beschlusses bilden, weshalb auf seine
diesbezüglichen Darlegungen nicht eingetreten werden kann. Mit der Vorinstanz 2 (act.
G 9 S. 6) ist anzumerken, dass das Kantonsstrassenprojekt einzig die
Strassensanierung zum Inhalt hat und nicht die hinreichende Erschliessung des
erwähnten Grundstücks. Dies umso weniger, als Kantonsstrassen ganz allgemein keine
Feinerschliessungsfunktion zukommt (vgl. Art. 5 und 8 StrG). Gemäss
Überbauungsplan vom November 1991 (act. G 10/7) ist das Grundstück vielmehr über
die B._-strasse zu erschliessen. Die Anpassungen an der B._-strasse und der A._-
2.6.
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strasse als Gemeindestrassen dritter Klasse sowie die Auflage entsprechender
Teilstrassenpläne wurden aufgrund des Kantonsstrassenprojekts (korrigierte
Kurvengeometrie) erforderlich. Der Bestand der Teilstrassenpläne hing damit direkt
vom Bestand des Kantonsstrassenprojekts ab, weshalb die Verfahren betreffend
Kantons- und Gemeindestrassen in Anwendung von Art. 25a Abs. 4 des
Raumplanungsgesetzes (SR 700; RPG) zu koordinieren waren in dem Sinn, dass an
den Gemeindestrassen ohne das Kantonsstrassenprojekt bzw. unabhängig davon
keine Anpassungen erfolgen können. Mit der Teilaufhebung des
Kantonsstrassenprojekts wurden dementsprechend auch die kommunalen
Teilstrassenpläne aufgehoben (act. G 7/17 f.) und die Einsprache gegen die
Teilstrassenpläne zufolge Gegenstandslosigkeit abgeschrieben (act. G 19 S. 2). Gegen
diese Abschreibungsbeschlüsse erhob der Beschwerdeführer Rekurs bei der
Vorinstanz 2 (vgl. dazu nachstehend E. 2.7).
Im Weiteren bildet auch das private Baugesuch des Beschwerdeführers - gegen den
abschlägigen Bewilligungsentscheid der Beschwerdebeteiligten ist bei der Vorinstanz 1
ein Rekursverfahren hängig - nicht Gegenstand des angefochtenen Beschlusses der
Vorinstanz 1, weshalb auf die diesbezüglichen Ausführungen des Beschwerdeführers
nicht einzutreten ist.
Die Verfahrensanträge des Beschwerdeführers, das Beschwerdeverfahren sei zu
sistieren, bis die Rekursverfahren betreffend die Gemeindestrassenprojekte "R._-
strasse" und "B._-strasse" entschieden seien bzw. allenfalls ebenfalls beim
Verwaltungsgericht zur Prüfung vorlägen (Ziffer 1; act. G 16) bzw. (eventualiter) bis die
erwähnten Rekursverfahren entscheidreif seien (Ziffer 2; act. G 16), lehnte der
verfahrensleitende Abteilungspräsident im Schreiben vom 29. April 2021 ab mit dem
Hinweis, er sehe mit Blick auf den Verfahrensgegenstand keinen Grund, dem
Sistierungsantrag des Beschwerdeführers zu folgen und das Verfahren weiter zu
verzögern (act. G 20). Die Begründetheit dieser Sistierungsablehnung bestätigte sich im
vorliegenden Verfahren, indem eine Sistierung des Beschwerdeverfahrens betreffend
Zulässigkeit des Teilwiderrufs des Kantonsstrassenprojekts bis zur "Entscheidreife" der
Rekursverfahren bzw. bis zum Vorliegen der Rekursentscheide einzig - d.h. ohne dass
sich daraus ein zusätzlicher Nutzen ergäbe - eine Verfahrensverzögerung zur Folge
hätte. Gegen eine Sistierung sprechen zudem die im Rahmen der Strassensanierung zu
behebenden Verkehrssicherheitsdefizite des verbleibenden östlichen Projektteils (vgl.
vorstehende E. 2.5); dieser kann erst nach Rechtskraft des vorliegenden Verfahrens
neu aufgelegt werden.
2.7.
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3.
Für den Fall, dass den Sistierungsanträgen nicht entsprochen werden sollte,
beantragte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers zusätzlich die Durchführung
eines gemeinsamen Augenscheins durch die Beschwerdeinstanz und durch die
Rekursinstanz (Ziffer 3; act. G 16). Seine Anträge auf Durchführung eines
Augenscheins, auf persönliche Anhörung und auf öffentliche mündliche Verhandlung
begründete er explizit mit dem Hinweis, dass das Projekt zur hinreichenden
Erschliessung des Grundstücks des Beschwerdeführers notwendig sei (act. G 6 S. 6
Ziffer 8) und damit mit Gegebenheiten, auf welche im vorliegenden Verfahren nicht
einzutreten ist. Eines Augenscheins bedarf es auch insofern nicht, als die Beschwerde
aus verfahrensrechtlichen Gründen gutzuheissen ist. Aus demselben Grund
abzuweisen sind die Beweisanträge betreffend Einholung eines Amtsberichts der
Kantonspolizei und der Befragung von Mitarbeitern der Vorinstanz 2 sowie des
Beschwerdeführers (act. G 17).
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde, soweit darauf einzutreten
ist, unter Aufhebung des Entscheids vom 13. Oktober 2020 und der Verfügung vom
9. November 2020 gutzuheissen. Die Sache wird zur Weiterführung des Verfahrens
(Durchführung eines Planverfahrens nach Art. 47 StrG) an die Vorinstanz 1
zurückgewiesen. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten
vom Staat (Vorinstanz 1) zu bezahlen (Art. 95 Abs. 1 und 2 VRP). Eine Entscheidgebühr
von CHF 3‘500 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS
941.12); auf die Erhebung ist nicht zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP). Der vom
Beschwerdeführer geleistete Kostenvorschuss von CHF 3'500 ist an ihn
zurückzuerstatten.
3.1.
Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführer Anspruch auf Entschädigung
für das Beschwerdeverfahren zulasten des Staates (Vorinstanz). Das
Verwaltungsgericht spricht bei Fehlen einer Kostennote praxisgemäss
Pauschalentschädigungen nach Ermessen gemäss Art. 6 und Art. 22 Abs. 1 lit. b der
Honorarordnung zu (sGS 963.75, HonO). Mit Blick auf die konkreten Verhältnisse
rechtfertigt es sich, dem Beschwerdeführer eine Entschädigung von CHF 3'500
zuzüglich Barauslagenpauschale von CHF 140 (4%) auszurichten. Die Mehrwertsteuer
ist mangels eines entsprechenden Antrags nicht zu erstatten.
3.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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