# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** da5ef68d-75a2-4485-9152-1cd3d95cdb6c
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend fahrlässige Tötung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, Einzelgericht, vom 29. April 2021 (GG200072)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland vom
3. Dezember 2020 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 64).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 93 S. 24 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist nicht schuldig und wird vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung im Sinne
von Art. 117 StGB freigesprochen.
2. Die Zivilklage der Privatklägerin wird abgewiesen.
3. Die sichergestellten und bei der Kantonspolizei Zürich unter der Referenz-Nr. K170112-002
/ G-Nr. 68625423 aufbewahrten Asservate "Mikrospuren - Klebbandasservat
(A010'007'075)" sind nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils durch die Kantonspolizei
Zürich zu vernichten.
4. Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz. Die Auslagen betragen
Fr. 3'000.00 Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 1'500.00 Auslagen Polizei / FOR
Fr. 500.00 Gerichtsgebühr des Obergerichts Zürich gemäss Beschluss UE180129-O vom 4. Juni 2018
Fr. 12'907.20 Kosten unentgeltlicher Rechtsbeistand der Privatklägerin inkl. MwSt. (davon Fr. 7'427.00 akonto bereits ausbezahlt)
und werden auf die Gerichtskasse genommen.
5. Dem Beschuldigten wird eine Prozessentschädigung von Fr. 12'249.80 (inkl. MwSt.) für
anwaltliche Verteidigung aus der Gerichtskasse zugesprochen.
6. Der Privatklägerin wird eine Prozessentschädigung von Fr. 8'839.90 für anwaltliche Ver-
tretung im Verfahren vor Obergericht Zürich, Geschäfts-Nr. UE170158-O, aus der Gerichts-
kasse zugesprochen. Die Prozessentschädigung wird direkt an Rechtsanwalt lic. iur.
X._ ausgerichtet.
7. (Mitteilungen)
8. (Rechtsmittel)"
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Berufungsanträge: (Prot. II S. 8 f.)
a) Der Vertretung der Privatklägerin: (Urk. 121 S. 1)
" 1. Es sei der Beschuldigte schuldig zu sprechen der fahrlässigen Tötung im
Sinne von Art. 117 StGB und angemessen zu bestrafen.
2. Es sei der Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin eine Genugtuung
im Betrag von Fr. 50'000.- zu bezahlen, zuzüglich 5% Zins seit tt. Januar
2017, unter Vorbehalt der Nachklage;
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Beschuldigten."
b) Der Verteidigung des Beschuldigten: (Urk. 124 S. 1)
" 1. Es sei das Urteil des Bezirksgerichts Bülach vom 29. April 2021 in Anwen-
dung von Art. 82 Abs. 4 StPO vollumfänglich zu bestätigen, worauf der Be-
schuldigte und Berufungsbeklagte vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung
i.S.v. Art. 117 StGB freizusprechen sei.
2. Es seien die Zivilforderungen abzuweisen; eventualiter auf den Zivilweg zu
verweisen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. MwSt."
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## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil der Vorinstanz vom
29. April 2021 wurde der Beschuldigte B._ vom Tatvorwurf der fahrlässigen
Tötung freigesprochen (Urk. 93 S. 24). Gegen diesen begründet eröffneten Ent-
scheid liess die Privatklägerin durch ihre unentgeltliche Rechtsvertretung mit Ein-
gabe vom 7. Juni 2021 innert gesetzlicher Frist Berufung anmelden (Art. 399 Abs.
1 StPO; Urk. 94). Die Berufungserklärung der Verteidigung erfolgte ebenfalls in-
nert gesetzlicher Frist mit gleicher Eingabe (Art. 399 Abs. 3 StPO; Urk. 94). Die
Anklagebehörde und die Verteidigung haben mit Eingaben vom 28. Juni 2021
respektive 16. Juli 2021 innert Frist mitgeteilt, dass auf Anschlussberufung ver-
zichtet wird (Urk. 100; Urk. 102; Art. 400 Abs. 2 f. und Art. 401 StPO). Beweiser-
gänzungsanträge wurden im Berufungsverfahren nicht gestellt (Art. 389 Abs. 3
StPO; Urk. 94). Der in der Berufungserklärung gestellte Antrag der Privatkläger-
vertretung auf Rückweisung des Verfahrens an die Anklagebehörde wurde mit
Beschluss der Kammer vom 8. September 2021 begründet abgewiesen (Urk. 94
und Urk. 109). Die Berufungsverhandlung, zu welcher der Beschuldigte, der Ver-
teidiger Rechtsanwalt Y._ und der unentgeltliche Rechtsvertreter Rechtsan-
walt X._ erschienen, fand am 8. Juni 2022 statt. Es wurden dabei weder Vor-
fragen aufgeworfen noch Beweisergänzungsanträge gestellt; insbesondere wurde
der frühere privatklägerische Antrag um Rückweisung der Anklage nicht wieder-
holt. Nach der Befragung des Beschuldigten (Urk. 120) plädierten die Parteivertre-
ter. Hernach wurde das Urteil beraten und mündlich eröffnet (zum Ganzen: Prot. II
S. 8 ff.).
2. Die Privatklägervertretung hat die Berufung in ihrer Berufungserklärung nicht
beschränkt (Urk. 94; Art. 399 Abs. 4 StPO). Die Verteidigung beantragt die Bestä-
tigung des angefochtenen Entscheides (vgl. Urk. 102 und 124 S. 1). Die Anklage-
behörde stellt keinen Antrag (Urk. 100). Mangels Berufung der Anklagebehörde
und in Anbetracht der präzisierenden Depositionen der Parteivertreter an der
Berufungsverhandlung sind folgende Punkte des vorinstanzlichen Urteils nicht
angefochten (Prot. II S. 9 f.):
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- Dispositiv-Ziffer 3 (Vernichtung der sichergestellten Asservate);
- Dispositiv-Ziffer 4 (Kostenfestsetzung, Kostenübernahme durch Gerichts-
kasse);
- Dispositiv-Ziffer 5 (Prozessentschädigung für den Beschuldigten, geleistet
durch die Gerichtskasse);
- Dispositiv-Ziffer 6 (Prozessentschädigung für die Privatklägerin für ein
Beschwerdeverfahren vor dem Obergericht, ausgerichtet an Rechtsanwalt
X._, geleistet durch die Gerichtskasse).
Der Eintritt der Rechtskraft dieser Anordnungen ist vorab mit Beschluss festzu-
halten.
3. Vorauszuschicken ist, dass gemäss ständiger Praxis sich das Gericht nicht
mit sämtlichen, sondern lediglich mit den wesentlichen Punkten der Parteibehaup-
tungen auseinander zu setzen hat (Entscheid des Bundesgerichts 6B_689/2019
vom 25. Oktober 2019 E. 1.5.2. mit Verweisen). Zum abgewiesenen, nicht wie-
derholten Antrag auf Rückweisung der Anklage sei nochmals auf den Beschluss
vom 8. September 2021 verwiesen (Urk. 109). Die darin gemachten Erwägungen
gelten auch heute. Zu betonen ist, dass das Berufungsgericht sich nicht als befugt
sieht, der Anklagebehörde vorzuschreiben, einen derart anderen, zusätzliche
Vorwürfe beinhaltenden Sachverhalt anzuklagen, wie ihn die Privatklägerin auch
an der Berufungsverhandlung wiederholt behauptet hat.
II. Schuldpunkt
1.1. Am tt. Januar 2017, ca. um 20:00 Uhr, ereignete sich auf dem Areal der Fir-
ma "C._" in D._ [Ortschaft] ein tödlicher Arbeitsunfall. E._, im Fol-
genden: Der Geschädigte, wollte an den vom ihm als Chauffeur und Angestellten
der Firma F._ GmbH bedienten Lastwagen einen Lastwagenanhänger an-
kuppeln. Das Manöver misslang, der Geschädigte wurde zwischen Lastwagen
und Anhänger eingeklemmt und verstarb an den daraus resultierenden Verlet-
zungsfolgen. Kausal für das Misslingen des Ankupplungsmanövers war, dass der
Geschädigte unter Missachtung der einschlägigen SUVA-Regeln (vgl. Urk. 22 f .)
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nicht mit dem Zugfahrzeug rückwärts zum mittels Bremse und Radkeilen gesi-
cherten Anhänger fuhr, sondern gerade gegenteilig den Anhänger auf den ste-
henden Lastwagen zurollen liess, wobei die Anhängerdeichsel des rollenden An-
hängers die Maulkupplung des Lastwagens verfehlte und es dem Geschädigten
nicht mehr gelang, sich aus dem Gefahrenbereich zwischen Lastwagen und An-
hänger zu entfernen (Urk. 1 ff., insb. Urk. 5/2 S. 6).
1.2. Der Beschuldigte war zum Unfallzeitpunkt alleiniger Geschäftsführer der
F._ GmbH und als solcher verantwortlich für die Einführung neuer Mitarbeiter
der Firma. Somit war der Beschuldigte dafür verantwortlich, dass der Geschädigte
die relevanten Sicherheitsvorschriften kannte und einhielt, was der Beschuldigte
einzuverlangen, zu kontrollieren und durchzusetzen hatte. Der Beschuldigte aner-
kennt die entsprechende Sachdarstellung in der Anklageschrift (Urk. 64 S. 2 f. mit
Verweis auf Art. 6 VUV; Prot. I S. 35 f.).
1.3. Im Weiteren schildert die zum relevanten Tatvorwurf massgebliche Anklage-
schrift (Art. 325 StPO; BGE 143 IV 63 E. 2.2.), der Geschädigte habe die ein-
schlägige SUVA-Regel (welche er nicht einhielt) gar nicht gekannt, da der Be-
schuldigte es versäumt habe, ihm diese zu instruieren. Ferner habe der Beschul-
digte den Geschädigten pflichtwidrig nicht dahingehend überwacht, ob dieser das
Ankuppeln korrekt vollziehe (Urk. 64 S. 3 f.; vgl. auch Urk. 18 S. 8 Ziff. 2.4.).
2. Die Vorinstanz hat vorab zutreffende theoretische Erwägungen zum mass-
geblichen Tatbestand der fahrlässigen Tötung gemäss Art. 117 StGB und zu den
Tatbestandselementen der Garantenstellung und der Sorgfaltspflicht(-verletzung)
angestellt (Urk. 93 S. 10-14). All dies ist nicht strittig und es wird darauf verwiesen
(Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.1. Wie eingangs zitiert, wirft die Anklage dem Beschuldigten vor, er habe den
Geschädigten nicht über die massgeblichen Sicherheitsregeln zum Ankuppeln
eines Anhängers an ein Zugfahrzeug instruiert.
3.2. Der Beschuldigte und zwei Mitarbeiter der Firma F._ GmbH als Zeugen
wurden zu diesem Thema eingehend befragt (Urk. 93 S. 15 mit Verweisen): Mit
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der Vorinstanz haben alle drei Befragten übereinstimmend der Sachdarstellung in
der Anklageschrift widersprochen: Jeder neue Mitarbeiter sei nach Stellenantritt
durch erfahrene Mitarbeiter und den Beschuldigten begleitend eingearbeitet und
dabei auch zu den Sicherheitsvorschriften instruiert worden.
3.3. Der Beschuldigte sagte an der Hauptverhandlung konkret aus, er instruiere
alle neuen Mitarbeiter über die Sicherheitsregeln und der Geschädigte sei keine
Ausnahme gewesen. Er persönlich habe dem Geschädigten das korrekte An-
kuppeln mündlich instruiert und es mit ihm geübt (Prot. I S. 40 und 42). Gemäss
Schilderung des Beschuldigten war er sogar ca. 6 Monate vor dem Unfall mit dem
Geschädigten genau am späteren Unfallort und habe ihn zum sicheren Ankuppeln
instruiert (Prot. I S. 43 und S. 48 f.; Urk. 39/1 Fragen/Antworten 34-39 und Fra-
ge/Antwort 73). Diese Darstellung ist dem Beschuldigten nicht zu widerlegen.
Vielmehr wird sie gestützt durch die Aussagen des Zeugen G._, er sei bei
seinem eigenen Arbeitsantritt als Chauffeur bei der Firma F._ GmbH fachge-
recht instruiert worden (Prot. I S. 18 f.), alle neuen Mitarbeiter seien instruiert und
begleitet worden, abhängig von ihrer jeweiligen Berufserfahrung (Prot. I S. 19),
und – ausdrücklich –, es sei der Beschuldigte persönlich gewesen, der ihn am An-
fang eingearbeitet habe (Prot. I S. 25). Auch der Zeuge H._ sagte ausdrück-
lich aus, er sei als Chauffeur vom Chef, also dem Beschuldigten, persönlich in die
Arbeit eingewiesen und instruiert worden (Urk. 40 S. 4). Alle neuen Mitarbeiter der
F._ GmbH würden durch erfahrene Kollegen und den Beschuldigten ausge-
bildet und am Anfang begleitet. Der Geschädigte habe "selbstverständlich" ge-
wusst, wie richtig angekuppelt werde. Das sei ein Muss, wenn man für die
F._ GmbH arbeite und werde einem gleich zu Beginn beigebracht. Alle
Chauffeure der F._ GmbH seien "genauestens" über die Gefahren beim An-
kuppeln instruiert (Urk. 40 S. 4 ff. und S. 7). Der Tatvorwurf der Anklage, der Be-
schuldigte habe den Geschädigten betreffend das Ankuppeln eines Lastwagen-
anhängers "nicht über die korrekte SUVA-konforme Vorgehensweise instruiert",
lässt sich somit nicht erstellen.
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4.1. Ferner wirft die Anklage – ebenfalls wie eingangs zitiert – dem Beschuldig-
ten vor, er habe nicht überwacht, ob der Geschädigte das Ankuppeln seines An-
hängers an das Zugfahrzeug jeweils korrekt vollzogen habe.
4.2. Zutreffend ist, dass der Beschuldigte den Geschädigten beim letztlich fatalen
Ankupplungsmanöver am tt. Januar 2017 am Unfallort nicht überwachte, war der
Geschädigte bei dieser Tour doch – wie üblich – allein unterwegs. Die Anklage
wirft dem Beschuldigten allerdings auch nicht vor, er hätte den Geschädigten im-
mer überwachen respektive überwachen lassen müssen. Dies hätte zwingend zur
Folge gehabt, dass der Geschädigte – als einziger Angestellter der F._
GmbH, mit Ausnahme der Neulinge – nicht allein hätte arbeiten dürfen. Die Tat-
sache, dass der Geschädigte – betreffend den Anhänger – (lediglich) mit einem
Lernfahrausweis unterwegs war, musste nicht zwingend zu einer speziellen
Behandlung führen: Der Zeuge I._ sagte aus, das Ablegen der Prüfung sei
eine Kostenfrage und er selber – I._ – sei knapp vier Jahre lang genau aus
diesem Grund mit dem Lernfahrausweis gefahren (Urk. 40 S. 8).
4.3. Die Privatklägervertretung hält dafür, der Beschuldigte hätte den Geschädig-
ten engmaschig begleiten müssen, weil der Geschädigte zweimal die Anhänger-
Prüfung nicht bestanden hatte (Urk. 86 S. 13; Urk. 94 S. 8; Urk. 121 S. 17 f.). Der
Beschuldigte gab dazu befragt freimütig zu, gewusst zu haben, dass der Geschä-
digte die Prüfung zweimal nicht bestanden habe. Den jeweiligen Grund des Nicht-
Bestehens habe er allerdings nicht gekannt; er sei davon ausgegangen, der
Geschädigte habe sprachliche Schwierigkeiten beim Ablegen der Prüfung gehabt.
Die Beurteilung im verkehrspsychologischen Gutachten sei sodann positiv
gewesen, weshalb der Geschädigte – in Form eines weiteren Lernfahrausweises
– die Fahrerlaubnis erhalten habe (Prot. I S. 44).
4.4. Zur Frage, ob der Beschuldigte die Chauffeure der Firma F._ GmbH
dahingehend überprüft hat, ob sie die massgeblichen SUVA-Richtlinien zum An-
kuppeln von Anhängern einhalten, wurde das Folgende ausgesagt: Der Zeuge
G._ sagte aus, er habe nie gesehen oder von anderen gehört, dass ein
Chauffeur der F._ GmbH entgegen den SUVA-Richtlinien angekuppelt habe.
Es werde auch kontrolliert, ob richtig angekuppelt werde. "In dem Moment, in dem
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wir zusammen sind, schauen wir, ob alles richtig gemacht wird". Was der Ge-
schädigte gemacht habe, sei "gefährlich, ein Risiko für das Leben, verboten, man
darf es nicht tun". Der Zeuge konnte sich nicht vorstellen, was der Geschädigte
sich dabei gedacht habe (Prot. I S. 24 f.). Der Chauffeur H._ I._ sagte
als Zeuge aus, der Beschuldigte sei "natürlich, immer" anwesend gewesen, habe
kontrolliert und bei fehlerhaftem Vorgehen eines Chauffeurs sogleich eingegriffen
und diesen zurecht gewiesen (Urk. 40/1 S. 6). Der Beschuldigte selber gab an,
immer wenn er dabei sei, kontrolliere er, dass regelkonform angekuppelt werde.
Er sei öfters vor Ort und nehme Kontrollen vor. Er habe auch Mitarbeiter mit ei-
nem Lernfahraus, konkret auch den Geschädigten, öfter kontrolliert als solche mit
einem definitiven Ausweis. Er sei sich daher sicher, dass auch der Geschädigte
daran erinnert worden sei. Er, der Beschuldigte, habe "viele Male" gesehen, wie
der Geschädigte einen Anhänger angekuppelt habe; er habe dabei nie gesehen,
dass der Geschädigte regelwidrig vorgegangen sei. Er habe auch nicht von einem
anderen Mitarbeiter gehört, dass der Geschädigte unsachgemäss ankupple. An-
sonsten hätte er den Geschädigten sofort verwarnt. Er habe den Geschädigten
längstens 15 Tage vor dem Unfall letztmals persönlich begleitet und nur kurze
Zeit vor dem Unfall letztmals ankuppeln gesehen. Die Firma sei auch durch die
SUVA hinsichtlich Einhaltung und Durchsetzung der massgeblichen Regeln kon-
trolliert und niemals gerügt worden (Prot. I S. 43 und S. 45 ff.). Es gibt keinerlei
belastende Beweismittel, welche die Darstellung des Beschuldigten widerlegen
könnten; diese wird im Gegenteil durch die Darstellung der Zeugen gestützt.
4.5. Aus dem über den Geschädigten ausgestellten verkehrspsychologischen
Gutachten ergibt sich sodann, dass der Geschädigte der Expertin ausdrücklich
mitteilte, der Beschuldigte habe ihm gesagt, er werde nun "ein Auge auf seine
Ausbildung haben" (Urk. 26/4 S. 4). In der Beurteilung der Expertin wird dann das
Engagement des Beschuldigten für die Ausbildung des Geschädigten mehrfach
explizit positiv erwähnt (Urk. 26/4 S. 4-6).
4.6. Dies führt insgesamt zum Beweisergebnis, dass auch der Tatvorwurf ge-
mäss Anklage, der Beschuldigte habe nicht überwacht, ob der Geschädigte das
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Ankuppeln seines Anhängers an das Zugfahrzeug jeweils korrekt vollzogen habe,
nicht erstellt ist.
4.7 Nicht erstellt ist die Behauptung in der Anklage, der Geschädigte habe die
SUVA-korrekte Vorgehensweise für das Ankuppeln eines Anhängers nicht
gekannt. Gegenüber dem Verkehrspsychologen erwähnte der Geschädigte
nämlich selbst, dass ihm der Experte bei der ersten Prüfung gesagt habe, dass er
zwar gut fahren könne, aber das Ankuppeln des Anhängers nicht vorschriftsge-
mäss gemacht habe. Bei der zweiten Prüfung, einen Tag später, habe er dann al-
les richtig gemacht (Urk. 26/4 S. 3).
5. Es sei nochmals betont, dass die nicht zu widerlegenden Aussagen dreier
Personen und der Umstand, dass der Beschuldigte rund ein halbes Jahr vor dem
Tod des Geschädigten mit diesem am Unfallort war und ihm dort über das An-
kuppeln instruierte, der Anklagethese entgegenstehen (vgl. vorne, E. 3.2. f.). Im
Übrigen muss davon ausgegangen, dass der Geschädigte zwischen August 2014
und September 2015 an mehreren CZV-Kursen teilgenommen hat, was ebenso
indiziert, dass er wusste, wie man korrekt an- und abkuppelt (Urk. 27/5, Urk. 27/6,
Urk. 28). Nach dem Gesagten stösst auch die im Berufungsverfahren wiederholte
Argumentation der einzig appellierenden Privatklägervertretung, das zweimalige
Nichtbestehen der Führerprüfung Kategorie CE durch den Geschädigten hätte für
den Beschuldigten Anlass zu näheren Abklärungen über den Ablauf der miss-
lungenen Prüfungen und die Eignung des Geschädigten sein müssen (Urk. 94
S. 8), bzw. er hätte arbeitsrechtliche Massnahmen, wie die Beschränkung des
Einsatzes auf Lastwagen ohne Anhänger oder die Kündigung, ergreifen müssen
(Urk. 121 S. 20 f.), ins Leere: Es ist gemäss dem vorstehenden Beweisergebnis
zugunsten des Beschuldigten davon auszugehen, dass er den Geschädigten
instruiert und auch noch kurz vor dem Unfallzeitpunkt überwacht hat und Letzte-
res auch intensiver, als dies bei Chauffeuren mit bestandener Führerprüfung der
Fall war. Die dem Beschuldigten durch die Privatklägervertretung unterstellten
Unterlassungen sind somit nicht erstellt bzw. gar nicht angeklagt. Dies gilt etwa
für die Kritik, der Beschuldigte habe dem Geschädigten nicht genügend Unter-
stützung im Hinblick auf die praktische Prüfung geboten (Urk. 121 S. 17 f.), oder
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den Vorwurf, der Dokumentationspflicht sei im Personaldossiers des Geschädig-
ten ungenügend Rechnung getragen worden (Urk. 121 S. 16).
6. Der Anklagesachverhalt ist, soweit dem Beschuldigten darin ein strafbares
Verhalten vorgeworfen wird, nicht erstellt. Dies führt mit der Vorinstanz und in
Abweisung der Berufung der Privatklägerin zum Freispruch des Beschuldigten.
7. Klar ist einzig, dass der Geschädigte bei seinem letztlich fatalen Ankupp-
lungsmanöver am Abend des tt. Januar 2017 in D._ gegen elementarste Si-
cherheitsregeln verstossen hat. Warum er dies tat, konnten sich weder der Be-
schuldigte noch seine Mitarbeiter als Zeugen erklären (Prot. I S. 51; S. 24; Urk.
40/1 S. 6) und dies wird auch offen bleiben. Auffällig ist, dass der Geschädigte mit
seinem Mobiltelefon in der rechten Hand aufgefunden wurde (Urk. 1 S. 4; Urk. 3
S. 2). Dies lässt immerhin die – nicht nur theoretische – Möglichkeit im Raum,
dass er beim Ankuppeln durch eine Manipulation an diesem Gerät abgelenkt war,
wie dies im polizeilichen Ermittlungsbericht explizit dokumentiert ist (Urk. 25 S. 7).
Wenn die Privatklägervertretung vorbringt, diese – auch von der Vorinstanz the-
matisierte – Möglichkeit basiere auf Spekulation, ist darauf hinzuweisen, dass ihre
eigene These, wonach der Beschuldigte gestört worden sei, etwa durch einen bel-
lenden Hund (Urk. 121 S. 20), noch spekulativer ist.
III. Zivilklage
Die – seitens der Privatklägerin bezifferte und entgegen der Vorinstanz sehr wohl
begründete (Urk. 86 S. 14 [mit Verweis auf früher eingereichten Schriftsatz];
Urk. 121 S. 22 f.) – Genugtuungsforderung gegen den Beschuldigten ist liquide.
Sie erweist sich beim vorliegenden Verfahrensausgang, mit dem der Beschuldigte
vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen wird und damit seine Delikts-
haftung im Sinne von Art. 41 OR zu verneinen ist, als unbegründet. Nach dem
Gesagten ist die Zivilklage der Privatklägerin abzuweisen (Art. 126 Abs. 1 lit. b
StPO).
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IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist praxisgemäss und in
Anwendung von § 14 und § 16 Abs. 1 der Gebührenverordnung des Obergerichts
auf Fr. 3'000.-- festzusetzen.
2. Die Kostenauflage im Berufungsverfahren erfolgt nach Massgabe von
Obsiegen und Unterliegen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die einzig appellierende Pri-
vatklägerin unterliegt vollumfänglich, weshalb ihr die Kosten des Berufungsverfah-
ren aufzuerlegen sind.
3. Der unentgeltliche Vertreter der Privatklägerin Rechtsanwalt X._ bean-
tragt eine Entschädigung von Fr. 13'417.90 (inkl. Auslagen und MwSt.) (Urk. 123
S. 1). Der geltend gemachte Aufwand von gerundet 35.5 Stunden und die Ausla-
gen in Höhe von gerundet Fr. 30.-- sind ausgewiesen (Urk. 123 S. 2). Der Auf-
wand ist erweist sich insoweit als – geringfügig – übersetzt, als darin Rechtsstudi-
um von 2.5 Stunden fakturiert wird, was nicht zu entschädigen ist (vgl. anstelle
vieler: Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich vom 18. Juni 2019 E. 5.4.3.).
Zu addieren ist der in der Honorarnote noch nicht berücksichtigte Aufwand für die
Teilnahme an der Berufungsverhandlung. Daraus folgt, dass insgesamt 37 Stun-
den zu entschädigen sind. Zu veranschlagen ist indes für amtliche Mandate bloss
ein Stundenansatz (exkl. MwSt.) von Fr. 220.--, statt – wie geltend gemacht – Fr.
350.-- (vgl. § 3 der Verordnung über die Anwaltsgebühren des Obergerichts).
Nach dem Gesagten und in Anwendung von § 17 f. und § 22 f. der Verordnung
über die Anwaltsgebühren des Obergerichts ist Rechtsanwalt X._ für seine
Bemühungen als unentgeltlicher Privatklägervertreter mit pauschal Fr. 8'800.--
(inkl. Auslagen und MwSt.) zu entschädigen. Diese Kosten sind einstweilen auf
die Gerichtskasse zu nehmen. Vorbehalten bleibt eine Nachforderung gegenüber
der Privatklägerin gestützt auf Art. 135 Abs. 4 StPO in Verbindung mit Art. 138
Abs. 1 StPO.
4. Wird die einzig von der Privatklägerschaft erhobene Berufung abgewiesen,
hat jene die Verteidigungskosten der beschuldigten Person zu tragen (BGE 139
IV 45 E. 1.). Obwohl der Privatklägerin die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt
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wurde, entbindet sie diese nicht von der Pflicht zur Bezahlung einer Prozessent-
schädigung an den obsiegenden Beschuldigten (LIEBER, in: Donatsch et al.
[Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, Art. 1-195, 3. Aufl.
2020, Art. 136 N. 9). Der Beschuldigte lässt diesbezüglich auf die Honorarnote
seines Verteidigers Rechtsanwalt Y._ verweisen, worin ein Honorar von Fr.
4'206.75 fakturiert wird (Urk. 126 S. 3). Der darin geltend gemachte Aufwand und
die Auslagen sind ausgewiesen und angemessen, ebenso das veranschlagte Ho-
norar von Fr. 250.-- pro Stunde (Urk. 126; ZR 2012 S. 33 ff., 34.). Unter Berück-
sichtigung des in der Honorarnote noch nicht erfassten Aufwands für die Teilnah-
me von RA Y._ an der Berufungsverhandlung erweist sich eine Entschädi-
gung von pauschal Fr. 5'200.-- (inkl. Auslagen und MwSt.) als angemessen. Folg-
lich ist die Privatklägerin zu verpflichten, dem Beschuldigten für seine erbetene
Verteidigung im Berufungsverfahren eine Prozessentschädigung von pauschal
Fr. 5'200.-- (inkl. Auslagen und MwSt.) zu bezahlen.