# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 9af9fe21-a066-40c4-be46-362aef96da6b
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Am 2
3.
Dezember 2016 meldete
A._
, geboren 1980, ihre beiden Kinder,
B._
und
C._
, beide geboren am
4.
November
20
16
in Frank
reich
,
bei der Invalidenversicherung zum Bezug von
medizinischen
Mass
nahmen
in Frankreich
(
Urk.
6/1 und
Urk.
6/1 in Prozess
Nr. IV.2017.01303
)
an, worauf die Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
nach Erlass des Vorbe
scheids (
Urk.
6/13) mit Verfügungen vom
3.
Oktober 2017 die An
sprüche von
B._
(Urk. 6/14 =
Urk.
2)
sowie von
C._
(
Urk.
2 in
Prozess Nr.
IV.2017.01303
) auf medizinische Massnahmen
im Ausland verneinte.
2.
2.1
Gegen die Verfügungen vom
3.
Oktober 2017 (
Urk.
2 und Urk. 2 in
Prozess Nr.
IV.2017.01303
)
erhob der Krankenversicherer von
A._
,
B._
und
C._
, die
SWICA Krankenversicherung AG
(
Urk.
13/2-4)
, mit
Eingabe vom 18. De
zember 2017 (Urk. 1 und Urk. 1 in Prozess Nr. IV.2017.01303) Beschwer
de
n
und beantragte, es sei die IV-Stelle zu verpflichten, die Kosten der Behand
lungen von
B._
und
C._
im Ausland zu über
nehmen (Urk. 1 S. 2
und
Urk.
1 S. 2 in
Prozess Nr.
IV.2017.01303
).
Mit Beschwerdeantworten vom 27. November 2017 (Urk. 5 und Urk. 5 in Prozess Nr. IV.2017.01303) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Be
schwerden sowie in prozessualer Hinsicht die Trennung der beiden Beschwerde
verfahren.
2.2
Mit Verfügung vom
5.
Dezember 2017 (
Urk.
7) wurde das Verfahren betreffend den Anspruch
auf
medizinische Massnahmen im Ausland von
C._
vom vorliegenden Prozess
betreffend den Leistungsanspruch von
B._
abge
trennt und unter der Prozess Nr. IV.2017.01303 weitergeführt und es wurden
bei der Beschwerdeführerin
die vollständigen Akten der obligatorischen Krankenver
sicherung in Sachen des
B._
sowie
diejenigen
in Sachen der
A._
betreffend die Schwangerschaft und die Entbindung von
B._
und
C._
beigezogen (
Urk.
10/1-11,
Urk.
11/1-18 und
Urk.
13/1-2, 4, 6-7 + 9). Davon wurde
der Beschwerdegegnerin am 2
7.
August 2018 Kenntnis gegeben (
Urk.
15).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Schweizerische und ausländische Staatsangehörige sowie Staatenlose haben gemäss
Art.
6
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Anspruch auf Leistungen gemäss den nachstehenden Bestimmungen.
Art.
39 bleibt vorbe
halten (
Abs.
1). Ausländische Staatsangehörige sind, vorbehältlich Artikel 9 Absatz 3, nur anspruchsberechtigt, solange sie ihren Wohnsitz und gewöhnlichen Auf
ent
halt (
Art.
13
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
ver
sicherungsrechts, ATSG
) in der Schweiz haben und sofern sie bei Eintritt der Invalidität während mindestens eines vollen Jahres Beiträge geleistet oder sich ununterbrochen während zehn Jahren in der Schweiz aufgehalten haben. Für im Ausland wohnhafte Angehörige dieser Personen werden keine Leistungen gewährt (
Abs.
2). Bei Personen, die mehrere sich ablösende Staatsangehörigkeiten besessen haben, ist für die Leistungsberechtigung die Staatsangehörigkeit während des Leistungsbezugs massgebend (Abs. 3).
1.2
Gemäss
Art.
9
IVG
entsteht der
Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen frühestens mit der Unterstellung unter die obligatorische oder die freiwillige Ver
sicherung und endet spätestens mit dem Ende der Versicherung (
Abs.
1
bis
).
Gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung haben Personen, die der Versicherung nicht oder nicht mehr unterstellt sind, höchstens bis zum 2
0.
Altersjahr Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, sofern mindestens ein Elternteil freiwillig versichert ist (
lit
. a); oder während einer Erwerbstätigkeit im Ausland nach
Art.
1a
Abs.
1
lit
. c
des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHVG)
oder nach
Art.
1a
Abs.
3
lit
. a AHVG oder auf Grund einer zwischenstaatlichen Vereinbarung obligatorisch versichert ist (
lit
. b).
Gemäss
Abs.
3 dieser Bestimmung haben ausländische Staatsangehörige mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt (
Art.
13 ATSG) in der Schweiz, die das 2
0.
Altersjahr noch nicht vollendet haben, Anspruch auf Eingliederungs
mass
nahmen, wenn sie selbst die Voraussetzungen nach
Art.
6
Abs.
2
IVG
erfüllen oder wenn:
-
ihr Vater oder ihre Mutter, falls sie ausländische Staatsangehörige sind, bei Eintritt der Invalidität während mindestens eines vollen Jahres Bei
träge geleistet oder sich ununterbrochen während zehn Jahren in der Schweiz aufgehalten haben
(
lit
. a);
-
und
sie selbst in der Schweiz invalid geboren sind oder sich bei Eintritt der Invalidität seit mindestens einem Jahr oder seit der Geburt ununter
brochen in der Schweiz aufgehalten haben. Den in der Schweiz invalid geborenen Kindern gleichgestellt sind Kinder mit Wohnsitz und gewöhn
lichem Aufenthalt in der Schweiz, die im Ausland invalid geboren sind und deren Mutter sich dort unmittelbar vor der Geburt während höchstens zwei Monaten aufgehalten hat. Der Bundesrat regelt, in welchem Umfang die Invalidenversicherung die Kosten zu übernehmen hat, die sich im Aus
land
wegen der Invalidität ergeben (
lit
. b).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung vom
3.
Oktober 2017 (
Urk.
2) davon aus, dass aus medizinischer Sicht auf Grund einer Risiko
schwangerschaft der Mutter des Versicherten ein Spitalaufenthalt für die Geburt des Versicherten indiziert gewesen sei, dass
jedoch
ein Spitalaufenthalt im Aus
land
aus medizinischen Gründen
nicht erforderlich gewesen sei.
Da die Geburt
des Versicherten
auf Grund besonderer familiärer Strukturen nach Frankreich verlegt worden sei,
seien auch andere beachtliche Gründe für die Durchführung der medizinischen Eingliederungsmassnahmen im Ausland nicht gegeben.
2.2
Die Beschwerdeführerin bringt
hiegegen
vor, dass sich die Mutter des Versicher
ten nicht für eine geplante Geburt mittels Kaiserschnitt
,
sondern lediglich für eine Kontrolluntersuchung ins Ausland begeben habe. Anlässlich dieser Kontroll
un
tersuchung sei entschieden worden, die Geburt mittels Kaiserschnitt sofort einzu
leiten. Des Weiteren sei das Geburtsgebrechen des Versicherten unvor
hergesehen gewesen und der Versicherte
hätte
nach der Geburt n
icht sogleich in die Schweiz transportiert werden können. Da die Geburt notfallmässig und früher als geplant habe durchgeführt werden müssen, sei das Geburtsgebrechen des Versicherten unvermittelt im
Ausland aufgetreten und es seien
unmittelbar nach der Geburt des Versicherten medizinische Eingliederungs
massnahmen
erforderlich gewesen, wesha
lb es sich dabei um einen Notfall gehandelt habe
(
Urk.
1 S. 4).
3.
3.1
Vorerst gilt es
zu prüfen, ob
B._
zum Zeitpunkt seiner Geburt und während der anschliessenden medizinischen Behandlungen im Ausland
für medizi
nische Eingliederungsmassnahmen der schweizerischen Invaliden
versiche
rung unterstellt
war. Dabei gilt es vorweg
,
das anwendbare Recht sowie die Frage, ob der
Versicherte
zum Zeitpunkt seiner Geburt am
4.
November 2016
beziehungsweise
während der
anschliessenden im Ausland
durchgeführten medizinischen Behandlung in der Schweiz Wohnsitz hatte
, zu prüfen
.
3.2
Am 1. Juni 2002 ist das Abkommen vom 21. Juni
1999 zwischen der Schweize
ri
schen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und
ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Fre
izügigkeit (Freizügigkeitsab
kom
men;
FZA) in Kraft getreten.
Nach Art. 1 Abs. 1 des auf der Grundlage des Art. 8 des FZA ausgearbeiteten und Bestandteil des Abkommens bildenden (Art. 15 FZA) Anhangs II (Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit) FZA in Ver
bindung mit Abschnitt A dieses Anhangs wenden die Vertragspar
teien unter
einander insbesondere die VO 883/2004 und die Verordnung (EG) Nr. 987/2009 (VO 987/2009) des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Septem
ber 2009 zur Festlegung der Modalitäten für die Durchführung der VO 883/2004 oder gleichwertige Vorschriften an. Die beiden genannten ge
meinschaftsrechtli
chen Verordnungen sind für die Schweiz durch den Beschluss Nr. 1/2012 des Gemischten Ausschusses vom 31. März 2012 zur Ersetzung des Anhangs II des Abkommens über die Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit per 1. April 2012 in Kraft getreten (AS 2012 2345; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_455/2011 vom 4. Mai 2012 E. 2.1).
3
.3
In zeitlicher Hinsicht
sind
das FZA
und die für die Schweiz am 1. April 2012 in Kraft getretenen VO 883/2004, welche die VO 1408/71 ersetzt hat, sowie die VO
987/2009, welche die Ver
ordnung (EWG) Nr. 574/72 des Rates vom 21. März 1972
über die Durchfüh
rung der VO 1408/71 (VO 574/72) ersetzt hat, anzuwen
den,
da
vorliegend die Frage nach der Leistungsp
f
licht der Beschwerdegegnerin für die Zeit ab der Geburt des Versicherten am
4.
November 2016 (
Urk.
6/1) und daher für einen Zeitraum
nach Ink
rafttreten des FZA und der VO 883/2004 sowie der VO 987/2009 im Streite steht (vgl. die Übergangsbestimmungen von Art. 87 VO 883/2004 und Urteil des Bundesgerichts 9C_651/2012
vom 1
5.
Mai 2013
E. 5
.
1.2).
3
.4
In
persön
li
cher Hinsicht
sind das FZA und die VO 883/2004
anwendbar, da
der Versicherte
Staatsangehörige
r
der Bundesrepublik Deutschland
(
Urk.
6/7/3)
und damit Staatsangehörige
r
eines Mit
gliedstaates ist, für welche
n
die Rechtsvor
schriften eines oder mehrerer Mitglied
staaten im Sinne von Art. 2 Abs. 1
der VO 883/2004
gelten.
3
.5
3
.5
.1
In Bezug auf die sachliche
Anwendbarkeit
der VO 883/2004
gilt es zu beachten, dass
die medizinischen Massnahmen nach
Art.
13 IVG
nach
der Rechtspr
echung (BGE 143 V 1 E. 5.2.4.2
) Vorkehren
im Sinne des FZA
dar
stellen
, welche auf die Behandlung von Geburtsgebrechen an sich gerichtet sind, unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich, weshalb die Ordnung der medizinischen Massnahmen nach
Art.
13 IVG
im Sinne des FZA
sachlich eine (obligatorische eidgenössische) Krankenpflege
versicherung für Geburtsgebrechen im Rechtssinne darstellt.
3.
5
.2
Das
FZA und die VO 883/2004
sind vorliegend daher auch in sachlicher Hinsicht anwendbar
, da sich der Geltungsbereich der
VO 883/2004
unter anderem auf Leistungen bei Krank
heit und Mutterschaft bezieht (Art.
3 Abs. 1
lit
. a VO 883/2004
).
3
.6
Die VO 883/2004, welche
unter anderem für Rechtsvor
schriften über Zweige der
s
ozialen Sicherheit, die Leistungen bei Krankheit und Mutterschaft betreffen, gilt
, enthält
in Kapitel 1 des Titels III besondere Vor
s
chriften für diese Leis
tungs
art. Der
Titel II
VO 883/2004 (Art. 11-16) enthält
allgemeine Kollisionsre
geln zur Bestimmung der anzuwendenden
Rechtsvorschriften. Dabei legt Art. 11 Abs. 1
VO 883/2004 den kollisionsrechtlichen Grundsatz der Einheitlichkeit der an
wend
baren Rechtsvorschriften in dem Sinne fest, dass für jede betroffene Person die Rechtsvorschriften nur eines Mitgliedstaates massgebend sind (BGE 138 V 258 E.
4.2
mit Hinweis).
3
.7
Unter Vorbehalt der
abkommens
rechtlichen
Vor
ga
ben - darunter auch des Diskrimi
nierungs
verbots (
Art. 4 der VO 883/2004
) - ist es Sache des inner
staatli
chen Rechts, festzulegen, un
ter welchen Voraus
setzungen Leistungen ge
währt werden (vgl. BGE 131 V 209 E
. 5.3).
3.8
Der Titel II VO 883/2004 (
Art.
11-16) enthält allgemeine Kollisionsregeln zur Bestimmung der anzuwendenden Rechtsvorschriften. Dabei legt
Art.
11
Abs.
1 VO 883/2004 den kollisionsrechtlichen Grundsatz der Einheitlichkeit der anwendbaren Rechtsvorschriften in dem Sinne fest, dass für jede betroffene Per
son die Rechtsvorschriften nur eines Mitgliedstaates massgebend sind (BGE 138 V 258 E. 4.2 mit Hinweis). Ausnahmen vorbehalten, gilt für
Arbeitnehmende
das Beschäftigungslandprinzip (
Art.
11
Abs.
3
lit
. a der VO 883/2004; BGE 136 V 244 E. 3.2.1). Nichterwerbstätige sind ebenfalls den Rechtsvorschriften (nur) eines Mitgliedstaats unterstellt. Nach
Art.
11
Abs.
3
lit
. e VO 883/2004 unterliegen sie den
Rechtsvorschriften des Woh
nmitgliedstaats, sofern nichts
a
nderes
bestimmt ist. Dabei handelt es sich um einen eigenen Anspruch auf Grund des Wohnorts (BGE 140 V 98 E. 8.1; 143 V 52 E. 6.2.2).
3.9
Das FZA konkretisiert als Ergänzung zu Anhang XI der VO Nr. 883/2004 in seinem Anhang II Abschnitt A Nr. 1
lit
. i
Ziff.
3
lit
. a FZA die Personenkategorien, welche, obgleich nicht in der Schweiz wohnhaft, dem schweizerischen Kranken
versicherungsrecht unterstehen (BGE 143 V 52 E. 6.2.2.2). Gemäss der Rechtspre
chung des Bundesgerichts (BGE 143 V 1 E.
2.4.2) betreffen diese Bestimmungen indes nur die schweizerische Krankenversicherung gemäss dem
Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG)
und nicht die medizinischen Massnahmen
gemäss dem
IVG. Demzufolge ist das Wahlrecht in Bezug auf diese Sachleistun
gen nach
Art.
3
Abs.
1
lit
. a und
Art.
18
Abs.
2 VO 883/2004 auf die schweizeri
sche Krankenversicherung beschränkt (
BGE 143 V 1 E. 5.2.4.2
).
3.10
Titel III der VO Nr. 883/2004 (
Art.
17 ff.) enthält sodann besondere Vorschriften für die einzelnen Leistungsarten. Im
Art.
17-35 umfassenden Kapitel 1 (
Leistun
gen bei Krankheit sowie Leistungen bei Mutterschaft und gleichgestellte Leistungen bei Vaterschaft) sieht
Art.
32 Regelungen zur
«
Rangfolge der Sach
leistungsansprüche - Besondere Vorschrift für den Leistungsanspruch von Fami
liena
ngehörigen im Wohnmitgliedstaat»
vor. Diese lauten wie folgt:
Ein eigenständiger Sachleistungsanspruch aufgrund der Rechtsvorschriften eines Mitgliedstaats oder dieses Kapitels hat Vorrang vor einem abgeleiteten Anspruch auf Leistungen für Familienangehörige. Ein abgeleiteter Anspruch auf Sachleis
tungen hat jedoch Vorrang vor eigenständigen Ansprüchen, wenn der eigenstän
dige Anspruch im Wohnmitgliedstaat unmittelbar und ausschliesslich aufgrund des Wohnorts der betreffenden Person in diesem Mitgliedstaat besteht
(
Abs.
1)
.
Wohnen die Familienangehörigen eines Versicherten in einem Mitgliedstaat, nach dessen Rechtsvorschriften der Anspruch auf Sachleistungen nicht vom Bestehen einer Versicherung, einer Beschäftigung oder einer selbständigen Erwerbs
tätigkeit abhängt, so werden die Sachleistungen für Rechnung des zuständigen Trägers in dem Mitgliedstaat erbracht, in dem sie wohnen, sofern der Ehegatte oder die Person, die das Sorgerecht für die Kinder des Versicherten hat, eine Beschäftigung oder eine selbständige Erwerbstätigkeit in diesem Mitglied
staat ausübt oder von diesem Mitgliedstaat aufgrund einer Beschäftigung oder einer selbständigen Erwerbstätigkeit eine Rente erhält
(
Abs.
2)
.
3.11
Art.
32 VO Nr. 883/2004
enthält eine Kollisionsnorm und
bestimmt den leistungs
pflicht
igen Träger und damit auch
das anzuwendende Recht, wenn sich
bei Familienangehörigen Ansprüche aus eigenem Recht mit solchen aus abgeleitetem Recht
überschneiden beziehungsweise (in
Abs.
2 dieser Bestimmung), wenn sich Ansprüche auf Beschäftigung oder allgemeine aus Versicherung mit
solchen auf Grund
lage der reinen Begründung des Wohnsitzes (Systeme der öffentlichen nationalen Gesundheitsdienste)
konkurrenzieren
(Karl-Jürgen
Bieback
in: Euro
päisches Sozialrecht,
Maximilian Fuchs [Hrsg.]
,
7.
Aufl., Basel/Baden-Ba
den/Wien 2018,
Art.
32 VO Nr. 883/2004
N.
2).
3.12
D
as Bundesgericht fasste den Regelungsgehalt
von
Art.
32 VO Nr. 883/2004
in
BGE 143 V 52 E. 6.3.2
folgendermassen zusammen:
«Die zitierte Bestimmung regelt nicht nur die Anspruchskonkurrenz zwischen eigenen und abgeleiteten Leistungsansprüchen des Familienangehörigen. Viel
mehr stellt sie zugleich eine Kollisionsnorm dar, die das anzuwendende Recht auch bezüglich des Statusverhältnisses (beispielsweise Versicherteneigenschaft) einschliesslich etwaiger Beitragspflichten umfassend und eindeutig bestimmt. Die Vorschrift zielt insbesondere auf die Vermeidung von Doppelversicherungen von Familienangehörigen sowie auf eine Belastungsangleichung innerhalb der EU, soweit Einwohnersysteme (sog. nationale Gesundheitsdienste) betroffen sind (...). Bei Letzteren handelt es sich um ein steuerbasiertes System für Leistungen bei Krankheit sowie Mutter- und Vaterschaft, das - anders als im Falle von durch Beiträge von Beschäftigen und/oder
Selbstständigerwerbenden
finanzierten Sozial
versicherungen - allen Einwohnern eines Landes offensteht (...).
Art.
32
Abs.
1 VO Nr. 883/2004 stellt mithin den Grundsatz auf, dass ein eigen
ständiger Anspruch Vorrang vor einem abgeleiteten Anspruch hat. Diesem Grundsatz ist aber dann ausnahmsweise nicht zu folgen, wenn der eigenständige Anspruch allein durch den Wohnsitz begründet wird.
Diesfalls
tritt der (eigen
ständige) Anspruch allein auf Grund des Wohnsitzes zurück gegenüber einem abgeleiteten Anspruch aus Versicherung (...). Wenn aber - so
Abs.
2 der Bestimmung - bei den Familienangehörigen der Ehegatte oder die Person mit dem Sorgerecht für die Familienmitglieder im Wohnstaat gleichzeitig auch selbst eine Beschäftigung oder Erwerbstätigkeit ausübt oder von einem Träger des Wohn
staats eine Rente bezieht, gehen die Ansprüche des Wohnstaats vor (...).
Das Bestehen eines eigenständigen oder abgeleiteten Sachleistungsanspruchs ist sodann in folgender Reihenfolge zu prüfen: Nach Ermittlung des anwendbaren Rechts gemäss Titel II (
Art.
11-16) und den Normen des Titels III/Kapitel 1 (Art.
17-35) VO Nr. 883/2004 - vor allem nach Mas
sgabe von
Art.
11 und 17 VO Nr.
883/2004 - ist in einem zweiten Schritt zu eruieren, ob auf Grund der Rechts
vorschriften des für den jeweiligen Anspruch zuständigen Mitgliedstaats die ent
sprechenden Voraussetzungen vorliegen. Dabei sind sowohl die Rechts
folgen der
Art.
17 ff. VO Nr. 883/2004 wie auch gegebenenfalls Vor- und Nach
rang
regelun
gen des nationalen Rechts von Ansprüchen aus Erwerbstätigkeit und aus abge
leitetem Recht als Familienmitglied zu beachten. Besteht nach diesem Prüfvor
gang immer noch ein Normkonflikt, insbesondere weil originärer und abgeleiteter Anspruch nach unterschiedlichen Rechtsordnungen zu bestimmen sind, ist ein Anwendungsfall von
Art.
32
Abs.
1 Satz 1 VO N
r.
883/2004 zu bej
ahen (
...)
»
.
4.
4.1
Vorerst ist die
Frage nach dem
Wohnort des Versicherten und seiner Eltern im
Zeitpunkt der Geburt des Versicherten und danach gemäss dem Recht des FZA und der VO 883/2004 zu prüfen.
4.2
In
Art.
1
lit
.
j
VO
883/2004
wird der Wohnort als der Ort des gewöhnlichen Auf
enthalts definiert. Davon ist der vorübergehende Aufenthalt zu unterscheiden (
Art.
1
lit
.
k
VO
883/2004
). Der Wohnort als gewöhnlicher Aufenthalt befindet sich an demjenigen Ort, an welchem eine Person den Mittelpunkt ihrer Lebens
führung hat. Seine nähere Bestimmung kann von subjektiven oder objekti
ven Umständen abhängen. Bei subjektiver Bestimmung richtet sich der Wohnort nach dem Willen des Betreffenden; bei objektiver Bestimmung richtet er sich nach den äusserlichen Lebensumständen, die notfalls auch gegen den erklärten Willen des Betreffenden ins Feld geführt werden können
(BGE 138 V 533 E. 54.2)
.
4.3
Art.
11 der
VO
Nr. 987/2009
(Durchführungsverordnung) enthält verschiedene Kriterien, welche nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes (EuGH; Urteil des EuGH
C
?
589/10
vom 1
6.
Mai 2013
Rn
. 50) für
die Bestimmung dieses Mittelpunkts der
Lebensführung
berücksichtigt werden können
. Dazu gehören
die Dauer und Kontinuität des Aufenthalts im Hoheitsgebiet der betreffenden Mitglie
dstaaten,
die familiären Verhältnisse und die familiären Bin
dungen
, die
Art und
die
spezifischen Merkmale
der
ausgeübten Tätigkeit, insbe
sondere des Ortes, an dem eine solche Tätigkeit in der Regel ausgeübt wird, d
ie
Dauer
haftigkeit der Tätigkeit
und die
Dauer
des
Arbeitsvertrags,
die Ausübung
einer nicht bezahlten Tätigkeit,
die Einkommensquelle und Wohnsituation von
Studierenden
sowie
der steuerliche Wohnsitz.
Nach der Rechtsprechung ist der unfreiwillige krankheitsbedingte Verbleib an einem bestimmten Ort nicht unbe
dingt wohnsitzbegründend. Im Übrigen lässt das
Gemeinschaftsrecht die Frage, wie der Wohnort zu bestimmen ist, weitgehend offen und überantwortet die nähere Bestimmung dem jeweiligen nationalen Recht (BGE 138 V 186 E. 3.3.1 mit Hinweisen auf Urteile
des EuGH
;
Kahil
-Wolff
in: Europäisches Sozialrecht, Maximilian Fuchs [Hrsg.],
7.
Aufl., Basel/Baden-Baden/Wien 2018,
Art.
1
VO Nr.
883/2004
N.
2
0
).
4.4
Im schweizerischen Recht bestimmt sich der Wohnsitz gemäss
Art.
13
Abs.
1 ATSG nach
Art.
23-26 des Schweizerischen
Zivilgesetzbuch
s
(ZGB). Nach
Art.
25
Abs.
1 ZGB gilt als Wohnsitz des Kindes unter elterlicher Sorge der Wohnsitz der Eltern oder, wenn die Eltern keinen gemeinsamen Wohnsitz haben, der Wohnsitz des Elternteils, unter dessen Obhut das Kind steht; in den übrigen Fällen gilt sein Aufenthaltsort als Wohnsitz. Steht den Eltern die elterliche Sorge und Obhut gemeinsam zu, haben sie aber verschiedene Wohnsitze, so ist umstritten, ob der abgeleitete Wohnsitz zugunsten des effektiven Aufenthalts dahinfällt (Peter Breit
schmid, Personen- und Familienrecht inkl. Kindes- und Erwachsenen
schutzrecht
Art.
1-456 ZGB,
2.
Aufl., Zürich 2012,
Art.
25 ZGB N 1 mit Hinweis auf
Staehelin
, BSK ZGB 25 N 9 und BGE 135 III 49 E 5.3).
5.
5.1
Den Akten ist zu entnehmen, dass die Mutter des Versicherten,
eine Staats
ange
hörige der Föderativen Republik von Brasilien,
am
7.
September 2014 in die Schweiz eingereist ist. Seit diesem Zeitpunkt verfügte
sie
über eine Aufenthalts
bewilligung B und übte in der Schweiz eine Erwerbstätigkeit aus
(
Urk
6/7/2-3)
.
Gemäss
ihren
Angaben (
Urk.
6/4) habe sie sich ab der 2
8.
Schwangerschafts
woche aus gesundheitlichen Gründen in einem Sp
ital in Frankreich aufgehalten, worauf si
e
am
4.
November 2016, in
der 3
2.
Schwangerschafts
woche (zuzüglich 6 Tage;
Urk. 6/
5/
1-2 S. 1)
die Zwillinge gebar
.
Nach der
Geburt hielten sich die Eltern des Versicherten
bis zu dessen Spitalentlassung
am 2
1.
November 2016 in Frankreich auf (
Urk.
6/6 und
Urk.
10/11).
5.2
Zum Zeitpunkt der Geburt des Versicherten
am
4.
November 2016 war die Mutter des Versicherten mit dem Vater des Versicherten,
D._
,
ein Staatsange
höriger der Bundesrepublik Deutschland, verheiratet. Der Vater des Versicherten
war
zum Zeitpunkt der Geburt
und in der Zeit danach in Frankreich w
ohnhaft (
Urk.
6/1 Ziff. 3.2.2) und übte
in Frankreich eine Erwerbstätigkeit aus
(
Urk.
6/4)
.
Den getrennt
lebenden Eltern des Versicherten stand das
elterliche Sorgerecht gemeinsam zu (
Urk.
6/1
Ziff.
3.3).
5.3
Der Versicherte wurde am
4.
November 2016 in Frankreich geboren und war dort
vom
4.
bis 2
1.
November 2016 (
Urk.
6/6) und erneut vom 1
1.
bis 2
1.
Dezember 2016 (
Urk.
6/18/20-21) hospitalisiert. Der Versicherte verfügte
jedoch bereits
ab dem Zeitpunkt seiner Geburt über eine Aufenthaltsbewilligung B in der Schweiz (
Urk.
6/7/1)
und hielt sich
zusammen mit seiner Mutter bis 3
1.
August 2017 (vgl.
Urk.
14) in der Schweiz auf.
6
.
6
.1
Die
Umstände, dass die Mutter des Versicherten vor der Niederkunft in der Schweiz wohnhaft war und in der Schweiz eine Erwerbstätigkeit ausübte, dass sie nach der
an die Geburt des Versicherten
anschliessenden
Hospitalisation
in Frankreich zurück in die Schweiz reiste und dort bis 3
1.
August 2017 verblieb
(
Urk.
14)
,
sowie der Umstand, dass
der Versicherte
bereits
ab dem Zeitpunkt seiner Geburt in der Schweiz über eine Aufenthaltsbewilligung B verfügte, stellen Indi
zien für die Annahme eines Lebensmittelpunktes des Versicherten in der Schweiz dar. Dem Schreiben der Mutter des Versicherten an die Beschwerdegegnerin vom 2
6.
Januar 2017 (
Urk.
6/4) ist sodann zu entnehmen, dass sie für die Niederkunft ein Spital in
E._
, Frankreich,
wählte
,
um
es
ihren
Familien
angehörigen
und
insbesondere
ihrem
Ehegatten zu ermöglichen, sie während des Spitalaufent
halts besuchen zu können.
Dies
stellt ein Indiz
dafür
dar, dass der Aufe
nthalt in Frankreich nur für die
Schwangerschaft und
Niederkunft geplant war, und dass kein andauernder Aufenthalt in Frankreich beabsichtigt war
.
Der Umstand, dass der Versicherte nach der Entlassung aus dem Spital in Frankreich nicht bei seinem in Frankreich wohnhaften Vater, welcher mit der Mutter das gemeinsame elterli
che Sorgerecht innehatte, verblieb, sondern
sich
bei seiner Mutter in der Schweiz aufhielt, hat sodann als Indiz dafür zu gelten, dass sich
die
Eltern des Versicherten
offensichtlich
darauf verständigten,
dass
die
Mutter die
tatsächliche Obhut über den Versicherten
ausübe
. Dies stellt
ein weiteres Indiz für
einen Wohnort beziehungsweise Orte des dauernden Aufenthalts
des Versicherten
in der Schweiz dar.
6.2
In
Anbetracht der gesamten Umstände ist daher nicht daran zu zweifeln, dass
sich der Versicherte und seine Mutter lediglich vorübergehend
,
um Leistungen der Heilbehandlung in Anspruch zu nehmen,
in Frankreich aufgehalten haben, und dass sich der Mittelpunkt der Lebensführung
,
die persönlichen Lebensum
stände der Mutter des Versicherten
sowie
des sich in ihrer tatsächlichen Obhut befindenden Versicherten
vom
Zeitpunkt
seiner
Geburt
bis 3
1.
August 2017
in der Schweiz befand
en
.
Es ist daher mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit davon auszugehen, dass sich
in diesem Zeitraum
der Wohnort be
ziehungsweise der Ort des gewöhnlichen Aufenthalts des Versicherten im Sinne von
Art.
1
lit
. j VO 883/2004 in der Schweiz befand.
7.
7.1
Da sowohl der Vater als auch die Mutter des Versicherten zum Zeitpunkt seiner Geburt in je einem anderen Vertragsstaat
je
eine
Beschäftigung
ausübten, beurteilt sich die Frage
nach dem anwendbaren Recht
nach
Art.
32
der VO
883/2004 (
vgl.
vorstehend E.
3.12
)
.
7.2
Am
1.
Januar 2016 wurde in Frankreich der neue allgemeine Kranken
versicherungs
schutz (
protection
universelle
maladie
, PUMA) eingeführt (
www.ameli.fr/assure/droits-de
marches/europe-international/protection-sociale-france
). Durch die Einführung der PUMA am
1.
Januar 2016 fiel zwar der Status des leistungsberechtigten Familienmitglieds für alle volljährigen Personen weg, minderjährige Familienangehörige behielten den Status de
r
leistungsberechtigten Person indes bei
(
www.cleiss.fr/docs/regimes/regime_france
). Demzufolge war der Versicherte bei
seiner
Geburt in Frankreich durch seinen in Frankreich wohn
haften Vater bei dessen Krankenversicherung grundsätzlich mitversichert. Dabei handelte es sich um einen abgeleiteten Anspruch, welcher gemäss
Art.
32
Abs.
1 VO 883/2004 gegenüber einem eigenständigen
Sachleistungs
anspruch
nach
ran
gig
war
.
7.
3
Da es sich bei der französischen allgemeinen Krankenversicherung PUMA nicht um
ein
Einwohnersystem
beziehungsweise um ein solches a
uf Grundlage der reinen Begründung des Wohnsitzes
,
sondern um
ein
System
der Kranken
versi
cherung
handelt, bei welchem
der Anspruch auf Sachleistungen vom Bestehen einer Versicherung
und/oder
einer
Beschäftigung oder einer selb
st
ändigen Erwerbstätigkeit
abhängt
(
www.cleiss.fr/docs/re
gimes/re
gime_fran
ce
)
,
ist
Art.
32
Abs.
2 VO 883/2004
vorliegend nicht
anwendbar.
7.
4
Demgegenüber handelt es sich beim Anspruch auf medizinische Massnahmen bei Geburtsgebrechen gemäss den Rechtsvorschriften der Schweiz
(
Art.
1b in Verbin
dung mit
Art.
13
Abs.
1 IVG)
um einen eigenständigen Anspruch.
Laut
Art.
32
Abs.
1 VO 883/2004
hat
ein (eigenständiger) Anspruch gemäss den Rechtsvor
schriften der Schweiz
, wenn ein solcher ausgewiesen ist,
Vorrang vor einem
(abgeleiteten)
Anspruch gemäss dem französischen Recht
. Dies gilt es im Folgen
den zu prüfen.
7.
5
7.
5
.1
Da der Versicherte zum Zeitpunkt seiner Geburt Wohnsitz in der Schweiz hatte (vorstehend E.
6.
2
), gehörte er gemäss
Art.
1b IVG in Verbindung mit
Art.
1a Abs.
1
lit
. a
AHVG
seit seiner Geburt zum Kreis der versicherten Personen der Invalidenversicherung
und
war seit diesem Zeitpunkt
der
obligatorische
n Versi
cherung unterstellt.
7.
5
.2
Gemäss
Art.
2 FZA dürfen die Staatsangehörigen einer Vertragspartei, die sich rechtmässig im Hoheitsgebiet einer anderen Vertragspartei aufhalten, bei der Anwendung dieses Abkommens gemäss den Anhängen I, II und III nicht aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit diskriminiert werden
. In
Art.
4 der VO 883/2004 ist sodann geregelt, dass
Personen, für die diese Verordnung gilt, die gleichen Rechte und Pflichten aufgrund der Rechtsvorschriften eines Mitgliedstaats wie die S
taatsangehörigen dieses Staates, so
fern in dieser Verordnung nichts
A
nderes
bestimmt ist
.
7.
5
.3
Gemäss der Rechtsprechung (BGE 133 V 320 E. 5.7 zu
Art.
3 der bis 3
1.
März 2012 in Kraft gewesenen VO 1408/71) ist, wenn die
Voraussetzungen des persön
lichen und sachlichen Geltungsbereichs der
VO 883/2004
gegeben
sind
,
auf Grund von
Art.
4 der VO 883/2004
eine auf die Staatsangehörigkeit abstellend
e Ungleichbehandlung unzulässig, weshalb
sich
der
Anspruch auf medizinische Massnahmen bei Geburtsgebrechen
gemäss den für schweizerische Staatsange
hörige und nicht
gemäss den
für ausländische Staatsangehörige geltenden gesetzlichen Vorschriften
bemisst
.
7.
5
.4
Da beim Versicherten die Voraussetzungen
des persönlichen und sachlichen Geltungsbereichs der
VO 883/2004 erfüllt sind (vorstehend E.
3.4 und E. 3.5.2
),
ist eine
auf die Staatsangehörigkeit
(Deutschland;
Urk.
6/1/2)
abstellend
e Ungleich
behandlung des Versicherten gemäss
Art.
4 der VO 883/2004 unzulässig
.
Bei der Prüfung der
versicherungsmässigen Voraussetzungen
für den Anspruch auf
medizinische Eingliederungsmassnahmen
ist vorliegend
daher nicht
nach
Art.
6
Abs.
2 in Verbindung mit
Art.
9 Abs.
3 IVG
,
sondern
nach
Art.
6
Abs.
1 IVG
vorzugehen
.
Weil
schweizerische Staatsangehörige in der Lage des
Versi
cher
ten die versicherungsmässigen Voraussetzungen für
medizinische Mass
nahmen bei Geburtsgebrechen
erfüllen
, muss dasselbe
auch für den Versicherten gelten.
7.
6
Versicherte haben bis zum vollendeten 2
0.
Altersjahr Anspruch auf die zur Behandlung von Geburtsgebrechen (
Art.
3
Abs.
2 ATSG) notwendigen medizi
ni
schen Massnahmen (
Art.
13
Abs.
1 IVG). Der Bundesrat bezeichnet die Gebre
chen, für welche diese Massnahmen gewährt werden. Er kann die Leistung aus
schliessen, wenn das Gebrechen von geringfügiger Bedeutung ist (
Art.
13 Abs. 2 IVG).
Als Geburtsgebrechen gelten diejenigen Krankheiten, die bei vollendeter Geburt bestehen (
Art.
3
Abs.
2 ATSG in Verbindung mit
Art.
1 Abs.
1 Satz 1 der Verordnung über Geburtsgebrechen,
GgV
). Die blosse Veranlagung zu einem Leiden gilt nicht als Geburtsgebrechen. Der Zeitpunkt, in dem ein Geburtsgebre
chen als solches erkannt wird, ist unerheblich (
Art.
1
Abs.
1
GgV
). Die Geburts
gebrechen sind in der Liste im Anhang aufgeführt. Das Eidgenössische Departe
ment des Innern kann die Liste jährlich anpassen, sofern die Mehrausgaben einer solchen Anpassung für die Versicherung insgesamt drei Millionen Franken pro Jahr nicht übersteigen (
Art.
1
Abs.
2
GgV
). Als medizinische Massnahmen, die für die Behandlung eines Geburtsgebrechens notwendig sind, gelten sämtliche Vorkehren, die nach bewährter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft ange
zeigt sind und den therapeutischen Erfolg in einfacher und zweckmässiger Weise anstreben (
Art.
2
Abs.
3
GgV
).
7.
7
Die Geburtsgebrechen sind in einer Liste im Anhang der
GgV
aufgeführt (
Art.
1
Abs.
2 Satz 1
GgV
). Wird die Behandlung eines Geburtsgebrechens nur über
nommen, weil eine im Anhang festgelegte Therapie notwendig ist, so beginnt der Anspruch mit der Einleitung dieser Massnahme; er umfasst alle medizinischen Massnahmen, die in der Folge zur Behandlung des Geburtsgebrechens notwendig sind (
Art.
2
Abs.
2
GgV
). Als medizinische Massnahmen, die für die Behandlung eines Geburtsgebrechens notwendig sind, gelten sämtliche Vorkehren, die nach bewährter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft angezeigt sind und den therapeutischen Erfolg in einfacher und zweckmässiger Weise anstreben (
Art.
2
Abs.
3
GgV
).
7.
8
In der Liste im Anhang der
GgV
sind
zahlreiche Gebrechen auf
geführt
, bei denen ein Leistungsanspruch davon abhängt, ob eine Operation oder eine andere näher umschri
ebene Behandlung notwendig ist.
Diese Kriterien dienen der Umschrei
bung eines bestimmten Schweregrades, indem nur bei einer bestimmten Behand
lungs
form
ein zu Lasten der Invalidenversicherung gehendes Geburtsge
brechen vorliegt (BGE 142 V 58
E. 3.1). Um
ein
solche
s
Geburtsgebrechen handelt es sich bei
der
Ziff.
497 der Liste des Anhangs der
GgV
.
Vom
Geburtsgebrechen der
Ziff.
494
erfasst werden
Neugeborene mit einem Geburtsgewicht unter 2000
Gramm
bis zur Erre
ichung eines Gewichtes von 3000 Gramm.
Beim Geburtsgebrechen der
Ziff.
497 handelt es sich um s
chwere respiratorische Adaptationsstörungen (wie Asphyxie, Atemnotsyndrom, Apnoen), sofern sie in den ersten 72 Lebensstunden manifest werden und eine Intensivbehandlung begonnen werden muss
.
7.
9
In
Art.
14
Abs.
1 IVG wird der Umfang der medizinischen Massnahmen geregelt. Diese umfassen die Behandlung, die vom Arzt selbst oder auf seine Anordnung durch medizinische Hilfspersonen in Anstalts- oder Hauspflege vorgenommen wird, mit Ausnahme von logopädischen und psychomotorischen Therapien (
lit
. a) und die Abgabe der vom Arzt verordneten Arzneien (
lit
. b). Gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung hat die versicherte Person überdies, wenn die ärztliche Behandlung in einer Kranken- oder Kuranstalt erfolgt, Anspruch auf Unterkunft und Verpfle
gung in der allgemeinen Abteilung. Begibt sie sich in eine andere Abteilung, obwohl die Massnahme in der allgemeinen Abteilung durchgeführt werden könnte, so hat sie Anspruch auf Ersatz der Kosten, die der Versicherung bei Behandlung in der allgemeinen Abteilung entstanden wären.
7
.
10
Art.
14
bis
IVG
bestimmt, dass
die Kostenvergütung für stationäre Behandlungen im Sinne von
Art.
14
Abs.
1 und 2 IVG, die in einem nach
Art.
39 des Bundesge
setzes über die Krankenversicherung (KVG) zugelassenen Spital erbracht werden, im Umfang von 80
%
durch die Versicherung und im Umfang von 20
%
durch den Wohnkanton der versicherten Person geleistet
wird
, wobei der Wohnkanton seinen Anteil direkt dem Spital zu entrichten hat.
7.
11
Gemäss
Art.
9
Abs.
1 IVG
werden die Eingliederungsmassnahmen in der Schweiz, ausnahmsweise auch im Ausland, gewährt
.
In
Art.
23
bis
IVV
wird präzisiert, dass
die Versicherung die Kosten einer einfachen und zweckmässigen Durchführung im Ausland
übernimmt
, wenn sich die Durchführung einer Eingliederungs
mass
nahme in der Schweiz als unmöglich erweist,
insbesondere
weil die erforderlichen Institutionen oder Fachpersonen fehlen (Abs. 1). Die Versicherung übernimmt sodann die Kosten für die einfache und zweckmässige Durchführung medizini
scher Massnahmen, die
notfallmässig im Ausland durchgeführt werden (
Abs.
2). Wird eine Eingliederungsmassnahme aus anderen beachtlichen Gründen im Aus
land durchgeführt, so vergütet die Versicherung die Kosten bis zu dem Umfang, in welchem solche Leistungen in der Schweiz zu erbringen gewesen wären (
Abs.
3).
8.
8.1
Die
Ärzte des Spital
s
F._
,
E._
, Frankreich,
stellten in ihrem Bericht
vom 2
8.
November 2016 (
Urk.
6/6)
fest, dass
der Versicherte am
4.
November 2016 im Rahmen einer Frühgeburt in der 3
2.
Schwangerschaftswoche (zuzüglich 6 Tage)
als
monochorialer
,
mo
noamnioter
Zwilling
geboren
worden sei
.
Da nach der Geburt Atemnot aufgetreten sei, sei eine künstliche Beatmung (CPAP) und eine atemstimulierende Medikation mit Koffein erforderlich gewesen
(vgl. auch
Urk.
11/14)
. Bei
der Geburt am
4.
November 2016
habe der Versicherte ein Gewicht von
1696
Gramm
und bei Spitalaustritt am 2
1.
November 2016 ein sol
ches von 1700 Gramm
aufgewiesen.
8.2
In ihrem Bericht vom 2
1.
Dezember 2016 (
Urk.
3/2) stellten die Ärzte des Spitals
F._
ein
a
kutes respiratorisches Versagen mit Apnoe
im Rahmen einer
Bronchiolitis
fest und erwähnten, dass der
Versicherte
deswegen
vom 1
1.
bis 21.
Dezember 2016
hospi
talisiert gewesen
sei. Es sei eine Intensivpflege,
vorerst mittels einer Sauerstoff-Nasenbrille (LHD) und anschliessend mit
tels
nicht
inva
si
ve
r
Beatmung
durchgeführt worden.
8.3
Die Ärztin des Regionalen Ärztlichen Dienstes der Beschwerdegegnerin (RAD)
,
Dr.
G._
, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, führte in ihre Stellungnahme vom
1
3.
April 2017 (
Urk.
6/12/2) aus, dass der Spitalaufent
halt der Mutter des Versicherten ab der 2
8.
Schwangerschaftswoche zur Überwa
chung einer Risikoschwangerschaft medizinisch indiziert gewesen sei, dass die stationäre Behandlung jedoch auch in der Schweiz hätte stattfinden können.
Obwohl den Akten nicht zu entnehmen sei, weshalb der Kaiserschnitt so früh durchgeführt worden sei, sei die Wahrscheinlichkeit gross, dass die Geburt auch in der Schweiz zu diesem Zeitpunkt herbeigeführt worden wäre
, und dass
es
beim Versicherten auch bei einer Geburt in der Schweiz zu einem Geburtsgebrechen der
Ziff.
494 der Liste des Anhangs zur
GgV
gekommen
wäre. Bei der Geburt habe der Versicherte ein Gewicht von 1696 Gramm aufgewiesen, weshalb ein Geburts
gebrechen der
Ziff.
494 der Liste des Anhangs zur
GgV
bis zum Erreichen eines Gewichts von 3000 Gramm ausgewiesen
sei. Da der Versicherte vorübergehend mittels einer CPAP-Beatmung und mittels Koffein
zitrat habe behandelt werden müssen,
sei
ein Geburtsgebrechen der
Ziff.
497 der Liste des Anhangs zur
GgV
für die Zeit ab
der
Geburt bis 2
1.
November 2017
zu bejahen
.
9.
9.1
Gestützt auf di
e erwähnten medizinischen Akten, insbesondere
den Bericht der Ärzte des Spitals
F._
vom 2
8.
November 2016 (vorstehend E.
8.1
)
,
steht daher fest, dass der Versicherte bei der Geburt am
4.
November 2016 ein Gewicht von 1696 Gramm und bei Spitalaustritt am 2
1.
November 2016 ein solches von 1700 Gramm aufgewiesen hat. Da das Geburtsgewicht unter 2000 Gramm zu liegen kam, sind daher die Vorauss
etzungen des
Geburtsgebrechen
s
der
Ziff.
494
der Liste des Anhangs zur
GgV
bis zur Erre
ichung eines Gewichtes von 3000 Gramm
erfüllt.
9.2
Des Weiteren steht gemäss der medizinischen Aktenlage fest, dass der Versicherte nach der Geburt bis zum Spitalaustritt am 2
1.
November 2016 mittels künstlicher Beatmung und
atemstimulierende
r
Medikation
behandelt
wurde
. Gestützt auf die nachvollziehbare Beurteilung durch
Dr.
G._
vom 1
3.
April 2017 (vorstehend E.
8.3
)
ist daher davon auszugehen
, dass der Versicherte unmittelbar nach der Geburt unter einer
schwere
n
respiratorische
n Adaptations
störung litt, welche
eine
Intensivbehandlung
erforderte. Demzufolge steht fest,
dass die Voraussetzungen des Geburtsgebrechens der
Ziff.
497 für die Zeit seit der Geburt vom
4.
November 2016 bis zum Spitalaustritt am 2
1.
November 2016 erfüllt waren.
9.3
Vorliegend ist unbestritten (
Urk.
1), dass die für die Behandlung der Geburts
ge
brechen der Ziff. 494 und 497 der Liste de
s Anhangs zur
GgV
erforderlichen medizinischen
Eingliederungsmassnahme
n
auch
in der Schweiz
hätten
durchge
führt werden können. Zu prüfen ist indes, ob die medizinischen Massnahmen gemäss
Art.
23
bis
Abs.
2 IVV
notfallmässig im Ausland durchgeführt
wurden.
9.4
9.4.1
Gemäss der
auch
bei der Auslegung von
Art.
23
bis
Abs.
2 IVV zu
beachtenden Definition des Notfalls in
Art.
36
Abs.
2 der
Verordnung über die Kranken
versi
cherung (KVV)
liegt ein solcher vor, wenn die versicherte
Person
bei einem vorübergehenden Auslandsaufenthalt einer medizinischen Behandlung
bedarf
und
wenn
eine Rückreise in die Schweiz nicht angemessen ist.
Demgegenüber besteht k
ein
Notfall, wenn sich
die versicherte Person
zum Zwecke dieser
B
ehandlung ins Ausland
begibt.
9.4.2
Gemäss
der Rechtsprechung liegt ein
Notfall
im Sinne
von Art. 36 Abs. 2 KVV vor, wenn die versicherte Person bei einem vorübergehenden Auslandaufenthalt einer unaufschiebbaren medizinischen Hilfe bedarf und eine Rückreise in die Schweiz nic
ht möglich oder angemessen ist
(BGE 126 V 484 E. 4).
Die Ange
messenheit der Rückreise beurteilt sich nach den gesamten Umständen des ein
zelnen Falles. Dazu gehören die medizinische Zumutbarkeit der Rückreise, die Kosten der Rückreise im Verhältnis zu den Behandlungskosten, aber auch die Prüfung, ob die Behandlung in der Schweiz möglich gewesen wäre oder ob die Rückkehr eine Verzögerung der Behandlung und dadurch eine Verschlechterung des Gesundheitszustands nach sich gezogen hätte (Urteile des Bundessgerichts 9C_1009/2010 vom 29. Juli 2011 E. 2.3; 9C_35/2010 vom 28. Mai 2010 E. 3-5).
9.4.3
Dem Bericht der Ärzte des Spitals
F._
vom 2
8.
November 2016 (vorste
hend E.
8.1
) ist zu entnehmen, dass die Niederkunft
vom
4.
November 2016 geplant
war (
Accouchement
par
césarienne
programmée
).
Damit überein
stimmend
ist
dem sich bei den Akten befindenden Mail der
H._
AG an die Beschwerdeführerin vom 2
7.
September 2016 (
Urk.
10/1)
zu entnehmen
, dass die Niederkunft
am
4.
November 2016 geplant war.
9.4.4
Gemäss der Aktenlage steht daher fest, dass es sich bei der Niederkunft mittels Kaiserschnitt vom
4.
November 2016
um eine geplante Behandlung im Ausland handelte.
Vor der Geburt des Versicherten stand indes nicht fest und
es
war nicht
vorherzusehen, dass der Versicherte bei der Geburt lediglich ei
n Gewicht von 1696 Gramm aufweisen
,
und
dass er nach der Geburt unter einer
schwere
n
respi
ratorische
n Adaptationsstörung
leiden würde
, welche eine stationäre Intensiv
be
handlung mit
k
ünstlicher
Beatmung und atemstimulierende
r
Medikation
erfor
dert
. Bei der stationären Behandlung des Versicherten vom 4.
November 2016 bis 2
1.
November 2016 handelte es sich daher nicht um eine geplante Behandlung.
Vielmehr bedurfte der Versicherte nach seiner Geburt in Frankreich
unvermittelt einer
unaufschiebbaren medizinischen
Behandlung.
9.4.5
Die beteiligten Ärzte nahmen nicht ausdrücklich zur Frage nach der Reisefähig
keit des Versicherten beziehungsweise zur Frage, ob beziehungsweise ab welchem Zeitpunkt eine Reise des Versicherten in die Schweiz möglich oder angemessen war
, Stellung
. Auf Grund des Umstandes, dass der Versicherte bei Geburt lediglich ein
Gewicht von 1696 Gramm und bei Spitalaustritt am 21.
November 2016 ein solches von 1700 Gramm aufwies, sowie
auf Grund
des Umstandes, dass der Ver
sicherte seit der Geburt unter einer
schwere
n
respiratorische
n Adaptationsstörung litt, welche in der Zeit vom
4.
bis 21.
No
vember 2016 eine
r
stationäre
n
Behand
lung mit künstlicher Beatmung und atemstimulierender Medikation
bedurfte
, ist
indes
mit dem massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass in
der Zeit vom
4.
November bis 2
1.
November 2016
eine Reise in die Schweiz
für den
Versicherten
mit nicht unerheblichen
gesund
heitlichen
Risiken verbunden
war
, und dass während dieses Zeitraums eine Ver
schlechterung des Gesundheitszustandes des Versicherten durch eine Reise in die Schweiz nicht auszuschliessen war.
In Würdigung der gesamten Umstände ist daher davon auszugehen, dass eine Reise in die Schweiz für den Versicherten
in der Zeit ab der
Geburt am
4.
November 2016 bis zum Zeitpunkt des Austritts aus dem Spital
F._
am 2
1.
November 2016 nicht angemessen war.
9.4.6
Demzufolge ist davon auszugehen, dass
es sich bei
der
in der Zeit vom
4.
bis 21.
November 2016 in Frankreich durchgeführten
stationären
Behandlung der Geburtsgebrechen der Ziff. 494 und 497 der Liste des Anhangs zur
GgV
um
not
fallmässig
e
Behandlungen
im Sinne von
Art.
23
bis
Abs.
2 IVV
gehandelt hat
.
9.4.7
In Bezug auf die wegen eines akuten respiratorischen Versagens mit Apnoe im Rahmen einer
Bronchiolitis
erfolgten
Hospitalisation
vom 1
1.
bis 21. Dezember 2016 (
Urk.
6/18/20-21) sind keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass es sich dabei um eine notfallmässige Behandlung im Sinne von Art. 23
bis
IVV
Abs.
2 gehandelt hätte. Zwar ist im Bericht vom 2
1.
Dezember 2016 von einem akuten Geschehen im Rahmen einer
Bronchiolitis
bei vorbestehenden Atembeschwerden die Rede. Allerdings kann allein daraus noch nicht geschlossen werden, dass die Reise vom Elsass in die Schweiz aus medizinischer Sicht ausgeschlossen gewesen wäre.
In diesem Zusammenhang fällt ins Gewicht, dass aufgrund der vom Krankenver
sicherer beigezogenen Akten nicht belegt ist, dass die Mutter zeitnah zur Spital
entlassung am 2
1.
November 2016 für sich oder die Neugeborenen in der Schweiz eine ärztliche Behandlung in Anspruch genommen hätte (vgl. Urk. 13/1). Viel
mehr sind trotz der schwierigen gesundheitlichen Situation der Zwillinge ledig
lich Rechnungen von französischen Leistungserbringern aktenkundig (vgl.
Leistungsübersichten
Urk.
10/9-11, Urk. 11/6,
Urk.
11/11). Unter diesen Umstän
den ist
nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahr
schein
lichkeit
erstellt
, dass
der
Hospitalisation
am 21. Dezember 2016 der Charakter
eine
r
notfallmässigen B
ehandlung im Sinne von
Art.
23
bis
Abs.
2 IVV zukommt. Beachtliche Gründe, welche die in Frankreich durchgeführten Behandlungen rechtfertigen würden (
Art.
23
bis
Abs.
3 IVV), sind weder ersichtlich noch geltend gemacht.
10.
Nach Gesagtem ist ein Anspruch des Versicherten auf
medizinische Massnahmen im Sinne von
Art.
13 und 14 IVG für die
gemäss
Art.
9
Abs.
1 IVG
in Verbindung mit
Art.
23
bis
Abs.
2
IVV
notfallmässig
in der Zeit vom
4.
bis 2
1.
November 2016 anlässlich
des
stationären Aufenthalts im Spital
F._
in
E._
, Frank
reich,
durchgeführte
Behandlung der Geburtsgebrechen der Ziff. 494 und 497 der Liste des Anhangs zur
GgV
zu bejahen.
In diesem Umfang ist die Beschwerde daher teilweise gutzuheissen.
11.
11.1
Nicht zum Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens gehört die Frage nach dem Umfang des Leistungsanspruchs de
r
Beschwerdeführer
in
in
betraglicher
Hin
sicht.
11.2
Gemäss der Rechtsprechung ist in Bezug auf Kostenbeteiligungen
im Rahmen der internationalen Leistungsaushilfe
das im Behandlungsland geltende Recht der sozialen Sicherheit massgebend (BGE 141 V 612 E. 6.2). Das französische Recht der Krankenversicherung (PUMA) sieht grundsätzlich eine Kostenbeteiligung beziehungsweise ein
en
Selbstbehalt (unterschiedlicher Höhe) der versicherten Person vor
(www.cleiss.fr/docs/regimes/
regime_france
). Demgegenüber ist von der versicherten Person bei einer Durchführung medizinischer Massnahmen im Ausland im Sinne von
Art.
13
in Verbindung mit
Art.
9
Abs.
1 IVG
und
Art.
23
bis
Abs.
2 IVV
keine Kostenbeteiligung geschuldet.
Den Akten ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin als Krankenversicherer des
Versicherten
die streitigen Kosten der Behandlung in Frankreich gemäss dem in Frankreich für Krankenversicherer geltenden Tarif beglichen hat (
Urk.
11/11 S.
4). Davon ausgenommen ist indes ein allfälliger Selbstbehalt.
Diesen haben die Eltern indes akzeptiert, haben sie doch selbst keine Kostenübernahme durch die Beschwerdegegnerin verlangt. Der Versicherte ist daher nicht beschwert, wenn nun an Stelle des Krankenversicherers die Beschwerdegegnerin teilweise leistungspflichtig wird und insoweit kein Selbstbehält anfällt.
Unter diesen Umständen ist mangels eines Rechtsschutz
interesses von einer Bei
ladung des Beschwerdeführers zum Verfahren (
§
14
Abs.
1
GSVGer
) beziehungs
weise von einer solchen seiner Eltern abzusehen.
12
.
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantona
len Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Ver
weige
rung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfah
rens
aufwand und unabhängig vom Streitwert innerhalb des gesetzli
chen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--) auf
insgesamt
Fr.
1’0
00.-- fest
zusetzen und
gemäss dem Verfahrensausgang im Umfang von
Fr.
7
00.-- von der Beschwerdege
gnerin sowie im Umfang von
Fr.
3
00.--
von der Beschwerdeführerin zu tragen
.