# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c675e2d2-40e5-4666-a924-bb1cbee51036
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
war seit der Eintragung im Handelsregister des Kantons Zürich am 2
2.
Dezember 2010
bis am 20
. Juni 2012 (
Urk.
8/72; Publikation im SHAB am 7. März 2013)
Mitglied des Verwaltungsrates mit Einzelunterschrift der
Y._
AG mit Sitz in
Z._
(später
A._
;
Urk.
10)
.
Diese war der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, als bei
tragspflichtige Arbeitge
berin angeschlossen. Mit Verfügung vom 25. Juni 2013 eröffnete der Konkursrichter des Bezirksgerichts
B._
über die Gesellschaft den Konkurs (
Urk.
8/45). Das Konkursverfahren wurde mit Urteil desselben Richters vom 2
2.
August 2013 mangels Aktiven eingestellt
.
Am 29.
November 2013 wurde die
Y._
AG im Handelsregister des Kantons Zürich von Amtes wegen gelöscht
(
Urk.
10)
.
1.2
Mit Verfügung vom
9. Juli 2014 forderte die Ausgleichskasse von
X._
Schadenersatz für entgangene Sozialversicherungsbeiträge in der Höhe von
Fr.
87‘083.35 (
Urk.
8/56). Die dagegen vo
m
Verpflichteten am 12. September 2014 erhobene Einsprache (
Urk.
8/58) hiess die Verwaltung mit Entscheid vom
2.
Dezember 2014 teilweise gut und reduzierte die Schadenersatzforderung auf
Fr.
33‘868.35 (
Urk.
8/74
=
Urk.
2
).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom
2.
Dezember 2014 erhob
X._
am 20. Januar 2015 Beschwerde und beantragte dessen Aufhebung (
Urk.
1). Mit Beschwerdeantwort vom 20. Februar 2015 schloss die Ausgleichskasse auf Ab
weisung der Beschwerde (
Urk.
7), was dem Beschwerdeführer am 25. Februar 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9).
Das Gericht nahm von Amtes wegen den Auszug aus dem Handelsregister des Kantons Zürich betreffend die
Y._
AG in Liquidation als
Urk.
10 zu den Akten.
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 52 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlasse
-
nenversicherung
(AHVG) hat ein Arbeitgeber, der durch absichtliche oder grobfahrlässige Missachtung von Vorschriften der Versicherung einen Schaden zufügt, diesen zu ersetzen. Handelt es sich beim Arbeitgeber um eine juristische Person, so haften subsidiär die Mitglieder der Verwaltung und alle mit der Geschäftsführung oder Liquidation befassten Personen. Sind mehrere Personen für den gleichen Schaden verantwortlich, so haften sie für den ganzen Schaden solidarisch (Art. 52 Abs. 2 AHVG).
1.2
Die Vorschriften über die Arbeitgeberhaftung nach
Art.
52 AHVG sowie die dazu entwickelte Rechtsprechung des Bundesgerichts finden mangels eigener Bestimmungen sinngemäss Anwendung auf die Invalidenversicherungs- (
Art.
66 des Bundesgesetzes über die Invalidenvers
icherung), Erwerbsersatz
- (
Art.
21
Abs.
2 des Bundesgesetzes über
den Erwerbsersatz für Dienstleistende und bei Mutterschaft) und Arbeitslosenversicherungsbeiträge
(
Art.
6 des Bun
desgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolvenz
entschädigung
)
sowie auf jene
an die Familienausgleichskassen (FAK) gemäss dem Bundesgesetz über die Familienzulagen (
Art.
25
lit
. c). Gleiches gilt für die bis 3
1.
Dezember 2008 nach kantonalem Recht erhobenen FAK-Beiträge (
§
33
Abs.
2 des Gesetzes über Kinderzulagen für Arbeitnehmer in der bis Ende 2007 gültig gewesenen Fassung bzw.
§
33 des ab
1.
Januar 2008 bis 3
0.
Juni 2009 gültig gewesenen Kinderzulagengesetzes; nicht publiziertes Urteil des Bundes
gerichts 2P.251/19
96 vom 30. Juni 1997).
2.
2.1
Voraussetzung für eine Haftung nach Art. 52 AHVG ist zunächst das Vorliegen eines Schadens. Dieser besteht darin, dass der AHV ein ihr gesetzlich geschul
deter Beitrag entgeht. Die Höhe des Schadens entspricht dabei dem Betrag, dessen die Kasse verlustig geht (Thomas Nussbaumer, Die Ausgleichskasse als Partei im Schadenersatzprozess nach Artikel 52 AHVG, ZAK 1991 S. 383 ff. und 433 ff.). Verwaltungs- und Betreibungskosten, Veranlagungs- und Mahnge
bühren sowie die Verzugszinsen bilden Bestandteil des Schadens, welcher der Ausgleichskasse zu ersetzen ist (BGE 121 III 382 E. 3bb; vgl. auch BGE 109
V 95 oben, 108 V 189 E. 5). Im Hinblick auf die in Art. 14 Abs. 1 AHVG
normierte Beitrags- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers gehören auch die Arbeitgeberbeiträge zum massgeblichen Schaden (BGE 98 V 26 E. 5).
2.2
Der von der Beschwerdegegnerin verfügungsweise ge
ltend gemachte Schaden (
Urk.
8/
60) für die unbezahlt gebliebenen Beiträge und Nebenkosten wird vom Beschwerdeführer in
masslicher
Hinsicht nicht bestritten. Er ist anhand der Kassenakten – insbesondere der Beitragsübersicht vom 7. Juli 2014 (Urk. 8/61/1-2) und des Kontoauszugs vom
2.
Dezember 2014 (
Urk.
2
, Beilage
) – hinreichend substantiiert dargelegt.
2.3
Die Beschwerdegegnerin reduzierte im angefochtenen
Einspracheentscheid
– wie bereits ausgeführt – die vom Beschwerdeführer geforderte
Schadenersatz
summe
von
Fr.
87‘083.35 auf
Fr.
33‘868.35. Dabei ging sie
z
utreffend
erweise
davon aus, dass die nach dem Ausscheiden des Beschwerdeführers aus dem Verwaltungsrat der
Y._
AG im Juni 2012 in Rechnung gestellten
Lohn
beiträge
für die Monate April bis Dezember 2012 und die Mahn- und
Betrei
bungskosten
für die Beiträge 2011 nicht dem Beschwerdeführer angelastet wer
den können.
2.4
Mangels offenkundiger Anhaltspunkte für Berechnungsfehler ist die Schadens
-
berechnung
der Beschwerdegegnerin zu bestätigen und von einem vorliegend relevanten Schadensbetrag von
Fr.
33‘868.35 auszugehen.
3.
3.1
Art. 14 Abs. 1 AHVG und die Art. 34 ff. der Verordnung über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHVV) schreiben vor, dass der Arbeitgeber bei je
der Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen und zusammen mit den Arbeitgeberbeiträgen der Ausgleichskasse zu entrichten hat. Die Arbeit
geber haben den Ausgleichskassen periodisch Abrechnungsunterlagen über die von ihnen an ihre Arbeitnehmer ausbezahlten Löhne zuzustellen, damit die entsprechenden paritätischen Beiträge ermittelt und verfügt werden können. Die Beitragszahlungs- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers ist eine gesetzlich vorgeschriebene
öffentlichrechtliche
Aufgabe. Die Nichterfüllung dieser
öffent
lichrechtlichen
Aufgabe bedeutet eine Missachtung von Vorschriften im Sinne von Art. 52 Abs. 1 AHVG und zieht die volle Schadendeckung nach sich (BGE 118 V 193 E. 2a; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
3.2
Aus den Akten ist ersichtlich, dass die
Y._
AG den ihr als Arbeitgeberin obliegenden Zahlungsverpflichtungen nur unvollständig nachkam. Die
Be
schwerdegegnerin
sah sich deshalb veranlasst, di
e Gesellschaft wiederholt
zu
mahnen
und
mehrere Schuldbetreibungsverfahren einzuleiten (
Urk.
2, 8/46/3
-
4, 8/47/3-4, 8/48/3-4, 8/51 und 8/61/1-2).
Hinzu kommt, dass die
Konkursitin
die
Lohndeklaration 2011
vom 20. Januar 2012
mehrmals
– unter anderem nach
dem die Beschwerdege
gnerin aufgrund von Mitteilungen von
C._
sowie des Amtes für Wirtschaft und Arbeit, das ein Verfahren wegen Verdachts auf Schwarzarbeit bei der
Y._
AG eingeleitet hatte, nach den beitragspflichtigen
Lohnsumme
n von
C._
,
D._
und
E._
gefragt
hatte
(
Urk.
8/7
, 8/9-11 und 8/13
)
–
mittels
Nachtragsmeldungen
abänderte
(
Urk.
8/8, 8/10, 8/16, 8/23
,
8/27
und 8/29
; vgl. auch
Urk.
8/19 und
Urk.
8/21)
.
Schliesslich blieben geschuldete Sozialversicherungsbeiträge in der Höhe von
Fr.
87‘083.35
unbezahlt, wovon in diesem Prozess – wie ausgeführt –
Fr.
33‘868.35
relevant sind (vgl. 2.3
hievor
). Damit ist die
Konkursitin
ihren Pflichten als Arbeitgeberin selbstredend nicht nachgekommen und hat
öffentlichrechtliche
Vorschriften missachtet.
Zu prüfen bleibt, ob und inwieweit der entstandene Schaden auf ein qualifiziert schuldhaftes Verhalten des Beschwerdeführers zurückzuführen ist.
4.
4.1
Die wesentliche Voraussetzung für die Schadenersatzpflicht besteht nach dem Wortlaut des Art. 52 AHVG darin, dass der Arbeitgeber absichtlich oder
grob
fahrlässig
Vorschriften verletzt hat und dass durch diese Missachtung ein Scha
den verursacht worden ist (BGE 108 V 183 E. 1a). Absicht beziehungsweise Vorsatz und Fahrlässigkeit sind verschiedene Formen des Verschuldens. Art. 52 AHVG statuiert demnach eine Verschuldenshaftung, und zwar handelt es sich um eine Verschuldenshaftung aus öffentlichem Recht. Die Schadenersatzpflicht ist im konkreten Fall nur dann begründet, wenn nicht Umstände gegeben sind, welche das fehlerhafte Verhalten des Arbeitgebers als gerechtfertigt erscheinen lassen oder sein Verschulden im Sinne von Absicht oder grober Fahrlässigkeit ausschliessen. In diesem Sinne ist es denkbar, dass ein Arbeitgeber zwar in vorsätzlicher Missachtung der AHV-Vorschriften der Ausgleichskasse einen Schaden zufügt, aber trotzdem nicht schadenersatzpflichtig wird, wenn beson
dere Umstände die Nichtbefolgung der einschlägigen Vorschriften als erlaubt oder nicht schuldhaft erscheinen lassen (BGE 108 V 183 E. 1b; ZAK 1985 S. 576 E. 2 und S. 619 E. 3a).
4.2
4.2.1
Grobe Fahrlässigkeit liegt praxisgemäss vor, wenn ein Arbeitgeber das ausser Acht lässt, was jedem verständigen Menschen in gleicher Lage und unter glei
chen Umständen als beachtlich hätte einleuchten müssen. Das Mass der zu ver
langenden Sorgfalt ist abzustufen entsprechend der Sorgfaltspflicht, die in den kaufmännischen Belangen jener Arbeitgeberkategorie, welcher die betreffende Person angehört, üblicherweise erwartet werden kann und muss. Dabei sind an die Sorgfaltspflicht einer Aktiengesellschaft hinsichtlich der Einhaltung gesetz
licher Vorschriften grundsätzlich strenge Anforderungen zu stellen. Ähnlich ist zu differenzieren, wenn es darum geht, die subsidiäre Haftung der Organe eines Arbeitgebers zu ermitteln (BGE 108 V 199 E. 3a; ZAK 1985 S. 51 E. 2a, S. 620 E. 3b; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
4.2.2
Nicht jedes einer Fir
ma als
solcher anzulastende Ver
schulden
muss auch ein solches ihrer sämtlichen Organe sein. Vielmehr hat man abzuwägen, ob und in
wieweit eine Handlung der Firma einem bestimmten Organ im Hinblick auf dessen rechtliche und faktische Stellung innerhalb der Firma zuzurechnen ist. Ob ein Organ schuldhaft gehandelt hat, hängt demnach entscheidend von der Verantwortung und den Kompetenzen ab, die ihm von der juristischen Person übertragen wurden (BGE 108 V 199 E. 3a; ZAK 1985 S. 620 E. 3b). Bei einfa
chen Verhältnissen muss vom einzigen Verwaltungsrat einer Aktiengesellschaft, der als solcher die Verwaltung der Gesellschaft als einzige Person in
Organstel
lung
zu besorgen hat, in der Regel der Überblick über alle wesentlichen Belange der Firma verlangt werden, und dies selbst dann, wenn er seine Befugnisse weitgehend an einen Geschäftsführer delegiert hat. Er kann mit der Delegation der Geschäftsführung nicht zugleich auch seine Verantwortung als einz
iges Verwaltungsorgan an den Ge
schäftsführer delegieren (BGE 108 V 199 E. 3b).
4.
3
4.3.1
Der Beschwerdeführer brachte zu seiner Entlast
ung vor, die Rechnungen für die Lohnbeiträge 2011 seien einerseits
erst nach seinem Austritt aus dem Verwal
tungsrat am 20. Juni 2012
gestellt worden; andererseits habe er sich auf die vertragsgemässe Tätigkeit seiner Treuhänderin, der
F._
AG, verlassen (
Urk.
1 S. 6 f.).
4.3.2
Der Beschwerdeführer war seit der Eintragung der
Y._
AG im Handelsregister des Kantons Zürich am 2
2.
Dezember 2010 bis zu
seinem Austr
itt am
20. Juni 2012 als deren einziges
Mitglie
d des Verwaltungsrats mit Einzel
unterschrift aufgeführt. Ihm kommt somit in der betreffenden Zeitperiode formelle
Organei
genschaft
zu.
4.3.3
Bei der
Y._
AG handelt
e
es sich um ein kleines Unternehmen
mit einfacher
Verwaltungsstruktur.
Bei derart leicht übersch
aubaren Verhältnissen muss von jedem Verwaltungsrat einer Aktiengesellschaft verlangt werden, dass er den Überblick über alle wesentlichen Belange des Unternehmens hat.
Bei einfachen und überschaubaren Verhältnissen werden praxisgemäss erhöhte Anforderun
gen an Kenntnis und Erledigung von Abrechnungs- und Zahlungsverkehr mit der Ausgleichskasse gestellt. Gemäss
Art
.
716
Abs. 2 des Obligationenrechts (OR) führt der Verwaltungsrat die Geschäfte der Gesellschaft, soweit er die Ge
schäftsführung nicht übertragen hat
.
Art
.
716a
Abs.
1 OR enthält sodann einen Katalog unübertragbarer und
unentziehbarer
Aufgaben. So obliegt dem Ver
waltungsrat insbesondere die Oberleitung der Gesellschaft und die Erteilung der nötigen Weisungen (Ziffer 1), die Ausgestaltung des Rechnungswesens, der Fi
nanzkontrolle sowie der Finanzplanung (Ziffer 3) und die Oberaufsicht über die mit der Geschäftsführung betrauten Personen, namentlich im Hinblick auf die Befolgung der Gesetze, Statuten, Reglemente und Weisungen (Ziffer 5). Der Verwaltungsrat einer Aktiengesellschaft hat die mit der Geschäftsführung be
auftragten Personen zu überwachen und sich regelmässig über den Geschäfts
gang unterrichten zu lassen. Das Gesetz verbietet zwar nicht die Vornahme ei
ner bestimmten Arbeits- und Kompetenzaufteilung, doch die Überwachungs- und Kontrollpflichten verbleiben auch dann beim (Gesamt)-Verwaltungsrat. Deshalb hat sich jedes Mitglied des Verwaltungsrats periodisch über den Ge
schäftsgang und die wichtigsten Geschäfte, die nicht zu seinem primären Auf
gabenbereich gehören, zu orientieren, Rapporte zu verlangen, diese sorgfältig zu studieren und nötigenfalls ergänzende Auskünfte einzuholen, Irrtümer abzu
klären und bei Unregelmässigkeiten einzugreifen (BGE 114 V 219 E. 4a).
Der Beschwerdeführer hätte daher insbesondere dafür besorgt sein müssen, dass von der Gesellschaft die gesetzlichen Vorschriften, wozu auch
jene betreffend
das Beitragswesen gehör
en
, eingehalten werden. Vor diesem Hintergrund ver
mag sich der Verpflichtete auch bei Delegation dieser Aufgaben an eine
Treu
handfirma
nicht zu entlasten, ha
tte er doch
diesfalls
weiterhin die unübertrag
bare und
unentziehbare
Pflicht der Oberaufsicht und damit
die
Pflicht zur Überwachung der korrekten Beza
hlung der Sozialversicherungsbeiträge
. Zwar können einzelne Geschäftsführungsfunktionen delegiert werden. Zur Wahrung der geforderten Sorgfalt gehört jedoch neben der richtigen
Auswahl
des geeig
neten Mandatsträgers auch dessen Instruktion und Überwachung. Der Ge
schäftsführer kann sich allein durch Delegation der Aufgaben nicht seiner Ver
antwortung entledigen. Dies gilt für einen geschäftsführenden Gesellschafter ei
ner GmbH ebenso wie für einen Verwaltungsrat, einen Vereinspräsidenten oder
einen Stiftung
srat (
vgl. bereits
Urteil des damaligen Eidgenös
sischen
Versiche
rungsgerichts
H
26/03 vom 17. Juni 2003 E. 3.2 mit weiteren Hinweisen).
4.3.4
Der Beschwerdeführer kann sich sodann nicht einfach mit dem Hinweis, Rechnungen für die definitiven Lohnbeiträge für das Jahr 2011 seien
zum Teil
nach seinem Austritt aus dem Verwaltungsrat gestellt
worden,
seiner Verant
wortlichkeit gegenüber der Beschwerdegegnerin
entziehen
.
Denn auszugleichen waren Sozialversicherungsbeiträge beziehungsweise Beitragsschulden, die zu ei
nem Zeitpunkt entstanden waren, als der Beschwerdeführer
(
einziges
)
formelles Organ der
Y._
AG war.
W
eder Abrechnungspflicht, Beitragsschuld noch Fälligkeit
sind
von der Zustellung einer Rechnung einer Veranlagungs- oder Nachzahlungsverfügung seitens der Ausgleichskasse abhängig. Die
Abrech
nungspflicht
sowie die Beitragsschuld entstehen im Zeitpunkt der Lohnzahlung (Art. 14 und Art. 51 AHVG
; Urteil des damaligen Eidgenössischen
Versiche
rungsgerichts
H 136/00 vom 29. Dezember 2000 E. 4b
).
Bei den nach diesem Zeitpunkt von der
Y._
AG
erstatteten Nachtragsmeldungen
handelt es sich damit einzig um Korrekturen der Lohnsumme in
masslicher
Hinsicht, die die Abrechnungspflicht nicht in Frage stellen. Vor diesem Hintergrund ist eine
Pflichtverletzung des Beschwerdeführers ausgewiesen, die während der Zeit er
folgte, als er noch
Einfluss auf das Abrechnungs- und Zahlungswesen nehmen k
onnte.
Bei den Nachzahlungen handelte es sich denn auch nicht um geringfü
gige Abweichungen von den
Akonto
-Rechnungen (Art. 24 Abs. 3 AHVV), son
dern gänzlich verschwiegene Lohnzahlungen erheblichen Ausmasses.
Unbehelf
lich
ist in diesem Zusammenhang – wie ausgeführt (vgl. E. 4.3.3
hievor
) – der Hinweis auf eine Delegation dieser Befugnisse an eine Treuhandfirma.
4.3.5
Dem Beschwerdeführer ist einzig insoweit
beizupflichten, als
eine relativ kurze Dauer des Beitragsausstandes gegen ein qualifiziertes Verschulden sprechen kann (
Urk.
1 S. 7; siehe BGE 121 V 244 E. 4b mit Hinweisen). Die Rechtspre
chung hat
diesbezüglich
erkannt, dass ein Beitragsausstand von zwei bis drei Monaten Dauer vor Konkurseröffnung als in diesem Sinne kurz zu werten ist, wobei
aber dieser Exkulpationsgrund nur auf Fälle anzuwenden ist, in denen die Zahlungsmoral der Gesellschaft vorher immer klaglos war. Zudem ist immer eine Würdigung sämtlicher konkreter Umstände des Einzelfalls vorzunehmen (
vgl. etwa
Urteil des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts H 141/01 E. 3.3 vom
8.
Juli 2003 mit weiteren Hinweisen).
Vorliegend steht die lange Dauer des Normverstosses und das
Zahlungsverhal
ten
der Gesellschaft der Annahme entlastender Momente entgegen.
4.3.6
W
erden bei ungenügender Liquidität die einen Forderungen bezahlt, andere aber nicht, ist dies grundsätzlich nicht grobfahrlässig. Nach der Rechtsprechung zu Art. 52 AHVG ist es allerdings – allenfalls
abgesehen von kurzfristigen Aus
ständen (vgl. E. 4.3.5
hievor
) – grobfahrlässig, Löhne zu bezahlen, wenn die darauf geschuldeten AHV-Beiträge nicht gedeckt sind. Gegenteiliges Verhalten ist den verantwortlichen Organen grundsätzlich als qualifiziertes Verschulden zuzurechnen, was die volle Schadenersatzpflicht nach sich zieht, sofern die üb
rigen Haftungsvoraussetzungen ebenfalls erfüllt sind. Der Grund liegt in der besonderen Natur der AHV-Beträge, hinsichtlich welcher der Arbeitgeber die Funktion eines Vollzugsorgans ausübt (Art. 51 AHVG). Daraus resultiert eine besondere Pflicht, für die ordnungsgemässe Bezahlung der Beiträge zu sorgen (Urteil des Bundesgerichts 9C_311/2015 vom 9. Juli 2015 E. 4.2.2). Falls daher die Liquiditätssituation die Begleichung der vollen Bruttolöhne zuzüglich des Beitragsanteils des Arbeitgebers nicht zulässt, sind die Lohnzahlungen
praxis
gemäss
auf ein Mass zu reduzieren, welches die Entrichtung der darauf anfal
lenden Sozialversicherungsbeiträge erlaubt (vgl. etwa bereits Urteil des damali
gen Eidgenössischen Versicherungsgerichts H 69/05 vom 15. März 2006 E. 5.3.3 mit Hinweis
; vgl. ferner Marco
Reichmuth
, Die Haftung des Arbeitgebers und seiner Organe nach Art. 52 AHVG, 2008,
Rz
673 und 952
). Dem ist der Be
schwerdeführer nicht nachgekommen; vielmehr hat er den Lohnbezügen – in den Jahren 2011 und 2012 auch seinen eigenen (
Fr.
64‘320.00 im Jahr 2011 [
Urk.
8/6] und
Fr.
137‘521.95 im Jahr
2012 [
Urk.
8/33])
– Priorität vor der
Bei
tragsentrichtung
eingeräumt, welches Verhalten für ein weiteres Ansteigen der Beitragsausstände verantwortlich war. Indem der Beschwerdeführer nicht gegen die
se
Praxis der
Y._
AG einschritt, verletzte er seine
öffentlichrechtlichen
Pflichten als Verwaltungsrat einer Aktiengesellschaft.
4
.4
Zusammenfassend ist damit festzuhalten, dass sich der Beschwerdeführer nicht von dem Vorwurf, seine Obliegenheiten im Zusammenhang mit dem
Beitrags
wesen
grobfahrlässig missachtet zu haben, zu entlasten mag.
5
.
5
.1
Schliesslich setzt die Schadenersatzpflicht des Arbeitgebers nach Art. 52 Abs. 1 AHVG voraus, dass zwischen der absichtlichen oder grobfahrlässigen Missach
tung von Vorschriften und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausal
zusammenhang gegeben ist (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hinweisen auf die Lehre, 103 V 120 E. 4).
Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, e
inen Erfolg von der Art des ein
getretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Er
eignis allge
mein als begünstigt erscheint (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hinweisen; vgl. auch BGE 122 V 189 sowie 119
Ib
334 E. 3c).
5
.2
Zwischen dem
dem
Beschwerdeführer vorzuwerfenden widerrechtlichen Verhal
ten und dem eingetretenen Schaden ist der Kausalzusammenhang ohne Weite
res zu bejahen. Denn es ist anzunehmen, dass ein pflichtgemässes Verhalten den Schaden verhindert hätte.
6.
Nach dem Dargelegten wurde der Beschwe
rdeführer zu Recht verpflichtet
, für den eingetretenen Schaden im Umfang von
Fr.
33‘868.35 Ersatz zu leisten. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.