# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 94e331cf-6f92-568b-bad6-e25ee7c14c5b
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegner planen seit längerem den Neubau einer Scheune mit
Laufstall, Heubühne und einem Laufhof über der Jauchegrube. Dem ersten Bauvorhaben
erteilte die BVE am 9. März 2011 den Bauabschlag (RA Nr. 110/2010/176). Am 30. Juli
2013 reichten die Beschwerdegegner bei der Gemeinde Beatenberg ein neues Baugesuch
ein für den Rückbau der alten Scheune und den Neubau einer Scheune mit Boxenlaufstall,
deckenlastigem Futterraum, talseitiger Jauchegrube sowie Terrainanpassungen auf den
Parzellen Beatenberg Gbbl. Nr. G._ und H._. Die Parzellen liegen in der
Landwirtschaftszone. Gegen das Bauvorhaben erhoben die Beschwerdeführenden
Einsprache.
Mit Bauentscheid vom 25. Juni 2014 erteilte die Gemeinde Beatenberg die Baubewilligung
und eröffnete den Entscheid des Amts für Gemeinden und Raumordnung (AGR) vom
4. Juni 2014 über die Zonenkonformität.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 28. Juli 2014 Beschwerde bei der
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragen, der
Bauentscheid sei aufzuheben und dem Bauvorhaben in der vorliegenden Form sei der
Bauabschlag zu erteilen. Eventualiter sei der Bauentscheid aufzuheben und die Sache zur
neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten der Gemeinde, des AGR sowie die Akten
des Amts für Landwirtschaft und Natur (LANAT) zum Investitionshilfegesuch der
Beschwerdegegner ein. Mit Stellungnahme vom 19. August 2014 beantragt die Gemeinde
die Abweisung der Beschwerde und Bestätigung ihres Entscheides. Auch das AGR
schliesst mit Stellungnahme vom 28. August 2014 auf Abweisung der Beschwerde. Die
Beschwerdegegner beantragen in ihrer Beschwerdeantwort vom 1. September 2014, die
Beschwerde sei vollumfänglich abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden könne.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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4. Das Rechtsamt führte im Beisein der Parteien und Vertretungen des kantonalen
Tiefbauamtes, Oberingenieurkreis I (OIK I), des beco Berner Wirtschaft, Geschäftsbereich
Immissionsschutz, des AGR, Abteilung Bauen, sowie des LANAT, Abteilung
Strukturverbesserung und Produktion, am 12. November 2014 einen Augenschein mit
Instruktionsverhandlung durch.
Die Beschwerdegegner reichten am 19. Januar 2015 eine Projektänderung ein, welche die
Zufahrt zum Stall mit einem Wendehammer zum Gegenstand hatte, und präzisierten den
Grauton und die Strukturierung des Betonsockels. Das Rechtsamt gab die Projektänderung
den Parteien sowie dem betroffenen benachbarten Grundeigentümer (Parzelle Beatenberg
Gbbl. Nr. J._) bekannt. Das Rechtsamt holte beim OIK I einen Fachbericht zur
Verkehrssicherheit ein. Das beco äusserte sich mit Fachbericht zu den
Geruchsimmissionen und dem erforderlichen Mindestabstand.
Der Grundeigentümer der Parzelle Nr. J._ erhob keine Einsprache. Das AGR
beurteilte die Projektänderung und die vorgesehene Gestaltung des Betonsockels positiv.
Die Gemeinde beantragte mit Stellungnahme vom 13. Februar 2015, die Projektänderung
sei zu bewilligen. Die Beschwerdeführenden rügten mit Eingabe vom 27. Februar 2015,
dass der Strassenabstand nicht eingehalten und nun ein zweiter Strassenanschluss
geplant sei.
5. Am 24. März 2015 reichten die Beschwerdegegner eine weitere Projektänderung
(betreffend Strassenabstand) ein, zu dem der OIK I am 1. April 2015 erneut Stellung nahm.
Die Parteien erhielten Gelegenheit, sich zur zweiten Projektänderung und zum
Beweisverfahren zu äussern und Schlussbemerkungen einzureichen. Das AGR verzichtete
auf eine Stellungnahme. Die Gemeinde teilte mit E-Mail vom 9. April 2015 mit, die
Projektänderung betreffend Strassenabstand entspreche ihrer Forderung; sie habe nichts
weiter anzumerken. Mit Schlussbemerkungen vom 15. April 2015 beantragen die
Beschwerdeführenden, dem Bauvorhaben sei der Bauabschlag zu erteilen. Die
Beschwerdegegner nahmen mit Schlussbemerkungen vom 29. April 2015 noch einmal
Stellung.
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6. Auf die Rechtsschriften, die Berichte des OIK I und des beco sowie auf das Ergebnis
des Augenscheins wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Anfechtungsobjekte sind der Bauentscheid der Gemeinde Beatenberg sowie die
Verfügung des AGR über die Zonenkonformität. Diese kann zusammen mit dem
Bauentscheid innert 30 Tagen seit Eröffnung angefochten werden (Art. 40 und Art. 84
BauG2). Die BVE ist somit für die Beurteilung der Beschwerde zuständig. Die
Beschwerdeführenden sind durch das Bauvorhaben in schutzwürdigen Interessen
betroffen, im vorinstanzlichen Verfahren unterlegen und daher zur Beschwerde befugt. Auf
die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist grundsätzlich einzutreten.
b) Die Beschwerdegegner bringen vor, die Beschwerdeführenden hätten in ihrer
Einsprache die Erschliessung des Baugrundes (Zufahrt, Versorgung mit Frischwasser und
Ableitung des Abwassers) nicht gerügt, so dass die Rügen nun verspätet seien. In
materieller Hinsicht sind die Beschwerdeführer im Rahmen ihrer Einsprachegründe zur
Beschwerde befugt (Art. 40 Abs. 2 BauG). Diese Einschränkung gilt allerdings nur, soweit
rein kantonal- und kommunalrechtliche Fragen zur Diskussion stehen. Bei Vorbringen, die
sich auf das RPG3, sonstiges Bundesrecht oder auf damit in engem Sachzusammenhang
stehendes kantonales oder kommunales Recht stützen, ist diese Einschränkung nicht zu
beachten.4
Soweit vorliegend eine fehlende Erschliessung mit Wasser- und Abwasserleitungen
geltend gemacht wird, ist Bundesrecht betroffen (vgl. Art. 19 RPG),5 so dass die Rüge auch
2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 3 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700). 4 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 3. Aufl., Band I, Bern 2007, Art. 40 N. 9 ff. 5 Vgl. die Aufzählung der Spezialerlasse in Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 3. Aufl., Band II, Bern 2010, Art. 108 N. 2
5
im Beschwerdeverfahren erstmals erhoben werden kann. Entgegen der Meinung der
Beschwerdegegner waren die strassenmässige Erschliessung und die Verkehrssicherheit
bereits Gegenstand der Einsprache. Die Beschwerdeführenden machten damals geltend,
dass die Erschliessung aus den Plänen nicht ersichtlich sei. Wegen des fehlenden
Wendeplatzes beim Bauvorhaben würde die touristisch wichtige K._Strasse durch
Milchlastwagen und Kraftfutter-Camions über Gebühr belastet. Damit wurden die nun
gerügten Themenbereiche genügend angesprochen.6 Insoweit zielen die Vorbringen der
Beschwerdegegner ins Leere.
2. Wasser- und Kanalisationsanschluss
a) Die Beschwerdeführenden bringen vor, aufgrund der fehlenden Anschlüsse an die
kommunale Wasserversorgung und die Abwasserkanalisation sei das Baugrundstück
ungenügend erschlossen. Das Oberflächenwasser, das für das Bauvorhaben genutzt
werden solle, sei wohl mit Schadstoffen belastet, habe einen misslichen Geschmack und
dürfe nicht für die Lebensmittelproduktion verwendet werden. Es sei auch nicht erlaubt, mit
Chemikalien versetztes Abwasser über die Jauchegrube zu entsorgen. Die
Beschwerdegegner entgegnen, sie verfügten über eine private Quelle, deren Qualität für
die Milchproduktion ausreichend sei. Ein Anschluss an die öffentliche Wasserversorgung
sei für das projektierte landwirtschaftliche Gebäude somit keine
Bewilligungsvoraussetzung. Die Ableitung des Abwassers der Milchkammern in die
Jauchegrube entspreche dem Standard. Inzwischen hätten sie dennoch Anschlüsse an die
öffentliche Wasserversorgung und die Abwasserkanalisation beantragt und die
Anschlussbewilligungen von der Gemeinde bereits erhalten.
b) Während der Frist für die Beschwerdeantwort reichten die Beschwerdegegner am
12. August 2014 bei der Gemeinde Gesuche für den Wasser- und Kanalisationsanschluss
ein. Am 14. August 2014 erteilte die Gemeinde die Anschlussbewilligungen. Das
Baugrundstück ist damit genügend erschlossen (vgl. Art. 7 Abs. 1 und 2 Bst. b BauG). Es
kann offen bleiben, ob im konkreten Fall Wasser- und Kanalisationsanschlüsse erforderlich
waren, da allfällige Mängel der Erschliessung bereits behoben sind. Damit ist auch die
Rüge der Beschwerdeführenden gegenstandslos geworden.
6 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 3. Aufl., Band I, Bern 2007, Art. 40 N. 9a.
6
3. Rechtliches Gehör
a) Die Beschwerdeführenden rügen eine Verletzung der Begründungspflicht. Die
Gemeinde habe im angefochtenen Entscheid lediglich festgehalten, das Bauvorhaben
befinde sich in der Landwirtschaftszone, sei zonenkonform und die Baugesuchsteller
hätten die Kosten des Bauentscheides zu tragen. Auf die Einsprache sei die Gemeinde
überhaupt nicht eingegangen.
b) Der Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV7 beinhaltet unter
anderem das Recht auf einen begründeten Entscheid. Die Parteien haben deshalb
Anspruch darauf, dass die Behörden ihre Vorbringen tatsächlich hören, sorgfältig prüfen
und in der Entscheidfindung berücksichtigen. Daraus folgt die Verpflichtung der Behörde,
ihre Verfügung zu begründen. Im kantonalen Recht bestimmt Art. 52 Abs. 1 Bst. b VRPG8,
dass eine Verfügung die Tatsachen, Rechtssätze und Gründe enthalten muss, auf die sie
sich stützt.
c) Der vorinstanzliche Bauentscheid enthält keine Begründung. Die Zonenkonformität
gemäss Art. 16a RPG und die damit zusammenhängenden raumplanungsrechtlichen
Fragen sind Gegenstand des Entscheids des AGR (Art. 25 Abs. 2 RPG i.V.m. Art. 84
BauG). Diesbezüglich musste die Gemeinde nicht zur Einsprache Stellung nehmen, da die
Verfügung des AGR für die Gemeinde verbindlich ist.9 Hingegen hätte sich die Gemeinde
mit den Rügen zur Zufahrt / Verkehrssicherheit, zu den Geruchsimmissionen und den
baupolizeilichen Massen auseinandersetzen müssen. Indem sie dies unterliess, hat sie das
rechtliche Gehör der Beschwerdeführenden erneut erheblich verletzt.10 Der formelle
Mangel wird vorliegend aber insoweit gemildert, als die Verfügung des AGR samt Verweise
auf die Fachberichte des LANAT ausführlich begründet ist. Den Beschwerdeführenden war
es dementsprechend möglich, den Entscheid insofern sachgerecht anzufechten. Da die
BVE die gleiche Kognition hat wie die Vorinstanz, kann die begangene Gehörsverletzung
im vorliegenden Verfahren geheilt werden. Dies ist aber bei den Kosten zu berücksichtigen.
7 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) 8 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 9 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 3. Aufl., Band II, Bern 2010, Art. 84 N. 2 10 Vgl. BDE vom 9. März 2011, E. 2, RA Nr. 110/2010/176
7
4. Landwirtschaftlicher Betrieb / Zonenkonformität
a) Die Beschwerdeführenden bestreiten, dass der geplante Laufstall den
Voraussetzungen des Raumplanungsrechts entspricht. Sie machen geltend, dass es sich
um eine Betriebsgemeinschaft handle, welche die erforderlichen zwei Mal 0,8
Standardarbeitskräfte für die Anerkennung als landwirtschaftliches Gewerbe nicht erreiche.
Ausserdem bezweifeln sie, dass der Landwirtschaftsbetrieb längerfristig bestehen kann
und dass die betriebseigene Futterbasis für eine innere Aufstockung genügt.
b) Damit ein Betrieb als landwirtschaftliches Gewerbe im Sinn von Art. 1 BGBB11 gilt, ist
für seine Bewirtschaftung mindestens eine Standardarbeitskraft (SAK) nötig (Art. 7 Abs. 1
BGBB). Die Kantone können weitere landwirtschaftliche Betriebe den Bestimmungen über
die landwirtschaftlichen Gewerbe unterstellen, wenn die SAK mindestens 0,6 beträgt (Art. 5
BGBB). Der Kanton Bern hat von dieser Regelungskompetenz Gebrauch gemacht und die
minimale Betriebsgrösse von landwirtschaftlichen Gewerben im Berg- und Hügelgebiet auf
mindestens 0,75 SAK festgelegt (vgl. Art. 1 BPG12). Der landwirtschaftliche Betrieb der
Beschwerdegegner liegt in der Bergzone III (Schwergewichtszone) und erfordert zurzeit
1,522 SAK zur Bewirtschaftung.13 Die Voraussetzungen eines landwirtschaftlichen
Gewerbes sind demnach erfüllt. Entgegen der Meinung der Beschwerdeführenden handelt
es sich vorliegend nicht um eine Betriebsgemeinschaft. Eine solche läge vor, wenn
verschiedene Betriebe, die während mindestens drei Jahren als selbständige Betriebe
geführt wurden, zusammengeschlossen werden (vgl. Art. 10 Abs. 1 LBV14). Das ist hier
nicht der Fall: Die Beschwerdegegner haben den Bauernbetrieb von ihren Eltern
übernommen und von Anfang an gemeinsam bewirtschaftet.15 Es handelt sich somit um
einen einzigen Betrieb, der durch eine Personengemeinschaft (wohl eine einfache
11 Bundesgesetz vom 4. Oktober 1991 über das bäuerliche Bodenrecht (BGBB; SR 211.412.11) 12 Gesetz vom 21. Juni 1995 über das bäuerliche Boden- und Pachtrecht (BPG; BSG 215.124.1) 13 LANAT, Fachbericht zur Zonenkonformität vom 6. Dezember 2013 14 Verordnung vom 7. Dezember 1998 über landwirtschaftliche Begriffe und die Anerkennung von Betriebsformen (Landwirtschaftliche Begriffsverordnung, LBV; SR 910.91) 15 Inforama, Betriebskonzept mit Futterbilanz vom 28. Oktober 2013, Ziff. 1.1, Vorakten der Gemeinde, Akten Nr. 21
8
Gesellschaft im Sinne von Art. 530 OR16) geführt wird. Der geplante Laufstall stellt daher
keine gemeinschaftliche Stallbaute einer Betriebsgemeinschaft dar, weshalb Art. 35 RPV17
nicht zur Anwendung kommt.
c) Nach Art. 16a Abs. 1 RPG sind in der Landwirtschaftszone unter anderem all jene
Bauten und Anlagen zonenkonform, die zur landwirtschaftlichen Bewirtschaftung nötig
sind. Darunter fällt die Bewirtschaftung naturnaher Flächen und die Produktion
verwertbarer Erzeugnisse aus Pflanzenbau und Nutztierhaltung (34 Abs. 1 RPV).
Zonenkonform sind Bauten und Anlagen für die bodenabhängige Produktion, zur inneren
Aufstockung, für die Gewinnung von Energie aus Biomasse sowie Bauten und Anlagen in
sogenannten Intensivlandwirtschaftszonen. Die näheren Anforderungen sind in den Art. 34
ff. RPV umschrieben.
Als bodenabhängig werden die Bewirtschaftungsformen bezeichnet, die den Boden
unmittelbar und im Wesentlichen unter natürlichen Bedingungen ausschöpfen, wie der
Acker- und Gemüsebau oder die Milch- und Fleischproduktion. Die Tierhaltung ist dann
bodenabhängig, wenn die Tiere überwiegend mit betriebseigenen Futtermitteln (d.h. mit
Raufutter) ernährt werden.18 Zu den Raufutterverzehrern gehören insbesondere Pferde,
Ziegen, Schafe und Rindvieh. Für die Frage, ob es sich um eine bodenabhängige
Produktion handelt, ist das konkrete Bewirtschaftungskonzept massgebend, das heisst die
Frage, ob das von den Tieren benötigte Futter auch tatsächlich zum überwiegenden Teil
auf dem Betrieb selbst produziert wird.19
d) Geplant ist ein landwirtschaftliches Ökonomiegebäude für die Haltung von Rindvieh.
In der neuen Scheune sollen gemäss Baugesuch 20 Milchkühe sowie 19 Rinder und
Jungvieh eingestallt werden, was 26,4 Grossvieheinheiten (GVE) entspricht.20 Die
Beschwerdegegner bewirtschaften insgesamt 1'499 Aren Land, das grösstenteils in ihrem
Eigentum oder Miteigentum steht; nur ein kleiner Teil ist gepachtet. Ausserdem haben die
Beschwerdegegner 7,5 Kuhrechte an den Alpen Mittelberg, Klein-Mittelberg und Burgfeld
für die Sömmerung von Vieh. Der landwirtschaftliche Betrieb der Beschwerdegegner liegt
16 Bundesgesetz vom 30. März 1911 betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht, OR; SR 220) 17 Raumplanungsverordnung des Bundesrates vom 28. Juni 2000 (RPV; SR 700.1) 18 BGE 133 II 370 E. 4.2 mit weiteren Hinweisen 19 BGE 133 II 370 E. 4.4; Waldmann/Hänni, Handkommentar RPG, 2006, Art. N. 16a N. 16 20 Baugesuchsformular 4.4 Gewässerschutz Landwirtschaft, Güllengrube und Mistplatz
9
auf 1100 m ü.M. bis über 1300 m ü.M. Auf dieser Höhe − und bei dieser steilen Hanglage −
kann kein Ackerbau betrieben werden. Das gesamte bewirtschaftete Land − Weiden sowie
extensiv bis mittel-intensiv genutzten Wiesen − steht als Futterbasis für das Vieh zur
Verfügung.21 Im Sommer, d.h. von Juni bis September, sind die meisten Kühe auf der Alp,
was gemäss Bestätigung der Burgerbäuert L._ auch für die Zukunft sichergestellt
ist.22 Das geerntete Raufutter wird demnach für die eigenen Tiere verwendet. Nur wenn im
Frühjahr noch überschüssiges Heu verbleibt, wird Futter verkauft.23 Dass die
Beschwerdegegner zur Verbesserung des Milch- und Fleischertrags zusätzlich Kraftfutter
hinzukaufen, führt nicht dazu, dass der Betrieb deswegen nicht mehr überwiegend
bodenabhängig bewirtschaftet würde. Auch so werden die Tiere immer noch zu einem
überwiegenden Teil mit eigenem Raufutter versorgt. Es handelt sich demnach um eine
bodenabhängige Bewirtschaftung gemäss Art. 16a Abs. 1 RPG.
e) Wenn wie vorliegend bereits feststeht, dass es sich um eine bodenabhängige
Produktion handelt, ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht mehr zu
prüfen, ob die Voraussetzungen der inneren Aufstockung erfüllt sind.24 Das LANAT hat
diese Beurteilung dennoch zum Vergleich vorgenommen.25 Als innere Aufstockung gilt die
Errichtung von Bauten und Anlagen für einen bodenunabhängigen Betriebszweig bei
einem überwiegend bodenabhängig geführten Betrieb (Art. 16a Abs. 2 RPG und Art. 36
RPV). Bei der Tierhaltung bedeutet dies, dass die Fütterung der Tiere im Wesentlichen mit
zugekauftem Futter erfolgt.26 Typische bodenunabhängige Betriebsteile sind die Geflügel-
und Schweinemast oder eine bodenunabhängige Tierzucht. Die innere Aufstockung muss
der bodenabhängigen Bewirtschaftung quantitativ untergeordnet sein. Anders als bei der
bodenabhängigen Bewirtschaftung erfolgt die Beurteilung der inneren Aufstockung nach
Standardwerten. Im Bereich der Tierhaltung sind der Deckungsbeitrag der Produktion
(weniger als 50 % gegenüber der bodenabhängigen Bewirtschaftung) oder alternativ das
Trockensubstanzpotenzial des Pflanzenbaus (mindestens 70 % des
21 LANAT, Fachbericht zur Zonenkonformität vom 8. April 2014; Inforama, Betriebskonzept mit Futterbilanz vom 28. Oktober 2013, Vorakten der Gemeinde, Akten Nr. 21 und 29 22 Viehsömmer Alp Vorsass Beatenberg, Schreiben der Burgerbäuert L._ vom 8. Oktober 2013 in Vorakten der Gemeinde, Akten Nr. 21 23 Protokoll des Augenscheins vom 12. November 2014, S. 16 24 BGE 133 II 370 E. 4.4 und 4.5 25 LANAT, Fachbericht zur Zonenkonformität vom 6. Dezember 2013 26 Waldmann/Hänni, Handkommentar RPG, 2006, Art. N. 16a N. 17 f.
10
Trockensubstanzbedarfs) die massgebenden Grössen (vgl. Art. 36 RPV).27 Das LANAT hat
nachgewiesen, dass mit einem Deckungsgrad von 76 % des Trockensubstanzbedarfs auch
die Voraussetzungen der inneren Aufstockung erfüllt wären.28 Solches ist vorliegend aber
nicht geplant. Auch mit der Erhöhung des Rindviehbestandes dient der neue Laufstall der
bodenabhängigen Produktion im Sinne von Art. 16a Abs. 1 RPG und Art. 34 RPV, da mit
dem bewirtschafteten Land eine ausreichende Futterbasis für das Vieh besteht.
5. Weitere Bewilligungsvoraussetzungen nach Art. 16a RPG und Art. 34 RPV
a) Art. 16a RPG setzt für die Bewilligung von Bauten und Anlagen in der
Landwirtschaftszone nicht nur voraus, dass die Bewirtschaftungsform zonenkonform ist,
sondern auch, dass das Bauvorhaben betriebswirtschaftlich auch notwendig ist. Eine
Bewilligung für landwirtschaftliche Bauten und Anlagen darf gemäss Art. 34 Abs. 4 RPV
nur dann erteilt werden, wenn die folgenden Voraussetzungen kumulativ erfüllt sind: Die
Baute oder Anlage muss für die in Frage stehende Bewirtschaftung nötig sein (Bst. a), es
dürfen ihr am vorgesehenen Standort keine überwiegenden Interessen entgegenstehen
(Bst. b) und der Betrieb muss voraussichtlich längerfristig bestehen können (Bst. c).
b) Eine betriebliche Notwendigkeit ist offensichtlich gegeben. Die Beschwerdegegner
bewirtschaften mehrere Parzellen an verschiedenen, teils weit auseinanderliegenden
Standorten. Nach ihren Angaben gibt es insgesamt 17, zumeist ältere Scheunen, in denen
Heu eingelagert ist oder temporär Tiere gehalten werden. In der B._ hat es zwei
Sommerställe (Parzellen Nr. M._ und N._) und einen Stall, der bis zum
Neujahr für rund 12 Kühe genutzt wird (Parzelle Nr. O._). Dieser Stall erlaubt
jedoch kaum noch eine tierschutzgerechte Haltung, wie auch anlässlich des Augenscheins
feststellbar war. Zudem liegt die B._ 2,5 km weit vom Bauernhaus entfernt, ist nur
über ein schmales Strässchen erschlossen und mit einem umständlichen Umweg durch
das Dorf verbunden. Bei Schnee ist die B._ schlecht zugänglich, da der
Winterdienst der Gemeinde 800 m vorher beim letzten Ferienhaus endet.29 Für Lastwagen
ist das kurvige Strässchen mit der schmalen Fahrbahnbreite von rund 2,5 m ohnehin nur
beschränkt tauglich. Das Befahren des Strässchens zur B._ ist nicht ungefährlich,
27 Alexander Ruch, in Kommentar RPG, Ausgabe 2009, Art. 16a N. 42 f. 28 LANAT, Fachbericht zur Zonenkonformität vom 6. Dezember 2013 29 Fotodokumentation des Augenscheins vom 12. November 2014, Foto Nr. 16, Standort F, Anhang 2
11
weil es auch für touristische Angebote der S._-Bahn AG genutzt wird (Schlitten-
und Trottinetabfahrten). In der Nähe des Bauernhauses auf L._ werden im
Winterhalbjahr vier Ställe benutzt, in denen je drei bis fünf Tiere gehalten werden. Auf den
weiter oben gelegenen Parzellen Nr. P._ und Q._ befinden sich noch
zwei Winterställe für Gusti.30 Es liegt auf der Hand, dass die Verteilung der Tiere und
Futtervorräte auf derart viele dezentrale und teils erschwert zugängliche Scheunen
zeitraubend ist und keine rationelle Bewirtschaftung erlaubt. Der heutige Zustand ist aber
vor allem auch dem Tierwohl abträglich, da so kaum eine seriöse Überwachung des
betreuungsintensiven Tierbestandes gewährleitstet werden kann.31 Ausserdem handelt es
sich um niedrige, enge, dunkle und stickige Scheunen, in denen für die Tiere kein
gesundes Klima herrscht. Im Grundsatz ist denn auch unbestritten, dass eine neue
Scheune erforderlich ist, in dem der ganze Viehbestand gehalten und die Futtervorräte
eingelagert werden können. Streitig ist vor allem der Standort dieses Bauvorhabens.
c) Ein neues Ökonomiegebäude muss den Bedürfnissen des Betriebs angepasst sein,
namentlich auch in Bezug auf den Standort. Die Bauherrschaft ist in der
Landwirtschaftszone in der Wahl des Standorts aber nicht frei, selbst wenn ihr das
Grundstück gehört. Der raumplanerische Grundsatz der haushälterischen Nutzung des
Bodens gebietet Zurückhaltung bei der Erstellung von neuen Ökonomiegebäuden im freien
Land. Die Bauherrschaft muss daher nachweisen, dass ein schutzwürdiges Interesse
daran besteht, die geplante Scheune gerade am gewählten Ort zu errichten und dass kein
anderer, besser geeigneter Standort in Betracht kommt. Als Grundsatz gilt, dass Wohn-
und Ökonomiegebäude eine Siedlungseinheit bilden sollen. Isolierte, von der
Hofliegenschaft entfernt liegende Bauten entsprechen nicht den Anforderungen des RPG
und bedürfen einer speziellen Rechtfertigung. Für eine Aussiedlung des Bauvorhabens
muss daher nachgewiesen sein, dass gegenüber einem hofnahen Standort besonders
wichtige und objektive Gründe für einen entfernten Standort sprechen.32
d) Im vorinstanzlichen Verfahren wurden umfangreiche Abklärungen von möglichen
Standorten gemacht. Das Inforama bezog sämtliche Parzellen ein, die den
Beschwerdegegnern gehören, und evaluierte die möglichen Standorte eingehend. Dabei
schieden bereits fünf Grundstücke wegen der Parzellenform, Lage, Steilheit oder
30 Protokoll des Augenscheins vom 12. November 2014, S. 14 und 16; Fotos Nr. 4, 11,17-18, 21 31 Vgl. LANAT, Fachbericht zur Zonenkonformität vom 8. April 2014, Vorakten der Gemeinde, Akten 29 32 BVR 2011 S. 163 E. 4.2
12
mangelnden Erschliessung zum Vornherein aus. Als Alternativstandort verblieben die
sechs Parzellen in der B._ sowie eine Verschiebung des Bauvorhabens auf den
vorgesehenen Bauparzellen Nr. H._ und G._ auf L._.33
e) Die Beschwerdegegner planen den Neubau der Scheune in der Nähe ihres
Wohnhauses (Parzelle Nr. V._). Der vorgesehene Standort ist strassenmässig und
von den Werkleitungen her optimal erschlossen und liegt innerhalb einer bestehenden
Siedlung. Auch Gründe des rationellen Betriebsablaufs und des Tierwohls sprechen für das
hofnahe Bauvorhaben auf den Parzellen Nr. G._ und H._. In der recht
weit entfernten und schlecht zugänglichen B._ könnte die Überwachung der Tiere
demgegenüber nicht gleichermassen gewährleistet werden. Ausserdem bestünde dort
auch keine Möglichkeit, den Neubau mit Elektrizität, Wasser- und Abwasserleitungen zu
erschliessen. Hinzu kommt, dass die Parzellen in der B._ noch deutlich steiler sind
als diejenigen auf L._. Ein Standort in der B._ weist somit gegenüber dem
hofnahen Standort hinsichtlich der Betriebsabläufe, des Tierwohls, der Erschliessung und
möglichen Nutzungskonflikten mit touristischen Angeboten nur Nachteile auf. Ausserdem
würde ein solcher Standort fundamental dem raumplanerischen Grundsatz widersprechen,
wonach auch in der Landwirtschaftszone auf eine Konzentration der Bauten hingewirkt
werden muss. Neubauten (auch landwirtschaftliche) ausserhalb des landwirtschaftlichen
Siedlungsgebiets sind zu vermeiden.34 Die Parzellen in der B._ können somit nicht
ernsthaft als Standort für einen neuen Laufstall in Betracht gezogen werden.
f) Die Beschwerdeführenden halten daran fest, dass auf den Parzellen Nr. G._
und H._ eine Verschiebung der Scheune um 20 bis 30 m in südlicher oder
südwestlicher (gemeint ist wohl südöstlicher35) Richtung möglich wäre, ohne dass die
Zufahrt zu steil würde.
Das AGR hat die Beschwerdegegner im vorinstanzlichen Verfahren aufgefordert, eine
Verschiebung des Bauvorhabens in (süd-)östlicher Richtung zu prüfen, worauf die
Beschwerdegegner die Varianten 4a bis 4c eingereicht haben. Das LANAT hielt dazu fest,
eine südöstliche Verschiebung (Standort 4a) scheide aufgrund des starken Gefälles der
33 Inforama, Bericht der landw. Betriebsberatung zum geplanten Betriebsstandort, vom 18. Mai 2012; LANAT, Fachbericht zur Zonenkonformität vom 8. April 2014, in Vorakten der Gemeinde, Akten 12 und 29 34 BGer 1C_550/2009 vom 9. September 2009, E. 6.4.3 35 Protokoll des Augenscheins vom 12. November 2014, S. 11, Verbal am Seitenende
13
Zufahrt (bis zu 26 %) aus. Zum Standort 4b hielt das LANAT fest, die Zufahrt weise in
dieser Variante zwar eine Längsneigung von 15 % auf, was aber zur Folge habe, dass die
Höhe des Eingangstors zum Tenn nur noch 3 m betrage. Das Tenn könnte mit üblichen
Ladewagen und Lastwagen nicht befahren werden. Bei der Variante 4c wäre zwar die
Einfahrtshöhe zum Tenn gegeben, dafür sei diejenige zum Heu- und Strohraum mit den
üblichen Ladewagen nicht befahrbar, wenn nicht die gesamte Scheune erhöht würde.
Aufgrund der Gefährlichkeit der Zufahrt bei Variante 4a und den Einschränkungen bei der
Bewirtschaftung bei den Varianten 4b und 4c kam das LANAT zum Schluss, dass der
projektierte Standort aus landwirtschaftlicher Sicht zu bevorzugen sei.
g) Die Parzellen Nr. H._ und G._ sind sehr steil. Der östliche Teil der
Parzelle Nr. G._ ist im oberen Bereich zwar flacher, fällt aber dann wiederum steil
ab.36 Da die Parzellen Nr. T._ und U._ nicht den Beschwerdegegnern
gehören, sind einer Verschiebung des Bauvorhabens gegen Osten enge Grenzen gesetzt,
was die Beschwerdeführenden möglicherweise verkennen.37 Die Variante 4a mit einer
Verschiebung hangabwärts (in südöstlicher Richtung) scheidet aufgrund des hohen
Gefälles der Zufahrt klar aus. Aber auch die Standortvarianten 4b bis 4c weisen aufgrund
des Terrainverlaufs Nachteile auf. In der Variante 4b wäre auf der Südseite eine recht
massive Terrainaufschüttung erforderlich. Würde das Gebäude höher gesetzt, damit für die
Zufahrt zur Heubühne weniger abgegraben werden müsste und die Einfahrt zum Tenn
höher wäre, würde die Gebäudehöhe überschritten. Bei der Variante 4c könnte die Einfahrt
zur Heubühne nur optimiert werden, wenn das gesamte Gebäude erhöht würde. Diese
Verschiebungen in östlicher Richtung und hangabwärts haben denn auch keinen
betrieblichen Hintergrund, sondern würden einzig dazu dienen, dass der Stall die Aussicht
bei den Liegenschaften auf der anderen Strassenseite weniger stark einschränken würde.
Die Aussicht ist aber baurechtlich nicht geschützt. Gegen eine Verschiebung der Scheune
gegen Osten oder auch gegen Westen sprechen weitere Gründe. Die K._Strasse
hat gegen Westen ein Gefälle. Bei der nordöstlichen Grenze der Parzelle Nr. G._
liegt die Strasse auf einer Höhe von etwas über 1150 m ü.M., bei der nordwestlichen
Grenze der Parzelle Nr. H._ liegt sie auf etwas über 1145 m ü.M. Die Zufahrt zur
Stallebene muss daher zwangsläufig von Westen her erfolgen, damit sie nicht zu steil wird.
Somit scheidet eine Verschiebung des Bauvorhabens gegen Westen aus. Hinzu kommt,
dass der Milchraum samt Technik und Leitungsanschlüssen aus betrieblichen Gründen
36 Vgl. Fotodokumentation zum Augenschein vom 12. November 2014, Fotos Nr. 1-2, 11-12 37 Vgl. Protokoll des Augenscheins vom 12. November 2014, S. 12, Voten C._ und E._
14
nahe bei der Einfahrt angeordnet werden sollte. Daher könnte eine allfällige
Stallerweiterung nicht gegen Westen, sondern nur gegen Osten erfolgen. Sofern das
Bauvorhaben gegen Osten verschoben würde, wäre diese Option verbaut. Auch unter
diesem Aspekt ist der mit der Baueingabe gewählte Standort deutlich besser geeignet als
die Alternativstandorte auf den gleichen Parzellen.
h) Die von den Beschwerdeführenden als Alternativstandort favorisierte Parzelle
"AA._" (Parzelle Nr. W._), die etwas weiter westlich im Ortsteil auf
L._ liegt, fällt wegen fehlender Verfügbarkeit ausser Betracht. An dieser Parzelle
haben die Beschwerdegegner weder Eigentum noch andere Rechte wie beispielsweise ein
Baurecht oder ein (Vor-) Kaufsrecht. Die Kaufverhandlungen der Beschwerdegegner mit
einem Vertreter der Miteigentümergemeinschaft sind gescheitert.38 Diese Parzelle steht
somit für das Bauvorhaben nicht zur Verfügung.
i) Bei den entgegenstehenden öffentlichen Interessen berufen sich die
Beschwerdeführenden auf den Ortsbild- und Landschaftsschutz. Die Fachberatung der
Gemeinde ist in ihrer Beurteilung zum Schluss gekommen, dass sich das Bauvorhaben
einordnet (siehe dazu unten Erwägung 6). Die von der Fachberatung als Auflagen
vorgeschlagenen Änderungen, welche insbesondere das Vordach und die Gestaltung der
Jauchegrubenstützmauer betreffen, wurden umgesetzt. Dem Bauvorhaben stehen daher
keine überwiegenden Interessen des Ortsbild- und Landschaftsschutzes entgegen.
j) Die Beschwerdeführenden bringen vor, es sei nicht nachgewiesen, dass der
Landwirtschaftsbetrieb voraussichtlich längerfristig bestehen könne und der Neubau
wirtschaftlich tragbar sei. Insbesondere fehle ein Betriebskonzept.
Die Beschwerdegegner haben im vorinstanzlichen Verfahren zusammen mit ihrer
Stellungnahme vom 5. Dezember 2013 das vom Inforama erstellte Betriebskonzept (vom
28. Oktober 2013) eingereicht. Die Beschwerdeführenden erhielten Kenntnis der Beilagen
und hätten Akteneinsicht nehmen können. Der Vorwurf, es liege kein Betriebskonzept vor,
ist daher aktenwidrig. Die Beschwerdegegner haben Jahrgang 1968 und 1970, so dass sie
den Betrieb bis zum Erreichen des AHV-Alters noch während rund 18 bzw. 20 Jahren
führen können. Eine über den Horizont von 20 Jahren hinausgehende Planung wäre
38 Vgl. Protokoll des Augenscheins vom 12. November 2014, S. 12 f.
15
unrealistisch. In Zusammenhang mit der Beurteilung, ob der längerfristige Bestand des
Betriebs gewährleistet ist, spielen auch wirtschaftliche Gesichtspunkte eine Rolle. Es
würde dem raumplanerischen Ziel, die Landwirtschaftszone weitestgehend von
Überbauungen freizuhalten, widersprechen, wenn ein Bauvorhaben erstellt würde, das
infolge Betriebsaufgabe nach kurzer Zeit wieder leer stände.39 Das LANAT hat die
wirtschaftliche Tragbarkeit des Bauvorhabens im Rahmen des Gesuchs der
Beschwerdegegner um Investitionshilfen der Bernischen Stiftung für Agrarkredite (BAK) im
Jahr 2010 erstmals eingehend geprüft. Angesichts der Bewirtschaftungsweise, der
vorhandenen Eigenmittel der Beschwerdegegner und der möglichen Eigenkapitalbildung ist
es zu einem positiven Ergebnis gelangt. Die Finanzierbarkeit und wirtschaftliche
Tragbarkeit sind wesentliche Voraussetzungen für die Ausrichtung von Investitionshilfen
durch die BAK.40 Mit der Beurteilung durch die BAK ist daher sichergestellt, dass das
Bauvorhaben nur dann finanziell unterstützt wird und realisiert werden kann, wenn der
Betrieb der Beschwerdegegner weiterbestehen kann. Die Anzahl der landwirtschaftlichen
Betriebe nimmt in Beatenberg laufend ab, was den übrigen Bauernbetrieben in Beatenberg
und aus der Umgebung die Chance eröffnet, weiteres Land zu pachten. Auch die
Beschwerdegegner beabsichtigen, ihren Betrieb mit Pachtland zu vergrössern, was bisher
aus Zeitgründen nicht möglich war.41 Mit einer zentral und hofnah gelegenen Scheune
fallen zeitraubende Wege und Arbeitsvorgänge bei den verschiedenen Scheunen weg. Die
Arbeitsabläufe können vereinfacht und rationalisiert werden, was Raum für weitere
Geschäftsfelder schafft. Der längerfristige Bestand des Bauernbetriebes der
Beschwerdegegner ist nach heutiger Beurteilung gesichert.
k) Zusammenfassend ist eine zentrale und hofnahe Scheune, in dem der ganze
Viehbestand eingestallt und das Futter gelagert werden kann, notwendig. Der gewählte
Standort entspricht den raumplanerischen Grundsätzen und erweist sich unter allen
Aspekten als besser geeignet als die möglichen Alternativstandorte auf den gleichen
Parzellen oder in der B._. Dem Bauvorhaben stehen auch in ästhetischer Hinsicht
keine überwiegenden öffentlichen Interessen entgegen. Der längerfristige Bestand des
39 Vgl. BGE 133 II 370 E. 5 40 Vgl. Gutachten des Inforama vom 3. November 2009, Betriebsvoranschlag für 2010 der agridea,  vom 23. August 2010, alles in Vorakten des LANAT zum Gesuch um Finanzhilfen; Protokoll des Augenscheins vom 12. November 2014, S. 18 41 Protokoll des Augenscheins vom 12. November 2014, S. 16 f.; Inforama, Betriebskonzept mit Futterbilanz des Betriebes Gebrüder D._ und E._, vom 28. Oktober 2013, Ziffer 2
16
landwirtschaftlichen Betriebes ist gewährleistet. Die geplante Scheune ist somit
zonenkonform.
6. Baupolizeiliche Masse / Ästhetik
a) Dem ersten Bauvorhaben von 2009 hat die BVE unter anderem wegen
Überschreitung der Gebäudehöhe den Bauabschlag erteilt. Inzwischen ist das revidierte
Baureglement der Gemeinde in Kraft getreten. Die Beschwerdeführenden rügen wiederum,
die Gebäudehöhe und -länge seien überschritten und die Firstrichtung sei nicht
baureglementskonform. Sie begründen dies aber weder in ihrer Einsprache noch in der
Beschwerde näher. Nach Art. 43 Abs. 3 GBR42 gelten in der Land- und Alpwirtschaftszone
LWZ für die Gebäudehöhe und die Geschosszahl die baupolizeilichen Masse der Wohn- /
Gewerbezone WG 2. Hingegen enthält Art. 43 GBR für die Gebäudelänge weder eine
eigene Regelung, noch verweist die Norm diesbezüglich auf die Masse der WG 2. Auch
das NBRD43, das als ergänzendes Recht anwendbar ist, soweit im kommunalen Recht eine
Lücke besteht (Art. 1 Abs. 2 NBRD), enthält keine Regelung zur Gebäudelänge. In der
Gemeinde Beatenberg ist die Gebäudelänge in der LWZ somit nicht limitiert und daher
beim Bauvorhaben auch nicht überschritten. Die Gebäudehöhe beträgt in der WG 2
grundsätzlich 7 m; für Hanglagen, gewerbliche Nutzungen und landwirtschaftliche Bauten
enthalten die Fussnoten zu Art. 44 GBR aber noch Spezialregelungen. Gemäss Fussnote
4 gilt für landwirtschaftliche Bauten in der Land- und Alpwirtschaftszone LWZ für die
talseitige Fassade eine Gebäudehöhe von 10 m inklusive Zuschläge. Die Gebäudehöhe
wird in der Fassadenmitte gemessen und zwar vom gewachsenen Boden bis zur
Schnittlinie der Fassadenflucht mit Oberkante des Dachsparrens (Art. 19 GBR). Die
zulässige Gebäudehöhe ist beim Bauvorhaben ausgeschöpft, es ist aber nicht erkennbar,
inwiefern sie überschritten sein sollte.
b) Die Beschwerdeführenden brachten in ihrer Einsprache vor, das Bauvorhaben wirke
klotzig und überdimensioniert. Die Riesenbaute verschandle das Ortsbild nachhaltig. Die
Dachgestaltung, insbesondere die Firstrichtung passe weder ins Landschaftsbild noch in
42 Baureglement der Einwohnergemeinde Beatenberg vom 7. Juni 2013, vom AGR genehmigt am 10. Dezember 2013 43 Dekret vom 10. Februar 1970 über das Normalbaureglement (NBRD; BSG 723.13)
17
die Umgebung. Im Weiteren bezweifelten sie die Unabhängigkeit der Fachberatung der
Gemeinde Beatenberg und beantragten den Beizug der OLK.
c) Der allgemeine Gestaltungsgrundsatz von Art. 15 GBR verlangt eine gute
Gesamtwirkung mit der bestehenden Umgebung. Damit geht er über das
Beeinträchtigungsverbot von Art. 9 BauG hinaus und stellt eine eigenständige kommunale
Regelung im Sinn von Art. 9 Abs. 3 BauG dar. Die Beurteilung, ob eine gute
Gesamtwirkung entsteht, soll anhand der Kriterien von Art. 15 Abs. 2 GBR erfolgen. So
sind nebst anderem die prägenden Elemente und Merkmale des Strassen-, Orts und
Landschaftsbildes zu berücksichtigen, sowie Standort, Stellung, Form, Proportionen und
Dimensionen der Bauten und Anlagen, ebenso die Gestaltung inkl. Farbgebung von
Fassaden und Dach. Für die Firstrichtung in der Land- und Alpwirtschaftszone bestimmt
Art. 43 Abs. 2 GBR, dass sich die Bauten bezüglich Dachgestaltung, Baumaterialien und
Farbgestaltung ins Landschaftsbild einfügen müssen. Auch die Firstrichtung war bereits
Thema des ersten Beschwerdeverfahrens. Anders als im damals geltenden GBR enthält
das revidierte GBR nun eine Spezialregelung für die Firstrichtung von landwirtschaftlichen
Ökonomiegebäuden.44 Nach Art. 17 Abs. 4 GBR ist bei diesen auch eine Firstrichtung
parallel zur Höhenkurve gestattet, sofern das Orts- und Landschaftsbild nicht beeinträchtigt
wird. In diesem Fall ist das Baugesuch der Fachberatung zur Beurteilung und Beratung
vorzulegen, was vorliegend geschehen ist.
d) Die Fachberatung soll gemäss Art. 16 GBR aus unabhängigen und in
Gestaltungsfragen ausgewiesenen Fachleuten bestehen. Vorliegend wurde der Bericht von
einem dipl. Architekten HTL mit eigenem Büro, einem dipl. Landschaftsarchitekten HTL der
X._ AG und einem Mitglied der Gültschätzungskommission des Kantons Bern
erstellt. Es handelt sich somit um eine unabhängige Beurteilung durch ausgewiesene
Fachleute. Die Fachberatung ist daher vergleichbar mit einer leistungsfähigen örtlichen
Fachstelle im Sinn von Art. 22 Abs. 2 BewD45. Der Beizug der OLK war daher nicht
erforderlich.
e) Die Fachberatung hielt fest, der Ortsteil L._ zeichne sich durch eine
strassenbezogene Entwicklung aus. Die historischen Gebäude hätten in der Regel einen
direkten Strassen- und Weidebezug, während sich die Ferienhäuser eher in
44 Vgl. BDE vom 9. März 2011, E. 9, RA Nr. 110/2010/176 45 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1)
18
abgeschotteten Parzellen präsentierten. Die enge Verzahnung der traditionellen Gebäude
mit dem Kulturland sei ebenfalls prägend für dieses Gebiet. Das Bauvorhaben entspreche
funktionell den heutigen Standards für eine zeitgemässe Landwirtschaft, die das Land mit
immer weniger Arbeitskräften zu bewirtschaften habe. Das Gebäude sei in einer schlichten
funktionalen Architektursprache gehalten. Die Materialisierung sei zweckmässig und
zurückhaltend gewählt, indem die Sockel aus Beton, der Hochbau aus einer
naturbelassenen Holzschalung und das Dach aus Welleternit in Grau vorgesehen seien.
Durch die asymmetrische Dachfirst und die der Falllinie des Hanges entsprechende
Dachneigung entstünden für diesen Ort minimale Fassadenflächen. Das Gebäude liege ‒
in einem sich leicht öffnenden Winkel in Richtung Alpen ‒ längsseitig an der Hauptstrasse
und parallel zur Hanglinie. Die leichte Inklination zur Hauptstrasse erlaube es, das
Gebäude in die Wiesenlandschaft einzubetten. Das stark abfallende Gelände werde mittels
des gewählten Haustyps mit zwei Geschossen (Jauchegrube und Stallebene) überwunden.
Die ostseitigen Silostandorte seien unter dem Hauptdach und innerhalb des
Gebäudekörpers gut integriert. Die Vorlagerung der Jauchegrube verleihe dem Gebäude
ein übermässiges Gewicht an der empfindlichen Südansicht. Die Fachberatung empfahl,
das nordseitige Vordach zu überarbeiten und auf max. 2 m Länge zu begrenzen. Im
Weiteren empfahl sie eine Absenkung des Gebäudes um 50-70 cm, die Pflanzung von
zwei Hochstammbäumen in der nordöstlichen Ecke sowie den Ersatz der grauen
Wellplatten auf dem Dach durch braune Faserzementplatten. In Bezug auf die
Jauchegrubenstützmauer forderte die Fachberatung, dass Spalierobstbäume vor der
Stützmauer gepflanzt werden und die Mauer beidseitig über das Gebäude hinaus
weitergeführt wird. Zudem soll sich der Beton farblich vom darüber liegenden Sockel
abheben (anthrazit) und eine andere Struktur aufweisen (Beton leicht gewaschen).46
f) Die BVE konnte anlässlich des Augenscheins einen eigenen Eindruck der Umgebung
des Bauvorhabens gewinnen. Der Ortsteil L._ weist eine heterogene Bebauung
mit historischen, bäuerlich geprägten Wohnbauten und neueren Ferienhäusern im
Chaletstil auf. Im Rahmen der Ortsplanungsrevision wurde das Gebiet L._ - West
nicht als Ortsbildschutzgebiet aufgenommen, so dass das Bauvorhaben keinen erhöhten
gestalterischen Anforderungen genügen muss. Gestützt auf Vorschriften des allgemeinen
Ortsbild- und Landschaftsschutzes rechtfertigen sich in der Regel keine Einschränkungen
46 Fachstellungnahme vom 31. Oktober 2013 der Fachberatung der Gemeinde Beatenberg, Vorakten der Gemeinde, Akten 15
19
von Art und Mass der nach der Zonenordnung zulässigen Nutzung.47 Die Gemeinde hat die
Gebäudelänge in der LWZ (vermutlich bewusst) nicht limitiert, so dass auch
Ökonomiegebäude mit neueren Tierhaltungsformen möglich sind. Die Grösse des
Bauvorhabens kann daher nicht mit Rückgriff auf die allgemeine Ästhetiknorm beschränkt
werden. Das Bauvorhaben ordnet sich von seiner Funktion als landwirtschaftliche
Ökonomiebaute her in die bestehende, noch landwirtschaftlich geprägte Siedlung ein. Bei
langen Gebäuden ist eine Firstrichtung parallel zur Höhenlinie üblich und nach dem
revidierten Baureglement auch zulässig. Weil das Bauvorhaben auf der seeseitigen
Strassenseite liegt und in den Hang eingebettet ist, tritt es im Strassenraum auf
L._ nicht in voller Grösse in Erscheinung. Die Beurteilung der Fachberatung, dass
sich das Bauvorhaben in das Gelände und die Siedlung einordnet, ist daher
nachvollziehbar und schlüssig. Das Bauvorhaben ist von der anderen Seeseite gut
erkennbar (z.B. im Raum Leissigen, Krattigen, Aeschi bei Spiez). In der Landschaft sind
helle Gebäudeteile an Hanglagen heikel, weshalb die Fachberatung diesbezüglich zu
Recht Auflagen gefordert hat. Die Beschwerdegegner haben die Empfehlungen der
Fachberatung in ihrer Projektänderung vom 5. Dezember 2013 umgesetzt. Im Rahmen der
Projektänderung bei der BVE definierten die Beschwerdegegner die Art der Einfärbung und
Strukturierung des Betons bei der Jauchegrubenstützmauer näher (Beifügung von ca. 3 %
Anthrazit-Farbpigmenten und Sandstrahlen der Betonwand). Der Einfärbung des Betons
mit mindestens 3 % Anthrazit-Farbpigmenten und der Strukturierung der Oberfläche kommt
zentrale Bedeutung zu, damit die lange Betonmauer in dieser Hanglandschaft nicht
hervorsticht. Auch die von der Fachberatung geforderte Bepflanzung, beispielsweise mit
Spalierobstbäumen, dient der guten Einordnung des Bauvorhabens in die Landschaft. Da
diese Gestaltungsanforderungen der Fachberatung einen massgebenden Einfluss auf die
Einordnung des Bauvorhabens haben, rechtfertigen sich entsprechende Auflagen (vgl.
Art. 38 Abs. 3 BauG). Dies stellt sicher, dass die Massnahmen durchgesetzt werden
können. Das Bauvorhaben erweist sich somit auch in ästhetischer Hinsicht als
bewilligungsfähig.
7. Zufahrten
47 BVR 2006 S. 491 E. 6.3.3
20
a) Gestützt auf die Erkenntnisse des Augenscheins der BVE reichten die
Beschwerdegegner zwei Projektänderungen ein. In der ersten Projektänderung wurde der
Strassenanschluss für die Zufahrt zum Stall gegen Westen verschoben und mit einem
Wendeplatz ergänzt. Mit der zweiten Projektänderung wurde die Breite des
Stallgeschosses im nordwestlichen Bereich so verkürzt, dass das Untergeschoss des
Gebäudes nicht mehr in den Strassenabstand ragt. Dies hatte kleinere Anpassungen bei
der Zufahrt und beim Wendeplatz zur Folge. Bei beiden Projektänderungen blieb das
Bauvorhaben in seinen Grundzügen aber gleich. Es handelt sich somit um
Projektänderungen im Sinne von Art. 43 BewD.
b) Die Beschwerdeführenden rügen in ihrer Stellungnahme zur ersten Projektänderung,
es seien nun zwei Strassenanschlüsse geplant. Dabei handelt es sich um eine neue Rüge.
Auch wenn die Zufahrten auf den Projektplänen vom 30. Juli 2013 nur rudimentär
eingezeichnet waren, handelte es sich von Anfang an um zwei verschiedene Zufahrten, die
durch eine Stützmauer getrennt wurden. Dies geht aus dem Plan "Grundriss Bühne" vom
30. Juli 2013 hervor und erschliesst sich auch daraus, dass die Heubühne und der Stall auf
verschiedenen Geschossen liegen, weshalb auch deren Einfahrtstore auf
unterschiedlichen Gebäudeseiten angeordnet sind. Mit der Projektänderung wurde kein
weiterer Strassenanschluss geplant, sondern nur der Strassenanschluss für die Zufahrt
zum Stall etwas nach Westen verschoben. Die Rüge hätte somit im vorinstanzlichen
Verfahren erhoben werden müssen und ist nun verspätet, so dass nicht darauf einzutreten
ist. Hinzuweisen ist aber, dass Art. 85 Abs. 2 SG48 nicht ausschliesst, dass mehr als ein
Strassenanschluss bewilligt wird. Dazu ist kein Ausnahmegesuch erforderlich, hingegen
bedürfen zusätzliche Strassenanschlüsse einer sachlichen Begründung, die vorliegend mit
den zwei Einfahrtstoren auf verschiedenen Höhenkoten gegeben ist.
c) Der OIK I beurteilte die Verkehrssicherheit der geplanten Zufahrten und
Strassenanschlüsse in seinem Fachbericht49 wie folgt: Die K._Strasse erschliesse
die Streusiedlung L._ und diene als lokale Verbindungsstrasse nach Sigriswil. Als
solche habe sie auch für den Freizeitverkehr, insbesondere an den Wochenenden, eine
gewisse Bedeutung. Über die K._Strasse führe die kantonale Veloroute "Berner
Oberlandroute". Im Winter sei die Verbindung geschlossen. Auch unter Berücksichtigung
der Spitzenzeiten an den Wochenenden erachte der OIK I die Verkehrsbelastung auf der
48 Strassengesetz vom 4. Juni 2008 (SG; BSG 732.11) 49 Fachbericht des OIK I vom 11. Februar 2015
21
K._Strasse insgesamt als gering. Die Strasse sei relativ schmal, weise aber die für
Gemeindestrassen im Berggebiet übliche Breiten und Steigungen auf. Insgesamt sei sie
übersichtlich, auf breiteren Abschnitten und bei Ausweichstellen sei das Kreuzen
gewährleistet. Die Zufahrt zur Heubühne erfülle die Anforderungen der Normen. Bei der
Zufahrt zum Stall sei mit dem Wendeplatz nun ein wichtiges Kriterium zu Gewährleistung
der Verkehrssicherheit erfüllt. Auch mit der Verengung der Zufahrt und der Verkleinerung
des Wendeplatzes, die sich durch die zweite Projektänderung vom 25. März 2015 ergaben,
sei das Wenden für Personenwagen, kleine Lieferwagen und landwirtschaftliche
Fahrzeuge (Fahrzeugtypen B bis 7,5 Tonnen) möglich.50 Das Gefälle von max. 5 %
innerhalb der ersten 5 m ab Strassenrand sei eingehalten. Da die Zufahrt nicht rechtwinklig
an die Gemeindestrasse anschliesse, seien einzig die Normwerte für Einmündungsradien
gemäss der Norm SN 640 05051 nicht eingehalten. Der spitzwinklige Strassenanschluss
führe dazu, dass die Einmündung faktisch nur in eine Richtung befahrbar sei. Der OIK I
empfahl deshalb als Auflage, dass der westliche Strassenanschluss nur von und nach
Westen befahren werden darf, Wendemanöver im Anschluss untersagt sind und am
Strassenende beim Wendeplatz im Wald vorgenommen werden müssen. Die
Verkehrssicherheit bei den Strassenanschlüssen beurteilte der OIK I damit als gegeben,
zumal die erforderlichen Sichtweiten52 sowohl bei der Zufahrt zum Stall als auch bei der
Zufahrt zur Heubühne eingehalten seien. Die Strassenanschlüsse seien so gestaltet, dass
der Verkehr auf der öffentlichen Strasse durch ein- und ausfahrende Fahrzeuge nicht
behindert und die Sicherheit nicht beeinträchtigt werde.
c) Mit dem nun projektierten Wendeplatz können die Fahrzeuge vorwärts auf die
Strasse einmünden. Damit wird eine Auflage des angefochtenen Bauentscheides erfüllt.
Gleichzeitig wird die Einsprache und Beschwerde der Beschwerdeführenden teilweise
gegenstandslos. Was die Beschwerdeführenden nun gegen die Zufahrt und den
Wendeplatz vorbringen, vermag nicht zu überzeugen. Die Zufahrt zum Stall und der
Wendeplatz können zwar nur − aber immerhin − mit Lastwagen der Kategorie B bis 7,5
Tonnen befahren werden. Dies genügt vorliegend. Nach unwidersprochenen Angaben der
Beschwerdegegner wird die Milch in Beatenberg nicht mit grossen Lastwagen abgeholt,
sondern muss von den Bauern zur Milchsammelstelle gebracht werden. Mit der vom OIK I
50 Stellungnahme des OIK I vom 1. April 2015 51 Schweizerischer Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute (VSS), SN 640 050 Grundstückzufahrten 52 Schweizerischer Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute (VSS), SN 640 273a Knoten, Sichtverhältnisse in Knoten in einer Ebene
22
formulierten Auflage, dass die Zufahrt zum Stall nur aus und nach Westen befahren
werden darf und beim Wendeplatz im Wald gewendet werden muss, kann die
Verkehrssicherheit bei den Ausfahrten auf die K._Strasse gewährleistet werden.
Mit dieser Auflage ist das Bauvorhaben bewilligungsfähig.
8. Immissionen / Geruchsbelästigung
a) Die Beschwerdeführenden befürchten unzumutbare Geruchsimmissionen durch die
Jauchegrube, den Mistplatz und die Silos und verweisen auf das umweltrechtliche
Vorsorgeprinzip von Art. 11 USG53 und Art. 4 f. LRV54. Sie bezweifeln, dass die
Mindestabstände nach den FAT-Richtlinien eingehalten sind.
b) Gemäss Art. 11 Abs. 1 USG sind neben Lärm, Erschütterungen und Strahlen auch
Luftverunreinigungen (Luftschadstoffe und Geruchsstoffe) durch Massnahmen bei der
Quelle zu begrenzen. Das zweistufige Schutzkonzept verlangt als Erstes, dass Emissionen
unabhängig von der bestehenden Umweltbelastung im Rahmen der Vorsorge so weit zu
begrenzen sind, als dies technisch und betrieblich möglich sowie wirtschaftlich tragbar ist
(Art. 11 Abs. 2 USG). Diese vorsorglichen Emissionsbegrenzungen sind in Form von
Emissionsgrenzwerten für stationäre Anlagen in der LRV konkretisiert. Für
Geruchsemissionen aus Tierhaltung bestimmt Ziffer 512 in Anhang 2 zur LRV, dass die
erforderlichen Mindestabstände zu bewohnten Zonen eingehalten werden müssen und
verweist dafür insbesondere auf die Empfehlungen der Eidgenössischen
Forschungsanstalt für Betriebswirtschaft und Landtechnik. Die Mindestabstände sind im
Bericht Nr. 476 der eidgenössischen Forschungsanstalt für Agrarwirtschaft und
Landtechnik (FAT) aus dem Jahr 1995 festgehalten (im Folgenden: FAT-Bericht).
Nach dem FAT-Bericht wird der Mindestabstand in einem dreistufigen Verfahren
berechnet. In einem ersten Schritt wird die Geruchsbelastung (GB) nach der jeweiligen
Tierart bestimmt. Basierend auf dieser Geruchsbelastung wird der Normabstand errechnet.
Schliesslich wird der Normabstand durch Einflussfaktoren des Haltungssystems, der
Lüftung, des Standorts und der Geruchsreduktion im Bereich der Stallluft korrigiert und auf
diese Weise der Mindestabstand ermittelt. Der empfohlene Mindestabstand liegt jeweils
53 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01) 54 Luftreinhalte-Verordnung des Bundesrates vom 16. Dezember 1985 (LRV; SR 814.318.142.1)
https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19850321/index.html#fn-#app2-3
23
rund 30 bis 90 % über der Geruchsschwellenentfernung. Dies ist die Entfernung, in welcher
bei gleichmässiger Geruchsausbreitung die Qualität des Geruches in 50 % der Fälle
erkannt wird. Der empfohlene Mindestabstand enthält somit eine gewisse Distanz als
Reserve (30-90 %), weil Gerüche nicht gemessen werden können.55 Ist der
Mindestabstand zu bewohnten Zonen eingehalten, besteht grundsätzlich kein Raum,
gestützt auf das Vorsorgeprinzip weitere Emissionsbegrenzungen wie den Einbau von
Biofiltern oder Bio-Luftwäschern zu verlangen.56
Diese Regelung gilt für bewohnte Zonen. Darunter fallen Wohn-, Kern- und Mischzonen,
nicht aber Gewerbe-, Industrie- und Landwirtschaftszonen.57 Gegenüber reinen
Wohnzonen ist der volle Mindestabstand einzuhalten. Gegenüber gemischten Wohnzonen
mit mässig störendem Gewerbe kann in der Regel auf den minimalen Sicherheitszuschlag
von 30 % verzichtet werden, d.h. es müssen nur 70 % des Mindestabstands eingehalten
werden.58 Zu nicht bewohnten Zonen wie Landwirtschaftszonen kommen die
Mindestabstände nicht direkt zur Anwendung. Nach bundesgerichtlicher Praxis bedeutet
dies jedoch nicht, dass Nachbarn ausserhalb von Bauzonen gar kein Anrecht auf Schutz
vor lästigen oder schädlichen Immissionen hätten. Das Vorsorgeprinzip, wonach
Einwirkungen, die schädlich oder lästig werden könnten, frühzeitig zu begrenzen sind, hat
auch hier Geltung. Nachbarn in der Landwirtschaftszone haben deshalb Anrecht auf die
Einhaltung von bestimmten Abständen von geruchsintensiven Tierhaltungsanlagen.59
Übermässige Immissionen im Sinn von Art. 2 Abs. 5 LRV können vorliegen, wenn der
halbe Mindestabstand (sog. Geruchsrisikoabstand) unterschritten wird.60 In der
Landwirtschaftszone können Nachbarn daher zumindest verlangen, dass zwischen der
neuen Tierhaltungsanlage und ihrem Wohnhaus der halbe Mindestabstand eingehalten
wird.61
c) Das beco hielt in seinem Fachbericht zu den Geruchsimmissionen fest, der geplante
Neubau verursache einen üblichen Rindviehgeruch, wie er bei einem normal geführten
55 FAT-Bericht S. 3 56 VGE Nr. 22721/22725 vom 30. Mai 2007 E. 5.1 57 FAT-Bericht S. 16 58 FAT-Bericht S. 6 59 BGE 126 II 43 E. 4c, S. 45 60 FAT-Bericht S. 7 61 FAT-Bericht S. 8
24
Landwirtschaftsbetrieb mit Rindviehhaltung entstehe. In den Sommermonaten seien die
meisten Tiere auf der Alp und der Stall mit einem reduzierten Tierbestand belegt. Sowohl
das Bauvorhaben als auch das nächstgelegene Wohnhaus auf den Parzellen
Nr. AC._ und AD._ befänden sich in der Landwirtschaftszone, in welcher
der Mindestabstand nicht gelte. Die FAT-Empfehlungen könnten jedoch hilfsweise
herangezogen werden, um zu beurteilen, ob übermässige Immissionen im Sinne von Art. 2
Abs. 5 Bst. b LRV zu erwarten seien. Dies wäre der Fall, wenn der Mindestabstand, der
gegenüber der Wohnzone gelte, um mehr als die Hälfte unterschritten würde. Die
schematische Abstandsberechnung nach den Formeln des FAT-Berichts gelte erst ab
einer Geruchsbelastung von 4 GB. Der Mindestabstand für 4 GB sei in der Regel aber
auch bei tieferen Geruchsbelastungen einzuhalten. Basierend auf der tatsächlichen
Geruchsbelastung betrage vorliegend der halbe Mindestabstand 8 m. Wenn wie in der
Wohnzone von 4 GB und vom ganzen Mindestabstand ausgegangen werde, müssten
vorliegend 20 m eingehalten werden. Befinde sich auf einem Areal nur ein einzelnes
Stallgebäude, sei der Stallmittelpunkt für die Berechnung des Mindestabstandes
massgebend. Dieser gelte zugleich als Emissionspunkt für die Mindestabstandskurve um
das Stallgebäude. Dieser Abstand von 20 m sei gegenüber der Liegenschaft der
Beschwerdeführenden mit grosser Reserve eingehalten. Das beco kam daher zum
Schluss, dass keine übermässigen Geruchsimmissionen entstehen, wenn der Betrieb
ordnungsgemäss ausgerüstet und geführt wird.
d) Die Beschwerdeführenden erklären in ihren Schlussbemerkungen pauschal, der
Bericht des beco sei rechtsfehlerhaft, ohne dies aber zu begründen. Eine rechtsfehlerhafte
Beurteilung des Mindestabstandes ist vorliegend nicht erkennbar. Von übermässigen
Immissionen könnte in der Landwirtschaftszone nur gesprochen werden, wenn der halbe
Mindestabstand, das heisst vorliegend 10 m (bei 4 GB) unterschritten würde. Der Abstand
zwischen dem Stallmittelpunkt und der südlichen Parzellengrenze des Grundstücks
Nr. AC._ bei der Strasse beträgt rund 16 m, so dass der halbe Mindestabstand
bereits dort mit Reserve eingehalten ist. Massgebend ist aber der Abstand zum
zusammengebauten Wohnhaus auf den Parzellen Nr. AC._ und AD._.
Die Distanz zwischen dem Stallmittelpunkt und dem Wohnhaus beträgt rund 30 m und
übertrifft damit den Mindestabstand von 20 m deutlich. Das Bauvorhaben führt somit nicht
zu übermässigen Immissionen. Gestützt auf das Vorsorgeprinzip können keine weiteren
Massnahmen verlangt werden. Die Rügen der Beschwerdeführenden erweisen sich
demnach als unbegründet.
25
9. Zusammenfassung und Kosten
a) Zusammenfassend konnte die Verletzung des rechtlichen Gehörs im
Beschwerdeverfahren vor der BVE geheilt werden. Das Bauvorhaben entspricht den
kommunalen Vorschriften und ordnet sich in die Umgebung ein. Es handelt sich um eine
zonenkonforme bodenabhängige Tierhaltung. Der landwirtschaftliche Betrieb der
Beschwerdegegner kann längerfristig bestehen. Das Bauvorhaben ist für eine rationellere
Bewirtschaftung wie auch für das Tierwohl notwendig. Eine nahe beim Bauernhaus der
Beschwerdegegner gelegene Scheune entspricht den Anforderungen des
Raumplanungsrechts und erlaubt eine bessere Überwachung und Betreuung der Tiere. Die
möglichen Alternativstandorte sind mit betrieblichen Nachteilen verbunden, sei es dass sie
zu weit entfernt liegen und schlecht zugänglich sind oder sich vom Gefälle bzw.
Terrainverlauf her nicht eignen. Das Bauvorhaben verursacht keine übermässigen
Geruchsimmissionen, da der Mindestabstand gemäss FAT-Bericht bei weitem eingehalten
ist. Mit den Projektänderungen bei der Zufahrt zum Stall ist die Verkehrssicherheit
gewährleistet. Die Projektänderung vom 24. März 2015 kann daher mit Auflagen bewilligt
werden. Die von der Fachberatung empfohlenen Auflagen zur Begrünung der
Jauchegrubenstützmauer sowie zur Farbgebung und Strukturierung des Betons sind mit
den Präzisierungen der Beschwerdegegner in den Bauentscheid aufzunehmen. Durch die
von der Gemeinde zwischenzeitlich erteilten Bewilligungen für den Wasser- und
Kanalisationsanschluss und die Projektänderungen wurde die Beschwerde teilweise
gegenstandslos.
b) Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr.
Für besondere Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren
erhoben werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG i.V.m. mit Art. 19 Abs. 1 und Art. 20 Abs. 1
GebV62). Die Pauschalgebühr wird festgesetzt auf Fr. 2'400.‒ und umfasst auch die
Fachberichte des OIK I sowie des beco. Für den Augenschein vom 12. November werden
zusätzlich Fr. 600.‒ erhoben. Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren betragen
somit Fr. 3'000.‒.
62 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
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c) Die Verfahrenskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Die
Verletzung des rechtlichen Gehörs durch die Gemeinde war erheblich und ist mit 1/3 der
Kosten zu berücksichtigen. Der Gemeinde können jedoch keine Verfahrenskosten
auferlegt werden, da sie vorliegend nicht in ihren Vermögensinteressen betroffen ist (Art.
108 Abs. 2 i.V.m. Art. 2 Abs. 1 Bst. b VRPG). Diese Kosten trägt demnach der Kanton. Die
Beschwerdegegner haben zwei Projektänderungen eingereicht, wodurch das Bauvorhaben
bewilligungsfähig wurde, ausserdem reichten sie Gesuche für den Wasser- und
Kanalisationsanschluss ein. Sie gelten insofern als unterliegend und haben daher ebenfalls
1/3 der Verfahrenskosten zu übernehmen. Das letzte 1/3 der Verfahrenskosten wird den
unterliegenden Beschwerdeführenden auferlegt.
d) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Entsprechend obgenannter Aufteilung sind
auch die Parteikosten zu verlegen. Die Gemeinde hat demnach den Beschwerdeführenden
und den Beschwerdegegnern je 1/3 der Parteikosten zu ersetzen. Die restlichen, von den
Beschwerdeführern und Beschwerdegegnern gegenseitig geschuldeten Parteikosten (je
1/3) werden wettgeschlagen, d.h. jede Partei trägt die eigenen Parteikosten.
Die Parteikosten umfassen den durch die berufsmässige Parteivertretung anfallenden
Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Nach Art. 11 Abs. 1 PKV63 beträgt das Honorar in
verwaltungsrechtlichen Beschwerdeverfahren Fr. 400.- bis Fr. 11'800.- pro Instanz.
Innerhalb des Rahmentarifs bemisst sich der Parteikostenersatz nach dem in der Sache
gebotenen Zeitaufwand sowie der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des
Prozesses (Art. 41 Abs. 3 KAG64). Die Kostennote des Rechtsvertreters der
Beschwerdeführenden im Betrag von Fr. 9'618.45 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) gibt
zu keinen Bemerkungen Anlass. Die Kostennote des Rechtsvertreters der
Beschwerdegegner erscheint demgegenüber deutlich zu hoch. Im vorliegenden Fall ist der
gebotene Zeitaufwand zwar als überdurchschnittlich zu werten, da ein Beweisverfahren mit
63 Verordnung vom 17. Mai 2006 über die Bemessung des Parteikostenersatzes (Parteikostenverordnung; PKV; BSG 168.811) 64 Kantonales Anwaltsgesetz vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11)
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Augenschein durchgeführt wurde und zwei Projektänderungen zu beurteilen waren.
Letztere wurden aber von den Beschwerdegegnern selber eingereicht. Die Bedeutung der
Streitsache und die Schwierigkeit des Prozesses sind insgesamt als durchschnittlich
einzustufen. Daher erscheint ein Honorar von Fr. 8'500.‒ als angemessen. Hinzu kommen
die Auslagen von Fr. 573.‒ und Fr. 725.85 Mehrwertsteuer. Die Parteikosten der
Beschwerdegegner belaufen sich somit auf Fr. 9'798.85. Die Gemeinde hat demnach den
Beschwerdeführenden einen Parteikostenanteil von Fr. 3'206.15 und den
Beschwerdegegnern einen Parteikostenanteil von Fr. 3'266.30 zu ersetzen.