# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** a0984b8f-41aa-46eb-90c2-249d6f8f0a94
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1963, meldete sich am 6. Juli 2009 bei der Invalidenversi
cherung zum Leistungsbezug an (Urk. 5/7).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte unter ande
rem ein psychiatrisches Gutachten (Urk. 5/53) ein und sprach ihr mit Verfügung vom 25. Juli 2012 eine halbe Rente zu, dies vom Januar 2010 befristet bis Juni 2011 (Urk. 5/95 = Urk. 5/106; vgl. Urk. 5/91).
1.2
Nach erneuter Anmeldung vom 27. Mai 2013 (Urk. 5/111) holte die IV-Stelle unter anderem ein polydisziplinäres Gutachten (Urk. 5/131, Urk. 5/133) ein und verneinte mit Verfügung vom 16. Dezember 2014 einen Rentenanspruch (Urk. 5/152). Die dagegen erhobene Beschwerde (Urk. 5/153/3-14) hiess das hiesige Gericht mit Urteil vom 2. Juli 2015 in dem Sinne gut, dass die Verfü
gung der IV-Stelle vom 16. Dezember 2014 (Urk. 5/152) aufgehoben und die Sache zur Vornahme der Invaliditätsbemessung an diese zurückgewiesen wurde (Prozess Nr. IV.2015.00144, Urk. 5/167).
1.3
Mit Schreiben vom 24. November 2015 (Urk. 5/173) teilte die IV-Stelle der Versi
cherten mit, zunächst die medizinische Aktenlage zu aktualisieren und bei den behandelnden Ärzten die entsprechenden Berichte einzuholen. Am 19. August 2016 orientierte sie die Versicherte, zur Klärung der Leistungsan
sprüche eine umfassende medizinische Untersuchung als notwendig zu erachten (Urk. 5/202). Dagegen brachte die Versicherte am 2. September 2016 Einwände vor (Urk. 5/203). Nach Stellungnahme der IV-Stelle (Urk. 5/204) bat die Versi
cherte um Zustellung eines anfechtbaren Entscheides (Urk. 5/207). Am 13. September 2016 orientierte die IV-Stelle die Versicherte über die Gutachter
stelle und teilte ihr die Namen der Gutachter mit (Urk. 5/211), wogegen die Versicherte am 15. September 2016 wiederum Einwände vorbrachte (Urk. 5/212). Am 22. September 2016 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, an einer Begutachtung festzuhalten (Urk. 5/213 = Urk. 2). Mit Zwischenverfü
gung vom 2. November 2016 hielt die IV-Stelle an der geplanten Begutachtung fest (Urk. 5/217 = Urk. 2 im Verfahren Nr. IV.2016.01294).
2.
2.1
Die Versicherte erhob am 26. September 2016 Beschwerde mit dem Antrag, es sei eine Rechtsverweigerung durch die IV-Stelle festzustellen und sie anzuwei
sen, den Invaliditätsgrad festzulegen (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 2. November 2016 (Urk. 4) beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 4. November 2016 mitgeteilt wurde (Urk. 7).
2.2
Gegen die Zwischenverfügung vom 2. November 2016 (Urk. 2 im Verfahren Nr. IV.2016.01294) erhob die Versicherte am 17. November 2016 (Urk. 1 im Verfahren Nr. IV.2016.01294) Beschwerde mit dem Antrag, es sei die Rechts
verweigerung durch die IV-Stelle festzustellen und der Invaliditätsgrad gestützt auf das Gutachten des Y._ (Y._; Urk. 5/131, Urk. 5/133) im Sinne eines
reformatorischen
Entscheids festzustel
len. Eventuell sei die Rechtsverweigerung festzustellen, die Verfügung vom 2. November 2016 aufzuheben und die Angelegenheit an die IV zurückzuwei
sen, auf dass sie den Invaliditätsgrad festlege und von einer erneuten Begut
achtung absehe. Zudem sei der Beschwerdegegnerin im Sinne einer vorsorgli
chen Massnahme nach Art. 56 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsver
fahren (VwVG) zu verbieten, das Begutachtungsverfahren fortzusetzen. Schliesslich sei das Verfahren vom 26. September 2016 mit dem vorliegenden zu vereinigen (S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 19. Dezember 2016 (Urk. 4 im Verfahren Nr. IV.2016.01294) beantragte die Beschwerdegegnerin die Abwei
sung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 21. Dezember 2016 mit
geteilt wurde (Urk. 6 im Verfahren Nr. IV.2016.01294).

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Verfahrensbeteiligten sind identisch und in beiden Verfahren geht es um die Frage, ob eine Rechtsverweigerung vorliegt, indem die Beschwerdegegnerin weitere medizinische Abklärungen und nicht eine Invaliditätsbemessung vor
nimmt. Der Prozess Nr. IV.2016.01294 ist daher mit dem vorliegenden Prozess Nr. IV.2016.01075 zu vereinigen und unter dieser Prozessnummer weiterzu
füh
ren. Das Verfahren Nr. IV.2016.01294 ist als dadurch erledigt abzuschreiben; dessen Akten werden im vorliegenden Prozess als Urk. 8/0-7 geführt.
1.2
Gegen Einspracheentscheide oder Verfügungen, gegen welche eine Einsprache ausgeschlossen ist, kann Beschwerde erhoben werden (Art. 56 Abs. 1 des Bun
desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Beschwerde kann auch erhoben werden, wenn der Versicherungsträger entge
gen dem Begehren der betroffenen Person keine Verfügung oder keinen Ein
spracheentscheid erlässt (Art. 56 Abs. 2 ATSG; vgl. BGE 130 V 92 Erw. 2).
1.3
Eine Verletzung von Art. 29 Abs. 1 BV – sowie gegebenenfalls von Art. 6 Ziff. 1 EMRK (BGE 130 I 174 mit Hinweisen) – liegt nach der Rechtsprechung unter anderem dann vor, wenn eine Gerichts- oder Verwaltungsbehörde ein Gesuch, dessen Erledigung in ihre Kompetenz fällt, nicht an die Hand nimmt und be
handelt. Ein solches Verhalten einer Behörde wird in der Rechtsprechung als formelle Rechtsverweigerung bezeichnet. Art. 29 Abs. 1 BV ist aber auch ver
letzt, wenn die zuständige Behörde sich zwar bereit zeigt, einen Entscheid zu treffen, diesen aber nicht binnen der Frist fasst, welche nach der Natur der Sa
che und nach der Gesamtheit der übrigen Umstände als angemessen erscheint (sog. Rechtsverzögerung).
Für den Rechtsuchenden ist es unerheblich, auf welche Gründe – beispielsweise auf ein Fehlverhalten der Behörden oder auf andere Umstände – die Rechtsver
weigerung oder Rechtsverzögerung zurückzuführen ist; entscheidend ist aus
schliesslich, dass die Behörde nicht oder nicht fristgerecht handelt (SVR 2001 IV Nr. 24 S. 73 f. E. 3a und b, BGE 124 V 130, 117 Ia 116 E. 3a, 197 E. 1c, 103 V 190 E. 3c).
1.4
Anfechtungsgegenstand einer solchen Rechtsverweigerungs- oder Rechtsver-zöge
rungsbeschwerde ist dabei rechtsprechungsgemäss einzig die Rechts-verweigerung oder -verzögerung; das Gericht hat demnach lediglich zu prüfen, ob eine solche Rechtsverweigerung oder -verzögerung vorliegt, und nicht in der Sache selbst zu entscheiden (SVR 2005 IV Nr. 26 S. 102 Erw. 4.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdeführerin begründet ihre Rechtsverweigerungsbeschwerde damit, dass das hiesige Gericht der Beschwerdegegnerin mit Urteil vom 2. Juli 2015 aufgetragen habe, den Invaliditätsgrad zu bemessen. Die Beschwerdegegnerin weigere sich nun aber, eine Invaliditätsbemessung vorzunehmen und sehe statt
dessen eine neue Begutachtung vor. Damit widersetze sie sich den Weisungen des hiesigen Gerichts, weshalb von einer Rechtsverweigerung ausgegangen werde (Urk. 1 S. 2 Ziff. 1). Das hiesige Gericht habe festgestellt, es läge ein Re
visionsgrund vor und es sei von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit innerhalb ei
nes zeitlichen Rendements von 70 % auszugehen. Mithin habe also das hiesige Gericht in dieser Erwägung bereits über die medizinisch-theoretische Arbeitsfä
higkeit entschieden (Urk. 8/1 S. 5 Ziff. 15). Es sei deshalb nicht mehr an der Beschwerdegegnerin gewesen, weitere medizinische Abklärungen durchzufüh
ren, eine second opinion einzuholen, sondern sich mit dem Gutachtensergebnis des Y._ abzufinden, den Invaliditätsgrad zu bemessen und schliesslich eine Rente auszurichten (S. 6 Ziff. 18). Gehe man nun davon aus, dass die Angele
genheit spruchreif sei, ein vollständiges Gutachten in den Akten liege, das hie
sige Gericht volle Tatsachen- und Rechtskognition habe, so stehe einem refor
matorischen Entscheid nichts entgegen, der ohnehin dem Beschleunigungs
grundsatz entspreche. Folgerichtig sei es statthaft, wenn das hiesige Gericht selbst den Invaliditätsgrad festlege, was weitere Verzögerungen ausschlösse (S. 6 Ziff. 20).
2.2
Die Beschwerdegegnerin stellte sich auf den Standpunkt, dass die polydiszipli
näre Begutachtung notwendig sei, da der Verlauf der Arbeitsfähigkeit seit No
vember 2013 abgeklärt werden müsse (Urk. 2). Andernfalls werde der für sie geltende Untersuchungsgrundsatz verletzt. Dieses Vorgehen widerspreche auch in keiner Weise dem Urteil vom 2. Juli 2015 des hiesigen Gerichts. Darin sei denn einzig das Vorliegen eines Revisionsgrundes bejaht worden. Damit habe das Gericht noch keine abschliessende Beweiswürdigung der medizinischen Aktenlage vorgenommen, sondern habe das Dossier zu weiteren Abklärungen zurückgewiesen. Eine korrekte Bemessung der Invalidität beruhe auf verlässli
chen, beweiskräftigen ärztlichen Unterlagen, die sich zum Zeitpunkt bis zum Erlass der Verfügung äussern würden. Aus diesen Gründen würden sie die er
neute Begutachtung als notwendig erachten (Urk. 8/2 S. 2).
2.3
Strittig ist, ob der Beschwerdegegnerin
eine Rechtsverweigerung vorzuwerfen ist.
3.
3.1
Aufgrund der Akten ist erstellt, dass die Beschwerdeführerin die Beschwer-degeg
nerin mehrmals um einen Verfahrensabschluss in Form der In
validi-tätsbemessung beziehungsweise den Erlass einer anfechtbaren Verfügung ersuchte (Urk. 5/203, Urk. 5/207, Urk. 5/212). Aus formeller Sicht steht die Er
hebung der Rechtsverweigerungsbeschwerde vom 26. September 2016 (Urk. 1) damit im Einklang mit Art.
56 Abs.
2 ATSG, wonach von der versicherten Per
son verlangt wird, dass sie - ausdrücklich oder zumindest sinngemäss - den Er
lass einer anfechtbaren Verfügung verlangt hat (Urteil des Bundesgerichts 9C_24/2010 vom 3
1.
März 2012, E. 2).
3.2
Nachdem die Beschwerdegegnerin im Dezember 2014 einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin abgewiesen hatte, erhob letztere beim hiesigen Gericht Be
schwerde. Mit Urteil vom 2. Juli 2015 hat das hiesige Gericht festgestellt, dass bei der Rentenbefristung im Juli 2012 dem Gutachten vom Juli 2011 gefolgt und von einer leichten depressiven Episode und einer Arbeitsfähigkeit von 70 % ausgegangen worden sei. Im Vergleich dazu sei im April 2014 im von der Be
schwerdegegnerin eingeholten Gutachten aus psychiatrischer Sicht eine mittel
gradige depressive Episode und zusätzlich eine Panikstörung diagnostiziert und die daraus resultierende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mit 50 % beziffert worden. Der Eintritt einer potentiell anspruchsrelevanten Veränderung des me
dizinischen Sachverhalts in psychiatrischer Sicht sei offenkundig (Urk. 5/167 S. 7 f. Ziff. 5.2). Das hiesige Gericht hob die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 16. Dezember 2014 auf und wies die Sache zur Vornahme der Invaliditäts
bemessung an diese zurück (S. 9).
3.3
Nach dem Gesagten steht fest, dass das hiesige Gericht mit Urteil vom 2. Juli 2015 eine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin vorgenom
men hat. Es kam zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin gemäss damaligen Gutachten zu 50 % arbeitsfähig sei und die Beschwerdegegnerin die Invalidi
tätsbemessung durchzuführen habe. Es trifft demnach nicht zu, dass mit er
wähntem Urteil einzig das Vorliegen eines Revisionsgrundes bejaht worden sei und dass das Gericht damit keine abschliessende Beweiswürdigung vorgenom
men habe, sondern das Dossier zur weiteren Abklärung zurückgewiesen (vgl. E. 2.2). Vielmehr gelangte das hiesige Gericht zum Schluss, dass der medizini
sche Sachverhalt erstellt war und folglich die Invaliditätsbemessung vorge
nommen werden konnte. Das Vorgehen der Beschwerdegegnerin, weitere Ab
klärungen zur medizinischen Situation zu tätigen, erweist sich damit als nicht korrekt. Sie hätte vielmehr gestützt auf die Ausführungen des hiesigen Gerichts eine Invaliditätsbemessung vornehmen müssen.
3.4
Die Beschwerdegegnerin bringt vor, eine korrekte Bemessung der Invalidität beruhe auf verlässlichen, beweiskräftigen ärztlichen Unterlagen, die sich bis zum Erlass der Verfügung äussern würden. Folglich erachtete sie medizinische Abklärungen ab dem Zeitpunkt der letzten Begutachtung als notwendig. Indes hätte sie, nachdem der Rechtsmittelentscheid ergangen ist, die Invalidität zum Zeitpunkt der aufgehobenen Verfügung vom 16. Dezember 2014 bemessen sol
len. Ab diesem Zeitpunkt hätte sie sodann ein neues Revisionsverfahren durch
führen und in diesem Rahmen die medizinischen Abklärungen vornehmen kön
nen.
Indem die Beschwerdegegnerin die Invaliditätsbemessung entgegen dem Urteil des hiesigen Gerichts vom 2. Juli 2015 nicht vorgenommen und damit auch keinen anfechtbaren Entscheid über den Rentenanspruch der Beschwerdeführe
rin erlassen hat, liegt ein Fall von Rechtsverweigerung vor. Die Beschwerdegeg
nerin ist anzuweisen, umgehend eine Invaliditätsbemessung per 16. Dezember 2014 vorzunehmen und hernach innert nützlicher Frist über das Leistungsbe
gehren der Beschwerdeführerin zu entscheiden. In diesem Sinne ist die Be
schwerde gutzuheissen.
3.5
Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass das hiesige Gericht den Invaliditätsgrad nicht im Sinne eines reformatorischen Entscheides feststellen kann (vgl. E. 2.2). Vorliegend ist einzig die Rechtsverweigerung Anfechtungsgegenstand (vgl. E. 1.4). Ein Entscheid über den Rentenanspruch ist demnach nicht möglich. Ebenso wenig kann die Notwendigkeit der mit Zwischenverfügung vom 2. November 2016 (Urk. 8/2) angekündigten polydisziplinären Begutachtung geprüft werden. Die Beschwerdeführerin brachte dagegen ohnehin keine Ein
wände vor.
3.6
Mit dem Endentscheid in vorliegender Streitsache erweist sich das Gesuch u
m vorsorgliche Massnahmen (Urk. 8/1 S.
2
Ziff. 3
) als gegenstandslos.
4.
4.1
Bei der Rechtsverweigerungsbeschwerde handelt es sich nicht um eine Leistungs
streitigkeit im Sinne von Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG), weshalb das vorliegende Verfahren kostenlos ist.
4.2
Nach § 34 Abs. 1 GSVGer hat die obsiegende Beschwerde führende Person An
spruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3 GSVGer).
In Anwendung die
ser Kriterien ist die Parteientschädigung vorlieg
end auf Fr. 1‘800
.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen und ausgangsgemäss der Be
schwerdegegnerin aufzuerlegen.