# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 81e7ad9c-8796-5466-8983-903608c4362e
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Mit Voranfrage vom 2. März 2015 erkundigten sich die Beschwerdeführenden bei der
Gemeinde, ob auf ihrer Parzelle Spiez Grundbuchblatt Nr. D._ in der
Landwirtschaftszone ein Kiesplatz als Abstellplatz für Boote des angrenzenden
Gewerbebetriebs (Bootswerft) erstellt werden könne. Mit Stellungnahme vom 23. April
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2015 kam das AGR zum Schluss, die erforderliche Ausnahmebewilligung nach Art. 24 ff.
RPG1 könne nicht in Aussicht gestellt werden. Diese Stellungnahme wurde den
Beschwerdeführenden mit Schreiben vom 7. Mai 2015 weitergeleitet. Mit E-Mail vom 8.
September 2015 beantwortete das AGR zudem eine Anfrage der von Amtes wegen am
Verfahren Beteiligten und kam darin zum Schluss, dass auch ein befristeter Lagerplatz
nicht möglich sei.
2. Nachdem die Gemeinde erfuhr, dass die Parzelle der Beschwerdeführenden
trotzdem als Abstellplatz für Boote genutzt wird, drohte sie mit Schreiben vom 13. Oktober
2015 die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands an. Gleichzeitig gab sie den
Beschwerdeführenden Gelegenheit, sich zur Angelegenheit zu äussern. In ihrer
Stellungnahme vom 12. November 2015 führten die Beschwerdeführenden aus, es sei
ihnen bewusst, dass der Lagerplatz widerrechtlich sei. Es handle sich aber um eine
provisorische Notlösung.
Mit Wiederherstellungsverfügung vom 25. November 2015 forderte die Gemeinde Spiez
die Beschwerdeführenden auf, den Lagerplatz auf der Parzelle Spiez-Grundbuchblatt
Nr. D._ bis zum 31. Januar 2016 zu räumen und die Bodenbefestigungen zu
entfernen. Gleichzeitig drohte sie die Ersatzvornahme und eine Busse bei Nichtbefolgung
an.
3. Gegen diese Verfügung reichten die Beschwerdeführenden am 23. Dezember 2015
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie
erachten die angesetzte Frist als unverhältnismässig und beantragen deren Erstreckung
bis zum 30. Juni 2016.
4. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, holte die
Vorakten ein und führte den Schriftenwechsel durch. Das Amt für Gemeinden und
Raumordnung (AGR) verzichtete mit Schreiben vom 7. Januar 2016 auf eine
1 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700). 2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191).
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Antragstellung und hielt fest, es sei im vorliegenden Wiederherstellungsverfahren nicht
direkt involviert gewesen, habe sich jedoch im Rahmen einer Voranfrage zur
Angelegenheit geäussert. Auf diese Stellungnahme werde verwiesen. Die Gemeinde Spiez
beantragt mit Schreiben vom 27. Januar 2016 die Abweisung der Beschwerde.
5. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintreten
Gemäss Art. 49 Abs. 1 BauG3 können baupolizeiliche Verfügungen nach Art. 45 bis 48
BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden.
Die Beschwerdeführenden sind als Adressaten der angefochtenen Verfügung durch diese
beschwert und daher zur Beschwerde legitimiert. Auf ihre form- und fristgerecht
eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Nachträgliches Baugesuch
a) Wurde ein Vorhaben ohne die dafür notwendige Baubewilligung realisiert, muss die
Gemeinde ein Verfahren zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands gemäss
Art. 46 BauG durchführen. Die Wiederherstellungsverfügung ist in der Regel mit einem
Hinweis auf die Möglichkeit der Einreichung eines nachträglichen Baugesuchs innert einer
Frist von 30 Tagen zu versehen.4 Von dieser Regel darf nur abgewichen werden, wenn
bereits rechtskräftig über das Bauvorhaben entschieden ist (Art. 46 Abs. 2 lit. b BauG) oder
wenn das Bauvorhaben offensichtlich nicht bewilligungsfähig ist bzw. wenn die materielle
Rechtswidrigkeit eines Vorhabens aufgrund klarer Verhältnisse eindeutig feststeht. In
3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721). 4 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 14.
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beiden Fällen steht der Ausgang des nachträglichen Baubewilligungsverfahrens von
vornherein fest, weshalb dessen Durchlaufen prozessökonomisch nicht zu rechtfertigen
ist.5
b) Die Gemeinde unterliess es, den Beschwerdeführenden in der
Wiederherstellungsverfügung vom 25. November 2015 die Möglichkeit zur Einreichung
eines nachträglichen Baugesuchs innert einer Frist von 30 Tagen einzuräumen. Dazu
bestand auch kein Anlass. Das AGR hat in seiner Stellungnahme vom 23. April 2015 zur
Voranfrage ausführlich und detailliert dargelegt, wieso der Lagerplatz nicht
bewilligungsfähig ist. Dieser Einschätzung kann gefolgt werden. Es ist kein Grund
ersichtlich, wieso das AGR im Falle eines nachträglichen Baubewilligungsverfahrens
anders entscheiden würde. Die Beschwerdeführenden bestreiten die Widerrechtlichkeit des
Vorhabens nicht; vielmehr halten sie selber ausdrücklich fest, dass der Lagerplatz
widerrechtlich sei (Stellungnahme vom 13. Oktober 2015, Beschwerde vom 23. Dezember
2015). Die Gemeinde konnte daher in ihrer Wiederherstellungsverfügung vom 25.
November 2015 darauf verzichten, den Beschwerdeführenden Gelegenheit zur
Einreichung eines nachträglichen Baugesuchs zu geben.
3. Wiederherstellungsfrist
a) Die Beschwerdeführenden wehren sich einzig gegen die in der
Wiederherstellungsverfügung angesetzte Frist. Die Aufforderung, bis am 31. Januar 2016
den Lagerplatz zu räumen und die Bodenbefestigungen zu entfernen, sei
unverhältnismässig. Es sei unmöglich, den zeitlichen Rahmen einzuhalten. Die Frist zur
Wiederherstellung sei bis 30. Juni 2016 zu verlängern.
b) Wiederherstellungsmassnahmen müssen in jedem Fall verhältnismässig sein. Eine
Wiederherstellungsmassnahme ist verhältnismässig, wenn sie geeignet ist, das
angestrebte Ziel zu erreichen, nicht weiter geht, als zur Herstellung des rechtmässigen
Zustands nötig ist und die Belastung für die pflichtige Person in einem vernünftigen
Verhältnis zum verfolgten Ziel steht. Die Frist zur Wiederherstellung muss ebenfalls
verhältnismässig sein.6 Die Wiederherstellungsfrist soll der pflichtigen Person die zur
5 VGE 100.2014.197 vom 27.05.2015, E 2.2, mit weiteren Hinweisen. 6 Zaugg/Ludwig, a.a.O, Art. 46 N. 9c.
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Vorbereitung und Durchführung der Massnahme notwendige Zeit einräumen. Die Frist ist
so zu bemessen, dass die pflichtige Person nach allgemeiner Erfahrung ihre Pflicht bis
zum Ablauf der Frist erfüllen kann. Macht die betroffene Person private Interessen geltend,
sind dieselben öffentlichen und privaten Belange wie bereits für die Anordnung der
Wiederherstellung gegeneinander abzuwägen.7
c) Vorliegend bestehen die von der Gemeinde verfügten
Wiederherstellungsmassnahmen in der Räumung des Lagerplatzes und der Entfernung der
Bodenbefestigung. Diese Wiederherstellungsmassnahmen bedürfen zwar einer gewissen
Vorbereitungs- und Durchführungszeit und können nicht sofort vorgenommen werden,
innert der von der Gemeinde angesetzten Frist von rund zwei Monaten ist dies jedoch
problemlos möglich. Die Beschwerdeführenden begründen nicht, wieso diese Frist nicht
ausreichen sollte, um die angeordneten Wiederherstellungsmassnahmen vorzunehmen.
Im Rahmen der Prüfung der Verhältnismässigkeit der Wiederherstellungsfrist sind jedoch
auch die von den Beschwerdeführenden geltend gemachten privaten Interessen zu
berücksichtigen. So machen sie eine Notsituation der von Amtes wegen am Verfahren
Beteiligten geltend. Nach der Kündigung des langjährigen Lagerplatzes für die Boote habe
diese trotz intensiver Suche keine ausreichende Alternative finden können. Sie habe zwar
einen Platz gefunden, dieser reiche aber nicht aus, um die ca. 80 Boote über Winter lagern
zu können. Ohne den Abstellplatz auf der Parzelle Spiez-Grundbuchblatt Nr. D._
hätte die Bootswerft daher etliche Stammkunden nicht berücksichtigen können, was zur
Entlassung von Angestellten und im schlimmsten Fall sogar zur Schliessung der Firma
hätte führen können. Es gilt jedoch zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführenden
und die von Amtes wegen am Verfahren Beteiligte seit der gemeinsamen Begehung mit
dem AGR am 26. März 2015, spätestens jedoch mit Zustellung der schriftlichen
Stellungnahme des AGR am 7. Mai 2015 wussten, dass ein Abstellplatz für Boote auf der
Parzelle Spiez-Grundbuchblatt Nr. D._ nicht bewilligungsfähig ist. Die
Wiederherstellungsverfügung vom 25. November 2015 traf daher weder die
Beschwerdeführenden noch die von Amtes wegen am Verfahren Beteiligte unvorbereitet.
Sie hatten seit der negativen Beantwortung der Voranfrage ausreichend Zeit, um einen
neuen Abstellplatz für alle Boote zu finden. Aus diesem Grund sind die privaten Interessen
zu relativieren.
7 VGE 20916 vom 8.8.2000, E. 3d, in BVR 2001 S. 210 f.
RA Nr. 120/2015/70 6
Auf der anderen Seite besteht ein grosses öffentliches Interesse an der Durchsetzung der
baurechtlichen Bestimmungen, der Verhinderung von nicht zonenkonformen Nutzungen in
der Landwirtschaftszone und der rechtsgleichen Anwendung dieser Bestimmungen. Dazu
kommt, dass die Beschwerdeführenden den Abstellplatz trotz der klaren Antwort des AGR
und der Gemeinde erstellt haben; sie gelten daher im baurechtlichen Sinn als bösgläubig.
Zwar hat auch eine bösgläubige Bauherrschaft Anspruch, dass der Grundsatz der
Verhältnismässigkeit berücksichtigt wird. Sie muss aber in Kauf nehmen, dass die
Behörden aus grundsätzlichen Erwägungen, nämlich zum Schutz der Rechtsgleichheit und
der baurechtlichen Ordnung, dem Interesse an der Wiederherstellung erhöhtes Gewicht
beimessen.8
In Anbetracht der gewichtigen öffentlichen Interessen und der zu relativierenden privaten
Interessen der Beschwerdeführenden ist die von der Gemeinde Spiez angesetzte Frist von
gut zwei Monaten für die Räumung des Lagerplatzes und die Entfernung der
Bodenbefestigung angemessen, für die Beschwerdeführenden und die von Amtes wegen
am Verfahren Beteiligten zumutbar und damit verhältnismässig. Die Beschwerde wird
daher abgewiesen.
d) Die von der Gemeinde Spiez gesetzte Frist (31. Januar 2016) ist inzwischen
abgelaufen. Eine Wiederherstellungsverfügung ist zudem erst vollstreckbar, wenn sie
rechtskräftig geworden ist. Es ist daher eine neue Frist anzusetzen. Die BVE erachtet es
als angemessen, in etwa dieselbe Frist anzusetzen wie die Vorinstanz (welche 67 Tage ab
Datum der Verfügung betrug). Die von der Gemeinde angeordneten
Wiederherstellungsmassnahmen sind daher bis am 30. April 2016 vorzunehmen.
4. Kosten
a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführenden. Sie
haben die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG9). Diese werden festgesetzt
auf eine Pauschalgebühr von Fr. 600.00 (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19
8 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 46 N. 9c. 9 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21).
RA Nr. 120/2015/70 7
Abs. 1 GebV10). Die von Amtes wegen am Verfahren Beteiligte hat im Verfahren vor der
BVE keine Stellungnahme eingereicht und damit keine Anträge gestellt. Ihr können daher
keine Verfahrenskosten auferlegt werden.
b) Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 VRPG).