# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 24dda0fe-7672-5490-b38b-8cceaa710ca0
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Mit Gesamtentscheid vom 25. September 2012 erteilte die Gemeinde der
Beschwerdegegnerin die Baubewilligung für den Neubau eines Mehrfamilienhauses mit
Attikageschoss und einer Autoeinstellhalle auf der Parzelle Steffisburg Grundbuchblatt
RA Nr. 110/2016/48 2
Nr. D._. Mit Entscheid vom 4. Juni 2013 (RA Nr. 110/2012/170) hiess die Bau-,
Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) eine dagegen erhobene
Beschwerde der Beschwerdeführerin gut. Gestützt auf den negativen Fachbericht der
Kommission zur Pflege der Orts- und Landschaftsbilder (OLK) vom 18. Februar 2013
erteilte sie dem Bauvorhaben den Bauabschlag und hob den Gesamtentscheid der
Gemeinde auf.
2. In der Folge überarbeitete die Beschwerdegegnerin das Projekt. Vor der
Gesuchseinreichung wurde das Bauvorhaben im Rahmen einer Bauvoranfrage durch die
OLK beurteilt und begleitet. Nach einer ersten Beurteilung durch die OLK, in welcher noch
gewisse Punkte kritisiert wurden (Voranfragebericht vom 28. August 2014), passte die
Beschwerdegegnerin das Projekt erneut an. Mit abschliessendem Voranfragebericht vom
1. Dezember 2014 äusserte sich die OLK schliesslich positiv zum Vorprojekt.
Am 19. Juni 2015 reichte die Beschwerdegegnerin bei der Gemeinde Steffisburg ein
Baugesuch ein für den Neubau eines Mehrfamilienhauses mit sieben Wohnungen und
Büros sowie einer Einstellhalle im Untergeschoss auf der Parzelle Steffisburg
Grundbuchblatt Nr. D._. Das Bauvorhaben befindet sich in der
Kernergänzungszone KE, welche als Zone mit Planungspflicht (ZPP) gilt (Art. 48 Abs. 1
GBR1).
Aufgrund des positiven Berichts der OLK stimmte der Gemeinderat am 29. Juni 2015 dem
Verzicht auf den Erlass einer Überbauungsordnung nach Art. 48 Abs. 3 GBR zu. Im
Verlaufe des Baubewilligungsverfahrens wurde nachträglich eine Ausnahme für die
Unterschreitung des Gewässerabstandes publiziert. Gegen das Bauvorhaben erhob die
Beschwerdeführerin Einsprache. In einem Fachbericht vom 8. September 2015 kam das
Amt für Gemeinden und Raumordnung zum Schluss, die Bauparzelle liege in einem dicht
überbauten Gebiet im Sinne von Art. 41c Abs. 1 GschV2. Mit Gesamtentscheid vom
29. Januar 2016 erteilte die Gemeinde die Baubewilligung und eine Ausnahmebewilligung
nach Art. 41c Abs. 1 GschV für das Bauen im Gewässerraum.
1 Baureglement der Gemeinde Steffisburg vom 27.12.1995, genehmigt durch das AGR am 19.09.1996. 2 Gewässerschutzverordnung vom 28. Oktober 1998 (GSchV; SR 814.201).
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3. Dagegen reichte die Beschwerdeführerin am 29. März 2016 Beschwerde bei der
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragt
Folgendes: „1.1 Das neue Projekt sei in der vorliegenden Form nicht zu bewilligen.
1.2 Es sei festzustellen, dass die Baubehörde Steffisburg in Anwendung von Art. 48 GBR in rechtswidriger Weise auf den Erlass einer Überbauungsordnung verzichtet.
1.3 Eventuell und vorfrageweise habe die Beschwerdeinstanz eine Einigungsverhandlung unter
Mitwirkung einer Delegation der kantonalen OLK mit der Beschwerdeführerin und der
Bauherrschaft durchzuführen,– analoger Antrag im Einspracheverfahren (vgl. Einsprache vom
13.10.2015, act. 1) – , eventuell habe die Beschwerdeinstanz die Baubehörde Steffisburg damit
zu beauftragen.
1.4 Entschädigungs- und Kostenfolge zulasten der Gemeinde Steffisburg. Ich verlange eine
pauschale Teilentschädigung von Fr. 3'500.00“
Dabei macht sie insbesondere geltend, das neue Bauvorhaben ordne sich nicht gut in die
Umgebung ein und wirke sich störend auf das L._platzensemble aus. Zudem sei
die Ausnahmebewilligung zur Unterschreitung des Gewässerabstandes zu Unrecht erteilt
worden.
4. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet3, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Die Beschwerdegegnerin beantragt in
ihrer Beschwerdeantwort vom 28. April 2016, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit
darauf eingetreten werden könne. Mit Stellungnahme vom 29. April 2016 beantragt die
Gemeinde Steffisburg ebenfalls die Abweisung der Beschwerde.
5. Die OLK nahm mit Fachbericht vom 20. Juni 2016 zum Vorhaben Stellung. Die
Parteien erhielten Gelegenheit, sich zum Fachbericht der OLK zu äussern und
Schlussbemerkungen einzureichen. Die Beschwerdeführerin nahm mit
Schlussbemerkungen vom 19. Juli 2016 noch einmal Stellung und beantragte, es sei ein
OLK-unabhängiges Expertengutachten einzuholen.
3 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191).
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6. Auf die Rechtsschriften sowie den Fachbericht der OLK wird, soweit für den
Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG4. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG5 mit Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden.
Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen den Gesamtentscheid zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen ihrer
Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG in Verbindung mit
Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführerin, deren Einsprache abgewiesen wurde, ist
als unmittelbare Nachbarin der Bauparzelle durch den vorinstanzlichen Gesamtentscheid
beschwert und daher zur Beschwerdeführung legitimiert.
c) Die Beschwerdefrist beträgt 30 Tage. Sie beginnt am Tag nach der Zustellung des
Gesamtentscheids zu laufen (Art. 40 Abs. 1 BauG, Art. 41 Abs. 1 VRPG6). Im vorliegenden
Fall wurde der angefochtene Entscheid der Gemeinde Steffisburg vom 29. Januar 2016 am
3. Februar 2016 anstelle der Beschwerdeführerin versehentlich der gleichnamigen Frau
A._, die nur unweit der Beschwerdeführerin an derselben Strasse (am
E._weg in Steffisburg) wohnt, zugestellt. Nachdem die Gemeinde Steffisburg von
diesem Zustellungsfehler Kenntnis nahm, stellte sie der Beschwerdeführerin den
Gesamtbauentscheid nachträglich noch einmal korrekt zu.
Gemäss Art. 44 Abs. 6 VRPG darf den Betroffenen aus der mangelhaften Eröffnung (hier:
Zustellungsfehler) eines Entscheides kein Rechtsnachteil erwachsen. In solchen Fällen
4 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1). 5 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721). 6 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21).
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beginnt die Rechtsmittelfrist im Zeitpunkt zu laufen, in welchem die betroffene Partei von
der Verfügung Kenntnis nehmen konnte.7 Gemäss der Postquittung in den Vorakten wurde
der Gesamtbauentscheid von der Gemeinde Steffisburg am 22. Februar 2016 erneut der
Post übergeben und der Beschwerdeführerin als Einschreiben verschickt. Die Zustellung
des Entscheides an die Beschwerdeführerin erfolgte gemäss der Sendeverfolgung der
Post am 1. März 2016. Die Beschwerdeführerin hat ihre Baubeschwerde am 31. März 2016
und somit fristgerecht der Schweizerischen Post übergeben (Art. 42 Abs. 2 VRPG). Auf die
form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Feststellungsbegehren
a) Die Beschwerdeführerin beantragt in Ziffer 1.2 ihres Rechtsbegehrens, es sei
festzustellen, dass die Baubehörde von Steffisburg in Anwendung von Art. 48 GBR in
rechtswidriger Weise auf den Erlass einer Überbauungsordnung verzichtet habe.
b) Abgesehen davon, dass der Verzicht auf den Erlass einer Überbauungsordnung
durch den Gemeinderat vorliegend zulässig war (vgl. E. 5), bedürfen
Feststellungsbegehren eines ausgewiesenen Feststellungsinteresses und sind gegenüber
leistungsverpflichtenden und rechtsgestaltenden Begehren subsidiär.8 Ein solches
separates Feststellungsinteresse besteht hier nicht, hätte doch der unrechtmässige
Verzicht auf eine Überbauungsordnung im vorliegenden Beschwerdeverfahren zum
Bauabschlag geführt. Für eine entsprechende separate Feststellung hätte damit kein Raum
bestanden. Auf Ziffer 1.2 des Rechtsbegehrens ist somit nicht einzutreten.
3. Einigungsverhandlung
a) Die Beschwerdeführerin bringt vor, die Vorinstanz habe der klaren
Willensäusserungen beider Parteien, eine Einigungsverhandlung durchzuführen, zu
Unrecht nicht Folge geleistet.
7 Vgl. dazu Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 38/39 N. 26 mit Verweisen auf die Rechtsprechung. 8 Vgl. BVR 2010 S. 337 E. 3.2 mit Hinweisen.
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b) Gemäss Art. 34 Abs. 1 BewD9 kann die Baubewilligungsbehörde eine
Einigungsverhandlung durchführen, sofern die Beteiligten nicht darauf verzichten. Es steht
im Ermessen der Bewilligungsbehörde, ob sie eine Einigungsverhandlung durchführt oder
nicht ("Kann"-Formulierung). Die Parteien haben somit keinen Anspruch auf die
Durchführung einer Einigungsverhandlung. Art. 34 Abs. 1 BewD bezweckt,
Verfahrensverzögerungen zu vermeiden. Beurteilt die Bewilligungsbehörde eine
Einigungsverhandlung als aussichtslos, kann sie darauf verzichten.
c) Im vorliegenden Fall erachtete die Vorinstanz den Verhandlungsspielraum zwischen
den Parteien offenbar als gering, zumal zwischen den Parteien bereits ausserhalb einer
förmlichen Einigungsverhandlung eine Aussprache stattfand, die zu keiner Einigung führte.
Die zusätzliche Durchführung einer Einigungsverhandlung erschien vor diesem
Hintergrund als aussichtslos und hätte nur zur Verzögerung des Verfahrens geführt.
Demzufolge übte die Vorinstanz ihr Ermessen pflichtgemäss aus, indem sie auf eine
Einigungsverhandlung verzichtete. Eine Verletzung von Art. 34 Abs. 1 BewD liegt nicht vor.
d) Die Beschwerdeführerin beantragt in Ziffer 1.3 ihrer Beschwerdeanträge, im
vorliegenden Beschwerdeverfahren sei eine Einigungsverhandlung zwischen den Parteien
unter Mitwirkung einer Delegation der kantonalen OLK durchzuführen. Die Parteien haben
Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 21 VRPG). Die Behörde ist deshalb verpflichtet, die
ihr rechtzeitig und formrichtig vorgelegten Beweismittel abzunehmen. Dies gilt nicht, wenn
die Beweismittel eine nicht erhebliche Tatsache betreffen, wenn sie offensichtlich
untauglich sind, über die streitige Tatsache Beweis zu erbringen, oder wenn die
Entscheidbehörde ihre Überzeugung aufgrund bereits abgenommener Beweise schon
willkürfrei hat bilden können.10 Vorliegend konnte die Beschwerde ohne die beantragte
Verhandlung beurteilt werden. Auf das Durchführen einer solchen Verhandlung konnte
daher verzichtet werden, da von diesem Beweismittel keine neuen relevanten Erkenntnisse
zu erwarten waren.
9 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1). 10 BGE 124 I 242 E. 2, 285 E. 5; BGE 122 II 464 E. 4.
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4. Einpassung in die Umgebung
a) Die Beschwerdeführerin anerkennt, dass die Beschwerdegegnerin im Rahmen des
neuen Bauvorhabens diverse Vorkehrungen im Sinne einer Einpassung ins Dorfensemble
getroffen hat, indem sie die Fassadengestaltung und den Bezug zum L._platz
verbesserte sowie das Volumen des Baukörpers reduzierte und dessen Stellung leicht
abänderte. Sie rügt aber, das Vorhaben wirke noch immer viel "zu feiss" und viel zu
dominant. Zwar habe man auf das Attikageschoss mit einer Höhe von rund 3 m verzichtet,
die Gesamthöhe sei jedoch nur um rund 1.5 m reduziert worden. Dadurch habe sich die
"kolossale" Dimension des Vorhabens gegenüber dem ursprünglichen Projekt eher noch
verstärkt. Von der unteren Hälfte des L._platzes werde der Blick auf den nahen
F._, der eines der wesentlichen Charakteristika des Platzes sei, nach wie vor
zugemauert. Das Objekt überpräge aufgrund seines grossen Volumens sowie seiner
Massstäblichkeit und Körnigkeit das L._platzensemble und wirke auf dieses sehr
störend. Es füge sich nicht in die Umgebung ein.
b) Bauten, Anlagen, Reklamen, Anschriften und Bemalungen dürfen Landschaften,
Orts- und Strassenbilder nicht beeinträchtigen (Art. 9 Abs. 1 BauG). Schutzobjekt des
Ortsbild- und Landschaftsschutzes ist der Aussenraum, soweit er von einem allgemein
begangenen Standort aus als Einheit wirkt und als solcher erfassbar ist. Eine
Beeinträchtigung liegt vor, wenn ein Bauvorhaben einen Gegensatz zur bestehenden
Überbauung schafft, der erheblich stört. Die Gemeinden dürfen eigene Ästhetikvorschriften
erlassen, die über die kantonalen Vorschriften hinausgehen können. Derartige Vorschriften
müssen, um selbständige Bedeutung zu erlangen, konkreter gefasst sein als die
Anordnungen des kantonalen Rechts, sie dürfen Letztere nicht bloss allgemein anders
formulieren.11
Von dieser Möglichkeit hat die Gemeinde Steffisburg in ihrem Baureglement in Bezug auf
die hier betroffene Kernergänzungszone Gebrauch gemacht: Gemäss Art. 48 Abs. 2 GBR
sind "Bauten und Anlagen in der ZPP Kernergänzungszone massstäblich und strukturell
auf die Wirkung der angrenzenden Gebiete abzustimmen". Absatz 4 dieser Bestimmung
verlangt das "Sicherstellen einer guten Einpassung der zukünftigen Nachverdichtung in das
11 Zaugg/Ludwig, a.a.O, Art. 9/10 N. 4 und 13; BVR 2009 S. 328 E. 5.2 mit Hinweisen.
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qualitätvolle und entsprechend empfindliche Ortsbild". Diese Bestimmung geht weiter als
die ästhetische Generalklausel von Art. 9 Abs. 1 BauG; ihr kommt daher selbständige
Bedeutung zu.
Der Gemeinde kommt bei der Anwendung dieser Rechtsnormen ein gewisser
Beurteilungsspielraum zu. Wird die Anwendung einer von der Gemeinde erlassenen
Bestimmung Gegenstand eines Beschwerdeverfahrens, haben die Rechtsmittelinstanzen
zu prüfen, ob die von der Gemeinde geltend gemachte Auslegung rechtlich haltbar ist. Sie
auferlegen sich bei der Auslegung von unbestimmten Rechtsbegriffen in eigenständigen
kommunalen Vorschriften eine gewisse Zurückhaltung gegenüber der Auffassung der
Gemeinde.12
c) Geplant ist ein Flachdachbau mit drei Vollgeschossen. Das Gebäude weist gemäss
den von der Vorinstanz bewilligten Plänen eine Länge von 30.25 m sowie eine Breite von
13.75 m auf. Die Einstellhalleneinfahrt befindet sich auf der Südseite des Bauvorhabens,
der Gebäudezugang liegt an der nördlichen Längsseite hausmittig. An der südlichen
Längsseite sind Balkone vorgesehen. Das Erdgeschoss enthält im dorfzugewandten Teil
eine Büronutzung, sonst ist überall eine Wohnnutzung vorgesehen.
Das Bauvolumen wurde nach den Angaben der Beschwerdegegnerin gegenüber dem
ursprünglichen Projekt aus dem Jahr 2012 um 444 m2 Bruttogeschossfläche reduziert. Die
Gebäudelänge und -breite wurden herabgesetzt und auf die Erstellung eines
Attikageschosses wurde verzichtet, was zu einer Reduktion der Gesamthöhe um 1.5 m
führte. Der Baukörper wurde im neuen Projekt leicht abgedreht. Die Fassade wird neu mit
einer vertikalen, vorvergrauten Holzverschalung im Farbton Braun-Grau und mit einem
Betonsockel ausgeführt.13
Der Standort des Bauvorhabens liegt in der Kernergänzungszone KE und grenzt
unmittelbar an die Kernschutzzone KS, in welcher sich der alte L._platz befindet.
Diese beiden Zonen, welche als Zonen mit Planungspflicht (ZPP) gelten (Art. 48 Abs. 1
GBR), werden im Gebiet des Bauvorhabens einzig durch die an die Bauparzelle
angrenzende Erschliessungsstrasse (G._gasse) getrennt. Gemäss kantonalem
12 VGE 22887 vom 21.08.2007, E. 4.3, mit Hinweisen. 13 Vgl. Plan "Fassaden/Schnitte" vom 19.06.2015, mit Genehmigungsstempel der Gemeinde vom 29.01.2016 sowie Plan des Vorprojektes II "Herleitung Fassade" vom 24.10.2014.
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Bauinventar ist die Parzelle der Baugruppe M._ zugeteilt. Im näheren Umfeld in
der Kernergänzungszone befinden sich drei erhaltenswerte Baudenkmäler. Bei den
angrenzenden Bauten in der Kernschutzzone, welche den alten L._platz
umsäumen, handelt es sich mehrheitlich ebenfalls um erhaltenswerte oder schützenswerte
Baudenkmäler.
d) In ihren Beurteilungen zum ursprünglichen Bauvorhaben aus dem Jahr 2012 kam die
OLK zum Schluss, das Bauvorhaben überpräge aufgrund seines Volumens die fein
gegliederte Struktur des umliegenden Ortsbildes und beeinträchtige das Dorfbildensemble
negativ. Ein Hauptkritikpunkt der OLK am damaligen Bauprojekt war die Grösse des
Bauvorhabens und die daraus resultierende dominierende Wirkung der Baute in der
Umgebung.
Nach einer Überarbeitung des ursprünglichen Bauvorhabens reichte die
Beschwerdegegnerin im Jahr 2014 eine Bauvoranfrage für ein neues Bauprojekt bei der
Gemeinde Steffisburg ein. Im Rahmen dieser Bauvoranfrage hat die OLK das Vorhaben
zweimal beurteilt. In ihrer ersten Stellungnahme vom 28. August 2014 äusserte sich die
OLK wie folgt zum Bauvorhaben: Die Bauherrschaft habe mit den vorliegenden
Änderungen versucht, die von der OLK im Rahmen des ursprünglichen Bauprojekts aus
dem Jahr 2012 aufgeführten kritischen Punkte zu bereinigen. Verbesserungen hinsichtlich
der Gesamtsituation würden insbesondere durch die Fassadengestaltung, welche die
Baumaterialien des Umfeldes aufnehme, die Reduktion des Bauvolumens, den Verzicht
auf das Attikageschoss sowie die veränderte Stellung in Bezug zum Gebäude
G._gasse erreicht. Noch nicht befriedigend seien der Anschluss an die
G._gasse und die nähere Ausgestaltung entlang des Dorfbaches. Durch die
Absenkung verliere das Gebäude den Bezug zum Zentrum und zur G._gasse. Die
Parkplätze bildeten eine zusätzliche Barriere. Die Zugänge und die Ein- und Ausfahrten
seien weitere platztrennende Elemente, welche die Eingliederung ins Zentrum
erschwerten. Störend auf das Umfeld wirkten sich ebenfalls die auskragenden Balkone
aus.
Im Anschluss daran passte die Beschwerdegegnerin das Projekt erneut an und reichte bei
der OLK das überarbeitete Vorprojekt ein.14 Die OLK hielt im Bericht vom 1. Dezember
14 Vgl. Projektbeschrieb Vorprojekt vom 24.10.2014, Vorakten, Ordner Voranfrage, pag. 21 f.
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2014 fest, die Bauherrschaft habe mit einer sorgfältigen Studie sowohl die
Fassadenausbildung wie auch die Fassadenstrukturen im Zentrum von Steffisburg geprüft
und entsprechend für den Neubau abgeleitet. Mit der Aufhebung der Absenkung werde der
Bezug zum öffentlichen Raum verbessert. Die Fassade in Holz mit dem Betonsockel sei
aus der Umsetzung der Analyse entstanden. Sie habe keine weiteren Anregungen zum
Vorprojekt.
Da die Beschwerdegegnerin im Rahmen des Baugesuches noch einmal gewisse
Änderungen am Bauprojekt vornahm und die Baugesuchspläne im Vergleich zum
Voranfrageprojekt leicht anpasste (insbesondere durch die Erhöhung des Gebäudes im
Bereich des Dachrandes um 10 cm)15, liess das Rechtsamt der BVE die OLK noch einmal
zum Vorhaben Stellung nehmen. Die OLK charakterisiert das Baugrundstück sowie die
Umgebung in ihrem Bericht vom 20. Juni 2016 mit Verweis auf ihre Stellungnahme vom
18. Februar 2013 wie folgt: Das Vorhaben liege in der Kernergänzungszone im
Dorfzentrum von Steffisburg. Die Kernergänzungszone umfasse die an die
schützenswerten Teile des Ortskerns im Oberdorf angrenzenden Gebiete und den
zentralen Teil des Unterdorfes. Das Oberdorf von Steffisburg sei als Strassendorf
gewachsen. Der L._platz stelle einen Subraum dar, um welchen sich die Gebäude
giebelständig angeordnet haben. Diese Anordnung präge auch die G._gasse mit
seinem radialen Bezug zum L._platz. Die Kernzone weise einen hohen Grad der
Einheit auf. Die mehrheitlich geschützten oder erhaltenswerten Bauten seien allesamt
intakt und gut erhalten. Der enge Bezug der schmalen Satteldachgebäude zum
Strassenraum und L._platz zeichne den Ort aus und unterstreiche den dörflichen,
wie sozialen Bezug von Nutzung und Raum. Abgegrenzt durch den Dorfbach reiche die
schöne intakte obstbaumbestückte Geländekammer unmittelbar an die zu überbauende
Parzelle hin. Das Umfeld der Bauparzelle sei in jeder Beziehung von ausserordentlicher
Qualität und stelle für Steffisburg ein zentrales und wichtiges Kulturgut dar. Zwei
Ausnahmen würden die hohe Qualität trüben. Das Mehrfamilienhaus auf der Parzelle
Nr. I._ und das WC-Gebäude im Dorfzentrum, welche in dem intakten Dorfbild
einen Fremdkörper darstellen würden.
Zur Einordnung des Bauvorhabens in das umliegende Ortsbild und zur Frage, welche
Veränderungen im Vergleich zum ursprünglichen Bauprojekt aus dem Jahr 2012 für die
15 Vgl. Plan "Grundrisse/Umgebung" vom 19.06.2015, mit Genehmigungsstempel der Gemeinde vom 29.01.2016.
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positive Beurteilung des vorliegenden Vorhabens massgebend seien, führt die OLK
Folgendes aus: Die Beschwerdegegnerin sei in mehreren Schritten auf die Anliegen der
OLK eingegangen. Die sorgfältige Studie bezüglich Volumetrie, Fassadengestaltung und
Fassadenstrukturierung hätten im Neubau, welcher in einer Holzverkleidung ausgeführt
werde, Anwendung gefunden. Das neue Gebäude mit der schlichten Holzfassade, das
giebelständig zur G._gasse angeordnet sei, stärke das Zentrum von Steffisburg
insbesondere durch das räumliche Fassen am zentrumsbildenden Radius, durch das
Schliessen einer Lücke und durch das Abdecken des Mehrfamilienhauses auf der Parzelle
Nr. I._. Die Erhöhung des Gebäudes um 10 cm sei für das Orts- und
Landschaftsbild in Anbetracht des fallenden Geländes nicht ausschlaggebend und könne
vernachlässigt werden.
e) Vorab ist festzuhalten, dass das Bauvorhaben die Vorgaben zum Mass der
zulässigen Nutzung in der ZPP Kernergänzungszone gemäss Art. 48 Abs. 4 GBR (kleiner
Grenzabstand 3 m, grosser Grenzabstand 6 m, Gebäudelänge 35 m, Geschosszahl 3)
einhält. Dies wird von der Beschwerdeführerin auch nicht bestritten. Da Art. 48 GBR zur
ZPP Kernergänzungszone nicht nur ein Mass der Nutzung vorsieht, sondern zusätzlich
ausdrücklich verlangt, dass Bauten und Anlagen in dieser Zone massstäblich und
strukturell auf die Wirkung der angrenzenden Gebiete abzustimmen sind (Art. 48 Abs. 2
GBR), sind die Dimension des Bauvorhaben sowie dessen massstäbliche Einordnung
jedoch auch dann zu prüfen, wenn die baupolizeilichen Vorgaben gemäss Art. 48 Abs. 4
GBR wie im vorliegenden Fall eingehalten sind.16
Wie die OLK in ihrer Stellungnahme vom 28. August 2014 und ihrem Bericht vom 20. Juni
2016 in nachvollziehbarer Weise ausführt, werden durch die Fassadengestaltung, die
Reduktion des Bauvolumens, der Verzicht auf das Attikageschoss sowie die veränderte
Stellung des Baukörpers in Bezug zum Gebäude auf der Parzelle Steffisburg
Grundbuchblatt Nr. I._ deutliche Verbesserungen hinsichtlich der Gesamtsituation
erreicht. Durch den Verzicht auf das Attikageschoss wird die Gebäudehöhe im Vergleich
zum ersten, im Jahr 2013 abgelehnten Projekt um 1.5 m reduziert, wodurch das Gebäude
deutlich niedriger ist. Ohne Attikageschoss wirkt das Mehrfamilienhaus auch in optischer
Hinsicht bescheidener als das im Jahr 2013 abgelehnte Projekt. Die neue Volumetrie
bewirkt, dass das Vorhaben nicht mehr zu dominant in Erscheinung tritt und sich vom
16 Vgl. Entscheid der BVE vom 4. Juni 2013 zum ersten Projekt, (RA Nr. 110/2012/170), E. 3g.
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Umfang her und hinsichtlich der Höhe der vorherrschenden Baustruktur in der
unmittelbaren Umgebung anpasst. Das Bauvorhaben steht hinsichtlich seines Volumens
nicht mehr in Konkurrenz zu den bestehenden Nachbarbauten, sondern vermag eine
Lücke am zentrumsbildenden Radius des Dorfkerns zu schliessen. Ebenfalls positiv zu
beurteilen ist der Aspekt, dass das geplante Bauvorhaben das Mehrfamilienhaus auf der
Parzelle Steffisburg Grundbuchblatt Nr. I._, welches gemäss dem OLK-Bericht
vom 18. Februar 2013 einen Fremdkörper im Dorfbild darstellt, abdeckt. Das Projekt nutzt
mit seinen Dimensionen die baupolizeilichen Vorgaben von Art. 48 Abs. 4 GBR im
Vergleich zum ursprünglichen Vorhaben aus dem Jahr 2012 nicht mehr voll aus, zumal die
Gebäudelänge um 4.75 m auf 30.25 m reduziert wurde.
Bezüglich der Fassadengestaltung und -strukturierung hat die Beschwerdegegnerin im
Rahmen des Vorprojektes eine umfassende Studie zum Kontext der Fassaden erarbeitet
und für die Fassade schliesslich eine vertikale, vorgegraute Holzverschalung im Farbton
Braun-Grau mit einem Betonsockel definiert.17 Dass die Fassade aus der Umsetzung der
Analyse der Fassaden in der Umgebung entstanden ist, wird von der OLK positiv beurteilt.
Aus Sicht der OLK nimmt die Fassadengestaltung die Baumaterialien des Umfeldes auf
und ist mit der Umgebung abgestimmt. Diese fachliche Einschätzung der OLK ist
überzeugend und nachvollziehbar, weshalb die BVE keinen Grund sieht, davon
abzuweichen. Die Fassadengestaltung hat einen funktionalen Bezug zum L._platz
und passt sich an die feingliedrige Fassadenstruktur der umliegenden Häuser an. Die
Fensterflächen wurden reduziert und die Fassadenöffnungen in der horizontalen und
vertikalen Fassadenebene sind in regelmässigen Abständen angeordnet worden. Durch
die Reduktion der Fensterflächen ist der Gegensatz zu den umliegenden Häusern, die
allesamt kleine Fensterflächen aufweisen, weggefallen. Die vorhandenen
Fensterstrukturen wurden im vorliegenden Bauprojekt aufgenommen und zeitgemäss
umgesetzt. Die Balkone wurden im Vergleich zum ersten Vorprojekt in der Tiefe von 2.50
m auf 2.25 m reduziert. Sie weisen die gleiche Holzverschalung auf wie die Hauptfassade
und integrieren sich damit gut in das Fassadenbild; im Rahmen der zweiten Stellungnahme
vom 1. Dezember 2014 sowie im Fachbericht vom 20. Juni 2016 hat die OLK die
Ausgestaltung der Balkone denn auch nicht mehr kritisiert. Ebenfalls positiv zu beurteilen
ist das leichte Anheben des Gebäudesockels. Dadurch wird der in der OLK-Stellungnahme
vom 28. August 2014 vorgebrachten Kritik der Absenkung, durch die das Gebäude den
17 Vgl. Pläne des Vorprojektes II "Kontext Fassaden" und "Herleitung Fassade" vom 24.10.2014 sowie Projektbeschrieb Vorprojekt vom 24.10.2014 (Vorakten, Ordner Voranfrage, pag. 21 f).
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Bezug zum Zentrum und zur G._gasse verliere, Rechnung getragen. Gemäss der
zweiten Stellungnahme der OLK vom 1. Dezember 2014 werde durch die Aufhebung der
Absenkung der Bezug zum öffentlichen Raum verbessert.18
Des Weiteren hat die Beschwerdegegnerin die Stellung des Baukörpers überarbeitet, da
die OLK beim ursprünglichen Vorhaben die Parallelität des geplanten Mehrfamilienhauses
zum Gebäude auf der Parzelle Steffisburg Grundbuchblatt Nr. I._ kritisiert hat. Im
vorliegenden Projekt wurde der Baukörper leicht abgedreht und dadurch diese Parallelität
gebrochen. Der Ansicht der OLK, wonach die veränderte Stellung des Gebäudes in Bezug
zur Liegenschaft G._gasse zu einer Verbesserung der Gesamtsituation beiträgt,
ist beizupflichten. Durch die angepasste Stellung des Bauvorhabens orientiert sich dieses
nun mehr zur Mitte des L._platzes hin und ordnet sich besser in den bestehenden
Kontext ein.
Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin hat die Beschwerdegegnerin nach der
von der OLK mit Stellungnahme vom 28. August 2014 vorgebrachten Kritik zur näheren
Ausgestaltung entlang des Dorfbaches die Umgebungsgestaltung in diesem Bereich
angepasst und präzisiert.19 Die entsprechenden Änderungen waren der OLK bekannt und
sind als Beurteilungsgrundlage in ihre beiden Fachberichte vom 1. Dezember 2014 und
20. Juni 2016 eingeflossen. Im Bericht vom 1. Dezember 2014 hielt die OLK abschliessend
fest, sie habe keine weiteren Anregungen zum Vorprojekt. Damit hat sie implizit zum
Ausdruck gemacht, dass die Ausgestaltung entlang des Dorfbaches in ästhetischer
Hinsicht zu keinen weiteren Bemerkungen Anlass gibt und somit auch nicht zu
beanstanden ist. Es ist weder erkennbar noch wird es von der Beschwerdeführerin näher
begründet, wieso die Umgebungsgestaltung im Bereich des Dorfbaches aus ästhetischer
Sicht zu bemängeln sein sollte.
f) Insgesamt ist der Fachmeinung der OLK, wonach sich das Bauvorhaben in die
qualitätsvolle Umgebung einpasst und somit nicht gegen die anwendbaren
Ästhetikbestimmungen der ZPP Kernergänzungszone verstösst, zu folgen. Die BVE sieht
keine Veranlassung, diese Beurteilung in Zweifel zu ziehen und von der Beurteilung der
kantonalen Fachkommission für Ortsbildschutzfragen abzuweichen. Entgegen der Ansicht
18 Vgl. Plan "Fassaden/Schnitte" vom 19.06.2015, mit Genehmigungsstempel der Gemeinde vom 29.01.2016. 19 Vgl. Plan "Grundrisse/Umgebung vom 19.06.2015, mit Genehmigungsstempel der Gemeinde vom 29.01.2016.
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der Beschwerdeführerin hat sich die OLK intensiv und umfassend mit dem Projekt
auseinandergesetzt und nachvollziehbar aufgezeigt, worin sie die massgebenden
Verbesserungen im Vergleich zum ersten Projekt aus dem Jahr 2013 sieht und weshalb
das Vorhaben ästhetisch nicht mehr zu beanstanden ist. Auf das Einholen einer
Stellungnahme einer weiteren Fachperson – wie dies die Beschwerdeführerin in ihren
Schlussbemerkungen vom 19. Juli 2016 verlangt – kann daher verzichtet werden. Die
Beschwerde ist in diesem Punkt abzuweisen.
5. Zulässigkeit des Verzichts auf die Überbauungsordnung
a) Die Beschwerdeführerin rügt, die Erstellung von Neubauten in der ZPP
Kernergänzungszone sei nur aufgrund einer Überbauungsordnung gestattet. Entgegen der
Ansicht des Gemeinderats seien hier nicht sämtliche Bedingungen für den Verzicht auf den
Erlass einer Überbauungsordnung gegeben. Das Bauvorhaben passe sich einerseits nicht
in die Umgebung der Bauparzelle ein. Andererseits könne nicht von einem einzelnen
Gebäude im Sinne von Art. 48 GBR ausgegangen werden, da dem vorliegenden Projekt
weitere Vorhaben im Perimeter der ZPP folgen würden. Somit habe der Gemeinderat mit
seinem Verzicht auf den Erlass einer Überbauungsordnung Art. 48 GBR verletzt und eine
Ermessensüberschreitung begangen.
b) Das Bauen in einer ZPP setzt grundsätzlich eine rechtskräftige Überbauungsordnung
voraus. Wenn aber die Festlegungen der Grundordnung und gegebenenfalls die Richtlinien
eingehalten werden, kann die Gemeindebehörde vor dem Erlass einer
Überbauungsordnung der Bewilligung eines einzelnen Vorhabens zustimmen (Art. 93
Abs. 1 Bst. a BauG). Art. 48 Abs. 3 GBR präzisiert diese Bestimmung. Danach kann der
Gemeinderat für die Erstellung einer Neubaute in der Kernschutz- und
Kernergänzungszone auf den Erlass einer Überbauungsordnung verzichten, wenn das
Bauvorhaben die Einpassung in die Umgebung – allenfalls mit entsprechenden
Bedingungen und Auflagen – gewährleistet und es sich um ein einzelnes Gebäude handelt.
c) Wie die vorangehende Erwägung zeigt (E. 4), passt sich das Bauvorhaben gut in die
qualitätsvolle Umgebung ein und steht damit im Einklang mit den anwendbaren
Ästhetikbestimmungen. Es bleibt damit zu prüfen, ob auch die zweite Voraussetzung für
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einen Verzicht auf eine Überbauungsordnung erfüllt ist, wonach es sich um ein einzelnes
Gebäude handeln muss.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, ein Verzicht auf eine Überbauungsordnung sei
nicht möglich, da der Gemeinderat neben dem strittigen Bauvorhaben ein weiteres
Bauprojekt zur L._platzgestaltung plane und mit dem geplanten Umbau der
Liegenschaft an der H._strasse ein weiteres Gebäude des
L._platzensembles in naher Zukunft baulich verändert werde. Vor diesem
Hintergrund könne nicht von einem einzelnen Gebäude im Sinne von Art. 48 GBR
ausgegangen werden. Dem vorliegenden Projekt würden weitere Vorhaben im Perimeter
der ZPP folgen. Die Beschwerdegegnerin dagegen führt aus, der Gemeinderat habe sich
deswegen für den Verzicht auf eine Überbauungsordnung entschieden, weil weitergehende
gestalterische Festlegungen auf der Nutzungsplanstufe für diese einzelne Baulücke abseits
des eigentlichen L._platzes nicht sinnvoll seien. Aufgrund der Parzellenform und -
grösse mache auch die Festlegung von Baufeldern keinen Sinn. Städtebaulich
zweckmässiger sei an dieser Stelle vielmehr eine eng von der OLK begleitete
Projektentwicklung im Baubewilligungsverfahren. Diesen Fall visiere Art. 48 Abs. 3 GBR
an. Der Verzicht auf den Erlass einer Überbauungsordnung sei daher sachlich begründet.
Mit dem umstrittenen Bauvorhaben wird eine einzelne Baulücke in der
Kernergänzungszone geschlossen. Die Bauparzelle grenzt zwar an den alten
L._platz an, dieser befindet sich aber – wie auch die Liegenschaft an der
H._strasse – nicht in der Kernergänzungszone, sondern in der der
Kernschutzzone. Weder die Entwicklung des eigentlichen L._platzes noch ein
allfällig geplanter Umbau der Liegenschaft an der H._strasse stehen in direktem
Zusammenhang mit dem vorliegenden Bauvorhaben. Wie die Beschwerdegegnerin in ihrer
Beschwerdeantwort vom 28. April 2016 richtig ausführt, bleibt die Entwicklung des
eigentlichen L._platzes unabhängig vom vorliegenden Bauvorhaben Aufgabe der
Gemeinde; die künftige Gestaltung des eigentlichen L._platzes wird durch dieses
Bauvorhaben nicht präjudiziert. Die Ansicht der Gemeinde, es handle sich vorliegend um
ein einzelnes Gebäude im Sinne von Art. 48 Abs. 3 GBR, ist daher sachgerecht.
Insgesamt sind damit die Voraussetzungen von Art. 93 Abs. 1 Bst. a BauG und Art. 48
Abs. 3 GBR erfüllt. Der Entscheid der Gemeinde, vorliegend auf den Erlass einer
Überbauungsordnung zu verzichten, ist nicht zu beanstanden.
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6. Bewilligung nach Art. 41c GschV
a) Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Gemeinde habe zu Unrecht eine
Ausnahmebewilligung nach Art. 41c Abs. 1 GschV für das Bauen im Gewässerraum erteilt,
da das Baugrundstück nicht in einem "dicht überbauten Gebiet" liege und einer
Ausnahmebewilligung überwiegende öffentliche Interessen entgegenstünden.
b) Nach den unbestrittenen Ausführungen des TBA OIK I im Amtsbericht
Wasserbaupolizei vom 11. August 201520 bemisst sich der Gewässerraum vorliegend
gestützt auf die Übergangsbestimmungen der GschV zur Änderung vom 4. Mai 2011 und
beträgt im Bereich des Vorhabens 9 m auf einem beidseitigen Streifen entlang des
Dorfbachs ab Mittelwasserlinie. Das Bauvorhaben befindet sich damit teilweise innerhalb
des nach Bundesrecht geschützten Gewässerraums von 9 m. Die zulässige Nutzung des
Gewässerraums richtet sich nach Art. 41c Abs. 1 GschV. Nach dieser Bestimmung dürfen
im Gewässerraum nur standortgebundene, im öffentlichen Interesse liegende Anlagen wie
Fuss- und Wanderwege, Flusskraftwerke oder Brücken erstellt werden. In dicht überbauten
Gebieten kann die Behörde für zonenkonforme Anlagen Ausnahmen für das Bauen im
Gewässerraum bewilligen, soweit keine überwiegenden Interessen entgegenstehen
(Art. 41c Abs. 1 Bst. a GschV). Sinn und Zweck der Ausnahmeregelung im "dicht
überbauten Gebiet" ist, dass Siedlungsgebiete verdichtet und Baulücken genutzt werden
können, sofern das Interesse an der Nutzung überwiegt. Es soll dort eine Ausnahme von
den Mindestbreiten ermöglicht werden, wo der Gewässerraum die natürlichen Funktionen
auch auf lange Sicht nicht erfüllen kann. Ob ein Gebiet dicht überbaut ist, entscheidet im
Kanton Bern das AGR (Art. 5b Abs. 3 WBG21). Die Prüfung, ob der Erteilung einer
Ausnahmebewilligung überwiegende Interessen entgegenstehen, hat dagegen die
Baubewilligungsbehörde als Leitbehörde vorzunehmen. Sie hat abzuwägen zwischen den
Interessen der Baugesuchsteller am Bauvorhaben und den öffentlichen Interessen an der
Freihaltung des Gewässerraums von Bauten und Anlagen.
20 Vorakten, Ordner Baugesuch, pag. 137 ff. 21 Gesetz vom 14. Februar 1989 über Gewässerunterhalt und Wasserbau (Wasserbaugesetz, WBG; BSG 751.11).
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c) Gemäss Art. 48 Abs. 2 GBR sind in der Kernergänzungszone KE Wohnungen, Büros
und Gewerbebetriebe zugelassen. Das geplante Mehrfamilienhaus ist in der KE damit
zweifelsohne zonenkonform. Der pauschale Einwand der Beschwerdeführerin, die
Zonenkonformität könne erst in Anwendung von Art. 48 GBR in Abstimmung mit der
betroffenen Umgebung des alten L._platzes gefunden werden, ist nicht
nachvollziehbar.
d) Das Bauvorhaben fällt unbestrittenermassen nicht unter die Anlagen, die im
Gewässerraum standortgebunden sind. Das AGR hat in seinem Amtsbericht vom 8.
September 201522 festgehalten, dass in einem erweiterten Betrachtungsperimeter nördlich
und südlich des Dorfbaches bereits diverse Bauten und Anlagen innerhalb des
Gewässerraums liegen würden. Mit dem geplanten Bauvorhaben werde eine Baulücke
innerhalb der Kernzone geschlossen. Es handle sich somit um ein dicht überbautes Gebiet
gemäss Art. 41c GschV.
Der Begriff des "dicht überbauten Gebietes" wird sowohl im Planungsrecht bei der
Festlegung des Gewässerraums nach Art. 41a Abs. 4 GschV, wie auch bei der
Ausnahmeregelung zum Bauen im Gewässerraum verwendet (Art. 41c Abs. 1 Bst. a
GSchV). Es handelt sich dabei um einen Rechtsbegriff, der mit Blick auf die Thematik des
Gewässerraums neu geschaffen wurde und der bundesweit einheitlich auszulegen ist.23
Das Bundesgericht hielt in zwei Leitentscheiden fest, die planerische Anpassung des
Gewässerraums oder eine Ausnahmebewilligung solle vor allem in dicht überbauten
städtischen Quartieren oder Dorfzentren zugelassen werden, die von Flüssen durchquert
werden. In solchen Gebieten soll es möglich sein, Siedlungen zu verdichten und Baulücken
zu schliessen. Der bundesrechtliche Begriff des "dicht überbauten Gebietes" belässt den
Kantonen einen gewissen Spielraum bei der Umsetzung innerhalb des
Siedlungsgebietes.24
Bei der Parzelle Steffisburg Grundbuchblatt Nr. D._ handelt es sich um eine
einzelne nicht überbaute Parzelle, die allseitig von überbautem Land umgeben ist und eine
relativ geringe Fläche von 1'332 m2 aufweist. Sie stellt somit eine Baulücke dar, auch wenn
22 Vorakten, Ordner Baugesuch, pag. 129 f. 23 BGE 140 II 428 E. 3.1 und E. 7. 24 Gewässerraum und Siedlungsgebiet, Merkblatt vom 18. Januar 2013 zur Anwendung des Begriffs "dicht überbaute Gebiete" der Gewässerschutzverordnung. Erarbeitet von den Bundesämtern für Raumentwicklung (ARE) und Umwelt (BAFU) in Zusammenarbeit mit den Kantonen.
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diese in östlicher Richtung nur durch die Parzellen Steffisburg Grundbuchblatt Nrn.
J._ und K._ von der Landwirtschaftszone getrennt ist. Eine
Gesamtbetrachtung mit Blick auf die bestehende Baustruktur des umliegenden
Gemeindegebiets zeigt, dass die Umgebung des Bauvorhabens von einer kompakten
Bauweise geprägt ist. Entlang des Dorfbaches befinden sich bereits diverse Bauten und
Anlagen. Das AGR ist damit zu Recht zum Schluss gekommen, dass sich das
Baugrundstück in einem dicht überbauten Gebiet im Sinne von Art. 41c GschV befindet.
e) Überwiegende Interessen, die dem Bauvorhaben entgegenstehen könnten, sind nicht
ersichtlich und werden auch nicht begründet geltend gemacht. Der generelle Einwand der
Beschwerdeführerin, ein überwiegendes öffentliches Interesse werde bereits dadurch
begründet, dass sich die Kernergänzungszone in einer Zone mit Planungspflicht befindet,
überzeugt nicht; allein daraus kann noch kein dem Bauvorhaben entgegenstehendes
Interesse abgeleitet werden. Es ist nicht erkennbar, dass vorliegend ein überwiegendes
öffentliches Interesse an der Freihaltung des Gewässerraums bestehen würde. Das
geplante Mehrfamilienhaus hält den geforderten Abstand von 9 m ab Mittelwasserlinie
zudem nur in der nordöstlichen Ecke und entlang eines kleinen Teils der anschliessenden
Ostfassade nicht ein; auch dort liegt das geplante Gebäude nicht in unmittelbarer
Wassernähe, sondern ist gut 7 m von der Mittelwasserlinie des Dorfbachs entfernt. Auf der
anderen Seite besteht nicht nur ein privates Interesse der Beschwerdegegnerin an der
Realisierung des Bauvorhabens, sondern aus raumplanerischer Sicht auch ein gewichtiges
öffentliches Interesse an der Schliessung dieser Baulücke. Insgesamt hat die Vorinstanz
die Ausnahmebewilligung zu Recht erteilt.
7. Gefahrengebiet
a) Die Beschwerdeführerin rügt weiter, das umstrittene Bauvorhaben liege in der blauen
Gefahrenzone. Es bestehe das Risiko, dass aufgrund des Bauvorhabens
Oberflächenwasserschäden an ihrer Liegenschaft entstehen könnten. Das Bauvorhaben
erhöhe zudem aufgrund der Sockelbildung und der Bachböschungserhöhung auf der
östlichen Seite das Überschwemmungsrisiko zusätzlich.
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b) Das umstrittene Bauvorhaben befindet sich gemäss dem Zonenplan Naturgefahren
der Gemeinde Steffisburg vom August 201025 teilweise in einem Gefahrengebiet mit
mittlerer Gefährdung (blaues Gefahrengebiet). Nach Art. 6 Abs. 2 BauG dürfen Bauten und
Anlagen in Gefahrengebieten mit mittlerer Gefährdung (blaue Gefahrengebiete) nur
bewilligt werden, wenn mit Massnahmen zur Gefahrenbehebung sichergestellt ist, dass
Menschen, Tiere und erhebliche Sachwerte nicht gefährdet sind. Dem Grundeigentümer
bleibt der Nachweis offen, dass die Gefährdung des Baugrundstücks und des Zugangs
durch sichernde Massnahmen behoben ist (Art. 6 Abs. 6 BauG).
c) In seinem Fachbericht Naturgefahren vom 11. August 2015 führte das TBA OIK I
aus, die Gefährdung entstehe durch den Dorfbach, welcher im Bereich des Dorfzentrums
über die Ufer treten und das Areal überfluten könne. Das TBA OIK I kommt in seinem
Fachbericht zum Schluss, dass der Gefährdung mit baulichen und gestalterischen
Massnahmen wirksam entgegengewirkt werden kann. Die entsprechenden Auflagen bilden
integrierenden Bestandteil des Gesamtbauentscheides. Die Ausführungen des TBA OIK I
sind nachvollziehbar und nicht zu beanstanden. Dass die Ostseite des Dorfbachs bzw. das
Grundstück der Beschwerdeführerin aufgrund des umstrittenen Bauvorhabens einer
erhöhten Gefahr durch Überschwemmungen ausgesetzt wäre, wird vom TBA OIK I in
seinem Fachbericht Naturgefahren weder festgestellt noch von der Beschwerdeführerin
näher begründet. Die Beschwerde ist somit auch in diesem Punkt abzuweisen.
d) Soweit die Beschwerdeführerin mit ihrer Beschwerde Rechtsverwahrung wegen
allfälliger Oberflächenwasserschäden anmelden will, kommt sie damit zu spät, weshalb
darauf nicht eingetreten werden kann. Eine Rechtsverwahrung muss im
Baubewilligungsverfahren während der Einsprachefrist angemeldet werden. Im späteren
Verlauf des Baubewilligungsverfahrens sowie im Baubeschwerdeverfahren ist dies nicht
mehr möglich. Allerdings hat die Rechtsverwahrung ohnehin keine unmittelbare
Rechtswirkung, sie bezweckt lediglich die Orientierung über Privatrechte (vgl. Art. 32
BewD). Mittelbar kann die Unterlassung der Rechtsverwahrung den Verlust oder die
Herabsetzung von zivilrechtlichen Ansprüchen zur Folge haben, wenn die Bauherrschaft
nachzuweisen vermag, dass sie bei rechtzeitiger Kenntnis dem Einwand hätte Rechnung
tragen können.26 Da die Beschwerdegegnerin mit der Beschwerdeschrift Kenntnis von den
25 Einwohnergemeinde Steffisburg, Zonenplan Naturgefahren 1:6'000 vom August 2010, erstellt durch N._, zu finden auf der Homepage der Gemeinde. 26 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 35-35c N. 3.
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Einwänden der Beschwerdeführerin erhalten hat, greifen diese mittelbaren
Rechtswirkungen auch dann, wenn der Bauentscheid keinen förmlichen Hinweis auf die
Rechtsverwahrung enthält.
8. Kosten
a) Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr.
Für besondere Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren
erhoben werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Für Entscheide in einer Verwaltungsjustizsache
wird eine Pauschalgebühr von Fr. 200.00 bis Fr. 4'000.00 erhoben (Art. 19 Abs. 1 i.V.m.
Art. 4 Abs. 2 GebV27). Die Pauschale wird vorliegend festgelegt auf Fr. 1'600.00. Die
Kosten der OLK (Fr. 100.00 für den Bericht vom 20. Juni 2016 gemäss Rechnung vom
30. Juni 2016) werden gestützt auf Art. 11 GebV zusätzlich erhoben. Die Kosten des
Beschwerdeverfahrens betragen somit Fr. 1'700.00.
Die Verfahrenskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Bei
diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt die Beschwerdeführerin. Sie hat somit die
Verfahrenskosten von Fr. 1'700.00 zu tragen.
b) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG).
Die Beschwerdegegnerin ist mehrwertsteuerpflichtig28 und kann somit die von ihrem
Rechtsvertreter auf sie überwälzte Mehrwertsteuer in ihrer eigenen
Mehrwertsteuerabrechnung als Vorsteuer abziehen. Ihr fällt daher betreffend
Mehrwertsteuer kein Aufwand an und eine Abgeltung der Mehrwertsteuer käme einer mit
Art. 108 Abs. 3 i.V.m. Art. 104 Abs. 1 VRPG unvereinbaren Überentschädigung gleich. Die
27 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21). 28 Siehe Unternehmens-Identifikationsnummer-Register, einsehbar unter: <https://www.uid.admin.ch>.
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in der Kostennote des Rechtsvertreters der Beschwerdegegnerin aufgeführte
Mehrwertsteuer ist daher bei der Bestimmung des Parteikostenersatzes nicht zu
berücksichtigen.29
Ansonsten gibt die Kostennote des Anwaltes der Beschwerdegegnerin zu keinen
Bemerkungen Anlass. Die Beschwerdeführerin hat daher der Beschwerdegegnerin die
Parteikosten von Fr. 4'675.00 zu ersetzen.
c) Die Beschwerdeführerin beantragt, ihr sei für ihre zeitlichen und finanziellen
Aufwendungen eine pauschale Teilentschädigung von Fr. 3'500.00 zulasten der Gemeinde
zu entrichten. Die Beschwerdeführerin war weder anwaltlich vertreten (Art. 108 Abs. 1
VRPG), noch kann das Verfahren als aufwendig bezeichnet werden (Art. 108 Abs. 2
VRPG). Ohnehin hat sie als unterliegende Partei keinen Anspruch auf Parteikosten. Dieser
Antrag der Beschwerdeführerin ist daher abzuweisen.