# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 56adb6ff-08c2-45f7-bc51-4029f9251bef
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1970, Mutter von fünf Kindern, arbei
tete zuletzt von Januar bis Dezember 1995 in einem kleinen Pensum als Reini
gungshilfe bei der
Z._AG
. Seither war sie nicht mehr ausserhäuslich erwerbstätig (vgl. Urk.
16/
19; Urk.
16/
20 S. 4 Ziff. 5.5). Am 8. Juni 2011 meldete sie sich unter Hinweis auf ein somatoformes Syndrom
und
eine chronische Depression bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (vgl. Urk.
16/
20 S. 5 Ziff. 6.2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
(nachstehend: IV-Stelle)
, sprach
ihr
m
it Verfügung vom 17. April 2013
bei einem Gesamtinvaliditätsgrad von 70 % eine ganze Invalidenrente mit Wirkung ab November 2011 zu (Urk.
16/
46; Urk.
16/
53).
Mit Mitteilung vom 3. März 2014 (Urk.
16/
69) wurde der Anspruch auf die bis
herige Invalidenrente bestätigt.
D
ie IV-Stelle
holte sodann ein
polydisziplinäres Gutachten, welches am 24. November 2014 erstattet wurde (Urk.
16/
100)
, ein
. Mit Verfügung vom 8. August 2017
hob
die IV-Stelle die ursprüngliche rentenzusprechende Verfü
gung vom 17. April 2013 wiedererwägungsweise auf und stellte die bisher ausgerich
tete ganze Invalidenrente ein (Urk.
16/
135
)
.
Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das hi
esige Gericht mit Urteil vom 1.
April 2019 in dem Sinne gut, dass es die Verfügung aufhob und die Sache zu ergänzenden Abklärungen an die IV-Stelle zurückwies (Urk.
16/161).
1.2
Die IV-Stelle holte in der Folge ein polydisziplinäres Gutachten ein, das von
den Ärzten der MEDAS A._
am 2
1
. Mai 2020 erstattet wurde (Urk. 16/197). Der behandelnde Psychiater nahm am 27. Juni 2020 zum Gutachten Stellung (Urk. 16/200 = Urk.
16/201), wozu sich der Leiter und eine Teamleiterin des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) am 22. Juli 2020 äusserte
n
(Urk. 16/204).
Mit Vorbescheid vom 22. September 2020 stellte die IV-Stelle in Aussicht, einen Leistungsanspruch zu verneinen (Urk. 16/206), wogegen Einwände erhoben wurden (Urk. 16/21
2
, Urk. 16/216).
Mit Verfügung vom 14. Januar 2021 verneinte die IV-Stelle einen Leistungs
anspruch (Urk. 16/220 = Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am 15. Februar 2021 Beschwerde gegen die Verfügung vom 14. Januar 2021 (Urk.
2
) mit den Anträge
n
(Urk. 1 S.
2), diese sei aufzuheben (Ziff.
1), es seien weitere medizinische Beurteilungen im Sinne der Stellungnahme
d
es behandelnden Psychiaters und hernach eine erneute Begutachtung im Rahmen einer Oberbegutachtung vorzunehmen (Ziff. 2). Ferner sei die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen (Ziff. 3).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 24. März 2021 (Urk. 15) die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 29. März 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 17).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
G
emäss der mit
BGE 130 V 352
begründeten und seither stetig weiter entwickel
ten Rechtsprechung vermochten eine fachärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte somatoforme Schmerzstörung und vergleichbare psychosomatische Leiden (
BGE
140 V 8 E. 2.2.1.3, 142 V 342
) in der Regel keine lang dauernde, zu einer Invali
dität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invaliden
versicherung
(
IVG
)
führende Arbeitsunfähigkeit zu bewirken. Vielmehr bestand die Vermutung, dass solche Beschwerdebilder oder ihre Folgen mit einer zumut
baren Willensanstrengung überwindbar seien und nur bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, den Wieder
einstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machten, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorlag, entschied sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien (so gena
nnte «Foerster-Kriterien», vgl.
BGE 130 V 352, BGE 131 V 49 E. 1.2, je wiedergegeben BGE 139 V 547 E. 5 mit weiteren Hinweisen).
Mit BGE 141 V 281 hat das Bundesgericht die Überwindbarkeitsvermutung aufgegeben und das bisherige Regel-/Ausnahme-Modell durch einen struktu
rierten normativen Prüfungsraster ersetzt. In dessen Rahmen wird im Regelfall anhand von auf den funktionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen ergebnisoffen und symmetrisch beurteilt, indem gleichermassen den äusseren Belastungsfaktoren wie den vorhandenen Ressourcen Rechnung getragen wird (BGE 141 V 574 E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2).
An der Rechtsprechung zu Art. 7 Abs. 2
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSG
)
- ausschliessliche Berück
sichtigung der Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung und objektivierte Zumutbarkeitsprüfung bei materieller Beweislast der rentenansprechenden Person - hat sich dadurch nichts geändert. Im Grunde
konkretisieren die in BGE
141 V 281 E. 4 und E. 5 formulierten Beweisthemen und Vorgehensweisen für die Invaliditätsbemessung bei psychosomatischen Leiden die gesetz
geberischen Anordnungen nach Art. 7 Abs. 2 ATSG. Die Anerkennung eines renten
begründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
grundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und wider
spruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 142 V 106 E. 4.5; Urteil des Bundesgerichts 8C_676/2017 vom 28. Februar 2018 E. 6.3).
1.
2
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen (E.
7.2; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.1). Diese Abklärungen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststel
lungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen las
sen (BGE 143 V 418 E. 7.1; vgl.
BGE 144 V 50 E. 4.3).
Entscheidend ist dabei, unabhängig von der diagnostischen Einordnung des Leidens, ob es gelingt, auf objektivierter Beurteilungsgrundlage den Beweis einer rechtlich relevanten Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit zu erbringen, wobei die versicherte Person die materielle Beweislast zu tragen hat (BGE 143 V 409 E. 4.5.2 unter Hinweis auf BGE 141 V 281 E. 3.7.2
; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3
).
Verlauf und Ausgang von Therapien stellen wichtige Schweregrad
indikatoren dar. Es ist Aufgabe des medizinischen Sachverständigen, nachvoll
ziehbar aufzuzeigen, weshalb trotz (leichter bis) mittelschwerer Depression und an sich guter Therapierbarkeit der Störung im Einzelfall funktionelle Leistungs
einschränkungen resultieren, die sich auf die
Arbeitsfähigkeit auswirken (BGE
143 V 409 E. 4.5.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15. Februar 2018 E. 5.1).
1.
3
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
1.
4
Über das Zusammenwirken von Recht und Medizin bei der konkreten Rechts
anwendung hat sich das Bundesgericht verschiedentlich geäussert. Danach ist es sowohl den begutachtenden Ärzten als auch den Organen der Rechtsanwendung aufgegeben, die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall mit Blick auf die normativ vorge
gebenen Kriterien zu beurteilen. Die medizinischen Fachpersonen und die Organe der Rechtsanwendung prüfen die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht. Bei der Abschätzung der Folgen aus den diagnostizierten gesundheitlichen Beeinträchti
gungen nimmt zuerst der Arzt Stellung zur Arbeitsfähigkeit. Seine Einschätzung ist eine wichtige Grundlage für die anschliessende juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 141 V 281 E. 5.2.1).
Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere darauf
hin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen. Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des strukturierten Beweisverfahrens stattfinden, sondern im Rahmen der Beweis
würdigung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch
anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen Vorgaben Rechnung tragen. Entscheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im Rahmen des Sozialversicherungsrechts abschliessend nur aus juristischer Sicht beantwortet werden kann. Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis für eine lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenansprec
henden Person auswirkt (BGE 144 V
50 E. 4.3
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus, gemäss dem 2020 erstatteten Gutachten liege aus internistischer und rheu
matologischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vor, und Einschränkungen aus psychiatrischer Sicht seien auf Einflüsse aus dem privaten Umfeld zurückzuführen (S. 2 oben). Auf die vom behandelnden Psychiater erho
benen Einwände
- wenn auch aufgrund ihres
Umfangs nicht auf jedes Detail
-
sei sie
eingegangen (S. 2 Mitte).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1), die vom behandelnden Psychiater am Gutachten geübte Kritik sei aus näher dargelegten Gründen stichhaltig. Auf sie sei die Beschwerdegegnerin nicht hinreichend eingegangen, was eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes und des rechtlichen Gehörs darstelle (S. 14 unten).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob das MEDAS-Gutachten beweiskräftig
ist
, oder die dagegen erhobenen Kritikpunkte stichhaltig s
ind
, und ob die Beschwerdegegnerin diese hinreichend berücksichtigt hat.
3.
3.1
Im Rückweisungsurteil vom 1. April 2019 wurde festgehalten, dass
die mit Verfügung vom 17. April 2013 erfolgte
Zusprache
einer ganzen Rente ab Novem
ber 2011 (Urk. 16/46; Urk. 16/53) zweifellos unrichtig gewesen sei, weshalb der Rentenanspruch ex
nun
c
et pro
futuro
ohne Bindung an die ursprüngliche
Verfügung in allen seinen Teilen neu zu beurteilen sei,
sich die Aktenlage für eine abschliessende Beurteilung der gesundheitlichen Situation und der Arbeits
fähigkeit der Beschwerdeführerin
jedoch
als unzulänglich
erweise (Urk. 16/161
S.
16 E. 5.4 und 6.1,
S. 17 E. 6.3). Vor diesem Hintergrund ist davon abzusehen, die damaligen Bericht
e
hier noch einmal zu referieren.
3.2
Dr.
med. B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
behandelnd seit
Oktober 2010 mit Unterbrüchen
,
nannte mit Bericht vom 1
5. Juli 2019 (Urk. 16/170)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S.
5 Ziff. 2.5
):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode ohne psychotische Symptome, zirka seit 1995 (ICD-10 F33.1)
somatoformes Schmerzsyndrom (zirka seit 1996) entspricht der anhalten
den somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), jedoch bei Depression
-
Persönlichkeitsstörung mit abhängigen, unsicheren und asthenischen Zügen (ICD-10 F60.8), Differentialdiagnose (DD): andauernde Persönlich
keitsänderung nach psychischer Erkrankung (ICD-10 F60.8) oder Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom (ICD-10 F62.80)
-
Schwierigkeiten bei der kulturellen Eingewöhnung (ICD-10 Z60.3)
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 5 Ziff. 2.6)
nannte er eine Überforderung beim Erziehen der Kinder und
bei der
Abgrenzung gegenüber ihren erwachsenen Kindern (ICD-10 Z60.1).
Er attestiert
e
eine seit Oktober 2010 konstant bestehende Arbeitsunfähigkeit von mindestens 80 % (S.
2 Ziff. 1.3
).
3.
3
3.3.1
Am 6. Mai 2020 erstattete Dr. med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychothe
rapie, Chefarzt MEDAS A._
, sein
psychiatrisches
Teil-
Gutachten (Urk. 16/197/56-
110)
. Er stützte sich auf die ihm überlassenen Akten (S. 5 ff.), die Angaben der Explorandin (S. 30 ff.) und die von ihm am
20. Februar 2020 erhobenen Befunde (S. 36 f.).
3.3.2
Er führte unter anderem aus, aus den Akten sei ersichtlich, dass die Explorandin erstmals im Jahr 2008
aufgrund
einer depressiven Symptomatik behandelt worden sei (S. 38 unten). Aktenkundig sei, dass sie 2009 eine relevante, damals als mittel
gradig beurteilte depressive Symptomatik gezeigt habe (S. 38 f.).
Im Rahmen der 2014 erfolgten Begutachtung sei eine rezidivierende depressive Störung, gegen
wärtig mittelgradige Episode
,
bestätigt und von einer Einschränkung der Arbeits
fähigkeit um 50 % ausgegangen worden (S. 40 unten).
Gegen das Vorliegen einer
schwergradigen
depressiven Störung im Jahr 2015 - wie von Dr.
B._
diagnos
tiziert - spreche unter anderem, dass sie die längere Reise in ihr Heimatland bewältigt habe und es ihr dort
bessergegangen
sei (S. 41 unten); bei einer
schwer
gradigen
depressiven Störung könnten die Krankheitssymptome nicht durch die Veränderung des Wohnortes oder die Veränderung der Lebenssituation relevant beeinflusst werden (
S. 42 oben). Im Bericht von Dr.
B._
vom 15. Juli 2019 (vgl.
vorstehend E. 3.2) - mit wörtlich aus einem Bericht vom 12. Dezember 2018 über
nommenem Befundstatus - sei die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nicht
mehr mit der depressiven Symptomatik, sondern mit einer Persönlichkeitsstörung begründet worden (S. 43 Mitte).
Im Rahmen der aktuellen Begutachtung seien aus psychopathologischer Sicht nicht mehr die Symptome einer mittelgradigen oder
schwergradigen
depressiven Episode festgestellt worden (S. 43 unten). Die objektivierbaren Symptome würden knapp ausreichen, um aus gutachterlicher Sicht eine leichtgradige depressive Symptomatik bestätigen zu können. Auch habe die Explorandin selber beschrie
ben, dass sich ihr Zustandsbild im Vergleich zu 2009/2010 gebessert habe. Eine solche Zustandsverbesserung könne medizinisch-theoretisch anhand der vor
liegenden Daten im Vergleich zum Zeitpunkt der Begutachtung im Jahr 2014 festgestellt werden und werde aus näher dargelegten Gründen auf zirka 2019 geschätzt (S. 44 unten).
Für eine Zustandsverbesserung sprächen auch das Aktivitätsniveau der Explo
randin (mit wöchentlich dreimal Fitness und einmal Schwimmen; Kontakte mit Freundinnen; Aktivitäten mit dem Ehemann, auch am Wochenende)
sowie
die längere Reise in ihr Heimatland im Jahr 2019 und der Umstand, dass sie
den dortigen Aufenthalt auch habe geniessen können (S. 45 oben). Die Laborunter
suchungen hätten für die beiden verordneten Medikamente Werte unter dem therapeutischen Referenzwert ergeben, mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nehme sie die verordnete antidepressive Medikation nicht regelmässig bezie
hungsweise verordnungsgemäss ein (S. 45 Mitte).
3.3.
3
Die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung könne bestätigt werden (S. 46 oben). Allerdings seien der Explorandin körperliche Aktivitäten wie etwa regelmässige Fitnessbesuche möglich, was als gegensteuernde Aktivitäten zu sehen sei. Ein schmerzbedingter sozialer Rückzug liege nicht vor. Die aktuell von ihr berichtete diffuse Zunahme der Schmerzsymptomatik sei eher als nicht belastungsabhängig zu sehen, und die Schmerzsymptome seien durch Orts- und Situationswechsel positiv beeinflussbar und schienen auch durch medizinische
Behandlungsmassnahmen - eine unspezifische symptomatische Schmerz
behandlung - positiv beeinflussbar zu sein. Dass sie die verordneten Medikamente nicht beziehungsweise in sehr niedriger Dosierung einnehme, widerspreche dem von ihr subjektiv dargelegten massiven Leidensdruck. Die Schmerzsymptomatik sei als für die Explorandin bei ausreichender Willensanstrengung überwindbar zu beurteilen.
Zudem bestehe bezüglich der depressiven Störung als anamnestisch erheblicher Komorbidität aktuell eine Zustandsverbesserung. Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aufgrund der gestellten Diagnose könne nicht attestiert und auch retrospektiv nicht begründet werden (S. 46).
3.3.
4
Persönlichkeitsstörungen begännen gemäss ICD-10 immer in der Kindheit oder Jugend und manifestierten sich auf Dauer im Erwachsenenalter (S. 47 oben). Die Explorandin habe eine unauffällige Kindheit und Jugend beschrieben und habe von 1990 bis 2008 in der Schweiz eine adäquate Anpassung gezeigt.
Das Nicht
beherrschen der deutschen Sprache treffe bei vielen Menschen mit Migrations
hintergrund zu und könne nicht als psychopathologischer Befund interpretiert werden (S. 47 Mitte). Auch dass sie zu Beginn habe berufstätig sein können und sich Verhaltensauffälligkeiten und soziale Schwierigkeiten erst ab 2008/2009 festgestellt werden könnten, spreche für vorhandene Ressourcen auch hinsicht
lich der Persönlichkeitsstruktur. Seither sei eine klinisch relevante depressive Störung festzustellen, was sicher eine Akzentuierung der Persönlichkeitsstruktur zur Folge gehabt habe. Aktuell könne durch die Veränderung der sozialen Umstände, durch die stabile eheliche Beziehung, die Stabilisierung der sozialen Probleme der Kinder und auch durch die Verbesserung der depressiven Situation eine Verbesserung des sozialen Integrationsniveaus festgestellt werden; dieser Verlauf widerspreche der Diagnose einer Persönlichkeitsstörung (S. 47 unten).
Zwar habe die Explorandin in der Vergangenheit viele ihrer Lebens
entscheidungen verschiedenen sozialen Institutionen überlassen
, wobei hier aufgrund der Defizite in der
sozio-kulturellen
Integration tatsächlich von nach
vollziehbaren Einschränkungen auszugehen sei. Dass sie sich in ihrem Heimat
land besser fühle und in der Adaption keine Schwierigkeiten zeige, spreche gegen die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung, sondern vielmehr für soziale Faktoren, welche ihr Leistungsniveau negativ beeinflussten. Mittlerweile sei sie durchaus in der Lage, ihre Alltagsentscheidungen alleine zu treffen. Unter Berücksichtigung dieser Daten könne aus gutachterlicher Sicht diagnostisch weder aktuell noch retrospektiv eine Persönlichkeitsstörung mit ängstlich vermeidenden oder abhän
gigen Zügen bestätigt werden (S. 49).
Bis zu ihrem 34. Lebensjahr habe die Explorandin durchaus einen selbständigen Lebensstil ohne relevante Einschränkung des sozialen Leistungs- und Integra
tionsniveaus gehabt. Zu Defiziten im sozialen Bereich sei es erst mit der Entste
hung einer relevanten depressiven Symptomatik gekommen. Daher seien die damaligen Verhaltensprobleme nicht als Folge einer Persönlichkeitsstörung zu sehen, sondern als Folge der depressiven Störung. Aktuell, nach der weitgehenden Remission der depressiven Symptomatik, könne von einer klaren Verbesserung des sozialen Leistungs- und Integration
sniveaus ausgegangen werden (S.
49 unten).
3.3.5
Unter Berücksichtigung der gesamten medizinischen Daten
sei
zumindest seit 2019 von einer
Zustandsverbesserung auszugehen.
Weder anhand der eigenen Angaben de
r Explorandin, noch gemäss den
vorliegenden medizinischen
Daten
sei
aus versicherungspsychiatrischer Sicht
seit 2009 ein depressives Zustandsbild in höherer Ausprägung als leichtgradig
festzustellen (S. 50 oben).
Die
retrospektive Beurteilung der Arbeitsfähigkeit für den Zeitraum von 2010 bis
2014
sei
eher schwierig
. Die Explorandin habe
damals zumindest die Symptome einer
mittelgradigen depressiven Störung
gezeigt
und es
sei
auch kurz zu einer
Hospitalisation
gekommen, weshalb aus versicherungsmedizinischer Sicht r
etro
spektiv eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
um 50
%
-
wie auch im Jahr 2014 im Rahmen der Begutachtung attestiert
-
als plausibel beurteilt werden
könne
. Eine anhaltende Arbeitsunfähigkeit
von 100 %
für den Zeitraum 2010 bis 2014
sei
retrospektiv
als
eher unwahrscheinlich zu beurteilen,
dies
auch unter Berücksichtigung des
Aktivitätsniveaus der Explorandin zum damaligen Zeit
punkt. Eine
im Jahr 2016 geltend gemacht
e
Zustandsverschlechterung
könne
retrospektiv aus versicherungsmedizinsicher Sicht nicht
bestätigt werden. Unter Berücksich
tigung der Angaben von Dr. B._
im Dezember 2018 und
auch unter Berücksichtigung der gutachter
l
ichen Einschätzung
sei
von
2014 bis Ende 2018 mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer mittelgradigen Ausprägung der depressiven Störung
auszuge
h
en
(S. 50 Mitte)
.
Unter Berücksichtigung der gesamten medizinischen Daten und auch der vorlie
genden Befunde
könne
seit 2019 von einer eindeutigen Zustandsverbesserung in Bezug auf die depressive Symptomatik
ausgegangen werden. Seit diesem Zeit
punkt
könne
aus versicherungspsychiatrischer Sicht höchstens eine
Leistungs
minderung
um 20 %
attestiert werden.
Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit a
ufgrund der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung,
welche als Diagnose zu bestätigen
sei
,
werde
nicht attestiert.
Die
Diagnose einer Persönlichkeits
störung
könne
aus gutachterlicher Sicht nicht
bestätigt werden
(S. 50).
3.3.
6
Der
Gutachter nannte sodann folgende Diagnosen (S. 50 unten):
Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
: r
ezidivierende depressive Störung, aktuell leichte Episode
(ICD-10
F33.0
)
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: a
nhaltende somato
forme Schmerzstörung
(ICD-10
F45.4
).
D
ie Diagnose einer Persönlichkeitsstörung
könne
weder aktuell noch retrospektiv bestätigt werden. Zu dieser diagnostischen Annahme sei es seitens der therapeu
tisch tätigen Ärzte gekommen, weil sie lediglich das negative Leistungsbild der Explorandin beurteilt und das positive Leistungsbild wie auch die vorhandenen Ressourcen nicht mitberücksichtigt hätten. Unter Berücksichtigung der gesamten Befundlage und auch des positiven Leistungsbildes der Explorandin sei die Diag
nose einer Persönlichkeitsstörung aus gutachterlicher Sicht nicht plausibel. In Bezug auf die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung seien keine Widersprüchlichkeiten festzustellen. Anamnestisch sei 2016 eine Zustands
verschlechterung attestiert worden, was retrospektiv nicht bestätigt werden könne. Auch könne retrospektiv eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 100
%
nicht begründet werden. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit sei für den Zeitraum 2014 bis 2018 retrospektiv eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
um
50
% bei einer mittelgradigen depressiven Störung zu attestieren. Ein höherer Grad der Arbeitsfähigkeit sei aus versicherungspsychiatrischer Sicht weder aktuell noch anhand der retrospektiven Daten zu begründen. Seit 2019 sei von einer Zustandsverbesserung auszugehen. Der im Juli 2019 beschriebene psycho
pathologische Befundstatus (welcher eine wortwörtliche Zitierung des psychi
schen Befundstatus von Dezember 2018 sei) begründe die Annahme einer anhaltenden erheblichen depressiven Symptomatik nicht. Auf der Basis der Verbesserung des Gesundheitszustandes werde aktuell eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit aus gutachterlicher Sicht attestiert. Der seitens der therapeutisch tätigen Ärzte attestierte höhere Grad der Arbeitsunfähigkeit könne aus gutachter
licher Sicht retrospektiv nicht bestätigt werden (S. 52 Ziff. 7.3).
3.3.
7
Betr
effend den
Verlauf von Behandlungen, Rehabilitationen,
E
ingliederungs
massnahmen
usw. führte der Gutachter aus, an
amnestisch
sei
infolge
von
Thera
peutenwechsel
n
sicherlich bei der Psychotherapie die Kontinuität über
einen längeren Zeitraum nicht gewährleistet gewesen. Erstaunlich
sei, dass -
obwohl in der Vergangenheit
wiederholt eine Zustandsverschlechterung in Bezug auf die depressive Störung
geltend gemacht worden sei -
eine medikamentöse anti
depressive Behandlung zu keinem Zeitpunkt intensiviert wurde.
Anamnestisch
seie
n
auch Compliance-Probleme bekannt. Trotzdem
sei
seitens der behandelnden
Ärzte zu keinem Zeitpunkt eine Blutspiegelbestimmung der verordneten Medika
tion durchgeführt
worden
. Aktuell
scheine die Explorandin
die Medikation nicht verordnungsgemäss einzunehmen. Ansonsten
sei
sie
motiviert
gewesen
, bei den therapeutischen Massnahmen aktiv teilzunehmen. Grundsätzlich
könne
durch die
aktuellen Behandlungsmassnahmen sowie der Verbesserung der sozialen Situa
tion von einer
Verbesserung der depressiven Symptomatik seit Anfang 2019 ausgegangen werden. Der aktuelle
psychische Zustand der Explorandin
könne
durch die Optimierung der medikamentösen antidepressiven
Behandlung sowie mit psychiatrischen und psychotherapeutischen Behandlungsmassnahmen noch
weiter gebessert werden, weshalb
aus gutachterlicher Sicht
eine Remission der depressiven Störung durchaus als möglich erachtet
werde (S. 51 Ziff. 7.2)
.
Betreffend
Fähigkeiten, Ressourcen und Belastungen
führte der Gutachter aus, die Explorandin zeige
in sehr vielen Bereichen gute Ressourcen. Sie zeig
e
nebst einer Fähigkeit
,
längere
Beziehungen eingehen zu können, auch die Fähigkeit
,
soziale Kontakte zu pflegen, dies häuslich und
ausserhäuslich. Sie
sei
in der Lage
,
kognitiv anspruchsvolle Aktivitäten durchzuführen, aber auch
körperlich ziel
gerichtete Aktivitäten. Sie
sei
in der Lage
,
eine Tagesstruktur aufzubauen und diese
aufrecht
zu
halten. Sie
sei
in der Lage, längere Aktivitäten
, wie die Reise in ihr Heimatlan
d,
durchzuführen. Sprachlich best
ünden
sicherlich Einschrän
kungen, au
ch schulisch. Hingegen seien die
Ressourcen in dieser Hinsicht für einfache Tätigkeiten ausreichend. Die Schmerzsymptomatik
sei
bei
ausreichender Willensanstrengung als überwindbar zu beurteilen
gewesen
. Ein relevanter sozia
ler Rückzug sei
nicht vorliegend. Es best
ehe
auch ein
unterstützendes soziales Umfeld (S. 52 Ziff. 7.4).
3.3.
8
Zur
Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit
führte der Gutachter aus, die Tätigkeit
im Bereich der Reinigung wäre der
Explorandin aktuell aus psychi
atrischer Sicht w
ä
hrend 8.5 Stunden täglich mit einer
Leistungsminderung von
maximal 20 %
zumutbar
, dies
zumindest seit 2019. Für den Zeitraum
zuvor
(2009 bis 2014,
2014 bis Ende 2018
) werde
von einer Einschränkung der Arbeits
fähigkeit
um 50 %
ausgegangen
(S. 53 Ziff. 8).
Ein besonderes Tätigkeitsprofil
bezüglich angepasster Tätigkeit werde
aus psychi
atrischer Sicht nicht attestiert. Schichtarbeit, Arbeiten unter
unmittelbarem Produkt
i
onsdruck, wie
Fliessbandtätigke
i
ten
,
wären weniger zu empfehlen
. A
uch
Tätigkeiten, welche eine höhere Entscheidungskompetenz der Exploran
d
in voraussetz
t
en
, seien
nicht
optimal. Hingegen wäre die bisherige Tätigkeit im Reinigungsbereich al
s angepasste Tätigkeit zu sehen (S. 53).
Bezüglich m
ed
i
zinische
r
Massnahmen und Therapien mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
führte der Gutachter aus, d
urch medizinische Massnahmen, insbesondere durch die Optimierung der psychopharmakologischen
Behand
lungsmassnahmen
, könne
eine Remission des psychiatrischen Zustandsbildes in ein bis zwei
Jahren durchaus erreicht werden. Dann wäre
rein aus psychiatrischer Sicht
keine weitere Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mehr zu erwarten
(S. 53 Mitte).
3.4
3.4.1
Am 21. Mai 2020 erstattete
n die Ärzte der MEDAS A._
ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (Urk. 16/197), insbesondere ihre auf Teil
gutachten internistis
ch-allgemeinmedizinischer (Urk.
16/197/16-55), psychi
atrischer (Urk.
16/197/
56-
110; vgl. vorstehend E. 3.
3), und rheumatologischer (Urk.
16/197/111-
149) Ausrichtung beruhende interdisziplinäre Gesamt
beurteilung
(Urk. 16/197/1-15)
.
3.4.2
Sie führten aus, im
Rahmen der internistischen Begutachtung
sei
keine Diagnose mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit gestellt
worden
. Als Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
sei
die
aktenanamnestisch bekannte Hypotonie und
Dyslipidämie
beschrieben. Aufgrund des Nikotinkonsums
sei
von einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse ausgegangen
worden
. Zudem
seien
bei den
Laboruntersuchungen eine
Hypokaliämie
und
eine
Hyponatriämie
sowie ein bei Bedarf substituierbarer Eisenmangel festgestellt worden.
Aus internistischer Sicht
sei
weder
aktuell
noch retrospektiv
eine
Einschränkung der Arbeitsfäh
i
gkeit attestiert
worden
. In Bezug auf die
Schmerzsymptomatik
sei
von Verdeut
lichungstendenzen ausgegangen
worden
, zudem
sei
aus
internistischer Sicht auf Diskrepanzen zwischen den
g
eklagten Beschwerden und den Tagesaktivitäten
hingewiesen
worden (S. 9 oben)
.
Im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung
sei
als Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfäh
i
gkeit
eine rezidivierende depressive Störung leichtgradige
r
Ausprägung diagnostiziert
worden. Auf dieser Basis sei
seit 2019 eine Leistungs
minderung in der Höhe von 20 % attestiert
worden.
Retrospektiv
sei
aufgrund der
anamnestischen Daten, bei einer mittelgradigen Ausprägung der rez
i
divierenden depressiven Störung
seit 2009
,
von
einer
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
um 50 % - wie im Jahre 2014 im Rahmen der MEDAS-Abklärung attestiert - ausge
gangen worden.
Ein höherer Grad der Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit
sei
retrospektiv aus psychiatrischer Sicht nicht zu begründen. Die festgestellte anhaltende
somatoforme Schmerzstörung führ
e
zu keiner Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit. Aus
versicherungsmedizinischer Sicht
sei
die Schmerz
symptomatik
als
bei ausreichender Willensanstrengung überwindbar zu beur
teilen. Der Explorandin
sei
es aktuell wie auch retrospektiv möglich
gewesen
, längere
zielgerichtete Aktivitäten durchzuführen und sich von den Schmerzen durch mentale
Ablenkungsmassnahmen und gegensteuernde körperliche Aktivi
täten zu distanzieren.
Die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung könne aus gutachterlicher Sicht
weder aktuell noch
retrospektiv bestätigt werden. Bei der
Explorandin seien
keine patho
l
ogischen Persönlichkeitsanteile festgestellt
worden
.
Infolge der depressiven
Störung
sei
es vorübergehend zu einer Einschränkung des sozialen Leistungs- und Integrationsniveaus
gekommen
,
wobei eine solche aktuell nicht mehr in relevantem Ausmass auszumachen
sei
. Auch anhaltende
tiefgreifende Verhaltensauffälligkeiten
seien
nicht vorliegend. Die Symptome einer ängstlich vermeidenden
oder abh
ängigen Persönlichkeits
störung lägen
weder aktuell noch retrospektiv vor.
Aus psychiatrischer Sicht
sei
zudem von einer Verbesserung des Gesundheitszustandes spätestens seit
2019 auszugeben. Auf dieser Basis
sei
die aktuelle Leistungsminderung
um 20
% attestiert worden (S. 9).
Durch weitere medizinische Massnahmen
könne
die Arbeitsfähigkeit auch noch gebessert werden, sogar
eine Remission der psychiat
rischen Problematik (depressive Störung)
werde als möglich erachtet (S. 10 oben).
Aus rheumato
l
ogischer Sicht
sei
keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit gestellt
worden
. Als
Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
sei
ein chronisches
Fibromyalgiesyndrom
/
chronisches
multilokuläres
Schmerz
syndrom festgehalten
worden
. Die Schlussfolgerungen der MEDAS
-
Begutachtung
im Jahre 2014
seien
aus somatischer Sicht weitestgehend bestätigt
worden
. Bei fehlenden
pathoanatomischen
Befunden am gesamten Bewegungsapparat
sei
trotz der beklagten
Schmerzsymptomatik keine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit in einer körperlich leichten bis
intermittierend mittelschweren wechsel
belastenden Tätigkeit attestiert
worden
. Einzig regelmässig mittel
oder gar schwer belastende berufliche Tätigkeiten
könnten der Explorandin
aufgrund d
er musku
lären
Dekonditionierung
nicht zugemutet werden. Zusammenfassend
könne
aus rheumatologischer Sicht seit 2011 bis
aktuell keine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit attestiert werden
(S. 10)
.
3.4.3
Aus interdisziplinärer Sicht besteh
e
gestützt auf die psychiatrische Begutachtung seit 2009 eine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um
50 %
, wie
auch im Jahre 2014 im Rahmen einer MEDAS
-
Begutachtung attestiert
worden sei
. Diese
könne aus versicherungsmedizinischer Sicht h
öchstens bis Ende
2018
bestätigt
werden. Spätestens seit 2019 besteh
e
eine Zustandsverbesserung. Daher
werde
seit 2019,
wie aktuell, von
einer Leistungsminderung
um 20 % ausgegangen
. Aus
psychi
atrischer Sicht
werde
k
ein besonderes Tätigkeitsprofil empfohlen.
Aus inter
disziplinärer Sicht
sei
die Explorandin in ihrer bisherigen Tätigkeit als Reinigungsangestellte, aber
auch in einer anderweitigen leichten bis inter
mittierend mittelschweren, wechselbelastenden Tätigkeit
,
während
8.5
Stunden täglich mit einer Leistungsminderung
von 20 % als
arbeitsfähig zu beurteilen (S.
10 Mitte).
3.4.4
Aus internistischer und rheumatologischer Sicht empf
ehle
sich die Durchführung von symptomatischen
Behandlungsmassnahmen. Aus psychiatrischer Sicht
könne
durch die Optimierung der psychiatrischen
und psychotherapeutischen sowie durch medikamentöse Behandlungsmassnahmen mittelfristig (ein bis
zwei Jahre) durchaus eine Remission der depressiven Störung erreicht werden. Weitere
Rehabilitationsmassnahmen
seien
nicht notwendig.
Berufliche Massnahmen könn
t
en aus interdisziplinärer Sicht ab sofort eingeleitet werden. Bei der
maladaptiven Überzeugung, dass
die Beschwerdeführerin
nicht mehr berufstätig sein könne,
werde j
edoch von geringen
Erfolgschancen einer beruflichen Wiedereingliederung ausgegangen
(S. 10 unten)
.
3.4.5
Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Gutachter (S. 10 Ziff.
4.2
):
-
r
ezidivierende depressive Störung, aktuell leichte Episode
(ICD-10
F33.0
)
Sodann nannten sie folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (S. 11 oben):
-
c
hronisches
Fibromyalgiesyndrom
/
chronisches
multilokuläres
Schmerz
syndrom
-
a
nhaltende somatoforme Schmerzstörung
(ICD-10
F45.4
)
-
a
ktenanamnestisch Hypotonie (medik
amentös behandelt)
-
Dyslipidämie
-
Nikotinkonsum (ICD-10 F17.1
-
Hypokaliämie
-
Hyponatriämie
-
l
aborchemischer Verdacht auf
Eisenmangelanämie
-
aktenanamnestisch Status nach
Urosepsis
mit/bei
Pyelonephritis
rechts
-
Status nach
rezidivierenden Harnwegsinfekten (4 x seit Ende 2010)
-
a
kt
uell: Mikrohämaturie
Zu den f
unktionelle
n Auswirkungen der Befunde und
Diagnosen
führten
di
e
Gutachter
aus, a
us internistischer und rheumatologischer Sicht
seien
keine rele
vanten funktionellen Einschränkungen
festzustellen. Bei dem diagnostizieren
multilokulären
Schmerzsyndrom und auch aufgrund der
Dekonditionierung
sei
der Explorandin eine leichte bis intermittierend mittelschwere, wechselbelastende
Tätigkeit ohne Leistungsminderung zumutbar.
Aus psychiatrischer Sicht besteh
e
infolge der leichtgradigen depressiven Symptomatik eine
geringgradige
Einschränkung der Leistungsfähigkeit, dies infolge der
geringgradigen
Einschrän
kungen der psychischen
Belastbarkeit und Einschränkungen der affektiven Flexibilität, welche den Produktionsfluss negativ
beeinflussen könn
t
e
n
. Ansons
ten besteh
e
keine relevante Einschränkung des sozialen Leistungs- und
Integra
tionsniveaus, sodass
die Explorandin
in der Lage wäre, bei a
usreichender Willensanstrengung
adäquate Leistungen auch im freien Arbeitsmarkt erbringen zu können
(S. 11 Ziff. 4.3)
.
3.4.6
Zu e
ventuell relevante
n
Persönlichkeitsaspekte
n führten sie aus, die Explorandin habe eine
unauffällige frühkindliche Entwicklung und Jugend durch
gemacht. Ebenfalls werde von ihr
eine
unauffällige schulische Entwicklung beschrieben. Sie
sei
20-jährig in die
Schweiz
gekommen und k
urz danach zum ersten Mal Mutter
geworden
. Ihr Leben
sei
durch verschiedene Beziehungen
und Schwan
gerschaften geprägt
gewesen
. Im Jahr 2009
sei
es zur Entwicklung einer depres
siven Störung
gekommen und i
n
diesem Zusammenhang auch zur Überforderung im familiären Umfeld. Der Entzug der Obhut der
Kinder
habe
zu einer Verstärkung der depressiven Symptomatik
geführt, was
wiederum zur Folge
gehabt habe
, dass
sie
im sozialen Bereich zusätzliche Defizite auf
ge
wies
en habe
. Gleichzeitig
sei
es im Zusammenhang
mit dem
emotionalen Konflikt
durch den
Obhutsentzug
zur Entwicklung einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung gekommen.
Eine Persönlichkeitsstörung, wie diese retrospektiv seitens der
behandelnden Ärzte attest
i
ert
worden sei
, k
önne
aus gutachterlicher Sicht nicht
bestätigt werden. Aktuell zeige die Explorandin
ein durchaus regelrechtes soziales Leistungs- und Integrationsniveau. Sie befinde sich in
einer stabilen partnerschaftl
ichen Beziehung. Sie
sei
in der Lage, ihren Alltag selbständig aktiv zu
g
estalten
und
in der Lage, häusliche und ausserhäusliche Beziehungen zu pflegen
sowie
ihre eigenen Entscheidungen zu treffen
.
Eine Abhängigkeit zu verschiedenen Perso
nen besteh
e nicht (S. 11 f. Ziff. 4.4).
Betreffend
Belastungsfaktoren und Ressourcen
führten die Gutachter aus, a
nam
nestisch
seien
verschiedene Belastungsfaktoren festzustellen
gewesen
, wie die Krankheit des Kindes,
unzureichende Integration in der Schweiz, sprachliche
Schwierigkeiten, schlechte berufliche Perspektiven
bei fehlender Berufs
ausbildung und insbesondere der im Jahre 2010 erfolgte Entzug der Obhut und
die
Fremdplatzierung der Kinder infolge der Diabetes-Erkrankung der
Tochter. In der Zwischenzeit sei
insbesondere im s
ozialen und familiären Bereich
eine Stabi
lität z
u verzeichnen. Aktuell bestehe
durchaus
ein gutes soziales Leistungs- und Integrationsniveau
. Die Explorandin spreche
nur gebrochen Deutsch,
was j
edoch für eine T
ä
tigkeit
beispielsweise
im Bereich der Reinigung ausreichend
sei
.
I
m Weiteren
sei
sie in der
Lage, ihren Alltag zu gestalten und diese Struktur ein
zu
halten
, und
längere
Beziehungen ein
zugehen. I
nsbesondere im Bereic
h der Team
fähigkeit seien keine
Einschränkungen festgestellt
worden
. Es besteh
e
durchaus eine gute psychische Belastbarkeit. Zudem
sei
die
Schmerzsymptomatik bei ausreichender Willensanstrengung überwindbar. Es best
ünd
en zudem körperlich
ausreichende Ressourcen für die Durchführung von leicht- bis intermittierend mittelschweren und
wechselbelastenden Tätigkeiten
(S. 12 Ziff. 4.5)
.
3.4.7
A
u
s internistischer und rheumatologischer Sicht
seien
zwischen den früheren Diagnosen und den
aktuellen Untersuchungsbefunden keine Widersprüchlich
keiten festgestellt
worden
. Hingegen
sei
aus
internistischer, aber auch aus rheu
matologischer Sicht darauf hingewiesen
worden
, dass die
Schmerzbeschwerden der Explorandin mit den objektivierbaren Befunden nicht hinreichend zu erklären
seien
. Es
sei
von einer Schmerzver
deutlichungstendenz ausgegangen worden.
Aus psychiatrischer Sicht best
ünd
en unterschiedliche Beurteilungen in Bezug auf die Diagnose einer
Persönlichkeitsstörung im Vergleich zu den therapeutisch tätigen Ärzten. Die Symptome einer Persönlichkeitsstörung
seien
bei der Explorandin weder aktuell noch
retrospektiv festzustellen
gewesen
. Zu dieser diagnostischen Annahme
sei
es seitens der therapeutisch tätigen
Ärzte
gekommen
, weil sie
die Explorandin
lediglich auf der Basis des negativen Leistungsbildes der Explo
randin beurteilt und
ihr
positive
s
Leistungsbild wie auch die vorhandenen Ressourcen nicht mitberücksichtigt
hätten. Ferner könne d
ie anamnestisch beschriebene
schwergradige
depres
si
ve Störung retrospektiv
anhand der in den Akten festgehaltenen medizinischen Befunde nicht bestätigt werden.
Bis Ende 2018
könne
eine mittelgradige Ausprägung der rezidivierenden depressiven Störung und auf
dieser Basis eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
um 50 %
bestätigt werden. Hingegen
werde ab 2019
von einer klaren Verbesserung des
Gesundheitszustandes der Explorandin ausgegangen
, wodurch eine
höhere
als
die von den therapeutisch tätigen Ärzten attestierte
Arbeitsfähigkeit
bestehe (S. 12 Ziff. 4.6).
3.4.8
Aus interdisziplinärer Sicht sei
die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als
Reinigungs
angestellte
der Explorandin
während 8.5 Stunden täglich mit
einer Leistungs
minderung
um 20 % seit 2019 zumutbar. Fü
r den Zeitraum zuvor
besteh
e
seit 2009
eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
um
50 %
(S. 13 Ziff. 4.7).
Aus interdisziplinärer Sicht
werde
als angepasste Tätigkeit eine intermittierend mittelschwere bis leichte
wechselbelastende Tätigkeit empfohlen. Aus psychi
atrischer Sicht
werde
kein besonderes Tätigkeitsprofil
attestiert.
In einer solchen Tätigkeit
sei die Explorandin seit 2019
als
während 8.5 Stunden täglich mit einer
Leistungsminderung
um
20 % arbeitsfähig zu beurteilen.
Zuvor sei in einer solchen Tätigkeit, wie bereits
erwähnt, eine 50 %
ige
Einschränkung der Arbeits
fähigkeit anzunehmen
(S. 13 Ziff. 4.8).
3.
5
Am 2
6
. Juni 2020 nahm Dr. B._
(vorstehend E. 3.2) zum MEDAS-Gutachten Stellung (Urk. 1
6
/201), wobei seine Eingabe
aus
folgenden
Elementen bestand: Stellungnahme (Urk. 1
6
/201/2-32), im Mai 2020 redigierte Fassung seiner Eingabe an das hiesige Gericht vom 12. Dezember 2018 (Urk.
1
6
/201/34-
47), Facharti
kel von Dr. med. D._
zum somatoformen Schmerzsyndrom, ohne lesbare Datierung, laut Angabe von Dr
. B._
aus dem Jahr 2018 (Urk.
1
6
/201/48-51
= Urk. 3/4
),
und
Gutachten von
Prof. Dr. med. E._
vom Mai 2014 (Urk. 1
6
/201/52-89
= Urk. 3/5
).
In der eigentlichen Stellungnahme (Urk. 1
6
/201/2-32) nahm er Bezug auf im MEDAS-Gutachten angeführte Befunde, welche entweder seinen eigenen Befun
den widersprächen oder in sich selber in
konsistent erschienen (S. 2 ff.
Ziff. 2). Sodann leg
t
e er dar, aus welchen Gründen seines Erachtens eine mittelgradige depressive Episode zu diagnostizieren sei (S. 4 f. Ziff.
3), sowie, dass die allge
meinen Kriterien für eine Persönlichkeits
störung erfüllt seien (S. 5 ff.
Ziff. 4), ebenso diejenigen näher bezeichneter spezifisch
er Persönlichkeitsstörungen (S.
10 ff.). Eine
«
kleine Einschränkung
»
bestehe lediglich in der Unklarheit über das frühe Auftreten von Zeichen in Kindheit und Jugend. Selbst wenn diese nicht gegeben wären, hätten die Auswirkungen der Persönlichkeitspathologie auf das Leben der Patientin ein Ausmass erreicht, welches einer Persönlichkeitsstörung entspreche (S. 17). Sodann äusserte er sich zum somatoformen Schmerzsyndrom und dessen Einordnung (S. 18 ff. Ziff. 5.1) und zu Fragen von dessen Überwind
barkeit (S. 21 ff. Ziff. 5.2), welche er aus näher da
rgelegten Gründen verneinte (S.
27 f.). Im Vergleich zu seiner im Jahr 2018 abgegeben Einschätzung habe sich eine leichte Verbesserung der
Arbeitsfähigkeit
ergeben
, so dass die aktuell zumutbare Arbeitszeit 50 % und die Leistungsfähigkeit 40 %, die Arbeitsfähigkeit mithin total 20 % betrage (S. 28 Ziff. 6). Das MEDAS-Gutachten weise eine erstaunlich geringe Explorationstiefe auf und das psychiatrische Teilgutachten
leide an näher dargelegten Mängeln, welche zum dringenden Verdacht einer einseitigen oder tendenziösen Beurteilung führten, so
dass
die Qualität beider Gutachten als ungenügend beurteilt werden müss
t
en (S. 29 f. Ziff. 7).
3.
6
Am 26. November 2020 wurde über eine am 18. November 20
20
erfolgte Verlaufskonsultation in der Klinik für Rheumatolo
gie, Spital F._
,
berichtet
(Urk. 3/9)
, und es wurden die folgenden, hier verkürzt ange
führten Diagnosen genannt (S. 1):
-
chronische generalisierte Schmerzstörung
-
rezidivierende depressive Episoden
-
Vitamin D
-
und Eisenmangel
-
Mikrohämaturie unklarer Genese
Die absolvierte medizinische Trainingstherapie sei für die Patientin leider ohne positive Effekte geblieben (S. 1 unten).
3.
7
Dr. B._
(vorstehend E. 3.2) erstattete am
12. Februar 2021
eine weitere Stel
lungnahme
(Urk. 3/3)
, die er einleitend als überarbeitete und damit vollständigere und ergänzte Version seiner Eingabe vom
26. Juni 2020 (vorstehend E. 3.
5
) bezeichnete (S. 1 Mitte). Darin äusserte er sich, teilweise noch
etwas ausführlicher, zu den bereits
thematisierten Aspekten (Befunde, Depression, Persönlich
keitsstörung, somatoformes Schmerzsyndrom, Überwindbarkeit, aktuelle Arbeits
fähigkeit - nunmehr 16 % (S. 40) - und Qualifizierung des MEDAS-Gutachtens). Neu äusserte er sich, wiederum ausführlich, zur vom psychiatrischen Gutachter postulierten Zustandsverbesserung ab 2019
und führte aus, dieser habe die von ihm als nunmehr lediglich leichtgradig ausgeprägte Symptomatik zu Unrecht als seit 2019
bestehend
angenommen,
bloss
weil er - Dr. B._
- im Bericht vom 15.
Juli 2019 tatsächlich die im Dezember 2018 genannten Befunde unverändert wiederholt habe
(S. 18 ff.)
.
4.
4.1
Zunächst is
t hinsichtlich der von Dr. B._
und Dr.
C._
gestellten
unter
schiedlich
en
Diagnosen eine Klärung angezeigt. Dies gilt insbesondere für die Persönlichkeitsstörung
(ICD-10 F60.8), welche Dr. B._
diagnostiziert hat (vorstehend E. 3.2).
Dr.
C._
hat sich ausführlich damit auseinandergesetzt und d
arauf hinge
wiesen, dass gemäss
ICD-10 Persönlichkeitsstörungen immer in der Kindheit oder Jugend beginnen, und dass die Beschwerdeführerin bis zum Auftreten der depressiven Problematik zirka 2008/2009 und jedenfalls bis zu ihrem 34. Lebens
jahr keine
sich aus einer Persönlichkeitsstörung ergebenden Einschränkungen des sozialen und Leistungs- und Integrationsniveaus gezeigt hat. Aus diesen und weiteren, näher ausgeführten Gründen könne weder aktuell noch retrospektiv eine Persönlichkeitsstörung bestä
tigt werden (vorstehend E. 3.3.4
).
Dr. B._
setzte sich mit dieser ausführlich begründeten Argumentation
von Dr.
C._
so gut wie gar nicht auseinander, was angesichts des erheblichen Gesamtvolumens seiner Stellungnahme (vorstehend E. 3.
5
) besonders auffällt. Namentlich den zentralen Punkt, dass es keine Hinweise auf das Auftreten einer Persönlichkeitsstörung in der Kindheit oder Jugend gibt, tat er mit der Bemerkung ab, diesbezüglich möge eine «kleine Einschränkung» bestehen, und selbst wenn es an einem solchen Auftreten fehlen sollte, habe die Persönlichkeitspathologie mittlerweile ein Ausmass erreicht, das einer Persönlichkeitsstörung «entspreche». D
amit vertrat er - im Klartext - den Standpunkt, er würde an der von ihm genannten Diagnose auch dann festhalten, wenn die dafür gemäss ICD-10 gefor
derten Kriterien nicht erfüllt wären.
Dies genügt den Anforderungen an eine nachvollziehbar begründete Diagnose
stellung offensichtlich nicht, so dass mit Dr.
C._
davon auszugehen ist, dass die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung nicht bestätigt werden kann.
4.2
Eine weitere, wenn auch weniger weitgehende Differenz in diagnostischer Hinsicht besteht betreffend den Schweregrad d
er depressiven Symptomatik: Dr.
C._
führte aus, ab 2009 sei eine als mittelgradig beurteilte depressive Symptomatik aktenkundig und auch im Rahmen der 2014 erfolgten Begut
achtung angenommen worden. Diesbezüglich sei
(ab 2019) eine Zustandsver
besserung eingetreten, so dass aktuell noch eine leichtgradige Symptomatik knapp bestätigt werden könne
(vorstehend E. 3.3.2)
.
Demgegen
über diagnostizierte Dr. B._
2019 eine mittelgradig ausgeprägte depressive Störung (ICD-10 F33.1), woran er 2020 festhielt (vorstehend E. 3.2 und E. 3.
5
).
Bei der Würdigung dieser Differenz ist zu berücksichtigen, dass n
amentlich die Feststellungen von
Fachperson der Psychiatrie naturgemäss mit Ermessenszügen behaftet
sind
(BGE 130 V 352 E. 2.2.4)
, sowie dass sich die Ausprägung einer depressiven Symptomatik im Zeitverlauf ändern und auch gewissen Schwankun
gen unterworfen sein kann.
Vor diesem Hintergrund kommt der genannten Differenz kein massgebliches Gewicht zu, zumal beide Beurteilungen das Vorliegen einer
schwergradigen
depressiven Symptomatik ausschliessen.
4.3
Hinsichtlich der Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung
(ICD-10 F45.4)
unterscheiden sich die Beurteilungen
zwar nicht bezogen auf die Diagnose, aber hinsichtlich ihrer Auswirkunge
n auf die Arbeitsfähigkeit. Dr.
C._
erachtete die Beeinträchtig
ung als «überwindbar», Dr. B._
verneinte deren Überwindbarkeit.
Hier befinden sich beide gleichermassen im Irrtum. Es scheint ihnen entgangen zu sein, dass seit 2015 (unter anderem) diese Beeinträchtigung nicht mehr unter dem Aspekt der früheren Überwindbarkeitsvermutung beurteilt wird, sondern im Rahmen des
indikatorengeleiteten
strukturierten Beweisverfahrens (vorstehend E. 1.1). Da dieses nachstehend zur Anwendung kommt, erübrigen sich an dieser Stelle Weiterungen.
4.4
Zu prüfen ist nunmehr, wie es sich mit den Auswirkungen der diagnostizierten depressiven Symptomatik auf die Arbeitsfähigkeit verhält, namentlich, ob die gutachterliche attestierte Arbeitsunfähigkeit den Vorgaben des strukturierten Beweisverfahrens (vorstehend E. 1.2)
genügt,
beziehungsweise wie es sich mit den rechtsprechungsgemäss relevanten Indikatoren (vorstehend E. 1.4) verhält.
Die
diagnoserelevanten Befunde
sind gemäss Dr. B._
mittelgradig und gemäss Dr.
C._
(knapp) leichtgradig ausgeprägt, so dass nicht von einer erheblichen Ausprägung gesprochen werden kann.
Über Eingliederungsbemühungen ist nichts bekannt, so dass sich diesbezüglich Angaben über Erfolg oder Resistenz erübrigen. Die seit dem Jahr 2010 statt
findende psychiatrische Behandlung hat, f
olgt man dem Behandler Dr. B._
, wenig Früchte getragen, während Dr.
C._
die von ihm konstatierte Verbes
serung hauptsächlich günstiger gewordenen äusseren Umständen und damit wohl weniger der erfolgten Behandlung zuschrieb.
K
omorbiditäten
sind im
chronische
n
Fibromyalgiesyndrom
/
multilok
ulären
Schmerzsyndrom
und in der
anhaltende
n
somatoforme
n
Schmerzstörung
zu erkennen.
P
ersönliche Res
sourcen
wurden von Dr.
C._
- im Unterschied zu Dr. B._
-
sorgfältig evaluiert,
d
er darauf hin
wies
, dass die Beschwerdeführerin
nebst einer Fähigkeit, längere Beziehungen eingehen zu können, auch die Fähig
keit
zeige
,
soziale Kontakte zu pflegen, dies häuslich und ausserhäuslich. Sie sei in der Lage, kognitiv anspruchsvolle
wie
auch körperlich zielgerichtete Aktivi
täten
durchzuführen
. Sie sei in der Lage, eine Tagesstruktur aufzubauen und diese aufrechtzuhalten. Sie sei in der Lage, längere Aktivitäten, wie die Reise in ihr Heimatland, durchzuführen.
Als - wenn auch nicht für
einfache Tätigkeiten
-
limitierend nannte er bestehende s
prachlich
e und
schulisch
e
Einschränkungen
(vorstehend 3.3.7).
Hinsichtlich des s
oziale
n Kontexts ist mit Dr.
C._
auf verbesserte
soziale Umstände,
eine
stabile eheliche Beziehung, die Stabilisierung der sozialen Probleme der Kinder und eine Verbesserung des sozialen Integrationsniveaus
hinzuweisen (vorstehend E. 3.3.4).
Die Kategorie der Konsistenz bezieht sich im Rahmen des strukturierten Beweis
verfahrens auf Gesichtspunkte des Verhaltens der versicherten
Person. Dafür massgebend sind zwei Standardindikatoren, nämlich das Ausmass der
Einschrän
kung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen
und der b
ehandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesene
Leidens
druck. Zu beiden Aspekten enthalten die Gutachten von Dr.
C._
und d
as
MEDAS-Gutachten relevante Angaben.
Die Beschwerdeführerin selber, so wurde es im MEDAS-Gutachten festgehalten, ist überzeugt, nicht mehr erwerbstätig sein zu können (E. 3.4.4). Damit kontras
tier
t
ihre doch rege sportliche Aktivität mit wöchentlich Schwimmen und mehr
maligem Fitnesstraining
, die Kontaktpflege im privaten und die Aktivitäten im familiären Umfeld, eine Reise nach Mittelamerika in jüngerer Vergangenheit und der ihr zuträgliche dortige Aufenthalt im Heimatland (vorstehend E. 3.3.2).
Da keine Eingliederungsbemühungen bekannt sind, ist auch kein diesbezüglicher Leidensdruck ersichtlich. In behandlungsmässiger Hinsicht sind die als regel
mässig anzunehmen
den Konsultationen bei Dr. B._
zu registrieren, aber auch, dass die - vom Behandler offenbar nie veranlasste - Spiegelbestimmung im Rahmen der Begutachtung eine nachweisbare
Malcompliance
bezüglich der verordneten Medikation ergeben hat (vorstehend E. 3.3.3). Letzteres l
ässt
grosse
Zweifel am Bestehen eines erheblichen Leidensdrucks im Sinne dieses Standardindikators aufkommen.
4.5
In Würdigung der dem Gutachten zu entnehmenden Angaben zu den Standard
indikatoren ergibt sich, dass sich Dr.
C._
de facto
eingehend mit
ihnen
auseinander
gesetzt hat
.
Seine
Beurteilung umfasst das ganze Leistungsprofil mit sowohl negativen als auch positiven Anteilen und ist so verfasst, dass die attes
tierte Arbeitsunfähigkeit «gleichsam aus dem Saldo aller wesentlichen Belas
tungen und Ressourcen» (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1) abgeleitet wurde. D
er
psychiatrische Gutachter
i
st bei der Beantwortung der Frage, wie
er
das Leistungsvermögen einschätze, den einschlägigen Indikatoren gefolgt, hat ausschliesslich funktionelle Ausfälle berücksichtigt, welche Folge der gesundheit
lichen Beeinträchtigung sind, und
seine
versicherungsmedizinische Zumutbar
keitsbeurteilung ist auf objektivierter Grundlage erfolgt. Die von der Rechts
anwendung zu prüfende Frage, ob er sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten und das Leistungsvermögen in Berücksichtigung der einschlägigen Indikatoren eingeschätzt hat (BGE 141 V 281 E. 5.2.2), ist klar zu bejahen. Die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage lassen sich anhand der Standard
indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahrscheinlich
keit nachweisen, weshalb auf das Gutachten abzustellen ist.
4.6
Zum Ausmass der leidensbedingt verbleibenden Arbeitsfähigkeit bestehen unter
schiedliche Einschätzungen. Die Beschwerdeführerin selber veranschlagt sie, wie erwähnt, mit 0 %
,
und der sie behandelnde Dr
. B._
mit 20 % (vorstehend E.
3.
5
) beziehungsweise nunmehr nur noch 14 % (vorstehend E. 3.
7
). Dem steht die Einschätzung durch den psychiatrischen Gutachter wie auch der übrigen Gutachter gegenüber, die eine Arbeitsfähigkeit
bis Ende 2018 von 50 % und ab 2019
von 80 % attestiert haben. Nachdem die Würdigung des psychiatrischen Gutach
tens im Lichte des strukturierten Beweisverfahrens ergeben hat, dass dieses als beweiskräftig zu beurteilen ist (vorstehend E. 4.5), ist
darauf abzustellen und der Sachverhalt als dahingehend erstellt festzuhalten, dass die Arbeitsfähigkeit 80 % beträgt.
Hinsichtlich der bis Ende 2018 anzunehmenden Arbeitsfähigkeit von 50 % ist zu berücksichtigen, dass sich diese Einschränkung bei einer
-
weiterhin unbestrittenen (vgl. Urk. 1) - Qualifikation von 50 % Erwerbs- und 50 % Haus
halttätigkeit nicht anspruchsrelevant auswirkt, weshalb auch von 2017 (vgl. vorstehend E. 3.1) bis 2018 kein Rentenanspruch bestand.
4.7
Es ist nach
vollziehbar, dass die Beschwerdeführerin die Auseinandersetzung der Beschwer
degegnerin mit den von
ihr - beziehungsweise Dr. B._
- erhobenen Einwänden als ungenügend erachtet. Diese ist in der Tat grenzwertig rudimentär und damit nur knapp genügend ausgefallen.
Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Stellungnahm
e von Dr. B._
einen Zug ins Weitschweifige und Belehrende aufweist, und von der Beschwer
degegnerin auch im Rahmen ihrer Abklärungs- und Begründungspflicht nicht verlangt werden kann, aus einer ärztlichen Stellungnahme zuerst die Su
bstanz herauszuschälen und diese dann noch im Einzelnen zu kommentieren.
Was Dr. B._
nebst seiner eigenen Einschätzung noch beigesteuert hat, war sodann seitens der Beschwerdegegnerin nicht kommentarbedürftig, da auf den Fall bezogen ohne Erkenntnisgewinn: Der Fachartikel v
on Dr. D._
befasste sich
mit therapeutischen Fragen im Zusammenhang mit der somatoformen Schmerz
störung.
Das Gutachten von Prof. E._
sodan
n ist publiziert worden (E._
,
Probleme und offene Fragen in der Beurteilung der Erwerbsfähigkeit bei Probanden mit funktionellen Körperbeschwerdesyndromen, SZS 2014 S. 535 ff.
)
und dürfte massgebend zur mit
BGE 141 V 281
vollzogenen Rechtsprechungs
änderung beigetragen haben, wie sich aus den zahlreichen Stellen ergibt, an denen es vom Bundesgericht angeführt wurde. Dies der Beschwerdeführerin (beziehungsweise ihrem behandelnden Psychiater) zu erläutern, war gewiss nicht Aufgabe der Beschwerdegegnerin.
4.8
Schliesslich
ist zum
Stellenwert der seit 1978
als
spezialisierte verwaltungs
externe Abklärungsinstitution
bestehenden MEDAS festzuhalten, dass das z
entrale Wesensmerkmal der MEDAS-Gutachten die interdisziplinäre Ausrich
tung
ist
, sowie
dass
ihnen
die rechtlich determinierten versicherungs
medizinischen Vorgaben zugrunde
liegen. Dergestalt sind
ihre
Schlussfolgerungen
auf
die IV-spezifischen Tatfragen zugeschnitten, was ihnen hinsicht
lich der Beweiskraft oft einen entscheidenden Vorteil gegenüber (abweichenden) Berichten aus therapeutischen Zusammenhängen verschafft
, was der
in ständiger Rechtsprechung anerkannten Verschiedenheit von Behandlungs- und Begut
achtungsauftrag
entspricht (BGE 137 V 210 E. 1.2.4, mit Hinweis auf BGE 124 I 170 E. 4
; Urteile
des Bundesgerichts
9C_24/2008 vom 27. Mai 2008 E.
2.3.2
,
I 701/05 vom 5. Januar 2007 E. 2
am Ende
und I 506/00 vom 13. Juni 2001 E. 2b).
4.9
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin zu Recht auf die gutachterlich attestierte Arbeitsfähigkeit abgestellt hat, womit sich die ange
fochtene Verfügung als rechtens erweist, was zur Abweisung der dagegen erho
benen Beschwerde führt.
5.
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sind ermessensweise auf Fr. 900.-- festzusetzen, ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen, infolge der zu bewilligen
den unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, dies unter Hinweis auf § 16 Abs. 4
des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht (
GSVGer
)
.