# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 29eb63a6-c991-5724-af61-a0264c510751
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2009
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Tatjana B.-V., geb. 1974, ist Staatsangehörige von Montenegro. Sie heiratete am
13. November 2004 in ihrem Heimatstaat den in G. (Kanton St. Gallen) wohnhaften
Schweizer Bürger Paul Franz B., geb. 1963. Die Ehefrau reiste am 4. Februar 2005 in
die Schweiz ein und erhielt im Rahmen des Familiennachzugs eine
Aufenthaltsbewilligung. Am 24. Mai 2005 ersuchte Tatjana B.-V. um Erteilung von
Aufenthaltsbewilligungen an ihre beiden Söhne aus erster Ehe (geb. 1993 und 1995).
Nachdem das Ausländeramt die Ablehnung des Gesuchs wegen ungenügender
finanzieller Mittel in Aussicht gestellt hatte, zog es die Gesuchstellerin am 24. Oktober
2005 zurück.
Im Sommer 2007 ergaben sich im Rahmen eines Strafverfahrens gegen Paul Franz B.
Indizien für das Vorliegen einer Scheinehe zwischen ihm und Tatjana B.-V.
Die Aufenthaltsbewilligung der Ehefrau wurde letztmals bis 3. Februar 2008 verlängert.
Mit Verfügung vom 28. April 2008 wies das Ausländeramt das Gesuch von Tatjana B.-
V. um Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung ab und setzte ihr eine Frist bis 5. Juli
2008 zum Verlassen der Schweiz an. Zur Begründung hielt das Ausländeramt fest, die
Gesuchstellerin sei eine Scheinehe eingegangen.
B./ Gegen die Verfügung des Ausländeramts erhob Tatjana B.-V. durch ihren
Rechtsvertreter mit Eingabe vom 13. Mai 2008 Rekurs, der vom Sicherheits- und
Justizdepartement mit Entscheid vom 2. Juni 2009 abgewiesen wurde.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
C./ Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 17. Juni 2009 erhob Tatjana B.-V.
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, die angefochtene Verfügung sei
aufzuheben und es sei ihr weiterhin die Aufenthaltsbewilligung für den Kanton St.
Gallen zu erteilen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung wird im
wesentlichen vorgebracht, es läge keine Scheinehe vor. Die Eheleute hätten bis 2008
gemeinsam in G. gewohnt. Weil die Ehefrau in Erlenbach arbeite und eine tägliche
Rückkehr nach Hause nicht mehr möglich sei bzw. dies einen längeren Arbeitsweg zur
Folge habe, wohne sie heute in Zürich-Seebach. Seit 2008 hätten sich die Eheleute
zudem entfremdet. Auf die weiteren Vorbringen in der Beschwerde wird, soweit
wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Im August 2009 meldete sich Tatjana B.-V. aus der Gemeinde G. ab.
Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 18. September 2009 auf
Abweisung der Beschwerde.
Die Beschwerdeführerin erhielt Gelegenheit, zur
vorinstanzlichen Vernehmlassung und den von der Vorinstanz bzw. dem Ausländeramt
im Beschwerdeverfahren übermittelten Akten Stellung zu nehmen. Die
Beschwerdeführerin liess sich mit Eingabe ihres Rechtsvertreters innert erstreckter Frist
am 2. November 2009 vernehmen.

## Considerations

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die
Beschwerdeführerin ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 17. Juni 2009 wurde
rechtzeitig eingereicht (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 VRP).
Das Rechtsbegehren der Beschwerdeführerin lautet, es sei die Verfügung aufzuheben
und es sei der Beschwerdeführerin weiterhin die Aufenthaltsbewilligung für den Kanton
St. Gallen zu erteilen, alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des
Staates. Anfechtungsobjekt im Beschwerdeverfahren ist der Rekursentscheid vom 2.
Juni 2009. Im Rechtsbegehren wird offenbar der angefochtene Entscheid als
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Verfügung bezeichnet, zumal im Rubrum der Beschwerdeschrift ausdrücklich auf den
Entscheid vom 2. Juni 2009 hingewiesen wird. Da die Beschwerdeschrift auch eine
Darstellung des Sachverhalts und eine Begründung enthält, ist auf die Beschwerde
einzutreten (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 48 Abs. 1 VRP).
2. Gemäss Art. 42 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer
(SR 142.20, abgekürzt AuG) haben ausländische Ehegatten von Schweizern Anspruch
auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit diesen
zusammenwohnen (Abs. 1). Nach einem ordnungsgemässen und ununterbrochenen
Aufenthalt von fünf Jahren haben die Ehegatten Anspruch auf Erteilung der
Niederlassungsbewilligung (Abs. 2). Gemäss Art. 51 Abs. 1 AuG erlöschen die
Ansprüche nach Art. 42 AuG, wenn sie rechtsmissbräuchlich geltend gemacht werden,
namentlich um Vorschriften des AuG und seiner Ausführungsbestimmungen über die
Zulassung und den Aufenthalt zu umgehen (lit. a), sowie bei Vorliegen von
Widerrufsgründen nach Art. 63 AuG (lit. b). Gemäss Art. 62 AuG kann die
Aufenthaltsbewilligung unter anderem widerrufen werden, wenn der Ausländer oder
sein Vertreter im Bewilligungsverfahren falsche Angaben macht oder wesentliche
Tatsachen verschwiegen hat (lit. a) und wenn er erheblich oder wiederholt gegen die
öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen hat
oder diese gefährdet oder die innere oder die äussere Sicherheit gefährdet (lit. c). Der
Ausländer ist verpflichtet, an der Feststellung des für die Anwendung des Gesetzes
massgebenden Sachverhalts mitzuwirken. Er muss insbesondere zutreffende und
vollständige Angaben über die für die Regelung des Aufenthalts wesentlichen
Tatsachen machen (Art. 90 lit. a AuG). Der Widerruf der Aufenthaltsbewilligung setzt
somit voraus, dass der Ausländer wissentlich falsche Angaben gemacht oder
Tatsachen verschwiegen hat, in der Absicht, gestützt darauf den Aufenthalt bewilligt zu
erhalten (BGE 2C_243/2008 vom 18. Juni 2008 E. 2.3.; BGE 2A.275/2005 vom 17.
Oktober 2005 E. 2.1.). Über die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung
entscheiden die zuständigen Behörden im Rahmen des ihnen gestützt auf Art. 96 AuG
eingeräumten, pflichtgemäss auszuübenden Ermessens (Weisungen und
Kreisschreiben des Bundesamtes für Migration, I. Ausländerbereich, Version 1.1.08,
Ziff. 3.3.5., publiziert in: www.bfm.admin.ch).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.1. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung liegt eine Schein- oder
Ausländerrechtsehe vor, wenn die Ehe nur zum Zweck der Umgehung
fremdenpolizeilicher Vorschriften eingegangen wurde oder an ihr aus diesem Grund
festgehalten wird. Die Ehegatten beabsichtigen somit von Beginn an keine echte
eheliche Gemeinschaft. Der Nachweis, dass die Ehe zur Umgehung der Vorschriften
über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer geschlossen wurde und nicht der
Begründung einer Lebensgemeinschaft dient, ist in der Regel nicht direkt, sondern nur
durch Indizien zu erbringen (BGE 122 II 295 E. 2b; VerwGE B 2008/190 vom 22. Januar
2009 E. 2.1.; VerwGE B 2008/140 vom 5. November 2008 E. 4.2., beide publiziert in:
www.gerichte.sg.ch). Solche Indizien sind unter anderem darin zu erblicken, dass dem
Ausländer die Ausweisung gedroht hat, weil er ohne Heirat keine
Aufenthaltsbewilligung erhalten hätte oder sie ihm nicht verlängert worden wäre.
Sodann können die Umstände oder die kurze Dauer der Bekanntschaft sowie die
Tatsache, dass die Ehegatten eine Wohngemeinschaft gar nie aufgenommen haben,
für das Vorliegen einer Scheinehe sprechen. Umgekehrt kann aus einer gewissen Zeit
des Zusammenlebens und des Unterhalts intimer Beziehungen nicht ohne weiteres
abgeleitet werden, es sei eine wirkliche Lebensgemeinschaft gewollt gewesen. Ein
solches Verhalten kann zur Täuschung der Behörden auch nur vorgespiegelt sein.
Einzelne Indizien vermögen für sich allein den Nachweis einer Tatsache nicht zu
erbringen. Je nach Art und Anzahl können sie sich jedoch zum rechtsgenüglichen
Beweis verdichten (BGE 122 II 295 E. 2b; 123 II 52 E. 5). Dabei ist nicht von
wesentlicher Bedeutung, ob einzelne Indizien auch bei einer normalen Ehe vorliegen
könnten. Entscheidend ist vielmehr eine Gesamtbetrachtung sämtlicher vorliegender
Tatumstände (VerwGE B 2008/129 vom 14. Oktober 2008 E. 3.2. und 3.3.; VerwGE
B 2007/127 vom 5. November 2007 E. 2.3., beide publiziert in: www.gerichte.sg.ch).
Wenn aber nicht genügend Anhaltspunkte bestehen, die auf eine Scheinehe hindeuten,
so darf nicht einzig aufgrund dieser ungenügenden Anhaltspunkte die Berufung auf
eine bestehende Ehe als rechtsmissbräuchlich qualifiziert werden (BGE 123 II 49 ff.).
2.2. Allein für sich vermag ein einzelnes Indiz den Nachweis einer Tatsache nicht zu
erbringen. Es liegt bei Indizienbeweisen in der Natur der Sache, dass jedes einzelne
Merkmal für sich allein nicht genügen würde, um eine Scheinehe nachzuweisen. Wenn
jedoch eine Vielzahl von Indizien gegeben ist, können sich diese je nach Art und Anzahl
zum rechtsgenüglichen Beweis verdichten. Es ist daher bei den einzelnen Indizien einer
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Scheinehe nicht von entscheidender Bedeutung, ob sie auch bei einer normalen Ehe
vorliegen können. Entscheidend ist die Gesamtheit der vorliegenden Tatumstände (vgl.
VerwGE B 2007/127 vom 5. November 2007, in: www.gerichte.sg.ch).
2.2.1. Der Ehemann der Beschwerdeführerin erklärte gegenüber dem Ausländeramt
schriftlich, seine Ehe mit der Beschwerdeführerin sei eine Scheinehe. Er hielt fest, er sei
von Radmila O., der Tante seiner Ehefrau, zur Heirat überredet worden, damit die
Ehefrau in der Schweiz bleiben könne. Die Tante habe ihm versprochen, dass seine
Ehefrau bei ihm wohnen würde und sehr lieb wäre. Bis heute habe die Ehefrau noch
kein einziges Mal bei ihm in der gemeinsamen Wohnung geschlafen. Er sei sich
bewusst, dass er einen grossen Fehler gemacht habe.
Die Beschwerdeführerin bestreitet die Richtigkeit dieser Angaben und die Echtheit der
Unterschrift des Ehemannes. Sie beantragt ein Gutachten über die Echtheit der
Unterschrift und eine Befragung des Ehemannes als Zeuge. Auf weitere Abklärungen
kann aufgrund der Indizienlage allerdings verzichtet werden. Selbst wenn die Erklärung
nicht den vollen Beweis einer Scheinehe erbringt, so handelt es sich doch um ein
gewichtiges Indiz. Als Indiz für die Glaubwürdigkeit spricht auch, dass sich der
Ehemann mit der Erklärung eines strafbaren Verhaltens bezichtigt. Die
Gemeindeverwaltung G. bestätigte zudem gegenüber der Kantonspolizei Zürich, dass
der Ehemann ein Dokument unterzeichnet habe, wonach er mit der
Beschwerdeführerin eine Scheinehe eingegangen sei. Aufgrund der mündlichen
Ausführungen des Ehemannes gegenüber der Polizei besteht kein Anlass, weitere
Abklärungen zur schriftlichen Erklärung zu machen. Der Ehemann wurde übrigens von
der Polizei als Auskunftsperson im Sinn von Art. 12 Abs. 1 VRP befragt. Als
Auskunftsperson unterlag er zwar nicht der Wahrheitspflicht, welche für Zeugen gilt. Als
Ehemann einer Person, die der Scheinehe bezichtigt wird, wäre eine Befragung als
Zeuge aufgrund der formal bestehenden Ehe nicht angebracht.
2.2.2. Der Ehemann unterhielt zudem nach seinen eigenen Aussagen gegenüber der
Polizei während der Ehe mit der Beschwerdeführerin eine Drittbeziehung. Dies erklärte
er anlässlich der Befragung durch die Polizei am 31. August 2007 (Akten Ausländeramt,
S. 163). Auf die Frage, ob er mit seiner Ehefrau zusammen wohne bzw. ob er je mit ihr
zusammen gewohnt habe, erklärte der Ehemann, er "wohne schon" mit seiner Frau
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
zusammen. Es habe sich allerdings so ergeben, dass er sie jeweils nur am
Wochenende sehe. Die Ehefrau arbeite in Erlenbach und das sei nicht gerade am Weg.
Daher schlafe sie bei ihrer Tante. Sie würde abends mit dem Postauto etc. gar nicht
mehr nach Hause nach G. kommen. Für ihn habe sich die Sache so gut eingelebt.
Auf diese Erklärungen ist als Aussagen einer Auskunftsperson abzustellen. Der
Einwand in der Beschwerde, der Ehemann habe die Aussagen nicht als Zeuge
gemacht, weshalb sie unbeachtlich seien, ist unbehelflich. Der Art der Befragung ist
zwar bei der Beweiswürdigung Rechnung zu tragen, namentlich auch dem Umstand,
dass die Befragung nicht unter der Wahrheitspflicht als Zeuge erfolgte. Dennoch
besteht kein Grund, an der Wahrheit der Aussagen des Ehemannes zu zweifeln, zumal
die Beschwerdeführerin selber ähnlich lautende Angaben zu den getrennten
Wohnungen und zu einer Drittbeziehung machte. Die Erklärung des Ehemannes für die
getrennten Wohnungen ist nicht stichhaltig. Von Erlenbach nach G. beträgt der
Arbeitsweg mit öffentlichen Verkehrsmitteln rund fünfviertel Stunden. Zudem war der
Ehemann im Zeitpunkt der polizeilichen Befragung nach eigenen Angaben arbeitslos,
weshalb er die Ehefrau mit dem Auto in R. oder U. hätte abholen können, wenn die
Fahrt mit dem Postauto bzw. Bus nach G. zu umständlich gewesen wäre.
2.2.3. Eine ehemalige Arbeitgeberin der Beschwerdeführerin erklärte gegenüber der
Polizei ebenfalls, die Beschwerdeführerin sei eine Scheinehe eingegangen. Die
Beschwerdeführerin erklärte zudem selber am 18. Februar 2009 gegenüber der
Kantonspolizei Zürich, sie habe Anfang 2007 in Zürich eine Wohnung gemietet. Sie sei
in jener Zeit mit Sasa D. befreundet gewesen und sie habe auch mit ihm in der
besagten Wohnung gewohnt. Sie habe die Wohnung im Zeitraum von November 2006
bis November 2007 gemietet. Dabei handelte es sich nicht um Aussagen Dritter
gegenüber der Polizei, sondern um eine Aussage der Beschwerdeführerin selbst. Der
Umstand, dass die Beschwerdeführerin rund eineinhalb Jahre nach der Einreise in die
Schweiz in Zürich eine eigene Wohnung mietete und dort mit einem anderen Mann
zusammenlebte, bildet ebenfalls ein gewichtiges Indiz für eine Scheinehe.
Der Bezug einer eigenen Wohnung in Zürich wird in der Beschwerde damit begründet,
dass der Arbeitsweg von Erlenbach nach G. erheblich weiter sei als nach Seebach.
Diese tägliche Zeitersparnis sei plausibel und nachvollziehbar gewesen. Diese
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Erklärung ist jedoch wie oben dargelegt nicht stichhaltig. Der Arbeitsweg bildet keinen
stichhaltigen Grund für den Bezug getrennter Wohnungen.
2.2.4. Entgegen den Vorbringen in der Beschwerde bildet der Umstand, dass die
Beschwerdeführerin in G. nie angetroffen wurde und die Anwesenheit der
Beschwerdeführerin bei ihrem Ehemann nicht festgestellt werden konnte, neben den
dargelegten Sachverhalten durchaus ein weiteres Indiz für das Vorliegen einer
Scheinehe. Zutreffend ist, dass es den Eheleuten grundsätzlich frei steht, getrennte
Wohnsitze zu haben. Dies ist im vorliegenden Fall aber nicht entscheidend. Aufgrund
der vorliegenden Indizien, insbesondere der Aussagen des Ehemannes und der
Beschwerdeführerin, der getrennten Wohnsitze sowie der Fremdbeziehungen beider
Ehegatten bestehen hinreichende Indizien, um von einer Scheinehe auszugehen.
2.3. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen gelangt das Verwaltungsgericht zum
Schluss, dass die Vorinstanz zu Recht angenommen hat, die Beschwerdeführerin habe
mit der Heirat keine Lebensgemeinschaft begründen, sondern ausschliesslich eine
Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz erlangen wollen. Die Vorinstanz hat die
vorliegenden Indizien sorgfältig und zutreffend gewürdigt. Es kann ergänzend auf die
Erwägungen im angefochtenen Entscheid (E. 4 b) verwiesen werden.
2.4. Das Eingehen einer Scheinehe bildet einen Verstoss gegen eine zentrale
ausländerrechtliche Norm (vgl. statt vieler BGE 2A.275/2005 vom 17. Oktober 2005 E.
4.2 mit Hinweisen). Nach der Praxis rechtfertigt daher das Eingehen einer Scheinehe
den Widerruf einer Aufenthaltsbewilligung (vgl. statt vieler VerwGE B 2005/86 vom 13.
September 2005; B 2006/15 vom 12. April 2006; B 2006/51 vom 8. Juni 2006,
publiziert in: www.gerichte.sg.ch). Umso mehr ist auch die Verweigerung der
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung gerechtfertigt. Bei einer Scheinehe ist im
übrigen die Berufung auf Art. 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention (SR
0.101) bzw. Art. 13 und 14 der Bundesverfassung (SR 101) unbehelflich.
Die Beschwerdeführerin lebt erst seit knapp fünf Jahren in der Schweiz. Ihre beiden
Kinder aus erster Ehe sowie ihre Eltern leben im Heimatstaat. Für Mai/Juni 2008 war ihr
ein Rückreisevisum ausgestellt worden. Die Beschwerdeführerin übt in der Schweiz
keine besonders qualifizierte Tätigkeit aus, die in wirtschaftlicher oder
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
arbeitsmarktlicher Hinsicht eine Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung gebieten
würde. In der Berücksichtigung solcher Umstände ist entgegen den Vorbringen in der
Beschwerde keine Diskriminierung zu erblicken. Jedenfalls ist eine Rückkehr in den
Heimatstaat für die Beschwerdeführerin nicht mit überdurchschnittlichen
Schwierigkeiten verbunden.
2.5. Selbst wenn eine Scheinehe nicht als erwiesen angenommen würde, erwiese sich
die Verweigerung der Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung als rechtmässig.
Nach Auflösung der Ehe oder der Familiengemeinschaft besteht nach Art. 50 Abs. 1
AuG der Anspruch des Ehegatten auf Erteilung und Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung nach Art. 42 weiter, wenn die Ehegemeinschaft mindestens drei
Jahre bestanden hat und eine erfolgreiche Integration besteht (lit. a), oder wenn
wichtige persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich
machen (lit. b). Nach Art. 62 lit. d AuG kann die zuständige Behörde Bewilligungen,
ausgenommen die Niederlassungsbewilligung, widerrufen, wenn die Ausländerin eine
mit der Bewilligung verbundene Bedingung nicht einhält.
Die Beschwerdeführerin heiratete ihren Schweizer Ehemann am 13. November 2004.
Am 2. Februar 2005 reiste sie zu ihm in die Schweiz ein. Von November 2006 bis
November 2007 wohnte sie in Zürich mit Sasa D. zusammen. Die eheliche
Gemeinschaft mit Paul Franz B. dauerte somit rund zwei Jahre. Die Frist von drei
Jahren nach Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG ist damit bei weitem nicht erfüllt.
Die Aufenthaltsbewilligung wurde im Rahmen des Familiennachzugs erteilt und der
Verbleib beim Schweizer Ehegatten als Aufenthaltszweck vermerkt. Nach der
faktischen Trennung der Eheleute ist diese mit der Erteilung der Bewilligung
verbundene Bedingung weggefallen. Damit ist ein Widerruf der Bewilligung
grundsätzlich zulässig. Nachdem die Bewilligung am 3. Februar 2008 abgelaufen ist, ist
zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf Verlängerung bzw. Erteilung der
Bewilligung hat.
Wichtige persönliche Gründe, die den Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung trotz Auflösung der Ehe- oder Familiengemeinschaft weiter
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
bestehen lassen, können namentlich vorliegen, wenn ein Ehegatte Opfer ehelicher
Gewalt wurde und die soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet
erscheint (Art. 50 Abs. 2 AuG). Solche Umstände sind im vorliegenden Fall nicht
gegeben. Im übrigen kann hinsichtlich der Rechtmässigkeit der Verweigerung des
weiteren Aufenthalts auf die vorstehenden Erwägungen (E. 2.5.) verwiesen werden.
2.6. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung
zu Recht verweigert wurde und die Beschwerde als unbegründet abzuweisen ist.
3. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Art. 13, Ziff. 622 Gerichtskostentarif,
sGS 941.12). Sie ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu
verrechnen.
Ausseramtliche Entschädigungen sind nicht zuzusprechen (Art. 98 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 98bis VRP).
Demnach hat das Verwaltungsgericht