# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 1671b2bb-55ed-479a-89b7-653e5a3dde6d
**Court:** AG_SVWG
**Chamber:** AG_SVWG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** AG / Northwestern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Gericht entnimmt den Akten:
A.
Der Kanton Aargau (nachfolgend: Gesuchsteller) beabsichtigt, die Kan-
tonsstrasse (K) AF im Bereich C zu sanieren und an die heutigen Anforde-
rungen anzupassen. Das Projekt wurde mit Beschluss des Regierungsra-
tes vom 16. August 2017 (RRB Nr. 2017-000906) genehmigt. Gleichzeitig
wurde das Enteignungsrecht erteilt (§ 132 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über
Raumentwicklung und Bauwesen [BauG; SAR 713.100] vom 19. Januar
1993 und § 8 des Dekrets über den Bau, den Unterhalt und die Kostenver-
teilung bei Kantonsstrassen [Kantonsstrassendekret, KSD; SAR 715.120]
vom 20. Oktober 1971).
B.
Der Rechtserwerb konnte mit den vom Projekt betroffenen Grundeigentü-
mern bis auf zwei Ausnahmen vertraglich geregelt werden. Mit Eingabe
vom 11. Juni 2019 ersuchte das Departement Bau, Verkehr und Umwelt
(nachfolgend: BVU) um Genehmigung der zustande gekommenen Enteig-
nungsverträge und Vereinbarungen sowie um Einleitung des Enteignungs-
verfahrens für die offenen Rechtserwerbe. Zudem wurde die vorzeitige Be-
sitzeinweisung beantragt.
C.
Mit Schreiben vom 19. Juni 2019 wies der Präsident des Spezialverwal-
tungsgerichts, Abteilung Kausalabgaben und Enteignungen (nachfolgend:
SKE), den Gemeinderat Q. an, die Enteignungsakten vom 27. Juni 2019
bis zum 26. Juli 2019 auf der Gemeindekanzlei zur Einsichtnahme zur Ver-
fügung zu halten. Die betroffenen Grundeigentümer wurden direkt ange-
schrieben und zur Einreichung von Begehren nach § 152 Abs. 1 BauG auf-
gefordert. Die eigentlich geltenden Sommergerichtsferien wurden aufgrund
des Begehrens um vorzeitige Besitzeinweisung praxisgemäss nicht beach-
tet (AGVE 2004 S. 344).
D.
A. (nachfolgend: Gesuchgegner) ist Eigentümer der Parzelle F im Halte von
97'026 m2. Von der Parzelle F sollen ca. 594 m2 an den Gesuchsteller ab-
getreten werden. Ausserdem ist eine grundsätzlich nicht zu entschädi-
gende vorübergehende Beanspruchung von ca. 473 m2 vorgesehen. Diese
wird allenfalls bei Ertragsausfall nach den Richtlinien des Schweizerischen
Bauernverbands entschädigt.
E.
Mit Schreiben vom 19. Juni 2019 teilte der Präsident des SKE dem Ge-
suchgegner mit, dass gegen ihn ein Enteignungsverfahren eingeleitet
werde und dass gleichzeitig ein Gesuch um vorzeitige Besitzeinweisung
gestellt wurde. Allfällige Begehren seien innert der Auflagefrist (C.) beim
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Gemeinderat Q. zuhanden des SKE schriftlich einzureichen. Er wurde zu-
dem ersucht, sich auch zum Gesuch um vorzeitige Besitzeinweisung zu
äussern. Darauf könne jedoch verzichtet werden, wenn er sich vorgängig
schriftlich mit der vorzeitigen Besitzergreifung einverstanden erkläre oder
wenn das Verfahren in der Hauptsache abgeschrieben werden könnte.
F.
Mit Einschreiben 26. Juli 2019 nahm der Gesuchgegner Stellung in Bezug
auf die Entschädigung, nicht aber zum Gesuch um vorzeitige Besitzeinwei-
sung. Er machte geltend, ihm sei eine angemessene Entschädigung für die
Landabtretung auszurichten, bezifferte seine Entschädigungsforderung je-
doch nicht. Das Einschreiben war aus unbekannten Gründen retourniert
worden und ging daher erst am 12. August 2019 beim SKE ein.
G.
Am 13. August 2019 forderte das SKE den Gesuchsteller auf, bis zum
9. September 2019 zum unbezifferten Entschädigungsbegehren des Ge-
suchgegners vom 26. Juli 2019 Stellung zu nehmen. Die Fristansetzung
dazu wurde koordiniert zum zweiten hängigen Rechtserwerbsverfahren
vorgenommen.
H.
Mit Schreiben vom 3. September nahm der Gesuchsteller zur Eingabe des
Gesuchgegners Stellung und beantragte die Abweisung der Begehren, so-
weit sie dem Entwurf des Enteignungsvertrags widersprächen und soweit
darauf einzutreten sei. Weiter wurde die Genehmigung des Rechtserwerbs
gemäss Entwurf des Enteignungsvertrags sowie die Gutheissung des Ge-
suchs um vorzeitige Besitzeinweisung beantragt.
I.
Mit Schreiben vom 10. September 2019 lud das SKE die Parteien zu einer
Augenscheinverhandlung auf den 29. Oktober 2019 ein. Den Parteien
wurde mitgeteilt, dass vorläufig auf einen Augenschein verzichtet werde,
da am selben Tag vorgängig bereits in Zusammenhang mit dem Parallel-
verfahren ein Augenschein stattfinden werde.
J.1.
An der Einigungsverhandlung vom 29. Oktober 2019 bezifferte der Ge-
suchgegner seine Entschädigungsforderung auf Fr. 100.00/m2. Diese For-
derung wurde vom Gesuchsteller nicht akzeptiert. Auch bezüglich der vor-
zeitigen Besitzeinweisung kam keine Einigung zustande.
J.2.
Mit Schreiben vom 29. Oktober 2019 wurde dem Gesuchgegner eine Kopie
der Eingabe des Gesuchstellers vom 3. September 2019 sowie eine Kopie
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des an der Verhandlung nachgereichten korrigierten Vertragsentwurfs zu-
gestellt.
K.
Mit Urteil des SKE vom 15. November 2019 wurde der Gesuchsteller ab
dem Tag der Rechtskraft des Urteils zur vorzeitigen Besitzergreifung an der
zu enteignenden Fläche von ca. 594 m2 sowie zur vorübergehenden Bean-
spruchung einer Fläche von ca. 473 m2 ab der Parzelle F des Gesuchgeg-
ners ermächtigt. Der Gesuchsteller hatte eine Abschlagszahlung von Fr.
6'000.00 zu leisten. Der Entscheid blieb unangefochten.
L.
Am 21. Januar 2020 forderte das SKE den Gesuchgegner zur abschlies-
senden Bereinigung seiner Entschädigungsforderungen bis zum 13. Feb-
ruar 2020 auf. Mit Schreiben vom 28. Januar 2020 wurde diese Frist auf-
grund der koordinierten Fortsetzung der Parallelverfahren bis zum 2. März
2020 verlängert.
M.
Nachdem der Gesuchgegner die ihm gesetzte Frist ungenutzt verstreichen
liess, wurde der Gesuchsteller mit Schreiben vom 4. März 2020 dazu auf-
gefordert, sich abschliessend zur Entschädigungsforderung des Gesuch-
gegners zu äussern.
N.
Mit Eingabe vom 27. März 2020 nahm der Gesuchsteller abschliessend zur
Entschädigungsforderung des Gesuchgegners Stellung und verwies dabei
vollumfänglich auf seine Ausführungen in der Stellungnahme vom 3. Sep-
tember 2019, da er an seinem bisherigen Angebot festhielt. Die Stellung-
nahme des Gesuchstellers wurde dem Gesuchgegner mit Schreiben vom
30. März 2020 zur Kenntnis gebracht.
Damit war der Schriftenwechsel abgeschlossen.
O.
Am 27. Mai 2020 wurden bei der Abteilung Landwirtschaft telefonisch Ver-
gleichshandänderungen aus den Vorjahren für die Region Q. einverlangt.
Die Preise wurden noch am gleichen Tag per E-Mail mitgeteilt.
P.
Das SKE führte am 28. April 2021, nachmittags, eine Verhandlung durch
(Präsenz vgl. Protokoll, S. 2). Die Örtlichkeiten waren im Rahmen der Ver-
handlung im Parallelverfahren vom Vormittag des gleichen Tags besichtigt
worden.
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Q.
Am 12. Mai 2021 wurde bei der Abteilung Landwirtschaft wegen der vor-
zeitigen Besitzergreifung im Oktober 2020 die getätigte Abfrage (O.) ent-
sprechend erweitert. Es wurde gleichentags mitgeteilt, dass in der Ge-
meinde Q. im fraglichen Zeitraum keine Handänderungen von landwirt-
schaftlichen Grundstücken stattgefunden haben.
R.
Anschliessend wurde der Fall am 26. Mai 2021 zirkulationsweise beraten
und das nachfolgende Urteil gefällt.

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1.
Die Projektbewilligung mit Erteilung des Enteignungstitels liegt vor (A.). Die
Auflage hat ordnungsgemäss stattgefunden (C.) und der Gesuchgegner
reichte fristgerecht Begehren nach § 152 BauG beim SKE ein (F.).
1.2.
Der Kanton Aargau ist als Enteigner befugt, das Verfahren der formellen
Enteignung einleiten zu lassen. Der Gesuchgegner ist als Eigentümer der
vom Bauprojekt betroffenen und damit in das Enteignungsverfahren einbe-
zogenen Parzelle F ohne weiteres zur Einreichung von Begehren legitimiert
(§§ 151 und 152 BauG; § 42 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungs-
rechtspflege [VRPG, SAR 271.200] vom 4. Dezember 2007).
1.3.