# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 2a8a7e17-8857-4485-b223-d9ff67db48a6
**Court:** CH_BSTG
**Chamber:** CH_BSTG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** CH / Federation
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
A. A. wird in verschiedenen gegen ihn in den Kantonen Zürich, Zug und Luzern
eingeleiteten Strafverfahren verdächtigt, eine Vielzahl von Versicherungsan-
trägen im Namen verschiedener Personen ohne deren Kenntnis und Einwil-
ligung ausgefüllt und anschliessend über Versicherungsvermittlungsfirmen
bei verschiedenen Versicherungen eingereicht zu haben. Von diesen soll er
für die Vermittlung der jeweiligen Neukunden Provisionen erhalten haben
(Verfahrensakten STASO/STR/2014/10009717, act. 1, S. 3; 1A 2015 413;
SA4 15 709 44). Weiter wird A. des Betrugs zum Nachteil von B. verdächtigt,
begangen am 3. März 2015, durch Unterzeichnung eines Mietvertrages für
Büroräumlichkeiten unter Angabe eines falschen Mieternamens ohne an-
schliessende Bezahlung von Mietzinsen (Verfahrensakten 1A 2016 346).
Am 12. November 2014 erstattete C. Strafanzeige in Z./ZH gegen A. im Zu-
sammenhang mit gefälschten Versicherungsanträgen für die Familien C. und
D. (Verfahrensakten STASO/STR/2014/10009717, act. 1, S. 3). Das Verfah-
ren gegen A. ist bei der Staatsanwaltschaft See / Oberland im Kanton Zürich
anhängig.
Am 27. November 2014 erstattete E. Strafanzeige in Y./ZG gegen unbe-
kannte Täterschaft, da ohne sein Wissen eine Krankenversicherung auf sei-
nen Namen abgeschlossen worden sei (Verfahrensakten 1A 2015 413, pag.
20). Daraufhin wurden Verfahren gegen A., F. und G. eingeleitet. Weitere
Anzeigen folgten (Verfahrensakten 1A 2015 413, pag. 1 ff.).
Am 15. Juni 2015 erstattete die Geschäftsführerin der Firma H. GmbH, I., in
X./LU Strafanzeige gegen A. wegen Betrugs und Urkundenfälschung. Wei-
tere Anzeigen folgten (Verfahrensakten SA4 15 709 44, Register 7).
J. steht sodann im Verdacht, zwei von A. an eine Versicherungsvermittlungs-
firma übergebene Versicherungsanträge gefälscht zu haben. Das Verfahren
gegen J. war zunächst bei der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis im Kan-
ton Zürich anhängig (Verfahrensakten STALA/STR/2016/8461).
B. Der staatsanwaltschaftliche Meinungsaustausch zwischen den Kantonen
Zürich, Zug und Luzern zur Frage der örtlichen Zuständigkeit für die Verfol-
gung und Beurteilung der Beschuldigten A. und J. fand zwischen dem
21. Juli 2015 und 23. November 2016 statt (BG.2016.35, act. 1.1-1.23).
- 3 -
C. Mit Gesuch vom 5. Dezember 2016 gelangte die Oberstaatsanwaltschaft des
Kantons Zürich an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts
(BG.2016.35, act. 1). Sie beantragt, es seien die Strafbehörden des Kantons
Zug, eventualiter die Strafbehörden des Kantons Luzern für berechtigt und
verpflichtet zu erklären, die den Beschuldigten A. und J. zur Last gelegten
Straftaten zu verfolgen und zu beurteilen.
Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug beantragt in ihrer Gesuchsantwort
vom 16. Dezember 2016, es seien die Strafbehörden des Kantons Zürich,
eventualiter die Strafbehörden des Kantons Luzern für berechtigt und ver-
pflichtet zu erklären, die den Beschuldigten A. und J. zur Last gelegten Straf-
taten zu verfolgen und zu beurteilen (BG.2016.35, act. 3). Die Oberstaatsan-
waltschaft des Kantons Luzern beantragt ihrerseits, es seien die Strafbehör-
den des Kantons Zürich, eventualiter die Strafbehörden des Kantons Zug für
berechtigt und verpflichtet zu erklären, die den Beschuldigten A. und J. zur
Last gelegten Delikte zu verfolgen und zu beurteilen (BG.2016.35, act. 4).
Die beiden Gesuchsantworten wurden den Parteien am 20. Dezember 2016
wechselseitig zur Kenntnis gebracht (BG.2016.35, act. 5).
D. Der staatsanwaltschaftliche Meinungsaustausch zwischen den Kantonen
Zug, Zürich und Luzern zur Frage der örtlichen Zuständigkeit für die Verfol-
gung und Beurteilung der Beschuldigten F. und G. fand zwischen dem
23. November 2016 und 5. Januar 2017 statt (BG.2017.4, act. 1.2-1.5).
E. Mit Gesuch vom 19. Januar 2017 gelangte die Staatsanwaltschaft des Kan-
tons Zug an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts (BG.2017.4,
act. 1). Sie beantragt, es seien die Strafbehörden des Kantons Zürich, even-
tualiter die Strafbehörden des Kantons Luzern für berechtigt und verpflichtet
zu erklären, die den Beschuldigten F. und G. zur Last gelegten Straftaten zu
verfolgen und zu beurteilen.
Die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Luzern beantragt in ihrer Gesuchs-
antwort, es seien die Strafbehörden des Kantons Zürich, eventualiter die
Strafbehörden des Kantons Zug für berechtigt und verpflichtet zu erklären,
die den Beschuldigten F. und G. zur Last gelegten Delikte zu verfolgen und
zu beurteilen (BG.2017.4, act. 3). Die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons
Zürich beantragt ihrerseits, es seien die Strafbehörden des Kantons Zug,
eventualiter die Strafbehörden des Kantons Luzern für berechtigt und ver-
pflichtet zu erklären, die den Beschuldigten F. und G. zur Last gelegten Straf-
- 4 -
taten zu verfolgen und zu beurteilen (BG.2017.4, act. 4). Die beiden Ge-
suchsantworten wurden den Parteien am 7. Februar 2017 wechselseitig zur
Kenntnis gebracht (BG.2017.4, act. 5).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit
erforderlich, in den folgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genommen.

## Considerations

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1. Aufgrund des Vorwurfs, wonach F. und G. als Mittäter bzw. als Teilnehmer
an einigen der A. zur Last gelegten Betrugsdelikte mitgewirkt haben sollen,
sind die aufgeworfenen Zuständigkeitsfragen einer einheitlichen Lösung zu-
zuführen (Art. 29 Abs. 1 lit. b StPO). Die beiden Verfahren BG.2016.35 und
BG.2017.4 sind daher zu vereinigen und mit einem einzigen Beschluss zu
beurteilen (Art. 30 i.V.m. Art. 379 StPO).
2.
2.1 Die Strafbehörden prüfen ihre Zuständigkeit von Amtes wegen und leiten ei-
nen Fall wenn nötig der zuständigen Stelle weiter (Art. 39 Abs. 1 StPO). Er-
scheinen mehrere Strafbehörden als örtlich zuständig, so informieren sich
die beteiligten Staatsanwaltschaften unverzüglich über die wesentlichen Ele-
mente des Falles und bemühen sich um eine möglichst rasche Einigung
(Art. 39 Abs. 2 StPO). Können sich die Strafverfolgungsbehörden verschie-
dener Kantone über den Gerichtsstand nicht einigen, so unterbreitet die
Staatsanwaltschaft des Kantons, der zuerst mit der Sache befasst war, die
Frage unverzüglich, in jedem Fall vor der Anklageerhebung, der Beschwer-
dekammer des Bundesstrafgerichts zum Entscheid (Art. 40 Abs. 2 StPO
i.V.m. Art. 37 Abs. 1 StBOG). Hinsichtlich der Frist, innerhalb welcher die er-
suchende Behörde ihr Gesuch einzureichen hat, ist im Normalfall die Frist
von zehn Tagen gemäss Art. 396 Abs. 1 StPO analog anzuwenden (vgl.
hierzu u. a. TPF 2011 94 E. 2.2 S. 96). Die Behörden, welche berechtigt sind,
ihren Kanton im Meinungsaustausch und im Verfahren vor der Beschwerde-
kammer zu vertreten, bestimmen sich nach dem jeweiligen kantonalen Recht
(Art. 14 Abs. 4 StPO).
2.2 Die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich ist berechtigt, den Kanton
Zürich bei interkantonalen Gerichtsstandskonflikten vor der Beschwerde-
kammer zu vertreten (§ 107 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Gerichts- und
Behördenorganisation im Zivil- und Strafprozess des Kantons Zürich vom
- 5 -
10. Mai 2010 [GOG/ZH; LS 211.1]). Auf Seiten der anderen beteiligten Kan-
tone steht diese Befugnis der Staatsanwaltschaft des Kantons Zug (§ 46
Abs. 4 des Gesetzes über die Organisation der Zivil- und Strafrechtspflege
des Kantons Zug vom 26. August 2010 [Gerichtsorganisationsgesetz,
GOG/ZG; BGS 161.1]) und der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Luzern
zu (§ 4 Abs. 1 der Verordnung über die Staatsanwaltschaft des Kantons Lu-
zern vom 14. Dezember 2010 [SRL Nr. 275]).
2.3 Im Rahmen des Meinungsaustauschs haben sich die beteiligten Staatsan-
waltschaften unverzüglich über die wesentlichen Elemente des Falles zu in-
formieren (Art. 39 Abs. 2 StPO). Dazu gehören offensichtlich auch Angaben
zu allfälligen Mittätern und Teilnehmern an den zu untersuchenden Strafta-
ten (vgl. Art. 33 StPO). Eine mögliche Mittäterschaft stand für die Zuger
Strafverfolgungsbehörden offenbar spätestens am 13. März 2015 im Raum,
nachdem die Zuger Polizei in ihrem Nachtragsbericht für die Betrugsfälle
zum Nachteil von E. und weiterer Geschädigter sowohl A. als auch F. und
G. als Tatverdächtigte bezeichnete (Verfahrensakten 1A 2015 413, pag. 1
ff.). Ebenso machte die Staatsanwaltschaft See / Oberland bereits am 9. De-
zember 2015 geltend, es liege Mittäterschaft von A., F. und G. vor
(BG.2016.35, act. 1.5). Vor diesem Hintergrund ist es unverständlich, dass
sich der Meinungsaustausch zwischen den beteiligten Oberstaatsanwalt-
schaften sowie das zuerst eingereichte Gesuch vom 5. Dezember 2016 zu-
nächst auf die Beschuldigten A. und J. beschränkte. Der entsprechende Mei-
nungsaustausch war vor der Einreichung des Gesuchs vom 5. Dezem-
ber 2016 unvollständig. Nachdem dieser jedoch vor Einreichung des zweiten
Gesuchs am 19. Januar 2017 hinsichtlich der Beschuldigten F. und G. kom-
plettiert wurde, ist auf die beiden Gesuche nun einzutreten.
3.
3.1 Ist eine Straftat von mehreren Mittäterinnen oder Mittätern verübt worden, so
sind die Behörden des Ortes zuständig, an dem zuerst Verfolgungshandlun-
gen vorgenommen worden sind (Art. 33 Abs. 2 StPO). Hat eine beschuldigte
Person mehrere Straftaten an verschiedenen Orten verübt, so sind für die
Verfolgung und Beurteilung sämtlicher Taten die Behörden des Ortes zu-
ständig, an dem die mit der schwersten Strafe bedrohte Tat begangen wor-
den ist. Bei gleicher Strafdrohung sind die Behörden des Ortes zuständig, an
dem zuerst Verfolgungshandlungen vorgenommen worden sind (Art. 34
Abs. 1 StPO). Begehen mehrere Beschuldigte zusammen in verschiedenen
Kantonen mehrere Delikte, so sind Art. 33 Abs. 2 und Art. 34 Abs. 1 StPO
so miteinander zu kombinieren, dass in der Regel alle Mitwirkenden an dem
Orte verfolgt werden, wo von einem Mittäter die mit der schwersten Strafe
- 6 -
bedrohte Tat verübt worden ist. Bei gleich schweren Strafdrohungen be-
stimmt sich der Gerichtsstand für alle Beteiligten nach dem Ort, wo zuerst
Verfolgungshandlungen vorgenommen worden sind (vgl. hierzu zuletzt u. a.
die Beschlüsse des Bundesstrafgerichts BG.2016.28 vom 25. Oktober 2016,
E. 2.1; BG.2016.19 vom 20. Juli 2016, E. 2.2; BG.2016.13 vom 20. Juli 2016,
E. 2.1; jeweils m.w.H.).
3.2 Bei der Beurteilung der Gerichtsstandsfrage muss von der aktuellen Ver-
dachtslage ausgegangen werden. Massgeblich ist nicht, was dem Beschul-
digten schlussendlich nachgewiesen werden kann, sondern der Tatbestand,
der Gegenstand der Untersuchung bildet, es sei denn, dieser erweise sich
von vornherein als haltlos oder sei sicher ausgeschlossen. Der Gerichts-
stand bestimmt sich also nicht nach dem, was der Täter begangen hat, son-
dern nach dem, was ihm vorgeworfen wird, das heisst, was aufgrund der
Aktenlage überhaupt in Frage kommt (Beschlüsse des Bundesstrafgerichts
BG.2016.28 vom 25. Oktober 2016, E. 2.2; BG.2016.6 vom 17. Mai 2016,
E. 2.2). Dabei stützt sich die Beschwerdekammer auf Fakten, nicht auf Hy-
pothesen (Beschlüsse des Bundesstrafgerichts BG.2015.47 vom 1. März
2016, E. 2.3; BG.2015.38 vom 22. Oktober 2015, E. 2). Es gilt der Grundsatz
«in dubio pro duriore», wonach im Zweifelsfall auf den für den Beschuldigten
ungünstigeren Sachverhalt abzustellen bzw. das schwerere Delikt anzuneh-
men ist (Beschlüsse des Bundesstrafgerichts BG.2016.28 vom 25. Okto-
ber 2016, E. 2.2; BG.2016.6 vom 17. Mai 2016, E. 2.2; BG.2016.10 vom
10. Mai 2016, E. 2.3).
3.3 Vorliegend bildet der A. und den weiteren Beteiligten vorgeworfene gewerbs-
mässige Betrug die mit der schwersten Strafe bedrohte und damit die für den
Gerichtsstand relevante Tat. Unter den Parteien ist diese Qualifikation des
A. vorgeworfenen Delikts nicht bestritten (BG.2016.35, act. 1, S. 7; act. 3,
S. 1; act. 4, S. 2). Umstritten ist jedoch, ob – insbesondere in Bezug auf den
von C. in Z./ZH angezeigten Sachverhalt – auch ein gerichtsstandsrelevanter
Tatort im Kanton Zürich vorliegt.
3.4 Begehungsort ist primär der Ausführungsort, d. h. der Ort, an dem der Be-
schuldigte selbst aktiv gehandelt hat (BARTETZKO, Basler Kommentar,
2. Aufl., Basel 2014, Art. 31 StPO N. 9; vgl. auch FINGERHUTH/LIEBER, Kom-
mentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO], 2. Aufl., Zü-
rich/Basel/Genf 2014, Art. 31 StPO N. 12). Der Tatbestand des Betrugs ge-
mäss Art. 146 StGB gilt dort als verübt, wo die Täterschaft jemanden durch
Vorspiegelung oder Unterdrückung von Tatsachen oder durch arglistige Aus-
nützung eines Irrtums zu einem Verhalten bestimmt, das den sich Irrenden
- 7 -
oder einen Dritten am Vermögen schädigt. Als gerichtsstandsrechtlich rele-
vante Anknüpfungsmöglichkeit ist dabei jede Ausführungshandlung des Be-
trugs, welche nicht blosse Vorbereitungshandlung ist, somit nach dem Plan
der beschuldigten Person auf dem Weg zum Erfolg einen entscheidenden
Schritt bildet, von dem es in der Regel kein von äusseren Schwierigkeiten
unbeeinflusstes Zurück mehr gibt (BAUMGARTNER, Die Zuständigkeit im
Strafverfahren, Zürcher Diss., Zürich/Basel/Genf 2014, S. 118 f. m.w.H.).
Beim Betrug ist die Schwelle zwischen Vorbereitung und Versuch nach den
allgemeinen Regeln überschritten, wenn der Täter mit der Täuschung be-
ginnt (ARZT, Basler Kommentar, 3. Aufl., Basel 2013, Art. 146 StGB N. 217).
3.5 C. und ihr Vater, D., gaben bei ihren Einvernahmen zu Protokoll, dass A.
vorgefertigte Verträge bezüglich der Krankenkasse K. am 30. April 2014 zu
D. gebracht habe. Sie hätten zur Krankenkasse K. wechseln wollen und die
Verträge selbst unterschrieben. Erst im Nachhinein hätten sie gemerkt, dass
A. gewisse Angaben wie Beruf, Grösse und Gewicht nachträglich eingetra-
gen habe und diese nicht der Wahrheit entsprochen hätten (Verfahrensakten
STASO/STR/2014/10009717, act. 2, S. 1; act. 3, S. 2; act. 8/3; act. 8/4,
S. 2 f.). D. führte weiter aus, dass er die falschen Angaben bei der K. habe
korrigieren lassen können (Verfahrensakten STASO/STR/2014/10009717,
act. 3, S. 3) und ihm dadurch kein Schaden entstanden sei (Verfahrensakten
STASO/STR/2014/10009717, act. 8/4 S. 3). Auf den entsprechenden Versi-
cherungsanträgen figuriert die L. AG als Vermittlerin (Verfahrensakten
STASO/STR/2014/10009717, act. 4/6-4/10). Gemäss Erkenntnissen der Po-
lizei soll A. für die Vermittlung jedoch Provisionen von der M. AG erhalten
haben (vgl. Verfahrensakten STASO/STR/2014/10009717, act. 1, S. 4;
act. 8/2, S. 2).
Die mutmasslich von A. gemachten Änderungen in den Versicherungsanträ-
gen an die K. waren nach dem Gesagten nicht kausal für die Vermögensdis-
position der M. AG. Weiter ist auch kein Schaden erkennbar. Es liegt zwar
möglicherweise eine Urkundenfälschung durch nachträgliche Ergänzungen
der Versicherungsanträge vor, ein den Tatbestand des Betrugs erfüllendes
Verhalten von A. ist jedoch nicht zu erkennen. Nicht gerichtsstandsrelevant
sind deshalb die Ausführungen von A. in der Einvernahme vom 2. Feb-
ruar 2016, wo er festhält, dass er bei der Familie D. bzw. C. die K.-Versiche-
rungsanträge abgeholt und dann der L. AG weitergeleitet habe. Bei der L.
AG habe er gearbeitet; diese sei in W./ZH gewesen (Verfahrensakten 1A
2015 413, pag. 113). Dass der Versicherungsantrag von C. von der K. abge-
wiesen wurde, ändert daran ebensowenig. So ist deren mutmasslicher Scha-
den – das Verunmöglichen eines Neuabschlusses von Zusatzversicherun-
gen bei einer neuen Versicherung bzw. Leistungskürzung/-ausschluss bei
- 8 -
der N. (Verfahrensakten STASO/STR/2014/10009717, act. 4/2-4/3; act. 8/2,
S. 4) – nicht auf die verfälschten Anträge, sondern auf die wohl durch A. zu
einem späteren Zeitpunkt der N. gesendete, von C. selbst unterzeichnete
Kündigung, zurückzuführen, welche bei der N. am 25. September 2014 ein-
ging (Verfahrensakten STASO/STR/2014/10009717, act. 4/5). Im Übrigen
entspricht der bei C. eingetretene Schaden auch nicht der Bereicherung von
A. durch Erlangung einer Provision. Es mangelt demnach an der für einen
Betrug erforderlichen Stoffgleichheit zwischen dem Schaden als Vermö-
gensnachteil und der Bereicherung als Vermögensvorteil (vgl. BGE 134 IV
210 E. 5.3 S. 213 f. m.w.H.).
Bezüglich der Versicherungsanträge, welche A. im Namen der Familie D.
bzw. C. und ohne deren Wissen und Mitwirkung an die O. gerichtet haben
soll, gab A. an, diese P. abgegeben zu haben, welcher mit der O. zusammen
gearbeitet habe (Verfahrensakten 1A 2015 413, pag. 114). Dieser war Ge-
schäftsleiter der M. AG, welche ihren Sitz im Kanton Zug hatte (Verfahrens-
akten STASO/STR/2014/10009717, act. 1, S. 4). Es gibt keine Hinweise,
dass A. diese Versicherungsanträge im Kanton Zürich, insbesondere der L.
AG eingereicht hat. Vielmehr erscheint die M. AG explizit als Vermittlerin auf
den Versicherungsanträgen an die O. (vgl. Verfahrensakten
STASO/STR/2014/10009717, act. 4/11-4/15). Die O. selber führte aus, Ab-
senderin der letztlich an sie weitergeleiteten Anträge dürfte die damalige
Hauptvermittlerin von A. gewesen sein, die M. AG in V./ZG (Verfahrensakten
STASO/STR/2014/10009717, act. 8/9). Damit ist auch diesbezüglich kein
Ausführungsort im Kanton Zürich ersichtlich. Bezüglich der weiteren ange-
zeigten Sachverhalte werden von den Parteien keine Hinweise auf einen
Ausführungsort des gewerbsmässigen Betrugs im Kanton Zürich geltend ge-
macht.
3.6 Nach dem Gesagten ist nach aktueller Verdachtslage kein Ausführungsort
des mutmasslichen gewerbsmässigen Betrugs von A. im Kanton Zürich zu
erblicken. Unbestrittenermassen sind aber weitere Ausführungsorte des ge-
werbsmässigen Betrugs im Kanton Zug auszumachen, weshalb der gesetz-
liche Gerichtsstand für A. im Kanton Zug liegt, nachdem dort am 27. Novem-
ber 2014 die ersten gerichtsstandsrelevanten Verfolgungshandlungen vor-
genommen wurden. Dasselbe gilt für die mutmasslichen Mittäter bzw. Gehil-
fen J., F. und G. (Art. 33 StPO).
- 9 -
4.
4.1 Die Beschwerdekammer kann (wie die beteiligten Staatsanwaltschaften un-
tereinander auch) einen andern als den in den Art. 31 – 37 StPO vorgese-
henen Gerichtsstand festlegen, wenn der Schwerpunkt der deliktischen Tä-
tigkeit oder die persönlichen Verhältnisse der beschuldigten Person es erfor-
dern oder andere triftige Gründe vorliegen (Art. 40 Abs. 3 StPO). Ein solches
Abweichen vom gesetzlichen Gerichtsstand soll indes die Ausnahme blei-
ben. Eine Vereinbarung bzw. der Beschluss, einen gesetzlich nicht zustän-
digen Kanton mit der Verfolgung zu betrauen, setzt triftige Gründe voraus
und die Überlegungen, welche den gesetzlichen Gerichtsstand als unzweck-
mässig erscheinen lassen, müssen sich gebieterisch aufdrängen; die Latte
für ein Abweichen vom gesetzlichen Gerichtsstand ist entsprechend hoch
anzusetzen. Überdies kann ein Kanton entgegen dem gesetzlichen Gerichts-
stand nur für zuständig erklärt werden resp. sich selber als zuständig erklä-
ren, wenn dort tatsächlich ein örtlicher Anknüpfungspunkt besteht (TPF 2012
66 E. 3.1 S. 67 f.; TPF 2011 178 E. 3.1 S. 180 f.; jeweils m.w.H.).
4.2 Ein weiterer Grund für ein Abweichen vom gesetzlichen Gerichtsstand kann
in der konkludenten Anerkennung des Gerichtsstands durch einen Kanton
liegen. Eine solche darf nicht leichthin angenommen werden. Nach dem Ein-
gang einer Strafanzeige haben die Strafverfolgungsbehörden von Amtes we-
gen zu prüfen, ob ihre örtliche Zuständigkeit und damit die Gerichtsbarkeit
ihres Kantons gegeben ist. Diese Prüfung muss summarisch und beschleu-
nigt erfolgen, um Verzögerungen des Verfahrens zu vermeiden. Die mit der
Prüfung befasste Behörde muss alle für die Festlegung des Gerichtsstandes
wesentlichen Tatsachen erforschen, die dazu notwendigen Erhebungen
durchführen und insbesondere den Ausführungsort ermitteln. Hat der Be-
schuldigte in mehreren Kantonen delinquiert, so hat jeder Kanton vorerst die
Ermittlungen voranzutreiben, die für die Bestimmung des Gerichtsstandes
wesentlich sind. Beschränkt sich ein Kanton nicht darauf, sondern nimmt er
während längerer Zeit weitere Ermittlungen vor, obwohl längst Anlass be-
stand, die eigene Zuständigkeit abzuklären, so kann darin eine konkludente
Anerkennung erblickt werden (BGE 119 IV 102 E. 4b; SCHWERI/BÄNZIGER,
Interkantonale Gerichtsstandsbestimmung in Strafsachen, 2. Aufl., Bern
2004, N. 443). Beschränkt sich die Behörde dagegen im Wesentlichen auf
die Abklärung von Tatsachen, die für die Bestimmung des Gerichtsstandes
von Bedeutung sind oder führt eine Behörde während der Abklärung der Ge-
richtsstandsfrage die Strafuntersuchung mit der gebotenen Beschleunigung
weiter, so kann darin keine konkludente Anerkennung des Gerichtsstandes
gesehen werden (SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O., N. 443). Ein viermonatiges
Untätigbleiben der mit der Sache befassten Behörde des einen Kantons
- 10 -
nach der Ablehnung eines Verfahrensübernahmegesuchs durch die ange-
fragte Behörde des anderen Kantons kann unter dem Aspekt von Treu und
Glauben als konkludente Anerkennung des Gerichtsstandes durch die über
einen zu langen Zeitraum untätig bleibende Behörde eingestuft werden
(TPF 2011 178 E. 3.2).
4.3 Im Zeitraum vom 28. Juli 2015 (nach Ablehnung der Gerichtsstandsanfrage
durch den Kanton Zug) bzw. dem 3. August 2015 (Ankündigung von ge-
richtsstandsrelevanten Abklärungen der Staatsanwaltschaft See / Oberland)
bis zum 26. November 2015 (Nachfrage des Kantons Zug) sind keine Ver-
fahrenshandlungen der Staatsanwaltschaft See / Oberland aktenkundig
(BG.2016.35, act. 1, S. 12 m.H.), was angesichts der gebotenen Beschleu-
nigung zur Vornahme wesentlicher Ermittlungen zur Bestimmung des Ge-
richtsstands an der obersten Grenze liegt. Eine wie vom Kanton Zug geltend
gemachte konkludente Anerkennung durch den Kanton Zürich zu Beginn
des Verfahrens (BG.2016.35, act. 3, S. 3 ff.), ist jedoch mit Blick darauf, dass
ein gewerbsmässiger Betrug erst im Raum stand, nachdem die Strafverfol-
gungsbehörden im Kanton Zürich vom Strafverfahren gegen A. im Kanton
Zug Kenntnis genommen hatten und erst dadurch ein Gerichtsstand im Kan-
ton Zug in Betracht kam, nicht zu erkennen.
Die Staatsanwaltschaft des Kantons Luzern, Abteilung 4 Spezialdelikte, hat
nach der Ablehnung der Übernahme der Luzerner Verfahren gegen A. durch
die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug vom 25. Januar 2016 rund fünfein-
halb Monate (bis zum 15. Juli 2016) verstreichen lassen bis sie am 22.
Juni 2016 ihrerseits durch die Staatsanwaltschaft See / Oberland um Ver-
fahrensübernahme ersucht wurde (BG.2016.35, act. 1.10, 1.18) und in der
Folge am 15. Juli 2016 ihrerseits die Staatsanwaltschaft See / Oberland um
Übernahme des Strafverfahrens ersuchte (BG.2016.35, act. 1.19). Allerdings
hatte die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug der Staatsanwaltschaft des
Kantons Luzern, Abteilung 4 Spezialdelikte, ein Schreiben vom 14. Ja-
nuar 2016 in Kopie beigelegt, in welchem ausgeführt wird, dass die Zuger
Polizei mit weiteren gerichtsstandsrelevanten Abklärungen beauftragt wor-
den sei (BG.2016.35, act. 1.10; Verfahrensakten 1A 2015 413, pag. 117 f.).
Nachdem in der Folge sowohl der Kanton Zürich als auch der Kanton Zug
den Kanton Luzern vom 14. Januar 2016 bis 22. Juni 2016 weder in ihren
Meinungsaustausch miteinbezogen (BG.2016.35, act. 1.11-1.18) noch die-
sem allfällige Ergebnisse der gerichtsstandsrelevanten Abklärungen mitteil-
ten, kann nicht von einer konkludenten Anerkennung des Gerichtsstandes
durch den Kanton Luzern gesprochen werden.
- 11 -
Damit kann offenbleiben, ob der Kantons Zug den Gerichtsstand auch kon-
kludent anerkannt hat.
5. Nach dem Gesagten sind die Strafverfolgungsbehörden des Kantons Zug
berechtigt und verpflichtet zu erklären, die A., J., F. und G. zur Last gelegten
Straftaten zu verfolgen und zu beurteilen.
6. Es ist keine Gerichtsgebühr zu erheben (Art. 423 Abs. 1 StPO).
- 12 -