# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 756e3046-c69d-48f3-a40d-eca5273d927a
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. X._ und A._ sind die Eltern von B._, geboren am _ 2003, und Y._, geboren am _ 2004. Die Ehe der Kindseltern wurde im Juni 2015 in L.1_ geschieden. Im Rahmen des Verfahrens betreffend Ergänzung eines ausländischen Scheidungsurteils vor dem Regionalgericht Plessur wurden im Jahr 2017 beide Kinder unter der gemeinsamen elterlichen Sorge von X._ und A._ belassen. Die Obhut wurde der Kindsmutter zugeteilt und es wurden die Modalitäten des Besuchs- und Ferienrechts des Kindsvaters, der in L.1_ lebt, festgesetzt (act. 1, 2 und 51 KESB).
B.1. Mit Schreiben vom 11. März 2017 machte C._, Schulleiter Stadtschule D._, X._ auf die vielen, nicht ausreichend begründeten Unterrichtsausfälle von Y._ aufmerksam und verwies auf das Reglement über Schulabsenzen der Stadt O.1_ (act. 4 KESB).
2. Mit E-Mail vom 17. Mai 2017 teilte die Kindsmutter C._ mit, dass die Gründe für das Fernbleiben vom Unterricht darin liegen würden, dass ihre Tochter in der Schule gemobbt worden sei und gesundheitliche Probleme habe (act. 3 KESB).
C. Mit Schreiben vom 29. Mai 2017 reichte E._, Vizedirektor Stadtschule O.1_, eine Gefährdungsmeldung mit Beilagen betreffend Y._ bei der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) Nordbünden ein. Darin wurde ausgeführt, wie aus verschiedenen Berichten hervorgehe, weise der Unterrichtsbesuch von Y._ viele Fehlzeiten auf. Dadurch würden die Schulleistungen zusehends stagnieren. Alle bisher getroffenen Massnahmen mit Unterstützung der Schulsozialarbeit würden den Abwärtstrend nicht stoppen können. Wie die Klassenlehrerin in ihrem Bericht schreibe, sei es kaum mehr möglich, die Schülerin im Gespräch zu erreichen. Die Situation scheine das Mädchen stark zu belasten. Dies würden Whatsapp-Mitteilungen an Mitschülerinnen, in denen Y._ Suizidgedanken äussere, belegen. Konstruktive Gespräche mit der Mutter  sofern diese überhaupt zustande kommen würden  würden konfrontativ verlaufen (act. 5, 6, 7 und 8 KESB).
D.1. Mit Schreiben vom 01. Juni 2017 informierte die KESB Nordbünden X._ darüber, dass aufgrund einer Meldung der Schuldirektion O.1_ betreffend ihre Tochter ein Abklärungsverfahren eröffnet wurde, und lud sie zu einer ersten Besprechung ein (act. 9 KESB).
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2. Am 06. Juni 2017 wurde die Kindsmutter durch F._ von der KESB Nordbünden zu ihrer familiären Situation, zur schulischen Situation ihrer Tochter sowie zur möglichen Errichtung einer Beistandschaft angehört (act. 12 KESB).
E. Die behandelnde Kinderärztin Dr. med. G._ teilte der KESB Nordbünden auf Anfrage mit Schreiben vom 12. Juni 2017 mit, dass bei Y._ keine schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen vorliegen würden. Bezüglich der Zusammenarbeit mit der Kindsmutter könne gesagt werden, dass die ärztlichen Empfehlungen ihrerseits teils nicht eingehalten worden seien. X._ habe eigene Vorstellungen darüber, was zu tun sei und was nicht (act. 13 und 14 KESB).
F. Mit Telefongespräch vom selben Tag informierte H._, Schulpsychologischer Dienst Graubünden, die KESB Nordbünden darüber, dass im Januar und Juni 2017 Gespräche mit X._ und ihrer Tochter stattgefunden hätten. H._ schlug zudem eine intensivere Zusammenarbeit zwischen dem Schulpsychologischen Dienst und der Kindsmutter sowie Y._ vor (act. 15 KESB).
G.1. Mit Telefongespräch vom 16. November 2017 teilte E._, Vizedirektor Stadtschule O.1_, der KESB Nordbünden mit, dass Y._ seit ein paar Tagen die Schule verweigere. Zudem habe sie heute auf Facebook Suizidgedanken geäussert. Die Schule habe den Jugenddienst der Kantonspolizei Graubünden darüber in Kenntnis gesetzt. Die Mutter sei ebenfalls informiert. Die Zusammenarbeit mit der Mutter sei immer wieder schwierig. Sie erhebe Vorwürfe gegen die Schule, die Lehrer sowie gegen andere Schüler. Was eine konstruktive Zusammenarbeit betreffe, sei die Mutter sehr unzuverlässig (act. 19 KESB).
2. Nachdem Y._ gleichentags vom Jugenddienst der Kantonspolizei aufgegriffen wurde, wurde sie in Anwesenheit von I._ von der KESB Nordbünden angehört. Dabei gab sie an, dass sie von zwei Burschen geplagt werde und deshalb aus Angst heute nicht in die Schule gegangen sei. Suizidgedanken habe sie geäussert, weil sie manchmal das Gefühl habe, sie sei Luft. Niemand beachte sie, auch nicht ihre Mutter (act. 20 und 21 KESB).
3. Ebenfalls am 16. November 2017 wurde X._ durch I._ von der KESB Nordbünden in Anwesenheit ihres Lebenspartners J._ zur schulischen Situation ihrer Tochter (Mobbing) und zu ihrem eigenen Verhalten angehört (act. 22 KESB).
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H.1. Mit E-Mail vom 21. November 2017 teilte K._, Schulleitung Stadtschule O.1_, der KESB Nordbünden mit, er sei von X._ darüber in Kenntnis gesetzt worden, dass ihre Tochter die Schweiz heute verlassen und zu ihrem Vater nach L.1_ ziehen werde. Die Ausreise von Y._ konnte durch die KESB Nordbünden gerade noch verhindert werden (act. 28 und 29 KESB).
2. Mit Verfügung desselben Tages wurde Y._ von der Kinder- und Jugendpsychiatrie Graubünden (kjp), Dr. L._, fürsorgerisch in der M._ untergebracht (act. 30 und 31 KESB).
I. Am 27. November 2017 fand ein Gespräch zwischen X._ und F._ von der KESB Nordbünden statt. Anlässlich dieses Gesprächs führte die Kindsmutter unter anderem aus, dass sie grundsätzlich nichts gegen die Errichtung einer Beistandschaft für ihre Tochter einzuwenden habe (act. 36 KESB).
J. Gleichentags erhob X._ Beschwerde gegen die fürsorgerische Unterbringung ihrer Tochter (act. 37 KESB). Da Y._ jedoch am 29. November 2017 aus der M._ austreten konnte (act. 47 KESB), wurde die Beschwerde mit Verfügung des Vorsitzenden der I. Zivilkammer des Kantonsgerichts von Graubünden vom 05. Dezember 2017, mitgeteilt am 06. Dezember 2017, als gegenstandslos vom Geschäftsverzeichnis abgeschrieben (act. 66 KESB).
K.1. Im Austrittsbericht der M._ vom 29. November 2017 stellte die klinische Psychologin Y._h Goergen folgende Diagnosen (act. 49 KESB):
"Achse I: Anpassungsstörung mit Angst und depressive Störung gemischt (: F43.22)
Verdacht auf beginnende Störung des Sozialverhaltens bei vorhandenen sozialen Bindungen (ICD-10: F91.2)
Achse II: Keine umschriebene Entwicklungsstörung bekannt (00.0)
Achse III: Normvariante, durchschnittliche Intelligenz nach klinischem Eindruck (3)
Achse IV: St.n. Zerrung der Adduktorenmuskeln links
Achse V: Verdacht auf unzureichende elterliche Aufsicht und Steuerung (4.1)
Abweichende Elternsituation (5.1)
Lebensbedingungen mit möglicher psychosozialer Gefährdung (5.3)
Achse VI: Ernsthafte soziale Beeinträchtigung in mindestens ein oder zwei Bereichen (4)"
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2. Mit gleichentags verfasstem Schreiben teilte X._ der M._ mit, dass sie mit dem vorerwähnten Bericht nicht einverstanden sei. Ihre Tochter habe keine psychische Störung. Wegen des Mobbings in der Schule habe sie Angstzustände entwickelt, die sie zuvor nie gehabt habe. Ihr Sozialverhalten sei wegen diesen Angstzuständen gestört. Zudem seien die Ausführungen zur intrafamiliären Konfliktsituation nicht zutreffend. Ebenfalls stimme die Aussage, wonach sich die Kindseltern ambivalent zeigen würden, nicht. Die familiäre Situation sei nicht unklar und könne aufgrund des Aufenthalts ihrer Tochter in der Klinik auch gar nicht beurteilt werden (act. 50 KESB).
L. Am 01. Dezember 2017 fand ein weiteres Gespräch zwischen der Kindsmutter und F._ von der KESB Nordbünden statt. Dabei informierte X._ die Behörde über weitere Schulabsenzen ihrer Tochter. Zudem wurden Lösungsvarianten besprochen, wobei die Kindsmutter ausführte, dass ein stationärer Aufenthalt auf der Jugendstation oder im Therapiehaus nicht in Frage komme. Eine Sonderbeschulung klinge schon etwas besser. Ebenfalls sei sie mit einer Beistandschaft für ihre Tochter einverstanden (act. 52 KESB).
M. Am 08. Dezember 2017 fand ein Gespräch zwischen X._, ihrer Tochter und F._ von der KESB Nordbünden statt. Dabei teilte Y._ mit, dass sie einerseits nach L.1_ zu ihrem Vater gehen wolle, andererseits aber auch hier in der Nähe ein Internat besichtigen wolle. Auf die Errichtung einer Beistandschaft angesprochen, meinte sie, dass sie mit einer Beistandsperson nicht zusammenarbeiten würde. Die Kindsmutter führte aus, dass sie sich grundsätzlich die Unterstützung durch eine Beistandsperson wünsche, nach wie vor jedoch selber Entscheide treffen wolle (act. 70 KESB).
N. Mit Telefongespräch vom 18. Dezember 2017 informierte H._, Schulpsychologischer Dienst Graubünden, die KESB Nordbünden darüber, dass Y._ nach den Weihnachtsferien in der Bergschule N._ (Sonderschule) schnuppern gehen könne (act. 83 KESB).
O. Mit gleichentags ergangenem Entscheid der Kollegialbehörde ordnete die KESB Nordbünden was folgt an (act. B.1 bzw. 89 KESB):
"1. Für Y._ wird eine Beistandschaft nach Kindesschutzrecht (Art. 308 ZGB) errichtet.
2. Die Beistandsperson hat im Rahmen der Beistandschaft (Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB) die Aufgaben und Kompetenzen:
a. die Eltern und Y._ angemessen zu beraten und zu unterstützen, insbesondere in den Bereichen Betreuung,
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Persönlichkeitsentwicklung, gesundheitliche Entwicklung, Schule und Ausbildung, Förderung von Begabungen und Interessen;
b. sämtlichen an der Betreuung und Förderung von Y._ Beteiligten als Ansprechperson zur Verfügung zu stehen.
3. Die Beistandsperson wird aufgefordert, unverzüglich nach Erhalt der Ernennungsurkunde sich die zur Erfüllung der Aufgaben nötigen Kenntnisse zu verschaffen und mit den Eltern und Y._ persönlich Kontakt aufzunehmen.
4. Die Beistandsperson ist gehalten:
a. der KESB alle zwei Jahre (erstmals per 31.12.2019) einen schriftlichen Rechenschaftsbericht (Ausführungen über die Lage von Y._ und die Ausübung der Beistandschaft, Ausblick mit Empfehlungen) einzureichen;
b. bei Hinweisen auf massgebliche Veränderungen der Lebensumstände von Y._ während der Rechenschaftsperiode die KESB mit einem Bericht zu informieren und allenfalls ein geeignetes Vorgehen zu empfehlen.
O._ (Berufsbeistandschaft Plessur) wird zur Beiständin von Y._ ernannt.
Betreffend Verfahrenskosten wird verfügt:
a. Die Kosten im Verfahren Errichtung Beistandschaft werden auf Fr. 1'000.-- festgesetzt.
b. Auf die Erhebung der Verfahrenskosten wird aufgrund der besonderen Umstände verzichtet.

## Considerations