# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d6667843-5a2d-41f9-92c7-72bbda2b8eb3
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1960, betrieb ab 1987 ein
Plattenlegergeschäft
. Am 2
7.
Dezember 1993 rutschte er beim Schleifen von Treppentritten aus und schlug sein linkes Knie an einer Treppenkante an. Am 2
7.
Februar 1995 meldete er sich zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/2). Unter Hinweis auf die von ihr getätigten medi
zinischen und erwerblichen Abklärungen lehnte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, mit Verfügung vom
7.
November 1995 einen An
spruch des Versicherten auf berufliche Massnahmen sowie eine Invalidenrente ab (
Urk.
8/11). Dieser Entscheid wurde zunächst vom Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich mit Urteil vom
6.
April 1998 und sodann vom Eidgenössischen
Versicherungsgericht mit Urteil vom 2
3.
November 1998 bestätigt (
Urk.
8/22, 8/25
).
1.2
Am 2
9.
Oktober 1999 erlitt der Versicherte einen Verkehrsunfall (
Urk.
8/32). Am
1
6.
August 2001 war er erneut in einen Verkehrsunfall verwickelt (vgl.
Urk.
8
/48/1). Beide Male zog er sich eine Distorsion der Halswirbelsäule zu. Nach neuerlichen medizinischen und erwerblichen Abklärungen sp
rach die IV-
Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom 1
3.
Juni 2003 ab
1.
Oktober 2000 eine
Vier
telsrente
und ab
1.
November 2001 eine halbe Invalidenrente zu, was sie mit
Einspracheentscheid
vom
6.
Februar 2004 bestätigte (
Urk.
8/110). Die dagegen
erhobene Beschwerde hiess das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich mit
Urteil vom 1
3.
Juli 2005 insofern gut, als es dem Versicherten ab Oktober 2000 eine halbe und ab
1.
Januar 2004 eine
Dreiviertelsrente
zusprach (
Urk.
8/125).
1.3
Im September 2010 leitete die IV-Stelle eine Rentenrevision in die Wege, nach
dem sie zuvor von der Zürich Versicherungs-Gesellschaft umfangreiches Bild
ma
te
rial über die Observation des Versicherten aus den Jahren 2000 bis 2005 erhal
ten hatte (
Urk.
8/157, 8/161/5-293). Im Rahmen des Revisionsverfahrens gab sie eine Begutachtung beim
Institut
Y._
in Auf
trag (
Urk.
8/165). Mit Verfügung vom
2.
März 2011 sistierte sie die Invalidenrente mit sofortiger Wirkung (
Urk.
8/167). Die dagegen erhobene Beschwerde (
Urk.
8/180/3-13) wies das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich mit Urteil vom 2
7.
November 2012 ab (
Urk.
8/197). Der
Versicherte
selber gab im November 2012 sein
Plattenleger
geschäft
auf und war fortan in einer von ihm
gegründeten Bar tätig (
Urk.
8/199
, 8/350,
10).
1.4
Mit Verfügung vom 2
8.
November 2014 ste
llte die IV-Stelle - nach Durch
füh
rung des
Vorbescheidverfahrens
(
Urk.
8/248, 8/253) - die Invalidenrente wegen Verletzung der Meldepf
licht durch den Versicherten
rückwirkend per 1
3.
Juli 2005 ein (
Urk.
8/261). Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das Sozialver
si
che
rungsgericht mit Urteil vom
8.
Dezember 2016 in dem Sinne gut, als es fest
hielt, dass der Versicherte Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
zumindest bis 3
1.
Dezember 2014 habe, und die Sache hinsichtlich des Rentenanspruchs ab
1.
Januar
2015 zur weiteren Abklärungen an die Vorinstanz zurückwies (
Urk.
8
/275).
1.5
In der Folge holte die IV-Stelle weitere erwerbliche und medizinische Berichte
ein und liess den Versicherten durch das
Z._
begutachten (Gutachten vom 1
2.
Januar 2
018
,
Urk.
8/339;
Urk.
8/290
-291
, 8/317). Im März 2018 gab der Versicherte den Barbetrieb auf (
Urk.
8/346).
Mit Verfügung vom 1
5.
Juli 2019 hob die IV-Stelle - nach durch
geführten
Vorbescheidverfahren
, in dessen
Rahmen
sie weitere Berichte zu den Akten nahm (
Urk.
8/352, 8/356, 8/357, 8/360, 8/363, 8/368) - die Invalidenrente rückwirkend per
1.
Januar 2015 auf (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 1
2.
September 2019 Beschwerde und bean
tragte, ihm seien weiterhin die ihm von Gesetzes wegen zustehenden Leistungen auszurichten, insbesondere eine Rente (
Urk.
1 S. 2). Die IV-Stelle schloss in der Beschwerdeantwort vom 1
5.
November 2019 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7), was der Gegenpartei zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1
de
s Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein
Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hin
weisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wes
ent
lichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbe
acht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.2
1.2.1
Bei der Beurteilung der
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
stützt sich die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen, die von ärztlichen und gegebenenfalls auch anderen Fachleuten zur Verfügung zu stellen sind. Ärztliche Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsfähig ist. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
1.2.2
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Störungen (vgl. dazu BGE 143 V 418) definiert zudem das für somatoforme Leiden entwickelte struktu
rierte Beweisverfahren systematisierte Indikatoren, die - unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfakt
oren einerseits und von
Kompensa-tions
potentialen
(Ressourcen) anderseits - erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4 bis 3.6 und 4.1).
1.2.3
Neben den durch den Rechtsanwender zu prüfenden allgemeinen beweisrecht-
lichen
Vorgaben ergibt sich daher aus BGE 141 V 281 Folgendes: Die ärztliche Arbeitsfähigkeitsschätzung, zumindest ohne ein
lässliche Befassung mit den spe
zi
fischen normativen Vorgaben und ohne entsprechende Begründung, kann zwar den rechtlich geforderten Beweis des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit
(Art. 7 Abs. 2 ATSG) nicht erbringen, weil sie weitgehend vom Ermessen des medi
zi
nisch-psychiatrischen Sachverständigen abhängt. Die medizinische Ein
schät
z
ung der Arbeitsfähigkeit ist aber eine wichtige Grundlage für die anschlies
sende juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch
zugemutet werden kann (BGE 140 V 193 E. 3.2). Dabei gilt, dass die ver
sicherte Person als grundsätzlich gesund anzusehen ist und sie ihrer Erwerbs
tätigkeit nachgehen kann (vgl. BGE 141 V 281 E. 3.7.2). Hinsichtlich der Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit haben sich sowohl die medizinischen Sachverstän
digen als auch die Organe der Rechtsanwendung bei ihrer Einschätzung des Leistungsvermögens an den normativen Vorgaben zu orientieren; die Gutachter im Idealfall gemäss der entsprechend formulierten Fragestellung (BGE 141 V 281 E. 5.2). Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere daraufhin, ob die Ärzte sich an die massge
benden normativen Rahmenbe
ding
ungen gehalten haben und ob und in welchem
Umfang die ärztlichen Feststel
lung
en anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen
lassen (BGE 143 V 418 E. 6). Im Rahmen der Beweiswürdigung obliegt es den Rechtsanwendern zu überprüfen, ob in
concreto
ausschliesslich funktio
nelle Aus
fälle bei der medizinischen Einschätzung berücksichtigt wurden und ob die Zu
mut
barkeitsbeurteilung auf einer objektivierten Grundlage erfolgte (BGE 141 V 281 E. 5.2.2; Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.
2.1
Streitig ist
, ob die am 1
5.
Juli 2019 verfügte rückwirkende revisionsweise
Auf
hebung der
Dreiviertelsrente
per
1.
Januar 2015 rechtens ist. Eröffnet wurde das
Revisionsverfahren im September 201
0.
Dabei stellt sich die Frage, inwiefern sich die anspruchsrelevanten Faktoren seit der ursprünglichen
Rentenzusprache
im
Februar 2004
verändert haben.
Das Sozialversicherungsgericht hielt im Urteil vom
8.
Dezember 2016 in Überprüfung der Verfügung vom 2
8.
November 2014 fest,
dass
sich die IV-Stelle bei der rückwirkenden Aufhebung der Invalidenrente
[per 1
3.
Juli 2005]
im Wesentlichen auf die Ergebnisse der Observation und das Gut
achten des
Y._
vom
7.
Juni
2011 respektive auf deren Ergänzung vom 2
1.
Oktober 2011 und die Stellungnahme des RAD-Arztes
Dr.
A._
vom 1
7.
November 2011 stütz
e. Der diesen Berichten zu Grunde liegende Gesundheits
zu
stand habe bereits im Zeitpunkt des
Einspracheentscheids
vom
6.
Februar 2004 beziehungsweise des Urteils des Sozialversicherungsgerichts vom 1
3.
Juli 2005 bestanden. Eine rückwirkende Aufhebung der Invalidenrente ab 1
3.
Juli 2005 hätte folglich gest
ützt auf
Art.
53
Abs.
1 ATSG
erfolgen
müssen
. Indessen habe die IV-Stelle den prozessualen Revisionsgrund erst mit Vorbescheid vom 2
9.
September 2014 und damit klar verspätet geltend gemacht.
Eine rückwirkende Aufhebung d
er Invalidenrente sei daher nicht möglich.
Damit könne die IV-Stelle die Rentenaufhebung in Anwendung von
Art.
88
bis
Abs.
2
lit
. a IVV erst vom ersten Tag des zweiten der Zustellung der
Verfügung folgenden Monats an (vor
liegend also ab
1.
Jan
uar 2015) wirksam vornehmen
, sofern die revisions
recht
li
chen Voraussetzungen nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG gegeben seien (
E. 7;
Urk.
8/
275).
2.2
Da der Beschwerdeführer im Nove
mber 2012 das
Parkettlegergeschä
ft
, wovon das Sozialversicherungsgericht im Urteil vom
8.
Dezember 2016
keine sichere Kennt
nis hatte (
Urk.
8/275/12), aufgegeben hat, liegt ein Revisionsgrund vor. Der nun strittige Rentenanspruch ab
1.
Januar 2015 ist daher umfassend zu prüfen
(vgl. E. 1.1)
.
3.
3.1
In Umsetzung des Urteils vom
8.
Dezember 2016 holte die IV-Stelle das (inter
dis
ziplinäre) Gutacht
en der
Z._
vom 1
2.
Januar 2018
ein
. In somatischer Hin
sicht stellte die IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung vom 1
5.
Juli 2019 auf dieses Gutachten ab
. Die
im psychiatrischen Teil
gutachten
festgestellte Gesund
heitsschädigung stufte sie als nicht rechtserheblich ein
. Insgesamt
verneinte
sie eine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (
Urk.
2).
3.2
Demgegenüber kritisiert der Beschwerdeführer den somatischen Teil des
Z._
-Gutachtens als nicht überzeugend. Er macht eine Verschlechterung des physi
schen Gesundheitszustands geltend. Die ihm im Gutachten aus psychiatrischer Sicht attestierte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit erachtet er als massgebend.
Ausgehend von einer Gesamtarbeitsfähigkeit von 50 respekt
ive ab
1.
Juli 2018 von 30
%
schliesst
er
auf
einen Anspruch auf
eine
Dreiviertelsrente
beziehungs
weise
eine ganze Rente
(
Urk.
1).
4.
4.1
Im
Z._
-Gutachten wurde mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine mittelgradige depressive Episode mit somatischen Symptomen (ICD-10 F32.11) diagnostiziert. Den weiteren Diagnosen einer arteriellen Hypertonie, einer Hyper
chole
sterinämie, einer
Präadipositas
und einer nicht klassifizierbaren
Cephalgie
unklarer Ausprägung wurde kein
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beigemessen (
Urk.
8/339/81).
4.2
Im neurologischen Teilgutachten
wurde au
sgeführt, in der Untersuchung werde bei der formalen Prüfung
e
ine erheblich eingeschränkte
Beweglichkeit
der Hals
wirbelsäule
in allen Richtungen präsentiert. Grob diskrepant dazu
sei die spon
tane Beweglichkeit der Halswirbelsäule. Weiter werde in der Gangprüfung ein betont
langsames Gehen mit Schonhinken darge
boten. A
usserhalb der Untersu
chungssituation
sei das Gangbild jedoch
deutlich flüssiger. Aus neurologischer Sicht bestünde keine namhafte Schädigung des zentralen oder peripheren Ner
ven
systems, der Wirbelsäule oder
der
paravertebralen Struktur mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
8/339/51-52).
4.3
Im Rahmen der rheumatologischen Begutachtung klagte der Beschwerdeführer über Beschwerden als Folge der beiden
Autounfälle. Er gab Schmerzen
im Bereich d
er Nacken- und Schulterregion, an beiden Ellenbogen, in der Lendenwirbelsäule zentralisiert und am linken Knie an. Der rheumatologische Teilgutachter hielt fest,
in der klinischen Untersuchung dominiere eine deutliche Diskrepanz zwischen den
in den formalen Proben dargebotenen Einschränkungen und der nicht namhaft
limitierten
spontanen Beweglichkeit. Die
Waddell
-Zeichen seien positiv. Auch eine deutliche
Beschwielung
der Füsse und Hände sei festst
ellbar. Die in den
radiologischen Untersuchungen des rechten Kniegelenks, der
Hals- und
Lenden
wir
belsäule
sowie der Hüf
ten dargestellten degenerativen
Veränderungen ent
sprä
chen alterstypischen, nicht das Altersmass überschreitenden geringgradigen Veränderungen. Im Rahmen der Adipositas möge eine Dekonditionierung besteh
en. Die
se
sei jedoch durch eine sportliche Aktivierung und vor allem durch eine konsequente
Gewichtsreduktion besserbar. Eine rheumatologische Erkrankung im Sinne einer autoimmun-vermittelnden Pathologie oder eine andere ossäre,
arth
ro
gene
,
myogene
oder
ligamentäre
Erkrankung mit erhebli
ch behinderndem
Effekt
sei nicht evident. Für die zuletzt ausgeübte sowie jede andere Arbeit bestehe aus rheuma-orthopädischer Sicht eine volle Arbeitsfähigkeit (
Urk.
8/339/62-63).
4.4
Gegenüber dem psychiatrischen Teilgutachter erklärte der Beschwerdeführer
, dass es mit ihm auf und ab gehe. Er sei manchmal nervös. Nun habe
e
r zwei Tage lang nicht geschlafen und sehe «in Abgründe, alles schwarz». Er grüble viel
«über alles,
beruflich, familiär, finanziell». Er habe Existenzängs
te, da er monatlich
Fr.
5'000.--
an Alimenten bezahlen müsse.
Seine
zweite Ehefrau sei im Oktober
2016 ausgezogen.
Er mach
e
sich Sorgen, dass aus seinen beid
en jüngsten Kindern
,
die bei ihr lebten,
nichts werde. Er traue ihr die Erziehung nicht zu. Weiter mache er sich Sorgen um seine 81jährige Mutter, die in Italien lebe und sich einer Hüft
operation u
nterzogen habe. Ausserdem habe
s
eine 67jährige Tante
Krebs. Er leide unter
Antriebshemmungen, verschiebe viel auf sp
äter und sei gleichgültiger. Seine
Stimmung sei allgemein schlecht. Er habe weder Freude noch Lust, aber kein Morgenti
ef. Er sei nicht aggressiv, jedoch
gereizter als sonst. Das Gedächtnis sei schlecht, ebenso die Konzentration (
Urk.
8/339/64).
Die Schlafqualität sei unter
schiedlich. Er habe öfter Ein- und Durc
hschlafstörungen, schlafe
auch viel am Tag.
D
i
e Libido sei erloschen. Schmerzen habe er überall, in den Knien, den Schultern und im Rücken (
Urk.
8/339/66). Nach seinen Autounfällen habe er
im
Plattenlegergeschäft
zunächst in erster Linie Schleifarbeiten durchgeführt, später Büroarbeiten verrichtet. Aktuell könne er seinen Beruf nicht ausüben. Er besitze verschiedene Wohnungen, wisse aber nicht wie
viele. Er lebe
von den Mietein
nah
men und den Einnahmen aus einer Bar, die
ihm gehöre. Die Finanzen würde
seine Sekretärin regeln. Seit ca. zwei Jah
ren lebe er mit einer 32jährigen
Rumänin in ein
er Partnerschaft. Sie habe
ein Kind, wohne seit Mai 2017 bei ihm und helfe ihm im Haushalt. Sie nehme ihm eigentlich alles ab. Er selbst könne nichts mehr (
Urk.
8/339/66).
Der psychiatrische Teilgutachter hielt in der Befunderhebung
na
c
h AMDP
fest, es bestehe kein Anhalt für Bewusstseinsstörungen.
Konzentration und Aufmerk
sam
keit seien nicht namhaft gestört. Das formale Denken sei geordnet und auf das Wesentliche beschränkt.
Es werde eine Grübelneigung berichtet.
Hinweise auf inhaltliche Denkstörungen lägen nicht vor. Beklagt würden Existenzängste und Sorgen um die beiden minderjährigen Söhne. Andere Ängste oder Befürchtungen lägen nicht vor.
Panikattacken,
ein
Vermeidungsverhalten,
Zwangs
- oder Suizid
gedanken bestünden nicht.
Die Stimmung wirke depressiv. Affektiv sei der Be
schwerdeführer vermindert schwingungsfähig. Hinweise auf Schuldgefühle fänden
sich nicht. Es bestehe ein Insuffizienzerleben
. Der Antrieb wirke gehemmt
(
Urk.
8/339/68).
In der Beurteilung führte der psychiatrische Teilgutachter aus, der Beschwer
de
führer
klage
über typische depressive Symptome wie Niedergeschlagenheit, An
triebslosigkeit, Freud- und Lustlosigkeit, vermehrtes Grübeln, Insuffizienzerleben, vermin
derte Belastbarkeit,
Gereiztheit
, fehlende
Libido, Konzentrations-,
Merk
fähig
keits
- und Ausdauerprobleme, Zukunftsängste sowie multiple Schmerzen. Der AMDP-konform erhobene psychiatrische Untersuchungsbefund sei mit einer mittelgradigen depressiven Episode vereinbar. Derzeit sei aufgrund der affektiven und vegetativen Beeinträchtigungen im Rahmen des depressiven Syndroms eine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit von 50
%
für die angestammte als auch jede andere Tätigkeit zu attestieren. Aus psychiatrischer Sicht sei eine Intensivierung der psychopharmakologischen und psychotherapeutischen Behandlung no
twen
dig. Bei leitliniengerechter Therapie
und unter Berücksichtigung der bekannten Therapieverläufe sei eine Verbesserung des Krankheitsbilds und damit die Wie
der
erlangung der vollständigen Arbeitsfähigkeit per Anfang März 2018 zu erwar
ten
(
Urk.
8/339/68-69).
4.5
In der zusammenfassenden Konsensbeurteilung kamen die Gutachter zum Schluss
, dass die Arbeitsfähigkeit in der derzeit ausgeübten sowie jeder anderen Tätigkeit nicht dauerhaft limitiert sei (
Urk.
8/339/70). Ansonsten übernahmen sie die Beur
teilung des psychiatrischen Teilgutachters, indem sie festhielten, dass derzeit aufgrund der affektiven und vegetativen Beeinträchtigungen im Rahmen eines de
pres
siven Syndroms eine E
inschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50
%
zu atte
stieren,
jedoch
bei leitliniengerechter Therapie
eine Verbesserung des Krankheits
bilds und damit die Wiedererlangung der vollständigen Arbeitsfähigkeit per An
fang März 2018 zu erwarten
sei (
Urk.
8/339/
7
0).
5.
5.1
Das
Z._
-Gutachten ist für die streitigen Belange umfassend, wurde in Kennt
nis der und in Auseinandersetzung mit den fallrelevanten
Vorakten
erstellt und enthält eine einleuchtende Darstellung der medizinischen Situation. Insbesondere lassen sich gestützt auf das Gutachten die rechtsrelevanten Fragen beantworten. Mithin entspricht es grundsätzlich den praxisgemässen Anforderungen an den Beweiswert einer Expertise (BGE 134 V 231 E. 5.1; E. 1.2.1 hervor).
5.2
Als Folge des Unfalls vom 2
7.
Dezember 1993 kann der Beschwerdeführer keine
längerandauernden
knie
nden Arbeiten mehr verrichten. Damals noch als Inhaber eines
Bodenlegergeschäfts
tätig, verstand es der Beschwerdeführer
,
seinen Betrieb derart umzustrukturieren, dass er die kniebelastenden Bodenlegerarbeiten
mehr
heit
lich
s
einen Angestellten
überliess und selber zur Hauptsache Bodenschleif- und administrative Arbeiten übernahm. Diese Umstrukturierung führte dazu, dass er nicht nur keine Einkommenseinbusse hinnehmen musste, sondern sogar eine
Verbesserung der Betriebsergebnisse erzielen konnte
(
vgl.
Urk.
8/25/6).
Aus die
sem Grund verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
7.
November 1995 einen Ren
tenanspruch, was letztinstanzlich durch das Eidg. Versicherungsgericht mit Urteil vom 2
3.
November 1998 geschützt wurde (
Urk.
8/11, 8/25).
Die Tätigkeit, die der Beschwerdeführer nach der Umstrukturierung ausführte, ist vorliegend als
Vali
den
tätigkeit
anzusehen.
5.3
Bereits das
Y._
war in seinem Gutachten vom
7.
Juni 201
1 zum Schluss ge
kommen,
dass es als Folge der Unfallereignisse
vom 2
9.
Oktober 1999 und 1
6.
August 2001 während jeweils höchstens sechs Monaten zu Einschränkungen der
Arbeitsfähigkeit
gekommen sei (
Urk.
8/185/32). Anders als die
Z._
-Gut
achten erachteten die
Y._
-Gutachter dem Beschwerdeführer die Ausübung kör
per
licher schwerer Tätigkeiten
aber
nicht mehr für zumutbar. Sie begründeten dies mit
objektivierbaren moderaten Veränderungen an der Wirbelsäule, die sich im Verlauf der Zeit entwickelt haben dürften (
Urk.
8/185/32).
5.4
Auch die
Z._
-Gutachter stellten
, wie ausgeführt,
aufgrund ihrer radiolo
gi
schen Untersuchung leichtgradige degenerative, altersentsprechende Verän
derungen
fest. Einen Krankheitswert massen sie diesen nicht zu (
Urk.
8/339/51+61+6
3
+71
). In
sofern stimmt ihre
Beurteilung mit jener der
Y._
-Gutachter überein. Diese
beurteilten die moderaten
degenerative
n Veränderungen (ebenfalls) als
al
tersentsprechend und hielten
dazu
fest, die geltend gemachten
funktionellen Einschränkungen widerlege der Beschwerdeführer grösstenteils gleich
selber, sodass letztlich
keine wesentlichen objektivierbaren Defizite
ver
bleiben
würden
(
Urk.
8/185/22). Da somit den leichtgradigen degenerativen Ver
änderungen kein Krankheitswert zukommt, ist der Einschätzung de
r
Z._
-Gutachter zu folgen und davon auszugehen, dass diesem Befund kein
Einfluss auf die vom Beschwerdeführer bisher
ausgeübten Tätigkeiten zukommt
.
5.5
Soweit
der Beschwerdeführer unter Verweis auf einen Bericht von
Dr.
B._
, Facharzt für Chiru
r
gie, vom 1
8.
März 2019 geltend macht, seit der Be
gut
achtung durch das
Y._
habe sich die Hals- und Lendenwirbelsäule ver
schlechtert, was von den
Z._
-Gutachter ignoriert werde (
Urk.
1 S. 7 ff.), ist er nicht zu hören. Der Bericht vom 1
8.
März 2019 stützt sich auf die bildgebenden Abklärungen vom
4.
und
8.
August 2017
und
entspricht dem vom nämlichen Arzt verfassten Bericht
vom 1
6.
August 2017 (
Urk.
3/3
-4, 8/339/36-37,
8
/368). Jene Unterlagen waren den
Z._
-Gutachtern bekannt (
Urk.
8/339/36-37,
8/339/62). Gestützt auf das MRI der Lendenwirbelsäule
vom
4.
August 2017
hielt
Dr.
B._
fest, es gebe einen Kontakt zur rechten L5-Wurzel
in
troforaminal
. Er folgerte daraus
, dass der Beschwerdeführer unter
radikulären Beschwerden leide (
Urk.
8/368). Die klinische Untersuchung im Rahmen der neurologischen und rheumatologischen Begutachtungen ergab aber, dass keine radikuläre Schmerzausbreitung besteht (
Urk.
8/339/49+63).
Weiter schloss
Dr.
B._
auf
grund von
Arthosen
im Bereich der Halswirbelsäule
auf eine deutlich ein
geschränkte Bewe
glichkeit der Halswirbelsäule
Urk.
8/368).
Arthrosen bestanden
indessen
bereits im Zeitpunkt der
Y._
-Begutachtung
und waren auch den
Z._
-Gutachtern bekannt
(
Urk.
8/185/20,
Urk.
8/339/61
-62
). Vor allem aber ergibt
sich
aus den klinischen Untersuchungen im Rahmen der Begutachtungen sowie - bereits früher - aus den Observationserg
e
bnissen
hinlänglich
, dass keine massgebend eingeschränkte Beweglichkeit der Halswirbelsäule besteht
(vgl.
Urk.
8/190)
. Zu Recht monieren die
Z._
-Gutachter, dass nicht ersichtlich sei, inwiefern
Dr.
B._
sich mit früheren Einschätzungen auseinandergesetzt habe und ob und inwiefern
durch ihn
eine
Prüfung der spontanen Mobilität und Plausibilität erfolgt sei (
Urk.
8/339/77).
Es kann nicht angehen, ein Admini
strativgutachten stets dann in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklä
rungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte nachher zu unterschiedlichen Ein
schätzungen gelangen oder an vorgängig geäusserten abweichenden Auf
fassung
en festhalten (Bundesgerichtsurteil 9C_353/2015 E.
4.1).
D
er Bericht
von
Dr.
B._
vom 1
8.
März 2019
ist daher nicht geeignet,
Zweifel an der gut
achterlichen Einschätzung zu wecken.
5.6
Als Zwischenfazit ist festzuhalten, dass aus somatischer Sicht von einer vollen Arbeit
sfähigkeit in der
Tätigkeit als Inhaber des
Plattenlegergeschäfts
, wie sie der Beschwerdeführer nach erfolgter Umstrukturierung nach dem Unfall vom
2
7.
Dezember 1993
ausübte, besteht.
6.
6.1
Laut dem
Z._
-Gutachten bestand im Zeitpunkt der Begutachtung,
also im Oktober 2017 (
Urk.
8/339/3),
aus psychiatrischer Sicht eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50
%
. Davon ausgehend, dass bei Intensivierung der psycho
pharmakologischen und psychotherapeutischen Behandlung sich das
Krankheits
bild bis März 2018 bessern würde, verneinten sie eine dauerhafte Limitierung der Arbeitsfähigkeit (
Urk.
8/339/70). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ist, wie bereits erwähnt (E. 1.2.3), das für somatoforme Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren beachtlich.
6.2
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
Verlauf und Ausgang von Therapien stellen wichtige Schweregradindikatoren dar. Es ist Aufgabe des medizinischen Sachverständigen, nachvollziehbar aufzu
zeigen, weshalb trotz (leichter bis) mittelschwerer Depression und an sich guter Therapierbarkeit der Störung im Einzelfall funktionelle Leistungseinschrän
kung
en resultieren, die sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken (BGE 143
V 409 E.
4.5.2; vgl.
Bundesgerichts
urteil
9C_590/2017 vom 1
5.
Februar 2018 E. 5.1).
Die An
erkennung
eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesund
heit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig
und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrs
cheinlich
keit nachgewiesen sind
(BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
7.
7.1
Was den Komplex «Gesundheitsschädigung» respektive den Indikator «Ausprä
gung der diagnoserelevanten Befunde» angeht, ist festzuhalten, dass die de
pres
sive Störung als mittelschwer eingestuft wird.
Begründet wird diese Diagnose vom psychiatrischen Teilgutachter mit den affektiven und vegetativen
Beinträch
tigungen
gestützt auf die
Angaben des Beschwerdeführers
(
Urk.
8/339/68-69). Dazu ist jedoch relativierend zu berücksichtigen, dass bewusstseinsnahe Ele
mente, wie Se
lbstlimitierung und Diskrepanzen
, ausgewiesen sind. Darauf wird näher unter
der Kategorie «Konsistenz» (E. 7.5
) einzugehen sein.
Die
diagnoserelevanten Befunde und Symptome, die im Komplex «Gesundheits
schädigung» zu prüfen sind (BGE 141 V 281 E. 4.3.1) sind nicht besonders aus
geprägt: Der Beschwerdeführer zeigt ein mit dem Gesundheitsschaden korrelie
ren
des Beschwerdebild. Er ist affektiv deprimiert. Der Antrieb ist gehemmt und die affektive Schwingungsfähigkeit ist vermindert (
Urk.
8/339/68). Die geklagten Konzentrations
- und Aufmerksamkeitsstörungen lassen sich klinisch
hingegen
nicht bestätigen. Auch besteht keine Suizidalität (
Urk.
8/339/68). Der Beschw
er
deführer klagt zwar über eine fehlende
Libido, jedoch ist sein Interesse an einer
Partnerschaft nicht erloschen,
l
ebt er doch
seit 2017
mit einer rund 25jährigen jüngeren Partnerin zusammen (
Urk.
8/339/6
). Was die geltend gemachten Schlaf
störungen a
nbelangt,
mag allenfalls auch eine Rolle spielen
, dass
d
er
Beschwer
de
führer
zumindest im Zeitpunkt der Begutachtung
, als er noch Inhaber der Bar war,
erst um drei bis sechs Uhr nachts zu Bett ging (
Urk.
8/339/42).
Soweit der psychiatrische Teilgutachter anmerkte, eine rezidivierende depressive Störung lasse sich anamnestisch nicht sicher herausarbeiten, bl
eibe aber denkbar (
Urk.
8/339/69
)
, ist festzuhalten, dass im Rahmen der
Y._
-Begutachtung im 2011 keinerlei psychische Auffälligkeiten bestanden (
Urk.
8/185/17).
Gemäss seinen eigenen Angaben
in der
Z._
-
Begutachtung sucht der Beschwerdeführer
seit drei bis vier Jahren ein bis zwei Mal pro
Monat eine Psychiaterin auf (
Urk.
8/339/64).
Soweit aus den Akten ersichtlich
,
begibt er sich seit Mitte Septem
ber 2013 ins Zentrum
C._
, wo er auc
h psychia
trisch behandelt wird (
Urk.
8/317)
. Dabei ist nicht ganz klar,
seit wann
der Be
schwerdeführer psychiatrisch betreut wird.
D
ie
behandelnde Psychiaterin
Dr.
D._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
,
führte
im Bericht vom 1
2.
Juni 2017
aus
, dass bislang psychiatrisch keine Diagnose gestellt worden sei. Allerdings werde dem Beschwerdeführer seit Jahren
Saroten
wegen Ged
anken
kreisen und zeitweise auftretender
Lust- und Interessenlosigkeit verabreicht. Da
her sei inzwischen eine Anpassungsstörung zu diagnostizieren (
Urk.
8/317
).
Ein depressives Geschehen vermochte somit die behandelnde Psychiaterin bis zum Zeitpunkt der Redaktion des Berichts vom 1
2.
Juni 2017 nicht festzustellen.
Indessen übernahm sie im Rahmen der
nachf
olgenden Berichte, die sie in Hinblick
auf das
versicherungsrechtliche
Verfahren
verfasste
, die Diagnose einer mittel
gradigen Depression (
Urk.
8/360).
7.2
Bezüglich des Indikators «Behandlungs- und Ei
ngliederungserfolg oder
–
resi
st
enz
» ist festzuhalten, dass sich
der Beschwerdeführer - wie ausgeführt -
wohl
seit ca.
Mitte
2013 in psychiatrische Behandlung begibt; bis zur Zeitpunkt der Begutachtung ei
n bis zwei Mal pro Monat, seither
zweimal pro Monat (
Urk.
8/360). Eine stationäre Behandlung erfolgte nie (
Urk.
8/339/64). Bis zum Zeitpunkt der Begutachtung wurde dem Beschwerdeführer
Saroten
verabreicht, wobei er anlässlich der Begutachtung keine Angaben zur Dosis machen konnte (
Urk.
8/339/64). Nach der Begutachtung wurde ihm neu
Seralin
50 mg sowie eine erhöhte Dosis von
Saroten
(
50 mg
)
verschrieben (
Urk.
8/360/5).
Angesichts
der Therapiefrequenz
kann
nicht von einer konsequenten Depressionsb
ehandlung ausgegangen werden
(Bundesgerichtsurteil 8C_444/20
16 vom 3
1.
Oktober 2016 E. 6.2.2).
7.3
Unter dem Indikator „Komorbidität” (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.3) ist eine Gesamt-betrachtung der Wechselwirkungen und sonst
igen Bezüge der Schmerzstörung
zu sämt
lichen begleitenden krankheitswertigen Störungen erforderlich. In Präzisie
rung von BGE 141 V 281 E. 4.3.1.3 fallen Störungen unabhängig von ihrer Diag
nose bereits
dann als rechtlich bedeutsame Komorbidität in Betracht, wenn ihnen im konkreten Fall ressourcenhemmende Wirkung beizumessen ist (BGE 143 V 418 E. 8.1).
Nebst der mittelgradigen Depression wurde
n
keine weiteren psychia
trischen Diagnosen gestellt. Die somatischen Diagnosen bleiben ohne Auswir
kung
en auf die Arbeitsfähigkeit. Die vom Beschwerdeführer in diesem Zusam
men
hang geltend gemachten degenerativen Veränderungen sind moderat und altersentsprechend (
Urk.
1 S. 13).
7.4
Beim Komplex «Persönlichkeit» und «sozialer Kontext» ergibt sic
h Folgendes
:
Der Beschwerdeführer lebt mit seiner Lebenspar
tnerin und deren Kind
in einer
4,5-Zimmerwohnung
(
Urk.
8/339/47)
. Aus seinen zwei geschiedenen Ehen hat er vier Kinder
(geboren 1992, 1995, 2004
und 2007), zu denen er einen guten Kon
takt pflegt (
Urk.
8/331/41
+47
). Seine Mutter lebt in Süditalien, die er
zeitweise besucht. Im Sommer 2017
-
insofern
zeitnah
zur Begutachtung
und wohl daher in der Anamneseerhebung erfragt
-
war er zweimal dort
. Einen Weg legte er mit dem Auto zurück, die anderen Male nahm er das Flugzeug (
Urk.
8/339/42+47).
E
r
steht
jeweils zwischen sieben Uhr morgens und zwölf Uhr nachmittags auf
. Den Haushalt erledigt die Lebenspartnerin. Sie ist auch für die Mahlzeitzu
be
reitung zuständig. Er geht allenfa
lls 15 bis 30 Minuten spazieren.
Zu Hause sieht er fern, liest die Zeitung oder surft im Internet
(
Urk.
8/339/42). Am Samstag geht er mit der Partnerin einkaufe
n (
Urk.
8/339/66). Als er Inhaber
der Bar war
,
hatte
er
, zumindest zum Zeitpunkt der Begutachtung,
zwei Angestellte.
Aus seinen Aussagen anlässlich
der psychiatrischen Begutachtun
g ist zu schliessen, dass er über Tag bei seiner Bar vorbeischaute und
dann wieder nach Hause
ging (
Urk.
8/339/66
). Im Rahmen der internistischen Begutachtung führte er
allerdings
aus, dass die Bar um 19 Uhr öffne. Er bleibe dann zwei bis drei Stunden dort
, wo
er
die Tagesabrec
hnungen erledige
und
gelegentlich Gäste bediene
(vgl. dazu auc
h
Urk.
1 S. 4)
. Ins Bett gehe er zwischen drei bis sechs Uhr morgens (
Urk.
8/339/42).
Gemäss eigenen Angaben in der Begutachtung war der Beschwerdeführer noch ca. 25
%
in der Bar tätig (vgl.
Urk.
8/339/84). Attestiert wird ihm aus psychia
trischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
. Der Komplex «sozialer Kontext» beziehungsweise das Kriterium des sozialen Rückzugs ist ins Verhältnis zur geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit zu setzen (BGE 141 V 281 E. 4.4.1)
. Auch wenn
bei einer noch (teilwe
ise) erwerbstätigen Person
kein totaler sozialer Rück
zug zu erwarten
ist
(Bundesgerichtsurteil 9C_7
85/2013 vom
4.
Dezember 2013 E.
3.2)
,
kann
beim Beschwerdeführer
angesichts des Tagesablaufs und
der
sonsti
gen Aktivitäten nicht von einem massgebenden soz
ialen Rückzug gesprochen werden.
7.5
Beweisrechtlich entscheidend ist sodann der verhaltensbezogene Gesichtspunkt der «Konsistenz» (BGE 141 V 281 E. 4.4). In dieser Hinsicht fallen Inkonsistenzen,
Diskrepanzen und sowie das überaus deutliche Verhalten massgebend ins Gewicht
.
In den neurologischen und rheumatologischen Untersuchungen dominierten deutliche Diskrepanzen zwischen den in den formalen Proben dargebotenen Einschr
änkungen und der nicht namhaft limitierten
spontanen Beweglichkeit (
Urk.
8/339/51, 8/339/63).
So
wa
r
in der
internistischen Untersuchung
d
em Be
schwerdeführer
das Steigen von Treppen
nicht möglich (
Urk.
8/339/43); d
ies obschon seine Wohnung im ersten Stock liegt und das Haus keinen Lift hat, mithin er also ta
gtäglich Treppen steigen muss (
Urk.
8/339/41).
Dieses Verhalten legte der Beschwerdeführer
bereits
im Rahmen der
Y._
-Begutachtung an den Tag (
Urk.
8/185/24). Damit korreliert, dass er nach
den
Auffahrunfällen lange eine fast unbewegliche Halswirbelsäule vorga
b, obschon
schon
bald danach, wie
die
durchgeführten Observationen klar belegen, hinsich
tlich der Halswirbelsäule keine
nennenswerten
Einschränkungen mehr bestanden
. So verschwieg er
im Revi
si
ons
fragebogen vom
8.
September 2010
diese Tatsache und behauptete einen unver
änderten Gesundheitszustand
, was das Sozialversicherungsgericht
im Urteil vom
8.
Dezember 2016
als
Meldepflicht
verletzung wertete
(
Urk.
8/275 E. 5.3
). Vor
liegend geht es zwar um den Rentenanspruch ab
1.
Januar 201
5.
Doch aus dem Verhalten des Beschwerdeführers
ist zu schliessen, dass sich seine Grundhaltung nicht wesentlich
geändert hat.
Nicht nur die demonstrierten Beschwerden und teilweise massiven Bewegungs
minderungen sind klinisch im demonstrierten Ausmass nicht plausibel, sondern
auch weitere Angaben des Beschwerdeführers werfen Fragen auf.
So erscheint we
nig glaubhaft,
auch vor dem Hintergrund, dass ihm
vom psychiatrischem Gut
achter eine volle Orientierung zu allen Qualitäten bescheinigt wird (
Urk.
8/339/6
7),
dass er nicht weiss, wie viele Wohnungen er besitzt
(
Urk.
8/339/66).
Weiter weist di
e deutliche
Beschwielung
an Händen und Füssen auf einen Gebrauch der be
treffenden Extremitäten hin, was nicht zu seiner Aussage passt, wonach er nichts mehr kann
und tut
(
Urk.
8/339/66).
Was
ansonsten
die Frage nach der «gleichmässigen Einschränkung des Aktivi
tätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen» betrifft, kann auf die Aus
führungen unter E. 7.4 verwiesen werden. Zu Recht weist der Beschwerdeführer in der Beschwerde darauf hin, dass er vor
den
Unfällen mit dem
Platten
leger
geschäft
ein hohes Aktivitätsniveau aufwies (
Urk.
1 S. 14)
. Es mag durchaus sein, dass dieses
zwischenzeitlich nicht mehr so hoch ist wie früher
. Berufli
ch war er aber fähig, (über
Jahre
) eine Bar zu leiten. Privat hat er zwar keine Hobbies
(
Urk.
8/339/47)
, jedoch
ein soweit intaktes Umfeld und eine geregelte Tages
struk
tur.
Bei dieser Sachlage ist festzuhalten, dass eine gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen nicht als erstellt ange
sehen werden kann.
7.6
Im Rahmen des Indikators „behandlungs- und
eingliederungsanamnestisch aus
ge
wiesener Leidensdruck“ (zur Abgrenzung vom Indikator „Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz“ vgl. Michael E. Meier, Zwei Jahre neue Schmerzrechtsprechung, publiziert in: Riemer-
Kafka/
Hürzeler
, Das
indikatoren
orien
tierte
Abkärungsverfahren
, Zürich 201
7, S. 25
Rz
60) weist die Inan
spruch
nahme von therapeutischen Optionen, das he
isst das Ausmass, in welchem Be
hand
lu
ngen wahrgenommen oder eben vernach
lässigt werden (ergänzend zum Ges
ichtspunkt Behandlungs- und Eingliederungs
erfolg oder -resistenz unter
dem Komplex „Gesundheitsschädigung") auf den tatsächli
chen Leidensdruc
k hin. In ähnlicher Weise zu be
rücksichtigen ist das Verhalten der versi
cherten Person im Rahmen der beruflichen (Selbst-)
Eingliederung. Inkonsistentes Verhalten ist auch hier ein Indiz
dafür, die geltend gemachte Ein
schränkung sei ande
rs begründet als durch eine versicherte Gesundheitsbeein
trächtigung (BGE 141
V 281 E. 4.4.2; vgl.
Bundesgerichts
urteil
9C_296/2016 vom 2
9.
Juni 2016 E. 4.1.2).
B
is zur Begutachtung im Oktober 2017
begab sich der Beschwerdeführer
ein- bis zweimal monatlich
in psychiatrische Behandlung. S
either
findet die Therapie
zweimal monatlich
statt
.
Von einem ausgewiesenen Leidensdruck kann in An
betracht dieser Behandlungsintensität
und
ohne stationäre Therapie nicht gespro
chen werden. Im Weiteren erweist sich sein Verhalten
, wie dargelegt,
als inkonsi
stent. Positiv sind
hingegen
die beruflichen Selbsteingliederungsbemühungen zu werten, was aber im Rahmen der
Gesamtwürdigung nicht
mehr
massgebend
ins Gewicht fällt.
7
.7
Bei gesamthafter Betrachtung der massgeblichen Indikatoren ist eine Ein
schrän
kung der Arbeitsfähig
k
eit in einer angepassten Tätigkeit, worunter auch
die Tätig
keit nach erfolgter Umstrukturierung des
Plattenlegergeschäfts
fällt, n
icht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen.
Daran ändert
e sich
auch nichts
, falls sich der Gesundheitszustand, wie von
ihm
behauptet,
ab
1.
Juli 2018
ver
schlechte
rt haben sollte (
Urk.
1 S. 16). Dabei stützt er sich auf die
Bericht
e
von
Dr.
D._
vom 1
8.
Januar 2019 respektive
8.
Februar 2019
(
Urk.
8/360, 8/
363)
, wo Entsprechendes
festgehalten wird
unter Hinweis darauf, dass der Beschwer
deführer nunmehr über Tage nicht mehr aus
dem Haus gehe
. Selbst wenn dem so ist (vgl. dazu auch
die
Stellungnahme der RAD-Ärztin
Dr.
E._
, Fach
ärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, welche die geltend gemachte Ver
schlechterung als nicht nachvollziehbar begrü
ndet bezeichnet
;
Urk.
8/373/5), führt dieser Umstand
nicht zu einem anderen Ergebnis der
Indikatorenprüfung
.
8.
Bei diesem Ergebnis ist eine invalidenversicherungsrechtlich relevante Pathologie nicht ausgewiesen. Aufgrund der vollen Ar
beitsfähigkeit in der
Valident
ätigkeit
ist eine Erwerbseinbusse auszuschliessen. Bei dieser Ausgangslage stellt sich auch die Frage nicht, ob die IV-
Stelle vor der Rentenaufhebung
Einliederungs
mass
nahmen
hätte durchführen müssen (vgl.
Urk.
1 S. 17). Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
9.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach
dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs
.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG) und auf
Fr.
800.-- anzusetzen. E
ntsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.