# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b335a79c-064f-4ea3-a944-abe138500807
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1958,
hat keine Ausbildung
absolviert
und
arb
eitete als selbständiger Gipser (
Urk. 7/33/2,
Urk. 7/53/93)
. Am 23. März 2005 meldete
er
sich erstmals aufgrund von Rückenschmerzen bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle, prüfte den A
nspruch und wies das Leistungsbegehren mit Ver
fügung vom 22. März 2007 ab, da kein invalidenversicherungsrechtlich relevan
ter Gesundheitsschaden vorliege (Urk. 7/23).
Danach war der Versicherte wieder voll erwerbstätig (Urk. 7/53/98).
1.2
Am 26. November 2015 meldete sich der Versicherte
aufgrund von Rückenprob
lemen
bei der Invalidenversicherung zur Früherfassung an
und wies darauf hin, dass er seit dem 28. September 2015 zu 100 % arbeitsunfähig sei
(Urk. 7/30
/1
).
Die IV-Stelle führte daraufhin ein Standortgespräch mit dem Versicherten durch und holte einen Auszug aus dem Individuellen Konto (IK) ein (Urk. 7/32 f.)
1.
3
Seit dem
1.
Mai
2016
war der Versicherte
bei der
Y._
als Gipser angestellt (Urk. 7/61/1). Am 6. Juli 2016 stürzte er bei der Arbeit auf einer Bau
stelle aus zwei Metern Höhe von einem Gerüst, prallte auf die linke Seite und schlug sich
dann den Kopf rechts an (Urk.
13/1). Noch am gleichen Tag erfolgte die medizinische Versorgung im
Z._
, wo eine
C
ommotio cerebri mit
Verletzungen
der
linken
Schulter (richtig: der rechten Schulter, vgl. zum Beispiel Urk. 13/30 S. 2, Urk.
13
/31 S. 2), des linken Knies und des linken Fusses
festge
stellt wurden
(Urk. 13/13 S. 2).
Am 21. Juli 2017 meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf gesundheitliche Beschwerden der rechten Schulter als Folge des Sturzes vom 6. Juli 2017 erneut bei der Invalidenversicherung zum Leistungs
bezug an (Urk. 13/34).
Vom 4. Oktober bis 8. November 2017 befand sich der Versicherte in der
A._
in stationärer Behandlung, wo
zusätzlich zu den somatischen Leiden
eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome
sowie eine somatoforme Mitbeteiligung am Schmerzgeschehen
diag
nostiziert wurde
n
(Urk.
7/43/2
).
Die IV-Stelle zog Akten der Unfallversicherung bei (Urk. 7/36, Urk. 7/53 f., Urk. 7/60, Urk. 7/67, Urk. 7/70), insbesondere die psychiatrische kreisärztliche Beurteilung v
om 24. April 2018 (Urk. 7/53/85-105
).
Mit Verfügung vom 12. Juli 2018 sprach
die Unfallversicherung
dem Versicher
ten ab dem 1. Oktober 2018 eine Invalidenrente
basierend auf einem Invaliditäts
grad
von 20 % und eine Integritätsentschädigung
bei einer Integritätseinbusse
von 8 % (Fr. 11'856.--) zu (Urk.
13
/121, Urk.
13
/124).
Die IV-Stelle
tätigte sodann medizinische und erwerbliche Abklärungen und holte eine Stellungnahme des
Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 28. September 2018 ein (Urk. 7/72/4 f.). Mit Vorbescheid vom 18. Februar 2019
stellte
sie dem Versicherten die Abweisung des Leistungsbegehrens
in Aussicht
(Urk. 7/73). Dagegen erhob der Versicherte am 20. März 2019 Einwand (Urk. 7/76).
In der Folge
holte die IV-Stelle weitere Berichte ein (Urk. 7/83 f.), zu welchen der Beschwerdeführer am 6. Juni 2019
unter Beilage eines Berichts des
Z._
vom 16. Mai 2018 (Urk. 7/87)
Stellung nahm (Urk. 7/86). Die IV-Stelle legte die Akten schliesslich nochmals dem RAD vor (Urk. 7/88/3 ff.). Gestützt auf
dessen Beurteilung
verneinte sie mit Verfügung vom 10. Juli 2019 einen Rentenanspruch bei einem Invaliditätsgrad von 21 % (Urk. 7/89 = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 10. September 2019 Beschwerde und bean
tragte, in Aufhebung der angefochtenen Verfügung sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihm rückwirkend eine angemessene Invalidenrente zuzusprechen und auszurichten. Weiter werde
dem
Gericht
beantragt
, ein
Medas
-Gutachten in Auftrag zu geben. Eventualiter sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zurück
zuweisen, damit sie das erforderliche
Medas
-Gutachten in Auftrag gebe und danach über seinen Leistungsanspruch neu befinde (Urk. 1 S. 2 und 10).
Mit Beschwerdeantwort vom 18. Oktober 2019 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6).
Mit Replik vom
31. Oktober 2019 er
neuerte
der Beschwerdeführer sein
Rechtsbegehren
(Urk. 9). Die Beschwerdegegnerin ver
zichtete am 14. November 2019 auf das Einreichen einer Duplik (Urk. 11).
Mit Verfügung vom 25. Mai 2020 zog das Gericht die Akten aus dem Verfahren
des Beschwerdeführers gegen den Unfallversicherer (Prozess
UV.2019.00024
)
bei (Urk.
Urk. 13/1-164,
Urk.
14). Am 15. Juni 2020 respektive 9. Juli 2020 verzich
teten die Parteien auf eine Stellungnahme zu den
Unfallversicherungsakten
(Urk. 15, Urk. 17).
3.
Die gegen den
- die Verfügung vom 12. Juli 2018 bestätigenden -
Einsprache
entscheid
der Suva
vom 3. Januar 2019 (Urk. 13/152) erhobene Beschwerde
wies das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
mit Urteil heutigen Datums
ab Verfahren UV.2019.00024).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen
(BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V
409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der Verordnung
über die Invalidenversicherung, IVV
), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante
Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hin
weis).
1.4
Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind,
auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkun
gen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisions
rechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.5
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, wel
che auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht.
1.6
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funkti
onelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
IVV
beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fach
kompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersu
chen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und
Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben
– den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wer
tung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht
abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie wür
digen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesge
richts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jene
n
exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifika
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versi
cherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung hielt die Beschwerdegegnerin fest, gestützt auf die vorliegenden Unterlagen bestehe beim Beschwerdeführer im Zusammenhang mit dem Unfall vom 6. Juli 2016 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit als Gipser. In einer angepassten Tätigkeit bestehe hingegen eine volle Arbeitsfähigkeit (Urk. 2 S. 1). Aus dem durchgeführten Einkommensvergleich ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 21 %, welcher keinen Anspruch auf eine Invalidenrente begründe.
In den nach erfolgtem Einwand eingegangenen Berichten würden keine neuen wesentlichen medizinischen Tatsachen genannt (Urk. 2 S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, die Beschwerdegegnerin habe sich darauf beschränkt, zum einen die Akten der Unfallversicherung und zum anderen Verlaufsberichte des behandelnden Haus
arztes und der behandelnden Psychiaterin beizuziehen und diese Unterlagen dur
ch den RAD-Arzt Dr. med.
B._
, Facharzt für Chirurgie, prüfen zu lassen (Urk. 1 S. 6).
Weil der RAD-Arzt als Chirurg nicht über die nötige fachliche Qualifikation verfüge, komme seiner Aussage zu den Auswirkungen des psychi
schen Gesundheitsschadens auf die Arbeitsfähigkeit kein Beweiswert zu (Urk. 1 S. 8).
Das kreisärztliche Belastungsprofil berücksichtige einzig die Auswirkungen der unfallbedingten Gesundheitsschäden. Derweil fehle es an einer abschliessen
den Beurteilung aller thematisierte
r
Gesundheitsschäden (Urk. 1 S. 9). Es
sei nicht nachvollziehbar, weshalb die
unfallfremden
Beeinträchtigungen an der Halswir
belsäule (HWS), der Lendenwirbelsäule (LWS), am linken Knie, am linken Fuss und am Kopf seine Arbeitsfähigkeit nicht beeinträchtigen sollten. Diesbezüglich
bedürfe es für einen sachgerechten Entscheid eines polydisziplinären Gutachtens (Urk. 1 S. 9 f.).
2.3
In ihrer Beschwerdeantwort
vertrat
die Beschwerdegegnerin
die Auffassung
,
eine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei auch aus rechtlicher Sicht zu verneinen
,
und verwies insbesondere
auf die psychiatrische Untersuchung
durch
den Kreisarzt der Unfallversicherung,
Dr. med. C._
, Facharzt für Psy
chiatrie und Psychotherapie
.
Insgesamt liessen die vorhandenen Unterlagen nicht auf ein invalidisierendes psychisches Leiden schliessen
(Urk. 6 S. 2).
2.4
In seiner Replik vom 31. Oktober 2019
führte
der Beschwerdeführer
aus
, die
Aus
führungen der Beschwerdegegnerin liessen darauf schliessen, dass sie die Beur
teilung des psychischen Gesundheitsschadens durch Dr.
C._
für nicht stich
haltig halte. Diesen Standpunkt begründe sie weder nachvollziehbar noch sachkundig. Sie könne sich nämlich auf keine fachärztlichen Berichte stützen (Urk. 9 S. 2).
Die
Indikatorenprüfung
setze eine schlüssige medizinische Beur
teilung voraus
(Urk. 9 S. 3)
. Die Beschwerdegegnerin
gehe in ihrer Beschwer
deantwort sodann nur auf zwei Indikatoren ein und führe somit kein vollständiges strukt
u
riertes Beweisverfahren durch
(Urk. 9 S. 4).
2.5
Die Beschwerdegegnerin ist auf die Neuanmeldung des Beschwerdeführers vom 21. Juli 2017 eingetreten.
Z
u prüfen ist somit, ob sich der Gesundheitszustand seit
der letzten Anspruchsprüfung mit Verfügung vom 22. März 2007 anspruchs
relevant verändert hat
und ob diesbezüglich der Sachverhalt hinreichend abge
klärt ist.
3.
Im Zuge der ersten
rentenverneinenden
Anspruchsbeurteilung im Jahr
2007
hatte die Beschwerdegegnerin die Akten der Krankentaggeldversicherung bei
gezogen
, insbesondere das von dieser in Auftrag gegebene interdisziplinäre Gutachten des
D._ (
Gutachten vom 30. Mai 2005, Urk. 7/11/17-44). In der Folge legte sie die Akten dem RAD-Arzt med.
pract
.
E._
vor.
In seiner
Stellungnahme
vom 2. Februar 2007 merkte
dieser
an, es sei völlig unklar, welche invalidisierende medizinische Problematik vorherrsche
.
Die Phase der Arbeitsunfähigkeit sei Ende 2003 gestartet, zunächst mit
dem
nicht invalidisierenden Problem einer
epigastrischen
Hernie,
die
dann operiert worden sei. In der Folge seien Rückenbeschwerden aufgetreten, die selbst angepasste Arbeiten als unzumutbar hätten erscheinen lassen. Ein MRI Ende 2004 habe zwar degenerative Wirbelsäulenveränderungen gezeigt, jedoch keine Dis
kushernie oder Einengungen. Diese Veränderungen seien im Bericht des Rheu
matologen vom Dezember 2004 als nicht zwingend invalidisierend eingestuft worden und
gemäss
diesem
sei
nach einer Physiotherapie
von einer uneinge
schränkten Arbeitsfähigkeit auszugehen.
Die Situation habe sich richtungswei
send durch die psychosoziale Lage verschlimmert, was klar nicht invalidisierend sei. Der
psychiatrische Gutachter
habe angemerkt, eine invalidisierende Störung
sei
nicht vorhanden, da
diese
reaktiv sei und innert weniger Monate abklinge (Urk. 7/20/3). Sowohl aus somatischer als auch psychiatrischer Sicht
rechtfertige sich keine
weitergehende Arbeitsunfähigkeit im angestammten Beruf (Urk. 7/20/4).
4.
4.1
Im Zusammenhang mit der Neuanmeldung des Beschwerdeführers
vom 21.
Juli 2017
(Urk. 7/34)
sind im Wesentlichen die
folgenden Berichte aktenkundig:
4.2
Dem Sprechstundenbericht
der
F._
vom 4. Juli 2017 lassen sich die folgenden Diagnosen entnehmen (Urk.
13
/64/ S. 1):
-
Ausgeprägte posttraumatische Schulter-/Armschmerzen rechts mit/bei
-
p
osttraumatischer adhäsiver
Capsulitis
-
a
usgeprägte
r
Scapuladyskinesie
mit sekundärem
subacromialem
Impingement
-
Verdacht auf
neurovegetative Schmerzkomponente mit
dissoziativer
Symptomatik
-
MR-tomographisch
subacromiale
Bursi
tis bei grossem
Acromionsporn
-
a
symptomatischer AC-Gelenks-Arthrose
-
St
atus nach
Sturz aus
zwei Metern Höhe mit Distorsion/
Kontusion Schulter rechts am 6.
Juli
2016
Dazu ergänzte
der Behandler
, k
linisch lieg
e
ein Jahr posttraumatisch ein Misch
bild vor, wobei klar eine
chronifizierte
Schmerzproblematik mit zumindest parti
eller Dissoziation des rechten Armes besteh
e. Diesen könne der Beschwerdeführer
aufgrund der ausgeprägten Schmerzinhibition für fast keine Tätigkeiten mehr verwenden. Dies begünstig
e
natürlich eine ausgeprägte
Scapuladyskinesie
und wie
derum ein
subacromiales
Impingement
im Sinne eines Teufelskreises. Im Vor
der
grund steh
e
eine schulterspezifische Rehabilitation, bei welcher der
Beschwer
deführer
den Gebrauch des rechten Armes für Alltagaktivitäten wieder neu erlernen
müsse
, dies insbesondere unter Berücksichtigung der Aktivierung der
periscapulären
Muskulatur
(Urk.
13
/64 S. 2)
.
4.
3
Vom 4. Oktober bis 8. November 2017 befand sich der Beschwerdeführer
zur stationären Rehabilitation
in der
A._
.
Mit
Austrittsbericht
vom 15. November 2017
stellten die Behandler folgende Diagnosen Urk.
7/53/36
f.):
-
Unfall vom 6. Juli
2016: Sturz vom Gerüst
-
Schulterkon
tusion mit
bursaseitiger
Partia
l
ruptur der
Infraspinatus
sehne
am
Footprint
Ansatz,
geringgradige
Tendinopathie
der
Supraspi
natussehne
, AC-Gelenksarthrose
-
Partialruptur mediales Kol
l
ateralband und Ruptur des medialen
Retina
culums
des linken Knies
-
Commotio cerebri nach Sturz aus
zwei Metern
Höhe mit Amnesie für das Sturzereignis
-
Kon
t
usion
Fuss
links
-
Lumbalgie
-
Schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2) somatoforme Mitbeteiligung am Schmerzgeschehen (November 2017: psychiatrisch-psychologischer Dienst
A._
)
Zur psychosomatischen Beurteilung führten sie aus, d
er Verlust der Arbeitsstelle
habe
beim Beschwerdeführer
aufgrund
seines
Alters
starke Zukunftsängste aus
gelöst
. Der Unfall und seine Folgen
hätten
die Zukunftspläne, die
der Beschwer
deführer
mit seiner Frau geschmiedet
habe, durchkreuzt
. Im Verlauf
habe
sich dies in zunehmend depressiver Symptomatik mit Einfluss auf das Schmerzerleben nieder
geschlagen
, welche
exazerbiert
sei
, als sich
seine Ehefrau
kurz vor Antritt der stationären Rehabilitation von
ihm getrennt habe
. Die psychische Problematik beeinfluss
e
auch das Schmerzerleben des
Beschwerdeführers
, so dass von einer somatoformen Mitbeteiligung gesprochen werden
könne
.
Zur somatischen Beur
teilung hielten die Behandler weiter fest
, i
m Verlauf der Rehabilitation
hätten
die Beweglichkeit der rechten Schulter wie auch die Schmerzsituation nur geringfü
gig beeinflusst werden
können
, wobei in der Therapie zumindest
die
Funktionen des alltäglichen Lebens mit dem betroffenen Arm
hätten
verbessert werden
können
. Das Ausmass der demonstrierten Einschränkungen
l
a
sse
sich mit den objek
tivierbaren pathologischen Befunden der klinischen
Untersuchung und bi
ld
ge
benden Abklärungen sowie den Diagnosen
aus somatischer Sicht nur zum Teil erklären (Urk
.
7/53/39
)
.
Zur Arbeitsfähigkeit
führten
sie sodann
aus
, d
ie festgestellte psychische Störung begründe
aktuell eine schwere arbeitsrelevante Leistungsminderung (zusätzlich zu den
muskuloskelettal
bedingten Einschränkungen). Zum aktuellen Zeitpunkt
sei
aufgrund der schweren depressiven Symptomatik von einer vollständigen vorübergehenden Arbeitsunfähigkeit auszuge
h
en.
Eine
Ree
valuation
nach spä
testens
zwei bis vier W
ochen
sei
zu empfehlen.
Dem
Beschwerdeführer
sei
aktuell die berufliche Tätigkeit als Gipser
/Trockenbauer
nicht zuzumuten. Die Anforde
rungen seien zu hoch mit schwerer Arbeit, zum Teil über Kopf
.
Die
Zumutbarkeit für andere berufliche Tätigkeiten
werde
aktuell noch nicht festgelegt
, da sich der Beschwerdeführer noch in der medizinischen Phase befinde
(Psyche).
Es würden
w
eitere medizinische/p
sychotherapeutische Massnahmen
empfohlen (Urk. 7/53/38
).
4.
4
Im MRI-Bericht vom 23. Januar 2018 wurden multisegmentale zervikale Band
scheibendegenerationen mit
spondylodiskogen
bedingter
Kompromittierung
der Nervenwurzeln C4 und C6 rechts sowie C6 und C7 links festgestellt. Als schmerz
therapeutische Option sei die Durchführung einer CT-gesteuerten
periradikulären
Infiltration zu diskutieren (Urk. 7/53/78).
4.
5
Am 19. April 2018 wurde der Beschwerdeführer erneut MR-tomographisch untersucht. Dabei wurde ein schräg verlaufender Unterflächen
ein
riss in der Pars
intermedia
des Innenmeniskus festgestellt, welcher sich bis in das
Innenmenis
kushinterhorn
verfolgen lasse. Zudem hätten sich eine
Chondropathie
Grad II an der lateralen Kontur des medialen
Femurkondylus
sowie ein Einriss im Knorpel
überzug der Patella im Bereich des
Patellafirstes
sowie der medialen Facette (
Chondropathia
patellae
Grad II) gezeigt (Urk.
13
/142 S. 1).
4.
6
Am 24. April 2018 erstattete der Kreisarzt
der Unfallversicherung,
Dr.
C._
,
seine psychiatrische Beurteilung. Darin nannte er die Diagnosen einer rezidivie
renden depressiven Störung, aktuell schwere depressive Episode (nach der Tren
nung von der zweiten Ehefrau und dem Arbeitsunfall am 6. Juli 2016
, ICD-10 F33.2
), den Status nach mittelgradiger bis schwerer depressiver Episode im Jahr 2005 (nach der Trennung von der ersten Ehefrau), ferner die Diagnosen einer somatoformen Schmerzstörung (Schmerzen und starke funktionelle Einschrän
kungen der oberen rechten Extremität, dominant, nach dem Arbeitsunfall vom 6. Juli 2016
, ICD-10 F45.4
) sowie der Persönlichkeitsakzentuierung mit abhängi
gen Zügen (
ICD-10 Z73.1,
Urk.
7/53/101
).
D
er Beschwerdeführer
habe
jeweils
in einem aussergewöhnl
i
ch hohen Mass
unter den Trennungen von seinen Ehe
frauen
gelitten beziehungsweise leide immer noch darunter
. Vor seinem Eintritt in die
A._
im Herbst 2017
habe
er sich während seiner Abwesen
heit sehr grosse Sorgen um seine zweite
Ehefrau gemacht
. Insgesamt
entspreche
di
es einer Persönlichkeitsakzentui
erung mit abhängigen Zügen. Diese führ
e
per se zwar nicht zu einer Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit, aber sie
habe in den Jahren
2003 und 2017 erheblich zu den psychischen Dekompensationen bei
ge
tragen (Urk.
7/53/100
). Von den Forschungskriterien des ICD-10 für Depressionen seien insgesamt achteinhalb Kriterien erfüllt. Dies entspreche einem schweren depressiven Zustand, in guter Übereinstimmung mit dem klinischen Gesamtbe
fund (Urk.
7/53/100 f.
).
Das
Ausmass und
der
Verlauf
der
Schmerzen und Bewegungseinschränkungen der re
chten oberen Extremi
tät
seien
aus somatischer Sicht nicht vollumfänglich
erklärbar. Es
sei
davon auszuge
h
en, dass
den Beschwerdeführer
die Progredienz der degenerativ bedingten Symptome im Verlauf immer stärker belastet und auch zermürbt
h
abe
. Ab
Oktober 2017
sei
zwar
das
Leiden unter dem
Verlassenwerden
durch seine zweite Ehefrau in psychischer Hinsicht stark im Vordergrund
gestan
den
,
aber
in der
F._
sei
bereits Mo
nate davor (am
3. Juli
2017) eine zumindest partielle Dissoziation des rechten Arms beschrieben
wor
den
. Insgesamt
sei
aus diesen Gründen vom Vorliegen einer somatoformen Schmerzstörung au
szuge
hen
(Urk.
7/53/101
)
.
Zum Zeitpunkt der Untersuchung vom 13. Februar 2018 bestehe keine Arbeitsfä
higkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Aufgrund des schwer depressiven Zustandes bestünden starke funktionelle Einschränkungen, insbesondere von Antrieb, Konzentrations- und Merkfähigkeit unter Belastung, psychischer Anpas
sungsfähigkeit und Belastbarkeit. Wegen dieser Beschwerden und Beeinträchti
gungen der rechten oberen Extremität bestehe in funktioneller Hinsic
ht praktisch eine
Einhändigkeit
.
In prognostischer Hinsicht
sei
mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit davon auszuge
h
en, dass sich das schwer depressive Zustandsbild im Verlauf der nächsten rund sechs bis zwölf Monate (möglicherweise auch lang
samer) deutlich verbessern
werde
,
mit einer entsprechenden Vermin
derung der aktuell noch vollen Arbeitsunfähigkeit. In Anbetracht von Charakteristik und Verlauf der somatoformen Schmerzstörung
sei
es nicht überwiegend wahrschein
lich, dass sich diese während der nächsten Jahre noch i
n einer erhebli
chen, anhaltenden Weise verbessern
werde (Urk.
7/53/105
)
.
4
.7
Mit Bericht vom 17. Juli 2018 nannte die behandelnde Psychiaterin, Dr.
G._
,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, aktuell schwere depressive Episode (ICD-10 F33.2
)
sowie eine anhaltende soma
toforme Schmerzstörung seit dem Unfall im Jahr 2016 (ICD-10 F45.4, Urk. 7/55/4).
Die
Wiederaufnahme der Arbeitstätigkeit sei
im angestammten Beruf als Gipser
ausgeschlossen. V
or einer psychosomatischen Rehabilitation
sei
auch jede andere berufliche Tätigkeit ausgeschlossen. Sie habe dem Beschwerde
führer eine Hospitalisierung zur Gewichtsreduktion und medikamentösen Opti
mierung sowie dem Erlernen eines Selbstmanagements bei einem chronischen Schmerzsyndrom dringend empfohlen. Dazu komme die Exazerbation der Schmerzen, beispielsw
eise aufgrund von Gichtschüben
(Urk. 7/55/5).
Soweit sie beurteilen könne, sei er in der Funktionalität des rechten Armes stark behindert, habe Dauerschmerzen und sei nicht belastbar. Seine beiden Füsse seien geschwol
len, jedoch nicht gleichmässig. Unter diesen Umständen bestehe
wegen
des somatischen und seelischen Leidens aktuell keine Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/55/6).
4.
8
Mit Stellungnahme vom 28. September 2018 nannt
e der RAD-Arzt Dr.
B._
als Diagnosen mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit den Zustand nach einem Sturz vom Gerüst am 6. Juli 2016 (Schulterkontusion mit
bursaseiti
ger
Partialruptur der
Infraspinatussehne
, Partialruptur des medialen Kollateral
bandes, Commotio cerebri, Kontusion linker Fuss) sowie eine Lumbalgie und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (Urk. 7/72/4 f.).
Ohne dauerhafte Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien die Adipositas sowie die rezidivierende depressive Störung. In der Tätigkeit als Gipser sei der Beschwerdeführer seit dem 6. Juli 2016 zu 100 % arbeitsunfähig. In einer angepassten Tätigkeit sei
er
vom 6. Juli bis 3. Oktober 2017 zu 0 %, vom 4. Oktober bis 31. Dezember 2017 zu 100 % und vom 1. Januar 2018 bis auf Weiteres wieder zu 0 % arbeitsunfähig. Das Belastungsprofil umfasse leichte (angepasste) Tätigkeiten ohne Heben, Tragen und Transportieren von Lasten, die schwerer als 5 kg seien, ohne beidseitiges Arbeiten in Armvorhalte und Überkopfarbeiten. Diese Arbeiten seien medizi
nisch-theoretisch zu 100 % zumutbar (Urk. 7/72/5).
In einer
weiteren
Stellungnahme vom 28. Januar 2019 erklärte
D
r.
B._
, die altersbedingten Abnützungserscheinungen an der
durch den Unfall beeinträch
tigten
Schulter würden nichts an seiner Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit ändern. Betreffend die psychiatrische Situation führte er unter Hinweis auf die Beurteilung des
Kreisarztes
der Unfallversicherung aus, der depressive Zustand sei überwiegend wahrscheinlich als reaktiv anzusehen (weni
ger als zwei Jahre) und sei durch leitliniengerechte fachärztlich-psychiatrische Therapie behandelbar. Die Ursache sei mehrheitlich psychosozial. Daher werde empfohlen, weiterhin von einer vollen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit auszugehen. Der Wiedereinstieg solle stufenweise erfolgen (Urk. 7/72/6).
4.
9
Am
26. April 2019
berichtete
Dr.
G._
von
eine
m
verschlechterten Gesund
heitszustand und
nannte
als
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
neben der bereits genannten
schwere
n
depressive
n
Episode
(ICD-10 F33.2)
zusätzlich
den Verdacht auf
p
athologisches Spielen
(ICD-10 63.0)
sowie aktu
elle psychosoziale Umstände im Sinne einer chronischen Belastung im Zusammen
hang mit der Arbeit, auch in der Familie (ICD-10 Z56.6
,
Urk. 7/83/
1 und 3)
.
D
e
r Beschwerdeführer
scheine zunehmend unmotiviert und antriebslos. Des Weiteren spreche er vermehrt darüber, sich umzubringen und gehe immer seltener aus. Tagsüber sei er müde, nachts habe er Ein- und Durchschlafschwierigkeiten. Im Gespräch stehe stets seine Frau im Zentrum, er vergesse sich selbst dabei (Urk. 7/83/4).
Im Moment sei sowohl die Arbeitsfähigkeit in der Tätigkeit als Gipser sowie in jeder anderen Tätigkeit ausgeschlossen (Urk. 7/83/5).
4.
10
Der Hausarzt des Beschwerdeführers, Dr. med.
H._
, Facharzt für All
gemeine Medizin, berichtete am 3. Mai 2019, der Status nach einer Partialruptur und SLAP-Läsion der rechten Schulter, die beidseitigen Knieschmerzen sowie die Adipositas hätten Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Hingegen habe die D
epression
keine leistungsmindernde Wirkung
.
Der Beschwerdeführer sei seit dem 6. Juli 2016 und fortlau
f
end zu 100 % arbeitsunfähig für alle Arbeiten (Urk. 7/84/2).
Die Prognose sei schlecht, da
er
immer noch Schmerzen in der rech
ten Schulter habe
(Urk. 7/84/3).
4.
11
Am 22. Mai 2019 nahm
der RAD-Arzt
Dr.
B._
erneut Stellung.
Zum aktuellen Bericht von Dr.
G._
äusserte er sich dahingehend, dass einzig die schwere depressive Episode Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit habe, nicht jedoch die anderen Diagnosen. Mit einer schweren depressiven Episode sei weder ein patho
logisches Spielen noch eine «mässige soziale Beeinträchtigung» zu erwarten. Unter Berücksichtigung der Kriterien gemäss ICD-10 sei die Diagnose der schwe
ren depressiven Episode in Frage zu stellen. Im Bericht des Hausarztes werde eine reaktive, psychosozial bedingte Depression als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt, wenn auch neun Tage früher (richtig: neun Tage später, vgl. Urk. 7/88/2). Dr.
G._
berichte jedoch über kein aktuelles Ereig
nis innerhalb der Zeit dazwischen,
das
zu einer derartigen psychischen Verschlechterung hätte führen können
(Urk. 7/88/4). Die vom Beschwerdeführer erwähnten Gesundheitsschäden (rechte Schulter, linkes Knie, linker Fuss, LWS, Gicht, psychische Störung) hätten einerseits keine Auswirkung auf die Fähigkeit, einer leidensangepassten Tätigkeit vollumfänglich nachzugehen, andererseits seien
sie
nicht von dauerhaftem Charakter. Aus diesen Gründen werde empfohlen, an der Stellungnahme
vom 28. Januar 2019
festzuhalten (Urk. 7/88/5).
5
.
5
.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte – der Aktenbeurteilung des RAD folgend – einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers, da er in einer angepassten Tätig
keit zu 100 % arbeitsfähig sei (Urk. 2 S. 1 f.).
Aus somatischer Sicht ist aktenkundig, dass
der Beschwerdeführer seit der letzten Anspruchsbeurteilung
im Jahr 2007
am 6. Juli 2016
einen
Unfall
erlitt
, bei dem
er
sich a
m
Kopf, am linken Knie,
an
der rechten Schulter
und
am
linken Fuss
verletzte (Urk.
1
3/30 S. 2
).
N
eben der auf den Unfall zurückzuführenden
adhäsi
ven
Capsulitis
der rechten Schulter und
der
Scapuladyskinesie
mit sekundärem
subacromialem
Impingement
(Urk. 7/53/82) konnten im Verlauf auch diverse degenerative Veränderungen festgestellt werden
, welche
im Jahr 2007 noch nicht
vorhanden
beziehungsweise noch nicht symptomatisch
waren, wurde
n
doch
anlässlich der MRI-Untersuchung
vom 20. Dezember 2004
lediglich die LWS
und das Becken
untersucht (Urk. 7/11/11)
.
I
m MRI der Halswirbelsäule vom 23. Ja
nuar 2018
wurden
etwa
multisegmentale zervikale Bandscheibendegenerationen mit
spondylodiskogen
bedingter
Kompromittierung
der Nervenwurzeln C4 und C6 rechts sowie C6 und C7 links festgestellt (Urk. 7/53/78)
.
Des Weiteren wurden im
MRI
des linken Knies
vom 14. April 2018 ein schräg verlaufender Unterflä
chen
ein
riss in der Pars
intermedia
des Innenmeniskus, eine
Chondropathie
Grad II an der lateralen Kontur des medialen
Femurkondylus
sowie ein Einriss im Knor
pelüberzug der Patella (
Chrondropathia
patellae
Grad II)
erkannt
(Urk. 13/142 S. 1)
. Überdies konnte im MRI der rechten Schulter vom 20. September 2016
nebst den unfallkausalen Verletzungen eine Signalalteration aller Komponenten der
Rotatorenmanschette
im Sinne einer
Tendinose
sowie eine fortgeschrittene
hypertrophe
AC-Arthrose erkannt werden (Urk. 13/31 S. 2, Urk. 7/53/82)
.
Damit liegt eine seit der erstmaligen Rentenabweisung wesentliche Änderung vor, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad zu beeinflussen
. Der Rentenanspruch ist daher in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen (vgl. E. 1.4
).
Was die Aktenbeurteilung durch den RAD angeht, so rügt d
er
Beschwerdeführer
zu Recht (Urk. 1 S. 8), dass
diesem
bei seiner Beurteilung
jedenfalls die beiden erstgenannten MRI
-Berichte
offensichtlich nicht vorlagen
und er die dort festgestellten Einschränkungen deshalb nicht näher beurteilen konnte
(vgl. Urk. 7/72/2 ff.
und Urk. 7/88/2 ff.
)
.
Hinzu kommt, dass der Beschwer
deführer offenbar am 8. März 2019 im
I._
am linken Fuss operiert wurde (Urk. 7/76/3). Hierzu existieren keine medizinischen Unterlagen.
Es ver
mag
daher
nicht zu überzeugen, wenn der RAD
in seiner Stellungnahme
diese
n
somatischen
Befunde
n
ohne jegliche Begründung
keine
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
beimass
(Urk. 7/
88/5).
Immerhin
sah auch der Hausarzt den Beschwerdeführer im Mai 2019
mit Bezug auf alle Tätigkeiten
als nicht arbeitsfähig an und verwies insbesondere auf die Schulter- und Knieproblematik (Urk. 7/84/2 f.).
Des Weiteren
erscheint der Verlauf der durch den RAD attestierten Arbeitsunfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit nicht nachvollziehbar. Dabei begründete er beispielsweise nicht, weshalb er ab dem 1. Januar 2018 von einer 100 %
igen
Arbeitsfähigkeit ausging
, bei zuvor vollständiger Arbeitsunfähigkeit
(Urk. 7/72/5).
Auch
wenn der
Kreisarzt der Unfallversicherung
ebenfalls
zum Schluss
kam
, dem Beschwerdeführer sei eine angepasste Tätigkeit zu 100 % zumutbar
(Urk. 7/53/80)
, ist diesbezüglich daran zu erinnern, dass
das kreisärztliche Belastungsprofil aus unfallkausaler Sicht erstellt
wurde
und die degenerativen
Verän
derungen nicht
berücksichtigte
.
Daher bestehen
aus somatischer Sicht
ernsthafte
Zweifel an der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit durch den RAD und
am festgelegten
Belastung
sprofil
, da der RAD dort
u
nter anderem
ohne nähere Begründung die Kniebeschwerden ausser Acht liess.
5.
2
Was den psychischen Gesundheitszustand anbelangt,
führte d
er
Kreisarzt
der Unfallversicherung
anlässlich seiner
psychiatrischen
Untersuchung vom
Februar 2018
aus,
es sei im Jahr 2003 zur Trennung und im Jahr 2005 zur Scheidung von
der
ersten Ehefrau gekommen. Dies habe
den Beschwerdeführer
psychisch sehr stark belastet. Im weiteren Verlauf sei es zu einer deutlichen Besserung der psy
chischen und somatischen Beeinträchtigungen gekommen und
er
sei wi
eder voll arbeitsfähig gewesen.
Danach sei es zum Arbeitsunfall am 6. Juli 2016 gekommen (Urk. 7/53/98)
.
Im Oktober 2017 habe ihn schliesslich seine zweite Ehefrau ver
lassen
(Urk. 7/53/99).
Auch d
ies habe ihn psychisch in einem hohen Masse beschäftigt und belastet (Urk. 7/53/100).
Bei seiner Einschätzung
g
ing
der Kreis
arzt
von einer schweren depressiven Episode sowie einer somatoformen Schmerz
störung und einer damit einhergehenden vollständigen Arbeitsunfähigkeit aus (Urk. 7/53/101 und 105).
Auch die behandelnde Psychiaterin sah
den Beschwer
deführer
im Juli 2018 als nicht arbeitsfähig an und
ging
im April 2019
sogar noch
von
eine
m
verschlechterten Gesundheitszustand
aus
, wobei sie
zusätzlich
zur schweren depressiven Episode
die Verdachtsdiagnose des pathologischen Spielens aufführte
(Urk. 7/55/5,
Urk. 7/83/1).
Im Widerspruch
dazu mass der RAD
der
rezidivierenden depressiven Störung keine leistungseinschränkende Wirkung
bei
(Urk. 7/72/5).
Wie jedoch der Beschwerdeführer zutreffend feststellt
(Urk. 1 S. 8),
handelt
es sich beim RAD-Arzt Dr.
B._
um einen Facharzt für Chirurgie,
der mit der Einschätzung eines psychischen Leidens sein Fachgebiet verlässt,
weshalb
auf
seine Aktenbeurteilung
grundsätzlich
schon
deshalb
nicht abgestellt werden kann
.
Sodann stellte er die
seitens des Kreisarztes
erhobene
Diagnose der schweren depressiven Episode ohne nähere Begründung in Frage, was nicht über
zeugt. Auch der Verweis
des RAD
auf den Bericht des Hausarztes, welcher d
ie
Depression
als nicht leistungseinschränkend bezeichnete
, ist
unbehelflich
(Urk. 7/88/4, Urk. 7/84/3). Denn dieser ist ebenfalls kein Facharzt für Psychiatrie und begründete seine Einschätzung zudem
auch
nicht näher
.
Dass der Kreisarzt
der Unfallversicherung
in seiner Beurteilung darauf hinwies, dass sich das schwere depressive Zustandsbild im Verlauf der nächsten sechs bis zwölf Monate (möglicherweise auch langsamer) verbessern und sich die Arbeits
un
fähigkeit vermindern werde (Urk. 7/53/105),
spricht nicht per se gegen eine invalidisierende Einschränkung
.
E
inerseits
ist
nicht klar, von welcher
prognostischen
Steigerung er ausging
,
und andererseits
sprach
die
behandelnde
Psychiaterin
im
April 2019
von einem
verschlechterten Gesundheitszustand
und
bescheinigte
immer noch
eine
100%ige Arbeitsfähigkeit
(Urk. 7/83/1
und 5
)
.
Schliesslich vermag es nicht zu überzeugen, wenn der RAD in seiner Stellungnahme vom 28. Januar 2019 auf die Therapierbarkeit des depressiven Zustandes hinweist (Urk. 7/72/6). Denn dies
e
spricht nicht gegen einen
invalidisierende
n
Charakter
einer psychischen Störung
(BGE 127 V 294 E. 4 b/
aa
).
5.
3
Aus den dargelegten Gründen
bestehen damit
nicht auszuräumende
Zweifel an der Zuverlässigkeit und Sch
lüssigkeit der RAD-Beurteilung
.
Es kann jedoch auch nicht ohne Weiteres auf die Einschätzung
en
des Kreisarztes
der Unfallversiche
rung
oder
der behandelnden Psychiaterin abgestellt werden. Denn
in den Akten finden sich diverse Hinweise
auf
erhebliche
psychosoziale
Belastungsfaktoren
. So erklärte der Kreisarzt der Unfallversicherung, der ab Oktober 2017 bestehende depressive Zustand beruhe primär auf dem zutiefst erschütternden
Verlassenwer
den
durch die Ehefrau (Urk. 7/53/104). Auch in der psychotherapeutischen Behandlung bei Dr.
G._
stand die Situation rund um die Ehefrau im Zent
rum (Urk. 7/53/73).
B
eide Fachärzte äusser
te
n sich
jedoch
nicht
zur entscheiden
den Frage
, inwiefern
diese
psychosoziale
n
Faktoren das Krankheitsgeschehen mitbestimmen
,
respektive
,
ob die festgestellten Beeinträchtigungen einzig von den belastenden invaliditätsfremden Faktoren herrühren, oder das Beschwerde
bild davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde
umfasst
. Denn solche
von der soziokulturellen oder psychosozialen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann
(Urteil des Bundesgerichts 9C_543/2018 vom 21. November 2018 E. 2.2
mit weiteren Hinweisen
).
Mit Bezug auf die Einschät
zung der behandelnden Psychiaterin ist zudem auf die Erfahrungstatsache hin
zuweisen, dass behandelnde Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräfte mit
unter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE
135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E.
3b/cc).
Die genannte Erfahrungstatsache gilt auch mit Bezug auf die
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch den Hausarzt
,
der diese
überdies
medizinisch
nicht näher begründet
e
.
5.
4
Nach dem Gesagten
hat
es
die Beschwerdegegnerin unterlassen, den
entscheidre
levanten
Sachverhalt in re
chtsgenügender Weise abzuklären.
Die Beschwerde ist daher in dem Sinne gutzuheissen, dass die angefochtene Verfügung
aufgehoben
und die Sache zur
polydisziplinären Begutachtung
und zum anschliessendem Neuentscheid an die
Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen ist.
Vor diesem Hinter
grund
erübrigen sich a
uch weitere Ausführungen zu
den
Vorbringen
der
Beschwerdegegnerin in ihrer Beschwerdeantwort
, in der sie sich zu den Standar
dindikatoren gemäss
BGE 141 V 281 E. 4.1.3
äusserte
(Urk.
6).
Darauf wird im Rahmen der polydisziplinären Begutachtung einzugehen sein.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskos
ten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
8
00.-- anzusetzen. Nach ständiger Recht
sprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren
Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2),
weshalb die Kosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
6.2
Überdies hat
der obsiegende Beschwerdeführer
Anspruch auf den Ersatz der Par
teikosten (§ 34 Abs. 1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht
,
GSVGer
,
in Verbindung mit Art. 61
lit
. g ATSG). Die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemes
sen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
). Somit erweist sich eine Parteientschädigung von
Fr.
2’300
.-- (inkl. Barauslage und Mehrwertsteuer) als angemessen.