# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 42b9409e-57a1-4e38-bde7-ee1fd2217504
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend versuchte vorsätzliche Tötung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dielsdorf, II. Abteilung, vom 24. Februar 2017 (DG160027)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 21. Sep-
tember 2016 (Urk. 34) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte B._ wird vom Vorwurf der versuchten vorsätzlichen
Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB
freigesprochen.
2. Der Beschuldigte B._ ist schuldig
- der schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 3 StGB sowie
- des Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 in Verbindung mit Ziff. 4 StGB.
3. Der Beschuldigte B._ wird bestraft mit 6 1⁄2 Jahren Freiheitsstrafe, wo-
von bis und mit heute 352 Tage durch Haft bzw. vorzeitigen Strafantritt er-
standen sind, und mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 30.–.
4. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufge-
schoben und die Probezeit auf 2 Jahre angesetzt.
5. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom
23. August 2016 beschlagnahmten Gegenstände:
− Weinflasche − Gewichtsstein von Waage 2 kg − getöpferte Vase braun − Munition Pistolenpatrone 41 / 9 mm − Munition 2 Dosen Luftgewehrkugeln Kaliber 4.5 mm − Munition 12 Gewehrpatronen GP11
werden nach Eintritt der Rechtskraft definitiv eingezogen und vernichtet.
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6. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom
23. August 2016 weiter beschlagnahmten Gegenstände:
− Pullover braun − 1 Langarmshirt schwarz − Sportjacke (Fleece Jacke) olivfarben − Sitzmöbel (1 Stuhl) − drei Rohre − Damenhose braun − Damenleibchen weiss − BH hellbeige − Damenstrümpfe braun − Damenunterhose − Trainerhose blau − Papiertaschentuch − Shirt grau
werden dem jeweilig Berechtigten auf erstes Verlangen binnen 3 Monaten
nach Eintritt der Rechtskraft herausgegeben oder, sofern die Herausgabe
innert dieser Frist nicht verlangt wird, definitiv eingezogen und vernichtet.
7. Es wird davon Vormerk genommen, dass der Beschuldigte B._ folgen-
de Zivilforderungen der Privatklägerin anerkannt hat:
a) Rechnung der C._ für die Monate März und April in Höhe von Fr. 437.25;
b) Zahnarztrechnung in Höhe von Fr. 382.85 und
c) Reinigungskosten der Wohnung in Höhe von Fr. 939.10.
8. Der Beschuldigte B._ wird verpflichtet, der Privatklägerin Schadener-
satz in der Höhe von Fr. 3'336.30 nebst Zins zu 5% seit 23. Dezember 2016
(Ersatz Bodenbelag) zu bezahlen. Im Mehrumfang wird die Privatklägerin
mit ihrer Schadenersatzforderung auf den Zivilweg verwiesen.
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9. Der Beschuldigte B._ wird verpflichtet, der Privatklägerin eine Genug-
tuung in Höhe von Fr. 20'000.– nebst Zins zu 5% seit 10. März 2016 zu be-
zahlen. Im Mehrumfang wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
10. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 5'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 4'000.00 Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 10'418.20 Auslagen (Gutachten)
Fr. 48.00 Auslagen
Fr. 2'970.00 Auslagen Polizei
Fr. 200.00 Entschädigung Zeuge
Fr. 17'618.75 amtliche Verteidigung
Fr. 40'254.95 Total
11. Die Entschädigung von Rechtsanwältin lic. iur. X._ für die amtliche Ver-
teidigung des Beschuldigten B._ wird auf Fr. 17'618.75 festgesetzt,
nämlich: Fr. 15'903.80 für den Aufwand, Fr. 409.85 für Barauslagen und
Fr. 1'305.10 für die Mehrwertsteuer.
12. Die Kosten des Vorverfahrens und des gerichtlichen Verfahrens werden
dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden
auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung
gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
Berufungsanträge:
a) Der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:
(Urk. 75 S. 1)
1. Schuldigsprechung der versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von
Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (gemäss Ankla-
geschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 21. Sep-
tember 2016)
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2. Bestrafung mit einer Freiheitsstrafe von 111⁄4 Jahren
3. Anrechnung der erstandenen Haft
4. Kostenauflage
b) Der amtlichen Verteidigung:
(Urk. 76 S. 1 f.)
1. Die Berufungsanträge der Erstberufungsklägerin seien vollumfänglich
abzuweisen.
2. Das erstinstanzliche Urteil des Bezirksgerichts Dielsdorf vom
24. Februar 2018 (Geschäfts-Nr. DG160027) sei mit Ausnahme von
Ziff. 3 und 4 zu bestätigen.
3. Ziff. 3 und 4 des Urteils des Bezirksgerichts Dielsdorf vom 24. Februar
2018 (Geschäfts-Nr. DG160027) seien aufzuheben und die erstinstanz-
lich ausgesprochene Bestrafung des Beschuldigten sei angemessen
auf eine Freiheitsstrafe von maximal 36 Monaten, davon 12 Monate in
Form einer unbedingten Freiheitsstrafe, zu reduzieren.
4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. 7.7% Mehrwert-
steuer) zu Lasten der Staatskasse.
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## Considerations

Erwägungen:
I. Verfahrensgang
Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene mündlich eröffnete Urteil
des Bezirksgerichtes Dielsdorf, II. Abteilung, vom 24. Februar 2017 meldete die
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Staatsanwaltschaft mit Eingabe vom 28. Februar 2017 und die amtliche Verteidi-
gung mit solcher vom 3. März 2017 (Datum Poststempel) Berufung an (Prot. I
S. 15 ff.; Urk. 55; Urk. 59; Art. 399 Abs. 1 StPO). Nach Erhalt des begründeten
Urteils am 23. resp. 24. Januar 2018 reichten die Staatsanwaltschaft am 6. und
die amtliche Verteidigung am 12. Februar 2018 (je Datum Poststempel) fristwah-
rend ihre Berufungserklärung im Sinne von Art. 399 Abs. 3 StPO ein (Urk. 63/1+2;
Urk. 66; Urk. 67). Mit Präsidialverfügung vom 13. Februar 2018 wurden die Beru-
fungserklärung der Staatsanwaltschaft und jene der amtlichen Verteidigung der
jeweiligen Gegenpartei sowie der Privatklägerin zugestellt und Frist für Anschluss-
berufung oder einen Nichteintretensantrag angesetzt (Urk. 68). Keine Partei liess
sich dazu vernehmen. Die Privatklägerin hat kein Rechtsmittel ergriffen. Beweis-
anträge wurden nicht gestellt. Am 29. Juni 2016 wurde zur Berufungsverhandlung
auf den 9. Oktober 2018 vorgeladen (Urk. 73). Anlässlich der Berufungsverhand-
lung stellten die Parteien die eingangs erwähnten Anträge.
II. Prozessuales
1. Die Berufung der Staatsanwaltschaft richtet sich gegen den Freispruch
vom Vorwurf der versuchten Tötung und die Schuldigsprechung (lediglich) wegen
schwerer Körperverletzung. Zudem verlangte die Anklagebehörde in ihrer Beru-
fungserklärung eine Erhöhung der vorinstanzlichen Freiheitsstrafe von 6 1⁄2 Jahre
auf die bereits erstinstanzlich beantragten 11 1⁄2 Jahre. Anlässlich der Berufungs-
verhandlung reduzierte sie diese auf 11 1⁄4 Jahre. Die Verurteilung und Bestrafung
wegen Diebstahls blieb unangefochten (Urk. 66 S. 2; Urk. 75 S. 1). Der Beschul-
digte liess seine Berufung auf den Strafpunkt beschränken und verlangte in seiner
Berufungserklärung eine angemessene Reduktion der Strafe (Urk. 67 S. 2).
2. Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechts-
kraft des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Nachdem
die Urteilsdispositivziffern 2, teilweise (Verurteilung wegen Diebstahls), 5 und 6
(Einziehung/Herausgabe), 7–9 (Zivilansprüche) sowie 10 und 11 (Kostenfestset-
zung) unangefochten blieben, ist mittels Beschluss festzustellen, dass das vorin-
stanzliche Urteil in diesem Umfang in Rechtskraft erwachsen ist.
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III. Sachverhalt
1. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen (Urk. 34 S. 2 ff.), am Donnerstag,
10. März 2016, ca. 19.30 Uhr, versucht zu haben, die 76-jährige Privatklägerin,
seine Grosstante, zu töten, indem er diese ohne Vorwarnung von hinten angegrif-
fen und ihr einen sechskantigen, 2 kg schweren eisernen Gewichtstein auf den
Hinterkopf geschlagen habe, wodurch sie zu Boden gegangen sei. Als sie habe
aufstehen wollen, habe er ihr ca. 3 Faustschläge gegen das Gesicht versetzt, so
dass sie auf die Knie gegangen sei, worauf er ihr ein bis zwei Fusstritte gegen
den Kopf versetzt und einen Stuhl nach ihr geworfen habe, sodass sie erneut zu
Boden gegangen sei. Während die Privatklägerin um Hilfe und vor Schmerzen
geschrien habe, habe er im unteren Stock eine volle Flasche Wein behändigt,
welche er der immer noch am Boden knienden Privatklägerin über den Kopf ge-
schlagen habe, sodass die Flasche zerbrochen sei. Nachdem die Privatklägerin
erneut zu Boden gegangen sei, habe er diverse Gegenstände, wie einen Latten-
rost, eine Matratze, Decken und Kissen, aber auch einen Stuhl und Stofftiere, auf
sie geworfen, bis sie mit diesen vollständig zugedeckt gewesen sei und sich nicht
mehr habe bewegen können. Schliesslich habe er das Zimmer verlassen. Erst die
von einer Nachbarin aufgrund der Schreie verständigte Polizei habe die Privatklä-
gerin aus der für sie lebensbedrohlichen Lage befreit.
Dadurch habe der Beschuldigte der wehrlosen Privatklägerin, welche sich
mit den Händen etwas zu schützen versucht habe, die nachfolgenden Verletzun-
gen zugefügt:
♦ mehrere Quetsch- und Risswunden am Kopf,
♦ eine Hautdurchtrennung an der Unterlippe und am rechten Handrücken,
♦ eine rechtsbetonte Schwellung des Gewebes in der Umgebung der  und der Blutergüsse am Gesicht,
♦ zahlreiche Blutergüsse an den Augenlidern, an der rechten Wange, an der Ober- und Unterlippe rechts, an der am rechten Mundwinkel angrenzenden Mundschleimhaut, am Kinn, an der Hinterohrregion links, am Nasenrücken, an der linken Halsseite, an der Drosselgrube mittig, am Brustkorb, an der
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rechten Schulter, an beiden Oberarmaussenseiten, am rechten Handrücken und an beiden Unterschenkeln,
♦ oberflächige Hautabschürfungen am Kinn und am rechten ,
♦ frische scharfkantige Abbrüche an mehreren Zähnen,
♦ frische Rippenserienbrüche der rechten 3. – 5. sowie linken 4. – 6. Rippe,
♦ eine Querfraktur des Brustbeins mit Prellung des Herzens und einer  im vorderen Mittelfell sowie der Erhöhung des Herzenzyms im Blut als Folge und
♦ eine Hautablederung am rechten Zeigefinger.
Die Herzprellung und die Kombination aus beidseitigen Rippenserienbrüchen, der
Brustbeinbruch sowie die Fundsituation (unter Lattenrost, Matratze, Decke, etc.
„begraben“), die schmerz- und mechanisch bedingte Behinderung der Atembe-
wegungen und die dadurch verminderte Sauerstoffzufuhr, hätten zu einer unmit-
telbaren Lebensgefahr geführt. Dabei habe der Beschuldigte um die möglicher-
weise tödlichen Folgen (Hirnverletzungen, Ersticken etc.) gewusst und diese, wie
auch die verursachten Verletzungen und deren Folgen, gewollt resp. zumindest in
Kauf genommen.
2. Am 30. Januar 2016 habe er am Wohnort der Privatklägerin zu deren
Nachteil eine Pistole SIG 210, Kaliber 9para, eine Pistole WF Para, Kaliber 7.65
und einen Waffenbestandteil SIG, KK-System, unberechtigt weggenommen und
diese gleichentags in D._ dem Waffengeschäft E._ für Fr. 1'000.– ver-
kauft, in der Absicht, den Erlös zu behalten und für sich zu verwenden, was er
auch getan habe.
3. Der Beschuldigte hat den Diebstahlsvorwurf und den äusseren Sachver-
halt des Gewaltdeliktes bereits von Verfahrensbeginn an anerkannt und den ihm
vorgeworfenen Tathergang im Vorverfahren und vor Vorinstanz eingestanden. Die
Verteidigung monierte allerdings, hinsichtlich des Vorliegens einer Lebensgefahr
bestünden zwei diametral auseinanderlaufende Fachmeinungen, weshalb von der
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für den Beschuldigten günstigeren auszugehen und eine Lebensgefahr zu vernei-
nen sei (Urk. 50/1 S. 16). Konkretisierend führte sie dazu aus, die Privatklägerin
habe trotz den beiden Angriffen des Beschuldigten keinerlei lebensbedrohlichen
Verletzungen erlitten. Der behandelnde Unfallchirurg, welcher die Erstbehandlung
bei der Privatklägerin durchgeführt habe, habe eine unmittelbare Lebensgefahr zu
irgendeinem Zeitpunkt klar verneint. Auch die Frage, ob eine unmittelbare Le-
bensgefahr mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten gewesen wäre, wenn keine
ärztliche Versorgung stattgefunden hätte, habe er klar verneint. Der Unfallchirurg
habe einzig eine Hypothese angebracht, indem er festgehalten habe, eine Brust-
beinfraktur könnte zu einer Herzmuskelprellung führen, was im Extremfall Herz-
rhythmusstörungen auslösen könnte. Dies sei bei der Privatklägerin aber nicht der
Fall gewesen. Der erstversorgende Notfallmediziner habe also nicht einmal eine
hypothetische Lebensgefahr der Privatklägerin bestätigt. Erst das Institut für
Rechtsmedizin der Universität Zürich (IRM) habe gestützt auf äusserst konstruier-
te Theorien festgehalten, dass theoretisch eine Lebensgefahr zu bejahen wäre.
Aus den Akten lasse sich aber nicht erstellen, dass ein Praktiker, welcher die Pri-
vatklägerin nach dem Angriff behandelt habe, eine solche Lebensgefahr ebenfalls
gesehen hätte (Urk. 76 S. 12; Prot. II S. 23 f.).
3.1. Die Auffassung der Verteidigung greift zu kurz. Ebenso wenig kann der
vorinstanzlichen Würdigung gefolgt werden, wonach zugunsten des Beschuldig-
ten davon auszugehen sei, dass bei der Privatklägerin keine Lebensgefahr be-
standen habe (Urk. 63 S. 63 f.).
3.2. Der objektive Sachverhalt lässt sich gestützt auf das Geständnis des
Beschuldigten sowie das übrige Untersuchungsergebnis, insbesondere den Foto-
bogen der Kantonspolizei Zürich vom 10. März 2016, die Fotodokumentation des
Forensischen Instituts Zürich vom 1. April 2016 über die Tatörtlichkeit und die
Verletzungen der Privatklägerin, den ärztlichen Befund des Universitätsspitals Zü-
rich vom 21. März 2016 und das ärztliche Gutachten des Instituts für Rechtsmedi-
zin der Universität Zürich vom 12. Mai 2016 zur körperlichen Untersuchung der
Privatklägerin (Urk. 9; Urk. 15; Urk. 18/3; Urk. 19/2) erstellen.
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3.2.1. Im ärztlichen Befund der Klinik für Unfallchirurgie vom 21. März 2016
wurde das Vorliegen einer unmittelbaren Lebensgefahr mit der Kurzerklärung
verneint, dass eine Brustbeinfraktur zu einer sogenannten Contusio cordis (Herz-
muskelprellung) führen könne, welche im Extremfall zu Herzrhythmusstörungen
führe. Dies sei jedoch nicht der Fall gewesen. Die Kurzbeurteilung in diesem zwei
Seiten umfassenden Befund basiert offensichtlich auf einem unvollständigen Ver-
letzungsbild. Frische Rippenserienbrüche der rechten 3. – 5. sowie linken 4. – 6.
Rippe finden sich im Unterschied zur Beurteilung durch die IRM-Ärzte darin nicht
(Urk. 18/3; vgl. Urk. 19/2, nachfolgend, Erw. III.3.2.2. ff.). Eine "verschobene
Brustbeinfraktur", welche gelegentlich zu Herzmuskelprellungen mit konsekutiven
Herzrhythmusstörungen führen könne, ist im Befund zwar aufgeführt, ob respekti-
ve dass eine solche Prellung des Herzens tatsächlich vorgelegen habe sowie eine
Blutansammlung im vorderen Mittelfell und eine Erhöhung des Herzenzyms im
Blut als Folge davon, gehen aus diesem Befund aber ebenfalls nicht hervor
(Urk. 18/3), was die Aussagekraft und Verlässlichkeit der Beurteilung, wonach
keine unmittelbare Lebensgefahr vorgelegen habe, erheblich schmälert. Infolge
Unvollständigkeit des Verletzungsbildes und der Faktenlage, welches der Kurz-
beurteilung der Klinik für Unfallchirurgie zu Grunde gelegt wurde, kann auf diesen
Befund nicht abgestellt werden.
3.2.2. Dem ärztlichen Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Univer-
sität Zürich vom 12. Mai 2016 lagen demgegenüber der Austrittsbericht des Uni-
versitätsspitals Zürich, Klinik für Unfallchirurgie, vom 16. März 2016 (inkl. Ergeb-
nisse der Blutuntersuchungen, vgl. Urk. 19/2 S. 2), die Anamnese und rechtsme-
dizinische Untersuchung der Privatklägerin (Urk. 19/2 S. 4 ff.), der Polizeirapport
und die Hafteinvernahme des Beschuldigten vom 11. März 2016 (vgl. Urk. 19/2
S. 3), die Fotodokumentation der Kantonspolizei Zürich zum Ereignisort (Urk. 19/2
S. 3 f.), die Fotodokumentation durch das Forensische Institut Zürich, sowie
mündliche Angaben des polizeilichen Sachbearbeiters, Leib und Leben, der Kan-
tonspolizei Zürich, zu Grunde (Urk. 19/2 S. 1 f.). Die rechtsmedizinische Untersu-
chung der Privatklägerin fand am 10. März 2016 von ca. 22.50 Uhr bis ca.
00.15 Uhr statt, mithin ca. 3 Stunden nach dem Ereignis (ebenda, S. 7).
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3.2.3. Im Gutachten des IRM wird festgehalten, die Privatklägerin habe bei
den Blutuntersuchungen einen Anstieg des Troponins T auf 28 ng/l (Normwert
<14 ng/l) aufgewiesen. Nach erfolgtem Ausschluss eines Herzinfarktes könne von
einer Contusio Cordis, einer sog. Herzprellung ausgegangen werden, was zu Ein-
blutungen in den Herzmuskel und zu gelegentlich tödlich verlaufenden Herz-
rhythmusstörungen führen könne. Die Kombination aus Rippenserienbrüchen
beidseits, dem nach körperrückseitig verschobenen Brustbeinbruch und der
Fundsituation (unter Lattenrost, Matratze, Decke, etc. "begraben") ist laut der Ein-
schätzung der IRM-Sachverständigen als lebensgefährlich zu betrachten, da die
Atemmechanik mit Ein- und Ausatmen schon schmerzbedingt, wie auch im Aus-
trittsbericht des F._ vermerkt, nur erschwert möglich sei. Zudem bewirke die
äussere Kompression des Brustkorbes durch die zahlreichen Gegenstände eben-
falls eine mechanische Behinderung der Atembewegungen. Dadurch resultiere
eine verminderte Sauerstoffladung der roten Blutkörperchen des Blutes, wodurch
es zu einer sauerstoffmangelbedingten Schädigung des Gehirns kommen könne.
Bei betagten Menschen bestehe bei einer schmerzbedingten verminderten At-
mung grundsätzlich die Gefahr einer Lungeninfektion. Angesichts der unzähligen
Blutergüsse und Knochenbrüche bestehe zudem die Gefahr, dass durch diese
Verletzungen Unterhautfettgewebe und Fettgewebe aus dem Knochenmark in die
Blutbahn eingeschwemmt würden und durch Verlegung des Lungenkreislaufs
(Lungenfettembolie) zu einem auch tödlich verlaufenden, akuten Rechtsherzver-
sagen führen können. Das Versterben der Privatklägerin habe durch die rechtzei-
tige Aufhebung der Brustkorbkompression abgewendet werden können. Dadurch
habe ein zum Tode führender Sauerstoffmangel bedingter Hirnschaden sowie ei-
ne weitere Schädigung des Herzens verhindert werden können (Urk. 19/2 S. 10 f.,
Antwort auf Frage 4).
3.2.4. Im Unterschied zum Kurzbefund der Klinik für Unfallchirurgie (vorste-
hend, Erw. III.3.2.1.) basiert das zwölfseitige ärztliche Gutachten des IRM somit
auf einer Beurteilung der umfassenden Faktengrundlage und einer vollständigen
Berücksichtigung der bei der Privatklägerin ärztlich festgestellten Verletzungen
und Blutwerte, weshalb den darin gezogenen Schlussfolgerungen und Erkennt-
nissen ein ganz anderes Gewicht zukommt, als dem bloss zweiseitigen Befund
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der Klink für Unfallchirurgie. Insofern erweist sich auch die Schlussfolgerung im
IRM-Gutachten, wonach sich die Privatklägerin zeitweise in Lebensgefahr befun-
den habe, als überzeugend, weshalb auf diese abzustellen ist. Der objektive
Sachverhalt, insbesondere die zeitweise Lebensgefahr der Privatklägerin, ist da-
mit erstellt.
3.3. Den subjektiven, inneren Sachverhalt der Gewalttat hat der Beschuldig-
te dagegen stets in Abrede gestellt und bestritten, schwere oder lebensgefährli-
che Verletzungen im Kopf gehabt und beabsichtigt zu haben, als es passiert sei.
Er habe nichts gedacht. Es sei einfach passiert. Es sei irgendwie automatisch ge-
gangen. Er habe es nicht mehr kontrollieren können. Er könne es nicht erklären.
Er habe bezwecken wollen, dass sie bewusstlos werde. Dies habe er irgendwie
mit dem Gewichtstein bezwecken wollen, und sie dann einfach lassen und weg-
gehen. Aber einen Todesfall habe er sicher nicht gewollt. Er habe nie töten wol-
len. Er habe sie auch nie verletzen wollen. Er habe einfach gewollt, dass sie
nachher ruhig sei (Urk. 12/1 S. 5 ff., S. 9, S. 11 ff.; Urk. 12/2 S. 1 ff., S. 9 ff.;
Urk. 12/3 S. 2; Urk. 12/4 S. 1 f. und S. 7; Urk. 51 S. 33 ff., S. 39, S. 46). Dabei
blieb er auch anlässlich der Berufungsverhandlung (Prot. II S. 13 ff.).
3.3.1. Der Beschuldigte bestreitet mithin die subjektiven Sachverhaltsele-
mente, welche sein Wissen und Wollen im Zusammenhang mit der Tatbegehung
betreffen.
3.3.2. Was ein Täter wusste, wollte oder in Kauf nahm, betrifft sog. innere
Tatsachen und ist damit zwar eine Tatfrage. Da sich diese inneren Tatsachen bei
ungeständigen Tätern regelmässig nur gestützt auf äusserlich feststellbare Indi-
zien und Erfahrungsregeln ermitteln lassen, die Rückschlüsse von den äusseren
Umständen auf die innere Einstellung des Täters erlauben (Urteil des Bundesge-
richtes 6S.133/2007 vom 11. August 2008 E. 2.4), und die Beurteilung, ob im
Lichte dieser äusseren Umstände der Schluss auf Vorsatz bzw. Eventualvorsatz
begründet ist, eine Rechtsfrage darstellt, ist das Bestehen eines Vorsatzes bzw.
Eventualvorsatzes nachfolgend im Rahmen der rechtlichen Würdigung zu beurtei-
len (vgl. BGE 133 IV 1 E. 4.1; BGE 130 IV 58 E. 8.5; BGE 125 IV 242 E. 3c, je
m.H.).
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4. Der Schuldspruch wegen Diebstahls ist bereits rechtskräftig (vorstehend,
Erw. II.2.), so dass sich weitere Erwägungen dazu erübrigen und dieses Vermö-
gensdelikt im Rahmen der Strafzumessung zu würdigen ist.
IV. Rechtliche Würdigung
1. Die Anklagebehörde würdigt das Verhalten des Beschuldigten als ver-
suchte vorsätzliche Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22
Abs. 1 StGB und beantragt mit ihrer Berufung eine entsprechende Verurteilung
(Urk. 34 S. 5; Urk. 49 S. 8 f.; Urk. 66 S. 2 ff.; Urk. 75 S. 2 ff.). Der Beschuldigte
liess vor Vorinstanz auf schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1
StGB plädieren und hat den vorinstanzlichen Schuldspruch wegen schwerer Kör-
perverletzung nicht angefochten (Urk. 50/1; Urk. 67 S. 3; Urk. 76).
2. Nach Art. 111 StGB macht sich strafbar, wer vorsätzlich einen Menschen
tötet, ohne dass eine der besonderen Voraussetzungen gemäss Art. 112 ff. StGB
zutrifft. In subjektiver Hinsicht setzt Art. 111 StGB selbstredend Vorsatz voraus,
wobei Eventualvorsatz genügt. Gemäss Art. 12 Abs. 2 StGB begeht ein Verbre-
chen oder Vergehen vorsätzlich, wer die Tat mit Wissen und Willen ausführt (Satz
1; direkter Vorsatz). Vorsätzlich handelt jedoch bereits, wer die Verwirklichung der
Tat für möglich hält und in Kauf nimmt (Satz 2; Eventualvorsatz).
2.1. Eine Tat ist dann als vorsätzliche Tötung im Sinne des Grundtatbestan-
des von Art. 111 StGB zu qualifizieren, wenn weder der qualifizierte Tatbestand
des Mordes noch der privilegierte Tatbestand des Totschlages zur Anwendung
gelangen. Von Art. 111 StGB wird einzig die vorsätzliche Verursachung des To-
des eines Menschen vorausgesetzt (TRECHSEL/GEHT, in: Praxiskommentar zum
Schweizerischen Strafgesetzbuch, 3. Auflage, Zürich/St. Gallen 2018, N 1 zu
Art. 111 StGB).
2.2. Mord im Sinne von Art. 112 StGB läge dagegen vor, wenn der Täter be-
sonders skrupellos handelt, namentlich sein Beweggrund, der Zweck der Tat oder
die Art der Ausführung besonders verwerflich ist. Hervorzuheben ist, dass das
Gesetz jenen Täter im Fokus hat, der sich besonders skrupellos, d.h. gemütskalt,
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krass und primitiv egoistisch, ohne soziale Regungen zur Verfolgung seiner eige-
nen Interessen rücksichtslos über das Leben anderer Menschen hinwegsetzt.
Entscheidend ist eine Gesamtwürdigung der äusseren und inneren Umstände der
Tat. Es darf nicht bereits dann auf Mord geschlossen werden, wenn irgendein
Element der konkreten Tat ihr eine besondere Schwere verleiht. Es ist eine Be-
wertung der Tat als Ganzes vorzunehmen, um entscheiden zu können, ob diese,
von allen Seiten betrachtet, dem Täter die Charakterzüge eines Mörders gibt.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann eine besondere Skrupellosig-
keit entfallen, wenn die Tat durch eine schwere Konfliktsituation ausgelöst wurde
(Entscheide des Bundesgerichtes 6B.158/2010 vom 1. April 2010 E. 3.2.1. und
6B.188/2009 vom 18. Juni 2009 E. 4.; BGE 120 IV 275; BGE 127 IV 10 E. 1a;
STRATENWERTH/JENNY, Schweizerisches Strafrecht, Besonderer Teil I, 7. Auflage,
Bern 2010, § 1 N 16 ff. und N 23 ff.; DONATSCH, Strafrecht III, 10. Auflage, Zürich/
Basel/Genf 2013, S. 8 ff.; je mit Verweisungen auf die bundesgerichtliche Recht-
sprechung).
2.3. Der privilegierte Tatbestand des Totschlages im Sinne von Art. 113
StGB ist gegeben, wenn der Täter in einer nach den Umständen entschuldbaren
heftigen Gemütsbewegung oder unter grosser seelischer Belastung handelte.
2.4. Weder die Anklagebehörde noch die Verteidigung beantragen eine Ver-
urteilung wegen Mordes bzw. Totschlages. Gemäss erstelltem objektivem Sach-
verhalt sind die besonderen Voraussetzungen dieser beiden Delikte nicht erfüllt.
3. Insbesondere ist nicht erstellt, dass der Beschuldigte sich vor oder im
Moment der Tat in einer beachtenswerten besonderen Gemütslage im Sinne von
Art. 113 StGB befunden hätte. Er befand sich insbesondere nicht in grosser Angst
oder gar Panik. Eine heftige Gemütsbewegung oder eine grosse seelische Belas-
tung des Beschuldigten, geschweige denn eine solche, die entschuldbar wäre, ist
daher in Übereinstimmung mit den Erkenntnissen des psychiatrischen Gutachters
zur Deliktsdynamik (Urk. 28/5 S. 31 ff., insbes. S. 36 ff.) zu verneinen, da eine
(bloss) affektakzentuierte Tat vorliegt (vgl. nachfolgend, Erw. V.3.3.8.). Der Tat-
bestand des Totschlages im Sinne von Art. 113 StGB fällt damit ebenfalls ausser
Betracht.
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4. Gemäss ärztlichem Befund des E._, Klinik für Unfallchirurgie vom
21. März 2016 und dem ärztlichen Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin der
Universität Zürich vom 12. Mai 2016 zu ihrer körperlichen Untersuchung erlitt die
Privatklägerin durch den Gewaltexzess des Beschuldigten die diversen im Ankla-
gesachverhalt aufgeführten schweren Verletzungen (Urk. 18/3; Urk. 19/2).
4.1. Die zeitweise Lebensgefahr, in welcher sich die Privatklägerin befunden
hat, ist erstellt (vgl. vorstehend, Erw. III.3.-3.2.4.). Diese hätte sich je länger desto
eher verwirklicht, wäre die Privatklägerin nicht durch die von einer Nachbarin ver-
ständigte Polizei von den sie bedeckenden, auf ihrem Brustkorb lastenden zahl-
reichen schweren Gegenständen befreit und medizinisch versorgt worden
(Urk. 3 und 4). Indem diese Befreiung innert nützlicher Zeit erfolgte und die Pri-
vatklägerin von der Ambulanz in Spitalpflege gebracht wurde, konnten schwer-
wiegendere Folgen, wie der Tod, abgewendet werden. Es ist lediglich einem
glücklichen Zufall zu verdanken, dass nicht eine der extremen Gewalteinwirkun-
gen auf den Kopf der Privatklägerin zu ihrem Tod geführt hat. Die dem Beschul-
digten zur Last gelegten Verletzungen der Privatklägerin erfüllen den objektiven
Tatbestand der schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB. In objek-
tiver Hinsicht kann daher nur eine versuchte vorsätzliche Tötung im Sinne von
Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB vorliegen.
4.2. Der subjektive Tatbestand der vorsätzlichen Tötung im Sinne von
Art. 111 StGB erfordert den Vorsatz des Täters. Gemäss Art. 12 Abs. 2 StGB
begeht ein Verbrechen oder Vergehen vorsätzlich, wer die Tat mit Wissen und
Willen ausführt. Nach derselben Bestimmung handelt bereits vorsätzlich, wer die
Verwirklichung der Tat für möglich hält und in Kauf nimmt. Der eventualvorsätzlich
handelnde Täter nimmt den Eintritt des als möglich erkannten Erfolges ernst,
rechnet mit ihm und findet sich mit ihm ab, mag er ihm auch unerwünscht sein.
Dass er den Erfolg "billigt", ist nicht erforderlich (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3;
BGE 133 IV 9 E. 4.1). Ob der Täter die Tatbestandsverwirklichung in diesem Sin-
ne in Kauf genommen hat, muss das Gericht bei Fehlen eines Geständnisses des
Beschuldigten aufgrund der Umstände entscheiden. Dazu gehören die Grösse
des dem Täter bekannten Risikos der Tatbestandsverwirklichung, die Schwere
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der Sorgfaltspflichtverletzung, die Beweggründe des Täters und die Art der Tat-
handlung. Je grösser die Wahrscheinlichkeit der Tatbestandsverwirklichung ist
und je schwerer die Sorgfaltspflichtverletzung wiegt, desto eher darf gefolgert
werden, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen
(BGE 135 IV 12 E. 2.3.2; BGE 134 IV 26 E. 3.2.2; BGE 133 IV 9 E. 4.1). Das Ge-
richt darf vom Wissen des Täters auf den Willen schliessen, wenn sich dem Täter
der Eintritt des Erfolges als so wahrscheinlich aufdrängte, dass die Bereitschaft,
ihn als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des Erfolges
ausgelegt werden kann (BGE 137 IV1 E. 4.2.3; BGE 133 IV 222 E. 5.3). Eventu-
alvorsatz kann indessen auch vorliegen, wenn der Eintritt des tatbestandsmässi-
gen Erfolges nicht in diesem Sinne sehr wahrscheinlich, sondern bloss möglich
war. Doch darf nicht allein aus dem Wissen des Täters um die Möglichkeit des Er-
folgseintrittes auf dessen Inkaufnahme geschlossen werden (BGE 133 IV 9
E. 4.1; BGE 131 IV 1 E. 2.2).
4.2.1. Mit dem vollendeten Schlag mit der vollen Weinflasche über den Kopf
der Privatklägerin, wodurch diese erneut zu Boden gegangen war, und dem Be-
werfen und Bedecken mit diversen schweren Gegenständen, wie einem Latten-
rost, einer Matratze, Decken und Kissen, aber auch mit einem Stuhl und mit Stoff-
tieren, sodass sie förmlich darunter begraben war und sich nicht mehr bewegen
konnte, hatte der Beschuldigte alles getan, was den tatbestandsmässigen Erfolg –
den Tod eines Menschen – hätte bewirken können. Hätte es länger gedauert, bis
es zur Befreiung der Privatklägerin aus dieser Situation kam, hätte sich die Le-
bensgefahr durchaus verwirklichen können, weshalb die Gewalttat des Beschul-
digten grundsätzlich dazu geeignet war, ihren Tod herbeizuführen.
4.2.2. Die Vorinstanz hat die Aussagen des Beschuldigten korrekt zusam-
mengefasst wiedergegeben (Urk. 63 S. 20 ff.); es kann vorab darauf verwiesen
werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Der Beschuldigte hat im Zusammenhang mit sei-
nen Beweggründen erklärt, dass er mit den diversen Gewalttathandlungen habe
bezwecken wollen, dass die Privatklägerin bewusstlos werde. Dies habe er ir-
gendwie mit dem Gewichtstein bezwecken wollen und sie dann einfach lassen
und weggehen wollen. Aber einen Todesfall habe er sicher nicht gewollt. Er habe
- 17 -
nie töten wollen. Er habe sie auch nie verletzen wollen. Er habe einfach gewollt,
dass sie nachher ruhig sei (vorstehend, Erw.III.3.3.; so auch die Vorinstanz,
Urk. 63 S. 50 f.).
4.2.3. Es ist glaubhaft, dass der Tod der Privatklägerin nicht das direkte
Handlungsziel des Beschuldigten war, zumal sie gemäss seiner Darstellung im-
mer bei Bewusstsein gewesen sei (Urk. 12/1 S. 8). Hätte er sie mit direktem Vor-
satz töten wollen, wäre ein planmässiges und zielgerichteteres Vorgehen sowie
(andere oder weitere) Tathandlungen zu erwarten gewesen, deren Art und Inten-
sität für gewöhnlich zum sicheren Todeseintritt führen, so zum Beispiel ein geziel-
ter Messer- oder Schusswaffeneinsatz. Ein direkter Tötungsvorsatz lag somit
nicht vor und wird dem Beschuldigten auch nicht zum Vorwurf gemacht.
4.2.4. Angesichts des anerkannten Tatvorgehens erweist sich seine Beteue-
rung, er habe die Privatklägerin nicht verletzen wollen, als unglaubhaft. Auch sein
Erklärungsversuch, er habe gewollt, dass sie (bloss) bewusstlos werde, überzeugt
nicht leichthin.
4.2.5. Die Tat spielte sich zwar innerhalb einer kurzen Zeit von wenigen Mi-
nuten ab und wirkt wie eine einzige Einheit, wobei sich nach den Faustschlägen
und Fusstritten und nach erfolgtem Wurf des Stuhles (vgl. Urk. 34 S. 2) wie eine
kurze Zäsur von vielleicht wenigen Sekunden findet. Während die Privatklägerin
um Hilfe schrie, verliess der Beschuldigte das Zimmer und hatte den ersten An-
griff eigentlich beendet (so auch der psych. Gutachter überzeugend, Urk. 28/5
S. 35 f.). Er begab sich in den unteren Stock und behändigte laut eigener Aussa-
ge dort eine volle Weinflasche ab dem Kaminsims. Anschliessend kehrte er zu-
rück in den ersten Stock, wo die Privatklägerin kniete. Er schlug ihr diese Flasche
so über den Kopf, dass sie zu Bruch ging (Urk. 12/1 S. 6). Es ist aus seiner
Sichtweise nachvollziehbar, dass er die schreiende Privatklägerin in jenem Zeit-
punkt zum Schweigen bringen und aus seiner Sicht haben wollte (Urk. 12/1 S. 8).
Dies äussert sich auch in seinen sogleich folgenden Tathandlungen, als er sie mit
all den schweren Gegenständen bewarf und bedeckte. Dies alleine würde indes-
sen nicht für eine Inkaufnahme möglicher Todesfolgen seines Tuns sprechen.
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4.2.6. Angesichts der Art, des anerkannten Umfangs und der Intensität sei-
ner Gewalteinwirkung, dem Schlag mit dem Eisengewicht (Gewichtstein), den ca.
drei Faustschlägen und ein bis zwei Fusstritten gegen das Gesicht und den Kopf
der Privatklägerin, dem Schlag mit der Weinflasche auf deren Kopf, sodass sie
insgesamt drei Mal zu Boden gegangen war (Urk. 12/1 S. 7), konnte der Beschul-
digte indessen entgegen seinen Beteuerungen (ebenda, S. 9 und S. 11) nicht
mehr in guten Treuen darauf vertrauen und davon ausgehen, dass die Privatklä-
gerin ihre schweren Verletzungen überleben respektive ihr Tod nicht eintreten
würde. Er nahm einen möglichen Todeseintritt als Folge seines Gewaltexzesses
durchaus in Kauf, womit ein eventualvorsätzliches Tatvorgehen gegeben ist.
4.3. Ebenfalls in die Beweisführung miteinzubeziehen ist das Verhalten des
Beschuldigten unmittelbar nach der Tat. Er sah, dass die Privatklägerin nach sei-
nen Gewalteinwirkungen am Kopf und im ganzen Gesicht blutete (S. 11). Den-
noch bewarf und bedeckte er sie mit den schweren Gegenständen, liess sie da-
runter liegen und schloss nach der Beendigung der Tathandlungen beim Verlas-
sen des Zimmers die Türe (Urk. 12/1 S. 9).
4.3.1. Laut eigener Darstellung begab er sich hernach (erneut) nach unten,
wo er ein Aspirin gegen seine Kopfschmerzen (wie er vermutete, vom Wein)
nahm. Überdies liess er auch noch die Rollladen herunter (Urk. 51 S. 43). Vor
Vorinstanz machte er zwar geltend, dies aus Panik gemacht zu haben. Ihm sei
langsam alles bewusst geworden (Urk. 51 S. 43). Anlässlich der staatsanwalt-
schaftlichen Hafteinvernahme machte er geltend, er sei irgendwie am Denken
gewesen, ob er die Polizei holen und was er machen solle. Er habe nicht einfach
verschwinden können. Es habe ihm leid getan, was er gemacht habe (Urk. 12/1
S. 9).
4.3.2. Zunächst ein Aspirin zu nehmen sowie der gezielte Vorgang, auch
noch die Rollladen herunterzulassen, wirken sehr rational und deuten alles ande-
re als darauf hin, dass dem Beschuldigten das Vorgefallene leid getan hätte und
er entsprechend seinen Beteuerungen vorgehabt habe, die Privatklägerin aus ih-
rer lebensbedrohlichen Lage zu befreien und/oder die Polizei zu benachrichtigen,
weshalb sich diese Aussagen als Schutzbehauptungen entlarven. Hätte ihm das
- 19 -
Geschehene in jenem Zeitpunkt leid getan, wäre als erstes angezeigt gewesen,
die Privatklägerin aus ihrer lebensbedrohenden Lage und ihrem Martyrium zu be-
freien.
4.3.3. Hinzu kommt schliesslich, dass der Beschuldigte nach dem Verlassen
des Zimmers, dem Schliessen der Türe sowie nachdem sein Adrenalinspiegel et-
was gesunken sei, auch laut seiner eigenen Aussage offenbar doch daran ge-
dacht hatte, dass die Privatklägerin dort sterben könnte (Urk. 12/1 S. 12). Den-
noch traf er keinerlei Anstalten und unternahm bis zum Eintreffen der nicht von
ihm verständigten Polizei nichts, um die drohende Gefahr des Todes der Privat-
klägerin abzuwenden, obwohl das Wissen um die Gefahr möglicher Todesfolgen
seines Gewaltausbruches durchaus bei ihm vorhanden war und sich ihm auf-
drängte (Urk. 12/1 S. 11). Damit nahm er einen möglichen Todeseintritt nicht nur
als Folge seines Gewaltexzesses, sondern auch angesichts seiner anschliessen-
den Passivität – je länger er untätig blieb, desto mehr – durchaus in Kauf, womit
ein eventualvorsätzliches Tatvorgehen gegeben ist.
5. Demzufolge hat sich der Beschuldigte ferner der versuchten
(eventual-)vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit
Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig gemacht.
V. Strafzumessung
1. Am 1. Januar 2018 sind die neuen Bestimmungen des Allgemeinen Teils
des Strafgesetzbuches (Änderung des Sanktionenrechts) in Kraft getreten
(AS 2016 1249). Der Beschuldigte hat die zu beurteilenden Straftaten vor Inkraft-
treten des revidierten Rechts verübt. Nach Art. 2 Abs. 1 StGB wird nach neuem
Recht nur beurteilt, wer nach dessen Inkrafttreten ein Verbrechen oder Vergehen
begangen hat. Hat der Täter ein Verbrechen oder Vergehen vor Inkrafttreten des
neuen Rechts begangen, erfolgt die Beurteilung aber erst nachher, ist das neue
Recht anzuwenden, wenn es für den Täter milder ist (Art. 2 Abs. 2 StGB). Wie
sich nachfolgend ergibt, ist der Beschuldigte mit einer mehrjährigen Freiheitsstra-
fe zu bestrafen. In diesem Bereich erweist sich das neue Recht nicht als milder,
- 20 -
weshalb das alte, bis zum 31. Dezember 2017 geltende Sanktionenrecht anzu-
wenden ist. Bei der Geldstrafe erweist sich das alte Recht ohnehin als milder, da
es Geldstrafen von bis zu 360 Tagessätzen zu maximal Fr. 3'000.– zulässt
(aArt. 34 Abs. 1 und 2 StGB), während nach revidiertem Recht nur noch Geldstra-
fen von mindestens 3 bis zu 180 Tagessätzen zu maximal Fr. 3'000.– vorgesehen
sind (Art. 34 Abs. 1 und 2 StGB).
2. Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten mit 6 1⁄2 Jahren Freiheitsstrafe
und mit 60 Tagessätzen Geldstrafe zu Fr. 30.–, wobei der Vollzug der Geldstrafe
aufgeschoben und eine Probezeit von 2 Jahren festgesetzt wurde. Die Staatsan-
waltschaft verlangt mit ihrer Berufung die Ausfällung von 11 1⁄4 Jahren Freiheits-
strafe (Urk. 75 S. 1). Der Beschuldigte beantragt eine Reduktion der Freiheitsstra-
fe auf maximal 36 Monate, davon 12 Monate in Form einer unbedingten Freiheits-
strafe (Urk. 76 S. 1 f.).
3. Die allgemeinen Regeln und Kriterien der Strafzumessung wurden im vor-
instanzlichen Urteil unter Hinweis auf Rechtsprechung und Lehre zutreffend und
umfassend wiedergegeben (Urk. 63 S. 67, S. 68 Ziff. 2.2. f.). Dies braucht nicht
wiederholt zu werden.
3.1. Da der Beschuldigte nunmehr wegen versuchter, vorsätzlicher Tötung
zu bestrafen ist, erstreckt sich der massgebliche Strafrahmen für dieses Delikt
von nicht unter 5 Jahren bis 20 Jahre Freiheitsstrafe (Art. 111 StGB i.V.m.
aArt. 40 StGB). Für den Diebstahl ist Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder Geld-
strafe vorgesehen (Art. 139 Ziff. 1 StGB).
3.2. Führt der Täter, nachdem er mit der Ausführung eines Verbrechens
oder Vergehens begonnen hat, die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende oder tritt der
zur Vollendung der Tat gehörende Erfolg nicht ein oder kann dieser nicht eintre-
ten, so kann das Gericht die Strafe mildern (Art. 22 Abs. 1 StGB), weshalb dieser
Strafmilderungsgrund (innerhalb des Strafrahmens des Tötungsdeliktes) strafmin-
dernd zu berücksichtigen ist. Zu ergänzen ist, das die geringgradig verminderte
Steuerungsfähigkeit des Beschuldigten im Zeitpunkt der Tat ebenfalls leicht
strafmindernd zu berücksichtigen sein wird (Art. 19 Abs. 2 StGB). Strafschär-
- 21 -
fungsgründe gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB liegen infolge nicht gleichartiger Strafen
für das Tötungsdelikt und den Diebstahl nicht vor.
3.3. Bei der objektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass Art. 111
StGB das Leben eines Menschen schützt, mithin das höchste aller Rechtsgüter.
Der mit der Tötung als solcher verbundene Unrechtsgehalt kann jedoch, anders
als bei einer Körperverletzung, nicht abgestuft werden, sodass aus der Rechts-
gutverletzung allein nichts für die Strafzumessung abzuleiten ist. Die objektive
Tatschwere bestimmt sich damit vielmehr anhand des Tathergangs und der Tat-
umstände. Die objektive Tatschwere ist nicht nur anhand des äusseren Tatablau-
fes und der unmittelbaren Vorbereitungshandlungen zu bewerten, da eine solche
aus jeglichem Kontext gelöste Betrachtung mit der tatbeständlichen Struktur der
Tötungsdelikte nicht vereinbar ist. Subjektive Merkmale wie Motive, Beweggründe
und Absichten des Beschuldigten sind implizit auch beim Grundtatbestand
(Art. 111 StGB) massgeblich, wenn es um die Festlegung des (objektiven)
Schweregrades geht. Dieser bestimmt sich anhand aller Tatkomponenten, die ei-
nem gesetzlichen Tatbestandsmerkmal zuzuordnen sind. Entsprechend sind sub-
jektive Merkmale nach der Konzeption der Tötungstatbestände bei der Strafzu-
messung von Beginn weg zu berücksichtigen (Urteil des Bundesgerichtes
6B_1038/2017 vom 31. Juli 2018 E. 2.6.1).
3.3.1. Der eigentlichen Tat war ein längerer wochenlanger Zeitraum des
Konfliktes zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin, seiner Grosstante,
vorausgegangen, da er beruflich nicht weiterkam und keine feste Anstellung fand,
litt er unter ständiger Geldnot, weshalb er zwei ihr gehörende Faustfeuerwaffen in
der von ihm bewohnten Mansardenwohnung an sich nahm und diese verkaufte.
Der Konflikt spitzte sich vor der Tat weiter zu, als die Privatklägerin die Polizei
verständigte und dem Beschuldigten ankündigte, ihn wegen des Diebstahls nicht
mehr im Haus haben zu wollen und ihn auf die Strasse zu stellen. So befürchtete
er, dass sie ihn nicht mehr ins Haus lassen würde, falls er seinen Termin für ein
Vorstellungsgespräch am Vormittag des Tattages wahrnehmen und das Haus
deswegen verlassen würde. Er verharrte in einer passiven Vermeidungsstrategie
und blieb einfach in seinem Zimmer, welches an diesem Tag von der Privatkläge-
- 22 -
rin mehrmals betreten wurde, womit sie in sein Rückzugsgebiet eindrang und er
weiter unter Druck kam, da seine Vermeidungsstrategie nicht mehr zu funktionie-
ren schien. Laut der Einschätzung des psychiatrischen Gutachters befand der
Beschuldigte sich in einem zunehmenden emotionalen Ausnahmezustand und
sah keinen Ausweg mehr. Mit dem Gutachter ist zu konstatieren, dass der weitere
Ablauf am Tattag teilweise bizarr wirkt. Aus Frustration oder um den angestauten
Stress besser umgehen zu können, trank er zwischen 10 und 11 Uhr eine Flasche
Wein, was für ihn ausgesprochen untypisch ist. Aus Angst, die Privatklägerin an-
zutreffen, traute er sich nicht mehr in das untere Stockwerk und kotete in eine
Ecke seines eigenen Zimmers. Mit seinem Taschenmesser schnitt er an den
Pflanzen der Privatklägerin herum und verstümmelte sie. Der psychiatrische Gut-
achter deutete dies als zunehmende Gewaltfantasien und eine weitere Aufwei-
chung der Handlungsschwelle unter Alkoholeinfluss. Hernach schlief der Be-
schuldigte ein und erwachte um ca. 19 Uhr. Nach dem Erwachen hörte er die Pri-
vatklägerin im unteren Geschoss und reagierte raptusartig, wobei der weitere Ver-
lauf gemäss Gutachter nicht ambivalent, sondern zielgerichtet wirkt und auf die
Vernichtung der Privatklägerin abzuzielen schien. Die Tat war hochemotional und
das Ausmass der Gewalt deutet laut Gutachter auf grosse Wut hin (vgl. Urk. 28/5
S. 33 ff.).
3.3.2. Der Beschuldigte griff die Privatklägerin, seine 76-jährige, körperlich
unterlegene Grosstante, unerwartet insgesamt drei Mal an, ohne dass diese sich
nennenswert gewehrt hätte oder eine reale Bedrohung für ihn dargestellt hätte.
Nach den ersten Schlägen und Tritten ergab sich eine kurze Phase von ca. einer
Minute, als er sich in den unteren Stock begeben hatte. Eigentlich wäre der erste
Angriff damit potentiell beendet gewesen. Als er sie schreien hörte und die Wein-
flasche gesehen hatte, fasste er den erneuten Entschluss, sie damit zu schlagen
(vgl. Urk. 28/5 S. 41).
3.3.3. Durch den brachial wirkenden, nicht nachvollziehbaren Gewaltexzess
fügte der Beschuldigte der Privatklägerin die schweren im Anklagesachverhalt
aufgeführten Verletzungen zu (vorstehend, Erw. III.1.). Die Kombination aus Rip-
penserienbrüchen beidseits, dem nach körperrückseitig verschobenen Brustbein-
- 23 -
bruch und der Fundsituation (unter Lattenrost, Matratze, Decke, etc. "begraben")
ist laut der nachvollziehbaren und überzeugenden Einschätzung der IRM-
Sachverständigen als lebensgefährlich zu betrachten, da die Atemmechanik mit
Ein- und Ausatmen schon schmerzbedingt, wie auch im Austrittsbericht des
F._ vermerkt, nur erschwert möglich sei. Zudem bewirke die äussere Kom-
pression des Brustkorbes durch die zahlreichen Gegenstände ebenfalls eine me-
chanische Behinderung der Atembewegungen. Dadurch resultiere eine vermin-
derte Sauerstoffladung der roten Blutkörperchen des Blutes, wodurch es zu einer
sauerstoffmangelbedingten Schädigung des Gehirns kommen könne. Bei betag-
ten Menschen bestehe bei einer schmerzbedingten verminderten Atmung grund-
sätzlich die Gefahr einer Lungeninfektion. Angesichts der unzähligen Blutergüsse
und Knochenbrüche bestehe zudem die Gefahr, dass durch diese Verletzungen
Unterhautfettgewebe und Fettgewebe aus dem Knochenmark in die Blutbahn ein-
geschwemmt würden und durch Verlegung des Lungenkreislaufs (Lungenfettem-
bolie) zu einem auch tödlich verlaufenden, akuten Rechtsherzversagen führen
könne. Das Versterben der Privatklägerin habe durch die rechtzeitige Aufhebung
der Brustkorbkompression abgewendet werden können (vorstehend,
Erw. III.3.2.3.). Ihre schweren Verletzungen erfüllen den objektiven Tatbestand
der schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB. Dabei ist zu beach-
ten, dass die Ambulanz nicht durch den Beschuldigten herbeigerufen und die Pri-
vatklägerin nicht durch sein Zutun von den sie bedeckenden, auf ihrem Brustkorb
lastenden zahlreichen schweren Gegenständen befreit und medizinisch versorgt
wurde. Dank dem, dass die Befreiung innert nützlicher Zeit erfolgte und die Pri-
vatklägerin von der Ambulanz in Spitalpflege gebracht wurde, konnten schwer-
wiegendere Folgen, wie der Tod, abgewendet werden (vorstehend, Erw. IV.4.1.).
3.3.4. Damit lag zeitweise Lebensgefahr vor, welche sich je länger desto
eher verwirklicht hätte, wäre die Privatklägerin nicht durch die von einer Nachba-
rin verständigte Polizei befreit und rechtzeitig medizinisch versorgt worden.
3.3.5. Zu berücksichtigen ist, dass es nicht das Handlungsziel des Beschul-
digten war, die Privatklägerin zu töten, er einen möglichen Tod als Folge seines
Gewaltexzesses und der dadurch verursachten diversen schweren Verletzungen
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sowie angesichts seiner anschliessenden Passivität im Hinblick auf eine Befrei-
ung der Privatklägerin aus der von ihm geschaffenen lebensbedrohenden Situati-
on in Kauf nahm, mithin hinsichtlich einer möglichen Tötung bloss eventualvor-
sätzlich handelte, was verschuldensmindernd zu berücksichtigen ist. Bei der Zu-
fügung der schweren Verletzungen handelte er dagegen direktvorsätzlich.
3.3.6. Seine Beweggründe sind nicht durchwegs klar. Angeblich wollte er sie
(bloss) "bewusstlos machen", sie zum Schweigen bringen. Darüber hinaus gab er
wenig glaubhaft an, sich nichts dabei gedacht zu haben (vgl. Erw. IV.4.2.2. und
4.2.4.). Er habe nichts gedacht. Es sei einfach passiert. Es sei irgendwie automa-
tisch gegangen. Er habe es nicht mehr kontrollieren können. Wobei sich die an-
geblich fehlende Kontrolle angesichts des rational und kontrolliert wirkenden Ver-
haltens unmittelbar nach der Tat (Aspirin einnehmen, Storen herunterlassen) als
wenig glaubhaft erweist (vgl. auch Urk. 28/5 S. 36).
3.3.7. Den Tathandlungen ist ein wochenlanger Konflikt vorausgegangen,
welcher sich zuspitzte und dazu führte, dass sich beim Beschuldigten immer mehr
Wut aufstaute. Seine passive Vermeidungsstrategie funktionierte mit zunehmen-
der Konfliktdauer nicht mehr, was bei ihm zu einem emotionalen Ausnahmezu-
stand führte und schliesslich in einer hoch emotionalen Tat endete. Die Verteidi-
gung brachte in diesem Zusammenhang vor, die Privatklägerin sei eine schwieri-
ge und boshafte Person gewesen, welche den Beschuldigten chronisch mit Vor-
würfen überhäuft habe (Urk. 76 S. 8 ff.). Wie die Staatsanwaltschaft zutreffend
ausführte, lassen sich die Tathandlungen des Beschuldigten durch das Verhalten
der Privatklägerin aber weder erklären noch entschuldigen (Prot. II S. 25), so hat
sie ihn doch während einer gewissen Zeit bei sich aufgenommen und ihn auch fi-
nanziell unterstützt.
3.3.8. Die von der Polizei mittels Atemlufttest vor Ort gemessenen 0,4 Pro-
mille Restalkoholgehalt, herrührend von der kurz vor Mittag getrunkenen Flasche
Rotwein, im Zeitpunkt der Tat (Urk. 1 S. 1), hatten infolge Geringfügigkeit keine
Verminderung der Schuldfähigkeit mehr zur Folge (Urk. 28/5 S. 40 u.). Laut den
überzeugenden Erkenntnissen des psychiatrischen Gutachters ergaben sich kei-
ne Hinweise auf eine relevante Intoxikation, eine wahnhafte Verkennung oder an-
- 25 -
dere psychische Störungen im engeren Sinne, welche die Tatdynamik erklären
könnten (Urk. 28/5 S. 36 f.). Dagegen ergaben sich für den Sachverständigen
mehrere Hinweise auf eine affektakzentuierte Deliktsdynamik, wobei es sich nicht
um eine psychiatrische Diagnose handle, sondern um eine spezifische Deliktsdy-
namik, wobei die Tatanlaufzeit schon mit den ersten Konflikten nach dem Einzug
bei der Privatklägerin im September 2015 datiert werde (vgl. auch vorstehend,
Erw. V.3.3.1.). Als die Privatklägerin den Beschuldigten am Tag vor der Tat mit
dem Diebstahlsvorwurf konfrontiert habe, sei die Gesamtsituation erheblich eska-
liert. Am Tattag selbst sei es zu weiteren Eskalationen gekommen (Schlüssel
beim Eingang weg, Telefonat mit der Polizei, Eindringen der Privatklägerin in den
Rückzugsort des Beschuldigten), was zu einem starken Anstieg seines Stressle-
vels geführt habe. Der Beschuldigte habe sich praktisch handlungsunfähig und in
seinem Zimmer gefangen gefühlt (Urk. 28/5 S. 37). Sein bizarres Verhalten (Alko-
holtrinken, ins Zimmer koten, Verstümmelung der Pflanzen) deute auf eine emoti-
onale Ausnahmesituation hin. Nach dem Erwachen hätten Geräusche, welche die
Anwesenheit der Privatklägerin bedeuteten, einen Erregungsausbruch getriggert
und anschliessend innerhalb weniger Minuten eine heftige affektive Entladung,
ohne dass sich Vorbereitungshandlungen gezeigt hätten. Für ein affektakzentuier-
tes Delikt wirke die Tat verhältnismässig lange und zeige einzelne Etappen (Zu-
schlagen mit Gewicht, Tritte und Faustschläge, Holen der Weinflasche, Holen von
Gegenständen zum Zudecken des Opfers). Insgesamt geht der psychiatrische
Gutachter daher von einer affektakzentuierten Deliktsdynamik aus (Urk. 28/5
S. 38).
3.3.9. Laut den Schlussfolgerungen des psychiatrischen Gutachters lag
beim Beschuldigten im Zeitpunkt der Tat keine psychische Störung im engeren
Sinne vor (Urk. 28/5 S. 39). Er habe auch in den Schilderungen seiner Grossel-
tern keine psychischen Auffälligkeiten aufgewiesen. Anhaltspunkte dafür, dass
seine Einsichtsfähigkeit beeinträchtigt gewesen sein könnte, ergaben sich nicht,
auch in der gesamten Tatanlaufzeit und in der Tatausführung selbst nicht. Aus der
affektakzentuierten Tat leite sich nicht unmittelbar eine Verminderung der Schuld-
fähigkeit ab. Hingegen fänden sich hinsichtlich der Tatanlaufzeit und der Anlasstat
ein Aufeinandertreffen ungünstiger Faktoren. Aufgrund seiner Probleme mit der
- 26 -
Privatklägerin (vorstehend, Erw. V.3.3.1.) habe sich über Wochen und Monate ei-
ne Wut aufgestaut, das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden, wobei der Vater
des Beschuldigten angegeben habe, solche Situationen seien für diesen seit der
Kindheit nur schwer zu ertragen gewesen. Der Beschuldigte habe sich von seiner
Grosstante, der Privatklägerin, zunehmend in die Enge gedrängt gefühlt. Die An-
kündigung vor dem Tattag, ihn aus der Wohnung zu werfen, habe zu einer erheb-
lichen Einengung auf die vermeintliche Aussichtslosigkeit der Situation, eine Zu-
nahme der Blockade und einen Rückzug, geführt. Dennoch sei der Beschuldigte
von niemandem dazu gezwungen worden, unmittelbar vor der Tat in der Woh-
nung zu bleiben. Er war nicht eingesperrt und wurde in den Stunden vor der Tat
auch nicht erneut von der Privatklägerin bedrängt, weshalb er laut Gutachter
durchaus Handlungsalternativen gehabt hätte.
3.3.10. Zusammenfassend kommt der Gutachter daher zum Schluss, dass
eine geringgradige Einschränkung der Steuerungsfähigkeit beim Gewaltdelikt vor-
lag. Hinsichtlich des Diebstahls ergaben sich keine solchen Hinweise (Urk. 28/5
S. 41). Der leichtgradigen Einschränkung der Steuerungsfähigkeit ist daher leicht
verschuldensmindernd Rechnung zu tragen (Art. 19 Abs. 2 StGB).
3.4. Bei der subjektiven Tatschwere stellt sich die Frage, wie weit dem Täter
die objektive Tatschwere persönlich zugerechnet werden darf. Dabei spielen je
nach Tatbestand etwa die Willensrichtung, mit welcher der Täter gehandelt hat,
seine Beweggründe und Motive eine Rolle (BGE 129 IV 6 E. 6.1).
Da die einschlägigen Gesichtspunkte bereits in die Beurteilung der objektiven
Tatschwere eingeflossen sind, ist auf die vorstehenden Erwägungen V.3.3.5.-
3.3.10. zu verweisen.
3.5. Somit ist das Verschulden als insgesamt beträchtlich einzustufen, was
bei einer vollendeten Tötung eine hypothetische Einsatzstrafe bei 12 Jahren Frei-
heitsstrafe rechtfertigen würde.
3.5.1. Da der tatbestandsmässige Erfolg nicht eintrat und die Privatklägerin
den vollendeten Tötungsversuch des Beschuldigten überlebte, ohne gravierende-
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re bleibende Schäden davonzutragen (Urk. 18/3 S. 2; Urk. 19/2 S. 11), ist nun
noch die verschuldensunabhängige Tatkomponente der versuchten Tatbegehung
zu gewichten. Das Mass der zulässigen Strafreduktion beim vollendeten Versuch
hängt u.a. von der Nähe des tatbestandsmässigen Erfolges und den tatsächlichen
Folgen der Tat ab (WIPRÄCHTIGER/KELLER, in: Basler Kommentar StGB I, 3. Aufla-
ge 2013, N 23 f. zu Art. 48a StGB). Mit der Beendigung der brachialen Gewalt-
einwirkungen auf die Privatklägerin und dem Zudecken mit diversen schweren
Gegenständen hat der Beschuldigte alles getan, was den tatbestandsmässigen
Erfolg, den Tod eines Menschen, hätte herbeiführen können. Die Privatklägerin
überlebte ohne sein Zutun, dank der rechtzeitigen Verständigung der Polizei
durch eine Nachbarin und dem rechtzeitigen Eintreffen von Polizei und Ambulanz.
Eine Reduktion der Einsatzstrafe auf 10 Jahre Freiheitsstrafe trägt diesem Straf-
minderungsgrund ausreichend Rechnung.
3.6. Bei der objektiven Tatschwere des Diebstahls ist zu berücksichtigen,
dass der durch den Verkauf der beiden Faustfeuerwaffen erzielte Deliktsbetrag
mit Fr. 1'000.– vergleichsweise tief ist und die Privatklägerin die Waffen und das
dazugehörige Waffenzubehör ohnehin verkaufen wollte und dem Beschuldigten
sogar angeboten hatte, er könne diese aufgrund seiner Waffenkenntnisse für sie
übers Internet verkaufen. Ferner hatte sie ohnehin in Aussicht gestellt, ihm einen
Teil des Verkaufserlöses zu überlassen. Er wusste somit von ihrer Verkaufsab-
sicht. Den Deliktserlös verwendete der Beschuldigte nicht etwa zur Finanzierung
von unnötigen persönlichen Anschaffungen, sondern ausschliesslich zur Bezah-
lung von Krankenkassenprämien und Telefonrechnungen, weshalb lediglich eine
geringe kriminelle Energie vorlag. Bei der subjektiven Tatschwere ist der direkte
Vorsatz zu berücksichtigen, allerdings handelte der Beschuldigte nicht aus rein
egoistischen Motiven, sondern vielmehr aus effektiver finanzieller Knappheit infol-
ge Arbeitslosigkeit und Fehlens jeglicher anderer Einkünfte heraus. Insgesamt
liegt leichtes Verschulden vor. Angesichts der Deliktssumme und der vom Be-
schuldigten ausgeführten Tathandlungen sowie seines diesbezüglichen Geständ-
nisses (nachfolgend, Erw. V.5.3.3.), erweisen sich die von der Vorinstanz ausge-
fällten 60 Tagessätze Geldstrafe als zu streng. 30 Tagessätze (entsprechend ei-
- 28 -
nem Monat Freiheitsstrafe) erweisen sich für diese Tat immer noch als allemal
angemessen.
4. Bei der Würdigung der Täterkomponente kann die verschuldensange-
messene Strafe aufgrund von Umständen, die mit der Tat grundsätzlich nichts zu
tun haben, erhöht oder herabgesetzt werden. Massgebend hierfür sind im We-
sentlichen täterbezogene Komponenten, wie die persönlichen Verhältnisse, Vor-
strafen, Leumund, Strafempfindlichkeit und Nachtatverhalten, wie Geständnis,
Einsicht, Reue etc. (HEIMGARTNER, in: DONATSCH/HEIMGARTNER/ISENRING/WEDER,
StGB Kommentar, 20. Auflage, Zürich 2018, N 14 ff. zu Art. 47 StGB).
4.1. Der Beschuldigte ist in G._, einer kleinen Ortschaft in Nordostpo-
len, geboren und aufgewachsen. Seine Eltern, beide im Kanton Zürich geboren
und aufgewachsen, lernten sich während dem Studium in Zürich kennen. Seine
Mutter studierte Geschichte und Germanistik, sein Vater Philosophie. Die Eltern
des Beschuldigten zogen in der Folge zusammen und der Vater brach das Studi-
um ab und arbeitete als Angestellter. Kurze Zeit später folgte die Heirat und die
Geburt des ersten von insgesamt ... Kindern, worauf auch die Mutter ihr Studium
abbrach. Der Wunsch der Eltern nach einem unkonventionellen Leben führte die
Familie vom Stadtleben ins Zürcher .... Dort lebten sie in einem ... und versuchten
sich im Verkauf von Naturprodukten. Schliesslich zog es die Familie weiter nach
Italien und Südfrankreich, immer mit dem Wunsch gemeinsam mit anderen eige-
nes Land zu kaufen und zu bewirtschaften, um ökologische Produkte herzustel-
len. Ein Öko-Projekt führte die inzwischen fünfköpfige Familie nach Polen. Nach-
dem das Öko-Projekt nicht weitergeführt wurde, kam für die Familie eine Rück-
kehr in die Schweiz nicht mehr in Frage. In der Folge pachteten sie in Polen ein
Grundstück und erwarben schliesslich einen Bauernhof, welcher von den Eltern
des Beschuldigten und seinen jüngeren Geschwistern noch heute bewohnt und
als Bio-Bauernhof bewirtschaftet wird. Der Beschuldigte kam im Jahre 1994 als
erstes Kind der Familie in Polen zur Welt. Die Familie lebte zurückgezogen und in
äusserst bescheidenen Verhältnissen. Weil die Familie derart abgeschieden lebt,
war der Kontakt zur Aussenwelt bis zum Schuleintritt der Kinder kaum vorhanden.
Als Kleinkind erlebte der Beschuldigte, wie die Familie auf dem Bauernhof von ei-
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ner Bande mit Sturmmasken überfallen und sein Vater mit einem Baseballschlä-
ger zusammengeschlagen worden ist. Dieses einschneidende Erlebnis prägt den
Beschuldigten bis heute. Seine wichtigste Bezugsperson war sein älterer Bruder
H._, mit dem er regelmässig seine Freizeit verbrachte. Die obligatorische
Schulzeit erlebte der Beschuldigte eher negativ. Weil zu Hause ausschliesslich
Deutsch gesprochen wurde, hatten die Kinder zu Beginn der Schulzeit erhebliche
Schwierigkeiten, sich in der Schule zu verständigen, was sich auch auf die schuli-
schen Leistungen des Beschuldigten auswirkte. Nachdem der Beschuldigte flies-
send Polnisch zu sprechen lernte, wurden seine schulischen Leistungen besser.
Aufgrund der eher ärmlichen Kleidung, der nicht katholischen Erziehung und des
Umstandes, dass sie in Polen als Ausländer galten, wurden der Beschuldigte und
seine Geschwister in der Schule oft gehänselt. Den obligatorischen Schulab-
schluss erwarb der Beschuldigte mit 17 Jahren und absolvierte anschliessend ei-
ne vierjährige Ausbildung als Gastronomiefachmann. Nach der Lehrabschlussprü-
fung im Alter von 21 Jahren arbeitete der Beschuldigte wieder auf dem Bauernhof
seiner Eltern, nachdem er keine geeignete Anstellung fand. Im September 2015
reiste der Beschuldigte in die Schweiz, mit dem Ziel, hier den obligatorischen Mili-
tärdienst zu absolvieren. Neben seinen persönlichen Effekten führte er
ca. Fr. 1'300.– Bargeld mit sich, welches er dafür benötigte, hier die Telefon- und
Krankenkassenrechnungen zu bezahlen, wobei es ihm bereits nach einigen Mo-
naten ausging. Für einen Teil seiner Rechnungen kamen in der Folge seine Gros-
seltern oder die Gemeinde auf. In der Schweiz lebte der Beschuldigte zu Beginn
für kurze Zeit bei seiner Grossmutter in I._ und anschliessend in J._ bei
der Privatklägerin. Weil er die Rekrutenschule aufgrund gewisser Formalitäten
nicht wie geplant antreten konnte, zögerte sich sein Aufenthalt bei der Privatklä-
gerin um einige Monate hinaus. Diese Zeit verbrachte er überwiegend in seinem
Zimmer. Kontakte oder Freundschaften mit Gleichaltrigen knüpfte er keine. Gele-
gentlich bewarb er sich für Arbeitsstellen in der Gastronomie. Eine Festanstellung
erlangte er allerdings nicht und erzielte daher auch kein namhaftes eigenes Ein-
kommen (Urk. 29/1-6; Urk. 51 S. 1 ff.; Prot. II S. 6 ff.).
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Im Zusammenhang mit den persönlichen Verhältnissen und dem Werde-
gang des Beschuldigten sind die Umstände seiner eher schwierigen Kindheit
leicht strafmindernd zu berücksichtigen.
5.2. Der Beschuldigte verfügt weder in Polen noch in der Schweiz über Vor-
strafen (Urk. 29/1; Urk. 29/4; Urk. 65), was strafzumessungsneutral zu würdigen
ist.
5.3. Beim Nachtatverhalten ist dem Verhalten des Täters nach der Tat und
im Strafverfahren Rechnung zu tragen. Ein Geständnis, das kooperative Verhal-
ten eines Täters bei der Aufklärung von Straftaten sowie die Einsicht und Reue
wirken strafmindernd. Umfangreiche und prozessentscheidende Geständnisse
können eine Strafreduktion von bis zu einem Drittel bewirken (BGE 121 IV 202
E. 2d/cc). Der Grad der Strafminderung hängt aber insbesondere davon ab, in
welchem Stadium des Verfahrens das Geständnis erfolgte. Ein Geständnis kann
bei der Analyse des Nachtatverhaltens im Rahmen der Strafzumessung somit zu-
gunsten des Täters berücksichtigt werden, wenn es Ausdruck von Einsicht und
Reue ist.
5.3.1. Ein Verzicht auf Strafminderung kann sich demgegenüber aufdrän-
gen, wenn das Geständnis die Strafverfolgung nicht erleichtert hat, namentlich
weil der Täter nur aufgrund einer erdrückenden Beweislage oder erst nach Ausfäl-
lung des erstinstanzlichen Urteils gestand (Urteil des Bundesgerichtes
6B_426/2010 vom 22. Juli 2010 E. 1.5 mit Hinweisen). In der Nichtanfechtung von
Schuldsprüchen kann gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung kein Ge-
ständnis erblickt werden, welches eine Strafreduktion rechtfertigen würde (Urteil
des Bundesgerichtes 6B_24/2012 vom 19. April 2012 E. 2.4.4 mit Hinweisen).
Entsprechendes gilt, wenn Nebenpunkte, wie die Verpflichtung zu Schadener-
satzzahlungen, im Berufungsverfahren anerkannt werden. Zudem hat der Täter
mit der blossen Anerkennung des Schadens noch keine besonderen Einschrän-
kungen auf sich genommen und keinen greifbaren Beweis seiner Reue erbracht
(vgl. Art. 48 lit. d StGB; Urteile des Bundesgerichtes 6B_853/2013 vom 20. No-
vember 2014 E. 2.4.7 und 6B_680/2012 vom 11. Januar 2013 E. 2.1).
- 31 -
5.3.2. Die bundesgerichtliche Praxis zeigt, dass nur ein ausgesprochen posi-
tives Nachtatverhalten zu einer maximalen Strafreduktion von einem Drittel führen
kann. Zu einem solchen gehört ein umfassendes Geständnis von allem Anfang an
und aus eigenem Antrieb, also nicht erst auf konkrete Vorwürfe hin oder nach
Vorlage entsprechender Beweise oder gar erst nach Ergehen eines erstinstanzli-
chen Schuldspruches. Ferner gehört kooperatives Verhalten in der Untersuchung
dazu, wenn beispielsweise aufgrund des Verhaltens eines Beschuldigten weitere
Delikte aufgeklärt oder Mittäter zur Rechenschaft gezogen werden können, was
ohne sein kooperatives Mitwirken nicht möglich gewesen wäre. Schliesslich ge-
hört Einsicht ins Unrecht der Tat und Reue dazu. Nur wenn all diese Faktoren er-
füllt sind, kann eine Strafreduktion von einem Drittel erfolgen. Fehlen einzelne
Elemente, ist die Strafe entsprechend weniger stark zu mindern (WIPRÄCHTIGER/
KELLER, in: Basler Kommentar Strafrecht I, 3. Auflage 2013, N 169 ff. zu Art. 47
StGB; TRECHSEL/THOMMEN, in: TRECHSEL/PIETH, Schweizerisches Strafgesetz-
buch, Praxiskommentar, 3. Auflage, Zürich/St. Gallen 2018, N 22 und N 24 zu
Art. 47 StGB).
5.3.3. Der Beschuldigte liess sich am Tatort widerstandlos durch die ausge-
rückte Polizei festnehmen und kooperierte stets mit den Strafverfolgungsbehör-
den (Urk. 1 S. 4). Er war bereits vor Ort sowie anlässlich seiner ersten delegierten
polizeilichen Befragung hinsichtlich des äusseren Ablaufes der Tat geständig
(Urk. 5 S. 3). Den Diebstahlsvorwurf und den äusseren Sachverhalt des Gewalt-
deliktes anerkannte er bereits von Verfahrensbeginn an und hat den äusseren
Tathergang im Vorverfahren und vor Vorinstanz eingestanden. Den subjektiven,
inneren Sachverhalt der Gewalttat hat er dagegen stets in Abrede gestellt und be-
stritten (vorstehend, Erw. III.3.3.). Angesichts der am Tatort angetroffenen Situati-
on hatte er infolge der erdrückenden Beweislage wenig Spielraum, den objektiven
Sachverhalt zu bestreiten. Nicht für uneingeschränkte Reue und Einsicht spricht
zwar der Umstand, dass er externalisierend stets davon sprach, dass "es pas-
siert" sei, nicht, dass er "es gemacht" habe, allerdings führte der Beschuldigte an-
lässlich der Berufungsverhandlung aus, er gebe zur Wiedergutmachung 10% sei-
nes Pekuliums ab (Prot. II S. 27), was durchaus Reue signalisiert und entspre-
chend zu berücksichtigen ist. Insgesamt liegt ein umfassendes Teilgeständnis
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zum objektiven äusseren Sachverhalt vor, und der Beschuldigte zeigt Reue, was
eine spürbare Strafminderung von einem Fünftel rechtfertigt.
6. Somit ist der Beschuldigte wegen versuchter vorsätzlicher Tötung mit
8 Jahren Freiheitsstrafe zu bestrafen und für den Diebstahl mit 30 Tagessätzen
Geldstrafe.
6.1. Die gesetzlichen Regeln und die bundesgerichtliche Praxis zur Bemes-
sung der Tagessatzhöhe wurden von der Vorinstanz zutreffend aufgeführt
(Urk. 63 S. 78 f.). Dies braucht nicht wiederholt zu werden.
6.2. Der Beschuldigte hatte seit seiner Einreise in die Schweiz im September
2015 keine nennenswerten Erwerbseinkünfte und befindet sich seit der Tat nun-
mehr seit 945 Tagen in Untersuchungs- sowie Sicherheitshaft und vorzeitigen
Strafvollzug. Ein über Fr. 30.– hinausgehender Tagessatz kommt daher nicht in
Betracht. Der bis und mit Urteilsdatum erstandene Freiheitsentzug ist gestützt auf
Art. 51 StGB auf die Freiheitsstrafe anzurechnen.
VI. Vollzug
1. Die gesetzlichen Regeln für den Entscheid über den Vollzug der Geldstra-
fe wurden im angefochtenen Urteil zutreffend wiedergegeben (Urk. 63 S. 80). Sie
brauchen nicht wiederholt zu werden.
2. Angesichts der Dauer der Freiheitsstrafe entfällt die Möglichkeit eines be-
dingten oder teilbedingten Vollzuges (Art. 42 f. StGB). Da es sich beim Beschul-
digten um einen Ersttäter handelt und er keinerlei Vorstrafen aufweist, ist der von
der Vorinstanz gewährte Vollzugsaufschub der Geldstrafe unter Ansetzung einer
minimalen Probezeit von 2 Jahren zu bestätigen.
VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte unter-
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liegt mit seinem Antrag auf eine angemessene Reduktion der Strafe mit Ausnah-
me der Geldstrafe weitestgehend, weshalb ihm die Kosten des Berufungsverfah-
rens aufzuerlegen, infolge offensichtlicher Unerhältlichkeit indessen zu erlassen
sind.
2. Die Kosten der amtlichen Verteidigung im zweitinstanzlichen Verfahren
sind infolge Uneinbringlichkeit definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen.