# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 12903183-8415-5f32-a24b-f108bab1b635
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
R._, geboren 1973, von Bosnien und Herzegowina, reiste am 24. April 1992 in die
Schweiz ein und beantragte am 5. Mai 1992 Asyl (Vorakten des Migrationsamts
St. Gallen, nachfolgend Dossier, S. 1 ff.). Das damalige Bundesamt für Flüchtlinge
(heute Staatssekretariat für Migration) wies sein Asylgesuch ab und verwies ihn aus der
Schweiz. Da der Vollzug der Wegweisung jedoch zu jenem Zeitpunkt unzumutbar
erschien, verfügte das Bundesamt im Rahmen der «Aktion Bosnien-Herzegowina» die
vorläufige Aufnahme. Am 3. April 1996 beschloss der Bundesrat die Aufhebung der
angeordneten kollektiven Aufnahme. R._ wurde zur Ausreise verpflichtet und es wurde
ihm eine Ausreisefrist bis 31. Mai 1997 gesetzt. Am 22. November 1996 stellte er ein
Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung, welches aber abgewiesen wurde.
Auf seinen dagegen erhobenen Rekurs wurde nicht eingetreten. Am 1. Dezember 1997
meldete die Wohnsitzgemeinde R._ ab, weil sein Aufenthaltsort seit 1. September
1997 nicht mehr bekannt war.
A.a.
Am 1. August 1998 heiratete er in Q._ M._, geboren 1978, von Bosnien und
Herzegowina. Sie stellte in der Folge ein Familiennachzugsgesuch für R._, welches
aber wegen ungenügender finanzieller Mittel abgewiesen wurde. Am 29. Januar 1999
stellte sie erneut ein Wiedererwägungsgesuch. Am 27. Mai 1999 reiste R._ in die
Schweiz ein, wo er im Rahmen des Familiennachzugs doch noch eine
Aufenthaltsbewilligung erhielt. Das Ehepaar hat zwei Kinder – A._, geboren 2001, und
B._, geboren 2004. M._ sowie die beiden Kinder erhielten am 22. November 2004
A.b.
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B.
Am 31. August 2020 erhob R._ (Beschwerdeführer), vertreten durch Rechtsanwalt
Hans Ludwig Müller, Zürich, Beschwerde gegen den Entscheid des SJD (Vorinstanz)
und beantragte insbesondere, dass die Niederlassungsbewilligung nicht zu widerrufen
und das Verfahren an die Vorinstanz zurückzuweisen sei, unter Entschädigungsfolge
zugunsten des Beschwerdeführers (act. 1). Die Vorinstanz beantragte in ihrer
Vernehmlassung vom 19. Oktober 2020 die Abweisung der Beschwerde (act. 6).
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie
die Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Die Beschwerdeeingabe
vom 31. August 2020 erfolgte unter Berücksichtigung der vom 15. Juli bis 15. August
2020 geltenden Gerichtsferien und dem Fristenlauf am Wochenende rechtzeitig und
erfüllt formal und inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit
Niederlassungsbewilligungen. Per 1. Oktober 2005 erhielt R._ eine volle Invalidenrente
zugesprochen. Am 5. Juni 2009 erteilte das Migrationsamt auch ihm die
Niederlassungsbewilligung.
Mit Entscheid vom 1. März 2016 sprach das Kreisgericht X._ R._ des mehrfachen
Betrugs in der Zeit von 15. Juni 2007 bis 30. September 2013 schuldig und verurteilte
ihn zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten, davon sechs Monate unbedingt. Das
Kantonsgericht St. Gallen hob den Entscheid am 26. April 2018 auf und sprach R._
von der Anklage des Betrugs vom 8. August 2004 frei, sprach ihn aber des Betrugs
(15. Juni 2007) und des versuchten Betrugs (31. Januar 2013) schuldig und verurteilte
ihn zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, wobei der Vollzug mit einer Probezeit von
zwei Jahren aufgeschoben wurde. Eine gegen diesen Entscheid erhobene Beschwerde
wies das Bundesgericht mit Urteil vom 12. April 2019 ab, soweit es darauf eintrat.
A.c.
Mit Verfügung vom 4. März 2020 widerrief das Migrationsamt die
Niederlassungsbewilligung von R._ und wies ihn aus der Schweiz weg. Den dagegen
erhobenen Rekurs wies das Sicherheits- und Justizdepartement (SJD) mit Entscheid
vom 28. Juli 2020 ab (act. 2).
A.d.
bis
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Art. 47 Abs. 1 und Art. 30 Abs. 1 VRP sowie Art. 145 Abs. 1 lit. b und Art. 142 Abs. 3
der Schweizerischen Zivilprozessordnung, und Art. 48 Abs. 1 VRP). Als Adressat des
angefochtenen Entscheids ist der im Rekursverfahren unterlegene Beschwerdeführer
zur Ergreifung des Rechtsmittels berechtigt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1
VRP). Auf die Beschwerde ist deshalb einzutreten.
2.
Bei der Nichtverlängerung bzw. beim Widerruf von Niederlassungsbewilligungen
ausländischer Personen ist das Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer
und über die Integration (SR 142.20, AIG) anwendbar, soweit keine günstigeren
Bestimmungen des Bundesrechts oder völkerrechtlicher Verträge zur Anwendung
gelangen (Art. 2 Abs. 1 AIG; VerwGE B 2013/118 vom 11. März 2014 E. 4 mit weiteren
Hinweisen). Vorliegend sind aufgrund der Staatsangehörigkeit des Beschwerdeführers
(Bosnien-Herzegowina) keine günstigeren völkerrechtlichen Verträge anwendbar.
3.
Die Niederlassungsbewilligung kann bei Ausländern wie dem Beschwerdeführer, die
sich seit mehr als 15 Jahren ununterbrochen und ordnungsgemäss in der Schweiz
aufhalten, vor allem widerrufen werden, wenn sie in schwerwiegender Weise gegen die
öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen oder
diese gefährden (Art. 63 Abs. 1 lit. b AIG) oder wenn sie zu einer längerfristigen
Freiheitsstrafe verurteilt werden (Art. 63 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art. 62 Abs. 1
lit. b AIG). Von einer längerfristigen Freiheitsstrafe geht man aus, wenn die (bedingte
oder unbedingte) Freiheitsstrafe mehr als ein Jahr beträgt (BGE 135 II 377 E. 4.2).
Das Kantonsgericht St. Gallen verurteilte den Beschwerdeführer zu einer Freiheitsstrafe
von zwei Jahren. Auch wenn der Vollzug mit einer Probezeit von zwei Jahren
aufgeschoben wurde, so ist doch der Widerrufsgrund der längeren Freiheitsstrafe von
Art. 63 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art. 62 Abs. 1 lit. b AIG ohne weiteres erfüllt.
4.
Ein Widerruf der Niederlassungsbewilligung rechtfertigt sich indessen selbst bei
Vorliegen eines Widerrufsgrundes nur, wenn die im Einzelfall vorzunehmende
Interessenabwägung den Widerruf auch als verhältnismässig erscheinen lässt (Art. 5
Abs. 2 der Bundesverfassung [SR 101, BV]; Art. 96 AIG). Der Widerruf setzt also
voraus, dass das öffentliche Interesse an der Wegweisung die privaten Interessen der
betroffenen Person an deren Verbleib in der Schweiz übersteigt. Bei dieser
4.1.
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Interessenabwägung zu berücksichtigen sind laut konstanter Praxis des
Bundesgerichts insbesondere die Schwere des Verschuldens des Ausländers, die
Dauer seiner Anwesenheit in der Schweiz und seine Integration sowie die ihm und
seiner Familie drohenden Nachteile. Der Widerruf der Niederlassungsbewilligung hat zu
unterbleiben, wenn der verfolgte Zweck mit einer weniger einschneidenden
Massnahme, z.B. mit einer Androhung des Widerrufs der Bewilligung, erreicht werden
kann (BGE 135 II 377 E. 4.3; Weisungen des Staatssekretariates für Migration [SEM], I.
Ausländerbereich, Version 25.10.2013 Stand: 18. Juli 2016], Ziff. 8.3, abrufbar unter:
www.bfm.admin.ch). Bei Beschwerdeführern mit Kindern ergibt sich die Notwendigkeit
der Interessenabwägung auch aus Art. 8 Konvention zum Schutze der Menschenrechte
und Grundfreiheiten (SR 0.101, EMRK) und Art. 13 Abs. 1 BV.
Der Beschwerdeführer macht in diesem Zusammenhang insbesondere geltend, dass
das Verschulden an seiner Tat sowohl seitens des Kantonsgerichts als auch seitens der
Vorinstanz als leicht eingestuft worden sei (act. 1 S. 4).
4.2.
Dieses Vorbringen ist insofern aktenwidrig, als die Vorinstanz im Detail ausführte, dass
für das migrationsrechtliche Verschulden nicht nur das Strafmass der Verurteilung
massgeblich sei, sondern die gesamten Verfehlungen der betroffenen Person und dass
in diesem Zusammenhang auch zu beachten sei, dass der missbräuchliche Bezug von
Sozialversicherungsleistungen zu den in Art. 121 Abs. 3 lit. b BV genannten Anlasstaten
gehöre, deren Begehung dazu führen soll, dass die ausländische Person unabhängig
von ihrem ausländerrechtlichen Status ihr Aufenthaltsrecht verlieren solle (act. 2
S. 9 ff.). Die Vorinstanz ging sodann insgesamt von einem gravierenden Verstoss gegen
die Rechtsordnung und einem entsprechenden grossen öffentlichen Interesse aus.
Entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers wurden dabei Bussen aus früheren
Jahren nicht berücksichtigt. Massgebend war stattdessen, dass es dem
Beschwerdeführer laut Vorinstanz an jeglicher Einsicht und Reue mangle, er eine
erhebliche kriminelle Energie an den Tag gelegt habe und gegen den
Beschwerdeführer zudem ein Verlustschein in Höhe von über CHF 360'184 und eine
Pfändung der Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen von über CHF 17'130
vorliege. Der Beschwerdeführer sei nicht gewillt, seinen finanziellen Verpflichtungen
nachzukommen. Dieser Eindruck bestätigt sich aufgrund der Akten (Dossier, S. 83 ff.).
Die Vorinstanz ging deshalb zurecht von einem erheblichen öffentlichen Interesse der
Schweiz am Widerruf der Niederlassungsbewilligung aus. Es stellt sich nun die Frage,
welche persönlichen Interessen des Beschwerdeführers diese erheblichen öffentlichen
4.3.
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Interessen überwiegen könnten. Der Beschwerdeführer ist bereits über 20 Jahre in der
Schweiz, was für seinen Verbleib hier spricht. Allerdings konnte er hier in beruflicher
Hinsicht trotz seiner langen Verweildauer nicht richtig Fuss fassen. Er arbeitete zwar
kurz für diverse Temporärbüros und dann auch etwa drei Jahre für einen Arbeitgeber,
seit Frühling 2003 und damit seit fast 18 Jahren aber nicht mehr, aufgrund seiner
vermeintlichen Invalidität. Auch wirtschaftlich konnte er nicht Fuss fassen, dies belegen
der hohe Verlustschein und die Pfändung ausreichend. Auch in sozialer Hinsicht ist
keine Integration ersichtlich, von der Beachtung der Rechtsordnung ganz zu
schweigen. Seine lange Verbleibdauer dokumentiert somit keine besondere Integration
in der Schweiz und spricht damit nicht gegen den Widerruf der
Niederlassungsbewilligung. Das einzige persönliche Interesse auf Seite des
Beschwerdeführers ist somit dasjenige am Zusammenleben mit seiner Familie. Der
Ehefrau wäre eine Rückreise mit ihrem Ehemann zumutbar, da sie aus demselben
Herkunftsland stammt und ihre prägenden Kinder- und Jugendjahre ebenfalls dort
verbracht hat. Von den Kindern des Beschwerdeführers, die hier in der Schweiz
geboren sind, kann dies nicht behauptet werden. Allerdings ist zu beachten, dass der
Sohn des Beschwerdeführers bereits volljährig ist und somit auch alleine hierbleiben
kann. Er ist damit nicht zu berücksichtigen. Angesichts der Tatsache, dass die Tochter
des Beschwerdeführers mittlerweile ebenfalls bereits 17 Jahre alt und damit bald
volljährig ist, würde es sich zu deren Gunsten aufdrängen, dass zumindest die Ehefrau
bis zu deren Volljährigkeit noch hier in der Schweiz bleibt und ihrem Ehemann erst
nach Volljährigkeit der Tochter (im Januar 2022) nachfolgt. Es wäre aber auch ihr
durchaus zumutbar, das Familienleben über das verbleibende Jahr hinweg per Skype
und in Form von Ferienaufenthalten zu pflegen (vgl. BGer 2C_773/2019 vom
5. Dezember 2019 E. 3.5.3). Danach wird die Tochter volljährig sein und ohne weiteres
alleine in der Schweiz leben können. Allerdings steht es der Familie auch frei, die
gemeinsame Ausreise vorzuziehen. Die Beeinträchtigung des Familienlebens im Sinne
von Art. 8 EMRK ist also höchstens von sehr kurzer Dauer (d.h. bis zur Volljährigkeit der
Tochter im Januar 2022). Diese Beeinträchtigung ist zwar nicht marginal, aber im
Vergleich zum erheblichen öffentlichen Interesse im vorliegenden Fall weniger
bedeutend. Anzumerken ist diesbezüglich, dass aus der undatierten Bestätigung der
Gynäkologin nicht hervorgeht, warum die Tochter des Beschwerdeführers in Sorge
über eine erneute Verschlechterung des gesundheitlichen Zustandes sein sollte. Ein
rechtlich relevanter Konnex zum vorliegenden Verfahren ist im Übrigen nicht erkennbar.
Viel wahrscheinlicher scheint angesichts der Formulierung, dass diese Sorge in
Zusammenhang mit einem am 1. Februar 2019 erfolgten operativen Eingriff steht. Trotz
umfangreicher Mitwirkungspflicht des Beschwerdeführers liegt jedenfalls kein
Schreiben der Tochter bei den Akten, warum diese derzeit noch auf den Verbleib ihres
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5.
(...).
6.
(...).