# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 1b94bf10-dc84-4dc3-90c1-acdd070c0d13
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1962, meldete sich am 14. Januar 1998 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 10/1). Die Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, s
prach ihm mit Verfügung vom 10.
April 2000 eine
Viertelsrente
ab 1. Dezember 1997 zu (Urk. 10/24), was vom hie
sigen Gericht mit Urteil vom 24. April 2001 im Ve
r
fahren Nr.
IV.2000.00315
bestätigt wurde (Urk. 10/34). Das Bundesgericht hob das kantonale Urteil mit Urteil vom 5. März 2002 auf und wies die Sache an
die
IV-Stelle zur Durchführung von Eingliederungsmassnahmen zurück (Urk. 10/36).
Die IV-Stelle sprach dem Versicherten sodann
mit
Einspracheentscheid
vom 17. Februar 2005
eine
Viertelsrente
von Dezember 1997 bis
September
2001 und eine ganze Rente ab
Oktober
2001 zu (Urk. 10/83). Dies wurde vom hiesigen Gericht mit Urteil vom 4. Juli 2006 im Verfahren Nr.
IV.2005.00360
nur teilweise bestätigt (Urk. 10/117).
Das Bundesgericht hielt
schliesslich mit Urteil vom 26.
September 2007 nebst der
Viertelsrente
ab Dezember 1997 einen Anspruch auf eine ganze Rente ab September 2001 fest (Urk. 10/128).
Nach revisionsweiser Überprüfung teilte die IV
-Stelle dem Versicherten am 27.
März 2008 (Urk. 10/142) und am 5. August 2011 (Urk. 10/161) mit, der Renten
anspruch sei unverändert.
1.2
Nach Eingang des
Revisions
fragebogens vom 25. August 2016 (Urk. 10/167)
holte
die IV-Stelle
unter anderem ein polydiszipl
inäres Gutachten ein, das am 3.
November 2017 erstattet wurde (Urk. 10/202).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 10/224, Urk. 10/235) hob die IV-Stelle
mit Verfügung vom 19. Oktober 2019
die bisher ausgerichtete Rente auf (Urk. 10/239 = Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am
11. November 2019 Beschwerde gegen die Verfügung vom 10. Oktober 2019 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben (Urk. 1 S. 2 oben Ziff. 1).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 9. Januar 2020 (Urk. 9) die Abweisung der Beschwerde.
Die am 5. Februar 2020 beigeladene Vorsorgeeinrichtung (vgl. Urk. 11) liess sich nicht vernehmen. Mit Gerichtsverfügung vom 30. März 2020 wurden antragsge
mäss (vgl. Urk. 1 S. 2 oben) die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertre
tung bewilligt (Urk. 13).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
, A
TSG). Anlass zur Renten
revision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenan
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesent
lichen Ände
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kon
text unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.2
Bei Personen, deren Rente revisionsweise herabgesetzt oder aufgehoben werden soll, sind nach mindestens fünfzehn Jahren Bezugsdauer oder wenn sie das 55. Altersjahr zurückgelegt haben, praxisgemäss in der Regel vorgängig Eingliederungsmassnahmen durchzuführen, bis sie in der Lage sind, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewie
sene Leistungspotenzial mittels Eigenanstrengung auszuschöpfen und erwerblich zu verwerten. Ausnahmen von der
diesfalls
grundsätzlich («vermutungsweise») anzuneh
menden Unzumutbarkeit einer Selbsteingliederung liegen namentlich dann vor, wenn die langjährige Absenz vom Arbeitsmarkt auf invaliditätsfremde Gründe zurückzuführen ist, wenn die versicherte Person besonders agil, gewandt und im gesellschaftlichen Leben integriert ist
oder
wenn sie über besonders breite Ausbildungen und Berufserfah
rungen verfügt. Verlangt sind immer konkrete Anhaltspunkte, die den
Schluss zulassen, die versicherte Person könne sich trotz ihres fortgeschrittenen Alters und/oder der lan
gen Rentenbezugsdauer mit entsprechender Absenz vom Arbeitsmarkt ohne Hilfestel
lungen wieder in das Erwerbsleben integrieren. Die IV-Stelle trägt die Beweislast dafür, dass entgegen der Regel die versicherte Person in der Lage ist, das medizinisch-theore
tisch (wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial auf dem Weg der Selbsteingliederung erwerblich zu verwerten (BGE 145 V 209 E. 5.1).
1.
3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus, das eingeholte Gutachten komme zum Schluss, dass keine die Arbeitsfähig
keit einschränkenden Beeinträchtigungen bestünden (S. 2 oben).
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1), dies treffe nicht zu (S. 2 f. Ziff. 2), und die Kritik seitens des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) am Gutachten sei nicht stichhaltig (S. 3 Ziff. 3).
Strittig und zu prüfen ist, ob eine revisionsrelevante Verbesserung des Gesund
heitszustands ausgewiesen ist.
3.
3.
1
Im Gutachten der Ärzte der
Medas
Y._
vom 28. Mai 1999 (Urk.
10/13
/1-11
) wurden folgende
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
genannt (
S. 9 Ziff. 1
):
-
chronisches
Panvertebralsyndrom
mit
spondylogener
Ausstrahlung
-
mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom
-
somatoforme Schmerzstörung. Angestammt nicht mehr, angepasst auf
grund Psyche 60 % AF.
In der angestammten Tätigkeit als Bauarbeiter bestehe keine Arbeitsfähigkeit mehr, in angepasster Tätigkeit betrage die Arbeitsfähigkeit aufgrund der psychi
schen Problematik 60 % (
S. 10 Ziff. 5.1 f.
).
3.2
PD Dr. med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, nannte in seinem Gutachten vom 9. Juli 2004 (Urk. 10/53) als Diagnosen eine schwere depressive Episode und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (S.
12 f.
). Er attestierte eine volle und dauerhafte Arbeitsunfähigkeit (
S. 14
).
3.3
Dr. med.
A._
, Facharzt für Neurologie nannte in seinem Bericht vom 1. Juni 2011 (Urk. 10/15
6
) als Diagnosen
ein
chronisches panvertebrales Schmerzsyndrom bei
Status
nach Beschleunigungstrauma
der Halswirbelsäule (
HWS
)
am 16. Feb
ruar
2008
und eine
schwere depressive Entwicklung
(
S. 1
)
.
In o
ptimal angepasst
en Tätigkeiten betrage die Arbeitsfähigkeit
max
imal
30 %
(
S. 2 unten).
3.4
Dr. med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, nannte in seinem Bericht vom 7. Juli 2011 (Urk.
10/159
) als Diagnose eine
chronische Depression mit langgezogenem Verlauf (
S. 2 Mitte
) und attestierte eine Arbeits
unfähigkeit
von 90-100 %
(
S. 4 oben
).
4.
4.1
Die Ärzte
, Ärztin und Neuropsychologin de
r
MEDAS
C._
erstatteten am 3. November 2017 ein Gutachten im Auftr
ag der Beschwerdegegnerin (Urk.
10/202/1-56). Sie stützten sich auf die ihnen
üb
erlassenen Akten (S. 4 ff.) und ihre Untersuchungen vom 9./10. und 18. Mai, 1. Juni sowie 16. Oktober 2017 in den Disziplinen Innere Medizin, Neurologie, Rheumatologie, Neuropsychologie und Psychiatrie Art (S. 2).
Sie nannten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 41 Ziff. 4.4
, S. 49 Ziff. 5.3.1
):
-
Verhaltensauffälligkeiten bei körperlichen Störungen und Faktoren (ICD-10 F59), Differentialdiagnose (DD) andauernde Persönlichkeitsverände
rung bei chronischem Schmerzsyndrom (ICD-10 F62.8)
-
chronifiziertes
depressives Störungsbild, aktuell schwerer depressiver Zustand (ICD-10 F33.9)
-
somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
-
Veränderung der Persönlichkeit bei psychischer Krankheit (ICD-10 F62.88) bei chronischem Schmerzsyndrom und psychischer Erkrankung
Ferner nannten sie folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 41 Mitte
, S. 49 f. Ziff. 5.3.2
):
-
Status nach Pleuropneumonie rechts basal mit
Pleuraempyem
Dezember 1996
-
hierdurch bedingte
Pleuraschwarte
rechts
-
Status nach Hepatitis Dezember 1996
-
wahrscheinlich
Klacid
-induziert
-
aktuell normale Transaminasen
-
zervikogener
Kopfschmerz
-
Status nach Commotio cerebri 29. Juli 2013
-
aktuell: Facettensyndrom L5/S1 rechts mit
pseudoradikulärer
Symptoma
tik
-
Spondylolyse
L5/S1 ohne
Olisthese
und ohne
radikuläre
Symptomatik
-
Osteochondrose
L3/4 ohne
radikuläre
Symptomatik
-
Coxarthrose
beidseits mit Innenrotationseinschränkung
Sie führten unter anderem aus, zwischen der Aktenlage und der erhobenen Anamnese und den Befunden zeigten sich einige
- näher ausgeführte (S. 42
, S.
51
f.
)
-
Diskrepanzen. Zudem müsse auch von einer eingeschränkten Kooperation ausgegangen werden (S. 41 Ziff. 4.5
, S. 51 Ziff. 5.6.1
).
Aus interdisziplinärer Sicht ergebe sich eine Arbeitsunfähigkeit in der ange
stammten Tätigkeit von 100 % und in einer Verweistätigkeit von 65-75
%. Dabei gelte das seitens des psychiatrischen Teilgutachtens geäusserte Fähigkeitsprofil (S. 43 Ziff. 4.7
, S. 53 Ziff. 5.7
). Zum Verlauf führten sie aus, die im
Medas
-Gut
achten von 1999 (vorstehend E. 3.1) und die von PD Dr.
Z._
2004 attestierte Arbeitsunfähigkeit erachteten sie aus näher dargelegten Gründen als nachvoll
ziehbar (S. 44
, S. 53 f.
).
Die Befunde seien in ihrer Gesamtheit
als
mittel
schwer bis schwer anzusehen (S.
45 Ziff. 5.1.2).
Betreffend nicht versicherte, invaliditätsfremde Faktoren (S. 45 f. Ziff. 5.1.4) führ
ten sie aus, die lang bestehende Arbeitslosigkeit wirke sich negativ auf den Gesundheitszustand aus (S. 46 oben). Das Alter der explorierten Person (55 Jahre) sei zwar fortgeschritten, jedoch
nicht
per se limitierend.
Die
Sprachkenntnisse
seien limitiert und das
Bildungsniveau
sei
nicht hoch
(S. 46 Mitte)
.
Es best
ünd
en einige sich limitierend auswirkende soziokulturelle Faktoren (
S. 46
unten).
Eine Aggravation könne nicht gänzlich ausgeschlossen werden, da die Koopera
tion des Exploranden beeinträchtigt gewesen sei und sich einige Diskrepanzen gezeigt hätten (S. 47 Ziff. 5.1.5).
Betreffend Ressourcen wurde hinsichtlich der Kommunikationsfähigkeit ange
führt, der Explorand sei sprachlich eingeschränkt. Gemäss seinen Angaben stün
den die gesundheitlichen Einschränkungen einer Arbeitsaufnahme im Weg, sei die Therapieadhärenz vorhanden,
seien
keine besonderen ausserberuflichen Fertigkeiten vorhanden, sei betreffend das soziale Umfeld nur der enge Fami
lienkreis vorhanden, sei eine geordnete Tagesstruktur nur teilweise vorhan
den
beziehungs
weise seien die Abläufe wechselhaft je nach Beschwerden (S. 48 Ziff. 5.1.8).
4.2
Prof. Dr. med.
D._
, Facharzt
für
Allgemeine Innere Medizin sowie für
Angiologie
, nannte in seinem Bericht vom 7. Mai 2018 (Urk. 10/211/9-11
= Urk.
10/212/7-9) als Diagnose eine periphere arterielle Verschlusskrankheit.
Am 30. Mai 2018 nahm er einen Eingriff (A.
femoralis
:
Stenting
links, Stenose rechts) vor (Urk. 10/212/10).
4.3
Dr. med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte in sei
nem Bericht vom 16. August 2018 (Urk. 10/215/7-11) aus, er behandle den Beschwerdeführer seit 17. Mai 2017 (Ziff. 1.1)
alle 4 Wochen (Ziff. 1.2).
A
ls a
ktuell
e medizinische Symptomatik (Ziff. 2.2) nannte er
eine
chronifizierte
mindestens mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F33.11)
,
ebenso
als Diag
nose
n
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
sowie
diverse somatische Gebre
chen mit Schmerzen vor allem am Bewegungsapparat (Ziff. 2.5).
Nach über 20 Jahren Arbeitsabstinenz werde der Versicherte nie mehr auc
h nur teilweise arbeiten (2.7).
4.4
Dr. med.
F._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumato
logie des Bewegungsapparates, RAD, führte in seiner Beurteilung vom 20. Dezem
ber 2017 (Urk. 10/223 S. 3 ff.) unter anderem aus, im Gutachten würden mehrere
- einzeln genannte - Diskrepanzen aufgeführt, aber nicht diskutiert. Eine Verbes
serung des Gesundheitszustandes lasse sich nicht nachweisen, bereits in den Vorberichten der Jahre 1999 bis 2004 habe es erheblich divergierende Befunde und Beurteilungen der Arbeitsfähigkeit gegeben (S. 4 Mitte). Aufgrund der Diskrepanzen könne kein Belastungsprofil festgelegt werden (S. 4 unten) und es könne keine Arbeitsunfähigkeit in der angestammten und in angepasster Tätig
keit festgelegt werden (S. 5 oben).
4.5
Dr. med.
G._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, RAD, wies in ihrer Beurteilung vom 30. Juli 2019 (
10/223
S.
9 f.
) darauf hin, dass die neu
ropsychologische Prüfung infolge auffälligen Antwortverhaltens nicht habe durchgeführt werden können (S. 9 unten).
I
m psychiatrischen Teilgutachten
sei dem
nicht hinreichend Rechnung getragen worden
,
und die darin genannten Diagnosen seien aus näher genannten Gründen nicht nachvollziehbar, weshalb ihm in keiner Weise gefolgt werden könne (S. 10 oben).
4.6
Prof.
D._
(vorstehend E. 4.2) nannte in seinem Bericht vom 17. Juni 2019 über die am 14. Juni 2019 erfolgte Verlaufskontrolle (Urk. 10/243) als Diagnose unter anderem eine generalisierte
Atherosklerose
(S. 1 Ziff. 1). Die Gehstrecke sei nicht
mehr eingeschränkt und es bestünden keine Hinweise für
Rezidivbeschwer
den
(S. 1 unten). Er nahm die Fortführung der Therapie in Aussicht (S. 2 Mitte).
4.7
Dr.
A._
(vorstehend E. 3.3) berichtete am
22. August 2019 über die am 20.
August 2019 erfolgte Verlaufsuntersuchung (Urk. 10/233). Er führte unter anderem aus, für die angestammte, körperlich schwere Tätigkeit als Bauarbeiter betrage die Arbeitsunfähigkeit 100 % und eine leidensangepasste Tätigkeit sei
nur in sehr beschränktem Ausmass möglich, schätzungsweise 10-20 % (S. 3
oben).
4.8
Im Feststellungsblatt wurde anhand der Akten des Krankenversicherers die fol
genden psychiatrischen Behandlungen festgehalten (Urk. 10/223 S. 8 f.):
-
29. Januar bis 18. November 2014 (Dr.
B._
)
-
20. Januar bis 8. Dezember 2015 (Dr.
B._
)
-
2. Juli 2015 (PD Dr.
Z._
)
-
22. Februar bis 11. November 2016 (Dr.
B._
)
-
17. Mai bis 12. Juli / 16. August bis 27. September 2017 (Dr.
E._
)
-
10. Januar bis 21. Februar 2018 (Dr.
E._
)
5.
5.1
In der angefochtenen Verfügung wurde
aktenwidrig
ausgeführt, das Gutachten komme zum Ergebnis, dass keine gesundheitlichen Einschränkungen vorlägen, welche die Arbeitsfähigkeit einschränkten (Urk. 2 S. 2 oben).
Dies ist - nachdem im Gutachten eine vollständige
Arbeits
un
fähigkeit in der angestammten Tätigkeit und
eine solche von 65-75 %
in einer Verweistätigkeit
attestiert wurde (vorstehend E. 4.1) - in derart krasser Weise unzutreffend, dass näher zu untersuchen ist, wie sich die
Entscheidfindung
der Beschwerdegegnerin zugetragen hat.
5.2
Nach Eingang des Gutachtens und dessen Kommentierung durch den RAD-Orthopäden (vorstehend E. 4.4) wurde in einer Stellungnahme des Rechtsdienstes (RD) vom 3. Juli 2018 (Urk. 10/223 S. 5
f.) ausgeführt, zwar bestünden
starke Hinweise darauf, dass aktuell ein Anlass für eine Revision der Rente gegeben
sei
.
«
Allerdings reichen für eine Rentenaufhebung die vorliegenden Akten und medi
zinischen Unterlagen nicht aus» (S. 5 Mitte). Das Gutachten erweise sich aus näher dargelegten Gründen nicht als nachvollziehbar.
«
Bevor eine Verfügung hinsicht
lich Bestätigung oder Aufhebung der Rente überhaupt möglich ist,
sind demzu
folge die medizinischen Akten zu
vervollständigen.
»
(S. 5 unten).
Es
seien
Berichte der aktuellen
Behandler, insbesondere des aktuellen Psychiaters, einzufordern und der RAD zur Stellungnahme zu diesen Berichten einzubeziehen (S. 5 f.).
Nach Eingang der Berichte von Prof.
D._
(vorstehend E. 4.2) und Dr.
E._
(vorstehend E. 4.3) wurde am 11. Oktober 2018 im Feststellungsblatt - seitens der Sachbearbeitung, wie aufgrund des Kürzels anzunehmen ist - Folgendes ausge
führt (Urk. 10/223 S. 8 oben):
Aufgrund der bisher vorliegenden Akten liegt ein Revisionsgrund vor und
[die]
Rente könnte aufgehoben werden. Die geltend gemachten neuen gesund
heitlichen Einschränkungen sind nicht nachvollziehbar und sind teilweise durch Ereignisse im Ausland entstanden.
Eine Renten-Aufhebung wäre in diesem Fall trotz des langen Rentenbezugs und des fortgeschrittenen Alters eine Option. Aus dem aktuellen
Medas
-GA geht klar hervor, dass keine Einschränkungen mehr bestehen, welche eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit haben.
Nach einer internen Besprechung mit dem Rechtsdienst wurde sodann am 7. Juni 2019
im Feststellungsblatt (Urk. 10/223)
festgehalten, es gebe i
n diesem
Fall diverse Inkonsistenzen. Das Gutachten sei nicht zweifelsfrei nachvollziehbar, ebenfalls seien die darin genannten Diagnosen und Einschränkungen nicht nach
vollziehbar. Die zur Einschränkung der Arbeitsfähigkeit gemachten Angaben seien ungenau (S. 9 oben). Es sei deshalb eine ergänzende psychiatrische Stellungnahme seitens des RAD einzuholen (
S. 9 Mitte). Dies
e
wurde schliesslich von Dr.
G._
am 29. Juli 2019 abgegeben (vorstehend E. 4.5).
Dies führte zur folgenden Begründung in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2 S. 2):
Die Angaben zur Arbeitsunfähigkeit im erstellten ärztlichen Gutachten vom 2. November 2017 basieren ausschliesslich auf dem psychiatrischen und dem neuropsychologischen Teilgutachten. Die Untersucher in den körperlichen Fach
gebieten haben durchwegs eine volle Arbeitsfähigkeit attestiert.
In der psychiatrischen Stellungnahme unseres ärztlichen Dienstes vom 29. Juli 2019 wurde bereits genauer auf die Problematik der verschiedenen Aussagen zur Arbeitsfähigkeit in den vorhanden medizinischen Unterlagen eingegangen.
Die Aussagen des behandelnden Neurologen und des Allgemeinmediziners ändern nichts an der ergänzenden psychiatrischen Stellungnahme unseres ärzt
lichen Dienstes. Der äusserst knappe Bericht des behandelnden Psychiaters vom 16. August 2018 ist insgesamt nicht verwertbar. Daher ergibt sich auch durch diesen keine andere Beurteilung zum medizinischen Sachverhalt.
5.3
Aus dem Dargelegten ergibt sich der folgende
Entscheidfindungsprozess
der Beschwerdegegnerin:
-
Am 3. Juli 2018 lautete die Einschätzung, die vorliegenden Akten reichten für eine Rentenaufhebung nicht aus, das Gutachten erweise sich «nicht als
nachvollziehbar», es seien zusätzlich Berichte von behandelnder Seite einzuholen.
-
Nach Eingang von zwei Behandler-Berichten lautete die Einschätzung am 11. Oktober 2018, aufgrund «der bisher vorliegenden Akten» liege ein Revisionsgrund vor.
Inwiefern die zusätzlich eingegangenen Berichte (vorstehend E. 4.2 und 4.3) hätten geeignet sein können, reale oder vermeintliche Mängel des Gutachtens zu beheben, wurde nicht ausgeführt, was insofern nicht erstaunt, als sie sich offensichtlich dazu auch nicht eigne
te
n. Ebenso wurde nicht ausgeführt, inwiefern sich aus diesen Berichten - im Unter
schied zum Gutachten - auf das Vorliegen eines Revis
i
onsgrundes schlies
sen las
sen sollte.
-
Am 7. Juni 201
9
lautete die Einschätzung, die Angaben im Gutachten zur Arbeitsunfähigkeit seien ungenau, das Gutachten sei «nicht zweifelsfrei nachvollziehbar», die darin genannten Diagnosen und Einschränkungen seien «nicht nachvollziehbar»
. Deshalb sei ein
e
psychiatrische RAD-Stellungnahme einzuholen.
-
Die RAD-Psychiaterin führte schliesslich am 30. Juli 2019 aus, aus näher dargelegten Gründen könne dem psychiatrischen Teilgutachten «in keiner Weise» gefolgt werden (vorstehend E. 4.5).
5.4
Damit die Aufhebung einer bisher ausgerichteten Rente rechtmässig ist, muss - von hier nicht in Betracht fallenden Ausnahmen abgesehen - ein Revisi
onsgrund nachgewiesen sein, mithin eine wesentliche Änderung des Gesund
heitszustandes (vorstehend E. 1.1). Überdies sind bei einer Bezugsdauer von 15 und mehr Jahren oder Versicherten, die
wie der Beschwerdeführer
55-jährig und älter sind, besondere Anforderungen der Rechtsprechung zu beachten (vorstehend E. 1.2).
5.5
Abgesehen davon, dass die Besonderheiten bei einer Rentenaufhebung in der hier gegebenen Konstellation ignoriert wurden, ist auch das Vorliegen einer wesent
lichen Änderung des Gesundheitszustandes als Grundvoraussetzung für eine revisionsweise Aufhebung nicht ausgewiesen.
Die Beschwerdegegnerin hat das von ihr eingeholte Gutachten (in welchem immerhin
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit und eine solche von 65-75 % in einer Verweistätigkeit attestiert wurde
und welches entgegen der Beurteilung der Beschwerdegegnerin grundsätzlich den praxisgemässen Anforderungen [E. 1.3] zu genügen vermag
) wiederholt und auch im Ergebnis als nicht verwertbar qualifiziert (vorstehend E. 5.3).
Die Beschwerdegegnerin scheint daraus zu schliessen, es sei der Nachweis einer Verbesserung von Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit erbracht. Dies ist aber keineswegs der Fall. Ist das eingeholte Gutachten
nach Ansicht der
Beschwerdegegnerin
nämlich nicht verwertbar, fehlt es - abgesehen von den Berich
ten von behandelnder Seite - gänzlich an aussagekräftigen medizinischen Beurteilungen. Insbesondere ist schon gar keine den praxisgemässen Anforde
rungen (vorstehend E. 1.3) genügende ärztliche Beurteilung ersichtlich, die eine Verbesserung von Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit belegen würde.
5.6
Damit erweist sich die revisionsweise Aufhebung der Rente als unrechtmässig un
d
die entsprechende Verfügung ist in Gutheissung der dagegen erhobenen Beschwerde aufzuheben.
6.
6.1
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Inva
lidenversicherung (IVG) sind ermessensweise auf Fr. 700.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Der unentgeltliche Rechtsvertreter hat
mit
Honorarnote
vom 18. August 2020
(Urk. 1
6
)
einen Aufwand von 6 Stunden und 15 Minuten sowie Barauslagen von Fr. 36.50 geltend gemacht
. Mithin
ist er von der Beschwerdegegnerin mit Fr.
1'520.15
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
zu entschädigen
.