# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 12636171-6d57-4fc4-b929-3dee82d85386
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Die 1984 geborene X._ meldete sich am 19. März 2013 (Ein
gangs
datum) unter Hinweis auf Persönlichkeitsstörungen und eine rezi
di
vierende depressive Erkrankung bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 10/3). Diese klärte die erwerblichen Verhältnisse ab (Urk. 10/7-8) und zog Berichte der behan
delnden Ärzte (Urk. 10/10, 10/21) sowie die Akten des Krankentaggeldversi
cherers (Urk. 10/12, 10/36) bei. Die Versicherte legte weitere Arztberichte auf (Urk. 10/18). In der Folge zog die IV-Stelle erneut Berichte der behandelnden Ärzte bei (Urk. 10/30-31, 30/34, 10/45). Mit Schreiben vom 21. November 2014 auferlegte sie der Versicherten eine Schadenminderungspflicht in Form einer Entzugsbehandlung (Urk. 10/53). Nach durchgeführtem Vorbescheid
verfahren, in dessen Rahmen die Versicherte zwei weitere Arztberichte auf
legte (Urk. 10/63, 10/74), verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 18. Dezember 2015 einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversiche
rung (Urk. 2 [= 10/86]).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 1. Februar 2016 Beschwerde am hiesigen Sozialversicherungsgericht und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr ab dem frühest möglichen Zeitpunkt eine Rente zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache zu weiteren Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen (Urk. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 8. März 2016 schloss die IV-Stelle auf Abwei
sung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 15. März 2016 angezeigt wurde. Gleichzeitig wurde das Gesuch um Ge
währung der unentgeltlichen Prozessführung bewilligt und Advokatin lic. iur. Karin Wüthrich als unentgeltliche Rechtsvertreterin bestellt (Urk. 11).

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts;
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesge
setzes über die Invalidenversicherung;
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsge
mäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krankheitswert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. No
vember 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesge
richts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeits
fähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.3
Nach der Rechtsprechung führt Drogensucht (wie auch Alkoholismus und Medikamentenmissbrauch) als solche nicht zu einer Invalidität im Sinne des Gesetzes. Dagegen wird sie im Rahmen der Invalidenversicherung relevant, wenn sie eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher oder geistiger, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesund
heitsschaden eingetreten ist, oder wenn sie selber Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens ist, dem Krankheitswert zukommt (BGE 124 V 265 E. 3c). Aus letzterem Leitsatz folgt nicht, dass die Aus
wirkungen einer Drogensucht, die ihrerseits auf einen Gesundheits
schaden zurückgeht, per se invaliditätsbegründend sind. Die zitierte Praxis setzt viel
mehr den Grundsatz um, dass funktionelle Einschränkungen nur anspruchs
begründend sein können, wenn sie sich als Folgen selbständiger Gesund
heits
schä
digungen darstellen (Art. 6 ff. ATSG und Art. 4 Abs. 1 IVG). Insofern verhält es sich ähnlich wie im Verhältnis zwischen psychosozialen oder soziokultu
rellen Umständen und fachärztlich festgestellten psychischen Störungen von Krankheitswert (BGE 127 V 294 E. 5a): Wo die Gutachter im Wesentlichen nur Befunde erheben, welche in der Drogensucht ihre hin
reichende Erklärung finden, gleichsam in dieser aufgehen, ist kein invalidi
sierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben. Dies trifft zu, wenn davon auszugehen ist, dass sich beispielsweise ein depressives Zustands
bild bei einer (angenommenen) positiven Veränderung der sucht
bedingten psycho
sozialen Problematik wesentlich bessern (und die damit verbundene Beeinträchtigung des Leistungsvermögens sich ent
sprechend verringern) würde (Urteil des Bundes
gerichts 8C_582/2015 vom 8. Oktober 2015 E. 2.2.1 unter Hinweis auf 8C_580/2014 vom 11. März 2015 E. 2.2.1 und 9C_856/2012 vom 19. August 2013 E. 2.2.1).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreivier
telsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Auf
gabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.6
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurtei
lung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfü
gung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massge
bende funktionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allge
meinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesge
richts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht
gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Ver
waltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu ent
scheiden haben
-
den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizi
nischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Unter
suchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
RAD-Berichte sind versicherungsinterne Dokumente, die von Art. 44 ATSG betreffend Gutachten nicht erfasst werden; die in dieser Norm vorgesehenen Verfahrensregeln entfalten daher bei Einholung von RAD-Berichten keine Wirkung (Urteil des Bundesgerichts 8C_385/2014 vom 16. September 2014 E. 4.2.1 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.4).
Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schlussfolgerungen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bundesgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni 2013 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem externer medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versicherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD
Be
richte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bun
des
gerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid wurde erwogen, die Abklärungen hätten erge
ben, dass keine invalidenversicherungsrechtlich relevante Gesundheits
schä
digung vorliege. Es lägen ein unklarer Drogenkonsum sowie psycho
soziale Belastungsfaktoren vor, die invaliditätsfremd seien. Damit sei ein Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung zu verneinen (Urk. 2).
2.2
Demgegenüber bringt die Beschwerdeführerin vor, sie habe seit dem Jahr 2013 mehrfach stationär hospitalisiert werden müssen. Von diversen Fach
ärzten seien schwerwiegende psychiatrische Krankheiten diagnostiziert wor
den. Seit Jahren sei sie vollständig arbeitsunfähig und könne aufgrund ihrer psychischen Verfassung weiterhin keiner Arbeit nachgehen. Dies ergebe sich auch aus den eingeholten Arztberichten. Bei ihrem Drogenkonsum handle es sich um ein sekundäres Suchtgeschehen. Nur weil sie sich nicht mehr zu helfen gewusst habe, habe sie Drogen genommen. Inzwischen sei sie jedoch abstinent (Urk. 1).
3.
3.1
3.1.1
Im Bericht der Y._ AG vom 29. April 2013 über den stationären Aufenthalt der Beschwerdeführerin vom 9. Januar bis 2. April 2013 wurden folgende psychiatrischen Diagnosen aufgeführt (Urk. 10/18 S. 4):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10: F 33.1)
-
kombinierte und andere Persönlichkeitsstörungen (ICD-10: F 61)
Die Ärzte führten aus, die vorbestehende rezidivierende depressive Erkran
kung könne bestätigt werden. Weiter liege eine kombinierte Persönlichkeits
störung mit emotional instabilen sowie abhängigen Anteilen vor. Die Per
sön
lichkeitsstruktur zeige auch histrionische Anteile, die jedoch weniger prominent erscheinen würden. Anfangs habe der Verdacht auf eine bipolare Störung bestanden, welche indessen unter Zuhilfenahme fremdanamnesti
scher Daten nicht habe bestätigt werden können. Der Zustand der Patientin habe sich schnell stabilisiert. Es sei ihr gut gelungen, sich auf die Therapien einzulassen (Urk. 10/18 S. 6).
Die Patientin sei im Zeitpunkt des Austritts überzeugt gewesen, dass sie im Herbst ihre Treuhänderausbildung beginnen würde. Zur Tagesstrukturierung würde sie zu einem geringen prozentualen Anteil in der Buchhaltung der Firma ihres Vaters arbeiten, wobei es ihr Ziel sei, längerfristig eine andere Arbeitsstelle zu finden (Urk. 10/18 S. 6-7).
3.1.2
Im Bericht der Y._ AG vom 5. August 2013 über den stationären Aufenthalt vom 23. bis 29. Juli 2013 wurden folgende Diagnosen aufgeführt (Urk. 10/36 S. 12):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10: F 33.4)
-
kombinierte und andere Persönlichkeitsstörungen (ICD-10: F 61)
-
psychische und Verhaltensstörungen durch Cannabinoide: schädlicher Gebrauch (ICD-10: F 12.1)
-
psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak: Abhängigkeitssyn
drom (ICD-10: F 17.2)
Die behandelnden Ärzte führten aus, Grund für den Wiedereintritt sei eine Dekompensation im Rahmen von mehreren Belastungsfaktoren (Drogen
kon
sum-Rückfall und Konflikte im Umfeld) mit Suizidgedanken und Suizidab
sichten. Bei Eintritt fühle sich die Patientin bereits deutlich entlastet (Urk. 10/36 S. 12).
Sie sei wach und vollständig orientiert. Es bestünden weder Auf
merk
sam
keits- und Auffassungsstörungen noch Konzentrations
störungen. Auch for
male Denkstörungen und Sinnestäuschungen würden nicht vorliegen (Urk. 10/36 S. 13).
Die Patientin zeige sich durch den stationären Rahmen rasch und deutlich entlastet und es komme zu einer deutlichen Stabilisierung ihres Zustands (Urk. 10/36 S. 13).
3.1.3
Im Bericht der Z._ vom 12. August 2013 über den Aufenthalt der Beschwerdeführerin vom 8. bis 12. August 2013 wurde folgende Diagnose genannt (Urk. 10/36 S. 21):
-
Verdacht auf kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional instabi
len, Borderline-Zügen (ICD-10: F 61.0)
Die Patientin berichte von einem Konflikt im privaten Umfeld, der sich innert vier Wochen intensiviert habe. Am Tag zuvor sei es wegen hoher Anspan
nung zu selbstverletzendem Verhalten gekommen. Zusätzlich seien Ein
schlafschwierigkeiten vorhanden (Urk. 10/36 S. 21).
Die Patientin habe sich im gebotenen Rahmen rasch stabilisieren können und von unterstützenden Gesprächen profitiert. Am fünften Tag habe sie regulär in gebessertem Zustand entlassen werden können (Urk. 10/36 S. 22).
3.1.4
Im Bericht der Tagesklinik für Psychotherapie und Sozialpsychiatrie vom 19. September 2013 über den teilstationären Aufenthalt ab 6. Mai 2013 wur
den folgende Diagnosen genannt (Urk. 10/36 S. 11):
-
posttraumatische Belastungsstörung
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung
-
rezidivierende depressive Störung, z.Zt. mittelschweren Ausmasses
Die Patientin sei allseits gut orientiert, die Konzentrations- und Merkfähig
keit seien reduziert. Sie sei emotional instabil, nicht belastbar und ihre Grundstimmung sei deprimiert. Psychotische Symptome würden nicht vor
liegen (Urk. 10/36 S. 11).
Zur Arbeitsfähigkeit wurde festgehalten, die Patientin sei seit dem 25. März 2013 vollständig arbeitsunfähig. In den nächsten Monaten sei wegen der Schwere der psychiatrischen Erkrankung nicht mit einer Besserung der Arbeitsfähigkeit zu rechnen (Urk. 10/36 S. 11).
3.1.5
Im Bericht der Y._ AG vom 18. Februar 2014 über den stationären Aufenthalt vom 29. November bis 15. Dezember 2013 wur
den folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführt (Urk. 10/30 S. 2):
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen, histrioni
schen und dependenten Anteilen (ICD-10: F 61)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10: F 33.2)
-
psychische und Verhaltensstörungen durch Cannabinoide: Abhängig
keitssyndrom (ICD-10 F 12.2)
-
psychische Störung durch Tabakabhängigkeitssyndrom (ICD-10: F 17.2)
Die Patientin sei vollständig orientiert, habe aber leichte Aufmerksamkeits- und Auffassungsstörungen. Mnestische Störungen lägen nicht vor. Sie zeige Konzentrationsstörungen, Grübelgedanken und sei inhaltlich auf Belas
tungsfaktoren eingeengt (Urk. 10/30 S. 3).
Zur Arbeitsfähigkeit wurde im Bericht vom 18. Februar 2014 festgehalten, die Patientin sei seit dem 29. November 2013 vollständig arbeitsunfähig. Die bisherige Tätigkeit sei ihr jedoch zumutbar, es könne mit einer Wiederauf
nahme der beruflichen Tätigkeit gerechnet werden. Wann diese erfolgen könne, könne nicht beurteilt werden, da sich die Patientin zurzeit in einer stationären Behandlung in der A._ befinde (Urk. 10/30 S. 4-5).
3.1.6
Im Bericht der A._ vom 25. April 2014 über die Hospitalisation vom 27. Januar bis 3. April 2014 wurden folgende Diagnosen aufgeführt (Urk. 10/34 S. 1):
-
komplexe posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F 43.1)
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F 61.0)
-
anamnestisch rezidivierende depressive Störung (ICD-10: F 33)
Die Patientin sei bewusstseinsklar, zeitlich, örtlich und situativ voll orientiert. Konzentrationsstörungen seien während dem Gespräch nicht auszumachen. Das Langzeitgedächtnis und die Merkfähigkeit seien reduziert. Das formale Denken sei kohärent, geordnet und nachvollziehbar. Hinweise auf Zwangs
gedanken oder Zwangshandlungen bestünden nicht (Urk. 10/34 S. 3).
Die Patientin nehme aktiv und motiviert am traumaadaptierten Intensivpro
gramm teil. Sie arbeite in hohem Tempo an ihren Zielen und profitiere besonders vom Milieu und der Auseinandersetzung mit Mitpatienten und Bezugspersonen. Durch ihre hohe Motivation und Introspektionsfähigkeit habe sie während des Aufenthaltes sowohl bezüglich Selbstwert und Be
ziehungsgestaltung als auch bezüglich Bearbeitung traumarelevanter Trigger Fortschritte erzielt (Urk. 10/34 S. 4-5).
Zur Arbeitsfähigkeit wurde festgehalten, während des Aufenthaltes vom sei sie zu 100 % arbeitsunfähig gewesen. Die Arbeitsunfähigkeit sei auch nach dem Austritt zu 100 % gegeben (Urk. 10/34 S. 5).
3.1.7
Im Bericht der O._ vom 3. Oktober 2014 über die ambulante Behandlung seit April 2014 wurden folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführt (Urk. 10/45 S. 2):
-
komplexe posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F 43.1)
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F 61.0)
-
anamnestisch rezidivierende depressive Störung (ICD-10: F 33)
-
Status nach Bulimie 2004
-
schädlicher Gebrauch von MDMA (ICD-10: F 15.1)
-
schädlicher Gebrauch von LSD (ICD-10: F 16.1)
Die Patientin sei wach, bewusstseinsklar und allseits voll orientiert. Subjektiv bestehe eine eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit, die während des Gesprächs nicht ersichtlich sei. Das Langzeitgedächtnis und die Merkfähig
keit seien reduziert. Das formale Denken sei kohärent, geordnet und nach
vollziehbar. Die Patientin berichte über Verlustängste gegenüber ihrer Fami
lie, sie habe auch Ängste um ihre Mutter und Angst vor dem Alleinsein (Urk. 10/45 S. 3).
Zur Arbeitsfähigkeit wurde festgehalten, die Patientin sei seit dem 26. Oktober 2012 vollständig arbeitsunfähig. Die bisherige Tätigkeit sei ihr nicht mehr zumutbar. Durch eine adäquate Behandlung könne die Arbeitsfä
higkeit mittel- bis langfristig verbessert werden (Urk. 10/45 S. 4-10).
3.2
Med. pract. B._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, nahm am 18. August 2014 und 12. November 2014 für den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) Stellung zu den aktenkundigen Arztberichten. Er führte aus, aus den Berichten der Y._ AG gehe hervor, dass der psychische Befund bis auf „kreisende Gedanken“ unauffällig sei. Es werde von psycho
sozialen Belastungsfaktoren berichtet, insbesondere von der Ehetrennung und Scheidung. Die kombinierte Persönlichkeitsstörung sei biografisch nicht belegt, weshalb von einer Anpassungsstörung (ICD-10: F 43.2) auszugehen sei. Im Bericht der A._ werde eine komplexe post
traumatische Belastungsstörung diagnostiziert, ohne dass ein katastrophales Ereignis genannt werde, weshalb aus versicherungspsychiatrischer Sicht nicht von einer posttraumatischen Belastungsstörung ausgegangen werde könne. Auch in diesem Bericht werde die Persönlichkeitsstörung nicht belegt. Zum Bericht der O._ hielt er fest, der Drogenkonsum sei in früheren Berichten nicht erwähnt worden. Aus der allgemeinen Anamnese könne jedoch nicht auf eine frühere gravierende Erkrankung geschlossen werden, weshalb kein sekundäres Suchtgeschehen vorliege (Urk. 10/52 S. 4
6).
4.
4.1
Die IV-Stelle stützte sich bei ihrem Entscheid auf die Einschätzung des RAD
Arztes
und ging davon aus, dass kein invalidisierender Gesundheits
schaden vorliege. Die Ausführungen von med. pract. B._ sind grundsätz
lich nachvollziehbar. Vorliegend spielen psychosoziale Belastungsfaktoren wohl eine massgebliche Rolle. So wird in den Arztberichten mehrmals auf die schwierige psychosoziale Belastungssituation hingewiesen, die zur Dekom
pensation und schliesslich zum Eintritt in die Kliniken geführt habe
(Urk. 10/10
,
10/12 S. 9
,
10/36 S. 21)
.
Auch die geäusserte Kritik an der Diagnose der posttraumatischen Belastungs
störung erscheint schlüssig. Zwar wurde in verschiedenen Arztbe
richten eine solche diagnostiziert
(Urk.
10/36 S. 11, 10/34 S. 1, 10/45 S. 2)
. H
insichtlich des Traumas
wurde dabei auf einen Motorradunfall im 15.
Lebensjahr, die Bedrängung durch den Freund einer Kollegin in den Ferien und die Gewalterfahrung in der Ehe hingewiesen (Urk. 10/34 S. 2). Die behandelnden Ärzte der Klinik
C._
schil
derten in ihrem Bericht vom 19.
Februar 2015 körperliche Misshandlungen während der Ehe, Mobbinger
fahrungen während der gesamten Schulzeit und sexuelle Übergriffe im Alter von 16 und 17 Jahren (
Urk.
10/63 S. 1).
Gemäss den ICD-Kriterien entsteht eine posttraumatische Belastungsstörung als eine verzögerte oder protrahierte Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation kürzerer oder längerer Dauer, mit aussergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmass, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde. Der Beginn folgt dem Trauma mit einer Latenz, die wenige Wochen bis Monate dauern kann (vgl. Weltgesundheits
or
ga
nisation, Lexikon zur ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen, S. 107). Gemäss Angaben der behandelnden Ärzte erlebte die Beschwerde
führerin in ihrer Kindheit und Jugend diverse traumatische Ereignisse. Da der Krankheitsbeginn mit einer Latenz von maximal einigen Monaten erfolgt, hätte der Krankheitsverlauf daher bereits vor Jahren einsetzen müssen. Dagegen spricht indessen der Umstand, dass die Beschwerdeführerin bis im Jahr 2012 einen erfolgreichen privaten und beruflichen Werdegang verfolgte (Urk. 10/8) und nicht in regelmässiger psychotherapeutischer Behandlung war. Inso
weit
geltend gemacht wird
, die posttraumatische Belas
tungsstörung sei erst mit mehrjähriger Verzögerung aufgetreten, ist darauf hinzuweisen, dass solche raren Konstellationen aufgrund dessen, dass in der Invalidenver
sicherung zwangsläufig eine gewisse Objektivierung verlangt wird, ausser Betracht bleiben müssen (Urteil des Bundesgerichts 9C_228/2013 vom 26. Juni 2013 E. 4.1.3).
Aus diesen Gründen erscheint fraglich, ob von einer posttraumatischen Belastungsstörung ausgegangen werden kann, insbeson
dere auch, weil die Geschehnisse während ihrer Ehe objektiv kaum als
Ereig
nisse von aussergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmass
angesehen werden können
.
4.2
Auch wenn die Ausführungen von med. pract. B._ grundsätzlich ein
leuch
ten, ist zu berücksichtigen, dass er lediglich gestützt auf die Akten eine Beurteilung vornahm und selbst keine allseitigen und umfassenden Unter
suchungen tätigte. Solche sind im vorliegenden Fall jedoch unabding
bar für eine beweiskräftige Beurteilung (
BGE 134 V 231
E. 5.1
).
Vor dem Hinter
grund, dass die Beschwerdeführerin seit einiger Zeit in psychothera
peutischer Behandlung steht und bereits mehrere Male stationär behandelt wurde, erscheint die medizinische Sachlage deshalb nur ungenügend abge
klärt. Die IV-Stelle wäre gehalten gewesen, medizinische Abklärungen zu veranlassen, die eine allseitige Untersuchung beinhalten.
4.3
Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 18. Dezember 2015 aufzuheben und die Sache an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit diese ein unabhängiges psychiatrisches Gutachten einhole und anschliessend über den Leistungsanspruch der Versicherten neu verfüge.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Gestützt auf Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kanto
nalen Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert unter Berücksichti
gung des gesetzlichen Rahmens auf Fr.
6
00.-- festzusetzen.
5
.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten der Beschwerde
gegnerin aufzuerlegen sind.
5.3
Ausgangsgemäss hat die vertretene Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Prozessentschädigung, wobei diese direkt de
r
ihr mit Verfügung vom
15. März 2016
(Urk. 1
1
) für das vorliegende Verfahren bestellten unentgeltli
chen Rechtsvertreter
in
,
Advokatin lic. iur. Karin Wüthrich
, zuzusprechen ist.
Entsprechend der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Pro
zesses ist
die
unentgeltliche Rechtsvertreter
in
mit Fr. 1‘
4
00.-- aus der Gerichts
kasse zu entschädigen.