# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 1e990faa-910a-4b4e-bf03-ddf1484b4557
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Misswirtschaft etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dietikon, Einzelgericht in Strafsachen, vom 11. Juli 2018 (GB180009)
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Strafbefehl:
Der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 26. Februar 2018
(Urk. 12) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der Misswirtschaft im Sinne von Art. 165 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 29 StGB;
− der Unterlassung der Buchführung im Sinne von Art. 166 StGB in  mit Art. 29 StGB;
− des fahrlässigen rechtswidrigen Aufenthalts im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. b AuG in Verbindung mit Art. 115 Abs. 3 AuG;
− des mehrfachen Ungehorsams des Schuldners im Betreibungs- und Konkursverfahrens im Sinne von Art. 323 Ziff. 2 StGB in Verbindung mit Art. 29 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu
je Fr. 30.– sowie mit einer Busse von Fr. 2'000.–.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt. Die Busse ist zu bezahlen.
4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 20 Tagen.
5. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 600.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'000.– Gebühr für das Vorverfahren.
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten
6. Rechtsanwalt Dr. iur. X._ wird für seine Aufwendungen als amtlicher
Verteidiger des Beschuldigten aus der Gerichtskasse mit Fr. 3'624.65 (inkl.
Barauslagen und 8 % bzw. 7.7 % MwSt.) entschädigt.
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7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten
auferlegt.
8. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 46)
1. Herr A._ sei vollumfänglich freizusprechen.
2. Unter ausgangsgemässer Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl.
MwSt.)
b) Der Staatsanwaltschaft Limmattal /Albis:
(Urk. 42, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
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## Considerations

Erwägungen:
I. (Prozessgeschichte/Prozessuales)
1. Die Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis verurteilte den Beschuldigten
und Berufungskläger (nachfolgend Beschuldigter) mit Strafbefehl vom 26. Februar
2018 wegen Misswirtschaft im Sinne von Art. 165 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit
Art. 29 StGB, Unterlassung der Buchführung im Sinne von Art. 166 StGB in Ver-
bindung mit Art. 29 StGB, mehrfachen Ungehorsams des Schuldners im Betrei-
bungs- und Konkursverfahrens im Sinne von Art. 323 Ziff. 2 StGB in Verbindung
mit Art. 29 StGB sowie wegen fahrlässigen rechtswidrigen Aufenthalts im Sinne
von Art. 115 Abs. 1 lit. b AuG in Verbindung mit Art. 115 Abs. 3 AuG und bestrafte
ihn mit einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu je Fr. 80.– (entsprechend
Fr. 8'000.–), unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren, sowie mit einer
Busse von Fr. 2'000.– (Urk. 12).
2. Am 7. März 2018 erhob der Beschuldigte Einsprache gegen den Strafbe-
fehl und reichte neben einem Schreiben seines Rechtsvertreters, RA Dr. iur.
X._, vom 7. November 2016 die Einstellungsverfügung des Statthalteramts
Bezirk Dietikon vom 8. März 2017 ein, gemäss welcher die frühere Strafuntersu-
chung gegen den Beschuldigten wegen Ungehorsams im Betreibungsverfahren
mangels rechtsgenügendem Nachweis eingestellt worden war (Urk. 19). Am
26. März 2018 hielt die Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis am Strafbefehl fest,
ohne weitere Untersuchungshandlungen vorgenommen zu haben, und überwies
die Akten dem Bezirksgericht Dietikon, Einzelgericht, zur Durchführung des
Hauptverfahrens (Urk. 22).
3. Mit Urteil des Einzelrichters am Bezirksgericht Dietikon (nachfolgend Vor-
instanz) vom 11. Juli 2018 wurde der Beschuldigte entsprechend der Anklage der
Misswirtschaft, der Unterlassung der Buchführung, des mehrfachen Ungehorsams
des Schuldners im Betreibungs- und Konkursverfahrens sowie des fahrlässigen
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rechtswidrigen Aufenthalts schuldig gesprochen und mit einer Geldstrafe von
100 Tagessätzen zu je Fr. 30.– (entsprechend Fr. 3'000.–), unter Ansetzung einer
Probezeit von zwei Jahren, sowie mit einer Busse von Fr. 2'000.– bestraft. Ferner
wurden die Kosten des Vorverfahrens und des erstinstanzlichen Verfahrens dem
Beschuldigten auferlegt sowie die Kosten seines amtlichen Verteidigers, unter
Vorbehalt der Rückforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO, auf die Gerichtskasse
genommen (Urk. 30 und 37).
4. Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte am 19. Juli 2018 rechtzeitig
Berufung an (Urk. 33). In seiner Berufungserklärung vom 30. Oktober 2018 ficht
er das Urteil der Vorinstanz in den Dispositivziffern 1 (Schuldspruch), 2 (Strafzu-
messung), 3 (Gewährung bedingter Strafvollzug), 4 (Ersatzfreiheitsstrafe bei
Nichtbezahlung der Busse), 7 (Kostenauflage) und 8 (Vorbehalt der Rückforde-
rung der Kosten der amtlichen Verteidigung) an. Mit der Berufung verlangt der
Beschuldigte einen vollumfänglichen Freispruch mit den entsprechenden Folgen
bezüglich Kosten und Entschädigung. Beweisanträge stellte er keine (Urk. 38).
5. In der Folge holte die II. Strafkammer des Obergerichts einen aktuellen
Strafregisterauszug des Beschuldigten ein (Urk. 39) und forderte ihn auf, Unterla-
gen zu seinen finanziellen Verhältnissen einzureichen (Urk. 40), welcher Aufforde-
rung er keine Folge leistete.
6. Mit Eingabe vom 13. November 2018 beantragte die Staatsanwaltschaft,
das vorinstanzliche Urteil sei zu bestätigen, verzichtete auf Beweisanträge und
ersuchte um Dispensation von der Berufungsverhandlung (Urk. 42). Da die An-
klagebehörde selber kein Rechtsmittel ergriffen hat und bei einem allfälligen
Schuldspruch aufgrund des Verbotes der Schlechterstellung (reformatio in peius,
Art. 391 Abs. 2 StPO) eine Bestrafung mit maximal 100 Tagessätzen Geldstrafe
droht, besteht keine Erscheinungspflicht für die Staatsanwaltschaft (Art. 405
Abs. 3 StPO i.V.m. Art. 337 Abs. 3 StPO), weshalb sich eine Dispensation erüb-
rigt und deren Vertreter das Erscheinen in der Vorladung freigestellt wurde
(Urk. 44).
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7. Gemäss Art. 402 i.V.m. Art. 437 StPO wird die Rechtskraft des angefoch-
tenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Da der Beschuldigte seine Be-
rufung auf die Ziffern 1, 2, 3, 4, 7 und 8 des Dispositivs beschränkt, bleibt das vor-
instanzliche Urteil bezüglich der Dispositivziffern 5 (Kostenfestsetzung) und 6
(Höhe der Entschädigung der amtlichen Verteidigung) unangefochten. Es ist da-
her vorab mit Beschluss festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil hinsichtlich
dieser Ziffern in Rechtskraft erwachsen ist. In den angefochtenen Punkten ist das
Urteil im Sinne von Art. 398 Abs. 2 StPO umfassend zu prüfen.
8. Die Parteien wurden auf den 12. April 2019 zur Berufungsverhandlung
vorgeladen (Urk. 44), zu welcher der Beschuldigte in Begleitung seines amtlichen
Verteidigers erschien (Prot. II S. 3).
II. (Zur Berufung im Einzelnen)
1. Da der Beschuldigte einen vollumfänglichen Freispruch verlangt, ist im
Nachfolgenden hinsichtlich jedes Anklagevorwurfs zu prüfen, ob sich dieser an-
hand der Akten sowie den Ausführungen des Beschuldigten und seines Verteidi-
gers anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung erstellen lässt. Die Delikte
werden entsprechend der Reihenfolge im Urteil der Vorinstanz behandelt.
2. Vorab ist in Ergänzung der Erwägungen im vorinstanzlichen Urteil kurz
festzuhalten, dass der Grundsatz "in dubio pro reo" als Beweiswürdigungsregel
besagt, dass sich das Strafgericht bzw. Berufungsgericht nicht von einem für den
Beschuldigten ungünstigen Sachverhalt überzeugt erklären darf, wenn bei objek-
tiver Betrachtung erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel bestehen, ob
sich der Sachverhalt so verwirklicht hat. Bloss abstrakte und theoretische Zweifel
genügen nicht, weil solche immer möglich sind. Relevant sind mithin nur unüber-
windliche Zweifel, d.h. solche, die sich nach der objektiven Sachlage aufdrängen
(Art. 32 Abs. 1 BV, Art. 6 Ziff. 2 EMRK und Art. 10 Abs. 3 StPO; BGE 138 V 74
E. 7; BGer 6B_804/2017 vom 23. Mai 2018 E. 2.2.1). Der Grundsatz "in dubio pro
reo" besagt indes nicht, dass bei sich widersprechenden Beweismitteln unbese-
hen auf den für den Angeklagten günstigeren Beweis abzustellen ist. Die Ent-
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scheidregel kommt nur zur Anwendung, wenn nach erfolgter Beweiswürdigung
insgesamt relevante Zweifel verbleiben (BGer 6B_1107/2018 vom 11.12.2018;
6B_824/2016 vom 10. April 2017 E. 13.1).
3.1. Der Beschuldigte rügt in Bezug auf den Vorwurf des fahrlässigen
rechtswidrigen Aufenthalts im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. b AuG i.V.m. Art. 115
Abs. 3 AuG, er habe zwar vergessen, die Verlängerung der Aufenthaltsbewilli-
gung zu beantragen, aber es könne doch nicht sein, dass er deswegen wegen il-
legalen Aufenthalts verurteilt werde (Prot. II S. 20 f., Urk. 46 S. 5).
Vorab ist darauf hinzuweisen, dass das Bundesgesetz über Ausländerinnen
und Ausländer (AuG) auf den 1. Januar 2019 geändert wurde. Neu heisst es
Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration
(AIG). Materiell hat sich, so weit für das vorliegende Verfahren von Belang, nichts
geändert, weshalb weiterhin die Bestimmungen des AuG anzuwenden sind (vgl.
Art. 126 Abs. 4 AIG).
3.2. Die Vorinstanz stützte ihre Verurteilung wegen fahrlässigen rechtswidri-
gen Aufenthalts im Wesentlichen auf das Geständnis des Beschuldigten im Vor-
verfahren sowie an der Hauptverhandlung und hielt fest, dass sich das Geständ-
nis mit dem übrigen Untersuchungsergebnis decke (Urk. 37 S. 4).
3.3. Des fahrlässigen rechtswidrigen Aufenthalts im Sinne von Art. 115
Abs. 1 lit. b und Abs. 3 AuG macht sich schuldig, wer sich rechtswidrig, nament-
lich nach Ablauf des bewilligungsfreien oder des bewilligten Aufenthalts, in der
Schweiz aufhält. Art. 59 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbs-
tätigkeit (VZAE) bestimmt, dass das Gesuch um Verlängerung der Aufenthalts-
bewilligung spätestens 14 Tage vor Ablauf der Gültigkeitsdauer eingereicht wer-
den muss. Wurde das Verlängerungsgesuch eingereicht, darf sich die betroffene
Person während des Verfahrens in der Schweiz aufhalten, sofern keine abwei-
chende Verfügung getroffen wurde.
Im Rahmen der Beweiswürdigung sind die Aussagen des Beschuldigten an-
lässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 23. Februar 2018, der
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Hauptverhandlung vor Vorinstanz sowie an der heutigen Berufungsverhandlung
(Urk. 3 S. 11 f., Prot. I S. 10 und Prot. II. 20 f.), die Strafanzeige des Migrations-
amts, das Verlängerungsgesuch des Beschuldigten für seine Aufenthaltsbewilli-
gung B sowie eine Kopie seiner neuen, bis 1. Juni 2018 gültigen Aufenthaltsbewil-
ligung, zu berücksichtigen (ND 2 Urk. 3/1-3). Weitere Beweismittel bestehen nicht.
Am 17. November 2017 reichte das Migrationsamt des Kantons Zürich
Strafanzeige gegen den Beschuldigten ein, weil dieser erst am 13. September
2016 ein Verlängerungsgesuch seiner bis 1. Juni 2016 gültigen Aufenthaltsbewil-
ligung B gestellt habe. Damit habe er Art. 59 VZAE verletzt (ND 2 Urk. 3/1). Das
als Beilage zur Strafanzeige eingereichte Verlängerungsgesuch des Beschuldig-
ten datiert tatsächlich vom 13. September 2016 (ND 2 Urk. 3/2) und bestätigt da-
mit die Behauptungen in der Strafanzeige über den Zeitpunkt der Einreichung des
Verlängerungsgesuchs. Weiter räumte der Beschuldigte an seiner Befragung
durch die Staatsanwaltschaft ein, er habe vergessen, seine Aufenthaltsbewilli-
gung zu verlängern. Es tue ihm leid. Es sei um den Ausweis C gegangen und er
hätte einen Deutschkurs besuchen müssen. Er brauche das aber nicht, er sei be-
reits seit 1992 in der Schweiz. Auch erklärte er, das Verlängerungsgesuch vom
13. September 2016 unterzeichnet zu haben, und anerkannte ausdrücklich den
Vorhalt, sich 103 Tage, nämlich vom 1. Juni bis 13. September 2016 ohne gülti-
gen Aufenthaltstitel in der Schweiz aufgehalten zu haben (Urk. 3 S. 11 f.). An der
Hauptverhandlung vor Vorinstanz, hielt er an diesen Ausführungen fest. Er habe
vergessen, das Gesuch einzureichen. Es sei aber nicht einzusehen, weshalb sich
das Migrationsamt nicht vorher bei ihm gemeldet habe. Er habe erklärt, dass er
beim Deutschkurs nicht mitmache, er habe hier die Schulen besucht. Er lasse
sich nicht schikanieren (Prot. I S. 10). Sodann erklärte der Verteidiger an der
Hauptverhandlung vor Vorinstanz, der Beschuldigte sei betreffend des Vorwurfs
des fahrlässigen rechtswidrigen Aufenthalts geständig (Urk. 27 S. 3). An der heu-
tigen Berufungsverhandlung führte der Beschuldigte aus, auch wenn er verges-
sen habe, um die Verlängerung des Aufenthaltsbewilligung zu ersuchen, so bean-
trage er doch einen Freispruch (Prot. II S. 20 f.), was auch so von der Verteidi-
gung beantrag wurde (Urk. 46).
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Der Beschuldigte bestreitet damit nicht, dass seine damalige Aufenthaltsbe-
willigung B am 1. Juni 2016 ablief und er das Verlängerungsgesuch erst am
13. September 2016 stellte. Gemäss Art. 59 VZAE hätte er das Gesuch um Ver-
längerung der Aufenthaltsbewilligung spätestens 14 Tage vor Ablauf der Gültig-
keitsdauer einreichen müssen. Erst mit Einreichung des Verlängerungsgesuchs
wurde sein Aufenthalt in der Schweiz bis zum Erlass der neuen Aufenthaltsbewil-
ligung legitimiert. Bei dieser Aktenlage bestehen keine mehr als theoretischen
Zweifel darüber, dass sich der Beschuldigte in der Zeit vom 2. Juni bis 13. Sep-
tember 2016 ohne gültigen Aufenthaltsstatus in der Schweiz aufhielt.
3.4. Dem Beschuldigten wird in tatbeständlicher Hinsicht fahrlässige Bege-
hung vorgeworfen. Fahrlässig handelt, wer die Folge seines Verhaltens aus
pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedenkt oder darauf nicht Rücksicht nimmt
(Art. 12 Abs. 3 StGB). Ein Schuldspruch wegen fahrlässigem rechtswidrigem Auf-
enthalt gemäss Art. 115 Abs. 1 lit. b AuG i.V.m. Art. 115 Abs. 3 AuG setzt voraus,
dass der Täter den Erfolg durch Verletzung einer Sorgfaltspflicht verursacht hat.
Sorgfaltswidrig ist die Handlungsweise, wenn der Täter zum Zeitpunkt der Tat
aufgrund der Umstände sowie seiner Kenntnisse und Fähigkeiten die damit be-
wirkte Gefährdung der Rechtsgüter hätte erkennen können und müssen und
wenn er zugleich die Grenzen des erlaubten Risikos überschritten hat. Erforder-
lich ist zudem, dass der Taterfolg vermeidbar war. Dies ist der Fall, wenn er nach
einem hypothetischen Kausalverlauf bei pflichtgemässem Verhalten des Täters
ausgeblieben wäre. Für die Zurechnung des Erfolgs genügt, dass das Verhalten
des Täters mindestens mit einem hohen Grad an Wahrscheinlichkeit die Ursache
des Erfolgs bildete (BGE 135 IV 56 E. 2.1; 134 IV 193 E. 7.3; Urteil 6B_351/2017
vom 1. März 2018 E. 1.3.1). Fahrlässigkeit kann auch vorliegen, wenn der Täter
die Gefährdung eines Rechtsguts pflichtwidrig gar nicht in Betracht gezogen, also
unbewusst fahrlässig, gehandelt hat (vgl. BGE 130 IV 32).
Der Beschuldigte lebt nach eigenen Angaben bereits seit 1992 in der
Schweiz und hat hier die Schulen besucht. Damit war ihm die Pflicht, sich recht-
zeitig um die Verlängerung seiner Aufenthaltsbewilligung B zu kümmern und ein
Gesuch rechtzeitig beim Migrationsamt einzureichen, bestens bekannt. Da es sich
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nicht um die erste Verlängerung seiner Aufenthaltsbewilligung handelte, dürften
ihm die genauen zeitlichen und formellen Modalitäten des Gesuchs um Verlänge-
rung seiner Aufenthaltsbewilligung ebenfalls bekannt und bewusst gewesen sein.
Durch sein Unterlassen bzw. verspätetes Einreichen hat er seine Sorgfaltspflicht
verletzt und den Erfolg, sich rechtwidrig in der Schweiz aufzuhalten, bewirkt. Die-
ser Kausalverlauf war für ihn – entgegen der Auffassung der Verteidigung
(Urk. 46 S. 9) – voraussehbar und der Erfolg des rechtswidrigen Aufenthalts hätte
mit der rechtzeitigen Gesuchstellung problemlos vermieden werden können. Da-
ran vermag auch das Vorbringen des Beschuldigten (und der Verteidigung,
Urk. 46 S. 5) nichts zu ändern, er habe es schlicht vergessen. Vielmehr liegt in
diesem Fall unbewusste Fahrlässigkeit vor. Unbehelflich ist schliesslich sein Ein-
wand, das Migrationsamt hätte sich bei ihm früher melden können, oblag doch
ihm und nicht dem Migrationsamt die Pflicht, sich rechtzeitig um seinen legalen
Aufenthaltsstatus in Schweiz zu kümmern.
3.5. Aus all diesen Gründen ist der Schuldspruch der Vorinstanz wegen fahr-
lässigen rechtswidrigen Aufenthalts gemäss Art. 115 Abs. 1 lit. b AuG i.V.m.
Art. 115 Abs. 3 AuG nicht zu beanstanden, und der Beschuldigte ist diesbezüglich
schuldig zu sprechen.
4.1. Der Beschuldigte wendet gegen den Schuldspruch wegen Unterlassung
der Buchführung im Sinne von Art. 166 StGB ein, es sei aufgrund des vorhande-
nen Untersuchungsergebnisses nicht erwiesen, dass er seine Buchführungspflicht
verletzt habe. Einerseits habe er eine dritte Firma mit der Buchhaltung der Firma
B._ GmbH beauftragt, anderseits habe ihm die Polizei den Zutritt zu den
Räumlichkeiten der Firma B._ GmbH verweigert (Prot. II S. 14 f.).
4.2. Die Vorinstanz sah es als erwiesen an, dass der Beschuldigte als Ge-
schäftsführer der B._ GmbH ab Anfang 2017 bis 22. Februar 2018 keine kor-
rekte Buchhaltung erstellt und sich auch nicht um die Erstellung gekümmert habe.
Sie wertete seine Aussagen, er sei seiner Buchführungspflicht nachgekommen,
als widersprüchlich und unglaubhaft. Zudem lägen keine entsprechenden Rech-
nungsunterlagen vor, welche eine Buchführung oder die Erstellung einer Jahres-
rechnung im inkriminierten Zeitraum nachweisen könnten. Auch sei die objektive
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Strafbarkeitsbedingung gemäss Art. 166 StGB erfüllt, weil im Rahmen eines
Pfändungsverfahrens hervorgegangene Verlustscheine gegen die Firma bestün-
den. Schliesslich habe der Beschuldigte um seine Pflicht zur Buchführung ge-
wusst und diese wissentlich und willentlich verletzt (Urk. 37 S. 4 ff.).
4.3. Art. 166 StGB stellt den Schuldner unter Strafe, der die ihm gesetzlich
obliegende Pflicht zur ordnungsmässigen Führung und Aufbewahrung von Ge-
schäftsbüchern oder zur Aufstellung einer Bilanz verletzt, so dass sein Vermö-
gensstand nicht oder nicht vollständig ersichtlich ist, wenn über ihn der Konkurs-
eröffnet oder in einer gemäss Artikel 43 des Bundesgesetzes vom 11. April 1889
über Schuldbetreibung und Konkurs (SchKG) erfolgten Pfändung gegen ihn ein
Verlustschein ausgestellt worden ist. Die Eröffnung des Konkurses oder die Aus-
stellung eines Verlustscheines bildet dabei objektive Strafbarkeitsbedingung
(BGer 6B_1340/2017 vom 24. September 2018 E. 1.2). Dabei handelt es sich um
ein unechtes Unterlassungsdelikt gemäss Art. 11 StGB. Die Bestimmung will ver-
hindern, dass mangels Buchführung die Verschlechterung des Geschäftsganges
unbemerkt bleibt (TRECHSEL/OGG, DIKE-Komm-StGB, 3. Aufl., Zürich/St. Gallen
2017, Art. 166 N. 2). Täter kann nur der Schuldner bzw. ein Organ im Sinne von
Art. 29 StGB sein. Umfang und Inhalt der Pflichten zur Buchführung ergeben sich
aus Art. 810 Abs. 2 Ziffer 3 OR in Verbindung mit Art. 957 ff. OR. Danach ist der
Geschäftsführer einer GmbH für die Ausgestaltung des Rechnungswesens, der
Finanzkontrolle sowie der Finanzplanung, sofern diese zur Führung der Gesell-
schaft notwendig ist, verantwortlich. Er hat daher die Aufgabe, dafür besorgt zu
sein, dass die Bestimmungen über die kaufmännische Buchführung und Rech-
nungslegung eingehalten und jährlich die Jahresrechnung (Bilanz, Erfolgsrech-
nung) erstellt werden. Sofern sich der Geschäftsführer ausser Stande sieht, die
Pflichten selber zu erfüllen, hat er vorzeitig die Aufgabe einer geeigneten Drittper-
son zu übertragen. Eine Verletzung der Buchführungspflicht liegt vor, wenn die
Buchhaltung gar nicht oder nicht ordnungsgemäss und damit mangelhaft geführt
wird. Eine Verletzung wird auch bejaht, wenn der Täter die Unterlagen und Bele-
ge aufbewahrt, um mit ihrer Hilfe im Falle des Konkurses die Buchhaltung nach-
träglich zu erstellen (DONATSCH, OFK-StGB, Art 166 N 4; BGer 6B_387/2011 vom
7. November 2011).
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4.4. Die Vorinstanz hat schlüssig dargelegt, weshalb eine Unterlassung der
Buchführung im Sinne von Art. 166 StGB vorliegt. So war der Beschuldigte ge-
mäss Handelsregisterauszug ab 16. Juni 2014 alleiniger Gesellschafter und Ge-
schäftsführer mit Einzelzeichnungsberechtigung der B._ GmbH (Urk. 4/1),
womit ihm die Pflicht, die Rechnungen für die GmbH zu erstellen oder dafür be-
sorgt zu sein, zufiel (Art. 29 lit. a und b StGB). Weiter ergibt sich aus dem Auszug
des Betreibungsregisters der Gesellschaft, dass die B._ GmbH ab Januar
2016 immer wieder betrieben wurde und bezüglich der Forderung der Sozialversi-
cherungsanstalt Zürich (SVA) über Fr. 9'666.80, in Betreibung gesetzt am 27. Mai
2016, erstmals ein Verlustschein resultierte (Urk. 7/3 und Urk. 7/2 S. 59). Es folg-
ten zahlreiche Betreibungen bis 22. Februar 2018, welche in zwölf weiteren Fällen
mit einem Verlustschein endeten. Die Verlustscheine betreffen überwiegend For-
derungen der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, die nicht zur Durch-
führung des Konkurses berechtigen (Art. 43 SchKG, Urk. 4/2 und 7/3).
Weiter ist die Einschätzung der Vorinstanz, die Aussagen des Beschuldig-
ten, die Buchhaltung sei stets korrekt erstellt worden, seien unglaubhaft, nicht zu
beanstanden. In der polizeilichen Einvernahme vom 8. August 2017 musste der
Beschuldigte einräumen, abgesehen von der Steuererklärung für 2014 keine
Steuererklärungen mehr eingereicht zu haben, wobei er nicht angeben konnte,
weshalb er diese unterlassen habe (Urk. 2 S. 4 f.). Weiter gab er in der polizeili-
chen Einvernahme zunächst zu, sein Treuhänder, die Firma C._ in D._,
habe bis vor eineinhalb Jahren, demnach bis Anfang 2016, die Buchhaltung ge-
führt, seither mache dies niemand (Urk. 2 S. 5 N 46). Das letzte Mal habe Herr
E._ [von der Firma C._] einen Jahresabschluss gemacht (Urk. 2 S. 6 N
57). Unmittelbar darauf korrigierte er diese Aussage spontan und führte aus, er
selber habe eine Buchhaltung geführt (Urk. 2 S. 7 N 60). Anlässlich der staatsan-
waltschaftlichen Einvernahme sowie der Hauptverhandlung vor Vorinstanz hielt er
daran fest, dass bis zum Jahr 2016 die Treuhandfirma C._ mit der Buchfüh-
rung der B._ GmbH betraut gewesen sei und seither er die Buchhaltung
elektronisch geführt habe. Die ab dem Jahr 2016 von ihm erstellten Bilanzen und
Erfolgsrechnungen befänden sich in seinem Büro (Prot. I S. 9, Urk. 3 S. 9). An der
Hauptverhandlung vor Vorinstanz brachte er erstmals vor, er habe die Buchhal-
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tung Ende Jahr an einen Treuhänder weitergeleitet, konnte sich aber an dessen
Name nicht mehr genau erinnern. Er habe seine Unterlagen erst im März 2018
nach Aufhebung des Hausverbots zu den Räumlichkeiten der GmbH wieder her-
ausbekommen. Dies relativierte er jedoch umgehend und erklärte, seine Buchhal-
tung sei weg und der Computer defekt gewesen (Prot. I S. 9). An der Berufungs-
verhandlung schliesslich gab er zu Protokoll, die Firma, die Anfang 2017 die
Buchhaltung gemacht habe, sei die F._ GmbH (Prot. II S. 14), und reichte
entsprechende Jahresrechnungen der Jahre 2014 bis 2017 ein (Urk. 47/1-4).
Diese Aussagen des Beschuldigten vermögen nicht zu überzeugen. Seine
Ausführungen bei der polizeilichen Befragung sind ausweichend, wirken unbehol-
fen, zeugen von wenig Sachkenntnis und hinterlassen den Eindruck, er kenne
Umfang und Inhalt einer Betriebsrechnung nicht im Detail. So beantwortete er die
Frage, wer die Bilanz gemacht habe und woher die Angaben in der Bilanz stam-
men würden, zunächst mit der Gegenfrage: „Was meinen Sie?“ und fügte dann
bei: „Allgemein... vom Wissen, vom Internet“ (Urk. 2 S. 6 N 59). Anlässlich der
Berufungsverhandlung ergab sich ebenfalls, dass seine Kenntnisse in der Buch-
haltung nicht über das Führen einer "Milchbuchrechnung" hinausgehen (Prot. II
S. 21 f.). Aufgrund dieser Antworten scheint eher unwahrscheinlich, dass der Be-
schuldigte eine ordnungsgemässe Buchhaltung selber führte. Auch sind seine
Aussagen in wesentlichen Punkten, insbesondere ob und von wem eine Buchhal-
tung ab 2016 geführt wurde, widersprüchlich und lassen vermuten, der Beschul-
digte passe seine Antworten spontan jeweils so an, dass sie möglichst unverfäng-
lich und für ihn günstig wirken. Sobald er konkrete Angaben, beispielsweise zur
Person des neuen Treuhänders, hätte machen müssen, vermochte er sich daran
nicht mehr zu erinnern und nannte erst heute die F._ GmbH, die das über-
nommen haben soll. Obwohl er die Buchhaltung in der fraglichen Zeit auch selber
geführt haben will und ausführte, die finanzielle Situation bei einem Einmann-
Betrieb sei keine grosse Sache (Urk. 2 S. 6 N 52), konnte er bis heute keine kon-
kreten Angaben zur Finanzlage seiner GmbH machen. Seine Ausführungen blei-
ben damit überaus pauschal. Überdies suggeriert der Beschuldigte, die Buchhal-
tungsunterlagen seien wegen der Schliessung der Räumlichkeiten der GmbH
nicht mehr auffindbar und der Computer sei danach defekt gewesen. Diese Aus-
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führungen machen vor dem Hintergrund, dass der im Anklagevorwurf angeführte
Zeitraum im Wesentlichen mit demjenigen der polizeilichen Schliessung der
Räumlichkeiten zusammenfällt, keinen Sinn, wird ihm doch vorgeworfen, während
der Schliessung keine Buchhaltung geführt zu haben. Es ist deshalb nicht einzu-
sehen, weshalb sich die Buchhaltung für diese Periode in den geschlossenen
Räumlichkeiten der Firma befinden soll. Zudem führte er heute aus, dass es ihm
erlaubt worden sei, im Büro seine Sachen herauszuholen (Prot. II S. 15), also hät-
te er wohl auch allfällige Buchhaltungsunterlagen mitnehmen können. Schliesslich
vermochte der Beschuldigte – wie die Vorinstanz zu Recht festhielt – die Buchhal-
tungsunterlagen bis heute nicht beizubringen. Erst heute reichte er Jahresrech-
nungen der Jahre 2014 bis 2017 ein (Urk. 47/1-4). Diese taugen jedoch nicht zum
Beweis dafür, dass laufend Buch geführt wurde. Es fällt nämlich auf, dass diese
von der F._ GmbH erstellt wurden. Bis Ende 2016 war jedoch das Treu-
handbüro C._ für die Buchhaltung zuständig und führte bis mindestens Mitte
2015 die Buchhaltung (vgl. Urk. 3 S. 9 f.) und die F._ GmbH wurde erst im
Jahr 2017 für die Führung der Buchhaltung beauftragt (Prot. II S. 14). So ist auf
den Jahresrechnungen auch ersichtlich, dass diese erst am 15. August 2018 er-
stellt wurden. Offensichtlich wurden diese Jahresrechnungen im Nachhinein er-
stellt, wären sie doch sonst auch bereits viel früher den Untersuchungsbehörden
oder dem Gericht eingereicht worden. Zudem fehlen jegliche Belege, welche die
Jahresrechnungen untermauern. Das vom Beschuldigten erwähnte Firmenkonto
bei der G._ erscheint sodann nicht in den Jahresrechnungen, weshalb diese
unvollständig sind. Die im Nachhinein erstellten Jahresrechnungen sind nicht
transparent, stimmen mit dem Kontoauszug der G._ und den Unterlagen des
Betreibungsamts nicht überein, worauf unter Ziff. 5.8 nachstehend noch zurück-
zukommen sein wird, und sind widersprüchlich zu den Aussagen des Beschuldig-
ten.
4.5. Zusammenfassend bestehen aufgrund der gesamten Umstände, insbe-
sondere den unglaubhaften Angaben des Beschuldigten, dem physischen Fehlen
einer korrekten Buchhaltung bzw. einer glaubhaften Buchhaltung, sowie den zahl-
reichen Betreibungen und Verlustscheinen gegen die Firma B._ GmbH, kei-
ne Zweifel daran, dass der Beschuldigte die ihm obliegende Pflicht zur ordnungs-
- 15 -
gemässen Buchhaltung mindestens ab 2017 bis zum Konkurs der Firma am
22. Februar 2018 verletzt hat. Auch wenn er den Umfang der Buchhaltungspflicht
möglicherweise nicht im Einzelnen kannte, war ihm doch bewusst, dass er als
Geschäftsführer und Inhaber einer GmbH für die Erstellung der Buchhaltung ver-
antwortlich war (Prot. I, S. 9) und deshalb eine Drittperson damit hätte vorzeitig
beauftragen müssen. Auch in subjektiver Hinsicht ist der Tatbestand – entgegen
der Auffassung der Verteidigung (Urk. 46 S. 7) – erfüllt.
4.6. Der Schuldspruch der Vorinstanz wegen Unterlassung der Buchführung
im Sinne von Art. 166 StGB i.V.m. Art. 29 StGB erfolgte deshalb zu Recht.
5.1. Der Beschuldigte wendet gegen die Verurteilung wegen Misswirtschaft
ein, die Vorinstanz habe die Akten falsch gewürdigt und seine Aussagen nicht be-
rücksichtigt. Es gebe keine Beweise dafür, dass die Firma in jener Zeit überschul-
det gewesen sei. Es habe eine Zwischenbilanz gegeben. Bei der Zwischenbilanz
im Jahre 2016 habe er noch offene Debitoren von Fr. 30'000.– gehabt (Prot. I
S. 7). Die Zwischenbilanz sei nicht negativ gewesen, weil die Verwaltungskosten
niedrig gewesen seien. 2016 sei die Auftragslage der Firma eigentlich sehr gut
gewesen. Wegen den Debitoren sei es dann aber bergab gegangen (Prot. I S. 7
f., Prot. II S. 19). Heute führte er ergänzend aus, dass seiner Firma im Jahr 2016
zwei Firmen je ca. Fr. 20'000.– geschuldet hätten: Die H._ AG und die
I._ GmbH. Die J._ Immobilien sei ebenfalls ein Schuldner gewesen
(Prot. II S. 23).
5.2. Die Vorinstanz begründete ihre Verurteilung im Wesentlichen damit, es
sei davon auszugehen, dass der Beschuldigte zwischen Anfang 2017 und dem
22. Februar 2018 keine Buchhaltung über die B._ GmbH geführt und keine
Jahresrechnung erstellt habe. Er habe zudem selber erkannt, dass es um die Fi-
nanzen der B._ GmbH "nicht so rosig" ausgesehen habe, und er habe bestä-
tigt, dass ab Anfang 2016 wegen der schlechten Auftragslage Betreibungen ge-
gen die Firma eingeleitet worden seien. Er hätte deshalb spätestens am 27. Mai
2016, als die ersten vier Verlustscheine ausgestellt worden seien, die schlechte
Finanzlage erkennen müssen. Aufgrund der Akten und den widersprüchlichen
Angaben des Beschuldigten sei anzunehmen, dass er zu diesem Zeitpunkt keine
- 16 -
Zwischenbilanz erstellt habe. Den Kontoauszügen sowie dem Betreibungsregis-
terauszug der B._ GmbH lasse sich entnehmen, dass die Gesellschaft im
Jahr 2016 nicht (mehr) über ausreichend Liquidität verfügt habe. Der Vergleich
der Einnahmen auf dem Firmenkonto mit den Fixkosten zeige, dass die Einnah-
men zur Deckung der Fixkosten nicht ausgereicht hätten. Die Überschuldung er-
gebe sich auch aus den innert kurzer Zeit entstandenen Verlustscheinen gegen
die B._ GmbH. Obwohl der Beschuldigte scheinbar gewusst habe, dass sich
seine Firma in einer prekären Lage befunden habe und zahlungsunfähig gewesen
sei, habe er nichts unternommen, um deren Verschlimmerung zu vermeiden (Urk.
37 S. 7 ff.).
5.3. Der Misswirtschaft macht sich unter anderem schuldig, wer durch arge
Nachlässigkeit in der Berufsausübung seine Überschuldung herbeiführt oder ver-
schlimmert, seine Zahlungsunfähigkeit herbeiführt oder im Bewusstsein seiner
Zahlungsunfähigkeit seine Vermögenslage verschlimmert, wenn über ihn der
Konkurs eröffnet oder gegen ihn ein Verlustschein ausgestellt worden ist. Eine ar-
ge Nachlässigkeit ist zu bejahen, wenn gesetzliche Bestimmungen der Unter-
nehmensführung missachtet werden (BGer 6B_985/2016 vom 27. Februar 2017,
E. 4.1.1; 6B_492/2009 vom 18. Januar 2010, E. 2.2; u.a. BSK StGB II-
HAGENSTEIN, 4. Auflage 2018, Art. 165 N 33), insbesondere, wenn die Buchhal-
tung nicht oder unvollständig geführt wird, die Rechnungslegung vernachlässigt
oder die Überschuldungsanzeige gemäss Art. 725 Abs. 2 OR unterlassen wird
(BGer 6B_492/2012 vom 22. Februar 2013, E. 3.4.2). Gemäss Art. 820 Abs. 1 OR
i.V.m. Art. 725 Abs. 2 OR haben die Verantwortlichen einer GmbH bei begründe-
ter Besorgnis einer Überschuldung eine Zwischenbilanz zu erstellen und diese
durch einen zugelassenen Revisor prüfen zu lassen. Ergibt sich aus der Zwi-
schenbilanz, dass die Forderungen der Gesellschaftsgläubiger nicht mehr ge-
deckt sind, so ist das Gericht anzurufen.
5.4. In der Anklage wird dem Beschuldigten vorgeworfen, er hätte spätes-
tens aufgrund der Betreibung am 27. Mai 2016 erkennen müssen, dass die
B._ GmbH in einer Finanzkrise stecke und begründete Besorgnis der Über-
schuldung bestanden habe. Der Beschuldigte habe es unterlassen, eine Zwi-
- 17 -
schenbilanz durch einen zugelassenen Revisor prüfen zu lassen und entspre-
chend dem Ergebnis beim Konkursgericht zu deponieren, was als arge Nachläs-
sigkeit gelte. Dies habe zu weiteren Verlustscheinen geführt. An anderer Stelle
führt die Anklage aus, die Überschuldung sei noch bedeutend geringer gewesen,
als aufgrund der Forderung der Sozialversicherungsanstalt von Fr. 9'666.80, wel-
che am 27. Mai 2016 in Betreibung gesetzt worden sei und in einem Verlust-
schein resultiert habe, die Finanzkrise der B._ GmbH offenbar geworden sei.
Nichtsdestotrotz habe der Beschuldigte seine Geschäftstätigkeit fortgeführt, was
zu weiteren Verlustscheinen und einer massiven Verschärfung der Finanzkrise
geführt habe (Urk. 12 S. 3 ff.).
5.5. Der Anklagesachverhalt erweist sich damit als etwas ungenau und ist
zunächst zu klären. Die Anklage spricht zunächst von Überschuldung und nicht
von Zahlungsunfähigkeit der Gesellschaft und wirft dem Beschuldigten arge
Nachlässigkeit vor. Zahlungsfähigkeit kann, muss aber nicht eine Überschuldung
der Gesellschaft bedeuten. Da die Anklage nicht von Zahlungsunfähigkeit son-
dern von Überschuldung ausgeht, ist lediglich zu prüfen, ob letztere erwiesen ist.
Weiter erwähnt die Anklage, die Überschuldung sei zuvor geringer gewesen, was
anders ausgedrückt bedeutet, die Überschuldung habe sich verschlimmert. Dem-
nach wird dem Beschuldigten aufgrund der Formulierungen im Anklagesachver-
halt die Variante gemäss Art. 165 Ziff. 1 StGB vorgeworfen, er habe durch arge
Nachlässigkeit in der Berufsausübung seine Überschuldung verschlimmert und es
sei über die Gesellschaft ein Verlustschein ausgestellt worden. Es ist dem Be-
schuldigten daher nachzuweisen, dass die B._ GmbH im Zeitpunkt, als be-
gründete Besorgnis der Überschuldung bestand, was gemäss Anklagebehörde
spätestens am 27. Mai 2016 der Fall gewesen ist, überschuldet war und es der
Beschuldigte damals unterliess, eine Zwischenbilanz zu erstellen und diese prü-
fen zu lassen, wodurch er die Überschuldung verschlimmerte. Eine Überschul-
dung liegt vor, wenn das Fremdkapital durch die Aktiven weder zu Fortführungs-
noch Liquidationswerten gedeckt ist (Art. 820 Abs. 1 i.V.m. Art. 725 Abs. 2 OR).
5.6. In der Anklage fehlt eine nähere Umschreibung der finanziellen Situati-
on der B._ GmbH am 27. Mai 2016. Einerseits erstaunt dies nicht, weil jegli-
- 18 -
che Rechnungsunterlagen der Firma für die Zeit ab 2016 fehlen. Anderseits er-
schwert das Fehlen der Rechnungsunterlagen unweigerlich den Beweis einer
Überschuldung der Firma zu einem bestimmten Zeitpunkt. Die Anklagebehörde
begründet die Überschuldung im Wesentlichen damit, dass die Gesellschaft seit
Januar 2016 mehrfach betrieben und die Forderung der Sozialversicherungsan-
stalt über Fr. 9'666.80, in Betreibung gesetzt am 27. Mai 2016, mit einem Verlust-
schein endete. Das Datum der Ausstellung des Verlustscheins ist entgegen den
Erwägungen der Vorinstanz von demjenigen, an welchem die Forderung in Be-
treibung gesetzt wurde, zu unterscheiden. Gemäss den in der CD abgebildeten
Akten des Betreibungsamts wurde der Verlustschein zur Forderung von
Fr. 9'988.60 erst am 26. September 2016 ausgestellt (Urk. 7/2 S. 59). Damit kann
das Wissen um die Überschuldung und die arge Nachlässigkeit, keine Zwischen-
bilanz erstellt zu haben, nicht damit begründet werden, der Beschuldigte habe be-
reits am 27. Mai 2016 vom ersten Verlustschein betreffend die Forderung der
SVA über Fr. 9‘666.80 Kenntnis gehabt.
5.7. Gemäss Auszug aus dem Betreibungsregister wurden seit Januar 2016
bis 23. Mai 2016 drei Betreibungen über insgesamt Fr. 4'994.20 gegen die Firma
B._ GmbH angehoben. Am 27. Mai 2016 wurde die Gesellschaft neben der
ersten Forderung der SVA im Betrag von Fr. 9‘666.80 wegen drei weiteren Forde-
rungen der SVA betrieben. Damit bestanden Ende Mai 2016 in Betreibung ge-
setzte Schulden der Gesellschaft im Umfang von Fr. 18'479.65. Bis 8. Juni 2016
folgten zwei weitere Betreibung im Betrag von Fr. 64'374.– (Urk. 7/3).
Was die Aktiven der Gesellschaft betrifft, habe die Firma nach Angaben des
Beschuldigten nur über das Bankkonto, Nr. ..., bei der G._ verfügt (Prot. II S.
22). Dieses zeigte per Stichtag 31. Mai 2016 einen Schlusssaldo von Fr. 0.61
(Urk. 8/2). Nach Angaben des Beschuldigten verfügte die Gesellschaft zudem
über kein namhaftes Inventar in den Räumlichkeiten an der ...strasse ... in
D._. Gemäss den Pfändungsprotokollen besass die Firma im August 2016
und Mai 2017 einzig einen Lieferwagen VW Caddy mit einem Wert von schät-
zungsweise Fr. 400.– bzw. Fr. 500.–, der als Kompetenzstück im Sinne von Art.
92 Abs. 3 SchKG nicht in die Pfändung einbezogen und verwertet wurde (Urk. 6/5
- 19 -
S. 2, 7/2 S. 63 und 64). Aus den Pfändungsprotokollen ergibt sich des Weitern,
dass die Firma im August bzw. Oktober 2016 und März und Mai 2017 über keine
Aktiven bzw. pfändbares Vermögen verfügte (Urk. 7/2 S. 76 - 81, 92 - 94 und 99 -
106, 167 - 169 und 172 - 173). Damit sind per Stichtag 27. Mai 2016 keine Ver-
mögenswerte erkennbar, mit welchen die Firma die bis dahin in Betreibung ge-
setzten Schulden der Gesellschaftsgläubiger hätte decken können. Als einzige
Aktivposten kämen nur noch allfällige im Mai 2016 fällig gewesene oder unmittel-
bar darauf fällig gewordene, bisher nicht bekannte, einträgliche Forderungen der
Firma in Frage. Während der Untersuchung und im erstinstanzlichen Gerichtsver-
fahren nannte der Beschuldigte keine damals offenen Gesellschaftsforderungen.
Auch anlässlich der Berufungsverhandlung vermochte er keine solchen konkret
für den Mai 2016 anzugeben (Prot. II S. 23). Es ist nicht einzusehen, weshalb der
Beschuldigte Forderungen der Firma nicht preisgegeben sollte, könnte er doch
dadurch eine allfällige Verurteilung möglicherweise umgehen. Es besteht deshalb
der begründete Verdacht, dass solche Forderungen der Gesellschaft damals nicht
oder nur in unzureichendem Umfang existierten. Diese Annahme wird durch die
Kontoauszüge bestätigt. So verzeichnete das Firmenkonto in den Monaten von
Juni bis Dezember 2016 nur Einnahmen in der Gesamthöhe von Fr. 19'123.40,
welchen wiederum Belastungen im gleichen Zeitraum in der Höhe von
Fr. 19'110.56 gegenüberstanden. Wird mit der Vorinstanz davon ausgegangen,
dass die Gesellschaft neben den in Betreibung gesetzten Verbindlichkeiten ihre
Fixkosten, wie beispielsweise den Lohn des Beschuldigten in der Höhe von mo-
natlich Fr. 4'500.–, Mietkosten und Benzinkosten decken musste, wird klar, dass
die Einnahmen der Firma zur Deckung der in Betreibung gesetzten Schulden be-
reits im Mai 2016 nicht ausreichen konnten. Die gesamte Aktenlage zeigt daher
das Bild einer bereits im Mai 2016 überschuldeten Gesellschaft. Die nachfolgen-
den, zahlreichen Betreibungen und Verlustscheine runden dieses Bild schliesslich
ab. Daran ändern auch die hohen Gutschriften der Firma H._ über mehr als
Fr. 120'000.– im März 2016 nichts. Sämtlichen Eingänge standen im Übrigen je-
weils innert Monatsfrist Belastungen in derselben Höhe gegenüber, weshalb das
Konto bereits Ende Monat jeweils geräumt war und einen Saldo von wenigen
Franken aufwies (Urk. 8/2). Wohin das Geld floss, ist nicht ersichtlich. Offensicht-
- 20 -
lich stand es aber der Unternehmung nach wenigen Tagen nicht mehr zur De-
ckung der in Betreibung gesetzten Forderungen zur Verfügung.
5.8. Als Zwischenfazit ist deshalb festzuhalten, dass die Firma B._
GmbH bereits am 27. Mai 2016 überschuldet war. Daran ändert auch nichts, dass
der Beschuldigte heute Jahresrechnungen für die Jahre 2014 bis 2017 einreichte
(vgl. Urk. 47/1-4). Es fällt auf, dass diese von der F._ GmbH erstellt wurden.
Bis Ende 2016 war jedoch das Treuhandbüro C._ für die Buchhaltung zu-
ständig und führte bis mindestens Mitte 2015 die Buchhaltung (vgl. Urk. 3 S. 9 f.)
und die F._ GmbH wurde erst im Jahr 2017 für die Führung der Buchhaltung
beauftragt (Prot. II S. 14). So ist auf den Jahresrechnungen auch ersichtlich, dass
diese erst am 15. August 2018 erstellt wurden. Offensichtlich wurden diese Jah-
resrechnungen im Nachhinein erstellt, wären sie doch sonst auch bereits viel frü-
her den Untersuchungsbehörden oder dem Gericht eingereicht worden. Zudem
fehlen jegliche Belege, welche die Jahresrechnungen untermauern. Das vom Be-
schuldigten erwähnte Firmenkonto bei der G._ erscheint sodann nicht in den
Jahresrechnungen, weshalb diese unvollständig sind. Die eingereichten Jahres-
rechnungen sind nicht transparent und stimmen mit dem Kontoauszug der
G._ und den Unterlagen des Betreibungsamts nicht überein. Insbesondere
der in der Jahresrechnung 2016 aufgeführte Ertrag von Fr. 188'230.80 ist auf dem
Firmenkonto bei der G._ nicht ersichtlich. Im März 2016 gingen zwar Zahlun-
gen von der H._ AG im Gesamtbetrag von Fr. 120'000.– ein, Ende April 2016
betrug der Schlusssaldo des Firmenkontos aber bereits wieder Fr. 1.16 und es
folgten keine neuen Eingänge (vgl. Urk. 8/2), weshalb Schulden nicht beglichen
werden konnten. Zusammenfassend bestehen Zweifel am Wahrheitsgehalt der
Jahresrechnungen, weshalb es dem Beschuldigten damit nicht gelingt, glaubhaft
zu machen, dass seine Firma am 27. Mai 2016 nicht überschuldet war.
5.9. Die Behauptung des Beschuldigten, er habe Ende Mai 2016 eine Zwi-
schenbilanz erstellt und diese habe keinen Negativsaldo ergeben, erweisen sich
aufgrund der vorstehenden Erwägungen als unglaubhaft und sind als Schutzbe-
hauptungen zu werten. Gegenteils bestehen keine wesentlichen Zweifel, dass er
seine buchhalterischen Verpflichtungen damals verletzt hat und seiner Pflicht, ei-
- 21 -
ne Zwischenbilanz zu erstellen, nicht nachgekommen ist, hätte diese doch eine
Überschuldung ausgewiesen.
5.10. Bis 22. Februar 2018 musste die Firma weitere 47 Mal betrieben wer-
den und fiel schliesslich in Konkurs (Prot. I S. 12, Urk. 7/3, Prot. II S. 9). Es ist
deshalb – entgegen der Auffassung der Verteidigung, wonach keine Misswirt-
schaft durch den Beschuldigten begangen worden sei (Urk. 46 S. 4 f. und S. 7 f.)
– ebenfalls erwiesen, dass der Beschuldigte die Überschuldung der Firma durch
sein Unterlassen, eine Zwischenbilanz zu erstellen, diese durch einen Revisor
prüfen zu lassen und die Bilanz beim Gericht zu deponieren, verschlimmerte.
Denn durch seine Unterlassung ermöglichte er, dass die Firma ihre defizitäre Ge-
sellschaftstätigkeit fortführte und sich den Schuldenberg der Firma erhöhte. Der
angeklagte Sachverhalt ist demnach erstellt.
5.11. Hinsichtlich der rechtlichen Erwägungen zum objektiven und subjekti-
ven Tatbestand kann zwecks Vermeidung von Wiederholungen auf die zutreffen-
den Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 37 S. 7 f.). Insbesonde-
re genügt bezüglich der Verschlimmerung der Überschuldung grobe Fahrlässig-
keit (vgl. betreffend Verschlimmerung der Zahlungsunfähigkeit:
BGer 6B_985/2016 vom 27. Februar 2017, E. 4.1.1). Es soll nicht nur bestraft
werden, wer die Zahlungsunfähigkeit bzw. die Überschuldung will oder in Kauf
nimmt, sondern auch wer sie in unverantwortlicher Weise bzw. unter Verletzung
elementarster Vorsichtspflichten verneint, weil ihm jegliches Verantwortungsge-
fühl fehlt, zumal in wirtschaftlich angespannter Situation eine erhöhte Aufmerk-
samkeit des Schuldners erwartet werden darf (BGer 6B_492/2009 vom
18. Januar 2010, E. 2.2; 6B_66/2008 vom 9. Mai 2008, E. 7.3).
5.12. Indem der Beschuldigte als alleiniger Gesellschafter und Geschäftsfüh-
rer der überschuldeten Firma die Erstellung einer Zwischenbilanz, aus der die
Überschuldung der Gesellschaft ersichtlich gewesen wäre, Ende Mai 2016 unter-
liess und eine solche nicht beim Konkursgericht einreichte, beging er eine arge
Nachlässigkeit, wodurch er die Überschuldung verschlimmerte. Der objektive Tat-
bestand ist folglich erfüllt.
- 22 -
Auch in subjektiver Hinsicht ist der Tatbestand – entgegen der Auffassung
der Verteidigung (Urk. 46 S. 8) – erfüllt. Wie die Vorinstanz zu Recht festhielt,
musste der Beschuldigte aufgrund der Betreibungen, der zahlreichen Schulden
und der eher bescheidenen Eingängen der B._ GmbH sowie des Wegfalles
seines besten Kunden, H._ im Frühling 2016 (Prot. II S. 9 und S. 22) um die
aussichtslose finanzielle und überschuldete Situation der B._ GmbH wissen.
Auch darf angenommen werden, dass ihm als verantwortlichem Organ der Firma
bekannt war, dass er in einer solchen Situation verpflichtet war, buchhalterische
Massnahmen zu ergreifen. Seine allfällige Hoffnung, die Ertragslage der Firma
werde sich in naher Zukunft wieder verbessern, erweist sich angesichts der durch
die Kontoauszüge erwiesenen geringen Eingänge ab Mai 2016 als unrealistisch.
Der Beschuldigte vermochte auch an der Berufungsverhandlung nicht darzulegen,
weshalb seine Annahme im Mai 2016, der Geschäftsgang der B._ GmbH
werde sich in absehbarer Zeit markant verbessern, berechtigt oder begründet ge-
wesen sein könnte (Prot. II S. 19). Im Übrigen hätte auch eine positive ökonomi-
sche Wende der GmbH nichts an seiner Pflicht geändert, angesichts der begrün-
deten Besorgnis der Überschuldung Ende Mai 2016 eine Zwischenbilanz zu er-
stellen, prüfen zu lassen und dem Gericht im Falle eines Negativsaldos einzu-
reichen. Sein wiederholt vorgebrachter Einwand, er habe die Buchhaltung, die Bi-
lanz usw. aus seinen Büroräumlichkeiten nicht holen können, weil er seit März
2017 keinen Zugang mehr zu den Räumlichkeiten der Gesellschaft gehabt habe
(Prot. I S. 7 f. und Prot. II S. 14 f.), zielt schliesslich an der Sache vorbei. Der
Vorwurf der argen Nachlässigkeit bezieht sich auf Mai 2016, als der Beschuldigte
noch längst Zugang zu seinen Büroräumlichkeiten hatte.
5.13. Aus diesen Überlegungen ist der Schuldspruch der Vorinstanz wegen
Misswirtschaft im Sinne von Art. 165 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 29 StGB
zu bestätigen.
6.1. Der Beschuldigte rügt hinsichtlich des mehrfachen Ungehorsams des
Schuldners im Betreibungs- und Konkursverfahren im Sinne von Art. 323 Ziff. 2
StGB, er sei für den Pfändungsvollzug immer aufs Betreibungsamt gegangen und
habe Auskunft über seine Vermögenswerte gegeben (Prot. II S. 17).
- 23 -
6.2. Die Vorinstanz hielt es als erwiesen, dass der Beschuldigte bei vier
Pfändungsvollzügen zwischen Januar 2017 bis Oktober 2017 jeweils jegliche
Mitwirkung und Aussage verweigert und damit seine Vermögenswerte verschwie-
gen habe (Urk. 37 S. 13 ff.). Die Vorinstanz stützte sich unter anderem bei ihrer
Verurteilung auf die Verfügung des Betreibungsamtes D._ vom 23. Januar
2017, welche den Beschuldigten unter Strafandrohung dazu verpflichtete, eine ak-
tuelle Saldobilanz, eine aktuelle Debitorenliste, Kontoauszüge sowie den letzten
Abschluss der Buchhaltung (Bilanz/Erfolgsrechnung) einzureichen (Urk. 5/2). Die-
se Verfügung sei vom Beschuldigten nicht unterschrieben und es sei der Vermerk
"Unterschrift verweigert" angebracht worden. Zudem habe sich der Beschuldigte
geweigert, die Pfändungsprotokolle vom 23. Januar 2017, 14. März 2017 und
10. Mai 2017 zu unterzeichnen. Aus diesen lasse sich entnehmen, dass der Be-
schuldigte die Aussagen zu den Vermögenswerten der B._ GmbH unter
Strafandrohung verweigert habe bzw. sich unter Medikamenteneinfluss nicht
mehr an offene Forderungen habe erinnern können. Weiter hielt die Vorinstanz
die Bestreitungen des Beschuldigten für unplausibel und unglaubhaft (Urk. 37
S. 13 f.).
6.3. Des Ungehorsams im Betreibungs- und Konkursverfahren im Sinne von
Art. 323 Ziff. 2 StGB macht sich schuldig, wer als Schuldner seine Vermögensge-
genstände, auch wenn sie sich nicht in seinem Gewahrsam befinden, sowie seine
Forderungen und Rechte gegenüber Dritten nicht so weit angibt, als dies zu einer
genügenden Pfändung oder zum Vollzug eines Arrestes nötig ist (Art. 91 Abs. 1
Ziff. 2 und 275 SchKG). Dem Beschuldigten als Geschäftsführer und einzigem
Gesellschafter der Firma B._ GmbH obliegt gemäss Art. 29 StGB die Mitwir-
kungspflicht in den Betreibungs- und Konkursverfahren.
6.4. Dem Beschuldigten wird in der Anklage Ungehorsam an insgesamt vier
Pfändungsvollzügen vorgeworfen, nämlich an denjenigen vom 23. Januar 2017
um 9.10 Uhr, vom 14. März 2017 um 10.45 Uhr, vom 10. Mai 2017 um 10.00 Uhr
und 25. Oktober 2017 um 11.40 Uhr. Die Vorinstanz äussert sich in ihrer Begrün-
dung nur zu drei Pfändungsvollzügen, nämlich zu denjenigen am 23. Januar
2017, 14. März 2017 und 10. Mai 2017. Zum Pfändungsvollzug vom 25. Oktober
- 24 -
2017 lässt sich ihren Erwägungen nichts entnehmen, womit die Vorinstanz –
gleichsam stillschweigend – bezüglich letzterer auf die Begründung zu den ersten
drei Pfändungsvollzügen zu verweisen scheint. Damit verletzt sie indessen ihre
Begründungspflicht im Sinne von Art. 81 Abs. 1 lit. b und Abs. 3 StPO, wonach
das Urteil unter anderem die tatsächliche und rechtliche Würdigung des der be-
schuldigten Person zur Last gelegten Verhaltens enthalten muss. Auf weitere
Ausführungen diesbezüglich kann jedoch verzichtet werden, weil aus nachfolgen-
den Gründen ein Freispruch in diesem Punkt zu ergehen hat.
6.5. Vorab ist zu bemerken, dass dem Beschuldigten vorgeworfen wird, er
habe bei in zeitlicher Hinsicht eng definierten vier Pfändungsvollzügen mutwillig
jegliche Mitwirkung oder Aussagen verweigert und somit seine Vermögensver-
hältnisse verschwiegen (Urk. 12). Nicht vorgeworfen wird ihm deshalb, er habe
die Verfügung des Stadtammann- und Betreibungsamts der Stadt D._ vom
23. Januar 2017, mit welcher der Beschuldigte unter Strafandrohung von Art. 292
StGB schriftlich aufgefordert wurde, diverse Dokumente zur finanziellen Situation
der Firma B._ GmbH bis 27. Januar 2017 nachzureichen (Urk.5/2), verletzt.
Eine allfällige Verletzung dieser Verfügung kann aufgrund des Anklageprinzips
gemäss Art. 9 Abs. 1 StPO nicht Gegenstand des vorliegenden Strafverfahrens
sein. Es ist deshalb nicht näher zu prüfen, ob der Beschuldigte diese Verfügung
verletzte.
6.6. Zu prüfen bleibt gemäss dem in der Anklage umschriebenen Sachver-
halt, ob der Beschuldigte bei vier Pfändungsvollzügen überhaupt keine Ausfüh-
rungen zu vermögensrechtlichen Angelegenheiten machte.
Der Beschuldigte sagte an der Hauptverhandlung vor Vorinstanz aus, es sei
zutreffend, dass er nach SchKG zur Mitwirkung verpflichtet sei. Die Vorwürfe des
Betreibungsamtes stimmten aber nicht. Das Betreibungsamt habe theoretisch alle
Unterlagen, auch die Vollmacht seines Anwalts gehabt, habe aber davon nichts
wissen wollen. Die Vollzugsperson habe von Anfang an ein Problem mit ihm ge-
habt. Er wisse nicht warum. Er, der Beschuldigte, sei immer recht kooperativ ge-
wesen. Er habe aber die Androhungen satt gehabt. Er habe nichts verweigert. Er
sei einmal nicht bereit gewesen, zu unterschreiben, weil er unter Medikamenten-
- 25 -
einfluss gestanden habe. Er habe eigentlich immer eine Lösung finden und das
Ganze bezahlen wollen, aber sie hätten das Geld gar nicht gewollt (Prot. I S. 11).
Bereits bei der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme hatte er den Vorwurf des
Ungehorsams bestritten (Urk. 3 S. 11). Dabei fällt auf, dass in der staatsanwalt-
schaftlichen Befragung die vier verschiedenen Pfändungsvollzüge nicht im Ein-
zelnen thematisiert und auseinandergehalten wurden, sondern dem Beschuldig-
ten der Vorwurf des Ungehorsams im Betreibungs- und Konkursverfahren pau-
schal vorgehalten wurde (Urk. 3 S. 10 f.). In der polizeilichen Befragung sagte der
Beschuldigte aus, er habe bei der Pfändungsankündigung vom 23. Januar 2017
erklärt, die Firma habe offene Forderungen. Die Verfügung vom 23. Januar 2017
sage ihm nichts und er hätte die Namen und Adressen der Debitoren sicher ge-
nannt (Urk. 2 S. 10 f.).
6.7. Die Vorinstanz hat die für die Beweiswürdigung massgeblichen Aussa-
gen des Beschuldigten sowie die sich bei den Akten befindlichen, ausgedruckten
Urkunden zwar korrekt zitiert. Zu ergänzen bleibt indessen, dass sich das voll-
ständige Protokoll zu den Erklärungen über Vermögenswerte bezüglich des Pfän-
dungszugs vom 23. Januar 2017 nur auf der CD befindet und von der Vorinstanz
nicht in ihre Beurteilung einbezogen wurde (Urk. 7/2 S. 131-143). So bestehen zur
Pfändung vom 23. Januar 2017 einerseits das kurze Pfändungsprotokoll über den
Vollzug der Pfändung und die Angaben des Schuldners (Urk. 5/3) und anderseits
das Pfändungsprotokoll mit den Erklärungen über die Vermögenswerte der Ge-
sellschaft (auszugsweise Urk. 5/3 und vollständig Urk. 7/2 S. 131 - 143). Im ers-
ten, vom Beschuldigten nicht unterzeichneten Pfändungsprotokoll vom 23. Januar
2017 (Urk. 5/3) wird angemerkt, der Vertreter des Schuldners, der Beschuldigte,
habe die Aussagen betreffend der offenen Forderungen verweigert bzw. angege-
ben, unter Medikamenteneinfluss sich nicht daran erinnern zu können. Zudem sei
er auf die Strafbestimmungen aufmerksam gemacht worden (Urk. 5/3 Rückseite).
Die Anmerkungen (Verweigerung der Aussagen betreffend offene Forderungen
und Hinweis auf Strafbestimmungen) sind von Hand durchgestrichen (Urk. 5/3
Rückseite). Weitere Angaben zum Ablauf der Pfändung, namentlich zu den kon-
kreten Fragen der Vollzugsperson und Antworten des Schuldners, lassen sich aus
diesem Pfändungsprotokoll nicht ersehen. Auch fehlen darauf leserliche Angaben
- 26 -
zu den Namen der Vollzugspersonen. Insgesamt kann dem inhaltlich eher dürfti-
gen, teilweise durchgestrichenen und vom Beschuldigten nicht unterzeichneten
Pfändungsprotokoll (Urk. 5/3) kein derart hoher Beweiswert beigemessen werden,
dass die darin aufgeführten Inhalte, namentlich die durchgestrichene Anmerkung
unter dem Titel „Fortsetzung des Pfändungsvollzugs“, der Beschuldigte habe die
Aussagen betreffend offene Forderungen verweigert, ohne weiteres als erwiesen
betrachtet werden können. Das zweite Pfändungsprotokoll vom 23. Januar 2017
betreffend Erklärung über Vermögenswerte der Gesellschaft ergibt zudem ein an-
deres Bild über das Verhalten des Beschuldigten. Dieses von ihm auf jeder Seite
unterzeichnete Protokoll enthält ausgefüllte Kreuze bei allen 20 Fragen, was ver-
muten lässt, dass der Beschuldigte Auskunft zu den Fragen erteilte (Urk. 7/2
S. 131 - 143). Insbesondere wurde das Ja-Feld bei der Frage, dass Forderungen
gegen andere Personen bestehen, angekreuzt (Frage 9). Bei dieser Frage befin-
det sich zwar die handschriftliche Notiz "Siehe Protokoll (nachträglich durch Voll-
zugsperson hinzugefügt)" (Urk. 5/3). Diesbezüglich ist jedoch auf die vorstehen-
den Erwägungen zum mangelnden Beweiswert dieser Notiz zu verweisen. Aus
den weiteren Antworten in diesem Protokoll lässt sich ersehen, dass die Firma
B._ GmbH über ein Auto der Marke VW Caddy sowie ein Konto bei der
G._ mit einem Saldo von Fr. 9.10 verfügte und kein Grundeigentum, keine
Geschäfts- oder Lagerräume, keine Postkonten, keine Wertschriften etc. im Ei-
gentum hielt. Angesichts dieses ausgefüllten und vom Beschuldigten unterzeich-
neten Pfändungsprotokolls kann der Vorwurf, er habe jegliche Mitwirkung und
Aussagen bei der Pfändung vom 23. Januar 2017 verweigert, nicht mit der Akten-
lage in Einklang gebracht werden. Insbesondere bejahte er scheinbar die Frage
zu Forderungen gegen andere Personen, was vermuten lässt, dass er gewisse
Angaben zu Gesellschaftsforderungen machte (Urk. 5/3). Auch aus dem Um-
stand, dass das eher pauschale, teilweise unleserliche Pfändungsprotokoll zum
Vollzug (Urk. 5/3) vom Beschuldigten nicht unterzeichnet wurde, kann nicht zwin-
gend darauf geschlossen werden, er habe jegliche Mitwirkung verweigert bzw.
Forderungen gegenüber Dritten verschwiegen. Der Beschuldigte hat sich im Übri-
gen zum festgelegten Termin persönlich an der Örtlichkeit zum Pfändungsvollzug
eingefunden, was nicht dafür spricht, er habe keine Aussagen machen wollen.
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Zeugeneinvernahmen, welche die ihm vorgeworfene vollständige Auskunftsver-
weigerung glaubhaft bestätigen, bestehen zudem nicht. Damit verbleiben auf-
grund der Akten zum Pfändungsvollzug vom 23. Januar 2017 nicht unerhebliche
Zweifel daran, der Beschuldigte habe jegliche Mitwirkung verweigert.
6.8. Keine komfortablere Beweislage präsentiert sich bezüglich der übrigen
Pfändungsvollzüge vom 14. März , 10. Mai 2017 und 25. Oktober 2017 (Urk. 6/2
und 6/4, ND 3 Urk. 3/3). In all diesen Fällen liegen nur das Pfändungsprotokoll
über den Ablauf des Vollzugs und den Angaben zur Person des Schuldners vor,
während die Pfändungsprotokolle betreffend Erklärung über Vermögenswerte der
Gesellschaft mit den Hinweisen auf die strafrechtlichen Bestimmungen fehlen. In
den drei vorhandenen Protokollen sind zwar konkrete Vorwürfe gegenüber dem
Beschuldigten aufgeführt: Danach habe der Beschuldigte anlässlich des Pfän-
dungsvollzugs vom 14. März 2017 Aussagen zu den Vermögenswerten der Firma
B._ GmbH verweigert und sei auf die Strafbestimmungen aufmerksam ge-
macht worden (Urk. 6/2 S. 3). In den Pfändungsprotokollen vom 10. Mai 2017 und
25. Oktober 2017 wird übereinstimmend bemerkt, der Beschuldigte habe indirekt
die Aussage verweigert, da er keine Frage beantwortet und nur laut wird und mit-
teilt, dass wir über ein Anwaltsbüro gehen sollen. Meine Frage nach Aktiven oder
ob er es bezahle, ignoriert er und redet daran vorbei (Urk. 6/4 S. 2, ND 3 Urk.
3/3). All diese Protokolle wurden vom Beschuldigten nicht unterzeichnet. Eine ihre
Beweiskraft erhöhende Unterschrift des Beschuldigten fehlt damit. Obwohl in den
Pfändungsprotokollen teilweise die Namen von Zeugen, welche den Inhalt der
Protokolle bzw. den Ablauf der Pfändungsvollzüge bestätigen könnten, ausdrück-
lich angegeben wurden (Urk. 6/2: K._ und L._ sind Zeugen; 6/4: Zeu-
gen: M._, K._), unterblieben entsprechende Zeugenbefragungen bisher.
Im Berufungsverfahren stellte keine Partei Beweisanträge, weshalb es beim Feh-
len von Zeugenaussagen sein Bewenden hat. Bei dieser Beweislage verbleiben
gewisse, nicht überwindbare Zweifel daran, der Beschuldigte habe bei den Pfän-
dungsvollzügen vom 14. März 2017, 10. Mai 2017 und 25. Oktober 2017 sämtli-
che Angaben – wie vorgeworfen – verweigert. Anschliessend bleibt zu bemerken,
dass aufgrund der prekären finanziellen Situation der Gesellschaft ohnehin frag-
lich wäre, ob überhaupt Forderungen der Firma in dem Ausmass vorhanden ge-
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wesen wären, die im Sinne von Art. 323 Ziffer 2 StGB zu einer Pfändung nötig
gewesen wären.
6.9. Zusammenfassend lässt sich der Vorwurf, der Beschuldigte habe in den
vier Pfändungsvollzügen vom 23. Januar 2017 um 9.10 Uhr, vom 14. März 2017
um 10.45 Uhr, vom 10. Mai 2017 um 10.00 Uhr und 25. Oktober 2017 um 11.40
Uhr jegliche Mitwirkung oder Aussagen verweigert und somit seine Vermögens-
werte verschwiegen, nicht rechtsgenügend nachweisen. Er ist deshalb vom Vor-
wurf des mehrfachen Ungehorsams im Betreibungsverfahrens im Sinne von
Art. 323 Ziffer 2 StGB in Verbindung mit Art. 29 StGB in Anwendung des Grund-
satzes „in dubio pro reo“ freizusprechen.
7. Der Beschuldigte ist folglich der Misswirtschaft im Sinne von Art. 165
Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 29 StGB, der Unterlassung der Buchführung im
Sinne von Art. 166 StGB in Verbindung mit Art. 29 StGB sowie des fahrlässigen
rechtswidrigen Aufenthalts im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. b AuG in Verbindung
mit Art. 115 Abs. 3 AuG schuldig zu sprechen und zu bestrafen.
8.1. Am 1. Januar 2018 trat die Änderung des Sanktionsrechts in Kraft, wo-
mit unter anderem der Rahmen der Geldstrafe von maximal 360 auf 180 Tagess-
ätze reduziert (Art. 34 StGB) und der Rahmen der Freiheitsstrafe generell auf drei
Tage nach unten ausgedehnt wurde (Art. 40 StGB). Gemäss Art. 2 StGB ist je-
weils nach Berücksichtigung aller Normen und Umstände das für den Täter milde-
re Recht anzuwenden. Da vorliegend eine Geldstrafe zu beurteilen ist und auf-
grund des Verbotes der reformatio in peius (Art. 391 Abs. 2 StPO) keine Bestra-
fung von mehr als 100 Tagessätzen Geldstrafe in Frage kommt, sind übergangs-
rechtliche Aspekte nicht weiter bedeutsam.
8.2. Die rechtlichen Ausführungen der Vorinstanz zum Strafrahmen sind zu-
treffend (Urk. 37 S. 15 f.). Da für die Misswirtschaft und die Unterlassung der
Buchführung vorliegend eine Geldstrafe auszufällen ist, liegen gleichartige Strafen
vor, weshalb gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB für beide Strafen eine Gesamtstrafe zu
bilden ist. Die Vorinstanz ist zutreffend von der Misswirtschaft im Sinne von
Art. 165 Ziff. 1 StGB als schwerstes Delikt ausgegangen und hat den ordentlichen
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Strafrahmen unter Einbezug der Deliktsmehrheit mit theoretisch bis zu einer Frei-
heitsstrafe von siebeneinhalb Jahren korrekt berechnet (Urk. 37 S. 16). Auch hin-
sichtlich der rechtlichen Erwägungen zur Strafzumessung im engeren Sinne kann
auf die vollständigen Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden, um Wie-
derholungen zu vermeiden (Urk. 37 S. 16 f.).
8.3. Bezüglich der objektiven Tatschwere der Misswirtschaft sind der längere
Zeitraum der Delinquenz vom 27. Mai 2016 bis 22. Februar 2018 sowie der Um-
stand, dass insgesamt 13 Pfändungsverlustscheine im Gesamtbetrag von
Fr. 32'398.70 gegen die Firma ausgestellt wurden, zu würdigen. Mit der Fortfüh-
rung der defizitären Geschäftstätigkeit der B._ GmbH hat der Beschuldigte
die Überschuldung damit nicht unerheblich vergrössert.
In subjektiver Hinsicht ist das eventualvorsätzliche Handeln zu berücksichti-
gen. Die Vorinstanz zog ferner zu Recht in ihre Betrachtung ein, dass der Be-
schuldigte sein Verhalten zu bagatellisieren scheint und er den Eindruck hinter-
lässt, es sei ihm egal, dass diverse Verlustscheine ausgestellt wurden und seine
Firma stark verschuldet wurde. Ergänzend zu den Überlegungen der Vorinstanz
ist festzuhalten, dass der Beschuldigte mit seinem Verhalten diverse Gläubiger
der Firma finanziell schädigte. Der Einschätzung der Vorinstanz, das Verschulden
des Beschuldigten sei insgesamt als erheblich zu qualifizieren, ist zwar zuzu-
stimmen. Die von ihr aufgrund des Tatverschuldens angesetzte Einsatzstrafe von
80 Tagessätzen erscheint unter diesen Umständen jedoch als sehr milde.
Was das Vorleben betrifft, weist der Beschuldigte eine Vorstrafe des Bezirk-
samts Baden vom 22. Oktober 2009 wegen Widerhandlungen gegen das Auslän-
dergesetz auf, wofür er mit einer bedingten Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je
Fr. 100.– sowie einer Busse von Fr. 2'500.– bestraft wurde (Urk. 11/1). Da diese
Vorstrafe lange zurückliegt, ist sie nur leicht straferhöhend zu würdigen.
Bezüglich der persönlichen Umstände ist festzustellen, dass der Beschuldig-
te nach eigenen Angaben seit seinem 11. Altersjahr in der Schweiz lebt, hier die
Schulen besuchte, seit 2015 geschieden ist und ein Kind hat (Urk. 2 S. 13 f.,
Urk. 3 S. 17 f.). Er habe früher bei der Firma B._ AG ein Einkommen von ca.
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Fr. 4'500.– brutto pro Monat erzielt (Urk. 2 S. 13). Anlässlich der Hauptverhand-
lung vor Vorinstanz gab er an, er lebe von "ein wenig Geld", das er noch habe. Er
könne als Selbständigerwerbender nicht zum RAV und wolle keine Sozialhilfe
(Prot. I S. 13). Seine privaten Schulden bezifferte er mit rund Fr. 40'000.– (Urk. 3
S. 17, Prot. I S. 13). An der heutigen Berufungsverhandlung erklärte er, er habe
wieder eine Einzelfirma gegründet, die in der Baubranche tätig sei, vor allem im
Bereich Sanierungen, Renovationen und Modernisierungen. Daraus erziele er ein
Einkommen von ca. Fr. 5'000.– pro Monat. Er lebe nach wie vor allein, habe aber
Kontakt zu seinem Sohn (Prot. II S. 10 ff.). Die persönlichen Verhältnisse wirken
sich verschuldensneutral aus.
Insgesamt erschiene aufgrund der Vorstrafe eine leichte Erhöhung der Ein-
satzstrafe auf 90 Tage dem Gesamtverschulden des Beschuldigten angemessen.
8.4. In Bezug auf die objektive Tatschwere der Unterlassung der Buchhal-
tung erwog die Vorinstanz, der Beschuldigte habe die ordentliche Rechnungsfüh-
rung über mehrere Jahre hinweg unterlassen. Dies ist zu relativieren, weil die An-
klage dem Beklagte eine Unterlassung nur für die Zeit ab Anfang 2017 bis
22. Februar 2018, demnach während eines gutes Jahres, vorwirft. Weiter ist ein-
zubeziehen, dass der Beschuldigte die Buchführung komplett unterliess und kei-
nerlei Belege vorweisen konnte.
In subjektiver Hinsicht berücksichtigte die Vorinstanz zutreffend, dass der
Beschuldigte eventualvorsätzlich handelte. Sein Einwand, er habe wegen des
Hausverbots ab ca. März 2017 längere Zeit keinen Zugang zu seinen Geschäfts-
unterlagen gehabt (Prot. I S. 7 ff.), mindert sein Verschulden nicht. Denn er führte
die Buchhaltung bereits vorher, nämlich ab Anfang 2017 nicht mehr. Zudem wäre
es ihm möglich gewesen, die laufende Buchhaltung während der Schliessung der
Büroräume extern zu führen.
Angesichts dieser Strafzumessungsgründe – die Vorinstanz würdigte das
Verschulden des Beschuldigten korrekt als nicht unerheblich (Urk. 37 S. 18) –
würde sich eine Strafe im Bereich von 60 Tagessätzen für die Unterlassung der
Buchführung rechtfertigen.
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8.5. Die von der Vorinstanz ausgefällte Gesamtstrafe von 100 Tagessätzen
für Misswirtschaft und Unterlassung der Buchführung ist in Anbetracht der vorste-
henden Erwägungen etwas zu milde. Zufolge des Verbots der reformatio in peius
(Verbot der Schlechterstellung) ist jedoch eine Erhöhung ausgeschlossen. Die
Gesamtstrafe von 100 Tagessätzen ist deshalb zu bestätigen.
8.6. Was die Höhe des Tagessatzes betrifft, so ist dieser nach den persönli-
chen und wirtschaftlichen Verhältnissen des Beschuldigten im Zeitpunkt des Ur-
teils, namentlich nach Einkommen und Vermögen, Lebensaufwand, allfälligen
Familien- und Unterstützungspflichten sowie nach dem Existenzminimum zu be-
stimmen (Art. 34 Abs. 2 StGB). Ausgangspunkt für die Tagessatzberechnung ist
das Einkommen, welches dem Täter durchschnittlich an einem Tag zufliesst. Da-
bei bleibt belanglos, aus welcher Quelle dieses Einkommen stammt. Abzuziehen
ist, was gesetzlich geschuldet ist oder dem Täter wirtschaftlich nicht zufliesst, so
etwa die laufenden Steuern und die obligatorischen Versicherungsbeiträge. Aus-
serdem ist das Nettoeinkommen um die Unterhalts- und Unterstützungsbeiträge
zu reduzieren, soweit der Verurteilte ihnen tatsächlich nachkommt. Nicht zu be-
rücksichtigen sind Schulden und nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung in
der Regel auch die Wohnkosten (BGE 134 IV 68 ff.). Zum Zeitpunkt des Urteils
der Vorinstanz war der Beschuldigte auf der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle
und lebte noch von "ein wenig Geld", dass er noch hatte (Prot. I S. 13, Urk. 37
S. 19). Heute sieht die finanzielle Situation anders aus: Der Beschuldigte führte
aus, er habe eine neue Firma (N._) im Bereich Renovierung, Sanierung und
Modernisierung von Bauten gegründet und verdiene ca. Fr. 5'000.– pro Monat. Er
bezahle Fr. 1'500.– Unterhaltsbeiträge für seine Ex-Frau und sein Kind. Über
Vermögen verfüge er nicht (Prot. II S. 10 f., vgl. auch Urk. 46 S. 3). Bei dieser
Ausgangslage erscheint eine Tagessatzhöhe von Fr. 50.– als angemessen. Durch
diese Erhöhung des Tagessatzes wird angesichts der festgestellten und nach
dem vorinstanzlichen Urteil verbesserten finanziellen Verhältnissen des Beschul-
digten das Verschlechterungsverbot nicht verletzt (vgl. BGE 144 IV 198 E. 5.4).
9. Für den fahrlässigen rechtswidrigen Aufenthalt ist zur Geldstrafe kumula-
tiv eine separate, den Verhältnissen des Täters angemessene Busse auszuspre-
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chen, wofür ein gesetzlicher Höchstbetrag von Fr. 10'000.– gilt (Art. 106 Abs. 1
und 3 StGB). Die Vorinstanz hat zu Recht erwogen, dass die Zeit, in welcher der
Beschuldigte über keine gültige Aufenthaltsbewilligung verfügte, lediglich kurz war
und er sich zuvor viele Jahre legal, d.h. mit Bewilligung in der Schweiz aufhielt.
Ergänzend ist zu würdigen, dass er die Tat (nach eigenen Angaben unbewusst)
fahrlässig und nicht vorsätzlich beging. Zudem ist die einschlägige Vorstrafe des
Bezirksamts Baden vom 22. Oktober 2009 wegen Widerhandlungen gegen das
Ausländergesetz leicht straferhöhend zu veranschlagen. Unter Einbezug aller
Strafzumessungsgründe ist eine Busse von Fr. 300.– angemessen.
10. Was den Vollzug der Geldstrafe betrifft, sind mit der Vorinstanz (Urk. 37
S. 20) die objektiven und subjektiven Voraussetzungen für die Gewährung des
bedingten Strafvollzugs gemäss Art. 42 StGB als erfüllt zu betrachten. Es darf an-
genommen werden, das Strafverfahren habe den Beschuldigten beeindruckt und
er werde – auch aufgrund der vorliegenden Verurteilung – seine Lehren ziehen
und sich künftig um ein rechtskonformes Verhalten bemühen. Der Vollzug der
Strafe scheint deshalb nicht notwendig, um ihn von der Begehung weiterer Ver-
gehen und Verbrechen abzuhalten. Die von der Vorinstanz festgelegte Probezeit
von zwei Jahren ist angemessen.
11. Die Busse ist nach Art. 105 Abs. 1 StGB zwingend zu vollziehen. Für
den Fall, dass der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht bezahlt, ist nach stän-
diger Praxis gestützt auf Art. 106 Abs. 2 StGB und in Anwendung eines Umwand-
lungssatzes von einem Tag Ersatzfreiheitsstrafe pro Fr. 100.– Busse eine Ersatz-
freiheitsstrafe von drei Tagen festzusetzen.
III. (Kosten und Entschädigungsfolgen)
Der Beschuldigte hat die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens und des
Berufungsverfahrens nach Massgabe seines Obsiegens oder Unterliegens zu tra-
gen (Art. 426 Abs. 1 StPO und Art. 428 Abs. 1 und 3 StPO). Der Beschuldigte ob-
siegt bezüglich des mehrfachen Ungehorsams im Betreibungsverfahrens, in wel-
chem Punkt ein Freispruch ergeht. Es rechtfertigt sich aufgrund der Aufwände im
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Vor- sowie in den beiden Gerichtsverfahren, ihm die Kosten der Untersuchung
und des gerichtlichen Verfahrens beider Instanzen im Umfang von drei Vierteln
aufzuerlegen und zu einem Viertel auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten
der amtlichen Verteidigung – welche auf Fr. 3'400.– (inkl. MWST) festzusetzten
sind (vgl. Urk. 45) – sind, unter Vorbehalt der Rückforderung im Umfang von drei
Vierteln, gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO von der Staatskasse zu tragen (Art. 426
Abs. 1 StPO).
Eine Überprüfung bzw. Änderung der erstinstanzlichen Kostenfestsetzung
erübrigt sich. Diese wurde nicht angefochten und erwuchs folglich in Rechtskraft.