# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 2e2fe712-e03a-44b8-ad6f-58ffecbc00cf
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1980, arbeitete seit dem
1.
Januar 2014 mit einem unbefristeten Teilzeitarbeitsvertrag auf Abruf als Reinigerin bei der Firma
Y._
,
Z._
,
(Urk. 10/8). Mit Schreiben vom 3
1.
Juli 2014 kün
digte die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis per 3
1.
Juli 2014, effektiv aufge
löst wurde das Arbeitsverhältnis gemäss Angaben der Arbeitgeberin per 3
1.
August 2014 (Urk. 10/9 und Urk. 10/3/4).
Am
4.
August 2014 teilte die Ver
sicherte ihrem Arbeitgeber mit, sie betrachte die Kündigung als nichtig, da sie schwanger sei (Urk. 10/10). Mit ärztlichem Zeugnis vom 1
1.
August 2014 attes
tierte Frau
Dr.
med.
A._
, Ärztin für Allgemeine Medizin FMH, eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
bis zur Geburt (Urk. 10/4).
Im
Oktober 2014
gebar die Versicherte eine Tochter und meldete sich am
18.
November 2014
zum Bezug von Mutterschaftsentschädigung an (Urk.
10/3
). Mit Verfügung vom
1.
Dezember 2014
lehnte die Ausgleichskasse den Anspruch auf Mutterschaftsentschädigung ab, da
im Zeitpunkt der Niederkunft kein arbeitsrechtliches Vertragsverhältnis
mehr bestanden habe (Urk.
10/6
). Daran hielt sie mit
Einspracheentscheid
vom
2.
März 2015
fest (Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob
X._
mit Eingabe vom
4.
April 2015 (Datum des Poststempels) Beschwerde mit dem sinngemässen Rechtsbegehren um Aus
richtung einer Mutterschaftsentschädigung, da kein
e
rechtmässige
Kündigung
erfolgt sei (Urk. 1).
Auf Verlangen des Gerichts
(Verfügung vom 13. April 2015, Urk. 4)
reichte die Beschwerdeführerin
am 2
3.
April 2015
den angefochtenen Entscheid nach (Urk. 6).
Mit Beschwerdeantwort vom 2
7.
Mai 2015 ersuchte die Beschwerdegegnerin um Abweisung der Beschwerde (Urk. 9).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Der Einzelrichter

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
2.
2.1
Anspruch auf Mutterschaftsentschädigung haben grundsätzlich nur Frauen, die im Zeitpunkt der Geburt als erwerbstätig gelten, sei es als Arbeitnehmerin,
Selbständigerwerbende
oder als Mitarbeitende im Betrieb des Ehemannes, wel
che zudem
während der neun Monate unmittelbar vor der Niederkunft im Sinne des
Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHVG)
obligatorisch versichert war
en und während dieser neun Monate mindestens fünf Monate lang eine Erwerbstätigkeit ausgeübt haben (Art. 16b Abs. 1
lit
. a-c des Erwerbsersatzgesetzes [EOG]).
Zum Begriff der Arbeitnehmerin verweist Art. 16b Abs. 1
lit
. c Ziffer 1 EOG auf Art. 10 des Allgemeinen Teils des Sozialversicherungsrechts [ATSG], wonach als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer Personen gelten, die in unselbständiger Stellung Arbeit leisten und dafür massgebenden Lohn nach dem jeweiligen
Ein
zelgesetz
beziehen. Damit wird neben der Verknüpfung mit der Arbeitsleistung in unselbständiger Stellung auch und kumulativ diejenige mit dem Bezug von massgebendem Lohn vorgenommen (
Kieser
, ATSG-Kommentar,
2. Auflage,
Schulthess
2009, N 17
zu Art.
10).
2.2
Nach dem klaren Willen des Gesetzgebers sollen nur Frauen eine
Mutterschafts
entschädigung
erhalten, welche zum Zeitpunkt der Geburt tatsächlich einen Lohn beziehen. Der Anspruch auf eine Mutterschaftsentschädigung besteht mit
hin nur, wenn das Arbeitsverhältnis (mindestens) bis und mit dem Tag der Ge
burt gedauert hat, was voraussetzt, dass für die verrichtete Arbeit im betreffen
den Kalendermonat eine Lohnzahlung erfolgte
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_171/2008 vom 28. Mai 2008 E. 4.2 mit weiteren Hinweisen).
2.3
Gestützt auf die Kompetenzdelegation des Art. 16b Abs. 3 EOG regelte der Bun
desrat in Art. 30 der Verordnung zum Erwerbsersatzgesetz (EOV) u.a., dass aus
nahmsweise auch eine
Mutter, die im Zeitpunkt der Geburt arbeitsunfähig ist
,
Anspruch auf die Entschädigung
hat
, wenn sie bis zur Geburt eine Entschädi
gung für Erwerbsausfall bei Krankheit oder Unfall einer Sozial- oder Privatver
sicherung oder Taggelder der Invalidenversicherung bezogen hat
(Abs. 1)
.
Feh
len diese Voraussetzungen
, so hat
die arbeitsunfähige Mutter
trotzdem Anspruch auf die Entschädigung, wenn sie im Zeitpunkt der Geburt noch in einem gültigen Arbeitsverhältnis steht, ihr Anspruch auf Lohnfortzahlung jedoch vor diesem Zeit
punkt schon erschöpft war (Abs. 2
).
3.
Die Beschwerdegegnerin geht davon aus, dass im Zeitpunkt der Geburt kein Arbeitsverhältnis mehr bestand und die Beschwerdeführerin weder Lohn noch Taggelder bezog.
Im Lichte der Ausnahmebestimmung des Art. 30 Abs. 2 EOV ist indes die Frage des Arbeitsverhältnisses von zentraler Bedeutung und vorab zu klären.
3.1
Gemäss Art.
336c Abs. 1
lit
. c des Obligationenrechts (OR) darf der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis während der Schwangerschaft nicht kündigen.
Die Kündi
gung, die während dieser Sperrfrist erklärt wird, ist nichtig (Abs. 2
erster
Halb
satz).
Einzig die ausserordentliche (fristlose) Kündigung im Sinne von Art. 337 OR, welche an das Vorliegen von wichtigen Gründen gebunden ist,
braucht weder auf die vertraglichen noch auf die gesetzlichen Fristen Rücksicht zu nehmen
(Kren
Kostkiewicz
/Nobel/Schwander/
Wolf,
Kommentar OR,
2009
, N 4 zu Art. 335 OR)
. Das Aussprechen einer fristlosen Entlassung
hat hinsichtlich Kündigungserklärung als auch
bezüglich
ihrer Fristlosigkeit unmissverständlich und eindeutig zu erfolgen. Im Zweifel ist von einer ordentlichen Kündigung auszugehen
(
Streiff
/von
Kaenel
/Rudolph,
Arbe
itsvertrag,
7.
Aufl. 2012, N 18 zu
Art.
337
OR
, vgl. auch N 2 zu Art. 335 OR S. 892
).
3.2
Aus dem Kündigungsschreiben der Arbeitgeberin vom 3
1.
Juli 2014 geht nicht ansatzweise hervor, dass
eine fristlose Kündigung ausgesprochen wurde
. Viel
mehr ist aus dem Umstand, dass
nach Auffassung der Arbeitgeberin
das Arbeitsverhältnis per 3
1.
August 2014 beendet
worden sei (vgl. Urk. 10/3/4)
, von einer ordentlichen Kündigung auszugehen.
Die Kündigung
fällt wegen der Schwangerschaft in die Sperrfrist des Art.
336c Abs. 1
lit
. c OR und ist daher nichtig. Daraus folgt,
dass
die Beschwerdeführerin am Tag der Geburt ihrer Tochter in einem ungekündigten Arbeitsverhältnis stand.
Da sie zudem bis zur Geburt arbeitsunfähig war,
trifft auf sie der Ausnahmefall des Art. 30 Abs. 2 EOV zu, was grundsätzlich einen Anspruch auf Mutterschaftsentschädigung begründet.
Da die Ausnahmebestimmung des Art. 30 Abs. 2 EOV insbesondere dann greift, wenn der Anspruch auf Lohnfortzahlung vor der Geburt bereits erschöpft ist (vgl. E. 2.3), ist die Frage weiterer Ansprüche aus dem Arbeitsver
hältnis (Lohnfortzahlung oder Krankentaggelder) für das vorliegende Verfahren nicht relevant und kann offen bleiben.
3.3
Dass die übrigen Voraussetzungen für den Anspruch auf eine
Mutterschaftsent
schädigung
(
Art.
16b
Abs.
1 EOG) nicht erfüllt sein sollen, ist nicht ersichtlich und wird auch nicht geltend gemacht. Demnach ist die Beschwerdeführerin grundsätzlich ab dem Tag der Niederkunft (vgl.
Art.
16c EOG), mithin ab 2
4.
Oktober 2014, anspruchsberechtigt.