# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 23ecf99f-56bd-4402-b1ca-46ffe926415e
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
Die Eheleute R._ und S._ stammen aus dem Irak. Sie reisten am 8. Mai 2018
zusammen mit den Kindern A._, geb. 2013, und B._, geb. 2014, in die Schweiz ein.
Im August 2018 kam das dritte Kind C._ zur Welt. Mit Verfügung des
Staatssekretariats für Migration (SEM) vom 20. Mai 2020 wurde das Asylgesuch der
Familie abgewiesen und diese aus der Schweiz weggewiesen. Die gegen den
ablehnenden Entscheid des SEM erhobene Beschwerde wies das
Bundesverwaltungsgericht mit Entscheid vom 30. August 2021 ab. In der Folge setzte
das Migrationsamt des Kantons St. Gallen der Familie eine Ausreisefrist bis
25. November 2021 an, die ungenutzt verstrich.
Am 28. November 2021 reichten R._ und S._ beim SEM ein Wiedererwägungsgesuch
ein, worauf der Vollzug der Wegweisung einstweilen ausgesetzt wurde. Mit Verfügung
vom 6. Dezember 2021 wies das Migrationsamt die Familie zum Bezug der Nothilfe der
politischen Gemeinde Vilters-Wangs mit Aufenthaltsort Ausreise- und Nothilfezentrum
(ANZ) Sonnenberg Vilters zu. Einem allfälligen Rekurs wurde die aufschiebende
Wirkung entzogen.
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B.
Dagegen erhoben R._ und S._ in eigenem und im Namen ihrer drei Kinder am
20. Dezember 2021 Rekurs beim Sicherheits- und Justizdepartement mit dem Antrag,
die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und sie seien der Gemeinde Z._ zwecks
Nothilfeleistung und weiterem Schulbesuch der Kinder zuzuweisen, auch bereits
während des laufenden Rekursverfahrens (RDRM.2021.151). Zudem sei ihnen die
unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung zu gewähren. Gleichzeitig
rügten sie eine Rechtsverweigerung des Migrationsamts, da dieses keine Verfügung
betreffend Entzug der Sozialhilfe erlassen habe (RDRM.2022.10).
Mit Verfügung vom 23. Dezember 2021 wies das SEM das Wiedererwägungsgesuch
betreffend den Asylentscheid ab. Die dagegen erhobene Beschwerde wurde vom
Bundesverwaltungsgericht am 7. Februar 2022 abgewiesen.
Mit Entscheid vom 18. Februar 2022 wies das Sicherheits- und Justizdepartement den
Rekurs gegen die Zuweisung an die politische Gemeinde Vilters-Wangs zum Bezug
von Nothilfe ab; auf die Rechtsverweigerungsbeschwerde trat es nicht ein. Das Gesuch
um unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung in den angehobenen
Rechtsmittelverfahren wurde abgewiesen, die amtlichen Kosten von CHF 1'000 den
Rekurrenten auferlegt, auf deren Erhebung aber verzichtet. Einer allfälligen Beschwerde
wurde ferner die aufschiebende Wirkung entzogen.
C.
Mit Eingabe vom 2. März 2022 erhoben R._ und S._ (Beschwerdeführer) unter
Einbezug der gemeinsamen Kinder A._, B._ und C._ gegen den Entscheid des
Sicherheits- und Justizdepartements (Vorinstanz) Beschwerde beim
Verwaltungsgericht mit den Anträgen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei der
angefochtene Entscheid aufzuheben, und es sei die Streitsache zwecks Ergänzung und
Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, eventualiter seien sie der zuvor
zuständigen Wohngemeinde oder einer anderen Gemeinde zwecks Besuchs einer
öffentlichen Schule zuzuweisen. Ausserdem stellten sie ein Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege und -verbeiständung sowie Gewährung der
aufschiebenden Wirkung. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege und Rechtsverbeiständung wurde vom Abteilungspräsidenten bewilligt
und Rechtsanwalt Urs Ebnöther, Zürich, als unentgeltlicher Rechtsbeistand der
Beschwerdeführer bestellt.
Mit Vernehmlassung vom 14. März 2022 beantragte die Vorinstanz die Abweisung der
Beschwerde und verwies zur Begründung im Wesentlichen auf die Erwägungen im
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angefochtenen Entscheid. Die Beschwerdeführer reichten am 1. April 2022 eine weitere
Stellungnahme ein. Am 20. April 2022 informierte das Migrationsamt, dass die
Beschwerdeführer per 18. April 2022 in X._ eine eigene Wohnung bezogen hätten.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten und die Akten wird, soweit wesentlich,
in den Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdeverfahren B 2022/44 (Rechtsverweigerung) und B 2022/45 (Zuweisung
an eine Gemeinde zum Bezug von Nothilfe) beschlagen beide denselben Entscheid der
Vorinstanz vom 18. Februar 2022; zudem besteht in tatbeständlicher und rechtlicher
Hinsicht ein enger Sachzusammenhang. Praxisgemäss rechtfertigt es sich daher, die
zwei Beschwerden in einem einzigen Entscheid zu behandeln, die beiden
Beschwerdeverfahren entsprechend zu vereinigen und mit einem Entscheid zu
erledigen.
1.1.
Entscheide des zuständigen Departements über Rechtsverweigerungsbeschwerden
gegen untere Verwaltungsbehörden können mit Beschwerde an das
Verwaltungsgericht weitergezogen werden (Art. 89 Abs. 2 Ingress und lit. b in
Verbindung mit Art. 89 Abs. 1 Ingress und lit. b des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Zudem beurteilt das Verwaltungsgericht
Beschwerden gegen Entscheidungen der Departemente (Art. 59 Abs. 1 VRP). Die
Beschwerdeführer haben am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen; sie sind durch
den angefochtenen Entscheid formell beschwert (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45
Abs. 1 VRP). Die Kinder der Beschwerdeführer sind unmündig (Art. 14 des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches, SR 210, ZGB). Ob ihnen ein eigenständiges
Beschwerderecht zukommt, kann offengelassen werden, weil bereits die Eltern
ihrerseits beschwerdeberechtigt und die Kinder entsprechend bereits daher in das
Verfahren miteinzubeziehen sind. Die Beschwerdeeingabe vom 2. März 2022 erfolgte
rechtzeitig und erfüllt formal und inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerden B 2022/44
und B 2022/45 ist daher grundsätzlich einzutreten.
1.2.
bis
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2. Rechtsverweigerungsbeschwerde, Verfahren B 2022/44
Verfahrensgegenstand in Bezug auf die Rechtsverweigerungsbeschwerde ist einzig, ob
das Migrationsamt gehalten bzw. gar verpflichtet gewesen wäre, über den Entzug der
Sozialhilfe bzw. die Gewährung von Sozialhilfe im engeren Sinn explizit eine
Feststellungverfügung zu erlassen, wobei bejahendenfalls die Vorinstanz auf die bei ihr
anhängig gemachte Rechtsverweigerungsbeschwerde zu Unrecht nicht eingetreten
und die Angelegenheit zur Entscheidung an sie zurückzuweisen wäre. Soweit die
Beschwerdeführer diesbezüglich weitere Fragen aufwerfen, welche entsprechend
ausserhalb des geschilderten Prozessgegenstands liegen, kann darauf nicht
eingetreten werden.
2.1.
Mit der Rechtsverweigerungsbeschwerde kann gemäss Art. 88 Abs. 2 Ingress und lit. a
VRP geltend gemacht werden, eine Behörde weigere sich, eine vorgeschriebene
Amtshandlung vorzunehmen. Voraussetzung für eine formelle Rechtsverweigerung ist
ein Anspruch des Betroffenen auf Erlass einer Verfügung (vgl. Zogg/Wyss, in: Rizvi/
Schindler/Cavelti [Hrsg.], Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar,
Zürich/ St. Gallen 2020, N 8 zu Art. 88 VRP). Bei der formellen Rechtsverweigerung im
engeren Sinn fällt die an sich zuständige Behörde zu Unrecht keine Entscheidung bzw.
nur eine Teilentscheidung oder unterlässt es zu Unrecht, die für die Beurteilung
notwendigen Abklärungen zu treffen. Demgegenüber ist die Behörde bei der
Rechtsverzögerung zwar gewillt, tätig zu werden bzw. eine Entscheidung zu fällen,
jedoch kommt sie ihrer Verpflichtung nicht innert angemessener Frist nach und
verschleppt damit das Verfahren (vgl. Uhlmann/ Wälle-Bär, in: Waldmann/
Weissenberger [Hrsg], Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, N
2 zu Art. 46a VwVG; Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2.
Aufl. 2003, Rz. 1209 f.; BGer 5A_339/2016 vom 27. Januar 2017 E. 2.1 mit Hinweis auf
BGE 135 I 6 E. 2.1).
Gegenstand einer Feststellungsverfügung sind der Bestand, Nichtbestand oder
Umfang individualisierter öffentlich-rechtlicher Rechte und Pflichten. Voraussetzung für
den Erlass einer solchen Verfügung ist das Vorliegen eines Feststellungsinteresses.
Dieses wird bejaht, wenn der Betroffene ein rechtliches oder tatsächliches aktuelles
Interesse am Erlass einer Feststellungsverfügung bzw. eines Feststellungsentscheids
dartut und wenn die Verfügung bzw. der Entscheid Rechtsfolgen und nicht nur
theoretische Rechtsfragen zum Gegenstand hat. Nach der Praxis ist das
2.2.
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Feststellungsinteresse insbesondere dann gegeben, wenn Unklarheiten über den
Bestand oder Umfang öffentlich-rechtlicher Befugnisse oder Pflichten bestehen. Im
Weiteren muss das Interesse an der Feststellung aktuell sein, und schliesslich dürfen
die Interessen des Gesuchstellers nicht dadurch gewahrt sein, dass alsbald eine
gestaltende Verfügung erlassen werden kann (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 560).
Gemäss Art. 81 des Asylgesetzes (SR 142.31, AsylG) erhalten Personen, die sich
gestützt auf dieses Gesetz in der Schweiz aufhalten und die ihren Unterhalt nicht aus
eigenen Mitteln bestreiten können, die notwendigen Sozialhilfeleistungen, sofern nicht
Dritte aufgrund einer gesetzlichen oder vertraglichen Verpflichtung für sie aufkommen
müssen, beziehungsweise auf Ersuchen hin Nothilfe. Personen mit einem
rechtskräftigen Wegweisungsentscheid, denen eine Ausreisefrist angesetzt worden ist,
werden von der (ordentlichen) Sozialhilfe ausgeschlossen (Art. 82 Abs. 1 Satz 2 AsylG).
In der bis 31. März 2014 geltenden Fassung galt die gleiche Regelung als "kann"-
Bestimmung. Mit der "neuen" Formulierung wurde der (damalige)
Rechtssetzungsspielraum der Kantone, in deren Zuständigkeit die Sozial- und Nothilfe
gemäss Art. 82 Abs. 1 Satz 1 AsylG fällt, beschränkt. Der Ausschluss von der
Sozialhilfe für Personen mit einem rechtskräftigen Wegweisungsentscheid, denen eine
Ausreisefrist angesetzt worden ist, steht folglich seit dem 1. Februar 2014 nicht mehr
im Ermessen der zuständigen Kantone, sondern ist verpflichtend. Kommen die
Betroffenen ihrer Ausreiseverpflichtung innerhalb der ihnen angesetzten Ausreisefrist
und auch später nicht nach, kommt ihnen kraft Bundesrechts lediglich noch ein
Anspruch auf Nothilfe zu. Auch das Bundesgericht hat diesbezüglich wiederholt
ausgeführt, dass sich der Ausschluss aus der Sozialhilfe verpflichtend und direkt aus
dem Bundesgesetz ergebe und es weder einer eigenständigen kantonalen gesetzlichen
Grundlage noch einer Verfügung im Einzelfall bedürfe. Ein schutzwürdiges Interesse am
Erlass einer Feststellungsverfügung – worunter rechtsprechungsgemäss ein rechtliches
oder tatsächliches und aktuelles Interesse an der sofortigen Feststellung des
Bestehens oder Nichtbestehens eines Rechtsverhältnisses zu verstehen ist, dem keine
erheblichen öffentlichen oder privaten Interessen entgegenstehen und welches nicht
durch eine rechtsgestaltende Verfügung gewahrt werden kann – sei nicht dargetan
(BGer 8C_227/2020 vom 9. Juni 2020 E. 5.2.2 mit Hinweisen). Aufgrund dieser klaren
und unmissverständlichen gesetzlichen und höchstrichterlichen Vorgaben ist für die –
Grund und Anlass für die die Rechtsverweigerungsbeschwerde provozierende –
Reduktion der Unterstützungsleistung von der Sozialhilfe auf die Nothilfe weder eine
eigenständige kantonale gesetzliche Grundlage noch eine separate Verfügung im
Einzelfall erforderlich (vgl. VerwGE B 2013/218 vom 16. April 2014 E. 2.3.1 mit weiteren
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3. Zuweisung an eine Gemeinde zum Bezug von Nothilfe, Verfahren B 2022/45
Hinweisen; C. Hruschka, in: Spescha/Zünd/Bolzli/Hruschka/de Weck [Hrsg.],
Kommentar zum Migrationsrecht, 5. Aufl. 2019, N 3 zu Art. 82 AsylG).
Unter den dargelegten Umständen sind die Beschwerdeführer als rechtskräftig
weggewiesene Asylsuchende, deren Ausreisefrist abgelaufen ist, gestützt auf Art. 82
Abs. 1 Satz 2 AsylG von Gesetzes wegen von der (ordentlichen) Sozialhilfe
ausgeschlossen. Weil der Ausschluss von der (ordentlichen) Sozialhilfe nicht im
Ermessen der zuständigen Kantone steht, sondern für diese verpflichtend ist, ist das
Migrationsamt für die Ausrichtung von Sozialhilfe an die Beschwerdeführer, welche
über einen rechtskräftigen Wegweisungsentscheid verfügen, nicht zuständig. Für eine
(rein formelle) Feststellung des bereits von Gesetzes wegen vorgesehenen
Ausschlusses von der Sozialhilfe durch das Migrationsamt besteht demnach so oder
anders kein Raum. Wie die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat, fehlte es abgesehen
vom fehlenden Feststellungsinteresse bereits an einem verfahrensauslösenden Gesuch
der Beschwerdeführer für eine entsprechende Feststellungsverfügung. Eine
unzulässige Rechtsverweigerung in dem Sinn, dass das an sich zuständige
Migrationsamt zu Unrecht keine Verfügung betreffend den Entzug der Sozialhilfe
erlassen habe, liegt somit klarerweise nicht vor. Die Vorinstanz ist auf die
Rechtsverweigerungsbeschwerde nicht eingetreten. Sie beruft sich dabei auf einen
Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts, wonach das
Rechtsverweigerungsbeschwerdeverfahren durch Nichteintretensentscheid zu
erledigen sei, sofern bereits aufgrund einer summarischen Prüfung feststehe, dass
keine Pflicht zum Erlass einer anfechtbaren Verfügung vorliege (vgl. BVGer
B-1612/2010 vom 8. Juli 2010 E. 1.4). Ob eine solche Rechtsanwendung auch im
st. gallischen Verwaltungsverfahren gemäss VRP vertretbar ist oder die
Rechtsverweigerungsbeschwerde von der Vorinstanz stattdessen hätte abgewiesen
werden müssen, kann angesichts der ausführlichen Begründung der Vorinstanz in der
Sache offen gelassen werden. Eine Abweisung der Rechtsverweigerungsbeschwerde
hätte am Ergebnis für die Beschwerdeführer nichts geändert. Bei dieser Sachlage ist
die Beschwerde im Verfahren B 2022/44 abzuweisen.
2.3.
Für die Ausrichtung von Sozialhilfeleistungen und Nothilfe gilt gemäss Art. 82 Abs. 1
Satz 1 AsylG kantonales Recht. Im Zusammenhang mit dem V. Nachtrag zum
Sozialhilfegesetz (sGS 381, SHG; in Vollzug seit 1. Januar 2019) wurden spezifische
sozialhilferechtliche Aufgaben des Asylbereichs dem Kanton zugewiesen; an der
3.1.
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grundsätzlichen Zuständigkeitsregelung wurde jedoch keine Änderung vorgenommen
(vgl. ABl 2018 2333, S. 2344 f.). Gestützt auf den neuen Art. 6 Abs. 2 SHG hat der
Kanton St. Gallen in der Folge die Asylverordnung (sGS 381.12, AsylVo; in Vollzug seit
1. Juli 2019) erlassen. Gemäss Art. 2 AsylVo vollzieht das Migrationsamt die
Bestimmungen des eidgenössischen und des kantonalen Rechts im Asylbereich,
soweit nicht andere Behörden zuständig sind. Der Kanton ist unter anderem zuständig
für die Gewährung der Sozialhilfe für Asylsuchende im erweiterten Verfahren (Art. 3 lit. a
AsylVo) und für die Gewährung der Nothilfe für Personen mit einer rechtskräftigen
Wegweisungsverfügung oder deren Asylgesuch mit einem rechtskräftigen
Nichteintretensentscheid abgeschlossen wurde (Art. 3 lit. b Ziff. 2 AsylVo). Des
Weiteren leistet der Kanton Sozialhilfe für Asylsuchende in Kollektivunterkünften mit
Integrationscharakter, wobei der Aufenthalt bis zum rechtskräftigen Asylentscheid
dauert (Art. 4 AsylVo). Für Personen nach Art. 3 lit. b AsylVo leistet der Kanton Nothilfe
in sachgemässer Anwendung von Art. 9b SHG in Kollektivunterkünften mit
Minimalstandards. Er richtet den Fokus der Betreuung auf die Vorbereitung der
Rückkehr in das Herkunftsland. Die Zuständigkeiten der politischen Gemeinde sind in
Art. 8 AsylVo geregelt.
Die Umsetzung von Art. 12 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (SR 101, BV) wiederum obliegt den Kantonen. Vorbehältlich der aus
Art. 12 BV fliessenden verfassungsmässigen Mindestgarantien sind die Kantone in der
Ausgestaltung der Art und Weise von Nothilfeleistungen frei. Für Asylsuchende und
Schutzbedürftige ohne Aufenthaltsbewilligung ist die Unterstützung nach Möglichkeit in
Form von Sachleistungen auszurichten. Der Ansatz für die Unterstützung liegt unter
dem Ansatz für die einheimische Bevölkerung (Art. 82 Abs. 3 AsylG). Die Nothilfe ist
nach Möglichkeit in Form von Sachleistungen an den von den Kantonen oder vom
Bund bezeichneten Orten auszurichten. Der Ansatz für die Unterstützung liegt unter
dem Ansatz für die Sozialhilfe, die Asylsuchenden und Schutzbedürftigen ohne
Aufenthaltsbewilligung ausgerichtet wird (Art. 82 Abs. 4 AsylG). Die Kantone verfügen
in dem von Verfassung und Völkerrecht gesetzten Rahmen dabei über einen
vollständigen Ermessensspielraum bei der Zuteilung an die Gemeinden, sowohl
bezüglich der ihnen zugewiesenen Asylbewerber als auch bezüglich der für den Vollzug
der Wegweisung in ihre Zuständigkeit fallenden Ausländer (vgl. BGE 139 I 265 E. 3.3).
ter
Die Vorinstanz führte in der angefochtenen Verfügung aus, dass die Beschwerdeführer
seit Ablauf der Ausreisefrist von Gesetzes wegen nur noch Anspruch auf Nothilfe
hätten. Es bleibe kein Raum für die Gewährung von (ordentlicher) Sozialhilfe. Weshalb
3.2.
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der Ausschluss von der Sozialhilfe nicht auch für Kinder gelten sollte, sei nicht
ersichtlich. Ob die angerufenen Normen der Kinderrechtskonvention unmittelbar
anwendbar seien, könne offenbleiben, da die Grenze zwischen den unbestimmten
Begriffen des Umfangs der Sozialhilfe und der Nothilfe fliessend sei. Eine Verletzung
der Kinderrechtskonvention sei bei einer Unterbringung der Kinder im ANZ Sonnenberg
nicht ersichtlich.
Das Asylgesuch der Beschwerdeführer samt Kindern wurde mit Entscheid des
Bundesverwaltungsgerichts vom 30. August 2021 rechtskräftig abgewiesen und die
Familie aus der Schweiz weggewiesen. Die Ausreisefrist ist am 25. November 2021
abgelaufen. Das Migrationsamt ist an diese rechtskräftige Wegweisung gebunden,
unabhängig der von den Beschwerdeführern geübten Kritik der Missachtung des
Kindeswohlvorrangs. Mittlerweile wurden auch das Wiedererwägungsgesuch und die
wiederum dagegen erhobene Beschwerde abgewiesen, womit sich die
Beschwerdeführer illegal in der Schweiz aufhalten. Mit Verfügung vom 6. Dezember
2021 wies das Migrationsamt die Beschwerdeführer der politischen Gemeinde Vilters-
Wangs mit Aufenthalt im ANZ Sonnenberg in Vilters zum Bezug von Nothilfe zu. Es
wurde ausgeführt, dass die Beschwerdeführer gestützt auf Art. 82 AsylG von der
Sozialhilfe ausgeschlossen seien, jedoch Anspruch auf Gewährung von Nothilfe hätten.
Hinzu kommt, dass die Zuteilung oder Umteilung von Nothilfebezügern in der Regel
keine Aussenwirkung entfaltet, sondern eine die beteiligte(n) Gemeinde(n) betreffende
organisatorische Anordnung darstellt, geht es doch darum, die öffentliche
Unterstützung auf die Gemeinden zu verteilen. Sie greift daher grundsätzlich nicht in
die Rechtsstellung des Nothilfeempfängers ein und kann somit regelmässig formlos
ergehen. Sie ist damit in der Regel auch nicht anfechtbar. Massgebend für den
bundesrechtlich vorgesehenen Wechsel von (ordentlicher) Sozialhilfe zu Nothilfe ist
nicht die Zuweisungsverfügung an die politische Gemeinde Vilters-Wangs vom 6.
Dezember 2021, sondern die Änderung des Asylstatus, über die bei den
Beschwerdeführern im Asylverfahren rechtskräftig im Sinne einer Wegweisung
befunden worden war. Der Asylstatus bildet nicht Gegenstand dieses Verfahrens
(VerwGE B 2019/225 E. 3.2, bestätigt in BGer 8C_225/2020 vom 9. Juni 2020 E. 5.4).
Anders kann es sich verhalten, wenn ein legitimes Rechtsschutzinteresse der
Nothilfebezüger im Raum stünde, was beispielsweise dann der Fall wäre, wenn die
Einheit der Familie durch die Zuweisung nicht gewahrt würde (BGer 8C_435/2014 vom
25. August 2014 E. 2.3), was vorliegend jedoch nicht der Fall ist. Inwiefern durch die
Zuweisungsverfügung an sich Verfassungs- oder Völkerrecht verletzt sein soll, wird in
den ausufernden Ausführungen der Beschwerdeschrift nicht dargetan und ist auch
3.3.
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nicht ersichtlich.
Was die Beschwerdeführer sodann mit weitschweifigen und grösstenteils ausserhalb
des Streitgegenstands liegenden Argumenten gegen den vorinstanzlichen Entscheid
vorbringen, verfängt nicht. Insbesondere ist nicht ersichtlich, weshalb der Ausschluss
von der Sozialhilfe nicht auch für die Kinder rechtskräftig abgewiesener Asylbewerber
gelten soll. Nach Art. 2 Abs. 2 des Übereinkommens über die Rechte des Kindes
(SR 0.107, KRK) treffen die Vertragsstaaten alle geeigneten Massnahmen um
sicherzustellen, dass das Kind von allen Formen der Diskriminierung oder Bestrafung
wegen des Status, der Tätigkeiten, der Meinungsäusserungen oder der
Weltanschauung der Eltern geschützt wird. Bei allen Massnahmen, die Kinder
betreffen, ist das Wohl des Kindes ein Gesichtspunkt, der vorrangig zu berücksichtigen
ist (vgl. Art. 3 Abs. 1 KRK). Ob diese Normen unmittelbar anwendbar sind und
(eigenständige) Rechtsansprüche verleihen und inwieweit davon abweichende
bundesgesetzliche Regelungen unter der Optik von Art. 190 BV trotzdem anzuwenden
sind, kann offenbleiben. Zwar bedeutet Nothilfe im Vergleich mit der Sozialhilfe
unbestrittenermassen eine Beschränkung der einer Person zustehenden
Unterstützungsleistungen. Indes kann weder der Umfang der Sozialhilfe noch
insbesondere jener der Nothilfe quantitativ eindeutig festgelegt werden. In beiden
Fällen handelt es sich um unbestimmte Rechtsbegriffe – "laufende Bedürfnisse für den
Lebensunterhalt" (Art. 11 Abs. 1 SHG), "Mittel, die für ein menschenwürdiges Dasein
unerlässlich sind" (Art. 12 BV) – welche auszulegen und anzuwenden sind. Die Grenze
ist dementsprechend fliessend. Eine konventionsrechtlich relevante Verletzung und ein
daraus resultierender Anspruch auf Ausrichtung von (ordentlicher) Sozialhilfe für die
Kinder anstelle der (für die Eltern geltenden) Nothilfe ist unter diesem Aspekt jedenfalls
keine ersichtlich und wird denn auch nicht substantiiert vorgebracht (vgl. zum Ganzen
VerwGE B 2020/2 vom 27. Februar 2020 E. 3.5).
Das ANZ Sonnenberg in Vilters ist auf die gemeinsame Beherbergung von
erwachsenen Personen und Kindern ausgerichtet (vgl. www.sg.ch unter Sicherheit/Asyl
und Flüchtlinge/Zentren für Asylsuchende). Der Familie stehen separate Räumlichkeiten
zur Verfügung, auch wenn diese mit angeblich 11⁄2 Zimmern nicht grosszügig bemessen
sind. Zusätzlich gibt es noch einen Aufenthaltsraum, der nur Familien zur Verfügung
steht. Die schulpflichtigen Kinder werden von einer Lehrperson vor Ort unterrichtet.
Gemäss Angaben der Beschwerdeführer leben derzeit 14 Kinder im ANZ Sonnenberg,
womit davon auszugehen ist, dass für die drei Kinder Kontaktmöglichkeiten zu
gleichaltrigen oder Kindern in ähnlichem Alter bestehen. Auch das Bundesgericht
erblickte in der Zuweisung von Familien in das ANZ Sonnenberg keine Verletzung von
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4.
Die amtlichen Kosten sind dem Verfahrensausgang entsprechend – beide
Beschwerden sind abzuweisen – von den Beschwerdeführern zu tragen (Art. 95 Abs. 1
VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF 1'500 erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 212 der
Gerichtskostenverordnung; sGS 941.12). Zufolge Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege ist auf die Erhebung zu verzichten (Art. 97 VRP).
Zufolge gewährter unentgeltlicher Rechtsverbeiständung ist der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführer zu entschädigen. Eine Kostennote wurde nicht eingereicht.
Angesichts der Tatsache, dass der Rechtsvertreter erst nach Erhebung der
Verfassungs- oder Völkerrecht. Es erwog, das ANZ Sonnenberg sei auf die
gemeinsame Beherbergung von Erwachsenen und Kindern ausgerichtet, womit der
Grundsatz der Einheit der Familie und insbesondere die Bedürfnisse der Kinder, auch
was den Schulunterricht anbelange, im Rahmen des Nothilfeanspruchs gewahrt
würden (BGer 8C_225/2020 vom 9. Juni 2020 E. 5.4). Schliesslich ist stets vor Augen
zu halten, dass das Asylgesuch der Beschwerdeführer und ihrer Kinder rechtskräftig
abgewiesen und deren gemeinsame Rückkehr in den Irak als möglich sowie zumutbar
beurteilt wurde. Sie halten sich nunmehr illegal in der Schweiz auf. Entsprechend den
gesetzlichen Bestimmungen erfüllen die Kollektivunterkünfte denn auch lediglich
Minimalstandards, und der Fokus der Betreuung ist auf die Rückkehr der Betroffenen in
deren Heimat und nicht auf deren weiteren Verbleib in der Schweiz gerichtet. Kämen
die Beschwerdeführer ihrer Ausreisepflicht nach, wäre der von ihnen beanstandete
Aufenthalt im ANZ Sonnenberg denn auch sofort beendet.
Angesichts der klaren Rechtslage, wonach die Beschwerdeführer samt ihren Kindern
als abgewiesene Asylbewerber von der (ordentlichen) Sozialhilfe ausgeschlossen
worden sind, sowie mangels Verletzung des Grundsatzes der Einheit der Familie hat
die Vorinstanz den Rekurs betreffend Zuweisung an eine Gemeinde zum Bezug der
Nothilfe zu Recht abgewiesen. Die Beschwerde im Verfahren B 2022/45 ist somit
abzuweisen.
Zwischenzeitlich haben die Beschwerdeführer im Übrigen das ANZ Sonnenberg
verlassen und sind per 18. April 2022 in eine eigene Wohnung nach X._ gezogen (act.
12/1). Diesbezüglich ist die Beschwerde zufolge Gegenstandslosigkeit abzuschreiben.
Mit vorliegendem Entscheid in der Sache wird das Gesuch um Gewährung der
aufschiebenden Wirkung ebenfalls gegenstandslos.
3.4.
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Beschwerden beigezogen und eingesetzt wurde, erscheint ein Pauschalhonorar von
CHF 1'000, herabgesetzt um einen Fünftel auf CHF 800 (vgl. Art. 31 Abs. 3 des
Anwaltsgesetzes; sGS 963.70, AnwG), zuzüglich Barauslagen von CHF 32 (vier Prozent
von CHF 800) und – mangels Antrags – ohne Mehrwertsteuer als angemessen (Art. 19,
Art. 22 Abs. 1 Ingress und lit. b in Verbindung mit Art. 27 Abs. 2, Art. 28 und Art. 29
der Honorarordnung, sGS 963.75).