# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d4fd87de-5fcd-4ff0-ac9e-3938bb499892
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 3
1.
Oktober 1954
, arbeitete
bis zum
vorzeitigen Alters
rücktritt
per 3
1.
Juli 2019
als Primarlehrer
für
die Schulgemeinde
Y._
und war infolgedessen bei der BVK Personalvorsor
ge des Kantons Zürich (
nach
fol
gend
BVK) beruf
svorsorgeversichert (
vgl.
Austrittsverfügung vom 9.
April 2019
[
Urk.
6/2]). Mit Schreiben vom 1
7.
April 2019
teilte
die
BVK
dem Ver
sicherten
mit, dass
sein Arbeitgeber
sie
über die
(vorzeitige
)
Alterspensionierung
per 31
.
Juli
2019
(Ende Schuljahr)
informiert habe
, sie weitere Angaben benötige
und
er (
der Versicherte
)
gebeten werde
,
das beigelegte Formular «Angaben zur Alterspensio
nierung per 3
1.
Juli 2019» auszufüllen und zu retournieren
(
Urk.
6/3).
Das
aus
gefüllte
und unterzeichnete
Formular
ging
bei der BVK
am
2
1.
Mai 2019
(
Urk.
6/5)
ein
und gleichentags auch
d
as
vom Versicherten am 1
2.
Mai 2019 unterzeichnete Formular «
Antrag auf Kapitalbezug der Altersleistungen
»
,
in dem ein Kapitalbezug
im gewünschten Betrag
von
Fr.
200'000.-- angegeben wurde
(
Urk.
6/4). Mit Schreiben vom 2
4.
Mai 2019 (
Urk.
6/6) bestätigte die BVK
den
Empfang des Antrags auf den
gewünschten Kapitalbezug
von
Fr.
200'000.-- aus dem Sparguthaben des Versicherten (
Urk.
6/6).
Mit Schreibe
n
vom 2
9.
Juli 2019 (
Urk.
6/8) gab
die BVK dem Versicherten die Auszahlung von Fr
.
200'000.--
(
Valuta
2.
August 2019
),
die übrig gebliebenen
Sparguthaben
,
den Umwand
lungssatz und den Betrag der
jährliche
n
Altersrente bekannt
. Mit Schrei
ben
ebenfalls
vom 2
9.
Juli 2019 (
Urk.
6/9)
teilte
sie dem Versicherten eine monatliche Altersrente von
Fr.
2'328.45
und den Rentenbeginn
mit Wirkung ab
1.
August 2019
mit
. Am
5.
August 2019 unterzeichnete der Versicherte
das
Formular «An
trag auf höheren Umwandlungssatz für die Altersleistungen»
und reichte dieses
– mit Begleitbrief -
der BVK ein
(
Urk.
6/10).
Am 2
3.
September 2019 teilte die BVK mit, dass de
r Antrag auf höheren Umwandlungssatz abgelehnt werde, da
das Formular nicht
fristgere
cht
eingereicht worden sei
(
Urk.
6/11). Hieran hielt
die BVK
mit Entscheid vom
8.
Novem
ber 2019
fest (
Urk.
6/12
).
2.
Am 2
0.
April 2020
erhob der
Versicherte Klage und beantragte
(
Urk.
1 S. 2)
, die Beklagte sei zu verpflichten,
ihm die Altersrente nach den höheren Umwand
lung
s
sätzen zulasten der Ehegattenrente gemäss
Art.
31,
Art.
32
und Art.
50 des Vorsorgereglements 2019 zu entrichten. Mit Klageantwort vom 28
.
Mai 2020
(
Urk.
5)
schloss die Beklagte
auf Abweisung der Klage. Mit Replik vom 6. Juli 2020 (
Urk.
9) und Duplik vom 2
6.
August 2020 (
Urk.
12)
hielt
en die Parteien an
ihren Anträgen
fest
.
Die
Duplik
w
urde dem Kläger
am 2
7.
August 20
20
zugestellt (
Urk.
14).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1
.1
Gemäss
Art.
13
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinter
lassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) haben Anspruch auf Altersleistungen:
a. Männer, die das 6
5.
Altersjahr zurückgelegt haben;
b. Frauen, die das 6
4
.
Altersjahr zurückgelegt haben.
Die reglementarischen Bestimmungen der Vorsorgeeinrichtung können abwei
chend davon vorsehen, dass der Anspruch auf Altersleistungen mit der Beendi
gung der Erwerbstätigkeit entsteht. In diesem Fall ist der Umwandlungssatz (
Art.
14) entsprechend anzupassen (
Abs.
2).
1
.2
Im Bereich der weitergehenden Vorsorge wird das Rechtsverhältnis zwischen der
Vorsorgeeinrichtung und dem Vorsorgenehmer durch einen privatrechtlichen Vor
sorgevertrag begründet, der rechtsdogmatisch den
Innominatverträgen
(eigener Art) zuzuordnen ist (BGE 130 V 103 E. 3.3, 129 III 305 E. 2.2). Als solcher untersteht er in erster Linie den allgemeinen Bestimmungen des Obligationen
rechts. Das Reglement stellt den vorformulierten Inhalt des Vorsorgevertrages beziehungsweise dessen Allgemeine Versicherungsbedingungen (AVB) dar, denen sich der Versicherte ausdrücklich oder durch konkludentes Verhalten unterzieht (BGE 132 V 149 E. 5, 129 V 145 E. 3.1, 127 V 301 E. 3a). Dies schliesst nicht aus, dass im Einzelfall auch vom Reglement abweichende Abreden getroffen werden können. Allerdings bedarf es
hiefür
einer entsprechenden Vereinbarung zwischen der Vorsorgeeinrichtung und dem versicherten Arbeitnehmer (BGE 131 V 27 E.
2.1, 122 V 142 E. 4b).
1
.3
Das Prinzip der Gleichbehandlung der Destinatäre bildet neben den Grundsätzen der Angemessenheit, Kollektivität und Planmässigkeit ein Strukturprinzip der
weitergehenden beruflichen Vorsorge. Der Gleichbehandlungsgrundsatz findet auch
bei reinen Ermessensleistungen Anwendung und schliesst nicht aus, dass unter den Destinatären nach objektiven Kriterien Kategorien gebildet werden dürfen. Innerhalb der gebildeten Gruppen (beispielsweise im Rahmen verschie
dener Vorsorgepläne) sind die Destinatäre jedoch einander gleichzustellen. Dies gebietet auch der Grundsatz der Kollektivität, wonach jeweils alle Angestellten einer Kategorie einzubeziehen sind, was Einzellösungen oder Sonderregelungen entgegensteht. Planmässigkeit schliesslich bedeutet, dass sowohl die Finan
zie
rung wie auch die Ausgestaltung der Leistungsseite in Statuten oder Reglement im Voraus nach schematischen Kriterien festzulegen sind (BGE 132 V 149 E. 5.2.5 mit Hinweisen).
1
.4
1
.4.1
Art.
31 des Vorsorgereglements der Beklagten (Ausgabe 2019
[
Urk.
6/13]
) be
stimmt:
1
Die Höhe der jährlichen Altersrente ergibt sich aus dem im Zeitpunkt der Alterspensionierung im Sinne von
Art.
8 vorhandenen Sparguthaben, multi
pliziert mit dem Umwandlungssatz.
2
Der Umwandlungssatz wird auf ganze Monate genau berechnet und ist ab
hängig vom Rücktrittsalter und vom Jahrgang der versicherten Person sowie
von der Höhe der mitversicherten Hinterbliebenenleistungen nach
Art.
48-5
4
.
Die Höhe des jeweiligen Umwandlungssatzes ergibt sich aus der entspre
chen
den Tabelle im Anhang IV.
1
.4
.2
Art.
50 des Vorsorgereglements sieht unter dem Titel «
Höhe der Ehegattenrente beim Tod einer Altersrentnerin oder eines Altersrentner
s» vor:
1
Beim Tod einer Altersrentnerin oder eines Altersrentners beträgt die Ehe
gattenrente 2/3 der laufenden Altersrente. Vorbehalten bleibt
Art.
78
Abs.
4.
2
Bei der Alterspensionierung im Sinne von
Art.
8 oder der vorzeitigen Ent
lassung altershalber im Sinne von
Art.
9 bzw. im Falle der schrittweisen Pensionierung oder vorzeitigen Entlassung bei der ersten Teilpensionierung oder der ersten Teilentlassung haben die versicherten Personen die Mög
lichkeit, die mitversicherten Hinterbliebenenleistungen gemäss
Art.
48-54 von 2/3 auf 1/3 der Altersrente zu reduzieren. Die Reduktion hat eine lebens
längliche Erhöhung der Altersrente zur Folge. Die Höhe des
diesfalls
an
wendbaren Umwandlungssatzes ergibt sich aus der entsprechenden Tabelle im Anhang IV.
3
Die versicherte Person hat der BVK die Reduktion gemäss
Abs.
2 hiervor bis spätestens
1
Monat vor Beendigung des Arbeitsverhältnisses schriftlich mit
zuteilen. Innerhalb dieser Frist kann die Mitteilung nicht mehr widerrufen werden.
4
Für verheiratete oder in eingetragener Partnerschaft lebende versicherte Per
sonen ist für die Reduktion gemäss
Abs.
2-3 hiervor die schriftliche Zustim
mung des Ehegatten, der eingetragenen Partnerin oder des eingetragenen Partners erforderlich. Die Unterschrift des Ehegatten, der eingetragenen Part
nerin oder des eingetragenen Partners muss beglaubigt sein.
1
.5
Die Informationspflichten der Vorsorgeeinrichtung
en sind in
Art.
86b des Bun
des
gesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) geregelt und gelten kraft
Art.
49
Abs.
2
Ziff.
26 BVG auch im Bereich der
weitergehenden beruflichen Vorsorge. Nach
Art.
86b
Abs.
1 BVG muss die Vor
sor
geeinrichtung ihre Versicherten jährlich i
n geeigneter Form über die Leis
tungs
ansprüche, den koordinierten Lohn, den Beitragssatz, das Altersguthaben, die Organisation und Finanzierung sowie über die M
itglieder des paritätisch be
set
zten Organs nach Artikel 51 informieren. Zu den Leistungsansprüchen gehören alle gesetzlichen und reglementarischen Leistungen bei einem Austritt aus der Vorsorgeeinrichtung sowie beim Eintritt eines Versicherungsfalle
s (Alter,
Invali
-
di
tät
, Tod; BGE 136 V 331 E. 4.2). Auf Anfrage hin sind den Versicherten Jahres
rechnung und Jahresbericht auszuhändigen sowie Informationen über den Kapi
talertrag, Risikoverlauf, Verwaltungskosten, Deckungskapitalberechnung und Deckungsgrad abzugeben (
Art.
86b
Abs.
2 BVG).
2.
2.1
2.1.1
Der Kläger
brachte vor (
Urk.
1
S. 4
Ziff.
8
),
er bestreite
,
das Schreiben vom 17. April 2019 erhalten zu haben. Dieses Schreiben sei ihm erstmals nach erfolg
ter Pe
nsionierung im Rahmen des Akten
einsichtsgesuchs zugestellt worden. Selbst
wenn er dieses Schreiben erhalten haben sollte, würde diese
s
der Informations
pflicht der Beklagten nicht genügen. Denn der Verweis auf die Ehegattenrente erwecke den Anschein, dass die Regelung nur für verheiratete Versicherte gelte. Er habe aber als alleinstehend
er
und geschiedener Versicherter nicht damit rechn
en müssen, dass diese Regelung auch für ihn Anwendung finde. Zudem sei in diesem Schreiben nicht ausdrücklich darauf hingewiesen
worden
, dass der Antrag
spätestens einen Monat vor der Alterspensionierung zu erfolgen habe und andern
falls der Anspruch verwirkt sei.
Er habe am
7.
Mai 2019 das Formular «Angaben zur Alterspensionierung» per 31. Juli 2019 ausgefüllt. Auch darin fehle der Hinweis auf die Möglichkeit der
Erhöhung des Umwandlungssatzes durch Reduktion der Ehegattenrente. In diesem
Formular hätte erwähnt werden müssen, dass diese Möglichkeit auch für unver
heiratete Versicherte gelte. Er habe das Formular ordnungsgemäss ausgefüllt und darauf hingewiesen, dass er geschieden sei. Er sei in den Glauben gesetzt worden, dass nach allen relevanten Informationen gefragt worden sei und er habe davon ausgehen dürfen, dass das Formular alle für ihn wesentlichen Information
en
ent
halte. Mit der Frage nach dem Antrag auf Überbrückungszuschuss, aber Weg
lassen des Hinweises auf den Antrag auf Erhöhung des Umwandlungssatzes durch Reduktion der Ehegattenrente, sei er in die Irre geleite
t
worden (
Ziff.
9 ff.). Ein
Hinweis auf die Möglichkeit der Erhöhung des Umwandlungssatzes durch Reduk
tion der Ehegattenrente wäre auch umso notwendiger gewesen, als die Regelung erst ab
1.
Januar 2019 und damit kurz vor seiner Pensionierung in Kraft getreten sei (
Ziff.
13). Auch sei der Prozentsatz der geschiedenen Personen, welche nach
Erreichen des 6
3.
Altersjahres nochmals heirateten
,
statistisch gesehen ver
schwin
dend klein und umso mehr habe die Pflicht der Beklagten bestanden, insbe
sondere auch nicht verheiratete Versicherte, welche sich pensionieren liessen, auf diese Regelung unmissverständlich hinzuweisen (
Ziff.
14).
Im Schreiben vom 2
4.
Mai 2019
habe
die Beklagte aus
geführt,
dass
er einen Kapitalbezug von
Fr.
200'000
.--
machen wolle
. Auch in diesem Schreiben fehle ein Hinweis auf die Möglichkeit des Bezugs einer höheren Altersrente und es sei erneut nicht ersicht
lich, weshalb ein Hinweis auf den Überbrückungszuschuss jedoch kein Hinweis auf den höheren Umwandlungssatz gemacht worden sei (
Ziff.
17). Mit Schreiben vom 2
9.
Juli 2019 sei der Entscheid über die Altersleistungen mitgeteilt worden, aber auch dort sei kein Hinweis auf die Wahl/Nichtwahl des höheren Umwand
lungssatzes gemacht worden (
Ziff.
19).
Er rüge damit eine Verletzung von
Art.
86b
Abs.
1 lit. a BVG
,
wonach die Vor
sorgeeinrichtung ihre Versicherten jährlich in geeigneter Form u.a. über die Leis
tungsansprüche informieren müsse (
Ziff.
25) und einen Verstoss gegen Art. 12 des Vorsorgereglements (
Ziff.
29). Er habe Mitte Februar 2019 den Vorsorge
aus
weis für das Jahr 2019 erhalten und auch auf diesem Vorsorgeausweis sei die Möglichkeit der Erhöhung des Umwandlungssatzes durch Reduktion der Ehe
gattenrente nicht aufgeführt (
Ziff.
30). Insofern die Beklagte ausführe, man habe ihn schon mit Schreiben vom 1
0.
Juli 2018 darüber informiert, dass ab 2019 die Ehegattenrente den individuellen Bedürfnissen angepasst und je nach Variante von einem höheren Umwandlungssatz profitiert werden könne, habe er dieses Schreiben
ebenfalls
nicht erhalten. Auch dieses Schreiben sei ihm erstmals nach dem Akteneinsichtsgesuch zugestellt worden (
Ziff.
32).
2.1.2
Duplicando
führte der Kläger aus (
Urk.
9), es treffe nicht zu, dass er mehrfach und umfassend informiert worden sei. Im Schreiben vom 1
7.
April 2019 werde nicht darüber informiert, dass ein Antrag auf höhere Umwandlungssätze zulasten der Ehegattenrente einen Monat vor dem Pensionierungszeitpunkt bei der BVK schriftlich geltend gemacht werden müsse und dass bei verspäteter Anmeldung kein Anspruch bestehe (
Ziff.
4). Dass diese Rechtsfolge massgeblich und wichtig sei, stehe ausser Zweifel und ergebe sich auch daraus,
dass die Beklagte einen solchen
Hinweis für den Überbrückungszuschuss mit dem im Schreiben beilie
genden Formular «Antrag zur Alterspensionierung per 3
1.
Juli 2019» mache, wobei das Wort «vor» gar noch fett hervorgehoben werde (
Ziff.
5). Mit der Frage
nach dem Antrag auf Überbrückungszuschuss, aber Weglassen des Hinweises auf den Antrag auf Erhöhung des Umwandlungssatzes durch Reduktion der Ehe
gattenrente, sei er in die Irre geleitet worden (
Ziff.
6). Das Schreiben vom 17. April 2019 sei auch missverständlich, da a
uf Grund des Wortlautes
diese Mitteilung nur V
erheiratete zu betreffen
scheine,
welche zulasten der Ehegattenrente eine höhere Leistung beantragen könn
t
en
(
Ziff.
11). Auch beim Schreiben vom 1
0.
Juli 2018 scheine die Mitteilung auf Grund des Wortlautes nur Verheiratete zu betreffen, welche zulasten der Ehegattenrente eine höhere Leistung beantragen könnten (
Ziff.
12). Auch die
Regelung von
Art.
50
des
Vorsorgereglement
s
sei
nicht klar und eindeutig
, sei doch schon der Titel für n
ichtverheiratete Personen irreführend
(
Ziff.
17)
.
Letztlich sei aber auch das Formular «Antrag auf höheren Umwandlungssatz für die Altersleistungen» trotz dem Hinweis auf Seite 2 an nicht verheiratete Personen unklar formuliert. So werde dort auf der ersten Seite, wo man anzukreuzen habe, ob man einen Antrag stellen wolle, nur von ver
sicherten Personen gesprochen, welch
e zulasten der Hinterbliebenenr
ente einen höheren Umwandlungssatz verlangen könnten, was für im Vorsorgerecht nicht bewanderte
,
nicht verheiratete
und
kurz vor der Pensionierung stehende Personen irreführend sei, zumal diese ja keinen Ehepartner hätten, der Anspruch auf eine Ehegattenrente haben könnte (
Ziff.
19).
2.2
Die Beklagte führte demgegenüber aus (
Urk.
5
),
das Wahlrecht für Versicherte betreffend Reduktion der
anwartschaftlichen
Hinterbliebenenleistungen zuguns
ten eines höheren Umwandlungssatzes sei im Zuge der per
1.
Januar 2019 in Kraft getretenen
Reglementsrevision
vom 2
8.
Juni 2018 eingeführt worden. Dabei sei mit Schreiben vom 1
0.
Juli 2018 dem Kläger unter anderem mitgeteilt worden, dass ab 2019 die Ehegattenrente den individuellen Bedürfnissen angepasst und je nach Variante von einem höheren Umwandlungssatz profitiert werden könne. Zudem finde der Kläger diese und weitere Neuerungen in der dem Schreiben bei
gelegten Ausgabe des Newsletters «Kontext» beschrieben. Dass der Kläger dieses Schreiben nicht erhalten habe, werde
als unzutreffend bestritten
(
Ziff.
23 f.)
.
Sie habe auf die Meldung des Arbeitgebers vom April 2019, wonach der Kläger per 3
1.
Juli 2019 vorzeitig pensioniert werde,
den Kläger
am 1
7.
April 2019 vollumfänglich schriftlich orientiert und
ihn
gebeten, das dem Schreiben beiliegende For
mular auszufüllen und zu retournieren. Gleichzeitig sei er über die Möglichkeiten betreffend (a) Kapitalbezug der Altersleistungen und (b) Antrag auf höheren Um
wandlungssatz gemäss
Art.
31-32 /
Art.
50 VR 2019 für die Altersleistungen aus
drücklich aufmerksam gemacht worden. Ferner sei er darauf hingewiesen worden, dass die Antragsformulare «Antrag auf Kapitalbezug» und «Antrag auf höheren Umwandlungssatz für die Altersleistungen» sowie das
Merkblatt «Altersleis
tun
gen» auf der Internetseite der Beklagten (www.bvk.ch unter Downloads/For
mu
lare) heruntergeladen werden könnten. Dass der Kläger nun vorbringe, auch dieses Schreiben nicht erhalten zu haben, werde als offensichtlich unzutreffend bestritten, zumal der Kläger das dem Schreiben vom 1
7.
April 2019 beigelegte Formular «Angaben zur Alterspensionierung per 3
1.
Juli 2019» aufforderungs
ge
mäss ausgefüllt der Beklagte
n retournierte und in der Klage
eben dieses Schrei
ben referenziert habe. Ebenfalls habe der Kläger das Formular «Antrag auf Kapi
tal
bezug» bei ihr eingereicht (
Ziff.
25).
Dem Hinweis des Klägers
,
die Möglichkeit eines Antrages auf eine höhere Alters
rente zulasten der Ehegattenrente sei unklar und missverständlich, zumal mit dem Verweis auf die Ehegattenrente der Anschein erweckt werde, die Regelung gelte nur für verheiratete Versicherte
,
sei zu entgeg
n
en, dass in dem an den Kläger adressierten Schreiben vom 1
7.
April 2019 explizit aufgeführt worden sei, dass für den (alleinstehenden) Kläger auch die Möglichkeit bestehe
,
einen Antrag auf höheren Umwandlungssatz für die Altersleistungen bei ihr zu beantragen. Dabei sei auch der Verweis auf die entsprechenden reglementarischen Bestimmungen erfolgt (
Ziff.
26). Sie sei durch das Bereitstellen der entsprechenden Grundlagen unter www.bvk.ch/2019 sowie den persönlich an den Kläger adressierten Infor
mationsschreiben umfassend
ihrer Informationspflicht
nachgekommen (
Ziff.
27). Da das Vorsorgereglement für die Antragsstellung eine klare und eindeutige Frist
regelung vorsehe, welche der Beklagten keinen davon abweichenden
Entschei
dungs
- bzw. Kulanzspielraum einräume, könne es auch nicht angehen, dass für einzelne Versicherte die Frist als verbindlich und für andere als unverbindlich
betrachtet werde. Sodann handle
es sich bei der Monatsfrist von
Art.
50
Abs.
3 VR 2019
praxisgemäss
um eine Verwirkungsfrist, die weder gehemmt noch unter
brochen werden könne (
Ziff.
30).
2.3
Streitgegenstand ist
das
Wahlrecht des
Klägers
,
di
e
mitversicherten Hinterblie
benenleistungen zu Gunsten einer lebenslänglichen Erhöhung
seiner Altersrente im Zusammenhang mit seiner vorzeitigen Alterspensionierung per 31.
Juli 2019
zu reduzieren. Strittig ist dabei insbesondere, ob der Kläger über
die
entspre
chen
de Möglichkeit genügend informiert worden ist.
3.
3.1
Vorab z
u prüfen ist, welche Unterla
gen hinsichtlich d
er Wahlmöglichkeit
,
eine höhere Altersrente zulasten der
mitversicherten Hinterbliebenenleistungen
zu erwirken
,
dem Kläger
vor seinem
Altersrücktritt per 3
1.
Juli 2019 zur Verfügung
gestanden haben respektive ihm durch die Beklagt
e zur Verfügung gestellt wurden und
ob diese Informationen ausreichend waren
.
3.2
Die Beklagte beruft sich in diesem Zusammenhang auf ein Schreiben
inklusive Beilage vom 17. April 2019 (
Urk.
6/3), welches
sie
dem Kläger zugestellt
habe
. Dass dieses Schreiben nicht zugestellt w
orden ist,
wie
der Kläger in seiner Klage
noch
behauptet
hat
, ist unglaubhaft
. Denn die Beilage zu diesem Schreiben
hat der
Kläger ausgefüllt, unterzeichnet und an die Beklagte retourniert (vgl.
Urk.
6/5).
Nachdem die Beklagte darauf in der Klageantwort hingewiesen hatte
,
mochte der Kläger denn auch
duplicando
an diesem Standpunkt
nicht mehr weiter fest
halten (
Urk.
9 und E. 2
.1.2 hiervor).
Im
besagten
Schreiben vom 1
7.
April 2019 wurde folgendes mitgeteilt:
-
«
Ihr Arbeitgeber hat uns über Ihre Alterspensionierung per 3
1.
Juli 2019 informiert. Dies hat auch Auswirkungen auf die berufliche Vorsorge. Damit wir die nötigen Schritte in die Wege leiten können, benötigen wir von Ihnen einige Angaben. Wir bitten Sie, uns das beiliegende Formular auszufüllen und zurück zu senden. Sofern Sie einen Kapitalbezug der Altersleistungen wünschen, müssen Sie uns den entsprechenden Antrag spätestens einen Monat vor der Alterspensionierung eingereicht haben. Ebenso haben Sie die Möglichkeit, einen Antrag auf höhere Umwand
lungssätze für die Altersleistungen zulasten der Ehegattenrente gemäss
Art.
31-32 /
Art.
50 des Vorsorgereglements zu beantragen. Die entspre
chenden Antragsformulare «Antrag auf Kapitalbezug» und «Antrag auf höheren Umwandlungssatz für die Altersleistungen» sowie unser Merk
blatt «Altersleistungen» können Sie auf unserer Internetseite www.bvk.ch unter Downloads/Formulare
herunterladen.»
3.3
Das
persönlich
an den Kläger
gerichtete
Schreiben ist hinsichtlich der
Mög
lichkeit, einen Antrag auf höhere Umwandlungssätze für die Altersleistungen
zu stellen, klar formuliert und verweist auch
explizit
auf die entsprechenden Stellen im Reglement. Dabei geht insbesondere aus
Art.
50
Abs.
2 des Reglements hervor, dass die mitversicherten Hinterbliebenenleistungen von 2/3 auf 1/3 der Alters
rente reduzier
t werden können
,
was eine
Erhöhung der Altersrente zur Folge
hat.
Ferner ergibt sich aus
Abs.
3 dieser Bestimmung, dass der Antrag
bis spätestens 1
Monat vor Beendigung des Arbeitsverhältnisses schriftlich mitzu
teilen ist und
die Mitteilung
innert dieser Frist
nicht mehr widerrufen werden
kann
(
vgl.
E. 1.4.2
hiervor)
.
Damit ist auch das
Reglement
an dieser
Stelle
ausreichend
verständlich
formuliert
. Für den Kläger
hät
te deshalb
klar
sein
müssen
,
dass
er
auc
h
als
Allein
stehende
r
von diesem Wahlrecht Gebrauch mache
n
kann
,
wenn er auf die mit
versicherten
Hinterbliebenenleistungen
teilweise verzichtet
.
Daran ändert auch nicht
s
, dass die
massgebende
B
estimmung im
Reglement unter dem
Kapitel «Hin
terbliebenenleistungen» und dem Titel «
Höhe der Ehegattenrente beim Tod einer
Altersrentnerin oder eines Altersrentners»
zu
finden
sind
. Dies
scheint zwar
nicht
ganz
v
erständlich. D
ie systematische Einordnung
an dieser Stelle
im Reglement ist jedoch
mit Blick
darauf
,
d
a
ss
es um den teilweisen Verzicht von Hinter
blie
benenleistungen geht,
auch
nicht
verkehrt
.
Ausserdem wird in
Art.
31 des Regle
ments zur Höhe der Altersrente im Allgemeinen
auf diese Bestimmungen
über die mitversicherten Hinterbliebenenleistungen
verwiesen (vgl. E.
1.4.1
hiervor).
Ent
scheidend ist vorliegend
aber
, dass
der Kläger
im Schreiben vom
1
7.
April 2019
nebst den
anderen
Hinweis
en
explizit
auch auf
diese massgebenden Stellen im Reglement hingewiesen wurde.
Aufgrund der langjährige
n
Tätigkeit des Klägers als Primarlehrer kann in diesem Zusammenhang auch nicht
auf sprachlich
- oder anderweitige Verständnisschwierigkeiten geschlossen werden
.
Im Weite
ren hätte es der Kläger, welcher
aufgrund des Schreibens vom
1
7.
April 2019
das
beigelegte Formular «Alterspensionierung per 3
1.
Juli 2019» retour
niert
e
(vgl.
Urk.
6/5) und
offensichtlich
den
Angaben im Schreiben folgend auch das Antragsformular
«Antrag auf Kapitalbezug»
auf der
Internetseite www.bvk.ch
heruntergeladen
und am 1
2.
Mai 2019
aus
gefüllt
der Beklagten
zu
s
a
nd
te
(vgl.
Urk.
6/4)
, auch in der Hand gehabt,
zugleich das Formular
«Antrag auf höhe
ren Umwandlungssatz für die Altersleistungen»
auf der Webseite zu
konsultieren
. Auf diesem Formular, welches
der Kläger
dann
aber
erst
am
5.
August 2019
einreichte
(
Urk.
6/10)
,
waren die wichtigsten Angaben mit Bezug zur Geltend
machung des höheren Umwandlungssatzes
erneut
zusammengeführt.
Dabei
war
auch in Fettschrift hervorgehoben, dass der Antrag auf
einen
höheren Umwand
lungssatz spätestens einen Monat vor der Alterspensionierung bzw. der vorzei
ti
gen Entlassung altershalber (Entlassungszeitpunkt) der BVK einzureichen sei.
3.4
Zudem
ergibt die weitere Aktenlage
, dass dem Kläger schon früher Informationen zu dieser Wahlmöglichkeit zur Verfügung gestellt w
o
rden
waren
. So mit dem
an den
Kläger adressierte
n
Schreiben vom 1
0.
Juli 2018 (6/14) mit
der
Beilage, in der unter
dem
Titel
«
Flexib
i
lität im Alter – auch bei Rente
» auf die Angebots
erweiterung ab
1.
Januar 2019 mit der Wahloption auf
einen
höheren Umwand
lungssatz
hingewiesen wurde
(welches der Kläger allerdings bestreitet erhalten zu haben).
Relativ zeitnah zur Pensionierung
liegt
das
weitere persönlich an den Kläger adressierte
Schreiben vom 1
8.
Februar 2019 (
Urk.
13/2)
,
mit welchem einerseits
der
Vorsorgeausweis
per
3
1.
Januar 2019 zugestell
t
, anderseits aber auch
als
Beilage
die Broschüre
«Ein Blick zurück»
mitvers
andt
wurde
. D
arin werden
im Zusammenhang mit der
Wahloption auf
einen
höheren Umwand
lungssatz
auf S. 7
in einfachen Worten
an
verschiedene
n
Beispiele
n Vor- und Nachteile
und
explizit auch
die
Variante höherer Umwandlungssatz
bei
Allein
stehende
n aufgezeigt
.
Dass der Kläger sich
vor diesem Hintergrund
mit
der
Wahloption nicht
spätestens
im Mai 2019 auseinandergesetzt hat, trotz
allen
Hinweise
n
,
den
ihm zugestellten Unterlagen
und den
ohne Weiteres greifbaren Informationen,
welche die Beklagte
auf dem Internet
bereit stellt
,
ist nicht der Bekla
gten anzulasten. Diese ist viel
mehr mit dem
klaren
Schreiben vom 1
7.
April 2019, dem zur
Verfügung
stellen
weiterer Formular
e sowie Merkblätter
auf dem Internet
,
wov
on der Kläger nach dem hiervor G
esagten
bezüglich Kapitalbezug
auch Gebrauch machte, ihrer Informationspflicht ausreichend nachgekommen.
In diesem Zusammenhang ist auch auf die in allen Teilen zutreffenden Ausfüh
rungen der Beklagten zu BGE 1
36 V 331 und dem Urteil des hies
igen Gerichts BV.2017.00087 vom 21. Dezember 2018 (vgl. Urk. 12 Ziff. 6
) hinzuweisen
.
3.5
Unbestritten ist, dass der Kläger, welcher per 3
1.
Juli 2019 pe
nsioniert wurde, den Antrag auf einen
höheren Umwandlungssatz für
seine
Altersleistungen erst am
5.
August 2019 einreicht
e
,
ein solches Gesuch gemäss
Reglement aber spätestens per Ende Juni der Beklagten hätte eingereicht werden müssen (vgl.
Art.
50
Abs.
3
des Reglements
).
Die Beklagte wies daher zu Recht darauf hin, dass
dies
be
zügl
ich kein Kulanzspielraum besteht und
eine
nachträgliche
Gewährung gegen das Prinzip der Gleichbehandlung der Destinatäre und den Gleichbehandlungs
grund
satz verstossen würde (vgl. E. 2
.3)
.
Dies führt zur Abweisung der Klage.