# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 37ae347c-8777-4fb6-8e97-b4835bf70d60
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
Seite 2 — 21
I. Sachverhalt
A.1. Die frühere Vormundschaftsbehörde A._ klärte für X._ bereits im Jahre 2011 die Anordnung einer Massnahme ab. Sie stellte das Abklärungsverfahren indessen im Oktober 2011 ein, wobei sie X._ zu einer psychiatrischen Behandlung und einem Alkoholentzug anmahnte.
2. Nach einem schweren Autounfall mit einem Schädelhirntrauma im Dezember 2013 wurde bei X._ eine markante Wesensveränderung beobachtet, woraufhin die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) Nordbünden nach einer Gefährdungsmeldung der Ehefrau B._ im März 2014 ein Abklärungsverfahren eröffnete. Anlässlich eines Erstgesprächs zeigte sich, dass X._ nahezu in sämtlichen Lebensbereichen die Unterstützung seiner Ehefrau bedarf (vgl. Akten KESB act. 12). Die Eheleute X._ leben bereits seit fünf Jahren getrennt in eigenen Wohnungen, welche sich jedoch in demselben Haus befinden. In der Folge teilte B._ der KESB mit, dass X._ zunehmend verwahrlose und innert kurzer Zeit jeweils mehrere tausend Franken von den Geschäftskonten bezogen habe (vgl. Akten KESB act. 14-16). X._ trat sowohl bei der C._AG als auch der D._AG als Mitglied bzw. Präsident des Verwaltungsrats mit Einzelunterschrift auf.
B. Bei der KESB Nordbünden ging am 9. Juli 2014 eine Meldung der Psychiatrischen Dienste N._ ein, wonach sich X._ in eine ambulante Sprechstunde zu einer Demenz-Abklärung begeben habe. Die Abklärung habe eine deutliche Einschränkung der kognitiven Leistungsfähigkeit ergeben. Es könne nicht differenziert werden, ob dies eine Folge einer dementiellen Entwicklung, des chronischen Alkoholabusus oder des Schädelhirntraumas darstelle. X._ müsste einen Alkoholentzug und eine Stabilisierungsphase durchlaufen, um erneut eine Untersuchung durchführen zu können. Zum aktuellen Zeitpunkt sei er jedenfalls nicht als geschäftsfähig zu beurteilen (vgl. Akten KESB act. 19).
C.1. Am 12. August 2014 erhielt die KESB die Auswertung des Memorytests der Psychiatrischen Dienste N._. Laut dem Testergebnis würden eine demenzielle Entwicklung, mittelgradige Einschränkungen im Bereich des sprachlichen Kurzzeitgedächtnisses, einzelner räumlicher visueller Funktionen, mehrerer Aufmerksamkeitsfunktionen, einzelner Exekutivfunktionen sowie einzelner Funktionen des höheren Denkens bestehen. Bereits vor dem erlittenen Schädelhirntrauma sei eine Wesensveränderung mit unverantwortlichem Umgang mit Geldmitteln und Gleichgültigkeit hinsichtlich wesentlicher Entscheidungen im
Seite 3 — 21
geschäftlichen Alltag feststellbar gewesen. Dies sei auch im Rahmen eines chronischen Alkoholabusus mit nachfolgender Hirnschädigung zu interpretieren (vgl. Akten KESB act. 43).
2. Die KESB Nordbünden entzog X._ mit Entscheid vom 13. August 2014 im Sinne einer vorsorglichen Massnahme gestützt auf Art. 394 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 445 Abs. 1 ZGB die Handlungsfähigkeit umfassend, um ihn von weiterem geschäfts- und selbstschädigendem Verhalten abzuhalten. Diese Massnahme drängte sich gemäss Ausführungen der KESB insbesondere auf, weil X._ nicht freiwillig auf den Einsitz im Verwaltungsrat seiner beiden Aktiengesellschaften sowie die Führung der Einzelunterschrift verzichtet habe. Die Behörde sah hingegen aufgrund des gesetzlichen Vertretungsrechts der Ehefrau im Bereich der Bestreitung des Lebensunterhalts und der ordentlichen Vermögensverwaltung (Art. 374 ff. ZGB) vorläufig davon ab, parallel eine Beistandschaft zu errichten (vgl. Akten KESB act. 48).
D. Mit Schreiben vom 12. September 2014 gab die KESB Nordbünden bei E._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH bei den  K._, ein psychiatrisches Fachgutachten über X._ in Auftrag, welches sich zu dessen Schwächezustand sowie dessen Schutz- und Hilfsbedürftigkeit äussern solle (vgl. Akten KESB act. 100). Am 29. September 2014 wurde der Auftrag dahingehend angepasst, dass F._, ebenfalls Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH und bei den  K._ tätig, anstelle von E._ als Hauptgutachter einzusetzen sei (vgl. Akten KESB act. 118).
E. Aufgrund des schwer verwahrlosten Zustands, des zügellosen, triebgesteuerten Verhaltens und diverser Vorfälle – wie etwa Diebstähle, Einbrüche, öffentliches Urinieren, Einschlafen mit brennender Zigarette und Sprung aus dem Fenster aus einer Höhe von 5m – sah sich die KESB Nordbünden dazu veranlasst, X._ mit Entscheid vom 14. Oktober 2014 gestützt auf Art. 426 in Verbindung mit Art. 428 Abs. 1 ZGB fürsorgerisch in der Klinik J._ unterzubringen. Nach mehreren Fluchtversuchen aus der Klinik wurde X._ jeweils wieder dorthin zurückgeführt (vgl. Akten KESB act. 163 und 165). Auf das Entlassungsgesuch vom 30. Oktober 2014 trat die KESB mit Entscheid vom 7. November 2014 nicht ein (vgl. Akten KESB act. 167).
F. Zwischenzeitlich reichte B._ am 10. Oktober 2014 ein Eheschutzgesuch ein, wobei das Verfahren mit Verfügung der Einzelrichterin in
Seite 4 — 21
Zivilsachen am Bezirksgericht Imboden vom 19. November 2014 bis zum Vorliegen des Gutachtens sowie weiterer Entscheide der KESB betreffend Anordnung einer erwachsenenschutzrechtlichen Massnahme sistiert wurde. Des Weiteren wurde X._ unter Androhung der Straffolgen nach Art. 343 Abs. 1 lit. a ZPO in Verbindung mit Art. 292 StPO provisorisch verboten, die eheliche Wohnung in O.3_ zu betreten (vgl. Akten KESB act. 174).
G. Das von der KESB bei den Psychiatrie-Diensten K._ in Auftrag gegebene Gutachten wurde am 8. Dezember 2014 erstattet. Danach wird bei X._ insbesondere eine Alkoholabhängigkeit (ICD-10: F10.21), eine beginnende Demenz (ICD-10: F03), der Verdacht auf ein Frontalhirnsyndrom (ICD-10: F07.0) mit der Differentialdiagnose eines organischen Psychosyndroms nach einem Schädelhirntrauma (ICD-10: F07.2), eine Grand Mal Epilepsie sowie Osteoporose diagnostiziert. Als Empfehlung wurde eine absolute Alkoholkarenz abgegeben, wobei eine solche nur in einem weitgehend geschlossenen Rahmen erreicht werden könne, da der Explorand keinerlei Krankheitseinsicht zeige. Sodann attestiert ihm das Gutachten eine umfassende Schutz- und Hilfsbedürftigkeit. Indessen wurde eingeräumt, dass X._ nach sechs Monaten absoluter Alkoholabstinenz noch einmal untersucht werden müsse, zumal sich das Gehirn erst nach längerer Zeit vom Alkoholkonsum und vom Schädelhirntrauma regenerieren könne. Erst dann sei auch abschliessend zu beurteilen, ob er ausreichend für sich selbst sorgen könne. Aktuell sei dies nicht der Fall (vgl. Akten KESB act. 177).
H.1. Nachdem X._ am 11. Dezember 2014 persönlich angehört wurde, ordnete die KESB Nordbünden mit Entscheid der Kollegialbehörde vom 17. Dezember 2014, mitgeteilt am 18. Dezember 2014, eine umfassende Beistandschaft an. Im Einzelnen erkannte die KESB was folgt:
„1. Es wird festgestellt, dass die mit Entscheid vom 13. August 2014 angeordnete vorsorgliche Massnahme (umfassender Entzug Handlungsfähigkeit) mit der Rechtskraft dieses Entscheids dahinfällt.
2. Für X._ wird eine Beistandschaft errichtet.
3. Der Beistand erhält die Aufgabe und Kompetenz, X._ im Rahmen einer umfassenden Beistandschaft (Art. 398 ZGB) in allen Bereichen der Personen- und der Vermögenssorge sowie im Rechtsverkehr umfassend zu unterstützen, zu beraten und zu vertreten. Die Handlungsfähigkeit der umfassend verbeiständeten Person entfällt von Gesetzes wegen.
4. L._ (Berufsbeistandschaft A._) wird zum Beistand von X._ ernannt.
Seite 5 — 21
5. Der Beistand wird aufgefordert, unverzüglich nach unbenutztem Ablauf der Rechtsmittelfrist:
a. sich die zur Erfüllung der Aufgaben nötigen Kenntnisse zu verschaffen und mit X._ persönlich Kontakt aufzunehmen;
b. in Zusammenarbeit mit der KESB im Sinne der Erwägungen per 31. Dezember 2014 bzw. der Aufnahme des beweglichen Vermögens ein Inventar über sämtliche Vermögenswerte aufzunehmen und dieses, zusammen mit einem Budget, das über die mutmasslichen Einnahmen und Ausgaben Auskunft gibt, in spätestens zwei Monaten zur Genehmigung einzureichen;
c. Bargeld, Wertgegenstände und wichtige Dokumente sicher aufzubewahren.
6. Der Beistand ist gehalten:
a. der KESB alle zwei Jahre (nächstmals per 31. Dezember 2016) die Rechnung samt Belegen sowie einen schriftlichen Rechenschaftsbericht (Ausführungen über die Rechnungsführung und Vermögensentwicklung sowie die Lage der betroffenen Person und die Ausübung der Beistandschaft) und ein aktuelles Budget einzureichen;
b. bei Hinweisen auf massgebliche Veränderungen der Lebensumstände von X._ während der Berichtsperiode die KESB mit einem Bericht zu informieren und allenfalls eine geeignete Anpassung oder die Aufhebung der Massnahme zu beantragen.
7. Die Verfahrenskosten für diesen Entscheid werden auf Fr. 5'160.-- festgesetzt und X._ auferlegt. Die Verfahrenskosten für diesen Entscheid, die Kosten gemäss Entscheid vom 14. Oktober 2014 (Fr. 1'200.--) sowie die Kosten gemäss Entscheid vom 7. November 2014 (Fr. 400.--) im Totalbetrag von Fr. 6'760.-- sind innert 30 Tagen zu bezahlen.

## Considerations