# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** db4d3dc0-aefb-5d39-a67c-e5999dcb977d
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Die
im
Jahre 1963 geborene
X._
musste eine Ausbildung als
Coiffeuse
aus gesundheitlichen Gründen abbrechen und war in der Folge als
Chauffeuse
erwerbstätig, in der Zeit ab 2005 insbesondere für die
Y._
AG sowie die
Z._
GmbH (
Urk.
8/39,
Urk.
8/1 S. 4). Im Zusammenhang mit einer psychischen Belastungssituation (
Urk.
8/9 S. 3) meldete sich die Versicherte erst
mals am 2
4.
März 2015 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/1). Nachdem per
1.
Juli 2015 wieder eine 100%ige Arbeitsfähigkeit erreicht werden konnte (
Urk.
8/14),
wies
die IV-Stelle
das
Rentenbegehren mit Verfügung vom 2
4.
September 2015
ab
(
Urk.
8/15).
1.2
Am
9.
Dezember 2016 musste sich die Versicherte einer Herzoperation unter
ziehen (
neue Herzklappe, vier Bypässe;
Urk.
8/91/170) und meldete sich in diesem Zusammenhang
am 2
2.
Mai 2017
erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (Urk. 8/16). Nachdem die Versicherte per August 2017 ihre bisherige Tätigkeit
wieder aufnehmen
konnte, informierte die IV-Stelle mit Mitteilung vom
8.
November 2017, dass keine IV-Leistungen nötig seien (
Urk.
8/29).
1.3
Infolge Rückenbeschwerden musste die Versicherte ihre angestammte Tätigkeit bei der
A._
AG aufgeben (letzter effektiver Arbeitstag: 1
1.
Juli 2018;
Urk.
8/44); die Anmeldung zum Leistungsbezug erfolgte am
8.
Ok
to
ber 2018 (
Urk.
8/33). Aufgrund der persistierenden Rückenbeschwerden wurde am 1
0.
Oktober 2018
eine
Spondylodese
L5/S1 durchgeführt (
Urk.
8/70 S. 2).
Mit Mitteilung vom 3
0.
Juli 2019 informierte die IV-Stelle dahingehend, dass aufgrund des Gesundheitszustandes der Versicherten zurzeit keine Eingliede
rungsmassnahmen möglich seien (
Urk.
8/66). Im Auftrag des Krankentaggeld
versicherers wurde ein orthopädisches Gutachten in Auftrag gegeben (MEDAS-Gutachten vom 2
2.
Januar 2020,
Urk.
8/78). Ausgehend von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit stellte die IV-Stelle mit Vorbe
scheid vom
7.
Juli 2020 die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
8/95) und hielt an diesem Entscheid mit Verfügung vom
1.
Februar 2021 fest (
Urk.
8/111 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der
Vertreter der Versicherten am
4.
März 2021 Beschwerde und beantragte, es sei bei einer unabhängigen Institution eine Evaluation der funk
tionellen Arbeitsfähigkeit (EFL) zu veranlassen; eventualiter sei je nach Ausgang der EFL eine Rente oder Eingliederungsmassnahmen zuzusprechen. Weiter sei der
Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und ihr in der Person des Unterzeichnenden ein unentgeltlicher Verfahrensbeistand zu gewähren (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 2
2.
April 2021 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7), was der Beschwerdeführerin mit Verfü
gung vom 2
7.
April 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsun
fähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothe
tischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invali
ditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung des strit
tigen Leistungsanspruches gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arzt
berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass die Beschwerdeführerin in einer angepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig sei.
Unter Berücksichtigung eines leidensbedingten Abzuges in der Höhe von 15
%
führe dies zu einem rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 29
%
(
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber machte der Vertreter der Beschwerdegegnerin im Wesentlichen geltend, dass in medizinischer Hinsicht die nicht befriedigende Bandscheiben
operation von Oktober 2018 im Vordergrund stehe; die vorhandene Hypertonie, die Durchblutungsproblematiken sowie die kardiologischen Befunde seien in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit eher weniger relevant (
Urk.
1 S. 5). Auf das MEDAS-Gutachten könne dabei nicht abgestellt werden; so habe die Exploration gerade mal 20 Minuten gedauert, sodass die Schlüsse wohl mehr aus den Akten und den persönlichen Interpretationen gezogen worden
seien
(S. 5). Weiter sei die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit wirklich
keitsfremd, da die Tätigkeit als
C
hauffeuse
unter den eins
chränkenden Prämissen nicht möglich sei; auch werde die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit nicht einlässlich begründet (S. 7).
Die Beschwerdeführer
in
möchte primär arbei
ten, wobei die Leistungsfähigkeit sowie das Tätigkeitsprofil im Rahmen einer EFL abzuklären sei
(S. 11).
2.3
Nachdem die Beschwerdeführerin in der Zeit von August 2017 bis zum 1
1.
Juli 2018 ihrer angestammten Tätigkeit nachgehen konnte (
Urk.
8/29,
Urk.
8/44), gelten für das vorliegende Verfahren die Regeln der Erstanmeldung
(vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_876/2017 vom 1
5.
Mai 2018 E. 4.1 mit weiteren Hinweisen).
3.
3.1
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Neurochirurgie, diagnostizierte in seinem Bericht vom 1
2.
Juni 2019 einen Status nach Dekompression L5/S1 bei chronisch
lumbospondylogenem
Schmerzsyndrom bei
Osteochondrose
L5/S1 mit
Modic
Typ II Veränderungen. Die CT-Untersuchung vom 1
1.
Juni 2019 habe einen soliden Sitz des eingebrachten
Osteosynthesematerials
ergeben. Nach seiner Einschät
zung würden keine klaren
Z
eichen für eine Lockerung der Schrauben vorliegen.
Auch der klinische Verlauf nach der Operation spreche nicht für eine Pseudoarth
rose. Seines Erachtens bleibe nur noch die Möglichkeit einer
second
-look-Opera
tion
(
Urk.
8/91/153-154).
3.2
Die für das MEDAS-Gutachten vom 2
2.
Januar 2020 verantwortlichen Fachärzte diagnostizierten mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine Funktionsstörung der unteren Lendenwirbelsäule nach Versteifungsoperation in der Etage L5/S
1.
Für Arbeiten mit schwerem Heben, Tragen oder Bewegen von Lasten über 10 kg sei die Beschwerdeführerin nicht mehr geeignet. In einer angepassten Tätigkeit sei demgegenüber von einer Arbeitsfähigkeit von 100
%
auszugehen. Eine wesent
liche Besserung der eingeschränkten Belastbarkeit sei nicht mehr zu erwarten, die aktuelle Therapie sei angemessen und sollte weitergeführt werden (
Urk.
8/78/14-15).
3.3
Dr.
med.
C._
, Oberarzt am Institut für Anästhesiologie des
Universitätsspitals D._
,
ging in seinem Bericht vom 1
0.
März 2020 von den folgenden Diagnosen aus:
-
Chronische sekundäre
muskuloskelettale
Schmerzen
-
Ätiologie: chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom
-
CT der LWS vom 1
1.
Juni 2019:
Fazettengelenksarthrose
L4/5 beidseits, links betont, zirkuläre Spondylose L5/S1
-
Status nach
transpedikulärer
Stabilisation
und
interkorporeller
Spon
dylodese
L5/S1 vom 1
0.
Oktober 2018
-
Verdacht auf sens
ibel betonte Polyneuropathie
-
Koronare H
erzkrankheit mit/bei
-
Status nach
Bypassoperation
mit Herzklappenersatz 2016
-
Epilepsie
Die intermittierenden Ausstrahlungen in die Oberschenkel liessen sich nicht einem
Dermatom
zuordnen. Die Schmerzen würden im Sitzen
aggravieren
, sodass die Beschwerdeführerin eine Position nicht länger als 5
Minuten
einnehmen könne. Differenzialdiagnostisch sei eine
Anschlusssegement
-D
egeneration disku
tiert worden, wobei eine Medial-
Branch
-Blockade erfolglos gewesen sei. Auch eine Infiltration im Bereich des
Iliosakralgelenks
sei erfolglos gewesen. Da auch physiotherapeutische Massnah
m
en in der Vergangenheit keine Linderung gebracht hätten und eine Wiederaufnahme des Rückentrainings erneut nicht ziel
führend gewesen sei, würden sie auf weitere Konsultationen verzichten (
Urk.
8/8
9
/9 f.).
3.4
Dr.
med.
E._
, Facharzt FMH für Neurologie, diagnostizierte in seinem Bericht vom
2.
Juni 2020 mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen Status nach Dekompression L5/S1 bei Diskushernie am 1
0.
Oktober 2018 mit persistierendem
therapieresistentem Schmerzsyndrom. Die Beschwerdeführerin stehe beim ihm seit dem 1
0.
April 2018 in Behandlung, wobei seit der Operation
aufgrund der Schmerzen
von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei.
Für die weitere Beurteilung
schlug er
als Vorstufe zur Eingliederung
eine EFL
vor
(
Urk.
8/89/2-
8
).
4.
4.1
Bezüglich des Antrags auf Durchführung einer EFL ist anzumerken, dass eine solche
nicht in jedem Fall
angezeigt ist
, sondern allenfalls in Betracht zu ziehen
ist
, wenn sich die beteiligten Fachärzte ausser Stande sehen, eine zuverlässige Einschätzung des leistungsmässig Machbaren vorzunehmen, und deshalb eine konkrete leistungsorientierte berufliche Abklärung als zweckmässigste Mass
nahme ausdr
ücklich empfehlen (Urteil 9C_556/2012
vom 2
5.
Februar 2013 E. 5.4 mit weiteren Hinweisen
).
Zu prüfen bleibt dabei zunächst, ob die medizinischen Akten eine verlässliche Einschätzung der Restleistungsfähigkeit der Beschwerde
führerin zulassen.
4.2
Unbestritten ist dabei, dass die Beschwerdeführer
in
in erster Linie durch die therapieresistenten Rückenbeschwerden eingeschränkt ist (
Urk.
1 S. 5). Dies ent
spricht auch den weiteren medizinischen Akten. So
ist
die E
pilepsie seit
1992 medikamentös kompensiert
und die Beschwerdeführer
in
ist anfallsfrei (Urk. 8/89/4 oben). Bezüglich der kardiologischen Situation ist anzumerken, dass die Beschwerdeführerin nach der Herzoperation am
9.
Dezember 2016 im Sommer 2017 ihre angestammte Tätigkeit
wieder aufnehmen
konnte. Auch wenn die angestammte Tätigkeit aus kardiologischer Sicht als nicht ideal beurteilt würde (vgl.
Urk.
8/91/27), bliebe dies ohne wesentlichen Einfluss auf die vorlie
gende Rentenprüfung, da die Beschwerdeführerin mittlerweile aufgrund der Rückenbeschwerden ohnehin auf eine leichte Tätigkeit angewiesen ist. Bezüglich der Verdachtsdiagnose «Polyneuropathie» enthalten die vorliegenden Akten keine Hinweise darauf, dass die Arbeitsfähigkeit dadurch in einer angepassten Tätigkeit wesentlich eingeschränkt ist oder weitere Abklärungen angezeigt wären.
In orthopädischer Hinsicht legt das MEDAS-Gutachten den medizinischen Sach
verhalt in einer schlüssigen und nachvollziehbaren W
eise dar, insbesondere unter Berücksichtigung der dannzumal aktuellsten Berichte von
Dr.
B._
sowie der Fachärzte des
Univer
sitätsspitals D._
(
Urk.
8/78/6).
Auch der Bericht
von
Dr.
C._
(
Universitätsspitals D._
)
vom
1
0.
März 2020 zeigt dabei, dass die LWS-Problematik eingehend untersucht wurde und für die Beschwerden kein objektivierbares Korrelat gefunden werden konnte, welches im Rahmen einer weiteren Behandlung angegangen werden
könnte. Unbestritten ist dabei, dass die Beschwerdeführerin an therapieresistenten Rückenbeschwerden leidet und in diesem Zusammenhang auf eine angepasste Tätigkeit angewiesen ist. Hinsichtlich der generellen Beweiseignung eines vom Krankentaggeldversicherer eingeholten G
utachtens,
der Dauer der Untersuchung
sowie der Konkretisierung des Anforderungsprofils
kann auf die zutreffenden Ausführungen der Beschwerdegegnerin im Rahmen der Beschwerdeantwort verwiesen werden (
Urk.
7).
Insgesamt ist damit in einer optimal angepassten Tätigkeit von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auszugehen.
5.
5.1
Hinsichtlich des
Valideneinkommens
ist entsprechend dem Vorgehen der Beschwerdegegnerin per 2018 von einem Jahreseinkommen von
Fr.
66'220.--auszugehen, was per 2019 (früh
e
stmöglicher Rentenbeginn) zu einem solchen in der Höhe von
Fr.
66'874.45 führt
(Schweizerischer Lohnindex insgesamt [1939
= 100], Frauen, Stand 2018: 2732, Stand 2019: 2759
; www.bfs.admin.ch, Arbeit und Erwerb, Löhne/Erwerbsein
kommen, detail
lierte Daten, Lohnentwicklung)
.
5
.2
Das Invalideneinkommen ist praxisgemäss anhand der statistischen Durch
schnittswerte
der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE 2018)
zu ermitteln. Auszugehen ist dabei von eine
m monatlichen Einkommen per 2018 von Fr. 4‘371.-- (LSE 2018
TA1
tirage
skill
level
, Anforde
rungsniveau 1, Total), was nach Berücksichtigung
der durchschnittlichen Arbeits
zeit von 41,7 Stunden pro Woche
(www.bfs.admin.ch, Arbeit und Erwerb, Erwerbstätigkeit und Arbeitszeit, detaillierte Daten, Normalarbeitsstunden)
sowie der seither eingetretenen
Nomi
nallohnentwicklung
per 2019
zu einem massgebend
en Jahreseinkommen von Fr. 55'221.6
0 führt.
A
ufgrund des vermehrten Pausenbedarfs sowie des Alters der Beschwerdeführerin gewährte die Beschwerdegegnerin einen leidensbedingten Abzug in der Höhe von 15
%
(Urk. 8/93)
.
Hier
zu ist
zudem anzumerken
, dass das Sozialversicherungsgericht sein Ermessen nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen darf und
diesfalls
Gegebenheiten darlegen muss,
welche seine abwei
chende Ermes
sensausübung als naheliegender erschei
nen lasse
n (BGE 126 V 75 E. 6 mit Hinwei
sen). Ein Abweichen ist grundsätzlich nur bei Unangemessenheit möglich (BGE 137 V 71 E. 5.1).
Unter Beachtung der zitierten Rechtsprechung ist vorliegend von einem leidensbedingten Abzug von 15
%
auszugehen, welcher den konkreten Gegebenheiten sicher ausreichend Rechnung trägt. Dies führt zu einem massgebenden Invalideneinkommen in der Höhe von
Fr.
46'938.35.
Z
uletzt ist anzumerken, dass der
Begriff des ausgeglichenen Arbeitsmarktes gemäss Art. 16 ATSG ein theoretischer und abstrakter Begriff
ist
, welcher die konkrete Arbeitsmarktlage nicht berücksichtigt und dazu dient, den Leistungs
bereich der Invalidenversicherung von jenem der Arbeitslosenversicherung abzu
grenzen (BGE 134 V 64 E. 4.2.1, BGE 110 V 273 E. 4b; vgl. auch BGE 141 V 351 E. 5.2, 141 V 343 E. 5.2). Er umschliesst einerseits ein gewisses Gleichgewicht zwischen dem Angebot von und der Nachfrage nach Stellen; anderseits bezeichnet er einen Arbeitsmarkt, der von seiner Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen offenhält, und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsicht
lich des körperlichen Einsatzes (BGE 110 V 273 E. 4b; ZAK 1991 S. 320 f. E. 3b; Urteile des Bundesgerichts 9C_830/2007 vom 29. Juli 2008 E. 5.1 und 9C_192/2014 vom 23. September 2014 E. 3.1, je mit Hinweisen). Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im Einzelfall, ob die versicherte Person die Möglichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu verwerten, und ob sie ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen vermag oder nicht (BGE 110 V 273 E. 4b; Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invaliden
versicherung, 3. Auflage 2014,
Rn
131 zu Art. 28a).
Auch wenn es damit für die Beschwerdeführerin in der aktuellen wirtschaftlichen Lage sowie aufgrund des beruflichen Werdegangs und des fortgeschrittenen Alters schwierig sein dürfte, eine angepasste Tätigkeit zu finden, ist für die Bemessung des Invaliditätsgrades praxisgemäss allein der ausgeglichene Arbeitsmarkt beachtlich.
5
.3
Die vorstehend ermittelten Vergleichseinkommen führen dabei zu einem renten
ausschliessenden Invaliditätsgrad von rund 30
% ([Fr.
66'874.45
- Fr.
46'938.35
] x 100 / Fr.
66'874.45 = 29.81
).
Dies
führt in
Abweisung der Beschwerde zur Be
stätigung der angefochtenen Verfügung.
6
.
6
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen, infolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung
(vgl.
Urk.
3/2,
Urk.
6)
jedoch einstweil
en auf die Gerichtskasse zu neh
men.
6
.2
Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist der un
entgeltliche Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
, Rechtsanwalt
Daniel Gerber, Kloten
,
aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Nachdem
keine Honorarnote beim hiesigen Gericht
eingegangen ist
(vgl.
Urk.
10), ist die Entschädigung nach den üblichen Grundsätzen, nament
lich unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
,
auf
Fr.
2'600.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) fest
zusetzen.