# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** a39d3cd5-bf22-5114-b1c1-74c3cbba864f
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Herr Y._ stellte am 19. Februar 1990 das Baugesuch für das «Ausgraben
des bestehenden Hafens» und das «Neuerstellen des schon bestehenden Bootssteges in
den gleichen Ausmassen» auf der Parzelle Vinelz Grundbuchblatt Nr. A._. Der
Kreisoberingenieur III stellte fest, dass die Ausbaggerungsarbeiten ohne
Wasserbaupolizeibewilligung ausgeführt wurden und stellte am 20. April 1990 die
Bauarbeiten ein. Der Fischereiinspektor erteilte am 7. Mai 1990 die fischereipolizeiliche
2
Bewilligung, das Naturschutz-inspektorat am 11. Mai 1990 die Bewilligung nach NHG1 und
der Kreisoberingenieur III am 31. Mai 1990 die Wasserbaubewilligung für das Ausgraben
des bestehenden Hafens und das Erneuern des bestehenden Bootsstegs im gleichen
Ausmass (keine Erweiterung oder Veränderung). Eine Baubewilligung wurde nicht erteilt.
Im August 1995 beklagte sich Herr B._, dass Herr Y._ den Hafen anders
als seiner Zeit bewilligt saniert und grössere Pfähle gesetzt habe. Am 10. Juli 1996 forderte
die Gemeinde Vinelz Herrn C._, damaliger Eigentümer der Parzelle
Nr. A._ auf, die Posten längs des Stegs sowie die sechs in den See gerammten
Pfähle zu entfernen. Herr C._ stellte am 6. August 1996 ein nachträgliches
Baugesuch für das Erstellen von sechs gerammten Pfählen für das Anbinden von Schiffen.
Im Laufe des Verfahrens ist die Beschwerdeführerin als neue Eigentümerin der Parzelle
Nr. A._ in das Verfahren eingetreten.
Mit Verfügung vom 17. Februar 2012 verweigerte das Amt für Gemeinden und
Raumordnung (AGR) die Ausnahmebewilligung für das Bauen ausserhalb der Bauzone.
Am 15. März 2012 wies der Regierungsstatthalter des Verwaltungskreises Seeland das
nachträgliche Baugesuch ab und ordnete das Entfernen der sechs Pfähle an.
2. Die Beschwerdeführerin erhob mit Eingabe vom 16. April 2012 Beschwerde. Sie stellt
folgende Anträge: «1. Der Gesamtbauentscheid vom 15. März 2012 sei vollumfänglich aufzuheben und es sei
die (nachträgliche) Baubewilligung für das "Setzen von 6 gerammten Pfählen" zu
erteilen.
2. Eventuell:
Der Gesamtbauentscheid vom 15. März 2012 sei aufzuheben und für das „Setzen von 6
gerammten Pfählen" sei eine Ausnahmebewilligung nach Art. 24 ff RPG zu erteilen.
3. Subeventuell:
Der Bauabschlag sei zu bestätigen aber auf die Verfügung der Wiederherstellung sei zu
verzichten.
4. Die rechtshängigen Einsprachen,
- D._, 4410 Liestal,
- B._, 3234 Vinelz,
1 Bundesgesetz vom 1. Juli 1966 über den Natur- und Heimatschutz (NHG; SR 451).
3
seien als öffentlich rechtlich unbegründet abzuweisen, soweit auf diese eingetreten
werden kann.
5. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.»
Die Gemeinde Vinelz verzichtete auf eine Stellungnahme zur Beschwerde. Auf eine
Beteiligung am Verfahren haben auch die Einsprecher (Erben D._ und
B._) verzichtet. Der Regierungsstatthalter beantragt in der Stellungnahme vom 1.
Mai 2012, die Beschwerde abzuweisen. Den gleichen Antrag stellt auch das AGR in der
Vernehmlassung vom 18. Mai 2012.
3. Das Rechtsamt holte folgende Unterlagen ein:
a) beim AGR den Seeverkehrplan für die bernischen Teile des Bieler- und
Neuenburgersees vom Dezember 1992,
b) beim Amt für Grundstücke und Gebäude (AGG) die Kopien sämtlicher Bewilligungen
und Konzessionen, die der Kanton für die Schiffliegeplätze auf den Parzellen
Nrn. A._ und E._ erteilt hat,
c) bei der Gemeinde Vinzelz die Vorakten und die Baugesuchsakten betreffend den
Steg auf der Parzelle Nr. F._ (Bauvorhaben G._)
d) beim Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt (SSVA) eine Liste der Schiffsausweise,
welche es seit dem 7. Juli 1962 mit Standort «P. H._ priv» ausgestellt hat.
Das AGG teilte mit Schreiben vom 6. September 2012 mit, dass für die Schiffsliegeplätze
auf den Parzellen Nrn. A._ und E._ keine Bewilligungen erteilt worden
seien. Es seien auch keine Abgaben für den gesteigerten Gemeingebrauch von
öffentlichen Gewässern bezahlt worden.
Das SSVA führte im Schreiben vom 28. September 2012 Folgendes aus:
«Aufgrund verschiedener organisatorischen und systemtechnischen Umstellungen ist eine
Rückverfolgung der Standorte der Schiffe bis 7. Juli 1962 nicht möglich (u.a. da die Schifffahrt
erst in den 80er-Jahren dem damaligen Strassenverkehrsamt angegliedert wurde). Zudem
werden die Standorte teilweise gemäss Kundenangaben in den Schiffsausweisen
eingetragen. Das heisst, dass die Bezeichnung „P. A._ priv." nicht zwingend als
solches als Standort im Schiffsausweis eingetragen ist.
4
Die von Ihnen beigelegte Kopie des Schiffsausweises BE I._, ausgestellt am 24. Juni
1994, ist somit der älteste Nachweis über eine Immatrikulation eines Schiffes mit diesem
Standort. Anhand der archivierten Unterlagen des erwähnten Schiffes, war dies bis zum
Zeitpunkt der Annullation am 29. Juni 2012 das einzige Schiff (mit diversen Halterwechseln),
welches mit Standort „P, A._ priv." (o.ä.) immatrikuliert war. Aus der Historisierung
konnten folgende Halter eruiert werden:
- Juni 1994 bis April 2005: J._ AG, Hr. C._
- April 2005 bis Mai 2009: AG für K._, Z._ AG
Mai 2009 bis Juni 2012: Herr Y._, Z._» AG
4. Auf die Rechtsschriften und die eingeholten Unterlagen wird, soweit für den
Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
Gegenstand des nachträglichen Baugesuchs vom 6. August 1996 bildet das Einrammen
von sechs Pfählen in den Grund des Bielersees. Anfechtungsobjekte sind die Verfügungen
des Regierungsstatthalters des Verwaltungskreises Seeland vom 15. März 2012 und die
Verfügung des AGR vom 17. Februar 2012. Beide können nach Art. 40 Abs. 1 BauG2
innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und
Energiedirektion (BVE) angefochten werden. Als Rechtsnachfolgerin des
Baugesuchstellers und als Adressatin der Wiederherstellungsverfügung ist die
Beschwerdeführerin zur Beschwerde befugt (Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerde ist
form- und fristgerecht eingereicht worden. Die BVE tritt auf die Beschwerde ein.
2. Standortgebundenheit der Bootsanbindepfähle
2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721).
5
a) Nach Art. 11 Abs. 1 BauG sind in Gewässern – ausserhalb von Gewässerflächen, die
im Sinne von Art. 11 Abs. 2 Bst. a BauG freigegeben worden sind – nur
standortgebundene Bauvorhaben, die im öffentlichen Interesse liegen, zulässig. Die sechs
Pfähle liegen ausserhalb einer Gewässerfläche im Sinne von Art. 11 Abs. 2 Bst. a BauG
und dienen als Bootsanbindeplatz einzig privaten Zwecken. Sie sind nicht zonenkonform
und können nur über den Weg einer Ausnahmebewilligung bewilligt werden (vgl. Art. 22
Abs. 2 Bst. a RPG3 und Art. 2 Abs. 1 BauG).
Einer Ausnahmebewilligung nach Art. 24 RPG bedarf es immer dann, wenn eine
Ausnahme vom Erfordernis der Zonenkonformität für ein Neubauvorhaben erteilt werden
soll, das ausserhalb der Bauzonen zu stehen kommen soll.4 Soweit die Regelung von Art.
24 RPG zur Anwendung gelangt, ist diese unmittelbar anwendbar und abschliessend.5
Nicht im Sinne von Art. 11 Abs. 2 Bst. a BauG freigegebene Flächen eines Gewässers
gelten als Gebiet ausserhalb der Bauzonen im Sinn von Art. 24 RPG.6 Die fraglichen
Pfähle im Bielersee können deshalb nur über eine Ausnahmebewilligung nach Art. 24 RPG
bewilligt werden.7
Nach Art. 24 Bst. a RPG ist zunächst zu prüfen, ob der Zweck des Bauvorhabens einen
Standort ausserhalb der Bauzone erfordert. Die Standortgebundenheit ist nach ständiger
bundesgerichtlicher Praxis zu bejahen, wenn eine Anlage aus technischen oder
betriebswirtschaftlichen Gründen oder wegen der Bodenbeschaffenheit sowohl im
Grundsatz als auch in ihren räumlichen Dimensionen auf einen Standort ausserhalb der
Bauzone angewiesen ist (sog. positive Standortgebundenheit), oder wenn eine Baute aus
bestimmten Gründen, etwa wegen ihrer Immissionen, in einer Bauzone ausgeschlossen ist
bzw. sich dort nicht sinnvoll verwirklichen lässt (sog. negative Standortgebundenheit).
Dabei genügt eine relative Standortgebundenheit: Es ist nicht erforderlich, dass überhaupt
kein anderer Standort in Betracht fällt; es müssen jedoch gewichtige objektive Gründe
vorliegen, die den vorgesehenen Standort gegenüber anderen Standorten innerhalb der
3 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700). 4 vgl. Marginale zu Art. 24 RPG; Waldmann/Hänni, Handkommentar RPG, 2006, Vorbemerkungen Art. 24 N. 4. 5 Waldmann/Hänni, a.a.O., Art. 24 N. 4; Alfred Kuttler, Wann ist für die Bewilligung von Bauten und Anlagen Art. 24 RPG anzuwenden?, in Das Recht in Raum und Zeit, Festschrift für Martin Lendi, 1998, S. 337 ff., S. 341. 6 BGE 114 Ib 81 E. 3; BVR 1990 S, 105; Zaugg/Ludwig, Baugesetz des Kantons Bern, Band I, 3. Aufl. 2007, Art. 11 N. 7a und 9; Waldmann/Hänni, a.a.O., Vorbemerkungen Art. 24 ff. N. 4. 7 vgl. auch BGE 132 II 10 = Pra 2006 S, 969 E. 2.6.
6
Bauzone als viel vorteilhafter erscheinen lassen. Die Voraussetzungen der
Standortgebundenheit beurteilen sich nach objektiven Massstäben, das heisst, es kann
weder auf die subjektiven Vorstellungen und Wünsche der Einzelnen noch auf die
persönliche Zweckmässigkeit oder Bequemlichkeit ankommen. Generell ist bei der
Beurteilung der Voraussetzungen ein strenger Massstab anzulegen, um der Zersiedlung
der Landschaft entgegen zu wirken.8
b) Die Beschwerdeführerin führt aus, es entspreche reinster Willkür, wenn die
Bootsanbindepfähle nicht als standortgebundene Anlagen für das Festbinden eines
Schiffes qualifiziert würden.
Die fraglichen Pfähle sind an sich auf einen Standort im Wasser angewiesen. Dies führt
entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin jedoch noch nicht zwingend dazu, dass die
Anlage auch standortgebunden im Sinn von Art. 24 Bst. a RPG ist. Die Beschwerdeführerin
hätte darzulegen, dass die Anlage nicht in einer dafür ausgeschiedenen Zone gemäss
Art. 11 Abs. 2 Bst. a BauG für private Anlagen für den Bade- und Wassersport erstellt
werden kann.9 Zudem setzt nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung bereits die
Prüfung der Standortgebundenheit eine Interessenabwägung voraus, bei der auch zu
prüfen ist, ob die Baute einen wesentlichen Vorteil darstellt, der es rechtfertigt, die Anlage
ausserhalb der Bauzone zu errichten bzw. ob überhaupt ein Bedürfnis für die Anlage
besteht.10 Nebst der Standortgebundenheit des Projekts setzt eine Baubewilligung nach
Art. 24 Bst. b RPG voraus, dass ihr keine überwiegenden öffentlichen Interessen
entgegenstehen. Die Ausnahmebewilligung hat auf einer gesamthaften Abstimmung aller
räumlich wesentlichen Gesichtspunkte und Interessen zu beruhen. Lenkender Massstab
der Interessenabwägung bilden die verbindlichen Anordnungen im RPG, hauptsächlich die
in Art. 1 und 3 RPG festgehaltenen Planungsziele und -grundsätze. Die entscheidende
Behörde hat alle im konkreten Fall berührten Interessen zu ermitteln, zu bewerten und
gegeneinander abzuwägen.11
8 Waldmann/Hänni, a.a.O., Art. 24 N. 7 ff. mit Hinweisen; BGE 129 II 63 = Pra 2003 S. 453 E. 3.1, 124 II 252 E. 4a, 123 II 256 E. 5a, 499 E. 3b/cc; BVR 2006 S. 444 E. 3.1, 2002 S. 263 E. 3a, je mit Hinweisen. 9 (vgl. BVR 1990 S. 105 E. 3a). 10 BGer 1A.186/2002 und 1A. 187/2002 vom 23.5.2003, E. 3.4; vgl. auch BGE 129 II 63 E. 3.3 = Pra 2003 S. 453 und Waldmann/Hänni, a.a.O., Art. 24 N. 10. 11 BVR 2000 S. 494 E. 2b/bb mit Hinweisen.
7
Im vorliegenden Fall sprechen einzig private Interessen der Beschwerdeführerin für das
Bauvorhaben. Deren Interessen sind als nicht schwergewichtig einzustufen. Es kommt
hinzu, dass sich der Rechtsvorgänger nicht an die Bewilligungen des Kreisoberingenieurs,
des Fischereiinspektors und des Naturschutzinspektorates gehalten hat. Demgegenüber
fällt das sowohl von der eidgenössischen wie auch von der bernischen Gesetzgebung
angestrebte Ziel, die Uferlandschaft zu schützen und freizuhalten (Art. 1 SFG12 und Art. 3
Abs. 2 Bst. c RPG), entscheidend zu Ungunsten der Beschwerdeführerin ins Gewicht.13
Zudem ist Art. 11 Abs. 1 BauG zu beachten, der für Bauten in Gewässern und im
geschützten Uferbereich ein öffentliches Interesse voraussetzt, das vorliegend ebenfalls
nicht gegeben ist. Zusammenfassend überwiegen die gegen das Bauvorhaben
sprechenden öffentlichen Interessen das private Interesse der Beschwerdeführerin am
Bauvorhaben. Daran vermag auch die lange Verfahrensdauer nichts zu ändern, während
der die Beschwerdeführerin versucht hat, die Seeverkehrsplanung zu ihren Gunsten zu
ändern. Die Ausnahmebewilligung nach Art. 24 RPG ist daher zu Recht verweigert worden.
3. Gleichbehandlung im Unrecht
Die Beschwerdeführerin rügt, dass sie rechtsungleich behandelt werde. Das AGR habe
Herrn G._ den Neubau eines Stegs auf der benachbarten Parzelle Nr. F._
bewilligt.
Herr G._ stellte am 5. Oktober 2010 ein entsprechendes Baugesuch für einen
Steg mit Badeplattform, der in den Bielersee ragt. Die dafür in Anspruch genommene
Fläche des Bielersees ist nicht für den Bau von privaten Anlagen für den Badesport
freigegeben. Sie gilt – wie die Fläche, welche die Beschwerdeführerin für ihre
Schiffsanbindepfähle beansprucht – als Gebiet ausserhalb der Bauzonen im Sinn von Art.
24 RPG.14 Die fragliche Badeplattform hätte deshalb nur über eine Ausnahmebewilligung
nach Art. 24 RPG bewilligt werden dürfen. Entgegen den Ausführungen der
Beschwerdeführerin hat das AGR aber keine Ausnahmebewilligung für das Bauen
ausserhalb der Bauzone erteilt. Die ohne Ausnahmebewilligung nach Art. 24 RPG erteilte
12 Gesetz vom 6. Juni 1982 über See- und Flussufer (See- und Flussufergesetz, SFG; BSG 704.1). 13 BVR 1995 S. 286 E. 4a mit Hinweisen. 14 BGE 114 Ib 81 E. 3; BVR 1990 S, 105; Zaugg/Ludwig, Baugesetz des Kantons Bern, Band I, 3. Aufl. 2007, Art. 11 N. 7a und 9; Waldmann/Hänni, a.a.O., Vorbemerkungen Art. 24 ff. N. 4.
8
Baubewilligung des Regierungsstatthalters des Verwaltungskreises Seeland vom 22.
Dezember 2010 erscheint unter diesen Umständen als nichtig. Selbst wenn diese Anlage
aber zu Unrecht bewilligt worden wäre, hätte die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf
Gleichbehandlung im Unrecht. Ein solcher besteht nach Art. 8 BV15 nur unter besonderen
Voraussetzungen: Gefordert wird unter anderem, dass eine ständige gesetzwidrige Praxis
vorliegt und die Behörde zu erkennen gibt, dass sie auch in Zukunft nicht von dieser Praxis
abzuweichen gedenke; zudem dürfen keine überwiegenden Gesetzmässigkeitsinteressen
bestehen.16 Die zuständige Behörde ist im vorliegenden Fall das AGR. Eine gesetzwidrige
Praxis des AGR liegt nicht vor. Angesichts des grossen öffentlichen Interesses an der
Freihaltung der Ufer und an der Trennung des Baugebiets vom Nichtbaugebiet könnte eine
gesetzwidrige Praxis auch nicht geschützt werden. Der Einwand der Beschwerdeführerin
ist deshalb unbegründet.
4. Besitzstandsgarantie
Die Beschwerdeführerin stellt sich auf den Standpunkt, dass die Bootsplätze seit über 25
Jahren benutzt würden. Das Einrammen der Pfähle sei durch die Besitzstandsgarantie
geschützt.
Nicht zonenkonforme Bauten und Anlagen ausserhalb der Bauzonen sind in ihrem Bestand
geschützt. Sie können mit Bewilligung der zuständigen Behörde erneuert, teilweise
geändert, massvoll erweitert oder wiederaufgebaut werden, sofern sie rechtmässig erstellt
oder geändert worden sind (Art. 24c RPG). Nach Art. 11 Abs. 1 Bst. b BauG können in
Gewässern die Erneuerung, der Umbau und der Wiederaufbau von Bauten und Anlagen
bewilligt werden, sofern keine überwiegenden Interessen entgegenstehen. Entgegen der
Auffassung der Beschwerdeführerin wird eine nicht bewilligte Anlage nicht dadurch
rechtmässig, dass sie nicht (mehr) beseitigt werden kann. Eine solche nicht bewilligte
Baute darf nur unterhalten werden.17 Der Rechtsvorgänger der Beschwerdeführerin hat die
Bewilligungen des Kreisoberingenieurs, des Fischereiinspektors und des
Naturschutzinspektorates überschritten. Die neuen Bootsanbindepfähle stellen nicht bloss
15 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101). 16 statt vieler: BGE 127 I 1 E. 3a; Tschannen/Zimmerli, Allgemeines Verwaltungsrecht, 2. Aufl. 2005, § 23 N. 17 f. 17 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum bernischen BauG, 3. Aufl. Band I, Bern 2007, Art.3 N 2 mit Verweis auf ZBl 2005 S. 384 E. 2.2.5 f.
9
Unterhalt des nicht rechtmässig erstellten Hafens dar. Es handelt sich um eine
Erneuerung, die nicht zulässig ist.
5. Herstellung des rechtmässigen Zustandes
a) Im nachträglichen Baubewiligungsverfahren entscheidet im Falle des Bauabschlags
die Baubewilligungsbehörde darüber, ob und inwieweit der rechtmässige Zustand
wiederherzustellen ist (Art. 46 Abs. 2 Bst. e BauG). Eine Wiederherstellungsverfügung
muss verhältnismässig sein und darf den Vertrauensgrundsatz nicht verletzen. Die
Anordnung darf nicht weiter gehen als zur Herstellung des rechtmässigen Zustands
notwendig, und die mit der Wiederherstellung verbundene Belastung des oder der
Pflichtigen muss durch ein genügendes öffentliches Interesse gerechtfertigt sein. Die
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands kann unterbleiben, wenn die
verantwortliche Person in gutem Glauben angenommen hat, sie sei zur Bauausführung
ermächtigt, und wenn der Beibehaltung des unrechtmässigen Zustands nicht
schwerwiegende öffentliche Interessen entgegenstehen, ebenso wenn die Abweichung
vom Erlaubten nur unbedeutend ist oder die Wiederherstellung nicht im öffentlichen
Interesse liegt.18 Auf den Grundsatz der Verhältnismässigkeit kann sich auch eine
Bauherrschaft berufen, die nicht gutgläubig gehandelt hat. Sie muss aber in Kauf nehmen,
dass die Behörden aus grundsätzlichen Erwägungen, nämlich zum Schutz der
Rechtsgleichheit und der baulichen Ordnung, dem Interesse an der Wiederherstellung des
gesetzmässigen Zustands erhöhtes Gewicht beimessen und die der Bauherrschaft
allenfalls erwachsenden Nachteile nicht oder nur in verringertem Mass berücksichtigen.19
b) Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass das Entfernen der Pfähle mit grösseren
Immissionen und Schadenrisiken für die natürliche Umgebung verbunden wären, als wenn
diese nicht entfernt werden müssen. Auf die Wiederherstellung sei deshalb zu verzichten.
Dieser Einwand ist unbegründet. Es ist nicht nachvollziehbar, mit welchen Immissionen
und Schadenrisiken das Entfernen der Pfähle verbunden sein soll. Die finanziellen
Aufwendungen für das Entfernen der Pfähle sind gering. Die Behörde hat zudem auf
18 BVR 2002 S. 8 E. 2, 2001 S. 17 E. 4a, 2000 S. 170 E. 3a, 1997 S. 23 E, 5a; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum bernischen BauG, 3. Aufl. Band I, Bern 2007, Art. 46 N. 8 ff. 19 BGE 132 II 21 E. 6.4; BVR 2006 S. 444 E. 6.1, je mit weiteren Hinweisen; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum bernischen BauG, 3. Aufl. Band I, Bern 2007, Art. 46 N. 9c).
10
Anordnungen verzichtet, die Erweiterung des Hafens rückgängig zu machen. Der
Rechtsvorgänger der Beschwerdeführerin handelte nicht gutgläubig. Zudem profitierte die
Beschwerdeführerin davon, dass die Wiederherstellung erst mehr als 16 Jahre nach der
unrechtmässigen Erneuerung des Hafens angeordnet wurde. Nach Art. 3 Abs. 2 Bst. c
RPG sind Seeufer von Bauten freizuhalten; Gleiches verlangt auch das SFG. An der
Freihaltung der Ufer und damit auch am Abbruch der unbewilligt erstellten Pfähle besteht
ein erhebliches öffentliches Interesse. Hinsichtlich der Verhältnismässigkeit der
Wiederherstellung erweist sich die Anordnung der Vorinstanzen als geeignet und
erforderlich. Mildere Massnahmen sind nicht ersichtlich. Die angeordnete
Wiederherstellung erweist sich als verhältnismässig.
c) Der Regierungsstatthalter hat in der angefochtenen Verfügung die Frist zur
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands auf drei Monate ab Rechtskraft des
Entscheids festgelegt. Damit erübrigt sich eine neuerliche Festlegung der
Wiederherstellungsfrist durch die BVE; die angeordnete Frist beginnt mit dem Eintritt der
Rechtskraft des vorliegenden Urteils zu laufen.20
6. Verfahrenskosten
Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt die Beschwerdeführerin. Sie hat die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 800.00.
Die Beschwerdeführerin hat als unterliegende Partei keinen Anspruch auf Ersatz ihrer
Parteikosten. Es werden deshalb keine Parteikosten gesprochen.