# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 9564f6ef-d97e-4b55-ae7f-50983041cf0f
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1972
, meldete sich am
1
1.
Februar 2004
unter Hin
weis auf
eine Depression
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
8/2
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihm mit Verfügung vom
1
4.
April 2005
bei einem Invaliditätsgrad von
100
%
eine
ganze
Rente ab
1.
September 2003
zu (Urk.
8/35
).
Mit
Mitteilungen vom
2
3.
September
2008 (
Urk.
8/75), 2
4.
August
2010 (
Urk.
8/92)
und
4.
Januar 201
1
(
richtig 2012;
Urk.
8/114)
teilte die IV-Stelle dem
Versicherten mit, der Rentenanspruch sei unverändert.
1.2
Nach Eingang eines am
1
1.
März 2013
ausgefüllten Revisionsfragebogens (Urk.
8/124
) holte die IV-Stelle unter anderem ein polydisziplinäres Gutachten
ein, das am
2.
Dezember 2014
erstattet wurde (Urk.
8/165
). Nach durchgeführ
tem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
8/169
;
Urk.
8/175
)
hob die IV-Stelle mit Verfü
gung vom
2
9.
Juni 2015
die bisher ausgerichtete Rente auf (Urk.
8/185
= Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am
2
1.
August 2015
Beschwerde gegen die Verfügung vom
2
9.
Juni 2015
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
ihm die bisherige Rente weiter auszurichten
.
Weiter sei festzustellen, dass die mit Schreiben der IV-Stelle vom 2
9.
Juni 2015 unbefristet auferlegte Pflicht zur totalen Abstinenz von Alkohol und Drogen eine unzulässige beziehungsweise un
zumutbare Auflage darstelle
(
Urk.
1 S.
2
)
.
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
2
4.
September
2015
(
Urk.
7
)
die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am
2.
Novem
ber 2015
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
13
).
Mit Gerichtsverfügung vom
7.
Januar 2016
wurden antragsgemäss (vgl.
Urk.
1
S.
2 unten
) die unentgeltliche Prozessführung
und Rechtsvertretung bewilligt (
Urk.
14).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sach
te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder
teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vor
liegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heit
lichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zu
dem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E.
3.5 mit Hin
weisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai
2009 E.
1.2 und I 212/03 vom 28. Augus
t 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswir
kungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurtei
lung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheent
scheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Invaliditäts
bemessung
beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hin
weisen).
1.3
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer
Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkom
mens
vergleichs
(bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Recht
sprechung zur Wiedererwägung und prozessualen Revision (BGE 134 V 131 E.
3 und 133
V 108 E.
5.4 mit Hinweis). Nach der bundesgerichtlichen Rechtspre
chung ist eine Verfügung verzichtbar, wenn bei einer von Amtes wegen durch
geführten Revision keine leistungsbeeinflussende Änderung der Verhältnisse festgestellt wurde (
Art.
74
ter
lit
. f
der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV
) und die bisherige Invalidenrente daher weiter ausgerichtet wird. Wird auf entspre
chende Mitteilung hin keine Verfü
gung verlangt (
Art.
74
quater
IVV), ist jene in Bezug auf den Vergleichszeitpunkt einer (ordentlichen) rechtskräftigen Verfü
gung gleichzustellen (Urteile des Bun
desgerichts 9C_771/2009 vom 10. Septem
ber 2010 E. 2.2 und 9C_586/2010 vom 15. Oktober 2010 E. 2.2 mit Hin
weisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vor
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) gestützt auf die medizinischen Abklärungen
davon aus, dass beim Beschwerdeführer le
diglich ein primäres Drogen/Alkoholgeschehen vorliege, da keine vorangegan
gene schwere psychische Störung bekannt sei. Eine Persönlichkeitsstörung sei weder in der Biografie noch im aktuellen Bild belegt. Der nachgewiesene
Koka
inkonsum
könne zu depressiven Symptomen und Kopfschmerzen führen.
Die Arbeitsunfähigkeit sei daher vor allem durch das Abhängigkeitsverhalten be
gründet und deshalb liege keine Invalidität im Sinne des Gesetzes mehr vor (S.
2 Mitte). Aus psychiatrischer Sicht habe sich der Gesundheitsschaden
ver
bessert, da keine relevanten Diagnosen mehr vorliegen würden, die den
Gesund
heits
schaden
beeinträchtigen würden (S. 3 Mitte).
2.2
Der Beschwerdeführer bestritt beschwerdeweise (
Urk.
1) die von der
Beschwer
degegnerin
angenommene Verbesserung der Arbeitsfähigkeit und machte im Wesentlichen geltend,
dass vorliegend die Voraussetzungen für eine
revisions
weise
Rentenaufhebung nic
ht gegeben seien (S. 10 unten).
2.3
Mit Mitteilung vom
4.
Januar 2012
(Urk.
8
/
114
) wurde dem Beschwerdeführer die bisherige ganze Rente weiterhin bestätigt, nachdem die Beschwerdegegnerin eine materielle Prüfung des Rentenanspruchs (insbesondere mit Durchführung einer
psychiatrischen
Begutachtung) vorgenommen hatte.
Die Mitteilung vom
4.
Januar 2012 ist folglich i
n Bezug auf den Vergleichszeitpunkt
einer (ordentli
chen) rechtskräftigen Verfügung gleichzustellen (
vgl. E. 1.3
).
Strittig und zu prüfen ist, ob und allenfalls in welchem
Ausmass
sich der Gesund
heitszustand und die Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers seit der Mit
teilung vom
4.
Januar 2012 verändert haben.
Soweit
die
Feststellung einer
unzulässigen beziehungsweise unzumutbaren Auf
lage zur totalen Abstinenz von Alkohol und Drogen
beantragt wird, ist darauf mangels Anfechtungsgegenstandes nicht einzutreten.
Hierzu ist anzumerken, dass das Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 2
9.
Juni 2015
sowie das bei
gelegte Merkblatt
(
Urk.
8/183-184
) lediglich auf die im Sozialversicherungsrecht allgemein geltende Mitwirkungs- und Schadenminderungspflicht hinweist. Eine
konkrete Auflage
zur Abstinenz
von Seiten der Beschwerdegegnerin lässt sich
daraus
nicht ableiten.
3.
3.1
Der
nach revisionsweisen Überprüfung mit
Mitteilung
vom
4.
Januar 201
2
(
Urk.
8/114)
weiterhin zugesprochenen Rente
lag im Wesentlichen
das psychi
a
trische Gutachten von
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 2
0.
November 2011 (
Urk.
8/110)
zugrunde
.
Dieser nannte die folgenden Diagnosen
(S. 13 Mitte)
:
Anpassungsstörung seit
zirka
2002 mit Depression,
Disphorie
, Sorgen,
Dekonditionierung
bezüglich Arbeit und Tagesstruktur (ICD
-
10 - F43.23) nach Ehekonflikten und Scheidung (2003) (
ICD-10
Z63.5). Anamnestisch angeblich mittelgradige depressive Episoden; aktuell
lei
chtgradiger
de
pressiver Zustand
a
typische familiäre Situation durch die
2.
Ehe (Heirat 2004, Geburt eines Sohnes 2007, Frau und Sohn leben in der
Z._
) (
ICD-10
Z
60.1)
Verschuldung und finanzieller Beistand seit 2006 (
ICD-10
Z72.6,
ICD-10
Z
65.3)
Nichtbefolgung ärztlicher Anordnungen seit 2002 (
ICD-10
Z
91.1)
f
raglich Persönlichkeitsstörung mit selbstunsicheren und passiv-aggres
si
ven Zügen (
ICD-10
F
60.9)
Nikotinabhängigkeit seit der
Adoleszenz (ICD-10 F17.25)
Status nach Alkoho
l
abhängigkeit; z
ur Zeit
wahrscheinlich abstinent
(ICD-10 F10.20)
c
hronische
Hepatitis B (Erstdiagnose 1992)
Dazu führte er aus, die Kooperation des Beschwerdeführers
sei
bei den Untersu
chungen ausgesprochen schlecht gewesen.
Teils habe dieser mehr oder weniger aggressiv die Antwort verweigert oder habe auf Fragen reflexartig die Antwort gegeben, dass er das vergessen habe (S.
11 Mitte). Aufgrund der mangelnden Kooperation und des wurstigen Antwortverhaltens seien Gedächtnis und Kon
zentration nicht seriös prüfbar gewesen. Bei der Prüfung der Auffassungsgabe
sei er mit seinen Antworten so daneben gelegen, dass man eine schwere Stö
run
g seiner Auffassungsgabe hätte annehmen können. Im Gespräch hätten sich je
doch sonst nie Auffassungsstörungen gezeigt. Bei
entsprechenden Nachfragen zu
Präzisierungen seiner ungefähren
Antworten habe der Beschwerdeführer die Antwort verweigert oder angegeben es vergessen zu haben. Dieses Verhalten sei als Simulation zu qualifizieren. Das Resultat des Rey Memory Tests habe eben
falls ein Hinweis auf Simulation oder Verweigerung ergeben (S. 12 Mitte).
Die Unsicherheit andeutenden Adjektive in der Diagnosestellung seien auf die mangelnde Kooperation, Verweigerung von Auskünften und Falschanga
ben durch den Beschwerdeführer
zurückzuführen (S.
13 unten). Die Erhellung des Defizits an sicheren Informationen
sei auch durch fremdanamnestische Aus
künfte nur suboptimal gelungen. Aufgrund der vorhandenen Angaben müsse angenommen werden, dass der Beschwerdeführer bi
s
2002 psychisch unauffäl
lig gewesen sei. Erst die von seiner ersten Ehefrau eingereichte Scheidung hätte
zur psychischen Dekompensation und Arbeitsunfähigkeit geführt. Sei
t
her scheine
keine Besserung mehr aufgekommen zu sein. Dies führe zur Diagnose einer Anpassungsstörung. Der Beschwerdeführer sei bis jetzt nicht in der Lage ge
we
sen, diesen Schicksalsschlag zu verdauen.
Die Berichte der
A._
würden suggerieren, es bestehe seit 2002 ununter
brochen eine mittelgradige depressive Episode.
Daran habe er seine Zweifel. Diese
wür
den
nicht nur auf dem aktuell nur
leichtgradigen
depressiven Zustand
gründen
, sondern auch auf Aussagen und Verhaltensweisen des Beschwerde
führers, die
nicht so recht mit einem nur depressiven Zustand
zu erklären seien
(S. 13 unten).
Aus dem Zeitraum von 2005 bis 2009 existiere nur eine einzige psychopatho
logische Beschreibung des Beschwerdeführers, nämlich die im Gutachten von
Dr.
B._
aus dem Jahr 200
8.
Darin werde bemerkt, dass die Angaben des Beschwerdeführers widersprüchlich gewesen seien.
Dabei
hätten sich ver
schie
dentlich Zeichen für Simulation oder Aggravation gezeigt und einen
Ver
hal
tensstil
, der dissoziale Komponenten enthalten habe
(S. 14 oben)
.
Die Tendenz des Beschwerdeführers
,
häufig zu Terminen nicht zu erscheinen und so vieles zu „vergessen“
, könne Merkmal
einer passiv-aggressiven
Per
sön
lichkeitsstörung
sein. Man dürfe beim Beschwerdeführer aber auch vermu
ten, sein Auslassen von Terminen sei ein
e
bewusste Handlung, nicht eine unbe
wusste passiv-aggressive, sondern eine bewusst kalkulierte, versteckt aggressive, um Bemühungen der Therapeuten
,
ihn zu beurteilen und zu behandeln und wie
der arbeitsfähig zu machen
,
zu unterlaufen
(S.
14 Mitte)
. Weder die Ärzte der
A._
noch die beiden Gutachter
Dr.
C._
und
Dr.
B._
seien zu siche
ren Auskünften über das Leben des Beschwerdeführers vor 2002 gekom
men. Somit dürfe die sichere Diagnose einer Persönlichkeitsstörung nicht ge
stellt werden. Persönlichkeitsstörungen würden
definitionsgemäss
immer in der Kind
heit oder in der Jugend beginnen. Beim Beschwerdeführer sei vor 2002 jedoch keine Psychopathologie fassbar. Über die Gründe für die Tatsache, dass der Ex
plorand seit Beginn der Behandlung im Jahr 2002 sich weder psycho
therapeu
tisch noch psychopharmakologisch konsequent behandeln
liess
, könn
t
en
nur Vermutungen angestellt werden. Gegenüber der diagnostischen Unsicher
heit bestehe aufgrund des
Verlaufs seit 2002 bis heute aber die klare Sicherheit, dass jede ambulante
Massnahme
zum Scheitern verurteilt sei, sowohl im Hin
blick auf die psychosoziale Besserung wie auch auf Wiedererlangen der Arbeits
fähigkeit (S. 14 unten).
Wie die Gutachter
Dr.
C._
und
Dr.
B._
bereits vor Jahren fest
gehal
ten
hätten
, sei er auch heute der Ansicht, dass der Beschwerdeführer stationär be
handelt werden müsse. Jedes ambulante Setting sei bisher bezüglich psychoso
zialer Besserung und Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit erfolglos gewesen. Es bedürfe eines mehrmonatigen Aufenthaltes in einer psychiatrischen Klinik, die die Möglichkeit der Arbeitstherapie habe. Nur in der Klinik werde der Be
schwerdeführer zu einer geregelten Tagesstruktur angehalten. In der Klinik könne sein Verhalten auch besser beobachtet und beurteilt werden.
Im Weiteren sei
unklar, ob der Beschwerdeführer
unregelmässig
verordnete Medikamente einnehme oder ob dieser ein schneller
Verstoffwechsler
der Antidepressiva sei. Bisher seien nur zwei Spiegelbestimmungen gemacht worden, die Resultate würden Handlungsbedarf suggerieren (S. 15 Mitte).
Beim Beschwerdeführer würden massive psychosoziale Faktoren bestehen, die er aufgrund neurotischer Mechanismen nicht in den Griff kriege oder nicht in den Griff kriegen wolle. Die Folge davon sei eine psychosoziale Stagnation, welche man als Depression beziehungsweise als ein psychisches Leiden mit
Krank
heits
wert
bezeichnen könne (S. 15 unten). Weder der Grad der Arbeitsfähigkeit noch der Gesundheitszustand hätten sich seit der letzten Rentenrevision im Jahr 2008 verbessert (S. 16 oben).
3.2
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Neurologie und für Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), führte in seiner Stellung
nahme vom 2
3.
Dezember 2011 (
Urk.
8/112/5 oben) gestützt auf das Gutachten von
Dr.
Y._
vom 2
0.
November 2011 (vorstehend E. 3.1) aus, der Gesundheits
zustand des Beschwerdeführers sei im Vergleich zu der letzten medizinischen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit stationär.
4.
4.1
Der im Rahmen der vorliegenden Rentenrevision angefochtenen
rentenein
stel
lenden
Verfügung vom
2
9.
Juni 2015 (
Urk.
2)
lagen im Wesentlichen die nach
folgenden Arztberichte zugrunde:
4.2
Im polydisziplinären Gutachten des
E._
vom
2.
Dezember 2014 (
Urk.
8/165) stellten
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Rheumatologie
,
und
Dr.
med.
H._
, Fachärztin für Psychia
trie und Psychotherapie, folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähig
keit (S. 29
Ziff.
7):
r
ezidivierendes
lumbovertebr
a
les
Syndrom
Status nach komplexer Daumenverletzung rechts 1987
Hauttransplan
t
a
ti
on bei Weichteildefekt
Thenarbereich
rechts
Funktionsdef
i
zit des rechten Daumens/Sensibili
t
ätsstörung
Daumen
bereich
rechts
Störung durch den Gebrauch von Kokain, gegenwärtiger Gebrauch
Pers
ö
nlichkeitsstörung, nicht näher bezeichnet mit dissozialen Zügen
Störungen durch Alkohol
Störungen durch
Cannabinoide
, episodischer Substanzgebrauch
In der psychiatrischen Beurteilung
w
u
rd
e
fest
gehalten
, insgesamt habe es sich um eine sehr schwierige Exploration mit nur sehr dürftigem Informationsgehalt ge
handelt. Der Beschwerdeführer sei trotz Übersetzung äusserst
unkooperativ
ge
wesen. Dies erschwere eine differenzierte Beurteilung beziehungsweise verun
mögliche sie praktisch ganz. Gleichzeitig könne sie Ausdruck einer zutiefst ge
störten Persönlichkeit sein oder aber ein taktisch motiviertes Verhalten (S. 25 Mitte). Um die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung plausibel verifizieren zu können, wären genauere Angaben des Beschwerdeführers notwendig gewesen. Insgesamt könne aufgrund der heutigen Untersuchung nicht beurteilt werden, ob die Verschlossenheit des Beschwerdeführers aus taktischen Gründen erfolgt sei oder ob sie aufgrund einer schweren Persönlichkeitsstörung in dieser Weise ausfalle. Für eine schwere Persönlichkeitsstörung
spreche die Tatsache, dass der
Beschwerdeführer offenbar immer wieder in strafrechtlich relevante Verstösse verwickelt
gewesen sei
(S. 26 oben).
Obwohl der Beschwerdeführer bisher aus psychischen Gründen arbeitsunfähig geschrieben worden sei, habe nie eine konsequente psychiatrische Behandlung stattgefunden (S. 26 Mitte). Die Notwendigkeit einer Psychotherapie sei in den vorliegenden Akten mehrmals erwähnt und eine solche gefordert worden. Dem könne vollumfänglich gefolgt werden.
Die Diagnose, die gemäss den Akten als Grund für die Arbeitsunfähigkeit ange
sehen worden sei, sei eine depressive Erkrankung. Diese Diagnose könne in der heutigen Untersuchung aufgrund der Angaben des Beschwerdeführers nicht gestellt werden, da die Angaben diesbezüglich nicht verwertbar seien. Falls ein regelmässiger Kokainkonsum stattfinde, würde dieser Anlass zu immer wieder auftretenden depressiven Symptomen sein
(S. 26 Mitte)
.
Um eine Arbeitsfähigkeit aus psychischen Gründen zumindest versuchsweise zu objektivieren, stütz
t
e sich die psychiat
rische Gutachterin auf ein Mini-
ICF, welche
s
einerseits auf de
n
Beobachtungen während der Untersuchung und an
dererseits auf de
n
Akten und d
en
subjektiven Angaben des
Beschwerdeführers beruhe
(S. 26 unten). Insgesamt finde sich ein aktuell in einigen Punkten schwer beeinträchtigter beziehungsweise in anderen Punkten ein letzt
endlich kaum zu beurteilender psychischer Funktionszustand (S. 27 oben). Es handle sich um ein äusserst
chronifiziertes
komplexes psychiatrisches
Zustands
bild
, wobei die Aus
sagen des Beschwerdeführers generell mit grosser Vorsicht zu geniessen seien. Die Tatsache, dass dieser weder über seinen Kokainkonsum, noch über seine Spielsucht, noch über sein Alkoholproblem oder seine aktuelle Ehe Auskunft gebe, weise daraufhin, dass es sich bei der fehlenden Kooperation doch auch um ein taktisch motiviertes Manöver handeln könnte. Das Verhalten sei somit als bewusstseinsnah zu beurteilen
(S. 27 Mitte)
.
Die Problematik des Konsums von psychotropen Substanzen in Kombination mit der Persönlichkeitsstörung sei als für die Arbeitsunfähigkeit entscheidenden Faktor anzusehen. Die Beeinträchtigung in der sozialen Beziehungsfähigkeit und in der Einhaltung von Arbeitsstrukturen sowie die fehlende Anpassungs
fähigkeit an Regeln und Routinen seien dabei entscheidend. Eine depressive Erkrankung könne in der heutigen Untersuchung nicht bestätigt werden, dies auch aufgrund des Kokainkonsums, der obligat zu einer depressiven Sympto
matik führe (S. 27 unten).
Das Ausmass des Drogenkonsums müsse unter statio
nären Bedingungen evaluiert werden. Eine psychotherapeutische Behandlung sei nur durch eine massive extrinsische Motivation zu erreichen, wobei der Erfolg auch dann fraglich sei (S. 28 oben).
Zusammenfassend hielten
die Gutachter fest, dass sich die Anamneseerhebung bei allen untersuchenden Ärzten als sehr schwierig erwiesen habe. Die Angaben des Beschwerdeführers seien nicht nur unpräzise, sondern zum Teil auch falsch erfolgt. Diese Falschangaben seien ihrer Ansicht nach grösstenteils
bewusst
seinsnah
erfolgt
(S. 29 unten).
Es hätten offensichtlich zeitweilig ein
Äthylabusus
grösseren Ausmasses und auch ein Drogenmissbrauch bestanden. Dieser werde auf intensive Nachfrage betreffend Cannabis eingestanden, andere Drogen seien jedoch klar negiert worden.
Die
Laboruntersuchung
habe dann ein positives Resultat für
Kokain
konsum
ergeben. Dieser könnte auch die Kopfschmerzen erklären (S. 30 oben).
Das Auffälligste an der heutigen Untersuchung sei die fehlende Kooperation des Beschwerdeführers gewesen. Alle eigenanamnestischen Angaben seien mit äusserster Vorsicht zu geniessen. Es fänden sich viele Widersprüche, auf die problematischen Anteile des Versicherten, die in den Akten mehrfach erwähnt seien, zum Beispiel die Spielsucht, der Alkoholmissbrauch und die schwierigen mit- und zwischenmenschlichen Beziehungen
,
gehe der Beschwerdeführer in der Exploration nicht ein. Dies erschwere dann auch die Diagnosestellung im psy
chischen Bereich massiv. Die positive Probe auf Kokain verändere die Beurtei
lung des depressiven Geschehens als Ursache für die aktuelle Arbeitsunfähigkeit gänzlich. Depressive Symptome seien bei regelmässigem Kokainkonsum normal und gehören zum Substanzkonsum dazu (S.
31 oben). Auch der Kopfschmerz könne aufgrund der
vasokonstriktorischen
Wirkung des Kokains aus diesem Grund ausgelöst sein. Ebenso würden Schlafstörungen und die Energielosigkeit zum Gebrauch dieser psychotropen Substanz passen. In den Akten fänden sich des Weiteren mehrfach Hinweise auf ein dissoziales Verhalten des Beschwerde
führers, sei es, dass er in der Nähe von Drogenhandel aufgefunden worden sei und deswegen inhaftiert worden sei, sei es dass der Beschwerdeführer mit Diebesgut gehandelt habe.
Aus psychiatrischer Sicht sei die Persönlichkeitsstörung der Hauptgrund für die aktuell vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit. Diese verunmögliche es dem Be
schwerdeführer, sich an Regeln und Routinen anzupassen, wie es die Arbeits
welt verlange.
Da es sich bei dieser Persönlichkeitsstörung um eine äusserst
chronifizierte
Angelegenheit handle und der Beschwerdeführer auch nach mehreren Behandlungsversuchen keine Ansätze einer Besserung zeige, sei eine Besserung dieses Zustandes unwahrscheinlich. Eine genaue Darstellung der Ursa
chen für die Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen werde im psy
chia
tri
schen Teilstatus mittels eines ICF dargestellt (S. 32 oben).
Aus rein rheumatologischer Sicht bestehe zudem für schwere Tätigkeiten keine Arbeitsfähigkeit.
Falls die Arbeitsunfähigkeit hauptsächlich durch den Gebrauch von psycho
tropen Substanzen beeinträchtigt wäre, was in der Begutachtung nicht schlüssig habe beantwortet werden können, wäre ein Drogenentzug mit einer anschlies
senden Entwöhnungsbehandlung die richtige Therapie (S. 32 unten).
4.3
Dr.
med. I._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und für Arbeitsmedizin, RAD, führte in der Stellungnahme vom 2
7.
Januar 2015 (
Urk.
8/168/5
Mitte
) aus, es handle sich um eine Persönlichkeitsstörung mit er
heblicher
Dysfunktionalität
und dissozialem Verhalten. Die Alkohol- und
Canna
bisabhängigkeit
sei als ein Teil der Persönlichkeitsstörung zu verstehen, mit anderen Worten als eine Art Selbsttherapie-Versuch zu werten. Es liege eine krankheitsbedingte Non-Compliance vor, und eine Auferlegung einer medizini
schen Massnahme mache deshalb keinen Sinn.
4.4
Med.
pract
. J._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, RAD, hielt anlässlich einer Besprechung vom 1
2.
März 2015 (
Urk.
8/168/5 unten f.) aus versicherungspsychiatrischer Sicht fest, erstaunlicherweise werde eine Persönlichkeitsstörung mit dissozialen Zügen diagnostiziert, obwohl mehrmals erörtert werde, dass die fehlende Kooperation taktisch motiviert sein könne. Es sei nicht nachvollziehbar, wenn der psychiatrische Gutachter strafrechtlich rele
vante Verstösse als Beleg für eine Persönlichkeitsstörung heranziehe. Krimina
lität bedeute nicht Krankheit. Aus versicherungspsychiatrischer Sicht liege ein primäres Drogen/Alkoholgeschehen vor, da keine vorangegangene schwere psy
chische Störung bekannt sei. Eine Persönlichkeitsstörung sei weder in der Bio
grafie noch im aktuellen Bild belegt. Der im Labor nachgewiesene
Kokainkon
sum
könne, wie im Gutachten beschrieben, zu depressiven Symptomen und Kopfschmerzen führen. Dies sei bei früheren Arztberichten nicht berücksichtigt worden.
5.
5.1
Strittig und zu prüfen ist, ob sich der Gesundheitszustand des Beschwerdefüh
rers im relevanten Zeitraum (vgl. E. 2.3) in einer für den Anspruch relevanten Weise verändert
hat
.
5.2
Aufgrund der Akten gibt es
keine
Anhaltspunkte und ist u
nbestritten
, dass sich der somatische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers im relevanten Zeit
raum wesentlich verändert
hätte
.
Etwas anderes ergibt sich auch nicht aus dem Gutachten vom
2.
Dezember 2014 (vorstehend E. 4.2).
Es bleibt daher zu prüfen, ob
hinsichtlich der psychischen Situation eine Veränderung eingetreten ist.
5.3
Die Beschwerdegegnerin begründete die Rentenherabsetzung gestützt auf
die Stel
lungnahme von med.
pract
. J._
, Facharzt für Psychiatrie und Psy
chotherapie, vom 1
2.
März 2015 (
vorstehend E. 4.4).
Gestützt darauf schloss die Beschwerdegegnerin auf einen aus medizinischer Sicht veränderten Sachverhalt,
da kein IV-relevanter Gesundheitsschaden
mehr ausgewiesen
sei und der Ge
sundheitszustand sich entsprechend verbessert habe
(vgl.
Urk.
2 S.
3 Mitte,
Urk.
8/182/3 unten).
5.4
Dies vermag aus folgenden Gründen nicht zu überzeugen: In seinem Gutachten vom 20. November 2011, welches als Grundlage für die letzte
rentenbe
stäti
gende
Mitteilung vom 4. Januar 2012 diente, diagnostizierte Dr.
Y._
einerseits eine Anpassungsstörung mit aktuell
leichtgradigem
depressivem Zustand und so
mit eine Erkrankung, welche rechtsprechungsgemäss grundsätzlich als vorü
ber
gehend und nicht als invalidisierend gilt (vgl. beispielsweise das Urteil des Bundesgerichts
9C_4/2013 vom 19. Dezember 2013
). Weiter erachtete Dr.
Y._
auch die von ihm gestellten Z-codierten Diagnosen (atypische familiäre Situation, Verschuldung und finanzieller Beistand, Nichtbefolgung ärztlicher Anordnungen; vgl. vorstehend E.
3.1) als sich auf die Arbeitsfähigkeit auswir
kend, was nicht zu überzeugen vermag, denn solche Beeinträchtigungen werden
in der Kategorie
„
Probleme verbunden mit Schwierigkeiten bei der
Lebensbe
wältigung
" aufgeführt und gehört damit zu den Faktoren, die den Gesundheits
zustand beeinflussen und zur Inanspruch
nahme von Gesundheitsdiensten führen
(ICD-10 Z.00-/99), denen jedoch kein versicherungsmedizinischer
Krankheits
wert
zukommt (vgl. das Urteil des Bundesgerichts 8C_663/2010 vom 15. Novem
ber 2010, E. 5.2.4).
Die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung erachtete Dr.
Y._
ausdrücklich als fraglich. Wie bereits bei früheren Gelegenheiten war eine sichere diagnostische Zuordnung des Gesundheitszustandes des Beschwerde
führers erschwert durch dessen
unkooperatives
Verhalten, wobei Dr.
Y._
nicht sicher feststellen konnte, inwieweit dieses Verhalten auf eine Krankheit im Sinne einer passiv-aggressiven Persönlichkeitsstörung zurückzuführen war.
Dr.
Y._
stellte jedoch auch Hinweise auf Simulation fest und vermutete ein bewusst kalkulierendes Verhalten des Beschwerdeführers. Er führte deshalb aus, dass die sichere Diagnose einer Persönlichkeitsstörung nicht gestellt werden dürfe (vgl. vorstehend E. 3.1). In Anbetracht der gestellten, grundsätzlich aus rechtlicher Sicht nicht als invalidisierend geltenden Diagnosen und der äusserst erschwerten Befunderhebung ist nicht auf den ersten Blick nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer vollständig arbeitsunfähig sein soll, weshalb das Gut
achten von Dr.
Y._
von fraglichem Beweiswert ist (vgl. vorstehend E. 1.4).
5.5
Auch das Gutachten des
E._
ist mangelhaft und lässt den Schluss nahe, dass darin - nicht zuletzt aufgrund des unkooperativen Verhaltens des Beschwerde
führers - frühere Feststellungen mangels fassbarer Befunde
perpetuiert
wurden, ohne dass eine nachvollziehbare Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwer
de
führers erfolgte (oder erfolgen konnte). So wurde wiederum eine
Persönlich
keits
störung
mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit diagnostiziert, obwohl für eine
solche Diagnose genaue Angaben des Beschwerdeführers nötig seien und wei
ter
hin nicht beurteilt werden könne, ob die Verschlossenheit des Beschwerde
füh
rers taktisch oder krankheitsbedingt sei. Fragwürdig und nicht weiter begrün
det ist die diesbezügliche Annahme der Gutachterin, dass das strafrechtlich rele
vante Verhalten des Beschwerdeführers für das Vorliegen einer schweren
Per
sönlichkeitsstörung
spreche (S. 25 f. des Gutachtens); ein Zusammenhang wurde nicht erklärt.
Weiter gingen die Gutachter von voller Arbeitsunfähigkeit des Beschwer
de
führers aus, obwohl bislang nie eine konsequente psychiatrische Behandlung stattgefunden hat.
D
ies ist aus rechtlicher Sicht fragwürdig, denn d
as Bundes
gericht
hat
in BGE 141 V 281 seine ständige Rechtsprechung bestätigt, wonach psychische Störungen grundsätzlich nur als invalidisierend gelten, wenn sie schwer und therapeutisch nicht (mehr)
angehbar
sind (E. 4.3.1.2). Dieser Um
stand hat in die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einzufliessen, was bislang nicht erfolgte. In diesem Zusammenhang ist hervorzuheben, dass gemäss Gut
achten der Beschwerdeführer wohl nicht zur Mitwirkung bei einer Behandlung bereit sei (vgl. S. 26 des Gutachtens), dies jedoch nicht ausdrücklich auf Krankheitsgründe zurückgeführt
wird
. Vielmehr sei eine therapeutische Behand
lung zu fordern und notwendig (S. 26).
Weiter wurden erneut ein bewusstseinsnahes Verhalten und taktische Gründe für die fehlende Kooperation vermutet (S.
27 des Gutachtens), was Zweifel weckt, denn es
liegt regelmässig keine versicherte Gesundheitsschädigung vor
, wenn
die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Kon
stel
lation
beruht
(siehe Meyer-Blaser, Der Rechtsbegriff der Arbeitsunfähigkeit
und seine Bedeutung in der Sozialversicherung, namentlich für den
Einkom
mensvergleich
in der Invaliditätsbemessung, Schaffhauser/
Schlauri
[Hrsg.], Schmerz und Arbeitsunfähigkeit, St.
Gallen
2003, S.
92
f.).
Nicht nachvollzieh
bar ist sodann, dass die Gutachter die Problematik des Konsums von psy
cho
tropen Substanzen in Kombination mit der Persönlichkeitsstörung als für die Arbeitsunfähigkeit entscheidenden Faktor betrachteten (S. 27 des Gutachtens), obwohl die Persönlichkeitsstörung gerade nicht plausibel verifiziert werden konnte. Weiter fehlen Angaben dazu, inwieweit das offenbar vorhandene
Sucht
geschehen
von einer allfälligen psychischen Erkrankung abhängt oder ob es sich gar um ein reines Suchtgeschehen handelt - auch dies konnte anlässlich der Begutachtung nicht beurteilt werden (vgl. S. 32 des Gutachtens).
5.6
Zur Annahme der In
validität nach Art. 8 ATSG ist
auch
bei psychischen Erkrankungen
in jedem Fall ein medizinis
ches Substrat unabdingbar, das fach-
ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits-
und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt.
Dies gilt auch im Revisionsfall. Vorliegend lässt das
E._
-Gutachten zu viele Fragen offen, als dass darauf abgestellt werden kann. Nachdem auch das Gutachten von Dr.
Y._
nicht rest
los zu überzeugen vermag, ist ein Vergleich des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers mit der Situation, wie sie sich anlässlich der letzten rentenbestätigenden Mitteilung präsentierte, nicht möglich: Es fehlt an einer gesicherten Diagnose, an der Beurteilung der Frage nach dem Zusammenhang von Drogenkonsum und - allfälliger - Krankheit und an der Prüfung der Frage einer konsequenten, auch stationären Therapie. Erst nach Beant
wortung dieser Fragen wird es möglich sein, die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zu beurteilen. Dieser ist in aller Deutlichkeit auf seine Schadenminderungs- und Mitwirkungspflicht und die Möglichkeit einer
Leis
tungs
verweigerung
oder -kürzung (Art. 21 Abs. 4 ATSG) hinzuweisen, zumal die beteiligten Gutachter davon ausgehen, dass ihm auch eine stationäre The
rapie zumutbar ist.
Rückblickend ist im Übrigen nicht nachvollziehbar, weshalb die
Beschwerde
gegnerin
den Beschwerdeführer - trotz mehrfacher Hinweise von Seiten der aktuellen wie auch früherer Gutachter - bisher nie zu einer sta
tionären Be
handlung angehalten hat, nachdem jedes ambulante Setting bisher erfolglos blieb. Diesbezüglich wurde bereits im Gutachten im Jahr 2011 fest
gehalten, dass der Beschwerdeführer nur in einer Klinik zu einer geregelten Tagesstruktur angehalten und sein Verhalten dabei auch besser beobachtet und
beurteilt wer
den könne (vorstehend E.
3.1). So wird auch im aktuellen Gutach
ten
darauf hingewiesen, dass das Ausmass des Drogenkonsums unter stationären Bedin
gungen evaluiert werden müsse (vorstehend E. 4.2).
5.7
Nach dem Gesagten fehlt es an der Grundlage für einen Entscheid.
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheid
relevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Vorliegend wird die Beschwerdegegnerin zu prüfen haben, ob der Gesund
heits
zustand des Beschwerdeführers im Rahmen einer stationären Abklärung oder aufgrund einer erneuten ambulanten Begutachtung zu untersuchen ist, weshalb kein Gerichtsgutachten veranlasst wird. Der Beschwerdeführer wird im Rahmen seiner Mitwirkungspflicht zur Kooperation aufgefordert, insbesondere auch hin
sichtlich der Auskunftserteilung anlässlich einer Untersuchung.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie de
r
unterliegenden
Beschwerdegegnerin
aufzu
erlegen.
6.2
Nach
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34
GSVGer
hat die obsiegende
beschwerdeführende
Person Anspruch auf den vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen festzusetzenden Ersatz der Parteikosten.
Der von Rechtsanw
ä
lt
in Stephanie Schwarz
mit Eingabe vom
19
.
Januar
2016
geltend gemachte Auf
wand von
11
Stunden
15
Minuten und Fr.
74.25
Barauslagen (Urk.
1
6
) ist der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
angemessen
.
Die Entschädigung beläuft sich unter Berücksichtigung des gerichtsüblichen
Stun
denansatzes
von
Fr.
220.-- auf Fr.
2‘753.20
(inklusive Barauslagen und Mehr
wertsteuer)
und ist von der Beschwerdegegnerin zu bezahlen
.