# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 51f2f0ee-a42c-5a8d-a621-b03cb748ad54
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdeführer ist Eigentümer der Parzelle Ursenbach Grundbuchblatt
Nr. B._ in der Landwirtschaftszone. Darauf befand sich ein als schützenswert
anerkanntes und mit Vertrag der Denkmalpflege des Kantons Bern unter Schutz gestelltes
Stöckli aus dem Jahr 1779. Im Sommer 2004 brannte das Stöckli mit Ausnahme des
Kellers ab, kurze Zeit nachdem der Beschwerdeführer das Stöckli mit einem
unterstützenden Beitrag der Denkmalpflege des Kantons Bern restauriert hatte. Das
abgebrannte Stöckli wurde – abgesehen vom Keller – abgebrochen und die Denkmalpflege
des Kantons Bern löste den Unterschutzstellungsvertrag in Übereinstimmung mit der
Eigentümerschaft auf.
RA Nr. 120/2018/19 2
Der Beschwerdeführer reichte am 7. Juni 2011 ein Baugesuch für den Wiederaufbau des
Stöcklis nach Brandfall und den Anschluss an die ARA-Leitung Richisberg ein. Die
Gemeinde Ursenbach bewilligte am 16. August 2011 das Bauvorhaben, nachdem das
AGR eine Ausnahmebewilligung für das Bauen ausserhalb der Bauzone erteilt hatte. Auf
Gesuch des Beschwerdeführers verlängerte die Gemeinde die Baubewilligung mit
Schreiben vom 12. Juni 2014 bis zum 16. August 2016. Die Gemeinde bewilligte zudem
am 14. März 2016 eine Projektänderung betreffend die Ausgestaltung und Materialisierung
der Westfassade.
Mit Schreiben vom 8. November 2017 teilte die Gemeinde dem Beschwerdeführer mit, sie
habe festgestellt, dass der Beschwerdeführer die Bautätigkeiten seit bald einem Jahr
eingestellt habe. Die Baubewilligung erlösche, wenn die Ausführung während mehr als
einem Jahr unterbrochen worden sei. Zudem müsse das Bauvorhaben ohne
Unterbrechung zu Ende geführt werden, wenn erst kurz vor Ablauf der um zwei Jahre
verlängerten Baubewilligung zu bauen begonnen worden sei. Sie forderte den
Beschwerdeführer auf, ihr mitzuteilen, wann er die Bauarbeiten wieder aufnehmen werde
und zu bestätigen, dass er das Bauprojekt ohne weitere Unterbrechungen fertigstellen
werde und den geplanten Abschluss der Bauarbeiten bekannt zu geben. Ein
angefangener, aber nicht vollendeter Bau, für den die Bewilligung erloschen sei, müsse
grundsätzlich zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes beseitigt werden. Der
Beschwerdeführer ersuchte im Folgenden um Fristverlängerung, da es bis zum 31. Mai
2018 dauern werde, die rechtlich und finanziell notwendigen Entscheide zu treffen. Die
Gemeinde forderte den Beschwerdeführer per E-Mail auf, die von ihr formulierten Fragen
zu beantworten und die Fertigstellung ohne Unterbrechung zu bestätigen sowie seinen
konkreten Lösungsansatz mit Terminbestätigungen zu konkretisieren. Mit Schreiben vom
21. Dezember 2017 teilte der Beschwerdeführer mit, er könne nicht garantieren, wie von
der Gemeinde verlangt, im Januar 2018 das Bauprojekt fortzuführen. Denn
Erschliessungsfragen bezüglich Elektrizität und die Kostenfolgen seien noch nicht geklärt.
Die Gemeinde stellte mit Schreiben vom 21. Dezember 2017 die Verfügung einer
Baueinstellung und einer Wiederherstellung in Aussicht und bot dem Beschwerdeführer die
Gelegenheit zur Wahrnehmung des rechtlichen Gehörs anlässlich eines Treffens vom 8.
Januar 2018. Nach Durchführung dieser Sitzung verfügte die Gemeinde am 23. Februar
2018:
RA Nr. 120/2018/19 3
1. Die erteilte Baubewilligung Wiederaufbau Stöckli (gemäss Bewilligungsverfahren
4/308.2011.10) ist in Folge Nichtausführens Ende Dezember 2017 erloschen. Das
Fortführen der Bauarbeiten ist nicht zulässig.
2. Wie anlässlich des rechtlichen Gehörs mitgeteilt, ist der bestehende Keller, in dem
technische Anlagen für den Bauernbetrieb untergebracht sind, abzudichten, zu
überdecken und zu begrünen. Die Rekultivierung und Anpassung an das Gelände hat
fachmännisch zu erfolgen.
3. Die in Punkt 2 dargelegten Massnahmen sind bis zum 30.06.2018 auszuführen und der
Baubewilligungsbehörde unverzüglich zu melden.
4. [Androhung der Ersatzvornahme]
5. [Sofortige Vollstreckbarkeit]
6. [Strafandrohung im Widerhandlungsfall]
7. [Verfahrenskosten]
8. [Rechtsmittelbelehrung]
9. [Eröffnungsformel]
2. Gegen diese Verfügung reichte der Beschwerdeführer am 23. März 2018
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er
stellt folgende Rechtsbegehren:
1. Die Verfügung der Gemeinde Ursenbach vom 23.02.2018 sei ohne Kostenfolge
aufzuheben.
2. Die zuständigen Behörden bewilligen den Bauunterbruch bis 31.7.2018.
3. Die C._ habe mir bis zu diesem Zeitpunkt die Strom Zubringer-Auflagen
vorzulegen.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch. Das Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) verzichtet auf
eine Stellungnahme. Die Gemeinde beantragt in ihrer Stellungnahme die Abweisung der
Beschwerde. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Das Rechtsamt stellte dem Beschwerdeführer
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
RA Nr. 120/2018/19 4
zudem den technischen Bericht der D._ AG und die Unterlagen zu den
Messungen vom 31. Januar 2018 bis 7. Februar 20182 zu.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintreten
Angefochten ist eine Baueinstellungs- und Wiederherstellungsverfügung gemäss Art. 46
Abs. 1 und 2 BauG3. Gemäss Art. 49 Abs. 1 BauG können baupolizeiliche Verfügungen
nach Art. 45 bis 48 BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE
angefochten werden. Der Beschwerdeführer ist als Adressat durch die angefochtene
Verfügung beschwert und daher zur Beschwerde legitimiert. Auf seine form- und
fristgerecht eingereichte Beschwerde wird daher grundsätzlich eingetreten.
2. Anfechtungsobjekt / Streitgegenstand
Die Beschwerde ist nur im Rahmen des Streitgegenstands zulässig. Der Streitgegenstand
kann nicht über das hinausgehen, was die Vorinstanz geregelt hat.4 Der Beschwerdeführer
verlangt, die C._ AG sei anzuweisen, ihm bis zum 31. Juli 2018 die "Strom-
Zubringer Auflagen" vorzulegen. Streitgegenstand ist vorliegend nur die angefochtene
Verfügung, in der die Gemeinde die Baueinstellung sowie die Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustandes aufgrund der erloschenen Baubewilligung verfügt. Darüber
hinaus ist die BVE nicht befugt, Anweisungen zu geben. Diesbezüglich kann deshalb nicht
auf die Beschwerde eingetreten werden.
3. Verletzung des rechtlichen Gehörs
a) Dem Beschwerdeführer wurde am 8. Januar 2018 in einer mündlichen Anhörung das
rechtliche Gehör gewährt. Der Beschwerdeführer bringt hierzu vor, er habe das
2 Pag. 10-15 Vorakten der Gemeinde 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0) 4 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 72 N. 6
RA Nr. 120/2018/19 5
dazugehörige Protokoll auf Nachfrage hin, erst am 23. März 2018 erhalten und habe dazu
keine Ergänzungen mehr anbringen können. Die Vorinstanz hält in ihrer Stellungnahme
dazu fest, sie habe das Protokoll dem Beschwerdeführer nach dem Gespräch per Post
zustellen lassen. Auf seinen Wunsch hin habe sie es nicht eingeschrieben oder mit A+
verschickt. Sie habe das Protokoll nochmals eingeschrieben zustellen lassen, als der
Beschwerdeführer mitgeteilt habe, dass er es nicht erhalten habe.
b) Vor Erlass der Verfügung gewährte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer am 8.
Januar 2018 in einer mündlichen Anhörung das rechtliche Gehör. Eine Anhörung im Sinne
von Art. 21 Abs. 1 VRPG5 kann grundsätzlich sowohl mündlich als auch schriftlich
erfolgen.6 In einer mündlichen Anhörung können Streitfragen und
Meinungsverschiedenheiten zwischen Behörden und Betroffenen erfahrungsgemäss
leichter bereinigt werden. Eine mündliche Anhörung kann zudem beispielsweise bei
zeitlicher Dringlichkeit geboten sein.7 Der wesentliche Inhalt einer mündlichen Anhörung ist
zu protokollieren.8 Ob die Beteiligten in jedem Fall das Recht haben, vor dem Entscheid
eine schriftliche Ausfertigung des Protokolls zu erhalten und dazu Stellung zu nehmen bzw.
Korrekturen anzubringen, erscheint fraglich. Dies jedenfalls in Fällen, bei denen die
Behörde wegen zeitlicher Dringlichkeit direkt nach der mündlichen Anhörung ein Entscheid
fällt. Nicht besonders schwerwiegende Gehörsverletzungen können nach der
Rechtsprechung folgenlos bleiben (sog. Heilung), wenn der Rechtsmittelinstanz die gleiche
Überprüfungsbefugnis zukommt wie der Vor-instanz und der beschwerdeführenden Person
daraus kein Nachteil erwächst, d.h. sie ihre Rechte im Beschwerdeverfahren
vollumfänglich wahrnehmen kann.9
Im vorliegenden Fall lag genügend Zeit zwischen der Anhörung und dem Entscheid. Die
Gemeinde wollte dem Beschwerdeführer das Protokoll auch vorher zustellen. Dies gelang
offenbar erst beim zweiten Anlauf an dem Tag, als der Beschwerdeführer Beschwerde bei
der BVE erhob. Damit hätte sich der Beschwerdeführer jedenfalls im Beschwerdeverfahren
dazu äussern und Korrekturen anbringen können. Eine allfällige Gehörsverletzung würde
5 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 6 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 21 N. 6 7 Albertini Michelle, Der verfassungsmässige Anspruch auf rechtliches Gehör im Verwaltungsverfahren des modernen Staates, Bern 2000, S. 338 8 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 24 N. 6 9 BVR 2012 S. 28 E. 2.3.5; BGE 137 I 195 E. 2.3.2, 133 I 201 E. 2.2
RA Nr. 120/2018/19 6
vorliegend zudem nicht besonders schwer wiegen, da dem Beschwerdeführer der Inhalt
des Protokolls aufgrund seiner Anwesenheit am Termin vom 8. Januar 2018 bekannt war.
Eine allfällige Gehörsverletzung des Beschwerdeführers wäre damit durch die BVE, welche
volle Überprüfungsbefugnis hat, geheilt und eine Ausscheidung von Verfahrenskosten
rechtfertigt sich so oder anders nicht.10
4. Erlöschen der Baubewilligung
a) Die Gemeinde Ursenbach erteilte die Baubewilligung am 16. August 2011. Auf
Gesuch des Beschwerdeführers verlängerte die Gemeinde die Baubewilligung mit
Schreiben vom 12. Juni 2014 bis zum 16. August 2016. Gemäss dem vom Architekturbüro
des Beschwerdeführers unterzeichneten Formular "Selbstdeklaration Baukontrolle 1"
erfolgte der Baubeginn am 15. August 2016. Die Schnurgerüstabnahme könne ab Ende
August 2016 abgenommen werden. Ein Ingenieurbüro bestätigte mit Schreiben vom 11.
Oktober 2016 die Schnurgerüstabsteckung am 11. Oktober 2016.
b) Eine Baubewilligung erlischt, wenn innerhalb von drei Jahren seit ihrer
rechtskräftigen Erteilung mit der Ausführung des Bauvorhabens nicht begonnen oder die
Ausführung während mehr als einem Jahr unterbrochen wird (Art. 42 Abs. 2 BauG). Die
Baubewilligungsbehörde kann die Geltungsdauer nach Anhörung der betroffenen
Behörden um höchstens zwei Jahre verlängern (Art. 42 Abs. 3 BauG). Der Fristenlauf der
Baubewilligung beginnt nicht oder wird gehemmt, wenn die Baubewilligung aus rechtlichen
Gründen nicht ausgenützt werden kann und die Bauherrschaft die zumutbaren Schritte zur
Beseitigung der Hinderung unternimmt (Art. 40 Abs. 2 BewD11).
c) Vorliegend begründet die Gemeinde das Erlöschen der Baubewilligung mit einer
überjährigen Unterbrechung der Bauausführung, die im Dezember 2017 baupolizeilich
festgestellt worden sei. Der Beschwerdeführer widerspricht dem nicht, ersucht aber um
eine Fristverlängerung bis zum 31. Juli 2018. Für die Unterbrechung der Bautätigkeiten
werden vom Beschwerdeführer vorwiegend Schwierigkeiten mit der elektrischen
Erschliessung geltend gemacht. So gebe es Probleme mit dem Stromnetz der Gemeinde,
die wahrscheinlich auch die Ursache des letzten Brandes gewesen seien, weshalb das
Stöckli neu elektrisch erschlossen werden müsse. Mit den Bautätigkeiten möchte der
Beschwerdeführer erst fortfahren, wenn diese Probleme geklärt seien. Ausserdem seien
10 Vgl. Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 108 N. 9 11 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1)
RA Nr. 120/2018/19 7
die Aufträge für das Bauvorhaben bereits vergeben, doch die Hausmontage könne
aufgrund der Auftragslage des verpflichteten Unternehmens erst im Oktober 2018
umgesetzt werden. Die Vorinstanz hält in ihrer Stellungnahme fest, sie habe aufgrund der
Bedenken des Beschwerdeführers durch die C._ AG Strommessungen
durchführen lassen. Diese hätten Resultate gezeigt, die der Norm entsprächen, weshalb
kein Handlungsbedarf bestehe. Ausserdem sei das Stromnetz der Gemeinde in einem
guten Zustand.
d) Im vorliegenden Fall ist unter den Verfahrensbeteiligten unbestritten, dass der
Beschwerdeführer die Ausführung des Bauvorhabens rechtzeitig begonnen hat. Erfordert
ein Bauvorhaben eine Schnurgerüstabnahme, gilt diese als Baubeginn (Art. 2 Abs. 2 Bst. a
BewD).12 Im vorliegenden Fall begann die Ausführung des Bauvorhabens deshalb erst mit
der Schnurgerüstabnahme am 11. Oktober 2016, also nach Ablauf der Verlängerung der
Baubewilligung bis zum am 16. August 2016. Indem die Gemeinde die
Schnurgerüstabnahme bestätigte, verlängerte sie faktisch die Geltungsdauer der
Baubewilligung. Dazu war sie – zumindest teilweise – berechtigt: Die Baubewilligung ist
drei Jahren seit ihrer rechtskräftigen Erteilung gültig (Art. 42 Abs. 2 BauG) und kann
danach noch zwei Jahre verlängert werden (Art. 42 Abs. 3 BauG). Die Dreijahresfrist
beginnt erst mit unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist und nicht mit dem
Ausstellungsdatum des Bauentscheids.13 Es ist unklar, wann die Gemeinde dem
Beschwerdeführer die Baubewilligung vom 16. August 2011 zugestellt hat. Gemäss
Eröffnungsformel hat sie ihm diese mit A-Post eröffnet. Vermutungsweise wurde dem
Beschwerdeführer der Bauentscheid am 17. August 2011 zugestellt. Die Rechtsmittelfrist
von 30 Tagen wäre damit frühestens am 16. September 2011 abgelaufen. Die
Dreijahresfrist begann damit vermutlich am 17. September 2011 und dauerte mindestens
bis 17. September 2014 (Art. 41 Abs. 3 VRPG i.V. mit Art. 77 Abs. 1 Ziffer 3 OR14). Mit der
Verlängerung der Baubewilligung bis 16. August 2016 hat die Gemeinde daher nicht
bereits die maximal zulässigen zwei Jahre ausgeschöpft. Mit der faktischen Verlängerung
durch die Schnurgerüstabnahme hat der Beschwerdeführer nun aber Verlängerungen der
Baubewilligung erhalten, die klar über die zulässigen zwei Jahre hinausgehen.
12 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 1a N. 7 sowie Bernische Systematische Information Gemeinden (BSIG) Nr. 7/721.0/21.1, Das neue System: Selbstdeklaration bei der Baukontrolle, S. 3 (abrufbar unter: <www.bsig.jgk.be.ch>) 13 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 42 N. 4 14 Bundesgesetz vom 30. März 1911 betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht, OR; SR 220)
RA Nr. 120/2018/19 8
e) Der Beschwerdeführer macht nicht geltend, dass die Bautätigkeit nicht unterbrochen
worden sei.15 Gemäss seinen Ausführungen in der Beschwerde hat er im Herbst 2016
ausgehandelte Offerten umgesetzt und die Bodenplatte betoniert.16 Er habe zudem die
Sanitärarbeiten vergeben. Die bereits für Oktober 2017 abgesprochene Hausmontage sei
verschoben worden und könne aufgrund der Auslastung der Firma erst im Oktober 2018
ausgeführt werden.
Da die Vergabe von Aufträgen nicht Teil der Ausführung des Bauvorhabens ist,17 und die
letzten Arbeiten im Herbst 2016 ausgeführt wurden, hat der Beschwerdeführer die
Bauausführung über ein Jahr unterbrochen. Eine Verlängerung der Unterbrechung der
Bauausführung ist vorliegend nicht zulässig, da die Gemeinde die
Verlängerungsmöglichkeiten von zwei Jahren bereits für die Geltungsdauer der
Baubewilligung ausgeschöpft hat.18
f) Der Fristenlauf beginnt nur dann nicht oder wird nur dann gehemmt, wenn die
Baubewilligung aus rechtlichen Gründen nicht genutzt werden kann und die Bauherrschaft
die zumutbaren Schritte zur Beseitigung der Hinderung unternimmt (Art. 42 Abs. 2 BauG
i.V. mit Art. 40 Abs. 2 BewD). Die Ausführungshindernisse können öffentlich-rechtlicher
oder privatrechtlicher Natur sein (z.B. erforderliche weitere Bewilligungen,
entgegenstehende Nachbarrechte, Dienstbarkeiten etc.). Sie dürfen aber nicht
vorgeschützt werden, um die Geltungsdauer der Baubewilligung nach Belieben ausdehnen
zu können. Das Gesetz geht davon aus, dass Bauvorhaben nach ihrer Bewilligung
möglichst bald ausgeführt werden sollen, da die für eine Bewilligung massgeblichen
rechtlichen und tatsächlichen Verhältnisse rasch ändern können (Art. 42 Abs. 3 BauG).
Deshalb verlangt das Bewilligungsdekret, dass der Bewilligungsinhaber die Verfahren für
die erforderlichen weiteren Bewilligungen und für die Beseitigung privatrechtlicher
Hindernisse einleitet, sobald das vernünftigerweise von ihm erwartet werden kann.19
15 Vgl. insbesondere Schreiben des Beschwerdeführers vom 14. und 21. Dezember 2017, pag. 19 und 21 Vorakten der Gemeinde 16 Vgl. dazu das letzte Foto der Beschwerdebeilagen 17 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 42 N. 4a 18 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 42 N. 6 19 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 42 N. 4b
RA Nr. 120/2018/19 9
Der Beschwerdeführer macht geltend, es bestünden Probleme mit der elektrischen
Erschliessung. Angesichts der Vorgeschichte sind die Bedenken des Beschwerdeführers
verständlich. Seinen Ausführungen in der Beschwerde zufolge hat er sich im Herbst 2016
mit einem Mitarbeiter der C._ AG, der aus anderen Gründen vor Ort war, den
Zubringer-Sicherungskasten sowie die im Jahr 2001 ergänzte Abzweigung beim
Sicherungskasten angeschaut. Der C._ AG Mitarbeiter habe Herausforderungen
gesehen (z.B. 63 Ampère-Absicherung), die er sich später genauer anschauen wollte. Der
Beschwerdeführer habe daraufhin geantwortet, er erwarte, dass der Stock mit einer neuen
Zuleitung angeschlossen werde. Seither herrsche Funkstille, er habe weder Pläne noch
eine Kostenschätzung erhalten. Er warte zu.
Bauvorhaben dürfen nur bewilligt werden, wenn sichergestellt, ist, dass das Baugrundstück
auf den Zeitpunkt der Fertigstellung des Baus oder der Anlage, wenn nötig bereits bei
Baubeginn, genügend erschlossen wird (Art. 7 Abs. 1 BauG). Die Erschliessung umfasst
auch die Versorgung mit Energie (Art. 106 Abs. 1 BauG). Als sichergestellt gilt die
Erschliessung, wenn sämtliche erforderlichen Anlagen vorhanden sind oder Gewähr dafür
besteht, dass sie spätestens bei Fertigstellung der Bauten und Anlagen, soweit nötig bei
Baubeginn, vollendet sein werden (Art. 7 Abs. 1 BauG; 4 Abs. 1 BauV20). Laut Gemeinde
war die Stromversorgung bereits im Zeitpunkt der Erteilung der Baubewilligung
gewährleistet. Sie überprüfte diese Einschätzung anhand von Messungen, welche sie vor
Erlass der angefochtenen Verfügung in Auftrag gegeben hatte,21 und kam erneut zum
gleichen Schluss. Der Beschwerdeführer legt nicht glaubhaft dar, dass die
Stromversorgung nicht gewährleistet ist. Es besteht daher vorliegend kein rechtlicher
Grund, weshalb die Baubewilligung nicht ausgenutzt werden kann (Art. 40 Abs. 2 BewD).
Im Übrigen reichte der Beschwerdeführer im Jahr 2011 ein Baugesuch ein, was die
Sicherstellung der Erschliessung voraussetzt. Wenn er jetzt Stromversorgungsprobleme
als Grund für die Unmöglichkeit der Bauausführung vorbringt, verhält er sich
widersprüchlich (Art. 2 ZGB22).
Zudem legt der Beschwerdeführer nicht dar, dass er die zumutbaren Schritte zur
Beseitigung allfälliger Schwierigkeiten bei der elektrischen Erschliessung unternommen
hat: Aus baurechtlicher Sicht war für die Gemeinde die Stromversorgung genügend,
20 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1) 21 Pag. 10-15 Vorakten der Gemeinde 22 Schweizerisches Zivilgesetzbuch vom 10. Dezember 1907 (ZGB; SR 210)
RA Nr. 120/2018/19 10
weshalb sie die Baubewilligung erteilte. Die Gemeinde führte in der Ziffer IV.2 der
damaligen Baubewilligung aus, der Anschluss für die Stromversorgung bestehe bereits.
"Über Änderungen ist mit der Elektrizitätsversorgung Ursenbach zu verhandeln."23 Dem
Beschwerdeführer musste daher von Anfang an klar sein, dass er selbst es angehen
müsste, wenn er eine Verbesserung der Elektrizitätsversorgung wünscht. Das Ansprechen
eines sich zufällig vor Ort befindlichen Mitarbeiters der C._ AG und das
anschliessende Zuwarten genügt daher nicht, um eine Hemmung des Fristenlaufes zu
begründen. Insgesamt stand dem Beschwerdeführer seit dem Brand im Jahr 2004 genug
Zeit zur Verfügung, um allfällige Probleme mit der elektrischen Erschliessung zu klären.
g) Zusammenfassend hat die Gemeinde die Geltungsdauer der Baubewilligung bereits
länger als die zulässigen zwei Jahre verlängert. Da der Beschwerdeführer die
Bauausführung mehr als ein Jahr unterbrochen hat und der Fristenlauf nicht gehemmt
wurde, ist die Baubewilligung nicht mehr gültig. Die Gemeinde hat daher zu Recht
festgestellt, dass die Baubewilligung erloschen ist und das Fortführen der Bauarbeiten
nicht zulässig ist.
5. Wiederherstellung, Ergebnis und Kosten
a) Ein angefangener, aber nicht vollendeter Bau, dessen Bewilligung erloschen ist,
muss grundsätzlicher zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes beseitigt
werden (Art. 45 und 46 BauG). Es ist die Verhältnismässigkeit zu wahren.24 Die Gemeinde
hat angeordnet, dass der bestehende Keller, in dem technische Anlagen für den
Bauernbetrieb untergebracht sind, abzudichten, zu überdecken und zu begrünen ist. Die
Rekultivierung und Anpassung an das Gelände hat fachmännisch zu erfolgen. Die
Gemeinde hat dem Beschwerdeführer dafür Frist bis am 30. Juni 2018 gesetzt.
Die Beschwerde richtet sich nicht gegen die von der Gemeinde angeordnete
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes. Da die Baubewilligung nicht mehr gültig
ist, hat die Gemeinde zu Recht die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes
angeordnet. Nach dem Gesagten erweisen sich die Rügen des Beschwerdeführers als
unbegründet. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann.
23 Pag. 45 Vorakten der Gemeinde 24 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 42 N. 4 Bst. h
RA Nr. 120/2018/19 11
b) Die gesetzte Frist (30. Juni 2018) ist inzwischen beinahe abgelaufen. Es ist daher
eine neue Frist anzusetzen. Angemessen erscheint eine Frist von rund drei Monaten bis
20. September 2018. Im Übrigen wird die angefochtene Verfügung bestätigt.
c) Bei diesem Ausgang des Beschwerdeverfahrens hat der Beschwerdeführer die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 800.– (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV25).
Behörden haben keinen Anspruch auf Parteikostenersatz. Parteikosten werden deshalb
keine gesprochen (Art. 104 Abs. 3 VRPG).