# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 3c316de3-1bc3-470c-877d-0605d99802df
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Mit Formular zur Voranmeldung von Kurzarbeit vom
7. Oktober
2020
stellte
X._
bei
m Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA)
Antrag auf Kurz
arbeits
entschädigung für
den Gesamtbetrieb
seines Einzelunternehmens
Y._
in der Zeit vom 1. September bis 31. Dezember 2020
(Urk. 7/1 S. 1).
D
as
AWA
lehnte
mit Verfügung vom
20. Oktober
2020
das Gesuch um
Auszahlung von Kurzarbeitsentschädigung
ab
(Urk. 7/2
). Mit E-Mail vom 24. De
zem
ber
2020
erhob die
Z._
GmbH
für
die Arbeit
gebe
rin
Einsprache gegen die Verfügung vom 20. Oktober 2020 (Urk. 7/4 S. 1
f.
). Das AWA forderte
sie
mit Schreiben vom 5. Januar 2021 auf,
die Einsprache
bis zum 18. Januar 2021 zu unterzeichnen und eine
schriftliche
Vollmacht
von
X._
nachzureichen
, andernfalls auf die Einsprache nicht eingetreten werde (Urk. 7/3).
Nachdem sich die Arbeitgeberin innert Frist nicht hatte vernehmen lassen,
trat das AWA m
it Entscheid vom 20. Januar 2021 auf die Einsprache nicht ein (Urk. 7/14 = Urk. 2).
2.
Mit E-Mail vom 31. Januar 2021 wandte sich die
Z._
GmbH erneut an das AWA und
ersuchte
um eine Verlängerung der
Nachfrist zur Verbesserung der Einsprache
bis zum 5. Februa
r
2021 (Urk. 7/5 S. 2). Das AWA
wies
die
Z._
GmbH
mit E-Mail vom 1. Februar 2021
auf die Rechtsmittelbelehrung des
bereits
am 20. Januar 2021
erlassenen
Ein
spracheentscheids
sowie darauf
hin
, dass es an der verpassten Frist nichts ändern könne
(Urk. 7/5 S. 1
f.
). Daraufhin reichte
X._
am 1. Februar
2021
beim AWA
schriftlich
Einsprache
gegen die Verfügung vom 20. Oktober
2020
ein
(Urk. 7/7
). Gleichentags
erhob
er auch Beschwerde gegen den
Einspracheent
scheid
beim Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich (
Urk. 1).
In seiner Be
schwerde
beantragte
er
, die Voranmeldung zur Kurzarbeit sei zu bewilligen
(Urk. 1 S. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 3. März
2021 schloss das AWA auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was dem Beschwerdeführer am 16. März 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.
1
Richtet sich die Beschwerde gegen einen Nichteintretensentscheid, hat das Ge
richt, ungeachtet der Vorbringen der
beschwerdeführenden
Partei, zu prüfen und darüber zu entscheiden, ob die Verwaltung zu Recht nicht auf das Leistungs- oder Feststellungsbegehren eingetreten ist. Der richterliche Entscheid in der Sache (Sach
entscheid) hat in dieser besonderen verfahrensmässigen Situation den for
mellen Gesichtspunkt des Nichteintretens durch die untere Instanz zum Gegen
stand. Dagegen hat sich das Gericht mit den materiellen Anträgen nicht zu be
fassen (BGE 121 V 157 E. 2b, 116 V 265 E. 2a, SVR 1997, UV Nr. 66 S. 225 E. 1a).
1.
2
Gegen Verfügungen kann innerhalb von 30 Tagen bei der verfügenden Stelle Einsprache erhoben werden; davon ausgenommen sind prozess- und verfahrens
leitende Verfügungen (Art. 52 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Nach Art. 39 Abs. 1 ATSG ist die
dreissigtägige
Frist zur Einsprache nur gewahrt, wenn die Einsprache spätestens am letzten Tag der Frist bei der verfügenden Stelle eingereicht oder zu deren
Handen
der Schweizerischen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung übergeben wird. Läuft die Frist unbenützt ab, so er
wächst die Verfügung in (formelle) Rechtskraft mit der Wirkung, dass die verfü
gende Stelle auf eine verspätet eingereichte Einsprache nicht eintreten darf (vgl. BGE 124 V 401 E. 1a).
Eine gesetzliche Frist kann
gemäss
Art.
40
Abs.
1 ATSG nicht erstreckt werden. Ist die gesuchstellende Person oder ihre Vertretung unverschuldeterweise abge
halten worden, binnen Frist zu handeln, so wird diese wiederhergestellt, sofern sie unter Angabe des Grundes innert 30 Tagen nach Wegfall des Hindernisses darum ersucht und die versäumte Rechtshandlung nachholt (
Art.
41 ATSG).
1.
3
Einsprachen müssen ein Rechtsbegehren und eine Begründung enthalten (Art. 10 Abs. 1 der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche
rungsrechts, ATSV).
Die Einsprache ist schriftlich zu erheben gegen eine Verfügung, die der Einspra
che nach Art. 52 ATSG unterliegt und eine Leistung nach dem Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) oder deren Rückforderung zum Gegenstand hat (Art. 10 Abs. 2
lit
. a ATSV). Die schriftlich erhobene Einsprache muss die Unterschrift der Einsprache führenden Person oder ihres Rechtsbeistands enthalten (Art. 10 Abs. 4 ATSV).
Genügt die Einsprache den Anforderungen nach Absatz 1 nicht oder fehlt die Unterschrift, so setzt der Versicherer eine angemessene Frist zur Behebung der Mängel an und verbindet damit die Androhung, dass sonst auf die Einsprache nicht eingetreten wird (Art. 10 Abs. 5 ATSV).
1.4
Dem Wortlaut von
Art.
10
Abs.
4 Satz 1 ATSV entsprechend müssen schriftlich erhobene Einsprachen unterschrieben sein. Unter Schriftlichkeit ist
gemäss
dem alltäglichen Sprachgebrauch die Überlieferung des Textes auf Papier zu verste
hen. Da beim elektronischen Verkehr via E-Mail keine Originalurkunde vorhan
den ist, können E-Mails die Schriftform nicht erfüllen. Für den elektronischen Verkehr im Rahmen von Gerichts- und Verwaltungsverfahren ist eine spezifische gesetzliche Regelung notwendig. Das ATSG enthält keine Bestimmungen über den elektronischen Verkehr. Es liegt insoweit auch kein nicht
abschliessend
ge
regelter
Verfahrensbereich im Sinne von
Art.
55
Abs.
1 ATSG vor, weshalb nicht ergänzend auf die Bestimmungen des
Bundesgesetzes über das Verwaltungsver
fahren (VwVG)
zurückgegriffen werden kann. Von der dem Bundesrat in
Art.
55
Abs.
1
bis
ATSG übertragenen Kompetenz, die Bestimmungen des VwVG über den elektronischen Verkehr mit Behörden auch für den Bereich des Sozialversiche
rungsrechts anwendbar zu
erklären, hat dieser bisher keinen Gebrauch gemacht (
BGE 142 V 152)
.
2.
2.1
Der Beschwerdegegner legte im angefochtenen
Einspracheentscheid
dar, die Ein
sprache per E-Mail durch die
Z._
GmbH vom 24. Dezem
ber
2020 sei nicht unterzeichnet gewesen und
es habe die Vollmacht gefehlt. Es
sei
bis zum Erlass des
Einspracheentscheids
keine den Anforderungen genügende Einsprache eingereicht
worden
. Auf diese sei deshalb nicht
eingetre
ten worden
(Urk. 2 S. 2).
In seiner Beschwerdeantwort fügte er an, die nicht erst
reckbare Einsprachefrist
sei
am 24. Dezember
2020 (
Datum der
Einsprache der
Z._
GmbH
)
bereits
abgelaufen
gewesen
(30 Tage ab Erhalt der Verfügung vom 20. Oktober
2020
)
. Selbst wenn die Mängel durch den Beschwerdeführer innert der irrtümlicherweise angesetzten Nachfrist bis zum 18. Januar
2021 behoben worden wären,
wäre
die Einsprachefrist verpasst
wor
den
(Urk. 6 S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber geltend, die Verfügung betreffend Voranmeldung von Kurzarbeit sei am 20. Oktober 2020
zugestellt worden
. Sein Treuhandbüro habe es zunächst per Telefon und E-Mail abklären und
keine Ein
sprache
erheben wollen, da ein Missverständnis vorgelegen habe. Aufgrund neuer
Bundesmassnahmen
und vieler Umstellungen betreffend Homeoffice habe die Frist vom 18. Januar 2021 von seinem Treuhandbüro nicht eingehalten werden können (Urk. 1 S. 1).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdegegner zu Recht auf die Einsprache nicht eintrat.
D
emgegenüber
hat das Gericht
auf den Antrag auf Bewilligung der Voranmeldung für Kurzarbeit
nicht
einzutreten (vorstehend E. 1.1).
3.
3.1
Es ist zwischen den Parteien unbestritten und aufgrund der Aktenlage ausgewie
sen, dass die Einsprache
der
Z._
GmbH
gegen die Ver
fügung vom 20. Oktober
2020 (Urk. 7/2) am 24. Dezember 2020 per E-Mail
beim Beschwerdegegner
einging und
der Beschwerdeführer selbst
erst
am 1. Februar 2021
eine schriftliche
Einsprache
einreichte
(Urk. 7/4 S. 1
, Urk. 7/12
).
Selbst wenn die Einsprache am 24. Dezember
2020 formgültig eingereicht worden wäre,
so
wäre sie
nach Ablauf der 30tägigen
Rechtsmittelfrist
und damit
verspätet
erfolgt
, zumal der Beschwerdeführer selbst ausführte, die Verfügung sei am 20. Ok
tober 2020
eröffnet worden
(Urk. 1 S. 1
)
.
Daran ändert das Schreiben des Beschwerdegegners vom
5. Januar
2021
(Urk. 7/3), mit welchem
er
eine
Frist zur Verbesserung (
Beibringung der
Unter
schrift und Nachreichung der Vollmacht) bis zum 18. Januar 2021
angesetzt hatte
, nichts. Denn bereits am 24. Dezember 2020 war die Einsprachefrist abge
laufen
. Es stand d
em Beschwerdegegner
im Übrigen nicht
zu, diese Frist nach
träglich wieder zu
er
öffnen
(vgl. E. 1.2 hiervor
, Urteil des Bundesgerichts
8C_94/2019 vom 1
1.
Juni 2019
E. 8.2
)
.
Zutreffend bringt er
denn auch in seiner Beschwerdeantwort vor, die Nachfrist sei irrtümlich angesetzt worden (Urk. 6 S. 2).
Denn
rechtsprechungsgemäss
ver
mag
das einfache E-Mail bei prozessual relevanten Eingaben wie der Einsprache
gemäss
Art.
52
Abs.
1 ATSG die in
Art.
10
Abs.
4 Satz 1 ATSV für schriftlich erhobene Einsprachen ausdrücklich vorgeschriebene Voraussetzung der Unter
schrift nicht zu erfüllen. Nach ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind per gewöhnlichem E-Mail eingereichte Eingaben nicht fristwahrend
.
Weiter ent
spricht es gängiger Praxis, dass Beschwerdeschriften, deren Unterschrift fehlt, nur innert Nachfrist verbessert werden können, wenn die Unterlassung unfreiwillig erfolgt ist, nicht aber, wenn diese bewusst - durch Übermittlung
eines
gewöhnli
che
n
E-Mail
s
- geschieht. Denn bei der Übermittlung einer Eingabe mittels E-Mail geht eine Unterschrift
regelmässig
nicht vergessen, sondern sie fehlt der Natur der Sache nach von vornherein
(BGE 142 V 152 E. 4.6)
.
3.2
Im Übrigen
wäre
aber
auch die
se
fälschlicherweise
angesetzte Nachfrist
bis zum 18. Januar 2021 nicht eingehalten
worden
, meldete sich die
Z._
GmbH doch erst am 31. Januar 2021 – wiederum
nicht formgültig
per E-Mail und ohne Vollmacht des Beschwerdef
ührers – beim Beschwerdegegner
(Urk. 7/5 S. 2).
Damit hatte der Beschwerdeführer
so oder anders
weder innert der laufenden Rechtsmittelfrist noch bis zum Erlass des
Einspracheentscheids
vom 20. Januar 2021 eine
formgültige
Einsprache eingereicht.
3.3
Abschliessend
ist darauf hinzuweisen, dass
auch eine
Wiederherstellung
der
Frist
gemäss
Art. 41 ATSG
nicht gerechtfertigt wäre
, da die Gründe für
das Säumnis a
uf die Nachlässigkeit der
Z._
respektive des Be
schwerdeführers zurückgehen
.
So
erklärte
die
Z._
GmbH am 31. Januar 2021, die
Nachfrist
habe aufgrund eines Versehens und der Umsetzung des Homeoffice nicht eingehalten werden können
. Gründe für die verpasste Einsprachefrist führte sie nicht an
(Urk. 7/5 S. 2
, Urk. 7/4 S. 1
).
Diese Angaben bestätigte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde (Urk. 1 S. 1).
Eine Fristwiederherstellung
ist aber
nur zulässig, wenn kein Verschulden am Versäum
nis besteht (
Kieser
, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, Zürich Basel Genf, N 6 zu Art. 41 ATSG) und der Partei (und gegebenenfalls ihrem Vertreter) somit kein Vorwurf gemacht werden kann (
BGE
112 V 255 E. 2a mit Hinweisen).
Diese Voraussetzungen sind nach dem Gesagten nicht gegeben
.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Einsprache
in jedem Fall
verspätet er
folg
te, weshalb der Nichteintretensentscheid des Beschwerdegegners nicht zu be
an
stan
den und die hiergegen erhobene Beschwerde abzuweisen ist. Auf die mate
riellen Ausführungen betreffend
die
Ausrichtung
von
Kurzarbeit
sentschädi
gung
ist nicht näher einzugehen (vgl. E. 1.1
hiervor
).
Das Gericht
erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen
, soweit darauf eingetreten wird
.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X._
-
Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA)
-
seco
- Direktion für Arbeit
sowie an:
-
ALK 01 000
Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich
4.