# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 0aad1112-5262-40d5-b9a2-a38a59831adf
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der 1970 geborene
X._
, Dachdecker mit Fähigkeitszeugnis (Urk. 8/3)
,
meldete sich am 7. Juni 2016 unter Hinweis auf Beschwerden an den Knien, Hüften, Schultern und
am
Rücken sowie eine psychische Erkrankung bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 8/7). Die Sozialversi
che
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
nahm erwerbliche und medizinische Abklärungen vor. Am 14. März 2017 übernahm die IV-Stelle die Kosten für die
Potenzialabklärung in der p
sychiatrischen
K
linik
Y._
vom 27. März
bis 25. April 2017 (Urk. 8/28).
Mit Mitteilung vo
m 21. Juni 2017
(Urk. 8/37)
verneinte
sie
einen Anspruch auf berufliche Massnahmen, da solche aufgrund des Gesundheitszustands des
Versicherten
aktuell nicht möglich seien. In der Folge
veranlasste
die IV-Stelle
eine
bi
disziplinäre
Begutachtung durch
Dr.
med.
Z._
, Rheumatologie und Innere Medizin FMH
, und
Dr.
med.
A._
,
Fach
arzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie
(Expertise
n
vom
8. Februar/7. Mai 2018 [Urk. 8/58, Urk. 8/61/1-54
]
).
Am
30.
Juli 2018
hielt die IV-Stelle
den
Versi
cher
te
n
unter Hinweis auf seine
Mitwirkungspflicht an,
sich einer regelmässigen psychotherapeutischen Therapie sowie einem Entzug von Alkohol und Cannabis
zu unterziehen
und nach erfolgreichem Entzug nach sechs Monaten einen Abstinenznachweis mittels Haaranalyse/Urinprobe durchführen zu lassen
(Urk. 8/66/1-2
)
.
Mit Vorbescheid vom 9. April 2019
(Urk. 8/88)
stellte die IV-Stelle
die Abweisung des
Leistungsbegehren
s
in Aussicht
, wogegen der Versi
cherte am 13
. Mai 2019 (
Datum des Post
stempel
s
) Einwand (Urk. 8/90
)
erhob. Am 16. September 2019 wies
die IV-Stelle
das
Leistungsbegehren des Versi
cher
ten
verfügungsweise
ab (Urk. 2
/1
).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 17. Oktober 2019 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, es seien ihm die gesetzlichen Leistungen zu erbringen und ab 7. Dezember 2017 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Eventuell sei der Sachverhalt zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht stellte er das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsvertretung (S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 15. November 2019 (Urk. 7) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde
, was dem Be
schwerdeführer am 19. November 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 9).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
1.2.1
Mit BGE 145 V 215 änderte das Bundesgericht
am 19. Juli 2019
seine bisherige Rechtsprechung zu den Suchterkrankungen. Bis dahin wurde einem Suchtge
schehen an sich die invalidenversicherungsrechtliche Relevanz abgesprochen, das heisst ein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden wurde verneint, wo in der Begutach
tung im Wesentlichen nur Befunde erhoben werden konnten, welche in der Sucht ihre hinreichende Erklärung fanden (primäre Suchter
kran
kung). Suchterkrankungen wurden erst dann im Rahmen der Invalidenversi
che
rung relevant, wenn sie eine Krankheit oder einen Unfall bewirkten, in deren Folge ein körperlicher oder geistiger, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden eingetreten war, oder wenn sie selber Folge eines körper
lichen oder geistigen Gesundheitsschadens waren, dem Krankheitswert zukam (sekundäre Suchterkrankung). Gemäss geänderter Rechtsprechung kommt ins
künftig auch eine primäre Abhängigkeit von psychotropen Substanzen als inva
lidisierender Gesundheitsschaden in Frage. Dessen Auswirkungen sind nach dem strukturierten Beweisverfahren gemäss BGE 141 V 281 zu beurteilen (BGE 145 V
215 insbesondere E. 4.1, E. 5.3 und E. 6 f.; Urteil des Bundesgerichts 9C_309
/2019 vom 7. November 2019 E. 4.1 mit weiteren Hinweisen).
1.2.2
Die bisherige Rechtsprechung zu den primären Suchterkrankungen bejahte grun
d
sätzlich die Möglichkeit der Anordnung einer Entzugsbehandlung unter dem Titel der Abklärungsmassnahme, wo es darum ging, die erwerblichen Auswirkungen einer – invaliditätsfremden – primären Abhängigkeit von denjenigen eines inva
lidisierenden Gesundheitsschadens abzugrenzen. Bei invalidenversicherungs
recht
lich beachtlicher sekundärer Abhängigkeit kam eine solche Massnahme hingegen bloss unter dem Titel der Schadenminderungspflicht in Frage. Nach geänderter
Rechtsprechung sind auch primäre Abhängigkeiten von psychotropen Substan
zen als potentiell invalidisierende Gesundheitsschäden abzuklären. Wie bislang bei den sekundären Suchtgeschehen ist demnach auch bei primären Abhängig
keitssyndromen die Anordnung einer Entzugsbehandlung im Vorfeld einer Begut
achtung unter dem Titel der Mitwirkungspflicht im Abklärungsverfahren nicht mehr statthaft, würde damit doch die Qualifikation des Suchtgeschehens und seiner erwerblichen Auswirkungen als zum vornherein invalidenversiche
rungs
rechtlich irrelevant und deshalb auszuscheiden vorweggenommen. Wie es sich damit verhält, ist indes nach dem Gesagten im Abklärungsverfahren erst zu untersuchen. Demgegenüber darf eine Entzugsbehandlung als Behandlungs
mass
nahme – sofern im konkreten Fall zumutbar – selbstredend (unverändert) jeder
zeit zur Schadenminderung angeordnet werden. Eine Verletzung von Schaden
minderungspflichten berechtigt die Verwaltung indes nicht zum Nichteintreten auf das Leistungsersuchen, sondern allenfalls zur Kürzung oder Verweigerung von Leistungen (Urteil des Bundesgerichts 9C_309/2019 vom 7. November 2019 E. 4.2.2 mit weiteren Hinweisen).
1.2.3
Die neue Rechtsprechung zu den Suchterkrankungen ist im Grundsatz sofort an
wendbar und gilt nicht nur für künftige, sondern für alle im Zeitpunkt der Ände
rung hängigen Fälle (Urteil des Bundesgerichts 9C_309/2019 vom 7. November 2019 E. 4.1 mit Hinweis).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und
in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.
1
Die Beschwerdegegnerin begründete die leistungsabweisende Verfügung vom 16. September 2019 (Urk. 2/1) damit, dass
de
m
Beschwerdeführer seine bisherige Tätigkeit als Dachdecker seit mindestens April 2016 nicht mehr zumutbar sei. Eine leidensangepasste Tätigkeit sei ihm hingegen seit jeher vollschichtig
mög
lich
. Aufgrund des Einkommensvergleichs resultiere ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 4 %.
Berufliche Eingliederungsmassnahmen seien aktuell nicht möglich, da für eine entsprechende Unterstützung ein
Entzug von Cannabis und Alkohol sowie eine Abstinenz während
mindestens sechs
Monaten
notwen
dig
, der Beschwerdeführer dieser medizinischen Auflage vom 30. Juli 2018 aber nicht nachgekommen
sei (S. 2). In der Beschwerdeantwort (Urk. 7) präzisierte die Beschwerdegegnerin, dass gestützt auf die Befunderhebung durch den psychia
trischen Gutachter von keiner funktionellen Leistungseinschränkung
auszugehen sei
.
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
der rheumatologische Gutachter sei zwar aus somatischer Sicht von einer möglichen Reintegration in den ersten Arbeitsmarkt in einer adaptierten Tätigkeit ausge
gangen, habe jedoch die Integrierbarkeit aufgrund einer allfälligen psychischen Störung für fraglich gehalten
, weshalb die psychische Verfassung des Beschwer
deführers ausschlaggebend sei
.
A
us den Akten
gehe
nicht hervor, dass ein
Fach
arzt nachvollziehbar dafür
gehalten habe, dass bei der über 30jährigen Suchthis
torie des Beschwerdeführers
eine Cann
a
bisabstinenz bezüglich Verbesserung des
Gesundheitszustands mit einhergehende
r
Verbesserung der Arbeitsfähigkeit erf
olg
versprechend sei. Die de
m Entzug
unterliegende Annahme sei
deshalb
willkürlich
und der Beschwerdeführer habe keine Schadenminderungspflicht verletzt
. Der
Stand
punkt des psychiatrischen Gutachters, wonach die Arbeitsfähigkeit nicht o
hne vorangegangene Abstinenz geprüft werden könne, sei nicht nachvoll
zieh
bar. Der behandelnde Psychiater gehe von einem komplexen, psychisch verur
sachten Krankheitsbild aus, wobei er bereits im August 2016 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeit attestiert hab
e.
Seither habe sich d
er psychische Zustand verschlechtert,
weshalb
der Beschwerdeführer zu 100 % arbeitsunfähig sei (S
.
7 f. Ziff. 17 ff.).
3.
3.1
Zwischen den Parteien ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner somatischen Beschwerden
di
e angestammte Tätigkeit als Dachdecker seit mindestens April 2016 nicht mehr aus
üben kann, in einer angepassten Tätigkeit jedoch zu 100 % arbeitsfähig ist
(Urk. 2
/1 S. 2
)
. Strittig ist
demgegenüber das Ausmass de
r Arbeitsfähigkeit in psychi
s
cher Hinsicht. Die Beschwerdegegnerin
ging
davon
aus
, dass aufgrund des fortgeführten Cannabiskonsum
s
nicht geklärt werden könne, ob beim Beschwerdeführer
eine Persönlichkeitsstörung oder
eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung vorl
iege.
Da der Beschwerde
führer nicht
auf
den
Gebrauch
von Cannabis verzichten
wolle
, könnten die entsprechenden Abklärungen
nicht vorgenommen werden, weshalb er die Folgen der Bewei
slosigkeit zu tragen habe (Urk.
2
/1
S. 3, Urk.
8
/99 S. 3).
Der Beschwer
deführer stellt
e
sich demgegenüber
auf den Standpunkt,
er habe seine Schaden
minderungspflicht nicht verletzt. Seine Arbeitsfähigkeit werde durch den Canna
bis
konsum nicht beeinträchtigt und Aussagen zu seiner psychischen Verfassung respektive Lei
stungsfähigkeit seien ohne voraus
gegangene Abstinenz möglich (Urk. 1 S.
7 f. Ziff. 18 ff.).
3.2
Dr.
A._
stellte in seinem psychiatrischen Gutachten vom 7. Mai 2018 (Urk. 8/61/1-54) folgende Diagnosen (S. 49):
-
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Störungen durch
Cannabinoide
,
Abhängigkeitssyndrom, ständiger Sub
stanz
gebrauch (ICD-10 F12.25)
-
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
keine
Der psychiatrische Gutachter führte aus, dass sich in Anlehnung an die ICD-10, Kapitel V (F)
,
keine Hinweise für das Vorliegen einer organischen, einschliesslich
einer
symptomatischen psychischen Störung, Schizophrenie,
schizotypen
oder wahnhaften Störung
,
depressiven Episode
oder
eine
r neurotischen,
Belastungs- oder somatoforme
n
Störung
gefunden hätten
(S.
46 ff.
)
.
Bei der aktuellen Untersuchung sei der Urin positiv auf Cannabis getestet
worden
. Aufgrund des erhöhten MCV-Wertes und des grenzwertigen CDT-Wertes könne zumindest vermutet werden, dass die Angabe des Beschwerdeführers, dass er in letzt
er
Zeit keinen Alkohol konsumiert habe,
nicht ganz
z
utreffend sei
;
sicher belegen lasse
sich
dies
indessen
nicht. Sicher seien aber die Kriterien für eine Cannabisabhängigkeit erfüllt (S. 46 f
.
).
Dr.
A._
hielt weiter fest, dass
die vom Beschwerdeführer
g
eklagten Schwierig
keiten an eine Persönlichkeitsstörung denken liessen, wobei differential
diag
nos
tisch aber auch die Diagnose einer einfachen Aktivitäts- und Aufmerksamkeits
störung in Frage komme und die Differentialdiagnose zwisc
hen diesen beiden Störungen
komplex sei.
Zur entsprechenden Klärung müss
e eine neuropsy
cho
logische Abklärung durchgeführt werden
. Letztere sei auch zur Beurteilung der Frage notwendig, ob die Abhängigkeitserkrankung Folge eines psychischen Lei
dens sei oder ihrerseits bereits zu anhaltenden
(allenfalls kognitiven)
Einschrän
kungen geführt habe. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sei eine solche Abklärung indessen nicht sinnvoll, weil nur die akute Cannabiswirkung festgestellt
würde
und nicht gesagt werden könnte, ob es sich dabei um anhaltende Einschrän
kungen handle. Eine neuropsychologische Abklärung könne sinnvollerweise erst nach einer Abstinenz von sechs Monaten durchgeführt werden, wobei sich diese lange Dauer daraus ergebe, dass der Beschwerdeführer gemäss eigenen Angaben seit vielen Jahren eine hohe Cannabisdosis konsumiere. Erst danach könne abschlies
send zur Diagnose, zu Einschränkungen, Ressourcen und zur Frage, ob die bis
herige Behandlung lege
artis
gewesen sei respektive noch Behandlungsoptionen bestünden, Stellung genommen werden
(S. 48
ff.
).
Gleichermassen
könne auch die Frage nach der Arbeitsfähigkeit in bisheriger und angepasster Tätigkeit nicht abschliessend geklärt werden (S. 51).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Auferlegung der Schaden
minde
rungspflicht
(Urk. 8/66
/1-2
)
auf die Einschätzung des psychiatrischen Gutachters
ab, wonach
zur Beurteilung der Frage
, ob beim Beschwerdeführer eine
P
ersön
lic
h
keitsstörung oder eine
Aktivititäts
- und Aufmerksamkeitsstörung
respektive
ein primäres oder
sekundäres Abhängigkeitssyndrom vorliege
, eine
neuropsy
cho
lo
gische Abklärung erforderlich
sei
.
Letztere
mache
erst
nach einer sechsmo
na
tigen Cannabisabstinenz
Sinn
, weshalb
im Zeitpunkt der psychiatrischen Begut
achtung
insbesondere
die Diagnostik sowie die Arbeitsfähigkeit
nicht ab
schlies
send
beur
teilt
werden könne
(vgl. E. 3.2
hievor
).
Die
Anordnung der Ent
zugsbe
handlung
durch die Beschwerdegegnerin
hält
jedoch
der
geänderten
Recht
spre
chung zu den Suchterkrankungen nicht stand
,
weil es sich dabei um eine Abklärungsmass
nahme
zur
Qualifikation des Suchtgeschehens
und seiner er
werblichen Auswir
kungen handelt.
Eine solche ist
aufgrund der inzwischen
obsoleten
Unterschei
dung zwischen primärer und sekundärer Abhängigkeit
nic
ht mehr statthaft
(vgl. E. 1.2
hievor
). Selbstredend gilt dies nicht
nur bei
Anord
nungen
von Entzugs
massnahmen im
Vorfeld einer Begutachtung
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_309/2019 vom 7. November 2019 E. 4.2.2)
,
sondern
in allge
meiner Weise
hinsichtlich sämtlicher
Entzugsbehandlungen,
welche
einzig
der Qualifikation des
Abhängigkeitssyndroms - und nicht der Behandlung der Sucht
als
solchen
– dienen und
– wie vorliegend -
insbesondere im Rahmen einer psy
chia
trischen Exploration
erfolgen.
Des Weiteren
ist zu berücksichtigen, dass auch bei Abhän
gigkeitssyndromen – nicht anders als bei den meisten Erkrankungen - kein direkter Zusammenhang zwischen Diagnose und
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
be
zieh
ungsweise Invalidität besteht. Vielmehr
stehen
die Auswirkungen des be
steh
enden Gesundheitsschadens auf die funktionelle Leistungsfähigkeit
der versi
cherten Person im Vordergrund
(BGE 145 V 215
E. 6.1). Entsprechend kommt der vom psychiatrischen Gutachter Dr.
A._
aufgeworfene
n
Frage nach der Abgren
zung zwischen Persönlichkeitsstörung und
Aktivititäts
- und Aufmerksam
keits
störung keine vorrangige Bedeutung zu.
Es
ist
ferner
darauf hinzuweisen, dass aus medizinischer Sicht ein Suchtmittelentzug nach medizinischem Kenntnis
stand nicht in jedem Fall als zumutbar und ergebnisorientiert als beste Lösung im S
inne der Schadenminderung anzus
ehen ist
und etwaige Funktionseinbussen, Therapiemöglichkeiten und –
ergebnisse
individuell in hohem Masse unterschied
lich sind (BGE 145 V 215 E. 4.3
, E. 5.2.1
). Dies ist insbesondere beim Be
schwerdeführer zu berücksichtigen, welcher seit seinem 14. Lebensjahr
und somit seit über 35
Jahren täglich Cannabis - zuletzt 15 bis 20 Joints pro Tag – konsu
mierte und während
mehr als 20 Jahren als Dachdecker arbeitete
(Urk. 8/61
/1-54
S. 21, S. 38
, Urk. 1 S. 8 Ziff. 19
)
.
Nach dem Gesagten
ist die Anordnung der Entzugs
massnahme
vom 30. Juli 2018 (Urk. 8/66/1-2) nicht statt
haft. Entsprechend
durfte
die Beschwerdegegnerin gestützt auf den Umstand, dass sich der Beschwerdeführer unbestrittenermassen keiner Entzugsbehandlung unterzog, das
Vorliegen eines psychischen Leidens mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
nicht verneinen (Urk. 8/99 S. 3).
4.
2
Das Gutachten von Dr.
A._
vom 7. Mai 2018 (Urk. 8/61/1-54) eignet
sich
nicht als medizinische Grundlage für einen materiellen Entscheid in psychiatrischer Hinsicht,
da
sich der Experte insbesondere nicht
zur Konsistenz und Plausibilität, zu den Funktions- und Fähigkeitsstörungen,
zu den
Ressourcen und Belastungen, zur Arbeitsfähigkeit sowie zu medizinischen Massnahmen und Therapien äusserte (S. 50 ff.).
In den Akten finden sich sodann keine
anderen
psychiatrischen Beurteilungen, welche ein abschliessendes Bild über die Arbeitsfähigkeit erlauben.
Die behan
delnden Psychiaterinnen Dr. med.
B._
, Oberärztin, und
Dr.
med.
C._
,
Assistenzärztin, Sanatorium
D._
, gingen in ihrem Bericht vom 15. Okto
ber 2019 (Urk. 3/7) von einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung aus und schätzten den Beschwerdeführer als nicht arbeitsfähig ein. Sie wiesen dabei auf Schwierigkeiten im zwischenmenschlichen
Bereich und eine
verminderte
Durchhaltefähigkeit
hin
, ohne jedoch näher zu begründen, in
wiefern der Beschwerdeführer dadurch konkret in seiner Leistungsfähigkeit beein
trächtigt ist.
Was den Bericht von Dr. med.
E._
, Oberarzt, und Psychologin
lic
. phil.
F._
, Sanatorium
D._
, vom 11
.
August 2016 (Urk. 8/20) betrifft, ist Folgendes festzuhalten: Die darin gestellten Diagnosen (kombinierte und andere Persönlichkeitsstörungen, Zwangsstörung, mittelgradige depressive Epi
sode, Cannabisabhängigkeit
; S. 2 Ziff. 1.1
) sind nicht vollends nachvollziehbar, da im Bericht
insbesondere
jegliche Angaben über Zwangshandlungen fehlen
und die mittelgradige Ausprägung der depressiven Episode nicht näher begründet wird.
Im Weiteren überzeugt
die postulierte
Arbeitsunfähigkeit von 50 % nicht, nachdem die Ärzte lediglich von einer leichten Einschränkung der Durchhalte
fähigkeit und der Fähigkeit zur Anpassung an Regeln und Routinen respektive von einer leichten bis mittelgradigen Beeinträchtigung der Kontaktfähigkeit zu Dritten ausgingen (S.
4 Ziff. 1.7).
Im Übrigen ist die Erfahrungstatsache zu berücksichtigen, dass behandelnde Ärzte und Ärztinnen mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
4.
3
Im Lichte der obigen Erwägungen ist der medizinische Sachverhalt in wesent
lichen Teilen ungeklärt, weshalb die Sache zu weiteren Abklärungen
an die Beschwerdegeg
nerin zurückzuweisen ist
.
Anzumerken ist, dass
– sollte eine Such
mittelabhängigkeit fachärztlich diagnostiziert werden - wie bei allen anderen psychischen Erkrankungen anhand eines strukturierten
Beweisverfahrens
nach BGE 141 V 281
abzuklären
wäre, ob und gegebenenfalls inwieweit sie sich auf die Arbeitsfäh
igkeit aus
wirkt
(BGE 145 V 215
)
. Im Weiteren
wird sich die Frage stellen
, ob im Zusammenhang
mit dem Erlass der neuen
Verfügung der Be
schwer
degegnerin in somatischer Hinsicht auf
die r
heumatologische
Expertise
von Dr.
Z._
vom 8. Februar 2018 (Urk. 8/58) abgestellt werden kann, nach
dem seit der
gutachterlichen
Exploration
am 12. Januar 2018
(S. 2)
aktuell bereits
mehr als zwei Jahre verstrichen sind.
In jedem Fall
wird
einer
z
wischen den psychischen und somatischen Leiden bestehenden Wechselwirkung Rechnung zu
tragen
sein
.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskos
ten sind unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens - nach stän
diger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur
weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2) - sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Dem Verfahrensausgang entsprechend ist die Beschwerdegegnerin zu verpflich
ten, eine Prozessentschädigung zu bezahlen. Nach § 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwie
rigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert.
Mit Honorarnote vom
24
.
März
20
20
(Urk. 1
1
) machte
der
Rechtsvertreter de
s
Beschwerdeführer
s
für das vorliegende Verfahren einen Aufwand von
9.35
Stun
den und Fr.
74
.
6
0 Barauslagen geltend, was angemessen erscheint. Daraus res
ultiert eine von der Beschwerdegegnerin zu ersetzende Entschädigung von ins
gesamt Fr. 2'
295
.
7
5 (inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen).
Damit erweist sich das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Pro
zessführung und
Rechtsverbeist
änd
ung
(Urk. 1 S. 2) als gegenstandslos.