# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 2ee8b9a8-7d23-4d7a-b2eb-387233b9d99a
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_007
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt
A.a. Am 3. Oktober 2005 verunfallte L._ bei der Burgruine M._ (nachfolgend Burgruine), welche sich östlich des Dorfes P._ in steilem Gelände befindet, infolge Benutzung einer Warentransportseilbahn schwer. Seine Verletzungen, darunter eine traumatische Hirnverletzung, bewirkten bleibende Nachteile in Form schwerster kognitiver und motorischer Beeinträchtigungen mit völliger Unselbständigkeit in den Alltagsaktivitäten sowie in der Körperpflege und körperlichen Nahrungsaufnahme. L._ konnte nie behördlich befragt/einvernommen werden. Er lebt seit dem Unfall in einem Pflegeheim und bedarf ständiger Pflege und Betreuung.
A.b. Der Unfall ereignete sich anlässlich einer Baukonservierung der Burgruine, welche die I._ (nachfolgend Stiftung; diese wurde zwecks Sicherung und Sanierung der Bausubstanz gegründet) in Auftrag gab. Ausgeführt wurde die Baukonservierung durch die Arbeitsgemeinschaft Ruine M._ (nachfolgend ARGE Ruine M._), bestehend aus der C._ AG und der Kollektivgesellschaft A._. Dazu schlossen die C._ AG sowie die A._ mit der Stiftung einen Werkvertrag Nr. 211 ab, und zwar für die 2. Bauetappe (Jahr 2003) am 1. April 2003 (Strafakten 2/16) bzw. für die 4. Etappe (Jahr 2005) am 20. April 2005 (Strafakten 2/17). Die interne Regelung zwischen den beiden Unternehmungen wurde im Arbeitsgemeinschaftsvertrag für Bauunternehmungen (nachfolgend ARGE-Vertrag) vom 1. Juni 2003 (Strafakten 2/22) geregelt.
L._ wurde durch die Arbeitsvermittlungsfirma J._ AG für verschiedene Baustellen an die A._ ausgeliehen, weshalb er, nebst anderen Arbeitern, auch an der Baukonservierung der Bergruine arbeitete. Der Polier E._ besorgte die fachtechnisch-leitende Ausführung der Arbeiten und war jeweils ebenfalls auf der Baustelle zugegen, so auch am Unfalltag.
A.c. Am Unfalltag benutzten L._ sowie zwei weitere Arbeiter und E._ eine Warentransportseilbahn, welche infolge Auftrags der Stiftung im Jahr 2001/2002 von der K._ GmbH für die örtlichen Verhältnisse individuell hergestellt worden war. Unbestritten und von den Parteien anerkannt ist, dass die Seilbahn gemäss verschiedenen auf ihr bzw. an der Tal- und Bergstation angebrachten Hinweisschildern/Merkblättern nur für Warentransporte, nicht aber für Personentransporte benutzt werden darf. Die Warentransportseilbahn ist rund 90 m lang und führt durch das steile Gelände in direkter Linie von der Kantonsstrasse wenige Meter neben den Hauptturm der Burganlage zu einer eigens dafür erstellten Plattform. Gegen 16:45-16:50 Uhr des 3. Oktober 2005
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räumten die Arbeiter auf und begaben sich zur Bergstation der Seilbahn. Nachdem E._ seine Besprechung mit Personen von der Planung und Projektleitung (Architekt, Bauleiter, Ingenieur etc.) beendet hatte, begab er sich ebenfalls zur Bergstation. Als er bei der Bergstation ankam, waren vier der Arbeiter bereits heruntergefahren, während die Arbeiter L._, Q._ und R._ neben beziehungsweise nach kontroverser Darstellung bereits auf der inzwischen wieder hochgefahrenen Seilbahnplattform standen und warteten. E._ reichte den Arbeitern zwei Drahtglasscheiben, die zur Talstation zu transportieren waren. Alle vier betraten die Seilbahnplattform, zuerst R._ und L._, danach Q._ und zum Schluss E._. Einer der drei Arbeiter drückte den Startknopf. Just in dem Moment, in dem sich die Seilbahnplattform zu bewegen begann, setzte E._ zurück auf die Holzplattform, weil er seinen ersten Aussagen zufolge "aus unerklärlichen Gründen, intuitiv, ein sehr schlechtes Gefühl" und "vielleicht auch das Gefühl hatte, dass die Bahn schneller als sonst angefahren war". Sekunden darauf sprangen die Arbeiter von der fahrenden Seilbahnplattform in die Böschung – zuerst Q._ (Gefühl, ihm fehle etwas der Boden; Lift sei zu schnell losgefahren; sofort gesprungen), dann R._ (Lift sei schnell losgefahren; dachte, dass er nicht mehr anhalten könne) und zuletzt L._. L._ verletzte sich dabei schwer, die Übrigen blieben unverletzt (E._) bzw. leicht verletzt (Q._ und R._). Die Warentransportseilbahn fuhr normal hinunter zur Talstation. Auch später konnten durch die Herstellerfirma keine Mängel an der Bahn entdeckt werden.
A.d. Der genaue Unfallhergang sowie die Verantwortlichkeiten verschiedenster Personen bzw. Gesellschaften bildeten in der Folge Gegenstand diverser Gerichtsverfahren, darunter eines Strafverfahrens sowie des vorliegend zu beurteilenden Zivilverfahrens.
B. Während der Bezirksgerichtsausschuss Albula S._ und T._ mit Urteil vom 8. November 2007 von der Anklage der fahrlässigen schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 2 StGB freisprach, verurteilte er E._ wegen desselben Straftatbestandes und bestrafte ihn mit einer Busse von CHF 1'500.00. Die Adhäsionsklagen des Verunfallten L._, seiner Ehefrau G._ und deren beiden Töchter U._ und X._ gegen die drei Angeklagten wurden infolge Rückzugs abgeschrieben. Die von den Adhäsionsklägern dagegen ergriffenen Rechtsmittel blieben erfolglos (vgl. Urteil des Kantonsgerichtsausschusses von Graubünden SB 08 3/4/5 vom
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11. März 2008 und Urteil des Bundesgerichts 6B_372/2008 vom 12. November 2008).
C.a. Am 2. Januar 2007 leitete die Ehefrau des Verunfallten, G._, beim Kreispräsidenten M._ als Vermittler gegen die A._, die C._ AG, Y._ sowie gegen Z._ ein Sühnebegehren betreffend Forderung ein. Mangels Einigung der Parteien an der Sühneverhandlung vom 30. März 2007 stellte der Vermittler am 14. Juni 2007 den Leitschein mit den folgenden Rechtsbegehren aus:
Klägerische Rechtsbegehren:
1. Die Beklagten seien in solidarischer Haftung zu verpflichten, der Klägerin eine Genugtuungszahlung von mindestens CHF 80'000.00 zuzüglich 5 % Zins ab dem 02. Oktober 2005 zu bezahlen.
2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beklagten.
Beklagtische Rechtsbegehren:
1. Die Klage sei abzuweisen.
2. Unter vermittleramtlicher, gerichtlicher und aussergerichtlicher Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich 7.6 % Mehrwertsteuer zulasten der Klägerin.
C.b. Insoweit sich der Leitschein vom 14. Juni 2007 gegen den projektleitenden Architekten Z._ und gegen den bauleitenden Architekten Y._ richtete, wurde er nicht prosequiert.
C.c. Mit Eingabe vom 5. Juli 2007 erhob G._ (nachfolgend Klägerin) beim Bezirksgericht Albula Klage gegen die A._ (nachfolgend Beklagte 1) und die C._ AG (nachfolgend Beklagte 2) mit dem identischen Hauptbegehren gemäss Leitschein vom 14. Juni 2007 (Proz. Nr. 115-2007-5). Zudem verkündete sie den Streit an die J._ AG, ihrerseits mit weiterer Streitverkündung an die Beklagte 1 und die Beklagte 2, sowie an die Stiftung. Die Beklagte 1 verkündete den Streit im weiteren Prozessverlauf an die Stiftung, E._ sowie an die K._ GmbH.
C.d. Die Hauptverhandlung gegen die Beklagten 1 und 2 fand am 16. Mai 2014 statt. Die Klägerin änderte ihr Rechtsbegehren dahingehend, dass sie fortan nicht mehr "mindestens CHF 80'000.00", sondern "CHF 80'000.00" forderte.
C.e. Die vollständige und detaillierte vorinstanzliche Prozessgeschichte (Proz. Nr. 115-2007-5) kann im Übrigen dem angefochtenen Entscheid, Sachverhalt D. ff., entnommen werden.
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D.a. Nebst der Klage gegen die Beklagten 1 und 2 strengte die Klägerin – nachdem das Strafurteil des Bezirksgerichtsausschusses Albula vom 8. November 2007 ergangen war – am 13. November 2007 ein weiteres Verfahren gegen E._ an. Mangels Einigung an der Sühneverhandlung wurde ihr am 6. Februar 2008 der Leitschein mit folgenden Rechtsbegehren ausgestellt:
Klägerische Rechtsbegehren
1. Der Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin eine Genugtuungszahlung von mindestens CHF 80'000.00 zuzüglich 5 % Zins ab dem 02. Oktober 2005 zu bezahlen.
2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Beklagten.
Beklagtische Rechtsbegehren:
1. Die Klage sei abzuweisen.
2. Unter vermittleramtlicher, gerichtlicher und aussergerichtlicher Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich 7.6 % Mehrwertsteuer zulasten der Klägerin.
D.b. Ihre Klage gegen E._ (nachfolgend Beklagter 3) prosequierte die Klägerin mit Eingabe vom 26. Februar 2008 an das Bezirksgericht Albula (Proz. Nr. 115-2008-3) und änderte ihre Rechtsbegehren gemäss Leitschein wie folgt leicht ab:
1. Der Beklagte sei ihm Rahmen einer Teilklage zu verpflichten, der Klägerin eine Genugtuungszahlung von mindestens Fr. 80'000.-- zuzüglich 5 % Zins ab dem 2. Oktober 2005 zu bezahlen, unter Nachklagevorbehalt.
Zudem versehen mit folgenden Verfahrensanträgen:
2. Es sei die vorliegende Klage mit der bereits seit dem 5. Juli 2007 anhängigen Klage gegen die C._ AG und A._ (Proz. Nr. 130-2007-39 [später Proz. Nr. 115-2007-5]) zu vereinigen.
3. Es sei der Stiftung M._, Hauptstrasse 42, P._, der Streit zu verkünden.
4. Es sei der K._ [recte: wohl K._ GmbH] in AA._ (vertreten durch N._, Fürsprecher, O._strasse 12, Postfach 155, AB._) der Streit zu verkünden.
5. Vorfrageweise sei die Haftung des Beklagten gegenüber dem Ehemann der Klägerin, dem verunfallten Bauarbeiter L._, festzustellen.
6. Es sei ein zweiter Schriftenwechsel anzusetzen.
7. Es seien die Strafakten und die Beilagen des Verfahrens mit der Prozessnummer 110-2007-5 [später Proz. Nr. 115-2007-5] beizuziehen.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Beklagten.
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D.c. Im weiteren Prozessverlauf verkündete der Beklagte 3 den Streit an die Beklagte 1, die Stiftung sowie die AH._ Versicherungs-Gesellschaft.
D.d. Im Verfahren gegen den Beklagten 3 fand die Hauptverhandlung vor dem Bezirksgericht Albula (identische Zusammensetzung des Spruchkörpers wie im Verfahren gegen die Beklagten 1 und 2) am 26. Juni 2014 statt.
D.e. Die vollständige und detaillierte vorinstanzliche Prozessgeschichte (Proz. Nr. 115-2008-3) kann im Übrigen dem angefochtenen Entscheid, Sachverhalt E. ff., entnommen werden.
E. Nachdem das Bezirksgericht Albula den klägerischen Antrag auf Verfahrensvereinigung mit Beweisverfügung vom 16. Juni 2010 unter Hinweis darauf, dass es sich um eine typische prozessleitende Verfügung handle, auf welche die Prozessleitung und das Gericht jederzeit zurückkommen könnten, verworfen hatte, kam es nach Durchführung der Hauptverhandlungen darauf zurück. Das Bezirksgericht vereinigte die Verfahren in dem Sinne, als dass sie zusammen entschieden und im selben Urteilsdokument behandelt wurden.
F.a. Mit Urteil vom 16./20. Mai 2014, 26. Juni 2014, schriftlich mitgeteilt am 14. April 2015, erkannte das Bezirksgericht Albula, was folgt:
1. Die Klage von G._ gegen die A._ und die C._ AG (Proz. Nr. 115-2007-5, vormals 110-2007-5) und die Klage von G._ gegen E._ (Proz. Nr. 115-2008-3, vormals 110-2008-3) werden vereinigt.
2. (Unentgeltliche Rechtspflege für G._)
3. Die Klagen von G._ werden teilweise gutgeheissen. Die Beklagten A._, C._ AG und E._ sind solidarisch verpflichtet, G._ eine Genugtuung von CHF 48'000.00 zuzüglich 5 % Zins seit dem 03. Oktober 2005 zu bezahlen.
4. Im Übrigen werden die Klagen abgewiesen.
5. a.Die Kosten der Sühneverfahren vor dem Kreispräsidenten M._ von CHF 400.00 (2x CHF 200.00) sowie die Kosten des Bezirksgerichts Albula bestehend aus:
- der Gerichtsgebühr von CHF 30'000.00
- dem Streitwertzuschlag von CHF 1'600.00
- den Schreibgebühren von CHF 7'495.20
- den Barauslagen von CHF 540.00
total somit CHF 39'635.20
gehen
- zu 3/16, d.h. zu CHF 7'431.60 zu Lasten von G._
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- zu 1/16, d.h. zu CHF 2'477.20 zu Lasten der J._ AG
- zu 4/16, d.h. zu CHF 9'908.80 zu Lasten der A._
- zu 3/16, d.h. zu CHF 7'431.60 zu Lasten der C._ AG
- zu 3/16, d.h. zu CHF 7'431.60 zu Lasten von E._ und
- zu 2/16, d.h. zu CHF 4'954.40 zu Lasten der I._.
[...]

## Considerations