# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b4640b06-8a42-42f7-ae6c-55bff58f6eaa
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Drohung etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, II. Abteilung, vom 27. November 2018 (DG180040, berichtigte Fassung vom 6. Mai 2019)
- 2 -
Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 26. April
2018 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 23).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB, − der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB, − der mehrfach versuchten Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB
in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB, − der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB, − des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB, − des Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen im Sinne von Art. 292
StGB, − der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne
von Art. 19a Ziff. 1 BetmG
2. Der Beschuldigte wird freigesprochen
− vom Vorwurf der mehrfachen Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB (Anklageschrift Dossier 1, letzter Absatz),
− vom Vorwurf der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB (Anklageschrift Dossier 2),
3. Der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom
19. Dezember 2012 unter Ansetzung einer Probezeit von 4 Jahren, mit
Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 31. Mai 2013
um 1 Jahr verlängerte, gewährte bedingte Vollzug für eine Geldstrafe von
120 Tagessätzen zu Fr. 70.– wird widerrufen und es wird der Vollzug dieser
Geldstrafe angeordnet.
4. Der Beschuldigte wird bestraft mit 6 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 35 Tage
durch Haft erstanden sind, sowie mit einer Busse von Fr. 1'000.–.
- 3 -
5. Die Freiheitsstrafe (6 Monate, abzüglich 35 Tage, die durch Haft erstanden
sind) wird vollzogen. Die Busse ist zu bezahlen.
6. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen.
7. Der Antrag auf Anordnung eines Kontaktverbots im Sinne von Art. 67b StGB
wird abgewiesen.
8. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom
27. März 2018 beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich unter der
Lagernummer B01207-2017 (betrifft Asservate a) bis c)) bzw. B02648-2017
(betrifft Asservate d),e), g) und h)) aufbewahrten Betäubungsmittel und Dro-
genkonsumutensilien werden eingezogen und sind nach Eintritt der Rechts-
kraft dieses Urteils durch die Kantonspolizei Zürich zu vernichten:
a) A010'296'750, 3 konsumierte Joints mit Marihuana
b) A010'296'761, 2 Minigrip mit 2g Marihuana
c) A010'296'772, div. Minigrip (teilw. mit Marihuana-Resten), 1 Mühle, 1
Schale mit Marihuana-Resten
d) A010'592'833, 1 Tabakdose mit 46g Marihuana und diversen Minigrip
e) A010'592'855, 1 Minigrip mit Marihuana-Resten, diverse BM-Utensilien
f) –
g) A010'592'888, 1 Minigrip mit 2g Marihuana
h) A010'592'899, 1 Gefrierbeutel mit 6 Minigrip à je 4g Marihuana
9. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom
27. März 2018 beschlagnahmte Barschaft von Fr. 150.– (Asservat f), Beleg
Nr. 3218, Kasse STA IV) wird zur Deckung der Verfahrenskosten verwendet.
10. Auf die Zivilansprüche der Privatklägerin 5 wird nicht eingetreten.
- 4 -
11. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 2'500.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 3'000.– Gebühr für die Strafuntersuchung
Fr. 771.35 Auslagen Vorverfahren (Gutachten)
Fr. - 150.– Anrechnung Kaution/Sicherstellung/Depositum
Fr. 16'000.– amtl. Verteidigungskosten
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
12. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten zur Hälfte auferlegt und zur Hälfte auf die Gerichtskasse ge-
nommen. Davon ausgenommen ist die Hälfte der Kosten der amtlichen
Verteidigung, welche einstweilen und unter dem Vorbehalt von Art. 135
Abs. 4 StPO von der Gerichtskasse übernommen werden; die andere Hälfte
der Kosten der amtlichen Verteidigung wird vorbehaltslos auf die
Gerichtskasse genommen.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 78 S. 3 f.)
1. Ziff. 1 des Urteils des Bezirksgerichts Bülach vom 27. November 2018,
erstes bis und mit sechstes Lemma, sei aufzuheben und der Beschul-
digte sei vom Vorwurf der mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne von
Art. 126 Abs. 1 StGB, der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB,
der mehrfach versuchten Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB
i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB, der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB,
des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB so-
wie des Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen im Sinne von
Art. 292 StGB freizusprechen;
2. Ziff. 3 des Urteils des Bezirksgerichts Bülach vom 27. November 2018
sei aufzuheben und es sei auf einen Widerruf der mit Strafbefehl der
- 5 -
Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 19. Dezember 2012 aus-
gefällten Strafe von 120 Tagessätzen zu Fr. 70.– zu verzichten;
3. Ziff. 4 bis und mit Ziff. 5 des Urteils des Bezirksgerichts Bülach vom
27. November 2018 seien aufzuheben und der Beschuldigte sei mit ei-
ner Busse von Fr. 1'000.– zu bestrafen;
4. Dem Beschuldigten sei eine Genugtuung von Fr. 7'000.– für die zu Un-
recht erlittene Untersuchungshaft zuzusprechen;
5. Ziff. 12 des Urteils des Bezirksgerichts Bülach vom 27. November 2018
sei aufzuheben und die Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens seien
ausgangsgemäss sowie die des Berufungsverfahrens seien vollum-
fänglich auf die Staatskasse zu nehmen. Sodann seien die Kosten der
amtlichen Verteidigung (zzgl. 7,7 % MwSt) auf die Staatskasse zu
nehmen.
6. Eventualiter sei der Beschuldigte mit einer bedingten Freiheitsstrafe von sechs Monaten zu bestrafen unter Ansetzung einer Probezeit von
4 Jahren und die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Win-
terthur/Unterland vom 19. Dezember 2012 ausgefällte Strafe von 120
Tagessätzen zu Fr. 70.– sei zu widerrufen;
7. Die Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens sowie des Berufungsver-
fahrens seien diesfalls dem Beschuldigten ausgangsgemäss aufzuer-
legen und die Kosten der amtlichen Verteidigung (zzgl. 7,7 % MwSt)
seien auf die Staatskasse zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich:
(Urk. 72, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
- 6 -

## Considerations

Erwägungen:
1. Prozessverlauf
1.1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Ver-
meidung unnötiger Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen der
Vorinstanz im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 59 S. 5 f.; Art. 82
Abs. 4 StPO).
1.2. Der Beschuldigte wurde mit Urteil des Bezirksgerichtes Bülach vom
27. November 2018 (berichtigtes Datum, vgl. Urk. 59 und Urk. 69) im Sinne des
eingangs wiedergegebenen Dispositivs schuldig gesprochen und bestraft (Urk. 55
bzw. Urk. 59 S. 57 ff.). Das Urteil wurde dem Beschuldigten anlässlich der Ur-
teilseröffnung vom 4. Dezember 2018 mündlich eröffnet (Prot. I S. 35). Der Be-
schuldigte hat fristgerecht Berufung angemeldet (Urk. 52; Art. 399 Abs. 1 StPO).
Das begründete Urteil (Urk. 55 bzw. Urk. 59) wurde dem Verteidiger des Beschul-
digten am 27. März 2019 zugestellt (Urk. 57), woraufhin dieser mit Eingabe vom
15. April 2019 innert Frist die Berufungserklärung beim hiesigen Gericht einreichte
(Urk. 61; Art. 399 Abs. 3 StPO).
1.3. Mit Präsidialverfügung vom 29. April 2019 wurde das Urteil sowie das
Protokoll der Vorinstanz zur Berichtigung zurückgewiesen (Urk. 64). Am 6. Mai
2019 wurde durch das Bezirksgericht Bülach das Urteilsdatum berichtigt sowie
das Protokoll entsprechend angepasst (Urk. 69). Innert der ihr angesetzten Frist
gemäss Art. 400 Abs. 3 lit. b StPO (Urk. 70) beantragte die Staatsanwaltschaft die
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 72). Die Privatkläger liessen sich
nicht vernehmen.
1.4. Am 20. Januar 2020 teilte der amtliche Verteidiger des Beschuldigten der
er-kennenden Kammer telefonisch mit, dass er den Beschuldigten seit November
2019 nicht mehr habe erreichen können und es daher möglich sei, dass der Be-
schuldigte nicht zur Berufungsverhandlung erscheinen werde (Urk. 76; vgl. auch
Prot. II S. 6). Zur Berufungsverhandlung vom 24. Januar 2020 ist der Beschuldig-
te sodann unentschuldigt nicht erschienen. Diese fand aber in Anwesenheit des
- 7 -
amtlichen Verteidigers des Beschuldigten statt (Prot. II. S. 4 ff.). Vorfragen waren
keine zu entscheiden und auch keine Beweise abzunehmen. Im Anschluss an die
Berufungsverhandlung erfolgte die Urteilsberatung. Das Urteil wurde den Parteien
in der Folge schriftlich im Dispositiv mitgeteilt (Prot. II S. 6 ff.)
2. Umfang der Berufung/Berufungserklärung
In der Berufungsschrift ist anzugeben, welche Abänderungen des erstinstanzli-
chen Urteils verlangt werden (Art. 399 Abs. 3 lit. b StPO). Der Beschuldigte ficht
die Ziffer 1 (Schuldpunkt) mit Ausnahme der Verurteilung wegen der mehrfachen
Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG,
die Ziffer 3 (Widerruf), die Ziffern 4 - 6 (Strafe) sowie die Ziffern 11 und 12 (Kos-
tenfestsetzung sowie Kostenauflage) an (Urk. 61; Urk. 78 S. 3 f.). Entsprechend
ist vorab festzustellen, dass das Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, II. Abteilung,
vom 27. November 2018 bezüglich der Dispositivziffern 1, letztes Lemma (mehr-
fache Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes), 2 (Freispruch vom Vorwurf der
mehrfachen Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB, Anklageschrift Dossi-
er 1, letzter Absatz sowie vom Vorwurf der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB,
Anklageschrift Dossier 2), 7 (Abweisung Anordnung Kontaktverbot), 8 (Einziehun-
gen), 9 (Verwendung der beschlagnahmten Barschaft), 10 (Nichteintreten auf Zi-
vilansprüche) und 11 (Kostenfestsetzung) in Rechtskraft erwachsen ist.
3. Strafanträge
Bei den dem Beschuldigten vorgeworfenen und vorliegend im Berufungsverfahren
zu beurteilenden Tatbeständen der mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne von
Art. 126 Abs. 1 StGB, der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB, der mehr-
fach versuchten Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB in Verbindung mit
Art. 22 Abs. 1 StGB sowie des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von
Art. 186 StGB handelt es sich um Antragsdelikte, bei welchen das Vorliegen eines
gültigen Strafantrages eine Prozessvoraussetzung ist. Die entsprechenden Straf-
anträge liegen vor (D 1 Urk. 3/1-2, D 1 Urk. 4/2 S. 8, D 3 Urk. 2, D 4 Urk. 2, D 5
Urk. 2, D 6 Urk. 2).
- 8 -
4. Sachverhalt
4.1. Vorbemerkung
Mit den Grundsätzen der Beweiswürdigung und Würdigung von Aussagen sowie
der Glaubwürdigkeit der einvernommenen Personen und der Glaubhaftigkeit ihrer
Aussagen hat sich die Vorinstanz ausführlich und korrekt befasst, so dass darauf
zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen vollumfänglich verwiesen werden
kann (Urk. 59 S. 8 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Die Beweismittel wurden korrekt ab-
genommen und sind damit verwertbar (vgl. Urk. 59 S. 6 f.). Weiter wurden die
Aussagen des Beschuldigten sowie der Privatkläger in den polizeilichen und
staatsanwaltschaftlichen Einvernahmen sowie anlässlich der gerichtlichen Befra-
gung in Bezug auf die sachlich relevanten Inhalte umfassend und ausführlich wie-
dergegeben (Urk. 59 S. 10 ff.). Auf die konkreten Aussagen der verschiedenen
Personen ist nachfolgend daher nur noch ergänzend bzw. konkretisierend einzu-
gehen.
Zur Beweiswürdigung ist anzumerken, dass auch unter dem Gesichtspunkt des
Grundsatzes "in dubio pro reo" eine absolute Gewissheit nicht verlangt werden
kann. Vielmehr müssen erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel an der
Schuld des Beschuldigten bestehen, die sich nach der objektiven Sachlage auf-
drängen. Dabei ist es Aufgabe des Richters, seinem Gewissen verpflichtet in ob-
jektiver Würdigung des gesamten Beweisergebnisses zu prüfen, ob er von einem
bestimmten Sachverhalt überzeugt ist und an sich mögliche Zweifel an dessen
Richtigkeit zu überwinden vermag (Art. 10 StPO; BGE 124 IV 86 E. 2a). Es liegt in
der Natur der Sache, dass mit menschlichen Erkenntnismitteln keine absolute Si-
cherheit in der Beweisführung erreicht werden kann; daher muss es genügen,
dass das Beweisergebnis über jeden vernünftigen Zweifel erhaben ist. Lässt sich
ein Sachverhalt nicht mit letzter Gewissheit feststellen, was schon im Wesen
menschlichen Erkenntnisvermögens liegt, so hindert dies den Richter nicht, will-
kürfrei subjektiv mit Gewissheit davon überzeugt zu sein (vgl. Entscheid des Bun-
desgerichtes 6B_172/2009 vom 29. Oktober 2009 E. 1.6. am Ende unter Hinweis
auf BGE 127 I 54 E. 2b).
- 9 -
4.2. Sachverhaltserstellung
4.2.1. Vorfälle vom 12. und 13. April 2017 gemäss Anklageschrift Dossier 1, ers-
ter und zweiter Absatz (Tätlichkeiten, Drohungen)
In der Anklageschrift wird dem Beschuldigten vorgeworfen, am 12. April 2017 sei-
ner Mutter, der Privatklägerin 2, sowie seiner Schwester, der Privatklägerin 3,
damit gedroht zu haben, sie umzubringen. An jenem Tag habe er auch seiner
Schwester, der Privatklägerin 3, eine kräftige Ohrfeige versetzt. Weiter habe er
am 13. April 2017 anlässlich seiner Festnahme durch die Polizei seiner Mutter,
der Privatklägerin 2, wiederum damit gedroht, sie umzubringen (Urk. 23 S. 2). Die
Vorinstanz gelangte in Bezug auf diese Vorwürfe zum Schluss, dass sich der
diesbezügliche Anklagesachverhalt mit der Einschränkung, dass sich die Privat-
klägerin 2 hinsichtlich der ihr gegenüber ausgesprochenen Drohungen nicht ver-
ängstigt gefühlt habe, als erstellt erweise (Urk. 59 S. 10 ff.).
Die Mutter des Beschuldigten, die Privatklägerin 2, wurde am 12. April 2017, mit-
hin unmittelbar nach dem Vorfall von jenem Tag, polizeilich einvernommen. In
dieser Einvernahme führte sie aus, dass sie das Nachtessen vorbereitet habe und
der Beschuldigte dann in die Küche gekommen sei und sie habe schlagen wollen.
Daraufhin sei ihre Tochter dazwischen gegangen, worauf er ihr eine Ohrfeige ver-
passt habe. Der Beschuldigte sei dann aus der Wohnung gegangen und als er zu-
rückgekommen sei, habe er sie angeschrien. Weiter sei es zu folgender Drohung
gekommen: Der Beschuldigte habe ihr gesagt, dass sie an allem schuld sei und
dass er sie umbringen werde. Wörtlich habe er auf albanisch gesagt: "Ich werde
dich umbringen." Sie habe die Drohung ernst genommen, der Beschuldigte sei
"krank im Kopf" (D 1 Urk. 4/1 S. 2). Auch die Schwester des Beschuldigten, die
Privatklägerin 3, machte an jenem Tag bei der Polizei Aussagen. Der Beschuldig-
te habe in der Küche herumgeschrien. Sie sei hinzugegangen und habe ihn auf-
gefordert, aufzuhören. Daraufhin habe er ihr eine Ohrfeige verpasst. Zudem habe
er ihr und ihrer Mutter auf Albanisch gesagt, dass er sie umbringen werde, er ha-
be "eh alles verloren". Sie habe die Drohung "definitiv" ernst genommen (D 1
Urk. 4/3 S. 2). Bei der Staatsanwaltschaft bestätigten die Privatklägerinnen 2
und 3 die durch den Beschuldigten am 12. April 2017 geäusserte Drohung (D 1
- 10 -
Urk 4/2 S. 7 und D 1 Urk. 4/4 S. 4). Während die Privatklägerin 3 wiederholte, am
12. April 2017 Angst gehabt zu haben, weshalb sie auch die Polizei verständigt
habe (D 1 Urk. 4/4 S. 4), antwortete die Privatklägerin 2 im Gegensatz zur polizei-
lichen Einvernahme auf die Frage, ob sie Angst gehabt habe, dass es ihr "egal"
gewesen wäre, "wenn er das gemacht hätte" bzw. sie keine Angst gehabt habe,
dass er sie umbringen würde, sondern dass er ihr etwas antun könnte, wenn sie
zur Arbeit ginge (D 1 Urk. 4/2, S. 13).
Der Beschuldigte macht geltend, dass er keine Todesdrohung ausgesprochen
habe und dass die der Privatklägerin 3 versetzte Ohrfeige unabsichtlich passiert
sei (D 1 Urk. 5/1 S. 1 f., D 2 Urk. 5/2 S. 2 f.). Dies ist mit der Vorinstanz (Urk. 59
S. 11 f.) als unglaubhaft zu werten. Denn es muss auch von den eigenen Aussa-
gen des Beschuldigten ausgehend deutlich mehr vorgefallen sein, als er zugibt.
Denn andernfalls hätte für ihn kein Anlass bestanden, nach dem Vorfall in den
Wald in der Region B._ zu gehen; dort ist er sogar eingeschlafen und erst
um ca. 4 Uhr in der Früh nach Hause zurückgekehrt (D 1 Urk. 5/1 S. 2 und S. 4).
Weiter antwortete der Beschuldigte auf die Frage, warum er nach dem Streit die
Wohnung verlassen habe, dass er "einfach weg" gewollt habe und die Privatklä-
gerinnen 2 und 3 ihm mit der Polizei gedroht hätten (D 1 Urk. 5/1 S. 4). Für das
Zu-Hilfe-Rufen der Polizei besteht in der Regel nur dann ein Grund, wenn ein we-
sentlicher Anlass vorliegt. Weiter gibt der Beschuldigte zu, an jenem Abend "wü-
tend" und "hässig" gewesen zu sein und "lauter" gesprochen zu haben (D 1
Urk. 5/1 S. 1 f.). Er habe niemanden bedroht, sondern lediglich "Beleidigungen"
ausgesprochen (D 1 Urk. 5/1 S. 2 f.). Er habe "schon Sachen" gesagt, aber nicht
"so schlimme Sachen" (D 1 Urk. 5/2 S. 3). Er habe ein "grosses Maul", würde sei-
ner Familie aber nie etwas antun (D 1 Urk. 5/1 S. 3). Auf Vorhalt, dass es nach
Aussagen seiner Mutter, der Privatklägerin 2, auch in den vergangenen Monaten
immer wieder zu solchen Vorfällen gekommen sei, antwortete der Beschuldigte,
dass es "sicher zu Streitigkeiten" gekommen sei. Er habe zu seiner Familie ge-
sagt, was das für "eine Lösung sei, wenn wir uns alle gegenseitig bekriegen und
umbringen würden" (D 1 Urk. 5/1 S. 3). Der Beschuldigte hat somit in der Vergan-
genheit durchaus das Wort "umbringen" verwendet, wenn es Streit gab. Dass er
damit keine direkten Drohungen ausgesprochen haben will (D 1 Urk. 5/1 S. 3), ist
- 11 -
schwer nachvollziehbar. Der Beschuldigte räumte anlässlich der Hauptverhand-
lung vor Vorinstanz zudem ein, dass man bei einer Streitigkeit vielleicht etwas sa-
ge, das man in jenem Moment nicht so gemeint habe (Prot. I S. 20). Ebenso er-
klärte der Beschuldigte, dass er "ab und zu" ausraste (D 1 Urk. 5/1 S. 3) und am
12. April 2017 unter dem Einfluss von Marihuana gestanden sei sowie starke
Zahnschmerzen gehabt habe, weshalb er sicherlich "etwas gereizter als sonst"
gewesen sei (D 1 Urk. 5/1 S. 3 f. und D 1 Urk. 5/2 S. 4). Aus all diesen Gründen
ist es absolut glaubhaft, dass es zu der Drohung, wie sie die Privatklägerinnen 2
und 3 geschildert haben, kam. Andernfalls wäre auch nicht unmittelbar nach der
angeblichen Drohung die Polizei alarmiert worden (D 1 Urk. 1). Die Privatkläge-
rin 3 sagte hierzu konkretisierend aus, dass es an jenem Tag "besonders heftig"
gewesen sei (D 1 Urk. 4/3 S. 2). Sie habe Angst gehabt, auch weil nur ihre Mutter
und sie zu Hause gewesen seien (D 1 Urk. 4/4 S. 4).
Der Beschuldigte seinerseits kann keine nachvollziehbaren Gründe nennen, wa-
rum ihn seine Mutter und seine Schwester zu Unrecht belasten sollen. So be-
hauptet er lediglich, dass alle ihn "schlecht darstellen" wollen (D 1 Urk. 5/1 S. 3),
dass seine Schwester es "geniesse", ihn "kaputt zu machen" (D 1 Urk. 5/1 S. 5)
bzw. sie "alles so rüberbringen" wolle, dass er "schlecht dastehe" (Prot. I S. 12).
Es sind indes keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass ein zielgerichtetes Vor-
gehen der Privatklägerin 3 vorliegt und auch ein entsprechendes Motiv fehlt. In
Anbetracht dessen, dass die Privatklägerinnen 2 und 3 gar die Polizei involvierten
und die entsprechenden Vorwürfe an den Beschuldigten dieser gegenüber erho-
ben, wäre für den Fall, dass sie dies zu Unrecht getan hätten, ein weit gewichtige-
res Motiv zu erwarten gewesen, als dass sie ihn einfach hätten schlecht machen
wollen. So musste ihnen bewusst sein, dass ein solcher Polizeieinsatz am eige-
nen Wohnort und aufgrund eines innerfamiliären Konflikts nicht nur für den Be-
schuldigten, sondern auch für sie Unannehmlichkeiten zur Folge haben würde.
Ein solch gewichtiges Motiv, welches sie dazu bewogen haben könnte, ohne Not
eine Involvierung der Polizei anzustreben, ist jedoch gerade nicht erkennbar. Wei-
ter bestehen keinerlei Hinweise darauf, dass und weshalb die Privatklägerin 3 ihre
Mutter, die Privatklägerin 2, zu einer Falschaussage hätte anstiften sollen. Die
Aussage des Beschuldigten, dass seine Schwester "sie alle um den Finger gewi-
- 12 -
ckelt" und "alle beeinflusst" habe (D 1 Urk. 5/3 S. 2), entbehrt denn auch jeglicher
Begründung sowie sachlicher Grundlage. Ein Motiv dafür, warum die Privatkläge-
rin 3 ihre Mutter zu einer Falschaussage zu Ungunsten des Beschuldigten ge-
drängt haben soll, nannte der Beschuldigte im Übrigen nie (vgl. auch Prot. I
S. 12 f.).
Mit der Vorinstanz (Urk. 59 S. 12 ff.) sind die Aussagen der Privatklägerinnen 2
und 3 als äusserst glaubhaft zu werten, insbesondere da sie diverse Umstände
enthalten, die mit den eigenen Aussagen des Beschuldigten übereinstimmen. So
war gemäss den Schilderungen sowohl der Privatklägerin 2 als auch des Be-
schuldigten ein Schreiben betreffend Geld der Anlass für den Vorfall vom 12. April
2017. Gemäss der Privatklägerin 2 sei es im Schreiben darum gegangen, dass
der Beschuldigte vom Sozialamt kein Geld mehr erhalte, wobei sie den Brief nicht
habe anschauen wollen (D 1 Urk. 4/1 S. 2 und Urk. 4/2 S. 4 und S. 6). Und nach
den Aussagen des Beschuldigten handelte es sich dabei um Rechnungen aus Ur-
teilen, die er, der Beschuldigte, als unfair beurteilte (D 1 Urk. 5/1 S. 1 f.). Auch die
Deposition der Privatklägerin 2, dass der Beschuldigte sie aufgefordert habe, zu
"schauen, wie sein Herz schlage" (D 1 Urk. 4/2 S. 5), deckt sich mit derjenigen
des Beschuldigten, welche wie folgt lautet: "Bei meiner Mutter war es so, dass ich
ihre Hand nahm und sie auf die Brust auf meiner Herzseite drückte. Ich wollte ihr
zeigen, wie stark mein Herz schlägt." (D 1 Urk. 5/2 S. 2). Und hinsichtlich des
äusseren Ablaufs schildert die Privatklägerin 2 konstant, dass der Beschuldigte
zunächst die Wohnung verlassen habe und kurze Zeit später zurückgekehrt sei
(D 1 Urk. 4/1 S. 2 und Urk. 4/2 S. 5), was mit der Aussage des Beschuldigten,
dass er die Wohnung verlassen, indes draussen festgestellt habe, dass er seine
Sachen im Zimmer vergessen hatte, weshalb er zurück in die Wohnung gegangen
sei und diese anschliessend wieder verlassen habe (D 1 Urk. 5/1 S. 2), ebenfalls
übereinstimmt. Alle drei Beteiligten beschreiben zudem die Ohrfeige, welche der
Beschuldigte der Privatklägerin 3 - gemäss Aussagen des Beschuldigten unab-
sichtlich - verpasst hatte (D 1 Urk. 4/1 S. 2 f., Urk. 4/2 S. 4 f., Urk. 4/3 S. 2,
Urk. 4/4 S. 3, Urk. 5/1 S. 2, Urk. 5/2 S. 2 f., Urk. 5/4 S. 3). Ebenso besteht eine
Übereinstimmung, dass vor der Ohrfeige die Privatklägerin 3 beim Streit zwischen
dem Beschuldigten und der Privatklägerin 2 dazwischen gegangen ist (vgl. die
- 13 -
diesbezügliche Aussagen der Privatklägerinnen 2 und 3 in D 1 Urk. 4/1 S. 2,
Urk. 4/2 S. 4, Urk. 4/3 S. 2 und Urk. 4/4 S. 3). Der Beschuldigte sagte hierzu aus,
dass die Privatklägerin 3 "sehr hysterisch" gewesen sei und sich eingemischt ha-
be (D 1 Urk. 5/1 S. 1). Auch dass die Privatklägerin 3 dreimal zur bzw. in die Kü-
che kam und erst beim letzten Mal die Ohrfeige versetzt wurde, schildern die Pri-
vatklägerin 3 und der Beschuldigte übereinstimmend (D 1 Urk. 4/4 S. 3 und
Urk. 5/1 S. 1 f.). Die durch die Privatklägerinnen 2 und 3 gemachten Depositionen
erweisen sich somit über weite Teile auch aus Sicht des Beschuldigten als richtig.
Darüber, dass sie vor diesem Hintergrund die Drohung sowie mit Bezug auf die
Ohrfeige deren absichtliches Versetzen hätten erfinden sollen, bestehen keine
unüberwindlichen Zweifel im Sinne von Art. 10 Abs. 3 StPO. Gründe für diesbe-
zügliche Falschdepositionen sind - wie oben ausgeführt - keine ersichtlich.
Wenn die Verteidigung in den Aussagen der Privatklägerinnen 2 und 3 Wider-
sprüche sieht (Urk. 46 S. 15 ff.; Urk. 78 S. 5 ff.), so sind diese einerseits infolge
des Zeitablaufs zwischen den einzelnen Einvernahmen erklärbar bzw. betreffen
Nebenpunkte, welche offensichtlich anlässlich der eher rudimentären polizeilichen
Befragungen nicht näher erfragt wurden. Die Vorinstanz ist diesbezüglich auf die
wesentlichen Punkte konkret eingegangen, worauf verwiesen werden kann
(Urk. 59 S. 12 ff.). Die Aussagen der Privatklägerinnen 2 und 3 weisen zudem
sowohl im Kerngeschehen als auch in den Details innerhalb sämtlicher Einver-
nahmen weitgehende Übereinstimmungen auf. So hat z.B. die Privatklägerin 2 in
beiden Depositionen ausgesagt, dass der Beschuldigte schreiend zu ihr gekom-
men sei. Ob der Beschuldigte nun aus seinem Zimmer oder von draussen herkam
(vgl. D 1 Urk. 4/1 S. 2 bzw. Urk. 4/2 S. 4) ist ein unwesentliches Detail, woraus
keine generelle Unglaubhaftigkeit abzuleiten ist, wie dies die Verteidigung geltend
macht (Urk. 46 S. 15 ff.; Urk. 78 S. 6 f.). Hinsichtlich des Rüstmessers (Weg-
schlagen oder Verdrehen des Arms, vgl. den entsprechenden Einwand der Ver-
teidigung in Urk. 46 S. 15; Urk. 78 S. 6) hat die Privatklägerin 2 anlässlich der
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme klar darauf hingewiesen, sich nicht mehr
sicher zu sein ("Im vergangenen Monat habe ich vergessen, was er im Detail
machte. Für mich ist es auch nicht einfach."; D 1 Urk. 4/2 S. 8). Und dass die Pri-
vatklägerin 2 bei ihren Einvernahmen nicht schilderte, dass ihre Tochter, die Pri-
- 14 -
vatklägerin 3, mehrmals in die Küche gekommen sei - woraus die Verteidigung
deren Glaubhaftigkeit ebenfalls als nicht gegeben sieht (vgl. Urk. 46 S. 16) - ist
auszuführen, dass die Depositionen der Privatklägerin 3 durch die eigenen Aus-
sagen des Beschuldigten bestätigt werden. Hierauf wurde schon weiter oben hin-
gewiesen. Es ist denn auch nicht so, dass die Privatklägerin 2 sich "nicht erin-
nern" konnte (vgl. die entsprechende Behauptung der Verteidigung in Urk. 46
S. 16), sondern sie hat diesen Umstand - wohl weil er für sie unwesentlich war
bzw. sie in diesen Sachverhaltsabschnitt nicht selber involviert war - schlicht nicht
geschildert. Über ein anderes Detail, nämlich dass der Beschuldigte nach einem
Red Bull gesucht und von ihr, der Privatklägerin 2, verlangt habe, dass sie ihm ei-
nes beschaffe, hat sie in beiden Einvernahmen sehr wohl von sich aus berichtet
(D1 Urk. 4/1, S. 2 und Urk. 4/2, S. 5). Darauf, warum die Privatklägerin 2 anläss-
lich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme zunächst - entgegen den Aussa-
gen bei der Polizei und den späteren Aussagen bei der Staatsanwaltschaft - ge-
sagt hatte, dass der Beschuldigte sie "in dieser Nacht" nicht bedroht habe (vgl.
D 1 Urk. 4/2 S. 6), ist die Vorinstanz schon eingegangen und hat festgehalten,
dass sich dies mit Nervosität und Emotionen begründen lasse (Urk. 59 S. 14 f.).
Dem ist grundsätzlich zuzustimmen. Diese Aussage lässt sich zudem auch damit
erklären, dass anlässlich der Befragung zunächst offensichtlich eine Unsicherheit
bei der Privatklägerin 2 darüber bestand, welcher Vorfall überhaupt gemeint war.
Sie schilderte nämlich in der Folge ausschliesslich den Vorfall vom folgenden
Tag, dem 13. April 2017, als der Beschuldigte verhaftet wurde (dazu nachfol-
gend). Als ihr dann der genaue Wortlaut der von ihr bei der Polizei geschilderten
Drohung vom 12. April 2017 vorgelegt wurde ("Er sagte mir heute, dass ich an al-
lem schuld sei und dass er mich umbringen werde."), konnte die Privatklägern 2
diese wieder einordnen und hat bestätigt, dass der Beschuldigte diese Drohung
ausgesprochen hat. Daraus abzuleiten, dass sich daher aus dieser Einvernahme
der Privatklägerin 2 keine belastenden Momente zuungunsten des Beschuldigten
kreieren liessen (so die Verteidigung in Urk. 46 S. 17), geht mithin fehl. Es kann
ergänzend auf die vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden (Urk. 59
S. 14 f.). Mit Bezug auf die Aussagen der Privatklägerin 3 macht die Verteidigung
geltend, dass nicht klar sei, ob diese das von ihr geschilderte Halten des Arms der
- 15 -
Privatklägerin 2 durch den Beschuldigten selber gesehen habe (Urk. 46 S. 18).
Dem kann nicht gefolgt werden: Die Privatklägerin 3 hat schon bei der Polizei
ausgesagt, dass sie diesen Sachverhaltsabschnitt nicht gesehen habe und dies
anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme bestätigt (D 1 Urk. 4/3 S. 4
und Urk. 4/4 S. 4 f.). Es ist somit - entgegen den Ausführungen der Verteidigung
(Urk. 46 S. 18) - ersichtlich, welche ihrer Aussagen sich auf ihr Erinnerungsver-
mögen stützen und welche auf das Hörensagen ihrer Mutter.
Zur verpassten Ohrfeige hat die Vorinstanz ausführliche und korrekte Ausführun-
gen gemacht, auf welche vollumfänglich verwiesen werden kann. Sie hat sich zu-
dem einlässlich mit den Einwendungen der Verteidigung auseinandergesetzt
(Urk. 59 S. 13 f.). Es ist daher auf die Aussagen der Privatklägerinnen 2 und 3
abzustellen, welche beide von einer absichtlich zugefügten Ohrfeige sprechen
(D 1 Urk. 4/1 S. 2, Urk. 4/2 S. 4 f., Urk. 4/3 S. 2, Urk. 4/4 S. 3). Auch hier kann ein
"Erfinden" ausgeschlossen werden. Es bestehen keine Zweifel, dass diese Ohr-
feige absichtlich erteilt wurde und nicht - wie dies der Beschuldigte geltend macht
- unabsichtlich erfolgte. Dem Einwand der Verteidigung, dass auch die Privatklä-
gerin 2 von einem unabsichtlichen Schlag ausgegangen sein soll (dies auf Grund
der bei der Staatsanwaltschaft zunächst gemachten Aussage: "Sehr wahrschein-
lich wollte er dies auch nicht, aber er war sehr nervös"; Urk. 46 S. 15), kann nicht
gefolgt werden. Sie hat nämlich auf Nachfrage klar festgehalten, dass ein geziel-
ter Schlag erfolgte (D 1 Urk. 4/2 S. 4). Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass die
Version des Beschuldigen - wonach der Schlag unabsichtlich erfolgt sein soll - im
Ablauf keinen Sinn ergeben würde. So sagte er nämlich aus, dass die Privatklä-
gerin 3 mit ihren Händen vor seinem Gesicht "herumgefuchtelt" und er sie dann
weggestossen habe, wobei er sie im Gesicht getroffen habe (D 1 Urk. 5/1 S. 1
und D 1 Urk. 5/2 S. 3). Somit soll nach seiner Aussage die Privatklägerin 3 unkon-
trollierte Bewegungen gemacht und er selber ein einziges Wegstossen ausgeführt
haben. Bei einem solchen Wegstossen ist es indes ausgeschlossen, dass ein
Schlag in der Art einer Ohrfeige erfolgen kann. Nach der Version des Beschuldig-
ten wäre es ausserdem viel naheliegender gewesen, wenn die Privatklägerin 3,
die ja unkontrolliert vor seinem Gesicht herumgefuchtelt haben soll, ihn im Ge-
sicht getroffen hätte. Mit welcher Hand die Ohrfeige erfolgte, kann offen bleiben,
- 16 -
ist die Tatsache des Verabreichens derselben ja vom Beschuldigten zugestanden.
Und wenn die Verteidigung geltend macht, dass hier Unstimmigkeiten bestehen
würden (Urk. 46 S. 16; Urk. 78 S. 5), so ist darauf hinzuweisen, dass die Privat-
klägerin 3 "vermutlich" von einem Schlag mit der linken Hand sprach (D 1 Urk. 4/3
S. 4).
Daran, dass der Beschuldigte am 13. April 2017, als er von der Polizei abgeführt
wurde, seiner Mutter, der Privatklägerin 2, auf Albanisch gedroht hatte, sie umzu-
bringen, bestehen keine Zweifel. Dies haben die damals anwesenden Privatkläge-
rinnen 2 und 3 übereinstimmend ausgesagt (D 1 Urk. 4/2 S. 6 und Urk. 4/4 S. 5).
Ihre Aussagen sind sehr glaubhaft, es kann auf die obigen Erwägungen verwie-
sen werden. Der Beschuldigte hatte denn auch ein Motiv für diese Drohung, wur-
de er ja wegen der ergangenen Anzeige durch die Polizei verhaftet und abgeführt.
Auch dieser Sachverhalt ist somit erstellt. Die Privatklägerin 2 sagte bei der
Staatsanwaltschaft aus, dass sie bei der Drohung keine Angst gehabt habe, dass
er sie umbringen würde, sondern dass er ihr etwas antun könnte, wenn sie zur
Arbeit ginge (D 1 Urk. 4/2, S. 7 und S. 13).
In subjektiver Hinsicht kann festgehalten werden, dass der Beschuldigte mit sei-
nen Drohungen alles getan hat, was notwendig war, um die Privatklägerinnen 2
und 3 (12. April 2017) bzw. die Privatklägerin 2 (13. April. 2017) in Angst und
Schrecken zu versetzen. Wer solche Drohungen ausspricht, muss zumindest da-
mit rechnen, dass die Adressaten verängstigt werden. Auch beim Erteilen der
Ohrfeige nahm der Beschuldigte zumindest in Kauf, der Privatklägerin 3 Schmer-
zen zuzufügen.
4.2.2. Vorfall vom 2. April 2017 gemäss Anklageschrift Dossier 1, dritter Absatz
(Nötigung)
In der Anklageschrift wird dem Beschuldigten zur Last gelegt, am 2. April 2017
seine Mutter, die Privatklägerin 2, im Schlafzimmer während ca. 30 Minuten ein-
geschlossen zu haben (Urk. 23 S. 2 f.). Die Vorinstanz erachtete den diesbezügli-
chen Anklagesachverhalt als erstellt (Urk. 59 S. 17 ff.).
- 17 -
Die Mutter des Beschuldigten, die Privatklägerin 2, hat in beiden Einvernahmen
ausgesagt, dass sie an jenem Tag durch den Beschuldigten nach einem Streit
wegen des Unterlassens des Weckens des Beschuldigten durch diesen im
Schlafzimmer eingeschlossen worden sei. Sie habe gehört, wie der Beschuldigte
die Türe abgeschlossen und den Schlüssel herausgezogen habe. Sie habe dann
ihren zweiten Sohn, C._, kontaktiert (D 1Urk. 4/1 S. 4; Urk. 4/2 S. 9 f.).
C._ schilderte, dass er durch die Privatklägerin 2 per Handy über das Ein-
schliessen informiert worden sei und daraufhin in die Wohnung gekommen sei (D
1 Urk. 4/5 S. 3 und Urk. 4/6 S. 4 f.).
Den äusseren Umstand, nämlich dass es am 2. April 2017 zu einem Streit kam,
dass die Privatklägerin 2 im Zimmer war, dass sie geweint hatte sowie dass er,
der Beschuldigte, damals den Schlafzimmerschlüssel auf sich trug, hat der Be-
schuldigte eingestanden (D 1 Urk. 5/1 S. 4, Urk. 5/2 S. 3). Diese eigenen Aussa-
gen des Beschuldigten lassen diejenigen der Privatklägerin 2 sowie von C._
als äusserst glaubhaft erscheinen. Die Behauptungen des Beschuldigten, dass
seine Mutter selber ins Zimmer gegangen sei und er sie nicht eingesperrt habe (D
1 Urk. 5/1 S. 4 und Urk. 5/2 S. 3), ergeben demgegenüber keinen Sinn. Denn
dann hätte die Privatklägerin 2 ja nicht "vermuten" müssen, dass er sie einge-
sperrt hatte und auch für ein Weinen hätte kein Anlass bestanden (D 1 Urk. 5/2 S.
3 und Urk. 5/4 S. 3). Ausserdem räumt der Beschuldigte ein, dass er seine Mutter
"vielleicht" gefragt habe, ob er sie einsperren solle sowie dass er den Schlafzim-
merschlüssel bei sich gehabt habe (D 1 Urk. 5/2 S. 3). Somit hatte der Beschul-
digte durchaus die Absicht, seine Mutter einzusperren und durch die Tatsache,
dass er den Schlüssel auf sich trug, lässt sich logischerweise auch der Schluss
ziehen, dass er die Türe abschloss, andernfalls er den Schüssel nicht hätte ab-
ziehen und an sich nehmen müssen. Anlass für ein Einschliessen seiner Mutter
bestand aus Sicht des Beschuldigten zudem durchaus, schilderte die Privatkläge-
rin 2 doch nachvollziehbar, dass der Beschuldigte wütend auf sie gewesen sei,
weil er geschlafen habe und nicht geweckt worden sei. Dadurch habe er "den
ganzen Tag verloren" (D 1 Urk. 4/1 S. 4) bzw. sei der "ganze Tag" schon "vorbei"
(D 1 Urk. 4/2 S. 9). Auch der durch die Privatklägerin 2 geschilderte Satz, dass
der Beschuldigte gesagt habe, dass sie "mal schauen" solle, was es heisse, "im
- 18 -
Zimmer eingeschlossen zu sein" (D 1 Urk. 4/2 S. 9), macht in diesem Zusammen-
hang Sinn. Denn sie sollte das Gleiche spüren wie er, nämlich dass sie eine ge-
wisse Zeit des Tages verpasst. Der Beschuldigte kann denn auch keine Begrün-
dung nennen, warum ihn seine Mutter, die Privatklägerin 2, zu Unrecht belasten
sollte. Hierzu sagte er lediglich aus, dass seine Schwester, die Privatklägerin 3,
seine Mutter "so beeinflusst" habe (D 1 Urk. 5/1 S. 4). Die Privatklägerin 3 war in-
des bei diesem Vorfall gar nicht dabei und es ist auch nicht ersichtlich, warum sie
ihre Mutter dazu veranlasst haben sollte, zu behaupten, dass sie eingesperrt wur-
de, zumal - wie oben ausgeführt - die äusseren Umstände durch den Beschuldig-
ten ja eingeräumt werden. Darauf, dass sich den Aussagen der Privatklägerin 2
keine Übertreibungen bzw. Verstärkungen entnehmen lassen, was ebenfalls für
die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen spricht, hat die Vorinstanz schon hingewiesen
(Urk. 59 S. 19). So hat sie konstant ausgesagt, dass der Vorfall lediglich 20-30
Minuten dauerte und dass sie aus dem sich ca. 1.5 Meter über dem Boden be-
findlichen Fenster hätte rausspringen können (D 1 Urk. 4/1 S. 4 und Urk. 4/2
S. 9). Dass die Privatklägerin 2 nicht aus dem Fenster gesprungen ist, worin die
Verteidigung ableitet, dass sie in ihrer Handlungsfreiheit gar nicht beeinträchtigt
gewesen sei (Urk. 46 S. 12 f.), kann ohne Weiteres nachvollzogen werden: Zum
einen ist eine Höhe von 1.5 Meter für einen älteren Menschen durchaus eine Hö-
he, bei welcher man sich beim Runterspringen Verletzungen zuziehen kann. Oh-
ne Hausschlüssel hätte sie auch nicht zurück in die Wohnung gekonnt. Zudem
war der Beschuldigte ja immer noch in der Wohnung, womit die Situation nicht
hätte bereinigt werden können.
Der Ablauf des 2. April 2017 wird zudem durch die WhatsApp-Kommunikation
zwischen der Privatklägerin 2 und ihrem Sohn C._ nachgewiesen. Dieser hat
den WhatsApp-Verlauf anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen Einvernahme
aufgezeigt und beschrieben (D 1 Urk. 5/5 S. 4 f.). Der einzige Widerspruch in den
Aussagen der Privatklägerin 2 und von C._ besteht in der Frage, ob sie die-
sen per Anruf oder per SMS zu Hilfe gerufen hatte (vgl. auch die entsprechenden
Ausführungen der Verteidigung in Urk. 46 S. 12 f.). Hierauf ist die Vorinstanz aus-
führlich eingegangen (Urk. 59 S. 18). Mit dieser ist einerseits festzuhalten, dass
es dabei um einen Nebenpunkt geht und andererseits hat die Privatklägerin 2
- 19 -
immer ausgesagt, ihren Sohn C._ mittels ihres Handys kontaktiert zu haben
(D 1 Urk. 4/1 S. 4 und Urk. 4/2 S. 9). Auch C._ bestätigte, dass er kontaktiert
wurde, und zwar mittels eines Anrufs (Urk. 4/6 S. 4). Wenn die Verteidigung gel-
tend macht, dass aus der WhatsApp-Kommunikation hervorgehen soll, dass
C._ erfunden habe, dass er versucht habe, die Schlafzimmertüre zu öffnen
(Urk. 46 S. 13), so ist dem entgegen zu halten, dass die entsprechende Nachricht
("Ich frage dann nach, ob er die Türe zugemacht hat") ohne Weiteres so verstan-
den werden kann, dass C._ herausfinden wollte, ob dies der Beschuldigte
war, denn gleich darauf fragte er nach, "ob er ihr was gemacht habe". Und die
Privatklägerin 2 antwortete, dass der Beschuldigte dies gewesen sei und er auch
den Schlüssel habe (vgl. D 1 Urk. 4/6 S. 4 ff.). Zudem ist auch mit Bezug auf die
Aussagen von C._ nicht ersichtlich, warum er lediglich hinsichtlich dieses De-
tails gelogen haben soll. Dies umso mehr, als die äusseren Umstände durch den
Beschuldigten ja eingeräumt wurden. Der objektive Sachverhalt ist aus all diesen
Gründen ohne Zweifel erstellt. Der Beschuldigte wollte seine Mutter - allenfalls zur
Strafe - in das Schlafzimmer einsperren, womit auch der subjektive Tatbestand
gegeben ist.
4.2.3. Vorfall vom 24. März 2017 gemäss Anklageschrift Dossier 1, vierter Ab-
satz (Tätlichkeiten)
Gemäss der Anklageschrift wird dem Beschuldigten vorgeworfen, am 24. März
2017 seiner Mutter, der Privatklägerin 2, in der Wohnung mit beiden Händen an
die Kopfseiten geschlagen und ihr einen Tritt oberhalb des Gesässes links bei der
Hüfte versetzt zu haben (Urk. 23 S. 39). Auch den diesbezüglichen Anklagesach-
verhalt sah die Vorinstanz als erstellt an (Urk. 59 S. 19 ff.).
Der Vorwurf stützt sich auf die Aussagen der Privatklägerin 2, wonach sie der Be-
schuldigte an jenem Tag, nämlich einen Tag vor ihrem Geburtstag, mit beiden of-
fenen Händen ins Gesicht geschlagen sowie sie mit dem Fuss getreten und an
der Hüfte getroffen habe (D1 Urk. 4/1 S. 3 und Urk. 4/2 S. 10 f.), was der Be-
schuldigte abstreitet. Konkrete eigene Aussagen zum Vorfall macht er nicht (D1
Urk. 5/2 S. 3; Prot. I S. 12).
- 20 -
Den Erwägungen der Vorinstanz zur Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklä-
gerin 2 (Urk. 59 S. 19 f.) kann vollumfänglich gefolgt werden. Diesen Vorfall hat
sie detailreich (Runterfallen der Ohrringe, Ort des Tritts, Folgen des Tritts, ihre
Gefühlslage), ohne Übertreibungen (Stärke des Tritts / Schmerzen) und konstant
geschildert, und es sind keinerlei Anhaltspunkte ersichtlich, warum dieser Vorfall
hätte erfunden werden sollen. Die Verteidigung macht denn auch lediglich Aus-
führungen zum Datum des Vorfalls: Sie macht geltend, dass es seltsam anmute,
dass durch die Privatklägerin 2 bei der Polizei kein genaues Datum genannt wur-
de, hingegen anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme präzise ausge-
führt worden sei, dass dies einen Tag vor dem Geburtstag gewesen sei (Urk. 46
S. 10 f., Urk. 78 S. 20). Indes kann hier kein Widerspruch entdeckt werden, insbe-
sondere keiner, welcher an der glaubhaften Schilderung der Privatklägerin 2
Zweifel aufkommen lassen würde. So ist die Angabe bei der Polizei "Das war vor
2 Wochen" auf die Frage, wann sie letztmals vom Beschuldigten geschlagen wur-
de, durchaus präzise genug, wurde sie ja auch nicht nach dem genauen Datum
gefragt (D 1 Urk. 4/1 S. 3). Ebenso nachvollziehbar ist, dass sie später das Datum
auf Grund der Tatsache, dass der Vorfall just vor ihrem Geburtstag stattfand, ge-
nauer angeben konnte (D 1 Urk. 4/2 S. 10). Sie schilderte auch nachvollziehbar,
warum sie ihrer Tochter, der Privatklägerin 3, den Vorfall nicht erzählt hatte, ob-
wohl diese gemerkt habe, dass "etwas nicht stimmt" ("Ich erzählte ihr aber nichts,
weil ich die Geburtstagsfeier nicht vermasseln wollte", D 1 Urk. 4/2 S. 11). Der
Sachverhalt ist daher erstellt. Beim Schlagen mit beiden Händen und dem Treten
gegen die Hüfte nahm der Beschuldigte zumindest in Kauf, seiner Mutter, der Pri-
vatklägerin 2, Schmerzen zuzufügen.
4.2.4. Vorfälle vom 18., 19., 23. Januar und 17. Februar 2017 gemäss Anklage-
schrift Dossier 3-7 (Hausfriedensbruch, Ungehorsam gegen amtliche Verfügun-
gen)
Als Vorbemerkung ist darauf hinzuweisen, dass zwischen dem Beschuldigten und
der Privatklägerin 5 während gut drei Jahren eine Beziehung bestand. Diese wur-
de im Oktober 2016 durch die Privatklägerin 5 beendet (D 2 Urk. 4/1 S. 1 f.,
Urk. 4/2 S. 5). Die Privatklägerin 1 ist die Mutter der Privatklägerin 5.
- 21 -
4.2.4.1. Vorfälle vom 18., 19. und 23. Januar 2017 (Hausfriedensbruch)
Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift weiter zur Last gelegt, sich am 18.,
19. und 23. Januar 2017 trotz erteiltem Hausverbot auf der Terrasse der Liegen-
schaft D._-strasse ... in E._ aufgehalten zu haben (Urk. 23 S. 5). Auch
hinsichtlich dieses Anklagesachverhaltsabschnitts gelangte die Vorinstanz zum
Schluss, dass sich dieser als erstellt erweist (Urk. 59 S. 26 ff.).
Die Privatklägerin 1 sprach gegen den Beschuldigten mit Schreiben vom 25. Ok-
tober 2015 sowie Mahnung vom 24. November 2016 ein Hausverbot aus (D 3
Urk. 7/7 und Urk. 7/8). Hierzu macht die Verteidigung geltend, dass es keine Be-
weise gebe, dass diese Schreiben verschickt bzw. erhalten worden seien. Ebenso
sei nicht erstellt, dass der Beschuldigte tatsächlich Kenntnis von dem Hausverbot
gehabt habe (Urk. 46 S. 28 f. und S. 34 f.; Urk. 78 S. 11). Dieser Einwand der
Verteidigung verfängt nicht, denn der Beschuldigte hatte ohne Zweifel Kenntnis
vom erteilten Hausverbot. So hat er nämlich selber eingeräumt, das Schreiben
vom 25. Oktober 2015 "gesehen" und "verstanden" zu haben (D 3 Urk. 5 S. 2).
Wenn er hierzu geltend macht, dass er gedacht habe, das Hausverbot "wäre vor-
bei" bzw. dass es "gar nicht zähle" bzw. die Privatklägerin 5 ihm gesagt habe,
dass dieses "nicht gelte" (D 3 Urk. 5 S. 2), so sind diese Aussagen klar als
Schutzbehauptungen zu werten. Der Beschuldigte hat zudem anlässlich der
Hauptverhandlung vor Vorinstanz mit Bezug auf die Vorfälle des Dossiers 2 (Nöti-
gung) ausgesagt, dass es ihm damals, nämlich im November und Anfang De-
zember 2016, nicht möglich gewesen sei, Sachen vor das Haus der Privatkläge-
rin 5 zu legen, da dies schwierig sei "wenn man dort ein Verbot hat" (Prot. I
S. 15). Der Beschuldigte hatte mithin im November/Dezember 2016 Kenntnis vom
Hausverbot betreffend die Liegenschaft D._-strasse ... in E._, womit
sich seine Behauptungen, das Hausverbot nicht erhalten bzw. nichts vom Haus-
verbot gewusst zu haben (D 2 Urk. 4/2 S. 3; Prot. I S. 17), als unwahre Bestrei-
tungen erweisen. Im Rahmen der Berufungsverhandlung brachte die Verteidigung
sodann vor, dass der Beschuldigte gestützt auf die Privatklägerin 5 gedacht habe,
dass das Hausverbot nicht mehr gegolten habe und man ihm nicht vorwerfen
könne, dass er in seiner Situation genau habe wissen müssen, wer das Hausver-
- 22 -
bot zurückziehen dürfe und wer nicht (Urk. 78 S. 12). Dem ist jedoch zu entgeg-
nen, dass sich der Beschuldigte ohnehin nicht hätte darauf berufen können, dass
ein von den Eltern der Privatklägerin 5 ausgesprochenes Hausverbot von dieser
alleine hätte widerrufen werden können.
Dass sich der Beschuldigte am 23. Januar 2017 auf der Terrasse an der D._-
strasse ... in E._ aufgehalten hat, hat er eingestanden (D 3 Urk. 5 S. 4). Ein
Bestreiten wäre auch sinnlos gewesen, wurde er doch an jenem Tag dort von der
Polizei angetroffen und festgenommen (D 3 act. 1). Weiter räumte der Beschuldi-
ge ein, auch an dem Tag, als er "mit Frau F._ gesprochen habe", dort gewe-
sen zu sein und an einem anderen Tag auch noch (D 3 Urk. 5 S. 4). Und in der
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 28. März 2018 sagte der Beschuldigte
aus, dass er im Jahr 2017 "vielleicht so fünf, sechs, sieben Mal" beim Wohnort
der Privatklägerin 5 gewesen sei, weil er ihr Sachen habe zurückgeben bzw. mit
ihr habe sprechen wollen (D 2 Urk. 4/2 S. 3). Durch diese Zugeständnisse des
mehrfachen Aufenthalts bestehen keine Gründe, an den glaubhaften Aussagen
der Privatklägerin 1, wonach sie den Beschuldigten am 18. Januar 2017 um 13.05
Uhr auf der Terrasse und um 16.00 Uhr auf der Treppe habe verschwinden gese-
hen und am 19. Januar 2017 ihr achtjähriger Sohn ihr erzählt habe, dass der Be-
schuldigte sich auf der Terrasse aufhalte (D 3 Urk. 4/1 S. 1 f.; D 3 Urk. 4/2 S. 6 f.),
zu zweifeln. Dafür, dass diese Aussagen nicht der Wahrheit entsprechen sollen,
gibt es keinerlei Anhaltspunkte. Dies wird von der Verteidigung denn zu Recht
auch nicht geltend gemacht (Urk. 46 Rz. 102 f.). Der Sachverhalt ist somit mit Be-
zug auf den 18. Januar 2017 um ca. 13.05 Uhr und um ca. 16.00 Uhr, den
19. Januar 2017 um ca. 11.40 Uhr sowie den 23. Januar 2017 um ca. 14.40 Uhr
erstellt.
4.2.4.2. 17. Februar 2017 (Hausfriedensbruch, Ungehorsam gegen amtliche Ver-
fügungen)
Gemäss Anklageschrift wird dem Beschuldigten vorgeworfen, sich am
17. Februar 2017 trotz erteiltem Hausverbot und trotz des gegen ihn verfügten
Kontakt- und Rayonsverbots in der Liegenschaft D._-strasse ... in E._
- 23 -
aufgehalten zu haben (Urk. 23 S. 5). Auch diesen Anklagesachverhaltsabschnitt
erachtete die Vorinstanz als rechtsgenügend erstellt (Urk. 59 S. 26 ff.).
Der Beschuldigte räumte anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme
vom 28. März 2018 anfangs ein, dass er am 17. Februar 2017 bei der Privatkläge-
rin 5 gewesen sei, nämlich an dem Tag, als diese zur Nachbarin geflohen sei. Er
habe ihr Waren bringen müssen (D 2 Urk. 4/2 S. 4). Auf Vorhalt, dass er damit
gegen das Rayon- und Kontaktverbot verstossen habe, machte der Beschuldigte
plötzlich geltend, dass der Vorfall zwar stattgefunden habe, indes vor dem
17. Februar 2017 (D 2 Urk. 4/2 S. 4 f.). Auf Nachfrage, was denn am 17. Februar
2017 geschehen sei, beschrieb der Beschuldigte dann wiederum genau den glei-
chen Vorfall, bei welchem die Privatklägerin 5 zur Nachbarin geflohen sei. Er, der
Beschuldigte, habe der Privatklägerin 5 Waren vorbeigebracht und habe noch mit
ihr reden wollen. Sie sei dann an ihm vorbei weg zu den Nachbarn gerannt, und
habe dann "voll hysterisch an der Dachrinne" gehangen (D 2 Urk. 4/2 S. 4 f.).
Schon auf Grund seines eigenen Aussageverhaltens ist die Behauptung, dass
dieser Vorfall vor dem 17. Februar 2017 stattgefunden habe, als klare Schutzbe-
hauptung zu würdigen. Zudem schildert der Beschuldigte wesentliche Details,
nämlich das Flüchten der Privatklägerin 5 zu den Nachbarn und aufs Dach bei der
Staatsanwaltschaft gleich wie die Privatklägerin 5 (D 2 Urk. 4/2 S. 4 f., D 2
Urk. 3/2 S. 14 und D 7 Urk. 4 S. 1 ff.). Dass es sich dabei um den durch die Pri-
vatklägerin 5 am Tag des Vorfalls, nämlich am 17. Februar 2017, zur Anzeige ge-
brachten Vorfall gehandelt haben muss (vgl. D 7 Urk. 1 S. 2 und D 2 Urk. 7/1 ["Ich
bin soeben von meinem Ex-Mann zu meiner Nachbarin geflüchtet, weil er wieder
in meiner Wohnung ist."]), ist damit nachgewiesen. Dass mehrere solche Vorfälle
vorgefallen sein sollen, bei welchem eine Flucht über die Dachrinne erfolgt sein
soll, wird denn auch von der Verteidigung nicht geltend gemacht (Urk. 46 S. 36 f.).
Auf die Aussagen der Privatklägerin 5 kann somit vollumfänglich abgestellt wer-
den, es sei hierzu ergänzend auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz
verwiesen (Urk. 59 S. 30 f.). Wenn der Beschuldige anlässlich der Hauptverhand-
lung vor der Vorinstanz (Prot. I S. 18) den gesamten Vorfall bestreitet und selbst
die zunächst eingeräumten Umstände (Flüchten zur Nachbarin, Hängen an der
Dachrinne) als unwahr abstreitet und behauptet, dass es "eine Lüge" sei, so zeigt
- 24 -
dies offensichtlich sein Bestreitungsverhalten. Mit Verfügung vom 6. Januar 2017
verlängerte das Zwangsmassnahmengericht des Bezirksgerichtes Bülach die mit
Verfügung der Kantonspolizei Zürich vom 22. Dezember 2016 angeordneten
Schutzmassnahmen (Rayon- und Kontaktverbot) bis zum 10. April 2017 (D 3
Urk. 7/5). Von dieser Verfügung hatte der Beschuldigte zum Zeitpunkt des ange-
klagten Ereignisses vom 17. Februar 2017 Kenntnis, da sie ihm anlässlich der po-
lizeilichen Befragung vom 23. Januar 2017 vorgelegt und übergeben wurde (D 3
Urk. 5, S. 1 f. und D 7 Urk. 3 S. 1 f.) und der Beschuldigte den Erhalt der Kopie
zudem unterschriftlich bestätigt hatte (D 3 Urk. 7/5). Der diesbezügliche objektive
Sachverhalt, nämlich dass der Beschuldigte am 17. Februar 2017 trotz geltendem
Kontakt- und Rayonverbot die Liegenschaft an der D._-strasse ... in E._
betreten hat, ist damit erstellt. Der Beschuldigte hat dieses Kontakt- und Rayon-
verbot trotz Kenntnis missachtet, weil er bei der Privatklägerin 5 Sachen vorbei-
bringen bzw. mit ihr reden wollte. Damit ist auch der subjektive Tatbestand erfüllt.
Mit Bezug auf das erteilte Hausverbot und dessen Kenntnis durch den Beschul-
digten kann auf die obigen Erwägungen unter Ziffer 4.2.4.1. verwiesen werden.
5. Rechtliche Würdigung
Hinsichtlich der rechtlichen Würdigung kann vollumfänglich auf die Erwägungen
der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 59 S. 31 ff.). Diese wird denn auch von
der Verteidigung - mit Ausnahme der Qualifikation der Nötigung beim Sachverhalt
vom 2. April 2017 - nicht in Frage gestellt (Urk. 46 S. 12, Urk. 61, Urk. 78 S. 14 f.).
Zum Vorfall vom 2. April 2017 macht die Verteidigung geltend, dass die allfällige
Beschränkung der Handlungsfreiheit der Privatklägerin 2 das üblicherweise ge-
duldete Mass an Beeinflussung nicht in ähnlicher Weise überschritten habe, wie
es für die Nötigungsmittel der Gewalt und der Androhung ernstlicher Nachteile
gelte, da sie aus dem Fenster hätte steigen können. Damit fehle es am tatbe-
ständlichen Nötigungsmittel (Urk. 46 S. 12; Urk. 78 S. 14 f.).
Zu den Merkmalen des Tatbestands der Nötigung hat die Vorinstanz zutreffende
rechtliche Ausführungen gemacht (Urk. 59 S. 34), auf deren Wiederholung kann
verzichtet werden. Mit dem Verschliessen der Schlafzimmertüre war es der Pri-
vatklägerin 2 nicht mehr möglich, das Schlafzimmer auf dem üblichen Wege zu
- 25 -
verlassen. Damit wurde sie in ihrer Bewegungs- und Handlungsfreiheit einge-
schränkt. Denn auch wenn ein Verlassen des Zimmers durch das Fenster zwar
möglich gewesen wäre, so ist festzuhalten, dass einer Person nicht ohne Weite-
res zugemutet werden kann, über eine 1.5 Meter hohe Fensterbrüstung zu klet-
tern und von dort herunterzuspringen, zumal solch ein Sprung Verletzungen zur
Folge haben kann. Der Sprung aus einem Fenster ist auch nicht ein "üblicher-
weise" gewählter Weg, ein Zimmer bzw. eine Wohnung zu verlassen und ausser-
dem mit grösseren Unannehmlichkeiten verbunden. Die Behauptung der Verteidi-
gung, dass durch die Möglichkeit eines Sprungs aus dem Fenster keine Beein-
trächtigung der Bewegungsfreiheit der Privatklägerin 2 vorgelegen habe, geht
somit an der Realität vorbei. Eine Einschliessung in das Schlafzimmer übersteigt
denn auch klar das üblicherweise geduldete Mass an Beeinflussung bzw. Be-
schränkung (vgl. BGE 134 IV 216 E. 4.1). Zudem wäre die Privatklägerin 2, selbst
wenn sie aus dem 1.5 Meter hohen Fenster geklettert wäre, durch den Beschul-
digten immer noch in ihrer Handlungsfreiheit eingeschränkt gewesen, da ihr auch
dann der Zugang zum Rest der Wohnung noch immer nicht offen gestanden hät-
te. Einerseits wäre es ihr ohne Wohnungsschlüssel ja nicht möglich gewesen,
wieder in die Wohnung zu gelangen und andererseits hätte der Beschuldigte die
Privatklägerin 2 ohne Zweifel - wenn er sie überhaupt in die Wohnung zurück ge-
lassen hätte - wieder in das Schlafzimmer eingeschlossen. Die von der Vorinstanz
vorgenommene Würdigung des Vorfalls vom 2. April 2017 als Nötigung im Sinne
von Art. 181 StGB erweist sich daher als korrekt.
Der Beschuldigte ist somit ferner der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB,
der mehrfach versuchten Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB in Verbin-
dung mit Art. 22 Abs. 1 StGB, der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB, des
mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB, der mehrfachen
Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB sowie des Ungehorsams gegen
amtliche Verfügungen im Sinne von Art. 292 StGB schuldig zu sprechen.
- 26 -
6. Strafzumessung
6.1. Die Vorinstanz hat die Grundsätze, nach welchen eine Strafe zuzumes-
sen ist sowie die entsprechenden Strafrahmen, innerhalb welcher die Strafen
festzulegen sind, richtig dargestellt (Urk. 59 S. 39 ff.), worauf zwecks Vermeidung
unnötiger Wiederholungen zu verweisen ist. Ergänzend ist darauf hinzuweisen,
dass der Beschuldigte die zu beurteilenden Straftaten vor Inkrafttreten der seit
1. Januar 2018 geltenden neuen Bestimmungen des Allgemeinen Teils des Straf-
gesetzbuches (Änderung des Sanktionsrechts; AS 2016 1249) begangen hat. Das
geltende (neue) Recht ist daher auf diese Taten nur anzuwenden, sofern es für
den Beschuldigten im konkreten Fall zu einem günstigeren Ergebnis führt (Art. 2
Abs. 2 StGB; Donatsch in: Donatsch/Heimgartner/Isenring/Weder [Hrsg.], Kom-
mentar zum StGB, 20. Aufl. 2018, Art. 2 N 10). Beim Vergleich zwischen altem
und neuem Recht kann das Resultat nur ein bejahender oder verneinender Be-
fund sein (BSK StGB I-Popp/Berkemeier, Art. 2 N 19). Im Vergleich werden die
Sanktionen des neuen und des bisherigen Rechts nach Massgabe der durch sie
bewirkten Einschränkungen der persönlichen Freiheiten miteinander verglichen
(BSK StGB I-Popp/Berkemeier, Art. 2 N 20). Angesichts des im vorliegenden Ver-
fahrens geltenden Verschlechterungsverbots (Art. 391 Abs. 2 StPO) wird für den
Beschuldigten neben einer Busse eine Strafe im Bereich von Geldstrafe bis zu
maximal 6 Monaten Freiheitsstrafe auszufällen sein. Da die Hürde zur Ausfällung
einer Freiheitsstrafe statt einer Geldstrafe nach neuem Recht tiefer liegt (vgl.
Art. 40 und Art. 41 aStGB; Art. 40 und Art. 41 Abs. 1 nStGB), erweist sich dieses
in diesem Fall nicht als milder. Damit kommt auf die vorliegend zu beurteilenden
Delikte das alte Recht zur Anwendung.
6.2. Das Gericht bemisst die Strafe nach dem Verschulden des Täters, wobei
das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Täters sowie die Wirkung der
Strafe auf dessen Leben zu berücksichtigen sind (Art. 47 Abs. 1 StGB; vgl. zu den
Einzelheiten BGE 123 IV 49 E. 2 und BGE 136 IV 55).
6.3. Ist der Täter wegen einer Mehrheit begangener Taten zu bestrafen, hat
das Gericht basierend auf der Tatkomponente zunächst die Einsatzstrafe für das
schwerste Delikt zu bestimmen. In einem weiteren Schritt sind die übrigen Delikte
- 27 -
- wiederum basierend auf der Tatkomponente - zu beurteilen, und es ist dafür un-
ter Berücksichtigung der jeweiligen Umstände die hypothetische Strafe zu ermit-
teln. Soweit für die mehreren zu beurteilenden Straftaten jeweils gleichartige Stra-
fen als angemessen erscheinen, ist sodann unter Berücksichtigung des Asperati-
onsprinzips die hypothetische Gesamtstrafe für sämtliche Delikte festzulegen
(Art. 49 Abs. 1 StGB; BGE 6B_808/2017 E. 2.1.1). Dabei sind namentlich das
Verhältnis der einzelnen Taten untereinander, ihr Zusammenhang, ihre grössere
oder geringere Selbständigkeit sowie die Gleichheit oder Verschiedenheit der ver-
letzten Rechtsgüter und Begehungsweisen zu berücksichtigen. Der Gesamt-
schuldbeitrag des einzelnen Delikts ist dabei in der Regel geringer zu veranschla-
gen, wenn die Delikte zeitlich, sachlich und situativ in einem engen Zusammen-
hang stehen (BGE 6B_323/2010 E 3.2). Nach der Festlegung der hypothetischen
Gesamtstrafe für sämtliche Delikte ist schliesslich die Täterkomponente zu be-
rücksichtigen (BGE 6B_865/2009 E 1.6.1; BGE 6B_496/2011 E 2 und E 4.2). Bei
der Wahl der Sanktionsart sind die Zweckmässigkeit einer bestimmten Sanktion,
ihre Auswirkung auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre präventive Ef-
fizienz zu berücksichtigen (BGE 134 IV 97 E. 4.2).
6.4. Für die Übertretungen, nämlich die mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne
von Art. 126 StGB, den Ungehorsam gegen amtliche Verfügungen im Sinne von
Art. 292 StGB sowie die mehrfache Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes
im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG sind zudem separate Bussen auszufällen (Ur-
teil des Bundesgerichtes 6B_65/2009 vom 13. Juli 2009 E. 1.2 f.), wobei das Ge-
richt deren Höhe und die Ersatzfreiheitsstrafe je nach den Verhältnissen des Tä-
ters so bemisst, dass dieser die Strafe erleidet, die seinem Verschulden ange-
messen ist (Art. 106 Abs. 3 StGB).
6.5. Tatkomponenten
6.5.1. Der Beschuldigte drohte den Privatklägerinnen 2 und 3 am 12. April 2017
sowie der Privatklägerin 2 am 13. April 2017 mit ihrem Tod. Diese Vorgänge stel-
len Drohungen im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB dar und sind je mit Freiheits-
strafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bedroht. Die mehrfache Tatbegehung
wirkt sich dabei straferhöhend aus, wohingegen sich der Versuch der gegenüber
- 28 -
der Privatklägerin 2 ausgestossenen Drohungen nur minim strafmindernd aus-
wirkt (vgl. hierzu nachfolgend). Diese Drohungen vom 12. und 13. April 2017 ste-
hen in so engem zeitlichen und räumlichen sowie sachlichem Zusammenhang,
dass die Vorinstanz zu Recht von einem einheitlichen Lebenssachverhalt ausge-
gangen ist und für die Delikte eine (hypothetische) Einsatzstrafe in Würdigung der
objektiven und subjektiven Tatkomponenten festgesetzt hat (Urk. 59 S. 42 f.). Von
dieser hypothetischen Einsatzstrafe ist sodann bei der weiteren Strafzumessung
im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB auszugehen. Eine Drohung mit dem Tod ist als
massive Bedrohung auf der psychischen Ebene zu werten, welche beim Opfer
schwere Ängste auslösen kann. Etwas Schlimmeres als der Tod ist nicht anzu-
drohen und gerade in emotional instabilen Situationen muss eine solche Andro-
hung als extrem wirksam eingeschätzt werden. Die Drohungen wurden zudem
gegenüber Familienmitgliedern ausgesprochen, gegenüber welchen auf Grund
der persönlichen Nähe die Gefahr einer tatsächlichen Ausführung immanent ist. In
objektiver Hinsicht ist innerhalb des Strafrahmens von Geldstrafe bis zu drei Jah-
ren Freiheitsstrafe somit von einem noch leichten Verschulden auszugehen. Die-
ses wird auch dadurch, dass die gegenüber der Privatklägerin 2 ausgesproche-
nen Drohungen auf Grund der von ihr bei der Staatsanwaltshaft gemachten Aus-
sagen, nämlich dass sie eigentlich keine Angst bekommen habe bzw. es ihr "egal"
gewesen wäre, "wenn er das gemacht hätte" (D 1 Urk. 4/2, S. 7 und S. 13), recht-
lich als versuchte Drohungen zu würdigen sind, nicht erheblich relativiert. So kann
dieser Umstand, dass sie nicht eigentlich Angst bekommen habe, lediglich auf
glückliche Umstände im Zusammenhang mit der damaligen Verfassung der Pri-
vatklägerin 2 und nicht auf das Zutun des Beschuldigten zurückgeführt werden,
zumal er die Drohungen bereits ausgesprochen hatte. Mit der Vorinstanz kann
mithin festgehalten werden, dass vorliegend eine grosse Nähe zum tatbestands-
mässigen Erfolg gegeben ist. In subjektiver Hinsicht muss das Verhalten des Be-
schuldigten als äusserst verwerflich bezeichnet werden. Seine eigene Mutter und
seine Schwester mit dem Tod zu bedrohen zeugt nicht nur von mangelndem
Respekt und Dominanzgebaren, sondern auch von einer absoluten Geringschät-
zung derer Gefühle und Ängste. Anlass für die Drohung vom 12. April 2017 war
auch nicht ein Auslöser von Seiten der Mutter bzw. Schwester, sondern die eige-
- 29 -
ne Unzufriedenheit des Beschuldigten über erhaltene Rechnungen ("Es ging um
Rechnungen und ich war deswegen wütend [...]." und: "Ich zeigte meiner Mutter
Rechnungen betreffend Urteilen [...]"; D 1 Urk. 5/1 S. 1 f.). Eine Relativierung der
Verschuldensschwere hat somit nicht zu erfolgen, weshalb sich die durch die Vor-
instanz festgesetzte Einsatzstrafe von 120 Tagessätzen Geldstrafe bzw. vier Mo-
naten Freiheitsstrafe als angemessen erweist.
6.5.2. Hinsichtlich der Nötigung vom 2. April 2017 ist das Nötigungsmittel der
Einschliessung in das Schlafzimmer als effektives Zwangsmittel einzuschätzen
und dessen Zwangswirkung hatte unmittelbar zur Folge, dass die Handlungs- und
Bewegungsfreiheit der Privatklägerin 2 deutlich eingeschränkt war. So war sie
während ca. 20 Minuten daran gehindert, wieder in die übrigen Räume der Woh-
nung zurückzukehren. Die Zwangsintensität ist dadurch, dass sich die Privatklä-
gerin 2 immerhin noch in einem Zimmer bewegen konnte, ihr die theoretische
Flucht aus dem Fenster möglich gewesen wäre sowie dass die Dauer von 20 Mi-
nuten nicht als erheblich lange einzustufen ist, als im unteren Bereich liegend an-
zusiedeln. Wenn die Vorinstanz hier das objektive Verschulden noch als leicht
bewertet, so ist dies nicht zu beanstanden. Das subjektive Verschulden ist als
schikanös und verwerflich einzustufen, weshalb die subjektive Tatkomponente zu
einer leichten Erhöhung des objektiven Tatverschuldens führt. Der Beschuldigte
hat für einen absolut nichtigen Anlass, nämlich dass er den Tag verschlafen hat,
seiner Mutter die Schuld gegeben (D 1 Urk. 4/1 S. 4 und Urk. 4/2 S. 9). Seine
Mutter züchtigen zu wollen, zeugt zudem von einer Geringschätzung ihrer Person.
Für diesen Vorfall ist eine (hypothetische) Einsatzstrafe von mindestens 20 Ta-
gessätzen Geldstrafe bzw. 20 Tagen Freiheitsstrafe angemessen. Die durch die
Vorinstanz asperiert vorgenommene Erhöhung der Einsatzstrafe um lediglich 10
Tagessätze Geldstrafe bzw. 10 Tage Freiheitsstrafe (Urk. 59 S. 44) ist daher nicht
zu beanstanden.
6.5.3. Für den mehrfachen Hausfriedensbruch ging die Vorinstanz von einem
nicht leichten objektiven Verschulden aus, welches durch die subjektive Tat-
schwere leicht zu relativieren sei (Urk. 59 S. 43 f.). Nicht zu beanstanden ist, dass
die Vorinstanz von einem einheitlichen Lebenssachverhalt ausgegangen ist und
- 30 -
für die Delikte eine (hypothetische) Einsatzstrafe in Würdigung der objektiven und
subjektiven Tatkomponenten festgesetzt hat (Urk. 59 S. 43 f.). Ergänzend ist aus-
zuführen, dass beim objektiven Tatverschulden die mehrfache - nämlich fünffache
- Tatbegehung deutlicher straferhöhend zu werten ist. Denn ein mehrfaches Ver-
letzen des Hausrechts kann das Sicherheitsgefühl der Bewohner weit erheblicher
beeinträchtigen als dies ein einzelner Vorfall zur Folge hätte. In subjektiver Hin-
sicht war das Motiv des Beschuldigten für die Verletzung des Hausrechts, Kontakt
zu seiner ehemaligen Freundin herzustellen. Indes wurde ihm unmissverständlich,
nämlich mittels Hausverbot, zu verstehen gegeben, dass sein Erscheinen dort
nicht erwünscht ist. Der Beschuldigte hat sich über diesen klaren Willen hinweg-
gesetzt um seine eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Eine Relativierung der ob-
jektiven Tatschwere hat somit nicht stattzufinden. Aus dem Gesagten ergibt sich,
dass sich die durch die Vorinstanz festgesetzte (hypothetische Einsatzstrafe) von
30 Tagessätzen Geldstrafe/30 Tagen Freiheitsstrafe bzw. die asperierte Erhö-
hung der Einsatzstrafe für die Drohungen um 20 Tagessätze Geldstrafe/20 Tage
Freiheitsstrafe als durchaus angemessen erweist.
6.5.4. Nach Beurteilung der Tatkomponenten sämtlicher Delikte und in Berück-
sichtigung des Asperationsprinzips ist festzuhalten, dass sich die durch die Vor-
instanz festgesetzte hypothetische Gesamtstrafe von 150 Tagessätzen Geldstrafe
bzw. 5 Monaten Freiheitsstrafe als angemessen erweist.
6.6. Täterkomponente
6.6.1. Bei den Täterkomponenten ist mit Bezug auf die persönlichen Verhältnis-
sen festzuhalten, dass der Beschuldigte in G._ TG bei seinen Eltern und sei-
nen drei Geschwistern aufwuchs und dort die Primar- und Sekundarschule B be-
suchte. Anschliessend absolvierte er eine Anlehre als Produktionsmechaniker (D
1 Urk. 16/10 S. 2). Aktuell arbeitet der Beschuldigte nicht. Gemäss den Angaben
seiner Verteidigung absolviert er aber immer wieder Praktika und ist darum be-
müht, eine Arbeitsstelle mit einem geregelten Einkommen zu finden (Urk. 78
S. 17). Auch früher leistete er nur Kurzeinsätze von ca. zwei bis drei Monaten im
Jahr. Seit 2012 haben ihn die Eltern unterstützt. Zurzeit bezieht der Beschuldigte
Sozialhilfe, von welcher auch das Zimmer im Gasthof H._ in I._ sowie
- 31 -
die Krankenkasse bezahlt wird. Ihm werden pro Monat zwischen Fr. 700.– bis
Fr. 800.– in bar ausbezahlt. Gemäss eigenen Aussagen hat der Beschuldigte Be-
treibungen in Höhe von ca. Fr. 5'000.– für nicht bezahlte Krankenkassenrechnun-
gen. Er gab vor Vorinstanz an, momentan keine Drogen zu nehmen, früher habe
er Haschisch und Marihuana konsumiert. Das Vorleben und die persönlichen
Verhältnisse des Beschuldigten sind als neutral zu werten.
6.6.2. Als Vorstrafen weist der Beschuldigte folgende Einträge auf (Urk. 77):
- Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 26. Au-
gust 2010 wurde der Beschuldigte wegen Vergehens gegen das BetmG im Sinne
von Art. 19 Ziff. 1 aBetmG mit einer bedingten Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu
Fr. 30.– bestraft. Der bedingte Vollzug dieser Geldstrafe wurde mit Strafbefehl der
Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 19. Dezember 2012 widerrufen.
- Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom
19. Dezember 2012 wurde der Beschuldigte wegen Fahrens in fahrunfähigem Zu-
stand im Sinne von Art. 91 Abs. 2 aSVG, Entwendung zum Gebrauch im Sinne
von Art. 94 Ziff. 1 aSVG, Führen eines Motorfahrzeugs ohne erforderlichen
Führerausweis im Sinne von Art. 95 Abs. 1 lit. a SVG und mehrfacher Übertretung
des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne Art. 19a Ziff. 1 BetmG mit einer beding-
ten Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu Fr. 70.– sowie einer Busse von Fr. 500.–
bestraft. Die Probezeit von 4 Jahren wurde mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
Winterthur/Unterland vom 31. Mai 2013 um ein Jahr verlängert.
- Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 31. Mai
2013 wurde der Beschuldigte wegen Drohung im Sinne von Art. 180 StGB, ver-
suchter Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB sowie Missbrauch einer Fernmel-
deanlage im Sinne von Art. 179septies StGB zu einer Geldstrafe von 30 Tagessät-
zen zu Fr. 30.– verurteilt.
Die Verurteilung des Beschuldigten mit Strafbefehl der Jugendanwaltschaft Unter-
land vom 29. Dezember 2009 zu 300 Stunden gemeinnütziger Arbeit, welche zum
Zeitpunkt der vorinstanzlichen Urteilsfällung im Strafregister des Beschuldigten
- 32 -
eingetragen war, wurde daraus mittlerweile gelöscht (Urk. 63; Urk. 77). Die zuvor
aufgeführten, nach wie vor eingetragenen Vorstrafen sind zum Teil einschlägig,
so erfolgten schon Verurteilungen wegen Hausfriedensbruchs sowie wegen Dro-
hung und versuchter Nötigung. Diese Vorstrafen sind daher deutlich straferhö-
hend zu werten, wie dies auch die Vorinstanz getan hat (Urk. 59 S. 45). Weiter
delinquierte der Beschuldigte während laufender Probezeit, was sich ebenfalls
straferhöhend auswirkt.
6.6.3. Beim Nachtatverhalten hat der Beschuldigte lediglich mit Bezug auf die
Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes ein Geständnis abgelegt. Dieses ist
indes erst im Rahmen der Beurteilung der Übertretungen zu würdigen, weshalb
sich an dieser Stelle kein Strafminderungsgrund ergibt. Im Übrigen liegen keine
Zugeständnisse vor, welche zu Gunsten des Beschuldigten gewürdigt werden
könnten. Reue oder zumindest Einsicht in das Unrecht seiner Taten zeigte der
Beschuldigte nicht.
6.6.4. Insgesamt liegt auf Grund der teilweise einschlägigen Vorstrafen sowie
der Delinquenz während laufender Probezeit ein deutlicher Straferhöhungsgrund
vor. Daher erscheint die Erhöhung der Einsatzstrafe unter Einbezug sämtlicher
Täterkomponente um 30 Tagessätze Geldstrafe bzw. einen Monat Freiheitsstrafe
- wie sie die Vorinstanz vorgenommen hat (Urk. 59 S. 45 f.) - als sämtlichen Um-
ständen Rechnung tragend. Die festgesetzte Strafe von 180 Tagessätzen Geld-
strafe oder von 6 Monaten Freiheitsstrafe erweist sich als angemessen. Dennoch
ist darauf hinzuweisen, dass es sich dabei um eine eher wohlwollende Bemes-
sung der Strafhöhe handelt. Obwohl im Vergleich zum vorinstanzlichen Urteils-
zeitpunkt mittlerweile eine Vorstrafe des Beschuldigten aus dem Strafregister ge-
löscht wurde, hätte dennoch ohne Weiteres die Festsetzung einer höheren Strafe
in Betracht gezogen werden können. Aufgrund des im vorliegenden Verfahren
geltenden Verschlechterungsverbots (Art. 391 Abs. 2 StPO) kommt eine Erhö-
hung der vorinstanzlich festgesetzten Strafe aber ohnehin nicht in Frage.
6.6.5. Der Beschuldigte verbrachte 35 Tage in Haft (D 1 Urk. 15/1 und 15/10).
Diese Tage erstandene Haft sind auf die Strafe anzurechnen, weshalb 35 Tage
- 33 -
der Geldstrafe bzw. der Freiheitsstrafe als durch Haft geleistet gelten (Art. 51
StGB).
6.6.6. Sanktionsart
Nach Bundesgerichtspraxis ist bei Straftatbeständen, welche alternativ Geld- oder
Freiheitsstrafe vorsehen, die Wahl einer Freiheitsstrafe zu begründen, jedenfalls
im Bereich von Strafen, bei denen aufgrund des Subsidiaritätsprinzips grundsätz-
lich eine Geldstrafe auszusprechen wäre (Urteil des Bundesgerichtes
6B_523/2018 vom 23. August 2018 Erw. 1.2.2. und 1.2.3.; BGE 134 IV 97 Erw.
4.2.1). An dieser Stufenordnung der Sanktionen hat der Gesetzgeber auch im
Rahmen der Revision des Sanktionenrechts festgehalten (Urteil des Bundesge-
richtes 6B_483/2016 vom 30. April 2018 Erw. 3.3.3 mit Hinweisen auf die Literatur
und die Gesetzgebungsmaterialien). Bei der Wahl der Sanktionsart ist als wichti-
ges Kriterium die Zweckmässigkeit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen
auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berück-
sichtigen (BGE 134 IV 82, E. 4.1; 134 IV 97, E 4.2; Urteil des Bundesgerichtes
6B_681/2013 vom 26. Mai 2014, E. 1.3.3). Nach dem Prinzip der Verhältnismäs-
sigkeit soll bei alternativ zur Verfügung stehenden Sanktionen im Regelfall dieje-
nige gewählt werden, die weniger stark in die persönliche Freiheit des Betroffenen
eingreift (BGE 138 IV 120).
Die Vorinstanz erachtete aus spezialpräventiven Gründen eine Freiheitsstrafe als
angemessen (Urk. 59 S. 46 ff.). Dem ist zuzustimmen. Der Beschuldigte ist mehr-
fach und teilweise einschlägig vorbestraft. Er wurde schon dreimal zu einer Geld-
strafe sowie zweimal zu einer Busse verurteilt. Ebenso verbrachte er schon
zweimal je einen Tag in Untersuchungshaft (Urk. 77). Die drei ausgefällten Geld-
strafen im Umfang zwischen 15 und immerhin 120 Tagessätzen konnten den Be-
schuldigten nicht vom Begehen weiterer Straftaten abhalten. Auch die einzelnen
Tage in Untersuchungshaft zeigten keine Wirkung. Weiter delinquierte der Be-
schuldigte während laufenden Probezeiten, wobei ihn die diesbezüglichen Folgen,
nämlich der Widerruf einer bedingt ausgefällten Geldstrafe bzw. die Verlängerung
einer laufenden Probezeit - nicht beeindruckten und er wiederum straffällig wurde
(Urk. 77). Mit Bezug auf das vorliegende Verfahren ist zudem festzuhalten, dass
- 34 -
der Beschuldigte nicht geständig oder reuig ist, was auf mangelnde Einsicht
schliessen lässt. Vor diesem Hintergrund ist kaum zu erwarten, dass er sich durch
eine weitere - selbst unbedingt ausgesprochene - Geldstrafe beindrucken lassen
würde, zumal damit lediglich eine Erhöhung seiner bisherigen Schulden resultie-
ren würde. Einer Geldstrafe fehlt es vorliegend nach dem Gesagten sowohl an
der Zweckmässigkeit als auch an der präventiver Effizienz (vgl. BGE 138 IV 120
Erw. 5.2; BGE 134 IV 97 Erw. 4.2.2; BGE 134 IV 82 Erw. 4.1). Aus all diesen
Gründen ist heute eine Freiheitsstrafe von 6 Monaten auszufällen.
6.7. Bei der mit Busse zu ahndenden mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne von
Art. 126 StGB, dem Ungehorsam gegen amtliche Verfügungen im Sinne von
Art. 292 StGB sowie der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes
im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG hat die Vorinstanz das Verschulden des Be-
schuldigten bei den betreffenden Vorfällen jeweils einzeln gewürdigt und insbe-
sondere die teils mehrfache Tatbegehung, seine jeweilige Motivlage sowie das
Vorliegen bzw. nicht Vorliegen eines Geständnisses berücksichtigt (Urk. 59
S. 48 f.). Auf diese Erwägungen kann zunächst verwiesen werden.
Ergänzend ist auszuführen, dass sich insbesondere bei den gegen die Privatklä-
gerin 2 ausgeführten Tätlichkeiten, nämlich das Schlagen mit beiden offenen
Händen an die Kopfseiten sowie das Versetzen eines Tritts oberhalb des Gesäs-
ses die Tatschwere als erheblich erweist. Gerade ein Tritt wird mit einer gewissen
Wucht ausgeführt und kann ohne Weiteres auch schwerere Verletzungen zur Fol-
ge haben, dasselbe gilt bei Schlägen an den Kopf. Ein Schlagen und Treten der
eigenen Mutter ist zudem in subjektiver Hinsicht als äusserst respektloses Verhal-
ten zu werten und ist Ausdruck einer tiefen Geringschätzung des Gegenübers.
Der Beschuldigte nahm mit seinem Verhalten nicht nur in Kauf, dass seine Mutter
Schmerzen erlitt, sondern auch deren Demütigung, dass sie vom eigenen Kind
geschlagen und getreten wird. Das Verschulden hinsichtlich der der Privatkläge-
rin 3 versetzten Ohrfeige kann demgegenüber als leicht gewertet werden, erfolgte
diese doch in einer konfliktbeladenen Situation. Die von der Vorinstanz für sämtli-
che Tätlichkeiten festgesetzte Busse von Fr. 400.– erweist sich aus diesen Grün-
den als angemessen.
- 35 -
Beim Tatbestand des Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen kann dem Be-
schuldigten nicht zu Gute gehalten werden, dass er diese Verfügung missachtete,
weil er den Kontakt zur ehemaligen Freundin herstellen wollte (vgl. die vorinstanz-
lichen Erwägungen in Urk. 59 S. 49). Im Gegenteil: Ihm gegenüber wurde klar
verfügt, dass er mit dieser gerade keinen Kontakt mehr aufnehmen darf und ihm
auch der Zutritt zur Wohnung bzw. die Umgebung der Wohnung verwehrt ist. Der
Beschuldigte zeigte durch sein Verhalten keinerlei Respekt vor Anordnungen
staatlicher Organe. Hier erscheint die durch die Vorinstanz als angemessen an-
genommene Busse von Fr. 300.– als zu mild.
Bei der Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes hat die Vorinstanz nicht be-
rücksichtigt, dass der Beschuldigte diesbezüglich schon mehrfach einschlägig
vorbestraft ist (Urk. 63). Sein Geständnis vermag daher die mehrfache Tatbege-
hung sowie die Vorstrafen nicht aufzuwiegen. Auch hier ist die festgesetzte Bus-
senhöhe von Fr. 300.– als zu tief angesetzt zu werten.
6.8. Aus dem Gesagten erhellt, dass auch unter Berücksichtigung der gerin-
gen finanziellen Leistungsfähigkeit des Beschuldigten (er wird vom Sozialamt un-
terstützt und es werden ihm zwischen Fr. 700.– bis Fr. 800.– pro Monat ausbe-
zahlt) insgesamt eine höhere Busse auszufällen wäre, als dies die Vorinstanz ge-
tan hat. Auf Grund des Verschlechterungsverbots (Art. 391 Abs. 2 StPO) ist die
von der Vorinstanz verhängte Busse von Fr. 1'000.– zu bestätigen. Die Ersatz-
freiheitsstrafe für den Fall, dass die Busse schuldhaft nicht bezahlt wird (vgl. Art.
106 Abs. 2 StGB), ist praxisgemäss auf 10 Tage festzusetzen.
6.9. Damit ist der Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten (wobei
35 Tage durch Haft erstanden sind) sowie mit einer Busse von Fr. 1'000.– zu be-
strafen.
7. Vollzug
Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von
mindestens sechs Monaten und höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn
- 36 -
eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Bege-
hung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 aStGB).
Aufgrund der Strafhöhe von sechs Monaten Freiheitsstrafe sind die objektiven Vo-
raussetzungen für die Ausfällung einer bedingten Strafe grundsätzlich erfüllt, der
Beschuldigte wurde zudem innerhalb der letzten fünf Jahre vor der heute zu beur-
teilenden Tat nicht zu einer Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten oder
einer Geldstrafe von mindestens 180 Tagessätzen verurteilt (Art. 42 Abs. 2
aStGB). Daher gilt grundsätzlich die Vermutung einer günstigen Prognose
(OFK/StGB-Heimgartner, 20. Auflage 2018, Art. 42 N 16; BSK StGB
I-Schneider/Garré, Art. 42 N 38).
Die Vorinstanz kam insbesondere aufgrund der Vorstrafen des Beschuldigten
zum Schluss, dass dem Beschuldigten eine ungünstige Prognose gestellt werden
müsse und ihm daher der bedingte Vollzug nicht zu gewähren ist (Urk. 59
S. 50 ff.). Der Vorinstanz kann vollumfänglich gefolgt werden. Die teils einschlägi-
gen Vorstrafen, die Delinquenzen während laufender Probezeiten sowie trotz erlit-
tener Untersuchungshaft und die fehlende Einsicht bzw. Reue des Beschuldigten
zeigen mit aller Deutlichkeit, dass der Beschuldigte sich von Strafen, welche für
ihn keine spürbaren Auswirkungen haben, nicht vom Begehen von weiteren Straf-
taten abhalten lässt. Insbesondere die Einsicht in das Unrecht der Tat und die
Reue wären eine äusserst wichtige Voraussetzung für eine günstige Prognose
(BSK StGB I-Schneider/Garré, Art. 42 N 75). Hier bestehen indes grosse Defizite
beim Beschuldigten. Weiter hat der Beschuldigte keine Arbeitsstelle, welche ihm
einen geregelten Tagesablauf und eine berufliche und gesellschaftliche Integrati-
on ermöglichen würde. Hierzu ist ergänzend anzumerken, dass er - soweit er-
sichtlich - nicht jede angebotene Stelle annimmt, sondern diesbezüglich Ansprü-
che stellt (vgl. D 1 Urk. 16/10 S. 4: "So einen Job will ich nicht."). Soweit er Ein-
sätze des Arbeitsintegrationsprogramms leistet, so ist hierzu festzuhalten, dass
der Beschuldigte daran teilzunehmen hatte bzw. hat, da er ansonsten keine Sozi-
alhilfe mehr erhält. Auch der Widerruf einer bedingten Geldstrafe hat in der Ver-
gangenheit keine Wirkung auf das Verhalten des Beschuldigten gezeigt (Urk. 77).
Insgesamt kann dem Beschuldigten daher - selbst unter Berücksichtigung der er-
littenen Untersuchungshaft - keine günstige Legalprognose mehr attestiert wer-
- 37 -
den. Seine bisherige Strafunempfindlichkeit und Uneinsichtigkeit wecken grosse
Bedenken, wenn für ihn keine spürbaren Konsequenzen aus dem vorliegenden
Verfahren resultieren würden. Es kann daher nicht davon ausgegangen werden,
dass sich bei dem Beschuldigten als Wirkung des bedingten Strafaufschubs eine
innere und infolgedessen dauernde Besserung ergeben würde (vgl. BSK StGB
I-Schneider/Garré, Art. 42 N 41). Die Freiheitsstrafe von 6 Monaten ist daher zu
vollziehen.
Dass die Bussen zu vollziehen sind, ergibt sich aus Art. 42 Abs. 1 StGB i.V.m.
Art. 105 Abs. 1 StGB und Art. 106 StGB.
8. Widerruf
Die Vorinstanz widerrief die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Win-
terthur/Unterland vom 19. Dezember 2012 wegen Fahrens in fahrunfähigem Zu-
stand im Sinne von Art. 91 Abs. 2 aSVG, Entwendung zum Gebrauch im Sinne
von Art. 94 Ziff. 1 aSVG, Führens eines Motorfahrzeugs ohne erforderlichen Füh-
rerausweis im Sinne von Art. 95 Abs. 1 lit. a SVG und mehrfacher Übertretung
des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG bedingt aus-
gesprochene Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu Fr. 70.–.
Begeht der Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen und
ist deshalb zu erwarten, dass er weitere Straftaten verüben wird, widerruft das
Gericht eine bedingte Strafe (Art. 46 Abs. 1 StGB). Ist hingegen nicht zu erwarten,
dass der Verurteilte weitere Straftaten begehen wird, so verzichtet das Gericht
gemäss Art. 46 Abs. 2 StGB auf den Widerruf, wobei es den Beschuldigten ver-
warnen oder die Probezeit um höchstens die Hälfte verlängern kann.
In die Beurteilung der Bewährungsaussichten ist im Falle des Widerrufs des be-
dingt gewährten Strafvollzugs miteinzubeziehen, ob die neue Strafe bedingt oder
unbedingt ausgesprochen wird. Das Gericht kann zum Schluss kommen, dass
vom Widerruf des bedingten Strafvollzugs abgesehen werden kann, wenn die
neue Strafe vollzogen wird. Auch das Umgekehrte ist zulässig: Wird eine frühere,
bedingt ausgefällte Strafe widerrufen, kann unter Berücksichtigung der zu erwar-
- 38 -
tenden Wirkungen des Vollzugs dieser Strafe eine Schlechtprognose für die neue
Strafe im Sinne von Art. 42 Abs. 1 StGB allenfalls verneint und diese folglich be-
dingt vollzogen werden (BGE 134 IV 140 E. 4.5).
Der Beschuldigte wurde während der gemäss Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
Winterthur/Unterland vom 19. Dezember 2012 für eine Geldstrafe von 120 Ta-
gessätzen zu Fr. 70.– laufenden Probezeit von 4 Jahren, welche mit Strafbefehl
der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 31. Mai 2013 um 1 Jahr verlän-
gert wurde, erneut straffällig (Urk. 77). Entsprechend ist zu prüfen, ob der für die-
se Geldstrafe gewährte bedingte Vollzug zu widerrufen ist.
Vorliegend geht es um eine bedingt aufgeschobene Geldstrafe, deren Probezeit
schon einmal - auf Grund erneuter Delinquenz - verlängert wurde. Somit wurde
dem Beschuldigten im Sinne einer Warnung bereits Gelegenheit gegeben, sich
noch einmal zu bewähren. Der Beschuldigte hat diese Chance jedoch nicht ge-
nutzt und wurde wiederum rückfällig. Gleichwohl ist zu berücksichtigen, dass die
bisher gegen den Beschuldigten ergangenen Verurteilungen mittlerweile zwischen
sieben und zehn Jahren zurückliegen und diese immerhin lediglich die Bestrafung
mit Geldstrafen im Bereich von 15 bis maximal 120 Tagessätzen zur Folge hatten
(Urk. 77). Demgegenüber ist der Beschuldigte heute erstmals mit einer Freiheits-
strafe zu bestrafen, deren Vollzug er auch zu gewärtigen haben wird. Von der
Verbüssung dieser Strafe ist sodann eine Warnwirkung zu erwarten, welche als
ausreichend erachtet werden kann, um ihn von weiterer Delinquenz abzuhalten.
Auf den Widerruf des für diese Geldstrafe gewährten bedingten Vollzugs ist daher
zu verzichten. Stattdessen ist die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Win-
terthur/Unterland vom 19. Dezember 2012 für eine Geldstrafe von 120 Tagessät-
zen zu Fr. 70.– festgesetzte Probezeit von 4 Jahren, welche mit Strafbefehl der
Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 31. Mai 2013 um ein Jahr verlängert
wurde, um ein weiteres Jahr zu verlängern.
- 39 -
9. Kosten- und Entschädigungsfolgen
9.1. Erstinstanzliches Verfahren
Nachdem es im Berufungsverfahren beim vorinstanzlichen Schuldspruch bleibt,
ist die vorinstanzliche Kostenauflage gemäss Dispositiv Ziffer 12 des angefochte-
nen Entscheides zu bestätigen.
9.2. Zweitinstanzliches Verfahren
Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist praxisgemäss auf Fr. 3'000.–
zu veranschlagen. Im Berufungsverfahren werden die Kosten nach Obsiegen und
Unterliegen auferlegt (Art. 428 Abs. 1 Satz 1 StPO). Der Beschuldigte obsiegt im
Berufungsverfahren einzig hinsichtlich des Absehens vom Widerruf des mit Straf-
befehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 19. Dezember 2012 für
eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu Fr. 70.– gewährten bedingten Vollzugs.
Dass diese Strafe nicht für vollziehbar erklärt, sondern eine Verlängerung der
Probezeit angeordnet wird, beruht jedoch lediglich auf wohlwollendem Ermessen.
Es rechtfertigt sich daher, dem Beschuldigten die Kosten des Berufungsverfah-
rens dennoch vollumfänglich aufzuerlegen. Von der Pflicht zur Kostentragung
ausgenommen sind die Kosten der amtlichen Verteidigung, welche unter Vorbe-
halt der Rückzahlungspflicht des Beschuldigten auf die Gerichtskasse zu nehmen
sind (Art. 426 Abs. 1 StPO; Art. 135 StPO).