# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d63f60bd-361c-530f-9d8a-ca30fc922bd9
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. G._ ist Eigentümerin der Parzelle Nr. Y00_, Grundbuchkreis Y._. Nach dem
Zonenplan der Stadt X._ ist das Grundstück der Wohnzone W2 zugewiesen. Es ist mit
einem Reiheneinfamilienhaus überbaut, welches Teil der zwischen 1966 und 1968
errichteten Siedlung Q._ am nordostwärts abfallenden Hang R._ bildet. Die Siedlung
besteht aus insgesamt 32 zweigeschossigen Reiheneinfamilienhäusern. Diese sind in
der Höhe und im Grundriss gestaffelt nördlich der Q._-strasse (Parzelle Nr. Y01_) in
vier Zweier- (Parzellen Nrn. Y02_ f., Y03_ f., Y04_ f. Y05_) und zwei Dreierreihen
(Parzellen Nrn. Y06_ f., Y07_-Y10_, Y11_) und südlich davon in sechs Dreierreihen
(Parzellen Nrn. Y12_, Y13_-Y24_, Y25_-Y29_, Y30_) angeordnet. Am
12. September 2017 beantragte G._ bei der Direktion Bau und Planung der Stadt X._,
für das Gebiet der Gesamtüberbauung Q._ sei eine Planungszone zu erlassen. Mit
Entscheid vom 8. Mai 2018 wies der Stadtrat diesen Antrag ab (act. 8/2, 4 f., Beilage zu
act. 11/1, act. 11/13-13.2, www.geoportal.ch). Dagegen rekurrierte G._ am
28. Mai 2018 an das Baudepartement (act. 11/1). Mit Entscheid vom 25. Februar 2019
(act. 2) wies das Baudepartement den Rekurs ab (Dispositiv-Ziffer 1) und auferlegte
G._ amtliche Kosten in der Höhe von CHF 3'000 (Dispositiv-Ziffer 2).
B. Gegen den Entscheid des Baudepartements (Vorinstanz) vom 25. Februar 2019
(zugestellt am 26. Februar 2019) erhob G._ (Beschwerdeführerin) durch ihren
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Rechtsvertreter am 12. März 2019 Beschwerde beim Verwaltungsgericht und ersuchte
um Gewährung einer Nachfrist bis 3. April 2019 für die Einreichung einer
Beschwerdeergänzung (act. 1, act. 11/20.1). Mit Zwischenverfügung vom
13. März 2019 forderte der Abteilungspräsident die Beschwerdeführerin unter
Androhung von Säumnisfolgen auf, die Beschwerde bis 12. April 2019 hinsichtlich der
Darstellung des Sachverhalts und der Begründung zu ergänzen. Gleichzeitig wies er
darauf hin, dass eine weitere Erstreckung nicht vorgesehen sei (act. 4). Am
11. April 2019 ersuchte die Beschwerdeführerin um Erstreckung der Frist "um fünf
Werktage, d.h. bis 23. April 2019" (act. 5). Mit Zwischenverfügung vom 12. April 2019
setzte der Abteilungspräsident der Beschwerdeführerin eine Notfrist bis 23. April 2019
an. Für die Säumnisfolgen verwies er auf die Zwischenverfügung vom 13. März 2019.
Auch ordnete er an, dass die Gerichtsferien nicht gälten (act. 6). Am 29. April 2019
ergänzte die Beschwerdeführerin ihre Beschwerde mit einer Begründung und dem
Rechtsbegehren, es sei der angefochtene Entscheid sowie der Entscheid der
Politischen Gemeinde X._ (Beschwerdegegnerin) vom 8. Mai 2018 unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen, zuzüglich 4% Barauslagen und 8% Mehrwertsteuer,
aufzuheben. Die Angelegenheit sei an die Beschwerdegegnerin zum Erlass einer
Planungszone für die Gesamtüberbauung Q._ zurückzuweisen. Unabhängig vom
Ausgang des Beschwerdeverfahrens sei die Entscheidgebühr für das Rekursverfahren
von CHF 3'500 auf CHF 3'000 zu reduzieren (act. 7). Mit Zwischenverfügung vom
30. April 2019 wies der Abteilungspräsident darauf hin, dass die Beschwerdeergänzung
am 29. April 2019 fristgerecht eingereicht worden sei: In der Zwischenverfügung vom
12. April 2019 sei die Frist versehentlich auf ein in die Gerichtsferien fallendes
Kalenderdatum gelegt worden (act. 9). Mit Vernehmlassung vom 10. Mai 2019
beantragte die Vorinstanz (act. 10) und mit Stellungnahme vom 20. Mai 2019 die
Beschwerdegegnerin (act. 13), auf die Beschwerde sei nicht einzutreten. Eventualiter
sei sie abzuweisen. Mit Replik vom 10. Juni 2019 bestätigte die Beschwerdeführerin
ihre Anträge und Ausführungen (act. 15). Am 9. August 2019 liess sie sich
abschliessend vernehmen (act. 19).
Auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids und die Ausführungen der
Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte

## Considerations

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Die
Beschwerdeführerin ist als Adressatin des angefochtenen Entscheids grundsätzlich zur
Ergreifung des Rechtsmittels berechtigt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP).
Die Beschwerdeeingabe vom 12. März 2019 (act. 1) hält die gesetzlich bestimmte 14-
täge Beschwerdefrist ein (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 VRP, vgl. dazu auch
Art. 30 Abs. 1 VRP in Verbindung mit Art. 144 Abs. 1 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung, Zivilprozessordnung; SR 272, ZPO, siehe auch Art. 47 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über das Bundesgericht, Bundesgerichtsgesetz; SR 173.110, BGG,
und Art. 22 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren,
Verwaltungsverfahrensgesetz; SR 172.021, VwVG). Nicht umstritten ist, dass sie die
Gültigkeitsvoraussetzungen nach Art. 64 in Verbindung mit Art. 48 Abs. 1 VRP (Antrag,
Darstellung des Sachverhalts, Begründung) nicht erfüllt. Fraglich ist, ob dieser Mangel
mit der Ergänzung vom 29. April 2019 (act. 7) behoben werden konnte. Diesbezüglich
wenden Vorinstanz (act. 10 Ziff. II/1) und Beschwerdegegnerin (act. 13, Ziff. 1) ein, die
Beschwerdeergänzung vom 29. April 2019 (act. 7) sei nicht fristgerecht eingereicht
worden. Für die Einräumung einer Notfrist gebe es keine gesetzliche Grundlage.
1.1. Art. 64 VRP in Verbindung mit Art. 48 Abs. 2 VRP sieht einen gesetzlichen
Anspruch auf eine (gerichtliche) Nachfrist zur Beschwerdeergänzung vor (vgl. zur
Verwirkungsfolge VerwGE B 2014/105 vom 27. April 2016 E. 3 mit Hinweisen,
www.gerichte.sg.ch). Auf eine weitere Fristerstreckung nach der erstmaligen
Gewährung einer Nachfrist besteht von Gesetzes wegen kein zwingender Anspruch.
Darüber hat der Abteilungspräsident (Art. 33 Abs. 1 und 2 VRP in Verbindung mit Art. 4
und Art. 6 des Reglements über die Organisation und den Geschäftsgang des
Verwaltungsgerichts; sGS 941.22, Reglement) auf Gesuch hin nach pflichtgemässem
Ermessen aufgrund von Art. 30 Abs. 1 VRP in Verbindung mit Art. 144 Abs. 2 ZPO zu
entscheiden. Wird eine Fristerstreckung ausdrücklich als "einmalig" oder "letztmalig"
bezeichnet, muss sich die Gesuchstellerin nach Treu und Glauben darauf einstellen,
dass keine weitere Fristerstreckung gewährt wird. Eine weitere Erstreckung fällt in
diesem Fall nur bei Vorliegen besonders triftiger, sachlicher Gründe in Betracht. Wenn
ein Fristerstreckungsgesuch abgelehnt und nicht als trölerisch bewertet wird, setzt der
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Abteilungspräsident nach der Rechtspraxis in der Regel eine letzte Frist von wenigen
Tagen an, wobei ihm bei der Beurteilung, ob ein Gesuch trölerisch war, ebenfalls eine
Ermessenspielraum zukommt. Im Rahmen dieser Notfrist soll die Partei die
fristgebundene Handlung noch vornehmen können. Wenngleich die Notfrist gemäss
der Vorinstanz und der Beschwerdeführerin im VRP nicht ausdrücklich verankert ist,
entspricht dies dem allgemein geltenden Rechtsgrundsatz, wonach der Rechtsuchende
nicht ohne Not um die Beurteilung seines Rechtsbegehrens gebracht werden soll (vgl.
VerwGE B 2012/21 vom 15. Oktober 2012 E. 3.1 f. mit Hinweisen, www.gerichte.sg.ch,
allerdings in Bezug auf das Rekursverfahren, VerwGE B 2011/225 vom
14. Feburar 2012 E. 4.5.1 und 4.6 mit Hinweisen, in: GVP 2012 Nr. 43,
BGer 5A_280/2018 vom 21. September 2018 E. 4.1, BGE 140 III 636 E. 3.5 und
BGer 1C_171/2012 vom 13. Juni 2012 E. 2.5 je mit Hinweisen sowie Amstutz/Arnold,
in: Niggli/Uebersax/Wiprächtiger/Kneubühler [Hrsg.], Basler Kommentar,
Bundesgerichtsgesetz, 3. Aufl. 2018, Art. 47 Rz. 2 und 7 f.).
Soweit die Gerichtsferien galten (vgl. Art. 30 Abs. 2 VRP), sind zur Beurteilung der
Rechtzeitigkeit der Eingabe der Beschwerdeführerin vom 29. April 2019 die österlichen
Stillstandsfristen zu berücksichtigen (vgl. Art. 64 in Verbindung mit Art. 30 Abs. 1 VRP
sowie Art. 145 Abs. 1 lit. a ZPO), welche auch für erstreckte Fristen und Nachfristen
gelten (vgl. J. Benn, in: Spühler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Basler Kommentar,
Schweizerische Zivilprozessordnung, 3. Aufl. 2017, Art. 145 Rz. 2). Art. 145 ZPO ist
auch anwendbar, wenn Fristen an einem richterlich festgesetzten Kalendertermin
(Datum) während einer Stillstandsperiode enden. Die Frist endet diesfalls tatsächlich
erst am ersten Tag nach Ablauf der Stillstandsperiode, mithin nicht am Tag, der in der
richterlichen Verfügung genannt ist (vgl. N. J. Frei, in: Hausheer/Walter [Hrsg.],
Berner Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, Band I, Bern 2012, Art. 145
Rz. 9, anders: Art. 46 Abs. 1 Ingress BGG).
1.2. Im konkreten Fall erstreckte der Abteilungspräsident der Beschwerdeführerin mit
Zwischenverfügung vom 12. April 2019 entsprechend ihrem begründeten Gesuch vom
11. April 2019 ausnahmsweise, d.h. entgegen der Zwischenverfügung vom
13. März 2019 (act. 4) – "[..] ist eine weitere Erstreckung nicht vorgesehen" –, die
(gerichtliche) Nachfrist zur Beschwerdeergänzung bis 23. April 2019 (act. 5 f.). Inwiefern
er dabei in Willkür verfallen sein sollte, wird weder von der Vorinstanz noch der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdegegnerin weiter dargetan und ist auch nicht erkennbar. Damit tut nichts zur
Sache, dass es sich dabei nur vermeintlich um eine "Notfrist" im hievor (E. 1.1)
umschriebenen Sinne handelte, da dem Fristerstreckungsbegehren der
Beschwerdeführerin vollumfänglich entsprochen wurde. Darüber hinaus lässt sich aus
der Zwischenverfügung des Abteilungspräsidenten vom 30. April 2019 (act. 9)
schliessen, dass der Satz "Die Gerichtsferien gelten nicht." offensichtlich versehentlich
– aufgrund eines Kanzleifehlers – in die Zwischenverfügung vom 12. April 2019 (act. 6)
eingefügt worden war. Deshalb muss dieser Satz in Korrektur der Zwischenverfügung
vom 12. April 2019 bei der Beurteilung der Rechtzeitigkeit der Ergänzung vom
29. April 2019 unbeachtlich bleiben. Folglich kann offenbleiben, ob eine Änderung der
Behandlungsart (zuerst nicht dringlich, dann dringlich) während des laufenden
Beschwerdeverfahrens gemäss der Auffassung der Beschwerdeführerin unzulässig
gewesen wäre (vgl. act. 15, lit. B/2). Unter Berücksichtigung des Fristenstillstandes vor
und nach Ostern (Ostersonntag, 21. April 2019) lief die erstreckte Nachfrist – in der
Zwischenverfügung vom 12. April 2019 wurde als Kalendertermin (antragsgemäss) der
23. April 2019 festgesetzt – am 29. April 2019 ab. Demzufolge erfolgte die
Beschwerdeergänzung vom 29. April 2019 (act. 7) fristgerecht. Zusammen mit der
Ergänzung vom 29. April 2019 erfüllt die Beschwerdeeingabe vom 12. März 2019
(act. 1) formell und inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit
Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist somit grundsätzlich einzutreten.
Nicht einzutreten ist auf die Beschwerde, soweit damit die Aufhebung des Entscheids
der Beschwerdegegnerin vom 8. Mai 2018 (Beilage zu act. 11/1) beantragt wird
(Devolutiveffekt, vgl. dazu BGer 1C_560/2017 vom 17. Dezember 2018 E. 1.2 mit
Hinweis auf BGE 134 II 142 E. 1.4). Mangels Rechtsschutzinteresse ebenfalls nicht
einzutreten ist auf die Beschwerde, soweit die Beschwerdeführerin die Bemessung der
amtlichen Kosten rügt und eine Reduktion der amtlichen Kosten von CHF 3'500 auf
CHF 3'000 verlangt (act. 7, S. 2 Ziff. I/3, S. 16 Ziff. IV/11, act. 15, S. 4 lit. C/3). Gemäss
Dispositiv-Ziffer 2 des angefochtenen Entscheids (act. 2, S. 11) wurden der
Beschwerdeführerin amtliche Kosten in der Höhe von CHF 3'000 auferlegt. Von der
Vorinstanz und der Beschwerdegegnerin wird überdies nicht behauptet und es ist auch
nicht ersichtlich, dass der in Erwägung 9.1 des angefochtenen Entscheids (act. 2,
S. 10) angegebene Betrag von CHF 3'500 massgebend gewesen wäre (vgl. dazu
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
VerwGE B 2016/21; B 2016/22 vom 26. September 2018 E. 9.2 mit Hinweisen,
www.gerichte.sg.ch).
2. Die Beschwerdeführerin stellt verschiedene Beweisanträge (act. 7, S. 2-5 Ziff. II/4,
6 f., 8d, S. 6 Ziff. III/2): Es sei ein Amtsbericht des Grundbuchamtes X._ einzuholen. Es
seien die Bauakten über die Erstellung der Gesamtüberbauung Q._ beizuziehen. Es
sei ein Augenschein durchzuführen. Sie sei persönlich anzuhören und als Partei zu
befragen. Architekt K._ sei als Zeuge zu befragen.
Auf die beantragten prozessualen Vorkehren, insbesondere auf die persönliche
Anhörung der Beschwerdeführerin, kann verzichtet werden, da sich die
entscheidrelevanten tatsächlichen Verhältnisse aus den Verfahrensakten ergeben und
von den beantragten Beweisvorkehren keine entscheidrelevanten neuen Erkenntnisse
zu erwarten sind (vgl. dazu BGer 1C_85/2019 vom 23. Juli 2019 E. 2.1 und
BGer 1C_13/2018 vom 13. März 2019 E. 3 je mit Hinweis[en]). Entgegen der
Auffassung der Beschwerdeführerin (act. 19 Ziff. 1 f.) kann der Vorinstanz und der
Beschwerdegegnerin deshalb in Bezug auf die Bauakten über die Erstellung der
Gesamtüberbauung Q._ auch keine Verletzung von Art. 52 VRP vorgeworfen werden
(vgl. dazu VerwGE B 2017/94 vom 28. September 2017 E. 2 mit Hinweisen,
www.gerichte.sg.ch, und Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton
St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 943 und 1136).
3. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung steht die Frage, ob die Beschwerdegegnerin
verpflichtet werden kann, eine Planungszone im Gebiet der Gesamtüberbauung Q._
zu erlassen. Die Beschwerdeführerin macht unter Berufung auf die Kommentierung von
A. Ruch, in: Aemisegger/Moor/derselbe/Tschannen [Hrsg.], Praxiskommentar RPG:
Nutzungsplanung, Zürich 2016, Art. 27 Rz. 44, geltend (act. 7, S. 8-17 Ziff. IV/1-10,
Ziff. V/1-3, act. 15 lit. A/3), sie habe einen Anspruch darauf, dass der heute geltende
Rahmennutzungsplan geändert oder zusätzlich zur Grundordnung ein
Sondernutzungsplan erlassen werde. Folglich habe sie auch einen Anspruch darauf,
dass die zuständige Gemeindebehörde eine Planungszone erlasse. Die heutigen
Bauvorschriften für die Siedlung Q._ würden keine geordnete Besiedlung
sicherstellen. Die Voraussetzungen für den Erlass einer Planungszone seien erfüllt.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.1. Die Beschwerdeführerin reichte das strittige Gesuch am 12. September 2017
(act. 8/2) und damit vor Inkrafttreten des Planungs- und Baugesetzes (sGS 731.1, PBG)
am 1. Oktober 2017 (nGS 2017-049) ein. Wie es sich damit intertemporalrechtlich
verhält (siehe dazu Art. 44 Abs. 1 PBG und Art. 174 PBG analog), kann dahingestellt
bleiben, da die Beschwerde so oder anders abzuweisen ist (vgl. E. 3.2 f. hiernach).
3.2. Planungszonen bezwecken die Sicherung der Entscheidungsfreiheit der
Planungsbehörden. Künftigen Nutzungsplänen und -vorschriften wird durch den Erlass
einer Planungszone eine sogenannte negative Vorwirkung zuerkannt, indem
Baubewilligungen nur noch erteilt werden, wenn dadurch die vorgesehene Neuordnung
nicht erschwert wird. Der Beschwerdeführerin ist zwar zuzustimmen, dass der Erlass
von Planungszonen, selbst wenn Art. 27 des Bundesgesetzes über die Raumplanung
(Raumplanungsgesetz; SR 700, RPG) und Art. 105 des Gesetzes über die
Raumplanung und das öffentliche Baurecht (Baugesetz; nGS 32-47, BauG, in der
Fassung vom 1. Januar 2015) resp. Art. 42 Abs. 1 PBG als Kann-Bestimmungen
formuliert sind, nicht im Belieben der Behörden liegt, sondern dass diese aufgrund ihrer
Planungspflicht (Art. 75 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft; SR 101, BV, Art. 2 Abs. 1 RPG, Art. 2 Abs. 1 und Art. 4 BauG resp.
Art. 1 Abs. 1 PBG) zum Erlass von Planungszonen verpflichtet sind, wenn beabsichtigte
Nutzungspläne tatsächlich gefährdet sind. Zuständig für den Erlass einer Planungszone
bleibt aber die zuständige Gemeindebehörde (vgl. Art. 105 BauG resp. Art. 42 Abs. 1
und Art. 43 lit. a PBG). Deshalb steht es in ihrem pflichtgemässen planerischen
Ermessen, ob sie eine Planungszone erlassen will. Es besteht kein klagbarer Anspruch
der Rechtsunterworfenen auf Erlass einer Planungszone (vgl. VerwGE B 2019/6 vom
1. Juli 2019 E. 4 mit Hinweisen, www.gerichte.sg.ch). Aus der von der
Beschwerdeführerin zitierten Kommentierung von Art. 27 RPG (A. Ruch, a.a.O., Art. 27
Rz. 44) ergibt sich nichts Abweichendes. Eine Änderung der bisherigen Praxis lässt
sich damit nicht begründen. Gemäss A. Ruch enthält Art. 27 RPG keine Aussage
darüber, woher sachlich oder organisatorisch der Anstoss zum Erlass der
Nutzungspläne komme. Sachlich könne die Massnahme raumplanerisch oder etwa
umweltrechtlich begründet sein. Organisatorisch lege sich Art. 27 RPG auch nicht fest;
er sei offen gegenüber der Frage, wessen Planungsabsicht zum Erlass oder zur
Änderung der Nutzungspläne Anlass gebe. Wesentlich sei nur, dass die
Nutzungsplanung gesichert werden solle, dass die Planungsabsicht, wessen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Ursprungs sie auch sei, in Nutzungsplänen konkretisiert werde. Art. 27 RPG handle nur
vom Objekt der Sicherung, nicht vom Auslöser der Nutzungsplanung. Freilich müsse
das kantonale Recht eine Regelung über das Vorgehen treffen. Im kantonalen Recht
(vgl. dazu Art. 105 BauG und Art. 42 f. PBG) wurde aber gerade keine Grundlage für
einen klagbaren Anspruch der Rechtsunterworfenen auf Erlass einer Planungszone
geschaffen.
3.3. Vorab ist festzuhalten, dass der erstinstanzliche Entscheid der
Beschwerdegegnerin vom 8. Mai 2018 (Beilage zu act. 11/1) insofern wohlwollend
erscheint, als sie auf das Gesuch der Beschwerdeführerin vom 12. September 2017
(act. 8/2) eintrat. Mangels klagbarem Anspruch der Beschwerdeführerin hätte sie
darauf nicht eintreten dürfen. Auch die Vorinstanz sah davon ab, den erstinstanzlichen
Entscheid in dieser Hinsicht zu korrigieren, obgleich sie an die Anträge der Beteiligten
nicht gebunden war (Art. 56 Abs. 1 VRP). Nachdem das Verwaltungsgericht den
angefochtenen Entscheid nicht zum Nachteil der Beschwerdeführerin abändern kann
(Art. 63 VRP, vgl. dazu Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 648), bleibt es in dieser Hinsicht beim
Ergebnis des vorinstanzlichen Entscheids.
Die Beschwerdegegnerin erwog im erstinstanzlichen Entscheid vom 8. Mai 2018 (S. 3),
eine verfestigte Planungsabsicht, die Siedlung Q._ in ihrer einheitlichen Erscheinung
erhalten zu wollen, sei nicht gegeben, weshalb die Voraussetzungen für den Erlass
einer Planungszone nicht erfüllt seien. Die Vorinstanz führte aus (act. 2, S. 5-8 E. 3-5.2),
die Beschwerdeführerin habe zwar grundsätzlich Anspruch auf Überprüfung und/oder
Änderung eines Nutzungsplans, sofern dafür die Voraussetzungen erfüllt seien. Daraus
lasse sich aber kein Anspruch auf Erlass einer Planungszone ableiten. Es bestehe kein
(klagbarer) Anspruch auf Erlass einer Planungszone. Deshalb könne selbst auf eine
summarische Prüfung, ob sich eine Planungszone (im Gebiet Q._) als rechtskonform
erweisen würde, verzichtet werden. Dieser Argumentation der Vorinstanz ist nach dem
Gesagten nichts hinzuzufügen, weshalb darauf verwiesen werden kann. Daran vermag
im Übrigen der Umstand nichts zu ändern, dass die Beschwerdeführerin gestützt auf
Art. 21 RPG (altrechtlich auch nach Art. 33 BauG) eine Überprüfung und
gegebenenfalls eine Änderung der kommunalen Nutzungspläne, mitunter den Erlass
eines Sondernutzungsplans im Gebiet Q._, veranlassen könnte (vgl. zum
überprüfungsanspruch VerwGE B 2016/42 vom 29. Juni 2017 E. 5.1 mit Hinweisen,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
www.gerichte.sg.ch) und Art. 40 PBG neu Formvorschriften für die Einleitung eines
Verfahrens für den Erlass eines Sondernutzungsplans enthält.
Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
4. Bei diesem Verfahrensausgang gehen die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens zu Lasten der Beschwerdeführerin (Art. 95 Abs. 1 VRP).
Angemessen ist eine Entscheidgebühr von CHF 3'000 (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung; sGS 941.12, GKV). Diese wird mit dem geleisteten
Kostenvorschuss im Betrag von CHF 4'000 verrechnet. Der Restbetrag von CHF 1'000
wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet.
Ausseramtliche Kosten sind nicht zuzusprechen. Die Beschwerdeführerin ist unterlegen
(Art. 98 Abs. 1 und Art. 98 VRP). Die Beschwerdegegnerin und die Vorinstanz haben
zu Recht keinen Antrag gestellt (vgl. dazu VerwGE B 2017/59 vom 23. März 2018 E. 7
mit Hinweisen, www.gerichte.sg.ch).