# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 74046052-a1b3-4466-8dd7-ee80c3d7492f
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2012
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend
mehrfache Drohung etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom 28. Juni 2011 (GG110087)
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Anklage:
Die Anklageschrift (inkl. Geschädigtenverzeichnis) der Staatsanwaltschaft Zürich-
Limmat vom 28. März 2011 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 28).
Entscheid der Vorinstanz vom 28. Juni 2011: (Urk. 65 S. 43 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB,
− der mehrfachen Drohung im Sinne von Art. 180 StGB,
− der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB,
− der versuchten Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB in Verbindung mit Art. 22 StGB,
− der Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. b,
− des Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB sowie
− des mehrfachen Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen im Sinne von Art. 292 StGB.
2. Der bedingte Vollzug der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom
23. Februar 2010 ausgefällten Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu Fr. 70.– wird wider-
rufen.
3. Der Beschuldigte wird unter Einbezug der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
Zürich-Limmat vom 23. Februar 2010 ausgefällten Strafe bestraft mit 1 Jahr
Freiheitsstrafe als Gesamtstrafe, wovon 163 Tage durch Haft und vorzeitigen  bis und mit heute bereits erstanden sind, sowie mit einer Busse von Fr. 500.–.
Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine
Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 6 Monaten aufgeschoben und die
Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (6 Monate abzüglich 163 Tage, die
durch Haft und vorzeitigen Strafvollzug erstanden sind) wird die Freiheitsstrafe voll-
zogen.
5. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 24. März 2011
beschlagnahmte und bei der Kasse des Bezirksgerichts Zürich unter der Sach-
kautionsnummer ... lagernde Sonnenbrille "Prada Sport" wird der Geschädigten
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B._ ... [Adresse], nach Eintritt der Rechtskraft auf erstes Verlangen ausgehän-
digt.
6. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin C._ Schadenersatz für Er-
werbsausfall von Fr. 1'536.90 zuzüglich 5% Zins ab 7. August 2010 zu bezahlen.
7. Das Verfahren bezüglich der Schadenersatzforderung für Arztkosten wird abgetrennt
und gemäss Art. 126 Abs. 4 StPO von der Verfahrensleitung als Einzelgericht separat
beurteilt.
8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin C._ Fr. 2'000.– zuzüglich
5% Zins ab 2. August 2010 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das
Genugtuungsbegehren abgewiesen.
9. Der Antrag der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat auf Anordnung der Abnahme einer
DNA-Probe und Erstellung eines DNA-Profils wird abgewiesen.
10. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 2'500.-- ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. Kosten der Kantonspolizei
Fr. Gebühr Anklagebehörde
Fr. Kanzleikosten Untersuchung
Fr. 1'000.-- Auslagen Untersuchung
Fr. amtliche Verteidigung Untersuchung
Fr. amtliche Verteidigung (noch ausstehend)
Fr. 4'156.06 unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin 1
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
11. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen der-
jenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt.
12. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Staatskasse genommen; vor-
behalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
13. (Mitteilung)
14. (Rechtsmittel)"
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Entscheid der Vorinstanz vom 7. Dezember 2011: (Urk. 65a S. 4)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin C._ Schadenersatz für
Arztkosten in der Höhe von Fr. 213.85 zuzüglich 5% Zins ab 2. August 2010 zu be-
zahlen.
2. Es wird keine Entscheidgebühr festgesetzt. Die Kosten werden im Entscheid über
den Strafpunkt erhoben.
3. (Mitteilung)
4. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge:
a) der Verteidigung des Beschuldigten (schriftlich; Urk. 91)
"1. Der Beschuldigte sei des Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB sowie des mehrfachen Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen im Sinne von Art. 292 StGB schuldig zu sprechen.
2. Es sei der Beschuldigte mit einer Geldstrafe von höchstens 70 Tagessätzen zu Fr. 10.– sowie einer Busse von Fr. 100.– zu bestrafen und der Vollzug sei nicht aufzuschieben.
Die Probezeit im Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 23.2.10 sei um ein Jahr zu verlängern.
3. Auf die Zivilansprüche sei nicht einzutreten.
4. Es sei dem Beschuldigten gestützt auf Art. 429 StPO eine Entschädigung von Fr. 9'500.– zuzusprechen.
5. Die Kosten des Verfahrens seien auf die Staatskasse zu nehmen, und der Beschuldigte sei angemessen zu entschädigen."
b) der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis (sinngemäss und schriftlich; Urk. 72)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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c) der Privatklägerin C._ (schriftlich, Urk. 96)
"Es sei die Berufung vollumfänglich abzuweisen und es sei das Urteil der Vorinstanz vom 28. Juni 2011 zu bestätigen.
Es seien die Kosten des Rechtsmittelverfahrens dem Beschuldigten und Berufungskläger aufzuerlegen."

## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1 Am 28. Juni 2011 wurde der Beschuldigte durch das Bezirksgericht Zürich,
Einzelgericht, der einfachen Körperverletzung, der mehrfachen Drohung, der
Nötigung, der versuchten Nötigung, der Widerhandlung gegen das Bundesgesetz
über die Ausländerinnen und Ausländer, des Diebstahls sowie des mehrfachen
Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen schuldig gesprochen und unter
Einbezug einer mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom
23. Februar 2010 bedingt ausgefällten, widerrufenen Geldstrafe von 10 Tages-
sätzen zu Fr. 70.– mit einer Gesamtstrafe von 1 Jahr Freiheitsstrafe bestraft,
wovon bis zum Urteilszeitpunkt 163 Tage durch Haft und vorzeitigen Strafvollzug
bereits erstanden waren. Weiter wurde der Beschuldigte mit einer Busse
von Fr. 500.– bestraft. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wurde im Umfang von
6 Monaten aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre angesetzt. Im Umfang
der restlichen 6 Monate wurde der Vollzug der Freiheitsstrafe angeordnet. Das
Gericht erkannte weiter, dass die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-
Limmat vom 24. März 2011 beschlagnahmte Sonnenbrille "Prada Sport" der
Geschädigten B._ AG nach Eintritt der Rechtskraft auf erstes Verlangen
auszuhändigen sei. Sodann wurde der Beschuldigte verpflichtet, der Privatkläge-
rin C._ Schadenersatz für Erwerbsausfall von Fr. 1'536.90 zuzüglich
5% Zins seit 7. August 2010 zu bezahlen. Das Verfahren bezüglich der Schaden-
ersatzforderung für Arztkosten wurde abgetrennt und separat beurteilt. Im
Weiteren wurde der Beschuldigte verpflichtet, der Privatklägerin C._
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eine Genugtuung in Höhe von Fr. 2'000.– zuzüglich 5% Zins seit 2. August 2010
zu bezahlen. Schliesslich wurden dem Beschuldigten die Kosten, einschliesslich
diejenigen der Untersuchung auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung
wurden unter Hinweis auf die Rückzahlungspflicht gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO
auf die Staatskasse genommen (Urk. 59 und 65).
1.2 Mit Urteil vom 7. Dezember 2011 wurde der Beschuldigte sodann vom
Bezirksgericht Zürich, Einzelgericht, in einem abgetrennten Verfahren zum Zivil-
punkt dazu verurteilt, der Privatklägerin C._ Schadenersatz für Arztkosten in
der Höhe von Fr. 213.85 zuzüglich 5% Zins ab 2. August 2010 zu
bezahlen (Urk. 60 und 65a).
1.3 Gegen das schriftlich eröffnete und begründet zugestellte Urteil liess der
Beschuldigte innert Frist Berufung erheben (Urk. 50). Ebenso fristgerecht ging die
Berufungserklärung ein (Urk. 67). Sodann wurde in Anwendung von Art. 400
Abs. 2 und 3 StPO und Art. 401 StPO sowie Art. 34 StPO den Privatklägerinnen
C._ (nachfolgend Privatklägerin 1) und D._ (nachfolgend Privatklägerin
2) und der Staatsanwaltschaft Frist angesetzt, um Anschlussberufung zu erklären
oder begründet ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen (Urk. 70). Wäh-
rend die Staatsanwaltschaft darauf verzichtete, sich der Berufung anzuschliessen
und Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils verlangt (Urk. 72), liessen sich die
Privatklägerinnen innert Frist nicht vernehmen.
1.4 Der Beschuldigte liess in der Berufungserklärung den Beweisantrag stellen,
die Privatklägerin 2 sei als Zeugin einzuvernehmen (Urk. 67 S. 2). Der Privat-
klägerin 2 wurde mit Präsidialverfügung vom 6. Februar 2012 Frist angesetzt, sich
zu diesem Beweisantrag zu äussern (Urk. 70). Die Privatklägerin 2 liess sich dazu
innert Frist nicht vernehmen. Mit Präsidialverfügung vom 13. März 2012 wurde
der Beweisantrag des Beschuldigten auf Einvernahme der Zeugin D._ (Pri-
vatklägerin 2) abgewiesen (Urk. 76). Die Staatsanwaltschaft wie auch die
Privatklägerinnen stellen keine Beweisanträge (Urk. 72).
1.5 Unter Hinweis darauf, dass der Beschuldigte mittlerweile aus der Schweiz
ausgeschafft worden sei und die Verteidigung keine Korrespondenzadresse
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besitze, der Beschuldigte der vorinstanzlichen Hauptverhandlung beigewohnt
habe und es sich um ein Urteil des Einzelgerichts handle, wurde der Verteidigung,
den Privatklägerinnen sowie der Staatsanwaltschaft Frist angesetzt, um mitzu-
teilen, ob sie mit der schriftlichen Durchführung des Berufungsverfahrens einver-
standen seien (Urk. 78). Die Staatsanwaltschaft (Urk. 81), die Verteidigung
(Urk. 83) wie auch die Privatklägerin 1 (Urk. 85) stimmten der Durchführung des
schriftlichen Verfahrens zu. Die Privatklägerin 2 liess sich innert Frist nicht ver-
nehmen, weshalb androhungsgemäss von ihrem Einverständnis auszugehen ist
(Urk. 78 S. 2).
1.6 Sodann wurde dem Beschuldigten mit Verfügung vom 12. April 2012 Frist
zur Einreichung einer schriftlichen Berufungsbegründung angesetzt (Urk. 85).
Die Berufungsbegründung ging innert erstreckter Frist am 5. Juni 2012 ein
(Urk. 89 - 91). Mit Verfügung vom 7. Juni 2012 wurde daraufhin den Privatkläge-
rinnen sowie der Staatsanwaltschaft Frist zur Einreichung der Berufungsantwort
und der Vorinstanz Frist zur freigestellten Vernehmlassung angesetzt (Urk. 92).
Die Vorinstanz verzichtete auf Vernehmlassung (Urk. 94) und die Staatsanwalt-
schaft auf eine Berufungsantwort (Urk. 95). Die Berufungsantwort der Privat-
klägerin 1 ging am 5. Juli 2012 ein (Urk. 96), die Privatklägerin 2 liess sich nicht
vernehmen. Das Verfahren erweist sich als spruchreif.
2. Umfang der Berufung
2.1 Der Beschuldigte ficht das Urteil der Vorinstanz vom 28. Juni 2011 in Dispo-
sitiv-Ziffer 1 (Schuldpunkt), Ziffer 2 (Widerruf), Ziffern 3 und 4 (Strafmass und
Vollzug) sowie in Ziffern 6 und 8 (Schadenersatz und Genugtuung für die Privat-
klägerin 1, C._) an. Das Urteil vom 7. Dezember 2011 ficht der
Beschuldigte vollumfänglich an. In diesem Umfang sind die vorinstanzlichen
Urteile zu überprüfen (Art. 404 Abs. 1 StPO).
2.2 Hingegen nicht angefochten und in Rechtskraft erwachsen ist der Schuld-
spruch betreffend Diebstahl und mehrfachen Ungehorsam gegen amtliche Ver-
fügungen, Ziffer 5 (Beschlagnahmung), Ziffer 7 (Beurteilung der Schadenersatz-
forderung in separatem Verfahren), Ziffer 9 (Abweisung des Antrags auf
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Erstellung eines DNA-Profils) sowie Ziffer 10 (Kostenfestsetzung) (Urk. 67 S. 1
und Urk. 91 S. 1), was festzustellen ist (Art. 402 StPO i.V.m. 437 Abs. 1 StPO).
Auf diese Punkte ist im Folgenden nicht mehr weiter einzugehen.
3. Nachfolgend wird verschiedentlich auf die zutreffenden Erwägungen der
Vorinstanz zu verweisen sein. Dies geschieht jeweils in Anwendung von Art. 82
Abs. 4 StPO, ohne dass dies jedes Mal speziell angefügt wird.
II. Schuldpunkt
A. Vergehen gegen das Ausländergesetz
1. Sachverhalt
3.1 Der Beschuldigte ist geständig, bis zum 23. Januar 2011 in der Schweiz
verblieben zu sein, obwohl das Migrationsamt des Kantons Zürich die Verlänge-
rung der Aufenthaltsbewilligung abgewiesen und ihm Frist zur Ausreise bis zum
30. November 2010 angesetzt hatte (Urk. 65 S. 6 mit Verweis auf Urk. 15 S. 4,
Urk. 16 S. 3 sowie Urk. 40 S. 7 f.).
3.2 Da sich das Geständnis mit dem Untersuchungsergebnis deckt, ist mit der
Vorinstanz der Sachverhalt als erstellt zu betrachten (Urk. 65 S. 6 mit Verweis auf
Urk. 20/2-3).
2. Rechtliche Würdigung
3.3 Die Vorinstanz würdigt das Verhalten als Widerhandlung gegen das
Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer im Sinne von Art. 115
Abs. 1 lit. b. Der Beschuldigte bestreitet die rechtliche Würdigung seines Ver-
haltens nicht, lässt aber zur Rechtfertigung ins Feld führen, er sei von der Staats-
anwaltschaft angehalten worden, sich im laufenden Verfahren zur Verfügung zu
halten, was er auch getan habe (Urk. 43 S. 6). Es sei nicht richtig, wenn die
Vorinstanz ausführe, es bestehe keine Pflicht, welche der Ausreisepflicht des
Beschuldigten vorgehe, sei doch die Erscheinungspflicht in Art. 205 StPO und
somit in einem Bundesgesetz geregelt (Urk. 91 S. 2).
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3.4 Gemäss Art. 115 Abs. 1 lit. b AuG macht sich strafbar, wer sich rechtswidrig,
namentlich nach Ablauf des bewilligungsfreien oder des bewilligten Aufenthalts, in
der Schweiz aufhält. Die Rechtswidrigkeit ergibt sich aus der Pflicht zur Bewilli-
gung des Aufenthalts nach Art. 10 ff. AuG. Rechtmässig verweilt in der Schweiz,
wer entweder durch gesetzliche Vorschrift oder durch eine individuelle Bewilligung
aufenthaltsberechtigt ist (D'Addario Di Paolo/Vetterli in: Caroni/Gächter/Thurnherr
[Hrsg.], Stämpflis Handkommentar, Bundesgesetz über die Ausländerinnen und
Ausländer, Bern 2010, N 20 zu Art. 115 AuG). Ist ein Gesuch um Verlängerung
oder erstmalige Ausstellung einer Bewilligung hängig, tritt keine sofortige Rechts-
widrigkeit ein (vgl. Art. 59 Abs. 2 VZAE). Auch bei Abweisung des Verlängerungs-
gesuchs wird der Aufenthalt nicht unmittelbar rechtswidrig. Vielmehr setzt die
Behörde nach Art. 66 Abs. 2 AuG mit der ordentlichen Wegweisung eine ange-
messene Ausreisefrist an, während der die Anwesenheit auf Schweizer Boden
noch erlaubt ist (D'Addario Di Paolo/Vetterli, a.a.O., N 23 zu Art. 115 AuG). Das
Migrationsamt des Kantons Zürich wies mit Verfügung vom 9. September 2010
das Gesuch des Beschuldigten um Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung ab
und setzte ihm Frist bis zum 30. November 2010, um die Schweiz zu verlassen
(Urk. 20/2). Der Beschuldigte verfügte daher nach diesem Datum nicht mehr über
eine Bewilligung zum Aufenthalt in der Schweiz, sein Aufenthalt könnte jedoch
durch eine gesetzliche Pflicht gerechtfertigt sein, wie dies die Verteidigung vor-
bringt. Die Erscheinungspflicht in Art. 205 StPO stellt allerdings keine absolute
Pflicht einer Vorladung Folge zu leisten dar. Dies ergibt sich schon aufgrund der
Tatsache, dass Art. 205 Abs. 2 StPO die Möglichkeit vorsieht, bei Verhinderung,
der Vorladung Folge zu leisten, dies der vorladenden Behörde unverzüglich mit-
zuteilen. Wenn als Verhinderungsgründe bereits berufliche oder auch gesell-
schaftliche und private Verpflichtungen oder aber wichtigere familiäre Anlässe in
Betracht kommen (Arquint in: Niggli/Heer/Wiprächtiger, Basler Kommentar,
Schweizerische Strafprozessordnung, Basel 2011, N 5 zu Art. 205), so muss die
durch behördliche Verfügung veranlasste Ausreise aus der Schweiz umso mehr
als zureichender Verhinderungsgrund aufgefasst werden. Es kann nicht Sinn
dieser Bestimmung der Strafprozessordnung sein, damit behördliche Anordnun-
gen zu umgehen. Mithin kann keinesfalls die Erscheinungspflicht gemäss Art. 205
StPO als gesetzliche Pflicht zum rechtmässigen Verweilen in der Schweiz heran-
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gezogen werden. Eine andere Pflicht des Beschuldigten zum Verbleib in der
Schweiz ist nicht ersichtlich. Der Aufenthalt des Beschuldigten in der Schweiz war
folglich ab dem 1. Dezember 2010 rechtswidrig im Sinne des Bundesgesetzes
über die Ausländerinnen und Ausländer.
3.5 Subjektiv kann die Tat vorsätzlich oder fahrlässig begangen werden (D'Ad-
dario Di Paolo/Vetterli, a.a.O., N 2 zu Art. 115 AuG). Der Beschuldigte führte
selbst aus, er sei absichtlich nicht ausgereist. Er lebe seit 6 Jahren in der Schweiz
und erhalte dann vom Migrationsamt eine solch kurze Frist von nur zwei Monaten
für die Ausreise (Urk. 40 S. 7). Damit hat der Beschuldigte die Widerhandlung
vorsätzlich begangen.
3.6 Der Beschuldigte ist daher der Widerhandlung gegen das Bundesgesetz
über die Ausländerinnen und Ausländer im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. b
schuldig zu sprechen.
B. Mehrfache Drohung und Nötigung
1. Sachverhalt
3.7 Der dem Beschuldigten vorgeworfene Sachverhalt wird von der Vorinstanz
zutreffend wiedergegeben. Auch würdigt sie die Aussagen des Beschuldigten so-
wie der Privatklägerin 2 korrekt. Grundsätzlich kann daher auf die diesbezügli-
chen Ausführungen und Erwägungen im vorinstanzlichen Entscheid verwiesen
werden, welche vollumfänglich zu bestätigen sind (Urk. 65 S. 7-14). Nachfolgen-
des ist lediglich ergänzender Natur.
3.8 Die Privatklägerin 2 schilderte die Szene im Bus Nr. ... so detailreich und
folgerichtig, wie es nur von jemandem zu erwarten ist, der den Vorfall auch tat-
sächlich miterlebt hat. Auffallend ist insbesondere, wie die Privatklägerin
beschreibt, dass der Beschuldigte mit ihr Deutsch und ... gesprochen habe. (Urk.
9 S. 1: "(...) Als ich aufstehen wollte, sagte er 'Sitz wieder ab, sonst schlage ich dich' er wiederholte dies drei mal auf .... Eine Frau, die gegenüber sass bemerkte, dass ich weg
wollte und half mir. Sie sagte ihm, dass er mich weglassen sollte. Ich
kletterte dann nach vorneweg und ging zur Türe beim Buschauffeur. (...) Ich sagte dem
Chauffeur, dass er nicht zu mir kommen dürfe. Er fing dann an herumzuschreien, auf
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deutsch, dass ich eine Betrügerin sei und dass ich ihm 100'000.– Franken schulde, so
dass es alle im Bus hörten. (...) Am ... stieg ich aus. Er rief dort nochmals, wieder auf ...,
dass er mir mein Leben kaputt machen werde. Ich sagte aber nichts mehr. Ich wollte
nicht, dass er noch handgreiflich wird."). Solche Details würden in
einer erfunden Erzählung mit Sicherheit fehlen. Mit der Vorinstanz ist sodann
festzuhalten, dass allein der Umstand, dass sich die Privatklägerin 2 nicht mehr
daran erinnern konnte, ob der Beschuldigte ausserhalb des Busses erneut die
bereits zuvor ausgesprochene Drohung wiederholt habe, der Glaubhaftigkeit der
Aussagen der Privatklägerin 2 nicht schaden kann. Vielmehr ist entscheidend,
dass sich die Privatklägerin 2 immer wieder auf dieselben Drohungen berief, nicht
dass sie diese in sämtlichen Einvernahmen Wort für Wort wiedergeben konnte
(Urk. 65 S. 11). Die Ausführungen der Privatklägerin 2 sind glaubhaft, es kann auf
sie abgestellt werden.
3.9 Die Aussagen des Beschuldigten hingegen machen keinen glaubhaften
Eindruck. Im Aussageverhalten des Beschuldigten fällt vor allem auf, dass er oft
Gegenfragen stellt oder ausweichende und völlig aus dem Zusammenhang
gerissene Antworten gibt, was ein klassisches Lügensignal darstellt (Urk. 40 S. 6:
"Hat sie einen Beweis dafür erbracht, dass ich sie bedroht habe?"; Urk. 13 S. 3: "Wie
Romeo und Julia?"; Urk 12 S. 3: "Ist das hier ein Actionfilm?" ). Ein weiteres Lügen-
signal sind auch die zahlreichen Anschuldigungen, die der Beschuldigte gegen
die Privatklägerin 2 erhebt. Besonders abwegig erscheint die Aussage, die Privat-
klägerin sei mit ihrem Asylpass in ... gewesen und habe 2 Kilogramm Drogen
mitgebracht (Urk. 13 S. 3). Der Versuch der Verteidigung, die Anschuldigungen
des Beschuldigten zu relativieren, schlägt fehl (Urk. 91 S. 4). Selbst wenn die
Anschuldigungen wahr wären - was mindestens in Bezug auf die oberwähnte
Behauptung, die Beschuldigte sei mit ihrem Asylpass in ... gewesen, äussert
zweifelhaft ist - so ist doch das Aussageverhalten des Beschuldigten auffallend
ausweichend (Urk. 13 S. 3: Der Staatsanwalt: "Sie hätten ihr gesagt, Sie würden ihr die Wohnung wegnehmen."; Antwort des Beschuldigten: "Das stimmt nicht. Sie ist eine
grosse Lügnerin. Sie verarscht alle. Ich kann Ihnen ihre Drogenlieferanten angeben und
ich kann auch sagen, dass sie in ... war und 2kg Drogen mitbrachte. Sie ging mit ihrem
Asylpass."). Auf die weiteren zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz zur Glaub-
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haftigkeit der Aussagen des Beschuldigten kann zwecks Vermeidung von
Wiederholungen verwiesen werden (Urk. 65 S. 12 ff.).
3.10 Weder die Aussagen des Beschuldigten, noch andere Indizien vermögen die
glaubhaften Schilderungen der Privatklägerin 2 zu widerlegen, weshalb auf ihre
Sachdarstellung abzustellen ist. Nach Würdigung der gesamten Beweislage ist
der Sachverhalt gemäss Anklageschrift daher rechtsgenügend erstellt.
2. Rechtliche Würdigung
3.11 Die begangenen Delikte qualifiziert die Vorinstanz als mehrfache Drohung
im Sinne von Art. 180 StGB sowie als versuchte Nötigung im Sinne von Art. 181
i.V.m. Art. 22 StGB. Der Beschuldigte hat weder vor Vorinstanz noch im vor-
liegenden Verfahren die rechtliche Würdigung beanstandet. Die ausführliche
rechtliche Würdigung des Sachverhalts durch die Vorinstanz ist zutreffend, es
kann darauf verwiesen werden (Urk. 65 S. 14-16).
3.12 Der Beschuldigte ist folglich der mehrfachen Drohung im Sinne von Art. 180
StGB sowie der versuchten Nötigung im Sinne von Art. 181 i.V.m. Art. 22 StGB
schuldig zu sprechen.
B. Einfache Körperverletzung und Nötigung
1. Sachverhalt
3.13 Im angefochtenen Entscheid werden vorab der dem Beschuldigten vorge-
worfene Sachverhalt korrekt zusammengefasst und die bei den Akten liegenden
Beweise angeführt. In der Folge wurden die Aussagen des Beschuldigten, der
Privatklägerin 1 sowie diejenigen von E._ korrekt gewürdigt (Urk. 65
S. 19-25). Hierauf kann zur Vermeidung von Wiederholungen verwiesen werden.
3.14 Der Beschuldigte lässt wie bereits vor Vorinstanz beanstanden, mit den
Aussagen der Privatklägerin 1 lasse sich der Sachverhalt gemäss Anklageschrift
nicht erstellen. Ausserdem erkenne ihn die Zeugin E._ nicht (Urk. 43 S. 6 f.;
Urk. 91 S. 5 f.).
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3.15 Die Vorinstanz hat dazu ausführlich und überzeugend Stellung genommen
(Urk. 65 S. 19-25). Es wurde zutreffend ausgeführt, die Aussagen des Beschul-
digten seien nicht glaubhaft, da sie verschiedene Lügensignale aufweisen würden
(Urk 65 S. 19). Dass die Privatklägerin 1 die Wohnung des Beschuldigten über
das Toilettenfenster verliess, würde keinen Sinn ergeben, wenn sich der Sach-
verhalt wirklich so zugetragen hätte, wie der Beschuldigte ausführte (Urk. ND1/5
S. 2: "Dann ging sie auf mich los und kratze mich an der linken Halsseite, am linken Arm, am linken Bein und an meiner Brust. Darauf habe ich sie weggestossen und sie fiel zu
Boden. Danach half ich C'._ wieder aufzustehen, worauf sie mir in den rechten Un-
terarm biss. Ich sagte ihr, dass sie am nächsten Tag wegen der Fr. 10'000.– Anzeige bei
der Polizei machen könnte."). Hätte die Privatklägerin 1 tatsächlich den Beschuldig-
ten angegriffen und dieser hätte so ruhig und bedacht reagiert, wie er schilderte,
hätte die Privatklägerin 1 keinen Grund gehabt, die Wohnung über das Toiletten-
fenster zu verlassen. Auch die Verletzungen der Privatklägerin 1 (vgl. Urk. ND1/7)
passen nicht zur Schilderung des Beschuldigten. Durch leichtes Schubsen ent-
stehen keine multiplen Blutergüsse um das linke Auge, beiderseits der Nasen-
wurzel, an der Oberlippe, dem Hinterkopf sowie Hämatome an Beinen und Unter-
armen (Urk. ND1/9/1). Allein die Tatsache, dass der Beschuldigte nicht bestreitet,
dass die Privatklägerin 1 in der fraglichen Nacht bei ihm gewesen sei und die
Wohnung durch das Toilettenfenster verlassen habe (Urk. 40 S. 8), lässt nicht den
Rückschluss zu, die gesamte Aussage des Beschuldigten sei glaubhaft, wie dies
die Verteidigung vorbringt (Urk. 91 S. 6). Damit anerkennt der Beschuldigte eher
unbedeutende Nebenumstände, die ihm für sich alleine nicht zum Nachteil
gereichen können, was nicht für die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen sprechen
kann. Im Gegenteil, die Aussagen des Beschuldigten überzeugen keineswegs.
Auch das von der Verteidigung angeführte finanzielle Interesse der Privatklägerin
1 an der Bestrafung des Beschuldigten, kann widerlegt werden, geht diese doch
davon aus, dass der Beschuldigte arm sei und nichts habe (Urk. ND1/4 S. 8: "Er
hat doch nichts. Der arme Junge. Was soll man denn stehlen?").
3.16 Demgegenüber stehen die Aussagen der Privatklägerin 1. Zur Glaubhaf-
tigkeit der Aussagen hielt die Vorinstanz fest, dass die Privatklägerin 1 den Sach-
verhalt nur kurz schildere, jedoch auf konkrete und anschauliche Art und Weise
(Urk. 65 S. 23). Dem ist beizupflichten: Sie erklärte nachvollziehbar, wie sie auf
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die Toilette gestanden und aus dem Fenster gestiegen sei (Urk. ND1/4 S. 5). Die
Wohnung befinde sich im Hochparterre, so habe sie sie durch das Toilettenfens-
ter verlassen können (Urk. ND1/2 S. 2). Auch der Umstand, dass die Privat-
klägerin 1 ihre Schuhe beim Beschuldigten zurückliess, lässt sich nur plausibel
mit einem überstürzten Verlassen der Wohnung erklären (Urk. ND1/2 S. 5;
Urk. ND1/4 S. 4). Dass die Privatklägerin 1 zugibt, Drogen konsumiert zu haben
(Urk. ND1/4 S. 3), spricht ebenfalls für die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen, belas-
tet sie sich doch damit selbst.
3.17 Weiter hat die Vorinstanz die Aussagen der Zeugin E._ korrekt gewür-
digt (Urk. 65 S. 24 f.). Der Einwand des Beschuldigten, dass die Zeugin ihn nicht
erkannt und somit nicht als Täter identifiziert habe (Urk. 91 S. 5), kann den Be-
schuldigten nicht entlasten. Dass sie in der Zeugeneinvernahme vom 18. Februar
2011 erklärte, sie habe das Gefühl, der Mann habe kürzere Haare gehabt (Urk.
ND1/6 S. 5), ist aufgrund der Zeitdauer zwischen dem Vorfall vom 2. August 2010
und der Zeugeneinvernahme gut nachvollziehbar, ist es doch
notorisch, dass sich die Haarlänge und somit das Aussehen einer Person inner-
halb von sechseinhalb Monaten wesentlichen verändern können. Zudem ereigne-
te sich der Vorfall nachts. Wie die Vorinstanz bereits zutreffend festhielt, ist bei
der Zeugin kein Motiv auszumachen, den Beschuldigten zu Unrecht zu belasten
(Urk. 65 S. 24). Es sind sodann auch keine Widersprüche zwischen den Aus-
sagen der Privatklägerin und der Zeugin auszumachen.
3.18 Insgesamt bleiben keine Zweifel daran, dass die Aussagen der Privat-
klägerin 1 und der Zeugin E._ auch der Wahrheit entsprechen. Der Sachver-
halt hinsichtlich des Vorwurfs der einfachen Körperverletzung und der
Nötigung zum Nachteil der Privatklägerin 1 (Urk. 28 S. 5 f.) ist anklagegemäss
erstellt.
4. Rechtliche Würdigung
4.1 Die Vorinstanz hat das Verhalten des Beschuldigten als einfache Körper-
verletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB sowie als Nötigung im Sinne
von Art. 181 StGB gewürdigt. Der Beschuldigte hat weder vor Vorinstanz noch im
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vorliegenden Verfahren die rechtliche Würdigung beanstandet. Die ausführliche
rechtliche Würdigung des Sachverhalts durch die Vorinstanz ist zutreffend, es
kann darauf verwiesen werden (Urk. 65 S. 26-28).
4.2 Der Beschuldigte ist der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123
Ziff. 1 Abs. 1 StGB sowie der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB schuldig zu
sprechen.
III. Widerruf / Gesamtstrafe
1. Widerruf
4.3 Die Vorinstanz hat die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat
vom 23. Februar 2010 wegen Hausfriedensbruchs und Diebstahls bedingt ausge-
fällte Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu Fr. 70.– widerrufen und eine Gesamt-
strafe gebildet (Urk. 65 S. 29 f.).
4.4 Die Begehung eines Vergehens oder Verbrechens (Art. 10 StGB) während
der Probezeit wie hier bildet einen möglichen Widerrufsgrund. Allerdings führt ein
während der Probezeit begangenes Vergehen oder Verbrechen nicht zwingend
zum Widerruf des bedingten Strafaufschubs. Dieser soll nach Art. 46 Abs. 1 StGB
nur erfolgen, wenn "deshalb", also wegen der Begehung des neuen Delikts, zu
erwarten ist, dass der Täter weitere Straftaten verüben wird. Das heisst, dass die
Prognose seines künftigen Legalverhaltens in einem solchen Fall erneut gestellt
werden muss (BGE 134 IV 140 E. 4.2 mit zahlreichen Hinweisen). Dabei steht
dem Richter ein Ermessensspielraum zu (BGE 133 IV 201 E. 2.3 zur bedingten
Entlassung). Vom Widerruf soll abgesehen werden können, wenn nicht zu
erwarten ist, dass der Täter weitere Straftaten begehen wird. Mit anderen Worten
ist eine bedingte Strafe oder der bedingte Teil einer Strafe nur zu widerrufen,
wenn von einer negativen Einschätzung der Bewährungsaussichten auszugehen
ist, d.h. aufgrund der erneuten Straffälligkeit eine eigentliche Schlechtprognose
besteht (BGE 134 IV 140 E. 4.3 mit Hinweisen).
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4.5 Die Prüfung der Bewährungsaussichten des Täters ist anhand einer
Gesamtwürdigung aller wesentlichen Umstände vorzunehmen. In die Beurteilung
mit einzubeziehen sind neben den Tatumständen auch das Vorleben und der
Leumund sowie alle weiteren Tatsachen, die gültige Schlüsse auf den Charakter
des Täters und die Aussichten seiner Bewährung zulassen. Für die Einschätzung
des Rückfallrisikos ist ein Gesamtbild der Täterpersönlichkeit unerlässlich.
Relevante Faktoren sind etwa strafrechtliche Vorbelastung, Sozialisationsbiogra-
phie und Arbeitsverhalten, das Bestehen sozialer Bindungen, Hinweise auf
Suchtgefährdungen usw. Dabei sind die persönlichen Verhältnisse bis zum Zeit-
punkt des Entscheides zu berücksichtigen (BGE 134 IV 140 E. 4.4 mit Hin-
weisen).
4.6 In die Beurteilung der Bewährungsaussichten im Falle des Widerrufs des
bedingten Strafvollzugs einer Strafe ist im Rahmen der Gesamtwürdigung auch
mit einzubeziehen, ob die neue Strafe bedingt oder unbedingt ausgesprochen
wird. Der Richter kann zum Schluss kommen, dass vom Widerruf des bedingten
Vollzugs für die frühere Strafe abgesehen werden kann, wenn die neue Strafe
vollzogen wird. Auch das Umgekehrte ist zulässig: Wenn die frühere Strafe wider-
rufen wird, kann unter Berücksichtigung ihres nachträglichen Vollzugs eine
Schlechtprognose für die neue Strafe im Sinne von Art. 42 Abs. 1 StGB verneint
und diese folglich bedingt ausgesprochen werden (BGE 134 IV 140 E. 4.5;
Schneider / Garré, BSK StGB I, Basel 2007, N 36 zu Art. 46).
4.7 Dem Beschuldigten kann grundsätzlich keine gute Prognose gestellt
werden. Er hat wiederholt delinquiert und zwar während der Probezeit und auch
während laufender Untersuchung. Zudem lässt der Beschuldigte jegliche Einsicht
in sein Fehlverhalten vermissen. Für seine zukünftigen Bewährungsaussichten ist
ebenfalls zu beachten, dass die nunmehr auszusprechende Strafe nicht zu voll-
ziehen sein wird (vgl. nachfolgend IV. 2). Es ist daher unerlässlich, die mit Straf-
befehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 23. Februar 2010 wegen Haus-
friedensbruchs und Diebstahls bedingt ausgefällte Geldstrafe von 10 Tagessätzen
zu Fr. 70.– zu widerrufen, um der schlechten Prognose des Beschuldigten
Rechnung zu tragen.
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2. Gesamtstrafe
Es ist noch darauf hinzuweisen, dass die Vorinstanz zu Unrecht unter Einbezug
der widerrufenen Strafe eine Gesamtstrafe gebildet hat (Urk. 65 S. 29 ff.). Für die
Bildung einer Gesamtstrafe im Sinne von Art. 46 Abs. 1 StGB (bei Nichtbewäh-
rung während einer Probezeit) hat das Bundesgericht festgehalten, dass Voraus-
setzung für die Bildung einer solchen Gesamtstrafe das Vorliegen
ungleichartiger Strafen sei (BGE 134 IV 241 E. 4.4). Das wäre zwar vorliegend
grundsätzlich der Fall gewesen. In BGE 137 IV 249 E. 3.4.3 hat das Bundes-
gericht dann aber weiter entschieden, dass dieses Gesamtstrafenverfahren keine
Anwendung finden könne, wenn so eine Vorstrafe zulasten des Beschuldigten in
eine schwerere Sanktion umgewandelt würde. Das wäre namentlich etwa dann
der Fall, wenn - wie dies die Vorinstanz vorliegend gemacht hat - eine frühere
Geldstrafe in eine Freiheitsstrafe geändert würde, um eine Gesamtfreiheitsstrafe
zu bilden. Unabhängig davon, ob der Beschuldigte nun von der Vorinstanz mit
einer Freiheits- oder einer Geldstrafe zu bestrafen war, war demnach die Bildung
einer Gesamtstrafe unter Einbeziehung der widerrufenen früheren Geldstrafe
nicht möglich: Für den Fall einer Freiheitsstrafe darum nicht, weil so die frühere
Geldstrafe entgegen BGE 137 IV 249 in eine schwerere Sanktion (Freiheitsstrafe)
umgewandelt werden müsste, und für den Fall einer Geldstrafe deshalb nicht, weil
dann zwei gleichartige Strafen vorlägen, was der Anwendung von Art. 46 Abs. 1
StGB entgegensteht (BGE 134 IV 241).
IV. Sanktion und Vollzug
1. Strafzumessung
4.8 Die Vorinstanz hat den theoretischen Strafrahmen (Freiheitsstrafe bis zu fünf
Jahren oder Geldstrafe sowie eine Busse für die Übertretung) korrekt abgesteckt
und die allgemeinen Grundsätze für die Strafzumessung (Art. 47 StGB) richtig
dargelegt. Auf ihre diesbezüglichen Erwägungen (Urk. 65 S. 30 ff.) kann ver-
wiesen werden.
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4.9 Den Ausführungen der Vorinstanz zum Verschulden des Beschuldigten ist
zuzustimmen (Urk. 65 S. 31 ff.). Ergänzend kann noch festgehalten werden, dass
dem Beschuldigten das Geständnis in Bezug auf den Diebstahl nicht straf-
mindernd anzurechnen ist, wurde der Beschuldigte doch vom Verkaufspersonal
beim Diebstahl erwischt und gestellt (Urk. ND2/2 S. 2). Allenfalls leicht straf-
mindernd zu berücksichtigen ist das Geständnis in Bezug auf den mehrfachen
Ungehorsam gegen amtliche Verfügung. Dies vermag allerdings an der von der
Vorinstanz ausgefällten Strafe nichts zu ändern, ist doch das gesamte Nachtat-
verhalten des Beschuldigten zu betrachten. Er kann keinerlei Reue und Einsicht
für sich reklamieren. Bei der Qualifikation des Tatverschuldens als nicht mehr
leicht und unter Einbezug aller für die Strafzumessung relevanten Kriterien, er-
schiene die von der Vorinstanz ausgesprochene Freiheitsstrafe von einem Jahr
zwar grundsätzlich angemessen, dadurch, dass aber mit der widerrufenen Strafe
keine Gesamtstrafe gebildet werden kann, wäre der Beschuldigte mit dieser
Strafe gegenüber dem vorinstanzlichen Urteil schlechter gestellt, was die Straf-
prozessordnung verbietet (Art. 391 Abs. 2 StPO). Die Strafe ist daher einzig um
dem Verschlechterungsverbot nachzukommen auf 11 Monate und 20 Tage
Freiheitsstrafe zu reduzieren. Bei der Bemessung der Busse ist der veränderten
Lebenssituation des Beschuldigten - er sei nach ... ausgeschafft worden und ver-
diene dort maximal Fr. 250.– pro Monat (Urk. 91 S. 7) - Rechnung zu
tragen. Den persönlichen wirtschaftlichen Verhältnissen und dem Verschulden
des Beschuldigten erscheint daher eine Busse von Fr. 200.– angemessen. Für
den Fall der schulhaften Nichtbezahlung der Busse ist eine Ersatzfreiheitsstrafe
von 2 Tagen auszufällen (Art. 106 Abs. 2 StGB).
2. Vollzug
4.10 Mit der Vorinstanz kann dem Beschuldigten grundsätzlich keine gute
Prognose gestellt werden, die den Aufschub des Vollzugs der gesamten Frei-
heitsstrafe rechtfertigen würde (Urk. 69). Da jedoch bei einer Freiheitsstrafe von
11 Monaten und 20 Tagen der teilbedingte Vollzug nicht möglich ist (Art. 43
Abs. 1 StGB) und das Verbot der "reformatio in peius" dem Vollzug der gesamten
Freiheitsstrafe vorliegend entgegen steht, ist die Strafe trotz der schlechten
Prognose vollständig aufzuschieben.
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4.11 Es bestehen erhebliche Bedenken, dass sich der Beschuldigte bewähren
wird. Diesen Bedenken wäre grundsätzlich mit einer langen Probezeit Rechnung
zu tragen. Dem steht nun aber wieder das Verschlechterungsverbot (Art. 391
Abs. 2 StPO) entgegen, womit es bei einer Probezeit von 3 Jahren bleibt.
4.12 An die Strafe anzurechnen ist die bereits erstandene Untersuchungs- bzw.
Sicherheitshaft und der vorzeitige Strafvollzug (Art. 51 StGB). Der Beschuldigte
war vom 10. August 2010 bis zum 16. August 2010 sowie seit dem 23. Januar
2011 bis zum 15. Juli 2011 in Haft, resp. im vorzeitigen Strafvollzug (Urk. 99).
Folglich sind 180 Tage bereits erstanden (vgl. Urk. 99, Vollzugsauftrag des Amtes
für Justizvollzug, Bewährungs- und Vollzugsdienste, Strafvollzug).
V. Zivilansprüche
1. Schadenersatz
4.13 Die Vorinstanz hat die theoretischen Grundlagen zur Festsetzung von
Schadenersatz korrekt aufgeführt (Urk. 65 S. 37 f.). Weitere Ausführungen dazu
erübrigen sich.
4.14 Die Privatklägerin 1 macht Schadenersatz in Höhe von Fr. 1'536.90 für den
Erwerbsausfall sowie in Höhe von Fr. 213.85 für Arztkosten geltend (Urk. 41 S. 1).
Wie die Vorinstanz zutreffend erwogen hat, hat die Privatklägerin im Detail über
ihre Einkommensverhältnisse informiert und den durch den Erwerbsausfall ent-
standenen Schaden korrekt berechnet (Urk. 65 S. 39 mit Verweis auf Urk. 42/2-3).
Der Beschuldigte ist daher zu verpflichten, der Privatklägerin 1 für ihren Erwerb-
sausfall Schadenersatz in Höhe von Fr. 1'536.90 zu bezahlen. Ausgehend von
einem mittleren Verfallsdatum für die Berechnung des Zinses, ergibt sich, dass für
den Erwerbsausfall der Privatklägerin 1 Zins zu 5% ab dem 7. August 2012
geschuldet ist.
4.15 Auch die geltend gemachten Arztkosten sind belegt und werden nicht an-
derweitig gedeckt, sodass der Privatklägerin 1 ein Schaden in Höhe von
Fr. 213.85 entstanden ist. Den Erwägungen des Vorderrichters ist nichts hinzu-
zufügen (Urk. 65a S. 2 ff.). Der Beschuldigte ist zu verpflichten, der Privatklägerin
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Schadenersatz in Höhe von Fr. 213.85 nebst Zins zu 5% seit Schadenseintritt,
mithin seit dem 2. August 2010 zu bezahlen.
2. Genugtuung
4.16 Die Vertreterin der Privatklägerin 1 stellte vor Vorinstanz das Begehren, der
Beschuldigte sei zu verpflichten, der Privatklägerin 1 eine Genugtuung in Höhe
von Fr. 5'000.– nebst Zins seit dem 2. August 2010 zu bezahlen (Urk. 41 S. 1).
Der Beschuldigte anerkannte eine Genugtuung in Höhe von Fr. 800.– (Prot. I
S. 10 f.). Die Vorinstanz sprach der Privatklägerin 1 eine Genugtuung in Höhe von
Fr. 2'000.– zuzüglich 5% Zins ab 2. August 2010 zu und wies das Genugtuungs-
begehren im Mehrbetrag ab (Urk. 65 S. 44).
4.17 Im Berufsverfahren beantragt die Privatklägerin Bestätigung des vorinstanz-
lichen Entscheids (Urk. 96 S. 2), während der Beschuldigte nach wie vor eine
Genugtuung in Höhe von Fr. 800.– anerkennt (Urk. 91 S. 7).
4.18 Bei der Bemessung und Festsetzung von Genugtuungsleistungen kommt
dem Gericht ein erheblicher Ermessenspielraum zu; abzustellen ist dabei
vor allem auf die Art und Schwere der Verletzung, die Intensität und Dauer der
Beeinträchtigung sowie auf die Schwere des Verschuldens (vgl. Schwenzer,
Schweizerisches Obligationenrecht, 4. Auflage, Bern 2006, Rz 17.12).
Gemäss ärztlichem Befund der ... [Klinik] vom 3. August 2010 wurden bei der Pri-
vatklägerin 1 folgende Verletzungen festgestellt: Multiple Blutergüsse um linkes
Auge, beiderseits der Nasenwurzel, Oberlippe, Hinterkopf und Hämatome an Bei-
nen und Unterarmen. Ihr wurde eine Arbeitsunfähigkeit für den ausgeübten Beruf
von 10 Tagen attestiert (Urk. ND1/9/1).
Der Beschuldigte hat die Privatklägerin, wie sich aus den vorstehenden Ausfüh-
rungen ergibt, nicht mehr geringfügig und in gewissem Umfang auch nachhaltig
verletzt. Das Verschulden des Angeklagten wiegt nicht mehr leicht. Die Privatklä-
gerin hat deshalb nach Art. 49 Abs. 1 OR Anspruch auf eine Genugtuung. Unter
Berücksichtigung der Rechtsprechung in ähnlich gelagerten Fällen (vgl. dazu z.B.
Hütte/Ducksch, Die Genugtuung, 3. Auflage, Zürich 2005, Zeitraum 2003-2005,
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Tabelle VIII Nr. 12, Nr. 13 und Nr. 17; OGer ZH SB110646 vom 15.12.2011) so-
wie den konkreten Gegebenheiten erscheint ein Genugtuungsbetrag von
Fr. 1'000.– der Art und Schwere der Verletzung der Privatklägerin sowie dem
Verschulden des Beschuldigten angemessen.
4.19 Der Beschuldigte ist daher zu verpflichten, der Privatklägerin Fr. 1'000.–
zuzüglich Zins zu 5 % seit dem 2. August 2010 (vgl. BGE 129 IV 149 E. 4.) als
Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag ist das Genugtuungsbegehren abzu-
weisen.
VI. Kosten
1. Die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens
sind, mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung und der unent-
geltlichen Vertretung der Privatklägerin 1, dem Beschuldigten aufzuerlegen. Die
Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der Privat-
klägerin 1 sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, wobei eine Nach-
forderung im Sinne von Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten bleibt.
2. Die Gebühr des Berufungsverfahrens ist auf Fr. 2'500.– zu veranschlagen
(Art. 424 Abs. 1 StPO i.V.m. § 16 Abs. 1 und § 14 der Gebührenverordnung des
Obergerichts, LS. 211.11).
3. Der Beschuldigte unterliegt im Berufungsverfahren mit seinem Begehren, er
sei freizusprechen. Lediglich die Busse und die Genugtuung wurden reduziert und
es ergibt sich eine Änderung beim Vollzug der Strafe. Dem Beschuldigten sind
daher ausgangsgemäss die Kosten des Rechtsmittelverfahrens ausgenommen
derjenigen, der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der
Privatklägerin 1 zu 3/4 aufzuerlegen und zu 1/4 auf die Gerichtskasse zu nehmen
(Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgelt-
lichen Vertretung der Privatklägerin 1 sind im Umfang von 1/4 definitiv und im
Umfang von 3/4 einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, wobei eine Nach-
forderung für den einstweilen auf die Gerichtskasse genommenen Teil gemäss
Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten bleibt.
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