# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 611a7858-1f9f-5d89-9243-7d9f22577374
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin betreibt in einem Teil des Gewerbegebäudes H._
eine Carrosseriewerkstatt mit Spenglerei. Am 22. August 2013 reichte sie dafür ein
nachträgliches Baugesuch ein. Die Beschwerdeführerin erhob dagegen Einsprache. Die
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Parzelle Unterseen Gbbl. Nr. I._ mit Unterbaurecht Nr. J._ liegt im
Perimeter der Überbauungsordnung (ÜO) K._. Mit Gesamtbauentscheid vom
17. März 2014 erteilte das Regierungsstatthalteramt Interlaken-Oberhasli die
Baubewilligung.
2. Dagegen gelangte die Beschwerdeführerin am 29. März 2014 mit Beschwerde an die
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE). Sie beantragt die
Aufhebung des Gesamtentscheides vom 17. März 2014 und Erteilung des Bauabschlags.
Ihre Rügen betreffen insbesondere die Ein- und Ausfahrten, die Anlieferung sowie die
Anzahl Abstellplätze für Autos sowie Fahrräder und Motorfahrräder.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, holte die
Vorakten ein und führte den Schriftenwechsel durch. Die Gemeinde äusserte sich mit
Beschwerdeantwort vom 11. April 2014 ohne einen Antrag in der Sache zu stellen. Das
Regierungsstatthalteramt beantragt mit Stellungnahme vom 16. April 2014, die
Beschwerde sei kostenpflichtig abzuweisen. Die Beschwerdegegnerin beantragt mit
Beschwerdeantwort vom 29. April 2014, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf
einzutreten sei.
4. Auf Ersuchen des Rechtsamts reichte die Gemeinde Fotos des Vorplatzes der
umstrittenen Carrosseriewerkstatt ein. Das Rechtsamt stellte in Aussicht, die im
Gesamtbauentscheid verfügte Auflage zum Güterumschlag durch die Anordnung zu
ersetzen, dass der Güterumschlag im Gebäudeinnern erfolgen muss. Die Parteien
erhielten Gelegenheit, sich dazu zu äussern. Das Rechtsamt liess durch das Amt für
Wasser und Abfall (AWA) klären, ob auch der Vorplatz für den Güterumschlag der
Carrosseriewerkstatt genutzt werden dürfe, was dieses mit Stellungnahme vom 30. Juli
2014 verneinte.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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5. Mit Eingabe vom 16. August 2014 rügte die Beschwerdeführerin, dass in der
Carrosseriewerkstatt Schleif- und Farbspritzarbeiten ausgeführt würden, ohne dass eine
Abluftanlage bestehe. Sie beantragte, diese Arbeiten seien vorläufig einzustellen. Mit
Zwischenverfügung vom 9. September 2014 wies das Rechtsamt das Gesuch der
Beschwerdeführerin um Anordnung von vorsorglichen Massnahmen ab. Das Rechtsamt
holte beim beco einen Bericht zu den Schleif- und Farbspritzarbeiten der
Beschwerdegegnerin ein. Der Geschäftsbereich Immissionsschutz des beco hielt mit
Bericht vom 22. September 2014 fest, dass die Vorschriften der Luftreinhalteverordnung
eingehalten seien. Zur Klärung der umstrittenen Frage, ob die Anlagegenehmigung
überhaupt Farbspritzarbeiten umfasst, erfolgten weitere Abklärungen beim beco. Der
Geschäftsbereich Arbeitsbedingungen des beco hielt mit Stellungnahme vom 28.
November 2014 fest, dass im Baugesuch der Beschwerdegegnerin keine Farbspritzanlage
oder Farbspritzarbeiten genannt seien, weshalb solche Arbeiten unter dem Gesichtspunkt
Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz nicht beurteilt worden seien. Das Rechtsamt
stellte in Aussicht, die Baubewilligung mit der Auflage zu versehen, dass keine
Farbspritzarbeiten ausgeführt werden dürfen und gab den Beteiligten Gelegenheit zur
Stellungnahme bzw. zur Einreichung einer Projektänderung.
6. Mit Eingabe vom 23. Dezember 2014 reichte die Beschwerdegegnerin das ergänzte
Baugesuchsformular 4.0 ein und beantragte, sofern erforderlich sei die
Anlagegenehmigung für den Betrieb einer mobilen Farbnebelabsaugwand Typ LC 4000 mit
Typ 5 Ventilator und Dreistufen-Filtersystem zu erteilen. Dazu sei sie mit folgenden
Auflagen einverstanden: Maximaler Farbverbrauch bis 20 kg pro Jahr, Spritzzeit weniger
als eine Stunde pro Tag, Installation eines Betriebsstundenzählers, Tragen eines
geeigneten Atemschutzes und Wartung der Anlage gemäss Angaben des Herstellers. Das
Rechtsamt holte beim beco, dem AWA und der Gebäudeversicherung die erforderlichen
Amts- und Fachberichte ein und gab den Beteiligten Gelegenheit zur Stellungnahme sowie
Schlussbemerkungen.
7. Die Beschwerdeführerin beantragt, dem Baugesuch und dem Anlagegesuch für
Farbspritzarbeiten sei der Bauabschlag zu erteilen. Die Beschwerdegegnerin verweist in
ihren Schlussbemerkungen auf ihre früheren Eingaben und hält fest, dass sie mit den von
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ihr vorgeschlagenen Auflagen einverstanden sei. Die Gemeinde und das
Regierungsstatthalteramt äusserten sich nicht mehr.
Auf die Rechtsschriften und die Berichte der Fachstellen wird, soweit für den Entscheid
wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Gesamtbauentscheide können innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde
bei der BVE angefochten werden (Art. 9 und 11 KoG2 i.V.m. Art. 40 Abs. 1 BauG3). Die
BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde zuständig. Die Beschwerde wurde form- und
fristgerecht eingereicht.
b) Die Beschwerdegegnerin bestreitet die Legitimation der Beschwerdeführerin nicht
grundsätzlich. Sie macht aber geltend, dass die Carrosseriewerkstatt an einer
Seitenstrasse liege, weshalb die Beschwerdeführerin von der Erschliessung der
Carrosseriewerkstatt (Ein- und Ausfahrten, Anlieferung, Parkplätze) nicht betroffen sei. Die
Beschwerdeführerin habe keinen tatsächlichen Nutzen aus der Beschwerde, da der
Gebäudekomplex H_ längst bestehe und nicht mehr verhindert werden könne. Es
sei somit kein Rechtsschutzinteresse an diesen Rügen gegeben.
c) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen ihrer
Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 40 Abs. 2 BauG). Die
Beschwerdeführerin hat am vorinstanzlichen Verfahren als Einsprecherin teilgenommen
und ist durch den vorinstanzlichen Gesamtentscheid formell beschwert. Dies allein genügt
jedoch noch nicht. Die Beschwerdelegitimation setzt weiter voraus, dass die
beschwerdeführende Partei durch den angefochtenen Entscheid besonders berührt ist und
ein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung oder Änderung der angefochtenen
Verfügung oder des Entscheids hat (Art. 65 Abs. 1 Bst. b und c VRPG4). Diese Interessen
2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 4 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
5
können tatsächlicher oder rechtlicher Natur sein. Vorausgesetzt ist aber eine besonders
nahe Beziehung zur Streitsache, welche naturgemäss die Nachbarn haben. Bei
Bauprojekten ist die räumliche Beziehungsnähe von grosser Bedeutung. Entscheidend ist
nicht ein allgemeiner Distanzwert, sondern eine Gesamtwürdigung anhand der
tatsächlichen Verhältnisse im konkreten Fall. Legitimiert sind insbesondere Eigentümer
oder dinglich Berechtigte von direkt angrenzenden Grundstücken oder von solchen, die nur
durch eine Strasse vom Baugrundstück getrennt sind. Darüber hinaus reicht die
Nachbarschaft jedoch so weit wie die allfälligen nachteiligen Auswirkungen des
Bauvorhabens.5
Die Distanz zwischen den Betrieben der Parteien beträgt rund 90 m, sie befinden sich auch
nicht an den gleichen Strassen. Der Gewerbebetrieb der Beschwerdeführerin liegt jedoch
gegenüber dem Gebäude H._ und praktisch bei der Einmündung der
Seitenstrasse, die zur Carrosseriewerkstatt führt. Die Beschwerdeführerin rügt unter
anderem die Anlieferung der Carrosseriewerkstatt und eine ungenügende Anzahl
Parkplätze. Der Güterumschlag der Beschwerdegegnerin sowie ein allfälliger Suchverkehr
können sich bei der Liegenschaft der Beschwerdeführerin auswirken. Sie ist somit vom
Bauvorhaben betroffen und daher auch in materieller Hinsicht legitimiert.
d) Wenn die erforderliche Beziehungsnähe gegeben ist, kann die Beschwerdeführerin
nach der Rechtsprechung alle Einwendungen vorbringen, die sich rechtlich oder tatsächlich
auf ihre Stellung auswirken, indem ihr im Falle des Obsiegens ein praktischer Nutzen
entsteht (vgl. Art. 40 Abs. 2 i.V.m. Art. 35c Abs. 1 BauG). Dieser Nutzen kann darin
bestehen, dass das Bauvorhaben − vorliegend die Nutzung der Räumlichkeiten als
Carrosseriewerkstatt − nicht realisiert werden kann, wenn sie mit ihrer Rüge durchdringt.6
Auf die Beschwerde ist somit grundsätzlich einzutreten.
e) Der Verfahrensgegenstand wird durch das Baugesuch umschrieben und begrenzt.
Der Streitgegenstand kann im Verlauf des Verfahrens zwar auf einzelne Fragen
beschränkt, nicht jedoch erweitert werden. Vorliegend ist nur das nachträgliche Baugesuch
für die Nutzung eines Teils des Gebäudes H._ als Carrosseriewerkstatt
5 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art.  N. 17; Michel Daum, Ist die rügebezogene Beurteilung der Legitimation zu Nachbarbeschwerden im Baurecht überholt? in BVR 2014 S. 83 ff. 6 BGE 137 II 30 E. 2.3; BGE 1C_236/2010 vom 16. Juli 2010 E. 1.4; BVR 2011 S. 272 E. 6.2
6
Verfahrensgegenstand. Soweit sich die Rügen der Beschwerdeführerin auf den Neubau
des Gewerbegebäudes H._ beziehen (nicht fertig gestellte Aussenanlagen,
fehlende Markierung der Abstellplätze für Fahrzeuge von Behinderten, Unklarheiten
bezüglich Ableitung des Dachwassers, unbewilligte Wohnung, fehlende Grünflächen), kann
auf die Beschwerde nicht eingetreten werden. Diese Vorbringen haben weder einen
Zusammenhang mit dem Baugesuch der Beschwerdegegnerin, noch betreffen sie ihren
Betrieb. Es handelt sich um baupolizeiliche Sachverhalte in Zusammenhang mit der
Erstellung des Gewerbegebäudes, an denen die Beschwerdegegnerin nicht beteiligt ist.
f) Die Beschwerdeführerin rügt in ihrer Eingabe vom 16. August 2014 (eingegangen am
21. August 2014) erstmals Immissionen durch Schleif- und Farbarbeiten der
Beschwerdegegnerin. Sie beantragt, die Baubewilligung sei mit Massnahmen für die
Abluftbehandlung zu ergänzen. Die Beschwerdegegnerin beantragt, darauf sei nicht
einzutreten, da diese Rügen neu und somit verspätet seien.
Die Einsprecher sind nach Art. 40 Abs. 2 BauG nur im Rahmen ihrer Einsprachegründe
beschwerdebefugt, so dass neue Rügen im Beschwerdeverfahren grundsätzlich nicht mehr
vorgebracht werden können. Anders als im bernischen Recht bildet nach
bundesgerichtlicher Rechtsprechung die Baubewilligung an sich den Streitgegenstand.
Trotz der Beschränkung der Rügegründe gemäss Art. 40 Abs. 2 BauG können im
Verfahren vor der BVE noch jene Verletzungen von Bundesrecht neu vorgebracht werden,
die auch noch vor einer oberen Rechtsmittelinstanz erstmals vorgebracht werden könnten.7
Die Rügen der Beschwerdeführerin betreffen insbesondere das Umweltrecht und den
Gesundheitsschutz der Arbeitnehmenden ‒ beides Rechtsgebiete, die bundesrechtlich
geregelt sind (USG8, LRV9, ArG10 und weitere Erlasse). Voraussetzung ist aber auch in
diesem Fall, dass die neuen Rügen innert der Beschwerdefrist begründet vorgebracht
werden (Art. 32 VRPG). Die Beschwerdeführerin hat sie erst im Laufe des
Beschwerdeverfahrens und somit verspätet erhoben. Die BVE kann das Bauvorhaben aber
von Amtes wegen prüfen und den Entscheid abändern, wenn er wesentliche Mängel
aufweist (Art. 40 Abs. 3 BauG).
7 BVR 2015 S. 15 E. 1.4; VGE 2010/90 vom 1. November 2010, E. 2.3 und 2.4 8 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01) 9 Luftreinhalte-Verordnung des Bundesrates vom 16. Dezember 1985 (LRV; SR 814.318.142.1) 10 Bundesgesetz vom 13. März 1964 über die Arbeit in Industrie, Gewerbe und Handel (Arbeitsgesetz, ArG; SR 822.11)
7
g) Ein Augenschein war nicht erforderlich, da die tatsächlichen Verhältnisse anhand der
Fotos genügend beurteilt werden konnten. Für die Klärung von fachspezifischen Fragen
(gewässerschutzrechtliche Beurteilung des Güterumschlags, Beurteilung der
Farbspritzarbeiten) waren Berichte und schriftliche Stellungnahmen der Fachbehörden
zweckdienlich. Der Beweisantrag (Augenschein) wird deshalb abgewiesen.
2. Zufahrten, Parkplätze
a) Die Beschwerdeführerin macht geltend, nach der ÜO seien die Zufahrten für das
gesamte Gewerbegebäude ausschliesslich auf der Nordseite vorgesehen und deren Lage
und Anzahl auf dem Überbauungsplan mit schwarzen Dreiecken gezeichnet. Beim
betreffenden Gebäudeteil habe es nur ein Dreieck und diese einzige zulässige Zufahrt sei
schon anderweitig vergeben. Es bestünden Ein- und Ausfahrten auf allen Gebäudeseiten,
was illegal sei. Mit der Bewilligung der Carrosseriewerkstatt würden Sachzwänge
geschaffen, welche die Umsetzung der ÜO verhindere, indem eine Erschliessung der
südlich gelegenen Räume mit einem Lastwagenkorridor von der Nordseite her
verunmöglicht würde. Weiter rügt sie, der Gebäudeblock H._ verfüge über keine der
von der ÜO vorausgesetzten Abladeflächen und Andockstellen auf dem Grundstück. Die
Beschwerdegegnerin hält dagegen, dass einzig die Nutzung der Räumlichkeiten als
Carrosserie / Spenglerei zu beurteilen sei. Die Zufahrt zu ihrem Betrieb bestehe und sei
rechtskräftig bewilligt.
b) Es trifft zu, dass die Zufahrt für die Anlieferung des gesamten Gebäudes nach der
ÜO einzig auf der Nordseite zulässig wäre (vgl. Art. 3 und 19 ÜV11). Tatsache ist aber, dass
das Gewerbegebäude, das allseitig Zugänge hat und keine Abladeflächen u.ä. aufweist,
mit Gesamtbaubewilligung des früheren Regierungsstatthalters von Interlaken (heute
Interlaken-Oberhasli) vom 3. Oktober 2008 bewilligt und längst erstellt wurde. Ob das
Gebäude den Vorschriften der ÜO entspricht, ist vorliegend nicht Verfahrensgegenstand.
Zu beurteilen ist nur das Nutzungsgesuch der eingemieteten Beschwerdegegnerin. Wie die
BVE in einem anderen Verfahren festgestellt und das Verwaltungsgericht bestätigt hat, ist
mit den allseitig bewilligten Zugängen auch deren Nutzung als Ein- und Ausfahrten für
11 Überbauungsordnung (ÜO) "K._", bestehend aus dem Überbauungsplan und den Überbauungsvorschriften (ÜV), vom Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) genehmigt am 8. August 1995, mit Änderungen vom 3. April 2002, 17. März 2003 und 4. Juni 2014.
8
Anlieferungen zulässig.12 Die Carrosseriewerkstatt verfügt demnach über einen bewilligten
Zugang.
c) Streitig ist, ob für das Bauvorhaben genügend Abstellplätze vorhanden sind. Mit
Gesamtbauentscheid vom 3. Oktober 2008 wurden für das ganze Gewerbegebäude 82
Autoabstellplätze bewilligt.13 Im Baubewilligungsverfahren für den Einbau der Kantine im
Jahr 201014 wurde die Parkplatzsituation und die Anordnung der Parkplätze erneut beurteilt
und auf dem Grundrissplan "EG Gesamt" 71 „normale Parkplätze“ sowie 22 "Abend- /
Wochenendparkplätze für besondere Anlässe" bewilligt.15 Die Carrosseriewerkstatt
entspricht der damals (und heute) in Art. 7 ÜV vorgesehenen gewerblichen Nutzung
(Reparaturwerkstatt). Mit ihrer Geschossfläche von rund 310 m2 (Werkstatt inkl. Galerie) ist
sie ein Kleinbetrieb. Bei einer separaten Betrachtungsweise wären für diesen Betrieb
gemäss Art. 52 BauV16 ein bis maximal zehn Parkplätze erforderlich. Direkt vor der
Carrosseriewerkstatt befinden sich zwei Parkplätze, was der Baubewilligung von 2011
entspricht.17 Ausserdem kann die Beschwerdegegnerin ihre Zufahrt als Abstellplatz nutzen
(sogenannte Abend- bzw. Wochenendparkplätze), da dieser Zugang nur die
Carrosseriewerkstatt erschliesst. Es ist deshalb nicht nachvollziehbar, weshalb die
Beschwerdeführerin geltend macht, es stehe nur ein Parkplatz zur Verfügung. Die
Carrosseriewerkstatt wird bereits seit rund 2 1⁄2 Jahren betrieben. Sie verfügt nach eigenen
Angaben lediglich über einen Ersatzwagen für die Kunden, hat aber keine eigenen Nutz-
oder Abschleppfahrzeuge.18 Es bestehen keine Hinweise, dass das vorhandene
Parkplatzangebot nicht ausreichend wäre, zumal die Angestellten, die zur beruflichen
Wiedereingliederung im Betrieb arbeiten, zumeist keine eigenen Autos haben. Die
vorhandenen zwei Parkplätze genügen für die Nutzung dieser Räume als
Carrosseriewerkstatt.
12 BDE vom 1. Mai 2014, RA Nr. 110/2014/17 / VGE 2014/139 vom 14. Oktober 2014, E. 3.3 ff. 13 Plan Umgebung Parkplätze / Baumabstände 1:200 vom 5. August 2008, rev. 1. Oktober 2008 14 Gesamtbauentscheid des Regierungsstatthalteramtes Interlaken-Oberhasli vom 25. Mai 2011 (bbew 2166/2010), betreffend Einbau einer Kantine im Obergeschoss (Block C) und Erteilen der Betriebsbewilligung C nach Art. 6 Abs. 2 des Gastgewerbegesetzes 15 Ausführungsplan Grundriss EG Gesamt 1:200 vom 30. Juni 2008, rev. 16. August 2010 16 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1) 17 Vgl. Fotos der Gemeinde gemäss Eingabe an das Rechtsamt vom 10. Juni 2014; Ausführungsplan Grundriss EG Gesamt 1:200 vom 30. Juni 2008, rev. 16. August 2010 18 Stellungnahme der Beschwerdegegnerin vom 9. Dezember 2013 zur Einsprache, Vorakten des Regierungsstatthalteramtes, pag. 56 f.
9
d) Der Beschwerdegegnerin kann als Mieterin nicht zum Vorwurf gemacht werden, dass
in der Baubewilligung für den Neubau des Gewerbegebäudes keine Fahrrad- oder
Motorfahrradabstellplätze vorgesehen wurden. Die Carrosseriewerkstatt hat gemäss
Baugesuch zwei Angestellte und ein bis zwei Lernende.19 Vier Velos oder Mofas könnten
bei Bedarf problemlos in der Carrosseriewerkstatt abgestellt werden. Die Beschwerde
erweist sich auch insofern als unbegründet.
19 Formular 4.0, Betreiben, Einrichten, Umgestalten von Betrieben und Anlagen
10
3. Güterumschlag
a) Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Parkplätze dürften aufgrund des
wasserdurchlässigen Belags nicht als Umschlagplatz benützt werden. Es sei utopisch
anzunehmen, dass die Anlieferung in der kleinen Carrosseriewerkstatt erfolgen könne,
zumal diese vor jeder Anlieferung durch einen Lastwagen ausgeräumt werden müsste.
Bereits heute werde regelmässig die öffentliche Strasse für die Anlieferung zur
Carrosseriewerkstatt benützt. Die Beschwerdegegnerin erklärt in ihrer Beschwerdeantwort,
es sei ihre Sache, wie sie sich organisiere, um die Auflagen der Baubewilligung zu erfüllen.
Der beschränkte Umschlag von angeliefertem Material könne ohne weiteres im
Gebäudeinnern abgewickelt werden.
b) Stoffe, die Wasser verunreinigen können, dürfen nicht versickern. Verschmutztes
Abwasser muss behandelt werden. Es darf nur mit Bewilligung der kantonalen Behörde
einer Versickerung zugeführt werden (vgl. Art. 6 und 7 GSchG20). Gemäss Art. 18 Abs. 2
ÜV müssen Parkflächen mit einem wasserdurchlässigen Belag erstellt werden, was
vorliegend geschehen ist.
c) Die Vorinstanz hat in Ziffer 2.1, letzter Punkt folgende Auflage verfügt:
«Nach der Bauabnahme  (...)
 Der Güterumschlag ist nur ab den gemieteten und zugeteilten Parkplätzen
vorzunehmen.»
In Ziffer 2.2 lauten die Gewässerschutzauflagen wie folgt:  «Die Werkstattentwässerung darf nur für die Ableitung von Schneeschmelz- /
Abtropfwasser verwendet werden.
 Der Parkplatz darf nur für das Abstellen von immatrikulierten Fahrzeugen oder
Fahrzeugen wie Occasionen, die gemäss den Bestimmungen der Verordnung
über die technischen Anforderungen an die Strassenfahrzeuge fahrbar sind,
genutzt werden. Jegliches Abstellen von Abbruchfahrzeugen, Fahrzeugen, an
denen Arbeiten zu verrichten sind, sowie anderen Materialien ist nicht zulässig.»
20 Bundesgesetz vom 24. Januar 1991 über den Schutz der Gewässer (Gewässerschutzgesetz, GSchG; SR 814.20)
11
Im Gesamtbauentscheid vom 3. Oktober 2008 hat das Regierungsstatthalteramt Interlaken
betreffend den Neubau der Gewerbehalle in Ziff. 3.2.2 unter anderem folgende
gewässerschutzrechtlichen Auflagen verfügt:
 «Umschlagplätze und Aussenarbeitsplätze sind mit einem dichten Boden (Beton
oder Teerbelag) zu versehen und über Schlammsammler mit Tauchbogen in die
Schmutzwasserkanalisation zu entwässern. Die Anwendung von
wassergefährdenden Stoffen auf diesen Flächen ist untersagt.
 Auf Plätzen, welche nicht in die Schmutzwasserkanalisation entwässern, ist das
Waschen von Fahrzeugen, Geräten usw. sowie das Lagern und der Umgang mit
wassergefährdenden Stoffen verboten.»
d) Der Güterumschlag der Carrosseriewerkstatt umfasst zu reparierende Fahrzeuge
und Unfallfahrzeuge, bei denen Öl bzw. wassergefährdende Stoffe auslaufen können, was
nach den Bestimmungen von Art. 6 und 7 GSchG und den gewässerschutzrechtlichen
Auflagen die Nutzung des Parkplatzes ausschliesst. Die Auflage von Ziff. 2.1, wonach der
Güterumschlag auf den Parkplätzen erfolgen soll, lässt sich nicht aufrechterhalten.
Auf den Parkplätzen, die einen wasserdurchlässigen Belag aufweisen, ist somit sämtlicher
Umgang mit wassergefährdenden Stoffen untersagt. So sind weder der Güterumschlag der
Carrosseriewerkstatt (Auf- und Abladen von Fahrzeugen) noch Arbeiten an den zu
reparierenden Fahrzeugen gestattet, ebenso wenig dürfen Abbruchfahrzeuge oder
reparaturbedürftige Fahrzeuge darauf abgestellt werden. Auch der asphaltierte Vorplatz
der Carrosseriewerkstatt steht für den Güterumschlag nicht zur Verfügung. Das AWA
erklärte mit Stellungnahme vom 30. Juli 2014, dass der Vorplatz zwar mit einem
befestigten Belag versehen sei. Diese Aussenfläche werde aber nicht in die
Schmutzwasserkanalisation, sondern in die Versickerungsanlage der Gewerbebaute
entwässert, weshalb eine Nutzung als Umschlagplatz nicht zulässig sei. Anlieferungen und
Abtransporte müssten in der Werkstatt erfolgen. Das AWA hielt weiter fest, eine Nutzung
des befestigten Vorplatzes als Umschlagplatz würde voraussetzen, dass die Fläche über
einen Schlammsammler in die Schmutzwasserkanalisation entwässert werde. Falls
Unfallfahrzeuge angeliefert würden, wäre zusätzlich ein Mineralölabscheider notwendig.
Das Erstellen dieser Anlagen sowie der Anschluss an die Schmutzwasserkanalisation
seien bewilligungspflichtig.
12
e) Das AWA hat die Entwässerung anlässlich seiner Betriebsbesichtigung vom 23.
Januar 2013 in einer Skizze festgehalten.21 Die Entwässerung des geteerten Vorplatzes,
der zum Gebäude hin leicht abfällt, erfolgt in die Rinne vor dem Tor der Werkstatt. Das dort
aufgefangene Wasser wird in Richtung Versickerungsmulde abgeleitet. Dies geht auch aus
dem Ausschnitt des Grundrissplans hervor, den die Beschwerdegegnerin im
Baubewilligungsverfahren eingereicht hat.22 Es ergibt sich bereits aus der Baubewilligung
von 2008, dass weder die Parkplätze noch der asphaltierte Vorplatz für das Auf- oder
Abladen von Fahrzeugen genutzt werden dürfen. Deshalb würde es eigentlich genügen,
die Auflage von Ziffer 2.1, wonach der Güterumschlag auf den Parkplätzen zu erfolgen hat,
lediglich aufzuheben. Der Klarheit halber ist es hier aber angebracht, die Auflage
aufzunehmen, dass der Güterumschlag im Werkstattinneren erfolgen muss und die
Parkplätze sowie der Vorplatz nicht als Umschlagplatz genutzt werden dürfen. Die
Beschwerdegegnerin hatte bereits im vorinstanzlichen Verfahren erklärt, dass das Ein- und
Ausladen der Fahrzeuge in der Werkstatt erfolgen könne. Mit Eingabe vom 26. August
2014 bekräftigte sie, die angelieferten Fahrzeuge würden im Werkstattinnern abgeladen.
Sie beabsichtige nicht, die Aussenfläche als Umschlagplatz zu benutzen.
f) Die Beschwerdeführerin bezweifelt, dass in der Werkstatt genügend Platz für die
Anlieferung von Fahrzeugen vorhanden ist. Die Werkstatt ist mit ihrer Grundfläche von 240
m2 (ohne Galerie) zwar nicht besonders gross. Die Beschwerdegegnerin hat aber
nachvollziehbar belegt, dass die Anlieferung und das Abladen eines Autos in der Werkstatt
möglich sind.23 Die Auflage steht ausserdem in Einklang mit Art. 19 Abs. 2 ÜV, wonach die
Anlieferung auf dem Grundstück zu erfolgen hat, und stellt sicher, dass kein öffentlicher
Raum dafür beansprucht wird.
g) Nach dem Gesagten ist die Auflage in Ziff. 2.1, letzter Punkt, des angefochtenen
Entscheides wie folgt zu ersetzen:  Der Güterumschlag (Auf- und Abladen von Fahrzeugen) muss im
Gebäudeinnern erfolgen. Die Parkplätze und die befestigte Aussenfläche
(Vorplatz) dürfen nicht als Umschlagplatz benutzt werden.
21 Vorakten des Regierungsstatthalteramtes, pag. 40 22 Vgl. Vorakten des Regierungsstatthalteramtes, pag. 90 23 Fotobeilage zur Eingabe der Beschwerdegegnerin vom 26. August 2014
13
Im Weiteren ist der angefochtene Entscheid mit den Auflagen des AWA zu ergänzen, die
diese im Amtsbericht vom 23. Februar 2015 der Klarheit halber formuliert hat. Diese
Auflagen betreffen nicht nur die Farbspritzarbeiten (siehe nachstehende Erwägung),
sondern auch die Nutzung der Aussenflächen.
4. Anlagegenehmigung für Farbspritzarbeiten (nachträgliches Gesuch)
a) Gewerbsmässig betriebene Beschichtungs- oder Bedruckungsanlagen für
Oberflächen mit Farben, Lacken etc. bedürfen einer Anlagegenehmigung durch das beco
und setzen ein entsprechendes Gesuch voraus (vgl. Art. 16 ABAG24 i.V.m. Art. 5 und
Anhang I Ziff. 2.12 ABAV25). Die Beschwerdegegnerin hat im Verfahren vor der BVE ein
nachträgliches Gesuch für eine Anlagegenehmigung für Farbspritzarbeiten mit
Verwendung einer mobilen Farbnebelabsaugwand Typ LC 4000 mit Typ 5 Ventilator und
dreistufigem Filtersystem eingereicht. Als Auflagen beantragt die Beschwerdegegnerin eine
Beschränkung auf Spritzarbeiten mit geringem Farbverbrauch (maximal 20 kg pro Jahr),
eine Beschränkung der Spritzzeit auf weniger als eine Stunde pro Tag und die Installation
eines Betriebsstundenzählers.
b) Der Amtsbericht vom 21. Januar 2015 des beco zu den Arbeitsbedingungen und zum
Immissionsschutz lautet positiv. Das beco hat die Schweizerische
Unfallversicherungsanstalt (SUVA) zum Anlagegesuch angehört und beantragt, das
Vorhaben mit den Auflagen der SUVA zu bewilligen. Die SUVA hielt in ihrem Mitbericht
fest, die vorgesehene Anlage eigne sich für Betriebe, die nur wenige Spritzarbeiten mit
geringem Farbverbrauch (bis 20 kg pro Jahr) hätten. Die Spritzzeit pro Tag müsse weniger
als eine Stunde pro Tag betragen. Bei grösserem Farbverbrauch und längerer Spritzdauer
sei die Abluft der Absaugwand ins Freie zu führen. Weiter führte die SUVA aus, es müsse
ein Betriebsstundenzähler vorhanden sein, so dass rechtzeitig erkannt werde, wann die
Aktivkohle ersetzt werden müsse. Die Anlage sei nach den Angaben des Herstellers zu
warten. Es müsse ein geeigneter Atemschutz getragen werden.26
24 Gesetz vom 4. November 1992 über die Arbeit, Betriebe und Anlagen (ABAG; BSG 832.01) 25 Verordnung vom 19. Mai 1993 über die Arbeit, Betriebe und Anlagen (ABAV; BSG 832.011) 26 E-Mail der Suva vom 9. Dezember 2014, Beilage zum Amtsbericht des beco vom 21. Januar 2015
14
Das beco führte im Amtsbericht aus, die Ausrüstung der Farbnebelabsaugwand mit einem
Dreifach-Filtersystem entspreche dem Stand der Technik. Bei einem Farbverbrauch von
lediglich 20 kg pro Jahr (je nach Farbtyp entspreche dies einer Lösemittelmenge unter 10
kg) entstünden keine übermässigen Emissionen, auch wenn diese diffus entwichen. Aus
lufthygienischer Sicht sei es nicht erforderlich, die Abluft über Dach zu führen. Das
Vorhaben erfülle die Bestimmungen über die Gesundheitsvorsorge und
Berufsunfallverhütung, wenn es nach den Gesuchsunterlagen und den Bedingungen und
Auflagen erstellt, betrieben und unterhalten werde.
Das AWA beantragt mit Amtsbericht vom 23. Februar 2015, weitere Auflagen in den
Gesamtentscheid aufzunehmen (siehe Erwägung 3). Die Gebäudeversicherung hielt in
ihrem Schreiben vom 25. Februar 2015 fest, das nachträgliche Gesuch habe keinen
Einfluss auf die Brandschutzauflagen vom 18. Oktober 2013; diese seien weiterhin gültig.
c) Die Beschwerdeführerin rügt, die belastete Abluft der Schleif- und Farbspritzarbeiten
müssten kontrolliert über das Dach ins Freie abgeführt werden. Es sei nicht einzusehen,
weshalb die benachbarte Carrosserie M._ und die A._, die viel weniger
Spritzarbeiten ausführe als eine Carrosseriewerkstatt, Abluftanlagen hätten installieren
müssen. Ein Farbverbrauch von lediglich 20 kg pro Jahr sei nicht glaubhaft. Das beco habe
zu Unrecht auf die Angaben der Beschwerdegegnerin abgestellt. Die Beschwerdegegnerin
bringt dagegen vor, sie sei eine Carrosserie Spenglerei. Ihre Arbeiten entsprächen dem
Tätigkeitsbeschrieb des Berufsbildes. Sie repariere Fahrzeugaufbauten, vor allem von
Unfallautos, bringe eingedrückte Stellen in die ursprüngliche Form zurück und ersetze stark
beschädigte Carrosserieteile durch neue Teile. Daneben führe sie einzelne Nebenarbeiten
als Vorbereitung für das Lackieren aus und spritze Kleinteile. Grössere Farbspritzarbeiten
würden ausnahmslos durch Drittfirmen ausgeführt. Der Farbverbrauch sei
dementsprechend gering. Ihr Betrieb sei daher nicht vergleichbar mit der benachbarten
Carrosserie-Lackiererei M._, deren Arbeitsschwerpunkt bei Schleif- und
Farbspritzarbeiten liege.
d) Da die Beschwerdegegnerin auch Spenglerarbeiten ausführt und die grösseren
Farbspritzarbeiten an andere Firmen vergibt, ist die Angabe von 20 kg Farbverbrauch pro
Jahr glaubhaft. Das Lackieren von Carrosserieteilen hat nur untergeordnete Bedeutung
und bildet nicht den Schwerpunkt ihrer Tätigkeit. Die Beschwerdegegnerin hat sich aber bei
ihren Angaben behaften zu lassen und nötigenfalls zu belegen, dass sie die Auflagen
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einhält. Die Anlagegenehmigung berechtigt nur zu Farbspritzarbeiten im Rahmen dieser
Auflagen. Sofern die Beschwerdegegnerin den angegebenen Farbverbrauch pro Jahr und
die Spritzzeiten überschreitet, ist eine Abluftanlage, die über Dach führt, erforderlich. Der
angegebene Farbverbrauch bewegt sich unterhalb der Bagatellgrenze, die
immissionsrechtlich relevant ist, wie das beco mit Verweis auf Art. 613 Abs. 3 im Anhang 2
LRV27 festgehalten hat.28 Diese Bestimmung betrifft Farben, die als Lösemittel neben
Wasser ausschliesslich Ethanol bis zu 15% enthalten. Ab einem Massenstrom von 3 kg/h
dürfen die Emissionen von Ethanol 300 mg/m3 nicht überschreiten. Entgegen der Meinung
der Beschwerdeführerin sind die Grenzwerte von 3 kg/h Massenstrom und die
Konzentrationsgrenze der Lösemittel von 300 mg/m3 nicht alternativ zu verstehen. Die 20
kg Farbe pro Jahr entsprechen einer durchschnittlichen wöchentlichen Farbmenge von
0,384 l. Durch das Spritzen von Kleinteilen bei einem jährlichen Farbverbrauch von 20 kg
wird der Massenstrom von 3 kg pro Stunde nicht erreicht. Auch ohne Abluftanlage
entstehen somit keine übermässigen Immissionen (vgl. Art. 6 LRV). Die Vorbringen der
Beschwerdeführerin erweisen sich somit als unbegründet. Die Anlagegenehmigung für die
Farbspritzarbeiten mit Verwendung einer mobilen Farbnebelabsauganlage (Straumann AG,
Typ LC 4000 mit Typ 5 Ventilator und dreistufigem Filtersystem) kann unter den genannten
Auflagen des beco erteilt werden.
e) Die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Ungleichbehandlung ist nicht
belegt. Der Umfang der Lackierarbeiten der Carrosserie M._ und der A._ sind
nicht bekannt. Der Betrieb M._ bezeichnet sich auf seiner Homepage als
"modernste Autolackiererei des Berner Oberlands". Farbspritzarbeiten dürften somit
dessen Haupttätigkeit darstellen. Was die Beschwerdeführerin (A._) anbelangt,
macht sie nicht geltend, dass ihr das beco eine Anlagegenehmigung für Farbspritzarbeiten
mit einer mobilen Farbnebelabsaugwand verweigert hätte.
5. Zusammenfassung und Kosten
a) Zusammenfassend kann auf die Beschwerde insoweit nicht eingetreten werden, als
sie baupolizeiliche Sachverhalte in Zusammenhang mit dem Gewerbegebäude betrifft. Die
27 Luftreinhalte-Verordnung des Bundesrates vom 16. Dezember 1985 (LRV; SR 814.318.142.1) 28 Fachbericht des beco, Immissionsschutz, vom 22. September 2014, S. 2
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Carrosseriewerkstatt verfügt über einen bewilligten Zugang und genügend Parkplätze.
Diesbezüglich sind die Rügen der Beschwerdeführerin unbegründet.
Der Beschwerdeführerin ist aber insofern zuzustimmen, als aus gewässerschutzrechtlichen
Gründen weder der Vorplatz noch die Parkplätze als Umschlagplatz der
Carrosseriewerkstatt verwendet werden dürfen. Die Auflage zum Güterumschlag ist durch
die Anordnung zu ersetzen, dass der Warenumschlag im Gebäudeinnern stattfinden muss.
Die Beschwerdegegnerin ist damit einverstanden und hat belegt, dass dies räumlich
möglich ist. Die Beschwerdeführerin dringt mit ihren dagegen vorgebrachten Rügen nicht
durch. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann.
Gestützt auf die (verspätete) Rüge der Beschwerdeführerin hat die BVE die Frage der
Anlagegenehmigung für Farbspritzarbeiten von Amtes wegen geprüft. Das im vorliegenden
Beschwerdeverfahren eingereichte Gesuch der Beschwerdegegnerin um
Anlagegenehmigung für Farbspritzarbeiten kann mit den von ihr vorgeschlagenen und
weiteren Auflagen des beco bewilligt werden. Die dagegen erhobenen Einwände der
Beschwerdeführerin erweisen sich als unbegründet.
b) Die Verfahrenskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG).
Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr in der
Höhe von Fr. 200.− bis Fr. 4'000.− (Art. 19 Abs. 1 i.V.m. Art. 4 Abs. 2 GebV29). Für
besondere Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren
erhoben werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Die Verfahrenskosten werden festgesetzt auf
Fr. 1'800.−. Darin enthalten sind auch die Kosten für die Stellungnahmen des AWA und
des beco. Für die Amtsberichte des AWA und beco zum Anlagegesuch für
Farbspritzarbeiten werden Verfahrenskosten von Fr. 800.‒ erhoben. Für die
Zwischenverfügung vom 9. September 2014 über die Anordnung von vorsorglichen
Massnahmen wird eine Pauschalgebühr von Fr. 400.− erhoben. Die Verfahrenskosten
betragen somit insgesamt Fr. 3'000.−.
29 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
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c) Die Beschwerdegegnerin hat sich der Auflage zum Güterumschlag unterzogen und
gilt insofern als unterliegend. Aufgrund ihrer Vorbringen waren mehrere Stellungnahmen
von Fachbehörden erforderlich. Die Beurteilung des Gesuchs um Anlagegenehmigung für
die Farbspritzarbeiten wurde von der BVE erstinstanzlich vorgenommen. Erstinstanzliche
Kosten hat die Beschwerdegegnerin zu tragen (vgl. Art. 52 BewD30). Der
Beschwerdegegnerin werden daher die Hälfte der Verfahrenskosten sowie die Kosten für
die Amtsberichte im Gesamtbetrag von Fr. 1'700.‒ auferlegt.
Die Beschwerdeführerin unterlag in Bezug auf die Anordnung von vorsorglichen
Massnahmen und hat die dafür angefallenen Kosten von Fr. 400.‒ zu übernehmen. Auch
in der Hauptsache dringt sie mit ihren Anträgen nicht durch. Sie hat daher die andere
Hälfte der Verfahrenskosten von Fr. 1'800.−, ausmachend Fr. 900.‒ zu übernehmen. Die
Verfahrenskosten der Beschwerdeführerin belaufen sich somit auf insgesamt Fr. 1'300.‒.
d) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Für Gesuche, die erstinstanzlich beurteilt
werden, besteht kein Anspruch auf Parteikostenersatz (Art. 52 Abs. 1 BewD).
Die Beschwerdeführerin war nicht anwaltlich vertreten und hat daher keinen Anspruch auf
Ersatz von Parteikosten (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Die Kostennote des Anwaltes der
Beschwerdegegnerin im Betrag von Fr. 6'231.60 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) gibt
zu keinen Bemerkungen Anlass. Analog zur Verteilung der Verfahrenskosten rechtfertigt es
sich vorliegend, der Beschwerdeführerin die Hälfte der Parteikosten aufzuerlegen. Sie hat
demnach der Beschwerdegegnerin einen Betrag von Fr. 3'115.80 (inkl. Auslagen und
Mehrwertsteuer) zu ersetzen.
30 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1)
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