# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 5f213d0f-baf3-45a0-ab3d-8b446c4278e2
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1983, arbeitete zuletzt seit August 2003 als Business Manager bei der Y._ AG (Urk. 2/7/37). Unter Hinweis auf chronische Schmerzen meldete sie sich erstmals am 7. Februar 2009 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 2/7/6). Nachdem die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Schwyz, IV-Stelle, die medizinische und er
werbliche Situation (Urk. 2/7/9, Urk. 2/7/11-12) abgeklärt hatte, teilte sie der Ver
sicherten am 15. April 2009 mit, dass zurzeit keine beruflichen Massnahmen not
wendig seien (Urk. 2/7/15). Mit Verfügung vom 13. November 2009 (Urk. 2/7/22) verneinte sie sodann einen Rentenanspruch der Versicherten mangels dauernder Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40 %.
1.2
Am 23. Januar/12. Februar 2013 meldete sich die Versicherte erneut zum Leis
tungsbezug an (Urk. 2/7/24, Urk. 2/7/27). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte Abklärungen der medizinischen und erwerbli
chen Situation (Urk. 2/7/31-35, Urk. 2/7/37-39, Urk. 2/7/54) und gewährte der Versi
cherten Frühinterventionsmassnahmen in Form einer Laufbahnberatung (Urk. 2/7/40) sowie eines Job Coachings (Urk. 2/7/45). Im April 2014 schloss die IV
Stelle die Frühinterventionsmassnahmen ab (Urk. 2/7/57) und veranlasste eine rheumatologische sowie psychiatrische Begutachtung, über welche am 28. Mai respektive 2. Juni 2014 berichtet wurde (Urk. 2/7/65, Urk. 2/7/67). Die zuständige Pensionskasse entrichtet der Versicherten eine Teilinvalidenrente (Urk. 2/7/49, Urk. 2/7/93).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 2/7/70, Urk. 2/7/79, Urk. 2/7/83, Urk. 2/7/85, Urk. 2/7/94, Urk. 2/7/105, Urk. 2/7/111) verneinte die IV-Stelle mit Verfü
gung vom 22. Januar 2015 (Urk. 2/7/113) einen Rentenan
spruch der Versicherten.
1.3
Die von der Versicherten am 19. Februar 2015 dagegen erhobene Beschwerde (Urk. 2/1) wies das hiesige Gericht im Verfahren IV.2015.00235 mit Urteil vom 13. Mai 2016 ab (Urk. 2/17).
2.
2.1
Das Bundesgericht hiess die von der Beschwerdeführerin am 28. Juni 2016 dage
gen erhobene Beschwerde (Urk. 2/19) mit Urteil 8C_445/2016 vom 7. Februar 2017 (Urk. 1) teilweise gut und wies die Sache zur Einholung eines Gerichtsgut
achtens und zu neuer Entscheidung an das hiesige Gericht zurück.
2.2
In Nachachtung des Urteils des Bundesgerichts stellte das hiesige Gericht mit Be
schluss vom 3. März 2017 (Urk. 3) die Einholung eines polydisziplinären Gutach
tens bei der Medas Z._ in Aussicht und gab den Parteien Gelegenheit, Einwendungen gegen die in Aussicht genommene Begutachtungsstelle und die dort tätigen Ärztinnen und Ärzte vorzubringen sowie sich zu den Fragen an die Sachverständigen zu äussern beziehungsweise Abänderungs- und Ergän
zungs
anträge zu stellen.
Die Beschwerdegegnerin erhob mit Eingabe vom 15. März 2017 (Urk. 5) keine Einwände gegen die in Aussicht genommene Begutachtungsstelle und teilte mit, dass sie keine Ergänzungen beantrage.
Mit Schreiben vom 11. Mai 2017 (Urk. 7) erklärte sich auch die Beschwerdefüh
re
rin mit einer Begutachtung durch die Ärzte der Medas Z._ und grundsätzlich ebenfalls mit dem Fragenkatalog als einverstan
den. Nach Rück
sprache mit ihrem behandelnden Arzt wies sie indessen darauf hin, dass für die Begutachtung ein Schmerzspezialist hinzugezogen werden sollte. Diesbezüglich wurde sie auf die Ausführungen im Beschluss vom 3. März 2017 (Urk. 3) hinge
wiesen, wonach die abschliessende Festlegung der notwendigen Fachrichtungen den Gutachterinnen und Gutachtern obliege und dies insbeson
dere für einen all
fälligen Beizug eines Spezialisten oder einer Spezialistin für Stoffwechselerkran
kungen gelte (vgl. Urk. 3 S. 2 Ziff. 1). Dasselbe habe auch für den Beizug eines Schmerzspezialisten zu gelten (vgl. Urk. 9 S. 2).
2.3
Mit Beschluss vom 18. Mai 2017 (Urk. 9) hat das Gericht über das Gutachten und die Fragestellung definitiv beschlossen und die Medas Z._ mit der Begutachtung beauftragt. Ein Rechtsmittel gegen diesen Beschluss wurde nicht erhoben.
Mit Eingabe vom 31. Juli 2017 (Urk. 13) hat die Medas Z._ mitgeteilt, welche Ärztinnen und Ärzte für die Begutachtung vorgesehen sind.
Mit Verfügung vom 8. August 2017 (Urk. 14) hat das Gericht den Parteien Gele
genheit gegeben, gegen die vorgesehenen Gutachterinnen und Gutachter begrün
dete Einwände zu erheben.
Nachdem beide Parteien auf solche Einwände verzichtet respektive keine Ein
wände vorgebracht haben (vgl. Urk. 16), hat das Gericht mit Beschluss vom 15. September 2017 (Urk. 18) die Medas Z._ beauftragt und die Gut
achterinnen und Gutachter ernannt.
2.4
Die Beschwerdegegnerin und die Beschwerde
führerin nahmen am 15. Mai 2018 (Urk. 32; Urk. 33) Stellung zum Gutachten vom 23. Februar 2018 (Urk. 24).

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
Die massgebenden rechtlichen Bestimmungen betreffend den Invaliditätsbegriff (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversi
che
rungsrechts; ATSG, Art. 4 Abs. 1 des Bun
desgesetzes über die Invalidenver
siche
rung; IVG
) und die Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), den Anspruch auf eine In
validenrente (Art. 28 Abs. 1 und 2 IVG), die Bemessung des Invalidi
tätsgrades (
Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG), sowie betref
fend den Be
weiswert eines medizinischen Gutachtens (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c)
wurden im Urteil des hiesigen Gerichts vom
13. Mai 2016
in Sachen der Parteien (Urk.
2/
17
E. 1) sowie im Urteil des Bundesgerichts
8C_445
/201
6 vom 7. Februar 2017 (Urk. 1 E. 3
) umfassend wiedergegeben, wes
halb vollumfänglich darauf ver
wie
sen werden kann.
2.
Das Bundesgericht hielt im Wesentlichen fest,
dass mehrere Differenzen in der Beurteilung der medizinischen Situation zwischen Dr. med. A._ und den übrigen behandelnden oder ausschliesslich begutachtenden Ärzten vorlägen, wel
che die Erstere nicht überzeugend zu erklären vermöge. Infolge dieser Unverein
barkeiten könne der Einschätzung der Frau Dr. med. A._ gemäss Gutachten vom 28. Mai 2014 nicht gefolgt werden. Die Sache sei zur Einholung eines Ge
richtsgutachtens und anschliessendem neuen Entscheid an die Vorinstanz zu
rückzuweisen (Urk. 1 S. 7 E. 6.3).
3.
3.1
In Vollzug des Urteils des Bundesgerichts vom 7. Februar 2017 gab das hiesige Gericht zur Klärung der noch offenen Fragen zum Gesundheitszustand und zur Arbeitsfähigkeit eine polydisziplinäre Begutachtung der Beschwerdeführerin in Auftrag:
3.2
Die Ärzte des Medas Z._ erstatteten ihr polydisziplinäres Gutachten am 23. Februar 2018 (Urk. 24) gestützt auf die Akten sowie die eigenen Untersu
chungen und Beobachtungen der Beschwerde
führerin und nannten folgende Di
agnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 56 f. Ziff. 4.1):
-
Ehlers-Danlos Syndrom Typ III (hypermobile Form) mit
-
Entwicklung einer generalisierten chronischen Schmerzkrankheit
-
Fatigue-Symptomatik
-
rezidivierendem zervikospondylogenem und lumbospondylogenem Schmerzsyndrom, vermutlich infolge rezidivierender funktioneller Blo
ckaden
-
Kiefergelenksdysfunktion
-
anamnestisch Postural Orthostatic Tachycardia Syndrome (POTS)
-
Neurasthenie (ICD-10 F48.0)
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41
-
komplizierte, protrahierte Trauerreaktion (ICD-10 F38.8)
Sie nannten folgende Diagnosen ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfä
higkeit, aber mit Krankheitswert (S. 57 Ziff. 4.2):
-
Segmentdegeneration L3/4, Status nach konservativer Therapie einer klei
nen luxierten Diskushernie August 2012
-
leichte linkskonvexe Skoliose
-
unerwünschte Nebenwirkungen bei therapeutischer Anwendung: Opioide
-
schädlicher Nikotinkonsum
-
nicht völlig ausgeschlossene partielle Nebennierenrinden-Insuffizienz, bei
-
höchst unwahrscheinlicher autochthoner (in der Nebenniere gelegener) Ursache
-
möglicher sekundärer und/oder tertiärer (in der Hypophyse respektive im Hypothalamus situierter) Ursache, in erster Linie als Nebenwirkung von chronischer, unkontrollierter Einnahme von Hydrocortison und/oder chronischer Behandlung mit hochdosierten Opiaten
-
Knochendichtemessung Juni 2016 mittels DEXA am distalen Radius grenzwertig zwischen Osteopenie und Osteoporose, an Oberschenkel und Lendenwirbelsäule unauffällig
Sie führten aus, die klinische Untersuchung zeige
als Hauptbefund eine Beweg
lichkeit, die über das Normalmass hinausgeh
e (Hypermobilität). Dies zeige
sich einerseits am Beighton-Sco
re von 5
, aber auch an Körperstellen, die ni
cht im Beighton-Score erfasst wü
rden: sehr gut bewegliche
Halswirbelsäule
(
HWS
) und
übermässig mobile Hüft-
und Kniegelenke (S. 46). A
n der Diagnose eines Ehlers-Danlos-Syndroms Typ III (hypermobile Form)
sei
nicht zu zweifeln. In den Akten
seien
mehrmals auch ein cervikospondylogenes und ein lumbospondylogenes Syndrom erwähnt
worden
. Dies dürfte weitgehend a
uch zur Problematik des Eh
lers-
Danlos-Syndroms gehören und keine eigenständige Erkrankung darstelle
n. Am wahrscheinlichsten handle
es si
ch um rezidivierende funktionell
e Blockaden, die bedingt s
eien
durch die Hypermobilität. Eine Segmentdegeneration L4/5 mit einer luxierten Diskushernie
sei
2012 akut
gewesen
und
habe
Anlass zu einer Hospitalisation zur konservativen Behandlung eines lumboradikulären Syndroms
gegeben
. Aktuell best
ünden
keine Hinweise auf eine noch vorliegende radikuläre Kompression und di
e rezidivierenden Wirbelsäulen-Probleme entsprä
chen mit weit überwiegender Wahrscheinlichkeit Blockaden im Bereich der HWS, der LWS und der lliosakralgelenke
(S. 46 f.)
.
Die rheumatologische Untersuchung ergab, dass die Beschwerdeführerin einen grossen Leidensdruck habe. Das während der Befragung empfundene subjektive Schmerzniveau habe sie auf der 10er-Skala zwischen drei und vier Punkten fest
gelegt, was zu ihrem Erscheinungsbild passe. Sie sitze unruhig auf dem Stuhl, wechsle häufig zwischen vorderer und hinterer Sitzhaltung, stütze teilweise mit beiden Händen auf dem Stuhl ab, bitte nach etwa einer Stunde darum, aufstehen und herumgehen zu dürfen (S. 30 unten).
Aus rheumatologischer Sicht unklar
sei
die Indikation für die Behandlung mit dem Immunsuppressivum Azathioprin. Laut
der Beschwerdeführerin
sei
diese Be
handlung vor ein paar Jahren unter der Hypothese installiert
worden
, dass eine Autoimmunerkrankung v
orliegen könnte. Eine solche sei
jedoch nicht überzeu
gend nachgewiesen worden. Vorgängig
sei
offenbar ein Antimalarikum einge
setzt
worden
, das zu Nebenwirkungen (Haarausfall)
ge
führt
habe
. Azathioprin gehör
e
nicht zu den Substanzen, die zur symptomatischen Behandlung eines Eh
l
ers-Danlos-Syndroms empfohlen wü
rden.
D
iese Behandlung
sollte
nochmals evaluiert
beziehungsweise
abgesetzt werden, zumal eine immunsuppressive The
rapie nicht ganz harmlos
sei
(Risiko gehäufter Infektionen). Sorge bereite auch der Einsatz eines Opiates (MST) zur Langzeittherapie eines nicht-karzinombe
dingten Schmerzes. Glücklicherweise ha
be die Beschwerdeführerin
die Dosis im Frühling 2017 sukzessive auf aktuell 2 x 40 mg
MST reduziert. Eine weitere Re
du
ktion bis hin zum Ausschlei
chen sollte geprüft werden, wobei
es hier um ein sorgfältiges Abwägen von W
irkungen und Nebenwirkungen gehe
und dies im klinischen Kontext nicht einfach zu bewerkstelligen
sei (S. 48)
.
Zusammenfassend
sei
festzuhalten, dass eine chronische, hochdosierte Opiatthe
rapie sich dem Endokrinium
gegenüber nicht inert verhalte und schädlich sein könne
und bei höchst fraglicher Indikation (wie hier bei chronischer somatofor
mer Schmerzstörung) unter enger psychiatrischer Betreuung ausgeschlichen wer
den sollte, wonach mit hoher Wahrscheinlichkeit Hydrokortison und eventuell nötiges Östrogen/Progesteron überflüssig würden
(S. 51)
.
Bezugnehmend auf die psychiatrische Beurteilung liessen sich z
usammengefasst viele der beklagten Symptome
sowohl mit einem Ehlers-Danlos-
Syndrom wie auch mit einer psychiatris
c
hen Erkrankung aus dem Formenkreis der somatofor
men Störungen
abbilden. Die Überlappungen seien
gross, eine klare Grenzzie
hung n
icht möglich. Die Leistungseins
chätzung
sei
aus diesem Grund
in enger Absprache zwischen dem
Rheumatologen und dem Psychiater
erfolgt
. Komm
e
hinzu, dass es sich beim Ehlers-Danlos
-
Syndrom um eine sehr seltene Erkrankung handl
e
, zu der es keine grossen Outcome-Stud
ien aus grossen Kollektiven gebe (S. 56)
.
Wegen des Ehlers-Danlos
-
Syndroms mit genereller Hypermotilität und generali
sierten Weichteilschmerzen
sei die Beschwerdeführerin
nicht geeignet für körper
lich mittelschwere und schwere Tätigkeiten. Ebenso
sei
sie nicht geeignet für mo
notone, stereotyp-repetitive Tätigkeiten und Tätigkeiten in Nässe und Kälte. Für sie im Vordergrund st
ünden
eine Komb
ination von Schmerzen und Müdig
keit. Diesbezüglich best
ünden grosse Ü
berlappungen im Grenzbereich zwis
c
hen Soma und Psyche. Wie in der Beurteilung dargelegt, könn
t
en einige der beklagten Symptome sowohl mit somatischen wie auch mit psychiatrischen Codes abgebil
det werden.
Ü
berlagert w
erde
die Symptomatik zudem durch Nebenwirkungen einer in
gutachterlicher
Ansicht schlecht indizierten, recht hoch dosierten Opiattherapie. Wegen der grossen
Ü
berlappung im Grenzbereich zwischen Soma und Psy
c
he schein
e
es angebracht, eine gemeinsame somatisch-psychiatrische Leistungseinschätzun
g abzugeben. Das Leiden erreiche
insgesamt einen Schwe
regrad,
der erhebliche Auswirkungen
auf die funktionelle Leistungsfähigkeit
habe
. Dies geh
e
auch aus den Akten hervor.
Es bestehe der
Eindruck, dass sich
die Beschwerdeführerin stets Mühe gegeben habe
, im angestammten Arbeitsplatz arbeitsfähig zu bleiben. Unter den Bedingungen am realen Arbeitsplatz
sei
eine Steigerung des Pensums
über 50 % nicht möglich. Es ergäben sich keine An
halts
punkte darauf, dass primär eine mangelhafte Motivation für die Leistungsdefizite verantwortlich wäre
(S. 58)
.
Eine Neurasthenie könne
höchstens bei einer hochqualifizierten Arbeit, z
um Bei
spiel
mit Führungsfunktionen oder hohen Anforderungen an die Kreativität und Flexibilität, eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
oder mehr bewirken. Die bisheri
ge Ar
beit als Betriebsökonomin und Projektleiterin, auch in der Softwareentwick
lung, stell
e
sehr hohe Anforderungen an die Kreati
vität, Flexibilität, Konzentra
t
ionsfähigkeit und Ausdauer und, wenn sie keine gesundheitsbedingten Ein
schränkungen hätte, wäre davon auszugeben, dass
d
ie
Beschwerdeführerin
mit ihrer Ausbildung, Erfahrung und Persönlichkeit inzwischen auch Führungsfunk
tionen hätte. Wenn sie sonst keine Beschwerden hätte, aber eine Neurasthenie, würde man aus therapeutischer Sicht auf ein Weiterführen der Arbeit drängen, da ihr das Tagesstruktur, Bestätigung und Kontakte g
ebe
, was die Heilung der Neurasthenie unterstütz
e
. Dazu k
ämen
noch die Auswirkungen der Schmerzen.
Die psychische Komponente wirke
sich vor allem durch die Verlangsamung, die Schwankungen der Leistungsfähigkeit, die Schlafstörungen mit der erhöhten Ta
gesmüdigkeit und dem vermehrten Pausenbedarf auf die Arbeitsfähigkeit aus. Diese verstärk
t
en die Auswirkungen der Neurasthenie. Auch
hier gelte
, dass eine erfolgreiche und befriedigende Arbeit sich
günstig auf ihren Gesundheitszustand auswirke
, indem s
ie sie von den Schmerzen ablenke
und auch ihre Sch
lafstörun
gen positiv beeinflusse (S. 59)
.
Zusammenfassend
sei
die im realen Arbeitskontext gezeigte Leistung von 50
%
eines Normalpensums (halbtätige Präsenz mit voller Leistung) mit den gesund
heitlichen Störungen
der Beschwerdeführerin
erklärbar
. Sie sei
bei der derzeitigen Tätigkei
t optimal eingegliedert. Es gebe
keine alternative Tätigkeit, bei der die Arbeitsfähigkeit wesentlich höher angesetzt werden könnte.
Es sei
davon aus
zu
gehen
, dass
die Beschwerdeführerin
ohne Erkrankung eine bessere berufliche Kar
riere hätte err
eichen können. Diesbezüglich sei
nicht von einem Krankheitsge
winn, sondern von einem Krankheitsverlust auszugehen
(S. 59 unten)
.
Es ergä
ben sich nur geringe Diskrepanzen zwischen den in der
Aktenl
a
ge aufge
listeten und den vom Arbeitgeber registrierten Arbeitsunfähigkeiten. Aus gut
achterlicher Sicht erg
ä
ben sich keine Hinweise darauf, dass die im klinischen Kontext ärztlich attestierten Arbeitsunfähigkeiten nicht korrekt
gewesen seien
. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
hätten
sie auf der tatsächlichen krank
heitsbedingt eingeschränkten Leistungsfähigkeit
der Beschwerdeführerin basiert (S. 60).
Chronische Schmerzen
seien
in aller Regel ein komplexes bio-psycho-soziales Phänomen
, bei dem somatische und psychi
s
c
he Faktoren nicht streng auseinan
dergehalten werden könn
t
en. Dies g
elte
- wie dargelegt - besonders auch im Fall
der Beschwerdeführerin (S. 60 f.)
.
Die Beschwerdeführerin
verfüg
e
über Ressourcen, um teilweise einer Erwerbstä
tigkeit nachzugehen
,
diese
würden
aber nicht aus
reichen
, um ein Vollzeitpensum zu bestehen.
Da eine sehr seltene Erkrankung (Ehlers-Danlos Syndrom) im Spiel
sei
und entsprechende Erfahrungen aus grossen Kollektiven in der Fachliteratur fehlen
würden
,
sei
eine seriöse Prognose nicht möglich. Die Indikation für die Opiattherapie wie auch für die hormonelle Substitution mit Kortison sollte im klinischen Kontext nochmals sehr kritisch hinterfragt werden. Insbesondere die ho
chdosierte Opiattherapie scheine
mehr Nachteile als Vorteile zu bringen u
nd die Aussicht auf eine lebens
lange Anwendung von Opiaten
sei
eine schlech
te Option. Auch in der medizini
s
c
hen Fachliteratur w
erde
die Langzeitanwendung von Opiaten bei Non-Cancer Pain zunehmend kritisch h
interfragt. Diese Erkennt
nis sei
bereits in Guidelines eingeflossen. Auch Azathioprin gehör
e
nicht zu den Substanzen, die zur symptomatischen Behandlung eines Ehlers-Danlos-Syn
droms empfohlen w
ürden. D
iese Behandlung
sollte
nochmals evaluiert b
ezie
hungsweise
abgesetzt werden
. Es sei
denkbar, dass sich das Wohlbefinden nach Reduktion der poly
pragmatischen Medikation bessere
.
E
s g
ebe
keine Hinweise auf
Aggravation, Simulation oder mangelnden Einsatzwillen der
Beschwerdeführerin (S. 61)
.
Der psychiatrische Gutachter führte im Teilgutachten (im Anhang zu Urk. 24) aus, dass die Beschwerdeführerin a
ffektiv erreichbar
sei und leicht eingeschränkt mo
duliere
,
die
Stimmung
sei
vorwiegend bedrückt,
traurig, aber sie könne
zwischen
durch auch lachen. Sie läc
hle
im Laufe des Gespräches zunehmend öfters, wobei die Augen mitlächeln
würden.
Sie ha
be
immer wied
er Tränen in den Augen und weine
wiederholt, wobei sie s
ich sichtlich schäme und dagegen ankämpfe. Sie wirke
schon zu Beginn müde, was sich im Laufe des Gespräches noch verstärk
e
.
Der
Händedruck
sei
schon zu Beginn eher schwach, was b
eim Abschied noch deutlicher sei
. Blickkontakt, Mimik und Gestik s
eien
unauffällig. Die Stimme
sei
norm
al laut und moduliert. Sie fasse
rasch Vertrauen und erzähle weitgehend spontan. Sie wechsle
immer wieder ihre Posi
tion auf dem Stuhl leicht, stehe
auch wiederholt
kurz auf, halte
sich
an der Stuhllehne fest und gehe in die Knie. Ver
einzelt zucke
sie unvermittelt zusammen, wobei sie das zu verbergen
ver
such
e
.
E
s
wirke
nicht demonstrativ. Sonst
habe
sie nur gelegentlich Schmerzzeichen
wie Seufzen oder das Gesicht verziehen
gezeigt.
Sie ha
be
Ein- und Durchschlafstö
rungen und ein Abendtief, das vorwiegend durch die Schmerz
en und die Müdig
keit bedingt seien (S. 4).
Es gebe
klinisch und anamnestisch Hinweise auf eine überdurchschnittliche In
telligenz. Intelligenz
sei
grundsätzlich eine Ressource, aber wenn sie nicht geför
dert
worden sei
, k
önne
sie auch ein Risikofaktor
sein.
Beruflich und schulisch
sei die Beschwerdeführerin
gefördert
worden
und
habe
eine Berufsausbildung und ein Studium als Betriebsökonomin absolvieren
können
. Das
sei
eine wertvolle Ressource. Sie ha
be
eine grosse Erfahrung in ihrem Beruf und ein gutes Netzwerk in und ausserhalb der Bank, was ihr
helfe
einige ihrer Einschränkungen zu be
wältigen
(S. 5 f.)
.
Die Beschwerdeführerin
zeig
e
sehr leistungsorientierte und perfektionistische Persönlichkeitszüge und einen grossen Stolz auf ihre Leistungen. Sie
sei
sehr sportlich
gewesen
und ihre körperliche Leistungsfähigkeit
sei
ihr auch von daher wichtig
gewesen
. Von ihrer Leistungsfähigkeit
sei
aber auch all die Jahre ihr Selbstwertgefühl ab
hängig gewesen
. Durch die Erkrankung mit ihren Folgen
wie Schmer
zen und Konzentrationsstörungen sei
das in Frage gestellt
worden.
Diese Persönlichkeitszüge
seien
per se nicht pathologisch und sozial sehr erwünscht, da sie zu einer hohen Leistungsfähigkeit und -bereitschaft beitragen
würden
, aber sie
würden
es ihr möglicherweise schwerer
machen
, sich mit Einschränkungen zu arrangieren. Ohne die körperliche Erkrankung hätten diese Persönlichkeitszüge wahrscheinlich nie zu Problemen bei der Arbeit geführt. Inzwischen ha
be
sie sich hier grosse Kompetenzen erworben, wie sie sich in den Grenzen, die ihr ihre Er
krankung und ihr K
örper setzten, doch bewegen
und wie sie mit diesen Problemen umgehen
könne
.
Sie ha
be
auch Persönlichkeitszüge un
d Copingmuster, die güns
tig seien
und damit Ressourcen, die sonst in einer Psychotherapie auf
gebaut wür
den. So sei sie
dankbar für ihr Leben, ihre Erfolge, die Chancen, die sich ihr
ge
boten
hätten
und ganz wichtig für ihre Freunde
. Sie engagiere
sich
für Menschen, die ihr wichtig seien
, wie ihre Freunde, ihre Mitarbeiter und ihre Kunden, zu de
nen sie eine langjährige Vertrauensbeziehung
habe
aufbauen
können
.
Zusam
menfassend
würden
die Ressourcen die Risiken und Belastungen
überwiegen (S. 6)
.
D
ie Grundstimmung
sei
nur leicht bedrückt und die emotiona
le Reaktivität nur leicht einge
schränkt. Dies
sei
wahrscheinlich eine Reaktion auf die anhaltenden Schmerzen und keine Depression im eigentlichen Sinn
(S. 9).
Ausser den erwähnten Ri
sikofaktoren und Ressourcen gebe
es keine Hinweise auf Persönlichkeitseigenschaften, welche die Umsetzung der restlichen Arbeitsfähig
keit einschränken
oder besonders fördern würden (S. 12).
Bezüglich Komorbidität führte der psychiatrische Gutachter aus, es sei e
ntschei
dend
,
wie schwer die Störung mit Schmerzen, Erschöpfung und weite
ren Symp
tomen sei
, während die Anzahl der im ICD-10 stellbaren Diagnosen eher wenig aussag
e
. Hier müss
t
en aus klinischer Sicht auch die Störungen, die
zwar klinische Auswirkungen hätt
en, aber die Kriterien im ICD-10 nicht erfüll
t
en oder aufgrund von spezifischen Ausschlusskriterien nicht zulässig s
eien
, wie hier die Depression und die Albträume, berücksichtigt werden, da di
ese
aus klinischer Sicht den Schweregrad und die Komplexität der Gesamtstörung erhöhen
würden
, insbeson
d
ere für die Behandlung. Es liege
eine Komorbidität von erheblicher Schwere, Dauer, Intensität
und Ausprägung im Sinne von Ur
teil 141 V 281 des Bundesge
richts vom
3.
Juni 2015 vor, auch wenn es wahrscheinlich alles Facette
n des glei
chen Grundleidens seien (S. 12 f.)
.
Zur Konsistenz wurde ausgeführt, dass es b
ei der psychiatrischen Untersuchung
w
eder Hinweise auf Aggravation noch auf Verdeutlichung oder Simulation
ge
geben habe
.
Die Beschwerdeführerin
zeig
e
allerdings, wie aufgezeigt, eine gewisse Neigung zur Dissimulation, zum Überspielen unangenehmer Empfindungen, res
pektive nicht wahrhaben können oder wollen, wie ihr
Gesundheitszustand
sei (S. 13)
.
In
diesem Fall
sei
ein spezifischer Einfluss von psychischen Belastungsfak
toren wesentlich wahrscheinlicher als eine nicht krankhe
itswertige Symptomaus
weitung. In Be
zug auf die im Vordergrund stehende Symptomatik
sei
ihre
Schil
derung der Beschwerden, ihres Tagesablaufs, ihrer Aktivitäten und ihrer sozialen Kontakte konsistent mit den Befunden und den Akten und kongruent mit den ge
stellten Diagnosen. Das spiegle
sich auch
im «Mini-ICF-Rating» für psychi
s
che Störungen wieder. Die Beschwerdeführerin
sei
bei Bedarf in psychiatrisch-psy
chotherapeutischer Behandlung, obwohl der
Weg dahin für sie aufwändig sei
, was
für einen Leidensdruck spreche
. Die Serumspiegel zeig
t
en, dass sie die ver
ordneten Medikamente ein
nehme
. Sie ha
be
es auch aufgrund des Engagements ihres Arbeitsgebers und ihrer Vorgesetzten bis heute geschafft
,
trotz Einschrän
kungen und Ausfällen ihre Stelle zu behalten, was für eine hohe Motivati
on und Leidensdruck spreche (S. 13)
.
Es sei,
soweit beurteilbar, trotz mehreren Versuchen und hoher Motivation eine nachhaltige Steigerung des Pensums über 50
%
nicht möglich
gewesen
. Eine chronische Müdigkeit k
önne
einen beträchtlichen Einfluss auf die Leistungsfä
higkeit und Lebensqualität haben
.
Grundsätzlich ha
be
eine Neurasthenie, wie eine Depression, zwar immer Auswir
kungen auf den Gesundheitszustand, vor allem durch die Konzentrationsstörun
gen, die Einschränkungen von Antrieb und Durchhaltevermögen, aber nicht im
mer auch auf die Arbeitsf
ähigkeit (S. 14).
Wie auch unter Komorbidität dargelegt,
sei
die vorliegende
Störung sehr komplex und es gebe grosse Überlappungen. Daher lie
ssen sich viele Symptome und Ein
sc
hränkungen, wie die Erschöpfbar
keit/Fatigue, nicht eindeutig zuordnen. Von daher mach
e
es wenig Sinn
,
eine
Einschätzung der Ar
beitsfähigkeit aus rein psy
chiatrischer Sicht vorzunehmen.
Es sei auf
die Gesamtein
s
chätzung
zu verweisen
. Auf jeden Fall könn
t
en die psychischen Störungen die Umsetzung der aus soma
tischer Sicht noch möglichen Arbeitsfähigkeit erschwe
ren. Dieser Effekt sei
schwierig zu
beziffern. Es
seien bei der Beurteilung
ausschliesslich gesundheitlich bedingte Einschränkungen berücksichtigt
worden
(S. 14
f.
).
4.
4.1
Bei Gerichtsgutachten weicht das Gericht nach der Pra
xis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Fachleute ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schlussfolgerungen gelangt. Abweichende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachleute dem Gericht als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung durch eine weitere Fachperson im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne eine solche vom Er
gebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen
zieht (BGE 125 V 351 E. 3b/aa).
4.2
Vorliegend besteht kein Abweichungsgrund.
Das Gerichtsgutachten
der Medas Z._ vom Februar 2018
entspricht sämtlichen Anforderungen an den Beweiswert einer
Expertise (vgl. vorstehend E. 1). Es ist umfas
send und vermag zu überzeugen,
weshalb darauf abzu
stellen ist.
Im Gutachten der Medas Z._ wurde auch zum bidisziplinären Gutach
ten von Dr. med. A._ und PD Dr. med. B._ vom Mai/Juni 2014 Stellung genommen. Es wurde unter anderem ausgeführt, dass im psychiatrischen Teilgut
achten weder die Differentialdiagnose einer Somatisierungsstörung in Erwägung gezogen noch die hohe Opiatdosis thematisiert worden sei. Zur Indikation für die Opiattherapie und den möglichen Nebenwirkungen in dieser hohen Dosierung nehme der Psychiater keine Stellung. Insgesamt biete das bidisziplinäre Gutach
ten keine schlüssige Erklärung für die von der Beschwerdeführerin beklagte viel
fältige Symptomatik und ihre Leistungseinbusse. Beide Gutachter hätten sich in ihrer Beurteilung darauf beschränkt, dass sie nichts gefunden hätten, was den Zustand erklären könnte. Gleichzeitig hätten sie jedoch weder Aggravation noch Simulation postuliert. Insofern bestehe eine Erklärungslücke (Urk. 24 S. 38 f.). Aufgrund der Akten lasse sich nicht eruieren, weshalb PD Dr. B._ eine allfäl
lige psychische Komponente der Schmerzen trotz der offensichtlich vorhandenen psychischen Faktoren und Belastungen nicht diskutiert habe, obwohl es mit der Diagnose von psychologischen Faktoren oder Verhaltensfaktoren bei andernorts klassifizierten Erkrankungen bereits vor 2009 eine Alternative zur anhaltenden somatoformen Schmerzstörung gegeben habe, die hier ausgeschlossen sei. Von daher dürfe in Bezug auf die Schmerzstörung aus einer Änderung der Diagnose nicht auf eine Veränderung des Gesundheitszustandes geschlossen werden (S. 53 oben).
Damit ist gestützt auf das Gutachten der Ärzte der Medas Z._ davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin hauptsächlich am Ehlers-Danlos-Syn
drom Typ III (hypermobile Form), einer Neurasthenie, einer chronischen Schmerz
störung mit somatischen und psychischen Faktoren sowie an einer komplizierten, protrahierten Trauerreaktion leidet. Die Ärzte der Medas Z._ attestier
ten ihr ab Mitte September 2012 aufgrund dieser Diagnosen eine 50%ige Arbeits
fähigkeit in der derzeitigen Tätigkeit, wobei die Beschwerdeführerin optimal ein
gegliedert sei (S. 59 f.). In Bezug auf den zeitlichen Ver
lauf führten die Gutachter aus, es ergäben sich keine Hinweise darauf, dass die im klinischen Kontext ärzt
lich attestierten Arbeitsunfähigkeiten nicht korrekt gewesen seien (S. 60 Mitte).
4.3
Sowohl bei der diagnostizierten Neurasthenie, der chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren sowie der komplizierten, protrahier
ten Trauerreaktion handelt es sich um psychische Erkrankungen.
Beeinträchti
gungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbin
dung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Be
einträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krank
heitswert besteht, welches die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbs
ein
kommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG
,
BGE 139 V 547
E. 5
,
131 V 49
E. 1.2
,
130 V 352
E. 2.2.1).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatri
sche Diagnose voraus (BGE 130 V 396; 141 V 281 E. 2.1). Eine fach
ärztlich fest
gestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleich
bedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diag
nose und grundsätz
lich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objekti
vierten Massstab zu beurtei
lende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (vgl.
BGE 143 V 409 E. 4.2.1 unter Hin
weis auf 127 V 294 E. 4b/cc und 139 V 547 E. 5.2
).
Gemäss der für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psycho
soma
tische Leiden entwickelten Rechtsprechung des Bundesgerichts ist die tat
sächliche Arbeits- und Leistungsfähigkeit der versicherten Person grundsätzlich in einem strukturierten, ergebnisoffenen Beweisverfahren anhand von auf den funktionel
len Schweregrad bezogenen Standardindikatoren zu ermitteln (BGE
141 V 281). Mit
BGE 143 V 418
hat das Bundesgericht erkannt, dass grund
sätzlich sämtliche psychischen
Erkrankungen
einem strukturierten Beweis
ver
fahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen seien, wobei es je nach Krank
heits
bild allenfalls gewisser Anpassungen hinsichtlich der Wertung ein
zelne
r Indikatoren bedürfe. Diese Ab
klärungen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Fest
stellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtser
heblichen Indikatoren auf Arbeitsun
fähigkeit schliessen lassen (E. 7).
Im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens sind als Standardindikatoren die folgenden Aspekte massgebend (BGE 141 V 281 E. 4.1.3):
Funktioneller Schweregrad
-
Gesundheitsschädigung
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz
-
Komorbiditäten
-
Persönlichkeit: Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Ressourcen
-
sozialer Kontext
Konsistenz (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichba
ren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungs
anamnestisch
ausgewiesener Leidens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungs
hindern
der äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensations
potenzialen (Res
sourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungs
vermögen einzu
schät
zen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_2
60/2017 vom 1. Dezember 2017 E.
4.2.3).
Die Anerkennung eines renten
be
gründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
wir
kungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
grundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und wider
spruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es da
ran, hat die Folgen der Beweislosigkeit (nach wie vor) die materiell beweisbe
las
tete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V
281 E. 6; BGE 141 V 547 E. 2).
4.4
Nach dem Gesagten ist zu prüfen, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen.
Eine schlüssige Prüfung der massgebenden Standardindikatoren ist gestützt auf das Gutachten der Ärzte der Medas Z._ sowie die übrigen medizini
schen Akten möglich. Weitere medizinische Abklärungen sind dement
sprechend nicht angezeigt.
4.5
Im psychiatrischen Teilgutachten (im Anhang zu Urk. 24; vgl. auch vorstehend E. 3.2) wurde hinsichtlich der Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde aus
geführt, dass aufgrund der Neurasthenie die Konzentration, der Antrieb und das Durchhaltevermögen beeinträchtigt seien (S. 14). Die Beschwerdeführerin sei ver
mehrt müde und leide an Ein- und Durchschlafstörungen (S. 4), wobei neben der chronischen Müdigkeit auch die Schmerzen, das tiefe Energie- und Antriebsni
veau sowie die Konzentrationsstörungen im Vordergrund stünden (S. 6, S. 10). Wenn die funktionellen Auswirkungen berücksichtigt würden, die sich bei der Arbeit, im Haushalt und im Tagesablauf der Beschwerdeführerin zeigten, sei von einer mittelgradigen Schmerzstörung auszugehen (S. 7 unten). Die Beschwerde
führerin habe durch die Erkrankung und deren Folgen als Hauptursache vieles verloren, wie beispielsweise seelische und körperliche Schmerzfreiheit, Arbeits- und Ausbildungs-, respektive Karrieremöglichkeiten, Verdienst und Anerkennung (S. 8 oben). Dieser Trauerprozess sei inzwischen zumindest teilweise in eine chro
nische Depression übergegangen (S. 8 Mitte). Die Werte in der Fremdbeurteilung entsprächen einer mittelgradigen Depression (S. 9 oben). Bei der Beschwerdefüh
rerin sei die Grundstimmung nur leicht bedrückt und die emotionale Reaktivität nur leicht eingeschränkt. Dies sei wahrscheinlich eine Reaktion auf die anhalten
den Schmerzen und keine Depression im eigentlichen Sinn (S. 9 Mitte). Für die Beurteilung der anhaltenden Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit sei nicht nur vom momentanen Schweregrad auszugehen, sondern von einem durchschnittli
chen Schweregrad, was vorliegend einer leichten Depression entspreche (S. 10 Mitte).
Zum Tagesablauf ist bekannt, dass die Beschwerdeführerin an den Tagen, an de
nen sie arbeiten gehe, um 5 Uhr aufstehe, Kaffee trinke und sich langsam auf
wärme, indem sie die ersten Übungen auf der Yoga-Matte mache. Sie nehme dann ihre Medikamente ein und mache die Morgentoilette. Etwa zwischen 7.45 und 8.15 Uhr verlasse sie das Haus und mache sich auf den knapp 30-minütigen Ar
beitsweg mit dem Tram. Seit Herbst arbeite sie nun an drei Tagen pro Woche zu 7 Stunden, jeweils am Vormittag und am Nachmittag 3.5 Stunden mit einer län
geren Mittagspause. Etwa um 16 Uhr gehe sie nach Hause und lege sich hin, trinke einen Tee, bereite das Nachtessen vor und mache wieder Yoga-Übungen. Bettruhe sei etwa ab 22 Uhr. An den freien Tagen habe sie meistens diverse Ter
mine wie Physiotherapie und Arzttermine, ausserdem brauche sie die Zeit an den freien Tagen für die Regeneration, aber auch um administrative Arbeiten zu er
ledigen (Hauptgutachten S. 28). Diese Angaben zeigen, dass die Beschwerdefüh
rerin einen erheblichen Teil ihrer freien Zeit zur Erhaltung ihrer Arbeitsfähigkeit aufwendet.
Zum zweiten Indikator („Behandlungserfolg oder -resistenz") ergibt sich aus dem Medas-Gutachten, dass die Beschwerdeführerin seit 2012 eine psychiatrische Be
handlung bei Dr. med. C._ in unregelmässigen Abständen, aktuell etwa sechsmal pro Jahr in Form eine Gesprächstherapie ohne medikamentöse Unterstützung habe (S. 28 Mitte). In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit sei die Indi
kation für das Weiterführen der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behand
lung gegeben. Die Psychotherapie werde lege artis durchgeführt und die bisherige Compliance sei gut. Von einem Versuch mit einem Antidepressivum könne keine Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden (psychiatrisches Teilgut
achten im Anhang zu Urk. 24 S. 15 Mitte).
Im Gerichtsgutachten wurde festgehalten, dass eine Komorbidität von erheblicher Schwere, Dauer, Intensität und Ausprägung vorliege, auch wenn es wahrschein
lich alles Facetten des gleichen Grundleidens seien (S. 13).
Bezüglich Persönlichkeit wurde ausgeführt, dass der Beschwerdeführerin die Aus
einandersetzung mit dem Thema Grenzen nicht einfach falle, da sie als vielseitig begabte Frau guten Leistungen viel Positives für ihren Selbstwert abgewinnen könne. Sie zeige sehr leistungsorientierte und perfektionistische Persönlichkeits
züge und einen grossen Stolz auf ihre Leistungen. Harmonie sei ihr sehr wichtig, sie habe erst sehr spät zu lernen begonnen, Signale ihres Körpers zu beachten und auf sich selber und ihre Grenze Rücksicht zu nehmen. Die Beschwerdeführe
rin habe auch günstige Persönlichkeitszüge und Coping-Muster, so sei sie dank
bar für ihr Leben, ihre Erfolge, die Chancen, die sich ihr geboten hätten und ganz wichtig für ihre Freunde (S. 6).
Betreffend den sozialen Kontext ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin al
leine lebt, keinen Partner hat und seit 2012 zu 50 % als Projektmanagerin bei der Y._ arbeitet (Hauptgutachten S. 25 Mitte). Beruflich und schulisch sei sie gefördert worden und habe eine Berufsausbildung und ein Studium als Be
triebsökonomin abschliessen können. Sie habe grosse Erfahrung in ihrem Beruf und ein gutes Netzwerk in und ausserhalb der Bank, was ihr helfe, einige ihrer Einschränkungen zu bewältigen (psychiatrisches Teilgutachten im Anhang zu Urk. 24 S. 6).
Zu prüfen bleibt der Aspekt der Konsistenz.
Im Gutachten der Ärzte der Medas
Z._ wurde ausgeführt, dass weder Hinweise auf Aggravation noch auf Verdeutlichung oder Simulation bestünden. Die Beschwerdeführerin zeige aller
dings eine gewisse Neigung zur Dissimulation, zum Überspielen unangenehmer Empfindungen, respektive nicht wahrhaben können oder wollen, wie ihr Gesund
heitszustand sei. In Bezug auf die im Vordergrund stehende Symptomatik sei ihre Schilderung der Beschwerden, ihres Tagesablaufs, ihrer Aktivitäten und ihrer so
zialen Kontakte konsistent mit den Befunden und den Akten und kongruent mit den gestellten Diagnosen. Die Beschwerdeführerin sei bei Bedarf in psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung, obwohl der Weg dahin für sie aufwändig sei, was für einen Leidensdruck spreche. Die Serumspiegel zeigten, dass sie die ver
ordneten Medikamente einnehme. Sie habe es auch aufgrund des Engagements ihres Arbeitgebers und ihrer Vorgesetzten bis heute geschafft, trotz Einschrän
kungen und Ausfällen ihre Stelle zu behalten, was für eine hohe Motivation und Leidensdruck spreche (S. 13).
4.6
Die abschliessende Würdigung des Beschwerdebildes anhand der Standardindi
ka
toren ergibt, dass
für die Zeit ab Mitte September 2012
auf die Einschätzung der Arbeits
fähigkeit, wie sie sich aus dem Gutachten
der Medas Z._
ergibt, abgestellt werden kann.
Die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage sind anhand der Standardin
dikatoren schlüssig und widerspruchsfrei nachgewiesen (vgl. vorstehend E. 4.3).
Entsprechend besteht
in der aktuell ausgeübten, angestammten und gleichzeitig optimal angepassten Tätig
keit
eine
50%ige Arbeits
fähigkeit
.
Der Einwand der Beschwerdegegnerin (Urk. 32), wonach die Arbeitseinteilung der Beschwerdeführerin seit Herbst 2016 geändert habe, ist unbehelflich und vermag die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch die Medas-Gutachter nicht umzustos
sen. So kann es nach dem Gesagten (vgl. vorstehend E. 4.5) keine Rolle spielen, ob die Beschwerdeführerin die ihr zumutbaren 50 % jeweils an fünf Halbtagen pro Woche oder an drei Tagen pro Woche zu je sieben Stunden mit längerer Mittagspause arbeitet. Gemäss Gutachter wirken sich insbesondere die Verlang
samung, die Schwankungen der Leistungsfähigkeit, die Schlafstörungen mit der erhöhten Tagesmüdigkeit und dem vermehrten Pausenbedarf auf die Arbeitsfä
higkeit aus (Urk. 24 S. 59), womit vor allem die Erholungsphase beziehungsweise die Regenerationszeit entscheidend sind. Die Beschwerdeführerin ist mit der fle
xiblen Gestaltung ihrer Arbeitszeit beim jetzigen Arbeitgeber optimal entlastet (vgl. Urk. 24 S. 25, 28).
5.
5.1
Es bleibt damit die Prüfung der erwerblichen Auswirkungen vorzunehmen, wo
bei die Beschwerdeführerin unbestrittenermassen als zu 100 % Erwerbstätige zu qua
lifizieren ist. Somit ist ein Einkommensvergleich nach Art. 16 ATSG in Ver
bin
dung mit Art. 28a Abs. 1 IVG vorzunehmen.
Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und
nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede
rungs
massnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeits
marktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung ge
setzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkom
men). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothetischen Erwerbs
ein
kommen ziffernmässig möglichst genau er
mittelt und einander gegenüber
gestellt werden, worauf sich aus der Einkommens
differenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Ein
kommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
5.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des Validen
einkommens entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
schein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommens
ent
wicklung an
gepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung ent
spricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden
wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; BGE 135 V 58 E. 3.1; BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hin
weis).
Ist
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die versi
cherte Person die bisherige Tätigkeit unabhängig vom Eintritt der Invalidität
nicht mehr ausgeübt hätte, kann das Valideneinkommen auf Grundlage der vom
Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstruktur
er
heb
u
ng (LSE) be
rechnet werden, wobei die für die Entlöhnung im Einzelfall gegebenenfalls re
levanten persönlichen und beruflichen Faktoren zu berück
sichtigen sind (BGE 139 V 28
E. 3.3.2; BGE 128 V 29 E. 4e; Urteil des Bundes
gerichts 9C_887/2015 vom 12. April 2016 E. 4.2).
5.3
Bei der Festsetzung des Valideneinkommens ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung auch ein beruflicher Aufstieg im Gesundheitsfall zu berück
sich
tigen, den eine versicherte Person normalerweise vollzogen hätte; dazu ist aller
dings erforderlich, dass konkrete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass ohne ge
sundheitliche Beeinträchtigung ein beruflicher Aufstieg und ein entsprechend hö
heres Einkommen tatsächlich realisiert worden wären. Die Absicht, beruflich wei
terzukommen, muss durch konkrete Schritte wie Kursbesuche, Ablegung von Prü
fungen usw. kundgetan worden sein. Die theoretisch vorhandenen berufli
chen Entwicklungs- oder Aufstiegsmöglichkeiten sind nur dann zu berücksich
tigen, wenn sie mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eingetreten wären (BGE 96 V 29; AHI 1998 S. 166 E. 5a, I 287/95; RKUV 1993 Nr. U 168 S. 97 E. 3b, U 110/92; Urteil des Bundesgerichts 9C_757/2010 vom 24. November 2010 E. 4.2 mit Hin
weisen).
5.4Für die Festsetzung des trotz Gesundheitsschädigung zumutbarerweise noch realisierbaren Einkommens (Invalideneinkommen) ist nach der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der – kumulativ – besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn (BGE 139 V 592 E. 2.3; BGE 135 V 297 E. 5.2; BGE 129 V 472 E. 4.2.1; BGE 126 V 75 E. 3b/aa).
5.5
Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypothe
tischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und Inva
li
deneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfällige renten
wirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfügungserlass
zu berücksichtigen sind
(BGE 129 V 222 E.
4.1 und E. 4.2; BGE
128 V 174
;
Urteil
e
des Bundesgerichts
9C_526/2015 vom 11. September 2015 E. 3.2.1 und 9C_22/2014 vom 18. Februar 2014 E. 4.3
).
Vorliegend meldete sich die Beschwerdeführerin am 23. Januar/12. Februar 2013 erneut bei der Invalidenversicherung an (Urk. 2/7/24, Urk. 2/7/27). Ein (hypothe
tischer) Renten
anspruchsbeginn kommt somit frühestens per 1. September 2013 in Frage, weshalb die Verhältnisse des Jahres 2013 massgebend sind (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG).
5.6
Die Beschwerdeführerin machte insbesondere geltend, ohne Erkrankung hätte sie eine bessere berufliche Karriere erreichen können, was bei der Berechnung des Valideneinkommens berücksichtigt werden müsse (Urk. 33 S. 2 f.).
Nach Lage der Akten steht fest und ist unbestritten, dass die Beschwerde
führerin nach der obligatorischen Schulzeit im Jahre 2002 die Matura absolvierte und anschliessend nach einem Zwischenjahr mit Aufenthalt in London ein Bank
praktikum für Mittelschulabsolventen (verkürzte Banklehre) bei der Y._ abschloss. Danach arbeitete sie mit einem Pensum von 100 % weiterhin bei der Y._, ab 2006 vor allem in der Kundenberatung. Berufsbegleitend nahm sie an der Marketing & Business School Zürich (MBSZ) ein Studium in Be
triebsökonomie auf, welches aus drei Jahren Handelsschule HF, einer einjährigen Passerelle und einem Jahr Bachelorlehrgang bestand, wobei sie die HF und die Passerelle mit Teilpräsenz absolvierte. Den Bachelorlehrgang hat sie krankheits
bedingt nicht abschliessen können (vgl. Urk. 33 S. 3, Urk. 24 S. 24 f.). Seit März 2008 arbeitete sie krankheitsbedingt Teilzeit in wechselndem Ausmass, seit dem 17. September 2012 konstant zu 50 % (Urk. 24 S. 35, S. 60). Ihre Tätigkeit als Business Manager bei der Y._ umfasst vor allem die Bearbeitung von Pricing Anträgen sowie die Unterstützung der Relationship Manager in Pricing, die Umsetzung von Pricing Initiativen, die Ausbildung der Relationship Manager im Fachbereich und die Vertretung des Business in Projekten sowie projektorien
tierte Arbeiten (Urk. 2/7/37). Gemäss Angabe der Arbeitgeberin hätte die Be
schwerdeführerin im Jahr 2013 ohne Gesundheitsschaden Fr. 66'750.-- verdient (Urk. 2/7/37 S. 3 Ziff. 2.11), wobei sich dies auf ein Pensum von 75 % bezieht (vgl. Ziff. 2.9-2.10).
5.7
Die Beschwerdeführerin vertrat die Auffassung, dass sie ohne Krankheit mit Si
cherheit einen Masterabschluss hätte und 2010 befördert worden wäre. Mittler
weile hätte sie eine 100 % Stelle als Projektmanagerin, Consultant oder gar Vice-President innerhalb der Y._. Zudem hätte sie jeweils nach dem Bachelor- und Masterabschluss die Bank gewechselt, was mit einer Lohnsteigerung verbun
den gewesen wäre. Heute würde sie zwischen Fr. 150'000.-- bis Fr. 200'000.-- zuzüglich Boni verdienen (Urk. 33).
Diese Anhaltspunkte sind vorliegend zu ungewiss, um darauf abstellen zu können. Zwar trifft es zu, dass das lebenslange Ausüben eines einmal erlernten Berufes in den heutigen sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen immer we
niger die Regel bildet und die ständige berufliche Qualifizierung weit verbreitet ist, dennoch genügen blosse Absichtserklärungen nicht. Vielmehr muss die Ab
sicht, beruflich weiterzukommen, bereits durch konkrete Schritte wie Kursbesu
che, Aufnahme eines Studiums etc. kundgetan worden sein (vgl. E. 5.4 hiervor). Der berufsbegleitende Abschluss einer Handelsschule mit Passerelle zum Bachelor lässt vorliegend zwar darauf schliessen, dass die Beschwerdeführerin ihre vorher ausgeübte Tätigkeit als Kundenberaterin lediglich als Karrieresprungbrett für eine weitere Ausbildung und einen damit verbundenen Aufstieg auf der Karriereleiter in der Bank gesehen hat. So ist aus ihren Bemühungen zumindest ersichtlich, dass eine berufliche Fortbildung – vorliegend trotz sich bereits auswirkender Krankheit - geplant war und eine solche von der Beschwerde
führerin denn auch dargetan wurde. Es bestehen somit vorliegend
konkrete Anhaltspunkte dafür
, dass die Be
schwerdeführerin ohne Krankheit ihren Bachelorstudiengang mit überwiegender Wahrscheinlichkeit abgeschlossen hätte. Ihre Vorbringen bezüglich der Höhe des Valideneinkommens sind jedoch unbehelflich.
Aus dem Umstand, dass
ihrem Ar
beitskollegen ein Abgangssalär von Fr. 200‘000.-- plus fixem Bonus geboten worden sei,
kann nicht
geschlossen werden, als Gesunde würde sie
gleich viel
ve
rdienen. Dafür fehlen – ohne ihren leistungsmässigen Einsatz zu schmälern -
konkrete Indizien, was Voraussetzung dafür wäre, beim Valideneinkommen
eine entsprechende Entwicklung
zu berück
sichti
gen.
Zudem sind die nicht unwesent
lichen Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern bei Banken zu berücksich
tigen. Dass
sie tatsächlich in eine Kaderfunktion befördert worden wäre und je
weils eine Stelle bei einer anderen Bank gefunden hätte, erscheint zwar als mög
lich, aber nicht als überwiegend wahrscheinlich.
Nach dem Gesagten rechtfertigt es sich bei dieser Ausgangslage
aus der berufli
chen Weiter
entwicklung, wie sie vorliegend trotz Krankheit tatsächlich erfolgte und hätte erfolgen können, das Validen
einkommen gestützt auf
die
statisti
schen Durchschnittwerte der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE 201
2
)
, Ziffer 64, 66 Finanzdienstleistungen mit Finanz- und Versicherungsdienstleistungen der Tabelle TA1_b
Monatlicher Bruttolohn (Zentralwert) nach Wirtschaftszwei
gen, beruflicher Stellung und Geschlecht, Privater Sektor
, Kompetenzniveau 3 (unteres Kader), Frauen, festzusetzen. D
er monatliche Brutto
lohn
weiblicher
Ar
beitskräfte betrug dabei
Fr. 9‘877.
, was nach Berücksichtigung der betriebsübli
chen durchschnittlichen Arbeitszeit per 201
3
von 41.
5
Stunden
(vgl. betriebsüb
liche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, T03.02.03.01.04.01, Ziffer 64 und 66 Finanzdienstleistungen mit Finanz- und Versicherungsdienstleistungen)
und
angepasst an die Nominallohnent
wicklung von 1 % im Jahr 2013
(vgl.
Nominal
lohnindex 2011-201
5
, Tabelle T1.10
,
Ziffer 64, 66 Finanzdienstleistungen mit Finanz- und Versicherungsdienstleistungen
)
zu einem Jahreseinkommen von rund Fr.
124
‘
198
.-- führt (Fr.
9
‘
877
.--
x 12 : 40 x 41.5 x 1.01)
.
5.8
Im Jahre 2013 arbeitete die Beschwerdeführerin gemäss unbestrittenen Angaben in einem 50 % Pensum bei der Y._.
Dabei handelt es sich um ein lang
jähriges stabiles Arbeitsverhältnis, in dem die Beschwerdeführerin ihre verblie
bene Arbeitsfähigkeit voll ausschöpft. Anhaltspunkte für einen Soziallohn beste
hen nicht, weshalb auf das bei der Y._ erzielte Einkommen abgestellt werden kann.
Gemäss Arbeitgeberfragebogen vom 5. April 2013 (Urk. 2/7/37 S. 2 Ziff. 2.10) erzielte sie ab September 2011 bei einem 75%-Pensum jährlich Fr. 66‘750.--. Umgerechnet auf das von der Beschwerdeführerin im massgeben
den Zeitpunkt effektiv ausgeübte 50%-Pensum und angepasst an die Nominal
lohnent
wicklung von 0.7 % im Jahr 2012 sowie von 1 % im Jahr 2013
(vgl.
No
minallohnindex 2011-201
5
, Tabelle T1.10
,
Ziffer 64, 66 Finanzdienstleistungen mit Finanz- und Versicherungsdienstleistungen) ergibt dies ein Invalideneinkom
men von jährlich rund Fr. 45‘260.-- (Fr. 44‘500.-- x 1.007 x 1.01).
5.9
D
er Vergleich des Validenein
kommens von Fr.
124
‘
198
.-- mit dem Invalidenein
kommen von Fr.
45
‘
260
.
-- ergibt
eine Einkommenseinbusse von Fr.
78
‘
938
.-- und damit einen Invaliditätsgrad von
rund 63 %.
Somit hat die Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. September 2013 Anspruch auf eine Dreiviertelsrente der Invalidenversicherung. Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde.
6.
6.1
Die Kosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise auf
Fr. 1’0
00.-- fest
zusetzen und der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Die Kosten des Gerichtsgutachtens der Medas
Z._
vom
23. Februar 2018
belaufen sich auf
Fr.
1
4
‘
788.10
(
Urk. 25
).
Die Kosten eines Gerichts
gutach
tens können dem Versicherungsträger auferlegt werden, wenn die Abklä
rungs
er
gebnisse aus dem Verwaltungsverfahren in rechtserheblichen Punkten nicht aus
reichend beweiswertig sind, und zur Durchführung der vom Gericht als notwen
dig erachteten Beweismassnahme an sich eine Rückweisung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick auf die Wahrung der Verfahrens
fairness entfällt (vgl.
BGE
139 V 225 E. 4.
2 mit Verweis auf BGE 137 V 210
).
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung auf das Gutachten von Dr. A._ sowie PD Dr. B._ von Mai/Juni 2014, obwohl diesem gemäss Urteil 8C_445/2016 des Bundesgerichts vom 7. Februar 2017 (Urk. 1) nicht gefolgt werden könne (S. 7 E. 6.3).
Dementsprechend sind
der Be
schwerdegegnerin
die Kosten für das Gerichtsgutachten aufzuerlegen
.
Die Beschwerdegegnerin hielt in Bezug auf „die zu erwartenden Begut
achtungs
kosten" fest, dass diese gemäss geltendem Tarif für polydiszi
plinäre Gut
achten entsprechend der mit dem Bundesamt für Sozialversicherung geschlosse
nen Ver
einbarung zu veranschlagen seien, und verwies auf die Urteile des Bundesgerichts 9C_541/2016 und 9C_672/2016 (Urk. 5).
In diesem Zusammenhang ist auf das Urteil des Bundesgerichts 8C_113/2017 vom 29. Juni 2017 hinzuweisen. Darin nannte das Bundesgericht gewichtige Gründe, von der bisherigen Rechtsprechung abzurücken (E. 7.1).
In Aufgabe der erörterten Rechtsprechung s
eien
die genannten Instanzen auch nicht an den Tarif gemäss Anhang 2 der Vereinbarung gebunden.
Dies bedeute
, dass die IV
Stellen im Rah
men der mit BGE 139 V 496 umschriebenen (und mit BGE
140 V 70 bestätigten) Grundsätze gestützt auf
Art.
45
Abs.
1 Satz 2 ATSG für die gesamten Kosten des Gerichtsgutachtens a
ufzukommen hätten. Abzu
lehnen sei
insbesondere eine Lö
sung, die die Kantone im Umfang der den Tarif überschiessenden Kosten in die Pflicht nähme. Denn damit würde die mit BGE
137 V 210 aus Gründen der Ver
fahrensfairness angestrebte Zielsetzung, in ver
mehrtem Masse Gerichtsgutachten zu veranlassen, geradewegs unterlaufen, indem es bei festgestellten Abklärungs- oder Beweiswertmängeln wieder ver
mehrt zu Rückweisungen käme
(E. 7.2)
.
Vor diesem Hintergrund sind vorliegend
die Kosten
d
es Gerichtsgutachtens von
Fr.
1
4
‘
788.10
von der Beschwerdegegne
rin in vollem Umfang zu übernehmen.
6.3
Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die Beschwerdegegnerin zu ver
pflichten, de
r
Beschwerdeführer
in
eine angemessene Prozessentschädigung aus
zurichten (
§
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht). Unter Berück
sichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
sowie nach Einsicht in die Honorarnoten vom 25. Mai 2018 (Urk. 37/1-2)
wird diese beim praxisgemässen Stundenansatz von
Fr.
220.-- (zuzüglich Mehrwert
steuer) auf
Fr. 5
‘
479
.
35
(inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer
; Fr. 2'161.80 für das Verfahren IV.2015.00235 und Fr. 3'317.55 für das vorliegende Verfahren)
festgelegt.