# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 50be7514-efc6-4b8f-9aaa-e1d911aa4b18
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_007
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt
A. Mit Kaufvertrag vom 4. September 2015 erwarb die I._ vom J._ sämtliche 50 Namensaktien der A._. C._ hatte den Kauf der Aktien initiiert und für die I._ verhandelt und betreut. Er führte darüber hinaus vom 4. September 2015 bis zum 21. Januar 2019 die Geschäfte der A._ als ihr Geschäftsführer. Vom 7. September 2015 bis zum 21. Januar 2019 war er zusammen mit K._ Mitglied des Verwaltungsrates der A._, dessen Präsident L._ war.
Hauptaktivum der A._ bildet die Liegenschaft M._ an der N._ in O._, Liegenschaft Nr. E._ (Hauptbuchblatt F._), Plan Nr. G._, Grundbuch der Gemeinde O._, umfassend Erholungsheim, Autoeinstellhalle, Weg, Vorplatz, Gartenanlage, Bach.
B. Am 2./8. Februar 2016 schlossen C._ und die I._ eine Vereinbarung betreffend die A._ und die Liegenschaft M._. Aus der Vereinbarung geht hervor, dass es die Absicht der Vertragsparteien war, C._ die Möglichkeit zu eröffnen, sich an der Liegenschaft M._ und dem Beherbergungsbetrieb entweder direkt oder über den Kauf von Aktien an der A._ massgeblich zu beteiligen. In den Ziffern 2.1, 3.1 und 4.1 der Vereinbarung hielten die Vertragsparteien Folgendes fest:
2.1. Vorhandrecht I._ räumt BW [C._] hiermit ein Vorhandrecht ein an sämtlichen 50 Namensaktien der Gesellschaft [A._]. Beabsichtigt I._, ihre Aktien ganz oder teilweise entgeltlich oder unentgeltlich zu veräussern oder in einer anderen Art zu übertragen, hat sie dies BW durch eingeschriebenen Brief mitzuteilen. Dieser hat I._ innerhalb von 60 Tagen nach Erhalt der Mitteilung schriftlich zu erklären, ob er die ihm angebotenen Aktien übernehmen möchte. Die Übernahme hat zum inneren Wert der Aktien im Zeitpunkt der Auslösung des Vorhandrechts zu erfolgen. [...]
...
3.1. Einräumung eines Kauf- und Vorkaufsrechts zugunsten BW Die Parteien verpflichten sich zum Abschluss eines öffentlich beurkundeten Vertrags zwischen der Gesellschaft [A._] als Eigentümerin der Liegenschaft M._ einerseits und BW andererseits, mit welchem BW ein Kaufs- und Vorkaufsrecht zum Erwerb der Liegenschaft M._ zu den folgenden Konditionen eingeräumt wird:
a) Vorkaufsrecht befristet auf 25 Jahre. Definition des Vorkaufsfalls richtet sich nach Punkt 2.1 vorstehend.
b) Massgeblicher Erwerbspreis bei Ausübung Vorkaufsrecht: (gemäss Bestimmungen von Punkt 2.1).
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c) Vormerkung von Vorkaufsrecht im Grundbuch.
d) Die für diese öffentliche Urkunde anfallenden Kosten und die Grundbuchgebühren gehen je zur Hälfte zulasten der Gesellschaft und BW.
...
4.1. Vertragsschlüsse Die Parteien werden bis zum 28. Februar 2016 alle Handlungen vornehmen, welche zum Abschluss der folgenden, in dieser Vereinbarung vorgesehenen Verträge erforderlich sind:
...
b) öffentliche Urkunde zwischen der Gesellschaft und BW betreffend Einräumung eines Vorkaufsrechts an Liegenschaft M._ gemäss Ziff. 3.1.;
...
Die öffentliche Urkunde über die Einräumung eines Kauf- und Vorkaufsrechts wurde nie errichtet, weshalb auch eine entsprechende Vormerkung im Grundbuch nicht eingetragen worden ist.
C. Am 22. November 2018 teilte L._, Verwaltungsratspräsident der I._, gemäss Schilderung von C._ diesem im Rahmen einer Sitzung mit, die I._ habe einen Käufer für sämtliche 50 Namenaktien der A._, der sofort bereit wäre, einen Kaufvertrag über diese Namenaktien zu unterzeichnen. Der Kaufpreis betrage CHF 12.5 Mio.. C._ solle sich innert zwei Wochen äussern, wie er zum beabsichtigten Verkauf der Aktien stehe; der Kaufinteressent beabsichtige im Übrigen, das Hotel selber zu betreiben. Die A._ bestritt im vorinstanzlichen Verfahren, dass eine Verkaufsabsicht bestanden habe und mitgeteilt worden sei.
D. C._ wandte sich an Rechtsanwalt lic. iur. utr. D._. Dieser wies mit Schreiben vom 29. November 2018 die I._ darauf hin, dass gemäss Vereinbarung vom 2./8. Februar 2016 die Mitteilung über eine Verkaufsabsicht mittels eingeschriebenem Brief zu erfolgen habe. Eine solche formgerechte Mitteilung sei bis anhin nicht erfolgt und die I._ werde gebeten, dies umgehend nachzuholen. Weiter ersuchte der Rechtsvertreter um Herausgabe verschiedener Unterlagen, damit C._ prüfen könne, ob er die Aktien zu den Konditionen der Vereinbarung vom 2./8. Februar 2016 selbst übernehmen wolle.
Mit eingeschriebenem Antwortschreiben vom 3. Dezember 2018 liess die I._ Rechtsanwalt D._ verschiedene Unterlagen und Informationen zukommen. Wörtlich hielt sie abschliessend fest:
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Der Kaufpreis beträgt total 13.8 Mio. Verträge sind noch keine vorhanden, weil wir Ihren Mandant frühzeitig informieren wollten. Die Verträge werden noch ausgearbeitet.
Somit haben wir Ihre Forderung erfüllt und erwarten eine Antwort.
E. Am 5. Dezember 2018 reichte C._ beim Kreisgericht H._ ein Gesuch um Erlass vorsorglicher Massnahmen gegen die I._ mit superprovisorischem Antrag ein. Er beantragte, die I._ sei zu verpflichten, die 50 Namenaktien der A._ unverzüglich beim Kreisgericht H._ zu hinterlegen. Weiter sei der I._ zu verbieten, einzelne oder sämtliche der Namenaktien der A._ an Dritte zu veräussern oder Dritten Rechte an diesen Aktien einzuräumen. Für den Fall der Widerhandlung sei den Verwaltungsräten der I._ Haft oder Busse gemäss Art. 292 StGB anzudrohen.
In seinem Entscheid vom 6. Dezember 2018 verfügte der Einzelrichter am Kreisgericht H._, dass die I._ die 50 Namenaktien der A._ innert drei Tagen seit erfolgter Zustellung des Entscheides beim Kreisgericht H._ zu hinterlegen habe. Weiter verbot er der I._, die von ihr gehaltenen 50 Namenaktien der A._ zu veräussern oder Dritten daran Rechte einzuräumen. Er verband das Verbot mit einer Strafandrohung gemäss Art. 292 StGB gegen die Verwaltungsräte der I._.
Mit Schreiben vom 10. Dezember 2018 hinterlegte die I._ die 50 Namenaktien im Original beim Kreisgericht H._. Sie hielt dabei wörtlich fest:
Wir weisen darauf hin, dass wir C._ am Termin vom 22. November 2018 mündlich über eine beabsichtigte Veräusserung der Aktien bzw. sein Vorkaufsrecht orientiert haben. Somit bitten wir Sie die Frist für das Verkaufsrecht per diesem Datum zu berechnen.
F. Anlässlich der ausserordentlichen Generalversammlung der A._ vom 8. Januar 2019 wurde C._ per sofort aus dem Verwaltungsrat abgewählt und von seiner Funktion als Geschäftsführer enthoben. Als neuer Geschäftsführer wurde P._ gewählt. Die Eintragung der Änderung im Handelsregister erfolgte am 21. Januar 2019.
G. Mit Schreiben vom 1. Februar 2019, am selben Tag um 15.04 Uhr der I._ zugestellt, übte C._ sein Vorhandrecht an den 50 Namenaktien der A._ aus und zwar zum inneren Wert zum Zeitpunkt der Ausübung des Vorhandrechts. Die I._ bestritt daraufhin mit Schreiben vom 12. Februar 2019, dass sie am 3. Dezember 2018 die Ausübung des Vorhandrechts angeboten habe, sie habe in jenem Schreiben vielmehr über einen rudimentären Stand möglicher Pläne informiert. Bei der Information von C._ am 22.
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November 2018 sei es darum gegangen, bei C._ zu erfragen, ob er allenfalls gegen einen Weiterverkauf der Aktien im Rahmen eines möglichen Projektes etwas einzuwenden habe. Eine solche Anfrage müsse möglich sein, ohne gleich ein Vorhandrecht auszulösen. Die Verkaufsüberlegungen hätten sich zwischenzeitlich zerschlagen. Die Ausübung eines Vorhandrechts komme in diesem Lichte nicht in Frage. Es werde in den nächsten Tagen beim Kreisgericht H._ um die Freigabe der Aktien ersucht.
H. Am 8. März 2019 reichte C._ ein Gesuch um Erlass vorsorglicher Massnahmen gegen die A._ mit superprovisorischem Antrag beim Regionalgericht Prättigau/Davos ein. Er beantragte, das Grundbuchamt sei anzuweisen, bezüglich der Liegenschaft Nr. E._, Hauptbuchblatt F._, Plan Nr. G._, Grundbuch der Gemeinde O._, gestützt auf Art. 960 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB, Art. 961 Abs. 2 ZGB, Art. 961a ZGB das Grundbuch vorläufig zu sperren und eine Verfügungsbeschränkung im Grundbuch vorzumerken, wonach das Grundstück weder veräussert noch mit beschränkten dinglichen Rechten belastet werden dürfe. In der Begründung führte er zusammengefasst aus, der Vorhandfall sei eingetreten und er habe das Vorhandrecht rechtsgenüglich ausgeübt. Er warf der I._ vor, sie versuche, das Grundstück M._ anstatt durch Übertragung der Aktien der A._ durch den Verkauf des Grundstücks M._ selbst an den Kaufinteressenten zu veräussern. Ein solcher Verkauf würde das Vorhandrecht von C._ umgehen und verletzen, denn die A._ würde ausgehöhlt. Zwar seien die I._ und die A._ zwei selbständige juristische Personen. Die Berufung auf die rechtliche Selbstständigkeit einer juristischen Person verstosse aber gegen Treu und Glauben, wenn sie zur Vertragsumgehung missbraucht werde. Verkaufe nun die I._ anstatt der Aktien der A._ das Grundstück M._, um das Vorhandrecht zu umgehen, so handle sie rechtsmissbräuchlich, was dazu führe, dass sich die A._ das gegen die I._ bestehende Vorhandrecht entgegenhalten lassen müsse. Insofern handle es sich um einen umgekehrten Durchgriff, bei dem die juristische Person für die Verpflichtungen ihrer Mitglieder in Anspruch genommen werde. Die Voraussetzungen für einen umgekehrten Durchgriff seien erfüllt. Damit die I._ nicht die A._ aushöhlen könne, komme eine Grundbuchsperre und eine umfassende Verfügungsbeschränkung für beschränkte dingliche Rechte in Frage.
I. Mit Entscheid vom 12. März 2019 hiess der Einzelrichter in Zivilsachen am Regionalgericht Prättigau/Davos das Gesuch um Erlass superprovisorischer Massnahmen teilweise gut und erliess eine Grundbuchsperre. Er wies das Grundbuchamt O._ an, die Grundbuchsperre auf der Liegenschaft Nr.
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E._, Hauptbuchblatt F._, Plan Nr. G._, unverzüglich einzutragen. Gleichzeitig setzte er der A._ Frist an, um zum Gesuch von C._ Stellung zu nehmen.
J. In ihrer Stellungnahme vom 29. April 2019 beantragte die A._ die kostenfällige Abweisung des Gesuchs und die Löschung der vorläufig eingetragenen Grundbuchsperre; eventualiter sei die Aufrechterhaltung der vorläufigen Eintragung von der Leistung einer Sicherheit im Sinne von Art. 264 ZPO im Betrag von mindestens CHF 1‘344‘200.00 abhängig zu machen und C._ zur Zahlung eine kurze Frist von maximal 10 Tagen anzusetzen. In der Begründung bestritt sie sowohl den Eintritt des Vorhandfalles als auch eine Verkaufsabsicht der I._ bezüglich des Grundstücks M._. Weiter machte sie geltend, die Voraussetzungen für den Erlass vorsorglicher Massnahmen seien nicht gegeben. Schliesslich bestritt sie, dass ein umgekehrter Durchgriff auf die A._ möglich wäre.
K. Mit Replik vom 7. Juni 2019 beantragte C._, die Grundbuchsperre sei aufrechtzuerhalten und der Antrag auf Anordnung einer Sicherheitsleistung sei abzuweisen. Weiter sei ihm eine angemessene Frist zur Einreichung der Klage in der Hauptsache zu setzen. Die Duplik datiert vom 9. Juli 2019; die A._ hielt an ihren Rechtsbegehren fest. Im Sinne der Wahrnehmung des rechtlichen Gehörs äusserten sich C._ am 30. Juli 2019, die A._ am 14. August 2019 und C._ am 27. August 2019 erneut zur Sache; sie hielten an ihren Rechtsbegehren fest.
L. Mit Entscheid vom 13. September 2019, gleichentags mitgeteilt, erkannte der Einzelrichter in Zivilsachen am Regionalgericht Prättigau/Davos was folgt:
1. Die mit Superprovisorischem Entscheid vom 12. März 2019 vom Regionalgericht Prättigau/Davos erlassene und mittlerweile im Grundbuch Gemeinde O._ angemerkte Grundbuchsperre bleibt unverändert aufrecht erhalten.
2. C._ wird eine Frist bis zum 15. November 2019 zur Einreichung der Klage in der Hauptsache angesetzt. Bei unbenutztem Ablauf dieser Frist wird die angemerkte Grundbuchsperre ohne weiteres von Amtes wegen gelöscht.
3. Die Entscheidgebühr für den Superprovisorischen Entscheid und für diesen Entscheid sowie die Gebühren des Grundbuchamtes O._ betragen insgesamt CHF 2‘000.00. Über die Verteilung dieser, wie auch der Parteientschädigung und deren Festlegung, wird zusammen mit der Hauptsache entschieden (Art. 104 Abs. 3 ZPO).

## Considerations