# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 07466fe9-609f-4a20-8249-6d9a07d38bf8
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Die im Jahre 1976 geborene
X._
arbeitete seit dem 1. November 2002 als Mitarbeiterin Hauswirtschaft in einem Altersheim der Stadt
Y._
(Pensum von 80 %). Sie ist Mutter eines im Januar 2004 geborenen Sohnes. Infolge seit Februar 2005 persistierender Rückenbeschwerden musste sie sich am 26. Okto
ber 2005 einem operativen Eingriff unterziehen und die berufliche Tä
tigkeit per Ende Februar 2006 aufgeben; die Anmeldung bei der
Sozialversi
cherungsanstalt
des Kantons Zürich
, IV-Stelle, zum Leistungsbezug erfolgte am 8. Februar 2006 (Urk. 7/1 S. 9, Urk. 7/2, Urk. 7/8). Nach Abklärung des medizi
nischen Sach
verhalts – insbesondere der psychiatrischen Begutachtung durch Dr. med.
Z._
,
Facharzt FMH für Psy
chiatrie und Psychotherapie (Gutachten vom 7. November 2006, Urk. 7/30) – sprach die IV
Stelle der Versicherten mit Verfügung vom 22. Februar 2007 und Wirkung ab 1. Februar 2006 e
ine ganze Rente zu (Urk. 7/45).
Im Januar 2008 wurde eine revisionsweise Überprüfung des Rentenanspruchs in die Wege ge
leitet (Urk. 7/48). Mit Vorbescheid vom 27. Oktober 2008 stellte die IV-Stelle die Aufhebung des Rentenanspruchs in Aussicht (Urk. 7/61). Aufgrund persistierender Beschwerden musste sich die Versicherte am 16. Dezember 2010 erneut einer Bandscheibenoperation unterziehen (Urk. 7/99 S. 17). Zur genau
e
ren Er
mittlung des medizinischen Sachverhalts ordnete die IV-Stelle in der Folge eine polydisziplinäre Begutachtung an
(
A._
-
Gutachten vom
28
.
März
2011, Urk. 7/99). Mit Verfügung vom 1. Dezember 2011 hob die IV-Stelle die Rente per
1. Februar 2012 auf (Urk. 7/105
).
Diese Verfügung wurde mit Urteil des hiesigen Gerichts vom 2
8.
März 2013 aufgehoben und die Sache zu weiteren medizinischen Abklärungen an die
IV
Stelle
zurückgewiesen (
Urk.
7/124). In der Folge veranlasste diese eine wei
tere polydisziplinäre Abklärung der Versicherten bei der
Medas
B._
(
Medas
-Gutachten vom 1
7.
Februar 2014
,
Urk.
7/143).
Mit Vorbescheid vom 1
6.
April 2014 stellte die IV-Stelle die Aufhebung des Renten
anspruchs in Aussicht (Urk. 7/148) und hielt daran mit Verfügung vom
5.
Juni 2014 fest (
Urk.
7/155 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Vertreter der Versicherten am
7.
Juli 2014
Beschwerde und beantragte, es
sei
die angefochtene Verfügung ersatzlos aufzuheben, eventua
li
ter sei die Sache zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurück
zu
weisen; unter Kosten- und Entschädigungs
folgen zu Lasten der
Beschwerde
geg
nerin
(Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom
2
9.
August 2014
beantragte die
Beschwerdegegne
rin
die Ab
weisung der Beschwerde (Urk. 6), was der Beschwerdeführerin am
2.
September 2014 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Hinsichtlich der rechtlichen Grundlagen kann vollumfänglich auf die dies
bezügli
chen Ausführungen im Urteil des hiesigen Gerichts vom 2
8.
März 2013 (
IV.2012.00055) verwiesen werden (
Urk.
7/124 S. 3 ff.).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass bei der Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht in einer leichten, angepassten Tätigkeit eine 70%ige Arbeitsfähigkeit bestehe. Demgegenüber würden die psy
chiatrischen Diagnosen als überwindbar beurteilt, was insgesamt zu einem
ren
tenausschliessenden
Invaliditätsgrad von 35
%
führe (
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber machte der Vertreter der Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, dass
sich vorliegend die Frage der Überwindbarkeit der psychischen Beschwerden nicht stelle, da es sich um eine ordentliche Rentenrevision handle. Die ursprüngliche
Rentenzusprache
beruhe nicht ausschliesslich auf einem „
Päusbonog
“, so dass die Schlussbestimmungen der sogenannten IV-Revision 6a vorliegend keine Anwendung f
änden
. Allein aus psychiatrischer Sicht sei demnach von einer Arbeitsunfähigkeit von
mindestens
76
%
auszugehen.
Wei
ter sei auch aus somatischer Sicht von einer wesentlichen Verschlechterung der Beschwerden auszugehen, so dass weiterhin eine ganze Rente auszurichten sei (
Urk.
1).
2.3
Vergleichsbasis im vorliegenden Revisionsverfahren bildet die Verfügung vom 22. Februar 2007
(
Urk.
7/45)
, welche sich in medizinischer Hinsicht
im We
sentlichen auf das psychiatrische Gutachten von Dr.
Z._
stützt
(Urk. 7/30). Di
eser diagnosti
zierte dannzumal eine reaktive depressive Ent
wicklung, gegen
wärtig mittelgra
dige depressive Episode (ICD-10 F32.1) so
wie eine
somatoforme
Schmerzkom
ponente im Sinne einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstö
rung
(ICD-10 F45.4).
Weiter führte er aus, dass
aufgrund der depressiven Symp
tomatik medizinisch-theore
tisch eine 50%ige, den Schmerzen adaptierte Tätigkeit zumutbar
wäre
. Aufgrund der anhaltenden
somatoformen
Schmerz
störung
lasse sich diese Restarbeitsfähigkeit jedoch aktuell in der freien Wirt
schaft nicht umsetzen. Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im Haushalt betrage 50 % (Urk.
7/30 S. 8 ff.). Bei dieser Aus
gangslage ging die
Beschwerde
gegnerin
im erwerblichen Bereich von einer Einschränkung von 100 % aus, was bei entsprechender Gewichtung (Erwerb: 80 %, Haushalt: 20 %) zu einer Invali
dität vo
n 80 % führte
(
Urk.
7/37)
und weitere Abklä
rungen unnötig machte.
3.
3.1
Die für das
Medas
-Gutachten vom 1
7.
Februar 2014 verantwortlichen Fachärzte diagnostizierten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches depressives Zustandsbild mit aktuell mittelgradiger depressiver Episode und mittelschwerem somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11), sich entwickelnd in den letzten drei Jahren; eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), sich entwickelnd in den vergangenen neun Jahren; ein
chronifiziertes
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom (ICD-10
M
54.06
)
, bestehe
nd seit mindestens neun Jahren m
it/bei Status nach zweimaliger
Diskushernieno
peration
L5/S1 mit narbigen Resi
duen links paramedian bis links
foraminal
L5/S1 und
residuellem
S1-Reizsyndrom am linken Bein sowie ein
chronifiziertes
,
zervikospondyloge
nes
Schmerzsyndrom bei einer deutlichen Fehlhaltung (ICD
10 M54.02), beste
hend seit
zirka
fünf Jahren (
Urk.
7/143 S. 29).
Die Gutachter führten aus, d
ie Einschränkung der Arbeits- und Leistungsfähig
keit werde aufgrund der
mittelschwer
en depressiven Episode in Verbindung mit d
em mittelschwer
en depressiven somatischen Syndrom auf 60
%
eingestuft. Die mit den Schmerzen verbundene Einschränkung der Leistungsfähigkeit werde auf 40
%
der noch erhaltenen Restleistungsfähigkeit
beziffert; die in der rheumato
logischen Beurteilung festgestellte schmerzbedingte Leistungseinbusse von 30
%
sei in der
obgenannten
Leistungsminderung bereits berücksichtigt. Insgesamt sei damit von einer Reduktion der Leistungsfähigkeit von 76
%
auszugehen, welche für alle beruflichen Tätigkeiten gelte. Abschliessend sei angeführt, dass die Beschwerdeführerin in ihrer aktuellen psychiatrischen und psychischen Verfas
sung keinem Arbeitgeber auf dem ersten Arbeitsmarkt mehr zuzumuten sei.
Faktisch sei damit auch in einer angepassten Tätigkeit von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen.
Angesichts des erheblichen
Chronifizierungsgrades
der depressiven Störung und der gleich bleibenden psychosozialen Bedingungen sowie einer seit Jahren bestehenden begleitenden psychiatrischen Behandlung einschliesslich suffizi
enter, antidepressiver Medikation, könne das Zustandsbild der Beschwerde
führerin nicht mehr bedeutsam durch medizinische Massnahmen verbessert werden.
Zudem sei die willentliche Überwindbarkeit der durch die Schmerzen
ausgelösten Leistungseinbusse infolge der schweren psychiatrischen
Komorbi
dität
mehrheitlich aufgehoben (
Urk.
7/143 S. 34 ff.).
3.2
3.2.1
Was den durch die Depression begründeten Anteil der Arbeitsunfähigkeit betrifft, hat die
revisionsweise Überprüfung des Rentenanspruchs der Beschwer
deführerin gestützt auf die allgemeinen Revisionsbestimmungen gemäss
Art.
17
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSG
)
zu
erfolgen.
In diesem Bereich der Leistungsprüfung kommt den
Förster
kriterien
-
entgegen den Ausführungen in der angefochtenen Ver
fügung
keine
Bedeutung zu, da eine
rezidivierende depressive Störung
,
gegenwärtig
mittel
gradige Episode
,
nicht analog der zur
somatoformen
Schmerz
störung
ent
wickelten Rechtsprechung
zu behandeln ist
.
Bei einer solchen
revisi
ons
weisen
Überprüfung
ist allein massgebend, inwiefern gegenüber dem Zeit
punkt der ursprünglichen
Leistungszusprache
eine wesentliche Veränderung einge
treten ist.
Zu prüfen bleibt demnach allein, ob sich der gesundheitliche Zustand der Beschwerdeführerin seit der mit Verfügung vom 22. Februar 2007 erfolgten
Rentenzusprache
wesentlich verändert hat.
Die für das
Medas
-Gutachten verantwortlichen Fachärzte legen den medizini
schen Sachverhalt in einer schlüssigen und nachvollziehbaren Weise dar; die Erkenntnisse wurden von den Parteien denn auch nicht grundsätzlich in Frage gestellt. Entsprechend den Ausführungen von
Dr
.
Z._
im Rahmen der erst
maligen
Rentenzusprache
wird die Arbeitsunfähigkeit in erster Linie mit dem nunmehr chronischen depressiven Geschehen begründet.
Während
Dr.
Z._
allein aufgrund der Depression von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit ausging, wird neu eine solche von 60
%
attestiert, wobei auf die eingetretene
Chronifi
zierung
und Therapieres
istenz hingewiesen wird. Bezüglich des depressiven Geschehens ist damit von einer leichten Verschlechterung der gesundheitlichen Situation auszugehen. Den Ausführungen der Beschwerdegegnerin, dass der psychische Gesundheitsschaden wesentlich durch psychosoziale Faktoren unter
halten w
e
rd
e
, kann nicht zugestimmt werden.
So halten die Gutachter aus
drücklich fest, dass die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auf ein psychisches Leiden mit signifikantem Krankheitswert zurückzuführen sei, aber auch auf ein somatisches Leiden im Bereich des Bewegungsapparates. Psychoso
ziale
Faktoren würden nur noch im Hintergrund stehen und heute nicht mehr gewichten (
Urk.
7/143 S. 36).
3.2.2
Was die Beurteilung der
somatoformen
Schmerzstörung betrifft, kann
die Anwen
dung der Schlussbestimmungen der
6.
IV-Revision nicht allein deshalb ausgeschlossen werden,
weil
nicht
ausschliesslich
ein unklares Beschwerdebild
vorliegt. Lassen sich unklare von erklärbaren Beschwerden trennen, so können die Schlussbestimmungen der
6.
IV-Revision auf erstere Anwendung finden. Andernfalls käme es zu einer Schlechterstellung der
B
ezüger, welche eine
Rente
ausschliesslich aufgrund unklarer Beschwerden beziehen (BGE 140 V 197 E.
6.2.3).
Dr.
Z._
hielt seinerzeit fest, dass sich die Restarbeitsfähigkeit auf
grund der anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung aktuell in der freien Wirtschaft nicht umsetzen
lasse
. Die Hälfte der Arbeitsunfähigkeit gründet demnach auf unklaren Beschwerden im Sinne der
erwähnten
Schlussbestim
mungen
zur
6.
IV-Revision
, so dass vorliegend zu prüfen ist, wie es sich heute damit verhält.
Anzumerken ist
dabei
, dass sich die Beschwerdeführerin im Dezember 2010 einer erneuten Rückenoperation unterziehen musste (
Urk.
7/143 S. 14). Allein aus somatischer Sicht gehen die Gutachter aktuell in einer leichten, angepassten Tätigkeit von einer schmerzbedingten 30%igen Leistungseinschränkung aus (
Urk.
7/143 S. 36). In einer Gesamteinschätzung führe dies unter Berücksichti
gung des depressiven Geschehens zu einer Arbeitsunfähigkeit von 76
%
. Aktuell kann demnach ein Teil des damals als
somatoform
eingestuften
Beschwerde
komplexes
objektiviert werden.
Die Frage der Überwindbarkeit der Beschwerden stellt sich demnach lediglich noch im Ausmass von 24
%
. Entsprechend den Ausführungen der Gutachter ist die nunmehr
chronifizierte
und weiterhin im Vordergrund stehende depressive Störung aber als eigenständige, von der
somato
formen
Schmerzstörung losgelöste Diagnose zu begreifen.
In Überein
stimmung mit
der Einschätzung der
Medas
-Gutachter ist damit von einer schweren psychiatrischen
Komorbidität
auszugehen, was die Überwindbarkeit der fraglichen Rest
leistungsfähigkeit ausschliesst (vgl. dazu
BGE 130 V 352,
BGE
131 V 49 E. 1.2,
BGE 139 V 547 E. 3
)
.
3.2.3
Abschliessend ist gestützt auf die Erkenntnisse des
Medas
-Gutachtens vom 17.
Februar 2014 von einer
im Endergebnis
im Wesentlichen unveränderten gesundheitlichen Situation a
uszugehen, wobei darauf hinzuweisen ist, dass ein gewisser Anteil der
somatoformen
Beschwerden aktuell objektiviert werden konnte.
Bei diesem Ausgang kann offen bleiben, ob die Beschwerdeführerin nunmehr als zu 100
%
erwerbstätig zu qualifizieren ist (zuvor 80
%
). Dies führt in Gutheissung der Beschwerde zur Feststellung, dass die Beschwerdeführerin weiterhin Anspruch auf eine ganze Rente hat.
4.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen
(Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung;
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Beschwerde
führerin eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, welche in Anwendung von
Art.
61
lit
. g ATSG, namentlich unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwier
igkeit des Prozesses auf
Fr.
1'9
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.