# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 832e6c95-dfe3-4ee1-b966-f10a2874dc67
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, I. Abteilung, vom 29. August 2018 (DG180025)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 29. März
2018 (neu der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich, Urk. D/1/29) ist diesem
Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 61 S. 62 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von Art 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB,
− des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, − der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB gegen die Privatklägerin 2, − der mehrfachen Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB sowie − des Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen im Sinne von Art. 292 StGB.
2. Vom Vorwurf
− der sexuellen Belästigung im Sinne von Art. 198 Abs. 2 StGB sowie − der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB gegen die Privatklägerin 1
wird der Beschuldigte freigesprochen.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 24 Monaten Freiheitsstrafe (wovon 45 Tage
durch Haft erstanden sind) sowie mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu
Fr. 100.– und einer Busse von Fr. 500.–.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe im Umfang von 12 Monaten wird aufgeschoben und
die Probezeit auf 5 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (12 Monate, abzüglich 45 Tage,
die durch Haft erstanden sind) wird die Freiheitsstrafe vollzogen. Die Geldstrafe
und Busse sind zu bezahlen.
5. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine
Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen.
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6. Es wird auf die Anordnung einer ambulanten Behandlung des Beschuldigten im
Sinne von Art. 63 StGB verzichtet.
7. Dem Beschuldigten wird im Sinne von Art. 67b Abs. 1 und Abs. 2 lit. a StGB für
5 Jahre untersagt, mit der Privatklägerin 1 direkt oder über Drittpersonen Kontakt
aufzunehmen. Missachtet der Beschuldigte das Kontaktverbot, kann er gemäss
Art. 292 StGB wegen Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen mit Busse be-
straft werden.
8. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 29. März 2018 beschlagnahmte und beim Bezirksgericht Bülach lagernde iPhone 6s plus (defekter
Bildschirm, ohne SIM-Karte; ...) wird der Privatklägerin 1 nach Eintritt der Rechts-
kraft des Urteils herausgegeben.
9. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin 1 für zu-
künftigen Schaden aus den eingeklagten strafbaren Handlungen dem Grundsatz
nach vollumfänglich schadenersatzpflichtig ist.
10. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 1 Fr. 5'000.– zuzüglich 5 %
Zinsen ab 31. März 2015 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das
Genugtuungsbegehren der Privatklägerin 1 abgewiesen.
11. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 2 Fr. 500.– als Genugtuung zu
bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin 2 ab-
gewiesen.
12. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'500.– die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 4'500.– Gebühr Vorverfahren
Fr. 22'125.20 Gutachten
Fr. 680.– Aufwand Mobiltelefonauswertung und EDV-Datensicherung
Fr. 396.– Auslagen
Fr. 10'914.95 Kosten des Rechtsbeistandschaft der Privatklägerin 1 (inkl. MwSt.)
Fr. 35'014.85 amtl. Verteidigungskosten (inkl. MwSt.)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
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13. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Be-
schuldigten auferlegt. Davon ausgenommen sind die Kosten der amtlichen
Verteidigung, welche einstweilen und unter dem Vorbehalt von Art. 135 Abs. 4
StPO von der Gerichtskasse übernommen werden, sowie die Kosten der
unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin 1, welche definitiv von der
Gerichtskasse übernommen werden.
14. (Mitteilungen)
15. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten (Urk. 119 S. 1 f.):
1. In Abänderung von Ziffer 1 des Urteils des Bezirksgerichts Bülach, I. Abtei-
lung, vom 29. August 2018 (Geschäfts-Nr. DG180025-C) sei der Beschuldig-
te und I. Berufungskläger freizusprechen vom Vorwurf
- der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von
Art. 187 Ziff. 1 StGB,
- des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 StGB,
- des Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen im Sinne von Art. 292
StGB.
2. a) Der Beschuldigte und I. Berufungskläger sei zu bestrafen mit einer Geld-
strafe von maximal 50 Tagessätzen zu Fr. 70.00, entsprechend Fr. 3'500.00,
unter Anrechnung von 46 Tagen Haft.
b) Eventualiter, im Falle einer Schuldigsprechung im Sinne des vorinstanz-
lichen Urteils, sei der Beschuldigte und I. Berufungskläger zu bestrafen mit
maximal 18 Monaten Freiheitsstrafe unter Anrechnung von 46 Tagen Haft
sowie mit einer Geldstrafe von maximal 30 Tagessätzen zu Fr. 70.00, ent-
sprechend Fr. 2'100.00, und einer Busse von maximal Fr. 200.00.
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3. Der Vollzug der Geldstrafe und einer allfälligen Freiheitsstrafe sei aufzu-
schieben unter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren.
4. Von einem Kontaktverbot mit der Privatklägerin 1 bzw. der II. Berufungs-
klägerin sei abzusehen.
5. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom
29. März 2018 beschlagnahmte iPhone 6s plus (defekter Bildschirm, ohne
SIM-Karte; ...) sei dem Beschuldigten und I. Berufungskläger herauszuge-
ben.
6. Es sei dem Beschuldigten und I. Berufungskläger im Falle einer allenfalls
resultierenden Überhaft eine angemessene Entschädigung zuzusprechen.
7. Eine angemessener Anteil (Maximal 1/10) der Kosten des erstinstanzlichen
Verfahrens, ausgenommen derjenigen der amtlichen Verteidigung, sei dem
Beschuldigten und I. Berufungskläger aufzuerlegen; im Mehrumfang seien
die erstinstanzlichen Kosten sowie die gesamten Kosten des Berufungs-
verfahrens, einschliesslich derjenigen der amtlichen Verteidigung, definitiv
auf die Staatskasse zu nehmen.
8. Die Zivilklagen seien abzuweisen bzw. auf den Zivilweg zu verweisen unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Privatklägerinnen.
9. Die Berufung der Privatklägerin und II. Berufungsklägerin sei abzuweisen
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Privatklägerin und
II. Berufungsklägerin.
b) Der Staatsanwaltschaft (Urk. 70, schriftlich):
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
c) Der Vertreterin der Privatklägerin B._ (Urk. 123 S. 1):
1. Ziffer 1 des vorinstanzlichen Urteilsdispositivs sei dahingehend zu ergänzen,
dass der Beschuldigte/Berufungskläger zusätzlich entsprechend der An-
klage der mehrfachen Drohung i.S.v. Art. 180 Abs. 1 StGB schuldig zu er-
kennen sei.
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2. Der Freispruch vom Vorwurf der Drohung i.S.v. Art. 180 Abs. 1 StGB gegen
die Privatklägerin 1 gemäss Ziff. 2 des vorinstanzlichen Urteils sei aufzuhe-
ben.
3. Die Strafe gemäss Ziff. 3 des vorinstanzlichen Urteils sei entsprechend zu
erhöhen.
4. In Abänderung von Ziff. 10 des vorinstanzlichen Urteils sei der Beschuldig-
te/Berufungskläger zur Leistung einer Genugtuung an die Privatklägerin 1
von 15'000.– Franken zu verpflichten, zzgl. 5% Zins seit dem 31. März 2015
(mittlerer Verfall).
5. Im Übrigen sei das vorinstanzliche Urteil zu bestätigen.
6. Die Kosten des Berufungsverfahrens, einschliesslich diejenigen der un-
entgeltlichen Vertretung der Privatklägerin 1, seien dem Beschuldig-
ten/Berufungskläger aufzuerlegen.

## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil des Bezirksgerichts
Bülach, 1. Abteilung, vom 29. August 2018 wurde der Beschuldigte A._ weit-
gehend anklagegemäss diverser Delikte schuldig gesprochen und mit 24 Monaten
Freiheitsstrafe, einer unbedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 100.--
sowie einer Busse von Fr. 500.-- bestraft (Urk. 61 S. 62). Der Vollzug der Frei-
heitsstrafe wurde unter Ansetzung einer Probezeit von 5 Jahren im Umfang von
12 Monaten aufgeschoben. Im Übrigen (12 Monate, abzüglich 45 Tage Haft) sei
die Freiheitsstrafe zu vollziehen. Von den Vorwürfen der sexuellen Belästigung
und der Drohung gegen die Privatklägerin 1 B._ (nachfolgend Privatklägerin
1) wurde er freigesprochen. Nach der mündlichen Urteilseröffnung meldete der
amtliche Verteidiger des Beschuldigten vor den Schranken die Berufung an
(Prot. I. S. 71). Mit Eingabe vom 10. September 2018 liess die Privatklägerin 1
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ebenfalls Berufung anmelden (Urk. 51). Die Berufungserklärung der amtlichen
Verteidigung vom 28. Dezember 2018 und diejenige der Privatklägerin 1 vom 3.
Januar 2019 gingen innert gesetzlicher Frist bei der Berufungsinstanz ein (Art.
399 Abs. 3 StPO; Urk. 64 und 66). Die Staatsanwaltschaft II teilte mit Eingabe
vom 16. Januar 2019 mit, dass sie auf Anschlussberufung verzichte und die Be-
stätigung des vorinstanzlichen Urteils beantrage (Urk. 70). Die Privatklägerin 2
C._ (nachfolgend Privatklägerin 2) liess sich innert Frist nicht vernehmen. Mit
Präsidialverfügung vom 20. Juni 2019 wurden die Beweisanträge des Beschuldig-
ten auf Befragung der Privatklägerin 1, von D._ (oder D1._) und von
E._ abgewiesen (Art. 389 Abs. 3 StPO; Urk. 87). Mit Eingabe vom 3. Oktober
2019 stellte die Privatklägerin 1 ein Dispensationsgesuch für die Berufungsver-
handlung (Urk. 94). Dieses wurde mit Präsidialverfügung vom 4. Oktober 2019
bewilligt (Urk. 97). Mit Schreiben vom 24. Oktober 2019 ersuchte der amtliche
Verteidiger des Beschuldigten um Verschiebung des Verhandlungstermins wegen
Erkrankung des Beschuldigten (Urk. 102 und 108). Dieses Gesuch wurde bewilligt
und der Termin auf das heutige Datum angesetzt.
Das vorliegende Urteil erging im Anschluss an die heute durchgeführte Beru-
fungsverhandlung (Prot. II S. 25 ff.).
2.1. Anlässlich der Berufungsverhandlung liess der Beschuldigte seine bereits im
Vorfeld gestellten Beweisanträge wiederholen (Prot. II S. 12) und verwies zur Be-
gründung auf die Berufungserklärung vom 28. Dezember 2018 (Urk. 64) sowie die
Eingabe vom 6. März 2018 (Urk. 78). Auf die zutreffenden Erwägungen im Ent-
scheid der Verfahrensleitung vom 20. Juni 2019 kann vorab verwiesen werden
(Urk. 87).
2.2. Was den Beweisantrag der Befragung der Privatklägerin 1 angeht, so hat
sich an der damaligen Begründung, wonach die Berufung auf eine gehörige
Wahrnehmung der Teilnahmerechte des Beschuldigten nicht greife um eine er-
neute Befragung der Privatklägerin zu rechtfertigen, nichts geändert.
Vorliegend wurde die damals noch minderjährige Privatklägerin 1 in Nachachtung
von Art. 154 StPO zweimal videobefragt (Urk. D1/6/3 und Urk. D1/6/6). Die
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Videoaufzeichnungen stehen der Berufungsinstanz zur Verfügung und sind
geeignet, einen unmittelbaren Eindruck des Aussageverhaltens der Privatklägerin
1 zu vermitteln, zumal zwischen ihren verschiedenen Aussagen keine derartigen
inhaltlichen Diskrepanzen bestehen, welche im Rahmen einer erneuten
Befragung auszuräumen wären (vgl. BGE 140 IV 196 E. 4.4.2). Insgesamt
besteht damit kein Anlass, die Privatklägerin 1 erneut einzuvernehmen. Damit
wird der diesbezüglich gestellte Beweisantrag der Verteidigung abgewiesen.
2.3. Hinsichtlich des Antrags auf die Befragung von D._ (oder D1._)
kann ebenfalls auf die zutreffenden Ausführungen im Entscheid der Verfahrenslei-
tung vom 20. Juni 2019 verwiesen werden. Der betreffende Vorfall soll sich vor
dem längeren Kontaktabbruch zwischen der Privatklägerin 1 und dem Beschuldig-
ten ereignet haben, entsprechen auch bevor sich die vorgeworfenen Handlungen
zugetragen haben sollen. Es ist daher kein Zusammenhang zu den eingeklagten
Delikten herzustellen und die Befragung von D._ (oder D1._) würde zu
keinem anderen Beweisergebnis führen. Damit wird der diesbezüglich erneut ge-
stellte Beweisantrag der Verteidigung abgewiesen.
2.4. Betreffend den Antrag auf Befragung von E._ kann vollumfänglich auf
die zutreffenden Begründung im Entscheid der Verfahrensleitung vom 20. Juni
2019 verwiesen werden. Der diesbezüglich erneut gestellte Beweisantrag der
Verteidigung wird abgewiesen.
3. Unangefochten und damit in Rechtskraft erwachsen ist der Schuldspruch
wegen der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB gegen die Privatklägerin 2
(Anklageziffer 6, Dispositivziffer 1, dritter Aufzählungsstrich) und wegen mehr-
facher Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB (Anklageziffer 4 und 6,
Dispositivziffer 1, vierter Aufzählungsstrich) sowie der Freispruch vom Vorwurf der
sexuellen Belästigung im Sinne von Art. 198 Abs. 2 StGB (Anklageziffer 2, Dis-
positivziffer 2, erster Aufzählungsstrich), der Verzicht auf die Anordnung einer
ambulanten Behandlung des Beschuldigten (Dispositivziffer 6) sowie die Kosten-
festlegung (Dispositivziffer 12). Die Rechtskraft ist vorab mittels Beschluss festzu-
stellen (Art. 404 Abs. 1 StPO).
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II. Sachverhalt
1. Ausgangslage
Der Beschuldigte bestreitet die erfolgten Schuldsprüche gemäss Anklagevorwurf
Ziffer 1 (mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern), Anklagevorwurf Ziffer 3
(Raub) und Anklagevorwurf Ziffer 5 (Drohung / Ungehorsam gegen amtliche
Verfügungen). Er stellt im Berufungsverfahren die diesbezüglich eingeklagten
Sachverhalte nach wie vor in Abrede, weswegen der massgebliche Sachverhalt
aufgrund der Untersuchungsakten und der vor Gericht vorgebrachten Argumente
nach den allgemeinen Beweisregeln zu erstellen ist.
2. Vorhandene Beweismittel und Grundsätze der Beweiswürdigung
2.1. An Beweismitteln liegen die Aussagen des Beschuldigten in der Unter-
suchung, an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung sowie anlässlich der Beru-
fungsverhandlung vor (Urk. D1/5/1-12, Prot. I S. 7 ff. sowie Urk. 118). Weiter ste-
hen die von der Privatklägerin 1 bei der Polizei und bei der Staatsanwaltschaft
deponierten Aussagen mit den Videobefragungen zur Verfügung (vgl.
Urk. D1/6/1-10). Zudem liegen die Zeugeneinvernahmen von F._ (vgl. Urk.
D/1/8/3) und die Befragungen von G._ (vgl. Urk. D/1/7/3) vor.
2.2. Die Vorinstanz hat in ihrem Entscheid in allgemeiner Hinsicht ausgeführt,
wann eine strafrechtliche Verurteilung erfolgen kann und erläutert, wann der den
Beschuldigten begünstigende Grundsatz "in dubio pro reo" zur Anwendung
kommt (vgl. Urk. 61 S. 7 ff.). Auch zu den weiteren Grundsätzen der Beweiswür-
digung hat sich die Vorinstanz zutreffend geäussert und in diesem Zusammen-
hang festgehalten, bei der Würdigung von Aussagen dürfe nicht einfach auf die
allgemeine Glaubwürdigkeit der Aussagenden abgestellt werden, sondern auf die
Glaubhaftigkeit der konkreten, im Prozess relevanten Äusserungen, welche einer
kritischen Würdigung zu unterziehen seien, wobei auf das Vorhandensein von
hinreichenden Realitätskriterien und das Fehlen von Phantasiesignalen zu achten
sei (vgl. Urk. 61 S. 8 ff.). Auf diese Ausführungen kann verwiesen werden (Art. 82
Abs. 4 StPO).
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3. Zur Glaubwürdigkeit der Aussagenden
Zur allgemeinen Glaubwürdigkeit des Beschuldigten, der Privatklägerin 1 sowie
der erwähnten Personen kann festgehalten werden, dass weder die prozessuale
Stellung der Beteiligten, noch die wirtschaftlichen und sonstigen Interessen am
Ausgang des Verfahrens, noch die persönlichen Bindungen der Befragten zu den
Parteien Anlass geben, deren Glaubwürdigkeit grundsätzlich in Frage zu stellen.
Für die Wahrheitsfindung weitaus bedeutender als die allgemeine Glaubwürdig-
keit der Aussagenden ist jedoch ohnehin die Glaubhaftigkeit der konkreten Aus-
sagen (vgl. BGE 133 IV 33 E. 4.3.).
4. Zum Anklagevorwurf 1: Mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern
4.1. Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift vom 29. März 2018 zunächst
zusammengefasst vorgeworfen, in der Zeit von Frühling 2013 bis Frühling 2016
sich durchschnittlich drei- bis viermal die Woche an der Privatklägerin 1 ver-
gangen zu haben. Die Übergriffe sollen sich jeweils in seiner Wohnung an der
H._-Strasse 1 in I._ [Ortschaft] zugetragen haben. Er habe sie jeweils
innig und mehr als nur flüchtig über der Kleidung an die Vagina und an den inne-
ren Oberschenkel angefasst und gestreichelt. Des Weiteren habe er ihr sowohl
über als auch unter der Kleidung an die Brüste gefasst und diese geknetet. Zu-
dem habe er sie auf den Mund geküsst und sei manchmal mit seiner Zunge in ih-
ren Mund eingedrungen. Schliesslich wird ihm vorgeworfen, dass er die Privatklä-
gerin 1 wiederholt zum Oralverkehr gedrängt habe. Dieser Bitte sei sie in der Zeit
von Frühling 2014 bis Frühling 2016 bei mindestens vier Gelegenheiten widerwil-
lig nachgekommen. Der Beschuldigte habe sie dabei mehrere Minuten mit seinem
Geschlechtsteil und mit seinen Hoden oral penetriert, bevor er sich von ihr jeweils
manuell bis zum Samenerguss habe stimulieren lassen – dies alles im Wissen um
den sexuellen Bezug der Handlung und in Kenntnis des Schutzalters der Privat-
klägerin 1 (Urk. 29 S. 6 f.).
4.2. Was die eigentlichen Aussagen der Privatklägerin 1, des Beschuldigten sowie
von F._ und G._ betrifft, so ist zunächst auf die diesbezügliche zusam-
menfassende Darstellung durch die Vorinstanz in ihrem Entscheid zu verweisen,
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in welchem alles Wesentliche aufgelistet wurde (Privatklägerin 1: Urk. 61 S. 14 f.,
Beschuldigter: Urk. 61 S. 16 - 18, F._: Urk. 61 S. 15 f., G._: Urk. 61
S. 16). Auf eine erneute Darstellung der Aussagen kann verzichtet werden.
4.3. Die Vorinstanz hat sich detailliert mit den Aussagen der Beteiligten befasst
und diese im Einzelnen zutreffend gewürdigt. Auf diese Erwägungen kann vor-
liegend vorab verwiesen werden (vgl. Urk. 61 S. 18 - 22).
4.3.1. Einleitend zur Beweiswürdigung hat die Vorinstanz die Vorgeschichte und
Beziehungsdynamik zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin 1 dar-
gelegt und hielt zusammenfassend fest, dass der Beschuldigte und die Privat-
klägerin 1 eine äusserst ungewöhnliche, gar inadäquat intensive Beziehung zu
einander pflegten. Direkte Rückschlüsse auf die Verwirklichung des Anklage-
sachverhalts seien daraus jedoch nicht möglich (Urk. 61 S. 11 - 14). Dieser Dar-
stellung kann gefolgt werden. Offensichtlich ist, dass diese Beziehung von starken
gegenseitigen Gefühlen getragen worden ist. Das sie dabei einen durchwegs
ambivalenten Charakter trug, zeigt sich auf der einen Seite durch eine ausgepräg-
te Vater-Tochter-ähnliche-Beziehung und auf der anderen Seite durch klare Züge
einer unausgewogenen Liebesbeziehung.
4.3.2. Die Vorinstanz bewertete die Aussagen der Privatklägerin 1 hinsichtlich der
vorgeworfenen sexuellen Handlungen vor ihrem 16. Geburtstag als durchwegs
authentisch, detailliert und in sich stimmig und qualifizierte sie mithin als glaub-
haft. Konkret erwog sie, die Privatklägerin 1 habe die sexuellen Handlungen
konstant gleich wiedergegeben. Insbesondere die Tathandlung des Oralverkehrs
habe sie detailreif und glaubhaft geschildert, indem sie vom Einbezug von Penis
und Hoden, gefolgt von manueller Stimulation bis zum Samenerguss, berichtete
(Urk. 61 S. 19 f.). Einzig den Tatzeitraum habe sie nicht in konstanter Weise ge-
schildert. Dies könne der Privatklägerin 1 angesichts der langen Zeitdauer jedoch
nicht allzu schwer angelastet werden. Die teilweise abweichende Wiedergabe des
Zeitraums vermöge nichts daran zu ändern, dass ihre Aussagen im Kern wider-
spruchsfrei seien. Dasselbe gelte für den Umstand, dass sie den Oralverkehr erst
im Verlauf der zweiten Einvernahme offenlegte. Diesbezüglich sei die ent-
sprechende Erklärung der Scham auf die Frage, wieso sie den Oralverkehr nicht
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von Beginn an angegeben habe, angesichts ihres Verhaltens, ihres Alters und der
Unerfahrenheit durchaus glaubhaft (Urk. 60 S. 18). Der Vorinstanz ist zuzustim-
men, dass die Privatklägerin die Vorwürfe konkret und anschaulich schilderte,
weswegen ihre Aussagen als glaubhaft und damit überzeugend zu bewerten sind.
Die Videoaufnahmen zeigen zudem deutlich, dass die detaillierten Schilderungen
der sexuellen Handlungen bei der Privatklägerin 1 starkes Unbehagen auslösen
und sie beschämen. Insbesondere hat sie Mühe, Körper- und Geschlechtsteile
beim Namen zu nennen. Dies ist angesichts ihres Alters und der konkreten Um-
stände auch ohne Weiteres nachvollziehbar.
Im Rahmen der Berufungsverhandlung machte die Verteidigung erneut geltend,
dass gemäss Darstellung der Privatklägerin 1 die fraglichen Handlungen ent-
gegen der Anklageschrift erst im Frühling 2014 begonnen hätten und bei der Ein-
grenzung des Anklagesachverhalts dem Grundsatz "in dubio pro reo" Rechnung
zu tragen sei (Urk. 119 S. 12 f.).
Die Aussagen der Privatklägerin sind hinsichtlich des Tatzeitraums nicht kon-
gruent. In der polizeilichen Videobefragung vom 22. März 2017 (Urk. D1/6/3) gab
die Privatklägerin 1 an, die ersten Übergriffe seinen passiert, als sie 12 Jahre alt
gewesen sei, das sei im Jahr 2012 oder 2013 gewesen (Urk. D1/6/2 S. 2). Der
erste Oralverkehr habe im Jahr 2014 stattgefunden (Urk. Urk. D1/6/2 S. 3). In
der Einvernahme vom 24. März 2017 sagte die Privatklägerin 1 hingegen aus,
der Beschuldigte habe sie das erste Mal berührt, als sie 14 Jahre alt gewesen
sei (Urk. D1/6/5 S. 7). Weiter meint sie, dass es erst ein halbes oder ein ganzes
Jahr später das erste Mal zum Oralverkehr gekommen sei. Das erste Mal mit
14 Jahren und mit ungefähr 15 Jahren das letzte Mal (Urk. D1/6/5 S. 10 f.).
Die zeitliche Eingrenzung ist nicht einheitlich. Übereinstimmend ist hingegen,
dass der Oralverkehr mit 14 Jahren das erste Mal vorgefallen sein soll. Aus-
gehend von ihrer Aussage, dass die ersten Berührungen mit 14 Jahren und ein
halbes oder ganzen Jahr vor dem ersten Oralverkehr stattgefunden haben soll
und dass auch der Beschuldigte den Zeitpunkt ab dem sich die Privatklägerin 1
regelmässig bei ihm aufgehalten habe auf 2014 datiert (Urk. 118 S. 10), ist die
eingeklagte Zeitspanne auf das Frühjahr 2014 bis Frühjahr 2016 einzugrenzen.
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4.3.3. Bereits die Vorinstanz wies bei der Würdigung der Aussagen der Privatklä-
gerin sodann zu Recht darauf hin, dass sie den Beschuldigten nicht übermässig
belastete, was die Vorinstanz mit der Vorgeschichte des vorliegenden Strafver-
fahrens dokumentierte. So war Auslöser für die Meldung der Privatklägerin 1 bei
der Polizei primär der Vorfall, der sich am 12. März 2017 am Flughafen zuge-
tragen haben soll, wobei der Beschuldigte versucht habe, der Privatklägerin 1 das
Mobiltelefon zu entwenden (nicht Gegenstand der Anklageschrift). Aus diesem
Umstand werde deutlich, dass die Privatklägerin 1 den Beschuldigten nicht von
Beginn an mit den schwersten mutmasslich verübten Delikten belasten wollte,
sondern vielmehr nur im geringsten notwendigen Rahmen ihre eigenen berechtig-
ten Interessen durchsetzen wollte, ohne damit den Beschuldigten in übermässiger
Weise schaden zu wollen (Urk. 60 S. 19). Der Vorinstanz ist zuzustimmen, dass
vor diesem Hintergrund die Aussagen der Privatklägerin 1 als spontan und unvor-
bereitet zu werten sind. Es würde eine enorme Fantasie voraussetzten, um in
solch kurzer Zeit ein solch durchdachtes Lügennetz zu konstruieren.
4.3.4. Die Verteidigung des Beschuldigten machte an der Hauptverhandlung vor
Vorinstanz (Urk. 41 S. 6 ff.) wie auch im Berufungsverfahren (Urk. 119 S. 7 f.)
geltend, die Aussagen der Privatklägerin 1 seien nicht glaubhaft. Offenkundig
bezwecke sie mit den Anschuldigungen, einen Schlussstrich zu ziehen. Sie wolle
sich für ihr heutiges Umfeld (Freund, Schwester und Freundinnen) sichtbar, und
wohl auch von diesen angestiftet, deutlich vom Beschuldigten ablösen und ab-
grenzen. Dem kann nicht gefolgt werden. Zu bemerken ist, dass das vorliegende
Verfahren aufgrund der Anzeige wegen Raub in Gang gesetzt worden ist. Es war
nie die primäre Intention der Privatklägerin 1, den Beschuldigten der sexuellen
Handlungen mit Kindern zu beschuldigen. Weiter ist darauf hinzuweisen, dass
sich die Privatklägerin 1 nicht nur negativ über den Beschuldigten äussert. So
führte sie in der Untersuchung aus, der Beschuldigte sei ein ehrlicher und grund-
sätzlich netter Mensch (Urk. D1/6/2 S. 2). Sie hätten eigentlich ein "mega" gutes
Verhältnis zueinander gehabt (Urk. D1/6/5 S. 3). So wenig, wie sie den Beschul-
digten schlecht macht, so wenig bagatellisierte sie ihr eigenes Verhalten. Auf Vor-
halt der von ihr verfassten Briefe an den Beschuldigten räumt die Privatklägerin 1
ein, dass sie ihn auch gerne gehabt habe, er sei immer für sie da gewesen, er sei
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schon ein Freund von ihr gewesen (Urk. D1/6/2 S. 4). Sie brachte zum Ausdruck,
dass auch sie in gewisser Weise zur Entwicklung des Verhältnisses mit dem Be-
schuldigten beigetragen habe. Am Anfang sei sie wirklich verliebt gewesen, aber
das Gefühl sei mit der Zeit verschwunden. Sie führte aus, dass sie den Beschul-
digten freiwillig fast täglich besuchte, obwohl ihr dessen Zudringlichkeiten mit der
Zeit unangenehm geworden seien (Urk. D1/6/5). Zudem räumte sie ein, dem Be-
schuldigten nie zu verstehen gegeben zu haben, dass sie dies (die Berührungen)
nicht wolle (Urk. D1/6/5 S. 9). Sie habe ihn ihrerseits auch berührt. Auf Vorhalt der
Aussage des Beschuldigten, wonach er ihr jeweils gesagt habe, dass sie dies
nicht dürfe, bevor sie 16 Jahre alt sei, räumt die Privatklägerin überdies ein, dass
er ihr das schon einmal gesagt habe, es die ganze Zeit über aber auch bei ihr
versucht habe (Urk. D1/6/5 S. 9 f.). In diesem Zusammenhang ist jedoch zu be-
merken, dass im vorliegenden Kontext ein möglicher Beitrag der Privatklägerin 1
gänzlich irrelevant ist.
Wie bereits erwähnt, belastete die Privatklägerin 1 den Beschuldigten nicht über-
mässig. Von einem Belastungseifer oder einer Dramatisierung kann nicht die Re-
de sein. Auch spricht der Umstand, dass die Privatklägerin 1 die orale Penetration
erst anlässlich der zweiten Einvernahme zur Sprache brachte, nicht für eine Form
von nachträglicher Übersteigerung bereits geschilderter Vorwürfe. Im Gegenteil,
wie auch bereits im Urteil der Vorinstanz erwogen, beharrte die Privatklägerin 1
zum Beispiel stets darauf, dass es nie zum Geschlechtsverkehr mit dem Beschul-
digen gekommen sei, was darauf schliessen lässt, dass sie den Beschuldigten
nicht mit erfundenen, über das tatsächlich Geschehene hinausgehende Vor-
würfen belasten will (vgl. Urk. 61 S. 18 f.).
4.3.5. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Aussagen der Privatklägerin 1
zu den sexuellen Handlungen und zum Oralverkehr durchwegs überzeugend,
realistisch und konstant sind. Die Detailschilderungen lassen ihre Aussagen sehr
plausibel und authentisch erscheinen und es sind keine wesentlichen Wider-
sprüche erkennbar. Auch nach einer Würdigung des nonverbalen Verhaltens,
welches sich aus den Videoaufzeichnungen der Befragungen ergibt, sind ihre
Aussagen überzeugend und damit als glaubhaft zu bezeichnen. Es bestehen
- 15 -
keine Zweifel an der glaubhaften Darstellung der Privatklägerin 1 und es kann
demnach vollumfänglich auf ihre belastenden Aussagen abgestellt werden.
4.4. In einem anderen Licht präsentieren sich hingegen die Depositionen des
Beschuldigten. Sowohl in der Untersuchung als auch vor Vorinstanz bestritt er die
Anklagevorwürfe betreffend sexuelle Handlungen mit Kindern vehement. Wie die
Vorinstanz bereits zutreffend darlegte, habe er einerseits mehrfach mit Nachdruck
betont, dass es sich um eine rein platonische Beziehung gehandelt habe und er
der Privatklägerin 1 als Vaterersatz nur habe helfen wollen. Er habe sie niemals
angefasst, geschweige denn habe er Oralverkehr mit ihr praktiziert. Im Wider-
spruch dazu habe er an anderer Stelle jedoch angegeben, dass es zu Berührun-
gen oder sexuellen Handlungen gekommen sei, jeweils aber entweder mit dem
Hinweis, dass die Privatklägerin 1 zum gegebenen Zeitpunkt schon 16 Jahre alt
gewesen oder die Schuld bei ihr als "Verführerin" gelegen habe. Auch seine Er-
zählung betreffend den versuchten Analverkehr oder die Erzählung, dass ihm die
Privatklägerin 1 mit 11 Jahren die Unterhosen runtergezogen habe, diene dazu,
die Privatklägerin 1 als "Anstifterin" bzw. "Verführerin", darzustellen (Urk. 61
S. 20). Falls sich der Vorfall tatsächlich so abgespielt haben sollte, kann dies
den Beschuldigten keineswegs entlasten. Die Verantwortung zur Wahrung der
Grenzen liegt nicht beim Kind, sondern bei den Erwachsenen.
Die Vorinstanz hat in ihrem Entscheid weiter ausgeführt, dass die vom Beschul-
digten wiederholt erwähnte Homosexualität in eklatantem Widerspruch zu seinen
Aussagen stehe, wonach er nach dem Erreichen des Endes des Schutzalters
Oralverkehr mit der Privatklägerin 1 praktiziert habe, für ihren 17. Geburtstag
Geschlechtsverkehr geplant habe, nur wegen des Altersunterschieds keinen Ge-
schlechtsverkehr mit ihr gehabt habe und sie geliebt habe. Es trifft zu, dass es in
mehrerlei Hinsicht durchwegs lebensfremd und widersprüchlich erscheint, wenn
der Beschuldigte abermals ausführt, ab dem 16. Geburtstag der Privatklägerin 1
sexuell mit ihr verkehrt bzw. zu verkehren geplant haben, dann aber mit dem
Argument seiner Homosexualität den Vorwurf von sexuellen Handlungen vor Er-
reichen ihres Schutzalters zu entkräften versucht. Sodann ist es richtig, dass es
der Glaubhaftigkeit seiner Aussagen überaus abträglich ist, wenn er jeweils ab-
- 16 -
wechselnd sexuelle Handlungen nach Erreichen der Schutzalters zugibt, dann
jedoch wiederum "bei Gott" schwört, dass nie etwas Derartiges vorgefallen sei
(vgl. Urk. 61 S. 20 f.). Auch anlässlich der Berufungsverhandlung fällt das wider-
sprüchliche und ausweichende Aussageverhalten des Beschuldigten betreffend
seine angebliche Homosexualität ins Auge (vgl. Urk. 118 S. 12), zumal er in die-
sem Rahmen auch über die normale sexuelle Beziehung zu seiner Ex-Partnerin
berichtete (Urk. 118 S. 5).
Auch anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung präsentierte der Beschuldig-
te in sich und gegenüber älteren Aussagen divergierende Darstellungen. Hat er in
der Untersuchung die sexuellen Handlungen mit der Privatklägerin 1 nach Voll-
endung des 16. Lebensjahres teilweise eingestanden, so bestreitet er heute jeg-
liche sexuelle Kontakte zu der Privatklägerin 1 (Urk. 118 S. 11 ff.). Auch habe er
nie wirklich geplant mit der Privatklägerin an deren 17. Geburtstag Sex zu haben,
obwohl er in vorherigen Einvernahmen den geplanten Geschlechtsverkehr in
sämtlichen Facetten zu schildern vermochte (Urk. D1/5/2 S. 8 f.). Insgesamt wer-
fen diese Widersprüche ein schlechtes Bild auf sein Aussageverhalten. Sein
heutiger Standpunkt, er sei während sämtlichen Einvernahmen unter starkem
Medikamenteneinfluss gestanden (Urk. 118 S. 11), rechtfertigt seine widersprüch-
lichen Aussagen nicht, zumal er auch durch nichts belegt ist.
Zusammenfassend erscheinen die Aussagen des Beschuldigten unstimmig und
nicht überzeugend. Die stetigen Widersprüche lassen seine Aussagen insgesamt
nicht glaubhaft erscheinen und vermögen die erlebt wirkenden und glaubhaften
Aussagen der Privatklägerin 1 nicht in Zweifel zu ziehen.
4.5. Auch die Aussagen von G._ und F._ sprechen für den Wahrheits-
gehalt der Aussagen der Privatklägerin 1. So führte F._ als Zeugin aus, dass
der Beschuldigte die Privatklägerin 1 in ihrer Gegenwart an die Brüste gefasst o-
der auf das Gesäss geschlagen habe (Urk. D1/8/3 S. 6). Auch die Schwester der
Privatklägerin 1 G._ gab bei der Polizei an, der Beschuldigte habe auch sie
am Gesäss und zwischen den Beinen angefasst (Urk. D1/7/2 S.2). Dies bestätigte
sie auch als Zeugin (Urk. D1/7/3 S. 6).
- 17 -
4.6. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass einerseits die Vorbringen des Be-
schuldigten als Schutzbehauptungen zu qualifizieren sind und andererseits keine
Zweifel an der glaubhaften Darstellung der Privatklägerin 1 bestehen. Mithin ist
der Anklagepunkt der sexuellen Handlungen mit Kindern im Zeitraum von Früh-
jahr 2014 bis Frühjahr 2016 als erstellt zu erachten.
4.7. In Bezug auf die subjektive Seite erwog die Vorinstanz zutreffend, dass die
Antworten des Beschuldigten zeigen, dass er die Rechtslage bzw. das Schutz-
alter, insbesondere aufgrund seiner Vorstrafen, sehr gut kenne. Der Beschuldigte
wusste unbestrittenermassen um das Alter der Privatklägerin 1. Demnach ist auch
in subjektiver Hinsicht der Tatbestand der mehrfachen sexuellen Handlungen mit
Kindern im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB erfüllt.
5 Zum Anklagevorwurf 3: Raub
5.1. Weiter wird dem Beschuldigten in der Anklage vorgeworfen, die Privatkläge-
rin 1 am 21. März 2017, um ca. 05.55 Uhr, beim Verlassen ihres Wohnortes an
der J._-Strasse 1 in I._ vor der Haustür abgepasst zu haben, wobei er
sie kräftig am linken Oberarm gepackt und gegen die Haustüre gedrückt habe.
Nachfolgend habe er ihr mit der freien Hand das Mobiltelefon "iPhone 6s plus" im
Wert von ca. Fr. 659.-- aus der linken Jackentasche entwendet. Mit seinem Vor-
gehen habe er bewusst eine Gegenwehr der Privatklägerin 1, die ihm körperlich
massiv unterlegen gewesen sei, zumindest deutlich erschwert – dies mit dem
Willen, das Mobiltelefon zu behalten, zu verkaufen oder zu verschenken.
5.2. Die Vorinstanz legte in ihrem Urteil die Aussagen der Privatklägerin 1 im
Rahmen der polizeilichen Einvernahme vom 21. März 2017 zum Tatablauf voll-
ständig dar (Urk. 61 S. 24 f.). Weiter hält sie fest, dass sich die Aussagen des Be-
schuldigten dazu im Wesentlichen mit denjenigen der Privatklägerin 1 decken. Es
ist demnach erstellt, dass der Beschuldigte die Privatklägerin 1 am 21. März 2017
morgens vor ihrer Haustür abgepasst und ihr das Handy aus der Jackentasche
genommen hat. Der Beschuldigte machte jedoch geltend, dass das betreffende
iPhone nicht der Privatklägerin 1 gehöre und dass er beim Vorfall keine Gewalt
gegen sie angewendet habe (Urk. 61 S. 24 f.).
- 18 -
5.3. Betreffend das Eigentum am iPhone 6s plus gab die Privatklägerin 1 in der
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme zu Protokoll, dass sie und der Beschuldig-
te über ihr auslaufendes Abonnement gesprochen hätten. Der Beschuldigte habe
angeboten, sie könne ein neues iPhone bestellen, er würde es dann bezahlen
(Urk. D1/6/5 S. 17). In der polizeilichen Einvernahme vom 21. März 2017 sagte
die Privatklägerin zudem aus, sie habe das iPhone geschenkt bekommen, da sie
mit dem Hund des Beschuldigten laufen gegangen sei. Da sie dafür kein Entgelt
gewollt habe, habe ihr der Beschuldigte das iPhone, welches sie selber aus-
suchen konnte, geschenkt. Sie habe sich das iPhone im Internet bestellt und es
sei dann zu ihr nach Hause geliefert worden. Der Beschuldigte habe das iPhone
im Voraus online bezahlt. Die SIM-Karte sei überdies auf ihren Namen registriert
(Urk. D1/6/1 S. 3). Der Beschuldigte stellte die Sachlage hingegen so dar, dass er
ihr das Natel wohl bezahlt habe, es sei jedoch keine Rede davon gewesen, dass
er ihr das Natel geschenkt habe (Urk. D1/5/1 S. 2. D1/5/4 S. 6). Bei der Polizei
führte er aus, es sei vereinbart gewesen, dass die Privatklägerin 1 ihm Fr. 150.--
an die Versicherung bezahle. Diesen Betrag habe sie jedoch nie bezahlt. Anläss-
lich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung führte er aus, er habe ihr das Natel
gekauft, jedoch unter der Bedingung, dass sie ihm dafür ihr altes iPhone gebe. Da
sie ihm das nicht gegeben habe, sei seiner Ansicht kein "Deal" zustande gekom-
men (Prot. I S. 30). Auch im Rahmen der Berufungsverhandlung stellte sich der
Beschuldigte auf den Standpunkt, dass das Natel ihm gehöre. Die Abmachung
sei gewesen, dass die Privatklägerin 1 ihm ihr altes Handy gebe und er ihr im Ge-
genzug die Verlängerung ihres Abonnements bezahle. Dem sei er auch nachge-
kommen. Als er seinerseits das alte Natel von der Privatklägerin 1 verlangt habe,
habe diese nur gemeint, dass sie dies ihrer Schwester geschenkt habe (Urk. 118
S. 18). Bereits diese widersprechenden Versionen sprechen nicht für die Glaub-
haftigkeit der Aussagen des Beschuldigten. Es macht durchaus Sinn, dass die
Privatklägerin 1 das iPhone als Gegenleistung für das Hundesitting erhielt, zumal
sie und ihre Schwester dafür zu Beginn mit Geld entlöhnt wurden.
5.4. Die Schwester der Privatklägerin 1, G._, welche beim Vorfall zugegen
war, sagte in der polizeilichen Einvernahme aus, dass sie am betreffenden Mor-
gen die Privatklägerin 1 zu ihrem Arbeitsort begleiten wollte, da diese vom Be-
- 19 -
schuldigten immer wieder "gestalkt" worden sei. Als sie aus ihrem Haus gekom-
men seien, hätten sie den Beschuldigten gesehen. Sie seien sogleich umgekehrt,
der Beschuldigte habe die Privatklägerin 1 jedoch bereits gepackt. Dabei habe
der Beschuldigte sie mit mindestens einer Hand an die Wand gedrückt und habe
in der Jackentasche der Privatklägerin 1 etwas gesucht (Urk. D1/7/1 S. 1 f.). Die-
se Aussagen wiederholte sie im Wesentlichen in der staatsanwaltschaftlichen
Einvernahme vom 24. März 2017 (Urk. D1/7/3 S. 10 f.).
5.5. Bereits die Vorinstanz erwog richtigerweise, dass die Aussagen der Privat-
klägerin 1 im Kerngehalt sowohl bei der Polizei als auch bei der Staatsanwalt-
schaft detailliert, konstant und widerspruchsfrei seien. Hinzu kommt, dass ihre
Aussagen mit der Darstellung der Zeugin G._ übereinstimmen. Um unnötige
Wiederholungen zu vermeiden, kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vo-
rinstanz verwiesen werden (Urk. 61 S. 26 f., Art. 82 Abs. 4 StPO).
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass keine Zweifel an der glaubhaften Dar-
stellung der Privatklägerin 1 bestehen und demnach vollumfänglich auf ihre be-
lastenden Aussagen abzustellen ist.
5.6. Die Vorinstanz erwog zutreffend, dass die Angaben des Beschuldigten betref-
fend Eigentum des fraglichen iPhones als Schutzbehauptung zu qualifizieren sei-
en. Seine Angaben seien durchwegs unterschiedlich und folglich widersprüchlich
(Urk. 61 S. 27). Dem ist zuzustimmen. So führte er bei der Polizei aus, es sei ver-
einbart gewesen, dass die Privatklägerin 1 ihm Fr. 150.-- an die Versicherung be-
zahle. Bei der Befragung anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung sowie
der Berufungsverhandlung stellte er sich auf den Standpunkt, er habe ihr das
Natel gekauft, jedoch unter der Bedingung, dass sie ihm dafür ihr altes iPhone
gebe. Da sie ihm das nicht gegeben habe, sei seiner Ansicht nach kein "Deal"
zustande gekommen. Ebenfalls muss als Schutzbehauptung gewertet werden, er
habe die Privatklägerin bei der Wegnahme des Natels nicht berührt. So führten
die Privatklägerin 1 und G._ übereinstimmend aus, der Beschuldigte habe
die Privatklägerin 1 kräftig am Oberarm gepackt und sie gegen die Hauswand ge-
drückt. Ebenfalls muss davon ausgegangen werden, dass der Beschuldigte der
- 20 -
Privatklägerin 1 körperlich überlegen war und es ihr nicht möglich gewesen war,
sich körperlich gegen den Beschuldigten zur Wehr zu setzen.
5.7. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass einerseits die Vorbringen des Be-
schuldigten unglaubhaft und sein Einwand, das iPhone sei sein Eigentum gewe-
sen, als Schutzbehauptungen zu qualifizieren sind und andererseits keine Zweifel
an der glaubhaften Darstellung der Privatklägerin 1 bestehen, welche zudem
durch die Aussagen von G._ bestätigt werden. Zusammenfassend ist der
Sachverhalt des Raubes rechtsgenügend erstellt.
6. Zum Anklagevorwurf 5: Drohung / Ungehorsam gegen amtliche
Verfügungen
6.1. Schliesslich wird dem Beschuldigten vorgeworfen, am 12. April 2017 um
06:09 Uhr in I._ den Bus der Linie ... in Richtung K._ bestiegen und der
darin sitzenden Privatklägerin 1 gesagt zu haben: "Du willst mich ins Gefängnis
bringen. Ich bringe dich um!". Mit diesem Verhalten habe er bewusst das durch
das Zwangsmassnahmengericht des Bezirkes Zürich am 8. April 2017 verfügte
Kontakt- und Annäherungsverbot missachtet und die Privatklägerin 1 in grösste
Angst versetzt sowie ihr vorübergehend das Sicherheitsgefühl genommen, was er
zumindest in Kauf genommen habe.
6.2. Gemäss Verfügung des Bezirksgericht Zürich vom 8. April 2017 wurde dem
Beschuldigten untersagt, mit der Privatklägerin 1 in irgendeiner Weise (persönlich,
telefonisch, schriftlich, per SMS, per E-Mail etc.) Kontakt aufzunehmen oder durch
Drittpersonen aufnehmen zu lassen. Ferner wurde ihm untersagt, sich der Privat-
klägerin 1 auf weniger als 200 Meter zu nähern. Für den Fall des Verstosses
wurde er auf die Strafandrohung von Art. 292 StGB aufmerksam gemacht
(Urk. D1/17/14).
6.3. Wie die Vorinstanz in ihrem Urteil zutreffend ausführte, gilt es gemäss über-
einstimmenden Ausführungen als unbestritten, dass der Beschuldigte am 12. April
2017 der Privatklägerin 1 im Bus begegnete und sie trotz des bestehenden Kon-
takt- und Annäherungsverbot ansprach. Das ergibt sich sowohl aus den Aus-
- 21 -
sagen der Privatklägerin 1 als auch aus den Angaben des Beschuldigten selbst
sowie auch ohne Zweifel aus den eingereichten Aufnahmen des Busses
(Urk. D5/4/2).
6.4. Weiter erwog die Vorinstanz, es sei nicht von der Hand zu weisen, dass die
Privatklägerin 1 während der Aussage des Beschuldigten "Du willst mich ins Ge-
fängnis bringen. Ich bringe dich um!" Kopfhörer getragen habe und sich in einem
Bus befunden habe, der noch von weiteren Personen besetzt war. Entsprechend
müsse davon ausgegangen werden, dass ihr Gehör zumindest beeinträchtigt ge-
wesen sei. Weiter seien die Begriffe "dich" und "mich" derart ähnlich, dass bei ob-
jektiver Betrachtung nicht zu unterdrückende Zweifel daran beständen, dass der
Beschuldigte tatsächlich mit der Tötung der Privatklägerin 1 drohte. Dem ist zuzu-
stimmen. Fest steht jedoch, dass sich der Beschuldigte der Privatklägerin 1 trotz
verfügtem Kontakt- und Annäherungsverbot genähert und sie angesprochen hat.
Der Anklagesachverhalt bezüglich Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen ist
demnach rechtsgenügend erstellt. Eine Drohung lässt sich hingegen nicht er-
stellen. Obschon die Privatklägerin 1 grundsätzlich stimmig und widerspruchsfrei
aussagte, ist der Vorinstanz beizupflichten, dass hinsichtlich der konkreten Wort-
wahl des Beschuldigten gegenüber der Privatklägerin 1 zu Gunsten des Beschul-
digten jedoch lediglich davon ausgegangen werden kann, dass er ihr die Selbst-
tötung in Aussicht stellte. Da der Sachverhalt der Drohung vorliegend nicht
rechtsgenügend erstellt werden kann, ist der Beschuldigte „in dubio pro reo„ von
der Drohung gegen die Privatklägerin 1 freizusprechen.
III. Rechtliche Würdigung
1. Anklagevorwurf 1: Sexuelle Handlungen mit Kindern
1.1. Die Staatsanwaltschaft würdigt das Verhalten des Beschuldigten gemäss
Anklagevorwurf 1 in rechtlicher Hinsicht als mehrfache sexuelle Handlungen mit
einem Kind im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB. Die Verteidigung hat sich
im Hauptverfahren wie auch vor Berufungsinstanz zur rechtlichen Würdigung des
inkriminierten Anklagesachverhalts nicht geäussert (vgl. Urk. 41 und Urk. 119).
- 22 -
1.2. Nach Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB macht sich strafbar, wer mit einem Kind
unter 16 Jahren eine sexuelle Handlung vornimmt, es zu einer solchen Handlung
verleitet oder es in eine sexuelle Handlung einbezieht. Es ist offensichtlich, dass
der Beschuldigte den objektiven Tatbestand von Art. 187 Ziff. 1 StGB erfüllt hat.
Der Beschuldigte fasste die Privatklägerin 1 über der Kleidung an die Vagina und
die inneren Oberschenkel und streichelte diese, fasste ihr teilweise über und auch
unter der Kleidung an die Brüste und knetete diese und tauschte überdies mit der
Geschädigten Zungenküsse aus. Weiter liess er sich von der Privatklägerin 1 oral
befriedigen und bis zum Samenerguss manuell stimulieren. Im massgeblichen
Zeitraum (Frühling 2014 bis Frühling 2016) hatte die Privatklägerin 1 das
16. Lebensjahr noch nicht vollendet. Damit hat er zweifelsfrei sexuelle Handlun-
gen mit der zu Beginn der Deliktsdauer 13- Jährigen – und mithin im Schutzalter
stehenden – Privatklägerin 1 vorgenommen.
1.3. In subjektiver Hinsicht ist Vorsatz erforderlich. Der Täter muss die Handlung
mit Wissen und Willen ausführen, wobei Eventualvorsatz genügt (Art. 12 Abs. 2
Satz 2 StGB). Gemäss erstelltem inneren Sachverhalt steht fest, dass der Be-
schuldigte bei der Vornahme der in der Anklage umschriebenen sexuellen Hand-
lungen mit der Geschädigten wusste, ein Kind von unter 16 Jahren vor sich zu
haben. Zudem wusste er aufgrund seiner Vorstrafen sehr gut, dass sexuelle
Handlungen mit Kindern unter 16 Jahren strafbar sind. Da dem Beschuldigten
ferner die sexuelle Bedeutung der entsprechenden Handlungen, welche er mit der
Geschädigten vornahm, bewusst war, ist der subjektive Tatbestand erfüllt.
1.4. In Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils ist der Beschuldigte anklagege-
mäss der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von Art. 187
Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
2. Anklagevorwurf 3: Raub
- 23 -
2.1. Die Staatsanwaltschaft würdigt das Verhalten des Beschuldigten als Raub im
Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB.
2.2. Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten anklagegemäss des Raubes im
Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig. Um unnötige Wiederholungen zu
vermeiden, kann vorab in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO auf die
ausführlichen und in allen Teilen zutreffenden Erwägungen im vorinstanzlichen
Entscheid verwiesen werden (Urk. 61 S. 34 ff.). Lediglich zusammenfassend ist
zu erwähnen, dass der Beschuldigte gemäss erstelltem Sachverhalt die
Privatklägerin 1 am linken Oberarm packte, sie gegen die Wand drückte und ihr
das iPhone aus der Tasche entwendete. Aufgrund der körperlichen Überlegenheit
des Beschuldigten war es der Privatklägerin 1 nicht möglich, sich zu wehren.
Damit wiesen die Nötigungshandlungen die nötige Intensität auf, weshalb sie mit
der Vorinstanz ohne weiteres zu bejahen sind. Weiter erwog die Vorinstanz, dass
der Tatbestand des Raubes in subjektiver Hinsicht nebst Eventualvorsatz eine
Bereicherungs- sowie eine Aneignungsabsicht erfordert (Urk. 61 S. 36). Der
Beschuldigte nahm der Privatklägerin 1 unter Anwendung von Gewalt in
Bereicherungs- und Aneignungsabsicht vorsätzlich ihr IPhone weg und floh damit.
Ob sein Motiv lediglich dem Erhalt der SIM-Karte galt, wie das heute von der
Vertreterin der Privatklägerin 1 eingebracht wurde (Prot. II S. 16), ist nicht
entscheidend. Damit hat er in Übereinstimmung mit der Vorinstanz den
Grundtatbestand des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1StGB erfüllt.
3. Anklagevorwurf 5: Ungehorsam gegen amtliche Verfügungen
3.1. Des Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen im Sinne von Art. 292 StGB
macht sich strafbar, wer der von einer zuständigen Behörde oder einem zu-
ständigem Beamten unter Hinweis auf die Strafandrohung dieses Artikels an ihn
erlassenen Verfügung nicht Folge leistet.
3.2. Mit Verfügung des Bezirksgerichts Zürich vom 8. April 2017 wurde dem Be-
schuldigten untersagt, mit der Privatklägerin 1 in irgendeiner Weise (persönlich,
telefonisch, schriftlich, per SMS, per E-Mail etc.) Kontakt aufzunehmen oder sich
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ihr auf weniger als 200 Meter zu nähern. Für den Fall des Verstosses wurde er
auf die Strafandrohung von Art. 292 StGB aufmerksam gemacht (act. D1/17/14).
3.3. Indem der Beschuldigte die Privatklägerin 1 während der Dauer des Kontakt-
verbotes im Bus ansprach und somit Kontakt aufnahm, missachtete er das verfüg-
te Kontaktverbot, welches unmissverständlich jegliche Art der Kontaktaufnahme
untersagte. Er tat dies im Wissen um die Verfügung bzw. dem Kontaktverbot und
dem Willen, dieses zu missachten, zumal er zuvor von der Staatsanwaltschaft
noch die Erlaubnis zum Betreten des betreffenden Busses einholte (Prot. I S. 37).
Es sind weiter keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, weshalb die Kontaktaufnah-
me von der Privatklägerin 1 hätte ausgegangen sein sollen. Blosse Blicke können
keine Kontaktaufnahme seitens der Privatklägerin 1 begründen, zumal der Blick-
kontakt erst mit dem Blick des Beschuldigten – mithin einer aktiven Handlung
desselben – erstellt werden kann. Die Tatbestandsmässigkeit ist folglich sowohl in
objektiver als auch in subjektiver Hinsicht gegeben. Die Vorbringen des Beschul-
digten, er sei aufgrund des Medikamenteneinflusses schuldunfähig gewesen ist
eine Behauptung, welche durch keinerlei Anhaltspunkte in den Akten gestützt
wird. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist der Beschuldigte anklagegemäss
des Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen im Sinne von Art. 292 StGB
schuldig zu sprechen.
IV. Strafzumessung
1. Vorab ist festzuhalten, dass am 1. Januar 2018 das geänderte Sanktionenrecht
des Schweizerischen Strafgesetzbuches in Kraft getreten ist (AS 2016 1249).
Gemäss Art. 2 Abs. 1 StGB wird ein Straftäter nach demjenigen Recht beurteilt,
das bei der Begehung in Kraft war. Das neue Recht ist indes anwendbar, wenn es
für den Täter das mildere ist (Art. 2 Abs. 2 StGB). Hinsichtlich derselben Tat ist
entweder nur das alte oder das neue Recht anzuwenden, eine kombinierte An-
wendung ist ausgeschlossen (Grundsatz der Alternativität). Der Beschuldigte
beging die heute zu beurteilende Delikte in den Jahren 2014 bis 2017. Der dem
Beschuldigten von der Staatsanwaltschaft vorgeworfene Raub gemäss Anklage-
ziffer 3 ereignete sich am 21. März 2017. Der Straftatbestand des Raubes im
Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 aStGB kannte zu diesem Zeitpunkt einen Straf-
- 25 -
rahmen von mindestens 180 Tagen Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu
zehn Jahren. Mit Änderung des Sanktionenrechts, in Kraft seit 1. Januar 2018
(AS 2016 1249; BBl 2012 4721), kann das Gericht nur noch auf Freiheitsstrafe
zwischen sechs Monaten und zehn Jahren entscheiden. Da nach aktuellem Recht
keine Geldstrafe mehr verhängt werden kann und mindestens sechs Monate
Freiheitsstrafe auszusprechen sind, ist das am 27. April 2017 in Kraft gewesene
Recht in objektiver Hinsicht milder. Bezüglich mehrfache sexuelle Handlungen mit
Kindern, Drohung, Beschimpfung und Ungehorsam gegen amtliche Verfügungen
blieben die Strafandrohungen gleich, weshalb das neue Recht nicht milder ist. Es
ist demnach das alte Recht massgebend.
2.1. Ist der Täter wegen einer Mehrheit, teilweise mehrfach, begangener Taten zu
bestrafen, hat das Gericht basierend auf der Tatkomponente zunächst die Ein-
satzstrafe für das schwerste Delikt zu bestimmen. In einem weiteren Schritt sind
die übrigen Delikte – wiederum basierend auf der Tatkomponente – zu beurteilen,
und es ist dafür unter Berücksichtigung der jeweiligen Umstände die hypotheti-
sche Strafe ausgehend vom jeweils einschlägigen Strafrahmen zu ermitteln. Sind
für die einzelnen Delikte gleichartige Strafen auszufällen, ist sodann unter Be-
rücksichtigung des Asperationsprinzips die hypothetische Gesamtstrafe für sämt-
liche dieser Delikte festzulegen (Art. 49 Abs. 1 StGB; BGE 6B_808/2017 E. 2.1.1;
BGE 138 IV 120 E. 5.2). Dabei ist namentlich das Verhältnis der einzelnen Taten
untereinander, ihr Zusammenhang, ihre grössere oder geringere Selbständigkeit
sowie die Gleichheit oder Verschiedenheit der verletzten Rechtsgüter und Bege-
hungsweisen zu berücksichtigen. Der Gesamtschuldbeitrag des einzelnen Delikts
ist dabei in der Regel geringer zu veranschlagen, wenn die Delikte zeitlich, sach-
lich und situativ in einem engen Zusammenhang stehen (BGE 6B_323/2010
E. 3.2). Nach der Festlegung der hypothetischen Gesamtstrafe für sämtliche
Delikte sind schliesslich die Täterkomponente (BGE 6B_865/2009 E. 1.6.1;
BGE 6B_496/2011 E. 2 und E. 4.2) und gegebenenfalls weitere tat- und täter-
unabhängige Umstände zu berücksichtigen.
2.2. Die vorliegend zu beurteilenden Delikte sind mit Ausnahme der Drohung in
einem Zusammenhang zu sehen, nämlich in der konfliktbelasteten Auflösung
- 26 -
dieser Beziehung. Die bisher ausgefällten bedingten Freiheitsstrafen haben offen-
kundig keine Wirkung gezeigt und den Beschuldigten nicht von weiterer Delin-
quenz abhalten können. Auch die zuletzt unbedingt ausgefällten Geldstrafen ver-
mochten den Beschuldigten nicht nachhaltig zu beeinflussen. Das Ausfällen einer
weiteren (unbedingten) Geldstrafe erscheint daher weder als zweckmässig noch
als hinreichend präventiv, weshalb heute einzig eine Freiheitsstrafe in Frage
kommt.
3.1. Ausgangspunkt für die Strafzumessung stellt als schwerste vom Beschuldig-
ten begangene Tat der Raub dar, für welchen die Bestrafung mit einer Freiheits-
strafe von mindestens 180 Tagen Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu
zehn Jahren vorgesehen ist (Art. 140 Ziff. 1 aStGB). Vorliegend bestehen keine
aussergewöhnliche Umstände, die es angezeigt erscheinen lassen, diesen Straf-
rahmen zu verlassen, weshalb die Strafe innerhalb des ordentlichen Strafrahmens
zu bemessen ist.
3.2. Innerhalb des Strafrahmens bemisst das Gericht die Strafe nach dem Ver-
schulden des Täters, wobei das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des
Täters sowie die Wirkung der Strafe auf dessen Leben zu berücksichtigen sind
(Art. 47 Abs. 1 StGB; vgl. zu den Einzelheiten BGE 123 IV 49 E. 2 und
BGE 136 IV 55).
3.3. In Bezug auf die objektive Tatschwere des Raubes ist mit der Vorinstanz
zunächst festzuhalten, dass die Gewaltanwendung des Beschuldigten darin be-
stand, die Privatklägerin 1 zu packen und an die Wand zu drücken. Dabei sind bei
der Privatklägerin 1 lediglich Schmerzen, nicht jedoch Verletzungen hervorge-
rufen worden. Die erforderliche Intensität der Gewaltanwendung ist insbesondere
aufgrund der deutlichen körperlichen Überlegenheit des Beschuldigten erreicht
worden, wobei die Intensität der Gewalt vergleichsweise gering ausgefallen sei
(Urk. 61 S. 43). Obschon das entwendete IPhone vergleichsweise einen eher
tiefen Verkehrswert aufweist ist der Affektivwert für die Privatklägerin 1 aufgrund
der verlorengegangenen Daten relativ hoch. Insgesamt ist das objektive Tatver-
schulden im unteren Bereich des Strafrahmens, mithin als sehr leicht einzustufen.
- 27 -
3.4. Zur subjektiven Tatschwere ist zunächst zu bemerken, dass der Beschuldigte
direktvorsätzlich handelte und mit seiner Delinquenz egoistisch Motive verfolgte.
Den vorinstanzliche Ausführungen, wonach die Gewaltanwendung des Beschul-
digten zumindest teilweise aus dem Affekt heraus erfolgt sei, kann nicht gefolgt
werden. Die Aktion wurde vom Beschuldigten offensichtlich geplant und entspricht
keiner Affekthandlung. Dem Beschuldigten zugute zuhalten ist, dass er keine di-
rekte Bereicherungsabsicht hatte. So ging es dem Beschuldigten, auch nach
Darstellung der Privatklägerin 1, primär um die im IPhone enthaltene SIM-Karte.
Dem Beschuldigten ging es vor allem darum, um an die Daten der Privatklägerin
zu gelangen. Zudem ist die diagnostizierte Persönlichkeitsstörung des Beschul-
digten vorliegend als leicht bis mittelgradig verschuldensmindernd anzusehen
(vgl. Urk. D1/12/9 S. 108).
Aufgrund des Tatverschuldens ist die hypothetische Einsatzstrafe am untersten
Rand des ordentlichen Strafrahmens bei 6 Monaten Freiheitsstrafe festzusetzten.
4. Straferhöhung aufgrund der sexuelle Handlungen mit Kindern:
4.1. Betreffend die sexuellen Handlungen mit Kindern kann grundsätzlich auf die
sorgfältigen und zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden
(Urk. 61 S. 42). Zusammenfassend bleibt zu erwähnen, dass die sexuellen Hand-
lungen des Beschuldigten begannen, als die Privatklägerin 14 Jahre alt war und
der Beschuldigte genau wusste, dass die Privatklägerin damals noch nicht in der
Lage war, in sexuellen Belangen vollumfänglich eigenverantwortlich zu handeln.
Auf der anderen Seite ist festzuhalten – ohne die Taten des Beschuldigten zu ba-
gatellisieren –, dass es weder zu beischlafsähnlichen Handlungen noch zu einem
eigentlichen Beischlaf gekommen ist. Deutlich erschwerend wirkt aber, dass der
Beschuldigte über eine längere Zeit delinquierte und die Privatklägerin in mehrere
sexuelle Handlungen miteinbezog. In diesem Zusammenhang ist jedoch zuguns-
ten des Beschuldigten zu berücksichtigen, dass nur ein eingeschränkter Zeitraum
von Frühjahr 2014 bis Frühjahr 2016 erstellt werden konnte.
4.2. In subjektiver Hinsicht ist festzuhalten, dass der Beschuldigte zielorientiert
handelte. Seine Übergriffe auf die Privatklägerin waren zweifellos auch auf seinen
- 28 -
persönlichen Lustgewinn ausgerichtet. Es ist auf der anderen Seite indessen auch
zu berücksichtigen, dass im Vordergrund eine emotionale Beziehung zu Privat-
klägerin 1 stand. Soweit er jedoch vorbringt, die Privatklägerin 1 habe ihn von sich
aus berührt, kann dies den Beschuldigten keineswegs entlasten. Die Verantwor-
tung zur Wahrung der Grenzen liegt nicht beim Kind, sondern bei den Erwachse-
nen. Zudem hatte der Beschuldigte als "Ersatzvater" der Privatklägerin 1 eine be-
sondere Vertrauensstellung, welche er schamlos missbraucht hat. Der Beschul-
digte hat das grosse Vertrauensverhältnis und den massiven Altersunterschied
gezielt ausgenützt. Zu erwähnen bleibt, dass das Gutachten dem Beschuldigten
in Bezug auf die sexuellen Handlungen mit Kindern keine verminderte Schuld-
fähigkeit attestiert (vgl. Urk. D1/12/9 S. 106 f.).
4.3. Unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips erweist sich eine Erhöhung
der hypothetischen Einsatzstrafe um 12 Monate auf nunmehr 18 Monate als dem
Verschulden des Beschuldigten angemessen.
5. Straferhöhung aufgrund der Drohung:
5.1. Mit zutreffender Begründung, auf die vollumfänglich verwiesen werden kann
(Urk. 61 S. 44f.), wertete die Vorinstanz das Verschulden des Beschuldigten hin-
sichtlich der Drohung gegen die Privatklägerin 2 als noch leicht.
5.2. Im Ergebnis und unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips ist eine
Erhöhung der hypothetischen Einsatzstrafe um 2 Monate angemessen, womit auf
20 Monate zu erhöhen ist.
6.1. Bei der Täterkomponente stehen das Vorleben und die persönlichen Ver-
hältnisse des Beschuldigten sowie sein Nachtatverhalten im Vordergrund. Zum
Vorleben und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten kann einerseits
auf die Untersuchungsakten, insbesondere auf das psychiatrische Gutachten
sowie andererseits auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid verwiesen
werden (Urk. 61 S. 45 f., Urk. D1/12/12, Prot. I S. 7 ff.). An der Berufungsverhand-
lung gab der Beschuldigte an, dass er nach wie vor an den Auswirkungen des
CRP-Syndroms leide. Die IV-Abklärungen seien immer noch pendent. Momentan
- 29 -
finanziere er sich durch die Versicherungsleistung der SUVA (Urk. 118 S. 2 ff.).
Diese Umstände wirken sich jedoch insgesamt strafzumessungsneutral aus. Der
Zentralstrafregisterauszug des Beschuldigten vom 10. Oktober 2019 weist vier
Vorstrafen auf (vgl. Urk. 99). Demnach wurde der Beschuldigte am 28. Juni 2004
von der II. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Zürich wegen sexuellen
Handlungen mit einem Kind etc. zu drei Jahren und sechs Monaten Zuchthaus,
abzüglich 802 Tage Untersuchungshaft, verurteilt. Der Strafvollzug wurde zuguns-
ten einer ambulanten Behandlung aufgeschoben. Was die Vorinstanz nicht er-
wog, ist dass der Beschuldigte weiter am 17. Januar 2008 vom Bezirksgericht
Baden wegen Widerhandlungen gegen das BetmG zu einer Freiheitsstrafe von
sechs Monaten verurteilt wurde. Auch diese Strafe wurde zugunsten der am-
bulanten Behandlung aufgeschoben. Schliesslich wurde er vom Bezirksgericht
Winterthur vom 16. Dezember 2009 wegen Widerhandlungen gegen das BetmG
und Fahren in fahrunfähigem Zustand etc. mit einer Geldstrafe von 250 Tages-
sätzen zu Fr. 80.-- und einer Busse von Fr. 1'000.-- bestraft. Schliesslich wurde er
von der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland am 26. September 2016 wegen
Hinderung einer Amtshandlung sowie grober Verletzung der Verkehrsregeln zu
einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 100.-- verurteilt. Diese Vorstrafen und
insbesondere die einschlägige Vorstrafe wegen sexuellen Handlungen mit einem
Kind aus dem Jahre 2004 sind deutlich straferhöhend zu gewichten.
6.2. Die Verteidigung macht den Strafmilderungsgrund des Handelns in einer
nach den Umständen entschuldbaren heftigen Gemütsbewegung oder unter
grosser seelischer Belastung gemäss Art. 48 lit. c StGB geltend. Eine ent-
schuldbare heftige Gemütsbewegung oder eine grosse seelische Belastung
liegen vor, wenn eine ungerechte Reizung oder eine ungerechte Kränkung den
Täter zutiefst aufwühlen oder zu einer spontanen Reaktion treiben (BSK StGB I-
WIPRÄCHTIGER/KELLER, Art. 48 N 24). Die Entstehung des Affekts oder der
grossen seelischen Belastung muss menschlich begreiflich und verständlich sein
und darf nicht ausschliesslich oder überwiegend auf eigener Schuld des Täters
beruhen (BSK StGB I-WIPRÄCHTIGER/KELLER, Art. 48 N 28). Angesichts der
vorliegenden Umstände kann von einem entschuldbaren Affekt im Sinne dieser
- 30 -
Bestimmung nicht die Rede sein. Es ist entsprechend kein Strafmilderungsgrund
gegeben.
6.3. Angesichts seines konstanten und hartnäckigen Leugnens der über sein
Geständnis hinausgehenden Anklagevorwürfe kann der Beschuldigte auch keine
Reue oder Einsicht als Strafminderungsgrund für sich reklamieren. Schliesslich
zeugen die diversen verbalen Entgleisungen, insbesondere in der Untersuchung
gegenüber dem Staatsanwalt, von unangemessenem Verhalten.
6.4. Insgesamt führt die Beurteilung der Täterkomponente aufgrund der Vor-
strafen des Beschuldigten zu einer Erhöhung der nach der Beurteilung der Tat-
komponente festgesetzten Einsatzstrafe um 4 Monate Freiheitsstrafe. Es er-
scheint damit – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz – eine Freiheitsstrafe von
24 Monaten angemessen. Der Anrechnung der 46 Tage erstandener Haft steht
nichts entgegen (Art. 51 StGB).
7. Die Vorinstanz fällte für die mehrfache Beschimpfung eine Geldstrafe von
30 Tagessätzen zu Fr. 100.-- aus. Angesichts des Ausmasses der Beschimpfun-
gen wäre grundsätzlich eine höhere Anzahl Tagessätze angebracht gewesen. Un-
ter der Berücksichtigung des diesbezüglichen Teilgeständnisses des Beschuldig-
ten erweist sich eine Bestrafung mit 30 Tagessäten zu Fr. 100.-- jedoch als an-
gemessen. Gestützt auf die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse des
Beschuldigten ist der Tagessatz – mit der Vorinstanz (Urk. 61 S. 46 - 48) – auf
Fr. 100.-- anzusetzen.
8. Ebenfalls kann die von der Vorinstanz ausgefällte Busse von Fr. 500.– wegen
Missachtung des Kontakt- und Annäherungsverbots bestätigt werden (Urk. 61
S. 48). Unter Verweis auf die theoretischen Ausführungen der Vorinstanz zur Er-
satzfreiheitsstrafe erscheint eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen als ange-
messen.
V. Vollzug
1. Die Vorinstanz hat dem Beschuldigten hinsichtlich der Freiheitsstrafe den teil-
bedingten Vollzug gewährt, wobei der bedingte Teil auf 12 Monaten bei Anset-
- 31 -
zung einer Probezeit von 5 Jahren und der unbedingte Teil auf 12 Monate unter
Anrechnung der erstandenen Haft festgelegt wurde. Die zusätzlich ausgefällte
Busse wurde sodann von Gesetzes wegen unbedingt ausgesprochen (Urk. 61
S. 62 f.).
2. Nach Art. 43 Abs. 1 StGB kann das Gericht den Vollzug einer Freiheitsstrafe
von mindestens einem Jahr und höchstens drei Jahren teilweise aufschieben,
wenn dies notwendig ist, um dem Verschulden des Täters genügend Rechnung
zu tragen. Gemäss den Abs. 2 und 3 derselben Bestimmung darf der unbedingt
vollziehbare Teil die Hälfte der Strafe nicht übersteigen und muss sowohl der
aufgeschobene wie auch der zu vollziehende Teil mindestens sechs Monate be-
tragen.
3. Die teilbedingte Strafe im Sinne von Art. 43 StGB setzt eine begründete Aus-
sicht auf Bewährung voraus. Zwar fehlt ein entsprechender Verweis auf Art. 42
StGB, doch ergibt sich dies aus Sinn und Zweck von Art. 43 StGB. Wenn und
soweit die Legalprognose des Täters nicht schlecht ausfällt, verlangt die Bestim-
mung, dass zumindest ein Teil der Strafe auf Bewährung ausgesetzt wird. Umge-
kehrt gilt, dass bei einer Schlechtprognose auch ein bloss teilweiser Aufschub der
Strafe nicht gerechtfertigt ist. Denn wo keinerlei Aussicht besteht, der Täter werde
sich in irgendeiner Weise durch den – ganz oder teilweise – gewährten Straf-
aufschub beeinflussen lassen, muss die Strafe in voller Länge vollzogen werden.
Die Auffassung, dass die subjektiven Voraussetzungen von Art. 42 StGB auch für
die Anwendung von Art. 43 StGB gelten müssen, entspricht ganz überwiegender
Lehrmeinung (BGE 134 IV 10 mit zahlreichen Verweisen).
Das Gutachten bescheinigt dem Beschuldigten in einer Gesamtschau belastender
und günstiger legalprognostischer Faktoren eine hohe Wahrscheinlichkeit neuer-
licher schimpferischer, dann auch beleidigender und als Drohung wahrge-
nommener verbaler und schriftlicher Äusserungen. Die Wahrscheinlichkeit von
Tathandlungen, mit denen der Beschuldigte die körperliche Integrität Dritter ver-
letze hingegen, wird als gering eingestuft. In Bezug auf die Wahrscheinlichkeit
neuerlicher sexueller Handlungen mit Kindern spricht der Gutachter hingegen von
einer mittelgradigen Rückfallwahrscheinlichkeit (Urk. D1/12/12 S. 108 ff.).
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Gemäss dem angefochtenen Entscheid erscheint beim Beschuldigten ein teilbe-
dingter Strafvollzug als angezeigt, weil vermutet werden könne, dass der teilweise
Vollzug die Warnwirkung der Strafe erhöht und den Anreiz verstärkt, nicht rück-
fällig zu werden (Urk. 61 S. 50). Angesichts der gesamten Umstände (Gutachten,
einschlägige Vorstrafe, fehlende Reue und Einsichtigkeit) erscheint diese Beurtei-
lung wohlwollend. Aufgrund des Verschlechterungsverbots darf jedoch ohnehin
keine Anpassung des vorinstanzlichen Entscheids zu Ungunsten des Beschuldig-
ten vorgenommen werden. Es bleibt damit im Ergebnis bei der Gewährung des
teilbedingten Strafvollzugs.
Seinem Tatverschulden ist es angemessen, 12 Monate der heute auszufällenden
Freiheitsstrafe zu vollziehen und 12 Monate bedingt aufzuschieben.
4. Die Vorinstanz hat die Probezeit auf 5 Jahre angesetzt, um den verbleibenden
Bedenken Rechnung zu tragen. Dies ist angesichts der vom Gutachter attestier-
ten mittleren Rückfallgefahr ohne Weiteres zu bestätigen.
5. In Bezug auf den Vollzug der Geldstrafe ist festzuhalten, dass der Beschuldigte
vorliegend zwei Geldstrafen zu vergegenwärtigen hat (Urk. 99), welche beide
vollzogen werden mussten und keine Wirkung zeigten. Der Gutachter attestiert
dem Beschuldigten zudem eine hohe Wahrscheinlichkeit neuerlicher schimpfe-
rischer, dann auch beleidigender und als Drohung wahrgenommener verbaler und
schriftlicher Äusserungen (Urk. D1/12/9 S. 125). Unter diesen Umständen können
die Voraussetzungen zur Gewährung des bedingten Vollzugs der Geldstrafe nicht
bejaht werden. Die Geldstrafe ist zu vollziehen.
VI. Kontakt- und Rayonverbot
1. Gemäss Art. 67b Abs. 1 StGB kann das Gericht jemandem, der ein Verbrechen
oder Vergehen gegen eine bestimmte Person begangen hat und die Gefahr be-
steht, dass er bei einem Kontakt zu dieser Person weitere Verbrechen oder Ver-
gehen begehen wird, für die Dauer bis zu fünf Jahren ein Kontakt- und Rayon-
verbot verhängen.
- 33 -
2. Sowohl die Staatsanwaltschaft und die Vertreterin der Privatklägerin 1 beantra-
gen die Anordnung eines Kontakt- und Rayonverbotes im Sinne von Art. 67b
StGB. Die Verteidigung spricht sich dagegen aus (Urk. 41 S. 25).
3. Die Vorinstanz sah von einem Rayonverbot ab, erteilte dem Beschuldigten je-
doch gemäss Art. 67b Abs. 1 und Abs. 2 lit. a StGB ein fünfjähriges Kontaktver-
bot. Es wurde ihm untersagt, mit der Privatklägerin 1 direkt oder über Drittperso-
nen Kontakt aufzunehmen. Weiter wurde ihm angedroht, dass er bei Missachtung
des Verbotes nach Art. 292 StGB bestraft werden kann. Um unnötige Wieder-
holungen zu vermeiden, ist auf die zutreffende Begründung der Vorinstanz zu
verweisen (Urk. 61 S. 53 f.) und das fünfjährige Kontaktverbot in Bezug auf die
Privatklägerin 1 ist zu bestätigen.
VII. Beschlagnahmung
Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 29. März
2018 beschlagnahmt Mobiltelefon iPhone 6s plus ist definitiv einzuziehen und zu
vernichten.
VIII. Schadenersatz und Genugtuung
1. Schadenersatz
In Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 61 S. 56) ist festzustellen, dass
der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin 1 aus den eingeklagten Ereignis-
sen dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist, wobei die Privatklägerin 1
zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatzanspruchs auf den
Zivilweg zu verweisen ist.
2. Genugtuung
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2.1. Die Privatklägerin 1 beantragte vor Vorinstanz eine Genugtuung im Betrage
von Fr. 15'000.--. Mit zutreffender Begründung verpflichtete die Vorinstanz den
Beschuldigten, der Privatklägerin 1 eine Genugtuung in der Höhe von Fr. 5'000.--
nebst 5 % Zins seit dem 31. März 2015 zu bezahlen. Im Mehrbetrag wies die Vor-
instanz das Genugtuungsbegehren ab. Mit ihrer Anschlussberufung beantragt die
Privatklägerin nun erneut, der Beschuldigte sei zu verpflichten, ihr eine Genug-
tuung in der Höhe von Fr. 15'000.-- zu bezahlen (Urk. 66 S. 2 und Urk. 123 S. 1).
Wer in seiner Persönlichkeit widerrechtlich verletzt wird, hat Anspruch auf Lei-
stung einer Geldsumme als Genugtuung, sofern die Schwere der Verletzung es
rechtfertigt und diese nicht anders wiedergutgemacht worden ist (Art. 49 Abs. 1
OR). Zweck der Genugtuung ist die Wiedergutmachung immaterieller Unbill.
Massgebend für die Höhe der Genugtuung ist der vom Opfer empfundene
Schmerz, nicht die finanzielle Lage des Verletzers. Vorliegend ist der Beschuldig-
te wegen mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind schuldig zu spre-
chen. Der Beschuldigte griff in die psychische und physische Integrität der Privat-
klägerin 1 ein und verletzt sie dadurch in ihren Persönlichkeitsrechten. Im übrigen
gründet die Genugtuungsforderung der Privatklägerin 1 auf dem sexuellen Miss-
brauch im Kindesalter und auf der Ausnützung seiner Vertrauensstellung. Bezüg-
lich des Verschuldens des Beschuldigten kann auf das Vorstehende verwiesen
werden.
Unter Berücksichtigung der Gerichtspraxis und angesichts des Altersunterschieds
erscheint eine Genugtuung von Fr. 8'000.-- nebst 5% Zins seit dem 31. März
2015 (mittlerer Verfall) als der Intensität der erlittenen Unbill und dem Verschul-
den des Beschuldigten angemessen. Im Mehrbetrag ist die Genugtuungsforde-
rung abzuweisen.
2.2. Die Privatklägerin 2 beantragte vor Vorinstanz eine Genugtuung im Betrage
von Fr. 5'000.--. Die Vorinstanz setzte die Genugtuung auf Fr. 500.-- fest. Im
Mehrbetrag wies sie das Genugtuungsbegehen ab (Urk. 61 S. 58 f.). Zutreffend
erwog die Vorinstanz, dass die Privatklägerin 2 ihre psychische Beeinträchtigung
nicht weitergehend mit Belegen oder einer Begründung nachgewiesen bzw. un-
termauert habe (Urk. 61 S. 58 und Urk. D4/8/3). Es handelt sich vorliegend um
- 35 -
einen Zivilanspruch, es gilt die Dispositionsmaxime. Die Privatklägerin 2 ist ver-
pflichtet darzulegen, inwiefern sie genugtuungsberechtigt ist. Entsprechend ist
das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin 2 mangels Substantiierung auf den
Zivilweg zu verweisen.
IX. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Untersuchung und
des gerichtlichen Verfahrens vor erster Instanz, mit Ausnahme der Kosten der
amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin 1,
dem Beschuldigten zu 9/10 aufzuerlegen und zu 1/10 auf die Gerichtskasse zu
nehmen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden zu 9/10 einstweilen und
zu 1/10 definitiv auf die Gerichtskasse genommen. Die Rückzahlungspflicht des
Beschuldigten im Umfang von 9/10 bleibt gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO
vorbehalten.
2. Im Berufungsverfahren werden die Kosten nach Obsiegen und Unterliegen
auferlegt (Art. 428 Abs. 1 StPO). Sowohl der Beschuldigte als auch die Privat-
klägerin 1 unterliegen je mit ihren Anträgen. In Gewichtung der Themen der Be-
rufungen (Beschuldigter: Schuldpunkt und Folgepunkte angefochten; Privat-
klägerin 1: Freispruch wegen Drohung und Höhe der Genugtuung angefochten)
rechtfertigt sich folgende Kostenverlegung:
Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der amtlichen
Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin 1, werden dem
Beschuldigten zu 4/5 auferlegt und zu 1/5 auf die Gerichtskasse genommen.
3.1. Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten, Rechtsanwalt Dr. iur. X._,
reichte im Berufungsverfahren eine Honorarnote über einen Aufwand von
Fr. 10'858.30 ins Recht (Urk. 121). Die geltend gemachten Aufwendungen und
Auslagen für das Berufungsverfahren sind ausgewiesen und erweisen sich als
angemessen. Dementsprechend ist – unter Berücksichtigung eines Zuschlags für
die längere Dauer der Berufungsverhandlung – die amtliche Verteidigung mit
Fr. 11'000.-- (inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
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3.2. Die unentgeltliche Privatklägervertreterin reichte anlässlich der Berufungs-
verhandlung eine Honorarnote über einen Aufwand von Fr. 5'654.60 ins Recht
(Urk. 125). Unter Berücksichtigung der noch nicht aufgeführten Zeit für eine
Nachbesprechung mit der Privatklägerin 1 und der längeren Verhandlungszeit
erscheint eine Entschädigung ihrer Aufwendungen für das Berufungsverfahren in
der Höhe von Fr. 6'000.-- als angemessen.
3.3. Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der
Privatklägerin 1 werden zu 4/5 einstweilen und zu 1/5 definitiv auf die Gerichts-
kasse genommen. Die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten im Umfang von je
4/5 bleibt gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO und Art. 138 Abs. 1 StPO vorbehalten.