# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 897fb8a9-a85b-571e-99a5-3b094417ea7c
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin reichte am 3. September 2015 ein Baugesuch ein für den
Neubau von zwei Lagerhallen. Die Neubauten sollen die Lücke zwischen den bereits
bestehenden Lagerhallen schliessen und mit diesen zusammengebaut werden. Die
Parzelle Grossaffoltern Gbbl. Nr. D._ liegt in der Arbeitszone und innerhalb des
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Ortsbildschutzperimeters des Ortsteils E._. Gegen das Bauvorhaben erhob unter
anderen der Beschwerdeführer Einsprache.
Mit Gesamtentscheid vom 8. Februar 2016 erteilte das Regierungsstatthalteramt Seeland
die Baubewilligung.
2. Dagegen reichte der Beschwerdeführer am 4. März 2016 Beschwerde bei der Bau-,
Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er beantragt die Aufhebung
des Gesamtentscheides vom 8. Februar 2016 und Erteilung des Bauabschlags.
Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Er macht
geltend, das Vorhaben ordne sich nicht in das ländliche Ortsbild ein, für das Unterschreiten
der minimalen Dachneigung sei zu Unrecht eine Ausnahme erteilt worden, es würden
übermässige Lärm- und Geruchsemissionen resultieren und die Verkehrssicherheit bei der
Zufahrt sei nicht gewährleistet.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Das Regierungsstatthalteramt
beantragt mit Stellungnahme vom 24. März 2016 die Abweisung der Beschwerde, soweit
auf sie einzutreten sei. Die Gemeinde schliesst mit Stellungnahme vom 4. April 2016 auf
Abweisung der Beschwerde. Mit Beschwerdeantwort vom 8. April 2016 beantragt die
Beschwerdegegnerin ebenfalls, die Beschwerde sei abzuweisen. Das beco Berner
Wirtschaft nahm mit Eingabe vom 4. April 2016 Stellung zur Beschwerde.
4. Die kantonale Kommission zur Pflege der Orts- und Landschaftsbilder (OLK) nahm
mit Bericht vom 3. Juni 2016 zum Vorhaben Stellung. Am 15. Juni 2016 führte das
Rechtsamt im Beisein der Verfahrensbeteiligten sowie einer Vertretung der OLK und einer
Vertretung des Strasseninspektorats Seeland einen Augenschein mit
Instruktionsverhandlung durch. Die Beteiligten erhielten Gelegenheit, sich zum Protokoll
des Augenscheins zu äussern.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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5. Mit Schreiben vom 14. Juli 2016 reichte die Beschwerdegegnerin eine
Projektänderung ein (Projektänderungspläne vom 8./11. Juli 2016, alle gestempelt vom
Rechtsamt der BVE am 15. Juli 2016). Mit Bericht vom 9. August 2016 nahm die OLK zur
eingereichten Projektänderung Stellung. Danach erhielten die Parteien Gelegenheit, zur
Projektänderung der Beschwerdegegnerin Stellung zu nehmen und Schlussbemerkungen
einzureichen.
6. Auf die Rechtsschriften, die Fachberichte der OLK sowie auf das Ergebnis des
Augenscheins wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintretensvoraussetzungen
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG2. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die
Einsprecher im Rahmen ihrer Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde
(Art. 10 KoG in Verbindung mit Art. 40 Abs. 2 BauG). Der Beschwerdeführer, dessen
Einsprache abgewiesen wurde, wohnt neben dem Betrieb der Beschwerdegegnerin und
hat Sichtkontakt zum umstrittenen Bauvorhaben. Er ist durch den vorinstanzlichen
Gesamtentscheid beschwert und daher zur Beschwerdeführung legitimiert. Die
Beschwerde ist innert der Rechtsmittelfrist eingereicht worden (Art. 40 Abs. 1 BauG) und
enthält einen Antrag und eine Begründung (Art. 32 Abs. 2 VRPG3). Auf die form- und
fristgerecht eingereichte Beschwerde ist damit einzutreten.
2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1). 3 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21).
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b) Die Einsprechenden sind nur im Rahmen ihrer Einsprachegründe zur Beschwerde
befugt (Art. 40 Abs. 2 BauG). Demnach können neue Rügen im Beschwerdeverfahren
grundsätzlich nicht mehr vorgebracht werden. Diese Bestimmung gelangt jedoch nur zur
Anwendung, wenn die Rüge einer einfachen Verletzung von kantonalem oder
kommunalem Recht zur Diskussion steht. Hingegen dürfen Rügen betreffend die
Verletzung von Bundesrecht, von Völkerrecht und von kantonalem Verfassungsrecht im
Beschwerdeverfahren noch neu vorgebracht werden.4 Zudem sind nach der Praxis Rügen
zulässig, deren Themenbereich in der Einsprache angesprochen wird.5
Die Einsprechenden bzw. Beschwerdeführenden müssen nach Art. 35c Abs. 1 BauG
zudem an jeder vorgebrachten Rüge ein eigenes schutzwürdiges Interesse haben. Da aber
die Beschwerdebefugnis im kantonalen Verfahren mindestens im gleichen Umfang zu
gewähren ist wie vor Bundesgericht (Art. 111 Abs. 1 BGG6; Art. 33 Abs. 3 Bst. a RPG7) und
das Bundesgericht eine rügespezifische Beurteilung der Beschwerdelegitimation ablehnt,
ist Art. 35c Abs. 1 BauG im Sinn der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu Art. 89 Abs. 1
BGG auszulegen. Ein eigenes schutzwürdiges Interesse im Sinn von Art. 35c Abs. 1 BauG
ist deshalb immer dann zu bejahen, wenn der Nachbarin oder dem Nachbarn mit dem
Durchdringen der jeweiligen Rüge ein praktischer Nutzen entsteht, der auch darin
bestehen kann, dass das Bauvorhaben nicht verwirklicht werden kann. Nicht zulässig sind
einzig Rügen, mit denen ein allgemeines öffentliches Interesse an der richtigen
Anwendung des Rechts verfolgt wird, ohne dass den Beschwerdeführenden im Falle des
Obsiegens ein Vorteil entsteht.8
Es wird bei einzelnen Rügen zu prüfen sein, ob der Beschwerdeführer diese in der
Beschwerde noch vorbringen durfte und ob er ein schutzwürdiges Interesse an deren
Prüfung hat.
4 VGE 2012/441 vom 22. März 2013, E. 3; VGE 2010/90 vom 1. November 2010, E. 2.3 - 2.5. 5 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art.  N. 9a. 6 Bundesgesetz vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110). 7 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700). 8 BGE 137 II 30 E. 2.2.1, 2.2.3 und 2.3; BGer 1C_492/2010 vom 23.3.2011, E. 3.2; BVR 2011 S. 272 E. 6.2.
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2. Projektänderung
a) Mit Eingabe vom 14. Juli 2016 reichte die Beschwerdegegnerin beim Rechtsamt der
BVE eine Projektänderung ein. Mit dieser Projektänderung änderte sie die Dachform der
beiden Neubauhallen. Anstelle des Pultdaches bei der Neubauhalle A und des
asymmetrischen Satteldaches bei der Neubauhalle B sind nun zwei symmetrische
Satteldächer mit einer beidseitigen Neigung von 9° vorgesehen. Dadurch reduziert sich die
Höhe der beiden Lagerhallen – gemessen vom jeweils höchsten Punkt – von bisher 15.5 m
(Halle A) bzw. 15.0 m (Halle B) auf 14.6 m (beide Hallen). Auf der Nordostseite verzichtet
die Beschwerdegegnerin neu auf sämtliche Fenster und sowohl das Tor (von 6.5 x 5.5 m
auf 6.5 x 5.0 m) als auch die Firmenanschrift (von 20.0 x 2.74 m auf 16.0 x 2.2 m) wurden
verkleinert. Südwestseitig wurde auf die fassadenmittig geplante Fensterreihe verzichtet
und damit die Fensterfläche um mehr als die Hälfte reduziert. Ebenso sieht die
Beschwerdegegnerin im aktuellen Projekt an der Südostfassade und an der
Nordwestfassade keine Fensterbänder mehr vor. Neu sind auf beiden Satteldächern
jeweils zwei längsseitige Lichtbänder auf jeder Dachseite vorgesehen (bisher Halle A drei
quere Lichtbänder, Halle B zwei längsseitige Lichtbänder näher bei der First).
b) Laut Art. 43 BewD9 kann der Baugesuchsteller während der Hängigkeit eines
Baubewilligungsverfahrens oder eines nachfolgenden Beschwerdeverfahrens vor der BVE
eine Projektänderung einreichen, ohne dass deshalb ein neues Baubewilligungsverfahren eingeleitet werden muss. Erfolgt die Projektänderung im Beschwerdeverfahren, sind die
Gemeinde, die Gegenpartei und die von der Projektänderung berührten Dritten anzuhören.
Das Projekt bleibt in den Grundzügen gleich. Deshalb nahm das Rechtsamt das
Projektänderungsgesuch als Projektänderung im Sinne von Art. 43 Abs. 1 BewD an die
Hand. Von der Projektänderung sind keine öffentlichen oder wesentlichen nachbarlichen
Interessen zusätzlich betroffen, weshalb auf die Anhörung Dritter und auf eine Publikation
verzichtet werden konnte.
c) Projektänderungsgesuche ersetzen das ursprüngliche Baugesuch. Gegenstand des
Beschwerdeverfahrens ist somit nur das geänderte Projekt gemäss den aktuellsten Plänen
9 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1).
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(Projektänderungspläne vom 8./11. Juli 2016, alle gestempelt vom Rechtsamt der BVE am
15. Juli 2016). Ob das von der Vorinstanz beurteilte Projekt bewilligungsfähig gewesen
wäre, ist nicht mehr zu prüfen.
3. Ortsbildschutz
a) Der Beschwerdeführer bringt in seiner Beschwerde vor, der Gebäudekomplex füge
sich aufgrund der Grösse, Farbe, Form und des Billigmaterials nicht gut ins ländliche
Ortsbild ein. Das Bauvorhaben verschlimmere den Gesamteindruck; mit dem
Zusammenbau entstehe ein mächtiger, "klotziger" Hallenkomplex, der sich mit den
silbergrauen Fassaden und Dachflächen deutlich von der Umgebung abhebe. In seiner
Stellungnahme vom 26. August 2016 zur Projektänderung führt der Beschwerdeführer aus,
die Änderungen seien ein Schritt in die richtige Richtung. Insbesondere die angepasste
Dachform erscheine optisch etwas weniger störend.
b) Nach Ansicht der Beschwerdegegnerin ist es fraglich, ob auf diese Rüge des
Beschwerdeführers überhaupt einzutreten ist. So habe der Beschwerdeführer in keiner
Weise dargelegt oder glaubhaft gemacht, dass resp. inwiefern er an der vorliegenden Rüge
überhaupt ein schutzwürdiges Interesse habe.
Der für das schutzwürdige Interesse geforderte praktische Nutzen (vgl. E. 1b) ist zu
bejahen, da bei Durchdringen dieser Rüge der Bauabschlag zu erteilen ist und damit die
nach Meinung des Beschwerdeführers störenden, von ihrem Grundstück sichtbaren
Lagerhallen nicht realisiert werden könnten. Entgegen der Auffassung der
Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführer damit an dieser Rüge ein eigenes
schutzwürdiges Interesse im Sinne von Art. 35c Abs. 1 BauG.
c) Laut Art. 9 Abs. 1 BauG dürfen Bauten und Anlagen die Landschaften, Orts- und
Strassenbilder nicht beeinträchtigen. Diese Vorschrift stellt die „ästhetische Generalklausel“
im Sinne eines allgemeinen Beeinträchtigungsverbots dar. Eine Beeinträchtigung liegt vor,
wenn ein Bauvorhaben einen Gegensatz zur bestehenden Überbauung schafft, der
erheblich stört. Die Gemeinden dürfen eigene Ästhetikvorschriften erlassen, die über die
kantonalen Vorschriften hinausgehen können. Derartige Vorschriften müssen, um
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selbständige Bedeutung zu erlangen, konkreter gefasst sein als die Anordnungen des
kantonalen Rechts, sie dürfen Letztere nicht bloss allgemein anders formulieren.10
Das Baureglement der Gemeinde Grossaffoltern (GBR11) enthält folgende Bestimmungen
zur Gestaltung von Bauten und Anlagen: Nach Art. 23 Abs. 1 GBR sind Bauten und
Anlagen für sich und im Zusammenhang mit der Umgebung sowie dem Orts- und
Landschaftsbild so zu gestalten, dass eine gute Eigen- und Gesamtwirkung entsteht. Für
Bauten ist bei dieser Beurteilung nach Absatz 2 von Art. 23 GBR besonders auf folgende
Kriterien einzugehen: Standort, Stellung, Form, Proportionen und Dimensionen eines
Gebäudes, Gliederung der Aussenflächen, Fassaden, Gebäudesockel, Dachrand,
Dachfläche, Material und Farbe. Dachformen und -materialien müssen zudem von ruhiger
Wirkung sein und sich in das Landschafts-, Orts- und Strassenbild einordnen (Art. 30 Abs.
1 GBR). Innerhalb des Ortsbildschutzperimeters müssen sich neue Bauten und Anlagen
sowie Veränderungen in das Orts- und Landschaftsbild einfügen; an die Gestaltung werden
strengere Anforderungen gestellt (Art. 24 Abs. 3 GBR). Die Baubewilligungsbehörde der
Gemeinde zieht nach Art. 24 Abs. 4 GBR zur Beurteilung von Vorhaben im
Ortsbildschutzperimeter eine Fachinstanz bei (z.B. Bauberater Berner Heimatschutz oder
kantonale Denkmalpflege).
Diese Bestimmungen gehen weiter als Art. 9 Abs. 1 BauG; ihnen kommt daher
selbständige Bedeutung zu. Bei ihrer Auslegung und Anwendung kann sich die Gemeinde
zudem auf die Gemeindeautonomie berufen. Es ist somit vorab Sache der Gemeinde, zu
bestimmen, wie sie ihre Ästhetikvorschriften verstanden haben will. Die BVE als
Rechtsmittelinstanz hat nur zu prüfen, ob die Auslegung durch die Gemeinde rechtlich
haltbar ist.12
d) Die zwei umstrittenen Lagerhallen sollen die Lücke zwischen den beiden bereits
bestehenden Hallen auf der Bauparzelle schliessen. Die Neubauhalle A schliesst
unmittelbar an die bestehende, nordwestliche Halle an und weist eine Länge von 30.18 m
und eine Breite von 23.97 m auf. An die Neubauhalle A schliesst die Neubauhalle B,
welche wiederum direkt an die bestehende, südöstliche Halle angrenzt. Die Neubauhalle B
ist 42.42 m lang und 23.97 m breit. Beide Hallen sind bis zu 14.6 m hoch und verfügen
10 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 9/10 N. 4 und 13; BVR 2009 S. 328 E. 5.2 mit Hinweisen. 11 Baureglement der Gemeinde Grossaffoltern vom 30. November 2007. 12 VGE 22887 vom 21.08.2007, E. 4.3, mit Hinweisen.
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über symmetrische Satteldächer mit einer Neigung von jeweils 9°. Sie sind deutlich höher
als die bestehenden Hallen. Die Lagerhallen aus Metall sind in silbergrauer Farbe geplant.
An der nordöstlichen Fassade der Halle B ist ein hinterleuchteter Schriftzug mit der
Firmenbezeichnung mit einer Länge von 16.00 m und einer Höhe von 2.20 m im oberen
Bereich vorgesehen. Insgesamt weisen die vier zusammengebauten Hallen eine Länge
von rund 103 m auf.
e) Die BVE hat für die ästhetische Beurteilung des Vorhabens die OLK beigezogen. In
ihrem ersten Bericht vom 3. Juni 2016 charakterisierte die Fachbehörde das Ortsbild in der
Umgebung des Vorhabens wie folgt: " Nähert man sich über die F._strasse von Lyss nach E._, fährt man entlang einer
Abfolge diverser Gewerbe- und Industriebauten, die das Landschaftsbild prägen. Vor der
Bahnüberführung endet die Strasse im Dörfchen E._. Den ursprünglichen Dorfkern bilden
die erhaltenswerten Bauten an der G._strasse (Nr. 2, 3, 4) und das Wohnhaus H._
2. Zwei davon haben eine sehr schöne Ziegelsteinfassade, andere entsprechen eher Bauerhäusern
und befinden sich teilweise in einem sehr schlechten Zustand. Dieser historische Dorfkern liegt nicht
unmittelbar neben den geplanten Hallen und wird deshalb durch das Bauvorhaben nicht
beeinträchtigt. Die Hallen befinden sich im Rücken des Dorfkerns am äussersten Rand des
Ortsbildschutzperimeters und bilden sozusagen den Abschluss der Gewerbebauten die sie entlang
der F._strasse aufreihen."
Zur Einordnung des Vorhabens, wie es sich vor der im Beschwerdeverfahren eingereichten
Projektänderung präsentierte, führte die OLK in diesem Bericht zunächst aus, das heutige
Ortsbild werde durch das Bauvorhaben nicht beeinträchtigt, das neue Bauvolumen fülle
lediglich die Lücke zwischen den bereits vorhandenen Hallen. Ausser von dem
gegenüberliegenden Gebäude würden die zusätzlichen Hallen wenig in Erscheinung treten
und das Ortsbild nur unwesentlich ändern. Eine farbliche Anpassung an die natürliche
Umgebung sei nicht zielführend. Vielmehr bilde der Waldrand einen idealen Hintergrund für
die Hallen. Um eine gute Gesamtwirkung zu erreichen, sei es aber wichtig, dass sich die
neuen Hallen in Form und farblicher Gestaltung an die bestehenden Hallen anpassen. Es
sei zwingend, dass die gleichen Fassadenpaneele in identischer Farbigkeit verwendet
würden. Auch die Ausformulierung der Dachrandabschlüsse, Sockel, Fenster wie Tore
sollten übernommen werden. Vorab die Dachform wurde von der OLK kritisiert. Das Ziel
einer besseren Einbettung in das bestehende Ortsbild werde mit verschiedenen Neigungen
und Dachformen nicht erreicht. Gleichschenklig geneigte Satteldächer würden diese
Absicht besser unterstützen und eine ruhigere Dachlandschaft bilden. Man schlage vor, die
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Dachneigung der bestehenden Hallen von 6°- 9° zu übernehmen. Aus ästhetischer Sicht
sei zudem die vorgesehene Beschriftung viel zu gross und stehe in keinem Verhältnis zu
der Fassadenfläche. Auf die Hinterleuchtung sei zudem zu verzichten. Schliesslich sei die
abgeschrägte Südfassade der Halle B nicht nachvollziehbar. Dies sei ein fremdes Element
und wirke dem angestrebten Anliegen, eine Einheit des Hallenkomplexes zu erreichen,
entgegen. Insgesamt kam die OLK zum Schluss, dass dem Neubau der zwei Lagerhallen
grundsätzlich nichts entgegen zu setzen sei. Um die angestrebte Einheit des
Hallenkomplexes zu erreichen, empfahl die Fachbehörde aber gleichmässige Satteldächer
mit einer Dachneigung von rund 6°, die Übernahme der Farbgebung und Materialisierung
der bestehenden Hallen sowie die Reduktion der Grösse der Beschriftung.
f) Mit der am 14. Juli 2016 eingereichten Projektänderung nahm die
Beschwerdegegnerin diverse Anpassungen vor. So sind nun insbesondere zwei
symmetrische Satteldächer mit einer beidseitigen Neigung von 9° vorgesehen. Auf diverse
Fenster – vorab an der von der Kantonsstrasse sichtbaren Nordostfassade – hat die
Beschwerdegegnerin verzichtet und stattdessen mehr Lichtbänder auf den Dächern
vorgesehen. Der Schriftzug wurde zudem verkleinert (zu den Änderungen im Detail, vgl. E.
2a).
Mit Bericht vom 9. August 2016 äusserte sich die OLK zum aktuellen Vorhaben. Dabei
stellte sie fest, dass die "Baulücke" mit den zwei Hallen mit Satteldach geschlossen werde.
Die Befensterung auf der Nordostfassade sei vereinfacht worden. Lediglich eine grosse
Öffnung und der Schriftzug der Firma rhythmisiere diese Fassadenseite. Der Schriftzug sei
kleiner vorgeschlagen. Grundsätzlich begrüsse die Kommission die Projektänderung. Das
Bauvorhaben werde vereinfacht, die Öffnungen präzise gesetzt. Die Dachlandschaft werde
mit zwei Satteldächern mit gleicher Dachneigung beruhigt und orientiere sich an den
bestehenden Hallenbauten. Insgesamt könne dem Bauvorhaben aus Sicht der OLK
zugestimmt werden.
g) Das Rechtsamt der BVE konnte sich anlässlich des Augenscheins vom 15. Juni 2016
ein eigenes Bild des Standortes und der Umgebung machen. Wie die OLK in ihrem ersten
Bericht vom 3. Juni 2016 treffend ausführt, befindet sich das Bauvorhaben am äussersten
Rand des Ortsbildschutzperimeters und nicht in unmittelbarer Nähe des historischen
Dorfkerns des Ortsteils E._. Die unmittelbare Umgebung des Vorhabens ist zudem
in ästhetischer Hinsicht nur von durchschnittlicher Qualität. So sind die Lagerhallen
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umgeben vom grossen Industrieareal der Beschwerdegegnerin. Sie befinden sich zudem
unmittelbar neben der Bahnlinie und der Kantonsstrasse. Das Vorhaben beeinträchtigt das
Ortsbild daher nicht, zumal die umstrittenen Lagerhallen zwischen den bereits
bestehenden Lagerhallen zu liegen kommen. Auch anlässlich des Augenscheins bestätigte
der Vertreter der OLK, dass das Auffüllen der Lücke zwischen den bestehenden Hallen mit
zwei neuen Hallen den Massstab nicht sprenge und aus Sicht der OLK in Ordnung sei.
Ebenso gab der Vertreter der OLK zu Protokoll, dass die Höhe der Hallen keinen Einfluss
auf das geschützte Ortsbild hätten, da bereits Hallen bestünden.13 Aufgrund des am
Augenschein gewonnenen Eindrucks der bestehenden Situation sowie des
Umgebungsbilds kann dieser plausiblen Einschätzung gefolgt werden.
Mit der im Beschwerdeverfahren eingereichten Projektänderung ging die
Beschwerdegegnerin sodann auf die Kritik der OLK ein. Mit den nun geplanten,
symmetrischen Satteldächern wirkt das Vorhaben ruhiger und orientiert sich mit der
nahezu identischen Neigung an den bestehenden Lagerhallen. Die gemäss Art. 30 Abs. 1
GBR verlangte ruhige Gesamtwirkung der Dachformen wird damit erfüllt. Auch die
Anpassungen an der Fassade, vorab an der von der OLK kritisierten, von der Bahn und der
Kantonsstrasse einsehbaren Nordostfassade, führten zu einer deutlichen Verbesserung
des Projekts. Durch den Verzicht auf die Befensterung hat sich das Fassadenbild beruhigt
und demjenigen der bestehenden Lagerhallen angeglichen. Dem Anliegen der
Fachbehörde, die Fassade zur Bahnseite hin möglichst ruhig zu halten14 bzw. eine
"unaufgeregte Befensterung" zu realisieren15, wurde entsprochen. Die Farbgebung und
Materialisierung der Hallen (silbergrau, Metall) sowie die Breite der senkrechten Paneelen
entspricht den bestehenden Hallen und ist nicht zu bemängeln. Auf Anraten der OLK nahm
die Beschwerdegegnerin schliesslich auch eine Verkleinerung des Schriftzugs an der
Nordostfassade vor, so dass dieser nicht mehr zu dominant in Erscheinung tritt und aus
ästhetischer Sicht vertretbar ist. Einzig auf die von der OLK im ersten Fachbericht noch
kritisierten Punkte betreffend Hinterleuchtung der Anschrift sowie abgeschrägter
Südfassade ging die Beschwerdegegnerin im Rahmen der Projektänderung nicht ein.
Allerdings wies der Vertreter der OLK anlässlich des Augenscheins ausdrücklich darauf
hin, dass diese abgeschrägte Fassade sowie die Firmenanschrift absolut zweitrangig
13 Protokoll des Augenscheins vom 15. Juni 2016, S. 4, Voten OLK-Vertreter. 14 Protokoll des Augenscheins vom 15. Juni 2016, S. 7 Mitte, Votum OLK-Vertreter. 15 Protokoll des Augenscheins vom 15. Juni 2016, S. 8 unten, Votum OLK-Vertreter.
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seien.16 Entsprechend bemängelte die OLK diese Punkte im zweiten Fachbericht auch
nicht.
Insgesamt sieht die BVE keinen Anlass, von der Fachmeinung der OLK abzuweichen. Die
Projektänderung im Beschwerdeverfahren hat dazu geführt, dass sich das Bauvorhaben
gut in die bestehende Situation eingliedert. Das Vorhaben kann aus Sicht des Ortsbild- und
Landschaftsschutzes bewilligt werden.
4. Ausnahmebewilligung Dachneigung
a) Gemäss Art. 30 Abs. 2 GBR ist bei Sattel- und Walmdächern eine Dachneigung
zwischen 25° und 45° für die Hauptdachfläche erlaubt. Das Bauvorhaben unterschreitet
diese Vorgabe deutlich: Die Satteldächer der beiden geplanten Hallen weisen eine
Dachneigung von 9° auf. Die Beschwerdegegnerin stellte daher im vorinstanzlichen
Verfahren ein Ausnahmegesuch.17 Die Vorinstanz erteilte die Ausnahmebewilligung und
führte aus, der Ortsbildschutz könne die Erteilung einer Ausnahme rechtfertigen. Das
Satteldach mit der geringeren Dachneigung füge sich besser in die bereits bestehende
Dachlandschaft ein als ein Dach mit einer Neigung von 25° bis 45°. Die Hallen würden so
weniger massiv wirken. Durch die geringere Dachneigung ergebe sich ästhetisch ein
stimmiges Gesamtbild, womit das Ortsbild gewahrt sei.
b) Der Beschwerdeführer rügt, die Ausnahmebewilligung für die Unterschreitung der
minimalen Dachneigung sei zu Unrecht erteilt worden. Ein Grund für die Ausnahme sei
nicht ersichtlich. Allein die Tatsache, dass sich die geplanten Hallen in der Arbeitszone
befinden, stelle noch keinen Grund für eine Ausnahme dar. Die Sonderregelung des alten
Baureglements betreffend Dachformen für Gewerbebauten sei im GBR nicht übernommen
worden, weshalb sich die Gemeinde nicht darauf berufen könne.
Sowohl die Gemeinde als auch die Beschwerdegegnerin führen aus, die geringere
Dachneigung stelle eine ästhetische Verbesserung dar, weshalb die besonderen
Verhältnisse für eine Ausnahmebewilligung vorlägen. Die Gemeinde weist zudem darauf
hin, dass es ihrer langjährigen Praxis entspreche, dass die Vorgaben zur Dachneigung –
16 Protokoll des Augenscheins vom 15. Juni 2016, S. 6 oben und S. 7 oben, Voten OLK-Vertreter. 17 Vorakten pag. 22.
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entsprechend dem alten GBR – nur bei Gebäuden in der Wohn- und der Dorfzone zur
Anwendung gelange. Auch die beiden bestehenden Lagerhallen seien 2013 in Anwendung
dieser Praxis mit einer Dachneigung von nur 9° bewilligt worden.
c) Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin ist auch bezüglich dieser Rüge der
praktische Nutzen und damit das schutzwürdige Interesse im Sinne des
Beschwerdeführers von Art. 35c Abs. 1 BauG zu bejahen, da bei Durchdringen dieser
Rüge der Bauabschlag zu erteilen ist (vgl. E. 1b).
d) Laut Art. 26 BauG können Ausnahmen von einzelnen Bauvorschriften bewilligt
werden, wenn besondere Verhältnisse es rechtfertigen und wenn keine öffentlichen
Interessen beeinträchtigt werden. Ausnahmen dürfen überdies keine wesentlichen
nachbarlichen Interessen verletzen, es sei denn, die Beeinträchtigung könne durch
Entschädigung vollwertig ausgeglichen werden. Diese Voraussetzungen müssen kumulativ
erfüllt sein.
Eine Ausnahmebewilligung soll die gesetzliche Regelung, die im Interesse der
Rechtssicherheit sowie der Rechtsgleichheit die tatsächlichen Verhältnisse generalisierend
erfasst, einzelfallgerecht verfeinern. Ausnahmegründe beziehen sich deshalb auf den
Zweck, den Umfang oder die Gestaltung eines Bauvorhabens, wenn diese in den
geltenden Vorschriften nicht genügend berücksichtigt sind. Sie müssen mit den
Besonderheiten des Baugrundstücks oder des Bauvorhabens zusammenhängen. Unter
Umständen können aber auch Besonderheiten, die sich aus den subjektiven Verhältnissen
der bauwilligen Personen ergeben, eine Ausnahme begründen. Rein finanzielle Interessen,
der Wunsch nach einer Ideallösung oder intensives Ausnützungsstreben rechtfertigen aber
keine Ausnahmebewilligung. Es geht vielmehr darum, ausgesprochene Unbilligkeiten und
Unzweckmässigkeiten zu vermeiden, die die strikte Anwendung der Vorschrift für die
Bauwilligen zur Folge hätte.
Schliesslich ist zu berücksichtigen, dass der Ausnahmegrund keine absolute Grösse ist.
Ob ein Sachverhalt als Ausnahmegrund genügen kann, hängt von drei Komponenten ab:
vom Interesse des Bauherrn an der Ausnahme, von der Bedeutung der Vorschrift, von der
abgewichen werden soll, und von Art und Mass der verlangten Abweichung.18
18 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 26-27 N. 4.
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e) Eine ästhetisch bessere Lösung kann dann ein Ausnahmegrund sein, wenn ohne die
Ausnahme keine befriedigende Gestaltung erreicht werden kann.19 Dies ist vorliegend der
Fall. Die geplanten Satteldächer mit einer Dachneigung von 9° orientieren sich an den
bestehenden Lagerhallen, welche dieselbe Dachneigung aufweisen. Müsste die Vorgabe
von Art. 30 Abs. 2 GBR eingehalten werden und die Dachneigung mindestens 25°
aufweisen, so würde ein deutlicher Gegensatz zu den bestehenden Lagerhallen
geschaffen, welcher sich in ästhetischer Hinsicht negativ auswirken würde. Die OLK
bestätigte in ihrem Bericht vom 3. Juni 2016, dass sich die neuen Hallen mit einem
Dachwinkel von 25° viel schlechter ins Ortsbild integrieren würden, da die First viel zu hoch
und der Bau zu voluminös wäre. Durch die geringere Dachneigung ergebe sich ästhetisch
ein harmonischeres Gesamtbild, womit das Ortsbild gewahrt werde. Die geringere Neigung
über alle Dächer wirke sich aus ästhetischer Sicht positiv aus. Dieser plausiblen und
nachvollziehbaren Einschätzung der Fachbehörde kann gefolgt werden. Die strikte
Anwendung dieser Bestimmung macht im vorliegenden Fall keinen Sinn. Die Gemeinde
bringt zudem glaubhaft vor, dass sie diese Bestimmung in ihrer bisherigen Praxis nur bei
Gebäuden in der Wohn- und in der Dorfzone angewandt habe, nicht aber bei
Industriebauten in der Arbeitszone. Damit liegen "besondere Verhältnisse" im Sinne von
Art. 26 BauG vor. Es sind zudem keine öffentlichen Interessen beeinträchtigt oder
wesentliche nachbarliche Interessen verletzt. Die Gemeinde hat daher die
Ausnahmebewilligung für die Unterschreitung der nach Art. 30 Abs. 2 GBR
vorgeschriebenen Dachneigung zu Recht erteilt.
5. Mehrverkehr / Zunahme der Immissionen
a) Der Beschwerdeführer bringt vor, die Beurteilung des beco, wonach mit dem
Bauvorhaben keine unzulässigen Lärmbelastungen zu erwarten seien, überzeuge nicht.
Bereits beim Baugesuch für die heutigen Lagerhallen sei die Verkehrsfrequenz der
Schwertransporter deutlich unterschätzt worden. Die Auflagen des beco würden bereits
heute nicht eingehalten. So würden Schwertransporter oft bereits ab 6 Uhr morgens mit
laufendem Motor vor dem geschlossenen Arealtor warten, um dann um 7 Uhr reinfahren zu
können. In der ersten Halle sei zudem eine Schweissanlage installiert, obwohl gemäss
Auflagen des beco in den Hallen nicht gearbeitet werden dürfe. Durch die Erhöhung der
19 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 26-27 N. 5.
RA Nr. 110/2016/30 14
Lagerkapazitäten sei mit mehr LKW-Bewegungen zu rechnen, was zu zusätzlichen
Lärmbelastungen führen werde. Die schon jetzt hohe Lärmbelastung werde sich mit den
neuen Hallen noch zusätzlich verschlimmern. Auch die Auflagen betreffen Luftreinhaltung
würden schon heute nicht eingehalten. So würden auf dem Areal regelmässig Maschinen
eingesetzt, welche die Bestimmungen betreffend Partikelfiltersystem nicht einhalten
würden. Es werde beispielsweise ein alter Pneukran eingesetzt, welcher eine schwarze
Russwolke verursache und stinke. Durch das geplante Projekt würde sich die Situation
auch betreffend Geruchsimmissionen deutlich verschlechtern.
b) Wie die Beschwerdegegnerin richtig vorbringt, hat der Beschwerdeführer in seiner
Einsprache vom 24. September 2015 einzig eine nicht tragbare Zunahme der Verkehrs-
und damit zusammenhängenden Lärmbelastung gerügt. Den Einwand übermässiger
Geruchsemissionen brachte er in dieser Einsprache nicht vor. Die Vorgaben zur
Luftreinhaltung sind jedoch im Bundesrecht geregelt (Art. 11 und 14 USG20, LRV21). Die
Rügebeschränkung nach Art. 102 Abs. 4 und Art. 40 Abs. 2 BauG greift daher nicht; die
Rüge kann im Beschwerdeverfahren noch vorgebracht werden (vgl. E. 1b).
c) Die vorhandenen Lagerhallen wurden mit Entscheid des Regierungsstatthalteramts
Seeland vom 26. März 2013 bewilligt (bbew 160/2012). Weiter bewilligte das
Regierungsstatthalteramt am 1. Dezember 2014 eine Umnutzung der südöstlichen
Lagerhalle in einen Holzverpackungsbetrieb (bbew 116/2014). Der Beschwerdeführer
macht sowohl im Zusammenhang mit den übermässigen Lärmemissionen als auch im
Zusammenhang mit den übermässigen Geruchsemissionen geltend, die
Beschwerdegegnerin halte die mit den erwähnten Entscheiden verfügten Auflagen des
beco nicht ein.
Ob dem tatsächlich so ist, kann grundsätzlich offen bleiben. Anfechtungsobjekt dieses
Beschwerdeverfahrens ist die Verfügung der Vorinstanz, also der Entscheid des
Regierungsstatthalteramts vom 8. Februar 2016 über das Baugesuch der
Beschwerdegegnerin vom 3. September 2015. Der Streitgegenstand braucht sich nicht mit
dem Anfechtungsobjekt zu decken, kann aber auch nicht über dieses hinausgehen.22
20 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01). 21 Luftreinhalte-Verordnung des Bundesrates vom 16. Dezember 1985 (LRV; SR 814.318.142.1). 22 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, Bern 1997, Art. 72 N. 6 bis 8.
RA Nr. 110/2016/30 15
Die Nichteinhaltung von Auflagen aus alten Baubewilligungen durch den aktuellen Betrieb
der Beschwerdegegnerin ist nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens. Diese
Vorwürfe sind in einem (bau-)polizeilichen Verfahren zu klären. Hinsichtlich der vom
Beschwerdeführer vorgebrachten Umnutzung der bestehenden, nordwestlichen Lagerhalle
wurde gemäss Angaben der Gemeinde in ihrer Stellungnahme vom 4. April 2016 denn
auch bereits ein solches Verfahren durchgeführt. Gemäss den Ausführungen am
Augenschein wurden diese Arbeiten in der nordwestlichen Halle inzwischen wieder
eingestellt.23 Sofern der vom Beschwerdeführer angesprochene Pneukran mit Baujahr
1996 überhaupt noch eingesetzt wird und dabei gegen die vom beco verlangte und im
Entscheid vom 1. Dezember 2014 verfügte Auflage verstösst, wonach dieselbetriebene
Maschinen ab einer Motorleistung von 18 kW mit einem Partikelfiltersystem ausgerüstet
werden müssen, so ist es ebenfalls an der Gemeinde, im Rahmen eines baupolizeilichen
Verfahrens für die Einhaltung dieser Auflage zu sorgen. Dasselbe gilt für alle weiteren, im
Rahmen der bisherigen Bewilligungen verfügten Auflagen.
Bauvorhaben sind zu bewilligen, wenn sie den bau- und planungsrechtlichen Vorschriften
und den nach anderen Gesetzen im Baubewilligungsverfahren zu prüfenden Vorschriften
entsprechen, die öffentliche Ordnung nicht gefährden und wenn ihnen keine Hindernisse
der Planung im Sinne der Art. 36 und 62 BauG entgegenstehen (Art. 2 Abs. 1 BauG). Sind
diese Voraussetzungen erfüllt, besteht ein Anspruch auf die Erteilung der Baubewilligung.
Dies gilt auch für einen Bauherrn, der in der Vergangenheit Vorschriften missachtet hat.
Eine solche Missachtung von Vorschriften ist auf anderem Wege, insbesondere baupolizei-
und strafrechtlich zu ahnden.
d) Der Beschwerdeführer befürchtet übermässige Lärm- und Geruchsemissionen durch
das umstrittene Bauvorhaben, vorab aufgrund des daraus resultierenden LKW-Mehr-
verkehrs.
Luftverunreinigungen, Lärm, Erschütterungen und Strahlen sind durch Massnahmen an der
Quelle zu begrenzen. Nach dem zweistufigen Schutzkonzept sind Emissionen im Rahmen
der Vorsorge zunächst unabhängig von der bestehenden Umweltbelastung so weit zu
begrenzen, als dies technisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar ist (Art. 11
Abs. 1 und 2 USG24). In einem zweiten Schritt sind die Emissionsbeschränkungen zu
23 Protokoll des Augenscheins vom 15. Juni 2016, S. 16, Voten Gemeindevertreter und Beschwerdegegnerin. 24 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01).
RA Nr. 110/2016/30 16
verschärfen, wenn feststeht oder zu erwarten ist, dass die Einwirkungen unter
Berücksichtigung der bestehenden Umweltbelastung schädlich oder lästig werden (Art. 11
Abs. 3 USG). Ob die Voraussetzungen einer verschärften Emissionsbegrenzung gegeben
sind, hat die Behörde anhand der Belastungsgrenzwerte zu beurteilen.
e) Was den Lärm betrifft, so gilt Folgendes: Das umstrittene Bauvorhaben befindet sich
in einer Arbeitszone mit der Lärm-Empfindlichkeitsstufe IV (ES IV); die relevante
Immissionsorte befindet sich in einer Dorfzone mit der ES III und in einer Wohnzone mit
der ES II (Art. 36 bis 38 GBR). Da die neuen Lagerhallen als neue ortsfeste Anlage gelten,
müssen die Planungswerte eingehalten werden.25 Für die hier relevante, akustische
Tageszeit (7.00 Uhr bis 19.00 Uhr) betragen die Planungswerte für Industrie- und
Gewerbelärm gemäss Anhang 6 der LSV26 in der ES IV 65 dB(A), in der ES III 60 dB(A)
und in der ES II 55 dB(A).
Das beco hat das Bauvorhaben mit Amtsbericht vom 14. Oktober 2015 unter anderem
hinsichtlich des Lärmschutzes geprüft. Dabei führte die Fachbehörde aus, in den
umstrittenen Hallen fänden nur Lagerarbeiten statt, welche als nicht sehr lärmig beurteilt
würden. Die Hallen würden zudem keine Haustechnikanlagen enthalten. Der
Güterumschlag auf Lastwagen finde entweder in der östlichen Halle (Halle B) oder auf dem
Vorplatz südlich der westlichen Halle (Halle A) statt. Der Lärm des Güterumschlags werde
somit teilweise durch die eigenen Firmengebäude gegenüber lärmempfindlichen Orten
abgeschirmt. Durch die Erhöhung der Lagerkapazität sei mit mehr LKW-Bewegungen
gegenüber dem Ist-Zustand zu rechnen. Eine unzulässige Lärmbelastung gegenüber
Anliegern werde jedoch nicht erwartet. Im Beschwerdeverfahren ergänzte das beco mit
Stellungnahme vom 4. April 2016, nach Angaben der Beschwerdegegnerin seien bei
Realisierung des Bauvorhabens auf dem Betrieb pro Tag und während der akustischen
Tageszeit mit total 3 bis 5 LKW-Bewegungen (eine LKW-Bewegung beinhaltet die Zu- und
Wegfahrt auf das Betriebsgelände) zu rechnen. Gestützt auf diese Schätzung errechnete
das beco die Lärmbelastung am Wohnort des Beschwerdeführers und kam auf einen
Beurteilungspegel von 55 dB(A) an diesem Immissionsort. Die Fachbehörde zog daher den
Schluss, dass der für die Dorfzone geltende Planungswert von 60 dB(A) eingehalten sei
und daher der Güterverkehr beim Wohnhaus des Beschwerdeführers keine unzulässige
Lärmbelastung verursache.
25 Vgl. Amtsbericht beco vom 14. Oktober 2015, S. 3, Vorakten pag. 79. 26 Lärmschutz-Verordnung des Bundesrates vom 15. Dezember 1986 (LSV; SR 814.41).
RA Nr. 110/2016/30 17
Die BVE sieht keine Veranlassung, die Einschätzung der Fachbehörde in ihrem Bericht
vom 14. Oktober 2015 und in der ergänzenden Stellungnahme vom 4. April 2016 in
Zweifel zu ziehen. Die Vorinstanz bewilligte zwei Lagerhallen. In diesen Hallen ist demnach
nur eine Lagerhaltung zugelassen, nicht aber eine Produktionstätigkeit. Die eigentliche
Lagerhaltung generiert keinen Lärm. In der nordwestlichen Lagerhalle finden ebenfalls
keine Arbeiten mehr statt; diese wurden aufgrund der Intervention der Gemeinde
eingestellt (vgl. E. 5c). Einzig in der südöstlichen Lagerhalle wurde im Jahr 2014 ein
Holzverarbeitungsbetrieb bewilligt. Die Arbeiten finden jedoch im Inneren der Halle und nur
sporadisch statt.27 Die Hälfte dieser Halle dient weiterhin der blossen Lagerhaltung. Zudem
ist die Entfernung dieser Halle zur Dorf- und Wohnzone und damit zu den relevanten
Immissionsorten relativ gross. Auch der Güterumschlag findet zu grossen Teilen in der
Halle statt. Was den LKW-Verkehr betrifft, so geht die Beschwerdegegnerin und das beco
bei Realisierung des Bauvorhabens von durchschnittlich 3 bis 5 Zu- und Wegfahrten pro
Tag aus. Dieser Einschätzung hat der Beschwerdeführer anlässlich des Augenscheins
ausdrücklich zugestimmt.28 Die vom beco gestützt auf diese Fahrtenanzahl vorgenommene
Berechnung der Lärmbelastung beim Wohnhaus des Beschwerdeführers in der
Stellungnahme vom 4. April 2016 ist plausibel und nachvollziehbar. Dieser Beurteilung
folgend ist daher beim Wohnhaus des Beschwerdeführers von einem durch den
Güterverkehr resultierenden Lärmpegel von 55 dB(A) auszugehen. Der massgebende
Planungswert für Gewerbe- und Industrielärm in der Dorfzone von 60 dB(A) ist
entsprechend eingehalten. Aus der Berechnung kann auch geschlossen werden, dass der
Planungswert in der noch weiter entfernten Wohnzone von 55 dB(A) ebenfalls eingehalten
ist. Da als weitere Lärmfaktoren einzig der Güterumschlag und die Holzverarbeitung in der
bestehenden, südöstlichen Lagerhalle zu berücksichtigen sind und diese – wie ausgeführt
– kaum lärmrelevant sind, ist insgesamt eine Überschreitung der Belastungsgrenzwerte
sowohl in der Dorfzone als auch in der Wohnzone durch den Betrieb des
Beschwerdegegners ausgeschlossen. Damit entsteht durch den Betrieb der
Beschwerdegegnerin nach Realisierung des umstrittenen Bauvorhabens weder beim
Wohnhaus des Beschwerdeführers noch bei anderen, relevanten Immissionsorten eine
unzulässige Lärmbelastung.
27 Protokoll des Augenscheins vom 15. Juni 2016, S. 15 unten, Voten Beschwerdegegnerin. 28 Protokoll des Augenscheins vom 15. Juni 2016, S. 17 mitte, Votum Beschwerdeführer.
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f) Baubewilligungen können mit Bedingungen oder Auflagen verknüpft werden (Art. 29
Abs. 2 und Art. 38 Abs. 3 BauG). Auflagen sind Pflichten, die mit einer Baubewilligung
verbunden sind. Die Nichterfüllung einer Auflage berührt die Geltung der Baubewilligung
nicht, kann aber baupolizeiliche Massnahmen – insbesondere die Ersatzvornahme – und
Bestrafung nach sich ziehen.29 Die Bedingungen und Auflagen müssen in einem engen
sachlichen Zusammenhang zur erteilten Bau- oder Ausnahmebewilligung stehen und
verhältnismässig sein. Verhältnismässig ist eine Nebenbestimmung nur dann, wenn sie
zum Erreichen des angestrebten Ziels erforderlich, geeignet und für den Bauherrn
zumutbar ist.30
Das Tor zum Betriebsareal der Beschwerdegegnerin öffnet um 7.00 Uhr morgens. Gemäss
den Ausführungen am Augenschein kann die Beschwerdegegnerin nicht ausschliessen,
dass Lastwagen vereinzelt bereits vor dieser Zeit ankommen und vor dem Tor warten
müssen.31 Der Warteraum vor dem Tor befindet sich unmittelbar vor dem Haus des
Beschwerdeführers. Das beco beurteilt die bei dieser Wartezeit teilweise anfallenden
Lärmimmissionen (Motor laufen lassen, Vorbereitungsarbeiten, Türenschlagen, Radio
hören) in der Stellungnahme vom 4. April 2016 als störend, da diese zu einer
Aufwachreaktion führen können. Im Sinne der Empfehlung des beco und gestützt auf das
Vorsorgeprinzip von Art. 11 Abs. 2 USG ist daher von der Beschwerdegegnerin zu
verlangen, dass die LKW-Fahrer mit einer gut sichtbaren Hinweistafel beim Tor auf
folgende Verhaltensregeln (in deutscher und englischer Sprache) im Bereich des
Warteareals aufmerksam gemacht werden:
Verhaltensregeln während der Wartezeit vor dem Tor:
- Motor abstellen
- Zuschlagen der Türen und lautes Rufen/Reden vermeiden
- Bei geöffneten Türen oder Fenster Radio/Musik abstellen
- Laute Arbeitsvorgänge unterlassen
Diese einfache Massnahme trägt dazu bei, die Lärmimmissionen beim Wohnhaus des
Beschwerdeführers einzudämmen. Die Beschwerdegegnerin erklärte sich damit anlässlich
29 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 29 N. 1. 30 Aldo Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 38-39 N. 15a. 31 Protokoll des Augenscheins vom 15. Juni 2016, S. 14 mitte, Votum Beschwerdegegnerin.
RA Nr. 110/2016/30 19
des Augenscheins einverstanden.32 Der vorinstanzliche Entscheid ist daher mit einer
entsprechenden Auflage zu ergänzen. Diese ist zum Erreichen des damit angestrebten
Ziels – der Reduktion der Lärmemissionen – erforderlich, geeignet und für die
Beschwerdegegnerin ohne weiteres zumutbar.
g) Betreffend Luftreinhaltung sind die vorsorglichen Emissionsbegrenzungen in Form
von Emissionsgrenzwerten für stationäre Anlagen in der LRV33 konkretisiert. Für
Emissionen, für die in der LRV keine Emissionsbegrenzung festgelegt oder bestimmte
Begrenzungen als nicht anwendbar erklärt sind, sind die vorsorglichen
Emissionsbegrenzungen direkt gestützt auf Art. 4 LRV von der zuständigen Behörde
anzuordnen. Danach sind diese Emissionen vorsorglich so weit zu begrenzen, als dies
technisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar ist. Ist zu erwarten, dass eine
einzelne geplante Anlage trotz der Einhaltung der vorsorglichen Emissionsgrenzwerte
übermässige Immissionen verursachen wird, so sind die zuständigen Behörden dazu
verpflichtet, verschärfte Emissionsbegrenzungen anzuordnen (Art. 5 LRV, Art. 11 Abs. 3
USG). Sind in der LRV für einen Stoff keine Immissionsgrenzwerte festgelegt, muss im
Einzelfall beurteilt werden, ob die Immissionen übermässig sind. Dies ist bei Gerüchen
vorab dann der Fall, wenn aufgrund einer Erhebung feststeht, dass sie einen wesentlichen
Teil der Bevölkerung in ihrem Wohlbefinden erheblich stören (Art. 2 Abs. 5 Bst. b LRV).
Sofern der alte Pneukran oder andere ältere Maschinen von der Beschwerdegegnerin
überhaupt noch eingesetzt werden und die Auflage zum Partikelfiltersystem der
Baubewilligung vom 1. Dezember 2014 nicht einhalten, so ist dies – wie erwähnt (E. 5c) –
nicht Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens, sondern im Rahmen eines
(bau)polizeilichen Verfahrens zu klären. Hinsichtlich der vorliegend angefochtenen
Baubewilligung bringt der Beschwerdeführer einzig vor, durch das geplante Bauvorhaben
werde sich auch die Situation betreffend Geruchsemissionen deutlich verschlechtern. Es ist
zweifelhaft, ob mit dieser pauschalen Rüge die Anforderungen an die Begründung erfüllt
werden (Art. 32 Abs. 2 VRPG). Dies kann jedoch offen bleiben, da nicht von übermässigen
Emissionen auszugehen ist. Das beco führt in seinem Amtsbericht vom 14. Oktober 2015
und in der Stellungnahme vom 4. April 2016 aus, dass das Bauvorhaben keine Anlagen
oder Prozesse enthalte, für welche spezifische Emissionsbegrenzungen nach Anhang 2
und 3 der LRV bestünden, weshalb die generellen Anforderungen nach Anhang 1 LRV
32 Protokoll des Augenscheins vom 15. Juni 2016, S. 14 unten, Votum Beschwerdegegnerin. 33 Luftreinhalte-Verordnung des Bundesrates vom 16. Dezember 1985 (LRV; SR 814.318.142.1).
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einzuhalten seien. Nach der plausiblen Einschätzung des beco in der Stellungnahme vom
4. April 2016 kann der ordentliche Betrieb von Gabelstaplern, Kranen und Lastwagen auf
dem Werkareal insgesamt kaum zu übermässigen Immissionen von Luftschadstoffen
führen. Es würden auch keine staubenden Güter umgeschlagen, weshalb keine
übermässigen Staubemissionen zu erwarten seien. Schliesslich weist die Fachstelle
daraufhin, dass die mit Entscheid vom 1. Dezember 2014 verfügte Auflage, wonach
dieselbetriebene Maschinen ab einer Motorenleistung von 18 kW, die regelmässig auf dem
Werkareal eingesetzt werden, mit einem Partikelfiltersystem ausgerüstet werden müssen,
weiterhin und für das ganze Betriebsareal der Beschwerdegegnerin gelte. Die BVE sieht
keinen Anlass, von dieser Einschätzung der Fachbehörde abzuweichen. Es ist auch nicht
erkennbar, inwiefern allfällige Geruchsemissionen im Rahmen der Vorsorge zusätzlich
begrenzt werden könnten. Die Beschwerde erweist sich damit in diesem Punkt als
unbegründet.
6. Verkehrssicherheit
a) Der Beschwerdeführer rügt, mit den zunehmenden Lastwagenfahrten sei die
Verkehrssicherheit nicht mehr gegeben. Die Dorfstrasse sei aufgrund des Gefälles für viele
Lastwagen nicht geeignet, es würden oft Schäden an der Strasse und beim Bahnübergang
entstehen. Um solche Schäden zu vermeiden, werde auf der Hauptstrasse gewendet,
damit rückwärts in die G._strasse eingefahren werden könne. Die Wendemanöver
und das Rückwärtseinfahren würden aufgrund der schlechten Sichtverhältnisse (S-Kurve
der Kantonsstrasse) und der Wendemanöver in der Nähe des Bahnübergangs eine
Gefährdung für den Strassen- und Bahnverkehr darstellen.
b) Bei der Beurteilung des genügenden Strassenanschlusses bzw. der
Verkehrssicherheit im Bereich der Zufahrt steht nicht nur kantonales oder kommunales
Recht zur Diskussion. Es geht dabei um die Frage der genügenden Erschliessung; diese
ist bundesrechtlich geregelt und das kantonale bzw. kommunale Recht stellt
Ausführungsrecht dar.34 Auf die vom Beschwerdeführer vorgebrachten Rügen betreffend
Verkehrssicherheit und ungenügende Zufahrt ist daher entgegen der Ansicht der
Beschwerdegegnerin einzutreten, auch wenn er sie in seiner Einsprache vor der
34 Art. 19 RPG und Art. 22 Abs. 2 Bst. b RPG.
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Vorinstanz noch nicht geltend gemacht hat. Die Rügebeschränkung nach Art. 40 Abs. 2
BauG greift hier nicht.
c) Das Strasseninspektorat Seeland hat sich im Amtsbericht Strassenbaupolizei vom
5. November 201535 zum Vorhaben geäussert und dabei Folgendes festgehalten: "Der Gewerbebetrieb ist ab der Kantonsstrasse, über die G._strasse erschlossen. Die
Abzweigung Kantonsstrasse / G._strasse befindet sich direkt beim Bahnübergang
E._. Die SBB-Linie Biel-Bern quert an dieser Stelle die Kantonsstrasse, die Barriere wird
aufgrund der starken Zugfrequenz häufig geschlossen. Die G._strasse weist im
Einmündungsbereich ein starkes Längsgefälle auf, das ergibt einen grossen Gefällsbruch zur
Kantonsstrasse. In der Vergangenheit hat dies dazu geführt, dass grosse Fahrzeuge mit
Zulieferungen für die Firma B._ mit dem Aufleger über die Fahrbahnfläche schrammten und
dadurch den Belag beschädigten. Dies ist auch kurz nach der letzten Belagssanierung geschehen.
Im Weiteren wurde beobachtet, dass Lastwagen wegen der speziellen Topographie der
Einmündung auf der Kantonsstrasse Wendemanöver ausgeführt haben und rückwärts von der
Kantonsstrasse in die G._strasse einbogen. Wegen dem Bahnübergang, welcher sich
zudem noch in einem Kurvenbereich der Kantonsstrasse befindet, sind solche Manöver sehr
gefährlich."
Das Strasseninspektorat erteilte die Strassenanschlussbewilligung nach Art. 85 SG36 mit
folgenden Auflagen: " 4.1: Die Anlieferer der Firma B._ müssen über die speziellen Niveauverhältnisse bei der
Einmündung F._/G._strasse hingewiesen werden. Diese Pflicht obliegt
vollumfänglich der Firma B._.
4.2: Ohne zusätzliche Verkehrsaufsicht beizuziehen, dürfen auf der Kantonsstrasse keine
Fahrmanöver ausgeführt werden.
4.3: Für Schäden an der Kantonsstrasse verweisen wir auf Art. 67 Abs. 2 Strassengesetz."
Als Hinweis wurde zudem vermerkt, dass man sich Anpassungen am Strassenkörper der
Einmündung G._strasse unter Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin
vorbehalte, sollten sich Vorkommnisse mit Belagschäden vermehren oder sollten weiterhin
unbegleitete Manöver auf der Kantonsstrasse beobachtet werden.
35 Vorakten pag. 67. 36 Strassengesetz vom 4. Juni 2008 (SG; BSG 732.11).
RA Nr. 110/2016/30 22
d) Bauvorhaben dürfen nur bewilligt werden, wenn das Baugrundstück genügend
erschlossen ist (Art. 7 Abs. 1 BauG). Dabei gilt die strassenmässige Erschliessung dann
als genügend, wenn die Zufahrtsstrasse „hinreichend nahe“ an die geplanten Bauten und
Anlagen heranführt und diese für Wehrdienste und Sanität gut erreichbar sind (Art. 7
Abs. 2 Bst. a BauG). Bestehende Erschliessungsanlagen genügen für Bauvorhaben in
einem weitgehend überbauten Gebiet oder ausserhalb der Bauzone dann, wenn die
insgesamt zu erwartende Mehrbelastung verhältnismässig gering ist und die
Verkehrssicherheit und Brandbekämpfung gewährleistet ist (Art. 5 Bst. a BauV).
e) Bemängelt wird die Verkehrssicherheit. Die übrigen Voraussetzungen einer
genügenden Erschliessung werden nicht bestritten und es ist auch nicht erkennbar, dass
diese vorliegend nicht erfüllt wären.
Die Erkenntnisse und Aussagen am Augenschein vom 15. Juni 2016 haben bestätigt, dass
ankommende Lastwagen im Bereich der Abzweigung von der Kantonsstrasse auf die
Gemeindestrasse aufgrund der speziellen Situation (starkes Längsgefälle bei Eintritt in
Gemeindestrasse) Schäden im Strassenbelag verursacht haben37. Aus diesem Grund
wurden in der Vergangenheit vereinzelt gefährliche Manöver vorgenommen
(Rückwärtsfahren), um ein Touchieren mit der Strassenkuppe zu verhindern.
Die Vertreter der Beschwerdegegnerin legten jedoch glaubhaft dar, dass solche Manöver
nur selten vorgekommen sind und nur ein gewisser Fahrzeugtyp (Lastwagen mit tiefen
Aufliegern) ein Problem hatte. Dieser Fahrzeugtyp, welcher vorab für die Lieferung grosser
Kranteile benötigt werde, sei künftig nicht mehr so oft im Einsatz, da man bei Realisierung
der neuen Hallen auf dem Gelände weniger solche grossen Kranteile zu lagern
beabsichtige.38 Ebenso ist zu beachten, dass mit dem vorliegend umstrittenen
Bauvorhaben – wenn überhaupt – der Lastwagenverkehr nur unmerklich zunehmen wird,
da zwischen den bestehenden Lagerhallen bereits heute Materialien gelagert wurden. Die
Gefahr von solchen Manövern im Bereich des Verkehrsknotens ist daher künftig als sehr
gering einzustufen.
Trotzdem ist unbestritten, dass solche Manöver in der Vergangenheit vorgekommen sind
und diese – nicht zuletzt aufgrund der unmittelbaren Nähe des Bahnübergangs sowie der
37 Vgl. Fotodokumentation Augenschein vom 15. Juni 2016, Fotos Nrn. 20-22. 38 Protokoll des Augenscheins vom 15. Juni 2016, S. 11 oben, Votum Beschwerdegegnerin.
RA Nr. 110/2016/30 23
Kurve in der Kantonsstrasse – eine akute Verkehrsgefährdung darstellen. Sie sind daher
künftig zu unterbinden. Die Vertreterin des Strasseninspektorats Seeland hielt am
Augenschein unmissverständlich fest, dass Manöver beim vorliegenden Verkehrsknoten
inakzeptabel seien.39 Es ist daher nicht nachvollziehbar, wieso das Strasseninspektorat
diese Manöver mit ihren Auflagen gemäss Amtsbericht vom 5. November 2015 nicht
verboten hat, sondern nur den Beizug einer Verkehrsaufsicht verlangt (Auflage 4.2). Um
die Verkehrssicherheit gewährleisten zu können, ist daher – neben der Beibehaltung der
Auflage 4.1 (Informationspflicht der Beschwerdegegnerin gegenüber ihren Anlieferern) –
die Auflage 4.2 zu streichen und durch folgende Auflage zu ersetzen:
4.2: Im Bereich des Verkehrsknotens F._/G._strasse sind jegliche Fahrmanöver
verboten.
Als Konsequenz dieses Verbots wird die Beschwerdegegnerin dafür zu sorgen haben,
dass der problematische Fahrzeugtyp, welcher beim Vorwärtsfahren die Strasse touchiert,
diesen Verkehrsknoten künftig nicht mehr passiert und entsprechend für die Anlieferung
dieses Betriebsareals nicht mehr eingesetzt wird.
Diese neue Auflage ist zum Erreichen des damit angestrebten Ziels – Gewährleistung der
Verkehrssicherheit – erforderlich, geeignet und für die Beschwerdegegnerin ohne weiteres
zumutbar.
7. Zusammenfassung und Kosten
a) Das Vorhaben entspricht den massgebenden Vorschriften und die Projektänderung
(gemäss den Plänen vom 8./11. Juli 2016, alle gestempelt vom Rechtsamt der BVE am
15. Juli 2016) wird bewilligt. Was die mit den Projektänderungen berücksichtigten
Einwände des Beschwerdeführers betrifft, ist die Beschwerde gegenstandslos geworden.
Weiter wird der Gesamtentscheid des Regierungsstatthalteramtes Seeland vom 8. Februar
2016 in teilweiser Gutheissung der Beschwerde mit zwei Auflagen ergänzt. Im Übrigen
wird die Beschwerde abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann, und der
Gesamtentscheid wird bestätigt.
39 Protokoll des Augenscheins vom 15. Juni 2016, S. 11 mitte, Votum Vertreterin Strasseninspektorat.
RA Nr. 110/2016/30 24
b) Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr.
Für besondere Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren
erhoben werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Die Pauschalgebühr wird festgesetzt auf
Fr. 1'600.00 (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 und Art. 20 Abs. 1
GebV40). Für den Augenschein vom 15. Juni 2016 wird in Anwendung von Art. 20 Abs. 1
GebV eine zusätzliche Gebühr von Fr. 400.00 erhoben. Die Kosten der OLK (Fr. 1'000.00
für den Bericht vom 3. Juni 2016 gemäss Rechnung vom 16. Juni 2016) werden gestützt
auf Art. 11 GebV zusätzlich erhoben. Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren
betragen somit Fr. 3'000.00.
Die Verfahrenskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Wer
ein Rechtsmittel zurückzieht, den Abstand erklärt oder auf andere Weise dafür sorgt, dass
das Verfahren gegenstandslos wird, gilt als unterliegende Partei (Art. 110 Abs. 1 VRPG).
Als unterliegend gilt auch, wer den Einwänden der Behörden oder der Gegenpartei durch
eine Projektänderung Rechnung trägt.41 Im vorliegenden Verfahren hat die
Beschwerdegegnerin den Einwänden betreffend Ortsbildschutz mit der Projektänderung
Rechnung getragen. Zudem wurde der vorinstanzliche Entscheid aufgrund der Vorbringen
des Beschwerdeführers mit zwei Auflagen ergänzt. In diesen Punkten gilt die
Beschwerdegegnerin als unterliegende Partei. Im Übrigen wird der Gesamtentscheid des
Regierungsstatthalteramtes Seeland bestätigt. Diesbezüglich gilt der Beschwerdeführer als
unterliegend. Bei diesem Verfahrensausgang rechtfertigt es sich, dem Beschwerdeführer
sowie der Beschwerdegegnerin je die Hälfte der Verfahrenskosten, jeweils ausmachend Fr.
1'500.00 anzulasten.
c) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Wie bereits ausgeführt unterliegen der
Beschwerdeführer und die Beschwerdegegnerin je zur Hälfte. Der Beschwerdeführer hat
daher der Beschwerdegegnerin die Hälfte der Parteikosten zu ersetzen. Der
40 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21). 41 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 108 N. 2; Art. 110 N. 5.
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Beschwerdeführer wird nicht durch einen berufsmässigen Parteivertreter vertreten und hat
daher kein Anrecht auf Parteikosten (Art. 104 Abs. 1 VRPG).
Die Kostennote des Anwalts der Beschwerdegegnerin beläuft sich auf Fr. 5'775.40
(Honorar Fr. 5'200.00, Auslagen Fr. 147.60, Mehrwertsteuer Fr. 427.80). Die
Beschwerdegegnerin ist mehrwertsteuerpflichtig42 und kann somit die von ihrem
Rechtsvertreter auf sie überwälzte Mehrwertsteuer in ihrer eigenen
Mehrwertsteuerabrechnung als Vorsteuer abziehen. Ihr fällt daher betreffend
Mehrwertsteuer kein Aufwand an und eine Abgeltung der Mehrwertsteuer käme einer mit
Art. 108 Abs. 3 i.V.m. Art. 104 Abs. 1 VRPG unvereinbaren Überentschädigung gleich. Die
in der Kostennote des Rechtsvertreters der Beschwerdegegnerin aufgeführte
Mehrwertsteuer ist deshalb bei der Bestimmung des Parteikostenersatzes nicht zu
berücksichtigen.43 Im Übrigen gibt die die Kostennote des Anwalts der
Beschwerdegegnerin zu keinen Bemerkungen Anlass.
Der Beschwerdeführer hat somit der Beschwerdegegnerin die Hälfte der Parteikosten,
ausmachend Fr. 2'673.80, zu ersetzen.