# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 267ef2b9-4605-488b-a429-7e1626c6faf3
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der
1953 geborene
X._
leidet seit seinem zweiten Lebensjahr
an einer schweren
poliomyelitischen
Tetraplegie
und ist seit seiner Jugend auf einen Rollstuhl angewiesen
(Urk. 8/1
, Urk. 8/179
).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, erbrachte verschiedene Leistungen,
und sprach
unter anderem im Jahr 2011 die Kosten
für
die leihweise Abgabe
des
aktuellen
Rollstuhls
(Typ
TiLite
Aero
; Mitteilung vom 13. Oktober 2011, Urk. 8/183)
gut
.
Am 13. September 2013 (Urk. 8/191) teilte die
Y._
der IV-Stelle mit, dass der Versicherte ein zweites Paar Hinterräder
(Reserveräder im Pannenfall)
für seinen Rollstuhl
benötige
und liess ihr
eine
Offerte
über
Fr. 1'443.10 zukommen. Daraufhin ersuchte die IV-Stelle die Fachstelle der
Schweizerische
n
Arbeitsgemeinschaft Hilfsmittelberatung für Behinderte und Betagte
(SAHB) um Stellungnahme (
datierend
vom 3. Oktober 2013, Urk. 8/193).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 8/197, Urk. 8/200) verfügte die IV-Stelle am 8. Januar 2014 eine Kostenbeteiligung an die Ersatzräder in der Höhe von Fr. 350.-- (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 6. Februar 2014 (Urk. 1) Beschwerde und beantragte, die Verfügung vom 8. Januar 2014 sei aufzuheben und
es sei
ihm die Kostengutsprache in der Höhe von Fr. 1‘443.10 zu erteilen
(Ziff. 1). Eventualiter sei die Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen (Ziff. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom
13. März 2014
schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk.
7
)
, was dem Beschwerdeführer am 17. März 2014 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 9).
Der Einzelrichter

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Da der Streitwert Fr. 20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (§ 11 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
2.
Gemäss Art. 21 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) hat die versicherte Person im Rahmen einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste Anspruch auf jene Hilfsmittel, deren sie für die Ausübung der Erwerbstätigkeit oder der Tätigkeit im Aufgabenbereich, zur Erhaltung oder Verbesserung der
Erwerbsfähigkeit, für die Schulung, die Aus- und Weiterbildung oder zum Zwecke der funktionellen Angewöhnung bedarf. Ferner bestimmt Art. 21 Abs. 2 IVG, dass Versicherte, die infolge ihrer Invalidität für die Fortbewegung, für die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt oder für die Selbstsorge kostspieliger Geräte bedürfen, im Rahmen einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste ohne Rücksicht auf die Erwerbsfähigkeit Anspruch auf solche Hilfsmittel haben. Die Versicherung gibt die Hilfsmittel zu Eigentum oder leihweise in einfacher und zweckmässiger Ausführung ab. Ersetzt ein Hilfsmittel Gegenstände, die der Versicherte auch ohne Invalidität anschaffen müsste, so hat er sich an den Kosten zu beteiligen (Absatz 3). Der Bundesrat kann vorsehen, dass der Versicherte ein leihweise abgegebenes Hilfsmittel nach Wegfall der Anspruchsvoraussetzungen
weiter verwenden
darf (Absatz 4).
Die Befugnis zur Aufstellung der Hilfsmittelliste und zum Erlass ergänzender Vorschriften im Sinne von Art. 21 Abs. 4 IVG hat der Bundesrat in Art. 14 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) an das Eidgenössische Departement des Innern übertragen, welches die Verordnung über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung (HVI) mit anhangsweise aufgeführter Hilfsmittelliste erlassen hat. Laut Art. 2 HVI besteht im Rahmen der im Anhang aufgeführten Liste Anspruch auf Hilfsmittel, soweit diese für die Fortbewegung, die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt oder für die Selbstsorge notwendig sind (Abs. 1). Anspruch auf die in dieser Liste mit * bezeichneten Hilfsmittel besteht nur, soweit diese für die Ausübung einer Erwerbstätigkeit oder die Tätigkeit im Aufgabenbereich, für die Schulung, die Ausbildung, die funktionelle Angewöhnung oder für die in der zutreffenden Ziffer des Anhangs ausdrücklich genannte Tätigkeit notwendig sind (Abs. 2; BGE 122 V 212 E. 2a).
G
emäss Art. 2 Abs. 4 HVI besteht sodann nur ein Anspruch auf Hilfsmittel in einfacher und zweckmässiger Ausführung, wobei sich der Hilfsmittelanspruch auch auf das invaliditätsbedingt notwendige Zubehör und die invaliditätsbedingten Anpassungen erstreckt (Art. 2 Abs. 3 HVI).
3
.
3.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in
ihrer
Verfügung vom 8. Januar 2014 im Wesentlichen auf die Stellungnahmen der SAHB. Diese hielt am 3. Oktober 2013 (Urk. 8/1
93
) fest, dass eine
kostengünstigere
Vollgummibereifung ähnlich hart wie die vorhandene Luftbereifung sei, jedoch den Vorteil
aufweise
, keine Pannen mehr
zu haben
.
Solche
Reifen seien
zwar
schwerer,
doch sei
dies
nur geringfügig und im Verhältnis zum Gesamtgewicht (Rollstuhl mit Fahrer) unerheblich.
Zudem
sei die
Auflagefläche bei pannensicheren Reifen nur unwesentlich höher und bleibe
–
im Gegensatz zur Luftbereifung
–
immer konstant (S. 2).
Davon ausgehend vertrat die Beschwerdegegnerin im angefochtenen Entscheid die Auffassung, de
r
Rollstuhl
sei
mit pannensicheren Reifen
(Vollgummibereifung)
auszurüsten, da eine zusätzliche Luftbereifung für Ersatzräder viel reparaturanfälliger und
keine
wirtschaftliche und daher einfache und zweckmässige Anschaffung sei (Urk. 2 S. 3).
3.2
Dagegen brachte der Beschwerdeführer hauptsächlich vor,
dass – damit er sich auch weiterhin aus eigener Kraft mit einem Handrollstuhl im Alltag fortbewegen könne – er darauf angewiesen sei, dass sein Rollstuhl einerseits möglichst schlagsicher und erschütterungsarm über Unebenheiten fahren und anderseits, wenn er den Rollstuhl von Hand antreibe, mit geringstmöglichem Kraftaufwand bewegt werden könne.
Hier
für
sei eine Luftbereifung die
beste Lösung. Zudem habe er seit längerer Zeit eine Bereifung mit Pannenschutz, um der Pannenanfälligkeit vorzubeugen (Urk. 1 Art. 2).
4.
4.1
In medizinischer Hinsicht ist den Akten zu entnehmen, dass sich beim Beschwerdeführer das Bild einer
tetraplegischen
Poliomyelitis mit motorischer Schwäche, insbesondere im Bereich des rechten Armes (Bizeps und Trizeps)
,
zeig
t
und sein Gesundheitszustand stationär beziehungsweise sich verschlechtert ha
t
, so dass er in den letzten Jahren zunehmend hilfsbedürftig geworden
ist
(
siehe Beiblatt von Dr. med.
Z._
, FMH Innere Medizin
,
zum Fragebogen vom 25. April 2001; Urk. 8/148/3-4 sowie
dessen
Bericht vom 29.
/31.
Januar 2007;
Urk. 8/165). So teilte der Beschwerdeführer, welcher keine Invalidenrente bezieht und nach wie vor berufstätig ist
(vgl. Urk. 8/163 Ziff. 2.3
und Ziff. 2.5
)
, der Beschwerdegegnerin
im Oktober 2013
mit, dass sich sein Gesundheitszustand schleichend verschlechter
t
und
er weniger Kraft habe. Die geringere Belastbarkeit führe dazu, dass er weniger selber machen könne
(
Urk. 8/198 Ziff. 1.1-1.2
).
Weiter geht aus den Akten hervor, dass dem Beschwerdeführer bei einem Rollstuhl viele Details wichtig s
ind
und er sich
diesen
über die Jahre so zusammengestellt ha
t
,
dass er
eine möglichst hohe Selbständigkeit erreichen beziehungsweise bewahren
k
ann
(siehe Urk. 8/178).
4.2
Vorliegend empfahl die Beschwerdegegnerin, den Rollstuhl anstelle der vorhandenen Luftbereifung mit einer Vollgummibereifung auszurüsten.
Gestützt auf diese Überlegung sprach
sie
eine Kostenbeteiligung an die Ersatzluftreifen im
Umfang
der
günstigeren Vollgummireifen zu.
Die dagegen vom Beschwerdeführer vorgebrachten Einwände wurden
in der Folge
teilweise von der SAHB in ihrer Stellungnahme vom 3. Oktober 2013 (Urk. 8/193) bestätigt.
In objektiver Hinsicht fällt dabei insbesondere ins Gewicht, dass diese
d
ie
wesentlichen
Nachteil
e
,
namentlich die Tatsache,
dass pannensichere Reifen schwerer
und deren Auflagefläche höher seien
,
bestätigte
(Urk. 8/193/2).
Ungeachtet des Umstands, dass aufgrund des Gesamtgewichts (Rollstuhl mit Fahrer) die Reifen nur unwesentlich schwerer s
ind
, ist aufgrund des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers
vorliegend
von besonderer Bedeutung, dass sich der Rollwiederstand bei einer Vollgummibereifung erhöh
t
und sich damit die
Handhabung des Rollstuhls
für den Beschwerdeführer verschlechter
t
.
In Anbetracht
der schwindenden Kräfte
(insbesondere
der
Arme)
beim Beschwerdeführer
erscheint
daher
eine
Umrüstung
des
Rollstuhls
auf eine
Vollgummibereifung
als nicht
optimal
.
Hinzu kommt
, dass es dem
Beschwerdeführer
wohl gerade
auch
wegen
des
eingeübten Umgangs mit luftbereiften Rollstühlen
mit Greifreifenbeschichtung
möglich
gewesen
ist
, seine Kräfte einzusparen
und ein
zuteilen
, was
seiner
Erwerbs
tätigkeit
und
Selbständigkeit dienlich gewesen
ist
. Ob ihm dies
auch
mit einer Vollgummibereifung möglich
gewesen
wäre
,
ist anzuzweifeln
.
A
us dem Umstand, dass
Vollgummireifen „annähernd so lauffreudig
“ (vgl. Urk. 8/203) sind
wie Luftreifen
,
kann dies jedenfalls nicht geschlossen werden
.
Es ist daher
davon auszugehen
, dass eine Luftbereifung
des
Rollstuhls
für den Beschwerdeführer
geeigneter
ist
als eine Vollgummibereifung
.
Der Stellungnahme der SAHB vom 3. Oktober 2013 (Urk. 8/193) ist zu entnehmen, dass Luftreifen eher zu Pannen neigen.
Um im Pannenfall optimal reagieren zu können, beantragte der Beschwerdeführer zwei Ersatzräder, wovon er eines zu Hause und das andere im Büro l
agere
. Dies sei unabdingbar, um seine Erwerbsfähigkeit und Selbstversorgung gewährleisten zu können.
Dass der Beschwerdeführer
im Pannenfall
auf zwei Ersatzräder
angewiesen ist,
ist
plausibel und gerade auch Blick auf die etwas höhere Pannenanfälligkeit von Luftreifen
notwendig
.
4.3
Zusammenfassend erscheint
demnach
die
Anschaffung von zwei
Ersatzrädern mit Luftbereifung
aufgrund des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers sowie der Tatsache, dass er mit zwei Ersatzreifen im Pannenfall prompt reagieren
und so seine Erwerbsfähigkeit wie auch Selbständigkeit erhalten kann
,
als eine einfache und zweckmässige Massnahme. Dies führt dazu, dass die Be
schwerdegegnerin die Kosten für
zwei zusätzliche
n
Luftreifen
in der Höhe von
Fr. 1‘443.10 (inklusive Mehrwertsteuer)
zu tragen hat, und damit zur Gutheissung der Beschwerde.
5.
Die Gerichtskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr.
6
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Zudem ist de
m
Beschwerdeführer eine Prozessentschädigung von Fr.
1‘6
00.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzu
sprechen (Art. 61 lit. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
D
er
Einzelrichter erkennt:
1.
In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom
8. Januar 2014
aufgehoben, und es wird festgestellt, dass
der
Beschwerdeführe
r
Anspruch auf Kostenübernahme
für zwei Ersatzräder in der Höhe von
Fr.
1‘443.10
(inklusive Mehrwertsteuer)
hat
.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin
wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine Prozessentschädigung von Fr.
1‘600
.-- (inkl. Barauslagen und MWSt) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Sarah-Maria
Kaisser
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.