# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** ef4e5e2b-06a7-43ef-835e-52d5007694c4
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Die
1974 geborene
X._
war zuletzt vo
m
1
7.
April bis 3
1.
Dezember 2013
in einem
befristeten
50
%
-Pensum
als
Pflegehelferin im
Z._
an
gestellt
(
Urk.
7/16)
. Am
1
2.
Mai 2014 (Eingang
2.
Juni 2014)
meld
ete sie sich unter Hinweis auf
einen
Hypophyse-Trigeminus
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an
(Urk.
7/3
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen
und veran
lasste eine Abklärung im Haushalt (Bericht vom
1
5.
Februar 2016
; Urk.
7/38
). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
7/40,
Urk.
7/44 und
Urk.
7/47
) wies sie das
Leistungsbegehren mit Verfügung vom 3
1.
Oktober 2016
(Urk. 2) ab.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am
2.
Dezember 2016
Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, die Verfügung vom
3
1.
Oktober 2016 sei aufzuheben und es sei die Sache an die
IV-Stelle
zurückzuweisen, damit diese nach erfolgten medizini
schen Abklärungen über ihren Leistungsanspruch neu verfüge.
Am
16. Januar 2017
(Urk.
6
) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom
1
7.
Januar 2017
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
8
).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Ge
burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach
te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
o
der teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsren
te
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisende Ver
fügung vom
3
1.
Oktober 2016
(Urk. 2) damit, dass
k
ein Gesundheitsschaden im Sinne des Invaliditätsgesetzes vorliege. Der Beschwerdeführerin sei es zumutbar, eine berufliche Tätigkeit in einem Teilzeitpensum aufzunehmen. Der Abbruch der bisherigen Erwerbstätigkeiten sei nicht aus gesundheitlichen, sondern aus psychosozialen Gründen erfolgt. Im Haushalt beständen
keine Einschränkun
gen; e
in Gutachten sei nicht erforderlich.
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
sie sei seit November 2013 in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Die Be
schwerdegegnerin habe sich bei ihrem ablehnenden Entscheid lediglich auf
die
Stellungnahme
von med.
pract
.
A._
, Facharzt für Neurologie FMH, vom
Re
gionalen Är
ztlichen Dienst (RAD) gestützt. Dieser habe zunächst eine weitere Abklärung der psychischen Beschwerden empfohlen, anschliessend
jedoch
ein
zig
gestützt auf den - nicht von einer Ärztin verfassten - Haushaltsabklärungs
bericht die psychischen Beschwerden als nicht
schwerwiegend genug
beurteilt.
Auf seine nicht nachvollziehbare Stellungnahme könne nicht abgestellt werden, vielmehr seien weitere Abklärungen durch Fachärzte erforderlich
(S. 4
f.
)
. Bei psychischen
Beschwerden sei es der Abklärungsperson zudem nur bedingt mög
lich, das Ausmass der damit verbundenen Einschränkungen zu erkennen. Auf den Haushaltsbericht könne deshalb nicht ohne Weiteres abgestellt werden
(S. 5).
3.
3.1
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Neurochirurgie, hielt in ihrem Bericht vom 1
4.
August 2014 (
Urk.
7/22/6-8) folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest
(S. 1
; vgl. dazu auch Bericht vom 1
5.
Mai 2014,
Urk.
7/10/3)
:
-
Prolaktinom
der Hypophyse
-
Prolaktinspiegel
vom 2
6.
November 2013: 2
ng
/ml (Norm <25)
-
Dostinex
-Behandlung mit 0.25 mg, 1⁄2 Tb. 2x pro Woche
-
Akute Episode einer Trigeminusneuralgie und Parästhesie links nach Flugrei
se im August 2011, nur kurze Zeit
regredient
unter osteopathischer Behand
lung, jetzt wieder
Akutisation
der Trigeminusneuralgie links, aktuell unter
Lyrica
-Behandlung 25 mg 2x pro Tag
Dazu hielt sie fest,
d
as
Prolaktinom
sei nicht chirurgisch
,
sondern konservativ mit
Dostinex
behandelt worden. Damit sei eine ganz gute
Prolaktinspiegel
-Kontrolle erreicht worden. Als Nebenwirkung der
Dostinex
-Therapie bestehe ein stark depressiver Zustand mit starker Übelkeit und enormer Müdigkeit. Das MRI des Gehirns vom 2
7.
Juni 2013 habe eine total stabile Situation gezeigt und der Tumor sei nicht mehr nachweisbar unter der
Dostinex
-Therapie. Aufgrund der starken Nebenwirkungen sei allenfalls eine Therapiepause indiziert. Falls der Tumor rezidivierend wäre,
werde
eine
Reevaluation
der chirurgischen Indikation zur transnasalen transsphenoidalen Chirurgie
empfohlen. Die Beschwerdeführe
rin sei in ihrer Tätigkeit als Pflegefachfrau seit dem 6. September 2013 zu 100
%
arbeitsunfähig, dies aufgrund einer konstanten Übelkeit mit Erbrechen, Schwindel und Schwäche, der Trigeminusneuralgie links betont und einem auch aus familiären Gründen schweren depressiven Zustand. Die Depressionen hätten seit dem Autounfall ihres Sohnes zugenommen. Ein psychiatrisches Konzil
wäre hilfreich,
um zu analysieren, ob die Depression mit der
Dostinex
-Therapie in Beziehung stehe. Als
Fachärztin für Neurochirurgie
sei sie
nicht auf psychische Krankheiten spez
ialisiert (S. 1-3)
.
Am 1
1.
Mai 2015 berichtete
Dr.
B._
zur aktuellen Situation, dass die Beschwerdeführerin mit
Dostinex
1⁄2 Tabl
ette
2x
pro Woche gut eingestellt sei, aber weiterhin unter einem depressiven Zustand leide (
Urk.
7/28).
3.2
Med.
pract
.
C._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, welche die Beschwerdeführerin seit 2
3.
September 2014 behandelte, nannte im Bericht vom
2.
Dezember (wohl 2014;
Urk.
7/22/2-8) als Diagnosen eine Anpassungsstörung
mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F43.21) vor dem Hintergrund psycho
sozialer Belastungen sowie einen Verdacht auf somatoforme Störung (ICD-10 F45.4); als Differenzialdiagnose nannte sie eine beginnende Somatisierungsstö
rung. Sie habe die Beschwerdeführerin bis 3
0.
November 2014 krankgeschrie
ben. Med.
pract
.
C._
wies auf die medikamentöse Behandlung durch
Dr.
B._
hin und bescheinigte aktuell eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
. Aus psychiatrischer Sicht sollte mindestens eine Teilarbeitsfähigkeit wieder möglich sein, Arbeitsversuche mit 20-40
%
seien als Wiedereinstieg an
zustreben.
3.3
Seit 1
8.
Juni 2015 stand die Beschwerdeführerin in Behandlung bei med.
pract
.
D._
, FMH für Psychiatrie und Psychotherapie
. Diese
stellte in ihrem Bericht vom 2
4.
Juli 2015
(
Urk.
7/32
) folgende psychiatrische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1):
-
Posttraumatische Belastungsstörung (Komplextraumatisierung) seit ungefähr 15 Jahren
Dazu führte sie aus, die Beschwerdeführerin stehe seit 1
8.
Juni 2015 in ihrer Behandlung, dies 1-2
mal
wöchentlich.
Sie
sei ihm Kosovo aufgewachsen und ihre Familie von den Serben schikaniert worden.
Ihr Vater sei Alkoholiker ge
wesen und habe die Familie tyrannisiert, ihre Mutter habe unter Depressionen gelitten. Zu Beginn des Kosovokrieges in den 90er-Jahren sei sie während eines Urlaubaufenthaltes während einer Busfahrt mit den anderen Passagieren als Geisel genommen worden, seitdem schlafe sie kaum noch, sei nervös und stän
dig erschöpft. Sie habe immer sehr viel gearbeitet, leide aber seit 15 Jahren un
ter immer wiederkehrenden Ängsten und Depressionen, Erschöpfungszuständen und Konzentrationsschwierigkeiten. Ihr Sohn habe 2010 (wohl im September 2013; vgl.
Urk.
7/10/9
und
Urk.
7/22/2
) einen schweren Unfall erlitten und sie habe ihn lange pflegen müssen. Dabei sei sie beruflich und familiär stark über
fordert gewesen und habe einen Nervenzusammenbruch erlitten. Seitdem könne sie keine kranken Kinder mehr pflegen, die Konfrontation mit Krankheit und Tod löse bei ihr Panik aus. Ein grosser Anteil der Symptomatik könne möglich
erweise auch auf das
Prolaktinom
zurückgeführt werden (S. 2).
Sie
sei zu 100
%
arbeitsunfähig (S. 3).
3.
4
Med.
pract
.
A._
vom RAD hielt in seiner Stellungnahme vom 2
3.
Mai 2016 (
Urk.
7/39/6
) fest, gestützt auf die sehr ausführliche Berichterstattung im Haus
halt
s
abklärungsbericht
vom 1
5.
Februar 2016 (
Urk.
7/38)
werde erkennbar, dass im Haushalt keine Einschränkungen bestehen würden. Die Beschwerdeführerin sei zudem
immer wieder erwerbstätig gewesen. Der Abbruch der Tätigkeiten sei nicht aus erkennbar gesundheitlichen Gründen erfolgt, sondern beispielsweise aufgrund des Unfalls des Sohnes im Jahr
e
2010
und später aus Gründen der mangelnden Qualifikation beziehungsweise Motivation
.
Die in den Akten ge
nannten Diagnosen
seien somit nicht als schwerwiegend genug anzusehen, um der Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit zumindest in einem Teilpensum von 50
%
entgegen zu stehen. Für die Symptomatik und den Verlauf
sei
es unty
pisch, dass ein
Hypophysentumor
, eine Anpassungsstörung und eine Trigemi
nusneuralgie eine berufliche Tätigkeit für mehrere Monate ermöglichen würden und dann schlagartig wieder nicht, da die Beschwerden im Rahmen der genann
ten Diagnosen nicht wellenförmig
aufträten
. Ein Gesundheitsschaden sei damit nicht ausgewiesen.
4
.
4
.1
4
.1.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei ihrer leistungsabweisenden Verfügung vom 3
1.
Oktober 2016 (Urk. 2)
allein
auf die Stellungnahme ihres RAD-Arztes med.
pract
.
A._
vom 2
3.
Mai 2016 (E
. 3.3
hievor
).
4
.1.2
Die
RAD
stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Vorausset
zungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invaliden
versicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgaben
bereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der Verordnung über die Inva
lidenversicherung (IVV)
beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden ha
ben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere An
sicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundes
gerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem ex
terner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifika
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis ver
sicherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehö
ren – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverläs
sigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
Aus dem Grundsatz der Waffengleichheit folgt das Recht der versicherten Per
son, mittels eigener Beweismittel die Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärzt
lichen Feststellungen der versicherungsinternen Fachpersonen in Zweifel zu ziehen. Diese von der versicherten Person eingereichten Beweismittel stammen
regelmässig
von behandelnden Ärzten oder von anderen medizini
schen Fach
personen, die in einem auftragsrechtlichen Verhältnis zur versi
cherten Person stehen. Aufgrund der Erfahrungstatsache, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen, wird im Streitfall eine direkte
Leistungszusprache
ein
zig gestützt auf die Angaben der behandeln
den Ärzte jedoch kaum je in Frage kommen (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.5).
4.1.3
In
den Ziffern
6.1-6.6 des
Haushaltsabklärungsbericht
s
vom 1
5.
Februar 2016
(Urk.
7/38)
erfolgte die Angabe einer 0%igen Einschränkung
im jeweiligen Haushaltsbereich stets
mit der Anmerkung beziehungsweise Begründung:
„RAD Beurteilung AUF/EUF ausstehend“ (S. 7 f.).
Der Bericht wurde zudem mit der Bemerkung versehen
„wurde verfrüht ins
Elar
übernommen, Einschränkung im HH wurde noch nicht festgelegt. Wiedervorlage an den AD nach RAD Stellung
nahme“
(S. 1)
. Eine Wiedervorlage erfolgte jedoch nicht.
Der
Stellungnahme von med.
pract
.
A._
, welcher unter anderem gestützt auf die Berichterstat
tung der
Abklärungsperson und der gemäss seinen Ausführungen daraus er
kennbaren 0%igen Einschränkung im Haushalt von
einem fehlenden
Gesund
heitsschaden ausging,
kann
bereits aus diesem Grund nicht
gefolgt werden
.
Der Sohn der Beschwerdeführerin hatte zudem im September 2013 seinen schweren Unfall
und
der Abbruch der Tätigkeit als Pflegehelferin erfolgte nicht aus Grün
den der mangelnden Qualifikation beziehungsweise Motivation
, sondern wegen der Stellenbefristung (
Urk.
7/16/1)
.
Die vom RAD-Arzt genannte Diagnose einer Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion, welche seiner Ansicht nach nicht schwerwiegend genug sei, um zumindest einer Teilzeittätigkeit ent
gegen zu stehen, stützte sich
überdies
nicht auf den aktuellsten psychiatrischen Bericht (vgl. E. 3.
3
hievor
)
,
worin med.
pract
.
D._
von einer posttraumati
schen Belastungsstörung sprach, welche der RAD-Arzt ausser Acht liess. Dieser legte auch nicht dar, weshalb die von den behandelnden Ärzten bescheinigte ganze (E. 3.3) beziehungsweise teilweise (E. 3.2) Arbeitsunfähigkeit nicht zu be
rücksichtigen ist.
Zu
den geltend gemachten psychischen Beschwerden
ist
zudem
einerseits
fest
zuhalten, dass der RAD-Arzt als Facharzt für Neurologie nicht über die notwen
digen fachlichen Qualifikationen für die Beurteilung einer aus psychischen Gründen allfällig eingeschränkten Arbeitsfähigkeit verfügt.
Andererseits
sind gemäss der nunmehr geltenden Rechtsprechung alle psychischen Erkrankungen im Hinblick auf ihre Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit den somatoformen Schmerzstörungen und vergleichbaren psychosomatischen Lei
den gleich zu stellen (
BGE 143 V 409
E. 4.5.1). Mithin sind grundsätzlich sämt
liche psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen.
Den psychischen Beschwerden kann damit nicht von
v
ornherein eine invalidisierende Wirkung abgesprochen werden.
Die vor
handenen medizinischen Beurteilungen erweisen sich als zu wenig aussagekräf
tig, um die Auswirkungen der diagnostizierten Leiden auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin anhand der Standardindikatoren einschätzen zu kön
nen. Die in der RAD-Stellungnahme festgehaltene mindestens 50%ige Arbeits
fähigkeit
wie auch das Verneinen eines Gesundheitsschadens können daher
nicht nachvollzogen werden.
4
.1.
4
Zwar können RAD-Stellungnahmen nicht einfach
immer dann in Frage ge
stellt werden, wenn die behandelnden Ärzte eine abweichende Meinung zur Arbeits
unfähigkeit
äussern
(vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_668/2015 vom 17. Februar 2016 E. 3). Jedoch ist
wie bereits dargelegt auf einen RAD-Bericht nicht abzustellen, wenn – wie hier - auch nur geringe Zweifel an dessen Zuver
lässigkeit und Schlüssigkeit bestehen.
4
.2
Obwohl
Dr.
B._
lediglich Diagnosen ohne Auswirkung auf die Ar
beitsfähigkeit stellte, ist die Beschwerdeführerin ihrer Ansicht nach in
der
ange
stammten Tätigkeit nicht mehr arbeitsfähig
(E. 3.1
hievor
)
. Zu einer Arbeitsfä
higkeit in einer den Beschwerden angepassten Tätigkeit machte sie keine Anga
ben. Die Beschwerdeführerin ist
n
ach anfänglichen Nebenwirkungen aufgrund der
Dostinex
-Therapie
inzwischen
in somatischer Hinsicht
gut auf das Medika
ment eingestellt (Bericht vom 1
1.
Mai 2015; E. 3
.1
hievor
)
.
Allerdings
schloss
Dr.
B._
nicht aus, dass die Nebenwirkungen der Medikamente den psychischen Gesundheitszustand beeinträchtigen könnten, was sie aber als Neu
rochirurgin nicht zu beurteilen vermochte. Der RAD-Arzt hat dies nicht berück
sichtigt, obwohl med.
pract
.
C._
diese Medikation vermerkt und in diesem Zusammenhang eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
attestiert hatte.
Gemäss der
zuletzt
behandelnde
n
Psychiaterin
ist die Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit als Pflegehelferin nicht mehr arbeitsfähig
(E. 3.
3
hievor
)
. Seit dem Unfall ihres Sohnes löse die Konfrontation mit Krankheit und Tod bei ihr Panik aus. Weshalb
dies auch die Arbeitsfähigkeit in einer angepass
ten Tätigkeit beeinträchtigen sollte, begründete sie jedoch nicht. Aus ihrem Be
richt ist zudem nicht
ersichtlich
, ob sie die Arbeitsfähigkeit einzig aus psychi
schen oder auch aus fachfremden Gründen als eingeschränkt erachtete
. Immer
hin besteht
ihrer Ansicht nach die Möglichkeit, dass ein grosser Anteil der Symptomatik auf das
Prolaktinom
zurückzuführen ist. Den Akten sind zudem
verschiedene
psychosoziale Belastungsfaktoren zu entnehmen, auf welche auch
Dr.
B._
mehrfach
hinwies (
Autounfall des Sohnes
sowie dessen Weigerung, eine Ausbildung zu absolvieren
, Tod mehrerer nahestehender Per
sonen,
kranke und mittellose Eltern in der Heimat;
Urk.
7/10/6
f.,
Urk.
7/21/2
-4 und
Urk.
7/22/2
f.
).
Solche Faktoren können ein Argument gegen das Vorliegen eines rechtlich relevanten invalidisierenden Gesundheitsschadens sein. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern med.
pract
.
D._
diese bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit mitberücksichtigte.
Auch die
Bericht
e
der behandelnden Fach
personen sind damit nicht
durchwegs nachvollziehbar
, beziehungsweise in Be
zug auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit diskrepant
.
4
.
3
Nach dem Gesagten kann aufgrund der Akten nicht mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit festgelegt werden, in welchem Umfang die
Beschwerdeführerin arbeitsfähig ist. Angesichts des Verzichts der Beschwerdegegnerin auf eine ex
terne Begutachtung im
Rahmen des Verwaltungsverfahrens rechtfertigt sich ei
ne gerichtliche Be
gutachtung nicht. Der angefochtene Entscheid ist
deshalb
auf
zuhe
ben und die Sache zur Abklärung
und
anschliessend
em neuen Entscheid
über die
Leistungsa
nsprüche der Beschwerdeführerin an die Be
schwerdegegnerin
zurückzuweisen
.
5.
Wie bereits dargelegt,
wurde der
Haushaltsabklärungsbericht
(
Urk.
7/38)
ver
früht in das ELAR übernommen,
ohne dass eine allfällige Einschränkung im Haushalt festgelegt worden wäre
(E. 4.1.3
hievor
)
.
Die Beschwerdegegnerin wird
deshalb auch die
im Aufgabenbereich bestehenden
Einschränkungen
weiter
ab
zuklären haben.
Es stehen nach dem Gesagten auch psychische Beeinträchti
gungen im Raum, die gegebenenfalls mittels entsprechender ärztlicher Beurtei
lung in Einklang zu bringen sind mit den Ergebnissen der
Abklärung vor Ort
. Dabei wird allenfalls zu berücksichtigen sein, dass
es der Abklärungsperson re
gelmässig nur beschränkt möglich ist, das Ausmass des psychischen Leidens und der damit verbundenen Einschränkungen zu erkennen (Urteile des Bundes
gerichts
8C_817/2013 vom 28. Mai 2014 E. 5.1,
9C_986/2009 vom 11. November 2010 E. 7.2 und 9C_631/2009 vom 2. Dezember 2009 E. 5.1.2, je mit Hinweisen).
Die im Zusammenhang mit der Statusfrage
festgehaltene hypothetische Er
werbstätigkeit von 50
%
im Gesundheitsfall wurde
hingegen nachvollziehbar begründet
und
von der Beschwerdeführerin nicht bestritten.
Davon wird weiter
hin auszugehen sein.
6.
6.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57). Die Kosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind er
messensweise
auf Fr.
6
00.-- festzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
6.2
Die Prozessentschädigung ist gemäss Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§ 34
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
– ohne Rücksicht
auf den Streitwert – nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens zu bemessen.
Unter Berücksichtigung der vorgenannten Bemessungskriterien ist die Prozessentschädigung auf Fr. 1‘
2
00.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzu
setzen.