# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** aedfb6ab-061f-4dda-8769-096644bcf89a
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend versuchte sexuelle Handlungen mit Kindern etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom 24. November 2020 (GG200178)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 10. August
2020 (Urk. D1/17) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 31 S. 23 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist nicht schuldig der versuchten sexuellen Handlungen mit einem Kind,
der harten Pornografie sowie des Konsums von harter Pornografie und wird vollumfänglich
freigesprochen.
2. Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz; die übrigen Kosten werden auf die Gerichtskasse
genommen.
3. Über die Höhe der Entschädigung der amtlichen Verteidigung wird mit separater Verfügung
entschieden.
4. Dem Beschuldigten wird für einen Tag zu Unrecht erlittene Haft eine Entschädigung von
Fr. 100.– aus der Gerichtskasse zugesprochen.
5. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 23. März 2020 be-
schlagnahmte Mobiltelefon Marke Samsung, Modell Galaxy 8, wird eingezogen und der zu-
ständigen Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen.
6. Der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 23. März 2020 be-
schlagnahmte Laptop, Marke Polaroid, ist dem Beschuldigten auf erstes Verlangen auszu-
händigen.
7. [Mitteilung]
8. [Rechtsmittel]"
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Berufungsanträge:
a) Der Staatsanwaltschaft (Urk. 43 S. 1 und 2):
1. Schuldigsprechung von A._ der versuchten sexuellen Handlungen mit
einem Kind im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22
Abs. 1 StGB sowie der harten Pornographie im Sinne von Art. 197 Abs. 4
Satz 2 StGB (Urteilsdispositiv-Ziff. 1).
2. Bestrafung mit einer Freiheitsstrafe von 8 Monaten.
3. Gewährung des bedingten Strafvollzuges der Freiheitsstrafe unter Anset-
zung einer Probezeit von 2 Jahren.
4. Anordnung einer Landesverweisung von 7 Jahren.
5. Anordnung eines lebenslänglichen Tätigkeitsverbots im Sinne von Art. 67
Abs. 3 StGB.
6. Kostenauflage auf den Beschuldigten.
b) Des Beschuldigten (Urk. 44 S. 1):
1. Die Berufung der Berufungsklägerin sei vollumfänglich abzuweisen, das Ur-
teil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abt., vom 24. November 2020 sei zu
bestätigen.
2. Die Kosten des Verfahrens sowie der amtlichen Verteidigung seien vollum-
fänglich auf die Staatskasse zu nehmen.
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## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Ver-
meidung von Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz im
angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 31 S. 3 f. E. I.).
1.2. Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom
24. November 2020 wurde der Beschuldigte vollumfänglich freigesprochen. Ge-
gen dieses Urteil meldete die Staatsanwaltschaft fristgemäss Berufung an
(Urk. 25). Mit Verfügung vom 26. Januar 2021 wurde die amtliche Verteidigerin
des Beschuldigten für ihre Aufwendungen im Vorverfahren und vor Vorinstanz mit
Fr. 5'954.-- aus der Gerichtskasse entschädigt (Urk. 27). Ihr begründetes Urteil
versandte die Vorinstanz am 8. Februar 2021 (Urk. 30/1-2).
1.3. Innert Frist erklärte die Staatsanwaltschaft mit Eingabe vom 10. Februar
2021 Berufung (Urk. 32). Mit Verfügung vom 24. Februar 2021 ging die Beru-
fungserklärung an den Beschuldigten und wurde diesem Frist angesetzt, um zu
erklären, ob Anschlussberufung erhoben wird oder um ein Nichteintreten auf die
Berufung zu beantragen (Urk. 35). Mit Eingabe vom 3. März 2021 verzichtete der
Beschuldigte auf eine Anschlussberufung und beantragte die Bestätigung des
vorinstanzlichen Urteils (Urk. 37).
1.4. Zur Berufungsverhandlung vom 20. September 2021 erschienen der
Beschuldigte in Begleitung seiner amtlichen Verteidigerin, Rechtsanwältin Dr. iur.
X._, sowie Staatsanwalt lic. iur. A. Kaegi als Vertreter der Anklagebehörde
(Prot. II S. 3).
2. Umfang der Berufung
Die Berufung der Staatsanwaltschaft richtet sich teilweise gegen die Dispositiv-
Ziffer 1 (betreffend die Vorwürfe der versuchten sexuellen Handlungen mit einem
Kind und der harten Pornografie) sowie gegen die Dispositiv-Ziffern 2 (Kostenfol-
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ge) und 4 (Entschädigung des Beschuldigten für erlittene Haft). Dementsprechend
ist das vorinstanzliche Urteil in den Dispositiv-Ziffern 1 (betreffend den Vorwurf
des Konsums von harter Pornografie), 3, 5 und 6 in Rechtskraft erwachsen (Urk.
32; Prot. II S. 4). Dies ist vorab mittels Beschluss festzustellen (Art. 404 Abs. 1
StPO).
3. Formelles
Soweit für die tatsächliche und rechtliche Würdigung des eingeklagten Sachver-
haltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies in
Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne dass dies jeweils explizit Erwäh-
nung findet. Weiter ist an dieser Stelle festzuhalten, dass aus dem Anspruch auf
rechtliches Gehör die Pflicht des Gerichts folgt, seinen Entscheid zu begründen.
Die Begründung muss kurz die wesentlichen Überlegungen nennen, von denen
sich das Gericht hat leiten lassen und auf die es seinen Entscheid stützt. Es darf
sich aber auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken und muss sich nicht
ausdrücklich mit jeder tatsächlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand
auseinandersetzen und diese widerlegen. Es kann sich mithin auf die für den Ent-
scheid wesentlichen Punkte beschränken. Ein unverhältnismässiger Motivations-
aufwand kann nicht eingefordert werden. Ebenso wenig lässt sich Art. 6 Ziff. 1
EMRK in der Weise auslegen, dass eine detaillierte Antwort auf jedes Argument
gefordert würde (vgl. dazu statt Weiterer Urteil des Bundesgerichts 6B_689/2019
vom 25. Oktober 2019, E. 1.5.2., mit Hinweisen).
II. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
1. Anklagevorwurf
1.1. Gemäss Anklageziffer 1.1 wird dem Beschuldigten vorgeworfen, was folgt:
Vom 11. September 2019 bis 7. Oktober 2019 habe er an seinem Wohnort an der
B._-ring ... in Zürich auf seinem Mobiltelefon über die App "C._" unter
dem Pseudonym "D._" mit der vermeintlich 14-jährigen "E._", wobei es
sich tatsächlich um einen verdeckten Vorermittler der Stadtpolizei Zürich gehan-
delt habe, gechattet. In diesem Chat habe der Beschuldigte am 11. September
2019 "E._" von sich aus angesprochen und ihr über die App "C._" mehr-
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fach Nachrichten geschrieben, wobei er insistiert habe, obschon "E._" ihm
nicht oder nur knapp zurückgeschrieben habe. Dabei habe der Beschuldigte
"E._" geschrieben, wie es ihr gehe, dass er sie treffen wolle, dass er ihr
Freund werden wolle, dass er sie schön finde, und ob sie Geld wolle. "E._"
habe dem Beschuldigten bereits am Anfang (19. September 2019) geschrieben,
dass sie erst 14 Jahre alt sei. Der Beschuldigte sei fortgefahren, "E._" unun-
terbrochen zu schreiben, dass er sie treffen wolle, habe Vorschläge gemacht, was
sie unternehmen könnten, habe ihr Fr. 100.-- oder so viel Geld, wie sie wolle, an-
geboten und habe insistiert, dass sie ihm gefalle, er sie vermisse und sie liebe.
Weiter habe der Beschuldigte "E._" am 22. September 2019 geschrieben,
dass es kein Problem sei, dass sie 14 Jahre alt sei. Er sei bereit für alles, was sie
wolle. Dann habe er ihr geschrieben, dass er einen Kuss möchte und ihr Fr. 100.--
zahle. Schliesslich habe der Beschuldigte "E._" am 26. September 2019 ge-
fragt, ob sie Sex möge, und ob sie Sex suche und habe wieder insistiert, dass er
ihr dafür Fr. 100.-- oder Fr. 150.-- gebe (Nachrichten vom 2. Oktober 2019). Als
der Beschuldigte am 7. Oktober 2019, ca. 07.30 Uhr, "E._" gefragt habe, wa-
rum sie ihm nicht zurückschreibe, habe "E._" geantwortet, dass sie ihn "doof'
finde, weil er kein Deutsch könne und sie habe ihm auch geschrieben, dass dies
bedeute, dass er ihr nicht gefalle. Der Beschuldigte habe am gleichen Tag wiede-
rum geschrieben, dass er ein Treffen wolle, und dass er Geld zahle. Sodann habe
er "E._" gefragt, ob sie seine Freundin sein wolle, oder ob sie Sex mit ihm
wolle und habe auf Rückfrage bestätigt, dass er Sex mit "E._" wolle. Als
"E._" dem Beschuldigten geschrieben habe, dass Sex mit ihr verboten sei,
weil sie noch nicht 16 Jahre alt sei, habe der Beschuldigte mit "Kuss", und dass
Küssen nicht verboten sei und er einen Kuss wolle, geantwortet. Dies sei von
"E._" abgelehnt worden, worauf der Beschuldigte geschrieben habe, er wolle
Sex und bezahle dafür Fr. 100..-- Als "E._" gefragt habe, ob ihm egal sei,
dass das verboten sei, habe der Beschuldigte dies bejaht und den von ihm ange-
botenen Betrag auf Fr. 125.-- erhöht. Schliesslich habe "E._" eingewilligt,
den Beschuldigten zu treffen und sie hätten vereinbart, sich am 7. Oktober 2019,
09.30 Uhr, am Zürcher Hauptbahnhof zu treffen, wo der Beschuldigte erschienen
sei und sodann verhaftet worden sei. Der Beschuldigte habe dabei im Bewusst-
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sein bzw. in der Vorstellung, dass es sich bei "E._" um ein 14-jähriges Mäd-
chen, mithin um ein Kind im Schutzalter handelte, gehandelt und er habe sich mit
ihr in der Absicht, die im Chat beschriebenen Handlungen vorzunehmen, konkret
Geschlechtsverkehr zu haben und sich zu küssen, getroffen. Zu diesem Zweck
habe der Beschuldigte "E._" auch gefragt, ob sie zu ihm komme, oder ob sie
zu ihr gingen. Weiter habe der Beschuldigte dem vermeintlich 14-jährigen Mäd-
chen explizit Geld für sexuelle Handlungen angeboten. Dabei habe er gewusst,
dass die Vornahme sexueller Handlungen mit einem Kind von unter 16 Jahren
verboten ist, zumal ihn "E._" auch explizit darauf hingewiesen habe
(Urk. D1/17 S. 2 f.).
1.2. Weiter wird dem Beschuldigten gemäss Anklageziffer 1.2 vorgeworfen,
dass sich in der Zeit zwischen ca. 20. Januar 2018 bis zu dessen Verhaftung am
7. Oktober 2020 aufgrund seiner Internetstellungen mindestens acht Bildauf-
nahmen, welche sexuelle Handlungen zwischen Menschen, überwiegend er-
wachsenen Frauen, und Tieren, wie Hunden, Pferde, Schweine und Esel, beim
analen und vaginalen Geschlechtsverkehr zeigten und mindestens ein Bild, bei
welchem ein Mädchen, welches sich offensichtlich im Schutzalter befinde, vaginal
penetriert werde, im Hintergrund in den Cache seines Mobiltelefons geladen hät-
ten, welche der Beschuldigte dort belassen habe, ohne diesen temporären Inter-
netspeicher zu löschen. Dabei sei dem Beschuldigten bekannt gewesen, wie es
allgemein bekannt sei, dass es sich bei sexuellen Handlungen zwischen Erwach-
senen und Kindern bzw. zwischen Erwachsenen und Tieren, um verbotenes
Bildmaterial handle, und er habe im Bewusstsein um deren Inhalte gehandelt.
Weiter sei dem Beschuldigten bekannt gewesen, wie es ebenfalls allgemein be-
kannt sei, dass Bilder beim Konsum in den temporären Internetspeicher geladen
und dort verbleiben würden, wenn die Interneteinstellungen nicht geändert wür-
den bzw. der Cache nicht gelöscht werde (Urk. D1/17 S. 3. f.).
2. Anklagesachverhalt 1.1
2.1. Dieser Anklagevorwurf wird vom Beschuldigten, was den äusseren
Sachverhalt betrifft, anerkannt (Prot. II. S. 8), er macht jedoch – zusammenge-
fasst – geltend, er habe in der App "C._" nach einer Frau gesucht, welche
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seiner Frau die deutsche Sprache beibringen würde, wie er es bereits früher ein-
mal gemacht habe. Seine Chatnachrichten an "E._" rührten daher, dass er
sie getestet habe, ob sie "gut" (im Sinne von seriös) oder "schlecht" (im Sinne ei-
ner Frau, die sich anbiete) sei und entsprechend für sein Ansinnen in Frage kä-
me. "E._" habe ihm gegenüber unterschiedliche Angaben in Bezug auf ihr Al-
ter gemacht – 18 (bis 50) Jahre, 16 und 14 Jahre – weshalb er dann aber den
Verdacht gehegt habe, er werde von jemandem veräppelt. Er sei davon ausge-
gangen, dass "E._" ein Mann oder einer seiner Kollegen sei, der sich über
ihn lustig mache. Folglich habe er dann auch "E._" veräppelt. Zum vereinbar-
ten Treffen habe er sich begeben, weil er habe schauen wollen, wer "E._" sei
(Urk. D1/2/1 S. 2 ff.; Urk. D1/2/2 S. 5 ff.; Urk. D1/2/3 S. 7 ff.; Prot. I S. 8 ff.; Urk.
42 S. 5 ff.). Seine Verteidigung liess dazu ergänzend vorbringen, aufgrund seiner
schwachen Deutschkenntnisse und den fehlerbehafteten Übersetzungen der
Chatnachrichten sei der Beschuldigte davon ausgegangen, dass "E._" ihm
gegenüber unterschiedliche Altersangaben gemacht habe. Dass der Beschuldigte
anfänglich angenommen habe, dass "E._" zwischen 18 und 50 Jahre alt sei,
gründe auf deren Profilangaben und den allgemeinen Geschäftsbedingungen der
App "C._", gemäss welchen die Benutzer mindestens 18 Jahre alt sein
müssten. Dass sich der Beschuldigte vor diesem Hintergrund veräppelt gefühlt
habe, erstaune nicht (Prot. II S. 8; Urk. 21 S. 2 f.).
2.2. Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres Freispruchs aus, es bestünden
erhebliche Zweifel am inneren Sachverhalt bzw. Vorsatz des Beschuldigen. Der
verdeckte Vorermittler habe die Unterhaltung vermehrt auf sexuelle Inhalte ge-
lenkt und der Beschuldigte habe angegeben, mit der Absicht gehandelt zu haben,
eine Freundin für seine Frau zu finden, was auch von seiner Frau anlässlich der
Hauptverhandlung bestätigt worden sei. Der Beschuldigte habe erklärt, zu wissen,
dass sexuelle Handlungen mit 14-Jährigen verboten seien und dies nicht tun zu
wollen, da es für einen Moslem und für seine Familie eine Schande sei. Zudem
habe er angegeben, aufgrund seiner schlechten Deutschkenntnisse die Konver-
sation mit "E._" nicht immer verstanden zu haben. Auch würden auf der
Chatplattform oftmals Dinge zum Spass geschrieben, welche nicht der Wahrheit
entsprächen, weshalb er nicht sicher gewesen sei, ob es sei bei "E._" um ei-
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ne Frau oder um einen Mann handelte und wie alt sie sei (Urk. 31 S. 17 E. III.
1.3.3.).
2.3. Der äussere Sachverhalt stützt sich auf die aktenkundigen Chatnachrich-
ten, welche vom 11. September 2019 bis 7. Oktober 2019 zwischen dem Be-
schuldigten und "E._" in der App "C._" ausgetauscht wurden (Urk.
D1/3/1-2), den eigenen Zugaben des Beschuldigten und den Umstand, dass der
Beschuldigte am 7. Oktober 2019, um 09.46 Uhr, am F._ [Strasse] ... in Zü-
rich, d.h. am mit "E._" vereinbarten Treffpunkt, von der Stadtpolizei Zürich
verhaftet wurde (Urk. D1/1; Urk. D1/12/1).
2.4. Die Verteidigung brachte im Berufungsverfahren – sinngemäss – vor, es
sei der polizeiliche Ermittler gewesen, der immer wieder mit sexuellen Andeutun-
gen angefangen habe. Das Mass der Einwirkung des polizeilichen Ermittlers auf
einen allfälligen Tatentschluss sei daher als unzulässig zu qualifizieren (Urk. 44 S.
2; Prot. II S. 10). Der Einsatz des Polizisten als verdeckter Vorermittler war vom
Zwangsmassnahmengericht genehmigt worden (Urk. 8/1-2), was unbestritten ist.
In Bezug auf das Mass der zulässigen Einwirkung ist Art. 293 StPO anzuwenden
(vgl. § 32e Abs. 4 PolG). Es darf keine Tatbereitschaft geweckt werden und die
Tatbereitschaft darf nicht auf schwerere Straftaten gelenkt werden. Der Anstoss
zur Tat muss von der Zielperson selbst ausgehen. Die Einwirkung hat sich auf die
Konkretisierung eines vorhandenen Tatentschlusses zu beschränken und muss
von untergeordneter Bedeutung sein. Ein rollenadäquates Verhalten bzw. Mitwir-
ken ist hingegen zulässig (KNODEL, in: Basler Kommentar StPO, NIGGLI/HEER/
WIPRÄCHTIGER [Hrsg.], 2. Aufl., Basel 2014, Art. 293 N 5 und 7 f.). Wie auch von
der Verteidigung im Berufungsverfahren eingeräumt wurde, suchte der Beschul-
digte hartnäckig den Kontakt zur 14-Jährigen "E._" und trieb die Kommunika-
tion mit ihr unentwegt voran (Prot. II S. 10), wohingegen der polizeiliche Vorermitt-
ler sich auffallend defensiv, über weite Teile hin auch gänzlich passiv, verhielt.
Demgegenüber kann der Darstellung der Verteidigung nicht gefolgt werden, so-
weit diese geltend machte, der polizeiliche Vorermittler habe jeweils mit sexuellen
Andeutungen angefangen. Vielmehr war der Beschuldigte derjenige, welcher ei-
nen sexualisierten Gesprächsinhalt anstrebte, indem er von sich aus und ohne
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ersichtlichen Anlass als Erster die Worte "Kuss" ("Ich möchte einen Kuss") und
"Sex" ("Magst du Sex [...]") verwendete (Urk. D1/3/1 S. 9 und 13). Weiter lud der
Beschuldigte ebenfalls von sich aus und ohne ersichtlichen Anlass "E._"
ausdrücklich zu sich nach Hause ein ("Willst du zu mir nach hause kommen?";
a.a.O. S. 5 und 7) und stellte "E._" für ein Treffen mit ihm eine finanzielle
Gegenleistung in Aussicht (a.a.O. S. 7 und 9 statt Weiterer). Demgegenüber ver-
hielt sich der polizeiliche Vorermittler weitgehend passiv und beschränkte sich da-
rauf, den Beschuldigten zu fragen, was er für die von ihm in Aussicht gestellte
Geldleistung wolle (a.a.O. S. 8.). Erst als der Beschuldigte sexuelle Handlungen
von einiger Intensität andeutete, indem er "E._" zunächst fragte, ob sie "Sex"
möge (a.a.O. S. 13) und etwas später, ob sie "Sex" suche (a.a.O. S. 18) ging der
polizeiliche Vorermittler darauf ein, worauf der Beschuldigte bestätigte, dass er
"Sex" von "E._" wolle (a.a.O. S. 23). Erst zu diesem Zeitpunkt wurde der po-
lizeiliche Vorermittler aktiv und verabredete sich zu "Sex" mit dem Beschuldigten.
Insgesamt ging der polizeiliche Vorermittler auffallend defensiv und differenziert
vor. Es bestehen keinerlei Anhaltspunkte, wonach er den Beschuldigten provo-
ziert hätte. Damit ist die Einwirkung des polizeilichen Ermittlers ohne Weiteres als
zulässig zu erachten.
2.5. Dem Beschuldigten wurden die aktenkundigen Chatnachrichten vorgehal-
ten und er sowie seine Verteidigung erhielten ausreichend Gelegenheit, sich dazu
zu äussern. Zudem wurde der Beschuldigte zu Beginn der ersten Einvernahme
auf sein Aussage- und Mitwirkungsverweigerungsrecht hingewiesen (Urk.D1/2/1
S. 1).
2.6. Insgesamt folgt daraus, dass die Chatnachrichten und die Zugaben des
Beschuldigten, worauf sich der äussere Sachverhalt – nebst dem Umstand, dass
der Beschuldigte am mit "E._" vereinbarten Treffpunkt verhaftet wurde –
stützt, vollständig verwertbar sind. Dies wird im Übrigen vom Beschuldigten auch
nicht in Abrede gestellt. Der eingeklagte äussere Sachverhalt ist damit rechtsge-
nügend erstellt.
2.7. Der vom Beschuldigten bestrittene innere Sachverhalt ist bei der rechtli-
chen Würdigung abzuhandeln.
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3. Anklagesachverhalt 1.2
3.1. Auch dieser Anklagevorwurf wird vom Beschuldigten, was den äusseren
Sachverhalt betrifft, anerkannt (Prot. II S. 8). Er macht jedoch geltend, keine
Kenntnis von den in seinem Handy gespeicherten inkriminierten Bildern gehabt zu
haben (Urk. D1/2/3 S. 2 ff.; Prot. I S. 15 f.; Urk. 42 S. 8 ff.).
3.2. Die Vorinstanz begründet ihren Freispruch auch bezüglich dieses Anklage-
vorwurfs damit, dass sich der innere Sachverhalt bzw. Vorsatz nicht erstellen las-
se. Die nicht widerlegte Behauptung des Beschuldigten, das Handy gebraucht
gekauft zu haben und die diversen von der Verteidigung eingereichten Medienbe-
richte betreffend Viren und Trojanern weckten erhebliche Zweifel am Anklagesa-
chverhalt. Aus der Tatsache, dass die inkriminierten Bilder im Cache gespeichert
gewesen seien, lasse sich nicht ableiten, dass der Beschuldigte die dazugehöri-
gen Videos auch konsumiert habe. Bei ungeübten Computer- bzw. Handybenut-
zern sei zudem nicht leichthin anzunehmen, dass sie Kenntnis von den im Cache
enthaltenen Dateien hätten. Letztlich fehlten die Zeitstempel der Dateien, weshalb
nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden könne, wann sie erstellt bzw. – wenn
überhaupt – konsumiert worden seien (Urk. 31 S. 12 E. 4.2.5. f.).
3.3. Der äussere Sachverhalt stützt sich auf die Ergebnisse der Auswertung
des bei der Verhaftung des Beschuldigten ab ihm sichergestellten Handys und die
eigenen Zugaben des Beschuldigten. Gemäss den Auswertungsergebnissen des
Handys waren am Tag der Verhaftung des Beschuldigten, mithin am 7. Oktober
2019, im Cache seines Handy ein Bild, welches die tatsächliche vaginale Penetra-
tion eines minderjährigen Mädchens durch einen erwachsenen Mann zeigt, und
neun Bilder, welche sexuelle Handlungen zwischen Mensch und Tier zeigen,
gespeichert (Urk. D2/1-2).
3.4. Dem Beschuldigten wurden diese Auswertungsergebnisse vorgehalten und
er sowie seine Verteidigung erhielten ausreichend Gelegenheit, sich dazu zu äus-
sern. Zudem wurde der Beschuldigte zu Beginn der ersten Einvernahme auf sein
Aussage- und Mitwirkungsverweigerungsrecht hingewiesen (Urk. D1/2/3 S. 2).
Die vorliegend relevanten Beweismittel sind folglich vollständig verwertbar. Dies
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wird auch vom Beschuldigten nicht in Abrede gestellt. Der äussere Sachverhalt ist
damit rechtsgenügend erstellt.
3.5. Der vom Beschuldigten bestrittene innere Sachverhalt ist bei der rechtli-
chen Würdigung abzuhandeln.
4. Rechtliche Würdigung
4.1. Anklagesachverhalt 1.1
4.1.1. Gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB macht sich strafbar, wer mit einem Kind unter
16 Jahren eine sexuelle Handlung vornimmt, es zu einer solchen Handlung verlei-
tet oder es in eine sexuelle Handlung einbezieht. Die Vornahme einer sexuellen
Handlung erfordert in jedem Fall einen körperlichen Kontakt mit dem Kind
(BGE 131 IV 103). Vorliegend fehlt es unstrittig am körperlichen Kontakt zwischen
dem Beschuldigten und dem "Kind", womit sich nicht alle objektiven Tatbe-
standsmerkmale verwirklicht haben. Es ist deshalb eine versuchte Tatbegehung
im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB zu prüfen. Ein Versuch kann indes nur vorlie-
gen, wenn der Täter alle subjektiven Tatbestandsmerkmale erfüllt.
4.1.2. In subjektiver Hinsicht ist Vorsatz erforderlich, gerichtet auf sämtliche objek-
tiven Tatbestandsmerkmale, namentlich auch hinsichtlich des Schutzalters des
Opfers. Der Beschuldigte bestreitet, sexuelle Handlungen mit einem vierzehnjäh-
rigen Kind vornehmen haben zu wollen (vgl. dazu vorne unter Ziff. II.2.1.). Soweit
der Beschuldigte vorbringt, er habe eine Frau gesucht, die seiner Frau die deut-
sche Sprache beibringen würde und dies mit mehreren Belegen zu untermauern
versuchte (Urk. 45/2), ist festzuhalten, dass sich daraus lediglich entsprechende
erfolgreiche Bemühungen des Beschuldigten in der Zeit nach der Begehung der
eingeklagten Tat ergeben. Immerhin ergibt sich aus den Aussagen seiner Frau
vor Vorinstanz, dass vor der eingeklagten Tat eine Frau mehrmals die Frau des
Beschuldigten in Deutsch unterrichtet hatte und diese vom Beschuldigten organi-
siert worden war. Der Beschuldigte hatte diese offenbar auf der Strasse kennen-
gelernt (Prot. I S. 19-22). Es kann daher nicht ausgeschlossen werden, dass der
Beschuldigte auch zum Zeitpunkt der eingeklagten Tat auf der Suche nach einer
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Frau war, die seiner Frau die deutsche Sprache beibringen würde. Aber auch
wenn zugunsten des Beschuldigten hiervon auszugehen ist, schliesst dies nicht
aus, dass der Beschuldigte auch auf der Suche nach "Sex" war. Die Suche des
Beschuldigten nach "Sex" ergibt sich denn auch zweifelsfrei aus seinen akten-
kundigen Chatnachrichten an "E._". So gab er "E._" unmissverständlich
zu verstehen, dass er sie küssen (Urk. D1/3/1 S. 9) und mit ihr "Sex" (a.a.O. S. 23
f.) haben wolle und bereit sei, ihr hierfür Geld zu geben. Zudem schlug er
"E._" vor, dass diese zu ihm nach Hause komme (a.a.O. S. 25). Die Chat-
nachrichten des Beschuldigten sind eindeutig sexuell konnotiert. In der Folge ver-
abredete man sich dann auch ausdrücklich zu "Sex" und der Beschuldigte tauchte
am Tatort auf. Anhaltspunkte, wonach der Beschuldigte nicht verstanden hätte, zu
was er sich verabredete, sind keine vorhanden. Im Gegenteil untermauerte er
sein Ansinnen mit zahlreichen Schmeicheleien wie "meine schöne Prinzessin"
(a.a.O. S. 10) oder "Du bist meine kleine Schönheit." (a.a.O. S. 8). Während des
beinahe einen Monat dauernden Kontakts des Beschuldigten mit "E._" war
dagegen nicht einmal ansatzweise die Rede davon, dass er Hilfe für seine Frau
gesucht hätte. Insbesondere lässt sich vor diesem Hintergrund auch aus den Vor-
schlägen des Beschuldigten, man könne zusammen in ein Schwimmbad, Kino
oder in den Zoo gehen, nichts zu seinen Gunsten ableiten. Nicht zuletzt ist zu er-
wähnen, dass der Beschuldigte in der App "C._" zahlreiche weitere weibliche
Nutzer kontaktierte. In keiner einzigen seiner über 200 Chatnachrichten ist die
Rede davon, dass er die Nutzerinnen zur Unterstützung seiner Frau beim Lernen
der deutschen Sprache angeschrieben hätte (Urk. D1/5/1).
4.1.3. Der Beschuldigte bringt vor, er habe "E._" testen wollen, ob sie seriös
sei und damit als Privatlehrerin für seine Frau in Frage komme. "E._" habe
dann unterschiedliche Angaben über ihr Alter gemacht, weshalb er sich veräppelt
gefühlt habe. Er habe den Verdacht gehegt, sie sei ein Mann oder einer seiner
Kollegen, weshalb er sie auch veräppelt habe. Hätte der Beschuldigte "E._"
tatsächlich getestet, hätte sie allerspätestens im Zeitpunkt, als sie in ein Treffen
mit ihm einwilligte, bei welchem es zu sexuellen Handlungen kommen sollte, bei
ihm in Ungnade fallen müssen. Dass sich der Beschuldigte dann jedoch nicht nur
ausdrücklich zu "Sex" mit ihr verabredete, sondern auch noch tatsächlich am Tat-
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ort auftauchte, machen seine Vorbringen unglaubhaft. Die Vorbringen des Be-
schuldigten, wonach er sich veräppelt gefühlt und auch "E._" veräppelt habe,
sind sodann lebensfremd. "E._" machte entgegen den Vorbringen des Be-
schuldigten keinerlei widersprüchliche Altersangaben. Sie schrieb ihm von Anfang
an klar, dass sie 14 Jahre alt sei und bestätigte dies in der Folge mehrmals. Zu-
dem sind die Chatnachrichten von "E._" vollständig humorfrei. Weshalb sich
der Beschuldigte, wie er behauptet, veräppelt fühlte, erhellt daher nicht. Im Übri-
gen wäre irgend eine Reaktion im Chat zu erwarten gewesen, hätte der Beschul-
digte tatsächlich das Gefühl gehabt, zum Narren gehalten zu werden. Der Be-
schuldigte verhielt sich indes "E._" gegenüber durchgehend gleich und
schickte ihr fortwährend sexuell konnotierte Nachrichten. Schliesslich erscheint es
völlig lebensfremd, dass man sich dann noch zum Ort begibt, wohin man durch
die mutmasslich täuschende Person gelockt wurde, wodurch man sich einer zu-
sätzlichen Schmach aussetzen würde. Insgesamt erscheint die Darstellung des
Beschuldigten, wonach er im Kontakt mit "E._" eine Frau gesucht habe, wel-
che seiner Frau die deutsche Sprache beibringen würde, als blosse Schutzbe-
hauptung.
4.1.4. Soweit die Verteidigung vorbrachte, der Beschuldigte habe aufgrund der
allgemeinen Geschäftsbedingungen der App "C._" darauf vertrauen dürfen,
dass "E._" volljährig sei (Urk. 21 S. 2), kann ihr ebenso nicht gefolgt werden
wie der Darstellung des Beschuldigten, wonach er sich nicht sicher gewesen sei,
ob sich bei "E._" um ein 14-jähriges Mädchen handle. Ungeachtet der allge-
meinen Geschäftsbedingungen und der Profilangaben machte "E._" den Be-
schuldigten von Beginn weg mehrmals ausdrücklich und gleichbleibend darauf
aufmerksam, dass sie 14 Jahre alt sei, wobei sie ihr Alter jeweils in Ziffern aus-
drückte. Die Behauptung des Beschuldigten, wonach "E._" ihm geschrieben
habe, dass sie zwischen 18 und 50 Jahre alt sei (Urk. 42 S. 6) ist ebenso akten-
widrig wie jene, dass sie ihm geschrieben habe, sie sei 16 Jahre alt (a.a.O. S. 7).
Vielmehr war es der Beschuldigte, der "E._" in Bezug auf sein Alter anlog,
indem er sich ihr gegenüber 12 Jahre jünger machte (Urk. D1/3/1 S. 22). Der Be-
schuldigte bestätigte sodann ausdrücklich, das Alter von "E._" verstanden zu
haben ("Aber du bist 14 Jahre alt", "Kein Problem"; Urk. D1/3/1 S. 8) und bot ihr
- 15 -
ungeachtet dessen Geld für "Sex" an (a.a.O. S. 23). Auf entsprechende Frage
von "E._" bestätigte er schliesslich, dass ihm egal sei, dass dies verboten ist
(a.a.O. S. 23 f.). Die Darstellung des Beschuldigten, wonach er sich bezüglich des
Alters von "E._" nicht sicher gewesen sei, erscheint daher als blosse
Schutzbehauptung.
4.1.5. Aus dem Gesagten folgt, dass zwar nicht ausgeschlossen werden kann,
dass der Beschuldigte im Zeitraum der eingeklagten Tat eine Frau suchte, die
seiner Frau Deutsch beibringen würde. Von dem gemäss seiner Vorstellung 14-
jährigen Mädchen "E._" wollte er indes zweifelsfrei Küsse und "Sex". Der
subjektive Tatbestand ist damit erfüllt.
4.1.6. Gemäss ständiger Rechtsprechung gehört zur Ausführung der Tat im Sinne
von Art. 22 Abs. 1 StGB jede Tätigkeit, die nach dem Plan, den sich der Täter
gemacht hat, auf dem Weg zur Tatbestandsverwirklichung den letzten entschei-
denden Schritt darstellt, von dem es in der Regel kein Zurück mehr gibt, es sei
denn wegen äusserer Umstände, die eine Weiterverfolgung der Absicht erschwe-
ren oder verunmöglichen (BGE 119 IV 224 E. 2; BGE 114 IV 112 E. 2c/bb, je mit
Hinweisen). Die Schwelle, bei welcher ein Versuch anzunehmen ist und nicht
mehr blosse Vorbereitungshandlungen vorliegen, darf der eigentlichen Tatbege-
hung zeitlich allerdings nicht zu weit vorausgehen (BGE 117 IV 395 E. 3; vgl.
auch BGE 117 IV 369 E. 9-12, S. 383 ff.). Das unmittelbare Ansetzen zur Tatbe-
standsverwirklichung erfordert sowohl in räumlich/örtlicher als auch in zeitlicher
Hinsicht tatnahes Handeln (BGE 131 IV 100, E. 7.2.1.). Bei Anbahnung eines
Treffens zwischen dem Täter und dem vermeintlich minderjährigen Opfer in ei-
nem Chatroom wird die Schwelle des strafbaren Versuchs der sexuellen Hand-
lungen mit einem Kind im Sinne von Art. 187 StGB – in der Regel – damit über-
schritten, dass der zur Tat entschlossene Täter an den vereinbarten Treffpunkt
reist und sich dort einfindet (BGE 131 IV 100, E. 8.2). Allerdings kann das Er-
scheinen des Täters am vereinbarten Treffen mit dem vermeintlichen Kind nicht in
jedem Fall und ohne weiteres schon als Versuch der sexuellen Handlungen mit
einem Kind angesehen werden. Das Erscheinen des Täters am vereinbarten Tref-
fen muss den letzten entscheidenden Schritt auf dem Weg zur Tatbestandsver-
- 16 -
wirklichung darstellen. Bedarf es nach der Zusammenkunft weiterer Vorberei-
tungshandlungen, ist die Schwelle zum Versuch noch nicht überschritten. Bei der
Frage, ob ein Versuch vorliegt, sind die gesamten Umstände des konkreten Ein-
zelfalls zu berücksichtigen (BGE 143 IV 27, E. 5.; Urteil des Bundesgerichts
6B_506/2019 vom 27. August 2019, E. 2.4.).
4.1.7. Der Beschuldigte verabredete sich mit "E._" ausdrücklich zu "Sex" ge-
gen Geld an der Tramhaltestelle F._/Hauptbahnhof in Zürich (Urk. D1/3/1
S. 24 f.). Nicht nur der konkrete Tatplan stand fest, sondern auch der Tatort und
die Tatzeit. "E._" bestätigte ihre Zusage zum Treffen gegenüber dem Be-
schuldigen zudem zusätzlich, indem sie ihr Kommen mehrmals bestätigte und
sich des Kommens des Beschuldigten versicherte (a.a.O. S. 26 f.). Daraus konnte
der Beschuldigte ersehen, dass "E._" bereit war, aus der Anonymität des In-
ternets herauszutreten und mit der vereinbarten Zusammenkunft tatsächlich ein-
verstanden war. Der Beschuldigte seinerseits manifestierte die Absicht zur Vor-
nahme sexueller Handlungen ebenfalls objektiv, indem er die Anonymität des In-
ternets verliess und sich zum vereinbarten Treffen begab. Zudem führte er genü-
gend Geld auf sich, um "E._" für den "Sex" zu bezahlen (Urk. D1/5 S. 5).
Entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 44 S. 1) eignete sich der vereinbarte
Treffpunkt sehr wohl als Tatort, zumal man sich von der Tramhaltestelle
F._/Hauptbahnhof innert wenigen Minuten in eine spärlich frequentierte Gas-
se/Strasse oder auf eine Toilette hätte begeben können. Damit hätte es, wenn
das minderjährige Mädchen tatsächlich zum Treffen erschienen wäre, keiner wei-
teren Vorbereitungshandlungen bedurft und die Tat hätte ungestört ihren Fort-
gang nehmen können und hätte ohne weitere Zwischenschritte unmittelbar in den
tatbestandsmässigen Handlungen gemündet. Das Eintreffen am vereinbarten
Treffpunkt stellte unter diesen Umständen die letzte Teilhandlung vor der eigentli-
chen Ausführung der strafbaren Handlung dar. Die Schwelle zum Versuch ist da-
mit, entgegen den diesbezüglichen Ausführungen der Vorinstanz (Urk. 31 S. 15 f.
E. III.1.2.7.-1.2.10.), überschritten.
4.1.8. Da es sich bei "E._" jedoch nicht um ein Kind, sondern um einen ver-
deckten Vorermittler der Polizei handelte, liegt ein untauglicher Versuch vor.
- 17 -
Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründe liegen keine vor. Damit hat sich
der Beschuldigte der versuchten sexuellen Handlungen mit einem Kind im Sinne
von Art. 187 Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig gemacht.
4.2. Anklagesachverhalt 1.2
4.2.1. Der Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 4 StGB macht sich insbesondere
schuldig, wer pornografische Schriften, Ton- oder Bildaufnahmen, Abbildungen,
andere Gegenstände solcher Art oder Vorführungen, die sexuelle Handlungen mit
Tieren oder mit Gewalttätigkeiten unter Erwachsenen oder tatsächliche oder nicht
tatsächliche sexuelle Handlungen mit Minderjährigen zum Inhalt haben, besitzt.
Der Beschuldigte hat gemäss erstelltem Anklagesachverhalt sowohl ein Bild, wel-
ches tatsächliche sexuelle Handlungen mit einem minderjährigen Mädchen zeigt,
als auch mehrere Bilder, welche sexuelle Handlungen mit Tieren beinhalten, auf
seinem Handy besessen. Dies wird vom Beschuldigten auch nicht bestritten. Der
objektive Tatbestand ist damit erfüllt.
4.2.2. Der subjektive Tatbestand setzt Vorsatz voraus, gerichtet auf den strafba-
ren pornografischen Charakter der Erzeugnisse und den Besitz. Das
Tatbestandselement des Besitzes erfordert Besitz- oder Herrschaftswillen. Diesen
manifestiert, wer um die automatische Speicherung der strafbaren pornografi-
schen Daten weiss und diese beispielsweise im Nachgang an eine Internetsitzung
nicht löscht, auch wenn er darauf nicht mehr zugreift. Die Kenntnis von den im
Cache-Speicher enthaltenen pornografischen Daten ist namentlich bei ungeübten
Computerbenutzern nicht leichthin anzunehmen. Hinweise auf diese Kenntnis
können sich etwas aus vorgenommen Änderungen der automatischen Internet-
Einstellungen, dem Vorhandensein von Programmen wie Cache-Viewer bzw.
Cache-Reader, einer manuellen Löschung eines Cache-Speichers, dem Nach-
weis eines Offline-Zugriffs auf eine Datei im Cache-Speicher oder ganz generell
aus allgemeinen diesbezüglichen Fachkenntnissen ergeben (BGE 137 IV 213 f.).
- 18 -
4.2.3. Der Beschuldigte bestreitet, von den auf seinem Handy gespeicherten
Bildern Kenntnis und damit auch Herrschaftswillen gehabt zu haben. Den im
Recht liegenden Akten lässt sich nicht entnehmen, wann die Bilder auf das Handy
des Beschuldigten heruntergeladen wurden (vgl. Urk. D2/2), zumal die Untersu-
chungsbehörde die entsprechenden Metadaten nicht ausgewertet hat. Im Vorver-
fahren gab der Beschuldigte an, er habe das Handy in gebrauchtem Zustand ge-
kauft (Urk. 2/3 F/A 24). Dies liess er durch seine Verteidigung auch vor Vorinstanz
vorbringen (Urk. 21 S. 5 f.). Im Berufungsverfahren führte der Beschuldigte dage-
gen aus, er habe zwar gedacht, es sei gebraucht, tatsächlich sei es aber neu ge-
wesen. Darauf hätten sich keinerlei Dateien befunden (Urk. 42 S. 9 f.). Dies be-
deutet aber nicht ohne Weiteres, dass das Handy auch fabrikneu war. Das Handy
sah für den Beschuldigten zweifellos neu aus, weil sich aus seiner Sicht keine Da-
teien darauf befanden und es ihm in der Originalschachtel übergeben wurde
(a.a.O. S. 9 f.). Anhaltspunkte, wonach der Beschuldigte über die nötigen Kennt-
nisse verfügt hätte, um ein fabrikneues von einem lediglich neu erscheinenden
Handy, etwa weil die Bilder aus den Bilderalben und andere für den durchschnitt-
lichen Benutzer erkennbare Dateien gelöscht wurden, zu unterscheiden, liegen
hingegen nicht vor. Im Gegenteil kannte sich der Beschuldigte gemäss den ihm
nicht widerlegbaren Aussagen mit Handys nicht aus (Urk. D1/2/3 F/A 27 und 32),
was im Übrigen auch nachvollziehbar erscheint, zumal sich der aus Syrien stam-
mende Beschuldigte im Erwerbszeitpunkt erst seit rund vier Jahren in der
Schweiz befand (Urk. D1/2/3 F/A 20; Urk. D1/9/2 S. 18; Urk. D1/21 S. 5). Zudem
ist zu berücksichtigen, dass er das Handy nicht bei einem hiesigen Händler son-
dern von einer Privatperson erworben hatte (Urk. 42 S. 9). Auch deshalb kann
nicht zuungunsten des Beschuldigten davon ausgegangen werden, dass es fab-
rikneu war. Schliesslich muss aufgrund der damals noch nicht langen Aufent-
haltsdauer in der Schweiz zu Gunsten des Beschuldigten davon ausgegangen
werden, dass er mit dem privaten Kauf von Handys hierzulande noch nicht voll-
ends vertraut war. Aus dem Gesagten ergibt sich insgesamt, dass sich anhand
der vorliegenden Beweise nicht zweifelsfrei erstellen lässt, dass der Beschuldigte
ein fabrikneues Handy erworben hatte. Entsprechend kann auch nicht ausge-
schlossen werden, dass sich die Bilder im Zeitpunkt des Kaufs bereits im Cache
- 19 -
des Handys befanden, weil diese bzw. die dazugehörigen Videodateien vom Vor-
besitzer oder einer anderen Drittperson konsumiert worden waren, womit dem
Beschuldigten auch nicht nachgewiesen werden kann, dass sich die Bilder auf-
grund seines Konsums herunterluden.
4.2.4. Die Verteidigung hält – sinngemäss – dafür, dass der Beschuldigte die
strafbaren Bilder aus dem Cache-Speicher gelöscht hätte, wenn er von deren
Vorhandensein gewusst hätte, zumal es keinen Sinn mache, diese aufzubewah-
ren (Prot. II S. 9). Dem kann nicht gefolgt werden. Personen mit einem Interesse
bzw. mit einer gewissen Neigung für Bildinhalte wie die vorliegenden, konsumie-
ren diese typischerweise wiederholt bzw. regelmässig, weshalb ein Aufbewahren
dieser Bilder durchaus Sinn machen würde. Gemäss der – sinngemässen – Dar-
stellung der Staatsanwaltschaft muss aus dem Umstand, dass der Beschuldigte in
der Lage war, die App "C._" und das Übersetzungsprogramm Google zu be-
dienen, geschlossen werden, dass er von den im Cachespeicher vorhandenen
Bildern Kenntnis hatte (Prot. II S. 6). Dieser Schluss greift indes zu kurz. Gemäss
den dem Beschuldigten nicht widerlegbaren Aussagen hatte er keine Kenntnis
vom Cachespeicher bzw. dass der Verlauf von Internetsuchen darin automatisch
gespeichert wird. Diesbezüglich kannte er sich nicht aus (Urk. D1/2/3 F/A 32 f.).
Dies ist auch nachvollziehbar, zumal allein aus der Fähigkeit zur Bedienung gän-
giger Apps und Übersetzungsprogramme nicht geschlossen werden kann, dass
dem Benutzer auch der Cache und dessen Funktionsweise vertraut war. Gerade
aufgrund der charakteristischen Funktionsweise des Cache – die automatische
Speicherung von Dateien im Hintergrund – darf im Einklang mit der dargelegten
bundesgerichtlichen Rechtsprechung, nicht ohne Weiteres auf das Vorhanden-
sein entsprechender Kenntnisse geschlossen werden. Hinweise im Sinne der
dargelegten bundesgerichtlichen Rechtsprechung, wonach der Beschuldigte ent-
gegen seinen Aussagen über die nötigen Kenntnisse in Bezug auf die Funktions-
weise des Cache verfügt hätte, sind nicht aktenkundig. Entsprechend kann auch
nicht zuungunsten des Beschuldigten davon ausgegangen werden, dass er
Kenntnis von dem im Cache gespeicherten Bildern hatte. Im Übrigen sollen sich
gemäss der Anklage die Bilder aufgrund der Interneteinstellungen des Beschul-
digten im Hintergrund in den Cache seines Handy geladen haben (Urk. D1/17
- 20 -
S. 4), was dafür spricht, dass der Beschuldigte nicht die nötigen Anpassungen
vornahm, um das Herunterladen zu verhindern. Im Umkehrschluss ist dies eben-
falls ein Indiz, dass der Beschuldigte keine Kenntnis von der Funktionsweise des
Cache und den darin gespeicherten Bildern hatte.
4.2.5. Aufgrund des Gesagten lässt sich nicht rechtsgenügend nachweisen, dass
der Beschuldigte Kenntnis von dem im Cache gespeicherten strafbaren Bildern
hatte. Der subjektive Tatbestand muss daher verneint werden. Der Beschuldigte
ist folglich vom Vorwurf der harten Pornografie im Sinne von Art. 197 Abs. 4
Satz 2 StGB freizusprechen.
III. Sanktion und Vollzug
1. Strafzumessung
1.1. Vorbemerkungen
Das Gericht misst die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu, welches nach
der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach
der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters so-
wie danach bestimmt wird, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren
Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden
(Art. 47 StGB; sogenannte Tatkomponente). Dabei umfasst die Tatkomponente
die objektive Tatschwere und die subjektive Tatschwere (vgl. HANS MATHYS, Leit-
faden Strafzumessung, 2. Auflage, Basel 2019, S. 29 ff.). Weiter berücksichtigt
das Gericht bei der Strafzumessung das Vorleben und die persönlichen Verhält-
nisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters (Art. 47 Abs. 1
StGB; sogenannte Täterkomponente). Bei der Wahl der Sanktionsart sind auch
die Zweckmässigkeit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkung auf den Täter
und sein soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen (BGE
134 IV 97 E. 4.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_1027/2019 vom 11. Mai 2020
E. 1.1).
- 21 -
1.2. Strafrahmen
Der Strafrahmen für sexuelle Handlungen mit einem Kind im Sinne von Art. 187
Ziff. 1 StGB ist bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe. Der Strafmilde-
rungsgrund des Versuchs im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB ist innerhalb des
Strafrahmens strafmindernd zu berücksichtigen.
1.3. Objektives und subjektives Tatverschulden
1.3.1. Was das objektive Tatverschulden betrifft, so ist zu berücksichtigen, dass
sich der Beschuldigte mit einem gemäss seiner Vorstellung 14-jährigen Mädchen
zu "Sex" verabredete. Abgemacht waren demnach sexuelle Handlungen von
erheblicher Intensität. Erschwerend fallen weiter die hartnäckige, teils lügenbehaf-
tete Vorgehensweise des Beschuldigten und der Einsatz von Geld sowie der
grosse Altersunterschied ins Gewicht. Zugunsten des Beschuldigten sind die Ein-
willigung des vermeintlichen Opfers und der Umstand zu berücksichtigen, dass
sich dieses vergleichsweise nahe am Schutzalter befand. Die objektive Tatschwe-
re ist insgesamt als nicht mehr leicht zu bezeichnen.
1.3.2. Der Beschuldigte handelte direktvorsätzlich. Entgegen der Ansicht der
Staatsanwaltschaft (Urk. 43 S. 4) ist davon auszugehen, dass die weiteren über
200 Nutzerinnen, die der Beschuldigte in der App "C._" anschrieb, mehrheit-
lich älter als 16 Jahre alt waren (Urk. D1/5/1). Der Beschuldigte hat sich folglich
nicht ausschliesslich bzw. gezielt nur für einen sexuellen Kontakt mit Nutzerinnen
unterhalb des Schutzalters interessiert. In Bezug auf die vorliegende Tat ist das
Motiv des Beschuldigten jedoch klar in der Befriedigung seiner sexuellen Bedürf-
nisse zu ersehen. Beim Beschuldigten ist keine Einschränkung seiner Schuldfä-
higkeit auszumachen. Insgesamt vermag die subjektive Tatschwere die objektive
nicht zu relativieren.
1.3.3. Dass es bei der versuchten Tatbegehung geblieben ist, ist nur leicht
strafmindernd zu werten. Es lag nicht im Einflussbereich des Beschuldigten, dass
es sich beim vermeintlichen Opfer nicht um ein 14-jähriges Mädchen, sondern um
einen verdeckten Vorermittler der Polizei handelte. Der Beschuldigte kehrte sei-
nerseits alles vor, um mit "E._" sexuelle Handlungen vorzunehmen.
- 22 -
1.3.4. Insgesamt erscheint eine Einsatzstrafe von 9 Monaten Freiheitsstrafe dem
Verschulden des Beschuldigten angemessen.
1.4. Täterkomponente
1.4.1. Zu seinen persönlichen Verhältnissen führte der Beschuldigte zusammen-
gefasst Folgendes aus (Urk. 42 S. 2 ff.; Prot. I S. 6 ff., Urk. D1/2/3 S. 8 f. und 15
ff.; Urk. D1/2/2 S. 2 ff.; Urk. D1/2/1 S. 9): Er sei in Syrien geboren und habe dort
bis zur achten Klasse die Schule besucht. Eine Berufsausbildung habe er nicht
gemacht. Er habe im Sanitärbereich gearbeitet und seinen Bruder bei der Füh-
rung seines Kaffeehauses unterstützt. Im Jahre 2014 sei er in die Schweiz ge-
kommen. Er arbeite als Küchenangestellter und verdiene monatlich Fr. 3'320.--
netto. Kinder habe er keine und er lebe mit seiner Frau zusammen. Die Ehe sei in
der Schweiz bisher nicht anerkannt worden. Der Beschuldigte weist keine Vorstra-
fen auf (Urk. 41). Insgesamt lassen sich dem Vorleben, den persönlichen Verhält-
nissen und den Wirkungen der Strafe auf das Leben des Beschuldigten keine
strafzumessungsrelevanten Faktoren entnehmen.
1.4.2. Der Beschuldigte ist zwar in objektiver Hinsicht geständig, allerdings auch
durch die Untersuchung überführt. Subjektiv ist der Beschuldigte nicht geständig.
Insgesamt ist eine nur marginale Strafminderung aufgrund des Geständnisses
vorzunehmen.
1.4.3. Unter Berücksichtigung sämtlicher massgebender Strafzumessungsgründe
erweist sich eine Freiheitsstrafe von 8 Monaten als angemessen. Der Anrechnung
der erstandenen Haft von einem Tag steht nichts entgegen.
2. Vollzug
Die objektive Voraussetzung zur Gewährung des bedingten Vollzugs ist mit einer
Freiheitsstrafe von 8 Monaten gegeben (Art. 42 Abs. 1 StGB). In subjektiver
Hinsicht ist erforderlich, dass der Vollzug nicht notwendig erscheint, um den Täter
von der Begehung weiterer Delikte abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB). Dabei wird
eine günstige Prognose in dieser Beziehung vermutet. Der Beschuldigte ist nicht
vorbestraft und es ist mangels Vorliegens gegenteiliger Anhaltspunkte davon
- 23 -
auszugehen, dass ihn das vorliegende Verfahren genügend beeindruckte, um von
weiterer Delinquenz abzusehen. Der Vollzug der Geldstrafe ist deshalb aufzu-
schieben, und die Dauer der Probezeit ist auf das gesetzliche Minimum von zwei
Jahren (Art. 44 Abs. 1 StGB) anzusetzen.
3. Verbindungsbusse
Mit der Berufungsklärung – wie schon im vorinstanzlichen Verfahren (Urk. D1/17
S. 5) – beantragte die Staatsanwaltschaft nebst der Bestrafung des Beschuldigten
mit einer Freiheitsstrafe von 8 Monaten, dass ihm eine Busse in Höhe von
Fr. 500.-- auferlegt werde (Urk. 32 S. 2 f.). In der Berufungsverhandlung änderte
die Staatsanwaltschaft ihre Anträge insofern ab, als dass sie von ihrem Antrag,
dem Beschuldigten zusätzlich eine Busse aufzuerlegen, absah (Urk. 43 S. 1 f.).
Mit einer Verbindungbusse im Sinne von Art. 42 Abs. 4 StGB soll im Rahmen der
Massendelinquenz die sogenannte "Schnittstellenproblematik" zwischen den –
stets unbedingten – Bussen für Übertretungen und den bedingten Geldstrafen für
Vergehen entschärft werden, indem Art. 42 Abs. 4 StGB eine rechtsgleiche Sank-
tionierung ermöglicht. Die Verbindungsbusse trägt ferner dazu bei, das unter spe-
zial- und generalpräventiven Gesichtspunkten eher geringe Drohpotential der be-
dingten Geldstrafe zu erhöhen. Sie kommt daher insbesondere in Betracht, wenn
dem Täter zusätzlich zur bedingten Grundstrafe ein sofort spürbarer Denkzettel
verpasst werden soll. Die bedingte Strafe und die Verbindungsbusse müssen in
ihrer Summe schuldangemessen sein. Die Strafenkombination (bedingte Geld-
strafe und Verbindungsbusse) darf also zu keiner Straferhöhung führen (vgl.
BGE 134 IV 1, E. 4.5; BGE 134 IV 60, E. 7.2; BGE 135 IV 188 E. 3.3 f.). Vorlie-
gend handelt es sich nicht um ein Massendelikt, bei welchem die Schnittstellen-
problematik zu berücksichtigen wäre. Auch unter spezialpräventiven Gesichts-
punkten drängt sich die Auferlegung einer zusätzlichen Busse nicht auf. Es ist an-
zunehmen, dass sich der Beschuldigte durch die bedingte Freiheitsstrafe und die
weiteren Konsequenzen dieses Strafverfahrens genügend beeindrucken lassen
wird, um sich künftig wohl zu verhalten. Auf die Ausfällung einer Busse ist ent-
sprechend und im Einklang mit den Anträgen der Staatsanwaltschaft zu verzich-
ten.
- 24 -
4. Fazit
Im Ergebnis ist der Beschuldigte mit einer bedingten Freiheitsstrafe von
8 Monaten zu bestrafen. Der Vollzug der Freiheitsstrafe ist aufzuschieben und die
Probezeit auf zwei Jahre anzusetzen.
IV. Landesverweisung
1. Katalogtat
Das Gericht verweist den Ausländer, der zu einer Katalogtat verurteilt wird, unab-
hängig von der Höhe der Strafe für 5-15 Jahre aus der Schweiz (Art. 66a Abs. 1
StGB). Die Landesverweisung ist unabhängig davon anzuordnen, ob es beim
Versuch geblieben ist oder die Strafe bedingt oder unbedingt ausgesprochen
wurde (BGE 144 IV 168 E. 1.4.1) Sexuelle Handlungen mit einem Kind im Sinne
von Art. 187 Ziff. 1 StGB ist eine Katalogtat im Sinne von Art. 66a Abs. 1 lit. h
StGB und hat für den Ausländer die obligatorische Landesverweisung zur Folge.
2. Härtefall
2.1. Von der Landesverweisung kann nur ausnahmsweise abgesehen werden,
wenn sie kumulativ einen "schweren persönlichen Härtefall bewirken würde und
die öffentlichen Interessen an der Landesverweisung gegenüber den privaten In-
teressen des Ausländers am Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen" (Art. 66a
Abs. 2 StGB). Die Härtefallklausel ist restriktiv anzuwenden (BGE 144 IV
332 E. 3.3.1). Ob ein schwerer persönlicher Härtefall im Sinne von Art. 66a Abs. 2
StGB vorliegt, bestimmt sich anhand der gängigen Integrationskriterien. Zu be-
rücksichtigen sind namentlich der Grad der (persönlichen und wirtschaftlichen) In-
tegration, einschliesslich familiärer Bindungen des Ausländers in der Schweiz
bzw. in der Heimat, die Aufenthaltsdauer, der Gesundheitszustand und die Reso-
zialisierungschancen. Ebenso ist der Rückfallgefahr und wiederholter Delinquenz
Rechnung zu tragen (vgl. Art. 31 Abs. 1 der Verordnung vom 24. Oktober 2007
über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit [VZAE; SR 142.201]). Von einem
schweren persönlichen Härtefall ist in der Regel bei einem Eingriff von einer ge-
wissen Tragweite in den Anspruch des Ausländers auf das in Art. 13
- 25 -
BV und Art. 8 EMRK verankerte Recht auf Achtung des Privat- und Familienle-
bens auszugehen. Art. 66a StGB ist EMRK-konform auszulegen. Die Interessen-
abwägung im Rahmen der Härtefallklausel von Art. 66a Abs. 2 StGB hat sich da-
her an der Verhältnismässigkeitsprüfung nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK zu orientieren
(Urteil des Bundesgerichts 6B_1178/2019 vom 10. März 2021, E. 3.2.4. f.
m.w.H.). Nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Men-
schenrechte (EGMR) sind bei der Interessenabwägung im Rahmen von Art. 8
EMRK insbesondere Art sowie Schwere der Straftat, die Dauer des Aufenthalts im
Aufnahmestaat, die seit der Tat verstrichene Zeit sowie das Verhalten des Be-
troffenen in dieser Zeit und der Umfang der sozialen, kulturellen und familiären
Bindungen im Aufnahme- sowie im Heimatstaat zu berücksichtigen (Urteil des
EGMR M.M. gegen Schweiz vom 8. Dezember 2020, Nr. 59006/18, Ziff. 49-51
m.w.H.). Die rechtliche Durchführbarkeit der Landesverweisung so weit zu prüfen,
als sie definitiv bestimmbar ist. Im Übrigen ist dem Non-Refoulement-Gebot und
anderen völkerrechtlich zwingenden Bestimmungen auf der Ebene des Vollzugs
Rechnung zu tragen (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 6B_747/2019 vom 24. Juni
2020 E. 2.1.2). Der Ausländer, welcher sich auf einen schweren persönlichen
Härtefall beruft, hat die Gründe hierfür darzulegen. Insofern wird der geltende Un-
tersuchungsgrundsatz und das Recht, die Mitwirkung zu verweigern, hinsichtlich
der härtefallbegründenden Tatsachen bei der Prüfung eines Härtefalls relativiert
(Urteil des Bundesgerichts 2C_296/2019 vom 31. Juli 2019 E. 3.4 m.w.H.).
2.2. Der Beschuldigte liess diesbezüglich im Berufungsverfahren vorbringen, er
sei nicht vorbestraft, habe in der Schweiz Fuss gefasst und sei wirtschaftlich un-
abhängig. Er bringe sich und seine Frau durch. Zu Beginn habe er keinen
Deutschkurs besucht, weil er viel gearbeitet habe. Jetzt sei er arbeitstechnisch
"gesettelt" und habe genug Geld und Zeit, einen Deutschkurs zu besuchen. Unter
Berücksichtigung der Situation und der Wiedereingliederungsmöglichkeiten in Sy-
rien sei in der Gesamtbetrachtung von einem Härtefall auszugehen (Prot. II S. 10
f.).
2.3. Der Beschuldigte ist Ersttäter und es ist von keiner ungünstigen Legal-
prognose auszugehen. Er ist weder in der Schweiz geboren noch aufgewachsen
- 26 -
und hat den Grossteil seines Lebens in Syrien verbracht. Erst im Jahr 2014 ist er
in die Schweiz migriert. Das Asylgesuch des Beschuldigten wurde abgewiesen,
weil er die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllte. Dem Beschuldigten drohte damals
– wie das Bundesverwaltungsgericht in seinem Urteil vom 26. Februar 2015 er-
wog – in seinem Heimatland persönlich keine Verfolgung (vgl. Urk. 9/2 S. 40 ff.).
Da die Wegweisung aus der Schweiz wegen Unzumutbarkeit nicht vollzogen wer-
den konnte, wurde deren Vollzug zu Gunsten einer vorläufigen Aufnahme aufge-
schoben (Urk. 9/2 S. 27-29 und 31; Urk. D1/2/3 F/A 106). Damit besitzt der Be-
schuldigte als abgewiesener Asylbewerber mit dem Status der vorläufigen Auf-
nahme kein gefestigtes Anwesenheitsrecht und kann ausländerrechtlich jederzeit
unter der Voraussetzung der Zumutbarkeit ausgewiesen werden. Dass die Le-
bensumstände in Syrien aufgrund des Bürgerkrieges gegenwärtig schwierig sind,
ist allgemein bekannt. Anhaltspunkte, wonach der Beschuldigte bei einer Rück-
kehr in seine Heimat inzwischen mit hoher Wahrscheinlichkeit Folter oder un-
menschlicher Behandlung ausgesetzt wäre, liegen jedoch nicht vor und werden
von ihm auch nicht geltend gemacht. Die Landesverweisung ist somit gegenwärtig
rechtlich durchführbar. Die Asylgesuche seiner Eltern wurden ebenfalls abgewie-
sen. Auch sie verfügen demnach über kein Bleiberecht. Lediglich seine in der
Schweiz lebenden Geschwister besitzen offenbar eine B-Bewilligung (Urk. D1/2/3
F/A 103). Indes macht der Beschuldigte in Bezug auf seine Geschwister keine
besondere Beziehung geltend. Der Beschuldigte ist gesund, erwerbsfähig, im
mittleren Alter und beherrscht die Sprache seines Heimatlandes. Weiter ist zu be-
rücksichtigen, dass der Beschuldigte kinderlos ist. Seine ebenfalls aus Syrien
stammende Frau ist erst seit rund vier Jahren in der Schweiz und nicht erwerbstä-
tig. Sie wird zwar von der Asyl-Organisation Zürich (AOZ) unter anderem in der
deutschen Sprache unterrichtet, verfügt jedoch über keine gefestigten Beziehun-
gen zur Schweiz und kann mit dem Beschuldigten jederzeit die Schweiz verlassen
(Urk. D1/2/2 F/A 11 ff.; Urk. D1/2/3 F/A 60 ff. und 112-114; Urk. 21 S. 7 Urk. 42
S. 4; Urk. 45/2). Der Beschuldigte vermag mit seinem Lohn als Küchenangestell-
ter zwar seine Ausgaben zu decken (Urk. 45/3). Mangels Vorliegens aktueller Be-
lege ist hingegen anzunehmen, dass seine Frau nach wie vor vom Sozialamt un-
terstützt wird (Urk. 21 S. 7). Der Beschuldigte spricht kein Deutsch. Er hat erst am
- 27 -
31. August 2021 einen Deutsch-Alphabetisierungskurs in der ...-Schule ... be-
gonnen (Urk. 45/4). Zusammengefasst lässt sich in der aktuellen Situation fest-
stellen, dass der Beschuldigte angesichts der noch nicht langen Aufenthaltsdauer
in der Schweiz, mangels gefestigten Aufenthaltsrechts und fehlender sozialer In-
tegration über keine gefestigte Beziehung zur Schweiz verfügt – eine Verwurze-
lung hat bisher nicht ansatzweise stattgefunden – und gleichzeitig über die per-
sönlichen Voraussetzungen verfügt, die ihm auch unter den aktuell schwierigen
äusseren Bedingungen eine erfolgreiche Wiedereingliederung in die syrische Ge-
sellschaft ermöglichen sollten. Der Vollzug der Landesverweisung ist damit aus
heutiger Sicht zumutbar und verhältnismässig. Dass die Landesverweisung für
den Beschuldigten einen schweren persönlichen Härtefall im Sinne von Art. 66a
Abs. 2 StGB bewirken könnte, ist insgesamt – und entgegen den diesbezüglichen
Ausführungen der Verteidigung (Prot. II S. 10 f.) – zu verneinen. Da sich die politi-
sche Lage in Syrien derzeit als wenig stabil bzw. voraussehbar erweist, hat die
Vollzugsbehörde zum gegebenen Zeitpunkt die tatsächliche Vollstreckbarkeit der
Landesverweisung zu prüfen. Ob die öffentlichen Interessen an der Landesver-
weisung gegenüber den privaten Interessen des Ausländers am Verbleib in der
Schweiz überwiegen (Art. 66a Abs. 2 StGB), ist unter diesen Umständen nicht
weiter zu prüfen. Der Beschuldigte ist entsprechend im Sinne von Art. 66a Abs. 1
lit. h StGB des Landes zu verweisen.
3. Dauer der Landesverweisung
Da der Beschuldigte nicht vorbestraft ist und davon auszugehen ist, dass ihn das
vorliegende Verfahren genügend beeindruckte, auch wenn er sich nicht einsichtig
zeigte, ist ihm keine ungünstige Legalprognose zu attestieren, weshalb es ange-
messen erscheint, die Dauer der Landesverweisung auf die Mindestdauer von
fünf Jahren festzusetzen.
4. Ausschreibung im Schengener Informationssystem (SIS)
Die Ausschreibung der Landesverweisung im SIS wurde von der Staatsanwalt-
schaft nicht beantragt (Urk. 43 S. 1 f.). Sie unterliegt jedoch – wie auch die Lan-
desverweisung selber – nicht dem Anklageprinzip. Spricht das Gericht eine Lan-
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desverweisung aus, muss es bei Drittstaatsangehörigen – unabhängig von einem
entsprechenden Antrag der Staatsanwaltschaft – daher zwingend auch darüber
befinden, ob die Landesverweisung im SIS auszuschreiben ist (Urteil des Bun-
desgerichts 6B_572/2019 vom 8. April 2020, E. 3.2.5. m.w.H.). Ein Drittstaatsan-
gehöriger, der wegen einer Straftat verurteilt worden ist, die mit Freiheitsstrafe
von mindestens einem Jahr bedroht ist (vgl. Art. 24 Ziff. 2 lit. a SIS-II-
Verordnung), oder gegen den ein begründeter Verdacht besteht, dass er schwere
Straftaten begangen hat (vgl. Art. 24 Ziff. 2 lit. b SIS-II-Verordnung), kann in An-
wendung von Art. 24 Ziff. 2 SIS-II-Verordnung im SIS zur Einreise- und Aufent-
haltsverweigerung ausgeschrieben werden, sofern er eine Gefahr für die öffentli-
che Sicherheit oder Ordnung darstellt. Unabhängig von der Voraussetzung von
Art. 24 Ziff. 2 lit. a SIS-II-Verordnung in Bezug auf die abstrakte Strafandrohung
ist daher stets zu prüfen, ob eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit oder Ord-
nung im Sinne von Art 24 Ziff. 2 SIS-II-Verordnung zu bejahen ist. Entscheidend
für die Frage, ob eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung zu beja-
hen ist, sind in erster Linie Art und Häufigkeit der Straftaten, die konkreten Tatum-
stände sowie das übrige Verhalten der betroffenen Person (Urteil des Bundesge-
richts 6B_1178/2019 vom 10. März 2021, E. 4.7.1., 4.7.6. m.w.H.). Einerseits
wiegt die Tat mit Blick auf das Rechtsgut der ungestörten sexuellen Entwicklung
von Kindern, in welches der Beschuldigte einzugreifen versuchte, schwer. Ande-
rerseits ist der Beschuldigte nicht vorbestraft und hat sich seit der Tat bzw. seit
rund zwei Jahren wohl verhalten. Es ist davon auszugehen, dass ihn das vorlie-
gende Strafverfahren genügend beeindruckte, um nicht erneut straffällig zu wer-
den. Insgesamt besteht daher keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit oder
Ordnung, welche die Ausschreibung der Landesverweisung im SIS rechtfertigen
würde. Von der Ausschreibung der Landesverweisung im SIS ist daher abzuse-
hen.
V. Tätigkeitsverbot
1. Wird jemand wegen (versuchter) sexueller Handlungen mit einem Kind im
Sinne von Art. 187 StGB zu einer Strafe verurteilt oder wird deswegen gegen ihn
eine Massnahme nach den Artikeln 59–61, 63 oder 64 StGB angeordnet, so
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verbietet ihm das Gericht lebenslänglich jede berufliche und jede organisierte
ausserberufliche Tätigkeit, die einen regelmässigen Kontakt zu Minderjährigen
umfasst (Art. 67 Abs. 3 lit. b StGB). Das Tätigkeitsverbot soll unabhängig von der
Höhe der im Einzelfall ausgesprochenen Strafe angeordnet werden. Es ist zudem
nicht relevant, ob die Tat in Ausübung eines Berufs, einer ehrenamtlichen Tätig-
keit oder im rein privaten Rahmen verübt wurde. Das Gericht kann in besonders
leichten Fällen ausnahmsweise von der Anordnung eines Tätigkeitsverbotes ab-
sehen, wenn ein solches Verbot nicht notwendig erscheint, um den Täter von der
Begehung weiterer Straftaten abzuhalten, wie sie Anlass für das Verbot sind. Von
der Anordnung eines Tätigkeitsverbotes darf jedoch nicht abgesehen werden,
wenn der Täter gemäss den international anerkannten Klassifikationskriterien
pädophil ist (Art. 63 Abs. 4bis lit. b StGB). Daraus ergibt sich zunächst, dass ein
lebenslängliches Tätigkeitsverbot im Sinne Art. 67 Abs. 3 StGB bei gegebenen
Voraussetzungen grundsätzlich zwingend anzuordnen ist. Um davon abzusehen,
wird kumulativ verlangt, dass es sich um einen besonders leichten Fall einer
bestimmten Anlasstat handelt und die Anordnung eines Tätigkeitsverbotes nicht
notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer einschlägiger
Straftaten abzuhalten (sogenannte Ausnahmebestimmung). Damit soll dem in
Art. 36 BV und Art. 8 EMRK statuierten Verhältnismässigkeitsgrundsatz Rech-
nung getragen werden. Weiter geht daraus hervor, dass eine ärztlich diagnosti-
zierte Pädophilie gerade keine Voraussetzung für die Anordnung eines lebens-
längliches Tätigkeitsverbotes ist. Der Täterkreis umfasst vielmehr auch "Pädokri-
minelle" (alle Täter, die Sexualstraftaten an Kindern begehen) und ganz allgemein
Sexualstraftäter. Im Gesetzestext wird sodann – wie gesehen – ausdrücklich fest-
gehalten, dass, wenn der Täter pädophil gemäss den international anerkannten
Klassifikationskriterien ist, die Ausnahmebestimmung nicht angewandt werden
darf – und zwar unabhängig von der Art und Schwere der Anlasstat (vgl. dazu
Botschaft zur Änderung des Strafgesetzbuchs und des Militärstrafgesetzes [Um-
setzung von Art. 123c BV], BBl 2016 6115 S. 6134 f. und 6145 f.).
2. Der Beschuldigte wird vorliegend wegen versuchter sexueller Handlungen
mit einem Kind im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB be-
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straft. Damit sind die Voraussetzungen für die Anordnung eines lebenslängliches
Tätigkeitsverbotes erfüllt.
3. Eine ärztlich diagnostizierte Pädophilie und/oder eine Katalogtat im Sinne
von Art. 67 Abs. 4bis lit. a StGB, welche einer Prüfung der Ausnahmebestimmung
entgegenstünden, liegen nicht vor. Bei der Prüfung, ob im Sinne einer Ausnahme
von der Anordnung eines lebenslängliches Tätigkeitsverbotes abgesehen werden
kann, ist – wie gesehen – zunächst zu untersuchen, ob ein "besonders leichter
Fall" vorliegt. Der Beschuldigte verabredete sich über die Chatplattform "C._"
mit einem gemäss seiner Vorstellung 14-jährigen Mädchen ausdrücklich zu "Sex"
gegen die Bezahlung von Fr. 125.--. Er versuchte wissentlich und willentlich mit
einem Kind sexuelle Handlungen vorzunehmen, wozu es lediglich deshalb nicht
kam, weil es sich beim Kind tatsächlich um einen verdeckten Vorermittler handel-
te. Damit liegt kein besonders leichter Fall im Sinne des Gesetzes vor, womit sich
eine Prüfung der weiteren Voraussetzungen der Ausnahmebestimmung erübrigt.
Im Weiteren erweist sich die Anordnung eines lebenslängliches Tätigkeitsverbo-
tes auch als verhältnismässig. Der Schutz der sexuellen Integrität von Minderjäh-
rigen überwiegt das Interesse des Beschuldigten an der Ausübung einer berufli-
chen und ausserberuflichen Tätigkeit, die einen regelmässigen Kontakt mit Min-
derjährigen umfasst. Insbesondere wird er dadurch in der Ausübung seiner beruf-
lichen Tätigkeit als Küchenangestellter nicht eingeschränkt. Seitens des Beschul-
digten wurde im Übrigen auch nichts vorgebracht, was gegen die Anordnung des
Tätigkeitsverbots sprechen würde. Aufgrund des Gesagten ist ein
lebenslängliches Tätigkeitsverbot im Sinne von Art. 67 Abs. 3 lit. b StGB anzuord-
nen.
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Erstinstanzliches Verfahren
Fällt die Rechtsmittelinstanz selbst einen neuen Entscheid, so befindet sie auch
über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 Abs. 3 StPO).
Das Urteil der Vorinstanz ist hinsichtlich des Freispruchs vom Konsum harter
Pornografie in Rechtskraft erwachsen. Zudem wird der vorinstanzliche Freispruch
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vom Vorwurf der harten Pornografie bestätigt. Im Hauptpunkt betreffend versuch-
te sexuelle Handlungen mit einem Kind wird der Beschuldigte in Abweichung vom
Urteil der Vorinstanz schuldig gesprochen. Die erstinstanzliche Gerichtsgebühr ist
praxisgemäss auf Fr. 2'000.-- festzusetzen (§ 14 Abs. 1 lit. a i.V.m. § 2 GebV
OG/ZH). Die weiteren Kosten bestehen aus der Gebühr von Fr. 1'200.-- für das
Vorverfahren (Urk. D1/15) und der Entschädigung für amtliche Verteidigung von
Fr. 5'954.-- (Urk. 27). Die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen
Gerichtsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung, sind
ausgangsgemäss zur Hälfte dem Beschuldigten aufzuerlegen und zur Hälfte auf
die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind zur
Hälfte einstweilen und im übrigen Umfang definitiv auf die Gerichtskasse zu
nehmen. Im Umfang der Hälfte bleibt die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten
gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten.
2. Berufungsverfahren
2.1. Die Gebühr für das Berufungsverfahren ist praxisgemäss auf Fr. 3'000.--
festzusetzen.
2.2. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Staatsanwaltschaft
unterliegt mit ihrem Antrag auf Schuldigsprechung des Beschuldigten wegen har-
ter Pornografie, obsiegt hingegen mit ihrem Antrag auf Schuldigsprechung des
Beschuldigten wegen versuchter sexueller Handlungen mit einem Kind. Ange-
sichts dieses Verhältnisses von Obsiegen und Unterliegen ist es gerechtfertigt,
die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der amtlichen
Verteidigung, zur Hälfte dem Beschuldigten aufzuerlegen und zur Hälfte auf die
Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind zur Hälfte
einstweilen und im übrigen Umfang definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen. Im
Umfang der Hälfte bleibt die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten gemäss
Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten.
2.3. Die amtliche Verteidigerin des Beschuldigten Rechtsanwältin Dr. iur.
X._ reichte an der Berufungsverhandlung ihre Honorarnote mit der Auflistung
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ihrer Aufwendungen und Auslagen im Berufungsverfahren ein (Urk. 46). Sie sind
ausgewiesen und erweisen sich als angemessen. Unter Berücksichtigung der et-
was länger gedauerten Berufungsverhandlung und des mutmasslichen Zeitauf-
wandes für die Nachbesprechung des Urteils ist Rechtsanwältin Dr. iur. X._
mit pauschal Fr. 2'500.-- aus der Gerichtskasse zu entschädigen.