# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** df315008-9d0c-48d1-9154-0a278b1baa1a
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
A._ (geboren 1998, von Afghanistan) reiste am 11. Juli 2022 um 17.30 Uhr von
Österreich herkommend ohne gültiges Reisepapier mit dem Zug in die Schweiz ein. In
Buchs/SG wurde er vom Grenzwachtkorps angehalten, kontrolliert und an die
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Kantonspolizei St. Gallen überstellt, die ihn vorläufig festnahm. A._ gab an, er habe
sich von 2015 bis 2019 in Österreich aufgehalten. Er habe aber dort kein Asyl erhalten
und sei nach Afghanistan zurückgeschafft worden. Vor etwa einem Monat sei er trotz
Einreiseverbots via Iran, die Türkei, Bulgarien und Ungarn wieder nach Österreich
gelangt, um anschliessend in die Schweiz zu reisen und hier um Asyl zu ersuchen.
Weitere Ermittlungen ergaben, dass A._ in Österreich wegen illegalen Aufenthalts,
Körperverletzung, gefährlicher Drohung, Sachbeschädigung, unerlaubten Umgangs mit
Suchtmitteln und Drogenhandels bestraft und am 14. Oktober 2021 in Bulgarien und
am 3. Dezember 2021 in Österreich erkennungsdienstlich erfasst worden war.
A._ wurde am 12. Juli 2022 um 18.30 Uhr gestützt auf einen entsprechenden
Haftbefehl des Migrationsamts für die Dauer des Asylverfahrens in Vorbereitungshaft
genommen. Seit 13. Juli 2022 ist er im Ausschaffungsgefängnis in Bazenheid
untergebracht. Gleichentags ersuchte das Migrationsamt das Staatssekretariat für
Migration um Durchführung des Dublin-Verfahrens. Am 14. Juli 2022 erlitt A._ in der
Haft einen epileptischen Anfall.
B.
Am 3. August 2022 ersuchte A._ durch seine Rechtsvertreterin bei der
Verwaltungsrekurskommission um Überprüfung der Haftanordnung und Entlassung aus
der Haft. Der Einzelrichter bestätigte am 8. August 2022 den Haftbefehl vom 12. Juli
2022 und wies das Gesuch um Entlassung und um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung ab. Er verzichtete auf die Erhebung der A._ auferlegten
amtlichen Kosten und entzog einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung.
C.
A._ (Beschwerdeführer) erhob gegen den am 9. August 2022 versandten Entscheid
des Einzelrichters der Verwaltungsrekurskommission (Vorinstanz) mit Eingabe seiner
Rechtsvertreterin vom 17. August 2022 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit den
Rechtsbegehren, unter Kosten- und Entschädigungsfolge, eventualiter unter
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung, sei der
angefochtene Entscheid aufzuheben. Der Beschwerdeführer sei aus der Haft zu
entlassen, eventualiter die Unrechtmässigkeit der Haft festzustellen, und die
Rechtsvertreterin für das vorinstanzliche Verfahren als unentgeltliche Rechtsbeiständin
einzusetzen und angemessen zu entschädigen. Nach Durchführung eines
Augenscheines seien die Widerrechtlichkeit der Haftbedingungen und insbesondere die
unzureichende medizinische Versorgung im Gefängnis Bazenheid festzustellen.
Die Vorinstanz verzichtete am 19. August 2022, das Migrationsamt am 24. August 2022
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auf eine Vernehmlassung.
Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Ausführungen des
Beschwerdeführers zur Begründung seiner Anträge sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Der Beschwerdeführer,
dessen Gesuch um Aufhebung der Haftanordnung und Entlassung aus der Haft im
Rahmen des Dublin-Verfahrens gemäss Art. 76a des Bundesgesetzes über die
Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration (Ausländer- und
Integrationsgesetz; SR 142.20, AIG) die Vorinstanz mit dem angefochtenen Entscheid
abgewiesen hat, ist zur Erhebung der Beschwerde befugt (Art. 64 in Verbindung mit
Art. 45 Abs. 1 VRP). Selbst wenn er mittlerweile aus der Haft entlassen worden sein
sollte, ist seine Beschwerde in der Sache zu behandeln, da sich im Verfahren vor allen
kantonalen Vorinstanzen als Partei beteiligen können muss, wer zur Beschwerde an
das Bundesgericht berechtigt ist (vgl. Art. 111 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das
Bundesgericht; Bundesgerichtsgesetz, SR 173.110, BGG) und das Bundesgericht
seinerseits in Konstellationen wie der vorliegenden – der Beschwerdeführer rügt in
vertretbarer Weise Verletzungen völker- und verfassungsrechtlicher Ansprüche, die
sich als Rechtsfragen von grundsätzlicher Bedeutung jederzeit wieder stellen können –
vom Erfordernis des praktischen und aktuellen schutzwürdigen Rechtsschutzinteresses
absieht (vgl. BGer 2C_101/2017 vom 1. März 2017 E. 1.2 mit Hinweis auf BGE 142 I
135 E. 1.3.2). Die Beschwerde gegen den am 9. August 2022 versandten Entscheid
wurde mit Eingabe vom 17. August 2022 rechtzeitig erhoben und erfüllt in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47
Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Der Beschwerdeführer wurde gestützt auf Art. 76a AIG am 13. Juli 2022 zur
Sicherstellung des Dublin-Verfahrens in Vorbereitungshaft genommen. Er macht
geltend, er sei aus der Haft zu entlassen, weil deren Anordnung ohne Befristung
unverhältnismässig sei (dazu nachfolgend Erwägung 3). Der einzig zulässige Haftgrund
der erheblichen Fluchtgefahr sei nicht erfüllt, mit Blick auf seine Erkrankung an
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Epilepsie sei die Haft unverhältnismässig und es sei zudem nicht ersichtlich, weshalb in
seinem Fall nicht mildere Massnahmen ausreichten (dazu nachfolgend Erwägung 4).
Schliesslich beantragt der Beschwerdeführer, es sei die Widerrechtlichkeit der
Haftbedingungen in der Haftanstalt Bazenheid festzustellen (dazu nachfolgend
Erwägung 5).
3.
Der Beschwerdeführer macht geltend, auch wenn das Gesetz für eine bestimmte
Haftart eine Maximaldauer vorsehe, entbinde dies die anordnende Behörde nicht
davon, die Dauer der Haft im Hafttitel zu beschränken. Ohne eine solche Beschränkung
sei die Haft per se unverhältnismässig. Vom Betroffenen könne nicht erwartet werden,
dass er (in der Haft) im Gesetz nachschaue, wie lange die Haft in der Theorie maximal
angeordnet werden könne. Migrationsamt und Vorinstanz hätten begründen müssen,
weshalb sie direkt die maximale Haftdauer als gerechtfertigt erachteten.
Zur Vorbereitung des Entscheides über die Zuständigkeit für das Asylgesuch im
Dublin-Verfahren kann die betroffene Person gemäss Art. 76a Abs. 3 Ingress und lit. a
AIG für die Dauer von höchstens sieben Wochen ab Haftanordnung in Haft genommen
werden. Im Haftbefehl vom 12. Juli 2022 hat das Migrationsamt zwar keine auf den
Einzelfall bezogene konkrete Haftdauer festgelegt. Jedoch werden die betroffenen
Personen anlässlich der Eröffnung des Haftbefehls standardmässig über die gesetzlich
maximal zulässige Haftdauer von sieben Wochen und die in dieser Zeit zwischen den
nationalen Behörden ablaufenden Verfahrensschritte zur Klärung der nationalen
Zuständigkeit orientiert (act. 7/5 Seite 25). Auch der vorinstanzliche Einzelrichter gab in
der Begründung seines Entscheides die gesetzliche Bestimmung wieder, welche die
maximale Haftdauer von sieben Wochen festlegt (Erwägung 2 des angefochtenen
Entscheides). Wird eine Person für die Dauer der Abklärung der nationalen
Zuständigkeit zur Behandlung ihres Asylbegehrens in Haft genommen, dürfen die in
Art. 28 Abs. 3 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlamentes und
des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur
Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem
Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf
internationalen Schutz zuständig ist (ABl. L 180 vom 29. Juni 2013 S. 31, Dublin-III-
Verordnung) vorgegebenen Fristen für die standardisierte Abwicklung des
internationalen Verwaltungsverfahrens nicht überschritten werden. Sie belassen den
zuständigen nationalen Behörden keinen Raum für erhebliche Verzögerungen. Die
haftanordnende Behörde ist deshalb nicht gehalten, zunächst eine kürzere Haftdauer
anzuordnen oder weiter zu begründen, weshalb der Haftbefehl unmittelbar für die
gesetzlich maximal zulässige Haftdauer von sieben Wochen ab Inhaftierung ausgestellt
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wird. Dass die vom Gesetz vorgesehene Maximaldauer von sieben Wochen mit den
Vorgaben der Dublin-III-Verordnung grundsätzlich nicht vereinbar wäre, bringt der
Beschwerdeführer nicht vor (vgl. dazu BGer 2C_199/2018 vom 9. Juli 2018 E. 4.4).
Die Rügen des Beschwerdeführers, die Haft sei mangels im Hafttitel festgesetzter
Dauer unverhältnismässig und die haftanordnende Behörde und die Vorinstanz hätten
die maximal siebenwöchige Dauer der Haft weiter begründen müssen, erweisen sich
deshalb als unbegründet.
4.
Der Beschwerdeführer ist der Auffassung, in seinem Fall liege keine für die Anordnung
der Dublin-Haft erforderliche "erhebliche Fluchtgefahr" vor. Es bestünden keine
ausreichenden öffentlichen Interessen an seiner Inhaftierung. Ob mildere Massnahmen
den Zweck ebenfalls erfüllen könnten, sei nicht geprüft worden.
Die zuständige Behörde kann gestützt auf Art. 76a Abs. 1 AIG eine im Dublin-Verfahren
ausgewiesene Person zur Sicherstellung der Wegweisung in den für das Asylverfahren
zuständigen Dublin-Staat in Haft nehmen, wenn im Einzelfall konkrete Anzeichen
befürchten lassen, dass die Person sich der Durchführung der Wegweisung entziehen
will (lit. a, "erhebliche Fluchtgefahr", dazu nachfolgend Erwägung 4.2), die Haft
verhältnismässig ist (lit. b, dazu nachfolgend Erwägung 4.3) und sich weniger
einschneidende Massnahmen nicht wirksam anwenden lassen (lit. c, dazu nachfolgend
Erwägung 4.4). Die Bestimmung setzt inhaltlich Art. 28 Abs. 2 der Dublin-III-Verordnung
um (BGer 2C_199/2018 vom 9. Juli 2018 E. 4.1 mit Hinweisen).
4.1.
Zum Haftgrund lässt der Beschwerdeführer ausführen, die haftanordnende Behörde
begründe die angeblich erhebliche Fluchtgefahr damit, dass sie ihm eine "illegale
Einreise" unterstelle. Die Genfer Flüchtlingskonvention stehe aber einer Kriminalisierung
der Einreise von Flüchtlingen entgegen. Dass der Beschwerdeführer als Flüchtling zu
qualifizieren sei, sei angesichts seiner Herkunft aus Afghanistan äusserst
wahrscheinlich. Inwiefern die weit zurückliegenden Vorstrafen noch zu einer
erheblichen Fluchtgefahr führen sollten, sei unergründlich und werde auch von der
Vorinstanz nicht erklärt. Die Vermutung, der Beschwerdeführer habe ein Asylgesuch
eingereicht, um den drohenden Vollzug seiner Wegweisung zu vermeiden, sei weit
hergeholt. Inwieweit es rechtsmissbräuchlich sein soll, aus Afghanistan zu flüchten und
Schutz vor der Verfolgung durch die Taliban zu suchen, sei nicht erkennbar und werde
von der Vorinstanz auch nicht begründet. Vielmehr offenbare das Asylgesuch, dass der
4.2.
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Beschwerdeführer schlicht keinen Anlass habe, sich den Schweizer Behörden zu
entziehen. Im Gegenteil sei es in seinem Interesse, sich für das Asylverfahren den
Schweizer Behörden zur Verfügung zu halten, da er in der Schweiz Asyl erhalten
möchte.
Als Fluchtgefahr bezeichnet Art. 2 Ingress und lit. n der Dublin-III-Verordnung das
Vorliegen von Gründen im Einzelfall, die auf objektiven, gesetzlich festgelegten Kriterien
beruhen und zu der Annahme Anlass geben, dass ein Gesuchsteller gegen den ein
Überstellungsverfahren läuft, sich diesem durch Flucht entziehen könnte. Der
Beschwerdeführer macht nicht geltend, Art. 76a Abs. 2 AIG setze den Haftgrund der
"erheblichen Fluchtgefahr" in einer Art. 28 Abs. 2 der Dublin-III-Verordnung nicht
gerecht werdenden Weise um (vgl. dazu BGer 2C_199/2018 vom 9. Juli 2018 E. 3.2.).
Art. 76a Abs. 2 AIG umschreibt die konkreten Anzeichen, welche befürchten lassen, die
betroffene Person wolle sich der Durchführung der Wegweisung entziehen. Dies ist
insbesondere dann der Fall, wenn ihr Verhalten in der Schweiz oder im Ausland darauf
schliessen lässt, dass sie sich behördlichen Anordnungen widersetzen werde (lit. b).
Dieser Haftgrund setzt nicht voraus, dass die betroffene Person im Asyl- oder
Wegweisungsverfahren Anordnungen der Behörden missachtet hat (lit. a, e contrario).
Allein der Hinweis, der Beschwerdeführer habe sich bisher den schweizerischen
Behörden gegenüber kooperativ verhalten, schliesst deshalb nicht aus, dass – andere –
konkrete Anzeichen eine Fluchtgefahr befürchten lassen.
Der 1998 geborene Beschwerdeführer ist Staatsangehöriger von Afghanistan. Er
ersuchte im Jahr 2015 in Österreich um Asyl. Das Gesuch war erfolglos, und er wurde
2019 unter Verhängung eines bis 23. Februar 2025 gültigen Verbots, in den
Schengenraum einzureisen (act. 7/5 Seite 10), in seine Heimat ausgeschafft. Im Jahr
2021 – in Europa wurde er erstmals im Oktober 2021 in Bulgarien erkennungsdienstlich
erneut erfasst – hat der Beschwerdeführer Afghanistan nach der Machtübernahme
durch die Taliban wieder verlassen, um in Europa neuerlich um Asyl nachzusuchen. In
der Schweiz hat er das Gesuch unmittelbar nach seiner Einreise am 11. Juli 2022,
anlässlich derer er festgenommen wurde, gestellt. Diese Verhaltensweisen des
Beschwerdeführers für sich allein betrachtet sind unter den konkreten Umständen noch
keine sehr gewichtigen Indizien dafür, dass er sich dem innereuropäischen
Überstellungsverfahren durch Flucht entziehen könnte: Erstmals hat er als Jugendlicher
in Europa um Asyl nachgesucht. Dass er im Jahr 2019 nicht selbständig in seine
Heimat zurückkehrte, sondern sich zurückbringen liess, ist ebenso nachvollziehbar wie
der Umstand, dass er Afghanistan nach dem Regimewechsel trotz des Einreiseverbots
wieder in Richtung Europa verliess. Das Asylgesuch in der Schweiz hat der
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Beschwerdeführer im frühestmöglichen Zeitpunkt gestellt.
Allerdings weisen verschiedene andere Umstände daraufhin, dass der
Beschwerdeführer einen illegalen Aufenthalt in Europa einem ordentlichen
Asylverfahren in einem anderen europäischen Land als der Schweiz vorziehen und sich
deshalb dem Überstellungsverfahren durch Flucht und Untertauchen entziehen könnte:
In Österreich wurde er strafrechtlich rechtskräftig wegen illegalen Aufenthalts,
Körperverletzung, gefährlicher Drohung, Sachbeschädigung, unerlaubten Umgangs mit
Suchtmitteln und Drogenhandels verurteilt. Die Taten hat er zwar grösstenteils als
Jugendlicher begangen. Jedoch bestehen in Österreich auch noch "Kriminalpolizeiliche
Vormerkungen" wegen Raubes, schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen,
Raufhandels, Ladendiebstahls, schwerer Nötigung, Fälschung besonders geschützter
Urkunden, Körperverletzung, schwerer Körperverletzung und Drogendelikten. Auch
wenn diese "Vormerkungen" nicht zu Strafurteilen geführt haben, liegen ihnen
zumindest entsprechende Verdachtsmomente zugrunde. Der Beschwerdeführer geht
deshalb möglicherweise und zu Recht davon aus, bei einer Überstellung nach
Österreich drohe ihm dort ein weiteres Strafverfahren. Der Beschwerdeführer gab in
der polizeilichen Befragung an, er könnte sich seine Reisepapiere aus Afghanistan per
Post zustellen lassen (act. 7/5 Seite 19). Daraus ist zu schliessen, dass er in
Afghanistan über einen Pass verfügt hatte und die Reise nach Europa trotzdem ohne
Reisepapier antrat. Schliesslich hat er sich spätestens seit Oktober 2021 in Europa
illegal aufgehalten, ohne dass ein erneutes Asylgesuch aktenkundig geworden wäre.
Mithin hat er einen illegalen Aufenthalt in Europa einem ordentlichen Asylverfahren
vorgezogen. Damit liegen hinreichend konkrete Anzeichen dafür vor, dass sich der
Beschwerdeführer dem Überstellungsverfahren ohne ausreichende
Zwangsmassnahme widersetzen würde.
Der Beschwerdeführer erachtet die Haft sodann als unverhältnismässig, weil die
haftanordnende Behörde mit keinem Wort erkläre, welche öffentlichen Interessen
seinen privaten Interessen entgegenstünden. Weil er gesundheitlich angeschlagen sei,
sei sein privates Interesse an der persönlichen Freiheit besonders hoch zu gewichten.
Das Leben mit Epilepsie im Gefängnis sei äusserst gefährlich und psychisch belastend,
da die Gefahr eines nicht erkannten Anfalls in der Nacht in einer Einzelzelle mit
gravierenden Folgen bis zur Möglichkeit, zu sterben, real und als nicht gering
einzustufen sei. Die haftanordnende Behörde habe nicht erläutert, wie und ob eine
angemessene Reaktion in dieser Situation gegeben wäre.
4.3.
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Im Verlauf des Aufenthalts des Beschwerdeführers in der Schweiz wurden mehrfach
Angaben zu seinem Gesundheitszustand erhoben. Anlässlich seiner Festnahme
bestätigte er am 11. Juli 2022 die Angaben zu Krankheit oder Behinderung (Keine) und
benötigten Medikamenten (Keine; act. 7/5 Seite 7). Am folgenden Tag gab er in der
polizeilichen Einvernahme zum Vorwurf der widerrechtlichen Einreise im
Zusammenhang mit seiner strafrechtlichen Verurteilung in Österreich allerdings an, er
leide an Epilepsie und sei während eines Anfalls gegen eine unbekannte Person
handgreiflich geworden (act. 7/5 Seite 19). Anlässlich der Eröffnung des Haftbefehls für
die ausländerrechtliche Administrativhaft am 12. Juli 2022 bejahte der
Beschwerdeführer dann die Frage, ob er gesund und hafterstehungsfähig sei, und
verneinte jene, ob er einen Arzt benötige (act. 7/5 Seite 27). Aus den Akten geht nicht
hervor, dass der Beschwerdeführer bisher je mit Antiepileptika behandelt worden wäre.
Welche Bedeutung der Beschwerdeführer der geltend gemachten Erkrankung beimisst,
ist jedenfalls mit Blick auf seine eigenen Angaben unklar.
Haftanordnende Behörde und Vorinstanz gehen davon aus, dass der
Beschwerdeführer am 14. Juli 2022 in der Haft einen epileptischen Anfall erlitt. Der
Rettungsdienst wurde beigezogen (act. 7/5 Seite 34). Über die Dauer und Schwere des
Ereignisses lassen sich den Akten keine Hinweise entnehmen. Auch in der Beschwerde
werden dazu keine weiteren Ausführungen gemacht. Dass die Epilepsie des
Beschwerdeführers ärztlich – beispielsweise anlässlich des Einsatzes des
Rettungsdienstes – diagnostiziert worden wäre, ist nicht aktenkundig. Ebenso wenig
bestehen Hinweise dafür, dass der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
anschliessend weitergehend ärztlich abgeklärt und nötigenfalls eine medikamentöse
Behandlung angeordnet worden wäre. Der Beschwerdeführer weist deshalb zu Recht
auf mögliche schwerwiegende Folgen eines unbemerkt gebliebenen Anfalls hin. Allein
deshalb erscheint die Haft allerdings noch nicht als unverhältnismässig. Vielmehr sind
die zur Vermeidung einer solchen Situation erforderlichen Massnahmen – ärztliche
Untersuchung, nötigenfalls Abgabe von Medikamenten, Gewährleistung einer
ausreichenden Überwachung beispielsweise durch Unterbringung in einer Doppelzelle
– umgehend zu ergreifen.
Der Beschwerdeführer bringt schliesslich vor, die Haft müsse als ultima ratio in
sachlicher, zeitlicher und persönlicher Hinsicht das mildeste Mittel zur Sicherstellung
des Wegweisungsvollzugs darstellen. Die haftanordnende Behörde habe nicht erklärt,
weshalb mildere Massnahmen vorliegend konkret nicht ausreichend wären. Es sei
unergründlich, weshalb sich der Beschwerdeführer, der daran interessiert sei, dass sein
4.4.
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5.
Asylverfahren hier durchgeführt werde und er daran teilnehmen könne, beispielsweise
nicht an eine Meldepflicht oder eine Eingrenzung halten sollte.
Die Haft ist durch das öffentliche Interesse an der Durchsetzung des europäischen
Dublin-Systems, das mehrfache Asylanträge in verschiedenen Mitgliedstaaten
vermeiden soll, gerechtfertigt und auch verhältnismässig. Sie ist zur Durchsetzung
dieses öffentlichen Interesses geeignet und erforderlich. Die Haft des
Beschwerdeführers hängt zwar mit dem von ihm in der Schweiz eingereichten
Asylgesuch zusammen, an dessen erfolgreicher Durchführung er interessiert ist.
Allerdings dient das Asylverfahren in der Schweiz jedenfalls vorderhand nicht der
Beurteilung seiner Flüchtlingseigenschaft und seines allfälligen Anspruchs auf Asyl in
der Schweiz, sondern der Klärung der nationalen Zuständigkeit im Dublin-Verfahren.
Diesbezüglich wurden bereits konkrete Anhaltspunkte dafür festgestellt, dass der
Beschwerdeführer einen illegalen Aufenthalt in Europa einem Asylverfahren ausserhalb
der Schweiz vorziehen könnte. Unter diesen Umständen erscheint die vom
Beschwerdeführer vorgeschlagene Meldepflicht oder Eingrenzung nicht geeignet, die
erfolgreiche Durchführung und Umsetzung des Überstellungsverfahrens nach den
Dubliner-Regeln sicherzustellen. Ob bei einer materiellen Prüfung seines Asylgesuchs
durch die schweizerischen Behörden eine Vorbereitungshaft gestützt auf Art. 75 AIG
zulässig wäre, kann offenbleiben.
In der Beschwerde werden die Haftbedingungen im Ausschaffungsgefängnis
Bazenheid beanstandet. Das Haftregime in der ausländerrechtlichen Administrativhaft
müsse sich von der Untersuchungshaft wesentlich unterscheiden und sei dem
Haftzweck entsprechend freier auszugestalten. Der Eindruck einer
Gefängnisumgebung, wie sie für eine Strafhaft kennzeichnend sei, sei zu vermeiden
und die Architektur müsse zum Ausdruck bringen, dass die inhaftierten Personen keine
Straftäter seien. Die Personen seien zwar am Verlassen des Gebäudes zu hindern, im
Innern aber dürften keine über das absolut Notwendige hinausgehende
Einschränkungen gelten und der freie Kontakt gegen aussen sei zu gewährleisten.
Gestaltung und Ausstattung der Räumlichkeiten und die Organisation- und
Funktionsmodalitäten müssten geeignet sein, die dort Untergebrachten zu zwingen,
sich ständig in einem eingegrenzten, geschlossenen Bereich aufzuhalten. Gleichzeitig
sei die Zwangsmassnahme aber auf das zu beschränken, was für die wirksame
Vorbereitung der Abschiebung unbedingt erforderlich sei. Die Haftanstalt Bazenheid sei
5.1.
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bis vor zehn Jahren ein Gefängnis für die Strafhaft gewesen und die Räumlichkeiten
somit gerade nicht auf die Ausschaffungshaft ausgerichtet, die nicht in einer
Gefängnisumgebung vollzogen werden dürfe. Das Ausschaffungsgefängnis befinde
sich innerhalb einer Polizeistation und werde von zwei Justizvollzugsangestellten
zusammen mit den Polizisten der Polizeistation ohne spezifische Ausbildung betreut.
Das zeige bereits, dass die inhaftierten Personen wie im Strafvollzug beziehungsweise
in der Untersuchungshaft behandelt würden. Besuche seien an "Wochentagen" von
14-15 Uhr erlaubt. Die Trennung im eher kleinen Besuchsraum durch eine Scheibe
erschwere die Verständigung akustisch deutlich und sei nicht notwendig. In den täglich
vier Stunden – 9-11, 14-16 Uhr – Freigang könnten sich die inhaftierten Personen im
Gefängnis nicht frei bewegen, sondern müssten wählen, in welchem Zimmer sie sich
aufhalten wollten. Zur Verfügung stehe die eigene Zelle und ein von Betonwänden und
Fensterzellen umgebener Spazierhof mit Betonboden in der Mitte der Polizeistation
ohne jede Grünfläche und ohne jede Aussicht nach "draussen". Die inhaftierten
Personen könnten sich lediglich mit einem Ping-Pong-Tisch oder zwei Hantelpaaren
beschäftigen. Neben diesen Möglichkeiten bestehe die Wahl zwischen einem Raucher-
oder Nichtraucherzimmer, um zu telefonieren, mit einem Fussballkasten zu spielen,
Bücher zu lesen oder Spiele zu spielen. Weitere Beschäftigungsmöglichkeiten stünden
nicht zur Verfügung. Gegessen werde nie im Gruppenverband. Selbständiges Kochen
sei nicht möglich. Es gebe keine Arbeit. Aus unerklärlichen Gründen müssten die
inhaftierten Personen ihr Mobiltelefon abgeben und erhielten zum Telefonieren pro
Person wöchentlich ein Telefonguthaben von zehn Franken, das auch für Telefonate
mit der Rechtsvertretung verwendet werden müsse und mit Eigenmitteln nicht erhöht
werden könne. Das verunmögliche den freien Kontakt mit der Rechtsvertretung. Der
Zugang zum Internet sei verwehrt und damit eine online Kommunikation mit
Angehörigen oder mit der Rechtsvertretung nicht möglich. Der Anspruch auf soziale
Kontakte inner- und ausserhalb der Einrichtung werde damit in vielfacher Hinsicht
verletzt. In den Zellen dürfe nicht geraucht werden. Wer über die erforderlichen
Eigenmittel verfüge, könne sich eine Packung Zigaretten täglich beschaffen, alle
anderen erhielten zehn Zigaretten pro Tag. Die Post werde den inhaftierten Personen
lediglich für eine gewisse Zeit zum Studium ausgehändigt und anschliessend
ausserhalb ihrer Reichweite in Ordnern aufbewahrt. Soweit es sich dabei um
Anwaltskorrespondenz handle, verletze dies das Anwaltsgeheimnis. In der Zelle werde
die Privatsphäre der Betroffenen in gravierender Weise verletzt. Die Toilette in der Zelle
könne nicht abgeschlossen werden. Auf der einen Seite werde sie mit einer Holzwand,
nach vorne bloss mit einem Vorhang abgeschirmt. Bezüglich der medizinischen und
ärztlichen Versorgung weist der Beschwerdeführer darauf hin, es stehe für die
Betroffenen kein Psychiater oder Psychologe bereit. Zwar komme jede zweite Woche
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abwechslungsweise ein katholischer oder ein reformierter Seelsorger vorbei. Dies
genüge allerdings nicht, den seelischen Leiden der Insassen angemessen zu
begegnen. Leide eine Person in Haft an psychischen Problemen, wie Suizidgedanken,
müsse sie dies zunächst dem Allgemeinarzt, welcher lediglich einmal pro Woche
vorbeikomme, melden. Dieser entscheide über das weitere Vorgehen. – Die
Schilderung der Haftbedingungen in der Beschwerde beruht auf den Wahrnehmungen
der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers anlässlich eines Besuchs in der
Haftanstalt und blieb von der haftanordnenden Behörde unwidersprochen. Es ist
deshalb davon auszugehen, dass sie die Rahmenbedingungen des Haftalltags
zutreffend wiedergeben. Insoweit erübrigt sich die Durchführung eines gerichtlichen
Augenscheines zu deren Feststellung.
Nach Art. 81 Abs. 2 AIG (in der seit 1. Juni 2019 in Kraft stehenden Fassung; AS 2019
S. 1413) ist die ausländerrechtliche Administrativhaft in Hafteinrichtungen zu vollziehen,
die dem Vollzug der Vorbereitungs-, Ausschaffungs- und Durchsetzungshaft dienen; ist
dies insbesondere aus Kapazitätsgründen in Ausnahmefällen nicht möglich, so sind die
inhaftierten Ausländerinnen und Ausländer gesondert von Personen in
Untersuchungshaft oder im Strafvollzug unterzubringen. Art. 81 Abs. 4 AIG verweist für
die Rückführungen in einen Drittstaat (lit. a) und für Dublin-Überstellungen (lit. b) auf
das einschlägige europäische Recht.
Für Dublin-Überstellungen verweist Art. 28 Abs. 4 der Dublin-III-Verordnung seinerseits
auf Art. 9, 10 und 11 der Richtlinie 2013/33/EU. Danach sind die inhaftierten Personen
in speziellen Hafteinrichtungen oder zumindest von den gewöhnlichen Strafgefangenen
getrennt unterzubringen (Art. 10 Ziff. 1); sie müssen die Möglichkeit haben, sich an der
frischen Luft aufzuhalten (Art. 10 Ziff. 2), mit Personen des UNHCR oder in deren
Auftrag tätiger Organisationen sowie mit Familienangehörigen, Rechtsbeistand oder
Berater und bestimmten weiteren Personen Verbindung aufzunehmen und sie als
Besucher zu empfangen (Art. 10 Ziff. 3 und 4) und haben Anspruch auf systematische
Informationen zu den in der Einrichtung geltenden Regeln (Art. 10 Ziff. 5). Schliesslich
ist die Gesundheit, auch die psychische Gesundheit, der inhaftierten Personen ein
vorrangiges Anliegen der nationalen Behörden, wobei die Mitgliedstaaten dafür sorgen,
dass regelmässige Überprüfungen stattfinden, die inhaftierten Personen in
angemessener Weise unterstützt werden und ihrer besonderen Situation einschliesslich
ihrer Gesundheit Rechnung getragen wird (Art. 11 Ziff. 1).
Auch das europäische Recht geht davon aus, dass einerseits in Mitgliedstaaten
5.2.
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besondere Hafteinrichtungen unter Umständen fehlen können – in diesen Fällen
müssen die in Haft genommenen Drittstaatsangehörigen gesondert von den
gewöhnlichen Strafgefangenen untergebracht werden – und anderseits in Haft
genommenen Drittstaatsangehörigen auf Wunsch gestattet wird, zu gegebener Zeit mit
Rechtsvertretern, Familienangehörigen und den zuständigen Konsularbehörden
Kontakt aufzunehmen (vgl. Urteil des EuGH C-519/20 vom 10. März 2022 Rz. 5 zum
entsprechenden Art. 16 der Richtlinie 2008/115/EG). Rechtsvorschriften, die
Ausnahmen von diesem Grundsatz der Trennung von Strafvollzug und
ausländerrechtlicher Administrativhaft vorsehen, sind selbst dann zulässig, wenn nicht
ausgeschlossen ist, dass in dem Zeitraum, in dem auf die Ausnahme zurückgegriffen
wird, in bestimmten speziellen Einrichtungen für den Vollzug der Abschiebehaft
vorübergehend Plätze verfügbar sind (vgl. Urteil des EuGH C-519/20 vom 10. März
2022 Rz. 78). Personen in ausländerrechtlicher Haft werden gemäss Art. 2 Abs. 2 der
Verordnung über die Gefängnisse und Vollzugsanstalten (sGS 962.14) getrennt von
Gefangenen anderer Haftarten untergebracht und erhalten im Rahmen der
Hausordnung Gelegenheit für soziale Kontakte und gemeinschaftliche Aktivitäten; im
Übrigen werden die Vorschriften der Verordnung sachgemäss angewendet.
Im Gefängnis Bazenheid werden nebst der ausländerrechtlichen Administrativhaft –
unbestrittenermassen – keine auf anderen Rechtsgründen beruhenden
Freiheitsentzüge vollzogen. Die wesentliche Voraussetzung des Vollzugs der
ausländerrechtlichen Haft in einer separaten dafür vorgesehenen Hafteinrichtung ist
damit erfüllt.
Das Gefängnis Bazenheid war bei seiner Errichtung auf den Vollzug der
Untersuchungshaft ausgerichtet. Die Einrichtung hat dementsprechend in baulicher
Hinsicht – wie insbesondere das Erscheinungsbild des Spazierhofs und die erhebliche
Einschränkung der Privat- und Intimsphäre in doppelt belegten Zellen zeigen – den
Charakter einer Gefängnisumgebung. Allerdings verfügt das Gefängnis mit
Aufenthaltsräumen, in welchen sich die inhaftierten Personen aufhalten und gemeinsam
Freizeitbeschäftigungen – Tischfussball, Lesen, Gesellschaftsspiele spielen –
nachgehen können, über eine Ausstattung, die sich von einem
Untersuchungsgefängnis unterscheidet.
Das Haftregime wird als spürbar weniger einschränkend erlebt als jenes im Strafvollzug
(vgl. VerwGE B 2022/124 vom 25. Juli 2022 E. 4.3.2). Die Freiheiten sind zwar räumlich,
zeitlich und hinsichtlich der Betätigungsmöglichkeiten relativ eng begrenzt. Während
5.3.
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längerer Zeit offene Zellen und weitergehende Möglichkeiten sportlicher Betätigung
setzen voraus, dass die damit erforderliche Betreuung der Insassen personell
gewährleistet werden kann. Das hängt vor allem auch davon ab, wie entspannt sich die
Beziehungen zwischen den Häftlingen gestalten. Den allgemeinen Anspruch auf
Beschäftigung in der ausländerrechtlichen Administrativhaft gemäss Art. 81 Abs. 2 Satz
3 AIG (in der Fassung vom 16. Dezember 2005, AS 2007 S. 5437) hat der Gesetzgeber
per 1. Dezember 2014 ersatzlos gestrichen (vgl. AS 2013 S. 4375 ff. S. 4390). Der
Beschwerdeführer macht nicht geltend, der Zugang zu Zeitungen und Büchern oder
der Empfang von Besuchen seien ihm verwehrt worden. Er macht auch nicht geltend,
zeitliche und finanzielle Restriktionen hätten zu einem ungenügenden Kontakt mit
seiner Rechtsvertreterin geführt. Ebenso wenig bringt er vor, der Empfang von
Besucherinnen oder Besuchern sei ihm verwehrt worden. Der Umstand, dass die
inhaftierten Personen die Mobiltelefone abgeben müssen und keinen Zugang zum
Internet haben, beschränkt ihre Möglichkeit, sich zu informieren und insbesondere mit
Angehörigen Kontakt aufzunehmen, erheblich. Dass ihm damit aber jede von ihm
gewünschte Kontaktaufnahme verunmöglicht wurde, macht auch der
Beschwerdeführer nicht geltend. Trotzdem ist es angebracht, dass die haftanordnende
Behörde – was sie bisher nicht getan hat – die Massnahmen begründet. Selbst wenn
dafür keine ausreichenden Gründe vorgebracht werden könnten, hätte dies jedoch
nicht zur Folge, dass die Inhaftierung des Beschwerdeführers als unverhältnismässig
beurteilt und er umgehend aus der Haft entlassen werden müsste.
Die medizinische und ärztliche Versorgung ist im Ausschaffungsgefängnis Bazenheid
wie in jeder anderen Hafteinrichtung des Kantons St. Gallen gewährleistet. Was die
besondere Situation des Beschwerdeführers anbelangt, ist ärztlich umgehend Klarheit
über eine Epilepsieerkrankung zu schaffen und die gegebenenfalls nötige Behandlung
und Überwachung zu garantieren (vgl. dazu oben Erwägung 4.3).
Damit ergibt sich hinsichtlich der Haftbedingungen zusammenfassend, dass die
Unterbringung des Beschwerdeführers im Ausschaffungsgefängnis Bazenheid den
Grundsatz der Trennung von Straf- und Untersuchungsgefangenen einhält. Das
Regime ist freier ausgestaltet als im Strafvollzug und in der Untersuchungshaft. Es
genügt insgesamt den Mindestanforderungen, welche der Vollzug der
ausländerrechtlichen Administrativhaft erfüllen muss. Soweit es als restriktiv – keine
Möglichkeit für Sport und Beschäftigung – erscheint, ist es durch die bestehenden,
jedoch in Anpassung stehenden st. gallischen Gefängnisstrukturen und die
Aufrechterhaltung eines ordnungsgemässen Anstaltsbetriebs bedingt. Es ist davon
5.4.
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6.
Schliesslich bleibt zu prüfen, ob die Vorinstanz dem Beschwerdeführer im Verfahren
der gerichtlichen Haftüberprüfung zu Recht die unentgeltliche Rechtsverbeiständung
durch Rechtsanwältin Lea Hungerbühler verweigert hat. Die Vorinstanz hat zwar den
grundsätzlichen Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege und -verbeiständung bei der
erstmaligen richterlichen Prüfung der Dublin-Haft zu Recht anerkannt. Sie ist aber
davon ausgegangen, das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz (HEKS) sei vom
Staatssekretariat für Migration unter anderem beauftragt, die Rechtsvertretung von
Asylsuchenden in der Verfahrensregion Ostschweiz (Altstätten) zu gewährleisten. Die
haftanordnende Behörde habe ausgeführt, der Beschwerdeführer werde vom HEKS
vertreten. Darauf könne er vorliegend zurückgreifen und die Vertretung durch AsyLex
erweise sich als nicht notwendig. – Der Beschwerdeführer hält dem entgegen, die
Rechtsvertretung habe im Administrativhaftverfahren durch eine Rechtsanwältin oder
einen Rechtsanwalt zu erfolgen. Die Mitarbeitenden des HEKS seien nicht im
Anwaltsregister eingetragen und könnten folglich die Vertretung bereits aus rechtlichen
Gründen nicht übernehmen.
Die Vorinstanz geht von den bundesrechtlichen Regelungen zur Rechtsberatung und
Rechtsvertretung Asylsuchender in Art. 102f ff. des Asylgesetzes (SR 142.31, AsylG)
aus. Die Bestimmungen betreffen den Rechtsschutz der asylsuchenden Personen in
den Zentren des Bundes. Das Asylgesuch des Beschwerdeführers wird im
Bundesasylzentrum in Altstätten behandelt. Es wurde ihm deshalb eine
Rechtsvertretung – durch das Hilfswerk der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz
(HEKS) – zugewiesen (Art. 102h Abs. 1 AsylG; act. 7/4). Der Zugang zur unabhängigen
Beratung und Rechtsvertretung durch die beauftragten Leistungserbringer und die
zugelassenen Rechtsberatungsstellen betrifft die Durchführung des Asylverfahrens (vgl.
Art. 52a der Asylverordnung 1 über Verfahrensfragen, Asylverordnung 1, SR 142.311,
AsylV 1), nicht aber das davon unabhängige Verfahren zur Anordnung und Überprüfung
ausländerrechtlicher Zwangsmassnahmen im Sinn von Art. 73 ff. AIG. Die Vorinstanz
durfte deshalb die Einsetzung seiner Rechtsvertreterin als unentgeltliche
auszugehen, dass Lockerungen zumindest teilweise – wie beispielsweise die
Verkürzung der Einschliesszeiten, Bewegungsfreiheit im Zellentrakt und zusätzliche
Sportmöglichkeiten im Innenhof wie beispielsweise ein Basketballkorb und weitere
einfache Trainingseinrichtungen – bei zuverlässig kooperativem Verhalten der Insassen
möglich sind. Die haftanordnende Behörde ist im Rahmen ihrer Pflicht zur Information
über die in der Einrichtung geltenden Regeln zudem gehalten, zu begründen, weshalb
den inhaftierten Personen das Mobiltelefon abgenommen und kein allenfalls
kontrollierter Zugang zum Internet über anstaltseigene Informatikmittel gewährt wird.
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Rechtsbeiständin im Haftverfahren nicht deshalb verweigern, weil das Hilfswerk der
Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz die Rechtsvertretung aufgrund einer
entsprechenden Leistungsvereinbarung für asylsuchende Personen, deren Gesuche im
Bundesasylzentrum in Altstätten behandelt werden, bei der Abwicklung des
Asylverfahrens übernimmt.
Die Vorinstanz ist der Auffassung, das Gesuch müsste auch wegen Rechtsmissbrauchs
abgewiesen werden. Personen, die ein gegen sie verfügtes Einreiseverbot
missachteten, müsse bekannt sein, dass sie umgehend ausländerrechtlich inhaftiert
würden. – Nach Art. 9 Ziffer 6 der Richtlinie 2013/33/EU des Europäischen Parlaments
und des Rates vom 26. Juni 2013 Satz 1 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme
von Personen, die internationalen Schutz beantragen (ABl. L 180/97 vom 29. Juni 2013)
sorgen die Mitgliedstaaten im Fall einer gerichtlichen Überprüfung der Haftanordnung
dafür, dass der Antragsteller unentgeltliche Rechtsberatung und -vertretung in
Anspruch nehmen kann. Der offenbare Missbrauch eines Rechtes findet keinen
Rechtsschutz (Art. 2 Abs. 2 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches; SR 210). Als
allgemeiner Rechtsgrundsatz gilt das Rechtsmissbrauchsverbot in der ganzen
Rechtsordnung mit Einschluss des öffentlichen Rechts sowie des Prozess- und
Vollstreckungsrechts. Rechtsmissbrauch liegt vor, wenn ein Rechtsinstitut zweckwidrig
zur Verwirklichung von Interessen verwendet wird, die dieses Rechtsinstitut nicht
schützen will. Ob eine Berechtigung missbräuchlich ausgeübt wird, hängt von den
Umständen des Einzelfalles ab (vgl. BGer 6B_1039/2019 vom 16. Juni 2020 E. 2.3.2 mit
zahlreichen Hinweisen). – Der Umstand, dass klarerweise ein Haftgrund vorliegt, kann
allenfalls für die Beurteilung der Aussichtslosigkeit der Begehren des Betroffenen
bedeutsam sein. Der Anspruch auf die unentgeltliche Rechtsverbeiständung wird allein
deshalb aber nicht rechtsmissbräuchlich geltend gemacht, umso mehr als für die
Beurteilung der Zulässigkeit der Haft das Vorliegen eines Haftgrundes allein nicht
ausreicht.
Die Rechtsvertreterin macht im vorinstanzlichen Verfahren einen eigenen Aufwand von
3.8 Stunden zu CHF 220 und einen Aufwand einer Praktikantin von 3.5 Stunden zu
CHF 110, mithin ein Honorar von CHF 1'221 geltend. In der Verwaltungsrechtspflege
beträgt das Honorar vor dem Einzelrichter im Verwaltungsjustizverfahren pauschal
CHF 1'000 bis 7'500 (Art. 22 Abs. 1 Ingress und lit. c der Honorarordnung; sGS 963.75,
HonO). Innerhalb des für eine Pauschale gesetzten Rahmens wird das Grundhonorar
nach den besonderen Umständen, namentlich nach Art und Umfang der Bemühungen,
der Schwierigkeit des Falles und den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten,
bemessen (Art. 19 HonO). Das Honorar bewegt sich im Rahmen dessen, was in einem
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Verfahren zur richterlichen Haftüberprüfung pauschal zugesprochen wird. Es ist um
einen Fünftel auf CHF 977 herabzusetzen (vgl. Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes;
sGS 963.70, AnwG). Zu entschädigen sind schliesslich die geltend gemachten
Barauslagen von rund CHF 22. Eine pauschale Entschädigung von CHF 1'000
erscheint angemessen. Ein Antrag auf Entschädigung der Mehrwertsteuer wurde nicht
gestellt (vgl. Art. 28 und 28 , Art. 29 HonO). Kostenpflichtig ist der Staat (Vorinstanz).
7.
Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde, soweit der Beschwerdeführer die
Feststellung der Rechtswidrigkeit der Haft und die umgehende Entlassung beantragt,
als unbegründet. Diesbezüglich ist sie abzuweisen. Begründet ist hingegen seine Rüge,
die Vorinstanz habe ihm im Verfahren der richterlichen Haftüberprüfung zu Unrecht die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung verweigert. Dementsprechend ist die
Beschwerde teilweise gutzuheissen und Ziffer 4 des angefochtenen Entscheides der
Vorinstanz aufzuheben. Rechtsanwältin Lea Hungerbühler, Zürich, ist für das
vorinstanzliche Verfahren als unentgeltliche Rechtsbeiständin des Beschwerdeführers
zu bestellen. Zuständig ist der hauptamtliche Abteilungspräsident (Art. 59 Abs. 2 VRP).
8.
Bei diesem Verfahrensausgang sind die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens
zu zwei Dritteln vom Beschwerdeführer und zu einem Drittel vom Staat zu tragen
(Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF 1'500 erscheint angemessen
(Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung; sGS 941.12). Auf die Erhebung der
Kostenanteile ist beim Beschwerdeführer gestützt auf Art. 97 VRP und beim Staat
gestützt auf Art. 95 Abs. 3 VRP zu verzichten. Der Beschwerdeführer unterliegt in der
Hauptsache und damit mehrheitlich. Bei diesem Verfahrensausgang hat er keinen
Anspruch auf die Entschädigung ausseramtlicher Kosten (vgl. Art. 98 Abs. 1 und
Art. 98 VRP; A. Linder, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.] Gesetz über die
Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar, St. Gallen 2020, N 16 zu Art. 98 VRP).
Das Gesuch des Beschwerdeführers um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
(Kostenerhebung) kann als gegenstandslos geworden abgeschrieben werden, da auf
die Erhebung von Kosten für das Beschwerdeverfahren zu verzichten ist. Der
Beschwerdeführer ist offenkundig prozessual bedürftig. Die Streitsache hat zudem in
verfahrens- und materiell-rechtlicher Hinsicht Fragen aufgeworfen, welche die vom
Beschwerdeführer erhobenen Rügen nicht als aussichtslos erscheinen liessen. Dem
Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Beschwerdeverfahren ist deshalb
zu entsprechen. Rechtsanwältin Lea Hungerbühler, die im vorinstanzlichen und im
Beschwerdeverfahren als Rechtsvertreterin aufgetreten ist, ist im Anwaltsregister des
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Kantons Zürich ohne Beschränkung auf Mandate im Rahmen Vereinszwecks von
AsyLex eingetragen (vgl. gerichte-zh.ch). Sie kann deshalb als unentgeltliche
Rechtsbeiständin des Beschwerdeführers eingesetzt werden. Zuständig ist der
verfahrensleitende Abteilungspräsident (vgl. Art. 99 Abs. 2 VRP in Verbindung mit
Art. 119 Abs. 3 der Schweizerischen Zivilprozessordnung, Zivilprozessordnung, SR
272, und Art. 6 Abs. 1 Ingress und lit. a des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen
Zivilprozessordnung, sGS 961.2; Art. 6 Abs. 2 des Reglements über die Organisation
und den Geschäftsgang des Verwaltungsgerichts; sGS 941.22).
Die Rechtsvertreterin hat keine Kostennote eingereicht. Das Honorar bewegt sich im
Rahmen der pauschalen Entschädigung, die einer Partei in einem vergleichbaren
Verfahren bei Obsiegen zugesprochen würde. Die Rechtsvertreterin ist mit einem
pauschalen Honorar von CHF 2'000 (vgl. Art. 19, Art. 22 Abs. 1 Ingress und lit. b
HonO), das bei unentgeltlicher Prozessführung um einen Fünftel auf CHF 1'600
herabzusetzen ist (vgl. Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes; sGS 963.70, AnwG), zu
entschädigen. Hinzu kommen Barauslagen von CHF 80 (pauschal vier Prozent von
CHF 2'000; vgl. Art. 28 HonO). Mangels Antrags ist die Mehrwertsteuer nicht
hinzuzurechnen (Art. 29 HonO). Die Rechtsvertreterin darf von ihrem Mandanten kein
zusätzliches Honorar fordern (Art. 11 HonO). Der Beschwerdeführer ist zur
Nachzahlung der Kosten aus unentgeltlicher Rechtspflege und Rechtsverbeiständung
an den Staat verpflichtet, sobald er dazu in der Lage ist (Art. 99 Abs. 2 VRP in
Verbindung mit Art. 123 Abs. 1 ZPO).