# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 1d160b5b-bf1b-53ef-916e-8d063885e13f
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Anfangs 2018 stellte die Gemeinde Niederbipp fest, dass auf dem Grundstück des
Beschwerdeführers, der Parzelle Niederbipp Grundbuchblatt Nr. B._
(Landwirtschaftszone), zahlreiche, mehrheitlich nicht immatrikulierte Personenwagen, ein
Wohnwagen, ein Kleinmotorrad, Altreifen sowie eine grosse Anzahl Fahrräder abgestellt
sind. Mit Schreiben vom 21. März 2018 forderte sie den Beschwerdeführer auf, die nicht
immatrikulierten Fahrzeuge sowie die auf dem Wiesland deponierten Fahrräder
umweltgerecht zu entsorgen. Gleichzeitig gab sie dem Beschwerdeführer Gelegenheit zur
Stellungnahme.
Mit Wiederherstellungsverfügung vom 19. Juni 2018 forderte die Gemeinde den
Beschwerdeführer schliesslich auf, die ausser Verkehr gesetzten Personenwagen, den
Wohnwagen, das Kleinmotorrad, die neben der Liegenschaft deponierten Altreifen sowie
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die im Wiesland deponierten Fahrräder innert 30 Tagen fachgerecht zu entsorgen oder
korrekt einzulagern. Gleichzeitig wies die Gemeinde den Beschwerdeführer auf die
Möglichkeit der Einreichung eines nachträglichen Baugesuchs hin und drohte die
Ersatzvornahme sowie eine Busse bei Nichtbefolgung an.
2. Gegen diese Verfügung reichte der Beschwerdeführer am 12. August 2018
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er
beantragt die Aufhebung der angefochtenen Verfügung.
3. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet,1 stellte der
Gemeinde mit Verfügung vom 15. August 2018 die Beschwerde zu, holte die Vorakten ein
und beschränkte das Verfahren vorerst auf die Frage der rechtzeitigen
Beschwerdeerhebung.
4. Auf die Rechtsschriften und die Vorakten wird, soweit für den Entscheid wesentlich,
in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintretensvoraussetzungen
a) Gemäss Art. 49 Abs. 1 BauG2 können baupolizeiliche Verfügungen nach Art. 45 bis
48 BauG mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur
Beurteilung der Beschwerde gegen die baupolizeiliche Wiederherstellungsverfügung der
Gemeinde Niederbipp vom 19. Juni 2018 zuständig. Der Beschwerdeführer ist als Adressat
der angefochtenen Verfügung zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 65 Abs. 1 VRPG3).
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (Organisationsverordnung BVE, OrV BVE; BSG 152.221.191). 2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0). 3 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21).
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b) Baupolizeiliche Verfügungen können gemäss Art. 49 Abs. 1 BauG innert dreissig
Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde angefochten werden. Fristen, die durch eine
Mitteilung ausgelöst werden, beginnen am folgenden Tag zu laufen (Art. 41 Abs. 1 VRPG).
Ist der letzte Tag der Frist ein Samstag, ein Sonntag oder ein vom Bundesrecht oder vom
kantonalen Recht anerkannter Feiertag, so endet sie am nächstfolgenden Werktag (Art. 41
Abs. 2 VRPG).
Zur Wahrung einer Frist muss die betreffende Handlung vor Ablauf der Frist, d.h. bis um
24:00 Uhr des letzten Tages, vorgenommen werden (Art. 42 Abs. 1 VRPG). Eine Eingabe
muss bis zu diesem Zeitpunkt der Behörde, der schweizerischen Post oder einer
schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung übergeben werden
(Art. 42 Abs. 2 VRPG). Die Frist zur Einreichung eines Rechtsmittels ist eine
Verwirkungsfrist. Damit ist die Rechtzeitigkeit der Beschwerdeeinreichung eine
unabdingbare Eintretensvoraussetz-ung.
c) Die Gemeinde Niederbipp hat die angefochtene Verfügung, gemäss Auszug aus
ihrem Empfangsscheinbuch, am 18. Juni 2018 der schweizerischen Post übergeben.4
Gemäss Sendungsverfolgung der Post wurde die Verfügung anschliessend am 21. Juni
2018 am Postschalter in Niederbipp abgeholt bzw. zugestellt. Demnach begann für den
Beschwerdeführer die dreissigtägige Beschwerdefrist am 22. Juni 2018 zu laufen und
endete – in Anbetracht dessen, dass der 21. Juli 2018 ein Samstag war – am Montag, dem
23. Juli 2018. Der Beschwerdeführer hat seine Beschwerde, gemäss Poststempel,
indessen erst am 12. August 2018 der Post übergeben. Somit erfolgte die Einreichung der
Beschwerde zwanzig Tage zu spät.
d) Nach Art. 43 Abs. 2 VRPG kann eine versäumte Frist auf Gesuch hin
wiederhergestellt werden, wenn eine Partei unverschuldeterweise abgehalten worden ist,
fristgerecht zu handeln. Diese Voraussetzung ist hier nicht erfüllt: Dem Beschwerdeführer
musste aufgrund der Rechtsmittelbelehrung in der angefochtenen Verfügung bewusst sein,
dass er die Verfügung innert dreissig Tagen anzufechten hat. Dies gilt umso mehr, als der
Beschwerdeführer im Jahr 2012 bereits einmal eine Beschwerde gegen eine praktisch
4 Die angefochtene Verfügung datiert fälschlicherweise vom 19. Juni 2018; richtig wäre 18. Juni 2018.
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identische Wiederherstellungsverfügung der Gemeinde Niederbipp bei der BVE eingereicht
hatte. Es sind auch keine anderen Gründe für eine Fristwiederherstellung ersichtlich.
Unbehelflich sind ferner seine sinngemässen Einwände, wonach die Beschwerdefrist
während den Gerichtsferien stillgestanden habe und er bei der Gemeinde Niederbipp eine
Bauvoranfrage betreffend die Erstellung einer «Parkplatz-Solarüberdachung» eingereicht
habe. Einerseits kennt das VRPG im Unterschied zum Bundesverwaltungs- und
Zivilprozessverfahren (vgl. Art. 22a VwVG5 und Art. 145 ZPO6) keinen Fristenstillstand;7
der Beschwerdeführer beruft sich zudem nicht auf eine gegenteilige Behördenauskunft.
Andererseits gilt eine Bauvoranfrage nicht als nachträgliches Baugesuch und kann daher
auch nicht zu einer Aufschiebung der Wiederherstellungsverfügung im Sinne von Art. 46
Abs. 2 Bst. b BauG führen. Hinzu kommt, dass die vom Beschwerdeführer erwähnte
Bauvoranfrage nicht die Ablagerung ausgedienter Fahrzeuge und Altreifen betrifft, sondern
den Neubau eines Carports mit Solaranlage.
e) Da der Beschwerdeführer mit seiner Eingabe die Frist nicht wahrte, kann auf die
Beschwerde nicht eingetreten werden.
2. Kosten
Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt der Beschwerdeführer. Er hat daher die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 400.– (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV8).
Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 Abs. 1 und 4 VRPG).
5 Bundesgesetz vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (Verwaltungsverfahrensgesetz, VwVG; SR 172.021). 6 Schweizerische Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 (Zivilprozessordnung, ZPO; SR 272). 7 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 41 N. 6. 8 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21).
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