# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c415675d-ae6d-4840-97eb-f3c4dbc1bcd7
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. O._, P._ und R._ wohnen gemeinsam mit ihren Eltern an der Q._-strasse in X._.
Alle drei Kinder machen Sport und besuchen die ausserkantonale Talentschule in Y._.
Das Schulamt X._ bewilligte ihnen gestützt auf Art. 53 Abs. 1 des
Volksschulgesetztes (sGS 213.1; VSG) den Besuch der ausserkantonalen Talentschule
mit Übernahme des Schulgeldes gemäss dem Anhang zur Interkantonalen
Vereinbarung für Schulen mit spezifisch-strukturierten Angeboten für Hochbegabte
vom 20. Februar 2003 (sGS 211.83, IVH; Schreiben des Schulamtes X._ vom 28.
Februar 2011, 3. April 2013 und 1. Juli 2015).
B. Mit Schreiben vom 7. Juni 2015 reichten die Eltern, A._ und B._, ein Gesuch um
Übernahme der Kosten für den Transport der drei Kinder von ihrem Wohnort X._ zur
ausserkantonalen Talentschule nach Y._ ein. Während der dreijährigen Oberstufenzeit
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
seien Kosten in der Höhe von CHF 11‘305 angefallen (Kosten für SBB-
Generalabonnement). Das Schulamt X._ wies das Gesuch mit Verfügung vom
21. September 2015 ab. Als Begründung gab es an, dass keine genügende gesetzliche
Grundlage für eine Übernahme der Transportkosten bestehe.
C. Den dagegen erhobenen Rekurs wies die Rekurskommission Schule mit Entscheid
vom 23. Oktober 2015 ab. Sie gelangte im Wesentlichen ebenfalls zu Ansicht, dass
eine gesetzliche Grundlage für die Übernahme der geltend gemachten Transportkosten
zwischen dem Wohn- und Schulort fehle. Bei der ausserkantonalen Talentschule
handle es sich um eine externe private Talentschule. In solchen Fällen könne die
Schulgemeinde nur zur Leistung von Beiträgen an das Schulgeld, nicht aber zur
Übernahme der Transportkosten verpflichtet werden.
D. Am 9. November 2015 erhoben die Eltern, A._ und B._, Rekurs gegen den
Entscheid der Rekurskommission Schule vom 23. Oktober 2015 beim
Bildungsdepartement. Der Erziehungsrat kam zum Schluss, dass X._ für die
Transportkosten an die ausserkantonale Talentschule in der Höhe von CHF 11‘305
aufzukommen habe. Das Schulamt X._ habe den Besuch der Sportschule bewilligt.
Damit gehe auch ein Anspruch auf Übernahme der Transportkosten bei einem
unzumutbaren Schulweg, welcher in diesem Fall vorliege, einher. Im Entscheid vom
24. August 2016 (zugestellt am 31. August 2016) hiess der Erziehungsrat den Rekurs
gut.
E. Die Politische Gemeinde X._ (Beschwerdeführerin) reichte mit Eingabe vom
13. September 2016 und mit Ergänzung vom 15. November 2016 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht ein. Sie beantragte die Aufhebung des Entscheides des
Erziehungsrates vom 24. August 2016 unter Kosten und Entschädigungsfolge.
Der Erziehungsrat (Vorinstanz) stellte in seiner Vernehmlassung vom 5. Dezember 2016
Antrag auf Abweisung der Beschwerde. Die Eltern, A._ und B._ (Beschwerdegegner),
beantragten in ihrer Stellungnahme vom 10. Januar 2017 ebenfalls, dass die
Beschwerde abzuweisen sei.
Mit Schreiben vom 23. Februar 2017 nahm die Beschwerdeführerin im Sinne einer
Replik zu den Ausführungen der Vorinstanz und der Beschwerdegegner Stellung.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie die

## Considerations

Akten wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Die
Beschwerdeführerin ist durch den Entscheid der Vorinstanz, welcher sie zur Vergütung
der Transportkosten der drei Kinder verpflichtete, ähnlich wie ein Privater in ihren
finanziellen Interessen betroffen und somit zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert
(Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP, Cavelti/Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 446). Die
Beschwerde gegen den Entscheid der Vorinstanz vom 24. August 2016 wurde mit
Eingabe vom 13. September 2016 rechtzeitig erhoben und erfüllt - unter
Berücksichtigung der Ergänzung vom 15. November 2016 - formal und inhaltlich die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1
und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
2. Strittig ist, ob die Beschwerdeführerin für die Transportkosten der Kinder der
Beschwerdegegner vom Wohnort X._ zur Talentschule in Y._ aufzukommen hat.
3. Die Vorinstanz verwies in ihrem Entscheid auf Art. 19 in Verbindung mit Art. 62
Abs. 2 der Bundesverfassung (SR 101, BV), gemäss welcher die Kantone verpflichtet
seien, für ausreichenden und unentgeltlichen Grundschulunterricht zu sorgen. Aus der
in Art. 19 BV garantierten Unentgeltlichkeit ergebe sich ein Anspruch auf Übernahme
der Transportkosten, wenn der Schulweg wegen übermässiger Länge oder
Gefährlichkeit dem Schulkind nicht zugemutet werden könne. Nach Art. 52 VSG hätten
die Schülerinnen und Schüler grundsätzlich die öffentliche Schule am Ort zu besuchen,
wo sie sich aufhalten würden. Art. 53 VSG regle als Spezialfall des auswärtigen
Schulbesuchs den Besuch einer Schule für Hochbegabte. Für den Transport von
Schülerinnen und Schüler mit unzumutbarem Schulweg sorge der Schulträger am
bis
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Aufenthaltsort (Art. 20 Bst. a VSG). Dies gelte auch, wenn die Schule den auswärtigen
Schulbesuch gestatte bzw. anordne. Eine dementsprechende Regelung sehe auch das
Konzept Hochbegabtenförderung im Kanton St. Gallen (erlassen vom Erziehungsrat am
23. November 2011, geändert durch den Nachtrag im Bereich Sport vom 21. Oktober
2015 und 15. Februar 2018, zu finden unter: www.schule.sg.ch, Volksschule/Unterricht/
Sonderpädagogik in der Regelschule/Begabungsförderung) in Kapitel 5.4.9 vor. Im
vorliegenden Fall habe die Beschwerdeführerin den Besuch der ausserkantonalen
Talentschule für alle drei Kinder der Beschwerdegegner bewilligt. Damit habe das
Schulamt bestätigt, dass die Kinder nicht in X._ talentgefördert werden könnten und
sie somit Anspruch auf einen auswärtigen Schulbesuch hätten. Damit würde auch der
Anspruch auf Übernahme der Transportkosten bei einem unzumutbaren Schulweg
einhergehen. Unerheblich sei der Einwand der Beschwerdeführerin, dass es sich bei
der ausserkantonalen Talentschule um eine Privatschule handle, weshalb sie nicht zur
Kostenübernahme verpflichtet werden könne. Mit der Aufnahme der ausserkantonalen
Talentschule in den Anhang der IVH und der entsprechenden Erklärung des Kantons
St. Gallen, dass das Schulgeld für diese Schule zu übernehmen sei, erfülle diese bei
einem vom angegebenen Schulträger bewilligten und finanzierten Talentschulbesuch in
dessen Auftrag die öffentliche Aufgabe der Gewährleistung eines ausreichenden
Grundschulunterrichts im Sinne der BV. Folglich sei die ausserkantonale Talentschule
nicht als reine Privatschule mit entsprechend alleiniger Finanzierung durch die Eltern zu
behandeln. Dass der Weg in die Sportschule Y._ von den Kindern der
Beschwerdegegner nicht „aus eigener Muskelkraft“ zu bewältigen bzw. aufgrund seiner
Länge unzumutbar sei, sei nicht umstritten. Daher kam die Vorinstanz zum Schluss,
dass die Beschwerdeführerin für die Transportkosten an die ausserkantonale
Talentschule aufzukommen habe. Bei der Höhe der Transportkosten von CHF 11‘305
würden sich die Beschwerdegegner auf die Preise für das SBB-Generalabonnement
stützen. Die Höhe werde von der Beschwerdegegnerin nicht bestritten und erweise
sich als gerechtfertigt.
4. In ihren Eingaben weist die Beschwerdeführerin darauf hin, dass es vorliegend nicht
um einseitig und notfalls gegen den elterlichen Willen angeordnete unzumutbare
Schulwege gehe. Dadurch entstandene Transportkosten würden unbestrittenermassen
zu Lasten der Gemeinde gehen. Es gehe um die Frage, ob sachlich nicht zwingende,
dennoch bewilligte, erschwert erreichbare Unterrichtsorte automatisch kraft Verfassung
http://www.schule.sg.ch/
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
und Gesetz Wegkosten zu Lasten der Gemeinde generieren würden. Diese Frage stelle
sich wegen des Diskriminierungsverbots bei sämtlichen dieser Bewilligungen,
ungeachtet bestimmter Schülerkategorien und unabhängig davon, ob eine kausal aus
der Bewilligung resultierende Schulwegerschwernis sich auf das Stadtgebiet
beschränke oder über dieses hinausführe. Bei Vorliegen besonderer Gründe könne der
Schulrat gestützt auf Art. 53 Abs. 1 VSG einen auswärtigen Schulbesuch gestatten
oder anordnen. Gestatten bedeute in der Praxis gewöhnlich die ausnahmsweise
Bewilligung einer auswärtigen öffentlichen Schule ohne Vorliegen betrieblicher Notwen
digkeit. Anordnen bedeute die ausnahmsweise Zuweisung in eine auswärtige
öffentliche Schule, dies notfalls auch gegen den elterlichen Willen. Sei eine auswärtige
Beschulung bewilligt oder angeordnet, trage die Schulgemeine am Ort, wo sich die
Schülerin oder der Schüler aufhalte, das Schulgeld. Die Talentbeschulung sei eine
Sonderform der auswärtigen Beschulung, weshalb sie direkt im Anschluss in Art. 53
VSG folge. Zu allfälligen Wegkosten bestehe weder in Art. 53 noch in Art. 53 VSG
eine Regelung; diesbezüglich sei auf Art. 20 VSG zu verweisen. Anzumerken sei, dass
entgegen dem in Art. 53 VSG statuierten Anspruch auf „das“ Schulgeld, in Art. 53
VSG lediglich von einem Beitrag „an“ das Schulgeld gesprochen werde. Der
Gesetzgeber sei offenbar der Auffassung, diese diskriminierende Einschränkung sei mit
Art. 19 und Art. 62 Abs. 2 BV vereinbar. Auch im VerwGE B 2009/18 vom
22. September 2009 habe das Verwaltungsgericht eine Kostenbeteiligung der Eltern für
auswärtige Musiktalente als zulässig erachtet. Die Beschwerdeführerin ist der Ansicht,
dass Art. 53 VSG dem verfassungsmässig geschützten Anspruch auf
Unentgeltlichkeit des Unterrichts entgegenstehe. Es mute deshalb willkürlich und
unverhältnismässig an, von einer vollen Schulgeldübernahme abzusehen, jedoch eine
Kostenübernahme für einen verfassungsmässig nicht erwähnten Nebenpunkt, konkret
die Transportkosten, vorzusehen. Es gehe auch nicht an, dass die Vorinstanz
argumentiere, mit der Bewilligung des elterlichen Antrags auf Beschulung in der
ausserkantonalen Talentschule gehe die dadurch entstandene Unzumutbarkeit des
Schulwegs einher. Diese Kausalität sei nicht gegeben, wenn die Gemeinde zum
Zwecke ausreichender Grundschulausbildung eine Schule mit zumutbarem Schulweg
anbieten könne, die Eltern jedoch einen anderen Antrag gestellt hätten. Trotz
Bewilligung hätten die Eltern die Unzumutbarkeit des Schulwegs in Kauf genommen
und hätten daher die daraus entstandenen Mehrkosten entschädigungslos
bis
bis
bis
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
hinzunehmen. Im vorliegenden Fall sei überdies zu bedenken, dass sich der
Trainingsort bereits in Y._ befunden habe. Der Weg vom Wohn- zum Trainingsort sei
somit ohnehin entstanden. Die Wohnsitzgemeinde führe vor Ort selbst eine anerkannte
Talentschule im Bereich Sport. Der Antrag auf Talentbeschulung am Trainingsort sei
zwar möglich, müsse aber nicht zwingend bewilligt werden. Im Sinne eines
behördlichen Entgegenkommens werde eine auswärtige Beschulung aber
ausnahmsweise bewilligt, um in bestimmten Einzelfällen den Zeitaufwand für den
Wechsel zwischen Schule und mehrphasigem Training zu minimieren. Aus Kulanz sei
die Bewilligung erteilt worden, wie dies auch für Talente im Bereich Fussball
gehandhabt werde, wenn diese den Trainingsort in Bürglen TG hätten. Festzuhalten
bleibe jedoch, dass entgegen der Ansicht der Beschwerdegegner die ausserkantonale
Talentschule nicht das einzige für hochbegabte Sportler verfügbare Angebot sei. Auch
die städtische Talentschule habe mit der Anerkennung (gemäss Konzept
Hochbegabtenförderung und Anhang zur IVH) ohne weiteres den Nachweis erbracht,
dass ihre spezifisch-strukturierten Angebote für Hochbegabte geeignet seien, die
rechtlichen Anforderungen an die geschuldete Talentförderung hinreichend zu erfüllen,
dies unabhängig von der Sportart. Die anstelle der Zuweisung ins eigene anerkannte
Angebot vom Schulamt gemachte Bewilligung an die auswärtige Schule am
Trainingsort könne daher nicht automatisch als Zugeständnis gewertet werden, dass
die Angebote vor Ort nicht genügen würden. Aufgrund des ausdrücklichen Wunsches
der Beschwerdegegnerin sei nicht der Besuch der nächstgelegenen Talentschule,
sondern die auswärtige ausserkantonale Talentschule bewilligt worden. Solche
Elternwünsche könnten nach Möglichkeit jedoch nur berücksichtigt werden, wenn
dadurch nicht noch zusätzliche Mehrkosten in Sinne der Transportkosten wegen
unzumutbarem Schulweg entstehen würden.
5.
5.1. Nach Art. 62 Abs. 2 BV sorgen die für das Schulwesen zuständigen Kantone für
den ausreichenden, allen Kindern offen stehenden und an öffentlichen Schulen
unentgeltlichen obligatorischen Grundschulunterricht. Die Anforderungen von Art. 19
BV belassen den Kantonen einen erheblichen Gestaltungsspielraum (BGE 141 I 9 E.
3.3). Die in Art. 2 lit. m der Verfassung des Kantons St. Gallen (sGS 111.1, KV)
gewährten Rechte auf ausreichenden und unentgeltlichen Grundschulunterricht (vgl.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
hierfür VwerGE B 2016/137 vom 23. April 2018, www.gerichte.sg.ch) ergeben keine
über die in der BV garantierten hinausgehenden Ansprüche. Bezüglich der Frage der
Vergütung von Transportkosten ist festzuhalten, dass damit nicht der eigentliche
Kernbereich der Unentgeltlichkeit des Unterrichts betroffen ist (BGE 133 I 156 E. 3.6.3).
Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist es vorab Sache des kantonalen
Gesetzgebers, die Voraussetzungen zu bestimmen, unter denen die Gemeinden einen
Transportdienst zu organisieren und/oder Transportkosten ganz oder teilweise zu
übernehmen haben (Urteile des Bundesgerichts 2C_1063/2015 vom 16. März 2017 E.
4.2, 2C_433/2011 vom 1. Juni 2012 E. 4.1).
5.2. Grundsätzlich hat ein Schüler im Kanton St. Gallen die öffentliche Schule am Ort
zu besuchen, wo er sich aufhält (Art. 52 VSG). Nach Art. 53 VSG kann der Schulrat den
auswärtigen Schulbesuch eines Schülers jedoch gestatten oder anordnen, wenn
besondere Gründe, wie unzumutbare Schulwege oder eine sinnvolle Klassenbildung,
es rechtfertigen (Abs. 1). Die Schulgemeinde nimmt Schüler aus anderen
Schulgemeinden gegen angemessenes Schulgeld auf, soweit die Platzverhältnisse es
erlauben (Abs. 2). Dabei trägt die Schulgemeinde am Ort, wo sich der Schüler aufhält,
das Schulgeld für den auswärtigen Schulbesuch (Abs. 3). Als Spezialnorm des
auswärtigen Schulbesuchs wird der Besuch einer Schule für Hochbegabte in Art. 53
VSG geregelt. Der Schulrat gestattet den Besuch einer Schule für Hochbegabte, wenn
eine Hochbegabung sich in der öffentlichen Schule am Aufenthaltsort nicht entfalten
kann und die Schule den Erziehungs- und Bildungsauftrag erfüllt sowie am Standort
öffentlich anerkannt ist (Art. 53 Abs. 1 VSG). Die Regierung bezeichnet durch
Verordnung die Voraussetzungen für den Besuch einer Schule für Hochbegabte sowie
die anerkannten Schulen und den Beitrag der Schulgemeinde an das Schulgeld
(Art. 53 Abs. 2 VSG). Die detaillierten Voraussetzungen, welche die Schüler für den
Besuch einer Talentschule für Sport erfüllen müssen, finden sich in Art. 11 Abs. 1
Ziff. a der Verordnung über den Volksschulunterricht (sGS 213.12, VVU). Die
Schulgemeinde zahlt den vereinbarungsgemässen Beitrag an das Schulgeld (Art. 11
Abs. 2 VVU).
5.3. Die in X._ wohnhaften Beschwerdegegner ersuchten die Beschwerdeführerin um
Bewilligung der auswärtigen Beschulung an der ausserkantonalen Talentschule in Y._,
damit eine zielgerichtete Förderung ihrer drei Kinder im Sport möglich sei. Alle drei
bis
bis
bis
bis
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Kinder der Beschwerdegegner sind Sportler und verfügen über die Swiss Olympic
Talent Card regional bzw. das Mädchen über die nationale Talent Card. Vorliegend ist
unbestritten, dass die Kinder der Beschwerdegegner die Voraussetzungen für den
Besuch einer Sporttalentschule nach Art. 11 Abs. 1 Ziff. a VVU erfüllen. Die
notwendige Bewilligung für den Besuch der gemäss Anhang zur IVH anerkannten
Talentschule, der ausserkantonalen Talentschule in Y._, wurde durch die
Beschwerdeführerin für jedes Kind erteilt (siehe Schreiben des Schulamtes X._ vom
28. Februar 2011, 3. April 2013 und 1. Juli 2015). X._ verfügt zwar über eine eigene
Talentschule für Sport an der Sekundarschule K._ und diese Beschulungsmöglichkeit
wurde auch durch das Schulamt X._ geprüft. Die Rücksprache mit den
Verantwortlichen in der Talentschule X._ ergab allerdings, dass eine talententfaltende
Förderung zu jenem Zeitpunkt in X._ selber nicht gegeben war (Schreiben des
Schulamtes X._ vom 3. April 2013 und 1. Juli 2015). Daraus folgt, dass die Beschulung
der Kinder an der ausserkantonalen Talentschule in Y._ entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführerin nicht auf Wunsch der Beschwerdegegner erfolgte, sondern
aufgrund dessen, dass sich die Kinder mit ihrer Hochbegabung im Bereich Sport an
der öffentlichen Schule am Aufenthaltsort nicht entfalten konnten (Art. 53 Abs. 1
VSG). Die auswärtige Beschulung wurde folglich - wie ausgeführt - mangels anderer
adäquater Alternativen am Wohnort bewilligt (vgl. BGer 2C_758/2013 vom 30. Juni
2014 E. 3.2.2 mit Hinweisen, Urteil des Verwaltungsgerichts Zürich VB.2009.00591 vom
24. Februar 2010 E. 5.5, www.vgr.zh.ch).
5.4. Hinsichtlich der Vergütung der Transportkosten wurde in den Schreiben des
Schulamtes X._ vom 28. Februar 2011, 3. April 2013 und 1. Juli 2015 keine Regelung
getroffen. Auch den massgebenden gesetzlichen Bestimmungen (Art. 53 Abs. 1 VSG
in Verbindung mit Art. 11 VVU) kann dazu nichts entnommen werden. Die Vorinstanz
verweist diesbezüglich auf das Konzept Hochbegabtenförderung im Kanton St. Gallen,
gemäss welchem die abgebende Schule für die Transportkosten zur Talentschule
aufzukommen hat, wenn der Schulweg für die Schülerin oder den Schüler unzumutbar
ist. Dieses Konzept stellt allerdings keine rechtliche Grundlage dar und ist deswegen
für das Gericht nicht verbindlich. Zudem wurde das Kapitel 5.4.9 erst mit dem
Nachtrag vom 21. Oktober 2015 eingeführt, wohingegen im vorliegenden Fall bereits
Transportkosten ab dem Schuljahr 2011 strittig sind. In der Botschaft und dem Entwurf
der Regierung vom 10. Januar 2006 zum IX. Nachtrag zum Volksschulgesetz vom
bis
bis
bis
bis
http://www.vgr.zh.ch
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
21. November 2006 (nGS 42-6) finden sich keine Ausführungen bezüglich der
Finanzierung von Transportkosten bei Begabungsförderung in der Schule. Im
Zusammenhang mit der Festlegung des Schulgelds der Gemeinden ist in der Botschaft
einzig festgehalten, dass den Eltern die Differenz zu den vollen Schulkosten sowie den
Lebens- und Trainingskosten verbleiben würde. Aus dem Willen des Gesetzgebers
lässt sich somit im konkreten Zusammenhang mit Talentschülern bezüglich der im
Streit liegenden Frage nichts ableiten. Bezüglich der Beschulung für Hochbegabte
besteht eine interkantonale Vereinbarung, die IVH. In dieser Vereinbarung werden der
interkantonale Zugang, die Stellung der Schülerinnen und Schüler und die Abgeltung,
welche die Wohnsitzkantone der Schülerinnen und Schüler den Trägern der Schulen
leisten, geregelt. In der IVH fehlen jedoch weitere Bestimmungen wie zum Beispiel zum
Verhältnis der Schülerinnen und Schüler zum öffentlichen Schulträger am
Aufenthaltsort, konkret zur Übernahme der Transportkosten. Somit kann auch die IVH
bezüglich der Transportkosten nicht analog herangezogen werden. Weitere
Regelungen zu den Transportkosten finden sich im kantonalen Recht im Gegensatz zu
anderen Kantonen nicht. Zum Beispiel hielt der Kanton Glarus in Art. 46 Abs. 4 des
Bildungsgesetzes (http://gesetze.gl.ch/, IV B/1/3) Folgendes fest: Die zusätzlichen
Transportkosten für selbst gewählte Schulstandorte gehen zu Lasten der
Erziehungsberechtigten (vgl. auch BGer 2C_758/2013 vom 30. Juni 2014 E. 2). Gemäss
dem Transportreglement der Stadt Zürich (www.stadt-zuerich.ch/portal/de/index.html
Politik&Recht/amtliche Sammlung, AS 410.110) ist das Vorliegen besonderer Gründe
unbeachtlich, wenn das Kind auf Wunsch der Sorgeberechtigten einem entfernter
gelegenen Schulhaus oder Kindergarten zugeteilt oder nach dem Wohnungswechseln
nicht einer entsprechend neuen Klasse zugeteilt worden ist (Art. 2 Abs. 2
Transportreglement, weiteres dazu im Urteil des Verwaltungsgerichts Zürich VB.
2009.00591 vom 24. Februar 2010 E. 4.3.). Es ist festzuhalten, dass es im Kanton
St. Gallen an einer direkt anrufbaren gesetzlichen Regelung betreffend die Übernahme
von Transportkosten von auswärtig beschulten Hochbegabten in den massgebenden
spezifischen gesetzlichen Bestimmungen fehlt (Art. 53 VSG, 11 VVU).
Heranzuziehen sind daher die allgemein gültigen Rechtsbestimmungen (Art. 52 VSG,
Art. 20 VSG).
6. Die Gemeinde hat im Rahmen von Art. 19 BV in Verbindung mit Art. 62 Abs. 2 BV
den räumlichen Zugang zu einer öffentlichen Schule sicherzustellen. Grundsätzlich ist
bis bis
http://gesetze.gl.ch/
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
der Unterricht am Wohnort der Kinder zu erbringen und darf dabei nicht an einem
ungünstigen Ort angeboten werden (vgl. Art. 52 VSG, S. Horvath, Der
verfassungsmässige Anspruch auf einen zumutbaren Schulweg, in: ZBl 108/2007, S.
637). Die räumliche Distanz zwischen Wohn- und Schulort darf den Zweck der
ausreichenden Grundschulausbildung nicht gefährden (J. Wyttenbach, in: Waldmann/
Belser/Epiney (Hrsg.), Basler Kommentar zur BV, Basel 2015, N 19 zu Art. 19). Um
einen zumutbaren Weg sicherzustellen, stehen verschiedene Mittel, wie z.B. die
Zuteilung zu einem anderen Schulhaus, die Zuteilung zur Schule einer
Nachbargemeinde oder raumplanerische und verkehrstechnische Massnahmen, zur
Verfügung (R. Kägi-Diener in: B. Ehrenzeller u.w. (Hrsg.), Die schweizerische
Bundesverfassung, St. Galler Kommentar, 3. Aufl. 2014, N 54 zu Art. 19). Kommen
diese Möglichkeiten nicht in Frage oder reichen sie nicht aus, so bleibt als letzte
Massnahme der Schülertransport (H. Plotke, Schweizerisches Schulrecht, 2. Aufl.
2003, S. 234).
6.1. Die Kostenübernahme kann, wenn verschiedene Arten von Beschulung, auch
Beschulung am Wohnort, möglich sind, strengeren Anforderungen unterliegen (Kägi-
Diener, a.a.O., N 55 zu Art. 19). Wie bereits aufgezeigt, war im vorliegenden Fall indes
keine adäquate Beschulung am Wohnort möglich und die Beschulung am
ausserkantonalen Schulort wurde vom hiesigen Schulträger bewilligt (E. 4). Nach Art.
20 lit. a VSG sorgen die Schulgemeinden für den Transport von Schülerinnen und
Schülern mit unzumutbarem Schulweg. Es ist daher zu prüfen, ob es sich beim
vorliegenden Weg vom Wohnort in X._ (Q._-strasse 0) zur ausserkantonalen
Talentschule in Y._ (D._-strasse 01) um einen unzumutbaren Schulweg handelt.
6.2. Die Zumutbarkeit eines Schulweges bestimmt sich nach seiner Länge und der zu
überwindenden Höhendifferenz, nach der Beschaffenheit des Weges und den damit
verbundenen Gefahren sowie nach Alter und Konstitution der betroffenen Kinder (vgl.
BGer 2P.101/2005 vom 25. Juli 2005 E. 5.1, Plotke, a.a.O., S. 226 ff.). Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist für einen Schüler auf Kindergartenstufe ein zu
Fuss zurückzulegender Schuweg von über einer halben Stunde regelmässig
unzumutbar (Plotke, a.a.O., S. 227, BGer 2P.101/2004 vom 14. Oktober 2004 E. 4.4)
und vierzig Minuten für den Schulweg eines Primarschülers der ersten Klasse an der
oberen Grenze des Zumutbaren (BGer 2C_495/2007 vom 27. März 2008 E. 2.3). Für
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Schüler im Alter von 13 bis 16 Jahren erachtete das Bundegericht einen Schulweg von
40 Minuten mit dem Fahrrad (BGer 2P.101/2004 vom 14. Oktober 2004 E. 4) und gar
einen solchen von 50 Minuten (Fussmarsch inkl. einer Bahnfahrt von acht Minuten,
BGer 2P.101/2005 vom 25. Juli 2005 E. 5.2.1 f.) als zumutbar. Das Verwaltungsgericht
des Kantons St. Gallen hielt bei einem Oberstufenschüler einen Schulweg von ca. 35
Minuten (zu Fuss und mit der Bahn) für zumutbar (VerwGE B 2016/121 vom
20. Dezember 2016 E. 4.2). Im vorliegenden Fall dauert allein die Bahnfahrt von X._
nach Y._ mindestens 50 Minuten. Hinzu kommt ein Fussweg von über 30 Minuten
(Q._-strasse 0 bis Bahnhof X._ und Bahnhof Y._ bis D._-strasse 01). Ein solcher
Schulweg ist - wie von der Vorinstanz zu Recht festgestellt und von der
Beschwerdeführerin auch unbestritten - als unzumutbar zu betrachten.
Demensprechend hat die Beschwerdeführerin für die Transportkosten der drei Kinder
aufzukommen.
6.3. Betreffend die Höhe der geltend gemachten Transportkosten in Form des SBB-
Generalabonnements werden von der Beschwerdeführerin keine Einwände
vorgebracht. Im Vergleich zum Jahresabonnement Ostwind (acht Zonen) erweisen sich
die Kosten für das SBB-Generalabonnement auch als günstigste Variante. Die
Beschwerdeführerin bringt allerdings vor, dass den Beschwerdegegnern ohnehin
Kosten für die Fahrt von X._ bis zum Trainingsstützpunkt in Y._ angefallen wären.
Dabei übersieht sie, dass die Kinder das SBB-Generalabonnement für die Zugfahrt
zum Besuch des Grundschulunterrichts benötigen. Daran ändert der Umstand, dass
sich im konkreten Fall der Trainingsort am selben Ort wie der Grundschulunterricht
befindet, nichts. Die Beschwerdegegner gaben überdies in ihrer Vernehmlassung vom
10. Januar 2017 an, dass sich der Trainingsort während des Primarschulbesuchs noch
in X._ und nicht in Y._ befunden habe. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin
können den Beschwerdegegnern bei diese Sachlage keine „Ohnehin-Kosten“
angerechnet werden.
6.4. Abschliessend ist festzuhalten, dass die Beschulung der Kinder der
Beschwerdegegner an der ausserkantonalen Talentschule in Y._ mangels adäquater
Beschulungsmöglichkeit am Wohnort von der Beschwerdeführerin bewilligt wurde.
Aufgrund des im Sinn der dargelegten Rechtsprechung unzumutbaren Schulwegs vom
Wohnort X._ zum Schulort in Y._ hat die Beschwerdeführerin für den Zeitraum der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Schuljahre 2011/2012 bis 2015/2016 die Transportkosten in der Höhe von CHF 11‘305
zu übernehmen. Die Beschwerde ist abzuweisen.
7. (...).
8. (...).