# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f1746845-7faa-4c1e-b653-319f6f6881b4
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2009
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. Bis zur Einschulung wuchs Y. als Einzelkind in C. und dann in T. auf. In T. besuchte er 7 Jahre die Primar- und 2 Jahre die Realschule. Ende Juli 2003 trat er bei der D. in H. eine Anlehre als Spengler an, die er Ende Juli 2005 erfolgreich abschloss. Bis Ende Juni 2006 war er dort arbeitstätig. Anschliessend absolvierte er die Rekrutenschule. Seit dem 1. Dezember 2006 ist Y. als Maschinenführer bei der Firma E. AG in F. angestellt. Am 1. April 2008 verlegte Y. seinen Wohnsitz von G. nach H.. Gemäss eigenen Angaben erzielt er ein jährliches Nettoeinkommen von CHF 52'000.--. Er hat weder Vermögen noch Schulden.
B. Im Schweizerischen Strafregister ist Y. nicht verzeichnet. Mit Entscheid vom 6. Juli 2004 sowie vom 5. Oktober 2005 wurde er von der Jugendanwaltschaft Graubünden wegen mehrfachen Widerhandlungen gegen Art. 19a Ziff. 1 BetmG mit je einer Busse von CHF 100.-- beziehungsweise CHF 300.-- bestraft.
C. Y. wurde am 8. Juli 2008 im RhB-Zug zwischen T. und Landquart festgenommen und am 11. Juli 2008 vom Haftrichter des Bezirksgerichts Plessur in Untersuchungshaft gesetzt, die in der Strafanstalt Sennhof in H. vollzogen wurde. Die Haftentlassung erfolgte am 8. August 2008.
D. Im psychiatrischen Gutachten vom 23. September 2008 gelangt Dr. med. C. S., leitender Arzt des Forensischen Dienstes der Klinik Beverin, zum Ergebnis, dass der Angeklagte regelmässig Kokain konsumiere, aber die Kontrolle über den Konsum nie verloren habe. Seine Kokainabhängigkeit könne als mittelschwer beurteilt werden. Es fänden sich keine Hinweise darauf, dass seine Fähigkeit, gemäss dieser Einsicht zu handeln, vermindert gewesen sei. Somit sei aus gutachterlicher Sicht keine Verminderung der Schuldfähigkeit ersichtlich. Nebst dem Kokainkonsum betreibe der Angeklagte einen riskanten Alkoholkonsum. Die Gefahr, dass er nach der Haftentlassung wieder in alte Konsummuster zurückfallen werde, müsse als hoch angesehen werden. Auch in Bezug auf den Ecstasykonsum sei mit einer eher hohen Rückfallwahrscheinlichkeit zu rechnen. Bei erneutem Kokainkonsum werde er früher oder später auch wieder in finanzielle Schwierigkeiten geraten, womit die Gefahr für erneute Beschaffungskriminalität ebenfalls erfüllt sei. Aus gutachterlicher Sicht genüge eine ambulante Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB. Die Anordnung einer Massnahme für junge Erwachsene im Sinne von Art. 61 StGB erscheint gemäss Dr. med. C. S. nicht notwendig, da der Angeklagte sozial gut integriert sei.
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E. Y. wurde mit Anklageverfügung vom 21. November 2008 wegen Widerhandlung gegen Art. 19 Ziff. 2 lit. a BetmG, mehrfacher Widerhandlung gegen Art. 19 Ziff. 1 und Art. 19a Ziff. 1 BetmG sowie Widerhandlung gegen Art. 4 Abs. 1 lit. c WG in Verbindung mit Art. 33 Abs. 1 lit. a WG in Anklagezustand versetzt. Dieser Anklage legte die Staatsanwaltschaft Graubünden in ihrer Anklageschrift folgenden Sachverhalt zugrunde:
„Zwischen März und dem 8. Juli 2008 erwarb der vollumfänglich geständige Angeklagte 290 Gramm Kokain für CHF 23'700.--, 50 Gramm Marihuana für CHF 500.--, 20 Ecstasy-Tabletten für Fr. 200.-- sowie 5 Gramm Haschisch zu einem unbekannten Preis. Davon verkaufte er mindestens 200 Gramm Kokain für CHF 18'000.-- bis CHF 20'000.--, 10 Ecstasy-Tabletten für CHF 150.-- bis CHF 200.-- und 30 Gramm Marihuana für CHF 300.-- an mindestens zehn Abnehmer im Raume H. und Kreis Fünf Dörfer. In der erwähnten Zeitspanne konsumierte er mindestens 60 Gramm Kokain, 10 Ecstasy-Tabletten, 20 Gramm Marihuana und 4.5 Gramm Haschisch.
1. Ankauf und Konsum von Kokain, Ecstasy, Marihuana und Haschisch
Ab März 2008 begab sich der Angeklagte ein- bis zweimal pro Woche nach T. und kaufte dort von I. jeweils Kokain in Portionen von 1, 5, 10 oder 15 Gramm. Unmittelbar vor seiner Festnahme erwarb er 30.9 Gramm Kokain von I.. Weitere 20 Gramm Kokain übernahm er von U., welcher das Rauschgift ebenfalls von I. bezog. Der Grammpreis betrug CHF 80.--. Von diesen insgesamt 290 Gramm Kokain hat Y. 60 Gramm für seinen Eigenkonsum verwendet.
In derselben Zeitspanne kaufte der Angeklagte an einer Goa-Party in Frauenfeld von unbekannten Personen 20 Ecstasy-Tabletten zum Stück von CHF 10.--, wovon er 10 Stück selbst konsumierte.
Zwischen März und Juli 2008 erwarb er zudem auf der Gasse in H. von ihm unbekannten Personen insgesamt 50 Gramm Marihuana und 5 Gramm Haschisch. Für das Gramm Marihuana bezahlte er CHF 10.-. Der Preis für das erworbene Haschisch ist nicht bekannt.
2. Verkauf von Kokain Der Angeklagte verkaufte ausschliesslich in seiner damaligen Wohnung an der Strasse_ in H.im erwähnten Zeitraum mindestens 200 Gramm Kokain. Für ein Gramm Kokain verlangte er CHF 90.-- bis CHF 100.--. Die Kontaktaufnahme mit seinen Abnehmern erfolgte vorwiegend mit dem Mobiltelefon oder durch zufällige Treffpunkte im Ausgang. Bekannt sind folgende Personen, welche vom Angeklagten Kokain gekauft haben: J. (2 Gramm), K. (2 Gramm) und L. (4 Gramm).
Anlässlich der Festnahme konnten beim Angeklagten 30.9 Gramm Kokain sichergestellt werden. Er hatte die Absicht, dieses Kokain anlässlich des Openairs in Frauenfeld zu verkaufen. Dieses Rauschgift weist gemäss kriminaltechnischem Untersuchungsbericht der Kantonspolizei St. Gallen einen Reinhaltsgehalt von 24% auf. Stellt man bei sämtlichem vom Angeklagten verkauften Kokain auf diesen
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Reinheitsgehalt ab, hat er somit mindestens 48 Gramm reines Kokain an Drittpersonen verkauft.
3. Verkauf von Ecstasy-Tabletten
Zwischen März und Juli 2008 verkaufte der Angeklagte insgesamt 10 Ecstasy-Tabletten zum Stückpreis von CHF 15.-- bis CHF 20.--. Namentlich sind folgende Abnehmer bekannt: M. (3 Tabletten) und N. (2 Tabletten).
4. Verkauf von Marihuana
Ab März bis Juli 2008 verkaufte Y. eine Gesamtmenge von mindestens 30 Gramm Marihuana zum Grammpreis von CHF 10.-- an O., P., Q., K. und R..
5. Erwerb und Tragen einer Waffe ohne Bewilligung
Y. erwarb im Jahre 2006 ein eigenhändig bedienbares Messer. Seither führte er dieses Messer während des Militärdienstes sowie zum Teil in seiner Freizeit mit sich.
6. Beschlagnahme
Anlässlich der Festnahme wurde beim Angeklagten ausser 30.9 Gramm Kokain ein Mobiltelefon der Marke Sony Ericsson K800i, IMEI-Nr. 357315017814048, Rufnummer _, sichergestellt und später untersuchungsrichterlich beschlagnahmt. Im Weiteren konnten beim Angeklagten anlässlich der durchgeführten Hausdurchsuchung eine Waage (Proscale 100GM), ein einhändig bedienbares Messer (TOE Pro) sowie 0.5 Gramm Haschisch aufgefunden, polizeilich sichergestellt und später untersuchungsrichterlich beschlagnahmt werden.“
F. Die Hauptverhandlung vor Bezirksgericht Plessur fand in Anwesenheit des Angeklagten und seines amtlichen Verteidigers statt. Die Staatsanwaltschaft Graubünden hat auf eine mündliche Vertretung der Anklage verzichtet. Y. führte aus, er habe immer noch dieselbe Arbeitsstelle inne und der Arbeitgeber wisse vom Strafverfahren. Seit der Entlassung aus der Untersuchungshaft habe er keine Drogen mehr konsumiert. Gelegentlich trinke er jedoch Alkohol, vorallem an den Wochenenden. Er habe kein Verlangen mehr nach Drogen und er habe auch nichts gegen eine Behandlung einzuwenden. Y. hat sodann eingestanden, sämtliche ihm zur Last gelegten Delikte begangen zu haben.
G. In der Ergänzung der Anklageschrift vom 21. November 2008 stellt die Staatsanwaltschaft Graubünden die folgenden Anträge:
„1. Y. sei der Widerhandlung gegen Art. 19 Ziff. 2 lit. a BetmG, der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 19 Ziff. 1 und 19a Ziff. 1 BetmG sowie der Widerhandlung gegen Art. 4 Abs. 1 lit. c WG in Verbindung mit Art. 33 Abs. 1 lit. a WG schuldig zu sprechen.
2. Dafür sei er – unter Anrechung der entstandenen Untersuchungshaft von 32 Tagen – zu verurteilen:
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- zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten.
Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei aufzuschieben unter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren.
- zur Bezahlung einer Busse von Fr. 500.--, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 5 Tagen.
3. Dem Angeklagten sei im Sinne von Art. 44 Abs. 2 StGB in Verbindung mit Art. 94 StGB die Weisung zu erteilen, während der Dauer der Probezeit eine ärztlich kontrollierte Drogenabstinenz einzuhalten und sich einer ambulanten Suchtbehandlung zu unterziehen. Für die Dauer der Probezeit sei eine Bewährungshilfe gemäss Art. 93 StGB anzuordnen.
4. Die mit Verfügung vom 16. Oktober 2008 beschlagnahmte Waage, Marke Proscale, sowie das Mobiltelefon, Marke Sony Ericsson K 800i, seien gestützt auf Art. 70 Abs. 1 StGB gerichtlich einzuziehen.
Die mit Verfügung vom 16. Oktober 2008 beschlagnahmten 30.9 Gramm Kokain sowie 0.5 Gramm Haschisch seien gestützt auf Art. 69 StGB gerichtlich einzuziehen und zu vernichten.
Das mit Verfügung vom 16. Oktober 2008 beschlagnahmte einhändig bedienbare Messer, Marke TOE Pro, sei gestützt auf Art. 31 Abs. 3 WG gerichtlich einzuziehen.
5. Kostenfolge sei die gesetzliche.“
H. Der Verteidiger stellte und begründete folgende Anträge:
„1. Schuldspruch wegen Art. 19 Ziff. 2 BetmG und Art. 19a Ziff. 1 BetmG.
Freispruch i. S. Widerhandlungen gegen das Waffengesetz.
2. Verurteilung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 12 Monaten, unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren.
Verzicht auf eine Busse.
3. Weisung im Sinne von Art. 44 Abs. 2 StGB in Verbindung mit Art. 94 StGB, sich einer ambulanten Suchtbehandlung zu unterziehen.
4. Die beschlagnahmte Waage, das Mobiltelefon Sony Ericsson K800 und das Messer TOE Pro seien nicht einzuziehen. Die erwähnten Gegenstände seien Y. auszuhändigen.
5. Gesetzliche Kostenfolge.“
I. Mit Urteil vom 17. Februar 2009, mitgeteilt am 27. Mai 2009, erkannte das Bezirksgericht Plessur, wie folgt:
„1. Y. ist schuldig der Widerhandlung gegen Art. 19 Ziff. 2 BetmG sowie der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 19 Ziff. 1 und Art. 19a Ziff. 1 BetmG.
2. Y. wird vom Vorwurf der Widerhandlung gegen Art. 4 Abs. 1 lit. c WG in Verbindung mit Art. 33 Abs. 1 lit. a WG freigesprochen.
3. Y. wird mit einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten bestraft.
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Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird unter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren aufgeschoben.
Die entstandene Untersuchungshaft von 32 Tagen ist im Vollzugsfall an die Strafe anzurechnen.
Weiter wird Y. mit einer Busse von CHF 500.00 bestraft. Die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse beträgt 5 Tage. Sie tritt an die Stelle der Busse, soweit Y. diese schuldhaft nicht bezahlt.
4. Y. wird im Sinne von Art. 44 Abs. 2 StGB in Verbindung mit Art. 94 StGB die Weisung erteilt, während der Dauer der Probezeit eine ärztlich kontrollierte Drogenabstinenz einzuhalten und sich einer ambulanten Suchtbehandlung zu unterziehen.
5. Die bei Y. sichergestellten und beschlagnahmten 30.9 Gramm Kokain und 0.5 Gramm Haschisch sowie die Waage, Marke Proscale, werden gerichtlich eingezogen und sind zu vernichten.
Das beschlagnahmte Mobiltelefon, Marke Sony Ericsson K800i, sowie das Messer, Marke TOE Pro, sind Y. herauszugeben.
6. Die Untersuchungskosten der Staatsanwaltschaft Graubünden von CHF 9'038.30 gehen zu drei Viertel, d.h. zu einem Betrag von CHF 6'778.70, zu Lasten des Verurteilten und zu einem Viertel, nämlich zu einem Betrag von CHF 2'259.60, zu Lasten des Kantons Graubünden. Die Gerichtskosten in Höhe von CHF 3'000.00 gehen ebenfalls zu drei Viertel, d.h. zu einem Betrag von CHF 2'250.00, zu Lasten des Verurteilten und zu einem Viertel, nämlich zu einem Betrag in der Höhe von CHF 750.00 zu Lasten der Gerichtskasse. Y. hat somit die Untersuchungs- und Gerichtskosten in der Höhe von insgesamt CHF 9'028.70 zu tragen.
Die zu Lasten von Y. fallenden drei Viertel der Kosten der amtlichen Verteidigung in der Höhe von CHF 4'066.40 werden vorschussweise aus der Gerichtskasse beglichen. Für den verbleibenden Viertel der Kosten der amtlichen Entschädigung wird Y. zu Lasten des Kantons Graubünden eine Entschädigung von CHF 828.40 (inkl. Barauslagen und 7.6% MWST) und zu Lasten der Gerichtskasse eine Entschädigung von CHF 527.10 (inkl. Barauslagen und 7.6% MWST) zugesprochen. Die Kosten der angerechneten Untersuchungshaft sowie eines allfälligen Strafvollzuges gehen zu Lasten des Kantons Graubünden. Y. hat sich daran nach Massgabe von Art. 380 Abs. 2 StGB zu beteiligen.
Y. schuldet dem Bezirksgericht Plessur folglich total CHF 13'595.10 (Busse: CHF 500.00; Verfahrenskosten: CHF 13'095.10). Dieser Betrag ist inner 30 Tagen seit der Zustellung des Urteils auf das PC-Konto -3 des Bezirksgerichtes Plessur zu überweisen.

## Considerations