# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 286b46a1-e535-4512-860d-9bd84fe3ac7a
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1967, hat ihre Ausbildung mit dem Handelsschuldiplom abgeschlossen und war zuletzt als kaufmännische Ange
stellte in der Kreditorenbuchhaltung bei der
Y._
AG, res
pek
t
ive deren Rechtsvorgängerin Z._ AG, von 1994 bis 31. Dezember 2014 angestellt (Urk. 7/8, Urk. 7/30). Seit Februar 2015 arbeitet sie im 30%-Pensum als Mitarbeiterin im Marketing und der Fachberatung bei einer Sen
io
renbetreuung (Urk. 7/59/3).
Am
22. August 2013
(Eingangsdatum) mel
dete
sie
sich
unter Hinweis auf ein chronisches Schmerzsyndrom, bestehend sei einem Reitunfall im Jahr 1998,
bei der Sozi
alversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leis
tungen der Invalidenversicherung an (Urk.
7
/
3
). Zur Abklärung der medizi
nischen und erwerblichen Verhältnisse zog die IV-Stelle einen Auszug aus dem individuellen Konto (
Urk. 7/8
)
sowie die Akten des
Krankentaggeldversi
cherers (
Urk.
7/15) bei und holte Berichte der behandelnden Ärzte (Urk. 7/9-10, Ur
k.
7/25,
Urk.
7/35)
sowie
einen Bericht der Arbeitgeberin (
Urk.
7/30) ein.
Am 29.
September 2015
fand
eine orthopädisch
e und
psychiatrische Untersuchung beim Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) statt (RAD-Unter
su
chungsberichte vom 12. Oktober 2015; Urk. 7/59-60). Nach durchgeführtem Vor
bescheidverfahren (Vor
bescheid vom 2
8.
Oktober 2015 [Urk. 7/65], Einwand vom 2
2.
Januar 2016 [
Urk.
7/75]) verne
inte die IV-Stelle, ausgehend vom Nicht
vorliegen eines invalidisierenden Gesundheitsschadens,
mit Ver
fügung vom 1
3.
Juni 2016 einen Rentenanspruch (Urk. 2 [= Urk. 7/80).
2.
Gegen diese Verfügung legte die Versicherte mit Eingabe vom 1
7.
August 2016 Beschwerde ein und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei die Angelegenheit zwecks Durchführung weiterer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (
Urk.
1). Mit Beschwerdeantwort vom
29. September 2016 beantragte die IV-Stelle Abweisung der Beschwerde (Urk
.
6), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom
6.
Oktober 2016 mitgeteilt wurde (
Urk.
8).
Am 27. Juli 2017 (Urk. 9) reichte die Beschwerdeführerin zwei aktuelle Arzt
berichte (Urk. 10/1-2) ein.
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Inva
lidenrente.
1.1
1.1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Ge
burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung [IVG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be
ein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krank
heits
wert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezem
ber 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts 8C_616/2014 vom 25. Februar
201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. Novem
ber 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
lidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Er
werbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der ver
sicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeits
markt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.1.3
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei Vorliegen einer anhaltenden soma
to
formen Schmerzstörung oder eines damit vergleichbaren psychosomatischen Leidens (BGE 141 V 281 E. 4.2) sind Indikatoren beachtlich, die das Bundes
ge
richt wie folgt systematisiert hat
(
BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie „funktioneller Schweregrad"
-
Komplex „Gesundheitsschädigung"
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen)
-
Komplex „Sozialer Kontext"
-
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Lei
den
s
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshin
dernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Res
sour
cen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schät
zen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2.1).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu be
tä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können
(BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.4
1.4.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
akten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.4.2
Auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar be
gründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt oder die befragte Ärztin in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unpar
teilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick
auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im Sozialver
siche
rung
s
recht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters oder der Gutachterin allerdings ein strenger Massstab anzulegen (RKUV 1999 Nr. U 356 S. 572; BGE 135 V 465 E. 4.4, 125 V 351 E. 3b/ee, 122 V 157 E. 1c; vgl. auch BGE 123 V 331 E. 1c).
1.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die
Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog im angefochtenen Entscheid, die Abklärungen hätten ergeben, dass die Beschwerdeführerin mangels invalidenversicherungs
rechtlich relevanten Gesundheitsschadens in ihrer bisherigen Tätigkeit als Buch
halterin bzw. im Bestellwesen und für sämtliche auf dem allgemeinen Arbeits
markt üblichen Tätigkeiten vollständig arbeitsfähig sei (Urk. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte in ihrer Beschwerde dagegen vor, auf die RAD-Untersuchungsberichte dürfe mangels Schlüssigkeit nicht abgestellt werden. Der Schmerzproblematik werde seitens der RAD-Ärzte nicht ausreichend Rechnung getragen. Die anderweitige Beurteilung der behandelnden Ärzte sei zu wenig berücksichtigt worden. Psychiatrisch müssten die Folgen einer psychotrauma
tischen Problematik nach häuslicher Gewalt, die psychischen Auswirkungen des Morbus Morbihan und die Schwindelproblematik abgeklärt werden (Urk. 1).
3.
3.1
Dem Bericht von Dr. med. A._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, leitende Ärztin der B._ AG, vom 18. Oktober 2013 zu Händen der Beschwerdegegnerin (Urk. 7/10) können folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit entnommen werden: (1) chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41), (2) depressive Störung in Folge der Schmerzen (ICD-10 F32.1), (3) Ausgebranntsein (ICD-10 Z73), (4) Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung (seit 2012; ICD-10 Z73.1), (5) hereditäre Neuropathie (ICD-10 G60) sowie (6) anamnestisch chronisches HWS-/BWS-/LWS-Schmerzsyndrom bei Status nach multiplen Reit
un
fällen vor ca. 20 Jahren (Urk. 7/10/2).
Sodann führte die Psychiaterin aus, die Beschwerdeführerin befinde sich seit dem
2. November 2012 bei ihr in ambulanter Behandlung. Vom 18. Februar 2013 bis am 17. Mai 2013 sei die Beschwerdeführerin in der B._ in statio
närer Behandlung gewesen. Die Wiedererreichung der vorgängigen Leistungs
fähig
keit sei aufgrund des bisherigen Verlaufs und Chronizifizierung der Schmer
zen nicht zu erwarten. Als Buchhalterin betrage die Arbeitsunfähigkeit vom 2. November 2012 bis am 12. August 2013 100 %, im Anschluss danach bis am 16. Oktober 2013 90 % und danach 70 %.
Als leistungseinschränkend nannte Dr. A._ Schmerzen, welche eine ein
sei
tige Körperhaltung verunmöglichen würden, sowie eine eingeschränkte Kon
zen
trationsfähigkeit, schnellere Erschöpfung und Überforderung. Aktuell werde eine
Belastungserprobung mit 30 % verteilt auf mehrere Tage versucht (Urk. 7/10/3, vgl. auch Urk. 7/15/19). Im Austrittsbericht vom 17. Mai 2013 wurde zur Diag
nostik ausgeführt, die Beschwerdeführerin habe bei Aufnahme eine erschöp
fungs
depressive Symptomatik mit einer ausgeprägten somatischen Komponente
(insbesondere Schmerzen im Nacken-Rücken, ausstrahlend im Sinne eines Taub
heitsgefühls bis in die Extremitäten sowie intermittierend Magenschmerzen) gezeigt. Die Schmerzthematik habe sich im Verlauf so dominant gezeigt, dass sie als eigenständiges Störungsbild kodiert worden sei. Die Schmerzsymp
to
matik habe sich teilweise durch die aktuelle Bildgebung objektivieren lassen (Urk. 7/27/2-3).
3.2
Im Bericht von Dr. A._ vom 18. Juni 2014 zu Händen der Beschwer
de
geg
nerin (Urk. 7/25) wurde unter Übernahme der Diagnosen des letzten Berichts (E. 3.1) festgehalten, momentan finde neben einer somatischen Therapie in der Klinik C._ eine psychiatrische Therapie im Einzelsetting (1x pro Woche) statt. In der bisherigen Tätigkeit sei bisher in wechselbelastender Tätigkeit mit hoher Flexibilität am gegebenen Arbeitsplatz ein Pensum von 30 % möglich gewesen (Urk. 7/25/3). Ab ca. Juli 2014 werde die Wiederaufnahme einer beruf
lichen Tätigkeit im 40%-Pensum versucht (Urk. 7/25/4).
3.3
Am 29. September 2015 fand ein Untersuch beim RAD statt. Med. pract.
D._, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungs
apparates, hielt im Untersuchungsbericht vom 12. Oktober 2015 (Urk. 7/59) keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (Urk. 7/59/8). Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit ist dem Bericht die Diagnose diffuse myo-fasciale Schmerzen bei Ausschluss einer Polyneuropa
thie, altersentsprechendem Schädel MRI, altersentsprechendem MRI der HWS (Halswirbelsäule), regelrechtem MRI der LWS (Lendenwirbelsäule) sowie asymp
tomatischem, im MRI nachgewiesenem Impingement der linken Hüfte zu ent
nehmen (Urk. 7/59/8).
RAD-Ä
rzt
in
D._
führte in
der
versicherungspsychiatrischen Beurteilung aus,
b
ei der
48-jährigen Buchhalterin
sei
aus somatischer Sicht anhand der vor
liegenden medizinischen Berichterstattung
und der körperlichen Untersu
chung vom 2
9. September 2015
kein somatischer Gesundheitsschaden ausgewiesen, der die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit oder jeder anderen auf dem Arbeitsmarkt üblichen Tätigkeit beeinträchtig
e
. In ihrer bisherigen Tätigkeit als Buchhalterin besteh
e
seit jeher
eine
10
0%ige
Arbeitsfähigkeit. Die angestammte
Tätigkeit sei zugleich eine angepasste Tätigkeit (
Urk.
7/59/9).
Zur
kritischen Würdigung der Aktenlage
hielt die Untersuchende fest, die
Beschwerdeführerin
habe
zahlreiche Abklärungsberichte des Zentrums für Neu
rologie
von Dr.
E._
vorgelegt. Den Berichten seien im Wesentlichen unauffällige Untersuchungsbefunde und unauffällige Befunde der apparativen Diagnostik zu entnehmen. Dies entspreche auch dem klinisch weitgehend unauf
fälligen
Untersuchungsbefund bei der
heutigen
Untersuchung. Es hätten sich keine Hinweise auf eine dauerhafte Schonung einzelner Abschnitte des Bewegungsapparates gefunden. Die Hände und Füsse würden eine regelrechte Beschwielung zeigen. Die Umfangsmasse der oberen und unteren Extremitäten hätten keine wesentlichen Differenzen gezeigt. Es hätten keine trophischen Störungen bestanden. Die Muskulatur habe einen regelrechten Tonus ohne Hin
weise auf schlaffe oder spastische Paresen und ohne Hinweise auf pathologische Tonuserhöhungen anderer Genese gezeigt. Die Beweglichkeit der Wirbelsäule und der oberen und unteren Extremitäten sei ohne wesentliche Einschrän
kungen gewesen. Es habe ein erheblicher Kontrast zwischen der geschilderten Schmerzintensität und dem berichteten Leidensdruck einerseits und der eher sparsamen Medikamenteneinnahme bestanden. Während der gesamten ortho
pädischen und psychiatrischen Exploration, die insgesamt drei Stunden in An
spruch genommen habe, seien keinerlei Schonhaltungen, Schmerzäusserungen oder vegetative Schmerzreaktionen zu beobachten gewesen. Die Beschwerde
führerin sei während der Anamneseerhebung frei auf der vorderen Stuhlkante gesessen und es hätten sich keine Anzeichen von Ermüdung und keine Ab
stütz
reaktionen gezeigt (
Urk.
7/59/9).
3.4
Am 29. September 2015 untersuchte RAD-Arzt med. pract. F._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, die Beschwerdeführerin. Dem Untersuchungs
bericht vom 12. Oktober 2015 (Urk. 7/60) können keine psychiatrischen Diag
no
sen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit entnommen werden. Als Diag
nosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden Probleme bei der Lebensbewältigung (ICD-10 Z73) genannt (Urk. 7/60/5).
Sowohl in der bisherigen als auch in einer angepassten Tätigkeit liege keine Arbeitsunfähigkeit vor (Urk. 7/60/6).
Die Beschwerdeführerin zeige sich als eine disziplinierte und leistungsorientierte Persönlichkeit, die mit dieser Art die Belastungen in der Jugend (insbesondere die Belastungen durch eine rezidi
vie
rend suizidale Mutter) habe tragen können. Es sei nachvollziehbar, dass die für sie unerträgliche Ehe, das Ende des sinnstiftenden Pferdehofes und der dann vollendete Suizid der Mutter sie erneut belastet habe. Es falle auf, dass sie sich mit 48 Jahren schmerzlich schwer tue, einige Beschwerden zu ertragen. Das hohe Leistungsideal als Dressurreiterin wirke weiter nach. In der Übersicht zeige sich objektiv ein gutes Funktionsniveau. Die Beschwerdeführerin gehe drei- bis viermal pro Woche ins Fitnessstudio und könne an drei Tagen pro Woche etwa sieben Stunden arbeiten. Auch im sozialen Bereich zeige sie keine gravierenden Einschränkungen: Sie sei in einer Partnerschaft und besitze einen guten Freun
deskreis. Bei der RAD-Untersuchung habe sie drei Stunden ohne Pause durch
halten können. An psychosozialen Problemen fänden sich finanzielle Probleme, da ihre Rücklagen zu Ende gingen und sie sich schwer tue, die Miete aufzu
bringen. Anlässlich der Untersuchung hätten sich keine gravierenden depres
si
ven
Symptome gefunden: keine Freudlosigkeit, keine Inter
esselosigkeit, kein An
triebsmangel sowie keine durchgehend herabgestimmte Affektlage (Urk.
7/60/5).
Ferner nimmt der Psychiater F._ zu
den Berichten der
B._
vom 1
7.
Mai 2013, 1
8.
Juni 2014,
9.
August 2013, 1
8.
Oktober 2013
Stellung. Darin
werde nachvollziehbar eine psychische Komponente beschrieben: Aufgabe einer Karriere als Leistungssportlerin (Reiten), Aufgabe des Berufes und zusätzliche psychosoziale Belastungen. Diese psychischen Faktoren (und zusätzlich wohl auch die Ehetrennung und der Suizid der Mutter) sowie ihre „hohen Ansprüche"
würden
ihr bei der weiteren Lebensbewältigung im Wege zu stehen
scheinen
. Eine eigenständige depressive Störung werde verneint. Die depressiven Symp
tome würd
en als Schmerzfolge verstanden
(
Urk.
7/60/5).
3.5
Im Verlaufsbericht von Dr. A._, B._, vom 14. Januar 2016 zu Händen der Beschwerdeführerin (Urk. 7/74) wurden folgende psychiatrische Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt (Urk. 7/74/1): (1) chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10
F45.41), (2) depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F32.1
), (3) Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung (ICD-10 Z73.1), (4) Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung.
Anamnestisch wurden ein chronisches HWS-/BWS- (Beckenwirbelsäule)/LWS-Schmerzsyndrom bei Status nach multiplen Reitunfällen vor etwa 20 Jahren sowie ein unklarer Schwindel ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit fest
gehalten.
Bei der Beschwerdeführerin liege aktuell ein mittelgradig depressives Zustandsbild vor. Als aufrechterhaltende Faktoren seien psychosoziale Belas
tungen und verschiedene körperliche Beschwerden
,
insbesondere eine anhal
tende Schmerzproblematik im Wirbelsäulenbereich wesentlich. In Zusammen
hang mit der körperlichen Befindlichkeit sei auch eine wechselnde Intensität der psychischen Symptomatik (Konzentrationsstörungen, niedergeschlagene Stimm
ung, innere Unruhe, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen) deutlich vorhanden. Erst
im Verlauf der Behandlung sei ein partieller Einbezug traumatisierender Fak
to
ren in der Kindheit mit einer schwer depressiven Mutter und Gewalter
leb
nissen in der Kindheit und Ehe möglich gewesen. Differentialdiagnostisch sei daher eine im Rahmen der Kontakte zum Ex-Mann reaktivierte posttraumatische Belastungsstörung aufgrund der bestehenden depressiven Symptomatik mit inne
rer Unruhe (DD Hypervigilanz
), Schlafstörungen, allerdings ohne eindeutig dissoziatives Erleben, nicht eindeutig beurteilbar. Der Grad der Arbeitsun
fähigkeit betrage aktuell i
m
Rahmen einer belastungsbedingten Dekompen
sa
tion 100
%
, auf längere Sicht wahrscheinlich mit langsamer, schrittweiser Steige
rung 50
%. Vom 2. November 2012 bis am 12. August 2013 habe die Arbeitsunfähigkeit 100 % betragen, vom 12. August 2013 bis am 16. Oktober 2
013 90
%
, vom 1
6.
Oktober 2013 bis am 1
1.
November 2015 70
%
und vom
16. November 2015 bis auf weiteres 100 % (Urk. 7/74/2). Diese Angaben wurden
am 3. Februar 2016 wie folgt korrigiert und ergänzt: vom 1. Januar bis 18. Okto
ber 2015 50 %, vom 19. bis 30. Oktober 2015 100 %, vom 1. bis 15. November 2015 50 % und vom 16. November 2015 bis 31. Januar 2016 100 % (Urk. 7/78/1).
3.6
Im Bericht des Interdisziplinären Zentrums für Schwindel und neurologische Sehstörungen des
G._
vom 2
9.
Januar 2016 zu Händen von Dr. med.
H._
, FMH Neurochirurgie, (
Urk.
7/78) wurden folgende Diagnosen festgehalten, (1) Verdacht auf vestibuläre Migräne (ICDH 3-
beta A1.6.6), anamnestisch: seit 2-3 Jahren langanhaltende Episoden mit Schwank
- oder Drehschwindel, teilweise Zittern der Hände und Arme, teilweise des ganzen Körpers, Nausea; klinisch-neurologisch: ausreichende Blickfolge und -fixation nicht möglich, verbunden mit Unwohlsein, Unwohlsein provozierbar durch Drehtrommel (unauffälliger Neurostatus September 2015); diagnostisch:
cMRI vom 15. Juli 2015 unauffällig; apparativ-vestibulär: dynamic visual acuity
bei Normalbefund beidseits, oVEMP Normalbefund, visuelle Vertikale patho
lo
gisch nach rechts, Video-KIT nicht durchführbar, therapeutisch: Therapiever
such ohne Respons mit Magnesium und Riboflavin im September 2015, Beginn Sibelium ab 2
9.
Januar 2016, (2) Zustand nach multiplen Schädelhirntraumata bei Pferdestürzen, (3) chronisches cerviko- und lumbovertebrales Schmerz
syndro
m, (4) Exanthematöse und ödematöse Veränderungen der Gesichtshaut unkla
rer Genese (
Urk.
7/78/2). Dem Bericht ist sodann zu entnehmen, dass die verfügbaren apparativen und klinischen vestibulären Befunde formal keinen Hinweis auf eine relevante Vestibulopathie böten. Leider sei der wahrscheinlich aussagekräftigste Test (Video-KIT) aufgrund der Irritation der Beschwerde
führerin durch Fixation oder Blickfolge nicht durchführbar. Gleichzeitig zeige sich hierbei ein Hinweis auf eine visuell-provozierbare Irritabilität, deren klinische Relevanz aktuell nicht geklärt sei. Die persistierenden Beschwerden seien weiterhin durch eine vestibuläre Migräne erklärbar. Dafür sprächen die migräniformen Kopfschmerzen, Photo-/Phonophobie und die zum aktuellen Zeitpunkt fehlende Erklärbarkeit der Symptomatik durch eine andere Diagnose (u.a. keine Hinweise auf BPLS)
(Urk.
7/78/3).
3.7
Dem beschwerdeweise eingereichten Kurzaustrittsbericht der I._
vom 1
9.
Juli 2016 zu Händen der
B._
(
Urk.
3/3) kann entnommen werden, die Beschwerdeführerin leide an (1) einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
(
anamnestisch chro
nisches HWS-, BWS- und LWS-Schmerzsyndrom bei Status nach multiplen Reitunfällen vor zirka 20 Jahren, posttraumatische Belastungsstörung
), (2)
un
kla
rem Schwindel
(
Abklärung Schwindelsprechstunde
G._
im Januar 2016: Ver
dacht auf vestibuläre Migräne
[
ICDH 3-beta A1.6,6
])
, (3) Morbus Morbihan
mit chronisch rezidivierenden, teils persistierenden Ödemen der oberen Gesichts
hälfte
(
D
ifferentialdiagnose:
Verdacht auf unklare Autoimmunerkrankung durch wiederholt auftretende starke Schwellung im Gesicht und in den Gelenken, chronisch rezidivierende, teils schmerzhafte periphere Lymphödeme, rezidivie
rende Konjunktivitis unter Floxal AT, aktuell pausiert
)
, (4) Verdacht auf Thoracic Outlet Syndrom beidseits, (5) Verdacht auf Insertionstendinose der Quadrizepsmuskulatur beidseits (
Urk.
3/3 S. 1).
Dem Kurzaustrittsbericht ist ausserdem zu entnehmen, d
ie traumatischen Erinne
rungen würden die Beschwerdeführerin zurzeit stark absorbieren. In diesem Zustand sei es ihr momentan kaum möglich, einer geregelten Arbeit nachzugehen. Die Beschwerdeführerin brauche zunächst dringend Ruhe- und Rückzugsmöglichkeiten sowie eine traumatherapeutische körperorientierte Auf
ar
beitung der erlebten Extremsituationen bei einer entsprechend ausgebildeten Fachperson. Aus internistischer Sicht habe es während des stationären Rehabili
tationsaufenthaltes keine Komplikationen gegeben. Zum Ende des stationären Aufenthaltes habe eine relative Stabilisierung und Verbesserung hinsichtlich des Allgemeinzustandes konstatiert werden und die Beschwerdeführerin nach Ab
schluss der Rehabilitationsbehandlung mit etwas gebessertem Beschwerdebild am
19. Juli 2016 in den häuslichen Bereich entlassen werden können (Urk. 3/3 S. 3)
.
3.8
Der beschwerdeweise eingereichten Stellungnahme der behandelnden Ärzte de
r
J._
vom 2
7.
Juli 2016 zu Händen des Rechtsvertreters der Be
schwerdeführerin (
Urk.
3/4) ist zu entnehmen, dass sich die Beschwerdeführerin seit dem
2.
Februar 2016
bei ihr
in ambulante
r
Behandlung befinde. Die Krank
heitsanamnese, der bisherige Verlauf und die aktuellen Befunde sprächen dafür, dass keine signifikante Verbesserung des Zustandsbildes zu erwarten sei. Bis
he
rige Therapieversuche hätten den aktuellen psychischen und physischen Zu
stand
auf einem tiefen Funktionsniveau stabilisieren können, eine Remission oder deutliche Verbesserung habe leider nicht erreicht werden können (
Urk.
3/4).
3.9
Im Verlaufsbericht vom 5. Juli 2017 (Urk. 10/2) wurden neu eine posttrauma
ti
sche Belastungsstörung (ICD-10 F43.1), eine anhaltende somatoforme Schmerz
störung (ICD-10 F45.4), eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit dependen
ten, selbstunsicheren und emotional-instabilen Anteilen (ICD-10 F61) sowie unte
r diversen Z-Diagnosen multiple negative Erlebnisse in der Kindheit diag
nos
tiziert. Ferner berichtete med. pract. K._, Fachärztin für Innere Medizin FMH, Zertifizierte Medizinische Gutachterin SIM und insbesondere Fallführerin der Begutachtung am Medizinischen Zentrum L._ im Auftrag der Helsana Versicherungen AG mit Schreiben vom 27. Juni 2017 über den Abbruch der
gut
achterlichen Exploration aufgrund der psychischen Verfassung der Beschwer
de
führerin (Urk. 10/1).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung vom
13. Juni 2016
davon aus, dass die Beschwerdeführerin die
bisherige
Tätigkeit als
Buch
halterin bzw. im Bestellwesen
zu 100 % ausüben könne (Urk. 2). Sie stützte sich dabei im Wesentlichen auf den psychiatrischen
sowie den
orthopädischen Unter
suchungsbericht der RAD-Ärzte
F._
und
D._
vom 2
9.
September 2015 (Urk. 7/59-60).
4.2
Vorab ist darauf hinzuweisen, dass es sich bei
den
Bericht
en
der
RAD-
Ä
rzt
e
F._ und D._
vom
29. September 2015
um Bericht
e
von
versiche
rungs
internen
Ä
rzte
n
handelt, de
nen
Beweiswert beigemessen werden kann, sofern
sie
als schlüssig erschein
en
, nachvollziehbar begründet sowie in sich wider
spruchs
frei
sind
und keine Indizien gegen
ihre
Zuverlässigkeit bestehen. An die Unparteilichkeit eines versicherungsinternen Gutachters ist dabei ein strenger Massstab anzulegen (vgl. E. 1.
4.2
).
4.3
Die Einschätzung
en von
RAD-
Ä
rzt
in
D._, welche als Fachärztin für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
,
offen
sichtlich über die erforderlichen persönlichen und fachlichen Qualifikationen verfügt, beruhen auf einer persönlichen orthopädischen Untersuchung vom 29. September 2015 und entsprechen den allgemeinen beweisrechtlichen Anfor
derungen an ärztliche Berichte.
Die untersuchende RAD-Ärztin D._ stellte mit Verweis auf den äusserst
detailliert erhobenen orthopädischen Befund schlüssig fest, dass bei der Be
schwer
deführerin keine Hinweise auf einen somatischen Gesundheitsschaden, der die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit oder jeder anderen auf dem Arbeitsmarkt üblichen Tätigkeit beeinträchtigt, bestünden (E. 3.3). Diesbezüglich finden sich in den vorliegenden medizinischen Beurteilungen auch keine Wider
sprüche. Dr. A._ berichtete zwar ursprünglich davon, dass bildgebende Befunde die Schmerzen (teilweise) erklären würden (E. 3.1), eine entsprechende (begründete) Beurteilung findet sich in den vorliegenden jedoch Akten nicht. Gegenteils wird im Austrittsbericht der I._ von einer chro
nischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren gespro
chen und werden verschiedene Verdachtsdiagnosen gestellt, für welche sich offenbar keine eindeutigen objektiven Befunde finden liessen (E. 3.7). Die neurologischen Abklärungen ergaben neu ebenfalls nur eine Verdachtsdiagnose (vestibuläre Migräne; E. 3.6), weshalb (noch) kein Nachweis einer somatischen invaliden
versicherungsrechtlich relevanten Krankheit, d.h. mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit im angestammten Tätigkeitsbereich der Be
schwer
deführerin, vorliegt. Soweit RAD-Ärztin D._ von einem unklaren Beschwerdebild mit diffusen myo-fascialen Schmerzen ausgeht, bestehen keine Indizien dafür, dass sie wesentliche medizinische Gesichtspunkte übersehen oder nicht beachtet hätte. Differenzen zu den behandelnden Ärzten ergeben sich jedoch hinsichtlich der Einschätzung, welche Auswirkungen die Schmerz
pro
blematik auf die Arbeitsfähigkeit zeitigt, wobei diese Einschätzung insbesondere ins psychiatrische Fachgebiet fällt (E. 1.1).
4.4
Auch die
Einschätzung
en von
RAD-
A
rzt
F._, welcher als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie offensichtlich über die erfor
derlichen per
sön
lichen und fachlichen Qualifikationen verfügt, beruhen auf einer persönli
chen Untersuchung vom 29. September 2015.
Unter Hinweis auf ein objektiv gutes Funktionsniveau mass RAD-Arzt F._ der Schmerzproblematik entgegen der Einschätzung der behandelnden Ärzte keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu. Auch wenn dieser Hinweis zu
sammen mit den objektiven Befunden zumindest im Zeitpunkt der Unter
su
chun
g (September 2015) überzeugender erscheint als das offenbar nachträglich dem effek
tiven Arbeitspensum angepasste Arbeitsunfähigkeitsattest der behandeln
den Psychiaterin, erweist sich der RAD-Bericht vom 29. September 2015 als unvollständig. So lässt sich der weiteren medizinischen Aktenlage entnehmen, dass sich die Beschwerdeführerin wiederholt, auch nach der RAD-ärztlichen Untersuchung aber noch vor Erlass der angefochtenen Verfügung, in ambulante und stationäre Behandlungen begab und sich die Diagnoseliste - wenn auch teilweise nur als Verdachtsdiagnose bezeichnet - fortlaufend erweiterte. Dabei ist anzumerken, dass für die invalidenversicherungsrechtliche Beurteilung zwar nicht die genaue Diagnose, sondern deren Auswirkungen auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit entscheidend sind (BGE 136 V 279 E. 3.2.1 S. 281 mit Hinweis). Soweit jedoch eine Schmerzstörung oder andere ätiologisch unklare
Beschwerdebilder (wie auch eine posttraumatische Belastungsstörung) im Raume
stehen, ist für die (rechtliche) Beurteilung der Arbeitsfähigkeit die vom Bundes
gericht entwickelte Rechtsprechung (BGE 141 V 281 E. 4.2) beachtlich. Hierzu muss das ärztliche Gutachten schlüssig und umfassend Auskunft geben über die entsprechenden Indikatoren der Kategorien „funktioneller Schweregrad“ und „
Konsistenz“. Auch wenn die Konsistenz angesichts des zumindest im Septem
b
er 2015 gezeigten Freizeitverhaltens nicht für eine vollständige Arbeitsunfähigkeit spricht, ist angesichts der weiteren medizinischen Akten eine anhaltende, wes
ent
liche Einschränkung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit nicht auszu
schliessen
. Insbesondere lässt sich ein behandlungs- und eingliederungsanam
nestisch ausgewiesener Leidensdruck nicht verneinen und bestehen wenig tiefgreifende Angaben und Auseinandersetzungen mit der vorhandenen mediz
ini
schen Aktenlage in Bezug auf die Indikatoren für den funktionellen Schwere
grad, der mit zunehmender traumatherapeutischer Intervention zuzunehmen schien (vgl. Urk. 10/1). Ferner wird neu die Verdachtsdiagnose Migräne ge
nannt, wobei unklar ist, ob hierfür objektivierbare Befunde vorliegen oder ob sie zu den medizinisch nicht klar fassbaren Beschwerdebildern zu zählen wäre (vgl. BGE 140 V 290 E. 3.3.1 S. 296). Daher und weil an die Beweiskraft ver
waltungsinterner Berichte und Gutachten ein strenger Massstab anzulegen ist (E. 1.4.2), vermag die Beurteilung von med. pract. F._ der bei diesem Stö
rungsbild erforderlichen Tiefe der medizinischen Abklärung nicht zu genügen.
4.5
Der medizinische Sachverhalt erscheint demnach ungenügend abgeklärt. Ebenso verhält es sich bei den erwerblichen Verhältnissen, liegen doch keine konkreten Angaben zur von der Beschwerdeführerin seit Februar 2015 versehenen Tätig
keit im Bereich der Seniorenbetreuung vor. Insbesondere fehlt es an einem Arbeit
geberbericht.
4.6
Die Sache ist daher in Aufhebung der angefochtenen Verfügung an die Be
schwerdegegnerin zurückzuweisen,
damit sie die erwerblichen Verhältnisse so
wie den medizinischen Sachverhalt vollständig, insbesondere mit Blick auf das unklare Beschwerdebild, abklären lässt.
Danach hat die Beschwerdegegnerin über das Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin neu zu entscheiden.
Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwer
t festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die
vertretene Beschwerdeführer
in
An
spruch
auf eine Prozessentschädigung
. Diese ist gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 und 3 GSVGer unter Berücksichtigung der Bedeu
tung der Streitsache und der Schwierig
keit des Prozesses auf Fr. 1‘600.-- (inkl.
Barauslagen und MWSt) festzusetzen.