# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 46a7779a-c81d-45d0-ae4a-b9b75ea79063
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1959 geborene
X._
meldete sich unter Hinweis auf seit dem Jahr 2014 bestehende Augenbeschwerden am 3. März 2015
sowie am 16. Juni 2015
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungs
bezug
(Hilfsmittel, Früherfassung)
an (Urk. 7/3
,
7/11
, 7/22
, 7/34
).
Nachdem die IV-Stelle mit
Mitteilungen vom 16. A
pril 2015,
vom 30. April 2015
und vom 2. Juli 2015
Kostengutsprache
n
für
verschiedene Sehhilfen sowie ein Lese- und Schreibsystem
erteil
t hatte
(Urk. 7/15 f.
, Urk. 7/53
)
, schloss sie
die Massnahmen zum
Arbeitsplatz
erhalt mit Mitteilung vom 10. August 2015 auf Wunsch der Ver
sicherten
hin
ab (Urk. 7/61)
.
1.2
Am
12. Februar 2018
meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf verschiedene somatische und psychische Beschwerden abermals bei der IV-Stelle zum Leis
tungsbezug an (Urk. 7/84).
Die IV-Stelle zog die Akten d
es Krankentaggeldver
si
cherers
Helsana bei (Urk. 7/86
, 7/118
),
führte ein Standortgespräch durch (Urk. 7/91)
, holte Arztberichte ein (Urk. 7/
113, 7/
119-7/123, 7/145, 7/152
, 7/177, 7/179, 7/182, 7/197 f.
)
und stellte der Versicherten mit Vorbescheid vom 16. Juli 2019 die Abweisung des Leis
tungsbegehrens in Aussicht (Urk. 7/207).
Im Anschluss an den
Einwand
der Ver
sicherten
vom 30. August 2019 (Urk. 7/210
)
tätigte
die IV-Stelle
sodann
weitere
medizinische
(
Urk. 7/212, 7/220, 7/223, 7/230
, 7/241 f.
, 7/252, 7/259, 7/276
, 7/282, 7/284 f.
)
und beruflich-erwerbliche Abklärungen (Urk. 7/275)
. Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbe
scheid vom 24. April 2021 [Urk. 7/303]
; Einwand vom 28. Mai 2021 [Urk. 7/316, Arztbericht
e
Urk. 7/312-7/314
, 7/329
])
sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Verfügung vom
17. September 2021
eine
Viertelsrente
der Invalidenversicherung zu (Urk. 2 [= Urk. 7/
326, 7/349
])
, welche sie aufgrund
des Erreichens des ordentli
chen Renten
alters des Ehemannes der Versicherten mit Verfügung vom 17. Sep
tember 2021 anpasste (
Urk. 2 [=
Urk. 7/352
]
)
.
2.
Dagegen
erhob die Versicherte mit Eingabe vom 18. Oktober 2021 Beschwerde und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung sowie die
Zuspra
che
einer ganzen Invalidenrente, eventualiter sei die Sache zu weiteren Abklä
rungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen,
subeventualiter
sei eine
Dreiviertels
rente
zuzusprechen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin (Urk. 1).
Die IV-Stelle schloss mit Beschwerde
antwort vom 25. November 2021 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), worüber die Be
schwerdeführerin mit Verfügung vom 26. November 2021 in Kenntnis gesetzt wurde (Urk. 9).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmun
gen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Ver
ordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1; 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1; 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. De
zember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbs
unfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psy
chischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Einglie
derung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über
windbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art.
28 Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu be
täti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art.
28 Abs.
2 IVG).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
2.1
Die IV-Stelle erwog in der angefochtenen Verfügung,
die Beschwerdeführerin habe eine Ausbildung zur Pflegefachfrau, Ärztehelferin
und
Bürokauffrau absol
viert.
Obwohl ihr aus medizinischer Sicht ihre bisherige Tätigkeit als Pflegefach
frau nicht mehr zumut
bar sei, sei ihr eine dem Belastungsprofil angepasste Tätigkeit zu 80 % zumutbar.
Während des laufenden Verfahrens habe sie
eine
Tätigkeit
als Pflegefach
frau aufgenommen
,
weshalb
die Verwertbarkeit
der Rest
arbeitsfähigkeit
, ungeachtet ihres Alters, ange
sichts ihrer
Ausbildungen
,
ihrer Berufserfahrung
sowie
ihre
r
Flexibilität im Hin
blick auf die Aufnahme einer neuen Tätigkeit zu bejahen
sei
.
Der
Einkommensvergleich
habe
einen Invalidi
tätsgrad von 49 %
ergeben
, wes
halb Anspruch auf eine
Viertelsrente
bestehe (Urk. 2).
2.2
Demgegenüber brachte die Beschwerdeführerin vor,
die IV-Stelle habe sich zu Unrecht auf die Beurteilung des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) gestützt. Der zuständige Arzt des RAD habe das
im Auftrag
der Helsana eingeholte psy
chia
trische Gutachten als beweiskräftig
erachtet
, obwohl dieses die Vorgaben hin
sichtlich der
Indikatorenprüfung
nicht erfülle und folglich
unter einem schweren Beweisman
gel leide. Ebenso wenig überzeugten die verschiedenen Ausführungen des RAD-Arztes hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit, welche er zunächst auf 50
%
festgesetzt, dies jedoch später
revidiert und ihr eine vollstän
dige Arbeitsfähigkeit mit vermindertem Rendeme
nt von 20
%
attestiert habe. Be
gründet habe er dies mit der Aufnahme eines Arbeitsverhältnisses während des laufenden Verfahrens, obwohl sie bereits kurz na
ch Beginn dieses Arbeitsverhält
nisses im Januar 2020 erneut krankgeschrieben worden
und dieser Krankschrei
bung weitere gefolgt seien.
Auf die Einschätzung des RAD-Arztes könne daher nicht abgestellt werden. Dies zeige sich auch darin, dass der Ver
trauensarzt des zuständigen Krankentaggeldversicherers
(AXA Versicherungen AG, nachfolgend: AXA) eine vollständige Arbeitsunfähigkeit sowohl in der angestammten als auch in einer angepassten Tätigkeit als plausibel erachte
t habe. Bei ihrem polymorbiden Beschwerdebild wäre es zudem angezeigt gewesen, eine polydisziplinäre Begutachtung zu veranlassen. Dass die IV-Stelle dies unterlassen habe, stelle eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes dar. Hinzu komme, dass eine allfällig vorhandene Restarbeitsfähigkeit sowieso nicht mehr verwertbar wäre. Zwar verfüge sie über drei verschiedene Ausbildungen (Pflegefach
frau/Arzthelferin/Bürokauffrau). Indes sei ihr die angestammte Tätigkeit als Pfle
ge
fachfrau nicht mehr zumutbar, ihre Tätigkeit als Bürokauffrau habe sie seit Jahren nicht mehr ausgeübt und
würde eine Umstellung bedingen, die ihr auf
grund der kurzen Restaktivitätsdauer nicht zumutbar sei. Sie habe daher Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung (
Urk.
1).
3.
3.1
Der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin ergibt sich im Wesentlichen aus den folgenden medizinischen Unterlagen:
3.2
Der ehemalige Hausarzt der Beschwerdeführerin,
Dr. med.
Y._
, Praktischer Arzt,
Z._
Ambulatorium
A._
, führte im ärztlichen Zwi
schenbericht vom 27. März 2018 zuhanden der Helsana (Urk. 7/118 S. 3-5) als Diagnosen eine Erschöpfungsdepression mit schweren Schlafstörungen (ICD-10: F32.9), ein hyperkinetisches Herzsyndrom (ICD-10: I51.8), eine
Sarkoidose
(ICD-10: D86.2), eine Harninkontinenz (ICD-10: N39.48) sowie eine kombinierte und andere Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F61.0) auf
und verwies dabei auf me
dizi
nische Akten aus den Jahren 2005 bis 201
4.
Er
attestierte der Beschwerde
führerin eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten
und
in einer ange
passten Tätigkeit.
3.3
Dr. med.
B._
, Facharzt für Augenheilkunde und Augenchirurgie,
Augenklinik C._
, nannte
in seinem Bericht vom 20. August 2018 (Urk. 7/113) als Diagnosen eine
epiretinale
Fibroplasie
(ERF), eine Cornea
guttata
sowie eine
Cataracta
senilis
incipiens
und empfahl der Beschwerdeführerin bei Zunahme der Beschwerden ein operatives Vorgehen. In seinem Bericht vom 3. September 2018 (Urk. 7/119) führte er zudem ein Pigmentdispersionssyndrom (PDS) auf, überdies am rechten Auge einen Verdacht auf Status nach Iritis (im Jahr 2010) sowie im
Orthoptikstatus
eine leichte
Hypophorie
und
Esophorie
mit intermittierenden Doppelbildern, welche durch Prismen nicht korrigierbar sei
en
. Dr.
B._
führte aus, diese Sehbeschwerden würden subjektiv als sehr gravierend wahrgenommen und beeinträchtigten die Arbeitsfähigkeit enorm, zurzeit gebe es jedoch keine Möglichkeit, durch einen operativen Eingriff die Probleme ent
schei
dend zu verbessern, woran er auch im Bericht vom 27. März 2019 festhielt (Urk. 7/182). Auf Rückfrage der Helsana hin hielt Dr.
B._
am 13. September 2018 (Urk. 7/177) überdies fest, aufgrund der Schilderungen durch die Beschwer
deführerin und den erhobenen Befunden gehe er von
einer 50%igen Arbeits
fähig
keit in der angestammten Tätigkeit aus, wobei aus augenärztlicher Sicht Tätig
keiten ohne hohe visuelle Anforderungen im Umfang von 100 % möglich seien.
3.4
Dr. med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, diagnosti
zierte
in seinem psychiatrischen Gutachten vom 29. August 2018 zuhanden der Helsana (Urk. 7/118 S. 39-56) eine kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F61.0)
anankastischer
,
histrionischer
, laut fremd-anamnestischen Angaben wohl auch abhängiger Ausrichtung und hielt fest,
aus psychiatrischer Sicht lägen bei der Beschwerdeführerin keine Einschränkungen bei der Ausübung ihrer ange
stammten Tätigkeit vor. Subjektiv fühle sie sich dur
ch ihre Augenbeschwerden und die sich daraus ergebenden Fehler
eingeschränkt. Inwiefern
dies objektiv der Fall sei, müsse durch einen entsprechenden somatischen Kollegen beurteilt wer
den (S. 55). Im Nachgang zum Gutachten hielt Dr. med.
E._
, Leiter Ver
trauensärztlicher Dienst
der
Helsana, am 12. November 2018 (Urk. 7/155) nach Rücksprache mit Dr.
D._
fest, das Gutachten sei umfassend, beruhe auf den Kenntnissen der
Vorakten
und der Anamnese, die Schlussfolgerungen seien begründet. Die Einwände der Beschwerdeführerin würden sich als nicht relevant für die Schlussbeurteilung erweisen, weshalb sich ein erneutes psychiatrisches Gutachten erübrige.
3.5
Dem Austrittsbericht der
Schmerzklinik F._
AG vom 19. Dezember 2018 (Urk. 7/145)
ist
folgende
Hauptd
iagnose zu entnehmen:
-
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Anteilen (ICD-10: F45.41) mit/bei
-
posttraumatisch
er Belastungsstörung mit fluktu
ierender, depressiver Symptomatik im Sinne einer Anpassungsstörung (ICD-10: F43)
-
akzentuierten Persönlichkeitszügen (zwanghaft
histrionisch
)
Als Nebendiagnosen wurden die folgenden aufgeführt:
-
Panvertebralsyndrom
mit Hyperkyphose der BWS, Hyperlordose der LWS mit/bei ausgeprägter muskulärer Insuffizie
nz
/
Dysbalance
-
Zerv
i
kospondylogenes
Schmerzsyndrom mit angedeuteter
Anterolisthese
HWK 5 mit relativer Hypermobilität in den darüber und darunterliegenden Anschlusssegmenten
-
Ausgeprägte
kraniomandibuläre
Dysfunktion mit
anteriorer
Diskusluxa
tion im Bereich des linken Kiefergelenks
-
Iliosakralgelenk
-Syndrom beidseits
-
Chronischer Kopfschmerz
-
Sehstörungen, besonders bei beidäugigem Sehen mit Zustand nach
Uveitis
2003 und 2008
-
Epiretinale
Fibroplasie
-
Pigmentdispersionssyndrom
-
Cataracta
senilis
incipiens
-
Hashimoto-Thyreoiditis (ohne Thyroxin-Substitution)
-
Doppelniere rechts, Nierenaplasie links
-
Zysto
- und
Rektozele
mit Mischinkontinenz Grad II-III sowie
periklitorale
Dysplasie bei Zustand nach gynäkologischer Operation 1993 (Versuch, den Uterus bei
Retroflexio
aufzurichten)
-
Zustand nach chronischer Bronchitis 1981 mit
bronchoskopischer
Biopsie und Zeichen einer chronischen Entzündung (Kommentar damals: Morbus Boeck nicht ausgeschlossen)
-
Erythema
migrans
oberhalb der linken Ferse 2013
-
Sinustachykardie 2010
Dr. med.
G._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumato
lo
gie des Bewegungsapparates, und Dr. med.
H._
, Facharzt für Anäs
thesiologie, berichteten über eine deutliche Verbesserung der Schmerzen im Ver
lauf des stationären Aufenthaltes, so dass die Beschwerdeführerin in gebesser
tem Allgemeinzustand habe nach Hause entlassen werden können.
Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin hielt Dr.
G._
am 6. Juni 2019 (Urk. 7/197)
fest, von 18. März 2019 bis 31. März 2019 bestehe eine vollständige Arbeits
un
fähigkeit, ab 1. April 2019
sei die Patientin zu 50
% arbeitsfähig
, wobei dies für eine leichte körperliche Tätigkeit mit Tragen von maximal fünf Kilogramm und ohne Überkopfarbeit sowie ohne Nachtdienste gelte.
3.6
Dr. med.
I._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Endo
krinologie-Diabetologie, Gemeinschaftspraxis
für Hormonerkrankungen und Dia
betes, führte im Bericht vom 9. Februar 2019 (Urk. 7/152) aus, die Struma
multinodosa
mit Grössenprogredienz im Verlauf werde mit einer Substitutions
therapie behandelt; unter der konsequenten Therapie sei mit einem günstigen Einfluss auf die Schilddrüsensituation zu rechnen.
Ergänzend hielt er am 11. September 2019 (Urk. 7/212) fest, in der aktuellen Ver
laufskontrolle zeige sich
ein guter Therapieerfolg
, was er in den Berichten vom 4. September 2020 (Urk. 7/242) und vom 2. März 2021 (Urk. 7/284) bestätigte.
3.7
Prof. Dr. med.
J._
, Fachärztin Ophthalmologie, Praktische Ärztin, stellte in ihrem Bericht vom 26. März 2019 (Urk. 7/179) die Diagnosen einer
epi
retinalen
Gliose
beidseits mit
Verziehung
von geraden Linien, einer
binocularen
Diplopie ohne Einstellbewegung, einer Myopie und
eines myoper Astigmatismus
, einer
Cataracta
incipiens
sowie einer Cornea
guttata
und
merkte an
, aufgrund der berichteten Beschwerden wäre eine chirurgische Intervention zwecks Verbesse
rung der Symptome zu überlegen.
Am 6. Mai 2019 (Urk. 7/198) führte sie überdies aus, die
binoculare
Doppelbild
situation sei mit den ihr zur Verfügung stehenden Methoden nicht verifizierbar. Die Beschwerdeführerin
sei emotional stark beeinträchtigt, reagiere
indes auf den Hinweis, dass sie aufgrund der Doppelbilder kein Auto lenken könne, mit der Aussage, dass sie diese im Alltag eigentlich
nicht störten. Im angestammten Beruf sei von Tätigkeiten abzuraten, welche durch falsches Ablesen zu einer Medika
mentenfehldosierung führen könnten; sie könne indes sicher eine angepasste Tätigkeit ausüben.
3.8
Dipl. Ärztin
K._
, Fachärztin für
Oto
-
Rhino
-Laryngologie,
Praxis L._
, diagnostizierte anlässlich ihrer Untersuchung vom 30. Oktober 2019 im Bericht vom 1. November 2019 (Urk. 7/220) einen
laryngo
pharnygealen
Reflux sowie als Dauerdiagnosen eine Hashimoto-
Thyreoditis
so
wie einen Bruxismus und empfahl das Fortführen der bisherigen Behandlung mit
Ölziehen
, Omega 7 Sanddorn
Argouisier
,
Coldistop
sowie
Nasumel
.
Im Bericht vom 2. September 2020 (Urk. 7/241) diagnostizierte Dipl. Ärztin
K._
zudem eine chronische Tubenventilationsstörung linksbetont und hielt fest, eine
Kontrolle sei vorerst nicht vorgesehen.
3.9
Im Bericht vom 4. Dezember 2019 (Urk. 7/223 S. 6 f.) stellten Prof. Dr. med.
M._
, Facharzt für Neurologie, sowie med.
pract
.
N._
, Neurozentrum
O._
, die Diagnose «
pseudoradikuläre
Schmerzen des Schul
ter
gürtels linksbetont» und führten aus, die durch eine
chiropraktische
Behand
lung ausgelösten
brachiocruralen
Parästhesien seien gemäss der Beschwerdefüh
rerin innerhalb einer Woche komplett rückläufig gewesen. Weder klinisch noch MR-tomografisch hätten sich Hinweise auf eine Myelopathie gezeigt, insgesamt be
stünde
auch kein Anhalt für eine neuropathische Genese der chronischen, deut
lich linksbetonten Schmerzen im Bereich des Schultergürtels. Im MRI der HWS sei eine Irritation der C5-Wurzel beschrieben worden, allerdings sprächen der kli
nische und der elektromyographische Befund gegen eine relevante Affektion die
ser Wurzel.
3.10
Dr. med.
P._
, Fachärztin für Neurologie, Neurologie
Q._
, stellte in ihrem Bericht vom 6. Mai 2020 (Urk. 7/230 S. 3-5) folgende Diagnosen:
-
Schmerzen linkes Handgelenk volar und
Digitus
I,
a.e
. aufgrund einer
Rhizarthrose
, klinisch und neurographisch kein Anhalt für ein Karpal
tun
nelsyndrom
-
Schmerzhafte Bewegungseinschränkung linke Schulter seit 2019 ohne Hinweis auf neurogene Ursache; MRI-Schulter am 19.12.2019: ausgepräg
ter Reizzustand der
Supraspinatus
-Insertion und Bursa
subakromialis
/
subdeltoidea
mit Ödem und
Enhancement
am
Tuberculus
majus
, Neuro
graphie
N.
axillaris
und EMR M.
deltoideus
links unauffällig
-
Zervikalgien
bei degenerativen HWS-Veränderungen; MRI der HWS am 5.12.2019: aktivierte
Spondylarthrose
HWK 3/4 links mit Weichteilreak
tion, geringe
foraminale
Einengung HWK 4/5 rechts durch
Unkarthrose
, keine Myelopathie, keine Nervenwurzelkompression
Dr.
P._
führte aus
, der objektivierbare neurologische Befund zeige keine sensomotorischen Defizite bei einer leichten schmerzbedingten Einschränkung der linken Schulter. Zur Einordnung der im MRI vom 19. Dezember 2019 festge
stellten Einschränkungen werde eine schulterorthopädische Beurteilung empfoh
len. Das MRI der HWS habe keine Nervenwurzelkompression gezeigt, allenfalls sei eine Irritation möglich, dies erkläre indes die linksseitige Symptomatik nicht. Hinsichtlich der Nackenschmerzen empfehle sie die Fortführung der Physiothe
ra
pie respektive bei Zunahme die Vorstellung
in einem Wirbelsäulenzentrum.
3.11
Im Bericht vom 10. November 2020
(
Urk.
7/252 S. 1-5), welchen die IV-Stelle nach einem Unfaller
eignis am
21. Mai 2020 eingeholt hatte, führte
die
aktuelle
Hausärztin
der Be
schwerdeführerin, Dr. med. univ. (A)
R._
, Prak
tische Ärztin, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin sowie Physikalische Medizin und Re
habilitation, Rheuma-Eisen-Zentrum, aus, bei der Beschwerde
führerin lägen keine psychischen Erkrankungen vor. Als Diagnosen ohne Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit hielt sie die folgenden fest: Panvertebral-Syndrom,
Aggravie
rung
im Rahmen
des Sturzes im Mai 2020,
Epicond
ylopathia
humeri
radialis
beid
seits,
Rhizarthrose
beidseits, Spreizfuss,
Hallux
valgus
beid
seits, Bruxismus,
pseu
doradikuläres
Schmerzsyndrom am Schultergürtel links, Doppelbilder der Augen,
Makuladegeneration
,
Cataract
beidseitig
. Sie legte dar, der Beschwerdeführerin sei eine 100%ige Tätigkeit als Pflegefachfrau nicht mehr möglich
, da der Druck bei der Arbeit sehr gross sei und
Belastungsstörungen zunähmen, jedoch seien ihr drei bis vier Stunden täglich mit vermehrten Pausen zumutbar. Eine ange
passte Tätigkeit sei der Beschwerdeführerin im Umfang von vier bis fünf Stunden täglich allenfalls möglich.
Ergänzend hielt Dr.
R._
in einem undatierten Schreiben an die IV-Stelle fest, die im Bericht vom 10. November 2020 aufgeführten Diagnosen seien ver
sehentlich als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bezeichnet worden; viel
mehr hätten sämtliche dieser Diagnosen Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/309 S. 1-13). Im
Arzt
zeugnis
zuhanden der AXA vom 5. Mai 2021 (Urk. 7/309 S. 16-18) attestierte sie der Beschwerdeführerin überdies eine voll
ständige Arbeitsunfähigkeit sowohl in der angestammten wie auch in einer an
ge
passten Tätigkeit bis 31. Mai 2021.
3.12
Prof. Dr. med.
S._
, Facharzt für Neuroophthalmologie und Neurologie,
Spital T._
, führte im Bericht vom 3. Februar 2021 (Urk. 7/276 S. 9-12) als Hauptdiagnosen beidseits visuelle Verzerrungen und
Metamorphopsien
aufgrund einer
Makulopathie
, einen Astigmatismus
myopicus
und eine
Presbyo
pie
beidseits auf und hielt fest, es liege keine neurogene Ursache für die op
ti
sche/
retinale
Diplopie bis
Polyopie
beidseits vor. Er führte zudem aus, es
be
stünde keine Indikation für weitere neurologische Abklärungen (
vgl. auch den Low Vision Bericht vom 10. Mai 2021 [Urk. 7/313], wonach die Beschwerdefüh
rerin diese Diagnosen im Alltag als sehr störend empfinde).
3.13
In den Berichten des Stadtspitals
U._
vom 5. Februar 2021, 12. Feb
ruar 2021 und vom 23. Februar 2021 (Urk. 7/282) hielten die behandeln
den Ärzte nach durchgeführter Gastroskopie, Sonographie des
Abdomens sowie nach Durchführung
eines kontrastmittelverstärkten CT von Thorax und Abdomen
fest, die Klinik sei relativ unspezifisch, die Gastroskopie sei unauffällig (vgl. auch
den Bericht vom 19. August 2021 [Urk. 7/381 S. 5-12] sowie denjenigen der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie des
Spital V._
vom 7. Sep
tember 2021 [Urk. 7/381 S. 1-4]).
3.14
Dr. med.
W._
, Facharzt für Dermatologie und Venerologie,
Zentrum
AA._
_
, führte in seinem Bericht vom 4. März 2021 (Urk. 7/285) als Diagnosen die folgenden auf:
Rektozele
, Obstipation anamnestisch, hypermo
bile Schleimhautfalte rektal,
Marisken
, Ausschluss Hämorrhoidalleiden, Verdacht auf Phimose Klitoris-Präputiums/
Klitorisadhäsion
, Differentialdiagnose initialer Lichen
sclerosus
et
atrophicus
, Atherom Rücken. Er hielt fest, der Lichen
sclerosus
et
atrophicus
habe nicht bewiesen
werden können und empfahl weiterführende Untersuchungen bei entsprechenden Spezialisten
(vgl. auch den Bericht von Dr. med.
AB._
_
, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, vom 3. Mai 2021 [Urk. 7/312], sowie den Bericht von Dr. med.
AC._
, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, vom 25. Mai 2021 [Urk. 7/314]).
3.
15
Prof. Dr. Dr. med.
AE._
, Facharzt für Ophthalmologie und
Ophthal
mochirurgie
,
Spital V._
, Augenklinik, stellte in seinem Bericht vom 3. Juni 2021 (Urk. 7/329
S. 1 f.
) die Diagnosen einer
Myopia
media
, einer
Cataracta
sensilis
, einer
epiretinalen
Membran, eines Status’ nach
Uveitis
anterior
sowie von unklaren Sehstörungen mit Doppelbildern. Er
legte dar, es sei versucht wor
den, im Rahmen der Sprechstunden Doppelbilder zu reproduzieren, was indes nicht gelungen sei. Die Sehstörungen, welche die Beschwerdeführerin beschreibe
,
und die ophthalmologischen
Veränderungen seien mit den erhobenen Befunden nicht in Einklang zu bringen, er habe keine gute Erklärung
, wie diese Sehstörung zustande komme. Bereits anlässlich der Untersuchung im
Spital T._
(vgl. E.
3.
12
)
habe kein Zusammenhang zwischen den Sehstörungen und den Be
funden hergestellt
werden können,
a
uch die MRI-Untersuchungen seien ohne wegweisendes Resultat geblieben
(vgl. auch den Bericht
von
PD Dr. med.
AF._
_
,
Spital V._
, Interdisziplinäres Zentrum für Schwindel und neurologische Sehstörungen, vom 18. Juni 2021 [Urk. 7/329 S. 3-5])
.
4.
4.1
Aus medizinischer Sicht ist aktenkundig und unbestritten, dass die Beschwerde
führerin
seit 18. März 2019 in ihrer angestammten Tätigkeit als Pflegefachfrau nicht mehr arbeitsfähig ist
, mithin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vorliegt
(vgl. Urk.
7/301 S. 9
). Strittig und zu prüfen ist
hingegen
die Frage der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit.
Die
Verfügung der IV-Stelle vom 17. September 2021 (Urk. 2) beruhte massgeb
lich auf den Stellungnahmen von RAD-Arzt Dr. med.
AG._
, Facharzt für Chirurgie,
vom 21. Dezember 2020 (Urk. 7/301 S. 6 f.), vom 25. Januar 2021 (Urk. 7/301 S. 8 f.), vom 17. Februar 2021 (Urk. 7/301 S. 10 f.), vom 3. März 2021 (Urk. 7/301 S. 11) sowie vom 23. März 2021 (Urk. 7/301 S. 11 f.).
Dieser attes
tierte der Beschwerdeführerin in einer angepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von
100 % respektive
80 %
aufgrund einer gesundheitsbedingten Leistungsmin
derung von 20 %
.
H
insichtlich des Belastungsprofils
erachtete er
leichte Tätig
kei
ten ohne Heben, Tragen und Transportieren von Lasten von über fünf Kilo
gramm, ohne (beidseitiges) Arbeiten in Armvorhalte
n
und Überkopfarbeiten, ohne grob
motorische Beanspruchung der Hände und ohne hohe visuelle Anforderun
gen als zumutbar (Urk. 7/301 S. 12).
4.2
4.2.1
Konkrete Indizien, welche gegen diese Auffassung sprechen, sind den medizi
ni
schen Akten nicht zu entnehmen.
Wohl attestierte
der ehemalige Hausarzt der Beschwerdeführerin,
Dr.
Y._
,
im
März
2018 eine vollständige Arbeitsun
fähigkeit sowohl in angestammter wie auch in angepasster Tätigkeit (vgl. E. 3.2), indes ist darauf hinzuweisen, dass es sich
bei
Dr.
Y._
um einen praktischen Arzt handelt,
die psychiatrischen Diagnosen einer Erschöp
fungsdepression mit schweren Schlafstörungen (ICD-10: F32.9) sowie einer kom
binierten und anderen Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F61.0) folglich fachfremd erfolgt sind.
Dem
gegenüber diagnostizierte Dr.
D._
als Facharzt für Psychiatrie und Psychothe
rapie
in seinem psychiatrischen Gutachten vom August 2018 zwar ebenfalls eine kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F61.0), führte hin
gegen aus, aus psychiatrischer Sicht lägen bei der Beschwerdeführerin keine Ein
schränkungen bei der Ausübung ihrer angestammten Tätigkeit vor, sie fühle sich bloss subjektiv durch ihre Augenbeschwerden und den sich daraus ergebenden Fehlern einge
schränkt
(vgl. E. 3.4).
Schliesslich verneinte
n
sowohl
die
aktuelle
Hausärztin der Beschwerdeführerin, Dr.
R._
,
als auch Dr. med.
AH._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Kardiologie, eine psychia
trische Problematik
(vgl. E. 3.11
und Urk. 3/3
),
weshalb
das Vorliegen einer psychiatrischen Erkrankung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
– auch an
gesichts des Umstandes, dass die Beschwerdeführerin
weder einen
Therapeuten
konsultiert
noch
Psychophar
maka einnimmt (vgl. Urk. 7/118 S. 48 f.) –
als
nicht
überwiegend wahrscheinlich erscheint
.
A
us Gründen der Verhältnismässigkeit
ist vor diesem Hintergrund
von einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281
abzusehen
, zumal
Dr.
D._
eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar
begründeter
Weise verneinte, woran auch die gegenteilige – fachfremde – Einschätzung von Dr.
Y._
nichts zu ändern vermag (vgl. auch BGE 143 V 409 E. 4.5.3;
ferner
BGE 143 V 418 E. 7.1).
Dies
gilt
umso mehr
, als eine
höhere
als die fachärztlich attestierte Arbeitsun
fähigkeit auch aus einer
Indikatorenprüfung
nicht resultieren kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_137/2019 vom 27. Mai 2019 E. 6.7).
4.2.2
Auch aus somatischer Sicht
vermag die von
RAD-Arzt
Dr.
AG._
attestierte Arbeitsfähigkeit von
80 % zu überzeugen.
So ist zunächst die von Dr.
Y._
attestierte vollständige Arbeitsunfähigkeit nicht nachvollziehbar, zumal er diese hohe Arbeitsunfähigkeit in keiner Weise begründete, sondern einzig auf eine Vielzahl von Arztberichten aus den Jahren 2005 bis 2014 verwies. Insbesondere legte er nicht dar, inwiefern sich die teil
weise seit sehr langer Zeit bestehenden Diagnosen wie die seit dem Jahr 1981 bekannte
Sarkoidose
(Morbus Boeck) oder das im Jahr 2010 diagnostizierte hyperkinetische Herzsyndrom negativ auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerde
führerin auswirken sollten (vgl. E. 3.2), da es ihr bis zu ihrer Anmeldung bei der Invalidenversicherung im Februar 2018 offensichtlich
möglich war, ihrer ange
stammten Tätigkeit als Pflegefachfrau nachzugehen.
Weiter vermag die Beschwerdeführerin auch aus dem Bericht ihrer Hausärztin, Dr.
R._
, nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. Dr.
R._
führte im November 2020 zwar aus, eine 100%ige Tätigkeit als Pflegefachfrau sei der Be
schwerdeführerin nicht mehr möglich, indes seien ihr drei bis vier Stunden täglich mit vermehrten Pausen zumutbar, eine angepasste Tätigkeit sei ihr im Umfang von vier bis fünf Stunden täglich möglich. Diese Einschätzung begründete sie allerdings nicht medizinisch unter Verweis auf die von ihr aufgeführten soma
ti
schen Beschwerden, vielmehr hielt sie fest, eine vollschichtige Arbeitstätigkeit als Pflegefachfrau sei der Beschwerdeführerin nicht mehr zumutbar, da der Druck bei der Arbeit sehr gross sei und Belastungsstörungen zunehmen würden (vgl. E. 3.11). Ebenso wenig begründete sie die im Arztbericht zuhanden der AXA im Mai 2021 attestierte vollständige Arbeitsunfähigkeit sowohl in der angestammten wie auch in einer angepassten Tätigkeit bis Ende Mai 2021 (vgl. E. 3.11). Eine solche ist angesichts der in den Akten vorhandenen fachärztlichen Berichte auch nicht nachvollziehbar: So attestierte Dr.
B._
der Beschwerdeführerin eine voll
ständige Arbeitsfähigkeit in einer Tätigkeit ohne hohe visuelle Anforderungen (vgl. E. 3.3). Damit übereinstimmend hielt Prof.
J._
fest, die Beschwerde
führe
rin könne sicher eine angepasste Tätigkeit ausüben, was angesichts des Um
stan
des, dass die
binoculare
Doppelbildsituation mit den zur Verfügung stehen
den Methoden nicht verifizierbar war und die Beschwerdeführerin als Reaktion auf die dadurch be
dingte fehlende Fahrtauglichkeit anmerkte, die Doppelbilder wür
den sie im Alltag eigentlich nicht stören, überzeugt (vgl. E. 3.7). Prof.
S._
führte im Februar 2021 überdies aus, es bestünde keine Indikation für weitere neurolo
gische Abklärungen (vgl. E. 3.12) und auch Prof.
AE._
legte im Juni 2021 dar, die Sehstörungen, welche beschrieben würden, und die ophthal
mologischen Veränderungen seien
mit den erhobenen Befunden nicht in Einklang zu bringen
, vielmehr habe bereits anlässlich der Untersuchung durch Prof.
S._
kein Zusam
menhang zwischen den Sehstörungen und den Befunden hergestellt werden können (vgl. E. 3.15). Diesen Ausführungen Rechnung tragend schloss RAD-Arzt Dr.
AG._
bei der Formulie
rung des Belastungsprofils Tätigkeiten mit hohen visuellen Anforderungen aus (vgl. E. 4.1).
Auch die Berichte von Dr.
I._
, welcher sich nicht zur Arbeitsfähigkeit äusserte, jedoch anmerkte, dass sich hinsichtlich der Schilddrüsenvergrösserung ein guter Therapieerfolg zeige und die Schilddrüsenvergrösserung
regredient
sei (vgl. E. 3.6), die aus
oto-rhino-laryngologischer
Sicht gestellten Diagnosen, in deren Zusammenhang Dipl. Ärztin
K._
keine Arbeitsunfähigkeit attestierte, sondern einzig festhielt, weitere Kontrollen seien nicht vorgesehen (vgl. E. 3.8), oder die gynäkologischen Beschwerden vermögen die Einschätzung von Dr.
R._
nicht zu stützen, zumal weder Dr.
W._
noch Dr.
AB._
oder Dr.
AC._
Angaben hinsichtlich einer Arbeitsunfähigkeit machten (vgl. Urk. 7/312 und 7/314) und med.
pract
.
AI._
_
, Fachärztin für Gynä
ko
logie und Geburtshilfe, der Beschwerdeführerin am 21. Dezember 2017 eine voll
ständige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit attestierte (Urk. 7/178). Dr. med.
AK._
_
, Fachärztin für Gynäkologie und Geburts
hilfe sowie für Psychosomatische und Psychosoziale Medizin, führte im Arzt
zeugnis vom 27. März 2019 (Urk. 7/186) zwar aus, die Beschwerdeführerin könne aus gesund
heitlichen Gründe bloss ausnahmsweise Gewichte von über fünf Kilo
gramm heben, RAD-Arzt Dr.
AG._
berücksichtigte dies jedoch im Rahmen des Belas
tungsprofils (vgl. E. 4.1).
Wohl attestierten die behandelnden Ärzte der
Schmerzklinik F._
der Beschwer
deführerin eine 50%ige Arbeitsfähigkeit und führten aus, diese bestehe für
leichte körperliche Tätigkeit mit Tragen von maximal fünf Kilogramm und ohne Über
kopf
arbeiten sowie ohne Nachtdienst (vg
l. E. 3.5). Vor dem Hintergrund
, dass
im Verlauf
e
des stationären Aufenthalts
offenbar
eine
erhebliche
Ver
besserung
der Schmerzen im Bereich der oberen BWS, der HWS, dem rechten Schulterblatt und Arm, den Daumengelenken sowie des Grundgelenks des grossen Zehs beidseitig eintrat (Schmerzänderung von fünf auf eins auf der Schmerzskala, vgl. Urk. 7/145 S. 3), überzeugt auch diese
Beurteilung
nicht, zumal RAD-Arzt Dr.
AG._
im Rahmen des von ihm festgelegten Belastungsprofils die der Beschwerdeführerin zumutb
aren Tätigkeiten auf körperlich
leichte Tätigkeiten mit Tragen von maxi
mal fünf Kilogramm und ohne Überkopfarbeiten be
schränk
te, mithin die aufge
führten Funktionseinschränkungen umfassend berück
sich
tigte. Unterstrichen wird die 80%ige Arbeitsfähigkeit auch mit Blick auf das
pseu
doradikuläre
Schmerzsyndrom am linken Schultergürtel, zumal eine neuro
pathische Genese der chronischen, deutlich linksbetonten Schmerzen von den behandelnden Ärzten verneint wurde (vgl. E. 3.9) und damit übereinstimmend auch Dr.
P._
fest
hielt, der objektivierbare neurologische Befund zeige keine sensomotorischen Defizite bei einer leichten schmerzbedingten Einschränkung der linken Schulter. Die allenfalls vorhandene Irritation der Nervenwurzeln würden die linksseitige Symptomatik jedoch nicht erklären (vgl. E. 10). Diesen offensichtlich bloss leich
ten schmerzbedingten Einschränkungen trug RAD-Arzt Dr.
AG._
Rechnung, indem er Tätigkeiten mit beidseitigen Arbeiten in Arm
vorhalte
n
sowie mit grob
motorischer Beanspruchung der Hände vom Belastungs
profil ausschloss (vgl. E. 4.1).
Schliesslich vermag auch der Verweis von Dr.
R._
auf die Berichte des Stadtspitals
U._
eine derart hohe Arbeitsunfähigkeit nicht zu er
klä
ren, ist diesen doch zu entnehmen, dass die Ärzte nach durchgeführter Gastro
skopie, Sonographie des Abdomens sowie nach Durchführens eines kontrast
mittelverstärkten CT von Thorax und Abdomen zum Schluss kamen, die Klinik sei relativ unspezifisch und die Gastroskopie unauffällig.
Im Übrigen ist mit Blick auf die Einschätzung von Dr.
R._
auch dem Umstand Rechnung zu tragen, dass
es
in
Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften einer Erfahrungstatsache entspricht, dass diese mitunter im Hin
blick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5; 125 V 351 E. 3b/cc).
4.
2.3
Was schliesslich
die
von der Beschwerdeführerin mit Beschwerdeerhebung zu den Akten gelegte
Aktenbeurteilung K
TG
durch
Dr.
AH._
_
vom 15. Mai 2021 (Urk.
3/3)
anbelangt, ist festzuhalten, dass
darin
einzig die
– fachfremde –
Diagno
se einer
Makulopathie
(ICD-10: H35)
gestellt wurde, weitere Beschwerden hingegen bloss
angedeutet
wurde
n
.
Dr.
AH._
_
hielt fest, aufgrund der beschrie
benen und aktenanamnestisch erwähnten Beschwerden erscheine die von der Hausärztin bescheinigte Arbeitsunfähigkeit
in der angestammten Tätigkeit
als plausibel,
was er allerdings einzig mit dem Vorliegen der
Makulopathie
begrün
dete und ausführte,
er rechne mit einer unveränderten Arbeitsunfähigkeit, sofern keine weitere augenärztliche Behandlung eingeleitet werde. Die
attestierte
– und vorliegend strittige –
vollständige
Arbeitsunfähigkeit in einer angepassten Tätig
keit
begründete er
hingegen
in keiner Weise
, weshalb die Aktenbeurteilung nicht geeignet ist, die von RAD-Arzt Dr.
AG._
attestierte 80%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit in Zweifel zu ziehen
.
Dasselbe gilt für den
ebenfalls mit Beschwerdeerhebung zu den Akten gereichten
Arztbericht
des
Spital
s
V._
vom 7. September 2021
(Urk. 3/
4
)
, zumal diesem
keine Angabe zu einer möglichen Arbeitsunfähigkeit
zu entnehmen ist.
4.3
So
weit
die Beschwerdeführerin vorbringt, RAD-Arzt Dr.
AG._
«mä
a
ndere» hin
sichtlich seiner Einschätzung der Arbeitsfähigkeit, ist anzumerken, dass dieser wohl im Verlaufe seiner Stellungnahmen zu unterschiedlichen Beurteilungen ge
langte, dies jedoch nachvollziehbar ist. So passte er seine jeweilige Einschätzung den von der Beschwerdeführerin beigebrachten Arztberichten an und legte die Arbeitsfähigkeit jeweils in der Gesamtschau sämtlicher Befunde neu fest. Dass er dabei im Laufe des Verfahrens von seiner ursprünglich getroffenen Einschätzung vom 26. September 2018 (Urk.
7/
205 S. 3 f.) abwich, ist angesichts des Umfangs der medizinischen Akten und der fortlaufend neu aufgelegten Berichte nicht zu beanstanden.
Mit Blick auf die umfassende medizinische Aktenlage ist abschliessend
darauf hinzuweisen,
dass
massgebend für den Grad der Arbeitsunfähigkeit nicht die Dia
gnose oder die Zahl der erhobenen Diagnosen ist, sondern die daraus resultieren
de Leistungseinschränkung, welche sich auch durch eine zusätzliche Beeinträch
tigung nicht zwangsläufig erhöhen muss (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_804/2015 vom 21. Juni 2016 E. 3.2).
4.
4
Nach
dem Gesagten ist mit dem im Sozialversicherungsrecht geltenden Beweis
grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die Beschwerdeführerin in einer angepassten Tätigkeit – unter Berücksichtigung des umschriebenen Be
lastungsprofils (vgl. E. 4.
1
) – zu
80
% arbeitsfähig ist.
5.
5.1
Die Beschwerdeführerin macht geltend, eine allfällig vorhandene Restarbeits
fähigkeit sei angesichts der kurzen noch verbleibenden Aktivitätsdauer nicht ver
wertbar (Urk. 1 S. 9).
5.2
Das trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung zumutbarerweise erzielbare Einkommen ist bezogen auf einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu ermitteln, wobei an die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten keine übermässigen Anforderungen zu stellen sind (BGE 138 V 457 E. 3.1 mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts 9C_118/2015 vom 9. Juli 2015 E. 2.1 mit Hinweis).
Das fortgeschrittene Alter wird, obgleich an sich ein invaliditätsfremder Faktor, in der Rechtsprechung als Kriterium anerkannt, welches zusammen mit weiteren persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu führen kann, dass die einer versicherten Person verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgegliche
nen Arbeitsmarkt
realistischerweise
nicht mehr nachgefragt wird, und dass ihr deren Verwertung auch gestützt auf die Selbsteingliederungspflicht nicht mehr zumutbar
ist
. Der Einfluss des Lebensalters auf die Möglichkeit, das verbliebene Leistungsvermögen auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, lässt sich nicht nach einer allgemeinen Regel bemessen, sondern hängt von den Umständen des Einzelfalles ab. Massgebend können die Art und Beschaffenheit des Gesund
heitsschadens und seiner Folgen, der absehbare Umstellungs- und Einarbeitungs
aufwand und in diesem Zusammenhang auch Persönlichkeitsstruktur, vorhan
dene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung, beruflicher Werdegang oder Anwendbarkeit von Berufserfahrung aus dem angestammten Bereich sein (BGE 138 V 457 E. 3.1 mit Hinweisen). Die Möglichkeit, die verbliebene Arbeits
fähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, hängt nicht zuletzt davon ab, welcher Zeitraum der versicherten Person für eine berufliche Tätigkeit und vor allem auch für einen allfälligen Berufswechsel noch zur Verfügung steht (BGE 138 V 457 E. 3.2 mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_645/2017 vom 23. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
Gemäss BGE 138 V 457 richtet sich der Zeitpunkt, in welchem die Frage nach der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit bei vorgerücktem Alter beantwortet wird, nach dem Feststehen der medizinischen Zumutbarkeit einer (Teil-)Erwerbstätig
keit (E. 3.3). Als ausgewiesen gilt die medizinische Zumutbarkeit einer (Teil-)
Erwerbstätigkeit, sobald die medizinischen Unterlagen diesbezüglich eine zuverlässige Sachverhaltsfeststellung erlauben (BGE 143 V 431 E. 4.5
.1; vgl.
BGE 138 V 457 E. 3.4).
5.3
Aus den Akten geht hervor, dass der RAD-Arzt,
Dr.
AG._
, am 1
7.
Februar 2021 zum Schluss kam, die Beschwerdeführerin sei in angepasster Tätigkeit mindestens zu 80
%
arbeitsfähig (Urk. 7/301 S. 10-11). Zu diesem Zeitpunkt war die Beschwerdeführerin knapp 61,5 Jahre alt, womit ihr noch eine Aktivitätsdauer von gut 2,5 Jahren bis zum Erreichen des AHV-Alters verblieben.
5.4
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung
ist
e
ine Unverwertbarkeit der Rest
arbeitsfähigkeit
aufgrund des fortgeschrittenen Alters
erst anzunehmen, wenn die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der aus
geglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realisti
schem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle daher von vornherein als ausge
schlossen erscheint (Urteile des Bundesgerichts 9C_712/2017 vom 1
2.
Januar 2018 E. 4.2.2 und 8C_582/2015 vom
8.
Oktober 2015 E. 5.11).
Mithin bleibt
«die Nichtverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit aufgrund fortgeschrittenen Alters in der Rechtsprechung in der Regel eine Ausnahme» (Marco Weiss, Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit aufgrund vorgerückten Alters – Rechtsprechungstenden
zen, SZS 2018, S. 630 ff., S. 640).
5.5
Die Beschwerdeführerin ist in einer angepassten Tätigkeit mindestens zu 80
%
arbeitsfähig und stand bis im Jahr 2018 immer im Arbeitsprozess. Sie verfügt über langjährige Erfahrung im Pflegebereich und zudem – neben zwei weiteren Ausbildungen – über eine solche als Bürokauffrau. Bereits der Umstand, dass sie in der Vergangenheit mehrere Berufe erlernte und ausübte, spricht dafür, dass sie über die für eine berufliche Umstellung erforderliche Flexibilität verfügt. Zudem steht ihr unter Berücksichtigung des Belastungsprofils ein breites Spektrum an Tätigkeiten offen. Im Rahmen ihrer Schadenminderungspflicht ist es ihr daher zumutbar, sich beruflich umzuorientieren, insbesondere da der ausgeglichene Arbeitsmarkt auch Nischenarbeitsplätze umfasst, bei welchen mit einem sozialen Entgegenkommen des Arbeitgebers gerechnet werden kann (Urteil des Bundesge
richts 8C_55/2022 vom 1
9.
Mai 2022, E. 4.3).
Im Lichte
der rechtsprechungsgemäss relativ hohen Hürden betreffend die Unver
wertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit auch älterer Menschen sowie angesichts der Kasuistik in vergleichbaren Fällen (vgl. Urteil
des Bundesgerichts
9C_574/2019 vom 1
6.
Oktober 2019 E. 2.4
,
Urteil
des Bundesgerichts
9C_797/2019 vom
6.
Ja
nuar 2020 E. 5) ist de
r
Beschwerdeführer
in
die Verwertung
ihrer
Restarbeits
fähigkeit zumutbar.
6
.
6
.1
Zu prüfen bleibt, wie sich die gemäss obigem Anforderungsprofil attestierte Rest
arbeitsfähigkeit
von
80
% in erwerblicher
Hinsicht auswirkt.
Da vorliegend
von einem Beginn der massgebenden Arbeitsunfähigkeit am
18. März 2019 aus
zu
ge
hen ist
(E. 4.1)
und weil die Beschwerdeführerin ihren Leistungsanspruch erstmals
am
12
.
Februar
2018
geltend machte (Art. 29 Abs. 1 ATSG), konnte ein Renten
anspruch der Beschwerdeführerin frühestens im
März
2020
entstehen (Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG in Verbindung mit Art. 29 Abs. 1 IVG), weshalb bei der Invali
di
tätsbemessung die Verhältnisse zu diesem Zeitpunkt massgebend sind.
6
.2
Bei erwerbs
tätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgegliche
ner Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad be
stimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2
; 128 V 29 E. 1
).
6
.3
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Re
gel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommens
entwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung ent
spricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Aus
nahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE
145 V 141 E. 5.2.1
;
139 V 28 E. 3.3.2
;
135 V 58 E. 3.1
;
134 V 322 E. 4.1).
Die IV-Stelle ermittelte
im Rahmen des Einkommensvergleiches ein
Validenein
kommen
von Fr. 95'505.65
und stützte sich dabei – zu Gunsten der Beschwerde
führerin – auf
sta
tistische
We
rte des Bundes (Urk. 7/324 S. 3)
.
Dies ist
a
nge
sichts der
Einkommensschwankungen, welche bis Eintritt der Invalidität in Erscheinung getreten sind
(vgl. IK-Auszug vom 12. Dezember 2019, Urk. 7/221)
, nicht zu be
anstanden.
6
.4
6
.4.1
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Recht
sprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik
(BFS)
perio
disch heraus
gegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3
;
135 V 297 E. 5
.2; 129 V 472 E. 4.2.1
). Dabei sind grund
sätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statis
tischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2
;
142 V 178 E
. 2.5.8.1; 133 V 545 E. 7.1). Die Verwendung der Tabellenlöhne
ist subsidiär, das heisst deren
Beizug
erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BG
E
142 V 178 E. 2.5.7
;
139 V 592 E. 2.3
;
135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/
Reichmuth
,
Bundesgesetz
über die Invalidenversicherung, 3.
Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
Vorliegend
ist
–
mit der IV-Stelle
(Urk. 7/300) –
zur Ermittlung des Invalidenein
kommens die LSE-Tabelle 2018
TA1
heran
zuziehen und auf
den lohnmässigen
Zentralwert im Sektor 3, Dienstleistungen (45-96), Kompetenzniveau 2, Frauen, ab
zustellen
(Fr.
4’810
.--)
.
Angepasst
an die Nominallohnentwicklung (
1
% im Jahr 2019 und 0.
9
% im Jahr 2020, vgl. Nominallohnindex,
Frauen
, 2010-2019, T39_1976-2020),
unter Berücksichtigung der
betriebsübliche
n
Arbeitszeit (41.7 Stunden, vgl. BFS, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen in Stunde
n pro Woche, Total, A-S, 2020) und umgerechnet auf das
de
r
Beschwer
de
führer
in
zumutbare Pensum von 8
0
%,
ist
von einem Invalideneinkommen von Fr.
49
'
057
.-- auszugehen ([
4’810
.--
x 12 : 40 x 41.7 +
1
% + 0.
9 %] x 0.80
).
6
.
4.2
Ein basierend auf der Grundlage von statis
tischen Durchschnittswerten ermittel
tes Invalideneinkommen ist allenfalls zu kürzen, da persönliche oder berufliche Merkmale wie Lebensalter, Nationalität oder Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Indes soll der Abzug nicht automatisch erfolgen; er ist vielmehr unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25 % nicht übersteigen (BGE 135 V 297 E. 5.2; 134 V 332 E. 5.2).
Die IV-Stelle sah von der Gewährung eines lei
densbedingten Abzuges ab (Urk. 7
/
300 S. 2
)
.
Dies
ergibt
– entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin (Urk. 1 S.
9 f.
) –
keinen Anlass zu
r
Kritik
, zumal den gesundheitsbedingten Ein
schränkungen de
r
Beschwerdeführer
in
bereits im Rahmen der ih
r
aus medizini
scher Sicht zumutbaren Arbeitsfähigkeit hinreichend Rechnung getragen wurde
(Arbeitsfähigkeit von 100 % abzüglich einer um 20 % verminderten Leistungs
fähigkeit, vgl. E. 4.1)
und eine hohe Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit vor
liegt.
Überdies ist anzumerken, dass dem Alter im
Zusammenhang mit dem Lei
densabzug bloss eine beschränkte Bedeutung zukommt.
So
fällt
einerseits
der Umstand, dass die Stellensuche altersbedingt erschwert sein kann, als invalidi
tätsfremder Faktor regelmässig ausser Betracht, andererseits steht fest, dass sich das Alter bei Frauen im Alterssegment von 40 bis 64/65 bei Stellen ohne Kader
funktion eher lohnerhöhend auswirkt (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_327/2018 vom 31. August 2018 E. 4.4.2; 8C_558/2017 vom 1. Februar 2018 E. 5.3.2).
6
.
5
Aus der Gegenüberstellung der Vergle
ichseinkommen (
Valideneinkommen
Fr. 95'506.--; Invalideneinkommen Fr. 49'057.--) resultiert eine Erwerbseinbusse von Fr. 46’449.--, was einem Invaliditätsgrad von gerundet
49
% entspricht
und Anspruch auf eine
Viertelsrente
der Invalidenversicherung begründet
(vgl. E. 1.3)
.
7
.
Soweit
die
Beschwerdeführer
in
schliesslich eine Verletzung des Untersuchungs
grundsatzes durch die IV-Stelle rügt (vgl. E. 2.2), ist festzuhalten, dass die IV-Stelle auf die Abnahme weiterer Beweise dann verzichten kann, sofern sie nach den von Amtes wegen vorzunehmenden Abklärungen bei
pflichtgemässer
Be
weiswürdigung zur Überzeugung gelangt, ein bestimmter Sachverhalt sei als überwiegend wahrscheinlich zu betrachten und weitere Beweismassnahmen könnten an diesem Ergebnis nichts mehr ändern (antizipierte Beweiswürdigung). Darin liegt weder eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes noch eine Ver
letzung des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV; vgl. BGE
144 V 361 E. 6.5, 136 I 229 E. 5.3
). Davon, dass die von ihr getätigten Abklärungen eine abschlies
sende Beurteilung des Leistungsanspruchs de
r
Beschwerdeführer
in
erlaubten, ging die
IV-Stelle
nach dem Gesagten (vgl. vorstehend E.
4
-
6
) denn auch zu Recht aus.
8
.
Zusammenfassend
hat die Beschwerdeführerin ab 1. März 2020 Anspruch auf eine
Viertelsrente
der Invalidenversicherung.
Demzufolge
erweist sich die ange
fochtene Verfügung vom 17. September 2021 (Urk. 2) als rechtens, was zur Ab
weisung der Beschwerde führt.
9
.
Die Verfahrenskosten sind auf Fr. 700.-- festzusetzen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.