# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 8e75171a-50b9-4d02-abe1-f8cfafa57c1a
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend versuchte schwere Körperverletzung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dielsdorf, I. Abteilung, vom 6. November 2019 (DG190013)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV [heute: I] des Kantons Zürich vom
12. April 2019 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 21).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 180 S. 233 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB in Ver-
bindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB;
− der mehrfachen einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB;
− der mehrfachen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB;
− der mehrfachen Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB;
− der mehrfachen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte im Sinne von
Art. 285 Ziff. 1 StGB;
− der mehrfachen Beschimpfung im Sinne von Art. 177 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitstrafe von 4 Jahren und 9 Monaten (teilwei-
se als Zusatzstrafe zur Strafe gemäss Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 3. Abteilung, vom
6. März 2017, DG160331-L), wovon bis und mit heute 770 Tage durch Haft erstanden sind
sowie mit einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu Fr. 10.–.
3. Es wird eine stationäre therapeutische Massnahme im Sinne von Art. 59 Abs. 1 und 3 StGB
(Behandlung von psychischen Störungen) angeordnet.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird zugunsten der stationären Massnahme aufgeschoben.
Die Geldstrafe ist zu vollziehen.
5. Es wird davon Vormerk genommen, dass der Beschuldigte die Schadenersatzforderung der
Privatklägerin 1 in Höhe von Fr. 1'786.05 (Dossier 8) anerkannt hat.
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6. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 1 Schadenersatz im Umfang von
Fr. 5'525.70 (Dossier 9) zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird die Privatklägerin 1 auf den Weg
des Zivilprozesses verwiesen.
7. Die Schadenersatzforderungen der Privatklägerinnen 2 und 3 werden auf den Zivilweg
verwiesen
8. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger 8 aus dem ein-
geklagten Ereignis (Dossier 3) dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist. Zur genau-
en Feststellung des Umfanges des Schadenersatzanspruches wird der Privatkläger 8 auf
den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
9. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 8 eine Genugtuung in Höhe von
Fr. 2'500.– zu bezahlen.
10. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 9 eine Genugtuung in Höhe von
Fr. 500.– zu bezahlen. Im übrigen Umfang wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
11. Das Genugtuungsbegehren des Privatklägers 10 wird abgewiesen.
12. Die Entschädigung von Rechtsanwalt MLaw X1._ für die amtliche Verteidigung des
Beschuldigten wird auf Fr. 57'464.10 (Fr. 47'538.30 Aufwand, Fr. 5'817.40 Barauslagen und
Fr. 4'108.40 Mehrwertsteuer) festgesetzt.
13. Die Entschädigung von Rechtsanwalt lic. iur. Y1._ für die unentgeltliche Vertretung des
Privatklägers 8 wird auf Fr. 9'404.60 (Fr. 8'514.– Aufwand, Fr. 217.20 Barauslagen und Fr.
673.40 Mehrwertsteuer) festgesetzt.
14. Die Entschädigung von Rechtsanwalt lic. iur. Y2._ für die unentgeltliche Vertretung des
Privatklägers 9 wird auf Fr. 5'068.10 (Fr. 4'497.55 Aufwand, Fr. 208.20 Barauslagen und Fr.
362.35 Mehrwertsteuer) festgesetzt.
15. Die Entschädigung von Rechtsanwalt lic. iur. Y3._ für die unentgeltliche Vertretung des
Privatklägers 10 wird auf Fr. 3'593.45 (Fr. 3'336.55 Aufwand und Fr. 256.90 Mehrwertsteu-
er) festgesetzt.
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16. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 12'000.00 ; die weiteren Verfahrenskosten betragen:
Fr. 18'000.00 Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 27'871.00 Gutachten
Fr. 70.00 Auslagen Fr. 319.00 Entschädigung Zeugen
Fr. 216.50 Diverse Kosten
Fr. 39'898.25 Entschädigung vormalige amtliche Verteidiger (RA X4._ und RA X5._ Fr. 57'464.10 Entschädigung amtlicher Verteidiger RA X1._
Fr. 9'404.60 Entschädigung für unentgeltl. Vertretung Privatkläger 8 Fr. 5'068.10 Entschädigung für unentgeltl. Vertretung Privatkläger 9 Fr. 3'593.45 Entschädigung für unentgeltl. Vertretung Privatkläger 10 Fr. 173'905.– Total
17. Die Kosten und Gebühren des Vorverfahrens und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen
Vertretung der Privatkläger 8, 9 und 10 werden einstweilen auf die Gerichtskasse ge-
nommen. Vorbehalten bleibt die Verpflichtung des Beschuldigten, dem Kanton diese Ent-
schädigungen zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben
(Art. 135 Abs. 4 StPO und Art. 426 Abs. 4 StPO).
18. (Mitteilung)
19. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge:
a) Der Staatsanwaltschaft (Urk. 185 S. 2; Urk. 545 S. 1):
"1. Die Anträge des Beschuldigten / II. Berufungsklägers seien .
2. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 90 Monaten (teilweise als Zusatzstrafe zu der mit Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 3. Abteilung, vom 6. März 2017, DG160331, ausgefällten Strafe) sowie mit einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen à CHF 10.00 zu bestrafen.
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3. Anordnung der Verwahrung im Sinne von Art. 64 Abs. 1 lit. b StGB.
4. Bestätigung des Urteils des Bezirksgerichtes Dielsdorf vom 6. November 2019 betreffend Dispositiv Ziffer 1 sowie Ziffern 5 bis 17."
b) Der Verteidigung des Beschuldigten:
Berufungs- bzw. Anschlussberufungserklärung (Urk. 187 S. 3 f.; Urk. 209
S. 3):
"1. Das Verfahren gegen A._ wegen einfacher Körperverletzung (Dossier 3) sei einzustellen, eventualiter sei A._ von diesem Vorwurf freizusprechen;
2. A._ sei von den Vorwürfen der versuchten schweren Körperverletzung (Dossier 2), der einfachen Körperverletzung sowie der mehrfachen Beschimpfung (Dossier 4), der Drohung (Dossier 5), der Gewalt und Drohung gegen Behörden und  (Dossier 15), der Sachbeschädigung (Dossier 18) und der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte (Dossier 19) freizusprechen;
3. A._ sei dafür, unter Anrechnung der bereits erstandenen - bzw. Sicherheitshaft, mit einer angemessenen,  Strafe zu sanktionieren;
4. Von der Anordnung einer therapeutischen Massnahme sei ;
5. Die Zivilforderungen der Privatkläger seien mit Ausnahme von Dossier 8 im Betrag von CHF 1'786.05 abzuweisen bzw. auf den Zivilweg zu verweisen;
6. Die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens seien in  Umfang auf die Staatskasse zu nehmen;
7. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWSt) gemäss dem Ausgang des Berufungsverfahrens."
Berufungsverhandlung (Urk. 546 S. 2 f.; Urk. 550 S. 1):
"1. Es seien zusätzlich zu den angefochtenen Punkten gemäss Berufungserklärung vom 6. April 2020 (act. 187) und  vom 5. Mai 2020 (act. 209) die nicht angefochtenen Punkte des Urteils des Bezirksgerichtes Dielsdorf, I. Abteilung, DG190013, vom 6. November 2019 im Sinne von Art. 404 Abs. 2 STPO zu überprüfen;
2. In Abänderung von Dispositiv-Ziff. 1 und 2 des Urteils des Bezirksgerichtes Dielsdorf, I. Abteilung, DG190013, vom
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6. November 2019 sei A._ von Schuld und Strafe  freizusprechen, wobei das Verfahren betreffend Dossier 3 einzustellen sei; im Falle einer teilweisen Verurteilung sei von Strafe Umgang zu nehmen;
3. In Abänderung von Dispositiv-Ziff. 3 und 4 des Urteils des Bezirksgerichtes Dielsdorf, I. Abteilung, DG190013, vom 6. November 2019 sei auf die Anordnung jeglicher Massnahmen (insbesondere auch einer stationären therapeutischen  sowie einer ordentlichen Verwahrung) zu verzichten;
4. In Abänderung von Dispositiv-Ziff. 5 bis 10 des Urteils des Bezirksgerichtes Dielsdorf, I. Abteilung, DG190013, vom 6. November 2019 seien sämtliche Zivilforderungen abzuweisen, eventualiter auf den Zivilweg zu verweisen;
5. In Abänderung von Dispositiv-Ziff. 12 des Urteils des  Dielsdorf, I. Abteilung, DG190013, vom 6. November 2019 seien die Kosten und Gebühren des Vorverfahrens und des erstinstanzlichen Verfahrens definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen;
6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen gemäss dem Ausgang des Berufungsverfahrens, wobei die Anträge betreffend  und Genugtuung durch Kollege X2._ gestellt werden.
Eventualiter werden die Anträge gemäss Berufungserklärung vom 6. April 2020 (act. 187) und Anschlussberufungserklärung vom 5. Mai 2020 (act. 209) gestellt."
"1. Es sei die Haftung dem Grundsatze nach festzustellen. Eventualiter: 2. Es sei Schadenersatz und Genugtuung in noch zu bestimmender
Höhe zu bezahlen, mindestens aber im Umfang von CHF 50'000.00 zuzüglich Zins zu 5 % ab dem 17.08.2018.
Subeventualiter: 3. Es sei eine Genugtuung in angemessener Höhe mindestens aber
CHF 2'000.00 pro Tag ab dem 17.08.2018 zuzüglich Zins zu 5 % ab dem 17.08.2018 zu gewähren.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates"
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## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Vermei-
dung unnötiger Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz
im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 180 S. 7-9).
1.2. Der Beschuldigte wurde mit Urteil der Vorinstanz vom 6. November 2019
gemäss dem eingangs wiedergegebenen Urteilsdispositiv schuldig gesprochen
und bestraft. Mit Beschluss gleichen Datums verlängerte die Vorinstanz die
Sicherheitshaft bis zum 6. Mai 2020 (Urk. 136 f.).
1.3. Gegen das vorinstanzliche Urteil meldeten die Staatsanwaltschaft und der
Beschuldigte je fristgerecht Berufung an (Urk. 141 f.), wovon die Vorinstanz mit
Verfügung vom 22. November 2019 Vormerk nahm (Urk. 145). Innert Frist erklär-
ten die Staatsanwaltschaft und der Beschuldigte mit Eingaben vom 2. bzw.
6. April 2020 Berufung (Urk. 185 f. und Urk. 177/4 bzw. Urk. 187 f. und
Urk. 177/1).
1.4. Nach Eingang der Akten am Obergericht des Kantons Zürich wurde den
Parteien mit Verfügung vom 6. April 2020 Frist angesetzt, um sich zur Fortsetzung
der Sicherheitshaft zu äussern (Urk. 190). Mit Eingabe vom 8. April 2020 bean-
tragte die Staatsanwaltschaft die Verlängerung der Sicherheitshaft (Urk. 193). Die
amtliche Verteidigung ersuchte mit Eingabe vom 17. April 2020 um Absehen von
der Verlängerung der Sicherheitshaft (Urk. 202). Am 22. April 2020 wurde die
Fortdauer der Sicherheitshaft bis zum Entscheid in der Sache verfügt (Urk. 204).
1.5. Mit Verfügung vom 14. April 2020 wurde die Kontrolle der ein- und ausge-
henden Post des Beschuldigten während der Sicherheitshaft der Staatsanwalt-
schaft übertragen und gingen die Berufungserklärungen der Staatsanwaltschaft
und des Beschuldigten an die Privatkläger bzw. die Staatsanwaltschaft bzw. den
Beschuldigten und wurde diesen Frist angesetzt, um zu erklären, ob bezüglich der
Berufung der jeweiligen Gegenpartei Anschlussberufung erhoben wird, oder um
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begründet ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen (Urk. 195). Mit
Eingabe vom 15. April 2020 verzichtete die Staatsanwaltschaft unter Hinweis auf
ihre Berufungserklärung vom 2. April 2020 auf eine Anschlussberufung (Urk. 198).
Mit Eingabe vom 15. April 2020 verzichtete die Privatklägerin 3 (Kantonspolizei
Zürich) auf eine Anschlussberufung (Urk. 200). Mit Eingabe vom 5. Mai 2020
erklärte der Beschuldigte Anschlussberufung, mit dem Hinweis, diese entspreche
vollumfänglich der Berufung gemäss Berufungserklärung vom 6. April 2020
(Urk. 209). Mit Eingabe vom 5. Mai 2020 verzichtete der Privatkläger 8 (B._)
auf eine Anschlussberufung (Urk. 212). Mit Eingabe vom 5. Mai 2020 verzichtete
der Privatkläger 9 (C._) auf eine Anschlussberufung und beantragte die Ab-
weisung der Berufung des Beschuldigten hinsichtlich der ihm zugesprochenen
Genugtuung gemäss Dispositiv-Ziffer 10 des vorinstanzlichen Urteils sowie die
unentgeltliche Rechtspflege für das Berufungsverfahren (Urk. 214). Mit Verfügung
vom 13. Mai 2020 ging eine Kopie der Anschlussberufungserklärung an die Pri-
vatkläger und die Staatsanwaltschaft (Urk. 216).
1.6. Mit Eingabe vom 14. Mai 2020 beantragte die Staatsanwaltschaft, es sei
für die Berufungsverhandlung bei der Justizvollzugsanstalt PÖSCHWIES ein
ausführlicher Führungsbericht über den Beschuldigten einzuholen (Urk. 218). Mit
Verfügung vom 22. Mai 2020 ging diese Eingabe zur Stellungnahme an den
Beschuldigten und die Privatkläger (Urk. 220). Mit Eingabe vom 15. Juni 2020
verzichtete der Beschuldigte auf eine Stellungnahme (Urk. 228). Mit Verfügung
vom 25. Juni 2020 wurde der Beweisantrag der Staatsanwaltschaft auf Einholung
eines ausführlichen Führungsberichtes über den Beschuldigten gutgeheissen und
die Justizvollzugsanstalt PÖSCHWIES ersucht, dem hiesigen Gericht einen sol-
chen einzureichen (Urk. 230). Der Führungsbericht des Justizvollzugs und Wie-
dereingliederung des Kantons Zürich vom 18. August 2020 ging am 21. August
2020 ein (Urk. 255 und Urk. 255 A-D) und wurde mit Verfügung vom 25. Septem-
ber 2020 zur freigestellten Vernehmlassung dem Beschuldigten sowie der Staats-
anwaltschaft zugestellt (Urk. 283). Nach zweimal erstreckter Frist (Urk. 297 und
Urk. 320) liess sich der Beschuldigte dazu mit Eingabe vom 23. November 2020
vernehmen und stellte eine Stellungnahme in einem späteren Zeitpunkt in Aus-
sicht (Urk. 341).
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1.7. Der Beschuldigte mandatierte am 18. März 2021 Rechtsanwalt lic. iur.
X2._ und am 20. April 2021 Rechtsanwalt lic. iur. X3._ als erbetene Ver-
teidiger (Urk. 455 und 495). Das Gesuch von Rechtsanwalt lic. iur. X2._ vom
21. April 2021 um Einsetzung seiner Person als zweiter amtlicher Verteidiger des
Beschuldigten (Urk. 491) wurde mit Verfügung vom 22. April 2021 abgewiesen
(Urk. 502). Gleichzeitig wurde auf die Anträge der beiden erbetenen Verteidiger
vom 21. April 2021 (Urk. 491 und Urk. 493) auf Erteilung von Weisungen an die
Justizvollzugsanstalt PÖSCHWIES bzw. an den Justizvollzug und Wiedereinglie-
derung betreffend Modalitäten von Verteidigerbesuchen nicht eingetreten
(Urk. 502).
1.8. Mit Eingabe vom 18. März 2021 stellte der amtliche Verteidiger MLaw
X1._ verschiedene Beweisanträge (Urk. 449). Mit Verfügung vom 30. März
2021 wurde der Staatsanwaltschaft und den Privatklägern Frist zur Stellungnah-
me zu den Beweisanträgen angesetzt (Urk. 462). Während die Privatkläger still-
schweigend auf eine Stellungnahme verzichteten (Urk. 463), erfolgte die Stel-
lungnahme der Staatsanwaltschaft unterm 8. April 2021 (Urk. 471). Mit Verfügung
vom 5. Mai 2021 wurde dem Beschuldigten und den Privatklägern Frist zur freige-
stellten Vernehmlassung zur Stellungnahme der Staatsanwaltschaft angesetzt
(Urk. 513). Mit Eingaben vom 17. Mai 2021 (Urk. 518) und vom 21. April (sic)
2021 (Urk. 520) reichten die erbetenen Verteidiger ihre diesbezüglichen
Vernehmlassungen ein, während die Privatkläger (Urk. 514) und der amtliche
Verteidiger – letzterer innert einmal erstreckter Frist (Urk. 522) – stillschweigend
auf eine solche verzichteten. Mit Verfügung vom 19. Mai 2021 wurden die vom
amtlichen Verteidiger eingereichten Schreiben zu den Akten genommen, während
die übrigen Beweisanträge abgewiesen wurden (Urk. 524).
1.9. Mit Eingabe vom 21. Mai 2021 ersuchte der amtliche Verteidiger, den
Beschuldigten von der Teilnahme an der Berufungsverhandlung zu dispensieren
(Urk. 526 = Urk. 530). Mit Verfügung gleichen Datums wurde das Dispensations-
gesuch des Beschuldigten gutgeheissen (Urk. 527).
1.10. Nach Fällung des vorinstanzlichen Urteils wurden diverse Besuchsbe-
willigungen an verschiedenste Personen erteilt (Urk. 163, Urk. 164, Urk. 166 ff.,
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Urk. 174 f., Urk. 232, Urk. 238, Urk. 250, Urk. 274, Urk. 276, Urk. 285, Urk. 287,
Urk. 291, Urk. 293, Urk. 295, Urk. 327, Urk. 329, Urk. 333, Urk. 335, Urk. 339,
Urk. 360, Urk. 362, Urk. 364, Urk. 366, Urk. 373, Urk. 378, Urk. 428, Urk. 430,
Urk. 436, Urk. 443, Urk. 460, Urk. 480, Urk. 486, Urk. 499, Urk. 509) und erwirkte
der Beschuldige im Vollzug diverse Disziplinarverfügungen (Urk. 139 [Verfügung
vom 8. November 2019; vgl. dazu auch Urk. 143], Urk. 152 [Verfügung vom
24. Dezember 2019; vgl. dazu auch Urk. 153], Urk. 154 [Verfügung vom
30. Dezember 2019], Urk. 171 [Verfügung vom 4. März 2020], Urk. 178 [Ver-
fügung vom 17. März 2020; vgl. dazu auch Urk. 247/1], Urk. 182 [Verfügung vom
25. März 2020], Urk. 184 [Verfügung vom 27. März 2020], Urk. 206 [Verfügung
vom 24. April 2020], Urk. 208 [Verfügung vom 30. April 2020], Urk. 247/3 [Ver-
fügung vom 13. Juli 2020], Urk. 247/4 [Verfügung vom 14. Juli 2020], Urk. 289
[Verfügung vom 28. September 2020], Urk. 312 [Verfügung vom 28. Oktober
2020].). Der Beschuldigte befindet sich in der Justizvollzugsanstalt PÖSCHWIES
in einem Spezialsetting (vgl. dazu u.a. Urk. 157, Urk. 197, Urk. 246, Urk. 290,
Urk. 300, Urk. 369, Urk. 477).
1.11. Zur Berufungsverhandlung vom 26. Mai 2021 erschienen der amtliche
Verteidiger, Rechtsanwalt MLaw X1._, die erbetenen Verteidiger, Rechtsan-
walt lic. iur. X2._ und Rechtsanwalt lic. iur. X3._, sowie der Staatsanwalt
lic. iur. U. Krättli als Vertreter der Anklagebehörde (Prot. II S. 77). Im Anschluss
an die Verhandlung erging nachfolgendes Urteil.
2. Vorfragen
2.1. Anlässlich der Berufungsverhandlung liess der Beschuldigte durch seine
Verteidigung vorfrageweise vorbringen, die Haftbedingungen in der Justizvoll-
zugsanstalt PÖSCHWIES würden gegen das absolute Verbot der Folter verstos-
sen. Zur Begründung liess er zusammengefasst anführen, sowohl aus seiner Ta-
gebuchführung als auch aus der laufenden Strafuntersuchung gegen mehrere
Aufseher der Justizvollzugsanstalt PÖSCHWIES ergebe sich, dass er gefoltert
werde. Zudem hätten die Experten Dr. D._, Dr. E._ und Dr. F._ (...
Group) sowie Prof. G._ (International ...) die Haftbedingungen untersucht
und übereinstimmend festgestellt, dass sie gegen das Folterverbot verstiessen.
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Schliesslich sei seitens des UNO-Sonderberichterstatters für Folter eine entspre-
chende Untersuchung gegen die Schweiz eingeleitet worden. Als Folge der Folter
müsse er unverzüglich auf freien Fuss gesetzt werden (Urk. 538 und Urk. 539;
Prot. II S. 89). Die Staatsanwaltschaft hielt dem zusammengefasst entgegen, das
Schweizerische Bundesgericht habe sich erst kürzlich mit den Haftbedingungen
des Beschuldigten auseinandergesetzt und dessen entsprechende Beschwerde
abgewiesen. Zudem seien die Haftbedingungen nicht Gegenstand des vorliegen-
den Berufungsverfahrens. Die Justizvollzugsanstalt PÖSCHWIES, das Justizvoll-
zug und Wiedereingliederung und die einzelnen Mitarbeiter könnten sich mangels
Parteistellung nicht zu den vom Beschuldigten im vorliegenden Verfahren erho-
benen Vorwürfen äussern. Ungeeignet zum Nachweis von Folter sei zudem der
Vorfall, welcher sich am 9. April 2020 in der Justizvollzugsanstalt PÖSCHWIES
ereignet habe, zumal diesbezüglich erst Strafuntersuchungen geführt würden, da-
von eine gegen den Beschuldigten, wobei die Beweiserhebungen längstens noch
nicht abgeschlossen seien. Mangels Folter und zufolge Erfüllung der Haftvoraus-
setzungen sei das Haftentlassungsgesuch des Beschuldigten abzuweisen (Prot. II
S. 86 f. und 89).
2.2. In formeller Hinsicht leitet die Verteidigung aus der von ihr geltend ge-
machten Folter einzig die sofortige Haftentlassung des Beschuldigten ab. Der
Entscheid über ein Haftentlassungsgesuch des Beschuldigten obliegt der Verfah-
rensleitung (Art. 233 StPO), womit die Frage der Haftentlassung nicht gleichzeitig
Gegenstand von Vorfragen im Sinne von Art. 339 Abs. 2 StPO i.V. mit Art. 379
StPO sein kann. Das Haftentlassungsgesuch wurde an der Berufungsverhand-
lung von der Verfahrensleitung geprüft und in der Folge abgewiesen (Prot. II
S. 90; Urk. 551).
2.3. In materieller Hinsicht macht die Verteidigung einerseits geltend, aufgrund
der anhaltenden Folter, welcher der Beschuldigte in der Justizvollzugsanstalt
PÖSCHWIES ausgesetzt sei, habe sich dieser in Bezug auf die ihm vorliegend
vorgeworfenen, von ihm bestrittenen Straftaten in einem rechtfertigenden Not-
stand i.S.v. Art. 17 StGB befunden, weshalb er freizusprechen sei. Eventualiter
sei ein entschuldbarer Notstand i.S.v. Art. 18 Abs. 2 StGB vorgelegen. Anderseits
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bringt die Verteidigung vor, das von ihr behauptete nicht regelkonforme, folternde
Verhalten jener Aufseher, welche in die vorliegend im Raum stehenden Tatvor-
würfe gegen den Beschuldigten involviert seien, habe eine Einschränkung ihrer
allgemeinen Glaubwürdigkeit zur Folge und damit einen entscheidenden Einfluss
auf die Beweiswürdigung (vgl. dazu nachfolgend unter E. I.5.1. und I.6.). Aufgrund
dieser materiellen Vorbringen rechtfertigt es sich vorliegend, auf den vom
Beschuldigten erhobenen Foltervorwurf näher einzugehen.
2.4. Das Berufungsgericht ist grundsätzlich weder für die Beurteilung noch für
die Ausgestaltung der spezifischen Haftbedingungen die sachlich zuständige
Behörde. Ist der Beschuldigte mit den Haftbedingungen nicht einverstanden, hat
er diesbezüglich den verwaltungsrechtlichen Rechtsweg zu beschreiten, was
er denn auch bezogen auf die Thematik des Trennungsgebotes betreffend
Gefangene im Strafvollzug und in strafprozessualer Haft erwiesenermassen
bereits getan hat. Auf die vom Beschuldigten gegen den entsprechenden Ent-
scheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich erhobene Beschwerde hin
hatte sich das Schweizerische Bundesgericht mit Urteil 1B_52/2021 vom 24. März
2021 mit dieser Thematik einlässlich auseinandergesetzt. In diesem Zusammen-
hang hat es auch festgestellt, dass sich zurzeit die Haftbedingungen, welchen der
Beschuldigte in der Justizvollzugsanstalt PÖSCHWIES unterworfen sei, aufgrund
der besonderen Umstände des Einzelfalls bzw. wegen des vom Beschuldigten
ausgehenden Risikopotentials noch rechtfertigen liessen (E. 3.8.). Auch wenn es
sich darin nicht explizit zur Frage der Folter äusserte, stellte es zutreffend fest,
dass die – durchaus restriktiven – Haftbedingungen aufgrund der besonderen
Umstände des Einzelfalls noch gerechtfertigt, d.h. nicht menschenunwürdig, sei-
en. Folglich wurden höchstrichterlich auch keine konkreten Anzeichen für das
Vorhandensein von Folter festgestellt. Weder aufgrund der Vorbringen der Vertei-
digung noch aufgrund der Aktenlage ergeben sich Hinweise dafür, dass sich seit-
her die Haftbedingungen wesentlich zum Nachteil des Beschuldigten verändert
hätten. Weiter ist der Staatsanwaltschaft zuzustimmen, dass aus den laufenden
Strafuntersuchungen gegen Aufseher der Justizvollzugsanstalt PÖSCHWIES auf-
grund der geltenden Unschuldsvermutung i.S.v. Art. 10 Abs. 1 StPO derzeit nichts
massgebliches zugunsten des Beschuldigten in Bezug auf die Foltervorwürfe ab-
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geleitet werden kann (vgl. dazu auch nachfolgend unter E. I.6.). Ferner stellen die
von der Verteidigung angerufenen Gutachten, Stellungnahmen und Tagebuchfüh-
rungen des Beschuldigten Parteibehauptungen dar, die weder auf einer allseitigen
Untersuchung basieren, noch zu denen der Gegenseite, den für den Haftvollzug
zuständigen Behörden und Mitarbeitern, im vorliegenden Berufungsverfahren
mangels Parteistellung das rechtliche Gehör gewährt werden kann. Insgesamt
besteht daher kein Anlass, von der zutreffenden bundesgerichtlichen Beurteilung
abzuweichen. Damit kann dem Standpunkt des Beschuldigten, wonach die Haft-
bedingungen gegen das Folterverbot verstossen würden, nicht gefolgt werden.
3. Anschlussberufung des Beschuldigten
Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung und Lehre können diesel-
ben Anträge einer Partei nicht parallel Gegenstand einer Berufung und einer
Anschlussberufung zur Berufung einer anderen Partei sein bzw. eine Anschluss-
berufung ist nur in den Punkten möglich, die nicht bereits Gegenstand der
Berufung dieser Partei sind, denn das Berufungsgericht kann nicht zwei Mal über
den gleichen Antrag befinden. Ist ein gültiger Berufungsantrag hängig, bleibt somit
kein Raum für eine Anschlussberufung im gleichen Punkt und ist darauf in analo-
ger Anwendung von Art. 403 StPO nicht einzutreten (BGE 147 IV 26 E. 2.4.2.
m.w.H.). Vorliegend entspricht die Anschlussberufung des Beschuldigten vom
5. Mai 2020 vollumfänglich der von ihm am 6. April 2020 rechtsgültig erhobenen
Berufung (vgl. dazu auch vorne unter I.1.5.). Im Sinne der dargelegten Recht-
sprechung und Lehre ist folglich auf die Anschlussberufung des Beschuldigten
nicht einzutreten.
4. Umfang der Berufungen
Von der Staatsanwaltschaft unangefochten blieben die Dispositiv-Ziffern 1
und 5 ff. des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 185). Die Berufung des Beschuldigten
richtet sich teilweise gegen die Dispositiv-Ziffer 1 (nur soweit es die Dossiers 2
[hier lediglich den Vorwurf der versuchten schweren Körperverletzung], 3-5, 15,
18 und 19 der Anklage betrifft), 2-4, 6, 8-10 und 17 (Urk. 187 und 209). Damit
blieben die Dispositiv-Ziffern 1 (soweit es die Dossiers 1, 2 [hier lediglich die
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Vorwürfe der mehrfachen Sachbeschädigung und Gewalt und Drohung gegen
Behörden und Beamte], 6-14, 16 und 17 der Anklage betrifft), 5, 7, und 11-16 des
vorinstanzlichen Urteils unangefochten.
5. Umfang der Überprüfung des vorinstanzlichen Entscheids
5.1. Die Verteidigung des Beschuldigten beantragte an der Berufungsverhand-
lung mit Ausnahme der Dispositiv-Ziffern 11 bis 16 die vollumfängliche Über-
prüfung des vorinstanzlichen Entscheids gestützt auf Art. 404 Abs. 2 StPO. Zur
Begründung brachte sie – wie bereits ausgeführt – stark zusammengefasst vor,
indem die Haftbedingungen des Beschuldigten gegen das Folterverbot verstossen
würden, seien dessen angeblich strafbare Handlungen, die ihm vorliegend vorge-
worfen würden, gerechtfertigt gewesen. Denn gegen Folter bzw. drohende Folter
dürfe man sich wehren. Der Beschuldigte habe sich rechtlich in einem rechtferti-
genden Notstand i.S.v. Art. 17 StGB befunden, weshalb er freigesprochen werden
müsse. Eventualiter, sofern seine Rechtsgüter nicht höher gewichtet würden, sei
von einem entschuldbaren Notstand im Sinne von Art. 18 Abs. 2 StGB auszuge-
hen. Der Notstand müsse auch bezüglich der unangefochten Vorwürfe berück-
sichtigt werden, ansonsten ein gesetzeswidriger Entscheid drohe (Urk. 546 S. 2-
21; Prot. II S. 81). Die Anklagebehörde beantragte die Abweisung dieses Antrags.
Zu Begründung führte sie zusammengefasst aus, weder sei der Beschuldigte
gefoltert worden noch sei ein Notstand gegeben, zumal der Beschuldigte gegen
behördliche Anordnungen und Entscheidungen den Rechtsweg hätte beschreiten
können (Prot. II S. 104 f.).
5.2. Gemäss Art. 399 Abs. 3 und 4 StPO hat die eine Berufung einlegende
Partei den Umfang der Überprüfung des angefochtenen Entscheides mit der
Berufungserklärung verbindlich anzugeben und insbesondere darzutun, ob das
Urteil vollumfänglich oder nur in Teilen angefochten wird. Nach Ablauf der gesetz-
lichen Frist von 20 Tagen ist eine Ausdehnung der Berufung auf bisher nicht
angefochtene Teile eines Urteils nicht mehr möglich (vgl. EUGSTER, in: Basler
Kommentar StPO, NIGGLI/HEER/WIPRÄCHTIGER [Hrsg.], Basel 2014, 2. Aufl.,
Art. 399 N 3). Nachdem die Verteidigung erstmals an der Berufungsverhandlung
die beinahe vollumfängliche Überprüfung des vorinstanzlichen Entscheids ver-
- 15 -
langte, fällt eine rechtsgültige Ausdehnung der Berufung aufgrund des Gesagten
ausser Betracht.
5.3. Laut Art. 404 Abs. 2 StPO kann das Berufungsgericht zugunsten der
beschuldigten Person auch nicht angefochtene Punkte überprüfen, um gesetz-
widrige oder unbillige Entscheidungen zu verhindern. Wie vorstehend bereits
ausgeführt, sind die vorliegenden – durchaus restriktiven – Haftbedingungen des
Beschuldigten im Einklang mit der zutreffenden Beurteilung des Schweizerischen
Bundesgerichts aufgrund der besonderen Situation des Einzelfalls derzeit nicht
als menschenunwürdig bzw. gegen das absolute Folterverbot verstossend anzu-
sehen. Es kann diesbezüglich vollumfänglich auf die vorstehenden Erwägungen
verwiesen werden (vgl. dazu vorne unter E. I.2.4.). Folglich kann sich der
Beschuldigte nicht auf einen Notstand i.S.v. Art. 17/18 StGB berufen. Damit liegt
vorliegend kein Anwendungsfall von Art. 404 Abs. 2 StPO vor. Es ist deshalb auf
die Berufungsanträge des Beschuldigten, soweit sie über die Anträge in seiner
Berufungserklärung vom 6. April 2020 hinausgehen, nicht einzutreten.
5.4. Damit wurden die Dispositiv-Ziffern 1 (soweit es die Dossiers 1, 2 [hier
lediglich die Vorwürfe der mehrfachen Sachbeschädigung und Gewalt und
Drohung gegen Behörden und Beamte], 6-14, 16 und 17 der Anklage betrifft),
5, 7, und 11-16 des vorinstanzlichen Urteils rechtskräftig (vgl. dazu vorne unter
I.4.), was in Form eines Beschlusses festzuhalten ist. Im Berufungsverfahren zur
Disposition stehen damit die Dispositiv-Ziffern 1 (nur soweit es die Dossiers 2
[hier lediglich den Vorwurf der versuchten schweren Körperverletzung], 3-5, 15,
18 und 19 der Anklage betrifft), 2-4, 6, 8-10 und 17 des vorinstanzlichen
Entscheids.
6. Beweisanträge
An der Berufungsverhandlung hat die Verteidigung diverse Beweisanträge
gestellt (Urk. 540, Urk. 542; Prot. II S. 92 und 95). Die Urkunden und der Daten-
träger, welche die Verteidigung an der Berufungsverhandlung eingereicht hat,
wurden zu den Akten genommen (Urk. 541/1-16; Urk. 543/1-10; Urk. 544;
Urk. 549). Unter Hinweis auf das vorne Ausgeführte (vgl. E. I.2.4.) erübrigen sich
- 16 -
beweisrechtliche Weiterungen zu den Haftbedingungen des Beschuldigten,
weshalb die Beweisanträge Ziff. 5 (Einvernahme von Dr. D._ als sachver-
ständiger Zeuge) und Ziff. 6 (Einvernahme von H._ als sachverständiger
Zeuge) sowie die weiteren Beweisanträge (Einvernahme von Dr. E._,
Dr. I._, F._ und Prof. G._ als sachverständige Zeugen) von
Rechtsanwalt lic. iur. X2._ abzuweisen sind. Vorweg nehmend ist festzuhal-
ten, dass der Schuldspruch der Vorinstanz, soweit er im Berufungsverfahren noch
zur Disposition steht, vollumfänglich zu bestätigen ist (vgl. dazu nachfolgend unter
E. II.10.). Da zudem den Vorbringen des Beschuldigten in Bezug auf die Haft-
bedingungen, welche gegen das Folterverbot verstossen sollen, nicht gefolgt
werden kann (vgl. dazu vorne unter E. I.2.4.), besteht kein Raum für die Zu-
sprechung von Schadenersatz und/oder Genugtuung an ihn. Deshalb erübrigen
sich bezüglich der vom Beschuldigten geltend gemachten Zivilforderungen
beweisrechtliche Weiterungen, weshalb auch der Beweisantrag Ziff. 7 (Einholung
eines Gutachtens über die Isolationshaft und die Auswirkungen auf die Arbeits-
und Erwerbsfähigkeit des Beschuldigten) von Rechtsanwalt lic. iur. X2._ ab-
zuweisen ist. Die vom amtlichen Verteidiger Rechtsanwalt MLaw X1._ an der
Berufungsverhandlung gestellten Beweisanträge (Urk. 540 S. 2 Ziff. 1-3) entspre-
chen jenen mit Eingabe vom 18. März 2021 gestellten (Urk. 449 S. 1 Ziff. 1-3).
Seine diesbezüglichen Vorbringen an der Berufungsverhandlung decken sich
weitgehend mit jenen in der Eingabe vom 18. März 2021, weshalb zwecks Ver-
meidung unnötiger Wiederholungen grundsätzlich auf die zutreffenden Ausfüh-
rungen in der Verfügung vom 19. Mai 2021 verwiesen werden kann, worin die
Beweisanträge abgewiesen wurden (Urk. 524). Zum beantragten Beizug der Ak-
ten zweier hängiger Strafuntersuchungen gegen mehrere Mitarbeiter der
Justizvollzugsanstalt PÖSCHWIES (vgl. dazu auch vorne unter E. I.2.1. ff.) ist er-
gänzend folgendes festzuhalten: Der entsprechende Vorfall ereignete sich am 9.
April 2019 in der Justizvollzugsanstalt PÖSCHWIES (Urk. 541/1), mithin nach den
vorliegend zu beurteilenden Vorfällen. Die Staatsanwaltschaft führt in diesem
Zusammenhang gegen mehrere Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt
PÖSCHWIES, darunter die Privatkläger 6 und 7 sowie K._, eine Strafunter-
suchung (Urk. 541/1). Offenbar wird im selben Zusammenhang auch eine Straf-
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untersuchung gegen den Beschuldigten geführt. Es ist – wie vorne schon erwähnt
(E. I.2.4.) – nochmals zu betonen, dass bis zur rechtskräftigen Verurteilung die
Unschuldsvermutung gilt (Art. 10 Abs. 1 StPO). Aber selbst wenn die Unschulds-
vermutung ausser Acht gelassen würde, hätten die hängigen Strafuntersuch-
ungen keinen entscheidenden Einfluss auf das Beweisergebnis, wie es von der
Verteidigung suggeriert wird. Ein nicht regelkonformes Verhalten von Mitarbeitern
der Justizvollzugsanstalt PÖSCHWIES gegenüber dem Beschuldigten hätte zwar
mit der Verteidigung eine Einschränkung ihrer allgemeinen Glaubwürdigkeit zur
Folge. Die Verteidigung verkennt indes, dass an den vorliegend zur Disposition
stehenden Vorfällen betreffend die Dossiers 2 und 15 mehrere weitere, unbe-
scholtene Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt PÖSCHWIES beteiligt waren, de-
ren Aussagen zum Kerngeschehen sowohl in sich als auch untereinander wider-
spruchsfrei sind und deren Darstellungen mit jenen der Mitarbeiter, gegen welche
eine Strafuntersuchung hängig ist, korrespondieren. Betreffend den Vorwurf der
schweren Körperverletzung (Dossier 2) ist zudem zu bemerken, dass die Aus-
sagen sämtlicher beteiligten Mitarbeiter auch mit den erhobenen Sachbeweisen,
welche das Verletzungsbild des Privatklägers 5 dokumentieren, übereinstimmen
(vgl. dazu auch nachfolgend unter E. II.3.3.1. und II.7.3.1.). Damit hat vorliegend
die allgemeine Glaubwürdigkeit der Privatkläger 6 und 7 und von K._ keinen
entscheidenden Einfluss auf das Beweisergebnis. Mangels Hinweisen, dass die
vorliegend zu beurteilenden Handlungen des Beschuldigten Reaktionen auf nicht
korrektes Verhalten von Gefängnispersonal darstellten (vgl. dazu auch nachfol-
gend unter E. II.3.3.1. und II.7.3.1.), fällt auch eine Berücksichtigung der hängigen
Strafuntersuchungen bei der Strafzumessung ausser Betracht. Folglich sind die
Beweisanträge Ziff. 1-3 von Rechtsanwalt MLaw X1._ abzuweisen.
7. Formelles
Soweit für die tatsächliche und rechtliche Würdigung des eingeklagten
Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies
in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne dass dies jeweils explizit
Erwähnung findet. Weiter ist an dieser Stelle festzuhalten, dass aus dem
Anspruch auf rechtliches Gehör die Pflicht des Gerichts folgt, seinen Entscheid zu
- 18 -
begründen. Die Begründung muss kurz die wesentlichen Überlegungen nennen,
von denen sich das Gericht hat leiten lassen und auf die es seinen Entscheid
stützt. Es darf sich aber auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken und
muss sich nicht ausdrücklich mit jeder tatsächlichen Behauptung und jedem recht-
lichen Einwand auseinandersetzen und diese widerlegen. Es kann sich mithin auf
die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Ein unverhältnismässi-
ger Motivationsaufwand kann nicht eingefordert werden. Ebenso wenig lässt
sich Art. 6 Ziff. 1 EMRK in der Weise auslegen, dass eine detaillierte Antwort auf
jedes Argument gefordert würde (vgl. dazu statt Weiterer BGer 6B_689/2019 vom
25. Oktober 2019 E. 1.5.2., mit Hinweisen).
II. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
1. Allgemeines zur Sachverhaltserstellung und Beweiswürdigung
Die Vorinstanz hat die massgebenden Grundsätze der Sachverhaltser-
stellung und der Beweiswürdigung zutreffend wiedergegeben (Urk. 180 S. 30-34
E. III.3.), worauf zur Vermeidung von Wiederholungen verwiesen werden kann.
2. Beweismittel
Was die relevanten Beweismittel zur Erstellung der im Berufungsverfahren
noch zu beurteilenden Vorwürfe betrifft, so kann bereits an dieser Stelle festge-
halten werden, dass diese im vorinstanzlichen Entscheid jeweils zutreffend und
vollständig aufgeführt wurden (Urk. 180 S. 50 E. III.5.1 [Dossier 2], S. 85 E. III.6.1
[Dossier 3], S. 93 E. III.7.1 [Dossier 4], S. 106 E. III.8.1 [Dossier 5], S. 113
E. III.10. [Dossier 15] und S. 127 E. III.12.1 [Dossier 19]), worauf ebenfalls ver-
wiesen werden kann. Soweit zur Erstellung der eingeklagten Vorwürfe Beteiligte
befragt wurden, kann weiter auch auf die ebenfalls zutreffenden vorinstanzlichen
Ausführungen zur allgemeinen Glaubwürdigkeit derselben verwiesen werden
(a.a.O., S. 44 E. III.4.2.1 [Beschuldigter], S. 66 f. E. III.5.3 [Privatkläger und
Zeugen betreffend die Vorwürfe gemäss Dossier 2], S. 88 f. E. III.6.3 [Privatkläger
und Zeuge betreffend den Vorwurf gemäss Dossier 3], S. 98 ff. E. III.7.3 [Privat-
kläger und Zeugen betreffend die Vorwürfe gemäss Dossier 4], S. 108 f. E. III.8.2,
[Privatkläger und Zeuge betreffend den Vorwurf gemäss Dossier 5], S. 121 f.
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E. III.10.3 [Privatkläger und Zeugen betreffend den Vorwurf gemäss Dossier 15]
und S. 130 f. E. III.12.3 [Privatkläger und Zeugen betreffend den Vorwurf gemäss
Dossier 19]), wie auch auf die vorstehenden Erwägungen (vgl. dazu vorne unter
E. I.6.), wobei nochmals – wie bereits die Vorinstanz richtig ausführte (a.a.O.,
S. 33 E. III.3.5) – darauf hinzuweisen ist, dass für die Sachverhaltserstellung in
erster Linie die Glaubhaftigkeit der Aussagen relevant ist.
3. Dossier 2 (Versuchte schwere Körperverletzung)
3.1. Anklagevorwurf
Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, er habe anlässlich eines Gesprächs
am 28. Juni 2017 um ca. 10.45 Uhr im Büro von L_ (Leiter der ...]) in der
Justizvollzugsanstalt PÖSCHWIES, bei dem ihm die Rückversetzung in die ...
verkündet worden sei, M._ (Privatkläger 5) mehrmals mit der Faust geschla-
gen. Der Privatkläger 5 habe den sich auf dem Besprechungstisch befindlichen
Alarmknopf gedrückt, auf den er seinen Blick gerichtet gehabt habe. Fast zeit-
gleich habe der Beschuldigte ohne Vorwarnung, willentlich, blitzschnell und mit
Wucht mit der rechten Faust mindestens zweimal gegen den Kopf des sitzenden
(evtl. gegen den Kopf des sich gerade vom Stuhl erhebenden) Privatkläger 5 ge-
schlagen. Der erste wuchtige Schlag habe den Privatkläger 5 an der linken Stirn-
seite, der zweite, ebenfalls schnelle und wuchtige Schlag, am Hals linksseitig ge-
troffen. Die Schläge des Beschuldigten seien derart rasch erfolgt, dass sie auf
den ungeschützten Kopf bzw. Hals des Privatklägers 5 getroffen seien. Dieser
habe sich erhoben und sei rückwärts getreten, worauf er auf unbekannte Weise
zu Boden gefallen sei. Der Beschuldigte habe den Tisch beiseitegeschoben, um
zum Privatkläger 5 zu gelangen, der in der Ecke des Raumes auf dem Rücken
am Boden gelegen sei, den Oberkörper leicht angehoben, mit seinen Füssen
nach oben ("wie eine Schildkröte auf dem Rücken"). Der Privatkläger 5 habe da-
bei versucht, seinen Kopf mit seinen Händen und Armen zu schützen. Er habe
zudem versucht, mit den Beinen den Beschuldigten von sich fernzuhalten bzw.
den Beschuldigten abzuwehren. Der Beschuldigte habe sodann von oben herab
mehrere Male, mindestens dreimal, wuchtig mit der Faust auf den Kopf des Pri-
vatklägers 5 eingeschlagen, welche Faustschläge allerdings gegen die Deckung
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des Privatklägers 5 geprallt seien, wobei ein Schlag den linken Oberarm des Pri-
vatklägers 5 getroffen habe. Durch die Schläge des Beschuldigten habe der Pri-
vatkläger 5 ein leichtes Schädelhirntrauma sowie Prellungen an der linken Hals-
wirbelsäule und am linken Oberarm erlitten. Er habe zudem in der Folge psy-
chisch stark an den Folgen des gewalttätigen Übergriffs des Beschuldigten gelit-
ten. Er habe eine Anpassungsstörung mit vegetativer Dystonie (ICD-10 F 43.2)
erlitten. Er habe sich in psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung begeben
müssen und sei vom 18. August 2017 bis 30. November 2017 zu 100%, vom 1.
Dezember 2017 bis 31. Dezember 2017 zu 50% arbeitsunfähig gewesen, wobei
er im Januar 2018 immer noch psychotherapeutisch behandelt worden sei. Der
Beschuldigte, ein ausgebildeter und extrem kräftiger Kampfsportler, habe ge-
wusst, dass er mit seinen ersten, mindestens zwei blitzschnellen und wuchtigen
Faustschlägen gegen den ungeschützten Kopf und Hals des Privatklägers 5 die-
sen schwerwiegend, allenfalls sogar lebensgefährlich (z.B. Schädelbruch, Hirnblu-
tung mit schwerer Hirnschädigung oder Riss der Halsschlagader) oder gar tödlich
hätte verletzen können, was er bei der geschilderten Tatausübung gewollt oder
mindestens billigend in Kauf genommen habe. Auch bei den nachfolgenden
Schlägen gegen den am Boden sich befindlichen Privatkläger 5 habe der Be-
schuldigte derart heftig zugeschlagen, dass er dadurch den Privatkläger 5 schwer,
lebensgefährlich oder gar tödlich hätte verletzen können, was er gewusst und ge-
wollt oder mindestens billigend in Kauf genommen habe. Er habe deshalb auch
gewusst, dass er durch sein geschildertes Tun dem Privatkläger 5 Verletzungen
der Art, wie sie dieser schliesslich erlitten habe, zufügen konnte, was der
Beschuldigte gewollt oder zumindest billigend in Kauf genommen habe (Urk. 21
S. 7 ff., insbesondere S. 9 f.).
3.2. Standpunkt des Beschuldigten
Soweit der Beschuldigte zum Vorwurf überhaupt Aussagen machte, stritt er
diesen im Rahmen der Untersuchung vollumfänglich ab, wobei er geltend machte,
es handle sich um eine Verschwörung gegen ihn (Urk. D0/1/2 f. und Urk. D2/5/9).
Die Verteidigung machte vor Vorinstanz zusammengefasst geltend, der Vorwurf
lasse sich nicht erstellen, da das Verletzungsbild gegen den eingeklagten Vorwurf
- 21 -
spräche und zudem die Aussagen der beteiligten Aufseher unglaubhaft seien, da
sie in sich und untereinander widersprüchlich seien. Die Aussagen seien nicht
wahrheitsgetreu, man habe sich abgesprochen und sich gegen den Beschuldigten
solidarisiert (Urk. 130 S. 35 ff.). Im Berufungsverfahren blieb die Verteidigung im
Wesentlichen bei diesem Standpunkt (Urk. 546 S. 22 ff.).
3.3. Würdigung
3.3.1. Sachverhalt
Die Vorinstanz hat sowohl die wesentlichen Aussagen der Beteiligten als
auch die relevanten Sachbeweise zutreffend dargestellt (Urk. 180 S. 50-65
E. III.5.1.1-5.2.2), worauf verwiesen werden kann. Sie hat anschliessend die er-
hobenen Beweise, insbesondere die Aussagen der Beteiligten, unter Berücksich-
tigung der dazu gemachten Ausführungen der Verteidigung einer einlässlichen
und sorgfältigen Prüfung unterzogen und zutreffend gewürdigt (a.a.O., S. 65 f.
E. III.5.2.3 und S. 68-81 E. III.5.4-5.5.1.10), worauf ebenfalls vollumfänglich ver-
wiesen werden kann. Die nachfolgenden Erwägungen sind damit lediglich als
punktuell ergänzende und rekapitulierende zu verstehen.
Noch einmal sei festgehalten, dass nicht ansatzweise konkrete oder gar
aktenkundige Anhaltspunkte für eine Verschwörung gegen den Beschuldigten
vorliegen. Es ist kein überzeugender Grund auszumachen, weshalb ihn die am
eingeklagten Vorfall Beteiligten zu Unrecht einer schweren Straftat beschuldigen
sollten und es erscheint zudem höchst unwahrscheinlich, dass dies alle acht
Beteiligten dann auch noch zusammen gemacht haben sollen. Eine solche
Verschwörung lässt sich sodann weder mit den anlässlich des Vorfalls vom
Beschuldigten anerkanntermassen begangenen mehrfachen Sachbeschädigun-
gen noch dem aufgrund der erhobenen Sachbeweise erstellten Verletzungsbild
des Privatklägers 5 in Einklang bringen und muss damit vernünftigerweise aus-
geschlossen werden.
Die Aussagen aller Beteiligten zum Kerngeschehen sind im Wesentlichen
sowohl in sich als auch untereinander widerspruchsfrei, was allein schon aufgrund
- 22 -
des Umstandes, dass acht Beteiligte zum Geschehen befragt wurden, sehr für die
Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen spricht. Abgesehen von den Zeugen N._ und
P._, die nicht sehen konnten, wie der Beschuldigte auf den Privatkläger 5
einschlug, deren übrige Wahrnehmungen sich aber stimmig in die Darstellungen
der anderen Beteiligten fügen, beschrieben namentlich alle sechs weiteren Betei-
ligten konstant einen massiven Angriff des Beschuldigten mit mehreren gezielten,
schnellen, wuchtigen und gegen den Kopf des Privatklägers 5 gerichteten Faust-
schlägen. Diese Darstellung korrespondiert auch ohne Weiteres mit den erhobe-
nen Sachbeweisen, namentlich den Fotos und den medizinischen Unterlagen, die
das Verletzungsbild des Privatklägers 5 dokumentieren (vgl. dazu Urk. D2/3/1
S. 1 und Urk. D2/3/2 S. 4-6 sowie dazu Urk. D2/6/2-3 und Urk. D2/6/7-8 bzw.
Urk. 180 S. 64 f. E. III.5.2.2). Soweit der Beschuldigte an der Berufungsverhand-
lung vorbringen liess, der Privatkläger 7 habe bei der Staatsanwaltschaft seine bei
der Polizei gemachten Aussagen "zurückgenommen" und klar gesagt, er habe
doch keine Schläge gegen den Privatkläger 5 gesehen (Urk. 546 S. 41), ist dem
entgegenzuhalten, dass sich der Privatkläger 7 bei der Staatsanwaltschaft auf-
grund des Zeitraums zwischen den Befragungen lediglich nicht mehr zu erinnern
vermochte, Schläge gesehen zu haben (Urk. D2/5/5 F/A 15). Entsprechend kann
nicht die Rede davon sein, der Privatkläger 7 habe seine früheren Aussagen "zu-
rückgenommen". Alle Beteiligten führten sodann übereinstimmend aus, dass die-
ser Angriff von ihnen mit vereinten Kräften und gegen den heftigen Widerstand
des Beschuldigten unterbunden werden musste. Von einem Gerangel, wie es der
Beschuldigte beschönigend suggeriert, kann keine Rede sein. Ebenso führten sie
übereinstimmend aus, der Beschuldigte hätte ohne die erfolgte Intervention weiter
auf den Privatkläger eingeschlagen, bis dieser schwer verletzt worden oder gar
gestorben wäre bzw. es jedenfalls zu gravierenderen Verletzungen gekommen
wäre (vgl. dazu Urk. 180 S. 78 E. III.5.5.1.8, mit den zutreffenden Verweisen).
Kleinere Widersprüche bzw. solche, die das Kerngeschehen nicht tangieren und
wie sie von der Verteidigung hauptsächlich geltend gemacht wurden, lassen sich,
wie dies bereits die Vorinstanz mehrfach zutreffend ausführte (vgl. dazu Urk. 180
S. 70 ff. E. III.5.5.1.1 ff.), ohne Weiteres mit dem sehr dynamischen Tatgesche-
hen, das sich innert weniger Sekunden abspielte, und den unterschiedlichen Per-
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spektiven der Beteiligten erklären und tun der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen kei-
nen Abbruch. Notorisch ist zudem, dass gewisse Widersprüche gar eher für die
Glaubhaftigkeit einer Sachdarstellung sprechen, was umso mehr gilt, je mehr
Beteiligte zu einem Vorfall befragt werden. Im Übrigen ging die Vorinstanz bei
solchen Widersprüchen jeweils von der für den Beschuldigten günstigeren Versi-
on aus (vgl. so z.B. Urk. 180 S. 75 f. E. III.5.5.1.4 und S. 77 f. E. III.5.5.1.7). Im
Übrigen ist auch nicht entscheidend, ob der Beschuldigte die Tische auseinander-
schob, um zum Privatkläger 5 zu gelangen (Urk. 546 S. 38). Massgeblich ist, dass
aufgrund der übereinstimmenden Aussagen der Beteiligten erstellt ist, dass sich
Ersterer nach den ersten Schlägen bei Zweiterem befand und bis zur Intervention
der weiteren Beteiligten weiter massiv auf ihn einschlug.
Was die verabreichten Schläge im Einzelnen betrifft, ist mit der Vorinstanz
davon auszugehen, dass sich diese gegen den Kopf des Privatklägers 5 richteten,
wobei ein Schlag gegen den Kopf oberhalb des linken Ohres bzw. (wie einge-
klagt) gegen die linke Stirnseite, ein Schlag gegen den linken Hals und ein Schlag
gegen den linken Oberarm des Privatklägers 5 erstellt sind. Weiter ist davon
auszugehen, dass diese auf den Kopf gezielten Faustschläge aufgrund der
räumlichen Distanz, die wegen des Tisches, der sich zwischen dem Beschuldig-
ten und dem Privatkläger 5 befand, bei Letzterem nicht ihre volle Wirkung ent-
falten und daher keine lebensgefährlichen Verletzungen hervorrufen konnten. Der
Beschuldigte schlug in der Folge weiter hart auf den Privatkläger 5 ein, als dieser
rückwärts zu Boden ging. Zwei weitere Schläge, die der Privatkläger 5 mit seinen
Armen und Beinen abwehren konnte, weshalb sie dessen rechten Unterarm und
seine rechte Wade trafen, sind ebenfalls erstellt. Erstellt ist schliesslich, dass der
Beschuldigte, als ausgebildeter und extrem kräftiger Kampfsportler wusste, dass
er mit seinen Schlägen gegen den Kopf des Privatklägers 5 in Kauf nahm, diesen
schwerwiegend, allenfalls sogar lebensgefährlich zu verletzen (vgl. in diesem
Sinne Urk. 180 S. 80 f. E. III.5.5.1.10). Im Übrigen bestehen keine Zweifel daran
und ist erstellt, dass sich der Sachverhalt wie eingeklagt abgespielt hat.
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3.3.2. Rechtliche Würdigung
Die Vorinstanz hat eine einlässliche und zutreffende rechtliche Würdigung
des erstellten Anklagesachverhalts vorgenommen, auf die vollumfänglich und
ergänzungslos verwiesen werden kann (Urk. 180 S. 140-146 E. IV.3.1).
3.4. Fazit
Der Beschuldigte ist der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne
von Art. 122 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
4. Dossier 3 (Einfache Körperverletzung)
4.1. Anklagevorwurf
Am 18. April 2017 um ca. 12.15 Uhr habe sich B._ (Privatkläger 8) in
der Justizvollzugsanstalt PÖSCHWIES im Speiseraum im ... aufgehalten. Im
Raum anwesend seien zudem die Mithäftlinge Q._ und R._ gewesen.
Der Beschuldigte habe den Speiseraum betreten. Er habe dem Privatkläger 8, der
gestanden sei, leicht in den Bauch geboxt und dabei gesagt, er sei ein guter
Boxsack. Der Privatkläger 8 habe zum Beschuldigten gesagt, er solle damit auf-
hören, ansonsten er (der Privatkläger 8) ins EG gehen und den Aufsehern Mel-
dung erstatten würde. Daraufhin habe der Beschuldigte dem Privatkläger 8 wil-
lentlich zwei Faustschläge versetzt, wovon der erste den Privatkläger 8 an der lin-
ken Schläfe bzw. am linken Kieferbereich getroffen habe. Der zweite Faustschlag
habe den Privatkläger 8 auf der linken Halsseite getroffen. Einen dritten Schlag
des Beschuldigten habe der Privatkläger 8 auf nicht genau bekannte Art mit der
Hand abwehren bzw. abblocken können. Von der Wirkung der Faustschläge des
Beschuldigten sei der rund 150kg schwere Privatkläger 8 rechts weggekippt, sei
mit der rechten Kopfseite gegen eine Tischkante geprallt und auf das rechte Knie
und sodann zu Boden gestürzt. Durch die Schläge des Beschuldigten und die
Folgen des darauffolgenden Sturzes habe der Privatkläger 8 eine Quetschung der
linken Gesichtshälfte und des linken Jochbeins sowie eine Quetschung des rech-
ten Knies erlitten. In den Tagen nach der Tat habe der Privatkläger 8 zudem an
Panikattacken und Schlaflosigkeit gelitten. Der Beschuldigte habe gewusst, dass
- 25 -
er mit seinen Faustschlägen dem Privatkläger 8 Verletzungen der geschilderten
Art zufügen konnte, was er gewollt oder mindestens billigend in Kauf genommen
habe (Urk. 21 S. 12).
4.2. Standpunkt des Beschuldigten
Der Beschuldigte bestritt im Rahmen der Untersuchung den Vorwurf und
machte wiederum – jedenfalls sinngemäss – eine Verschwörung gegen ihn
geltend (Urk. D0/1/4 = Urk. D3/4/5). Die Verteidigung führte vor Vorinstanz zu-
nächst aus, es liege kein gültiger Strafantrag vor, da der Privatkläger 8 seinen
Strafantrag zurückgezogen habe. Eventualiter, d.h. für den Fall, dass vom Vorlie-
gen eines gültigen Strafantrages ausgegangen wird, machte sie zusammenge-
fasst geltend, es stünde Aussage gegen Aussage und niemand habe die angebli-
chen Schläge des Beschuldigten beobachten können, namentlich nicht der Zeuge
Q._, der sich in unmittelbarer Nähe aufgehalten und die Schläge bzw. min-
destens den Beschuldigten hätte sehen müssen. Auf die unglaubhaften Aussagen
des Privatklägers 8 könne jedenfalls nicht abgestellt werden (Urk. 130 S. 72 ff.).
Bei diesem Standpunkt blieb die Verteidigung im Wesentlichen auch im Beru-
fungsverfahren (Urk. 546 S. 44 ff.).
4.3. Würdigung
4.3.1. Strafantrag
Mit dem Einwand der Verteidigung, wonach kein gültiger Strafantrag vor-
liege, hat sich bereits die Vorinstanz zutreffend auseinandergesetzt, wobei sie
zum richtigen Schluss kam, dass der Privatkläger 8 seinen Strafantrag nie
zurückgezogen hat und ein gültiger Strafantrag vorliegt (Urk. 180 S. 11-14
E. II.2.1-2.7), auf welche Ausführungen vorab verwiesen werden kann. Lediglich
punktuell rekapitulierend ist dazu nochmals festzuhalten, dass die auf Rückzug
gerichtete Willenserklärung den entsprechenden Willen der antragsberechtigten
Person unmissverständlich zum Ausdruck bringen muss (vgl. dazu statt Weiterer
DONATSCH in OFK StGB, 20. Auflage, N 3 zu Art. 33, mit Verweisen auf die
Rechtsprechung). Dies geschah mit Schreiben des Privatklägers 8 vom
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15. November 2017, in welchem er unter anderem schrieb, er sei "schon seit
längerer Zeit von der Anzeige gegen A._ zurückgetreten" (Urk. D3/2/5), was
auch auf seine Erklärung betreffend die Geltendmachung von Rechten als Privat-
klägerschaft vom 26. Juli 2017 (Urk. D3/2/3) bezogen werden konnte, eben gera-
de nicht, weshalb die Staatsanwaltschaft mit Schreiben vom 20. November 2017
(Urk. D3/2/6) umgehend an den Privatkläger 8 gelangte, um diese Unklarheit aus-
zuräumen, worauf dieser mit Schreiben vom 24. November 2017 seinen Strafan-
trag nicht zurückzog, sondern – jedenfalls sinngemäss – vielmehr erklärte, sich
am Strafverfahren beteiligen zu wollen, wozu er auch einen Rechtsvertreter be-
zeichnete (Urk. D3/2/7). Anzumerken ist sodann, dass im Strafantrag nicht von
einer einfachen Körperverletzung, sondern von Tätlichkeiten die Rede ist
(Urk. D3/2/2), die Strafbehörde indes im Falle einer rechtlichen Qualifikation
durch den Antragssteller nicht an diese gebunden ist (vgl. dazu statt Weiterer
DONATSCH, a.a.O., N 3 zu Art. 30, mit Verweisen auf die Rechtsprechung),
weshalb auch hinsichtlich der eingeklagten einfachen Körperverletzung mit der
Vorinstanz vom Vorliegen eines gültigen Strafantrages auszugehen ist. Ebenso ist
mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass sich der Privatkläger 8 gültig als Zivil-
und Strafkläger konstituiert hat (Urk. 180 S. 14 f. E. II.2.8 f.), auf welche Aus-
führungen ergänzungslos verwiesen werden kann.
4.3.2. Sachverhalt
Die Vorinstanz hat sowohl die wesentlichen Aussagen des Beschuldigten,
des Privatklägers 8 und des Zeugen Q._ als auch die erhobenen Sachbe-
weise zutreffend dargestellt (Urk. 180 S. 85-87 E. III.6.1.1-6.2), worauf verwiesen
werden kann. Sie hat sodann die erhobenen Beweise einlässlich und zutreffend
gewürdigt (a.a.O., S. 87 E. III.6.2.2 und S. 89-93 E. III.6.4.1-6.5), worauf ebenfalls
vollumfänglich verwiesen werden kann. Es bleibt nur rekapitulierend festzuhalten,
dass die nicht überzeugenden Aussagen des Beschuldigten die glaubhaften Aus-
sagen des Privatklägers 8, die durch die vorliegenden medizinischen Unterlagen
zu seinem Verletzungsbild (Urk. D3/5/3) und den Umstand, dass er noch am Tag
des Vorfalls ein Schreiben verfasste, in dem er den Tatablauf detailliert beschrieb
(Urk. D3/2/1; vgl. dazu auch Urk. D3/4/1 S. 6 f. F/A 28 f.), untermauert werden,
- 27 -
nicht umzustossen vermögen. An der Berufungsverhandlung brachte die Vertei-
digung wie schon vor Vorinstanz vor, das noch am Tag des Vorfalls verfasste
Schreiben habe der Privatkläger 8 aufgrund unterschiedlicher Schriften nicht
alleine verfasst, was auf einen Komplott gegen den Beschuldigten hindeute
(Urk. 546 S. 48). Unabhängig von den nachvollziehbaren Erwägungen der
Vorinstanz, wonach sich die unterschiedlichen Schriften mit der gesundheitlichen
Beeinträchtigung des Privatklägers 8 erklären liessen (Urk. 180 S. 91 E. III.6.5),
bestehen keinerlei Hinweise für einen Komplott gegen den Beschuldigten, zumal
er einzig vom Privatkläger 8 belastet wird. Weiter monierte die Verteidigung an
der Berufungsverhandlung, die Annahme der Vorinstanz, der Zeuge Q._ ha-
be den Beschuldigten aus Angst vor ihm nicht belastet, sei falsch, weil der Be-
schuldigte im Zeitpunkt der Einvernahme des Zeugen Q._ gar nicht mehr auf
der Abteilung ... in der Justizvollzugsanstalt PÖSCHWIES untergebracht gewe-
sen sei (Urk. 546 S. 47). Aus diesem Umstand vermag die Verteidigung indes
nichts zu Gunsten des Beschuldigten abzuleiten. Der Zeuge Q._ gab an, das
Kerngeschehen nicht gesehen zu haben, da er mit dem Rücken zum Geschehen
gestanden sei. Daraus lässt sich – wie bereits die Vorinstanz richtig bemerkt hat
(Urk. 180 S. 90 E. III.6.4.3) – weder etwas Belastendes noch etwas Entlastendes
ableiten. Es kann daher offen bleiben, weshalb der Zeuge Q._ das Kern-
geschehen nicht gesehen hat. Der eingeklagte Sachverhalt ist erstellt.
4.3.3. Rechtliche Würdigung
Die Vorinstanz hat eine zutreffende rechtliche Würdigung vorgenommen, auf
die vollumfänglich verwiesen werden kann (Urk. 180 S. 148-150 E. IV.4. sowie
bereits im Rahmen der Sachverhaltserstellung a.a.O., S. 93 E. III.6.5, am Ende).
4.4. Fazit
Der Beschuldigte ist der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123
Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
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5. Dossier 4 (einfache Körperverletzung, mehrfache Beschimpfung)
5.1. Anklagevorwurf
Am Samstag 24. Juni 2017 um ca. 16.30 Uhr sei der Beschuldigte in der
Justizvollzugsanstalt PÖSCHWIES beim Eingang zum Gefangenentrakt 1 im
1. Obergeschoss rechts vom Mithäftling C._ (Privatkläger 9) gestanden oder
gelaufen. Dabei habe er willentlich mit seiner linken Schulter einen "Bodycheck"
gegen die rechte Schulter des Privatklägers 9 geführt, wodurch dieser von der
Wucht des Checks weg- und zu Boden geschleudert worden sei. Der Privatkläger
9 sei durch den Check des Beschuldigten auf seine linke Körperseite gefallen und
zudem mit seiner linken hinteren Kopfseite gegen eine Gittertüre geprallt. Durch
das geschilderte Tun des Beschuldigten habe der Privatkläger 9 Prellungen am
Brustkasten, am linken Ellbogen und an der Hüfte links erlitten. Der Beschuldigte
habe gewusst, dass er durch seinen "Bodycheck" den Privatkläger 9 zu Boden
schleudern und ihm Verletzungen der genannten Art zufügen konnte, was er bei
seinem Tun zumindest billigend in Kauf genommen habe. Zudem habe der Be-
schuldigte im Zeitraum von mindestens 27. Mai 2017 bis längstens 24. Juni 2017
in der Justizvollzugsanstalt PÖSCHWIES an mehreren Örtlichkeiten, namentlich
häufig bei der Essensausgabe, mehrere, nicht genau bekannte viele Male, indes-
sen durchschnittlich mindestens jeden zweiten Tag, somit insgesamt mindestens
vierzehnmal, massive verbale Beleidigungen gegenüber dem Privatkläger 9 aus-
gesprochen, namentlich: "Hurensohn, Nuttensohn, Kindlificker, Bastard, fick deine
Mutter". Der Beschuldigte habe gewusst, dass es sich bei seinen gegenüber dem
Privatkläger 9 geäusserten Worten um ehrenrührige Aussagen gehandelt und er
den Privatkläger 9 dadurch beleidigt und in seiner Ehre herabgesetzt habe, was
er gewollt habe (Urk. 21 S. 12 f.).
5.2. Strafanträge
Einfache Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Abs. 1 Ziff. 1 StGB und
Beschimpfung im Sinne von Art. 177 StGB sind Antragsdelikte. Ein gültiger Straf-
antrag liegt vor (Urk. D4/5/1). Auch hier ist festzuhalten, dass im nämlichen Straf-
antrag nicht von einer einfachen Körperverletzung, sondern von "Tätlichkeit" die
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Rede ist [wörtlich: "Beschimpfung/Tätlichkeit v. 24.06.17 und früher"], die Straf-
behörde indes im Falle einer rechtlichen Qualifikation durch den Antragssteller
nicht an diese gebunden ist (vgl. in diesem Sinne bereits vorne unter E. II.4.3.1.),
weshalb auch hinsichtlich der eingeklagten einfachen Körperverletzung vom
Vorliegen eines gültigen Strafantrages ausgegangen werden kann.
5.3. Standpunkt des Beschuldigten
Der Beschuldigte führte in der Untersuchung zu diesem Vorwurf im Wesent-
lichen aus, er habe den Privatkläger 9 beim Vorbeigehen nur leicht berührt, er sei
nicht auf ihn losgegangen. Erneut brachte er sinngemäss vor, die Insassen der
Abteilung ... hätten sich gegen ihn verschworen. Er räumte ein, den Privatkläger 9
mit "Kinderficker" betitelt zu haben. Der Beschuldigte bestritt jedoch sowohl den
Tatvorwurf der einfachen Körperverletzung als auch der mehrfachen
Beschimpfung (Urk. D0/1/4 = Urk. D4/2/7). Die Verteidigung machte vor
Vorinstanz zusammengefasst geltend, die Aussagen des Privatklägers 9 seien
höchst unglaubhaft, da sie namentlich im Kern widersprüchlich seien, weshalb
nicht darauf abgestellt werden könne. Zudem werde der Beschuldigte durch den
Zeugen S._ entlastet, der ausgesagt habe, er habe gesehen, wie der
Beschuldigte den Privatkläger 9 nur ganz leicht geschubst habe und habe sich
gewundert, wie man aufgrund einer solchen Berührung zu Boden fallen könne.
Damit habe er die Darstellung des Beschuldigten bestätigt. Auch das Ver-
letzungsbild spräche gegen die Version des Privatklägers 9 und für den Be-
schuldigten (Urk. 130 S. 75 ff.). Im Berufungsverfahren blieb die Verteidigung bei
diesem Standpunkt (Urk. 546 S. 49 f.).
5.4. Würdigung
5.4.1. Sachverhalt
Die Vorinstanz hat die relevanten Aussagen des Beschuldigten, des Privat-
klägers 9, der Zeugen S._, T._ und U._ sowie das vorliegende
Sachbeweismittel zutreffend dargestellt (Urk. 180 S. 93-98 E. III.7.1.1-7.2.1),
worauf verwiesen werden kann. Sodann hat sie auch die erhobenen Beweise
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eingehend und zutreffend gewürdigt (a.a.O., S. 98 E. III.7.2.2 und S. 100-106
E. III.7.4.1-7.5.2), worauf vorab ebenfalls vollumfänglich verwiesen werden kann.
In Bezug auf die eingeklagte einfache Körperverletzung ist dazu ergänzend
festzuhalten, dass sich die Vorinstanz sehr kritisch mit den Aussagen des Privat-
klägers 9, auf die sich die Anklage im Wesentlichen stützt, auseinandergesetzt
und auf verschiedene Widersprüche sowie gewisse Aggravierungstendenzen
hingewiesen hat. Gleichwohl kam sie zum Schluss, auf diese könne – mit einer
Ausnahme, nämlich der im Verlaufe der Untersuchung aggravierend geschilder-
ten Kopfverletzung, die daher rühren solle, dass der Privatkläger 9 mit der linken
hinteren Kopfseite gegen eine Gittertür geprallt sein soll – abgestellt werden, sie
seien, was das Kerngeschehen betreffe, glaubhaft (Urk. 180 S. 100 f. E. III.7.4.2).
Dem ist zuzustimmen, zumal sich die Sachdarstellung des Privatklägers 9 soweit
auch mit dem übrigen Beweisergebnis vereinbaren lässt, namentlich dem vor-
liegenden ärztlichen Attest (Urk. D4/4) und dem Umstand, dass auch der mit dem
Beschuldigten befreundete Zeuge S._ den Vorfall grundsätzlich bestätigte.
Dass dieser angab, der Beschuldigte habe den Privatkläger 9 nur sehr leicht mit
der Schulter geschubst, erscheint wiederum – wie bereits die Vorinstanz zu-
treffend erwog – weniger glaubhaft, lässt sich dies doch mit dem festgestellten
Verletzungsbild nicht in Einklang bringen. Zu wenig klar hervor geht aus den
vorinstanzlichen Erwägungen sodann, dass der Zeuge sich diesbezüglich nicht
festlegte, gab er doch auch zu Protokoll, er habe es "so wahrgenommen", dass
der Beschuldigte den Privatkläger 9 nur leicht geschubst habe, [...] "vielleicht hat
er ihn aber auch härter geschubst. Von einem leichten Schubser fällt man ja nicht
zu Boden" (Urk. D4/2/3 S. 4 F/A 19). Die Aussagen des Zeugen sind damit ins-
gesamt für den Beschuldigten nicht wirklich entlastend. Entscheidend ist letztlich
jedenfalls, dass auch der Zeuge einen "Bodycheck" bestätigte, der offenbar heftig
genug war, um den Privatkläger zu Fall zu bringen. Entsprechend ist der ein-
geklagte Sachverhalt mit der vorgenannten Ausnahme, wonach der Privatkläger 9
mit seiner linken hinteren Kopfseite gegen eine Gittertür geprallt sein soll, erstellt.
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In Bezug auf die eingeklagte mehrfache Beschimpfung erübrigen sich
Ergänzungen zur überzeugenden Begründung der Vorinstanz (Urk. 180 S. 105 f.
E. III.7.5.2).
5.4.2. Rechtliche Würdigung
Die Vorinstanz hat den erstellten Sachverhalt rechtlich zutreffend gewürdigt
(Urk. 180 S. 150-152 E. IV.5.), worauf verwiesen werden kann. Soweit der Ver-
teidiger in Bezug auf die mehrfache Beschimpfung bzw. die Bezeichnung "Kinder-
ficker" vorbrachte, dem Strafregisterauszug des Privatklägers 9 könne entnom-
men werden, dass dieser wegen mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem
Kind rechtskräftig zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden sei, was
der Beschuldigte gewusst habe, weshalb es dem Gericht überlassen bleibe, zu
entscheiden, ob dem Beschuldigten der Wahrheitsbeweis gelungen sei (Urk. 130
S. 80), ist ergänzend Folgendes festzuhalten: Bei ehrrührigen Tatsachenbehaup-
tungen gegenüber dem Verletzten sind beim Straftatbestand der Beschimpfung
Art. 173 Ziff. 2 und 3 StGB analog anwendbar (vgl. dazu statt Weiterer DONATSCH,
a.a.O., N 8 zu Art. 177, mit Verweisen auf die Rechtsprechung). Beweist der
Beschuldigte, dass die von ihm vorgebrachte oder weiterverbreitete Äusserung
der Wahrheit entspricht, oder dass er ernsthafte Gründe hatte, sie in guten
Treuen für wahr zu halten, so ist er nicht strafbar (Art. 173 Ziff. 2 StGB). Der
Beschuldigte wird zum Beweis nicht zugelassen und ist strafbar für Äusserungen,
die ohne Wahrung öffentlicher Interessen oder sonst wie ohne begründete Ver-
anlassung, vorwiegend in der Absicht vorgebracht oder verbreitet werden,
jemandem Übles vorzuwerfen, insbesondere, wenn sich die Äusserungen auf das
Privat- oder Familienleben beziehen (Art. 173 Ziff. 3 StGB). Vorliegend ist ohne
Weiteres davon auszugehen, dass die Äusserungen des Beschuldigten gegen-
über dem Privatkläger 9 ohne Wahrung eines öffentlichen Interesses und ohne
begründete Veranlassung erfolgten und vorwiegend in der Absicht vorgebracht
wurden, diesem Übles vorzuwerfen, womit dem Beschuldigten der Wahrheits-
beweis verwehrt ist.
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5.5. Fazit
Der Beschuldigte ist der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123
Ziff. 1 Abs. 1 StGB und der mehrfachen Beschimpfung im Sinne von Art. 177
StGB schuldig zu sprechen.
6. Dossier 5 (Drohung)
6.1. Anklagevorwurf
Am 19. Juni 2017 um ca. 16.00 Uhr habe der Beschuldigte in der Justizvoll-
zugsanstalt PÖSCHWIES in der Abteilung ... den Werkraum betreten, wo die Mit-
gefangenen V._ (Privatkläger 10) und W._ bei der Arbeit gewesen sei-
en. Der Privatkläger 10 habe zum Beschuldigten gesagt, er müsse den Werkraum
verlassen, da er hier nicht arbeite, worauf der Beschuldigte geantwortet habe,
"Halt d'Schnurre, du Chinderfigger, ich bin dä Chef da, ich mach di fertig", wobei
er eine drohende Haltung eingenommen, namentlich seine Fäuste geballt habe.
Der Privatkläger 10 habe zum Beschuldigten gesagt, der Werkmeister wolle nicht,
dass sich Leute im Werkraum aufhielten, die dort nicht arbeiteten. Daraufhin habe
der Beschuldigte noch einmal zum Privatkläger 10 gesagt, er werde ihn fertigma-
chen. Diese Äusserungen und das geschilderte Vorgehen, welche geeignet ge-
wesen seien, einen durchschnittlich verständigen Menschen in vergleichbarer La-
ge in seinem Sicherheitsgefühl erheblich zu beeinträchtigen, hätten beim Privat-
kläger 10 die begründete Befürchtung bewirkt, der Beschuldigte könnte ihm ein
körperliches Leid antun, namentlich er könnte ihn zusammenschlagen. Der Be-
schuldigte habe mit seinen Aussagen und seinem Tun den Privatkläger 10 ein-
schüchtern wollen und habe zumindest billigend in Kauf genommen, dass dieser
in grosse Furcht um seine körperliche Unversehrtheit geriete (Urk 21 S. 13 f.; vgl.
dazu auch Urk. 25).
6.2. Strafantrag
Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB ist ein Antragsdelikt. Ein gültiger
Strafantrag liegt vor (Urk. D5/3/1).
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6.3. Standpunkt des Beschuldigten
In der Untersuchung stellte der Beschuldigte in Abrede, eine Drohung
ausgestossen zu haben und bestritt den Tatvorwurf (Urk. D0/1/4 = Urk. D5/2/4).
Die Verteidigung machte vor Vorinstanz zusammengefasst geltend, aufgrund der
glaubhaften Aussagen des Zeugen W._ sei erstellt, dass die eingeklagte
Drohung nie stattgefunden habe (Urk. 130 S. 80 ff.). Diesen Standpunkt vertrat
sie auch im Berufungsverfahren (Urk. 546 S. 51).
6.4. Würdigung
6.4.1. Sachverhalt
Die Vorinstanz hat die relevanten Aussagen des Beschuldigten, des Privat-
klägers 10 und des Zeugen W._ korrekt wiedergegeben (Urk. 180 S. 106-
108 E. III.8.1.1-8.1.3) und sorgfältig und zutreffend gewürdigt (a.a.O., S. 109-112
E. III.8.3.1-8.4), worauf vorab vollumfänglich verwiesen werden kann.
Lediglich rekapitulierend und punktuell ergänzend ist dazu festzuhalten,
dass die Vorinstanz die Aussagen des Privatklägers 10 zu Recht als glaubhaft
und überzeugender einstufte als jene des Beschuldigten. Die Aussagen des
Privatklägers 10 sind lebensnah, detailliert, im Kerngehalt widerspruchsfrei und
weisen keine Lügensignale auf. Soweit sie sich nicht mit jenen des Zeugen
W._ decken, lässt sich dies mit der Vorinstanz darauf zurückführen, dass
dessen Angaben doch etwas verharmlosend daherkommen, was sich durchaus
damit erklären lässt, dass er selber angab, mit dem Beschuldigten ein kollegiales
Verhältnis zu pflegen, wohingegen er mit dem Privatkläger 10 offenbar nicht
besonders gut auskam (vgl. zu Letzterem Urk. D5/2/3 S. 2 F/A 6 und S. 4 F/A 19
bzw. Urk. 180 S. 109 E. III.8.2.3). Jedenfalls sind die Aussagen des Zeugen
W._ nicht geeignet, die Glaubhaftigkeit jener des Privatklägers 10 nachhaltig
zu erschüttern. Im Übrigen räumte auch der Zeuge W._ ein, der Beschuldigte
und der Privatkläger 10 hätten eine Auseinandersetzung gehabt, in deren Rah-
men seitens des Beschuldigten das Wort "Pädophiler" gefallen sei, was doch eher
für die Sachdarstellung des Privatklägers 10 spricht, vor allem wenn man vor dem
- 34 -
Hintergrund der übrigen erstellten Vorwürfe bedenkt, wie und vor allem wie heftig
der Beschuldigte in Konfliktfällen aufzutreten und sich zu artikulieren pflegt,
besonders gegenüber Pädophilen. Insgesamt bestehen keine Zweifel daran, dass
sich der Sachverhalt wie eingeklagt zugetragen hat.
6.4.2. Rechtliche Würdigung
Die Vorinstanz hat den erstellten Sachverhalt rechtlich zutreffend gewürdigt
(Urk. 180 S. 152-154 E. IV.6.), worauf verwiesen werden kann. Mit einem dahin-
gehenden Einwand der Verteidigung hat sie sich auseinandergesetzt und dazu
zutreffend festgehalten, dass der erstellte Sachverhalt auch im Kontext einer
hitzigen Diskussion im Gefängnis geeignet ist, den eingeklagten Tatbestand zu
erfüllen (a.a.O., S. 153 E. IV.6.1.2). Weiterer Ausführungen zur rechtlichen
Würdigung bedarf es nicht.
6.5. Fazit
Der Beschuldigte ist der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB
schuldig zu sprechen.
7. Dossier 15 (Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte)
7.1. Anklagevorwurf
Am Freitag 17. August 2018, vormittags, sei der Beschuldigte begleitet von
Polizeigrenadieren der Berner Polizei in der Justizvollzugsanstalt PÖSCHWIES
eingetroffen, wo er in eine speziell für die notwendigen, sehr hohen Sicherheits-
anforderungen im Umgang mit ihm umgebaute Zelle in der ... gebracht worden
sei. Nachdem Aufseher, unter anderem der Aufseher AA._, um ca. 11.00 Uhr
festgestellt hätten, dass der Beschuldigte die Zelle beschädigt gehabt habe, na-
mentlich die Fensterscheibe der Zelle zerstört gewesen sei und daher viele Glas-
scherben in der Zelle am Boden verstreut gelegen hätten, hätten die Verantwortli-
chen der Justizvollzugsanstalt PÖSCHWIES entschieden, den Beschuldigte von
der beschädigten Zelle in eine Arrestzelle zu verlegen. Die Aufseher der Justiz-
vollzugsanstalt PÖSCHWIES hätten gewusst, dass der Umgang mit dem sehr
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kräftigen und kampferprobten Beschuldigten grundsätzlich schon sehr gefährlich
sei, dass sich vorliegend aber die Situation als noch heikler und gefährlicher prä-
sentiert habe, da die Zelle des Beschuldigten mit Scherben übersäht gewesen
sei. Die Aufseher hätten gewusst, dass, wenn der Beschuldigte nicht kooperieren
und sich die Hand- und Fussfesseln nicht anlegen lassen würde, ein Zugriff in der
Zelle, die mit Glasscherben übersäht gewesen sei, sehr gefährlich sein würde.
Für die geplante Zellenverlegung des Beschuldigten hätten die Verantwortlichen
der Justizvollzugsanstalt PÖSCHWIES daher umfassende
Sicherheitsvorkehrungen treffen müssen. Es seien insgesamt acht Aufseher auf-
geboten worden, nämlich AB._ (Privatkläger 6), AC._, AA._,
AD._ (Privatkläger 11), N._, K._, AD._ und AE._. Die
Aufseher hätten eine Schutzausrüstung angezogen, ein Aufseher sei mit einem
Schutzschild und ein anderer mit einem Taser ausgerüstet worden. Die genaue
Aufgabenteilung zwischen den Aufsehern sei exakt besprochen worden. Als die
Aufseher um ca. 11.20 Uhr die äussere Zellentüre zur Sicherheitszelle Nr. 3 ge-
öffnet hätten und vor die innere Zellentüre mit Glassichtfenster getreten seien, sei
der Beschuldigte auf dem Bett gestanden und habe hinter seinem Rücken eine
ca. 30 cm grosse, spitze Glasscherbe in den Händen gehalten. Er habe zu den
Aufsehern gesagt: "Kommt rein, ich bringe euch um." (evtl. "Kommt rein, dann
bringe ich einen von euch um.''). Der Privatkläger 6 habe mit dem Beschuldigten
gesprochen und ihm eröffnet, dass er aufgrund der Beschädigung dieser Zelle in
eine andere verlegt werden müsse, ohne dass er dem Beschuldigten offengelegt
hätte, dass er von der beschädigten Zelle in eine Arrestzelle verlegt würde. Der
Beschuldigte habe aber gewusst, dass die Aufseher gekommen seien, um ihn von
der beschädigten Zelle in eine andere, intakte Zelle zu verlegen, und dass eine
solche Verlegung in den Aufgabenbereich der Aufseher der Justizvollzugsanstalt
PÖSCHWIES gehörte. Obwohl der Privatkläger 6 den Beschuldigte mehrfach
aufgefordert habe, die Scherbe wegzulegen und bei der Verlegung zu kooperie-
ren, habe dieser die Glasscherbe in der Hand behalten. Erst nach mindestens 5
(bis maximal 15) Minuten sei der Beschuldigte den steten Aufforderungen nach-
gekommen und habe die Glasscherbe auf den Boden gelegt und sei den Anwei-
sungen der Aufseher gefolgt, die ihn sodann in eine Arrestzelle hätten verlegen
- 36 -
können. Auf dem Weg in die Arrestzelle habe sich der Beschuldigte zum Aufseher
APÖSCHWIES umgedreht und zu diesem gesagt: "Irgendwann kriege ich die
Chance und bringe dich um." Der Beschuldigte habe mit der drohenden Haltung
auf dem Bett mit der grossen und spitzen Glasscherbe in der Hand sowie den
ausgesprochenen verbalen Drohungen den genannten Aufsehern verunmögli-
chen oder erschweren wollen, dass sie ihn von seiner Zelle in eine Arrestzelle
würden bringen können. Der Beschuldigte habe dabei gewusst, dass es zu den
Aufgaben und Kompetenzen der Aufseher gehören würde, ihn bei Notwendigkeit
in eine andere Zelle zu verlegen. Er habe auch gewusst, dass er sich gegen diese
berechtigte Tätigkeit der Aufseher nicht mit einer Glasscherbe in der Hand sowie
verbaler Drohung zur Wehr setzen durfte. Der Beschuldigte habe weiter gewusst,
dass durch sein Verhalten die Verlegung mit extrem viel mehr Aufwand verbun-
den sein und die Amtshandlung massiv erschwert würde, was er zumindest billi-
gend in Kauf genommen habe (Urk. 21 S. 20 f.).
7.2. Standpunkt des Beschuldigten
In der Untersuchung stellte sich der Beschuldigte auf den Standpunkt, der
Tatvorwurf sei erfunden, um ihm zu schaden, und bestritt diesen vollumfänglich
(Urk. D15/4/1). Die Verteidigung machte vor Vorinstanz zusammengefasst
geltend, die den Beschuldigten belastenden Aussagen seien sehr widersprüchlich
und die Aufseher hätten nicht wahrheitsgetreu ausgesagt (Urk. 130 S. 84 ff.).
Diesen Standpunkt vertrat die Verteidigung auch im Berufungsverfahren. In recht-
licher Hinsicht machte sie geltend, es fehle bereits am Vorsatz, da der Beschul-
digte zunächst nicht verstanden habe, was man von ihm gewollt habe, und dass
er, als er es verstanden habe, die Glasscherbe weggelegt habe und die Verle-
gung widerstandslos habe durchgeführt werden können. Da er die Amtshandlung
nicht in erheblicher Weise verzögert habe, fehle es auch am objektiven Tat-
bestand. Im Übrigen habe er die Glasscherbe nicht als Drohmittel eingesetzt
(Urk. 546 S. 52 f.).
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7.3. Würdigung
7.3.1. Sachverhalt
Die Vorinstanz hat die wesentlichen Aussagen der Beteiligten und das
vorliegende Sachbeweismittel zutreffend dargestellt (Urk. 180 S. 113-121
E. III.10.1-10.2), worauf vollumfänglich verwiesen werden kann. Sie hat sodann
die Beweise, insbesondere die Aussagen der Beteiligten, unter Berücksichtigung
der dazu gemachten Vorbringen der Verteidigung sorgfältig geprüft und zutreffend
gewürdigt (a.a.O., S. 121 E. III.10.2 und S. 122-125 E. III.10.4.1-10.5), worauf
vorab ebenfalls vollumfänglich verwiesen werden kann.
Punktuell rekapitulierend und ergänzend ist zu den vorinstanzlichen Aus-
führungen festzuhalten, dass auch im vorliegenden Zusammenhang das bereits
vorne unter E. II.3.3.1. zu Dossier 2 Ausgeführte gilt, nämlich dass kein über-
zeugender Grund auszumachen ist, weshalb der Beschuldigte von den acht am
Vorfall Beteiligten zu Unrecht einer Straftat beschuldigt werden sollte. Abgesehen
davon ist bei keinem der Aussagenden ein übermässiger Belastungseifer erkenn-
bar. Ebenso gilt, dass gewisse Widersprüche in den Aussagen der acht Befragten
ein Stück weit in der Natur der Sache liegen und nicht weiter verwunderlich sind.
Dessen ungeachtet ergeben die Aussagen der Beteiligten – soweit sie aufgrund
ihrer räumlichen Position beim Vorfall überhaupt Sachdienliches angeben
konnten – in Bezug auf das Kerngeschehen ein soweit widerspruchsfreies und
stimmiges Gesamtbild. Wo dies nicht der Fall ist, namentlich was die eingeklagten
Drohungen gegenüber den Aufsehern ("Kommt rein, ich bringe euch um." bzw.
"Kommt rein, dann bringe ich einen von euch um.") und APÖSCHWIES ("Irgend-
wann kriege ich die Chance und bringe ich dich um.") betrifft, ging die Vorinstanz
in Anwendung des Grundsatzes in dubio pro reo korrekterweise von der für den
Beschuldigten günstigeren Variante aus und erachtete diese als nicht erstellt. Im
Übrigen bestehen keine Zweifel daran und ist erstellt, dass sich der Sachverhalt,
mit der von der Vorinstanz gemachten Einschränkung, wie eingeklagt abgespielt
hat. Dazu gehört insbesondere auch, dass der Beschuldigte die Glasscherbe be-
wusst hinter seinem Rücken in den Händen hielt und sich trotz entsprechender
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Aufforderungen einige Minuten lang weigerte, diese an die Aufseher herauszuge-
ben.
7.3.2. Rechtliche Würdigung
Die Vorinstanz hat den erstellten Sachverhalt rechtlich zutreffend gewürdigt
(Urk. 180 S. 154 E. IV.7.; vgl. dazu zutreffend auch a.a.O., S. 134 f. E. IV.2.1 f.),
worauf verwiesen werden kann. Mit der Vorinstanz ist insbesondere davon aus-
zugehen, dass der Beschuldigte die ca. 30 cm grosse, spitze Glasscherbe
(Urk. D15/2/1), auch wenn er sie hinter seinem Rücken in den Händen hielt, als
Drohmittel einsetzte und damit eine Drohkulisse aufbaute, womit er tatbeständlich
im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB handelte, zumal auch eine Drohung im Sinne
dieser Bestimmung konkludent erfolgen kann (vgl. dazu statt Weitere ISENRING in
OFK StGB, 20. Auflage, N 9 zu Art. 285 bzw. DONATSCH, a.a.O., N 4 zu Art. 180,
je mit Verweisen auf die Rechtsprechung).
7.4. Fazit
Der Beschuldigte ist der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte
im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen.
8. Dossier 18 (Sachbeschädigung)
8.1. Anklagevorwurf
Der Beschuldigte habe am 7. September 2018, zwischen ca. 16.15 Uhr und
ca. 21.30 Uhr, in der Justizvollzugsanstalt PÖSCHWIES im sicherheitsorientierten
Strafvollzug (SSV) die Arrestzelle 8 beschädigt. Er habe dabei mehrfach mit den
Händen und Füssen gegen die Scheibe der Gittertüre zur Arrestzelle geschlagen,
wodurch die Scheibe zerborsten sei. Der Beschuldigte habe durch sein willent-
liches Tun einen Sachschaden von CHF 6'742.80 zum Nachteil der Justizvoll-
zugsanstalt PÖSCHWIES verursacht. Er habe gewusst, dass er mit dem geschil-
derten Tun die Zelle beschädigen und einen Sachschaden in der genannten Höhe
verursachen konnte, was er auch gewollt habe (Urk. 21 S. 23).
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8.2. Strafantrag
Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB ist ein Antragsdelikt.
Ein gültiger Strafantrag liegt vor (Urk. D18/1/8).
8.3. Standpunkt des Beschuldigten
Der Beschuldigte anerkannte den äusseren Sachverhalt, machte jedoch
geltend, dass das Sicherheitsglas nicht so einfach hätte kaputtgehen dürfen,
normalerweise gehe da nicht einmal ein Schuss durch (Urk. D18/2/1). Durch sei-
nen Verteidiger liess er vorbringen, es scheitere am subjektiven Tatbestand.
Er habe Lärm machen wollen und nicht damit rechnen müssen, dass das schuss-
sichere Sicherheitsglas durch Schläge beschädigt würde, weshalb er vom Vorwurf
der Sachbeschädigung freizusprechen sei (Urk. 130 S. 90 f.). Diesen Standpunkt
vertrat die Verteidigung auch im Berufungsverfahren (Urk. 546 S. 53).
8.4. Würdigung
Die rechtliche Würdigung der Vorinstanz ist zutreffend (Urk. 180 S. 156 f.
E. IV.9.), es kann darauf verwiesen werden. Die Vorinstanz hat richtig erwogen,
dass der Beschuldigte wusste, dass es sich bei der Scheibe der Gittertüre zur
Arrestzelle um fremdes Eigentum handelte und annehmen musste, dass durch
mehrfache Faustschläge und Fusstritte eines Kampfsportlers, die Scheibe der
Gittertüre zur Arrestzelle in Brüche gehen könnte und würde, womit er insbe-
sondere aufgrund des Umstandes, dass er bereits früher mehrmals Scheiben der
Sicherheitszellen beschädigt hatte, rechnen musste, weshalb von vorsätzlichem
Handeln auszugehen sei (a.a.O., S. 156 E. IV.9.3). Dem ist nichts hinzuzufügen.
8.5. Fazit
Der Beschuldigte ist der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1
StGB schuldig zu sprechen.
- 40 -
9. Dossier 19 (Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte)
9.1. Anklagevorwurf
Am 2. Oktober 2018 um ca. 10.30 Uhr hätten in der Justizvollzugsanstalt
PÖSCHWIES in der ... sieben Aufseher den Beschuldigten nach dessen Hofgang
in die Zelle zurückgebracht. Als der Aufseher AD._ (Privatkläger 11) dem
Beschuldigten am rechten Fuss die Fussfessel geöffnet habe, habe der Aufseher
AA._ den Fuss des Beschuldigten gesichert, indem er den Fuss festgehalten
habe. Nachdem der Privatkläger 11 am rechten Fuss die Fesselung gelöst und
der Beschuldigte den rechten Fuss in die Zelle zurückgezogen gehabt habe, habe
der Beschuldigte den linken Fuss durch die Fussklappe gestreckt und sofort wil-
lentlich kräftig mit dem linken Fuss gegen den Privatkläger 11 gekickt. Dieser sei
sogleich zurückgewichen, so dass ihn der Fusstritt des Beschuldigten nur an sei-
nem linken Oberschenkel gestreift habe, wobei er nicht verletzt worden sei. Her-
nach sei es den Aufsehern gelungen, den Fuss des Beschuldigten zu fixieren, so
dass ihm die Fussfessel doch noch habe abgenommen werden können. Der Be-
schuldigte habe gewusst, dass er durch seinen willentlichen Fusskick gegen den
Privatkläger 11 diesen attackiert und dessen Tätigkeit erschwert habe, was er mit
seinem Tun zumindest billigend in Kauf genommen habe (Urk. 21 S. 24).
9.2. Standpunkt des Beschuldigten
In der Untersuchung bestritt der Beschuldigte den Tatvorwurf und führte aus,
es sei nicht möglich, dass er mit dem Fuss durch die Klappe gekickt habe, da die
Klappe kleiner sei als ein A4 Blatt und es daher unmöglich sei, das ganze Bein
durch die Fussklappe zu strecken (Urk. D19/3/1). Die Verteidigung machte vor
Vorinstanz zusammengefasst geltend, die Aufseher hätten den Ablauf des Vor-
falls unterschiedlich beschrieben und daher erfunden, jedenfalls aber massiv
übertrieben. Es sei zudem gar nicht möglich, dass der am Boden sitzende
Beschuldigte den Privatkläger 11 mit dem Fuss durch die 25 cm breite und 14 cm
hohe Fussklappe getreten haben könne (Urk. 130 S. 91 ff.). Im Berufungsver-
fahren blieb die Verteidigung im Wesentlichen bei diesem Standpunkt und fügte
hinzu, ein Tritt gegen den Oberschenkel hätte, auch wenn sich der Privatkläger 11
- 41 -
hingekauert hätte, auf jeden Fall nach oben erfolgen müssen, was aufgrund der
Position des Beschuldigten gar nicht möglich gewesen sei (Urk. 546 S. 54 f.).
9.3. Würdigung
9.3.1. Sachverhalt
Die Vorinstanz hat die relevanten Aussagen der Beteiligten und das
vorliegende Sachbeweismittel zutreffend dargestellt (Urk. 180 S. 127-130
E. III.12.1.1-12.2), worauf verwiesen werden kann. Sie hat in der Folge die
Beweise, insbesondere die Aussagen der Beteiligten, unter Berücksichtigung der
dazu gemachten Ausführungen der Verteidigung eingehend geprüft und zu-
treffend gewürdigt (a.a.O., S. 129 f. E. III.12.2 und S. 131-133 E. III.12.4.1-12.5),
worauf ebenfalls vollumfänglich verwiesen werden kann.
Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass die von ihr aufgeführten
Widersprüche das vom Privatkläger 11 und den zwei Zeugen übereinstimmend
und glaubhaft geschilderte Kerngeschehen, namentlich, dass der Beschuldigte
mit seinem linken Fuss durch die Fussklappe gegen den Oberschenkel des
Privatklägers 11 getreten habe, nicht tangieren und deshalb auf die entsprechen-
den Sachverhaltsdarstellungen abgestellt werden kann. Ebenso ist der Vorinstanz
darin beizupflichten, dass der eingeklagte Fusskick durch die Fussklappe möglich
war, allein schon deshalb, da der Fuss zur Fesselung bzw. Entfesselung durch
die Klappe hinausgestreckt werden kann und es somit auch möglich sein muss,
mit diesem hinaus zu kicken. Dem Einwand der Verteidigung, wonach der Fuss-
kick zwingend nach oben hätte erfolgen müssen, kann nicht gefolgt werden. Der
Privatkläger 11 wollte die zweite Fussfessel lösen, weshalb sich sein Oberschen-
kel nah am Boden befunden haben musste, als der Fusskick des Beschuldigten
erfolgte. Entsprechend konnte der Beschuldigte den Privatkläger 11 durchaus
auch mit einem Fusskick nach vorne treffen. Es bestehen damit keine Zweifel am
eingeklagten Sachverhalt, dieser ist erstellt.
- 42 -
9.3.2. Rechtliche Würdigung
Die Vorinstanz hat den erstellten Sachverhalt rechtlich zutreffend gewürdigt
(Urk. 180 S. 157 E. IV.10.), darauf kann verwiesen werden. Ergänzend dazu ist
festzuhalten, dass ein tätlicher Angriff im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB auch
dann vorliegt, wenn der Beamte ausweicht, mithin, wenn lediglich ein Versuch
einer Tätlichkeit im Sinne von Art. 126 StGB vorliegt. Dass körperliche Aus-
wirkungen unterbleiben, ist unerheblich (vgl. dazu statt Weiterer ISENRING, a.a.O.,
N 11b zu Art. 285, mit Verweis auf BGE 6B_357/2013, E. 6.2).
9.4. Fazit
Der Beschuldigte ist der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte
im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen.
10. Ergebnis
Der Schuldspruch der Vorinstanz ist, soweit er im Berufungsverfahren noch
zur Disposition stand, vollumfänglich zu bestätigen, und der Beschuldigte demzu-
folge der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB in
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (Dossier 2), der mehrfachen einfachen
Körperverletzung im Sinne von Art. 123 StGB (Dossiers 3 und 4), der mehrfachen
Beschimpfung im Sinne von Art. 177 StGB (Dossier 4), der Drohung im Sinne von
Art. 180 Abs. 1 StGB (Dossiers 5), der mehrfachen Gewalt und Drohung gegen
Behörden und Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB (Dossiers 15 und 19)
und der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 StGB (Dossier 18) schuldig zu
sprechen.
III. Sanktion und Vollzug
1. Ausgangslage
1.1. Standpunkt der Vorinstanz
Die Vorinstanz sprach eine Freiheitsstrafe von 4 Jahren und 9 Monaten
bzw. von 57 Monaten aus, teilweise als Zusatzstrafe zur Strafe gemäss Urteil des
- 43 -
Bezirksgerichts Zürich, 3. Abteilung, vom 6. März 2017, DG160331, und unter
Anrechnung von 770 Tagen erstandener Haft, sowie eine Geldstrafe von
70 Tagessätzen zu Fr. 10.–. Sie ordnete eine stationäre therapeutische Mass-
nahme im Sinne von Art. 59 Abs. 1 und 3 StGB (Behandlung von psychischen
Störungen) an, schob den Vollzug der Freiheitsstrafe zugunsten der stationären
Massnahme auf und erklärte die Geldstrafe für vollziehbar.
1.2. Standpunkt der Staatsanwaltschaft
Die Staatsanwaltschaft beantragt, der Beschuldigte sei mit einer Freiheits-
strafe von 90 Monaten, teilweise als Zusatzstrafe zu der mit Urteil des Bezirks-
gerichtes Zürich, 3. Abteilung, vom 6. März 2017, ausgefällten Strafe, sowie mit
einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen à CHF 10.00 zu bestrafen. Zudem beantragt
sie die Anordnung einer Verwahrung im Sinne von Art. 64 Abs. 1 lit. b StGB
(Urk. 185 S. 2; Urk. 545 S. 1).
1.3. Standpunkt des Beschuldigten
Der Beschuldigte beantragt die Ausfällung einer angemessenen, tieferen
Strafe und das Absehen von der Anordnung einer therapeutischen Massnahme
(Urk. 187 S. 3 f.; Urk. 546 S. 3).
2. Strafzumessung
2.1. Vorbemerkungen
Im vorinstanzlichen Urteil wurden die Frage des anwendbaren Rechts unter
Berücksichtigung der Grundsätze des Rückwirkungsverbots und der lex mitior, die
allgemeinen und konkreten Strafzumessungsregeln sowie der konkrete Straf-
rahmen zutreffend dargelegt (Urk. 180 S. 158-165 E. V.1.-3., V.4.1.1.1, V.4.1.2.1
und V.4.2), worauf verwiesen werden kann. Angesichts der vorliegenden
Schuldsprüche besteht kein Raum, in Anwendung von Art. 52 StGB von Strafe
Umgang zu nehmen (vgl. die diesbezüglichen Vorbringen der Verteidigung in
Urk. 546 S. 19). Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass es sich bei der
versuchten schweren Körperverletzung (Dossier 2) um die schwerste zu beurtei-
- 44 -
lende Tat handelt (Urk. 180 S. 160 f. E. V.2.2 bzw. E. V.4.1), weshalb zunächst
für diese eine Einsatzstrafe festzulegen ist.
2.2. Versuchte schwere Körperverletzung (Dossier 2)
2.2.1. Tatkomponenten
2.2.1.1. Objektives Tatverschulden
Der vom Beschuldigten erfüllte Straftatbestand der versuchten schweren
Körperverletzung schützt Leib und Leben und damit das wichtigste Rechtsgut des
Menschen. Diesem gegenüber liess der Beschuldigte jeden Respekt vermissen,
indem er den Privatkläger 5 blitzschnell und ohne Vorwarnung angriff, um mit
brachialer Brutalität auf ihn einzuprügeln. Hinzu kommt, dass er dabei bewusst
auf den Kopf seines Opfers und damit auf eines der empfindlichsten Körperteile
zielte. Die ersten zwei Faustschläge trafen den ungeschützten Kopf des Beschul-
digten und konnten ihre volle Wirkung nur deshalb nicht entfalten, da sich
zwischen Täter und Opfer noch ein Tisch befand. Darauf folgten weitere wuchtige
Schläge auf den sich inzwischen am Boden befindlichen Privatkläger 5, die ihr
Ziel, den Kopf des Opfers, nur dank dessen Deckung verfehlten und deshalb
Arme und Beine trafen. Beim Beschuldigten handelt es sich um einen ausge-
bildeten, sehr kräftigen und durchtrainierten Kampfsportler. Wendet er physische
Gewalt an, kann er damit weit Verheerenderes anrichten als andere, vor allem
wenn sich seine Gewalt wie vorliegend in Form gezielter Faustschläge gegen den
Kopf eines Opfers richtet. Dass es beim Privatkläger 5 nicht zu viel schlimmeren
Verletzungen kam, ist allein der schnellen Intervention der Sicherheitskräfte zu
verdanken, die aber auch nicht mehr verhindern konnten, dass die Schläge des
Beschuldigten beim Privatkläger 5 unter anderem zu einem leichten Schädel-
hirntrauma geführt haben. Hinzu kommt, dass der Privatkläger 5 in der Folge
auch psychisch an den Folgen des gewalttätigen Übergriffs des Beschuldigten litt.
Eindrücklich haben die Beteiligten geschildert, dass der rasende Beschuldigte
ohne die erfolgte Intervention weiter auf den Privatkläger eingeschlagen hätte. Die
schonungslose Gewaltbereitschaft des Beschuldigten offenbart eine massive
kriminelle Energie. Zugunsten des Beschuldigten ist zu veranschlagen, dass er
- 45 -
die Tat nicht von langer Hand geplant hatte, sondern wegen der ihm eröffneten
Rückversetzung in die ... ausrastete und seine Wut entsprechend zufällig den
Privatkläger 5 traf. Die Vorinstanz hielt dem Beschuldigten zugute, dass er keine
Waffe sondern "nur" seine Fäuste einsetzte, was jedoch durch den Umstand,
dass es sich bei ihm um einen Kampfsportler handelt, wieder relativiert wird. Das
objektive Tatverschulden ist damit am oberen Rand des untersten Drittels anzu-
siedeln.
2.2.1.2. Subjektives Tatverschulden
Der Beschuldigte handelte nicht direkt- sondern eventualvorsätzlich und
nahm damit billigend in Kauf, dass er mit seinen auf den Kopf des Privatklägers 5
gerichteten Schlägen diesen schwer, lebensgefährlich oder gar tödlich verletzten
konnte, was ihm als Kampfsportler ganz besonders bewusst sein musste. In
Anlehnung an die überzeugende Einschätzung des Gutachters
Dr. med. AG._ ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte aufgrund seiner
dissozialen Persönlichkeitsstörung zwar an emotionaler Instabilität und mangeln-
der Impulskontrolle leidet, jedoch durchaus in der Lage war, das Unrecht seiner
Tat zu erkennen und dieser Einsicht entsprechend zu handeln, mithin keine ihn
entlastende verminderte Schuldfähigkeit vorlag (Urk. 9/25 S. 66, 69-73 f. und S.
93). Im vorliegenden Strafrahmen lediglich leicht strafmindernd zu berücksichtigen
ist die versuchte Tatbegehung, zumal die schwere Körperverletzung nur deshalb
im Versuchsstadium blieb, da der Beschuldigte von den Sicherheitskräften relativ
schnell überwältigt und von weiteren Schlägen abgehalten werden konnte. Wie
bereits ausgeführt, ist davon auszugehen, dass er ansonsten dem Privatkläger 5
wohl gravierendere Verletzungen zugefügt hätte. Insgesamt wird das objektive
Tatverschulden durch das subjektive insbesondere aufgrund der eventualvorsätz-
lichen und versuchten Tatbegehung etwas relativiert.
2.2.1.3. Einsatzstrafe für das Tatverschulden
Aufgrund des gesamten, im untersten Drittel anzusiedelnden Tatver-
schuldens erscheint die vorinstanzlich festgesetzte Einsatzstrafe von 18 Monaten
etwas zu tief und stattdessen eine solche von 21 Monaten angemessen.
- 46 -
2.2.2. Täterkomponenten
2.2.2.1. Persönliche Verhältnisse und Vorleben
Was die persönlichen Verhältnisse und das Vorleben des Beschuldigten
anbelangt, kann vorab vollumfänglich auf die Ausführungen im angefochtenen
Entscheid der Vorinstanz verwiesen werden, die unter anderem festhielt, dass
beim Beschuldigten seit frühester Kindheit eine defizitäre Entwicklung, instabile
und dauernd wechselnde Beschulungs- und Unterbringungssituationen und eine
fehlende angemessene Ausbildung vorliegen (Urk. 180 S. 166 f. E. V.4.2.3.1 f.).
In einem nächsten Schritt hat sich die Vorinstanz einlässlich mit den Vorbringen
der Verteidigung auseinandergesetzt, wonach – zusammengefasst – der Be-
schuldigte ein Justizopfer sei und die zu beurteilenden Delikte durch Fehlleistun-
gen der Justiz provoziert und verschuldet worden seien. Auch auf diese Ausfüh-
rungen kann vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 180 S. 167-172 E. V.4.2.3.3-
4.2.3.5). Dazu ist teilweise rekapitulierend und ergänzend festzuhalten, dass die
Vorinstanz den Lebensstationen des Beschuldigten entlang anhand von Bei-
spielen richtig aufgezeigt hat, wie sich bei ihm seit früher Kindheit ein gewisses
Verhalts- und Deliktsmuster – nämlich Drohungen und Gewalt gegen Dritte sowie
Sachbeschädigungen, um seinen Willen durchzusetzen – wiederholt und bisher
weder ein harter noch ein milder Umgang mit ihm, sei es im Rahmen geschlosse-
ner oder offener Platzierungen, nachhaltige positive Auswirkungen zeitigte. Auch
in Freiheit bewährte sich der Beschuldigte nicht und delinquierte immer wieder,
teilweise massiv (vgl. zu den Vorstrafen nachfolgend unter E. III.2.2.2.2). Die
Vorinstanz hat weiter richtig darauf hingewiesen, dass sich das aufgezeigte
Verhaltens- und Deliktsmuster des Beschuldigten schon lange vor seinen schwie-
rigen Erfahrungen im Zusammenhang mit staatlichen Interventionen – bei-
spielsweise die lange Fixierung und Zwangsmedikation in der Psychiatrischen
Universitätsklinik Zürich (PUK), den Abbruch des schweizweit bekannt geworde-
nen Sondersettings und die problematische Behandlung im Gefängnis Pfäffikon –
manifestierte. Ob seitens der Justizbehörden und der staatlichen Institutionen
Fehler passiert sind, was nicht auszuschliessen ist, erscheint an dieser Stelle
indes letztlich nicht entscheidend, vielmehr, dass sich das heute zu beurteilende
- 47 -
Verhalten des Beschuldigten nicht unter Hinweis auf allfällige Fehler der Justiz-
behörden und staatlicher Institutionen rechtfertigen oder entschuldigen lässt. Der
nicht vermindert schuldfähige Beschuldige, dies sei nochmals mit allem Nach-
druck betont, ist selber für sein Handeln verantwortlich. Gleichwohl sind die per-
sönlichen Verhältnisse und das Vorleben des Beschuldigten, seine schwierigen
Erfahrungen mit staatlichen Interventionen wie auch die intensive mediale Auf-
merksamkeit, die der Beschuldigte seit Jahren auf sich zieht, nicht nur, wie dies
die Vorinstanz tat, leicht, sondern deutlich strafmindernd zu berücksichtigen. Wie
bereits ausgeführt, liegen keine Anhaltspunkte für Folter vor (vgl. dazu vorne
unter I.2.2.). Die restriktiven Haftbedingungen des Beschuldigten, welche er sich
im Wesentlichen selber zuzuschreiben hat, sind dennoch strafmindernd zu
berücksichtigen.
2.2.2.2. Vorstrafen und Delikte während laufender/m Strafuntersuchung/Vollzug
Hinsichtlich der Vorstrafen des Beschuldigten kann auf die Ausführungen im
angefochtenen Urteil verwiesen werden. Der Beschuldigte weist vier, teilweise
einschlägige Vorstrafen auf (Urk. 180 S. 165 E. V.4.2.1; vgl. dazu auch Urk. 183).
Seine Uneinsichtigkeit und Renitenz, die sich zudem im Umstand manifestieren,
dass der Beschuldigte auch während laufender Strafuntersuchung und im
Strafvollzug delinquierte, sind im Rahmen der Strafzumessung stark strafer-
höhend zu berücksichtigen. Anzumerken bleibt, dass sich am Vollzugsverhalten
des Beschuldigten gemäss jüngster Verfügung der Justizvollzugsanstalt
PÖSCHWIES vom 12. April 2021 nichts geändert habe, er weiterhin ein bedroh-
liches, renitentes und aggressives Vollzugsverhalten zeige und er ein hohes und
unberechenbares Sicherheitsrisiko für Mitarbeitende und Mitgefangene darstelle.
Deshalb sei eine andere Unterbringung als im Spezialsetting mangels Gruppen-
vollzugstauglichkeit nicht zu verantworten (Urk. 477).
2.2.2.3. Nachtatverhalten und Strafempfindlichkeit
Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass sich unter diesem Titel keine
strafmindernden Faktoren ergeben (Urk. 180 S. 172 E. V.4.2.4. f.). Auf die ent-
sprechenden Ausführungen kann verwiesen werden. Ergänzend sei auch hier auf
- 48 -
die jüngste Verfügung der Justizvollzugsanstalt PÖSCHWIES vom 12. April 2021
(Urk. 477) und zudem auf den letzten Führungsbericht des Justizvollzugs und
Wiedereingliederung des Kantons Zürich vom 18. August 2020 verwiesen.
Gemäss letzterem sei bisher weder eine Tataufarbeitung noch eine nachvoll-
ziehbare Auseinandersetzung mit den deliktrelevanten Problembereichen und
Risikofaktoren erfolgt und bezüglich der Tatvorwürfe seien bis zum heutigen
Zeitpunkt weder eine Problemeinsicht noch Ansätze von Reue erkennbar
(Urk. 255 S. 5).
2.2.3. Einsatzstrafe
Insgesamt vermögen die strafmindernd zu berücksichtigenden Faktoren die
straferhöhenden Faktoren, namentlich die mehrfachen einschlägigen Vorstrafen
und die fortwährende Delinquenz während laufender Strafuntersuchung und
laufendem Strafvollzug, nicht aufzuwiegen, weshalb beim Beschuldigten die
Täterkomponenten zu einer Straferhöhung von 6 Monate führen. In Würdigung
aller massgeblichen Strafzumessungsgründe erweist sich damit eine Einsatz-
strafe von 27 Monaten Freiheitsstrafe als dem Verschulden und den persönlichen
Verhältnissen des Beschuldigten für die versuchte schwere Körperverletzung
angemessen.
2.3. Einfache Körperverletzung (Dossier 3)
2.3.1. Tatkomponenten
2.3.1.1. Objektives Tatverschulden
Auch bei dieser Tat liess der Beschuldigte jeden Respekt vor der körper-
lichen Integrität eines Mittmenschen vermissen. Diesmal schlug er dem Privat-
kläger 8 gezielt mit zwei Faustschlägen gegen den Kopf und traf damit eine der
empfindlichsten Körperstellen. Erneut zeigte der Beschuldigte eine hohe Gewalt-
bereitschaft und offenbarte eine grosse kriminelle Energie. Einen dritten Faust-
schlag konnte der Privatkläger 8 zwar abwehren, er kippte dann aber durch die
Wucht des Schlages zur Seite, prallte mit der rechten Kopfseite gegen eine
Tischkante und fiel schliesslich zu Boden. Durch die Schläge und infolge des
- 49 -
Sturzes erlitt er eine Quetschung der linken Gesichtshälfte und des linken
Jochbeins sowie eine Quetschung des rechten Knies. Dieses Verletzungsbild ist
im Rahmen einer einfachen Körperverletzung als eher schwer zu bezeichnen.
Von langer Hand geplant war die Tat nicht. Das objektive Tatverschulden ist damit
im mittleren Drittel anzusiedeln.
2.3.1.2. Subjektives Tatverschulden
Der Beschuldigte handelte direktvorsätzlich. Als Kampfsportler wusste er
genau, was er mit seinen Schlägen anrichten konnte. Bevor er zur Tat schritt,
provozierte er sein Opfer und demütigte es zudem fies als menschlichen Boxsack.
Alsdann schlug der dem Privatkläger 8 körperlich weit überlegene Beschuldigte
mit der Faust gezielt auf dessen Kopf und fügte ihm erhebliche Verletzungen zu.
Dies alles, ohne dass ihm der Privatkläger 8 dazu den geringsten oder auch nur
einen ansatzweise nachvollziehbaren Anlass gegeben hätte. Das subjektive Tat-
verschulden relativiert das objektive nicht.
2.3.1.3. Einsatzstrafe für das Tatverschulden
Aufgrund des im mittleren Bereich anzusiedelnden Tatverschuldens
erscheint die vorinstanzlich festgesetzte Einsatzstrafe von 10 Monaten etwas zu
tief und stattdessen eine solche von 12 Monaten angemessen.
2.3.2. Täterkomponenten
Hinsichtlich der Täterkomponenten kann auf die bereits gemachten Aus-
führungen verwiesen werden. Zum Nachtatverhalten ist festzuhalten, dass sich
der Beschuldigte nur hinsichtlich der unwiderlegbaren Sachverhaltselemente
geständig zeigte und die Tat abstritt. Entsprechend zeigte er weder Einsicht noch
Reue. Ein strafminderndes Nachtatverhalten liegt damit nicht vor.
2.3.3. Konkrete Strafe
Die strafmindernd zu berücksichtigenden Faktoren vermögen die strafer-
höhenden, insbesondere die mehrfachen einschlägigen Vorstrafen und das fort-
währende Delinquieren während laufender Strafuntersuchung und laufendem
- 50 -
Strafvollzug, nicht aufzuwiegen, weshalb beim Beschuldigten die Täterkomponen-
ten zu einer Straferhöhung um vier Monate führen. Eine Einsatzstrafe von
16 Monaten Freiheitsstrafe erweist sich damit als dem Verschulden und den
persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten für die einfache Körperverletzung
angemessen. Gemäss dem Asperationsprinzip sind gleichartige Strafen aber
nicht einfach zu addieren, sondern es hat eine angemessene Erhöhung der Strafe
der schwersten Straftat zu erfolgen. Die Einsatzstrafe für die versuchte schwere
Körperverletzung ist daher in Anwendung des Asperationsprinzips um 12 Monate
für die einfache Körperverletzung zu erhöhen.
2.4. Einfache Körperverletzung (Dossier 4)
2.4.1. Tatkomponenten
2.4.1.1. Objektives Tatverschulden
Erneut missachtete der Beschuldigte die körperlichen Integrität eines
Mitmenschen, indem er den Privatkläger 9 mit einem "Bodycheck" zu Boden
schleuderte, wodurch sich dieser Prellungen am Brustkasten, am linken Ellbogen
und an der linken Hüfte zuzog. Auch diese Tat war nicht von langer Hand geplant.
Die Grenze einer Tätlichkeit wurde nur knapp überschritten. Das objektive Tatver-
schulden ist im unteren Viertel des Strafrahmens anzusiedeln.
2.4.1.2. Subjektives Tatverschulden
Indem der Beschuldigte den Privatkläger 9 mit einem "Bodycheck"
wegschleuderte, wollte er ihm und den anderen Mitgefangenen zeigen, dass er
"der Boss" sei, wobei er die ihm zugefügten Verletzungen in Kauf nahm. Es ging
dem Beschuldigten um eine Machtdemonstration, der Tat lag mithin wiederum ein
sehr niederes Motiv zugrunde. Das subjektive Tatverschulden ist ebenfalls noch
im unteren Viertel anzusiedeln.
- 51 -
2.4.1.3. Einsatzstrafe für das Tatverschulden
Aufgrund des im untersten Bereich anzusiedelnden Tatverschuldens
erscheint die vorinstanzlich festgesetzte Einsatzstrafe von einem Monat ange-
messen.
2.4.2. Täterkomponenten
Hinsichtlich der Täterkomponenten kann auf die bereits gemachten Ausfüh-
rungen verwiesen werden. Was das Nachtatverhalten betrifft, so gilt insbesondere
das vorne unter E. III.2.3.2. Ausgeführte.
2.4.3. Konkrete Strafe
Die strafmindernd zu berücksichtigenden Faktoren vermögen auch hier die
straferhöhenden, insbesondere die mehrfachen einschlägigen Vorstrafen und das
fortwährende Delinquieren während laufender Strafuntersuchung und laufendem
Strafvollzug, nicht aufzuwiegen, weshalb beim Beschuldigten die Täterkomponen-
ten zu einer Straferhöhung von 10 Tagen führen. Eine Einsatzstrafe von 40 Tagen
Freiheitsstrafe erweist sich damit als dem Verschulden und den persönlichen
Verhältnissen des Beschuldigten für die einfache Körperverletzung angemessen.
In Anwendung des Asperationsprinzips führt dies zu einer Straferhöhung von
einem Monat.
2.5. Sachbeschädigung (Dossier 2.1)
2.5.1. Tatkomponenten
2.5.1.1. Objektives Tatverschulden
Was den angerichteten Sachschaden in der Höhe von Fr. 1'700.-- betrifft, so
ist die objektive Tatschwere noch im unteren Bereich des Möglichen anzusiedeln.
Die Art und Weise der Herbeiführung des deliktischen Erfolges war allerdings
recht gefährlich, warf der Beschuldigte doch mit Wucht einen Stuhl durch das
Büro, wodurch er auch die Anwesenden leicht hätte in Mitleidenschaft ziehen
können. Geplant war die Tat nicht und die Sachbeschädigung erscheint auch
- 52 -
nicht als das eigentliche Ziel des Beschuldigten, sondern vielmehr als eine Art
Kollateralschaden seines Zorns, dem er freien Lauf liess. Das objektive Tat-
verschulden ist im unteren Drittel des Strafrahmens anzusiedeln.
2.5.1.2. Subjektives Tatverschulden
Der Beschuldigte handelte aus Wut und eventualvorsätzlich. Auch das sub-
jektive Tatverschulden ist im unteren Drittel anzusiedeln.
2.5.1.3. Einsatzstrafe für das Tatverschulden
Aufgrund des im unteren Drittel des Strafrahmens anzusiedelnden Tatver-
schuldens erscheint die vorinstanzlich festgesetzte Einsatzstrafe von 15 Tagen
angemessen.
2.5.2. Täterkomponenten
Hinsichtlich der Täterkomponenten kann vorab wiederum auf die bereits
gemachten Ausführungen verwiesen werden. Deutlich straferhöhend sind im vor-
liegenden Zusammenhang besonders die einschlägigen Vorstrafen zu berück-
sichtigen. Was das Nachtatverhalten betrifft, so hat der Beschuldigte den Tatvor-
wurf bestritten. Anlässlich der Hauptverhandlung wurde dieser vom Verteidiger für
ihn anerkannt, was nicht wirklich zur Aufklärung der Straftat beitrug. Von Reue
und Einsicht des Beschuldigten kann jedenfalls keine Rede sein, weshalb das
Nachtatverhalten kaum strafmindernd zu berücksichtigen ist.
2.5.3. Konkrete Strafe
Insgesamt vermögen die strafmindernd zu berücksichtigenden Faktoren die
straferhöhenden, insbesondere die mehrfachen einschlägigen Vorstrafen und das
fortwährende Delinquieren während laufender Strafuntersuchung und laufendem
Strafvollzug, nicht aufzuwiegen, weshalb beim Beschuldigten die Täterkomponen-
ten zu einer Straferhöhung um fünf Tage führen. Eine Einsatzstrafe von 20 Tagen
Freiheitsstrafe erweist sich damit als dem Verschulden und den persönlichen
Verhältnissen des Beschuldigten für die Sachbeschädigung angemessen. Aspirie-
rend führt dies zu einer Straferhöhung von 15 Tagen.
- 53 -
2.6. Sachbeschädigung (Dossier 2.4)
2.6.1. Tatkomponenten
2.6.1.1. Objektives Tatverschulden
Der Beschuldigte richtete einen Sachschaden von Fr. 9'910.-- an, was doch
eine beträchtliche Summe ist. Die objektive Tatschwere befindet sich zwar noch
immer im unteren Bereich des Möglichen, erscheint jedoch im Vergleich zu jener
bei Dossier 2.1 deutlich höher. Die Zerstörungswut des Beschuldigten war dies-
mal zielgerichteter und sein Vorgehen fast schon systematisch, machte er doch
praktisch alles kaputt, was sich in der Zelle überhaupt kaputt machen lässt. Die
Tat offenbart eine erhebliche Gewaltbereitschaft und kriminelle Energie. Das
objektive Tatverschulden ist im unteren Drittel des Strafrahmens anzusiedeln.
2.6.1.2. Subjektives Tatverschulden
Der Beschuldigte protestierte mit seiner Tat gegen eine Verlegung und
handelte vorsätzlich. Das subjektive Tatverschulden ist ebenfalls im unteren
Drittel anzusiedeln.
2.6.1.3. Einsatzstrafe für das Tatverschulden
Die vorinstanzlich festgesetzte Einsatzstrafe erscheint mit 80 Tagen Frei-
heitsstrafe etwas zu tief. Aufgrund des Tatverschuldens erscheint eine solche von
drei Monaten Freiheitsstrafe angemessen.
2.6.2. Täterkomponenten
Hinsichtlich der Täterkomponenten kann auf die bereits gemachten Ausfüh-
rungen verwiesen werden. Was das Nachtatverhalten betrifft, gilt das vorne unter
E. III.2.5.2. zu Dossier 2.1 Ausgeführte.
2.6.3. Konkrete Strafe
Die strafmindernd zu berücksichtigenden Faktoren vermögen die strafer-
höhenden, insbesondere die mehrfachen einschlägigen Vorstrafen und das fort-
- 54 -
währende Delinquieren während laufender Strafuntersuchung und laufendem
Strafvollzug, nicht aufzuwiegen, weshalb beim Beschuldigten die Täterkomponen-
ten zu einer Straferhöhung um einen Monat führen. Eine Einsatzstrafe von vier
Monaten Freiheitsstrafe erweist sich damit als dem Verschulden und den persön-
lichen Verhältnissen des Beschuldigten für die Sachbeschädigung angemessen.
Aspirierend führt dies zu einer Straferhöhung von drei Monaten.
2.7. Sachbeschädigung (Dossier 8)
2.7.1. Tatkomponenten
2.7.1.1. Objektives Tatverschulden
Bei einem Sachschaden von Fr. 1'786.05 ist die objektive Tatschwere noch
im unteren Bereich des Möglichen anzusiedeln. Das objektive Tatverschulden
befindet sich im unteren Drittel des Strafrahmens.
2.7.1.2. Subjektives Tatverschulden
Zerstörungswut scheint den Beschuldigten bei seiner Tat massgeblich gelei-
tet zu haben, über deren Motiv nicht viel bekannt ist. Von Vorsatz ist auszugehen.
Auch das subjektive Tatverschulden ist im unteren Drittel anzusiedeln.
2.7.1.3. Einsatzstrafe für das Tatverschulden
Aufgrund des im unteren Drittel des Strafrahmens anzusiedelnden Tatver-
schuldens erscheint die vorinstanzlich festgesetzte Einsatzstrafe von 15 Tagen
angemessen.
2.7.2. Täterkomponenten
Hinsichtlich der Täterkomponenten kann auf die schon gemachte Ausfüh-
rungen verwiesen werden. Bezüglich des Nachtatverhaltens bleibt anzumerken,
dass der Beschuldigte sich in diesem Punkt zwar von Anfang an geständig zeigte,
sein Verhalten jedoch nicht wesentlich zur Aufklärung der Straftat beigetragen
- 55 -
hat, da genügend Sachbeweismittel vorlagen. Einsicht und Reue zeigte er nicht.
Das Geständnis ist daher nur sehr leicht strafmindernd zu berücksichtigen.
2.7.3. Konkrete Strafe
Die strafmindernd zu berücksichtigenden Faktoren vermögen die strafer-
höhenden, insbesondere die mehrfachen einschlägigen Vorstrafen und das fort-
währende Delinquieren während laufender Strafuntersuchung und laufendem
Strafvollzug, nicht aufzuwiegen, weshalb beim Beschuldigten die Täterkomponen-
ten zu einer Straferhöhung um fünf Tage führen. Eine Einsatzstrafe von 20 Tagen
Freiheitsstrafe erweist sich damit als dem Verschulden und den persönlichen
Verhältnissen des Beschuldigten für die Sachbeschädigung angemessen. In
Anwendung des Asperationsprinzips führt dies zu einer Straferhöhung von
15 Tagen.
2.8. Sachbeschädigung (Dossier 9)
2.8.1. Tatkomponenten
2.8.1.1. Objektives Tatverschulden
Der Beschuldigte verursachte einen beträchtlichen Sachschaden von
mindestens Fr. 7'793.55. Die objektive Tatschwere befindet sich noch im unteren
Bereich des Möglichen. Die Zerstörungswut des Beschuldigten war zielgerichtet
und die Tat offenbart eine erhebliche Gewaltbereitschaft und kriminelle Energie.
Das objektive Tatverschulden ist im unteren Drittel des Strafrahmens anzusiedeln.
2.8.1.2. Subjektives Tatverschulden
Der Beschuldigte handelte vorsätzlich. Das subjektive Tatverschulden ist
ebenfalls im unteren Drittel anzusiedeln.
- 56 -
2.8.1.3. Einsatzstrafe für das Tatverschulden
Die vorinstanzlich festgesetzte Einsatzstrafe erscheint mit 40 Tagen
Freiheitsstrafe etwas zu tief. Aufgrund des Tatverschuldens erscheint eine solche
von 60 Tagen Freiheitsstrafe angemessen.
2.8.2. Täterkomponenten
Hinsichtlich der Täterkomponenten kann auf die bereits gemachten Aus-
führungen verwiesen werden. Was das Nachtatverhalten betrifft, gilt das vorne
unter E. III.2.7.2. zu Dossier 8 Ausgeführte.
2.8.3. Konkrete Strafe
Die strafmindernd zu berücksichtigenden Faktoren vermögen die strafer-
höhenden Faktoren, insbesondere die mehrfachen einschlägigen Vorstrafen und
das fortwährende Delinquieren während laufender Strafuntersuchung und laufen-
dem Strafvollzug, nicht aufzuwiegen, weshalb beim Beschuldigten die Täter-
komponenten zu einer Straferhöhung um 20 Tage Freiheitsstrafe führen. Eine
Einsatzstrafe von 80 Tagen Freiheitsstrafe erweist sich damit als dem Verschul-
den und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten für die Sachbe-
schädigung angemessen. In Anwendung des Asperationsprinzips führt dies zu
einer Straferhöhung von zwei Monaten.
2.9. Sachbeschädigung (Dossier 10)
2.9.1. Tatkomponenten
2.9.1.1. Objektives Tatverschulden
Bei einem Sachschaden von Fr. 1'373.10 ist die objektive Tatschwere noch
im unteren Bereich des Möglichen anzusiedeln. Das objektive Tatverschulden
befindet sich im unteren Drittel des Strafrahmens.
- 57 -
2.9.1.2. Subjektives Tatverschulden
Es ist von Vorsatz auszugehen und auch das subjektive Tatverschulden ist
im unteren Drittel anzusiedeln.
2.9.1.3. Einsatzstrafe für das Tatverschulden
Aufgrund des im unteren Drittel des Strafrahmens anzusiedelnden Tat-
verschuldens erscheint die vorinstanzlich festgesetzte Einsatzstrafe von 15 Tagen
angemessen.
2.9.2. Täterkomponenten
Hinsichtlich der Täterkomponenten kann auf die bereits gemachten Aus-
führungen verwiesen werden. Was das Nachtatverhalten betrifft, gilt das vorne
unter E. III.2.7.2. zu Dossier 8 Ausgeführte.
2.9.3. Konkrete Strafe
Die strafmindernd zu berücksichtigenden Faktoren vermögen die strafer-
höhenden, insbesondere die mehrfachen einschlägigen Vorstrafen und das
fortwährende Delinquieren während laufender Strafuntersuchung und laufendem
Strafvollzug, nicht aufzuwiegen, weshalb beim Beschuldigten die Täterkomponen-
ten zu einer Straferhöhung um fünf Tage führen. Eine Einsatzstrafe von 20 Tagen
Freiheitsstrafe erweist sich damit als dem Verschulden und den persönlichen
Verhältnissen des Beschuldigten für die Sachbeschädigung angemessen. In
Anwendung des Asperationsprinzips führt dies zu einer Straferhöhung von
15 Tagen.
2.10. Sachbeschädigung (Dossier 14)
2.10.1. Tatkomponenten
2.10.1.1. Objektives Tatverschulden
Mit einer Summe von mindestens Fr. 9'720.-- verursachte der Beschuldigte
einen weiteren beträchtlichen Sachschaden. Die objektive Tatschwere befindet
- 58 -
sich noch im unteren Bereich des Möglichen. Die Zerstörungswut des Beschuldig-
ten war zielgerichtet und die Tat offenbart eine erhebliche Gewaltbereitschaft und
kriminelle Energie. Das objektive Tatverschulden ist im unteren Drittel des Straf-
rahmens anzusiedeln.
2.10.1.2. Subjektives Tatverschulden
Der Beschuldigte handelte vorsätzlich. Das subjektive Tatverschulden ist
ebenfalls im unteren Drittel anzusiedeln.
2.10.1.3. Einsatzstrafe für das Tatverschulden
Die vorinstanzlich festgesetzte Einsatzstrafe erscheint mit 40 Tagen
Freiheitsstrafe zu tief. Aufgrund des Tatverschuldens erscheint eine solche von
drei Monaten Freiheitsstrafe angemessen.
2.10.2. Täterkomponenten
Hinsichtlich der Täterkomponenten kann auf die bereits gemachten Aus-
führungen verwiesen werden. Was das Nachtatverhalten betrifft, gilt das vorne
unter E. III.2.7.2. zu Dossier 8 Ausgeführte.
2.10.3. Konkrete Strafe
Die strafmindernd zu berücksichtigenden Faktoren vermögen die straf-
erhöhenden, insbesondere die mehrfachen einschlägigen Vorstrafen und das
fortwährende Delinquieren während laufender Strafuntersuchung und laufendem
Strafvollzug, nicht aufzuwiegen, weshalb beim Beschuldigten die Täterkomponen-
ten zu einer Straferhöhung um einen Monat führen. Eine Einsatzstrafe von
vier Monaten Freiheitsstrafe erweist sich damit als dem Verschulden und den
persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten für die Sachbeschädigung an-
gemessen. Aspirierend führt dies zu einer Straferhöhung von drei Monaten.
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2.11. Sachbeschädigung (Dossier 17)
2.11.1. Tatkomponenten
2.11.1.1. Objektives Tatverschulden
Bei einem Sachschaden von Fr. 1'647.80 ist die objektive Tatschwere noch
im unteren Bereich des Möglichen anzusiedeln. Das objektive Tatverschulden
befindet sich im unteren Drittel des Strafrahmens.
2.11.1.2. Subjektives Tatverschulden
Es ist von Vorsatz auszugehen und das subjektive Tatverschulden ist im
unteren Drittel anzusiedeln.
2.11.1.3. Einsatzstrafe für das Tatverschulden
Aufgrund des im unteren Drittel des Strafrahmens anzusiedelnden Tat-
verschuldens erscheint die vorinstanzlich festgesetzte Einsatzstrafe von 15 Tagen
angemessen.
2.11.2. Täterkomponenten
Hinsichtlich der Täterkomponenten kann auf die bereits gemachten Aus-
führungen verwiesen werden. Was das Nachtatverhalten betrifft, gilt das vorne
unter E. III.2.7.2. zu Dossier 8 Ausgeführte.
2.11.3. Konkrete Strafe
Die strafmindernd zu berücksichtigenden Faktoren vermögen die strafer-
höhenden, insbesondere die mehrfachen einschlägigen Vorstrafen und das fort-
währende Delinquieren während laufender Strafuntersuchung und laufendem
Strafvollzug, nicht aufzuwiegen, weshalb beim Beschuldigten die Täterkomponen-
ten zu einer Straferhöhung um fünf Tage führen. Eine Einsatzstrafe von 20 Tagen
Freiheitsstrafe erweist sich damit als dem Verschulden und den persönlichen
Verhältnissen des Beschuldigten für die Sachbeschädigung angemessen. In An-
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wendung des Asperationsprinzips führt dies zu einer Straferhöhung von
15 Tagen.
2.12. Sachbeschädigung (Dossier 18)
2.12.1. Tatkomponenten
2.12.1.1. Objektives Tatverschulden
Der Beschuldigte verursachte einen Sachschaden von Fr. 6'742.80, was
eine beträchtliche Summe darstellt. Die objektive Tatschwere befindet sich noch
im unteren Bereich des Möglichen. Die Zerstörungswut des Beschuldigten war
wiederum zielgerichtet und die Tat offenbart eine erhebliche Gewaltbereitschaft
und kriminelle Energie. Das objektive Tatverschulden ist im unteren Drittel des
Strafrahmens anzusiedeln.
2.12.1.2. Subjektives Tatverschulden
Der Beschuldigte handelte vorsätzlich. Das subjektive Tatverschulden ist
ebenfalls im unteren Drittel anzusiedeln.
2.12.1.3. Einsatzstrafe für das Tatverschulden
Die vorinstanzlich festgesetzte Einsatzstrafe erscheint mit 40 Tagen
Freiheitsstrafe etwas zu tief. Aufgrund des Tatverschuldens erscheint eine solche
von 60 Tagen Freiheitsstrafe angemessen.
2.12.2. Täterkomponenten
Hinsichtlich der Täterkomponenten kann auf die bereits gemachten Aus-
führungen verwiesen werden. Was das Nachtatverhalten betrifft, gilt das vorne
unter E. III.2.7.2. zu Dossier 8 Ausgeführte.
2.12.3. Konkrete Strafe
Die strafmindernd zu berücksichtigenden Faktoren vermögen die strafer-
höhenden, insbesondere die mehrfachen einschlägigen Vorstrafen und das fort-
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währende Delinquieren während laufender Strafuntersuchung und laufendem
Strafvollzug, nicht aufzuwiegen, weshalb beim Beschuldigten die Täterkomponen-
ten zu einer Straferhöhung um 20 Tage Freiheitsstrafe führen. Eine Einsatzstrafe
von 80 Tagen Freiheitsstrafe erweist sich damit als dem Verschulden und den
persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten für die Sachbeschädigung ange-
messen. In Anwendung des Asperationsprinzips führt dies zu einer Straferhöhung
von zwei Monaten.
2.13. Drohung (Dossier 5)
2.13.1. Tatkomponenten
2.13.1.1. Objektives Tatverschulden
Die inkriminierte Drohung weist im vorliegenden Kontext noch keine allzu
grosse kriminelle Energie auf, da sich der Beschuldigte gemeinhin einer ähnlichen
Wortwahl bedient und sich der Privatkläger 10, ein langjähriger Gefängnisinsasse,
wohl einen etwas raueren Umgangston gewohnt ist. Zudem handelt es sich um
eine nicht von langer Hand geplante Spontantat. Vor diesem Hintergrund ist die
objektive Tatschwere im denkbaren Spektrum noch im untersten Bereich des
Strafrahmens anzusiedeln.
2.13.1.2. Subjektives Tatverschulden
Der Beschuldigte handelte eventualvorsätzlich und wollte seine Macht
demonstrieren, er handelte mithin aus niederer Motivation. Gleichwohl ist das
subjektive Tatverschulden ebenfalls noch im untersten Bereich anzusiedeln.
2.13.1.3. Einsatzstrafe für das Tatverschulden
Mit Blick auf den gesetzlichen Strafrahmen erscheint die vorinstanzlich
festgesetzte Einsatzstrafe von 10 Tagen Freiheitsstrafe doch deutlich zu tief. Auf-
grund des Tatverschuldens erscheint eine solche von einem Monat angemessen.
- 62 -
2.13.2. Täterkomponenten
Hinsichtlich der Täterkomponenten kann auf die bereits gemachten Aus-
führungen verwiesen werden. Der Beschuldigte ist einschlägig vorbestraft, was
sich straferhöhend auswirkt. Zum Nachtatverhalten ist zu sagen, dass der
Beschuldiget den Tatvorwurf bestritten hat. Lediglich hinsichtlich der unwider-
legbaren äusseren Sachverhaltselemente zeigte er sich geständig, Reue oder
Einsicht zeigte er nicht. Das Nachtatverhalten ist damit strafzumessungsneutral
zu werten.
2.13.3. Konkrete Strafe
Die strafmindernd zu berücksichtigenden Faktoren vermögen die strafer-
höhenden, insbesondere die mehrfachen einschlägigen Vorstrafen und das fort-
währende Delinquieren während laufender Strafuntersuchung und laufendem
Strafvollzug, nicht aufzuwiegen, weshalb beim Beschuldigten die Täterkomponen-
ten zu einer Straferhöhung um 10 Tage Freiheitsstrafe führen. Eine Einsatzstrafe
von 40 Tagen Freiheitsstrafe erweist sich damit als dem Verschulden und den
persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten für die Drohung angemessen. In
Anwendung des Asperationsprinzips führt dies zu einer Straferhöhung von einem
Monat.
2.14. Drohung (Dossier 11)
2.14.1. Tatkomponenten
2.14.1.1. Objektives Tatverschulden
Die vorliegende Drohung ist für eine rein verbale massiv, sucht in ihrer
Beispiellosigkeit an Rohheit und Menschenverachtung ihresgleichen und weist im
denkbaren Spektrum eine sehr grosse kriminelle Energie auf. Dies wird auch
durch den Umstand nicht gemildert, dass die betroffene Aufseherin im Gefängnis-
alltag einen wohl hin und wieder etwas raueren Umgang mit Insassen sozusagen
berufsbedingterweise hinnehmen muss, kann doch die inkriminierte Drohung bzw.
die angedrohte Gewalt nur noch als völlig jenseits bezeichnet werden. Dass die
- 63 -
Aufseherin durch die von einem für Gewaltdelikte bekannten und vorbestraften
Kampfsportler ausgestossene Todesdrohung in Angst und Schrecken versetzt
wurde, ist immanent und relativiert sich nur dadurch etwas, dass sich der Be-
schuldigte bei Ausstossung der Drohung im Strafvollzug befand und sie davon
ausgehen durfte, dass sich daran noch eine Weile lang nichts ändern würde. Zu
Gunsten des Beschuldigten ist zu veranschlagen, dass es sich um eine rein
verbale Drohung handelte und dass die Tat nicht von langer Hand geplant war.
Vor diesem Hintergrund ist die objektive Tatschwere noch knapp im unteren
Drittel des Strafrahmens anzusiedeln.
2.14.1.2. Subjektives Tatverschulden
Der Beschuldigte handelte eventualvorsätzlich. Auch das subjektive Tatver-
schulden ist noch knapp im unteren Drittel des Strafrahmens anzusiedeln.
2.14.1.3. Einsatzstrafe für das Tatverschulden
Mit Blick auf den gesetzlichen Strafrahmen erscheint die vorinstanzlich
festgesetzte Einsatzstrafe von 40 Tagen Freiheitsstrafe klar zu tief. Aufgrund des
Tatverschuldens erscheint eine solche von sechs Monaten angemessen.
2.14.2. Täterkomponenten
Hinsichtlich der Täterkomponenten kann auf die bereits gemachten Ausf-
ührungen verwiesen werden. Zum Nachtatverhalten ist zu sagen, dass sich der
Beschuldigte von Anfang an geständig zeigte, was jedoch nicht wesentlich zur
Aufklärung der Straftat beitrug, da die Beweislage relativ erdrückend war. Einsicht
oder Reue zeigte der Beschuldigte keine. Vor diesem Hintergrund ist das
Geständnis des Beschuldigten lediglich leicht strafmindernd zu berücksichtigen.
2.14.3. Konkrete Strafe
Insgesamt vermögen die strafmindernd zu berücksichtigenden Faktoren die
straferhöhenden, insbesondere die mehrfachen einschlägigen Vorstrafen und das
fortwährende Delinquieren während laufender Strafuntersuchung und laufendem
Strafvollzug, nicht aufzuwiegen, weshalb beim Beschuldigten die Täterkomponen-
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ten zu einer Straferhöhung um zwei Monate Freiheitsstrafe führen. Eine Einsatz-
strafe von acht Monaten Freiheitsstrafe erweist sich damit als dem Verschulden
und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten für die Drohung ange-
messen. In Anwendung des Asperationsprinzips führt dies zu einer weiteren
Straferhöhung von sechs Monaten.
2.15. Drohung (Dossier 16)
2.15.1. Tatkomponenten
2.15.1.1. Objektives Tatverschulden
Die vom Beschuldigten geäusserten Todesdrohungen zeugen von einer
grossen kriminellen Energie, namentlich, da er gegenüber den Betroffenen sehr
spezifisch äusserte, er kenne ihre Adressen, die er von seinem Anwalt erhalten
habe, und werde, wenn er wieder einmal in Freiheit sei, jeden einzelnen finden
und umbringen. Insbesondere der Privatkläger 5 musste ernsthaft fürchten, dass
der Beschuldigte seine Privatadresse tatsächlich kannte. Im Auge zu behalten ist
erneut, dass der Beschuldigte den Betroffenen vor allem wegen seiner massiven
Gewaltbereitschaft bestens bekannt war und sie die ausgestossenen Drohungen
daher durchaus ernst nehmen durften, was nur dadurch relativiert wird, dass sich
der Beschuldigte bei Ausstossung derselben noch im Strafvollzug befand und sie
davon ausgehen durften, dass dies noch eine Weile so bliebe. Zu Gunsten des
Beschuldigten ist zu berücksichtigen, dass es sich um eine rein verbale Drohung
handelte und dass die Tat nicht von langer Hand geplant war. Vor diesem Hinter-
grund ist das objektive Tatverschulden noch im unteren Drittel des Strafrahmens
anzusiedeln.
2.15.1.2. Subjektives Tatverschulden
Der Beschuldigte handelte eventualvorsätzlich. Auch das subjektive Tatver-
schulden ist noch im unteren Drittel des Strafrahmens anzusiedeln.
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2.15.1.3. Einsatzstrafe für das Tatverschulden
Mit Blick auf den gesetzlichen Strafrahmen erscheint die vorinstanzlich
festgesetzte Einsatzstrafe von 20 Tagen Freiheitsstrafe klar zu tief. Aufgrund des
Tatverschuldens erscheint eine solche von vier Monaten angemessen.
2.15.2. Täterkomponenten
Hinsichtlich der Täterkomponenten kann auf die bereits gemachten Aus-
führungen verwiesen werden. Was das Nachtatverhalten betrifft, gilt das vorne
unter E. III.2.5.2. zu Dossier 2.1 Ausgeführte.
2.15.3. Konkrete Strafe
Die strafmindernd zu berücksichtigenden Faktoren vermögen die strafer-
höhenden, insbesondere die mehrfachen einschlägigen Vorstrafen und das fort-
währende Delinquieren während laufender Strafuntersuchung und laufendem
Strafvollzug, nicht aufzuwiegen, weshalb beim Beschuldigten die Täterkomponen-
ten zu einer Straferhöhung um zwei Monate Freiheitsstrafe führen. Eine Einsatz-
strafe von sechs Monaten Freiheitsstrafe erweist sich damit als dem Verschulden
und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten für die Drohung ange-
messen. Aspirierend führt dies zu einer Straferhöhung von vier Monaten.
2.16. Mehrfache Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte (Dossier 1)
2.16.1. Tatkomponenten
2.16.1.1. Objektives Tatverschulden
Der Beschuldigte hat durch sein sehr aggressives Verhalten während etwas
mehr als eines ganzen Tages die Arbeit des zuständigen Gefängnispersonals
erheblich erschwert. Seine Obstruktion äusserte sich vor allem in teils sehr
massiven Todesdrohungen und wüsten Beschimpfungen. Dass sich sein Wider-
stand im Wesentlichen auf Verbalien beschränkte, ist zwar zu Gunsten des
Beschuldigten zu berücksichtigen, relativiert sich aber dadurch, dass ihm andere
- 66 -
Möglichkeiten umständehalber verwehrt blieben. Vor diesem Hintergrund ist das
objektive Tatverschulden noch im unteren Drittel des Strafrahmens anzusiedeln.
2.16.1.2. Subjektives Tatverschulden
Der Beschuldigte handelte vorsätzlich. Auch das subjektive Tatverschulden
ist noch im unteren Drittel des Strafrahmens anzusiedeln.
2.16.1.3. Einsatzstrafe für das Tatverschulden
Mit Blick auf den gesetzlichen Strafrahmen erscheint die vorinstanzlich fest-
gesetzte Einsatzstrafe von drei Monaten Freiheitsstrafe etwas zu tief. Aufgrund
des Tatverschuldens erscheint eine solche von vier Monaten angemessen.
2.16.2. Täterkomponenten
Hinsichtlich der Täterkomponenten kann auf die bereits gemachten Aus-
führungen verwiesen werden. Was das Nachtatverhalten betrifft, gilt das vorne
unter E. III.2.5.2. zu Dossier 2.1 Ausgeführte.
2.16.3. Konkrete Strafe
Die strafmindernd zu berücksichtigenden Faktoren vermögen die strafer-
höhenden, insbesondere die mehrfachen einschlägigen Vorstrafen und das fort-
währende Delinquieren während laufender Strafuntersuchung und laufendem
Strafvollzug, nicht aufzuwiegen, weshalb beim Beschuldigten die Täterkomponen-
ten zu einer Straferhöhung um zwei Monate Freiheitsstrafe führen. Eine Strafe
von sechs Monaten Freiheitsstrafe erweist sich damit als dem Verschulden und
den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten für die mehrfache Gewalt und
Drohung gegen Behörden und Beamte angemessen.
2.16.4. Zusatzstrafe
Die Vorinstanz hat richtig erkannt, dass im vorliegenden Zusammenhang
mit Blick auf das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 6. März 2017 (Prozess
Nr. DG160331) eine Zusatzstrafe auszufällen ist. Auf ihre zutreffenden allge-
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meinen Ausführungen zur retrospektiven Konkurrenz im Sinne von Art. 49 Abs. 2
StGB kann vorab verwiesen werden kann (Urk. 180 S. 190 f. E. V.18.4). Der
Beschuldigte wurde mit genanntem Urteil wegen versuchter schwerer Körper-
verletzung im Sinne von Art. 122 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB
schuldig gesprochen. Er hat die gemäss Dossier 1 eingeklagten Delikte im
Zeitraum zwischen dem 5. und 6. Januar 2017 begangen, mithin vor der Fällung
des genannten Urteils. Die vorliegend auszusprechende Strafe ist demnach als
Zusatzstrafe zu derjenigen des Urteils vom 6. März 2017 auszufällen. Die Zusatz-
strafe und die bereits ausgesprochene Strafe dürfen die Gesamtstrafe für alle
Delikte nicht übersteigen. Vorliegend ist der Beschuldigte mit sechs Monaten
Freiheitsstrafe zu bestrafen. Die mit Urteil des Bezirksgerichte Zürich vom 6. März
2017 ausgesprochene Freiheitsstrafe beträgt 18 Monate. Eine Gesamtstrafe von
24 Monaten erscheint angesichts aller täter- und tatbezogenen Strafzumessungs-
kriterien, insbesondere der objektiven Tatschwere, als angemessen. In An-
wendung des Asperationsprinzips ist die Gesamtstrafe um zwei Monate auf
22 Monate zu reduzieren, weshalb eine konkrete Zusatzstrafe von vier Monaten
auszufällen ist. Der Beschuldigte wird damit durch die auszufällende viermonatige
Freiheitsstrafe nicht schwerer bestraft, als wenn alle Taten zusammen beurteilt
worden wären. Die Voraussetzungen von Art. 49 Abs. 2 StGB sind damit erfüllt.
2.17. Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte (Dossier 2)
2.17.1. Tatkomponenten
2.17.1.1. Objektives Tatverschulden
Der Beschuldigte hat sich gegen die Arretierung, die seinem Angriff auf
einen Mitarbeiter folgte, vehement gewehrt und dabei die zuständigen Beamten
nicht nur mit gröbsten Drohungen und Beschimpfungen eingedeckt, sondern
ihnen teilweise auch leichtere Verletzungen zugefügt und sie bespuckt. Sein
Widerstand war massiv und konnte nur durch ein Grossaufgebot an Sicherheits-
personal einigermassen im Zaum gehalten werden. Einmal mehr legte der
Beschuldigte eine sehr grosse Gewaltbereitschaft und eine hohe kriminelle
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Energie an den Tag. Vor diesem Hintergrund ist das objektive Tatverschulden
noch knapp im unteren Drittel des Strafrahmens anzusiedeln.
2.17.1.2. Subjektives Tatverschulden
Der Beschuldigte handelte vorsätzlich. Auch das subjektive Tatverschulden
ist noch knapp im unteren Drittel des Strafrahmens anzusiedeln.
2.17.1.3. Einsatzstrafe für das Tatverschulden
Mit Blick auf den gesetzlichen Strafrahmen erscheint die vorinstanzlich
festgesetzte Einsatzstrafe von einem Monat Freiheitsstrafe zu tief. Aufgrund des
Tatverschuldens erscheint eine solche von drei Monaten angemessen.
2.17.2. Täterkomponenten
Hinsichtlich der Täterkomponenten kann auf die bereits gemachten Ausfüh-
rungen verwiesen werden. Was das Nachtatverhalten betrifft, gilt das vorne unter
E. III.2.5.2. zu Dossier 2.1 Ausgeführte.
2.17.3. Konkrete Strafe
Die strafmindernd zu berücksichtigenden Faktoren vermögen die strafer-
höhenden, insbesondere die mehrfachen einschlägigen Vorstrafen und das fort-
währende Delinquieren während laufender Strafuntersuchung und laufendem
Strafvollzug nicht aufzuwiegen, weshalb beim Beschuldigten die Täterkomponen-
ten zu einer Straferhöhung um zwei Monate Freiheitsstrafe führen. In Würdigung
aller massgeblichen Strafzumessungsgründe erweist sich daher eine Einsatzstra-
fe von fünf Monaten Freiheitsstrafe als dem Verschulden und den persönlichen
Verhältnissen des Beschuldigten für die Gewalt und Drohung gegen Behörden
und Beamte angemessen, was in Anwendung des Asperationsprinzips zu einer
Straferhöhung um drei Monate führt.
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2.18. Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte (Dossier 6)
2.18.1. Tatkomponenten
2.18.1.1. Objektives Tatverschulden
Im Zuge einer Verlegung zeigte der Beschuldigte wieder ein äusserst
renitentes Verhalten, wobei er in bekannter Manier die zuständigen Beamten grob
bedrohte und beschimpfte und auch immer wieder anspuckte. Erneut konnte sein
Widerstand nur durch ein entsprechendes Sicherheitsdispositiv in Schach ge-
halten werden. Die Tat war nicht von langer Hand geplant. Das objektive Tat-
verschulden ist noch im unteren Drittel des Strafrahmens anzusiedeln.
2.18.1.2. Subjektives Tatverschulden
Der Beschuldigte wehrte sich gegen eine Verlegung und wusste, dass er
diese durch sein Verhalten extrem erschweren würde, was er wollte. Er handelte
damit vorsätzlich. Auch das subjektive Tatverschulden ist noch im unteren Drittel
des Strafrahmens anzusiedeln.
2.18.1.3. Einsatzstrafe für das Tatverschulden
Mit Blick auf den gesetzlichen Strafrahmen erscheint die vorinstanzlich fest-
gesetzte Einsatzstrafe von zwei Monaten Freiheitsstrafe etwas zu tief. Aufgrund
des Tatverschuldens erscheint eine solche von drei Monaten angemessen.
2.18.2. Täterkomponenten
Hinsichtlich der Täterkomponenten kann auf die bereits gemachten Aus-
führungen verwiesen werden. Zum Nachtatverhalten ist zu sagen, dass sich der
Beschuldigte von Anfang an geständig zeigte, was jedoch nicht wesentlich zur
Aufklärung der Straftat beitrug, da die Beweislage relativ erdrückend war. Einsicht
oder Reue zeigte der Beschuldigte keine. Vor diesem Hintergrund ist das
Geständnis des Beschuldigten lediglich leicht strafmindernd zu berücksichtigen.
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2.18.3. Konkrete Strafe
Die strafmindernd zu berücksichtigenden Faktoren vermögen die strafer-
höhenden, insbesondere die mehrfachen einschlägigen Vorstrafen und das fort-
währende Delinquieren während laufender Strafuntersuchung und laufendem
Strafvollzug nicht aufzuwiegen, weshalb beim Beschuldigten die Täterkomponen-
ten zu einer Straferhöhung um zwei Monate Freiheitsstrafe führen. In Würdigung
aller massgeblichen Strafzumessungsgründe erweist sich daher eine Einsatzstra-
fe von fünf Monaten Freiheitsstrafe als dem Verschulden und den persönlichen
Verhältnissen des Beschuldigten für die Gewalt und Drohung gegen Behörden
und Beamte angemessen, was in Anwendung des Asperationsprinzips zu einer
Straferhöhung um drei Monate führt.
2.19. Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte (Dossier 7)
2.19.1. Tatkomponenten
2.19.1.1. Objektives Tatverschulden
Vergleichsweise etwas weniger aggressiv verhielt sich der Beschuldigte im
vorliegenden Zusammenhang, als man ihm zum Reinigen seiner Zelle einen
Staubsauger brachte, und er einen Aufseher mit Wasser bewarf und anspuckte,
um dessen Tätigkeit zu erschweren. Auch diese Tat war nicht von langer Hand
geplant. Das objektive Tatverschulden ist noch im unteren Viertel des Straf-
rahmens anzusiedeln.
2.19.1.2. Subjektives Tatverschulden
Der Beschuldigte handelte eventualvorsätzlich. Auch das subjektive Tatver-
schulden ist noch im unteren Viertel des Strafrahmens anzusiedeln.
2.19.1.3. Einsatzstrafe für das Tatverschulden
Mit Blick auf den gesetzlichen Strafrahmen erscheint die vorinstanzlich
festgesetzte Einsatzstrafe von 15 Tagen Freiheitsstrafe zu tief. Aufgrund des
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Tatverschuldens erscheint eine solche von einem Monat Freiheitsstrafe ange-
messen.
2.19.2. Täterkomponenten
Hinsichtlich der Täterkomponenten kann auf die bereits gemachten Aus-
führungen verwiesen werden. Zum Nachtatverhalten ist zu sagen, dass sich der
Beschuldigte von Anfang an geständig zeigte, was jedoch nicht wesentlich zur
Aufklärung der Straftat beitrug, da die Beweislage relativ erdrückend war. Einsicht
oder Reue zeigte der Beschuldigte keine. Vor diesem Hintergrund ist das
Geständnis des Beschuldigten nur leicht strafmindernd zu berücksichtigen.
2.19.3. Konkrete Strafe
Die strafmindernd zu berücksichtigenden Faktoren vermögen die strafer-
höhenden, insbesondere die mehrfachen einschlägigen Vorstrafen und das fort-
währende Delinquieren während laufender Strafuntersuchung und laufendem
Strafvollzug nicht aufzuwiegen, weshalb beim Beschuldigten die Täterkomponen-
ten zu einer Straferhöhung um 10 Tage Freiheitsstrafe führen. In Würdigung aller
massgeblichen Strafzumessungsgründe erweist sich daher eine Einsatzstrafe von
40 Tagen Freiheitsstrafe als dem Verschulden und den persönlichen Verhältnis-
sen des Beschuldigten für die Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte
angemessen, was in Anwendung des Asperationsprinzips zu einer Straferhöhung
um einen Monat führt.
2.20. Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte (Dossier 15)
2.20.1. Tatkomponenten
2.20.1.1. Objektives Tatverschulden
Der Beschuldigte erschwerte eine Zellenverlegung, indem er mindestens
fünf Minuten lang eine ca. 30 cm grosse, spitze Glasscherbe hinter seinem
Rücken hielt und sich weigerte, entsprechenden Aufforderungen, diese wegzule-
gen und bei der Verlegung zu kooperieren, nachzukommen. Da der Beschuldigte
dann doch nachgab, wiegt auch diese Tat vergleichsweise leicht. Die Tat war
- 72 -
auch nicht von langer Hand geplant. Das objektive Tatverschulden ist noch im
untersten Bereich des Strafrahmens anzusiedeln.
2.20.1.2. Subjektives Tatverschulden
Der Beschuldigte handelte eventualvorsätzlich. Auch das subjektive Tatver-
schulden befindet sich noch im untersten Bereich des Strafrahmens.
2.20.1.3. Einsatzstrafe für das Tatverschulden
Aufgrund des Tatverschuldens erscheint eine Einsatzstrafe von 45 Tagen
Freiheitsstrafe angemessen.
2.20.2. Täterkomponenten
Hinsichtlich der Täterkomponenten kann auf die bereits gemachten Aus-
führungen verwiesen werden. Zum Nachtatverhalten ist zu sagen, dass der
Beschuldigte die ihm vorgeworfene Tathandlung bestritt und sich nur hinsichtlich
der unwiderlegbaren Sachverhaltselemente geständig zeigte. Einsicht in das
Unrecht seiner Taten oder gar Reue zeigte der Beschuldigte nicht. Das gesamte
Nachtatverhalten ist deshalb nicht strafmindernd zu werten.
2.20.3. Konkrete Strafe
Die strafmindernd zu berücksichtigenden Faktoren vermögen die strafer-
höhenden, insbesondere die mehrfachen einschlägigen Vorstrafen und das fort-
währende Delinquieren während laufender Strafuntersuchung und laufendem
Strafvollzug nicht aufzuwiegen, weshalb beim Beschuldigten die Täterkomponen-
ten zu einer Straferhöhung um 10 Tage Freiheitsstrafe führen. In Würdigung aller
massgeblichen Strafzumessungsgründe erweist sich daher eine Einsatzstrafe von
55 Tagen Freiheitsstrafe als dem Verschulden und den persönlichen Verhältnis-
sen des Beschuldigten für die Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte
angemessen, was in Anwendung des Asperationsprinzips zu einer Straferhöhung
um einen Monat und 15 Tage führt.
- 73 -
2.21. Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte (Dossier 19)
2.21.1. Tatkomponenten
2.21.1.1. Objektives Tatverschulden
Der Beschuldigte behinderte in diesem Fall das Lösen einer Fussfessel,
indem er dabei gegen den Privatkläger 11 kickte, wobei dieser sogleich zurück-
weichen konnte und ihn der Fusstritt nur leicht streifte. Hernach gelang es den
Aufsehern, den Fuss des Beschuldigten zu fixieren, so dass diesem die Fuss-
fessel doch noch abgenommen werden konnte. Auch diese Tat war nicht von
langer Hand geplant und wiegt vergleichsweise leicht, weshalb das objektive
Tatverschulden im untersten Bereich des Strafrahmens anzusiedeln ist.
2.21.1.2. Subjektives Tatverschulden
Der Beschuldigte handelte eventualvorsätzlich. Auch das subjektive Tatver-
schulden befindet sich noch im untersten Bereich des Strafrahmens.
2.21.1.3. Einsatzstrafe für das Tatverschulden
Die vorinstanzlich festgesetzte Einsatzstrafe von 15 Tagen Freiheitsstrafe ist
angemessen.
2.21.2. Täterkomponenten
Hinsichtlich der Täterkomponenten kann auf die bereits gemachten Aus-
führungen verwiesen werden. Zum Nachtatverhalten ist festzuhalten, dass der
Beschuldigte die ihm vorgeworfene Tathandlung bestritt und sich nur hinsichtlich
der unwiderlegbaren Sachverhaltselemente geständig zeigte. Einsicht in das
Unrecht seiner Taten oder gar Reue zeigte er nicht. Das gesamte Nachtatver-
halten ist deshalb nicht strafmindernd zu werten.
2.21.3. Konkrete Strafe
Die strafmindernd zu berücksichtigenden Faktoren vermögen die strafer-
höhenden, insbesondere die mehrfachen einschlägigen Vorstrafen und das fort-
- 74 -
währende Delinquieren während laufender Strafuntersuchung und laufendem
Strafvollzug nicht aufzuwiegen, weshalb beim Beschuldigten die Täterkomponen-
ten zu einer Straferhöhung um 5 Tage Freiheitsstrafe führen. In Würdigung aller
massgeblichen Strafzumessungsgründe erweist sich daher eine Einsatzstrafe von
20 Tagen Freiheitsstrafe als dem Verschulden und den persönlichen Verhältnis-
sen des Beschuldigten für die Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte
angemessen, was in Anwendung des Asperationsprinzips zu einer Straferhöhung
um 15 Tage führt.
2.22. Beschimpfung (Dossier 4)
2.22.1. Vorbemerkung
Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB wird mit Geldstrafe bis zu
90 Tagessätzen bestraft. Gemäss Art. 34 Abs. 1 StGB bestimmt das Gericht die
Anzahl Tagessätze nach dem Verschulden des Täters. Das Asperationsprinzip
kommt nur bei "gleichartigen Strafen" zum Zuge. Folglich scheiden von vornhe-
rein diejenigen Fälle aus, in welchen die aufeinandertreffenden Strafbestimmun-
gen verschiedene Strafarten aufführen. Freiheitsstrafen, Geldstrafen und Bussen
sind verschiedenartige Strafen. Treffen eine Freiheits- und eine Geldstrafe auf-
einander, sind die beiden Strafen nebeneinander ohne Rückgriff auf Art. 49 Abs. 1
StGB auszusprechen (vgl. dazu statt Weiterer DONATSCH, a.a.O., N 4 zu Art. 49,
unter Hinweis auf die Rechtsprechung). Entsprechend ist vorliegend für die vom
Beschuldigten begangenen Beschimpfungen zu verfahren.
2.22.2. Tatkomponenten
2.22.2.1. Objektives Tatverschulden
Der Beschuldigte beleidigte seinen Mithäftling den Privatkläger 9 mehrfach
massiv. "Hurensohn", "Nuttensohn", Kindlificker" und "Bastard, fick deine Mutter"
gehören im Spektrum der denkbaren Verbalinjurien zu den gröbsten. Dieser
Umstand wird vorliegend dadurch etwas relativiert, dass der Privatkläger 9 im
rauen Strafvollzugsumfeld lebt und eine harte Sprache ein Stück weit gewohnt
sein dürfte. Auch er muss sich aber solche Beleidigungen nicht gefallen lassen.
- 75 -
Zugunsten des Beschuldigten ist sodann zu berücksichtigen, dass die Taten nicht
von langer Hand geplant waren und die Beleidigungen nicht vor einem grossen
Publikum erfolgten. Das objektive Tatverschulden ist mittleren Bereich des Straf-
rahmens anzusiedeln.
2.22.2.2. Subjektives Tatverschulden
Wie schon weiter vorne unter III.2.4.1.2. im Zusammenhang mit der gegen-
über dem Privatkläger 9 verübten Körperverletzung ausgeführt, ging es dem
Beschuldigten mit seinen Beleidigungen um eine Machtdemonstration, mithin liegt
der Tat ein niederes Motiv zugrunde. Der Beschuldigte handelte vorsätzlich. Das
subjektive Tatverschulden ist ebenfalls noch im mittleren Bereich anzusiedeln.
2.22.2.3. Einsatzstrafe für das Tatverschulden
Die vorinstanzlich festgesetzte Einsatzstrafe von 40 Tagessätzen Geldstrafe
ist angemessen.
2.22.3. Täterkomponenten
Hinsichtlich der Täterkomponenten kann auf die bereits gemachten Aus-
führungen verwiesen werden. Einschlägige Vorstrafen weist der Beschuldigte
keine auf (Urk. 183). Zum Nachtatverhalten ist festzuhalten, dass der Beschuldig-
te den gegen ihn erhobenen Vorwurf bis auf eine Beschimpfung bestritten hat.
Sein Verhalten hat nicht wesentlich zur Aufklärung der Straftat beigetragen, da er
nur eine der vierzehn eingeklagten Beschimpfungen anerkannte. Einsicht oder
gar Reue zeigte der Beschuldigte nicht. Das Teilgeständnis ist daher nur sehr
leicht strafmindernd zu berücksichtigen.
2.22.4. Konkrete Strafe
Insgesamt halten sich strafmindernde und straferhöhende Elemente im vor-
liegenden Fall die Waage. In Würdigung aller massgeblichen Strafzumessungs-
gründe erweist sich daher eine hypothetische Geldstrafe von 40 Tagessätzen als
dem Verschulden und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten für die
mehrfache Beschimpfung angemessen.
- 76 -
2.23. Beschimpfung (Dossier 7)
2.23.1. Tatkomponenten
2.23.1.1. Objektives Tatverschulden
Was das Wort "Hurensohn" betrifft, kann auf das vorne unter E. III.2.22.2.1.
Ausgeführte verweisen werden. Weiter ist davon auszugehen, dass auch der
betroffene Aufseher ein Stück weit einen rauen Umgang im Strafvollzugsumfeld
gewohnt ist, wobei freilich auch er sich keine Beleidigungen gefallen lassen muss.
Zugunsten des Beschuldigten ist zu berücksichtigen, dass die Tat nicht von langer
Hand geplant war und die Beleidigung nicht vor grossem Publikum erfolgte. Das
objektive Tatverschulden befindet sich im unteren Bereich des Strafrahmens.
2.23.1.2. Subjektives Tatverschulden
Der Beschuldigte handelte vorsätzlich. Das subjektive Tatverschulden be-
findet sich ebenfalls im unteren Bereich des Strafrahmens.
2.23.1.3. Einsatzstrafe für das Tatverschulden
Die vorinstanzlich festgesetzte Einsatzstrafe von fünf Tagessätzen Geld-
strafe erscheint angemessen.
2.23.2. Täterkomponenten
Hinsichtlich der Täterkomponenten kann auf die bereits gemachten Aus-
führungen verwiesen werden. Zum Nachtatverhalten ist festzuhalten, dass der
Beschuldigte sich zwar von Anfang an geständig zeigte, sein Verhalten jedoch
nicht wesentlich zur Aufklärung der Straftat beigetragen hat, da genügend
Beweismittel vorlagen. Einsicht oder gar Reue liegen nicht vor. Das Geständnis
ist daher nur, aber immerhin, leicht strafmindernd zu berücksichtigen.
2.23.3. Konkrete Strafe
Insgesamt halten sich strafmindernde und straferhöhende Elemente auch
vorliegend die Waage. In Würdigung aller massgeblichen Strafzumessungs-
- 77 -
gründe erweist sich daher eine hypothetische Geldstrafe von fünf Tagessätzen als
dem Verschulden und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten für die
Beschimpfung angemessen.
2.24. Beschimpfung (Dossier 11)
2.24.1. Tatkomponenten
2.24.1.1. Objektives Tatverschulden
Der Beschuldigte beleidigte eine Aufseherin mit den Worten "kleine Schlam-
pe" und "Hure", was sehr herabsetzend ist. Auch hier ist davon auszugehen, dass
sich die betroffene Aufseherin ein Stück weit einen rauen Umgang im Strafvoll-
zugsumfeld gewohnt ist, wobei auch sie sich selbstverständlich keine Beleidigun-
gen gefallen lassen muss. Zugunsten des Beschuldigten ist zu berücksichtigen,
dass die Tat nicht von langer Hand geplant war und die Beleidigung nicht vor
grossem Publikum erfolgte. Das objektive Tatverschulden befindet sich im unte-
ren Bereich des Strafrahmens.
2.24.1.2. Subjektives Tatverschulden
Der Beschuldigte handelte vorsätzlich. Das subjektive Tatverschulden befin-
det sich ebenfalls im unteren Bereich des Strafrahmens.
2.24.1.3. Einsatzstrafe für das Tatverschulden
Die vorinstanzlich festgesetzte Einsatzstrafe von zehn Tagessätzen Geld-
strafe ist angemessen.
2.24.2. Täterkomponenten
Hinsichtlich der Täterkomponenten kann auf die bereits gemachten Aus-
führungen verwiesen werden. Zum Nachtatverhalten kann auf das vorne unter
E. III.2.23.2. Ausgeführte verwiesen werden.
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2.24.3. Konkrete Strafe
Insgesamt halten sich strafmindernde und straferhöhende Elemente auch
hier die Waage. In Würdigung aller massgeblichen Strafzumessungsgründe
erweist sich daher eine hypothetische Geldstrafe von zehn Tagessätzen als dem
Verschulden und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten für die
Beschimpfung angemessen.
2.25. Beschimpfung (Dossier 12)
2.25.1. Tatkomponenten
2.25.1.1. Objektives Tatverschulden
Der Beschuldigte bespuckte eine Aufseherin, was ehrenrührig ist. Auch in
diesem Zusammenhang gilt, dass sich die Betroffene ein Stück weit einen rauen
Umgang im Strafvollzugsumfeld gewohnt sein dürfte, wobei auch sie sich selbst-
redenden nicht gefallen lassen muss, dass man sie anspuckt. Zugunsten des
Beschuldigten ist davon auszugehen, dass die Tat nicht von langer Hand geplant
war und die Beleidigung nicht vor grossem Publikum erfolgte. Das objektive
Tatverschulden befindet sich im untersten Bereich des Strafrahmens.
2.25.1.2. Subjektives Tatverschulden
Der Beschuldigte handelte vorsätzlich. Das subjektive Tatverschulden befin-
det sich ebenfalls im untersten Bereich des Strafrahmens.
2.25.1.3. Einsatzstrafe für das Tatverschulden
Die vorinstanzlich festgesetzte Einsatzstrafe von fünf Tagessätzen Geldstra-
fe ist angemessen.
2.25.2. Täterkomponenten
Hinsichtlich der Täterkomponenten kann auf die bereits gemachten Aus-
führungen verwiesen werden. Zum Nachtatverhalten kann auf das vorne unter
E. III.2.23.2. Ausgeführte verwiesen werden.
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2.25.3. Konkrete Strafe
Insgesamt halten sich strafmindernde und straferhöhende Elemente auch
hier die Waage. In Würdigung aller massgeblichen Strafzumessungsgründe er-
weist sich daher eine hypothetische Geldstrafe von fünf Tagessätzen als dem
Verschulden und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten für die
Beschimpfung angemessen.
2.26. Beschimpfung (Dossier 13)
2.26.1. Tatkomponenten
2.26.1.1. Objektives Tatverschulden
Der Beschuldigte bespuckte eine Aufseherin und zeigte ihr den "Stinke-
finger". Auch in diesem Zusammenhang gelten die vorne unter E. III.2.25.1.1.
gemachten Ausführungen. Das objektive Tatverschulden ist ebenfalls noch im
untersten Bereich des Strafrahmens anzusiedeln.
2.26.1.2. Subjektives Tatverschulden
Der Beschuldigte handelte vorsätzlich. Das subjektive Tatverschulden befin-
det sich ebenfalls im untersten Bereich des Strafrahmens.
2.26.1.3. Einsatzstrafe für das Tatverschulden
Die vorinstanzlich festgesetzte Einsatzstrafe von zehn Tagessätzen Geld-
strafe ist angemessen.
2.26.2. Täterkomponenten
Hinsichtlich der Täterkomponenten kann auf die bereits gemachten Aus-
führungen verwiesen werden. Zum Nachtatverhalten kann auf das vorne unter
E. III.2.23.2. Ausgeführte verwiesen werden.
- 80 -
2.26.3. Konkrete Strafe
Insgesamt halten sich strafmindernde und straferhöhende Elemente auch
hier die Waage. In Würdigung aller massgeblichen Strafzumessungsgründe
erweist sich daher eine hypothetische Geldstrafe von zehn Tagessätzen als dem
Verschulden und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten für die
Beschimpfung angemessen.
2.27. Höhe des Tagessatzes
Gemäss Art. 34 Abs. 2 StGB bestimmt das Gericht die Höhe des Tages-
satzes nach den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen des Täters im
Zeitpunkt des Urteils, namentlich nach Einkommen und Vermögen, Lebens-
aufwand, allfälligen Familien- und Unterstützungspflichten sowie nach dem
Existenzminimum. Ein Tagessatz beträgt mindestens Fr. 10.-- und höchstens
Fr. 3'000.--. Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass der sich seit dem
29. März 2016 in Haft befindliche Beschuldigte weder eine Ausbildung abge-
schlossen hat noch in der Vergangenheit je eine Arbeitsanstellung hatte, die ihm
ein regelmässiges Einkommen eingebracht hätte, weshalb es sich rechtfertigt,
den Tagessatz der Gelstrafe auf das Minimum von Fr. 10.-- festzusetzen (vgl. in
diesem Sinne Urk. 180 S. 203 E. V.29). Der Beschuldigte ist folglich für die Be-
schimpfungen mit einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu Fr. 10.-- zu bestrafen.
2.28. Ergebnis
Zusammenfassend ist für die versuchte schwere Körperverletzung eine
Einsatzstrafe von 27 Monaten Freiheitsstrafe festzusetzen, die in Anwendung des
Asperationsprinzips für die mehrfache einfache Körperverletzung, die mehrfachen
Sachbeschädigungen, die mehrfachen Drohungen und die mehrfache Gewalt und
Drohung gegen Behörden und Beamte angemessen auf 6 Jahre und 4 Monate zu
erhöhen ist. Der Beschuldigte ist zudem für die mehrfachen Beschimpfungen mit
einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu Fr. 10.– zu bestrafen. Der Anrechnung
der von der Vorinstanz korrekt errechneten 770 bis zum erstinstanzlich Urteil
- 81 -
erstandenen Hafttage auf die auszufällende Strafe (vgl. dazu Urk. 180 S. 204
E. V.31) steht nichts entgegen. Dazu kommen weitere 567 Hafttage.
3. Vollzug
Gemäss Art. 42 Abs. 1 StGB schiebt das Gericht den Vollzug einer Geld-
strafe oder einer Freiheitsstrafe von höchstens zwei Jahren in der Regel auf,
wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der
Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten. Eine Freiheitsstrafe
von mehr als drei Jahren ist in jedem Fall zu vollziehen (Art. 42 f. StGB e contra-
rio). Die ausgefällte Freiheitsstrafe ist daher zu vollziehen. Was die ausgefällte
Geldstrafe betrifft, so ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass der
Beschuldigte keinerlei Einsicht zeigt und auch während dem laufenden Vollzug
weiter delinquierte, womit ihm klar eine schlechte Prognose zu stellen ist, weshalb
eine bedingte Geldstrafe vorliegend nicht geeignet erscheint, in genügendem
Masse präventiv auf ihn einzuwirken (vgl. in diesem Sinne Urk. 180 S. 204
E. V.32.). Die ausgefällte Geldstrafe ist deshalb ebenfalls zu vollziehen.
IV. Massnahme
1. Ausgangslage
1.1. Standpunkt der Vorinstanz
1.1.1. Die Vorinstanz ordnete eine stationäre therapeutische Massnahme im
Sinne von Art. 59 Abs. 1 und 3 StGB (Behandlung von psychischen Störungen)
an, schob den Vollzug der ausgesprochenen Freiheitsstrafe zugunsten der statio-
nären Massnahme auf und erklärte die Geldstrafe für vollziehbar. Im Einzelnen:
1.1.2. Unter Hinweis auf die rechtlichen Grundlagen (vgl. dazu Urk. 180 S. 204 f.
E. VI.1. [Allgemeines], S. 206 f. E. VI.3. [Allgemeine Voraussetzungen für Mass-
nahmen], S. 209 ff. E. VI.5. [Therapeutische Massnahmen], S. 211 ff. E. VI.6.
[Stationäre Massnahme] und S. 223 E. VI.7. [Verwahrung]) und die Anträge der
Parteien (a.a.O., S. 205 f. E. VI.2.) sowie unter Bezugnahme auf das schriftliche
Gutachten von Dr. med. AG._ vom 13. Februar 2019 und dessen mündliche
Ergänzungen dazu anlässlich der Hauptverhandlung vom 30. Oktober 2019
- 82 -
(a.a.O., S. 207 ff., E. VI.4., vgl. dazu Urk. D0/9/25 und Urk. 131), prüfte die Vo-
rinstanz zunächst die Anordnung einer ambulanten Massnahme im Sinne von Art.
63 StGB und erwog dazu, der Gutachter habe ausgeführt, eine solche wäre nur
unter der Bedingung durchführbar, dass ein stabiles Umfeld, finanziell geregelte
Verhältnisse sowie ein geeignetes Sicherheitskonzept vorlägen (Urk. 180 S. 209
E. VI.5.2 unter Hinweis auf Urk. D0/9/25 S. 91 und Urk. 131 S. 7 f.). Weiter habe
der Gutachter ausgeführt, dass der Beschuldigte "für mehrere Jahre (sicherlich 3
oder mehr) in einen intensiven sozialpädagogischen/psychotherapeutischen Pro-
zess einbezogen werden müsste, möglichst abseits störender (da vornehmlich
therapieaversiver) familiärer Einflüsse" (Urk. 180 S. 209 f. E. VI.5.2, unter Hinweis
auf Urk. D0/9/25, S. 90). Aufgrund der beim Beschuldigten gutachterlich festge-
stellten sehr hohen Rückfallgefahr wären demnach umfangreiche und unverhält-
nismässig hohe Sicherheitsvorkehrungen nötig. Sodann würde es auch an einem
genügenden sozialen Empfangsraum sowie geregelten Verhältnissen fehlen. Der
Beschuldigte habe weder eine Arbeitsanstellung, eine abgeschlossene Ausbil-
dung noch eine Wohnung, auch könne er sich nicht auf ein tragendes soziales
Umfeld stützen. Schliesslich wäre eine solche Therapie zu wenig intensiv, um
beim Beschuldigten tatsächlich Verbesserungen zu erzielen. Bei diesen Prämis-
sen und wegen der schweren psychischen Störung des Beschuldigten und
dessen hoher Gefährlichkeit, erweise sich eine ambulante Massnahme im Sinne
von Art. 63 StGB, sowohl während des Strafvollzugs als auch danach als zu
wenig wirksam und nicht praktikabel (Urk. 180 S. 210 E. VI.5.2). Weiter prüfte die
Vorinstanz die Anordnung einer Massnahme für junge Erwachsene im Sinne von
Art. 61 StGB und hielt fest, eine solche sei in der Vergangenheit bereits mehrfach ohne Erfolg angeordnet worden. Die maximale Dauer der Massnahme für junge
Erwachsene betrage vier Jahre, wobei die vorgängig erstandene Haft anzurech-
nen sei. Da der Gutachter die nötige Dauer einer therapeutischen Massnahme
beim Beschuldigten auf mindestens drei, eher fünf Jahre, schätze und der
Beschuldigte zu vier Jahren und neun Monaten zu verurteilen sei, wovon er
bereits 770 Tage in Haft verbracht habe, sei unter dem Titel von Art. 61 StGB
keine genügende Massnahmedauer möglich. Hinzu komme, dass diese Mass-
nahme bereits in der Vergangenheit angeordnet worden sei und erfolglos habe
- 83 -
beendet werden müssen, und zwar in einem Zeitpunkt, in dem der psychische
Zustand des Beschuldigten besser gewesen sei als heute. Zudem wäre das
Umfeld mit vielen jugendlichen Mitinsassen als eher problematisch zu bezeich-
nen. Der Gutachter halte dazu fest, dass der Beschuldigte mit seinen 24 Jahren
zu den älteren Teilnehmern gehören würde, weshalb die Gefahr bestünde, dass
er eine Vorreiterrolle einnehmen und versuchen würde, diese mit Gewalt durch-
zusetzen (Urk. 180 S. 210 E. VI.5.3, unter Hinweis auf Urk. D0/9/25 S. 91 und
Urk. 131 S. 8). Schliesslich habe das Bundesgericht auch festgehalten, dass bei
gewaltbereiten und gefährlichen Tätern mit hoher Rückfallgefahr, was beim
Beschuldigten gemäss Gutachten zutreffe, eine Massnahme nach Art. 59 StGB
und nicht eine nach Art. 61 StGB anzuordnen sei. Entsprechend entfalle vor-
liegend auch die Anordnung einer Massnahme für junge Erwachsene (Urk. 180
S. 210 f. E. VI.5.3). Eine mildere Massnahme als eine stationäre Massnahme im
Sinne von Art. 59 StGB oder eine Verwahrung im Sinne von Art. 64 StGB komme
deshalb nicht in Frage (Urk. 180 S. 211 E. VI.5.4).
1.1.3. Bei der Prüfung der Anordnung einer stationären Massnahme führte die
Vorinstanz zur Massnahmebedürftigkeit aus, gemäss Gutachten habe der
Beschuldigte zum Zeitpunkt der inkriminierten Taten unter einer dissozialen
Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.2) mit ausgeprägten psychopathischen
Wesenszügen gelitten. Ein "Erwachsenen-ADHS" werde auch angesprochen.
Damit stehe fest, dass beim Beschuldigten in den in Frage stehenden Tatzeit-
räumen eine schwere psychische Störung vorgelegen habe, die nach wie vor
andauere (Urk. 180 S. 212 E. VI. 6.1.2, unter Hinweis auf Urk. D0/9/25 S. 66 und
69). In diesem Zusammenhang erwog die Vorinstanz sodann zur Frage der
Anlasstat, zufolge der versuchten schweren Körperverletzung habe sich der
Beschuldigte eines Verbrechens im Sinne von Art. 10 Abs. 2 StGB sowie
aufgrund der mehrfachen (zweifachen) einfachen Körperverletzungen, der mehr-
fachen (achtfachen) Sachbeschädigungen, der mehrfachen (dreifachen) Drohung
und der mehrfachen (zehnfachen) Gewalt und Drohung gegen Behörden und
Beamte zahlreicher Vergehen im Sinne von Art. 10 Abs. 3 StGB schuldig
gemacht, womit die Anordnung einer stationären Massnahme grundsätzlich
möglich sei. Im Gutachten werde auch ein enger Zusammenhang zwischen der
- 84 -
dissozialen Persönlichkeitsstörung des Beschuldigten und seinen verübten Straf-
taten aufgezeigt. So habe der Beschuldigte beim Standardverfahren im Rahmen
der forensisch-psychiatrischen Diagnostik aufgrund seiner Kernpersönlichkeits-
merkmale und der sozialen Abweichung einen PCL-R Wert (Psychopathy
Checklist Revised, Hare, 2003) von 30 Punkten erreicht, der auf eine erhöhte
Gewaltbereitschaft und auf eine Delinquenzneigung hinweise (Urk. 180 S. 212 f.
E. VI.6.1.4, unter Hinweis auf D0/9/25 S. 73 ff.). Ferner sei beim Beschuldigten
in seiner Grundpersönlichkeit eine geringe Frustrationstoleranz, emotionale
Instabilität, mangelnde Impulskontrolle und eine narzisstische Überhöhung des
Selbstbildes festgestellt worden. Die vom Beschuldigten gefühlte Ohnmacht und
Bedeutungslosigkeit versuche er durch Anwendung von Gewalt und Bedrohungen
ins Gegenteil zu kehren, um dadurch erhöhte Aufmerksamkeit und Angst im
Umfeld zu erfahren (Urk. 180 S. 213 f. E. VI.6.1.4, unter Hinweis auf D0/9/25
S. 73 ff.). Schliesslich habe der Gutachter schlüssig dargelegt, dass beim
Beschuldigten aufgrund seiner dissozialen Persönlichkeitsstörung eine deutliche
Rückfallgefahr für ein breites Spektrum an Deliktskategorien vorliege. Das Rück-
fallrisiko für erneute Anklagen und Verurteilungen wegen eines Gewaltdeliktes bei
Straftätern mit einer vergleichbaren Merkmalskombination wie derjenigen des
Beschuldigten liege innerhalb der nächsten fünf Jahren bei 76% und innerhalb der
nächsten zwölf Jahren bei 87%. Die Gesamtbeurteilung falle hinsichtlich erneuter
Gewaltdelikte gegenüber Dritten mittel- bis langfristig daher sehr ungünstig aus,
unabhängig davon, ob sich der Beschuldigte weiter im Vollzug befinde oder in die
Freiheit entlassen werde. Gleichzeitig habe auch die Länge der Freiheitsstrafe
keinen Einfluss auf die Rückfallgefahr, insbesondere sei bei einer längeren
Freiheitsstrafe nicht mit einer Minimierung der Rückfallgefahr zu rechnen
(Urk. 180 S. 213 E. VI.6.1.5, unter Hinweis auf Urk. D0/9/25 S. 82 und 85 und
Urk. 131 S. 4 ff.). Die Gefahr, dass der Beschuldigte aufgrund seiner psychischen
Erkrankung erneut delinquiere und weitere Körperverletzungen begehe, sei – so
der Schluss der Vorinstanz – ohne Behandlung als deutlich einzustufen (Urk. 180
S. 214 E. VI.6.1.5). Die Ausführungen des Gutachters hinsichtlich der Mass-
nahmebedürftigkeit seien klar, nachvollziehbar und überzeugend. Es bestehe kein
- 85 -
Anlass, an deren Korrektheit zu zweifeln. Demzufolge sei die Bedürftigkeit in
Bezug auf eine stationäre Massnahme zu bejahen (a.a.O., E. VI.6.1.6).
1.1.4. Zur Frage der Massnahmefähigkeit erwog die Vorinstanz, gemäss Gut-
achten seien die allgemeinen Therapiemöglichkeiten zur Behandlung des unter
einer psychischen Erkrankung leidenden Beschuldigten als eher schwierig an-
zusehen. Eine erfolgreiche Behandlung bedürfe der Etablierung eines therapeuti-
schen / sozialpädagogischen Settings, der Therapiebereitschaft und Einwilligung
des Beschuldigten zum Mitwirken, Adhärenz, Erwirken einer Störungseinsicht,
Bearbeitung und Erreichen therapeutischer bzw. sozialpädagogischer Ziele, wei-
terbestehende Motivation, anhaltende Abstinenz von psychotropen Substanzen,
langfristige Abklärung eines "Erwachsenen-ADHS" mit allfälliger medikamentöser
Behandlung, Bearbeitung deliktsfördernder Ansichten und Verhaltensbereitschaf-
ten mit Verankerung dieser Interventionen im Alltag etc.. Für den Fall, dass eine
solche Behandlung etabliert werden könnte, würde die Rückfallgefahr für Gewalt-
delikte abnehmen. Damit erachte der Gutachter den Beschuldigten als grundsätz-
lich massnahmefähig (Urk. 180 S. 214 E. VI.6.2.1, unter Hinweis auf Urk. D0/9/25
S. 89 und Urk. 131 S. 6 f.). In diesem Zusammenhang habe der Gutachter weiter
ausgeführt, dass der Beschuldigte in der Vergangenheit bereits wiederholt zu
Massnahmen verurteilt worden sei, die jeweils erfolglos beendet worden seien.
Dennoch hätten in ersten Ansätzen problematische Persönlichkeitseigenschaften
sozialpädagogischen Interventionen zugänglich gemacht werden können. Auch
sei mehrfach die Erfahrung gemacht worden, dass bei einer Veränderung des
Settings gewisse Verhaltensschablonen des Beschuldigten hätten durchbrochen
werden können. Es sei grundsätzlich auch möglich, den Beschuldigten gegen
seinen Willen medikamentös behandeln zu lassen, der Gutachter erachte eine
Zwangsmedikation jedoch als langfristig wenig erfolgsversprechend (Urk. 180
S. 214 f. E. VI.6.2.2., unter Hinweis auf Urk. D0/9/25 S. 89 und Urk. 131 S. 10).
Zusammenfassend sei damit festzuhalten, dass gemäss Gutachten davon ausge-
gangen werden könne, dass die beim Beschuldigten festgestellte psychische
Erkrankung grundsätzlich behandelbar sei. Folglich sei der Beschuldigte mass-
nahmefähig, zumal nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung bereits geringe
Erfolgsaussichten zur Annahme dieser Voraussetzung genügten. Unbehandel-
- 86 -
barkeit könne in aller Regel ohnehin nur dann angenommen werden, wenn bereits
ein seriöser Behandlungsversuch unternommen worden, aber gescheitert sei.
Beim Beschuldigten seien zwar bereits in seiner Jugend diverse Settings auspro-
biert worden, dennoch erscheine es sinnvoll und notwendig, dass ihm eine weite-
re therapeutische Behandlung ermöglicht werde (Urk. 180 S. 215 E. VI.6.2.3).
1.1.5. Bei der Prüfung der Frage der Massnahmewilligkeit hielt die Vorinstanz
zunächst fest, die Verteidigung sehe keine Massnahmewilligkeit beim Beschuldig-
ten und mache geltend, dieser werde sich infolge traumatischer Erlebnisse mit
Ärzten und Psychiatern keiner Therapie unterziehen. Auch dem Gutachten könne
entnommen werden, dass er keine Bereitschaft signalisiere, sich einer therapeu-
tischen Behandlung zu stellen und eine solche vielmehr strikt ablehne. Damit
einhergehend könne auch nicht von einer Einsicht des Beschuldigten in seine
psychische Gesundheitsproblematik gesprochen werden (Urk. 180 S. 215
E. VI.6.3.1, unter Hinweis auf Urk. 130 S. 123 Rz. 305 und Urk. D0/9/25 S. 90 und
S. 83). Vor dem Hintergrund des einschlägigen Schrifttums (Urk. 180 S. 215 ff.
E. VI.6.3.2) führte die Vorinstanz sodann aus, der zur Zeit fehlende Therapiewille
des Beschuldigten stehe der Anordnung einer stationären Massnahme nicht
kategorisch entgegen. Dass die Motivation für eine Behandlung beim Betroffenen
aktuell nicht vorhanden sei, spreche daher nicht von vornherein gegen eine An-
ordnung. Gemäss Rechtsprechung und Lehre genüge es, wenn der Beschuldigte
wenigstens motivierbar sei. In casu leide der Beschuldigte unter einer dissozialen
Persönlichkeitsstörung mit ausgeprägten psychopathischen Wesenszügen, wobei
das Krankheitsbild zum Teil ähnliche Verhaltensmuster zur Schizophrenie auf-
weise. So seien beim Beschuldigten gemäss Gutachten folgende Wesenszüge zu
erkennen: übersteigertes Selbstwertgefühl, sehr geringe Frustrationstoleranz,
Grandiositätsansprüche, instabile Emotionalität, fehlende Reue, mangelnde
Impulskontrolle, manipulatives Verhalten, mangelhafte Selbsteinschätzung
hinsichtlich Risikosituationen, kein realitätskritisches Erkennen und Beschreiben
von psychisch Erlebtem. Diese Eigenschaften führten zu einer Realitätsver-
kennung bzw. zu einer verzerrten Realitätswahrnehmung. Entsprechend erlebe
sich der Beschuldigte zumeist auch in der Opfer- und nicht in der Täterrolle
(Urk. 180 S. 217 E. VI.6.3.3., unter Hinweis auf D0/9/2 S. 66 f., S. 71, S. 74 ff. und
- 87 -
S. 83 f.). Der Gutachter schätze die Erfolgsaussichten einer therapeutischen
Massnahme zwar als sehr klein ein, in diesem kleinen Umfang aber dennoch als
vorhanden (Urk. 180 S. 217 E. VI.6.3.4, unter Hinweis auf Urk. 131 S. 7 und S. 13
f. sowie Urk. D0/9/25 S. 90). Er habe dazu erklärt, dass das Störungsbild des
Beschuldigten derart viele ungünstige Risikofaktoren beinhaltete, dass auch bei
einer Mitwirkung seinerseits von einem langwierigen und intensiven Prozess
ausgegangen werden müsse, der nur ungewisse Erfolgsaussichten aufweise. Den
Vorteil einer stationären therapeutischen Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB
habe er gleichwohl darin gesehen, dass der Beschuldigte leichter in die Therapie
miteinbezogen werden könnte. Der Massnahmenvollzug könne zudem in einer
Strafvollzugseinrichtung durchgeführt werden, die das notwendige Sicherheits-
dispositiv aufweise. Dies sei beispielsweise bei der Justizvollzugsanstalt
PÖSCHWIES der Fall (Urk. 180 S. 217 f. E. VI.6.3.4, unter Hinweis auf Urk. 131
S. 7). Hinzuweisen sei ferner darauf, dass der Beschuldigte selber während der
letzten zwei Jahre in Krisensituationen verschiedentlich Hilfe bei Psychiatern der
Klinik Rheinau gesucht und erhalten habe (Urk. 180 S. 218 E. VI.6.3.4, unter
Hinweis auf Prot. I S. 21, Urk. D0/8/17/8/2, Urk. D0/8/17/6/1, Urk. D0/8/15/3 und
Urk. D0/7/2). Dabei seien ihm unter anderem auch Medikamente verabreicht
worden, die zur Entspannung und Beruhigung der Situation geführt hätten. Eben-
so fänden sich in den Akten zahlreiche Hinweise darauf, dass beim Beschuldigten
mit der Einnahme von gewissen Medikamenten eine höhere Absprachefähigkeit
habe erzielt werden können. So sei im Austrittsbericht der Klinik Rheinau
[vom 13. April 2018] festgehalten worden, dass dem Beschuldigten wegen Fremd-
gefährdung Zuclopenthixol (150mg i.m.) als Zwangsmedikation verabreicht
worden sei und dass er in der Folge einer Fixmedikation von Diazepam (20mg/d)
zugestimmt habe, die während seines Aufenthalts zu einer Beruhigung seines
Erregungszustandes sowie zu einer besseren Absprachefähigkeit geführt habe
(Urk. 180 S. 218 E. VI.6.3.4, unter Hinweis auf Urk. D0/8/15/12 und Urk. 92
S. 74). Der Gutachter habe eine Medikation mit einem sogenannten "Methyl-
phenidat" empfohlen. Dabei handle es sich um Medikamente, die gegen ein
"Erwachsenen-ADHS" wirkten und oral eingenommen würden (Urk. 180 S. 218
E. VI.6.3.4, unter Hinweis auf Urk. 131 S. 10). Bei dieser Sachlage sei der
- 88 -
Beschuldigte zwar nicht als motiviert, grundsätzlich aber als zumindest motivier-
bar anzusehen. Das Bundesgericht stelle keine hohen Anforderungen an die
Massnahmewilligkeit der betroffenen Person, es verlange einzig ein Mindestmass
an Kooperationsbereitschaft. Dem Umstand, dass es dem Betroffenen aufgrund
der psychischen Erkrankung an der Fähigkeit fehlen könnte, die Notwendigkeit
und das Wesen einer Behandlung abschätzen zu können, sei ebenfalls Rechnung
zu tragen. Mangelnde Einsicht gehöre bei schweren, langandauernden Störungen
häufig zum Krankheitsbild. Daher dürften bei Vorliegen einer psychischen
Störung, wie dies beim Beschuldigten der Fall sei, keine allzu hohen Anforderun-
gen an die Therapiewilligkeit im Zeitpunkt des richterlichen Entscheids gestellt
werden (Urk. 180 S. 218 E. VI.6.3.4).
1.1.6. Im Rahmen der Verhältnismässigkeitsprüfung führte die Vorinstanz aus,
unter Berücksichtigung der bereits erstandenen Haft sowie der möglicherweise
mehrjährigen Behandlungsdauer erscheine eine stationäre Massnahme zunächst
als erheblicher Eingriff in die persönliche Freiheit des Beschuldigten. Dem
stünden allerdings die vom Beschuldigten begangenen, teilweise schwer wiegen-
den Delikte, so insbesondere die versuchte schwere Körperverletzung gegenüber
einem Gefängnisaufseher, die mehrfache einfache Körperverletzung gegenüber
Mithäftlingen und die mehrfach geäusserten Todesdrohungen gegenüber dem
Gefängnispersonal, gegenüber. Hinzu komme, dass beim Beschuldigten, wie
im Gutachten schlüssig dargelegt, aufgrund seiner dissozialen Persönlichkeits-
störung mit ausgeprägten psychopathischen Wesenszügen, eine erhebliche
Rückfallgefahr von 76% innerhalb der nächsten 5 Jahre für schwere Körperver-
letzungen und noch höher für Todesdrohungen vorliege. Die Gesamtbeurteilung
hinsichtlich weiterer Gewaltdelikte gegenüber Dritten sei gemäss Gutachten
sowohl bei einer sofortigen Entlassung als auch bei einem weiteren Verbleib im
Justizvollzug mittel- bis langfristig als sehr ungünstig zu bezeichnen (Urk. 180
S. 219 f., E. VI.6.4.3, unter Hinweis auf Urk. D0/9/25 S. 66 und S. 82 und Urk. 131
S. 4 f.). Dabei könne man solche Konfliktkonstellationen nicht lediglich auf den
aktuell geschädigten Personenkreis eingrenzen, sondern es müsse vielmehr
damit gerechnet werden, dass der Beschuldigte auch gegenüber unbekannten
Dritten oder solchen, die er erst kürzlich kennengelernt habe, gefährlich würde
- 89 -
(Urk. 180 S. 220 E. VI.6.4.3, unter Hinweis auf Urk. 131 S. 11). Der Beschuldigte
sei bereits mehrfach einschlägig vorbestraft. Entsprechend sei es am
8. November 2012 durch das Bezirksgericht Zürich bereits zu einer ersten Ver-
urteilung wegen schwerer Körperverletzung, mehrfacher Drohung und weiterer
Delikte gekommen. Am 6. März 2017 sei der Beschuldigte durch das Bezirks-
gericht Zürich wegen versuchter schwerer Körperverletzung erneut schuldig
gesprochen worden. Während des Vollzugs in der Justizvollzugsanstalt
PÖSCHWIES sei es in der Folge nebst weiteren Delikten zu einer erneuten ver-
suchten schweren Körperverletzung gegenüber einem Aufseher sowie zu einer
zweifachen einfachen Körperverletzung gegenüber zwei Mitgefangenen gekom-
men. Dass es aufgrund der hohen Gewaltbereitschaft des Beschuldigten und der
gleichzeitig vorliegenden psychischen Erkrankung zu weiteren Eskalationen
kommen könne, sei daher ohne Therapie sehr wahrscheinlich. Wie der Gutachter
beschreibe, habe der Beschuldigte ein gewisses Rollenbild eingenommen, das er
mit Gewalt durchzusetzen versuche und mit dem er bisher immer sein Ziel er-
reicht habe. Halte er sich nicht an sein Verhaltensmuster, im Sinne weiterer
Gewaltanwendung, gerate dieses Selbstbild in Gefahr. Aus diesem Grund halte
der Beschuldigte konsequent daran fest (Urk. 180 S. 220 E. VI.6.4.3, unter
Hinweis auf Urk. 131 S. 12).
1.1.7. Bei der Verhältnismässigkeitsprüfung setzte sich die Vorinstanz sodann mit
dem Vorbringen der Verteidigung auseinander, wonach sich die Gewalt des
Beschuldigten einzig gegen den sogenannten Justizapparat richte und lediglich
intramural, d.h. im Gefängnis, erfolge (vgl. dazu Urk. 130 S. 22 Rz. 43 und S. 135
ff. Rz. 337 ff.). Fakt sei einerseits, dass der Beschuldigte auch im Gefängnis nicht
nur Aufseher angegriffen, geschlagen und bedroht habe, sondern genauso
Mithäftlinge, die mit dem "Justizapparat" nichts zu tun hätten. Dass sich seine
Gewalt also nur gegen das Justizsystem richte, sei damit widerlegt. Auch die
Behauptung, dass ausserhalb des Gefängnisses keine Gefahr vom Beschuldigten
ausgehe, fände in den Akten keine Stütze. Die vollendete schwere Körperver-
letzung aus dem Jahr 2011 und die versuchte schwere Körperverletzung im Jahr
2016 seien beide in Freiheit erfolgt und wiederum nicht gegenüber Personen des
"Justizapparates". Entsprechend habe auch der Gutachter klar festgehalten, dass
- 90 -
weitere Gewalttaten sowohl im Vollzug, als auch in Freiheit mit grosser Wahr-
scheinlichkeit zu erwarten seien. Aktuell präsentiere sich also die Situation, dass
der Beschuldigte als ausgebildeter Kampfsportler innerhalb von eineinhalb Jahren
(2016 und 2017) drei verschiedenen Personen mit den Fäusten ins Gesicht
geschlagen habe. Zwei davon seien zumindest für einen kurzen Moment
bewusstlos geworden und deshalb umgefallen. Das gefährliche Verhalten des
Beschuldigten scheine sich demnach zu aggravieren und zwar einerlei, ob er sich
im Gefängnis oder in Freiheit befinde. Hinzu komme, dass der Beschuldigte in
jeder Hinsicht uneinsichtig sei und sich völlig renitent verhalte. Die Rückfallgefahr
sei damit evident. Die Abwägung der Interessen der öffentlichen Sicherheit
gegenüber den Interessen des Beschuldigten müsse angesichts dieser Umstände
jedenfalls zugunsten der Allgemeinheit ausfallen (Urk. 180 S. 220 f. E. VI.6.4.4).
1.1.8. Abschliessend hielt die Vorinstanz zur Frage der Verhältnismässigkeit fest,
bei gegebener Sachlage erscheine die Anordnung einer stationären Massnahme
nicht unverhältnismässig, da eine solche unter Berücksichtigung der Lebenssitua-
tion des Beschuldigten und seiner schweren psychischen Erkrankung in seinem
Interesse sei und seine Situation ohne adäquate Behandlung längerfristig kaum
tragbar wäre (Urk. 180 S. 221 E. VI.6.4.5, unter Hinweis auf Urk. 131 S. 11,
Urk. 104 und Urk. 115). Der Beschuldigte befinde sich in einer Abwärtsspirale, die
ihn physisch und psychisch stark belaste. Gleichwohl sei er gegenwärtig nicht in
der Lage, sein Verhalten anzupassen und sich an die in Gefängnissen geltenden
Regeln zu halten, weshalb ihm auch keine Hafterleichterungen oder Freiheiten
gewährt werden könnten (Urk. 180 S. 221 E. VI.6.4.5, unter Hinweis auf Urk. 131
S. 12). Dabei wären die diesbezüglichen Anforderungen an ihn nicht hoch: Es
müssten während vier Wochen keine Übergriffe auf das Gefängnispersonal und
keine massiven Gewaltandrohungen gegenüber dem Personal erfolgen und er
müsste in dieser Zeit, wie alle anderen Gefängnisinsassen auch, die Anweis-
ungen des Gefängnispersonals befolgen (Urk. 180 S. 221 f. E. VI.6.4.5, unter
Hinweis auf Urk. 116/3). Hinzu komme, dass der Beschuldigte nach Anklageer-
hebung offenbar weiter delinquiert habe und deshalb bereits die nächste Straf-
untersuchung angelaufen sei. Dieses Verhalten des Beschuldigten führe dazu,
dass in absehbarer Zeit mit weiteren Anklagen und neuen Strafen zu rechnen sei.
- 91 -
Der Beschuldigte werde deshalb die nächsten Jahre jedenfalls im Strafvollzug
verbringen. Diese Jahre einfach "abzusitzen", wäre eine vertane Chance. Der
Beschuldigte würde diese Zeit viel besser dahingehend nutzen, an sich und
seiner Persönlichkeit zu arbeiten. Er müsse mit Hilfe von Fachleuten versuchen,
die Muster, die ihn immer wieder austicken liessen, zu erkennen und Strategien
zu entwickeln, wie er solche Situationen vermeiden oder selber entschärfen
könne. Die stationäre Massnahme erweise sich deshalb auch zum Schutz des
Beschuldigten als notwendig. Ohne therapeutische Hilfe und ohne Aufarbeitung
der psychischen Defizite des Beschuldigten würde sich die Abwärtsspirale für
diesen immer weiter drehen und schliesslich in seiner totalen Erschöpfung enden
(Urk. 180 S. 222 E. VI.6.4.5, unter Hinweis auf Urk. 131 S. 11). Wie die
Massnahme konkret auszugestalten sei, bleibe den Fachleuten des Justizvollzugs
vorbehalten. Angesichts der besonderen Situation des Beschuldigten brauche es
wohl kreative Lösungen und Durchhaltewillen. Auch würden Rückschritte wohl
unvermeidlich sein. Gleichwohl sehe das Gericht die grössten Chancen, sich
erfolgreich auf einen solchen Weg zu begeben, in einer stationären Massnahme,
die direkt, also vor dem weiteren Vollzug der Strafe, beginnen könnte. Damit
erweise sich eine stationäre Massnahme im Sinne von Art. 59 Abs. 1 StGB als
möglich, erforderlich und verhältnismässig (Urk. 180 S. 222 E. VI.6.4.5). Ent-
sprechend sei – einstweilen – keine Verwahrung anzuordnen (Urk. 180 S. 223 f.
E. VI.7.f.).
1.2. Standpunkt der Staatsanwaltschaft
1.2.1. Zur Frage der Anordnung einer therapeutischen Massnahme bzw. einer
Verwahrung führte die Staatsanwaltschaft im Berufungsverfahren zusammen-
gefasst aus, die Vorinstanz habe zurecht festgestellt, dass keine mildere Mass-
nahme als eine stationäre im Sinne von Art. 59 StGB oder eine Verwahrung im
Sinne von Art. 64 StGB für den Beschuldigten in Frage komme, also weder eine
ambulante Massnahme noch eine Massnahme für junge Erwachsene. Klar sei,
dass eine Verwahrung nur als ultima ratio in Frage komme (Urk. 185 S. 6;
Urk. 545 S. 6 ff.).
- 92 -
1.2.2. Die Vorinstanz habe die Schlussfolgerungen des Gutachters beschönigend
dargestellt. Dieser habe nämlich klar die Meinung geäussert, dass die Therapie-
chancen beim Beschuldigten verschwindend gering seien, so dass keine wirkliche
Minimierung der hohen Rückfallgefahr erreicht werden könne. Beim Beschuldig-
ten ergebe sich die Besonderheit, dass bei ihm in der Vergangenheit wiederholt
Massnahmen angeordnet worden seien und diese (auch unter Gestaltung von
Sondersettings mit hohem Aufwand) jeweils erfolglos hätten beendet werden
müssen. Der Gutachter habe detailliert ausgeführt, weshalb das vorliegende
Störungsbild des Beschuldigten durch sozio- und psychotherapeutische Mass-
nahmen sehr schwer beeinflussbar sei. Vorliegend fehle es beim Beschuldigten
an der minimalsten Bereitschaft zur Teilnahme an irgendeiner therapeutischen
Massnahme. Selbst wenn bei ihm eine Therapiebereitschaft vorhanden wäre,
würde dies bedeuten, dass er für mehrere Jahre (sicherlich 3 Jahre oder mehr) in
einen intensiven sozialpädagogischen bzw. psychotherapeutischen Prozess
einbezogen werden müsste. Selbst unter diesen Voraussetzungen müsste man
aber die Aussichten auf einen erfolgsversprechenden Therapieverlauf als sehr·
gering bezeichnen. Zusammenfassend habe der Gutachter den Vorbeurteilungen
aus den Jahren 2015/16 zugestimmt, wonach sich ohne Einlassung des Beschul-
digten die Therapieaussichten derart gestalten würden, dass keine der angeführ-
ten Möglichkeiten geeignet erscheinen würde, erfolgsversprechend einen legal-
prognostischen Therapieerfolg in absehbarer Zeit zu bewirken. Dementsprechend
könne aufgrund der gemachten langjährigen Erfahrung mit dem Beschuldigten die
Anordnung einer therapeutischen Massnahme ohne seine stabil geäusserte
Therapiebereitschaft nicht erfolgsversprechend empfohlen werden (Urk. 185 S. 7
f.; Urk. 545 S. 8 ff.).
1.2.3. Bei der Erörterung der Massnahmewilligkeit habe sich die Vorinstanz auf
eine Lehrmeinung bezogen, wonach es durchaus Fälle gebe, bei denen zunächst
durch erzwungene Therapie ein Zustand erreicht werden müsse, der dem Patien-
ten einen verantwortlichen Entscheid über die Mitwirkung bei der Therapie erlau-
be. Nicht selten würden sich renitente Patienten nach Anfangsschwierigkeiten als
umgänglicher erweisen. Erfahrungen würden zeigen, dass bei etwa der Hälfte der
Täter eine ursprünglich fehlende Therapiewilligkeit im Verlauf der Behandlung
- 93 -
erarbeitet werden könne (Urk. 185 S. 8 unter Hinweis auf Urk. 180 S. 215 ff.;
Urk. 545 S. 8 f.). Der Beschuldigte gehöre nicht zu dieser Hälfte. Es handle sich
um einen derartigen Extremfall an dauerhafter Renitenz und extremer Gewaltbe-
reitschaft, dass sich nicht der kleinste Ansatz einer Therapiemöglichkeit eröffne.
Die Vorinstanz mache es sich gar einfach, wenn sie zwar behaupte, eine stationä-
re Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB sei möglich, wie die Massnahme aber
konkret auszugestalten sei, bleibe den Fachleuten des Justizvollzuges vorbe-
halten, es brauche halt kreative Lösungen und Durchhaltewillen. Das töne zwar
gut, verkenne indessen die Realität (Urk. 185 S. 8 unter Hinweis auf Urk. 180
S. 222; Urk. 545 S. 8 ff.).
1.2.4. Der Beschuldigte werde sich niemals und unter keinen Umständen auf eine
Therapie einlassen. Er sehe sich als Märtyrer, der nie mit einem Psychiater irgen-
detwas zu tun haben wolle. Und auch wenn man eine stationäre Therapie durch
Zwang bzw. Zwangsmedikation zu starten versuchen würde, würde beim
Beschuldigten mit Sicherheit nie eine Therapiewilligkeit erreicht werden. Er habe
schon tausendmal geäussert, dass er nie eine Therapie machen und nie mit
einem Psychiater zusammenarbeiten werde, lieber sterbe er. Die Vorinstanz
verkenne, dass ohne Gewaltverzicht eine Therapie weder durchgeführt noch
überhaupt gestartet werden könne. Der Beschuldigte zeige sich nun seit über drei
Jahren in den Gefängnissen derart aggressiv und gewalttätig, indem er drohe,
zerstöre und zuschlage, dass nicht der kleinste Ansatz oder die leiseste Hoffnung
bestehe, dass eine therapeutische Massnahme gestartet und durchgeführt
werden könnte. Es gehe nicht an, dass Juristen etwas anordnen, das in der Reali-
tät mangels einer entscheidenden Grundvoraussetzung, nämlich Gewaltverzicht,
nicht durchführbar sei. Es sei nicht einsichtig, wie das gehen solle. Tatsache sei,
dass es für den Beschuldigten, der derart renitent, aggressiv und gewaltbereit sei,
nicht den kleinsten Ansatz für die Durchführung einer Therapie gebe, die über
mehrere Jahre durchgezogen werden müsste und die Rückfallgefahr wesentlich
senken könnte. Somit sei eine stationäre Therapie im Sinne von Art. 59 StGB für
den Beschuldigten nicht möglich, so dass nur eine ordentliche Verwahrung im
Sinne von Art. 64 Abs. lit. b StGB übrig bleibe (Urk. 185 S. 8 f.; Urk. 545 S. 8 ff.).
- 94 -
1.3. Standpunkt des Beschuldigten
Der Beschuldigte machte vor Vorinstanz zusammengefasst geltend, es
seien weder die Voraussetzungen für die Anordnung einer therapeutischen
Massnahme noch diejenigen für die Anordnung einer Verwahrung gegeben
(Urk. 130 S. 116 Rz. 283). Neben den Vorgutachten spreche sich auch das von
Dr. med. AG._ klar gegen eine therapeutische Massnahme aus (a.a.O., S.
122 f. Rz. 304), die Voraussetzungen für die Anordnung einer therapeutischen
Massnahme seien im Einklang mit dem aktuellen wie auch den früheren Gutach-
ten klar nicht gegeben (a.a.O., S. 127 Rz. 316). Die Staatsanwaltschaft wolle ei-
nen 24-jährigen verwahrt sehen, weil er einem Aufseher leichte, oberflächliche
Blessuren zugefügt haben solle, wobei die Voraussetzungen für die Anordnung
einer Verwahrung bereits mangels Anlasstat nicht gegeben seien (a.a.O., Rz. 317
f.). Selbst bei einem Schuldspruch wegen versuchter schwerer Körperverletzung
wären die Voraussetzungen für eine Verwahrung nicht gegeben (a.a.O., S. 128,
Rz. 319). Zur Anordnung einer Verwahrung fehle es bereits an einer hinreichen-
den gutachterlichen Beurteilung, da sich das Gutachten von Dr. med. AG._
nicht zum Thema der Verwahrung äussere (a.a.O., S. 128 ff., Rz. 320 ff.). Ferner
mangle es am Erfordernis der schweren Beeinträchtigung des Opfers, welches
Erfordernis kumulativ zu einer relevanten Anlasstat vorliegen müsse, umso mehr,
als die vorgeworfene Anlasstat im Spektrum der möglichen Anlasstaten klar im
untersten Schwerebereich anzusiedeln sei (a.a.O., S. 130 ff., Rz. 325 ff.). Weiter
könne nicht mit einer hohen Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden,
dass der Beschuldigte auch in Zukunft schwere Delikte verüben werde, schon gar
nicht in Freiheit, zumal sich die Gewalt des Beschuldigten nur gegen den Justiz-
apparat richte und intramural stattfinde. Das Verhalten des Beschuldigten hinter
Gittern könne nicht mit dem Verhalten gleichgesetzt werden, das von ihm in Frei-
heit zu erwarten sei (a.a.O., S. 132 f. Rz. 330 ff.). Dieser Umstand sowie die aus-
sergewöhnliche Vorgeschichte des Beschuldigten mit der Justiz sei bei der Be-
gutachtung ausgeblendet worden (a.a.O., S. 134 Rz. 333). Das Gutachten sei
auch deshalb mangelhaft, da ihm der Hauptvorwurf der versuchten schweren
Körperverletzung als Arbeitshypothese zu Grunde liege, welcher sich jedoch nicht
erstellen lasse, weshalb es von nicht zutreffenden Grundlagen ausgehe. Auf das
- 95 -
unvollständige Gutachten dürfe daher zum Nachteil des Beschuldigten nicht ab-
gestellt werden. (a.a.O., S. 134 f. Rz. 335 f.). Auch was die Prognose betreffe, sei
das Gutachten mangelhaft, da nicht zwischen dem zu erwartenden Verhalten des
Beschuldigten im Gefängnis, also gegenüber dem Justizapparat, und demjenigen
in Freiheit differenziert werde. In den letzten Jahren sei die Situation jeweils nur
im Gefängnis eskaliert, nicht in Freiheit (a.a.O., S. 135 f. Rz. 337 ff.). Im Beru-
fungsverfahren blieb der Beschuldigte im Wesentlichen bei diesem Standpunkt
(Urk. 546 S. 65 ff.). Wie schon vor Vorinstanz (Urk. 130 S. 130 Rz. 331), machte
der Beschuldigte auch im Berufungsverfahren zudem geltend, das Gutachten
spreche sich nur über die Rückfallgefahr für Gewaltstraftaten, nicht jedoch über
die Rückfallgefahr für qualifiziert schwere Gewaltstraftaten aus. Das Bestehen ei-
ner solchen wäre indes eine Voraussetzung für die Anordnung der Verwahrung.
Dass der Gutachter dem Beschuldigten keine Rückfallgefahr für qualifiziert
schwere Gewaltstrafdelikte attestiere, bedeute im Umkehrschluss, dass eine sol-
che nicht bestehe (Urk. 546 S. 71 f.).
2. Gutachten
2.1. Das Gericht stützt sich beim Entscheid über die Anordnung einer Mass-
nahme nach den Artikeln 59-61, 63 und 64 sowie bei der Änderung der Sanktion
nach Artikel 65 auf eine sachverständige Begutachtung (Art. 56 Abs. 3 StGB).
Das Einholen eines Gutachtens bei der Anordnung von Massnahmen ist
zwingend und das Gericht darf in Fachfragen nicht ohne triftige Gründe vom
Gutachten abweichen und muss Abweichungen begründen (vgl. dazu statt
Weiterer HEIMGARTNER in OFK StGB, 20. Auflage, N 12 f. zu Art. 56, mit Verwei-
sen auf die Rechtsprechung).
2.2. Massgebend ist vorliegend das von der Staatsanwaltschaft in Auftrag
gegebene schriftliche Gutachten von Dr. med. AG._ vom 13. Februar 2019
(Urk. D0/9/25) sowie dessen anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung
vom 30. Oktober 2019 dazu gemachten Ausführungen (Urk. 131). Dr. med.
AG._ wurde für das vorliegende Verfahren als Sachverständiger im Sinne
von Art. 182 ff. StPO bestellt (Urk. D0/9/4), nur seine Ausführungen haben den
Beweiswert eines gerichtlichen Gutachtens. Dies im Gegensatz zum vom Amt für
- 96 -
Justizvollzug in Auftrag gegebenen Privatgutachten von Prof. Dr. AH._ vom
11. bzw. 30. Juli 2019 (Urk. 91 f.). Dass die Vorinstanz dieses Privatgutachten
dem gerichtlich bestellten Gutachter mit Verfügung vom 24. September 2019 zur
Kenntnis brachte, ihn aufforderte, sich anlässlich der vorinstanzlichen Hauptver-
handlung dazu zu äussern (Urk. 96) und mit Verfügung vom 21. Oktober 2019
den Antrag der Verteidigung, das Privatgutachten sei aus den Akten zu weisen,
abwies (Urk. 113), ist nicht zu beanstanden. Zunächst ist festzustellen, dass das
Privatgutachten geraume Zeit nach dem gerichtlichen Gutachten verfasst wurde,
mithin als dieses der Staatsanwaltschaft bzw. der Vorinstanz längst vorlag. Auch
stützt sich die Vorinstanz in ihrer Begründung ausschliesslich auf die Ausführun-
gen des gerichtlich bestellten Gutachters. Sodann ist darauf hinzuweisen, dass
sich der gerichtlich bestellte Gutachter anlässlich der vorinstanzlichen Hauptver-
handlung durchaus kritisch mit den im Privatgutachten gemachten Ausführungen
auseinandersetzte (Urk. 131) und nicht ersichtlich ist, dass er aufgrund des Pri-
vatgutachtens in irgendeiner Weise von seiner schriftlich vorliegenden Einschät-
zung abgewichen wäre. Abschliessend bleibt an dieser Stelle festzuhalten, dass
die von Dr. med. AG._ gemachten Ausführungen überzeugen und für die
vorliegend zu beurteilenden Fragen darauf abgestellt werden kann.
2.3. Die Vorinstanz hat den Inhalt des Gutachtens zusammengefasst, auf
welche Ausführungen vorab verwiesen werden kann (Urk. 180 S. 207 ff. E. VI.4.).
Im Folgenden werden nochmals einige wesentliche Punkte wiedergegeben:
2.3.1. Der Gutachter diagnostiziert beim Beschuldigten eine mit den Anlasstaten
im Zusammenhang stehende dissozialen Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.2)
mit ausgeprägten psychopathischen Wesenszügen bei einer Intelligenz im
unteren Normbereich. Zudem bestünden Hinweise für ein "Erwachsenen-ADHS".
Die beschriebenen Störungen hätten alle weitreichende lebenspraktische
Auswirkungen im sozialen wie beruflichen Leben des Beschuldigten gehabt
(Urk. D0/9/25 S. 92 f.). Im Einzelnen wird in diesem Zusammenhang zur Entwick-
lung der Persönlichkeitsstruktur des Beschuldigten unter anderem ausgeführt, die
etablierte, narzisstische Überhöhung des Selbstbildes mit der Überzeugung,
"A._ Boss" zu sein und die Kontrolle inne zu haben, sei langfristig
- 97 -
durch Lebenserfahrungen und die darin enthaltenen Versagenserlebnisse im
schulischen und sozialen Kontext konterkariert worden. Das mangelhaft aus-
geprägte und brüchige Selbstwertgefühl sei dadurch infrage gestellt und bedroht
worden bzw. werde nach wie vor dadurch infrage gestellt und bedroht. Hinter-
fragen des Selbstwertes, intellektuelle Überforderung und Stresssituationen, die
das Coping-Vermögen des Beschuldigten überschritten, lösten in der Folge
subjektive Bedrohungssituationen aus. Diese als unangenehm und bedrohlich
erlebten Zustände würden auf das Gegenüber projiziert, was im Sinne psycho-
analytischer Modelle als Abwehrmechanismus zu verstehen sei, um letztlich eine
Fragmentierung des Selbst abzuwenden. Aggressive Impulse würden abgespaltet
werden und dem Gegenüber zugeschrieben. Folglich sei es bei Einsetzen dieses
Abwehrmechanismus dem Beschuldigten nur schwer möglich, sich selbst als
Auslöser oder Urheber von Fehlhandlungen und Konfliktsituationen zu sehen.
Gefühlte Ohnmacht und Bedeutungslosigkeit werde durch die Anwendung von
Gewalt und Bedrohungen ins Gegenteil verkehrt und erfahre eine Kompensation
durch die erhöhte Aufmerksamkeit und die Angst im Umfeld. Ein instabiles Ich
werde so (kurzfristig) stabilisiert und die als bedrohlich (da als überfordernd)
erlebte Umwelt werde aus der Sicht des Beschuldigten beeinflussbar und kon-
trollierbar. Da er in seiner Entwicklungsgeschichte keine verlässlichen Bindungen
habe aufbauen können, sei beim Beschuldigten von einer defizitären Bindungs-
fähigkeit auszugehen. Seine Sorge um seine physische Unversehrtheit lasse sich
ebenso in diesem Zusammenhang erklären: Sein Selbstwert und das Gefühl der
Selbstwirksamkeit würden sich fast ausschliesslich auf seine körperliche und
aggressive Durchsetzungsfähigkeit beschränken. Diese eingeschränkten
Ressourcen des Beschuldigten würden eine niederschwellige Empfindlichkeit
sowie ein schnell labiles Selbstgefühl begründen, das nicht zuletzt immer wieder
wegen seines bestehenden Bildungsrückstands und seiner begrenzten intellek-
tuellen Fähigkeiten nicht vereinbar mit dem eigenen grandiosen Selbstbild sei.
Mentalisierungsfunktionen im Sinne der "Theory of mind" (also sich in mentale
Zustände des Gegenüber und die Konsequenz von etwaigen Handlungen für den
anderen hineinzuversetzen) seien beim Beschuldigten nur defizitär ausgebildet
(a.a.O., S. 67 f.). Die persistierende oppositionelle Haltung ohne Rücksicht auf die
- 98 -
Konsequenzen erscheine seinem Alter unangemessen bzw. entspreche einem
unreifen Bemühen um Autonomie und einer präkonventionellen Ebene der Moral-
entwicklung (Kindsniveau). Weiter ergebe sich aus den Akten ein grundsätzliches
Misstrauen gegenüber und Ablehnen jeglicher institutioneller bzw. behördlicher
Interventionen. Dies scheine einerseits aus der mangelhaften Fähigkeit Verände-
rungen zu tolerieren, andererseits aber auch aus der inzwischen gebahnten und
etablierten Sichtweise des Beschuldigten, sich von Ansprüchen der Gesellschaft,
Dritter oder generell der "feindlichen Umgebung" abzugrenzen und seiner
Notwendigkeit, sich durchzusetzen und zu behaupten, gespeist. Die bestehenden
psychopathischen Wesenszüge unterstrichen die Bereitschaft, Veränderungen
äusserer Strukturen auch ohne Rücksicht auf Dritte gewaltsam bewirken zu
wollen um eigene Bedürfnisse zu befriedigen (a.a.O., S. 68).
2.3.2. Bezüglich der ersten Gruppe der vorgeworfenen Delikte gegen Mitarbeiten-
de und das Inventar von Justizvollzugsanstalten könne hypothetisch [kursiv im
Original] davon ausgegangen werden, dass folgende Bindungsfaktoren an dem
angelasteten Verhalten einen Anteil hätten: Vor dem Hintergrund dissozialer
Verhaltensbereitschaft und Gewalt legitimierender Einstellungen und Ansichten
werde die Inhaftierung durch den Beschuldigten als Ausdruck eines feindlichen
Systems gewertet, das ihn in ungerechtfertigter Weise gefangen halte. Nach den
gemachten Erfahrungen in der Vergangenheit habe der Beschuldigte seine je-
weiligen Verhaltensarten derart eskaliert, um möglichst aus den jeweiligen
Situationen entlassen bzw. versetzt zu werden, oder dem System möglichst
grossen Schaden zuzufügen. Folge man den Angaben des Beschuldigten,
komme insbesondere in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom
6. Dezember 2017 (Urk. D1/2/4) die Verachtung für den bestehenden Rechtsstaat
zum Ausdruck: "Euer lächerliches System geht mir auf die Nerven. Ich werde nie
mit euch zusammenarbeiten. Ihr seid alle meine Feinde [...] Ich bin der Beste, der
Schönste und der Grösste und ich ficke euch alle. [...] Eure Gesetze brechen
mich nicht. Ihr habt versucht mich zu brechen, ihr Bastarde. Es bringt nichts." Aus
diesen Ausführungen werden deutlich, dass gegen Sanktionen vom Beschuldig-
ten Opposition ergriffen werde und er dieser mit allen ihm zur Verfügung stehen-
den Mitteln versuche Ausdruck zu geben. Der Beschuldigte fühle sich der
- 99 -
gängigen Rechtsordnung nicht unterworfen und beanspruche im Rahmen der
eigenen Grandiositätsansprüche eine Sonderbehandlung. Da er in der Kindheit
und Jugend wiederholt gelernt habe, durch trotzig oppositionelles bzw. renitentes
Verhalten sich zur Wehr setzen zu können und zum Ziel zu gelangen (im Sinne
einer Lockerung von Auflagen bzw. einer Änderung des Settings), habe er in den
verschiedenen Anstalten wiederholt versucht, die Situation nach gleichem Muster
zu eskalieren und auch seine physischen Kräfte in einer möglichst körperlichen
Auseinandersetzung mit den Mitarbeitenden zur Schau zu stellen. Dieses
hypothetische [kursiv im Original] Erklärungsmodell (das ohne die direkten
Angaben des Beschuldigten durchaus hinterfragt werden könne) schildere ein
Verharren des Beschuldigten in einem Eskalations-Repressions-Kreislauf des
stark reglementierenden und freiheitsbegrenzenden Settings. Das vorliegende
Erklärungsmodell sehe einen wesentlichen Faktor in der Persönlichkeitsstruktur
des Beschuldigten und seiner gebahnten Verhaltensbereitschaft begründet, die
durch geringe Frustrationstoleranz, einer reduzierten Fähigkeit zur Introspektion
und einem labilen Selbstwert mit Grandiositätsansprüchen mit instabiler
Emotionalität gekennzeichnet sei. Diese dissozialen und impulsiven Persönlich-
keitsanteile legten eine Reaktanz in Form von gewalttätigen Handlungen und
Sachbeschädigungen nahe, sollte das Selbstbild durch Konfrontationen,
Realitätsabgleich oder Überforderungen bedroht sein. Im Fall der ersten
Deliktgruppe entspreche dies dem Konflikt aus dem Gefangensein in einem als
feindlich wahrgenommenen System, ohne die Möglichkeit seinen eigenen Anteil
an der aktuellen Unterbringung zu erkennen (a.a.O., S. 70 f.).
2.3.3. Hinsichtlich der zweiten Deliktgruppe gegenüber Mitinsassen entstehe auf-
grund der Aussagen des Beschuldigten der Eindruck, dass eine Selbstlegitimie-
rung vorliege, mutmassliche Sexualstraftäter tieferen Stufen der "Hierarchie der
Gefängnisinsassen" zuzuordnen. In seiner eigenen Wahrnehmung sei damit
quasi eine Selbstermächtigung einhergehend, insbesondere falls diese Mitinsas-
sen sich dem System anpassen und auf die Regeln dieses Systems hinwiesen.
Die erfahrenen Massregelungen durch einen anderen Mitinsassen seien nicht mit
dem Selbstbild des Beschuldigten vereinbar, der sich wiederholt als "Boss"
bezeichnet habe (a.a.O., S. 72 f.).
- 100 -
2.3.4. Zur Rückfallgefahr wird zusammengefasst ausgeführt, in einem Setting
ohne Strukturen und Kontrolle bestehe mittel- und langfristig ein deutlich erhöhtes
Risiko für erneute Gewaltstraftaten (bis zu etwa 76% in 5 Jahren). Das Rezidiv-
risiko für Beleidigungen und Drohungen sei weit höher anzusetzen, da diese als
fest verankerte Verhaltensschablonen angesehen werden müssten. Ausserhalb
eines sichernden Rahmens sei zudem von einem allgemein erhöhten Rezidiv-
risiko für Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz und allgemeine Delin-
quenz (Sachbeschädigungen, Eigentumsdelikte, Fahrlässigkeitsdelikte und Ver-
stösse gegen das Strassenverkehrsgesetz) auszugehen. Beim Verbleib im aktu-
ellen Setting ohne Interventionen oder Änderungen seien ebenso hohe spezifi-
sche Rückfallraten in Gewaltdelinquenz anzunehmen, wobei diese jedoch im
institutionellen Rahmen bereits kurz- und mittelfristig zu erwarten seien. Die
Gefahr erneuter solcher Straftaten bestehe aufgrund von Persönlichkeitsmerk-
malen des Beschuldigten, einem ungünstigen sozialen Empfangsraum und seiner
gesamten Lebensumstände (a.a.O., S. 94, vgl. in diesem Sinne auch S. 88). Die
Gesamtbeurteilung hinsichtlich Gewaltdelikten gegenüber Dritten falle mittel- bis
langfristig sowohl im Falle einer sofortigen Entlassung als auch bei einem Ver-
bleib im Justizvollzug sehr ungünstig aus (a.a.O., S. 85). Der Gutachter führt in
diesem Zusammenhang unter anderem aus, seine Einschätzungen beruhten auf
der Entwicklung einer individuellen Hypothese zur Delinquenzgenese. Dabei
müsse das Fortbestehen der Risikofaktoren im Einzelfall, ihre aktuelle Relevanz
und gegebenenfalls ihre Kompensation durch protektive Faktoren überprüft
werden. Solche Faktoren (z.B. die intellektuellen Fähigkeiten, die realistische
Einschätzung der Anforderungen durch die Umwelt und der eigenen Chancen, die
Fähigkeit zur Empathie, die Erfahrung von Strukturen und Sinnhaftigkeit im
eigenen Leben, das Abgrenzen von negativen Einflüssen und die Fähigkeit zur
Steuerung negativer Emotionen), die unter den Begriff "Resilienz" fielen, seien
beim Beschuldigten nicht in einem Masse ausgebildet, dass sie genügend protek-
tiv wirken würden bzw. die ungünstige Rückfallprognose ohne äusseren, struk-
turierenden Rahmen günstig beeinflussen könnten (a.a.O., S. 85). Was die
Grundpersönlichkeit des Beschuldigten betreffe, so manifestiere sich die dissozia-
le Persönlichkeitsstörung beim Beschuldigten in einer geringen Frustrations-
- 101 -
toleranz, gesteigerter Impulsivität und Bewegungsdrang, geringen Fähigkeiten zur
introspektiven Wahrnehmung von eigenen Gefühlszuständen und Bedürfnissen,
fehlenden Fähigkeiten die Konsequenzen eigenen Handelns abschätzen zu kön-
nen bzw. solche in Betracht zu ziehen, Grandiositätserleben und übersteigertem,
narzisstischem Anspruchsdenken, geringer Stressbelastbarkeit mit in der Folge
erhöhter emotionaler Labilität, erhöhter Kränkbarkeit und Hang zur Projektion
eigenen Fehlverhaltens auf Dritte mit episodischer gesteigerter paranoider Er-
lebnisverarbeitung, schwach ausgeprägter Gewissenhaftigkeit im Sinne von
Verantwortungslosigkeit, niedriger Verträglichkeit im Sinne von Antagonismus
gegenüber einer feindlich vorgenommenen Welt sowie ausgeprägt psycho-
pathischen Wesenszügen. Neben der im unteren Bereich anzusiedelnden Intelli-
genz stellten die Bildungsferne und die gegenüber sozial abweichendem Ver-
halten permissive und gegen die Behörden gerichtete Einstellung der Eltern des
Beschuldigten weitere Hemmnisse für eine Veränderungsbereitschaft des Be-
schuldigten dar (a.a.O., S. 86). Für den Fall, dass eine erfolgreiche Behandlung
etabliert werden könnte (Etablierung eines therapeutischen/ sozialpädagogischen
Settings, Therapiebereitschaft und Einwilligung zum Mitwirken, Adhärenz, Er-
wirken einer Störungseinsicht, Bearbeitung und Erreichen therapeutischer bzw.
sozialpädagogischer Ziele, weiterbestehender Motivation, anhaltende Abstinenz
von psychotropen Substanzen, langfristige Abklärung eines "Erwachsenen-
ADHS" mit auffälliger medikamentöser Behandlung, Bearbeitung deliktfördernder
Ansichten und Verhaltensbereitschaften mit Verankerung dieser Interventionen im
Alltag, etc.) wäre die Rückfallgefahr für Gewaltdelikte niedriger als die genannte
Basisrate anzunehmen (a.a.O., S. 89).
2.3.5. Unter dem Titel "Therapie und Massnahme" führt der Gutachter zunächst
aus, im vorliegenden Fall ergebe sich die Besonderheit, dass der Beschuldigte
bereits wiederholt zu Massnahmen verurteilt worden sei und diese (auch unter
Gestaltung von Sondersettings mit hohem Aufwand) jeweils erfolglos beendet
habe. Fasse man die bisherigen therapeutischen Inhalte und Bemühungen zu-
sammen und zeichne die bisherigen therapeutischen Fortschritte nach, könne
festgehalten werden, dass in ersten Ansätzen problematische Persönlichkeitsei-
genschaften intensiven sozialpädagogischen (und nicht psychotherapeutischen)
- 102 -
Interventionen als zugänglich beschrieben worden seien (hierunter fielen aller-
dings hauptsächlich nur die Berichte des Institutes RiesenOggenfuss ["Sonder-
setting"]). Die überwiegende Anzahl von Berichten verschiedener Behandler und
Massnahmeeinrichtungen äussere sich hinsichtlich der therapeutischen Beein-
flussbarkeit und dabei vor allem der Therapiebereitschaft äusserst kritisch und
negativ. Schon die Anzahl der wiederholt skizzierten Problemfelder (geringe
Frustrationstoleranz, gesteigerte Impulsivität und Bewegungsdrang etc. [vgl. dazu
bereits a.a.O., S. 86 bzw. vorne unter 2.3.4.]) verdeutliche, wie schwer allgemein
das vorliegende Störungsbild durch soziotherapeutische und psychotherapeu-
tische Verfahren beeinflussbar (a.a.O. S. 89). Zusammengefasst bedeute dies,
dass selbst bei allfälliger durchgängig aktiver Therapiebereitschaft der Beschul-
digte für mehrere Jahre (sicherlich drei Jahre oder mehr) in einen intensiven
sozialpädagogischen / psychotherapeutischen Prozess einbezogen werden
müsste, möglichst abseits störender (da vornehmlich therapieaversiver) familiärer
Einflüsse. Dies begründe sich einerseits in den multiplen Problemfeldern, ande-
rerseits aber auch in den begrenzten kognitiven Ressourcen des Beschuldigten
und den ausgeprägten psychopathischen Wesenszügen, die zum gegenwärtigen
Stand des Fachgebietes therapeutisch nur schwer zu beeinflussen seien. Solche
Interventionen hätten jedoch nur Aussicht auf Erfolg, sollte sich der Beschuldigte
zu diesen bereit erklären. Selbst unter solchen Voraussetzungen müsste man die
Aussichten auf einen erfolgversprechenden Therapieverlauf als sehr gering
bezeichnen. Der Beschuldigte habe aber bisher jegliche Interventionen seit dem
Sondersetting abgelehnt und versuche diese laut eigenen Aussagen durch
aktiven Widerstand letztlich scheitern zu lassen. Die folgenden Überlegungen zu
möglichen Interventionen seien daher hypothetisch an die Vorgabe zu knüpfen,
dass sich der Beschuldigte dazu bereit erkläre und sich auf einen Prozess für
längere Zeit einlassen könne (a.a.O., S. 90; vgl. dazu auch a.a.O., S. 95).
2.3.6. Zur Frage einer stationären Therapie im Sinne von Art. 59 StGB führte der
Gutachter aus, dafür spräche, dass der Beschuldigte in einem allfälligen beschäf-
tigungstherapeutischem Programm leichter einbezogen werden könnte. Dafür
käme aus seiner Sicht vor allem eine Abteilung für Massnahmenvollzug in einer
Strafvollzugseinrichtung infrage, die einerseits das nötige Sicherheitsdispositiv
- 103 -
und andererseits die personellen und psychotherapeutischen Ressourcen für eine
derartige Behandlung aufweisen sollte (wie die z.B. die Therapieabteilung in der
Justizvollzugsanstalt PÖSCHWIES). Ein deutlicher Nachteil wäre die geringere
Motivation des Beschuldigten zu einem solchen Setting (a.a.O., S. 90 f. und
S. 96). Der Vorteil einer ambulanten Therapie im Sinne von Art. 63 StGB
ausserhalb des Strafvollzuges würde wohl darin bestehen, dass der Beschuldigte
zu einer solchen mehr motiviert wäre und die therapeutische Arbeit an Einstell-
ungen und Ansichten alltagsnäher durchgeführt werden könnte. Dabei wäre ein
hohes Mass an Professionalität, forensischem Fachwissen und Struktur von den
ambulanten Behandler(n) zu fordern. Deutliche Nachteile eines ambulanten
Settings seien die weniger enge therapeutische Anbindung und dass im Vorfeld
geregelte Verhältnisse bestehen müssten, was bedeutet, dass der Beschuldigte
Wohnung unabhängig von seiner Familie und finanziell geregelte Verhältnisse
benötigen würde. Vor allem müsste ein klares Sicherheitskonzept auch in einem
ambulanten Rahmen schon zu Beginn über einen langjährigen Massnahmen-
verlauf gewährleistet werden (a.a.O., S. 91 und S. 96). Für eine Massnahme für
junge Erwachsene im Sinne von Art. 61 StGB spräche, dass grundsätzlich unter
Berücksichtigung des Alters des Beschuldigten, sozialpädagogische Verfahren
indiziert erschienen, um zunächst alltagsrelevante Kompetenzen zu vermitteln
und eine gewisse Anpassungsleistung zu ermöglichen. Daneben bestehe weiter
die Indikation zur deliktorientierten Arbeit auch im Hinblick psychotherapeutischer
Interventionen, wobei diese zunächst den milieutherapeutischen Interventionen
nachgestellt werden sollte. Diese müssten ebenfalls in einem strukturierten
Rahmen stattfinden mit Möglichkeiten zur Sicherung, wie es z.B. im Massnahme-
zentrum Uitikon der Fall sei. Dagegen spräche, dass der Beschuldige eine solche
Massnahme erst vor kurzer Zeit aktiv sabotiert habe und er wiederum in ein Milieu
von Jugendlichen eintreten würde, die er gemäss seiner aktuellen Persönlich-
keitsstruktur versuchen würde zu dominieren und zu beeindrucken bzw. er würde
versuchen, durch Dominanz Anerkennung zu erlangen (a.a.O., S. 91 und S. 96).
2.3.7. Ohne die Einlassung des Beschuldigten auf eine therapeutische oder
sozialpädagogische Massnahme erscheine keine der angeführten Möglichkeiten
geeignet, erfolgsversprechend einen legalprognostischen Therapieerfolg in
- 104 -
absehbarer Zeit zu bewirken. Ohne Therapiebereitschaft des Beschuldigten
würde sich bei der Massnahmendurchführung mit hoher Wahrscheinlichkeit eine
Spirale der Reaktanz und Repression entwickeln, indem sich der Beschuldigte
gegen eine feindliche Umwelt zur Wehr setzen müsste, in der Hoffnung das
"System zu sprengen" und so gemäss seiner Wahrnehmung "zu besiegen, ohne
sich zu verbiegen". Eine aktuelle Motivation des Beschuldigten, sich auf therapeu-
tische Interventionen innerhalb des "Systems" einzulassen sei laut Aktenmaterial
nicht vorhanden und erscheine sich auch in absehbarer Zeit nicht zu ergeben, da
er diesem "feindlichen System" nur Ablehnung bzw. Verachtung entgegenbringen
könne. Dementsprechend könne anhand der gemachten langjährigen Erfahrun-
gen beim Beschuldigten die Anordnung einer therapeutischen Massnahme ohne
seine stabil geäusserte Therapiebereitschaft nicht als erfolgsversprechend
empfohlen bzw. nicht erfolgsversprechend durchgeführt werden (a.a.O., S. 92 und
S. 95). Aus den gemachten Überlegungen erscheine auch eine Behandlung bei
gleichzeitigem Strafvollzug gegenüber einer Massnahme im Sinne von Art. 59
StGB in einer Abteilung für Massnahmenvollzug in einer Strafvollzugseinrichtung
nicht erfolgsversprechender (a.a.O., S. 96).
2.4. Bei der Befragung anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung hielt
der Gutachter an seiner schriftlich abgegebenen Einschätzung im Wesentlichen
fest (Urk. 131 S. 2 ff.). So bestätigte er insbesondere, dass der Beschuldigte eine
hohe Gewaltbereitschaft und eine hohe Rückfallgefahr für ein breites Spektrum an
Deliktskategorien aufweise und nicht zu erwarten sei, dass er sich in Zukunft an
Normen und Gesetze halten werde (a.a.O., S. 4) bzw. die hypothetische Rückfall-
gefahr des Beschuldigten als sehr hoch einzuschätzen und sowohl im Gefängnis
als auch in Freiheit mit weiteren Gewaltdelikten zu rechnen sei (a.a.O., S. 5). Es
sei auch nicht davon auszugehen, dass die Länge der Freiheitsstrafe beim
Beschuldigten zu einer Minderung der Rückfallgefahr führen werde (a.a.O., S. 6).
Zu allfälligen therapeutischen Massnahmen führte er aus, dass selbst wenn die
dafür notwendigen Voraussetzungen dafür erfüllt sein sollten, die Erfolgsaus-
sichten als sehr gering einzuschätzen seien. Das Störungsbild des Beschuldigten
beinhalte derart viele ungünstige Risikofaktoren, dass auch bei einer Mitwirkung
seinerseits von einem langwierigen und intensiven Prozess ausgegangen werden
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müsse, der nur ungewisse Erfolgsaussichten aufweise (a.a.O., S. 7). Wenn der
Beschuldigte nicht massnahmewillig sei, werde eine Massnahme langfristig nicht
erfolgreich sein (a.a.O., S. 9). Auch den Weg über eine Zwangsmedikation erach-
te er als nicht praktikabel bzw. nicht wirklich erfolgsversprechend, da er davon
ausgehe, dass sich der Beschuldigte auch darauf nicht einlassen bzw. erheb-
lichen Widerstand leisten würde. Er sehe dazu auch keine denkbare Alternative
(a.a.O., S. 10 f. und S. 15). Auf die Frage, wie sich seiner Meinung nach ein
Zugang zum Beschuldigten finden liesse, führte der Gutachter aus, man müsste
versuchen, ihn auf seinem Gesprächsniveau abzuholen, denn auf einem psycho-
therapeutisch kognitiv hohem Niveau sei er nicht erreichbar. Es müsste die
gleiche Sprache und Wortwahl wie die seinige angewendet werden. Würde dies
gelingen, müsste man versuchen, dem Beschuldigten in einem sozialpäda-
gogischen Milieu durch eine praktische Herangehensweise zu Erfolgserlebnissen
zu verhelfen. Seine Fortschritte müssten dabei subtil gelobt werden. Die Heran-
gehensweise dürfte jedoch keinesfalls als eigentliche Therapie "gelablet" werden.
Es wäre denkbar, dass dies im Rahmen einer therapeutischen stationären Mass-
nahme realisierbar wäre, es sei jedoch unwahrscheinlich. Letztlich hänge die
Durchführbarkeit einer solchen Massnahme davon ab, ob und wie sich der
Beschuldigte auf die Massnahme einlasse. Da der Beschuldigte ein sehr hohes
Kränkungserlebnis und eine sehr geringe Frustrationstoleranz aufweise, könnten
kleinste Fehler dazu führen, dass er nicht weiter gewillt wäre, an der Massnahme
mitzuwirken, weshalb sie abgebrochen werden müsste. Es sei deshalb un-
wahrscheinlich, dass die beim Beschuldigten über mehrere Jahre festgefahrene
Persönlichkeitsstruktur innerhalb einer nützlichen Therapiedauer von vier bis fünf
Jahren verändert werden könne. Auf entsprechende Nachfrage erklärte der
Gutachter, dass dies zwar möglich, aber nicht wahrscheinlich sei (a.a.O., S. 13 f.).
Auf entsprechende Fragen des Staatsanwalts erklärte der Gutachter, im jetzigen
Zustand sei eine stationäre Therapie im Sinne von Art. 59 StGB nicht durchführ-
bar, aufgrund der Unberechenbarkeit, die der Beschuldigte aufweise, wären die
Mitarbeitenden einer zu grossen Gefahr ausgesetzt. Die Erfolgsaussichten seien
als sehr gering einzuschätzen (a.a.O., S. 14 f.). Auf weitere Nachfrage des Vor-
sitzenden und auf Vorhalt des Ergänzungsberichts des Regionalgefängnisses
- 106 -
Burgdorf vom 24. Oktober 2019, wonach der Beschuldigte zwar ein schwieriges
Verhalten an den Tag gelegt habe, jedoch eine erfolgsversprechend scheinende
Umgangsform mit ihm habe gefunden werden können, erklärte der Gutachter, er
denke, es sei nicht unrealistisch, dass eine Massnahme im Sinne von Art. 59
StGB Erfolg haben könnte. Im vorgehaltenen Bericht sei es allerdings um eine
Situation gegangen, in der der Beschuldigte eine Verlegung in eine andere Anstalt
habe erreichen wollen, was ihm dann auch gelungen sei. Nach seinem Eintritt in
das Regionalgefängnis Burgdorf sei er durch das neue Setting überrascht
worden. Es sei den Mitarbeitern gelungen, mit dem Beschuldigten auf banaler
Ebene zu kommunizieren und ihn zu erreichen, wobei ihm gegenüber auch eine
gewisse Wertschätzung und Unvoreingenommenheit gezeigt worden sei, was ihm
sehr wichtig sei. Allerdings sei es sehr schwierig, eine solche Situation beim
Beschuldigten aufrecht zu erhalten, da er eine ausgeprägte Frustrationsintoleranz
und ein starkes Kränkungserleben aufweise, weshalb kleinste Rückschritte dazu
führen könnten, dass seine Einstellung gegenüber einer Therapie rasant kippen
bzw. umschlagen könnte. Dies setze die Mitarbeitenden einem enormen Risiko
aus, da das Verhalten des Beschuldigen gewissermassen unvorhersehbar sei.
Der Beschuldigte sei sicher massnahmefähig und massnahmebedürftig, eine
Massnahmewilligkeit sei aber zu verneinen. Dass eine Massnahme erfolgreich
sein könnte, sei möglich, aber unwahrscheinlich. Er bezweifle, dass beim
Beschuldigten innerhalb von fünf Jahren eine Persönlichkeitsveränderung erreicht
werden könne. Von einer erfolgreichen Therapie könne erst dann gesprochen
werden, wenn sie vom Beschuldigten während mindestens drei Jahren durch-
gezogen werde (a.a.O., S. 16 f.).
3. Stationäre therapeutische Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB
3.1. Die Vorinstanz hat die rechtlichen Voraussetzungen für die Anordnung von
therapeutischen Massnahmen im Allgemeinen (Urk. 180 S. 204 E. VI.1. und
S. 209 E. VI.5.) und von stationären therapeutischen Massnahmen im Sinne von
Art. 59 StGB im Speziellen (Urk. 180 S. 211 f. E. VI.6., E. VI.6.1.1 und E. VI.6.1.3
[Massnahmebedürftigkeit], S. 214 f. E. VI.6.2 [Massnahmefähigkeit], S. 215 ff.
- 107 -
E. VI.6.3.2 und E.VI.6.3.3 [Massnahmewilligkeit] und 219 E. VI. 6.4.1 f. [Verhält-
nismässigkeit]) zutreffend dargelegt, darauf kann verwiesen werden.
3.2. Die Vorinstanz hat richtig erwogen, dass mit der beim Beschuldigten
diagnostizierten dissozialen Persönlichkeitsstörung mit ausgeprägten psychopa-
thischen Wesenszügen und dem ebenfalls angesprochenen Erwachsenen-ADHS
in den in Frage stehenden Tatzeiträumen eine schwere psychische Störung
vorlag und nach wie vor andauert. Sodann hat sie zutreffend festgestellt, dass
aufgrund der mit der psychischen Störung im Zusammenhang stehenden er-
stellten Anlasstaten die Anordnung einer stationären Massnahme im Sinne von
Art. 59 StGB möglich ist und unter Hinweis auf die deutliche Rückfallgefahr für
ein breites Spektrum an Deliktskategorien bzw. für Gewaltdelikte die Massnahme-
bedürftigkeit bezüglich einer stationäre Massnahme richtigerweise bejaht
(Urk. 180 S. 212 ff. E. VI.6.1.2 und E. VI.6.1.4 ff.). Auf diese im Einklang mit den
gutachterlichen stehenden Ausführungen kann ergänzungslos verwiesen werden.
Die Massnahmebedürftigkeit des Beschuldigten ist zu bejahen.
3.3. Zur Frage der Massnahmefähigkeit führte der Gutachter zusammengefasst
schriftlich aus, dass selbst bei einer allfälligen durchgängig aktiven Therapie-
bereitschaft der Beschuldigte wegen der multiplen Problemfelder aber auch
wegen seiner begrenzten kognitiven Ressourcen und den ausgeprägten psycho-
pathischen Wesenszügen, die therapeutisch nur schwer zu beeinflussen seien,
für mehrere (mindestens drei oder mehr) Jahre in einen intensiven sozialpäda-
gogischen / psychotherapeutischen Prozess einbezogen werden müsste, und
zwar möglichst abseits störender (da vornehmlich therapieaversiver) familiärer
Einflüsse, wobei selbst dann die Aussichten auf einen erfolgversprechenden
Therapieverlauf sehr gering seien. Ohne eine Einlassung des Beschuldigten auf
eine Massnahme erscheine jedoch keine der angeführten Möglichkeiten geeignet,
erfolgsversprechend einen legalprognostischen Therapieerfolg in absehbarer Zeit
zu bewirken (vgl. dazu im Einzelnen Urk. D0/9/25 S. 90, 92 und 95 bzw. vorne
unter E. IV.2.3.5. und E. IV.2.3.7.). Anlässlich der Befragung an der vorinstanz-
lichen Hauptverhandlung blieb der Gutachter bei dieser Einschätzung. Auf
entsprechende Fragen führte er unter anderem aus, wie man im Rahmen einer
- 108 -
Massnahme allenfalls einen Zugang zum Beschuldigten erhalten könnte, erachte-
te aber die Durchführbarkeit einer solchen für unwahrscheinlich, auch wenn er
schliesslich die Massnahmefähigkeit bejahte (Urk. 131 S. 7, 9, 11, 13 f. und 17
bzw. vorne unter E. IV.2.4.). Der Beschuldigte sperrt sich mit aller Vehemenz
gegen eine Massnahme (vgl. dazu auch sogleich unter E. IV.3.4.). Der Gutachter
führte denn auch weiter aus, im jetzigen Zustand sei eine stationäre Therapie
nicht durchführbar und erklärte, aufgrund der Unberechenbarkeit, die der
Beschuldigte aufweise, wären die Mitarbeitenden einer zu grossen Gefahr bzw.
einem enormen Risiko ausgesetzt (Urk. 131 S. 15 und 17 bzw. vorne unter
E. IV.2.4.). Auch wenn der Vorinstanz darin zuzustimmen ist, dass es durchaus
sinnvoll und notwendig erschiene, dem Beschuldigten trotz der bereits gescheiter-
ten Versuche eine weitere therapeutische Behandlung zu ermöglichen (Urk. 180
S. 215 E. VI.6.2.3 bzw. vorne unter E. IV.1.1.4.), erscheint vor dem dargestellten
Hintergrund die vom Gutachter schliesslich doch bejahte Massnahmefähigkeit als
eine äusserst theoretische bzw. lässt sich im vorliegenden Fall mehr als eine
theoretische Therapierbarkeit bzw. abstrakte Massnahmefähigkeit realistischer-
weise nicht ausmachen. Dies gilt umso mehr, als der Gutachter ausführte, dass
die mit der Durchführung einer Massnahme betrauten Mitarbeiter einer zu
grossen Gefahr ausgesetzt wären. Die Entwicklungen seit dem erstinstanzlichen
Urteil lassen diese Einschätzung in keinem anderen Licht erscheinen, wobei
diesbezüglich auf den jüngsten Führungsbericht des Justizvollzugs und Wieder-
eingliederung des Kantons Zürich vom 18. August 2020 verwiesen werden kann,
gemäss welchem sich, wie bereits erwähnt, am Vollzugsverhalten des Beschul-
digten nichts geändert hat und er weiterhin ein äusserst bedrohliches und aggres-
sives Vollzugsverhalten zeigt (Urk. 255 S. 2 f.; vgl. dazu bereits vorne unter
E. III.2.2.2.2.). Zwar dürfen auch Täter mit einem grossen Aggressionsrisiko, die
intensiver, kostspieliger und langer Therapien bedürfen, nicht von therapeutischen
Massnahmen ausgeschlossen werden (vgl. dazu statt Weiterer HEER /
HABERMEYER in BSK StGB I, 4. Auflage, N 94 zu Art. 64). Die Umsetzung einer
solchen erscheint im vorliegenden, sehr aussergewöhnlichen Fall jedoch aus den
dargelegten und noch darzulegenden Gründen schlechterdings nicht möglich.
Selbst wenn man aber zugunsten des Beschuldigten von dessen Massnahme-
- 109 -
fähigkeit ausgehen will, scheitert die Anordnung einer Massnahme, wie in einem
nächsten Punkt zu zeigen sein wird, an dessen fehlender Massnahmewilligkeit.
3.4. Zur Frage der Massnahmewilligkeit sei zunächst eine bezeichnende,
anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 6. Dezember 2017
gemachte Aussage des Beschuldigten zitiert: "Wie gesagt, wir werden nie einen
Weg zusammen finden. Geben Sie mir, was Sie wollen. Euer lächerliches System
geht mir auf die Nerven. Ich werde nie mit Euch zusammenarbeiten. Ihr seid alle
meine Feinde. Ich hasse Euch aus ganzem Herzen. Lieber ist mir der Tod. Es
wird nie ein Gutachten geben. Psychiater, alles Dreck, Staatsanwalt alles Dreck,
Bullen alles Dreck. Jeden Tag hasse ich Euch noch mehr. Ich bin der Beste, der
Schönste und der Grösste und ich ficke Euch alle. Ich scheiss auf alles, was Ihr
tun wollt. Ich bin seit 20 Monaten im Gefängnis, ich werde nur stabiler. Ihr seid
meine Feinde, ich werde nie mit Euch zusammen arbeiten. Seit meinem
10. Lebensjahr habe ich Probleme mit Euch. Ihr macht mich mit jedem Tag
aggressiver und ich werde immer noch stärker. Ich war 20 Tage im Bunker, ohne
Spazieren, ohne nichts. Ich hatte am Boden geschlafen. Ich sagte, was ist das für
ein Kindergarten. Ist das alles? Ich bin eine ganz andere Liga. Ich bin stark. Eure
Gesetze brechen mich nicht. Ihr habt versucht, mich zu brechen, Ihr Bastarde. Es
bringt nichts." Und weiter: "[...] Mit den Behandlungen, die Ihr mir gebt, gebt Ihr
mir nur Hass, Aggressionen und mehr Kampfeswillen." (Urk. D1/2/4 S. 9). Es
muss davon ausgegangen werden, dass sich an dieser Einstellung nichts geän-
dert hat, die schon so lange dauernde Verweigerungshaltung des Beschuldigte
dauert an. Der Gutachter führte denn zur Frage der Massnahmewilligkeit auch
aus, der Beschuldigte habe bisher jegliche Interventionen seit dem Sondersetting
abgelehnt und versucht, diese durch aktiven Widerstand letztlich scheitern zu
lassen, eine Massnahmewilligkeit sei "eher" zu verneinen (Urk. D0/9/25 S. 90 und
Urk. 131 S. 17 bzw. vorne unter E. IV.2.3.5. und E. IV.2.4.). Auch diese Ein-
schätzung erscheint aufgrund der Entwicklungen seit dem erstinstanzlichen Urteil
bzw. dem Umstand, dass gemäss Führungsbericht des Justizvollzugs und
Wiedereingliederung des Kantons Zürich vom 18. August 2020 bisher weder eine
Tataufarbeitung noch eine nachvollziehbare Auseinandersetzung mit deliktrele-
vanten Problembereichen und Risikofaktoren erfolgte und beim Beschuldigten
- 110 -
bezüglich der Tatvorwürfe bis heute keine Problemeinsicht oder Ansätze von
Reue erkennbar sind (vgl. Urk. 255 S. 2 f. und 5), in keinem anderen Licht, im
Gegenteil. Vor diesem Hintergrund ist die Einschätzung der Vorinstanz (Urk. 180
S. 215 ff. E. VI.3. bzw. vorne unter E. IV.1.1.5.) nicht haltbar. Auch unter Berück-
sichtigung der von ihr zutreffend zitierten bundesgerichtlichen Rechtsprechung
kann beim Beschuldigten vernünftigerweise nicht mehr vom Vorliegen einer
minimalen Motivierbarkeit bzw. einem Mindestmass an Kooperationsbereitschaft
ausgegangen werden. Die Massnahmewilligkeit ist deshalb zu verneinen.
3.5. Damit ist festzuhalten, dass die Voraussetzungen für die Anordnung einer
stationären therapeutischen Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB nicht
gegeben sind.
4. Andere therapeutische Massnahmen
Unter Hinweis auf die zutreffende Begründung der Vorinstanz, auf die
verwiesen werden kann (Urk. 180 S. 209 ff. E. 5.2. f. bzw. vorne unter
E. IV.1.1.2.), und die soeben unter E. IV.3.4. gemachten Ausführungen fallen
auch die Anordnung einer ambulanten Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB
und einer Massnahme für junge Erwachsene im Sinne von Art. 61 StGB nicht in
Betracht.
5. Verwahrung
5.1. Gemäss Art. 64 Abs. 1 StGB ordnet das Gericht die Verwahrung an, wenn
der Täter eine Katalogtat begangen hat, durch die er die physische, psychische
oder sexuelle Integrität einer anderen Person schwer beeinträchtigt hat oder
beeinträchtigen wollte, und wenn a) auf Grund der Persönlichkeitsmerkmale des
Täters, der Tatumstände und seiner gesamten Lebensumstände ernsthaft zu
erwarten ist, dass er weitere Taten dieser Art begeht; oder b) auf Grund einer an-
haltenden oder langandauernden psychischen Störung von erheblicher Schwere,
mit der die Tat in Zusammenhang stand, ernsthaft zu erwarten ist, dass der Täter
weitere Taten dieser Art begeht und die Anordnung einer Massnahme nach
Art. 59 keinen Erfolg verspricht.
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5.2. Das erste Erfordernis einer Verwahrung ist mithin eine Katalogtat, durch
die der Täter die physische, psychische oder sexuelle Integrität einer anderen
Person schwer beeinträchtigt hat oder beeinträchtigen wollte. Die Tat muss
vorsätzlich im Sinne von Art. 12 Abs. 1 StGB begangen worden sein, was Even-
tualvorsatz einschliesst. Die Beeinträchtigung muss nach neuem Recht als
schwer zu qualifizieren und die Schwere prinzipiell der Tat selber zu entnehmen
sein, das ist entscheidend. Die "Verwahrung von Gewohnheitsverbrechern" im
Sinne von aArt. 42 Ziff. 1 StGB, d.h. von Tätern, die schon durch zahlreiche Ver-
brechen oder Vergehen den Hang zu solchen Taten bekundet hatten, wurde mit
der Revision abgeschafft. Indes konnte nach der Rechtsprechung zu aArt. 42
StGB auch bei mittelschweren Anlasstaten auf die Verwahrung verzichtet werden,
wenn sie unverhältnismässig erschien. Nunmehr ist die Verwahrung gemäss
Art. 64 StGB nur noch unter qualifizierten Voraussetzungen möglich. Die blosse
Erfüllung eines Anlasstatbestands genügt nicht. Die Konkretisierung dieser Quali-
fizierung sollte den Gerichten überlassen bleiben. Für die Verwahrung kommen
nur "schwere" Straftaten als Anlasstaten in Betracht (BGE 6B_1203/2016, Urteil
vom 16. Februar 2017, E. 3.2.1. f., mit Verweisen).
5.3. Mit der versuchten schweren Körperverletzung liegt grundsätzlich eine
Anlasstat vor ("beeinträchtigen wollte"). In der Beurteilung ist allerdings zu beach-
ten, dass das Gesetz mit dem Kriterium der "schweren" Beeinträchtigung
ausdrücklich auf den Verhältnismässigkeitsgrundsatz verweist. Dessen Beach-
tung schreibt Art. 56 Abs. 2 StGB im Massnahmerecht ganz allgemein vor.
Entsprechend ist davon auszugehen, dass die lediglich versuchte Begehung einer
Anlasstat der Verwahrung grundsätzlich zwar nicht entgegensteht, in diesem Fall
jedoch der Grundsatz der Verhältnismässigkeit einen Verzicht auf eine Verwah-
rung nahelegen kann (BGE 6B_1203/2016, Urteil vom 16. Februar 2017,
E. 3.2.2.).
5.4. Die vorliegend massgebende versuchte schwere Körperverletzung befindet
sich im Spektrum der möglichen Anlasstaten im untersten Schwerebereich. Es
handelt sich um eine nicht von langer Hand geplante Spontantat, die nicht über
das Versuchsstadium hinausging. Die effektiv zugefügten Verletzungen fielen
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vergleichsweise geringfügig aus und der Beschuldigte bediente sich bei seiner Tat
auch nicht etwa einer Waffe oder eines gefährlichen Gegenstandes. Zudem
handelte er eventual- und nicht direktvorsätzlich.
5.5. Was die prognostischen Einschätzungen anbelangt, so darf man sich
keinen Illusionen hingeben. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Beschuldigte
weiter delinquieren wird. Aus dem Gutachten ergibt sich schlüssig, dass beim
Beschuldigten eine deutliche Rückfallgefahr für ein breites Spektrum an Delikts-
kategorien vorliegt bzw. die Gesamtbeurteilung hinsichtlich erneuter Gewaltdelikte
gegenüber Dritten mittel- bis langfristig sehr ungünstig ausfällt, und zwar unab-
hängig davon, ob sich der Beschuldigte weiter im Vollzug befindet oder in die
Freiheit entlassen wird. Gleichzeitig hat auch die Länge der Freiheitsstrafe keinen
Einfluss auf die Rückfallgefahr (Urk. D0/9/25 S. 85, 88 und 94 und Urk. 131 S. 4 f.
bzw. vorne unter E. IV.2.3.4. und E. IV.2.4.). Indes spricht das Gutachten allge-
mein vom Risiko "erneuter Gewaltstraftaten", ohne eine Differenzierung bezüglich
des Schweregrads drohender Delikte vorzunehmen (Urk. D0/9/25 S. 85, 88 und
94). Wichtig ist zudem, gleichwohl zwischen den vom Beschuldigten im und den
von ihm ausserhalb des Gefängnisses begangenen Delikten zu unterscheiden.
Die Vorinstanz hat dazu zwar grundsätzlich zutreffend erwogen, dass sich die
Taten des Beschuldigten auch im Gefängnis nicht nur gegen Aufseher bzw. den
"Justizapparat" richteten und er auch ausserhalb der Gefängnismauern gefährlich
ist (Urk. 180 S. 220 f. E. VI.6.4.4 bzw. vorne unter E. IV.1.1.7.). Dennoch muss
dem Umstand, dass alle heute zu beurteilenden Taten im Gefängnis verübt
wurden, vorliegend besondere Beachtung geschenkt werden. Diese Taten,
namentlich auch die für eine allfällige Verwahrung relevante Anlasstat, richteten
sich eindeutig in erster Linie "gegen den Justizapparat", gegen den der Beschul-
digte einen eigentlichen Krieg führt. Zu seinen Gunsten muss deshalb in Betracht
gezogen und davon ausgegangen werden, dass er sich in Freiheit nicht in einem
dauernden Kampf gegen ein System befände, das er als ihm zutiefst negativ und
feindlich gesinnt wahrnimmt, und dass dieser Umstand das von ihm ausgehende
bzw. das von ihm in Freiheit zu erwartende Gewaltpotential doch deutlich
relativiert.
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5.6. Beachtlich ist weiter, dass der Beschuldigte haftbedingt in den letzten rund
fünf Jahren keine Gelegenheit mehr hatte, sich in Freiheit zu bewähren. In
Freiheit delinquierte er letztmals am 29. März 2016. Davor verübte er während
rund fünf Jahren kein vorsätzliches, schweres Gewaltverbrechen, das letzte (und
sein erstes) beging er als Jugendlicher im Alter von 15 Jahren im Jahr 2011. Es
ist deshalb festzuhalten, dass es auch immer wieder durchaus längere Phasen im
Leben des Beschuldigten gab, in denen es nicht zu schwereren Gewaltdelikten
kam (vgl. dazu Urk. 183).
5.7. Ohne die schlüssigen Ausführungen des Gutachters zur Rückfallgefahr
in Zweifel ziehen zu wollen, sei an dieser Stelle sodann festgehalten, dass
entsprechende Ausführungen – worauf auch der Gutachter hinwies (vgl. u.a.
Urk. 131 S. 5) und was selbstredend in der Natur der Sache liegt – immer hypo-
thetisch sind und Gefährlichkeitsprognosen bekanntermassen immer auch eine
signifikante Fehlerquote aufweisen (vgl. dazu statt Weiterer HEER/HABERMEYER,
a.a.O., N 60 ff. zu Art. 64). Unter Hinweis auf das soeben unter E. IV.5.5. f. Er-
wogene bleibt damit doch eine nicht ganz unbegründete Resthoffnung bestehen,
dass sich die entsprechenden Prognosen bei einer Entlassung nicht bewahr-
heiten.
5.8. Bei der Verhältnismässigkeitsprüfung ganz besonders im Auge zu behalten
ist schliesslich der Umstand, dass der Beschuldigte erst fünfundzwanzig Jahre alt
und damit noch sehr jung ist, was umso mehr ins Gewicht fällt, als die Vollzugs-
praxis bei Verwahrungen bekanntermassen äusserst restriktiv ist und es kaum je
zu Entlassungen kommt.
5.9. Im Ergebnis ist damit festzuhalten, dass sich die Anordnung einer Verwah-
rung trotz der feststehenden Rückfallgefahr vorliegend als unverhältnismässig
erweist, mithin die Voraussetzungen für die Anordnung einer Verwahrung im
Sinne von Art. 64 StGB nicht erfüllt sind und von der Anordnung einer solchen
deshalb abzusehen ist.
5.10. Anzumerken bleibt, dass nicht jeder Gewalttäter, der nicht therapiert
werden kann, zu verwahren ist. Das ist vom Gesetz so nicht vorgesehen. Ins-
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besondere ist in jedem Fall der verfassungsmässig garantierte Grundsatz der
Verhältnismässigkeit zu beachten. Mit Blick auf eine allfällige Entlassung des
Beschuldigten und das damit einhergehende und von der Gesellschaft zu tragen-
de Restrisiko mag dies vorliegend unbefriedigend erscheinen, es ist nach gelten-
dem Recht jedoch hinzunehmen.
V. Zivilansprüche
Das vorinstanzliche Urteil wird in Bezug auf die Dossiers 3, 4 und 9 im
Schuldpunkt bestätigt, womit unter Hinweis auf die zutreffenden vorinstanzlichen
Ausführungen (Urk. 180 S. 224 ff. E. VII.1., E. VII.2.1, E. VII.2.3, E. VII.2.6 und
E. VII.3.1 ff.) der vorinstanzliche Entscheid diesbezüglich auch im Zivilpunkt zu
bestätigen ist. Ausgangsgemäss besteht kein Raum für Genugtuungs- und
Schadenersatzansprüche des Beschuldigten.
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Erstinstanzliches Verfahren
Bei diesem Verfahrensausgang hat es bei der vorinstanzlichen Kostenver-
teilung sein Bewenden. Dispositivziffer 17 des vorinstanzlichen Urteils ist ent-
sprechend zu bestätigen
2. Berufungsverfahren
2.1. Die Gebühr für das Berufungsverfahren ist angesichts der Bedeutung des
Falles sowie des Zeitaufwandes des Gerichtes auf Fr. 8'000.00 festzusetzen.
2.2. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte
unterliegt mit seinen Hauptanträgen weitgehend, erreicht aber insofern einen
Teilerfolg, als er mit seinem Antrag, von der Anordnung einer therapeutischen
Massnahme und einer Verwahrung abzusehen, durchdringt. Die Staatsanwalt-
schaft wiederum unterliegt mit ihrem Antrag auf Anordnung einer Verwahrung,
erreicht jedoch eine höhere Bestrafung. Angesichts dieses Verhältnisses von
Obsiegen und Unterliegen und des unterschiedlichen Gewichts der gestellten
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Anträge, ist es gerechtfertigt, dem Beschuldigten die Kosten des Berufungs-
verfahrens zu zwei Dritteln aufzuerlegen und im Übrigen auf die Gerichtskasse zu
nehmen. Damit sind die Kosten der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten
und der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatkläger 8 und 9 zu einem
Drittel definitiv und zu zwei Dritteln einstweilen unter Vorbehalt der Nach-
zahlungspflicht nach Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO auf die Gerichtskasse zu nehmen.
2.3. Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten Rechtsanwalt MLaw X1._
reichte mit Eingabe vom 25. Mai 2021 seine Honorarnote mit der Auflistung seiner
Aufwendungen und Auslagen im Berufungsverfahren ein (Urk. 536). Darin macht
er unter anderem einen zeitlichen Aufwand von rund 120 Stunden für angefallene
Arbeiten rund um die Ausarbeitung des Plädoyers geltend. Bei einer 42-Stunden-
Woche bedeutet dies einen Arbeitsaufwand von fast drei Wochen. Angesicht des
überdurchschnittlich grossen Zeilenabstands ist von einem rund fünfzigseitigen
Plädoyer auszugehen (vgl. Urk. 546). Üblicherweise ist ein Arbeitsaufwand von
einer Stunde pro Seite zu veranschlagen, welchen der vom amtlichen Verteidiger
geltend gemachte Aufwand deutlich übersteigt. Weiter ist zu berücksichtigen,
dass aufgrund der dreifachen Rechtsvertretung des Beschuldigten im Berufungs-
verfahren ein gewisser Koordinationsaufwand vonnöten war und sich der amtliche
Verteidiger in seinem Plädoyer mit den vorinstanzlichen Erwägungen auseinan-
derzusetzen hatte. Indes entsprachen seine Ausführungen vor Berufungsinstanz,
insbesondere auch jene zur stationären Massnahme und Verwahrung, in weiten
Teilen jenen vor Vorinstanz. Ebenso fällt ins Gewicht, dass im Berufungsverfah-
ren weit weniger Delikte als noch vor Vorinstanz zur Disposition standen. Ferner
äusserte sich der amtliche Verteidiger nicht zu den vom Beschuldigten geltend
gemachten Zivilansprüchen, sondern überliess dies dem erbetenen Verteidiger
Rechtsanwalt lic. iur. X2._. Damit erscheint der vom amtlichen Verteidiger
geltend gemachte zeitliche Aufwand für Arbeiten rund um die Ausarbeitung des
Plädoyers nicht mehr angemessen. Berücksichtigt man den weiteren, vom amtli-
chen Verteidiger geltend gemachten Aufwand, die Dauer der Berufungsverhand-
lung samt Vor- und Nachbesprechung und fügt eine geschätzte Dauer von zwei
Stunden für die mündliche Urteilseröffnung samt Hin- und Rückweg sowie Nach-
besprechung hinzu, so erscheint es angemessen, Rechtsanwalt MLaw X1._
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für das Berufungsverfahren mit pauschal Fr. 40'000.– (inkl. MwSt.) aus der Ge-
richtskasse zu entschädigen.
2.4. Auch der unentgeltliche Rechtsvertreter des Privatklägers 8 hat mit Ein-
gabe vom 12. Mai 2021 seine Honorarnote eingereicht (Urk. 534). Die Aufwen-
dungen und Auslagen in der Höhe von Fr. 904.25 (inkl. MwSt.) sind ausgewiesen
und angemessen, womit Rechtsanwalt lic. iur. Y1._ in beantragter Höhe aus
der Gerichtskasse zu entschädigen ist.
2.5. Schliesslich hat der unentgeltliche Rechtsvertreter des Privatklägers 9 mit
Eingabe vom 11. Mai 2021 seine Honorarnote eingereicht (Urk. 517). Die
Aufwendungen und Auslagen sind ebenfalls ausgewiesen und angemessen.
Indes ist der zeitliche Aufwand bei unentgeltlicher Rechtsvertretung nicht zum
Stundenansatz von Fr. 250.–, sondern zu jenem von Fr. 220.– zu entschädigen
(§ 3 AnwGebV/ZH). Damit ist Rechtsanwalt lic. iur. Y2._ mit Fr. 1'548.20 aus
der Gerichtskasse zu entschädigen. Bezug nehmend auf die Eingabe vom 5. Mai
2020 (Urk. 214) rechtfertigt sich ferner der Hinweis, dass die unentgeltliche
Rechtsvertretung der Privatklägerschaft auch für das Berufungsverfahren gilt.