# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 1ffe3311-f167-4019-9d34-9e3766640d67
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
A._, geb. 1979, Staatsbürger von Bosnien und Herzegowina, reiste am 5. Juni 1990 im
Rahmen des Familiennachzugs in die Schweiz ein und erhielt eine
Aufenthaltsbewilligung. Am 29. August 2002 heiratete er die Schweizer Bürgerin B._,
geb. 1981. Sie sind die Eltern von fünf gemeinsamen Kindern (geb. zwischen 2003 und
2010).
Aufgrund zahlreicher strafrechtlicher Verurteilungen wurde A._ am 14. März 2002
ausländerrechtlich verwarnt. In der Zeit zwischen der Verwarnung und Juni 2011
kamen 34 Verurteilungen vorab wegen strassenverkehrsrechtlicher Delikte hinzu. – Am
17. November 2012 zog A._ mit seiner Familie in den Kanton St. Gallen. Sein Gesuch
um Bewilligung des Kantonswechsels und ein Wiedererwägungsgesuch blieben
erfolglos. Den Aufforderungen, den Kanton St. Gallen zu verlassen, kam A._ nicht
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nach. Schliesslich bewilligte das Migrationsamt des Kantons St. Gallen am 28. Januar
2015 den Kantonswechsel unter der Bedingung des Wohlverhaltens (keine neuen
Verurteilungen und Schulden, Tilgung offener Schulden) und verwarnte A._. – Im
September und im November 2015 kamen je eine strafrechtliche Verurteilung wegen
Betrugs, mehrfacher Urkundenfälschung, Fälschung von Ausweisen und geringfügiger
Widerhandlung gegen das Ausländergesetz sowie wegen mehrfachen
Pfändungsbetrugs hinzu. Die Aufenthaltsbewilligung wurde am 20. April 2016 unter
Hinweis auf die geltenden Bedingungen verlängert. – Anfangs 2017 meldeten die drei
Betreibungsämter an den früheren Wohnorten offene Verlustscheine über zusammen
CHF 122'300 (Rückgang rund CHF 10'000) und das Betreibungsamt am Wohnort im
Kanton St. Gallen von rund CHF 116'000 (Zunahme um rund CHF 68'000). Die weitere
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung vom 1. Mai 2017 bis Ende Januar 2018
erfolgte wiederum unter der Bedingung des Wohlverhaltens (keine neuen
Verurteilungen und Schulden, Tilgung offener Schulden) und bei gleichzeitiger
Verwarnung.
Anfangs August 2018 wies das Migrationsamt des Kantons St. Gallen A._ auf eine
weitere strafrechtliche Verurteilung wegen fahrlässiger missbräuchlicher Verwendung
von Kontrollschildern und den Anstieg der offenen Verlustscheine um rund CHF 24'000
hin und verlängerte seine Aufenthaltsbewilligung am 4. Juli 2019 nicht mehr.
B.
Das Sicherheits- und Justizdepartement wies den von A._ gegen die
Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung erhobenen Rekurs am 19. Oktober 2020
ab. Zur Begründung wird ausgeführt, zwar liege ein Grossteil der strafrechtlichen
Verurteilungen mehr als zehn Jahre zurück und wiege der Unrechtsgehalt bei einzelnen
Delikten tatsächlich nicht sehr hoch. Allerdings lägen zahlreiche Delikte (etwa
Körperverletzung durch Verursachen eines Unfalls, wiederholtes Fahren trotz
Führerausweisentzug, Betrug, Urkundenfälschung und Pfändungsbetrug) ebenso
wenig wie die wiederholten Wiederhandlungen gegen die Ausländer- sowie die
Schulbetreibungs- und Konkursgesetzgebung im Bagatellbereich. Dass es selbst nach
der zweiten und dritten ausländerrechtlichen Verwarnung zu strafrechtlichen
Verurteilungen gekommen sei, zeuge von Geringschätzung der Rechtsordnung und
Unbelehrbarkeit. Die offenen Verlustscheine seien im Zeitraum zwischen den
ausländerrechtlichen Verwarnungen vom 28. Januar 2015 und vom 1. Mai 2017 von
CHF 169'630 auf CHF 238'790 angestiegen. Anfangs August 2018 seien es offene
Verlustscheine von CHF 262'550 gewesen. Die nicht getilgten offenen Verlustscheine
beim Betreibungsamt Y._ seien in dieser Zeit von CHF 37'350 auf CHF 197'860
angewachsen. Inwieweit die Beträge erneut in Betreibung gesetzte Verlustscheine
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umfassten, werde nicht substantiiert aufgezeigt. Ebenso wenig werde der Beweis für
die geltend gemachte Ursache der Schulden erbracht. Bemühungen, wenigstens neue
Schulden zu vermeiden, seien nicht ersichtlich. Eine konkrete Arbeitssuche sei erst ab
März 2020 dokumentiert. Angesichts der langjährigen hohen Verschuldung und des
uneinsichtigen Verhaltens sei von einer mutwilligen Nichterfüllung der finanziellen
Verpflichtungen auszugehen. Der Widerrufsgrund des schwerwiegenden Verstosses
gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung sei erfüllt. Die Wegweisung als
gesetzliche Folge der Nichtverlängerung sei angesichts des schweren Verschuldens
trotz der Anwesenheit in der Schweiz seit dreissig Jahren und der Trennung der Familie
– eine Ausreise nach Bosnien könne von der Ehefrau und den Kindern nicht verlangt
werden – verhältnismässig.
C.
A._ (Beschwerdeführer) erhob gegen den Rekursentscheid des Sicherheits- und
Justizdepartements (Vorinstanz) vom 19. Oktober 2020 (zugestellt am 22. Oktober
2020) durch seine Rechtsvertreterin mit Eingabe vom 5. November 2020 Beschwerde
beim Verwaltungsgericht. Er beantragt, Rekursentscheid und Verfügung seien unter
Kosten- und Entschädigungsfolge aufzuheben und die Aufenthaltsbewilligung sei zu
verlängern, eventualiter die Ausreisefrist auf vier Monate nach Rechtskraft des
Beschwerdeentscheids zu verlängern. Der zuständige Abteilungspräsident entsprach
am 6. November 2020 dem Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
und -verbeiständung.
Die Vorinstanz verwies mit Vernehmlassung vom 11. November 2020 auf die

## Considerations

Erwägungen im angefochtenen Entscheid und beantragte die Abweisung der
Beschwerde. Mit Eingaben vom 30. November 2020 und 1. Dezember 2020 nahm die
Rechtsvertreterin für den Beschwerdeführer abschliessend Stellung, ergänzte die Akten
und reichte eine Honorarnote ein. Sie ergänzte ihre Begehren mit dem prozessualen
Antrag, der Beschwerdeführer sei persönlich anzuhören. Die Vorinstanz verzichtete am
7. Dezember 2020 auf weitere Äusserungen.
Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Ausführungen des
Beschwerdeführers zur Begründung seiner Anträge sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des bis
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Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Nicht einzutreten ist auf
die Beschwerde, soweit damit die Aufhebung der Verfügung des Migrationsamts vom
4. Juli 2019 beantragt wird. Letztere wurde vom angefochtenen Rekursentscheid
vorläufig ersetzt und kann deshalb nicht Gegenstand des Beschwerdeverfahrens sein
(Devolutiveffekt; BGE 125 II 29 E. 1c mit Hinweisen). Im Übrigen sind die
Eintretensvoraussetzungen erfüllt: Der Beschwerdeführer, der mit seinem Antrag, seine
Aufenthaltsbewilligung sei zu verlängern, im Rekursverfahren unterlag, ist zur Erhebung
der Beschwerde befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde
gegen den am 22. Oktober 2020 zugestellten Rekursentscheid wurde mit Eingabe vom
5. November 2020 rechtzeitig erhoben und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht
die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48
Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist unter dem genannten Vorbehalt einzutreten.
2.
Der Beschwerdeführer ersucht in der abschliessenden, innert angesetzter Frist
eingereichten Stellungnahme vom 30. November 2020 im Sinn eines Beweisantrags
um persönliche Anhörung. Er anerkennt, dass der verfassungsrechtliche Anspruch auf
rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (SR 101, BV) eine mündliche Anhörung lediglich dann gebietet,
wenn sich ohne eine solche Anhörung die persönlichen Umstände nicht klären lassen
beziehungsweise wenn sie für den zu fällenden Entscheid unerlässlich ist (vgl. BGer
2C_979/2015 vom 15. Februar 2016 E. 3.2, 2C_136/2013 vom 30. Oktober 2013 E. 3.3,
2C_211/2012 vom 3. August 2012 E. 2, je mit Hinweis auf BGE 122 II 464 E. 4). Der
Beschwerdeführer macht nicht geltend, Art. 55 VRP räume weitergehende Ansprüche
ein (vgl. dazu BGer 2C_578/2009 vom 23. Februar 2010 E. 2.3).
Die für den Entscheid wesentlichen Umstände – insbesondere die strafrechtlichen
Verurteilungen und die Verschuldung des Beschwerdeführers – ergeben sich aus den
Akten. Auch ohne den Beschwerdeführer persönlich angehört zu haben, geht das
Gericht seinen Eingaben und dem Schreiben des Schulsozialarbeiters (act. 14) folgend
davon aus, dass das Familienleben intakt und für alle Familienmitglieder von grosser
emotionaler Bedeutung ist. Die Beteuerungen des Beschwerdeführers, keine weiteren
Schulden einzugehen, für ein regelmässiges und anhaltendes Erwerbseinkommen zu
sorgen und bestehende Schulden soweit möglich zurückzuzahlen, sind unabhängig
davon, ob sie mündlich oder schriftlich vorgetragen werden, vor dem Hintergrund
seines bisherigen aktenkundigen Verhaltens zu würdigen (vgl. dazu auch BGer 2A.
19/2007 vom 16. Mai 2007 E. 3.5). Der Antrag, der Beschwerdeführer sei vom Gericht
persönlich anzuhören, ist deshalb abzuweisen.
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3.
Der Beschwerdeführer ist mit einer Schweizerin verheiratet, mit der er
zusammenwohnt. Er hat deshalb gemäss Art. 42 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Ausländerinnen und Ausländer und die Integration (Ausländer- und Integrationsgesetz;
SR 142.20, AIG) einen gesetzlichen – und darüber hinaus auch einen völker- und
verfassungsrechtlichen (Art. 8 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und
Grundfreiheiten, SR 0.101, EMRK, und Art. 13 der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft, SR 101, BV) – Anspruch auf Verlängerung seiner
Aufenthaltsbewilligung. Der Anspruch erlöscht indessen gemäss Art. 51 Abs. 1 Ingress
und lit. b AIG, wenn Widerrufsgründe nach Artikel 63 des Gesetzes vorliegen. Nach
Art. 63 Abs. 1 Ingress und lit. b AIG ist dies der Fall, wenn der Ausländer in
schwerwiegender Weise gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz
oder im Ausland verstossen hat oder diese gefährdet. Dieser Widerrufsgrund gilt auch,
wenn sich der Betroffene mehr als 15 Jahre ununterbrochen in der Schweiz
aufgehalten hat (Art. 63 Abs. 2 AIG). Anders als gemäss Art. 62 Abs. 1 Ingress und lit. c
AIG genügt es nicht, dass der Ausländer erheblich oder wiederholt gegen die
öffentliche Sicherheit und Ordnung verstossen hat. Eine Nichtbeachtung der
öffentlichen Sicherheit und Ordnung liegt gemäss Art. 77a Abs. 1 der Verordnung über
Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit; SR 142.201, VZAE) insbesondere vor,
wenn die betroffene Person gesetzliche Vorschriften und behördliche Verfügungen
missachtet (lit. a) oder öffentlich-rechtliche oder privatrechtliche Verpflichtungen
mutwillig nicht erfüllt (lit. b).
3.1.
Strafrechtlich relevantes Verhalten verstösst in schwerwiegender Weise gegen die
öffentliche Sicherheit und Ordnung, wenn die ausländische Person durch ihr Handeln
besonders hochwertige Rechtsgüter verletzt oder in Gefahr gebracht hat oder sich von
strafrechtlichen Massnahmen nicht beeindrucken lässt und sich im Rahmen einer
Gesamtbetrachtung zeigt, dass sie auch künftig weder gewillt noch fähig ist, sich an
die Rechtsordnung zu halten (vgl. BGer 2C_884/2016 vom 25. August 2017 E. 3.1 mit
zahlreichen Hinweisen).
Wie sich aus der – unbestrittenen – Darstellung des Sachverhalts durch die Vorinstanz
ergibt, wurde der Beschwerdeführer insgesamt 45mal – erstmals im Juli 1994, letztmals
im November 2017 – strafrechtlich belangt. Der weit überwiegende Teil der geahndeten
Delikte zog zwar lediglich Bussen nach sich. In neun Fällen waren indessen auch Geld-
3.2.
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oder Freiheitsstrafen auszusprechen. Insbesondere waren die Straftaten, welche im
Jahr 2015 zur Beurteilung kamen, schwerwiegender: Der Verurteilung vom
22. September 2015 zu einer (unbedingten) Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu je
CHF 20 lagen Betrug, mehrfache Urkundenfälschung, Fälschung von Ausweisen und
eine geringfügige Widerhandlung gegen das Ausländerrecht, jener vom 2. November
2015 zu einer (unbedingten) Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu je CHF 20 mehrfacher
Pfändungsbetrug zugrunde. Die – bisher letzte – Verurteilung vom 10. November 2017
erfolgte wegen fahrlässiger missbräuchlicher Verwendung von Kontrollschildern und
zog eine (unbedingte) Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je CHF 30 nach sich. Die
Vorinstanz weist in diesem Zusammenhang zu Recht darauf hin, dass die
strafrechtliche Verurteilung wegen Betrugs gemäss dem seit 1. Oktober 2016 in Kraft
stehenden Art. 66a Abs. 1 Ingress und lit. f des Schweizerischen Strafgesetzbuches
(SR 311.0, AS 2016 S. 2329) grundsätzlich obligatorisch die Landesverweisung für die
Dauer von 5-15 Jahre nach sich zieht und davon nur ausnahmsweise abgesehen
werden kann, wenn diese für den Ausländer einen schweren persönlichen Härtefall
bewirken würde.
Der Beschwerdeführer hat sich trotz der ausländerrechtlichen Verwarnungen und an
die Aufenthaltsbewilligung geknüpften Bedingungen während Jahren und immer wieder
nicht an die schweizerische Rechtsordnung gehalten. Die Delikte haben zudem im Lauf
der Jahre einen Schweregrad erreicht, der seit Oktober 2016 grundsätzlich eine
Landesverweisung nach sich zieht. Die Vergehen des Beschwerdeführers stehen im
Zusammenhang mit Betreibungsverfahren. Angesichts seiner hohen Verschuldung
besteht eine konkrete Gefahr, dass der Beschwerdeführer erneut Delikte zum Nachteil
seiner Gläubiger begehen wird. Die Wohnsitzgemeinde hat denn auch im
Zusammenhang mit Lohnpfändungen am 8. Mai 2019 und am 10. Februar 2020
Strafanzeigen erstattet, weil der Beschwerdeführer und seine Ehefrau ihre finanzielle
Situation nicht offenlegten (vgl. act. 8, Rekursakten 16/6).
Mit Blick auf den Widerrufsgrund der Verschuldung bietet das Erfordernis der
Mutwilligkeit keinen Ansatzpunkt für eine Differenzierung hinsichtlich der Schwere des
Verstosses (vgl. dazu nachfolgend Erwägung 3.3.2). Der Unterschied zwischen einem
schwerwiegenden und einem erheblichen Verstoss gegen die öffentliche Ordnung kann
daher nur im Umfang der Schulden liegen (vgl. dazu nachfolgend Erwägung 3.3.1).
3.3.
Eine klare Grenze, ab wann die Verschuldung nicht mehr nur als erhebliche, sondern
3.3.1.
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als schwerwiegende Gefährdung der öffentlichen Ordnung zu gelten hat, lässt sich
nicht ziehen. Bisher entschiedenen Fällen lässt sich aber jedenfalls entnehmen, dass
bei mutwillig unbezahlt gebliebenen öffentlich- oder privatrechtlichen Schulden von
CHF 188'000 (Verlustscheine; vgl. BGer 2C_517/2017 vom 4. Juli 2018),
CHF 303'732.95 (Verlustscheine; vgl. BGer 2C_164/2017 vom 12. September 2017)
und CHF 172'543 (Verlustscheine, zusätzlich offene Betreibungen im Umfang von
CHF 4'239; vgl. BGer 2C_997/2013 vom 21. Juli 2014) eine schwerwiegende
Gefährdung der öffentlichen Ordnung anzunehmen ist (vgl. BGer 2C_93/2018 vom
21. Januar 2019 E. 3.5).
Gemäss Auszug aus dem Register des Betreibungsamts der Wohnsitzgemeinde
beliefen sich die Forderungen aus den 56 nicht getilgten Verlustscheinen gegenüber
dem Beschwerdeführer auf CHF 197'865.30 (act. 8, Rekursakten 16/8). Hinzu kommen
offene Verlustscheine bei den Betreibungsämtern an seinen früheren Wohnorten, die
sich im August 2018 auf CHF 122'300 beliefen (vgl. angefochtener Entscheid E. 3b:
offene Verlustscheine CHF 262'550, davon Wohnsitzgemeinde CHF 140'250). Dass
eine solche Verschuldung mit Blick auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung das
Mass erreicht hat, bei welchem von einem schwerwiegenden Verstoss gegen die
öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinn von Art. 63 Abs. 1 Ingress und lit. b AIG
auszugehen ist, bestreitet der Beschwerdeführer zu Recht nicht (vgl. Beschwerde
Rz. 19).
Der Beschwerdeführer bringt in diesem Zusammenhang vor, die Beträge der offenen
Betreibungen und der Verlustscheine könnten nicht einfach addiert werden, es handle
sich immer wieder um die gleichen Schulden, die wegen der Umzüge immer wieder
neu verzeichnet würden (vgl. Beschwerde Rz. 20/21). Die Vorinstanz hat indessen allein
auf die Beträge der nicht getilgten Verlustscheine abgestellt und keine Beträge aus
laufenden Betreibungen hinzugerechnet. Selbst wenn allein auf die beim
Betreibungsamt am Wohnsitz des Beschwerdeführers verzeichneten Verlustscheine
abgestellt würde, wäre von einer Verschuldung von knapp CHF 200'000 auszugehen.
Einerseits legt der Beschwerdeführer, dem die Auszüge vorlagen, und der seine
Schulden – anders als die Behörden – detailliert im Blick hat, trotz seiner
Mitwirkungspflicht (vgl. Art. 90 AIG) nicht substantiiert dar, dass in diesem Betrag
einzelne Forderungen mehrfach enthalten sind. Anderseits ist unwahrscheinlich, dass
im Betrag von rund CHF 200'000 sämtliche nicht getilgten Verlustscheine, mit denen
der Beschwerdeführer bei den Betreibungsämtern an seinen früheren Wohnsitzen
verzeichnet ist, enthalten sind. Gemäss Auskunft des Betreibungsamtes am aktuellen
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Wohnsitz des Beschwerdeführers werden "nur vereinzelt Verlustscheine wieder in
Betreibung gesetzt" (act. 8, Rekursakten 16).
Die Schuldenwirtschaft allein genügt für den Widerruf beziehungsweise die
Nichterneuerung eines Anwesenheitsrechts nicht. Die Verschuldung muss vielmehr
selbst verursacht und dem Betroffenen qualifiziert vorwerfbar sein, da der
ausländerrechtliche Bewilligungswiderruf kein schuldbetreibungsrechtliches Instrument
zur Deckung von finanziellen Ausständen bildet (vgl. BGer 2C_273/2010 vom
6. Oktober 2010 E. 3.3). Erforderlich ist zumindest ein erheblicher Ordnungsverstoss;
ein solcher kann bereits in einer qualifizierten Leichtfertigkeit liegen (vgl. BGer
2C_789/2017 vom 7. März 2018 E. 3.3). Die so umschriebene Mutwilligkeit ist nicht
leichthin anzunehmen (vgl. BGer 2C_164/2017 vom 12. September 2017 E. 3.1 mit
Hinweis). Der Beweis dafür obliegt der Migrationsbehörde (vgl. BGer 2C_27/2018 vom
10. September 2018 E. 2.2). Wurde bereits eine ausländerrechtliche Verwarnung
(Art. 96 Abs. 2 AIG) ausgesprochen, ist entscheidend, ob die ausländische Person
danach weiterhin mutwillig Schulden angehäuft hat oder nicht. Dabei ist zu
berücksichtigen, dass – wer einem betreibungsrechtlichen Verwertungsverfahren
(insbesondere der Lohnpfändung) unterliegt – zum Vornherein keine Möglichkeit hat,
ausserhalb des Betreibungsverfahrens Schulden zu tilgen. Das kann in solchen Fällen
dazu führen, dass im Vergleich zu früher weitere Betreibungen hinzukommen oder der
betriebene Betrag anwächst, ohne dass allein deswegen eine Mutwilligkeit
angenommen werden darf. Von entscheidender Bedeutung ist, welche Anstrengungen
der Betroffene zur Sanierung seiner Situation vorkehrt: Positiv ist zu würdigen, wenn
vorbestandene Schulden abgebaut wurden; negativ fällt ins Gewicht, wenn der
Betroffene trotz Verwarnung sich weiterhin in vorwerfbarer Weise verschuldet (vgl.
BGer 2C_724/2018 vom 24. Juni 2019 E. 3.1 und 3.2; 2C_164/2017 vom
12. September 2017 E. 3.1 mit Hinweis und 2C_273/2010 vom 6. Oktober 2010 E. 3.4).
Bei der Beurteilung, ob die Verschuldung als mutwillig erscheint, fällt beim
Beschwerdeführer ins Gewicht, dass sie sich – gemessen an den nicht getilgten
Verlustscheinen – trotz der mehrfachen ausländerrechtlichen Verwarnungen und den
insbesondere an die Bedingung, bestehende Schulden abzubauen und keine neuen
Schulden zu machen, geknüpften Verlängerungen seines Aufenthaltsrechts und damit
trotz drohenden Verlusts des Anwesenheitsrechts insgesamt beträchtlich erhöht hat.
Im Januar 2015 belief sie sich auf knapp CHF 170'000 und im Mai 2017 auf knapp
CHF 240'000. Bei der Prüfung der Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung im August
3.3.2.
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2018 betrug sie etwas mehr als CHF 260'000 und im Februar 2020 rund CHF 320'000.
Bei letzterem Betrag wird davon ausgegangen, dass die bei den Betreibungsämtern an
den früheren Wohnorten des Beschwerdeführers verzeichneten offenen Verlustscheine
sich in der Höhe seit August 2018 nicht verändert haben (Wohnsitzgemeinde
CHF 198'000, übrige Gemeinden CHF 122'000). Wie bereits ausgeführt, weist der
Beschwerdeführer trotz seiner weitreichenden Mitwirkungspflicht nicht nach, in
welchem Umfang in diesen Beträgen einzelne Forderungen mehrfach enthalten sind
(vgl. dazu Erwägung 3.3.1).
In der Beschwerde wird geltend gemacht, der Beschwerdeführer und seine Frau
unterlägen seit 2012 der Lohnpfändung. Bis auf das Existenzminimum werde das
Einkommen dem Betreibungsamt überwiesen. Sie seien also seit Jahren dabei, die
Schulden abzubezahlen (Beschwerde, Rz. 22 und 23). Lohnpfändungen und der damit
verbundene Abbau von Schulden hängen allerdings nicht unmittelbar vom Bemühen
der Schuldner, sondern vom Entscheid der Gläubiger ab, ihre Forderungen in
Betreibung zu setzen und ein Pfändungsbegehren zu stellen. Ob die Verschuldung des
Beschwerdeführers mutwillig erscheint, hängt mithin nicht davon ab, ob sein Lohn
gepfändet ist, sondern davon, ob der Schuldner im Betreibungsverfahren seine
finanzielle Lage offenlegt und ob er es vermeidet, gleichzeitig neue Schulden
einzugehen. In beiderlei Hinsicht ist das Verhalten des Beschwerdeführers zu
beanstanden: Das Betreibungsamt hat zum einen zwei Strafanzeigen wegen des
Verdachts strafbarer Handlungen im Betreibungsverfahren erstattet (act. 8,
Rekursakten 16/5 und 16/6) und zum andern festgestellt, dass insbesondere
Krankenkassenprämien und Mieten nicht bezahlt werden (act. 8, Rekursakten 16).
Unabhängig davon, in welchem Umfang die Lohnpfändungen zur Begleichung von
Ausständen geführt haben, ist deshalb festzustellen, dass die Schulden des
Beschwerdeführers trotz wiederholter Verwarnungen und trotz der Verknüpfung seiner
Aufenthaltsbewilligung mit der Bedingung, sich nicht weiter zu verschulden, in den
Jahren seiner Anwesenheit in der Schweiz stetig und in beträchtlichem Ausmass
angestiegen sind und die Bemühungen, Schulden zu tilgen, durch die unzureichende
Mitwirkung im Betreibungsverfahren getrübt werden. Diese tatsächlichen
Feststellungen, von denen auch die Vorinstanz ausgegangen ist, werden vom
Beschwerdeführer nicht substantiiert bestritten. Wenn der Beschwerdeführer geltend
macht, sein unregelmässiges Einkommen sei auf seine selbständige Erwerbstätigkeit
zurückzuführen und dürfe nicht zu seinen Ungunsten ausgelegt werden, ist ihm
entgegen zu halten, dass es angesichts der schwierigen finanziellen Situation seiner
Familie bereits früher angezeigt gewesen wäre, für ein stabiles Einkommen aus einer
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unselbständigen dauerhaften Erwerbstätigkeit zu sorgen. Dass die siebenköpfige
Familie des Beschwerdeführers mit einem beträchtlichen Finanzbedarf konfrontiert ist
und selbst bei Beschränkung des Aufwands auf das betreibungsrechtliche
Existenzminimum die Schulden nur geringfügig getilgt werden können, ist
nachvollziehbar. Das ändert aber nichts daran, dass dem Beschwerdeführer die
gleichzeitige weitere Verschuldung entgegen zu halten ist, zumal im
betreibungsrechtlichen Vollstreckungsverfahren dem Finanzbedarf der Familie
Rechnung getragen wird.
Das Migrationsamt hat den Beschwerdeführer im Zusammenhang mit der Abklärung
des Sachverhalts am 24. April 2019 aufgefordert, das Ergebnis der Schuldenberatung
einzureichen (act. 8, Dossier Migrationsamt, Seite 633). Ein solches Ergebnis ist
insoweit aktenkundig, als das Regionale Beratungszentrum Z._ bestätigt, jeweils nach
einer Besprechung anfangs 2018 und erneut anfangs 2019 den Beschwerdeführer auf
den Privatkonkurs als einzige Möglichkeit für eine Schuldenregelung hingewiesen zu
haben (act. 8, Rekursakten 7b). Diesen Weg hat der Beschwerdeführer nicht
beschritten. Gründe dafür werden nicht vorgebracht. So oder anders wäre es aber
angezeigt gewesen, mit Hilfe der Beratungsstelle sich beispielsweise mittels eines
Budgets nicht bloss das betreibungsrechtliche Existenzminimum als abstrakte Grösse,
sondern das konkrete Ausgabeverhalten vor Augen zu führen. Dies hätte immerhin
gezeigt, dass der Beschwerdeführer gewillt ist, seine wirtschaftliche Situation konkret
zu überblicken und sich zu bemühen, zumindest weitere Schulden zu vermeiden.
Der Beschwerdeführer verweist auf frühere selbständige Erwerbstätigkeiten, mit denen
er nur schwankende Einkünfte erzielt habe. Konkrete Angaben zu diesen Tätigkeiten
macht der Beschwerdeführer nicht. Es liegen einzig Internet-Informationen aus dem
Handelsregister der Kantone Zug und Luzern im Recht (vgl. act. 8, Rekursakten 12a,
Dossier Migrationsamt Seite 139, Internet-Information, abgerufen am 16. Dezember
2020). Von Februar 2007 bis März 2010 bestand in Zug das Einzelunternehmen "X._",
das im Transportbereich tätig war und Logistiklösungen anbot. Inhaberin war die
Ehefrau des Beschwerdeführers. Von Juni 2010 bis November 2015 war im
Handelsregister des Kantons Luzern die "Q._ GmbH" eingetragen. Sie führte gemäss
Umschreibung ihres Zwecks eine Werkstatt, importierte und exportierte Fahr- und
Werkzeuge und handelte mit Waren aller Art. Ab Juni 2012 war die Ehefrau des
Beschwerdeführers einzige Gesellschafterin, Geschäftsführerin und schliesslich
Liquidatorin mit Einzelunterschrift. Eine Mitwirkung oder Beteiligung des
Beschwerdeführers an diesen Unternehmen ergibt sich aus dem Handelsregister nicht.
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4.
Schon aus steuerrechtlichen Gründen müsste der Beschwerdeführer aber in der Lage
sein, zumindest Aufstellungen über Einnahmen und Ausgaben, über die
Vermögenslage sowie über Privatentnahmen und -einlagen und Belege dazu,
vorzulegen (vgl. unter anderem Art. 125 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die direkte
Bundessteuer, SR 642.11; Art. 169 Abs. 2 des Steuergesetzes, sGS 811.1).
Die steigende Verschuldung des Beschwerdeführers trotz mehrfach angedrohten
Verlusts des Aufenthaltsrechts, die fehlenden Angaben über die Einkünfte aus seinen
angeblichen selbständigen Erwerbstätigkeiten, das Nichtbezahlen von
Krankenkassenprämien, Steuern und Miete während laufender Lohnpfändungen und
die mangelhafte Mitwirkung im Betreibungsverfahren lassen das Verhalten des
Beschwerdeführers als mutwillig erscheinen.
Der Beschwerdeführer erfüllt angesichts seiner zahlreichen strafrechtlichen
Verurteilungen und dem Ausmass und den Gründen seiner Verschuldung den
Widerrufsgrund des schwerwiegenden Verstosses gegen die öffentliche Sicherheit und
Ordnung gemäss Art. 63 Abs. 1 Ingress und lit. b AIG.
3.4.
Selbst wenn ein Widerrufsgrund nach Art. 63 AIG vorliegt, ist die Nichtverlängerung der
Aufenthaltsbewilligung nur zulässig, wenn im konkreten Fall die Abwägung der sich
gegenüberstehenden öffentlichen und privaten Interessen ergibt, dass die
Wegweisung, die sich daraus als gesetzliche Folge ergibt, verhältnismässig ist (Art. 64
Abs. 1 Ingress und lit. c und Art. 96 Abs. 1 AIG). Auch die Ansprüche auf Achtung des
Privat- und Familienlebens gemäss Art. 8 EMRK und Art. 13 BV gelten nicht absolut.
Gemäss Art. 8 Ziff. 2 EMRK kann der Anspruch rechtmässig eingeschränkt werden,
wenn dies gesetzlich vorgesehen ist, einem legitimen Zweck entspricht und zu dessen
Realisierung in einer demokratischen Gesellschaft notwendig erscheint. Die Konvention
verlangt, dass die individuellen Interessen an der Erteilung beziehungsweise am Erhalt
des Anwesenheitsrechts und die öffentlichen Interessen an dessen Verweigerung
sorgfältig gegeneinander abgewogen werden. Das Recht nach Art. 8 Ziff. 1 EMRK gilt –
auch in seiner verfahrensrechtlichen Tragweite – als verletzt, wenn keine umfassende,
faire Interessenabwägung erfolgt, obwohl die intakten, engen persönlichen und
familiären Beziehungen der Familienmitglieder nicht problemlos andernorts gelebt
werden können (vgl. BGE 143 I 21 E. 5.1 mit zahlreichen Hinweisen).
4.1.
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Das öffentliche Interesse am Widerruf der Bewilligung des Beschwerdeführers ist durch
das Vorliegen eines gesetzlichen Widerrufsgrundes ausgewiesen. Ein erheblicher Teil
der strafrechtlichen Verurteilungen wiegt zwar nicht besonders schwer und liegt bereits
längere Zeit zurück. Seit den jüngsten Verurteilungen sind immerhin zwischen fünf und
drei Jahren verstrichen. Die Verurteilungen im Jahr 2015 erfolgten allerdings wegen
Betrugs, mehrfacher Urkundenfälschung, Fälschung von Ausweisen und –
geringfügigen – Widerhandlungen gegen das Ausländerrecht sowie wegen mehrfachen
Pfändungsbetrugs. Das Verschulden des Beschwerdeführers fällt umso mehr ins
Gewicht, als die Delikte im Zusammenhang mit seiner ausländerrechtlichen
Verpflichtung stehen, bestehende Schulden abzubauen und keine neuen Schulden
einzugehen. Angesichts der äusserst angespannten finanziellen Situation des
Beschwerdeführers besteht sodann die konkrete Gefahr, dass er weitere
Betreibungsdelikte begehen wird. Auch bezüglich der hohen Verschuldung erscheint
das Verschulden des Beschwerdeführers aus ausländerrechtlicher Sicht schwer.
Nachvollziehbare Gründe für die Verschuldung belegt der Beschwerdeführer nicht.
Zwar verfügt er seit Oktober 2020 über eine feste Anstellung. Es ist nicht
ausgeschlossen, dass er bei einem weiteren Aufenthalt in der Schweiz zukünftig ein
regelmässiges, wenn auch bescheidenes Erwerbseinkommen erzielen würde. Die bis
anhin erfolglose berufliche und wirtschaftliche Integration des Beschwerdeführers mit
der über Jahre stetig steigenden Verschuldung wird durch die erst seit kurzer Zeit
bestehende unselbständige Erwerbstätigkeit etwas relativiert.
Selbst in neuester Zeit erscheinen die Bemühungen des Beschwerdeführers,
bestehende Schulden zu tilgen und keine neuen Schulden einzugehen, nicht ernsthaft.
Das Betreibungsamt am aktuellen Wohnsitz kann nicht bestätigen, dass der
Beschwerdeführer und seine – ebenfalls beträchtlich verschuldete – Ehefrau ihre
Schulden abbauen. Obwohl in der Berechnung des betreibungsrechtlichen
Existenzminimums berücksichtigt, bezahlen sie Krankenkassenprämien, Steuern und
Wohnungsmiete – sie sind Untermieter der den Mietzins bevorschussenden
Wohnsitzgemeinde – nicht pflichtbewusst. Der Beschwerdeführer hat zudem bei den
Pfändungsvollzügen ein Bankkonto und die Einkünfte der Ehefrau aus deren
unselbständiger und selbständiger Erwerbstätigkeit verschwiegen (Auskunft vom
27. Februar 2020, act. 8, Rekursakten 16). Die Ehefrau ist gemäss Darstellung im
Rekursverfahren dabei, eine gegenüber dem Elektrizitätswerk am Wohnort bestehende
Schuld zurückzuzahlen. Die Beträge sind indessen mit monatlich CHF 50 klein und nur
möglich, soweit ihre Erwerbseinkünfte nicht gepfändet werden (vgl. act. 8, Rekursakten
24b).
4.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/18
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Insgesamt wiegt das öffentliche Interesse, welches der Widerrufsgrund gemäss Art. 63
Abs. 1 Ingress und lit. b AIG schützen will, schwer. Dies gilt umso mehr, als aufgrund
der dargelegten Umstände die Prognose, dass der Beschwerdeführer künftig die
gesetzlichen Vorschriften insbesondere im Verfahren der Zwangsvollstreckung
einhalten und seine öffentlich-rechtlichen und privatrechtlichen Verpflichtungen erfüllen
wird, als ungünstig beurteilt werden muss.
4.3.
Als privates Interesse kann der Beschwerdeführer zunächst geltend machen, dass er
sich bereits seit über dreissig Jahren in der Schweiz aufhält und lediglich die
Kinderjahre in seinem Heimatland verbrachte. Hinzu kommt, dass er seit über 18
Jahren mit einer Schweizerin verheiratet ist und mit ihr und den gemeinsamen fünf
noch minderjährigen Kindern in einer stabilen Familiengemeinschaft lebt. Aus den –
unbestrittenen – Schilderungen der Ehefrau (act. 4, Beilage 4) und des
Schulsozialarbeiters (act. 11/1) ist zu schliessen, dass sich der Beschwerdeführer als
Ehemann und Vater jedenfalls in persönlicher Hinsicht in einem den hiesigen
Verhältnissen entsprechenden Mass engagiert. Unbestritten ist auch, dass es der
Ehefrau und den gemeinsamen Kindern nicht zuzumuten ist, mit dem
Beschwerdeführer in dessen Heimat auszureisen. Dass die Ehefrau, die ursprünglich
ebenfalls aus Bosnien und Herzegowina stammt, und die fünf gemeinsamen Kinder im
Alter zwischen zehn und siebzehn Jahren mit dem Vater in dessen Heimat ausreisen
könnten, wird jedenfalls von keiner Seite in Betracht gezogen. Die Nichtverlängerung
der Aufenthaltsbewilligung würde deshalb unweigerlich zur Auflösung der
Familiengemeinschaft mit ihm führen. Dass die Weiterführung des Familienlebens
lediglich mit gegenseitigen Besuchen, deren Finanzierung angesichts der prekären
finanziellen Verhältnisse der Familie nicht gesichert erscheinen, und lediglich mit
elektronischen Kommunikationsmitteln zu einem schweren Eingriff in den völker- und
verfassungsrechtlichen Anspruch auf Familienleben führt, ist offenkundig.
Das Gewicht des privaten Interesses an der gemeinsamen Fortführung der
Familiengemeinschaft in der Schweiz wird allerdings relativiert. Auch das intakte
Familienleben und die offenkundige Gefahr, dass sein Verhalten das Zusammenleben
der Familie in der Schweiz verunmöglichen könnte, haben den Beschwerdeführer nicht
davon abgehalten, immer wieder straffällig zu werden und sich weiter und erheblich zu
verschulden. Insoweit hat er den Fortbestand seines Familienlebens in der Schweiz
4.3.1.
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selbstverschuldet und mutwillig aufs Spiel gesetzt und die Trennung von seiner Familie
in Kauf genommen. Zudem erging die erste ausländerrechtliche Verwarnung gegenüber
dem Beschwerdeführer am 14. März 2002. Auch der Ehefrau musste es deshalb
bereits im Zeitpunkt der Heirat am 29. August 2002 bewusst sein, dass das weitere
Anwesenheitsrecht des Beschwerdeführers in der Schweiz und damit auch die
Weiterführung des Familienlebens von seinem Wohlverhalten abhängen würde und
nicht gesichert war. Die Ehefrau selbst, die aufgrund ihrer eherechtlichen
Beistandspflicht (vgl. Art. 159 Abs. 3 und Art. 163 des Schweizerischen
Zivilgesetzbuches, SR 210, ZGB), auch bei der Bewältigung der Schuldenlast des
Beschwerdeführers mitzuwirken hat, hat ihrerseits ihre eigenen Einkünfte im
Pfändungsvollzug nicht offengelegt (vgl. act. 8, Rekursakten 16). Dass diese
unzureichende Mitwirkung die Chancen des Beschwerdeführers auf einen weiteren
Aufenthalt in der Schweiz schmälern würden, musste ihr bewusst sein.
Das Gewicht der privaten Interessen wird sodann durch die fehlende stabile
wirtschaftliche Integration des Beschwerdeführers relativiert. Dass er – obwohl seit
seinem 11. Altersjahr in der Schweiz lebend – eine berufliche Ausbildung
abgeschlossen hätte, lässt sich den Akten nicht entnehmen und wird auch nicht
geltend gemacht. Zahlreiche ausländerrechtliche Massnahmen – Verwarnungen und
Verlängerungen der Aufenthaltsbewilligung unter klaren Bedingungen während der
vergangenen 18 Jahre – konnten den Beschwerdeführer erst im Rechtsmittelverfahren
betreffend die Nichtverlängerung seiner Aufenthaltsbewilligung zu einer –
möglicherweise nachhaltigen – Verhaltensänderung bewegen, indem er im Jahr 2018
den Lehrgang zum Personalassistenten NBW erfolgreich abschloss (act. 8,
Rekursakten 1b, Beilage 8), ernsthafte Bemühungen um eine unselbständige
Erwerbstätigkeit dokumentierte (act. 8, Rekursakten 24b) und schliesslich per
1. Oktober 2020 ein unbefristetes Arbeitsverhältnis als "Production Staff" in einem
grösseren Industrieunternehmen eingegangen ist (vgl. act. 4/3, Lohnabrechnung
November act. 14). Auch die soziale Integration des Beschwerdeführers ist differenziert
zu beurteilen. Einerseits bestätigt das Regionale Beratungszentrum Z._ das familiäre
Engagement des Beschwerdeführers, der sprachlich integriert ist (vgl. act. 11, Beilage
1). Anderseits liess es der Beschwerdeführer angesichts seiner zahlreichen über Jahre
anhaltenden strafrechtlichen Verfehlungen an Integration vermissen. Auch in den
Betreibungsverfahren, die den Beschwerdeführer über Jahre begleiten werden, war
seine Mitwirkung nicht ausreichend (vgl. act. 8, Rekursakten 16).
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Gemäss der Verfügung des Migrationsamtes und dem vorinstanzlichen Entscheid
stammt der Beschwerdeführer aus Bosnien und Herzegowina. Er verfügt zudem auch
über einen Pass der Republik Serbien (vgl. act. 8, Dossier Migrationsamt, Seite 276).
Die Rückkehr nach Bosnien und Herzegowina oder nach Serbien nach über
dreissigjährigem Aufenthalt in der Schweiz würde für den Beschwerdeführer sicherlich
mit Nachteilen verbunden sein. Auch wenn er in seinen Heimatländern möglicherweise
– wie in der Beschwerde behauptet – über keine näheren Familienangehörigen
verfügen sollte, sind ihm Land und Kultur nicht fremd. Er hat zumindest seine
Kinderjahre dort verbracht und ist auch während des Aufenthalts in der Schweiz
mehrfach in seine Heimat gereist (vgl. act. 8, Dossier Migrationsamt, Seiten 276-283).
Seine Ehefrau stammt ebenfalls aus Bosnien und Herzegowina. Er selbst und auch
seine Frau und die gemeinsamen Kinder sprechen – wie in der Beschwerde ausgeführt
wird – die Landessprache (Beschwerde Rz. 31).
4.3.2.
Das öffentliche Interesse an der Beendigung des Aufenthalts des Beschwerdeführers in
der Schweiz wiegt angesichts seiner anhaltenden Missachtung der Rechtsordnung und
der Mutwilligkeit der Verschuldung trotz wiederholter ausländerrechtlicher
Verwarnungen und nur unter Bedingungen verlängerter Aufenthaltsbewilligungen
schwer. Dass die Verhaltensänderung – keine strafrechtlichen Verurteilungen mehr seit
2017, erfolgreich abgeschlossene Weiterbildung im Jahr 2018, unselbständige
Erwerbstätigkeit in unbefristeter Anstellung seit Oktober 2020 – von Dauer ist, erscheint
mit Blick auf sein aktuelles Verhalten im Betreibungsverfahren als zweifelhaft. Sie
vermag das schwere Gewicht des öffentlichen Interesses an der Beendigung seines
Aufenthalts deshalb nur geringfügig zu relativieren.
Das private Interesse des Beschwerdeführers, seiner Ehefrau und der fünf
gemeinsamen minderjährigen Kinder, an der Weiterführung des intakten Familienlebens
in der Schweiz wiegt ebenfalls schwer. Allerdings ist das Gewicht dieses privaten
Interesses insoweit zu relativieren, als der seit mehreren Jahren drohende Verlust des
Aufenthaltsrechts den Beschwerdeführer nicht zu einer klaren und eindeutigen
Verhaltensänderung veranlasste. Soweit ersichtlich trägt zwar die Ehefrau einen
grossen Teil der finanziellen Last, allerdings hat auch sie im Betreibungsverfahren
Einkommensquellen verschwiegen, welche der Beschwerdeführer hätte bekanntgeben
müssen. Weniger ins Gewicht fallen die Schwierigkeiten, mit denen der
Beschwerdeführer beim Aufbau einer neuen Existenz in seiner Heimat konfrontiert ist.
4.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/18
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5.
Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde als unbegründet. Sie ist abzuweisen,
soweit auf sie eingetreten werden kann. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die
amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen
(Art. 95 Abs. 1 VRP). Sie gehen indessen zufolge Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege zulasten des Staates (vgl. Art. 99 Abs. 2 VRP in Verbindung mit Art. 122
Abs. 1 Ingress und lit. b der Schweizerischen Zivilprozessordnung, SR 272, ZPO). Eine
Entscheidgebühr von CHF 2'000 erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Auf die Erhebung ist zu verzichten (Art. 95
Abs. 3 VRP).
Dem Beschwerdeführer wurde im Beschwerdeverfahren die unentgeltliche
Prozessführung gewährt. Seine Rechtsvertreterin hat eine Honorarnote mit einem
Zeitaufwand von 12.20 Stunden zu je CHF 200 und Barauslagen von CHF 6.30
zuzüglich Mehrwertsteuer eingereicht (act. 11/4). In der Verwaltungsrechtspflege
beträgt das Honorar vor Verwaltungsgericht pauschal CHF 1'000 bis 12'000 (Art. 22
Abs. 1 Ingress und lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten;
Insgesamt vermögen die zwar gewichtigen Interessen des Beschwerdeführers und
seiner Familie an seinem weiteren Aufenthalt in der Schweiz das schwere Gewicht der
öffentlichen Interessen an der Beendigung des Aufenthalts des Beschwerdeführers
nicht zu überwiegen. Das Verhalten des Beschwerdeführers lässt eine besondere
Rücksichtnahme nicht zu: Nachdem er mehrfach ausländerrechtlich verwarnt werden
musste und seine befristete Aufenthaltsbewilligung mehrfach nur unter der Bedingung,
sich strafrechtlich nichts mehr zuschulden kommen zu lassen und keine weiteren
Schulden einzugehen, verlängert worden war, fällt eine abermalige blosse Verwarnung
als alternative ausländerrechtliche Massnahme ausser Betracht (vgl. dazu BGer 2A.
19/2007 vom 16. Mai 2007 E. 3.4). Zu berücksichtigen ist schliesslich, dass die
aufenthaltsbeendende Massnahme zeitlich nur begrenzt gilt: Soweit der Betroffene,
gegen den eine Entfernungsmassnahme ergriffen wurde, weiterhin in den Kreis der
nach Art. 42 ff. AIG nachzugsberechtigten Personen fällt und seine hier anwesenden
nahen Angehörigen im Land bleiben, ist auf Antrag hin eine Neubeurteilung angezeigt,
falls der Betroffene sich in der Heimat bewährt hat, sodass davon ausgegangen
werden kann, dass er sich nunmehr künftig an die schweizerische Rechtsordnung
halten und wirtschaftlich und sozial in die hiesigen Verhältnisse einleben wird und keine
Gefahr besteht, dass er – mit zusätzlichen Schulden – weitere Gläubigerinteressen
gefährdet (BGer 2C_724/2018 vom 24. Juni 2019 E. 5.3.3; vgl. auch bei strafrechtlicher
Verurteilung BGer 2C_403/2016 vom 22. Februar 2017 E. 3.4 mit Hinweis auf
2C_1103/2015 vom 21. Dezember 2016 E. 6.4 mit Hinweisen).
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sGS 963.75, HonO). Innerhalb des für eine Pauschale gesetzten Rahmens wird das
Grundhonorar nach den besonderen Umständen, namentlich nach Art und Umfang der
Bemühungen, der Schwierigkeit des Falles und den wirtschaftlichen Verhältnissen der
Beteiligten, bemessen (Art. 19 HonO). Bei unentgeltlicher Prozessführung wird das
Honorar um einen Fünftel herabgesetzt (Art. 31 Abs. 3 AnwG). Das von der
Rechtsvertreterin geltende gemachte Honorar ohne Herabsetzung beläuft sich auf rund
CHF 3'000 und übersteigt damit zwar den Rahmen dessen, was im
ausländerrechtlichen Beschwerdeverfahren als Pauschalhonorar im Regelfall (CHF
2'500) festgelegt wird, doch erscheint es angesichts der sich stellenden Rechtsfragen
und Besonderheiten insgesamt als noch angemessen. Der Staat hat die
Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers deshalb aus unentgeltlicher
Rechtsverbeiständung für das Beschwerdeverfahren mit CHF 2'440 zuzüglich
CHF 6.30 und Mehrwertsteuer zu entschädigen. Die gerichtlich festgesetzte
Entschädigung gilt auch im Verhältnis zwischen der Rechtsvertreterin und dem
Beschwerdeführer (Art. 11 HonO).