# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 10e69c56-3a85-400f-ab86-eaeefa5df1eb
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1968
, meldete sich erstmals am 2
. März 2009 unter Hin
weis auf
Schmerzen an der Schulter und am Hals
bei der Invalidenversicheru
ng zum Leistungsbezug an (Urk. 9/21
Ziff. 6.2
). Mit Verfügung vom 9. April 2010
(Urk. 9/58
) verneinte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV
-
Stelle
, einen Anspruch auf
Leistungen der Invalidenversicherung
. Dies wurde mit Urt
eil des hiesi
gen Gerichts vom 11. Oktober
2010 im Verfahren Nr.
IV.2010.00448
(Urk.
9/70
) und mit
Urteil des Bundesgerichts vom 30
.
März 2011
(Urk. 9/7
7) bestätigt.
1.2
Am 1
7.
Dezember 2012 meldete sich die Versicherte erneut bei der Invaliden
ver
sicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
9/100).
D
ie IV-Stelle
nahm Abklä
rungen der medizinischen und beruflich-erwerblichen Situation
vor
und
stellte der Versicherten mit Vorbescheid vom
1.
Juli 2013 (
Urk.
9/123) in Aus
sicht, dass kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung bestehe. Dagegen
erhob die Versicherte am
2.
September
2013 Einwände (
Urk.
9/126).
In der Folge
holte die IV-Stelle beim
Y._
ein
polydis
zip
linäres
Gutachten ein, das am
26. Mai
2014 erstattet wurde (
Urk.
9/143
).
Am 3
0.
September 2014 nahm die
Versicherte
unter Verweis auf die Äusserungen der Fachpersonen des
Z._
vom 1
6.
Septem
ber 2014 (
Urk.
9/154) zum
Y._
-Gutachten Stellung (
Urk.
9/155).
Zu der vorgebrachten Kritik äusserten sich die
Y._
-Gutachter am 2
7.
Oktober 2014 (
Urk.
9/157). Mit Verfügung
vom 2
5.
Februar 2015
verneinte die IV-Stelle
eine
n
Anspruch
der Versicherten
auf Leistungen der Invalidenver
sicherung
(Urk. 9/
16
7
= Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am 1
6.
April 2015
Beschwerde gegen die Verfügung vom
2
5.
Februar 2015
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und
die Sache sei
zur Neubeurteilung an die IV-Stelle zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2
).
Die IV-Stelle beantra
gte mit Beschwerdeantwort vom 2
1.
Mai 2015 (
Urk.
8
) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom 1
1.
September 2015 (
Urk.
17)
wurde im Rahmen der Änderung der Rechtsprechung
des Bundesgerichts zur Invaliditätsbemessung bei psychosomatischen Störungen
von den Gutachtern des
Y._
eine ergänzende Stellungnahme zu ihrem Gutac
hten eingeholt, welche am 2
3.
September 2015 erstattet wurde (
Urk.
21).
Mit Gerichtsverfügung vom 2
7.
Oktober 2015 wurde antragsgemäss (vgl.
Urk.
1 S. 2
) die unentgeltliche Prozessführung und
Rechts
v
ertretung
bewilligt und den Parteien Gelegenheit gegeben, sich zur ergänzen
den Stellungnahme des
Y._
vom 2
3.
September
2015 (
Urk.
21) zu äussern
(
Urk.
27
).
Die Beschwerdegegnerin verzichtet
e
am
4.
November 2015 auf
eine
Stellungnahme (
Urk.
29
) und die Beschwerdeführerin äusserte sich am 1
7.
Novem
ber
2015 (
Urk.
30-31).
Mit Gerichtsverfügung vom 1
9.
November 2015
wurde
n
die Eingaben jeweils der an
deren Partei zugestellt (
Urk.
32
).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
).
Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über
die Invalidenversicherung; IVV
), so ist im
Beschwerdever
fahren
zu prüfen, ob im Sinne von
Art.
17 ATSG eine für den Rentenanspruch re
levante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbe
zügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E.
3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei
gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai
2009 E.
1.2 und I 212/03 vom 28. August
2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Aus
wirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszu
stan
des auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurtei
lung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheent
scheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Invaliditäts
bemessung
beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hin
weisen).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vor
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre Verfügung (
Urk.
2) damit, dass auf
grund der medizinischen Beurteilung kein Hinweis für einen
invalidenversi
cherungsrechtlich
relevanten Gesundheitsschaden vorliege, der die Arbeitsfä
hig
keit der Beschwerdeführerin dauerhaft einschränke.
Der Gesundheitsschaden sei, abgesehen von Beschwerden, für welche auch weitere zugezogene Fachärzte keine strukturelle oder auf funktionale Bewegungselemente bezogene Erklärung hätten,
der gleiche wie bereits im Jahr 201
0.
Es bestünden keine körperlichen Einschränkungen und die Beschwerdeführerin sei weiterhin zu 100
%
leis
tungs
fähig
. Auf das
Y._
-Gutachten könne abgestellt werden
(S. 1 f.)
.
2.2
Dagegen machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) geltend,
auf das
Y._
-Gutachten könne nicht abgestellt werden. Vielmehr sei der Ein
schätzung der Fachpersonen des
Z._
und deren Kritik am
Y._
-Gutachten zu
folgen. So sei die Untersuchung zu ob
erflächlich und zu kurz gewesen,
der komp
lexen Problematik nicht gerecht
ge
worden
,
und es fänden sich klare Fehler im Gutachten. Zudem sei die Befundaufnahme oberflächlich gewesen
,
und die Beschwerden seien nicht erhoben word
en, ganz anders dazu die ausführl
iche Beschwerdeaufnahme des
Z._
. Die Depression sei, wie bereits fremdbeurteilt durch das
A._
,
schwerwiegend, was bekräf
tige, dass sie zu 100
%
arbeitsunfähig sei (S. 4 ff.
Ziff.
2, S. 6 ff.
Ziff.
3)
.
Auch habe sie im Februar 2014 einen schweren Unfall erlitten
,
und die unfallbedingte zusätzliche Verschlechterung
des Gesundheitszustandes und die
dadurch einge
tretenen Arbeitsunfähigkeit werde im
Y._
-Gutachten schlichtweg ignoriert (S. 9
Ziff.
4).
2
.3
Strittig und zu prüfen ist,
ob seit
April 2010 (Urk. 9/5
8)
eine anspruchsrelevante Verschlechterung
des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin
eingetreten ist (vgl. vorstehend E. 1.3).
3.
3.1
Mit
Urteil vom 11
.
Oktober 2010 (Urk. 9/70
)
bestätigte das hiesige Gericht die abweisende Rentenverfügung
vom
9.
April
2010 (
Urk.
9/58)
gestützt auf de
n
Austrittsbericht
der
Klinik B._
vom
5.
Dezembe
r 2007 (
Urk.
9/28/35-41
) und deren
Bericht vom
5.
März
2008 (
Urk.
9/28/32-34) und hielt fest, dass ab dem 1
4.
Februar 2008 weder ein Gesundheitsschaden mit Krankheitswert noch eine Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen sei (
Urk.
9/70
E.
4.1
.3). Weiter wurde das Vorliegen
eine
r
psychische
n
Störung mit
Krankheits
wert
unter Hinweis darauf,
dass eine solche
fachärztlicherseits
nie s
chlüssig festgestellt worden sei
,
verneint (
Urk.
9/70
E. 4.3.2).
Im Folgenden ist daher zu prüfen, ob seither eine anspruchsrelevante Ver
schlechterung des Gesundheitszustandes eingetreten ist.
3.2
Zum Zeitpunkt der vorliegend angefochtenen Verfügung (
Februar 2015
) präsen
tierte sich die relevante medizinische Aktenlage wie folgt:
Am
26.
Mai
2014 erstatteten die Gutachter des
Y._
das von der
Beschwerde
gegnerin
veranlasste polydisziplinäre Gutachten (
Urk.
9/143
/2-32
). Die Gutach
ter stellten zusammenfassend folgende Diagnose mit Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit (S. 28
Ziff.
5.1):
chronisches
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom ohne eindeutig ausstrah
lende Symptomatik
osteochondrotische
Veränderungen im Segment LWK 4/5 mit
parame
dian
links gelegener Diskushernie ohne eindeutige Neurokompression
Hemisakralisation
von LWK5 links
m
ögliche intermittierende
radikuläre
Reizsymptomatik der Wurzel L5 links
Als Diagnose
n
ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie eine leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0), eine anhaltende somatoforme
Schmerz
störung
(ICD-10 F45.4), chronisches Spannungstyp-Kopfweh,
einen
Status nach Treppensturz mit möglicher Commotio cerebri
am 1
3.
Februar 2014, einen Sta
tus nach
synkopalem
Bewusstseinsverlust mit möglicher Commotio cerebri und
Rissquetschwunde (
RQW
)
occipital
am
1.
Juni 2007 und einen Status nach Un
fall mit HWS-Distorsionstrauma und Schulterkontusion links am 1
7.
Mai 2007 bei zervikalem Schmerzsyndrom (S. 28
Ziff.
5.2).
Zur Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit und in anderen Tätigkeiten führten die Gutachter aus, bei der orthopädischen Untersuchung sei ein chro
nisches
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom bei radiologisch nachgewiesenen
oste
o
chondrotischen
Veränderungen L4/5 und Diskushernie auf dieser Höhe diag
nostiziert worden. Die somatischen Befunde könnten die von der Explo
ran
din angegebenen Beschwerden am Bewegungsapparat
nicht ausreichend erklä
ren. Es hätten diverse Diskrepanzen zwischen den Bewegungsmöglichkeiten in der Untersuchungssituation und den spontanen Bewegungen bestanden. Aus ortho
pädischer Sicht bestehe eine etwas verminderte Belastbarkeit des
Achsen
skeletts
. Für körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten ohne dauernde
Zwangshal
tungen
sei die Arbeits- und Leistungsfähigkeit der Explorandin nicht einge
schränkt.
Bei
der neurologischen Untersuchung seien keine peripheren neurologischen Aus
fälle gefunden worden
. Eine intermittierende
radikuläre
Reizsymptomatik der Wurzel L5 sei möglich. Im Weiteren bestehe ein zervikales Schmerzsyndrom nach zwei Unfällen. Sowohl bei der Beschreibung der Unfälle durch die Explo
randin
als
auch in den medizinischen Berichten seien diverse Diskrepanzen festgestellt worden. Aus neurologischer Sicht seien der Explorandin ebenfalls körperlich schwere Tätigkeiten nicht mehr zumutbar. Für eine körperlich leichte bis zumindest intermittierend mittelschwere Tätigkeit bestehe keine Einschrän
kung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit.
Bei der allgemeininternistischen Untersuchung seien keine pathologischen Be
funde erhoben worden. Es bestehe keine Einschränkung der Arbeits- und Leis
tungsfähigkeit
(S. 29
Ziff.
6.2)
.
Im Rahmen der p
sychiatrischen Begutachtung habe die Beschwerdeführerin ange
geben, unter sehr starken Schmerzen, vor allem auch jetzt nach der soma
tischen Untersuchung
,
zu leiden. Sie leide unter Schmerzen im Nacken, Rücken, Kreuz und in den Beinen. Sie sei in psychiatrischer Behandlung im
Z._
bei
Dr.
C._
, den sie alle drei Monate sehe, und bei
Dr.
D._
, den sie monat
lich sehe. Sie sei seit 2010 dort in Behandlung (S. 10
Ziff.
4.1.1.2
).
Anlässlich der psychiatrischen Untersuchung seien eine leichte depressive Epi
sode und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert worden. Die depressive Symptomatik sei nicht stark ausgeprägt und schränke die Ex
plo
ran
din praktisch nicht ein. Die anhaltende somatoforme Schmerzstörung er
kläre die von der Explorandin angegebenen Beschwerden, welche somatisch nicht aus
reichend objektiviert werden könnten
. Eine Einschränkung der Ar
beitsfähig
keit bewirke sie nicht. Aus psychiatrischer Sicht sei die Arbeitsfähig
keit der Explorandin nicht eingeschränkt.
Die Gutachter führten aus, zusammengefasst sei die Exp
lorandin aus
polydis
ziplinärer
Sicht für eine körperlich leichte bis intermittierend mittelschwere Tätigkeit zu 100
%
arbeits- und leistungsfähig. Unter dieses Belastungsprofil fielen auch die derzeit ausgeübten Reinigungstätigkeiten (S. 29
Ziff.
6.2).
Aufgrund der anamnestischen Angaben, ihrer Untersuchungsbefunde, der vor
liegenden Dokumente sowie der früher attestierten Arbeitsunfähigkeiten sei da
von auszugehen, dass die Arbeitsfähigkeit zumindest für angepasste Tätigkeiten gemäss dem Belastungsprofil in der Vergangenheit nie über eine längere Zeit
spanne
höhergradig
eingeschränkt gewesen sei. Genauere Angaben liessen sich aufgrund der Akten nicht machen. Sicher bestehe die von ihnen festgestellte Arbeitsfähigkeit ab dem aktuellen Untersuchungsdatum vo
m März 2014 (S.
29
Ziff.
6.3).
Auch sei die Arbeitsfähigkeit
bei der Haushaltstätigkeit nicht wesent
lich eingeschränkt (S. 30
Ziff.
6.4).
Die Explorandin fühle sich nicht mehr arbeitsfähig. Die von ihr angegebenen Beschwerden könnten allerdings objektiv medizinisch nicht ausreichend erklärt
werden. Bei den Untersuchungen seien auch erhebliche Diskrepanzen und
Selbst
limitierungen
festgestellt worden. Im Haushalt erhalte sie Hilfe von den Ange
hörigen und habe einen erheblichen sekundären Krankheitsgewinn. Da kein psychisches Leiden mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bestehe, wäre es der Explorandin zumutbar, die notwendige Willensanstrengung aufzubringen, um trotz der Beschwerden einer Erwerbstätigkei
t nachzugehen (S. 30
Ziff.
6.5)
3
.
3
E._
, Facharzt
für
Ps
ychiatrie und Psychotherapie
, und Dr. phil.
klin
.
psych.
C._
,
Z._
, führten in ihrer Stellungnahme vom 1
6.
September 2014 (
Urk.
9/154 =
Urk.
3/1) zum
Y._
-Gutachten aus,
die richti
gen Diagnosen im Jahr 2014 lauteten im Wesentlichen
wie folgt (S. 3
Ziff.
6
):
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige
depressive Episode (ICD-10 F33.1
)
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
Status nach
commotio
cerebri (
Spital F._
vom
4.
Juni 2007)
Status nach HWS-Distorsion (
Spital F._
vom 1
3.
Juni 2007)
lumbovertebrales
bis
radikuläres
Syndrom
akute
Zervikalgie
/
Thorakalgie
Status nach Ab
ort am 2
9.
Mai 2007 mit
Mifegyne
Die Fachpersonen
führten aus, diese Diagnosen hätten sehr wohl Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der Patientin.
Subjektiv
sei die Patientin zu 100
%
arbeitsunfähig. Das positive Leist
ungsbild bestehe in 10 Minuten S
itzen, 1
0 Mi
nu
ten G
ehen und in
gelegentlichem
leichten Kochen. Ein kleiner Einkauf sei noch möglich. Sie könne nur kurze Strecken Autofahren. Das negative
Leis
tungsprofil
bestehe in
keine schweren Arbeiten, keine regelmässigen Tätigkeiten wegen den inter
mittierend exzessiven Schmerzen
,
kein
en
Stress und
keinen
Publi
kumsverkehr.
Die Fachpersonen hielten fest, g
emäss ihrer objektiveren Beur
tei
lung der Arbeitsfähigkeit sei die Patientin auch für angepasste Tätig
keiten zu 100
%
arbeitsunfähig. Eine vollständige Arbeitsfähigkeit sei weder begründet noch nachzuvollziehen (S. 3
Ziff.
7)
.
Die Fachpersonen
führten zum
Y._
-Gutachten aus,
die Untersuchung habe bei allen Fachärzten insgesamt weniger als eine Stunde gedauert, was bei der kom
plexen Problematik zu wenig sei. Darüber hinaus sei die Übersetzung am ersten Tag, wo die Patientin auch psychiatrisch unters
ucht worden sei, gut
,
jedoch
am zweiten Tag, während der neurologischen U
ntersuchung
,
deutlich ungenügend
gewesen
. Es sei daher von Missverständnissen und von mangelnder Sorgfalt auszugehen. Zudem bestünden Fehler im Gutachten. So hab
e die Patientin nicht seit 2004
,
sondern seit 2003 bei der
G._
AG gearbeitet
,
und die Firma habe
H._
und nicht
I._
geheissen. Zudem sei die Prozentangabe der Arbeits
fähigkeit widersprüchlich
,
und die Familie lebe in einer 4.5 Zimmer-Wohnung
im
3.
Stock und nicht
,
wie behauptet worden sei
,
im
4.
Stock in einer 4 Zimmer-
Wohnung. Zudem habe sie nicht 9 Jahre im
J._
die Schule besucht
,
sondern 8 Jahre (S. 2
Ziff.
1-2).
Weiter
seien die Beschwerden nur oberflächlich aufge
nommen worden
,
und eine Diagnosestellung sei gar nicht möglich (S. 2
Ziff.
3).
Die Fachpersonen
führten aus, aufgrund ihrer ausführlichen
Beschwerdeauf
nahme
seien die ICD-10 Kriterien für eine rezidivierende mittelgradige depres
sive Episode erfüllt. Eine leichte Depression sei nicht zu rechtfertigen und komme nur zustande, weil die Beschwerden gar nicht erfragt word
en seien (S. 2
Ziff.
4).
Die Depression sei nach wie vor fremdbeurteilt durch das
A._
schwer (S. 3
Ziff.
5)
.
3
.
4
Die Gutachter des
Y._
führten in ihrer Stellungnahme vom 2
7.
Oktober 2014 (
Urk.
9/157) zum Bericht der Fachpersonen des
Z._
vom 1
6.
September 2014 aus,
es
fehle darin eine psychopathologisc
he Befunderhebung, so dass die
Diag
nosen nicht nachvollzogen werden könnten. Aufgrund der Diagnosen könne
die 100%ige Arbeitsunfähigkeit
auch für angepasste Tätigkeiten nicht nachvollzo
gen werden. Bei einer psychiatrischen Beurteilung dürften
die somatischen Be
funde nicht
in die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit miteinfliessen.
Dr.
C._
sei
kein Mediziner und die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit sei eine ärztliche Aufgabe. Bei einer interdisziplinären Beurteilung hätte zumindest ein entspre
chender somatischer Facharzt mitbeurteilen beziehungsweise mitunterschreiben müssen
,
und
die subjektiven Beschwerden
hätten
von den objektiven Befunden getrennt werden
müssen
.
Zudem ergebe sich aus der ausführlichen
Beschwer
deaufnahme
im Bericht des
Z._
gemäss den ICD-Kriterien lediglich eine leichte depressive Episode. Auf die Beurteilun
g des
Z._
könne nicht abgestellt werden (S. 1 f.
).
3
.
5
Die Gutachter des
Y._
führten in ihrer ergänzenden Stellungnahme vom 2
3.
September 2015 (
Urk.
21) zu den Standardindikatoren unter der Kategorie „funktioneller Schweregrad“- Komplex „Gesundheitsschädigung“ - Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
aus, an diagnoserelevanten objektiven Befun
den hätten sich im klinischen Untersuchungsgespräch eine depressive Verstim
mung, ein verlangsamter Gang und leichte Konzentrationsstörungen ergeben, was mit den geklagten Symptomen einer ausgeweiteten Schmerzsymptomatik im Bewegungsapparat, einem wechselnden Appetit und Schlafstörungen die Diagnosen einer leichten depressiven Episode (ICD-10 F32.0) und einer anhal
ten
den somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) ergeben habe.
Die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung sei zudem begrün
det durch emotionale und psychosoziale Belastungsfaktoren, die deutlich ausgeprägt gewesen
seien
. Die Befunde seien leicht ausgeprägt gewesen und hätten nicht als mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit angegeben werden können (S. 1 unten f.).
Zum Behandlungs
- und Eingliederungserfolg oder
-resistenz führten
die Gut
achter
aus, es habe eine ambulante psychiatrisch-psychotherapeutische Be
hand
lung am
Z._
bestanden, die nicht sehr häufig, das heisse alle drei Monate beziehungsweise monatlich durchgeführt worden sei, die aber schon seit 2010 bestanden habe. Es habe auch eine antidepressive Medikation bestanden, wobei
ein Medikamentenspiegel praktisch nicht habe nachgewiesen werden können, was
ein Hinweis auf eine unzureichende Medikamenten-Compliance sei. Die Explorandin sei auch nie in einer psychiatrischen Klinik hospitalisiert gewesen. Die therapeutischen Möglichkeiten seien also theoretisch nicht ausgeschöpft. Der Beh
andlungserfolg sei unzureichend
. Es habe aber auch eine deutlich aus
geprägte Krankheits- und Behinderungsüberzeugung bestanden, weshalb kaum davon ausgegangen werden könne, dass unter optimaler Behandlung erreicht werden könne, dass die Explorandin einer ausserhäuslichen E
rwerbstätigkeit nachgehen werde
.
Zur Schmerzstörung habe eine leichte Komorbidität mit einer leichten depressi
ven Episode bestanden (S. 2 Mitte).
Zum Komplex „Persönlichkeit“ (Persönlichkeitsdiagnostik und persönliche Res
sourcen) führten
die Gutachter
aus, es hätten keine deutlich auffälligen
Persön
lichkeitszüge
bestanden. Auch im Längsverlauf hätten sich keine Hinweise auf ein
e mangelhafte Persönlichkeitsentwicklung ergeben. Die Explorandin sei vor
der Erkrankung voll leistungsfähig gewesen und habe eine normale Sozialisa
tion
mit früher voller Leistungsfähigkeit gezeigt. Sie habe auch persönliche Ressour
cen mit Berufserfahrung in der freien Wirtschaft als Reinigerin
,
aber auch als
Betriebsmitarbeiterin
in einer Salatfabrik gezeigt und
sich auch ihren Aufgaben als Hausfrau und Mutter gewidmet. Somit hätten durchaus Ressour
cen für eine einfache, angelernte Arbeit bestanden (S. 2 unten).
Zum Komplex „sozialer Kontext“ führten die Gutachter aus, die Explorandin sei in der Familie gut integriert gewesen und habe von der Familie sogar viel Hilfe erhalten. Sie
sei nicht aus ihrem sozialen Umfeld hinausgefallen. Es sei ihr auch möglich, zusammen mit der Familie Flugreisen zu unternehmen (S.
2 unten).
Zur Kategorie „Konsistenz“ (Gesichtspunkte des Verhaltens) hielten die Gutach
ter fest, es habe eine deutliche Einschränkung bezüglich einer ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit, den häuslichen Aufgaben und den Kontakten ausserhalb der Familie, jedoch auch ein deutlicher Hinweis auf einen
sekundären
Krankheits
gewinn
bestanden, indem der Explorandin die häuslichen Aufgaben von der Familie abgenommen worden seien
. Es habe vor allem auch eine deutlich aus
geprägte Krankheits- und Behinderungsüberzeugung bestande
n
(S. 3 oben)
.
Deutlich sei ein subjektiver Leidensdruck angegeben worden. Die Explorandin sei aber in der Familie nach wie vor gut integriert. Objektiv schwer kranke Menschen mit zum Beispiel einer schweren Depression fielen regelmässig aus dem sozialen Kontext hinaus und seien auch in der Familie nicht tragbar. Diese gingen dann auch nicht mehr auf Reisen zusammen mit der Familie. Die Be
handlung während der Zeit der Untersuchung sei nicht optimal gewesen. Die Explorandin habe angegeben, die Medikamente einzunehmen, jedoch müsse auf
grund des nicht nachweisbaren Medikamentenspiegels geschlossen werden, dass sie das verordnete Ant
idepressivum gar nicht einnehme
und es sei gut möglich, dass sie auch sonst nicht so wahrheitsgemässe Angaben mache. So könnte verstanden werden
,
warum der von ihr angegebene Leidensdruck und auch d
er vom
Z._
erhobene Befund, welcher sich mehr auf die subjektiven Be
findlichkeiten abgestützt habe, von den objektiv erhobenen Befunden bei
der Untersuchung am
Y._
abgewichen seien
(S. 3 Mitte).
3
.
6
Die Fachpersonen des
Z._
führten in ihrem Bericht vom
9.
November 2015 (
Urk.
31) aus, auf das
Y._
-Gutachten könne nicht abgestellt werden. Mit einer solchen Beschwerdeaufnahme sei keine Diagnose zu stellen
,
und die Diagnose praktisch alleine aus dem psychopathologischen Befund abzuleiten, sei nicht fachgerecht. Aus dem Umstand, dass die Patientin die Medikamente möglicher
weise nicht korrekt eingenommen
habe, könne sicher nicht auf ihre
generelle Unglaubwürdigkeit
geschlossen werden (
Ziff.
1-3).
4
.
4
.1
Aus den Berichten der
Klinik B._
vom Dezember 2007 und vom März
2008 ging hervor, dass ab Februar
2008 weder ein Gesund
heitsschaden mit
Krank
heitswert
noch eine Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen war. Auch eine psy
chi
sche Störung mit Krankheitswert lag nicht vor (vgl. vorstehend E. 3.1).
Im
Y._
-Gutachten vom
Mai
2014
(vorstehend E.
3
.
2
) wurde nun
als Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches
lumbovertebrales
Schmerz
syndrom
ohne eindeutig ausstrahlende Symptomatik genannt
.
Ein ver
änderter Gesundheitszustand ist demnach ausgewiesen
.
4
.2
Die Gutachter des
Y._
nannten als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit unter anderem eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4).
Mit
BGE 141 V 281
hat das Bundesgericht seine bisherige Rechtspre
chung zur Invaliditätsbemessung bei Schmerzstörungen ohne erkennbare orga
nische Ursache und vergleichbaren psychosomatischen Leiden (BGE 130 V 352 u
nd anschliessende Urteile) ange
passt und festgehalten,
dass die
Invaliditätsbe
messung
stärker als bisher den Aspekt der funktionellen Auswirkungen zu be
rücksichtigen hat, was sich schon in den diagnostischen Anforderungen nie
derschlagen muss.
Auf der Ebene der Arbeitsunfähigkeit bezweckte die durch BGE
130 V 352 begründete Rechtspre
chung die Sicherstellung eines gesetzmäs
sigen Versicherungsvollzuges mittels der Regel/Ausnahme-Vorgabe bezie
hungs
weise (seit E. 7.3 von BGE 130 V 396 und BGE 131 V 49) der
Überwind
barkeits
vermutung
. Deren Rechtsnatur kann offen bleiben. Denn an dieser Recht
sprechung ist nicht festzuh
alten. Das bishe
rige Regel/Ausnahme-Modell wird durch ein st
rukturiertes Beweisverfahren er
setzt. An der Rechtsprechung zu Art. 7 Abs. 2 ATSG – ausschliessliche Berücksichtigung der Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung und objektivierte Zumutbarkeitsprüfung bei materi
eller Beweisl
ast der rentenansprechenden Per
son (Art. 7 Abs. 2 ATSG) – ändert sich dadurch
nichts.
An die Stelle des bisherigen Kriterienkatalogs (bei anhal
tender somatoformer Schmerzstörung und vergleichbaren psychosomatischen Leiden)
trete
n im Regelfall beachtliche Stan
dardindikatoren. Diese lassen sich in die Ka
tegorien Schweregrad und Konsis
tenz der funktionellen Auswirkungen einteilen. Auf den Begriff des primären Krankheitsgewinnes und die
Präpon
deranz
der psychiatrischen Komorbidität ist zu verzichten. Der Prüfungsraster ist rechtlich
er Natur. Recht und Medizin wir
ken sowohl bei der Formulierung der Standardindikatoren wie auch bei deren – rechtlich gebotener – Anwendung im Einzel
fall zusammen. Im Grunde konkre
tisieren die in E. 4 und 5 formu
lierten Beweisthemen und Vorgehensweisen für die Invaliditätsbemessung bei
psy
chosomatischen Leiden die gesetzgeberischen Anordnungen nach Art. 7 Abs. 2
ATSG.
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur
zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festge
stel
lten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standard
indi
katoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahr
scheinlichkeit nachgewiesen sind.
Fehlt e
s da
ran, hat die Folgen der
Beweislo
sigkeit
nach wi
e vor die materiell beweisbelas
tete versicherte Person zu tragen (E. 6).
4.3
Nach Aufgabe des Konzepts der Überwindbarkeitsvermutung, welche durch eine ergebnisoffene Beurteilung des funktionellen Leistungsvermögens als zentralem Beweisgegenstand abgelöst wird, scheint der Begriff des Kriteriums nicht mehr geeignet. Das Bundesgericht spricht fortan von Indikatoren, einem Begriff, der massgebliche Beweisthemen bezeichnet, anhand welcher ein bestimmter Sach
verhalt ermittelt wird (vgl. dazu auch Peter Henningsen, Probleme und offene Fragen in der Beurteilung der Erwerbsfähigkeit bei Probanden mit funktionellen
Körperbeschwerdesyndromen, in: SZS 2014 S. 533 und 541 [Gutachten des Prof.
Dr.
Peter Henningsen, Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Technische Universität München, vom Mai 2014 zu Fragen der Schweizer Praxis zur Invaliditätsfeststellung bei somatoformen und ver
wandten Störungen];
BGE 141 V 281
E. 4.1.1 und E. 4.1.2).
Die im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren, welche nach gemeinsamen Eigenschaften systematisiert werden können, umschreibt das Bundesgericht i
n
BGE 141 V 281
wie folgt:
Kategorie „funktioneller Schweregrad" (E. 4.3)
Komplex „Gesundheitsschädigung" (E. 4.3.1)
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
(E. 4.3.1.2)
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen; E. 4.3.2)
Komplex „Sozialer Kontext" (E. 4.3.3)
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens; E. 4.4)
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener
Lei
dens
druck
(E. 4.4.2)
Die Antworten, welche die medizinischen Sachverständigen anhand der (im Ein
zel
fall relevanten) Indikatoren geben, verschaffen den Rechtsanwendern In
dizien, wie sie erforderlich sind, um den Beweisnotstand im Zusammenhang mit der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit bei psychosomatischen Störungen zu überbrücken (E. 4.1.3).
4.4
Das
Y._
-Gutachten
vom
26. Mai
2014 erweist sich
vorliegend
zusammen mit
den
im Rahmen der geänderten Rechtsprechung zur somatoformen
Schmerz
störung
gerichtlich eingeholten Ergänzung
en
vom
23.
September 2015 (vor
steh
end E. 3
.5
)
für die zu beurteilenden Fragen als umfassend. Es wurde in Kenntnis sowie in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben
und die Gutachter setzten sich mit den Beschwerden und dem gezeigten Verhalten der Beschwer
deführerin umfassend auseinander. Die Darlegung der medizinischen Zusam
men
hänge ist einleuchtend und nachvollziehbar. Das Gutachten ist somit schlüssig und voll
umfänglich beweiskräftig.
Die Gutachter des
Y._
beurteilten die bei der Beschwerdeführerin diagnostizierte
somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
bereits in ihrem Gutachten vom
Mai
2014 als ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Auch nach der in ihrem Bericht vo
m September 2015
vorgenommenen Prüfung entsprechend der Vor
gaben des Bundesgerichts hielten
sie
an dieser Einschätzung fest.
Aus ihren er
gänzenden Ausführungen geht
hinreichend hervor
, dass die Ausprägung der psychischen und somatischen diagnoserelevanten Befunde nicht derart stark ins Gewicht fällt, dass sie einer Arbeitsfähigkeit in
der ausgeübten und in
einer Verweistätigkeit entgegenstehen würde.
Ferner ergibt sich aus den Schil
derungen der Beschwerdeführerin, dass sie
in einem
intakten familiären Umfeld lebt, familiäre
Unterstützung erhält und auch zusammen mit der Familie Flugreisen unternimmt.
D
ie
Y._
-Gutachter
verwiesen
darauf, dass zwar eine ambulante psychothera
peutische Behandlung am
Z._
bestehe, die
se
jedoch lediglich
alle drei Monate respektive monatlich durchgeführt werde
,
und
die
angegebene antidepressive
Medikamentation
im Medikamentenspiegel nicht
habe
nach
gewiesen werden können
. Dass die Beschwerdeführerin damit die therapeutischen Möglichkeiten ausgeschöpft hätte, trifft
demnach
nicht zu.
Eine deutliche Einschränkung wurde bezüglich der
ausserhäuslichen
Erwerbs
tätigkeit, den häuslichen Aufgaben und den Kontakten
ausserhalb
der Familie angegeben. Die Gutachter
des
Y._
berichteten aber von einer deutlich ausge
prägten Krankheits- und Behinderungsüberzeugung
und verwiesen
auf einen
sekund
ären Krankheitsgewinn, indem der
Explorandin die häuslichen Aufgaben von der
Familie abgenommen wü
rden
. Weiter wurde im Gutachten vom
Mai
2014 auf verschiedene Diskrepanzen
und
eine Selbstlimitierung
hingewiesen
.
Bei dieser Sachlage ergeben sich auch unter Berücksichtigung der beachtlichen
Standardindikatoren
keine erheblichen funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten Diag
nosen, weshalb die Gutachter der
somatoforme
Schmerz
störung
(ICD-10 F45.4)
zu Recht
keine
Auswirkung
en
auf die Arbeits
fähigkeit
zugestanden
.
4
.5
Auch die Berichte der Fachpersonen des
Z._
(vgl. vorstehend E. 3.3 und E. 3.6)
vermögen die Einschätzung
der
Y._
-Gutachter nicht in Zweifel zu ziehen.
So stützten sich die Fachpersonen des
Z._
im Wesentlichen auf die subjektive Beschwerdeschilderung der Beschwerdeführerin ab, womit es an einem
Begrün
dungsfundament
für die postulierte
generelle
100%ige Arbeitsunfähigkeit
fehlt
.
Das Bundesgericht hat diesbezüglich festgehalten,
dass m
edizinisch-psychiat
risch nicht begründbare Selbsteinschätzungen und -limitierungen, wie sie, ge
richts
notorisch, ärztlicherseits sehr oft unterstützt werden - wobei erst noch häufig gar keine konseq
uente Behandlung stattfindet -,
nicht als invalidisie
rende Gesundheitsbeeinträchtigung anzuerkennen
seien
(Urteil
9C_492/2014
E.3.7.1).
Insbesondere
entbehrt
das von den Fachpersonen des
Z._
formulierte positive
und
negative
Leistungsprofil
einer fundierten medizinischen Grundlage.
Weiter vermag auch
d
ie von
Seiten der
Fachpersonen des
Z._
im September 2014
geä
usserte
Kritik (vorstehend E. 3.3
)
am
Y._
-Gutachten, die so von der Beschwerdeführerin übernommen wurde (vgl.
vorstehend E. 2.2
), nicht zu über
zeugen.
So b
rachten die Fachpersonen des
Z._
hinsichtlich der Fehler im
Y._
-Gutach
ten
lediglich
irrelevante Punkte vor
.
Dass die Beschwerdeführerin bereits im Jahr 2003 bei de
r
G._
AG gearbeitet
haben soll, steht im Wider
spruch zu den Angaben im Arbeitgeberbericht, wonach die Beschwerdeführerin erst seit dem 2
1.
April 2004 dort angestellt gewesen war (vgl.
Urk.
9/27
Ziff.
2.1). Dies wurde so auch im Meldeformular für die Früherfassung
und im Anmeldungsformular für den Leistungsbezug
angegeben (vgl.
Urk.
9/6
Ziff.
3
,
Urk.
9/21
Ziff.
5.4
).
Hinsichtlich der von den Fachpersonen
des
Z._
vorge
brachten Kritik betreffend die Dauer der Untersuchungen am
Y._
ist zu beach
ten, dass es
rechtsprechungsgemäss
keine verbindliche Mindestdauer für eine psychiatrische Exploration
gibt
, sondern es wird lediglich verlangt, dass die Ex
pertise inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist, wobei der für eine psychiatrische Untersuchung zu betreibende zeitliche Aufwand der Fragestel
lung und der zu beurteilenden Psychopathologie angemessen sein muss (Urteile
des Bundesgerichts 8C_660/2013 vom 1
5.
Mai 2014 E. 4.2.3, 8C_602/2013 vom
9.
April 2014 E. 3.2).
Inwiefern die Befundaufnahme der Fachpersonen des
Z._
ausführlicher sein soll,
als jene der Gutachter
des
Y._
,
lässt sich nicht nachvollziehen. S
o stützten sich die Fachpersonen
des
Z._
,
wie bereits aufgeführt,
hauptsächlich auf die subjektiven
Beschwerdeäusserung
en
der Beschwerdeführerin
, was auch daraus hervorgeht, dass sie festhielten,
sie
sei „subje
ktiv“ nicht mehr arbeitsfähig.
Im Übrigen kann nicht von einer
„Fremdbeurteilung“ die
Rede sein, wenn die Beschwerdeführerin durch das
A._
untersucht wurd
e, handelt es sich dabei um dieselbe Institution.
Dass die
Y._
-Gutachter das Unfallereignis vom Februar 2014 nicht gewürdigt hätten, wie die Beschwerdeführerin geltend machte (vorstehend E. 2.2)
,
ist nicht zutreffend. Die
Y._
-Gutachter befanden den Status nach Treppensturz mit mög
licher Commotio cerebri am 1
3.
Februar 2014 als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit, und der entsprechende Bericht des
Spitals K._
vom 1
3.
Februar 2014 lag ihnen vor. Daraus geht hervor, dass die Beschwerdeführe
rin nach 24-stündiger unauffälliger GCS-Überwachung bei
blander
computer
tomografischer
sowie laborchemischer Untersuchung bei nun subjektiven Wohl
befinden nach Hause entlassen worden sei (vgl.
Urk.
9/143
/2-32
S. 31 oben und
Urk.
9/143/37-38).
Eine daraus folgende
massgebliche
Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin
ist nicht ausgewiesen.
Gesamthaft vermögen die Berichte und Stellungnahmen des
Z._
demnach
k
eine Zweifel am Beweiswert des polydisziplinären
Gutachtens
des
Y._
zu we
cken. Es wurden vom
Z._
keine wichtigen - und nicht rein subjektiver ärztli
cher Interpretation entspringenden – Aspekte angeführt, welche im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundes
gerichts 8C_278/2011 vom 26. Juli
2011 E.
5.3; SVR 2008 IV Nr.
15 S.
43, I
514/06 E. 2.2.1).
4
.6
Zusammenfassend hat sich der Gesundhei
tszustand der Beschwerdeführerin
im Vergleich zur re
ntenablehnenden Verfügung vom 9
.
April 201
0
zwar diagnos
tisch und aufgrund der geklagten Beschwerden verändert, dies wirkt sich jedoch nicht auf die
Arbeitsfähigkeit in
einer angepassten
, leichten bis intermittierend mittelschweren Tätigkeit
bzw.
in
Reinigungstätigkeiten
aus.
Die Verfügung vom 25
. Februar 2015 (Urk. 2) erweist sich demnach als rech
tens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
5
.
5
.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
9
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der
unterliegenden Be
schwerdeführerin aufzuerlegen, zufolge Gewährung der unentgeltlichen
Pro
zess
f
ührung
jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
5
.2
Mit
Gerichtsverfügung vom 1
9.
November 2015 (
Urk.
32) wurde unter an
derem darauf hingewiesen, dass g
emäss
§
8 in Verbindung mit
§
7
Abs.
2 der Verord
nung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem
Sozialversi
cherungsgericht
die Möglichkeit besteht, dem Gericht vor Fällung des
E
nde
nt
scheides
eine detaillierte Zusammenstellung über den bisherigen Zeitaufwand und die bisher angefallenen Barauslagen einzureichen und dass im
Unterlas
sungsfall
das Gericht die Entschädigung nach Ermessen festsetzt.
Bis dato wurde keine entsprechende Honorarnote eingereicht, weshalb Rechts
an
walt Eric Stern
ermessungsweise
mit
Fr.
3'
7
00.-- (inkl. Barauslagen und Mehr
wertsteuer) aus der Gerichtskasse zu entschädigen
ist
.