# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 4d678958-8091-40ee-b3c6-38db0b51002a
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1965 und zuletzt tätig als Schwester
n
hilfe (
Urk.
12/7), meldete sich erstmals am 1
4.
Februar 1995 unter Hinweis auf ein
am 2
6.
Dezember 1993 erlittenes
Schleudertrauma bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
12/2). Nach erwerb
lichen und medizinischen Abklärungen sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Ver
fügung vom 1
3.
Oktober 1995 gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 100
%
eine ganze Rente seit dem
1.
Dezember 1994 zu (
Urk.
12/13).
Die zuständige Unfallversicherung sprach der Versicherten mit Verfügung vom 2
3.
November 1998 eine Rente gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 70
%
sowie eine Integritätsentschädigung von 25
%
in Höhe von
Fr.
24'300.-- zu (
Urk.
12/76/2 ff.).
Im Rahmen der von Amtes wegen eingeleiteten Rentenrevisionen in den Jahren 1996 (
Urk.
12/17 und
Urk.
12/29
), 1998 (
Urk.
12/40,
Urk.
12/49 und
Urk.
12/51)
und
2003 (
Urk.
12/66 und
Urk.
12/68) wurde die Rente unverändert bestätigt. Im Jahr 2006 leitete die IV-Stelle eine erneute Rentenrevision ein (
Urk.
12/73) und holte das polydisziplinäre Gutachten des
Y._
vom
7.
Mai 2008 ein (
Urk.
12/87).
Am
6.
Juni 2008 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sich
bei einem Invaliditätsgrad von neu 72
%
keine rentenbeeinflussende Änderung ergeben habe und auferlegte ihr eine Schadenminderungspflicht in dem Sinne, sich einer regelmässigen fachpsychiatrischen Therapie zu unterziehen (
Urk.
12/94-95).
In den von Amtes wegen eingeleiteten Revisionen in den Jahren 2009 (
Urk.
12/97,
Urk.
12/105)
und
2015 (
Urk.
12/110,
Urk.
12/126) wurde die Rente jeweils unverändert bestätigt.
Im Jahr 2017 leitete die IV-Stelle wiederum eine Rentenrevision ein (
Urk.
12/140), tätigte erwerbliche und medizinische Abklärun
gen und holte das polydisziplinäre Gutachten der
Z._
vom 2
7.
März 2018 ein (
Urk.
12/159).
Mit
Vorbescheid vom
6.
Juli
2020 (
Urk.
12/187) stellte die IV-Stelle die Einstellung der IV-Rente in Aussicht, woraufhin die Versicherte am
3.
September 2020 Einwand erhob (
Urk.
12/192). Mit Schreiben vom 2
7.
Oktober 2020 forderte die IV-Stelle die Ver
sicherte zur Wahrnehmung der Mitwirkungspflicht im Rahmen von Eingliede
rungsmassnahmen auf (
Urk.
12/197) und erteilte am 1
5.
Dezember 2020 Kosten
gutsprache für Arbeitsvermittlung plus
bis zum
3.
Juni 2021
(
Urk.
12/205), welche am 1
6.
Juni 2021 bis zum
3.
September 2021 verlängert wurde (
Urk.
12/212). Am 1
9.
Juli 2021 wurde die Versicherte erneut zur Wahrnehmung der Mitwirkungspflicht ange
halten (
Urk.
12/215).
Die IV-Stelle brach die Einglie
derungsmassnahmen per 2
8.
Juli 2021 mit der Begründung ab, dass die Versi
cherte ihrer Mitwirkungs
pflicht nicht nachgekommen sei (
Urk.
12/218/2
).
Mit Verfügung vom 2
7.
August 2021 wurde die Rente auf Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats aufgehoben (
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte am 2
3.
September 2021 Beschwerde und bean
tragte,
es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben. In formeller Hinsicht ersuchte sie um unentgeltliche Rechtspflege und Bestellung von Rechtsanwalt Markus Bischoff als unentgeltliche
n
Rechtsbeistand (
Urk.
1).
Mit Beschwerdeant
wort vom 2
4.
November 2021 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
11 unter Beilage ihrer Akten,
Urk.
12/1-222), worüber die Beschwerdeführerin am 2
9.
November 2021 in Kenntnis gesetzt wurde.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung dafür, dass
gemäss
Gutachten des
Y._
vom Jahr 2008 sowie
gemäss
der im Rahmen des Revisionsverfahrens 2009 eingeholten Berichte der behandelnden Ärzte eine auf
fällige psychiatrische Befundlage vorgelegen habe. Im Gutachten der
Z._
hätten
sich
demgegenüber
durchgehend unauffällige Befunde
gezeigt
, der psy
chiatrische Teilgutachter halte fest, dass die frühere depressive Störung nicht mehr bestätigt werden könne.
Darüber hinaus sei kein konsistentes zervikales
Vertebralsyndrom
mehr
feststellbar.
Entsprechend habe sich der Gesundheits
zustand verbessert und ein Revisions
grund sei erstellt.
Selbst
wenn nicht von einer Verbesserung der gesundheitlichen Situation auszugehen wäre,
sei ein
Revisionsgrund ausgewiesen
aufgrund der Verbesserung der Arbeitsfähigkeit auf
grund einer Angewöhnung oder Anpas
sung an die Einschränkung.
Darüber hin
aus liege auch ein Wiedererwägungs
grund vor, da im Rahmen des Revisionsver
fahrens 2008 ein neuer Einkommens
vergleich vorgenommen worden sei, wobei ein Leidensabzug von 25
%
gewährt worden sei
.
D
ieser
in seiner
Höhe für die
Weiterausrichtung der ganzen Rente
unabdingbare
Leidensabzug
sei jedoch zwei
fellos unrichtig, womit sich auch die Mittei
lungen vom
6.
Juni 2008 und 1
5.
Dezember 2009 als zweifellos unrichtig erwie
sen. Damit liege auch ein Wie
dererwägungsgrund vor.
Gestützt auf das Gutachten der
Z._
sei eine volle Arbeitsfähigkeit
erstellt. Aufgrund des Einwandes habe man eine Kostengut
sprache für eine Arbeitsvermittlung plus erteilt, die Beschwer
deführerin habe sich aber subjektiv nicht in der Lage gesehen, ihre Mitwirkungs
pflicht, auf die sie hin
gewiesen worden sei, zu erfüllen
, so dass diese
per 2
8.
Juli 2021 abgebrochen
worden seien
, da sie dann einen stationären Aufenthalt an
ge
trete
n habe
(
Urk.
2).
Die Beschwerdeführerin brachte demgegenüber im Wesentlichen vor, dass
eine Wiedererwägung nicht möglich sei, da die Beschwerdegegnerin das Gutachten des
Y._
missverstanden habe und nicht eine 40%ige Arbeitsfähigkeit vorgelegen habe, da im Gutachten festgehalten worden sei, dass aus psychiatrischer Sicht auch in einer angepassten Tätigkeit keine Arbeitsfähigkeit bestehe. Entsprechend sei der Invaliditätsgrad von 72
%
, welcher zu einer ganzen Rente berechtigt habe, nicht falsch. Ein Revisionsgrund sei ebenfalls nicht erstellt.
Es könne nicht einer
seits das
Z._
-Gutachten
als schlüssig bezeichnet werden und
andererseits, im
Widerspruch zu diesem Gutachten
von einer wesentlichen Verbesserung des
Gesund
heits
zustandes bzw. einer Angewöhnung/Anpassung ausgegangen
werden.
Eine andere Bewertung eines objektiv sehr wenig veränderten Gesund
heitszustandes
–
wie dies von den Gutachtern attestiert werde
–
stelle keinen Revi
sionsgrund dar.
Darüber hinaus leide das
Z._
-Gutachten an mehreren formalen Mängeln
. Die Untersuchungsdauer sei unklar, die Konsensbeurteilung mangelhaft, der internis
tische Gutachter habe sich ungenügend vor
bereitet und die psychiatrische
Unter
suchung habe maximal 40 Minuten gedauert. Darüber hinaus seien die Folgerun
gen des psychiatrischen Gutachtens widersprüchlich und ungenügend begründet, was auch unter Berücksichtigung der Berichte der behandelnden Ärzte deutlich werde.
Auch das neurologische Gutachten sei man
gelhaft und es könne nicht darauf abgestützt werden, insbesondere auch, da sich im erst nachher erstellten MRI objektive Befunde zeigten, welche vom Gutachter, der sich auf die Bildge
bung von 1996 abstütze, unberücksichtigt geblieben seien.
Darüber hinaus sei d
ie Aufhebung der Eingliederungsmassnahmen nicht korrekt
angedroht worden
(
Urk.
1).
2.
2.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
–
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
–
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezem
ber 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
2.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenan
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Ände
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kon
text unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Weder eine im Ver
gleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähig
keit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Lei
dens genügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesund
heitszustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang viel
mehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bun
desgerichts 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E. 2.3, je mit Hinweisen).
2.3
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.4
2.4.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
lidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.4.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
2.4.3
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten Beweis
verfahren nach BGE 141 V 281 abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Ein Beweisverfahren bleibt daher entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und all
fälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1). Insbesondere in Fällen, in welchen nach der Aktenlage überwiegend wahrscheinlich von einer bloss leichtgradigen depressi
ven Störung auszugehen ist, die nicht schon als
chronifiziert
gelten kann und auch nicht mit Komorbiditäten einhergeht, bedarf es in aller Regel keines struk
turierten Beweisverfahrens (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. Urteil des Bundes
ge
richts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1).
2.5
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben die Beweise frei, das
heisst
ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflicht
gemäss
zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestat
ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizi
nische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abge
geben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen ver
fügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gege
benen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen).
3.
3.1
Die letzte materielle Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sach
verhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensver
gleichs erfolgte anlässlich der
Rentenrevision in den Jahren 2006 bis 2008
(vgl. Urk.
12/73 und
Urk.
12/94-95
). Massgeblicher Vergleichszeitpunkt bildet somit die Mitteilung vom
6.
Juni 2008
(Urk.
12/94
)
, was auch seitens der Parteien unbe
stritten geblieben ist (vgl. E. 1).
Aus medizinischer Sicht lag dieser Mitteilung das Gutachten des
Y._
vom
7.
Mai 2008 zugrunde. Die Gutachter notierten folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
12/87/14):
-
Mittelstark bis st
ark ausgeprägtes oberes sowie mä
ssig bis mittelstark aus
geprägtes mittleres
Cervicalsyndrom
-
Mä
ssig ausgeprägte
cervicocephale
Beschwerden mit insbesondere
cervi
cogenem
Schwindel
b
ei:
-
Zustand nach
Halswirbelsäulen(
HWS
)
-Distorsion 26.12.1993
-
Mediolaterale
Diskushernie C5/6
-
Schwere
Psychosomatose
im Sinne einer anhaltenden somatoformen Schmerz
störung und diversen anderen somatoformen Störungen
(
ICD-10 F45.1 und F45.4
)
-
M
ittelgradig depressive Episode (IC
D-10 F32.1
)
-
Andauernde Persönlichkeitsänderung nach länger dauernder Krankheit bei mit grosser Wahrscheinlichkeit vorbestehender, jedoch nicht
dekom
pensierter
Psychopathologie
(
ICD-10 F62.0
)
-
Ehekonflikt
(I
CD-10
Z63.0
)
Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit notierten sie (1) einen
cystischen
Befund
retrorectal
mit Verdacht auf
Dermoidzyste
des Ovars gemäss Feinnadelpunktion vom
3.
Oktober 2007 und (2) einen internistischen Status im Normbereich.
A
us neurologischer Sicht
seien ein mittel
stark bis
stark ausgeprägtes oberes und
mä
ssig bis mittelstark ausgeprägtes mittler
es
Cervicalsyndrom
sowie auch mä
ssig ausgeprägte
cervicocephale
Beschwerden mit insbesondere
cervicogenem
Schwin
del fest
zustellen
. Di
e erwähnten Störungen seien einerseits als Folge der HWS-Distorsion vom 2
6.
Dezember
1993, aber auch einer
mediolateralen
grossen Diskushernie auf Höhe C5/6 anzusehen. Die von der
Beschwerdeführerin
beklag
ten Besc
hwerden und Beeinträchtigungen li
essen sich im Rahmen des Möglichen sowohl in quantitativer wie auch in qualitativer Hinsicht objektivieren. Anhalts
punkte für eine Aggravation oder
Simulation von Beschwerden ergä
ben sich keine. Die Diagnose eines schweren mittleren und oberen
Cervicalsyndrom
s
stütze
sich auf den klinischen Befund mit „
stiff
neck", auch bei der sich nicht beobachtet fühlenden
Beschwerdeführerin feststellbaren En bloc-
Bewegung des Kopfes zusam
men mit dem Oberkörper, der starken Beeinträchtigung der Halswirbelsäule mit endständig jeweils bei Angabe von st
arken Schmerzen beobachtbaren
vege
tativen Erscheinungen wie einem vermehrten Schwitzen und Erblassen sowie dem massiv erhöhten Tonus der Muskulatur paravertebral
cervical
und
paraskapulär
mit in diesem Bereich auch ausgedehnten
myogelotischen
(verklumpten) Bezir
ken. Die
aus neurologischer Sicht
erhobenen Befunde
seien
weitestgehend ver
einbar mit den Befunden der Voruntersucher, so
habe
auch
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Neurologie
, im Jahr 2007 die
Beschwerdeführerin
in ähnlichem Zustand vor
gefunden. Dasselbe ge
lt
e
auch für das Gutachten der
Klinik B._
aus dem Jahr 1996 sowie für den Befundbeschrieb der Reha
C._
ebenfalls aus dem Jahr 199
6.
Im Vergleich zu den damaligen Abklärungen, welche nur eine
Diskusprotrusion
auf der Höhe C5/6 zur Darstellung
gebracht hätten, zeige
eine neue computertomographische Untersuchung der Halswirbel
säule eine grosse
mediolaterale
Diskushernie auf derselben Höhe. Diese Zunahme
des radiologischen Befundes gehe
aber aktuell noch nicht mit einer Zunahme des klinischen
Befundes einher.
Medizinische Massnahmen zur Verbesserung des Gesund
heitszustandes stünden im Falle der Beschwerdeführerin nicht zur Verfü
gung. Ihre Hauptbeeinträchtigung sei durch die Kopfgelenksdysfunktion bedingt, wie sie bereits durch die Gutachter der
Klinik B._
beschrieben worden seien. Die Diskushernie auf C5/6 sei, solange keine zusätzliche erhebliche
radiku
läre
Reizsymptomatik vorliege, wahrscheinlich nur ein «Nebenbefund».
Aus psychiatrischer Sicht würden die
Diagnosekritierien
gemäss ICD-10 für eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung und eine somatoforme Störung erfüllt, indem multiple psychosomatische Symptome vorlägen (Herzbeschwerden ohne orga
nischen Befund, Magendarmproblematik, therapieresistente Schmerzproble
matik)
.
Es lägen auch erhebliche affektive Probleme vor und die körperlich begründeten Schmerzen würden mit einer durchgehenden, blockierenden depres
siven Symptomatik beantwortet. D
ie lang
anhaltende Schmerzproblematik und Depres
sivität führten bei ihr auch zu einer Persönlichkeitsänderung. Sie sei gegen
über ihrer Umwelt misstrauisch, habe sich sozial zurückgezogen, jegliche Hoffnung aufgegeben und sei nervös. Zudem finde sich eine leichte Denkstörung, indem sie von einem Thema zum anderen springe. Des W
eiteren sei ein
vermin
dertes Selbstwertgefühl, Schuldgefühle und erhebliche Schlafprobleme festzustel
len, ein Interessensverlust sowie die Unfähigkeit, sich zu entspannen. Aufgrund der Untersuchungsbefunde bestehe der Verdacht, dass sich möglicherweise schlei
chend auch eine psychotische Symptomatik entwickelt habe. Sie weise ein operationales Denken auf, sei am körperlich konkreten orientiert und habe eine heftige und starre abwehrende Aggressivität. Sie habe sich vollkommen zurück
gezogen und eingeigelt und sei auch in der Art und Weise mit ihrem Leben umzu
gehen rigide und starr. Der psychiatrische Gutachter unterstreiche, dass das DSM IV im Gegensatz zum ICD-10 dem Umstand Rechnung trage, dass es bei Patienten zu einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung kommen könne, bei denen gleichzeitig
eine somatische Ursache für die Schmerzproblematik bestehe.
Aus internistischer Sicht sei die Diagnose eines
cystischen
Befundes
retrorectal
mit Verdacht auf
Dermoidzyste
des Ovars gemäss Feinnadelpunktion vom
3.
Ok
to
ber 2007 zu stellen. Der internistische Status sei im Normbereich.
Wegen des mittelstark bis stark ausgeprägten oberen und mässig bis mittelstark ausgeprägten mittleren
Cervicalsyndroms
mit auch
cervicocephalen
Beschwer
den
bestehe bei der Beschwerdeführerin in der Tätigkeit als Schwesternhilfe keine Arbeits
fähigkeit mehr. Auch aus psychiatrischer Sicht sei sie in ihrem derzeitigen Zustand keinem Arbeitgeber auch nicht teilweise zumutbar. Sie sei derart auf sich selbst bezogen, dass sie sich nicht auf eine einfache Arbeit konzentrieren könne. Sie sei durch ihre Schmerzen, ihre Depressivität und ihre misstrauisch-panik
gefärbte Stimmung sehr stark in ihrer Arbeits- und Leistungsfähigkeit limitiert. Die psychiatrische Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit gehe soweit, dass sie auch unge
achtet des Vorliegens somatischer Befunde nicht arbeitsfähig wäre. Sie könne sich von ihren Symptomen aus eigenem Willen nicht befreien, ihnen komme eindeutig Krankheitswert zu. Aus psychiatrischer Sicht werde empfohlen, dass sie in einer geschützten Tätigkeit zumindest halbtags arbeiten könne, um eine bessere Tagesstruktur zu bekommen. Diese Empfehlung sei aber gemäss Ansicht des Psychiaters kaum umsetzbar, zumal sie sich mit grosser Wahrschein
lichkeit dagegen weigern werde. Dies nicht zuletzt aufgrund ihrer paranoiden Gefühlseinstellung gegenüber der Umwelt.
In einer angepassten Tätigkeit sei sie aus neurologischer Sicht zu 40
%
arbeits
fähig bei frei wählbarem Arbeitsrhythmus. Angepasste Tätigkeiten seien Arbeiten mit möglichst wechselnd sitzend-stehender Körperhaltung ohne Kopfzwangs
haltung sowie ohne Schultergürtelbelastung.
Wegen der zum Teil erheblichen
Beschwer
deexazerbation
sei sie aber auf einen frei wählbaren Arbeitsrhythmus ange
wiesen, zumal sie in Phasen, in denen sie unter starken Schmerzen leide, nicht arbeitsfähig sei und die erwähnte Arbeitsleistung nur in P
hasen, in denen es ihr besser
gehe, erbringen könne. Aus psychiatrischer Sicht bestehe
auch für eine derartige Tätigkeit
keine Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
12/87/16 ff.).
3.2
Die aktuelle medizinische Aktenlage präsentiert sich im Wesentlichen folgender
massen:
3.2.1
Die Beschwerdegegnerin stützt sich in der angefochtenen Verfügung in medizi
nischer Hinsicht auf das Gutachten der
Z._
vom 2
7.
März 201
8.
Die Gut
achter notierten keine Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
12/159/53)
. Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit notierten sie (1) die Angabe eines zervikalen Schmerzsyndroms ohne objektivierenden Anhalt für ein
nervales
Defizit oder ein konsistentes objektives
Vertebralsyndrom
und (2) eine mögliche Be
nzo
diazepin-Abhängigkeit (Low dose
dependency
, ICD-10 F13.2)
.
Die Beschwerdeführerin trage anamnestisch internistisch relevant ein
epigastri
sches
Schmerz- und Druckgefühl vor. Aktenkundig fänden sich keine spezifi
schen Berichte, die internistische Erkrankungen mit Einfluss auf die Arbeitsfä
higkeit benennen würden. Anamnestisch berichte sie, sie habe in der Vergangen
heit b
ereits mehrfach an Gastritiden gelitten. Im Bericht des
Universitätsspitals D._
, Innere Medizin
,
vom
9.
Januar
2008
we
rd
e
die Diagnose Dyspep
sie genannt. Der hiesige internistische Befund
habe
zur Anamnese und der Aktenlage korrespondierend einen
epigastrischen
Druckschmerz
gezeigt
,
der,
ohne dass daraus eine eigenständige A
rbeitsunfähigkeit abzuleiten sei
, am ehes
ten als Hinweis auf eine
aktuelle Gastritis zu werten sei.
Eine
gastroenterologische
Diag
nos
tik unter hausärztlicher
Ve
ranlassung sei zu empfehlen. Die kardiale und pulmo
nale Befunderhebung vor und nach Belastung
sei
wie auch der arterielle Gefäss
status unauffällig (
Urk.
12/159/28 f.).
Aus neurologischer Sicht klage die Beschwerdeführerin
über Nackenschmerzen, eine allgemeine körperliche Schwäche, Nervosität und Schlafstörungen. In der hiesigen neurologischen Untersuchung f
inde
sich kein fokal-neurologisches D
efi
zit. Die Beweglichkeit der Halswirbelsäule wirke geschont mit Gegenhal
ten. Ein
radikuläres
Reizsyndrom
habe
nicht beobachtet werden
können
. Ein p
araver
teb
raler Hartspann bestehe
nicht, es
sei
die Angabe einer Druckschmerzhaftigkeit der
Trapeziusansätze
am Hinterhaupt gemacht
worden
. Die spontane Bewegli
ch
keit der Halswirbelsäule wirk
e nicht
limitiert. Ein konsistentes zerv
ikales
Verteb
ral
syndrom
sei
also nicht vorliegend. Die berichtete Einnahme von
Novalgin
und Orfen sollte angesichts des hiesigen Befunds kritisch revidiert werden. Auch aktenkundig
sei
dies bereits empfohlen
worden
(
Dr.
A._
11.11.2009).
Die Akut
versorgung vom 2
6.
Dezember
1993
habe berichtet
, dass ein Röntgen aktenkun
dig keine
ossären
Läsio
nen oder eine
Listhesis
nachgewiesen habe
.
Dr.
E._
habe in seinem Schreiben vom
1.
Februar
1994 kein objektiviertes
nervales
Defi
zit
berichtet. Ein
CT der HWS vom 8.
November
1994
habe
eine
rotatorische
Fehl
stellung von C2 um 9 Grad nach links und von C3 um 6 Grad ebenfalls nach links
ergeben. Im MRI der HWS vom 1
2.
November
1996
hätten
sich jedoch keine Hinweise auf eine durchgemachte posttraumatische
diskoligamentäre
Läsion bei
neben
befundlich
vorliegender leichter
Diskusprotrusion
auf Höhe C5/6
gezeigt
.
Im Bericht vom 2
7.
September 2017 berichte
der Neurologe
Dr.
A._
von einer neu aufgetretenen Lumbalgie mit
Lumboischialgie
rechts. In der aktuellen hiesi
gen ne
urologischen Untersuchung fänden
sich keine
radikuläre
n
Reizsyndrome, auch nicht lumbal.
Die von der Beschwerdeführerin reklamierten Beschwerden fä
nden in der hiesigen neurologischen Untersuchung ke
in ausreichendes objekti
ves Korr
elat. Unter Berücksich
tigung der Aktendokumente finde
sich auch keine hinreichend erklärende strukturelle Läsion, um die angegebenen Beschwerden der
Beschwerdeführerin
zu erklären. Die aktenkundig erwähnten spinalen Auffällig
keiten repräsentier
t
en alterstypische Befunde ohne eigenständigen Krankheits
wert und mit hoher Prävalenz in der Normalbevölkerung (Jensen MC et ai. MRI
ofthe
lumbal
spine
in
people
without
back
pain
. New England Journal
of
Medi
cine
, 1994, 331(2):69-73.). Hinzuweisen
sei
auch darauf, dass der zeitnahe Unfall
bericht eine Latenz zwischen Auffahrunfall und Einsetzen zervikaler Beschwer
den von einer Stunde
dokumentiere
, was für ein typisches Kriterium einer allenfa
lls leichtgradigen Distorsion ge
lt
e
. Gravierendere Distorsionen zeich
ne
te
n sich in der Regel durch einen sofortigen Schmerzbeginn aus. In der j
etzigen Anamnese ge
b
e
die
Beschwerdeführerin
einen sofortigen Schmerzbeginn an, was
wiederu
m für inkonsistente Angaben spreche
. Das Segment HWK 5 auf 6
sei
als das am häufigsten von degenerativen Bandscheibenalterationen betroffen bekannt und der berichtete Bildbe
fund sei
für sich allein nicht traumatypisch und für sich allein auch nicht krankheitswertig, zumindest nicht die berichteten Beschwerden ohne einen schlüssig korrelierenden objektiven Befund erklärend.
Zusam
menfassend sei unter Berücksichtigung der Aktendokumente, hiesigen Anam
nese und Untersuchung keine neurologische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu stellen (
Urk.
12/159/34 ff.).
Aus psychiatrischer Sicht sei festzuhalten, d
ass im
hiesigen
AMDP-konform erhobenen psychiatrischen Befund die ICD-10-Kriterien einer depressiven Epi
sode (vitale Tra
urigkeit, Antriebs- und Freud-/
Interessenverlust) nicht vor
lägen
. Die
Beschwerdeführerin beklage
eine gelegentliche Reizbarkeit, Zukunftssorgen und leichte Insuffizienzgefühle. Die in den Akten zuletzt 2009 vorbe
schriebene depressive Störung kö
nn
e
somit anhand des hiesigen Befundes nicht mehr bestä
tigt werden. Auch die Angaben zur strukturierten Alltagsgestaltung, die Verhal
tensbeobachtung und die seit über einem Jahr beendete psychiatrisch
-
psyc
hothe
rapeutische Behandlung sprä
chen gegen eine namhafte dep
ressive Störung. In den Akten we
rd
e
seit 1994 eine depressive Entwicklung beschrieben, die sich als Reaktion auf die chronischen Schmerzen nach der HWS-Distorsion Ende 1993 entwickelt
und im Verlauf zu beruflichen und sozialen Problemen geführt habe. Der hier überschaubare Querschnitt spreche gegen eine rezidivierende depressive Störung, da
phasisch
verlaufende depressive Episoden nicht abgrenzbar seien.
Der angegebe
ne chronische spinale Schmerz kö
nn
e
keiner anhaltenden somatofor
men Schmerzstörung zugeordnet werden: Im klinischen Eindruck finde
sich keine quälende Schmerzbeeinträchtigung. Auch sei
kein fehlverarbeiteter seelischer oder psychosozialer Konflikt herauszuarbeiten, vor dessen Hintergrund sich der chronische Schmerz entwickelt haben könnte. Die definierenden ICD-10-Kriterien einer somatoformen Schmerzstörung s
eien
also nicht erfüllt. Eine chronische Schmerz
störung mit somatisc
hen und psychischen Faktoren sei
nach diesen diag
nostischen Leitlinien ebenfalls nicht zu diagnostizieren, da Schmerzstörun
gen im Zusammenhang mit einer affektiven Störung (siehe Aktenlage) oder bei Hinwei
sen auf eine Aggravation (sieh
e unten) nicht berücksichtigt wü
rden. Auch die in den Aktendaten 1995 angegebene posttr
aumatische Belastungsstörung sei
hie
r nicht nachvollziehbar. Es seien
weder geeignete psychische Traumatisierun
gen erkenn
bar (der Auffahrunfall ohne objektive lebensbed
rohliche oder kata
stro
phale Verletzungen konstituiere
kein psychisches Trauma im Sinne
der ICD-10), noch fä
nden sich typische Beschwerde
n in den definierenden Symptomgru
p
pen (wie Wiedererleben, Vermeidung, Erregungsniveau), auch
seien
diese Ach
sen
kriterien nicht aktenkundig berichtet
worden
. Die Medikamentenanamnese zeig
e
einen über Jahre fortgesetzten, leitlinienwidrigen potenziell suchtinduzie
renden Gebrauch von zwei Benzodiazepinen (
Bromazepam
und
Lorazepam
). Der akten
kundige Verlauf und die Angaben der
Beschwerdeführerin
mach
t
en eine Abhän
gigkeit denkbar (
Craving
, Toleranzentwicklung, Kontrollverlust, vegetative Ent
zugs
symptome). Benzodiazepine führ
t
en unter anderem zu Beeinträchtigun
gen der Aufmerksamkeit, der Konzentration, des Reaktionsvermögens, des
Affek
tes und zu sekundären Schlafstörungen. Es sei
somit eine kontrollierte, schritt
weise Entgiftung und Entwöhnung angezeigt. Die Mitarbeit der
Beschwerde
führerin sei
dabei me
dizinisch gut zumutbar und stehe
in ihrem Gesundheits
interesse.
Aus psychiatrischer Sicht bleibe
festzuhalten, dass eine von einem Suchtmittelkonsum unabhängige Gesundheitsstörung (wie eine depressive Stö
rung, eine Somatisie
rungs
störung, eine Persönlichkeitsänderung) nicht mit hin
reichender Wahr
sch
ein
lichkeit abgegrenzt werden kö
nn
e. Hinzuweisen sei
hier
allerdings auf den negativen
Benzodiazepinnachweis
im Urinscreening, was wie
derum die hiesigen Angaben zum Benzod
iazepin-Gebrauch in Frage stelle. Darüber hinaus ergä
ben sich bei der Konsistenzprüfung der Schmerzangaben der
Beschwerdeführerin
einige Indizien (nach Widder) für eine wenig plausible Präsentation. Die wenig präzise beschriebenen Schmer
zen seien nach Art und Lokal
isation nicht mit objektiven Befunden in Einklang zu bringen (siehe auch rheumato
logisches Gutachten). Es bestehe
eine Diskrepanz zwischen überhöhter Beschwerdeschilde
rung (Schmerzstärke 8 von 10 bei der Untersuchung) und hier fehlender objektiver Beeinträch
tigung im klinischen Gesamteindruck. Auch die beschrie
benen All
tagsaktivitäten (Haushaltsführung, Reisen, Fahrtüchtigkeit, soziale Aktivitäten) kontrastier
t
en mit dem reklamierten Schmerzausmass. Die Beschwer
den lös
t
en beim Gutachter in der Gegenübertragung keine Betroffenheit aus. Durch alle bisherigen Behandlungsmassnahmen seien keine durchgreifenden Besserungen erzielt worden, vielmehr habe sich die Schmerzintensität im Ver
lauf sogar verschlechtert. Es fä
nden sich somit einige Indizien für eine bewusstseins
nahe Darbietung von Einschränkung und Beschwerden. Die Hinweise auf die Inkon
sistenzen bei der Beschwerdepräsentation und die langjährige Benzodiaze
pin-Medikation (mit möglicher Abhängigkeit)
seien
weder im psychiatrischen Vor
gutachten (Mai 2008) noch in den aktenkundigen psychiatrischen Befund
berichten berücksichtigt
worden
, was für
eine verkürzende Bewertung spreche
. Zuletzt sp
reche
die Spiegelbestimmung des als eingenommen angegebenen
Sur
montils
nicht für eine suffiziente Einnahme bzw. Dosierung, sodass hier erheb
liche
unausg
eschöpfte
Therapieoptionen bestünden
. Eine die Arbeitsfähig
keit ein
schränkende psychiatrische Erkrankung
sei
zusammenfassend nach dem hiesigen objektiven Befund nicht mit hinreichender Wahrscheinlichkeit festzu
st
ellen (
Urk.
12/159/42 ff.).
In Zusammenfassung aller Teilgutachten, der dabei erhobenen Anamnesen und Befunde sowie der Aktendaten
kämen die Gutachter
gemeinsam zu dem Schluss, die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin
in der zuletzt ausgeübten sowie jedweder vergleichbaren Tätigkeit oder zumindest in einer anderen, körperlich leichten, wechselbelastend oder überwiegend sitzend ausgeübten Tätigkeit d
es allgemeinen Arbeitsmarkts sei nicht
als namhaft limitiert anzusehen, da für die reklamierten Beschwerden schlüssige objektive Befundkorrelate fehl
t
en. Die E
in
schätzung der Gutachter weiche
offenkundig erheblich von den jahrela
ngen Vor
bewertungen ab und fusse
dabei am ehesten auf einer anderen Bewertung eines objektiv eher wenig veränderten Gesundhe
itszustandes. Die Gutachter hätten
hier eher ihre objektiven Befunde und Eindrücke aus der Konsistenzprüfung zugrunde
gelegt, wohingegen in den Vorbewertungen auch der subjektive Beschwerd
e
vortrag erheblich einbezogen wo
rde
n sei
. Ein schwerwiegen
des psychisches Störungs
bild sei
hier nicht nachweisbar u
nd die Medikation (
Surmontil
) sei
ange
sichts des niedrigen Sp
iegels
steigerbar
, hier bestünden
also auch nicht ausge
schöpfte Optionen. Dass entsprechende Compliance-Prüfungen (bzw. Wirksam
keitsprüfungen) im Rahmen der Vorbewertungen ebenfalls erfolg
t seien
,
sei nicht zu erkennen. Auch sei
nicht zu erkennen, inwieweit die leistungsfremde Fehl
medikation (auch als Selbstmedikation mit Bezug aus der Heimat berichtet) mit Benzo
diazepinen in der bi
sherigen Bewertung abgegrenzt wo
rde
n sei (
Urk.
12/
159/56)
.
3.2.2
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, notierte in seinem Bericht vom
5.
Februar 2019, dass sich die Beschwerdeführerin nach not
fallmässiger Intervention bei subakuter suizidaler Krise von November 2018 bis April 2019 bei ihm in stützend-
supportiver
Betreuung befunden habe, da der sonst behandelnde
Dr.
G._
abwesend gewesen sei. Dabei habe sie klinisch-objektiv ausgeprägte depressive Kernsymptome mit verminderter affektiver Modu
la
tionsfähigkeit und ausgeprägter Starrheit im Gefühlsausdruck, hohe innerpsychische Spannung, negatives Gedankenkreisen und subjektiv erlebte grosse Hilflosigkeit mit Lebensüberdruss/Todeswunsch durch eine beklagte über
dauernde Schmerzsymptomatik mit Limitierung der Anpassungsleistung über das gesamte Spektrum des sozialen Lebens und Erlebens und ausgeprägten Ein
schränkungen des Alltagsaktivitätsspektrums gezeigt. Das subjektive Narrativ wirke dabei erlebnisbasiert und authentisch, keine Hinweise für Gemachtes.
Die krisenhaft Zuspitzung
sei initial, neben psychotherapeutischen Strategien der Stabilisierung und Ressourcenaktivierung mit
Seroquel
,
Zyprexa
und
Temesta
behandelt worden (
Urk.
12/183).
3.2.3
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Neurologie, führte in seinem von der IV-Stelle eingeholten Bericht vom 2
0.
November 2019 (
Urk.
12/177) die Konsultationen vom
9.
April und
9.
Juli 2018,
9.
April, 1
1.
Juni und 1
7.
September 2019 an.
Zusam
menfassend konstatierte e
r, dass ein
Panvertebralsyndrom
und
eine
Ulna
risneuropathie
rechts
vorliege. Er habe
ein Rezept für
eine
Ellenbogenstütz
bandage,
Cymbalta
30 mg (
eine
am
Mor
gen
während einer Woche und dann dazu eine am Abend in der zweiten Woche
)
sowie
Traumalix
-Gel für den Ellenbogen und eine Verordnung für Physiotherapie abgegeben. Zusammenfassend ergäben sich im chronischen Verlauf seit Jahren keine wesentlichen Änderungen, wobei hier die psychischen Aspekte auch eine ebenso wichtige Rolle spiel
t
en.
3.2.4
Dr.
med.
G._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, notierte in seinem Bericht vom
3
0.
Dezember 2019 (
Urk.
12/181/10) als affektive Haupt
symptomatik eine chronische mittelschwere bis schwere Depression (ICD-10 F39). Als Nebendiagnosen hielt er folgende fest:
-
Phobisches Angst- und Vermeidungs-Syndrom mit sozial-phobischen Anteilen (ICD-10 F41.2)
-
Chronische Schmerzen in Kombination mit einer Schmerzverarbeitungs
störung hauptsächlich im Bereich von Nacken und Wirbelsäule (ICD-10 F45.8
)
und - mit Vorbehalt, weil nicht-psychiatrisch: nach einem Unfall
ereignis im Jahr 1993
-
Andeutung einer Wesensänderung
Anhand der vorgelegten Symptome, die sich in ihrer
Hauptsächlichkeit
in Ängs
ten und stark gedämpftem Affektempfinden
,
erheblichen Verhaltenseinschrän
kun
gen und einer Ich-Pathologie zusammenfassen liessen, sei aus der Summe aller psychiatrisch relevanten Anhaltspunkte allein aus dieser Sicht eine hoch
gradige Arbeitsunfähigkeit abzuleiten. Die Symptomatik sei in ihrer Schwere nicht mehr per Willensakt und Anstrengung zu überwinden, jedenfalls nicht wesentlich über einen kurzen Augenblick hinaus; ihre Eindringlichkeit sei völlig überwältigend. Und je eher man zudem den Verdacht einer Wesensänderung unterstütze, desto klarer werde damit ausgedrückt, dass einige Veränderungen irreversibel geworden und Verhaltensänderungen in Zukunft nicht mehr erreich
bar würden. Dies setze der therapeutischen Veränderbarkeit natürlich Grenzen. Wesensänderungen seien aber unter dem Druck, der
–
zusammen mit den vielen Einschränkungen
–
auf einer Person zu Lasten komme, fast zwangsläufig die Folge, dies besonders, wenn ein Verlauf sich schon über Jahre hingezogen habe und die Schmerzen seit über 25 Jahren bestünden. Unter solchen Bedingungen sei die neuronale Struktur des Hirns einer Neuf
ormation fast zwingend unter
worf
en; sie komme auf Dauer nicht ohne «normative» Adaption aus. Ansonsten müsste die Spannung dauernd als solche wahrgenommen werden, und der Druck würde ins
U
nermessliche steigen. Funktionell sei mit der Justierung eine energe
tische Anpassung verbunden, wenn keine andere Form der Minimierung des Druckes mehr möglich sei. Im vorliegenden Fall seien Hinweise von Seiten der Beschwerdeführerin
diesbezüglich illustrierend, insofern als sie auf Resignation und beispielsweise die Abnahme der Suizidalität hinwiesen und eine Art Kapitu
lation beschrieben; überhaupt schienen die Auflehnung und Kämpfe, welche die Beschwerdeführerin gegenüber früher geführt habe,
etwas nachgelassen und zu einer oberflächlichen Beruhigung geführt zu haben. Doch auch wenn sich die Symptomproduktion verlagert habe und unauffälliger geworden sei, eine Besse
rung sei damit nicht angezeigt.
Bei einer mittelgradigen Depression sei der Alltag nicht mehr leicht zu bewäl
tigen.
Bei der Beschwerdeführerin gebe es Phasen, die ein durch Not erzwungener
–
subjektiv unerträglich häufig auftretender
–
verkrampfter Zustand seien, mehr Flucht als Ruhe, eine Art fruchtloser Verteidigungsversuch, ja fast ein Rückzugs
gefecht: Wenn alles zu viel werde,
werde
jeder Anspruch eine Gefahr.
Und im Spiegel ihres Selbst und ihrer Befindlichkeit kämen in diesem Zustand hoher Bedräng
nis und äusserster Überforderung auch Autoaggressionen auf, die sich mit Schuldgefühlen gegen sie selber richteten und sehr destruktiv wirkten. Früher hätten solche Auseinandersetzungen nicht selten in gefährliche suizidale Impulse umgeschlagen.
Die Arbeitsfähigkeit stehe aus rein psychiatrischer Perspektive aktuell bei 0
%
: Aufgrund des geringen Belastungsniveaus und phasenweiser Zuspitzung der symp
tombezogenen Einschränkungen sei auch keine angepasste Tätigkeit zu beschrei
ben. Dabei überwiegten Bewegungseinschränkungen und Schmerzer
leben, emotionale Instabilität, Anergie, Lethargie, Regression, mangelndes Selbst
vertrauen und anderes mehr. Die Einflüsse der einzelnen Symptome auf die Arbeits
fähigkeit seien bereits in einem früheren Bericht von 2009 sehr detailliert beschrieben worden; eine Wiederholung derselben erübrige sich hier wegen der weitgehenden Übereinstimmung und der nur unbedeutenden qualitativen Ver
schiebungen der in Rede stehenden Krankheitsphänomene seit damals.
3.2.5
Mit Bericht vom 2
3.
November 2020 ergänzte
Dr.
G._
seinen Bericht vom 3
0.
Dezember 2019 dahingehend, dass er die Beschwerdeführerin in der gut
achterlichen Einschätzung der
Z._
nur gerade sehr beiläufig, in ihrem Erleben gar nicht mehr zu erkennen vermöge. Sie sei in ihrer B
efindlichkeit nach sei
n
e
m Dafürhalten nicht angemessen wiedergegeben, da die allgemeine Reduktion von Kraft, Lebensfreude, Genussfähigkeit und Selbsteinbringung bei jedem Kontakt ganz leicht feststellbar sei.
E
s sei zu bezweifeln, dass mit dem Versuch eine erfolgversprechende Massnahme der Reintegration begonnen werde. Es erscheine praktisch unmöglich, dass sich angesichts der Ausgangslage nennenswerte Erfolge einstellen könnten. Die Gefahr, dass die Beschwerdeführerin bei der Eingliederung eher Schaden nehme und überlastet werde, sei dagegen sehr gross (
Urk.
3/4).
3.2.6
Am
7.
Juni 2021 nahm
Dr.
G._
erneut Stellung und stellte folgende Diagnosen
(
Urk.
3/5)
:
-
Gegenwärtig mittelschwere bis schwere Depression (der eher gehemmten Form) mit
Chronifizierungstendenzen
IC
D
-10 F39.0 (ICD-10 F32.11)
-
Überlagerung durch vielfache Belastungen mit deutlichem phobischem Vermeidungsverhalten (ICD-10 F43.22) und
-
Vegetative Dystonie
-
Status nach Schleudertrauma und Schmerzverarbeitungsstörung (ICD-10 F45.38)
-
Psychosoziale Belastungen
,
vor
a
llem permanente Partnerschaftsprobleme
-
Gegebenenfalls sei sogar eine beginnende Wesensveränderung, d.h. ein
Amo
tivationssyndrom
anzunehmen
Streng genommen lasse sich die Liste erweitern, wenn die Ängste für sich geson
dert in den Fokus gehoben würden. Denn hier habe sich in den letzten Jahren ganz allmählich ein weiteres, mit einer Eigendynamik versehenes Gemenge der Belastungen eingestellt. Nicht nur, dass sich die Akzente der Phobie verbreitert hätten, es seien unterdessen existenzielle Ängste und nicht situativ
gebundene oder depressionsbezogene freie Ängste sowie eine damit verbundene zunehmende Verunsicherung zu konstatieren. Im Bereich der phobischen Anteile seien die Fak
toren Schmerzerwartung und die Furcht vor Schmer
zzunahme inzw
ischen von erheblicher Bedeutung.
Die Beschwerdeführerin gerate angesichts ihrer Befindlichkeit, je nach Auftrag, zu dem sie gedrängt werde, oft und leicht in einen Überforderungszustand unter gesteigerter «Symptomproduktion», der sie nicht nur emotional angreife und desta
bilisiere, sondern auch auszehre und sie auf Dauer ausser Stande setze, über
haupt Einsätze oder solche mehr als nur stundenweise zu leisten.
Dass sie mit solchen gesundheitlichen Belastungen in der freien Wirtschaft nich
ts we
rd
e
halten können, sei den meisten offensichtlich. Das derzeitige Vorgehen sei angesichts der überaus beeinträchtigten Grundbefindlichkeit falsch un
d
potentiell sogar schädlich. Denn die Arbeitsfähigkeit sei, von flüchtigen Aufhellungen und Lichtblicken abgesehen, d.h. in mittlerem Masse gesehen, derzeit und auch fast durchwegs aus psychiatrischer Perspektive immer noch sehr gering
–
und sie werde mittels der getroffenen (Eingliederungs-)Massnahmen auch nicht besser werden können. Fazit: Derzeit bestehe keine nennenswerte durchschnittliche Arbeitsfähigkeit über schätzungsweise 10
%
.
3.2.7
Vom 2
8.
Juli bis zum 3
1.
August 2021 befand sich die Beschwerdeführerin in der stationären Rehabilitation in den
Rehazentren
H._
in
der Klinik
I._
. Im Austrittsbericht notierten die behandelnden Ärzte folgende Diagnosen
(
Urk.
3/6)
:
-
Chronische mittelschwere bis schwere Depression (ICD-10 F39)
-
Sozial-phobische Anteile (ICD-10 F41.2)
-
Palpitationen
, Erstmanifestation vor ca. drei Jahren
-
Langzeit-EKG von März 2021: Sinusrhythmus, ventrikuläre Extrasys
tolen
-
Chronische Schmerzen in Kombination mit einer Schmerzverarbeitungs
störung, hauptsächlich im Bereich von Nacken und Wirbelsäule (ICD-10 F45.8)
-
Status nach Unfallereignis im Jahr 1993
-
Gemischte
Hyperlipidämie
-
Hyper-TGL, Hypo-LDL
-
ohne Behandlung
-
Verdacht auf
Ulnaris
-Syndrom und Ganglion im Bereich der distalen
Ulna
links
Die Beschwerdeführerin habe einen verzögerten Einstieg in das multidisziplinäre Therapieprogramm gefunden, habe aber motiviert daran gearbeitet, Lösungsan
sätze, Entspannungsverfahren und
Copingstrategien
zu entwickeln. Das Haupt
problem bestehe zu Beginn sowohl in starken Schmerzen als auch in depressiver Stimmung, vermindertem Antrieb und Schlafproblemen.
Pharmakologisch sei die Vormedikation weitergeführt worden. Bei ausgeprägter Depression- und Schmerzsymptomatik hätten sie eine Umstellung auf
Duloxetin
versucht. Bei starken Nebenwirkungen wie Übelkeit und Bauchschmerzen sei schliesslich
Saroten
in Dosierung 20 mg eingeleitet worden. Bei der Schlafprob
lematik sei
Quetiapin
in täglicher Dosierung von 25 mg täglich begonnen worden. Auf Wunsch der Beschwerdeführerin sei
Mydocalm
abgesetzt worden und bei Schmerzsymptomatik eine Behandlung mit
Metamizol
1 g täglich eingeleitet worden.
Lokal sei bei starken Schmerzen im Bereich des Handgelenks links Pflas
ter mit
Diclofenac
angewandt worden. Bei Durchfall sei
Bioflorin
und
Loperamid
verwendet worden.
Im Routine-EKG habe sich eine leicht v
erkürzte PQ-Zeit gezeigt, sonst
keine Auf
fälligkeiten.
Die Beschwerdeführerin habe von der Struktur des stationären Aufenthaltes profitieren können. Im Anschluss werde sie ihre bisherige ambulante Therapie bei
Dr.
G._
, welche sie als sehr unterstützend und stabilisierend erlebe, weiterfüh
ren. Aus therapeutischer Sicht werde im Anschluss zusätzlich der Besuch einer Tagesklinik zur Förderung der Tagesstruktur empfohlen. Sie habe sich diesbezüg
lich noch unsicher gezeigt. Sie entliessen sie bei stabilem Allgemeinzustand in die gewohnten Verhältnisse.
4.
4.1
Das Gutachten der
Z._
vom
2
7.
März 2018
(Urk.
12/159
) beruht
auf für die streitigen Belange umfassenden fachärzt
lichen Untersuchungen und wurde
in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) verfasst. Die Gutachter haben detaillierte Befunde und
die hieraus hervorgehenden diagnostischen Schlüsse
erhoben, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mi
t diesen sowie dem Verhalten der
Be
schwerdeführerin
auseinandergesetzt. Zudem haben sie die medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtend dargelegt und ihre Schlussfolge
rungen nachvollziehbar begründet.
Das Gutachten
der
Z._
erfüllt
daher die rechtsprechungsgemässen Anforderungen an beweistaugliche ärztliche Ents
chei
dungsgrundlagen (vgl. E. 2.5
).
4.2
4.2.1
Die Beschwerdeführerin brachte demgegenüber vor, dass keine konkreten Zeitan
gaben für die Dauer der Untersuchung
ersichtlich seien
–
insbesondere die psy
chiatrische Untersuchung sei mit maximal 40 Minuten klar zu kurz gewesen, um eine
rechtsgenügliche
psychiatrische Anamnese zu erheben (
Urk.
1 S. 8 f.).
Für den Aussagegehalt eines medizinischen Berichts kommt es nicht in erster Linie auf die Dauer der Untersuchung an. Massgeblich ist vielmehr, ob der Bericht inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist. Der für eine psychiatrische Untersuchung zu betreibende zeitliche Aufwand hängt stets von der Fragestel
lung und der zu beurteilenden Psychopathologie ab (Urteil des Bundesgerichts 8C_47/2016 vom 15. März 2016 E. 3.2.2).
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
erhob die psychopathologischen Befunde (Urk.
12/159/39 ff.)
ebenso ausführlich wie die geklagten Beschwerden und beurteilte gestützt darauf schlüssig und nachvoll
ziehbar die Arbeitsfähigkeit. Inwieweit die Begutachtungsdauer zu falschen Schlüs
sen oder einer unvollständigen Erhebung der Anamnese, der Symptome oder der Verhaltenserfassung geführt hätten, geht aus der Rüge de
r Beschwerde
führerin
nicht hervor.
4.2.2
Das psychiatrische Teilgutachten sei des Weiteren oberflächlich und ungenügend, was
insbesondere
aus dem Vergleich
mit den Berichten von
Dr.
G._
hervor
gehe.
Dem ist entgegenzuhalten, dass
Dr.
G._
die subjektiv beklagten Beschwerden
der Beschwerdeführerin klarerweise in den Vordergrund rückt und gestützt darauf seine Diagnosen stellt und die Arbeitsfähigkeit einschätzt. Dies ist,
mit Blick auf
die Erfahrungstatsache
, dass
behandelnde Ärzte und Therapeuten
mitunter im Hin
blick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V
465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc),
nicht erstaunlich. Des Weiteren diagnostizierte er psychosoziale Belastungsfaktoren, insbesondere immer wiederkehrende Partnerschaftsprobleme (E. 3.2.
6), welch letztere aber nicht einleuchten, nachdem die Beschwerdeführerin seit 2012 geschieden ist, mit ihrem Ex-Ehemann keinen Kontakt mehr hat (
Urk.
3/6 S. 2) und seither keinen neuen Partner hat finden können (
Urk.
12/159 S. 38f.).
Überdies hat er allenfalls vorhandene psychosoziale Belastungsfaktoren
nicht hinreichend nachvollziehbar bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus
ge
klammert. Dies wäre infolge der Rechtsprechung allerdings notwendig gewe
sen: P
sychosoziale und soziokulturelle Faktoren
sind
nur mittelbar invaliditäts
begründend, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden Folgen des Gesundheitsschadens beein
flussen. Zeitigen soziale Belastungen direkt negative funktionelle Folgen, bleiben sie bei der Beurteilung der Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeklammert (Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2018 vom 22. März 2019 E. 3)
.
Es wird
weiter
bemängelt,
dass
Dr.
J._
–
im Gegensatz zu
Dr.
G._
–
nicht sämtliche Fragebogen und Checklisten gemäss DSM und ICD geprüft habe und auch das BECK-Depressions-Inventar nicht ausfüllen liess. B
ezüglich der Wahl der Untersuchungsmethoden
steht
den Gutachtern als Experten allerdings
ein w
eiter Ermessensspielraum zu. D
arüber hinaus ist es
nicht zwingend notwendig, dass fremdanamnestische Angaben eingeholt oder Zusatzuntersuchungen ange
ordnet werden (Urteile des Bundesgerichts 8C_660/2013 vom 15. Mai 2014 E. 4.2.3,
8C_602/2013 vom 9. April 2014 E. 3.2 und 9C_275/2014 vom 21. Au
gust 2014 E. 3).
Auch der Bericht von
Dr.
F
._
vermag das Gutachten nicht zu entkräften: Der
Bericht unterscheidet weder zwischen den Befunden und den geklagten Beschwerden, noch äussert er sich zu einer diagnostischen Einschätzung oder all
fälligen funktionellen Auswir
kungen (vgl. E. 3.2.2
).
Zusammenfassend vermögen die Berichte von
Dr.
G._
und
Dr.
F._
(vgl. E. 3.2.4-3.2.6 und E. 3.2.2
) das psychiatrische Gutachten nicht in Zweifel zu ziehen.
4.
2.3
Bezüglich des Berichts der behandelnden Ärzte der
Klinik
I._
ist
vorab
festzu
halten, da
ss
die von den Behandlern erhobenen Befunde weitestgehend unauffäl
lig sind und lediglich
bezüglich Affekt
festgehalten wurde, dass die Beschwerde
führerin mittelschwer ratlos, mittelschwer deprimiert, mittelschwer hof
f
nungslos, leicht ängstlich, mittelschwer
dysphorisch
, leicht gereizt, leicht innerlich unruhig und leicht affektlabil wirke und leicht Verarmungsgefühle habe. Der Antrieb sei leicht antriebsarm und die Befindlichkeit sei abends leicht schlechter (
Urk.
3/6 S.
4
).
Des Weiteren ist auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung hinzuweisen, wonach der Umstand allein, dass behandelnde Fachärzte eine vom eingeholten Gutachten abweichende Meinung äussern, nicht Anlass zu weiteren Abklärungen gibt oder das Gutachten in Frage zu s
tellen
vermögen
; anders würde es sich ver
halten, wenn die behandelnden Ärzte konkrete, objektiv fassbare Aspekte nam
haft machen, die dem ärztlichen Experten entgangen sind oder mit denen er sich nicht befasst hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
2.
August 2006 U 58/06 E.
2.2)
–
was vorliegend allerdings nicht der Fall ist.
4.3
Die Beschwerdeführerin machte des Weiteren Einwände gegen das neurologische Teilgutachten
von Prof.
Dr.
med.
L._
, Facharzt für Neurologie,
geltend.
4.3.1
Sie brachte
vor,
dass
am 1
3.
April 2018 ein MRI erstellt worden, in welchem sich eine
Diskusprotrusion
C5/6 als auch eine solche von C4/5 gezeigt habe. Daneben sei auch eine
Spinalkanalstenosierung
bei beiden Segmenten gefunden worden. Das
Z._
-Gutachten stütze sich auf das MRI aus dem Jahr 1996, in welchem leichtere Befunde erhoben worden seien (
Urk.
1).
Dem ist entgegenzuhalten, dass im Jahr 2007 von
Dr.
A._
bildgebende Befunde erhoben wurden, welche a
uch im Gutachten des
Y._
vom
7.
Mai 2008
einflossen. Sowohl der Bericht von
Dr.
A._
vom 1
6.
Februar 2007
(
Urk.
12/78/6)
als auch das
Y._
-Gutachten wurden vom neurologischen Gutachter berücksichtigt und gewürdigt (vgl. hierzu
Urk.
12/159/46 sowie
Urk.
12/159/14 ff.).
Die Befunde des CT der HWS vom
2.
Februar 2007 (
Urk.
12/78/6) und diejenigen des MRI der HWS
vom 1
3.
April 2018 (
Urk.
12/177/5) unterscheiden sich darüber hinaus nicht wesent
lich.
Des Weiteren
ist festzuhalten, dass nicht die bildgebenden Befunde, sondern die funktionellen Einschränkungen relevant sind für die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
–
diese hat Prof.
Dr.
L._
ausführlich und genau erhoben (vgl.
Urk.
12/159/31 ff.).
4.3.2
Die Beschwerdeführerin machte des Weiteren geltend, dass
Dr.
A._
einen rele
vant anderen Befund erhoben ha
be
als Prof.
Dr.
L._
(
Urk.
1)
.
Vorab ist festzu
halten, dass
Dr.
A._
in seinem Bericht vom 2
7.
September 2017 (
Urk.
12/146) und jenem vom 2
0.
November 2019 (
Urk.
12/177) im Wesentlichen unveränderte Befunde erhob.
Prof.
Dr.
L._
führ
t
e demgegenüber aus,
dass sich kein fokal-neurologisches Defizit gefunden habe. Die Beweglichkeit der Halswirbelsäule wirke geschont mit Gegenhalten. Ein
radikuläres
Reizsyndrom habe nicht beobachtet werden können. Ein paravertebraler Hartspann habe nicht bestanden, es sei die Angabe einer Druckschmerzhaftigkeit der
Trapeziusansätze
am Hinter
haupt gemacht worden. Die spontane Beweglichkeit der HWS wirke nicht limitiert
.
Ein konsistentes zervikales
Vertebralsyndrom
liege nicht vor (
Urk.
12/159/34).
Dem ist nichts hinzuzufügen.
4.4
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Gutachten
der
Z._
vom 2
7.
März 2018 die
rechtsprechungsgemässen Anforderungen an beweistaugliche ärztliche
Entscheidungsgrundlagen erfüllt und damit beweiskräftig ist (vgl. E
. 2.5
).
5.
Zu prüfen bleibt, ob ein
Revisionsgrund vorliegt.
5.1
Dr.
med.
M._
, Facharzt für Neurologie, notierte im
neurologischen Teilg
ut
achten des
Y._
vom
2
3.
Januar
2008
, dass sich anlässlich der Untersuchung eine ausgeprägte Steifhaltung des Halses mit En bloc-Bewegungen des Kopfes zusam
men mit dem Oberkörper fänden. Es bestehe ein mittelstark bis stark ausgeprägtes oberes sowie mässig bis mittelstark ausgeprägtes
mittleres leicht linksbetontes
Cervicalsyndrom
. In diesem Rahmen bestünden auch
cervicocephale
Beschwer
den mit insbesondere
cervicogen
getriggerten
Schwindelbeschwerden. Die Angabe starker Schmerzen durch die Beschwerdeführerin sei jeweils von vegeta
tiven Erscheinungen wie einem vermehrten
Erschwitzen
und Erblassen begleitet und entsprechend glaubhaft. Weder während der Anamneseerhebung noch der ein
gehenden neurologischen/neuroorthopädischen Untersuchung ergäben sich Anh
a
lts
punkte für eine Aggravation oder Simulation von Beschwerden. Zusätz
lich zur Beeinträchtigung der Beweglichkeit der Halswirbelsäule finde sich im Status auch eine massive Tonuserhöhung und Druckschmerzhaftigkeit der Mus
ku
latur
paracervical
sowie
paraskapulär
mit ausgedehnten
myogelotischen
Bezir
ken (verklumpten muskulären Bezirken)
.
Zudem bestünden typische Triggers bei
oberem
Cervicalsyndrom
, so komme es zu einer Schmerzirradiation nach temporal sowie frontal bei Druck auf die
Occipitalis
Major-Austrittsstellen (
Urk.
12/87/26).
Demgegenüber erhob Prof.
Dr.
L._
unauffällige neurologische Befunde und konstatierte, dass die Beschwerdeführerin den Untersuchungsraum rasch mit flüssigem Gangbild betrete. An- und Auskleiden gelinge ausreichend zügig und selbständig. Spontan werde die Halswirbelsäule gut bewegt. Der Kopf werde spontan frei in alle Richtungen gewandt. Es bestehe eine diskrete Seitneigung des Kopfes nach rechts. Bei Aufforderung zum Schulterblick in beide Richtungen drehe sich die Beschwerdeführerin hierbei mit dem Rumpf mit. Hand- und
Fussohlen
seien gut
beschwielt
. Insgesamt wirke die Beweglichkeit geschont. Das Vornüberbeugen zum Berühren der Hände auf dem Boden sei bis zu einem ver
bleibenden Finger-Boden-Abstand von 29 cm möglich (
Urk.
12/159/31). Entspre
chend notierte er, dass die reklamierten Beschwerden in der Untersuchung kein ausreichendes objektives Korrelat fänden (
Urk.
12/159/35).
Damit ist
aufgrund der veränderten Befunde
eine wesentliche Änderung des Gesundheitszustandes überwiegend wahrscheinlich erstellt, womit ein Revisions
grund vorliegt.
5.2
Entgegen den Vorbringen der Beschwerdeführerin vermag die Angabe der Gutachter der
Z._
, dass am ehesten eine andere Bewertung eines objektiv eher wenig veränderten Gesundheitszustandes
vorliege, nicht zu verfangen (vgl.
Urk.
12/159/58). Die Gutachter der
Z._
gingen dabei davon aus, dass bei den Vorbewertungen auch der subjektive Beschwerd
evortrag erheblich einbezogen wo
rde
n sei
(
Urk.
12/159/58)
. Ob dies bei der Festsetzung der Arbeitsfähigkeit durch die
Y._
-Gutachter entsprechend war oder nicht, kann allerdings
offen bleiben
, da sich die objektiven Befunde klar verbessert haben.
5.3
Da aufgrund der erheblich verbesserten objektiven neurologischen Befunde ein Revisionsgrund überwiegend wahrscheinlich erstellt ist, kann
offen bleiben
, ob weitere Revisionsgründe oder ein Wiedererwägungsgrund gegeben
sind
und eine weitere Prüfung diesbezüglich erübrigt sich.
5.4
Da
Dr.
J._
eine Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischen Gründen nachvoll
ziehbar und schlüssig
verneinte, kann auf weitere Ausführungen zum
struktu
rierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 verzichtet werden (vgl. E. 2.
4
.3).
5.5
Die
Beschwerdeführerin brachte vor, dass die Androhung der Aufhebung der Ein
gliederungsmassnahmen nicht korrekt erfolgt sei und diese vorab noch durchzu
führen seien, bevor über die Aufhebung der Rente entschieden werden könne (
Urk.
1 S. 15).
Die
Beschwerdeführerin wurde mit Schreiben vom 2
7.
Oktober 2020 aufgefordert, ihrer Mitwirkungspflicht im Rahmen der Eingliederung nachzukommen und die Beschwerdeführerin unterzeichnete am
4.
November 2020 eine Bereitschafts
erklärung
(
Urk.
12/197-198). Die Beschwerdegegnerin
erteilte am 1
5.
Dezember 2020 Kostengutsprache für Arbeitsvermittlung plus (
Urk.
12/205), welche am 1
6.
Juni 2021 bis zum
3.
September 2021 verlängert wurde (
Urk.
12/212). Am 1
9.
Juli 2021 wurde die Versicherte erneut zur Wahrnehmung der Mitwirkungs
pflicht angehalten
und darauf hingewiesen, dass die Beschwerdegegnerin davon ausgehe, dass sie trotz gesundheitlicher Probleme in der Lage sei, einer Arbeits
tätigkeit nachzugehen und uneingeschränkt an den Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen
(
Urk.
12/215
). Am 2
9.
Juli 2021 teilte die Beschwerdeführerin mit, dass sie einen stationären Aufenthalt in der Klinik
I._
angefangen habe (
Urk.
12/216), woraufhin die Beschwerdegegnerin die Eingliederungsmassnah
men abbrach (vgl.
Urk.
12/218/2 f.).
Entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin kam die Beschwerdegeg
nerin ihrer Pflicht zur Eingliederung damit hinreichend nach.
5.6
Zusammenfassend ist die Beschwerdeführerin gestützt auf das Gutachten der
Z._
vom
2
7.
März 2018
in der angestammten als auch in jeder vergleichbaren oder zumindest in einer anderen, körperlich leichten, wechselbelastend oder über
wiegend sitzenden ausgeübten Tätigkeit des allgemeinen Arbeitsmarkts
nicht nam
haft limitiert (
Urk.
12/159/56 f.). Damit erweist sich die angefochtene Verfü
gung als rechtens und die Beschwerde ist abzuweisen.
6
.
6
.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig und sind die Gerichtskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ermessensweise auf Fr. 800.-- fest
zusetzen und aus
gangsgemäss der
Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen. Da die Voraussetzungen für die unentgeltliche Pro
zessführung gemäss § 16 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozi
alversicherungs
gericht (
GSVGer
) erfüllt sind (Urk.
3/8-17,
Urk.
8 und
Urk.
9/2-9), sind sie jedoch einst
weilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
6
.2
Ebenso sind die Voraussetzungen für die
unentgeltliche
Rechtsvertretung (§ 16 Abs. 2
GSVGer
) erfüllt und es ist Rechtsanwalt
Markus Bischoff
,
Zürich,
aus der Gerichts
kasse zu entschädigen.
Eine Honorarnote wurde nicht eingereicht, womit
–
wie mit Verfügung
2
9.
No
vember 2021
(Urk.
14
) mitgeteilt
–
die Entschädigung nach Ermessen fest
zusetzen ist. Unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses erscheint eine Entschädigung in Höhe von Fr.
2’200.-- (inklusive Mehr
wertsteuer und Barauslagen) angemessen.
6
.3
Die
Beschwerdeführer
in
ist auf § 16 Abs.
4
GSVGer
hinzuweisen, wonach sie
zur Nach
zahlung der Auslagen für die
unentgeltliche
Rechtspfl
ege verpflichtet ist, sobald sie
dazu in der Lage ist.
Das Gericht beschliesst,
In Bewilligung des Gesuchs vom
2
3.
September 2021 wird der
Beschwerdeführer
in die unent
gelt
liche
Prozessführung gewährt und Rechtsanwalt
Markus Bischoff, Zürich,
als unentgeltlicher Rechts
vertreter bestellt;
und erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt
, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse genommen.
Die Beschwerdeführerin wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
3.
Der unentgeltliche Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin, Rechtsanwalt Markus Bischoff, Zürich,
wird mit
Fr.
2’200
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) aus der Gerichts
kasse entschädigt.
Die Beschwerdeführerin wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Markus Bischoff
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse
5.