# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f2f70562-21de-41e1-bb5b-38d5349c82c1
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2008
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ T. B. ist Eigentümerin des Grundstücks Nr. 0000, Grundbuch St. Margrethen, das
mit einem zweigeschossigen Wohnhaus mit Dachgeschoss überbaut ist. X. ist
Eigentümer der östlich angrenzenden Parzelle. Das in westlicher Richtung angrenzende
Grundstück steht im Eigentum von Z. Die Gebäude, die sich auf den Parzellen
befinden, werden zu Wohnzwecken genutzt. Die drei Grundstücke und das Gebiet
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
östlich und westlich davon sind nach dem Zonenplan der Politischen Gemeinde St.
Margrethen vom 4. September 1991 der zweigeschossigen Wohn-Gewerbe-Zone
(WG2, Lärmempfindlichkeitsstufe III) zugeteilt. Unmittelbar nördlich der Parzellen
verläuft die Kantonsstrasse, die entlang ihrer Südseite einen Fuss- und Radweg
aufweist, der unter anderem als Schulweg zum Schulhaus Nebengraben dient. Direkt
nördlich der Kantonsstrasse liegen die Bahnlinie und die Autobahn A1.
Am 24. Juli 2006 stellte die Bauverwaltung St. Margrethen anhand von Lichtgirlanden
und Reklameschriften fest, dass Räumlichkeiten der Liegenschaft Grundstück 0000 in
einen Erotik-Betrieb "Asian Massagen" umgenutzt worden war. Mit Präsidialverfügung
vom 26. Juli 2006 ordnete der Gemeindepräsident die sofortige Einstellung der
gewerblichen Tätigkeit an und forderte T. B. auf, ein Baugesuch für die
Nutzungsänderung einzureichen.
Gemäss Baugesuch vom 27. Juli 2006 sollen im Hochparterre und im ersten
Obergeschoss der Liegenschaft je eine Wohnung in einen "Thai- und
Sportmassagebetrieb" (Erotik-Betrieb) umgenutzt werden.
B./ Das Baugesuch vom 27. Juli 2006 wurde in der Zeit vom 16. bis 31. August 2006
öffentlich aufgelegt. Während der Auflagefrist erhoben u.a. X., Y. und Z. öffentlich- und
privatrechtliche Einsprache beim Gemeinderat St. Margrethen und beantragten, die
Baubewilligung für die Umnutzung der Liegenschaft sei zu verweigern.
Am 16. Oktober 2006 hiess der Gemeinderat St. Margrethen die Einsprachen gut und

## Considerations

lehnte das Umnutzungsgesuch im Sinn der Erwägungen ab (Ziff. 1, 3 und 4 des
Entscheids). Gleichzeitig ordnete er an, die Einfahrt sei so abzuändern, dass nicht
rückwärts in die Hauptstrasse gefahren werden könne. Die Parkplätze seien parallel
anzuordnen und zu markieren. Entlang des Rad- und Gehwegs sei ein unüberfahrbarer
Stellriemen oder dergleichen anzubringen. Die Ausfahrtsbreite dürfe maximal 5.00 m
betragen (Ziff. 2 des Entscheids).
C./ Gegen den Beschluss des Gemeinderates St. Margrethen vom 16. Oktober 2006
erhob T. B. am 7. November 2006 Rekurs beim Baudepartement. Sie stellte die
Rechtsbegehren, die Umnutzung der Liegenschaft in einen Thai- und Massagebetrieb
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
sei zu bewilligen (Ziff. 1), die Einsprachen seien öffentlichrechtlich und zivilrechtlich
abzuweisen (Ziff. 2) und auf eine bauliche Anpassung der Parkfläche sei zu verzichten
(Ziff. 3). Sie hielt indessen fest, sie sei bereit, die vier Parkplätze neu parallel zur Strasse
einzuzeichnen.
Am 15. Mai 2007 führte das Baudepartement einen Augenschein durch und am 3.
Dezember 2007 wurde der Rekurs von T. B. im Sinn der Erwägungen gutgeheissen.
Der Beschluss des Gemeinderates St. Margrethen vom 16. Oktober 2006 wurde
aufgehoben und die Streitsache wurde zur Erteilung der Baubewilligung im Sinn der
Erwägungen an die Vorinstanz zurückgewiesen. Der Entscheid wird im Wesentlichen
damit begründet, die Umnutzung der beiden Wohnungen in einen Erotik-Betrieb sei
zonenkonform und führe weder öffentlichrechtlich noch privatrechtlich zu einer
übermässigen Einschränkung der Wohnnutzung in den Nachbarliegenschaften.
D./ Am 18. Dezember 2007 erhob die Politische Gemeinde St. Margrethen gegen den
Entscheid des Baudepartements vom 3. Dezember 2007 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht. Sie stellte die Rechtsbegehren, der angefochtene Entscheid sei
aufzuheben und der Entscheid des Gemeinderats vom 16. Oktober 2006 sei in allen
Teilen zu bestätigen (Ziff. 1), unter Kosten- und Entschädigungsfolge (Ziff. 2). Die
Beschwerde wird im Wesentlichen damit begründet, der Betrieb eines Erotiksalons
führe zu übermässigen ideellen Immissionen und vermindere die Wohnqualität im
Quartier.
Das Baudepartement nahm am 1. Februar 2008 Stellung und beantragte, die
Beschwerde sei abzuweisen. X., Y. und Z. haben darauf verzichtet, sich am Verfahren
zu beteiligen. Am 17. März 2008 machte die Politische Gemeinde St. Margrethen von
der Möglichkeit Gebrauch, sich zur Stellungnahme des Baudepartements zu äussern.
Sie teilte mit, in der Nacht vom 21. auf den 22. Februar 2008 sei gegen die
Liegenschaft ein Buttersäureanschlag verübt worden, was ein weiterer Beweis dafür
sei, dass der Erotik-Betrieb nicht als zonenkonform beurteilt werden könne.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die Sachurteilsvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen:
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
1.1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59bis Abs.
1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Ferner
entsprechen die Beschwerdeeingabe vom 18. Dezember 2007 und ihre Ergänzung vom
21. Januar 2008 zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64
Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP).
1.2. Nach Art. 57 des Umweltschutzgesetzes (SR 814.01, abgekürzt USG) sind die
Gemeinden berechtigt, gegen Verfügungen der kantonalen und der Bundesbehörden in
Anwendung dieses Gesetzes die Rechtsmittel des eidgenössischen und kantonalen
Rechts zu ergreifen, sofern sie dadurch berührt werden und ein schutzwürdiges
Interesse an der Aufhebung oder Änderung haben. Sodann steht das Beschwerderecht
der zuständigen Behörde einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft oder einer
selbständigen öffentlich-rechtlichen Anstalt zur Wahrung öffentlicher Interessen nach
Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 2 VRP zu (vgl. dazu Cavelti/Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 450 ff. mit
Hinweisen; F. Rüdisüli, Die Legitimation der öffentlich-rechtlichen Körperschaften im
Beschwerdeverfahren, in: 20 Jahre Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen, Nr. 12
der Schriftenreihe "Der Kanton St. Gallen heute und morgen", St. Gallen 1986, S. 42).
Somit ist die Politische Gemeinde St. Margrethen legitimiert, soweit sie mit der
Beschwerde öffentliche Interessen wahren will.
1.3. Soweit sich die Politische Gemeinde St. Margrethen auf privatrechtlichen
Immissionsschutz nach Art. 684 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (SR 210)
berufen will, fehlt es ihr indessen an der Beschwerdelegitimation. Die
Rechtsmittelberechtigung würde voraussetzen, dass sie durch Eigentum oder Besitz
mit einem betroffenen Grundstück verbunden wäre, was nicht geltend gemacht wird
(VerwGE vom 31. Mai 2005 i.S. Politische Gemeinde J. und Mitbeteiligte, in:
www.gerichte.sg.ch).
1.4. Auf die Beschwerde ist im Sinn der Erwägungen einzutreten.
2. Unbestritten ist, dass die Umnutzung der beiden Wohnungen in einen Erotik-Betrieb
nach Art. 78 Abs. 2 lit. o des Baugesetzes (sGS 731.1, abgekürzt BauG)
bewilligungspflichtig ist. Sodann muss von Bundesrechts wegen ein
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Bewilligungsverfahren durchgeführt werden, wenn umweltrelevante Änderungen von
Bauten und Anlagen zur Diskussion stehen (B. Heer, St. Gallisches Bau- und
Planungsrecht, Bern 2003, Rz. 861 mit Hinweis auf GVP 1999 Nr. 94 E. 2c und
Juristische Mitteilungen des Baudepartements 2000 Nr. 21).
3. Die Beschwerdeführerin rügt, die Vorinstanz verkenne, dass die Umnutzung der
Wohnungen in einen Erotik-Betrieb ideelle Immissionen bewirke, die in einer Wohn-
Gewerbe-Zone nicht zulässig seien.
3.1. Bauten und Anlagen haben dem Zweck der jeweiligen Nutzungszone zu
entsprechen (Art. 22 Abs. 2 lit. a des Bundesgesetzes über die Raumplanung, SR 700,
abgekürzt RPG). Die Zonenkonformität im Sinn des Bundesrechts setzt einen
funktionalen Zusammenhang zwischen Bauvorhaben und Zonenzweck voraus (Heer,
a.a.O., Rz. 360 mit Hinweisen).
In den Zonenvorschriften sind Art und Mass der zulässigen Immissionen ausdrücklich
oder indirekt bestimmt, indem sie in genereller Weise die Bauten und Anlagen
bezeichnen, die in der betreffenden Zone bewilligt werden können. Als
Nutzungsvorschriften haben die baurechtlichen Immissionsbeschränkungen abstrakte
Geltung. Ob ein generell ausgeschlossener Betrieb im konkreten Fall stören würde oder
nicht, ist unerheblich. Es genügt, wenn die fragliche Nutzung typischerweise
Belästigungen zur Folge hat, die über das hinausgehen, was in der betreffenden Zone
verträglich ist (Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, Band I, 3.
Aufl., Bern 2007, Art. 24 N. 8 mit Hinweisen).
Die zur Diskussion stehende Liegenschaft befindet sich in der Wohn-Gewerbe-Zone.
Gemäss Art. 12 BauG sind in Wohn-Gewerbe-Zonen neben Wohnbauten auch mässig
störende Gewerbebetriebe zulässig. In der Praxis werden Ladengeschäfte,
Autoreparaturwerkstätten, Spenglereien, Kundenschreinereien, Druckereibetriebe aber
auch Transportbetriebe bis zu einer bestimmten Grösse zu den mässig störenden
Betrieben gerechnet (Heer, a.a.O., Rz. 373 mit Hinweis auf VerwGE vom 22. August
1994 i.S. A. und E. H.-K.; vgl. auch P. Hänni, Planungs-, Bau- und besonderes
Umweltschutzrecht, 4. Aufl., Bern 2002, S. 163 f.). Das Verwaltungsgericht hat einen
bordellähnlichen mit rund 12 im Schichtbetrieb arbeitenden Frauen, sechs für die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Bedienung der Kunden vorgesehenen Zimmern, einem Empfangsraum, einer Küche,
drei Bädern und einem separaten WC und mit Öffnungszeiten von Montag bis
Donnerstag zwischen 09.00 und 01.00 Uhr und am Freitag und am Samstag zwischen
09.00 und 02.00 Uhr bei abstrakter Betrachtung in der Wohn-Gewerbe-Zone als
zonenkonform eingestuft. Es hat erwogen, es sei nicht davon auszugehen, dass der
Betrieb eines Erotikclubs in der genannten Grössenordnung zu übermässigen
Lärmimmissionen oder übermässigen Beeinträchtigungen ideeller Natur führe, die
zwingend einen Standort in der Gewerbe-Industrie- oder in der Industriezone
erforderlich machten (GVP 2005 Nr. 26).
Gemäss Baugesuch vom 27. Juli 2006 sind auf zwei Stockwerken neben zwei
Aufenthaltsräumen vier Räume vorgesehen, in denen Kunden bedient werden. Auf den
Plänen sind zudem zwei Küchen und zwei Duschräume ersichtlich. Es ist geplant, dass
dort vier Frauen arbeiten und dass das Etablissement die ganze Woche über, von
Montag bis Sonntag, jeweils von 10.00 Uhr bis 02.00 Uhr geöffnet ist.
Im Rahmen der abstrakten Beurteilung ergibt sich somit, dass ein Erotik-Betrieb dieser
Grössenordnung nur mässig störend wirkt und daher in der Wohn-Gewerbe-Zone
zonenkonform ist. Auch wenn das Unbehagen der Beschwerdeführerin verständlich ist,
vermag an dieser Beurteilung nichts zu ändern, dass gegen die Liegenschaft ein
Buttersäureanschlag verübt worden ist. Insoweit erweist sich die Beschwerde als
unbegründet.
3.2. Seit dem Erlass des USG und seiner Ausführungsvorschriften, so auch der
Lärmschutzverordnung (SR 814.41, abgekürzt LSV) wird das in einer Zone konkret
zulässige Immissionsmass weitgehend durch öffentliches Bundesrecht bestimmt.
Dabei ist namentlich zu prüfen, ob ein Betrieb Immissionen zur Folge hat, die das
zulässige Mass überschreiten. Die zweistufige Beurteilung von Bauten und Anlagen auf
ihre immissionsrechtliche Zulässigkeit wird durch Art. 43 LSV bestätigt. Nach dieser
Bestimmung sind den Nutzungszonen nach Art. 14 ff. RPG Empfindlichkeitsstufen
zuzuordnen.
Die Liegenschaft der Beschwerdeführerin liegt, wie dargelegt, in der Wohn-Gewerbe-
Zone. Sodann gilt die Empfindlichkeitsstufe III, in der mässig störende Betriebe
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
zugelassen sind, namentlich in Wohn- und Gewerbezonen (Mischzonen) sowie
Landwirtschaftszonen (Art. 43 Abs. 1 lit. c LSV, Art. 6 Abs. 1 des Grossratsbeschlusses
über den Lärmschutz, sGS 672.43, und Art. 17 des Baureglements der
Beschwerdeführerin).
Unbestritten ist, dass es sich beim Erotik-Betrieb, den die Beschwerdegegnerin
eröffnen will, um eine ortsfeste Anlage im Sinn von Art. 7 Abs. 7 USG handelt, die den
bundesrechtlichen Bestimmungen über den Lärmschutz unterliegt (dazu GVP 2005 Nr.
27 und F. Bellanger, Das Schweizerische Umweltschutzrecht, Rechtsprechung von
1995 bis 1999, in: URP 7/2001 619 ff., 652). Davon wird grundsätzlich der direkt mit
dem Betrieb einer Anlage verbundene "Verhaltenslärm" von Menschen erfasst (BGE
123 II 74 ff.). Soweit diese Emissionen nach aussen dringen (Aussenlärmemissionen),
fallen sie in den Regelungsbereich der LSV (Art. 1 Abs. 2 lit. a LSV). Der Innenlärm wird
davon teilweise erfasst (Art. 1 Abs. 2 lit. d und Abs. 3 lit. a LSV).
Die Beschwerdeführerin stellt die Beurteilung der Vorinstanz nicht in Frage, wonach die
durch den Erotik-Betrieb verursachten Lärmimmissionen die in der
Empfindlichkeitsstufe III geltenden Emissionsbegrenzungen einhalten.
3.3. Die Beschwerdeführerin beruft sich demgegenüber auf verschiedene
Gerichtsurteile und bemängelt, die Vorinstanz habe die vom Erotik-Betrieb
ausgehenden ideellen Immissionen in rechtlicher Hinsicht falsch beurteilt. Diese seien
nicht nur mässig, sondern stark störend. Sie begründet dies damit, es gelte, der
Verslumung des Quartiers entgegenzuwirken. Es möge zwar zutreffen, dass das
Quartier nicht in derselben Dichte überbaut sei wie das städtische Wohnquartier, das
dem Urteil des Bundesgerichts 1P.191/1997 vom 28. November 1997 zu Grunde liege,
das Sexgewerbe wirke sich indessen ebenso negativ aus und die Wohnqualität werde
herabgesetzt. Sodann vermöge die Argumentation der Vorinstanz, dass die nähere
Umgebung der Liegenschaft gewerblich genutzt werde, nicht zu überzeugen. Es handle
sich um Gewerbebetriebe, die keine ideellen Immissionen verursachen würden und wo
zudem nur tagsüber gearbeitet werde. Im weiteren sei es geradezu zynisch, wenn
darauf hingewiesen werde, in der Umgebung sei das Sexgewerbe bereits mit einem
Table-Dance-Betrieb vertreten. Dies treffe zwar zu, spreche indessen dagegen, einen
weiteren Erotik-Betrieb zuzulassen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Wie ausgeführt, kann sich die Beschwerdeführerin nicht auf den privatrechtlichen
Immissionsschutz berufen, der auch vor ideellen Immissionen schützt (GVP 2005
Nr. 26). Zu prüfen ist deshalb, ob der öffentlichrechtliche Immissionssschutz eine
Handhabe bietet, um ihrem einem öffentlichen Bedürfnis entsprechenden Anliegen
Rechnung zu tragen (vgl. dazu BGE 108 Ia 147 E. 5 c/bb).
3.3.1. Als ideelle Einwirkungen gelten Einwirkungen, die das seelische Empfinden
verletzen bzw. unangenehme Eindrücke erwecken. Sie können die Nachbarschaft
direkt belästigen oder aber indirekte Wirkungen zeitigen, indem sie durch eine
unästhetische oder sonst unerfreuliche Umgebung die Wohnqualität (und sei es auch
nur den Ruf der Wohngegend) beeinträchtigen, die Vermietbarkeit von Wohnungen
erschweren oder den Geschäften die Kundinnen und Kunden fernhalten (BGE 108 Ia
146 E. 5 c/aa; vgl. auch Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 24 N. 2 mit Hinweisen und B.
Waldmann, Der Schutz vor ideellen Immissionen in Wohngebieten - eine kritische
Würdigung, in: BR 4/2005 S. 156 ff.). Im Gegensatz zu materiellen Immissionen wie
Lärm, Luftverunreinigung, Strahlen und Erschütterungen, werden ideelle Immissionen
oft als immaterielle Immissionen bezeichnet (BGE 108 Ia 144 E. 5 c/aa und Waldmann,
a.a.O., in: BR 5/2004 S. 156). Es ist notorisch und wird von der Vorinstanz nicht
bestritten, dass derartige Einwirkungen in der Umgebung von Einrichtungen des Sex-
Gewerbes entstehen können (vgl. auch GVP 2005 Nr. 26). Sie können in einem
Ausmass unangenehm und lästig werden, dass es im öffentlichen Interesse liegt, sie zu
verhindern (Urteil des Bundesgerichts 1P.160/2004 vom 27. Januar 2005 E. 4.1.). Die
Beschwerdeführerin geht indessen mit Recht davon aus, dass die Qualifizierung
ideeller Immissionen als stark störend nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
ein erhebliches Konfliktpotential zwischen den sich entgegenstehenden Nutzungen
voraussetzt (BGE 108 Ia 147 E. 5 c/bb, Urteile des Bundesgerichts 1P.160/2004 vom
27. Januar 2005, 1P.771/2001 vom 5. Mai 2003, 1P.191/1997 vom 26. November
1997).
3.3.2. Das eidgenössische Umweltschutzrecht erfasst nicht alle denkbaren
Auswirkungen, die eine Baute oder Anlage mit sich bringen kann (BGE 118 Ia 115 E. 1
b; Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 24 N. 10). Wie die Vorinstanz mit Recht ausführt (E. 4.1.
des angefochtenen Entscheids), werden immaterielle Immissionen vom USG und seiner
Ausführungsgesetzgebung nicht erfasst (Urteil des Bundesgerichts 1A.120/2005 vom
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
31. Mai 2006 mit Hinweis auf Waldmann, a.a.O., in BR 4/2005 insbesondere S. 159 ff.;
vgl. auch BVR 2001 23 f.). Dies schliesst indessen nicht generell aus, dass sich das
öffentliche Recht von Bund, Kantonen und Gemeinden mit den ideellen Immissionen
befasst. Im Rahmen ihrer bau- und planungsrechtlichen Zuständigkeiten sind Kantone
und Gemeinden befugt, ideelle Immissionen einzuschränken (Urteil des Bundesgerichts
1P.68/2007 vom 17. August 2007 und Waldmann, a.a.O., in: BR 4/2005 S. 158).
Städtebauliche Nutzungsvorschriften des kantonalen und kommunalen Rechts haben
selbständigen Gehalt, soweit sie die Frage regeln, ob eine Baute am vorgesehenen Ort
erstellt und ihrer Zweckbestimmung übergeben werden darf. Namentlich ist es weiter
Sache des kantonalen Rechts, die für den Charakter eines Quartiers wesentlichen
Vorschriften bezüglich Nutzungsart und -intensität zu erlassen, wobei diese
Vorschriften mittelbar ebenfalls dem Schutz der Nachbarn vor Übelständen
verschiedenster Art dienen können (BGE 118 Ia 115 E. 1b; GVP 1999 Nr. 90 mit
Hinweis auf BGE 117 Ib 152 f.; vgl. auch Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 24 N. 10). Sodann
finden sich Vorschriften zum Schutz vor ideellen Einwirkungen im allgemeinen
Polizeirecht oder im Gewerbepolizeirecht (Waldmann, a.a.O., in: BR 4/2005 S. 158).
Dementsprechend lag dem Urteil des Bundesgerichts 1P.771/2001 vom 5. Mai 2003,
auf das sich die Beschwerdeführerin bezieht, die Bau- und Zonenordnung der Stadt
Zürich zu Grunde, wonach sexgewerbliche Salons in Gebieten mit einem bestimmten
Wohn(flächen)anteil verboten sind (vgl. auch ZBl 2004 S. 111). Das Gericht erwog, es
handle sich um eine planungsrechtliche Festlegung, die im Baubewilligungsverfahren
zu beachten sei. Im dort zitierten Urteil 1P.191/1997 vom 26. November 1997
betreffend Zonenkonformität eines Massagesalons in der Wohnzone hat das
Bundesgericht ausgeführt, bei einem Wohnanteil von mindestens 60 % einer Zone W4
sei es nicht willkürlich, auf ein dicht überbautes Gebiet mit einem hohen Wohnanteil
bzw. einer hohen Wohnnutzung zu schliessen und es sei daher vertretbar,
sexgewerbliche Betriebe in einer solchen Zone aufgrund ihrer ideellen Immissionen als
stark störend einzustufen. Am 25. Juni 1982 (BGE 108 1a 140 f.) hatte das
Bundesgericht schliesslich ein Unterhaltungsgewerbegesetz zu beurteilen, wonach die
Bewilligung bestimmter Darbietungen zu verweigern ist, "wenn wegen der Lage des
Betriebslokals eine übermässige Einwirkung ideeller oder materieller Art auf die
Nachbarschaft zu erwarten oder eingetreten ist". Das Bundesgericht erwog, diese
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Vorschrift liege im öffentlichen Interesse und stelle eine zulässige, polizeilich motivierte
Einschränkung der Handels- und Gewerbefreiheit dar.
3.3.3. Im vorliegenden Fall bestehen keine Nutzungsvorschriften des kantonalen oder
kommunalen Rechts, wonach der zur Diskussion stehende Erotik-Betrieb bezüglich
ideeller Immissionen als stark störend und damit auch zonenwidrig einzustufen wäre.
Sodann fällt der Betrieb weder in den Geltungsbereich des
Unterhaltungsgewerbegesetzes (sGS 554.4, abgekürzt UGG), wonach Veranstaltungen
und Anlagen die Nachbarschaft nicht übermässig belästigen dürfen (Art. 3 lit. b UGG),
noch in denjenigen des Gesetzes über Spielgeräte und Spiellokale (sGS 554.3,
abgekürzt GSS), wonach die Bewilligung für ein Spiellokal nur erteilt wird, wenn der
Schutz der Umgebung vor übermässigen Einwirkungen gewährleistet ist (Art. 7 Abs. 1
lit. c GSS).
3.4. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen ist, soweit darauf
eingetreten werden kann. Der öffentlichrechtliche Immissionsschutz bietet keine
Handhabe, der von der Beschwerdeführerin befürchteten Verslumung des Quartiers
entgegenzuwirken und zu verhindern, dass die Liegenschaft nicht in einen Erotik-
Betrieb der hier zur Diskussion stehenden Grössenordnung umgenutzt werden darf.
Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 des Gerichtskostentarifs,
sGS 941.12). Auf die Erhebung der Kosten wird verzichtet (Art. 95 Abs. 3 VRP).
Ausseramtliche Entschädigungen sind nicht zuzu-sprechen (Art. 98 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 98bis VRP).
Demnach hat das Verwaltungsgericht