# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d6a6cb75-e9d2-5f28-83da-700acbe215f6
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdeführerin erhielt am 26. Oktober 2016 die Baubewilligung zur
Erstellung eines Gartenhauses auf ihrer Parzelle Wangenried Grundbuchblatt Nr.
B._. Die Parzelle liegt in der Wohn- und Arbeitszone WA2. Das Gartenhaus mit
einer Grundfläche von 14 m2 soll als geschlossene Sitzgelegenheit dienen. Es verfügt über
keinen Wasser- oder Abwasseranschluss und ist nicht unterkellert. Die Gemeinde verlangt
für die Erteilung der Baubewilligung Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 888.--.
2. Gegen die Höhe der Verfahrenskosten reichte die Beschwerdeführerin am
17. November 2017 Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des
Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragt, die Gebühren seien massiv herabzusetzen. Sie
macht insbesondere geltend, die Gemeinde verrechne exakt die Aufwendungen des
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externen Bauinspektors, welcher die Arbeit für die Gemeinde erledige, weil diese nicht über
das nötige Fachwissen verfüge. Dies widerspreche Art. 51 Abs. 2 BewD1. Zudem werde für
alle Verrichtungen der gleiche Ansatz verrechnet. Die Höhe der Gebühren und die
aufgewendeten sechs Stunden zur Prüfung des Gesuchs seien angesichts der
Anschaffungskosten des Gartenhauses von nur Fr. 400.-- nicht nachvollziehbar. Unter
Berücksichtigung sämtlicher im Gebührenreglement aufgelisteten Verrichtungen und deren
Ansatz würden die Berechnungen nicht mehr als ca. Fr. 200.-- ergeben.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für
den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Prozessvoraussetzungen
a) Kostenentscheide als Teil eines Bauentscheids können nach Art. 40 Abs. 1 BauG3
innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden.4 Die
BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die
Baugesuchstellerinnen, die Baugesuchsteller, die Einsprecherinnen, die Einsprecher und
die zuständige Gemeindebehörde (Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführerin ist als
Baugesuchstellende grundsätzlich zur Beschwerdeführung befugt. Sie ist durch die
Kostenauferlegung beschwert und daher zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf die form-
und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist grundsätzlich einzutreten.
b) Soweit die Beschwerdeführerin als Schlussbemerkung geltend macht, die
Gepflogenheiten bei der Bearbeitung der Baugesuche in der Gemeinde Wangenried seien
1 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 4 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 40–41 N 8d
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näher zu überprüfen, da teils exorbitante Kosten in Rechnung gestellt würden, ist auf die
Beschwerde nicht einzutreten. Denn Anfechtungsobjekt ist nur die Verfügung der
Vorinstanz und der Streitgegenstand kann nicht über das hinausgehen, was die Vorinstanz
geregelt hat.5 Die BVE ist nicht befugt, Kosten anderer Baubewilligungsverfahren zu
überprüfen, zumal sie nicht Aufsichtsbehörde ist.
2. Baubewilligungsgebühren
a) Laut Art. 52 Abs. 1 BewD tragen die Gesuchstellenden die amtlichen Kosten des
Baubewilligungsverfahrens. Diese bestehen aus den Gebühren und Auslagen, welche die
Gemeinde für ihre Tätigkeit im Baubewilligungsverfahren und für ihre baupolizeilichen Ver-
richtungen erheben kann (Art. 51 Abs. 1 BewD). Die Gemeinde Wangenried hat gestützt
auf Art. 69 Abs. 4 Bst. a BauG i.V.m. Art. 51 Abs. 3 BewD sowohl ein Gebührenreglement6
sowie einen Gebührentarif7 erlassen. Baubewilligungsgebühren unterstehen insbesondere
dem Äquivalenzprinzip.8 Demnach darf die erhobene Abgabe im Einzelfall zum objektiven
Wert der Leistung nicht in ein offensichtliches Missverhältnis treten und muss sich in
vernünftigen Grenzen bewegen. Das Äquivalenzprinzip stellt die gebührenrechtliche
Ausgestaltung des Verhältnismässigkeitsgrundsatzes dar.9 Gemäss Art. 3 Abs. 1
Gebührenreglement werden die Gebühren nach Aufwand oder pauschal berechnet.
Gebühren, die nach Aufwand berechnet werden, sollen den Personal- und
Infrastrukturaufwand abgelten. Bei Gebühren nach Aufwand muss die Art der
Dienstleistung unterschieden werden. Bei normalen Verwaltungstätigkeiten wird die
Aufwandgebühr I verrechnet. Bei Verwaltungstätigkeiten, die eine besondere fachliche
Qualifikation erfordern, wird die Aufwandgebühr II verrechnet.10 Gemäss Gebührentarif
beträgt die Aufwandgebühr I Fr. 50.-- und die Aufwandgebühr II Fr. 100.-- pro Stunde.
b) Gemeinden, die nicht über das nötige Fachwissen verfügen, können Baugesuche
durch ein regionales Bauinspektorat, durch die Fachleute einer anderen Gemeinde oder
5 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 72 N. 6 6 Gebührenreglement der Einwohnergemeinde Wangenried vom 1. Juli 2012 7 Gebührentarif der Einwohnergemeinde Wangenried vom 1. Januar 2014 8 Vgl. Art. 52 Abs. 2 BewD; Art. 2 Abs. 3 Gebührenreglement 9 BGE 126 I 180 E. 3a/bb 10 Art. 4 Abs. 1 und 2 Gebührenreglement
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durch private Fachleute prüfen lassen (Art. 33a Abs. 1 und 2 BauG). Von dieser
Möglichkeit hat die Einwohnergemeinde Wangenried Gebrauch gemacht und die Prüfung
des Baugesuchs der C._ AG übertragen. Die Kosten für dieses Fachwissen sind
in der Baubewilligungsgebühr inbegriffen und können nicht zusätzlich verrechnet werden
(Art. 51 Abs. 2 BewD).
c) Die Einwohnergemeinde Wangenried stellt der Beschwerdeführerin folgende
Verfahrenskosten in Rechnung:
Entgegennahme, formelle und materielle Prüfung Fr. 810.--
Antragsstellung an Bewilligungsbehörde Fr. 25.--
Gebühr für Baubewilligung Fr. 50.--
Porto Fr. 3.--
Total Fr. 888.--
Die Gemeinde bringt vor, beim Betrag von Fr. 810.-- handle es sich um entstandene
externe Aufwendungen. Das Baugesuch habe zudem zur Verbesserung zurückgewiesen
werden müssen, was zusätzlichen Aufwand erfordert habe. Im Betrag von Fr. 810.-- seien
zudem Fr. 180.-- für die Ausstellung der Gewässerschutzbewilligung enthalten, welche
zusätzlich hätten verrechnet werden dürfen.
Gemäss Arbeitszeiterfassungsblatt der C._ AG wurden total 6 Stunden
aufgewendet. Diese wurden mit Fr. 125.-- multipliziert (Fr. 750.--) und Mehrwertsteuer von
Fr. 60.-- berechnet.
Die C._ AG macht folgende Positionen und Stunden geltend:
1) Formelle und materielle Prüfung, Mängelschreiben 1.5 h
2) Materielle Prüfung 0.5 h
3) Eingang BG, formelle Prüfung, Kopien, Prüfbericht 1.0 h
4) Weiterbearbeitung Prüfbericht 0.25 h
5) Prüfbericht an Gemeinde, Akten per Post an Gemeinde 0.5 h
6) Gewässerschutzbewilligung 1.0 h
7) Anpassung Prüfbericht, an Gemeinde, Bauentscheid 0.75 h
8) Bauentscheid 0.5 h
d) Als erster Schritt nach dem Eingang des Gesuchs erfolgt die Kontrolle auf
Vollständigkeit und inhaltliche Richtigkeit, welche gemäss Art. 29 Abs. 1
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Gebührenreglement mit der Aufwandgebühr I, also gemäss Gebührentarif Fr. 50.-- pro
Stunde, verrechnet werden kann. Im vorliegenden Fall musste diese Kontrolle nach der
Mängelbehebung ein zweites Mal durchgeführt werden. Für diese beiden Prüfungen auf
Vollständigkeit und Richtigkeit erscheint für das einfache Gartenhaus ein Zeitaufwand von
einer Stunde als angemessen. Es können dafür also Fr. 50.-- in Rechnung gestellt werden.
Für das Mängelschreiben kann gemäss Art. 29 Abs. 3 des Gebührenreglements zusätzlich
eine Pauschalgebühr von Fr. 30.-- verrechnet werden.
e) Notwendig waren zudem die formelle und materielle Prüfung sowie das Verfassen
des Bauentscheids, wofür das Gebührenreglement je die Aufwandgebühr II vorsieht (Art.
30 Abs. 1, 31 Abs. 1 und 6 Gebührenreglement). Eingehend geprüft werden musste
vorliegend einzig die Frage, ob der gesetzlich vorgeschriebene Gebäudeabstand
eingehalten ist. Ansonsten handelt es sich beim Gartenhaus, welches nicht unterkellert ist
und über keine Anschlüsse verfügt, um ein einfaches Bauvorhaben. Mit Blick auf das
Äquivalenzprinzip kann dafür ein Aufwand von 1,5 Stunden und damit Fr. 150.-- verrechnet
werden.
Nicht verrechnet werden können die Kosten für den "Prüfbericht". Dabei handelt es sich um
einen Bericht der C._ AG zuhanden der Gemeinde, der den Sachverhalt kurz
wiedergibt und das Resultat der formellen und materiellen Prüfung festhält. Es handelt sich
dabei um einen Zwischenschritt beim Erarbeiten des Bauentscheids, den die Gemeinde
nicht vorgenommen hätte, wenn sie das Baugesuch selbst behandelt hätte. Da der
Aufwand für den Prüfbericht dem Umstand geschuldet ist, dass die Einwohnergemeinde
Wangenried die Prüfung des Baugesuchs an ein externes Unternehmen auslagerte, kann
er der Beschwerdeführerin nicht in Rechnung gestellt werden (Art. 51 Abs. 2 BewD). Die
gesamten von der C._ AG für den Prüfbericht geltend gemachten Kosten können
daher nicht der Baugesuchstellerin übertragen werden.
f) Weiter macht die Einwohnergemeinde Wangenried Fr. 180.-- für eine
Gewässerschutzbewilligung geltend. Für Gebühren für eine Gewässerschutzbewilligung
wird im Gebührenreglement auf die kantonale GebV11 verwiesen. Im Anhang 8 der GebV
sind für Gewässerschutzbewilligungen 120 bis 4590 Taxpunkte vorgesehen (Ziff. 3.7a).
11 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
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Der Wert eines Taxpunktes beträgt Fr. 1.-- (Art. 4 Abs. 1 GebV sowie Einleitung zu Anhang
8).
Im vorliegenden Fall musste die Gemeinde einzig prüfen, ob die Beschwerdeführerin das
Regenwasser von der Dachfläche des neuen Gartenhauses versickern lassen darf (Art. 17
Abs. 1 und 4 KGV12). Gemäss Art. 3 Abs. 3 GSchV13 gilt Niederschlagswasser von
Dachflächen in der Regel als nicht verschmutztes Abwasser. Von dieser Vermutung dürfen
die Behörden ausgehen, solange keine besonderen Umstände vorliegen, die einen
gegenteiligen Schluss nahe legen.14 Vorliegend gibt es keine Hinweise auf solche
besonderen Umstände. Es ist deshalb davon auszugehen, dass keine weiteren
Abklärungen vorgenommen wurden. Gemäss Amtsbericht Gewässerschutz vom 26.
September 2017 erfolgt kein Anschluss an die ARA und das anfallende Oberflächenwasser
wird der Versickerung zugeführt (Versickerung mit Oberbodenpassage15). Diese einfache
Prüfung zur Erteilung einer Gewässerschutzbewilligung gemäss Art. 26 Abs. 1 Bst. c KGV
rechtfertigt einzig die Minimalgebühr von Fr. 120.--.
g) Zudem verrechnet die Einwohnergemeinde Wangenried der Beschwerdeführerin
folgende Kosten:
Antragsstellung an Bewilligungsbehörde Fr. 25.--
Gebühr für Baubewilligung Fr. 50.--
Porto Fr. 3.--
Die Einwohnergemeinde Wangenried macht Fr. 25.-- für die "Antragsstellung an
Bewilligungsbehörde" geltend. Gemäss Art. 32 Abs. 3 des Gebührenreglements kann die
Aufwandgebühr II für den Antrag an die Bewilligungsbehörde verrechnet werden, wenn die
Gemeinde nicht Baubewilligungsbehörde ist. Vorliegend ist die Gemeinde aber gerade
Bewilligungsbehörde und kann daher nicht eine Gebühr für die "Antragsstellung an
Bewilligungsbehörde" in Rechnung stellen.
Wie vorne dargelegt, kann die Gemeinde für die formelle und materielle Prüfung und die
Ausarbeitung des Bauentscheides insgesamt Fr. 150.-- verlangen (siehe E. 2e).
12 Kantonale Gewässerschutzverordnung vom 24. März 1999 (KGV; BSG 821.1) 13 Gewässerschutzverordnung des Bundesrates vom 28. Oktober 1998 (GSchV; SR 814.201) 14 Simone Tschopp, in: Kommentar zum Gewässerschutzgesetz und zum Wasserbaugesetz, 2016, Art. 4 N. 33 15 Vgl. Vorakten der Gemeinde, Anhang zum Amtsbericht Gewässerschutz, Allgemeine Auflagen für die Grundstückentwässerung, Ziffer 7, sowie Merkblatt für das Versickern von Regen- und Reinabwasser des Amtes für Wasser und Abfall, Ziffer 4
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Beim Kostenpunkt "Porto" handelt es sich offensichtlich um Auslagen, die gemäss Art. 51
Abs. 2 BewD und Art. 1 Abs. 2 Gebührenreglement in Rechnung gestellt werden dürfen.
3. Zusammenfassung und Verfahrenskosten
a) Zusammenfassend kann die Einwohnergemeinde Wangenried somit für die erste und
die zweite Prüfung auf Vollständigkeit insgesamt Fr. 50.--, eine Mahngebühr von Fr. 30.--,
für die formelle und materielle Prüfung und den Bauentscheid Fr. 150.-- und für den
Amtsbericht Gewässerschutz Fr. 120.-- verlangen. Zusätzlich kann sie das Porto von Fr.
3.-- der Beschwerdeführerin verrechnen. Die Verfahrenskosten im vorinstanzlichen
Verfahren werden somit auf Fr. 353.-- und damit im Sinne der Beschwerde deutlich
reduziert.
b) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt die Einwohnergemeinde Wangenried.
Die Verfahrenskosten werden auf eine Pauschalgebühr von Fr. 800.-- bestimmt (Art. 103
Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV). Der Gemeinde können keine Verfahrenskosten
auferlegt werden (Art. 108 Abs. 2 VRPG i.V.m Art. 2 Abs. 1 Bst. b VRPG). Die
Verfahrenskosten von Fr. 800.-- trägt demnach der Kanton.
c) Die Beschwerdeführerin war nicht anwaltlich vertreten. Es werden daher keine
Parteikosten gesprochen (Art. 104 Abs. 1 VRPG).