# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** e2284c90-820e-40af-8a82-38bf0cef8baa
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1960 geborene
X._
,
mit Hochschulabschluss der philoso
phischen Fakultät der Universität
Y._
(Urk. 8/7/2) und Mutter zweier Kin
der (Jahrgang 1998 und 2001),
arbeitete von April 1992 bis Ende 1998
im Um
fang von
80
bis
100
%
als Ko-Leiterin des Dienstes
P._
(
P._
) und Projektverantwortliche bei der
Z._
(Urk.
8/41/11-13) sowie, nach kürzeren Arbeits
verhältnissen
und einer Phase der Arbeitslosigkeit,
ab Januar 2003 in einem 70 %-Pensum als Projektleiterin b
eim
A._
(Urk. 8/41/14)
. Im Oktob
er 2009 meldete sie sich wegen einer im April 2009 diagnostizierten Brustkrebserkrankung, star
ke
r
Schmerzen, permanenter Müdigkeit und psychische
r
Probleme bei der Inva
lidenversicherung z
um Leistungsbezug (Hilfsmittel und
Re
nte) an (Urk. 8/4, Urk. 8/8)
. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
er
teilte mit Mitteilung vom 6.
November 2009 (Urk. 8/14) Kostengutsprache für eine einseitige Brustprothesenversorgung.
Hin
gegen verneinte sie
d
en
Renten
an
spruch der Versich
erten mit Verfügung vom 14.
Januar 2011 (Urk. 8/35),
was
unangefochten
blieb
.
1.2
Nachdem die Versicherte ihre Stelle beim
A._
per En
de Juni 2011 gekündigt hatte (Urk. 8/41/14), bezog sie
erneut
Arbeitslosenent
schädigung (Urk. 8/48/1) und arbeitete
bei verschiedenen Arbeitgebern teilzeit
lich
als Sprachlehrerin (Urk. 8/49-50, Urk. 8/58). Im Juli 2013 ersuchte sie unter Hinweis auf chronische Müdigkeit und psychische Probleme nach Brustkrebs
er
krankung
abermals
um Ausrichtung von Leistungen der Invalidenversiche
rung (
Urk.
8/40,
Urk.
8/42).
Nach Abklärung der medizinischen und beruflich-erwerblichen Verhältnisse sowie Durchführung des Vorbescheidverfahrens (Urk. 8/60, Urk. 8/65/1-2, Urk. 8/71) lehnte die IV-Stelle das Begehren der Ver
sicherten mit
Verfügung vom 24.
Februar 2014 (Urk.
2) ab.
2.
Hiergeg
en erhob
X._
am 26. März 2014 Beschwerde (Urk.
1) und beantragte die Aufhebung der
angefochtenen Verfügung vom 24.
Februar 2014 und Zusprache einer Rente, eventualiter die Anordnung weiterer medizi
nischer Abklärungen betreffend „Fatigue nach Krebserkrankung“. Die IV-Stelle schloss in ihrer Beschwerdea
ntwort vom 30. April 2014 (Urk.
7) auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerd
eführerin am 5.
Mai 2014 zu
r Kenntnis ge
bracht wurde (Urk.
9).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbindung mit
Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschränkun
gen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätig
keit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychischen Beeinträchti
gung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (
Art.
6 ATSG) sei der versicherten Person so
zial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Die Invalidenversicherung ist eine finale Versicherung, das heisst, es wird nicht nach der Art und Genese eines Gesundheitsschadens gefragt, welcher die Erwerbsunfähigkeit verursacht. Der Gesundheitszustand ist folglich immer g
e
samtheitlich zu betrachten. Selbst eine Erwerbsunfähigkeit, deren psychogene krankhafte Grundlage (auch) durch eine soziokulturelle Überforderung verur
sacht worden ist, fällt in den Geltungsbereich der Invalidenversicherung, vorausgesetzt es handelt sich um ein verselbstständigtes psychisches Leiden. Eine rentenbegründende Invalidität kann damit nicht allein mit dem Hinweis auf das Vorhandensein soziokultureller oder psychosozialer Belastungsfaktoren verneint
werden (BGE 136 V 279 E. 3.2.1, 127 V 294 E. 5a
; vgl.
Ulrich Meyer
, Rechtspre
chung
des Bundesgerichts zum IVG, 2.
Aufl
age
, 2010, S. 24 und 27 mit Hin
weisen;
zum Ganzen vgl.
Urteil des Bun
desgerichts 8C_830/2013 vom 29.
April 20
14 E.
5.2.3
).
1.4
Jede psychogene Störung, ob einfache oder neurotische Form, kann im Einzel
fall Krankheitswert haben, weshalb jeder Einzelfall sorgfältig geprüft werden muss. Notwendig sind in jedem Fall ein ausführlicher ärztlicher Bericht oder ein entsprechendes fachärztliches Gutachten sowie die Abklärung der erwerblichen Umstände (AHI 1997 S. 43 E. 5c). Dabei müssen psychiatrische Berichte in der Regel auf einer persönlichen Untersuchung
beruhen (RKUV 2001 Nr. U 438 S.
345, Urteile des Bundesgerichts 9C_602/2007
vom 11. April 2008 E. 5.3 und I
169/06 vom 8. August 2006 E. 4.4 mit Hinweisen). Für die verlässliche Beur
teilung des psychischen Gesundheitszustandes und seiner Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sind in der Regel psychiatri
sche Fachärzte beizuziehen (BGE
130 V 352 E. 2.2.3., Urteil des Bundesgerichts 8C_989/2010 vom 16. Februar 2011 E. 4.4.2 mit Hinweisen).
1.5
Wurde eine Rente
wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu ver
gewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analo
ger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzuge
hen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Ver
änderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschlies
sen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.
6
Einem ärztlichen Bericht kommt Beweiswert zu, wenn er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt und in Kenntnis der Vorakten (Anam
nese) abgege
ben worden ist, wenn die Beschreibung der medizinischen Situa
tion und Zu
sammenhänge einleuchtet und die Schlussfolgerungen begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a). Der Arzt muss über die notwendigen fach
lichen Qualifikationen verfügen
. Den diesen Anforderungen genügenden Berichten der Regionalen Ärztlichen Dienste
(RAD)
kommt ebenfalls Beweiswert zu (Urteil
des Bundesge
richts
9C_
870/2010 vom 2
4.
Januar 2011 E.
4.1.2
mit Hinweisen
).
Nach der Rechtsprechung ist es dem Sozialversicherungsgericht nicht verwehrt, einzig oder im Wesentlichen gestützt auf die (versicherungsinterne) Beurteilung des
RAD
zu entscheiden. In solchen Fällen sind an die Beweiswürdigung jedoch strengere Anforderungen in dem Sinne zu stellen, dass bei auch nur geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen ergänzende Ab
klärungen vorzunehmen sind (BGE 139 V 225 E. 5.2,
135 V 465 E. 4.4
, 122 V 157 E.
1d
;
ferner etwa
Urteil
e
des Bun
desgerichts 9C_8/2011 vom 2
1.
Februar 2011 E.
4.1.3
und 8C_385/2014 vom 1
6.
September 2014 E. 4.2.2
mit Hinweisen).
1.
7
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vor
instanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (
§
26
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
begründete ihren leistungsverweigernden Entscheid damit
,
dass anhand der objektiv-klinischen Sachlage ein dauerhafter Gesund
heitsschaden nicht ausgewiesen sei. D
ie
vorhandenen
Störungen
seien
auf eine psychosoziale Belastungssituation (schwierige Lebensgeschichte, Erkrankung de
r Mutter, Arbeitspensum von 150
%, Mobbing, Kündigung, erfolglose Stellensu
che, Paarproblematik, Trennung) und damit auf einen invaliditätsfremden Fak
tor zurückzuführen
(Urk. 2, Urk. 7).
2.2
Demgegenüber machte
die
Beschwerdeführerin
geltend
,
laut
Einschätzung
ihres
Psychiaters
liege
unter anderem ein anhaltender Erschöpfungszustand
bezie
hungsweise
eine Fatigue nach Brustkrebserkrankung im Jahr 2009
vor
, wobei
nach Massgabe
der einschlägigen Rechtsprechung (
BGE
139 V 346)
angenom
men
werden
müsse
, das
s
aufgrund des Krebsleidens und der in der Folge aufge
tretenen tumorassoziierten Fatigue
eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von mindestens 50
%
bestehe
.
Die Beschwerdegegnerin sei zu Unrecht davon ausge
gangen
, dass einzig psychosoziale Belastungsfaktoren für den anhaltenden Erschöpfungszustand nach Krebserkrankung verantwortlich seien und dieser keine Einschränkung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit bewirke. Allenfalls hätte sie weitere medizinische Abklärungen zu diesem Krankheitsbild anordnen müssen (Urk. 1 S.
4 ff.).
3.
3.
1
Dr. med.
B._
,
Chefarzt Frauenklinik Spital
C._
,
stellte
im
undatierten Bericht an die Beschwerdegegnerin (Urk. 8/51) die Diagnose eines Mammakar
zinoms rechts, aufgrund dessen die Beschwerdeführerin seit dem Jahr 2009 und bis auf weiteres (Tumornachsorge) behandelt werde. Die aktuelle Medikation umfasse Tamoxifen 20 mg/d. Zur Arbeitsfähigkeit
liess er sich im Einzelnen nicht vernehmen
.
3.
2
Auf Anfrage der Beschwerdegegnerin
berichtete
Dr. med.
D._
,
Facharzt für Innere Medizin,
am
7.
August 2013 (Urk. 8/56)
,
aus internistischer Sicht bestehe
eine Arbeitsfähigkeit von 100 % für leichte körperliche Arbeiten.
Es
bestehe jedoch
ein Status nach invasi
v-duktale
m
Mammakarzinom rechts, wobei
d
ie Be
schwerd
eführerin seit der Diagnosestellung
im Jahr 2009
psychisch stark belas
tet
sei
und fachärztliche Hilfe in Anspruch
nehme
.
Diesbezüglich sei
auf
die
Einschätzung
de
r
involvierten
gynäkologischen und psychiatrischen Fach
ärzte
abzustellen.
3.
3
Der
die Beschwerdeführerin
ab März 2012 behandelnde
Dr. med.
E._
,
Ober
arzt
Psychiatriezentrum
C._
,
F._
,
nannte
i
n seine
m Bericht vom 19. August 2013 (Urk. 8/57) an die Beschwerdegegnerin
die
folgende
n
Dia
gnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1 f.
Ziff. 1.1
):
Anhaltende Anpassungsstörung mit vorwiegend depressiver Reaktion im Rahmen psychoso
zialer Belastungen (ICD-
10
F43.2)
zeitweise
Zustandsbild einer mit
telgradigen depressiven Episode
bei anamnestisch früheren depressiven Episoden (ICD-10 F33.1)
ausgehend nach Krebserkrankung zirka Ende 2009, deutlich ver
schlech
tert und anhaltend seit Trennung vom langjährigen Ehepartner
im
März 2012
Anhaltender Erschöpfungszustand / Fatigue nach Krebserkrankung seit zirka Ende 2009
Krebserkrankung bei Status nach Mammakarzinom und Ablatio 2009
F
ür die zuletzt ausgeübte Tä
tigkeit als Erwachsenenbildnerin/
Sprachlehrerin bestehe
ab 17. April 2013 bis auf weiteres eine anhaltende Arbeitsunfähigkeit von 50 % (
S. 4
Ziff. 1.7).
Zuvor sei bereits im Jahr 2012
mit Unterbrüchen eine Ar
beitsunfähigkeit in unterschiedlichem Umfang
bescheinigt
worden. Für die Zeit, in welcher die Beschwerdeführerin trotz der Erkrankung ihre Tätigkeit im redu
zierten Pensum wahrgenommen habe und kein Attest ausgestellt worden sei, werde die Arbeitsunfähig
keit ebenfalls im Rahmen von 40 bis
50 % einge
schätzt
(
S. 4
Ziff. 1.6).
Retrospektiv werde abgesehen von noch früheren depressiven Episoden davon ausgegangen
, dass die
se
Angaben ab dem Jahr 2009
Geltung hätten und es im Frühjahr 2012 im Rahmen einer Paar
problematik
zu einer Verschlechterung des Zustandsbildes gekommen
sei (S. 6 unten).
Im Bericht vom 23. September 2013 (Urk. 8/62/2-5)
zuhanden des
Krankentag
geldversicherer
s
konstatierte
Dr.
E._
bei
leicht modifizierter
Diagnosestel
lung, im Vordergrund stehe der anhaltende psychophysische Erschöpfungszu
stand (S. 2 Ziff. 3 f.). Mittel- bis längerfristig sei durchaus eine gewisse Besserung des Zustandsbildes denkbar
;
wahrscheinlich hänge dies davon ab, ob es der Beschwerdeführerin gelinge, gewisse Belastungssituationen nachhaltig zu bewältigen
.
Zudem könnten somatische Faktoren nach der Krebserkrankung eine Rolle spielen, was er weniger gut abschätzen könne (S. 3 Ziff. 5). Die Beschwer
deführerin stosse
als Lehrkraft
mit
einem
Pensum von zirka 50 % regelmässig an ihre Belastungsgrenze. Die geschätzte Arbeitsunfähig
keit liege aktuell bei 40 bis
60 %
, wobei eine relevante Besserung derzeit nicht in Sicht sei
(S. 3 Ziff. 6).
3.
4
Dr. med.
G._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Rheumatologie und
Hämatologie, führte in der
RAD-
Stellungnahme
vom 7. Oktober 2013 (Urk. 8/89 S.
4 f.)
aus
,
gemäss den vorliegenden Arztberichten seien
d
ie Einschränkungen geistig-seelischer
Art.
Es komme zu Erschöp
fungs- und Überforderungsge
füh
len, affektiver Labilität und emotionalen Krisen. Es handle sich um leichte Ein
schränkungen von Konzentration und Anpassungsfähigkeit sowie um mittlere Einschränkungen der Belastbarkeit. Das Auffassungsvermögen sei nicht einge
schränkt.
Das Belastungsprofil entspreche der bisherigen Tätigkeit.
Der
im Bericht von Dr.
E._
vom 11. Juli 2013 (richtig: 19. August 2013) beschriebene Verlauf der
Arbeitsunfähigkeit sei medizinisch nachvollziehbar, jedoch
müsse berücksichtigt werden
, dass eine Anpassungsreaktion im Rahmen psychosozia
ler Belastungsfaktoren üblicherweise
nicht zu
einer dauerha
ften Arbeitsunfähig
keit führ
e. Allenfalls
sei
die
Prüfung der
Überwindbarkeit durch
den Rechts
dienst empfohlen.
Ergänzend hielt Dr.
G._
am 15. Februar 2014 (Urk. 8/72 S. 2) fest, der Bericht von Dr.
E._
vom 23. September 2012 zeige zahlreiche psychosozial belastende Faktoren (schwierige Lebensgeschichte, Erkrankung der Mutter, de facto 150 %-Arbeitspensum, Mobbing, Kündigung, erfolglose Stellensuche, Paarproblematik, Trennung). Als Diagnose werde wiederum eine anhaltende Anpassungsstörung im Rahmen psychosozialer Belastungen genannt. Unabhän
gig vom sehr fraglichen Vorliegen einer relevanten Tumorfatigue würden hier die psychosozialen Sachverhalte überwiegen.
4.
4.1
Das Bundesgericht
befasste sich
in
BGE
139 V 346 (
Urteil 8C_32/2013 vom 19.
Juni 2013
)
mit der
Cancer-related Fatigue (CrF)
und äusserte sich dazu wie folgt (E. 3.2
-
3.4
):
„3.2 Krebsbedingte Fatigue ist ein multidimensionales Syndrom, unter dem die Mehrheit der Krebspa
tientinnen und -patienten während der Therapie leidet. Die CrF kann viele Jahre nach Therapieab
schluss andauern und wird durch physische, psychologische und auch soziale Faktoren beeinflusst. Alle Erklärungsmodelle zur Ursache und Entstehung von Müdigkeits- und Erschöpfungssyndromen gehen von komplexen und multikausalen Vorgängen aus. Bei der CrF können diese durch den Tumor bedingt oder Folge der Therapie, aber auch Ausdruck einer genetischen Disposition, begleitender somatischer oder psychischer Erkrankungen, wie auch verhaltens- oder umweltbedingter Faktoren sein. So besteht Evidenz für metabo
lische Ursachen, endokrinologische und neurophysiologische Veränderungen und Cytokine. Chemo- und radiotherapeutische Behandlungsschemata scheinen eine Rolle zu spielen, wobei der Toxizität der Behandlung selbst, wie auch der Akku
mulation zerstörter Tumorzellprodukte ätiolo
gische Bedeutung zukommt. Disku
tiert wird auch die These, dass die Energieanforderungen durch die Tumorerkran
kung oder durch die Begleitsymptomatik einen Einfluss haben oder die möglich
erweise durch den Tumornekrosefaktor mitbedingte Verminderung der Skelett
muskelmasse eine Rolle spielen kann (BRUMMER/FLADUNG/CONNEMANN, Tumorassoziierte Fatig
ue, Onkologische Welt 5/2011 S.
223 ff.; HEIM/FEYER, Das tumorassoziierte Fatigue-Syndrom, Journal Onkologie 1/2011 S. 42-47). Es werden verschiedene pathophysiologische Faktoren diskutiert und bei der häufig stark verminderten körperlichen Leistungsfähigkeit als Ursachen vornehmlich Verände
rungen in kortikalen und spinalen Zentren der Sensomotorik wie auch solche des muskulären Erregungs- und Energiestoffwechsels be
schrieben (HORNEBER UND ANDERE, Tumor-assoziierte Fatigue, Epidemiologie, Pathogenese, Diagnos
tik und Therapie, Deutsches Ärzteblatt, 109 9/2012 S. 161-171).
3.3 Ursachen und Entstehung der CrF sind demnach nach derzeitigem For
schungsstand nicht ganz ge
klärt. Es besteht in der medizinischen Fachwelt aber Einigkeit darüber, dass sie komplex sind und, wie dargelegt, somatische, emotio
nale, kognitive und psychosoziale Faktoren zusammenspielen. Die CrF kann
auch wenn zugrunde liegende internistische oder psychiatrische Erkrankungen behandelt wor
den sind
in 30 bis 40
%
noch längere Zeit nach Therapieabschluss andauern. Diese (hier vorliegende) chronische Fatigue wird in Zusammenhang gebracht mit der Krankheitsverarbeitung oder langfristigen Anpassungsproblemen. Sie wird aber auch als mögliche Spätfolge der Therapie im Bereich von Störun
gen des Stoffwechsels oder der psychovegetativen Selbstregulation des Körpers gese
hen.
3.4 Definitionsbedingt tritt diese Form der Fatigue zwingend in Zusammenhang mit einer Krebserkran
kung auf. Ein Hinweis auf die Einordnung in die somatofor
men Störungen findet sich in der medizini
schen Literatur nicht. Damit grenzt sich die tumorassoziierte Fatigue auch klar vom Chronic Fatigue Syndrome (CFS; ICD
10 G93.3) als eigenständiges Krankheitsbild ab, wenngleich die CrF noch nicht als eigene Krankheitsentität Eingang in die ICD (Internationale statistische Klassifika
tion der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme) gefunden hat. Es bestehen aber von der Fatigue-Coalition defi
nierte Diagnosekriterien analog zu ICD-10-Kriterien (HEIM/FEYER, a.a.O., S. 42).
Als Begleitsymptom onkologischer Erkrankungen und ihrer Therapie liegt der CrF zumindest mittelbar eine organische Ursache zugrunde, weshalb es sich mit der Vorinstanz nicht rechtfertigt, sozialversi
cherungsrechtlich auf die tumorassoziierte Fatigue die zum invalidisierenden Charakter somatoformer Schmerzstörungen entwickelten Grundsätze (BGE 130 V 352) analog anzuwenden.“
4.2
4.2.1
Es trifft
mit der Beschwerdegegnerin
zwar zu, dass
diverse
psychosoziale Belas
tungsfaktoren
aktenkundig
sind.
Gleichermassen geht
indes
aus den Akten her
vor
, dass im Rahmen der im Ap
ril 2009 diagnostizierten Brust
krebserkrankung
und deren Therapie
verschiedene
Symptome einer tumorassoziierten Fatigue auftraten.
Bereits
in der Erstanmeldung vom Oktober 2009
(Urk. 8/8 S. 7 Ziff.
6.2)
gab d
ie Beschwerdeführerin
nebst der Brustkrebserkrankung
starke Schmerzen, permanente
Müdigkeit und psychische
Probleme als gesundheitliche Beeinträchtigung an.
Damit einhergehend
wurde im
Bericht der Frauenklinik des
H._
vom 14.
März 2010 festgehalten
(Urk.
8/19/1-4 S.
2 Ziff.
1.7), dass sie sich
müde und antriebsschwach fühle
.
Sodann
berichteten
die
Ärzte der
I._
,
Psy
chiatrische Poliklinik am
H._
,
am 14.
April 2010 (Urk. 8/23/5-9)
, dass
wie immer bei onkologischen Patienten
psychische Symptome manifest seien, welche
sich
von körperlichen Symptomen beziehungsweise
von
onkologischen Begleiterscheinungen nur schwer abgrenzen
liessen
(Müdigkeit, Schlaf-
und Konzentrationsstörungen, S.
1 unten). Die geklagte anhaltende Müdigkeit
werde
hauptsächlich als typische Tumorfolge respektive als tumorassoziierte Fatigue gedeutet (S.
2 Zif
f.
1.4 und S.
3 Ziff.
1.4 und Zi
ff.
1.6), welche
– wie
auch
die leichten kognitiven Defizite
–
oftmals auch nach Verschwinden der psychischen Symptome im engeren Sinne fortbestehe und zu einer Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit führe.
Schliesslich wurde e
ine Arbeitsunfähigkeit aufgrund der chronischen Müdigkeit auch
bereits damals
hausärztlicherseits bestätigt (Urk.
8/39).
Gemäss den im Rahmen des Neuanmeldeverfahrens ergangenen Arztberichten bestehen die Symptome einer
Cancer-related Fatigue
auch weiter
hin. Diesbezüglich ist insbesondere auf die Einschätzung des behandelnden Psy
chiaters Dr.
E._
(E. 3.3
hiervor
)
zu
verweisen, welcher
auf einen im Vorder
grund stehenden
anhaltenden
Erschöpfungszustand nach Krebserkrankung
schloss
und dies auch mit der im Bericht an den Krankentaggeldversicherer (Urk. 8/62/2-5 S. 2 unten) leicht modifizierten Diagnosestellung hervorhob.
4.2.2
Soweit der RAD-Arzt von einer „sehr fraglichen“ Tumorfatigue ausging (E. 3.4
hiervor
), ist dieser Standpunkt
nicht
begründet
und demzufolge auch nicht nachvollziehbar.
Zudem kommt dem Entstehungsgrund des zu beurteilen
den Gesundheitsschadens invalidenversicherungsrechtlich keine Bedeutung zu und ist einzig massgebend, ob ein verselbstständigtes psychisches Leiden vor
liegt, weshalb eine Invalidität nicht allein mit dem Hinweis auf eine psychoso
ziale oder soziokulturelle Mitursache der psychischen Erkrankung verneint wer
den kann (E. 1.3
hiervor
). Dies gilt umso mehr, als sich die
tumorassoziierte Fatigue
gerade durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren
somatische
r
, emotio
nale
r
, kognitive
r
und
nicht zuletzt auch
psychosoziale
r
Art auszeichnet (E. 4.1
hiervor
). Mit dem Hinweis
von Dr.
G._
auf
eine
überwiegend
psy
chosoziale
Komponente
des Leidens
de
r
Beschwerdeführer
in ist es daher nicht getan.
Im Lichte der erwähnten Grundsätze zum Beweiswert von RAD-Berichten (E. 1.
6
hiervor
) kann demzufolge auf die Einschätzung des Dr.
G._
vom
7. Oktober 2013 und 15. Februar 2014
nicht abgestellt werden. Da auch die Berichte der involvierten Ärzte keine
abschliessende Beurteilung des Gesund
heitszustandes und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der Be
schwerdeführerin erlauben
,
ist die Sache
an die
Beschwerdegegnerin
zurück
zu
weisen
, damit
sie den medizinischen Sachverhalt und insbesondere die Frage nach dem Vorliegen einer
Cancer-related Fatigue
im Rahmen einer
externen fachkundigen Begut
achtung
abkläre und hernach unter Berücksichtigung der
Rechtsprechung gemäss BGE 139 V 346 (E. 4.1
hiervor
) über den Leistungsan
spruch der Bes
chwerdeführerin neu
verfüge
.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
4.
3
Bei diesem Ergebnis
kann
zumindest
einstweilen
offenbleiben
, ob
– mit der Beschwerdegegnerin – die Arbeit der Beschwerdeführerin als Sprachlehrerin als
angestammte
Tätigkeit
angesehen werden kann
.
Zu bemerken bleibt sodann, dass der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 14. Januar 2011 (
Urk.
8/35) verneint wurde. Daher wird die Beschwerdegegnerin auch zu prüfen haben, ob die tatsächlichen Verhältnisse
seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung eine Veränderung erfahren
haben und ob
nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen
ist (vgl. E. 1.5 hievor).
5.
5.1
Die Ko
sten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs.
1
bis
IVG sind auf Fr.
6
00.-- festzu
setzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens
– n
ach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung
der
Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und
neuen V
erfügung als vollständiges Obsiegen
(
BGE 137 V 210 E.
7.1
,
137 V 57 E.
2
.2)
–
der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Ausgangsgemäss
steht
de
r
anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer
in
gestützt auf Art.
61 lit.
g ATSG in Verbindung mit §
34 Abs.
1 und 3
GSVGer
eine Pro
zessentschädigung zu, wobei ein Betrag von Fr.
2‘20
0.-- (
einschliesslich
Baraus
lagen und Mehrwertsteuer) als angemessen erscheint.