# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c6b44c0a-2b47-4af6-95de-0fbf64714cf4
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_002
**Year:** 2010
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Einholung des Privatgutachtens (Dr. ...) für die Ermittlung des Sachverhalts
bzw. die Beurteilung des natürlichen Kausalzusammenhangs unerlässlich
gewesen sei, weshalb die dadurch (unnötig) entstandenen Gutachterkosten
von Fr. 4'600.-- sicher auch nicht von der Vorinstanz zu übernehmen seien.
4. In der Replik vom 11.11.2009 hielt der Beschwerdeführer dem entgegen, dass
von einer nachträglichen Behauptung oder blossen Vermutungen für eine
traumatische Hirnverletzung keine Rede sein könne, zumal Dr. ... am
20.03.2007 noch bestätigt habe, dass sich der Beschwerdeführer im
Aufnahmezeitpunkt (April 1994) nicht an den Autounfall habe erinnern
können. Dieselbe Angabe im Austrittsbericht der Klinik Bellikon vom
18.07.1994 (Dr. ...) dürfe als Aussage der ersten Stunde betrachtet werden.
Beim Autounfall im April 1994 habe es sich um einen mittelschweren im
Grenzbereich zu einem schweren Unfall gehandelt. Er sei besonders
eindrücklich gewesen (Dunkelheit im Unfallzeitpunkt) und der Versicherte
habe schwere Verletzungen erlitten. Ferner sei das Kriterium der erhebliche
Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen erfüllt. Damit sei auch
die Adäquanz zwischen Unfall und den heutigen Beschwerden zu bejahen.
5. Mit Schreiben vom 16.11.2009 erklärte die Vorinstanz – unter Verweis auf ihre
Beschwerdeantwort und mit Antrag auf Abweisung der Beschwerde – ihren
Verzicht auf die Einreichung einer Duplik.

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. In formeller Hinsicht gilt es vorweg klarzustellen, dass die Einstellung der
Leistungen (Behandlungskosten) betreffend HWS-Problematik vorliegend
nicht mehr Gegenstand der Beschwerde sein kann, da das entsprechende
Schreiben der Vorinstanz vom 03.04.2006 unangefochten geblieben ist und
deshalb faktisch längst in Rechtskraft erwachsen ist (vgl. dazu: Urteil des
Bundesgerichts vom 12.03.2007 [8C_23/2007] Erw. 3 mit Hinweis auf BGE
132 V 412 ff.). Die Vertreterin des Beschwerdeführers nahm am 26.02.2008
Stellung zur Sache - nachdem sie am 15.11.2006 bei der Vorinstanz sämtliche
Akten zur Einsicht verlangt hatte -, wobei sie sich aber ausdrücklich nur zum
späteren Schreiben der Vorinstanz vom 04.12.2007 mit der darin neu
angekündigten Leistungseinstellung aufgrund der Kopfverletzungen äusserte
und deren Einstellung per 31.12.2007 als falsch und unbegründet
bezeichnete. Die geklagten Nackenschmerzen (HWS) können mangels
Anfechtung des Schreibens vom April 2006 folglich nicht mehr angefochten
werden, weshalb einzig noch die Unfallkausalität der heute noch geklagten
Konzentrations- und Gedächtnisprobleme strittig ist und Thema (Streitobjekt)
der vorliegenden Beschwerde sein kann. Dies gilt hier umso mehr, als auch
im Zuge des zweiten Schriftenwechsels (vgl. Replik vom 11.11.2009) mit
keinem Wort auf die Nackenproblematik seitens des Beschwerdeführers
eingegangen wurde. Bei dieser Sach- und Rechtslage muss deshalb auch
nicht weiter geprüft werden, ob die Leistungseinstellung für die HWS-Leiden
im formlosen Verfahren (lediglich mit Schreiben vom 03.04.2006 statt mit
hoheitlicher Verfügung) korrekt war.
2. a) In materieller Hinsicht gilt es primär auf die gesetzlichen Grundlagen für eine
allfällige Leistungspflicht der Vorinstanz hinzuweisen. Die Leistungspflicht
eines Unfallversicherers setzt nach den Bundesgesetzen über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) sowie der
Spezialgesetzung im Unfallversicherungsrecht (UVG) zunächst voraus, dass
zwischen dem Unfallereignis und dem geklagten Gesundheitsschaden ein
natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne
des natürlichen Kausalzusammenhanges sind alle Umstände, ohne deren
Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als verwirklicht gedacht werden
kann. Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen
Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage,
worüber die Verwaltung und im Beschwerdefall der Richter nach dem im
Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines
Sachzusammenhanges genügt für die Begründung eines
Leistungsanspruches noch nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1, 123 V 138 E. 3a, 119
V 138 E. 1, 118 V 289 E. 1b; Pra 3/2004 Nr. 45 E. 2.2.2 S. 235; SVR-
Rechtsprechung [SVR] 8-9/2003 UV Nr. 11 E. 3.1 S. 32, Nr. 12 UV E. 3.1.1
S. 35; PVG 2000 Nr. 26, 1994 Nr. 65).
b) Als adäquate oder rechtserhebliche Ursache eines Erfolges hat ein Ereignis
dann zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach
der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der
Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch
das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 181 E. 3.2, 125
V 461 E. 5a, 123 V 141 E. 3d, 122 V 416 E. 2a, 121 V 49 E. 3a; SVR 8-9/2003
UV Nr. 11 E. 3.2 S. 32). Der Voraussetzung des adäquaten
Kausalzusammenhanges kommt die Funktion einer Haftungsbegrenzung zu
(BGE 125 V 462 E. 5c, 123 V 102 E. 3b). Sie hat bei allen
Gesundheitsschädigungen, die aus ärztlicher Sicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit als natürliche Unfallfolgen gelten, Platz zu greifen. Die
Frage der Adäquanz ist eine Rechtsfrage, sie ist nicht von medizinischen
Sachverständigen, sondern vom Richter zu beurteilen (SVR 8-9/2003 UV Nr.
12 E. 3.2.1 S. 36, 9/2002 UV Nr. 11 E. 2b S. 31). Zu ergänzen bleibt hier bloss
noch, dass für die Fortsetzung der beantragten Versicherungsleistungen über
das angefochtene Einstelldatum (per 31.12.2007) hinaus beide Erfordernisse
eines natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhangs kumulativ erfüllt
sein müssen. Scheitert der geltend gemachte Anspruch auch nur an einer
dieser zwei Voraussetzungen, entfällt die Leistungspflicht aus UVG schon
ohne die Prüfung des anderen Kriteriums.
c) Im konkreten Fall ist nach Ansicht des Gerichts bereits die medizinische
Situation und damit die Frage nach der natürlichen Kausalität zwischen den
Unfällen (1994/2001/2002/2004) und den aktuell noch geklagten
Gesundheitsbeeinträchtigungen (Konzentrations-/Gedächtnisdefizite) bis
zuletzt unklar geblieben. Insbesondere hinsichtlich der hier interessierenden
und relevanten Kopfproblematik liegen sehr widersprüchliche Arztberichte –
speziell zwischen Dr. ... einerseits und den Dres. ... und ... anderseits – und
deren Einschätzungen über die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers vor.
In den unfallzeitnahen Arztberichten wurde bezüglich des Unfalls 1994 eine
Contusio cerebri diagnostiziert und eine leichte bis mittelschwere
neuropsychologische Funktionsstörung festgestellt, und bezüglich des Unfalls
2001 eine Commotio cerebri (heute MTBI) bei retrograder Amnesie
diagnostiziert (vgl. dazu: Austrittsbericht der Rehabilitationsklinik Bellikon vom
18.07.1994; Berichte Kreisarzt Dr. ... vom 31.10.1994, 10.01.1995 und
03.05.2002; Bericht Kreisarzt Dr. ... vom 16.03.2006). Während der
versicherungsinterne Neurologe Dr. ... in seinen Arztberichten vom
18.06.2007, vom 11.10.2007 und 20.05.2008 - unter Berücksichtigung eines
Kernspintomogramms beim Beschwerdeführer vom 11.07.2007 im
Kantonsspital Chur – aber zum Schluss kam, dass keine unfallbedingten
Schädigungen des zentralen oder peripheren Nervensystems organischer
oder struktureller Art wahrscheinlich seien, ist Dr. ... im Gutachten vom
15.12.2008 gerade zur gegenteiligen Ansicht gelangt. Nach seiner Meinung
sind die verminderte Konzentrationsfähigkeit sowie die erhöhte
Vergesslichkeit beim Beschwerdeführer mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit auf die zwei durchgemachten traumatischen
Hirnverletzungen (1994/2001) zurückzuführen. Dr. ... führte die beim
Patienten in den neuropsychologischen Abklärungen 1994 und 2006
gefundenen leichten Auffälligkeiten indes entweder auf unfallunabhängige
äussere Einflussfaktoren oder auf vor dem Unfall von 1994 existente,
anlagebedingte Faktoren – wie z.B. schon während der Schulzeit bestehende
Lernbeeinträchtigungen – zurück. Unfallbedingte neuropsychologische
Defizite erachtete Dr. ... explizit als nicht wahrscheinlich. Er verneinte eine
dauernde oder erhebliche Schädigung der körperlichen Integrität aufgrund der
Unfälle und er verneinte auch eine Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit
(wieder zu 100% einsatz- und arbeitsfähig). Demgegenüber ist laut dem
Neurologen Dr. ... (Klinik ...) die heute vorliegende Einschränkung (noch ca.
zu 20-30%) beim Beschwerdeführer unfallkausal und die eingeschränkte
Arbeitsfähigkeit im Kern wohl auf das 1994 erlittene Schädel-/Hirntrauma
zurückzuführen (Bericht vom 20.02.2008). Der Neurologe Dr. ... gelangte
seinerseits klar zum Schluss, dass der Beschwerdeführer beim Autounfall von
1994 eine traumatische und beim Fussballunfall von 2001 eine leichte
traumatische Hirnverletzung erlitten habe und neurologisch aufgrund seiner
letzten detaillierten Untersuchung heute noch leichte Störungen nachweisbar
seien. Er kam daher ebenfalls zur Überzeugung, dass die Funktionsstörungen
und Beschwerden unfallkausal seien. Nach Dr. ... ist die Arbeitsfähigkeit des
Patienten noch zu 50-60% vorhanden (Berichte vom 15.12.2008 und
30.08.2009). Die geschilderten Beurteilungen weisen nun aber unerklärbare
Divergenzen in der medizinisch-theoretischen Beurteilung auf, was bedeutet,
dass der Sachverhalt noch nicht zuverlässig genug abgeklärt wurde. Auf der
Basis dieser widersprüchlichen Aktenlage kann vielmehr weder die Ursache
der noch geklagten Beschwerden noch deren konkrete Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit schlüssig beurteilt werden. Zusätzliche medizinische
Abklärungen erscheinen dem Gericht hier deshalb unabdingbar, was zur
Konsequenz hat, dass die Streitsache an die Vorinstanz zur erneuten
Behandlung und nochmaligen Beurteilung zurückgewiesen wird.
d) Zum Einwand der Vorinstanz, wonach die Beweiskraft von Parteigutachten
(Dres. ... und ...) weit weniger hoch zu gewichten sei als jene eines
unabhängigen Spezialisten im ordentlichen Verfahren (Dr. ...), gilt es
festzuhalten, dass nach der Praxis des Bundesgerichts allein der Umstand,
dass eine ärztliche Stellungnahme von einer Partei eingeholt und in das
Verfahren eingebracht wurde, noch nicht Zweifel an ihrem Beweiswert
rechtfertigt (BGE 125 V 351 Erw. 3b/dd). Auch ein Parteigutachten enthält
Äusserungen eines Sachverständigen, welche zur Feststellung eines
medizinischen Sachverhalts beweisrechtlich beitragen können (Erw. 3c).
Dieser Einwand erweist sich deshalb auch hier als unbegründet.
e) Zusammengefasst ergibt sich, dass sich aus der insgesamt widersprüchlichen
medizinischen Aktenlage sowohl die Unfallkausalität der geklagten
Konzentrations- und Gedächtnisstörungen als auch die dadurch bedingte
allfällige Arbeitsunfähigkeit für die Zeit ab 31.12.2007 (Datum der
Leistungseinstellung durch Vorinstanz) nicht hinreichend verlässlich und
somit eben auch nicht rechtsgenüglich beurteilen lassen. Das Gleiche muss
deshalb auch für eine allfällige Gewährung einer Integritätsentschädigung
gelten. Die Angelegenheit ist deshalb zur Einholung eines medizinischen
Obergutachtens im Verfahren nach Art. 44 ATSG (zwecks Klärung der
aufgezeigten Widersprüche) an die Vorinstanz zurückzuweisen.
f) In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen, der angefochtene
Einspracheentscheid vom Juli 2009 samt der ihm zugrundeliegenden
Verfügung vom Juni 2008 aufzuheben und die Sache zur weiteren Abklärung
sowie zu neuem Entscheid an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3. a) Gerichtskosten werden nicht erhoben, da das kantonale
Beschwerdeverfahren gemäss Art. 61 lit. a ATSG – ausser hier nicht
zutreffender Ausnahmen – grundsätzlich kostenlos ist. Die Vorinstanz hat den
durch den Invaliden-Verband, Procap Schweiz, Rechtsanwältin ...,
vertretenen Beschwerdeführer nach Art. 61 lit. g ATSG aber noch
aussergerichtlich zu entschädigen, wobei auf die dazu eingereichte
Honorarnote vom 17.11.2009 (reduziert auf einen Aufwandstundensatz von
Fr. 160.-- statt Fr. 230.--) abgestellt werden kann, was eine
Parteientschädigung von insgesamt noch Fr. 3'149.35 inklusive
Mehrwertsteuer (Aufwand 16.5 Std. x Fr. 160.-- = Fr. 2'640.-- plus Auslagen
Fr. 286.90 [= Fr. 2'926.90] und 7.6% MWST [auf Fr. 2'926.90 = Fr. 222.45];
zusammen Fr. 3'149.35) ergibt. Die gemäss Honorarnote der Procap Anwältin
ausgewiesenen Kosten (Fr. 4'392.10) werden damit der Vorinstanz nicht in
vollem Umfang zur Entschädigung auferlegt. Dies entspricht der Praxis des
Verwaltungsgerichts, wonach Anwälten, die innerhalb einer (Hilfs-)
Organisation tätig sind, nicht der volle Anwaltstarif entschädigt wird, weil ihre
Arbeitssituation von derjenigen der selbständigen Anwälte abweicht und
ihnen strukturbedingte Einsparungen möglich sind (VGU S 2007 118). Auch
das Bundesgericht hat festgehalten, dass von Bundesrechts wegen keine
generelle entschädigungsrechtliche Gleichstellung zwischen einer
gemeinnützigen Organisation und freiberuflich tätigen Anwälten verlangt sei.
So habe die gemeinnützige Organisation keine Gewinnabsicht und sie müsse
die Selbstkosten möglichst gering halten. Ferner müssten die Anwälte solcher
Organisationen nicht das volle unternehmerische Risiko tragen. Zur Höhe der
Entschädigung führte das Bundesgericht aus, dass der bundesrechtliche
Entschädigungsrahmen bei einer gemeinnützigen Organisation zwischen Fr.
130.-- und Fr. 180.-- pro Stunde anzusetzen sei. Dies schliesse eine
Gewinnerzielung der Organisation weitgehend aus und sichere die
Kostendeckung. In diesem Rahmen sei die Festsetzung des Honorars Sache
des Kantons (vgl. Bundesgerichtsurteil 9C_415/2009 vom 12.08.2009, E.5.4;
Bundesgerichtsurteil 9C_688/2009 vom 19.11.2009, E.5).
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ist so gegenstandslos geworden.
b) Die privaten Gutachterkosten (Dr. ...) von Fr. 4'600.-- gehen zulasten der
Vorinstanz, weil jenes Gutachten für die Streitentscheidung durch das Gericht
angesichts der vorn unter Ziff. 2c) aufgeführten Widersprüche und der
Stellungnahme von Dr. ... der Klinik ... - wonach eine weitere Abklärung durch
einen neutralen und unabhängigen Neurologen im konkreten Fall angezeigt
und sachdienlich erscheine - unerlässlich und nötig war, um am
anderslautenden Gutachten von Dr. ... tatsächlich berechtigte Zweifel
aufkommen zu lassen (vgl. BGE 115 V 62 Erw. 5d).