# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** bdfa097e-5abb-4d4b-b751-927ff6848aad
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1974, war seit Februar 2017 als Polizist bei der Stadt
Y._
angestellt (
Urk.
6/8/1-2
Ziff.
1, 2.1 und 2.2). Die Arbeitge
berin kündigte das Arbeitsverhältnis mit dem Versicherten per 3
0.
September 2018 (
Urk.
6/8/1
Ziff.
2.1).
Unter Hinweis auf eine seit der Jugend bestehende bipolare Störung meldete sich der Versicherte
am 1
5.
Oktober 2018 bei der Invalidenversicherung zum Leis
tungsbezug an (
Urk.
6/1
Ziff.
6.1).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
holte medizinische Berichte
(
Urk.
6/12
,
Urk.
6
/21
) und
einen Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug,
Urk.
6/5)
ein
und zog Akten des Krankentaggeldversicherers (
Urk.
6/6,
Urk.
6/14,
Urk.
6/18,
Urk.
6/23
S. 2
) zum Verfahren bei.
Am 1
2.
August 2019 erliess die IV-Stelle den Vorbescheid betreffend Rentenanspruch (
Urk.
6/26).
Der Versicherte nahm dazu per E-Mail Stellung (
Urk.
6/2
8
).
Mit Verfügung vom 2
7.
September 2019 (
Urk.
6/31 =
Urk.
2) verneinte die IV
Stelle einen Rentenanspruch.
2.
Der Versicherte erhob am 3
0.
Oktober 2019 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2
7.
September 2019 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei die Sache zur weiteren Abklärung und zum Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1 oben).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
0.
November 2019 (
Urk.
5) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am 2
5.
No
vember 2019 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
7).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8
Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Abs. 1
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Ein
gliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in
der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
hielt
im
angefochtenen Entscheid
fest, sie habe
bei den behandelnden Ärzten Unterlagen eingeholt, die sie ihrem
Regionalen Är
ztlichen Dienst (RAD) vorgelegt habe.
Dabei habe sich
ergeben, dass es sich um invalidi
tätsfremde Faktoren handle, die bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht berücksichtigt werden dürften. Eine davon unabhängige Erkrankung
des Beschwerdeführers
, die die Arbeitsfähigkeit erheblich einschränke, liege nicht vor (
Urk.
2 S. 1).
2.2
Der Beschwerdeführer brachte vor, es liege eine lange Krankheitsgeschichte vor. 2010 oder 2011 seien im Rahmen einer sechsmonatigen stationären Therapie eine bipolare affektive Störung und ein Abhängigkeitssyndrom diagnostiziert worden. Im Jahr 2018 habe sich sein Gesundheitszustand stark
verschlechtert
(
Urk.
1 S. 3
Ziff.
1 oben).
Die Beschwerdegegnerin stütze sich lediglich auf einige wenige medizinische Berichte. Frühere Arztberichte
ab 2010
seien nicht eingeholt worden
und es seien auch keine aktuellen Berichte
beim Ambulatorium der Klinik
Z._
eingeholt worden.
Von Seiten des Ambulatoriums sei
am
2
5.
Juni 2019 eine Arbeitsunfä
higkeit von 50
%
attestiert
worden
(S. 4
f.
Ziff.
1.2).
2.3
2.3.1
Der Beschwerdeführer
rügte eine Verletzung des rechtlichen Gehörs (
Urk.
1 S. 4 f.
Ziff.
1.1-1.3).
Er machte geltend, aufgrund des Wortlautes des Vorbescheides habe er davon ausgehen dürfen, dass die Beschwerdegegnerin sämtliche medizi
nischen Akten bei allen involvierten Ärzten eingeholt habe
. Es sei ihm nicht bewusst gewesen, dass von ihm das Einreichen von medizinischen Berichten ver
langt werde
(
Urk.
1
S. 5
Ziff.
1.2).
Gemäss
Art.
29
Abs.
2
der Bundesverfassung (
BV
)
haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer Person eingreift. Dazu gehört insbesondere deren Recht, sich vor Erlass des in ihre Rechtsstellung ein
greifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu wer
den und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Ent
scheid zu beeinflussen (BGE 132 V 368 E. 3.1 mit Hinweisen).
Verfügungen der Versicherungsträger müssen, wenn sie den Begehren der Par
teien nicht voll entsprechen, eine Begründung enthalten, das heisst eine Dar
stellung des vom Versicherungsträger als relevant erachteten Sachverhaltes und der rechtlichen Erwä
gungen (
Art.
49
Abs.
3 Satz 2 ATSG). Die Begründung eines Entscheides muss so abgefasst sein, dass die betroffene Person ihn gegebenenfalls anfechten kann. Dies ist nur dann möglich, wenn sowohl sie als auch die Rechts
mittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen können. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich der Versicherungsträger leiten liess und auf welche sich der Entscheid stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass sich die Verwaltung ausdrücklich mit jeder
tatbeständlichen
Behauptung und jedem r
echtlichen Ein
wand auseinander
setzen muss; vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 126 V 75 E. 5b/
dd
mit Hinweis, 118 V 56 E.
5b).
Der Mangel eines nicht oder nur ungenügend begründeten Entscheides kann gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung im Rechtsmittelverfahren geheilt werden, sofern die fehlende Begründung in der Vernehmlassung der entscheiden
den Behörde zum Rechtsmittel enthalten ist oder den
beschwerdeführenden
Par
teien auf andere Weise zur Kenntnis gebracht wird, diese dazu Stellung nehmen können und der Rechtsmittelinstanz volle Kognition zukommt (BGE 107
Ia
1). Gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts kann es jedoch nicht der Sinn des durch die Rechtsprechung geschaffenen Instituts der Heilung des rechtlichen Gehörs sein, dass Versicherungsträger sich über den elementaren Grundsatz des rechtlichen Gehörs hinwegsetzen und darauf vertrauen, dass solche Verfahrens
mängel in einem vom durch den Verwaltungsakt Betroffenen allfällig angehobe
nen Gerichts
verfahren behoben würden. Der Umstand, dass eine solche Heilungs
möglichkeit besteht, rechtfertigt es demnach nicht, auf die Anhörung des Betroffenen vor Erlass eines Entscheides zu verzichten. Denn die nachträgliche Gewährung des rechtlichen Gehörs bildet häufig nur einen unvollkommenen Ersatz für eine unterlassene vorgängige Anhörung. Abgesehen davon, dass ihr dadurch eine Instanz verloren gehen kann, wird der betroffenen Person zuge
mutet, zur Verwirklichung ihrer Mitwirkungsrechte ein Rechtsmittel zu ergreifen.
Von der Rückweisung der Sache zur Gewährung des rechtlichen Gehörs an die Verwaltung ist nach dem Grundsatz der Verfahrensökonomie dann abzusehen, wenn dieses Vorgehen zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem gleichlaufenden und der Anhörung gleichgestellten Interesse der versicherten Person an einer möglichst beförderli
chen Beurteilung ihres Anspruchs nicht zu vereinbaren sind (BGE 120 V 357 E.
2b, 116 V 182 E. 3c und d).
2.3.2
Die
Begründung in der
V
erfügung vom 2
7.
September 2019
lässt eine sachge
rechte
Anfec
htung des Entscheides nicht zu.
Nicht
begründet und damit auch nicht
nachvollziehbar ist
insbesondere
die Einschätzung der Beschwerde
gegnerin, «dass es sich dabei um invaliditätsfremde Faktoren handelt, welche zur Beurtei
lung der Arbeitsfähigkeit nicht berücksichtigt werden dürfen. Eine davon unab
hängige Erkrankung [...] liegt nicht vor.»
(
Urk.
2 S. 1)
. Mangels Begründung nicht ersichtlich ist dabei, welche
konkreten
Umstände aus welchen Gründen als inva
liditätsfremde Faktoren qualifiziert wurden und weshalb sie nicht zu berücksich
tigen wären. Ebenfalls geht aus der Verfügung
mangels Auseinandersetzung mit den im Raum stehenden Diagnosen und dazu ergangener Rechtsprechung
nicht hervor, aus welchen konkreten Gründen keine unabhängige
(n)
Erkrankung
(en)
vorliegen soll
(en)
. Damit ist die Verfügung in einem Ausmass nicht begründet, dass
der Mangel
keiner Heilung zugänglich
und die Verfügung
bereits aus for
mellen Gründen aufzuheben ist.
2.4
Nichts desto trotz ist die Sache im Sinne der Verfahrensökonomie
auch
in mate
rieller Hinsicht zu beurteilen.
Z
u prüfen
ist insbesondere
,
ob
für die Beurteilung des Anspruchs auf Eingliederungsmassnahmen beziehungsweise auf eine Rente
auf die vorliegenden medizinischen Berichte abgestellt werden kann oder ob
ergänzende Abklärungen des Sac
hverhaltes und insbesondere eine psychiatrische Begutachtung
des Beschwerdeführers
erforderlich sind.
3.
3.1
Der Beschwerdeführer ist seit dem 1
3.
November 2017 bei
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, in
psychiatrischer
Behand
lung (
Urk.
6/6/3
Ziff.
7).
Dr.
A._
stellte im ärztlichen Zeugnis vom 2
8.
August 2018
zu
Handen
des Krankentaggeldversicherers
(
Urk.
6/6/3) die Diagnose bipo
lare affektive Störung, aktuell depressiv (ICD-10 F31.3,
Ziff.
8 a).
Der Psychiater gab weiter an,
es hätten
diverse
Behandlungen stattgefunden
(
Ziff.
8 d). Aktuell befinde
sich der Beschwerdeführer
in stationärer Behandlung (
Ziff.
9).
3.2
Die Ärzte der Klinik
Z._
stellten im Bericht vom
6.
Dezember 2018 (
Urk.
6/12/
1-3) folgende Diagnosen (S. 1):
-
psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol: Abhängigkeitssyn
drom (ICD-10 F10.2), nach DSM V liegt eine mittelgradige Alkoholkon
sumstörung vor
-
bipolare affektive Störung, gegenwärtig leichte
oder
mittelgradige depressive Störung (ICD-10 F31.3)
-
sonstige Psoriasis
-
Krankheit des Weichteilgewebes,
nicht näher bezeichnet: Oberarm
(Humerus, Ellenbogengelenk)
Die Ärzte der Klinik
Z._
gaben an
, es liege eine lange Krankheitsgeschichte vor. Die bipolare affektive Störung und die Abhängigkeitserkrankung seien jedoch erst im Jahr 2010 im Rahmen einer stationären Therapie in ihrer Klinik diagnostiziert worden. Erste Symptome seien vermutlich bereits 2004 aufgetreten (S. 1
Ziff.
2). Der Beschwerdeführer sei am 2
5.
September 2018 in die Klinik ein
getreten, um sich erneut einer stationären Entwöhnungstherapie zu unterziehen. Bereits im Jahr 2010
sei
während sechs Monaten eine stationäre Behandlung
erfolgt
. Der Beschwerdeführer sei
somit
damals
arbeitsunfähig gewesen (S. 1
Ziff.
3 und 4).
Die aktuelle stationäre Therapie werde er
voraussichtlich am 1
2.
März 2019 beenden (S. 1 f.
Ziff.
5
).
Zu den Beschwerden wurde angegeben, es
lägen die Kriterien für eine mittelgra
dige Alkoholkonsumstörung vor. Zusätzlich
bestehe eine mittelgradige depressive
Episode (S. 2
Ziff.
8). Bezüglich der Arbeitsfähigkeit
bestehe seit dem
2
5.
Septem
ber 2018 für die Dauer des Aufenthaltes in der Klinik eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
. Eine Prognose sei schwierig.
Eine
Neubeurteilung
der Arbeitsfähigkeit
nach dem Austritt aus der Klinik
werde empfohlen beziehungsweise sei
eine solche
erforderlich
(S. 2
Ziff.
9
, S. 3
Ziff.
13
). Hinweise auf eine Invalidität seien nicht festgestellt worden (S. 2
Ziff.
10).
Die geistige Verfassung des Beschwerdeführers sei seit Jahren immer wieder angeschlagen. Es sei deshalb wichtig, dass er in einem unterstützenden Umfeld arbeiten könne. An der letzten Arbeitsstelle sei er durch Mobbing schwer belastet gewesen
. Sollte dies an einem neuen Arbeitsort wegfallen, werde der Beschwer
deführer - soweit beurteilbar - wieder voll arbeitsfähig sein. Voraussetzung sei, dass genügend Zeit für eine bestmögliche Genesung bestehe (S. 3
Ziff.
11).
3.3
Die Ärzte der Klinik
Z._
stellten im Austrittsbericht vom 1
2.
März 2019 (
Urk.
6/21/1-5) folgende Diagnosen (S. 1):
-
psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol: A
bhängigkeitssyn
drom (ICD-10 F10.2)
-
bipolare affektive Störung, gegenwärtig leichte oder mittelgradige depres
sive Episode (ICD-10 F31.3)
-
anankastische (zwanghafte) Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.5)
-
Psoarias
vulgaris
-
Krankheit des Weichteilgewebes, nicht näher bezeichnet, Oberarm, Schmer
zen rechts
-
Asthma bronchiale, nicht näher bezeichnet, Cough Variant Asthma
Die Ärzte der Klin
ik
Z._
führten
zur Situation
beim Eintritt
in die Klinik aus
, der Beschwerdeführer sei nach der Entzugsbehandlung in der Klinik
B._
für eine
Therapie
in die Klinik
Z._
eingetreten.
Im Jahr 2011 sei bereits eine 9
monatige Behandlung in der Klinik
Z._
erfolgt.
Berufliche Probleme, wie Mobbing, Druck
,
zwischenmenschliche Schwierigkeiten
in der Tätigkeit als Poli
zist und
der Verlust der Arbeit
,
sowie die Trennung von seiner Partnerin hätten zur Rückfälligkeit bezüglich Alkohol geführt
. Vor dem Entzug habe er oftmals bis zu vier Liter Bier am Tag konsumiert und immer wieder einen Suchtdruck ver
spürt
. Die Menge an Alkohol
habe
zusammen mit der Medikation zu Erinnerungs
lücken und einem Kontrollverlust geführt
(S. 2 oben).
Der Beschwerdeführer leide zusätzlich
unter einer schnell wechselnden Stimmung. E
s bestehe eine bipolare Störung.
Seit der medikamentösen Ein
stellung im Jahr 2011 seien keine starken manischen oder depressiven Episoden mehr aufgetreten.
Es
belaste den Beschwerdeführer vor allem im Alltag, wenn er nicht gena
u wisse, was ihm gut
tue und er Lang
e
weile verspüre (S. 2 Mitte).
Der Beschwerdeführer habe sodann wiederholt Schwierigkeiten im zwischenmensch
lichen Kontakt angegeben (S. 2 unten).
Beim Eintritt seien keine
Aufmerksam
keits
- oder Gedä
chtnisstörungen
und
keine Zwänge oder Befürchtungen
festge
stellt worden
(S. 3 oben). Die ambulante psychologische und psychiatrische Nach
behandlung werde im Ambulatorium
C._
erfolgen (S. 4 unten).
Dem Austrittsbericht vom 1
2.
März 2019 sind
zwei Arztberichte vom 3
0.
Novem
ber 2018 und vom 1
9.
Dezember 2018
beigelegt, die die Behandlung der Psoriasis
vulgaris
und
eine pneumologische Untersuchung
vom 1
9.
Dezember 2018
betreffen (
Urk.
6/21/8-10).
3.4
Dr.
med.
D._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Klinik
Z._
,
Ambulatorium
C._
,
attestierte dem Beschwerdeführer in einem ärztlichen Zeugnis vom 2
5.
Juni 2019 (
Urk.
6/23 S. 2) aufgrund von Krankheit für die Zeit vom
1.
bis 3
0.
Juli 2019 eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
.
3.5
Dr.
med.
E._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, RAD, führte in einer Stellungnahme vom 1
5.
Juli 2019 (
Urk.
6/24 S. 3 f.) aus, der Beschwerdeführer sei seit dem
8.
Juli 2018 arbeitsunfähig geschrieben wegen der Diagnosen Alkoholabhängigkeit und bipolare affektive Störung. Beide Erkran
kungen seien 2010 diagnostiziert worden (S. 3 unten). Berufliche Probleme, wie Mobbing, Druck, zwischenmenschliche Schwierigkeiten in der Tätigkeit als Poli
zist und der Verlust der Arbeit, sowie die Trennung von seiner Partnerin hätten zur Rückfälligkeit bezüglich Alkohol geführt. Im Austrittsbericht vom 1
2.
März 2019 sei zudem die Diagnose einer anankastischen Persönlichkeitsstörung nach ICD-10 F60.6 gestellt worden. Für
die Diagnose liege kein entsprec
hender Befund vor und es fehlten eine
Anamnese oder Validierung. Es werde lediglich die Aus
wertung der Brief-Symptom-Check-List
e
(Selbstbeurteilungsinstrument) vorge
legt
. Die Diagnose einer anankastischen Persönlichkeitsstörung sei damit nic
ht nachvollziehbar (S. 4 oben).
Der Beschwerdeführer sei h
insichtlich
des Abhängigkeitssyndroms gegenwärtig abstinent. Die bipolare affektive Störung sei gegenwärtig remittiert und
habe
sich im Verlauf zurückbilden
können
.
Dr.
E._
gab an, ein psychischer Gesund
heitsschaden mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei nicht nach
vollziehbar. Psychosoziale Belastungen stünden im Vordergrund (S. 4 Mitte).
4.
4.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
4.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderer
seits
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesge
richts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines ren
tenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrund
lage im Einzelfall
anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchs
frei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
4.3
Nach bisheriger und langjähriger höchstrichterlicher Rechtsprechung führten Suchterkrankungen als solche nicht zu einer Invalidität im Sinne des Gesetzes. Sie wurden im Rahmen der Invalidenversicherung erst relevant, wenn sie eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt haben, in deren Folge ein körperlicher oder geistiger, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender, Gesundheitsschaden eingetre
ten war, oder wenn sie selber Folge eines körperlichen oder geistigen Gesund
heitsschadens waren, dem Krankheitswert zukam. Ein invalidisierender psychi
scher Gesundheitsschaden fehlte demgegenüber, wo in der Begutachtung im Wesentlichen nur Befunde erhoben wurden, welche in der Sucht ihre hinrei
chende Erklärung fanden (Hinweise zur bisherigen Rechtsprechung
in BGE 145 V 215
E. 4.1).
Diese bisherige Rechtsprechung änderte das Bundesgericht mit
BGE
145 V 215
dahingehend, dass - fachärztlich einwandfrei diagnostizierten - Abhängigkeitssyndromen beziehungsweise Substanzkonsumstörungen nicht zum vornherein jede invalidenversicherungsrechtliche Releva
nz abgesprochen werden kann (E.
5.3.3), sondern diese vielmehr als invalidenversicherungsrechtlich beachtliche (psychische) Gesundheitsschäden in Betracht fallen (E.
6).
Gemäss BGE 143 V 418 E. 6 f. ist die Frage nach den Auswirkungen sämtlicher psychischer Erkrankungen auf das funktionelle Leistungsvermögen grundsätzlich unter Anwendung des strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 zu beantworten. Hierzu gehören nach dem oben Ausgeführten auch Abhängigkeits
syndrome (E. 6.2).
Im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens kann und muss insbesondere dem Schweregrad der Abhängigkeit im konkreten Einzelfall Rechnung getragen werden. Diesem kommt nicht zuletzt deshalb Bedeutung zu, weil bei Abhängig
keitserkrankungen - wie auch bei anderen psychischen Störungen - oft eine Gemengelage aus krankheitswertiger Störung sowie psychosozialen und soziokulturellen Faktoren vorliegt. Letztere sind selbstverständlich auch bei Abhängigkeitserkrankungen auszuklammern, wenn sie direkt negative funk
tionelle Folgen zeitigen (vgl. bezüglich der Depressionen BGE 143 V 409 ff. E. 4.5.2). Eine krankheitswertige Störung muss umso ausgeprägter vorhanden sein, je stärker psychosoziale oder soziokulturelle Faktoren das Beschwerdebild mitprägen (E. 6.3).
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann immerhin dort von einem struktu
rierten Beweisverfahren abgesehen werden, wo es nicht nötig oder geeignet ist. Es
bleibt daher etwa dann entbehrlich, wenn für eine - länger dauernde (Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG) - Arbeitsunfähigkeit nach bestehender Aktenlage keine Hin
weise bestehen oder eine solche im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (E. 7).
4.4
Nach
Art.
43
Abs.
1 Satz 1 ATSG prüft der Versicherungsträger die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erfor
derlichen Auskünfte ein.
4.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrele
vante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
5.
5.1
Zum Gesundheitszustand des Beschwerdeführers liegen im Wesentlichen
die Berichte der Ärzte der Klinik
Z._
vom
6.
Dezember 2018 und vom 1
2.
März 2019
über eine dort erfolgte stationäre Behandlung s
owie die Stellungnahme von
RAD-Ärztin
Dr.
E._
vom 1
5.
Juli 2019 vor.
Die Ärzte der Klinik
Z._
nannten als Diagnosen
psychische und Verhaltens
störungen durch Alkohol, Abhängigkeitssyndrom
, und
eine bipolare affektive Störung, bei einer gegenwärtig leichten oder mit
telgradigen depressiven Episode. Im Bericht vom 1
2.
März 2019 wurde
zudem
eine anankastische Persönlichkeits
störun
g
diagnostiziert
. Von somatischer Seite
bestünden
zudem eine Psoriasis
vulgaris
, eine Krankheit des Weichteilgewebes und ein Asthma bronchiale (vor
stehend
E. 3.2 und
3.3).
5.2
Die Beschwerdegegnerin hat es unterlassen,
Berichte
des seit November 2017 behandelnden
Dr.
A._
(vgl. vorstehend E. 3.1)
sowie
des aktuell behandeln
den
Dr.
D._
des Ambulatoriums
C._
(vgl. vorstehend E. 3.4)
und allenfalls auch solche betreffend die früheren stationären Aufenthalte und Behandlungen
einzuholen.
Dazu bestand umso mehr Veranlassung, als
Dr.
D._
im
ärztlichen Zeugnis vom 2
5.
Juni 2019
zumindest für den Monat Juli 2019
eine Arbeitsun
fähigkeit von 50
%
attestierte (vorstehend E. 3.4).
Der Austrittsbericht
vom 1
2.
März 2019
enthält keine Angaben zur Arbeitsfähig
keit des Beschwerdeführers
in der angestammten und in einer angepassten Tätig
keit. Dies
obwohl im Bericht vom
6.
Dezember 2018 für die Zeit nach dem Austritt aus der Klinik eine Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit vorbehalten wurde
.
Da eine Neubeurteilung der Arbeitsfähigkeit empfohlen wurde,
durfte die
Beschwerde
gegnerin nicht allein auf die
knappen
Angaben zur Arbeitsfähigkeit im Bericht vom
6.
Dezember 2018 abstellen.
In Anbetracht
der von den Ärzten der Klinik
Z._
und von
Dr.
A._
(vgl.
vorstehend E. 3.1-3.3)
gestellten
nicht unerheblichen
Diagnosen
eines Abhängigkeitssyndroms,
einer bipolaren affektiven Störung
und einer Persön
lichkeitsstörung
bedarf es
zudem
einer psychiatrischen Begutachtung des Beschwerdeführers.
Ohne
ein psychiatrisches Gutachten
ist eine Beurteilung der
Auswirkungen der psychischen Beschwerden
und des Abhängigkeitssyndroms
auf die Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers
in angestammter und angepasster Tätigkeit
anhand der
sogenannten Standardindikatoren nicht möglich.
5.3
Die Beschwerdegegnerin hat den medizinischen Sachverhalt
vorliegend ungenü
gend
abgeklärt.
Notwendigerweise hat sie
Berichte
bei den behandelnden Ärzten
sowie
über die
stationäre Behandlung
des Beschwerdeführers in der Klinik
Z._
vo
n
2010
oder 2011
einzuholen. Weiter ist eine psychiatrische Begut
achtung erforderlich, wobei sich das Gutachten auch zu den Auswirkungen des Abhängigkeitssyndroms auf die Arbeitsfähigkeit zu äussern hat. Anschliessend hat die Beschwerdegegnerin über das Leistungsgesuch erneut zu verfügen.
Die Sache ist
aus diesem Grund
und aufgrund der ungenügenden Begründung der angefochtenen Verfügung
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
6.
6.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Vor
liegend sind die Kosten auf
Fr.
700.-- festzusetzen und der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Nach
§
34
Abs.
1
GSVGer
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E.
2.2), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessent
schädigung hat.
Die Beschwerdegegnerin ist daher zu verpflichten, den
Beschwerdeführer
mit
Fr.
2'000.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.