# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 5550f965-e938-48dd-8ea1-208daa4037de
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Veruntreuung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Horgen, I. Abteilung, vom 11. August 2020 (DG190027)
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Anklage:
Die (berichtigte) Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom
30. Juni 2020 (Urk. 61) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 93 S. 62 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Die Beschuldigte ist schuldig
− der Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 StGB;
− der mehrfachen Misswirtschaft im Sinne von Art. 165 Ziff. 1 StGB betreffend . 1, B._ GmbH und C._ GmbH;
− der mehrfachen Unterlassung der Buchführung im Sinne von Art. 166 StGB;
− der Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 2 StGB;
− der vorsätzlichen ordnungswidrigen Führung der Geschäftsbücher im Sinne von Art. 325 StGB.
2. Von den folgenden Anklagevorwürfen wird die Beschuldigte freigesprochen:
− Misswirtschaft bei der D._ GmbH (Dossier-Nr. 1);
− Misswirtschaft bei der E._ GmbH (Dossier-Nr. 1).
3. Das Verfahren wird hinsichtlich des Anklagevorwurfs der Unterlassung der Buchführung bei
der E._ GmbH (Dossier-Nr. 1) eingestellt.
4. Die Beschuldigte wird bestraft mit 30 Monaten Freiheitsstrafe sowie mit einer Busse von
Fr. 1'000.–.
5. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 24 Monaten aufgeschoben und die
Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (6 Monate, wovon 1 Tag durch Haft erstanden
ist), wird die Freiheitsstrafe vollzogen. Die Busse ist zu bezahlen.
6. Bezahlt die Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatz-
freiheitsstrafe von 10 Tagen.
7. Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 27. September
2019 beschlagnahmten und bei der Bezirksgerichtskasse lagernden Gegenstände werden
eingezogen und durch die Bezirksgerichtskasse zur Deckung der Sanktions- und Verfah-
renskosten verwertet:
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− Damenarmbanduhr, Rolex Oyster Perpetual Datejust (A010'820'914);
− Zertifikat vom 3. April 2013 zu Damenarmbanduhr, Rolex Oyster Perpetual Datejust (A010'820'925);
− Rechnung zu Damenarmbanduhr, Rolex Oyster Perpetual Datejust (A010'820'947);
− Herrenarmbanduhr, Rolex Oyster Perpetual Datejust Quickset (A010'821'019);
− Zertifikat vom 6. Mai 2016 zu Herrenarmbanduhr, Rolex Oyster Perpetual Datejust Quickset (A010'821'020);
− Quittung zu Herrenarmbanduhr, Rolex Oyster Perpetual Datejust Quickset (A010'821'393).
8. Nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheides wird die mit Verfügung der Staatsanwalt-
schaft Limmattal / Albis vom 5. September 2017 angeordnete Kontosperre auf dem von der
Postfinance AG, ... [Adresse], geführten Konto, IBAN CH1, lautend auf C._ GmbH,
aufgehoben.
9. Nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheides wird die mit Verfügung der Staatsanwalt-
schaft Limmattal / Albis vom 20. September 2017 angeordnete Kontosperre auf dem von
der Raiffeisenbank ... [Filiale], ... [Adresse], geführten Konto, IBAN CH2, lautend auf
D._ GmbH in Liquidation, aufgehoben.
10. Die Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 6 Schadenersatz in der Höhe von
Fr. 290'000.– zuzüglich Zins zu 5 % seit 7. April 2016 zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird die
Forderung auf den Zivilweg verwiesen.
11. Es wird davon Vormerk genommen, dass die Beschuldigte die Zivilforderungen der Privat-
kläger 1, 2, 3, 4, 5 und 7 dem Grundsatz nach anerkennt. Im Übrigen werden die Zivilklagen
der Privatkläger 1, 2, 3, 4, 5 und 7 auf den Zivilweg verwiesen.
12. Rechtsanwalt lic. iur. X._ wird für seine Bemühungen und Auslagen als amtlicher
Verteidiger mit Fr. 12'110.55 (inkl. Fr. 875.15 MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt.
13. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 8'800.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'500.00 Gebühr Anklagebehörde
Fr. 12'110.55 amtliche Verteidigung
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14. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausser diejenigen der amt-
lichen Verteidigung, werden der Beschuldigten im Umfang von 90 % auferlegt und im Übri-
gen auf die Gerichtskasse genommen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf
die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135
Abs. 4 StPO in der Höhe von 90 % der Verteidigungskosten.
15. Die Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 6 für das gesamte Verfahren eine
Prozessentschädigung von Fr. 13'784.80 zu bezahlen. Im Mehrumfang (Mehrwertsteuer-
zuschlag) wird das Entschädigungsbegehren der Privatklägerin 6 abgewiesen.
16. (Mitteilung)
17. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge: (Prot. II S. 4)
a) Der Verteidigung der Beschuldigten:
(Urk. 119 S. 1 f.)
1. Das Urteil des Bezirksgerichts Horgen vom 11. August 2020 sei be-
treffend die Ziffern 4, 5, 6, 7, 10 und 15 aufzuheben.
2. Die Beschuldigte sei mit einer bedingten Freiheitsstrafe von max.
20 Monaten unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren zu
bestrafen.
3. Die mit Verfügung vom 27. September 2019 beschlagnahmte Rolex-
Uhr mit dem blauen Zifferblatt sei der Berufungsklägerin
herauszugeben.
4. Allfällige Schadenersatzansprüche seien dem Grundsatze nach gut-
zuheissen, jedoch betreffend die Höhe auf den Zivilweg zu verweisen.
5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates
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b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 100)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Einleitung, Verfahrensgang und Umfang der Berufung
1.1. Mit dem eingangs im Dispositiv zitierten Urteil vom 11. August 2020 wurde
die Beschuldigte A._ vom Bezirksgericht Horgen wegen Veruntreuung, mehr-
facher Misswirtschaft, mehrfacher Unterlassung der Buchführung, Urkundenfäl-
schung und der vorsätzlichen ordnungswidrigen Führung der Geschäftsbücher
schuldig gesprochen und mit 30 Monaten Freiheitsstrafe sowie einer Busse von
Fr. 1'000.– bestraft. Die Freiheitsstrafe wurde im Umfang des gesetzlichen
Maximums von 24 Monaten aufgeschoben unter Ansetzung einer Probezeit von
2 Jahren. Die Schuldsprüche stehen im Zusammenhang mit der Tätigkeit der
Beschuldigten als Gesellschafterin und Geschäftsführerin verschiedener Firmen
im Gastronomie-Bereich.
Der Schuldspruch hinsichtlich Veruntreuung (Dossier Nr. 1) steht im Zusammen-
hang mit einem Mietverhältnis zwischen der Mieterin B._ GmbH (vormals
F._ GmbH, deren Gesellschafterin und Geschäftsführerin die Beschuldigte
damals war) und der Privatklägerin 6 (G._ AG H._ [Ortschaft]) als
Vermieterin vom 20. Dezember 2013; der Beschuldigten wird zur Last gelegt,
Gelder veruntreut zu haben, die sie von der Privatklägerin 6 aufgrund einer
Zusatzvereinbarung zum Mietvertrag erhalten hatte zwecks Einbaus einer Küche
im Mietobjekt auf Kosten der Privatklägerin 6.
Die Schuldsprüche hinsichtlich Misswirtschaft betreffen die Tätigkeit der Be-
schuldigten als Geschäftsführerin bzw. Gesellschafterin mit Einzelunterschrift der
B._ GmbH (Dossier Nr. 1) und der C._ GmbH (Dossier Nr. 3) im
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Zeitraum 2013 bis 2016 bzw. 2015 bis 2019; über beide Gesellschaften wurde in
der Folge der Konkurs eröffnet und schliesslich mangels Aktiven eingestellt.
Die Schuldsprüche hinsichtlich Unterlassung der Buchführung (Dossier Nr. 1)
betreffen die Tätigkeit der Beschuldigten als Gesellschafterin und Geschäfts-
führerin der B._ GmbH und der D._ GmbH im Zeitraum 2013 bis 2016
bzw. 2017; auch über die zuletzt genannte Gesellschaft wurde im Anschluss der
Konkurs eröffnet und schliesslich mangels Aktiven eingestellt.
Der Schuldspruch hinsichtlich Urkundenfälschung (Dossier Nr. 3) betrifft die von
der Beschuldigten anlässlich des Verkaufs der B._ GmbH am 21. März 2016
unterzeichneten Statuten mit einer wahrheitswidrigen Erklärung über eine Sach-
einlage.
Der Schuldspruch hinsichtlich ordnungswidriger Führung der Geschäftsbücher
(vorsätzlich; Dossier Nr. 3) betrifft die Tätigkeit der Beschuldigten als einzige
Gesellschafterin und Geschäftsführerin der I._ GmbH im Zeitraum April 2014
bis September 2019.
Von den Vorwürfen der Misswirtschaft bei der D._ GmbH und der E._
GmbH (Dossier Nr. 1, Zeitraum 2017 bzw. 2011; auch über diese beiden
Gesellschaften wurde in der Folge der Konkurs eröffnet und schliesslich mangels
Aktiven eingestellt) wurde die Beschuldigte von der Vorinstanz freigesprochen.
Hinsichtlich des Anklagevorwurfs der Unterlassung der Buchführung bei der
E._ GmbH (Dossier Nr. 1, Zeitraum 2011) wurde das Verfahren aufgrund
Eintritts der Verfolgungsverjährung eingestellt (vgl. zum Ganzen die an das
vorinstanzliche Urteil angeheftete Anklageschrift vom 30. September 2019 [hinsichtlich einer falschen Datumsangabe berichtigt am 30. Juni 2020, vgl.
Urk. 53 und Urk. 61 S. 8] sowie Urk. 93 S. 12 ff.).
1.2. Anlässlich der mündlichen Eröffnung des Urteils am 1. September 2020 mel-
dete die Verteidigung der Beschuldigten fristgerecht Berufung an (Prot. I S. 45).
Nach Zustellung des begründeten Urteils am 26. April 2021 (Urk. 92/2) liess die
Beschuldigte am 28. April 2021 innert Frist ihre Berufungserklärung einreichen,
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mit welcher das vorinstanzliche Urteil hinsichtlich des Strafpunktes sowie des Ent-
scheids über die Einziehung, über die Zivilforderung und über die Entschädi-
gungsfolge angefochten wurde (Urk. 94). Mit Präsidialverfügung vom
18. Mai 2021 wurde die Berufungserklärung der Beschuldigten der
Staatsanwaltschaft und den Privatklägern zugestellt und Frist zur Erklärung der
Anschlussberufung angesetzt (Urk. 98).
1.3. Die Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis und der Privatkläger 3 (J._)
beantragten die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 100, Urk. 102).
Anschlussberufungen wurden nicht erhoben.
1.4. Mit Vorladung vom 19. Juli 2021 wurden die Parteien auf heute zur
Berufungsverhandlung vorgeladen (Urk. 104), zu welcher die Beschuldigte und ihr
amtlicher Verteidiger, Rechtsanwalt lic. iur. X._, erschienen (Prot. II S. 4).
1.5. Die Staatsanwaltschaft und die Privatkläger haben das vorinstanzliche Urteil
nicht angefochten. Die Beschuldigte beschränkt ihre Berufung auf die Ziffern
4 (Strafpunkt), 5 (Vollzug), 6 (Ersatzfreiheitsstrafe betr. Busse), 7 (Einziehung be-
schlagnahmter Gegenstände), 10 (Entscheid über die Zivilklage) und
15 (Prozessentschädigung der Privatklägerin 6) des vorinstanzlichen Dispositivs
(Urk. 94 S. 2). Damit ist vorab mittels Beschluss festzustellen, dass die
vorinstanzlichen Urteilsdispositiv-Ziffern 1 (Schuldspruch), 2 (Freispruch
betreffend Misswirtschaft bei der D._ GmbH und der E._ GmbH),
3 (Einstellung des Verfahrens hinsichtlich Unterlassung der Buchführung bei der
E._ GmbH), 8 bis 9 (Aufhebung der Kontosperren über je ein Konto der
C._ GmbH und der D._ GmbH in Liquidation), 11 (Vormerknahme der
grundsätzlichen Anerkennung der Zivilforderungen der Privatkläger 1-5 und 7, im
Übrigen Verweisung auf den Zivilweg) sowie 12 bis 14 (Kostendispositiv und
Entschädigung des amtlichen Verteidigers) im Sinne von Art. 404 Abs. 1 StPO
bereits in Rechtskraft erwachsen sind.
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2. Vorbemerkungen
Die Berufungsinstanz ist in ihrem Entscheid nicht an die Begründung der Parteien
und an ihre Anträge gebunden, letzteres allerdings unter dem Vorbehalt der
Beurteilung von Zivilklagen (Art. 391 Abs. 1 StPO). Es gilt das Verschlech-
terungsverbot gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO.
An dieser Stelle ist ergänzend darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende
Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und
jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss. Das Berufungsgericht
kann sich auf die für seinen Entscheid wesentlichen Punkte beschränken (BGE
141 IV 249 E. 1.3.1; Urteil des Bundesgerichts 1B_242/2020 vom 2. September
2020 E. 2.2.).
II. Sanktion
1. Strafzumessung
1.1. Nach dem eingangs Gesagten ficht die Beschuldigte die ihr gegenüber vor
der Vorinstanz ergangenen Schuldsprüche nicht an. Im Allgemeinen erübrigen
sich damit Ausführungen zur Erstellung des Sachverhalts und zu dessen rechtli-
cher Würdigung. Es ist somit als Nächstes bereits auf die Strafzumessung einzu-
gehen. Wo sich zu einzelnen Aspekten der Strafzumessung insbesondere zur
Schwere der der Beschuldigten zur Last gelegten Delikte Fragen der Sachver-
haltserstellung und der rechtlichen Würdigung stellen, wird darauf nachfolgend
eingegangen.
1.2. Die Vorinstanz hat die allgemeinen theoretischen Grundlagen der
Strafzumessung bereits korrekt zusammengefasst (vgl. Urk. 93 S. 43 ff.). Das
Gericht misst die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt
dabei das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der
Strafe auf das Leben des Täters (Art. 47 Abs. 1 StGB). Das Verschulden wird
nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts,
nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters
sowie danach bestimmt, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren
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Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden
(Art. 47 Abs. 2 StGB). Für die Zumessung der Strafe ist zwischen der Tat- und der
Täterkomponente zu unterscheiden. Bei der Tatkomponente ist als
Ausgangspunkt die objektive Schwere des Delikts festzulegen und zu bewerten.
Dabei ist anhand des Ausmasses des Erfolgs sowie auf Grund der Art und Weise
des Vorgehens zu beurteilen, wie stark das strafrechtlich geschützte Rechtsgut
beeinträchtigt worden ist. Ebenfalls von Bedeutung ist die kriminelle Energie, die
der Täter an den Tag legt. Hinsichtlich des subjektiven Verschuldens sind
insbesondere das Motiv, die Beweggründe, die Willensrichtung sowie das Mass
an Entscheidungsfreiheit des Täters zu beurteilen. Die Täterkomponente umfasst
die persönlichen Verhältnisse, das Vorleben, insbesondere frühere Strafen oder
Wohlverhalten, und das Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren,
insbesondere gezeigte Reue und Einsicht, oder ein abgelegtes Geständnis
(BSK StGB I-WIPRÄCHTIGER/KELLER, 4. Aufl. 2019, Art. 47 N 90 ff.; Urteil des
Obergerichts Zürich SB200453 vom 12. Mai 2021 E. III./1.3).
1.3. Die Beschuldigte hat sich durch ihr Verhalten der Veruntreuung, der mehr-
fachen Misswirtschaft, der mehrfachen Unterlassung der Buchführung, der Urkun-
denfälschung und der ordnungswidrigen Führung der Geschäftsbücher schuldig
gemacht. Alle Delikte (mit Ausnahme der zuletzt genannten Übertretung) sehen
als Sanktion jeweils Freiheitstrafe oder Geldstrafe vor.
Die Vorinstanz wies korrekt auf die Grundlagen der Strafzumessung bei mehreren
Delikten (Konkurrenz) nach Art. 49 Abs. 1 StGB hin (Urk. 93 S. 43 ff.). Darauf
kann verwiesen werden. Zu betonen ist nochmals, dass das Asperationsprinzip
von Art. 49 Abs. 1 StGB der konkreten Methode unterliegt und es nicht genügt,
wenn die anzuwendenden Strafbestimmungen abstrakt gleichartige Strafen
androhen; Geld- und Freiheitsstrafe sind keine gleichartigen Strafen im Sinne von
Art. 49 Abs. 1 StGB. Die Strafart ist somit nach der Bestimmung der Einsatzstrafe
für das schwerste Delikt für die weiteren Delikte eigenständig zu bestimmen (vgl.
Urk. 93 S. 43 f. mit Hinweisen). Bei der Wahl der Sanktionsart sind nebst dem
Verhältnismässigkeitsprinzip die Zweckmässigkeit der Sanktion, ihre
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Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie die präventive
Effizienz zu berücksichtigen (BGE 134 IV 97 E. 4.2; BGE 138 IV 120 E. 5.2).
1.4. Einsatzstrafe für Veruntreuung (Art. 138 Ziff. 1 StGB)
1.4.1. Die Vorinstanz ging zutreffend von Veruntreuung als schwerwiegendstem
Delikt aus und fällte für dieses eine Einsatzstrafe aus, mit dem Hinweis, dass der
Strafrahmen nach Art. 49 Abs. 1 StGB auf 7,5 Jahre zu erhöhen sei, sofern für
mehr als ein Delikt eine Freiheitsstrafe ausgesprochen werde (Urk. 93 S. 45). Auf
die Bemessung der Einsatzstrafe ist nachfolgend einzugehen.
1.4.2. Mit der Vorinstanz (Urk. 93 S. 45) ist von einem Deliktbetrag in der Höhe
von Fr. 290'000.– auszugehen. Gestützt auf die Nebenvereinbarung vom
20. Dezember 2013 zum eingangs erwähnten Mietverhältnis (Urk. D1/2/7) hatte
die Privatklägerin 6 als Vermieterin sich klar verpflichtet, die ihr von der Mieterin
vorgelegten Rechnungen für den Einbau einer Küche im Mietobjekt bis zu einem
Betrag von insgesamt Fr. 300'000.– (inkl. MWST) zu bezahlen. Die Neben-
vereinbarung statuierte dabei nach den zutreffenden Feststellungen der
Vorinstanz im Einzelnen, dass die entsprechenden Installationen vorgängig von
der Privatklägerin 6 genehmigt werden müssten (Urk. 93 S. 21). Unter Verweis
auf den Anklagesachverhalt (Urk. 61 S. 3) ist festzuhalten, dass die Beschuldigte
in ihrer Funktion als Geschäftsführerin der B._ GmbH von der
Privatklägerin 6 sodann den Betrag von Fr. 300'000.– erhielt. Der Betrag wurde in
zwei Tranchen ausbezahlt. Am 17. März 2014 (zur diesbezüglichen Korrektur der
Anklageschrift vgl. Prot. I S. 7) überwies die Privatklägerin 6 Fr. 222'231.60 auf
Vorlage einer Offerte der K._ AG ..., L._ [Ortschaft], vom 13. Februar
2014, und einer "Rechnung" der B._ GmbH vom 13. Februar 2014 über
diesen Betrag (Urk. D1/2/8-9). Der Betrag wurde der Beschuldigten somit –
entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 119 S. 5) – klar mit dem Zweck
anvertraut, die entsprechende Küche bei der K._ AG zu bestellen bzw. zu
bezahlen. Eine zweite Zahlung von Fr. 77'768.40 überwies die Privatklägerin am
22. Januar 2016 für die Vornahme von Elektroinstallationen durch die M._
GmbH; die Beschuldigte erwirkte dies durch Vorlage einer "Zahlungsbestätigung"
der M._ GmbH vom 8. Januar 2016, gemäss welcher die Beschuldigte bzw.
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die B._ GmbH von einer Offertsumme von Fr. 148'866.95 bereits
Fr. 99'244.65 bezahlt hätte und ein Restbetrag von Fr. 49'622.30 (alles inkl.
MwSt.) offen sei (Urk. D1/2/19-21). Zum ersten Betrag ist mit der Vorinstanz
festzuhalten, dass die Beschuldigte den ganzen für die K._-Küche
bestimmten Betrag veruntreute, in dem sie die Mittel für andere Zwecke
verwendete, ohne eine K._ Küche zu bestellen. Dass die Beschuldigte zu
einem nicht näher bekannten Zeitpunkt eine Anzahlung für die Lieferung einer
Küche an eine italienische Unternehmung leistete, ändert daran – entgegen der
Verteidigung (Urk. 119 S. 6) – nichts (vgl. Urk. 93 S. 21; nebenbei ist festzuhalten,
dass die Beschuldigte entgegen ihren von der Vorinstanz wiedergegebenen
widersprüchlichen Angaben gemäss den Erkundigungen der Privatklägerin 6
offenbar nur eine Anzahlung von Euro 15'000.– für diese Küche leistete, die
insgesamt Euro 52'000.– gekostet hätte [Urk. D1/1 S. 10, 12, 15; Urk. D1/2/28];
die Angabe der Beschuldigten, letzterer Betrag habe nur einer Anzahlung
entsprochen [Prot. I S. 25 f.], ist unbelegt). Zum zweiten Betrag ist ebenfalls mit
der Vorinstanz festzuhalten, dass die Beschuldigte selber einräumte, die M._
GmbH habe nur für einen Betrag von Fr. 10'000.– Arbeiten geleistet, aber sie
habe die erwähnte "Zahlungsbestätigung" von der M._ GmbH erstellen
lassen, um damit die zweite Tranche der Mittel der Privatklägerin 6 zu erhalten
(Urk. 93 S. 22; Urk. D1/17 S. 3 f.; vgl. auch bereits Urk. D1/15 S. 9).
Im Übrigen ist auch nicht darauf abzustellen, dass die Beschuldigte angab, sie
habe (nur) etwas mehr als die Hälfte des erhaltenen Betrags von Fr. 300'000.– für
eigene Zwecke verwendet (Urk. D1/17 S. 5); entscheidend ist, dass die
Beschuldigte den ganzen Betrag abgesehen vom erwähnten Vorbehalt von
Fr. 10'000.– nicht absprachegemäss verwendete und sie auch nicht konkret
anzugeben vermag, wofür die Mittel effektiv ausgegeben wurden. Es ist somit von
einem Deliktsbetrag von Fr. 290'000.– auszugehen.
1.4.3. Der Vorinstanz ist hinsichtlich der kriminellen Energie, welche die
Beschuldigte mit dem Ausnutzen des ihr von der Privatklägerin 6 entgegen
gebrachten Vertrauens an den Tag legte, ohne weiteres zuzustimmen. Richtig ist
auch, dass die geringe wirtschaftliche Erfahrung der Beschuldigten ihr
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Verschulden nicht relativiert, da die ihr zur Last gelegten Handlungen keine
besonderen Kenntnisse verlangten. Auch ist davon auszugehen, dass die
Beschuldigte sehr wohl wusste was sie tat (vgl. Urk. 93 S. 46).
Es sind allerdings mit Blick auf die Einschätzung insb. der subjektiven Tatschwere
weitere Tatumstände zu berücksichtigen, welche die kriminelle Energie des
Vorgehens der Beschuldigten relativieren. Einerseits erscheint es nach den
Schilderungen der Beschuldigten (vgl. etwa Urk. D1/17 S. 5, Urk. D1/15 S. 1 ff.)
glaubhaft, dass sie – als sie die Veruntreuung beging – die Vorstellung hatte, die
entsprechenden Arbeiten/Elektroinstallationen für die Erstellung der Küche
würden später noch ausgeführt (und mit irgendwelchen Mitteln bezahlt) und sie
würde eine Küche einbauen lassen, wenn auch nicht die mit der Privatklägerin 6
abgesprochene K._-Küche. Die Beschuldigte plante in diesem Sinn nicht von
langer Hand, die gesamten Mittel der Privatklägerin 6 für eigene Zwecke zu
verwenden und die Privatklägerin 6 entsprechend zu schädigen. Vielmehr ist zu
ihren Gunsten anzunehmen, dass sie sich aus dem anvertrauten Geld bediente,
um ihr zu dem Zeitpunkt dringlicher erscheinende (private oder geschäftliche)
Ausgaben zu bestreiten, ohne Überblick über die Finanzen und in der naiven und
unrealistischen Vorstellung, die mit der Privatklägerin 6 besprochenen Arbeiten
könnte sie später aus irgendwelchen anderen Mitteln finanzieren. Zudem
begrüsste sie die Idee, in Italien günstiger an eine Küche zu kommen (nach ihrer
unbelegten Angabe hätte es sich um dieselbe Küche gehandelt, vgl. Prot. I S. 25)
und damit einen Vorteil für sich herauszuholen. Andererseits ist zu
berücksichtigen, dass die Beschuldigte glaubhaft angab, die Geschäftsführung
der Gesellschaften nicht aus eigenen Antrieb übernommen zu haben. Sie habe
dies lediglich für ihren Ehemann getan, welcher die Gastronomiebetriebe
eigentlich zu führen gedacht habe, der aufgrund seiner persönlichen Umstände
jedoch die Geschäftsführung nicht selber habe übernehmen können (Urk. 118
S. 4 f. und S. 8 ff.). An der Veruntreuung der erwähnten Summe ändert all das
freilich nichts; die kriminelle Energie der Beschuldigten ist aber vor diesem
Hintergrund zu relativieren.
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1.4.4. Das Verschulden der Beschuldigten hinsichtlich Veruntreuung wiegt un-
geachtet des zur kriminellen Energie Gesagten erheblich. Als Einsatzstrafe für
Veruntreuung ist aufgrund der geschilderten Umstände indes eine mildere
Bestrafung von 20 Monaten Freiheitsstrafe festzusetzen.
1.5. Asperation aufgrund mehrfacher Misswirtschaft (Art. 165 Ziff. 1 StGB)
Was die mehrfache Misswirtschaft angeht, verweist die Vorinstanz richtig auf die
Deliktsbeträge von Fr. 16'016.80 (betreffend die B._ GmbH) und
Fr. 37'528.34 (betreffend die C._ GmbH; vgl. Urk. 93 S. 46 bzw. S. 24 sowie
S. 27). Es trifft sowohl zu, dass die beiden Gesellschaften erhebliche Zeit über
das Besorgnisdatum hinaus fortgeführt wurden, als auch, dass das subjektive
Verschulden und die kriminelle Energie eher gering ausfielen. Die Beschuldigte
war offenkundig mit der wirtschaftlichen Selbständigkeit im Gastronomiebereich
überfordert, was sie in der Folge auch einsah (vgl. nachfolgend E. II.1.10 sowie
Urk. D1/17 S. 7, D1/18 S. 23; Prot. I S. 12-14; Urk. 118 S. 8 f.). Allerdings trifft es
ebenfalls zu, dass die Beschuldigte die Delikte hätte vermeiden können, wenn sie
sich auch nur minimal um die Vorschriften zur Unternehmungsführung bemüht
hätte. Dass die Vorinstanz das Verschulden insoweit als nicht leicht einschätzte
und dass sie im Strafrahmen von Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder Geldstrafe
(Art. 165 Ziff. 1 StGB) eine Asperation von 8 Monaten Freiheitsstrafe als an-
gemessen erachtete (vgl. Urk. 93 S. 46) ist – entgegen den (unsubstantiierten)
Vorbringen der Verteidigung im Berufungsverfahren (Urk. 119 S. 7) – nicht zu
beanstanden.
1.6. Asperation für mehrfache Unterlassung der Buchführung (Art. 166 StGB)
1.6.1. Was die mehrfache Unterlassung der Buchführung angeht, ist mit der
Vorinstanz (Urk. 93 S. 46 f.) festzuhalten, dass es sich bei beiden betroffenen
Gesellschaften (B._ GmbH, D._ GmbH) um kleinere Unternehmungen
handelte, aber dass auch in solchen Fällen die Wichtigkeit einer Buchhaltung
nicht zu unterschätzen ist. Der Deliktszeitraum von ca. 3 Jahren im Fall der
erstgenannten Gesellschaft ist beträchtlich. Dass die Vorinstanz das Verschulden
als nicht mehr leicht einstufte, ist nicht zu beanstanden.
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1.6.2. Angesichts der von der Vorinstanz vorgenommenen Asperation um
4 Monate Freiheitsstrafe ist die Frage einer Geldstrafe indes zu prüfen. Die
Vorinstanz ging davon aus, eine Geldstrafe wäre aufgrund der finanziellen
Verhältnisse der Beschuldigten nicht zu beziehen, und erkannte daher auf eine
Freiheitsstrafe (Urk. 93 S. 45, 47).
Auch wenn der Vollzug einer Geldstrafe bei einer völlig mittellosen (oder wie hier
hochgradig überschuldeten) Täterin ab einer gewissen Anzahl Tagessätzen
unrealistisch ist, ist zu vermeiden, mittellose Täter ab einer gewissen Anzahl von
Tagessätzen von der milderen Strafart der Geldstrafe a priori auszuschliessen
(vgl. dazu OFK StGB/JStG-HEIMGARTNER, 20. Aufl. 2018, Art. 41 StGB N 2c). So
sind die wirtschaftlichen Verhältnisse eines Täters, dessen voraussichtliche
Zahlungsunfähigkeit oder fehlender Zahlungswille keine Kriterien für die Wahl der
Strafart (Urteil des Bundesgerichts 6B_1027/2019 vom 11. Mai 2020 E. 1.2.3., mit
Hinweis auf BGE 134 IV 97 E. 5.2.3.). Im vorliegenden Fall ist jedoch
hervorzuheben, dass die Beschuldigte sämtliche Taten durch den gleichen
Handlungskomplex über einen längeren Zeitraum beging. Sämtliche Delikte
waren somit vom gleichen Tatvorsatz umfasst, weshalb im Resultat nicht zu
beanstanden ist, dass die Vorinstanz auch für Delikte, bei denen eine Geldstrafe
in Frage kommen würde, auf eine Freiheitsstrafe erkannte. Die von der Vorinstanz
angenommene Asperation der Freiheitsstrafe um 4 Monate (für die zweifache
Begehung) erscheint dem Verschulden und den geschilderten Tatumständen
angemessen.
1.7. Asperation für Urkundenfälschung (Art. 251 Ziff. 1 Abs. 2 StGB)
1.7.1. Die Vorinstanz erwog zutreffend, dass die Urkundenfälschung zwecks
Vortäuschens einer Sacheinlage bei der Veräusserung der Unternehmung für
eine erhebliche kriminelle Energie spricht, wobei aber nicht davon auszugehen
sei, dass die Beschuldigte alleine die entsprechende Idee hatte (Urk. 93 S. 47).
Es lässt sich letztlich nicht widerlegen, dass die Beschuldigte (wie sie angab) den
falschen Leuten vertraute und von dritter Seite auf die entsprechende Idee
gebracht wurde (vgl. Urk. D1/18 S. 11; Urk. 118 S. 8 f.). Richtig ist aber auch,
dass die formelle Situation einer Beurkundung bei einer Notarin der Beschuldigten
- 15 -
das Gewicht ihrer falschen Angabe hätte aufzeigen müssen. Dass in die
Ausarbeitung der entsprechenden Unterlagen allenfalls auch die Notarin und
Treuhänder involviert waren, wie die Verteidigung insinuiert (Urk. 119 S. 8),
ändert nichts daran, dass die Beschuldigte sich entsprechend hätte informieren
müssen. Der Deliktsbetrag bzw. die vorgetäuschte Sacheinlage von Fr. 20'000.–
(vgl. Urk. D2/4/34) war nicht gering. Dass die Vorinstanz das Verschulden als
nicht mehr leicht einstufte (Urk. 93 S. 47), ist aufgrund des Gesagten nicht zu
beanstanden.
1.7.2. Es ist auch betreffend Urkundenfälschung aus den bereits geschilderten
Gründen (vgl. E. II.1.6.2.) nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz auf eine
Freiheitsstrafe erkannte . Die von der Vorinstanz angenommene Asperation der
Freiheitsstrafe um 4 Monate ist dem Verschulden und den geschilderten Tat-
umständen angemessen.
1.8. Ordnungswidrige Führung der Geschäftsbücher (Art. 325 StGB)
1.8.1. Die Beschuldigte ficht den Schuldspruch betreffend ordnungswidrige
Führung der Geschäftsbücher nicht an. Sie wendet sich aber gegen die
Auferlegung einer Busse (Urk. 94 S. 2). Zur Begründung brachte die Verteidigung
anlässlich der Berufungsverhandlung vom 1. November 2021 kürzest vor, dass
diese zu hoch sei und auf diese gänzlich zu verzichten sei (Urk. 119 S. 8).
1.8.2. Die Beschuldigte verletzte die Buchführungspflicht als einzige Gesell-
schafterin und Geschäftsführerin der I._ GmbH wie eingangs erwähnt
(Ziff. I.1.1.) von April 2014 bis September 2019 und damit während ca.
5.5 Jahren. Das ist mit der Vorinstanz (Urk. 93 S. 47 f.) als beträchtlicher Zeitraum
einzuschätzen. In subjektiver Hinsicht ging die Vorinstanz von Eventualvorsatz
aus. Dem ist ebenfalls zuzustimmen. Das Verschulden ist mit der Vorinstanz als
leicht einzustufen und im Rahmen gemäss Art. 106 Abs. 1 StGB (Höchstbetrag
der Busse von Fr. 10'000.–) ist eine Busse von Fr. 1'000.– dem Verschulden
angemessen.
- 16 -
1.9. Gesamtstrafe
Nach dem Gesagten ergibt sich eine Gesamtstrafe von 36 Monaten Freiheitsstra-
fe und einer Busse von Fr. 1'000.–.
1.10. Täterkomponente
Die Vorinstanz hat den Lebenslauf der Beschuldigten kurz zusammengefasst,
worauf vorab verwiesen werden kann (Urk. 93 S. 48). Die Beschuldigte verfügt
über eine abgeschlossene Lehre als Zahnarztgehilfin (Prot. I S. 8), ist seit
Juni 2019 wieder in unbefristeter Anstellung als Dentalassistentin tätig und erzielt
dabei ein monatliches Bruttoeinkommen von rund Fr. 4'000.– zuzüglich Bonus
(Urk. 120; Urk. 118 S. 6). Der Weg in die Selbstständigkeit sei ihr grösster Fehler
gewesen und sie wolle in Zukunft nicht mehr selbständig erwerbstätig sein (vgl.
Urk. 93 S. 48, Urk. 118 S. 7 und S. 10; Prot. II S. 6). Sie arbeite gerne als
Dentalassistentin und plane zudem eine Weiterbildung zu absolvieren, um bei
ihrer derzeitigen Arbeitsstelle zukünftig auch weitere Aufgaben übernehmen zu
können. Nach ihren eigenen Angaben wolle sie nicht mehr aus der Zahnmedizin
weggehen (Urk. 118 S. 7). Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass die nicht
vorbestrafte Beschuldigte im Verfahren früh teilweise geständig war (vgl. etwa
Urk. D1/15 S. 1 ff.) und dass sie dabei ist, die verursachten Schäden abzuzahlen.
Ferner anerkennt sie die Zivilforderungen im Grundsatz, und sie hat verschie-
dentlich zum Ausdruck gebracht, dass sie die Angelegenheit sehr bereue (Prot. I
S. 12, 44; Urk. 118 S. 8 f.; Urk. 119 S. 9; Prot. II S. 6). Allerdings trifft auch zu,
dass sie ihre Schuld teilweise mit Rechtfertigungsversuchen von sich zu weisen
versucht (vgl. Urk. 93 S. 48). Für die Beschuldigte spricht, dass sie ihre
Überforderung mit einer selbständiger Erwerbstätigkeit und den damit
einhergehenden gesetzlichen Pflichten eingesehen hat. Nicht ganz ausser Acht
zu lassen ist ferner, dass die Beschuldigte aus der Zeit ihrer gescheiterten
selbständigen Erwerbstätigkeit und im Zusammenhang mit den ihr zur Last
gelegten Delikten erhebliche Schulden davongetragen hat, die sie wie erwähnt
abzuzahlen versucht. Anlässlich der Berufungsverhandlung schätze sie ihre
- 17 -
derzeitigen Schulden auf Fr. 200'000.– bis Fr. 300'000.–, gab jedoch freimütig an,
den Überblick über ihre Schulden verloren zu haben (Urk. 118 S. 8).
1.11. Beschleunigungsgebot
1.11.1. Laut dem in Art. 5 StPO geregelten Beschleunigungsgebot hat die be-
schuldigte Person Anspruch darauf, dass die erhobenen Deliktsvorwürfe ohne
Verzug geklärt und allenfalls zur gerichtlichen Beurteilung gebracht werden. Die
Behörden sind verpflichtet, das Strafverfahren zügig voranzutreiben, um die
beschuldigte Person nicht unnötig über die gegen sie erhobenen Vorwürfe im
Ungewissen zu lassen. Das gilt für das ganze Verfahren. Welche
Verfahrensdauer angemessen ist, hängt von den konkreten Umständen ab, die in
ihrer Gesamtheit zu würdigen sind. Kriterien hierfür bilden etwa die Schwere des
Tatvorwurfs, die Komplexität des Sachverhaltes, die dadurch gebotenen
Untersuchungshandlungen, das Verhalten der beschuldigten Person und
dasjenige der Behörden sowie die Zumutbarkeit für die beschuldigte Person (BGE
130 I 269 E. 3.1 mit Hinweisen). Eine Verletzung des Beschleunigungsgebots
kann dabei sowohl in einer überlangen Gesamtverfahrensdauer als auch (bei
einer per sie nicht übermässig langen Verfahrensdauer) in einzelnen Phasen nicht
zu rechtfertigender Untätigkeit liegen. Eine in einem Verfahrensabschnitt
eingetretene Verzögerung kann nach der Rechtsprechung aber unter Umständen
dadurch ausgeglichen werden, dass die entsprechende Behörde andere
Verfahrenshandlungen rasch vornimmt. Mehrmonatige Phasen unerklärlicher
behördlicher Untätigkeit können das Beschleunigungsgebot verletzen, wenn der
Fall weder besonders viele Akten umfasst noch eine besondere Komplexität
aufweist, welche einen höheren Zeitbedarf resp. teilweise längere
Bearbeitungslücken rechtfertigen könnten (vgl. zur Bundesgerichtspraxis die
Hinweise bei BSK StPO-SOMMERS, 2. Auflage 2014, Art. 5 N 7-8b; vgl. auch Urteil
des Obergerichts Zürich SU190030 vom 19. Mai 2020, E. III./1.7; Urteil des
Obergerichts Zürich SB190241 vom 21. Februar 2020, E. IV./5.4, insb. 5.4.5).
Eine lange Verfahrensdauer kann dabei auch unabhängig von einer Verletzung
des Beschleunigungsgebots strafmindernd berücksichtigt werden (vgl. Urteil des
- 18 -
Obergerichts Zürich SB170188 vom 28. November 2017, E. II./3.4; vgl. auch BSK
StPO-SOMMERS, 2. Auflage 2014, Art. 5 N 8 mit Hinweisen).
1.11.2. Die Beschuldigte machte vor der Vorinstanz anlässlich der Haupt-
verhandlung vom 11. August 2020 geltend, seit Einreichung der Strafanzeige vom
15. September 2016 seien bereits rund 3 3⁄4 Jahre vergangen. Das Verfahren sei
im Wesentlichen bereits im September 2018 abgeschlossen gewesen. Mit der
damals zuständigen Staatsanwältin N._ sei bereits von einem abgekürzten
Verfahren bei einem Strafmass von 20 Monaten die Rede gewesen, mit welchem
die Staatsanwältin einverstanden gewesen sei. Infolge Stellenwechsels von
N._ habe sodann Staatsanwalt O._ die Verfahrensleitung übernommen.
Dieser habe am 11. September 2019 die Schlusseinvernahme durchgeführt,
nachdem die letzte Einvernahme mit der vormals zuständigen Staatsanwältin am
27. Juni 2018 stattgefunden habe. Am 30. September 2019 sei die Anklageschrift
erstellt worden und bis zur Gerichtsverhandlung vor erster Instanz seien
nochmals über 10 Monate vergangen (Urk. 71B S. 3).
1.11.3. Die Vorinstanz erwog zu ihrem Entscheid, dass der Sachverhalt sich
aufgrund der zahlreichen involvierten Unternehmen und der unübersichtlichen
Geschäftsstrukturen als komplex erweise. Zudem seien neben der Strafanzeige
der Privatklägerin 6 vom 15. November 2016 am 26. Juli 2017 und am
22. November 2018 weitere Strafanzeigen gestellt worden, die zu weiteren
notwendigen Untersuchungshandlungen geführt hätten. Dass der Wechsel des
zuständigen Staatsanwalts und die Corona-Pandemie zu Verzögerungen führten,
sei ebenfalls vertretbar. Das Verfahren habe insgesamt eher lang gedauert. Für
die Verzögerungen gebe es jedoch gute Gründe, weshalb das
Beschleunigungsgebot nicht verletzt sei (Urk. 93 S. 9).
1.11.4. Die auf die umfangreiche Strafanzeige der Privatklägerin 6 vom
15. November 2016 mit vielen Beilagen (Urk. D1/1, 2/1-45) hin vorgenommenen
polizeilichen Ermittlungen (vgl. auch den Auftrag der Staatsanwältin betr. ergän-
zende Ermittlungen vom 5. Januar 2017 sowie die Delegation der Staatsanwältin
an die Kantonspolizei vom 17. Mai 2017, Urk. D1/31-32) führten zunächst zum
Rapport vom 13. Juni 2017 (Urk. D1/3). Im weiteren Verlauf des Jahres 2017 er-
- 19 -
folgten Einvernahmen und weitere Ermittlungsarbeiten (Urk. D1/4-16; vgl. auch
die Hausdurchsuchungs- und Sicherstellungsakten, Urk. 11/35/1-14) und die
Edition verschiedener Bank-, Kreditkarten- und Steuerunterlagen der
Beschuldigten und die Sperrung von Konten (Urk. D1/25/1-7, D1/26/1-13,
D1/27/1-4, D1/28/1-8, D1/29/1-2). Die Akten enthalten etliche sehr umfangreiche
Bankauszüge (vgl. etwa Urk. D1/15). Zwischen der polizeilichen Einvernahme
vom 9. Oktober 2017 sowie weiteren polizeilichen Untersuchungshandlungen im
Oktober und November 2017 (Urk. D1/6-16) einerseits und der
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 27. Juni 2018 (vgl. Urk. D1/17)
andererseits liegt eine Bearbeitungslücke, die durch die umfangreichen Akten und
den einigermassen komplexen Sachverhalt ohne weiteres gerechtfertigt ist. Bis
zur weiteren staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 11. September 2019 nun
durch Staatsanwalt MLaw O._ (vgl. Urk. D1/18) wurden zu Dossier 1 indes
keine wesentlichen Untersuchungshandlungen vorgenommen. Es folgen in den
Akten lediglich Dossiers betreffend die verschiedenen betroffenen Unternehmen,
insbesondere zu den Konkursverfahren; diese Dossiers enthalten (abgesehen
von einigen später erstellten Dokumenten wie Handelsregisterauszügen)
Unterlagen der Jahre 2016 und 2017 oder der Zeit davor (Urk. D1/20/1-19,
D1/21/1-9, D1/22/1-4, D1/23/1-11, D1/24/1-7, D1/30/1-7). Zudem datieren einige
Formulare von Privatklägern zum Strafverfahren aus dieser Zeit (vgl.
Urk. D1/34/1-11). Zwischen dem 27. Juni 2018 und dem 21. August 2019
(Versand der ersten Vorladungen zu den Einvernahmen vom
11. September 2019, vgl. Urk. D1/33/8 ff.) ergibt sich im Dossier 1 somit eine
Bearbeitungslücke von über einem Jahr.
Zu berücksichtigen sind auch die Dossiers 2 und 3 über weitere Strafanzeigen
gegen die Beschuldigte. Im Dossier 2 erfolgte die umfangreiche Strafanzeige von
J._ (Privatkläger 3) mit vielen Beilagen am 26. Juli 2017 (Urk. D2/1, 4);
später als 2017 vorgenommene Untersuchungshandlungen sind im Dossier 2
nicht ersichtlich. Die Akten des Dossiers 2 vermögen die erwähnte
Bearbeitungslücke damit nicht zu erklären. Im Dossier 3 erfolgte die Strafanzeige
der P._ AG (Privatklägerin 2) an die Staatsanwaltschaft Zug am
22. November 2018 mit Ergänzung vom 9. Januar 2019 (Urk. D3/1, 3 je mit
- 20 -
Beilagen). Auf diese Anzeige hin erfolgten im ersten Halbjahr 2019 im Kanton Zug
Untersuchungshandlungen, insb. erging bereits am 10. Januar 2019 ein Er-
mittlungsauftrag der Staatsanwaltschaft Zug an die Kantonspolizei (Urk. D3/11);
am 5. April 2019 erfolgte eine delegierte Einvernahme der Beschuldigten durch
die Kantonspolizei Zug (vgl. Urk. D3/5). Am 8. April 2019 informierte die Staats-
anwaltschaft Zug die Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis über das bei ihr
hängige Verfahren (Eingang bei der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis am
10. April 2019) und erklärte, ihrer Ansicht nach sei die Staatsanwaltschaft
Limmattal / Albis aufgrund der bei ihr bereits hängigen Strafuntersuchung auch für
die Verfolgung der weiteren Vorwürfe zuständig (Urk. D3/14/1); am
16. August 2019 erfolgte die Übernahmeverfügung der Staatsanwaltschaft
Limmattal / Albis (Urk. D3/14/2). Dossier 3 vermag damit die Bearbeitungslücke
jedenfalls bis zum 10. April 2019 (Information der Staatsanwaltschaft Zug über
das dortige Verfahren) ebenfalls nicht zu rechtfertigen. Ab dann rechtfertigte sich
ein Zuwarten, ob eine Übernahme jener Untersuchung durch die
Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis zu weiteren Untersuchungshandlungen bzw.
zu einer gemeinsamen Anklage führen würde.
Die aufgezeigte Bearbeitungslücke umfasst über 8 Monate und damit eine ver-
hältnismässig lange Zeit. Das Verfahren ist relativ komplex, es waren Unterlagen,
Bankauszüge etc. über eine Mehrzahl von Unternehmen zu sichten, doch es ist
auch zu beachten, dass die wenn auch umfangreichen Akten weitestgehend
bereits im Zeitraum der Einvernahme vom 27. Juni 2018 vorlagen. Eine
Verzögerung aufgrund des in diesem Zeitraum erfolgten Wechsels in der Person
des zuständigen Staatsanwalts ist zwar mit der Vorinstanz als nachvollziehbar zu
betrachten; allerdings vermögen organisatorische Umstände wie diese, so
verständlich sie oft sind, Verzögerungen mit Blick auf das Beschleunigungsgebot
nur beschränkt zu rechtfertigen (vgl. BSK StPO-SOMMERS, 2. Auflage 2014, Art. 5
N 14).
Nach der Erhebung der Anklage vom 30. September 2019 verging bis zur
Eröffnung des erstinstanzlichen Urteils ungefähr ein weiteres Jahr. Diese
Zeitdauer ist ebenfalls als lange zu betrachten; dies hat die Vorinstanz angesichts
- 21 -
der in dieser Zeitspanne erfolgten Einschränkungen aufgrund der Corona-
Pandemie aber zurecht als ohne weiteres nachvollziehbar betrachtet (vgl. Urk. 93
S. 9). Nach der Eröffnung des erstinstanzlichen Urteils bis zur Zustellung des
begründeten Urteils erging nochmals etwas mehr als ein halbes Jahr (vgl. vorne
E. I.1.2.1.2). Auch diese Zeitspanne ist verhältnismässig lang.
Insgesamt ist vor dem geschilderten Hintergrund von einer im Vergleich mit
ähnlichen Fällen langen Verfahrensdauer auszugehen, die aufgrund der geschil-
derten Umstände, insbesondere der umfangreichen Akten über eine Mehrzahl
von Gesellschaften, (noch) keine Verletzung des Beschleunigungsgebots
darstellt. Die Verfahrensdauer ist dessen ungeachtet strafmindernd zu
berücksichtigen.
1.12. Ergebnis
1.12.1. Die Biografie und die Vorstrafenlosigkeit der Beschuldigten sind straf-
zumessungsneutral zu werten. Strafmindernd zu berücksichtigen sind jedoch
einerseits das Nachtatverhalten der Beschuldigten und die verhältnismässig lange
Dauer des Verfahrens. Insgesamt ist nach Beurteilung der Täterkomponente und
der täterunabhängigen Faktoren eine Reduktion der Gesamtstrafe um 12 Monate
angemessen.
1.12.2. Es resultiert eine Freiheitsstrafe von 24 Monaten, zu der die Beschuldigte
zu verurteilen ist. An diese Strafe ist 1 Tag Haft anzurechnen (Art. 51 StGB).
2. Vollzug
2.1. Die Vorinstanz hat die Voraussetzungen des bedingten Strafvollzugs zu-
treffend festgehalten (Urk. 93 S. 49). Darauf kann verwiesen werden. Es liegt ein
Fall von Art. 42 Abs. 1 StGB vor; die Strafe ist daher in der Regel aufzuschieben,
wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um die Beschuldigte von
der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten.
2.2. Mit der Vorinstanz ist der nicht vorbestraften Beschuldigten (vgl. Urk. 97) eine
günstige Prognose zu attestieren, insbesondere da sie nach wie vor in ihrem
- 22 -
erlernten Beruf tätig ist und keine Anzeichen dafür ersichtlich sind, dass sie erneut
beabsichtigen würde, ein Unternehmen zu führen (Urk. 118 S. 6 f.). Es rechtfertigt
sich daher die auszusprechende Freiheitsstrafe von 24 Monaten, unter Ansetzung
der gesetzlich-minimalen Probezeit von 2 Jahren, aufzuschieben (Art. 42 Abs. 1
StGB).
2.3. Die Busse von Fr. 1'000.– ist zu bezahlen. Für den Fall der schuldhaften
Nichtbezahlung der Busse ist eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen
festzusetzen.
III. Verwendung von beschlagnahmten Gegenständen
1. Mit Verfügung vom 27. September 2019 beschlagnahmte die Staats-
anwaltschaft zwei Uhren der Beschuldigten; im Einzelnen eine
Damenarmbanduhr Rolex Oyster Perpetual Datejust (A010'820'914) und eine
Herrenarmbanduhr Rolex Oyster Perpetual Datejust Quickset (A010'821'019; vgl.
Urk. D1/35/14). Die Vorinstanz ordnete im angefochtenen Entscheid die definitive
Einziehung der beiden Uhren und deren Verwendung für die Deckung der
Sanktions- und Verfahrenskosten an (Urk. 93 S. 50 f., 62).
2. Gemäss Art. 263 Abs. 1 lit. b StPO dürfen Gegenstände und Vermögens-
werte einer beschuldigten Person beschlagnahmt werden, wenn sie zur
Sicherung von Verfahrenskosten, Geldstrafen, Bussen und Entschädigungen
gebraucht werden. Die Vorinstanz hielt dazu zutreffend fest, dass mit
Entschädigungen Prozessentschädigungen zugunsten von Privatklägern gemeint
sind (Urk. 93 S. 51). Nach Art. 268 Abs. 1-3 StPO ist nur so viel als nötig zu
beschlagnahmen, ist auf die Einkommens- und Vermögensverhältnisse der
beschuldigten Person und ihrer Familie Rücksicht zu nehmen und sind
unpfändbare Vermögenswerte nach Art. 92-94 SchKG von der Beschlagnahme
ausgeschlossen.
3. Die Beschuldigte erklärte sowohl vor Vorinstanz als auch im Berufungs-
verfahren, die Uhr mit dem blauen Ziffernblatt sei ein Geburtstagsgeschenk ihrer
- 23 -
Eltern auf ihren 30. Geburtstag gewesen. Sie hätte die Uhr deshalb gerne zurück
(Prot. I S. 37; Urk. 71B S. 12; Urk. 118 S. 11; Urk. 119 S. 9).
4. Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass der Beschuldigten im
angefochtenen (und insoweit zu bestätigenden) Entscheid eine Busse von
Fr. 1'000.–, Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 10'170.– und eine
Prozessentschädigung zugunsten der Privatklägerin 6 von Fr. 13'784.80 auferlegt
wird. Hinzu kommen die Kosten des Berufungsverfahrens, soweit sie der
Beschuldigten auferlegt werden. Aufgrund der Vermögenssituation der
Beschuldigten (vgl. E. II.1.10.) ist nach wie vor nicht anzunehmen, dass die
Beschuldigte die Verfahrenskosten, die Busse und die Entschädigung ohne
weiteres wird bezahlen können.
Die beiden Uhren haben keinen Kompetenzcharakter nach den massgeblichen
SchKG-Bestimmungen, und die Beschuldigte ist auf die Uhren auch nicht
angewiesen, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren (zumal ihr
Existenzminimum im Rahmen einer allfälligen Lohnpfändung geschützt wäre). Die
Beschuldigte möchte die Uhr, die ihr von ihren Eltern geschenkt worden sei, im
Wesentlichen aus affektiven Gründen zurück. Solche Gründe können einer
Beschlagnahme und Einziehung nicht entgegen gehalten werden (sollte die Uhr,
wie der Privatkläger 3 vorbringt [Urk. 102], der Beschuldigten nach einer an
anderer Stelle vorgebrachten Behauptung von ihrem Ehemann geschenkt worden
sein, würde es sich gleich verhalten).
5. Entsprechend ist die vorinstanzliche Anordnung betreffend die mit
Verfügung der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 27. September 2019
beschlagnahmten Gegenstände zu bestätigen.
IV. Zivilansprüche
1. Die Vorinstanz verpflichtete die Beschuldigte, der Privatklägerin 6 Schaden-
ersatz in der Höhe von Fr. 290'000.– zuzüglich Zins zu 5% seit 7. April 2016 zu
bezahlen. Im Mehrbetrag verwies die Vorinstanz die Forderung der
Privatklägerin 6 auf den Zivilweg. Betreffend die Zivilforderungen der
- 24 -
Privatkläger 1, 2, 3, 4, 5 und 7 nahm die Vorinstanz Vormerk davon, dass die
Beschuldigte die Forderungen dem Grundsatz nach anerkenne. Im Übrigen
verwies die Vorinstanz die Forderungen auf den Zivilweg (Urk. 93 S. 63). Die
Beschuldigte anerkennt gemäss ihrer Berufungserklärung sämtliche
Zivilforderungen dem Grundsatz nach; sie beantragt indes, dass alle
Zivilforderungen (und damit auch jene der Privatklägerin 6) im Übrigen auf den
Zivilweg verwiesen werden (Urk. 94 S. 2). Zu prüfen ist somit die Verpflichtung
der Beschuldigten, der Privatklägerin 6 im Umfang von Fr. 290'000.– zuzüglich
Zins wie erwähnt Schadenersatz zu bezahlen.
2. Die Beschuldigte brachte zur Frage der Deliktsumme betreffend Ver-
untreuung vor der Vorinstanz vor, den tatsächlichen Schaden zu bestimmen, sei
weder Aufgabe des Gerichts noch der Beschuldigten. Man habe keine Kenntnis
davon, was tatsächlich gemacht worden sei. Jedenfalls seien sachdienliche
Installationen etc. vorgenommen worden (Prot. I S. 39 f.). Anlässlich der Be-
rufungsverhandlung ergänzte die Verteidigung, dass die Privatklägerin 6 ihre
Zivilforderung nicht ansatzweise substantiiert, sondern diese lediglich behauptet
habe. Sie habe es auch unterlassen, die erbrachten Leistungen wie Konzept,
Architekten etc. überhaupt nur zu erwähnen (Urk. 119 S. 6).
3. Der Schadenersatzanspruch der Privatklägerin 6 bezieht sich auf den
Schuldspruch betreffend Veruntreuung.
4. Vorab ist in diesem Zusammenhang auf die vorstehenden Ausführungen
zum Deliktsbetrag betr. Veruntreuung zu verweisen (vgl. E. II.1.4.2.), der mit der
Vorinstanz auf Fr. 290'000.– zu beziffern ist. Indem die Privatklägerin 6 der Be-
schuldigten bzw. der von ihr beherrschten Gesellschaft Fr. 300'000.– überwies
und dafür abgesehen von den Elektroinstallationen, für welche Fr. 10'000.– aufge-
wendet wurden, keinen Gegenwert erhielt, erlitt die Privatklägerin 6 eine Ver-
mögenseinbusse von zumindest Fr. 290'000.–. Ob den für Elektroinstallationen
aufgewendeten Fr. 10'000.– ein Gegenwert in dieser Höhe entspricht, kann mit
der Vorinstanz einstweilen nicht beurteilt werden. Mit der Vorinstanz ist
hinsichtlich der Verursachung eines Schadens von Fr. 290'000.– auch die
Widerrechtlichkeit, das Verschulden (Vorsatz) der Beschuldigten und der
- 25 -
(adäquate und natürliche) Kausalzusammenhäng zu bejahen (vgl. Urk. 93
S. 56 f.). Die Erwägungen der Vorinstanz zur Verzinsung des Schadenbetrags
wurden nicht beanstandet.
5. Der von der Beschuldigten angeführte Umstand, dass unklar sei, was die
Beschuldigte im Mietobjekt genau für Arbeiten ausführte bzw. ausführen liess,
steht dem Schadenersatzanspruch nicht entgegen (Urk. 119 S. 6). Nachdem
erstellt ist, dass die Beschuldigte die erhaltenen Mittel im Umfang von
Fr. 290'000.– nicht absprachegemäss für die Installation einer Küche bzw. für die
Vornahme der dafür erforderlichen Elektroinstallationen verwendete, und die
Beschuldigte auch nicht anzugeben vermochte, welche Teilbeträge anderswie für
Arbeiten am Mietobjekt aufgewendet wurden, ist es nicht an der Privatklägerin 6,
im Sinne negativer Tatsachen nachzuweisen, dass die Beschuldigte die Mittel
nicht anderswie für Arbeiten am Mietobjekt aufwendete und damit eine
Wertsteigerung des Mietobjekts bewirkte.
6. Ob eine geschädigten Person einer Schadenminderungsobliegenheit unter-
steht, richtet sich im Einzelfall unter Berücksichtigung sämtlicher Umstände nach
der individuellen Zumutbarkeit; die Beweislast für eine Verletzung einer Schaden-
minderungsobliegenheit trägt die schädigende Person (vgl. BSK OR I-KESSLER,
Art. 44 N 13 f.).
Eine Reduktion des Schadensbetrags ergibt sich auch unter diesem Aspekt nicht.
Das gilt insbesondere im Zusammenhang mit der erwähnten Anzahlung von
Euro 15'000.–, welche die Beschuldigte an eine italienische Firma für eine Küche
leistete (vgl. vorne E. II.1.4.2). Aus dem E-Mail vom 27. April 2016, welches die
Privatklägerin 6 zum Beleg einreichte, ergibt sich, dass die Privatklägerin 6 kein
Interesse daran hatte, die Küche unter Bezahlung des Restbetrags auszulösen
und dass sie dies daher nicht weiterverfolgen wollte (Urk. D1/2/28). Die
Privatklägerin 6 überwies der Beschuldigten wie geschildert für den Einbau einer
Küche im Mietobjekt bereits einen Betrag von rund Fr. 222'000.–, den die
Beschuldigte für andere Zwecke verwendete. Der Privatklägerin 6 ist danach nicht
zuzumuten, weitere Mittel aufzuwenden, um eine Küche zu erhalten, welche die
Beschuldigte in Italien in Auftrag gegeben hatte. Etwas anderes vermag die
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Beschuldigte nicht zu beweisen. Eine entsprechende Reduktion des
Schadenersatzanspruchs nach Art. 44 Abs. 1 OR ist abzulehnen.
7. Die Beschuldigte ist somit in Übereinstimmung mit der Vorinstanz zu
verpflichten, der Privatklägerin 6 Schadenersatz in der Höhe von Fr. 290'000.–
zuzüglich Zins zu 5% seit 7. April 2016 zu bezahlen. Im Mehrbetrag ist die
Zivilforderung der Privatklägerin 6 auf den Zivilweg zu verweisen.
V. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Vorinstanzliche Prozessentschädigung zugunsten der Privatklägerin 6
1.1. Die Vorinstanz verpflichtete die Beschuldigte, der Privatklägerin 6 eine
Prozessentschädigung von Fr. 13'784.80 (exkl. MwSt-Zuschlag) zu bezahlen
(Urk. 93 S. 60 f., 64). Die Beschuldigte liess gegen diesen Entscheid Berufung
erklären (Urk. 94 S. 3), unterliess es jedoch, diesen Antrag an der Berufungs-
verhandlung zu begründen (Urk. 119).
1.2. Da die Zivilforderung wie vor Vorinstanz nur mit einer minimen Differenz
gegenüber der Strafanzeige (Urk. D1/1) zuzusprechen ist, ändert sich auch nichts
an der Entschädigungspflicht der Beschuldigten gegenüber der Privatklägerin 6
gestützt auf Art. 433 Abs. 1 lit. StPO. Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass der
geltend gemachte Zeitaufwand des gewillkürten Vertreters der Privatklägerin 6
von 37.18 Stunden bei einem Stundenansatz von Fr. 350.– (Urk. 69) angesichts
des angezeigten Deliktbetrags und dem Interesse der Privatklägerin 6 an einer
gründlichen Untersuchung gerechtfertigt erscheint (§ 3 AnwGebV). Es ist somit
von notwendigen Aufwendungen im Sinne von Art. 433 Abs. 1 StPO auszugehen.
Auch die geltend gemachten Barauslagen der Vertretung von Fr. 771.20 sind
nicht zu beanstanden. Die Beschuldigte ist somit (in Übereinstimmung mit dem
angefochtenen Entscheid) zu verpflichten, der Privatklägerin 6 eine
Parteientschädigung von Fr. 13'784.80 für das Untersuchungs- und das
erstinstanzliche Gerichtsverfahren zu bezahlen.
- 27 -
2. Berufungsverfahren
2.1. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 2'500.– fest-
zusetzen.
2.2. Die Kosten des Berufungsverfahrens werden den Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens auferlegt (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Beschul-
digte obsiegt im Strafpunkt teilweise: Die Vorinstanz verurteilte die Beschuldigte
zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten, gewährte ihr den bedingten Vollzug im
Umfang von 24 Monaten Freiheitsstrafe bei einer Probezeigt von 2 Jahren, und
verurteilte sie ferner zu einer Busse von Fr. 1'000.–. Die Beschuldigte beantragte
ein Reduktion der Freiheitsstrafe auf 20 Monate (Urk. 94). Mit dem vorliegenden
Entscheid wird die Beschuldigte zu einer bedingten Freiheitsstrafe von
24 Monaten und zu einer Busse von Fr. 1'000.– verurteilt. Damit obsiegt sie im
Umfang von 6 Monaten Freiheitsstrafe und damit etwas mehr als zur Hälfte. Sie
unterliegt jedoch betreffend die Herausgabe von Gegenständen, die
Zivilforderung der Privatklägerin 6 sowie betreffend die Prozessentschädigung der
Privatklägerin 6 für das Untersuchungs- und das erstinstanzliche
Gerichtsverfahren vollumfänglich.
Es rechtfertigt sich daher, der Beschuldigten die Kosten des Berufungsverfahrens,
mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung, lediglich zu zwei Dritteln
aufzuerlegen und im Übrigen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten der
amtlichen Verteidigung sind sodann zu zwei Dritteln einstweilen und zu einem
Drittel definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen. Im Umfang von zwei Dritteln
dieser Kosten ist jedoch ein Rückforderungsvorbehalt des Staates im Sinne von
Art. 135 Abs. 4 StPO für den Fall, dass die Beschuldigte dereinst in bessere
finanzielle Verhältnisse geraten sollte, vorzubehalten.
2.3. Für die amtliche Verteidigung der Beschuldigten im Berufungsverfahren
macht Rechtsanwalt lic. iur. X._ Fr. 4'472.80 (inkl. MwSt. und Barauslagen)
geltend (Urk. 116). Die geltend gemachten Aufwendungen sind bis auf die ge-
schätzte Dauer der Berufungsverhandlung ausgewiesen und angemessen. Unter
Berücksichtigung des Umstands, dass die Berufungsverhandlung lediglich zwei
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Stunden dauerte (Prot. II S. 4 und S. 11), ist der amtliche Verteidiger der
Beschuldigten für seine Aufwendungen und Auslagen im Berufungsverfahren mit
pauschal Fr. 4'000.– (inkl. MwSt. und Barauslagen) zu entschädigen.