# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** a78c87db-9c9e-43d4-bef6-da019806512d
**Court:** ZH_VG
**Chamber:** ZH_VG_001
**Year:** 2012
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

hat sich ergeben:
I.
A und B führten eine mehrjährige Beziehung und haben eine gemeinsame sechsjährige Tochter. Nach Aussagen von B sei A Ende April 2012 an ihrem Arbeitsort aufgetaucht und habe ihr mit dem Tod gedroht, wenn sie noch länger dort arbeite. Gestützt darauf verfügte die Kantonspolizei Zürich am 3. Mai 2012 gegen A für 14 Tage ein Rayonverbot betreffend die Umgebung der Wohnung von B sowie ein Kontaktverbot zu ihr.
II.
B ersuchte die Haftrichterin am Bezirksgericht Zürich am 9. Mai 2012 (Poststempel: 11. Mai 2012) um Verlängerung der Schutzmassnahmen um drei Monate. Diese lud B und A mit Verfügung vom Montag, 14. Mai 2012 zur Anhörung "am Mittwoch, 08.30 Uhr" vor. Während B zur Anhörung am Mittwoch, 16. Mai 2012 erschien, blieb A dieser fern. Die Haftrichterin verlängerte die Schutzmassnahmen mit Verfügung vom 16. Mai 2012 bis am 17. August 2012. Die inzwischen von A mandatierte Rechtsvertreterin erkundigte sich am Montag, 21. Mai 2012 beim Gerichtsschreiber der Haftrichterin telefonisch, ob die Anhörung bereits stattgefunden habe; A habe die Vorladung erst am Freitag, 18. Mai 2012 erhalten.
III.
Dagegen gelangte A mit Beschwerde vom 29. Mai 2012 an das Verwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Sodann ersuchte er darum, vorgängig angehört zu werden; allenfalls sei nach erfolgter Akteneinsicht ein zweiter Schriftenwechsel anzuordnen. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen mit der Anweisung, ihn vor Erlass der Verfügung anzuhören; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin. Sodann ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsvertretung.
Der Einzelrichter

## Considerations

erwägt:
1.
Gemäss § 43 Abs. 1 lit. a des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG), § 11a Abs. 1 des Gewaltschutzgesetzes vom 19. Juni 2006 (GSG) und § 1 der Verordnung zum Gewaltschutzgesetz vom 3. Dezember 2008 ist das Verwaltungsgericht zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Nach § 38b Abs. 1 lit. d Ziff. 4 in Verbindung mit § 43 Abs. 1 lit. a VRG ist der Einzelrichter oder die Einzelrichterin zum Entscheid über Beschwerden betreffend Massnahmen nach den §§ 3–14 GSG berufen.
2.
2.1
Massnahmen, die sich auf das Gewaltschutzgesetz des Kantons Zürich abstützen, werden im öffentlichen Interesse zum Schutz gefährdeter Personen und zur Entspannung einer häuslichen Gewaltsituation angeordnet (BGE 134 I 140 E. 2). Liegt ein Fall von häuslicher Gewalt vor, so stellt die Polizei den Sachverhalt fest und ordnet umgehend die zum Schutz der gefährdeten Personen notwendigen Massnahmen an (§ 3 Abs. 1 GSG). Die Schutzmassnahmen gelten während 14 Tagen ab Mitteilung an die gefährdende Person (§ 3 Abs. 3 Satz 1 GSG). Die gefährdete Person kann beim Gericht um eine – maximal
dreimonatige – Verlängerung der polizeilich angeordneten Schutzmassnahmen ersuchen (§ 6 Abs. 1 und 3 GSG). Für die Beurteilung von Verlängerungsgesuchen zuständig ist die Haftrichterin oder der Haftrichter am Ort der Begehung der häuslichen Gewalt (vgl. § 8 Abs. 2 GSG).
2.2
Das zuständige (Haft-)Gericht entscheidet innert vier Arbeitstagen über Gesuche um Verlängerung der polizeilich angeordneten Schutzmassnahmen (§ 9 Abs. 1 GSG). Es stellt den Sachverhalt von Amtes wegen fest und fordert unverzüglich die polizeilichen Akten und, sofern ein Strafverfahren eingeleitet wurde, jene der Strafuntersuchung an (§ 9 Abs. 2 Satz 1 GSG). Nach Möglichkeit hört es die Gesuchsgegnerin oder den Gesuchsgegner an (§ 9 Abs. 3 Satz 1 GSG). Bei Gesuchen um Verlängerung, Änderung oder Aufhebung von Schutzmassnahmen entscheidet das Gericht vorläufig, wenn die Gesuchsgegnerin oder der Gesuchsgegner nicht angehört worden ist (§ 10 Abs. 2 VRG). Entscheidet das zuständige Gericht vorläufig, so setzt es der Gesuchsgegnerin oder dem Gesuchsgegner eine Frist von fünf Tagen, um gegen den Entscheid Einsprache zu erheben. Die Fristansetzung erfolgt unter der Androhung, dass es im Säumnisfall beim vorläufigen Entscheid sein Bewenden habe (§ 11 Abs. 1 VRG).
2.3
Nach der Rechtsprechung hat die mündliche Anhörung der gesuchsgegnerischen Partei – über den Wortlaut von § 9 Abs. 3 Satz 1 GSG hinaus – nicht nur nach Möglichkeit, sondern
grundsätzlich
zu erfolgen. Dies wird damit begründet, dass die Glaubhaftmachung des Gefährdungsfortbestands in der Regel aufgrund eines persönlichen Kontakts mit der Gesuchsgegnerin bzw. dem Gesuchsgegner weitaus besser beurteilt werden kann als lediglich anhand der Akten, zumal die Glaubwürdigkeit der involvierten Personen von grosser Bedeutung ist (VGr, 25. März 2010, VB.2010.00109, E. 3.1). Ohne Anhörung des Gesuchsgegners bzw. der Gesuchsgegnerin kommt eine endgültige Massnahmeverlängerung nur im Fall eines unentschuldigten Fernbleibens trotz rechtzeitiger Vorladung oder eines bewussten Verzichts auf Anhörung infrage (VGr, 17. Juni 2010, VB.2010.00265, E. 4.4; vgl. BGE 134 I 140 E. 5.5), wobei aus Dringlichkeitsgründen auch eine kurzfristige Vorladung zur Anhörung zulässig sein kann (VGr, 1. Oktober 2009, VB.2009.00460, E. 3.3). Ansonsten darf der Haftrichter lediglich eine vorläufige, mit Einsprache beim Haftgericht anfechtbare Verlängerung anordnen, wobei die Anhörung im Rahmen des Einspracheverfahrens nachzuholen ist (VGr, 17. Juni 2010, VB.2010.00265, E. 4.4; 6. Januar 2012, VB.2011.00736, E. 3.3).
3.
3.1
Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorladung zur Anhörung (Verfügung der Haftrichterin vom 14. Mai 2012) sei erst am Freitag, 18. Mai 2012 bei ihm eingegangen. Zudem habe in dieser das Datum der Anhörung gefehlt, weshalb er der Vorladung gar nicht habe Folge leisten können. Auf telefonische Anfrage habe ihm der Gerichtsschreiber der Haftrichterin mitgeteilt, der Entscheid sei bereits ausgefertigt und versandt. Er bestreite deshalb, der Anhörung unentschuldigt ferngeblieben zu sein. Durch die Verlängerung der Schutzmassnahmen ohne seine Anhörung sei sein Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt worden.
3.2
Mit der Vorladungsverfügung vom Montag, 14. Mai 2012 wurden auch verschiedene Verfahrensakten per Dienstag, 15. Mai 2012, eingefordert; zwar ging für den Anhörungstermin am Mittwoch um 08.30 Uhr offenbar das Datum vergessen. Daraus kann der Beschwerdeführer indessen nicht ableiten, er hätte der Vorladung auch bei rechtzeitiger Zustellung gar nicht Folge leisten können, hätte er sich doch in diesem Fall nach Treu und Glauben bei der Haftrichterin danach erkundigen müssen, um welchen Mittwoch es sich handelt. Ausserdem lag es auf der Hand, dass derjenige Mittwoch gemeint war, der auf Dienstag, 15. Mai 2012 folgte, auf den die erwähnten Akten einzureichen waren. Angesichts der kurzen  Behandlungsfristen im Bereich des Gewaltschutzgesetzes hätte der Beschwerdeführer deshalb davon ausgehen müssen, dass die Anhörung am folgenden Mittwoch, 16. Mai 2012 stattfindet. Dies hat offensichtlich auch die zur Anhörung erschienene Beschwerdegegnerin so verstanden.
3.3
Hingegen hätte die Haftrichterin keine endgültige, sondern lediglich eine vorläufige Verlängerung der Schutzmassnahmen anordnen dürfen, denn sie konnte nicht ohne Weiteres davon ausgehen, dass der Beschwerdeführer der Anhörung trotz rechtzeitiger Vorladung unentschuldigt ferngeblieben sei bzw. bewusst auf eine Anhörung verzichtet habe. So ergibt sich – übereinstimmend mit den Ausführungen in der Beschwerdeschrift – aus einer Telefonnotiz des Gerichtsschreibers der Haftrichterin, dass sich die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers am Montag, 21. Mai 2012 erkundigt hat, ob die Anhörung bereits stattgefunden habe; der Beschwerdeführer habe die Vorladung erst am Freitag, 18. Mai 2012 erhalten. Zum Zeitpunkt dieses Anrufs hatte der Beschwerdeführer die Verfügung der Haftrichterin vom 16. Mai 2012 über die Verlängerung der Schutzmassnahmen noch nicht erhalten und wusste demnach noch nichts über den Verfahrensausgang. Diese Verfügung nahm er erst am 22. Mai 2012 in Empfang. Demnach bestehen keine Anzeichen dafür, dass sich der Beschwerdeführer missbräuchlich darauf berufen hat, die Vorladung zur Anhörung erst am Freitag, 18. Mai 2012 erhalten zu haben. Dies erscheint auch insofern plausibel, als dazwischen noch ein Feiertag (Auffahrt am Donnerstag, 17. Mai 2012) lag. Ob die Zustellung tatsächlich am 18. Mai 2012 erfolgte, kann angesichts der lediglich mit A-Post zugestellten Vorladung nicht überprüft werden. Zudem enthalten die Akten keinen Empfangsschein des Beschwerdeführers bezüglich der Vorladungsverfügung. Dies kann jedoch nicht zuungunsten des Beschwerdeführers dazu führen, dass von einem unentschuldigten Nichterscheinen oder einem Verzicht auf Anhörung ausgegangen wird und die Massnahmen dementsprechend definitiv verlängert werden.
Nach der Rechtsprechung kann zwar eine kurzfristige Anhörungsvorladung unter Umständen selbst dann rechtswirksam sein, wenn die Zustellung der Vorladungsverfügung erst nach dem Anhörungstermin erfolgt; dies setzt allerdings voraus, dass der Gesuchsgegner – etwa aufgrund vorheriger telefonischer Kontakte mit dem Haftrichter – mit der Zustellung einer Anhörungsvorladung im fraglichen Zeitraum rechnen musste (vgl. VGr, 1. Oktober 2009, VB.2009.00460, E. 3.1 und 3.3). Im vorliegenden Fall sind indessen keine Hinweise ersichtlich, weshalb der Beschwerdeführer damit hätte rechnen müssen, genau am 15. Mai 2012 eine Vorladung zu einer am Folgetag stattfindenden Anhörung zu erhalten; aus den Akten geht nicht hervor, dass er telefonisch oder mit anderen Mitteln als der mit A-Post versandten Vorladung über das Verlängerungsgesuch der Beschwerdegegnerin vom 11. Mai 2012 oder über den Anhörungstermin der Haftrichterin vom 16. Mai 2012 informiert worden wäre. Die Haftrichterin kam somit zu Unrecht zum Schluss, der Beschwerdeführer sei der Anhörung vom 16. Mai 2012 trotz rechtzeitiger Vorladung aus selbstverschuldeten Gründen unentschuldigt ferngeblieben. Indem sie am 16. Mai 2012 ohne Anhörung des Beschwerdeführers eine endgültige Massnahmenverlängerung verfügte, verletzte sie dessen rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV] in Verbindung mit § 9 Abs. 3 GSG).
3.4