# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c93def96-7727-42fa-bf7a-ebbe05d6c203
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1963, meldete sich am 2
7.
Juni 2001 bei der Invalidenver
sicherung zum Leistungsbezug (Rente) an (
Urk.
6/10
Ziff.
7.8), dies unter Hinweis auf einen am
3.
November 1997 erlittenen Auffahrunfall (vgl.
Urk.
6/18/69
Ziff.
4-6).
Nach getätigten Abklärungen verneinte die Sozialversicherungsanstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle, mit Verfügung vom 1
4.
März 2003 (
Urk.
9/36) und
Einspracheentscheid
vom 1
6.
Juli 2003 (
Urk.
6/51) einen Rentenanspruch. Die dagegen erhobene Beschwerde (
Urk.
6/52/3-7)
hiess das
hiesige Gericht mit Urteil vom
3
0.
April 2004 im Verfahren Nr. IV.2003.00282 gut und wies die Sache zu ergänzenden Abklärungen an die IV-Stelle zurück (
Urk.
6/60).
Daraufhin stellte die IV-Stelle einen Begutachtungsauftrag in Aussicht (
Urk.
6/68) und hielt mit Verfügung vom 3
0.
Dezember 2004 an der in Aussicht genommenen Begutachtungsstelle fest (
Urk.
6/74). Auf die dagegen erhobene Beschwerde (
Urk.
6/76/6-9) trat das hiesige Gericht mit Beschluss vom
8.
Februar 2005 im Verfahren Nr. IV.2005.00124 nicht ein (
Urk.
6/76/1-5), was vom Bundesgericht mit Urteil vom 2
8.
März 2006 bestätigt wurde (
Urk.
6/84). Am 2
7.
Februar 2007 wurde das Gutachten erstattet (
Urk.
6/102).
Am 2
0.
März 2008 wurde ein zwischen der IV-Stelle und dem Versicherten abge
schlossener Vergleich
betreffend
einen Rentenanspruch ab
1.
März 2003
festgehalten (
Urk.
6/129). Mit Verfügungen vom 1
1.
Dezember 2008 sprach die IV-Stelle dem Versicherten unter anderem ab
1.
Mai 2007 basierend auf einem Invaliditätsgrad von 80
%
eine ganze Rente zu (
Urk.
6/146
/1-3
).
1.2
Nach Eingang des Revisionsfragebogens vom 1
8.
Dezember 2008 (
Urk.
6/149) und von Arztberichten (
Urk.
6/156,
Urk.
6/171) holte die IV-Stelle ein Gutach
ten ein, das am 3
1.
Januar 2011 erstattet
wurde
(
Urk.
6/1
81
).
Mit Vorbescheid vom 1
9.
April 2011 stellte die IV-Stelle
dem Versicherten
die Einstellung der Invalidenrente in Aussicht (
Urk.
6/191). Dieser erhob am 1
7.
Mai 2011 (
Urk.
6/193) und am 2
2.
Juni 2011 Einwände (
Urk.
6/196).
Mit Verfügung vom 1
6.
Dezember 2011 (
Urk.
6/208) teilte die IV-Stelle dem Versicherten sodann aber mit, die Anspruchsvoraussetzungen für eine Invali
denrente seien erfüllt (S. 1
Mitte
)
und bezifferte den ab
1.
Juni 2011 geltenden Betrag der ganzen Rente (S. 1 unten).
Am 1
5.
März 2010 (richtig wohl: 2012) fand ein Informationsgespräch mit dem Versicherten statt (vgl.
Urk.
6/218/7).
Mit Vorbescheid vom
3.
April 2012 (der denjenigen vom 1
9.
April 2011 ersetze) stellte die IV-Stelle dem Versicherten wiederum die Einstellung der Invaliden
rente in Aussicht (
Urk.
6/220). Dagegen erhob der Versicherte am 1
8.
April 2012 Einwände (
Urk.
6/223), und am 1
0.
Mai 2012 fand ein weiteres Gespräch statt (vgl.
Urk.
6/225).
Mit Verfügung vom 3
1.
Mai 2012 hob die IV-Stelle die bisher gewährte Rente auf (
Urk.
6/226 =
Urk.
2).
2.
Gegen die Verfügung vom 3
1.
Mai 2012 (
Urk.
2) erhob der Versicherte am 1
9.
Mai (richtig wohl: Juni) 2012 Beschwerde mit dem sinngemässen Antrag auf deren Aufhebung und die Weiterausrichtung der Rente (
Urk.
1).
Mit Beschwerdeantwort vom
3.
September 2012 (
Urk.
5)
beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 1
2.
September 2012 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbe
zügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 S. 349 mit Hinweisen). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Aus
wirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustan
des auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurtei
lung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Einspracheent
scheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Invaliditäts
bemessung
beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3 S. 75 ff; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
1.3
Gemäss
lit
. a der Schlussbestimmungen der Änderung des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 1
8.
März 2011
sind
Renten, die bei be
stimmten Beschwerdebildern gesprochen wurden, innerhalb vo
n drei Jahren zu überprüfen
und
werde
n
unter Umstände
n herabgesetzt oder aufgehoben
, auch wenn
(
also
eigentlich: obwohl)
die
Voraussetzungen der Rentenrevision gemäss
Art.
17
Abs.
1 ATSG (vorstehend E. 1.2) - mithin eine erhebliche Änderung von Sachverhalt und Invaliditätsgrad - nicht erfüllt sind.
1.4
Zusammengefasst gilt somit für eine Anpassung zugesprochener Leistungen: Soweit eine
erhebliche Sachverhaltsänderung erstellt ist, folgt die Anpassung der Leistung an d
ie geänderten Umstände den etablierten Regeln von
Art.
17
Abs.
1 ATSG
. Fehlt es an einer erheblichen Sachverhaltsänderung, so ist
in den in der Übergangsbestimmung genannten Fällen
eine Anpassung der Leistung (an die geänderte Rechtslage) möglich.
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin
ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) davon aus,
die Überprüfung des Rentenanspruchs gemäss der Schlussbestimmung der Änderung des IVG vom 1
8.
März 2011 habe ergeben,
dass
die gestellten Diag
nosen zu den in der genannten Bestimmung angeführten gehörten (S. 1 unten). Es lägen keine objektivierbaren anatomischen Befunde vor, welche aus
versi
cherungsmedizinischer
Sicht eine dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähig
keit begründeten, sowie auch keine Anhaltspunkte für eine psychiatrische
Komorbidität
oder sonstige schwere Funktionseinschränkungen. Somit bestehe für die Zukunft kein Rentenanspruch mehr (S. 2 oben).
2.2
Dem hielt der Beschwerdeführer entgegen, es gehe ihm (seit dem Unfall von 1997) physisch sowie psychisch zunehmend schlechter (
Urk.
1).
2.3
Strittig und zu prüfen ist somit, ob die erfolgte Rentenaufhebung rechtens ist oder der Beschwerdeführer weiterhin einen Rentenanspruch hat.
Dies hängt davon ab, ob eine revisionsrelevante Sachverhaltsänderung (vorste
hend E. 1.2) vorliegt beziehungsweise die für bestimmte Beschwerdebilder auf
gestellte Ausnahmeregelung (vorstehend E. 1.3) Anwendung findet.
3.
Der
Leistungszusprache
im Jahr 2008
(
Urk.
6/146/1-3), der eine Festlegung des Rentenanspruchs in Form ein
es Vergleichs
zugrunde lag
(
Urk.
6/
129
)
,
ging eine medizinische Begutachtung voraus:
Am 2
7.
Februar 2007 erstatteten die Ärzte der MEDAS
Y._
ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (
Urk.
6/102). Sie stützten sich auf die ihnen überlassenen Akten (S. 1 ff.),
die Angaben des Beschwerdeführers (S. 18 ff.) und die von ihnen
am 2
4.
Oktober und
5.
Dezember 2006 (vgl. S. 1 Mitte) erhobenen Befunde
(S. 22 ff.).
Die Gutachter stellten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit (S. 31
Ziff.
4.1):
mittelgradige depressive Episode mit kognitiven Einschränkungen (F32.1)
chronisches
zervikothorakospondylogenes
und
zervikozephales
Schmerzsyndrom
Spannungskopfschmerz
Verdacht auf anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (F45.4)
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie einen Status nach Auffahrkollision November 1997 mit Verdacht auf Distorsion der Halswirbelsäule (HWS) und einen Status nach Treppensturz Januar 1998 (S. 31
Ziff.
4.1).
Bezüglich Arbeitsfähigkeit führten die Gutachter aus, aus somatischer Sicht seien dem Beschwerdeführer alle körperlich leichten bis mittelschweren Tätig
keiten zumutbar, aus psychiatrischer Sicht bestehe derzeit sowohl für die ange
stammte Tätigkeit (Übersetzer, Bürokraft) wie für andere Tätigkeiten eine höchstens 20%ige zumutbare Arbeitsfähigkeit. Nach Durchführung medizini
scher Massnahmen und einer Besserung der Depression einschliesslich kogni
tiver Beeinträchtigung könne der Beschwerdeführer körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten in Wechselhaltung mit Wechselbelastung zu 100
%
(8
-
8 1⁄2 Stunden täglich) und körperlich schwere Tätigkeiten zu etwa 60
%
(5
Stun
den täglich) ausüben (S. 40
Ziff.
3).
4.
4.1
Med.
pract
.
Z._
, Arzt und Psychoanalytiker, führte in seinem Bericht vom 1
5.
November 2007
an die Beschwerdegegnerin
(
Urk.
6/109)
aus
, er be
handle den Beschwerdeführer seit dem 1
2.
Juni 2007 (
Ziff.
4.1). Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er (
Ziff.
2.1):
Status nach Beschleunigungstrauma 1997
Status nach Treppensturz 1998
schwere depressive Episode (F32.2), hat sich schleichend entwickelt seit 1997, Verschlimmerung seit zirka 2004
Er attestierte eine Arbeitsunfähigkeit als Übersetzer von 50
%
von 2003 bis 2004, von 70
%
von 2005 bis 2006, und von 100
%
seit Januar 2007 (
Ziff.
3)
. Als Therapie nannte er eine stützende Psychotherapie (eine Stunde wöchentlich)
sowie Antidepressiva (
Ziff.
4.7).
In einem Bericht vom 2
8.
August 2008
an den Krankenversicherer
(
Urk.
6/171/7-9) führ
t
e med.
pract
.
Z._
aus, er habe die Diagnosen einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung nach Beschleunigungstrauma (F45.4) gestellt, sowie einer mittelgradigen depressiven Episode (F32.1). Letztere müsse er heute korrigieren, es handle sich um eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (F32.2) mit erheblicher Suizidalität (S. 2 Mitte).
4.2
Vom
5.
bis 2
5.
August 2008 weilte der Beschwerdeführer in der
A._
, worüber am
9.
September berichtet wurde (
Urk.
6/156/6-9). Dabei wurden folgende Diagnosen gestellt (S. 1):
chronisches
zervikozephales
Schmerzsyndrom mit / bei
Status nach Auffahrunfall am
3.
November 1997
Röntgen HWS 1997:
Spondylarthrose
C5/6, Hypermobilität von C2 mit diskretem
Ventralgleiten
auf C3
depressive Entwicklung
Zum Verlauf wurde unter anderem ausgeführt, aufgrund der depressiven Symptomatik sei das Rehabilitationspotential limitiert gewesen; ferner sei der Beschwerdeführer durch eine schwierige familiäre und finanzielle Situation belastet (S. 3 Mitte).
4.3
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Neurologie,
der den Beschwerdefüh
rer
seit dem 3
1.
Januar 1999 behandelte (vgl.
Urk.
6/156/1-5
Ziff.
1.2),
be
richtete am
1
4.
November 2008 über seine Untersuchung vom Vortag (
Urk.
6/156/10-11). Er
nannte folgende Diagnosen (S. 1 oben):
chronisches, posttraumatisches
cervico-cephales
Schmerzsyndrom bei Sta
tus nach HWS-Trauma am
3.
November 1997 und Treppensturz am 2
4.
Januar 1998
depressive Entwicklung
In seiner Beurteilung nannte er eine deutlich eingeschränkte Beweglichkeit der HWS mit ebenso deutlich verdickter und
druckdolenter
Nacken- und
Schulter
muskulatur
. Dieses Beschwerdebild dürfte vorwiegend weichteilbedingt sein, da die neurologische Untersuchung normale Befunde ergeben habe. Im Verlauf sei eine depressive Entwicklung dazugekommen (S. 2).
4.4
In seinem Bericht vom
6.
Februar 2009 (
Urk.
6/156/1-5) nannte
Dr.
B._
als Diagnose nebst dem Schmerzsyndrom nunmehr eine schwere depressive Ent
wicklung (
Ziff.
1.1).
Er attestierte dem Beschwerdeführer eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
seit dem
3.
November 1997 (
Ziff.
1.6) und führte aus, bei den bestehenden Be
schwerden sei eine Erwerbstätigkeit nicht möglich (
Ziff.
1.7)
4.
5
In einem Bericht vom 1
8.
März 2010 führte med.
pract
.
Z._
(vorstehend E.
4.1) aus, der Patient sei letztmals am 1
5.
Januar 2009 bei ihm in Behandlung gewesen (
Urk.
6/171/5-6
S. 1 Mitte).
4.
6
Am 3
1.
Januar 2011 erstattete
Dr.
med.
C._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (
Urk.
6/181/139).
Er stützte sich auf die ihm überlassenen Akten (S. 2 ff.), die Angaben des Beschwerdeführers (S. 6 f.) und seine am
4.
Februar und 2
0.
August 2010 (vgl. S. 1) erfolgten Untersuchungen.
Der Gutachter führte unter anderem aus, gemäss den Angaben des Beschwerde
führers erfolge eine hausärztliche Betreuung durch
Dr.
B._
. Verwertbare Angaben zu den durchgeführten ambulanten psychiatrisch-psychotherapeuti
schen Therapien könne der Beschwerdeführer nicht machen (S. 7 Mitte).
Der Beschwerdeführer berichte, der Unfall (von 1997) habe sein ganzes Leben zerstört. Wenn er darüber nachdenke, dann werde seine Stimmung niederge
schlagen. Auch die Schmerzen selbst und die dadurch begründete Arbeitsun
fähigkeit liessen ihn oft traurig sein (S. 8 unten). Seit der Trennung von seiner Ehefrau - im Jahr 2006 (vgl. S. 7 Anm. 4) - habe sich die Stimmung wei
ter verschlechtert. Seine psychischen Probleme seien im Verlauf sehr unter
schiedlich. Betreffend Tagesablauf habe der Beschwerdeführer ausweichend ge
antwortet: Er sei oft bei seiner Schwester, ab und zu treffe er Kollegen. Er sehe TV und lese wenig Zeitung. Ab und zu reise er auch in den
D._
; zuletzt sei er 2010 ein paar Wochen dort gewesen. Er reise meist allein mit dem Flugzeug, manchmal auch mit dem Schwager seines Bruders (S. 9 oben).
Ein beim zweiten Termin
eingesetztes Fremdbeurteilungsverfahren zur psycho
metrischen Beurteilung depressiver Symptome (vgl.
Urk.
6/181/40-42) ergab eine Punktzahl, der zufolge ein depressives Symptom maximal in leichter Aus
prägung knapp objektivierbar war (S. 11 f.).
Der Gutachter stellte folgende Diagnosen (S. 12
Ziff.
4):
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (F45.41)
bei Status nach Auffahrunfall November 1997
Dysthymia
(F34.1)
bei anamnestisch depressiver Episode, gegenwärtig remittiert (F32.4)
Sodann erläuterte der Gutachter die Diagnosestellung gemäss ICD-10 betreffend die chronische Schmerzstörung (S. 14 ff.)
und betreffend Depression (S. 17 ff.) und führte aus, dass und warum aktuell eine eigenständige depressive Episode heute nicht (mehr) begründet werden könne, und die geschilderten Symptome in Umfang und Schwere durch die Diagnose einer
Dysthymia
ausreichend er
klärbar seien (S. 18).
Zur Arbeitsfähigkeit führte der Gutachter aus, eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren und / oder eine
Dysthymia
führten im Fall des Beschwerdeführers aufgrund der vor allem subjektiv erlebten und willentlich tatsächlich überwindbaren Defizite aus versicherungsmedizinischer Sicht nicht zu einer Minderung der Arbeitsfähigkeit (S. 22
Ziff.
6). Im Gutachten von 2006 sei eine mittelschwere depressive Episode mit somatischem Syndrom als (Teil-) Ursache einer Arbeitsunfähigkeit von 80
%
festgestellt worden. Mit Sicherheit könne das Datum der zweiten Untersuchung (2
0.
August 2010) als Ende einer durch eine depressive Episode begründbaren Arbeitsunfähigkeit be
nannt werden (S. 22 unten, S. 23 Mitte).
Auf die Frage nach allfälliger Aggravation, Selbstlimitierung und
Symptomaus
weitung
führte der Gutachter unter anderem aus, anlässlich der aktuellen Untersuchung könne zumindest eine ausgeprägte Verdeutlichungstendenz (Selbstlimitierung und Symptomausweitung) subjektiv geklagter Beschwerden erkannt werden, die im Widerspruch zu aus psychiatrisch-psychotherapeutischer Sicht objektivierbaren Befunden stünden. Die gute objektive motorische Beweg
lichkeit der versicherten Person und seine demonstrativ, theatralisch und insze
niert wirkende Darstellung der Beschwerden liessen sich aus fachlicher Sicht
durch krankheitsfremde Aspekte hinreichend erklären. Diese krankheitsfremden Aspekte stünden bei der subjektiv deklarierten Arbeitsunfähigkeit weit überwie
gend im Vordergrund (S. 36 Mitte).
Auf entsprechende Rückfrage der Beschwerdegegnerin (
Urk.
6/183) nahm der Gutachter am 2
2.
Februar 2010 noch einmal Stellung (
Urk.
6/184). Den Ge
sundheitszustand bewerte er im Längsschnitt seit 2007 im Sinne von gebessert (S. 2 Mitte). Eine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit von Dezember 2006 bis August 2010 sei aus psychiatrischer Sicht nicht mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit möglich (S. 3 oben). Zumindest plausibel sei aber, dass die versi
cherte Person in diesem Zeitabschnitt zunehmend an Arbeitsfähigkeit gewonnen habe (S. 3 Mitte).
Auf abermalige Nachfrage der Beschwerdegegnerin (
Urk.
6/187) führte der Gut
achter noch einmal aus, für die Zeit von Dezember 2006 bis August 2010 sei aus psychiatrischer Sicht
eine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit möglich. Somit könne das Datum der zwei
ten Untersuchung (2
0.
August 2010) mit Sicherheit als Ende einer aus psychiat
rische
r
Sicht begründbaren Arbeitsunfähigkeit in bisheriger und angepasster Tätigkeit benannt werden (
Urk.
6/188).
4.
7
Am
5.
Juli 2012 nahm
Dr.
B._
(vorstehend E. 4.
3
) zur angefochtenen Verfü
gung Stellung und führte aus, er sei über den Entscheid nicht nur über
rascht, sondern auch empört, handle es sich doch um einen Patienten mit einer schweren Depression; das zweite Leiden sei eine ausgeprägte
cervico-cephale
Schmerzproblematik bei Status nach HWS-Trauma 1997 und Status nach
Trep
pensturz
1998 (
Urk.
6/229 =
Urk.
4).
5.
5.1
Die
Rentenzusprache
im Jahr 2008 basierte in medizinischer Hinsicht auf dem 2007 erstatteten Gutachten. In diesem Gutachten wurde aus somatischer Sicht eine volle Arbeitsfähigkeit für körperlich leichte und mittelschwere Tätigkeiten, jedoch eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 80
%
aus psychiatrischer Sicht festgehalten, wobei als Diagnosen eine mittelgradige depressive Episode und ein Verdacht auf
eine
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung genannt wurden (vorstehend E. 3).
5.2
Im 2011 erstatteten psychiatrischen Gutachten wurden eine chronische
Schmerz
störung
und eine
Dysthymia
diagnostiziert
und ausgeführt, die früher diagnostizierte mittelgradig ausgeprägte Depression mit entsprechender Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit habe jedenfalls im August 2010 nicht mehr vorgelegen (vorstehend E. 4.
6
).
Das genannte Gutachten erfüllt die praxisgemässen Kriterien (vorstehend E. 1.3) vollumfänglich. Insbesondere enthält es eine sorgfältige Herleitung der gestell
ten Diagnosen inklusive einer Auseinandersetzung mit
anderen
denkbaren und
den
früher gestellten Diagnosen.
Auf eine Zustandsverbesserung weist auch hin, dass die psychotherapeutische Behandlung im Januar 2009
eingestellt wurde (vorstehend E. 4.
5
). Mindestens der subjektive Leidensdruck war seit diesem Zeitpunkt offenbar nicht mehr von einer Intensität, die den Beschwerdeführer
veranlasst hätte, weiterhin eine psy
chiatrische
Behandlung
zu suchen
.
5.3
Der gutachterlichen psychiatrischen Beurteilung steht einzig die Intervention des Neurologen
Dr.
B._
entgegen, der erklärte, er sei über den Entscheid der Beschwerdegegnerin „empört, handelt es sich doch um einen Patienten mit einer schweren Depression“ (vorstehend E. 4.
7
).
Der These von
Dr.
B._
fehlt
jegliche nähere Begründung
. Dass sich
Dr.
B._
nicht mit dem
fachpsychi
atrischen
Gutachten auseinandersetzte,
ist
nur verständlich, wenn es ihm gar nicht bekannt war, oder aber er als Neurologe sich nicht in der Lage sah
, ihm überzeugend zu widersprechen
. Zu beachten ist auch, dass
Dr.
B._
in früheren Berichten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit seit dem Unfall von 1997 attestierte hatte (vorstehend 4.4), was weit über die im Gutachten von 2007 (vorstehend E. 3) und vom behandelnden Psychiater (vorstehend E. 4.5) attestierte Arbeitsunfähigkeit hinausging.
Die Intervention von
Dr.
B._
nach Verfügungserlass kann somit nicht als aussagekräftige medizinische Beurteilung eingestuft werden, sondern als Aus
druck der
Verschiedenheit von Behandlungs- und Begutachtungsauftrag
(
Urteil
des Bundesgerichts
9C_842/2009 vom 1
7.
November 2009 E. 2.2; vgl. BGE 135 V 465 E. 4.5 S. 470 sowie Urteile 8C_768/2011 vom
7.
Februar 2012 E. 5.3.3; 9C_748/2011 vom
1.
Dezember 2011 E. 3.3, 9C_400/2010 vom
9.
September 2010 E. 5.2, 9C_865/2009 vom
3.
Dezember 2009 E. 3.2
, j
e mit Hinweis auf den im Strafrecht ergangenen BGE 124 I 170 E. 4 S. 17
5
)
und als Ausdruck der
auf
tragsrechtlichen
Vertrauensstellung im Rahmen der seit 1999 stattfindenden hausärztlichen Betreuung des Beschwerdeführers (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/cc).
Auf die Stellungnahme von
Dr.
B._
kann aus den genannten Gründen nicht abgestellt werden.
5.4
Vor diesem Hintergrund erweist sich ein Abstellen auf das 2011 erstattete psychi
atrische Gutachten als richtig. Demnach ist der medizinische Sachverhalt
dahin gehend erstellt, dass im Verfügungszeitpunkt keine die Arbeitsfähigkeit
mindernde psychische Beeinträchtigung mehr bestanden hat.
5.5
Mit dem Wegfall der 2007 gestellten, die damals attestierte Arbeitsunfähigkeit begründenden Diagnose(n) liegt eine wesentliche Änderung des
medizinischen
Sachverhalts vor, womit eine Leistungsanpassung im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG erfolgen darf und muss (vorstehen E. 1.2).
5.6
Aus medizinischer Sicht sind im fraglichen Zeitpunkt keine Beeinträchtigungen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit mehr ausgewiesen.
Damit fällt auch der frühere Rentenanspruch dahin, womit sich die angefoch
tene Verfügung als rechtens erweist.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
5.7
Wenn bereits aus medizinischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit postuliert wurde, fehlt es für eine zusätzliche rechtliche Würdigung im Sinne der Überwindbarkeitsrechtsprechung im Sinne von BGE 130 V 352 an einem Gegenstand.
Immerhin rechtfertigt sich der Hinweis, dass vorliegend offensicht
liche keine psychische
Komorbidität
von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer vorläge, ebenso wenig
chronische körperliche Begleiterkrankungen, ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens, ein primärer Krankheitsgewinn oder ein Scheitern einer konsequent durchgeführten ambulanten oder stationä
ren Behandlung (auch mit unterschiedlichem therapeutischen Ansatz) trotz kooperativer Haltung der versicherten Person
.
6.
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Inva
lidenversicherung (IVG) sind ermessensweise auf
Fr.
600.-- festzusetzen und ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.