# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 3f17ab23-016c-4047-9e4e-433d0dd944d4
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_007
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt
A. Im Jahr 2011 planten B.1_/B.2_ den teilweisen Neubau eines Mehrfamilienhauses auf dem in der Gemeinde O.1_ gelegenen und im Grundbuch unter Nr. _ eingetragenen Grundstück. Da eines der bestehenden Gebäude unmittelbar an die Kantonsstrasse angrenzte, eröffnete sich den Bauherren die Möglichkeit, auch beim Neubau von den ansonsten geltenden kantonalen Strassenabstandsvorschriften abzusehen. Dies aber unter der vom kantonalen Tiefbauamt gestellten Bedingung, dass während der Bauarbeiten das "komplette Erdgeschoss" des bestehenden, den zulässigen Strassenabstand bereits unterschreitenden Bauwerkes intakt belassen würde.
B. Im Verlauf des Jahres 2011 hatten die Bauherren B.1_/B.2_ mit dem Teil-Abbruch der alten Gebäude begonnen. Sie brachen dabei alle Bauteile bis auf die Grundmauern des strassenseitig gelegenen und den Strassenabstand unterschreitenden Bauwerks ab. Durch ein von den Bauherren provisorisch errichtetes Dach geschützt, blieben diese Grundmauern den folgenden Winter 2011/2012 hindurch stehen.
C. Am 12. Januar 2012 unterzeichneten B.1_/B.2_ einen Vertrag für Architekturleistungen mit der A._. Unter anderem wurde darin der A._ die Bauleitung über das Bauprojekt übertragen.
D. Zu Beginn des Jahres 2012, nach der Winterbaupause, begannen die eigentlichen Bauarbeiten. Während dieser Arbeiten brach ein mit den Abbrucharbeiten beauftragtes Bauunternehmen die vom früheren, an die Kantonsstrasse grenzenden Gebäude übriggebliebenen Grundmauern ab. Kurz darauf informierte das Tiefbauamt Graubünden (nachfolgend TBA GR) die Gemeinde O.1_ über den Abbruch, welche sodann wegen Verletzung der Baubewilligung einen sofortigen Baustopp verfügte. Die Neuerteilung einer Baubewilligung machte sie dabei davon abhängig, dass das Gebäude strassenseitig zurückversetzt werde, damit der Strassenabstand eingehalten werde.
E. B.1_/B.2_ schlossen daraufhin wiederum mit der A._ einen Vertrag betreffend die notwendigen Projektänderungen unter Berücksichtigung des Strassenabstandes ab. Nachdem die Gemeinde O.1_ die Projektänderung bewilligt hatte, wurden die Bauarbeiten wieder aufgenommen. Trotz einer länger als geplant dauernden Bauzeit war der Neubau zum ursprünglich vereinbarten Bezugstermin fertig.
3 / 35
F. In der Folge gerieten B.1_/B.2_ mit der A._ in einen Streit über die Vergütung der Architekturleistungen. Die A._ forderte von den Bauherren nach Abzug von Vorauszahlungen ein Resthonorar von rund CHF 140'000.00, davon knapp CHF 100'000.00 als Restbetrag für das ursprünglich vereinbarte Pauschalhonorar und gut CHF 40'000.00 als zusätzliche Vergütung für die unvorhergesehenen Projektänderungen. Die Bauherren hingegen sahen in den Architekten die Verantwortlichen für den Abbruch der Grundmauern und damit für die Pflicht, das Gebäude von der Strasse zurückzuversetzen und die Planung des Projekts abzuändern. Die A._ habe daher nicht nur kein Honorar mehr zugute, sondern sollte darüber hinaus Schadenersatz leisten für die zusätzlichen Kosten der verlängerten Bauphase und für die im Vergleich zum geplanten Projekt verkleinerte Gebäudefläche. Insgesamt forderten B.1_/B.2_ von A._ einen Betrag von knapp CHF 300'000.00.
G. Nachdem an der Schlichtungsverhandlung vom 12. Juni 2015 keine Einigung erzielt werden konnte, reichte die A._ gegen B.1_/B.2_ beim damaligen Bezirksgericht Prättigau/Davos (nunmehr: Regionalgericht Prättigau/Davos) Klage ein. Darin beantragte sie:
1. Die Beklagten seien unter solidarischer Haftbarkeit zu verpflichten, der Klägerin CHF 142'388.80 zuzüglich Zins zu 5% seit 11. Mai 2014 zu bezahlen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen sowie solidarischer Haftbarkeit zu Lasten der Beklagten.
H. B.1_/B.2_ liessen ihrerseits mit Klageantwort und Widerklage vom 12. Januar 2016 die folgenden Begehren stellen:
1. Die Klage der Klägerin sei abzuweisen.
2. Widerklage
2.1 Die Widerbeklagte sei zu verpflichten, den Widerklägern CHF 294'721.65 zuzüglich Zins von 5% ab 17. September 2013 zu bezahlen.
2.2 Evt. sei die Widerbeklagte zu verpflichten, den Widerklägern CHF 294'721.65 abzüglich des den Widerbeklagten gemäss Ziff. 1 vom Gericht allenfalls zugesprochenen Betrags zu bezahlen.
3. Kosten
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich MwSt. von 8% zu Lasten der Klägerin und Widerbeklagten.
4 / 35
Die in der Widerklage beantragte Schadenersatzforderung setzt sich aus CHF 136'365.06 für die Kosten der Bauverzögerung inkl. des von den Architekten geltend gemachten Honorars für die Projektänderungen, CHF 8'365.35 für vorprozessuale Anwaltskosten und CHF 150'000.00 wegen der Verkleinerung der Wohnfläche zusammen.
I. Mit Eingabe vom 5. April 2016 reichte die A._ ihre Klagereplik und Widerklageantwort ein. B.1_/B.2_ nahmen hierzu mit Duplik und Widerklagereplik vom 9. Juni 2016 Stellung. Die Widerklageduplik der A._ datiert vom 20. September 2016.
J. Nachdem am 15. Februar 2017 vor dem Regionalgericht Prättigau/Davos C._, welcher am Abbruch des alten Gebäudes beteiligt war, D._, der am Bauprojekt beteiligte Ingenieur, sowie E._ und F._, beide beschäftigt bei der Bauunternehmung, welche die Grundmauern des alten Gebäudes abgebrochen hatte, zur Streitsache einvernommen worden waren, fand am 23. März 2017 die mündliche Hauptverhandlung statt. Die Parteien wurden zum Sachverhalt mündlich befragt.
K. Am 23. März 2017, schriftlich mitgeteilt am 1. Juni 2017, entschied das Kollegialgericht am Regionalgericht Prättigau/Davos, wie folgt:
1. Die Klage wird abgewiesen.
2. Die Widerklage wird teilweise gutgeheissen und die A._ wird verpflichtet, B.1_/B.2_ CHF 2'332.60 zuzüglich Zins von 5% seit dem 17. September 2013 zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird die Widerklage abgewiesen.
3. Die Gerichtskosten von CHF 15'000.00 gehen im Betrag von CHF 4'965.00 zu Lasten der A._ und im Betrag von CHF 10'035.00 zu Lasten von B.1_/B.2_. Die Gerichtskosten werden von den geleisteten Kostenvorschüssen erhoben. Der Restbetrag wird den Parteien zurückerstattet.
4. B.1_/B.2_ haben die A._ mit CHF 17'019.65 ausseramtlich zu entschädigen. Sie haften dafür solidarisch.
5. (Rechtsmittel)
6. (Rechtsmittel Kostenentscheid)
7. (Mitteilung)
5 / 35
L. Gegen diesen Entscheid liess die A._ (nachfolgend Berufungsklägerin) mit Eingabe vom 3. Juli 2017 Berufung beim Kantonsgericht von Graubünden erheben. Darin werden die folgenden Begehren gestellt:
1. Der Entscheid des Regionalgerichts Prättigau/Davos vom 23. März 2017 in Sachen der Parteien sei aufzuheben.
2. Die Berufungsbeklagten seien unter solidarischer Haftbarkeit zu verpflichten, der Berufungsklägerin CHF 142'388.80 zuzüglich Zins von 5% seit 11. Mai 2014 zu bezahlen.
3. Die Widerklage sei abzuweisen.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich MWST für das erst- und zweitinstanzliche Verfahren sowie unter solidarischer Haftbarkeit zu Lasten der Berufungsbeklagten.
M. Der mit Verfügung des (damaligen) Vorsitzenden der II. Zivilkammer vom 4. Juli 2017 auf CHF 8'000.00 festgesetzte Kostenvorschuss wurde von der Berufungsklägerin innert Frist bezahlt.
N. In ihrer Berufungsantwort liessen B.1_/B.2_ (nachfolgend Berufungsbeklagte) die folgenden Rechtsbegehren stellen:
1. Die Berufung der Berufungsklägerin sei abzuweisen und der Entscheid des Regionalgerichts Prättigau/Davos vom 23. März 2017 in Sachen der Parteien sei zu bestätigen.
2. Kosten
2.1 Der Entscheid des Regionalgerichts Prättigau/Davos vom 23. März 2017 in Sachen der Parteien bezüglich Kosten und Entschädigungsfolge für das erstinstanzliche Verfahren sei zu bestätigen.
2.2 Unter Kosten – und Entschädigungsfolge (zuzüglich MWST von 8%) für das Berufungsverfahren zu Lasten Berufungsklägerin.
O. In der Folge reichten die Parteien ihre Replik bzw. Duplik ein, bei unveränderten Rechtsbegehren.
P. Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften sowie im angefochtenen Entscheid wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
II. Erwägungen
6 / 35

## Considerations