# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 48a34b81-3f24-476c-a352-9c509e82eb06
**Court:** CH_BSTG
**Chamber:** CH_BSTG_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** CH / Federation
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
A. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Neuenburg führt seit dem 27. Juni 2014
unter anderem gegen A. wegen Diebstahls, Hausfriedensbruchs und Sach-
beschädigung ein Strafverfahren. Ihm wird vorgeworfen, am 27. Juni 2014 in
das Restaurant E, in Z. (NE) mit einer weiteren Person eingebrochen zu sein
und Geld im Betrag von Fr. 19‘551.80 gestohlen zu haben.
Die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten führt unter der Verfahrensnummer
STA4 ST.2018.3270 seit dem 22. September 2018 gegen A. und B., C. und
D. ein Strafverfahren wegen Diebstahls, Hausfriedensbruchs und Sachbe-
schädigung. Die Beschuldigten sollen in der Nacht vom 21. auf den 22. Sep-
tember 2018 in eine Filiale des Ladens F. in Y. (AG) eingebrochen sein und
Geld im Betrag von ca. Fr. 50’000.-- gestohlen haben.
B. Mit Schreiben vom 18. Oktober 2018 gelangte die Staatsanwaltschaft Muri-
Bremgarten an die Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Neuenburg und
ersuchte um Übernahme des Strafverfahrens STA4 ST.2018.3270 gegen die
obgenannten Beschuldigten (act. 1.5). Der Generalstaatsanwalt des Kan-
tons Neuenburg erklärte sich mit Schreiben vom 24. Oktober 2018 mit der
Übernahme des Strafverfahrens einverstanden, soweit es den Beschuldig-
ten A. betreffe. Mit Bezug auf die anderen Beschuldigten lehnte der Gene-
ralstaatsanwalt das Ersuchen ab (act. 1.4). Mit Schreiben vom 2. November
2018 gelangte die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Aargau an den Ge-
neralstaatsanwalt des Kantons Neuenburg mit dem erneuten Ersuchen um
Verfahrensübernahme des Strafverfahrens gegen sämtliche obgenannten
Beschuldigten (act. 1.2). Dies wurde mit Bezug auf die Beschuldigten B., C.
und D. wiederum abgelehnt (act. 1.1).
C. Mit Gesuch vom 12. November 2018 gelangt die Oberstaatsanwaltschaft des
Kantons Aargau an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts und
beantragt, die Strafbehörden des Kantons Neuenburg seien für berechtigt
und verpflichtet zu erklären, die Strafuntersuchung gegen die Beschuldigten
A., B., C. und D. zu übernehmen und die den betreffenden Beschuldigten zu
Last gelegten Delikte zu verfolgen und zu beurteilen (act. 1).
Der Generalstaatsanwalt des Kantons Neuenburg beantragt in seiner Ge-
suchsantwort vom 19. November 2018, der Kanton Neuenburg sei einzig mit
Bezug auf das Strafverfahren gegen A. für dessen Verfolgung und Beurtei-
lung für zuständig zu erklären (act. 3). Die Oberstaatsanwaltschaft des Kan-
tons Aargau reichte innert Frist keine Gesuchsreplik ein (act. 4 und 5).
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Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit
erforderlich in den nachfolgenden, rechtlichen Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1. Die Eintretensvoraussetzungen (durchgeführter Meinungsaustausch zwi-
schen den involvierten Kantonen und zuständigen Behörden, Frist und Form,
vgl. Beschluss des Bundesstrafgerichts BG.2014.7 vom 21. März 2014 E. 1)
sind vorliegend erfüllt und gegeben zu keinen Bemerkungen Anlass.
2.
2.1 Hat eine beschuldigte Person mehrere Straftaten an verschiedenen Orten
verübt, so sind für die Verfolgung und Beurteilung sämtlicher Taten die Be-
hörden des Ortes zuständig, an dem die mit der schwersten Strafe bedrohte
Tat begangen worden ist. Bei gleicher Strafdrohung sind die Behörden des
Ortes zuständig, an dem zuerst Verfolgungshandlungen vorgenommen wor-
den sind (Art. 34 Abs. 1 StPO). Ist eine Straftat von mehreren Mittätern ver-
übt worden, so sind die Behörden des Ortes zuständig, an dem zuerst Ver-
folgungshandlungen vorgenommen worden sind (Art. 33 Abs. 2 StPO). Hat
ein Mittäter ausser den in Mittäterschaft verübten Verfehlungen an anderen
Orten noch weitere Delikte verübt, die mit gleicher Strafe bedroht sind wie
die in Mittäterschaft verübten, so bestimmt sich der Gerichtsstand für alle
Beteiligten nach dem Ort, wo die Untersuchung zuerst angehoben wurde,
und dies selbst dann, wenn nur die allein verübten Taten Gegenstand der
ersten Untersuchungshandlungen bildeten (vgl. hierzu den Beschluss des
Bundesstrafgerichts BG.2011.49 vom 19. Januar 2012, E. 2.1; siehe auch
MOSER, Basler Kommentar, Basel 2011, Art. 33 StPO N. 13).
2.2 Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist Mittäter, wer bei der Ent-
schliessung, Planung oder Ausführung eines Deliktes vorsätzlich und in mas-
sgebender Weise mit anderen Tätern zusammenwirkt, so dass er als Haupt-
beteiligter dasteht (BGE 118 IV 227 E. 5d/aa S. 230; 108 IV 88 E. I.2a S. 92),
und der ausserdem über die tatsächliche Begehung der Tat nicht allein zu
bestimmen hat, sondern dies zusammen mit anderen tut. Mittäterschaft setzt
somit eine (Mit-) Tatherrschaft voraus (vgl. BGE 111 IV 51 E. 1b S. 53). Mit-
täterschaft ist dabei jede arbeitsteilige, für den Erfolg wesentliche Mitwirkung
im Ausführungsstadium (BGE 120 IV 17 E. 2d S. 23; 118 IV 397 E. 2b
S. 400).
http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2011&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=mitt%E4ter+herrschaft&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F111-IV-51%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page53
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2.3 Die Beurteilung der Gerichtsstandsfrage richtet sich nach der aktuellen Ver-
dachtslage. Massgeblich ist nicht, was dem Beschuldigten letztlich nachge-
wiesen werden kann, sondern der Tatbestand, der Gegenstand der Untersu-
chung bildet, es sei denn, dieser erweise sich von vornherein als haltlos oder
sei sicher ausgeschlossen. Der Gerichtsstand bestimmt sich also nicht nach
dem, was der Täter begangen hat, sondern nach dem, was ihm vorgeworfen
wird, das heisst, was aufgrund der Aktenlage überhaupt in Frage kommt.
Dabei stützt sich die Beschwerdekammer auf Fakten, nicht auf Hypothesen
(MOSER, a.a.O., Art. 34 StPO N. 11; GUIDON/BÄNZIGER, Die aktuelle Recht-
sprechung des Bundesstrafgerichts zum interkantonalen Gerichtsstand in
Strafsachen, Jusletter 21. Mai 2007, [Rz 25] m.w.H.; vgl. nebst anderen den
Entscheid des Bundesstrafgerichts BG.2010.12 vom 8. September 2010,
E. 2.2 m.w.H.). Es gilt der Grundsatz „in dubio pro duriore“, wonach im Zwei-
felsfall auf den für den Beschuldigten ungünstigeren Sachverhalt abzustellen
bzw. das schwerere Delikt anzunehmen ist (GUIDON/BÄNZIGER, a.a.O.,
[Rz 42] m.w.H.).
2.4 Der Gesuchsgegner bestreitet nicht, dass die ersten Verfolgungshandlungen
gegen A. im Kanton Neuenburg vorgenommen worden sind und daher ge-
stützt auf die Art. 31 ff. StPO formell dieser Kanton für die Verfolgung Beur-
teilung der von A., B., C. und D. im Kanton Aargau verübten Straftaten zu-
ständig wäre (act. 3 S. 2). Der Gesuchsgegner ist jedoch der Ansicht, dass
vorliegend triftige Gründe für ein Abweichen vom gesetzlichen Gerichtsstand
gegeben seien und der Kanton Neuenburg lediglich für die Verfolgung und
Beurteilung der von A. verübten Straftaten zuständig zu erklären sei. So sei
die Strafuntersuchung im Kanton Neuenburg im Verfahren gegen A. noch
nicht abgeschlossen; sämtliche Verfahrenshandlungen seien zudem in fran-
zösischer Sprache durchgeführt worden. Demgegenüber sei die Untersu-
chung im Kanton Aargau praktisch abgeschlossen und in deutscher Sprache
durchgeführt worden. Die Beschuldigten im Kanton Aargau würden zudem
allesamt von Verteidigern der Region vertreten. Ausserdem handle es sich
bei der Tätergruppe, die im Kanton Aargau tätig gewesen sei, nicht um die-
selbe, die im Kanton Neuenburg den Einbruchsdiebstahl begangen habe.
Schliesslich sei sodann fraglich, ob die Täter im Kanton Aargau überhaupt
als Mittäter fungiert hätten. Im Zweifel sei davon auszugehen, dass die Täter
unabhängig voneinander gehandelt hätten (act. 3 S. 1 f.).
2.5 Die Beschwerdekammer (wie auch die beteiligten Staatsanwaltschaften un-
tereinander, Art. 38 Abs. 1 StPO) kann einen anderen als den in den Arti-
keln 31–37 StPO vorgesehenen Gerichtsstand festlegen, wenn der Schwer-
punkt der deliktischen Tätigkeit oder die persönlichen Verhältnisse der
beschuldigten Person es erfordern oder andere triftige Gründe vorliegen
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(Art. 40 Abs. 3 StPO; SCHWERI/BÄNZIGER, Interkantonale Gerichtsstandsbe-
stimmung in Strafsachen, 2. Aufl., Bern 2004, N. 432 ff., 434 f.; FINGER-
HUTH/LIEBER, Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, Zü-
rich 2010, Art. 40 N. 15–17). Der Schwerpunkt der Delinquenz im Sinne von
Art. 38 Abs. 1 StPO liegt dort, wo mehr als zwei Drittel einer grösseren An-
zahl von Delikten an einem bestimmten Ort begangen wurden (Siehe z.B.
Beschluss der Beschwerdekammer BG.2011.5 vom. 1. Juni 2011, E. 3.2);
liegt bloss eine mittlere Anzahl von Delikten vor, wird vom gesetzlichen Ge-
richtsstand nicht abgewichen (Beschluss der Beschwerdekammer
BG.2012.15 vom 23. Mai 2012, E. 3.1). Bei den in dieser Bestimmung er-
wähnten persönlichen Gründen handelt es sich um prozessökonomische
Gründe sowie Zweckmässigkeitsüberlegungen (MOSER/SCHLAPBACH, BSK,
Art. 38 N 9). Als sonstige triftige Gründe gelten insbesondere die konkludente
Anerkennung der Zuständigkeit durch einen der beteiligten Kantone, z. B.
durch eine langhaltige Untätigkeit der Behörde eines Kantons nach der Ab-
lehnung eines Verfahrensübernahmegesuchs durch die angefragte Behörde
des anderen Kantons (Beschluss der Beschwerdekammer BG.2011.34 vom
18. Oktober 2011, E. 3.2; BG. 2011.35 vom 26. Oktober 2011, E. 3.2).
2.6 Vorliegend ist vorab festzuhalten, dass gestützt auf die Aktenlage und ent-
gegen der Ansicht des Gesuchsgegners ohne Weiteres davon auszugehen
ist, die Beschuldigten A., B., C. und D. hätten den Einbruchsdiebstahl im
Kanton Aargau in Mittäterschaft verübt. Anlässlich der polizeilichen Einver-
nahme von A. vom 2. Oktober 2018 sagte dieser aus, die Beschuldigten hät-
ten die Idee, den Einbruch zu verüben, gleichzeitig gehabt und sie seien zu-
sammen eingebrochen. Auch C. gab anlässlich der polizeilichen Befragung
vom 4. Oktober 2018 zu Protokoll, sei seien zu dritt – nämlich er, A. und D.
– eingebrochen, während C. draussen geblieben sei. Vorgängig hätten er
und D. den Sensor im Fachmarkt abgeklebt (Verfahrensakten Kanton Aar-
gau, Ordner 1, Lasche 3). Diese Aussagen schliessen die Annahme, die Be-
schuldigten hätten unabhängig voneinander gehandelt, geradezu aus. Trif-
tige Gründe – wie sprachliche oder Gründe der Verfahrenseffizienz –, die
eine getrennte Verfolgung und Beurteilung der Mittäter A., B., C. und D. und
damit ein Abweichen vom gesetzlichen Gerichtstand rechtfertigen würden,
liegen nicht vor. Der Umstand, dass im Kanton Neuenburg das Verfahren auf
Französisch durchgeführt wird, dürfte für die Beschuldigten selber kaum von
Bedeutung sein, zumal sie bereits im Verfahren vor den aargauischen Be-
hörden eines Übersetzers bedurften. Von den Strafverfolgungsbehörden des
Kantons Neuenburg darf sodann erwartet werden, dass sie zumindest über
ausreichende passive Kenntnisse der deutschen Sprache verfügen. Hinzu
kommt, dass die Untersuchungsbehörden des Kantons Aargau das Unter-
suchungsverfahren, wie der Gesuchsgegner selbst ausführt, zum grössten
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Teil abgeschlossen hat. Ein substantieller Effizienzverlust ergibt sich mit der
Behandlung der Angelegenheit durch die Neuenburger Behörden damit ge-
rade nicht.
3. Damit sind gestützt auf Art. 33 Abs. 2 und 34 Abs. 1 StPO die Strafverfol-
gungsbehörden des Gesuchsgegners für berechtigt und verpflichtet zu er-
klären, die A., B., C. und D. zur Last gelegten Delikte zu verfolgen und zu
beurteilen. Das Gesuch erweist sich daher als begründet.
4. Es sind keine Gerichtskosten zu erheben (Art. 423 Abs. 1 StPO).
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