# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** ba8cd931-3b1b-4147-990a-0d85d75038f9
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Körperverletzung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom 19. Oktober 2020 (GG200132)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 1. Juli 2020
(Urk. 27) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 70 S. 32 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Die Beschuldigte ist nicht schuldig und wird freigesprochen.
2. Die Zivilklage der Privatklägerin wird auf den Zivilweg verwiesen.
3. Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz. Die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'500.– Gebühr für das Vorverfahren,
Fr. 928.80 Auslagen (Kosten Arztbericht C._),
Fr. 2'000.– Gebühr Beschwerdeverfahren (G.Nr. UE190303-O),
Fr. 2'355.09 Entschädigung unentgeltlicher Rechtsbeistand Privat- klägerin (act. 10/24).
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
4. Die Kosten werden auf die Gerichtskasse genommen.
5. Der Beschuldigten wird eine Prozessentschädigung von Fr. 26'388.– (inkl. Baraus-
lagen und MwSt.) für anwaltliche Verteidigung aus der Gerichtskasse zugespro-
chen.
6. Rechtsanwalt lic. iur. X._ wird als unentgeltlicher Rechtsbeistand der Privat-
klägerin mit Fr. 9'906.– (inkl. 3% Kleinspesenpauschale und MwSt.) aus der Ge-
richtskasse entschädigt.
Die Nachzahlungspflicht der Privatklägerin bleibt vorbehalten."
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung der Beschuldigten:
Zur Berufungsantwort:
(Urk. 110 S. 1)
1. Die Berufungsbeklagte sei in Bestätigung des vorinstanzlichen Entscheids
und in Abweisung der Berufung der Privatklägerin der Körperverletzung frei-
zusprechen;
2. auf Zivilansprüche der Privatklägerin sei nicht einzutreten;
3. eventualiter seien sie abzuweisen oder auf den Zivilweg zu verweisen;
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Berufungsklägerin
oder der Staatskasse.
Zur Anschlussberufung:
(Urk. 110 S. 6)
1. Für das vorinstanzliche Verfahren sei der Berufungsbeklagten eine Pro-
zessentschädigung von Fr. 30'911.75 zuzusprechen,
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Berufungsklägerin
oder der Staatskasse.
b) Der Privatklägerin:
(Urk. 108 S. 2)
1. Das vorinstanzliche Urteil sei aufzuheben.
2. Die Beschuldigte sei gemäss Anklage zu verurteilen und zu bestrafen.
3. Die Beschuldigte sei zu verpflichten, der Privatklägerin Schadenersatz von
CHF 200.00 und eine Genugtuung von CHF 7'000.00 zu bezahlen, je zuzüg-
lich Zins von 5% p.a. seit dem 25.12.2018.
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4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen, zuzüglich 7.7% MWST, zu
Lasten der Beschuldigten bzw. zu Lasten der Staats-/Gerichtskasse.
c) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 79)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils

## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Vermeidung
unnötiger Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen im angefochtenen
Entscheid verwiesen werden (Urk. 70 S. 3 f).
2. Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich (Einzelgericht) vom 19. Oktober 2020 wur-
de die Beschuldigte B._ vom Vorwurf der einfachen Körperverletzung im
Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB freigesprochen. Die Zivilklage der Privatklägerin
wurde auf den Zivilweg verwiesen. Die Kosten des Verfahrens wurden auf die
Gerichtskasse genommen und der Beschuldigten wurde eine Entschädigung für
die anwaltliche Verteidigung aus der Gerichtskasse zugesprochen (Urk. 70 S. 32).
3. Gegen dieses Urteil des Bezirksgerichts Zürich meldete die Privatklägerin mit
Eingabe vom 22. Oktober 2020 die Berufung an (Urk. 61). Mit Eingabe vom
19. Januar 2021 reichte die Privatklägerin die Berufungserklärung ein und be-
antragte einen Schuldspruch sowie die Zusprechung der geltend gemachten Zivil-
forderungen (Urk. 72). In der Folge wurde der Beschuldigten und der Staatsan-
waltschaft mit Verfügung vom 22. Januar 2021 Frist angesetzt, um zu erklären, ob
sie Anschlussberufung erheben oder ein Nichteintreten auf die Berufung beantra-
gen. Gleichzeitig wurde der Beschuldigten Frist angesetzt, um das Datenerfas-
sungsblatt sowie Unterlagen zu ihren finanziellen Verhältnissen einzureichen
(Urk. 75). Innert Frist erhob die Beschuldigte Anschlussberufung, welche sich ge-
gen die Höhe der Prozessentschädigung richtet (Urk. 77). Die Staatsanwaltschaft
verzichtete mit Eingabe vom 2. Februar 2021 auf Anschlussberufung (Urk. 79).
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Zudem reichte die Beschuldigte das ausgefüllte Datenerfassungsblatt sowie di-
verse Unterlagen zu ihren finanziellen Verhältnissen ein (Urk. 77A/1-5). Das vo-
rinstanzliche Urteil ist somit vollumfänglich angefochten.
4. Mit der Berufungserklärung stellte die Privatklägerin Beweisanträge. Sie be-
antragt die forensische Untersuchung ihres iPhones, um Erkenntnisse darüber zu
gewinnen, wann genau die Fotos der Verletzungen der Privatklägerin erstellt
wurden und ob auf diesem iPhone am 25. Dezember 2018 irgendwelche Fotos
von der Beschuldigten, ihrem Sohn oder ihren Hunden gemacht wurden. Weiter
beantragt sie die Einvernahme des Polizeibeamten D._ als Zeugen
hinsichtlich der Richtigkeit seines Protokolls über die Aussagen der Beschuldigten
an der Einvernahme vom 12. Januar 2019 sowie hinsichtlich ihrer Behauptung
über sein Verhalten an dieser Einvernahme (Urk. 72). Mit Verfügung vom 3. Feb-
ruar 2021 wurde der Beschuldigten und der Staatsanwaltschaft Frist angesetzt,
um zu den Beweisanträgen Stellung zu nehmen (Urk. 81). Innert Frist verzichtete
die Beschuldigte auf eine Stellungnahme (Urk. 85). Da sich die Staatanwaltschaft
nicht verlauten liess und für sie die Stellungnahme obligatorisch war, wurde ihr mit
Verfügung vom 26. Februar 2021 erneut Frist angesetzt, um zu den Beweisanträ-
gen der Privatklägerin obligatorisch Stellung zu nehmen (Urk. 87). Mit Eingabe
vom 4. März 2021 verzichtete die Staatsanwaltschaft auf eine Stellungnahme zu
den Beweisanträgen (Urk. 89). Mit Verfügung vom 9. März 2021 wurden die
Beweisanträge der Privatklägerin abgewiesen (Urk. 91). Mit Eingabe vom 14. Ap-
ril 2021 erneuerte die Privatklägerin ihren Beweisantrag auf forensische Auswer-
tung des iPhones der Privatklägerin (Urk. 93). Dieser wurde mit Verfügung vom 9.
Juli 2021 erneut abgewiesen (Urk. 97). Bezüglich des mit Eingabe vom 17. Au-
gust 2021 gestellten Antrags der Privatklägerin, sie selber sei persönlich zu be-
fragen (Urk. 99), wurde mit Präsidialverfügung vom 18. August 2021 festgehalten,
dass diesbezüglich im Rahmen der Berufungsverhandlung entschieden würde
(Urk. 101). Dem entsprechend an der heutigen Berufungsverhandlung erneut
gestellten Antrag der Privatklägerin wurde stattgegeben; die Privatklägerin wurde
als Auskunftsperson befragt (Urk. 107; Prot. II S. 11).
5. Die Privatklägerin stellte am 8. Januar 2019 fristgerecht Strafantrag (Urk. 6/1).
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II. Sachverhalt
1. Der Beschuldigten wird vorgeworfen, am 25. Dezember 2018, ca. 10.30 Uhr, im
...-Park in Zürich, die damals 93-jährige Privatklägerin am rechten kleinen Finger
sowie am rechten Schienbein verletzt zu haben. Die Prellung am rechten kleinen
Finger, welche die Privatklägerin längere Zeit geschmerzt habe, sei dadurch
entstanden, dass die Beschuldigte versucht habe, der Privatklägerin deren
Mobiltelefon aus der Hand zu reissen. Die Verletzung am rechten Schienbein,
eine fünf bis sieben Zentimeter lange Rissquetschwunde, die stark geblutet und
ärztlich habe versorgt werden müssen, habe sich die Privatklägerin zugezogen,
indem die Beschuldigte, vermutungsweise mit dem Fuss, einmal stark gegen das
rechte Bein der Privatklägerin gekickt bzw. getreten habe. Die Beschuldigte habe
zudem auch einmal gegen das linke Bein der Privatklägerin gekickt bzw. getreten.
Beim beschriebenen Vorgehen habe die Beschuldigte zumindest in Kauf
genommen, die Privatklägerin zu verletzen (Urk. 34 S. 2 f.).
2. Die Beschuldigte anerkennt, dass sich eine Auseinandersezung mit der
Privatklägerin an besagtem Ort zu besagter Zeit zugetragen hat und die Privat-
klägerin damals eine Wunde an ihrem Schienbein aufwies (Urk. 2/1 F/A 3;
Urk. 2/4 S. 8 f.; Prot. I S. 15, 17). Sie bestreitet jedoch, der Privatklägerin einen
Tritt gegen das Bein versetzt sowie an deren Mobiltelefon gezerrt zu haben und
der Privatklägerin die in der Anklage umschriebenen Verletzungen zugefügt bzw.
diese in Kauf genommen zu haben.
3. Die Vorinstanz hat die vorhandenen Beweismittel korrekt angeführt und sich
zutreffend zu deren Verwertbarkeit geäussert. Es kann vollumfänglich auf die
Ausführungen im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 70 S. 8 ff.).
4. Die Vorinstanz hat zutreffend aufgezeigt, wie bei der Sachverhaltserstellung
vorzugehen ist und welche Grundsätze bei der Beweiswürdigung zu berücksichti-
gen sind (Urk. 70 S. 6 ff.). Darauf kann vollumfänglich verwiesen werden (Art. 82
Abs. 4 StPO). Lediglich ergänzend ist anzumerken, dass entsprechend dem
Grundsatz "im Zweifel für den Angeklagten" das Bundesgericht verlangt, dass bei
der Würdigung der Aussagen von der Hypothese ausgegangen wird, "dass die
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Aussage nicht realitätsbegründet" sein könne (BGE 129 I 49 E. 5 f.). Es könne
erst dann angenommen werden, die Aussage sei wahr, wenn die Prüfung ergebe,
"dass diese Unwahrheitshypothese (Nullhypothese) mit den erhobenen Fakten
nicht übereinstimmen kann". Das heisst: Die Hypothese, die Aussagen seien un-
wahr, muss widerlegt werden. Solange sie nicht widerlegt werden kann, muss –
zugunsten des Beschuldigten – davon ausgegangen werden, die Aussagen seien
unwahr.
5. Die Vorinstanz hat die Aussagen der Beschuldigten und der Privatklägerin
widergegeben (Urk. 70 S. 10 ff.) sowie die Sachbeweise (Fotografien der Ver-
letzungen und ärztliche Befunde) aufgeführt (Urk. 70 S. 24 ff.). Zur Vermeidung
von Wiederholungen kann vollumfänglich darauf verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4
StPO).
6. Im Übrigen ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende
Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und je-
des einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (vgl. BGE 136 I 229 E.
5.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_1130/2014 vom 8. Juni 2015 E. 4). Die Beru-
fungsinstanz kann sich somit auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte be-
schränken.
7. Die Vorinstanz hat die vorhandenen Beweismittel differenziert, sorgfältig und
überzeugend gewürdigt, hat Ausführungen zur allgemeinen Glaubwürdigkeit der
beteiligten Personen und sodann zur Glaubhaftigkeit der Aussagen der Beteiligten
gemacht, wobei sie die vorliegenden Sachbeweismittel in ihre Überlegungen
miteinbezogen hat. Die Vorinstanz kam zum Schluss, dass die Sachverhaltsversi-
on der Beschuldigten plausibel und möglich sei. Die Sachverhaltsschilderung der
Privatklägerin sei zwar grundsätzlich ebenfalls möglich, indes hinsichtlich des
Kerngeschehens nicht stringent und wenig überzeugend. Es sei daher auf die für
die Beschuldigte günstigere Sachverhaltsdarstellung abzustellen. Aufgrund der
nicht erstellten Fingerverletzung und der Unstimmigkeiten hinsichtlich der Verlet-
zungsursache würden ernste und unüberwindbare Zweifel daran bestehen, dass
sich der eingeklagte Sachverhalt wie in der Anklageschrift umschrieben ereignet
hat bzw. die Sachverhaltsdarstellung der Beschuldigten, wonach sie die Privat-
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klägerin weder berührte noch verletzte, mindestens gleichwertig möglich erschei-
nen, weshalb die Beschuldigte nach dem Grundsatz im Zweifel für die Beschul-
digte, vom Vorwurf der Körperverletzung freizusprechen sei. Dieses Fazit ist auf-
grund der sorgfältigen, nachvollziehbaren und überzeugenden Begründung zu tei-
len. Lediglich ergänzend bzw. vertiefend ist mit Bezug auf die Beweiswürdigung
Folgendes auszuführen:
7.1 Die Aussagen der Privatklägerin weisen diverse Widersprüche auf. So erklärte
sie gegenüber dem Polizeibeamten D._, sie habe die Beschuldigte schon öf-
ters im Park gesehen (Urk. 1 S. 3). Demgegenüber gab sie später an, die
Beschuldigte vorher noch nie gesehen zu haben (Urk. 2/3 S. 3, Urk. 107 S. 2).
Ebenfalls unklar ist, ab welchem Zeitpunkt die Privatklägerin ihr iPhone in der
Hand gehalten hat. So erwähnte sie ihr iPhone sowohl in der polizeilichen Befra-
gung wie auch in der Konfrontationseinvernahme und zuletzt an der Berufungs-
verhandlung erst im Zusammenhang mit dem Hinsetzen und der zweiten Park-
bank (Urk. 2/3 S. 2 und 5, Urk. 107 S. 3). In ihrem eingereichten Schreiben erklär-
te sie, das iPhone bereits bei den Atemübungen bei der ersten Parkbank in der
Hand gehalten zu haben (Urk. 2/5 S. 1). Dass die Privatklägerin die Atemübungen
an jenem Tag gemacht hat, wurde lediglich im eingereichten Schreiben und
schliesslich an der Berufungsverhandlung (Urk. 107 S. 2) angegeben. In der poli-
zeilichen Einvernahme wurden keine Übungen bei der ersten Parkbank erwähnt
(Urk. 2/3 S. 2). Am Schluss dieser Einvernahme erklärte die Privatklägerin, dass
alle sie kennen würden, weil sie dort immer ihre Übungen mache (Urk. 2/3 S. 6).
Im eingereichten Video sagt die Privatklägerin, sie habe dann ihre Übungen an
diesem Tag nicht gemacht (Urk. 53).
7.2 Wie bereits die Vorinstanz ausgeführt hat, sind die Aussagen der Privatkläge-
rin im Kerngeschehen, nämlich in Bezug auf die Tritte gegen ihre Beine und das
Zerren an ihrem Mobiltelefon, widersprüchlich, enthalten Steigerungen und
Ungenauigkeiten (Urk. 70 S. 21 ff.). Zunächst erklärte die Privatklägerin, sie habe,
nachdem sie auf der zweiten Parkbank Platz genommen habe, zur Beschuldigten
gesagt, sie solle sie in Ruhe lassen. Die Beschuldigte sei dann vor sie gestanden
und habe gefragt, ob sie sie aufnehmen wolle. Darauf habe sie, die Privatklägerin,
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verneint und wiederum gesagt, sie solle sie in Ruhe lassen (Urk. 2/3 S. 2). Sowohl
im eingereichten Schreiben wie auch auf dem Video will die Privatklägerin ledig-
lich einmal zur Beschuldigten gesagt haben, sie solle sie in Ruhe lassen, dies
nachdem sich die Beschuldigte nach Aufnahmen erkundigt hatte (Urk. 2/5 S. 2;
Urk. 53). In der Konfrontationseinvernahme schildert die Privatklägerin nirgends
eine solche Äusserung (Urk. 2/4). An der Berufungsverhandlung erklärte die Pri-
vatklägerin, sie glaube, der Beschuldigten gesagt zu haben, sie solle sie in Ruhe
lassen, dies noch bei der ersten Parkbank (Urk. 107 S. 3). Anschliessend kam es
gemäss Privatklägerin zur Auseinandersetzung um deren Mobiltelefon. Zunächst
erklärte die Privatklägerin, die Beschuldigte habe ihr das Mobiltelefon nicht steh-
len wollen (Urk. 1 S. 4). Ein Handgemenge wird im Polizeirapport nicht erwähnt.
In der polizeilichen Befragung gab sie an, dass die Beschuldigte irgendwann wie-
der auf sie zugekommen sei und versucht habe, ihr das Mobiltelefon, welches sie
in beiden Händen gehalten habe, aus den Händen zu reissen. Sie, die Privatklä-
gerin, habe gewonnen; sie habe ihr iPhone immer noch gehabt (Urk. 2/3 S. 2 f.).
Im eingereichten Schreiben wird das Ganze bereits viel dramatischer geschildert.
Demnach habe die Privatklägerin zunächst eine Art rauen Aufschrei gehört und
dann habe die Beschuldigte ihr das iPhone aus den Händen reissen wollen. Sie
habe es verzweifelt und mit aller Kraft festgehalten, bis die Beschuldigte es losge-
lassen habe (Urk. 2/5 S. 2). In der Konfrontationseinvernahme sprach die Privat-
klägerin sodann von einem "Kampf". Die Beschuldigte sei zurückgekommen und
habe ihr das iPhone wegnehmen wollen. Sie, die Privatklägerin, habe das iPhone
festgehalten bis zum "Geht-Nicht-Mehr". Die Beschuldigte habe gerissen und sie,
die Privatklägerin, habe es zurückgehalten. Dann habe die Beschuldigte das
iPhone losgelassen und sie, die Privatklägerin, habe sich gratuliert (Urk. 2/4 S. 5).
Im eingereichten Video schilderte die Privatklägerin, dass in dem Moment, als sie
auf ihr iPhone heruntergeschaut habe, die Beschuldigte mit einem Sprung zu ihr
gekommen sei und ihr das iPhone habe wegreissen wollen. Es habe ein "Geran-
gel" gegeben. Die Beschuldigte habe das iPhone gehalten und sie, die Privatklä-
gerin, habe es auch gehalten. Am Schluss habe sie gesehen, dass sie es immer
noch habe und die Beschuldigte habe losgelassen (Urk. 53). Anlässlich der Beru-
fungsverhandlung gab die Privatklägerin an, man habe ihr das Handy wegreisen
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wollen; es sei ein Kampf gewesen, den sie irgendwann gewonnen habe (Urk. 107
S. 3). Die anfänglichen Aussagen der Privatklägerin weisen demnach Widersprü-
che zu den nachfolgenden Schilderungen auf. Zudem fällt die deutliche Intensivie-
rung der vorgeworfenen Tathandlung auf, was ebenfalls Zweifel an der Glaubhaf-
tigkeit dieser Aussagen aufkommen lässt.
7.3 Was die in der Anklageschrift erwähnte Prellung am rechten kleinen Finger
anbelangt, erwähnte die Privatklägerin in der polizeilichen Einvernahme eine
solche Verletzung nicht von sich aus. Erst auf Nachfrage des Polizeibeamten zu
den erlittenen Verletzungen beschrieb sie einen dunkelbraunen Flecken am rech-
ten kleinen Finger und ein braunes Anlaufen der Hand (Urk. 2/3 S. 4). Schmerzen
schilderte die Privatklägerin nicht. Weshalb und wann diese Verfärbungen aufge-
treten sind, erklärte die Privatklägerin ebenfalls nicht. Im eingereichten Schreiben
führte die Privatklägerin hingegen aus, sie habe, als die Beschuldigte das Mobil-
telefon losgelassen habe, gerufen "Was ist denn das?" und besorgt auf ihre
schmerzenden Hände geschaut (Urk. 2/5 S. 2). Auch in der Konfrontationsein-
vernahme gab die Privatklägerin an, sie habe nach dem "Kampf" sofort ihre
schmerzenden Finger bemerkt (Urk. 2/4 S. 5). Im Widerspruch dazu erklärte die
Privatklägerin in der gleichen Einvernahme auf die Frage, wann sie die Verletzung
am Finger fotografiert habe, dies habe sie getan, als es ihr wehgetan habe. Das
Foto habe sie noch am gleichen Tag gemacht; entweder noch in der Pflege oder
erst in ihrem Zimmer. Auf die Frage, wie es genau zur Verletzung am rechten
kleinen Finger gekommen sei, antwortete die Privatklägerin, sie könne es sich
nicht vorstellen. Aber als sie das iPhone festgehalten und die Beschuldigte so fest
gezerrt habe, sei einfach der unterste Finger "drangekommen" (Urk. 2/4 S. 7). Ob
somit die Schmerzen in den Fingern sofort nach dem "Kampf" auftraten oder der
rechte kleine Finger erst einige Zeit später schmerzte, bleibt offen und wurde
durch die Privatklägerin nicht konsistent ausgeführt. Die Privatklägerin gab an,
dass ihr alle Finger seit dem Vorfall Schmerzen verursachten (Urk. 2/4 S. 11).
Weshalb sie die Fingerverletzung weder drei Tage nach dem Vorfall (Urk. 24/9
S. 2) noch anlässlich der Konsultation vom 8. Januar 2019 (Urk. 8/4 S. 1) gegen-
über den behandelnden Ärzten erwähnte noch diese eine Fingerverletzung fest-
stellten, womit auch kein Eintrag in die Krankengeschichte erfolgte, bleibt uner-
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klärbar. Nachdem die Privatklägerin anlässlich der Berufungsverhandlung erst-
mals geltend machte, der kleine Finger sei gebrochen gewesen, man habe noch
eine Röntgenaufnahme (Urk. 107 S. 4), ist an ihren diesbezüglichen Aussagen
vollends zu zweifeln. Auch hier ist eine Dramatisierung klar erkennbar, welche die
Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen erheblich schmälert. Eine Röntgenaufnahme wur-
de im Übrigen nie eingereicht.
7.4 Zur Verletzung am Bein und deren Entstehung führte die Privatklägerin in der
polizeilichen Einvernahme aus, einige Minuten nach dem Vorfall mit dem iPhone
sei wie ein Schatten auf sie zugekommen und "sie" habe sie getreten. Sie habe
ihr rechtes Bein getroffen und die Privatklägerin habe gefragt, ob es noch gehe.
Nach einigen Sekunden habe sie gemerkt, dass es in ihren Stiefeln feucht wurde.
Sie habe ihre Hose nach oben gezogen und gesehen, dass es blutete. Sie habe
der Beschuldigten dann gesagt, ob sie gesehen habe, was sie getan habe (Urk.
2/3 S. 3). Im eingereichten Schreiben gab die Privatklägerin an, es seien, als sie
ihre schmerzenden Hände angeschaut habe, ein Aufschrei und zwei dumpfe
Schläge auf ihre Beine sowie Schmerzen im rechten Bein erfolgt. Wie lange sie
benommen gewesen sei, wisse sie nicht. Aber als sie die Umgebung wieder habe
wahrnehmen können, habe sie die Frau wieder vor sich gesehen und gleichzeitig
ein ungewöhnliches Nass in ihren Pelzstiefeln verspürt. Sie habe das rechte Ho-
senbein hochgezogen und ihr blutüberströmtes Bein gesehen. Da habe sie nur
gesagt: "Schauen Sie mal!" Als sie wieder nach oben geschaut habe, sei die Frau
nicht mehr da gewesen (Urk. 2/5 S. 2). In der Konfrontationseinvernahme führte
die Privatklägerin aus, dass sie plötzlich, als sie habe etwas relaxen wollen, zwei
"dudum" an ihrem Bein gespürt habe. Das zweite Mal gegen ihr rechtes Bein sei
ganz stark gewesen. Sie wisse nicht, wie lange sie benommen gewesen sei. Sie
habe ein kaltes Gefühl in ihren Pelzstiefeln gespürt. Dann habe sie versucht, ihre
Hosen hochzuziehen, und nur Blut an ihrem Bein gesehen. Auf die Frage, was sie
mit "dudum" meine, antwortete die Privatklägerin, sie nehme an, es seien zwei
Fusskicks gewesen. Sie wisse es aber nicht, einmal gegen das linke und einmal
gegen das rechte Schienbein, und sie fragte sich, von wem sonst als der Be-
schuldigten diese hätten kommen können (Urk. 2/4 S. 5). Gemäss Video hat die
Privatklägerin in dem Moment, als sie weiter auf das iPhone schauen wollte, ei-
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nen Schmerz an ihrem linken Bein und einen noch grösseren Schmerz am rech-
ten Bein gespürt. Die Frau habe sie zuerst an das linke und dann an das rechte
Bein gekickt. Sie habe geschaut; sie wisse nicht wie lange sie die Augen ge-
schlossen gehabt habe. Plötzlich sei sie wieder vor ihr gestanden. Sie, die Privat-
klägerin, habe dann zu ihr gesagt: "Schauen Sie, was passiert ist." Sie habe ge-
merkt, dass es im Stiefel Blut (ein "Gepflotsch") gehabt habe. Die Beschuldigte
habe einen Schritt auf sie zugemacht und "Äh" gesagt (Urk. 53).
Nachdem die Privatklägerin zunächst einen Tritt gegen ihr rechtes Bein schildert,
sind es dann zwei dumpfe Schläge gegen ihre Beine und Schmerzen im rechten
Bein, wobei nicht klar ist, ob beide Schläge gegen das rechte Bein oder je ein
Schlag auf beide Beine erfolgten. Zudem soll den Schlägen ein Aufschrei voraus-
gegangen sein. Alsdann spricht die Privatklägerin von zwei "dudum". Das zweite
Mal ganz stark gegen ihr rechtes Bein. Der Ausdruck "dudum" würde eigentlich
auf zwei Schläge hinweisen, was insgesamt vier Schläge bedeuten würde. Die
Privatklägerin äussert sich auch entsprechend, indem sie die Frage nach "dudum"
beantwortet und annimmt, dass es zwei Fusskicks waren. Sie wisse es jedoch
nicht. Im Video ist sich die Privatklägerin dann sicher, dass die Beschuldigte ihr
zuerst an das linke und dann an das rechte Bein gekickt hat und sie einen
Schmerz am linken Bein und einen noch grösseren Schmerz am rechten Bein
verspürt hat. Betreffend die Anzahl Schläge, wohin diese erfolgten sowie hinsicht-
lich der Schmerzen bestehen somit Widersprüche. Ebenfalls erfolgt eine Über-
steigerung, indem die Anzahl Schläge zunehmen und den Schlägen ein Aufschrei
vorangegangen sein soll. Nicht eindeutig bzw. äusserst vage schildert die Privat-
klägerin sodann, wer ihr die Verletzung am Bein zugefügt hat. So spricht sie zu-
nächst von einem Schatten, der auf sie zugekommen sei und sie getreten habe.
Alsdann erwähnt sie einen Aufschrei und zwei dumpfe Schläge und schliesslich
hat sie zwei "dudum" an ihrem Bein gespürt. Dabei nahm sie an, dass es zwei
Fusskicks gewesen sind, wobei sie einräumte, dass sie es nicht wisse. Wie es zu
den Verletzungen gekommen ist, weiss die Privatklägerin auch nicht. Es ist ge-
mäss ihren Angaben überraschend gekommen. Trotzdem äussert sie, dass die
Schläge von der Beschuldigten gekommen sein müssen, von wem denn sonst.
Nicht konsistent wird von der Privatklägerin weiter geschildert, was nach dem
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Schlag bzw. den Schlägen gegen ihre Beine geschah. So will die Privatklägerin
zunächst die Beschuldigte gefragt haben, ob es ihr noch gehe, dann habe sie
aufgrund der Feuchtigkeit in ihrem Stiefel das Hosenbein hochgezogen und das
Blut gesehen. Zudem habe sie zur Beschuldigten gesagt, ob sie gesehen habe,
was sie getan habe. Schmerzen schilderte sie nicht. Erst aufgrund der Nässe in
ihrem Stiefel ging sie deren Ursache auf den Grund. Gemäss dem eingereichten
Schreiben hatte die Privatklägerin Schmerzen im rechten Bein, war dann einige
Zeit benommen und hat dann ein ungewöhnliches Nass in ihren Stiefeln verspürt,
ihr blutüberströmtes Bein gesehen und zur Beschuldigten gesagt "schauen Sie
mal". Gemäss Aussagen in der Konfrontationseinvernahme war der zweite Kick
gegen das rechte Bein ganz stark. Die Privatklägerin war danach gemäss eigener
Schilderung benommen und spürte dann ein kaltes Gefühl in ihren Pelzstiefeln.
Als sie die Hosen hochgezogen habe, habe sie nur Blut an ihrem Bein gesehen.
Sie glaubt, dann zur Gestalt gesagt zu haben "Schauen Sie, was das ist". Auch
ihre Verfassung schildert die Privatklägerin nicht konsistent. Nachdem sie bei der
polizeilichen Einvernahme keine Benommenheit erwähnt hatte, schilderte sie im
eingereichten Schreiben, dass sie zweimal benommen gewesen sei, nämlich
nach den Schlägen an die Beine und dann wieder nachdem sie ihr blutüberström-
tes Bein gesehen habe. In der Konfrontationseinvernahme wollte die Privatkläge-
rin nach der Auseinandersetzung mit dem Mobiltelefon relaxt haben. Sie schilder-
te eine Benommenheit nach den Fusskicks und eine solche nach der Feststellung
der Verletzung. An der Berufungsverhandlung war die Privatklägerin mit ihrer Er-
klärung betreffend "dudum" dahingehend zu verstehen – die Geschehnisse konn-
ten offensichtlich nicht in logischer Reihenfolge geschildert werden –, dass sie
zuerst ans linke und dann ans rechte Bein gekickt wurde (Urk. 107 S. 3 und 6).
Sie wisse nicht, ob sie einen Moment lang weg gewesen sei, vielleicht sei sie
ohnmächtig gewesen, vielleicht eine Sekunde oder fünf Minuten (Urk. 107 S. 3
und 6). Auch hier ist die Dramatisierung der Darstellung unübersehbar. Zudem
scheint die von der Privatklägerin erwähnte Möglichkeit einer Ohnmacht sehr un-
wahrscheinlich, wäre sie diesfalls doch umgekippt, wovon aber nie die Rede war.
7.5 Die Privatklägerin schilderte mehrfach, zuletzt an der Berufungsverhandlung,
wie sie beim Betreten des Parks und dem Erblicken der Beschuldigten und deren
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Hunden der Beschuldigten zur Begrüssung zugewinkt und genickt habe (Urk. 2/5
S. 1, Urk. 53, Urk. 107 S. 2). Gleichzeitig erklärte sie jedoch, dass sie ihre Ruhe
haben, sich nicht mit der Beschuldigten abgeben wollte und an ihr sehr uninteres-
siert war (Urk. 2/3 S. 3 und 4, Urk. 107 S. 2). Gemäss ihren Schilderungen wurde
sie mehrmals verbal und physisch angegriffen. Trotzdem zeigt die Privatklägerin
an der Person der Beschuldigten keinerlei Interesse, obwohl sie gemäss eigenen
Angaben eigentlich eine ziemlich gute Beobachterin sei (Urk. 2/3 S. 4). Das man-
gelnde Interesse der Privatklägerin an der Beschuldigten äussert sich auch in de-
ren Aussagen: "Ich kümmerte mich eigentlich gar nicht um diese Frau", "Es war
dann, als wäre sie nicht da für mich" (Urk. 2/3 S. 3). "Ich beachtete die Frau
nicht", "Ich kann die Frau nicht genau beschreiben", "..., jedoch wollte ich mich an
diesem Tag nicht mit ihr abgeben", "Ich schaute sie kaum an", "Ich war sehr unin-
teressiert an ihr" (Urk. 2/3 S. 4). An der Berufungsverhandlung erklärte die Privat-
klägerin erneut, nachdem sie sich auf das zweite Bänkli gesetzt und auf ihr Handy
geschaut habe, sei die Gestalt wieder gekommen. Plötzlich habe ihr jemand, sie
wisse nicht wer, sie habe ja hinuntergeschaut, das iPhone weggerissen (Urk. 107
S. 3). Dass die Privatklägerin nicht hochschaute, um zu sehen, wer ihr das Handy
zu entreissen versuchte, ist schlichtweg unrealistisch. Zwar folgerte sie, dass es
nur die Beschuldigte habe sein können (Urk. 107 S. 5), dennoch mutet seltsam
an, dass die Privatklägerin verschiedentlich betont, dass sie die "Frau" nicht an-
geschaut, resp. nur in Form einer "Gestalt" wahrgenommen habe. Spätestens
nach der Auseinandersetzung mit dem iPhone würde man meinen, dass die Pri-
vatklägerin die ihr gegenüberstehende Person angeschaut und dieser auch nach-
geschaut hat, um zu sehen, ob sie allenfalls wieder kommt und erneut versuchen
würde, das iPhone an sich zu nehmen.
Auch aus den Aussagen der Privatklägerin an der Berufungsverhandlung kann
überdies nicht gefolgert werden, dass das offene Schienbein von der Beschuldig-
ten verursacht wurde. Die Privatklägerin gab lediglich an, dass sie plötzlich ge-
merkt habe, dass ihr das Schienbein wehgetan habe. Das "dudum" konnte sie im
Ablauf des Geschehens nicht einbetten. Auch brachte sie das "dudum" nicht in
Zusammenhang mit der Beschuldigten. Die Gestalt habe sie in dem Moment ge-
sehen, als sie die Hosen hochgezogen habe (Urk. 107 S. 3 f.). Erst auf die Frage,
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ob die Beschuldigte dann auch (zu ihr hin)kam, antwortete sie, diese habe sie ja
geschlagen und gekickt (Urk. 107 S. 6). Aus der zeitlich und inhaltlich nicht strin-
genten und in Bezug auf das Verhalten der Beschuldigten sehr vage gehaltenen
Schilderung der Privatklägerin zum Tathergang kann jedoch nicht auf ein Verhal-
ten der Beschuldigten im Sinne der Anklageschrift geschlossen werden. Die Riss-
quetschwunde der Privatklägerin ist zwar erwiesen, jedoch somit nicht auch, dass
diese durch Einwirkung seitens der Beschuldigten entstanden ist.
Schliesslich vermag die Privatklägerin nicht zu überzeugen, wenn sie betont, die
Konversation mit der Beschuldigten habe sich auf wenige Sätze beschränkt, sei
es ihr doch nur möglich, im Telegrammstil zu sprechen (Urk. 107 S. 4). Diesen
Eindruck hatte das hiesige Gericht angesichts der ausführlichen Schilderungen
der Privatklägerin anlässlich deren heutigen Einvernahme keineswegs.
7.6 Aufgrund der Aussagen (inklusive eingereichtes Schreiben und Video) der
Privatklägerin, welche vor allem im Kerngeschehen ungenau und wenig konstant
sind sowie Übersteigerungen enthalten, kann die Hypothese, die Aussagen seien
nicht wahr, nicht widerlegt werden. Auch unter Einbezug der Sachbeweise, die
von der Vorinstanz aufgeführt und sorgfältig gewürdigt wurden – worauf vollum-
fänglich verwiesen werden kann (Urk. 70 S. 24 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO) – ergibt
sich nichts anderes. Die von der Privatklägerin eingereichten Berichte von Be-
kannten und Bezugspersonen tragen nicht direkt etwas zur Glaubhaftigkeit der
Aussagen der Privatklägerin bei. Interessant ist immerhin, dass namentlich
Dr. E._(Urk. 44/4), und Prof. Dr. F._ (Urk. 48/2) den Ablauf des Ge-
schehens bzw. die erlittenen Verletzungen abweichend von der Privatklägerin
schildern, zumal es die Privatklägerin war, die ihnen die inkriminierten Ereignisse
zur Kenntnis brachte.
An diesem Ergebnis könnten auch die von der Privatklägerin beantragten Be-
weisabnahmen nichts ändern, zumal sie weder das Kerngeschehen betreffen,
noch geeignet sind, die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin zu erhö-
hen, zumal die Beweise denn auch gemäss den Ausführungen der Privatklägerin
dazu dienen sollen, die Aussagen der Beschuldigten zu widerlegen (Urk. 72 S. 5).
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Die Beschuldigte ist daher vollumfänglich freizusprechen.
III. Zivilansprüche
Die Privatklägerin stellte eine Zivilforderung bestehend aus Fr. 200.– Schadener-
satz und einer Genugtuung in der Höhe von Fr. 7'000.–; beides nebst Zins seit
dem eingeklagten Ereignis. Infolge Freispruchs und mangels Spruchreife der Zivil-
forderungen verwies die Vorinstanz die Zivilklage der Privatklägerin auf den Zivil-
weg (Urk. 70 S. 29 f.). An dieser Situation hat sich vorliegend nichts geändert,
weshalb die Zivilklage der Privatklägerin im Sinne von Art. 126 Abs. 2 lit. d StPO
auf den Zivilweg zu verweisen ist. Es kann auf die zutreffenden Erwägungen im
angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 70 S. 29 f.; Art. 82 Abs. 4
StPO).
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Betreffend die Kosten ist festzuhalten, dass die erstinstanzliche Kostenfest-
setzung (Dispositiv-Ziff. 3) von keiner Partei explizit angefochten wurde. Sie
erscheint auch korrekt und angemessen, weshalb die erstinstanzliche Kostenfest-
setzung zu bestätigen ist.
2. Wie bereits erwähnt, ist die Beschuldigte heute wie bereits vor Vorinstanz voll-
umfänglich freizusprechen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten
der Untersuchung sowie des erstinstanzlichen Verfahrens grundsätzlich auf die
Gerichtskasse zu nehmen (vgl. Art. 423 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigten könnten
die Kosten einzig dann auferlegt werden, wenn davon auszugehen wäre, dass sie
die Einleitung des Verfahrens schuldhaft und rechtswidrig bewirkt bzw. dessen
Durchführung erschwert hätte (Art. 426 Abs. 2 StPO). Um davon ausgehen zu
können, dass ein Verfahren schuldhaft und rechtswidrig bewirkt worden ist, wer-
den qualifiziert rechtswidrige Verstösse vorausgesetzt (Schmid, Praxiskommen-
tar, a.a.O., N 6 zu Art. 426 StPO), welche vorliegend nicht gegeben sind. Auch ei-
ne durch die Beschuldigte bewirkte Erschwerung des Verfahrens ist vorliegend
nicht ersichtlich. Ferner ist auch keine mutwillige oder grob fahrlässige Einleitung
des Verfahrens durch die Privatklägerin (vgl. Art. 427 Abs. 2 StPO) erkennbar,
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weshalb auch dieser keine Kosten auferlegt werden können. In Anbetracht der
gesamten Umstände sind die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen
Verfahrens auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die erstinstanzliche Kostenauflage
ist damit zu bestätigen.
3.1 Die Vorinstanz sprach der Beschuldigten für die anwaltliche Verteidigung eine
Entschädigung von Fr. 26'388.– zu. Die Kürzung der geltend gemachten Ent-
schädigung erfolgte im Wesentlichen für das Verfassen des Plädoyers sowie in
der Halbierung der Schlussrechnung von RAin Y1._ vom 15. Oktober 2019,
da diese Aufwendungen nicht nur der Verteidigung der Beschuldigten dienten,
sondern auch Aufwendungen für die Gegenanzeigen gegen die Privatklägerin
enthielten, welche nicht zu entschädigen seien (Urk. 70 S. 30 f.). Gegen diese
Festsetzung der Entschädigung erhob die Beschuldigte mit Eingabe vom 29. Ja-
nuar 2021 Anschlussberufung (Urk. 77). Sie beantragt für das vorinstanzliche Ver-
fahren eine Prozessentschädigung von Fr. 30'911.75 (Urk. 110 S. 6).
Wird die beschuldigte Person freigesprochen, so hat sie gemäss Art. 429 Abs. 1
lit. a StPO Anspruch auf Entschädigung ihrer Aufwendungen für die angemesse-
ne Ausübung ihrer Verfahrensrechte. Zu den unter diesem Titel zu entschädigen-
den Aufwendungen der beschuldigten Person gehören primär die Kosten der frei
gewählten Verteidigung, wenn eine anwaltliche Verbeiständung angesichts der
tatsächlichen oder rechtlichen Komplexität des Falls geboten war und der Arbeits-
aufwand und somit das Honorar des Anwalts gerechtfertigt waren (dazu etwa:
WEHRENBERG/FRANK, BSK StPO, 2. Auflage, Basel 2014, N 13 ff. zu Art. 429
StPO m.w.H.).
Vorab festzuhalten ist, dass der Beizug eines Rechtsanwaltes aufgrund der in je-
nem Verfahren gegenständlichen Vorwürfe (betreffend einfache Körperverlet-
zung) als sachlich geboten erschien. Gleichzeitig bot der Fall tatsächliche und
rechtliche Schwierigkeiten, die von der Beschuldigten – allein auf sich gestellt –
nicht zu bewältigen waren.
Die Höhe der Entschädigung im Sinne von Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO richtet sich
nach dem kantonalen Anwaltstarif. Gemäss § 16 Abs. 1 AnwGebV bemisst sich
- 18 -
die Gebühr im Vorverfahren im Sinne der Art. 299 ff. StPO nach dem notwendi-
gen Zeitaufwand der Vertretung, wobei die Ansätze gemäss § 3 der AnwGebV
gelten, d.h. in der Regel Fr. 150.– bis Fr. 350.– pro Stunde. Zu entschädigen sind
ferner auch die notwendigen Auslagen (§ 22 Abs. 1 AnwGebV). Grundsätzlich
werden diese Verteidigungskosten voll entschädigt. Jedoch müssen die Verteidi-
gungskosten verhältnismässig bzw. angemessen sein, d.h. der Aufwand der Ver-
teidigung muss in einem vernünftigen Verhältnis zur Komplexität bzw. Schwierig-
keit des Falles und zur Wichtigkeit der Sache stehen (WEHRENBERG/FRANK,
BSK StPO, a.a.O., N 13 und 15 zu Art. 429 StPO m.w.H.). Nach zürcherischer
Praxis ist eine Honorarnote des Privatverteidigers sodann im Lichte des Grund-
satzes der Verhältnismässigkeit und des Gebots zur Schadensminderung auf ihre
Angemessenheit zu prüfen (ZR 101 Nr. 19; ZR 102 Nr. 49; ZR 107 Nr. 74). Bei
der Bemessung einer Entschädigung für Prozesskosten ist der Staat jedenfalls
nicht an irgendwelche privatrechtlichen Vereinbarungen zwischen Anwalt und Kli-
ent gebunden.
Der Verteidiger der Beschuldigten verweist zur Begründung der Höhe des Ent-
schädigungsanspruches vorab auf die eingereichte Honorarnote (Urk. 59/2). Darin
macht er einen Aufwand von 68.8 Std. à Fr. 280.– (Fr. 19'264.–), zuzüglich Aus-
lagen in Höhe von Fr. 622.90, zuzüglich Mehrwertsteuer, sowie Fr. 2.– ohne
Mehrwertsteuer, insgesamt Fr. 21'420.20 geltend. Hinzu kommt der Aufwand der
vorherigen Vertreterin der Beschuldigten, RAin Y1._, welche am 15. Oktober
2019 Fr. 6'721.15 und am 2. April 2020 Fr. 4'774.– in Rechnung stellte
(Urk. 59/2).
Die Aufwendungen des Verteidigers für das Vorverfahren betragen 22,5 Stunden
(Aufwendungen bis 30. Juni 2020). Wären diese mit dem beantragten Stunden-
satz von Fr. 280.– entschädigt, ergäbe dies eine Entschädigung von Fr. 6'300.–.
Gemäss § 17 Abs. 1 lit. a AnwGebV beträgt die Grundgebühr für die Führung ei-
nes Strafprozesses einschliesslich Vorbereitung des Parteivortrages und Teil-
nahme an der Hauptverhandlung in der Regel vor den Einzelgerichten Fr. 600.–
bis
Fr. 8'000.–. Angesichts der Schwierigkeit des Falles erscheint eine Grundgebühr
- 19 -
von Fr. 6'000.– als angemessen, wenn auch sehr grosszügig. Hinzu kommt ein
Zuschlag für die Eingabe betr. Beweisantrag. Der Verteidiger weist für ein bean-
tragtes Fristerstreckungsgesuch, Aktenstudium und Beweiseingabe einen Auf-
wand von insgesamt 3,7 Stunden aus, mithin bei einem Stundenansatz von Fr.
280.– Fr. 1'036.–. Ein Zuschlag in diesem Bereich erscheint daher angemessen.
Für das Vorverfahren und das erstinstanzliche Verfahren würde sich daher eine
maximale Entschädigung von Fr. 13'336.– ergeben. Dazu kommen noch die Aus-
lagen und die Mehrwertsteuer. Mithin würde sich eine Entschädigung von Fr.
15'035.75 ergeben. Unter Berücksichtigung der Honorarrechnungen von RAin
Y1._ würde sich eine Entschädigung von Fr. 26'530.90 ergeben. Dabei gilt
es zu berücksichtigen, dass die Rechnung vom 15. Oktober 2019 auch Aufwen-
dungen für die Gegenanzeigen der Beschuldigten enthält, weshalb diese Rech-
nung noch zu kürzen wäre. Es ergibt sich daher, dass die von der Vorinstanz zu-
gesprochene Entschädigung von Fr. 26'388.– höher ist als die vorliegend errech-
nete Entschädigung. Da jedoch für den Fall eines Freispruches lediglich die Be-
schuldigte die Entschädigung angefochten hat, ist ihr die von der Vorinstanz zu-
gesprochene Entschädigung aus der Gerichtskasse auszurichten (Urteil des Bun-
desgerichts 6B_1046/2013 vom 14. Mai 2014 E. 2.3). Die vorinstanzliche Ausrich-
tung einer Prozessentschädigung an die Beschuldigte ist damit zu bestätigen.
3.2 Die Festsetzung der Entschädigung des unentgeltlichen Rechtsbeistandes der
Privatklägerin wurde nicht explizit angefochten. Die vorinstanzliche Entschädi-
gung des unentgeltlichen Rechtsbeistandes der Privatklägerin ist daher zu bestä-
tigen.
4. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'000.– festzusetzen.
Die Kosten des Berufungsverfahrens werden den Parteien nach Massgabe ihres
Obsiegens oder Unterliegens auferlegt (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Beschuldigte
unterliegt mit ihrem Antrag betreffend Prozessentschädigung. Die Privatklägerin
unterliegt mit sämtlichen von Ihr gestellten Anträgen. Die Kosten des Berufungs-
verfahrens sind daher, mit Ausnahme der unentgeltlichen Vertretung, der Privat-
klägerin zu neun Zehnteln und der Beschuldigten zu einem Zehntel aufzuerlegen.
Die Kosten der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft sind im Umfang
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von einem Zehntel der Beschuldigten aufzuerlegen und im Umfang von neun
Zehnteln einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Rückerstattungs-
pflicht der Privatklägerin bleibt im Umfang von neun Zehnteln gemäss Art. 138
Abs. 1 StPO vorbehalten.
5.1 Ausgehend von einer mit Blick auf § 17 Abs. 1 lit. a und § 18 Abs. 1 AnwGebV
als angemessen erachteten Grundgebühr in der Höhe von Fr. 3'000.– ist die
Privatklägerin zu verpflichten, der Beschuldigten eine wiederum um einen Zehntel
reduzierte Prozessentschädigung von Fr. 2'700.– für anwaltliche Verteidigung zu
bezahlen.
5.2 Betreffend die Entschädigung des unentgeltlichen Rechtsbeistandes der Pri-
vatklägerin ist angesichts des vorliegend einfachen Sachverhalts ohne rechtliche
Schwierigkeiten die Grundgebühr ebenfalls auf Fr. 3'000.– festzusetzen. Im
Gegensatz zu den weiteren Beweisanträgen ist für den ersten gestellten Beweis-
antrag ein Zuschlag von Fr. 600.– hinzuzurechnen. Somit ist dem unentgeltlichen
Rechtsbeistand der Privatklägerin ein Honorar von Fr. 3'600.– zu bezahlen.