# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 958847d2-6b9c-470b-b361-6e4c1322ce07
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 3. Abteilung, vom 17. September 2018 (DG180083)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 27. März 2018 ist die-
sem Urteil beigeheftet (Urk. 21).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 39 S. 31 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig des Verbrechens gegen das  im Sinne dessen Art. 19 Abs. 1 lit. d und lit. f sowie Art. 19 Abs. 2 lit. a.
2. Der bedingte Vollzug bezüglich der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-
Sihl vom 26. April 2017 ausgefällten Freiheitsstrafe von 6 Monaten wird widerrufen.
3. Der Beschuldigte wird unter Einbezug der widerrufenen Strafe bestraft mit
24 Monaten Freiheitsstrafe als Gesamtstrafe, wovon bis und mit heute 88 Tage durch Untersuchungshaft bereits erstanden sind.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 12 Monaten aufgeschoben und
die Probezeit auf 4 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (12 Monate), abzüglich 88 Tage,
die durch Untersuchungshaft erstanden sind, wird die Freiheitsstrafe vollzogen.
5. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a StGB für 5 Jahre des Landes ver-
wiesen.
6. Die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem wird
angeordnet.
7. Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom
16. März 2018 beschlagnahmten Betäubungsmittel und Betäubungsmittelutensilien
(BM Lager-Nummer B03093-2017) werden eingezogen und der Lagerbehörde
(Kantonspolizei Zürich, TEU AssTri) zur Vernichtung überlassen:
− Kokain (Ass.-Nr. A010'652'434);
− schwarze Socke (Ass.-Nr. A010'652'445);
− Kokain (Ass.-Nr. A010'652'923; gehört zu Ass.-Nr. A010'652'445);
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− Streckmittel (Ass.-Nr. A010'652'945);
− schwarze Socke (Ass.-Nr. A010'652'456);
− schwarze Socke mit Knoten (Ass.-Nr. A010'652'467);
− Kokain (Ass.-Nr. A010'652'119; gehört zu Ass.-Nr. A010'652'467);
− Kokain (Ass.-Nr. A010'653'120; gehört zu Ass.-Nr. A010'652'467);
− Plastiksack mit Knoten und Kokain (Ass.-Nr. A010'652'478);
− Klumpen mit Klebeband umwickelt und Kokain (Ass.-Nr. A010'652'489);
− Plastiksack mit teilweise Flüssigkeit (Ass.-Nr. A010'652'490);
− Klumpen umwickelt mit Gummihandschuhen (Ass.-Nr. A010'652'503);
− zwei Klumpen mit Alu umwickelt und Kokain (Ass.-Nr. A010'652'525);
− Plastiksack mit Klebeband (A010'652'536);
− Klumpen umwickelt mit Plastik (Ass.-Nr. A010'653'142);
− Kokain (Ass.-Nr. A010'653'904).
8. Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 16. März 2018 beschlag-
nahmten Gegenstände werden eingezogen und durch die Lagerbehörde (Bezirks-
gerichtskasse) verwertet:
− 1 Halskette (Sachkaution 32910);
− 1 Mobiltelefon der Marke Alcatel OneTouch 1016G (Ass.-Nr. A010'653'164);
− 1 Mobiltelefon der Marke Apple iPhone (Ass.-Nr. A010'653'153).
Der Verwertungserlös wird zur teilweisen Verfahrenskostendeckung verwendet. Es
wird davon Vormerk genommen, dass der Beschuldigte für die Herausgabe der
Halskette (Sachkaution 32910) einen Barbetrag von Fr. 500.– offeriert hat.
9. Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 16. März
2018 beschlagnahmten Gegenstände werden eingezogen und der jeweiligen La-
gerbehörde zur Vernichtung überlassen:
a) lagernd bei der Bezirksgerichtskasse:
− SIM-Karte "Lycamobile" (Ass.-Nr. A010'653'153);
− Visiten-Karte zu "B._" (Ass.-Nr. A010'653'153);
− SIM-Karte "Lycamobile" (Ass.-Nr. A010'653'164);
− SIM-Karte "Lycamobile" (Ass.-Nr. A010'741'910);
− SIM-Karte "Lycamobile" (Ass.-Nr. A010'741'921);
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b) lagernd bei der Kantonspolizei Zürich, TEU AssTri:
− Waage (Ass.-Nr. A010'653'233);
c) lagernd beim Forensischen Institut Zürich:
− abgebrochener Kleiderbügel (Ass.-Nr. A010'652'547).
10. Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 16. März
2018 beschlagnahmten Barbeträge (lagernd bei der Bezirksgerichtskasse) werden
eingezogen:
− Fr. 290.00 (Barkaution/17-10025482);
− Fr. 11.25 (Barkaution/EUR 10.00/17-10025482).
Die beschlagnahmten Barbeträge werden zur teilweisen Verfahrenskostendeckung
verwendet.
11. Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 16. März
2018 beschlagnahmten Gegenstände (lagernd bei der Bezirksgerichtskasse) wer-
den der berechtigten Person C._ innert 3 Monaten nach Eintritt der Rechtskraft
auf erstes Verlangen hin zurückgegeben und hernach der Lagerbehörde zur gut-
scheinenden Verwendung überlassen:
− 1 Mobiltelefon der Marke Apple IPhone 6s (Ass.-Nr. A010'653'960);
− 1 Tablet der Marke Apple iPad Air Wifi (Ass.-Nr. A010'653'222).
12. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 3'600.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'100.00 Gebühr Strafuntersuchung
Fr. 2'400.00 Gutachten/Expertisen etc.
Fr. 1'275.00 Auslagen Untersuchung
Fr. 8'730.10 amtl. Verteidigung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
13. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen die-
jenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt.
14. Die amtliche Verteidigung wird mit Fr. 8'730.10 (inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse
entschädigt. Vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
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15. (Mitteilung)
16. (Rechtsmittel)
17. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge:
a) Des Beschuldigten (Urk. 62 S. 1):
1. Ziffer 6 des Dispositivs des angefochtenen Urteils sei aufzuheben, und auf
eine Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informations-
system (SIS) sei zu verzichten.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
b) Der Anklagebehörde (Urk. 51):
Keine Anträge.

## Considerations

Erwägungen:
1. Prozessgeschichte
1.1. Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 3. Abteilung, vom 17. September
2018 wurde der Beschuldigte des Verbrechens gegen das Betäubungsmittelge-
setz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. d und f in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit a
BetmG schuldig gesprochen. Der bedingte Vollzug der mit Strafbefehl der Staats-
anwaltschaft Zürich-Sihl vom 26. April 2017 ausgefällten Freiheitsstrafe von
6 Monaten wurde widerrufen und der Beschuldigte wurde unter Einbezug der
widerrufenen Strafe mit 24 Monaten Freiheitsstrafe als Gesamtstrafe bestraft.
Der Vollzug der Freiheitsstrafe wurde im Umfang von 12 Monaten aufgeschoben
und die Probezeit auf 4 Jahre festgesetzt. Der Beschuldigte wurde weiter nach
Art. 66 a StGB für 5 Jahre des Landes verwiesen und es wurde die Aus-
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schreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem angeord-
net (Urk. 39 S. 31).
1.2. Gegen dieses Urteil liess der Beschuldigte mit Schreiben vom 27. Septem-
ber 2018 fristgerecht Berufung anmelden (Urk. 33).
1.3. Nach Ausfertigung und Zustellung des begründeten Urteils ging am
9. Januar 2019 fristgerecht die Berufungserklärung des Beschuldigten ein. Der
Beschuldigte beschränkte die Berufung auf die Ziffern 5 und 6 des vorinstanz-
lichen Urteils, d.h. auf die die Landesverweisung und deren Ausschreibung im
Schengener Informationssystem (Urk. 40). Die Staatsanwaltschaft erhob An-
schlussberufung und beschränkte diese auf die Bemessung und den Vollzug der
Strafe sowie die Anordnung der Landesverweisung (Urk. 45).
1.4. Mit Schreiben vom 8. Mai 2019 zog die Staatsanwaltschaft die Anschluss-
berufung unter Beilage eines Schreibens der Verteidigung, mit welchem der Be-
schuldigte die Berufung betreffend die Anordnung der Landesverweisung zurück
ziehen liess, ins Recht. Die Verteidigung bestätigte auf telefonische Nachfrage,
am Rückzug der Berufung betreffend die Anordnung der Landesverweisung fest-
zuhalten. Weiter beantragten beide Parteien die Durchführung des schriftlichen
Verfahrens (Urk. 51 ff.).
1.5. Da somit einzig die Rechtsfrage der Ausschreibung der Landesverweisung
im Schengener Informationssystem zu entscheiden ist, wurde mit Beschluss der
hiesigen Kammer vom 14. Mai 2019 das schriftliche Verfahren angeordnet
(Urk. 54). Dem Beschuldigten wurde Frist zur Erstattung der Berufungsbegrün-
dung angesetzt (Urk. 54). Diese ging am 16. Juli 2019 fristgerecht hierorts ein
(Urk. 62). Sowohl die Staatanwaltschaft als auch die Vorinstanz verzichteten auf
Vernehmlassung (Urk. 67 und 68).
1.6. Am 26. November 2019 erging das nachfolgende Urteil.
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2. Umfang der Berufung
2.1. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung auf-
schiebende Wirkung. Die Rechtskraft des angefochtenen Urteils wird somit im
Umfang der Berufungsanträge gehemmt, während die von der Berufung nicht er-
fassten Punkte in Rechtskraft erwachsen (BSK StPO II-Eugster, Art. 402 N 2).
2.2. Die Verteidigungen beschränkt die Berufung auf die Ausschreibung der
Landesverweisung im Schengener Informationssystem (Dispositivziffer 6; Urk. 45
und 52). Nicht angefochten sind somit die Dispositivziffern 1 bis 5 und 7 bis 14
des vorinstanzlichen Urteils. Die Rechtskraft desselben ist in diesem Umfang
mittels Beschluss vorab festzustellen (Art. 404 StPO).
2.3. Weiter ist darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende Instanz nicht mit
allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und jedes einzelne Vor-
bringen ausdrücklich widerlegen muss (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1 mit Hinweisen).
Die Berufungsinstanz kann sich auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte
beschränken.
3. Beweisanträge
3.1. Der Beschuldigte liess mit seiner Berufungsbegründung vom 15. Juli 2019
diverse "Beweisbehauptungen und -offerten mit Beilagen in spanischer Sprache"
vorbringen und Editionsbegehren stellen (Urk. 62 S. 2). Namentlich beantragte er
die Edition der ihn betreffenden Akten des Migrationsamtes ZH ... sowie die Ein-
holung einer Amtsauskunft beim spanischen Justizministerium zum Stand seines
Einbürgerungsverfahrens auf dem Rechtshilfeweg. Weiter beantragte er die
Übersetzung der eingereichten Notifikation vom 24. Juni 2019 und der Be-
stätigung vom 3. Juli 2019 über die Eintragung im Register über die faktischen
Lebensgemeinschaften sowie der Bestätigung des spanischen Justizministeriums
vom 22. März 2018 betreffend Hängigkeit seines Einbürgerungsgesuchs. Mit
Schreiben vom 19. November 2019 liess der Beschuldigte sodann unaufgefordert
eine in der Zwischenzeit erworbene und bis 17. Oktober 2024 gültige Nieder-
lassungsbewilligung für Spanien einreichen (Urk. 73).
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3.2. Mit Blick auf die (einzig noch) angefochtene Ausschreibung der Landes-
verweisung im Schengener Informationssystem von Relevanz ist, ob der Be-
schuldigte die Staatsangehörigkeit eines Mitgliedstaates der Europäischen Union
besitzt. Dass ein Einbürgerungsverfahren in Spanien hängig ist, ist somit bis zum
Erwerb der entsprechenden Staatsbürgerschaft nicht relevant, weshalb von der
Einholung einer Amtsauskunft beim spanischen Justizministerium zum Stand
desselben abzusehen ist. Hätte der Beschuldigte in der Zwischenzeit die spani-
sche Staatsbürgerschaft erworben, stünde es ihm frei, dies dem Gericht unter
Beilage der entsprechenden Urkunden zur Kenntnis zu bringen. Von dieser Mög-
lichkeit machte er denn mit Blick auf die in der Zwischenzeit in Spanien erworbe-
ne Niederlassungsbewilligung auch Gebrauch (Urk. 73). Wie noch zu zeigen sein
wird, führt ein Aufenthaltstitel in einem Schengen-Staat allerdings nicht ohne Wei-
teres zur Rücknahme oder Beschränkung der Ausschreibung im SIS (vgl. Ziffer
4.1 ff.).
Ebenfalls abgesehen werden kann von einem Beizug der migrationsrechtlichen
Akten des Beschuldigten. Der Beschuldigte bringt selbst vor, dass seine Aufent-
haltsbewilligung mit Verfügung des Migrationsamtes des Kantons Zürich wider-
rufen wurde und er die Schweiz bis Ende 2018 aufforderungsgemäss verlassen
habe. Neue Erkenntnisse sind vom Beizug der Akten nicht zu erwarten. Und
schliesslich kann auch auf die Vornahme der beantragten Übersetzungen ver-
zichtet werden, zumal sich die relevanten Erkenntnisse aus den eingereichten
Dokumenten ohne Beizug einer Dolmetscherin ergeben. Damit sind sämtliche
Beweisanträge abzuweisen.
4. Ausschreibung der Landesverweisung
4.1. Die Vorinstanz hat die Ausschreibung der Landesverweisung im Schenge-
ner Informationssystem angeordnet (Urk. 39 S. 31). Sie erwog, dass der Beschul-
digte kein Staatsangehöriger eines Mitgliedstaates des Schengener Überein-
kommens sei. Ferner sei entgegen den Vorbringen des Beschuldigten wenig
wahrscheinlich, dass dieser über eine Aufenthaltsbewilligung in Spanien verfüge.
Da er zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten verurteilt werde, würden die
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Voraussetzungen für die Eintragung der Landesverweisung im Schengener In-
formationssystem vorliegen.
Die Vorinstanz erwog weiter, dass selbst eine (erneuerbare) Aufenthaltsbewilli-
gung in Spanien nicht gegen eine Ausschreibung sprechen würde. Nach Art. 25
Abs. 2 des Übereinkommens zur Durchführung des Übereinkommens von
Schengen (fortan SDÜ) stehe es den spanischen Behörden frei, dem Beschuldig-
ten auch bei Ausschreibung desselben im Schengener Informationssystem die
nationale Aufenthaltsbewilligung nicht zu entziehen. Dieser Entscheid obliege
indes den spanischen Behörden (Urk. 39 S. 26 f.).
4.2. Der Beschuldigte liess mit Berufungsbegründung vom 15. Juli 2019 erklä-
ren, dass er seit März 2019 mit der Spanierin D._ in einer Haushaltsgemein-
schaft lebe. Am 24. Mai 2019 sei diese Partnerschaft im spanischen "Registro de
Uniones de Hecho" eingetragen worden. Er habe entsprechend aufgrund des re-
levanten EU-Rechts und der spanischen Ausführungsbestimmungen einen An-
spruch auf eine Niederlassungsbewilligung in Spanien und in einem zweiten
Schritt auch auf Erteilung der spanischen Staatsangehörigkeit. Der Beschuldigte
liess denn auch – wie bereits erwähnt – mit Schreiben vom 19. November 2019
eine bis 2024 gültige Niederlassungsbewilligung für Spanien ins Recht reichen
(Urk. 73). Seiner Ansicht nach, müsse die eine Einreiseverweigerung ausschrei-
bende Vertragspartei (die Schweiz) die Vertragspartei, die dem Drittausländer ei-
nen gültigen Aufenthaltstitel erteile (Spanien), nach Art. 25 Abs. 2 SDÜ konsultie-
ren, um zu prüfen, ob ausreichende Gründe für die Einziehung des Aufenthaltsti-
tels vorliegen würden. Da eine solche Konsultation im vorliegenden Fall nicht
stattgefunden und er legalen Wohnsitz in Spanien habe, könne die für die
Schweiz massgebende Landesverweisung nicht ins Schengener Informationssys-
tem eingetragen werden (Urk. 62 S. 2 ff.).
4.3. Eine Person, die nicht die Staatsangehörigkeit eines Mitgliedstaates der
EU oder der EFTA besitzt (Drittstaatsangehörige), kann im Schengener Informa-
tionssystem zur Einreise- und Aufenthaltsverweigerung ausgeschrieben werden,
wenn die "Angemessenheit, Relevanz und Bedeutung des Falles" eine solche
Massnahme rechtfertigen (Art. 3 Bst. d und Art. 21 der Verordnung [EG] Nr.
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1987/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. Dezember 2006
über die Einrichtung, den Betrieb und die Nutzung des Schengener Informations-
systems der zweiten Generation [SIS-II-Verordnung, Abl. L 381/4 vom
28.12.2006]). Voraussetzung der Ausschreibung im Schengener Informations-
system ist eine nationale Ausschreibung, die gestützt auf eine Entscheidung der
zuständigen nationalen Instanzen ergeht (Art. 24 Ziff. 1 SIS-II-Verordnung). Die
Ausschreibung erfolgt, wenn die nationale Entscheidung mit der Gefahr für die
öffentliche Sicherheit und Ordnung oder die nationale Sicherheit begründet wird,
die die Anwesenheit der betreffenden Person in einem Mitgliedstaat darstellt. Das
ist insbesondere der Fall, wenn die betreffende Person in einem Mitgliedstaat
wegen einer Straftat verurteilt wurde, die mit einer Freiheitsstrafe von mindestens
einem Jahr bedroht ist (Art. 24 Ziff. 2 Bst. a SIS-II-Verordnung), oder wenn gegen
sie der begründete Verdacht besteht, dass sie schwere Straftaten begangen hat,
oder wenn konkrete Hinweise bestehen, dass sie solche Taten im Hoheitsgebiet
eines Mitgliedstaats plant (Art. 24 Ziff. 2 Bst. b SIS-II-Verordnung). Als Drittstaats-
angehörige im Sinne der SIS-II-Verordnung gelten auch drittstaatsangehörige
Familienangehörige eines Unionsbürgers.
Das Bundesverwaltungsgericht hat in seiner Rechtsprechung zur Ausschreibung
im Schengener Informationssystem mehrfach darauf hingewiesen, dass die
Schweiz als Folge des Grundsatzes der loyalen Zusammenarbeit bei der Admi-
nistration des gemeinsamen Raumes der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts,
auf dem das Schengen-System beruhe, zur getreuen Wahrung der Interessen der
Gesamtheit der Schengen-Staaten verpflichtet sei. Wegen des Wegfalls systema-
tischer Personenkontrollen an den Schengen-Innengrenzen könnten Einreise-
verbote und ähnliche Massnahme ihre volle Wirksamkeit nur entfalten, wenn sich
ihre Geltung und Durchsetzbarkeit nicht auf einzelne Schengen-Staaten be-
schränken würden. Bei einer vom Beschuldigten ausgehenden qualifizierten Ge-
fahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung liege die Ausschreibung des Ein-
reiseverbots im zwingenden gemeinsamen Interesse der Schweiz und der übrigen
Schengen-Staaten (BVGE 2011/48 E. 6; BVGE F-6623/2016 E. 10.3).
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Im Urteil C-329/2013 vom 14. Dezember 2015 hielt das Bundesverwaltungs-
gericht fest, dass es nicht an den schweizerischen Behörden liege, auf eine sonst
gerechtfertigte Ausschreibung zu verzichten, nur weil eine drittstaatsangehörige
Person in einem anderen Schengen-Mitgliedstaat aufenthaltsberechtigt sei. Die
Schweiz habe vielmehr das Einreiseverbot im SIS auszuschreiben und den ande-
ren Mitgliedstaat zu konsultieren, damit dieser prüfe, ob ausreichende Gründe für
die Einziehung des Aufenthaltstitels bestehen würden. Erst wenn sich dieser an-
dere Mitgliedstaat entschliesse, den Aufenthaltstitel nicht einzuziehen, sei die
Schweiz zur Rücknahme der Ausschreibung verpflichtet (BVGE C-329/2013
E. 8.3 mit weiteren Hinweisen).
Im Urteil F-6623/2016 wies es ergänzend darauf hin, dass die Wirkung der Aus-
schreibung eines Drittstaatenangehörigen im SIS II davon abhängen würden, ob
er als Familienangehöriger eines Unionsbürgers, der von seinem Freizügigkeits-
recht Gebrauch macht, selbst abgeleitete freizügigkeitsberechtigt sei (BVGE
F-6623/2016 E. 10.2). Sei der Drittstaatenangehörige nicht freizügigkeitsberech-
tigt, würden die Wirkungen des Einreiseverbots auf alle Schengen-Staaten aus-
gedehnt. Die Mitgliedstaaten könnten der betroffenen Person indes nach wie vor
aus humanitären Gründen oder Gründen des nationalen Interesses oder aufgrund
internationaler Verpflichtungen die Einreise in das eigene Hoheitsgebiet gestatten.
Auch könnten sie ihr – nach Konsultation des ausschreibenden Staates – aus
wichtigen Gründen eine Aufenthaltsbewilligung erteilen, worauf die Ausschreibung
zurückgenommen würde (Art. 25 Abs. 1 SDÜ). Sei der Betroffene selbst abge-
leitet freizügigkeitsberechtigt, dürften die anderen Mitgliedstaaten diesem nicht
alleine wegen der Ausschreibung im SIS II die Einreise und den Aufenthalt ver-
weigern. Vielmehr müssten diese in eigener Zuständigkeit und Verantwortung
prüfen, ob Gründe der öffentlichen Ordnung und Sicherheit im Sinne von
Art. 5 Abs. 1 FZA (bzw. ausserhalb des Geltungsbereichs des Freizügigkeits-
abkommens im Sinne von Art. 27 der Unionsbürgerrichtlinie) bestünden, die einen
Eingriff in das abgeleitete Freizügigkeitsrecht rechtfertigen würden. Die dazu not-
wendigen Informationen seien dem Staat, der über die Einreise oder Aufenthalt
des Drittstaatsangehörigen zu entscheiden habe, vom ausschreibenden
Schengen-Mitgliedstaat innert angemessener Frist zur Verfügung zu stellen. Es
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handle sich bei der Ausschreibung im SIS II somit lediglich um eine "Warnung an
die Adresse der anderen Schengen-Mitgliedstaaten" bzw. um ein erstes Indiz für
das Vorliegen von Gründen, die eine freizügigkeitsrechtsbeschränkende Mass-
nahme rechtfertigen könne (BVGE F-6623/2016 E. 10.2 mit weiteren Hinweisen).
4.4. Der Beschuldigte ist Bürger der Dominikanischen Republik (Urk. 39 S. 26;
Urk. 13/1 und 13/4). Einen Nachweis über den Erwerb der spanischen Staats-
bürgerschaft hat der Beschuldigte nicht ins Recht gelegt. Der Beschuldigte kann
somit als Drittstaatsangehöriger grundsätzlich zur Einreise- bzw. Aufenthalts-
verweigerung im SIS ausgeschrieben werden.
Die mit Schreiben vom 19. November 2019 eingereichte Niederlassungsbewilli-
gung für Spanien steht der Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener
Informationssystem nicht entgegen. Wie das Bundesverwaltungsgericht festhielt,
liegt es nicht an den schweizerischen Behörden, auf eine sonst gerechtfertigte
Ausschreibung zu verzichten, nur weil eine drittstaatsangehörige Person in einem
anderen Schengen-Mitgliedstaat aufenthaltsberechtigt ist. Der Beschuldigte
wurde vorinstanzlich zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten verurteilt und ist
nicht Bürger eines Mitgliedstaates der Europäischen Union. Die Voraussetzungen
der Ausschreibung im Schengener Informationssystems sind erfüllt. Die Schweiz
hat somit das Einreiseverbot auszuschreiben und den Mitgliedstaat, welcher dem
Beschuldigten einen Aufenthaltstitel ausgestellt hat, zu konsultieren, damit dieser
prüft, ob ausreichende Gründe für die Einziehung des Aufenthaltstitels bestehen.
Entschliesst sich dieser Mitgliedstaat, vorliegend Spanien, den Aufenthaltstitel
nicht einzuziehen, ist die Schweiz zur Rücknahme der Ausschreibung verpflichtet,
wobei es ihr gemäss Art. 25 Abs. 2 SDÜ unbenommen bleibt, den betroffenen
Drittausländer in die nationale Ausschreibungsliste aufzunehmen.
4.5. Gemäss SIRENE-Handbuch (2003/C 38/01) fallen Konsultationen nach
Artikel 25 SDÜ in die Zuständigkeit der für die Erteilung von Aufenthaltstiteln und
Visa zuständigen Instanzen, wobei die SIRENEN für die Übermittlung zusätzlicher
Informationen beteiligt werden können (SIRENE-Handbuch C38/11 Ziffer 3.1.6).
Somit ist das Migrationsamt des Kantons Zürich über die Ausschreibung zu infor-
mieren, damit es Spanien im Sinne von Art. 25 Abs. 2 SDÜ konsultieren und ihm
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die nötigen Informationen zur Prüfung, ob die Aufenthaltsbewilligung zu entziehen
ist, bereit stellen kann. Entschliesst sich Spanien, die Aufenthaltsbewilligung nicht
einzuziehen, ist der Beschuldigte in die nationale Ausschreibungsliste aufzuneh-
men bzw. die Ausschreibung auf das Staatsgebiet der Schweiz zu beschränken.
5. Kosten
5.1. Die Kosten des Berufungsverfahrens sind auf Fr. 1'500.– festzusetzen.
5.2. Der Beschuldigte unterliegt in vorliegendem Verfahren vollständig. Der
Berufungsrückzug betreffend die Landesverweisung sowie der Rückzug der An-
schlussberufung durch die Staatsanwaltschaft wirken sich nicht auf die Kosten-
auflage aus. Die Kosten des Berufungsverfahrens sind somit dem Beschuldigten
aufzuerlegen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind einstweilen auf die
Kasse zu nehmen, mit Vorbehalt der Rückforderung nach Art. 135 Abs. 4 StPO.
5.3. Die amtliche Verteidigung des Beschuldigten ist antragsgemäss mit
Fr. 2'204.40 aus der Gerichtskasse zu entschädigen.