# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** a78f8ac5-8846-5a09-b27a-bc8fef7c4284
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin reichte am 30. Juni 2014 bei der Gemeinde Meiringen ein
Baugesuch ein für den Austausch der bestehenden Sendeanlage auf Parzelle Meiringen
Grundbuchblatt Nr. F._. Die Parzelle liegt in der Landwirtschaftszone. Gegen das
Bauvorhaben erhoben unter anderen die Beschwerdeführerinnen Einsprache.
Mit Gesamtentscheid vom 5. Februar 2016 erteilte das Regierungsstatthalteramt
Interlaken-Oberhasli die Baubewilligung. Gleichzeitig eröffnete es die Verfügung des Amts
für Gemeinden und Raumordnung (AGR) vom 9. November 2015 betreffend
Ausnahmebewilligung für das Bauen ausserhalb der Bauzone.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführerin 1 am 4. März 2016 und die
Beschwerdeführerin 2 am 5. März 2016 je eine Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und
Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragen, der Gesamtentscheid vom
5. Februar 2016 sei aufzuheben und dem Baugesuch sei der Bauabschlag zu erteilen.
Eventualiter beantragen sie die Sistierung des Verfahrens bis zum Nachweis einer
Einigung mit der Beschwerdegegnerin betreffend die Erschliessung der Sendeanlage über
die Privatstrasse der Beschwerdeführerin 2.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Das Amt für Berner Wirtschaft (beco)
verzichtete mit Schreiben vom 14. März 2016 auf eine weitere Stellungnahme und stellte
keinen Antrag. Das AGR und das Regierungsstatthalteramt Interlaken-Oberhasli
beantragen in ihren Stellungnahmen vom 17. und 18. März 2016 die Abweisung der
Beschwerden. Die Beschwerdegegnerin beantragt in ihrer Beschwerdeantwort vom
31. März 2016, die Beschwerden seien abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei.
4. Auf die Rechtsschriften und Vorakten wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in
den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintreten
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG2. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen ihrer
Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG in Verbindung mit
Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführerinnen, deren Einsprachen abgewiesen
wurden, sind als Grundeigentümerinnen der Parzellen Meiringen Grundbuchblätter
Nr. G._, H._, I._ und J._ durch den vorinstanzlichen
Gesamtentscheid beschwert und daher zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf die beiden
form- und fristgerecht eingereichten Beschwerden wird eingetreten.
2. Erschliessung
a) Die Beschwerdeführerinnen rügen, für das Bauvorhaben fehle es an einer
genügenden Erschliessung. Ausreichend sei die Erschliessung, wenn sie vollständig und
damit jederzeit gewährleistet sei. Der Zugang über das Bahngelände sei nicht ausreichend
und über die Privatstrasse der Beschwerdeführerin 2 sei er zurzeit nicht erlaubt.
Angesichts der wiederholten illegalen Benutzung der Privatstrasse als Zugang zum
bestehenden Mobilfunkmast, sei es offensichtlich, dass keine funktionierende Alternative
zur Erschliessung über die Privatstrasse bestehe.
b) "Eine Baubewilligung darf nur erteilt werden, wenn das Baugrundstück erschlossen
ist (Art. 22 Abs. 1 und Abs. 2 lit. b RPG). Land ist erschlossen, wenn unter anderem eine
2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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für die betreffende Nutzung hinreichende Zufahrt besteht (Art. 19 Abs. 1 RPG ...). Die
einzelnen Anforderungen an die Erschliessung ergeben sich im Detail hauptsächlich erst
aus dem kantonalen Recht und der kantonalen Gerichts- und Verwaltungspraxis, die sich
am bundesrechtlichen Rahmen zu orientieren haben. Das entsprechende kantonale Recht
kann insbesondere das Ausmass der Erschliessungsanlagen und die Anforderungen an
die genügende Zugänglichkeit in abstrakter Weise festlegen (...). Art. 19 Abs. 1 RPG will
mit dem Erfordernis der ausreichenden Erschliessung vor allem polizeiwidrige Zustände
verhindern. Es soll sichergestellt sein, dass keine Bauten entstehen, die wegen fehlender
Zufahrten sowie Versorgungs- und Entsorgungseinrichtungen feuer- und
gesundheitspolitische Gefahren bieten oder sonstige öffentliche Interessen gefährden. Die
Zufahrt muss die Verkehrssicherheit der Benützer gewährleisten und den Anforderungen
des Natur- und Heimatschutzes, des Umweltschutzes sowie weiteren wichtigen
Anforderungen der Raumplanung genügen. (...) Was als hinreichende Zufahrt gilt, hängt
von der beanspruchten Nutzung des Grundstücks sowie von den massgeblichen
(namentlich örtlichen) Umständen des Einzelfalls ab (...). Bei deren Beurteilung steht den
zuständigen kantonalen und kommunalen Behörden ein erhebliches Ermessen zu".4
Da Mobilfunkanlagen keinen Verkehr auslösen und nicht wartungsaufwendig sind, sind an
ihre Erschliessung keine übertriebenen Anforderungen zu stellen.5 Die Voraussetzung der
Erschliessung stellt für die Bewilligung von Mobilfunkanlagen daher kaum ein Problem dar.
Erforderlich sind insbesondere Stromanschluss und Zugänglichkeit für technisches
Personal.6
c) Auch im vorliegenden Fall braucht die Mobilfunkanlage der Beschwerdegegnerin in
ihrem Betrieb keine Zufahrt. Lediglich für den Bau und den Unterhalt der Anlage ist ein
Zugang erforderlich. Beim Bau der Anlage ist weiter zu berücksichtigen, dass es sich nicht
um einen Neubau einer Mobilfunkanlage, sondern lediglich um einen Austausch der
Sendeanlage an einem bestehenden Mobilfunkmast handelt. Dieser bestehende Mast
befindet sich unmittelbar neben einer Bahnlinie und damit unmittelbar neben einer
Erschliessungsanlage.
4 BGer 1C_147/2015 vom 17.09.2015, E. 6.1.1, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung 5 Hans Rudolf Trüeb, Der Bau von Fernmeldeanlagen, Baurechtstagung 2001, S. 99 ff., Ziff. 5.2 6 Benjamin Wittwer, Bewilligung von Mobilfunkanlagen, 2. Auflage, Zürich 2008, S. 89
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Gemäss Ziffer 15 des Mietvertrags zwischen der Beschwerdegegnerin und der L._
AG aus dem Jahr 2003 ist es der Beschwerdegegnerin gestattet, für die Stromversorgung
vom Bahnhof K._ bis zum Maststandort den bestehenden Kabelkanal zu
benutzen. Der Zugang vom Bahnhof K._ entlang des Gleises zum Maststandort
darf nur nach Zustimmung der Betriebsleitzentrale Meiringen als der verantwortlichen
Stelle erfolgen.
d) Sowohl der Stromanschluss als auch die Zugänglichkeit für technisches Personal
sind damit sichergestellt. Der Zugang erfolgt entlang der Gleise vom Bahnhof K._,
der lediglich rund 200 m vom Maststandort entfernt ist. Unter Berücksichtigung der
beanspruchten Nutzung und den örtlichen Umständen ist diese Erschliessung als
ausreichend zu betrachten. Durch den Austausch der Sendeanlage am bestehenden
Mobilfunkmast werden mit Blick auf die Erschliessung weder polizeiwidrige Zustände
geschaffen noch sonstige öffentliche Interessen gefährdet. Die bestehende
Erschliessungssituation berührt weder den Natur- und Heimatschutz noch den
Umweltschutz noch die weiteren wichtigen Anforderungen der Raumplanung. Ob der
Zugang zum bestehenden Mobilfunkmast entlang der Gleise komfortabel ist, ist für die
Baubewilligung unerheblich. Dies betrifft lediglich die Beschwerdegegnerin, sie hat den
damit allenfalls verbundenen zusätzlichen Aufwand zu tragen.
e) Zwar mag ein nicht komfortabler Zugang dazu führen, dass die Versuchung grösser
ist, einen einfacheren Zugang zu suchen. Ein solcher besteht vorliegend mit der
Privatstrasse der Beschwerdeführerin 2. Gemäss Darstellung der Beschwerdeführerinnen
scheint diese Privatstrasse in der Vergangenheit denn auch mehrmals als Zugang zum
bestehenden Mobilfunkmast benutzt worden zu sein. Gegen eine illegale Benutzung ihrer
Privatstrasse kann die Beschwerdeführerin 2 jedoch zivil- oder strafrechtlich vorgehen. Auf
die Frage der Bewilligungsfähigkeit hat dies keinen Einfluss.
3. Rechtliches Gehör
a) Die Beschwerdeführerin 1 rügt eine Verletzung ihres Anspruchs auf rechtliches
Gehör. Dies weil das Regierungsstatthalteramt Interlaken-Oberhasli ohne Begründung auf
ihre Beweisanträge nicht eingetreten sei.
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b) Die Behörden stellen den Sachverhalt von Amtes wegen fest; sie sind nicht an die
Beweisanträge der Parteien gebunden (Art. 18 VRPG7). Der Anspruch auf rechtliches
Gehör (Art. 21 ff. VRPG) verpflichtet aber die Behörden, die von den Parteien angebotenen
Beweise abzunehmen, sofern diese nötig sind für die Klärung des Sachverhalts. Wenn die
Behörde bei freier, pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung gelangt, die
vorhandenen Akten erlaubten die richtige und vollständige Feststellung des Sachverhalts
oder die behauptete Tatsache sei für die Entscheidung der Streitsache nicht von
Bedeutung, so kann sie auf das Erheben weiterer Beweise verzichten. Diese sogenannte
antizipierte Beweiswürdigung verletzt den Anspruch auf rechtliches Gehör nicht.8
c) Die Beschwerdeführerin 1 hat im vorinstanzlichen Verfahren im Zusammenhang mit
der Frage der Erschliessung ihre Anhörung als Partei, eine Zeugeneinvernahme und einen
Augenschein beantragt. Das Regierungsstatthalteramt hat in Erwägung 2.9.6 des
angefochtenen Entscheids ausgeführt, die entscheidrelevanten Fakten seien bekannt.
Daher werde auf die Einvernahme der Beschwerdeführerin 1 und des Zeugen sowie auf
einen Augenschein verzichtet. Demnach hat das Regierungsstatthalteramt seinen Verzicht
auf die Abnahme der beantragten Beweise begründet und damit den Anspruch der
Beschwerdeführerin 1 auf rechtliches Gehör nicht verletzt.
Im Übrigen waren und sind von diesen Beweisen keine relevanten Erkenntnisse zu
erwarten. Daher hat das Regierungsstatthalteramt auf die Beweisabnahme zu Recht
verzichtet und auch die BVE kann darauf verzichten, ohne das rechtliche Gehör der
Beschwerdeführerinnen zu verletzen.
d) Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die beiden Beschwerden
unbegründet sind. Sie werden daher abgewiesen und der angefochtene Gesamtentscheid
wird bestätigt.
7 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 8 BVR 2012 S. 252 E. 3.3.3, mit weiteren Hinweisen
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4. Kosten
a) Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr
(Art. 103 Abs. 1 VRPG). Für Entscheide in einer Verwaltungsjustizsache wird eine
Pauschalgebühr von Fr. 200.-- bis Fr. 4'000.-- je Beschwerde erhoben (Art. 19 Abs. 1
i.V.m. Art. 4 Abs. 2 GebV9). In Anwendung dieser Bestimmungen werden die Pauschalen
für die beiden Beschwerden auf je Fr. 900.-- festgelegt. Werden in einem einzigen
Entscheid mehrere Beschwerden beurteilt, so kann die Pauschalgebühr für die einzelnen
Beschwerdeführerinnen und Beschwerdeführer angemessen reduziert werden (Art. 21
Abs. 3 GebV). Dementsprechend werden die Pauschalen auf zwei Drittel, d.h. auf je
Fr. 600.-- reduziert. Insgesamt betragen die oberinstanzlichen Verfahrenskosten somit
Fr. 1'200.--.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführerinnen und sie
haben daher die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Die beiden
Beschwerdeführerinnen haben somit Verfahrenskosten in der Höhe von je Fr. 600.-- zu
bezahlen.
b) Die unterliegenden Beschwerdeführerinnen haben der obsiegenden
Beschwerdegegnerin die Parteikosten zu ersetzen (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Kostennote
der Parteianwälte der Beschwerdegegnerin beläuft sich auf Fr. 3'253.75 (Honorar:
Fr. 2'925.--, Auslagen: Fr. 87.75, Mehrwertsteuer: Fr. 241.--). Die Beschwerdegegnerin ist
mehrwertsteuerpflichtig10 und kann somit die von ihrem Rechtsvertreter auf sie überwälzte
Mehrwertsteuer in ihrer eigenen Mehrwertsteuerabrechnung als Vorsteuer abziehen. Nach
Praxis des Verwaltungsgerichts ist deshalb die in der Kostennote der Parteianwälte der
Beschwerdegegnerin aufgeführte Mehrwertsteuer bei der Bestimmung des
Parteikostenersatzes nicht zu berücksichtigen.11 Die beiden Beschwerdeführerinnen haben
der Beschwerdegegnerin daher je die Hälfte der Parteikosten in der Höhe von Fr. 3'012.75
(inkl. Auslagen), ausmachend je Fr. 1'506.40, zu bezahlen.
9 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21) 10 Siehe Unternehmens-Identifikationsnummer-Register, einsehbar unter: <https://www.uid.admin.ch> 11 BVR 2014 S. 484 E. 6
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