# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 70a3ef60-bac8-4b65-b648-700e8046d9a3
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend vorsätzliche Tötung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur vom 26. November 2015 (DG150023)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 17. April
2015 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. D1/24).
Urteil der Vorinstanz:
1. a) Der Beschuldigte E._ ist schuldig
− der Unterlassung der Nothilfe im Sinne von Art. 128 Abs. 1 StGB
sowie
− der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB.
b) Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− der vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB,
− des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB sowie
− der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB.
2. a) Der Beschuldigte E._ wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 21
Monaten, wovon bis und mit heute 21 Tage durch Untersuchungshaft
erstanden sind.
b) Die Freiheitsstrafe des Beschuldigten E._ wird aufgeschoben, un-
ter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren.
3. a) Der Beschuldigte A._ wird bestraft mit einer vollziehbaren Frei-
heitsstrafe von 13 Jahren, wovon bis und mit heute 260 Tage durch
Haft erstanden sind.
Es wird davon Vormerk genommen, dass sich der Beschuldigte
A._ seit dem 29. Januar 2015 im vorzeitigen Strafvollzug befindet.
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b) Es wird für den Beschuldigten A._ eine stationäre Massnahme im
Sinne von Art. 59 StGB (Behandlung von psychischen Störungen) an-
geordnet.
c) Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird zugunsten dieser Massnahme auf-
geschoben.
d) Der bedingte Vollzug der mit Entscheid des Ministero pubblico del can-
tone Ticino Bellinzona vom 21. Januar 2013 (Decisione n. DA
214/2013) ausgefällten Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu Fr. 30.–,
entsprechend Fr. 1'500.–, wird widerrufen.
4. a) Die beim Verstorbenen sichergestellte und mit Verfügung der Staats-
anwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 10. Juni 2014 beschlagnahm-
te Sachkaution in der Höhe von Fr. 400.– wird den Privatklägern 1 auf
erstes Verlangen herausgegeben.
b) Die bei den Beschuldigten sichergestellten und mit Verfügung der
Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 13. Februar 2015 be-
schlagnahmten Mobiltelefone HTC (Asservat Nr. A007'141'722 sowie
die entsprechende Datensicherung, Asservat Nr. A007'165'368) und
Samsung GT (Asservat Nr. A007'141'799) werden eingezogen und der
Kantonspolizei Zürich zur gutscheinenden Verwendung überlassen.
5. a) Der Beschuldigte A._ wird verpflichtet, den Privatklägern 1 Scha-
denersatz in der Höhe von Fr. 3'426.20 zu bezahlen.
Es wird im Übrigen festgestellt, dass der Beschuldigte A._ gegen-
über den Privatklägern 1 aus dem eingeklagten Ereignis dem Grund-
satze nach schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des
Umfangs des Schadenersatzanspruches werden die Privatkläger 1 auf
den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
b) Der Beschuldigte A._ wird verpflichtet, den Privatklägern 1 eine
Genugtuung in der Höhe von je Fr. 30'000.– zu bezahlen.
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c) Es wird davon Vormerk genommen, dass sich der Beschuldigte
E._ und die Privatkläger 1 über die Zivilansprüche aussergericht-
lich geeinigt haben.
6. a) Das Schadenersatzbegehren des Privatklägers 2 wird auf den Weg
des Zivilprozesses verwiesen.
b) Der Beschuldigte A._ wird verpflichtet, dem Privatkläger 2 eine
Genugtuung in der Höhe von Fr. 500.– zu bezahlen. Im Mehrbetrag
wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
7. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 8'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 10'000.00 Gebühr für die Führung der Strafuntersuchung
Fr. 36'961.40 Allgemeine Auslagen Vorverfahren
Fr. 8'212.25 Auslagen Vorverfahren (Obduktion)
Fr. 21'679.20 Auslagen Vorverfahren (Gutachten)
Fr. 1'106.25 Entschädigung Übersetzung Vorverfahren
Fr. 12'429.70 amtliche Verteidigungskosten RAin Dr. X2._
Fr. (ausstehend) amtliche Verteidigungskosten RAin X1._
Fr. 98'388.80
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
8. Die Entscheidgebühr, die Gebühr für die Führung der Strafuntersuchung
sowie die allgemeinen Auslagen des Vorverfahrens werden dem Beschul-
digten A._ zu 3/4 und dem Beschuldigten E._ zu 1/4 auferlegt. Die
Auslagen für das Gutachten sowie die Obduktion werden vollumfänglich
dem Beschuldigten A._ auferlegt. Die Kosten der Übersetzung und die
Kosten der amtlichen Verteidigungen werden definitiv auf die Gerichtskasse
genommen.
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9. a) Der Beschuldigte A._ wird verpflichtet, den Privatklägern 1 für das
gesamte Verfahren eine Prozessentschädigung in der Höhe von
Fr. 7'950.55 zu bezahlen.
b) Der Beschuldigte A._ wird verpflichtet, dem Privatkläger 2 für das
gesamte Verfahren eine Prozessentschädigung in der Höhe von
Fr. 3'102.85 zu bezahlen.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 161 S. 2)
1.1. Der Beschuldigte sei
- der schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB sowie
- der fahrlässigen Tötung im Sinne von Art. 117 StGB zu bestrafen.
1.2. Demgegenüber sei der Beschuldigte vom Vorwurf der vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB freizusprechen.
2.1. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren zu .
2.2. Die Freiheitsstrafe sei zu vollziehen.
3.1. Das Genugtuungsbegehren des Privatklägers 2 (D._) sei  abzuweisen.
3.2. Dem Privatkläger 2 sei eine reduzierte Prozessentschädigung von Fr. 1'000.00 (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen.
4.1. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien ausgangsgemäss .
4.2. Die Kosten der amtlichen Verteidigung für das Berufungsverfahren  definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen.
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b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:
(Prot. II S. 40)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
_

## Considerations

Erwägungen:
I. Verfahrensgang
1. Der Beschuldigte A._ wurde mit Urteil des Bezirksgerichts Winterthur
vom 26. November 2015 der vorsätzlichen Tötung, des Raubes sowie der Nöti-
gung schuldig gesprochen. Das Bezirksgericht sprach eine Freiheitsstrafe von 13
Jahren aus und schob diese zum Zweck der angeordneten stationären Mass-
nahme zur Behandlung psychischer Störungen auf (Urk. 121 S. 104 f.). Das Urteil
wurde gleichentags mündlich eröffnet, erläutert und den anwesenden Parteien im
Dispositiv übergeben (Urk. 121 S. 107, Prot. I S. 118 f.). Direkt im Anschluss an
die Urteilseröffnung meldete Rechtsanwältin lic. iur. X1._, Verteidigerin des
Beschuldigten A._, gegen das Urteil Berufung an (Prot. I S. 118).
2. Das begründete Urteil wurde am 25. April 2016 versandt und Rechtsanwältin
lic. iur. X1._ am 4. Mai 2016 zugestellt (Urk. 118). Innert der gesetzlichen
Frist erstattete sie die Berufungserklärung (Art. 399 Abs. 3 StPO; Urk. 122), wel-
che sie nach Ansetzung einer Nachfrist mit Eingabe vom 18. Juli 2016 verdeut-
lichte (Urk. 129, Urk. 131). Anschlussberufungen wurden keine erhoben
(Urk. 125, 126 und 128). Auf Gesuch von Rechtsanwalt Dr. iur. Y1._,
Rechtsvertreter der Privatkläger 1, B._ und C._, wurde mit Beschluss
vom 17. August 2016 die Rechtskraft der Dispositivziffer 4.a des Urteils des Be-
zirksgerichts Winterthur festgestellt, so dass die Sachkaution von Fr. 400.– an die
Privatkläger 1 ausbezahlt werden konnte (Urk. 134, Urk. 136).
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3. Die Parteien wurden auf den 16. Juni 2017 zur Berufungsverhandlung vor-
geladen (Urk. 139). In der Folge stellte die Verteidigerin mehrere Beweisanträge
(Urk. 143 S. 2). Mit Präsidialverfügung vom 28. März 2017 wurde dem Beweisan-
trag auf Einholung eines Führungsberichts der Justizvollzugsanstalt Pöschwies
über den Beschuldigten entsprochen. Zudem wurde Prof. Dr. med. F._ im
Hinblick auf die neuste bundesgerichtliche Rechtsprechung zur schriftlichen Er-
läuterung seines Gutachtens vom 1. Dezember 2014 aufgefordert. Im Übrigen
wurden die Beweisanträge der Verteidigung einstweilen abgewiesen (Urk. 144).
Die Stellungnahme des Gutachters ging am 6. April 2017 bei Gericht ein
(Urk. 146) und wurde den Parteien zur freigestellten Vernehmlassung zugestellt
(Urk. 147), worauf sich die Verteidigung nochmals vernehmen liess (Urk. 151). Mit
Eingabe vom 14. Juni 2017 schränkte die Verteidigung die Berufung nachträglich
zusätzlich ein (Urk. 156).
4. Zur Berufungsverhandlung erschienen der Beschuldigte in Begleitung seiner
Verteidigerin und Staatsanwalt lic. iur. Scherrer für die Anklagebehörde (Prot. II
S. 8). Anlässlich der Verhandlung stellten die Parteien die eingangs erwähnten
Anträge.
II. Prozessuales
1. Gegenstand der Berufung
1.1. Das Berufungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil nur in den ange-
fochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). Wer nur Teile des Urteils anficht, hat in
der Berufungserklärung verbindlich anzugeben, auf welche Teile sich die Beru-
fung beschränkt (Art. 399 Abs. 4 StPO).
1.2. In ihrer Eingabe vom 18. Juli 2016 beschränkte die Verteidigerin die Beru-
fung auf einen Teil des Schuldspruchs (Dispositivziffer 1.b), die Bemessung der
Strafe (Dispositivziffer 3.a), die Anordnung einer stationären Massnahme (Dispo-
sitivziffer 3.b), die dem Privatkläger 2 zugesprochene Genugtuung (Dispositivziffer
6.b) und die Prozessentschädigungen zugunsten der Privatkläger 1 und 2 (Dispo-
sitivziffer 9.a und b; Urk. 131 S. 2). Nachträglich schränkte die Verteidigerin die
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Berufung in Ergänzung zur Berufungserklärung weiter ein und teilte mit, dass die
Dispositivziffern 1.b Absatz 2, Schuldspruch betreffend Raub (Dossier 2), 1.b Ab-
satz 3, Schuldspruch betreffend Nötigung (Dossier 1), sowie 9.a, die Prozessent-
schädigung an die Privatkläger 1, nicht mehr angefochten würden (Urk. 156 S. 2).
1.3. Der Vollzug der Strafe wurde von der Vorinstanz in Dispositivziffer 3.c zu-
gunsten der Massnahme aufgeschoben. Da die Massnahme von der Verteidigung
angefochten wurde und diese in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Straf-
aufschub steht, gilt die Dispositivziffer 3.c implizit als mitangefochten (vgl. dazu
Niklaus Schmid, Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar [kurz:
Praxiskommentar StPO], 2.A., Zürich/St. Gallen 2013, Art. 399 N 18;
Hug/Scheidegger in: Donatsch/ Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur
Schweizerischen Strafprozessordnung [kurz: ZH StPO Komm.], 2.A. Zürich-Basel-
Genf 2014, N. 19 und 20 zu Art. 399; Sprenger in: Niggli/Heer/ Wiprächtiger
[Hrsg.], Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung [kurz: BSK
StPO], 2. A. Basel 2014, Art. 437, N. 31 f.).
1.4. Mit Beschluss vom 17. August 2016 wurde bereits die Rechtskraft der Dis-
positivziffer 4.a des vorinstanzlichen Urteils festgestellt, in welcher angeordnet
wurde, dass die beschlagnahmte Sachkaution in der Höhe von Fr. 400.– den Pri-
vatklägern 1 herauszugeben sei (Urk. 121 S. 105 und Urk. 136 S. 2). In Ergän-
zung zu diesem Beschluss ist somit festzustellen, dass das Urteil des Bezirksge-
richts Winterthur vom 26. November 2015 bezüglich der Dispositivziffern 1.a
(Schuldspruch Mitbeschuldigter), 1.b teilweise (Schuldsprüche betreffend Nöti-
gung [Dossier 1] und Raub [Dossier 2]), 2 (Bestrafung Mitbeschuldigter), 3.d (Wi-
derruf), 4.b (Einziehungen), 5 (Zivilforderungen der Privatkläger 1), 6.a (Schaden-
ersatzbegehren des Privatklägers 2), 7 und 8 (Kostendispositiv) sowie 9.a (Pro-
zessentschädigung an die Privatkläger 1) in Rechtskraft erwachsen ist.
2. Verletzung des Anklageprinzips
2.1. Die Verteidigung beantragte anlässlich der Berufungsverhandlung, das
Strafverfahren gegen den Beschuldigten sei an die Staatsanwaltschaft zwecks
Ergänzung der Anklageschrift zurückzuweisen (Urk. 159 S. 2). Sie begründete
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diesen Antrag damit, dass sie gestützt auf einen ähnlich gelagerten Fall der An-
sicht sei, es liege nicht eine vorsätzliche Tötung, sondern eine schwere Körper-
verletzung und eine fahrlässige Tötung vor und dass mit der vorliegenden Ankla-
ge zwar eine schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB gemäss An-
klageprinzip rechtlich genügend umschrieben worden sei, nicht jedoch die fahr-
lässige Tötung im Sinne von Art. 117 StGB (Urk. 159 S. 2 f.).
2.2. Nach dem in Art. 9 Abs. 1 StPO festgeschriebenen Anklagegrundsatz be-
stimmt die Anklage den Gegenstand des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunk-
tion). Gemäss Art. 325 Abs. 1 StPO bezeichnet die Anklageschrift unter anderem
möglichst kurz, aber genau, die der beschuldigten Person vorgeworfenen Taten
mit Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung (lit. f)
und die nach Auffassung der Staatsanwaltschaft erfüllten Straftatbestände unter
Angabe der anwendbaren Gesetzesbestimmungen (lit. g).
2.3. Die Anklage hat die der beschuldigten Person zur Last gelegten Delikte in
ihrem Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe in objektiver und
subjektiver Hinsicht genügend konkretisiert sind. Zugleich bezweckt das Anklage-
prinzip den Schutz der Verteidigungsrechte des Beschuldigten und garantiert den
Anspruch auf rechtliches Gehör (Informationsfunktion; BGE 141 IV 132 E. 3.4.1;
BGE 140 IV 188 E. 1.3). Die beschuldigte Person muss aus der Anklageschrift er-
sehen können, wessen sie angeklagt ist. Das bedingt eine zureichende Um-
schreibung der Tat. Entscheidend ist, dass die beschuldigte Person genau weiss,
welcher konkreter Handlungen sie beschuldigt und wie ihr Verhalten rechtlich
qualifiziert wird, so dass sie sich in ihrer Verteidigung richtig vorbereiten kann (Ur-
teil des Bundesgerichts 6B_492/2015 vom 2. Dezember 2015 E. 2.2 mit Hinwei-
sen, nicht publ. in BGE 141 IV 437). Kernstück der Anklageschrift bildet die Dar-
stellung der dem Beschuldigten zur Last gelegten Tat. Die Darstellung des tat-
sächlichen Vorgangs ist auf den gesetzlichen Tatbestand auszurichten, der nach
Auffassung der Anklage erfüllt zu betrachten ist, d.h. es ist anzugeben, welche
einzelnen Vorgänge und Sachverhalte den einzelnen Merkmalen des Straftatbe-
standes entsprechen. Zu den gesetzlichen Merkmalen der strafbaren Handlung
gehören neben den Tatbestandsmerkmalen die Schuldform (sofern vorsätzliches
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und fahrlässiges Verhalten strafbar ist), die Teilnahmeform (Mittäterschaft, Anstif-
tung, Gehilfenschaft) sowie die Erscheinungsform (Versuch oder vollendetes De-
likt) und allfällige Konkurrenzen (Urteil des Bundesgerichts 6B_633/2015 vom
12. Januar 2016, E. 1.3.2). Dabei ist jedoch der Inhalt des Tatbestandes ebenso
wenig anzuführen, wie diesbezügliche rechtliche Ausführungen, denn das Gericht
ist in der rechtlichen Würdigung des Tatvorwurfs frei (Urteil des Bundesgerichts
6B_492/2015 vom 2. Dezember 2015 E. 2.3; nicht publ. in BGE 141 IV 437).
2.4. Vorliegend wirft die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten eine eventual-
vorsätzliche Tötung vor (Urk. D1/24 S. 2) und umschreibt in der Anklage sämtli-
che Tatbestandsmerkmale sowie die Schuldform. In den Anklageziffern 1.4 bis
1.18 werden Ort, Datum und Zeit der dem Beschuldigten vorgeworfenen Tat ge-
nannt und es wird exakt umschrieben, wie der Beschuldigte die Tat ausgeführt
haben soll und welches die Folgen der ihm vorgeworfenen Handlungen waren
(Urk. D1/24 S. 3-6). In Anklageziffer 1.18 wird der Eventualvorsatz des Beschul-
digten umschrieben, wonach der Beschuldigte bei seinem geschilderten, massiv
gewalttätigen Einwirken auf †G._ dessen Tod zumindest in Kauf genommen
habe (Urk. D1/24 S. 5).
2.5. Die Verteidigung möchte, dass die Anklage zurückgewiesen wird und die
Anklageschrift dahingehend ergänzt oder geändert wird, dass die Tatbestands-
merkmale der fahrlässigen Tötung im Sinne von Art. 117 StGB umschrieben wer-
den. Für die Prüfung der Einhaltung des Anklageprinzips ist jedoch nicht massge-
blich, ob der Sachverhalt wie von der Verteidigung gewünscht in der Anklage-
schrift zu finden ist. Massgebend ist wie erwähnt, dass dem Beschuldigten durch
hinreichende Umschreibung des Tatgeschehens im Sinne von Art. 325 Abs. 1 lit. f
und g StPO klar ist, welches Verhalten ihm vorgeworfen wird. Dem wurde mit der
vorliegenden Anklageschrift Genüge getan. Der Einwand der Verteidigung zielt
demgegenüber bereits auf die Würdigung des Sachverhaltes hin. Ob die der An-
klage zugrundeliegenden Tatbestandselemente beweismässig erstellt werden
können oder für die Anwendung der angerufenen Strafnormen ausreichend sind,
ist jedoch nicht unter dem Aspekt des Anklageprinzips zu prüfen, sondern wird
Gegenstand des materiellen Entscheides gestützt auf die Beweiswürdigung sein.
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3. Verwertbarkeit des Gutachtens
3.1. Die Verteidigerin stellte bereits im Vorverfahren wie auch im erstinstanzli-
chen Verfahren mehrfach die Beweisanträge, es sei festzustellen, dass das psy-
chiatrische Gutachten vom 1. Dezember 2014 aufgrund schwerer Mängel unver-
wertbar sei, es sei ein neues Gutachten in Auftrag zu geben und ein neuer Gut-
achter zu bestimmen (Urk. D1/15/14 S. 2, D1/41 S. 2, D1/93 S. 2). Die Vorinstanz
lehnte diese Beweisanträge mit begründeter Verfügung vom 15. Juni 2015 ab und
berief sich auch in ihrem Endentscheid vom 26. November 2015 hierauf
(Urk. D1/42, Urk. 121 S. 11-13 Ziff. I.3). Im Berufungsverfahren stellte die Vertei-
digerin mit Eingabe vom 3. März 2017 sowie anlässlich der Berufungsverhand-
lung dieselben Beweisanträge erneut (Urk. 143 S. 2; Urk. 160 S. 2). Zusammen-
gefasst argumentierte sie, dass gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
(Urteile des Bundesgerichts 6B_265/2015 vom 3. Dezember 2015 und
6B_884/2014 vom 8. April 2015) der Sachverständige den Auftrag grundsätzlich
persönlich auszuführen habe. Eine Delegation seiner Aufgabe und seiner Verant-
wortung an Dritte sei nicht zulässig (Delegationsverbot; Urk. 143 S. 2). Der Auf-
trag durch die Staatsanwaltschaft IV vom 3. Juni 2014 zur Begutachtung des Be-
schuldigten sei klar nur an Prof. Dr. med. F._ gegangen. Im Sinne der neus-
ten bundesgerichtlichen Rechtsprechung müsse von einer unzulässigen Delegati-
on an die Oberärztin Dr. med. H._ ausgegangen werden, da das Gutachten
hauptsächlich von ihr angefertigt worden sei (Urk. 143 S. 4). Zudem sei die Be-
gutachtung durch Prof. Dr. med. F._ mit 90 Minuten nicht ausreichend er-
folgt. Bereits hierin liege ein klarer formeller Mangel, der das Gutachten gemäss
obiger Rechtsprechung unverwertbar mache. Auch inhaltlich vermöge das Gut-
achten nicht zu überzeugen. Es weise schwere Mängel auf und sei weder schlüs-
sig noch nachvollziehbar (Urk. 143 S. 5).
3.2. Das Bundesgericht äusserte sich im Urteil 6B_265/2015 vom 3. Dezember
2015 im Zusammenhang mit der Begutachtung eines Beschuldigten im Hinblick
auf die Anordnung einer therapeutischen Massnahme zur Delegation von Aufga-
ben und zum Beizug von Hilfspersonen durch den beauftragten Gutachter folgen-
dermassen: "Bei der Auftragserteilung stehen die Person des Sachverständigen
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und das damit verbundene Vertrauen in deren Fachkompetenz und Unabhängig-
keit im Vordergrund. Wird ein bestimmter Sachverständiger - im Einvernehmen
mit den Parteien - bestellt und mit der Begutachtung betraut, hat er den Auftrag
grundsätzlich persönlich auszuführen. Eine Delegation seiner Aufgabe und seiner
Verantwortung an Dritte ist nicht zulässig (Delegationsverbot). Hingegen ist der
bestellte Sachverständige nicht verpflichtet, sämtliche für die Begutachtung not-
wendigen Tätigkeiten selber vorzunehmen. Er kann für untergeordnete Arbeiten
Hilfspersonen heranziehen. Der Sachverständige kann darüber hinaus für die
Ausarbeitung des Gutachtens weitere Personen unter seiner Verantwortung ein-
setzen. Zu denken ist etwa an den Einsatz eines/einer qualifizierten Mitarbei-
ters/Mitarbeiterin zur selbständigen Bearbeitung gewisser Teilaspekte des Gut-
achtens. Eine solche Weitergabe der gutachterlichen (Kern-) Aufgaben steht al-
lerdings einerseits unter dem Vorbehalt der Ermächtigung durch die auftragge-
bende Strafbehörde und ist andererseits im Gutachten transparent zu machen.
Funktion sowie Art und Inhalt der Mitwirkung der eingesetzten Personen sind of-
fenzulegen. An der Pflicht zur persönlichen Erstattung des Gutachtens durch den
bestellten Sachverständigen und dessen uneingeschränkter Gesamtverantwor-
tung für den Inhalt des Gutachtens ändert dies allerdings nichts" (E. 4.1.2).
3.3. Die Staatsanwaltschaft erteilte den Auftrag zur psychiatrischen Begutach-
tung des Beschuldigten am 2. Juni 2014 an Prof. Dr. med. F._, ... der Klinik
für Forensische Psychiatrie der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich (Urk.
D1/6/1). Im Auftrag werden ausdrücklich auch "allfällig beigezogene Mitarbeiter"
erwähnt, welche wie der beauftragte Gutachter selbst Art. 307 StGB zu beachten
haben. Der Gutachter wird weiter aufgefordert bei einer Delegation zur Erstellung
des Gutachtens an eine andere Person vorgängig mit der Verfahrensleitung
Rücksprache zu nehmen (Urk. D1/6/1 S. 4). Die massgebenden Gesetzesbe-
stimmungen, namentlich die Strafprozessordnung selbst, sehen ausdrücklich vor,
dass Hilfspersonen unter der Verantwortung des Gutachters eingesetzt werden
dürfen (Art. 184 Abs. 2 lit. b und e StPO). Im Übrigen erging der Gutachtensauf-
trag an Prof. Dr. med. F._ in Übereinstimmung mit der Vorschrift in § 27 der
Verordnung über die psychiatrischen und psychologischen Gutachten in Straf-
und Zivilverfahren des Kantons Zürich vom 1./8. September 2010 (PPGV; [LS
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321.4]). Somit stand es Prof. Dr. med. F._ grundsätzlich frei, eine Hilfsperson
beizuziehen und Teilaufgaben an eine andere Fachperson des gleichen Dienstes
zu delegieren. Einzig für eine darüberhinausgehende umfassende Delegation des
Auftrages wäre die vorgängige Einwilligung der Staatsanwaltschaft einzuholen
gewesen (§ 27 Abs. 1 und Abs. 2 PPGV).
3.4. Das Gutachten über den Beschuldigten datiert vom 1. Dezember 2014 und
ist von Dr. med. H._, Oberärztin und Fachärztin für Psychiatrie und Psycho-
therapie (Zertifikat FMH/SGFP), und Prof. Dr. med. F._, ... der Klinik für Fo-
rensische Psychiatrie (Zertifikate SGFP und DGPPN), unterzeichnet (Urk. D1/6/2
S. 80). Im Gutachten ist angegeben, dass Frau Dr. med. H._ den Beschul-
digten am 15. Oktober 2014 (135 Min.), am 21. Oktober 2014 (120 Min.), am
28. Oktober 2014 (100 Min.) und am 3. November 2014 gemeinsam mit Prof. Dr.
med. F._ (90 Min.) exploriert hat (Urk. D1/6/2 S. 2).
3.5. Im Lichte der zitierten bundesgerichtlichen Rechtsprechung nahm Prof. Dr.
med. F._ am 5. April 2017 ergänzend Stellung zu Funktion, Art und Inhalt der
Mitwirkung von Frau Dr. med. H._ (Urk. 146). Er hielt ausdrücklich fest, dass
Frau Dr. med. H._ von ihm als Hilfsperson beigezogen worden sei. Sie habe
den Beschuldigten längere Zeit exploriert als er, was im Fall des Beizugs einer
Hilfsperson regelhaft der Fall sei, jedoch nicht bedeute, dass er sich kein eigenes
Bild über die zentralen und für die zu bearbeitenden Fragestellungen unmittelbar
relevanten Sachverhalte gemacht habe bzw. habe machen können. Vielmehr die-
ne der Beizug einer Hilfsperson dazu, dass diese bestimmte Untersuchungsschrit-
te, z.B. die ausführliche Erhebung der biografischen Anamnese, durchführe, auf
die der Gutachter in der eigenen Nachexploration Bezug nehmen könne. Dies ha-
be er in seinem Untersuchungsgespräch mit dem Beschuldigten getan. Dank der
Vorarbeiten von Dr. med. H._ habe er sich dabei insbesondere auf die Per-
sönlichkeits- und Delinquenzentwicklung, die Tatabläufe und prognostisch rele-
vanten Fragen konzentrieren können. Insofern seien die Vorarbeiten von Frau Dr.
med. H._ für ihn hilfreich, für die gezogenen Schlüsse jedoch nicht massge-
blich gewesen. Von einer Delegation des Gutachtens an Frau Dr. med. H._
könne keine Rede sein. Vielmehr seien die abschliessende diagnostische Einord-
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nung und insbesondere die forensisch-psychiatrische Herleitung der Antworten
auf die gutachterlichen Fragen von ihm vorgenommen worden. Vorarbeiten der
Oberärztin seien dabei vor dem Hintergrund der eigenen Untersuchungsergebnis-
se mit ihr diskutiert und damit die inhaltlichen Vorgaben für die schriftlichen Aus-
führungen von Frau Dr. med. H._ gegeben worden. Deren Gutach-
tensentwurf sei nachfolgend von ihm intensiv korrigiert bzw. bearbeitet worden, so
dass die finale Version des Gutachtens seine fachliche Expertise und sein Fall-
konzept widerspiegle. Die im Fall des Beschuldigten gezogenen gutachterlichen
diagnostischen Schlüsse, die Ausführungen zur Schuldfähigkeit und Kriminal-
prognose sowie die Massnahmenempfehlungen seien Ausdruck seiner eigenen
Urteilsbildung (Urk. 146).
3.6. Aufgrund dieser ausführlichen Erläuterungen von Prof. Dr. med. F._
steht fest, dass er seine gutachterlichen Kernaufgaben nicht an Dr. med. H._
delegiert, sondern sie als Hilfsperson beigezogen hat. Sie leistete für ihn hilfreiche
Vorarbeiten, wozu auch Explorationsgespräche mit dem Beschuldigten, unter an-
derem zur Erhebung der biografischen Anamnese, gehören. Prof. Dr. med.
F._ konzentrierte sich bei seinem Untersuchungsgespräch auf die Persön-
lichkeits- und Delinquenzentwicklung, die Tatabläufe und prognostisch relevanten
Fragen, wofür er 90 Minuten Gesprächszeit benötigte. Wie viel eigene Explorati-
onszeit ein Gutachter benötigt, hat er selbst zu entscheiden und kann nicht abs-
trakt festgelegt werden. Vorliegend erscheint die Dauer von 90 Minuten jedenfalls
nicht unangemessen. Der Einsatz von Dr. med. H._ geht auch angesichts
der längeren Untersuchungsgespräche nicht über denjenigen einer Hilfsperson
hinaus. Prof. Dr. med. F._ stellte klar, dass er selbst die Hauptaspekte des
Gutachtens erarbeitet hatte. Er nahm die abschliessende diagnostische Einord-
nung vor und leitete die Antworten auf die an ihn gestellten Fragen im Auftrag her.
Damit erstellte er das Kernstück des Gutachtens. Hierzu gehören klarerweise
nicht die schriftliche Zusammenfassung der Aktenlage (S. 1-29) oder die Erhe-
bung der biografischen Anamnese (S. 33-39), obwohl sie entsprechend dem von
der Fachkommission psychiatrische und psychologische Gutachten des Oberge-
richts des Kantons Zürich (nachfolgend kurz Fachkommission genannt) verab-
schiedeten und für die Erstellung von Gutachten im Sinne der PPGV wegleiten-
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den Leitfaden zur Gutachtenserstellung vom 17. Juni 2014 (nachfolgend kurz Leit-
faden genannt) ebenfalls Bestandteile eines solchen Gutachtens sind, sondern
die Befunde (S. 50-82) und die Beurteilung (S. 82 ff.). Die Beauftragung von Prof.
Dr. med. F._ als Sachverständiger erfolgte, um zu beurteilen, ob der Be-
schuldigte zum Tatzeitpunkt unter einer psychischen Störung litt, ob er zur Ein-
sicht in das Unrecht seiner Taten fähig war und auch fähig war, demgemäss zu
handeln sowie um das individuelle Rückfallrisiko einzuschätzen und eine Empfeh-
lung in Bezug auf die Massnahme abzugeben. Diese Aufgaben nahm Prof. Dr.
med. F._ vollumfänglich wahr. Er hob hervor, dass das gesamte Gutachten
auf seiner fachlichen Expertise und seinem Fallkonzept beruht und sein Urteil be-
treffend der diagnostischen Schlüsse, der Schuldfähigkeit, der Kriminalprognose
und der Massnahmenempfehlung im Gutachten abgebildet ist (Urk. 146).
3.7. Folglich kann festgehalten werden, dass das Gutachten von Prof. Dr. med.
F._ vom 1. Dezember 2014 im Einklang mit den bundesgerichtlichen Vorga-
ben erstellt worden ist. Dr. med. H._ wurde vom Gutachter lediglich als Hilfs-
person beigezogen, wofür wie erwähnt keine vorgängige Ermächtigung seitens
der Strafbehörden notwendig war, zumal der Gutachter gemäss § 27 Abs. 2
PPGV befugt ist, ohne vorgängige Zustimmung des Auftraggebers Teile seiner
Arbeit an andere Fachpersonen des gleichen Dienstes zu delegieren. Bei Frau Dr.
med. H._ handelte es sich aber gerade um eine solche Fachperson, zeichne-
te sie doch als Oberärztin der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich und war ih-
rerseits im Zeitpunkt der Gutachtenserstellung selbst bereits Fachärztin für Psy-
chiatrie und Psychotherapie FMH/SGFP mit dem Zertifikat Forensische Psychiat-
rie (Urk. D1/6/2 S. 80). Die formelle Kritik der Verteidigung am Gutachten ist un-
begründet und - wie nachfolgend unter Ziffer VI aufgezeigt wird - ist das Gutach-
ten auch inhaltlich mängelfrei. Entgegen den Ausführungen der Verteidigung ist
das Gutachten somit verwertbar und die Bestellung eines anderen Gutachters zur
Erstellung eines neuen Gutachtens damit nicht notwendig. Die entsprechenden
Beweisanträge der Verteidigung werden demzufolge definitiv abgewiesen.
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III. Sachverhalt
1. Anklage
In Bezug auf den Anklagevorwurf gemäss Dossier 1 kann auf die Zusammenfas-
sung im vorinstanzlichen Entscheid verwiesen werden (Urk. 121 S. 15-16
Ziff. II.1.1). Der detaillierte dem Beschuldigten vorgeworfenen Sachverhalt ergeht
aus der Anklageschrift vom 17. April 2015 (Urk. D1/24 S. 3-6 Ziff. 1.4-1.18). Das
Dossier 2 (Raub zum Nachteil von D._, Privatkläger 2) ist in Bezug auf den
Sachverhalt und die rechtliche Würdigung nicht mehr Gegenstand des Beru-
fungsverfahrens, weshalb sich die nachfolgenden Erwägungen zum Sachverhalt
nur noch auf die Anklagevorwürfe in Dossier 1 beziehen.
2. Standpunkt des Beschuldigten
Der Beschuldigte ist bezüglich des Sachverhalts mehrheitlich geständig und be-
streitet diesen wie bereits vor Vorinstanz lediglich in einzelnen Punkten
(Urk. D1/98 S. 6 ff., Urk. 161 S. 5 ff.). Hauptsächlich bestritten werden die Vorwür-
fe in den Ziffern 1.14 und 1.18 der Anklageschrift. So stellte der Beschuldigte wie
bereits an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung auch anlässlich der Beru-
fungsverhandlung in Abrede, den verstorbenen †G._ gewürgt, die in Ziffer
1.14 aufgeführten Verletzungen verursacht und den Tod von †G._ in Kauf
genommen zu haben (Prot. I S. 70-73, Prot. II S. 30-32).
3. Beweismittel
3.1. Im Lauf der Untersuchung wurden diverse Beweismittel erhoben. Zur Er-
stellung des Sachverhalts dienen hauptsächlich das Gutachten und das Ergän-
zungsgutachten des Instituts für Rechtsmedizin [nachfolgend IRM] vom 11. No-
vember 2014 bzw. 23. März 2015 (inklusive Obduktionsprotokoll und Bildmappe
des Ganzkörper-CT und Hirn-MRI; Urk. D1/7/3 und Urk. D1/7/8) zum Todesfall
von †G._, die Fotodokumentation des Forensischen Instituts Zürich vom
8. Mai 2014 (Urk. D1/7/4), das morphometrische Gutachten des IRM vom
15. Dezember 2014 (Urk. D1/7/9) und die Aussagen des Beschuldigten sowie der
an der Nötigung ebenfalls beteiligten Personen und ehemals Mitbeschuldigten:
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E._, I._ und J._ (Urk. D1/2/1-7, D1/3/1-3, D1/4/1-3, Prot. I S. 18 ff.,
Prot. II S. 11 ff.).
3.2. Die Verteidigung macht geltend, dass die Einvernahmen der Jugendlichen
J._ und I._ (Urk. D1/4/1-3) sowie sämtliche rein polizeilichen Einver-
nahmen von Auskunftspersonen (Urk. D1/5/5-22) zufolge Verletzung von Art. 147
StPO nicht zulasten des Beschuldigten verwertet werden dürften (Urk. D1/98
S. 8). Es ist ihr darin zuzustimmen, dass die polizeilichen Einvernahmen der Aus-
kunftspersonen in den Urk. D1/5/5-22 nicht zulasten des Beschuldigten verwert-
bar sind. Es handelt sich dabei um polizeiliche Befragungen zu Ermittlungszwe-
cken im Sinne von Art. 306 Abs. 2 lit. b StPO und Art. 179 Abs. 1 StPO. Die Teil-
nahmerechte gemäss Art. 147 StPO sind dabei zwar, wie aus dem Wortlaut von
dessen Absatz 1 hervorgeht, nicht zu gewähren ("Beweiserhebungen durch die
Staatsanwaltschaft und die Gerichte"), jedoch wären für die Verwertbarkeit der
polizeilichen Befragungen zulasten des Beschuldigten spätere staatsanwaltschaft-
liche Einvernahmen notwendig gewesen, dannzumal unter Wahrung der Teilnah-
merechte gemäss Art. 147 StPO. Weitere Ausführungen hierzu erübrigen sich je-
doch, da die Aussagen dieser Auskunftspersonen (D1/5/5-22) ohnehin nichts zur
Sachverhaltserstellung beitragen.
3.3. Entgegen Verteidigung und Vorinstanz sind jedoch sämtliche Aussagen
von J._ und I._ auch zulasten des Beschuldigten verwertbar. Die straf-
rechtliche Verfolgung der beiden Jugendlichen erfolgte in einem separaten Straf-
verfahren im Sinne der Jugendstrafprozessordnung. Wie das Bundesgericht be-
reits mehrfach festhielt, gilt der Anspruch auf Teilnahme an Beweiserhebungen
gemäss Art. 147 Abs. 1 StPO nicht in getrennt geführten Verfahren gegen andere
beschuldigte Personen. Die Aussagen von in anderen Verfahren beschuldigten
Personen können jedoch nur dann zulasten einer beschuldigten Person verwertet
werden, wenn Letztere wenigstens einmal angemessen und hinreichende Gele-
genheit hatte, die sie belastenden Aussagen in Zweifel zu ziehen und Fragen an
die Beschuldigten in den getrennten Verfahren zu stellen (BGE 141 IV 220
E. 4.3.2, BGE 140 IV 172 E. 1.2.3 und 1.3 mit Hinweisen). Diese Gelegenheit hat-
te der Beschuldigte A._ an der Konfrontationseinvernahme mit E._,
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I._ und J._ am 27. Mai 2014 (Urk. D1/2/2). Damit ist dem Konfrontati-
onsrecht Genüge getan und sind die Einvernahmen von J._ und I._
(Urk. D1/4/1-3) auch zulasten des Beschuldigten uneingeschränkt verwertbar. Da-
ran ändert auch die Tatsache nichts, dass die dritte Befragung von I._ vom
5. März 2015 (Urk. D1/4/3) nach der Konfrontation mit dem Beschuldigten statt
fand, zumal I._ anlässlich dieser Einvernahme keine grundsätzlich neuen,
den Beschuldigten belastenden Ausführungen machte.
4. Würdigung Aussageverhalten
4.1. Zu den Grundsätzen der Beweiswürdigung, den Ausführungen zur Glaub-
würdigkeit der befragten Personen sowie zur Beurteilung der Glaubhaftigkeit von
deren Aussagen kann auf die ausführlichen und zutreffenden vorinstanzlichen
Erwägungen verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 121 S. 18-24 Ziff. II.2.).
In Bezug auf die Glaubhaftigkeit der Aussagen von E._, J._ und I._
ist an dieser Stelle nochmals zu betonen, dass sie am Überfall auf †G._ be-
teiligt waren, sich wegen Nötigung und Unterlassung der Nothilfe zu verantworten
hatten und sich alle drei durch ihre Aussagen empfindlich selbst belasteten, was
deutlich für die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen spricht.
4.2. E._ stellte sich rund eine Woche nach dem Überfall auf †G._ den
Strafbehörden und erzählte anlässlich seiner ersten Einvernahme vom 13. Mai
2014 spontan, zusammenhängend, ausführlich, sehr detailliert und individuell ge-
prägt, was sich am 6. Mai 2014 zugetragen habe. Er gab unumwunden zu, dass
es seine Idee gewesen sei, †G._ "abzuzocken" und er den Beschuldigten
und J._ hierzu aufgeboten habe. Er habe das Marihuana in der Wohnung
von †G._ an sich genommen, er habe sich das vom Beschuldigten aufge-
nommene Video des verletzten †G._ angeschaut und habe gehofft, dass die-
ser wieder aufstehe und weiterleben könne (Urk. D1/3/1). Seine Aussagen blie-
ben im Laufe der Untersuchung im Kerngeschehen stets konstant und sind insge-
samt schlüssig (Urk. D1/2/2 S. 3-9, D1/3/3, Prot. I S. 39 ff.).
4.3. J._ wurde noch am selben Tag wie E._ erstmals befragt. Er
schilderte das Geschehen vom 6. Mai 2014 ebenfalls von sich aus, zusammen-
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hängend und detailliert. Von Beginn weg erklärte er, dass er zugesagt habe, sich
am Ausnehmen des Hanfpapstes zu beteiligen. Er habe hierfür einen Pfefferspray
mitgenommen, er habe ebenfalls das vom Beschuldigten aufgenommene Video
des verletzten †G._ gesehen und habe danach Schuldgefühle gehabt
(Urk. D1/4/1). Auch an der Konfrontationseinvernahme vom 27. Mai 2014 blieb er
bei seinen Aussagen und beschrieb nochmals ausführlich den Ablauf des Tatge-
schehens (Urk. D1/2/2 S. 18-24).
4.4. I._ wurde am 16. Mai 2014 erstmals zur Sache befragt. Aus seinen
Aussagen geht deutlich hervor, dass er bei der Einvernahme sehr aufgewühlt war.
Dementsprechend gefühlsgeprägt fielen seine Aussagen aus. Sie muten teilweise
wirr und beinahe übertrieben an, wirken aber gerade hierdurch sehr authentisch
und aufrichtig. Wie bereits E._ schilderte I._ die Vorkommnisse vom
6. Mai 2014 sehr detailliert und ohne Umschweife. Er gab ebenfalls von Anfang
an zu, dass sie zu viert den Hanfpapst hätten ausnehmen wollen. Er beschrieb im
Einzelnen, wie sie sich zuvor maskiert hätten und wie sie sich danach den Film
des Beschuldigten angeschaut hätten, wie er sich dabei gefühlt habe und dass er
gedacht habe, †G._ werde sterben (Urk. D1/4/2). Seine Aussagen wiederhol-
te er nochmals anlässlich der beiden weiteren Einvernahmen vom 27. Mai 2014
und 5. März 2015 (Urk. D1/2/2 S. 9-17, D1/4/3).
4.5. Demgegenüber machte der Beschuldigte immer nur stückchenweise An-
gaben, widersprach sich mehrfach und war augenscheinlich daran interessiert,
sich in einem besseren Licht darzustellen. Seine ersten Schilderungen des Tatge-
schehens in der Einvernahme vom 15. Mai 2014 weichen massiv von denjenigen
an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung ab. Im Laufe der Untersuchung nahm
der Beschuldigte immer wieder Anpassungen in seinen Aussagen vor und ver-
strickte sich in Widersprüchen und offensichtlichen Schutzbehauptungen. Die Vor-
instanz veranschaulichte das Aussageverhalten des Beschuldigten einerseits mit-
tels dessen Angaben im Zusammenhang mit dem Fusstritt gegen den am Boden
liegenden †G._, andererseits anhand seiner Aussagen, weshalb er †G._
gefilmt habe und dass er in Panik und schockiert gewesen sei (Urk. 121 S. 22-24
Ziff. II.2.4.3.2.-4). Auf diese akkuraten Ausführungen kann verwiesen werden und
- 21 -
in Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass das Aussageverhal-
ten des Beschuldigten erhebliche Zweifel an der Glaubhaftigkeit seiner Aussagen
weckt und gegen die Richtigkeit seiner Darstellung spricht (Urk. 121 S. 24
Ziff. II.2.4.4).
5. Einwände der Verteidigung
5.1. Die Verteidigung äusserte im erstinstanzlichen wie auch im zweitinstanzli-
chen Verfahren mehrheitlich dieselben Einwände bezüglich des Anklagesachver-
halts (Urk. D1/98 S. 6-8; Urk. 161 S. 5-22). Die Vorinstanz setzte sich mit jedem
einzelnen Einwand gewissenhaft auseinander und würdigte die zur Verfügung
stehenden Beweismittel eingehend (Urk. 121 S. 24-63 Ziff. II.3). Um unnötige
Wiederholungen zu vermeiden, wird daher auf diese zutreffenden vorinstanzli-
chen Erwägungen verwiesen und beschränken sich die nachfolgenden Ausfüh-
rungen auf die grundlegendsten Einwände der Verteidigung. Im Übrigen ist auf
die Korrekturen und Präzisierungen des Anklagesachverhalts unter Ziff. I.4 des
vorinstanzlichen Urteils hinzuweisen, welche richtigerweise vorgenommen wurden
(Urk. 121 S. 13 f.).
5.2. Der Argumentation der Verteidigung folgend erstellte die Vorinstanz auf-
grund der übereinstimmenden Aussagen des Beschuldigten mit denjenigen von
J._, I._ und E._ den Sachverhalt in Anklageziffer 1.10 dahinge-
hend, dass der Beschuldigte nicht an E._ vorbei rannte, sondern lediglich an
ihm vorbei ging (Urk. 121 S. 26-28 Ziff. II.3.6). Auch in Anklageziffer 1.13 ging das
Bezirksgericht in Übereinstimmung mit der Verteidigung und in leichter Abwei-
chung vom Anklagesachverhalt davon aus, dass †G._ durch einen der hefti-
gen Faustschläge des Beschuldigten gegen den Kopf zuerst noch taumelte, sich
am Tisch festzuhalten versuchte und erst dann unkontrolliert nach hinten umfiel
und mit seinem Hinterkopf ungebremst auf dem Holzboden seiner Wohnung auf-
schlug, wo er rücklings liegen blieb (Urk. 121 S. 39-42 Ziff. II.3.9). Sodann korri-
gierte das Bezirksgericht den Anklagesachverhalt in den Ziffern 1.15 und 1.16 zu-
gunsten des Beschuldigten dahingehend, dass dieser, nachdem †G._ am
Boden lag, zuerst im Hausflur seine Kollegen anrief, dann zurück in die Wohnung
ging, den am Boden liegenden †G._ filmte und anschliessend mit einer weite-
- 22 -
ren Portion Marihuana das Haus verliess (Urk. 121 S. 53 Ziff. II.3.11.5.1). Diesen
geringen Korrekturen bzw. Präzisierungen des Anklagesachverhalts und den ent-
sprechenden zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz ist nichts hinzuzufügen.
5.3. Die Verteidigung machte zwar zur Anklageziffer 1.11 geltend, dass der Be-
schuldigte selbst einen grossen Teil des von ihm versprühten Tränengassprays
abbekommen habe (Urk. 161 S. 7), so dass er nicht gesehen habe, dass E._
zwischenzeitlich das Marihuana erfolgreich entwendet habe und geflohen sei
(Urk. D1/98 S. 7), anerkannte aber die erstinstanzliche Verurteilung wegen Nöti-
gung, die auf diesem Sachverhaltsabschnitt gründet (Urk. 131 S. 2). Die Vo-
rinstanz führte hierzu zusammengefasst aus, dass aufgrund der Aussagen des
Beschuldigten sowie der übrigen Beteiligten erstellt sei, dass der Beschuldigte
den Pfefferspray †G._ ins Gesicht gesprüht habe (Urk. 121 S. 20). Der Vo-
rinstanz ist weiter beizupflichten, dass erwiesen ist, dass †G._ und nicht der
Beschuldigte den grossen Teil des Pfeffersprays abbekommen hatte und dadurch
massiv beeinträchtigt war und dass das Ziel des Pfeffersprayeinsatzes mithin war, †G._ widerstandsunfähig zu machen, um das Marihuana ohne zu bezahlen
zu behändigen (Urk. 121 S. 31 Ziff. II.3.7). Die vorinstanzliche Beweiswürdigung
ist überzeugend, so dass von ihren Schlussfolgerungen ohne weiteres auszuge-
hen ist. Ebenfalls erstellt ist, dass der Beschuldigte, wie er selbst sagte, zu jenem
Zeitpunkt mitbekommen hat, dass E._ hinausgerannt war (Urk. D1/2/3 S. 5).
5.4. Nach der Flucht von E._ aus der Wohnung gilt als erstellt, dass †G._ wie in Anklageziffer 1.12 geschildert eine Schere in die Hand genom-
men hatte. Die Verteidigerin bestritt aber, dass †G._ die Schere zu seiner
Verteidigung ergriffen habe. Es sei nicht nachvollziehbar, gegen was sich †G._ hätte verteidigen sollen. Weder der Beschuldigte noch E._ seien
bewaffnet gewesen und gegen den Pfefferspray sei auch eine Schere wertlos
(Urk. D1/98 S. 7). Diese Argumentation erscheint angesichts der Lage, in der sich †G._ zu diesem Zeitpunkt befand, geradezu höhnisch. †G._ wurde in
seiner eigenen Wohnung überfallen. Er sah sich völlig überraschend zwei jungen
mit Schal und Brille maskierten Männern gegenüber, wobei zwei männliche Ju-
gendliche noch im Hintergrund standen. Nachdem †G._ wieder zurück in sei-
- 23 -
ne Wohnung gegangen war, sprühte ihm der Beschuldigte, der ebenfalls in die
Wohnung eingetreten war, Pfefferspray ins Gesicht, so dass er vorübergehend
ausser Gefecht gesetzt war. In der Folge ergriff †G._ die nahe liegende
Schere. Davon ist, da unbestritten, ebenfalls auszugehen (Urk. 121 S. 32-36). Es
ist somit angesichts der erstellten Umstände offensichtlich, dass †G._ die
Schere in dieser Situation zu seiner Verteidigung behändigte, wovon zu Recht
auch die Vorinstanz ausging (Urk. 121 S. 37).
5.5. Der Beschuldigte machte zu diesem Anklagepunkt namentlich geltend, er
habe sich verteidigen müssen. Er habe gesehen, wie †G._ mit einer Schere
auf ihn losgegangen sei und er habe Angst um sein Leben gehabt. Er habe da-
raufhin mit dem rechten Fuss in die Hand gekickt, wo die Schere gewesen sei und
dann habe er †G._, da ihm dieser sehr nahe gewesen sei, aus Reflex drei
Fäuste gegeben (Prot. I S. 54). Wie die Vorinstanz korrekt ausführte, sind die
Aussagen des Beschuldigten betreffend seine Angst dürftig und wenig realistisch
(Urk. 121 S. 36 f.). In Bezug auf den angeblichen Angriff von †G._ fällt bei
den Aussagen des Beschuldigten auf, wie er den Angriff im Laufe der Untersu-
chung zunehmend bedrohlicher schilderte. Trotzdem ging die Vorinstanz zuguns-
ten des Beschuldigten davon aus, dass sich dieser, wohl um sich seinerseits zu
wehren, mit der Schere auf den Beschuldigten zubewegt hatte (Urk. 121 S. 38).
Aufgrund der erheblichen Beeinträchtigung von †G._ durch den Pfefferspray
kann mit der Vorinstanz hingegen keine Rede sein von einem gezielten Angriff,
einem schnellen präzisen Losstürmen und einer unmittelbaren Bedrohung durch
einen Stich von †G._ gegen den Beschuldigten (Urk. 121 S. 37 f.). Der Vo-
rinstanz ist zudem darin zuzustimmen, dass es dem Beschuldigten ohne Weiteres
offen gestanden wäre, die Wohnung zu verlassen und zu flüchten. Stattdessen
entschied sich der Beschuldigte dafür, einen gezielten Fusskick gegen die linke
Hand von †G._ auszuführen, wodurch die Schere wegflog, und doppelte so-
gleich mit einem Faustschlag sowie nach einer kurzen Pause mit zwei weiteren
Faustschlägen ins Gesicht bzw. auf die Schläfen von †G._ nach. Diese
Schläge wurden entgegen der Behauptung der Verteidigung gezielt ausgeführt
(Urk. 161 S. 7). So schilderte der Beschuldigte selbst, wie er mit der linken Faust
gegen das rechte Auge von †G._ geschlagen habe und dann, als dieser et-
- 24 -
was zurückgewichen sei, er ihm noch einen Schlag rechts an die Schläfe und ei-
nen Schlag links an die Schläfe verpasst habe (Urk. D1/2/3 S. 7 f.). Die von der
Verteidigung bestrittene Heftigkeit der Schläge (Urk. 161 S. 8) ist angesichts des
nachstehend geschilderten Verletzungsbildes im Gesicht von †G._ (Ziff. 5.7)
erwiesen und wird ausserdem durch den Umstand gestützt, dass sich der Be-
schuldigte bei der Austeilung der Schläge den Daumen brach (Prot. I S. 55;
Urk. 161 S. 7). Er selbst sprach anlässlich der Schlusseinvernahme davon, dass
er †G._ mehrere heftige Schläge ins Gesicht gegeben habe (Urk. D1/2/7
S. 4). Bei diesen mehrfachen, gezielt ausgeführten und heftigen Schlägen handel-
te es sich mitnichten um im Schockzustand ausgeführte Reflexhandlungen. Der
sorgfältigen Beweiswürdigung der Vorinstanz ist auch in diesem Punkt vollum-
fänglich zu folgen, welche detailliert und schlüssig darlegt, dass die vom Beschul-
digten behauptete Panik als Ursache für sein Vorgehen gegen †G._ eine rei-
ne Schutzbehauptung darstellt und dass der Beschuldigte sich bewusst zum Blei-
ben und gegen einen Rückzug aus der Wohnung entschied (Urk. 121 S. 38 f.).
5.6. Wie schon erwähnt erstellte die Vorinstanz den Sachverhalt in Anklagezif-
fer 1.13 in leichter Abweichung zur Anklageschrift und zugunsten des Beschuldig-
ten dahingehend, dass †G._ durch einen dieser heftigen Faustschläge gegen
den Kopf erst noch taumelte, sich am Tisch festzuhalten versuchte, dann unkon-
trolliert nach hinten umfiel und mit seinem Hinterkopf ungebremst auf dem Holz-
boden seiner Wohnung aufschlug, wo er rücklings liegen blieb (Urk. 121 S. 42
Ziff. II.3.9.4). Die Verteidigung bestreitet, dass der Sturz adäquat kausal durch die
Schläge verursacht worden sei. †G._ habe sich am Tisch festgehalten, womit
der Kausalverlauf unterbrochen worden sei (Urk. 161 S. 9-12). Ob der adäquate
Kausalzusammenhang gegeben ist, entscheidet sich anhand des Verhaltens des
Täters, welches geeignet sein muss, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und
den Erfahrungen des Lebens einen Erfolg wie den eingetretenen herbeizuführen
oder mindestens zu begünstigen. Die Adäquanz ist nur zu verneinen, wenn ganz
aussergewöhnliche Umstände, wie das Mitverschulden des Opfers beziehungs-
weise eines Dritten oder Material- oder Konstruktionsfehler, als Mitursache hinzu-
treten, mit denen schlechthin nicht gerechnet werden musste und die derart
schwer wiegen, dass sie als wahrscheinlichste und unmittelbarste Ursache des
- 25 -
Erfolgs erscheinen und so alle anderen mitverursachenden Faktoren, namentlich
das Verhalten des Angeschuldigten, in den Hintergrund drängen (BGE 135 IV 56
E. 2.1, mit Hinweisen). Auch wenn neben die erste Ursache andere treten und die
Erstursache in den Hintergrund drängen, bleibt sie adäquat kausal, solange sie im
Rahmen des Geschehens noch als erheblich zu betrachten ist, solange nicht eine
Zusatzursache derart ausserhalb des normalen Geschehens liegt, derart unsinnig
ist, dass damit nicht zu rechnen war (Urteil des Bundesgerichts 6B_515/2016 vom
29. Mai 2017 E. 2.4.2 S. 7). Es erscheint nicht nachvollziehbar, inwiefern der Um-
stand, dass †G._ erst noch taumelte und sich versuchte, am Tisch festzuhal-
ten, bevor er dann umfiel, geeignet sein soll, den Kausalverlauf zwischen den
vom Beschuldigten ausgeteilten Schlägen und dem Sturz zu unterbrechen. Drei
heftige Faustschläge gegen den Kopf, insbesondere die Schläfen, sind ohne Wei-
teres geeignet, zumal das Opfer durch den Pfefferspray beeinträchtigt war, und
führten dann auch vorliegend dazu, dass der Geschlagene zu Boden fiel. Eine
andere "Zusatzursache" zu den heftigen Schlägen gegen den Kopf im Sinne der
zitierten Rechtsprechung ist vorliegend jedenfalls nicht ersichtlich. Im Übrigen ist
der Staatsanwaltschaft beizupflichten, dass die Verteidigung, indem sie den An-
trag auf Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung stellte, den Tötungsvorgang als
solchen anerkannte (Prot. II S. 41 f.), denn auch der objektive Tatbestand der
fahrlässigen Tötung setzt die Kausalität zwischen Tötungshandlung und Tod vo-
raus.
5.7. Das folgende durch das Gutachten des IRM vom 11. November 2014 be-
wiesene Verletzungsbild des Anklagesachverhalts in den Ziffern 1.12, 1.13 und
1.18 blieb unbestritten: Infolge der Faustschläge des Beschuldigten gegen das
Gesicht von †G._ erlitt Letzterer eine Nasenbeinfraktur, eine Augenhöhlen-
bodenfraktur rechts, verschiedene Hautunterblutungen und eine Rissquetsch-
wunde unterhalb des rechten Auges (Urk. D1/7/3 S. 3 und S. 6). Einer der Faust-
schläge des Beschuldigten bewirkte, dass †G._ nach hinten umfiel und mit
seinem Hinterkopf auf dem Boden aufschlug, was zu einem Schädelbruch im Be-
reich des linken Schläfen-/Scheitelbereichs führte (Urk. D1/7/3 S. 3 und 6). In der
Folge bildete sich an dieser Stelle ein Epiduralhämatom, welches im weiteren
Verlauf in den frühen Morgenstunden des 7. Mai 2014 infolge der hirndruckbe-
- 26 -
dingten zentralen Atemlähmung zum Tod von †G._ führte (Urk. D1/7/3 S. 3
und 5).
5.8. Nebst den bereits genannten Verletzungen wies †G._ Rippenbrüche
der 2. bis 6. Rippe links, Einblutungen der Halsmuskulatur und des Unterhautfett-
gewebes am Hals rechtsbetont sowie punktförmige Einblutungen der Augenbin-
dehäute auf (Urk. D1/7/3 S. 3 f.), welche Eingang in Anklageziffer 1.14 fanden.
Als Entstehungsursache für die Haut- und Muskeleinblutungen am Hals kommen
gemäss IRM Schläge und Tritte oder ein Würgen in Frage. Letzteres würde ge-
mäss Gutachten auch die Stauungsblutungen in den Augenbindehäuten erklären.
Bezüglich der Rippenbrüche hielt das IRM fest, dass das Knien auf den Brustkorb
derartige Verletzungen bewirken würde (Urk. D1/7/3 S. 6 f.).
5.9. Der Beschuldigte bestritt sowohl während der Untersuchung als auch im
erstinstanzlichen und zweitinstanzlichen Verfahren, sich auf †G._ gekniet und
ihn gewürgt zu haben (Urk. D1/2/7 S. 5, Prot. I S. 70 f., Prot. II S. 31 f.). Anlässlich
der erstinstanzlichen Verhandlung sagte er, er könne sich nicht erklären, wie die-
se Verletzungen entstanden seien. Seine Vermutung sei, dass nach ihm noch je-
mand anderes in die Wohnung gegangen sei. Wer das gewesen sein könnte, wis-
se er auch nicht. Er verneinte, dass es E._, J._ oder I._ gewesen
seien. Auf die Frage, weshalb eine unbeteiligte Person in eine Wohnung gehen
sollte, wo ein Mensch schwerletzt und im Sterben liege und dann gegen diese
Person auch noch Gewalt ausüben sollte, antwortete er, dass, wie das Gericht
wisse, †G._ ein bekannter Mensch gewesen sei. In Winterthur habe ihn jeder
gekannt. Mehr könne er dazu nicht sagen (Prot. I S. 71 f.). Die Verteidigung führte
hierzu aus, dass der Beschuldigte die Wohnungstüre von †G._ beim Verlas-
sen nicht abgeschlossen habe. Es hätte jederzeit eine Drittperson die Wohnung
betreten können. Dass es sich bei †G._ um eine in der Öffentlichkeit umstrit-
tene Persönlichkeit handle, sei erwiesen. In all den Jahren, in denen er für gewis-
se Dinge und Meinungen öffentlich eingestanden sei, habe er sich sicherlich nicht
nur Freunde geschaffen. Es könne daher nicht ausgeschlossen werden, dass sich
tatsächlich eine Drittperson Zutritt zur Wohnung verschafft habe und ihm die ein-
geklagten Verletzungen zugefügt habe (Urk. D1/98 S. 13 f.). Anlässlich der Beru-
- 27 -
fungsverhandlung machte die Verteidigung in diesem Zusammenhang geltend,
dass in der Wohnung von †G._ auf dem Plattenboden im Eingangsbereich
eine Schuhabdruck-Spur-Referenzsohle 17906 ADIDAS gefunden worden sei.
Weder der Beschuldigte noch E._ hätten zum Tatzeitpunkt Adidas Turn-
schuhe getragen, sondern NIKE. Die anderen beiden Mittäter seien nachweislich
nie in der Wohnung gewesen. Zudem seien am Türblatt aussen, oberhalb der
Türfalle, diverse zum Teil unbekannte daktyloskopische Spuren gefunden worden
(Urk. 161 S. 13).
5.10. Wie auch die Vorinstanz zutreffend festhält ist die Hypothese, dass eine
Drittperson †G._ diese Verletzungen zugefügt haben soll, völlig abwegig.
Selbst wenn †G._ Feinde gehabt hätte, so erscheint es gänzlich unwahr-
scheinlich, dass einer dieser Feinde gerade zu besagtem Tag und Zeitpunkt, die
Wohnung von †G._ aufgesucht, sich Zugang zum Haus verschafft - es hätte
jemand den Türöffner betätigen müssen - und dem bereits schwer verletzt am
Boden liegenden †G._ zusätzliche schwere Verletzungen zugefügt hätte. Die
von der Verteidigung vorgebrachten Spuren, die Schuhabdruckspur (Urk. D1/9/8
S. 5) und die daktyloskopischen Spuren an der Wohnungstüre (Urk. D1/9/13 S. 4
f.) können von irgendeiner Person stammen, welche †G._ zu einem beliebi-
gen Zeitpunkt besucht hat und weise nicht auf eine Drittperson hin. Es ist daher
der Vorinstanz beizupflichten, dass diese Theorie der Dritttäterschaft jeglicher
realistischer Grundlage entbehrt (Urk. 121 S. 46). Zudem ist durch den Vergleich
eines aus dem Mobiltelefon des Beschuldigten extrahierten Miniaturbilds von †G._ und den Fotografien von †G._ anlässlich der Spurensicherung be-
legt, dass †G._ sich nicht mehr bewegte bzw. bewegt wurde, nachdem der
Beschuldigte dessen Wohnung verliess. Mit Ausnahme des linken Arms wurde †G._ in der genau gleichen Position aufgefunden, wie ihn der Beschuldigte
fotografiert hatte (Urk. D1/7/7, D1/7/6 S. 4). Dies spricht ebenfalls gegen ein zu-
sätzliches Einwirken durch eine andere Person. Damit verbleiben keine vernünfti-
gen Zweifel, dass der Beschuldigte †G._ die genannten Verletzungen zufüg-
te.
- 28 -
5.11. Weil auch das IRM festhielt, dass die Verletzungen auch anders als durch
das Knien auf dem Brustkorb und das Würgen hätten entstanden sein können
und der Beschuldigte kategorisch bestreitet, diese Verletzungen verursacht zu
haben, muss offen bleiben, auf welche Weise genau der Beschuldigte auf †G._ eingewirkt hatte, um die festgestellten, in der Anklage noch auf ein
Würgen und auf den Oberkörper Knien zurückgeführten, Verletzungen von †G._ herbeizuführen. Anklageziffer 1.14 ist somit dahingehend erstellt, dass
der Beschuldigte nebst den Faustschlägen weiter körperlich in unbekannter Wei-
se auf †G._ einwirkte, wodurch dieser Rippenbrüche der Rippen 2 bis 6 links,
Einblutungen der Halsmuskulatur und des Unterhautfettgewebes am Hals rechts-
betont sowie punktförmige Einblutungen der Augenbindehäute erlitt.
5.12. In Anklageziffer 1.15 wird dem Beschuldigten unter anderem vorgeworfen,
er habe dem am Boden liegenden, blutüberströmten, †G._ mindestens einen
heftigen Fusstritt gegen die linke Wange versetzt, wobei er diesen Vorgang mit
seinem Mobiltelefon fotografiert und gefilmt habe (Urk. D1/24 S. 5). Die Verteidi-
gung machte geltend, dass der Beschuldigte erschrocken sei, weil †G._ ihm
während der Videoaufnahme an die Füsse gegriffen habe, weshalb der Beschul-
digte einen Sprung nach links gemacht habe und so unbeabsichtigt †G._ an
der linken Wange mit seinem rechten Fuss erwischt habe (Urk. D1/98 S. 14). Der
Beschuldigte selbst erwähnte den "Fusstritt" in seiner ersten Einvernahme noch
gar nicht (Urk. D1/2/1). Nachdem er mit den Aussagen, insbesondere denjenigen
von I._ konfrontiert worden war, sprach er davon, dass er †G._ einen
Kick gegen den Kopf gegeben habe (Urk. D1/2/2 S. 26). Anlässlich der erstin-
stanzlichen Hauptverhandlung schwächte er seine bisherige Aussage dahinge-
hend ab, dass er †G._ während dem Sprung mit dem Fuss versehentlich ge-
troffen hätte (Prot. I S. 63 f.).
5.13. I._ sagte bereits in seiner ersten Befragung aus, auf dem Video sei zu
sehen gewesen, dass der Beschuldigte †G._ ins Gesicht kicke. Dies bestätig-
te er auch in seinen folgenden Einvernahmen (Urk. D1/4/2 S. 10, Urk. D1/2/2
S. 15, Urk. D1/4/3 S. 11). Bereits aus der Wortwahl von I._ ergeht, dass es
sich nicht um ein versehentliches Berühren des Gesichts von †G._ mit dem
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Fuss handelte, sondern der Beschuldigte †G._ aktiv einen Tritt verpasste.
Dies wird bestätigt durch das morphometrische Gutachten des IRM vom 15. De-
zember 2014. Darin wird Bezug genommen auf die im Gutachten des IRM vom
11. November 2014 festgestellten streifigen parallel zueinander liegenden
Hauteinblutungen auf dem linken Jochbeinbogen von †G._ (Urk. D1/7/3 S. 3,
D1/7/9 S. 4). Das morphometrische Gutachten hielt im Ergebnis fest, dass diese
Verletzungsbefunde im Bereich der linken Wange von †G._ mit Teilen des
rechten Schuhsohlenprofils des Schuhpaars des Beschuldigten in Mass und Form
übereinstimmen (Urk. D1/7/9 S. 6). Dass sich das Schuhprofil der Schuhe des
Beschuldigten auf der Wange von †G._ abzeichnete, spricht ebenfalls für ei-
nen heftigen Tritt. Aufgrund dieser Beweislage ist hinreichend erstellt, dass der
Beschuldigte †G._ absichtlich einen heftigen Fusstritt gegen die linke Wange
versetzte.
5.14. Bei Anklageziffer 1.17 ist erneut den schlüssigen Erwägungen der Vo-
rinstanz zu folgen (Urk. 121 S. 55-60 Ziff. II.3.12.1 ff.), dass bewiesen ist, dass
der Beschuldigte blutverschmierte Hände und Schuhe hatte, als er aus dem Haus
kam. Dies ergeht aus den übereinstimmenden, authentischen und nachvollzieh-
baren Aussagen von E._, J._ und I._. Zudem ist dem Bezirksge-
richt darin zuzustimmen, dass die Art, wie der Beschuldigte den übrigen Beteilig-
ten das Video zeigte, bei diesen den Anschein erweckte, er habe es aus Stolz
zeigen wollen. Offen gelassen werden muss das Motiv des Beschuldigten für die
Aufnahme und das Vorzeigen des Films, namentlich weil es der Beschuldigte so-
fort wieder löschte (Urk. 121 S. 60 f. Ziff. II.3.12.4.2).
5.15. Betreffend die letzte Anklageziffer 1.18 wurde von der Verteidigung aus-
drücklich bestritten, dass der Beschuldigte massiv gewalttätig auf †G._ ein-
gewirkt habe und dass er den Tod von †G._ in Kauf genommen habe
(Urk. D1/98 S. 8). Dem Aufbau des vorinstanzlichen Urteils folgend wird der zwei-
te Einwand, der sich auf den subjektiven Sachverhalt bezieht, im Rahmen der
rechtlichen Würdigung behandelt (Urk. 121 S. 63 Ziff. II.3.13.5; vgl. nachstehend
Ziff. IV).
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5.16. Bereits aufgrund der im Gutachten des IRM festgehaltenen Verletzungen
ist erstellt, dass der Beschuldigte massiv gewalttätig auf †G._ einwirkte. Letz-
terer erlitt durch die Faustschläge und den Fusstritt sowie durch das weitere ge-
walttätige Wirken des Beschuldigten einen Nasenbeinbruch, eine Augenhöhlen-
bodenfraktur, diverse Hautunterblutungen, eine Rissquetschwunde, mehrere Rip-
penbrüche und einen Schädelbruch mit der Folge eines Epiduralhämatoms, infol-
gedessen †G._ schliesslich verstarb (Urk. D1/7/3). Die Fotos vom 6. Mai
2014, welche beim Auffinden des Verstorbenen aufgenommen wurden, zeichnen
das Bild zu den im Gutachten festgestellten Verletzungen und zeugen von der
massiven Gewalt, welche der Beschuldigte gegen †G._ verübte (Urk. D1/8/1
S. 27 ff.).
5.17. Der Beschuldigte selbst nahm einen Film auf, auf welchem er den prekären
Zustand von †G._ festhielt und den er in der Folge E._, J._ und
I._ zeigte. Diese beschrieben in ihren Einvernahmen ausdrucksstark, was sie
auf dem Film gesehen haben und wie sie sich dabei fühlten. E._ weinte als
er zur Stelle kam, an der er vom Video zu erzählen begann: "A._ hatte auf
seinem Handy ein Video gemacht von †G._. Da sieht man, wie †G._ voll
am Zittern und Bluten ist. Das war in der Wohnung. †G._ hatte eine grosse
Kopfverletzung" (Urk. D1/3/1 S. 4). E._ führte weiter aus, der Beschuldigte
habe ihnen das Video gezeigt und gesagt: "Hey lueged". Er habe den Beschuldig-
ten gefragt, ob er sicher sei, dass †G._ nicht tot sei, sondern durchkomme
und der Beschuldigte habe gemeint, dass †G._ sicher wieder aufstehen wür-
de. Er habe einen Schock gehabt, aber geglaubt, dass †G._ schon wieder
aufstehen werde (Urk. D1/3/1 S. 5). J._ beschrieb, dass der Hanfpapst auf
dem Video auf dem Boden lag, voller Blut. Er habe Blut gekotzt, gespuckt. Es sei
eventuell noch mehr auf dem Video gewesen, aber er habe dann weggeschaut
(Urk. D1/4/1 S. 14). I._ sagte bereits zu Anfang seiner ersten Einvernahme,
dass er gewusst habe, dass †G._ sterben werde. So wie er ausgesehen ha-
be, hätte er nur sterben können (Urk. D1/4/2 S. 2). I._ beschrieb, dass auf
dem Film zu sehen gewesen sei, wie †G._ am Boden gelegen sei und ver-
sucht habe zu atmen. Seine Augen seien zu gewesen. Das eine Auge sei sehr
geschwollen gewesen. Auf dem Boden sei überall Blut gewesen. Seine Lippen
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hätten vibriert, weil er versucht habe zu atmen. Alles sei rot gewesen. Das ganze
Gesicht sei rot gewesen. Der ganze Kopf sei rot, mit Blut überströmt gewesen.
Am Schluss sehe man noch wie der Beschuldigte †G._ mit dem Fuss ins Ge-
sicht rein kicke. Er habe dann zu E._ und dem Kleinen gesagt, sie sollten bit-
te von ihnen weggehen, ihm sei das alles zu viel gewesen (Urk. D1/4/2 S. 10).
I._ sagte weiter aus, er habe so etwas schon einmal in der Türkei gesehen.
Er habe danach nicht mehr schlafen können. Erst letzte Nacht im Gefängnis habe
er wieder schlafen können, weil er gewusst habe, dass er jetzt sagen könne, was
er gesehen habe (Urk. D1/4/2 S. 11). Die Ausübung von massiver Gewalt ist da-
mit in Übereinstimmung mit der Vorinstanz (Urk. 121 S. 62) klarerweise erstellt.
6. Fazit
Der Anklagesachverhalt in Dossier 1, Anklageziffern 1.4 bis 1.18, ist mit den er-
wähnten Korrekturen und Präzisierungen, bis auf den subjektiven Sachverhalt,
vollumfänglich erstellt, womit erwiesen ist, dass der Beschuldigte den Tod von †G._ verursachte.
IV. Rechtliche Würdigung
1. Vorsätzliche Tötung
1.1. Eine vorsätzliche Tötung im Sinne von Art. 111 StGB liegt vor, wenn der
Täter einen Menschen tötet, ohne dass eine der besonderen Voraussetzungen
der nachfolgenden Artikel (Art. 112 ff. StGB) zutrifft. Der Beschuldigte versetzte †G._ drei heftige Faustschläge gegen das Gesicht, wodurch †G._ nach
hinten umfiel und mit seinem Hinterkopf auf dem Boden aufschlug. Der Sturz hat-
te einen Schädelbruch zur Folge und dieser wiederum ein Epiduralhämatom, wel-
ches zur zentralen Atemlähmung und folglich dem Tod von †G._ führte. Der
Beschuldigte erfüllt damit den objektiven Tatbestand der vorsätzlichen Tötung.
Die Vorinstanz erwog, der Tatbestand des Mordes gemäss Art. 112 StGB komme
wegen Fehlens von Anhaltspunkten im Anklagesachverhalt für einen besonders
verwerflichen Beweggrund, einen besonders verwerflichen Zweck und eine be-
sonders verwerfliche Art und Weise beim Tötungsvorgang nicht zur Anwendung
- 32 -
(Urk. 121 S. 71). Nachdem nur der Beschuldigte appellierte, verbleibt aufgrund
des Verbots der reformatio in peius gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO vorliegend kein
Raum für die Prüfung, ob gegebenenfalls in concreto der Tatbestand des Mordes
erfüllt wäre.
1.2. Bestritten wird vom Beschuldigten und seiner Verteidigung der Vorsatz.
Der Beschuldigte habe, als er sich gegen †G._ zur Wehr gesetzt habe, nicht
damit rechnen müssen, dass dieser nach seinen reinen Verteidigungsschlägen
versterben würde. Der Beschuldigte habe es auch nicht in Kauf genommen, dass
er †G._ töten würde, als er sich reflexartig gegen den kommenden Angriff
von †G._ zur Wehr gesetzt habe. Der Beschuldigte habe immer glaubhaft
ausgeführt, dass er überzeugt gewesen sei, dass †G._ später aufstehen und
Anzeige erstatten würde (Urk. D1/98 S. 12 f.). Als der Beschuldigte vor erster In-
stanz mit dem Vorwurf konfrontiert wurde, dass er den Tod von †G._ zumin-
dest in Kauf genommen habe, wendete er dagegen ein: "Erstens wollte ich keine
Gewalt anwenden. Zweitens stimmt das mit dem Würgen, das mir vorgeworfen
wird, überhaupt nicht. Und ich bin wirklich davon ausgegangen, dass er wieder
aufstehen wird. Ich habe ihn nicht in einer lebensgefährlichen Situation gesehen,
weil ich auch die innerlichen Verletzungen nicht sehen kann" (Prot. I S. 73). An-
gesprochen auf das Blut, welches die ehemals Mitbeschuldigten auf dem Video
sehen konnten, sagte der Beschuldigte, das sei übertrieben. †G._ habe an
der Nase geblutet und mit der Hand über das Gesicht gewischt (Prot. I S. 74).
1.3. Vorsätzlich begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer die Tat mit Wissen
und Willen ausführt. Vorsätzlich handelt bereits, wer die Verwirklichung der Tat für
möglich hält und in Kauf nimmt (Art. 12 Abs. 2 StGB). Nach der ständigen Recht-
sprechung des Bundesgerichts ist Eventualvorsatz gegeben, wenn der Täter den
Eintritt des Erfolgs beziehungsweise die Tatbestandsverwirklichung für möglich
hält, aber dennoch handelt, weil er den Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf
nimmt, sich mit ihm abfindet, mag er ihm auch unerwünscht sein. Für den Nach-
weis des Vorsatzes kann sich das Gericht - soweit der Täter nicht geständig ist -
regelmässig nur auf äusserlich feststellbare Indizien und auf Erfahrungsregeln
stützen, die ihm Rückschlüsse von den äusseren Umständen auf die innere Ein-
- 33 -
stellung des Täters erlauben. Zu den äusseren Umständen, aus denen der
Schluss gezogen werden kann, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in
Kauf genommen, zählt auch die Grösse des dem Täter bekannten Risikos der
Tatbestandsverwirklichung und die Schwere der Sorgfaltspflichtverletzung. Je
grösser dieses Risiko ist und je schwerer die Sorgfaltspflichtverletzung wiegt, des-
to eher darf gefolgert werden, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in
Kauf genommen (BGE 135 IV 12 E. 2.3.2 und BGE 134 IV 26 E. 3.2.2 mit Hinwei-
sen). Das Gericht darf vom Wissen des Täters auf den Willen schliessen, wenn
sich dem Täter der Eintritt des Erfolgs als so wahrscheinlich aufdrängt, dass die
Bereitschaft, ihn als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnahme
des Erfolgs ausgelegt werden kann (BGE137 IV 1 E. 4.2.3; BGE 133 IV 222
E. 5.3; je mit Hinweisen). Eventualvorsatz kann indessen auch vorliegen, wenn
der Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolgs nicht in diesem Sinne sehr wahr-
scheinlich, sondern bloss möglich war. Doch darf nicht allein aus dem Wissen des
Täters um die Möglichkeit des Erfolgseintritts auf dessen Inkaufnahme geschlos-
sen werden. Vielmehr müssen weitere Umstände hinzukommen (BGE 133 IV 9
E. 4.1 mit Hinweisen). Solche Umstände liegen namentlich vor, wenn der Täter
das ihm bekannte Risiko nicht kalkulieren und dosieren kann und das Opfer keine
Abwehrchancen hat (BGE 133 IV 1 E. 4.5 mit Hinweisen, Urteil des Bundesge-
richts 6B_132/2015 vom 21. April 2015 E. 2.2.2).
1.4. Die Vorinstanz begründete eingehend, dass vorliegend Eventualvorsatz
gegeben ist (Urk. 121 S. 72 f. Ziff. IV.2.1.6); dem ist vollumfänglich zuzustimmen:
Es ist erstellt, dass der Beschuldigte massiv gewalttätig auf †G._ einwirkte.
Der Beschuldigte schlug †G._ gezielt und heftig nicht einmal, sondern drei-
mal mit der Faust ins Gesicht bzw. auf die Schläfen, und zwar so massiv und hef-
tig, dass die Faustschläge gemäss Gutachten unter anderem mehrere Knochen-
brüche, eine Nasenbeinfraktur und eine Fraktur des Augenhöhlenbodens rechts
verursachten. Gegen den am Boden liegenden und bereits blutenden Mann ver-
übte er weitere Gewalt in einer Intensität, dass mehrere Rippen von †G._
brachen und es zu Einblutungen an der Halsmuskulatur, am Unterhautfettgewebe
am Hals sowie an den Augenbindehäuten kam. Damit nicht genug versetzte er
dem bereits schwer verletzten, am Boden liegenden, †G._ noch einen kräfti-
- 34 -
gen Fusstritt ins Gesicht. Es entspricht der allgemeinen Lebenserfahrung, dass
Fusstritte und Faustschläge in den Kopfbereich - als ein besonders sensibler Be-
reich des menschlichen Körpers - eines am Boden liegenden Opfers zu schwer-
wiegenden Beeinträchtigungen der körperlichen Integrität führen können (Urteil
des Bundesgerichts 6B_1180/2015 vom 13. Mai 2016 E. 4.1 mit Hinweisen). Im
vorliegenden Fall hielt die Vorinstanz unter Hinweis auf die Ausführungen der
Staatsanwaltschaft jedoch zutreffend fest, dass die konkreten Umstände der vom
Beschuldigten dem Opfer zugefügten Faustschläge, Fusstritte und weiteren mas-
siven Gewalteinwirkungen auf den Brustkorb und den Hals von †G._ die
Wahrscheinlichkeit seines Todes als Folge dieser Attacken des Beschuldigten er-
höhten (Urk. 121 S. 72 f.). Einerseits schlug der Beschuldigte unvermittelt nach
dem Fusskick gegen die Schere drei Mal massiv mit der Faust gegen das Gesicht
des Opfers, so dass diesem die Gegenwehr gar nicht möglich war. Andererseits
war †G._ vom Einsatz des Pfeffersprays bereits massiv beeinträchtigt, was
der Beschuldigte unmittelbar mitbekommen hatte, so dass die Auswirkungen sei-
ner Attacken auf das Opfer für den Beschuldigten, der notabene die Folgen eines
Faustschlages durchaus kannte (Urk. D1/2/3 S. 11 und 21), nicht kalkulierbar wa-
ren. Zusätzlich wurde das Risiko, dass †G._ in Folge der Wirkung des Pfef-
fersprays unkontrolliert stürzen würde, wenn ihn Faustschläge am Kopf treffen,
nicht nur massgeblich erhöht, sondern verwirklichte sich dies tatsächlich. Indem
nun der Beschuldigte den auf den Boden gestürzten und am Kopf verletzten †G._ weiter massiv traktierte, so dass er nur noch röchelte und kaum mehr
atmen konnte, zudem stark am Kopf und im Gesicht blutete, schuf er eine lebens-
gefährliche Situation, in welcher die Möglichkeit des Todes von †G._ so
ernstlich und dringlich war, dass das Verhalten des Beschuldigten in Überein-
stimmung mit der Vorinstanz (Urk. 121 S. 73) schlechterdings nicht anders inter-
pretiert werden kann, als dass er eine lebensgefährliche Verletzung, die zum To-
de führen kann, in Kauf genommen hat. Auch ist zutreffend, dass der Beschuldig-
te beim besten Willen nicht darauf vertrauen konnte, es werde nicht so weit kom-
men, dass †G._ stirbt, denn dafür lagen keinerlei objektive Anhaltspunkte vor
(Urk. 121 S. 73). Das Gegenteil war der Fall, wie sich auch unschwer aus den
Reaktionen von E._, J._ und I._ ergibt.
- 35 -
1.5. Damit liegt Eventualvorsatz vor und ist auch der subjektive Tatbestand der
vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB erfüllt.
1.6. Der Beschuldigte macht weiter implizit Notwehr geltend, indem er mehrfach
ausführte, er sei von †G._ angegriffen worden, er habe sich gegen ihn weh-
ren müssen. Die Vorinstanz setzte sich einlässlich und sorgfältig auch mit diesem
Einwand des Beschuldigten auseinander und schloss nachvollziehbar und zutref-
fend, dass eine Notwehrsituation zu verneinen ist (Urk. 121 S. 73 f. Ziff. IV.2.1.8),
da es der Beschuldigte war, der das nachmalige Opfer zur "Gegenwehr" resp.
zum Behändigen der Schere zwang, weil er sich überfallsmässig von vier Män-
nern bedrängt sah, wobei der Beschuldigte ihm sofort Pfefferspray ins Gesicht
sprühte, als er in die Wohnung eindrang. So ist die Notwehrsituation des Be-
schuldigten durch seine eigene Provokation entstanden, weshalb der Beschuldig-
te mit seiner Berufung auf Notwehr nicht zu schützen ist.
2. Fazit
Der Beschuldigte ist somit nebst der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB [Dos-
sier 1] und dem Raub im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB [Dossier 2], wel-
che Schuldsprüche bereits in Rechtskraft erwachsen sind, auch der vorsätzlichen
Tötung im Sinne von Art. 111 StGB schuldig zu sprechen.
V. Strafe
1. Bestimmung des Strafrahmens und Strafzumessung
Bezüglich der Theorie zur Festlegung des Strafrahmens und zur Strafzumessung
innerhalb dieses Rahmens kann auf die zutreffenden Ausführungen im
vorinstanzlichen Urteil verwiesen werden (Urk. 121 S. 75 Ziff. V.A.1.1 und S. 76
Ziff. V.A.2.1). Es ist mithin festzuhalten, dass die Strafe des Beschuldigten in An-
wendung von Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 40 StGB innerhalb des Straf-
rahmens von 5 bis 20 Jahren Freiheitsstrafe festzulegen ist und eine Strafrah-
menerweiterung nicht in Betracht fällt (Urk. 121 S. 82 Ziff. V.B.1).
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2. Tatkomponenten vorsätzliche Tötung
2.1. Die Vorinstanz berücksichtigte alle relevanten Tatkomponenten der vor-
sätzlichen Tötung (Urk. 121 S. 82-84 Ziff. V.B.2.1.1). Der Beschuldigte wirkte
massiv gewalttätig auf †G._ ein. Nebst dem zum Tod führenden Epiduralhä-
matom fügte der Beschuldigte †G._ zahlreiche weitere schwere Verletzungen
zu. Der Beschuldigte schlug †G._ mit der Faust derart heftig, dass er ihm das
Nasenbein und einen Augenhöhlenboden brach und †G._ in der Folge nach
hinten umkippte. Auch nachdem †G._ rücklings auf dem Boden lag, liess der
Beschuldigte nicht von ihm ab, sondern brach ihm mehrere Rippen. Dessen nicht
genug filmte er den am Boden liegenden, blutenden und röchelnden †G._
und trat ihm während dem Filmen mit dem Fuss gegen den Kopf. Während †G._ im Sterben lag, lud der Beschuldigte sein Feuerzeug auf und nahm
noch eine Portion Marihuana an sich. Es ist der Vorinstanz beizupflichten, dass
dieses Handeln nahe an der Grenze des Vorstellbaren an Brutalität liegt. Nach-
dem der Beschuldigte die Wohnung von †G._ verlassen hatte, stiess er zur
Gruppe der ehemals Mitbeschuldigten hinzu und zeigte ihnen den Film, auf dem †G._ schwer verletzt zu sehen war. Weder E._, J._, I._ noch
der Beschuldigte riefen im Verlauf des Tages jemanden zur Rettung von †G._ an. Dieser lebte noch und lag noch etliche Stunden in seinem Blut auf
dem Boden seiner Wohnung. Einen Teil des Blutes schluckte er und erbrach es
wieder. Erst in den frühen Morgenstunden des 7. Mai 2014 verstarb er an den
Folgen des Schädelbruchs. Das Tatverschulden wiegt in objektiver Hinsicht
schwer. Die Einsatzstrafe ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz bei rund 16
Jahren Freiheitsstrafe festzusetzen (Urk. 121 S. 83).
2.2. In subjektiver Hinsicht ist zu berücksichtigen, dass die Tat durch den Be-
schuldigten zwar nicht geplant war, der Beschuldigte jedoch bereits im Vorfeld
gewillt war, die körperliche Integrität von †G._ zu verletzen, weshalb er den
Pfefferspray vorgängig an sich nahm. Bezüglich der Tötung von †G._ liegt
Eventualvorsatz vor, wobei darauf hinzuweisen ist, dass das Wirken des Beschul-
digten nahe beim direkten Vorsatz zweiten Grades liegt. Ein Motiv für das brutale
Vorgehen des Beschuldigten ist nicht ersichtlich. Zu verschiedenen Zeitpunkten
- 37 -
hätte der Beschuldigte den Entschluss fassen können, von †G._ abzulassen.
Er entschied sich stattdessen in der Wohnung zu verbleiben und weitere Gewalt
an †G._ zu verüben. Dadurch offenbarte er eine schwerwiegende kriminelle
Energie und eine unvorstellbare Gleichgültigkeit gegenüber dem Opfer. Aufgrund
der eventualvorsätzlichen Tatbegehung wird das objektive Verschulden leicht re-
lativiert, was sich in einer Strafreduktion von einem Jahr niederschlägt.
3. Tatkomponenten Nötigung
Der Vorinstanz ist beizupflichten, dass das Verschulden des Beschuldigten gerin-
ger ausfällt als dasjenige von E._, welcher das Vorhaben, den Hanfpapst
"auszunehmen" initiierte (Urk. 121 S. 84 Ziff. V.B.2.1.2.1.). Trotzdem ist in objekti-
ver Hinsicht zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte einen wichtigen Part beim
Vorhaben spielte. Er bot I._ auf, um ebenfalls mitzuwirken. Auf dem Weg zu †G._ übernahm der Beschuldigte den Pfefferspray. Im Gegensatz zu J._
und I._ betrat er zusammen mit E._ die Wohnung von †G._, um ak-
tiv mitzuwirken. Er setzte sogleich den Pfefferspray gegen †G._ ein, wodurch
E._ die Möglichkeit hatte, das Marihuana aus dem Kühlschrank von †G._ zu entwenden. Das Vorgehen war dreist, die Ausbeute von
ca. 25 Gramm Marihuana gering. Subjektiv handelte der Beschuldigte aus dem
egoistischen Grund, sich unentgeltlich Marihuana zu verschaffen. Der Vorinstanz
folgend rechtfertigt sich in Beachtung des Asperationsprinzips eine Erhöhung der
Einsatzstrafe um 6 Monate (Urk. 121 S. 84 Ziff. V.B.2.1.2.1.).
4. Tatkomponenten Raub Privatkläger 2 (Dossier 2)
Der Beschuldigte handelte nicht planmässig, sondern nützte spontan die starke
Alkoholisierung des Privatklägers 2 aus, stiess diesen zu Boden und nahm ihm
das Mobiltelefon und das Portemonnaie ab. Der Privatkläger 2 kann sich zwar
nicht mehr an den Vorfall erinnern, ist aber seit dem Vorfall ängstlicher. Subjektiv
handelte der Beschuldigte nur aus dem Grund, sich finanziell zu bereichern. Im
Übrigen ist auf die Ausführungen der Vorinstanz zu verweisen und dieser zuzu-
stimmen (Urk. 121 S. 85 Ziff. V.B.2.1.2.2), dass asperierend eine Erhöhung der
Strafe um 10 Monate angemessen erscheint, zumal der Tatbestand des Raubes
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nach Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB eine Strafandrohung von Geldstrafe nicht unter
180 Tagessätzen bis zu 10 Jahren Freiheitsstrafe vorsieht.
5. Schuldfähigkeit
5.1. Die Schuldfähigkeit des Beschuldigten zum Tatzeitpunkt war gemäss dem
Gutachten von Prof. Dr. med. F._ nicht vermindert (Urk. D1/6/2 S. 77). Die
Verteidigerin geht fehl in der Annahme, dass eine schwere Persönlichkeitsstörung
auch eine Einschränkung der Steuerungsfähigkeit zur Folge haben muss
(Urk. 142 S. 17). Dies ist eine verbreitete, jedoch falsche Annahme. Nicht jede
psychische Störung, auch nicht eine schwere Persönlichkeitsstörung, zieht auto-
matisch die Schuldunfähigkeit oder eine verminderte Schuldfähigkeit nach sich.
Wie bereits die Vorinstanz darlegte, begründete der Gutachter ausführlich und
nachvollziehbar, weshalb er beim Beschuldigten zum Ergebnis gelangte, dass
sowohl seine Einsichtsfähigkeit als auch seine Steuerungsfähigkeit zum Tatzeit-
punkt nicht eingeschränkt war (Urk. D1/6/2 S. 70-72). Dass für die Beurteilung der
Schuldfähigkeit des Beschuldigten entgegen den Ausführungen der Verteidigung
(Urk. 143 S. 17) eine Einschätzung, welche anlässlich einer Besprechung abge-
geben wurde und in einer Aktennotiz zuhanden der Jugendanwaltschaft festge-
halten wurde (Beizugsakten der Jugendanwaltschaft Winterthur, Geschäftsnum-
mer 2011/179, Urk. 7.11), die konzisen, ausführlichen und sorgfältig begründeten
Schlussfolgerungen des Gutachtens nicht umzustossen oder nur schon zu er-
schüttern vermögen, bedarf keiner weitergehenden Erläuterung.
5.2. Soweit die Verteidigung eine verminderte Schuldfähigkeit gestützt auf den
beim Beschuldigten ebenfalls diagnostizierten THC-Missbrauch (Urk. D1/6/2
S. 76) oder die Alkoholisierung des Beschuldigten zum Zeitpunkt des Raubes gel-
tend machen möchte (Prot. I S. 106), ist auf die zutreffenden Ausführungen der
Vorinstanz zu verweisen, welche sich wiederum auf die gutachterliche Begrün-
dung stützte (Urk. 121 S. 85-86 Ziff. V.B.2.1.4; Urk. D1/6/2 S. 70 ff.). Nachdem
sich bezüglich des Tatgeschehens vom 6. Mai 2014 (Dossier 1) keine Anhalts-
punkte für einen forensisch relevanten Rauschzustand ergaben und der Beschul-
digte gemäss überzeugender und schlüssiger Darlegung im Gutachten sowohl
hinsichtlich des Tatablaufs als auch des Nachtatverhaltens geplant, gezielt und
- 39 -
umsichtig vorging und der Tathergang zudem mehrschrittig, zum Teil arbeitsteilig
und komplex war, ist der Gutachtensschluss überzeugend, dass dem Beschuldig-
ten keine relevante Verminderung der Steuerungsfähigkeit attestiert werden kann
und von vollständiger Schuldfähigkeit auszugehen ist (Urk. D1/6/2 S. 71 f.). Eben-
so legte der Gutachter nachvollziehbar und widerspruchsfrei dar, weshalb auch
bezüglich des Delikts vom 4. Mai 2014 (Dossier 2) keine relevante Einschränkung
der Steuerungsfähigkeit anzunehmen und die Schuldfähigkeit des Beschuldigten
erhalten sei (Urk. D1/6/2 S. 72). Weder die Akten noch die Aussagen der Beteilig-
ten vermögen Zweifel an der Richtigkeit der gutachterlichen Schlüsse hervorzuru-
fen, da die Faktoren, auf welche sich der Gutachter stützt, sachverhaltsmässig er-
stellt sind.
6. Täterkomponenten
6.1. Auf die erstinstanzlichen Ausführungen zum Vorleben und den persönli-
chen Verhältnissen sowie zur ADHS-Problematik des Beschuldigten kann verwie-
sen werden (Urk. 121 S. 87 Ziff. V.B.2.2.1.1 f.). Ergänzend führte der Beschuldig-
te anlässlich der Berufungsverhandlung aus, dass er auf Holzstaub allergisch sei.
Eine andere Ausbildung als zum Schreiner habe er im ...heim ... jedoch nicht
machen können. Nach dem Ausschluss aus dem Heim habe er wieder bei seiner
Mutter gelebt, sei arbeitslos gewesen und habe Sozialhilfe bezogen. Bei der Ar-
beitsstellensuche habe er aufgrund seines Status "F" immer Absagen erhalten. In-
folge dieses Strafverfahrens habe er Schulden in der Höhe von circa
Fr. 100'000.–. Seit dem 14. Mai 2014 sei er in Haft, zurzeit in der Justizvollzugs-
anstalt Pöschwies. Er pflege ständigen Kontakt zu seiner Mutter und seinen Ge-
schwistern. Seit zwei Jahren habe er eine Freundin, welche ihn oft besuche. Er
habe eine zweijährige Anlehre als Gärtner begonnen und möchte die Lehre zum
Gärtner EFZ absolvieren. Er denke, dass die früher bei ihm gestellte ADHS Diag-
nose falsch gewesen sei. Die entsprechenden Medikamente habe er ein paar
Monate nach seiner Verhaftung abgesetzt. Vor seiner Verhaftung habe er regel-
mässig Cannabis konsumiert, einmal Ecstasy ausprobiert und Opium geraucht.
Auch im Gefängnis habe er noch Cannabis konsumiert. Er habe immer noch
- 40 -
Probleme mit dem Cannabis-Konsum, weshalb er eine ambulante Drogentherapie
machen wolle (Prot. II S. 15 ff.).
6.2. Der Vorinstanz ist beizupflichten, dass sich angesichts der Lebensge-
schichte des Beschuldigten (Verlust des Vaters in früher Kindheit, mit 12 Jahren
Flucht in die Schweiz), der ADHS-Symptome (flüchtiger Arbeitsstil, Unaufmerk-
samkeit gegenüber Details, Schwierigkeit bei der Konstanz der Aufmerksamkeits-
Ausrichtung, Probleme bei der Planung und Organisation von Vorhaben und Akti-
vitäten, innere Unruhe und Ungeduld; Urk. D1/6/2 S. 64) und des jugendlichen Al-
ters von 21 Jahren zum Tatzeitpunkt eine gewisse Strafminderung rechtfertigt.
Aus den weiteren persönlichen Verhältnissen ergeben sich keine Straferhöhungs-
oder Strafminderungsgründe.
6.3. Erheblich straferhöhend sind, wie bereits im vorinstanzlichen Urteil festge-
halten (Urk. 121 S. 88 Ziff. V.B.2.2.2.1 f.), die drei, teilweise einschlägigen, Vor-
strafen des Beschuldigten sowie die zweifache Delinquenz während laufender
Probezeit aus dem Strafbefehl des ministero pubblico des Kantons Tessin wegen
mehrfacher Sachbeschädigung vom 21. Januar 2013 (Beizugsakten) zu berück-
sichtigen. Insbesondere die Verurteilung vom 5. Oktober 2011 wegen einfacher
Körperverletzung etc. (Strafbefehl der Jugendanwaltschaft Winterthur) und dieje-
nige vom 15. November 2011 wegen Angriffs und mehrfacher Drohung (Strafbe-
fehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland) fallen deutlich straferhöhend ins
Gewicht: Am 17. Februar 2010 schlug der Beschuldigte im Beisein von zwei
männlichen Jugendlichen dem Geschädigten mit der Faust bzw. dem Ellenbogen
mehrfach in die Lenden und auf den Rücken (Beizugsakten Jugendanwaltschaft
Winterthur, Geschäftsnr. 2011/179, Urk. 8 S. 3). Am 3. September 2011 griffen
der Beschuldigte und K._ drei Geschädigte an, wobei der Beschuldigte mit
seinem Fuss zweimal gegen den Oberschenkel und den Rücken des einen Ge-
schädigten trat. Danach zerschlug der Beschuldigte eine Glasflasche und drohte
den Geschädigten mit der zerbrochenen Flasche bzw. den Scherben sie allesamt
umzubringen (Beizugsakten Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland, Ge-
schäftsnr. B-2/2011/6569, Urk 28 S. 3).
- 41 -
6.4. Hinsichtlich des Verhaltens im vorliegenden Verfahren liegen vier Füh-
rungsberichte der Justizvollzugsanstalten vor (Urk. D1/18/15, D1/69, D1/76). Der
neuste datiert vom 6. Juni 2017 (Urk. 157/1). Im Gegensatz zu den bisherigen
Führungsberichten attestierte der neuste Bericht dem Beschuldigten ein eher un-
genügendes Vollzugsverhalten (Urk. 157/1 S. 3). Seit seinem Eintritt in die Justiz-
vollzugsanstalt Pöschwies am 11. September 2015 wurde der Beschuldigte
13 mal diszipliniert (Urk. 157/1 S. 2). Die Disziplinarstrafen wurden insbesondere
wegen Besitzes von Drogen und der Kommunikation dienender Geräte, wegen
Sachbeschädigung sowie unerlaubter Rechtsgeschäfte ausgesprochen
(Urk. 157/2). Selbst im Strafvollzug missachtet der Beschuldigte somit die Regeln
und lässt sich auch durch Strafen nicht belehren. Aus diesem Verhalten lässt sich
jedenfalls nichts zu seinen Gunsten ableiten.
6.5. Der Beschuldigte hat hinsichtlich des Sachverhalts in Dossier 1 ein weitge-
hendes Geständnis abgelegt, jedoch nicht von Anfang an. In der ersten Einver-
nahme gab er unter anderem zu Protokoll, alleine bei †G._ gewesen zu sein
und erwähnte den Fusstritt gegen den Kopf von †G._ noch nicht
(Urk. D1/2/1). In den weiteren Einvernahmen gab er teilweise, insbesondere wenn
ihm weitere Beweise vorgelegt wurden, weitere Sachverhaltselemente zu. Bis zu-
letzt bestritt er jedoch, †G._ die Rippenbrüche zugefügt zu haben und ver-
harmloste die gegen †G._ verübte Gewalt (Prot. I S. 39 ff., Prot. II S. 21 ff.).
Bezüglich des Dossiers 2 war er lange ungeständig und gab erst in der
Schlusseinvernahme zu, den Privatkläger 2 ausgeraubt zu haben (Urk. D1/2/7
S. 6 f.). Entgegen den Ausführungen der Verteidigung kann folglich keine Rede
von einem sofortigen und vollumfänglichen Geständnis sein. Zudem ist darauf
hinzuweisen, dass diverse Personen- und Sachbeweise zur Erstellung des Sach-
verhalts vorlagen. Das Teilgeständnis des Beschuldigten erleichterte die Strafver-
folgung nur in geringem Ausmass und war auch nicht Ausdruck tatsächlicher Ein-
sicht und Reue (vgl. Urk. 121 S. 89 Ziff. V.B.2.2.3.1). Folglich ist das Geständnis
im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nur in geringem Umfang
strafmindernd zu berücksichtigen (Urteil des Bundesgerichts 6B_786/2014 vom
10. April 2015 E.1.6.2 f.).
- 42 -
6.6. Die Verteidigung brachte vor, die vorverurteilende Medienberichterstattung
sei strafmindernd zu berücksichtigen und verwies hierzu auf drei Zeitungsartikel
im Blick und im Tagesanzeiger (Urk. D1/83/1-2). Nach der Rechtsprechung des
Bundesgerichts ist eine Vorverurteilung von Tatverdächtigen in der
Medienberichterstattung je nach Schwere der Rechtsverletzung als Strafzu-
messungsgrund zu gewichten. Der Beschuldigte hat indes darzutun, dass die Be-
richterstattung ihn vorverurteilt hat (BGE 128 IV 97 E. 3.b). Inwiefern die
Medienberichterstattung die Unschuldsvermutung verletzt hätte, wurde von der
Verteidigung nicht dargetan. Sie beschränkte sich darauf die bundesgerichtliche
Rechtsprechung wiederzugeben und zitierte drei Sätze aus den von ihr
eingereichten Zeitungsartikeln (Urk. D1/98 S. 17 f., Prot. I S. 105 f.). Im Artikel des
Tagesanzeigers vom tt. November 2015 wird über den Fall und das Verfahren im
Hinblick auf die Hauptverhandlung vor dem Bezirksgericht grundsätzlich objektiv
Bericht erstattet. Demgegenüber ist die ...-Berichterstattung reisserisch.
Insbesondere die Schlagzeile "..." verletzt die Unschuldsvermutung, weil bereits
vor der Verurteilung des Beschuldigten die Aussage gemacht wird, dass es sich
beim Verhafteten um den Täter handle (Urk. D1/83/1). Mit der Vorinstanz ist
daher von einer gewissen Vorverurteilung durch die Presse auszugehen (Urk. 121
S. 89 Ziff. V.B.2.2.4), welche, da in ihrem Ausmass gering, nur leicht
strafmindernd zu berücksichtigen ist.
6.7. Das Bezirksgericht gewichtete die strafmindernden Faktoren stärker als die
straferhöhenden. Dem ist zuzustimmen, wobei die strafmindernden Faktoren die
straferhöhenden nur wenig überwiegen. Angesichts der einschlägigen Vorstrafen
und des nur leicht strafmindernden Geständnisses erscheint daher in Abweichung
von der Vorinstanz 'nur' eine Strafminderung von einem Jahr als angemessen. Es
würde somit eine gegenüber dem vorinstanzlichen Urteil um mehr als 2 Jahre
höhere Freiheitsstrafe von 15 Jahren und 4 Monaten resultieren. Einer Erhöhung
des Strafmasses steht jedoch das Verschlechterungsverbot gemäss Art. 391
Abs. 2 StPO entgegen, so dass es bei der von der Vorinstanz ausgefällten
Freiheitsstrafe von 13 Jahren zu bleiben hat.
- 43 -
6.8. Das Gericht rechnet die Untersuchungshaft, die der Täter während dieses
oder eines anderen Verfahrens ausgestanden hat, auf die Strafe an (Art. 51
StGB). Untersuchungshaft ist jede in einem Strafverfahren verhängte Haft,
Untersuchungs, Sicherheits- und Auslieferungshaft (Art. 110 Abs. 7 StGB). Auch
der vorläufige Strafvollzug ist auf die ausgefällte Strafe anzurechnen. Bei der
Berechnung gilt ein angebrochener Tag grundsätzlich als ganzer Tag (Christoph
Mettler/Nicolas Spichtin, in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 3. Aufl. 2013, N 28
und 35 zu Art. 51 StGB). Der Beschuldige wurde am 14. Mai 2014, 11.50 Uhr,
verhaftet, am 16. Mai 2014 in Untersuchungshaft versetzt und befindet sich seit
dem 29. Januar 2015 bis und mit heute im vorzeitigen Strafvollzug in der
Justizvollzugsanstalt Pöschwies (Urk. D1/13/2, D1/13/11). 1'130 Tage gelten
somit als erstanden.
7. Fazit
Der Beschuldigte ist daher mit 13 Jahren Freiheitsstrafe zu bestrafen, wovon
1'130 Tage durch Untersuchungs-, Sicherheitshaft und vorzeitigen Strafvollzug
bis und mit heute erstanden sind.
VI. Massnahme
1. Ausgangslage
1.1. Die Vorinstanz ordnete gestützt auf Art. 56 und 59 StGB eine stationäre
Massnahme für den Beschuldigten an (Urk. 121 S. 91-96 Ziff. VI). Auf die erneute
Wiedergabe der gesetzlichen Bestimmungen wird, um unnötige Wiederholungen
zu vermeiden, an dieser Stelle verzichtet und auf die entsprechenden Ausführun-
gen der Vorinstanz verwiesen (Urk. 121 S. 91 f. Ziff. VI.2.1; Art. 82 Abs. 4 StPO).
Das Bezirksgericht stützte sich bei seinem Entscheid auf das Gutachten von Prof.
Dr. med. F._ vom 1. Dezember 2014 (Urk. 121 S. 92-94 Ziff. VI.3). Die Ver-
teidigung erhob zahlreiche Einwände gegen das Gutachten und dessen Schluss-
folgerungen (Urk. 143). Während die Verteidigerin im erstinstanzlichen Verfahren
noch den Antrag stellte, es sei eine Massnahme für junge Erwachsene im Sinne
von Art. 61 StGB anzuordnen (Urk. D1/98 S. 2), sah sie im Berufungsverfahren
- 44 -
davon ab. Die Staatsanwaltschaft beantragte die Bestätigung des
vorinstanzlichen Entscheids (Urk. 128 und Prot. II S. 9).
1.2. Bezüglich der Würdigung des Gutachtens ist vorweg nochmals festzuhal-
ten, dass zwar grundsätzlich keine Bindung des Gerichts an Feststellungen von
sachverständigen Personen besteht, da das Gericht Gutachten grundsätzlich frei
zu würdigen hat. Nach der vorbehaltlosen und absolut konstanten Praxis des
Bundesgerichts darf das Gericht davon indessen nicht ohne triftige Gründe ab-
weichen und Abweichungen müssen entsprechend auch begründet werden
(BGE 141 IV 369 E. 6.1 mit Hinweisen). Es darf somit von den Feststellungen der
sachverständigen Person nur abgewichen werden, wenn wirklich gewichtige zu-
verlässig begründete Tatsachen oder Indizien deren Überzeugungskraft ernstlich
erschüttern (Marianne Heer, in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 3. Aufl. 2013,
N. 74 zu Art. 56 StGB).
2. Zusammenfassung des Gutachten von Prof. Dr. med. F._ vom 1. Dezember 2014
2.1. Prof. Dr. med. F._ stellte beim Beschuldigten die Diagnose einer dis-
sozialen Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.2) und eines schädlichen Ge-
brauchs von THC (ICD-10: F12.1; Urk. D1/6/2 S. 60). Zudem gelangte er zum Er-
gebnis, dass sich in Bezug auf die Abklärung eines ADHS einige Symptome fin-
den würden, jedoch nach den Vorgaben der DSM-IV Klassifikation [APA 2003]
nicht ausreichend ADHS-Symptome erreicht würden, um die Diagnose ADHS zu
stellen (Urk. D1/6/2 S. 64 f.).
2.2. Der Beschuldigte habe bereits früh eine Störung des Sozialverhaltens ent-
wickelt (ICD-10: F91.0), die durch ein wiederholendes und andauerndes Muster
dissozialen, aggressiven oder aufsässigen Verhaltens charakterisiert sei
(Urk. D1/6/2 S. 66). Beim Beschuldigten würden die folgenden Verhaltensweisen
die Diagnose Störung des Sozialverhaltens rechtfertigen: "1) Ab dem 11./12. Le-
bensjahr zeigte er gegenüber Menschen und Tieren ein aggressives Verhalten.
So räumte er ein, in der Schule immer wieder körperliche Auseinandersetzungen
gehabt zu haben, die letztlich in einer Anzeige mündeten und berichtete das Ab-
- 45 -
schiessen/Töten eines Vogels mit dem Luftgewehr. Er schüchterte Mitschüler ein,
was er als angemessenen Respekt vor seiner Person wahrnahm. Wegen aggres-
siven Konfliktverhaltens kam es mehrfach zu Schulkonferenzen und "letzten
Chancen". Es kam 2) zu diversen Diebstählen und Sachbeschädigungen. Zuhau-
se log er, stahl Geld und entzog sich den Entziehungsbemühungen der Mutter.
Somit kam es zu klinisch bedeutsamen Beeinträchtigungen in familiären, sozialen
und schulischen Funktionsbereichen" (Urk. D1/6/2 S. 66). Ein früher Störungsbe-
ginn, wie hier mit ca. 12 Jahren, lasse auf eine ungünstige Krankheitsprognose
schliessen, und es bestehe ein erhöhtes Risiko für die Ausbildung einer dissozia-
len Persönlichkeitsstörung oder einer Störung im Zusammenhang mit psychotro-
pen Substanzen im Erwachsenenalter (Urk. D1/6/2 S. 67).
2.3. Allgemein könne man zu Persönlichkeitsstörungen sagen, dass die auffal-
lenden Persönlichkeitszüge unflexibel, unangebracht und überdauernd sein müs-
sen und in bedeutsamer Weise funktionelle Beeinträchtigung oder subjektives
Leiden verursachen sollen. Die beim Beschuldigten diagnostizierte dissoziale
Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.2) falle durch eine grosse Diskrepanz zwi-
schen dem Verhalten und den geltenden sozialen Normen auf und sei durch fol-
gende Merkmale charakterisiert: Beim Beschuldigten zeige sich "1) ein 'herzloses
Unbeteiligtsein gegenüber den Gefühlen Anderer' an einer wenig empathischen
Interaktionsweise". So habe ihm bereits seine Mutter vorgeworfen, dass er auf sie
und die Nachbarn Rücksicht nehmen solle. Auch das Überfallen und Ausrauben
anderer Menschen (in Überzahl) und seine Haltung gegenüber dem Tötungsdelikt
spreche für eine affektive Teilnahme und Empathie. Eine "2) deutliche und an-
dauernde Verantwortungslosigkeit und Missachtung sozialer Regeln, Normen und
Verpflichtungen" ziehe sich wie ein roter Faden durch alle vorliegenden Berichte
und Aussagen über ihn. Der Beschuldigte habe alternierend bei den Schwestern
gelebt, habe sich über Geld des Sozialdienstes und Dealens/Delinquenz finanziert
und habe einen in den Tag hineinlebenden parasitären Lebensstil gepflegt. In der
Untersuchung habe der Beschuldigte sein "3) Unvermögen zur Beibehaltung län-
gerfristiger Beziehungen" bestätigt. So habe seine längste partnerschaftliche Be-
ziehung ca. 4-5 Monate gewährt und auch der Freundeskreis habe aus wech-
selnden Personen, die gerade verfügbar waren, zu bestehen geschienen. Von
- 46 -
sich aus suche er die Gesellschaft und er habe keine Probleme, Beziehungen
einzugehen, aber sehr wohl, diese aufrecht zu erhalten. Die "4) sehr geringe
Frustrationstoleranz und niedrige Schwelle für aggressives und auch gewalttäti-
ges Verhalten" zeige sich sowohl im familiären Umfeld, wo er sich nichts mehr
habe sagen lassen und bei Wut gegen die Wand oder Tür geschlagen habe, als
auch im sozialen Rahmen, wo er häufig in körperliche Auseinandersetzungen ge-
riet, wie auch dem Strafregisterauszug entnommen werden könne (Körperverlet-
zung, Angriff, Drohung). Obschon der bereits jugendliche Beschuldigte straffällig
geworden sei und Kontakt hatte zum Justizsystem, Vormundschaftsbehörde,
Herrn Dr. L._, gehabt habe und nach seinen Angaben mehrfach als Sankti-
onsmassnahmen auf Bauernhöfe geschickt worden sei, scheine der Beschuldigte
"5) nicht in der Lage zu sein, aus seinen Erfahrungen/Bestrafungen zu lernen".
Sehr eindrücklich stelle er "6) seine 'Unfähigkeit zum Erleben von Schuldbe-
wusstsein' in der Untersuchung unter Beweis, als er sein Überfallen/Ausrauben
eines Passanten damit rechtfertigte, dass er selbst schon ausgeraubt worden sei".
Auch in Bezug auf das Tötungsdelikt gehe der Beschuldigte davon aus, dass
nach ihm noch jemand in die Wohnung gegangen sei und das Opfer weiter miss-
handelt habe, als dass er die Verantwortung für seine Handlungen übernehmen
würde. Darin zeige sich "7) auch eine beim Beschuldigten offensichtliche Nei-
gung, andere zu beschuldigen oder vordergründige Rationalisierungen für das ei-
gene Verhalten anzubieten". Damit seien alle Symptomkriterien einer dissozialen
Persönlichkeitsstörung nach ICD-10 [WHO] gegeben" (Urk. D1/6/2 S. 67 f.).
2.4. Im Hinblick auf den Schweregrad der Persönlichkeitsstörung konstatierte
Prof. Dr. med. F._, dass der Beschuldigte alle aufgeführten Diagnosekriterien
voll erfülle und dass es keinen Funktionsbereich (sozial, familiär, beruflich, Frei-
zeit) gebe, der nicht durch diese Störung beeinträchtigt worden wäre. Demzufolge
diagnostizierte er eine schwer ausgeprägte Persönlichkeitsstörung (Urk. D1/6/2
S. 68).
2.5. Zusätzlich stellte der Gutachter die Diagnose eines schädlichen Gebrauchs
von THC (ICD-10: F12.1). Das Hauptmerkmal des Substanzmissbrauchs liege in
einem fehlangepassten Muster von Substanzgebrauch, das sich in wiederholten
- 47 -
und deutlich nachteiligen psychischen und physischen Konsequenzen manifestie-
re. Im Falle des Beschuldigten merkte der Gutachter an, dass der THC-
Missbrauch gegebenenfalls bereits im Grenzbereich zur Abhängigkeit liege, der
Beschuldigte jedoch derzeit zu wenig der dafür notwendigen Kriterien erfülle
(Urk. D1/6/2 S. 69).
2.6. Als standardisierte Prognoseinstrumente zur Abklärung der Legalprognose
wurden im Gutachten die Psychopathy Checklist-Revised, kurz PCL-R, und der
Violence Risk Appraisal Guide, kurz VRAG, verwendet (Urk. D1/6/2 S. 55-60).
Das PCL-Rating ergab beim Beschuldigten 25 Punkte (Urk. D1/6/2 S. 58). Hierzu
hielt der Gutachter zusammenfassend fest, dass dieser Wert am Grenzwert für
das Vorliegen von prototypischen Merkmalen eines "psychopath" liege und der
Beschuldigte viele der entsprechenden Merkmale aufweise (z.B. hohes Stimulati-
onsbedürfnis, Mangel an Schuldbewusstsein und Empathie, parasitärer Lebens-
stil, unzureichende Verhaltenskontrolle, mangelnde Bereitschaft Verantwortung
für sein Handeln zu übernehmen). Auch im Vergleich mit dem Gesamt-PCL-Score
von anderen männlichen deutschsprachigen Häftlingen, die einen Durchschnitts-
wert von 17.75 Punkten aufweisen würden [Mokros Hollerbach et al. 2013], liege
der Beschuldigte deutlich oberhalb dieses Wertes (Urk. D1/6/2 S. 73).
2.7. Bei der Anwendung des VRAG erreichte der Beschuldigte einen Summen-
wert von 13 Punkten, was der Risikokategorie 6 entspricht (Urk. D1/6/2 S. 60).
Der Gutachter stellte hierzu fest, dass der Punktwert des Beschuldigten deutlich
über dem Durchschnitt der initialen Gewaltstraftäterpopulation liege, denn unter
den Straftätern der Entwicklungsstichprobe des VRAG hätten 19 % einen höheren
Summenwert erzielt. Das Rückfallrisiko für erneute Anklagen und Verurteilungen
wegen eines Gewaltdelikts liege bei Straftätern mit einer vergleichbaren Merk-
malskombination innerhalb von 7 Jahren bei 44 % und innerhalb von 10 Jahren
bei 58 % (Urk. D1/6/2 S. 73 f.).
2.8. In Bezug auf das individuelle Rückfallrisiko des Beschuldigten hob Prof. Dr.
med. F._ hervor, dass der Beschuldigte bereits mit Körperverletzungsdelik-
ten auffällig geworden sei und zweimal im Bewährungszeitraum erneut delinquiert
habe. Dies erhöhe die Wahrscheinlichkeit für weitere Rückfälle. Der Beschuldigte
- 48 -
lebe mindestens seit der Migration in der Schweiz sozial randständig. Er zeige im
Rahmen des Integrationsprozesses wenig Bereitschaft, sich mit Benachteiligun-
gen zu arrangieren, sei leicht kränkbar, suche Anerkennung/Respekt und neige
zum gewalttätigen Ausagieren aggressiver oder aversiver Gefühle. Bereits früh
habe er ein fehlendes Unrechtsbewusstsein und eine weitgehende Resistenz ge-
gen polizeiliche und therapeutische Massnahmen gezeigt. Er lebe augenblicksori-
entiert und habe keine Tagesstruktur bzw. keine klaren Ziele. Der Beschuldigte
zeige überdies seit frühester Jugend ein sich in ihrer Intensität steigerndes delin-
quentes und gewalttätiges Verhalten. Persönlichkeitsmerkmale wie eine deutliche
Impulsivität, allgemeine Gewaltbereitschaft, hohe Kränkbarkeit, die Neigung ande-
re für sein Fehlverhalten verantwortlich zu machen, aber auch sein ausgeprägtes
Dominanzbestreben seien für zukünftige Delikte oder Gewaltstraftaten handlungs-
relevant. Den Tathergang vom 06.05.2014 analysierend könne in dem Filmen des
offensichtlich schwerverletzten Opfers eine Dominanz- und Kontrollgeste gesehen
werden. Die verwendeten Prognoseinstrumente würden nicht seine fehlende be-
rufliche Ausbildung, auch nicht die beim Beschuldigten vorgefundene Gaspistole
(...heim ...) oder das versteckte Messer (Klinik IPW Winterthur) gewichten, die im
individuellen Fall weitere prognostische Bedenken rechtfertigen würden. Ein pro-
tektiver Faktor könne gegebenenfalls in seiner emotionalen Bindung an die
Schwestern gesehen werden. Der Beschuldigte zeige zudem eine Behandlungs-
bereitschaft. Trotzdem müsse in der Gesamtschau von einer hohen Rückfallge-
fahr für zukünftige Gewaltdelikte ausgegangen werden. In Bezug auf Eigentums-
oder Drogendelinquenz werde die Rückfallgefahr als sehr hoch eingeschätzt
(Urk. D1/6/2 S. 74 f.).
2.9. Prof. Dr. med. F._ empfiehlt aus seiner forensisch-psychiatrischen
Sicht eine stationäre Massnahme nach Art. 59 StGB, um weitere ernsthafte Delik-
te abzuwenden, die mit der Störung in unmittelbarem Zusammenhang stehen.
Der Beschuldigte bedürfe zur Risikoverminderung einer intensiven längerfristigen
Therapie in einem fördernden, milieutherapeutischen Setting und einer störungs-
und deliktorientierte Therapie, damit das Risiko für weitere (erhebliche) Straftaten
verringert werden könne. Für die Verbesserung der Legalprognose sei es von ho-
her Relevanz, dass sich der Beschuldigte mit therapeutischer Hilfe mit seinen de-
- 49 -
liktrelevanten Denk- und Verhaltensweisen auseinandersetze. Auch eine Ausei-
nandersetzung mit seinen substanz-, d.h. cannabisassoziierten dysfunktionalen
Handlungsstrategien könne im Rahmen dieser Therapie Rechnung getragen wer-
den. Ein Vorteil einer Massnahme nach Art. 59 StGB liege darin, dass diese in ei-
ner geschlossenen Einrichtung vollzogen werden könne. In der Vergangenheit
habe sich der Beschuldigte in Bezug auf die ambulante psychiatrische Behand-
lung bei Herrn Dr. L._ wenig therapeutisch beeinflussbar und nur bedingt ab-
sprachefähig gezeigt, so dass eine ambulante Massnahme nach Art. 63 StGB
nicht ausreichend erscheine, um diese schwere Persönlichkeitsstörung zu beein-
flussen (Urk. D1/6/2 S. 75).
2.10. Der Gutachter gelangte weiter zum Ergebnis, dass die Störung des Sozial-
verhaltens ab dem 12. Lebensjahr, die sich im Laufe der Zeit zu einer schweren
dissozialen Persönlichkeitsstörung ausgebildet habe, bereits deutlich über eine
erhebliche Störung der Persönlichkeitsentwicklung des Beschuldigten hinausge-
he. Eine Massnahme nach Art. 61 StGB erscheine daher nicht ausreichend, um
der Schwere der Störung und der Gewaltbereitschaft des Beschuldigten Rech-
nung zu tragen (Urk. D1/6/2 S. 76).
3. Einwände der Verteidigung
3.1. Die formellen Einwände der Verteidigung, hauptsächlich im Zusammen-
hang mit der Einsetzung von Dr. med. H._ als Hilfsperson, wurden bereits
unter Ziffer II.3 geprüft und erwiesen sich als unbegründet.
3.2. Die Verteidigung machte weiter geltend, aus dem Gutachten gehe nicht
hervor, welche Gerichtsakten zur Exploration beigezogen worden seien (Urk. 143
S. 5). Wie bereits die Vorinstanz ausführte (Urk. D1/42 S. 4), ergeht aus dem
Gutachten selbst, welche Akten dem Gutachter zur Verfügung standen, gab er sie
doch im Sinne einer Zusammenfassung unter Ziffer I. Aktenlage wieder D1/6/2
S. 1-29) . Im Übrigen darf bei mit Strafverfahren vertrauten Rechtsanwälten als
allgemein bekannt vorausgesetzt werden, dass den Sachverständigen für eine
psychiatrische Begutachtung jeweils sämtliche im fraglichen Zeitpunkt der Straf-
behörde zur Verfügung stehenden Akten zugestellt werden, damit der Gutachter
- 50 -
sämtliche vorhandenen Erhebungen einbeziehen kann. So geschah es auch vor-
liegend, wie sich unschwer aus den Akten ergibt, wonach die von der Jugendan-
waltschaft Winterthur, der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland und vom mi-
nistero pubblico von Lugano am 14. Mai 2014 beigezogenen Akten
(Urk. D1/18/14) dem Gutachter offensichtlich zur Verfügung standen, zitiert er
doch unter dem Untertitel "Vorakten" zum Beispiel aus Urk. 6/6, 6/11, 7/5, 7/9 und
7/11 aus den Akten der Jugendanwaltschaft Winterthur 2011/179 (Urk. D1/6/2
S. 23-27). Letztlich weist schon der Untertitel "Vorakten" darauf hin, dass es sich
um Akten früherer Verfahren gegen den heutigen Beschuldigten handelt. Ausser-
dem kam der Gutachter mit seiner ausführlichen Aktenzusammenfassung dem
Anspruch auf Transparenz einerseits und den Vorgaben aus dem Leitfaden zur
Gutachtenserstellung der Fachkommission andererseits nach. Dort wird zum Auf-
bau eines Gutachtens unter Ziffer 2 die Aktenauswertung genannt. Das vorlie-
gende Gutachten enthält denn in Nachachtung des bewährten, von der Fach-
kommission verabschiedeten Aufbaus (S. 4 des Leitfadens) die genaue Darstel-
lung der Angaben zur Person, gegebenenfalls die Krankengeschichte bzw. juristi-
sche Vorgeschichte des Exploranden und des Tatablaufs. Prof. Dr. med. F._
hat denn auch die für die gutachterlichen Schlüsse relevanten Akteninhalte nach-
vollziehbar dargelegt und die nötigen Quellenangaben gemacht. Es wurde somit
vorliegend genügend genau dargelegt, auf welche Akten sich das Gutachten
stützte.
3.3. Bezüglich der eigenen Erhebungen des Gutachters wies die Verteidigung
daraufhin, dass die Notwendigkeit von Fremdanamnesen in psychiatrischen
Fachkreisen umstritten sei und nur in besonderen Fällen zu bejahen sein dürfte
(Urk. 143 S. 3). Dem ist nur schon unter Hinweis auf Art. 184 Abs. 2 lit. b und e
StPO zu widersprechen, wonach selbst der Gesetzgeber den Beizug von Dritten
grundsätzlich zulässt. Entsprechend listet auch der Leitfaden der Fachkommissi-
on unter Ziffer 3 lit. c die Fremdauskünfte auf, die je nach Sachlage und Verhält-
nismässigkeit einzuholen sind (Seite 5 des Leitfadens). Nachdem vorliegend die
Begutachtung einer Persönlichkeitsstörung vorzunehmen war, die anerkannter-
massen schwierig ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_265/2015 vom 3. Dezember
2015 E. 6.3.1 mit Hinweis auf Norbert Nedopil), versteht es sich von selbst, dass
- 51 -
für eine solche Begutachtung sämtliche - auch fremde - Auskünfte für eine zuver-
lässige Gesamtbeurteilung einzuholen sind. Da deren Berücksichtigung zudem of-
fen gelegt wurde, kam der Gutachter seinen Pflichten uneingeschränkt nach. Der
Einwand der Verteidigung erweist sich als unbegründet. Eine andere Frage, näm-
lich eine inhaltliche, ist es, wie die entsprechenden Angaben vom Gutachter beur-
teilt werden, d.h. ob und gegebenenfalls wie diese in die Diagnose und weitere
Beurteilung einfliessen. Diese Entscheidung zu treffen, obliegt dem Gutachter, der
über das für diese den Fachbereich beschlagende Fragen erforderliche fachspezi-
fische Wissen verfügt.
3.4. Nebst den zum Zeitpunkt der Gutachtenserstellung bereits vorhandenen
fremdanamnestischen Angaben - die Berichte von Dr. L._ vom 10. Oktober
2011, 29. März 2012 und 3. Dezember 2012, der Austrittsbericht der IPW Win-
terthur vom 6. August 2013 sowie der ärztliche Verlaufsbericht des Psychiatrisch-
Psychologischen Dienstes (nachfolgend PPD) über die Haftzeit des Beschuldig-
ten - ist im Gutachten auch ein Telefonat mit Herrn med. pract. M._ vom PPD
vom 4. November 2014 aufgeführt (Urk. D1/6/2 S. 49 f.). Die Verteidigung stellte
sich in diesem Zusammenhang auf den Standpunkt, die sachverständige Person
dürfe selbst keine Abklärungen treffen (Urk. 143 S. 3). Diese Behauptung wider-
spricht der gesetzlichen Bestimmung von Art. 185 StPO, welche in Absatz 4 vor-
sieht, dass die sachverständige Person einfache Erhebungen, die mit dem Auf-
trag in engem Zusammenhang stehen, selber vornehmen und zu diesem Zweck
Personen aufbieten kann. Diese haben dem Aufgebot Folge zu leisten und kön-
nen im Fall der Weigerung sogar polizeilich vorgeführt werden. Dem Anhang des
Auftrags an den Gutachter sind die für ihn relevanten gesetzlichen Bestimmun-
gen, unter anderem auch Art. 185 StPO, zu entnehmen. Der Gutachter wird im
Auftrag sodann ausdrücklich darauf hingewiesen, dass, falls er im Rahmen der
Ausführung des Gutachtensauftrags Auskünfte bei Ärztinnen und Ärzten einhole,
bei welchen der Beschuldigte in Behandlung gestanden habe oder stehe oder die
Gutachten über den Beschuldigten erstattet hätten, diese Ärzte zusätzlich auf das
Zeugnisverweigerungsrecht aufmerksam zu machen seien (Urk. D1/6/1 S. 4).
Demzufolge durfte der Gutachter, bzw. die von ihm als Hilfsperson beigezogene
Dr. med. H._, im Rahmen der Fremdanamnese ohne Weiteres ein Telefonat
- 52 -
mit Herrn med. pract. M._ vom PPD führen. Dieser wurde vorschriftsgemäss
über sein Zeugnisverweigerungsrecht aufgeklärt. Zudem lag eine schriftliche
Schweigepflichtsentbindung des Beschuldigten vor (Urk. D1/6/2 S. 49).
3.5. Die Verteidigung wendete gegen das Telefonat mit med. pract. M._
weiter ein, dass es sich dabei um eine unzulässige "Zeugeneinvernahme" handle
und die Teilnahmerechte des Beschuldigten verletzt worden seien (Urk. 143 S. 6).
Dabei verkennt die Verteidigung, dass dieses Telefonat keine Zeugenaussage im
Sinne von Art. 177 StPO darstellt, sondern es sich um eine informatorische Be-
fragung handelt. Im Entscheid des Obergerichts des Kantons Zürich vom 11. Mai
2011 wird ausdrücklich festgehalten, es handle sich bei Explorationsgesprächen,
also bei solchen informellen Erhebungen nicht um eigentliche Beweiserhebungen,
so dass der Sachverständige auch nicht zu einem formalisierten Vorgehen wie
etwa die Durchführung eigentlicher Einvernahmen mit entsprechender Protokollie-
rung nach Art. 76 ff. StPO verpflichtet ist, wie es für Beweiserhebungen vorgese-
hen ist (ZR 110/2011, Nr. 41, S. 110). Daher sind auch die Teilnahmerechte im
Sinne von Art. 147 StPO nicht zu gewähren. Dem rechtlichen Gehör der Parteien
wird im Zusammenhang mit Sachverständigengutachten regelmässig dadurch
Rechnung getragen, dass ihnen das schriftlich erstattete Gutachten zur Kenntnis
gebracht wird, wie auch vorliegend (Urk. D1/15/11), und sie sich im weiteren Ver-
fahren dazu äussern und dem Experten ergänzende Fragen stellen können (Urteil
des Bundesgerichts 6B_549/2014 vom 23. März 2015 E.3).
3.6. Die Verteidigung monierte, dass im Gutachten auf die unfiltrierten Angaben
diverser Personen abgestellt werde. Die Aussagen würden selektiv wiedergege-
ben und nur solche zitiert, die ein schlechtes Licht auf den Beschuldigten werfen
würden (Urk. 143 S. 7 f.). Die von der Verteidigung in diesem Zusammenhang zi-
tierten Aussagen bzw. Angaben auf den Seiten 15 und 19 befinden sich unter der
Ziffer I. des Gutachtens (Urk. D1/6/2 S. 1-29). In diesem Teil des Gutachtens wird
lediglich zusammenfassend die Aktenlage wiedergegeben und damit offen gelegt,
dass die entsprechenden Akten vom Gutachter studiert wurden, wie dies im weg-
leitenden Leitfaden zur Gutachtenserstellung der Fachkommission in Ziffer 2 vor-
gesehen ist (Seite 4 des Leitfadens). An dieser Stelle wird jedoch weder eine
- 53 -
Wertung noch eine Beurteilung dieser Aktenstellen durch den Gutachter vorge-
nommen. Inwiefern sich der Gutachter sachfremd oder fachlich unvertretbar auf
die ihm zur Verfügung gestellten Akten gestützt haben soll, legt die Verteidigung
nicht substantiiert dar und ist auch nicht ersichtlich. Ebenso wenig erschliesst
sich, inwiefern die von der Verteidigerin genannten Aussagen tatsächlich Eingang
in die Beurteilung durch den Gutachter gefunden haben sollten. Die von ihr ange-
gebene Stelle im Gutachten versteht sich klarerweise lediglich als Zusammenfas-
sung der Aktenlage. Die Rüge erweist sich damit als unbegründet.
3.7. In Bezug auf den Sachverhalt, der dem Beschuldigten vorgeworfen werde,
jedoch noch nicht bewiesen sei, verlangte die Verteidigung, dass Varianten gebil-
det würden (Urk. 143 S. 3). Die Sachverhaltsbeurteilung dürfe nicht vorwegge-
nommen werden (Urk. 143 S. 13). Es sei Standard, dass begutachtende Sach-
verständige bei bestrittenen Sachverhalten mit verschiedenen Varianten arbeiten
würden (Urk. 143 S. 14). Dem ist zu widersprechen. Es ist bei der Erstellung ei-
nes Gutachtens durchaus üblich, von der Anklageschrift als Arbeitshypothese
auszugehen. Andernfalls könnte eine Begutachtung bei ungeständigen Beschul-
digten immer erst nach der rechtskräftigen Entscheidung über den Schuldpunkt
erfolgen. Soweit der Gutachter bei der Beauftragung nicht zur Variantenbildung
aufgefordert wird, steht es ihm frei mit Varianten zu arbeiten. Dennoch geht der
Leitfaden zur Gutachtenerstellung davon aus, dass auch bei nicht geständigen
Beschuldigten Gutachten erstellt werden können, da diesfalls die Beantwortung
der gestellten Fragen unter der hypothetischen Annahme erfolgt, die Beschuldi-
gungen träfen zu (Leitfaden S. 13). Vorliegend hat der Gutachter sinnvollerweise
auf Variantenbildungen verzichtet, war der äussere Ablauf des Tatgeschehens
doch weitgehend unbestritten und richtete sich die Opposition des Beschuldigten
hauptsächlich auf den subjektiven Tatbestand und den Verursacher der Aggressi-
on, was denn auch im Gutachtensauftrag entsprechend festgehalten wurde
(Urk. D1/6/1 S. 2). Inwiefern der Gutachter vorliegend von aktenwidrigen oder
sachfremden Voraussetzungen bezüglich des Sachverhaltes ausgegangen wäre,
wird durch die Verteidigung nicht substantiiert geltend gemacht und ist auch nicht
ersichtlich.
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3.8. Die Verteidigung bemängelte, dass sich der Gutachter nicht mit der trans-
kulturellen Problematik auseinandergesetzt habe, obwohl der Beschuldigte erst im
Alter von 12 Jahren in die Schweiz gekommen sei (Urk. 143 S. 8 f.). Die Beurtei-
lung von ausländischen Straftätern aus fremden Kulturen stelle eine besondere
Herausforderung für psychiatrische Sachverständige dar. In der Fachliteratur
werde hier zur Zurückhaltung bei der Diagnose einer Persönlichkeitsstörung gera-
ten (Urk. 143 S. 9). Der Gutachter liess ganz im Gegenteil durchaus nicht ausser
Acht, dass der Beschuldigte erst mit 12 Jahren in die Schweiz emigriert war
(Urk. D1/6/2 S. 61). Zu beachten ist jedoch auch, dass sich der Beschuldigte zum
Tatzeitpunkt seit rund 10 Jahren in der Schweiz befand. Die von der Verteidigung
zitierte Literaturstelle verlangt, dass bei der Diagnose einer Persönlichkeitsstö-
rung die geforderten Kriterien nach ICD-10 streng beachtet werden sollen (Mari-
anne Heer/Elmar Habermeyer, in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 3. Aufl. 2013,
N. 17 zu Art. 59 StGB). Dies wurde vom Gutachter auch befolgt, wie seinen vor-
stehend zitierten Erwägungen entnommen werden kann (Ziff. VI.2.3).
3.9. Die Diagnose der dissozialen Persönlichkeitsstörung wird von der Verteidi-
gerin angezweifelt. Sie warf die Frage auf, wie es sein könne, dass im Austrittsbe-
richt der IPW Winterthur vom 6. August 2013 noch die Rede von einer kombinier-
ten Persönlichkeitsstörung gewesen sei, währenddessen das Gutachten neun
Monate später zu folgendem Schluss komme: "Die Störung des Sozialvershaltens
ab dem 12. Lebensjahr, die sich im Laufe der Zeit zu einer schweren dissozialen
Persönlichkeitsstörung ausgebildet hat, geht bereits deutlich über eine erhebliche
Störung der Persönlichkeitsentwicklung des Expl. hinaus". Es sei nicht nachvoll-
ziehbar dargelegt worden, wie sich die Persönlichkeitsstörung manifestiert haben
soll (Urk. 143 S. 10 f.). Im Gutachten fehle es zudem an einer nachvollziehbaren
strukturierten Abklärung der Eingangsmerkmale einer Persönlichkeitsstörung
(Urk. 143 S. 13). Es sei nicht nachvollziehbar, wie man überhaupt auf eine Per-
sönlichkeitsstörung als Diagnose komme (Urk. 143 S. 15).
3.10. Ein Gutachter ist selbstverständlich nicht an frühere Diagnosen anderer
Ärzte oder Institutionen gebunden. Er hat selbst eine Beurteilung vorzunehmen,
bei welcher die fremdanamnestischen Angaben wohl berücksichtigt, aber auf kei-
- 55 -
nen Fall unkritisch übernommen werden sollen. Dies gilt auch für den Austrittsbe-
richt der IPW Winterthur vom 6. August 2013. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen,
dass die darin gestellte Diagnose derjenigen von Prof. Dr. med. F._ nicht di-
ametral widerspricht, da die IPW von einer kombinierten Persönlichkeitsstörung
mit unter anderem dissozialen Zügen gemäss F61.0 spricht. Prof. Dr. med.
F._ zeigte auf den Seiten 66 bis 68 auch für den medizinischen Laien absolut
nachvollziehbar auf, weshalb er beim Beschuldigten ab dem 12. Lebensjahr eine
Störung des Sozialverhaltens diagnostizierte, die sich zur heute diagnostizierten
dissozialen Persönlichkeitsstörung entwickelte, welches die Voraussetzungen ei-
ner solchen Persönlichkeitsstörung sind und aus welchen Gründen der Beschul-
digte diese Voraussetzungen erfüllt (vgl. vorstehend Ziffer IV.2.2 und 2.3; die Vo-
raussetzungen der dissozialen Persönlichkeitsstörung sind zur Verdeutlichung
kursiv hervorgehoben). Dem Gericht erschliesst sich ohne Weiteres, wie und
weshalb der Gutachter zur gestellten Diagnose gelangt. Seine Ausführungen
hierzu sind detailliert und schlüssig. Der erneut vorgebrachte angebliche Wider-
spruch auf den Seiten 60 und 68 ist keiner, wie bereits die Vorinstanz zutreffend
ausführte (Urk. 143 S. 14). Auf der Seite 60 wird die Diagnose - dissoziale Per-
sönlichkeitsstörung - aufgeführt und auf der Seite 68 geht es um die Einschätzung
des Schweregrads der Persönlichkeitsstörung (Urk. D1/6/2 S. 60 und 68;
Urk. D1/42 S. 4). Die Argumentation der Verteidigung, dass der Schweregrad der
Störung bereits unter dem Titel "Diagnose" genannt werden müsse, entbehrt jeder
Grundlage und geht an der Sache vorbei.
3.11. Im Zusammenhang mit der Gefährlichkeit des Beschuldigten machte die
Verteidigung geltend, die Gefährlichkeit eines Täters stelle keine Tatsache, son-
dern eine rechtliche Bewertung dar (Urk. 143 S. 3). Zur Verwendung des standar-
disierten Prognoseinstruments PCL-R führte die Verteidigerin aus, dass in der
Fachliteratur vor einer unkritischen Übernahme der Ergebnisse standardisierter
Prognoseinstrumente wie bspw. des PCL-R besonders gewarnt werde (Urk. 143
S. 3). Im Zusammenhang mit der PCL-R beanstandete die Verteidigung weiter,
dass die verteilten Punkte bei der PCL-R nicht ausführlich genug dargelegt wor-
den seien (Urk. 143 S. 16). Bereits die Vorinstanz führte dazu aus, dass die Beur-
teilung der Gefährlichkeit eines Täters und damit der Rückfallgefahr gerade typi-
- 56 -
sche tatsächliche Fragen sind, welche durch die Gutachter zu beantworten sind
(Urk. D1/42 S. 3 E.2.b).
3.12. Wie das Bundesgericht in seiner Rechtsprechung bereits eingehend darge-
legt hat, erfordert das (Prognose-) Gutachten eine umfassende und in sich nach-
vollziehbare Darstellung des Erkenntnis- und Wertungsprozesses des Sachver-
ständigen. Dazu gehört namentlich die Angabe der von ihm herangezogenen und
ausgewerteten Erkenntnismittel sowie der Untersuchungsmethode, deren Aus-
wahl in seinem pflichtgemässen Ermessen liegt. Um die Nachvollziehbarkeit und
Transparenz zu gewährleisten, hat der Sachverständige im Gutachten umfassend
darzulegen, wie und weshalb er zu den von ihm gefundenen Ergebnissen gelangt
(Urteil des Bundesgerichts 6B_424/2015 vom 4. Dezember 2015 E. 2.3). Das
Bundesgericht hielt denn auch bezüglich der Verwendung standardisierter Prog-
noseinstrumente wie FOTRES, VRAG, SORAG, Static 2002 und PCL-R fest,
dass diese zwar für sich allein nicht geeignet sind, eine fundierte individuelle Ge-
fährlichkeitsprognose tragfähig zu begründen, eine fachgerechte Anwendung aber
dazu beitragen könne, eine Risikoeinschätzung zu verbessern. Die Arbeit des
Gutachters, welcher sich zur Erarbeitung der Individualprognose auf Prognosein-
strumente stützt, besteht dann darin, die derart ermittelten Werte bzw. Befunde im
Gutachten auszuwerten, diese nachvollzieh- und überprüfbar zu erläutern und
den Bezug zur Gutachtensfragestellung herzustellen (Urteil des Bundesgerichts
6B_424/2015 vom 4. Dezember 2015 E. 3.3-3.4).
3.13. Prof. Dr. med. F._ benützte für die standardisierte Erfassung der kri-
minalprognostischen Risikomerkmale die Prognoseinstrumente PCL-R und
VRAG. Bei beiden Prognoseinstrumenten wurde für jedes einzelne Kriterium
(Item) eine Einstufung (Rating) vorgenommen und diese klar und nachvollziehbar
begründet (Urk. D1/6/2 S. 56-58 und S. 59-60), was ohne Weiteres ausreicht. Zu
Einzelheiten hierzu kann auf die Zusammenfassung des Gutachtens unter vorste-
hender Ziffer VI.2. verwiesen werden. Der Gutachter stützte sich für die Beurtei-
lung der Gefährlichkeit bzw. des Rückfallrisikos beim Beschuldigten jedenfalls
nicht ausschliesslich auf die erreichten Punktwerte in der PCL-R und dem VRAG,
sondern er nahm eine individuelle Einschätzung des Rückfallrisikos für den Be-
- 57 -
schuldigten vor (Urk. D1/6/2 S. 72 f.). So legt der Gutachter im Einzelnen die
Funktionsweise der verwendeten Prognoseinstrumente dar und erläutert Schritt
für Schritt und somit ohne weiteres nachvollziehbar, wie er als Gutachter die kon-
kreten Ergebnisse in Bezug auf den Beschuldigten vor dem Hintergrund der Er-
kenntnisse der Praxis einschätzt und bewertet (Urk. D1/6/2 S. 72-74). Diese Beur-
teilung ergänzt der Gutachter nun aber individuell mit der selbständigen Einschät-
zung des Rückfallrisikos des Beschuldigten unter Einbezug von dessen Lebens-
lauf. Namentlich führte er, wie vollumfänglich transparent dargelegt wurde, die
einzelnen Lebensumstände an, die die Wahrscheinlichkeit für weitere Rückfälle
erhöhen, wie z.B. dass der Beschuldigte bereits mit Körperverletzungsdelikten
auffällig geworden sei, sozial randständig lebe, bereits früh ein fehlendes Un-
rechtsbewusstsein und überdies seit frühester Jugend ein sich in ihrer Intensität
steigerndes delinquentes und gewalttätiges Verhalten habe (Urk. D1/6/2 S. 74).
Der Gutachter führte noch weitere Einzelheiten auf, wie ebenfalls in der Zusam-
menfassung unter Ziffer VI.2. vorstehend bereits wiedergegeben wurde. Die Ein-
schätzung der Legalprognose und der Gefährlichkeit des Beschuldigten ist somit
vorliegend hinreichend nachvollzieh- und überprüfbar.
3.14. Zusammengefasst ist entgegen den Ausführungen der Verteidigung und in
Übereinstimmung mit der Vorinstanz festzuhalten, dass das Gutachten mängelfrei
und klar ist und auf die überzeugenden, nachvollziehbaren und schlüssigen Aus-
führungen des Gutachters abgestellt werden kann (Urk. 121 S. 94 Ziff. VI.3.4).
4. Prüfung der Voraussetzungen für eine stationäre Massnahme
4.1. Prof. Dr. med. F._ diagnostizierte beim Beschuldigten eine dissoziale
Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.2) in schwerer Ausprägung sowie einen
schädlichen Gebrauch von THC (ICD-10: F12.1), worunter der Beschuldigte zum
Tatzeitpunkt gelitten habe (Urk. D1/6/2 S. 60, 68 und 76). Die festgestellten psy-
chischen Störungen bestünden weiterhin und die dissoziale Persönlichkeitsstö-
rung stehe in direktem Zusammenhang mit den vom Beschuldigten begangenen
Delikten (Urk. D1/6/2 S. 78). In Bezug auf die Rückfallgefahr beim Beschuldigten,
gründend auf seiner dissozialen Persönlichkeitsstörung, hielt der Gutachter fest,
dass Gewaltstraftaten mit einer hohen Wahrscheinlichkeit zu erwarten seien und
- 58 -
eine noch höhere Wahrscheinlichkeit für Eigentumsdelikte sowie Drogendelikte
anzunehmen sei (Urk. D1/6/2 S. 77 f.). Um die Gefahr neuerlicher Straftaten zu
reduzieren, benötige der Beschuldigte eine intensive längerfristige delikt- und stö-
rungsorientierte Therapie (Urk. D1/6/2 S. 78). Prof. Dr. med. F._ empfahl
hierfür eine stationäre Massnahme nach Art. 59 StGB. Diese Massnahme könne
eine intensive und milieutherapeutisch geprägte delikt- und störungsspezifische
Behandlung mit begleitender Therapie des THC-Missbrauchs gewährleisten und
in geschlossenen Einrichtungen durchgeführt werden. Eine ambulante Behand-
lung erscheine nicht geeignet, die Rückfallgefahr zu senken, zumal der Beschul-
digte in der Vergangenheit bereits gezeigt habe, dass ihn diese Massnahme nicht
ausreichend beeinflussen könne (Urk. D1/6/2 S. 79).
4.2. Eine Massnahme für junge Erwachsene ist anzuordnen, wenn der Täter
zur Zeit der Tat noch nicht 25 Jahre alt war, er in seiner Persönlichkeitsentwick-
lung erheblich gestört ist, die Straftaten mit der Störung der Persönlichkeitsent-
wicklung zusammenhängen und sich die Gefahr weiterer Taten mittels der Mass-
nahme reduzieren lässt (Art. 61 Abs. 1 StGB). Bei der Massnahme im Sinne von
Art. 61 StGB handelt es sich um eine besondere erzieherische bzw. sozialpäda-
gogische (bessernde) Massnahme für strafrechtlich verurteilte junge Erwachsene.
Zweck der Massnahme ist die Korrektur einer Fehlentwicklung mittels erzieheri-
scher Mittel (Marianne Heer, in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 3. Aufl. 2013,
N. 9 f. zu Art. 61 StGB).
4.3. Der Beschuldigte war zum Tatzeitpunkt 21 Jahre alt und somit im grund-
sätzlich passenden Alter für eine Massnahme für junge Erwachsene. Eine solche
setzt jedoch weiter eine erhebliche Störung der Persönlichkeitsentwicklung vo-
raus, welche von einer Persönlichkeitsstörung abzugrenzen ist. Prof. Dr. med.
F._ hielt hierzu klar fest, dass die bereits in frühem Alter ausgebildete disso-
ziale Persönlichkeitsstörung des Beschuldigten deutlich über eine Störung der
Persönlichkeitsentwicklung hinausgehe. Er sprach sich dementsprechend ebenso
deutlich gegen eine Massnahme für junge Erwachsene aus, da diese aufgrund
der Schwere der Persönlichkeitsstörung nicht ausreichend geeignet erscheine,
- 59 -
um die Wahrscheinlichkeit weiterer Straftaten zu vermindern (Urk. D1/6/2
S. 79 f.).
4.4. In Übereinstimmung mit den gutachterlichen Feststellungen ist davon aus-
zugehen, dass im Falle der Entlassung des Beschuldigten ein hohes Risiko für
weitere Gewaltdelikte und gar ein sehr hohes in Bezug auf Eigentums- und Dro-
gendelikte gegeben ist. Angesichts dieses hohen Rückfallrisikos ist der Schutz
der Öffentlichkeit zusammengefasst im vorliegenden Fall höher zu gewichten als
der Eingriff in die Freiheit der Beschuldigten. Es ist den gutachterlichen Ausfüh-
rungen zweifellos zu folgen, dass sich der Rückfallgefahr beim Beschuldigten im
heutigen Zeitpunkt nur im Rahmen der stationären Unterbringung in einer ent-
sprechenden geschlossenen Einrichtung mit geschultem Fachpersonal rechtsge-
nügend begegnen lässt. Der Beschuldigte bedarf zur Risikominderung einer in-
tensiven längerfristigen Therapie in einem fördernden, milieutherapeutischen Set-
ting und einer störungs- und deliktorientierten Therapie. Angesichts der detaillier-
ten, nachvollziehbaren und einleuchtenden Darlegungen des Gutachters bezüg-
lich der bisherigen wenig erfolgreichen ambulanten psychiatrischen Behandlung
und der Schwere und Ausprägung der dissozialen Persönlichkeitsstörung sowie
des Umstandes, dass eine Massnahme nach Art. 61 StGB, wie ebenfalls über-
zeugend begründet, nicht ausreicht, um der Schwere der Störung und der Ge-
waltbereitschaft des Beschuldigten Rechnung zu tragen (Urk. D1/6/2 S. 75 f.), er-
weist sich auch angesichts des heutigen Alters des Beschuldigten von mittlerweile
knapp 25 Jahren die Anordnung einer stationären Massnahme trotz des schweren
Eingriffs in die Freiheit des Beschuldigten als notwendig und verhältnismässig,
zumal nur eine solche im Hinblick auf die Deliktprävention Erfolg verspricht und
oberstes Ziel deliktpräventiver Therapien die Reduktion des Rückfallrisikos bzw.
die künftige Straflosigkeit des Täters ist (BGE 124 IV 246 E. 3b; BGE 141 IV 236
E. 3.7).
4.5. Auch nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist nicht ausschlagge-
bend, ob der Beschuldigte willig ist, eine Therapie im Rahmen einer stationären
Massnahme anzutreten. Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass es
durchaus aufgrund der psychischen Erkrankung des Betroffenen an der Fähigkeit
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fehlen kann, die Notwendigkeit und das Wesen einer Behandlung abzuschätzen.
Mangelnde Einsicht gehört bei schweren, langandauernden Störungen häufig
zum typischen Krankheitsbild (Urteile des Bundesgerichts 6B_463/2016 vom
12. September 2016 E. 1.3.3 und 6B_100/2017 vom 9. März 2017 E. 5.2) und die
Erreichung der Therapiemotivation stellt nicht selten den ersten Schritt im Rah-
men der Behandlung dar (Marianne Heer, in: Basler Kommentar, Strafrecht I,
3. Aufl. 2013, N. 78 zu Art. 59 StGB). Davon ging zu Recht auch bereits die Vo-
rinstanz aus (Urk. 121 S. 94-96 Ziff. VI.4). In der erstinstanzlichen Hauptverhand-
lung schien der Beschuldigte bezüglich einer Therapie grundsätzlich motiviert
bzw. motivierbar, auch wenn er einer Behandlung im Rahmen einer stationären
Massnahme eher ablehnend gegenüber stand (Prot. I S. 82). Diese Einstellung
des Beschuldigten spricht somit nicht gegen die Anordnung einer stationären
Massnahme.
4.6. Abschliessend ist festzuhalten, dass eine Freiheitsstrafe allein vorliegend
nicht geeignet ist, um der vom Beschuldigten ausgehenden Gefahr zu begegnen.
Der Beschuldigte leidet an einer schwer ausgeprägten dissozialen Persönlich-
keitsstörung. Angesichts der hohen Rückfallgefahr für zukünftige Gewaltdelikte er-
fordert es die öffentliche Sicherheit, dass der Beschuldigte in geeigneter Weise
behandelt wird. Eine Massnahme für junge Erwachsene eignet sich nicht, um die
Gefahr weiterer Straftaten zu reduzieren, da die Persönlichkeitsstörung deutlich
über eine Persönlichkeitsentwicklungsstörung hinausgeht. Eine stationäre Mass-
nahme erweist sich demgegenüber als geeignet, erforderlich und auch verhält-
nismässig. Es ist daher eine stationäre therapeutische Massnahme im Sinne von
Art. 59 StGB (Behandlung von psychischen Störungen) anzuordnen und zu die-
sem Zweck der Vollzug der Freiheitsstrafe aufzuschieben (Art. 57 Abs. 2 StGB).
VII. Zivilforderungen
1. Noch nicht rechtskräftig ist einzig die vorinstanzliche Zusprechung einer Ge-
nugtuung von Fr. 500.– an den Privatkläger 2 (Dossier 2). Seitens des Privatklä-
gers 2 wurde vor Vorinstanz ein Genugtuungsbegehren im Betrag von Fr. 1'500.–
gestellt. Begründet wurde die Forderung hauptsächlich mit den erlittenen Verlet-
- 61 -
zungen, insbesondere den oberflächlichen Schürfungen im Gesicht und damit,
dass der Privatkläger infolge der Tat ängstlicher geworden sei (Urk. D1/73). Die
Verteidigung beantragte die vollumfängliche Abweisung dieser Forderung
(Urk. D1/98 S. 4, Urk. 161 S. 2).
2. Die theoretischen Grundlagen zu den Zivilansprüchen sind im erstinstanzli-
chen Entscheid korrekt ausgeführt worden, weshalb darauf verwiesen werden
kann (Urk. 121 S. 97 f. Ziff. VIII.1.1). Anspruch auf Leistung einer Geldsumme als
Genugtuung hat derjenige, der in seiner Persönlichkeit widerrechtlich verletzt
wird, sofern die Schwere der Verletzung es rechtfertigt und diese nicht anders
wiedergutgemacht worden ist (Art. 49 Abs. 1 OR). Bemessungskriterien sind vor
allem die Art und Schwere der Verletzung, die Intensität und Dauer der Auswir-
kungen auf die Persönlichkeit des Betroffenen sowie der Grad des Verschuldens
des Schädigers (Urteil des Bundesgerichts 6B_768/2014 vom 24. März 2015,
E. 3.3.). Die Festlegung der Höhe der Genugtuung beruht auf richterlichem Er-
messen (BGE 125 III 412 E. 2.a).
3. Die Vorinstanz lehnte eine Genugtuung wegen den Schürfwunden richtiger-
weise ab, da nicht rechtsgenügend nachgewiesen werden konnte, dass der Be-
schuldigte dem Privatkläger diese Verletzungen zugefügt hatte. Es rechtfertigt
sich jedoch in Übereinstimmung mit der Vorinstanz dem Privatkläger für das ent-
standene Unsicherheitsgefühl eine Genugtuung zuzusprechen (Urk. 121 S. 102
Ziff. VIII.2.3.2). Die Beeinträchtigung des Sicherheitsgefühls des Privatklägers 2
stellt eine Persönlichkeitsverletzung dar, welche auf den Raub zurückzuführen ist,
der wiederum vorsätzlich vom Beschuldigten verübt wurde. Die erstinstanzlich
zugesprochene Genugtuungssumme von Fr. 500.– erscheint angesichts der kon-
kreten Umstände und der wenig substantiierten Beeinträchtigung des Privatklä-
gers 2 als dem Ausmass derselben und dem Verschulden des Beschuldigten an-
gemessen. Der Beschuldigte ist daher zu verpflichten, dem Privatkläger D._
Fr. 500.– als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag ist das Genugtuungsbe-
gehren abzuweisen.
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VIII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Verfahrenskosten
1.1. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte un-
terliegt mit all seinen Anträgen, sowohl im Schuldpunkt wie auch hinsichtlich Stra-
fe, Massnahme und Zivilforderung. Dementsprechend sind ihm die Kosten des
Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung auf-
zuerlegen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse
genommen, wobei die Rückzahlungspflicht vorbehalten bleibt (Art. 428 Abs. 1
StPO i.V.m. Art. 135 Abs. 4 StPO).
1.2. Die amtliche Verteidigerin reichte anlässlich der Berufungsverhandlung ihre
Honorarnote ein (Urk. 162). Für das Berufungsverfahren macht sie Aufwendun-
gen im Betrag von Fr. 15'919.80 geltend, wobei sie bereits acht Stunden für die
Berufungsverhandlung und Nachbearbeitung miteinberechnet hat. Dieser Auf-
wand erweist sich als angemessen und entspricht den Vorschriften der Anwalts-
gebührenverordnung (§ 2 Abs. 1 lit. b, § 3 und § 18 Abs. 1 i.V.m. § 17 Abs. 1 lit. b
AnwGebV), weshalb die Verteidigerin mit rund Fr. 16'000.– (inklusive Barausla-
gen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse zu entschädigen ist.
2. Entschädigung
2.1. Sowohl im erstinstanzlichen wie auch im Berufungsverfahren hat die Pri-
vatklägerschaft gegenüber der beschuldigten Person Anspruch auf angemessene
Entschädigung für notwendige Aufwendungen im Verfahren, wenn sie obsiegt
(Art. 436 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO). Darunter fallen insbe-
sondere die Anwaltskosten.
2.2. Der Privatkläger 2 konstituierte sich als Straf- und Zivilkläger
(Urk. D2/17/1). Demzufolge hatte sich sein Rechtsvertreter nebst den Zivilforde-
rungen auch mit dem Schuldpunkt auseinanderzusetzen. Rechtsanwalt lic. iur.
Y2._ reichte mit Eingabe vom 16. November 2015 seine Honorarnote ein
(Urk. D1/74). Er machte Aufwendungen im Betrag von Fr. 3'102.85 (inklusive Bar-
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auslagen und Mehrwertsteuer) geltend. Dieser Betrag erweist sich als angemes-
sen und entspricht zudem den Vorschriften der Anwaltsgebührenverordnung (§ 2
Abs. 1 lit. b, § 3 und § 17 Abs. 1 lit. b AnwGebV). Dementsprechend verpflichtete
das Bezirksgericht den Beschuldigten zur Bezahlung einer Prozessentschädigung
von Fr. 3'102.85 (Urk. 121 S. 103 Ziff. IX.2.3). Dieser Entscheid ist zu bestätigen
und der Beschuldigte daher zu verpflichten, dem Privatkläger 2, D._, für das
erstinstanzliche Verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 3'102.85 zu bezah-
len.
2.3. Im Berufungsverfahren machte Rechtsanwalt lic. iur. Y2._ Aufwen-
dungen im Betrag von Fr. 1'045.45 geltend (Urk. 154/2). Wiederum kann festge-
halten werden, dass sich dieser Betrag als angemessen erweist und den Vor-
schriften der Anwaltsgebührenverordnung entspricht (§ 2 Abs. 1 lit. b, § 3 und §
18 Abs. 1 i.V.m. § 17 Abs. 1 lit. b AnwGebV). Der Beschuldigte ist daher zu ver-
pflichten, dem Privatkläger 2, D._, für das Berufungsverfahren eine Prozess-
entschädigung von Fr. 1'045.45 zu bezahlen.