# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 013ac1c3-31a2-41ce-a631-f7be64583e06
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2010
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. X. wurde am 15. Dezember 1950 in A. geboren, wo er zusammen mit einer Schwester bei den Eltern aufwuchs. Er besuchte sechs Jahre die Primar- und drei Jahre die Sekundarschule. In der Folge liess sich der Angeklagte zum Elektroinstallateur ausbilden und absolvierte danach eine dreijährige Handelsschule. Ungefähr 1984 machte er sich selbständig und beschäftigte fortan in der B. bis zu 130 Personen. Dieses Unternehmen verkaufte X. um die Jahrtausendwende an einen deutschen Konzern. Seither ist er unter der Firma C. als Immobilieninvestor tätig.
Gemäss Steuererklärung erzielte X. im Jahre 2007 Einkünfte in der Höhe vom Fr. 386'594.--, wobei er ein Nettoeinkommen von Fr. 8'597.-- und ein steuerbares Einkommen von Fr. 0.-- auswies. Sein steuerbares Vermögen belief sich per 31. Dezember 2007 auf 4'113'043.--. X. besitzt verschiedene Liegenschaften, unter anderem ein Ferienhaus in D., welches er nach seinen eigenen Angaben im Jahre 1991 oder 1992 schenkungshalber auf seine Ehefrau übertragen hat. Insgesamt sind vier Personenwagen auf ihn eingelöst, nämlich ein Mercedes Benz CLK 430, Jg. 2001, ein Ferrari 512 TR, Jg. 1995, ein Range Rover 4.4 V8, Jg. 2004, und ein BMW M6 Cabrio, Jg. 2006.
1977 heiratete X. E., mit welcher er drei Kinder, geb. 1985, 1986 und 1989 hat. Eines der Kinder wird von X. finanziell noch unterstützt.
B. Gemäss Leumundsbericht der Kantonspolizei F. geniesst X. an seinem Wohnort einen guten Ruf. Im schweizerischen Strafregister ist er nicht verzeichnet. Aus dem SVG Massnahmenregister ergibt sich, dass X. in den Jahren 2001, 2006 sowie 2008 der Führerausweis für jeweils einen Monat entzogen werden musste.
C. Mit Anklageverfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 11. Januar 2010 wurde X. wegen Störung des öffentlichen Verkehrs gemäss Art. 237 Ziff. 1 Abs. 1 StGB sowie Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte gemäss Art. 285 Abs. 1 (recte: Art. 285 Ziff. 1) StGB in Anklagezustand versetzt. Die Staatsanwaltschaft legte der Anklageschrift vom 11. Januar 2010 folgenden Sachverhalt zugrunde:
„Am 10. Januar 2009, ca. 16.45 Uhr, stellte X. seinen Personenwagen Range Rover G. ausserhalb der markierten Parkfelder am Bahnhof in D. ab, um im dortigen Kiosk eine Zeitung zu kaufen. Als er kurze Zeit später zum Fahrzeug zurück kehrte, stellte er an diesem einen Ordnungsbussenzettel fest. Gleichzeitig sah der Angeklagte,
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wie sich der Gemeindepolizist H. von der Örtlichkeit entfernte und in Richtung I. ging. Sogleich behändigte X. den Bussenzettel und fuhr dann mit seinem Fahrzeug dem zwischenzeitlich am rechten Strassenrand gehenden Gemeindepolizisten nach. Ungefähr auf Höhe der RhB-Büros (Bahnhofgebäude) holte er den Beamten ein und fuhr langsam an diesem vorbei bzw. hielt kurz an. Dabei warf er dem Polizisten durch das offene Beifahrerfenster den Bussenzettel zu und betitelte H. zumindest als primitiven Menschen. In der Folge fuhr der Angeklagte ein paar Meter weiter in Richtung I., wendete dann und fuhr schliesslich wieder in Richtung J.. Sogleich stellte sich H. in die Strasse und gab X. mit der erhobenen linken Hand ein unmissverständliches Haltezeichen. Statt dieser Aufforderung nachzukommen, fuhr dieser bewusst mit zunehmender Geschwindigkeit frontal auf den Polizisten zu, obwohl er aufgrund der noch bestehenden Entfernung problemlos vor H. hätte anhalten können. Als Letztgenannter die Situation erfasste und das Auto noch drei bis vier Meter von ihm entfernt war, machte er zwei Schritte nach rechts, um eine Kollision mit dem Wagen zu verhindern. Nun fuhr der Angeklagte mit einer Geschwindigkeit von möglicherweise etwa 40 km/h derart knapp am Polizisten vorbei, dass dieser gegen die Fahrzeugfensterscheibe klopfen konnte. X. fuhr in der Folge ohne irgendwelche Reaktion weiter und verliess die Örtlichkeit.
Wenn H. nicht nach rechts ausgewichen wäre, wäre es mit grösster Wahrscheinlichkeit zu einer Kollision zwischen dem Polizisten und der linken Fahrzeugfront gekommen.“
D. In der Ergänzung der Anklageschrift vom 11. Januar 2010 stellte und begründete der Untersuchungsrichter folgende Anträge:
„1. X. sei schuldig zu sprechen der Störung des öffentlichen Verkehrs gemäss Art. 237 Ziff. 1 Abs. 1 StGB sowie der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte gemäss Art. 285 Abs. 1 (recte: Art. 285 Ziff. 1) StGB.
2. Dafür sei er zu verurteilen:
a) Zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je CHF 570.00.
Der Vollzug der Geldstrafe sei aufzuschieben unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren.
b) Zur Bezahlung einer Busse von CHF 6'800.00, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 12 Tagen.
3. Kostenfolge sei die gesetzliche.“
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E. An der Hauptverhandlung vor dem Bezirksgerichtsausschuss S. vom 25. Februar 2010 erschien der Angeklagte in Begleitung seines privaten Verteidigers, Rechtsanwalt lic. iur. Andreas Flütsch und stellte folgende Anträge:
„1. Der Angeklagte sei von Schuld und Strafe freizusprechen.
2. Unter voller Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Staates.“
F. Mit Urteil vom 25. Februar 2010, mitgeteilt am 7. April 2010, erkannte der Bezirksgerichtsausschuss S.:
„1. X. wird von der Anklage der Störung des öffentlichen Verkehrs gemäss Art. 237 Ziff. 1 Abs. 1 StGB sowie der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte gemäss Art. 285 Ziff. 1 StGB freigesprochen.
2. X. ist schuldig der einfachen Verkehrsregelverletzung gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG.
3. Dafür wird X. verurteilt zu und bestraft mit einer Busse von Fr. 600.00, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von zwei Tagen.
4. Die Kosten des Verfahrens, bestehend aus:
- der Untersuchungsgebühr der
Staatsanwaltschaft von CHF 1'900.00 - den Barauslagen der Staatsanwaltschaft von CHF 130.00 - der Gerichtsgebühr von CHF 3’500.00 total somit von CHF 5'530.00
gehen zu Lasten des X.. Sie sind innert 30 Tagen nach Rechtskraft dieses Urteils zusammen mit der Busse, total also Fr. 6'130.00 (Fr. 5'530.00 + Fr. 600.00). der Bezirksgerichtskasse, PC 70-3922-1, zu überweisen.

## Considerations