# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** dbc949e8-e657-40a1-b5e1-9437fd3985ac
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1988, absolvierte von 2003 bis 2007 das Gymnasium (Urk. 9/2/2). Ein Studium konnte sie bis anhin noch nicht abschliessen, zuletzt studierte sie an der Y._ Wirtschaftsrecht (Urk. 9/1). Zusätzlich zum Studium übte sie diverse Neben
er
werbstätigkeiten aus (Urk. 9/7). Wegen psychischen Beeinträchtigungen und den Folgen einer Magenoperation meldete sie sich am 14. Juni 2016 (Datum des Post
eingangs) bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 9/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zog die Akten der Kran
kentaggeldversicherung, der Basler Versicherungen bei (Urk. 9/9/1-65). Ausser
dem holte sie die Arztberichte von Dr. med. Z._, Psychiatrie und Psy
chotherapie FMH, vom 23. Juni 2016 (Urk. 9/13), von Dr. med. A._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, vom 14. Juli 2016 (Urk. 9/29) und des B._ vom 12. Oktober 2016 (Urk. 9/38) ein. Am 9. November 2016 führte die IV-Stelle eine interdisziplinäre Fallbesprechung (IFB) durch (Urk. 9/61/4). Mit Vorbescheid vom 10. November 2016 stellte die IV-Stelle der Versicherten die Abweisung ihres Leistungsbegehrens in Aussicht, da ihre Beein
trächtigungen in der Arbeits
fähigkeit nicht aufgrund eines invaliden
ver
siche
rungsrechtlich relevanten Ge
sundheitsschadens, sondern aufgrund schwieri
ger Lebensumstände (z.B.
Be
ziehungs
- bzw. Eheprobleme und familiäre Belastungen) bestehen würden (Urk. 9/42). Dagegen erhob X._ am 12. Januar 2017 (Urk. 9/60) unter Beilage des Berichtes von Dr. med. C._, All
gemeine Innere Medizin FMH, Psychosomatik und Psychotherapie, vom 12. Januar 2017 (Urk. 9/59) Einwand. Am 21. Juli (richtig: Februar) 2017 nahm med.
pract
. D._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom Regionalen Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenver
sicherung dazu Stellung (Urk. 7/64/3). Mit Verfügung vom 22. Februar 2017 wies die IV-Stelle das Leis
tungsbegehren ab (Urk. 2).
2.
Gegen diese Verfügung erhob X._ am 27. März 2017 Beschwerde mit dem sinngemässen Antrag, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei ihr eine Invalidenrente zuzusprechen. Ausserdem stellte die Beschwer
deführerin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Urk. 1). Am 20. April 2017 nahm Dr. C._ zur Beschwerde Stellung (Urk. 5). Die Beschwerdegegnerin ersuchte am 9. Mai 2017 um Abweisung der Beschwerde (Urk. 8). Dies wurde der Beschwerdeführerin am 15. Mai 2017 mitgeteilt (Urk. 12).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgeset
zes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreivier
telsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krankheitswert besteht, welches die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens
daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG
,
BGE 139 V 547
E. 5
,
131 V 49
E. 1.2
,
130 V 352
E. 2.2.1).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatri
sche Diagnose voraus (BGE 130 V 396; 141 V 281 E. 2.1). Eine fachärztlich fest
gestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätz
lich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurtei
lende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (vgl.
BGE 143 V 409 E. 4.2.1 unter Hinweis auf 127 V 294 E. 4b/cc und 139 V 547 E. 5.2
).
Gemäss der für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosoma
tische Leiden entwickelten Rechtsprechung des Bundesgerichts ist die tatsächliche Arbeits- und Leistungsfähigkeit der versicherten Person grundsätzlich in einem strukturierten, ergebnisoffenen Beweisverfahren anhand von auf den funktionel
len Schweregrad bezogenen Standardindikatoren zu ermitteln (BGE 141 V 281). Mit
BGE 143 V 418
hat das Bundesgericht erkannt, dass grundsätzlich sämtliche psychischen
Erkrankungen
einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen seien, wobei es je nach Krankheitsbild allenfalls gewisser Anpassungen hinsichtlich der Wertung einzelner Indikatoren bedürfe. Diese Ab
klärungen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtser
heblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (E. 7).
Im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens sind als Standardindikatoren die folgenden Aspekte massgebend (BGE 141 V 281 E. 4.1.3):
Funktioneller Schweregrad
-
Gesundheitsschädigung
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz
-
Komorbiditäten
-
Persönlichkeit: Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Ressourcen
-
sozialer Kontext
Konsistenz (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichba
ren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungs
anamnestisch
ausgewiesener Leidens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshindern
der
äusserer
Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Res
sourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschät
zen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_2
60/2017 vom 1. Dezember 2017 E.
4.2.3).
Die Anerkennung eines rentenbe
gründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswir
kungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit (nach wie vor) die materiell beweisbe
lastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; BGE 141 V 547 E. 2).
1.4
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkrankungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunfts
ängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vorder
grund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträch
tigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturel
len Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklä
rung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad sei
ner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.5
Fettleibigkeit begründet grundsätzlich keine leistungsbegründende Invalidität, wenn sie keine körperlichen, geistigen oder psychischen Schäden bewirkt und nicht die Auswirkung von solchen Schäden ist. Hingegen muss sie unter Berück
sichtigung der besonderen Gegebenheiten des Einzelfalles als invalidisierend betrachtet werden, wenn sie weder durch geeignete Behandlung noch durch zumutbare Gewichtsabnahme auf ein Mass reduziert werden kann, bei welchem das Übergewicht in Verbindung mit allfälligen Folgeschäden keine voraussicht
lich bleibende oder längere Zeit dauernde Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit beziehungsweise der Betätigung im bisherigen Aufgabenbereich zur Folge hat (ZAK 1984 S. 345 f. E. 3; Urteile des Bundesgerichts I 839/06 vom 17. August 2007 E. 4.2.3 und I 745/06 vom 21. März 2007 E. 3).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründet die angefochtene Verfügung vom 22. Februar 2017 (Urk. 2) damit, dass die gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Be
schwer
deführerin aufgrund schwieriger Lebensumstände wie die ungesunde Beziehung mit ihrem damaligen Partner oder ihre familiären Belastungen entstanden seien. Diese Faktoren könnten von der Invalidenversicherung nicht berücksichtigt wer
den. Solche Belastungen würden keine längerfristige psychische Erkrankung aus
lösen. Es bestehe bei der Beschwerdeführerin kein langanhaltender Gesundheits
schaden.
2.2
Demgegenüber macht die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde vom 27. März 2017 (Urk. 1) geltend, sie sei seit der Operation vom 23. November 2015 krank und arbeitsunfähig. Sie habe in der Zwischenzeit auch familiär viel miterleben müssen. Ausserdem habe sie nichts essen können. Sie habe abnehmen und viele Arzttermine wahrnehmen müssen. Vor der Operation habe sie trotz ihrer famili
ären Lasten arbeiten und studieren können. Seit der Operation funktioniere nichts mehr, sie habe alles aufgeben müssen. Sie sei nicht arbeitsfähig, werde behandelt und müsse deshalb Sozialhilfe beziehen, was nicht einfach sei.
3.
3.1
Gemäss dem Arztbericht der Psychiaterin Dr. Z._ vom 23. Juni 2016 (Urk. 9/13) bestehen bei der Beschwerdeführerin mit Auswirkung auf die Arbeitsunfähigkeit eine mittel- bis
schwergradige
depressive Episode (ICD-10 F32.1) sowie eine post
traumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1). Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestehe ausserdem eine sonstige Essstörung (ICD-10 F50.8) mit/bei Emotional Eating und Fehlernährung bei Status nach
laparaskopischem
Magenbypass im November 2015. Die Beschwerdeführerin habe bei der Zuwei
sung im September 2015 berichtet, dass sie bis zu ihrer Heirat im Mai 2012 psy
chisch immer stabil gewesen sei. In der Ehe sei es wiederholt zu verbaler und physischer Gewalt durch den Ehemann gekommen. Seither gebe es eine langsame Entwicklung einer zunehmend gedrückten Stimmung, intermittierender
Anhe
do
nie
, Interesseverlust, grosser Verun
sicherung mit Schuld- und Versagens
gefühlen, Antriebslosigkeit mit sozialem Rückzug, Konzentrationsstörungen, Gedanken
kreisen und Durchschlaf
störungen. Weiter sei eine starke Gewichts
zunahme von 25 bis 30 kg eingetreten. Alleine zwischen Mai und Juli 2015 habe die Beschwerdeführerin 15 kg zugenommen, nachdem sie und ihr Ehemann nach einer Tren
nung nochmals versucht hätten, zusammenzuleben. Durch die Gewichtszunahme sei es zudem zu einer Hormonstörung gekommen, was die Beschwerdeführerin zusätzlich stark belaste. Objektiv seien eine eingeschränkte Schwingungsfähig
keit, eine Affektarmut und eine innere Unruhe und Anspannung aufgefallen. Es hätten sich keine Hinweise auf eine posttraumatische Belastungsstörung gefun
den. Am 23. November 2015 sei ein Magenbypass angelegt worden. Die Beschwerdeführerin habe Mühe bekundet, sich an die ernährungstechnischen Vorgaben zu halten und habe sich überfordert gefühlt. In der Folge habe die depressive Symptomatik zugenommen. Im Februar 2016 sei eine Psychopharma
kotherapie rezeptiert und im März 2016 damit begonnen worden. Es sei im Ver
lauf zu Stimmungsaufhellung und
stabilisierung
sowie einer leichten Verbesse
rung der Schlafqualität gekom
men. Die Beschwerde
führerin habe sich wieder mehr um die Gestaltung ihrer Zukunft kümmern und eine Wohnung in der Nähe ihres Ausbildungsortes finden können. Allerdings habe sie weiterhin über Kon
zentrationsstörungen, Müdigkeit, vermindertes Interesse, teils
Anhedonie
, sozia
len Rückzug und verminderten Antrieb geklagt. Ebenfalls unverändert sei die posttraumatische Symptomatik geblieben. Psychotherapeutisch sei die Bewälti
gung des Alltags im Vordergrund gestanden, teilweise auch der Umgang mit Schuld- und Schamgefühlen im Zusammenhang mit den Gewalterlebnissen in der Ehe. Ebenfalls zentral sei die Ambivalenz der Beschwerdeführerin in Bezug auf die Scheidung gewesen. Nach Einreichung des
Scheidungsbegehrens habe sich die Symptomatik erneut akzentuiert. Erschwerend sei hinzugekommen, dass sich ein näheres Familien
mitglied einer Operation habe unterziehen müssen. Es seien neu auch Panikattacken aufgetreten.
Die Prognose sei nicht grundsätzlich schlecht, da sowohl die depressive als auch die posttraumatische Störung behandelt werden könnten. Durch das Auftreten der posttraumatischen Belastungsstörung habe sich der Heilungsverlauf aller
dings verzögert. Eine Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit sei weiterhin realis
tisch, der zeitliche Verlauf allerdings kaum abschätzbar. Die Beschwerde
führerin sei eingeschränkt leistungsfähig, da sie sich nicht auf Arbeiten kon
zentrieren könne, im Arbeitstempo verlangsamt sei bzw. als Studentin nicht lernen oder Arbeiten schreiben könne. Es falle ihr schwer, unter Leuten zu sein, z.B. mit anderen im Klassenzimmer. Sie habe Mühe, das Haus zu verlassen, so dass es schwierig sei, Arbeits- oder Schulwege zu meistern. Es bestehe eine verlängerte Erholungszeit und ein erhöhtes Pausenbedürfnis. Aufgrund der Schreckhaftigkeit und der Reizbarkeit sei die Teamfähigkeit reduziert. Die bisherige Tätigkeit sei der Beschwerdeführerin derzeit nicht zumutbar, es sei aber davon auszugehen, dass sie ihre Arbeitsfähigkeit wieder erlangen werde. Zu welchem Zeitpunkt dies sein werde, sei nicht sicher absehbar. Die Beschwerdeführerin könne sicher von einer ruhigen Arbeit mit initial wenig Leistungsdruck und wenig wechselndem Anfor
derungsprofil profitieren. Zudem müsse sie die Möglichkeit zu vermehrten Pausen haben. Ob diese Anforderungen mit der Wiederaufnahme des Studiums vereinbar seien, sei zumindest fraglich.
3.2
Laut dem Arztbericht von Dr. A._ vom 14. Juli 2016 (Urk. 9/29) bestehen bei der Beschwerdeführerin mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Depression und ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein Status nach Magenbypass-Operation am 3. Dezember 2015 sowie ein PCO-Syndrom. Die Beschwerde
führe
rin sei durch depressive Symptome in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Die Arbeitsfähigkeit könne von ihm als Hausarzt nicht beurteilt werden, da die Ein
schränkung aufgrund einer psychiatrischen Diagnose bestehe.
3.3
Gemäss dem Bericht des B._ von 12. Oktober 2016 (Urk. 9/38) bestehen bei der Beschwerdeführerin eine mittelgradige bis schwere depressive Episode, bestehend seit März 2016 (ICD-10 F32.1), eine posttraumatische Belas
tungsstörung bei Gewalt in der Ehe (Heirat 2012, Scheidung 2016) (ICD-10 F43.1), sonstige Essstörungen (ICD-10 F50.8) sowie eine Adipositas bei Status nach Magenbypass-Operation im November 2015 (BMI 31.4 kg/m
2
) (ICD-10 E66.0). Die Beschwerdeführerin habe sich vom 11. August bis zum 6. September 2016 stati
onär im Sanatorium aufgehalten. Sie leide nach eigenen Angaben unter reaktiven
depressiven Verstimmungen, Gereiztheit, Antriebslosigkeit, Konzen
trations
stö
rungen, Appetitlosigkeit und Schlafstörungen. Die depressive Sympto
matik habe sich im März 2016 verstärkt. Darüber hinaus würden intrusive Erinnerungen an die Gewalterfahrungen in ihrer im Juli 2016 geschiedenen Ehe auftreten. Diese würden sie emotional überwältigen und sich in Panikattacken mit Herzstechen und Atemnot oder heftigem Weinen äussern. Im Zusammenhang mit internen oder externen Auslösern, welche sie an ihren Ehemann erinnerten, komme es zu Essanfällen ohne kompensatorisches Verhalten. Die Beschwerde
führerin habe sich im November 2015 einer Magenbypass-Operation unterzogen, seither jedoch nicht in erhofftem Mass abgenommen. Bis ins Jahr 2009 habe sich die Beschwer
deführerin psychisch gesund gefühlt. Damals sei sie aus der Türkei in die Schweiz zurückgekehrt, um ihr Studium hier fortzusetzen. Sie habe aber nicht an ihre guten Leistungen in Istanbul anknüpfen können. Ihr Studium habe sie mit einer Nebentätigkeit im 60%-Pensum selber finanzieren müssen. Zudem komme sie auch für das Studium ihrer Schwester auf, da beide Eltern eine IV-Rente erhielten und das Studium nicht finanzieren könnten. Aktuell lebe die Beschwerdeführerin aber von Sozialhilfe. Ende 2010 habe sie ihren Mann kennengelernt, einen Kur
den, der sich als Tourist in der Schweiz aufgehalten habe. Er habe die Beschwer
deführerin geheiratet, um die Aufenthaltsbewilligung zur erlangen. Noch vor der Heirat habe er seinen Bruder illegal in die Schweiz geholt. Die Beschwerdeführe
rin sei durch diese Entwicklung sehr belastet gewesen. In der Ehe sei es wiederholt zu verbaler und physischer Gewalt seitens des Ehemannes gekommen, was auch Notfallbehandlungen der Beschwerde
führerin notwendig gemacht habe. Die Beschwerdeführerin habe jedoch weder die Gewalt zur Anzeige gebracht noch ihren Angehörigen davon berichtet. 2015 hätte sie sich von ihrem Ehemann getrennt und 2016 sei es zur Scheidung gekommen. Die Beschwerdeführerin habe auf Unterhaltszahlungen verzichtet, da sie gehofft habe, sich so schneller von ihrem Ehemann lösen zu können. Um dem Kontakt mit ihm aus dem Weg zu gehen, sei sie umgezogen und habe ihre Telefonnummer geändert. Sie habe aber trotzdem über eine Drittperson eine E-Mail von ihm erhalten, in welcher er sie aufgefordert habe, gegenüber der Fremdenpolizei zu bestätigen, dass sie die Scheidung verschuldet habe. Die Beschwerdeführerin fühle sich vom (Ex-)Ehe
mann bedroht und habe auch Angst um ihren Vater und ihre Schwester. Sie fühle sich für ihre Familie verantwortlich und sei zugleich wütend auf sich selbst, weil sie sich vorwerfe, ihren Ex-Mann nicht von Anfang an durchschaut zu haben. Sie haben wegen der in der Ehe erlebten Gewalt Alpträume und fraglich auch Flashbacks entwickelt. Sie habe ein Vermeidungsverhalten und leide unter erhöh
ter Anspannung mit daraus resul
tierenden Nacken- und Rückenschmerzen,
anfallsweise Atemnot und Stechen in der Brust, sowie ausgeprägten
Konzentra
tions
- und Schlafstörungen mit Früherwachen und verkürzter Schlafdauer. Sie könne sich deshalb nicht mehr auf ihr Studium konzentrieren und habe die Prüfungen verschoben. Von anderen Menschen habe sie sich zurückgezogen. Die Beschwerdeführerin sei nur in leicht gebessertem Zustand aus dem Sanatorium ausgetreten. Es hätten weiterhin Auffassungs- und Konzentrationsstörungen, Grübeln, Versagensängste, eine deprimierte Stimmung mit Morgentief, Stim
mungsschwankungen und Schlafstörungen bestanden. Die Prognose sei unsicher. Es sei eine integrierte psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung erfolgt. Die Beschwerdeführerin habe aber nur unregelmässig am Therapieprogramm teil
genommen. Die vielen Fehlzeiten habe sie mit Vergesslichkeit, Erschöpfung oder externen Terminen aufgrund der Wohnungssuche für ihre Eltern begründet. Es werde eine regelmässige ambulante psychiatrisch-psychotherapeutische Behand
lung em
pfohlen. Die Prognose sei aber aufgrund der ungünstigen psychosozialen Be
dingungen und der ambivalenten Therapiemotivation der Beschwerdeführerin unsicher. Es bestünden Stimmungsschwankungen, Grübeln, Hoffnungslosigkeit, innere Unruhe und Anspannung, Aufmerksamkeits- und Konzentrations
minde
rung, ausgeprägte Insuffizienzgefühle, Ängste sowie Spannungszustände. Die Anpassungsfähigkeit, die Flexibilität und Umstellfähigkeit, die Durchhalte
fähig
keit, die Gruppenfähigkeit, die Fähigkeit zu Beziehungen und ausser
beruflichen Aktivitäten seien durch die Depression, die posttraumatische Belastungsstörung sowie die Essstörung deutlich eingeschränkt. In angepasster Tätigkeit (geregelte Arbeitszeit, geringe Anforderungen an Konzentration und Ausdauer) bestehe eine Arbeitsfähigkeit im Umfang von 4 Stunden pro Tag. Der Zustand sei möglicher
weise durch eine längerfristige regelmässige psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung im ambulanten Setting zu bessern.
3.3
3.3.1
Im Zwischenbericht von 12. Januar 2017 (Urk. 9/59) führt Dr. C._ aus, nach einer zeitgerechten, primären Wundheilung nach der
Magenbypassoperation
seien bei der Beschwerdeführerin erneut multifokale Oberbauchbeschwerden auf
getreten, die von einer zunehmenden depressiven Entwicklung aufgrund einer erheblichen familiären
Distress
-Problematik (allem voran die Trennung und Scheidung von ihrem türkischen Ehemann mit vorangegangenen
Rohheits
delik
ten
) überlagert worden seien. Da inzwischen auch die Ursprungsfamilie ihren Wohnsitz nach E._ verlagert habe und somit einen sicheren Rückzugsort für die Beschwerdeführerin darstelle, stehe er – Dr. C._ - weiterhin als Hausarzt und Psychotherapeut zur Verfügung. Aufgrund ihrer derzeit aus medizinischer Sicht massiv eingeschränkten Leistungsfähigkeit sei die Beschwerdeführerin aktuell als nicht erwerbsfähig
einzustufen. Nach einer Regenerations- und Reha
bilitations
phase möchte sie ihr Studium der Rechtswissenschaften aber wieder aufnehmen. In Zusammensicht der patientenbezogenen Anamnese und der klini
schen Befun
de sowie dem Wunsch der Beschwerdeführerin, nach einer Pause – die der Ge
nesung dienen sollte – ihr Studium fortzusetzen, sei es ange
messen, Leistungen der Invalidenversicherung zunächst für ein Jahr zu bean
tragen und dann über das weitere Procedere zu entscheiden.
3.3.2
Gemäss dem Schreiben von Dr. C._ vom 20. April 2017 (Urk. 5) sei es nicht haltbar, dass der Beschwerdeführerin Leistungen der Invalidenversicherung ver
weigert würden, weil psychosoziale Ursachen zur Krankheit geführt hätten. Die Ursachen, welche zu einer Krankheit geführt hätten, seien für die Beurteilung des medizinischen Befundes bzw. des Restleistungsvermögens ohne Bedeutung, es sei denn, der eingetretene Schaden sei durch grobe Fahrlässigkeit oder gar Vorsatz entstanden. Dies sei bei der Beschwerdeführerin in keiner Weise der Fall. Es seien der Beschwerdeführerin deshalb vorerst für ein Jahr Leistungen zu bewilligen und dann über das weitere Procedere neu zu entscheiden.
3.4
Die Beschwerdegegnerin gelangte in ihrer interdisziplinären Fallbesprechung (IFB) vom 9. November 2016 (Urk. 9/61/4) zum Ergebnis, aus Sicht des RAD sei klar, dass die psychischen Diagnosen gemäss Arztberichten eindeutig nicht nach
vollziehbar seien. Es werde mit aller Grosszügigkeit höchstens von einer mittel
schweren depressiven Episode gesprochen. Der Ursprung der psychischen Ver
schlechterung sei hier klar von psychosozialen Faktoren abzuleiten (unhar
moni
sche Trennung vom Partner, finanzielle Not, Schwierigkeiten in Beruf und Stu
dium). Aus medizinischer Sicht handle es sich um einen IV-fremden Fall. Der Lebenslauf lasse vermuten, dass Schwierigkeiten in der Hochschule bereits vor Eintritt der gesundheitlichen Verschlechterung bestanden hätten. Die Be
schwer
deführerin habe zuerst in der Türkei mit guten Leistungen studiert, sei dann in der Schweiz in ein anderes Bildungssystem gekommen und habe hier zunächst an der F._ und dann an der Y._ studiert. Eine Überforderung sei nachvollziehbar. Zusätzlich sei eine Belastung aus dem Elternhaus ersichtlich. Bereits die Beschreibung, wie die Beschwerdeführerin mit ihrem Umfeld intera
giere, lasse eine schwere bis mittelschwere Depression ausschliessen.
3.5
Laut der Einschätzung von RAD-Arzt D._ vom 21. Juli (richtig: Februar) 2017 (Urk. 9/64/3) ist aus versicherungsmedizinischer Sicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass weiterhin kein dauerhafter, die Arbeitsfähigkeit einschränkender Gesundheitsschaden ausgewiesen ist. Weitere Abklärungen seien nicht vorzunehmen. Insgesamt sei der Verlauf geprägt von
psychosozialen Faktoren. Diagnosen, psychopathologische Befunde und beklagte Beschwerden und die Fortsetzung des Studiums im November 2016 seien nicht plausibel.
4.
4.1
Die Beschwerdeführerin leidet unter keiner invalidisierenden somatischen Erkrankung, insbesondere besteht auch wegen der Adipositas keine Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit. Diese wurde darüber hinaus mittels
Magenbypassope
ration
behandelt. Dass die Operation bis anhin nicht ganz den gewünschten Erfolg hatte, ist in erster Linie darauf zurückzuführen, dass die Adipositas in einem offensichtlichen Zusammenhang mit den psychischen Belastungen der Beschwerdeführerin steht (Emotional
eating
) und es ihr äusserst schwer fällt, angesichts der weiterhin vorhandenen Belastungen ihre Ernährung wieder auf eine gesunde Basis zu stellen.
4.2
Damit fussen die postulierten Einschränkungen in der Arbeitsfähigkeit in ange
passter Tätigkeit ausschliesslich auf der psychischen Symptomatik. Angesichts der Diagnose einer mittel- bis
schwergradigen
depressiven Episode und einer posttraumatischen Belastungsstörung und in Anbetracht dessen, dass die juristi
sche Anspruchsprüfung in jedem Fall Aufgabe des Rechtsanwenders ist (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_154/2016 vom 19. Oktober 2016 E. 4.), ist die Beurteilung des tatsächlich erreichbaren Leistungsvermögens anhand des in BGE 141 V 281 aufgestellten Katalogs von Indikatoren vorzunehmen (BGE 141 V 281 E. 4.3.1). Diese Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungs
hindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensations
potenzia
len (Ressourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungs
vermögen ein
zuschätzen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2.1). Beweisrechtlich entscheidend ist der Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4, zum Ganzen vgl. auch E. 1.3 hier
vor).
4.3
Hinsichtlich des Komplexes Gesundheitsschädigung ergibt sich, dass bei der Beschwerdeführerin von den behandelnden Ärzten eine mittelgradige bis schwere depressive Episode sowie eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert wurden. Die posttraumatische Belastungs
störung wurde durch die vom Ehemann ausgeübte Gewalt gegenüber der Beschwerdeführerin ausgelöst und es ist zu beachten, dass diese Situation während der Ehe andauerte. Als widersprüchlich erscheint in diesem Zusammenhang die Sachverhaltsdarstellung der Beschwerde
führerin, als sie bis zur
Magenbypassoperation
ohne wesentliche Beeinträchti
gung studiert und gearbei
tet habe und seither gar nichts mehr funktioniere, zumal die
Gewichtszunahme in einem offensichtlichen Zusammenhang mit den erheb
lichen Belastungen der Beschwerdeführerin steht und nicht anzunehmen ist, dass eine Operation durchgeführt worden wäre, wenn der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin zuvor rundum zufriedenstellend gewesen wäre. Nachdem die Ehe im Sommer 2016 aufgelöst worden ist, ist zu erwarten, dass die Störung innerhalb weniger Monate abklingen wird. Soweit es zu weiteren traumatischen Situationen mit dem Ehemann kommt und die Beschwerdeführerin durch diesen weiterhin bedroht wird, wie z.B. mit der Zusendung eines E-Mails nach der Schei
dung, wonach die Beschwerdeführerin gegenüber den Ausländer
behörden die Schuld für die Scheidung auf sich zu nehmen habe, handelt es sich um psycho
soziale Belastungen, welche invalidenversicherungs
rechtlich nicht zu berücksich
tigen sind. Es stellt sich ausserdem die Frage, ob überhaupt von einer posttrau
matischen Belastungsstörung gesprochen werden kann, solange die traumatische Situation andauert. Der diagnostizierten posttraumatischen Belastungsstörung fehlt es damit an der erforderlichen Schwere und sie wurde bis anhin dadurch aufrecht erhalten, dass es zu weiteren einschlägigen psychosozialen Belastungs
situationen gekommen ist. Die Beschwerdegegnerin ist zu Recht zum Ergebnis gelangt, dass bei der Beschwerdeführerin invaliditäts
fremde psychosoziale Belas
tungsfaktoren im Vordergrund stehen. Es mangelt insgesamt an einem (schweren) invalidisierenden Gesundheits
schaden im Sinne des entsprechenden Indikators.
4.4
Zum Indikator „Behandlungserfolg und -resistenz“ ist insbesondere dem Bericht des B._ über den stationären Aufenthalt der Beschwerde
füh
rerin zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin nur unregelmässig am Thera
pieprogramm teilgenommen und nur eine geringe Therapiemotivation gezeigt hat (Urk. 7/9/38). Gemäss den übereinstimmenden ärztlichen Einschätzungen ist die psychische Störung der Beschwerdeführerin therapierbar und die Prognose grundsätzlich günstig. Selbst Dr. C._, welcher die Leistungsverweigerung durch die Beschwerdegegnerin vehement kritisiert, hält dafür, dass die Leistungen auf ein Jahr zu befristen seien (Urk. 9/59).
4.5
Ressourcen sind bei der Beschwerdegegnerin sodann durchaus vorhanden. Die Beschwerdeführerin erscheint wach, bewusstseinsklar und orientiert. Es sind kein Wahn und keine Sinnestäuschungen vorhanden. In ihrer Konzentration ist sie zwar mittelgradig beeinträchtigt, dies kann aber darauf zurückgeführt werden, dass sich die Beschwerdeführerin mit ihren diversen ehelichen und familiären Problemen beschäftigen muss(
te
). Selbst während ihres stationären Aufenthalts in der psychiatrischen Klinik verfügte die Beschwerdeführerin offenbar über genügend Ressourcen, um externe Termine wahrzunehmen und ihren Eltern bei der Wohnungssuche zu helfen. Sodann verlegte sie ihren eigenen Wohnsitz innert
relativ kurzer Zeit zwei Mal. Es ist davon auszugehen, dass die Beschwerde
füh
rerin nach wie vor über erhebliche Ressourcen verfügt, sie diese aber in letzter Zeit primär zur Bewältigung ihrer psychosozialen Probleme (Eheprobleme, finan
zielle Probleme ihrer Herkunftsfamilie, Erkrankung eines Familienmitglieds, meh
rere Wechsel von Studienort und -fach ohne Erreichen eines erfolgreichen Abschlusses etc.) einsetzen musste. Ein wesentlicher Grund für die bisher nicht erfolgte Wiederaufnahme des Studiums stellen denn auch die mangelnden finan
ziellen Mittel der Beschwerdeführerin dar (vgl. Urk. 9/32). Zu beachten ist in die
sem Zusammenhang auch, dass die Beschwerdeführerin bis anhin offenbar nicht nur für die Kosten ihres eigenen Studiums aufkommen musste, sondern auch ihre Schwester bei deren Studium unterstützte, sie mithin zu viel Verantwortung tra
gen musste.
4.6
Bezüglich der Kategorie Konsistenz ist festzuhalten, dass eine gleichmässige Ein
schränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbare Lebensbereichen nicht als erstellt angesehen werden kann. Die Beschwerdeführerin verfügt nach wie vor über gute soziale Kontakte, insbesondere innerhalb ihrer Herkunftsfamilie. In der Verrichtung alltäglicher Dinge wie auch in der Führung des Haushalts ist sie selb
ständig.
4.7
Hinsichtlich des Aspekts des behandlungsanamnestisch ausgewiesenen Leidens-drucks ist festzuhalten, dass unter der Behandlung von Dr. Z._ durchaus eine Verbesserung erreicht werden konnte, die Beschwerdeführerin aber durch ver
schiedene belastende Ereignisse immer wieder zurückgeworfen wurde (Urk. 9/13/3). Es ergibt sich sodann aus dem Bericht des B._, dass bis anhin aufgrund von ungünstigen psychosozialen Bedingungen und einer ambivalenten Therapiemotivation der Beschwerdeführerin kein nachhaltiger The
rapieerfolg erzielt werden konnte (Urk. 9/38/4). Soweit die psycho
therapeutische Behandlung nicht wegen den diversen psychosozialen Belastungen überhaupt erst notwendig ist, ist davon auszugehen, dass sie schnell Erfolg zeitigen wird, wenn die psychosozialen Belastungen erheblich reduziert werden können und die Beschwerdeführerin sich ausreichend für eine Therapie motivieren kann.
4.8
Damit ist ein erheblicher funktioneller Schweregrad des Leidens im Verfügungs
zeitpunkt zu verneinen, nachdem sich aus der psychischen Symptomatik kein invalidisierender Gesundheitsschaden darstellen lässt, welcher es der Beschwer
deführerin verunmöglicht, ihrem Studium und/oder einer Erwerbstätigkeit voll
zeitig nachzugehen. Angesichts der klaren Aktenlage sind in diesem Zusammen
hang von weiteren Beweismassnahmen (etwa der Einholung eines Gutachtens)
keine neuen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf zu verzichten ist (antizi
pierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 90 E. 4b).
4.9
Demnach hat die Beschwerdegegnerin einen Leistungsanspruch der Beschwerde
führerin gegenüber der Invalidenversicherung zu Recht verneint, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
5.
5.1
Die Beschwerdeführerin hat ein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung ge
stellt (Urk. 1 S. 1). Als Beweis für ihre Bedürftigkeit hat sie die Unter
stützungs
be
stätigung der
Sozialhilfebehörde der Stadt Schaffhausen
vom 23. August 2016 (Urk.
11/1
) eingereicht. Die Voraussetzungen zur Bewilligung der unentgeltlichen Prozess
füh
rung gemäss § 16 Abs. 1 und Abs. 2 des Gesetzes über das Sozialver
siche
rungsgericht (
GSVGer
) sind erfüllt. Der Beschwerde
führerin ist die unent
gelt
liche Prozessführung zu bewilligen. Sie ist auf § 16 Abs. 4
GSVGer
hinzuwei
sen, wonach sie zur Nachzahlung der ihr erlassenen Rechtspflegekosten verpflich
tet ist, sobald sie dazu in der Lage ist.
5.2
Das Verfahren ist kostenpflichtig. Die Gerichtskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 600.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen, infolge bewilligter unentgeltlicher Prozess
füh
rung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.