# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** dc06d9d1-cc21-40fa-900f-9347d377fe1a
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_003
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

gewesen. Der Sachverhalt sei unrichtig bzw. mindestens unvollständig
festgestellt worden. Zudem seien die Validen- und Invalideneinkommen
falsch berechnet worden. Es sei nicht von dem von der SUVA
angenommenen Valideneinkommen von Fr. 112'669.--, sondern von dem
ursprünglich (von der IV-Stelle) angenommenen in Höhe von Fr.
123'322.60 auszugehen. Soweit man auf die medizinischen
Feststellungen abstelle, seien dem Beschwerdeführer nur einfache
Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art, also solche gemäss
Kompetenzniveau 1 leidensadaptiert zuzumuten. Das
Invalideneinkommen hätte mithin auf der Grundlage der LSE 2012 TA1,
Anforderungsniveau 1 bemessen werden sollen. Daraus resultiere ein
Invaliditätsgrad von 55 %.
5. Mit Vernehmlassung vom 15. März 2016 beantragte die IV-Stelle
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde. Sie
trug insbesondere vor, aus den Akten ergebe sich klar, dass der
Beschwerdeführer nur an Unfallfolgen mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit leide. Entgegen dieser klaren Aktenlage rüge der
Beschwerdeführer konstruiert, dass eine krankheitsbedingte Schädigung
des linken Kniegelenks vorliege, obwohl dieses nach der Implantation der
Totalprothese entfernt worden sei. Da die Schlussfolgerungen der SUVA
einleuchteten, sei der von ihr festgelegte IV-Grad von 44 % von der IV zu
übernehmen.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften sowie
auf die angefochtene Verfügung und die im Recht liegenden Beweismittel
- 5 -
wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der
Beschwerdegegnerin vom 1. Februar 2016. Das Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden ist aufgrund von Art. 69 Abs. 1 lit. a des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) und
Art. 58 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i. V. m. Art. 49 Abs. 2 lit. a
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) zur
Beurteilung der vorliegenden Beschwerde sachlich und örtlich zuständig.
Als formeller und materieller Verfügungsadressat ist der
Beschwerdeführer von der angefochtenen Verfügung unmittelbar
betroffen und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren gerichtlicher
Überprüfung, womit er zur Beschwerdeführung berechtigt ist (Art. 1 Abs. 1
IVG i. V. m. Art. 59 ATSG). Überdies wurde die Beschwerde frist- und
formgerecht eingereicht (Art. 1 Abs. 1 IVG i. V. m. Art. 60 und Art. 61 lit. b
ATSG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
2. Streitig und zu prüfen ist, ob der Sachverhalt genügend abgeklärt ist und
die Beschwerdegegnerin aufgrund der medizinischen Aktenlage beim
Beschwerdeführer zu Recht nur Unfallfolgen mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit annimmt. Umstritten ist weiter die Bemessung der
Erwerbseinkommen.
3. Anspruch auf eine Invalidenrente hat, wer im Sinne des Gesetzes invalid
ist. Bei erwerbstätigen Versicherten gilt als Invalidität die durch einen
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheitsschaden
- 6 -
verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
Erwerbsunfähigkeit (Art. 1 IVG i.V.m. Art. 8 Abs. 1 ATSG), welche die
Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4
Abs. 1 IVG). Die Invalidität gilt als eingetreten, sobald sie die für die
Begründung des Anspruchs erforderliche Art und Schwere erreicht hat
(Art. 4 Abs. 2 IVG). Der rentenbegründende Invaliditätsgrad ist in diesem
Fall aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen (Art. 28a Abs. 1
IVG i.V.m. Art. 16 ATSG). Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen
durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage
erzielen könnte (sogenanntes Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt
zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (sogenanntes Valideneinkommen). Der
Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die
beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst
genau ermittelt und einander gegenüber gestellt werden, worauf sich aus
der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt
(allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; vgl. BGE 130 V 343
E.3.4.2, 128 V 29 E.1). Ein rentenbegründender Invaliditätsgrad liegt vor,
wenn eine versicherte Person ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern kann, während mindestens eines Jahres ohne wesentlichen
Unterbruch durchschnittlich zu mindestens 40 % im bisherigen Beruf oder
Aufgabenbereich eingeschränkt gewesen ist und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid ist (Art. 28 Abs. 1 IVG). Sind diese
Voraussetzungen erfüllt, so steht der versicherten Person nach Ablauf
von sechs Monaten nach Geltendmachung des Anspruchs, frühestens im
Monat der Vollendung des 18. Altersjahrs (Art. 29 Abs. 1 IVG), bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40 % eine Viertelsrente, bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 50 % eine halbe Rente, bei einem
- 7 -
Invaliditätsgrad von mindestens 60 % eine Dreiviertelsrente und bei
einem Invaliditätsgrad von 70 % eine ganze Rente zu (Art. 28 Abs. 2
IVG).
4. a) Die Beschwerdegegnerin macht im vorliegenden Verfahren geltend, alle
beteiligten Ärzte hielten fest, dass der Beschwerdeführer an Unfallfolgen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit leide. Eine krankheitsbedingte
Schädigung des linken Kniegelenkes läge dagegen nicht vor. Die
Beschwerdegegnerin hatte in der angefochtenen Verfügung zwar zuerst
festgehalten, dass mit der Implantation der Knie-Totalprothese die
krankheitsbedingten Schäden des Kniegelenkes weitgehend beseitigt
worden seien, dann aber auch festgestellt, dass insgesamt nur
unfallbedingte Leiden mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit vorlägen.
Will nun der Beschwerdeführer die Beschwerdegegnerin allein auf diese
erste Formulierung, wonach krankheitsbedingte Schäden (bloss)
weitgehend beseitigt worden seien, behaften, verfällt er damit in rein
appellatorische Kritik. Im Folgenden ist jedoch zu untersuchen, ob die
Beschwerdegegnerin den Sachverhalt genügend abgeklärt und aufgrund
der aktenkundigen Arztberichte richtig festgelegt hat, indem sie das
Vorliegen krankheitsbedingter Beschwerden mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit verneinte.
b) Nach dem am 24. Oktober 2012 erlittenen, komplexen Trauma des linken
Kniegelenks erfolgte vorerst am 17. Dezember 2012 eine Operation im
Sinne einer vorderen Stabilisierung. Nach unbefriedigendem
postoperativem Erholungsverlauf entschied man sich zur Implantation
einer Knie-Totalprothese (vgl. Bg-act. 35, 37). Nach erfolgter Implantation
der Knie-Totalprothese am 26. August 2013 leide der Beschwerdeführer
gemäss den vorliegenden Arztberichten an einer bleibend
eingeschränkten Belastbarkeit (Flexion) des linken Knies. Eine
Schmerzproblematik bestehe nicht bzw. nur marginal (vgl. Gutachten von
- 8 -
Dr. med. B._, Facharzt FMH für orthopädische Chirurgie und
Traumatologie [Oberarzt Orthopädie], vom 11. Juni 2014 [Bg-act. 56]);
Gutachten von Dr. med. C._, Facharzt FMH für orthopädische
Chirurgie und Traumatologie [Chefarzt Orthopädie], vom 20. August 2014
[Bg-act. 62/1]; Abschlussuntersuchung des SUVA-Kreisarztes Dr. med.
D._, Facharzt FMH für orthopädische Chirurgie und Traumatologie,
vom 3. Oktober 2014 [Bg-act. 64]; RAD-Abschlussbeurteilung von Dr.
med. E._ vom 11. November 2014 [Bg-act. 88/14]). Die
eingeschränkte Belastbarkeit des linken Knies nach Implantation der
Knie-Totalprothese wird seitens des SUVA-Kreisarztes Dr. med. D._
als unfallbedingte Beschwerde attestiert. Zudem gibt er auch eine
unfallfremde Diagnose an. So ist in seiner Abschlussuntersuchung vom 3.
Oktober 2014 (Bg-act. 64) noch zu lesen:
- Status nach Teilmeniskektomie medial links 2006 nach Unfallereignis
- Komplexe mediale Meniskusläsion links
- Mässiggradige mediale Gonarthrose sowie degenerative Veränderungen im
Femoropatellargelenk
- Coronare Herzkrankheit
Diese unfallfremden Befunde beziehen sich aber – soweit sie das
Kniegelenk betreffen, also ausgenommen den Befund "coronare
Herzkrankheit" – auf den Zustand vor der Implantation der Knie-
Totalprothese. Diese Diagnose lehnt sich an die vom Kreisarzt Dr. med.
F._, Facharzt FMH für Chirurgie, vor der Implantation der Knie-
Totalprothese am 17. Mai 2013 abgegebene Einschätzung (Bg-act. 37).
Er hielt dabei fest, dass vor dem Unfall vom 24. Oktober 2012 zweifelsfrei
degenerative Veränderungen im linken Kniegelenk bestanden hätten.
Nach der Implantation der Knie-Totalprothese, d.h. nach vollständigem
Ersatz des Kniegelenks, ist indessen mit der Beschwerdegegnerin bzw.
mit dem SUVA-Kreisarzt Dr. med. D._ und mit dem RAD-Arzt Dr.
med. G._ (vgl. Beurteilung vom 22. Juni 2015 [Bg-act. 88/20]) davon
- 9 -
auszugehen, dass die vorbestehenden krankheitsbedingten Beschwerden
beseitigt sind. Schliesslich ist betreffend die diagnostizierte koronare
Herzkrankheit auf die Beurteilung des RAD-Arztes Dr. med. G._ vom
22. Juni 2015 (Bg-act. 88/20) hinzuweisen, wo er feststellt, dass der
Myokardinfarkt von 2009 im Arztbericht des Hausarztes zu Recht unter
den Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführt
werde. Der Beschwerdeführer habe seine angestammte Tätigkeit nach
dem Infarkt bis zum Unfall wieder voll aufnehmen können. In den Akten
bestünden keine Hinweise, dass sich die kardiale Situation seither
wesentlich verändert habe. Nach der Implantation der Knie-Totalprothese
gibt es somit – entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers – keine
unfallfremden Faktoren mehr, die einer weiteren Verifizierung bedürften.
c) Der Kreisarzt Dr. med. D._ stellt in seiner Abschlussuntersuchung
vom 3. Oktober 2014 (Bg-act. 64) des Weiteren fest, dass dem
Beschwerdeführer eine leichte Tätigkeit (Gewichtslimite repetitiv 5-10 kg),
eine Tätigkeit ohne Arbeiten in kniender oder kauernder Körperhaltung,
ohne wiederholtes Gehen auf unebener Unterlage, ohne wiederholtes
Begehen von Treppen, kein Leitersteigen, zumutbar sei. Für eine
derartige Tätigkeit in Wechselbelastung sei er ganztags einsetzbar. Diese
unfallversicherungsinterne Untersuchung wurde in Kenntnis der Vorakten
abgegeben, ist schlüssig und nachvollziehbar begründet, weshalb darauf
abzustellen ist (vgl. BGE 134 V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a und b). Der
medizinische Sachverhalt wurde durch den Unfallversicherer demnach
genügend abgeklärt, weshalb darauf abzustellen ist. Im Übrigen bringt der
Beschwerdeführer keine Beweismittel vor, welche Anlass zu weiteren
Abklärungen gäben. Eine Verletzung der Untersuchungspflicht durch die
Beschwerdegegnerin ist nicht ersichtlich.
5. Nachfolgend ist die weitere Rüge des Beschwerdeführers betreffend die
falsche Ermittlung der massgebenden Einkommen zu behandeln.
- 10 -
a) Die SUVA hat dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 24. Oktober
2014 (Bg-act. 68) eine Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad
von 44 % zugesprochen. Fraglich ist, ob sich die Beschwerdegegnerin auf
diesen Invaliditätsgrad abstützen darf.
b) Der Invaliditätsbegriff in der Invalidenversicherung stimmt mit demjenigen
in der obligatorischen Unfallversicherung und in der Militärversicherung
grundsätzlich überein (vgl. Art. 16 ATSG), weshalb die Schätzung der
Invalidität, auch wenn sie für jeden Versicherungszweig grundsätzlich
selbstständig vorzunehmen ist, mit Bezug auf den gleichen
Gesundheitsschaden im Regelfall zum selben Ergebnis zu führen hat.
Trotz des grundsätzlich gleichen Invaliditätsbegriffes sind die
Voraussetzungen für eine Rente in diesen Sozialversicherungszweigen
aber verschieden. Insbesondere berücksichtigt die Invaliditätsschätzung
der Unfallversicherung lediglich die natürlich und adäquat kausalen
gesundheitlichen und erwerblichen Unfallfolgen. Daraus folgt
insbesondere, dass der rechtskräftige Abschluss des
Unfallversicherungsverfahrens auch bei Beteiligung der IV-Stelle einen
Streit um eine Rente der Invalidenversicherung nicht ein für alle Mal
ausschliesst. Häufig bestehen denn auch nicht bloss unfallbedingte
gesundheitliche Beeinträchtigungen. Zu denken ist an krankhafte
Vorzustände oder an psychische Fehlentwicklungen, für welche der Unfall
keine adäquate kausale Ursache darstellt. Die IV-Stellen und die
Unfallversicherer haben die Invaliditätsbemessung demnach in jedem
einzelnen Fall selbstständig vorzunehmen (BGE 133 V 549 E.6.1 f. mit
Hinweisen; BGE 126 V 288 E.2a).
c) Unbestritten ist, dass für die Bestimmung des Invalideneinkommens die
Daten der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamts
für Statistik beizuziehen sind. Die Beschwerdegegnerin hat im
- 11 -
Vorbescheid vom 28. Januar 2015 (Bg-act. 72), anders als später in der
angefochtenen Verfügung – wo sie sich auf die von der SUVA
herangezogene LSE 2010 stützte – die LSE 2012 angewandt.
Grundsätzlich sind – ausser im Revisionsfall (Art. 17 ATSG) – immer die
aktuellsten statistischen Daten zu verwenden (BGE 142 V 178 E.2.5.8.1
mit Hinweis insbesondere auf Urteile des Bundesgerichts 8C_78/2015
vom 10. Juli 2015 E.4 und 9C_526/2015 vom 11. September 2015
E.3.2.2). Wie der Beschwerdeführer geltend macht, sind hier daher die
aktuelleren Zahlen gemäss der LSE 2012 anzuwenden.
d) Die SUVA hat aufgrund des vorgerückten Alters des Beschwerdeführers
nach Art. 28 Abs. 4 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV; SR
832.202) ein Valideneinkommen im mittleren Alter (gemäss Angaben des
ehemaligen Arbeitgebers) von Fr. 112'669.-- berücksichtigt. Die
Invalidenversicherung kennt jedoch keine Art. 28 Abs. 4 UVV
entsprechende Bestimmung. Auszugehen ist hier somit – wie vom
Beschwerdeführer geltend gemacht und von der Beschwerdegegnerin im
Vorbescheid ermittelt – von einem Valideneinkommen von Fr. 123'322.60.
Sodann ist das Invalideneinkommen – wie oben erörtert – aufgrund der
LSE 2012 zu ermitteln. Unbestritten bei Geltung der LSE 2012 ist – so wie
im Vorbescheid vom 28. Januar 2015 (Bg-act. 72) gerechnet – die
Anwendung der Tabelle 1, privater Sektor, Position 41-43 Baugewerbe.
Umstritten ist, welches Kompetenzniveau heranzuziehen ist. Der
Beschwerdeführer ist ausländischer Herkunft und hat dort nach der
Grundschule zwischen 1972 und 1974 eine 2-jährige Berufsschule als
Mineur absolviert. Gemäss eigenen Angaben könne er als Spezialist im
Tunnelbau (Mineur) nicht einfach eine andere Arbeit als Baupolier
annehmen (vgl. Evaluationsgespräch Eingliederung vom 24. April 2013
[Bg-act. 24]). Aufgrund der jahrelangen Berufserfahrung als Polier/Mineur
dürfte der Beschwerdeführer jedoch allgemeine Fachkenntnisse im
Baugewerbe erworben haben. Zwar kann er in seinem gelernten Beruf als
- 12 -
Mineur im Tunnelbau nicht mehr tätig sein, was bereits beim gewährten
Leidensabzug von 15 % berücksichtigt wurde (siehe nachstehende
Erwägung), doch ist ihm eben dank seinem angesammelten Fachwissen
nicht bloss eine einfache Tätigkeit gemäss Kompetenzniveau 1
zuzumuten. Vielmehr ist hier – trotz seiner medizinisch attestierten
Restarbeitsfähigkeit nur noch in einer leichten Tätigkeit in
Wechselbelastung (vgl. oben E.4c) – auf das Kompetenzniveau 2
abzustellen, welches praktische Tätigkeiten wie
Verkauf/Pflege/Datenverar-beitung und Administration/Bedienen von
Maschinen und elektronischen Geräten/Sicherheitsdienst/ Fahrdienst
beinhaltet und dem Anforderungsniveau 3 der alten LSE 2010 entspricht
(vgl. IV-Rundschreiben Nr. 328 des Bundesamtes für
Sozialversicherungen [BSV] vom 22. Oktober 2014).
e) Zuletzt ist noch zu prüfen, ob der gewährte Leidensabzug rechtens ist.
Nach der Rechtsprechung ist ein Abzug vom Invalideneinkommen
gerechtfertigt, wenn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür bestehen, dass ein
Versicherter, der gesundheitsbedingt lediglich noch leichte Hilfsarbeiten
ausführen kann, seine Restarbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen
Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg zu
verwerten in der Lage ist. Zudem können weitere persönliche und
berufliche Merkmale (Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität
oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad) Auswirkungen auf
die Lohnhöhe haben (BGE 126 V 78 E.5a mit Hinweisen). Bei der
Überprüfung des Abzugs, der eine Schätzung darstellt und von der
Verwaltung kurz zu begründen ist, darf das Sozialversicherungsgericht
sein Ermessen nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der
Verwaltung setzen (BGE 126 V 81 E.6).
Der in der Höhe von 15 % gewährte Leidensabzug ist angesichts der
gesundheitsfremden (vorgerücktes Alter) und gesundheitsbedingten
- 13 -
(Einschränkungen bei der Ausübung einer einfachen Tätigkeit) Faktoren
nicht zu beanstanden. Dieser wurde von der Beschwerdegegnerin (wie
auch von der SUVA zuvor) als grosszügig bezeichnet. Das Gericht
erachtet diesen Wert als angemessen.
6. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die korrekte Gegenüberstellung
der Erwerbseinkommen (Fr. 123'322.63 als Valideneinkommen und
Fr. 64'188.20 inkl. Leidensabzug von 15 % als Invalideneinkommen), wie
schon im Vorbescheid vom 28. Januar 2015 berechnet, einen
Invaliditätsgrad von 48 % (47.95) ergibt (vgl. Bg-act. 72 und 73/1), was ab
dem 1. Oktober 2014 einen Anspruch auf eine Viertelsrente begründet.
Selbst wenn in der angefochtenen Verfügung vom 1. Februar 2016
lediglich von einem Invaliditätsgrad von 44 % ausgegangen wird, ist diese
im Ergebnis somit zu schützen. Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen.
7. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren − in Abwei-
chung von Art. 61 lit. a ATSG − bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder
Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsge-
richt kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 1'000.--
festgelegt. Aufgrund des Ausgangs dieses Verfahrens sind die Gerichts-
kosten von Fr. 700.-- dem unterliegenden Beschwerdeführer zu überbin-
den (Art. 73 Abs. 1 VRG). Eine aussergerichtliche Entschädigung steht
der obsiegenden Beschwerdegegnerin nicht zu (Art. 61 lit. g ATSG e
contrario).