# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 055d7712-10ac-59ed-94cc-6d355a4685ef
**Court:** AR_OG
**Chamber:** AR_OG_004
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** AR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt
A. Am 17. März 2012 beging A_ eine grobe Verletzung der Verkehrsregeln.
B. Mit Verfügung vom 4. Dezember 2012 entzog das Strassenverkehrsamt von Appenzell
Ausserrhoden A_ während des Zeitraumes vom 1. Februar 2013 bis und mit 31. Januar
2014 den Führerausweis für die Dauer von 12 Monaten.
C. Auf Antrag der Rechtsschutzversicherung von A_ ordnete das Strassenverkehrsamt mit
Verfügung vom 11. Januar 2013 eine Vollzugsänderung an. Der Führerausweisentzug
wurde neu für den Zeitraum vom 1. April 2013 bis und mit 31. März 2014 festgelegt.
D. Am 4. April 2013 ging der Führerausweis von A_ beim Strassenverkehrsamt ein.
E. Am 15. Juni 2013 wurde A_ beim Lenken eines Personenwagens von der Polizei
angehalten. Es wurde eine Strafanzeige wegen Lenken eines Personenwagens trotz
Führerausweisentzug ausgestellt.
F. Mit Schreiben vom 23. September 2013 liess A_ durch ihren neuen Rechtsvertreter,
Rechtsanwalt B_, geltend machen, sie habe ihren Führerausweis bereits am 27. April
2012 zum vorzeitigen Entzugsantritt beim Strassenverkehrsamt abgegeben. Ihr Anspruch
auf Anrechnung dieser vorzeitigen Führerausweisabgabe sei bei der Festlegung der
Vollzugsdauer missachtet worden. Es sei daher nach durchgeführter Untersuchung und
damit nach Eintreten auf das Wiedererwägungsgesuch eine neue Verfügung über die
Anrechnung und den Vollzug des Führerausweises zu treffen. Zudem sei ihr für die Dauer
des Verfahrens der Führerausweis vorsorglich herauszugegeben.
G. Das Strassenverkehrsamt lehnte mit Nichteintretensverfügung vom 24. September 2013
das Eintreten auf das Wiedererwägungsgesuch vom 23. September 2013 ab.
Seite 4
H. Mit Rekurs vom 15. Oktober 2013 beantragte A_ beim Departement Sicherheit und
Justiz1 die Aufhebung der Nichteintretensverfügung vom 24. September 2013. Ferner sei
als vorsorgliche Massnahme das Fahrverbot durch Führerausweisentzug für die Dauer des
Verfahrens aufzuheben und ihr der Führerausweis sofort vorsorglich herauszugeben.
I. Das Departement Sicherheit und Justiz lehnte mit Zwischenentscheid vom 18. Oktober
2013 die beantragte vorsorgliche Massnahme ab.
J. Das Obergericht des Kantons Appenzell Ausserrhoden hiess die dagegen erhobene
Beschwerde von A_ mit Entscheid vom 28. Mai 2014 gut und hob den angefochtenen
Zwischenentscheid des Departements auf. A_ wurde für die Dauer des
Rekursverfahrens erlaubt, Motorfahrzeuge zu lenken.
K. Mit Beschluss vom 28. Mai 2015 wies das Departement Sicherheit und Justiz den Rekurs
von A_ gegen die Nichteintretensverfügung des Strassenverkehrsamtes vom
24. September 2013 ab.
L. A_ liess am 29. Juni 2015 gegen den Beschluss des Departements Beschwerde mit den
eingangs wiedergegebenen Anträgen an das Obergericht erheben.
M. Das Departement Sicherheit und Justiz beantragte in seiner Vernehmlassung vom
17. August 2015, es sei die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei.
N. Mit Schreiben vom 10. September 2015 verzichtete A_ auf eine mündliche Verhandlung.
O. Die Replik ging am 30. September 2015 beim Obergericht ein. Der Verzicht des
Departements auf die Duplik sowie auf eine mündliche Verhandlung datiert vom 7. Oktober
2015.
P. Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, in
den Erwägungen eingegangen.
1 Art. 39 lit. f des Regierungs- und Verwaltungsorganisationsgesetzes vom 29. November 2004
(Organisationsgesetz, OrG, bGS 142.12): neu seit 1.1.2016 Departement Inneres und Sicherheit
Seite 5

## Considerations

Erwägungen
1. 1.1
Nach Art. 28 lit. a JG2 entscheidet das Obergericht verwaltungs- und staatsrechtliche
Streitigkeiten in letzter Instanz. Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der
Prozessvoraussetzungen ergibt, dass das Obergericht in seiner Funktion als
Verwaltungsgericht nach Art. 54 Abs. 1 VRPG3 zur Behandlung der Beschwerden gegen
letztinstanzliche Verfügungen der Verwaltungsbehörden zuständig ist. Die Prüfung der
weiteren Voraussetzungen ergibt, dass diese sowohl hinsichtlich der
Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der Form- und Fristerfordernisse erfüllt
sind.4 Insofern ist grundsätzlich auf die Beschwerde einzutreten.
1.2
Nicht einzutreten ist auf die Beschwerde, soweit die Beschwerdeführerin mehr als die
Aufhebung der vorinstanzlichen Entscheide und die Zurückweisung zur materiellen
Behandlung verlangt. Mit Beschwerde gegen einen Nichteintretensentscheid kann nicht
eine materielle Beurteilung verlangt werden. Streitgegenstand des Beschwerdeverfahrens
kann vielmehr lediglich sein, ob die Vorinstanz zu Recht nicht auf ein Begehren eingetreten
ist.5 Das Dispositiv ist dementsprechend in Ziff. 1 zu korrigieren.
1.3
Mit der Beschwerde in Verwaltungssachen können grundsätzlich nur Rechtsverletzungen
(inbegriffen Ermessensmissbrauch, Ermessensüberschreitung und -unterschreitung) sowie
die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhaltes gerügt werden (Art. 56
VRPG i.V.m. Art. 1 Abs. 2 JG).
2. 2.1
Nach Art. 27 VRPG kann eine Partei die Verwaltungsbehörde jederzeit um
Wiedererwägung einer Verfügung ersuchen. Wiedererwägungsgesuche begründen keinen
Anspruch auf Eintreten und hemmen den Fristenlauf nicht.
Eine kantonale Behörde muss sich mit einem Wiedererwägungsgesuch dann förmlich
befassen und allenfalls auf eine rechtskräftige Verfügung zurückkommen, wenn das
2 Justizgesetz vom 13. September 2010 (JG, bGS 145.31) 3 Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege vom 9. September 2002 (VRPG, bGS 143.1) 4 Art. 59 i.V.m. Art. 32 Abs. 1 VRPG und Art. 55 VRPG 5 Kiener/Rütsche/Kuhn, Öffentliches Verfahrensrecht, 2. Aufl. 2015, N 1279ff; Kölz/Häner/Bertschi,
Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, N 747 mit Hinweisen
Seite 6
kantonale Recht dies vorsieht und die entsprechenden gesetzlichen Voraussetzungen
erfüllt sind oder wenn unmittelbar aus der Bundesverfassung fliessende Grundsätze dies
gebieten. Nach der unter Art. 29 Abs. 1 und 2 BV6 weiterhin gültigen bundesgerichtlichen
Rechtsprechung ist eine Verwaltungsbehörde von Verfassungs wegen verpflichtet, auf
einen rechtskräftigen Entscheid zurückzukommen und eine neue Prüfung vorzunehmen,
wenn ein klassischer Revisionsgrund vorliegt. Dies ist der Fall, wenn der Gesuchsteller
erhebliche Tatsachen oder Beweismittel anführt, die ihm im früheren Verfahren nicht
bekannt waren oder die schon damals geltend zu machen für ihn rechtlich oder tatsächlich
unmöglich war oder keine Veranlassung bestand. Die Wiedererwägung von
Verwaltungsentscheiden, die in Rechtskraft erwachsen sind, ist freilich nicht beliebig
zulässig. Sie darf namentlich nicht dazu dienen, rechtskräftige Verwaltungsentscheide
immer wieder in Frage zu stellen oder die Fristen für die Ergreifung von Rechtsmitteln zu
umgehen.7
Das Wiedererwägungsgesuch kann auch nicht dazu dienen, im ersten Verfahren
versäumte oder unterlassene Mitwirkungspflichten gleichsam zu heilen und Tatsachen
vorzubringen, die die Parteien seinerzeit in Verfahren einzubringen Anlass gehabt hätte.8
2.2
Zu prüfen ist, ob das Departement Inneres und Sicherheit zu Recht den Rekurs der
Beschwerdeführerin gegen die Nichteintretensverfügung des Strassenverkehrsamtes
abgewiesen hat.
Unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin die Rechtsmittelfristen zur Anfechtung der
Verfügungen des Strassenverkehrsamtes vom 4. Dezember 2012 und 11. Januar 2013
unbenützt verstreichen liess.
2.2.1
Die Beschwerdeführerin rügt im Wesentlichen, die Nichteintretensverfügung des
Strassenverkehrsamts sei falsch. Das Strassenverkehrsamt habe sich materiell mit der
Sache befasst sowie Abklärungen vorgenommen und sei damit auf die Sache eingetreten.
Sie habe mit Schreiben vom 16. Juli 2013 ein Wiedererwägungsgesuch gestellt, da
6 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) 7 Urteil des Bundesgerichts 5A_257/2009 vom 26. Oktober 2009 E. 3.1 mit Hinweisen; Kölz/Häner/Bertschi,
a.a.O, N 725 und N 743f; vgl. auch Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich VB.2014.00390
vom 3. September 2014 E. 1.3 sowie Fedi/Meyer/Müller, Kommentar zum Gesetz über die Verwaltungs-
rechtspflege des Kantons Thurgau, 2014, § 22 8 Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-2391/2008 vom 22. März 2010 E. 2.5 mit Hinweis
Seite 7
konkrete, auf Erlass einer Verfügung gerichtete Gesuche an das Strassenverkehrsamt
gestellt worden seien. Letzteres habe seine Abklärungen darauf gerichtet, einen
Sachentscheid bezüglich des gestellten Wiedererwägungsgesuchs zu treffen. Das
Tätigwerden des Strassenverkehrsamtes sei nicht beschränkt gewesen auf interne
Abklärungen. Vielmehr sei es um die Gewinnung von zusätzlichen Erkenntnissen zum
Sachverhalt und eventuelle Ergänzung der Akten gegangen.
Indem die Vorinstanz übersehe, dass ein Sachentscheid vorliege, welcher der gerichtlichen
Prüfung zugänglich sei, werde damit Art. 33 VRPG verletzt. Als Sachentscheid hätte die
Vorinstanz den Entscheid des Strassenverkehrsamtes vom 24. September 2013
überprüfen müssen. Das Nichteintreten der Vorinstanz stelle eine Rechtsverweigerung dar.
Zudem seien die Beweisanträge unbegründet nicht behandelt worden. Ein Anspruch auf
Wiedererwägung leite sich aus Art. 29 BV ab, welcher über die kantonale Bestimmung in
Art. 27 VRPG hinausgehe.
2.2.2
Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin hat ihr Rechtsvertreter nicht am 16. Juli
2013, sondern erst in der Eingabe vom 23. September 2013 ein Wiedererwägungsgesuch
gestellt. In der Eingabe vom 16. Juli 2013, welche mit „A_: FA-Abgabe“ betitelt war,
stellte er einen Antrag auf Beizug des Mailverkehrs zwischen seiner Mandantin und dem
Strassenverkehrsamt, der Verlustanzeige des Führerausweises sowie des
eingeschriebenen Verschiebungsgesuchs der C_ Rechtsschutzversicherung. Des
Weiteren ersuchte er um Mitteilung über Datum, Art und Umfang der Telefonate und
allfälliger Mails zwischen dem Strassenverkehrsamt und der C_
Rechtsschutzversicherung. Sodann beantragte er, es sei genau zu untersuchen und zu
dokumentieren, wie der Führerausweis am 4. April 2013 ans Strassenverkehrsamt gelangt
sei. Schliesslich ersuchte er um geeignete Massnahmen, damit die Anrechnung des
Führerausweises ab 27. April 2012 auf die Entzugsdauer bis 26. April 2013 erfolge und
seiner Mandantin nicht vorgeworfen werde, sie sei mit entzogenem Führerausweis
gefahren.9
Damit ist erstellt, dass in der Eingabe vom 16. Juli 2013 an das Strassenverkehrsamt
weder eine Wiedererwägung noch eine Wiederaufnahme verlangt wurde. Auch sinngemäss
kann aus dieser Eingabe kein Wiedererwägungs- oder Wiederaufnahmegesuch abgeleitet
werden, zumal von dem sehr erfahrenen und auf den Bereich Strassenverkehrsrecht
spezialisierten Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein entsprechender Antrag hätte
9 Act. 7.6
Seite 8
erwartet werden dürfen, wenn er tatsächlich einen solchen Antrag hätte stellen wollen.
Vielmehr ging es ihm offenbar darum, sich – wie auch in den nachfolgenden Eingaben vom
19. Juli 2013 und 15. August 2013 – im Hinblick auf das Wiedererwägungsgesuch vom
23. September 2013, welches den Titel „FA-Abgabe und Anrechnung auf den Entzug seit
27. April 2012 iS A_; Einfordern der anfechtbaren Verfügung“ trug, zu dokumentieren.10
Die Behauptung der Beschwerdeführerin, das Strassenverkehrsamt habe im
Wiedererwägungsverfahren Abklärungen getätigt und habe deshalb einen materiellen
Entscheid zu treffen, trifft somit nicht zu. Erst nachdem der Beschwerdeführerin vollständig
Akteneinsicht gewährt und ihr die gewünschten Unterlagen zugestellt worden waren, liess
sie in der Eingabe vom 23. September 2013 ein Wiedererwägungsgesuch stellen.
2.2.3
Das Strassenverkehrsamt trat mit Verfügung vom 24. September 2013 auf das Gesuch der
Beschwerdeführerin um Wiedererwägung nicht ein.
Nach kantonalem Recht ist dies zulässig, da gemäss Art. 27 Abs. 2 VRPG
Wiedererwägungsgesuche keinen Anspruch auf Eintreten begründen.11 Zu prüfen bleibt, ob
sich – wie die Beschwerdeführerin geltend macht – aus der bereits erwähnten
bundesgerichtlichen Rechtsprechung ein Anspruch auf Wiedererwägung ergibt.12
Die Beschwerdeführerin behauptet unter Berufung auf Zeugen, bereits am 27. April 2012
den Führerausweis im Hinblick auf die zu erwartende Entzugsdauer von einem Jahr
abgegeben zu haben.13 Die Angaben der Beschwerdeführerin zu der angeblichen
Führerausweisabgabe am 27. April 2012 weisen Widersprüche auf und lassen Zweifel an
ihrer Sachverhaltsdarstellung aufkommen. Aus der in der Eingabe vom 16. Juli 2013
beigelegten Kopie des Schreibens, mit welchem die Beschwerdeführerin am 27. April 2012
beim Strassenverkehrsamt den Ausweis abgegeben haben will, kann sie nichts zu ihren
Gunsten ableiten.14 Gemäss der Beschwerdeführerin hat sie den Führerausweis in den
Briefkasten des Strassenverkehrsamtes gelegt.15 Nach D_ wurde der Führerausweis
hingegen zusammen mit einem kurzen Begleitschreiben persönlich am Schalter des
Strassenverkehrsamtes der damals anwesenden Sekretärin in einem Couvert abgegeben.
10 Act. 7.6 11 Vgl. Fedi/Meyer/Müller, a.a.O., § 22 N 4 12 Vgl. E. 2.1 13 Act. 1 u.a. Rz. 55f, Rz. 58, Rz. 60, Rz. 62, Rz. 66f, Rz. 69, Rz. 71, Rz. 73ff 14 Act. 7.6 15 Act. 7.6
Seite 9
Danach habe sie die Beschwerdeführerin nach Hause gefahren.16 E_ erklärte, in
Anwesenheit einer Kollegin der Beschwerdeführerin sei der Fahrzeugausweis zusammen
mit einem kurzen Begleitschreiben auf dem Büro des Strassenverkehrsamtes persönlich
abgegeben worden. Danach habe er die Beschwerdeführerin mit einem Zwischenstopp in
Teufen nach Bern gefahren.17 Aufgrund dieser unterschiedlichen Schilderungen bleibt
zweifelhaft, ob und wie der Führerausweis an jenem 27. April 2012 zum
Strassenverkehrsamt gelangt sein soll. Gemäss dem Strassenverkehrsamt ging der
Führerausweis erst am 4. April 2013 bei ihrer Amtsstelle ein.18
Die Beschwerdeführerin will sodann am 6. Dezember 2012 per Mail dem
Strassenverkehrsamt – sowie per Kopie ihrer damaligen Rechtsvertreterin – gemeldet
haben, dass der am 27. April 2012 zur vorzeitigen Abgabe zugesandte Fahrausweis
offenbar nicht angekommen sei. Weiter ersuchte sie im Mail darum, dass ihr ein
„Verlustanzeigpapier“ zugemailt werde, damit sie dieses ausfüllen könne.19 In den Akten
befindet sich eine Verlustanzeige mit Datum vom 16. November 2012.20 Daher stellt sich
die Frage, wieso die Beschwerdeführerin rund einen Monat später nochmals eine
Verlustanzeige ausfüllen will. Unklar ist auch, weshalb ihr nun ein „Verlustanzeigpapier“
zugemailt werden soll, wenn sie sich rund einen Monat früher offenbar selber ein solches
Formular beschaffen und abschicken konnte. Der Verlustanzeige vom 16. November 2012
lässt sich nicht entnehmen, ob und wann sie allenfalls versandt wurde und es ist daraus
entgegen den Ausführungen des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin in der Eingabe
vom 16. Juli 2013 nicht ersichtlich, ob und allenfalls mit welcher Sendungsnummer sie
verschickt worden war. Die Beschwerdeführerin reichte in diesem Zusammenhang mit der
Eingabe vom 23. September 2013 den Zustellnachweis BMZ, Sendungsnummer
98.00.905300.03073935, zu den Akten.21 Wie bereits erwähnt ist aus dem eingereichten
Zustellnachweis BMZ kein Zusammenhang mit der von der Beschwerdeführerin angeblich
eingereichten Verlustanzeige vom 16. November 2012 nachgewiesen. Kommt hinzu, dass
gemäss Zustellnachweis die Sendung am Samstag, 17. November 2012, um 8.37 Uhr am
Schalter Trogen an eine Empfangsperson mit Namen F_ zugestellt wurde. Die
Amtsstellen in Trogen sind jedoch – mit Ausnahme jener der Kantonspolizei – über das
Wochenende geschlossen, weshalb der für die Amtsstellen in Trogen tätige interne
Postdienst jeweils an diesen beiden Tagen nicht arbeitet. Die Verfügung des
16 Act. 7.6 17 Act. 7.6 18 Act. 7.6 19 Act. 7.6 20 Act. 7.6 21 Act. 7.6
Seite 10
Strassenverkehrsamts vom 4. Dezember 2012 betreffend Vollzug des
Führerausweisentzugs wurde unbestrittenermassen nicht angefochten.
Weiter macht die Beschwerdeführerin geltend, dass sie nach Zustellung der Verfügung vom
11. Januar 2013 ihre Vertreterin damit beauftragt habe, diese Verfügung korrigieren zu
lassen, da es um die Anrechnung des bereits seit langem hinterlegten Führausweises
gehe.22 Unbestritten ist jedoch, dass die Verfügung des Strassenverkehrsamts vom
11. Januar 2013 betreffend Vollzugsänderung des Führerausweisentzugs nicht
angefochten wurde.
2.2.4
Nach Darstellung der Beschwerdeführerin hegte sie ab Mitte November 2012 den
Verdacht, dass der von ihr angeblich am 27. April 2012 beim Strassenverkehrsamt vorzeitig
abgegebene Führerausweis dort nicht eingetroffen war. Spätestens im Januar 2013, als
das Strassenverkehrsamt nicht auf das von ihr angeblich am 6. Dezember 2012 versandte
Mail reagierte und ihr mit Datum vom 11. Januar 2013 eine Verfügung über die
Vollzugsänderung sandte, wurde ihr bewusst, dass das Strassenverkehrsamt nichts von
der angeblichen Hinterlegung des Führerausweises wusste.
Damit ist festzustellen, dass sich die Umstände seit dem ersten Entscheid objektiv nicht
geändert haben. Wenn die Beschwerdeführerin mit der Verfügung des
Strassenverkehrsamts vom 4. Dezember 2012, wonach der ein Jahr dauernde
Führerausweisentzug am 1. Februar 2013 beginne, nicht einverstanden gewesen wäre,
hätte sie bereits damals beim Strassenverkehrsamt persönlich oder allenfalls via ihre
damalige Vertreterin, die Rechtsschutzversicherung C_, darauf hinweisen müssen, dass
sie den Führerausweis schon am 27. April 2012 abgegeben habe. Es war ihr auch nicht
unmöglich, die vorzeitige Abgabe des Führerausweises schon damals geltend zu machen
und es bestand bereits damals Veranlassung auf die angebliche vorzeitige Abgabe des
Führerausweises hinzuweisen. Spätestens gegen die Änderungsverfügung des
Strassenverkehrsamts vom 11. Januar 2013, wonach der Beginn des
Führerausweisentzuges neu auf 1. April 2013 angesetzt und damit zwei Monate nach
hinten verschoben wurde, hätte die Beschwerdeführerin reagieren müssen. Jedoch erhob
sie dagegen weder ein Rechtsmittel noch machte sie geltend, sie habe den Führerausweis
vorzeitig abgegeben. Die Beschwerdeführerin hätte aber spätestens zu diesem Zeitpunkt,
nachdem sie festgestellt hatte, dass mit der angeblichen vorzeitigen Abgabe des
Ausweises definitiv irgendetwas schief gelaufen war, Anlass gehabt, sich direkt mit dem
22 Act. 7.6
Seite 11
Strassenverkehrsamt – wie sie es offenbar bereits mit Mail vom 6. Dezember 2012 getan
haben will – in Verbindung zu setzen. Sie hätte die Arbeit ihrer damaligen Vertreterin, der
Rechtsschutzversicherung C_, nach den festgestellten Mängeln kritisch hinterfragen
müssen und kann sich nicht darauf berufen, sie habe sich auf ihre Vertreterin verlassen.
Zusammenfassend führte die Beschwerdeführerin keine erheblichen Tatsachen oder
Beweismittel an, die ihr im früheren Verfahren nicht bekannt waren oder die schon damals
geltend zu machen für sie rechtlich oder tatsächlich unmöglich war oder keine
Veranlassung bestand. Somit sind die sich aus der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
und Lehre ergebenden Voraussetzungen für einen Anspruch auf Wiedererwägung im
vorliegenden Fall klar nicht erfüllt.23
2.2.5
Nur der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass auch keine Wiederaufnahme des
Verfahrens nach Art. 26 VRPG in Frage kommt. Die im Gesetzesartikel erwähnte Frist von
60 Tagen seit Entdeckung des Wiederaufnahmegrundes lief spätestens Mitte März 2013
ab. Die Beschwerdeführerin hat gemäss ihren Angaben spätestens im Januar 2013 nach
Erhalt der Verfügung über die Vollzugsänderung erkannt, dass das Strassenverkehrsamt
nichts von einer angeblichen Hinterlegung des Führerausweises wusste. In der Folge wies
sie ihre Rechtsschutzversicherung an, diese Frage zu klären. Diese unternahm offenbar
nichts. Dieses Verhalten der Rechtsschutzversicherung muss sich die Beschwerdeführerin
aber entgegenhalten lassen. Die Eingabe vom 16. Juli 2013 bzw. 23. September 2013 des
späteren Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin erfolgte demnach verspätet.
Des Weiteren sei das Strassenverkehrsamt darauf hinzuweisen, dass es künftig – wie bei
anderen Amtsstellen oder den Gerichten üblich – die Couverts der bei ihr eingehenden
Eingaben zwecks Erleichterung der Beweisführung in heiklen Verfahren aufbewahrt.
2.3
Zusammenfassend hat das Departement Inneres und Sicherheit zu Recht den Rekurs der
Beschwerdeführerin gegen die Nichteintretensverfügung des Strassenverkehrsamtes
abgewiesen. Demnach ist die Beschwerde von A_ abzuweisen, soweit darauf
eingetreten werden kann.
23 Vgl. E. 2.1 und Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2015, N 1272ff
Seite 12
3. 3.1
Da die Beschwerdeführerin mit ihren Begehren unterliegt bzw. darauf nicht eingetreten
wird, sind ihr nach Art. 53 Abs. 1 i.V.m. Art. 19 Abs. 3 VRPG die Verfahrenskosten
aufzuerlegen. Vorliegend erscheint gemäss Art. 20 VRPG i.V.m. Art. 4a GGV24 eine
Gebühr von Fr. 1‘200.-- als angemessen. Der Kostenvorschuss von Fr. 1‘200.-- ist
anzurechnen.
3.2
Ausgangsgemäss ist nach Art. 53 Abs. 3 VRPG das Begehren der Beschwerdeführerin um
Ausrichtung einer Parteientschädigung abzuweisen.
24 Gesetz über die Gebühren in Verwaltungssachen vom 25. April 1982 (GGV, bGS 233.2).
Seite 13