# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 575bdcc8-ea24-5f1a-97b5-eeb8831788d5
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Das Tiefbauamt des Kantons Bern (TBA), Oberingenieurkreis I (OIK I), teilte der
Gemeinde Oberhofen am Thunersee mit E-Mail vom 5. September 2019 mit, es sei darauf
aufmerksam gemacht worden, dass am D._bächli bauliche Massnahmen oder
Verbauungen im Gewässerabstand und vermutlich auch in der Waldabstandslinie im
Gange seien. Möglicherweise seien die Massnahmen ohne Baubewilligung getroffen
worden. Die Gemeinde als Baupolizeiorgan werde gebeten, der Sache nachzugehen und,
sollte sich der Verdacht erhärten, die Wiederherstellung des ordnungsgemässen
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Zustandes zu verfügen.1 Die Beschwerdeführerin ist Alleineigentümerin der betroffenen
Parzellen Nrn. E._ und G._. Der fragliche Abschnitt des
D._bächlis liegt ausserhalb der Bauzone im Wald.2 Am 6. September 2019 führte
die Gemeinde einen Augenschein vor Ort durch und suchte gemäss ihren Angaben das
Gespräch mit der Beschwerdeführerin und dem Beschwerdeführer als Bauherrn bezüglich
des erstellten Wegs mit Verbundsteinen und Holz und der geplanten Brücke über den
Bach.3 Mit Wiederherstellungsverfügung vom 11. September 2019 forderte die Gemeinde
Oberhofen am Thunersee die Beschwerdeführenden auf, die Bauarbeiten am
D._bächli sofort einzustellen und die ausgeführten Arbeiten bis zum 15. November
2019 rückgängig zu machen. Dabei seien sämtliche Vorkehrungen für den Weg (Holz und
Verbundsteine) zu entfernen und der rechtmässige Zustand (vor Baubeginn) sei
wiederherzustellen. Gleichzeitig wies sie auf die Möglichkeit eines nachträglichen
Baugesuchs hin und drohte die Ersatzvornahme und eine Busse bei Nichtbefolgung an.
2. Gegen diese Verfügung reichten die Beschwerdeführenden am 7. Oktober 2019
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie
stellen folgende Rechtsbegehren:
1. Die Verfügung der Einwohnergemeinde Oberhofen sei aufzuheben, da die
getroffenen, baulichen Massnahmen ohnehin temporären Charakter haben und
ausschliesslich dem Bergen des Sturmholzes dienen. Die Verfügung wird damit
obsolet.
2. Die Kosten der Verfügung von Fr. 200.– sei der Einwohnergemeinde
Oberhofen anzulasten.
3. Es sei eine Parteientschädigung von Fr. 850.– zugunsten der Beklagten zu
leisten.
4. Die Einwohnergemeinde Oberhofen sei zu verpflichten, ihrer
Verantwortung bezüglich Gewässerunterhalt nachzukommen und bereits
entstandene Schäden zu beheben.
1 Beilage 6 der Stellungnahme der Gemeinde vom 1. November 2019 2 Vgl. Zonenplan der Gemeinde sowie Beilage 2 der Stellungnahme der Gemeinde 3 Vgl. insb. Fotos Augenschein, Beilage 3 ff. der Stellungnahme der Gemeinde vom 1. November 2019
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3. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet4, führte den
Schriftenwechsel durch und holte Stellungnahmen beim TBA OIK I, sowie beim Amt für
Wald, Waldabteilung Voralpen, ein. Mit Verfügung vom 14. November 2019 stellte das
Rechtsamt fest, dass die Gemeinde in ihrer Verfügung vom 11. September 2019 neben der
Parzelle Nr. E._ versehentlich die Parzelle Nr. F._ statt die ebenfalls
betroffene Nr. G._ aufgeführt hat. Es stellte in Aussicht, im Falle der Abweisung
der Beschwerde werde dies im Entscheid der BVE von Amtes wegen korrigiert werden. Auf
die Rechtsschriften und Stellungnahmen wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintreten
a) Angefochten ist eine Baueinstellungsverfügung im Sinne von Art. 46 Abs. 1 BauG5
sowie eine Wiederherstellungsverfügung gemäss Art. 46 Abs. 2 BauG. Eine solche
Verfügung kann laut Art. 49 Abs. 1 BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde
bei der BVE angefochten werden. Die Beschwerdeführenden sind als Adressaten durch die
angefochtene Verfügung beschwert und daher zur Beschwerde legitimiert. Auf ihre form-
und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist grundsätzlich einzutreten.
b) Die Beschwerdeführenden bringen vor, kürzlich ausgeführte Arbeiten der Gemeinde
seien mangelhaft ausgeführt worden, finde man doch schon nach kürzester Zeit
Blocksteine mitten im Bachbett. Der instabile Böschungsfuss gefährde die obenliegende
Er-schliessungsstrasse, wo bereits Setzungen festzustellen seien. Sie stellen den Antrag,
die Einwohnergemeinde Oberhofen sei zu verpflichten, ihrer Verantwortung bezüglich
Gewässerunterhalt nachzukommen und bereits entstandene Schäden zu beheben.
Anfechtungsobjekt ist die Verfügung der Vorinstanz. Der Streitgegenstand braucht sich
nicht mit dem Anfechtungsobjekt zu decken, kann aber auch nicht über dieses
4 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (Organisationsverordnung BVE, OrV BVE; BSG 152.221.191) 5 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0)
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hinausgehen. Innerhalb dieses Rahmens bestimmen die Parteien den Streitgegenstand.
Die Parteien können den Streitgegenstand im Verlauf des Verfahrens nicht erweitern,
sondern nur einschränken.6
Anfechtungsobjekt ist nur der Baustopp und die Wiederherstellungsverfügung vom
11. September 2019. Darin fordert die Gemeinde Oberhofen am Thunersee die
Beschwerdeführenden auf, die Bauarbeiten am D._bächli sofort einzustellen und
die ausgeführten Arbeiten rückgängig zu machen, d.h. sämtliche Vorkehren für den Weg
(Holz und Verbundsteine) zu entfernen und den rechtmässigen Zustand (wie vor
Baubeginn) wiederherzustellen. Die von den Beschwerdeführenden geltend gemachte
Verpflichtung der Gemeinde, ihrer Verantwortung bezüglich Gewässerunterhalt
nachzukommen und bereits entstandene Schäden zu beheben, liegen ausserhalb des
möglichen Streitgegenstandes. Deshalb kann auf diese Vorbringen nicht eingetreten
werden.
2. Baubewilligungspflicht
a) Die Beschwerdeführenden bringen vor, am 6. August 2019 sei durch heftige
Sturmböen ein 20 m hoher Ahorn quer über das D._bächli gefällt worden. Um
Zugang zum Baum zu erhalten, welcher in schwierigem Geländer gelegen sei, hätten
provisorische Zugangswege sowie eine provisorische Brücke erstellt werden müssen. Erst
dadurch sei die Bergung des Baums mit einem Raupenfahrzeug (Kleindumper) möglich
geworden. An den Brückenenden seien Rasengittersteine verlegt worden, um ein
Manövrieren (drehen vor Ort) zu gewährleisten. Die Eigentümer seien verpflichtet,
Waldschäden zu beheben und Unterhaltsarbeiten ausserhalb der Hochwasserlinie
durchzuführen. Letztere könnten nach Art. 20 Abs. 3 und Art. 35 Abs. 1 WBG7 ohne
Wasserbaubewilligung und ohne Baubewilligung ausgeführt werden. Die Baumkrone habe
mitten im Gewässer gelegen und habe entfernt werden müssen. Der Beschwerdeführer
vertritt die Auffassung, dass die vorgenommenen provisorischen Zugangsmöglichkeiten,
welche temporär, umweltverträglich und von untergeordneter Bedeutung seien, entgegen
der Auffassung der Gemeinde, nicht bewilligungspflichtig seien.
6 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 72 N. 6 bis 8 7 Gesetz vom 14. Februar 1989 über Gewässerunterhalt und Wasserbau (Wasserbaugesetz, WBG; BSG 751.11)
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b) Bauten und Anlagen dürfen nur mit einer behördlichen Bewilligung errichtet oder
geändert werden (Art. 22 Abs. 1 RPG8). Baubewilligungspflichtig sind alle künstlich
geschaffenen und auf Dauer angelegten Bauten, Anlagen und Einrichtungen
(Bauvorhaben), die in fester Beziehung zum Erdboden stehen und geeignet sind, die
Nutzungsordnung zu beeinflussen, indem sie zum Beispiel den Raum äusserlich erheblich
verändern, die Erschliessung belasten oder die Umwelt beeinträchtigen;
baubewilligungspflichtig sind auch wesentliche Terrainveränderungen (Art. 1a Abs. 1 und 2
BauG).9 Keiner Baubewilligung bedürfen insbesondere der Unterhalt von Bauten und
Anlagen, für eine kurze Dauer erstellte Bauten und Anlagen sowie andere geringfügige
Bauvorhaben. Im Übrigen bestimmt das Baubewilligungsdekret die baubewilligungsfreien
Bauvorhaben (Art. 1b Abs. 1 BauG). So zählen die Artikel 6 und 6a BewD10 detailliert auf,
welche Vorhaben baubewilligungsfrei sind. Art. 7 BewD enthält allerdings den Vorbehalt,
dass auch die in Art. 6 und Art. 6a BewD enthaltenen Tatbestände eine Baubewilligung
benötigen, wenn sie ausserhalb der Bauzone liegen und geeignet sind, die
Nutzungsordnung zu beeinflussen, indem sie beispielsweise den Raum äusserlich
erheblich verändern, die Erschliessung belasten oder die Umwelt beeinträchtigen oder
wenn sie den geschützten Uferbereich, den Wald, ein Naturschutz- oder
Ortsbildschutzgebiet, ein Naturschutzobjekt, ein Baudenkmal oder dessen Umgebung
betreffen und das entsprechende Schutzinteresse tangiert wird. Das jeweilige
Schutzinteresse muss den spezifischen Vorschriften für die Gebiete und Objekte
entnommen werden.
c) Die von der Gemeinde eingereichten Fotos des Augenscheins vom 6. September
2019 zeigen, dass die Beschwerdeführenden den Waldboden entfernen und in den Hang
einen Weg bauen liessen, welcher seitlich mit Gestein und Holzstämmen abgestützt wird.
Ebenfalls ersichtlich sind die von der Gemeinde erwähnten Verbundsteine, welche an einer
Stelle den Weg sowie – nebst kiesartigem Material – den Boden befestigen. Auf den Fotos
sind zudem kleine Armierungseisen zu sehen, welche vermutungsweise noch eingebaut
werden sollten.
8 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700) 9 Vgl. auch Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 1a N. 10 ff. 10 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1)
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Die Beschwerdeführenden haben den Waldboden entfernt und einen Zugang zum
Gewässer geschaffen, welcher keinen provisorischen Charakter hat. Sie machen auch
nicht geltend, sie hätten die baulichen Veränderungen bereits rückgängig gemacht oder
würden dies innerhalb einer angemessenen Frist tun. Das Bauvorhaben ist daher im Sinne
von Art. 1a BauG auf Dauer angelegt. Die Erstellung eines Weges ist kein Vorhaben,
welches gemäss Art. 6 Abs. 1 BewD bewilligungsfrei sein kann. Zudem kommt Art. 6 BewD
vorliegend nicht zur Anwendung, da der erstellte Weg ausserhalb der Bauzone liegt und
den Raum äusserlich klar verändert sowie das Schutzinteresse des Waldes betrifft (Art. 7
Abs. 1 und 2 BewD). Damit sind die vorgenommenen baulichen Änderungen gemäss
Art. 1a BauG baubewilligungspflichtig. Entsprechend sieht die Strassengesetzgebung vor,
dass die Neuanlage und der Ausbau von Fuss-, Geh- und Radwegen der
Baubewilligungspflicht unterliegen (Art. 43 Abs. 2 SG11 i.V. mit Art. 23 Abs. 1 Bst. b SV12),
was auch für Privatstrassen gilt.13 Gemäss Art. 20 Abs. 3 bzw. 35 Abs. 1 WBG sind nur
Gewässerunterhaltsarbeiten baubewilligungsfrei. Der bauliche Unterhalt im Sinne dieser
Bestimmungen umfasst Massnahmen an Schutzbauten oder Arbeiten im und am Gerinne
wie Räumungsarbeiten, Erneuerungsarbeiten geringen Ausmasses an Wasserbauwerken,
Beseitigung von Schwemmholz und Verklausungen sowie Unterhalt von Uferunterhalts-
sowie Erschliessungswegen zu Schutzbauten.14 Nicht darunter fallen die Entfernung von
Waldboden zur Erstellung eines befestigten Weges bzw. Zugangs zum Gewässer.
3. Baueinstellung
a) Art. 22 RPG bestimmt, dass Bauten und Anlagen nur mit einer behördlichen
Bewilligung errichtet oder geändert werden dürfen. Mit der Ausführung von Bauvorhaben,
die eine Baubewilligung benötigen, darf erst begonnen werden, wenn sie rechtskräftig
bewilligt sind oder der Baubeginn vorzeitig gestattet worden ist (Art. 1a Abs. 3 BauG, Art. 2
Abs. 1 BewD). Wird ein Bauvorhaben ohne Baubewilligung oder in Überschreitung einer
Baubewilligung ausgeführt, so verfügt die zuständige Baupolizeibehörde die Einstellung
der Bauarbeiten (Art. 46 Abs. 1 BauG). Wird ein baubewilligungspflichtiges Bauvorhaben
11 Strassengesetz vom 4. Juni 2008 (SG; BSG 732.11) 12 Strassenverordnung vom 29. Oktober 2008 (SV; BSG 732.111.1) 13 VGE 2017.316 vom 25.04.2018, E. 4.3 14 Wegleitung Gewässerunterhalt des Tiefbauamts des Kantons Bern vom 14.09.2018, Grundlagen zur Behandlung und Beurteilung von Unterhaltsanzeigen, Ziffer 2.1, abrufbar unter www.bve.be.ch, Rubriken Tiefbauamt / Publikationen / Wasser / Hochwasserschutz
http://www.bve.be.ch
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ohne Baubewilligung ausgeführt, ist die Baupolizeibehörde verpflichtet, die sofortige
Einstellung laufender Bauarbeiten anzuordnen. Sie verfügt über keinen
Beurteilungsspielraum und hat keine Interessenabwägung vorzunehmen. Ob das
Bauvorhaben allenfalls bewilligt werden kann, spielt keine Rolle.15
b) Da die Beschwerdeführenden baubewilligungspflichtige Arbeiten ohne
Baubewilligung vorgenommen haben (vgl. Ziffer 2 hievor), war die Gemeinde verpflichtet,
einen Baustopp anzuordnen. Die Beschwerde ist diesbezüglich abzuweisen.
4. Materielle Rechtswidrigkeit
a) Die Beschwerdeführenden haben kein nachträgliches Baugesuch gestellt. Nach der
Praxis des Verwaltungsgerichts gilt es als unverhältnismässig, eine an sich
bewilligungsfähige Baute oder Anlage bloss wegen Fehlens der Baubewilligung beseitigen
zu lassen (sog. formelle Rechtswidrigkeit). In Fällen, in denen kein nachträgliches
Baugesuch gestellt wird, hat die Rechtsmittelbehörde deshalb summarisch zu prüfen, ob
das Vorhaben bewilligt werden könnte (sog. materielle Rechtswidrigkeit).16
b) Das TBA OIK I führte in seiner Stellungnahme vom 25. Oktober 2019 aus,
Installationen wie im vorliegenden Fall bräuchten eine Wasserbaupolizeibewilligung
gemäss Art. 48 Abs. 1 WBG, auch wenn sie nur temporären Charakter hätten. Vorliegend
werde das Gewässer und der Wasserbau gemäss Art. 39a Abs. 1 Bst. a, b, d, und h WBV
beeinträchtigt. Die Naturgefahrenkarte Oberhofen weise im Unterlauf des
D._bächlis auf Überschwemmungen bis ins Siedlungsgebiet hin. Grund für
mögliche Ausuferungen seien Verstopfungen durch mitgeführtes Material bei den
bestehenden Durchlässen. Es sei nicht auszuschliessen, dass auch Teile der vorliegenden
Installationen bei einem Hochwasserereignis mitgerissen werden könnten. Dadurch erhöhe
sich bei einem Hochwasserereignis die Wahrscheinlichkeit von Verstopfungen und
Wasseraustritten im Unterlauf. Die Installationen würden zu einer Erhöhung des Risikos
von Schäden im Siedlungsgebiet führen. Die Hochwassersicherheit werde somit
beeinträchtigt. Improvisierte, eigenhändig erstellte Ufersicherungen seien grundsätzlich
nicht zulässig. Die wasserbaupflichtige Gemeinde sei zu kontaktieren, wenn Massnahmen
15 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 6 16 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 15a
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am Gewässer für unerlässlich befunden würden. Diese werde unter Berücksichtigung der
gängigen Planungs- und Handlungsgrundsätze über allfällig geeignete Massnahmen
befinden. Es könne daher keine wasserbaupolizeiliche Ausnahmebewilligung nach Art. 48
WBG in Aussicht gestellt werden. Aus wasserbaulicher Sicht seien umgehend der Baum zu
entfernen, die ausgeführten Installationen zurückzubauen und der ordnungsgemässe
Zustand wiederherzustellen.
Das Amt für Wald, Waldabteilung Voralpen, führte in seiner Stellungnahme aus, die
Beseitigung des umgestürzten Baums, der eine Verklausungsgefahr für das
D._bächli bedeutet, sei eine richtige Massnahme. Wenn der Bau des Zugangs
zum Baum nur provisorischen Charakter habe, dann werde das Waldgesetz nicht
beeinträchtigt bzw. es werde keine forstliche Ausnahmebewilligung benötigt
(zonenkonforme Massnahme). Wenn nach der Räumung des Ahorns der provisorische
Zugang zurückgebaut und das Terrain (Waldareal) instand gestellt werde, sei das
Waldgesetz nicht verletzt.
c) Einigkeit besteht vorliegend darin, dass der Baum entfernt werden musste. Indem die
Beschwerdeführenden zur Entfernung des Baums einen neuen Weg bzw. Zugang zum
Gewässer bauen liessen, haben sie mehr als allenfalls notwendige provisorische
Massnahem ergriffen. Das TBA OIK I legt nachvollziehbar dar, dass die vorgenommenen
Bauarbeiten eine wasserbaupolizeiliche Ausnahmebewilligung benötigen und eine solche
nicht erteilt werden könnte. Die summarische Prüfung ergibt daher, dass das Vorhaben
bereits aus diesem Grund nicht bewilligungsfähig ist und der Neubau des befestigten Wegs
bzw. Zugangs zum Gewässer materiell rechtswidrig ist. Es kann daher offen gelassen
werden, ob die weitere Bewilligungen (insb. Rodungsbewilligung und Ausnahmebewilligung
nach Art. 24 RPG) erteilt werden könnten.
5. Wiederherstellung
a) Wird ein Bauvorhaben ohne Baubewilligung oder in Überschreitung einer
Baubewilligung ausgeführt oder werden bei der Ausführung eines bewilligten Vorhabens
Vorschriften missachtet, so setzt die Baupolizeibehörde eine angemessene Frist zur
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands unter Androhung der Ersatzvornahme (Art.
46 Abs. 1 und 2 BauG).
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b) Für den Neubau des befestigten Wegs bzw. Zugangs zum Gewässer liegt keine
Bewilligung vor. Diese könnte – gestützt auf eine summarische Prüfung – auch
nachträglich nicht erteilt werden (vgl. Erwägung 4). Der befestigte Weg bzw. Zugang zum
Gewässer ist insoweit formell und materiell rechtswidrig.
c) Steht die Widerrechtlichkeit einer Baute oder Anlage fest, so ist darüber zu
entscheiden, ob die Wiederherstellungsverfügung das bundesrechtliche Prinzip der
Verhältnismässigkeit nicht verletzt. Die Anordnung darf deshalb nicht weiter gehen, als zur
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes notwendig, und die mit der
Wiederherstellung verbundene Belastung des Pflichtigen muss durch ein genügendes
öffentliches Interesse gerechtfertigt sein.17 Die Wiederherstellung des rechtmässigen
Zustands kann unterbleiben, wenn die Abweichung vom Erlaubten nur unbedeutend ist
oder die Wiederherstellung nicht im öffentlichen Interesse liegt, ebenso, wenn der Bauherr
in gutem Glauben angenommen hat, die von ihm ausgeübte Nutzung stehe mit der
Baubewilligung im Einklang.18
d) Gutgläubig kann eine Bauherrschaft sein, wenn sie bei zumutbarer Aufmerksamkeit
und Sorgfalt annehmen durfte, sie sei zur Bauausführung berechtigt. Die
Beschwerdeführenden haben den Weg erstellen lassen, um die anerkanntermassen nötige
Entfernung des Baumes durchzuführen. Sie haben dabei aber mehr als die allenfalls
notwendigen provisorischen Massnahmen getroffen. Unter diesen Umständen durften sie
nicht davon ausgehen, sie seien zur Bauausführung berechtigt. Zudem ist der Baum
mittlerweile entfernt, daher besteht diesbezüglich kein privates Interesse an der
Beibehaltung des Weges mehr. Dementsprechend kann ihren privaten Interessen an der
Beibehaltung des bestehenden Zustandes nur wenig Gewicht beigemessen werden. Die
öffentlichen Interessen überwiegen somit die privaten Interessen. Dies gilt umso mehr, als
das TBA OIK I nachvollziehbar ausführt, dass die Hochwassersicherheit durch die
baulichen Veränderungen beeinträchtigt wird (vgl. Erwägung 4b).
e) Die angeordnete Wiederherstellungsmassnahme muss zudem verhältnismässig, also
geeignet, erforderlich und zumutbar sein. Geeignet ist eine Massnahme dann, wenn damit
17 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 9; BVR 2013 S. 85 E. 5.1 18 BGE 132 II 21 E. 6
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der gewünschte Erfolg herbeigeführt werden kann. Erforderlich sein bedeutet, dass die
gewählte Massnahme nicht weiter geht, als zur Herstellung des rechtmässigen Zustandes
nötig ist. Ausserdem muss die mit der Wiederherstellung verbundene Belastung der
Pflichtigen für diese zumutbar sein, d.h. die Belastung für den Pflichtigen muss in einem
vernünftigen Verhältnis zum verfolgten Ziel stehen.19
Die Gemeinde Oberhofen am Thunersee forderte die Beschwerdeführenden auf, die
ausgeführten Arbeiten rückgängig zu machen, d.h. sämtliche Vorkehren für den Weg (Holz
und Verbundsteine) zu entfernen und den rechtmässigen Zustand (wie vor Baubeginn)
wiederherzustellen. Der Rückbau des erstellten Weges bzw. Zuganges zum Gewässer ist
geeignet, um den rechtmässigen Zustand wiederherzustellen. Mildere Massnahmen, mit
denen dasselbe Ziel erreicht werden könnte, sind nicht ersichtlich. Die zu erwartenden
Kosten bzw. Nachteile der Wiederherstellung sind auch zumutbar.
Der angeordnete Rückbau erweist sich damit als verhältnismässig. Da die von der
Gemeinde angesetzte Wiederherstellungsfrist von rund zwei Monaten abgelaufen ist, setzt
sie die BVE neu bis Ende Februar 2020 an. Zudem hat die Gemeinde im vorinstanzlichen
Entscheid neben der Parzelle Nr. E._ versehentlich die Parzelle Nr. F._
statt die ebenfalls betroffene Nr. G._ aufgeführt. Dieser Kanzleifehler wird im
vorliegenden Verfahren von Amtes wegen berichtigt und die Grundbuchblatt-Nummer
entsprechend angepasst.20
6. Kosten
a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführenden. Sie
haben die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf
eine Pauschalgebühr von Fr. 800.– (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV21).
b) Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 Abs. 1 und 4 VRPG).
19 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 9c 20 Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Auflage 2016, N. 1221 21 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
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