# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 277b2853-1bc1-4fbe-95eb-2f35e622ff60
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1967, war ab dem 1. Oktober 2010 als
IT-
Support-Verantwortlicher bei der
Y._
AG angestellt und im Rahmen dieser Anstel
lung bei der Pensionskasse
Y._
(nachfolgend: Vorsorgestiftung) berufs
vor
sorgeversichert (Urk. 14/2, Urk. 17/2). Nachdem der Versicherte ab dem 8. Juni 2011 zu 100 % krankgeschrieben war (Urk. 17/1-2), kündigte er das Arbeitsver
hältnis am 21. Juni 2011 per 31. Juli 2011 (Urk. 14/5). Am 15. Juli 2011 (Ein
gangsdatum IV-Stelle) meldete die Arbeitgeberin den Versicherten unter Hinweis auf ein Burnout bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zur Früherfassung an (Urk. 17/2), welche dieselbe mangels Interventionsbedarf
s
am 25. Juli 2011 abschloss (Urk. 17/6). In der Folge absolvierte der Versicherte eine Ausbildung
zum
Taxifahrer, schloss diese am 7. März 2012 erfolgreich ab, vermochte das Arbeitsverhältnis mit der
Z._
AG nach durchlaufener Ein
führung jedoch nicht anzutreten (Urk. 1 S. 6, Urk. 2/4, Urk. 14/10). Am 23. Mai 2012 (Eingangsdatum IV-Stelle) meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome sowie ein Erschöp
fungssyndrom (Burnout) bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (Urk. 17/9). Von Januar 2013 bis August 2014 nahm der Versicherte an verschiedenen von der IV-Stelle zugesprochenen Eingliederungsmassnahmen teil (Belastbarkeit
s
trai
ning 14. Januar bis 12. April
2013 [Urk. 17/29, Urk. 17/51]; Aufbautraining 13. April bis 13. Oktober 2013 [Urk. 17/46, Urk. 17/61]; Arbeit zur Zeitüberbrück
ung 14. Oktober 2013 bis 5. Januar 2014 [Urk. 17/68, Urk. 17/79]; Arbeitstrai
ning mit Job-Coaching ab 6. Januar 2014, zugesprochen bis am 30. September 2014 [Urk. 17/74, Urk. 17/84]). Nach einer Verschlechterung des Gesund
heits
zu
standes wurden die Eingliederungsmassnahmen per 22. August 2014 abge
broche
n (Urk. 17/91). Mit Verfügung vom 30. November 2015 (Urk. 17/142) lehnte die IV-Stelle einen Leistungsanspruch des Versicherten ab. Die dagegen erhobene Be
schwerde hiess das hiesige Sozialversicherungsgericht mit Urteil vom 14. August 2017 in dem Sinne gut, als es die angefochtene Verfügung aufhob und die Sache zu ergänzenden Abklärungen und neuem Entscheid an die IV-Stelle zurückwies (Urk. 17/154). Nachdem die IV-Stelle im Zuge der Umsetzung dieses Urteils insbesondere ein psychiatrisches Gutachten bei Dr. med.
A._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, eingeholt hatte (Expertise vom 24. Mai 2018 [Urk. 17/173]), verneinte sie einen Leistungsanspruch mit Verfügung vom 1. Oktober 2018 erneut (Urk. 17/181), wogegen der Kläger am 1. November 2018 Beschwerde erhob (Urk. 17/183/3-13). Mit Urteil vom 8. Juli 2019 hiess das
Sozialversicherungsgericht die Beschwerde gut und stellte fest, dass der Versi
cherte von September 2014 bis Juni 2015 Anspruch auf eine ganze und ab Juli
2015 Anspruch auf eine Dreiviertelsrente der Invalidenversicherung hat (Urk. 17/188).
Die Vorsorgestiftung wurde zum gerichtlichen Verfahren beigela
den, liess sich aber nicht vernehmen (Urk. 17/188/3).
1.2
In der Folge meldete der Versicherte bei der Vorsorgestiftung Ansprüche auf eine Invalidenrente an, was diese ablehnte (Urk. 2/3).
2.
Am 7. April 2020 erhob
X._
beim hiesigen Gericht Klage gegen die Pensionskasse
Y._
und beantragte, die Beklagte sei zu verpflichten, ihm eine Rente zuzusprechen, zuzüglich 5 % Verzugszinsen ab Klageerhebung. In prozessualer Hinsicht beantragte er den
Beizug
der Akten der Invalidenver
si
cherung sowie die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung
(Urk. 1 S. 2). Die Beklagte beantragte mit Klageantwort vom 15. Juli 2020 die Abweisung der Klage und ersuchte ebenfalls um
Beizug
der Akten der Invalidenversicherung (Urk. 13). Mit Verfügung vom 21. Juli 2020 zog das Gericht die Akten der Inva
lidenversicherung bei (Urk. 15). Mit Verfügung vom 30. Juli 2020 wurde das Ge
such des Klägers um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung
be
willigt und ihm Rechtsanwältin Lotti Sigg als unentgeltliche Rechtsvertreterin für das vorliegenden Verfahren bestellt (Urk. 18). Im Rahmen des zweiten Schriften
wechsels (Replik vom 8. Oktober 2020 [Urk. 20] und Duplik vom 1. Dezember 2020 [Urk. 24], dem Kläger zugestellt mit Verfügung vom 7. Dezember 2020 [Urk. 25]) hielten die Parteien jeweils an ihren Anträgen fest.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art.
24 Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die berufliche Alters-, Hinter
lasse
nen- und Invalidenvorsorge (BVG)
hat der Versicherte Anspruch auf eine volle Invalidenrente, wenn er im Sinne der Invalidenversicherung mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn er mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn er mindestens zur Hälfte und auf eine Viertelsrente, wenn er mindestens zu 40 % invalid ist. Gemäss
Abs.
1 von
Art.
26 BVG gelten für den Beginn des An
spruchs auf Invalidenleistungen sinngemäss die entsprechenden Bestimmungen des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (Art.
29
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung
,
IVG
). Die Invalidenleistungen nach BVG werden
von derjenigen Vorsorgeeinrichtung geschuldet, welcher die den Anspruch erhe
bende Person bei Eintritt des versicherten Ereignisses angeschlossen war. Im Be
reich der obligatorischen beruflichen Vorsorge fällt dieser Zeitpunkt nicht mit dem Eintritt der Invalidität nach IVG, sondern mit dem Eintritt der Arbeits
unfähigkeit zusammen, deren Ursache zur Invalidität geführt hat (vgl.
Art.
23 BVG). Auf diese Weise wird dem Umstand Rechnung getragen, dass die ver
si
cherte Person meistens erst nach einer längeren Zeit der Arbeitsunfähigkeit (nach einer Wartezeit von einem Jahr gemäss
Art.
28
Abs.
1 lit. b IVG in Verbindung mit
Art.
26 BVG) invalid wird. Damit nämlich der durch die zweite Säule be
zweckte Schutz zum Tragen kommt, muss das Invaliditätsrisiko auch dann ge
deckt sein, wenn es rechtlich gesehen erst nach einer langen Krankheit eintritt, während welcher die Person unter Umständen aus dem Arbeitsverhältnis ausge
schieden ist und daher nicht mehr dem
Obligatorium
unterstanden hat (BGE 123 V 262 E. 1b, 121 V 97 E. 2a, 120 V 112 E. 2b, je mit Hinweisen).
1.2
Art.
23 BVG kommt auch die Funktion zu, die Haftung mehrerer Vorsorge
ein
richtungen gegeneinander abzugrenzen, wenn eine in ihrer Arbeitsfähigkeit be
reits beeinträchtigte versicherte Person ihre Arbeitsstelle (und damit auch die Vorsorgeeinrichtung) wechselt und ihr später eine Rente der Invalidenver
siche
rung zugesprochen wird. Der Anspruch auf Invalidenleistungen nach
Art.
23 BVG entsteht in diesem Fall nicht gegenüber der neuen Vorsorgeeinrichtung, sondern gegenüber derjenigen, welcher die Person im Zeitpunkt des Eintritts der invalidi
sierende
n Arbeitsunfähigkeit angehörte.
Damit eine Vorsorgeeinrichtung, der eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer beim Eintritt der Arbeitsunfähigkeit angeschlossen war, für das erst nach Been
digung des Vorsorgeverhältnisses eingetretene Invaliditätsrisiko aufzukommen hat, ist indes erforderlich, dass zwischen Arbeitsunfähigkeit und Invalidität ein enger sachlicher und zeitlicher Zusammenhang besteht (BGE 130 V 270 E. 4.1). In sachlicher Hinsicht liegt ein solcher Zusammenhang vor, wenn der der Inva
lidität zu Grunde liegende Gesundheitsschaden im Wesentlichen derselbe ist, der zur Arbeitsunfähigkeit geführt hat. Sodann setzt die Annahme eines engen zeit
lichen Zusammenhangs voraus, dass die versicherte Person nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit nicht während längerer Zeit wieder arbeitsfähig wurde. Die frühere Vorsorgeeinrichtung hat nicht für Rückfälle oder Spätfolgen einer Krank
heit einzustehen, die erst Jahre nach Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit eintreten.
(intern: Einschub)
Bei der Prüfung dieser Frage sind die gesamten Umstände des konkre
ten Einzelfalles zu berücksichtigen, namentlich die Art des Gesundheitsschadens, dessen prognostische Beurteilung durch den Arzt sowie die Beweggründe, welche die versicherte Person zur Wiederaufnahme oder
Nichtwiederaufnahme der Arbeit veranlasst haben. Zu den für die Beurteilung des zeitlichen Konnexes relevanten Umständen zählen auch die in der Arbeitswelt nach
aussen
in Erscheinung tre
tenden Verhältnisse
(BGE 134 V 20 E. 3.2.1 mit Hinweisen).
Eine Unterbrechung des zeitlichen Konnexes ist grundsätzlich dann anzunehmen, wenn während mehr als dreier Monate eine Arbeitsfähigkeit von über 80 % in einer angepassten Erwerbstätigkeit gegeben ist (BGE 144 V 58 E. 4.5), sofern sich eine dauerhafte Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit als objektiv wahrscheinlich darstellt (BGE 134 V 20 E. 3.2.1). Anders verhält es sich, wenn die fragliche, allenfalls mehr als dreimonatige Tätigkeit als Eingliederungsversuch zu werten ist oder
massgeblich
auf sozialen Erwägungen des Arbeitgebers beruhte und eine dauerhafte Wieder
eingliederung unwahrscheinlich war (BGE 134 V 20 E. 3.2.1; 123 V 262 E. 1c; zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 9C_271/2020 vom 6. November 2020 E. 2.2).
1.3
Aus der engen Verbindung zwischen dem Recht auf eine Rente der Invaliden
ver
sicherung und demjenigen auf eine Invalidenleistung nach BVG ergibt sich, dass der Invaliditätsbegriff im obligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge und in der Invalidenversicherung grundsätzlich der gleiche ist (BGE 123 V 269 E. 2a, 120 V 106 E. 3c, je mit Hinweisen).
Praxisgemäss sind daher die Vorsorgeeinrichtungen im Bereich der gesetzlichen Mindestvorsorge (
Art.
6 BVG) an die Feststellungen der IV-Organe (Eintritt der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit, Eröffnung der Wartezeit, Festsetzung des Invaliditätsgrades) gebunden, soweit die IV-rechtliche Betrachtung aufgrund einer gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhaltbar erscheint (BGE 126 V 309 E. 1 in fine). Diese Konzeption fusst auf der Überlegung, die Organe der (obligatorischen) beruflichen Vorsorge von eigenen aufwändigen Ab
klärungen freizustellen, und gilt nur bezüglich Feststellungen und Beurteilungen der IV-Organe, welche im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend waren (BGE 132 V 1 E. 3.2). So hat beispielsweise eine verspätete Anmeldung zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung rechtsprechungsgemäss die freie Überprüfbarkeit
des leistungserheblichen Sachverhaltes durch die Vorsorgeeinrichtung bezie
hungs
weise das Berufsvorsorgegericht zur Folge (Urteil des Bundesgerichts 9C_49/2010 vom 2
3.
Februar 2010 E. 2.1).
2.
2.1
Der Kläger erklärte zur Begründung seiner Klage im Wesentlichen (Urk. 1 und Urk. 20), Dr. med.
B._
, Facharzt FMH für Kinder- und Jugendpsy
chiatrie und -
psychotherapie, sei in seinem Bericht vom 29. August 2012 davon ausgegangen, dass
d
er
Kläger
bereits im Zeitpunkt der Kündigung im Juli 2011 an einer mittelgradigen bis schweren depressiven Erkrankung gelitten habe und seither zum grössten Teil arbeitsunfähig gewesen sei. Nach dem Austritt aus der
Y._
AG sei er nie wieder vollständig arbeitsfähig gewesen. In diesem Zu
sammenhang sei auch zu beachten, dass der Kläger das Arbeitsverhältnis mit der
Y._
AG auf ärztlichen Rat hin aufgelöst habe und er von dieser bei der IV-Stelle zur Früherfassung angemeldet worden sei. Für die Absolvierung der Aus
bildung zum Taxifahrer habe er überdurchschnittlich lange gebraucht und sei hernach aus gesundheitlichen Gründen nie in der Lage gewesen, dieser Arbeit nachzugehen. Gestützt auf die Akten sei erstellt, dass die Einbusse des funktio
nellen Leistungsvermögens im bisherigen Beruf, welche schliesslich zur Beren
tung geführt habe, während dem Versicherungsverhältnis mit der Beklagten ein
getreten sei. Damit sei der zeitliche Konnex nach Art. 23 lit. a BVG gegeben. Dies insbesondere auch unter Berücksichtigung, dass es genüge, wenn durchgehend mindestens eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen sei.
2.2
Die Beklagte erklärte zur Begründung ihres Antrages auf Ablehnung ihrer Leis
tungspflicht (Urk. 13 und Urk. 24), der Kläger sei ab August 2011 während acht Monaten vollständig arbeitsfähig gewesen, insbesondere auch in angepassten Tätigkeiten. So habe er während circa sieben Monaten die Ausbildung zum Taxi
fahrer
durchlaufen
und die diesbezügliche Prüfung mit Erfolg abgeschlossen. Ganz offensichtlich sei die depressive Störung des Klägers damals – also während mindestens acht Monaten – remittiert gewesen. Am 29. März 2012 sei der Kläger erstmals wieder arbeitsunfähig geschrieben worden. Die psychiatrische Behand
lung bei Dr.
B._
sei erst dann aufgenommen worden, weshalb dieser keine Arbeitsunfähigkeiten vor März 2012 bestätigen könne. Echtzeitliche fachärztliche Aussagen, die eine Arbeitsunfähigkeit in der Zeit ab dem 1. August 2011 bis Ende
März 2012 belegen würden, fehlten gänzlich. Dass erst ab März 2012 eine Arb
eits
unfähigkeit sowohl in der bisherigen als auch in angepassten Tätigkeiten eintrat,
sei auch von den Gutachtern Dr.
A._
und Prof. Dr. med.
C._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Neurologie, festgehalten worden. Die acht Monate dauernde Wiedererlangung der Arbeits
fähigkeit habe den engen zeitlichen Zusammenhang zwischen der heute beste
henden Invalidität und der im Sommer 2011 eingetretenen, zweimonatigen Arbeits
unfähigkeit unterbrochen. Wollte man aber annehmen, dass der Kläger effektiv durchgehend arbeitsunfähig gewesen wäre, so müsste seine Tätigkeit für die
Y._
AG als gescheiterter Arbeitsversuch betrachtet und eine vorbeste
hende Arbeitsunfähigkeit angenommen werden.
3.
3.1
In einem zuhanden der Arbeitgeberin erstatteten Zeugnis vom 16. Juni 2011 attestierte
Dr.
med.
D._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin,
dem Kläger eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 8. Juni bis am 30. Juli 2011
(Urk. 17/1
/1
)
. Zuhanden der
regionalen Arbeitsvermittlung (RAV)
bestätigte Dr.
D._
am 16. Juni 2011, dass der Kläger die Stelle aus gesundheitlichen Gründen
und auf sein ärztliches Anraten hin
gekündigt habe. Die körperlichen und psychischen Be
schwerden hätten ihre Ursache im
Arbeitsplatz
des Klägers
und würden keinen anderen Schritt zulassen (Urk. 17/1/2). Bei den Akten liegt sodann eine weitere von Dr.
D._
zuhanden des RAV ausgestellte Bestäti
gung (ebenfalls datierend vom 16. Juni 2011), in welcher
–
über das in der davor erwähnten Be
stätigung (Urk. 17/1/2) hinaus –
festgehalten wird, der Kläger könne (aktuell und in der Zukunft) nicht mehr in der Informatikbranche arbeiten (Urk. 14/6).
3.2
Dr.
B._
stellte in seinem
Bericht vom 29. August 2012
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(Urk. 17/18
/1):
-
Anfänglich: mittelgradige bis schwere depressive Erkrankung (
ICD-10 F32.1/F32.2); Heute: leichte depressive Erkrankung (ICD-10 F32.0)
-
Erschöpfungssyndrom (ICD-10 Z73.0)
Der Kläger befinde sich seit dem 29. März 2012 bei ihm in Behandlung, derzeit würden zwei Sitzungen pro Woche stattfinden. Aufgrund des bisherigen Verlaufs sei von
einer
günstigen
Prognose
der depressiven Erkrankung auszugehen (Urk. 17/18/2). Seit Mai
2012
arbeite der Kläger zweimal wöchentlich 6.5 Stunden in der Küche
eines Restaurants
. Durch Psychotherapie und Medikamente könne eine Besserung der Depression und dadurch eine Steigerung der Leistungs
fähig
keit bewirkt werden
.
Es könne mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätig
keit gerechnet werden
(Urk. 17/18/3).
Das Konzentrations-
und
Auffassungs
vermögen sowie die Belastbarkeit seien krankheitshalber eingeschränkt
. Die Angaben würden seit dem 29. März 2012 gelten
(Urk. 17/18/4).
Offensichtlich habe beim
Kläger
bereits während seiner Anstellung bei der
Y._
AG eine mittelschwere bis schwere Depression bestanden. Er habe sich dauernd niedergeschlagen gefühlt, unter Interessenverlust an normalerweise an
ge
nehmen Tätigkeiten gelitten, wenig Antrieb gehabt und sei sehr schnell müde geworden. Er habe an die Möglichkeit gedacht, seinem
Leben selber ein Ende zu setzen,
habe Schwierigkeiten mit der Konzentration gehabt und sich kaum noch entscheiden können. Sein Schlaf sei gestört gewesen, sein Appetit grösser als früher und sein
Selbstwertgefühl habe angefangen zu bröckeln.
Der Kläger habe realisiert, dass er auf keinen Fall mehr in der Informatik arbeiten könne. Seine einzige Möglichkeit, weiter für sein Leben zu sorgen, habe er im Taxi fahren gesehen. Ab Juni 2011 habe er eine Ausbildung zum Taxifahre
r
begonnen, mit der er krankheitshalber grosse Mühe gehabt habe
. An seinem ersten Arbeitstag im März 2012 habe er sich total überfordert gefühlt und darauf mit einem de
pressiven Zusammenbruch mit Suizidgedanken reagiert. Nach einer Behandlung im
Z
entrum
E._
sei der Kläger
zu Beginn der
Psychotherapie
schwer depressiv gewesen und habe ein starkes Erschöp
fungs
syndrom gehabt. Die ihm angebotenen zwei Sitzungen pro Woche habe er als sehr
beschützend erlebt. Seine Depre
ssion habe sich schnell gebessert und er sei nur noch mittelgradig depressiv
gewesen
. Inzwischen sei es zu einer weiteren Besserung gekommen: Der
Kläger
se
i noch leicht depressiv
, sage aber, dass er sich auf dünnem Boden befinde. Wenn etwas Belastendes geschehen würde, würde er wieder
depressiv reagieren (Urk. 17/1
8/5).
In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Informatiker bestehe seit dem 16. Juni 2011
(siehe ärztliches Zeugnis) eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Der Kläger werde nicht mehr in der Computerbranche arbeiten könne
n
. In einer angepassten beruf
lichen Tätigkeit bestehe im August 2012 eine Arbeitsunfähigkeit von 75 %, vor
aussichtlich
könne
er
die
Arbeitsunfähigkeit
bis Ende 2012
auf
20 %
reduzieren
. Es bestehe eine reduzierte psychische Leistungsfähigkeit. Aufgrund der psychi
schen Einschränkung
en
sei der Kläger vorübergehend auch kognitiv nicht voll leistungs
fähig. Die Anforderungen des bisherigen
Berufes, das Arbeiten unter ständigem Druck, sowie das Erarbeiten immer neuen Know
-h
ows sei
en
dem Kläger unmöglich. Er habe die
F._
wegen Überforderung verlassen und habe sich dann in den zwei folgenden Stellen auch überfordert gefühlt.
In einem neuen Beruf könne –
im Gege
nsatz zur bisherigen Tätigkeit –
mit der Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit gerechnet werden.
Der Kläger benötige berufliche Mass
nahmen, d
amit die gesundheitlichen Einschränkungen durch berufliche Belastun
gen
nicht wieder auftreten würden
(Urk. 17/18/6-7).
3.3
I
n seinem psychiatrischen Gutachten vom
24. Mai 2018
stellte Dr.
A._
fol
gen
de Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(Urk. 17/173
/43
)
:
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichtgradige Episode (ICD-10 F33.0)
-
Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit selbstunsicheren und zwang
haf
ten Anteilen (ICD-20 F61.0)
-
Anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.5)
Insgesamt sei davon auszugehen, dass der Kläger trotz dem Vorliegen der kombi
nierten Persönlichkeitsstörung jahrelang in der Lage gewesen sei, erfolgreich beruflich tätig zu sein. Dies jedoch zum Preis, dass sein Privatlebe
n und seine Freizeitaktivitäten
sowie auch seine sozialen Kontakte deutlich zu kurz gekom
men seien. Mit zunehmendem Alter hätten sich auch
seine
Kompen
sa
tionsmög
lichkeiten reduziert. Zusätzlich habe der Druck bei der Arbeit zuge
nommen und der Hausarzt habe ihm bei der Erstdiagnose der
Hämochromatose
dringend dazu geraten,
nicht
übermässig
Alkohol zu konsumieren, was der Kläger bis anhin jeweils an den Wochenenden zur Stressreduktion getan habe. Aus diesen Gründen sei ersichtlich, weshalb
sein
fragile
s
Kompensationssystem ab spätestens 2011 dekompensiert sei und sich seither eine rezidivierende depressive Störung eta
bliert habe. Zusätzlich müsse davon ausgegangen werden, dass sich während den letzten drei Jahren eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung entwickelt habe.
Der Kläger stehe
seit 2012 regelmässig in ambulanter psycho
therapeu
ti
scher und psychopharmakologischer Behandlung. Dabei sei es zu einer deutlichen Reduktion der depressiven Symptomatik gekommen, welche anfän
g
lich regel
mässig als mittelgradig bis
schwergradi
g
eingestuft worden sei
(Urk. 17/173/47).
In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Supportverantwortlicher (Teamleiter eines Hotline Teams) sei der Kläger aktenanamnestisch ab März 2012
als
zu 100 % arbeitsunfähig zu beurteilen. Dieses Ausmass der Arbeitsunfähigkeit komme da
durch zustande, dass seither unterschiedlich stark ausgeprägte depres
sive Epi
so
den
aufgetreten seien und die Symptome der kombinierten Persönlich
keits
stö
rung dekompensiert seien.
So hätten die zwanghaften und selbstun
siche
ren Per
sön
lichkeitsanteile immer mehr zeitlichen Aufwand benötigt, was die Leis
tungs
fähigkeit des Klägers reduziert
habe
und die Kompensationsmechanismen
habe
insuffizient werden lassen. Aus diesem Grund habe sich der Kläger immer mehr zurückgezogen, habe Freizeitaktivitäten aufgegeben und einen dysfunktio
nalen Alkoholkonsum betrieben. Dies alles habe zu einer deutlich reduzierten Belast
barkeit geführt. In einer angepassten Tätigkeit, das heisse in einer Tätigkeit, bei welcher klar strukturierte Arbeitsschritte oder Aufgaben vorgegeben würden, keine intensiven zwischenmenschliche
n
Beziehungen bestünden und der Kläger keine schweren körperlichen Leistungen leisten müsste, sei jedoch eine 50%ige Arbeitsfähigkeit seit dem letzten Gutachten im April 2015 anzunehmen (Urk. 17/173/48-49).
4.
4.1
4.1
.1
Im Zusammenhang mit der Prüfung der Leistungspflicht der
Beklagten ist zu klären, ob dem Urteil des Sozialversicherungsgerichts vom 8. Juli 2019, mit wel
chem dem Kläger
von September 2014 bis Juni 2015
eine ganze Rente
sowie ab Juli 2015 eine Dreiviertelsrente
der Invalidenversicherung
zugesprochen wurde
(Urk.
17/188
), hinsichtlich der Eröffnung der Wartezeit
im März 2012 (vgl.
Urk. 17/188/19)
im vorliegenden Verfahren Bindungswirkung zukommt (vgl. E.
1.3).
4.
1.
2
Der Kläger
meldete sich am
23. Mai 2012
bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (Urk. 1
7/9
), womit
sein
invalidenversicherungsrechtlicher Rentenanspruch gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens per 1.
November 2012
entstehen konnte, sofern in diesem Zeitpunkt die Wartezeit nach Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG erfüllt war.
Dementsprechend
war der Gesundheitszustand
des Klägers
vor dem
1. November 2011
für die Festlegung des Anspruchs
auf eine Invalidenrente für die
I
V-Stelle nicht entscheidend
.
Da in der Zeitspanne von November 2011 bis
zur Aufnahme der Behandlung durch Dr.
B._
am 29.
März 2012 keine ärztlichen Berichte
erstattet
wurden und
der Kläger
den Eintritt der Arbeits
unfähigkeit
in seiner Anmeldung zum Leistungsbezug
auf den
23. März 2012 terminierte
(Urk. 17/9/4)
,
erübrigten sich für die IV-Stelle
weitere Abklärungen
dazu, ob beim Kläger bereits vor März 2012 eine Arbeitsunfähigkeit
bestanden
hatte.
4.
1.
3
Vor diesem Hintergrund –
und unter Berücksichtigung, dass d
er Kläger vorliegend vom 1. Oktober 2010 bis am 31. August 2011 (
mitsamt der
Nachdeckungsfrist gemäss Art. 10 Abs. 3 BVG) bei der Beklagten berufsvorsorgeversichert
war
(Urk. 14/2, Urk. 14/5
)
–
ist
das Urteil des Sozialversicherungsgerichts vom 8. Juli 2019
hinsichtlich dem Zeitpunkt
der Eröffnung der Wartezeit
nicht bindend und der leistungserhebliche Sachverhalt durch das Gericht frei überprüfbar (E. 1.3).
Die Beiladung der Beklagten im IV-Verfahren bleibt f
ür die Beurteilung, ob dem Kläger
ihr gegenüber
ein Leistungsanspruch
aus beruflicher Vorsorge zusteht, demzufolge
ohne Relevanz
.
4.2
Eine Leistungspflicht der Beklagten
fällt vorliegend nur in Betracht, wenn der enge zeitliche Zusammenhang zwischen der ursprünglichen Arbeitsunfähigkeit und der hernach eingetretenen Invalidität zwischenzeitlich nicht unterbro
chen wurde
.
Unter den Parteien
unbestritten
geblieben ist, dass beim Kläger
vom 8. Juni 2011 bis am 31. Juli 2011
–
somit während bestehender Versicherungs
deckung bei der B
eklagten (vgl. davor E. 4.1.3) –
eine Arbeitsunfähigkeit in der
bisherigen Tätigkeit
bestand
(Urk. 13 S. 7-8)
.
Umstritten
ist die Arbeitsfähigkeit des Klägers
in der Zeit zwischen der Beendigung des Arbeitsverhältnisses mit der
Y._
AG (31. Juli 2011
; Urk. 14/5
)
sowie
dem fachärztlich festgestellten psychischen Leiden (29. März 2012
; E. 3.2, E. 3.3
)
und gestützt darauf die Frage, ob
der
zeitliche
Zusammenha
ng
zwischen der Arbeitsunfähigkeit und der
hernach
eingetreten
en
Invalidität
unterbrochen wurde
(vgl. E. 1.2)
.
4.
3
4.3.1
Vorweg ist darauf hinzuweisen,
dass sich d
er zeitliche Zusammenhang
zwischen der Arbeitsunfähigkeit im Sinne von
Art. 23 lit. a BVG (als Einbusse an funk
tionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf)
zur später eingetretenen Inva
lidität n
ach der Arbeitsunfähigkeit respektive
Arbeitsfähigkeit in einer der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung angepassten zumutbaren Tätigkeit
beurteilt
. Da
runter fallen auch leistungsmässig und vom Anforderungsprofil her vergleichbare Ausbildungen. Diese Tätigkeiten müssen bezogen auf die angestammte Tätigkeit die Erzielung eines rentenausschliessenden Einkommens erlauben
(Stauffer Hans-Ulrich, in: Stauffer Hans-Ulrich/
Cardinaux
Basile (Hrsg.), Rechtsprechung des Bundesgerichts zur beruflichen Vorsorge, BVG / FZG / ZGB /
OR
/
FusG
/ ZPO, 4. Aufl., Zürich - Basel - Genf 2019, Art. 23 Leistungsanspruch, S. 96 mit Hinweis auf BGE 134 V 20 E. 6
;
vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 9C_623/2017 vom 26. März 2018 E. 3
).
4.3.2
Ein echtzeitliches Attest für eine relevante Arbeitsunfähigkeit nach der per 25. Juli
2011 abgeschlossenen Früherfassung (Urk. 17/6) ist nicht aktenkundig. Soweit Dr.
B._
mit Bericht vom 29. August 2012 unter Hinweis auf das Zeugnis von Dr.
D._
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit ab dem 16. Juni 2011 in der bisherigen Tätigkeit in der Informatik attestierte (E. 3.2), vermag dies die Anforderung an eine echtzeitliche ärztliche Bestätigung nicht zu erfüllen, befand sich der Kläger doch erstmals am 29. März 2012 bei Dr.
B._
in Behandlung. Für die hier interessierende Frage ist die Arbeitsfähigkeit des Klägers in bisheriger Tätigkeit denn ohnehin nicht (einzig) ausschlaggebend, sondern ist vielmehr von Bedeutung, ob während längerer Zeit eine Arbeitsfähigkeit von über 80 % in angepasster Tätigkeit gegeben war (E. 1.2), was, wie nachfolgend dargelegt, zu
trifft. Gemäss Bericht von Dr.
B._
vom 29. August 2012 bestand denn eine Einschränkung in angepasster Tätigkeit erst seit dem 29. März 2012, wobei auf
grund des bisherigen Verlaufs von einer günstigen Prognose auszugehen und eine schrittweise Steigerung der Arbeitsfähigkeit zu berücksichtigen sei (E.
3.2, Urk.
17/18/2, 4; vgl. auch Urk.
17/101/2, wonach der behandelnde Psychiater unter Hinweis auf den vorgenannten Bericht eine Arbeitsunfähigkeit erst ab dem
29. März 2012 attestierte). Dass sich eine relevante Einbusse der Leistungsfähig
keit erst ab Aufnahme der psychiatrischen Behandlung am 29. März 2012 belegen lässt, ergibt sich auch aus den hernach erstatteten Berichten,
welche sich mit der –
im Rahmen der Beurteilung des zeitlichen Zusammenhangs ebenfalls zu be
rücksichtigenden (Urteil des Bundesgerichts vom 18. Februar 2014 9C_569/2013
E. 5.3 mit Hinweisen) –
gesamthaften Entwicklung der psychischen Pathologie und der Auswirkung auf die Leistungsfähigkeit des Klägers befassen.
So erach
teten die beiden psychiatrischen Gutachter Prof.
C._
und Dr.
A._
eine andauernde Arbeitsunfähigkeit jeweils erst im März 2012 als eingetreten (E. 3.3,
Urk. 17/123/47), obwohl ihnen bekannt war,
das
s
Dr.
D._
bereits am 16.
Juni 2011 eine vollumfängliche Arbeitsunfähigke
it attestiert hatte (vgl. Urk. 17/1
23/5,
Urk. 17/173/9-10
). Soweit
Dr.
A._
dabei fest
hielt
,
das
infolge der kombi
nier
ten Persönlichkeitsstörung
fragile Kompensationssystem des Klägers sei
ab spä
tes
tens 2011 dekompensiert und seither habe sich eine rezidivierende depressive Störung etabliert
(E. 3.3)
, vermag dies zwar den –
von Seiten der Beklagten ohne
hin nicht
konkret
in Zweifel gezogenen –
sachlichen Zusammenhang zwi
schen der ursprünglichen Arbeitsunfähigkeit und der eingetretenen Invalidität zu er
stellen
.
Daraus lässt sich indes nicht auf eine über die Beendigung des Arbeits
verhältnisses mit der
Y._
AG andauernde Einschränkung in der funktio
nellen Leistungsfähigkeit schliessen, zumal Dr.
A._
e
ine
solche
, im Zusam
menhang mit seither aufgetretenen depressiven Episoden,
erst als seit
März 2012 eingetreten
erachtete
(E. 3.3)
. G
emäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung
steht denn
selbst das Vorliegen eines mehrfach stationär behandelten,
chronifizierten
psychischen Leidens der Annahme längerer Phasen uneingeschränkter Arbeits
fähi
gkeit nicht per se entgegen
(Urteil des Bundesgerichts 9C_45
0/2020 vom
26. November
2020 E.
4.3).
Die übereinstimmende
n
Beurteilungen
von Dr.
B._
, Prof.
C._
und Dr.
A._
, wonach
beim Kläger vor März 2012 in einer leidensangepassten Tätigkeit keine funktionellen Einschränkungen bestanden,
lässt sich sodann auch
mit den Angaben des Klägers zum Krank
heits
verlauf
vereinbaren. So führte er gegenüber Prof.
C._
aus
,
dass es – nach einem zuvor schleichenden Prozess –
i
m Mai 2012
zum Zusammenbruch ge
kommen
sei (Urk. 17/123/33). In seiner Anmeldung zum Leistungsbezug termi
nierte der Kläger den Beginn der Arbeitsunfähigkeit sodann auf
den 23. März 2012 (Urk. 17/9/4)
.
Zusammengefasst ist festzuhalten, dass keine Berichte vorlie
gen, welche dem Kläger in der Zeitspanne zwischen August 2011 und März 2012
–
weder
echtzeitlich noch retrospektiv –
eine funktionelle Einschränkung in einer leidens
angepassten Tätigkeit attestier
en.
Gegen eine daz
umal bestehende funktio
nelle Einschränkung spricht sodann auch die Tatsache, dass
in dieser Zeitspanne keine ärztlichen Konsultationen aktenkundig
sind (vgl. auch Urk. 17/123/4-7
,
Urk. 17/173/10)
und sich der Kläger
insbesondere
erst am 29. März 2012
in
fach
psychiatrische Behandlung
beg
ab
(Urk. 17/18/1
, vgl. Urk. 17/173/39-40
).
4.3.3
Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass der Kläger nach Kündigung seiner Anstellung bei der
Y._
AG die Ausbildung
zum
Taxifahrer absolvierte und diese im März 2012 erfolgreich abschloss (Urk. 1 S. 6, Urk. 14/10). Dafür, dass die beanspruchte
Ausbildungsdauer
von circa sieben
Monaten als übermässig lange
zu werten sei (
Urk. 1 S. 6), bestehen ke
ine hinreichenden Anhaltspunkte. So liegen
insbesondere keine Hinweise für während der Ausbildung eingetretene und mit
einer reduzierten
Leistungsfähigkeit des Klägers
zusammenhängende Verzöge
rungen –
namentlich in Form der Notwendigkeit der Repetition von Ausbildungs
lektionen
respektive
der Abschlussprüfung
–
vor
und ist gemäss dem von der Beklagten eingereichten Tätigkeitsbeschrieb generell mit einer
Ausbildungsdauer von circa zwei bis acht Monaten
zu rechnen
(
Urk. 14/11).
Auch wenn sich mit dem Abschluss der Ausbildung zum Taxifahrer kein mit einem vollen Arbeits
pensum vergleichbarer zeitlicher Aufwand ergibt, hat der Kläger dadurch eine erhebliche Belastbarkeit insbesondere in psychischer Hinsicht demonstriert, was als Indiz gegen eine Einschränkung der funktionellen Leistungsfähigkeit
in einer adaptierten Tätigkeit
zwischen August 2011 und März 2012
zu werten ist.
4.3.4
Die von der
Y._
AG im Juli 2011
erstattete
Meldung
zur Früherfassung
des Klägers
bei der IV-Stelle
(Urk. 17/2)
vermag
lediglich
eine Einschränkung in der bisherigen Tätigkeit zu plausibilisieren.
Sie lässt indes nicht
a
uf Einschränkungen in einer leidensangepassten Tätigkeit
zwischen August 2011 und März 2012
schliessen. Vielmehr machte der Kläger anlässlich des in diesem Rahmen durch
geführten Gespräches gegenüber der IV-Stelle seine
bisherige
Berufssituation mitverantwortlich für seine gesundheitlichen Probleme und gab an, er fühle sich gut, möchte selbständig seine berufliche Zukunft in die Hand nehmen und erachte eine Unterstützung von der IV nicht als notwendig (Urk. 17/5).
D
as
diesbe
züg
liche Vorbringen des Klägers (Urk. 1 S.
8
)
erweist sich demnach
als
unbehelflich
.
4.4
Zusammengefasst wurde
i
m Zeitraum
August 2011 bis März 2012
keine Arbeits
unfähigkeit formal ausgewiesen und
liegen
darüber hinaus keine –
gemäss bun
desgerichtlicher Rechtsprechung
diesfalls
erfor
derlichen
(
Urteil des Bundesge
richts vom 18. Februar 2014 9C_
569/2013 E. 6.1 mit Hinweisen) –
besonderen Umstände
vor
, anhand welcher
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf eine berufsvorsorgerechtlich relevante Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen
geschlossen werden kann
.
Dementsprechend ist
während
knapp acht
Monaten eine
volle Arbeitsfähigkeit in
einer leidensangepassten Tätigkeit
gegeben. Damit war der Kläger grundsätzlich in der Lage, während knapp acht Monaten
ein ren
ten
ausschliessendes Einkommen
z
u erzielen
.
S
o resultiert
aus einer
Gegen
über
stel
lung der Vergleichseinkommen, wie dies im
Urteil des Sozialversiche
rungs
ge
richt
s vom 8. Juli 2019
(Urk. 17/188/18-22)
vorge
kehrt
wurde
und –
unter An
passung des zumutbaren Arbeitspensums in einer angepassten Tätigkeit auf 100 %
sowie
unter
Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung
und der betriebs
übli
chen Arbeitszeit
im Jahr 2011
– übernommen werden kann,
kein renten
begrün
dender Invaliditätsgrad
(
Valideneinkommen Fr. 86'183.55 [Urk. 17/188/19] : 2'204 x 2'171 = Fr. 84'893.-- / Invalideneinkommen Fr. 4'901.--
[Urk. 17/188/19]
x 12 : 2'151 x 2'171 : 40 x 41.7 = Fr. 61'882.-- / IV-Grad:
27 %)
.
Der
zeitliche Zusammenhang
zwischen der Arbeitsunfähigkeit während des Vorsorgeverhält
nisses und der später eingetretenen Invalidität
wurde damit unterbrochen (E. 1.2).
Diese Erwägungen haben die Abweisung der Klage zur Folge.
5.
5.1
Der Beklagten steht in ihrer Funktion als Trägerin der beruflichen Vorsorge trotz ihres Obsiegens keine Prozessentschädigung zu
(BGE 128 V 124 E. 5b).
Sie hat denn auch keinen entsprechenden Antrag
gestellt (Urk. 13 S. 1, Urk. 24
S. 1).
5.2
Bei diesem Verfahrensausgang steht der
unentgeltlichen Rechtsvertreterin des Klägers, Rechtsanwältin Lotti Sigg, Winterthur, eine Entschädigung aus der Gerichtskasse zu (§ 34 Abs. 3
des
Gesetz
es
über
das Sozialversicherungsgericht [GSVGer] in Verbindung mit § 7 Abs. 1 und
§ 8 der Verordnung über die Ge
bühren, Kosten und Entschädigungen vor
dem Sozialversicherungsgericht [
GebV SVGer
]
).
Die
unentgeltlich
e Rechtsvertreterin des Klägers hat mit
Honorarnote
vom
18. Dezember 2020
einen Aufwand von
11 Stunden
und 55 Minuten
geltend gemacht (Urk. 26
).
Der geltend gemachte Aufwand erweist sich als der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
noch knapp
angemessen. Bei
Anwendung
des gerichtsüblichen Stundenansatzes von
Fr. 220.-- (zuzüglich Meh
r
wertsteuer) ist das Honorar
auf
Fr. 2‘908.25 (inklusive Barauslagen und
Mehr
wertsteuer) festzusetzen.
Der Kläger ist auf
§ 16 Ab
s. 4 GSVGer hinzuweisen, wonach
er zur Nachz
ahlung der Entschädigung an die
unentgeltlich
e
Rechtsvertrete
rin verpflichtet ist, sobald er
dazu in der Lage ist.