# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** ae49cd4d-732b-5c67-9d59-11b8302425ab
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin reichte am 7. Februar 2014 bzw. 19. März 2014 bei der
Gemeinde Bellmund ein Baugesuch ein für den Abbruch eines Clubhauses, eines
2
Fussballplatzes und eines Tennisplatzes sowie den Neubau eines M._
Verkaufsladens mit Shop, Tankstelle und Lanzen-/Portalwaschanlage und Reklamen
(teilweise beleuchtet) auf Parzelle Bellmund Grundbuchblatt Nr. D._. Die Parzelle
liegt im Anwendungsbereich der Überbauungsordnung "N._" (im Folgenden: ÜO
N._)1. Gegen das Bauvorhaben erhob unter anderen der Beschwerdeführer
Einsprache. Mit Gesamtentscheid vom 25. September 2014 erteilte das
Regierungsstatthalteramt Biel/Bienne die Baubewilligung.
2. Dagegen reichte der Beschwerdeführer am 23. Oktober 2014 Beschwerde bei der
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er beantragt die
Aufhebung des Gesamtentscheides vom 25. September 2014 und die Erteilung des
Bauabschlags. Dabei macht er geltend, das Bauvorhaben sei ungenügend erschlossen.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Mit Schreiben vom 11. November 2014
verweist das Regierungsstatthalteramt vollumfänglich auf seinen Entscheid und beantragt
die Abweisung der Beschwerde. Die Gemeinde stellt mit Stellungnahme vom 21.
November 2014 den Antrag, auf die Beschwerde sei nicht einzutreten, eventuell sei sie
abzuweisen. Die Beschwerdegegnerin beantragt mit Beschwerdeantwort vom 27.
November 2014 die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf eingetreten werden kann.
4. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
1 Überbauungsordnung "N._", ursprünglich Überbauungsplan Nr. 1 mit Sonderbauvorschriften vom 3.4.1974 und Anpassungen vom 7.10.1977 und 23.11.1993, hier relevant: Änderung Art. 4 Überbauungsordnung "N._" vom 22. November 2013, genehmigt durch das AGR am 16. Januar 2014. 2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191).
3

## Considerations

II. Erwägungen
1. Legitimation
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG3. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG4 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig. Die Beschwerde ist innert der Rechtsmittelfrist
eingereicht worden (Art. 40 Abs. 1 BauG). Sie enthält einen Antrag und eine Begründung
(Art. 32 Abs. 2 VRPG).
b) Zur Beschwerde legitimiert sind namentlich Personen, die gegen ein Baugesuch
befugtermassen Einsprache erhoben haben (Art. 40 Abs. 2 BauG). Einspracheberechtigt
sind gemäss Art. 35 Abs. 2 Bst. a BauG Personen, die durch ein Bauvorhaben unmittelbar
in eigenen schutzwürdigen Interessen betroffen sind. Nach Lehre und Rechtsprechung ist
eine Person in schutzwürdigen Interessen berührt, wenn sie durch ein Bauvorhaben in
höherem Mass als die Allgemeinheit betroffen ist und zum Streitgegenstand eine
besondere Beziehungsnähe hat. Die Betroffenheit kann rechtlicher oder auch nur
tatsächlicher Natur sein. Sie muss aber hinreichend sein, d.h. eine bestimmte Intensität
erreichen, so dass von der Abwendung eines materiellen oder ideellen Nachteils
gesprochen werden kann.5 Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts muss die
besondere Beziehungsnähe zum Streitgegenstand bei Bauprojekten insbesondere in
räumlicher Hinsicht gegeben sein. Naturgemäss stehen die Nachbarn des Baugrundstücks
in einer besonders nahen Beziehung zur Streitsache des Baugrundstücks. Die
Einsprachebefugnis des Nachbarn ist in der Regel zu bejahen, wenn dessen Liegenschaft
unmittelbar an das Baugrundstück angrenzt oder allenfalls nur durch einen Verkehrsträger
3 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1). 4 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721). 5 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art.  N. 16.
4
davon getrennt wird. Darüber hinaus reicht die Nachbarschaft aber so weit wie die
allfälligen nachteiligen Auswirkungen des Bauvorhabens.6
c) Der Beschwerdeführer bringt vor, die strassenmässige Erschliessung des
Bauvorhabens sei ungenügend, weil die Kreuzung G._strasse
/H._strasse / I._weg zu wenig leistungsfähig sei und den Mehrverkehr
nicht aufnehmen könne.
Das Grundstück des Beschwerdeführers (Parzelle Bellmund Grundbuchblatt
Nr. E._) liegt etwas mehr als 100 m vom Baugrundstück des umstrittenen
Vorhabens entfernt. Es grenzt östlich an die Kantonsstrasse an und ist durch diese sowie
die Bahnlinie und die neue Parzelle Bellmund Grundbuchblatt Nr. F._ von der
Bauparzelle getrennt. Die Liegenschaft des Beschwerdeführers wird jedoch ebenfalls über
die umstrittene Kreuzung erschlossen, allerdings in die entgegengesetzte Richtung des
Bauvorhabens (Liegenschaft des Beschwerdeführers über die H._strasse,
Bauparzelle über den I._weg). Es ist nicht auszuschliessen, dass der durch das
Bauvorhaben generierte Mehrverkehr auf der besagten Kreuzung einen gewissen Einfluss
auf die Zugänglichkeit der Parzelle des Beschwerdeführers hat. Ob diese allfällige
Beeinträchtigung ausreicht, um eine besondere Betroffenheit des Beschwerdeführers
durch das Bauvorhaben zu bejahen, ist indessen fraglich. Dies kann aber bei diesem
Ausgang des Verfahrens offen gelassen werden (vgl. E. 2).
2. Erschliessung
a) Der Beschwerdeführer rügt, das Bauvorhaben sei ungenügend erschlossen, da die
Kreuzung G._strasse/H._strasse/I._weg mit Bahnlinie zu wenig
leistungsfähig sei. Diese Kreuzung könne den Mehrverkehr, welcher sich aus der Nutzung
des Baugrundstücks und der weiteren Grundstücke und der darauf geplanten Vorhaben
ergebe, nicht aufnehmen. Die zu erwartenden Rückstaus auf der Kantonsstrasse würden
das Unfallrisiko erhöhen. Das Verkehrsgutachten der O._ vom 30. Oktober 2012,
welches die Kreuzung als knapp genügend bewerte, weise schwerwiegende Mängel auf
6 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 35-35c N. 17.
5
und sei veraltet. Es dürfe deshalb nicht als Entscheidgrundlage dienen. Vielmehr sei ein
neues Gutachten anzuordnen.
b) Bauvorhaben dürfen nur bewilligt werden, wenn sichergestellt ist, dass das
Baugrundstück auf den Zeitpunkt der Fertigstellung des Baus oder der Anlage, wenn nötig
bereits bei Baubeginn, genügend erschlossen sein wird (Art. 7 Abs. 1 BauG). Die
Erschliessung ist genügend, wenn die Zufahrtsstrasse hinreichend nahe an Bauten und
Anlagen heran führt und diese für Wehrdienste und Sanität gut erreichbar sind (Art. 7
Abs. 2 Bst. a BauG). Die Erschliessungsanlagen müssen den Beanspruchungen
gewachsen sein, die sich aus der Nutzung des Baugrundstücks und der weiteren
Grundstücke ergeben können, denen sie nach der Planung zu dienen bestimmt sind. Wo
eine Überbauungsordnung besteht oder vorgeschrieben ist, hat sich die Erschliessung
nach ihr zu richten (Art. 7 Abs. 4 BauG).
Wer mit den Festlegungen einer Überbauungsordnung nicht einverstanden ist, kann und
muss im Planerlassverfahren Einsprache erheben (Art. 60 BauG) und anschliessend den
Genehmigungsbeschluss auf dem ordentlichen Rechtsweg anfechten (Art. 61a BauG). Im
nachfolgenden Baubewilligungsverfahren können diese grundsätzlich nicht mehr in Frage
gestellt werden. In diesem Stadium ist die akzessorische Prüfung von Nutzungsplänen
ausgeschlossen, wenn sich die rechtlichen oder tatsächlichen Verhältnisse seit Planerlass
nicht wesentlich geändert haben. Dies gilt jedenfalls dann, wenn sich die Betroffenen bei
Planerlass über die ihnen auferlegten Beschränkungen im Klaren sein konnten und wenn
sie damals die Möglichkeit hatten, ihre Interessen zu wahren. Sind diese Voraussetzungen
erfüllt, können die Betroffenen den Plan nur anschliessend an dessen Erlass anfechten
und nicht auch noch bei der späteren Anwendung.7
c) Die Bauparzelle, die Parzelle des Beschwerdeführers sowie die umstrittene Kreuzung
liegen im Anwendungsbereich der ÜO N._ (ursprünglich Überbauungsplan Nr. 1
mit Sonderbauvorschriften N._"). Zielsetzung dieser ÜO ist gemäss Art. 1 der
Überbauungsvorschriften u.a. die Planung einer rationellen Erschliessung. Nach Art. 4 sind
im Wirkungsbereich der ÜO Gewerbe- und Bürobauten zugelassen. Der dazugehörige
Überbauungsplan enthält neben Baulinien und Elementen der Aussenraumgestaltung auch
die Strassen der Basis- und Detailerschliessung (Lage und Abmessung, Anschluss an
Kantonsstrasse).
7 VGE 100.2014.20 vom 26. August 2014, E. 2.2 mit weiteren Hinweisen.
6
Mit der Änderung der ÜO "N._" vom 22. November 2013 (genehmigt durch das
AGR am 16. Januar 2014) wurde Artikel 4, welcher die Nutzung im Perimeter der ÜO
definiert, im Hinblick auf die Realisierung des vorliegend umstrittenen Projekts mit
folgendem Satz ergänzt: "Auf dem nordwestlichen Teil des Grundstücks Bellmund Gbbl-Nr.
D._ ist ein Agrarfachmarkt mit Tankstellenshop bei 10% naturnaher
Grundstücksfläche gestattet." Aus dem zu dieser ÜO-Ergänzung dazugehörigen
Erläuterungsbericht geht hervor, dass die C._ auf dem Baugrundstück einen
M._-Fachmarkt mit 1'140 m2 Innen- und 875 m2 Aussenverkauf sowie 100 m2
Tankstellenshop plant und dabei 107 Parkplätze, eine Tankstelle mit 4 Zapfsäulen und
Autowaschanlagen vorgesehen sind. Der Erläuterungsbericht enthält ebenfalls einen
Situationsplan, aus welchem das M._-Projekt sowie die geplanten und inzwischen
bewilligten Gewerbegebäude auf den benachbarten Parzellen (Kompetenzzentrum
Mikrotechnik der Firma J._ und Werk- und Fuhrhof der Firma K._ AG)
hervorgehen (Ziff. 2.1 bis 2.3). Weiter wird festgehalten (Ziff. 2.4), dass die Erschliessung
durch die ÜO "Herdi" vorgegeben sei und auf dem bestehenden Strassenanschluss mit
Bahnübergang und Abbiegehilfen auf der Kantonsstrasse basiere und seeseitig über die
Keltenstrasse mit mehreren Ein- und Ausfahrten erfolge. Was die Auswirkungen auf den
Verkehr betrifft, so wurde durch die O._ im Rahmen der Vorarbeiten zur ÜO-
Änderung eine verkehrstechnische Untersuchung am Knoten
Kantonsstrasse/H._strasse/I._weg erarbeitet. Im Rahmen der Vorprüfung
kam das Tiefbauamt des Kantons Bern, Oberingenieurkreis III mit Bericht vom 25.
September 2013 zum Schluss, dass die verlangten Verkehrsqualitäten zum Knoten an der
Kantonsstrasse in diesem Gutachten nachgewiesen seien und die Erschliessung des
Gewerbegebiets Herdi folglich über den bestehenden Knoten ohne weitere Auflagen
erfolgen könne. Das Verkehrsgutachten vom 30. Oktober 2012 lag der ÜO-Änderung
neben dem Erläuterungsbericht als weitere Unterlage bei. Im Erläuterungsbericht wird
hierzu u.a. Folgendes festgehalten (Ziff. 5.2): "Zu den Auswirkungen auf das
Verkehrsaufkommen wurde durch die O._ eine verkehrstechnische Untersuchung
am Knoten Kantonsstrasse/I._weg erarbeitet. Dabei kommen die Gutachter zum
Schluss, dass keine Massnahmen notwendig sind und die Längen der Einspurstrecken
genügen. Das Gutachten vom 30. Oktober 2012 berücksichtigt die bestehenden Betriebe,
das Vorhaben der C._ und der ehemals vorgesehenen L._ AG. Anstelle
der L._ AG wird die J._ tendenziell weniger Verkehr erzeugen."
7
d) Aus diesen Ausführungen ergibt sich, dass die Frage der Erschliessung bereits in der
ÜO "N._" verbindlich geregelt wurde. Mit der ÜO-Änderung vom 22. November
2013 wurde ein Agrarfachmarkt mit Tankstellenshop auf der Parzelle Bellmund
Grundbuchblatt Nr. D._ ermöglicht. Das dieser ÜO-Änderung zugrundeliegende
Projekt der Beschwerdegegnerin war bereits in diesem Stadium konkret geplant (vgl. E. 2c)
und wurde im Erläuterungsbericht näher umschrieben, inklusive Situationsplan. Es
entspricht weitgehend dem im vorliegenden Verfahren umstrittenen Bauvorhaben. Vorab
die Lage, die Grösse und die geplanten Anlagen (M._-Fachmarkt mit Innen- und
Aussenverkaufsflächen, Tankstellenshop, Tankstelle, Autowaschanlagen), aber auch die
geplanten Zu- und Wegfahrten sowie der Standort der Parkplätze wurden bereits damals
festgelegt und haben sich mit dem konkreten Bauprojekt nicht oder nur unwesentlich
geändert. Die Anzahl der Parkplätze wurde im Vergleich zur Angabe im
Erläuterungsbericht (107 Parkplätze) im Baugesuch etwas reduziert (90 Parkplätze). Im
Rahmen der ÜO-Änderung wurden auch die Auswirkungen dieses M._-
Fachmarktes auf den Verkehr thematisiert und beurteilt. Dieser Beurteilung lag nicht nur
das praktisch unveränderte Bauvorhaben zugrunde, sondern auch die weiteren, in der
unmittelbaren Umgebung geplanten Gewerbevorhaben. Das im Laufe des
Planänderungsverfahrens hierzu eingeholte Verkehrsgutachten nahm eine Beurteilung der
Leistungsfähigkeit der im vorliegenden Beschwerdeverfahren umstrittenen Kreuzung mit
Bahnlinie vor. Zwar lag dem Verkehrsgutachten vom 30. Oktober 2012 noch eine leicht
andere Ausgangslage zugrunde. Was das konkrete Bauvorhaben betrifft, so gingen die
Gutachter richtigerweise von einem M._-Fachmarkt mit Tankstellenshop,
Tankstelle mit vier Zapfsäulen und Waschanlagen aus, die Anzahl der Besucherparkplätze
wurde jedoch mit 82 aufgenommen und ist im Vergleich zum eingegebenen Bauvorhaben
etwas zu tief. Weiter ging man statt vom nun geplanten Vorhaben der Firma J._
von einem Vorhaben der Firma L._ AG aus und berücksichtigte den inzwischen
bewilligten Werk- und Fuhrhof der K._ AG auch noch nicht explizit. Bezüglich
dieser Abweichungen lässt sich aber festhalten, dass das inzwischen ebenfalls bewilligte
Kompetenzzentrum Mikrotechnik der Firma J._ – wie im Erläuterungsbericht
festgehalten – wohl weniger Verkehr generiert als der im Gutachten berücksichtigte
Malerei- und Gipserbetrieb der Firma L._ AG. Zudem wurde im Verkehrsgutachten
auch das Nutzungspotenzial der Parzelle des künftigen Werk- und Fuhrhofes der
K._ AG berücksichtigt (Ziff. 7 des Gutachtens, Verkehrsaufkommen "alles
zusammen"). Entscheidend ist letztlich jedoch, dass im Rahmen der ÜO-Änderung bzw. im
Erläuterungsbericht und damit in den Auflageakten von den richtigen bzw. konkreten
8
Nutzungen ausgegangen wurde (bzw. sogar mit mehr Parkplätzen gerechnet wurde als
nun beantragt) und erläutert wird, wieso nach wie vor am Verkehrsgutachten und dessen
Schlüssen festzuhalten ist.
Damit wurde im Rahmen der ÜO "N._" die Erschliessung nicht nur verbindlich
geregelt; ebenso wurde diese als für das konkrete Bauvorhaben als hinreichend eingestuft.
Die Frage der genügenden Erschliessung des umstrittenen Bauvorhabens im Sinne von
Art.7 BauG war damit schon Gegenstand des Planverfahrens und muss im
Baubewilligungsverfahren – entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers – nicht erneut
geprüft werden. Der Beschwerdeführer hatte bereits im Planänderungsverfahren die
Möglichkeit, Kenntnis von der geplanten Erschliessung sowie den Schlussfolgerungen der
Behörden hinsichtlich der Frage der genügenden Erschliessung zu nehmen. Das
umstrittene Verkehrsgutachten sowie der erwähnte Erläuterungsbericht waren Teil der
publizierten Planänderung und konnten vom Beschwerdeführer bereits damals eingesehen
werden. Er hätte daher seine Einwände zur Erschliessung und zur ungenügenden
Leistungsfähigkeit der erwähnten Kreuzung sowie die Kritik zum Verkehrsgutachten in
jenem Verfahren vorbringen können und müssen.
e) Die rechtlichen oder tatsächlichen Verhältnisse haben sich seit der Planänderung
vom 22. November 2013 nicht wesentlich geändert. So ist – wie erwähnt (E. 2d) – nicht nur
das im Rahmen der ÜO-Änderung berücksichtigte Projekt der Beschwerdegegnerin im
Vergleich zum hier umstrittenen Bauvorhaben praktisch unverändert geblieben. Auch die
im Zeitpunkt der Planänderung bereits berücksichtigten künftigen Gewerbebetriebe
(Kompetenzzentrum Mikrotechnik der Firma J._, Werk- und Fuhrhof der
K._ AG) entsprechen nach wie vor dem aktuellen Planungsstand. Der
Beschwerdeführer bringt in seiner Stellungnahme vom 12. Januar 2015 vor, im
Verkehrsgutachten vom 30. Oktober 2012 seien die Auswirkungen des Ausbaus der A5
nicht berücksichtigt worden. Seit dem Zeitpunkt des Verkehrsgutachtens sei eine
wesentliche Entwicklung eingetreten, indem das Tiefbauamt im März 2013 das generelle
Projekt "Westast" der A5 vorgestellt habe. Abgesehen davon, dass die öffentliche Auflage
des generellen Projekts "Westast" bereits im Mai/Juni 2012 erfolgte und damit im Zeitpunkt
des Verkehrsgutachtens schon bekannt war, ist für die Beurteilung der Zulässigkeit der
ausnahmsweisen Überprüfung der ÜO "N._" im Baubewilligungsverfahren einzig
relevant, ob sich die Verhältnisse seit der Planänderung vom 22. November 2013
wesentlich geändert haben. Dies ist auch hinsichtlich des generellen Projekts "Westast"
9
nicht der Fall, war dieses Projekt doch schon vor diesem Zeitpunkt ausgearbeitet. Der
Beschluss des Regierungsrats des Kantons Bern zum Genehmigungsantrag an den
Bundesrat erfolgte bereits im März 2013. Einzig der Genehmigungsbeschluss des
Bundesrats und damit die Freigabe zur Ausarbeitung des Ausführungsprojekts ergingen
nach diesem Zeitpunkt (am 12. September 2014).8 Eine wesentliche Änderung der
rechtlichen oder tatsächlichen Verhältnisse seit der Planänderung ist darin nicht zu
erblicken. Auch diese Einwände hätte der Beschwerdeführer daher im
Planänderungsverfahren vorbringen müssen. Es besteht folglich kein Anlass,
ausnahmsweise eine akzessorische Überprüfung der ÜO "N._" im
Baubewilligungsverfahren vorzunehmen.
Ein Zurückkommen auf die im Rahmen der ÜO geregelte Erschliessung wäre somit nur
dann angezeigt, wenn ein schwerer Mangel vorliegen würde, welcher die Nichtigkeit, d.h.
die absolute Unwirksamkeit einer Vorschrift oder eines Planinhalts zur Folge hätte.
Nichtigkeit wird aber nur angenommen, wenn der Mangel besonders schwer wiegt, wenn
er offensichtlich oder zumindest leicht erkennbar ist und wenn die Rechtssicherheit durch
die Annahme der Nichtigkeit nicht ernsthaft gefährdet wird. Nichtigkeitsgründe sind
hauptsächlich schwerwiegende Verfahrensfehler und die Unzuständigkeit der verfügenden
Behörde. Inhaltliche Mängel haben dagegen nur in seltenen Ausnahmefällen die Nichtigkeit
einer Verfügung zur Folge.9 Ein solcher Nichtigkeitsgrund liegt hier nicht vor. Selbst wenn
einer oder mehrere der vom Beschwerdeführer gerügten Mängel des Verkehrsgutachtens
zutreffen sollten, würde dies kein Nichtigkeitsgrund darstellen.
f) Die Frage der Erschliessung bildet hier nicht mehr Gegenstand des
Baubewilligungsverfahrens und kann daher im Baubewilligungs- und im
Baubeschwerdeverfahren nicht mehr thematisiert werden. Aus diesem Grund ist auf die
Beschwerde nicht einzutreten. Auf die Beweisanträge des Beschwerdeführers ist
entsprechend nicht näher einzugehen.
3. Kosten
8 Informationen zu Projekt "Westast" von Internetseite http://www.a5-biel-bienne.ch/de/westast/. 9 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 35-35c N. 2a.
http://www.a5-biel-bienne.ch/de/westast/
10
a) Die oberinstanzlichen Verfahrenskosten bestehen aus einer Pauschalgebühr
(Art. 103 Abs. 1 VRPG10). Für Entscheide in einer Verwaltungsjustizsache wird eine
Pauschalgebühr von Fr. 200.-- bis 4'000.-- je Beschwerde erhoben (Art. 19 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 4 Abs. 2 GebV11). Wird auf eine Beschwerde nicht eingetreten, so kann
die Gebühr angemessen reduziert oder es kann ganz auf sie verzichtet werden (Art. 21
Abs. 1 GebV). In Anwendung dieser Bestimmungen werden die Verfahrenskosten auf
Fr. 500.-- festgelegt.
Gemäss Art. 108 Abs. 1 VRPG werden die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren der
unterliegenden Partei auferlegt. Der Beschwerdeführer, auf dessen Beschwerde nicht
eingetreten wird, hat daher die Verfahrenskosten von Fr. 500.-- zu tragen.
b) Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 108 Abs. 3 i.V.m. Art. 104 Abs. 1
VRPG).