# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 6ef9d811-a64c-407b-af94-963b7454d29e
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2011
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1 Die 1962 geborene X._, Mutter von zwei erwachsenen Kindern mit den Jahrgängen 1989 und 1991, meldete sich erstmals am 27. September 2004 wegen verschiedener psychischer Leiden und Rückenprobleme bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug (Berufsberatung, Umschulung auf eine neue Tätigkeit, Wiedereinschulung in die bisherige Tätigkeit, Arbeitsvermittlung und Rente) an (Urk. 9/3). Nachdem die IV-Stelle berufliche (Urk. 9/9-10) und medizinische (Urk. 9/8, Urk. 9/13, Urk. 9/15 ff.) Abklärungen durchgeführt und insbesondere das psychiatrische Gutachten von Dr. med. Y._, Spezialarzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 14. März 2005 (Urk. 9/20) eingeholt hatte, wies sie mit Verfügung vom 31. März 2005 (Urk. 9/22) und mit Einspracheentscheid vom 6. Juli 2005 (Urk. 9/29) das Leistungsbegehren wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades ab. Nach einer durch Rechtsanwältin Petra Oehmke am 5. September 2005 erhobenen Beschwerde (Urk. 9/33) reichte die IV-Stelle einen Wiedererwägungsentscheid vom 13. Oktober 2005 ein, womit die Verfügung vom 31. März 2005 sowie der Einspracheentscheid vom 6. Juli 2005 zwecks Durchführung weiterer Abklärungen aufgehoben wurden (Urk. 9/34). Mit Verfügung des hiesigen Gerichts vom 19. Oktober 2005 (Urk. 9/36) wurde der Prozess als gegenstandslos geworden abgeschrieben.
In der Folge liess die IV-Stelle insbesondere das polydisziplinäre Gutachten der Z._ vom 16. Februar 2007 (Urk. 9/51) sowie das psychiatrische Gutachten von Dr. med. G._, Assistenzarzt, und Dr. med. A._, MBA, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatische und psychosoziale Medizin (APPM), vom 10. März 2008 (Urk. 9/86) erstellen, holte einen Bericht von Dr. med. B._, Facharzt FMH Psychotherapie und Psychiatrie, vom 30. Mai 2007 (Urk. 9/58) ein und führte eine Haushaltsabklärung durch (Abklärungsbericht vom 9. Oktober 2007, Urk. 9/71). Mit Verfügung vom 19. Juni 2008 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab (Urk. 9/100). Die dagegen geführte Beschwerde von X._ durch ihre Rechtsvertreterin wurde mit unangefochten in Rechtskraft erwachsenem Urteil des hiesigen Gerichts vom 6. Oktober 2009 abgewiesen (Prozess Nr. IV.2008.00733, Urk. 9/116).
1.2 Am 8. April 2010 meldete sich X._ bei der IV-Stelle durch ihren behandelnden Arzt Dr. B._ erneut zum Leistungsbezug aufgrund einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes an (Urk. 9/125).
Mit Vorbescheid vom 14. Juni 2010 stellte die IV-Stelle das Nichteintreten auf das Leistungsbegehren in Aussicht (Urk. 9/128). Nach einem dagegen von X._ durch ihren behandelnden Arzt erhobenen Einwand vom 23. Juni 2010 (Urk. 9/129) verfügte die IV-Stelle am 16. November 2010 wie angekündigt (Urk. 2 = Urk. 9/133).
2. Mit Eingabe vom 22. November 2010 erhob X._ dagegen Beschwerde und beantragte unter Beilage von Berichten von Dr. med. C._, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Leiter des Zentrums D._, vom 4. April 2010 (Urk. 3/1), von Dr. med. E._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 26. April 2010 (Urk. 3/3) sowie von Prof. Dr. med. F._, Wirbelsäulenchirurgie, vom 18. Juni 2010 (Urk. 3/4) eine Beurteilung durch das hiesige Gericht. Gleichzeitig ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Urk. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 14. Januar 2011 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (Urk. 8), was der Beschwerdeführerin am 18. Januar 2011 angezeigt wurde (Urk. 10).

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG in der seit 1. Januar 2008 geltenden Fassung).
1.2 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG haben Versicherte bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG; bis 31. Dezember 2007: Art. 28 Abs. 1 IVG).
1.3 Wurde eine Rente oder eine Hilflosenentschädigung wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades oder wegen fehlender Hilflosigkeit verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 4 IVV eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 3 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität oder der Hilflosigkeit oder die Höhe des invaliditätsbedingten Betreuungsaufwandes der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
Nach Eingang einer Neuanmeldung ist die Verwaltung zunächst zur Prüfung verpflichtet, ob die Vorbringen der versicherten Person überhaupt glaubhaft sind; verneint sie dies, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Dabei wird sie unter anderem zu berücksichtigen haben, ob die frühere Verfügung nur kurze oder schon längere Zeit zurückliegt, und dementsprechend an die Glaubhaftmachung höhere oder weniger hohe Anforderungen stellen (ZAK 1966 S. 279, vgl. auch BGE 130 V 64 ff. E. 5.2, 72 E. 2.2 mit Hinweisen). Insofern steht ihr ein gewisser Beurteilungsspielraum zu, den das Gericht grundsätzlich zu respektieren hat. Daher hat das Gericht die Behandlung der Eintretensfrage durch die Verwaltung nur zu überprüfen, wenn das Eintreten streitig ist, d.h. wenn die Verwaltung gestützt auf Art. 87 Abs. 4 IVV Nichteintreten beschlossen hat und die versicherte Person deswegen Beschwerde führt; hingegen unterbleibt eine richterliche Beurteilung der Eintretensfrage, wenn die Verwaltung auf die Neuanmeldung eingetreten ist (BGE 109 V 108 E. 2b).
1.4 Glaubhaftmachen im Sinne des Art. 87 Abs. 3 und 4 IVV erfordert nicht den Beweis nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 125 V 193 E. 2, 119 V 7 E. 3c/aa, je mit Hinweisen). Die Beweisanforderungen sind vielmehr herabgesetzt (Gygi, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 272), indem nicht im Sinne eines "vollen Beweises" (ZAK 1971 S. 525 E. 2) die Überzeugung der Verwaltung begründet zu werden braucht, dass seit der letzten rechtskräftigen Entscheidung tatsächlich eine relevante Änderung eingetreten ist. Vielmehr genügt es, dass für den geltend gemachten rechtserheblichen Sachumstand wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Sachverhaltsänderung nicht erstellen lassen (BGE 130 V 64 ff. E. 5.2, 72 E. 2.2 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2).
2.
2.1 Aus den Akten geht hervor, dass die Beschwerdegegnerin nach Eingang der Neuanmeldung vom 8. April 2010 (Urk. 9/125) den Sachverhalt nicht neu abklärte oder sich auf andere Art auf eine materielle Neubeurteilung der Sache einliess. Vielmehr nahm sie lediglich eine summarische Prüfung der Eintretensvoraussetzung hinsichtlich des Glaubhaftmachens einer im Hinblick auf einen Leistungsanspruch massgebenden Veränderung des Gesundheitszustandes vor. Sie ging in der angefochtenen Verfügung vom 16. November 2010 davon aus, dass die Beschwerdeführerin eine im Hinblick auf ihren Rentenanspruch massgebliche Veränderung des Sachverhalts nicht rechtsgenügend glaubhaft gemacht habe, weshalb auf die Neuanmeldung nicht eingetreten werde. Im eingereichten Arztbericht von Dr. B._ vom 8. April 2010 seien keine objektiven feststellbaren Gesichtspunkte vorgebracht worden, welche im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung von Dr. A._ vom 10. März 2008 unerkannt geblieben und geeignet seien, zu einer abweichenden Beurteilung zu führen. In der diagnostischen Erfassung im Gutachten seien die Instabilität und Schwankungen in emotionaler Hinsicht erfasst worden (Urk. 2).
2.2 Die Beschwerdeführerin wendet ein, sie sei am 16. Februar 2008, also vor bald drei Jahren, im Auftrag der Beschwerdegegnerin psychiatrisch beurteilt worden (Dr. A._). Damals seien eine Persönlichkeitsstörung und eine gegenwärtig remittierte rezidivierende depressive Störung festgestellt worden. In der Zwischenzeit sei sie in psychiatrischer Therapie (Dr. B._) gewesen und zusätzlich von spezialisierten Psychiatern genau untersucht worden. Dr. C._ habe im Bericht vom 4. April 2010 (Urk. 3/1) die Diagnose einer Erwachsenen-Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) gestellt und sei von einer Arbeitsfähigkeit von 30 % ausgegangen. Die ADHS-Diagnose sei im Bericht vom 26. April 2010 (Urk. 3/3) von der ADHS-Spezialistin Dr. E._, nach einer umfangreichen Testung und Untersuchung bestätigt worden. Auch Dr. E._ gehe von einer eingeschränkten Arbeitsfähigkeit aus. Trotz intensiver Therapie habe sie die Betreuung eines Pflegekindes inzwischen abgegeben und habe dadurch Fr. 600.-- weniger Geld pro Monat. Durch zusätzliche körperliche Probleme (eine zweite Rückenoperation am 18. Mai 2010) könne sie ihre bisherige Arbeit als Sigristin nur noch eingeschränkt ausüben (Rasenmähen und Schneeräumen seien nicht mehr möglich). Gut habe sich ihre Arbeit als Klassenassistentin entwickelt, aber auch hier könne sie nur 30 % arbeiten. Wenn sie mehr arbeite, komme sie in eine Erschöpfung, was wieder zu Depressionen führe. Sie verlange einen Entscheid, der die aktuellen Arztberichte von Dr. C._, Dr. E._ und Dr. B._ angemessen berücksichtigte (Urk. 1).
2.3 Streitig und zu prüfen ist damit, ob die Beschwerdegegnerin auf die Neuanmeldung vom 8. April 2010 (Urk. 9/125) zu Recht nicht eingetreten ist. Prozessthema ist demnach die Frage, ob die Beschwerdeführerin glaubhaft gemacht hat, dass sich die gesundheitlichen Verhältnisse im massgebenden Zeitraum – seit Erlass der Verfügung vom 19. Juni 2008 (Urk. 9/100) beziehungsweise des Urteils des hiesigen Gerichts vom 6. Oktober 2009 (Urk. 9/116) bis zum Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom 16. November 2010 (Urk. 2) – in einer für den Rentenanspruch erheblichen Weise verändert haben. Dabei fällt ins Gewicht, dass die Neuanmeldung (8. April 2010) 6 Monate nach dem rentenablehnenden Urteil des hiesigen Gerichts vom 6. Oktober 2009 datiert, weshalb an die Glaubhaftmachung hohe Anforderungen zu stellen sind (BGE 130 V 70 E. 6.2).
3.
3.1 Medizinische Grundlagen der leistungsverneinenden Verfügung vom 19. Juni 2008 (Urk. 9/100) waren vor allem das psychiatrische Gutachten von Dr. Y._ vom 14. März 2005 (Urk. 9/20), das polydisziplinäre Z._-Gutachten vom 16. Februar 2007 (Urk. 9/51) sowie das psychiatrische Gutachten G._/A._ vom 10. März 2008 (Urk. 9/86).
3.1.1 Dr. Y._ diagnostizierte im Gutachten vom 14. März 2005 (Urk. 9/20) rezidivierende schwere Depressionen (ICD-10: F33.4), eine Neigung zu Polytoxikomanie (ICD-10: F19.1), eine Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10: F90.0), eine selbstunsichere, ängstliche Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.6) sowie einen somatischen Status nach Operation einer lumbalen Diskushernie im Juni 2004 (Urk. 9/20/9). Er stellte fest, dass zur Zeit aus psychiatrischer Sicht keine invalidenversicherungsrechtlich relevante Arbeitsunfähigkeit vorliege, und gab erläuternd an, dass beim Betrachten des Lebenslaufes der Beschwerdeführerin eine reduzierte psychische Belastbarkeit bestehe, welche sich auf mannigfache Art manifestiere: Ängste, Panikattacken, depressive Zustände, Suizidalität, Dissozialität, Suchttendenz (Drogen, zeitweilig Medikamente), missglückte Berufswahl, Unstetigkeit in der Erwerbstätigkeit, erschwerte soziale Anpassung, selbstunsichere Persönlichkeit mit mangelnder Identität und Schwierigkeiten in den Ehen. Wahrscheinlich habe eine Aufmerksamkeitsstörung, die als neuropsychologische Entwicklungsstörung angesehen werden müsse, die psychischen Beschwerden akzentuiert (Urk. 9/20/10).
3.1.2 Im Rahmen des Z._-Gutachtens vom 16. Februar 2007 (Urk. 9/51) wurde die Beschwerdeführerin internistisch, rheumatologisch, neurologisch, psychiatrisch und neuropsychologisch untersucht. Die Ärzte stellten als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom, ein chronisches zervikovertebrales Schmerzsyndrom, eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0) und mittelgradige neuropsychologische Defizite (Urk. 9/51/20). In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Mitarbeiterin in einer sonderpädagogischen Schule und damit in einer körperlich leichten Arbeit wäre der Beschwerdeführerin ein Pensum von 80 % zuzumuten. In allen körperlich leichten Tätigkeiten, bei denen die Möglichkeit gegeben sei, selbständig wechselnde Positionen einzunehmen, und die kein repetitives Heben, Stossen oder Ziehen von Lasten von mehr als fünf Kilogramm erforderten sowie nicht signifikant gebückt oder über Kopf zu verrichten seien und die keine langen Arbeitswege beinhalteten, bestehe eine 80%ige Arbeitsfähigkeit (Urk. 9/51/24).
3.1.3 Im Bericht vom 24. September 2007 (Urk. 9/69) gab Dr. B._ an, dass die Beschwerdeführerin an einer persistierenden Erwachsenen-ADHS (ICD-10 F90.0) vom unaufmerksamen Typ, einer Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typus (ICD-10 F60.31) mit psychogenen Absenzen und kurzen halluzinatorischen Episoden
sowie an rezidivierenden schweren Depressionen (ICD-10 733.2) leide; differentialdiagnostisch führte er eine bipolare Störung, Mischzustände/Rapid Cycling auf.
3.1.4 Gemäss Gutachten von Dres. G._/A._ vom 10. März 2008 (Urk. 9/86) leidet die Beschwerdeführerin mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit an einer seit der Kindheit/Jugend bestehenden kombinierten Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F.61) mit emotional instabilen ("Borderline"), ängstlichen, selbstunsicheren und passiv-aggressiven Anteilen. Als weitere Diagnosen stellten Dres. G._ und A._ (Urk. 9/86/17) eine rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F33.4, gegenwärtig remittiert, anamnestisch mit Suizidversuchen in der Kindheit und Jugend) und anamnestisch eine Politoxikomanie (ICD-10 F19.20) gegenwärtig abstinent. Im Hinblick auf die körperlichen Erkrankungen, Unfälle und bisherigen Operationen verwiesen sie auf die Angaben im Z._-Gutachten. Aus psychiatrisch-psychotherapeutischer Sicht bestehe aktuell eine Arbeitsfähigkeit von über 80 % (100 %). Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf und in anderen Berufen werde ebenfalls auf die ausführlichen Angaben im Z._-Gutachten verwiesen (Urk. 9/86/24).
3.2 Im Rahmen der Neuanmeldung vom 8. April 2010 (Urk. 9/125) gab Dr. B._ an, dass die Beschwerdeführerin zwischenzeitlich wieder eine externe Arbeitsfähigkeit von summarisch fast 40 % realisieren könne und dies durch ein Pensum von ca. 5-10 % als Sigristin einer reformierte Kirchgemeinde beziehungsweise von ca. 30 % als Co-Betreuerin an einer Schule für lernbehinderte Kinder sowie durch die Betreuung eines jugendlichen Pflegekindes. Nun drohe erneut eine Dekompensation mit Verlust der inzwischen wiederaufgebauten Arbeitsfähigkeit im Zusammenhang mit zunehmender Überforderung und Erschöpfung sowie Rückenleiden. Er habe angesichts der komplexen Störung der Beschwerdeführerin Zweitmeinungen bei Dr. C._ betreffend die Diagnose der bipolaren Störung und bei Dr. E._ betreffend die ADHS-Diagnose eingeholt und ersuche die Beschwerdegegnerin, diesen Ärzten entsprechende Berichtanfragen zuzustellen. Aus seiner Sicht als behandelnder Psychiater liege eine Verschlechterung des Zustandsbildes mit aktueller Bedrohung der Restarbeitsfähigkeit vor. Bezüglich der Rückenleiden sei mit Dr. H._ eine Operation diskutiert worden.
Mit Einwand/Bericht vom 23. Juni 2010 (Urk. 9/129) informierte Dr. B._, dass es aus seiner Sicht mehrere invalidenversicherungsrechtlich relevante Veränderungen gebe. Der letzte Entscheid habe sich auf das Gutachten von Dr. A._ vom 10. März 2008 (Urk. 9/86) gestützt, der damals eine kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F.61), daneben eine rezidivierende depressive Störung und eine frühere Politoxikomanie diagnostiziert habe.
Heute sei die Situation anders. Unabhängig von seinen Einschätzungen als behandelnder Arzt sei die Beschwerdeführerin durch jeweils ausgewiesene Spezialisten und unter Berücksichtigung des weiteren Verlaufs (Klinik, Erfolg beziehungsweise Nichterfolg diverser medikamentöser Therapien und beruflicher Integrationsbemühungen) diagnostisch beurteilt worden. Dabei seien die bisherigen Diagnosen durch eine bipolare affektive Störung vom Verlaufstyp II (ICD-10: F 31.3) und eine Aufmerksamkeitsdefizitstörung (ADS) im Erwachsenenalter (ICD-10 F90.0) ergänzt beziehungsweise modifiziert worden. Die neuen Diagnosen und Einschätzungen seien nicht einfach andere Beurteilungen eines gleichen Sachverhaltes. Durch die intensiven therapeutischen Bemühungen hätten sich im Verlauf zusätzliche Informationen ergeben, die den früheren Beurteilern nicht zur Verfügung gestanden hätten (Urk. 9/129/2).
3.3 Im Beschwerdeverfahren reichte die Beschwerdeführerin die Berichte von Dr. C._ vom 4. April 2010, von Dr. E._ vom 26. April 2010 sowie von Prof. Dr. F._ vom 18. Juni 2010 (Urk. 3/1-4) ein.
3.3.1 Dr. C._ berichtete am 4. April 2010 an Dr. B._ (Urk. 3/1), dass er die Beschwerdeführerin am 20. Januar 2010 allein, am 27. Januar 2010 in Begleitung ihres Lebenspartners in seiner Praxis und am 6. April 2010 telefonisch exploriert habe. Als Diagnosen hat er Folgendes aufgeführt (Urk. 3/1 S. 5):
·
Bipolare affektive Störung vom Verlaufstyp II, gegenwärtig leichte depressive Episode, rascher Phasenwechsel (ICD-10: F 31.3).
Ausgeprägte Residualsymptomatik mit Konzentrationsstörungen, verlangsamter Denkfähigkeit, vermindertem Antrieb, verminderter Belastbarkeit und verstärkter Ermüdbarkeit.
·
Persistierende Aufmerksamkeits-Defizit-Störung im Erwachsenenalter (ICD-10 F90.0) bei nachweisbaren neuropsychologischen Korrelaten im Rahmen einer rechthemisphärischen Minderfunktion der fronto-temporalen Areale.
Er könne die von Dr. B._ gestellten Diagnosen einer bipolaren Störung sowie eines ADHS nur bestätigen. Betonen möchte er, dass es sich hier um ein sehr komplexes Störungsbild handle, welches – gut dokumentiert – bereits im Alter von 6-7 Jahren manifest worden sei und schon damals eine erste medikamentöse Behandlung erfordert habe. Typisch für bipolare Störungen sei eine hohe Komorbidität mit Alkohol/Drogenmissbrauch respektive Abhängigkeit in der Adoleszenz und im frühen Erwachsenenalter, wie dies auch bei der Beschwerdeführerin berichtet worden sei. Gerade bezüglich der Abgrenzung zu einem ADHS könnten sich Schwierigkeiten ergeben, da sich viele Symptome überlappten. In der Beurteilung der Situation der Beschwerdeführerin müsse der Stellenwert der präzisen Anamnese, der Familienanamnese und damit die Betrachtung im Längsschnitt besonders berücksichtigt werden. Ins Gewicht falle vor allem der frühe Beginn der Störungen, der langwierige Verlauf mit vorwiegend depressiven Phasen und die starke Residualsymptomatik mit Stimmungslabilität, Antriebsstörungen, zunehmenden kognitiven Defiziten, abnehmender Belastbarkeit und zunehmender neurasthenischer Komponenten. Angesicht der Ausgangslage gehe es bei der Beschwerdeführerin in erster Linie darum, die Lebensqualität zu verbessern und dann zu erhalten. Dazu gehöre auch eine angemessene Einschätzung der Arbeitsfähigkeit. Seines Erachtens bestehe in seiner Beobachtungsperiode seit Anfang 2010 eine massive Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus psychischen Gründen, welche aktuell und auf längere Frist kaum höher als mit 30 % zu veranschlagen sei (Urk. 3/1 S. 6).
3.3.2 Aus dem Bericht von Dr. E._ an Dr. B._ vom 26. April 2010 (Urk. 3/3) ergibt sich, dass sie bei der Beschwerdeführerin eine diagnostische Abklärung durchgeführt habe, welche sich speziell mit der Frage einer ADS/ADHS im Erwachsenenalter beschäftigt habe. Weitere diagnostische Abklärungen seien bereits in der Praxis von Dr. B._ durchgeführt worden und sie werde zu den weiteren Diagnosen in ihrem Bericht keine Stellung nehmen. Als psychiatrische Diagnose führte sie eine ADS mit Persistenz im Erwachsenenalter (ICD-10 F90.0) auf. Im Rahmen des durchgeführten klinischen Interviews und der Testung seien in den Bereichen Aufmerksamkeitsstörungen, Affektlabilität, emotionale Überreagibilität, Desorganisation und Impulsivität ausgeprägt hohe Summenscores erhoben worden. Die diagnostischen Kriterien nach ICD-10 und DSM-IV sowie die Kriterien nach Wender-Reimherr für ein ADS im Erwachsenenalter seien sehr deutlich ausgeprägt erfüllt (Urk. 3/3 S. 1). Die Beschwerdeführerin leide an mehreren komorbiden Störungen, welche eine teilweise oder vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit verursachten. Ohne Medikation und psychiatrische Behandlung wäre eine teilweise Arbeitsfähigkeit bei der Schwere der beschriebenen Störung undenkbar. Aufgrund der auch unter Medikation vorhandenen depressiven Symptomatik sei ebenfalls die Teilarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin grundsätzlich gefährdet (Urk. 3/3 S. 2).
3.3.3 Am 18. Juni 2010 berichtete Prof. Dr. F._ über seine Verlaufskontrolle nach mikrochirurgischer Dekompression L4/5 beidseits mit einer rezessalen Laminektomie und einer Diskusdekompression L4/5 links am 18. Mai 2010. Die Beschwerdeführerin sei besorgt, dass die Narben etwas unregelmässig seien, berichte von einer vollständigen Regredienz ihrer Beinschmerzen und habe bei längerem Liegen noch Rückenschmerzen. Der postoperative Verlauf sei regelrecht (Urk. 3/4).
3.4 Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin ergeben diese neuen Berichte keine invaliditätsrechtlich relevante Veränderung in Bezug auf ihre Leistungs- und Arbeitsfähigkeit. Dr. B._ berichtete zwar am 8. April 2010, dass sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert habe (Urk. 9/125); Dr. C._ sowie Dr. E._ gaben ebenfalls eine massive Einschränkung (Urk. 3/1) beziehungsweise eine Gefährdung der verbliebenen Arbeitsfähigkeit (Urk. 3/3 S. 2) an. Aus ihren Berichten ist jedoch nicht ersichtlich, ob Dr. C._ und Dr. E._ diese in Kenntnis der Vorakten – insbesondere des Gutachtens von Dr. Y._ vom 14. März 2005 (Urk. 9/20), des Z._-Gutachtens vom 16. Februar 2007 (Urk. 9/51) und des Gutachtens G._/A._ vom 10. März 2008 (Urk. 9/86) – verfasst haben. Dagegen spricht etwa der Umstand, dass die Ärzte die Gutachten nicht erwähnen und sich mit den anderslautenden Beurteilungen in frühren Gutachten nicht auseinandersetzten. Einzig erwähnt Dr. C._ die Berichte von Dr. B._ vom 24. September 2007 und vom 24. Juni 2008 an die Rechtsvertreterin sowie ein Zuweisungsschreiben vom 30. November 2009 (Urk. 3/1 S. 4), betont zugleich jedoch, dass die von ihm und Dr. B._ diagnostizierte bipolare Störung sowie ADHS bereits im Alter von 6-7 Jahren manifest worden seien und schon damals eine erste medikamentöse Behandlung erfordert hätten. Dr. E._ weist auch nur auf die früheren diagnostischen Abklärungen von Dr. B._ hin (Urk. 3/3 S. 1) mit der Bemerkung, dass sich ihre diagnostische Abklärung speziell mit der Frage einer ADS/ADHS im Erwachsenenalter beschäftigt habe (Urk. 3/3 S. 1). Eine wesentliche Veränderung im psychischen Zustand der Beschwerdeführerin beziehungsweise in ihrer Leistungs- und Arbeitsfähigkeit wird damit in keiner Weise dargetan.
Die von Dr. B._ mit der Neuanmeldung vom 8. April 2010 (Urk. 9/125) und Einwand/Bericht vom 23. Juni 2010 (Urk. 9/129) vorgebrachten Diagnosen einer bipolaren affektiven Störung vom Verlaufstyp II (ICD-10: F 31.3) und einer ADS im Erwachsenenalter (ICD-10 F90.0) stellen ebenfalls keine neue Befunde und damit keine Verschlechterung des Gesundheitszustands seit Erlass der Verfügung vom 19. Juni 2008 (Urk. 9/100) dar. Bereits im Bericht vom 24. September 2007 (Urk. 9/67) hatte er ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin an einer persistierenden Erwachsenen-ADHS (ICD-10 F90.0) vom unaufmerksamen Typ und einer Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typus (ICD-10 F60.31) mit psychogenen Absenzen und kurzen halluzinatorischen Episoden
leide, und führte differentialdiagnostisch eine bipolare Störung, Mischzustände/Rapid Cycling auf. Damit bieten seine neuen Angaben keinen Anlass, die frühere Beurteilung der Beschwerdegegnerin revisionsweise neu zu prüfen. Bleibt ferner anzumerken, dass der mit der Beschwerde vom 22. November 2010 (Urk. 1) eingereichte Bericht von Prof. Dr. F._ vom 18. Juni 2010 (Urk. 3/4), woraus sich ohne Angaben zur Arbeitsfähigkeit ein komplikationsloser postoperativer Verlauf nach mikrochirurgischer Dekompression L4/5 beidseits mit einer rezessalen Laminektomie und einer Diskusdekompression L4/5 links vom 18. Mai 2010 ergibt, keine anhaltende Verschlechterung der Arbeitsfähigkeit in leichten körperlichen Tätigkeiten glaubhaft macht.
3.5 Zusammengefasst ist somit unter Berücksichtigung der gesamten medizinischen Aktenlage davon auszugehen, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin in psychischer Hinsicht seit dem Erlass der Verfügung vom 19. Juni 2008 (Urk. 9/100) beziehungsweise des Urteils des hiesigen Gerichts vom 6. Oktober 2009 (Urk. 9/116) nicht anspruchserheblich verschlechtert hat, und es ist daher nicht glaubhaft gemacht, dass sie in einer ihren physischen wie psychischen Leiden angepassten Tätigkeit mehr als zu 20 % arbeitsunfähig geworden ist. Die Beschwerdegegnerin ist demnach auf die erneute Anmeldung der Beschwerdeführerin vom 8. April 2010 zu Recht nicht eingetreten, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
4.
4.1 Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraussetzungen für die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos und die Partei bedürftig ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Bedürftig im Sinne von Art. 64 BGG ist eine Person, wenn sie ohne Beeinträchtigung des für sie und ihre Familie nötigen Lebensunterhaltes nicht in der Lage ist, die Prozesskosten zu bestreiten (BGE 128 I 225 E. 2.5.1 S. 232). Massgebend sind die wirtschaftlichen Verhältnisse im Zeitpunkt der Entscheidung über das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (BGE 108 V 265 E. 4 S. 269; vgl. Art. 64 Abs. 4 BGG). Bei der Beurteilung der Bedürftigkeit ist das Einkommen beider Ehegatten zu berücksichtigen (BGE 115 Ia 193 E. 3a S. 195; 108 Ia 9 E. 3 S. 10).
4.2 Laut ihren eigenen Angaben verfügte die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt ihres Gesuches über Barguthaben im Gesamtwert von Fr. 23'397.90 (Urk. 6 S. 2), weshalb sie auch unter Berücksichtigung eines angemessenen Freibetrages (praxisgemäss Fr. 10'000.-- pro Einzelperson) in der Lage ist, die Prozesskosten selber zu tragen. Das Gesuch vom 22. November 2010 (Urk. 1) um unentgeltliche Prozessführung ist daher mangels Bedürftigkeit abzuweisen.
5. Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG (in der seit dem 1. Juli 2006 gültigen Fassung) ist abweichend von Art. 61 lit. a ATSG das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt. Die Gerichtskosten sind auf Fr. 600.-- festzusetzen und der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.