# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 2d30424c-b8b0-476b-97b7-5bdc501b858a
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt
I. Berufung / Anschlussberufung betreffend Regelung der Kinderbelange (ZK1 21 189)
A. A._, geboren am _ 1987, und B._, geboren am _ 1988, sind die unverheirateten Eltern der unter ihrer gemeinsamen Sorge stehenden C._, geboren am _ 2015. Bis zu ihrer Trennung Mitte 2018 wohnten die Eltern gemeinsam in D._. Danach zog die Mutter nach E._ und anfangs Oktober 2019 nach F._. Der Vater verblieb zunächst im bis zur Trennung gemeinsam bewohnten Haus in D._. Anfangs August 2020 zog er nach G._. Während des Zusammenlebens waren beide Elternteile erwerbstätig, der Vater als Betreuer in einem Transitzentrum für Asylbewerber in H._, die Mutter jeweils saisonweise als Mitarbeiterin Kasse bei den Bergbahnen G._/F._, weshalb C._ während zwei Tagen pro Woche in einer Kindertagesstätte und ansonsten von den Eltern gemeinsam betreut wurde. Nach der Trennung führten die Eltern die gemeinsame Betreuung der Tochter weiter, indem C._ jeweils von Donnerstagabend bis Sonntagabend vom Vater und von Sonntagabend bis Donnerstagabend von der Mutter (mit anfänglich zwei und ab September 2019 noch einem Tag Fremdbetreuung in einer Kindertagesstätte) betreut wurde.
B. Am 31. Januar 2019 reichte B._ beim Regionalgericht Plessur gegen A._ eine Klage betreffend Regelung der Kinderbelange ein (Proz. Nr. -9).
C/a. Auf Gesuch von A._ hin traf der Einzelrichter in Zivilsachen am Regionalgericht Plessur mit Entscheid vom 10. September 2019, mitgeteilt am 12. Dezember 2019, vorsorgliche Massnahmen (Proz. Nr. 115-2019-518). Dabei stellte er C._ für die Dauer des Hauptverfahrens unter die alternierende Obhut von A._ und B._, bei Betreuungsanteilen von je 3.5 Tagen pro Woche und mit der Feststellung, dass sich die Eltern über die Festlegung der Betreuungstage und -zeiten zu verständigen hätten. Im Weiteren wurde der Wohnsitz von C._ für die Dauer des Hauptverfahrens am Wohnsitz von A._ in F._ festgelegt. Schliesslich verpflichtete der Einzelrichter B._ zu vorläufigen Unterhaltszahlungen an C._ (monatlicher Barunterhalt ab 1. Juli 2018 CHF 265.00, ab 1. Januar 2019 CHF 80.00, ab 1. September 2019 CHF 225.00 und ab 1. Oktober 2019 bis auf weiteres CHF 235.00). Die von B._ gegen diesen Entscheid erhobene Berufung, mit welcher die Festlegung des Wohnsitzes, die Unterhaltsverpflichtung und die Kostenregelung, nicht aber die
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alternierende Obhut, angefochten wurde, wies das Kantonsgericht von Graubünden mit Urteil ZK1 19 212 vom 24. Juni 2020, mitgeteilt am 25. Juni 2020, ab.
C/b. Die vom Einzelrichter angeordnete alternierende Obhut wurde von den Eltern zwischenzeitlich so umgesetzt, dass C._ von Montagmittag bis Donnerstagabend von der Mutter und von Donnerstagabend bis Montagmittag vom Vater betreut wurde.
D. Am 31. März 2020 reichte B._ im Hinblick auf den bevorstehenden Kindergarteneintritt von C._ ein neues Gesuch um Erlass vorsorglicher Massnahmen ein (Proz. Nr. 135-2020-256); dies mit dem Begehren, C._ per 1. August 2020 für die weitere Dauer des Verfahrens unter seine alleinige Obhut zu stellen und der Mutter ein erweitertes Besuchs- und Ferienrecht einzuräumen. Mit Schreiben vom 8. Juli 2020 zog B._ sein Gesuch zurück, was er damit begründete, dass er für sich und seine Tochter in der Umgebung von F._ eine passende Wohnung gefunden habe. Mit diesem Schritt könne die alternierende Obhut ab Kindergarteneintritt aufrechterhalten werden, so dass C._ in ihrem Interesse weiterhin von der seit Jahren gelebten alternierenden Betreuung durch ihre Eltern profitieren könne. Mit Entscheid vom 25. August 2020 wurde das Massnahmeverfahren infolge Rückzug des Gesuchs als erledigt abgeschrieben.
E/a. Im Sommer 2020 entstand zwischen den Parteien ein Streit über die Ausgestaltung der Betreuungszeiten ab dem Kindergarteneintritt von C._, worauf beide Parteien an das Regionalgericht Plessur gelangten.
E/b. Am 24. August 2020 erliess der Einzelrichter in Zivilsachen am Regionalgericht Plessur einen superprovisorischen Entscheid (Proz. Nr. 135-), mit welchem er die alleinige Obhut über C._ per sofort dem Vater B._ zuteilte, verbunden mit der Feststellung, dass der Wohnsitz des Kindes an demjenigen des Vaters (G._) sei, und mit der Weisung, dass die Einschulung von C._ (Kindergarten) in Deutsch zu erfolgen habe. Gleichzeitig regelte er das Besuchsrecht der Mutter (zwei Nachmittage plus eine Übernachtung unter der Woche, zwei Wochenenden pro Monat) und verpflichtete jene, dem Vater an den Unterhalt von C._ ab September 2020 monatliche Beiträge von CHF 700.00 zu bezahlen. Schliesslich errichtete er zu Gunsten von C._ eine Besuchsrechtsbeistandschaft und betraute die zuständige KESB mit deren Vollzug. In prozessualer Hinsicht wurde verfügt, dass die vorsorgliche
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Massnahme verhandelt werde, und zwar nach Möglichkeit gleichzeitig mit der Hauptsache.
E/c. Am 3. September 2020 gelangte A._ mit einer Beschwerde an das Kantonsgericht von Graubünden. Diese wurde mit Urteil ZK1 20 123 vom 9. September 2020, mitgeteilt am 10. September 2020, insoweit gutgeheissen, als damit eine Rechtsverzögerung im Massnahmeverfahren (Proz. Nr. 135-2020-580) gerügt wurde. Der erstinstanzliche Instruktionsrichter wurde angewiesen, das betreffende Verfahren unverzüglich weiterzuführen.
E/d. Mit Verfügung vom 25. September 2020 (Proz. Nr. 135-2020-580), gleichentags mitgeteilt, bestätigte der Einzelrichter in Zivilsachen am Regionalgericht Plessur die superprovisorischen Massnahmen vom 24. August 2020.
E/e. Gegen diesen Entscheid erhob A._ am 2. Oktober 2020 beim Kantonsgericht von Graubünden Berufung, wobei sie die Aufhebung des Entscheids, mit Ausnahme der Errichtung der Besuchsrechtsbeistandschaft, beantragte. Mit prozessleitender Verfügung vom 22. Oktober 2020 erteilte die Vorsitzende der I. Zivilkammer der Berufung von A._ die aufschiebende Wirkung und hielt fest, dass für die weitere Dauer des Berufungsverfahrens die mit Entscheid des Einzelrichters am Regionalgericht Plessur vom 10. September 2019 (Proz. Nr. 135-2019-518) getroffenen vorsorglichen Massnahmen gelten würden. Eine von B._ gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde wies das Bundesgericht mit Urteil 5A_891/2020 vom 26. November 2020 ab, soweit es darauf eintrat. Mit Urteil ZK1 20 140 vom 2. März 2021, mitgeteilt am 3. März 2021, hiess das Kantonsgericht von Graubünden die Berufung von A._ gut, hob die angefochtene Verfügung im Rahmen der Anträge auf und präzisierte die Betreuungszeiten insofern, dass die Mutter C._ jeweils von Montag, 11.30 Uhr, bis Donnerstag, 19.00 Uhr, und der Vater sie jeweils von Donnerstag, 19.00 Uhr, bis Montag, 11.30 Uhr, betreut.
F/a. Im Hauptverfahren erging am 1. Oktober 2020 die Beweisverfügung. Die mündliche Hauptverhandlung fand am 5. Oktober 2020 statt. Mit Entscheid vom 5. Oktober 2020/13. August 2021, mitgeteilt am 1. November 2021, erkannte das Regionalgericht Plessur wie folgt:
1. Die unter der gemeinsamen elterlichen Sorge von B._ und A._ stehende Tochter C._, geboren am _ 2015, wird unter die alleinige Obhut von B._ gestellt.
2. Der Wohnsitz von C._ befindet sich am Wohnsitz von B._.
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3. Zugunsten von C._ werden folgende Kindesschutzmassnahmen angeordnet:
a) Es wird eine Besuchsrechtsbeistandschaft gemäss Art. 308 Abs. 2 ZGB errichtet bzw. eine bereits bestehende wird fortgeführt;
b) A._ und B._ werden im Sinne einer Weisung nach Art. 307 ZGB verpflichtet, den Kurs "Kinder im Blick" der kjp Graubünden zu besuchen;
c) A._ und B._ werden im Sinne einer Weisung nach Art. 307 ZGB verpflichtet, eine Mediation durchzuführen, insbesondere zur Verbesserung der Absprache-, Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit auf der Elternebene;
d) Die zuständige Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) wird mit dem Vollzug betraut.
4. A._ und B._ regeln das Besuchsrecht von A._ grundsätzlich im gegenseitigen Einvernehmen. Sollten sie sich nicht einig werden, gilt folgende Regelung:
a) A._ wird ein Besuchsrecht an zwei Nachmittagen pro Woche ihrer Wahl zwischen Montag und Freitag eingeräumt bzw. eine entsprechende Besuchspflicht verankert, wobei sich an einen Nachmittag eine Übernachtung anschliesst. Sie holt C._ nach dem Kindergarten bzw. nach der Schule ab und übergibt sie am Wohnort von B._ per 17.30 Uhr bzw. bringt sie nach der Übernachtung direkt in den Kindergarten bzw. in die Schule.
Die Wahl der Nachmittage durch A._ hat nachweislich in den 10 Tagen seit Mitteilung des Entscheids an sie zu erfolgen. Andernfalls kommt B._ das Recht zu, die Nachmittage zu bestimmen. Unterlässt auch er eine Festlegung, so fallen die Nachmittage auf Dienstag (mit Übernachtung) und Donnerstag.
b) Weiter hat A._ das Recht, C._ jeweils an den Wochenenden der geraden Kalenderwochen von Freitag, 17.30 Uhr, bis Sonntag, 17.30 Uhr, zu sich auf Besuch zu nehmen.
5. A._ und B._ regeln das Ferienrecht von A._ (darin eingeschlossen Feier- und Festtage) grundsätzlich im gegenseitigen Einvernehmen. Sollten sie sich nicht einig werden, gilt folgende Regelung:
a) Solange C._ schulpflichtig ist, hat A._ das Recht, C._ für 5 Wochen Ferien pro Jahr - grundsätzlich während den Schulferien - zu sich bzw. mit sich in die Ferien zu nehmen.
A._ hat B._ die Ferien jeweils schriftlich zwei Monate im Voraus bekanntzugeben. Andernfalls kommt B._ das Recht zu, die Ferienwoche/n zu bestimmen. Unterlässt auch er eine Festlegung, verbringt C._
- die Sportferien von einer Woche mit A._;
- in den Jahren mit gerader Zahl die erste Woche der Frühlingsferien sowie der Herbstferien mit A._, in Jahren mit ungerader Zahl jeweils die zweite Woche;
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- in den Jahren mit gerader Zahl die ersten zwei Wochen der Sommerferien mit A._, in Jahren mit ungerader Zahl jeweils die Wochen drei und vier.
b) Nach dem Ende der Schulzeit kann A._ während einer Woche pro Jahr mit C._ gemeinsam in die Ferien.
c) In Jahren mit gerader Zahl verbringt C._ Ostern bei B._, Pfingsten bei A._, den 24.12. bei B._ und den 25.12. bei A._. In Jahren mit ungerader Jahreszahl kehrt die Reihenfolge.
d) Die Ferien und Feiertage haben gegenüber der Besuchsrechtsregelung Vorrang, ohne dass dadurch eine Kompensation ausgelöst wird.
6. a) A._ wird verpflichtet, an den Unterhalt von C._ pro Monat folgende Unterhaltsbeiträge (zuzüglich allfälliger vertraglich vereinbarter und gesetzlicher Kinder- und Ausbildungszulagen) zu bezahlen:
- CHF 700.00 ab Vollstreckbarkeit des Entscheids bis und mit Februar 2025;
- CHF 850.00 ab März 2025 bis zum ordentlichen Abschluss einer angemessenen Ausbildung von C._, allenfalls auch über die Volljährigkeit hinaus.
b) Die Unterhaltsbeiträge sind monatlich im Voraus jeweils auf den Ersten eines jeden Monats an B._ zu bezahlen. Die Zahlungsmodalitäten gelten über die Volljährigkeit hinaus, solange C._ im Haushalt von B._ lebt und keine eigenen Ansprüche gegenüber A._ stellt bzw. keinen anderen Zahlungsempfänger bezeichnet.
7. a) Die Gerichtskosten von CHF 8'000.00 gehen zu einem Drittel (CHF 2'666.65) zu Lasten von B._ und zu zwei Dritteln (CHF 5'333.35) zu Lasten von A._.
b) Die unnötigen Prozesskosten von CHF 100.00 gehen zu Lasten von A._.
c) A._ hat B._ eine Parteientschädigung von CHF 7'930.00 (inkl. Barauslagen und MwSt.) zu bezahlen.
Infolge vermuteter Uneinbringlichkeit der Parteientschädigung wird Rechtsanwalt MLaw Tobias Brändli zu Lasten des Kantons Graubünden mit CHF 6'670.00 (1/3 von insgesamt CHF 20'000.00, inkl. Barauslagen und MwSt.; davon CHF 2'335.00 über Proz. Nr. 135-2019-67 und CHF 4'335.00 über Proz. Nr. 135-2019-643) entschädigt. Die Entschädigung wird aus der Gerichtskasse bezahlt.
d) Die B._ auferlegten Gerichtskosten von CHF 2'666.65 und die Kosten seiner unentgeltlichen Rechtsvertretung, Rechtsanwalt MLaw Tobias Brändli, von CHF 13'330.00 (2/3 von CHF 20'000.00, inkl. Barauslagen und MwSt.; davon CHF 4'665.00 über Proz. Nr. 135-2019-67 und CHF 8'665.00 über Proz. Nr. 135-2019-643) gehen unter Vorbehalt von Art. 123 ZPO zu Lasten des Kantons Graubünden und werden auf die Gerichtskasse genommen.
e) Die A._ auferlegten Gerichtskosten von CHF 5'333.35 und die Kosten ihrer unentgeltlichen Rechtsvertretung, Rechtsanwältin lic.
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iur. Laura Oesch, von CHF 16'000.00 (inkl. Barauslagen und MwSt.) gehen unter Vorbehalt von Art. 123 ZPO zu Lasten des Kantons Graubünden und werden auf die Gerichtskasse genommen.

## Considerations