# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b68c37a6-bc10-4461-975e-9014a2d7b34c
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2012
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Die Eheleute N. und V. K.-N. wurden am 24. Juni 2008 für die Staats- und
Gemeindesteuern 2006 nach Ermessen veranlagt, nachdem sie den verlangten
Nachweis über die Eigenfinanzierung einer am 2. Oktober 2006 erworbenen
Liegenschaft in U. nicht beigebracht hatten. Eine dagegen erhobene Einsprache wies
das kantonale Steueramt mit Entscheid vom 12. Februar 2009 ab. Ein Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission blieb ebenfalls erfolglos. Die Rekursinstanz wies das
Rechtsmittel mit Entscheid vom 16. Februar 2010 ab. Der entsprechende Entscheid
wurde am 18. Februar 2010 expediert und am 20. Februar 2010 zugestellt.
Mit Eingabe vom 17. März 2010 reichten N. und V. K.-N. diverse Unterlagen bei der
Verwaltungsrekurskommission ein. Der Abteilungspräsident übermittelte die Eingabe
mitsamt den eingereichten Unterlagen am 18. März 2010 an das Verwaltungsgericht.
Dieses teilte am 19. März 2010 N. und V. K.-N. mit, der Entscheid betreffend Staats-
und Gemeindesteuern sei rechtskräftig. Die Frist für eine Beschwerde gegen den
Entscheid betreffend direkte Bundessteuer sei möglicherweise noch nicht abgelaufen.
Wenn innert der gesetzlichen Frist keine gültige Beschwerde gegen den Entscheid
betreffend direkte Bundessteuer eingereicht werde, würden die Unterlagen wieder
retourniert. Auf dieses Schreiben reagierten N. und V. K.-N. nicht.
B./ Mit Eingabe vom 5. November 2010 ersuchte N. K. beim kantonalen Steueramt
darum, es sei nochmals ein gerechter Gerichtsprozess durchzuführen. Am 14. Januar
2011, 28. Januar 2011 und 9. Februar 2011 reichte er sodann weitere Eingaben sowie
Unterlagen ein. Das kantonale Steueramt übermittelte diese Eingaben am 11. Februar
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2011 an die Verwaltungsrekurskommission mit dem Hinweis, die Eingaben würden als
(sinngemässes) Begehren um Wiederaufnahme des Verfahrens gegen den Entscheid
vom 16. Februar 2010 betrachtet.
Der Abteilungspräsident der Verwaltungsrekurskommission orientierte N. K. mit
Schreiben vom 22. Februar 2011 über die Weiterleitung der Eingaben und Unterlagen
durch das kantonale Steueramt. Gleichzeitig wies er ihn darauf hin, dass noch kein
eigentliches Revisionsgesuch gestellt worden sei; sollte ein solches Verfahren
gewünscht sein, so sei bis zum 22. März 2011 ausdrücklich ein Revisionsgesuch zu
stellen und ein Revisionsgrund zu bezeichnen. Mit Schreiben vom 28. Februar 2011
stellte N. K. Antrag auf Revision. Zur Begründung gab er an, die Einschätzungen für die
Steuern 2006 seien fehlerhaft. Die Verwaltungsrekurskommission trat darauf mit
Entscheid vom 20. Oktober 2011 nicht ein.
C./ Mit Eingabe vom 19. November 2011 erhob N. K. Beschwerde gegen den
Entscheid der Verwaltungsrekurskommission vom 20. Oktober 2011. Mit
verfahrensleitender Anordnung vom 23. November 2011 gewährte der
Verwaltungsgerichtspräsident eine Frist zur Beschwerdeergänzung bis zum
9. Dezember 2011. In der Beschwerdeergänzung vom 9. Dezember 2011 liessen N.
und V. K.-N. über ihren mittlerweile beigezogenen Rechtsvertreter folgende Anträge
stellen:
"1. Es sei der Entscheid der Verwaltungsrekurskommission vom 20. Oktober 2011
vollumfänglich aufzuheben;
2. Es sei die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit es die Eingabe der
Beschwerdeführer vom 5. November 2011 als Wiederherstellungsgesuch entgegen
nimmt, und das Revisionsverfahren bis zum rechtskräftigen Entscheid über dieses
Wiederherstellungsgesuch sistiert;
3. Eventualiter sei das Revisionsgesuch der Beschwerdeführer gutzuheissen, und es
sei die für das Steuerjahr 2006 erfolgte ermessensweise Aufrechnung von
Fr. 280'000.-- ersatzlos aufzuheben;
4. Unter Kosten und Entschädigungsfolgen."
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Die Verwaltungsrekurskommission beantragte in ihrer Vernehmlassung vom
13. Dezember 2011 Abweisung der Beschwerde, soweit darauf eingetreten werden
könne. Das kantonale Steueramt erklärte mit Schreiben vom 16. Dezember 2011
Verzicht auf eine Vernehmlassung.
Am 26. Januar 2012 wurden die Vernehmlassungen an den Rechtsvertreter von N. und
V. K.-N. weitergeleitet. Gleichzeitig wurde ihm Gelegenheit gegeben, innert einer Frist
von vierzehn Tagen zu den in den Vernehmlassungen allfällig vorgebrachten neuen
tatsächlichen und rechtlichen Argumenten eine ergänzende Stellungnahme
einzureichen. N. und V. K.-N. liessen sich am 9. Februar 2012 ergänzend vernehmen.
Auf die Begründungen von N. und V. K.-N. und der Verwaltungsrekurskommission
sowie auf die Ausführungen im angefochtenen Entscheid wird, soweit erforderlich, in
den folgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
2. Die Beschwerdeführer beantragen primär die Aufhebung des angefochtenen
Entscheids. Sie begründen diesen Antrag damit, die Vorinstanz habe das falsche
Verfahren durchgeführt; es wäre nicht ein Revisionsverfahren durchzuführen gewesen,
sondern die Vorinstanz hätte die Eingabe vom 5. November 2010 als
Wiederherstellungsgesuch entgegennehmen müssen. Die Beschwerdeführer verlangen
deshalb eine Rückweisung an die Vorinstanz zum Entscheid über das
Wiederherstellungsgesuch.
2.1. Gerichtliche Eingaben haben einen Antrag und eine Begründung zu enthalten. Dies
gilt gleichermassen auch für ein Revisionsgesuch und ein Gesuch um
Fristwiederherstellung. Lässt das Begehren die Absicht der gesuchtellenden Partei
nicht hinreichend erkennen, kann zur Auslegung auch die Begründung beigezogen
werden. Es wird sogar als hinreichend erachtet, wenn das Begehren nur aus der
Begründung hervorgeht (Kölz/Häner, Verwaltungsverfahren und
Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Auflage, Zürich 1998). Bedeutsam ist, dass
eine Prozesserklärung nicht buchstabengetreu ausgelegt werden darf. Es ist vielmehr
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danach zu fragen, welcher Sinn ihr vernünftigerweise beizumessen sei.
Dementsprechend ist sie unter Berücksichtigung von Treu und Glauben auszulegen,
das heisst, sie muss so ausgelegt werden, wie sie der Empfänger nach den gesamten
Umständen nach guten Treuen verstehen durfte und verstehen musste (BGer 1P.
424/2003 vom 3. September 2003, E. 2.5).
2.2. Vorliegend machte der Beschwerdeführer in der Eingabe vom 5. November 2010
geltend, er verlange nochmals einen Gerichtsprozess unter Einschluss all derjenigen
Personen, denen er Land verkauft habe, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Er
brachte damit zum Ausdruck, dass er mit der ergangenen Entscheidung nicht
einverstanden ist. Mit den Eingaben vom 28. Januar 2011 und vom 9. Februar 2011
reichte er zudem weitere Unterlagen über Landverkäufe im Kosovo ein, deren Erlöse er
zur Finanzierung der Liegenschaft in U. verwendet haben will. Offensichtlich war er der
Meinung, mit den neu eingereichten Unterlagen die ergangene Entscheidung
widerlegen zu können. Dabei wandte er sich an das kantonale Steueramt. All dies lässt
die Absicht erkennen, den Sachverhalt mit den neu eingereichten Beweismitteln richtig
stellen und damit eine erneute (gerichtliche) Beurteilung auf verbesserter Grundlage
erreichen zu wollen. In keiner Eingabe ist von einer Fristversäumnis die Rede. Von
daher ist auch nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz ein Revisionsverfahren
eingeleitet hat. Dies gilt umso mehr, als der Beschwerdeführer auf entsprechende
Nachfrage der Vorinstanz hin mit Schreiben vom 28. Februar 2011 bekräftigt hat, es sei
ein Revisionsverfahren durchzuführen. Dadurch wurde der Streitgegenstand klar
bestimmt. Dies liegt denn auch aufgrund der in diesem Zusammenhang geltenden
Dispositionsmaxime am Beschwerdeführer. Dabei kann von ihm ein Mindestmass an
Sorgfalt verlangt werden (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St.
Gallen, 2. Auflage, St. Gallen 2003, Rz. 916). Auch deshalb war die Vorinstanz nicht
gehalten, das nun sogar ausdrücklich gestellte Revisionsbegehren noch in Frage zu
stellen.
3. Selbst wenn aber die Eingabe vom 5. November 2010 als Wiederherstellungsgesuch
aufzufassen wäre, könnte einem entsprechenden Gesuch nicht stattgegeben werden.
Ein die Fristwiederherstellung rechtfertigender Grund ist nicht nachgewiesen. Aus den
eingereichten Arztzeugnissen ergibt sich zwar, dass der Beschwerdeführer vom 21. Juli
2009 bis Ende November 2010 zwischen 75% und 100% arbeitsunfähig war. Dass es
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ihm deswegen aber nicht möglich war, auf den Rekursentscheid vom 16. Februar 2010
zu reagieren, weist der Beschwerdeführer nicht nach. Immerhin war es ihm möglich,
am Rekursverfahren teilzunehmen und sich nach Erhalt des Rekursentscheids mit
Eingabe vom 17. März 2010 nochmals an die Verwaltungsrekurskommission zu
wenden. Ausserdem legt der Beschwerdeführer nicht einmal dar, an was für einer
Erkrankung er litt. Des Weiteren machen es sich die Beschwerdeführer zu einfach,
wenn sie ausführen, die Ehefrau spreche kein Deutsch und damit eine Fristversäumnis
rechtfertigen wollen. Fehlende Sprachkenntnisse stellen keinen
Fristwiederherstellungsgrund dar, ansonsten wäre immer dann, wenn eine Verfügung
oder ein Entscheid an eine (nicht vertretene) Person zugestellt wird, die der deutschen
Sprache nicht oder kaum mächtig ist, so lange ein Säumnisgrund gegeben, bis die
Sprache genügend beherrscht wird. Dies erscheint nicht sachgerecht. Auch von einer
sprachunkundigen Person kann erwartet werden, dass sie Hilfe beizieht, wenn sie den
Inhalt einer Verfügung oder eines Entscheids nicht versteht, um in der Folge die
allenfalls notwendigen weiteren Vorkehrungen treffen zu können. Macht sie dies nicht,
lässt sie die gebotene Sorgfalt nicht walten.
4. Eventualiter beziehungsweise für den Fall, dass von einem Revisionsgesuch
ausgegangen würde, beantragen die Beschwerdeführer dessen Gutheissung. Eine
Revision fällt jedoch allein schon deshalb dahin, weil nicht ersichtlich ist, weshalb die
erst im Revisionsverfahren eingereichten Unterlagen nicht schon im ordentlichen
(Rechtsmittel-)Verfahren beigebracht werden konnten. Es ist somit ein
Ausschlussgrund im Sinn von Art. 197 Abs. 2 StG beziehungsweise Art. 51 Abs. 2 des
Steuerharmonisierungsgesetzes (SR 642.14) gegeben. Daran ändert auch die von Juli
2009 bis Ende November 2010 dauernde Krankheit des Beschwerdeführers nichts. Die
Ermessensveranlagung wurde am 24. Juni 2008 vorgenommen, und der
Einspracheentscheid datiert vom 12. Februar 2009. Bei Eintritt der Krankheit war also
das Veranlagungs- beziehungsweise Rechtsmittelverfahren schon längst im Gange.
5. (...).
Demnach hat das Verwaltungsgericht