# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b55ade91-7982-4545-a7ae-87bec989830b
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_005
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

den Rechtsschriften geschilderten Sachverhalt samt den daraus zu
schliessenden Rechtsfolgen. Wenn bereits das Aufstellen mobiler
Weidezäune und die Nutzung des damit eingefriedeten Bodens in der G1
als Auslaufflächen für die Pferdehaltung unzulässig sei, müsse dies umso
mehr auch bei einer Hühnerfarm gelten. Diese diene dem ständigen
Aufenthalt von Tieren und dem Aufenthalt von Menschen während der
Arbeitszeit. Das Verwaltungsgericht habe im Urteil R 02 87 erwogen, dass
es irrelevant sei, ob eine Anlage dem längeren oder nur kurzen Aufenthalt
von Personen diene.
18. Mit Schreiben vom 21. April 2014 äusserte sich die Beschwerdeführerin
zum Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 24. März 2014. Die
Gemeinde erlaube die Errichtung eines Pferdestalls an der Grenze zu
einer Gefahrenzone 2 (G2). Später solle, nach dem Prinzip der
Salamitaktik, ein Ausbildungsplatz und eine Weide in der G1 eingezäunt
werden. Die Pferde würden sich in der G1 und in der G2 im Freien
aufhalten. Die Gemeindeversammlung sei dem Vorschlag des
Gemeindevorstands in dieser Hinsicht gefolgt, dies gelte es für die
Beurteilung des vorliegenden Falls zu berücksichtigen.

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt in vorliegender Angelegenheit bildet die Verfügung des
Gemeindevorstands vom 25. September 2013. Entscheide von
Gemeinden können gemäss Art. 49 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) mit Beschwerde beim
Verwaltungsgericht angefochten werden, soweit diese nicht bei einer
anderen Instanz angefochten werden können oder nach kantonalem oder
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eidgenössischem Recht endgültig sind. Auf die frist- und formgerecht
eingereichte Beschwerde ist einzutreten. Strittig und zu prüfen ist, ob die
Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin zu Recht verboten hat, die
Geflügelfarm zum Weiterbetrieb zu verpachten.
2. Die Parzelle 338 der Beschwerdeführerin liegt in der Gefahrenzone 1
(G1). Nach Art. 38 Abs. 1 des Raumplanungsgesetzes für den Kanton
Graubünden (KRG; BR 801.100) umfassen Gefahrenzonen Gebiete, die
durch Lawinen, Rutschungen, Steinschlag, Überschwemmungen oder
andere Naturereignisse bedroht sind. In der G1 dürfen nach Art. 38 Abs. 2
KRG keine neuen Bauten und Anlagen erstellt werde, die dem Aufenthalt
von Menschen und Tieren dienen. Bestehende Bauten und Anlagen, die
dem Aufenthalt von Menschen und Tieren dienen, dürfen nur erneuert
werden. Nach Rechtsprechung ist dabei die Dauer eines Aufenthalts nicht
entscheidend (Urteile des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden
R 12 96 vom 5. März 2013 E.3b, R 02 87 vom 25. Februar 2003 E.2b;
Urteil des Bundesgerichts 1A.125/2000 vom 23. August 2000 E.3c). Die
Geflügelfarm der Beschwerdeführerin wurde vor der Ausscheidung der
G1 errichtet, womit sie als bestehende Baute im Sinne von Art. 38 Abs. 2
Satz 2 KRG gilt. Weil sich die Rechtsfolgen von bestehenden Gebäuden
gegenüber neuen Bauten und Anlagen in der Gefahrenzone nach Art. 38
Abs. 2 KRG deutlich unterscheiden, ist der Vergleich der
Beschwerdegegnerin zu einem in einer G1 neu zu erstellenden mobilen
Weidezaun von vornherein unbeachtlich. Ebenfalls zu unterscheiden ist
die Situation von einem Pferdestall, welcher an der Grenze zur G2 erstellt
werden soll.
3. a) Am 10. Februar 2003 verfügte die Beschwerdegegnerin im Nachgang an
das Felssturzereignis vom 27. November 2002 gestützt auf Art. 24 des
damaligen Baugesetzes der Gemeinde X._ (aBG) und unter
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analoger Anwendung von Art. 75 aBG sowie gestützt auf die allgemeine
Polizeiklausel ein Nutzungs- und Betretungsverbot für die Gebäude auf
den Parzellen 338 und 369. Zudem wurden die Eigentümer der Parzellen
verpflichtet, die Gebäude innert eines Jahres ab Rechtskraft der
Verfügung abzubrechen. Diese Verfügung blieb unangefochten und ist in
Rechtskraft erwachsen. Die eingelegten Tonbandaufnahmen datieren von
2002 und sind deshalb für die Beurteilung der vorliegenden Streitigkeit
nicht mehr relevant. Am 19./23. Januar 2004 verlängerte der
Gemeindevorstand betreffend die Parzelle 338 die Frist der Verfügung
vom 10. Februar 2003 zur Einstellung des Betriebes am bisherigen
Standort einmalig und definitiv bis zum 31. Dezember 2005. Die Gebäude
seien bis zum Ablauf dieser Frist abzubrechen. Auch diese Verfügung
blieb unangefochten und ist in Rechtskraft erwachsen.
b) Am 28. November 2005 wurde als Ergänzung zu der Verfügung vom
10. Februar 2003 eine Vereinbarung zwischen der Beschwerdeführerin
und der Beschwerdegegnerin geschlossen, mit welcher das früher
verfügte Nutzungs- und Betretungsverbot sowie der Abbruchbefehl für die
Bauten nochmals gelockert wurde. Eine sofortige Aussiedlung der
Geflügelfarm sei aus Sicht der individuellen Risiken nicht zwingend,
weswegen in Beachtung der Besitzstandsgarantie die Weiterexistenz und
die Weiternutzung der Geflügelfarmbauten auf Parzelle 338
ausnahmsweise und im Sinne eines Reverses bewilligt werden könne.
Diese Ausnahmebewilligung bezog sich auf die bestehenden Bauten und
den bestehenden Betrieb. Eine fixe zeitliche Befristung, welche in den
vorangegangenen Verfügungen noch enthalten war, wollte man offenbar
nicht mehr treffen. Zeitlich wurde der Weiterbetrieb der Geflügelfarm
durch die A._ AG deshalb solange erlaubt, als C._
wirtschaftliche Eigentümerin des Betriebs ist und diesen selber betreibt.
Mit dieser Vereinbarung wurde die rechtskräftige Verfügung von 2003,
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verlängert mit Verfügung vom 19./23. Januar 2004, teilweise abgeändert,
behielt im Übrigen aber ausdrücklich ihre Gültigkeit. Gestützt auf diese
Vereinbarung hat es die Gemeinde mit Verfügung vom 25. September
2013 der Beschwerdeführerin untersagt, die Geflügelfarm zum
Weiterbetrieb zu verpachten. Gegen diese Verfügung hat die
Beschwerdeführerin Beschwerde erhoben.
c) Grundlage und Schranke staatlichen Handelns ist das Recht (Art. 5
Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft
[BV; SR 101]). Fraglich und nachfolgend zu prüfen ist, ob sich das
verfügte Verbot zur Verpachtung der Geflügelfarm zum Weiterbetrieb auf
eine rechtliche Grundlage stützen lässt oder ob die Vereinbarung von
2005 eine ausreichende Grundlage dafür darstellt.
4. a) Nach Art. 38 Abs. 2 KRG ist der Bestand bestehender Bauten und
Anlagen in der Gefahrenzone gewährleistet. Bestehende Bauten und
Anlagen in der G1 geniessen folglich einen eingeschränkten
Besitzstandsschutz. Die Besitzstandsgarantie wird aus der
Eigentumsgarantie, dem Gebot von Treu und Glauben und dem
Rückwirkungsverbot abgeleitet und schützt die unter früherem, heute
nicht mehr in Kraft stehendem Recht erworbenen Rechtspositionen. Die
Besitzstandsgarantie weist allerdings keinen selbständigen normativen
Gehalt auf. Vielmehr ergibt sich deren Tragweite aus einer im Einzelfall
vorzunehmenden, umfassenden Abwägung aller relevanten öffentlichen
und privaten Interessen, wobei sich die Rechtsfolgen in erster Linie nach
den einschlägigen gesetzlichen Regelungen der Besitzstandsgarantie
richten, welche ihrerseits eine Konkretisierung jener Güterabwägung
darstellt (GRIFFEL ALAIN, Raumplanungs- und Baurecht in a nutshell,
Zürich/St. Gallen 2012, S. 169). Nach Art. 38 Abs. 2 KRG erstreckt sich
die Besitzstandsgarantie auf das Unterhalten bestehender Bauten und
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Anlagen. Nicht ausdrücklich beantwortet wird vom Gesetz die Frage, ob
Bauten oder Anlagen im Rahmen dieser Besitzstandsgarantie auch
betrieben werden dürfen. Davon ist allerdings auszugehen, muss sich
doch die Besitzstandsgarantie, welche den Unterhalt bestehender Bauten
und Anlagen zulässt, konsequenterweise auch auf die ehemals
rechtmässige Nutzung beziehen.
b) Für die Beschränkung der Betriebsberechtigung auf die wirtschaftliche
Eigentümerin stellt Art. 38 KRG demnach keine genügende gesetzliche
Grundlage dar. Auch lässt sich weder dem KRG noch anderen
kantonalen oder kommunalen Regelungen eine gesetzliche Grundlage für
diese Art der Benutzungsbeschränkung entnehmen. Sodann vermag
auch die polizeiliche Generalklausel vorliegend die fehlende gesetzliche
Grundlage nicht zu ersetzen. Zum einen fehlt es bereits an den
Voraussetzungen für die Anwendbarkeit der polizeilichen Generalklausel.
Diese bedingt nach ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung
nämlich, dass ein fundamentales Rechtsgut betroffen ist, eine schwere
und unmittelbare Gefahr droht, zeitliche Dringlichkeit gegeben ist, keine
geeigneten gesetzlichen Massnahmen zur Verfügung stehen und die
Gefahrenlage für den Gesetzgeber atypisch und unvorhersehbar war
(HÄFELIN ULRICH/MÜLLER GEORG/UHLMANN FELIX, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 6. Auflage, Zürich/St. Gallen 2010, N.2467 ff.;
TSCHANNEN PIERRE/ZIMMERLI ULRICH/MÜLLER MARKUS, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 3. Auflage, Bern 2009, § 56 N. 6). Im Schreiben vom
23. August 2005 führte das AWN aus, dass eine Aussiedlung weder
aufgrund kollektiver Risiken, noch aus der Sicht von individuellen Risiken
verhältnismässig bzw. zwingend notwendig sei. Die Gefahrensituation
wurde demnach – anders als noch im Jahr 2003 – nicht als derart
dringlich eingeschätzt, dass sofortiges Handeln notwendig gewesen wäre.
An dieser Gefahrenbeurteilung hat sich seither nichts geändert. Damit
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fehlt es an der dringlichen Gefahrensituation für die Anwendung der
polizeilichen Generalklausel. Selbst wenn aber die Voraussetzungen der
polizeilichen Generalklausel erfüllt wären, wäre eine
Betriebsbeschränkung auf die wirtschaftliche Eigentümerin keine sachlich
gerechtfertigte und geeignete Massnahme zur Abwendung einer
unmittelbar drohenden, schweren Gefahr. Die Verfügung, wonach die
Beschwerdeführerin die Geflügelfarm nicht verpachten darf, findet damit
weder eine gesetzliche Grundlage, noch lässt sie sich auf die polizeiliche
Generalklausel stützen.
5. a) Die Beschwerdegegnerin begründet die ablehnende Verfügung mit der
abgeschlossenen Vereinbarung. Die Vereinbarung vom 28. November
2005 regelt den Umgang mit einer aufgrund der Ausscheidung einer
Gefahrenzone nachträglich rechtswidrig gewordenen Baute und bezieht
sich damit auf einen Bereich des öffentlichen Rechts, wobei der Staat in
seiner hoheitlichen Funktion auftritt. Die Vereinbarung ist deshalb als
öffentlich-rechtlicher Vertrag zu qualifizieren. Leistungen aus öffentlich-
rechtlichen Verträgen sind nach Art. 63 Abs. 1 lit. b VRG grundsätzlich auf
dem Weg der verwaltungsrechtlichen Klage durchzusetzen. In diesem
Verfahren kann die Gültigkeit des Vertrages bestritten werden, wobei sich
die Rügen sowohl auf das Zustandekommen des Vertrages, als auch auf
den Vertragsinhalt beziehen können. Die Beschwerdeführerin hat
vorliegend aber keine Klage gegen den öffentlich-rechtlichen Vertrag,
sondern Beschwerde gegen die gestützt auf den Vertrag erlassene
Verfügung erhoben. Auch in einem solchen Beschwerdeverfahren kann
die Beschwerdeführerin aber gegen den Bestand der Verfügung die
Ungültigkeit des Vertrags einwenden (vgl. BGE 105 Ia 207 E. 2c;
WALDMANN BERNHARD, Der verwaltungsrechtliche Vertrag – eine
Einführung, in: Der verwaltungsrechtliche Vertrag in der Praxis, hrsg. von
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Isabelle Häner und Bernhard Waldmann, Zürich/Basel/Genf 2007, S. 1 ff.,
S. 17).
b) Die Beschwerdeführerin führt gegen die Gültigkeit des Vertrags an,
anlässlich der Vertragsunterzeichnung gefragt zu haben, was der Satz:
„Zeitlich gilt die Bewilligung solange, als Frau C._ die Geflügelfarm
als wirtschaftliche Eigentümerin betreibt“, heisse. Darauf habe ihr der
Gemeindepräsident gesagt: „Sie dürfen die Geflügelfarm nicht verkaufen.“
Sie wolle aber die Geflügelfarm nicht verkaufen, sondern verpachten, weil
sie die Belastung und die Verantwortung aus gesundheitlichen Gründen
nicht mehr selber tragen könne. Damit macht die Beschwerdeführerin
einen Willensmangel beim Vertragsabschluss geltend. Sodann ist die
Beschwerdeführerin der Ansicht, dass der Vertrag auslegungsbedürftig
sei.
6. a) Der Abschluss von verwaltungsrechtlichen Verträgen gilt grundsätzlich als
zulässige Handlungsform des Verwaltungsrechts, sofern das vertragliche
Handeln vom Gesetz nicht ausdrücklich oder stillschweigend
ausgeschlossen wird. Zum Abschluss solcher Verträge braucht das
Gemeinwesen demnach keine ausdrückliche Ermächtigung im Gesetz
(TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, a.a.O., § 33 N. 21; BGE 136 I 142 E.4.1,
105 Ia 207 E.2a). Sodann müssen sachliche Gründe für die Wahl der
Vertragsform gegeben sein. Diese sind bereits dann gegeben, wenn sich
der Vertrag für die Regelung des konkreten Rechtsverhältnisses besser
eignet, als die Verfügung, beispielsweise weil ein Konflikt zwischen dem
Gemeinwesen und einem Privaten einvernehmlich beigelegt werden soll
(TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, a.a.O., § 33 N. 24 ff.).
b) Der Staat bleibt aber auch beim Handeln in Vertragsform an das
Legalitätsprinzip gebunden (BGE 105 Ia 207 E.2b). Der Vertragsinhalt
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darf demnach nicht gegen eine gültige Rechtsnorm verstossen und muss
auf einem generell-abstrakten, genügend bestimmten Rechtssatz
beruhen, der in Form eines Gesetzes erlassen worden sein muss, wenn
es sich um eine wichtige Regelung handelt. Die Anforderungen an die
Bestimmtheit des Rechtssatzes sind jedoch geringer als bei Verfügungen,
sofern das Bedürfnis nach Rechtssicherheit und Rechtsgleichheit wegen
der Zustimmung zur Ausgestaltung des Rechtsverhältnisses durch die
Privaten als geringfügiger erscheint. Auch die Grundlage im Gesetz kann
bei Verträgen im Allgemeinen schmaler sein als bei Verfügungen, weil
staatliche Eingriffe in die Rechte der Privaten weniger intensiv und damit
weniger wichtig sind, wenn die Betroffenen ihnen zustimmen (BGE 136 I
142 E.4.1; MÜLLER GEORG, Zulässigkeit des Vertrags und zulässige
Vertragsinhalte, in: Der verwaltungsrechtliche Vertrag in der Praxis, Häner
Isabelle/Waldmann Bernhard [Hrsg.], 2007, S. 25 ff., S. 36 f.). es wird als
genügend angesehen, wenn sich die von der betroffenen Person zu
erbringende Leistung bzw. eingegangene Verpflichtung auf ein Gesetz
zurückführen lässt (HÄNER ISABELLE, Die Einwilligung der betroffenen
Person als Surrogat der gesetzlichen Grundlage bei individuell-konkreten
Staatshandlungen, ZBl 2002, S. 57 ff., S. 60). Den Privaten dürfen jedoch
keine wesentlichen Pflichten auferlegt oder bedeutende Rechte entzogen
werden, ohne dass sich dies aus dem Gesetz ableiten lässt (HÄNER,
a.a.O., S. 73 f.; MÄCHLER, § 12 N. 76 ff.; MÜLLER, a.a.O., S. 34). Ein
öffentlich-rechtlicher Vertrag kann damit zwar auch abgeschlossen
werden, wenn keine Norm ausdrücklich dazu ermächtigt, und eine
Vertragspartei darf auch zu Leistungen verpflichtet werden, welche ihr die
Behörde mittels Verfügung nicht auferlegen könnte, doch müssen auch
die vertraglich vereinbarten Leistungen auf einer gesetzlichen Grundlage
beruhen (BGE 136 I 142 E.4.2; Urteil des Bundesgerichts 1A.266/2005
vom 13. März 2006 E.2.4 und 2.5). Es braucht somit zumindest eine
Kompetenznorm, das heisst, der Staat muss grundsätzlich die Befugnis
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haben, im betreffenden Sachbereich tätig zu werden. Zum andern darf
der Vertrag nicht in Widerspruch zum Gesetz treten (HÄNER ISABELLE, Die
Einwilligung der betroffenen Person als Surrogat der gesetzlichen
Grundlage bei individuell-konkreten Staatshandlungen, ZBl 2002, S. 57
ff., S. 60).
c) Ein verwaltungsrechtlicher Vertrag erwächst nicht in Rechtskraft, sodass
seine Rechtmässigkeit jederzeit überprüft werden kann. Ursprünglich
fehlerhafte verwaltungsrechtliche Verträge sind dabei aber nicht ohne
weiteres nichtig (BGE 105 Ia 207 E.2b). Bei einem die private Person
begünstigenden Vertrag, sind die Rechtswirkungen einer inhaltlich
fehlerhaften Vereinbarung aufgrund einer Abwägung zwischen dem
Interesse an der richtigen Durchführung des objektiven Rechts und dem
Vertrauensschutz des Bürgers zu bestimmen. Die Nichtigkeit eines
Vertrages ist nur anzunehmen, wenn das Interesse an der richtigen
Durchführung des objektiven Rechts überwiegt. Im vorliegenden Fall steht
jedoch nicht ein begünstigender, sondern ein die private Person jedenfalls
teilweise belastender Vertrag zur Diskussion. Es ist auch in diesem Fall
anzunehmen, dass nicht jeder rechtliche Mangel geeignet ist, die
Nichtigkeit des Vertrages zu bewirken, sondern dass diese Folge nur mit
Hinblick auf derartige Rechtsfehler eintritt, die schwer genug sind, damit
die Geltendmachung durch den Privaten, der dem Vertrag vorher seine
Zustimmung erteilt hat, nicht als gegen Treu und Glauben verstossend
erscheint. Insbesondere wird die Ungültigerklärung eines öffentlich-
rechtlichen Vertrages wegen inhaltlicher Mängel nur unter erschwerten
Voraussetzungen in Frage kommen, wenn die Vereinbarung
Vergleichscharakter trägt (BGE 105 Ia 207 E.2b).
d) Die Vereinbarung von 2005 bewirkt eine über die in Art. 38 Abs. 2 KRG
gewährleistete Besitzstandsgarantie hinausgehende
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Eigentumsbeschränkung. Dafür gibt es keine gesetzliche Grundlage.
Auch die polizeiliche Generalklausel vermag diese Lücke nicht zu
schliessen. Das AWN führte in seinem Schreiben vom 23. August 2005
aus, dass es zwar nach wie vor gerechtfertigt sei, dass die Parzelle, auf
der sich die Geflügelfarm befinde, von einer G1 überlagert werde.
Allerdings wurde eine Aussiedlung sowohl aufgrund der kollektiven, als
auch der individuellen Risiken für unverhältnismässig und nicht zwingend
beurteilt. Damit wurde die Situation anders als im Jahr 2003 als nicht
mehr derart prekär beurteilt, dass sofortiges Handeln geboten gewesen
wäre. Mit anderen Worten drohte keine zeitlich dringliche, d.h. unmittelbar
bevorstehende, schwere und unmittelbare Gefahr mehr. Selbst wenn aber
die Voraussetzungen für die Anwendung der polizeilichen Generalklausel
erfüllt gewesen wären, so wäre eine Beschränkung der
Betriebsmöglichkeit auf die wirtschaftliche Eigentümerin unzulässig. Denn
wie die Beschwerdeführerin und die Beschwerdegegnerin
übereinstimmend und zu Recht ausführen, kann es nicht auf die
Eigenschaften der zu schützenden Personen ankommen. Es ist also ohne
Belang, ob die Betriebsleiterin und wirtschaftliche Eigentümer, deren
Angestellte oder eine Pächterin sich (zu Arbeitszwecken) in den
Gebäulichkeiten der Hühnerfarm aufhält. Eine solche Regelung wäre
demnach selbst in diesem Fall nicht sachlich gerechtfertigt und deshalb
als willkürlich zu bezeichnen. Die Vereinbarung, wonach der
Weiterbeitrieb der Geflügelfarm nur dann gestattet ist, wenn die
Beschwerdeführerin diese als wirtschaftliche Eigentümerin selber
weiterbetreibt, hat damit weder eine gesetzliche Grundlage, noch lässt sie
sich anderweitig sachlich begründen.
7. a) Damit kann festgehalten werden, dass die angefochtene Verfügung,
welche die Verpachtung der Geflügelfarm zum Weiterbetrieb untersagt,
eine Eigentumsbeschränkung darstellt, die sich weder auf eine
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gesetzliche Grundlage stützt, noch aufgrund der polizeilichen
Generalklausel gerechtfertigt ist. Von der Gemeinde wird diesbezüglich
auf den Vertrag verwiesen. Bereits dieser hat aber, was die
Befristungskriterien anbetrifft, keine gesetzliche Grundlage und lässt sich
auch nicht auf eine solche zurückführen. Damit ist es auch nicht von
Bedeutung, dass die Beschwerdeführerin der Vereinbarung zugestimmt
hat. Die Gemeinde konnte sich deshalb beim Erlass der angefochtenen
Verfügung nicht auf die Vereinbarung stützen.
b) Im Übrigen vermag auch die Verfügung vom 10. Februar 2003 an dieser
Beurteilung nichts zu ändern, weil eine Betriebsbeschränkung auf die
wirtschaftliche Eigentümerin nicht Gegenstand der Verfügung war. Was
dies für den Weiterbetrieb der Geflügelfarm bedeutet, ist im vorliegenden
Verfahren nicht zu entscheiden. Hinzuweisen bleibt aber darauf, dass das
kommunale BG auch in seiner im Jahr 2003 geltenden Fassung keine
rechtliche Grundlage für die verfügten Massnahmen darstellte. Ob sich
die Gemeinde damals zu Recht auf die polizeiliche Generalklausel berief,
kann vorliegend offen gelassen werden. Zumindest seit dem Schreiben
des AWN vom 23. August 2005 kann die Gefahr aber nicht mehr als
derart dringlich beurteilt werden, dass sich sofortige Massnahmen
gestützt auf die polizeiliche Generalklausel rechtfertigen würden. Damit
dürfte sich allenfalls die Frage eines Widerrufs stellen.
Zudem ist auch darauf hinzuweisen, dass sich die Bedrohungslage im
Zeitraum von 2003–2005 erheblich verändert hat, womit ein allfälliger
Vollzug der rechtskräftigen Verfügung vom 10. Februar 2013 heute
angesichts der seit 2005 bestehenden abnehmenden Bedrohungslage
ohnehin als unverhältnismässig taxiert werden müsste. Angesichts der
heutigen Bedrohungslage besteht kein Anlass die Geflügelfarm anders zu
behandeln als andere bestehende Bauten und Anlagen im Sinne Art. 38
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Abs. 2 KRG, die dem Aufenthalt von Menschen und Tieren dienen.
Danach könnte die Geflügelfarm im Rahmen von Art. 38 Abs. 2 KRG
weiterbetrieben werden, was die Verpachtung selbstverständlich
miteinschliesst, wenn eine Pächterin oder ein Pächter den Betrieb wie bis
anhin führt.
Bei diesem Ausgang wird auch klar, dass dem Revers keine Bedeutung
mehr zukommt. Die angefochtene Verfügung ist deshalb ersatzlos
aufzuheben und die Beschwerde in diesem Punkt gutzuheissen.
8. Sodann macht die Beschwerdeführerin geltend, es handle sich vorliegend
um eine Eigentumsbeschränkung, die entschädigt werden müsse. Wie
soeben ausgeführt, stellt das Verbot zur Verpachtung eine unzulässige
Eigentumsbeschränkung dar, die zu beseitigen ist, womit das Interesse
an einer Entschädigung entfällt. Soweit die Beschwerdeführerin aber eine
Entschädigung für die Eigentumsbeschränkung aufgrund der
Überlagerung durch die G1 verlangen sollte, kann auf das Begehren im
Rahmen dieses Verfahrens nicht eingetreten werden. Dieses Begehren
wäre in einem Enteignungsverfahren zufolge Zuweisung von Parzelle 338
in die G1 zu entscheiden gewesen.
9. Sinngemäss stellt die Beschwerdeführerin sodann den Antrag auf
Einleitung eines Verfahrens für die Änderung der Grundordnung nach Art.
47 Abs. 2 KRG, in dem sie eine Rückzonung von Parzelle 338 in eine
Landwirtschaftszone mit bodenunabhängiger Produktion verlangt. Dafür
ist das Verwaltungsgericht nicht zuständig, respektive darüber hat die
Vorinstanz nicht entschieden, so dass auf dieses Begehren wegen
fehlender Zuständigkeit respektive Nichtausschöpfung des Instanzenzugs
nicht eingetreten werden kann.
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10. Die Beschwerde wird damit gutgeheissen, soweit darauf eingetreten wird.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Verfahrenskosten in der
Höhe von Fr. 1‘500.-- gestützt auf Art. 73 Abs. 1 VRG zulasten der
Beschwerdegegnerin. Der anwaltlich nicht vertretenen
Beschwerdeführerin wird praxisgemäss keine aussergerichtliche
Entschädigung zugesprochen.