# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b16432bb-ffd1-4abc-84f0-7655fa9a92b9
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. Mit Verfügung vom 18. August 2016 wurde X._, geboren am _1988, durch den Arzt Dr. med. A._, Facharzt für Allgemeine Medizin FMH, gestützt auf Art. 429 ZGB in der Klinik B._, Psychiatrische Dienste Graubünden, O.1_, fürsorgerisch untergebracht. Als Grund für die Einweisung führte der einweisende Arzt ein manisches Zustandsbild bei  Krankheit an. Es bestehe aktuell ein akutes psychotisches/ Zustandsbild mit Verlust der Impulskontrolle, verbunden mit Feindseligkeit und Vorwarnzeichen wie Drohungen. Zudem bestünden Verfolgungsängste.
B. Gegen die fürsorgerische Unterbringung erhob X._ am 20. August 2016, Poststempel 22. August 2016, Rekurs (recte: Beschwerde) beim Kantonsgericht von Graubünden.
C. Mit Schreiben vom 23. August 2016 ersuchte der Vorsitzende der I. Zivilkammer des Kantonsgerichts von Graubünden die Klinik B._ um Übermittlung eines kurzen Berichts zum Gesundheitszustand von X._, zur Art der Behandlung und insbesondere darüber, ob die Voraussetzungen für eine fürsorgerische Unterbringung noch gegeben seien. Gleichzeitig ersuchte der Vorsitzende um Einreichung der wesentlichen Klinikakten von X._, namentlich Eintrittsbericht, Behandlungsplan und Krankengeschichte. Er setzte hierzu Frist bis zum 25. August 2016.
D. Am 25. August 2016 stellten die Psychiatrischen Dienste Graubünden die geforderten Unterlagen zu. In ihrem Kurzbericht führten die Psychiatrischen Dienste Graubünden aus, dass X._ mit manisch-psychotischem Zustand durch Dr. med. A._ per fürsorgerische Unterbringung zugewiesen worden sei. Im Vordergrund seien starke Angetriebenheit mit verbaler Aggression, Impulskontrollverlust und Verfolgungswahn mit massiven Ängsten gestanden. Dies habe bereits zur dritten Hospitalisation in diesem Jahr bei bekannter bipolarer Störung und Kokainabhängigkeit geführt. Unter der kontinuierlichen antipsychotischen Medikation und Reizabschirmung bessere sich der Zustand allmählich. X._ werde weiter auf der geschlossenen Station behandelt, weniger einschneidende Massnahmen hätten den erneuten Rückfall mit Impulskontrollverlust und potentieller Eigen- und Fremdgefährdung zur Folge.
E. Mit prozessleitender Verfügung vom 26. August 2016 betraute der Vorsitzende der I. Zivilkammer des Kantonsgerichts von Graubünden Dr. med.
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C._, O.1_, mit der Begutachtung von X._ und setzte ihm zur Einreichung eines Gutachtens eine Frist bis zum 30. August 2016. Im Gutachten sei darzulegen, ob und inwiefern ein Bedarf an der Behandlung einer festgestellten psychischen Erkrankung bzw. an der Betreuung der betroffenen Person bestehe und mit welcher konkreten Gefahr für die Gesundheit oder das Leben der betroffenen Person bzw. von Dritten zu rechnen sei, wenn die Behandlung der gutachterlich festgestellten Krankheit bzw. die Betreuung unterbliebe. Ebenso sei darzulegen, ob eine stationäre Behandlung bzw. Betreuung unerlässlich ist oder allfällige ambulante Alternativen bestehen würden. Auch sei über die glaubwürdige Krankheits- und Behandlungseinsicht Auskunft zu erteilen.
F. Mit Kurzgutachten vom 28. August 2016 beantwortete der beauftragte Gutachter die ihm gestellten Fragen. Gestützt auf ein Gespräch mit X._ sowie in Kenntnis der Vorakten hielt Dr. med. C._ fest, dass X._ an einer bipolaren affektiven Störung mit gegenwärtig manischer Episode leide, was im Sinne des Gesetzes einer Geisteskrankheit entspreche. Aus psychiatrischer Sicht bestehe ein dringender Handlungsbedarf, da sonst eine Selbstgefährdung bestehe. Durch seine Verfolgungsideen sei nicht ausgeschlossen, dass auch Dritte gefährdet werden könnten. Da er die Medikamente mangels Krankheitseinsicht nicht mehr einnehme, sei derzeit nur eine stationäre Behandlung möglich und erfolgsversprechend für eine Besserung. Neben der bipolaren Störung liege bei X._ eine Kokainabhängigkeit vor. Aufgrund der psychiatrischen Diagnose der bipolaren Störung könne nur eine stationäre Behandlung die notwendige Sicherheit der Durchführung einer Behandlung bei mangelnder Krankheits- und Behandlungseinsicht gewähren.
G. Mit Schreiben vom 29. August 2016 teilten die Psychiatrischen Dienste Graubünden dem Kantonsgericht mit, dass X._ am 27. August 2016 am späteren Nachmittag von der offenen Station der Klinik abgängig gewesen sei und einen Rückfall mit Kokain (28. August 2016: positive Urinprobe) erlitten habe. Er sei somit weiter nicht absprachefähig und stark rückfallgefährdet. Weiter seien ihnen mittlerweile auch Informationen vom ehemaligen Lehrbetrieb in O.2_ vorliegend, die konkrete Morddrohungen gegen die Besitzerfamilie beinhaltet hätten und auf den Zeitraum unmittelbar vor der Klinikeinweisung datieren würden. Diese Familie habe mittlerweile auch Anzeige bei der Polizei erstattet. Vom ambulanten Psychiater hätte die Klinik B._ während des letzten Aufenthaltes in Erfahrung bringen können, dass er X._ seit ca. zwei Jahren kenne und insgesamt keine gute Compliance vorhanden sei, da es wiederholt zu
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Drogenrückfällen komme. Aktuell sei dies die sechste Hospitalisation mit Eintritt per fürsorgerische Unterbringung am 18. August 2016.
H. Am 1. September 2016 fand die mündliche Hauptverhandlung vor der I. Zivilkammer des Kantonsgerichts von Graubünden statt, an welcher X._ persönlich teilnahm. Bezüglich der richterlichen Befragung wird auf das separat angefertigte Protokoll verwiesen.
I. Am 1. September 2016 wurde X._ und der psychiatrischen Klinik B._ das vorzeitige Entscheiddispositiv zugestellt.
J. Auf die Aussagen von X._ anlässlich der richterlichen Befragung sowie auf die Ausführungen im Gutachten und den beigezogenen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
II. Erwägungen
1. a) Vorliegend handelt es sich um ein Verfahren, welchem eine fürsorgerische Unterbringung nach Art. 426 ff. ZGB zugrunde liegt. Da das Kantonsgericht in solchen Angelegenheiten die einzige kantonale Beschwerdeinstanz ist (vgl. Art. 439 Abs. 1 Ziff. 1 und 4 ZGB in Verbindung mit Art. 60 Abs. 1 des Einführungsgesetzes zum Zivilgesetzbuch [EGzZGB; BR 210.100]), hat der Beschwerdeführer seine Beschwerde an das hierfür zuständige Gericht eingereicht.
b) Gegen die am 18. August 2016 gestützt auf Art. 429 Abs. 1 ZGB ärztlich angeordnete fürsorgerische Unterbringung kann die betroffene oder eine ihr nahestehende Person innert zehn Tagen schriftlich beim zuständigen Gericht Beschwerde erheben (vgl. Art. 439 Abs. 1 und 2 ZGB). Eine Begründung ist gemäss Art. 439 Abs. 3 ZGB, welcher die Bestimmungen über das Verfahren vor der gerichtlichen Beschwerdeinstanz und damit auch Art. 450e Abs. 1 ZGB für sinngemäss anwendbar erklärt, nicht notwendig. Vorliegend wurde die Beschwerdefrist mit der ohne Begründung eingereichten Eingabe vom 20. August 2016, Poststempel vom 22. August 2016, gewahrt (vgl. act. 01). Als von der fürsorgerischen Unterbringung direkt Betroffener ist der Beschwerdeführer zur Beschwerdeerhebung ohne weiteres legitimiert. Da keine Begründungspflicht besteht, ist auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten.
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2. a) Art. 439 Abs. 3 ZGB sieht für die gerichtliche Überprüfung einer ärztlich angeordneten fürsorgerischen Unterbringung eine sinngemässe Anwendung der Bestimmungen über das Verfahren vor der gerichtlichen Beschwerdeinstanz vor (vgl. Art. 450a ff. ZGB). Von besonderer Bedeutung ist dabei Art. 450e ZGB, der an sich das Verfahren für die gerichtliche Beurteilung eines durch die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde gefällten Unterbringungsentscheids behandelt (vgl. dazu sogleich die nachfolgenden Erwägungen). Vom Verweis nicht erfasst wird dagegen Art. 450 ZGB, weil die Vorinstanzen, die Legitimation und die Form der Beschwerde in Art. 439 ZGB selbständig und abschliessend geregelt wird (vgl. dazu Thomas Geiser/Mario Etzensberger, in: Geiser/Reusser [Hrsg.], Basler Kommentar, Erwachsenenschutz, Basel 2012, N. 38 zu Art. 439 ZGB [zit. Basler Kommentar zum Erwachsenenschutz]). Zu beachten sind sodann die allgemeinen Verfahrensgrundsätze des erstinstanzlichen Verfahrens (vgl. Art. 443 ff. ZGB), die auch im Verfahren vor der gerichtlichen Beschwerdeinstanz anwendbar sind, soweit das Gesetz in den Art. 450 ff. ZGB keine abweichenden Vorschriften enthält (vgl. Daniel Steck, in: Basler Kommentar zum Erwachsenenschutz, a.a.O., N. 13 zu Art. 450 ZGB). Dies gilt namentlich für die in Art. 446 ZGB verankerte uneingeschränkte Untersuchungs- und Offizialmaxime und das an gleicher Stelle festgeschriebene Prinzip der Rechtsanwendung von Amtes wegen. Der Anwendungsbereich dieser zentralen Verfahrensgrundsätze bezieht sich auf sämtliche Verfahren vor der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde und erstreckt sich – wenn auch teilweise in abgeschwächter Form – nach dem Grundsatz der Einheit des Prozesses auch auf die Verfahren vor der gerichtlichen Beschwerdeinstanz (vgl. Christoph Auer/Michèle Marti, in: Basler Kommentar zum Erwachsenenschutz, a.a.O., N. 1 zu Art. 446 ZGB mit weiteren Hinweisen). Zu erwähnen ist ferner der ebenfalls für alle Instanzen geltende Art. 450f ZGB, welcher die Bestimmungen der Schweizerischen Zivilprozessordnung als subsidiär anwendbar erklärt, soweit die Kantone nichts anderes bestimmen. Von letzterer Möglichkeit wurde im Kanton Graubünden kein Gebrauch gemacht. Vielmehr verweist Art. 60 Abs. 2 EGzZGB ebenfalls auf die Zivilprozessordnung als subsidiär anwendbares Recht sowie auf die entsprechende kantonale Einführungsgesetzgebung (Einführungsgesetz zur Schweizerischen Zivilprozessordnung [EGzZPO; BR 320.100]). In Art. 60 Abs. 3 EGzZGB wird des Weiteren klargestellt, dass die Bestimmungen der ZPO über den Fristenstillstand sowie über neue Tatsachen und Beweismittel keine Anwendung finden. Dass im Verfahren der gerichtlichen Beurteilung von fürsorgerischen Unterbringungen Noven unbeschränkt zuzulassen sind und das Gericht seinem Entscheid den Sachverhalt zugrunde zu legen hat, wie er sich im Zeitpunkt der Urteilsfällung
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präsentiert, ergibt sich im Übrigen auch aus dem Grundsatz der Prozessökonomie (vgl. Thomas Geiser/Mario Etzensberger, in: Basler Kommentar zum Erwachsenenschutz, a.a.O., N. 40 zu Art. 439 ZGB). Aus Art. 450a ZGB wie auch aus Art. 5 Ziff. 4 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK; SR 0.101) ergibt sich schliesslich, dass das Gericht sowohl die Tat- als auch die Rechtsfragen wie auch die Angemessenheit frei überprüft und ihm von Bundesrechts wegen volle Kognition zukommt. Weil die Vor-instanz jeweils keine Behörde, sondern entweder ein Arzt oder eine Einrichtung ist, hat das Gericht die Sache endgültig zu entscheiden und diese nicht an die Vorinstanz zu neuer Entscheidung zurückzuweisen. Das Rechtsmittel ist mithin reformatorisch. Das Urteil lautet entweder auf Aufhebung oder Aufrechterhaltung der Massnahme, wobei das Gericht die Massnahme aber auch abändern kann, indem es die betroffene Person beispielsweise in eine andere Einrichtung einweist. Allenfalls kann sich auch eine Überweisung an die zuständige Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde für weitere Abklärungen und die Anordnung zusätzlicher Massnahmen als notwendig erweisen. Zur Sicherstellung der gebotenen Fürsorge kann in einem solchen Fall die Entlassung auch aufgeschoben werden, bis die zuständige Behörde die für ein Leben ausserhalb der Einrichtung notwendigen Anordnungen getroffen hat (vgl. Thomas Geiser/Mario Etzensberger, in: Basler Kommentar zum Erwachsenenschutz, a.a.O., N. 39 und 41 zu Art. 439 ZGB).
b) Gemäss Art. 450e Abs. 3 ZGB, welcher aufgrund von Art. 439 Abs. 3 ZGB sinngemäss anwendbar ist, muss bei psychischen Störungen für den Entscheid über eine ärztlich angeordnete fürsorgerische Unterbringung zwingend ein Gutachten eingeholt werden. Dieses muss von einem unabhängigen, im laufenden Verfahren noch nicht involvierten Sachverständigen erstellt werden und in dem Sinne aktuell sein, dass es sich zu den sich im gerichtlichen Verfahren stellenden Fragen äussern muss (vgl. Thomas Geiser/Mario Etzensberger, in: Basler Kommentar zum Erwachsenenschutz, a.a.O., N. 48 ff. zu Art. 439 ZGB und Thomas Geiser, in: Basler Kommentar zum Erwachsenenschutz, a.a.O., N. 19 zu Art. 450e ZGB sowie BGE 137 III 289 und Urteil des Bundesgerichts 5A_63/2013 vom 7. Februar 2013 E. 5, jeweils noch zum bisherigen Recht und nunmehr zum neuen Recht Urteil des Bundesgerichts 5A_189/2013 vom 11. April 2013 E. 2.2). Mit dem Kurzgutachten vom 28. August 2016 von Dr. med. C._, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie FMH (vgl. act. 07), welcher den Beschwerdeführer am 26. August 2016 in der Klinik B._ persönlich untersuchte, wurde dieser Vorschrift Genüge getan.
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c) Gemäss Art. 450e Abs. 4 Satz 1 ZGB muss die gerichtliche Beschwerdeinstanz die betroffene Person in der Regel als Kollegium anhören, was faktisch zwingend zur Durchführung einer mündlichen Hauptverhandlung führt (vgl. Christof Bernhart, Handbuch der fürsorgerischen Unterbringung, Basel 2011, N. 848 f.). Mit der Durchführung der mündlichen Hauptverhandlung am 1. September 2016 vor der I. Zivilkammer des Kantonsgerichts von Graubünden wurde diese Vorgabe umgesetzt.

## Considerations