# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 55ba3909-c086-4327-9abe-e04140305041
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend
einfache Körperverletzung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 3. Abteilung,
vom 8. Juni 2015 (DG150047)
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Anklage: (Urk. 64)
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 11. Februar 2015 ist
diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 111 S. 44 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ wird vom Vorwurf der versuchten schweren Körperver-
letzung im Sinne von Art. 122 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB freige-
sprochen.
2. Der Beschuldigte A._ ist schuldig der einfachen Körperverletzung im Sinne
von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 7 Monaten Freiheitsstrafe.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 4 Jahre
festgesetzt.
5. Die Zivilklage des Privatklägers B._ wird auf den Zivilweg verwiesen.
6. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger C._
aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist.
Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatzanspruches wird der
Privatkläger C._ auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
7. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger C._ Fr. 2'000.– zuzüglich
5 % Zins ab 14. Juli 2013 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das
Genugtuungsbegehren abgewiesen.
8. Auf den Antrag des Privatklägers C._ auf Zusprechung einer Umtriebsent-
schädigung wird nicht eingetreten.
9. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
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Fr. 4'200.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. Kosten Kantonspolizei
Fr. 3'000.– Gebühr Anklagebehörde
Fr. Kanzleikosten
Fr. 186.20 Auslagen Untersuchung
Fr. 16'028.90 amtliche Verteidigung
Fr. 11'134.80 unentgeltliche Verbeiständung Privatkläger B._
Fr. 8'763.60 unentgeltliche Verbeiständung Privatkläger C._
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
10. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden zu einem
Drittel dem Beschuldigten auferlegt und zu zwei Dritteln auf die Gerichtskasse ge-
nommen.
11. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Verbeiständung
der Privatkläger B._ und C._ werden auf die Gerichtskasse genommen.
Eine Nachforderung gemäss Art. 134 Abs. 4 StPO im Umfang von einem Drittel
bleibt mit Bezug auf die Entschädigung der amtlichen Verteidigung vorbehalten. Ei-
ne Nachforderung gemäss Art. 138 Abs. 2 StPO bleibt mit Bezug auf die Entschä-
digung der unentgeltlichen Verbeiständung des Privatklägers C._ vorbehalten.
Über die Höhe der Kosten wird separat entschieden.
12. (Mitteilungen)
13. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge: (Prot. II S. 3 f.)
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 131 S. 1)
1. Dispositivziffer 2 des angefochtenen Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom
8. Juni 2015 sei aufzuheben und der Beschuldigte sei vom Vorwurf der ein-
fachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB frei-
zusprechen.
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2. Dispositivziffer 3 und 4 des angefochtenen Urteils des Bezirksgerichts Zürich
vom 8. Juni 2015 seien aufzuheben.
3. Dispositivziffer 6 und 7 des angefochtenen Urteils des Bezirksgerichts Zürich
vom 8. Juni 2015 seien aufzuheben und die Zivilklage des Privatklägers
C._ sei abzuweisen, eventualiter sei sie auf den Zivilweg zu verweisen
(Art. 126 StPO).
4. Dispositivziffer 10 und 11 des angefochtenen Urteils des Bezirksgerichts Zü-
rich vom 8. Juni 2015 seien insofern abzuändern, als die gesamten Kosten
der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, inklusive der Kosten
der amtlichen Verteidigung, vollumfänglich auf die Gerichtskasse zu nehmen
seien. Eine Kostennachforderung im Sinne von Art. 135 bzw. Art. 138 StPO
sei ersatzlos zu streichen.
5. Im Übrigen sei das bezirksgerichtliche Urteil zu bestätigen.
6. Die Kosten des vorliegenden Berufungsverfahrens, inkl. Kosten der amt-
lichen Verteidigung seien vollumfänglich auf die Gerichtskasse zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 117, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
c) Der Vertretung des Privatklägers 2 C._:
(Urk. 119, schriftlich)
Verzicht auf Anträge
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## Considerations

Erwägungen:
1. Verfahrensgang
1.1. Hinsichtlich des Verfahrensganges bis zum Abschluss des erstinstanz-
lichen Verfahrens kann vollumfänglich auf die vollständigen und zutreffenden Er-
wägungen im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 111 S. 4 f.;
Art. 82 Abs. 4 StPO).
1.2. Mit vorstehend wiedergegebenem Urteil vom 8. Juni 2015 wurde der Be-
schuldigte der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1
StGB verurteilt. Vom weiteren Vorwurf der versuchten schweren Körperverletzung
wurde er freigesprochen. Dafür wurde er mit einer Freiheitsstrafe von 7 Monaten
bestraft, deren Vollzug aufgeschoben und die Probezeit auf 4 Jahre festgesetzt.
Die Zivilklage des Privatklägers 1, B._, wurde auf den Zivilweg verwiesen.
Gegenüber dem Privatkläger 2, C._, wurde die grundsätzliche Schadener-
satzpflicht des Beschuldigten aus diesem Ereignis festgestellt. Zur genauen Fest-
stellung des Umfanges des Schadenersatzanspruches wurde er auf den Weg des
Zivilprozesses verwiesen. Weiter wurde der Beschuldigte verpflichtet, dem Privat-
kläger 2 eine Genugtuung in Höhe von Fr. 2'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 14. Juli
2013 zu bezahlen. Im Mehrbetrag wurde das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
Auf den Antrag des Privatklägers 2 auf Zusprechung einer Umtriebsentschädi-
gung wurde nicht eingetreten. Schliesslich wurden die Kosten der Untersuchung
und des gerichtlichen Verfahrens zu einem Drittel dem Beschuldigten auferlegt
und zu zwei Dritteln auf die Gerichtskasse genommen. Die Kosten der amtlichen
Verteidigung sowie der unentgeltlichen Verbeiständung der Privatkläger 1 und 2
wurden auf die Gerichtskasse genommen. Mit Bezug auf die Entschädigung der
amtlichen Verteidigung wurde eine Nachforderung gemäss Art. 134 Abs. 4 StPO
im Umfang eines Drittels vorbehalten. Ebenso wurde eine Nachforderung mit Be-
zug auf die Entschädigung der unentgeltlichen Vertretung des Privatklägers 2
vorbehalten (Urk. 111 S. 44).
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1.3. Gegen dieses Urteil meldete die Verteidigung des Beschuldigten mit Ein-
gabe vom 16. Juni 2015 fristgerecht Berufung an (Urk. 103). Die Berufungs-
erklärung ging am 2. September 2015 ebenfalls fristgerecht ein (Urk. 112). Mit
Verfügung vom 16. September 2015 wurde den Privatklägern 1 und 2 sowie der
Staatsanwaltschaft Frist angesetzt, um Anschlussberufung zu erheben oder ein
Nichteintreten auf die Berufung des Beschuldigten zu beantragen (Urk. 115). Mit
Eingabe vom 29. September 2015 teilte die Staatsanwaltschaft mit, dass sie auf
Anschlussberufung verzichte, die Bestätigung des vorinstanzlichen Entscheids
beantrage und um Dispensation von der Berufungsverhandlung ersuche
(Urk. 117). Mit Eingabe vom 6. Oktober 2015 verzichtete der Privatkläger 2 in Er-
wartung einer Bestätigung des erstinstanzlichen Entscheids auf Anschlussberu-
fung. Einen konkreten Antrag liess er nicht stellen (Urk. 119). Der Privatkläger 1
liess sich innert Frist nicht vernehmen.
1.4. Auf das Stellen von Beweisanträgen wurde im Vorverfahren allseits ver-
zichtet.
1.5. In der Folge wurde zur Berufungsverhandlung vorgeladen (Urk. 121), wel-
che am 29. Februar 2015 im Beisein des Beschuldigten sowie seiner amtlichen
Verteidigung stattfand (Prot. II. S. 3 ff.). Vorfragen waren anlässlich der Beru-
fungsverhandlung keine zu entscheiden, und – abgesehen von der Einvernahme
des Beschuldigten (Urk. 130) – mussten keine weiteren Beweise erhoben werden
(Prot. II S. 5). Das vorliegende Urteil erging im Anschluss an die Berufungs-
verhandlung (Prot. II S. 6 ff.).
2. Umfang der Berufung
2.1. Berufung erhoben hat einzig der Beschuldigte. Der Beschuldigte lässt das
vorinstanzliche Urteil mit Ausnahme des Freispruchs vom Vorwurf der versuchten
schweren Körperverletzung vollumfänglich anfechten und verlangt auch hin-
sichtlich des Vorwurfes der einfachen Körperverletzung einen Freispruch. Sodann
seien die Zivilansprüche der Privatkläger abzuweisen bzw. eventualiter auf den
Zivilweg zu verweisen. Schliesslich seien die Kosten der Untersuchung sowie des
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erstinstanzlichen Verfahrens, inkl. der Kosten für die amtliche Verteidigung, auf
die Gerichtskasse zu nehmen (Urk. 112 S. 2, Urk. 131 S. 1).
2.2. Bei dieser Ausgangslage sind lediglich Dispositivziffer 1 (Freispruch vom
Vorwurf der versuchten schweren Körperverletzung), Dispositivziffer 8 (betreffend
Umtriebsentschädigung an Privatkläger 2) und Dispositivziffer 9 (Kosten-
festsetzung) des vorinstanzlichen Urteils nicht angefochten und entsprechend in
Rechtskraft erwachsen (Prot. II S. 5; Art. 399 Abs. 3 StPO in Verbindung mit
Art. 402 und 437 StPO, Art. 404 StPO). Ebenso nicht ausdrücklich angefochten
und in Rechtskraft erwachsen ist Dispositivziffer 5 des vorinstanzlichen Entschei-
des, wonach die Zivilklage des Privatklägers 1 auf den Zivilweg verwiesen wird.
Das ist vorab vorzumerken. Im übrigen Umfang steht der angefochtene Entscheid
im Rahmen des Berufungsverfahrens unter Berücksichtigung des Verschlechte-
rungsverbotes zur Disposition (Art. 391 Abs. 2 StPO).
3. Formales
3.1. Soweit für die tatsächliche und die rechtliche Würdigung des eingeklagten
Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies
in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne dass dies jeweils explizit Er-
wähnung findet.
3.2. Im Übrigen ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende
Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und je-
des einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (vgl. Entscheid des Bun-
desgerichts 6B_170/2011 vom 10. November 2011, E. 1.2.). Die Berufungs-
instanz kann sich somit auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte be-
schränken.
4. Sachverhalt
4.1. Da der Entscheid lediglich hinsichtlich des Nebendossiers 1 angefochten
ist, bleibt einzig zu überprüfen, ob sich der Sachverhalt gemäss Anklageziffer 2,
wie in der Anklage umschrieben, zugetragen hat. Diese wirft dem Beschuldigten
vor, am 14. Juli 2013, um ca. 0:55 Uhr bei der Tramhaltestelle Zypressenstrasse
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in 8003 Zürich auf den Privatkläger zugerannt zu sein und diesem unvermittelt
zwei Faustschläge ins Gesicht verpasst zu haben. Dadurch habe sich letzterer auf
der linken Gesichtsseite eine Jochbeinfraktur sowie eine Rissquetschwunde an
der Augenbraue zugezogen. Durch sein Tun habe der Beschuldigte diese Ver-
letzungen zumindest billigend in Kauf genommen (Urk. 64 S. 3).
4.2. Die Vorinstanz hat einleitend zutreffende Ausführungen zu den theore-
tischen Grundsätzen der richterlichen Beweiswürdigung gemacht und sich an-
schliessend in nicht zu beanstandender Art und Weise zur Glaubwürdigkeit der
aussagenden Personen geäussert. Auf diese Erwägungen kann zwecks Ver-
meidung von Wiederholungen verwiesen werden (Urk. 111 S. 31 mit Verweis auf
S. 16 f., 18). Mit der Vorinstanz zu betonen ist an dieser Stelle, dass die Glaub-
würdigkeit der aussagenden Personen zwar durchaus für die Wahrheitsfindung
von Interesse sein kann. Viel entscheidender aber als die Glaubwürdigkeit ist die
Glaubhaftigkeit der jeweiligen Aussagen (Entscheid des Bundesgerichts
6B_692/2011 vom 9. Februar 2012, E. 1.4.; BGE 133 I 33 E. 4.3.). Ebenso voll-
umfänglich kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz zur Verwert-
barkeit der polizeilichen Einvernahme des Beschuldigten vom 19. August 2013
(ND 1/4) verwiesen werden. Entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 131
S. 2) ist diese verwertbar (Urk. 111 S. 30).
4.3. Die Vorinstanz hat die Aussagen des Beschuldigten, des Privatklägers 2,
sowie zweier Zeugen sorgfältig und zutreffend zusammengefasst, worauf zur
Vermeidung von Wiederholungen vorab zu verweisen ist (Urk. 111 S. 23 - 29).
Nach einlässlicher und kritischer Würdigung dieser Aussagen gelangte die Vor-
instanz schliesslich zum Schluss, dass zwar ein anderer als der in der Anklage
umschriebene Ablauf der Geschehnisse rein theoretisch möglich wäre, dies je-
doch äusserst unwahrscheinlich sei und deshalb keine vernünftigen Zweifel daran
bestünden, dass sich der Vorfall anklagegemäss zugetragen habe (Urk. 111
S. 36).
4.4. Erstellt und durch ärztlichen Befund dokumentiert ist das in der An-
klageschrift umschriebene Verletzungsbild (Jochbeinfraktur, Rissquetschwunde)
sowie die dadurch notwendig gewordenen Behandlungen (vgl. Urk. 111 S. 29 mit
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Verweis auf Urk. ND 1/8/2-1/8/5). Ergänzend hinzuweisen ist auf das seitens des
Privatklägers an der Hauptverhandlung eingereichte ärztliche Zeugnis (Urk. 90).
Zusammen mit dem Attest durch das Universitätsspital ergibt sich daraus eine Ar-
beitsunfähigkeit des Beschuldigten von nicht ganz 7 Wochen. Unbestritten ist fer-
ner, dass sich der Beschuldigte und der Privatkläger kurz vor und nach der Tat
begegnet sind. Umstritten ist hingegen, wie sich der Privatkläger 2 die erlittenen
Verletzungen zugezogen hat. Die Arztberichte ergeben keine Anhalte dafür.
4.5. Die Würdigung der Aussagen des Beschuldigten ergibt keine einheitliche
Schilderung der Geschehnisse:
4.5.1. Anlässlich seiner polizeilichen Einvernahme vom 19. August 2013 gab er
an, dass er mit Kollegen vor Ort gewesen sei und etwas getrunken habe, aber
nicht betrunken gewesen zu sein. Irgendwann sei der Privatkläger 2 dazugekom-
men, habe ein Glas Whisky verlangt, dieses bekommen, mit Sand gefüllt und ihm
in die Augen geschleudert, ohne dass es vorher zu einer verbalen Auseinander-
setzung gekommen wäre. Dieser sei betrunken gewesen und habe kaum mehr
gerade stehen können. Er habe gefragt, was das solle, es habe geschmerzt. Ir-
gendjemand habe dann die Polizei informiert. Dann seien sie von der Polizei
weggeschickt worden. Daraufhin seien sie zur Tramhaltestelle gegangen, wo der
Privatkläger 2 nach einigen Minuten mit blutendem Gesicht aufgetaucht sei. Einer
vorbeigehenden Polizeipatrouille habe dieser gesagt, dass er, der Beschuldigte,
es gewesen sei. Das Motiv für die aus seiner Sicht falschen Anschuldigung sei
Rache, da er – der Beschuldigte – früher einmal gegen diesen ausgesagt habe
und der Privatkläger 2 danach 6 Monate habe ins Gefängnis gehen müssen. Die
Verletzungen könne sich der Privatkläger auf andere Weise zugezogen haben, da
dieser Alkoholiker und aggressiv sei und sich überall Probleme einhandle. Er wis-
se wirklich nicht, wie und wo sich der Privatkläger die Verletzungen zugezogen
habe. Der Privatkläger sei aber so betrunken gewesen, dass alles möglich sei.
Sie – der Beschuldigte, D._ und E._ – seien direkt zur Tramhaltestelle
gegangen. Er habe ohnehin nach Hause gehen wollen. Er sei gar nicht in der La-
ge gewesen, den Privatkläger zu attackieren, da er Probleme mit den Augen ge-
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habt habe. Er habe nichts gemacht, obwohl der Privatkläger es verdient hätte, von
ihm geschlagen zu werden (Urk. ND 1/4 S. 2 ff.).
4.5.2. Einen guten Monat später wurde der Beschuldigte nach der Einvernahme
der Zeugen D._ und E._ ebenfalls durch die Staatsanwaltschaft befragt.
Dort schilderte er die Geschehnisse insofern anders, als es nach dem Auftauchen
des Privatklägers 2 zu Problemen gekommen sein soll und sie sich vor dem Wer-
fen des Bechers unterhalten hätten. Der alkoholisierte Privatkläger habe unnöti-
gerweise Probleme gemacht und sei immer aggressiver geworden. Auch soll der
Privatkläger 2 dann nicht mehr nach Minuten, sondern nach einer halben Stunde
bei der Tramhaltestelle aufgekreuzt sein. Als Grund für das lange Verharren an
der Tramhaltestelle gab er an, dass eben kein Tram gekommen sei und sie des-
halb hätten warten müssen (Urk. 44 S. 2).
4.5.3. Eine nochmals leicht anders gefärbte Variante gab er anlässlich seiner Be-
fragung an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung ab: Dort will er sich nicht mehr
an alle Details erinnern, gab aber an, dass der Privatkläger 2 erst zusammen mit
ihnen Whisky getrunken habe. Der Privatkläger habe sich auch mit anderen Per-
sonen gestritten. Dann habe er den Becher mit Sand gefüllt und ihm den Inhalt ins
Gesicht geschüttet. Die Polizei sei spontan aufgetaucht und habe darauf ge-
schlichtet, worauf sie fortgeschickt worden seien. Als sie später an der Tramhalte-
stelle gesessen seien, sei der Privatkläger erneut aufgetaucht, wobei er Blut im
Gesicht gehabt habe. Als später Polizisten gekommen seien, welche letzterer
kontaktiert habe, habe dieser ihnen mitgeteilt, dass er – der Beschuldigte – diesen
tätlich angegriffen habe. Das stimme aber nicht. Der Privatkläger sei "besoffen"
gewesen. Vielleicht habe er die Verletzungen von jemand anderem oder weil er
umgefallen sei. Das Motiv für diese Beschuldigung sei Rache, weil er ihn in einem
früheren Verfahren belastet habe (Urk. 93 S. 8 ff.).
4.5.4. An der Berufungsverhandlung erklärte der Beschuldigte wiederum, nicht mit
dem Privatkläger 2 gesprochen zu haben, bevor dieser ihm den Whisky an-
geschüttet habe. Nachdem die Polizei sie weggeschickt hätte, seien er, F._
und G._ zur Tramhaltestelle gegangen. Nach einigen Minuten sei der Privat-
kläger 2 mit Blut im Gesicht hinzugekommen. Während er zu Beginn der Beru-
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fungsverhandlung noch ausgeführt hatte, dass der Privatkläger eine vorbeikom-
mende Polizeipatrouille angehalten habe, als er bereits an der Tramhaltestelle
gewesen sei, änderte er im Verlaufe der Befragung seine Aussage dahingehend
ab, dass der Privatkläger bereits in Polizeibegleitung zur Tramhaltestelle gekom-
men sei (Urk. 130 S. 6 f.).
4.5.5. Die Unterschiede in den einzelnen Ausführungen sind bemerkenswert, be-
treffen sie einerseits zentrale Punkte und sind sie andererseits erheblich. So zum
Beispiel das Auftreten des Privatklägers 2: Ob er unvermittelt und ohne vorher
gesprochen zu haben den Becher gegen den Beschuldigten geworfen hat, wie bei
der Polizei sowie an der Berufungsverhandlung ausgeführt, oder nach gemein-
samen Trinken und anschliessendem Streit, ist nicht einerlei. Auch die Unter-
schiede in der Zeit, welche verstrichen sein soll, bis der Privatkläger 2 an der
Tramhaltestelle auftauchte, sind erheblich. Sie betreffen nicht nur Nuancen und
stellen auch keine Abschwächungen oder Verstärkungen dar, was durch den
Zeitablauf erklärbar wäre. Dass der Privatkläger tatsächlich erst eine halbe Stun-
de nach dem Beschuldigten an der Tramhaltestelle aufgetaucht sein soll, macht
überhaupt keinen Sinn. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass in Richtung stadt-
einwärts zumindest nach gegenwärtigem Fahrplan bis um 01:00 Uhr nachts min-
destens im 9-Minuten Takt ein Tram fährt (vgl. www.sbb.ch). Aber auch aufgrund
der Aktenlage erscheint die bei der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme ge-
machte Zeitangabe des Beschuldigten als nicht plausibel, worauf auch die Ver-
tretung des Privatklägers hinweist (Urk. 89 S. 3). Gemäss Polizeirapport ging die
Meldung betreffend den Streit auf der Fritschiwiese um 00:34 Uhr bei der Einsatz-
zentrale ein. Um 00:52 Uhr hätten die an diese Stelle beorderten Funktionäre der
Einsatzzentrale sodann mitgeteilt, dass die kontrollierten Personen nun auf dem
Heimweg seien. Und um 00:57 Uhr ging dann bereits die Meldung der Polizisten
ein, dass sie den Privatkläger an der Badenerstrasse 295 mit einer Rissquetsch-
wunde angetroffen hätten (Urk. ND 1/1 S. 3). Vor diesem Hintergrund ist davon
auszugehen, dass zwischen dem Verlassen der Fritschiwiese und dem Eintritt der
Verletzungen des Privatklägers nur wenige Minuten verstrichen waren. Die
Schlussfolgerung der Vorinstanz (Urk. 111 S. 36), dass es bei dieser Aus-
gangslage äusserst unwahrscheinlich ist, dass der Privatkläger in dieser kurzen
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Zeit – zufällig – von jemand anderem geschlagen worden war, um sich dann aus-
gerechnet in die Richtung des Beschuldigten und seiner Freunde zu begeben, mit
welchen er bereits zuvor eine Auseinandersetzung hatte, ist deshalb nicht leicht
von der Hand zu weisen. Die Zweifel, dass sich die Dinge zugetragen haben, wie
vom Beschuldigten angegeben, sind deshalb erheblich.
4.6. Auf der anderen Seite sind auch Ungereimtheiten in den Aussagen des
Privatklägers 2 zu erkennen:
4.6.1. Er sei damals mit zwei Büchsen Bier zur Fritschiwiese gegangen und habe
sich dort hingesetzt. Alsbald seien E._ und ihm folgend der Beschuldigte auf
ihn zugekommen. Der Beschuldigte sei noch mit einer Dritten Person unterwegs
gewesen, die er – der Privatkläger – aber nicht gekannt habe. Da er vom Be-
schuldigten und E._ Angst gehabt habe, habe er eine Frau gebeten, die Poli-
zei zu rufen. Dies habe sie getan und kurz darauf seien die Polizisten gekommen.
Die beiden hätten sich bereits entfernt und als erstere eingetroffen seien, hätten
diese ihm geraten, sich ebenfalls zu entfernen. Daraufhin sei er zur Tramhaltestel-
le gegangen. Plötzlich seien die beiden von vorne an ihn heran getreten und der
Beschuldigte habe ihm zwei Faustschläge gegen den Kopf verpasst. Es sei alles
sehr schnell gegangen, weshalb er den Ablauf nicht näher beschreiben könne.
Jedenfalls sei er geflüchtet und er sei zum Glück bei der nächsten Hausecke auf
eine Polizeipatrouille gestossen. Zwar habe er es nicht gesehen, doch müsse die-
ser etwas in der Faust gehalten haben, ansonsten er sich nicht so verletzt hätte.
Mit welcher Hand der Beschuldigte geschlagen habe, wisse er nicht. Als Motiv
nannte er Rache, obwohl er für einen früheren Vorfall 6 Monate habe verbüssen
müssen (Urk. ND 1/3 S. 2 f.). Die Frage, ob auch er etwas zur Auseinanderset-
zung beigetragen habe bzw. ob er den Angreifer in irgendeiner Form provoziert
habe, verneinte er wiederholt und entschieden. Er habe auch nicht mit den Män-
nern gesprochen. Sie hätten ihn einfach geschlagen. Er glaube, dass diese ihn an
jenem Abend gesucht hätten (Urk. ND 1 S. 3 f.).
4.6.2. Anlässlich seiner Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft schilderte er die
Ereignisse wie folgt: Er habe an jenem Samstag zwei Dosen Bier gekauft. Der
Beschuldigte sei mit rund 10 - 15 Personen zusammen gewesen. Es sei damals
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noch eine Person Namens "H._" dabei gewesen, sein Spitzname sei
"F._". Dieser habe ihn zu sich gerufen, ihm einen Schluck Whisky Cola zu
trinken gegeben, worauf der neben diesem stehende Beschuldigte ihn beschimpft
habe. Daraufhin habe er ihm den Inhalt des Plastikbechers über das Hemd ge-
schüttet und sei weiter gegangen Richtung Park. F._ und der Beschuldigte
seien ihm nachgerannt und sie hätten ihn schlagen wollen. Darauf hin habe er ei-
ne Frau gebeten, die Polizei zu alarmieren, worauf 10 - 15 Polizisten gekommen
seien. Sie hätten mit ihnen gesprochen und sie geheissen, des Weges zu gehen.
Er sei zur Tramhaltestelle gegangen und die beiden hinter ihm her. F._ und
I._ seien auch dabei gewesen. Danach habe ihm der Beschuldigte von
rechts kommend zwei Faustschläge verpasst. Mit welcher Hand der Beschuldigte
geschlagen habe, wisse er nicht. Da der Schlag sehr stark gewesen sei, gehe er
davon aus, dass der Beschuldigte ihn vermutlich mit einem Gegenstand in der
Hand geschlagen habe. Auf entsprechende Frage bestätigte der Privatkläger,
dass er gesehen habe, wie der Beschuldigte seine Hand zu einer Faust geballt
habe. Einen Gegenstand habe er aber nicht gesehen. Nach den Schlägen sei der
Beschuldigte davon gerannt. Er – der Privatkläger – habe aber die Polizei auf ihn
aufmerksam machen können (Urk. 41 S. 3 ff.).
4.6.3. Die Aussagen des Privatklägers 2 sind mit Vorsicht zu würdigen: Offenbar
bestand ein angespanntes Verhältnis zwischen ihm und dem Beschuldigten sowie
dem Zeugen E._ aufgrund eines früheren Verfahrens, in welchem der Privat-
kläger nicht zuletzt wegen den Aussagen des Beschuldigten zu einer unbedingten
Freiheitsstrafe verurteilt wurde (vgl. beigezogene Akten der Staatsanwaltschaft IV
des Kantons Zürich, A-3/2012/318, insbes. Urk. 5/2-3). Davon gehen auch alle
Verfahrensbeteiligten aus. Ausserdem war der Privatkläger zum Tatzeitpunkt er-
heblich alkoholisiert (1.58 ‰ gemäss Atemlufttest, Urk. ND 1/1 S. 2). Ferner kam
es vor dem inkriminierten Vorfall zwischen dem Beschuldigten und dem Privatklä-
ger offenbar bereits auf der Fritschiwiese zu einer Auseinandersetzung. Sodann
fällt auf, dass der Privatkläger erst am 30. Juli 2013, mithin zwei Wochen nach der
mutmasslichen Tat, formell Anzeige gegen den Beschuldigten erstattet hatte
(Urk. ND 1/3 S. 3). Zum gewählten Zeitpunkt befragt, erklärte der Privatkläger,
dass er vorher kaum habe sprechen können (Urk. ND 1/3 S. 3). Vor dem Hinter-
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grund, dass der Privatkläger gemäss Kurzaustrittsbericht vom 15. Juli 2013 vor
der Operation nur Schmerzen bei einer Mundöffnung von 45 mm verspürt hatte
(Urk. ND 1/8/3) und nach der Operation den Mund offenbar bis zu 50 mm öffnen
konnte (Austrittsbericht vom 24.07.2013, Urk. ND 1/8/4), ist eine Einschränkung
der Redefähigkeit allerdings nicht ersichtlich und vermag diese Begründung nicht
zu überzeugen.
4.6.4. Die Aussagen des Privatklägers sind in der Folge teilweise widersprüchlich
und widersprechen Fakten. Gemäss Polizeirapport sind nach der Auseinander-
setzung auf der Fritschiwiese drei Polizeifunktionäre erschienen (Urk. ND 1/1
S. 3). Der Privatkläger sprach hingegen von 10 - 15 Polizisten (Urk. 41 S. 3). So-
dann fällt auf, dass der Privatkläger wie gesehen erst anlässlich der staatsanwalt-
schaftlichen Einvernahme eingestanden hatte, dass er dem Beschuldigten Whisky
angeschüttet habe, obwohl er bereits an der polizeilichen Einvernahme mehrmals
befragt worden war, ob er etwas zur Auseinandersetzung beigetragen habe. Trotz
dieses Eingeständnisses blieb er aber auch bei der zweiten Einvernahme dabei,
den Whisky lediglich über das Hemd und nicht ins Gesicht des Beschuldigten ge-
schüttet zu haben (Urk. 41 S. 3), während er bei der ersten Einvernahme noch
ausgesagt hatte, sich vom Beschuldigten und E._ entfernt zu haben, als die-
se auf ihn zugekommen seien (Urk. ND 1/3 S. 2). Es mag zwar sein, dass der Pri-
vatkläger sich damit selber schützen wollte, wie dies die Vorinstanz erwogen hat
(Urk. 111 S. 33). Gleichwohl muss aufgrund dieses Aussageverhaltens aber ge-
schlossen werden, dass der Privatkläger nicht bereit war, sämtliche ihm bekann-
ten Details zu offenbaren und so zur Wahrheitsfindung beizutragen. Vielmehr
muss davon ausgegangen werden, dass er – nach Einsicht in die polizeilichen
Befragungsprotokolle der übrigen Einvernommenen (vgl. Urk. 41 S. 3) – seine
Aussagen soweit nötig an das Untersuchungsergebnis anpasste. Auffällig er-
scheinen auch die sehr kargen Angaben betreffend das eigentliche Kerngesche-
hen. So war sich der Privatkläger bei der ersten Einvernahme nicht sicher, ob der
Beschuldigte ihn zwei oder mehrmals geschlagen habe (Urk. ND 1/3 S. 2). Ferner
gab er bei der tatnäheren Einvernahme an, er sei nach den Schlägen an der
Tramhaltestelle weggelaufen (Urk. ND 1/3 S. 2), während es bei der zweiten Ein-
vernahme dann plötzlich der Beschuldigte gewesen sein soll, der weggerannt sei
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(Urk. 41 S. 4). Unerklärlich ist auch, dass der Privatkläger zwar gesehen haben
will, wie der Beschuldigte seine Hand zu einer Faust geballt haben soll (Ur. 41
S. 5), der Privatkläger aber nur mutmasst, der Beschuldigte habe bei den Schlä-
gen vielleicht etwas in der Hand gehabt (Urk. ND 1/3 S. 3, Urk. 41 S. 4). Ebenso
unerklärlich ist, dass er zwar das Fäuste machen sah, aber keine Angaben dazu
machen kann, mit welcher Faust der Beschuldigte zugeschlagen haben soll
(Urk. 41 S. 4). Auch hinsichtlich der Richtung, woher der Beschuldigte auf ihn zu-
gekommen sein soll, variieren seine Aussagen (Urk. ND 1/3 S. 2, Urk. 41 S. 4).
Schliesslich sprach der Privatkläger bei der Staatsanwaltschaft plötzlich davon,
dass noch eine vierte Person namens "I._" beim Tatort gewesen sein soll
(Urk. 41 S. 3, 6 f.). Das widerspricht den Aussagen aller anderen Beteiligten und
insbesondere auch den polizeilichen Feststellungen (Urk. ND 1/1). Es wäre nicht
erklärbar, weshalb die Polizeibeamten ausgerechnet jene Person nicht kontrolliert
hätte.
4.7. Demgegenüber sind die Aussagen von D._ unverdächtig.
4.7.1. D._ ist weder mit dem Privatkläger noch mit dem Beschuldigten ver-
feindet. Den Beschuldigten bezeichnet er auch nicht als besten Freund (Urk. ND
1/5 S. 4). Er hat kein eigenes Interesse am Ausgang des Verfahrens. Seine Aus-
sagen bei der Polizei sind sehr lebensnah, folgerichtig und nachvollziehbar. Er
bestätigt im Wesentlichen die Darstellung des Beschuldigten. Gleichwohl sagte er
nicht nur zugunsten des Beschuldigten aus. So erklärte er etwa, dass der Be-
schuldigte schon aggressiv geworden sei, als er wegen dem Beschuldigten
Schmerzen in den Augen gehabt habe (Urk. ND 1/5 S. 4), was auch der Beschul-
digte bestätigte (Urk. ND 1/4 S. 3, Urk. 44 S. 3). Den ersten Teil der Auseinander-
setzung schildert D._ sehr realitätsnah und auch den Grund dafür, dass er
dem Privatkläger einen Becher Whisky gegeben habe. Dann schildert er, wie der
Privatkläger dem Beschuldigten den Whisky mitten ins Gesicht geschüttet habe
(Urk. ND 1/5 S. 2). Er hält auch fest, wenn er etwas nicht aus eigener Wahrneh-
mung bestätigen konnte – nämlich, ob Erde oder Sand mit im Whisky-Becher ge-
wesen sei (a.a.O.). Auch gemäss ihm kam die Polizei umgehend nach dem Vor-
fall mit dem Whisky-Becher. Sie seien dann zu dritt zur Tramhaltestelle gegangen.
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Er habe den Privatkläger an der Tramhaltestelle vorbei gehen sehen. Dieser sei
direkt zu den Polizeibeamten gelaufen und habe um Hilfe geschrien. Der Be-
schuldigte sei immer bei ihm gewesen. An der Tramhaltestelle seien er, der Be-
schuldigte und E._ gewesen. Es habe an der Tramhaltestelle keine Ausei-
nandersetzung zwischen dem Beschuldigten und dem Privatkläger gegeben. Der
Privatkläger sei nicht vor ihnen an der Tramhaltestelle gewesen, sondern sei erst
später dort vorbeigekommen. Die Verletzung des Privatklägers stamme nicht vom
Beschuldigten. Der Beschuldigte sei immer bei ihm gewesen. Er wisse nicht, wo-
her der Privatkläger seine Verletzungen habe, vielleicht sei es ein Unfall gewesen
oder er habe noch Probleme mit anderen aus der Gruppe gehabt (Urk. ND 1/5 S.
3).
4.7.2. Die wesentlichen Punkte bestätigte er auch in der Zeugeneinvernahme, die
jedoch erst mehr als ein Jahr nach dem Vorfall durchgeführt wurde. Offenbar
kannte er den "I._" gut, er sei ein guter Kollege von ihm. Möglicherweise sei
er im Park dabei gewesen. Dort seien viele gewesen. Nicht aber an der Tramhal-
testelle (Urk. 42 S. 5). Es ist kein Grund ersichtlich, weshalb er die Anwesenheit
von "I._" fälschlicherweise in Abrede stellen sollte. Dass I._ im Park ge-
wesen sei, nicht aber bei der Tramhaltestelle, wurde überdies auch vom Beschul-
digten so dargelegt (Urk. 1/4 S. 7).
4.8. Die Aussagen von D._ werden in groben Zügen von
E._ bestätigt, der jedoch damals stark alkoholisiert war (1.95‰ gemäss
Atemlufttest, Urk. ND 1/1 S. 2) und erst nach über einem Jahr das erste Mal be-
fragt wurde. Auch er bestätigt, dass sie zu Dritt an der Tramhaltestelle waren und
der Privatkläger blutend kam und zur Polizei gesagt habe, er sei vom Beschuldig-
ten geschlagen worden. Der Beschuldigte habe den Privatkläger aber nicht ge-
schlagen. Er bestätigt die Drohung des Privatklägers, dass er den Beschuldigten
und ihn ins Gefängnis bringen würde (Urk. 43 S. 3). Den Vorfall mit dem Whisky-
Becher habe er selber nicht gesehen – aber der Beschuldigte habe am nächsten
Tag rote Augen und Angst um seine Sehfähigkeit gehabt (Urk. 43 S. 4). Insge-
samt kann aus den Aussagen von E._ nichts Verbindliches geschlossen
werden, erklärte er doch am Schluss seiner Einvernahme: "Es ist möglich, dass
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der Beschuldigte ihn geschlagen hatte. Ich weiss es nicht. Es ist auch möglich,
dass jemand anderes ihn geschlagen hat. Es ist auch möglich, dass er sich selber
verletzt hat" (Urk. 43 S. 5).
4.9. Fügt man diese Aussagen zu einem Ganzen zusammen, so ist davon aus-
zugehen, dass der Privatkläger beim anfänglichen Aufeinandertreffen unverletzt
war und wenige Minuten bis maximal eine halbe Stunde später an der Tramhalte-
stelle im Gesicht verletzt war. Dass der Privatkläger und der Beschuldigte anfangs
aneinander geraten sind und der Privatkläger gegenüber dem Beschuldigten im
Form des Becherinhalt Anschüttens tätlich wurde, ist gemäss den übereinstim-
menden Aussagen aller Beteiligten ebenfalls erstellt, auch wenn der Privatkläger
bei der tatnäheren Einvernahme noch abgestritten hatte, den Beschuldigten in ir-
gendeiner Form provoziert zu haben. Dass sich der Beschuldigte dafür mit einem
Faustschlag rächte, ist unter den gegebenen Umständen keineswegs lebens-
fremd. Umso mehr, als alle Befragten übereinstimmend angaben, dass die beiden
miteinander verfeindet seien und in ihren Kreisen Rache, auch in Form von kör-
perlicher Gewalt, üblich sei. Schliesslich waren alle mehr oder weniger alkoholi-
siert und entsprechend waren die Hemmschwellen herabgesetzt. Wie gesehen
sprechen aber die in vielen Teilen auch mit den Aussagen des Beschuldigten
übereinstimmenden Aussagen der Zeugen D._ sowie E._ gegen eine
Täterschaft desselben. Auf der anderen Seite stehen die Aussagen des Privatklä-
gers, die allerdings aufgrund der Widersprüche und der kargen Schilderung des
Kerngeschehens nicht derart zu überzeugen vermögen, dass alleine gestützt da-
rauf eine Verurteilung ergehen könnte, zumal ein Motiv zur Falschbelastung auf-
grund des angespannten Verhältnisses zwischen ihm und dem Beschuldigten auf
Seiten des Privatklägers nicht ausgeschlossen werden kann. Sodann bringt die
Verteidigung nicht zu Unrecht vor, dass die Fritschiwiese auch ein Kinderspiel-
platz sei und mit Betonhindernissen versehen sei (vgl. Urk. 132/2), weshalb nicht
ausgeschlossen werden könne, dass der erheblich alkoholisierte Privatkläger im
unwegsamen Gelände bzw. über ein solches Hindernis stürzte und sich so die in
der Anklageschrift umschriebenen Verletzungen zugezogen habe (Urk. 131 S. 6
f.). Wie erwähnt geben die Arztberichte keinen Aufschluss darüber, wie die Ver-
letzungen des Privatklägers entstanden sind. Auch wenn dies mit der Vorinstanz
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eher unwahrscheinlich sein mag (vgl. Urk. 111 S. 36), kann ein solcher Gesche-
hensablauf insbesondere aufgrund des Alkoholisierungsgrades des Privatklägers
nicht gänzlich ausgeschlossen werden. In diesem Zusammenhang ist nicht von
der Hand zu weisen, dass – wie dies die Verteidigung anlässlich der Berufungs-
verhandlung aufzeigte – Atemlufttests nicht die gleiche Messgenauigkeit wie Blut-
tests aufweisen, weshalb durchaus möglich wäre, dass der Privatkläger sogar ei-
nen Promillewert von über 2 aufgewiesen haben könnte (Urk. 131 S. 4 mit Ver-
weis auf Urk. 132/1). Schliesslich kann mit der Verteidigung aufgrund der Akten-
lage nicht mit hinreichender Sicherheit ausgeschlossen werden, dass der Privat-
kläger – zwischen den beiden Episoden "Fritschiwiese" und "Tramhaltestelle Zyp-
ressenstrasse" – von einem weiteren an der Auseinandersetzung auf der
Fritschiwiese Beteiligten geschlagen wurde (Urk. 131 S. 8 f.), zumal der Beschul-
digte, E._ und auch D._ übereinstimmend betonten, dass es immer
wieder zu Problemen komme, wenn der Privatkläger auftauche (Urk. ND 1/4 S. 5
ff.; Urk. 1/5 S. 4, 6; Urk. 42 S. 6; Urk. 43 S. 4). Auch wenn der zeitliche Gesche-
hensablauf eher gegen eine solche Sachverhaltsvariante spricht, ist der Verteidi-
gung uneingeschränkt zu folgen, wenn sie vorbringt, dass nicht der Beschuldigte
seine Unschuld, sondern die Strafverfolgungsbehörde seine Schuld beweisen
muss (Urk. 131 S. 7).
4.10. Zusammenfassend muss festgehalten werden, dass bei gegebener Aus-
gangslage die Täterschaft des Beschuldigten alleine gestützt auf die Aussagen
des Privatklägers nicht in strafprozessual genügender Art und Weise nachge-
wiesen werden kann. Damit ist der Beschuldigte in Anwendung des Grundsatzes
"in dubio pro reo" vom Vorwurf der einfachen Körperverletzung freizusprechen.
5. Zivilansprüche
5.1. Die Verteidigung beantragt die Abweisung der seitens des Privatklägers 2
geltend gemachten Zivilansprüche bzw. eventualiter den Verweis auf den Zivilweg
(Urk. 112 S. 2, Urk. 131 S. 11).
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5.2. Der Verweis der Zivilforderung des Privatklägers 1 auf den Zivilweg ist
nicht angefochten und steht demgemäss im vorliegenden Berufungsverfahren
nicht zur Disposition (vgl. Erw. 2.2).
5.3. Das Gericht entscheidet über die anhängig gemachte Zivilklage, wenn es
den Beschuldigten freispricht und der Sachverhalt spruchreif ist (Art. 126 Abs. 1
lit. b StPO). Ist der Sachverhalt hingegen nicht spruchreif und wird der Beschul-
digte freigesprochen, so wird die Zivilklage auf den Zivilweg verwiesen (Art. 126
Abs. 2 lit. d StPO).
5.4. Nachdem sich der im vorliegenden Berufungsverfahren zu überprüfende
Anklagesachverhalt nicht mit hinreichender Sicherheit nachweisen lässt und der
Beschuldigte folglich in Anwendung des Grundsatzes "in dubio pro reo" freizu-
sprechen ist, erweist sich der Sachverhalt als in zivilrechtlicher Hinsicht illiquid,
mithin nicht spruchreif. Demgemäss ist die adhäsionsweise anhängig gemachte
Zivilklage des Privatklägers 2 auf den Weg des Zivilprozesses zu verweisen
(Art. 126 Abs. 2 lit. d StPO).
6. Kosten- und Entschädigungsfolgen
6.1. Ausgangsgemäss – der Beschuldigte wird freigesprochen und obsiegt im
Berufungsverfahren – sind die Kosten der Untersuchung und beider gerichtlichen
Verfahren, einschliesslich derjenigen der amtlichen Verteidigung und der unent-
geltlichen Vertretung der Privatklägerschaft, auf die Gerichtskasse zu nehmen
(Art. 426 Abs. 1 und 2 StPO; Art. 428 Abs. 1 StPO).
6.2. Wird die beschuldigte Person freigesprochen, so hat sie Anspruch auf Ent-
schädigung ihrer Aufwendungen für die angemessene Ausübung ihrer Ver-
fahrensrechte, Entschädigung der wirtschaftlichen Einbussen, die aus ihrer not-
wendigen Beteiligung am Strafverfahren entstanden sind und Genugtuung für be-
sonders schwere Verletzungen ihrer persönlichen Verhältnisse, insbesondere bei
Freiheitsentzug (Art. 429 Abs. 1 lit. a-c StPO). Es geht damit einerseits um den
(vollen) Ausgleich des Schadens im haftpflichtrechtlichen Sinn sowie andererseits
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um Genugtuung für immaterielle Nachteile (Schmid, Handbuch, 2. Auflage 2013,
N 1803 ff.).
6.2.1. Zu den Entschädigungen für Aufwendungen zur Wahrung der Verfahrens-
rechte (Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO) gehören primär die Kosten der frei gewählten
Verteidigung, wenn die Verbeiständung angesichts der tatsächlichen oder recht-
lichen Komplexität des Falls geboten war (Schmid, a.a.O., N 1810). Da dem Be-
schuldigten eine amtliche Verteidigung bestellt wurde und deren Kosten vom
Staat getragen werden (Art. 135 StPO, Art. 422 Abs. 2 lit. a StPO), fällt eine
(Partei-) Entschädigung unter diesem Titel ausser Betracht.
6.2.2. Eine Entschädigung für wirtschaftliche Einbussen (Art. 429 Abs. 1 lit. b
StPO) wurde nicht geltend gemacht (Urk. 102 S. 4). Ein entsprechender Anspruch
ist nach Art. 429 Abs. 2 StPO von der Strafbehörde zwar von Amtes wegen zu
prüfen, jedoch ist nicht ersichtlich, inwiefern ihm wirtschaftliche Einbussen ent-
standen sein sollten. Es ist dem Beschuldigen somit keine Entschädigung im Sin-
ne von Art. 429 Abs. 1 lit. b StPO zu entrichten.
6.2.3. Bei besonders schweren Verletzungen in den persönlichen Verhältnissen
im Sinne von Art. 28 ZGB und Art. 49 OR sichert Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO der
beschuldigten Person bei Einstellung oder Freispruch eine Genugtuung zu, ins-
besondere bei Freiheitsentzug. Mithin muss eine gewisse Intensität der Ver-
letzung vorliegen. Die strafrechtliche Anschuldigung selbst ist nicht ausreichend.
Als Beispiele neben der ungerechtfertigten Untersuchungs- und Sicherheitshaft
gelten etwa eine publik gewordene Hausdurchsuchung, eine sehr lange Ver-
fahrensdauer, eine breite Darlegung in den Medien, Probleme im Familien- und
Beziehungsleben durch die Strafuntersuchung oder persönlichkeitsverletzende
Äusserungen von Strafbehörden (BSK StPO II-Wehrenberg/Frank, 3. Auflage
2013, Art. 429 N 26, 27). Solch gravierende Verletzungen wurden vorliegend we-
der geltend gemacht noch ergeben sich Hinweise dafür aus den Akten. Ge-
samthaft betrachtet kann nicht davon ausgegangen werden, dass die mit dem
Strafverfahren verbundene psychische Belastung des Beschuldigten eine In-
tensität erreichte, die die Zusprechung einer Genugtuung rechtfertigen würde.
Entsprechend ist dem Beschuldigten keine solche zuzusprechen.
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