# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f9719700-6803-4926-9924-18c0d143b09b
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1977, meldete sich am 28. Juli 2009 unter Hinweis auf
Fussbeschwerden bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
10/11). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, ver
neinte mit Verfügung vom 28. September 2010 aufgrund einer rentenaus
schlies
senden Arbeitsfähigkeit von 100
%
in angepasster
Tätigkeit einen Rentenan
spruch
(Urk. 10/32).
1.2
Am 21. Mai 2012 meldete sich die
Versicherte
unter Hinweis auf Rücken
be
schwerden erneut bei der IV-Stelle zum Leist
ungsbezug an
(
Urk. 10/36). Mit Ver
fügung vom 2. November 2012 trat die IV-Stelle auf das neue Leistungsbegehren nicht ein (Urk. 10/49).
1.3
Am 6. Februar 2017 meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf eine Geh- und Bewegungsbehinderung infolge Fuss- und Rückenschmerzen, auf Schulter-, Nacken- und Kopfschmerzen, eine Adipositas und eine Schilddrüsen
unter
funk
tion sowie eine mittelschwere Depression erneut bei der IV-Stelle zum Leis
tungsbezug an (Urk. 10/60). Die IV-Stelle
stellte mit Vorbescheid vom 20. Juni 2017 (Urk. 10/76) in Aussicht, auf das neue Leistungsbegehren
nicht
einzutreten. Nach erhobenem Einwand (Urk. 10/81+84) holte sie
beim
Zent
r
um
Y._
ein interdisziplinäres Gutachten ein, das am 3. Juni 2019 erstattet wurde (Urk. 10/112).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
10/114
; Urk.
10/117; Urk. 1
0/120; Urk. 10/122; Urk. 10/124
)
verneinte
die IV-Stelle
mit
Verfügung vom
9. Januar 2020
eine
n
Rente
nanspruch
(Urk. 10/126 = Urk. 2
).
2.
Die Versicherte erhob am
8. Februar 2020
Beschwerde gegen die Verfügung vom
9. Januar 2020
(Urk. 2) und b
eantragte, diese sei aufzuheben und die Sache zur Einholung eines neuen Gutachtens an die IV-Stelle zurückzuweisen
(Urk. 1).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
17. März 2020
(Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde, wobei sie die Akten nicht vollständig einreichte (Urk. 7). Mit Gerichtsverfügung vom 30. März 2020 (Urk. 8) wurde sie aufge
fordert, die fehlenden Akten nachzureichen. Am 14. April 2020 (Urk. 9) reichte die Beschwerdegegnerin die vollständigen Akten (nochmals) ein (Urk. 10), womit diese nun mehrheitlich in doppelter Ausführung im Recht liegen. Der besseren Lesbarkeit halber werden im vorliegenden Urteil nur die in Urk. 10 vollständig enthaltenen
Vorakten
referenziert
.
Mit Gerichtsverfügung vom
28. April 2020
wurden antragsgemäss (vgl. Urk. 1) die unentgeltliche Prozessführung bewilligt und der Beschwerdeführerin die Be
schwerdeantwort zugestellt (Urk.
11
).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
men
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundes
gesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
ti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.4
Zur Annahme einer Invalidität aus psychischen Gründen bedarf es in jedem Fall eines medizinischen Substrats, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Bestimmen psy
chosoziale oder soziokulturelle Faktoren das Krankheitsgeschehen mit, dürfen die Beeinträchtigungen nicht einzig von den belastenden invaliditätsfremden Fak
to
ren herrühren, sondern das Beschwerdebild hat davon psychiatrisch zu unter
schei
dende Befunde zu umfassen. Solche von der soziokulturellen oder psycho
sozialen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselb
ständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann (BGE 141 V 281 E. 4.3.3; 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 9C_543/2018 vom 21. November 2018 E. 2.2).
Somit sind psychosoziale und soziokulturelle Faktoren nur mittelbar invalidi
tätsbegründend, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden Folgen des Gesundheitsschadens beeinflussen. Zeitigen soziale Belastungen direkt negative funktionelle Folgen, bleiben sie bei der Beurteilung der Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeklammert (Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2018 vom 22. März 2019 E. 3).
In einer ver
sicherungsmedizinischen Begutachtung, welche sich nach den normativen Vor
gaben der Rechtsprechung orientiert, ist es daher nicht nur zulässig, sondern sogar geboten, solche invalidenversicherungsrechtlich nicht relevanten Umstände aufzuzeigen und gegebenenfalls bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auszu
klammern (Urteil des Bundesgerichts 9C_740/2018 vom 7. Mai 2019 E. 5.2.1).
1.5
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bun
desgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische
Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indika
toren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belas
tungs
fak
toren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) ande
rerseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE
141 V
281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesge
richts 9C_590/2017 vom 15. Februar 2018 E. 5
.1). Die Anerkennung eines ren
tenbe
grün
denden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktio
nellen Aus
wir
kungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
grundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und wider
spruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3)
.
1.6
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
1.7
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus, dass
die angestammte auch einer angepassten Tätigkeit entspreche. Vo
n
Januar bis Juli 2017 sei
der Beschwerdeführerin
eine Arbeitstätigkeit von 70
%
und seit dem August 2017 eine Arbeitstätigkeit von 80
%
zumutbar gewesen. Aus diesem Grund entstehe kein Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung (S. 1).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1), dass ihre Beschwerden im Alltag nicht ausreichend beachtet worden seien. Sie sei auf verschiedenen Ebenen eingeschränkt und der Meinung, dass es eine erneute Prüfung durch unvoreingenommene Fachpersonen brauche.
2.3
Strittig und zu prüfen ist somit der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin sowie die Frage, ob die Beschwerdegegnerin den Sachverhalt
genügend
abgeklärt hat.
3.
3.1
Dr. med.
Z._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, nannte im Be
richt vom 10. Juni 2010 (Urk. 10/26/3-6) folgende Diagnosen (Ziff. 1.1):
-
Status nach Fersenkontusion links mit Fersenspornfraktur links
-
reaktive
Calcaneodynie
/
Fasciitis
plantaris beidseitig
-
rezidivierendes
lumbospondylogenes
Syndrom rechts bei
-
dorsaler
Diskusprotrusion
zwischen dem 4. und 5. Lendenwirbel (L4/5)
ohne Neurokompression
-
leichter Spondylarthrose zwischen dem 5. Lendenwirbel und dem Kreuzbein (L5/S1) und leichter Sklerosierung beider Iliosakralgelenke (ISG)
In der bisherigen Tätigkeit bestünden aktuell keine Einschränkungen. Vorsorglich seien häufige oder längerdauernde Gewichts- und
Bückbelastungen
des Rückens zu vermeiden (Ziff. 1.7).
3.2
Dr. med.
A._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Facharzt für Rheumatologie, erstattete am 25. März 2013 seinen Bericht zur konsiliarischen Untersuchung zuhanden des Krankentaggeldversicherers (Urk. 10/124/57-84).
Er nannte folgende Diagnosen (S. 26 Ziff. 2):
-
unspezifische Rückenschmerzen bei
-
Fehlhaltung und Haltungsinsuffizienz
-
somatoforme Schmerzstörung
-
Adipositas
D
ie klinische Untersuchung habe abgesehen von einem auffallenden Übergewicht keine sicher pathologischen Befunde ergeben. Das Beschwerdebild lasse sich somit nicht objektivieren.
Die Versicherte habe sich bei den Untersuchungen limitiert. So seien zumindest vier der fünf
Waddell
-Zeichen (nicht-organische Befunde) eindeutig nachweisbar gewesen, hinweisend auf eine funktionelle Aus
gestaltung des Beschwerdebildes. Hinweise auf eine relevante psychiatrische Erkrankung habe es keine gegeben, relevante psychosoziale Faktoren seien jedoch auch für einen Rheumatologen offensichtlich gewesen (S. 21 Ziff. 3.3).
Das Ausmass der Beschwerden, das präsentierte Schon- und Vermeidungs
ver
halten sowie die angegebenen Limitierungen liessen sich in keiner Art und Weise durch ein somatisches Leiden erklären. Schon der konstant hohe, durch keine Massnahmen signifikant beeinflussbare Schmerzpegel spreche für eine Schmerz
verarbeitungsstörung. Ein Rheumatologe dürfe normalerweise nur auf diese Dis
krepanzen hinweisen, welche auf eine somatoforme Störung hinwiesen. Diese Diagnose scheine vorliegend jedoch gesichert, wenn bereits 2006 die diagnostisch notwendigen psychosozialen Belastungsfaktoren durch einen psychiatrischen Facharzt festgestellt und gewürdigt worden seien (S. 24 unten).
Aus rheumatologischer Sicht lasse sich keine krankheitsbedingt
e Arbeitsun
fähig
keit begründen
(S. 27 Ziff. 6).
3.3
Dr.
Z._
(vorstehend E. 3.1) nannte im Bericht vom 25. April
2017 (Urk.
10/73/2) folgende neue und reaktivierte Diagnosen seit 2010:
-
2012 akutes
lumbospondylogenes
Syndrom mit (immer noch) inter
mittie
rendem radikulärem Syndrom L5 links (Hospitalisation in der Rheuma
klinik des Universitätsspitals
B._
)
-
Seit 2012 Übergang in massive generalisierte
fibromuskuläre
Schmerzen und Verspannung des gesamten Rückens inklusive Schultergürtel und Beckenregion, inzwischen chronifiziert, progredient, weitgehend therapie
resistent. Benötigt Opiat-
Analgetica
-
seit 2013 wieder
Faciitis
plantaris beidseitig, persistierend, bisher thera
pieresistent
-
zunehmende Adipositas permagna (2004: 55 kg / 2015: 108 kg) als Folge der dauernden schmerzbedingten Immobilität (Überwei
sung in Adipo
sitas-/
Bariatrie
-S
prechstunde am
B._
ist pendent)
-
seit 2015 Hypothyreose, substituiert
In den letzten Jahren gebe es eine zunehmende Depression, die vor allem durch die chronischen Schmerzen, den Verlust an Mobilität und Selbständigkeit und die
Sozialahilfeabhängigkeit
bedingt sei. Das Stehen und Gehen sei seit einigen Jahren nur an 2 Unterarmstöcken und während höchstens 10 Minuten möglich. Danach
müsse sich die Patientin jeweils schmerzbedingt wieder hinlegen. Sie könne deshalb auch ihren Haushalt nicht mehr selbst machen und benötige
Spitexhilfe
. Sie bleibe somit seit dem 2. Februar 2012 auf unbestimmte Zeit durchgehend zu 100
%
arbeitsunfähig für jegliche Erwerbstätigkeit und weitge
hend auch für ihren eigenen Haushalt.
3.4
Die Ärzte der psychiatrisch-p
sychologischen
K
linik
C._
nannten im Bericht vom 9. Juni 2017 (Urk. 10/74) folgende psychiatrischen Diag
nosen (S. 1):
-
mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32
.11) mit/bei chronischen Schmerzen sowie Einschränkung der Mobi
lität und Selbständigkeit
-
Verdacht auf histrionisch akzentuierte Persönlichkeit (Z73.1)
Bei deutlichen Hinweisen auf eine histrionische Persönlichkeitsakzentuierung könne ein Teil der beschriebenen Schmerzsymptomatik als histrionisch verar
beiteter Schmerz verstanden werden. Es bestehe seit dem 28. März 2017 eine Arbeitsfähigkeit von 0
%
sowohl im angestammten Beruf als Raumpflegerin als auch in einer Verweistätigkeit. Mit fachgerechter Behandlung könne in einer angepassten Tätigkeit längerfristig im Verlauf mit einer Arbeitsfähigkeit in einem niederschwelligen Pensum gerechnet werden (S. 4 Mitte).
3.5
Dr. med.
D._
, Praktische Ärztin
, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), führte in ihrer Stellungnahme vom 15. Juni 2017 (Urk. 10/75 S. 3 f.) aus, die somatischen Beschwerden (Schmerzen) würden mehrheitlich durch das ausge
prägte Körpergewicht (108 kg) unterhalten. Dies betreffe den Bewegungsapparat (Lendenwirbelsäule, Fuss, Schultergürtel) und die dokumentierte
R
e
fluxsympto
matik
, welche auch im Zusammenhang mit dem Übergewicht gesehen werden könne. Die mittelgradige depressive Episode sei unter leitliniengerechter Therapie behandelbar und sollte keine längerdauernde Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen (S. 3 unten). Ziel der indikationsgerechten Therapie (Ernährungsbe
ratung, eigene körperliche Aktivität, Bewegungstherapie im Wasser, analgetische und antidepressive Therapie) sollte es sein, das Körpergewicht erheblich zu reduzieren. Die bariatrische Therapie sollte die letzte Option sein (S. 4 oben).
3.6
Die Ärzte der
p
sychiatrischen
K
linik
E._
berichteten am 8. August 2017 über die Hospitalisation der Beschwerdeführerin vom 7. bis 25. Juli 2017 (Urk. 10/93)
.
Die Zuweisung sei
freiwillig
aufgrund von Suizidalität im Rahmen einer schweren depressiven Episode erfolgt (S. 1 unten). Es handle sich um eine Patientin mit im Querschnitt depressiver Symptomatik überwiegend schwerer Qualität,
die teilweise
auch mittelgradig einzustufen
sei
. Es bestehe zudem der dringende Verdacht auf eine anhaltende
Schmerzstörung
,
ohne
dass eine konkret objektiv fassbare Ursache
auszumachen sei (S. 6). Die Nachbe
handlun
g erfolge durch die Kollegen der Klinik F._
(S. 7).
3.7
Dr. med.
G._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Zentrum für Integrative Psychiatrie
,
Psychotische Störungen,
F._
, berichtete am 27. Oktober 2017 über den stationären Klinikaufenthalt
der Beschwerdeführerin
vom 25. Juli bis 4. Oktober 2017 (Urk. 10/87). Er nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 2 Ziff. 1.1):
-
depressive Störung, schwer mit psychotischen Symptomen (F33.3), be
stehend seit zirka 2 Jahren
-
chronische Schmerzstörung (F45.41)
Eine abschliessende prognostische Beurteilung sei nicht möglich. Bei der Be
schwerdeführerin bestehe sicherlich eine schwere depressive Erkrankung, die auch die Kriterien einer Therapieresistenz erfülle. In Folge der depressiven Erkran
kung verschlechtere sich ihre Schmerzproblematik, was mit einer erheblichen Funktionseinschränkung einhergehe. Daher empfehle sich eine stationäre psy
chosomatische Behandlung. Eine Besserung der Symptomatik und eine Stei
ge
rung der Funktionalität werde als durchaus möglich erachtet (S. 3 unten).
Es bestehe ein komplexes Zusammenspiel zwischen depressiver Erkrankung und den somatischen Schmerzen. Eine rein psychiatrisch-psychotherapeutische Behand
lung scheine wenig hilfreich (S. 6 Ziff. 1.11).
Die Beschwerdeführerin sei nicht in der Lage, einer regelmässigen Tätigkeit nachzugehen, sie benötige längere Erholungspausen sowie einen erhöhten Zeit
aufwand. Bei neuen oder komplexen Aufgaben komme es häufig zu Ü
ber
for
derungen und zu Missverständnissen, dies vor allem deshalb, weil sie bezüglich ihrer Sprachkompetenz überschätzt werde (S. 5 Ziff. 1.7).
3.8
Dr. med.
H._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, führte im Bericht vom 25. April 2018 (Urk. 10/124/114-115) aus, die Pa
tientin habe sich wegen diffuser
Fussbe
schwe
r
den gemeldet (S. 1). Es fände
sich aber diesbezüglich weder klinisch noch radio
logisch ein genügendes Korrelat (S. 2).
3.9
Dr. med.
I._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, teilte der Beschwerdegegnerin gemäss deren Gesprächsnotiz vom 8. Mai 2018 (Urk. 10/97) mit, es hätten mit der Beschwerdeführerin insgesamt 6 Termine stattgefunden, zuletzt am 13. März 2018, seither habe sie nichts mehr von ihr gehört. Da diese nur «am Jammern» sei und selber keine Schritte für Veränderungen unternehme, würde Dr.
I._
die Therapie gerne beenden.
Es wäre besser, einen türkisch spre
chenden
Therapeuten zu finden, da oft sprachliche Hürden bestünden.
Wegen fehlender Behandlung könne sie keinen Arztbericht erstellen.
3.10
Dr. med.
J._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte im Bericht vom 21. September 2018 (Urk. 10/100) aus, er behandle die Beschwerde
führerin seit dem 20. April 2018 (Ziff. 1.1), wobei Konsultationen alle zwei Wochen stattfänden (Ziff. 1.2, vgl. auch Ziff. 2.8). Er nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 2.5):
-
rezidivierende depressive Störung, anhaltend mittelschwere Episode (F33.2)
-
chronische Schmerzstörung (F45.41)
In absehbarer Zeit sei keine wesentliche Remission der depressiven Symptome zu erwarten, entsprechend werde von einer langfristigen Arbeitsunfähigkeit aus
ge
gangen (Ziff. 2.7).
3.11
Am 3. Juni 2019 erstatteten Dr. med.
K._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Prof.
Dr. med.
L._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin
,
und Dr. med.
M._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
Y._
, ihr interdisziplinäres Gutachten (Urk. 10/112).
3.12
Im psychiatrischen Teilgutachten (S. 27-44) nannte Dr.
K._
als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 37 Ziff. 6) eine chronische mittelgradige Depression (F32.8).
Die Angaben der Versicherten zum Tagesablauf seien auch auf wiederholtes Nachfragen sehr übersichtlich geblieben. Vielleicht erwache sie gegen 9 Uhr. Sie frühstücke, trinke Milch und nehme ihre Tabletten ein. Sie liege viel, manchmal telefoniere sie mit ihrer Familie oder ihrem Mann. Zum Mittag esse sie nicht, nachmittags mache sie sich einen Salat. Zum Abend koche sie sich allenfalls etwas Leichtes. Kleine Sachen kaufe sie selber, ansonsten habe sie Unterstützung durch die Spitex. Die meiste Zeit, fast immer, sei sie zuhause. Nach Mitternacht nehme sie ihre Schlaftr
opfen ein und versuche zu schlafen. Manchmal lese sie Zeit
ung
und manchmal etwas zum Lernen, zum Beispiel über Halluzinationen oder Geister. Fernsehen schaue sie nicht viel (S. 32 unten).
Die Versicherte beschreibe Beschwerden auf unterschiedlichen psychischen und kognitiven Ebenen und auf der Verhaltensebene: Häufiges Studieren, Todes
wunsch, verminderte Freude, Albträume, Intrusionen, paranoid gefärbte Ängste, mangelndes Vertrauen, psychosomatisch anmutende Beschwerden (Erbrechen im Zusammenhang mit Stress), Vergesslichkeit, sozialer Rückzug, eingeschränkte Alltaggestaltung
. Im psychopathologischen Befund fielen eine subdepressive
Stimmungslage, verminderte Affektivität, monotone Sprechweise, reduzierte Psy
chomotorik, ein subjektives Insuffizienzgefühl und vermindertes
Selbstwert
ge
-
fühl
auf. Somit bestehe eine dynamische Reduktion im Affekt, Antrieb, Denken und Fühlen. Die diagnostischen Kriterien für eine Depression wären somit erfüllt. Aufgrund der langen Dauer (über zwei Jahre) sei von einer Chronifizierung aus
zugehen.
Formal würde man aufgrund der beschriebenen Auffälligkeiten beziehungsweise deren Ausprägung von einer mittelgradigen Depression ausgehen. Deren Alltags
relevanz werde allerdings dadurch relativiert, dass die Versicherte sich Ende 2018 für eine Heirat mit einem neuen Mann habe entscheiden können, im Rahmen der Exploration durchaus auch gelächelt und sehr viel und weitschweifig geredet habe. Ausserdem
habe
die Versicherte wiederholt eine Abhängigkeit ihrer psy
chi
schen Gesamtverfassung von der jeweiligen Situation ihrer anderen, soma
tischen Erkrankungen
beschrieben
. Schliesslich schienen psychosoziale Belastungsfakto
r
en ebenfalls eine Rolle zu spielen. Vor dem Hintergrund dieser Feststellungen lasse sich eine Einschränkung der berufsbezogenen Leistungsfähigkeit um allen
falls 20
%
ableiten, womit die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht 80
%
betrage.
Darüber hinaus könne keine psychiatrische Diagnose mit Relevanz für die Arbe
itsfähigkeit
gestellt werden. Die Schmerzen stünden nicht so im Fokus der Versicherten, dass eine somatoforme Schmerzstörung in Betracht komme (S. 37 Ziff. 6
).
Die indizierten und zumutbaren ambulanten und stationären Behandlungs
mög
lichkeiten seien nicht ausgeschöpft worden. Die Versicherte erhalte seit zwei Jahren das Antidepressivum Duloxetin und das Neuroleptikum
Fluanxol
. Es bleibe unverstanden, warum bei unzureichender
medikementöser
Response keine anderen medikamentösen Therapieansätze erfolgt seien. Die begleitende psychia
trische/psychotherapeutische Behandlung sei zu begrüssen, sei offenbar aber ebenfalls unzureichend (S. 38 Ziff. 7.2).
Die geklagten Symptome und Funktionseinbussen seien konsistent und plausibel. Es bestehe eine gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen. Hinsichtlich der Wahrnehmung von Therapien bestehe eine gute Kooperation, Medikamenten-Compliance sei gegeben. Beides lasse auf einen tatsächlich gegebenen Leidensdruck schliessen (S. 39 Ziff. 7.3).
Die Versicherte verfüge über gute Ressourcen in den komplexen Ich-Funktionen Realitätsprüfung, Urteilsbildung, Beziehungsfähigkeit, Kontaktgestaltung, Inter
ak
tionskompetenz, Regressionsfähigkeit und Intentionalität. Sie sei durchaus in der Lage, Willenskräfte zu mobilisieren, um allfällige Hindernisse bei der Be
wältigung
von Aufgaben zu überwinden. Im Längsschnittverlauf dürften ihre Ressourcen abgenommen haben. Dennoch sei ihre Selbsteinschätzung negativ akzentuiert, sie entspreche nicht der objektiven psychischen Gesamtverfassung
und dem Funktionsniveau im Alltag (subjektives Insuffizienzgefühl
; S. 39
Ziff.
7
.4
)
.
Die belastete biografische Anamnese bedeute eine erhöhte Vulnerabilität der Versicherten. Es bestehe ein gewisser sozialer Rückzug, die finanzielle Situation sei angespannt. Diese Belastungsfaktoren hätten direkt negative funktionelle Folgen und gälten als nicht medizinisch begründete Funktionsstörungen, die bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht Berücksichtigung finden könnten. In Anlehnung an das Mini-ICF-App lägen Beeinträchtigungen in folgenden Fähig
keiten vor: Flexibilität und Umstellungsfähigkeit (leicht), Selbstbehauptungs
fähig
keit (leicht), Spontanaktivitäten (leicht), Durchhaltefähigkeit (mittelgradig), Kontaktfähigkeit zu Dritten (leicht), familiäre beziehungsweise intime Bezie
hungen (leicht), Verkehrsfähigkeit (mittelgradig
; S. 40
Ziff.
7.4
)
.
In den letzten beiden Tätigkeiten (Reinigungsbetrieb, Service Cafeteria) könne die Versicherte 6,8 Stunden
am Tag
anwesend sein, die Arbeitsfähigkeit werde also mit 80
%
eingeschätzt (S. 40 f. Ziff. 8).
Im Juli 2017 sei es zu einer lediglich zweieinhalbwöchigen Hospitalisation gekommen
.
Für diese Zeit sei die Arbeitsfähigkeit aufgehoben gewesen, für die davorliegende Zeit könne ab Anfang 2017 unter Annahme einer mittelgradigen Depression eine Arbeitsfähigkeit von 70
%
, für die Zeit danach und bis anhin anhaltend eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
angenommen werden (S. 41 Mitte Ziff. 8).
Eine der Behinderung optimal angepasste Tätigkeit dürfe keinen hohen Stress
pegel und keine hohe Verantwortung beinhalten. Die Ausdauer und die Fähigkeit, unter Zeitdruck zu arbeiten, seien reduziert. Es bestehe ein vermehrter Pausen- und Regenerationsbedarf. Multitasking wäre ungeeignet. Es bestehe ein Mehr
auf
wand bei Vorbereitung und Planung. Teamwork sollte nicht zugemutet werden. Die maximale Präsenzzeit liege auch hier bei 6,8 Stunden am Tag und die Arbeitsfähigkeit entsprechend bei 80
%
(S. 41 f.).
3.13
Im internistischen Teilgutachten (S. 45-61) nannte Prof.
L._
keine Diag
nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 57).
Aus allgemein-inter
nis
tischer Sicht habe zu keinem Zeitpunkt eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vorgelegen (S. 59 Ziff. 8).
3.14
Im orthopädisch-traumatologischen Teilgutachten (S. 62-76) nannte Dr.
M._
keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 71 Ziff. 6).
Die Beschwerdeführerin habe gemäss eigenen Angaben Probleme im Rücken, in den Füssen und in beiden Kniegelenken, Schmerzen im linksseitigen Nacken mit Schmerzausstrahlung in den linken Arm bis in die Finger, im unteren Lenden
wirbelsäulenbereich zeitweilig ausstrahlenden Schmerz in beide Gesässhälften, Vorderknieschmerzen, bewegungs- und belastungsabhängige Schmerzen in den Fersen und Schmerzen in beiden Sprunggelenken. Der Schmerz sei permanent gegenwärtig, die Schmerzintensität sei häufig zwischen 8 und 9 auf der zehn
stufigen Analogskala VAS, zeitweilig erreiche er auch eine Intensität von 10 (S. 65
Ziff. 3.1).
Die hohe Intensität der
beklagten
Schmerzen sei aus
orthopädischer Sicht nicht nachvollziehbar. Die Einschränkungen des Aktivitätenniveaus seien der Körper
fülle und der damit verbundenen Adipositas per magna geschuldet. Es bestehe eine ausgeprägte Inkonsistenz bei der Präsentation der Inklinationsfähigkeit der Brust- und Lendenwirbelsäule (S. 73 Ziff. 7.3). Die Versicherte sei in der Lage, körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten mit Heben und Tragen von Lasten bis zu maximal 15 kg durchzuführen. Tätigkeiten in Zwangshaltung, Tätigkeiten in kniender oder kauernder Stellung, Vorbeugung und Überkopfarbeiten sollten vermieden werden, ebenso wie Tätigkeiten mit einem erhöhten Anspruch auf Standsicherheit und Tätigkeiten unter extremen Temperaturschwankungen sowie Hitze, Kälte und Nässe. Unter Berücksichtigung d
ies
es Belastungsprofils sei die Arbeitsfähigkeit der Versicherten nicht eingeschränkt (S. 73 Ziff. 7.4
).
3.15
I
n der interdisziplinären Gesamtbeurteilung (S. 1-
12
)
addierten die Gutachter die
im psychiatrischen und im orthopädisch-traumatologischen Teilgutachten formu
lierten Belastungsprofile (S. 8 f. Ziff. 4.5). Sie
kamen zum Schluss, es bestehe in der bisherigen und in einer leidensangepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
(Ziff. 4.7-8).
4.
4.1
Nebst der ausgewiesenen Adipositas bestehende pathologische Befunde, welche das somatische Beschwerdebild und die von der Beschwerdeführerin angege
benen Limitierungen objektiviert hätten, konnten schon im Jahr 2013 von Dr.
A._
nicht gefunden werden (vorstehend E. 3.2). Im
April
2018 hielt auch Dr.
H._
fest, es fänden sich betreffend die diffusen Fussbeschwerden weder klinisch noch radiologisch ein genügendes Korrelat (
vorstehend E. 3.8). Es ist damit stimmig, dass der orthopädisch-traumatologische Teilgutachter im Juni 2019 nach eingehender Untersuchung der Beschwerdeführerin zum Schluss kam, die hohe Intensität der beklagten Schmerzen sei aus orthopädischer Sicht nicht nachvollziehbar, die Einschränkungen des Aktivitätenniveaus seien der Körper
fülle und der damit
verbundenen Adipositas per magna geschuldet (vorstehend E. 3.14). Auch die weiteren Voraussetzungen an ein beweiskräftiges Gutachten (vgl. vorstehend E. 1.3) sind grundsätzlich erfüllt. Auf
die
Beurteilung
von Dr.
M._
, dass die Beschwerdeführerin aus orthopädisch-traumatologischer Sicht unter Berücksichtigung des formulierten Belastungsprofils nicht einge
schränkt sei, kann deshalb abgestellt werden.
4.2
Nicht nachvollzogen werden kann indes, wie die Gutachter in der interdis
zi
pli
nären Gesamtbeurteilung zum Schluss kamen, die aufgrund der psychiatrischen Einschränkungen reduzierte Arbeitsfähigkeit von 80
%
könne in der bisherigen Tätigkeit umgesetzt werden (vorstehend E. 3.15). Zuletzt
arbeitete
die Beschwer
deführerin
nämlich
als Reinigungskraft
, eine Tätigkeit, die
ohne die gemäss Belastungsprofil (vorstehend E. 3.14) zu vermeidenden Tätigkeiten in Zwangshal
tung, in kniend
er oder kauernder Stellung, mit
Vorbeugung und Überkopfar
beiten kaum vorstellbar
ist
.
4.3
In psychischer Hinsicht stellt sich angesichts der
durchgängig
geschilderten Schmerzen und den
fehlenden adäquaten
objektiven Befunden die Frage nach dem Vorliegen einer somatoformen Schmerzstörung. Dr.
A._
bezeichnete
im Jahr 2013
die Diagnose einer somatoformen Störung als gesichert, wenn auch unter dem berechtigten Hinweis, dass er als Rheumatologe keine psychiatrische Diagnose stellen dürfe (vorstehend E. 3.2).
Dies
er
Vorbehalt gilt
nicht für die psychiatrischen Fachärzte der
E._
, welche nach einer zweieinhalbwöchigen Hospitalisation der Beschwerdeführerin im Juli 2017 den dringenden Verdacht auf eine anhaltende Schmerzstörung formulierten (vorstehend E. 3.6). Nach dem nachfolgenden Klinikaufenthalt in
F._
diagnostizierte Dr.
G._
eine chro
nische Schmerzstörung (F45.41) und hielt fest, es bestehe ein komplexes Zusam
menspiel zwischen depressiver Erkrankung und den somatischen Schmerzen (vor
stehend E. 3.7). Es wäre entsprechend zu erwarten gewesen, dass sich der psy
chiatrische Teilgutachter mit der Verdachtsdiagnose einer somatoformen Schmer
z
störung eingehend auseinandersetzen würde. Es vermag nicht zu überzeugen, wenn er darauf lediglich einen Satz verwendete und ausführte, die Schmerzen stünden nicht so im Fokus der Versicherten, dass eine somatoforme Schmerz
störung in Betracht komme
n würde
(vorstehend E. 3.12).
4.4
Es befremdet zudem, wenn der psychiatrische Teilgutachter
ausführt, die Be
schwerdeführerin sei lediglich im Juli 2017 zweieinhalb Wochen lang hospita
lisiert gewesen. Dies wirft die Frage auf, ob er überhaupt zur Kenntnis genommen hat, dass die Beschwerdeführerin anschliessend über zwei Monate lang im Zen
trum für Integrative Psychiatrie der
F._
stationär behandelt wurde. Immerhin wurde
n
im
entsprechenden Abschlussbericht vom 27. Oktober 2017 eine schwere Depression mit psychotischen Symptomen und eine chronische Schmerzstörung diagnostiziert und entsprechend festgehalten, die Beschwerde
führerin sei nicht in der Lage, einer regelmässigen Tätigkeit nachzugehen (vor
stehend E. 3.7). Für eine fehlende aktive Kenntnisnahme dieses Berichts spricht auch, dass der psychiatrische Teilgutachter
unter dem Titel der
zumutbaren Behandlungsmöglichkeiten lediglich darauf verwies, die Versicherte erhalte seit zwei Jahren ohne zureichenden Response
dieselben Antidepressiva
, ohne dass er auf die
Wirksamkeit von
bereits erfolgten und allfällige
n
weiteren zukünftigen stationären Klinikaufenthalte
n
eingegangen wäre. Dass der Abschlussbericht aus
F._
in der Aktenzusammenfassung des Gesamtgutachtens aufgeführt wird (vgl. Urk. 10/112 S. 25 Ziff. 89), vermag die aufgeworfenen Zweifel an der
sorg
fältigen Würdigung der
Vorakten
und der damit verbundenen
Schlüssigkeit des psychiatrischen Teilgutachtens nicht zu zerstreuen.
4.5
Der psychiatrische Teilgutachter befand, es liege eine chronische mittelgradige Depression vor, die entsprechenden diagnostischen Kriterien seien erfüllt. Es erhellt zunächst nicht, wieso sich deren Alltagsrelevanz dadurch relativieren sollte, dass sich die Beschwerdeführerin
im Jahr 2018
für eine Heirat mit einem neuen Mann habe entscheiden können. Zum einen sind weder Details bekannt, wie es zu diesem Eheschluss
in der Türkei
kam, zum anderen lassen sich daraus kaum
ersichtliche
Schlüsse auf die Alltagsfunktionalität
der Beschwerdeführerin
ziehen, dies umso weniger, als sie ein gemeinsames Leben
mittlerweile offenbar wieder in Frage stellt (Urk. 10/112 S. 38 Ziff. 7.1).
Gleiches gilt für
das angeführte gelegentliche
Lächeln
sowie weitschweifi
ge
Reden anlässlich der Exploration, zumal letzteres im Berufsalltag kaum förderlich sein dürfte und auch ersteres nicht weiter auffällig ist
.
Der Zusammenhang dieser Feststellungen mit der ge
stellten Diagnose ist nicht ohne Weiteres ersichtlich.
4.6
Nach dem Gesagten (vorstehend E. 4.5) verbleiben zur gutachterlichen Recht
fertigung
der doch recht hohen
Arbeitsfähigkeit
lediglich die von der Beschwer
deführerin geschilderte Abhängigkeit der psychischen Gesamtverfassung von der jeweiligen Situation der somatischen Erkrankungen sowie die grundsätzlich
auszuklammernden psychosozialen Belastungsfaktoren. Nachdem der Zusam
men
hang
zwischen den psychosozialen Belastungsfaktoren, der psychischen Verfass
ung und den somatischen Beschwerden im Gutachten jedoch zu wenig beleuchtet und die Verdachtsdiagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung nicht genügend tief diskutiert wurde
, vermögen diese Argumente nicht zu über
zeugen. Dies umso weniger, als nicht klar ist, welches Gewicht der
psychiatrische
Teilgutachter diesen Aspekten im Vergleich zu den irrelevant
erscheinend
en Aspekten (vgl. vorstehend E. 4.5) beigemessen hat.
Schliesslich begründete er auch
nicht näher, inwiefern vorliegend die psychosozialen Faktoren direkt nega
tive funktionelle Folgen zeitigten. Diese Konstellation wäre von derjenigen abzu
grenzen gewesen, in welcher die psychosozialen Faktoren den Wirkungsgrad des
vorliegend bejahten selbständigen
Gesundheitsschadens
beeinflussen und somit
immerhin
mittelbar eine Invalidität begründen (vgl. vorstehend E. 1.4).
4.7
Die
bei psychischen Störungen
vorgeschriebene Prüfung der Standardindikatoren (vorstehend E. 1.
5-6)
wurde
zwar durch
geführt
(vorstehend E. 3.12), doch beste
hen auch hier wesentliche Unstimmigkeiten. Zwar erachtete
d
er
Teilgutachter
gute Ressourcen in den komplexen Ich-Funktionen als vorhanden, begründete dies aber nicht näher und nannte auch keine konkreten
Fallb
eispiele,
anlässlich welcher
sich solche Ressourcen offenbart hätten. Vielmehr sei der Tagesablauf der Beschwerdeführerin sehr übersichtlich.
Effektiv
ist dieser denn auch von
erheblicher
Passivität geprägt (
vgl.
vorstehend E. 3.12). Nicht nachvollziehbar ist deshalb die gutachterliche Beurteilung, die Selbsteinschätzung der Beschwerde
führerin entspreche nicht dem Funktionsniveau im Alltag.
Das Gegenteil scheint der Fall zu sein
, worauf auch die an anderer Stelle getroffene gutachterliche Feststellung hinweist, die geklagten Symptome und Funktionseinbussen seien konsistent und plausibel, es bestehe eine gleichmässige Einschränkung des Akti
vitätenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen.
4.8
Zusammengefasst weist das interdisziplinäre
Y._
-Gutachten somit zahlreiche Inkon
sistenzen auf. Insgesamt kann die attestierte Arbeitsfähigkeit von 80
%
nicht schlüssig nachvollzogen werden und es bestehen relevante Anhaltspunkte dafür, dass die medizinischen
Vorakten
nicht ausreichend gewürdigt wurden.
Entsprechend fehlt es an der Beweiskraft des
Y._
-Gutachtens (vgl. vorstehend E. 1.3)
und somit
an einer Grundlage für den Entscheid.
4.9
Die Sache ist daher an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese eine neue Begutachtung veranlasse, hernach eine neue Beurteilung vornehme und über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin neu verfüge. In diesem Sinne ist die Beschwerde
gutzuheissen
.
5.
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf
Fr. 700.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerle
g
en.