# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** bfc025e4-ddcc-4573-acd6-0dca74a5d8b6
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt
A. C._ (nachfolgend C._) wurde am _ 2011 als Sohn der nicht miteinander verheirateten A._ und B._ geboren. Seit 2014 leben die Eltern getrennt. C._ untersteht der alleinigen elterlichen Sorge der Mutter und lebt mit dieser und seit 2021 auch mit deren Partner D._ zusammen. Die Halbschwester E._, geboren am _ 2003, ist per 1. Februar 2022 von Zuhause ausgezogen. Der Halbbruder F._, geboren am _ 2003, lebt in einem Heim und kommt nur an den Wochenenden nach Hause.
B. Aufgrund einer Gefährdungsmeldung der Mutter vom 19. August 2015 wurde am 6. Oktober 2015 von der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Nordbünden (nachfolgend KESB) eine Beistandschaft mit besonderen Befugnissen im Bereich persönlicher Verkehr errichtet. Dieses Mandat wurde zunächst von G._ ausgeübt und per 1. August 2021 an H._ übertragen.
C. Am 8. Dezember 2021 reichte der Beistand H._ eine Gefährdungsmeldung bei der KESB ein. Darin beantragte er die Erweiterung der bestehenden Massnahme um eine Erziehungsbeistandschaft nach Art. 308 Abs. 1 ZGB sowie um die Vertretungsrechte in den Bereichen Schule und Fördermassnahmen, Medizin und Gesundheit, Wohnung und Betreuung sowie Organisation und Freizeitangebot. Zudem sei eine Weisung für eine sozialpädagogische Familienbegleitung oder eine Erziehungsberatung zu prüfen.
D. Mit Schreiben der KESB vom 16. Dezember 2021 wurden die Eltern über die Gefährdungsmeldung orientiert. Im Januar und Februar 2022 führte die KESB Gespräche mit C._, der Mutter, dem Vater und der Halbschwester. Des Weiteren wurden Berichte von der Klassenlehrperson und der Schulsozialarbeiterin eingeholt.
E. Mit Schreiben vom 10. März 2022 wurde die Mutter zu einer Besprechung bezüglich der Anpassung der Massnahmen mit dem verfahrensleitenden Behördenmitglied der KESB eingeladen. Die Mutter verweigerte die Besprechung und lehnte mit schriftlicher Stellungnahme vom 15. März 2022 die sozialpädagogische Begleitung sowie die Erweiterung der Kompetenzen der Beistandsperson ab. Per E-Mail wurde sie gleichentags aufgefordert, weitere Unterlagen zwecks Prüfung ihres Gesuchs auf Verzicht der Kostenauferlegung bis am 23. März 2022 einzureichen. Die Mutter reichte am 30. April 2022 den aktuellen Kontostand ein.
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F. Am 4. April 2022, mitgeteilt am 20. April 2022, entschied die Kollegialbehörde der KESB Nordbünden was folgt:
1. [Genehmigung des Rechenschaftsberichts vom 17. Dezember 2021 für die Zeit vom 1. Oktober 2019 bis am 20. September 2021]
2. [Entlastung von G._ für die frühere Tätigkeit als Beistandsperson bis 31. Juli 2021]
3. Die für C._ bestehende Massnahme wird per Vollstreckbarkeit dieses Entscheids wie folgt erweitert:
Die Beistandsperson erhält neu die Aufgaben und Kompetenzen:
1. die alleine sorgeberechtigte Mutter und C._ im Rahmen einer Erziehungsbeistandschaft (Art. 308 Abs. 1 ZGB) angemessen zu beraten und zu unterstützen, insbesondere in den Bereichen Betreuung, Persönlichkeitsentwicklung, angemessene Erziehungsmethoden, gesundheitliche Entwicklung, Schule und Ausbildung, Förderung von Begabungen und Interessen;
2. im Rahmen einer Beistandschaft mit besonderen Befugnissen (Art. 308 Abs. 2 ZGB) die alleine sorgeberechtigte Mutter in folgenden Bereichen nötigenfalls zu vertreten:
a. Schule und Fördermassnahmen;
b. Medizin und Gesundheit;
c. Freizeitgestaltung (inkl. Sicherstellung der Finanzierung).
4. Zum Inhalt der gemäss Ziff. 3 angepassten Massnahme wird festgestellt, was folgt: Die Beistandsperson hat die Aufgaben und Kompetenzen:
1. die alleine sorgeberechtigte Mutter und C._ im Rahmen einer Erziehungsbeistandschaft (Art. 308 Abs. 1 ZGB) angemessen zu beraten und zu unterstützen, insbesondere in den Bereichen Betreuung, Persönlichkeitsentwicklung, angemessene Erziehungsmethoden, gesundheitliche Entwicklung, Schule und Ausbildung, Förderung von Begabungen und Interessen;
2. die Eltern von C._ im Rahmen der Beistandschaft mit besonderen Befugnissen (Art. 308 Abs. 2 ZGB) angemessen zu beraten und zu unterstützen und in folgenden Bereichen nötigenfalls zu vertreten:
a. bei der Ausübung des persönlichen Verkehrs zwischen C._ und dem Vater;
b. im Konfliktfall im Rahmen der bestehenden Regelung über den persönlichen Verkehr konkrete Lösungen und Modalitäten festzulegen;
3. die alleine sorgeberechtigte Mutter im Rahmen einer Beistandschaft mit besonderen Befugnissen (Art. 308 Abs. 2 ZGB) in folgenden Bereichen nötigenfalls zu vertreten:
a. Schule und Fördermassnahmen;
b. Medizin und Gesundheit;
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c. Freizeitgestaltung (inkl. Sicherstellung der Finanzierung).
4. sämtlichen an der Betreuung und Förderung von C._ Beteiligten als Ansprechperson zur Verfügung zu stehen.
5. H._ wird angewiesen, der KESB unverzüglich nach Vollstreckbarkeit dieses Entscheids das Original der Ernennungsurkunde vom 29. Juli 2021 zur Archivierung zu übergeben.
6. Die KESB verfügt:
a. Es wird eine sozialpädagogische Familienbegleitung durch die VORSA für die Dauer von sechs Monaten angeordnet (Art. 307 Abs. 1 ZGB);
b. A._ wird die Weisung erteilt, im Sinne der Erwägungen aktiv an der sozialpädagogischen Familienbegleitung mitzuwirken (Art. 307 Abs. 3 ZGB);
c. Im Widerhandlungsfall (lit. b) wird eine Ungehorsamsstrafe gemäss Art. 292 StGB angedroht, wonach mit Busse bis Fr. 10'000.– bestraft wird, wer der von einer zuständigen Behörde oder einem zuständigen Beamten unter Hinweis auf die Strafdrohung dieses Artikels an ihn erlassenen Verfügung nicht Folge leistet;
d. Die VORSA wird aufgefordert, dem Beistand spätestens per 15. August 2022 einen Verlaufsbericht mit Empfehlungen einzureichen.
7. Die Beistandsperson ist gehalten:
a. der KESB alle zwei Jahre (nächstmals per 30. September 2023) einen schriftlichen Rechenschaftsbericht (Ausführungen über die Lage von C._ und die Ausübung der Beistandschaft, Ausblick mit Empfehlungen) einzureichen;
b. bei Hinweisen auf massgebliche Veränderungen der Lebensumstände von C._ während der Rechenschaftsperiode die KESB mit einem Bericht zu informieren und allenfalls ein geeignetes Vorgehen zu empfehlen.
8. Für die Mandatsführung von H._ vom 01.10.2019 bis 30.09.2021 wird zugunsten der Berufsbeistandschaft Plessur eine Entschädigung von Fr. 1'200.– festgesetzt.
9. Betreffend Tragung der Massnahmekosten wird festgestellt:
a. Die voraussichtlichen Kosten für die angeordnete sozialpädagogische Familienbegleitung gemäss Ziff. 6 in Höhe von Fr. 18'705.– sind vorerst von der politischen Gemeinde am zivilrechtlichen Wohnsitz zu tragen.
b. Die Kosten gemäss Ziff. 8 im Totalbetrag von Fr. 1'200.– sind vorerst von der Gemeinde Chur zu tragen.
c. Der entsprechende Unterhaltsanspruch gegenüber den Eltern geht auf die Gemeinde Chur am zivilrechtlichen Wohnsitz des Kindes über (Art. 289 Abs. 2 ZGB).
10. Betreffend Verfahrenskosten wird verfügt:
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a. Die Kosten für das Verfahren Prüfung Rechenschaftsbericht / Anpassung Massnahme werden auf Fr. 700.– festgesetzt.
b. Auf die Erhebung des hälftigen Anteils der Mutter wird aufgrund der wirtschaftlichen Verhältnisse verzichtet.
c. B._ wird ein Anteil an den Verfahrenskosten von Fr. 350.– auferlegt.

## Considerations