# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 79de9a7c-30e8-46b2-8699-92ccba0311f6
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_007
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt
A. Am 27. Februar 2009 um ca. 15:30 Uhr stürzte A._ beim Skifahren in L._, wobei sie sich eine offene Fraktur am linken Unterschenkel zuzog. Mit der REGA wurde sie notfallmässig ins B._ in M._ überführt, wo sie um 16:16 Uhr eintraf. Auf der Notfallstation des Spitals N._ stellte Oberarzt Dipl. med. C._ die Diagnose einer erstgradig offenen Unterschenkel-Spiralfraktur am linken Bein. Die Fraktur wurde gleichentags durch Dipl. med. C._ mittels Jet-Lavage, Débridement und Osteosynthese mit einem aufgebohrten -Nail (10 mm x 285 mm) versorgt. Die Operation begann um 18:25 Uhr und dauerte 171 Minuten.
B. Nach der Operation verspürte A._ anhaltende Schmerzen am linken Knie. Zudem hatte sie den Eindruck, ihr linkes Bein sei schief geraten, weshalb sie am Tag vor der Entlassung ein Gespräch mit einem Arzt verlangte. Als sie am 13. März 2009 aus dem B._ entlassen wurde, waren laut Austrittsbericht die Wundverhältnisse noch nicht vollständig abgeheilt, Schmerzen im linken Knie noch vorhanden und die Mobilität eingeschränkt (Gehen an Stöcken). Der weitere Heilungsverlauf erwies sich trotz intensiver Physiotherapie als zögerlich, die Schmerzen im Knie hielten an, die Beweglichkeit am Kniegelenk blieb vermindert, A._ klagte über Instabilitätsgefühle bezüglich des Knies und es zeigte sich eine Atrophie der Oberschenkelmuskulatur. Für eine Zweitmeinung wurde A._ am 22. Januar 2010 von Dr. med. D._, Orthopädische Chirurgie FMH, untersucht. Dieser diagnostizierte eine Patella baja (Kniescheibentiefstand) links sowie eine (klinisch festgestellte) Aussenrotationsfehlstellung links von 15 Grad.
C. Auf Aufforderung der Unfallversicherung des Arbeitgebers wurde A._ am 11. Februar 2010 von Dr. med. E._, Orthopädische Chirurgie FMH/FMCH, begutachtet. Bei der Untersuchung fand er eine recht erhebliche Oberschenkelatrophie links, eine ausgeprägte Patella baja links (mehr als 2 cm) mit deutlicher Verklebung sowie eine (klinisch festgestellte) Unterschenkelrotationsfehlstellung links von 15 Grad. Den postoperativen Verlauf beurteilte er als trotz adäquater Nachbehandlung äusserst protrahiert und schleppend. Für das weitere Vorgehen empfahl er die Konsultation eines Kniespezialisten. Seiner Meinung nach sollten bei der Osteosynthesematerialentfernung gleichzeitig die Patella baja sowie die Aussenrotationsfehlstellung am linken Unterschenkel operativ korrigiert werden. Nachdem eine computertomographische Messung eine Torsionsabweichung von
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lediglich 10 Grad ergeben hatte, beurteilte er diese am 6. Januar 2011 in einem Bericht an den Unfallversicherer des Arbeitgebers als nicht behandlungsbedürftig.
D. Am 16. Februar 2010 meldete sich A._ auf Aufforderung der Unfallversicherung ihres Arbeitgebers bei der IV an zur Prüfung einer beruflichen Massnahme/Rente. Die IV wies das Gesuch um berufliche Massnahmen am 5. Juli 2016 ab; bezüglich Rente sollte später eine separate Verfügung ergehen.
E. Am 8. April 2010 konsultierte A._ Dr. med. F._, Orthopädische Chirurgie FMH. Dieser stellte die Diagnose eines vorderen Knieschmerzes links mit Patella baja sowie einer Unterschenkelaussenrotationsfehlstellung. Als nächsten Schritt empfahl er die genaue Bestimmung der Aussenrotationsfehlstellung mittels CT-Untersuchung. Für den Fall, dass die Fehlstellung in der Toleranzbreite von 15 Grad liege, befürwortete er die Entfernung des Osteosynthesematerials; weil der Tibianagel weit nach distal eingeschlagen worden sei, sei eine Tuberositas-Osteotomie sinnvoll, die die Metallentfernung erleichtere. Gleichzeitig könne eine Cranialverlagerung der Patella sowie eine Adhäsiolyse des Ligamentum patellae durchgeführt werden. Liege die Aussenrotationsfehlstellung deutlich über 15 Grad, sei zu diskutieren, ob nicht gleichzeitig eine Derotationsosteotomie durchgeführt werden müsse.
F. Die Aussenrotationsmessung mittels Computertomographie erfolgte am 29. April 2010 in der Klinik G._ in H._. Sie ergab vergleichend zum rechten Bein in der linken Tibia eine Abweichung von 10 Grad zur frontalen Achsenausrichtung. Eine Sonographie vom 14. Mai 2010 an derselben Klinik zeigte für das Ligamentum patellae links eine maximale Länge von 1.7 cm im Vergleich zu 4 cm rechts. Am 21. Juni 2010 entfernte Dr. med. F._ das Osteosynthesematerial und nahm eine Revision des Streckapparates mit Lyse des Ligamentum patellae sowie eine Proximalisierung der Tuberositas tibiae links vor. Eine Korrektur der Aussenrotationsfehlstellung erfolgte nicht.
G. Nachdem A._ am 4. Januar 2010 in einem 20 %-Pensum wieder zu arbeiten begonnen hatte, war sie nach der Revisionsoperation wieder vollumfänglich krankgeschrieben. Es folgte eine intensive Physiotherapie mit dem Ziel, die Beweglichkeit zu erhöhen und den Muskelaufbau voranzutreiben. Einige Wochen nach dem Revisionseingriff konnte A._ den Oberschenkelmuskel erstmals wieder anspannen und das Aufbautraining der Muskulatur lief erfolgreich. Eine für August 2010 geplante fünfte Nachkontrolle bei Dipl. med. C._ lehnte A._ ab, weil sie einerseits das Vertrauen in ihn verloren hatte und es andererseits zwischenzeitlich zu einer Korrekturoperation gekommen war. Im
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September 2010 konnte A._ ohne Stöcke gehen, das linke Knie war stabiler geworden.
H. Ab November 2010 erfolgte die Wiederaufnahme der Arbeitstätigkeit im Umfang von 20 %. Nach stetiger Steigerung erreichte A._ ab September 2012 eine Arbeitsfähigkeit von 70 %, welche bis heute beibehalten werden konnte. Das vor dem Unfallereignis geleistete Pensum von 80 % konnte A._ trotz intensiver Physio- und Heimtherapie nicht wiedererlangen; auch konnte und kann sie ihre angestammte Tätigkeit als Dentalassistentin nicht mehr ausüben.
I. Nach diversen Korrespondenzen zwischen der von A._ beigezogenen Rechtsanwältin und dem B._ beziehungsweise dessen Haftpflichtversicherung einigten sich die Parteien auf das Einholen eines . Dieses wurde am 19. November 2013 durch Dr. med. O._, Facharzt FMH für Chirurgie, spez. Allgemein- und Unfallchirurgie, sowie Prof. Dr. med. I._, Facharzt FMH Chirurgie, spez. Viszeralchirurgie, Allgemein- und Unfallchirurgie, Klinische Notfallmedizin, EBSQ Traumatology, erstattet. Den Gutachtern lagen die Fallakten und Bildmaterial vor; sie untersuchten und befragten A._ persönlich, Dipl. med. C._ befragten sie telefonisch und Dr. med. K._, Chefarzt am B._, persönlich und später auch per E-Mail. Auf die Feststellungen und Schlussfolgerungen der Gutachter wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
J. Am 18./19. April 2014 wurde A._ im Auftrag der Unfallversicherung des Arbeitgebers am Zentrum für Arbeitsmedizin, Ergonomie und Hygiene (AEH) abgeklärt. Soweit für den vorliegenden Entscheid erforderlich, wird auf die Feststellungen und Schlussfolgerungen der Gutachter in den Erwägungen eingegangen.
K. A._ gab am 30. Juni 2015 durch ihren neuen Rechtsvertreter bei Prof. Dr. med. J._, Facharzt FMH für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, ein Privatgutachten in Auftrag. Dem Privatgutachter lagen die Fallakten und Bildmaterial vor; zudem befragte er A._ persönlich und untersuchte sie anschliessend orthopädisch. Sein Privatgutachten datiert vom 24. September 2015. Auf seine Feststellungen und Schlussfolgerungen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
L. Die Haftpflichtversicherung des Spitals N._ lehnte mit Schreiben vom 18. Februar 2016 eine Haftung und die Leistung von Schadenersatz ab. Sie bezeichnete das Privatgutachten als tendenziös und bezweifelte die Objektivität
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des Gutachters. Den beantragten Verzicht auf die Verjährungseinrede verlängerte die Versicherung letztmals bis zum 28. August 2016.
M.1. Am 24. August 2016 reichte A._ beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden Staatshaftungsklage gegen die B._ ein. Sie stellte folgende Rechtsbegehren:
1. Die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin Schadenersatz in der Höhe von Fr. 656‘389.30 zzgl. Schadenszins zu 5 % ab
- 1. Januar 2013 (mittlerer Verfall) auf Fr. 35‘943.00 (bisheriger Erwerbsausfall);
- 1. Januar 2013 (mittlerer Verfall) auf Fr. 73‘186.05 (bisheriger Haushaltschaden);
- 1. Oktober 3013 [recte: 2013] auf Fr. 1‘030.00 (Kosten );
- 31. März 2012 (mittlerer Verfall) auf Fr. 13‘075.60 (vorprozessuale Kosten RA Schmucki);
- 1. Januar 2015 (mittlerer Verfall) auf Fr. 25‘303.70 (vorprozessuale Kosten RA Grimmer);
- 1. September 2016 auf Fr. 507‘850.95 (Rest der Schadenersatzforderung);
zu bezahlen.
2. Die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin eine Genugtuung in Höhe von Fr. 31‘500.00 zzgl. Zins zu 5 % seit 27. Februar 2009 zu bezahlen.
3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. 8 % MWST) zulasten der Beklagten
In der Begründung stellte sie Anträge auf Einholung mehrerer Gerichtsgutachten sowie auf gerichtliche Anordnung einer Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit EFL und einer funktionsorientierten medizinischen Abklärung (FOMA). Schliesslich verlangte sie einen Augenschein in ihrer Wohnung.
M.2. Die B._ beantragte mit Klageantwort vom 25. November 2016 die kostenfällige Abweisung der Klage.
N. Am 27. Februar 2017 replizierte A._ unter Festhaltung an ihrem Rechtsbegehren. Sie beantragte einen Augenschein an ihrer Arbeitsstelle und die Einholung eines weiteren Gerichtsgutachtens. Zudem legte sie eine Stellungnahme von Prof. Dr. med. J._ vom 30. Januar 2017 ein.
Die B._ hielt in der Duplik vom 29. Mai 2017 an ihrem Antrag auf Abweisung der Klage fest.
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O. In der Stellungnahme vom 17. August 2017 zur Duplik (Triplik) bestätigte A._ ihr Rechtsbegehren und beantragte die Einholung weiterer Gerichtsgutachten.
Die B._ reagierte mit einer Stellungnahme vom 29. September 2017 (Quadruplik) auf die Vorbringen in der Stellungnahme zur Duplik.
Die Stellungnahme von A._ zur Stellungnahme der B._ datiert vom 6. November 2017 (Quintuplik) und die darauffolgende Stellungnahme der B._ vom 8. Dezember 2017 (Sextuplik).
P.1. Am 22. Dezember 2017 reichte A._ beim Verwaltungsgericht Graubünden die Verfügung des Unfallversicherers des Arbeitgebers vom 9. Dezember 2017 ein, wonach ihr eine Invalidenrente auf der Basis eines Invaliditätsgrades von 13 % sowie eine Integritätsentschädigung auf der Basis eines Integritätsschadens von 25 % ausgerichtet werde. Die Verfügung stützte sich im Wesentlichen auf das Verlaufsgutachten der AEH AG vom 15. August 2017, welches A._ ebenso einreichte und gemäss welchem bei A._ der medizinische Endzustand am 31. Dezember 2015 erreicht worden sei. Auf die Feststellungen und Schlussfolgerungen im Verlaufsgutachten der AEH AG wird, falls erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
P.2. In ihrer Stellungnahme vom 13. Februar 2018 anerkannte die B._ das neu eingelegte Gutachten der AEH AG als echtes Novum, sprach sich jedoch gegen dessen Feststellungen und Schlussfolgerungen aus.
P.3. Von der Möglichkeit zur Replik machte A._ am 27. März 2018 Gebrauch, worauf die B._ mit Stellungnahme vom 15. Mai 2018 antwortete, A._ mit Stellungnahme vom 31. Mai 2018 erneut reagierte und die B._ mit Stellungnahme vom 12. Juni 2018 wiederum antwortete. Mit Schreiben vom 18. Juni 2018 verzichtete A._ auf eine weitere Stellungnahme.
Q. Mit Urteil vom 28. April 2020, schriftlich mitgeteilt am 12. Juni 2020, entschied das Verwaltungsgericht Graubünden:
1. Die Klage wird abgewiesen.
2. Die Gerichtskosten, bestehend - aus einer Staatsgebühr von Fr. 10‘000.-- - und den Kanzleiausgaben von Fr. 788.-- zusammen Fr. 10‘788.--
gehen zulasten von A._ und sind innert 30 Tagen seit Zustellung dieses Entscheides an die Finanzverwaltung des Kantons Graubünden, M._, zu bezahlen.
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3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

## Considerations