# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b400ee21-dae1-563e-88f7-79b30365fb5f
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ a) X.Y., St. Gallen, ist Staatsangehörige von Italien. Sie ist am 14. November 1962
im Kanton Appenzell A.Rh. geboren und aufgewachsen. Nach ihrem Schulabschluss
absolvierte sie eine Bürolehre. Seither, mithin seit rund 30 Jahren, konsumiert sie
regelmässig Drogen. Im Jahr 1992 kam ihre Tochter zur Welt. Da sie - wie auch der
ebenfalls drogensüchtige Kindsvater - nicht in der Lage war, das Kind zu betreuen,
musste ihre Tochter zwischen den Jahren 2004 bis 2010 fremdplatziert werden. Die
Kosten dafür übernahm das Sozialamt der Stadt St. Gallen (Vorakten Migrationsamt
act. 466). Die Tochter ist mittlerweile erwachsen und selbstständig.
b) Im Juni 1982 und November 1982 wurde X.Y. erstmals wegen Widerhandlungen
gegen das Betäubungsmittelgesetz strafrechtlich belangt. Die Fremdenpolizei des
Kantons St. Gallen (heute Migrationsamt) verwarnte sie im Folgejahr und stellte ihr in
Aussicht, ihre Niederlassungsbewilligung zu widerrufen, falls sie sich künftig nicht in
jeder Hinsicht klaglos verhalten werde. Die Niedergelassene delinquierte trotzdem
weiter, weshalb die Strafbehörden sie fünf Jahre später wegen gewerbs- und
bandenmässigen Diebstahls, wiederholter Sachbeschädigung, wiederholten
Hausfriedensbruchs sowie wiederholter und fortgesetzter Widerhandlungen gegen das
Betäubungsmittelgesetz erneut zu einer mehrmonatigen Gefängnisstrafe verurteilten.
Auch davon zeigte sie sich unbeeindruckt und verstiess weiterhin gegen das Gesetz.
Insgesamt musste sie deshalb 24 Mal strafrechtlich belangt und dafür jeweils mit
Bussen und Freiheitsstrafen bestraft werden. Die letzte Verurteilung datiert vom
11. März 2011. Seit anfangs des Jahres 2010 befand sie sich im vorzeitigen
Strafvollzug bzw. in der Strafanstalt Hindelbank, wo sie eine Freiheitsstrafe von über 57
Monaten verbüsste (act. 15). Die Strafen enden unter Berücksichtigung der
angerechneten Untersuchungshaft am 15. März 2014. Per 13. August 2012 wurde sie
vorzeitig bedingt aus dem Strafvollzug entlassen.
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c) Zwischen den Jahren 1989 bis 1999 bezog sie beim Fürsorgeamt der Stadt St.
Gallen Leistungen von knapp Fr. 300'000.--. Davon sind noch rund Fr. 197'000.-- offen
(Vorakten Migrationsamt act. 465 f.). Dazu kommen 93 offene Verlustscheine von rund
Fr. 84'400.-- (Vorakten Migrationsamt act. 464). Heute lebt sie von einer IV-Rente und
Ergänzungsleistungen.
B./ Mit Verfügung vom 10. Oktober 2011 widerrief das Migrationsamt die
Niederlassungsbewilligung der Ausländerin und forderte sie auf, die Schweiz am Tag
ihrer Entlassung aus dem Strafvollzug zu verlassen.
C./ Gegen die Wegweisungsverfügung liess die Betroffene durch ihre damalige
Rechtsvertreterin am 8. März 2011 beim Sicherheits- und Justizdepartement des
Kantons St. Gallen Rekurs erheben. Dieses bestätigte mit Entscheid vom 29. Mai 2012
den Widerruf bzw. die Wegweisung. Die Rekursbehörde kam zum Schluss, dass die
Wegweisung der Rekurrentin mit Blick auf ihr Unvermögen bzw. ihren mangelhaften
Willen, sich zu ändern, und die konkreten persönlichen Verhältnisse gerechtfertigt sei,
auch wenn sie noch nie in ihrem Heimatland gelebt habe und mittlerweile 50 Jahre alt
sei.
D./ Dagegen liess die Rekurrentin am 13. Juni 2012 (Poststempel 14. Juni 2012) beim
Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen mit dem Antrag Beschwerde erheben, der
Rekursentscheid sei kostenpflichtig aufzuheben und auf den Widerruf der
Niederlassungsbewilligung sei zu verzichten. Am 22. Juni 2012 liess sie ein Gesuch um
Wiederherstellung der verpassten Beschwerdefrist einreichen. Das Verwaltungsgericht
gab dem Gesuch mit Urteil vom 3. Juli 2012 ausnahmsweise statt, auferlegte ihr aber
die Verfahrenskosten.
Mit Beschwerdeergänzung vom 6. Juli 2012 macht sie geltend, die Vorinstanz habe zu
wenig berücksichtigt, dass sie erst einmal länger im Strafvollzug gewesen und
drogenkrank sei. Ihr Fehlverhalten sei deshalb zu relativieren. Sodann müsse stärker
gewichtet werden, dass sie sich als Schweizerin fühle und eine langjährige Beziehung
mit ihrem hier niedergelassenen Lebenspartner führe, auch wenn dieser ebenfalls
massiv drogenabhängig sei. Man dürfe bei ihr davon ausgehen, dass sie nun geläutert
sei und sich fortan wohlverhalten werde.
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E./ Die Vorinstanz beantragt am 11. Juli 2012, die Beschwerde kostenpflichtig
abzuweisen und verzichtet ansonsten auf eine Stellungnahme.
F./ Am 16. Oktober 2012 liess die Beschwerdeführerin beim Migrationsamt um
Wiedererwägung der Wegweisung nachsuchen. Das Amt trat darauf mit Verfügung
vom 22. Oktober 2012 nicht ein. Den dagegen beim Sicherheits- und Justizdeparement
erhobenen Rekurs liess sie am 22. November 2012 zurückziehen.
G./ Auf die weiteren von den Verfahrensbeteiligten vorgebrachten Ausführungen wird,
soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
2. Die Beschwerdeführerin beantragt eine mündliche Verhandlung. Sie beruft sich
dabei auf Art. 6 Ziff. 1 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und
Grundfreiheiten (SR 0.101, abgekürzt EMRK) sowie Art. 55 Abs. 1 VRP und begründet
ihren Verfahrensantrag damit, dass der persönliche Eindruck des Gerichts von ihr
angesichts der grundrechtlichen und grundsätzlichen Dimension ihrer persönlichen
Verhältnisse not- und zweckmässig sei.
2.1. Art. 6 Ziff. 1 EMRK ist auf ausländerrechtliche Verfahren nicht anwendbar, weshalb
gestützt auf diese Vorschrift kein Anspruch auf eine öffentliche Verhandlung besteht
(VerwGE B 2012/76 vom 11. Dezember 2012 E. 2 mit Hinweis auf BGer 2C_344/2011
vom 21. September 2011 E. 3 und BGer 2A.284/2001 vom 9. Oktober 2001 E. 2,
abrufbar unter: www.gerichte.sg.ch).
2.2. Nach Art. 55 Abs. 1 VRP wird eine mündliche Verhandlung angeordnet, wenn sie
zur Wahrung der Parteirechte notwendig ist oder zweckmässig erscheint. Mit der
Beschwerde an das Verwaltungsgericht können einzig Rechtsverletzungen geltend
gemacht werden (Art. 61 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeführerin kann sich sodann
darauf berufen, die angefochtene Verfügung oder der angefochtene Entscheid würden
auf einem unrichtig oder unvollständig festgestellten Sachverhalt beruhen (Art. 61
Abs. 2 VRP). Der anwaltlich vertretenen Beschwerdeführerin war es im Rahmen der
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Beschwerdeeingabe und ihrer Ergänzung möglich darzulegen, inwiefern die Vorinstanz
ihre persönlichen Verhältnisse unrichtig oder unvollständig festgestellt und gewürdigt
habe. Ihr war es somit möglich, ihren Rechtsstandpunkt im Rahmen des
Schriftenwechsels zum Ausdruck zu bringen. Dementsprechend konnte sie hinreichend
geltend machen, inwiefern der angefochtene Entscheid das Recht verletze bzw. im
Widerspruch zur bundesgerichtlichen Rechtsprechung stehe. Mithin ist es unnötig, zur
Wahrung der Parteirechte der Beschwerdeführerin eine mündliche Verhandlung
durchzuführen.
3. Für ausländische Personen gilt das Bundesgesetz über die Ausländerinnen und
Ausländer (SR 142.20; abgekürzt AuG), soweit keine anderen Bestimmungen des
Bundesrechts oder von der Schweiz abgeschlossene völkerrechtliche Verträge zur
Anwendung gelangen. Für Angehörige der EU- und EFTA-Staaten und ihre
Familienmitglieder sowie gewisse Dienstleistungserbringer kommt es subsidiär zur
Anwendung, soweit nicht das Abkommen zwischen der Schweizerischen
Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren
Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (SR 0.142.112.681, abgekürzt FZA)
bzw. die entsprechenden Assoziierungsabkommen mit den EFTA-Staaten
abweichende Bestimmungen enthalten oder wenn es günstigere Bestimmungen
vorsieht (Art. 2 AuG; Spescha/Thür/Zünd/Bolzli, Migrationsrecht, 3. Auflage, Zürich
2012, Rz. 2 zu Art. 2 AuG).
3.1. Auf die italienische Beschwerdeführerin ist nach dem Gesagten das FZA
anwendbar. Die Niederlassungsbewilligung EU/EFTA wird aber nach Massgabe des
nationalen Rechts erlassen und entzogen (vgl. Art. 2 Abs. 2 AuG, Art. 5 und Art. 23
Abs. 2 der Verordnung über die schrittweise Einführung des freien Personenverkehrs
[SR 142.203]). Mit Blick auf das FZA ist dabei aber zu berücksichtigen, dass eine
strafrechtliche Verurteilung nur insoweit als Anlass für einen Bewilligungswiderruf
herangezogen werden darf, als die ihr zu Grunde liegenden Umstände ein persönliches
Verhalten erkennen lassen, das eine gegenwärtige Gefährdung der öffentlichen
Ordnung darstellt. Art. 5 Anhang I FZA steht aufenthaltsbeendenden Massnahmen -
anders als das Landesrecht - entgegen, die aus generalpräventiven Gründen verfügt
werden. Damit kommt es wesentlich auf das Rückfallrisiko an. Verlangt wird eine nach
Art und Ausmass der möglichen Rechtsgüterverletzung zu differenzierende,
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hinreichende Wahrscheinlichkeit, dass der Ausländer auch künftig die öffentliche
Sicherheit und Ordnung stören wird. Je schwerer die möglichen
Rechtsgüterverletzungen wiegen, desto niedriger sind die Anforderungen, welche an
die hinzunehmende Rückfallgefahr zu stellen sind (BGer 2C_839/2011 vom 28. Februar
2012 E. 2.3). Zwar sieht Art. 121 Abs. 3 der Bundesverfassung (SR 101, abgekürzt BV)
neu vor, dass ein Ausländer unabhängig von seinem ausländerrechtlichen Status sein
Aufenthaltsrecht sowie alle Rechtsansprüche auf Aufenthalt in der Schweiz verliert,
wenn er wegen eines vorsätzlichen Tötungsdelikts, wegen einer Vergewaltigung oder
eines anderen schweren Sexualdelikts, wegen eines anderen Gewaltdelikts wie Raub,
wegen Menschenhandels, Drogenhandels oder eines Einbruchsdelikts rechtskräftig
verurteilt worden ist oder missbräuchlich Leistungen der Sozialversicherungen oder der
Sozialhilfe bezogen hat. Das Bundesgericht hat aber kürzlich entschieden, dass diese
Bestimmung zum Einen nicht direkt anwendbar sei, weil zuerst über die gesetzliche
Umsetzung dieser Verfassungsbestimmung befunden werden müsse. Zum Anderen
müsse mit Blick auf die EMRK trotz dieser Verfassungsbestimmung eine
Interessenabwägung vorgenommen und dabei den Aspekten Rechnung getragen
werden, die mit den Auswirkungen der Aufenthaltsbeendigung auf das Privat- und
Familienleben verbunden seien (BGer 2C_828/2011 vom 12. Oktober 2012 E. 4.3.4 und
5.3).
3.2. Die Niederlassungsbewilligung kann unter anderem widerrufen werden, wenn der
Ausländer zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe, d.h. zu einer solchen von mehr als
einem Jahr verurteilt worden ist, wobei mehrere unterjährige Strafen nicht kumuliert
werden (Art. 63 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 62 lit. b AuG; BGE 137 II 297 E. 2). Dabei spielt
es keine Rolle, ob die Sanktion bedingt, teilbedingt oder unbedingt ausgesprochen
wurde (BGer 2C_515/2009 vom 27. Januar 2010 E. 2.1). Ein Widerruf ist zudem
zulässig, wenn der Ausländer in schwerwiegender Weise gegen die öffentliche
Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen hat oder diese
gefährdet (Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG). Das ist regelmässig dann der Fall, wenn er durch
seine Handlungen besonders hochwertige Rechtsgüter verletzt oder in Gefahr bringt;
der Widerruf einer Niederlassungsbewilligung ist aber auch dann zulässig, wenn der
Ausländer sich von strafrechtlichen Massnahmen nicht beeindrucken lässt und damit
zeigt, dass er auch künftig weder gewillt noch fähig ist, sich an die Rechtsordnung zu
halten, was jeweils im Rahmen einer Gesamtbetrachtung zu prüfen ist (BGer
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2C_839/2011 vom 28. Februar 2012 E. 2.1). Die genannten Widerrufsgründe gelten
selbst bei Niederlassungsbewilligungen ausländischer Personen, die sich seit mehr als
15 Jahren ununterbrochen und ordnungsgemäss in der Schweiz aufhalten (Art. 63 Abs.
2 AuG). Auch bei einem Ausländer, der bereits hier geboren ist und sein ganzes
bisheriges Leben in der Schweiz verbracht hat (Ausländer der zweiten Generation), sind
fremdenpolizeiliche Massnahmen nicht ausgeschlossen; bei schweren bzw.
wiederholten Straftaten, insbesondere bei Gewalt-, Sexual- und
Betäubungsmitteldelikten, besteht hieran ein wesentliches öffentliches Interesse (BGer
2C_371/2012 vom 20. Dezember 2012 E. 2.3 mit Hinweisen).
3.3. Die Beschwerdeführerin musste über einen Zeitraum von 26 Jahren 24 Mal mit
Freiheitsstrafen und Bussen bestraft werden. Dabei sind zwei längerfristige Strafen im
Sinn des Gesetzes enthalten (15 Monate im Jahr 2008 bzw. 32 Monate im Jahr 2011).
Damit hat die Beschwerdeführerin den Widerrufsgrund der Freiheitsstrafe von einem
Jahr erfüllt. Unter diesen Umständen muss nicht weiter geprüft werden, ob sie mit
ihrem Fehlverhalten zudem im Sinn von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG in schwerwiegender
Weise gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland
verstossen hat oder diese gefährdet.
4. Liegt ein Widerrufsgrund vor, müssen die Behörden darüber hinaus prüfen, ob die
Wegweisung verhältnismässig ist (Art. 5 Abs. 2 BV, BGer 2C_828/2011 vom
12. Oktober 2012 E. 5.3). Dabei berücksichtigen sie nach Art. 96 Abs. 1 AuG die
öffentlichen Interessen und die persönlichen Verhältnisse sowie den Grad der
Integration.
4.1. Bei der Beschwerdeführerin fällt massgeblich ins Gewicht, dass sie nicht bloss seit
Jahrzehnten Heroin und Kokain konsumiert, sondern dass sie in den letzten Jahren
auch mit Drogen gehandelt hat. Davon liess sie sich jeweils einzig durch ihre
Verhaftung abhalten. Das Bundesgericht verfolgt im Zusammenhang mit derartigen
Straftaten - in Übereinstimmung mit der in Europa herrschenden Rechtsüberzeugung -
ausländerrechtlich eine strenge Praxis (BGer 2C_28/2010 vom 25. März 2011 E. 2.3 mit
Hinweisen). Die letzte Verurteilung der Beschwerdeführerin war die höchste und bezog
sich auf eine gekaufte Heroinmenge von mindestens 7 kg Heroin (Vorakten
Migrationsamt act. 437), wobei sie 5,5 kg verkaufte und damit knapp Fr. 250'000.--
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Verkaufserlös erzielte (Vorakten Migrationsamt act. 421). Das restliche Rauschgift
konsumierte sie zusammen mit ihrem Partner. Diese ausserordentlich grosse Menge
hatte sie nach ihrer Entlassung aus der knapp fünfmonatigen Untersuchungshaft im
Mai 2008 bis zu ihrer erneuten Festnahme im Oktober 2009 umgesetzt. Damit hat sie
sich trotz der zahlreichen früheren Verurteilungen und Anhaltungen sowie wiederholt
angeordneter therapeutischer Massnahmen und langjähriger Teilnahme am
Methadonprogramm als unbelehrbar und therapieresistent erwiesen. Es ist zwar
unbestritten, dass die Straftaten der Beschwerdeführerin hauptsächlich im
Zusammenhang mit ihrer Drogensucht standen. Diese konnte oder wollte sie aber trotz
zahlreich angebotener bzw. angeordneter suchtspezifischer Massnahmen nicht in den
Griff bekommen. Sie fuhr im Gegenteil trotz laufenden Probezeiten und Strafverfahren
unbeirrt fort, Heroin zu kaufen, um dieses - nebst einem kleinen Teil für den
Eigenkonsum - gewinnbringend wieder in den Umlauf zu bringen. Damit hat sie nicht
nur eine erhebliche Geringschätzung der hiesigen Gesellschaft und ihrer
Rechtsordnung gegenüber an den Tag gelegt, sondern vor allem auch das Leben und
die Gesundheit einer sehr grossen Anzahl Menschen gefährdet.
4.2. Ihr grosses strafrechtliches Verschulden hat sich insbesondere in der mehrjährigen
Freiheitsstrafe niedergeschlagen (2008: 15 Monate, 2009: zehn Monate, 2011: 32
Monate, act. 15). Dabei hatte sich die Strafzumessung angesichts der umgesetzten
Drogenmenge an den Kriterien für nichtabhängige Händler zu orientieren. Ihrer
Schuldfähigkeit wurde angemessen Rechnung getragen, so wie ihre Drogenkrankheit
übrigens bei sämtlichen früheren Verurteilungen bei der Strafzumessung ebenfalls stets
strafmindernd berücksichtigt worden ist. Ihre kriminelle Energie, ihre
Unverbesserlichkeit und ihre an den Tag gelegte Gleichgültigkeit dem Gastland
gegenüber muss daher nicht nur in strafrechtlicher, sondern auch in
ausländerrechtlicher Hinsicht als schweres Verschulden gewertet werden. Daran
vermag auch nichts zu ändern, dass sie seit über 20 Jahren das staatliche
Methadonprogramm und die HIV-Sprechstunde nutzt. Diese Dienstleistungen hielten
sie offensichtlich nicht davon ab, weiterhin regelmässig Heroin und Kokain zu
konsumieren und darüber hinaus einen illegalen Drogenhandel mit erheblicher Menge
zu betreiben.
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4.3. Aus dem Gesagten kann festgehalten werden, dass man sich ausländerrechtlich
zwar damit abgefunden hatte, dass die Beschwerdeführerin auf unabsehbare Zeit
Drogen konsumieren und in diesem Zusammenhang delinquieren wird. In den letzten
Jahren hat sie aber eine zusätzliche Schwelle überschritten, indem sie in den
Rauschgifthandel eingestiegen ist bzw. begonnen hat, grosse Mengen Drogen zu
verkaufen. Aus diesem Grund und wegen der Tatsache, dass sie trotz langjähriger
Teilnahme am Methadonprogramm weder fähig noch willens ist, vom Konsum illegaler
Drogen abzulassen, muss der Vorinstanz zugestimmt werden, dass die
Beschwerdeführerin eine schwere und gegenwärtige Gefährdung der öffentlichen
Ordnung im Sinn von Art. 5 Anhang I FZA darstellt. Daran vermag ihre bedingte
Entlassung aus der Strafanstalt im August 2012 nichts zu ändern. Für die vorzeitige
Entlassung wurde einzig vorausgesetzt, dass sich die Gefangene im Strafvollzug
insgesamt klaglos verhalte, wobei Wohlverhalten im engmaschig betreuten Strafvollzug
grundsätzlich erwartet wird. Bei strafrechtlichen Vollzugsmassnahmen steht sodann die
Wiedereingliederung der Verurteilten in die Gesellschaft im Vordergrund und nicht die
Frage, ob die bedingt Entlassene rückfällig werde. Diese Unsicherheit wird in Kauf
genommen, weshalb eine Probezeit angeordnet wird (vgl. Verfügung des Sicherheits-
und Justizdepartements, act. 15 S. 3). Allein aus der Tatsache, dass ein Ausländer im
Strafvollzug zu keinen Klagen Anlass gegeben hat, kann demnach nichts über eine
mögliche Rückfallgefahr abgeleitet werden (BGE 2A.688/2005 vom 4. April 2006 E.
3.1.3., BGE 2C_201/2007 vom 3. September 2007 E. 5.).
4.4. Entgegen der Behauptung der Beschwerdeführerin kann auch nicht davon
ausgegangen werden, dass der längere Freiheitsentzug bei ihr eine Läuterung bewirkt
habe. Die Beschwerdeführerin hat vielmehr das Gegenteil bewiesen, indem sie kurz
nach einer mehrmonatigen Untersuchungshaft vom 5. Februar 2008 bis 22. Mai 2008
wiederum - und zwar im grossen Stil - in den Drogenhandel eingestiegen ist. Alsdann
ist nicht erkennbar, inwiefern der letzte Aufenthalt der Verurteilten in der Strafanstalt
Hindelbank nach ihrer jahrelangen Drogensucht und ihrem damit seit Jahren
einhergehenden Fehlverhalten auf einmal eine Verhaltensänderung bewirkt haben
sollte. Der Verfügung des Sicherheits- und Justizdepartements vom 17. Juli 2012
betreffend bedingte Entlassung bzw. dem dort zitierten Führungsbericht der
Vollzugsanstalt vom 8. Juni 2012 muss im Gegenteil entnommen werden, dass die
Beschwerdeführerin die unterstützenden Massnahmen nicht zu nutzen wusste und
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nach wie vor der Meinung ist, keine Hilfe zu benötigen (act. 15 S. 2). So musste sie im
Strafvollzug trotz Methadonabgabe nicht bloss vier Mal wegen verbotenen
Drogenkonsums bzw. Drogenschmuggels diszipliniert werden. Darüber hinaus gelang
es ihr auch nicht, ihr Verhaltensmuster in Bezugspersonengesprächen zu beleuchten
und alternative Strategien, namentlich in Bezug auf ihr Konsumverhalten oder die
Austrittsvorbereitungen zu suchen. Fragen nach ihrer Abwehrhaltung wehrte sie als
unerwünschte Einmischung in ihr Privatleben ab. Auf eine zwangsweise Bearbeitung
ihrer Suchtproblematik verzichteten die Fachleute, weil sie eine solche Therapie bei der
Beschwerdeführerin als nutzlos erachteten. Dem Anstaltspersonal und den
Mitinsassinnen gegenüber verhielt sie sich freundlich. Bei Veränderungen oder neuen
Weisungen zeigte sie sich jedoch verständnislos, was sie jeweils lautstark
kommunizierte und damit zum Teil negative Gruppendynamiken verursachte. Auch war
sie weder bereit, sich mit ihren Taten und ihrem Konsumverhalten
auseinanderzusetzen, noch war sie der Ansicht, eine totale Drogenabstinenz erreichen
zu können bzw. zu wollen. Damit liegen keine Anzeichen dafür vor, dass sich die
Beschwerdeführerin ausserhalb enger Strukturen des Strafvollzugs über eine längere
Zeit wohl verhalten werde. Die Tatsache, dass sie im Strafvollzug - mit den
Ausnahmen, wofür sie diszipliniert werden musste - keine Drogen konsumieren und
dabei das eingenommene Methadon etwas reduzieren konnte, mag in den Augen der
Beschwerdeführerin zwar einen Fortschritt darstellen. Mit Blick auf ihr bisheriges, über
Jahrzehnte andauerndes Fehlverhalten kann dies allein nichts an der negativen
Prognose für ihr Wohlverhalten in Freiheit ändern.
4.5. Nachdem die Beschwerdeführerin wiederum mit ihrem ebenfalls drogensüchtigen
und mehrfach vorbestraften Partner zusammengezogen ist und auch sonst bei ihr
keine nachhaltige Verhaltensänderung bzw. Bereitschaft erkennbar sind, sich mit ihrem
Drogenproblem auseinanderzusetzen, liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, weshalb
die Beschwerdeführerin ihren bisherigen während der letzten 30 Jahren gepflegten
Lebenswandel jetzt ändern sollte. Ihr Lebenspartner und ihre mittlerweile volljährige
Tochter jedenfalls konnten ihr den nötigen Halt auch bis anhin nicht geben. Daran
ändert nichts, dass sie derzeit vorübergehend halbtags und unentgeltlich beim
Brockenhaus der Heilsarmee St. Gallen arbeitet. Diese Beschäftigung ist nicht freiwillig.
Der Nachweis einer minimen Tagesstruktur war vielmehr Bedingung für die bedingte
vorzeitige Entlassung aus dem Strafvollzug. Die vorübergehend fixe Tätigkeit an fünf
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Nachmittagen pro Woche sagt damit genauso wenig über ihr künftiges Wohlverhalten
aus wie die Tatsache, dass sie in den ersten zwei Monaten nach ihrer bedingten
Entlassung zuverlässig mit der Bewährungshilfe zusammengearbeitet hat.
4.6. Die Vorinstanz hat nicht verkannt, dass der Widerruf der
Niederlassungsbewilligung die Beschwerdeführerin hart treffen wird. Sie ist hier
geboren, hat in der Schweiz die Schulen besucht und eine Berufsausbildung gemacht.
Damit gehört sie zur Kategorie der Ausländer der "zweiten Generation". Die
Beschwerdeführerin ist aber bereits seit mehr als 20 Jahren nicht mehr erwerbstätig
und auch sonst kaum integriert. Ihre Tochter ist mittlerweile volljährig und
selbstständig. Die Beschwerdeführerin konnte sie im Wesentlichen nicht gross ziehen
bzw. für sie aufkommen. Den unbestrittenermassen guten Kontakt mit ihrer Tochter
kann sie ohne Weiteres aufrechterhalten, auch wenn sie sich fortan im benachbarten
Italien aufhält. Gegenseitige Besuche werden in Italien oder auch in der Schweiz
möglich bleiben. Anders als die altrechtliche Ausweisung stellt ein Bewilligungswiderruf
keine Fernhaltemassnahme mehr dar. Ein allfälliges Einreiseverbot müsste vielmehr
zusätzlich vom zuständigen Bundesamt verfügt werden (Art. 67 AuG). Allein durch die
hier streitige Massnahme werden Reisen in die Schweiz zu Besuchszwecken bei
Erfüllung der gesetzlichen Einreisevoraussetzungen nicht verunmöglicht (VerwGE B
2012/75 vom 15. Oktober 2012 E. 3.4.4., abrufbar unter: www.gerichte.sg.ch). Nebst
dem, dass der Beschwerdeführerin ihr Heimatland auf Grund verschiedener Besuche
und Urlaube vertraut ist, leben auch ihre Eltern dort. Die soziokulturellen und
ökonomischen Rahmenbedingungen in Italien, einem langjährigen EU-Mitgliedland,
sind mit den hiesigen vergleichbar. Auch Methadon- und Buprenorphinbehandlungen
sind in Italien möglich (www.indroonline.de/italien.htm).
4.7. Alsdann lebt die Beschwerdeführerin seit langem mit dem Kindsvater ihrer Tochter,
einem in der Schweiz niedergelassenen Italiener zusammen. Auf Grund dieser stabilen
faktischen Familiengemeinschaft kann sie sich auf den Schutz des Familienlebens
gemäss Art. 8 EMRK berufen (BGer 2C_634/2011 vom 27. Juni 2012 E. 4.2.2). Der
Eingriff in die gelebte familiäre Beziehung ist angesichts der Schwere der noch nicht
weit zurückliegenden Straftaten im Bereich des Heroinhandels und mit Blick auf ihre
konkreten Lebensumstände aber selbst nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK gerechtfertigt und
verhältnismässig (vgl. BGer 2C_475/2009 vom 26. Januar 2010 E. 3.2 mit Hinweis,
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BGer 2C_634/2011 vom 27. Juni 2012 E. 4.2.2.). Ihr 46-jähriger Partner, ebenfalls
drogensüchtig und wegen zahlreichen Drogendelikten, mehrfacher Hehlerei,
mehrfachen Vergehens gegen das Waffengesetz und einfacher Körperverletzung
vorbestraft, war beim Drogengeschäft seiner Partnerin mitbeteiligt, wenn auch im
Vergleich zu ihr in einer Nebenrolle. Den Gewinn machte in erster Linie sie (Vorakten
Migrationsamt act. 413). Auf Grund seiner eigenen Niederlassungsbewilligung könnte
er grundsätzlich in der Schweiz verbleiben, falls er seine Lebenspartnerin nicht in ihr
gemeinsames Heimatland begleiten will. Den Anforderungen von Art. 8 EMRK ist
vorliegend damit Genüge getan, dass sie ihre partnerschaftliche Beziehung auf Grund
der nicht unüberwindbaren räumlichen Distanz zwischen den beiden Nachbarländern in
zumutbarer Weise im Rahmen gegenseitiger Besuchsaufenthalte pflegen können. Die
Niederlassungsbewilligung ihres Lebenspartners wurde allerdings ebenfalls widerrufen,
so dass er seinerseits nach Italien ausreisen muss (VerwGE B 2012/248 vom 12. März
2013, abrufbar unter: www.gerichte.sg.ch). Ihre gemeinsame Tochter hat ein
eigenständiges Aufenthaltsrecht in der Schweiz und ist wie gesagt volljährig und
selbstständig. Damit fällt die Eltern-Tochter-Beziehung nicht unter den Schutzbereich
der EMRK (BGer 2C_1/2013 vom 16. Januar 2013 E. 3.2.1 mit Hinweisen).
4.8. Auf Grund des Gesagten überwiegt das öffentliche Interesse an der Wegweisung
der Beschwerdeführerin ihre privaten Interessen am weiteren Verbleib in der Schweiz,
womit sich der vorinstanzliche Entscheid auch als verhältnismässig und damit
rechtmässig erweist.
5. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz den Widerruf der
Niederlassungsbewilligung der Beschwerdeführerin sowohl im Sinn des nationalen
Rechts als auch nach dem FZA zu Recht bestätigt hat. Die Beschwerde ist folglich
abzuweisen. Da der Beschwerde aufschiebende Wirkung zukam, war die
Beschwerdeführerin vorderhand weiterhin berechtigt, sich in der Schweiz aufzuhalten
(Art. 59 Abs. 2 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit, SR
142.201). Nachdem die angesetzte Ausreisefrist zwischenzeitlich abgelaufen ist, wird
ihr das Migrationsamt eine neue angemessene Ausreisefrist ansetzen (Art. 66 Abs. 2
AuG).
6. (...).
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