# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f289c69e-57ae-4d98-aecf-b1523566d19d
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Die damals nicht erwerbstätige
X._
(geboren 1967)
meldete sich ein erstes Mal am
6. Juli 2004
unter Hinweis auf eine
HIV
-Infektion C3 mit
zerebrale
r
Toxoplasmose
und
Epilepsieanfällen
bei der
Sozialversicherungsan
stalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug einer Invalidenrente an (Urk. 7/1
)
. Mit Verfügung vom 15. Dezember 2
005
sprach ihr die IV-Stelle eine
befristete
halbe
Invalidenr
ente
vom 1.
Juli 2003 bis
31.
August 2004
zu
(Urk. 7/17)
.
1.2
A
m 23. März 2008
meldete sich die
nun
als Raumpflegerin teilzeitlich erwerbs
tä
tig
e
Versicherte nach entsprechender Aufforderung des
Krankentag
geld
versicherers
erneut zum
Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung
an
und ersuchte insbesondere um eine Umschulung
(Urk. 7/19
).
Mit
Verfügun
g vom 19. Mai 2009 verneinte die IV-Stelle den Anspruch der Versicherten auf eine Rente bei einem Invaliditätsgrad von 21 %
.
Mangels eines
Minderver
diensts
von mindestens 20 %
im Er
werbsbereich
wies sie auch das Gesuch um berufliche Massnahmen ab (Urk. 7/40).
1.3
Unter Hinweis auf eine Operation
am linken Fussgelenk
meldete sich
X._
am
8. Juni 2012
erneut zum Leistungsbezug an
(Urk. 7/49)
.
Am 25. Juli 2012 stellte die
Y._
namens der Versicherten ein Gesuch um
Kostengutsprache für orthopädische Schuhe (Urk. 7/57)
. In der F
olge tätigte die IV-Stelle Abklärungen in erwerblicher und medizinischer Hinsicht.
Mit
Verfügung vom 4. April 2013
wies sie das Begehren um
Kostenguts
p
rache für orthopädische Serienschuhe
ab (Urk. 7/89).
Mit Vorbescheid
vom 25. November 2013 stellte sie die Verneinung des Anspruchs auf Invalidenrente und berufliche Eingliederungsmassnahmen in Aussicht (Urk. 7/113).
In ihrer
Stellungnahme vom 6. Februar 2014 ersuchte die Versicherte um Anordnung einer
polydis
zipli
nären
Begutachtung (Urk. 7/123), worauf
die IV-Stelle die
Z._
mit einer internistisch-chirurgisch-neurologisch-psychiatrisch-rheumatologischen Abklärung
beauftragte
(
MEDAS-
Gutachten vom 17. November 2014, Urk. 7/138
/1-
112
).
Gestützt darauf wies s
ie mit Verfü
gung vom 15. Dezember 2014 das Leistungsbegehren der Versicherten ab
(Urk. 2)
.
2.
Dagegen erhob
X._
am 30
. Januar 2015 Beschwerde mit den Anträgen, die Verfügung vom 15. Dezember 2014 sei aufzuheben und die
Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung
zurückzuweisen
, eventualiter
sei ihr mindestens eine
Viertelsrente
zuzusprechen
.
Mit Beschwerdeantwort vom
5. März 2015 schloss die Verwaltung auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), worüber die Beschwerdeführerin am 16. April 2015 orientiert wurde (Urk. 9).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG). Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung; IVV), so ist im
Beschwerdever
fahren
zu prüfen, ob im Sinne von
Art.
17 ATSG eine für den Rentenanspruch
relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
Dabei ist
nicht nur
eine
wes
entliche
Änderung des Gesundheitszustandes, son
dern auch
eine erhebliche Veränderung der
erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes
massgebend
(
vgl.
BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Inten
sität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bundesgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revi
sionsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalidenein
kommen
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Einkom
mensvergleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.5
Bei nichterwerbstätigen Versicherten, die im Aufgabenbereich tätig sind und denen eine Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität in Abweichung von
Art.
16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen. Art.
7
Abs.
2 ATSG ist sinngemäss anwendbar (
Art.
28a
Abs.
2 IVG in Verbin
dung mit
Art.
8
Abs.
3 ATSG; spezifische Methode; statt vieler BGE 130 V 97 E.
3.3.1). Als Aufgabenbereich der im Haushalt tätigen Versicherten gelten insbe
sondere die übliche Tätigkeit im Haushalt, die Erziehung der Kinder sowie gemeinnützige und künstlerische Tätigkeiten (
Art.
27 IVV).
1.
6
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität nach
Art.
16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufga
benbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach
Art.
28a
Abs.
2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der unent
geltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (
Art.
28a
Abs.
3 IVG; gemischte Methode der Invaliditätsbemessung).
Nach der Gerichts- und Verwaltungspraxis wird zunächst der Anteil der Erwerbs
tätigkeit und derjenige der Tätigkeit im Aufgabenbereich (so unter anderem im Haushalt) ermittelt; die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person ohne gesundheitliche Beeinträchtigung erwerbstätig wäre, beurteilt sich mit Rücksicht auf die gesamten Umstände, so die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse. Im Rahmen der gemischten Methode bestimmt sich die Invalidität dadurch, dass im Erwerbsbereich ein Einkommens- und im Aufgabenbereich ein Betätigungsvergleich vorgenommen wird, wobei sich die Gesamtinvalidität aus der Addierung der in beiden Bereichen ermittel
ten und gewichteten
Teilinvaliditäten
ergibt (BGE 130 V 393 E. 3.3 mit Hin
weisen; vgl. BGE 134 V 9).
1.
7
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.
8
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vor
liegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht
erledigen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt - was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist -, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE
134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.
Die Beschwerdegegnerin begründet die Leistungsablehnung damit, dass
es
der Beschwerdeführerin gemäss MEDAS-Gutachten vom 17. November 2014 zumutbar wäre
,
eine angepasste Tätigkeit zum bisherigen Pensum von 50 % auszuüben und ermittelte eine Einschränkung im Erwerbsbereich von 4 % und im Haushaltsbereich von 32 %, woraus ein rentenausschliessender
Invaliditäts
grad
von 18 % resultiert (Urk. 2).
Demgegenüber stellt sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt, dass
auf die Schlussfolgerungen im MEDAS-Gutachten nicht abgestellt werden könne
. E
inerseits sei die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus chirurgischer Sicht nicht nachvollziehbar. Andererseits seien vor
dem
Entscheid über den
Leistungsan
spruch
noch
sechs bis acht fachärztlich unterschiedlich umfassende Abklärun
gen mit völlig unbekanntem Ausgang vorzunehmen (Urk. 1 S. 6 ff.).
3.
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bildet die rentenablehnende Verfügung vom 19. Mai 2009 (Urk. 7/40).
Dabei
ging die Beschwerdegegnerin
da
von
aus, dass der Beschwer
deführerin
die Ausübung
eine
r
angepasste
n
, leichte
n
, wechselbelastende
n
Tätig
keit
ohne Heben, Tragen und Bewegen von Lasten über 10 kg, ohne Verharren in Zwangshaltungen,
ohne Steigen auf Leitern oder Gerüste und ohne Gefahr
der Eigen- und Fremdgefährdung
zu 100 % (beziehungsweise
zum bisherigen Arbeitspensum von 50 %
)
zumutbar sei
. Diese Annahme
beruhte auf
folgende
n
Berichte
n
des
A._
: Bericht der Neurologischen Klinik vom 14. November 2007 (Urk. 7/26/16-17),
Berichte der
B._
vom 22. Mai und 5. Juni 2008 (Urk. 7/28-29),
Bericht
e
der Klinik für Infek
tionskrankheiten und Spitalhygiene vom
6. Mai und
26. November 2008 (
Urk. 7/27,
Urk. 7/33
) und
Be
r
i
cht der Rheumaklinik und Institut für Physikali
sche Medizin vom 30. Dezember 2008 (Urk. 7/34
)
.
Gestützt darauf wurden f
ol
gende Diagnosen als erstellt erachtet
(vgl. Stellungnahmen des Regionalen Ärztlichen Dienstes vom 10. Juli 2008 und 12. Januar 2009, Urk. 7/36 S. 4 ff.
)
:
-
St.n
. Implantation einer minimalinvasiven Hüft-TP links am 07.12.2007 bei
Femurkopfnekrose
FICAT Stadium
-
HIV-Infektion CDC Stadium C3
-
Z
erebrale Toxoplasmose 03.2001;
St.n
. Ex
z
ision einer
Toxoplasmosezyste
04.2001
-
PCP (
P
neumocystis
cairnii
-Pneumonie) 03.2005; diagnostiziert in
C._
, Behandlung
A._
04.2005
-
M
ultisegmentaler Herpes
Zoster
Th5-6 links 2000
-
Parazentrale Lungenembolien
rechts und subsegmentale Lungenembolien
Ober
lappen
links
-
Symptomatische Epilepsie mit sekundär generalisierten Anfällen bei
St
.n
.
zere
bra
ler Toxoplasmose
-
Positive
Luesserologie
-
Hypersensitivitätsreaktion
-
St.n
. generalisiertem Arzneimittelexanthem und toxischer Hepatopathie unter Therapie mit
Phenytoin
,
Daraprim
,
Dalacin
,
Combivir
,
Viracept
und
Omeprazol
06.2001
-
St.n
. Exanthem unter Hochdosis
Bactrim
, DD durch
Omeprazol
04.2005
-
St.n
. Exanthem durch
Lamotrigin
nach Dosiserhöhung 01.2007
-
Osteoporose
-
Silikongranulome Oberschenkel
bds
. nach mehrfachen Silikoninjektionen in
C._
-
St.n
. Geschlechtsumwandlung
4.
Nach Eingang der Neuanmeldung
holte
die Beschwerdegegnerin
verschiedene
aktuelle Auskünfte der behandelnden Ärz
te
am
A._
ein und liess die Versicherte polydisziplinär abklären
.
Im MEDAS-
Gutachten vom 17. November 2014 (Urk. 7/138
/1-
112
)
wurden folgende
Diagnosen mit Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
gestellt (S. 60 f.)
:
1.
Osteoporose (ED 9/05)
-
DEXA 03/01 T-Score LWS -2.7, Femur -2.5
-
DEXA 09/05 T-Score LWS -2.7, Femur links -2.5
-
DEXA 09/08 T-Score LWS -2.1, Femur rechts -2.9
-
Osteoporotische
Wirbelkörperfrakturen BWK12 und LWK1 (erstmals radio
lo
gisch dokumentiert 2010)
-
Fosamax
2005 - 2007,
Bonviva
i.v.
seit 2007
2.
Rezidivierendes, belastungsabhängiges zervikales und lumbales
Schmerzsyn
drom
mit/bei
-
Insuffizienter Rumpfstabilisation
-
Spondylarthrosen
untere Halswirbelsäule
-
Osteoporotische
Wirbelkörperfrakturen BWK12 und LWK1
-
Diskrete lumbal rechtskonvexe Skoliose
3.
Symptomatische Epilepsie mit fokalen und sekundär generalisierten Anfällen
-
Zustand nach neurochirurgischer Entfernung einer
cerebralen
Toxoplasmo
sezyste
04/2001
-
postoperative Komplikation mit vorübergehender
Hemisymptomatik
rechts
4.
Status nach subkutaner
Silikoninjektion im Bereich des Beckengürtels ca. 1999
5.
Migration des injizierten Silikons mit Silikongranulomen sakral und
gluteal
beidseits an den Oberschenkeln und bis in die distalen Unterschenkel
6.
Status nach Exzision von Silikongranulomen sakral und
gluteal
beidseits sowie am distalen linken Unterschenkel mit multiplen Folgeoperationen und letztlich Spalthautdeckung
7.
Lymphödem beider Füsse und Unterschenkel
8.
Unklares Schmerzsyndrom im Bereich der
residuellen
Silikongranulome und in den Operationsbereichen
Folgenden weiteren
Diagnosen
massen die Gutachter keine
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
bei (S. 61)
:
9.
V
erdacht auf
beginnende Fingerpolyarthrose
-
DD Arthralgien als Nebenwirkung der verschiedenen Medikamente oder Reak
tion auf Silikon
10
.
Spreizfuss beidseits
-
Beginnende MTP 1-Arthrose links
11.
Status nach Hüft-TEP links bei
Femurkopfnekrose
links 07.12.2007 und damals auch im MRT Hinweis für beginnende Hüftnekrose rechts
-
Aktuell beschwerdefrei, klinisch frei bewegliche Hüftgelenke
12.
Status nach wenig dislozierter Fraktur
Endglied
Grosszehe links
13.
HIV-
lnfektion
: CDC-Stadium C3 (ED 03/01)
-
cerebrale
Toxoplasmose 03/01; Status nach Ex
z
ision einer Toxoplasmose-Zyste 04/01
-
Pneumoc
ystis
jirovecii
-Pneumonie 03/05
-
multisegmentaler Herpes Zoster TH5 - 6 links 2000
14.
Episodischer Spannungskopfschmerz
15.
Transsexualismus (ICD-10 F64.0)
Aus rheumatologischer Sicht stehe hinsichtlich der Belastbarkeit des Bewe
gungs
apparates die Osteoporose im Vordergrund, obwohl diese der Versi
cherten subjektiv keine Beschwerden verursache. Trotz der antiresorptiven Behandlung sei es zur Ausbildung von zwei Wirbelkörperfrakturen (BWK12 und LWK1) gekommen. Diese seien auf Aufnahmen aus dem Jahr 2010 erstmals radio
logisch festgehalten worden. Unerklärlicherweise
würden sie in keinem der vor
liegenden Berichte erwähnt. Die aktuellen konventionellen Aufnahmen zeigten keine wesentlichen Veränderungen der Wirbelkörperfrakturen im Ver
gleich zu
2010 und 201
2.
Es seien auch keine
n
euen dazugekommen (S. 38).
Aufgrund der Wirbelkörperfrakturen und der Osteoporose könne die Versicherte
seit 2010
lediglich noch leichte, körperlich nicht belastende Tätigkeiten ohne jegliche Sturzgefährdung ausüben.
Körperlich schwere Arbeiten wären auch aufgrund des Status nach Hüft-Totalprothese nicht mehr möglich. Dieser Ein
schränkung werde somit mit den Einschränkungen infolge der Osteoporose bereit
s
ausreichend Rechnung getragen. Aufgrund der rezidivierenden zervika
len und lumbalen belastungsabhängigen Beschwerden seien nur leichte bis inter
mittierend mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten möglich. Zudem sollten sämtliche Zwangshaltungen mit dem Oberkörper vermieden werden. Aufgrund der etwas unklaren Angaben der Versicherten und der mangelnden Doku
mentation in der Krankengeschichte sei ein retrospektives Datieren des Beginns dieser Einschränkung nicht möglich. Es gelte somit die aktuelle Begut
achtung. Die übrigen Beschwerden seien so gering ausgeprägt oder folgenfrei abgeheilt, dass keine weitere Einschränkung
der Arb
e
i
tsfähigkeit aus rheuma
tologischer Sicht gerechtfertigt werden könne
. Angesichts der wesentlichen
Dekondi
tionierung
bestehe initial eine maximale Arbeitsfähigkeit von 50 % (halbtags). Durch ein parallel durchgeführtes muskuläres Aufbautraining sollte theoretisch innerhalb von sechs Monaten eine schrittweise Steigerung auf ein
Vollp
ensum in einer adaptierten Tätigkeit möglich sein.
Die zuletzt ausgeübte
und nur teilweise angepasste
Tätigkeit als Putzfrau wäre
im bisherigen Rahmen von zwei bis zweieinh
a
lb Stunden täglich an fünf Tagen pro Woche
zumutbar. Maximal wäre in dieser Tätigkeit
ein Pensum von 50 % zumutbar
(S. 40 f.
, S. 62 ff.
)
.
Aus chirurgischer Sicht fühle sich die Explorandi
n aktuell
d
urch teils
akti
vitäts
ab
hängige
Schmerzen im Bereich von
residuellen
Silikongranulomen sowie im Bereich der Ex
z
isionsstellen teils am distalen Unterschenkel links teils
g
luteal
beidseits respektive sakral beeinträchtigt. Positionswechsel hälfen gegen diese Schmerzen aber offens
ich
tlich gut.
Bei wechselnder Tätigkeit im Stehen, Sitzen oder Gehen
sei von einer Einschränkung der Erwerbsfähigkeit um 20 % auszugehen. Diese Einschränkung gelte retrospektiv seit Anfang 2014 und sei nicht als additiv zu anderweitig attestierter reduzierter Arbeitsfähigkeit zu betrachten
(
S. 46,
S. 64)
.
Aus neurologischer Sicht stehe eine symptomatische Epilepsie mit fokalen und sekundär generalisierten Anfällen im Vordergrund. Die Epilepsie sei seit Jahren einigermassen ordentlich eingestellt. Es bestehe jedoch keine Anfallsfreiheit. Nähere Angaben zur aktuellen Anfallsfrequenz ergäben sich weder aus
dem Explorationsgespräch
noch aus den Akten
. Die angestammte Tätigkeit als Raumpflegerin sei unter Berücksichtigung der Epilepsie vollschichtig zumutbar. Infolge unberechenbar auftretender generalisierter Anfälle könne es zu inter
mittierenden Arbeitsunterbrüchen kommen, was eine partielle
Leistungsein
schränkung
nach sich ziehe. Auch sei trotz der in den Akten diesbezüglich fehlenden Anhaltpunkte nicht auszuschliessen, dass die von der Explorandin beklagten Konzentrationsstörungen und die rasche Ermüdbarkeit teilweise durch die antiepileptische Medikation ungünstig beeinflusst würden. Unter Berücksichtigung dieser Umstände sei bei vollschichtiger Arbeitsfähigkeit eine Leistungseinschränkung von 10 % bis maximal 20 % aus neurologischer Sicht einzuräumen. Bezüglich der Epilepsie seien ferner qualitative Einschränkungen zu berücksichtigen: Die Explorandin könne keine Tätigkeiten ausführen, die eine intakte Fahreignung voraussetzten; sie könne nur ebenerdige Arbeiten ausführen; sie könne keine Tätigkeiten ausführen, die mit einer Selbst- und Fremdgefährdung einhergingen (S. 52
f., S. 65 f.).
Aus psychiatrischer Sicht zeigten sich keine Störungen, womit eine Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit begründet werden könne (
S. 59,
S. 66).
Gesamtmedizinisch ergebe sich, dass die Beschwerdeführerin seit 2010
(radiologi
sche Dokumentation der Wirbelkörperfrakturen)
nur noch leichte, kör
perlich nicht belastende Tätigkeiten ohne jegliche Sturzgefährdung ausüben könne. Ab dem Zeitpunkt der Begutachtung sollten zudem nur noch wechsel
belastende Arbeiten ohne Zwangshaltungen ausgeübt werden. Ferner könne die Explorandin keine Tätigkeiten ausführen, die eine intakte Fahreig
n
ung voraus
setzten. Sie könne nur ebenerdige Arbeiten ausführen. Sie könne keine Tätig
keiten ausführen, die mit einer Selbst- und Fremdgefährdung einherg
ingen
. In einer solch adaptierten Tätigkeit bestehe eine Einschränkung von 20 %. Ange
sichts der wesentlichen
Dekonditionierung
bestehe initial zusätzlich eine Arbeitsfähigkeit von 50 % mit schrittweiser Steigerung auf ein 80 %-Pensum
(S. 67)
.
5.
5.1
Ausgewiesen ist, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit der letzten Ablehnung ihres Rentengesuches im Jahre 2009 insofern ver
schlechtert hat, als
gemäss MEDAS-Gutachten vom 17. November 2014 (E. 4)
neben den bereits
aus der früheren IV-Anmeldung
bekannten Diagnosen (E. 3) neu ein zervikales und lumbales Schmerzsyndrom mit unter anderem 2010 erstmals dokumentierten Wirbelkörperfrakturen aufgetreten ist. Damit ist ein Revisionsgrund (zur näheren Prüfung im Rahmen der Neuanmeldung) gegeben (E. 1.3).
5.2
Vorwegzuschicken ist, dass das
poly
disziplinäre
MEDAS-
Gutachten
vom 17. No
vember 2014 (E. 4) den praxisgemässen Anforderun
gen an den
Beweis
wert
einer Expertise vollumfänglich entspricht. So ist das Gutachten für die streitigen Belange umfassend, beantwortet es doch die Frage nach den gesund
heitlichen Beeinträchtigungen und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin. Es beruht sodann auf de
n notwendigen allseitigen Unter
suchungen in
inter
nistischer,
rheumatologischer
, chirurgischer, neurologischer
und psychiat
rischer Hinsicht und berücksich
tigt die geklagten Beschwerden. Die Gutachter schil
derten ausführlich die von der Beschwerdeführerin erwähnten Leid
en und Ein
schränkungen und setz
ten sich detailliert damit auseinander. Die Expertise wurde sodann in Kenntnis der umfangreichen
Vorakten
namentlich
der
vielen
Berichte
verschiedener Kliniken
des
A._
, wo die Beschwerdeführerin in Behandlung ist
abge
geben und sie leuchtet in der Da
r
legung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizi
nischen Situati
on ein.
Darüber hinaus berücksichtigen die Gutachter nicht nur die sich
aus
den
Vorakten
ergebenden Diagnosen, sondern auch das bisher von ärztlicher Seite nirgends dokumentierte Rückenleiden und setzen sich sehr aus
führlich mit den dadurch verursachten qualitativen Einschränkungen der Leistungsfähigkeit auseinander.
In diesem Sinne erschei
nen die
gutachterlichen
Sc
hlussfolgerungen als begründet.
5.3
5.3.1
Selbst die Beschwerdeführerin hebt die Stärken des detaillierten und vor allem mit Akten
verweisen
untermauerten Gutachtens
hervor
(Urk. 1 S. 5). Allerdings bemängelt sie, dass der
chirurgische Gutachter seine Einschätzung der gesund
heitlich bedingte
n
Minderung der Arbeitsfähigkeit sowie die Frage
der Addition dieser Einschränkung zu den in anderen Fachgebieten attestierten Arbeitsunfä
higkeiten
nicht begründet
habe
(Urk. 1 S. 6).
5.3.2
Bei der Festsetzung der Arbeitsunfähigkeit verfügt
ein Gutachter über einen beachtlichen Ermessensspielraum, basiert doch die Einschätzung der
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
massgeblich auf
einer
Schätzung oder Würdigung der erfragten
Symptome
und entdeckten
Befunde
. Dementsprechend berücksichtigte der chirurgische Gutachter, dass
gemäss Angabe der Beschwerdeführerin
neben weiteren von
dieser
im Alltag angewendeten Strategien
zur
Schmerz
linderung
wie Tragen einer Hose mit Schaumstoffpolsterung, Salzwasserb
ä
d
er
und Hochlagern der Beine (Urk. 7/138/92-94 S. 2)
auch
Positionswechsel
gegen
die Schmerzen im Bereich der
residuellen
Silikongranulomen und der
Exisionsstellen
gut
hälfen (Urk. 7/138/1-
112
S. 46; vgl. auch das chirurgische Teilgutachten vom 24. September 2014,
Urk.
7/138/92-94 S. 2 f.). Seine
Beur
teilung de
r (Rest
)Arbeitsfähigkeit stützt
sich auf die medizinischen Unterlagen und
liegt
durchaus im Rahmen
seines
Ermessensspielraumes.
Es ist zwar
ver
ständlich
, dass
die Beschwerdeführerin
aus rein subjektiver Sicht ihre Ein
schränkung höher einschätzt
. D
och selbst die behandelnden Ärzte des
A._
, Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie,
attestierten
lediglich
nach
der
ersten Resektion von Silikonablagerungen im Januar 2012
sowie
wiederum
im Zusammenhang mit
dem
erneuten Eingriff
im September 2013
folgende
,
zwar
teilweise
mehrwöchige
,
jedoch
stets
vorüberge
hende Einschränkungen
der Arbeitsfähigkeit
:
-
100 % vom 9. Januar bis 23. Oktober 2012 (
ärztliche Zeugnisse vom 11.
[Urk. 7/60/16], 17. Februar [Urk. 7/60/18], 28. März [Urk. 7/60/20], 13. April [Urk. 7/60/22], 11. Mai [Urk. 7/60/24], 22. Mai [Urk. 7/60/25], 14. Juni [Urk. 7/60/26], 9. Juli 2012 [Urk. 7/60/28] sowie
Bericht vom 1. März 2013
[
Urk. 7/86
]
)
-
100 % vom
5.
bis 16. November 2012 (Bericht über die Notfallkonsultation vom 5. November 2012
[Urk. 7/71/5-6]
und ärztliches Zeugnis vom 6.
No
vember 2012
[
Urk. 7/71/7
]
)
-
100 % vom 3. Januar bis 28. Februar 2013 (Bericht vom 1. März 2013
[
Urk. 7/86
]
)
-
100 % vom
3.
bis 30. Mai 2013 (Sprechstundenbericht vom
7. Mai 2013
[
Urk. 7/92
]
)
-
100 % vom 1
7.
bis 27. Juni 2013 (
ä
rztliches Zeugnis und Bericht über die
Notfall
konsultation
vom 17. Juni 2013
[
Urk. 7/102/4-5 und Urk. 7/102/6
]
)
-
100 % vom 17. September 2013 bis 10. Oktober 2013 (Austrittsbericht vom 9. Oktober
2013
[
Urk. 7/110
]
)
Dabei handelt es sich
überdies
mehrheitlich um unbegründete Arbeits
un
fähigkeits
atteste, die nicht geeignet sind, die sich über eine längere Zeitspanne erstreckende und lediglich versicherungsmedizinische Aspekte berücksichti
gende Einschätzung des chirurgischen Gutachters in Frage zu
s
tel
len.
5.3.3
Sodann ist festzuhalten, dass e
ine Arbeitsunfähigkeit von 20
% in einer
leidens
an
gepassten
Tätigkeit aus
chirurgischer
Sicht
nicht
bedeutet, dass
der zusätzli
che
Befund
einer Leistungseinschränkung
aus Sicht einer anderen medi
zi
nischen Fachdisziplin
generell
zu einer insgesamt höheren Einschränkung führen muss. In der Regel verhalten sich die einzelnen fachbereichsbezogenen Arbeitsunfähigkeiten nicht additiv, sondern sie decken sich teilweise o
der sogar ganz.
Dabei ist in Bezug auf die gesundheitlich bedingte Leistungsminderung zu unterscheiden zwischen dem medizinischen Anforderungsprofil, d.h. inwiefern die körperlichen und/oder geistigen Funktionen eingeschränkt sind, insbeson
dere ob die versicherte Person sitzend oder stehend, in freien oder in geheizten Räumen arbeiten kann oder muss, ob sie Lasten heben und tragen kann usw., und dem zeitlichen Aspekt (Arbeitspensum, Arbeitstempo, Pausenbedarf). I
n diese
m Zusammenhang
von Bedeutung ist sodann
der Zweck interdisziplinärer
Gutachten,
nämlich
alle relevanten gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu erfassen und die sich daraus je einzeln ergebenden Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit in ein Gesamtergebnis zu fassen. Der abschliessenden, gesamt
haften Beurteilung von Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit kommt ins
besondere dann grosses Gewicht zu, wenn sie auf der Grundlage einer
Konsens
diskussion
der an der Begutachtung
mitwirkenden Fachärzte erfolgt (Urteil des Bundesgerichts 9C_425/2013 vom 16. September 2013 E. 4.3.1 mit Hinweisen). Dies trifft
auf das
MEDAS-
Gutachten
vom 17. November 2014
zu
.
Die
von den Gutachtern in der Gesamtbeurteilung geschätzte
Minderung der Leistungsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit um 20 % eines
Voll
pensums
gewährt der Beschwerdeführerin
Zeitabschnitte
im Arbeitsalltag, die sie
zur Wahrung eines langsamen Arbeitstempos oder zum Einlegen von zusätzlichen Pausen
verwenden
könnte
.
Indem sie d
iese Zeit gleichzeitig
zur Schmerzlinderung und
zur
körperlichen sowie geistigen
Erholung
nutzen
könnte, ist
die
Schlussfolgerung des chirurgischen Gutachters, dass die Ein
schränkung aus seiner Fachdisziplin nicht mit anderen Einschränkungen
insbesondere der aus neurologischer Sicht attestierte
n
Leistungsminderung von 10 % bis maximal 20 % (Urk. 7/138/1-
112
S. 53 und S. 65)
kumuliert werden soll
, ohne weiteres
einleuchtend und
nachvollziehbar
.
Aus diesen Gründen erübrigt sich die Einholung einer ergänzenden Stellung
nahme des chirurgischen Gutachters zur näheren Begründung seiner Ein
schätzung der Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin.
5.4
5.4.1
Weiter bemängelt die Beschwerdeführerin
,
durch die Unvollständigkeit der Akten hätten die Gutachter ihre Schlussfolgerungen
gestützt
auf Annahmen treffen müssen, die sich nach Abklärungen als inkorrekt herausstellen könnten
. So liege aus rheumatologischer Sicht keine aktuelle Bestimmung der
Knochen
dichte
vor und es bestehe der Verdacht auf eine radiologisch noch nicht fass
bare Fingerpolyarthrose
beziehungsweise
differentialdiagnostisch allenfalls Arthralgien beziehungsweise eine Reaktion auf das sich im Körper befindliche Silikon. Parallel müsse nach einer
Rekonditionierung
der Langzeitverlauf abge
wartet werden
.
Mangels Führung eines Anfallskalenders bestünden aus neuro
logischer Sicht
schliesslich
Vorbehalte am festgestellten stationären
Beschwer
deverlauf
(Urk. 1 S. 7).
5.4.2
Die von der rheumatologischen Gutachterin geäusserten Vorbehalte
h
insichtlich der Realisierbarkeit
einer vollständigen
Rekonditionierung
(Urk. 7/138/1-
112
S. 41) berücksichtigen
die bestehenden Zweiterkrankungen, welche jedoch gemäss der Einschätzung ihrer Gutachterkollegen aus den einzelnen
Fach
disziplinen
einer
höhergradigen
Leistungsfähigkeit
gerade
nicht entgegenstehen.
Darüber hinaus
stellt eine
durch Untätigkeit bedingte
Dekonditionierung
grund
sätzlich kein invalidisierendes Leiden dar, zumal ein schadenminderndes Ver
halten
generell
als zumutbar gilt (Urteil des Bundesgerichts
9C_780/2015 vom 7. Januar 2016 E. 3.3.2).
5.4.3
Hinsichtlich der
Verdacht
sdiagnose
eine
r
radiologisch noch nicht fassbare
n
Fin
gerpolyarthrose
sowie
der Differentialdiagnose von
Arthralgien beziehungs
weise eine
r
Reaktion auf das sich im Körper befindliche Silikon
kann offen gelassen werden, ob Verdachtsdiagnosen
zur Anerkennung eines dauerhaften invalidisierenden Gesundheitsschadens grundsätzlich
ausreichen
(vgl.
dazu Urteile des Bundesgerichts 8C_454/2013 vom 24. September 2013 E. 6.3 und 8C_953/2010 vom 29. April 2011 E.
5.3). Selbst wenn diesbezüglich eine vorbe
haltlose Diagnose vorläge, könnte
die
Versicherte daraus nichts zu
ihren
Gunsten ableiten.
Denn s
o oder anders ist nicht die Diagnose massgebend, sondern unter welchen Beschwerden die versicherte Person leidet, ob diese objektiviert werden können und welche Tätigkeiten der versicherten Person trotz ihrer gesundheitlichen Einschränkungen noch zumutbar sind (
BGE 136 V 279
E.
3.2.1).
Obwohl für die Beschwerdeführerin subjektiv stark einschränkend, vermögen die Handbeschwerden
jedoch
aus rheumatologischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu begründen (Urk. 7/138/1-
112
S. 39
), weshalb
die Gutachter auf die Stellung einer definitiven
Diagnose
verzichten durften
.
5.4.4
Dass
sodann der neurologische Gutachter
zu einer allfälligen
Veränderung des Gesundheitszustandes aus neurologischer Sicht mangels näheren Angaben
in den Akten und im Explorationsgespräch
zur Anfallsfrequenz nicht vorbehaltslos
Stellung nehmen konnte
, beschlägt lediglich die
zur Prüfung der Neuanmeldung nötige
Frage nach
eine
r gesundheitlichen
Veränderung seit der letzten Rentenablehnung im Jahre 2009
(Urk. 7/138/1-
112
S. 47;
vgl. auch das chirur
gische Teilgutachten vom 14. Oktober 2014, Urk. 7/138/77-91 S. 14)
. Nachdem
der
zur Prüfung der Neuanmeldung nötige Revisionsgrund
bereits mit
der Ver
schlechterung des
Rückenleiden
s
bejaht werden
konnte
(E. 5.1)
,
mindert die Unsicherheit bezüglich einer
zusätzlichen
Veränderung aus neurologischer Sicht
die Beweiskraft
des neurologischen Teilgutachtens hinsichtlich
der
Beurteilung des aktuellen Zustandes und
der
Einschätzung der
(aktuellen)
Leistungsfähigkeit
der Beschwerdeführerin
in keiner Weise.
5.5
Aufgrund der
überzeugenden Feststellungen im MEDAS-Gutachten vom 1
7
. November 2014
steht
demzufolge
fest, dass die Beschwerdeführerin
seit Juli
2010 (radiologische Dokumentation der Wirbelkörperfrakturen,
Urk. 7/138/1
112
S. 36)
in einer ihren verschiedenen Einschränkungen ange
passten Tätigkeit zu 80 % arbeitsfähig ist.
Die
aus rheumatologischer Sicht
nur teilweise angepasste
Tätigkeit als Reinigungsmitarbeiterin
wäre
ihr dagegen
zu einem
Pensum
von maximal 50 %
zumutbar
(Urk. 7/138/1-
112
S. 6
3 f.
, S. 66 f.
)
.
6.
6.1
Gemäss Urteil der zweiten Kammer des Europäischen Gerichtshofs für Menschen
rechte (EGMR)
in Sachen
Di
Trizio
gegen die Schweiz vom 2.
Februar 2016 (7186/09) verletzte die Anwendung der gemischten
Invaliditätsbe
messungsmethode
in der Invalidenversicherung bei einer Versicherten, welche ohne gesundheitliche Einschränkungen nach der Geburt ihrer Kinder nur noch teilzeitlich erwerbstätig gewesen wäre und deshalb im Rentenrevisionsverfahren ihren Anspruch auf e
ine Invalidenrente verlor, Art.
14
der Europäischen Menschenrechtskonvention (
EMRK) in Verbindung mit Ar
t.
8 EMRK (Diskrimi
nierungsverbot
sowie
Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens).
Dieses
Urteil
ist nicht endgültig (Art.
42 E
MRK), da
eine Verweisung der Rechtssache an die
Grosse
Kammer beantrag
t
worden ist
(Art. 43 Abs.
1 EMRK
)
.
Ob und gegebenenfalls inwiefern das genannte Urteil des EGMR Auswirkungen auf die Rechtsprechung zur Invaliditätsbemessung nach der gemischten Methode zur Folge haben wird, ist deshalb zurzeit noch ungewiss.
Für die Belange des vorliegenden Falles
können Weiterungen zur Frage
der Anwend
barkeit der gemischten Methode unterbleiben, da verschiedene Unklarheiten (hinsichtlich des Haushalts- und Erwerbsbereichs) bestehen, welche ergänzende Sachverhaltsabklärungen
erheischen.
6.2
Zunächst stellt sich die Frage nach dem Arbeitspensum der Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall. In der angefochtenen Verfügung vom 15. Dezember 2014 (Urk. 2) ging
die Beschwerdegegnerin
davon aus, dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall ihrer Tätigkeit als Reinigungsmitarbeiterin zu einem Pensum von
50 %
nachgehen würde
, während die restlichen
50 %
auf
den
Aufgaben
bereich
entfielen.
Die Gründe für diese Annahme werden in der Verfügung nicht dargetan. In den Aufstellungen zum Einkommensvergleich vom 7. November 2013 (Urk. 7/111) und 2. Februar 2014 (Urk. 7/142) sowie im Feststellungsblatt für den Beschluss vom 25. November 2013 (Urk. 7/112 S. 8) wird wiederholt auf die 2008 durchgeführte Invaliditätsbemessung verwiesen.
G
emäss den damali
gen Unterlagen stellte die Beschwerdegegnerin auf die mit Verfügung vom 15. Dezember 2005 vorgenommene Qualifikation
ab
(vgl.
den
Abklärungsbe
richt
vom 5. September 2008,
das
Feststellungsblatt für den Beschluss vom 18. März 2009
sowie die
rentenablehnende Verfügung vom 19. Mai 2009;
Urk. 7/35, Urk. 7/36, Urk. 7/40). Bereits 2005 wurde die Beschwerdeführerin als Teilzeiterwerbstätige mit einem Arbeitspensum von 50 % qualifiziert (
vgl. den
Abklärungsbericht vom 11. November 2005,
das
Feststellungsblatt für den
Beschluss vom 6. Dezember 2005 sowie
den
Verfügungsteil 2 zur
Verfügung vom 15. Dezember 2005; Urk. 7/13, Urk. 7/14, Urk. 7/16, Urk. 7/17).
Diese
Qualifikation
wurde von der Beschwerdeführerin
im Verlauf der Jahre
nie
bemängelt
.
I
n der Anmeldung zum Leistungsbezug vom 8. Juni 2012 (Urk. 7/49)
gab
sie jedoch
an, an ihrer Stelle als Reinigungsmitarbeite
rin ein
Pensum von 100 % innegehabt
zu haben.
Anlässlich des Standortgesprächs vom 9. Juli 2012 (Urk. 7/51)
sprach sie
dann
offenbar von einem
Pensum von 50 % bis 70 %.
Laut den Angaben der Arbeitgeberin
D._
im Arbeitgeberfragebogen vom 17. September 2012 (Urk. 7/63) betrug die Arbeits
zeit
der Beschwerdeführerin
seit
dem Stellenantritt im
September 2010
jedoch
lediglich
16.5
Stunden pro
Woche bei einer betriebsüblichen Arbeitszeit von 42
Wochenstunden
.
Auch
die eher tiefen
Einkommen
szahlen
im
Auszug aus dem Individuellen Konto (Urk. 8/53)
weisen auf
Arbeitspensen
unter 50 %
hin
.
Bei dieser Aktenlage
ist es fraglich
, ob die Beschwerdegegnerin davon ausgehen durfte, dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall zu 50 % erwerbstätig
gewesen
wäre. Dies kann
indessen
vorläufig
offen bleiben, zumal die ange
fochtene Verfügung vom 15. Dezember 2014 bereits aus anderen Gründen auf
zuheben ist.
6.3
Hinsichtlich der Einschränkung im Haushaltsbereich stellte die
Beschwerde
gegne
rin
auf die im Rahmen der zweiten Anmeldung zum Leistungsbezug am 4. September 2008 durchgeführte Abklärung vor Ort
ab
, welche gemäss Bericht vom 5. September 2008 (Urk. 7/35) eine
Einschränkung von rund 32
% ergab
(vgl. Verfügung vom 15. Dezember 2014 sowie
Fest
stellungsblatt
für den Beschluss vom 15. Dezember 2014; Urk. 2, Urk. 7/143 S. 4). Im damaligen Bericht vom 5. September 2008 verwies die
Abklärungs
person
weitgehend auf die
von ihr gemachten Angaben anlässlich der früheren
Abklärung im Jahr 200
5.
Diese erste Abklärung ergab laut Abklärungsbericht vom 11. November 2005 (Urk. 7/13) eine Einschränkung von insgesamt 27.4 %.
Inzwischen sind
jedoch
erhebliche Änderungen eingetreten.
So
hat sich der Gesund
heitszustand der Beschwerdeführerin
mit Auftreten
der
Rückenbe
schwerden
soweit
verschlechtert
, dass deren Einschränkung im Haushalt mög
licherweise
an
gestiegen ist
.
Weiter
ist der
inzwischen
erwachsene
Sohn ausge
zogen
(vgl. Urk. 7/138/1-
112
S. 32 f.),
weshalb
einerseits
seine
anlässlich der Abklärungen 2005 und 2008
im Rahmen der Schadenminderungspflicht
berücksichtigte
Mitwirkung im Haushalt weggefallen ist
.
A
ndererseits
ist
auch
anzunehmen
, dass in einem
Zweipersonenhaushalt
(Beschwerdeführerin sowie Ehemann)
weniger Arbeit anfällt.
Angesichts dieser für die Invaliditätsbemessung möglicherweise relevanten Verän
derungen ist eine erneute
Abklärung der
aktuellen
Verhältnisse vor Ort
notwendig.
Einer sorgfältigen Erhebung der Einschränkungen im
Haushaltsbe
reich
kommt besondere Bedeutung zu, falls
eine Überprüfung der Qualifikation der Beschwerdeführerin (
vgl.
E. 6.2) einen tieferen Anteil der Erwerbstätigkeit
ergeben sollte.
6.
4
Schliesslich ist der durchgeführte Einkommensvergleich nicht nachvollziehbar.
In der angefochtenen Verfügung vom 15. Dezember 2014
geht
die
Beschwerde
gegnerin
von einem
Valideneinkommen
von Fr. 20‘439.55
für das Jahr 2013
(Urk. 2 S. 2) beziehungsweise
von
Fr. 20‘251.50
für das Jahr 2014
aus
(Urk. 2 S. 3).
Laut den Aufstellungen zum Einkommensvergleich
vom 7. November 2013 (Urk. 7/111) und 2. Februar 2014 (Urk. 7/142)
beruhen diese Zahlen auf dem im Jahr 2008
auf Fr. 19‘219.
festgesetzten
Valideneinkommen
.
Gemäss Stellungnahme der Berufsberatung vom 16. Januar 2009 (Urk. 7/37) wurde
dieses
ausgehend
von einem Stundenlohn von Fr.
17.60
ermittelt
.
Dabei
wurde
auf die Angaben
der
damaligen
Arbeitgeberin verwiesen
.
Im
Arbeitgeberfrage
bogen
vom 15. April 2008 (Urk. 7/25; Eingangsdatum des Dokuments gemäss Aktenverzeichnis: 18. März 2009) nannte die
E._
jedoch für das Jahr 2008 einen Stundenlohn von Fr. 19.5
8.
Dem
Fragebogen
lässt sich weiter entnehmen, dass die Beschwerdeführerin, welche vom 18. Juli 2006 bis 31. Juli 2007 bei der
E._
angestellt
gewesen
war,
damals
einen
Stunden
lohn
von
Fr. 18.80 bei einem Grundlohn von Fr. 17.16 zuzüglich Ferien- und Feiertagsentschädigung
erhalten hatte
(Urk. 7/25 S. 11).
Den Unterlagen lässt sich nicht entnehmen, wie die Beschwerdegegnerin
den eher tiefen
Stundenlohn von Fr. 17.60
ermittelte.
Zwar betrug der Stundenlohn der Beschwerdeführerin bei ihrer nächsten Anstel
lung
nur noch Fr
. 16.50
(vgl. Arbeitgeberfragebogen
der
D._
vom 17. September 2012
;
Urk. 7/63)
. Es
ist jedoch anzunehmen
, dass es sich bei dieser Reinigungstätigkeit um eine Tätigkeit handelt
e
, die mindestens teil
weise den verschiedenen
gesundheitlichen
Einschränkungen der Beschwerde
führerin Rechnung
trug
, weshalb dieses (unterdurchschnittliche) Einkommen nicht unbesehen zur Ermittlung des
Valideneinkommens
herangezogen werden darf.
7.
Aus diesen Gründen ist die angefochtene Verfügung vom
15. Dezember 2014
aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie die aufgezeigten erforderlichen Sachverhaltsabklärungen vornehme und
anschliessend über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin
neu
ent
scheide.
8
.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 800.-- festzulegen und ausgangsgemäss von der Beschwerdegegnerin zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
Nach Einsicht in die Honorarangaben von Rechtsanwältin Sandra
Esteves
Gonçalves
(Urk. 1 S. 8 f.) und in
Anwendung des gerichtsü
blichen Stundenansatzes von Fr.
2
2
0.
(zuzüglich Mehrwertsteuer) ist
der Beschwerdeführerin eine
Prozessentschädi
gung
von Fr. 1‘
9
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzuspre
chen (Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht;
GSVGer
).