# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 59816cad-91de-44af-b70d-42eaf8ce05f1
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2005
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ S. H. wurde per 1. April 2004 vom Spital Linth als Mitarbeiterin im Reinigungsdienst
eingestellt. Die Einzelheiten der Anstellung ergeben sich aus zwei
Anstellungsbestätigungen des Spitals Linth vom 8. März und vom 26. April 2004. Als
Lohn wurde eine Einstufung in die Klasse 4 / Stufe 4 gemäss den kantonalen Dienst-
und Besoldungsvorschriften festgelegt (Jahresbesoldung Fr. 39'618.80 inkl. 13.
Monatsgehalt, ohne allfällige Zulagen). Der Beschäftigungsgrad betrug gemäss der
Anstellungsbestätigung vom 8. März 2004 90 % und gemäss jener vom 26. April 2004
100 %. Die ersten drei Monate galten als Probezeit. In dieser konnte das
Anstellungsverhältnis gegenseitig unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von 14 Tagen
jederzeit aufgelöst werden. Nach Ablauf der Probezeit sollte die Kündigungsfrist drei
Monate betragen.
Da die Arbeitgeberin mit der Qualität der Arbeit von S. H. nicht zufrieden war und diese
zudem Mühe bekundete, sich in die Gruppe der anderen Reinigungsmitarbeiter zu
integrieren, lud sie sie am 29. Juni 2004 zu einem klärenden Gespräch ein, dessen
Inhalt in einem von den Beteiligten unterzeichneten Schreiben festgehalten wurde.
Dabei vereinbarten die Parteien die Verlängerung der Probezeit um drei Monate bis 30.
September 2004. S. H. wurde zudem darauf aufmerksam gemacht, dass sich die
Qualität ihrer Arbeit verbessern muss und dass sie sich besser in die Gruppe zu
integrieren hat.
Mit Verfügung vom 15. September 2004 löste das Spital Linth das
Anstellungsverhältnis mit S. H. per 30. September 2004 auf. Zur Begründung machte
die Arbeitgeberin geltend, trotz wiederholten Gesprächen und der Verlängerung der
Probezeit erfülle S. H. die an sie gestellten Anforderungen nicht. Diese Verfügung
erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
B./ Am 5. November 2004 reichte S. H. durch ihren Rechtsanwalt Teilklage gegen das
Spital Linth ein. Sie beantragt, die Beklagte sei zu verpflichten, ihr den Oktoberlohn von
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Fr. 3047.60 abzüglich Sozialabzüge von Fr. 226.35, vorerst Fr. 2821.25, zu bezahlen.
Die Beklagte sei zudem zu verpflichten, ihr eine Entschädigung wegen
missbräuchlicher Kündigung von vorläufig mindestens zwei Monatslöhnen zu bezahlen,
und das Nachklagerecht sei vorbehalten; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge
zu Lasten der Beklagten. Zur Begründung brachte die Klägerin vor, die Verlängerung
der Probezeit vom 30. Juni 2004 um drei Monate sei unzulässig und somit
widerrechtlich. Im Zeitpunkt der Kündigung sei sie schwanger gewesen, weshalb die
Kündigung nichtig sei. Die Kündigung sei zudem missbräuchlich, da sie allein dazu
diene, ihre Lohnansprüche zu vereiteln.
Am 18. November 2004 reichte das Spital Linth seine Klageantwort ein. Es beantragte,
die Klage sei abzuweisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Es machte im
wesentlichen geltend, die Klage sei bereits deshalb abzuweisen, weil die Klägerin von
der Möglichkeit, die Auflösungsverfügung vom 15. September mittels Rekurs
anzufechten, keinen Gebrauch gemacht habe. Im Rahmen öffentlicher
Anstellungsverhältnisse sei das Verbot, Probeanstellungen über drei Monate zu
verlängern, nicht anwendbar. Die Parteien hätten sich zudem einvernehmlich über die
Verlängerung der Probezeit geeinigt. Hätte die Probezeit nicht verlängert werden
können, so hätte das Spital der Klägerin gekündigt. Es sei rechtsmissbräuchlich, sich
nun auf die Unzulässigkeit der Vereinbarung zu berufen. Da die Probezeit im Zeitpunkt
der Kündigung noch gelaufen sei, sei die Kündigung trotz Schwangerschaft zulässig
gewesen.
Mit Schreiben vom 18. November 2004 teilte die Kantonale Arbeitslosenkasse mit,
dass sie sich am Prozess als Hauptpartei beteiligen werde. Zur Begründung führte sie
aus, sie werde der Klägerin Leistungen erbringen und damit in Anwendung von Art. 29
des Arbeitslosenversicherungsgesetzes (SR 837.0, abgekürzt AVIG) in die strittige
Lohnforderung eintreten. Über die genaue Höhe der Arbeitslosenentschädigung werde
sie das Gericht vor einem allfälligen Gerichtstermin informieren.
In ihrer Replik vom 30. November 2004 hielt die Klägerin an ihrem Rechtsbegehren
fest. Sie betonte nochmals, die Probezeit hätte nicht verlängert werden dürfen. Sie
dürfe nicht schlechter gestellt werden als privatrechtlich angestellte Personen, zumal
sie als Mitarbeiterin der Reinigungsdienste keine hoheitliche Funktion ausgeübt habe.
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Die Arbeitslosenkasse reichte keine Replik ein.
Das Spital Linth verzichtete mit Schreiben vom 13. Januar 2005 auf eine Duplik.

## Considerations

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1./ a) Das Verwaltungsgericht prüft die Sachurteilsvoraussetzungen von Amtes wegen
(Art. 80 Abs. 1 und Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 6 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP).
b) Bei der Kündigung von öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnissen besteht ein
Dualismus von Anfechtungs- und Klageverfahren. Während die Rechtmässigkeit der
Kündigung grundsätzlich im Anfechtungsverfahren zu prüfen ist, steht für die
vermögensrechtlichen Aspekte der Kündigung das Klageverfahren zur Verfügung (vgl.
Art. 79bis VRP;
Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz.
1147 ff.; GVP 1995 Nr. 3).
Das Anstellungsverhältnis zwischen den Parteien ist öffentlich-rechtlicher Natur. Das
Spital Linth in Uznach ist gemäss Art. 1 Abs. 2 lit. c des Grossratsbeschlusses über die
Schaffung von Spitalverbunden (sGS 320.20) das einzige Spital eines der vier
kantonalen Spitalverbunde. Diese sind selbständige öffentlich-rechtliche Anstalten (Art.
2 Abs. 1 des Gesetzes über die Spitalverbunde, sGS 320.2). Beim Begehren der
Klägerin um Bezahlung des Lohnes für den Monat Oktober 2004 sowie einer
Entschädigung wegen missbräuchlicher Kündigung handelt es sich um eine
vermögensrechtliche Forderung. Das Verwaltungsgericht ist somit zur Beurteilung der
Klage grundsätzlich zuständig.
c) Die Klageschrift entspricht im weiteren den gesetzlichen Anforderungen (Art. 80 Abs.
1 in Verbindung mit Art. 64 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP).
2./ Mit Schreiben vom 18. November 2004 teilte die Kantonale Arbeitslosenkasse St.
Gallen mit, sie beteilige sich in Anwendung von Art. 53 Abs. 2 des Zivilprozessgesetzes
(sGS 961.2, abgekürzt ZPG) als Hauptpartei am Prozess. Sie sei gemäss Art. 29 AVIG
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in die strittige Lohnforderung eingetreten und werde der Klägerin unter diesem Titel
Leistungen erbringen.
a) Gemäss Art. 53 Abs. 2 ZPG ist ein Parteiwechsel ohne Einvernehmen der Parteien
zulässig, wenn der Streitgegenstand während des Prozesses veräussert wird und der
Erwerber in den Prozess eintritt. Unter Veräusserung ist nicht nur die
rechtsgeschäftliche Übertragung des Streitgegenstandes (z.B. durch Verkauf,
Schenkung, Zession) zu verstehen, sondern auch ein Übergang auf dem Weg der
Legalzession (Leuenberger/Uffer-Tobler, Kommentar zur Zivilprozessordnung des
Kantons St. Gallen, Bern 1999, Art. 53 N 4; GVP 1994 Nr. 52).
b) Art. 80 VRP verweist bezüglich der anwendbaren Verfahrensnormen auf die
Beschwerde. Beim Beschwerdeverfahren handelt es sich jedoch um ein
Anfechtungsverfahren. Deshalb sind auch die zivilprozessualen
Verfahrensbestimmungen sachgemäss anzuwenden, wo dies im öffentlich-rechtlichen
Klageverfahren als typischem Zweiparteienverfahren angezeigt ist und das
Beschwerdeverfahren keine spezifischen Normen enthält. Nachdem die Vorschriften
über die Beschwerde keine Bestimmungen über den Parteiwechsel enthalten, ist Art.
53 ZPG analog anzuwenden.
c) Gemäss Art. 29 Abs. 2 AVIG tritt die Arbeitslosenkasse mit der Zahlung von
Arbeitslosenentschädigung in die Lohn- und Entschädigungsansprüche ein, die dem
Arbeitnehmer gemäss Art. 11 Abs. 3 AVIG gegenüber dem Arbeitgeber zustehen. Es
handelt sich um eine Legalzession, die sich auf allfällige Lohnansprüche oder auf
Entschädigungsansprüche wegen vorzeitiger Kündigung des Arbeitsverhältnisses
bezieht (vgl. Art. 11 Abs. 3 AVIG). Soweit die Kantonale Arbeitslosenkasse der Klägerin
Leistungen als Ersatz für den strittigen Oktoberlohn erbracht hat, ist sie damit als
Hauptpartei anstelle der Klägerin in den Prozess eingetreten. Nicht als Partei zu
behandeln ist sie jedoch in Bezug auf das Rechtsbegehren um Zusprechung einer
Entschädigung wegen missbräuchlicher Kündigung. Eine derartige Entschädigung hat
primär pönalen Charakter und soll den missbräuchlich entlassenen Arbeitnehmer für
die erlittene Ungerechtigkeit, nicht aber für den Arbeitsausfall entschädigen. Die
Kantonale Arbeitslosenkasse kann deshalb in eine allfällige, der Klägerin zustehende
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Entschädigungsforderung im Sinne von Art. 336a Abs. 1 des Schweizerischen
Obligationenrechts (SR 220, abgekürzt OR) nicht eintreten.
d) Die Kantonale Arbeitslosenkasse hat entgegen ihren Ausführungen keine Angaben
über allfällig erbrachte Leistungen gemacht. Auch hat sie nach der Erklärung über ihre
Beteiligung am Prozess auf eine Replik verzichtet. Fehlt der Nachweis über erbrachte
Leistungen, so erweist sich ihre Klage als unbegründet.
3./ Die Beklagte erachtet das Begehren der Klägerin als unzulässig, weil sie es
unterlassen habe, gegen die Auflösung des Angestelltenverhältnisses zu rekurrieren.
a) Unbestritten ist, dass die Klägerin gegen die Auflösung des
Angestelltenverhältnisses nicht rekurriert hat. Sie äusserte zwar wiederholt ihre
Bereitschaft zur Weiterführung der Arbeit, liess aber die gesetzliche Rekursfrist
ungenutzt verstreichen.
b) Gemäss Art. 342 OR bleiben die Vorschriften des Bundes, der Kantone und
Gemeinden über das öffentlich-rechtliche Dienstverhältnis vorbehalten. Die
Bestimmungen des OR sind damit grundsätzlich auf öffentlich-rechtliche
Angestelltenverhältnisse wie dasjenige zwischen Klägerin und Beklagter nicht
anwendbar. Indessen ist es möglich, dass die Normen des OR kraft statischer oder
dynamischer Verweisung in einem öffentlich-rechtlichen Erlass zu öffentlichem Recht
des betreffenden Gemeinwesens werden. Wo solche Verweise fehlen und das
öffentliche Recht eine Lücke aufweist, die nicht durch analoge Anwendung anderer
öffentlich-rechtlicher Normen gefüllt werden kann, ist die analoge Anwendung der
Vorschriften des OR in Betracht zu ziehen. Darüber hinaus werden die Normen des OR
zuweilen als Minimal Standards verstanden, als minimale Schutzvorschriften, die vom
öffentlichen Dienstrecht nicht unterschritten werden dürfen (vgl. M. Bertschi, Auf der
Suche nach dem einschlägigen Recht im öffentlichen Personalrecht. Das Heranziehen
ergänzend anwendbarer Normen, besonders des Obligationenrechts, in: ZBl 105/2004,
S. 617 ff. mit zahlreichen Hinweisen).
Die in einem öffentlich-rechtlichen Erlass vorgenommene Verweisung auf
Bundeszivilrecht macht dieses zum öffentlichen Recht des betreffenden
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Gemeinwesens und ist nach dessen Regeln anzuwenden und auszulegen (T. Poledna,
Annäherungen ans Obligationenrecht, in: Personalrecht des öffentlichen Dienstes, Bern
1999, S. 213). Allerdings ist das Gemeinwesen auch dann nicht im selben Mass frei wie
ein Privater. Insbesondere ist der Staat selbst dort, wo er im Rahmen seiner
öffentlichen Aufgaben privatrechtlich auftritt, an die verfassungsmässigen Grundrechte
gebunden. Somit kann die Verweisung eines öffentlich-rechtlichen Erlasses auf das
Einzelarbeitsvertragsrecht zum vornherein nur dazu führen, dass dieses in modifizierter
Form zur Anwendung gelangt. Dabei geht es darum, dass insbesondere die
Grundsätze der Gesetzmässigkeit, des öffentlichen Interesses, der
Verhältnismässigkeit, der Rechtsgleichheit, des Willkürverbotes und des
Vertrauensschutzes bei der Anwendung einzelarbeitsvertraglicher Bestimmungen
beachtet werden müssen (Poledna, a.a.O., S. 220).
c) Grundsätzlich ist ein zu Unrecht entlassener Mitarbeiter wieder in seine Funktion
einzusetzen. Eine ausdrückliche Bestimmung, wonach einem zu Unrecht Entlassenen
anstelle der Weiterbeschäftigung lediglich eine Abgangsentschädigung zu leisten ist,
kennt die st. gallische Gesetzgebung auch nach dem Erlass des
Staatsverwaltungsgesetzes (sGS 140.1, abgekürzt StVG) nicht (vgl. GVP 1995 Nr. 3
bezüglich der früheren Ordnung). Indes bestimmt Art. 83 StVG, dass bei der Auflösung
von Angestelltenverhältnissen die obligationenrechtlichen Bestimmungen sachgemäss
angewendet werden, soweit durch Verordnung keine weitergehenden
Kündigungsschutzbestimmungen vorgesehen sind.
d) Die Regelung, wonach ein zu Unrecht Entlassener wieder in seine Funktion
einzusetzen ist, erweist sich in der Praxis häufig als problematisch. Zum einen ist das
Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber im Zuge der
Auseinandersetzungen oftmals derart gestört, dass eine weitere Zusammenarbeit mit
Blick auf das öffentliche Interesse am Funktionieren der Verwaltung wenig sinnvoll und
den Beteiligten auch kaum zumutbar ist. Ein Einsatz an einem anderen Ort in der
Verwaltung ist nur selten möglich (Poledna, a.a.O., S. 230). Es wird deshalb häufig im
Interesse des Arbeitnehmers liegen, nicht die Weiterbeschäftigung, sondern lediglich
die Bezahlung einer Entschädigung anzustreben, was auch der vorliegende Fall zeigt.
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Aufgrund dieser Überlegungen entschied das Verwaltungsgericht, dass Art. 336a OR
kraft des Verweises von Art. 83 StVG im öffentlichen Dienstrecht insofern analog
anzuwenden ist, als der Arbeitnehmer unter Berufung auf eine missbräuchliche
Kündigung grundsätzlich die Wahl hat, auf dem Anfechtungsweg die
Weiterbeschäftigung zu erstreiten oder eine Entschädigung von maximal sechs
Monatslöhnen geltend zu machen (VerwGE vom 26. August 2003 i.S. E.Z.). Dabei ist zu
berücksichtigen, dass der Verzicht des Arbeitnehmers auf die Anfechtung der
Kündigung und die Rechtskraft der entsprechenden Verfügung der Beschreitung des
Klagewegs und Geltendmachung einer Entschädigung unter Berufung auf die
Missbräuchlichkeit der Kündigung nicht entgegenstehen. Der betroffene Arbeitnehmer
kann auch unter Verzicht auf eine Anfechtung direkt den Klageweg beschreiten (vgl. E.
M. Jud, Besonderheiten öffentlichrechtlicher Dienstverhältnisse nach schweizerischem
Recht, insbesondere deren Beendigung aus nichtdisziplinarischen Gründen, Diss. St.
Gallen 1975, S. 294 f.). Im weiteren ist klar, dass das Gemeinwesen sich nicht wie ein
privater Arbeitgeber durch Zahlung einer Entschädigung eines Arbeitnehmers
entledigen kann, wenn hierfür keine sachlichen Gründe vorliegen. Insbesondere ist der
öffentliche Arbeitgeber bei der Auflösung des Dienstverhältnisses an die allgemeinen
verfassungsrechtlichen Prinzipien gebunden (VerwGE vom 23. August 2003 i.S. E.Z.
mit Hinweis auf Poledna, a.a.O., S. 230; P. Richli, Öffentliches Dienstrecht im Zeichen
des New Public Management, Bern 1996, S. 101 ff.).
e) Somit ist festzuhalten, dass sich die Klägerin hinsichtlich der geltend gemachten
Missbräuchlichkeit der Kündigung analog auf die Tatbestände von Art. 336 OR berufen
kann. Sollte sich ergeben, dass die Kündigung den vorstehend beschriebenen
Anforderungen nicht genügt, kann sie in sachgemässer Anwendung von Art. 336a OR
zudem eine Entschädigung beanspruchen. Im folgenden ist deshalb die
Rechtmässigkeit der ausgesprochenen Kündigung zu prüfen.
4./ Die Klägerin macht geltend, die Verlängerung der Probezeit sei unzulässig gewesen,
weshalb die Kündigung rechtswidrig gewesen sei.
a) Gemäss Art. 82 StVG kann das Angestelltenverhältnis unter Einhaltung einer
Kündigungsfrist von drei Monaten auf das Ende eines Kalendermonates gekündigt
werden. Vorbehalten bleibt die Kündigung aus wichtigem Grund (Abs. 1). Während der
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Probezeit beträgt die Kündigungsfrist vierzehn Tage (Abs. 2). Art. 83 StVG bestimmt
sodann, dass betreffend den Kündigungsschutz die Bestimmungen des OR
sachgemäss angewendet werden, soweit durch Verordnung keine weitergehenden
Kündigungsschutzbestimmungen vorgesehen sind.
b) Der privatrechtliche Kündigungsschutz schützt Arbeitnehmer und Arbeitgeber
einerseits vor missbräuchlich ausgesprochener Kündigung durch die jeweils andere
Partei (Art. 336 - 336b OR), sowie - nach Ablauf einer allfälligen Probezeit - vor einer
Kündigung zur Unzeit (Art. 336c - 336d OR). Während die Rechtsfolge einer
missbräuchlichen Kündigung grundsätzlich ein Anspruch auf eine durch den Richter
unter Würdigung aller Umstände festzusetzende Entschädigung ist (Art. 336a OR), ist
eine zur Unzeit ausgesprochene Kündigung nichtig und entfaltet damit keinerlei
Wirkung (Art. 336c Abs. 2 OR).
c) Die Kündigung während der Probezeit ist insofern erleichtert, als - wie oben bereits
erwähnt - die Bestimmungen über den Schutz vor Kündigung zur Unzeit keine
Anwendung finden. Um eine Umgehung der Kündigungsschutzbestimmungen zu
verhindern, verbietet Art. 335b Abs. 2 OR die Vereinbarung bzw. nachträgliche
Verlängerung der Probezeit auf mehr als drei Monate. Das Einverständnis des
Arbeitnehmers mit einer mehr als drei Monate betragenden Probezeit hindert ihn nicht,
diese später anzufechten (BGE 109 II 449).
d) Die Klägerin macht geltend, Art. 335b Abs. 2 OR, wonach für Probezeiten eine
Höchstdauer von drei Monaten seit Stellenantritt gilt, finde auch auf ihr
Anstellungsverhältnis Anwendung, weshalb die Probezeit Ende Juni 2004 ausgelaufen,
deren Verlängerung unzulässig und somit widerrechtlich sei.
Aus der Fussnote zu Art. 83 StVG geht hervor, dass sich der Verweis auf die Art. 336 ff.
OR bezieht, also auf die unter dem Titel "Kündigungsschutz" zusammengefassten
Bestimmungen von Art. 336 - 336d OR. Sachgemäss anwendbar in öffentlich-
rechtlichen Dienstverhältnissen sind damit in jedem Fall die Vorschriften über den
Schutz vor missbräuchlicher Kündigung sowie, unter dem Vorbehalt, dass sich das
Angestelltenverhältnis nicht mehr in einer Probezeit befindet, die Vorschriften über den
Schutz vor Kündigung zur Unzeit. Nicht unmittelbar anwendbar auf öffentlich-rechtliche
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Angestelltenverhältnisse sind jedoch mangels Verweises die Vorschriften, welche die
Probezeit betreffen (insbesondere Art. 335b OR).
Das kantonale Recht enthält keine ausdrückliche Regelung über die Verlängerung der
Probezeit. Zu prüfen ist daher, ob Art. 335b Abs. 2 OR, der die Probezeit auf maximal
drei Monate begrenzt und eine Verlängerung ausschliesst, analog anzuwenden ist.
Die privatrechtliche Regelung findet ihre Begründung darin, dass es insbesondere dem
Arbeitgeber nicht möglich sein soll, auf dem Umweg einer langen Probezeit die
Bestimmungen über den Kündigungsschutz, insbesondere über den Schutz vor
Kündigung zur Unzeit (Art. 336c f. OR), zu umgehen (vgl. M. Rehbinder, Berner
Kommentar, Bern 1992, Art. 335b N 2; ders., Basler Kommentar, Basel 1996, Art. 335b
N 1).
Die Verlängerung der Probezeit kann indes auch im Interesse des Arbeitnehmers
liegen, dies insbesondere dann, wenn seine bisherigen Arbeitsleistungen objektiv den
Anforderungen nicht genügten. Art. 86 Abs. 1 StVG sieht im übrigen vor, dass durch
Vertrag eine von den allgemeinen Regeln abweichende Regel getroffen werden kann,
wenn die Umstände es rechtfertigen. Aufgrund des Verhältnismässigkeitsprinzips kann
bei Dienstverhältnissen anstelle der Entlassung als mildere Massnahme die
Verlängerung der Probezeit zweckmässig sein und auch im Interesse des Angestellten
liegen. Die Verlängerung der Probezeit gilt im öffentlichen Dienst-recht im übrigen als
allgemein geübte Praxis (vgl. ZBl 91/1990 S. 229 mit Hinweis). Unter diesen
Umständen rechtfertigt sich eine analoge Anwendung von Art. 335 OR nicht.
e) Entscheidend fällt in Betracht, dass die Klägerin die an sie gestellten Anforderungen
nicht erfüllt hat. Aus der von der Klägerin mitunterzeichneten Zusammenfassung des
Mitarbeitergesprächs vom 29. Juni 2004 geht hervor, dass ihre Arbeitsleistung
bezüglich der Qualität schwere Mängel aufwies, dass sie sich insbesondere nicht
immer an den Reinigungsplan hielt, gewisse Reinigungsarbeiten nur widerwillig
ausführte und auch nach Monaten mit den Reinigungsabläufen nicht vertraut geworden
war. Zudem trug ihr Verhalten in der Gruppe zu Schwierigkeiten mit den anderen
Mitarbeitern bei. Diese Mängel werden von der Klägerin denn auch nicht bestritten.
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Es ist nachvollziehbar, dass die Beklagte das Arbeitsverhältnis nur unter der
Voraussetzung einer verlängerten Probezeit weiterführen wollte. Es bestehen keine
Anhaltspunkte, dass die Beklagte die Probezeit in irgend einer Weise missbräuchlich,
allein unter Ausnutzung der Tatsache, dass sich die Klägerin in der wirtschaftlich
schwächeren Position befand, verlängerte. Die Verlängerung der Probezeit war
vielmehr allein in der mangelhaften Arbeitsleistung der Klägerin begründet. Zudem hat
sich die Beklagte mehrfach bemüht, die Klägerin auf die Unzulänglichkeiten ihrer
Arbeitsleistung hinzuweisen und ihr unmissverständlich erklärt, welche
Verhaltensänderungen sie von ihr erwartet. Das Vorgehen der Beklagten ist unter
diesen Umständen als Entgegenkommen zu werten. Sie hat sich im Sinne des
Verhältnismässigkeitsprinzips für eine mildere Massnahme als die Kündigung
entschieden, obwohl eine solche unzweifelhaft ebenfalls rechtmässig gewesen wäre.
Die einmalige, im Einverständnis mit der Klägerin vereinbarte Verlängerung der
Probezeit war unter diesen Umständen zulässig.
f) Ist somit davon auszugehen, dass die Verlängerung der Probezeit zulässig war und
sich das Anstellungsverhältnis damit im Zeitpunkt der Kündigung in der Probezeit
befand, so gelangen die Vorschriften von Art. 336c f. OR über den Schutz vor
Kündigung zur Unzeit zum Vornherein nicht zur Anwendung. Die Kündigung war damit
trotz bestehender Schwangerschaft der Klägerin zulässig. Da die Kündigungsfrist
während laufender Probezeit lediglich 14 Tage betrug (Art. 82 Abs. 2 StVG), ist die am
15. September 2004 per Ende September ausgesprochene Kündigung wirksam
geworden.
5./ Zu prüfen bleibt im folgenden, ob für die Auflösung des Angestelltenverhältnisses
ein sachlicher Grund vorlag.
a) Das st. gallische Recht enthält keine Regelung über die materiellen Anforderungen
an
eine Kündigung. Indes ist in Lehre und Rechtsprechung unbestritten, dass
Kündigungen, welche gemäss Obligationenrecht missbräuchlich wären, im öffentlichen
Dienstrecht als willkürlich im Sinne von Art. 9 der Bundesverfassung (SR 101) zu gelten
haben (M. Michel, Beamtenstatus im Wandel, Diss. Zürich 1998, S. 299; ZBl 96/1995,
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S. 384 f.). Gestützt auf den Verweis von Art. 83 StVG ist Art. 336 OR sachgemäss
anwendbar. Die Gründe, die zur Kündigung Anlass geben, müssen von einem gewissen
Gewicht sein. Allerdings ist nicht erforderlich, dass sie die Fortsetzung des
Arbeitsverhältnisses als unzumutbar erscheinen lassen; es reicht aus, wenn die
Weiterbeschäftigung des betreffenden Arbeitnehmers dem öffentlichen Interesse,
insbesondere demjenigen an einer gut funktionierenden Verwaltung widerspricht
(Michel, a.a.O.). Es müssen sachliche, vertretbare Gründe sein, so dass die
Beendigung des Arbeitsverhältnisses nicht als Willkürakt erscheint. Den
Verwaltungsbehörden steht beim Entscheid über die Kündigung ein grosser
Ermessens- und Beurteilungsspielraum zu (vgl. anstelle vieler GVP 1995 Nr.
3; Michel, a.a.O., S. 342 f.; ZBl 104/2003, S. 202).
b) Wie erwähnt, hat die Klägerin die an sie gestellten Anforderungen nicht erfüllt (vgl.
oben Erw. 4 e). Diesbezüglich kann auf jene Ausführungen verwiesen werden.
Nachdem die Klägerin auch in der verlängerten Probezeit ihre Leistung nicht wesentlich
verbesserte, erweist sich die Kündigung als sachlich begründet. Es liegen keine
Anhaltspunkte vor, dass die Beklagte die Kündigung allein deshalb aussprach, um die
Entstehung von Ansprüchen der Klägerin zu vereiteln. Da ein sachlicher Grund vorlag,
ist der Einwand der Missbräuchlichkeit der Kündigung haltlos.
6./ Soweit die Klägerin einen Lohnanspruch aus einem bestehenden
Angestelltenverhältnis und aus unrechtmässiger Kündigung geltend macht, ist die
Klage aufgrund der vorstehenden Ausführungen abzuweisen.
Gemäss Art. 97bis Abs. 1 lit. b VRP werden im Beschwerdeverfahren betreffend das
öffentlich-rechtliche Dienstverhältnis in sachgemässer Anwendung von Art. 343 Abs. 3
OR keine amtlichen Kosten erhoben. Diese Bestimmung ist analog auch auf das
Klageverfahren anzuwenden (GVP 2001 Nr. 57). Im vorliegenden Fall ist die
Streitwertgrenze von Fr. 30'000.-- gemäss Art. 343 Abs. 2 OR nicht erreicht, weshalb
keine amtlichen Kosten zu erheben sind.
Die Beklagte stellt ein Begehren um ausseramtliche Entschädigung. Gemäss Art. 98ter
VRP in Verbindung mit Art. 269 lit. b ZPG kann bei Streitigkeiten aus Kündigungsschutz
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im öffentlichen Angestelltenverhältnis die Entschädigung auf erhebliche Reiseauslagen
einer Partei oder ihres Vertreters beschränkt werden (vgl. R. Hirt, Die Regelung der
Kosten nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, Diss. St. Gallen 2004, S.
177 f.). Solche Aufwendungen fielen im vorliegenden Fall nicht an, weshalb keine
Entschädigungen zuzusprechen sind.