# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 4a22374b-a99d-4d3d-a816-4741e6b901a6
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1973,
arbeitete
seit dem
2
9.
Januar 2007 für die
Y._
AG in
Z._
als Mitarbeiter im Kundend
ienst und bei Lieferungen (Urk.
7/23/1-2).
Infolge eines
seit
Juni
2008 bestehenden
lumbovertebralen und lumbospondylogenen Syndroms bei Discopathie L5/S1, leichter Fehlhaltung der Lendenwirbelsäule und ungenügender muskulärer Haltungsstabilisation
(Urk.
7/
9
/6)
war er ab dem 1
0.
Dezember 2008 zu
50
%
arbeitsunfähig
geschrie
ben
(
Urk.
7/9/3
Ziff.
1.6).
Am 3
0.
Dezember 2008
meldete
sich der Versicherte bei der Invalidenversiche
rung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/2).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die persönlichen (
Urk.
7/3),
erwerblichen (Urk.
7/4 und
Urk.
7/7), medizinischen (
Urk.
7/9) und beruflichen (
Urk.
7/10-15) Verhältnisse des Versicherten ab und gewährte ihm
am 1
0.
Juni 2009 eine Frühinterventionsmassnahme
in Form eines Ausbildungskurses
zum Fachinformatiker
(Urk. 7/16
)
, nachdem der Versicherte am 2
5.
Mai 2009 das Arbeitsver
hältnis gekündigt hatte (
Urk.
7/23/8).
In der Folge
teilte ihm die IV-Stelle nach erfolgtem Vorbescheidverfahren
(Urk.
7/19 ff.) mit Verfügung vom 1
5.
September 2009 (
Urk.
7/25) mit, dass er
– abgesehen von der Frühinterventionsmassnahme –
keinen Anspruch auf
sons
tige
Leistungen der Invalidenversicherung habe.
Am 2
2.
März 2011 reichte die
Ehefrau des Versicherten
der IV-Stelle
einen Arztbericht von
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
ein,
wonach der Versicherte an einer bipolaren affektiven Störung leide, sowie
Austrittsberichte
der
psychiatrischen Einrichtung B._
über die vom 13. April bis
6.
Mai 2010 (
Urk.
7/2-5) und vom 2
1.
Juni bis
9.
August 2010
(
Urk.
7/41/6-10)
erfolgten stationäre
n
Aufenthalte
ihres Ehemannes. M
it Mitteilung vom
6.
April 2011 (
Urk.
7/44)
stellte die IV-Stelle dem Versicherten
die Vornahme einer
Begutachtung durch das
Institut C._
,
in Aussicht.
Nachdem der Versi
cherte die Einladung des
Instituts C._
zu einer am 3
1.
Januar 2012 vorgesehenen Be
gutachtung erhalten hatte (
Urk.
7/53), liess er der IV-Stelle durch seine Frau mitteilen, dass sich sein gesundheitlicher Zustand verbessert habe, weshalb er wieder in der Lage sei, eine Arbeit zu
suchen. Aus diesem Grund sagte die Ehe
frau des Versicherten
den Termin für die Begutachtung ab und teilte
der IV-Stelle
mit, dass der Antrag für eine Invalidenrente
nicht mehr aktuell
sei (Urk.
7/54). Nachdem in der Folge
auch eine Untersuchung durch den
Regiona
len Ärztlichen Dienst (RAD)
nicht wie geplant
stattgefunden hatte
(Urk.
7/61-62),
sprach
ihm
die IV-Stelle
nach
erfolgten Vorbescheidverfahren (
Urk.
7/65 ff. und
Urk.
7/75 ff.)
mit Verfügung vom 16.
Oktober 2012 (
Urk.
2)
vom 1.
Dezember 2009 bi
s 29.
Februar 2012 eine Viertelsrente zu.
Seit dem
1.
April 2012 arbeitet der Versicherte zu 100
%
als Systemingenieur (
Urk.
7/73/2 am Anfang).
2.
Gegen die Verfügung vom 1
6.
Oktober 2012
(
Urk.
2)
liess der Versicherte, vertre
ten durch Rechtsanwalt
Dr.
Daniel Richter (
Urk.
4), am
1
5.
November
2012
Beschwerde erheben und beantragen,
es sei ihm
vom
1.
Dezember 2009 bis 2
9.
Februar 2012
eine ganze Invalidenrente zuzusprechen
(
Urk.
1 S. 2 am Anfang). Mit Beschwerdeantwort vom
3.
Januar 2013 schloss die IV-Stelle auf Beschwerdeabweisung (
Urk.
6).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich,
in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
3
Die rückwirkend ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Reduktion abgestufte Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der Leistung und andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung. Letztere setzt voraus, dass Revisionsgründe (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinweisen) vorliegen, wobei der Zeitpunkt der Aufhebung oder Herabsetzung nach Massgabe des analog anwendbaren (AHI 1998 S. 121 E. 1b mit Hinweisen)
Art.
88a
der Ver
ordnung über die Invalidenversicherung
(IVV)
festzuse
tzen ist (vgl. BGE 121 V 264 E.
6b/dd mit Hinweis). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Ände
rung des Invaliditätsgrades eingetreten und damit der für die Befristung oder Abstufung erforderliche Revisionsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Ver
gleich des Sachverhalts im Zeitpunkt der Rentenzusprechung oder des Rentenbeginns mit demjenigen zur Zeit der Aufhebung bzw. Herabsetzung der Rente (BGE 125 V 413 E. 2d am Ende, 369 E. 2, 113 V 273 E. 1a, 109 V 262 E. 4a, je mit Hinweisen; vgl. BGE 130 V 343 E. 3.5).
1.
4
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg
baren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer
den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grund
sätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gut
achten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die
IV-Stelle
ging aufgrund der Berichte der behandelnden Ärzte
und insbeson
dere der Stellungnahme von dipl. med.
D._
, Facharzt für Neurologie sowie Psychiatrie un
d Psychotherapie, zertifizierte
r
medizinische
r
Gutachter SIM und Vertrauensarzt SGV, vom RAD,
davon aus
, dass
ab Dezember 200
8
eine mass
gebliche
Arbeitsunfähigkeit bestand
en habe
.
Ab
Juli 2009
habe
infolge psychi
scher Beschwerden
in einer leidensangepassten Tätigkeit
eine 50%ige Arbeits
unfähigkeit
bestand
en
.
Seit Dezember 2011 sei der Beschwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit wieder zu 100% arbeitsfähig.
Aus
dem
Einkommensvergleich
ergebe sich unter Gewährung eines 10%igen leidensbedingten Abzugs
eine Invalidität von 45
%
,
weshalb der Versicherte nach Ablauf des Wartejahres
und unter Berücksichtigung
von
Art.
88a
Abs.
1 IVV
vom 1.
Dezember 2009
bis
29.
Februar 2012
Anspruch auf eine
Viertelsrente
habe
(
Urk.
2
).
2.2
Dagegen lässt der Versicherte einwenden,
ab Juli 2009
habe gemäss de
n
im Vorbescheidverfahren eingereichten Arztberichte
von
Dr.
med.
E._
, prakti
sche
r
Arzt,
vom
8.
(
Urk.
3/6
=
Urk.
7/59/5-6
) und 1
9.
März 2012 (
Urk.
3/5), von
Dr. med.
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom 1
1.
Juni 2012
(
Urk.
3/4
=
Urk.
7/83
) und
der Gemeinschaftspraxis von Dr.
med.
G._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
und
lic. phil.
H._
,
Fachpsychologin für Psychotherapie FSP,
vom 24.
Juli 2012
(
Urk.
3/3 =
Urk.
7/84
)
weder in der angestammten noch in einer leidensangepassten Tätig
keit eine Arbeitsfähigkeit
bestanden.
Dies ergebe sich auch daraus, dass die Ar
beitslosenversicherung während dieser Zeit von einer fehlenden Vermittlungsfähigkeit ausgegangen sei
, was
auch
der Verfügung de
s
Amtes für Wirtschaft und Arbeit (AWA)
vom
8.
März 2010
entnommen
werden könne
(
Urk.
7/83
)
.
Aus dem Einkommensvergleich, dessen Zahlen nicht bestritten w
ü
rden, ergebe sich somit ein Invaliditätsgrad von 100
%
und
daraus der
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente für den
von der IV-Stelle ermittelten
Zeitraum.
2.3
Unbestritten
und nach der Aktenlage korrekt
sind sowohl
der Beginn der Rente am
1.
Dezember 2009
als auch
deren Aufhebung per Ende Februar 2012
.
Strittig und zu prüfen ist somit
lediglich
, wie hoch die Arbeitsunfähigkeit des Versicherten
in einer leidensangepassten Tätigkeit
von
Juli 2009
bis November 2011 gewesen ist und
ob sich daraus
allenfalls
eine höhere als die von der IV-Stelle ermittelte Invalidität ergibt
.
3.
3.1
Dr.
A._
stellte in seinem Bericht vom
7.
April 2010 (
Urk.
7/41
/1
) die Diag
nose einer bipolaren affektiven St
i
örung, gegenwärtig depressive Episode
. Der Versicherte stehe seit dem
9.
Juli 2009 in seiner Behandlung. Anfänglich habe ein depressives Zustandsbild mit schweren Schlafstörungen bestanden. Eine Be
handlung mit Remeron habe besonders hinsichtlich der Schlafstörungen wenig Verbesserung gebracht, weshalb eine Behandlung mit Stilnox stattgefunden habe.
Der Verlauf habe sich schwierig gestaltet, da es immer wieder zu schnellen Ver
besserungen und
nachfolgenden drastischen Ver
schlechterungen
gekommen sei. Bisher seien als Antidpressiva Remeron, Fluoxetin, Cymbalta und Citalopram versucht worden. Ein Versuch zur Stimmungsstabilisierung mit Lamictal habe wegen Nebenwirkungen abgebrochen werden müssen.
3.2
3.2.1
Die
psychiatrische Einrichtung B._
, wo sich der Versicherte vom 1
3.
April bis
6.
Mai 2010 in stationärer Behandlung befand
, stellte im Austrittsbericht vom 2
5.
Mai 2010
(
Urk.
7/41/2-5
)
die Diagnosen einer mittelgradigen depressiven Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10: F32.10), einer einfachen Hyperaktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (
ADHS;
ICD-1
0: F90.0) sowie einer Pollinose.
Beim Versicherten sei
es
vor dem Hintergrund einer
ADHS
zu einer schleichend depressiven Entwicklung gekommen. Der bei der ADHS typische Wechsel zwi
schen Extremen sei durch die seit der Kündigung weggefallene geregelte Tages
struktur noch unterstützt worden, was zur Entwicklung der Tag-Nacht-Umkehr und der Erschöpfung beigetragen habe, wodurch auch die depressive Sympto
matik verstärkt worden sei. Der Beginn der Fachhochschule habe in diesem Pro
zess eine zusätzliche Belastung dargestellt.
Trotz d
er kurzen Aufenthaltsdauer sei es möglich gewesen, den Tag-Nacht-Rhyth
mus zeitlich nach vorne zu verschieben, wenngleich er noch nicht gänz
lich habe normalisiert werden können. Dabei sei auch zu beachten, dass der Versicherte generell eher der nachtaktive Typ sei. Die Diagnose der ADHS, die psychoedukativen Gespräche über die Symptomatik und das Einordnen der Probleme des Versicherten in diese Störung hätten dazu geführt, dass er wieder mehr den Überblick gewonnen habe, was ihm
Mut und Motivation gegeben habe
. Seine Begeisterungsfähigkeit und seine schnelle Auffassungsgabe hätten ihn dabei unterstützt, womit die depressive Symptomatik rasch abgenommen habe.
Hilfreich sei die geregelte Tagesstruktur des Stationsalltags gewesen, die
dem Versicherten den nötigen Rahmen geboten habe, sich zu orientieren und mit den Kräften „haushalten“ zu können. Deshalb sei die Teilnahme am Pro
gramm der Tagesklinik dringend empfohlen, um weiterhin eine geregelte Ta
ges
-
struktur einhalten zu können.
Weiter sei es wichtig, die ADHS sowohl medikamentös als auch psycho
-
therapeu
tisch fundiert zu behandeln, damit der Versicherte besser auf seine Belastungsgrenzen achten und depressiven Tiefs vorbeugen könne bzw. Strate
gien erarbeite, um darauf reagieren zu können
. Der vorzeitige Austritt mache es
jedoch
unmöglich, über eine diagnostische Phase hinauszukommen
un
d
mit dem Erarbeiten von Strategien zu beginnen.
Der Versicherte sei am
6.
Mai 2010 in die alten Verhältnisse ausgetreten. Am 2
6.
Mai
2010
habe er einen Vorgesprächstermin in der Tagesklinik
I._
. Für die ambulante psychiatrisch-psychotherapeutische Nachbehandlung seien ihm Adressen ausgehändigt worden, unter anderem
die der ADHS-Sprechstunde der p
sychiatrischen
K
linik
J._
. Empfohlen
worden
sei die weitere medikamentöse Einstellung mit Ritalin/Concerta sowie die psychotherapeutische Behandlung der ADH
S.
3.2.2
Im Austrittsberich
t
vom 2
7.
August 2010
über den vom 2
1.
Juni bis
9.
August 2010 erfolgten Aufenthalt
des Versicherten
(
Urk.
7/
41/
6-10) stellte die
psychiatrische Einrichtung B._
die Diagnosen einer mit
telgradigen depressiven Episode
ohne somatisches Syndrom (ICD-10: F32.10), einer
ADHS
(ICD-10: F90.0),
von
Problemen durch negative Kindheitserlebnisse (ICD-10: Z61.0, Z61.2
, Z61.6) sowie einer Pollinose und
ei
nes Asthma bronchiale.
Der Versicherte leide an einer
ADHS
. Auf dem Hintergrund belastender Erleb
nisse in der Kindheit (gewalttätige Mutter, frühzeitiger Verlust des Vaters und dadurch
negativ veränderte Struktur der Familienbeziehungen) bestehe zusätz
lich eine Neigung zur ängstlich-depressiven Verarbeitung von psychosozialen Belastungen. Als Bewältigungsversuch habe der Versicherte früher Drogen ge
nommen. Seit totaler Abstinenz (mit 33 Jahren) bestehe eine vermehrt depres
sive Stimmung mit Gereiztheit und innerer Unruhe. Der erfolgte Klinikaufenthalt sei als Fortsetzung der Behandlung geplant gewesen und
habe
der Stimmungsaufhellung, Stimmungsstabilisierung und dem Erarbeiten von wirksamen Copingstrategien im Umgang mit der ADHS-Störung
gedient
.
Prospektiv sei es wichtig, die ADHS sowohl medikamentös als auch psycho
-
thera
peutisch weiterhin fundiert zu behandeln, damit der Versicherte besser auf seine Belastungsgrenzen achte und depressiven Tiefs vorbeugen könne, respek
tive weitere Strategien erarbeite, um darauf reagie
ren zu können. Als Ressour
cen gä
lten Begeisterungsfähigkeit, eine schnelle Auffassungsgabe, Therapiemo
tivation und eine gute Therapiecompliance. Der Versicherte sei in die alten Verhältnisse entlassen worden, mit einem einmaligen Medikamentenrezept. Ein Erstgespräch mit der Psychiaterin, Prof.
Dr.
med.
K._
, sei
für den 1
7.
August 2010 geplant.
3.3
Im Arztbericht vom
8.
März 2012 (
Urk.
7/59
/1
) stellte
Dr.
E._
die Diagnose eines insulinabhängigen Diabetes mellitus, erst im September 2011 diagnosti
ziert, wobei die Symptome seit 200
6 bestanden hätten, sowie einer
Depression (ICD-10: F32)
, die von 2009 bis 2011 bestanden habe
.
Der Versicherte sei drei
Jahre lang als Mitarbeiter im Kundendienst einer Matratzenfirma tätig ge
wesen, bei welcher er Matratzen ausgeliefert und Bette
n
zusammengebaut habe.
Dabei habe er lange Strecken im Lieferwagen zurückgelegt und häufig schwere Gegenstände auf höhere Etagen getragen. Die dabei entstandenen und zuneh
menden Rückenschmerzen hätten letztendlich dazu
geführt, dass der damalige Haus
arzt eine Umschulung auf eine weniger rückenbelastende Tätigkeit emp
fohlen habe. In diesem Zusammenhang sei eine Anmeldung bei der Invaliden
versicherung erfolgt, deren Ziel nicht eine Rente, sondern die Beihilfe zu einer Umschulung gewesen sei. Die Umschulung zum Informatiker habe im August 2009 begonnen, sei aber aufgrund mehrerer
Absenzen im Dezember 2009 abge
brochen worden. Nach einem erneuten Beginn im August 2010 sei der prakti
sche Teil im Dezember 2010 erneut abgebrochen worden. Den theoretischen Teil der Ausbildung habe
d
er
Versicherte
im Sommer 2011 erfolgreich abgeschlos
sen (
Urk.
7/59/5).
Sehr wichtig in diesem Zusammenhang sei die wahrscheinlich bereits seit 2006
bestehende Diabetes-Symptomatik (zunehmend häufigeres Wasserlösen,
zuneh
mender Durst,
rezidivierender Durchfall, starkes Schwitzen, Müdigkeit, Lustlo
sigkeit usw.). Die Diagnose sei
jedoch erst im September 2011 gestellt worden, als in den Wochen oder Monaten zuvor die Symptome eskaliert seien. Seit der Diagnose und entsprechender Einstellung mit Insulin und einer anschliessenden Erholungsphase fühle sich der Versicherte seit Anfang 2011 wieder bei vollen Kräften und sicherlich arbeits- und vermittlungsfähig. Die wahrscheinlich über Jahre unerkannten Diabetessymptome hätten zu einer deutlichen depressiven Episode geführt, aufgrund derer die Unterbrechungen der Ausbildung erfolgt seien. In den Jahren 2009 und 2010 sei niemandem bekannt gewesen, dass der eigentliche Grund der Schwierigkeiten nicht direkt die Depression, sondern eher der unerkannte Diabetes gewesen sei.
Medizinisch sei sehr wahrscheinlich, dass der nicht erkannte Diabetes zur psychischen Erkrankung geführt habe.
Was die Anmeldung bei
der Invalidenversicherung angehe
, habe der Versicherte klar gemacht, dass er keine Invalidenrente möchte. Auch die damal
igen
Rü
ckenschmerzen seien
kein
Problem
mehr
, da die Ursache (Ausliefern von Mat
ratzen usw.) nicht mehr bestehe. Der Versicherte habe auch deutlich an
Gewicht verloren und damit
ebenfalls sein Wohlbefinden gesteigert. Der Wunsch des Versicherten sei immer eine Rückkehr in den Arbeitspro
zess und die damit ver
bundene finanzielle
Una
bhängigkeit gewesen. Er sei über seinen deutlich bes
seren Gesamt
zustand seit der Diagnose
sowie die Einstellung des Diabetes
er
leichtert
und freue sich auf die Wiedereingliederung in das Arbeitsleben
(
Urk.
7/59/5)
.
3.4
Im Bericht vom 2
4.
Juli 2012
(
Urk.
7/83/6
)
bestätigten
Dr.
G._
und lic. phil.
H._
,
dass sich der Versicherte vom 1
9.
Januar bis 1
4.
Juni 2
011 bei ihnen in psychiatrisch
-psychotherapeutische
r
Behandlung
befunden
habe und während dieser Zeit zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen sei.
Das anschliessende Bestehen einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit vom
7.
Juni bis 1
5.
November
2011 wurde von
Dr.
F._
i
m
ärztlichen Zeugnis vom
11.
Juni
2012
(
Urk.
7/83
/5
)
attestiert
, unter Hinweis
darauf
, dass sich der Versicherte während der gesamten Behandlungsdauer bei ihm in
Behandlung befunden habe.
4.
4.1
Der Verfügung vom 1
6.
Oktober 2012, mit welcher dem Versicherten
vom
1. Dezember 2009 bis 2
9.
Februar 2012 eine Viertelsrente zugesprochen worden war, lag im Wesentlichen die
Beurteilung
von
d
ipl. med.
D._
,
datiert
vom 8.
Mai 2012 (
Urk.
7/74
/2
)
,
zugrunde
.
Anhand der vorhandenen
Berichte
der behandelnden Ärzte und Institutionen
hielt
d
ipl. med.
D._
fest, dass w
ährend der stationären psychi
atri
schen Auf
enthalte existentielle Ängste im Fokus gestanden
hätten. Bei den Austritten aus der Klinik habe der Versicherte die Kriterien für eine depressive Störung nicht erfüllt, jedoch habe er
unter Stimmungsschwankungen, Schlaf- und dadurch bedingt Konzentrationsstörungen gelitten.
Diese Symptome mit vermehrter Müdigkeit liessen sich tatsächlich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit dem unerkannten Diabetes zuordnen.
W
ährend der Klinikaufenthalte
habe
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestan
den
. Ansonsten
sei überwiegend wahrscheinlich
von Juli 2009
bis Ende Novem
ber 2011
von einer 50%igen Arbeits
un
fähigkeit in einer leidensangepassten Tä
tigkeit auszugehen
.
In diesem Zusammenhang sei insbesondere zu berücksichti
gen, dass der Versicherte
die im Rahmen der Frühinterventionsmassnahme ge
währte Ausbildung besucht habe
, was auf das Bestehen einer Restarbeitsfähig
keit schliessen lasse
(
Urk.
7/74/2)
.
4.2
Gemäss den in der Verfügung des AWA vom
8.
März 2010 (
Urk.
7/83) erwähn
ten Zeugnissen hatte
Dr.
A._
den Versicherten in der Zeit vom
9.
Juli bis Ende November 2009 total gut neun Wochen und im hier interessierenden Zeitraum ab Dezember 2009 bis Anfang März 2010 während einzelner Tage ar
beitsunfähig geschrieben. Am 1
5.
März 2010 attestierte er ab
8.
März 2010 prospektiv für vier Wochen eine vollständige Arbeitsunfähigkeit; und am 2
6.
März 2010 erklärte er auf Anfrage, dass der Beschwerdeführer in den Pha
sen zwischen den depressiven Episoden zu 100
%
arbeitsfähig sei (vgl.
Urk.
7/83/3).
Im Bericht vom
7.
April 2010 (
Urk.
7/41/1) äusserte sich
Dr.
A._
nicht zur Arbeitsfähigkeit des Versicherten, doch lässt sich seinen Ausführungen entneh
men, dass der Beschwerdeführer unter schnellen Stimmungsschwankungen litt und
Dr.
A._
zur Stabilisierung des Zustands eine stationäre Behandlung befürwortete. Gemäss Bericht der
psychiatrischen Einrichtung B._
vom 2
5.
Mai 2010 (
Urk.
7/41/2-5) führte der rund dreiwöchige Klinikaufenthalt zu einer massgeblichen Besserung der Symptome, so dass der Beschwerdeführer - auf eigenen Wunsch vorzeitig - in die ambulante Nachbehandlung entlassen werden konnte. Die zweite Hospitalisation in der
psychiatrischen Einrichtung B._
vom 2
1.
Juni bis
9.
August 2010 war offenbar Teil des Behandlungsplans und diente der Stimmungsaufhellung und -stabilisierung sowie dem Erarbeiten von Copingstrategien, damit der Beschwerdeführer seine Gren
zen besser erkennen und allfälligen Stimmungstiefs vorbeugen könne (Bericht vom 2
7.
August 2010;
Urk.
7/41/6-10). Beiden Berichten lassen sich keine Hin
weise darauf entnehmen, dass der Beschwerdeführer nach den Klinikaufenthalten vollständig arbeitsunfähig gewesen wäre, und auch die Diagnosen einer mittelgradigen depressiven Episode und einer ADHS legen eine solche Annahme nicht nahe. Daran ändert der Umstand, dass das AWA am
8.
März 2010 (
Urk.
7/83) ab Dezember 2009 eine Vermittlungsunfähigkeit angenommen hatte, nichts, da diese Verfügung auf den oben erwähnten Berichten von
Dr.
A._
beruhte und sich daraus für die Zeit nach dem Verfügungserlass nichts ableiten lässt. Auch die kurz gehaltenen Berichte von
Dr.
G._
und lic. phil.
H._
vom 2
4.
Juli 2012 (
Urk.
7/83/6) sowie von
Dr.
F._
vom 1
1.
Juni 2012 (
Urk.
7/83/5), in denen ohne Begründung nachträglich eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit attestiert wurde, vermögen nicht zu überzeugen. Vielmehr erscheint die Beurteilung von dipl. med.
D._
, der auf eine durchschnittliche 50%ige Arbeitsunfähigkeit schloss, als angemessen, da sie auch allfälligen Zeiten voll
ständiger Arbeitsunfähigkeit, wie sie
Dr.
A._
von Juli 2009 bis März 2010 tageweise und gelegentlich für ein paar Wochen attestierte, Rechnung trägt.
Es ist somit von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer leidensangepassten Tätigkeit von Juli 2009 bis November 2011 auszugehen.
5.
D
ie von der IV-Stelle
zur
Ermittlung der Invalidität herangezogenen Zahlen und die Gewährung
eines
10
%igen leidensbedingten Abzugs
wer
d
en
im Rahmen der Beschwerde
nicht bestritten und erweisen
sich als korrekt, weshalb
sich bei An
nahme einer 50%igen Arbeitsfähigkeit die
ermittelte 45%ige Invalidität und die Zusprache einer befristeten Viertelsrente
ergibt
.
Die Verfügung der IV-Stelle vom
1
6.
Oktober
201
2
(
Urk.
2
)
ist
somit richtig und die Beschwerde ist abzuweisen.
6
.
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren um die Bewilligung oder die Verweigerung von Invaliditätsleis
tungen vor dem kantonalen Versi
cherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festgelegt.
Die Kosten für das vorliegende Verfahren sind ermessensweise auf
Fr.
600.-- festzulegen und a
usgangsgemäss dem Beschwerdefüh
rer aufzuerlegen.