# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 58fd2141-4ccf-4f30-8ae1-f9e0d645f678
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1931
,
wurde am 2
1.
März 2011 Opfer eines Raub
überfalls (
Urk.
5/22/1 und
Urk.
5/22/3/1). Dabei zog sie sich
ein Schädelhirn
trauma Kategorie 2 mit einer kleinen
Subarachnoidalblutung
temporal links und
Contrecoupherd
temporal rechts, einer Pyramidenlängsfraktur links und einer Jochbeinkontusion links sowie eine Hüftkontusion links (Urk. 5/22/3/3) zu.
Da
die Täterschaft von der Polizei nicht ermittelt werden konnte, wurde von der Ein
leitung eines strafrechtlichen Untersuchungsverfahrens abgesehen (
Urk.
5/22/3/1)
.
1.
2
Am 2
5.
September 2013 (
Urk.
5/1)
stellte
die
Geschädigte bei der Direktion der Justiz und des Innern des Kantons Zürich
, Kantonale Opferhilfestelle,
ein Gesuch um Zusprechung einer Genugtuung im Betrag von
Fr.
50
‘000.--
und einer Ent
schädigung im Betrag von mindestens
Fr.
100'000.-- beziehungsweise von
Fr. 120'000.-- (
Urk.
5/22 S. 3)
für die Folgen der Straftat vom
2
1.
März 201
1
.
Nach Erlass eines Vorbescheids vom
9.
Mai 2017 (
Urk.
5/24) holte die Kantonale Opfer
hilfestelle einen weiteren Arztbericht (
Urk.
5/33) ein und ersuchte die
Geschädigte
mit Schreiben vom 1
1.
Juli 2017 (
Urk.
5/36) ihr bis spätestens 1
8.
Juli 2017 den Namen des Arztes
oder der Ärztin, welcher oder welche
ihr
ein Hörgerät ver
schrieben habe, bekannt zu geben und eine entsprechende Entbindungserklärung
von der beruflichen Schweigepflicht
einzureichen, worauf die Versichert
e die Kantonale Opferhilfestell
e mit Schreiben vom 1
9.
Juli 2017 (
Urk.
5/37) um Frist
erstreckung bis 2
0.
August 2017 ersuchte (
Urk.
5/37).
Mit
(
begründeter) Verfü
gung vom
2
0.
Juli 2017
(
Urk.
5/38
)
sprach
die Kantonale Opferhilfestelle
der Geschädigten für die Folgen der Straftat vom 2
1.
März 2011 eine Genugtuung im Betrag von Fr. 5'000.-- (Dispositiv Ziffer II) zu und verneinte einen Anspruch der Geschädigten auf eine Entschädigung (Dispositiv Ziffer III).
2.
Gegen die Verfügung vom
2
0.
Juli 2017
(
Urk.
2) erhob d
i
e Geschädigte am
1
2.
September
2017
Be
schwerde (
Urk.
1) und beantragte
,
deren Dispositiv Ziffern II und III seien aufzuheben und es seien ihr
für die Folgen der Straftat vom 2
1.
März 2011
eine Genugtuung im Betrag von mindestens Fr. 50'000.-- sowie eine Entschädigung im Betrag von
Fr.
120'000.--
zuzusprechen
(S. 2)
.
Mit Eingabe vom
2
8.
September 2017
(
Urk.
4
) beantragte die Kantonale Opfer
hilfestelle die Abweisung der Bes
chwerde, worauf mit Verfügung vom
2.
Oktober 2017 (
Urk.
6) ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet wurde.
Mit Eingabe vom 2
9.
Januar 2018 (
Urk.
12) beantragte die Beschwerdeführerin die Sistierung des Verfahrens, worauf mit Verfügung vom 1
2.
Februar 2018
(Urk. 13) das Gesuch um Sistierung des Verfahrens abgewiesen wurde.
Mit Ein
gabe vom 1
5.
März 2018 (
Urk.
17) nahm die Beschwerdeführerin ergänzend zum Verfahren Stellung und reichte einen wei
teren Arztbericht (
Urk.
18) ein. Mit
Eingabe vom 2
6.
März 2018 (
Urk.
20)
verzichtete der Beschwerdegegner
auf eine
weitere Stellungnahme
. Dies wurde der
Beschwerdeführer
in
am
2
8.
März 2018
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
21
).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da sich das streitige Ereignis am
2
1.
März 2011
ereig
ne
te, gelangen vor
liegend die mate
riellen Vorschriften des am 1. Januar 2009 in Kraft getrete
nen, totalre
vi
dierten Bundesgesetzes über die Hilfe an Opfer von Straftaten (OHG)
zur Anwendung (
vgl.
Art. 48 OHG).
1.2
Hilfe nach dem OHG er
hält jede Person, die durch eine Straftat in ihrer körperli
chen, sexuellen oder psychischen Integrität unmittelbar beeinträchtigt worden ist
(Opfer), und zwar unabhängig davon, ob die Täterschaft ermittelt worden ist, ob sie vorsätzlich oder fahrlässig gehandelt oder ob sie sich schuld
haft verhal
ten
hat
(Art. 1 Abs. 1 und 3 OHG).
Im revidierten Opferhil
fegesetz wurde der bis
he
rige
gesetzliche Begriff des Opfers unverändert über
nommen (BGE 134 II 33 E. 5.5 mit
Hinweisen).
Der Gesetzgeber hat darauf verzichtet, einzelne Straftatbe
stände zu bezeichnen, die eine Opferstellung bewirken.
1.3
Die Beeinträchtigung muss im Sinne eines natürlichen und adäquaten Kau
sal
zusammenhangs durch die Straftat verursacht worden sein, wobei die im Be
reich des Haftpflichtrechts ergangene Rechtsprechung zum Beweismass beim natür
lichen Kausalzusammenhang auch im Opferhilferecht gilt. Dem
nach gilt diesbe
züglich
das
Beweismass der überwiegenden Wahrschein
lic
h
keit (BGE 128 III 271 E. 2b).
1.4
1.4.1
Gemäss Art. 19 Abs. 1 OHG haben das Opfer und seine Angehörigen An
spruch auf eine Entschädigung für den erlittenen Schaden infolge Beein
trächtigung oder Tod des Opfers, wobei der Schaden laut Abs. 2 dieser Bestimmung, vorbehältlich von Art. 19 Abs. 3 und 4 OHG, nach Art. 45 (Schadenersatz bei Tötung) und Art. 46 (Schadenersatz bei Körperverletzung) des Obligationenrechts (OR) festge
legt wird. In Abs. 3 dieser Bestimmung ist geregelt, dass Sachschaden sowie Schaden, welcher Leistungen der Sofort
hilfe oder der längerfristigen Hilfe nach
Art. 13 OHG auslösen kann, nicht zu berücksichtigen ist. Gemäss Abs. 4 dieser Be
stimmung werden ein Haushalt
schaden und ein Betreuungsschaden nur be
rück
sichtigt, wenn sie zu zusätz
lichen Kosten oder zur Reduktion der Erwerbs
tätigkeit führen.
1.4.2
Leistungen, welche das Opfer von Dritten als Schadenersatz erhalten hat, werden für die Berechnung der Entschädigung auf den Schaden angerechnet (Art. 20 Abs. 1 OHG). Die Entschädigung beträgt höchstens Fr. 120‘000.--; keine Ent
schä
digung wird ausgerichtet, wen
n sie weniger als Fr. 500.--
be
tragen würde (Art. 20 Abs. 3 OHG).
Laut Art. 20 Abs. 2
lit
. a OHG deckt die Entschädigung den Schaden ganz, wenn im Sinne von Art. 6 Abs. 1 und 2 OHG die anrechenbaren Einnahmen der an
spruchsberechtigten Person den massgebenden Betrag für den allge
meinen Lebens
bedarf nicht übersteigen. Laut
lit
. b dieser Bestimmung deckt die Entschädigung den Schaden lediglich anteilsmässig, wenn im Sinne von Art. 6 Abs. 1 und 2 OHG die anrechenbaren Einnahmen der anspruchs
be
rechtigten Person zwischen dem einfachen und dem vierfachen massgeben
den Betrag für den allgemeinen Lebens
bedarf liegen.
Liegen die anrechenbaren Einnahmen der anspruchsberechtigten Person zwischen
dem massgebenden Betrag für den allgemeinen Lebensbedarf (Be
trag ELG) und dem Vierfachen dieses Betrags, so wird die Entschädigung wie folgt berechnet (Art. 3 der Verordnung über die Hilfe an Opfer von Straf
ta
ten, OHV):
Kostenbeitrag
=
Kosten
-
(anrechenbare Einnahmen -
2 x Betrag
ELG) x
Kosten
2 x Betrag
ELG
1.4.3
Nach der Rechtsprechung ist der Begriff des Schadens im Opferhilferecht im Prinzip der gleiche wie im Privatrecht (BGE
133 II 361 E. 4;
131 II 217 E. 4.2). Er entspricht der Differenz zwischen dem gegenwärtigen Vermögensstand und dem Stand, den das Vermögen ohne das schädigende Ereignis hätte (BGE 139 V 176 E. 8.1.1; 132 III 186 E. 8.1) bezie
hungsweise den Einkünften, die nach dem schädigenden Ereignis tatsächlich er
zielt worden
sind und denjenigen, die ohne dieses Ereignis zugeflossen wären (BGE 132 III 324
E. 2.2.1, BGE 131 III 360 E. 5.1 und 6.1; BGE 129 III 18 E. 2.4, BGE 129 III 331 E. 2.1; BGE 127 III 403 E. 4a).
1.4.4
Im Opferhilfeverfahren stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest (Art. 29 Abs. 2 OHG). An die
Substanziierung
eines Gesuchs um Entschä
di
gung
und Genugtuung können daher keine allzu strengen Anforderungen gestellt werden
(BGE 129 II 49 E. 4.1 S. 52; Urteil des Bundesgerichts 1C_32/2010 vom 10. September 2010 E. 3.4 und 3.6.2). Bestehen Hinweise
auf Schadenspositionen, die im Gesuch nicht hinreichend
substanziiert
worden
sind, ist dem Opfer Gele
genheit zu geben, sein Gesuch zu vervollständigten (Urteile des Bundesgerichts 1C_32/2010 vom 10. September 2010 E. 3.4 und 1A.93/2004 vom 2. September 2004 E. 5.4.3). Auf der anderen Seite kann und muss vom Gesuchsteller verlangt werden, dass er, soweit zumutbar, diejenigen Angaben macht, die der Behörde erlauben, den Sachverhalt und die Anspruchsberechtigung näher abzuklären. Die Pflicht der Behörde, den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen, schliesst eine Mitwirkungspflicht des Gesuchstellers nicht aus. Wer ein Gesuch stellt, muss diejenigen Tat
sachen darlegen, die nur ihm bekannt sind oder von ihm mit wes
entlich weniger Aufwand erhoben werden können als von der Behörde. Insbe
sondere muss das Opfer den anspruchsbegründenden Sachverhalt mit hinrei
chen
der Bestimmtheit darlegen und der Behörde diejenigen Angaben liefern, die ihr
erlauben, weitere Erkundigungen einzuholen (Urteil des Bundesgerichts 1C_165/
2014 vom 10. Dezember 2014 E. 4.4 mit Hinweisen).
1.5
1.5.1
Gemäss
Art.
22
Abs.
1 OHG haben d
as Opfer und seine Angehörigen Anspruch auf eine Genugtuung, wenn die Schwere der Be
einträchtigung es rechtfertigt, wobei
die Artikel 47 und 49 des Obligationenrechts
(OR) sinngemäss anwendbar sind. Die Genugtuung ist gemäss
Art.
23
Abs.
1 OHG nach der Schwere der Beein
trächtigung zu bemesse
n
.
Unter Beeinträchtigung ist dabei, wie im Zivil
recht, die Verletzung der
persönli
chen Verhältnisse, beziehungsweise
das kon
krete Ausmass des Eingriffes in die Persönlichkeitsrechte zu verstehen (
Urteil des Bundesgerichts 1C_542/2015 vom 28. Januar 2016 E. 3.2; Peter
Gomm
, Opferhilfegesetz, 3. Aufl., Bern 2009, Art. 23 OHG N 5). Bei der Bestim
mung des Genugtuungsbetrages sind die sub
jektive Empfind
lich
keit der geschä
digten Person sowie der Umstand zu berück
sichtigen, auf welche Weise und wie schwerwiegend sie in ihrer beson
deren Si
tuation von der objek
tiven Schädigung getroffen und in ihrer konkreten Le
bensführung beeinträch
tigt wird. Die Höhe der Genugtuung hängt entschei
dend von der Art und Schwere der Schädigung beziehungsweise von der Schwere der Beeinträch
ti
gung als Folge dieser Schädi
gung sowie von der Aussicht ab, durch die Zahlung eines Geld
betrages den körperlichen oder seelischen Schmerz spür
bar zu lindern (BGE 118 II 410 E. 2a). Weitere Bemessungskriterien für die Höhe der Genug
tuung sind die Intensität und Dauer der Auswirkungen auf die Per
sönlichkeit der be
troffe
nen Person.
1
.5.2
Kriterien, die den Genugtuungsanspruch erhöhen, aber auch reduzieren, ist eben
falls angemessen Rechnung tragen. Zu gewichten sind als wichtigste Krite
rien insbesondere die Leidenszeit, Dauerschmerzen, Komplikationen im Heil
verlauf, beson
dere Auswirkungen auf Beruf, Freizeit und Familienleben, ästhe
tische Schä
den, Pflegebedürftigkeit und Drittabhängigkeit bei besonders schwerer Invali
di
tät und bei Angehörigen der Grad der Verwandtschaft und die Nähe der Bezieh
ung zum Opfer. Sodann können
das Alter des Opfers, die Dauer des Spitalauf
ent
hal
tes, die Schmerzhaftigkeit einer Operation, bleibende und entstellende
Narben, die Auswirkungen auf das berufliche und private Leben, die Intensität und
die Dauer der psychischen Folgen, die Abhängigkeit von Dritten, A
uswir
kungen der Tatwie
derholung und
die fehlende Ermittlung oder Verurteilung
der Täterschaft eine Rolle spielen. Des Weiteren
können
unter an
derem auch
län
gerdauernde Angst
erlebnisse, wie sie beispielsweise bei Frei
heitsberau
bung
en,
Entführungen und Straf
taten gegen die se
xuelle Integrität vorkommen können,
genug
tu
ungs
erhöh
end
berücksichtigt werden
(
Peter
Gomm
,
a.a.O., Art. 23 OHG N 6
).
1.5.3
Bereits unter Geltung des alten Opferhilfegesetzes vom 4. Oktober 1991 in der bis
zum 31. Dezember 2008 geltenden Fassung (
aOHG
) galt gemäss konstanter Recht
sprechung, dass es sich bei der opferrechtlichen Genugtuung um eine staatliche Hilfeleistung handelt (BGE 125 II 173 E. 2b, 556 E. 2a), weshalb die Opfer
hilfe
behörde bei der Prüfung der Angemessenheit einer Genugtuung nicht an das Erkennt
nis des Strafgerichts gebunden ist (Urteil 1C_286/2008 vom 1. April 2009 E. 4 mit Hinweisen). Neu ist im Vergle
ich zur Regelung des
aOHG
insbe
sondere, dass die Genug
tu
ung der Opferhilfe durch Höchstbeträge beschränkt wird. Für das Opfer beträgt sie gemäss Art. 23 Abs. 2
lit
. a OHG höchstens Fr. 70'000.--, für Ange
hörige Fr. 35'000.--. Die Festlegung von Höchstbeträgen führte zu einer klaren Abkoppelung der opferhilferechtlichen von der zivilrechtlichen Genug
tuung (vgl. Peter
Gomm
, a.a.O., Art. 23 OHG N 4). Sie bringt den gesetzge
be
ri
schen Willen zum Ausdruck, bei der Bemessung klar tiefer anzusetzen als die zivil
rechtliche Praxis (
BBl
2005 7226 Ziff. 2.3.2). Die nach Privatrecht üblicher
weise gewährten Beträge können jedoch einen Hinweis darauf geben, welche Beein
trächtigungen höhere
Genugtuungen
rechtfertigen. Der Spielraum bei der Be
messung der Genugtuung im Opferhilferecht ist jedoch deutlich geringer als im Privatrecht (
BBl
2005 7226).
1.5.4
Gemäss der Botschaft des Bundesrates (
BBl
2005 7165
) sind die
Höchstbeträge
von Art. 23 Abs. 2 OHG
für die schwersten Verletzunge
n vorbe
hal
ten, was in der Regel auf zu 100 % Invalide zutrifft. Ausgehend von diesen Überle
gungen ging der Bundesrat davon aus, dass sich die Genugtuungssummen für Opfer, die in ihrer körperlichen Integrität verletzt wurden, in folgenden Band
breiten zu be
wegen haben (
BBl
2005 7227):
-
Fr. 55‘000.-- bis Fr. 70‘000.-- für sehr starke Beeinträchtigungen der Bewe
gungsfähigkeit oder der intellektuellen sowie sozialen Fähigkeiten (beispielsweise
Tetraplegie
)
-
Fr. 40‘000.-- bis Fr. 55‘000.-- für starke Beeinträchtigungen der Bewe
gungsfähigkeit oder der intellektuellen sowie sozialen Fähigkeiten (bei
spielsweise Paraplegie, vollständige Erblindung, Verlust des Gehörs)
-
Fr. 20‘000.-- bis Fr. 40‘000.-- für Beeinträchtigungen der Bewegungs
fähig
keit, Verlust einer wichtigen Funktion oder eines wich
tigen Organs (beispielsweise Hemiplegie, Verlust eines Armes oder eines Beines, sehr starke und schmerzhafte Verletzung der Wirbelsäule, Verlust der Genita
lien oder der Fortpflanzungsfähigkeit, schwere Entstellung)
-
bis zu F
r. 20‘000.-- für weniger schwer
wiegende Beeinträchtigungen (bei
spielsweise Verlust der Nase, eines Fingers, des Geruchs- oder des Ge
schmackssinns)
1.5.5
Um
Opfer mit ausserordentlich schweren Beeinträchtigungen
nicht zu be
nach
teili
gen sowie in Nachachtung der Grundsätze der Rechtsgleich
heit und der Rechts
sicherheit muss d
ie Plafonierung
daher
zwangsläufig zu ei
ner allge
mei
nen
Senkung sämtlicher Genugtuungs
beträge im Vergleich zum Haftpflichtrecht füh
re
n
(Bundesamt für Justiz, Leitfaden zur Bemessung der Ge
nugtuung nach Opfer
hilfe
gesetz, Bern 2008, S. 5; www.bj.admin.ch).
Dies hat zur Folge, dass die Ge
nug
tuung
nach
einer degressiven Skala festzu
setzen ist, die von den im Privat
recht gewährten Beträgen una
bhängig ist. Die im Privat
recht üblicher
weise ge
währten Beträge können jedoch einen Hinweis darauf ge
ben, welche Beein
träch
tigungen
höhere
Genugtuungen
rechtfertigen. Insgesamt sollten die zu
ge
sproche
nen Genug
tuungssummen im Opferhilferecht klar tiefer ausfallen als die gestützt auf das Zivilrecht zugesprochenen Beträge. In Anbe
tracht eines
Medians
der zuge
spro
che
nen zivilrechtlichen
Genugtuungen
im Jahre 2004 von Fr. 5‘000.-- solle der Median der opferhilferechtlichen
Genugtuun
gen
gemäss der Botschaft des Bun
desrates bei ungefähr Fr. 3‘000.-- zu liegen kommen (
BBl
2005 7226).
Der Betrag von Fr. 70'000.-- entspreche ungefähr zwei Dritteln des üblichen haftpflicht
recht
lichen Grundbetrags bei dauernder Invalidität, der bei Fr.
100'000.
angesetzt werde (
BBl
2005 7225 Ziff. 2.3.2). Ein zwingender Au
to
matismus im Sinne einer
«Zwei-Drittel-Regel» ergebe
sich daraus nicht. Viel
mehr
soll
es der Praxis über
lassen wer
den, einen Tarif zu entwickeln (
BBl
2005 7226 Ziff. 2.3.2; Urteil
e
des
Bun
desgerichts 1C_542/2015 vom 28. Januar
2016 E.
4.2
und
1C_583/2016, 1C_585/2016, 1C_586/2016
vom 1
1.
April 2017 E. 4.4).
1.5.6
Für die Beeinträchtigungen der psychischen Integrität
haben
der Bundesrat (
BBl
2005
7227) und das Bundesamt für Justiz (Bundesamt für Justiz, Leitfaden zur
Bemessung der Genugtuung nach Opferhilfegesetz, Bern 2008, S. 11;
www.bj
.
ad
min.ch)
auf Vorschläge für Bandbreiten für die im Vergleich zum Haft
pflicht
recht tieferen
Genugtuungen
nach OHG verzichtet. Der Bundesrat be
gründet dies damit, dass einerseits psychische Beeinträchtigungen mit einer Be
einträch
tigung der physischen oder der sexuellen Integrität einhergehen, wes
halb in diesen Fällen die Bandbreiten für diese Beeinträchtigung massgebend seien. Fälle, in denen eine Straftat ausschliesslich zu einer Beeinträchtigung der psy
chischen Integrität führten, seien sehr selten und sehr unterschiedlich. Mög
lich sei dies etwa bei Entführung, Freiheitsberaubung, Geiselnahme, Raub, Dro
hung. Zudem lägen die im Haftpflichtrecht dafür zugesprochenen
Genugtuun
gen
weit ausein
ander.
1.5.7
Aus
Präjudizien
lassen sich durch Vergleich Anhaltspunkte für die
Beur
teilung der angemessenen Genugtuungs
summe gewinnen (BGE 112 II 131 E. 2; Brehm, a.a.O., N 63 zu Art. 47 OR; Urteil des Bundesgerichts 6S.232/2003 vom 17. Mai 2004 E. 2.1 f.), wobei die Höchstgrenzen nach Art. 23 Abs. 2 OHG und der Be
messungsrahmen des Bundesrates für die einzelnen Bereiche zu berücksichtigen sind (Peter
Gomm
, a.a.O., Art. 23 OHG N 7).
2.
2.1
Der Beschwerdegegner ging in der angefochtenen Verfügung vom
2
0.
Juli 2017 davon aus, dass die Beschwerdeführerin es unterlassen habe, Belege für durch di
e
Straftat entstandene Kosten in der Haushaltsführung und Betreuung einzureichen (
Urk.
2 S. 3), weshalb ein Haushalt
- und Betreuungsschaden nicht erstellt und ein Anspruch auf eine Entschädigung zu verneinen sei (
Urk.
2 S. 4). Bei der Bemes
sung der Genugtuung sei zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin durch die Straftat ein Schädelhirntrauma mit Schädelbruch und eine Jochbeinkontusion erlitten habe, und dass sie in der Folge auf Grund der Straftat unter einer pos
t
traumatischen Belastungsstörung gelitten habe
. Demgegenüber sei ein durch die Straftat verursachter Hörschaden nicht erstellt (Urk
.
2 S. 6). Unter Berücksich
tigung entsprechender opferhilferechtlicher
Präjudizien
erscheine eine Genugtu
ung im Betrag von
Fr.
5'000.-- als angemessen (
Urk.
2 S. 7).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte
hiegegen
vor, dass
eine Auslegung von
Art.
19
Abs. 4 OHG, wonach der Haushalt
schaden nicht nach normativen Kriterien zu bemessen sei, dem Gleichstellungsgebot von Mann und Frau gemäss
Art.
8
Abs.
3 der Bundesverfassung (BV) widerspreche (Urk
.
1 S. 5), und dass im Rahmen eine
r
verfassungskonforme
n
Auslegung
dieser Bestimmung der Haushalt
schaden nicht nur die infolge einer Anstellung einer Haushalthilfe entstandenen tatsächlichen Kosten der Haushaltsführung
,
sondern der wirtschaftliche Wertverlust der Beein
trächtigung in der Haushaltführung zu entschädigen sei (Urk
.
1 S. 5).
Aus diesem Grunde sei ihr eine Entschädigung im Betrag von
Fr.
120'000.-- und eine der erlittenen Unbill entsprechende Genugtuung im Betrag von mindestens Fr. 50'000.-- zuzusprechen (
Urk.
1 S. 7).
Sodann habe der Beschwerdegegner bei Erlass der angefochtenen Verfügung ein von ihr gestelltes Gesuch um Frister
streckung nicht beachtet und damit ihr
en
Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt (
Urk.
1 S. 8), weshalb die angefochtene Verfügung schon aus diesem Grunde aufzuheben sei (
Urk.
1 S. 9).
3.
3.1
Vorerst
gilt es
,
die gerügte Verletzung des rechtlichen Gehörs
zu prüfen
(Urk. 1 S.
8
).
3.2
Die Parteien haben nach Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (BV)
Anspruch auf rechtliches Gehör
. Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist von Amtes wegen zu überprüfen (Art. 29 Abs. 2 BV; Urteil des Bundesgerichts H 4/05 vom 19. April 2005 E. 2).
Das Recht, angehört zu werden, ist formeller Natur. Die Verletzung des rechtlichen Gehörs führt ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Es kommt mit anderen Worten nicht darauf an, ob die Anhörung im konkreten Fall für den Ausgang der materi
el
len Streitentscheidung von Bedeutung ist, das heisst die Behörde zu einer Änderung ihres Entscheides veranlasst wird oder nicht (BGE 132 V 387 E. 5.1; 127 V 431 E. 3d/
aa
).
3.3
Vorbehalten sind
rechtsprechungsgemäss
diejenigen Fälle, in denen diese Ver
letzung nicht besonders schwer wiegt und dadurch geheilt wird, dass die betrof
fene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu
äussern
, die sowohl den Sachverhalt als auch die Rechtslage frei überprüfen kann. Die Hei
lung eines – allfälligen – Mangels soll aber die Ausnahme bleiben (BGE 135 I 279 E. 2.6.1, 125 V 368 E. 4c/
aa
, 124 V 183 E. 4a). Von einer Rückweisung der Sache ist aber selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Ge
hörs abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der
Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer
beförder
li
chen
Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 136 V 117 E. 4.2.2.2 mit Hinweisen).
3.4
Das Recht auf Teilnahme am Beweisverfahren
ist ein wesentlicher Bestandteil
des Anspruchs auf rechtliches Gehör
(Urteils des Bundesgerichts 5P.256/2002 vom
4.
September 2002, E. 2.1).
Gemäss
Art.
29
Abs.
2 OHG gilt der Untersuchungs
grundsatz, wonach die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen feststellt. Dies schliesst aber eine Mitwirkungspflicht des Gesuchstellers nicht aus. Wer ein Gesuch stellt, muss diejenigen Tatsachen darlegen, die nur ihm bekannt sind oder von ihm mit wesentlich weniger Aufwand erhoben werden können als von der Behörde. Insbesondere muss das Opfer den anspruchsbegründenden Sachverhalt mit hinreichender Bestimmtheit darlegen und der Behörde diejenigen Angaben liefern, die ihr erlauben, weitere Erkundigungen einzuziehen (BGE 126 II 97 E. 2
e
mit Hinweisen). Daraus folgt, dass die Rechtsmittelinstanz zusätzliche Abklä
rungen nur vornimmt, wenn aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte hinreichend Anlass dazu besteht (BGE 110 V 48 E. 4a
; Urteil des Bundesgerichts 1A.112/2006 vom 1
9.
September 2006 E.
2.4.2
)
. Der
Verzicht auf die Abnahme weiterer Beweise
stellt dann
keine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör
dar, wenn eine Behörde auf Grund der bereits abgenommenen Beweise ihre Überzeugung gebildet hat
, so
dass
weitere Beweismassnahmen an diesem feststehenden Ergebnis nichts mehr än
dern könnten (antizipierte Beweiswürdigung;
BGE 141 I 60 E. 3.3;
134 I 140 E.
5.3).
3.5
Den Akten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdegegner die Beschwerdeführerin mit Schreiben vom
1.
Juni 2017 (
Urk.
5/27) ersuchte,
ihm
eine Entbindungs
erklärung für
Dr.
med.
Y._
zukommen zu lassen. Diesem Ersuchen ist die Beschwerdeführerin am 1
2.
Juni 2017 (
Urk.
30-31) nachgekommen, wo
rauf der Beschwerdegegner bei
Dr.
Y._
einen Bericht (Bericht vom 1
4.
Jun
i
2017;
Urk.
5/33) einholte. Mit Mail vom
4.
Juli 2017 (
Urk.
5/35) und mit Schreiben vom 1
1.
Juli 2017 (
Urk.
5/36) teilte der Beschwerdegegner der Be
schwer
deführerin mit, dass
ihm
Dr.
Y._
keine Auskunft über
den
straftatbedingten Hörverlust habe geben können, und ersuchte sie, eine erneute Entbindungserklärung desjenigen Arztes oder derjenigen Ärztin, welcher oder welche ihr ein Hörgerät verschrieben hätten, bis spätestens am 1
8.
Juli 2017
einzureichen
. Mit Schreiben vom 1
9.
Juli 2017 (Urk. 5/37) ersuchte die Beschwer
deführerin den Beschwerdegegner um Fris
terstreckung der ihr mit Schrei
b
en
vom 1
1.
Juli 2017 angesetzten Frist bis
zum
2
0.
August 201
7.
Dieses Schreiben traf am 2
0.
Juli 2017 beim Beschwerdegegner ein (vgl.
Urk.
5/37), welcher gleichen
tags die angefochtene Verfügung erliess (
Urk.
2).
Beschwerdeweise bringt die
Beschwerdeführerin vor, dass ihr das nicht als eingeschriebene Postsendung ver
sandte Schreiben des Beschwerdegegners vom 1
1.
Juli 2017 erst am 1
9.
Juli 2017
von der Post
übergeben worden sei (
Urk.
1 S. 8).
3.6
Die Frage, ob der Beschwerdegegner, indem er vor Erlass der angefochtenen Verfügung nicht
vorgängig
über das Gesuch der Beschwerdeführerin um Frist
erstreckung
befunden hatte,
den Anspruch der Beschwerdeführerin auf recht
liches Gehör verletzt
e, kann vorliegend offenbleiben. Denn jedenfalls steht fest, dass
die Beschwerdeführerin im vorliegenden Beschwerdeverfahren die Gelegen
heit hatte,
vor
dem hiesigen Gericht
, welche
s
den Sachverhalt wie auch die Rechts
lage frei überprüfen konnte, umfassend Akteneinsicht zu nehmen und sich zu den diversen Sachverhaltsfeststellungen
des Beschwerdegegners und insbe
son
dere auch zur Frage nach einem straftatbedingten Hörschaden
zu äussern. Unter diesen Umständen ist
, selbst wenn eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör feststünde, von einer Heilung des
Gehörsmangel
s
im Rechts
mittel
verfahren
auszugehen.
4.
4.1
Hinsichtlich der von der Beschwerdeführerin gerügten
unrichtige
n
beziehungs
weise
nicht verfassungskonforme
n
Auslegung
von
Art.
19
Abs.
4 OHG gilt es zu beachten, dass nach
Art.
190 BV Bundesgesetze und Völkerrecht für das Bundes
gericht und die anderen rechtsanwendenden Behörden massgebend
sind, weshalb
Bundesgesetzen weder im Rahmen der abstrakten noch der konkreten Normen
kontrolle die Anwendung versagt werden
kann
. Zwar handelt es sich dabei um ein Anwendungsgebot und kein Prüfungsverbot
,
und es kann sich rechtfertigen, vorfrageweise die Verfassungswidrigkeit
eines Bundesgesetzes zu prüfen. Wir
d
eine solche festgestellt, muss das Gesetz
indes dennoch
angewandt werden. Das Gericht kann
lediglich den Gesetzgeber einladen, die fragliche Bestimmung zu ändern
(BGE 140 I 305 E. 5; 139 I 180 E. 2.2)
.
4.2
Das Gesetz muss in erster Linie aus sich selbst heraus, das heisst nach dem Wortlaut, Sinn und Zweck und den ihm zu
G
runde liegenden Wertungen auf der Basis einer teleologischen Verständnismethode ausgelegt werden. Die Gesetzes
auslegung hat sich vom Gedanken leiten zu lassen, dass nicht schon der Wortlaut die Norm darstellt, sondern erst das an Sachverhalten verstandene und konkre
tisierte Gesetz. Gefordert ist die sachlich richtige Entscheidung im normativen Gefüge, ausgerichtet auf ein befriedi
gendes Ergebnis der
ratio
legis
(
BGE 140 I 305
E. 6.1).
Insbesondere bei jüngeren Gesetzen sind auch die Gesetzesmaterialien zu beachten, wenn sie auf die streitige Frage eine klare Antwort geben und dem Gericht damit weiterhelfen (BGE 140 V 8 E. 2.2.1 mit Hinweisen).
4.3
Die Ermittlung der
ratio
legis
darf nicht nach den eigenen, subjektiven Wert
vorstellungen des Gerichts, sondern hat nach den Vorgaben des Gesetzgebers zu erfolgen. Die Auslegung des Gesetzes ist zwar nicht entscheidend historisch zu orientieren, im Grundsatz aber dennoch auf die Regelungsabsicht des Gesetzge
bers und die damit erkennbar getroffenen Wertentscheidungen auszurichten, da sich die Zweckbezogenheit des rechtsstaatlichen Normverständnisses nicht aus sich selbst begründen lässt, sondern aus den Absichten des Gesetzgebers abzu
leiten ist, die es mit Hilfe der herkömmlichen Ausleg
ungselemente zu ermitteln gilt
(BGE 128 I 34 E. 3b). Sind mehrere Auslegungen möglich, ist jene zu wählen, die den verfassungsrechtlichen Vorgaben am besten entspricht. Die verfassungs
konforme Auslegung hat insbesondere dort ihre Grenze, wo entgegen dem klaren gesetzgeberischen Willen (BGE 138 II 217 E. 4.1
mit Hinweisen) ein (neuer) sozialversicherungsrechtlicher Anspruch geschaffen würde (
BGE 140 I 305 E. 6.2 mit Hinweisen
).
4.4
Der Wortlaut von
Art.
19
Abs.
4 OHG, wonach «
Haushaltschaden und Betreu
ungs
schaden
(..)
nur berücksichtigt
» werden
,
«
wenn sie zu zusätzlichen Kosten oder zur Reduktion der Erwerbstätigkeit führen
»,
ist klar und unmissverständlich. Anspruch auf
eine Entschädigung für einen
Haushaltschaden
hat
ein Opfer demnach nur
, wenn die Folgen der Straftat zu zusätzlichen Kosten oder zu einer
Reduktion der Erwerbstätigkeit
geführt haben.
Zu prüfen ist, ob triftige Gründe dafür vorliegen, dass der Wortlaut nicht den wahren Sinn der Bestimmung wieder
gibt. Solche können sich aus der Entstehungsgeschichte der Bestimmung, aus ihrem Grund und Zweck oder aus dem Zusammenhang mit andern Vor
schriften ergeben (BGE
140 I 305 E. 7.1;
128 V 20 E. 3a).
4.5
Die
Gesetzesmaterialien zum revidierten OHG
stellen
den leistungs
beschrän
kenden Aspekt des Solidaritätsgedankens in den Vordergrund, weshalb inskünftig nur der effektiv eingetretene Schaden relevant sein soll.
Der Bundesrat führte in der Botschaft zum OHG (
BBl
2005 7271) aus, dass es
in der Opferhilfe anders als im H
aftpflichtrecht nicht darum gehe
, das Opfer
finanziell gleich zu stellen wie vor der Straftat,
weshalb
Schäden ohne Vermögenseinbusse
bei der Bestimmung des anrechenbaren Schadens nicht zu berücksichtigen
seien
.
Aus diesem Grunde
sollen
Haushaltschaden und Betreuungsschaden nur berücksichtigt
werden
, wenn
eine Vermögenseinbusse entsteht, sei es durch den Aufwand für die Anstellung einer
Haushalthilfe oder durch die Einkommenseinbusse bedingt durch eine Reduktion der
Erwerbstätigkeit
, weshalb es in
Zukunft nicht
mehr möglich sei
, Haushaltschaden zu entschäd
igen, wenn das Opfer es vorziehe
,
Qualitätsein
bussen oder Mehraufwand in Kauf zu nehmen, oder wenn die Angehörigen
die zusätzliche Arbeit ohne externe Hilfe oder ohne Einschränkung ihrer
Erwerbs
tätigkeit übernehmen
würden.
In der
Bundesversammlung
gingen
Befürworter wie Gegner der Vorlage
davon aus, dass
die Entschäd
igung eines normativen Haushalt
schadens in Zukunft nicht mehr möglich sein werde, dass «
der Haushaltschaden nur mehr dann berück
sichtigt werden
» könne
,
«
wenn für die Betreuung zu Hause zum Beispiel konkret jemand eingestellt
»
werde, was zur
Folge
habe
,
«
dass vor allem Frauen, die die Leistungen zum Beispiel im Haushalt selber erbringen, oder Leute mit tiefem Ein
kommen, die eben diese Vorschussleistungen, zum Beispiel für eine Haushalthilfe, nicht zahlen können, benachteiligt werden
» (Votum
Leutenegger
Oberholzer; Amtl. Bull. NR 2006 1096), dass es bei
der Leistung des Staates gemäss dem
OHG «
um die Unterstützung des Opfers bei der Bewältigung der Folgen einer Straftat
» gehe, dass der Grundgedanke
«
der Solidarität
» zu beachten sei, und dass die «
Abgel
tung einer rein pot
enziellen Vermögensverminderung» «
diesem Grundge
danken widersprechen
» würde (Votum
Amherd
; Amtl. Bull. NR 2006 1096).
Die parlamentarische Debatte zeigt daher klar, dass der Gesetzgeber auf Grund des
Solidariätsgedankens
vom Haftpflichtrecht abweichen wollte und einen norma
tiven Haushaltschaden im Bereich des OHG nicht mehr entschädigen wollte.
4.6
Es steht somit fest, dass nicht nur der Gesetzeswortlaut von
Art.
19
Abs.
4 OHG
,
sondern ebenso der Gesetzeszweck eindeutig auf eine Beschränkung der Ent
schädigung
auf zusätzliche Kosten
,
wie zum Beispiel bei der
Anstellung einer Haushalthilfe
,
oder
auf eine
Reduktion der Erwerbstätigkeit
abzielt.
Art. 19
Abs.
4 OHG kann daher
nicht in dem Sinne
(verfassungskonfor
m)
ausgelegt werden, dass ge
stützt auf diese Bestimmung auch
ein normativer Haushaltschaden zu entschä
digen ist.
4.7
Die Frage, ob
Art.
19
Abs.
4 OHG allenfalls das
Gleichstellungsgebot von Mann und Frau gemäss
Art.
8
Abs.
3 BV
verletzt, kan
n vorliegend indes offenbleiben
. Denn auf Grund der Botschaft des Bundesrates und
d
er parlamentarischen De
batten steht fest, dass sich der Gesetzgeber dieser Problematik bewusst war, jedoch auf Grund des Solidaritätsgedankens unter anderem bei
der Entschä
di
gung des Haushalt
schadens bewusst von der Regelung im Haftpflichtrecht abwei
chen wollte.
Es is
t daher davon auszugehen, dass d
er Gesetzgeber eine allfällige Verfassungswidrigkeit bewusst in Kauf nahm.
Da gemäss
Art.
190 BV die Be
stimmung von
Art.
19
Abs.
4 OHG
jedoch
selbst dann anzuwenden
wäre
, wenn
erstellt wäre, dass sie
verfassungswidrig
wäre
, kann auf eine
vorfragweise Prü
fung der Verfassungswidrigkeit dieser Bestimmung vorliegend verzichtet werden.
5.
5.1
Die am 1
5.
Januar 1931 geborene Beschwerdeführerin
hatte
zum Zeitpunkt der Straftat vom 2
1.
März 2011
das 8
0.
Altersjahr bereits angetreten (
Urk.
5/22/1).
Gemäss ihren Angaben bezog sie eine Altersrente der
Alters- und
Hinterlasse
nenversicherung
(AHV
)
und war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr erwerbstätig (
Urk.
5/22 S.
3). Aus diesem Grunde fällt bei der Beschwerdeführerin eine E
nt
schädigung für einen Haushaltschaden
infolge einer durch die Straftat verursach
ten Reduktion der Erwerbstätigkeit ausser Betracht.
5.2
5.2.1
In ihrem Schreiben an den Beschwerdegegner vom 1
3.
April 2017 (
Urk.
5/22) gab die Beschwerdeführerin an, dass sie
vor
der Straftat vom 2
1.
März 2011 ihren Haushalt nur knapp alleine
habe
besorgen könne
n, dass sie seither dauerhaft auf die Hilfe anderer Personen angewiesen sei, und dass mit diesbezüglichen Kosten zu rechnen sei (S. 3).
5.2.2
Mit Schreiben vom
9.
Mai 2017 (
Urk.
5/24 S. 2) forderte der Beschwerdegegner die Beschwerdeführerin auf, Belege für die Auslagen einer straftatkausalen Haus
halthilfe und Betreuung
einzureichen, und wies die Beschwerdeführerin darauf hin, dass bei einem Unterlassen der Einreichung solcher Belege ein Anspruch auf eine Entschädigung nicht ausgewiesen sei.
In der angefochtenen Verfügung vom 2
0.
Juli 2017
(
Urk.
2 S. 3 f.) führte der Beschwerdegegner aus, dass es die Beschwerdeführerin unterlassen habe, Belege einzureichen, welche zusätzliche straftatkausale Kosten für die Haushalttätigkeit oder Betreuung
belegten, weshalb ein Haushalt
- beziehungsweise Betreuungs
schaden nicht rechtsgenügend erstellt sei.
5.2.3
Beschwerdeweise führte die Beschwerdeführerin aus, dass sie seit dem Raubüber
fall nicht mehr in der Lage sei, ihren Haushalt selbständig zu besorgen und deshalb eine Haushalthilfe beschäftige. Sie stellte in Aussicht, dass sie Belege für die Ausgaben der Haushalthilfe nachreichen werde (
Urk.
1 S. 7). Solche Belege wurden von der Beschwerdeführerin
in der Folge
nicht eingereicht.
Insbesondere reichte die Beschwerdeführerin auch mit ihrer Stellungnahme
vom
15. März 2018 keine
Belege für die Kosten einer Haushalthilfe
(
Urk.
17) ein.
5.3
In Würdigung der gesamten Umstände
sind durch die Straftat vom
2
1.
März 2011
adäquat kausal verursachte zusätzliche Kosten in der Haushaltführung und Be
treuung, insbesondere solche durch die Anstellung einer Haushalthilfe, nicht mit hoher beziehungsweise überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt.
Unter diesen Umständen ist daher nicht zu beanstanden, dass der Beschwerdegegner in der angefochtenen Verfügung vom 2
0.
Juli 2017 einen Anspruch der Beschwerde
führerin auf eine Entschädigung für einen Haushaltschaden im Sinne von
Art.
19
Abs.
4 OHG verneinte.
6.
6.1
Zu prüfen
gilt es im Folgenden die für den
Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Genugtuung
für die Folgen der Straftat vom 2
1.
März 2011 massgebend
en medizinischen Akten
.
6.2
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für
Oto
-
Rhino
-Laryngologie
, stellte in seinem Bericht vom 2
5.
März 2011 (
Urk.
5/22/3/2) die folgenden Diagnosen:
-
Pyramidenlängsfraktur links
-
Jochbeinkontusion links
-
psychische Stressreaktion
Der Arzt erwähnte, dass die Beschwerdeführerin nach der Straftat aus dem linken Ohr geblutet und unter einem Hörverlu
st im linken Ohr gelitten habe,
dass indes keine grössere Perforation des
Trommefells
sichtbar sei. Die
Beschwerdeführerin
leide zudem
unter starken Schmerzen im linken Oberkiefer und im Bereich des Kiefergelenks beim Kauen
und
sei stark verunsichert
. E
s sei eine psychologische Betreuung angezeigt.
6.3
Die Ärzte der Chirurgischen Klinik des Stadtspitals
A._
erwähnten im Austrittsbericht vom 3
0.
März 2011 (
Urk.
5/22/3/3), dass die Beschwerdeführerin
vom 2
1.
bis 3
0.
März 2011 hospitalisiert gewesen sei
und stellte
n
die folgenden Diagnosen (S. 1):
-
Schädelhirntrauma Kategorie 2 mit/bei:
-
kleiner
Subarachnoidalblutung
temporal links
und
Contrecoupherd
temporal rechts
-
Pyramidenlängsfraktur links
-
Quetschwunde parietal links
-
Jochbeinkontusion links
-
Hüftkontusion links
-
arterielle Hypertonie
-
Diabetes mellitus Typ II
-
Osteoporose
Die Ärzte erwähnten, dass eine Bewusstlosigkeit nach der Straftat vom 2
1.
März 2011 nicht ausgeschlossen werden könne. Die durchgeführte
Otoskopie
habe frisches Blut im äusseren Gehörgang gezeigt.
Es sei sodann von einer Perforation des Trommelfells auszugehen (S. 1). Die durchgeführte Computertomographie (CT) habe eine kleine
Subarachnoidalblutung
temporal links und einen
Contre
coupherd
temporal rechts ergeben. Die Verlaufs-CT am Folgetag habe eine
Regredienz
der
Subarachnoidalblutung
, eine Felsenbeinlängsfraktur, ein
Hämato
tympanon
und Blut in den
Cellulae
mastoideae
ergeben. Ein
Pneumencephalon
habe nicht bestanden. Die Beschwerdeführerin sei am 3
0.
März 2011 in gebes
ser
tem Allgemeinzustand nach Hause entlassen worden (S. 2).
6.4
Die Ärzte des Instituts
B._
stellen im Bericht vom 2
4.
Juli 2013
(
Urk.
5/22/8)
fest, dass eine gleichentags durchgeführte Mag
net
resonanz
tomographie (
MRI
) des
Neurokraniums
der Beschwerdeführerin eine rechts
temporobasale
gliale
Läsion, welche am ehesten posttraumatisch sei und einem Contrecoup entspreche, ergebe. Weitere
Traumafolgen
bestünden nicht, insb
esondere auch keine Anhaltspunkte für Scherverletzungen.
6.5
Dr.
med.
Y._
, Fachärztin für
Allgemeine Innere Medizin
,
erwähnte
in ihrer Stellungnahme vom
4.
April 2017 (
Urk.
5/22/7)
, dass die Be
schwerdeführerin infolge des Überfall
s
vom März 2011 an einer posttrau
mati
schen Belastungsstörung mit Panikattacken erkrankt sei, und dass sie deswegen während einer längeren Zeit in psychiatrischer Behandlung gestanden sei. Gegen
wärtig leide sei unter Angstzuständen
, wenn sie am Abend ausser Haus
gehen müsse. Sie könne nach Einbruch der Dunkelheit nur noch mit dem
Personen
wa
gen
und nicht mehr alleine ihr Haus verlassen. Seit dem
Ereignis vom März 2011, bei welchem sie ein Schädelhirntrauma mit Schädelbruch, Verletzung des Hör
nervs und
Trommefellperforation
erlitten habe, sei sie linksseitig dauerhaft auf ein Hörgerät angewiesen. Zudem benötige si
e
auf Grund des erlittenen Kopf
schwartenrisses mit Haarverlust einen Haarersatz. Da
sie
die Behandlung der Beschwerdeführerin erst nach dem Ereignis vom März 2011 aufgenommen habe, könne sie zur Frage nach einer dadurch verursachten Persönlichkeitsverletzung
indes
nicht Stellung nehmen.
Mit Stellungnahme vom 1
4.
Juni 2017 (
Urk.
5/33) führte
Dr.
Y._
aus, dass sie zur Frage nach einem straftatbedingen Hörverlust nicht Stellung nehmen könne,
da sie die Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt des Ereignisses
noch nicht behandelt habe. Anlässlich der Erstkonsultation vom 1
0.
Juli 2013 habe die Be
schwerdeführerin angegeben, zwei Jahre zuvor Opfer eines Raubüberfalls gewor
den zu sein und dabei eine Schädelbasisfraktur und eine Trommelfellruptur erlit
ten zu haben.
Dr.
Y._
empfahl
, diesbezüglich einen Bericht beim Stadtspital
A._
einzuholen.
6.6
Med.
pract
.
C._
, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie
, diag
nostizierte mit Bericht vom 2
6.
Februar 2018 (
Urk.
18) eine posttraumatische Belastungsreaktion und erwähnte, dass die Beschwerdeführerin
seit dem Ereignis vom 2
1.
März 2013
(richtig: 2011)
unter Ängsten leide, tagsüber wenige
r
als in der Dunkelheit. Sie empfinde Angst, wenn jemand im Dunkeln hinter ihr gehe. Aus diesem Grunde vermeide sie
,
abends im Tram zu fahren und versuche alles mit dem Personenwagen zu erreichen (S. 1).
Die Beschwerdeführerin leide unt
er
Gefühlen von Ängsten, innerer
Unruhe, Schreckh
aftigkeit, Vermeidungsverhalten
und emotionaler und vegetativer Aktivierung. Somit seien die drei Hauptsymp
tome der posttraumatischen Belastungsstörung,
nämlich
Intrusionen (Flashbacks),
Konstriktionen (Vermeidungsverhalten, sozialer Rückzug
)
und
Hyperarousal
(Schreck
haftigkeit) erfüllt (S. 2
f.
). Besonders traumatisierend sei der Umstand, dass die Beschwerdeführerin absichtlich durch einen anderen Menschen verletzt worden sei. Ein Risikofaktor für die Entwicklung einer
posttraumatischen Belas
tungsstörung habe sodann das hohe Lebensalter der Beschwerdeführerin darge
stellt (S. 3).
7.
7.1
Dem erwähnten Austrittsbericht der
Ärzte des Stadtspitals
A._
vom 3
0.
März 2011
(vorstehend E.
6.3
)
ist zu entnehmen, dass sich die Beschwerdeführerin an
lässlich der Straftat vom 2
1.
März 2011 unter anderem ein Schädelhirntrauma mit kleiner
Subarachnoidalblutung
temporal links und
einem
Contrecoupherd
tem
poral rechts, mit einer Pyramidenlängsfraktur links
und
mit einer Jochbein
kontusion links zuzog und in der Folge unter einem
Hämatotympanon
,
Bluten aus dem linken Ohr, Blut
ansammlung
in den
Cellulae
mastoideae
sowie
unter
einem H
örverlust im linken Ohr litt
.
Gemäss der Beurteilung durch
Dr.
Z._
vom 2
5.
März 2011
(vorstehend E.
6.2
) habe
die durchgeführte
oto
,
rhino
-,
laryngologische
Untersuchung keine grössere Perforation des Trommel
fells ergeben.
Dr.
Z._
stellte in seinem
Bericht vom 2
5.
März 2011 sodann keinen Hörschaden fest.
Obwohl die
Ärzte des Stadtspitals
A._
einen Hörverlust im linken Ohr
feststellten, stellten sie im Austrittsbericht vom 3
0.
März 2011 keinen dauerhaften beziehungsweise bleibenden Hörschaden fest und erwähnten, dass die Beschwerdeführerin am 3
0.
März 2011 in gebessertem Allge
meinzustand nach Hause entlassen worden
sei
.
7.2
Demgegenüber erwähnte
Dr.
Y._
in ihrer Stellungnahme vom
4.
April 2017 (
vorstehend E.
6.5
), dass die Beschwerdeführerin seit dem Ereignis vom März 2011 dauerhaft auf ein Hörgerät angewiesen
sei
. Diese Beurteilung relativierte
sie indes
in ihrer
nachfolgenden
Stellungnahme vom 1
4.
Juni 2017 (
Urk.
5/33)
. Darin führte sie
aus,
dass sie die
Frage nach einem straftatbedingten
Hörverlust nicht beantworten könne
, da sie die Behandlung der Beschwerde
füh
rerin erst am 1
0.
Juli 2013 aufgenommen habe.
Demzufolge handelt es sich bei der Beurteilung durch
Dr.
Y._
vom
4.
April 2017,
wonach
die Be
schwerdegegnerin seit dem
Ereignis vom März 2011 dauerh
aft auf ein Hörgerät angewiesen sei, lediglich um eine Wi
e
dergabe entsprechender Angab
en durch die Beschwerdeführerin
und nicht um eine
Beurteilung
auf der Grundlage von
Ergebnissen
wissenschaftlich
anerkannter U
ntersuchungsmethode
n. Mangel
s
einer
nachvollziehbaren Begründung vermag die Beurteilung durch
Dr.
Y._
vom
4.
April 2017
daher
nicht zu überzeugen, sodass vorliegend nicht
darauf
abgestellt werden kann.
7.3
Gestützt auf die nachvollziehbaren Beurteilungen durch die
Ärzte des Stadtspitals
A._
und durch
Dr.
Z._
steht daher fest, dass die Beschwerdeführerin sich anlässlich
der Straftat vom 2
1.
März 2011
in somatischer Hinsicht
ein Schädelhirntrauma mit kleiner
Subarachnoidalblutung
,
Contrecoupherd
, ei
ner Pyramidenlängsfraktur
und
einer Jochbeinkontusion
zuzog, dass sie deswegen unter einem vorübergehenden Hörverlust im linken Ohr litt, dass
sie durch die Straftat
indes
keinen
dauerhaften Hörschaden
erlitten hat.
In psychischer Hinsicht ist gestützt auf die Beurteilung durch med.
pract
.
C._
vom 2
6.
Februar 2018 (
vorstehend E.
6.6
)
davon auszugehen, dass die Be
schwer
deführerin auf Grund der Straftat vom 2
1.
März 2011 unter
eine
r
P
osttrauma
tische
n
Belastungs
störung litt.
8.
8.1
Des Weiteren gilt es anhand von
Präjudizien
Anhaltspunkte für die
Beur
teilung der Genugtuungs
summe zu gewinnen. Bei der Bemessung der opferhilfe
rechtli
chen Genugtuung gilt es, wie bereits erwähnt (vorstehend E.
1.5.3-
5
),
die Höchst
grenzen nac
h Art. 23 Abs. 2 OHG und den Be
messungsrahmen des Bun
desrates für die einzelnen Bereiche zu be
rücksichtigen
. Da der gesetzlich festgelegte Höchst
betrag von Fr. 70‘000.-- rund 60 % der im Haftpflichtrecht zugespro
che
nen
Höch
stsummen
der Genugtuung entspricht, sind die im Folgenden erwähnten zivilrechtlichen Genugtuungssummen jeweils um 40
%
zu reduzieren. Nur in diesem reduzierten Umfang können die zivilrechtlichen
Präjudizien
bei der Bemes
sung der vorliegenden opferhilferechtlichen Genugtuung berücksichtigt werden.
8.2
In einem Fall aus dem Jahre 2011 haben zwei jugendliche Schläger zwei 18-jährige Gymnasiasten spitalreif geprügelt. Dabei erlitt eines der Opfer einen Bruch der Augenhöhle und es bestand die Gefahr der Erblindung bei
einer
Ab
lösung der Netzhaut. Das Bezirksgericht Zürich hat dem Opfer eine Genugtuung von Fr. 8‘000.-- zugesprochen (
Hardy
Lando
lt
, Genugtuung bei Körperverlet
zung, in: Klaus Hütte/Hardy
Landolt
, Genugtuungsrecht,
Band 2, St. Gallen 2013, S. 288 Nr. 694). Dies entspricht einer opferhilferechtlichen Genugtuung
im Betrag von Fr. 4’800.-- (Fr. 8‘000.-- x 0.6).
8.3
In einem weiteren Fall aus dem Jahre 2012 prügelten zwei Täter auf einen Auto
fahrer ein und fügten ihm wuchtige Schläge und Fusstritte zu. Dabei erlitt das Opfer ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma, diverse Frakturen im Bereich des rechten
Auges mit der Folge persistierender Doppelbilder und einen Rippen
bruch. Das Ober
gericht des Kantons Zürich sprach dem Opfer eine Genugtuung von Fr. 5‘000.-- zu (
H
ütte/
Landolt
,
a.a.O.
, S. 276 Nr. 725). Dies entspricht einer opfer
hilferechtlichen Genugtuung
i
m Betrag von Fr. 3’000.-- (Fr. 5‘000.-- x 0.6).
8.4
In einem Fall aus dem Jahr 2008 wurde dem Opfer, welches mit der Faust ge
schlagen wurde, mit dem Kopf gegen eine Wand geprallt ist, zu Boden fiel und in bewusstlosem Zustand mit Füssen getreten wurde und dabei einen Nasen
bein
bruch erlitt
und unter anhaltendem posttraumatischen Stress litt,
wobei die Gefahr des Verlustes der Sehfähigkeit und neurologischer Schäden bestand,
eine Genugtuung von
Fr.
7‘000.-- zugesprochen (
H
ütte/
Landolt
,
a.a.O.
, S. 292 Nr. 632).
Dies entspricht einer opferhilferechtlichen Genugtuung im Betrag von Fr. 4’200.--
(Fr. 7‘000.-- x 0.6).
8.5
Das Obergericht des Kantons Zürich hat in einem Fall aus dem Jahre 2009 dem Opfer, welches im Rahmen einer tätlichen Auseinandersetzung von vorne zwei
mal mit der rechten Faust auf den Mund geschlagen wurde,
welchem Fusstritte
zugefügt wurden und welches dabei eine Hirnerschütterung, den Verlust von zwei Zähnen, eine Rissquetschwunde an der Unterlippe und eine Prellung des rechten Ellenbogens erlitt, eine Genugtuung von
Fr.
4’000.-- zugesprochen (
H
ütte/
Lan
dolt
,
a.a.O.
, S. 289 Nr. 349).
Dies entspricht einer opferhilferechtlichen Genug
tuung
im Betrag von Fr. 2’400.-- (Fr. 4‘000.-- x 0.6).
8.6
In einem Entscheid aus dem Jahre 2010 wurde dem Opfer mit einem Rollbrett mit voller Wucht an den Kopf geschlagen. Dem Opfer, welches sich dabei eine
schwere Schädel-Hirnverletzung mit Rissquetschwunde, mit Gehirner
schütte
rung
, mit Frak
tur der Schädelbasis, mit Fraktur der Stirnhöhlen
hinterwand rechts, mit
Orbitadachfraktur
links und mit dislozierter Fraktur des seitlichen
Orbitarahmens
links zugezogen hatte, wurde eine Genugtuung von Fr. 8‘000.-- zugesprochen (Urteil des Bundesgerichts 6B_695/2011 E. A;
Hardy
Landolt
,
a.a.O.
, S. 291 Nr. 529). Dies entspricht einer opferhilferechtlichen Genugtuung
im Betrag von Fr. 4’800.-- (Fr. 8‘000.-- x 0.6).
9.
9.1
Des Weiteren
können auch
Präjudizien
der kantonalen Opferhilfebehörden zur Genugtuung nach dem revidierten OHG (
vgl.
Meret Baumann/Blanca Anabi
tarte/Sandra Müller Gmünder, Genugtuungspraxis Opferhilfe,
Jusletter
vom
1.
Juni 2015
) berücksichtigt werden.
9.2
In einem Fall aus dem Jahre 2009 wurde dem Opfer eines
Handtaschenraub
s
mit Schlag und Sturz auf den Kopf
, bei welchem das Opfer eine
Hirnerschütterung,
eine
Hirnprellung
beziehungsweise
-quetschung,
einen
wahrscheinlich
anhalten
den
vollständigen
Verlust des Geruchssinns (Anosmie), Schwindel,
eine
Hörver
schlechterung,
Gleichgewichtsstöru
ngen, Kopf- und Nackenschmerzen
sowie
psychische Beschwerden
erlitt, eine opferhilferechtliche Genugtuung von
Fr.
5'000.-- zugesprochen (
Baumann/Anabitarte/Müller Gmünder,
a.a.O.
,
S
. 23 Nr. 37).
9.3
In einem weiteren Fall aus dem Jahre 2009 wurde das alkoholisierte Opfer n
ach einem Fussballspiel von einem oder mehreren
Unbekannten niedergeschlagen
. Dabei erlitt das Opfer
ein l
eichtes Schädelhirntrauma
mit
einer
Kontusions
blutung vorne, hinten und links und
mit einer
Blutung an
der
Hirnoberfläche,
eine
Fraktur
des Hinterhauptbeins,
ein
Distorsionstrauma
der Halswirbelsäule (HWS)
Grad I,
eine
Kontusion
der Brustwirbelsäule (BWS)
und litt in der Folge unter einer
Anfälligkeit für Kopfschmerzen
, unter einer eventuell bleibenden
Geschmacks- und Geruchsstörung
und unter einer P
osttraumatische
n Belastungsstörung. Dem
Opfer wurde eine opferhilferechtliche Genugtuung im Betrag von Fr. 6'000.
zugesprochen (
Baumann/Anabitarte/Müller Gmünder,
a.a.O., S. 23 Nr. 42).
9.4
In einem Fall aus dem Jahre 2011 versuchten z
wei Jugendliche
dem betagten Opfer die Handtasche zu entreissen. Dabei stürzte das Opfer
und zog sich
eine
Oberschenkelfraktur
zu
,
welche stationär und anschliessend mittels
Ergotherapie
behandelt wurde. Das Opfer benötigte in der Folge eine Betreuung durch die Spitex sowie eine Gehhilfe und litt
voraussichtlich dauernd
unter einer
einge
schränkte
n Bewegungsfreiheit auf Grund eines abgebrochenen Knochensplitters.
Dem Opfer wurde eine opferhilferechtliche Genugtuung im Betrag von
Fr.
2'500.--
zugesprochen (
Baumann/Anabitarte/Müller Gmünder,
a.a.O., S. 22 Nr. 25).
10.
10.1
In Würdigung der gesamten Umstände gilt es vorliegend zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin, welche am 2
1.
März 2011 Opfer eines Raubes
(
im Sinne von
Art.
140 des Strafgesetzbuches
;
StGB)
wurde,
anlässlich der Straftat ein Schädelhirntrauma sowie eine Pyramidenlängsfraktur mit einer Jochbeinkon
tusion erlitt und in der Folge unter einem vorübergehenden Hörverlust im linken Ohr und unter einer
P
osttraumatischen Belastungsstörung litt.
10.2
In Anbetracht dieser Umstände
sowie in Berücksichtigung der erwähnten
ver
gleichbaren zivilrechtlichen
und opferhilferechtlichen
Präjudizien
erscheint die für die Folgen der Straftat vom 2
1.
März 2011 zugesprochene Genugtuung im
Betrag von
Fr.
5'000.-- als angemessen beziehungsweise im Vergleich zu anderen Fällen eher als grosszügig.
Demzufolge ist die Beschwerde abzuweisen.
Das Gericht
erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Philip
Stolkin
-
Direktion der Justiz und des Innern des Kantons Zürich
-
Eidgenössisches Justiz- und Polizeidepartement, Bundesamt für Justiz
4.