# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 1c65deef-528a-4f89-9203-107b2bf1e531
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Am 5. Februar 1991 wurde von der ELVIA Leben Schweizerische
Lebensversiche
rungs
-Gesellschaft Genf (kurz: ELVIA Leben) die Lebensversicherungspolice Nr.
...
für den 1954 geborenen Versicher
ungsnehmer X._
ausgestellt (Urk. 2/7). Die Police trug den Titel «Gebundene Vorsorgepolice» und den Untertitel «Gemischte Versicherung mit Überschussbe
teiligung» und wurde für eine Laufzeit von 28 Jahren mit Beginn am 1. Januar 1991 und Ablauf am 1. Januar 2019 abgeschlossen.
Versichert wurde
n
im Rah
men der
Hauptversicherung
ein Todesfallkapital (vor Ablauf der Versicherung) oder
ein Erlebensfallkapital
(bei Ablauf der Versicherung)
von
je
Fr. 500'000.-- sowie
im Rahmen von
Zusatzversicherung
en
ein
weiteres
Todesfallkapital (vor Ablauf der Versicherung)
von Fr. 500'000.
-- und
eine
vierteljährliche Rente von Fr. 21
'000.--
im Falle der Erwerbsunfähigkeit
infolge Krankheit oder Unfall
bis längstens zum 1. Januar 2019,
bei einer Prämienbefreiung
ab dem 181.
T
ag und einem Rentenanspruch
ab dem
721.
Tag
(Urk. 2/7
).
2.
Mit Eingabe vom 19. März
2020 erhob X._
Klage beim Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich und beantragte, die Allianz Suisse Lebensversicherungs-Gesellschaft AG sei zu verpflichten, ihm im Zusammenhang mit der Lebensver
sicherung Police-Nr. ...
(ehemals ELVIA Leben,
Y._
) den Betrag von Fr. 435'000.--
nebst Zins zu 5 % seit dem 1. Januar 2019 zu bezahlen; unter Kosten- und Entschädi
gungsfolge zulasten der Beklagten (Urk. 1 S. 2).
Mit Klageantwort vom 15. Mai 2020 beantragte die Beklagte die Abweisung der Klage
, unter Kosten- und Ent
schädigungsfolge zulasten des Klägers
(Urk. 5
S. 2
). Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels hielten die Parteien an ihren Anträgen fest (Replik vom 24. Juni 2020 [Urk. 9
S. 2
] und Duplik vom 13. August 2020 [Urk. 13
S. 2]
).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, nachfolgend eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Der Kläger machte in seiner
Eingabe
vom 19. März 2020 geltend (Urk. 1),
der Gegenstand der Klage
betreffe einzig die Frage, in welcher Höhe ihm
gestützt auf die Lebensversicherungspolice Nr.
...
eine
Überschussbeteiligung
zu
stehe;
diesbezüglich bestehe zwischen den Parteien Uneinigkeit.
Die Beklagte habe mit Bezug auf sämtliche (bestrittenen) Ansprüche des Klägers eine
Verjäh
rungseinredeverzichtserklärung
bis zum 31. Dezember 2020 abgegeben (Urk. 1
Rz
2).
Der Kläger
habe sich im Jahr 1990 als
faktisch selbständig erwerbende Person
Gedanken über die berufliche Vorsorge beziehungsweise die Altersvor
sorge gemacht und sei in diesem Zusammenhang an die E
LVIA, welche zwischen
zeitlich von der Beklagten mit Aktiven und Passiven übernommen worden sei, gelangt. Die ELVIA sei damals von der Generalagentur
Z._
vertreten worden
(Urk. 1
Rz
7 f.)
.
In der Lebensversiche
rungspolice Nr.
...
vom 5. Februar 1991, unterzeichnet von der Agen
tur
ELVIA Leben, Y._,
seien ein Kapital von Fr. 500'000.-- im Todesfall vor Ablauf beziehungsweise im Erlebensfall bei Ablauf sowie eine Erwerbsunfähigkeitsrente infolge Krankheit oder Unfall von Fr. 21'000.--, je quartalsweise zahlbar, zugesichert worden. Zur vorliegend u
m
strittenen Überschussbeteiligung
äussere sich die Police
jedoch nicht. Im Anhang sei auf die damals gültigen allgemeinen Versicherungsbedingungen verwiesen worden, welche einen integrierenden Best
andteil des Vertrags gebildet hätten (Urk. 1
Rz
10 f.)
. Nach Erhalt der Versicherungspolice habe sich der Kläger mit Schreiben vom 19. Februar 1991 an den zuständigen Sachbearbeiter gewandt und festgehalten, dass die mündlich zugesicherte Überschussbeteiligung
im Erlebens
fall
von mindestens Fr. 500'000.-
- nicht erwähnt sei.
Explizit habe der Kläger
im fraglichen Schreiben den Wunsch geäussert, genau zu erfahren, welche
Versiche
r
ungsleistungen versichert seien. Mit dem fraglichen Schreiben habe
er
bezweckt, Transparenz herzustellen, damit zu einem späteren Zeitpunkt jederzeit konkrete Deckungslücken zusätzlich abgesichert werden könnten. Nach Auffassung des Klägers habe es sich beim fraglichen Schreiben um
ein Berichtigungsgesuch im Sinne von Art. 12 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Versicherungsvertrag (Ver
sicherungsvertragsgesetz, VVG)
gehandelt (Urk. 1
Rz
12)
. Der zuständige Sach
bearbeiter
A._
habe das fragliche Schreiben
jedenfalls
als Berichtigungsge
such entgegengenommen u
nd sich mit dem Kläger in Verbindung gesetzt und hinsichtlich der
betraglich
im Schreiben vom 19. Februar 1991 nicht bezifferten Überschussbeteiligung nachgefragt, welche Bestätigung gewünscht werde. Der Kläger habe sich dahingehend geäussert, er wolle von einer zeichnungsberech
tigten Person eine schriftliche Zusicherung der mündlich vereinbarten Versiche
rungssummen erhalten.
Der Generalagent, Herr Y._
, habe
als Vertreter der ELVIA Leb
en
mit Schreiben vom 14. März 1991 gegenüber dem Sachbearbeiter
A._
schriftlich bestätigt, dass der Kläger am 1. Januar 2019 zusätzlich zur vereinbarten Versicherungssumme von Fr. 500'000.-- eine Überschussbeteiligung von Fr. 485'000.--, insgesamt also Fr. 985'000.--, erhalten werde.
Im fraglichen
Schreiben vom 14. März 1991
sei
kein Vorbehalt angebracht worden. Es sei
lediglich darauf hingewiesen worden, dass die genaue Formulierung der Über
schussbeteiligung sich nach dem Nachtrag H
.102.2
01.91 richte; ergänzt
worden sei
der Hinweis mit der Feststellung, dass dies vom Bundesamt vorgeschrieben sei. Das Schreiben vom 14. März 1991 sei dem Kläger übergeben worden und er habe sich mit der schriftlichen Zusicherung einer Überschussbeteiligung von Fr. 485'000.-- abgefunden, obwohl im Rahmen der vorvertraglichen Verhandlun
gen klar darauf hingewiesen worden sei, dass bei Erreichen des ordentlichen Ren
tenalters beziehungsweise am 1. Januar 2019 ein Betrag von einer Million Fran
ken ausbezahlt werden sollte
(Urk. 1
Rz
13-16 und
Rz
20-24)
.
Der Kläger brachte sodann vor, a
m 1. Januar 2019 habe
ihm
die Beklagte ledig
lich die vereinbarte Versicherungssumme von Fr. 500'000.-- und eine Über
schussbeteiligung von Fr. 50'694.20 bezahlt. Die Beklagte vertrete den Stand
punkt, Überschussbeteiligungen würden vertraglich nicht zugesichert und die Anlagerichtlinien gemäss den jeweils gültigen gesetzlichen Vorgaben seien ein
gehalten worden
(Urk. 1
Rz
17)
. Es sei
jedoch
nie explizit darauf hingewiesen worden, dass es sich bei der Überschussbeteiligung lediglich um eine vertraglich nicht zugesicherte Anwartschaft
handle
(Urk. 1
Rz
25)
. Im Nachtrag H.102.2.01
91
sei
auch nicht erwähnt
worden
, dass eine allfällig schriftlich zuge
sicherte Überschussbeteiligung nicht verbindlich sein soll
t
e. Zudem erwecke der Hinweis auf die vom Bundesamt für Privatversicherungswesen genehmig
ten Überschussbeteiligungspläne
den Eindruck, dass die Überschussbeteiligung ge
mäss Gesetz geregelt sei und ein entsprechender
A
nspruch auf eine
solche
be
stehe.
In den ursprü
nglichen Bedingungen H 111.2
01.
89
sei
in Ziffer
2 ebenfalls nicht konkret dargelegt
worden
, wie die Überschussbeteiligung berechnet werde
. Es sei aber zu lesen, die Höhe des Bonus sowie der jeweilige zur Bestimmung seines Barwertes anzuwendende Diskontsatz
würden
in speziellen Nachträgen zur Police festgehalten. Diese speziellen Nachträge seien dem Kläger nie mitgeteilt worden
(Urk. 1
Rz
27 f.)
.
Im Sinne einer
Eventualbegründung trug der Kläger vor, die Beklagte sei gestützt auf den Grundsatz der Vertrauenshaftung für das positive Interesse ersatzpflichtig und gestützt darauf zu verpflichten, den Differenzbetrag von Fr. 435'000.-- zu
züglich Zins zu bezahlen. Die Beklagte habe
ausserdem
während der gesamten Vertragslaufzeit nie darauf hingewiesen, dass eine Überschussbeteiligung von Fr. 485'000.-- nicht angespart werden könne
(Urk. 1
Rz
29 f.).
Die Beklagte habe dem Kläger im August 2008 aufgrund neuer aufsichtsrechtlicher Vorgaben Infor
mationen zur Überschussbeteiligung zugestellt; darin
sei
explizit festgehalten
worden
, dass die beigelegten ergänzenden Bedingungen inhaltlich keine Neue
rungen beinhalten würden.
Dabei habe es sich um eine erneute Zusicherung ge
handelt und der Kläger habe darauf vertrauen dürfen, dass er bei Vertragsablauf eine Überschussbeteiligung von Fr. 485'000.-- erhalten würde (Urk. 1
Rz
32
; vgl. auch Urk. 1
Rz
35
).
Es treffe zwar zu, dass
er
sich bei der ELVIA im Verlauf der 28-jährigen Vertragsdauer einmal nach der Höhe der Überschussbeteiligung er
kundigt habe und die ELVIA ihm mit Schreiben vom 18. März 1997 mitgeteilt habe, dass sich diese auf Fr. 149'927.-- belaufe.
Er
habe dieser Feststellung je
doch keine grössere Bedeutung bei
gemessen, da er von der Rechtsgültigkeit der Zusi
cherung einer Mindestüberschussbeteiligung von Fr. 485'000.-- ausgegangen sei. So
llte dieser Feststellung der EL
V
I
A eine vertragsrelevante Bedeutung zugemes
sen werden, sei die Beklagte im Eventualfall zu verpflichten, dem Kläger eine Überschussbeteiligung von mindestens Fr. 149'927.
--
auszurichten
(Urk. 1
Rz
33 f.)
.
Schlies
slich bemängelte der Kläger
die Intransparenz bei der Ermittlung
der
Über
schussbeteiligung (Urk. 1
Rz
39 ff.) und beantragte, d
ie von der Beklagten in ihrer
Vertragsaufstellung vom 12. Dezember 2018 gemachte Berechnung z
ur Über
schussbeteiligung sei
gutachterlich zu überprüfen
und es sei gutachterlich fest
zustellen, welche Überschussbeteiligung mit einer zulässigen Anlagestrategie in den Jahren 1991 bis 2019 hätte erzielt werden können
(Urk. 1
Rz
49)
.
1.2
Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels führte der Kläger präzisierend aus, er mache einen vertraglichen Erfüllungsanspruch im Zusammenhang mit der streit
gegenständlichen Lebensversicherung geltend, eventualiter einen Schadenersatz
anspruch aus Vertrauenshaftung, sofern und soweit das hiesige Gericht zur Be
urteilung eines solchen Schadenersatzanspruches sachlich z
uständig sei (Urk. 9
Rz
5 f.).
Die Beklagte warf in der Folge die Frage auf, ob das hiesige Gericht überhaupt zur Beurteilung der eingeklagten Streitigkeit zuständig sei. Aus Sicht des Klägers resultiere der eingeklagte vertragliche Erfüllungsanspruch nicht aus dem «streitgegenständlichen» Lebensversicherungsvertrag selber, sondern ledig
lich aus dem Zusammenhang mit der «streitgegenständlichen» Lebensversiche
rung. Der Kläger gehe somit davon aus, dass ausserhalb beziehungsweise neben der «streitgegenständlichen» Lebensversicherung zwischen ihm und der General
agentur eine (separate) Vereinbarung über die per Ablauf der «streitgegenständ
lichen» Lebensversicherung fällige Überschussbeteiligung in der Höhe von Fr. 485'000.-
- abgeschlossen worden sei (Urk. 13
Rz
6). Die Überschussbeteili
gung bei gebundenen Vorsorgeversicherungen mit einem der Versicherungsauf
sicht unterstellten Versicherungsunternehmen bilde nicht explizit Gegenstand der Regelungen in der Verordnung über die steuerliche Abzugsberechtigung für Bei
träge an anerkannte Vorsorgeformen (BVV 3). Es stelle sich daher die Frage, ob
der Anspruch auf Überschussbeteiligung aus einem gebundenen Versicherungs
vertrag überhaupt unter den Anwendungsbereich von Art. 73 Abs. 2
lit
. b BVG falle, insbesondere, wenn der vertragliche Erfüllungsanspruch nicht aus dem ge
bundenen
Vorsorgeversicherungsvetrag
selber abgeleitet werde, sondern aus ei
ner nachträglich von einer Generalagentur erstellten Aufstellung, die inhaltlich vom
policierten
Vertragsinhalt des gebundenen Versicherungsvertrags abweiche. In einem solchen Fall sei der Konnex mit Art. 82 Abs. 2 BVG zumindest formell nicht offensichtlich gegeben (Urk. 13
Rz
8).
2
.
2
.1
Der ins Recht gelegte «Antrag für eine gebundene V
orsorgepolice» (Formular der EL
V
I
A Genf
; Urk. 2/4
) wurde am 18. Dezember 1990 sowohl vom Kläger als auch vom A
genten
A._
, ELVIA Versicherungen, Generalagentur
Z._
(vgl. Urk. 2/4 S. 4
)
,
unterzeichnet.
Bei den vor
geschlagenen Versicherungsleistungen handelte es sich um eine Hauptversiche
rung mit Überschussbeteiligung mit Beginn am 1. Januar 1991 und einer Laufzeit von 28 Jahren
; im
Rahmen der Hauptversicherung
wurde ein Erlebensfallkapital beziehungsweise
ein Todesfallkapital von
jeweils
Fr. 500'000.
-
- vorgesehen.
Darüber hinaus
wurde
n
Zusatzversicherung
en
mit Überschussbeteiligung, eben
falls mit einer Laufzeit von 28 Jahren, vorgesehen; für den Todesfall
wurde
ein konstantes
Kapital von Fr. 500'000.--
und
im Falle der Erwerbsunfähigkeit (bei einer Prämienbefreiung nach 180 Tagen und einem Rentenanspruch nach 720 Tagen)
eine jährliche Rente von Fr. 84'000.--
vorgesehen
. Als Begünstigter im Erlebensfall oder bei Erwerbsunfähigkeit wurde der Vorsorgenehmer (Versiche
rungsnehmer)
vorgesehen
.
2
.
2
Gemäss vertraulichem Bericht des Abschlussagenten
A._
vom 11. Januar 1991
(Urk. 2/6;
der vertrauliche Bericht diente der Information
der
ELVIA
Leben
[vgl. den Vermerk a
uf dem
«
Begleitformular des Antrages
»
der Agentur 25 vom 10. J
anuar 1991; Urk. 2/4 letzte Seite]), sollte die Versicherung dem Zwecke der Absicherung der Familie dienen. Da der Kläger «im BVG nicht versichert» sei, solle damit ein Einkommen von mindestens circa Fr. 80'000.-- für die Familie im Todesfall des Versicherungsnehmers und für ihn eine ebensolche Einkommens
garantie im Invaliditätsfall sichergestellt werden.
2
.
3
a)
In der Folge wurde
der Antrag genehmigt und
von der EL
V
I
A Genf am 5. Februar 1991
die Lebensversicherungspolice Nr.
...
mit dem Titel «Gebundene Vorsorgepolice» und dem Untertitel «Gemischte Versicherung mit Überschussbe
teiligung»
ausgestellt
(Urk. 2/7)
. Als Versicherungsnehmer wurde der K
läger auf
geführt. Sodann wurde eine
Versicherungsdauer
von 28
Jahren
fixiert
,
mit Beginn am 1. Januar 1991 und
Ablauf
am 1. Januar 2019.
Wie bereits im Versi
cherungsantrag wurde betreffend die hier interessierende Hauptversicherungs
leistung im Erlebensfall bei Ablauf der Versicherung ein Kapital von Fr. 500'000.-
-
angegeben.
Es wurde vermerkt, die Police unterstehe den Bestimmungen der Verordnung über die Abzugsberechtigung für Beiträge an an
erkannte Vorsorgeformen (BVV 3).
Zuletzt erfolgte der Hinweis, dass darum ge
beten werde, binnen vier Wochen nach Empfang der Urkunde deren Berichtigung zu verlangen, sollte der Inhalt der Police oder der Nachträge zu derselben mit den getroffenen Vereinbarungen nicht übereinstimmen.
D
ie Dokumente H.189.2 04.90, H
111.2
0
1.89, H 1
53.2 01.89, H 151.2
01.89 und H.102.2
0
1.91
wurden als
integrierende B
estandteile des Vertrages erklärt
.
b)
In den allgemeinen Ve
rsicherungsbedingungen (H.189.2
03.90 [U
rk. 6/1], iden
tisch mit H.189.2
04.90 [vgl. Urk. 2/9
, Bemerkung zu
lit
. a
]) wurde unter anderem festgehalten, Vertragsgrundlagen bildeten die Erklärungen im Antrag und gege
benenfalls im ärztlichen Untersuchungsbericht. Sofern nicht ausdrücklich etwas
anderes
vereinbart werde, unterstehe der Vertrag den vorliegenden, der Police beigelegten allgemeinen Versicherungsbedingungen sowie der schweizerischen Gesetzgebung, insbesondere dem VVG, dem BVG sowie der BVV
3. Der Vertrag sei abgeschlossen, sobald der Versicherte von der Gesellschaft die Annahme-Erklärung des Antrages erhalten habe.
c
)
Im Dokument H
111.2
01.89 (Bedingungen der gemischten Versicherung) wurde unter der Ziffer 2
(«Wie sind Sie am Überschuss
beteiligt?»
)
Folgendes festgehal
ten:
«
Die Überschüsse werden in Form von jährlichen Boni zugeteilt, welche bei Vertragsablauf zahlbar sind. Auf Ihr Begehren wird der Barwert der zugeteilten Boni alle fünf Jahr
e
ausgerichtet, erstmals jedoch frühestens am Ende des zehnten Versicherungsjahres. Bei Tod des Versicherten vor Vertragsablauf wird der zu diesem Zeitpunkt geltende Barwert der bereits zugeteilten aber noch nicht bezo
genen Boni zusammen mit der Versicherungssumme ausbezahlt. Der Bonus wird erstmals am Ende des zweiten Versicherungsjahres und letztmals bei Vertragsab
lauf zugeteilt. Die Höhe des Bonus sowie der jeweilige zur Bestimmung seines Barwertes anzuwendende Diskontsatz werden in speziellen Nachträgen zur Police festgehalten. Der Rückkaufswert der zugeteilten, aber noch nicht bezogenen Boni
entspricht deren Barwert im Zeitpunkt des Rückkaufs. Bei prämienfreier Um
wandlung der Versicherung mit Herabsetzung der Versicherungssumme erlischt jeglicher Anspruch auf weitere Bonuszuteilung
»
(Urk. 6/2).
d
)
Im Dokument H
102.2 01.91 (Nachtrag zu den Versicherungsbedingungen) wurde festgehalten, der Artike
l «Überschussbeteiligung» weich
e ab dem 1. Januar 1991 von den Versicherungsbedingungen wie folgt ab
(Urk. 6/5)
:
Wie sind Sie am Überschuss beteiligt?
Die Berechnung der Überschussbeteiligung basiert auf den Ergebnissen, die auf den effektiven Kosten der versicherten Risiken erzielt worden sind, sowie auf den finanziellen Ergebnissen der ELVIA Leben und erfolgt gemäss den vom Bundesamt für Privatversicherungswesen (BPV) ge
nehmigten Überschussbeteiligungsplänen.
Die Überschussbeteiligung wird jährlich zugeteilt, das erste Mal spätestens bei Ablauf des zweiten Versicherungsjahres.
Im Rahmen der Hauptversicherungen entrichten wir die
geäufneten
Beteiligungen bei Ablauf des Vertrages. Bei den Zusatzversicherungen wird der Anspruch auf Überschussbeteiligung im Erle
bensfall des Versicherten am Ende dieser Versicherungen erworben, wobei allfällig schon ausge
richtete Leistungen abgezogen werden.
Wird die Versicherung aufgehoben oder in eine prämienfreie Versicherung mit herabgesetzten Leistungen umgewandelt, erlischt jeglicher Anspruch auf eine weitere Überschussbeteiligung.
2
.
4
Mit Schreiben vom 19. Februar 1991
(Urk. 2/8)
wandte sich der Kläger an
den Agenten
A._
, da ihm einige Punkte der Lebensversicherungspolice Nr.
...
noch nicht ganz klar seien.
Unter anderem referenzierte der Kläger auf den
Nachtrag H 102.2
01.91 und fragte nach, was damit gemeint sei. Er bitte um einige Vorschläge, wie die Überschussbeteiligung nun genau funkti
onie
re. Es sehe jetzt so aus, als wenn
die ELVIA keinen guten Geschäftsgang mach
e respektive sich verschulde,
keine Überschüsse ausbezahlt würden (Urk. 2/8).
Er erklärte, er wäre froh, wenn der Agent
,
wie im folgenden Beispiel
,
auf 1-2 Seiten etwa Folgendes der Einfachheit halber schreiben könn
t
e:
Herr
X._
ist bei der ELVIA gegen folgendes versichert:
Leben:
Bei Tod erhält seine Frau Fr. 1'000'000.--
Bei Erlebensfall erhält
X._
Fr. 500'000.--
zusätzlich der
Überschussbeteiligung von ca. Fr. xxx.-- im Jahr, d.h. erstmals ab 1993 ca. Fr. xxx.--
Total bis ins Jahr 2019 sollte der Überschuss ca. Fr. xxx.-- betragen.»
2
.
5
Mit Schreiben vom 14. März 1991
(Urk. 2/9)
wandte sich
der Generalagent
Y._
an den Agenten
A._
und nahm
zu den vom Kläger gestellt
en Fragen
Stellung
. Zum Nachtrag H 102.2
01.91
wurde festgehalten, dass
es sich dabei um die genaue Formulierung der Überschussbeteiligung handle. D
ies
sei
vom Bun
desamt vorgeschrieben worden
. Für den Erlebensfall wurden per 1. Ja
nuar 2019 eine Versicherungssumme von Fr. 500'000.-- und eine Überschussbe
teiligung von Fr. 485'000.--, unter Angabe eines Totals von Fr. 985'000.--, aufgeführt.
Dieses Schreiben wurde dem Kläger gemäss seinen eigenen Angabe
n
von
A._
übergeben (Urk. 1
Rz
15).
2
.
6
Gemäss Memo der
Elvia
Versiche
rung, Generalagentur B._
, vom 13. März 1997, erfolgte eine interne Anfrage, da der Aussendienstmitarbeiter am 17. März 1997 einen Termin mit dem Kläger habe und deshalb den Wert bei Ab
lauf plus Überschüsse wissen wolle (Urk. 2/10). Am 17. März 1997 erfolgte die interne Antwort, der voraussichtliche Überschuss bei Ablauf der Versicherung per 1. Januar 2019 belaufe sich auf Fr. 149'927.--. Die Leistung betrage Fr. 500'000.-
- (Memo vom 18. März 1997 [Urk. 2/11]).
3.
3.1
Jeder Kanton bezeichnet ein Gericht, das als letzte kantonale Instanz über Strei
tigkeiten zwischen Vorsorgeeinrichtungen, Arbeitgebern und Anspruchsberech
tigten entscheidet
(Art. 73 Abs. 1 Satz 1 BVG)
. Diese
s Gericht entscheidet auch über
Streitigkeiten mit Einrichtungen, welche sich aus der Anwendung von Arti
kel 82 Absatz 2
BVG
ergeben
(Art. 73 Abs. 1 Satz 2 und Abs. 2
lit
. b BVG). Damit sind auch Einrichtungen der Säule 3a in den Kreis der möglichen Verfahrensbe
teiligten einbezogen (
vgl.
Hürzeler
/
Brühwiler
, Obligatorische berufliche
Vorsoge
,
in: Meyer [Hrsg.], Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht
, Band XIV Soziale Sicherheit, 3. Auflage, Basel 2016,
Rz
254).
3
.2
Gemäss der Lebensversicherungspolice Nr.
...
schloss der Kläger mit der ELVIA
Leben
eine gemischte Versicherung mit Überschussbeteiligung ab (Urk. 2/7). Diese Police unterstand (gemäss Hinweis in der Police) den Bestim
mungen
der Verordnung über die Abzugsberechtigung für Beiträge an an
er
kannte Vorsorgeformen (BVV
3
). Der Kläger leitet seinen Anspruch aus dieser Police beziehungsweise aus einer in der Folge
gemäss Darstellung des Klägers
vorgenommenen Berichtigung
oder Abänderung
der Police ab, womit er einen
direkten vertraglichen Anspruch geltend macht (Urk. 1
Rz
5 und
Rz
12 ff.). Damit ist eine vertragliche Leistungspflicht der Beklagten aus einer gebundenen Vor
sorgeversicherung der Säule 3a nach Art. 82 Abs.
2 BVG
und Art. 1 Abs. 1
lit
.
a der Verordnung über die steuerliche Abzugsberechtigung für Beiträge an an
er
kannte Vorsorgeformen vom 13. November 1985 (BVV
3
) strittig. Solche Strei
tigkeiten
fallen in die sachliche Zuständigkeit d
er Berufsvorsorgegerichte (Art. 73 Abs. 1
lit
.
b BVG
; vgl. die Urteile des Bundesgerichts
9C_172/2019
vom 22. Juli 2019 E. 1.2,
9C_63/2018
vom 9. November 2018 E. 1.1 und
9C_199/2008
vom 19. November 2008 E. 1).
3.3
Die Säule 3a, die in der
bundesrätlichen
Botschaft vom 19. Dezember 1975 als «freiwillige berufliche Vorsorge» bezeichnet und so von der «Selbstvorsorge» der Säule 3b abgegrenzt wird, ergänzt die zweite Säule. Sie ist der zweiten Säule («zweite Säule im engeren Sinne») gleichgestellt und unterscheidet sich von dieser im Wesentlichen durch ihre Freiwilligkeit. Namhafte Bereiche der Säule 3a wie die vorzeitige Ausrichtung von Leistungen, der
Vorbezug
zum Erwerb von Wohn
eigentum oder die Abtretung, Verpfändung und Verrechnung sind in der Säule 3a praktisch gleich geregelt wie in der zweiten Säule bzw. durch Verweis densel
ben Normen unterstellt. Zudem hat die Säule 3a in Bezug auf die zweite Säule nicht nur ergänzende Funktion, sondern ersetzt diese in gewissen Fällen (bei
spielsweise bei
Selbständigerwerbenden
, die keiner Vorsorgeeinrichtung nach Art.
80 BVG angehören
).
Da sich die gebundene Vorsorge aus der zweiten Säule ableitet, hat die Praxis verschieden
tlich subsidiär, soweit die BVV
3 keine ein
schlägigen Bestimmungen enthält
, die Regelunge
n der zweiten Säule beigezogen (BGE 141 V 405 E. 3.2 mit Hinweisen und Beispielen).
Darüber hinaus findet auf die im Rahmen der gebundenen Vorsorge abgeschlos
senen Lebensversicherungen ergänzend das
VVG
Anwendung (
BGE 141 V 405 E. 3.3
).
4
.
4
.1
Die
Abschlüsse der Versicherungsverträge
erfolgen
in der Regel dadurch, dass der Versicherungsinteressent – alleine oder zusammen mit dem Agenten – ein An
tragsformular ausfüllt und der Versicherer den Antrag annimmt. Der Versiche
rungsvertrag kommt durch die Annahmeerklärung zustande. Die Ausstellung und Aushändigung der Police, wozu der Versicherer gehalten ist (Art. 11 Abs. 1 VVG), ist allerdings nicht Gültigkeitserfordernis für das Zustandekommen oder den Fortbestand des Vertrages (Alfred Maurer,
Schweizerisches Privatversicherungs
recht, 2. Aufl.,
Bern 1986 S. 194 ff. und S. 201 f.;
Michael Iten, Der private Ver
sicherungsvertrag: Der Antrag und das Antragsverhältnis unter Ausschluss der Anz
eigepflicht, Freiburg, 1999, S. 33 f.
Rz
99-101
; vgl.
auch
Hasenböhler
, in: Kommentar zum Schweizerischen Privatrecht, Bundesgesetz über den Versiche
rungsvertrag
,
VVG,
[Hrsg.
Honsell
/Vogt/Schnyder], Basel 2001, Art. 11 N 68 ff.
).
Aufgrund der Vorbringen der Parteien und ausweislich der aufgelegten Akten besteht das streitgegenständliche Versicherungsverhältnis z
wischen den Parteien (vgl. Urk. 9
Rz
42 und Urk. 5
Rz
8
f.). Bei der Beklagten handelt es sich um die
selbe juristische Person, welche die ursprüngliche Police ausstellte (ELVIA
Vie
Société
Suisse
d'Assurances
sur
la
Vie
); nach der Sitzverlegung von Genf nach Zürich im Jahr
1999 wurde sie im Jahr 2001 in «
Allianz Suisse
L
ebensversiche
rungs
-Gesellschaft»
umfirmiert und übernahm im Jahr 2002 auf dem Weg der Fusion Aktiven und Passiven der Allianz Lebensversicherung (Schweiz) AG, der Berner Lebensversicherungs-Gesellschaft und der Allianz Suisse Personal Finan
cial AG durch Universalsukzession. Im Jahr 2009 wurde die Firma der Beklagten
mit der Rechtsformbezeichnung «AG» ergänzt (Urk.
2/2).
Unbestritten und ausge
wiesen ist darüber hinaus,
dass die Lebensversicherungspol
ice Nr.
...
dem Kläger im Erlebensfall einen Anspruch auf
ein Kapital von Fr. 500'000.-- sowie
auf eine Überschussbeteiligung
vermittelt
(E. 2.
3 a)
.
4.2
4.2.1
Überschussbeteiligungen resultieren grundsätzlich aus Überschüssen infolge vor
sichtiger Prämienkalkulation. Kapital bildende Lebensversicherungsverträge haben typischerweise eine lange Vertragsdauer, wobei sowohl die Versicherungs
leistungen als auch die Höhe der Prämien bereits bei Vertragsschluss festgelegt werden. Mit der Berechnung der Prämienhöhe legt das Versicherungsunterneh
men zum Voraus einen garantierten Höchstpreis für das Versicherungsprodukt fest. Die Modellbetrachtungen hängen aber von zahlreichen Parametern ab, deren Höhe während der für Lebensversicherungen meist langen Vertragsdauer nur mit grossen Unsicherheiten abschätzbar ist. Die Versicherungsunternehmen errech
nen daher eine während der Vertragsdauer gleichbleibende Durchschnittsprämie. Zudem werden auch die zugesicherten Leistungen bei Vertragsschluss für die ge
samte Vertragsdauer garantiert. Weder eine nachträgliche einseitige Abänderung noch eine einseitige Anpassung dieser Vertragsbestandteile ist möglich. Um den zahlreichen Risiken angemessen Rechnung zu tragen, nehmen die Versicherungs
unternehmen nicht zuletzt auch aus
Solvenzgründen
mittels Einbezug von Si
cherheitszuschlägen eine möglichst vorsichtige Prämienkalkulation vor; eine der
artige vorsichtige Kalkulation ist auch versicherungsaufsichtsrechtlich geboten.
Werden die Prämien vorsorglich in der Weise ausgestaltet, dass sie den tatsäch
lichen Risiko- und Kostenbedarf übersteigen und ergibt sich daraus ein Gewinn des Versicherungsunternehmens, soll der Versicherungsnehmer an diesem Ge
winn beteiligt werden. Bei Überschüssen handelt es sich somit um Erträge, welche mit der Besonderheit der Kapitallebensversicherung zusammenhängen, sodass ei
gentlich vielmehr von einer Rückvergütung von aus Sicherheitsgründen über
höhten Prämienbeiträgen gesprochen werden kann (BGE 140 II 16 E. 2.2; vgl. auch
Andrea Pfleiderer, Die Überschussbeteiligung in der Lebensversicherung, Basler Studien zur
Rechtswissenschaft, Band 76, S. 11-13; Alfred Maurer, Schweizerisches Privatversicherungsrecht, 2. Aufl., Bern 1986 S. 415 f. sowie 3. Aufl., Bern 1995 S. 437 f.; BSK VAG-
Schudel
Trüb, Basel 2013, Art. 36 N 2). Entstehung und Höhe des Überschussanspruchs hängen vom Eintritt eines zu
künftigen ungewissen Ereignisses ab, das heisst vom Erzielen eines Überschusses; es handelt sich demnach um eine bedingte Forderung (
Pfleiderer,
a.a.O., S. 107).
4.2.2
Eine Überschussbeteiligung
wird dem Versicherungsinteressenten im Rahmen ei
nes persönlichen Vorschlags
bereits vor Vertragsschluss
in Aussicht gestellt. Die
ser persönliche Vorschlag mit Beispielrechnungen dient dem Versicherungsinte
ressenten dazu, sich über das ihm angebotene Versicherungsprodukt ein Bild zu machen und eine Vorstellung dafür zu bekommen, wie hoch seine Überschuss
beiträge ausfallen könnten. Die von der Versicherungsgesellschaft zu leistenden Überschuss
bei
träge werden dem Interessenten zwar vor Vertragsschluss vorge
rechnet, anschliessend aber weder im Antragsformular, das der Versicherungsin
teressent seinerseits ausfüllt, noch in der daraufhin von der Versicherungsgesell
schaft ausgestellten Versicherungspolice
wieder aufgenommen
. Selbst die Allge
meinen Versicherungsbedingungen, die dem Versicherungsnehmer ebenfalls
ausgehändigt werden
, nehmen keinen Bezug darauf. Vielmehr gilt für die Über
schussbeteiligung die in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen formulierte (allgemein gehaltene) Bestimmung, die auf den vom Bundesamt für Privatversi
cherung (BPV; heute: Eidgenössische Finanzmarkaufsicht [FINMA]) zu genehmi
genden Überschussplan verweist. Die Beispielrechnungen sollen den Interessen
ten daher zum Vertragsschluss motivieren, werden aber dennoch nicht Bestand
teil des Versicherungsvertrages. Der persönliche Vorschlag oder die sogenannte Offerte der Versicherungsgesellschaft mit den Beispielrechnungen stellt daher le
diglich eine «
invitatio
ad
offerendum
», also eine blosse Aufforderung zur
Offert
stellung
, dar. Der Versicherte kann demnach auch nicht auf Erfüllung der Beispielrechnungen klagen, wenn die Gesellschaft ihre prognostizierten Angaben nicht erreicht (
Pfleiderer,
a.a.O., S. 102 f.).
4.2.3
Entsprechend den vorstehenden Ausführungen enthielt die Lebensversicherungs
police Nr.
...
keine Angabe über die
Höhe d
er
Überschussbeteiligung
, was der Kläger auch selbst einräumt.
Er vertr
itt
jedoch die Auffassung, er habe eine Berichtigung der Police verlang
t und der Generalagent Y._
habe ihm in der Folge eine Überschussbeteiligung in der Höhe von Fr. 485'000.-- zugesi
chert (Urk. 1
Rz
20 ff.).
4
.3
Gemäss Art. 12 VVG (in der bereits im Jahr 1990 gültig gewesenen Fassung) hat der Versicherungsnehmer binnen vier Wochen nach Empfang der Police deren Berichtigung zu verlangen, sofern der Inhalt derselben oder der Nachträge zu derselben nicht mit den getroffenen Vereinbarungen übereinstimmt. Andernfalls gilt der Inhalt der Police als von ihm genehmigt (Abs. 1). Diese Bestimmung ist in ihrem Wortlaut in jede Police aufzunehmen (Abs. 2).
Wird die Frist zur Berichtigung versäumt, gilt nicht mehr das, was vereinbart worden ist, sondern was in der Police steht. Es handelt sich um eine unwiderleg
bare gesetzliche Vermutung (
praesumptio
iuris
et de
iure
). Wird die Hinweispflicht vom Versicherer missachtet, beginnt die gesetzliche Frist von vier Wochen gar nicht zu laufen (Alfred Maurer, a.a.O., 2. Aufl., Bern 1986 S. 202 f. sowie 3. Aufl., Bern 1995 S. 220 f.;
Hasenböhler
, a.a.O., Art. 12 N 39 f. und N 44).
Die Lebensversicherungspolice Nr.
...
enthielt den Hinweis auf das vorgenannte Berichtigungsrecht, womit die gesetzliche Frist von vier Wochen nach Erhalt der Police zu laufen begann.
4
.4
4.4.1
Der Kläger wandte sich zwar mit Schreiben vom 19. Februar 1991 (Urk. 2/8) in
nert der gesetzlichen Frist von vier Wochen an
A._
. Dieses Schreiben ist jedoch nicht als Berichtigungsgesuch zu qualifizieren,
fehlt ihm doch das
erfor
derliche
Berichtigungsbegehren (
vgl.
Hasenböhler
, a.a.O., Art. 12 N 18)
, worauf in E. 4.4.3 zurückzukommen ist
. Des Weiteren setzt die Vornahme einer Korrektur
der Police
durch den Versich
erer voraus, dass beide Vertragspartner Abmachun
gen gewollt haben, die nicht oder nicht richtig in der Police
verurkundet
wurden (
Hasenböhler
, a.a.O., Art. 12 N 27). Was die Parteien bei Vertragsabschluss woll
ten, ist durch Vertragsauslegung zu ermitteln.
Für die Ermittlung des tatsächli
chen Willens ist nicht allein der Wortlaut einer Erklärung massgebend.
Vielmehr indizieren die gesamten Umstände, unter denen sie abgegeben wurde, den inne
ren Willen der erklärenden Parteien. Indizien sind aber auch spätere Tatsachen, namentlich das nachträgliche Verhalten der Parteien (
Urteil des Bundesgerichts
4A_535/2019
vom 27.
April 2020
E. 4.2.2
mit Hinweisen).
Lässt sich eine
tat
sächliche Willensübereinstimmung
nicht feststellen, ist zu prüfen, ob
aufgrund
des Vertrauensprinzips
ein normativer
Konsens zustande
gekommen ist (vgl. Ur
teil des Bundesgerichts 4A_204/2018 vom 31. August 2018 E. 4.1)
.
4.4.2
Der Kläger erhielt
unbestrittenermassen
nebst der Lebensversicherungspolice Nr.
...
weitere Dokumente, welche als integrierende Bestandteile der
selben erklärt wurden.
Klauseln in Allgemeinen Versicherungsbedingungen sind, wenn sie in Verträge übernommen werden, grundsätzlich nach denselben Prinzipien auszulegen wie andere vertragliche Bestimmungen. Entscheidend ist demnach in erster Linie der übereinstimmende wirkliche Wille der Vertragsparteien und in zweiter Linie, falls ein solcher nicht festgestellt werden kann, die Auslegung der Erklärungen der Parteien aufgrund des Vertrauensprinzips. Dabei ist vom Wortlaut der Erklärun
gen auszugehen, welche jedoch nicht isoliert, sondern aus ihrem konkreten Sinn
gefüge heraus zu beurteilen sind. Demnach ist der vom Erklärenden verfolgte Regelungszweck massgebend, wie ihn der Erklärungsempfänger in guten Treuen verstehen durfte und musste. Mehrdeutige Klauseln in allgemeinen Versiche
rungsbedingungen sind nach der
Unklarheitenregel
gegen den Versicherer als de
ren Verfasser auszulegen. Sie gelangt jedoch nur zur Anwendung, wenn sämtli
che übrigen Auslegungsmittel versagen (Urteil des Bundesgerichts 4A_166/2020 vom 23. Juli 2020 E. 3 mit Hinweisen).
Aus dem Dokument H 102.2 01.91 «Nachtrag zu den Versicherungsbedingungen» (Urk. 6/5 re
spektive vorstehende E. 2.
3
d) ergibt sich eindeutig, dass es sich bei der Überschussbeteiligung um eine im Zeitpunkt des Vertragsschlusses noch nicht bestimmbare Grösse und somit um eine Anwartschaft handelt: Es wurde explizit darauf hingewiesen, die Berechnung der Überschussbeteiligung basiere auf den Ergebnissen, die auf den effektiven Kosten der versicherten Risiken erzielt wür
den, sowie auf den finanziellen Ergebnissen der ELVIA Leben; die Berechnung erfolge gemäss den vom Bundesamt für Privatversicherungswesen (BPV; heute FINMA) genehmigten Überschussbeteiligungsplänen. Im Rahmen der Hauptver
sicherungen würden die
geäufneten
Beteiligungen bei Ablauf des Vertrages ent
richtet.
4.4.3
In seinem
Schreiben vom 19. Februar 1991 an
A._
hielt
der Kläger
einlei
tend
fest: «Ich erlaube mir, Sie schriftlich zu kontaktieren, da einige Punkte der Lebensversicherungspolice
Nr.
...
mir noch nicht ganz klar sind».
Da
mit
und mit seinen weiteren Ausführungen
brachte
er zwar zum Ausdruck, dass für ihn noch U
nklarheiten, insbesondere in Bezug auf die Inhalte der
der Police beigelegten Allgemeinen Versicherungsbedingungen
,
bestü
nden, hingegen
nicht, dass der Inhalt der
erhaltenen Lebensversicherungsp
olice den
zuvor mündlich
getroffenen
Vereinbarungen
widersprä
che
.
Vor allem
wurde nicht vorgebracht
, einer der wesentlichen Vertragsbestandteile
des Versicherungsvertrages
sei in der Lebensversicherungspolice Nr.
...
nicht abgebildet worden.
Der Kläger bat darum,
dass ihm einige Vorschläge präsentiert würden
, wie die Überschussbeteiligung nun genau funktioniere. Es sehe jetzt so aus, als
wenn
die ELVIA keinen guten Geschäftsgang mache respektive sich verschulde
,
keine Überschüsse ausbezahlt würden (Urk. 2/8). Dass der Kläger befürchtete, die Über
schüsse könnten infolge eines schlechten Geschäftsgangs ausbleiben, erhellt, dass er d
en Inhalt des Nachtrags H 102.2
01.91 nicht bloss zur Kenntnis genommen, sondern auch richtig interpretiert hatte; es war ihm offensichtlich bewusst, dass die Überschussbeteiligung keine im Vora
us bestimmbare Grösse darstellt
, sondern eine Anwartschaft, welche unter anderem in Abhängigkeit von Ergebnissen des Geschäftsgangs berechnet werden würde. Dieses Bewusstsein lässt sich auch darin erkennen, dass der Kläger um eine Beispielrechnung betreffend die Überschuss
beteiligung bat (
vgl. E. 2.
4
)
.
Es bestehen demnach
keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass es sich beim Schreiben des Klägers vom 19. Februar 1991 um ein Berichti
gungsgesuch
handelte
.
Jedenfalls geht daraus entgegen den klä
gerischen Vor
bringen (vgl. Urk. 1
Rz
12 und Urk. 9
Rz
13) nicht hervor, dass sich der Kläger auf eine mündlich zugesicherte Höhe der Überschussbeteiligung berufen hätte; die Verweisung
auf unbekannte Circa-Beträge («ca. Fr. xxx.--
»
; vgl. E. 2.
4) steht
der Annahme, der Kläger habe um eine Berichtigung eines zuvor mündlich zuge
sicherten Betrages
ersucht
(eine solche Zusicherung ist nicht belegt)
, gar deutlich entgegen.
Der Kläger brachte
ferner
vor,
nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge sei davon auszugehen, dass ein Versicherungsnehmer, der seine Ehefrau und die Kinder im Todesfall vor der Pensionierung absichern und zudem die berufliche Vorsorge regeln möchte, wenn er
das Pensionierungsalter erlebe,
im Erlebensfall minde
s
tens denselben Betrag absichere wie im Todesfall (Urk. 9
Rz
17).
Dieser
Argumen
t
ation
kann nicht gefolgt werden.
Bereits aus dem Vers
icherungsantrag (Urk. 2/4) ergibt
sich, dass
das
gewählte
Versicherungsprodukt
nicht darauf ausgelegt war, dem Versicherten im Erlebensfall dieselbe Summe zu garantieren wie im Todes
fall. Als Hauptversicherung wurde zwar sowohl im Erlebens- als auch
im Todes
fall ein Kapital von
Fr. 500'000.
--
garantier
t.
Als Zusatzversicherungen wur
de ein weiteres Kapital von Fr.
500'000.-- im Todesfall sow
ie eine jährliche Rente von Fr.
84'000.-- nach einer Wartefrist von 720 Tagen mit Prämienbefreiung nach 180 Tagen bei Erwerbsunfähigkeit vorgesehen. Diese
Leistungen wurden auch in die
Police übernommen
(Urk. 2/7).
4.4.4
Der Generalagent Y._
nahm die
–
vom Agenten
A._
an ihn
heran
getragene
–
Bitte des Klägers
zur
Erläuterung seiner Fragen und zur
Abgabe einer Beispielrechnung
betreffend die Überschussbeteiligung
auf und kam ihr
mit dem an den Agenten
A._
gerichteten, in rudimentärer Form verfassten Schrei
ben vom 14. März 1991
nach.
Dabei
handelte es sich
um ein internes Dokument,
welches von vornherein nicht als Berichtigung oder
Police
nnachtrag
qualifiziert
.
Es
schadet
auch nicht,
dass
dem bezifferten Betr
ag der Überschussbeteiligung
weder
der
Zusatz «circa»
noch
«ungefähr»
voran
gestellt
wurde
, wusste
der Kläger
doch
sehr wohl um den Char
akter der Überschussbeteiligung, was er ja auch selbst in seiner Replik vom 24. Juni 2020 einräumt
e
(
Urk. 9
Rz
44
[
er wisse sehr wohl, dass Überschussbeteiligungen unbestimmt seien, weil sie vom zukünftigen Ver
lauf der Börse und anderen zukünftigen Umständen abhingen, weshalb deren Höhe im Vertragszeitpunkt, insbesondere bei einer Vertragslaufzeit von 28 Jah
ren, nicht bekannt sei
]). Der Kläger widerspricht sich somit selbst, wenn er vor
bringt, er habe –
wohlgemerkt
im Wissen um den Charakter der Überschussbetei
ligung – mit der
Anfrage vom 19. Februar 1991
bezweckt
, genaue Kenntnis des Mindestbetrages der Überschussbeteiligung zu erhalten (Urk. 9
Rz
44
);
d
er Cha
rakter der Über
schussbeteiligung schliesst
eine solche
Zusicherung
,
mithin auch
im Sinne
eines Minimalbetrages
,
eben gerade
aus
(vgl. E. 4.2.1).
Damit
geht
auch der Vorwurf
fehl
,
e
s sei nie explizit darauf hingewiesen worden, dass es sich bei der Überschussbeteiligung lediglich um eine vertraglich nicht zugesicherte An
wartschaft handle
(Urk. 1
Rz
25)
.
Zusammenfassend kann
festgehalten werden, dass
der tatsächliche Wille d
er Par
teien
feststellbar ist
und dass sie
sich darüber einig
waren
, dass
sich die Über
schussbeteiligung im Voraus nicht bestimmen l
iess
e
. Der Kläger bat deshalb um
eine Beispielrechnung
.
M
it dieser
Beispielrechnung wurde
jedoch
k
eine
Berichti
gung
(geschweige denn eine
nachträgliche
Abänderung
oder Ergänzung
)
der Lebensversicherungspolice Nr.
...
vorgenommen
.
Eine «berichtigte» Police
(vgl.
Hasenböhler
,
a.a.O., Art. 12 N 36 ff.)
wurde denn auch nie ausgestellt.
Anzufügen ist, dass die Beklagte geltend machte,
der Generalag
ent R. Y._
sei nicht zur Vertretung der Beklagten befugt gewesen
(vgl.
Urk. 5
Rz
38
).
Da das
Schreiben des Generalagenten Y._
vom 14. März 1991
keine Zusicherung enthielt, kann die Frage der Stellvertretung oder die Frage
, ob
sich die Beklagte das Verhal
ten des Generalagenten Y._
g
emäss Art. 34 Abs. 1 VVG (in der bis 31. Dezember 2006 gültigen Fassung)
hätte
a
nrechnen lassen müssen
,
offen
bleiben
.
4.4.5
Dass
es sich bei der
Bezifferung der Überschussbeteiligung nicht
um eine
Zusi
cherung
handelte
und der Kläger dies auch nicht so
verstand
en haben konnte
,
offenbart
schliesslich auch
sein
späteres
Verhalten.
Dem Kläger
wurde anlässlich der Besprechung vom 17. März 1997 mitgeteilt, dass sich
der voraussichtliche Überschuss am 1. Januar 2019 auf Fr. 149'927.--
be
laufe
(
vgl. das Memo vom 18. März 1997 [
Urk. 2/11
]
; Urk. 1
Rz
33
und Urk. 5
Rz
113
).
Es ist nicht aktenkundig, dass der Kläger dagegen protestiert hätte
.
N
ach der Firmenänderung der ELVIA und den Umstrukturierungen bei der Allianz (vgl. Urk. 2/2) wurde die
Police-Nr. ...
unte
r der Police-Nr.
...
fortgeführt (vgl. Urk. 2/12
)
.
D
em Kläger
wurden
von der Be
klagten i
m August 2008 die «Ergänzenden Bedingungen zur Überschussbeteili
gung»
(Ausgabe 01.2007)
zugestellt
, welche vom Kläger vorbehaltlos akzeptiert wurden. In ihrem
Begleitschreiben wies die Beklagte darauf hin, dass sie aufgrund neuer aufsichtsrechtlicher Vorgaben verpflichtet sei, bestimmte Informationen zur Überschussbeteiligung in den Vertragsgrundlagen festzuhalten
(Urk. 2/14)
.
Hierzu ist Folgendes
zu bemerken
: Vor dem 1. Januar 2006 prüfte die Aufsichts
behörde die Verteilung der Überschüsse. Dementsprechend mussten die Gesell
schaften die Überschusspläne der Aufsichtsbehörde zur Genehmigung einreichen. Mit dem Wegfall de
r präventiven Produktekontrolle
entfiel auch die Verpflich
tung, die Überschusspläne der Aufsichtsbehörde zur Genehmigung einzureichen (Botschaft VAG,
BBl
2003 3824 f.).
Damit
musste der Schutz der Versicherten vor Benachteiligungen bei der Überschussverteilung
aber
anderweitig sichergestellt werden.
Seither haben d
ie Versicherungsunternehmen
daher neu
transparent über die Überschusszuteilung zu informieren, indem sie eine jährliche, für die Versi
cherungsnehmer verständliche Abrechnung erstellen, die über die Übe
rschussbe
teiligung Auskunft gibt
(Art. 36 Abs. 2 des Bundesgesetzes betreffend die Auf
sicht über Versicherungsunternehmen; Versicherungsaufsichtsgesetz, VAG). Aus der Abrechnung soll ersichtlich sein, auf welchen Grundlagen der Gewinn be
rechnet, welcher Teil des Gewinns zur
Äufnung
von Rückstellungen verwendet und nach welchem Schlüssel der verbliebene Gewinn unter den
Versicherungen aufgeteilt wird
(Botschaft VAG,
BBl
2003 3825). Die Abrechnung, die von der FINMA nicht genehmigt werden muss, ermöglicht dem Versicherungsnehmer, sich ein Bild über die Entwicklung der Überschussbeteiligung zu machen und bei Zweifeln an der Richtigkeit der festgestellten Werte eine unentgeltliche Prüfung der Werte durch die Aufsichtsbehörde zu verlangen (Art. 92 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 94 VVG). Der Bundesrat hat gestützt auf Art. 36 Abs. 3 VAG Regelungen in Art. 130 (Überschussbeteiligung), Art. 136 (Überschussfonds), Art. 137 (Zutei
lung der Überschüsse) und Art. 138 (Schlussüberschuss) der Verordnung über die
Beaufsichtigung von privaten Versicherungsunternehmen (Aufsichtsverordnung, AVO) getroffen (BSK VAG-
Schudel
Trüb, a.a.O., Art. 36 N 3
; vgl. auch
We
ber/
Baisch
, Versicherungsaufsichtsrecht, 2. Aufl., Bern 2017, § 8 N 26 ff.,
BSK VVG-Pfleiderer, Nachführungsband, Basel 2012, Art. 92
ad
N 4 f. und Art. 94
ad
N 1
).
In Ziffer 5 der «Ergänzenden Bedingungen zur Überschussbeteiligung»
(Urk. 2/14)
wurde im letzten Absatz die Orientierungspflicht gemäss Art. 130
lit
. e AVO explizit erwähnt, welche gemäss Art. 216 Abs. 6 und 14 AVO
(in der dazu
mal geltenden Fassung)
auch für bereits bestehende Verträge umgesetzt werden musste.
Ohne Widerrede des Klägers wurden die «Ergänzenden Bedingungen zur Überschussbeteiligung» Vertragsbestandteil seiner Police.
In Nachachtung
der neuen
Orientierungspflicht sandte die Beklagte dem Kläger jährlich Überschussmitteilungen zu (Mitteilung vom 5. Dezember 2008 [Urk. 2/16 f.], 4. Dezember 2009 [Urk. 2/18
f.
],
3. Dezember 2010 [Urk. 2/27 f.], 2. Dezember 2011 [Urk. 2/29 f.], 7. Dezember 2012 [Urk. 2/32 f.], 6. Dezember
2013 [Urk. 2/34 f.], 5. Dezember 2014 [Urk. 2/36 f.], 4. Dezember 2015 [Urk. 2/38 f.], 2. Dezember 2016 [Urk. 2/40 f.] und 8. Dezember 2017 [Urk. 2/42 f.]).
Dass der Kläger keine einzige dieser Abrechnungen erhalten haben soll (er bestritt den Erhalt
sämtlicher
Überschussmitteilungen [Urk.
1
Rz
36
]
), ist nicht glaubhaft.
Die Überschussmitteilungen wurden jeweils an die Adr
esse des Klägers
versandt, wie bereits das Informationsschreiben vom August 2008 (Urk. 2/14
und Urk. 1
Rz
35
)
sowie die übrige Korrespondenz
der Beklagten
(vgl. Urk. 2/44 ff. und Urk. 1
Rz
39)
.
Eine Reaktion
seitens des Klägers
blieb
auch
aus
, als ihm aufgrund seiner
Poli
cenverlusterklärung
vom 1. Juni 2010 (Urk. 2/22) eine
neue Urkunde ausgestellt wurde
(Urk. 2/24).
D
ie diesb
e
zügliche Korrespondenz erfolgte nebenbei bemerkt
ebenfalls
an die Adresse de
s Klägers
(Urk. 2/21 und Urk. 2/23).
Gemäss individueller Vereinbarung
in der neuen Police
wurde festgelegt, dass die neue Police alle bisherigen
Policendokumente
ersetze und
annuliere
.
Des Weite
ren wurde erneut auf das Berichtigungsrecht gemäss Art. 12 VVG hingewiesen (Urk. 2/24 S. 9).
Bei der Police, auch bei der Ersatzpolice, handelt es sich um kein Wertpapier, sondern um eine reine Beweisurkunde, welche die Existenz und den Inhalt des Versicherungsvertrags bestätigt (vgl.
Hasenböhler
,
a.a.O., Art. 11 N 81;
Moritz W. Kuhn, Privatversicherungsrecht, unter Mitberücksichtigung des Haft
pflicht- und des Aufsichtsrechts, Müller-Studer/Eckert
[Hrsg.]
, 3. Aufl. 2010, § 35 N 591 ff.).
Gemäss den Akten wurde in der Ersatzpolice
zur Überschussbeteili
gung bloss der Vermerk «Ansammlung» angebracht
(Urk. 2/24 S. 1). Wäre der Kläger der Ansicht gewesen, ihm sei – entgegen diesem Vermerk –
in der ur
sprünglichen Police (beziehungsweise einem Nachtrag oder einer Ergänzung der
selben)
eine bestimmte Summe
der Überschussbeteiligung
zugesichert worden, hätte er
die neue Police
rechtzeitig
berichtigen
lassen
müssen
. Dies unterliess er jedoch.
Im
Jahr 2012 wandte
er sich
schliesslich
mit
einigen
Fragen an die Beklagte und erhielt in Bezug auf
die Frage zur
Überschussbeteiligung
«X._
hat
auch eine Ka
pitalrente von CHF
500'000.- (plus Gewinn – wieviel?) die aber in 6 Jahren bei Ablauf der Hypothek als Amortisation an
Allianz geht –
korrekt?»
(Urk.
6/10 hin
ten)
zur
Auskunft:
«
Überschuss und Erlebensfallkapital per 01.01.2019 CHF 551'337.--. Kann/Wird vermutlich als Amortisation verwendet» (Urk. 2/31
[
=
Urk. 6/10]
). Wiederum erfolgte keine Reaktion.
Erst kurz vor Ablauf der Versicherungsdauer, am 9. November 2018, wandte sich der Kläger mit
einem
Schreiben an die B
eklagte und brachte zum Ausdruck, er empfinde die Höhe der Überschussbeteiligung
von knapp über
Fr.
50'000.
-- als niedrig
,
gefühlsmäs
sig seien da einige z
ehntausend
Franken
zu wenig berechnet worden (Urk.
2/47)
.
In einem weiteren
Schreiben vom 15. November 2018
zeigte er sich «absolut und zu tiefst schockiert und betroffen»
(Urk. 2/49). Am 16. No
vember 2018 erklärte
er
schliesslich
, er sei mit der Überschussbete
iligung nicht einverstanden. Er
wies darauf hin, dass er abklären lassen werde, wieso die Über
schussbeteiligung von nur knapp über Fr. 50'000.-- so niedrig ausgefallen sei (Urk. 2/50). D
ie
Inhalte
dieser
S
chreiben
zeugen
ebenfalls
davon,
dass der Kläger
nicht
von einer
betraglich
zugesicherten
Überschussbeteiligung
ausging
.
Erst
im Schreiben vom 18. D
ezember 2018
ging der Kläger
dazu über zu
argumentieren,
er habe Anspruch auf
eine Überschussbeteiligung von Fr. 485'000.--
, weil
dies im Schreiben vom 14. März 1991 so festgehalten worden sei (Urk. 2/53).
4.
4.6
Selbst wenn der tatsächliche Wille der Parteien – entgegen dem Vorgenannten – nicht feststellbar wäre,
ergäbe sich
auch in Anwendung der normativen Vertrags
auslegung
(vgl. das Urteil des Bundesgerichts
4A_193/2019
vom 23. September 2019 5.3.1)
kein anderes
Resultat; d
ie normative Vertragsauslegung
berücksich
tigt
nebst dem
Vertragstext
ebenfalls
die Umstände der Vertragsentstehung und
-
schliessung
, welche, wie bereits eingehend dargelegt,
einer
betraglichen
Zusi
cherung der Überschussbeteiligung entgegenstehen
.
Dass
die
nachvertragliche
n
Indizien
in E. 4.4.5
bei der normativen Vertragsauslegung nicht zu berücksichti
gen sind
(
vgl. das Urteil des Bundesgerichts
4A_535/2019
vom 27. April 2020 E. 4.2.2 mit Hinweisen)
, ändert
am Ergebnis
nichts
.
5.
5.1
Der Kläger
beantragt
weiter
, eventuell sei die
Beklagte aus dem Grundsatz der Vertrauenshaftung zu verpflichten,
ihm
für das positive Interesse einen Diffe
renzbetrag von Fr. 435'000.-- zuzüglich Zins zu bezahlen (Urk. 1
Rz
29).
5.2
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
(vgl. das
Urteil des Bundesgerichts 4A_18/2021 vom 21. Juli 2021 E. 4.3.1)
ist die Vertrauenshaftung grundsätzlich subsidiär zur vertraglichen Haftung, gelangt also nur bei Fehlen einer solchen zur Anwendung (BGE 131 III 377 E. 3; Urteile
des Bundesgericht
4A_306/2009 vom
8. Februar 2010 E.
5.1; 4
A_80/2009 und 4A_88/2009 vom 5. Juni 2009 E.
2.3). Hat sich das Vertrauen, aus dem eine Partei Ansprüche ableitet, in einer gültigen Vertragsbeziehung manifestiert, entfällt das Vertrauen als selbständige Haftungs
grundlage und es gelangt unmittelbar die Vertragshaftung zur Anwendung (siehe zu dieser sog. Absorption der vorvertraglichen Ansprüche im Zusammenhang mit einem Vermögensverwaltungsvertrag jü
ngst die Urteile des Bundesgerichts 4A_72/2020 vom 23. Oktober 2020 E. 5.1.3; 4A_556/2019 vom 29. September 2020 E.
4.1.3,
je mit Hinweisen; zum Versicherungsve
rtrag
vgl. das
Urteil 5C.267/2004 vom 1. Juni 2005 E.
5.3).
5.3
Da der Kläger seine Ansprüche aus einer gültigen Vertragsbeziehung ableitet, ist das hiesige Gericht
auch
für die Beurteilung der
in diesem Zusammenhang
gel
tend gemachten
Vertrauenshaftung zuständig.
Ein vertraglicher Anspruch wurde bereits geprüft und verneint
(E. 4.4.7
)
.
Damit entfällt ein Anspruch aus culpa in
contrahendo
als selbständige Haftungsgrundlage
betreffend
die eingeklagte For
derung von Fr. 435'000.-- (vgl. dazu auch das Urteil des Bundesgerichts 5C.267/2004 vom 1. Juni 2005 E. 5.3 mit Hinweisen).
Einen weiteren Schaden
(beispielsweise aus entgangenem Gewinn durch einen verpassten Abschluss einer Lebensversicherungspolice bei einer anderen Gesellschaft [
vgl. Pfleiderer, a.a.O.,
S. 125 ff., insbesondere S.
136]
, was zu beweisen wäre
)
machte d
er Kläger unter Berufung auf den Vertrauensschutz
nicht
(
substantiiert
)
geltend.
Wobei akten
kundig ist, dass der Kläger bei der Allianz noch eine fondgebundene Lebensver
sicherungspolice (freie Vorsorge) sowie eine Todesfallversicherung (freie Vor
sorge) hat, deren
Ansprüche er im Umfang von Fr.
988'750.-
-
zur Sicherung eines
Hypothekardarlehens an die Beklagte zedierte
(Urk. 10/92 S. 2
f.).
Demgemäss ist nicht weiter zu prüfen, o
b das hiesige Gericht
auch
für die Beurteilung eines sol
chen Anspruchs
aus culpa in
contrahendo
zuständig wäre.
6.
6.1
Der Kläger b
emängelte des
Weiteren
die Intransparenz in Bezug auf die Berech
nung
der Überschussbeteiligung (Urk. 1
Rz
39 ff.) und beantragt
e
,
es sei im Rah
men einer gerichtlichen Begutachtung die von der beklagten Partei in ihrer Ver
tragsaufstellung vom 12. Dezember 2018 vorgenommene Berechnung der Höhe der Überschussbeteiligung zu überprüfen und vom Gutachter festzustellen, wel
che Überschussbeteiligung mit einer zulässigen Anlagestrategie in den Jahren 1991 bis 2019 hätte erzielt
werden können (Urk. 1
Rz
49
; vgl. auch Urk. 9
Rz
35 ff. und Urk. 9
Rz
45 ff.
).
Gutachterlich seien insbesondere folgende Fragen abklären zu lassen (Urk. 1
Rz
46):
-
«Wie hoch ist die Überschussbeteiligung im Zeitpunkt der Fusion, wenn die beiden infrage stehenden Überschussregelungen der früheren Le
bens
versicherungsgesellschaft E
L
V
IA, eventuell die Überschussregelungen der beklagten Partei, anzuwenden
sind?»
-
«Wie hoch wäre die Überschussbeteiligung am 01.01.2019 gewesen, wenn die beiden infrage stehenden Überschussregelungen der früheren Lebens
versicherungsgesellschaft ELVIA anzuwenden
sind?»
-
«Wie hoch wäre die Überschussbeteiligung bei einer 28-jährigen Vertrags
dauer von 1991-2019 erfahrungsgemäss gewesen, wenn die weiteren Pa
rameter, welche die klagende Partei mit der Generalagentur
Z._
als Abschlussagentin der früheren Lebensversicherungsgesellschaft ELVIA vereinbart hat, der Beurteilung zugrunde gelegt
werden?»
-
«Wie hoch wäre der angesparte Kapitalwert (inklusive Zinsen) gewesen, wenn die von der klagenden Partei bezahlte Sparprämie am Kapitalmarkt konservativ angelegt worden
wäre?»
6.2
Gemäss Art. 92 Abs. 1 VVG
ist der Versicherer verpflichtet, auf Anfrage des An
spruchsbe
rechtigten binnen vier Wochen den Umwandlungswert oder den Rück
kaufswert der Versicherung z
u berechnen und dem Anspruchsberech
tigten mit
zuteilen. De
r Versicherer muss, wenn der Anspruchsberech
tigte es verlangt,
über
dies diejenigen Angaben machen, die zur Ermitt
lung des
Umwandlungswertes oder des Rückkaufswertes für Sachver
ständige erforderlich sind. Die FINMA hat
gemäss Art. 92 Abs. 2 VVG
auf Ersuchen des Anspruchsberechtigten die vom Versicherer festgestellten Werte unentgeltlich auf ihre Richtigkeit hin zu prüfen.
Art. 94 VVG statuiert, dass d
ie Vorschriften dieses Gesetzes über die Umwandlung und den Rückkauf der Lebensversicherung auch für solche Leistungen
gelten
, die der Versicherer aus angefallenen Anteilen am Geschäftsergebnis dem Anspruchs
berechtigten in
Form der Erhöhung der Versicherungs
leistungen gewährt hat.
Bei Zweifeln an der Richtigkeit der vom Versicherer ermittelten Werte kann der Ver
sicherungsnehmer eine Kontrolle durch die Aufsichtsbehörde, die FINMA, veran
lassen. Die Prüfung beschränkt sich auf die (arithmetische) Richtigkeit der fest
gestellten Werte, nicht auch deren Angemessenheit im E
inzelfall
(BSK-VVG, a.a.O., Art. 92 ad N 5).
Der Auskunftsa
nspruch erschöpft sich in diesen aufsichtsrechtlichen
Vorschrif
t
en
. Ein allgemeiner,
darüber hinausgehender
Auskunftsanspruch zur Über
schussbeteiligung ergibt sich
weder aus Gesetz noch Vertrag
.
Die FINMA als sach
kundige Prüfungsinstanz gleicht den
Interessenkonflikt zwischen den legitimen Auskunftsinteressen der Versicherungsnehmer und den berechtigten Geheimhal
tungsinteressen der Lebensversicherungsgesellschaft in nahezu optimaler Weise aus
, indem sie aufsichtsrechtlich dazu verpflichtet ist, die Interessen aller Versi
cherten zu wahren
(vg
l. Pfleiderer, a.a.O., S. 101).
6.3
Der Kläger verkennt, dass eine Überprüfung der Überschussbeteiligung, so wie er sie beantragt (vgl. seine Fragen in E. 6.1), nicht vorgesehen ist. Weder das Gericht noch die FINMA überprüfen Überschussbeteiligungen im Hinblick auf ihre Ange
messenheit
im Einzelfall
.
Ergänzend ist anzufügen, dass der Kläger bei seinen Berechnungen vollkommen ausblendet, dass die von ihm bezahlte Prämie
auch
hohe Risikoleistungen abdecken musste.
Beim Abschluss der Lebensversicherung stand die Absicherung der Familie des Klägers im Falle des Todes oder der Inva
lidität des Klägers im Vordergrund.
Eine isolierte Betrachtung, wie hoch der
an
gesparte Kapitalwert (inklusive Zinsen)
gewesen wäre
, wenn
der Kläger
die
von ihm
bezahlte P
rämie am Kapitalmarkt konservativ angelegt
hätte,
geht daher fehl.
6.4
Der Kläger
hielt
sodann
fest, er habe nichts dagegen, wenn das Gericht von der FINMA eine Stellungnahme einhole, ob die infrage stehenden Überschussrege
lungen der früheren Lebensversicherungsgesellschaft ELVIA beziehungsweise der Beklagten genehmigt worden seien und ob die Beklagte die Höhe der Überschuss
beteiligung nach Massgabe der anwendbaren Überschussregelung bis zur Fusion und danach bis zum 1. Januar 2019 korrekt berechnet habe (Urk. 1
Rz
47).
Es ist Aufgabe
des
Kläger
s, seine Klage hinreichend zu substantiieren. Dies kann er nicht an das Gericht delegieren
, zumal er die Möglichkeit gehabt hätte, bei der FINMA
gestützt auf Art. 92 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 94 VVG
eine Überprü
fung
vornehmen zu lassen.
Dies
hatte
er jedoch
unterlassen
. Vielmehr
hatte
er sich
im Jahr 2019
in allgemeiner Weise an die FINMA
gewandt
, um
sich
(
stell
vertretend für alle Versicherungsnehmer
)
für eine Beseitigung der
– aus seiner Sicht bestehenden –
M
issstände im Versicherungswesen betreffend die Über
schussbeteiligungen
einzusetzen
(vgl. Urk. 2/72-75).
Das Gericht
hat
somit
nicht
anstelle des Klägers
bei der FINMA abklären zu las
sen, ob die infrage stehenden Überschussregelungen der Beklagten genehmigt wurden und ob die Beklagte die Höhe der Überschussbeteiligung nach Massgabe der anwendbaren Überschussregelung bis zur Fusion und danach bis zum 1. Ja
nuar 2019 korrekt berechnet hat.
Vorliegend ist aktenkundig, dass das Bundesamt für Privatversicherungswesen die Überschusspläne der
Elvia
der Jahre 1991
bis 1995 genehmigt hatte (Urk.
6/12-15).
Ab dem J
ahr 2008
wurden dem Kläger
sodann
jährlich Über
schussmitteilungen zugestellt,
in welchen der Kontostand
der
über die Jahre an
gesammelten (
geäufneten
) Überschu
sszuteilungen ausgewiesen wurde
.
Der Kläger
wusste somit seit Jahren, dass die Überschussbeteiligung bei Vertragsende nicht in der ursprünglich prognostizierten Höhe ausfallen würde. Auch war ihm ge
stützt auf
Ziff
3 Abs. 5
der
«Ergänzenden Bedingungen zur Überschussbeteili
gung» (Ausgabe 01.2007; Urk. 2/14)
bekannt, dass
die Überschusszuteilungen als geschuldet
gelten
, sobald sie den einzelnen Versicherungsverträgen zugeteilt sind.
Da der Kläger den Kontostand jeweils
nicht beanstandete, ist er darauf zu behaften.
Wie bereits gesagt (E. 4.4.5) ist nicht glaubhaft, dass
er
keine einzige der Überschussmitteilungen erhalten haben soll.
6.5
Zusammenfassend kann
festgehalten werden, dass die Klage auch im Hinblick auf die geltend gemachte Unangemessenheit der
ausbezahlte
n
Überschussbeteili
gung
– soweit sie diesbezüglich überhaupt hinreichend substantiiert ist –
abzu
weisen ist
.
7.
Nach dem Gesagten
erweist sich die Klage als unbegründet. Da von einer münd
lichen Befragung des Klägers keine zusätzlichen Erkenntnisse zu erwarten sind, kann auf eine solche i
n
antizipierter Beweiswürdigung (vgl. BGE 122 V 157 E.
1
d mit Hinweisen) verzichtet werden
.
Die Klage ist abzuweisen, soweit auf sie einzutreten ist.
8.
8.1
Das Verfahren vor dem zürcherischen Sozialversicherungsgerich
t ist in der Regel kostenlos (§ 33 Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
in der bis 30. Juni 20210 geltenden Fassung
). Einer Partei, die sich mutwillig oder leichtsinnig verhält, kann in kostenlosen Verfahren eine Gerichtskostenpauschale auferlegt werden (§
33 Abs.
2
GSVGer
).
Nach der Rechtsprechung kann leichtsinnige oder mutwillige Prozessführung vorliegen, wenn die Partei ihre Eingabe auf einen Sachverhalt abstützt, von dem sie
weiss
oder bei der ihr zumutbaren Sorgfalt wissen müsste, dass er unrichtig ist. Mutwillige Prozessführung kann unter anderem auch angenommen werden, wenn eine Partei an einer offensichtlich gesetzwidrigen Auffassung festhält. Leichtsinnige oder mutwillige Prozessführung liegt aber solange nicht vor, als es der Partei darum geht, einen bestimmten, nicht als willkürlich erscheinenden Standpunkt durch den Richter beurteilen zu lassen. Die Erhebung einer aussichts
losen Beschwerde darf einer leichtsinnigen oder mutwilligen Beschwerdeführung nicht gleichgestellt werden. Das Merkmal der Aussichtslosigkeit für sich allein lässt einen Prozess noch nicht als leichtsinnig oder mutwillig erscheinen. Viel
mehr bedarf es zusätzlich des subjektiven – tadelnswerten – Elements, dass die Partei die Aussichtslosigkeit bei der ihr zumutbaren
vernunftsgemässen
Überle
gung ohne weiteres erkannt haben konnte, den Prozess aber trotzdem führt (BGE 128 V 323; SZS 1995 S. 386 E. 3a mit Hinweisen).
8.
2
Der Kläger wurde von der Beklagten bereits im Vorfeld
dieses
Prozesses doku
mentiert
und eingehend über die Rechtslage aufgeklärt
.
Ihm wurde
im Rahmen des Schlichtungsversuchs beim
Obmudsman
der Privatversicherung und der SUVA
sogar
eine grosszügige Zusatzleistung von Fr. 35'000.-- an
geboten
(Urk. 2/67 S. 3)
.
Vor dem Hintergrund
des Ergebnisses des vorliegenden Verfah
rens lässt sich nicht nachvollziehen, weshalb der Kläger dieses Angebot nicht annahm. Stattdessen reichte er Klage beim hiesigen Gericht ein und versuchte glauben zu machen, er sei von einer Zusicherung einer Überschussbeteiligung in der Höhe von Fr. 485'000.-- ausgegangen, obwohl er im Widerspruch dazu ein
räumte, er wisse sehr wohl, dass Überschussbeteiligungen unbestimmt seien, weil sie vom zukünftigen Verlauf der Börse und anderen zukünftigen Umständen ab
hingen (Urk. 9
Rz
44).
Eine gerichtliche Überprüfung der Angemessenheit der zu
geteilten Überschussbeteiligung
im Einzelfall
ist sodann nicht vorgesehen.
Das Verhalten des Klägers ist daher als mutwillig zu qualifizieren.
8.3
Dem Kläger sind die Kosten des vorliegend
en Prozesses in Anwendung von §
33 Abs.
2
GSVGer
in der Höhe von Fr. 4
’000.-- aufzuerlegen (vgl. §
2 der Verord
nung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversiche
rungsgericht).
8.4
Die
Beklagte
, welche im hier
interessierenden Zusammenhang –
als Anbieterin einer gebundenen V
orsorgeversicherung (Säule 3a) –
eine öffentlich-rechtliche Aufgabe wahrnimmt, hat
grundsätzlich
keinen Anspruch auf eine Parteientschä
digung (
Urteil des Bundesgerichts
9C_635/2020
vom 6.
Juli 2021
E. 9
mit Hin
weisen, nicht
publ
. in: BGE 141 V
439, aber in: SVR 2016 BVG Nr. 5 S.
17).
Die
Beklagte beantragte aber dennoch eine Parteientschädigung (Urk. 5 S. 2). Auf
grund der mutwilligen Prozessführung des Klägers ist er in Anwendung von § 34 Abs. 1
GSVGer
zu verpflichten, der vollumfänglich obsiegenden Beklagten eine deren Aufwand angemessene Parteient
schädigung in der Höhe von Fr. 5
’000.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.