# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 15e8b13d-7382-48a9-8a3a-66a84ccc59b5
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend versuchten Betrug etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur, Einzelgericht Strafsachen, vom 20. Oktober 2014 (GG140028)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 27. Mai 2014
(Urk. 33) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Die Beschuldigte A._ ist schuldig
− des versuchten Betruges im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB in  mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie
− der mehrfachen Irreführung der Rechtspflege im Sinne von Art. 304 Ziff. 1 StGB.
2. Vom Vorwurf des Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB wird die
Beschuldigte A._ freigesprochen.
3. Die mit Entscheid des Justizvollzugs vom 16. August 2010 für eine Frei-
heitsstrafe von 90 Tagen unter Ansetzung einer Probezeit von 1 Jahr ver-
fügte bedingte Entlassung wird nicht widerrufen.
4. Die Beschuldigte wird bestraft mit 9 Monaten Freiheitsstrafe als teilweise
Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland
vom 11. Oktober 2011, wovon 122 Tage durch Haft erstanden sind.
5. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.
6. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom
27. Mai 2014 beschlagnahmten Gegenstände (Geissfuss, Schlüssel der
Firma B._ und gefälschte 100er-Note) werden eingezogen und ver-
nichtet.
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7. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 2'400.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'500.00 Gebühr Anklagebehörde
Fr. 461.80 Auslagen Vorverfahren (gemäss Kontoauszug ...)
Fr. 15'572.00 amtliche Verteidigung Fr. 20'933.80 Total Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
8. Im Umfang von zwei Dritteln werden die Kosten, inklusive derjenigen der
amtlichen Verteidigung, auf die Staatskasse genommen.
Im Umfang von einem Drittel werden die Kosten, inklusive derjenigen der
amtlichen Verteidigung, der Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtli-
chen Verteidigung werden in diesem Umfang einstweilen auf die Staats-
kasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135
Abs. 4 StPO.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung der Beschuldigten:
(Urk. 96 S. 1 i.V.m. Urk. 81/1 S. 2 f.)
1. Die Beschuldigte sei von den Vorwürfen des versuchten Betruges und
der Irreführung der Rechtspflege gemäss Nebendossier 1 freizuspre-
chen; hinsichtlich des Nebendossiers 13 sei die Beschuldigte der Ge-
hilfenschaft zur Irreführung der Rechtspflege i.S.v. Art. 304 Ziff. 1 i.V.m.
Art. 25 StGB schuldig zu sprechen.
2. Die Beschuldigte sei mit einer bedingten Geldstrafe von maximal 20
Tagessätzen zu bestrafen, als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der
Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 11. Oktober 2011. Es sei
davon Vormerk zu nehmen, dass die Strafe vollständig erstanden ist.
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3. Die Beschuldigte sei für die erlittene Überhaft mit einer Genugtuung
von Fr. 200.-- pro Tag aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
4. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien auf die Gerichtskasse zu
nehmen. Die übrigen Kosten, inklusive derjenigen der amtlichen Ver-
teidigung, seien zu 4/5 auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die restli-
chen Kosten seien der Beschuldigten zu erlassen.
Für den Fall, dass der vorinstanzliche Schuldspruch bestätigt werden sollte,
beantrage ich eventualiter, dass die Beschuldigte mit einer Geldstrafe von
maximal 122 Tagessätzen zu bestrafen sei. Subeventualiter sei die Be-
schuldigte zusätzlich zur eventualiter beantragten Geldstrafe mit gemeinnüt-
ziger Arbeit in einem angemessenen Umfang zu bestrafen.
b) Der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland:
(schriftlich, Urk. 85)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
_

## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Berufungsanmeldung und -erklärung sowie Teilrechtskraft
1.1. Die Beschuldigte liess mit Eingabe des Verteidigers vom 24. Oktober 2014
(Poststempel) rechtzeitig Berufung gegen das vier Tage zuvor ergangene erstin-
stanzliche Urteil anmelden (HD 72).
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Den Empfang des begründeten Entscheids quittierte die Verteidigung am 6. März
2015 (HD 77). Die Berufungserklärung datiert vom 23. März 2015 (Poststempel)
und erfolgte damit ebenfalls innert der gesetzlichen Frist (HD 81/1).
1.2. Weder selbständige noch Anschluss-Appellation legte die Staatsanwaltschaft
ein.
1.3. Die Beschuldigte beschränkte die Berufung auf die Dispositiv-Ziffern 1
(Schuldspruch), 3 und 4 (recte: 4 und 5: Strafart, Strafzumessung und Vollzug)
sowie 8 (Kostenauflage). Weiter wurde die "Verweigerung einer Genugtuung für
Überhaft" moniert (HD 81/1 S. 2).
Rechtskräftig ist das erstinstanzliche Urteil mithin betreffend die Dispositivziffern 2
(Freispruch vom Vorwurf des Diebstahls, ND 8), 3 (Absehen vom Widerruf der
bedingten Entlassung), 6 (Einziehung) und 7 (Kostenfestsetzung). Dies ist mittels
Beschluss festzustellen.
2. Beweisergänzungsanträge
Die Verteidigung beantragte, es seien die drei mit der Berufungserklärung einge-
reichten E-Mail-Ausdrucke (HD 81/2, 81/3 und 81/4) zu den Akten zu nehmen
(HD 81/1 S. 3 ff.). Weiter wurde von Seiten der Beschuldigten darum ersucht, von
der Versicherung C._ das vollständige Schadendossier betreffend ND 1 bei-
zuziehen (a.a.O.).
Nachdem nicht auszuschliessen war, dass sich aus diesen Dokumenten zusätzli-
che sachdienliche Erkenntnisse für die Urteilsfindung gewinnen liessen, wurde
beiden Anträgen um Beweisergänzung stattgegeben (HD 89, HD 91/1 ff.).
3. Aktenbeizug
Sodann zog die erkennende Kammer von Amtes wegen die Strafakten des Be-
zirksgerichtes Winterthur, Einzelgericht in Strafsachen, gegen die Mitbeschuldigte
D._ bei (Proz.-Nr. GG140027, HD 89, HD 92).
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4. Verwertbarkeit der Befragungen von D._ und E._
Soweit die Verteidigung auch im Berufungsverfahren unter Berufung auf Art. 147
Abs. 1 StPO geltend macht, die belastenden Aussagen von D._ und E._
seien nur insoweit verwertbar, als die Beschuldigte an der betreffenden Einver-
nahme habe teilnehmen können, kann grundsätzlich auf die Ausführungen der
Vorinstanz verwiesen werden (HD 79 S. 4 f.).
Verdeutlichend ist festzuhalten, dass Art. 147 Abs. 1 StPO der Beschuldigten
zwar das Recht einräumt, bei Beweiserhebungen durch die Staatsanwaltschaft
(zu denen selbstredend auch an die Polizei delegierte Einvernahmen gehören)
anwesend zu sein und den einvernommenen Personen Fragen zu stellen. Die
Konfrontation braucht aber nicht im Zeitpunkt der Aussage des Belastungszeugen
zu erfolgen, sondern kann auch in einem späteren Verfahrensstadium stattfinden
(BGE 6B_529/2014 vom 10. Dezember 2014 E. 4; BGE 125 I 127 E. 6b mit Hin-
weisen). Es genügt daher grundsätzlich für die Verwertbarkeit aller vorangegan-
genen Befragungen, wenn die Beschuldigte im Verlaufe des Strafverfahrens we-
nigstens einmal Gelegenheit erhielt, den sie belastenden Personen Ergänzungs-
fragen zu stellen, wie dies in den Befragungen von E._ vom 28. März 2014
(HD 10/7) und von D._ vom 7. April 2014 (HD 10/6) der Fall war. Besondere
Umstände, die ausnahmsweise eine erneute Konfrontation vor Gericht als not-
wendig erscheinen liessen, liegen nicht vor.
Nicht zu Lasten der Beschuldigten verwertbar sind damit einzig die Einvernahme
von D._ vom 26. Mai 2014 (HD 8), die Konfrontationseinvernahme zwischen
D._ und E._ vom 26. Mai 2014 (HD 9) und das D._ betreffende
Protokoll der Hauptverhandlung vom 20. Oktober 2014 (HD 92, Prot.), da diese
Befragungen erst nach den obgenannten Einvernahmen stattfanden, die Be-
schuldigte mithin diesbezüglich ihre Verteidigungsrechte nicht wahren konnte.
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5. Anklageprinzip
Die Verteidigung rügt in Bezug auf den Vorwurf des versuchten Betruges, dass
das Anklageprinzip verletzt worden sei. So seien die konkreten Umstände, welche
die Arglist begründen sollen, im Anklagesachverhalt nicht geschildert worden. Die
Staatsanwaltschaft habe lediglich einfache Falschangaben gegenüber der Versi-
cherung geltend gemacht (Urk. 96 S. 2).
Gemäss Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO hat die Anklageschrift möglichst kurz, aber ge-
nau die der beschuldigten Person vorgeworfenen Taten mit Beschreibung von
Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung zu bezeichnen. Als ungültig
muss die Anklage erst dann angesehen werden, wenn sie ihre Umgrenzungs-
und/oder Informationsfunktion nicht mehr zu erfüllen vermag. Solange die be-
schuldigte Person aus der Anklage also ersehen kann, was ihr konkret vorgewor-
fen wird, und sie sich gestützt auf die Informationen auch effektiv verteidigen
kann, besteht keine Verletzung des Anklageprinzips (vgl. Urteil des Bundesge-
richts vom 27. August 2015, 6B_462/2014 E. 2.3.1. [zur Publikation vorgesehen]
mit Verweis auf BGE 133 IV 235 E. 6.2 f.).
Unter ND 1 wird der Beschuldigten in der Anklage in Bezug auf das Tatbe-
standselement der Arglist vorgeworfen, bei der C._ Versicherung gemeldet
zu haben, es seien ihr aus dem Hausflur Waren gestohlen worden, welche ihrer
Kollegin, D._, gehört hätten, welcher gegenüber sie nun schadenersatzpflich-
tig sei. Zur Untermauerung ihrer falschen Angaben habe die Beschuldigte in der
Folge auch noch eine Anzeige bei der Stadtpolizei Winterthur gemacht (HD 33 S.
2 f.). Damit hat die Anklagebehörde den Vorwurf der Arglist im Sachverhalt genü-
gend umschrieben. Dass im Anklagesachverhalt nicht erwähnt wird, dass die Ver-
sicherung von der Beschuldigten eine Vollmacht für die Einsicht in die Akten der
Behörden verlangte, ist nicht zu beanstanden. Vielmehr handelt es sich bei die-
sem Vorgang lediglich um ein Bindeglied zwischen der Meldung bei der Versiche-
rung und der Anzeige bei der Polizei, welches ohne Verletzung der Informations-
funktion bzw. der Verteidigungsrechte der Beschuldigten weggelassen werden
durfte. Ob das in der Anklage umschriebene Verhalten der Beschuldigten als "ein-
fache Falschangabe" zu qualifizieren ist, wie von der Verteidigung behauptet, ist
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eine Frage der rechtlichen Würdigung, welche dem Gericht obliegt (vgl. unten
Ziff. II.B.3.1.2.). Der Anklagegrundsatz ist nicht verletzt.
II. Schuldpunkt
A. ND 13 (Irreführung der Rechtspflege)
1. Anklagevorwurf
Der Beschuldigten wird in der Anklageschrift als zeitlich erste Tat zusammenge-
fasst vorgeworfen, Anfang Februar 2011 in gleich massgeblichem Zusammenwir-
ken mit den Mittäterinnen D._ und E._ überein gekommen zu sein, ei-
nen Einbruchdiebstahl im Coiffeursalon von D._ vorzutäuschen, um an-
schliessend bei der Polizei Anzeige zu erstatten und eine Versicherungsleistung
zu erwirken (HD 33 S. 3 ff.). In Ausführung des gemeinsamen Plans habe die Be-
schuldigte wenig später eine Türe zum Geschäft aufgebrochen (Sachschaden: Fr.
800.--) und eine Kasse beschädigt (Sachschaden Fr. 200.--). Daraufhin habe
D._ absprachegemäss bei der Polizei den Sachschaden und die angebliche
Wegnahme von Fr. 2'500.-- Bargeld aus der Kasse angezeigt. Durch das geschil-
derte Verhalten habe sich die Beschuldigte als Mittäterin der Irreführung der
Rechtspflege im Sinne von Art. 304 StGB schuldig gemacht. Motiv für die Tat sei
gewesen, dass E._ tatsächlich Fr. 2'100.-- in bar, die sie im Salon in einer
Farbschachtel aufbewahrt gehabt habe, gestohlen worden seien, sie für diesen
Schaden aber keine Versicherungsdeckung gehabt habe (zum Ganzen HD 33
S. 3 ff.).
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2. Sachverhalt
2.1. Einleitendes zur Glaubwürdigkeit
Sowohl die Beschuldigte als auch D._ und E._ standen mit Bezug auf
den vorliegenden Sachverhalt unter dem Verdacht der Irreführung der Rechts-
pflege. Alle drei könnten daher geneigt gewesen sein, durch Weglassungen, Be-
streitungen und übermässige Belastung der Mitbeschuldigten ihren Tatbeitrag zu
minimieren. Mit entsprechender Vorsicht sind ihre Aussagen unter die Lupe zu
nehmen.
2.2. Aussagen der Beschuldigten
Die Beschuldigte brachte den hier interessierenden Grundsachverhalt in der poli-
zeilichen Befragung vom 31. Januar 2014 von sich aus aufs Tapet (zum Ganzen
ND 13/3 S. 2, ND 13/4 = HD 7/8 S. 1 f.). Ohne ihren Anstoss wäre der fingierte
"Einbruchdiebstahl" wohl unentdeckt geblieben. Sie behauptete allerdings vorerst,
daran nicht beteiligt gewesen zu sein.
In der Einvernahme vom 6. März 2014 räumte sie ein, die Hintertüre aufgebro-
chen zu haben; sie habe aber weder die Idee zur Tat (mit)entwickelt, noch an der
Planung mitgewirkt, und sie habe auch mit der beschädigten Kasse nichts zu tun
gehabt (HD 7/18 S. 11 f., HD 7/19 S. 4, Prot. I S. 18). Was das Aufbrechen der
Tür angehe, so sei sie "quasi fast dazu gedrängt, genötigt" (HD 7/18 S. 11; vgl.
auch a.a.O. S. 13, HD 7/19 S. 4) worden. Schon die zögerlich-relativierende
Wortwahl "quasi fast" deutet darauf hin, dass die Beschuldigte die Tat nicht wirk-
lich unter dem Eindruck eines angedrohten ernstlichen Nachteils begangen hat.
Kommt hinzu, dass sie in der gesamten Untersuchung und auch vor Vorinstanz
nie substantiierte, worin der behauptete Zwang bestanden haben soll. Aus den
Akten ergibt sich auch sonst keinerlei Hinweis dafür, dass D._ und/oder
E._ die Beschuldigte unter Druck gesetzt und so in der Hand gehabt hätten.
In der Hauptverhandlung vor Bezirksgericht beharrte die Beschuldigte denn auch
nicht mehr darauf, ihr Wille sei durch eine Übelandrohung gebeugt worden, son-
dern gab nun zu, zwar "nicht so begeistert von der ganzen Geschichte" gewesen
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zu sein, sich aber zur Tat "verleiten" bzw. "mitreissen" lassen zu haben, weil sie
"irgendwie gefunden" habe, dass sich E._ in einer "Notsituation" befunden
habe (Prot. I S. 18 f.). Auch anlässlich der Berufungsverhandlung blieb die Be-
schuldigte dabei, sie habe sich "mitreissen" bzw. "reinziehen" lassen. Sie sei von
D._ dazu "überredet" worden (Prot. II S. 17 ff.). Allerdings machte sie - auf
die Frage, wie sie sich rückblickend ihre Mitwirkung bei der Tat erklären könne -
auch wieder eine Drucksituation geltend, indem sie angab, sich D._ immer
sehr stark verpflichtet gefühlt zu haben. Es sei fast ein wenig eine Abhängigkeit
voneinander vorhanden gewesen (Prot. II S. 19 und S. 25). Auch dabei fällt auf,
dass die Beschuldigte das von ihr behauptete Abhängigkeitsverhältnis zwischen
D._ und ihr mit den Worten "fast ein wenig" stark relativiert.
Aus den Aussagen der Beschuldigten ergibt sich somit zusammenfassend,
- dass sie über den Plan informiert war, der Polizei einen Einbruchdiebstahl in
den Coiffeursalon von D._ vorzugaukeln, um danach von deren Versi-
cherung das E._ gestohlene Geld ersetzt zu erhalten und
- dass sie sich, Mitleid mit E._ empfindend und/oder aus Loyalität zu
D._, schliesslich dazu hinreissen liess, zur Täuschung der Polizei die
Hintertüre des Salons aufzubrechen.
Hingegen lässt sich bis hierhin nicht erstellen, dass die Beschuldigte an der
Ideenproduktion und Planung für die unrechtmässige Wiederbeschaffung der
E._ abhanden gekommenen Summe teilgenommen hat, dass sie von Beginn
weg an der Irreführung der Polizei mitzuwirken gedachte und dass sie nicht nur
die Türe, sondern auch die Kasse aufgebrochen hat. Ob die Beschuldigte die Tü-
re mit einem Brecheisen - oder wie von der Verteidigung behauptet (HD 96 S. 7) -
mit einem Schraubenzieher aufgebrochen hat, spielt für die rechtliche Würdigung
keine Rolle und kann offen gelassen werden.
2.3. Aussagen von D._
D._, die Salon-Eigentümerin, welche nachgewiesenermassen die Anzeige
wegen Einbruchdiebstahls bei der Polizei deponierte und über deren Versiche-
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rung anschliessend der Schaden von E._ hätte geltend gemacht werden sol-
len, stellte ihren Tatbeitrag über weite Strecken in unglaubhafter Weise als gering
dar und belastete umgekehrt ihre Mitbeschuldigten, insbesondere die Beschuldig-
te, stark.
Wohl gab sie in der polizeilichen Befragung vom 17. Februar 2014 zunächst an,
alle drei hätten sich Gedanken gemacht, was man machen könne, und sie hätten
sich darauf geeinigt, einen Einbruch vorzutäuschen und diesen der Polizei zu
melden (HD 10/4 = ND 13/5 S. 9), womit sie noch ein gleichmassgebliches Zu-
sammenwirken andeutete. Dann war sogar die Rede davon, die Beschuldigte ha-
be den "Auftrag" gehabt, Eingangstüre und Kasse aufzubrechen, was impliziert,
dass D._ oder E._ als (der Beschuldigten übergeordnete) Anführerin
fungierte (a.a.O. S. 9). Gleichzeitig relativierte D._ ihre Rolle, indem sie er-
klärte, sie hätte es lieber "so gelassen, wie es war, quasi als Lehrgeld für E._
(a.a.O.). Sie machte auch geltend, sich nicht mehr daran zu erinnern, ob sie (oder
jemand anders) der Polizei den vorgetäuschten Einbruch meldete (HD 10/4
S. 9 f.), was allerdings durch den Polizeirapport feststeht (HD 13/2 S. 3). Schliess-
lich ging sie gar so weit, zu behaupten, die Beschuldigte sei "treibende Kraft hin-
ter der Idee, die Polizei zu belügen und die Versicherung zu täuschen" bzw. die
Sache so durchzuziehen gewesen (HD 10/4 S. 9 und 15); damit stellte sie die Be-
schuldigte als Rädelsführerin hin. Sie bezichtigte sie überdies, nicht nur die Türe,
sondern auch die Kasse aufgebrochen zu haben.
In der sieben Wochen später erfolgten staatsanwaltschaftlichen Einvernahme, die
im Beisein der Beschuldigten durchgeführt wurde, war von einer derartigen Rolle
der Beschuldigten nicht mehr die Rede. D._ verweigerte vielmehr praktisch
durchgehend die Aussage und machte im Übrigen im Wesentlichen Erinnerungs-
lücken geltend (HD 10/6 S. 5 ff.). Sie lehnte es beispielsweise ab, zu den Aussa-
gen E._s, wonach D._ mit der Beschuldigten ein zehnminütiges Ge-
spräch (betreffend die Tat) geführt habe, während E._ wieder an die Arbeit
gegangen sei, sowie zu den Depositionen der Beschuldigten, D._ und
E._ seien die Initianten der Tat gewesen, die Beschuldigte habe (zunächst)
nicht mitmachen wollen und auch - entgegen dem Willen der beiden - die Kasse
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nicht aufgebrochen, Stellung zu nehmen (HD 10/6 S. 8 f.). Einzig soweit es um
D._s eigene Tatbeteiligung ging, äusserte sich die Befragte, und zwar ver-
niedlichend oder gar bestreitend (vgl. HD 10/6 S. 7, 10 und 11). Die Aussagever-
weigerung ohne nachvollziehbaren Grund macht die Aussagen D._s (da es
sich dabei nicht um das einzige Beweismittel handelt) zwar nicht unverwertbar,
schmälert ihren Wert aber erheblich.
Die späteren Befragungen D._s (HD 8 und 9, Prot. in HD 92) können - was
die Vorinstanz im Rahmen der Sachverhaltswürdigung teilweise übersehen hat -
wie erwähnt nicht zu Lasten der Beschuldigten verwertet werden, konnte sie an
diesen Einvernahmen doch nicht teilnehmen und folglich auch ihr Fragerecht nicht
ausüben. Bemerkenswert ist immerhin (was sich zu Gunsten der Beschuldigten
auswirkt), dass D._ zwar dezidiert zu Protokoll gab, dass sie der Beschuldig-
ten nicht den Auftrag gegeben habe, Türe und Kasse aufzubrechen, sie sich dann
aber angeblich "wirklich nicht mehr erinnern" konnte, wie es denn effektiv dazu
gekommen sein soll, dass sie es getan habe (HD 9 S. 11, HD 8 S. 3). Auch vor
Vorinstanz machte D._ oft Gedächtnislücken geltend, wenn es darum ging,
konkrete Antworten zu geben ("Wer von ihnen drei kam konkret auf die Idee, dass
man einen solchen fingierten Einbruch machen könnte?", "Hat sie" [die Beschul-
digte] "selbst gesagt, sie wolle das" [Tür aufbrechen] "machen oder haben Sie das
angesprochen?" (Prot. in HD 92, S. 13 ff.). Entgegen früheren eigenen Aussagen
bestritt sie auch, dass sie und/oder E._ dabei gewesen seien, als die Be-
schuldigte die Türe aufbrach (HD 8 S. 3, HD 9 S. 10, HD 92 Prot. S. 15). Sie sei-
en beide "am Arbeiten" gewesen.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die belastenden Aussagen D._s, soweit
sie über das Geständnis der Beschuldigten hinaus gehen, schon deshalb nicht zu
überzeugen vermögen, weil sie widersprüchlich und oft darauf ausgerichtet sind,
das eigene Verhalten zu beschönigen. Vor allem aber fällt ins Gewicht, dass
D._ in der Einvernahme, die im Beisein der Beschuldigten erfolgte, keines
der belastenden Vorbringen aus der polizeilichen Einvernahme wiederholte. Viel-
mehr verweigerte sie die Aussage. Dabei machte D._ weder im zeitlichen
Umfeld dieser Befragung, noch in einem anderen Zeitpunkt geltend, aus Angst
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vor der Beschuldigten die Aussage verweigert zu haben. Auch aus den übrigen
Akten ergibt sich kein Anlass zur Annahme, die Beschuldigte habe D._ unter
Druck gesetzt. Angesichts all dessen taugen die Vorbringen D._s nicht dazu,
eine weiter gehende Beteiligung der Beschuldigten an der Tat zu erstellen, als
von dieser zugegeben.
2.4. Aussagen von E._
E._ stellte in der polizeilichen Einvernahme vom 25. Februar 2014
- entgegen den anderslautenden Vorbringen D._s - jegliche Mitwirkung an
Idee, Planung und Umsetzung der Tat in Abrede (HD 10/5 S. 3 f. und 6 f.). Sie
führte weiter aus, D._ habe den Vorschlag gemacht, den Schaden der Versi-
cherung der Saloninhaberin anzumelden (HD 10/5 = ND 3/6 S. 3). Weiter gab sie
zwar einerseits an, D._ und die Beschuldigte seien hernach auf die Idee ge-
kommen, einen Einbruchdiebstahl zu fingieren und der Polizei zu melden
(HD 10/5 S. 3). Beide hätten denn auch das Wort "Einbruch" erwähnt. Erstaunli-
cherweise behauptete E._ aber gleichzeitig, aus der Unterhaltung der beiden
nichts Konkretes zur Tat mitbekommen zu haben, da sie sich der Arbeit zuge-
wandt habe (a.a.O. S. 3 und 4).
In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme - die in Anwesenheit der Beschuldig-
ten stattfand - erklärte sie erneut mehrfach, den Inhalt des Gesprächs zwischen
D._ und der Beschuldigten nicht mitgekriegt zu haben (HD 10/7 S. 7 f., 9 und
11, vgl. auch S. 15). Mitbekommen haben wollte sie aber, dass ein zehnminütiges
"brodelndes Gespräch" zwischen den beiden stattgefunden habe, aus dem "das
Ganze" bzw. "die Idee" entstanden sei. Sie selbst habe am Gespräch nicht "mit-
wirken" können, da sie ja wieder zur Arbeit gegangen sei. Sie könne auch nicht
sagen, wer dabei die treibende Kraft gewesen sei (HD 10/7 S. 16). Gegen Ende
der Befragung erklärte E._ dann, nicht ausschliessen zu können, dass die
Beschuldigte gegenüber D._ gesagt habe, sie wolle bei dieser Sache nicht
mitmachen (a.a.O. S. 19). Das lässt die Möglichkeit offen, dass D._ der Be-
schuldigten im "brodelnden Gespräch" einen (selbst gefassten) Plan zum Vorge-
hen unterbreitete, sich diese - wie von ihr behauptet - mit der ihr zugedachten
Rolle vorderhand aber nicht einverstanden erklärte und erst später aus Mitleid mit
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E._ oder aus Loyalität mit D._ an der Tat mitwirkte, indem sie die Türe
aufbrach.
Auf Vorhalt räumte E._ im Übrigen ein, dass sie damit einverstanden gewe-
sen sei, dass D._ der Polizei eine "Geschichte" erzählen würde, die glaub-
haft machen würde, dass D._ Geld gestohlen worden sei, damit E._
nach der Meldung bei der Versicherung von D._ ihr gestohlenes Geld zu-
rückerhalten würde (S. 13). Sie habe aber keine der Ideen beigesteuert, von nie-
mandem etwas verlangt und keine der Handlungen ausgeführt.
E._s Aussagen sind auf eigene Entlastung bedacht und mit Bezug auf die
Beschuldigte teils vage, teils divergent. Sie vermögen die Beschuldigte keiner in-
tensiveren Tatbeteiligung als von dieser zugegeben zu überführen.
2.5. Fazit
Für die rechtliche Würdigung ist damit von den Aussagen der Beschuldigten bzw.
dem bereits dargelegten Sachverhalt auszugehen.
Es ist mithin insbesondere nicht erstellt, dass die Beschuldigte an der Ideenpro-
duktion und der Tatplanung beteiligt war, ebenso wenig (wie schon die Vorinstanz
zutreffend erkannte), dass die Beschuldigte neben der Tür auch die Kasse auf-
brach.
3. Rechtliche Würdigung
3.1. Tatbestand
Im Sinne von Art. 304 Ziff. 1 Abs. 1 StGB führt die Rechtspflege irre, wer bei einer
Behörde wider besseres Wissen anzeigt, es sei eine Straftat begangen worden.
3.2. Ausgangslage
Die Beschuldigte hat weder die Idee eingebracht, gegenüber der Polizei einen
Einbruchdiebstahl vorzutäuschen, noch von Anfang an einen gemeinsamen Ta-
tentschluss mit D._ (und allenfalls E._) gefasst, noch an der Detailpla-
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nung der Tat mitgewirkt, und sie hat auch weder gewaltsam die Kasse geöffnet,
noch die angebliche Tat der Polizei gemeldet.
Sie hat aber im Wissen darum, wozu dies dienen sollte, die Hintertür des Coif-
feursalons aufgebrochen.
3.3. Würdigung
3.3.1. Standpunkt der Beschuldigten
Die Verteidigung sieht im soeben geschilderten Verhalten der Beschuldigten ei-
nen "klar untergeordneten Tatbeitrag, der als Gehilfenschaft zu qualifizieren ist"
(HD 68 S. 16, HD 81/1 S. 2, HD 96 S. 7). Die Vorinstanz erkannte, allerdings noch
ausgehend davon, dass die Beschuldigte von Anfang an mit dabei war und bei
der Planung aktiv mitwirkte, auf Mittäterschaft.
3.3.2. Allgemeines zur Abgrenzung der Mittäterschaft von der Gehilfenschaft
3.3.2.1. Nach der Rechtsprechung ist Mittäter, wer bei der Entschliessung, Pla-
nung oder Ausführung eines Deliktes vorsätzlich und in massgebender Weise mit
anderen Tätern zusammenwirkt, so dass er als Hauptbeteiligter dasteht. Dabei
kommt es darauf an, ob der Tatbeitrag nach den Umständen des konkreten Falles
und dem Tatplan für die Ausführung des Deliktes so wesentlich ist, dass es mit
ihm steht oder fällt.
Subjektiv setzt Mittäterschaft einen gemeinsamen Tatentschluss voraus, wobei
dieser nicht ausdrücklich bekundet werden muss. Es genügt, wenn der Taten-
schluss konkludent zum Ausdruck kommt. Dabei ist nicht erforderlich, dass der
Mittäter bei der Entschlussfassung mitwirkt, sondern es reicht aus, dass er sich
später den Vorsatz seiner Mittäter zu eigen macht.
3.3.2.2. Als Gehilfe ist anzusehen, wer zu einem Verbrechen oder Vergehen vor-
sätzlich Hilfe leistet (Art. 25 StGB; BGE 6B_520/2011 vom 8. Dezember 2011
E. 2.1).
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Nach der Rechtsprechung gilt als Hilfeleistung im Sinne von Art. 25 StGB jeder
kausale Beitrag, der die Tat fördert, so dass sich diese ohne Mitwirkung des Ge-
hilfen anders abgespielt hätte. Nicht erforderlich ist, dass es ohne die Hilfeleistung
nicht zur Tat gekommen wäre. Die Förderung der Tat genügt. Andererseits muss
die Hilfeleistung tatsächlich zur Tat beigetragen, also einen kausalen Beitrag dar-
gestellt haben. Der Gehilfe muss die Erfolgschancen der tatbestandserfüllenden
Handlung erhöhen (BGE 120 IV 265 E. 2c/aa).
3.3.3. Rechtliche Subsumtion des Verhaltens der Beschuldigten
3.3.3.1. Auch wenn die Beschuldigte in casu einzig die Tür zum Coiffeurgeschäft
aufbrach, leistete sie damit - entgegen der Auffassung der Verteidigung - nicht
bloss einen untergeordneten Tatbeitrag zur Irreführung der Rechtspflege. Viel-
mehr war das Aufbrechen der Tür "condicio sine qua non" für die Vortäuschung
eines klassischen Einbruchdiebstahls mit Eindringen durch Sachbeschädigung,
wie er - was die Beschuldigte wusste - geplant war und dann auch zur Anzeige
gebracht werden sollte und wurde (ND 13/2). Mit anderen Worten schuf die Be-
schuldigte durch ihr Tun erst die Voraussetzung primär für eine Irreführung der
Polizei in Bezug auf die Meldung einer Sachbeschädigung (vgl. dazu ND 13/4
S. 10 und ND 13/2) und sekundär hinsichtlich einer solchen mittels Anzeige eines
Diebstahls. Ohne den Tatbeitrag der Beschuldigten hätte D._ die Meldung an
die Polizei fraglos nicht erstattet.
D._ und E._ sahen gerade und einzig die Beschuldigte als Handwerke-
rin bzw. "Geschickteste" von allen bzw. "stämmige Frau", die - wie D._ wuss-
te - auch ein Brecheisen besass und demnach offenbar damit umgehen konnte
(wenn auch anzunehmen ist, dass sie für die Tür letztlich einen Schraubenzieher
benutzt hat), als prädestiniert dafür an, die Türe "fachgerecht" zu behandeln, das
heisst sie so gewaltsam zu öffnen, dass für die Polizei auch tatsächlich der An-
schein eines echten Einbruchdiebstahls erweckt würde (ND 13/5 = HD 10/4 S. 9,
ND 13/6 = HD 10/5 S. 5; ferner ND 13/4 S. 1). Dass die Beschuldigte nicht auch
die Kasse gewaltsam geöffnet, sondern E._ oder D._ dies getan haben
dürften, ändert daran nichts, ist doch eine elektronische Kasse wesentlich einfa-
cher zu knacken als eine Tür.
- 17 -
Gesamthaft betrachtet ist damit davon auszugehen, dass die beschriebene Mit-
wirkung der Beschuldigten im Rahmen der Tatausführung nicht nur die Tat förder-
te, sondern derart essentiell war, dass sie als Mittäterin zu qualifizieren ist.
3.3.3.2. In subjektiver Hinsicht ist festzuhalten, dass die Beschuldigte mit Wissen
und Willen die Türe aufbrach und dass sie dies tat, um den Einbruchdiebstahl als
echt erscheinen zu lassen und damit die Polizei zu täuschen. Nicht erforderlich für
die Erfüllung des Tatbestands als Mittäterin war, dass sie selbst die Polizei be-
nachrichtigen würde. Es war logisch, dass D._ als Saloninhaberin diese Auf-
gabe übernehmen würde. Keine Rolle spielt schliesslich - wie bereits eingangs
dargelegt - auch, dass die Beschuldigte nicht von Anfang an mitwirken wollte,
sondern sich erst - wohl kurz - vor der Ausführung der Tat und möglicherweise,
ohne dies verbal kund zu tun, dazu hinreissen liess, sich mithin erst nach einiger
Zeit dem Tatentschluss anschloss.
3.3.3.3. Nicht abschliessend beantwortet zu werden braucht die Frage, ob
D._ die Geltendmachung eines Schadens gegenüber ihrer Versicherung -
auf Anraten des Buchhalters - am Ende unterlassen hat (HD 10/4 S. 9) oder doch
noch einen Anspruch angemeldet hat, ohne dass die F._ [Versicherung] be-
zahlt hätte, wie sie E._ erklärt haben soll (vgl. HD 10/7 S. 15). D._ könn-
te E._ gegenüber Letzteres nur behauptet haben, um nicht zugeben zu müs-
sen, dass sie sich wegen des Rats des Buchhalters nicht getraute, die Versiche-
rung zu beanspruchen (vgl. dazu HD 68 S. 15). Indes ist die Frage nicht weiter
von Belang, wird der Beschuldigten doch nicht Mittäterschaft zu Versicherungsbe-
trug vorgeworfen, sondern solche zur Irreführung der Rechtspflege, und diese war
damit vollendet, dass die Behörde die Anzeige zur Kenntnis genommen hat.
3.3.3.4. Die Beschuldigte ist somit der Irreführung der Rechtspflege im Sinne von
Art. 304 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
- 18 -
B. ND 1 (Versuchter Betrug und Irreführung der Rechtspflege)
1. Anklagevorwurf
Die Staatsanwaltschaft wirft der Beschuldigten zusammengefasst vor, am 6. Sep-
tember 2013 der C._ Versicherung gemeldet zu haben, es seien ihr in den
vergangenen zwei Tagen aus dem Hausflur (an der G._-Strasse ... in Win-
terthur) Waren im Wert von Fr. 5'000.-- gestohlen worden, für die sie nun der Ei-
gentümerin D._ Schadenersatz leisten müsse, da diese die Sachen dort hin-
gestellt habe, damit die Beschuldigte sie im Keller aufbewahre (HD 33 S. 2 f.). Elf
Tage später habe die Beschuldigte wegen des angeblichen Diebstahls - letztlich
zur Untermauerung der Anspruchsberechtigung gegenüber der Versicherung -
unter Spezifizierung der Gegenstände und der einzelnen Werte Anzeige bei der
Polizei erstattet. Tatsächlich habe D._ der Beschuldigten gar nichts in den
Hausgang gestellt gehabt und sei auch nichts gestohlen worden, was die Be-
schuldigte gewusst habe.
Dadurch habe sie sich des versuchten Betrugs im Sinne von Art. 146 StGB in
Verbindung mit Art. 22 StGB sowie der Irreführung der Rechtspflege im Sinne von
Art. 304 StGB schuldig gemacht.
2. Sachverhalt
2.1. Einleitung
Die Beschuldigte räumt ein, dass die in der Anklageschrift aufgeführten Gegen-
stände allenfalls gar nie im Hausflur an der G._-Strasse ... in Winterthur de-
poniert und demnach auch nicht gestohlen worden seien. Sie stellt den äusseren
Sachverhalt nur insoweit in Abrede, als ihr vorgeworfen wird, den Schaden aus
dem Diebstahl gegenüber der Versicherung auf Fr. 5'000.-- beziffert zu haben;
tatsächlich habe sie lediglich einen Betrag von Fr. 4'500.-- genannt. Mit Bezug auf
den inneren Sachverhalt behauptet die Beschuldigte konstant, stets der Auffas-
sung gewesen zu sein, die Sachen seien von D._ tatsächlich in den Haus-
- 19 -
gang gestellt und hernach von unbekannter Täterschaft gestohlen worden. Sie
habe D._ denn auch mit Fr. 4'500.-- in bar entschädigt.
D._ erklärte am 17. September 2013 auf telefonische Anfrage der Polizei zu-
nächst, es seien ihr Gartenstühle im Wert von Fr. 600.-- abhanden gekommen
(ND 1/1 S. 3, HD 10/1 S. 2). Geld habe sie dafür bisher nicht erhalten.
Anlässlich ihrer ersten protokollarischen Einvernahme bestätigte sie auf Vorhalt
der Anzeige der Beschuldigten zunächst deren Angaben (HD 10/1 S. 1 f.). Sie
führte aus, die Stühle - die aus feuerpolizeilichen Gründen aus dem Vorkeller
D._s hätten entfernt werden müssen - in den Hausflur an der G._-
Strasse ... gestellt zu haben, damit die Beschuldigte diese zur Aufbewahrung in
deren Keller verbringe. Als der Polizeibeamte die angebliche Zahlung von Fr.
4'500.-- zur Sprache brachte, erklärte sie, am 20. September 2013 Geld von der
Beschuldigten erhalten zu haben, jedoch bloss Fr. 600.--. Die Beschuldigte habe
den Wert der Stühle wohl auf Fr. 2'000.-- veranschlagt, weil sie gewusst habe,
dass D._ die Stühle habe renovieren lassen wollen, was sie aber infolge
Geldmangels nicht getan habe. Als D._ dann die Einvernahme zur Unter-
schrift übergeben wurde, knickte sie ein (HD 10/1 S. 3). Sie erklärte, aus Mitleid
mit der Beschuldigten nicht die Wahrheit gesagt zu haben. Fortan gab D._
durchgehend an, im fraglichen Zeitraum keinen der von der Beschuldigten ge-
nannten Gegenstände an der G._-Strasse deponiert, dies gegenüber der
Beschuldigten auch nicht vorgegeben und von ihr kein Geld erhalten zu haben
(HD 10/4 S. 13 f., HD 10/6 S. 11 ff.).
Damit steht Aussage gegen Aussage, was allein jedoch nicht zu einem Freispruch
führt. Vielmehr kann über die Schuldfrage erst nach einlässlicher Prüfung der
Aussagen der Beschuldigten und von D._ entschieden werden; verbleiben
dann mindestens ernsthafte Zweifel an der Richtigkeit des Anklagesachverhalts,
hat ein Freispruch zu erfolgen.
- 20 -
2.2. Glaubwürdigkeit der Aussagenden
2.2.1. Beschuldigte
Was die Glaubwürdigkeit von A._ betrifft, so ist festzustellen, dass Beschul-
digte immer ein Interesse daran haben können, den Sachverhalt zu ihren Gunsten
zu verdrehen (vgl. dazu schon HD 79 S. 16). Diese Erkenntnis allein reduziert die
Glaubwürdigkeit einer Person, die eines Delikts verdächtigt wird, allerdings noch
nicht ernsthaft.
2.2.2. D._
2.2.2.1. Bedeutsamer ist die Frage, ob D._ - wie von der Verteidigung unter-
stellt (HD 68 S. 5) - die Beschuldigte aus Bosheit oder Rache belastet haben
könnte. Auf den ersten Blick erscheint dies nicht als völlig unwahrscheinlich, führ-
te doch D._ selber aus, zwischen den beiden Frauen hätten im interessie-
renden Zeitraum Spannungen bestanden, die darin gegipfelt hätten, dass die Be-
ziehung in die Brüche gegangen und das gemeinsame Wohnverhältnis aufgelöst
worden seien. Am Rande mitgespielt haben könnte auch der Wunsch nach Heim-
zahlung dafür, dass D._ von der Beschuldigten im April 2011 falsch ange-
schuldigt worden war, was zur Eröffnung eines Strafverfahrens gegen D._
geführt hatte (vgl. die beigez. Akten der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat,
Unt.Nr. 2011/4061).
Hätte D._ nun aber die Beschuldigte aus einer niederen Gesinnung oder als
Vergeltungsmassnahme für erlittene Unbill falsch anschuldigen wollen, hätte sie
wohl kaum zunächst bei der Polizei in die gleiche Kerbe geschlagen und deren
Darstellung damit geschützt (vgl. dazu auch unten Ziff. II.B.2.3.2.5); vielmehr hät-
te sie gleich zu Beginn der polizeilichen Befragung erklärt, der Beschuldigten kei-
ne Gegenstände in den Flur gestellt zu haben und ihr gegenüber auch nie etwas
Derartiges behauptet zu haben.
- 21 -
2.2.2.2. Auch die unbelegten, subjektiv gefärbten Leumundaussagen E._s
(vgl. dazu HD 68 S. 6 und HD 10/7 S. 4 f.) vermögen die Glaubwürdigkeit
D._s nicht ernsthaft zu schmälern.
2.2.2.3. Nicht sogleich ersichtlich ist sodann, inwiefern finanzielle Interessen
D._s (herrührend aus einer Kauf- und/oder Drogensucht [HD 68 S. 6]) Hin-
tergrund für falsche, die Beschuldigte belastende Aussagen sein könnten. Wenn
sie die Gegenstände bei der Beschuldigten deponierte oder dies zumindest vor-
gab, hätte doch der einfachste Weg darin bestanden, bei dieser schadenersatz-
begründenden Behauptung zu bleiben, insbesondere dann, wenn sie - wie die
Beschuldigte ja behauptet - bereits Fr. 4'500.-- von der Beschuldigten erhalten
gehabt hätte.
Nun bringt die Verteidigung allerdings vor, D._ sei eben während der polizei-
lichen Einvernahme vom 28. September 2013 bewusst geworden, dass der hohe
Schaden, den sie der Beschuldigten vorgespiegelt und von ihr auch ersetzt erhal-
ten habe, seitens der Polizei begründet angezweifelt worden sei. D._ habe
realisiert, dass die gegenüber der Beschuldigten getätigten Falschangaben auf-
gedeckt werden würden (HD 68 S. 8, HD 96 S. 4 f.). Aus Angst, dann selber "ein
Strafverfahren am Hals" zu haben und das Geld zurückzahlen zu müssen, habe
sie "die Flucht nach vorne" angetreten und ihre Aussagen widerrufen.
Diese Argumentation wirkt konstruiert. Der befragende Polizeibeamte mag nach
der kurzen Befragung D._s am Telefon vom 17. September 2013 und ange-
sichts der teils zurückhaltenden, teils etwas gesucht wirkenden, wenn auch nicht
unmöglichen Aussagen (insbesondere zu den differierenden Wertangaben betref-
fend die Stühle) der Auskunftsperson in der polizeilichen Befragung vom 28. Sep-
tember 2013 nonverbal zu erkennen gegeben haben, dass er an ihren die Be-
schuldigte schützenden Vorbringen zweifle. Dass sich aber in dieser Befragung
aus Anspielungen des Befragenden oder anderen Gründen ernsthafte Anhalts-
punkte für D._ ergeben hätten, dass sie (D._) verdächtigt oder gar bald
überführt werde, gegenüber der Beschuldigten wahrheitswidrig behauptet zu ha-
ben, sie habe ihr Gegenstände in den Hausflur gelegt, um sich dann zum Nachteil
der Beschuldigten unrechtmässig zu bereichern, ergibt sich aus den Akten in kei-
- 22 -
ner Weise. Es erscheint deshalb ausgesprochen unwahrscheinlich, dass D._
wegen solcher Befürchtungen (und einer drohenden Rückzahlungspflicht) ihre
plötzliche Kehrtwende vollzogen und die Beschuldigte mit ihren Aussagen wider
besseres Wissen beschuldigt haben sollte. Eine Beeinträchtigung der Glaubwür-
digkeit der Aussagen D._s von erheblichem Gewicht resultiert aus der Unter-
stellung der Verteidigung daher nicht.
2.2.2.4. Zu deutlich erhöhter Vorsicht bei der Aussagenwürdigung gibt allerdings
und immerhin Anlass, dass D._ mit Bezug auf ND 13 Angaben zur Beteili-
gung der Beschuldigten beim vorgetäuschten Einbruchdiebstahl gemacht hat, die
nicht als erstellt betrachtet werden können (oben Ziff. II.A).
2.3. Glaubhaftigkeit der Aussagen
2.3.1. D._
2.3.1.1. Wie bereits erwähnt, stand D._ die anfängliche Darstellung, wonach
sie der Beschuldigten Gegenstände zur Aufbewahrung in den Hausgang gelegt
habe, nicht durch (HD 10/1 S. 1 ff.). Gemäss der Beobachtung des einverneh-
menden Polizeibeamten mit den Tränen kämpfend gestand sie schon nach relativ
kurzer Befragung von sich aus ein, nicht tatsachenkonform ausgesagt zu haben
(a.a.O. S. 3). Dabei blieb sie auch in den folgenden zu Lasten der Beschuldigten
verwertbaren Befragungen, und zwar selbst dann, als sie mit ihr konfrontiert wur-
de (HD 10/4 S. 13 f., HD 10/6 S. 11 ff.).
Die Begleitumstände dieses Richtungswechsels und die Konstanz ihrer nachfol-
genden Depositionen im Kern sind Indizien für die Richtigkeit ihrer die Beschuldig-
te belastenden Ausführungen.
2.3.1.2. D._s Aussagen zu den Stühlen sind - entgegen den Vorbringen der
Verteidigung (HD 68 S. 8 f.) - nicht widersprüchlich, sondern lebensnah, plausibel
und anklagekompatibel. Sie führte aus, die Hausverwaltung habe aus feuerpoli-
zeilichen Gründen von ihr verlangt, die bei ihr im Vorkeller stehenden eisernen
Gartenstühle - die sie ursprünglich hätte renovieren lassen wollen, wofür ihr je-
doch das Geld gefehlt habe - zu entfernen bzw. in ihren (privaten) Keller zu stel-
- 23 -
len (HD 10/1 S. 1 und 2, HD 10/4 S. 13). Sie habe die (bei ihr wohnende) Be-
schuldigte geheissen, ihre Malersachen in D._s Keller wegzuräumen, damit
sie die Stühle in den Keller legen könne bzw. sie gebeten, die Stühle aus dem
Vorkeller zu entfernen und in den Keller einzuschliessen (HD 10/1 S. 3, HD 10/4
S. 13). Das habe sie jedoch nicht gemacht (HD 10/4 S. 13). Hierauf habe der
Verwalter ihr angedroht, dass die Stühle entsorgt würden. In der Befragung vom
28. September 2013 gab D._ an, irgendwann seien die Stühle dann weg ge-
wesen, ob gestohlen oder entsorgt, wisse sie nicht (HD 10/1 S. 3). Die Beschul-
digte habe ihr dies mitgeteilt, nachdem sie einmal im Keller gewesen sei. D._
sei "sauer" gewesen, weil sie wegen des Verhaltens der Beschuldigten wieder ei-
nen Nachteil gehabt habe (HD 10/4 S. 14). Die Beschuldigte habe das eingese-
hen und gemeint, sie werde dafür sorgen, dass D._ ihren Schaden von der
Versicherung ersetzt erhalte. D._ habe lachen müssen, weil die Stühle ja fast
keinen Wert gehabt hätten.
In der Einvernahme vom 17. Februar 2014 ergänzte D._ nahtlos passend,
sie habe im Dezember 2013 (also in der Zwischenzeit seit der letzten Einvernah-
me), als sie diverse Sachen aus ihrer Wohnung entsorgt habe, ihre vier Stühle bei
der Recycling-Station hinter dem Bahnhof H._ gesehen; die Stühle seien al-
so nicht gestohlen, sondern von der Hausverwaltung entsorgt worden (HD 10/4
S. 13 f.). Die Entsorgung habe etwa zwei Wochen bis einen Monat vor der Anzei-
ge der Beschuldigten stattgefunden. Einige Tage nach dieser Befragung lieferte
D._ ausserdem per Mail weitere Angaben zu den Stühlen sowie die Kontakt-
daten des entsorgenden Hauswarts (ND 1/8 und 1/9).
Die Aussagen D._s zu den Stühlen widersprechen entgegen der Auffassung
der Verteidigung auch mitnichten "diametral den Angaben des Hauswarts
I._" (HD 68 S. 9), auf dessen telefonische Befragung vom 27. Februar 2014
nachfolgend einzugehen ist, weil sie von der Verteidigung zur Entlastung der Be-
schuldigten angeführt werden. I._ erklärte zeitlich und örtlich kompatibel zu
den Vorbringen und Fotos (ND 1/7) von D._, er habe im Spätsommer bis
Herbst 2013 vier ihrer gusseiserne Barockstil-Stühle im Barockstil in die Recyc-
lingstelle H._ gebracht (ND 1/3 S. 2 f.). Wenn I._ überdies angab,
- 24 -
D._ habe nichts dagegen gehabt, dass die Stühle aus der Liegenschaft ent-
fernt werden würden und ihm auf seine Frage hin erklärt, er dürfe sie - statt sie zu
entsorgen - auch selbst behalten, dann bedeutet dies noch lange nicht, dass
D._ nicht danach wieder den Entschluss gefasst haben könnte, die vom
Verwalter noch nicht entsorgten Stühle zu behalten (um sie später einmal zu res-
taurieren) und deshalb die Beschuldigte hiess, sie solle Platz im Keller schaffen
und die Stühle dort verstauen. Wenn die Beschuldigte dem nicht Folge leistete
und die Stühle dann plötzlich aus dem Vorkeller verschwunden waren, konnte
D._, wie sie das in der ersten formellen Befragung auch aussagte, nicht wis-
sen, ob sie nun vom Hauswart entsorgt oder von sonst jemandem mitgenommen
worden waren. Erst als sie die Stühle in der Zeit bis zur nächsten Befragung in
der Recyclingstelle entdeckte, war ihr dies klar, was sie denn auch in der nächst-
möglichen Befragung sofort berichtete.
2.3.1.3. Weiter findet sich in den Aussagen D._s zum angeblich gestohlenen
Laptop kein Widerspruch von Gewicht. Wenn D._ an der G._-Strasse ...
kein solches Gerät in den Hausflur stellte, dies gegenüber der Beschuldigten auch
nicht behauptete und sie der Beschuldigten demzufolge auch keine Liste der ge-
stohlenen Gegenstände übermittelte, konnte sie nicht wissen, welche Angaben
zum angeblich gestohlenen Notebook die Beschuldigte anschliessend gegenüber
Versicherung und der Polizei machte. Sie durfte deshalb diesbezüglich in den Be-
fragungen etwas spekulieren. Ihre anfängliche Auslegung, wonach die Beschul-
digte mit dem Erhalt der Versicherungsleistung den Verlust des dieser im Jahr
2012 in einem Park gestohlenen Laptops (wofür sie nicht versichert gewesen sei),
finanziell hätte ausgleichen wollen (HD 10/1 S. 3 f.), kann dabei durchaus der in
einer späteren Einvernahme geäusserten Meinung gewichen sein, die Beschul-
digte habe allenfalls den Laptop, den D._ ihr eine Zeitlang überlassen gehabt
und nun wieder bei sich habe (wodurch aus D._s Sicht ein Mitwirkungsver-
dacht an einem versuchten Versicherungsbetrug der Beschuldigten hätte entste-
hen können), angegeben (HD 10/4 S. 12 und 13, vgl. auch HD 10/6 S. 1 f.).
Wenn sie im Weiteren auf die singuläre, nicht weiter vertiefte Frage der Staats-
anwältin in der Befragung vom 7. April 2014, ob sie "Kenntnis darüber" habe, "ob
- 25 -
der Beschuldigten je ein Laptop gestohlen worden" sei (HD 10/6 S. 13), mit "nein"
antwortete, dann stellt dies keine unauflösliche Diskrepanz zur in der ersten (poli-
zeilichen) Einvernahme getätigten Aussage betreffend den Computer-Diebstahl
im Park dar: Die Befragte kann die Frage der Staatsanwältin dahingehend ver-
standen haben, dass sie wissen wolle, ob sich D._ sicher sei, dass der Be-
schuldigten überhaupt jemals ein Laptop gestohlen worden sei (etwa, weil
D._ zugegen war, als der Beschuldigten der Computer in der Grünanlage
gestohlen wurde). Wusste sie vom angeblichen Diebstahl nur vom Hörensagen,
dann durfte sie die so verstandene Frage verneinen, ohne sich in einen Wider-
spruch zu setzen. Möglich ist angesichts des Zeitablaufs ferner, dass D._
mittlerweile die Episode des Diebstahls im Park nicht mehr in Erinnerung hatte.
Im Übrigen tragen auch die Aussagen der Beschuldigten wenig zur Klärung der
Frage bei, auf welches Notebook sie im Rahmen der Diebstahlsanzeige Bezug
genommen hat. Sie zeigen immerhin ebenfalls, dass verschiedene Varianten
denkbar sind. So führte die Beschuldigte in der Befragung vom 31. Januar 2014
auf Vorhalt von Aussagen D._s aus, sie habe tatsächlich einen Laptop ge-
habt, der ihr ihr weggekommen sei (HD 7/8 S. 3), womit sie die diesbezüglichen
Angaben D._s bestätigte. Einen zweiten Laptop der Marke Acer habe sie
D._ für einen kleinen Betrag verkauft. In der Hauptverhandlung erwähnte sie
diesen Verkauf allerdings nicht mehr, sondern gab zum Thema an, D._ ein-
mal ein Tablet geschenkt zu haben, "aber sonst nichts" (Prot. I S. 15). Der gestoh-
lene Laptop habe D._ gehört; die Beschuldigte habe in jenem Zeitpunkt gar
keinen besessen.
2.3.1.4. Was ungereimt bleibt ist, dass D._ in der Einvernahme vom 7. April
2014 erklärte, die Beschuldigte sei zwar im September 2013 ab und zu bei ihr zu
Besuch gewesen, doch habe sie keine Ahnung, wo sie gewohnt habe (HD 10/6
S. 13).
Ein halbes Jahr vorher hatte sie nämlich demgegenüber - nachdem sie zuerst an-
gegeben gehabt hatte, die Beschuldigte habe (bloss) anfangs September 2013
vorübergehend bei ihr gewohnt - ausgeführt, die Beschuldigte sei mit Wissen der
Beiständin während neun Monaten bis zum 27. September 2013 bei ihr (in
- 26 -
H._) wohnhaft gewesen; die Post sei allerdings an die G._-Strasse (in
Winterthur) gegangen (HD 10/1 S. 3 f.). Zu diesen Ausführungen passt die Mail,
die D._ der Beschuldigten am 29. September 2013 schrieb (vgl. HD 81/4).
Möglicherweise ist D._ bei ihrer Angabe im polizeilichen Verhör vom Frühjahr
2014 schlicht einem zeitlichen Irrtum erlegen. Denkbar ist aber auch, dass sie
vergessen hatte, dass sie im Herbst des Vorjahrs gegenüber der Polizei bereits
eingeräumt hatte, dass die Beschuldigte im September 2013 bei ihr in Untermiete
gelebt hatte, und wollte sie dies nun auf Frage der Staatsanwältin aus Angst nicht
zugeben, mitverantwortlich für die Unterlassene Anmeldung bei der Gemeindebe-
hörde H._ gemacht zu werden. Letztlich kann die Frage, was hinter den wi-
dersprüchlichen Vorbringen steckt, jedoch offen bleiben, denn noch mehr als
beim Thema Laptop handelt es sich auch hier um einen Nebenpunkt, der nicht
von derartigem Gewicht ist, dass die Glaubhaftigkeit der Kernaussage D._s
umgestossen würde. Dies gilt umso mehr, als die Aussagen der Beschuldigten
zum Zeitraum des Zusammenwohnens genau gleich divergent sind: Sagte sie in
einer Befragung vom 31. Januar 2014 noch aus, sie habe bis und mit September
2013 mehrere Monate bei D._ gewohnt (HD 7/17 S. 2), erklärte sie in der
Hauptverhandlung vor Bezirksgericht, im September 2013 (als sie D._ Scha-
denersatz gezahlt habe) nicht mehr mit ihr zusammengewohnt zu haben (Prot. I
S. 12).
2.3.1.5. Nach dem Gesagten erweist sich das Vorbringen von D._, im inte-
ressierenden Zeitpunkt keine Gegenstände in den Flur an der G._-Strasse
gelegt zu haben (damit die Beschuldigte die Sachen für sie aufbewahre) und ihr
dies auch nicht vorgespiegelt zu haben, als glaubhaft.
2.3.2. Beschuldigte
Als realitätsfremd und durchsetzt mit Widersprüchen und weiteren Lügensignalen
entpuppt sich dagegen bei näherer Betrachtung die Sachverhaltsversion der Be-
schuldigten.
- 27 -
2.3.2.1. Als noch unverdächtig erscheint zwar - entgegen der Ansicht von Ankla-
gebehörde und Vorinstanz (HD 33 S. 2, HD 79 S. 18) - dass auf den Formularen
der C._ vom 6. September 2013 ein Betrag von Fr. 5'000.-- figuriert (ND
1/10). Denn diese Einträge belegen - wie auch die Verteidigung zu Recht vor-
bringt (HD 81/1 S. 4) - keineswegs, dass die Beschuldigte gegenüber der Versi-
cherung eine Schadenssumme in dieser Höhe (und nicht nur von rund Fr. 4'500.--
, wie sie behauptet) angegeben hat. Es handelt sich beim einen Formular um ein
von einer Versicherungsmitarbeiterin aufgrund der noch rudimentären telefoni-
schen Schadensmeldung der Beschuldigten ausgefülltes internes Papier, beim
anderen um eine von der Versicherung gleichentags vorbereitete, aber von der
Versicherungsnehmerin (noch) nicht unterzeichnete "Ereignismeldung". Dass die
Versicherungsmitarbeiterin dabei den von der Beschuldigen per Telefon angege-
benen Betrag von Fr. 4'500.-- aufrundete (etwa weil es sich um einen Schaden in
der Kategorie "bis Fr. 5'000.--" handelte), ist durchaus möglich. Auf den Papieren
ist denn auch bloss von einer "Schätzung zum Ereignisdossier" bzw. "mutmassli-
chen Kosten" die Rede. Nähere Angaben zu Beschaffenheit und Wert des "Die-
besguts" machte die Beschuldigte gemäss der Eingabe der Verteidigung erst drei
Tage später, in einer Mail vom 9. September 2013, aus welcher sich eine Scha-
denssumme von Fr. 4'500.-- ergibt (HD 81/2). Auch den beigezogenen Versiche-
rungsunterlagen lässt sich nichts anderes entnehmen (HD 91/5).
Somit ist mit der Verteidigung davon auszugehen, dass die Beschuldigte gegen-
über der Versicherung stets einen Warenwert von insgesamt Fr. 4'500.-- und nicht
von Fr. 5'000.-- angab.
2.3.2.2. Unverfänglich ist ferner, dass die Beschuldigte erst am 17. September
2013, und damit rund eineinhalb Wochen nach der angeblichen Entdeckung des
Diebstahls, bei der Polizei Anzeige erstattete (ND 1/1). Sie kann davon ausge-
gangen sein, die Schadensdeckung erfolge auch ohne Einschaltung der Polizei.
Eine Mail des C._ Sachbearbeiters J._ vom 9. September 2013 liess ei-
ne solche Interpretation ohne Weiteres zu (HD 81/2). Erst die weitere elek-
tronische Nachricht vom 17. September 2013, 14.28 Uhr, mit welcher J._ ei-
ne schriftliche Ermächtigung von der Beschuldigten "zur Einsichtnahme in die po-
- 28 -
lizeilichen Untersuchungsakten" verlangte (HD 81/3), machte klar, dass die Versi-
cherung eine Meldung an die Polizei erwartete. Eine Dreiviertelstunde später er-
schien die Beschuldigte zwecks Anzeigeerstattung im Polizeiposten, um später
der Versicherung einen Polizeirapport einreichen zu können (ND 1/1 S. 1, ND 1/4
S. 1, Prot. I S. 14).
2.3.2.3. Bei der Polizei reichte sie nach einer summarischen Schilderung des Vor-
falls eine handgeschriebene Liste mit den scheinbar gestohlenen Gegenständen
und deren Wert ein (ND 1/4 S. 1, vgl. auch Beilage 1 zu HD 7/8 = ND 1/11). Wei-
ter gab sie an, D._ weile für ca. zwei Monate in den Ferien (und die Beschul-
digte habe ihr den Schaden von Fr. 4'500.-- bereits ersetzt). In der kurzen Pause
zwischen Anzeigeerstattung und formeller Befragung der Beschuldigten erreichte
der mit der Sache befasste Polizeibeamte dann aber zu seiner Überraschung
D._ am Arbeitsort (ND 1/1 S. 3, ND 1/4 S. 4). Mit dieser Tatsache konfron-
tiert gab die Beschuldigte sofort zu, wider besseres Wissen behauptet zu haben,
D._ sei in den Ferien. Sie habe gewusst, "dass sie hier ist" (ND 1/4 S. 2),
aber "allen jetzt gesagt", dass sie in den Ferien sei. Wo D._ wann sei, gehe
niemanden etwas an (a.a.O. S. 2 und 3). Die Lüge der Beschuldigten bezüglich
der Abwesenheit D._s und ihre nichtssagende Begründung dafür lassen auf-
horchen und legen den Schluss nahe, dass die Beschuldigte unter allen Umstän-
den verhindern wollte, dass D._ sofort zur Sache befragt würde, sei es, weil
sie sich nicht sicher war, ob D._ bei den irreführenden Angaben mit ihr ge-
meinsame Sache machen würde, sei es, weil die Details noch nicht abgespro-
chen bzw. einstudiert waren, sei es wegen beidem. Tatsächlich differierten die
Auskünfte der beiden denn auch, indem D._ etwa einzig von gestohlenen
Stühlen sprach, deren Wert geringer ansetzte als die Beschuldigte und überdies
vorbrachte, die von der Beschuldigten behauptete Entschädigung nicht erhalten
zu haben (ND 1/1 S. 3).
2.3.2.4. Die Beschuldigte erklärte die Bestreitung D._s, von der Beschuldig-
ten Schadenersatz für die Sachen erhalten zu haben damit, dass D._ Schul-
den bei der Familie bzw. Schwester habe und diese Person just im Zeitpunkt des
Anrufs des Polizeibeamten auf D._s Coiffeurstuhl gesessen habe; den Be-
- 29 -
such der Schwester im Salon habe D._ der Beschuldigten am Vortag ange-
kündigt (HD 7/1 S. 2). Isoliert betrachtet lässt sich diese Behauptung, auch wenn
sie gesucht erscheint, nicht widerlegen.
Erhebliche Zweifel an dieser Aussage und damit an der Behauptung einer Scha-
denersatzzahlung weckt aber, dass die Beschuldigte offensichtlich selbst der
Überzeugungskraft ihres Vorbringens nicht recht traute, schob sie doch sogleich
nach, D._ habe "ihre Schwester schon länger nicht mehr auf dem Stuhl" ge-
habt und sei "deshalb etwas aufgeregt" gewesen. Eine solche Nervosität kann die
Beschuldigte aber nicht selbst wahrgenommen (oder zwischenzeitlich von
D._ erfahren) haben, war sie doch beim ihr eben erst stattgefundenen und
der Beschuldigten bekanntgegebenen Telefongespräch nicht Mithörerin oder gar
Teilnehmerin, sondern gar nicht anwesend gewesen (ND 1/4 S. 2). Abgesehen
davon ist nicht ersichtlich, wie eine Nervosität D._s den Wahrheitsgehalt der
Aussagen der Angerufenen gegenüber dem Polizeibeamten beeinflusst haben
sollte; die Bemerkung erfolgte offensichtlich aus Verlegenheit.
Verstärkt werden die Zweifel sodann durch den Umstand, dass zwar nicht völlig
unmöglich, aber kaum vorstellbar ist, dass die Beschuldigte, die seit vielen Jahren
mit einer IV-Rente von Fr. 1'750.-- und Zusatzleistungen am Existenzminimum
lebt, die im hier interessierenden Zeitraum hoch verschuldet war und deren finan-
zielle Angelegenheiten von einer Beiständin geregelt wurden, in der Lage gewe-
sen sein könnte, Fr. 4'500.-- in bar (gesammelt in einer "Sparflasche") für Ferien
auf die Seite zu legen (HD 7/1 S. 3, HD 7/17 S. 3, HD 7/18 S. 9 f., HD 81/4, Prot. I
S. 7 f. und 14), selbst wenn IV-Nachzahlungen erfolgt wären (HD 7/18 S. 9; vgl.
dazu HD 79 S. 17 und Prot. II S. 21 f.), was die Beschuldigte freilich nicht belegt
hat.
Doch selbst wenn man dies noch glaubte, erschiene angesichts der Behauptun-
gen der Beschuldigten,
- dass es zwischen ihr und D._ schon zuvor öfters Streitereien wegen
deren wahrheitswidrigen Angaben zu Sachen gegeben habe (Prot. I S. 10
f.),
- 30 -
- dass D._ immer bestreite, Geld von der Beschuldigten erhalten zu ha-
ben, wenn eine Quittung fehle (HD 7/8 S. 1) und
- dass D._ wegen der vorliegend abhanden gekommenen Gegenstände
"Krieg" veranstaltet, ihr "die Hölle heiss" gemacht, ja, sie sogar mittels Dro-
hung unter Druck gesetzt habe (HD 7/18 S. 8 f.),
die Vorstellung als völlig lebensfremd, sie könnte D._ eine derart hohe
Summe ohne Quittung - angeblich in der Überlegung, dass man das "unter
Freunden" nicht mache (HD 7/1 S. 2) - bezahlt haben.
Aus all diesen Gründen erweisen sich die Aussagen der Beschuldigten zur an-
geblich geleisteten Schadenersatzzahlung nicht als glaubhaft. Das strahlt auch
auf die übrige Sachverhaltsdarstellung der Beschuldigten negativ aus.
2.3.2.5. D._ entzog sich längere Zeit einer formellen polizeilichen Befragung
(ND 1/1 S. 4, HD 10/4 S. 14). Sie liess zweimal einen vereinbarten Termin ver-
streichen. Am 28. September 2013, um 18.30 Uhr, erschien sie dann endlich zur
Einvernahme (ND 1/5). In der vorangegangenen Nacht, am 28. September 2013,
um 03.17 Uhr, hatte ihr die - elf Tage zuvor (und dann erst wieder am 31. Januar
2014) polizeilich befragte - Beschuldigte folgende Mail mit dem Betreff "Diebstahl"
gesandt:
"Am 4. September hast Du, vorübergehend aus platzmangel, bei mir an der G._-Strasse, im Treppen-
haus Deine Sachen deponier.
Ein Jumbo Umzugskarton mit Deinem Acer Laptop, in der original Verpackung mit Zubehör, diverse Speicher
Chips und Steks, Bücher, Lexikas und Unterlagen (Quitungen, Bedienungsanleitungen etc.). Und die 4 alten
Gartenstühle.
Als ich Dich dann informiert habe, dass alles weg ist. Warst du stink sauer und sagtest: Ich solle das in Ord-
nung bringen. Du seist die nächsten 2 Monate nicht da.
Da ich keinen Stress mit Dir haben wollte, glich ich dann auch gleich Deinen Finanziellen Verlust aus. Ohne
Quittung, mir sind ja befreundet, das braucht man dann nicht.
Das Geld ist aus meiner Spar Flasche. Dies war für Ferien gedacht.
Als er Dir ins Geschäft angerufen hat, konntest Du nicht mit ihm sprechen, da Deine Schwester gerade da
war und nichts mitbekommen sollte. Da mir zwei offiziell nicht miteinander verkehren.
Und auch wenn Kunden da sind, würde da nichts ändern. Das ist privat und geht niemanden etwas an.
A._ weiss das genau und wollte das sicher verhindern, als sie sagte, dass ich nicht da b in. Ich sagte ihr
dies auch.
- 31 -
Laptop Acer 1'500.-
Speicher Chips und Steks 200.-
Bücher u. Lexikas 800.-
4 Stühle 600.-
Die Stühle sind noch nicht restauriert, das war ein missverständnis gewesen."
Offensichtlicher könnte die Instruktion einer Person vor deren Aussage bei den
Behörden kaum sein. Die Beschuldigte diktierte Datum, Ort und Grund der angeb-
lichen Deponierung, bezeichnete die Sachen genau, einschliesslich Verpackung
und Wertangabe, beschrieb die Reaktion D._s nach dem Verlust, die Scha-
denersatzzahlung und woher die Beschuldigte dieses Geld gehabt haben soll.
Hätten sich die Ereignisse tatsächlich so abgespielt, dann wäre nicht einzusehen,
weshalb die Überbringerin und Eigentümerin der Ware nicht einmal vier Wochen
nach dem behaupteten Diebstahl von der Beschuldigten derart detailliert daran
hätte erinnert werden sollen, warum sie welche Waren worin wohin gestellt habe,
dass sie nach dem Verlust verärgert reagiert habe und dass sie eine Schadener-
satzzahlung gefordert und diese sofort erhalten hätte. Dies zumal die Beschuldig-
te die Sachen ja nicht selbst im Hausflur gesehen, sondern Art und Wert der Ge-
genstände erst nach dem "Diebstahl" von D._ erfahren (und sich notiert) ha-
ben will (vgl. HD 7/18 S. 8, HD 68 S. 7, Prot. I S. 14). Durch diesen Umstand wird
der Erklärungsversuch der Beschuldigten, wonach sie D._ dieses Mail nur
geschickt habe, weil D._ sie vorher angerufen habe, gesagt habe, sie sei im
Stress, wisse nicht mehr, was gewesen sei und sie darum gebeten habe, durch-
zugeben, was sie (die Beschuldigte) der Polizei angegeben habe (Prot. II S. 24 f.),
als blosse Schutzbehauptung entlarvt.
Kommt hinzu, dass die Beschuldigte D._ auch noch - teilweise sogar in di-
rekter Rede - diktierte, welche Rechtfertigung sie für ihre Lüge, D._ sei zwei
Monate abwesend, vorbringen sollte und warum D._ anlässlich des Telefon-
anrufs der Polizei keine vollständigen Angaben machte.
Schliesslich lieferte die Beschuldigte D._ eine Begründung für die Diskre-
panz in der Wertangabe der Stühle (die Beschuldigte hatte ja in der ersten polizei-
lichen Befragung vom 17. September 2013 einen Wert von Fr. 2'000.-- angege-
- 32 -
ben, während D._ gleichentags auf telefonische Anfrage von Fr. 600.-- ge-
sprochen hatte). Der Widerspruch sollte gegenüber den Behörden mit der Erklä-
rung aufgelöst werden, dass die Beschuldigte irrtümlich davon ausgegangen sei,
die Stühle seien bereits restauriert gewesen. Tatsächlich nahm D._ dann in
der Einvernahme auf die (wie erwartet gestellte) Frage entsprechend Stellung
(HD 10/1 S. 2). Damit ist übrigens auch die Behauptung der Verteidigung,
D._ habe die Beschuldigte mit ihren Aussagen gar nie wirklich schützen wol-
len, was sich daraus ergebe, dass sie von einem Wert der Stühle von Fr. 600.--
gesprochen habe (HD 68 S. 8), widerlegt.
2.3.2.6. Die Beschuldigte erklärte, zwar davon auszugehen, aber keine sichere
Kenntnis davon zu haben, dass D._ die hier interessierenden Gegenstände
je im Hausflur deponiert habe (HD 7/18 S. 8, Prot. I S. 14). Im Zeitraum, in dem
die Sachen dort gelagert gewesen sein könnten, sei die Beschuldigte nämlich in
einer schlechten Verfassung gewesen und habe die Wohnung an der G._-
Strasse nicht verlassen, weshalb sie die Sachen weder wie abgemacht in ihren
Keller verbracht noch gesehen habe (HD 7/18 S. 8 f., Prot. I S. 12, Prot. II S. 19 ff.
und S. 26 f.). Als die Sachen dann weg gewesen seien, habe sie "die Leute im
Haus darauf angesprochen", gefragt, "ob jemand etwas gesehen hat" (HD 7/18 S.
8). Sie glaube, eine Person habe ihr gesagt, dass sie die Sachen gesehen habe
und dass diese dann irgendwann weg gewesen seien; allerdings wisse sie nicht
mehr, mit wem sie da gesprochen habe (a.a.O. S. 8 und 9).
Diese Aussagen wirken teilweise gekünstelt und vermögen die Sachverhaltsver-
sion der Beschuldigten nicht zu stützen.
Insbesondere erscheint eigenartig, dass sie gegenüber der Polizei zunächst an-
gab, nur zu "glauben", nach dem "Diebstahl" von einer Person im gleichen (Mehr-
familien-)Haus erfahren zu haben, dass diese die Sachen gesehen habe. Wenige
Fragen später war dies dann aber offenbar nicht mehr ungewiss; nun wusste sie
bloss nicht mehr, wer von den Hausbewohnern ihr dies mitgeteilt haben soll. Wer,
wie dies die Beschuldigte von sich behauptete, aktiv (und damit offensichtlich von
Zweifeln getrieben) die Mitbewohner des Hauses darauf anspricht, ob sie Gegen-
stände im fraglichen Zeitraum im Flur gesehen hätten, der merkt sich auch, wer
- 33 -
dies bejaht hat. Doch selbst wenn sie das tatsächlich vergessen hätte, wäre zu
erwarten gewesen, dass sie im eigenen Interesse spätestens, nachdem ihr weni-
ge Wochen nach dem angeblichen Diebstahl zum Vorwurf gemacht worden war,
Versicherung und Polizei mit der Angabe, D._ habe ihr die Waren in den
Hausflur gestellt, belogen zu haben bzw. sich des versuchten Betrugs und der Ir-
reführung der Rechtspflege schuldig gemacht zu haben, alles unternommen hät-
te, um diese Person im Haus wieder ausfindig zu machen und als Zeugen anzu-
bieten. Von solchen Anstrengungen haben aber weder die Beschuldigte noch die
Verteidigung je etwas verlauten lassen. Im Gegenteil, gab die Beschuldigte an-
lässlich der Berufungsverhandlung an, der fragliche Hausbewohner wohne - so
glaube sie - nicht mehr dort. Sie habe diesen nur flüchtig gekannt (Prot. II S. 20).
Demnach scheint die Beschuldigte nun doch wieder zu wissen, welcher Hausbe-
wohner die Sachen gesehen haben will, ohne diesen jedoch namentlich zu be-
zeichnen, was beispielsweise über die Hausverwaltung leicht möglich gewesen
wäre.
Bleibt festzuhalten, dass die angeblichen Äusserungen des Hausbewohners sich
selbstredend nicht mit der Behauptung der Beschuldigten in Einklang bringen las-
sen würden, D._ habe gar nichts in den Hausflur gestellt, sondern sie dies-
bezüglich belogen.
2.4. Fazit
Zusammenfassend ergibt die Aussagenanalyse, dass die Darstellung von
D._, wonach sie der Beschuldigten weder in Aussicht stellte, ihr die in der
Anklageschrift aufgeführten Gegenstände zur Aufbewahrung an die G._-
Strasse ... zu bringen, noch dies tat, überzeugt.
Demgegenüber führt die Summe der sich aus der Würdigung der Aussagen der
Beschuldigten ergebenden Lügensignale zum Schluss, dass die Sachverhaltsver-
sion der Beschuldigten nicht den Tatsachen entspricht, sie insbesondere in kei-
nem Zeitpunkt davon ausging, D._ habe die besagten Sachen im Hausgang
deponiert und diese seien daraufhin gestohlen worden und sie D._ entspre-
chend auch keine Entschädigung ausrichtete.
- 34 -
Der Anklagesachverhalt ist damit (mit der nebensächlichen Ausnahme, dass nicht
nachweisbar ist, dass die Beschuldigte gegenüber der Versicherung einen Wa-
renwert von Fr. 5'000.-- angab) erstellt.
3. Rechtliche Würdigung
3.1. Betrug
3.1.1. Des Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB macht sich schuldig, wer in
der Absicht, sich oder einen anderen unrechtmässig zu bereichern, jemanden
durch Vorspiegelung oder Unterdrückung von Tatsachen arglistig irreführt oder
ihn in einem Irrtum arglistig bestärkt und so den Irrenden zu einem Verhalten be-
stimmt, wodurch dieser sich selbst oder einen andern am Vermögen schädigt.
3.1.2. Die Beschuldigte versuchte, die C._ mit einer für die Versicherung
nicht leicht durchschau- oder überprüfbaren Lügengeschichte hinsichtlich des be-
haupteten Diebstahls zu täuschen. Dabei handelte es sich - entgegen der Argu-
mentation der Verteidigung (HD 96 S. 2 f.) - nicht nur um eine einfache Lüge ge-
genüber der Versicherung, sondern um ein ganzes Konstrukt, in welches die Be-
schuldigte raffinierterweise mit D._ eine Drittperson einbezog, und auch nicht
vor der Erstattung einer Anzeige bei der Polizei (unter Gewährung des Einsichts-
rechts für die Versicherung) zurückschreckte. Das Verhalten der Beschuldigten
erfüllt somit das Merkmal der Arglist.
Die F._ kam ihrer Opfermitverantwortung auf jeden Fall nach, indem sie es
nicht bei den mündlichen und schriftlichen Äusserungen der Beschuldigten be-
wenden liess, sondern mit Mail vom 17. September 2013 von ihr zusätzlich eine
Vollmacht für die Einsicht in die Akten der Behörden verlangte und somit implizit
eine Anzeige forderte (HD 81/3) - denn damit schuf sie eine zusätzliche psychi-
sche Hürde -, und indem sie eine Woche später von der Kantonspolizei die "bis
heute vorhandenen amtlichen Akten ... zur Einsichtnahme" beizog (ND 1/12,
HD 91/7). Quittungen zu verlangen, hätte den Lug nicht aufgedeckt, erklärte die
Beschuldigte doch in einer den Schaden spezifizierenden Mail an die Versiche-
rung, auch diese seien in der gestohlenen Umzugskiste gewesen (HD 91/5).
- 35 -
Zur Vermögensdisposition und einem entsprechenden Schaden bei der Versiche-
rung sowie zur angestrebten ungerechtfertigten Bereicherung der Beschuldigten
kam es in der Folge nicht. Die Beschuldigte hat wissentlich und willentlich sowie
in der Absicht unrechtmässiger Bereicherung gehandelt.
3.1.3. Unbehelflich ist der Einwand der Verteidigung, die Beschuldigte habe die
oben erwähnte Vollmacht, soweit sie sich erinnere, nicht öffnen können und sie
ihres Wissen auch nie unterzeichnet (HD 81/1 S. 4). Die Versicherungsunterlagen
würden dies bestätigen. Die Beschuldigte habe daher das Vermögen der Versi-
cherung gar nie ernsthaft gefährdet, weshalb in rechtlicher Hinsicht lediglich von
straflosen Vorbereitungshandlungen ausgegangen werden könne.
Die Verteidigung hat offensichtlich übersehen, dass sich in den vorliegenden Ver-
fahrensakten eine Kopie des Schriftstücks befindet, mit welchem die Beschuldigte
die C._ am 17. September 2013 (also noch am Tag, an dem ihr von dieser
die E-Mail samt Anhang zugestellt worden war und sie sich zwecks Anzeigeer-
stattung zur Polizei begeben hatte) mittels Unterschrift zur Einsichtnahme in die
amtlichen Akten ermächtigte und sich damit einverstanden erklärte, dass die Ver-
sicherung die für die Schadenabwicklung notwendigen Daten und Informationen
beschaffen, bearbeiten und im gesetzlich zulässigen Rahmen an Dritte weiterge-
ben würde (ND 1/12, Blatt 2). Die Argumentation der Verteidigung fällt damit in
sich zusammen.
3.1.4. Nicht nachvollzogen werden kann sodann, inwiefern der von der Verteidi-
gung (teilweise wörtlich) zitierte, mittlerweile als BGE 140 IV 150 publizierte Bun-
desgerichtsentscheid die Beschuldigte mit Bezug auf die rechtliche Qualifikation
zu entlasten vermöchte (HD 81/1 S. 4 f., HD 96 S. 3). Im angesprochenen Ent-
scheid geht es um die Frage, ob eine Person, die vollständig arbeitsunfähig ist,
einen untauglichen Betrugsversuch zum Nachteil der Sozialversicherungen bege-
hen kann. Der vorliegend zu beurteilende Sachverhalt ist völlig anders gelagert;
insbesondere kann von einem untauglichen Versuch im Sinne von Art. 22 Abs. 2
StGB keine Rede sein. Es war nicht von vornherein ausgeschlossen, dass die Be-
trugshandlungen zum Erfolg führen würden. Vielmehr lässt sich dem Mailverkehr
zwischen der Beschuldigten und der Versicherung entnehmen, dass die Versiche-
- 36 -
rung schon frühzeitig in Aussicht stellte, die Schadensdeckung zu übernehmen
(vgl. HD 91/4-5).
3.1.5. Die Beschuldigte ist somit des versuchten Betrugs im Sinne von Art. 146
Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
3.2. Irreführung der Rechtspflege
Indem die Beschuldigte sodann am 17. September 2013 gegenüber der Polizei
wider besseres Wissen anzeigte, es sei ein Diebstahl begangen worden, erfüllte
sie den Tatbestand der Irreführung der Rechtspflege im Sinne von Art. 304 Ziff. 1
Abs. 1 StGB.
III. Strafzumessung
1. Keine Zusatzstrafe
Die Vorinstanz bestrafte die Beschuldigte mit 9 Monaten Freiheitsstrafe, teilweise
als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland
vom 11. Oktober 2011. Die mit diesem Strafbefehl verhängte Sanktion lautete auf
240 Stunden gemeinnützige Arbeit und Fr. 400.-- Busse.
Die Bildung einer Gesamtstrafe im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB ist bei un-
gleichartigen Strafen nicht möglich (BGE 137 IV 57). Diese sind kumulativ zu ver-
hängen, da das Asperationsprinzip nur greift, wenn mehrere gleichartige Strafen
ausgesprochen werden. Das gilt auch für die Bildung einer Zusatzstrafe bei retro-
spektiver Konkurrenz nach Art. 49 Abs. 2 StGB. Demnach ist es ausgeschlossen,
eine Freiheitsstrafe als Zusatzstrafe zu einer Geldstrafe oder gemeinnütziger Ar-
beit als Grundstrafe auszusprechen.
Wie noch zu zeigen sein wird, erweist sich vorliegend tatsächlich eine Freiheits-
strafe als angezeigt. Eine (teilweise) Zusatzstrafe fällt damit ausser Betracht.
- 37 -
2. Strafrahmen und Strafzumessungsregeln
Die Einzelrichterin hat den Strafrahmen korrekt abgesteckt und die grundlegen-
den Kriterien für die Strafzumessung aufgeführt. Darauf kann verwiesen werden
(HD 79 S. 40 f.).
3. Konkrete Strafzumessung
3.1. Betrug und Irreführung der Rechtspflege (ND 1)
3.1.1. Tatkomponente
Die Beschuldigte ging beim Betrug recht schlau und durchtrieben vor, indem sie
mit der angeblichen Deponierung von konkret bezeichneten Haushaltgegenstän-
den einer Freundin im Hausflur, die dann gestohlen worden seien, eine nicht all-
tägliche und deshalb authentisch erscheinende Geschichte erfand und der Versi-
cherung präsentierte (ND 1/10, HD 81/1). Sie vergass auch nicht zu erwähnen,
dass "Bedienungsanleitungen und Quittungen" in der Umzugskiste gelegen hät-
ten, womit sie schon zum Voraus eine allfälligen Forderung nach Beibringung von
Belegen unterband. Die Beschuldigte liess sich auch nicht beirren, als die Versi-
cherung deutlich machte, dass sie eine Anzeige bei der Polizei erwarte (HD 81/3),
sondern machte sich schnurstracks auf zum Posten und füllte auch gleichentags
die von der Versicherung verlangte Vollmacht für die Einsicht in die amtlichen Ak-
ten aus. Ihr Vorgehen manifestiert damit auch Hartnäckigkeit. Der Deliktsbetrag
war allerdings mit Fr. 4'500.-- noch gering.
Die von der Beschuldigten durch die Anzeige bei der Polizei begangene Irrefüh-
rung der Rechtspflege hängt eng mit dem versuchten Versicherungsbetrug zu-
sammen. Als die D._-Versicherung am 17. September 2013 von der Be-
schuldigten ihr Einverständnis für die Einsicht in die Polizeiakten verlangte, blieb
der Beschuldigten - wollte sie den Versicherungsbetrug weiterführen - kaum et-
was anderes übrig, als Anzeige zu erstatten. Damit rechtfertigt es sich, die Straf-
zumessung für beide Delikte gemeinsam vorzunehmen.
- 38 -
Ursprünglich hatte die Beschuldigte - anders als von der Vorinstanz insinuiert
(HD 79 S. 42) - die Anzeigeerstattung nicht ohnehin zur Untermauerung ihrer
Versicherungsmeldung vorgehabt, wie daraus zu schliessen ist, dass seit der an-
geblichen Tat bereits eineinhalb Wochen und seit der Einreichung der detaillierten
Schadensliste an die Versicherung (mit Angabe der Bankverbindung für die
Überweisung der Entschädigung) schon eine Woche verstrichen waren, ohne
dass sie sich an die Polizei gewendet hätte. Soweit eine erste, noch rudimentäre
Absprache mit D._ betreffend den angeblichen Diebstahl im Zeitraum der
Meldung an die Versicherung erfolgt sein sollte, kann - entgegen der Auffassung
der Vorinstanz - nicht angenommen werden, dies habe bereits dazu gedient, die
Polizei irrezuführen, denn damit, dass die Polizei einzuschalten sein würde, rech-
nete die Beschuldigte bis zum 17. September 2013 (als sie die Versicherungsmail
erhielt und sogleich die Polizei aufsuchte) wie bereits dargelegt nicht. Die detail-
lierte Instruktion D._s erfolgte dann allem Anschein nach erst mit der eben-
falls bereits gewürdigten E-Mail vom 28. September 2013 (HD 81/4). In diesem
Zeitpunkt hatte die Beschuldigte der Polizei den angeblichen Diebstahl und damit
die strafbare Handlung aber längst zur Kenntnis gebracht, womit die Tat vollendet
war. Die Tatsache, dass die Beschuldigte D._ instruierte, ist mithin für die
Bemessung der objektiven Tatschwere bei der Irreführung nicht massgeblich, da
beide Instruktionen nicht im Hinblick auf die Anzeige der strafbaren Handlung bei
den Behörden erfolgten.
Zur subjektiven Tatschwere ist festzuhalten, dass die Beschuldigte sowohl beim
Betrug als auch bei der Irreführung der Rechtspflege mit direktem Vorsatz handel-
te. Finanzielle Not litt sie nicht. Es kann ihr aber auch nicht angelastet werden, sie
habe die Tat im Streben nach übermässigem Luxus und Vergnügen begangen,
lebte sie doch wie bereits erwähnt in sehr engen finanziellen Verhältnissen. Be-
weggrund für die Irreführung der Rechtspflege war wie erwähnt, den Versiche-
rungsbetrug trotz der eingetretenen Komplikation durchbringen zu können.
Insgesamt ist das Verschulden - bezogen auf den bis zu fünf Jahren Freiheitsstra-
fe reichenden Strafrahmen für das schwerste Delikt, den Betrug, - noch als leicht
- 39 -
zu bewerten, und die Taten wären - wäre der Betrug gelungen - unter Berücksich-
tigung des Asperationsprinzips mit 8 Monaten Freiheitsstrafe zu sanktionieren.
Dass es beim versuchten Betrug blieb, ist nicht zuletzt der Geistesgegenwart des
sachbearbeitenden Polizeibeamten zu verdanken, der nach der Anzeige der Be-
schuldigten sofort die angeblich abwesende D._ anrief, was zu Aussagediffe-
renzen führte. Die Beschuldigte selbst tat allerdings alles, was in ihrer Macht
stand, um den Tatplan durchzusetzen. Der Versuch ist daher vollendet. Immerhin
rechtfertigt sich eine Reduktion der Strafe um 2 auf 6 Monate, weil kein nennens-
werter Schaden für die Versicherung eintrat.
3.1.2. Täterkomponente
Wie die Vorinstanz zutreffend aufgezeigt hat, hatte die mittlerweile 46jährige Be-
schuldigte weder in der Kindheit und Jugend, noch als Erwachsene ein leichtes
Leben. Insbesondere finden sich in ihrem Lebenslauf mehrere schwere Schick-
salsschläge. Das ausserstrafrechtliche Vorleben und die persönlichen Verhältnis-
se der Beschuldigten vermögen ihr Verschulden bei der Begehung des Betrugs
und der Irreführung der Rechtspflege jedoch - entgegen der Auffassung der
Vorinstanz - nicht über das bei der Tatkomponente bereits Berücksichtigte hinaus
zu mindern, fehlt es doch an einem entsprechenden Kausalzusammenhang.
Nachdem die Beschuldigte das ihr unter ND 1 der Anklage vorgeworfene Verhal-
ten während des gesamten Strafverfahren konsequent und umfassend bestritt,
kommt eine Strafreduktion infolge Geständnis nicht in Betracht.
Zwischen 2006 und 2011 erwirkte die Beschuldigte alle ein bis zwei Jahre einen
Strafentscheid (HD 82). Wohl handelte es sich überwiegend um SVG-Delikte, ins-
besondere Fahren ohne Führerausweis bzw. trotz Entzug. Mitte 2008 und im
Frühjahr 2011 beging sie jedoch auch je eine falsche Anschuldigung (die letztge-
nannte zum Nachteil von D._). Sie ist mithin bezüglich des Rechtspflegede-
liktes einschlägig vorbestraft. Die über viele Jahre manifestierte Bereitschaft zu
regelmässiger, auch einschlägiger mittlerer Kriminalität wirkt sich erheblich straf-
erhöhend aus.
- 40 -
Aktuell kämpft sich die Beschuldigte, welche über Jahre hinweg eine IV-Rente
bezog, gemäss eigenen Angaben wieder zurück ins Leben und arbeitet probewei-
se seit etwas über einem Monat temporär als Malerin, wobei sie noch über keine
Festanstellung verfügt (Prot. II S. 9 ff., HD 96 S. 11 f.). Sie hat damit konkret Be-
mühungen unternommen, Ihren Lebenswandel zu ändern. Ob ihr das gelingen
wird, kann nach einer so kurzen Zeitspanne noch nicht beurteilt werden und hängt
- wie die Beschuldigte selbst vorbrachte (vgl. Prot. II S. 11) - nicht zuletzt von ih-
rem Gesundheitszustand ab.
Die Täterkomponente führt zur Anhebung der Freiheitsstrafe um einen Monat auf
7 Monate.
3.1.3. Strafart
3.1.3.1. Für Strafen von sechs Monaten bis zu einem Jahr sieht das Gesetz Frei-
heitsstrafe oder Geldstrafe vor (vgl. Art. 34 Abs. 1 und Art. 40 Satz 1 StGB). Im
Vordergrund steht dabei die Geldstrafe. Das ergibt sich aus dem Prinzip der Ver-
hältnismässigkeit, wonach bei alternativ zur Verfügung stehenden Sanktionen im
Regelfall diejenige gewählt werden soll, die weniger stark in die persönliche Frei-
heit des Betroffenen eingreift bzw. die ihn am wenigsten hart trifft. Bei der Wahl
der Sanktionsart ist als wichtiges Kriterium die Zweckmässigkeit einer bestimmten
Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre
präventive Effizienz zu berücksichtigen (BGE 134 IV 82, BGE 134 IV 97,
BGE 6B_681/2013 vom 26. Mai 2014).
3.1.3.2. Die Beschuldigte verübt seit 2006 regelmässig und in kurzen Abständen
Delikte der mittleren Kriminalität (vgl. zur Definition die vorstehend zitierten Bun-
desgerichtsentscheide), darunter auch mehrere einschlägige Rechtspflegedelikte.
Die 2008 ausgefällte Geldstrafe (unbedingt) und die 2011 verhängte gemeinnützi-
ge Arbeit (unbedingt; unklar ob in Geldstrafe umgewandelt oder vollzogen [vgl. die
beigez. Akten der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat, Unt.Nr. 2011/4061 und
Prot. II S. 15 ff.]) erzielten keine anhaltende bessernde Wirkung. Selbst die Be-
strafung mit einer zehntägigen Freiheitsstrafe im Jahre 2006 und der Vollzug der
2009 ausgesprochenen Freiheitsstrafe von 90 Tagen vermochten die angestrebte
- 41 -
Verhaltensänderung in strafrechtlicher Hinsicht nicht herbeizuführen. Unter diesen
Umständen kann nicht davon ausgegangen werden, eine weitere Geldstrafe ent-
falte die erforderliche präventive Effizienz (die Anordnung gemeinnütziger Arbeit
ist bei der vorliegenden Strafhöhe ausgeschlossen).
Sodann ist nicht davon auszugehen, dass die Freiheitsstrafe sich übermässig ne-
gativ auf das Leben der Beschuldigten (die nicht überdurchschnittlich strafemp-
findlich ist) und deren (bislang unstetes) soziales Umfeld auswirkt. Dass die Be-
schuldigte durch den Vollzug der Strafe allenfalls in ihrer neu gestarteten, noch
nicht gefestigten beruflichen Integration behindert werden könnte, ist dabei hinzu-
nehmen. Falls die Beschuldigte bei Strafantritt über eine Festanstellung verfügen
würde, bestünde abgesehen davon die Chance, dass sie die Freiheitsstrafe (wel-
che nach Anrechnung der Untersuchungshaft weniger als sechs Monate beträgt)
in der Form von Halbgefangenschaft vollziehen könnte (Art. 79 StGB).
Die Beschuldigte ist somit mit 7 Monaten Freiheitsstrafe zu bestrafen, wobei der
Anrechnung der erlittenen Haft von 122 Tagen nichts entgegensteht.
3.2. Irreführung der Rechtspflege (ND 13)
Die Tat vom Februar 2011 lässt sich zeitlich und sachlich klar vom Tatkomplex
des versuchten Versicherungsbetruges samt Irreführung der Rechtspflege vom
September 2013 abgrenzen und ist damit bei der Strafzumessung separat abzu-
handeln.
3.2.1. Tatkomponente
Die Beschuldigte war bei der Irreführung der Rechtspflege im Februar 2011 nicht
an der Tatidee und der Planung beteiligt. Sie erstattete auch nicht persönlich bei
der Polizei Anzeige, spiegelte ihr nicht - die entsprechende Hemmschwelle über-
windend - Auge in Auge vor, es habe ein Einbruchdiebstahl im Coiffeursalon
stattgefunden (um den "Schaden" dann von der Versicherung D._s ersetzt
zu erhalten). Sie brach aber als dazu prädestinierte Mittäterin die Hintertür auf
und schuf mit dieser Sachbeschädigung erst die Voraussetzungen für die irrefüh-
rende Anzeige durch D._. Besonderer Aufwand entstand für die irregeführten
- 42 -
Behörden allerdings nicht; es blieb anscheinend bei einem Polizeirapport und ei-
ner einmaligen Tatortbesichtigung.
Die Beschuldigte war an der Produktion der Idee und der Planung der Tat nicht
beteiligt und sträubte sich anfangs auch, an der Ausführung mitzuwirken. Als sie
dann dennoch mitmachte, wusste sie aber genau, wozu das Aufbrechen der Tür
dienen würde und handelte willentlich. Motiv für die Tat war jedoch nicht der Wille,
sich selbst zu bereichern (es war denn auch keine Beteiligung an der Versiche-
rungszahlung vorgesehen), sondern Mitleid mit E._, der tatsächlich viel Geld
gestohlen worden war, ohne dass sie auf einen Versicherungsschutz hätte zu-
rückgreifen können, und/oder (falsch verstandene) Loyalität mit D._. Das
mindert das Verschulden beträchtlich.
Das Verschulden wiegt leicht, wenn auch noch nicht besonders leicht im Sinne
von Art. 304 Ziff. 2 StGB.
Dem Tatverschulden erweist sich eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen als ange-
messen.
3.2.2. Täterkomponente
Zum Vorleben, den persönlichen Verhältnissen und zum Verhalten nach der Tat
und im Strafverfahren kann grundsätzlich auf das oben unter Ziff. III.3.1.2 ausge-
führte verwiesen werden. Allerdings ist bei der im Februar 2011 erfolgten Irrefüh-
rung der Rechtspflege (ND 13) zu berücksichtigen, dass sich die Beschuldigte in
tatsächlicher Hinsicht vollumfänglich geständig gezeigt und die rechtliche Würdi-
gung lediglich insofern in Zweifel gezogen hat, als sie einen Schuldspruch wegen
Gehilfenschaft statt Mittäterschaft beantragte. Dieses Nachtatverhalten ist leicht
strafmindernd zu veranschlagen. Straferhöhend ist dahingegen zu würdigen, dass
sie die hier zu beurteilende Tat nur 5 Monate nach der bedingten Entlassung aus
dem Vollzug einer 90tägigen Freiheitsstrafe und während laufender Probezeit
verübte. Dass seit der Tatbegehung anfangs Februar 2011 nun schon über
4 1⁄2 Jahre vergangen sind, ist - entgegen der Argumentation der Verteidigung
(HD 96 S. 10) - nicht strafmildernd zu berücksichtigen, liegt die relativ lange Ver-
- 43 -
fahrensdauer doch unter anderem darin begründet, dass weitere Strafuntersu-
chungen gegen die Beschuldigte eingeleitet werden mussten (vgl. hierzu ND 13.1,
13.3 und 13.4).
Damit bleibt es auch nach Würdigung der Täterkomponente bei einer Geldstrafe
von 30 Tagessätzen.
Die Höhe des Tagessatzes richtet sich nach den persönlichen und wirtschaftli-
chen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils, namentlich nach Ein-
kommen und – soweit er davon lebt – Vermögen, ferner nach seinem Lebensauf-
wand, allfälligen Familien- und Unterstützungspflichten und nach dem Existenz-
minimum (Art. 34 Abs. 2 StGB). Die Beschuldigte erhält derzeit noch eine IV-
Rente von Fr. 1'700.--, wobei ihre Miet- und Krankenkassenkosten vom Staat
(IV/Zusatzleistungen) übernommen werden. Weiter erzielt sie aktuell ein Einkom-
men von Fr. 1'500.-- pro Monat, wobei geplant ist, dass ihr Einkommen ihre IV-
Rente ablösen soll (Prot. II S. 9 ff.). Ob die Beschuldigte eine Feststellung erhält
und dadurch Ihre IV-Rente verliert ist allerdings noch ungewiss. Vermögen hat die
Beschuldigte keines. Es ist davon auszugehen, dass sich die Einkommensver-
hältnisse der Beschuldigten - unabhängig von Ihrer Arbeitstätigkeit - zumindest
nicht deutlich verschlechtern werden, weshalb der Tagessatz auf Fr. 30.-- festzu-
setzen ist.
4. Vollzug
Was den Vollzug der Strafen betrifft, so kann grundsätzlich auf die zutreffenden
Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (HD 79 S. 47 f.).
Die Beschuldigte verübte von 2006 bis 2013 mindestens alle zwei Jahre (oft häu-
figer) ein Vergehen oder Verbrechen. Als Folge davon wurden über sie schon alle
im Gesetz vorgesehenen Strafarten (Geldstrafe, gemeinnützige Arbeit, Freiheits-
strafe) verhängt, doch blieb der Vollzug stets ohne nachhaltige Wirkung. Insbe-
sondere dauerte es nach der Verbüssung von knapp drei Monaten Freiheitsstrafe
im Sommer 2010 nur wenige Monate, bis die Beschuldigte die erste der vorlie-
genden Taten beging, und zwei Monate darauf delinquierte sie erneut. Sie zeigte
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mithin eine bedenkliche Besserungsresistenz. Dass sie die im aktuellen Strafver-
fahren erlittene, rund viermonatige Untersuchungshaft hinreichend "stark beein-
druckt" (HD 68 S. 19) hat, um nicht mehr straffällig zu werden, wie die Verteidi-
gung vorbringt, kann ihr deshalb nicht mehr geglaubt werden.
Auch dass die Beschuldigte sich mittlerweile von D._ distanziert haben mag
(HD 68 S. 19, Prot. II S. 14), vermag die ungünstige Prognose nicht zu verhin-
dern. Bei den jüngsten, hier schwersten Delikten war es nicht sie, welche die Be-
schuldigte zu den Straftaten motivierte. Zwei Monate nach der vorliegend beurteil-
ten Irreführung der Rechtspflege vom Februar 2011 gab sich die unter Kokainein-
fluss autofahrende Beschuldigte sodann bei einer Polizeikontrolle als D._
aus (beigez. Akten der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat, Unt.Nr. 2011/4061),
was zusätzlich zeigt, dass nicht D._ die Beschuldigte in immer neue Delin-
quenz hineinzieht, sondern die Beschuldigte in der Regel aus eigenem Antrieb
straffällig wird.
Unter all diesen Umständen fällt die Legalprognose derart schlecht aus, dass der
bedingte Strafvollzug nicht gewährt werden kann.
IV. Kosten
1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die erstinstanzliche Kostenauflage
(dort Ziff. 8) zu bestätigen.
2. Die Beschuldigte unterliegt mit ihren Anträgen im Schuldpunkt vollumfänglich.
Im Strafpunkt obsiegt sie insofern, als für die Irreführung der Rechtspflege vom
Februar 2011 (ND 13) eine Geldstrafe ausgefällt wird und die von der Vorinstanz
ausgefällte Strafe insgesamt leicht reduziert wird. Vor diesem Hintergrund recht-
fertigt es sich, die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten
der amtlichen Verteidigung, zu vier Fünfteln der Beschuldigten aufzuerlegen und
zu einem Fünftel auf die Gerichtskasse zu nehmen.
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Angesichts der schlechten, sich in Zukunft kaum mehr wesentlich verbessernden
finanziellen Verhältnisse der Beschuldigten sind aber auch die aufzuerlegenden
Kosten abzuschreiben. Die Beschuldigte ist derzeit nach wie vor IV-Rentnerin und
hoch verschuldet. Sie geht aktuell zwar zur Probe einer Arbeit nach und es ist zu
hoffen, dass ihr dadurch ein beruflicher Wiedereinstieg gelingt. Ob es zu einer
Festanstellung kommt, ist indes ungewiss.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung im Betrag von Fr. 5'700.-- sind aus dem
selben Grund definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen.