# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d5938cd8-6edb-4e67-b65d-c904062f58e0
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Hausfriedensbruch
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - , vom 15. Juni 2018 (GB180026)
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Anklage:
Der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 13. Februar 2018
(Urk. 14) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig des Hausfriedensbruchs im Sinne von
Art. 186 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 100 Tagen, wo-
von 2 Tage durch Haft erstanden ist.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf
4 Jahre festgesetzt.
4. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 800.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'000.00 Gebühr für das Vorverfahren.
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
5. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 48 S. 2, schriftlich)
1. In Gutheissung der Berufung sei das vorinstanzliche Urteil vollumfäng-
lich aufzuheben.
2. Stattdessen sei das Verfahren gegen den Beschuldigten definitiv ein-
zustellen.
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3. Die Kosten der Strafuntersuchung, der gerichtlichen Verfahren, sowie
jene der Verteidigung seien der Staatskasse aufzuerlegen und dem
Beschuldigten sei für die erstandene Haft eine Genugtuung in der Hö-
he von Fr. 200.– auszurichten.
Ev. sei der Beschuldigte stattdessen mit einer Geldstrafe von 30 Tagessät-
zen zu bestrafen, wovon ein Tag durch Haft erstanden ist, und der
Vollzug der Strafe sei aufzuschieben und die Probezeit sei auf zwei
Jahre festzusetzen.
Diesfalls sind die Kosten ausgangsgemäss zu verteilen.
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat:
(Urk. 71 S. 3, schriftlich)
Es seien Ziff. 2 und 3 des vorinstanzlichen Urteils aufzuheben und es sei der
Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von 100 Tagen zu bestrafen, unter
Verweigerung des bedingten Strafvollzuges.
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## Considerations

Erwägungen:
I. Verfahrensgang
1. Mit Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom
15. Juni 2018 wurde der Beschuldigte des Hausfriedensbruchs im Sinne von
Art. 186 StGB schuldig gesprochen und mit einer bedingten Freiheitsstrafe von
100 Tagen, unter Ansetzung einer Probezeit von 4 Jahren, bestraft. Weiter regelte
die Vorinstanz die Kosten- und Entschädigungsfolgen (Urk. 46 S. 17 f.).
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2.1 Gegen das mündlich eröffnete Urteil (Prot. I S. 15 ff.) liess der Beschul-
digte mit Eingabe vom 15. Juni 2018 rechtzeitig Berufung anmelden (Urk. 42). Am
13. Juli 2018 versandte die Vorinstanz das begründete Urteil an die Parteien
(Urk. 45/1-2) und übermittelte in der Folge die Anmeldung der Berufung zusam-
men mit den Akten dem Obergericht.
2.2 Die Verteidigung reichte mit Eingabe vom 8. August 2018 fristwahrend
die Berufungserklärung ein (Urk. 48; Art. 399 Abs. 3 i.V.m. Art. 90 StPO). Mit Prä-
sidialverfügung vom 14. August 2018 wurde die Berufungserklärung der Staats-
anwaltschaft zugestellt und dieser Frist zur Anschlussberufung oder für einen
Nichteintretensantrag angesetzt. Ausserdem wurde der Beschuldigte unter Hin-
weis auf sein Aussageverweigerungsrecht aufgefordert, ein Datenerfassungsblatt
auszufüllen (Urk. 50). Mit Eingabe vom 20. August 2018 erklärte die Staatsan-
waltschaft Anschlussberufung. Dabei erklärte sie, dass die Berufung nicht be-
schränkt werde (Urk. 52). Nachdem die Staatsanwaltschaft sodann mit Präsidial-
verfügung vom 3. September 2018 aufgefordert worden war, ihre Anschlussberu-
fung zu präzisieren (Urk. 55), erklärte sie mit Eingabe vom 13. September 2018,
dass die Berufung auf die Bemessung der Strafe und den Vollzug bzw. den be-
dingten Vollzug der Strafe beschränkt werde (Urk. 57). Das Doppel der An-
schlussberufungserklärung der Staatsanwaltschaft wurde in der Folge mit Präsi-
dialverfügung vom 18. September 2018 dem Beschuldigten zugestellt (Urk. 58).
2.3 Nachdem sich die Staatsanwaltschaft sowie die Verteidigung damit ein-
verstanden erklärt hatten (Urk. 60/1-3), wurde mit Präsidialverfügung vom 10. De-
zember 2018 die schriftliche Durchführung des Berufungsverfahrens verfügt.
Gleichzeitig wurde dem Beschuldigten Frist angesetzt, um die Berufungsanträge
zu stellen und zu begründen (Urk. 61). Dieser Frist kam die Verteidigung nach
zweimaliger Fristerstreckung mit Eingabe vom 14. März 2019 nach (Urk. 63;
Urk. 66; Urk. 67). Anschliessend wurde der Staatsanwaltschaft mit Präsidialverfü-
gung vom 25. März 2019 eine Kopie der Berufungsbegründung des Beschuldig-
ten zugestellt und es wurde ihr Frist angesetzt, um die Begründung der An-
schlussberufung sowie die Berufungsantwort einzureichen. (Urk. 69). Dieser Frist
kam die Staatsanwaltschaft mit Eingabe vom 3. April 2019 nach (Urk. 71). Mit
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Präsidialverfügung vom 8. April 2019 wurde dem Beschuldigten in der Folge das
Doppel der Begründung der Anschlussberufung und Berufungsantwort zugestellt
und Frist zur freigestellten Vernehmlassung angesetzt (Urk. 72). Nach zweimal
erstreckter Frist liess der Beschuldigte mit Eingabe vom 11. Juni 2019 zur Be-
gründung der Anschlussberufung Stellung nehmen (Urk. 74; Urk. 75; Urk. 76).
Diese Stellungnahme wurde in der Folge mit Präsidialverfügung vom 18. Juni
2019 der Staatsanwaltschaft zur freigestellten Vernehmlassung zugestellt
(Urk. 77), worauf diese aber verzichtete (Urk. 79).
2.4 Mit Präsidialverfügung vom 14. August 2019 wurde der Verteidigung
Frist angesetzt, um zur Frage einer allfälligen Ausweitung des dem Urteil zugrun-
de zu legenden Sachverhalts um den Aufenthalt im Raum im 3. Stock der Liegen-
schaft Stellung zu nehmen (Urk. 81). Dieser Frist kam die Verteidigung mit Stel-
lungnahme vom 29. August 2019 nach (Urk. 83). Ausserdem wurde mit Präsidial-
verfügung vom 2. September 2019 der Beizug der Akten betreffend das Urteil des
Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung, vom 20. Juni 2012 sowie der Akten betref-
fend den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 17. September 2012
verfügt (Urk. 84). Nach Eingang der Beizugsakten wurde der Verteidigung die
Möglichkeit eingeräumt, Einsicht in diese zu nehmen (Urk. 88).
3. Mit Eingabe vom 15. Januar 2019 zeigte der vormalige erbetene Verteidi-
ger des Beschuldigten, Rechtsanwalt lic. iur. X2._, unter Beilage einer ent-
sprechenden Vollmacht an, dass der Beschuldigte fortan von Rechtsanwalt
lic. iur. X1._ vertreten werde (Urk. 64; Urk. 65).
4. Mit ihrer Begründung der Anschlussberufung und Berufungsantwort vom
3. April 2019 stellte die Staatsanwaltschaft den Beweisantrag, es sei ein Liegen-
schaftsplan beizuziehen, welcher über die Zuteilung resp. Nutzungsmöglichkeit
der Liegenschaft durch Mieter und Vermieter Aufschluss geben könne (Urk. 71
S. 2). Wie sich in den nachstehenden Erwägungen zeigen wird, erübrigen sich
weitere Beweisabnahmen.
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II. Prozessuales
1. Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechts-
kraft des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Die Beru-
fung der Staatsanwaltschaft richtet sich gegen die Strafzumessung (Urk. 71 S. 3).
Der Beschuldigte beantragt eine Einstellung des Verfahrens und ficht das vor-
instanzliche Urteil demnach vollumfänglich an (Urk. 48 S. 2). Es erwächst daher
keine Dispositivziffer in Rechtskraft.
2.1 Wie vor Vorinstanz macht die Verteidigung auch im Berufungsverfahren
geltend, dass das gegen den Beschuldigten geführte Strafverfahren einzustellen
sei, da sich die von B._ und Rechtsanwalt Dr. iur. Y._ für die C._
AG gestellten Strafanträge wegen Hausfriedensbruchs als ungültig erweisen wür-
den. So sei die C._ AG gar nicht erst berechtigt gewesen, in Bezug auf die
Räumlichkeiten, welche der Beschuldigte gemäss dem Anklagevorwurf betreten
haben solle, einen entsprechenden Strafantrag zu stellen. Überdies sei die Gül-
tigkeit der Strafanträge aber auch deshalb zu verneinen, weil die strafantragstel-
lenden Personen nicht über die erforderliche Vertretungsmacht verfügt hätten und
der von B._ gestellte Strafantrag zudem nicht den erforderlichen Formerfor-
dernissen entspreche (Urk. 36 S. 5 ff.; Urk. 67 S. 1 f.).
2.2 Die Vorinstanz gelangte zum Schluss, dass zumindest hinsichtlich der
allgemein zugänglichen Gebäudeteile (Eingangsbereich, Treppenhaus etc.) ein
gültiger Strafantrag der C._ AG wegen Hausfriedensbruchs vorgelegen ha-
be. Aufgrund der weiteren als erfüllt erachteten Voraussetzungen sprach sie den
Beschuldigten in der Folge denn auch des Hausfriedensbruchs im Sinne von
Art. 186 StGB schuldig. Die Frage, ob auch in Bezug auf jene Räumlichkeiten,
welche von der vormaligen Mieterin pflichtwidrig noch nicht an die C._ AG
zurückgegeben worden seien, ein gültiger Strafantrag der C._ AG vorliege,
wurde von der Vorinstanz in ihrer Begründung offengelassen (Urk. 46 S. 6). Hin-
sichtlich des als erstellt erachteten Anklagesachverhalts nahm die Vorderrichterin
aber keine entsprechende Einschränkung vor (Urk. 46 S. 9). Es stellt sich den-
noch die Frage, ob die Gültigkeit des Strafantrages der C._ AG in Bezug auf
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diese Büroräumlichkeiten noch Gegenstand der Überprüfung im Rahmen des Be-
rufungsverfahrens sein kann.
2.3.1 Der erstinstanzliche Schuldpunkt und insbesondere die Beurteilung der
Gültigkeit des Strafantrages der C._ AG wurde vom Beschuldigten mit seiner
Berufung angefochten (Urk. 48 S. 2). Entsprechend bilden der Schuldpunkt und
damit verbunden auch die Frage der Gültigkeit des Strafantrages der C._ AG
im Sinne von Art. 404 Abs. 1 StPO Gegenstand der Überprüfung im Rahmen des
Berufungsverfahrens. Art. 398 Abs. 2 StPO sieht sodann vor, dass das Beru-
fungsgericht diese angefochtenen Punkte des Urteils umfassend überprüfen
kann. Dabei hat es die Schranken des Verschlechterungsverbots im Sinne von
Art. 391 Abs. 2 StPO zu beachten. Danach darf die Rechtsmittelinstanz Entschei-
de nicht zum Nachteil der beschuldigten Person abändern, wenn das Rechtsmittel
nur zu deren Gunsten ergriffen worden ist. Vorliegend hat die Staatsanwaltschaft
allerdings Anschlussberufung zu Lasten des Beschuldigten erhoben, weshalb das
vorinstanzliche Urteil in allen (also auch in den nur vom Beschuldigten) angefoch-
tenen Punkten auch zum Nachteil des Beschuldigten abgeändert werden kann.
Das Verschlechterungsverbot kommt nicht zum Tragen. Im Übrigen würde dieses
nur einer härteren rechtlichen Qualifikation der Tat sowie zusätzlichen
Schuldsprüchen entgegenstehen (BGE 139 IV 282, E. 2.6).
2.3.2 Im vorliegenden Fall würde der Schuldspruch im Urteilsdispositiv un-
abhängig davon, ob diesem der uneingeschränkte wie in der Anklageschrift um-
schriebene Sachverhalt oder ein auf die allgemein zugänglichen Räumlichkeiten
der in Frage stehenden Liegenschaft beschränkter Aufenthalt des Beschuldigten
zugrunde gelegt würde, auf Hausfriedensbruch im Sinne von Art. 186 StGB lau-
ten. Eine ausdrückliche Bejahung der Gültigkeit des Strafantrags der C._ AG
auch in Bezug auf die Räumlichkeiten im 3. Stock und eine entsprechende Fest-
stellung, dass der Anklagesachverhalt uneingeschränkt als erstellt zu erachten ist,
hätte demnach grundsätzlich keinen schärferen Schuldspruch und mithin auch
keine Verletzung des Verschlechterungsverbots zur Folge.
2.4.1 Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung dürfte das Gericht
überdies auch dann, wenn die Berufung einzig auf die Strafzumessung be-
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schränkt wird, ihre Überprüfung auf Punkte des Urteils ausdehnen, die zwar
grundsätzlich den Schuldpunkt betreffen, aber in engem Zusammenhang mit der
angefochtenen Strafhöhe stehen und sich insbesondere straferhöhend oder
strafmindernd auf die Strafzumessung auswirken können (Schmid/Jositsch, Pra-
xiskommentar StPO, 3. Aufl., Zürich/St. Gallen 2018, N 19 zu Art. 399; Urteil des
Bundesgerichts 6B1167/2015 vom 24. August 2016 E. 1.3; Urteil des Bundesge-
richts 6B_297/2014 vom 24. November 2014 E. 1.3; Urteil des Bundesgerichts
6B_85/2013 vom 4. März 2013 E. 2).
2.4.2 Da die Staatsanwaltschaft mit ihrer Berufung die Strafzumessung an-
ficht und eine Verweigerung des bedingten Strafvollzugs beantragt (Urk. 71 S. 3),
wäre eine Überprüfung des vorinstanzlichen Urteils hinsichtlich der Frage, ob sich
der Anklagesachverhalt auch in Bezug auf den Aufenthalt des Beschuldigten in
jenem Raum, in welchem er von der Polizei angetroffen wurde, erstellen lässt,
auch vor dem Hintergrund dieser Rechtsprechung als zulässig zu erachten. Zwar
stellte sich die Verteidigung in ihrer Stellungnahme vom 29. August 2019 auf den
Standpunkt, dass die Frage bezüglich Aufenthalt im Raum im dritten Stock der
Liegenschaft keinen ersichtlichen Einfluss auf die Strafzumessung habe und sich
diese Frage nur auf den Schuldpunkt auswirke, welcher jedoch von der Staats-
anwaltschaft nicht angefochten worden sei (Urk. 83 S. 1 f.). Dem ist jedoch zu
entgegnen, dass in Bezug auf die Strafzumessung von Relevanz ist, ob sich der
Beschuldigte nur im Eingangsbereich und dem Treppenhaus, welche einem grös-
seren Personenkreis offenstehen, oder auch in möblierten Büroräumlichkeiten der
Liegenschaft aufgehalten hatte. Entsprechend bezieht sich die Überprüfungsbe-
fugnis des Berufungsgerichts auch darauf und auf die damit zusammenhängende
Frage des notwendigen Strafantrags. Es ist zudem der Vollständigkeit halber da-
rauf hinzuweisen, dass die Vorinstanz den Aufenthalt des Beschuldigten in jenen
Räumlichkeiten im 3. Stock im Rahmen ihrer Strafzumessung auch implizit mitbe-
rücksichtigt hatte (Urk. 46 S. 13).
3.1 Was die Berechtigung der C._ AG, Strafantrag wegen Hausfrie-
densbruchs zu stellen, betrifft, wurde seitens der Verteidigung vor Vorinstanz vor-
gebracht, dass hinsichtlich jener Räumlichkeiten im dritten Stock der Liegenschaft
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an der D._-strasse ..., ... Zürich, in welchen der Beschuldigte gemäss dem
Anklagevorwurf von der Polizei angetroffen worden sei, ein Mietverhältnis zwi-
schen der C._ AG und der E._ GmbH bzw. F._, dem Geschäftsfüh-
rer jener Firma, bestanden. Dieser Umstand sei deshalb von Relevanz, da das
Hausrecht (und damit die Berechtigung zur Stellung eines Strafantrages) gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung nur entweder beim Mieter oder beim Vermie-
ter liegen könne, nicht aber bei beiden (BGE 83 IV 154 E. 1). Zwar sei aufgrund
der Akten unklar, ob das Mietverhältnis auch zum Zeitpunkt der fraglichen Haus-
besetzung noch bestanden habe. Auch wenn das Mietverhältnis bereits zuvor ge-
endet hätte, so hätte gemäss der Verteidigung das Hausrecht und mithin die Be-
rechtigung, Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs zu stellen, nach wie vor allei-
ne bei der E._ GmbH gelegen. Dies sei darauf zurückzuführen, dass das
Hausrecht des Mieters ebenfalls gemäss der Rechtsprechung des Bundesge-
richts von seinem (rechtmässigen) Einzug bis zu seinem Auszug dauere, selbst
wenn dieser Auszugszeitpunkt in zivilrechtlicher Hinsicht verspätet erfolgt sein
sollte (Urteil des Bundesgerichts 1B_510/2012 vom 16. November 2012 E. 2.3).
Zu einem Auszug der E._ GmbH sei es bis zum Zeitpunkt der fraglichen
Hausbesetzung noch nicht gekommen, zumal sich damals noch Mobiliar der
E._ GmbH in den fraglichen Räumlichkeiten befunden habe. Entsprechend
habe das Hausrecht und damit die Berechtigung, Strafantrag wegen Hausfrie-
densbruchs zu stellen, alleine der E._ GmbH zugestanden. Da diese aber
nur Strafantrag wegen Sachbeschädigung gestellt habe, liege entsprechend von
vornherein kein Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs der eigentlich berechtig-
ten juristischen Person vor, weshalb dieses wegen Hausfriedensbruchs geführte
Strafverfahren einzustellen sei (Urk. 36 S. 5 ff.).
3.2 Die Vorinstanz gelangte zum Schluss, dass der C._ AG im vorlie-
genden Fall Strafantragsberechtigung zukomme. Zur Begründung wies sie zu-
nächst darauf hin, dass die von der Verteidigung herangezogene Praxis des Bun-
desgerichts, wonach das Hausrecht erst nach dem Auszug wieder an den Ver-
mieter übergehe, umstritten sei. Weiter erwog sie, dass aber auch bei Geltung
dieser Praxis, die E._ GmbH höchstens bezüglich der Räumlichkeiten, wel-
che pflichtwidrig noch nicht an die C._ AG als Vermieterin zurückgegeben
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worden seien, ein Hausrecht und mithin die Berechtigung, Strafantrag wegen
Hausfriedensbruchs zu stellen, für sich beanspruchen könne. Demgegenüber sei
zu berücksichtigen, dass sich der Beschuldigte – wenn auch vorwiegend – nicht
ausschliesslich in den Räumlichkeiten, in welchen sich noch Mobiliar und Einrich-
tungsgegenstände der E._ GmbH bzw. von Herrn F._ befunden habe,
aufgehalten habe. Zumindest betreffend diese weiteren Gebäudeteile mitsamt
den allgemein zugänglichen Bereichen wie dem Eingangsbereich, dem Treppen-
haus etc. erachtete die Vorinstanz die C._ AG als Eigentümerin sodann als
berechtigt, Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs zu stellen (Urk. 46 S. 5 f.).
3.3 Im Berufungsverfahren vertritt die Verteidigung nach wie vor die Auffas-
sung, dass das Hausrecht entsprechend der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
beim Mieter verbleibe, bis dieser die gemieteten Räumlichkeiten tatsächlich räu-
me. Was die Erwägungen der Vorinstanz betrifft, wonach der C._ AG als Ei-
gentümerin und Vermieterin der in Frage stehenden Liegenschaft die Berechti-
gung zukomme, in Bezug auf die weiteren Gebäudeteile bzw. die gemeinschaftli-
chen Bereiche Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs zu stellen, macht die Ver-
teidigung aber geltend, dass es gar keine Hinweise dafür gebe, dass der Be-
schuldigte überhaupt solche gemeinschaftlichen Bereiche betreten habe. Dazu
verweist die Verteidigung auf das Rechtsbegehren der C._ AG im der Einga-
be beigelegten Urteil des Handelsgerichts (Urk. 68), aus welchem hervorgehe,
dass die E._ GmbH grossflächig in der fraglichen Liegenschaft eingemietet
gewesen sei. Insbesondere sei diese Mieterin des gesamten Erdgeschosses ge-
wesen. Aus diesem Grund sei durchaus denkbar, dass der Beschuldigte über ei-
nen von der E._ GmbH gemieteten (Neben-)Eingang in das Gebäude ge-
langt sei. Auch sei denkbar, dass er über das von der E._ GmbH gemietete
Parkdeck oder das ebenfalls von ihr gemietete Untergeschoss in das Gebäude
gelangt sei. Weiter wird auf den Polizeirapport vom 12. Februar 2018 verwiesen,
in welchem erwähnt werde, dass die Polizei die Eingangstüre innerhalb des Ge-
bäudes benutzt habe, um in den besetzten Teil der Liegenschaft zu gelangen.
Demnach habe es offensichtlich auch interne Aufgänge gegeben, die der Mieterin
zuzurechnen seien. In dubio pro reo sei daher davon auszugehen, dass der Be-
schuldigte ausschliesslich Flächen betreten habe, welche von der E._ GmbH
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gemietet worden seien. Mit der Begründung, dass der Beschuldigte somit keine
Räumlichkeiten betreten habe, hinsichtlich welchen ein gültiger Strafantrag wegen
Hausfriedensbruchs vorgelegen hätte, beantragt die Verteidigung auch im Beru-
fungsverfahren die Einstellung des Verfahrens (Urk. 67 S. 2).
3.4.1 Um beurteilen zu können, wer im vorliegenden Fall berechtigt war, in
Bezug auf die gemäss Anklagesachverhalt zu Unrecht betretenen Räumlichkeiten
Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs zu stellen, ist zunächst zu prüfen, wie sich
die vertraglichen Verhältnisse zwischen der C._ AG und der E._ GmbH
am Tag der mutmasslichen Hausbesetzung, dem 12. Februar 2018, präsentier-
ten.
3.4.2 Bei der C._ AG handelt es sich um die Eigentümerin jener Lie-
genschaft, in welche der Beschuldigte gemäss dem Anklagevorwurf am 12. Feb-
ruar 2018 eingedrungen sei (Urk. 1 S. 9; Urk. 3 S. 2). Im Büroraum im 3. Stock, in
welchem der Beschuldigte und weitere Personen gemäss dem Anklagevorwurf
angetroffen worden sind, befand sich am 12. Februar 2018 noch Mobiliar der
E._ GmbH (Urk. 2 S. 6). Der Raum wurde demnach zu jenem Zeitpunkt
durch diese genutzt. Gemäss den Angaben von B._, Portfoliomanagerin der
C._ AG (Urk. 2 S. 5), welche in die verschiedenen Polizeirapporte aufge-
nommen wurden, bestand ein Mietverhältnis zwischen der C._ AG und der
E._ GmbH, welches jedoch noch vor dem 12. Februar 2018 geendet habe.
Dazu, wann genau dieses Mietverhältnis geendet hatte, weisen die Angaben aus
den Polizeirapporten jedoch Unterschiede auf. So geht aus dem Polizeirapport
vom 12. Februar 2018 hervor, dass B._ gesagt habe, dass die E._
GmbH bzw. F._ die Liegenschaft eigentlich schon per 31. Dezember 2017
hätte verlassen müssen, es aber eine Fristerstreckung bis Ende Januar 2018 ge-
geben habe (Urk. 1 S. 9). Gemäss dem Polizeirapport vom 13. Februar 2018 hat
B._ mitgeteilt, dass die Firma E._ GmbH die Räumlichkeiten bis Ende
Jahr 2017 hätte räumen müssen, da der Mietvertrag zu Ende gegangen sei. Da-
ran habe sich F._ aber nicht gehalten und zumindest noch bis am 12. Febru-
ar 2018 Mobiliar und Einrichtungsgegenstände in verschiedenen Räumlichkeiten
gelassen (Urk. 2 S. 6). Ein Mietvertrag bzw. Unterlagen zu einer allfälligen Erstre-
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ckung befinden sich nicht bei den Akten des Vorverfahrens und des erstinstanzli-
chen Gerichtsverfahrens. Demgegenüber legte die Verteidigung als Beilage zu ih-
rer Berufungsbegründung ein Urteil des Handelsgerichts des Kantons Zürich vom
9. April 2018 ins Recht, mit welchem der E._ GmbH befohlen wurde, die Mie-
tobjekte an der D._-strasse ... in ... Zürich sofort nach Erhalt des Urteils ord-
nungsgemäss geräumt und gereinigt zu verlassen und der C._ AG zu über-
geben (Urk. 68). Aus jenem Urteil geht hervor, dass die Parteien am
17. September / 12. Oktober 2015 einen Mietvertrag über die Mietobjekte an der
D._-strasse ... mit Mietbeginn 1. Juli 2015 geschlossen hatten. Gemäss dem
Mietvertrag wurde das Mietverhältnis für das Abbruchobjekt bis am 31. Dezember
2016 befristet. Wegen Verzögerungen des Baubeginns wurde die Mietdauer mit
Vereinbarung vom 31. August / 16. September 2016 bis am 30. Juni 2017 und mit
Vereinbarung vom 15. / 17. Mai 2017 letztmals bis am 31. Dezember 2017 ver-
längert. Weiter wurde die E._ GmbH gemäss den Erwägungen in jenem Ur-
teil mit Schreiben vom 16. November 2017 aufgefordert, die von ihr gemieteten
Flächen am 5. Januar 2018 der C._ AG zu übergeben. Dieser Aufforderung
kam sie aber nicht nach. Aus dem Urteil geht weiter hervor, dass F._ am 8.
und am 16. Januar 2018 gegenüber der C._ AG mündlich zugesichert hatte,
sämtliche Untermietverhältnisse gekündigt zu haben und der Klägerin das Mietob-
jekt bis 31. Januar 2018 geräumt zu übergeben. An diese Zusicherung hielt er
sich aber nicht (Urk. 68 S. 4). Aufgrund der Informationen in diesem Urteil zeigt
sich, dass das Mietverhältnis zwischen der C._ AG und der E._ GmbH
nur bis am 31. Dezember 2017 andauerte und demnach am 12. Februar 2018
nicht mehr Bestand hatte. Wie sich dieser Umstand auf die Frage auswirkt, wer
hinsichtlich welcher Räumlichkeiten zum Stellen eines Strafantrags wegen Haus-
friedensbruchs berechtigt war, ist nachfolgend aufzuzeigen.
3.5.1 Strafbar ist Hausfriedensbruch im Sinne von Art. 186 StGB nur, sofern
und soweit ein gültiger Strafantrag vorliegt. Wie bereits die Verteidigung aufzeigte,
ist gemäss dem Entscheid des Bundesgerichts BGE 83 IV 154 im Rahmen eines
Mietverhältnisses nur der Mieter, nicht auch der Vermieter strafantragsberechtigt.
Auch zeigte die Verteidigung grundsätzlich zu Recht auf, dass das Hausrecht
gemäss der Praxis des Bundesgerichts grundsätzlich mit dem Einzug des Mieters
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oder Pächters beginnt und mit dem Auszug endet (Urteil des Bundesgerichts
1B_510/2012 vom 16.11.2012, E. 2.3; BGE 112 IV 31 E. 3c). Zur Begründung
dieser Praxis wies das Bundesgericht unter anderem darauf hin, dass diese
Strafbestimmung die Funktion hat, die Privat- und Geheimsphäre des Wohnungs-
inhabers – das Hausrecht – zu schützen, nicht aber dem Vermieter (Verpächter)
die Durchsetzung seiner zivilrechtlichen Ansprüche zu erleichtern (BGE 112 IV 31
E. 3c). Zu beachten ist jedoch, dass dem Bundesgerichtsentscheid vom 16. No-
vember 2012 (1B_510/2012) sowie dem Entscheid BGE 112 IV 31 jeweils der
Sachverhalt zugrunde lag, dass seitens der Vermieter bzw. Verpächter Strafan-
trag wegen Hausfriedensbruchs gegen deren Mieter bzw. Pächter gestellt wurde,
welche die gemieteten bzw. gepachteten Räumlichkeiten nach Ablauf der Miet-
bzw. Pachtverträge nicht geräumt hatten (1B_510/2012 E. A; BGE 112 IV 31
E. A). Die Erwägungen des Bundesgerichts, wonach die Strafbestimmung betref-
fend Hausfriedensbruch die Funktion habe, die Privat- und Geheimsphäre des
Wohnungsinhabers – das Hausrecht – zu schützen und nicht dem Vermieter die
Durchsetzung seiner zivilrechtlichen Ansprüche zu erleichtern, sind demnach
auch vor diesem Hintergrund zu verstehen.
3.5.2 Im Bundesgerichtsentscheid vom 16. November 2012 (1B_510/2012)
wurde zudem angemerkt, dass die Erwägungen, wonach das Hausrecht des Mie-
ters erst nach dessen Auszug auf den Vermieter übergehe und der Strafbestim-
mung des Hausfriedensbruchs nicht die Funktion zukomme, die Durchsetzung der
zivilrechtlichen Ansprüche des Vermieters zu erleichtern, nur gelten würden, wenn
die Räumlichkeiten anfänglich rechtmässig – z.B. aufgrund eines Mietvertrags – in
Besitz genommen worden seien. Demgegenüber könne, wer ohne Recht in eine
Wohnung eingedrungen sei und sie eigenmächtig besetzt halte, sich dem Eigen-
tümer gegenüber nicht auf das Hausrecht berufen (BGE 128 IV 81; Urteil des
Bundesgerichts 1B_510/2012 vom 16.11.2012, E. 2.3). Dem Entscheid, auf wel-
chen in diesem Bundesgerichtsentscheid (1B_510/2012) hinsichtlich dieser Erwä-
gungen verwiesen wurde (BGE 128 IV 81), liegt folgender Sachverhalt zugrunde:
Die Eigentümerin einer Liegenschaft stellte Strafantrag gegen Hausbesetzer, wel-
che die Liegenschaft jedoch bereits besetzt hatten, bevor die Strafantragstellerin
die Liegenschaft erwarb. Bereits die vormalige Eigentümerin stellte jedoch Straf-
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antrag wegen widerrechtlicher Besetzung von Wohnräumlichkeiten gegen die
Hausbesetzer. Die damals beschuldigte Person machte geltend, sie habe den
Tatbestand des Hausfriedensbruchs nicht erfüllt, weil die strafantragsstellende Ei-
gentümerin gegenüber den Hausbesetzern nicht zum Ausdruck gebracht habe,
dass sie von diesen verlange, das Gebäude vor dem Zeitpunkt einer angekündig-
ten Räumung zu verlassen. Das Bundesgericht hielt dazu fest, dass die Beset-
zung der Liegenschaft bereits gegen den Willen der früheren Eigentümerin erfolgt
sei. So sei die widerrechtliche Besetzung durch den Eigentümerwechsel nicht
rechtmässig geworden. Der Wechsel der Person des Berechtigten verleihe den
Besetzern keinen Rechtstitel, der ihnen ein Nutzungsrecht an den Räumlichkeiten
eingeräumt hätte. Aus dem Eigentümerwechsel könne nicht auf eine gewisser-
massen implizite Erlaubnis des neuen Eigentümers geschlossen werden, dass die
Hausbesetzer in den Räumlichkeiten verbleiben könnten (BGE 128 IV 81 E. 4 =
Pra 91 (2002) Nr. 114).
3.5.3 In einem weiteren Bundesgerichtsentscheid, in welchem die Eigentü-
merin einer Liegenschaft Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs gegen Hausbe-
setzer stellte, erwog das Bundesgericht, dass es sich dabei um einen anders ge-
lagerten Fall handle, als jene Fälle, in welchen das Bundesgericht erwogen habe,
die Bestimmungen des Zivilrechts würden dem Verletzten ausreichenden Schutz
bieten (Verweis auf BGE 112 IV 34 E. 3 und BGE 115 IV 209). So existiere im zu
beurteilenden Fall keinerlei vertragliche Bindung zwischen den Parteien. In einem
solchen Fall habe der Eigentümer nicht nur zivilrechtliche Möglichkeiten, sondern
geniesse auch strafrechtlichen Schutz (BGE 118 IV 167 E. 3b = Pra 1986 Nr. 19,
55 f.; Delnon/Rüdi, BSK StGB, 4. Aufl. 2019, Art. 186 N 5). Andernfalls würde dies
bedeuten, entweder auf die Verfolgung von Entwendungen zu verzichten und die
Opfer auf ZGB 641, 925 und 927 zu verweisen, oder ganz allgemein zu befinden,
OR 41 ff. mache die Bestimmungen des Strafgesetzbuches zum Schutz der Bür-
ger gegen gewisse Straftaten überflüssig (BGE 118 IV 167 E. 3b = Pra 1986
Nr. 19, 55 f.).
3.5.4 Die Autoren des Basler Kommentars vertreten die Meinung, dass die
Auffassung des Bundesgerichts, wonach die Beendigung des Hausrechts vom
- 15 -
tatsächlichen Auszug und nicht von der rechtlichen Beendigung des Rechtsver-
hältnisses abhängig zu machen sei, nicht zu überzeugen vermöge. Das Bundes-
gericht führe dazu als Begründung an, der Tatbestand des Hausfriedensbruchs
schütze das Rechtsgut der Privat- und Geheimsphäre, welches faktisch alleine
beim nicht ausziehenden Mieter und nicht beim Vermieter liege. Dabei übergehe
das Bundesgericht aber das primär durch den Tatbestand geschützte Rechtsgut
der Freiheit, über die eigenen Räume selbst zu verfügen und zu bestimmen. Un-
klar bleibe, wie das ausschliesslich aufgrund eines Vertrages erworbene Frei-
heitsrecht z.B. des Mieters, über die von ihm gemieteten Räume eigenständig
Verfügungsgewalt auszuüben, vom Schicksal dieses Rechtsverhältnisses abge-
koppelt werden könne. So könne der Mieter nur über "eigene" Räume die Verfü-
gungsgewalt und ein Freiheitsrecht ausüben. Mit Erlöschen des Rechtsverhältnis-
ses habe er aber keine eigenen Räume mehr. Diese würden ihm auch durch das
Grundrecht auf Achtung der Privat- oder Geheimsphäre nicht zu eigen bleiben
(Delnon/Rüdy, a.a.O., Art. 186 N 6). Das mit dem Tatbestand strafrechtlich ge-
schützte Freiheitsrecht des Berechtigten könne nur beim einen oder beim ande-
ren Vertragspartner liegen. Da dessen Übergang auf den Mieter ausschliesslich
vertraglich begründet sei, gehe mit dem Erlöschen des Vertrages auch das daran
anknüpfende Freiheitsrecht mit der alleinigen Verfügungsgewalt des Mieters unter
(Delnon/Rüdy, a.a.O., Art. 186 N 6). Das strafrechtlich geschützte Hausrecht finde
wie jedes andere Freiheitsrecht seine Schranken dort, wo der Berechtigte sie
selbst in zulässiger Weise gesetzt habe. Mit dem rechtsgültigen Hinfall des Ver-
trags erlösche auch das vertraglich erworbene Hausrecht; es gehe automatisch
auf den nunmehr Berechtigten über, dem folgerichtig auch das Strafantragsrecht
zustehe (Delnon/Rüdy, a.a.O., Art. 186 N 7).
3.5.5 Im vorliegenden Fall stellt sich nicht die Frage, ob die C._ AG als
Vermieterin gegen die E._ GmbH als vormalige Mieterin, welche die gemie-
teten Räumlichkeiten nicht verlassen will, zum Stellen eines Strafantrages wegen
Hausfriedensbruchs berechtigt wäre. Daher sind die Erwägungen des Bundesge-
richts aus dem Entscheid 1B_510/2012 auch nicht ohne Weiteres auf diesen Fall
anwendbar. Vielmehr ist zu klären, ob die C._ AG berechtigt war, Strafantrag
wegen Hausfriedensbruchs auch in Bezug auf jene Räume zu stellen, welche
- 16 -
vormals an die E._ GmbH vermietet und von dieser noch nicht geräumt wor-
den waren. Keinem der zuvor erwähnten Bundesgerichtsentscheide lag wie vor-
liegend die Konstellation zugrunde, dass unklar war, ob ein ehemaliger Mieter,
der die gemieteten Räumlichkeiten noch nicht verlassen hatte, oder der entspre-
chende Eigentümer berechtigt ist, Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs gegen
eine Drittperson zu stellen, die die Räumlichkeiten ohne Bewilligung betreten hat-
te. Aus sämtlichen der zuvor genannten Entscheide geht hervor, dass die Berech-
tigung der Eigentümer, Strafantrag zu stellen, nur dann als eingeschränkt zu er-
achten ist, wenn sich die Strafanträge gegen Personen richten, welche zumindest
zu einem früheren Zeitpunkt über eine Berechtigung verfügten, die jeweils in Fra-
ge stehenden Räumlichkeiten zu nutzen. Einschränkungen dieser Berechtigungen
wurde zudem auch nur dann zugestimmt, wenn für die Antragssteller andere
taugliche Möglichkeiten bestanden hatten, ihre Ansprüche durchzusetzen, wie
z.B. die zivilrechtliche Ausweisung von Mietern. Dem Beschuldigten wurde weder
seitens der E._ GmbH noch durch die C._ AG eine Berechtigung erteilt,
sich in den fraglichen Räumlichkeiten aufzuhalten. Zwischen ihm und der C._
AG bestand zudem weder ein Mietverhältnis noch eine andere vertraglich verein-
barte Berechtigung, sich in jenen Räumlichkeiten aufzuhalten. Aus diesem Grund
wären der C._ AG als Eigentümerin ohne die Möglichkeit zum Stellen eines
Strafantrags wegen Hausfriedensbruchs, nur die Möglichkeiten nach ZGB 641
oder OR 41 ff. offen gestanden, um sich gegen den unrechtmässigen Aufenthalt
in ihren Räumlichkeiten zu wehren. Diese zivilrechtlichen Instrumente wurden
vom Bundesgericht jedoch ohne zusätzlichen strafrechtlichen Schutz als unzu-
reichend erachtet (BGE 118 IV 167 E. 3b = Pra 1986 Nr. 19, 55 f.). Ohnehin ist zu
beachten, dass mit Beendigung des Mietverhältnisses ein Rückgabeanspruch des
Vermieters entsteht. Der Mieter hat somit keinen Rechtstitel mehr für den Verbleib
in der Wohnung und dies unabhängig davon, ob bereits ein Ausweisungsverfah-
ren angehoben wurde, da ein solches einzig der Vollstreckung des Anspruchs auf
Rückgabe dient. Abgesehen davon ist zu berücksichtigen, dass durch die Straf-
bestimmung von Art. 186 StGB entgegen der Auffassung der Verteidigung nicht
nur die Privat- und Geheimsphäre geschützt werden soll (Urk. 36 S. 8), sondern
primär das Freiheitsrecht, über die eigenen Räume selbst zu verfügen und zu be-
- 17 -
stimmen (Delnon/Rüdy, a.a.O., Art. 186 N 6). Eine Verneinung der Berechtigung
zum Stellen eines Strafantrags hätte im vorliegenden Fall aber gerade zur Folge,
dass die C._ AG dieses Freiheitsrecht, über die eigenen Räume selbst zu
verfügen und zu bestimmen, nicht ausüben könnte. Die C._ AG ist daher als
berechtigt zu erachten, Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs in Bezug auf die
vormals durch die E._ GmbH gemieteten Räume zu stellen. In der vorliegen-
den Konstellation sind denn auch keine Gründe ersichtlich, nebst dem durch den
Straftatbestand des Hausfriedensbruchs eigentlich geschützten Rechtsgut der
Freiheit, über die eigenen Räume selbst zu verfügen und zu bestimmen, noch
mehr Aspekte wie den Schutz der Privatsphäre der vormaligen Mieterin zu be-
rücksichtigen. Die C._ AG war somit berechtigt, Strafantrag wegen Hausfrie-
densbruchs betreffend die vormals vermieteten Räumlichkeiten zu stellen, obwohl
diese von der vormaligen Mieterin noch nicht geräumt worden waren.
3.5.6 Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass der Umstand,
dass es sich bei der C._ AG um eine juristische Person handelt, nicht gegen
eine Berechtigung spricht, Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs zu stellen. So
können nicht nur natürliche, sondern auch juristische Personen für die von ihnen
gehaltenen Liegenschaften Geschädigte eines Hausfriedensbruchs sein. Das
Hausrecht gilt nicht als höchstpersönliches, sondern als einfaches persönliches
Recht und hängt vom Inhalt einer sachen-, personen- oder vertragsrechtlichen
Beziehung aus privatem und öffentlichem Recht ab (BGE 118 IV 167, 169 ff. =
Pra 1993 Nr. 19 E. 1c, Delnon/Rüdy, a.a.O., N 18 zu Art. 186). Zu berücksichtigen
ist weiter, dass sich diese Berechtigung der C._ AG, Strafantrag zu stellen
und mithin die Gültigkeit ihres Strafantrags, auf sämtliche vormals vermieteten
Räumlichkeiten beziehen. Entsprechend ist es unerheblich, auf welchem Weg
bzw. durch welche Räumlichkeiten der Beschuldigte in den 3. Stock jener Liegen-
schaft, wo er gemäss dem Anklagevorwurf angetroffen wurde, gelangte. Da hin-
sichtlich der Frage, ob ein Strafantrag der tatsächlich berechtigten Person vor-
liegt, unerheblich ist, welche Räumlichkeiten auf dem Weg in die Büros im
3. Stock betreten wurden, erübrigt sich zudem der durch die Staatsanwaltschaft
beantragte Beizug eines Liegenschaftsplans.
- 18 -
3.6.1 Dem Rapport der Stadtpolizei Zürich vom 12. Februar 2018 ist unter
dem Titel "Ermittlungen/Ergänzungen" zu entnehmen, dass B._, welche von
der Eigentümerschaft C._ AG habe erreicht werden können, nach Rückspra-
che mit dem Anwalt der C._, Rechtsanwalt Dr. iur. Y._, vorerst mündlich
Strafantrag gegen die Besetzer gestellt habe (Urk. 1 S. 9). Bei den Akten liegt so-
dann ein in Bezug auf den Beschuldigten von Rechtsanwalt Dr. iur. Y._ für
die C._ AG am 12. Februar 2018 unterzeichneter Strafantrag wegen "Haus-
friedensbruch/Sachbeschädigung" (Urk. 4/1). Rechtsanwalt Dr. iur. Y._ wur-
de gemäss Vollmacht vom 4. Januar 2018 durch die C._ AG in Sachen "Lie-
genschaft D._-str. ..., ... Zürich, betreffend "E._ GmbH" bevollmächtigt.
Die Vollmacht weist zwei Unterschriften auf. Wobei oberhalb der beiden Unter-
schriften der Name "G._" aufgeführt ist. Die zweite Unterschrift kann nicht
zugeordnet werden; sie ist nicht leserlich (Urk. 25).
3.6.2 Was die Form des Strafantrages von B._ betrifft, gelangte die Vo-
rinstanz zum Schluss, dass dieser formell rechtsgültig sei (Urk. 46 S. 7). Dem ist
zuzustimmen. So wurde dieser zwar nur mündlich gestellt, doch erfolgte dies –
wie von Art. 304 Abs. 1 StPO verlangt – gegenüber der Polizei. Diese hat den
Strafantrag in den Polizeirapport vom 12. Februar 2018 aufgenommen und somit
protokolliert. So genügt es den Formerfordernissen von Art. 304 Abs. 1 StPO ge-
mäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung auch dann, wenn ein mündlich gestell-
ter Strafantrag bloss in einem nicht unterzeichneten Polizeirapport erwähnt wird
(Urteil des Bundesgerichts 6B_1237/2018 vom 15. Mai 2019 E. 1.3.3 und E.
1.4.2). Ausserdem zeigt sich daran, dass er "gegen die Besetzer" gestellt wurde,
dass sich jener Strafantrag (zumindest auch) auf den Straftatbestand des Haus-
friedensbruchs bezog. Diese Formulierung impliziert, dass es um die Besetzung
und somit um Hausfriedensbruch ging. Überdies hatte B._ zu jenem Zeit-
punkt noch gar keine Kenntnis von Sachbeschädigungen (Urk. 1 S. 9). Es liegt
mithin ein von B._ formgültig gestellter Strafantrag vor.
3.6.3.1 Seitens der Verteidigung wurde weiter in Frage gestellt, dass
Rechtsanwalt Dr. iur. Y._ überhaupt berechtigt war, im Namen der C._
AG Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs gegen den Beschuldigten zu stellen.
- 19 -
So gehe aus der eingereichten Vollmacht von Rechtsanwalt Dr. iur. Y._ her-
vor, dass diese nicht unbeschränkt gültig sei, da neben dem Betreff "E._
GmbH" zu lesen sei. Damit habe die Vollmachtgeberin C._ AG deutlich ihren
Willen zum Ausdruck gebracht, dass sie mit dieser Vollmacht Rechtsanwalt Dr. i-
ur. Y._ einzig bevollmächtigt habe, ihre Interessen im Zusammenhang mit
der Liegenschaft D._-strasse ... und dies nur im Zusammenhang mit der
"E._ GmbH" zu vertreten. Zudem sei die Vollmacht für Rechtsanwalt Dr. iur.
Y._ seitens der C._ AG nur von einer mit Kollektivprokura zeichnungs-
berechtigten Person unterschrieben worden, und es sei nicht ersichtlich, welcher
Person die zweite Unterschrift nebst derjenigen von G._ zuzuordnen sei
(Urk. 36 S. 3 f.).
3.6.3.2 Die Vorinstanz beschränkte sich in ihrem Urteil auf eine Überprüfung
der Legitimation von B._ zum Stellen eines Strafantrages im Namen der
C._ AG. Da sie diese bejahte, wurde die weitere Frage, ob auch Rechtsan-
walt Dr. iur. Y._ eine entsprechende Berechtigung zugekommen wäre, offen
(Urk. 46 S. 7 f.). Zur Legitimation von B._ wies die Vorinstanz zunächst da-
rauf hin, dass nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts bei juristischen Per-
sonen jene Personen strafantragsberechtigt seien, die ausdrücklich oder still-
schweigend damit beauftragt seien, die in Frage stehenden Interessen der juristi-
schen Person zu wahren. Massgebend sei dabei nicht die Zeichnungsberechti-
gung gemäss Handelsregistereintrag, sondern dass der Strafantrag dem Willen
der Gesellschaftsorgane nicht widerspreche. Es bedürfe beispielsweise keiner
besonderen Ermächtigung im Sinne von Art. 462 Abs. 2 OR, wenn der Strafantrag
lediglich darauf abziele, den öffentlichen Ankläger in die Lage zu versetzen, das
Strafverfahren einzuleiten (Urteil des Bundesgerichts 6B_972/2009 vom
16. Februar 2010 E. 3.4.1, bestätigt im Urteil des Bundesgerichts 6B_545/2016
vom 6. Februar 2017 E. 1.3). Gestützt auf diese Erwägungen gelangte die Vo-
rinstanz zum Schluss, dass B._ zum Stellen des Strafantrages berechtigt
gewesen sei. So sei sie (gemäss dem entsprechenden Eintrag im Handelsregis-
ter) zwar nicht bei der Geschädigten C._ AG, aber bei deren Tochtergesell-
schaft C._ Management AG –– zu zweien kollektivzeichnungsberechtigt ge-
wesen. Damit sei sie offensichtlich in den Diensten der C._ Gruppe gestan-
- 20 -
den. Insofern müsse B._ auch für die Muttergesellschaft C._ AG das
Recht haben, Strafanträge zu stellen, zumal auch keine dem entgegenstehende
Mitteilung der C._ AG aktenkundig sei. Weiter gebe es keinerlei Hinweise da-
rauf, dass der Strafantrag gegen den Willen der Gesellschaftsorgane gestellt wor-
den sei (Urk. 46 S. 7 f.). Diesen überzeugenden Erwägungen ist zuzustimmen.
Das gilt umso mehr, als die C._ Management AG gemäss Handelsregis-
tereintrag unter anderem Immobilienportfolios bewirtschaftet, verwaltet etc. und in
dieser Hinsicht auch Eigentümerfunktionen wahrnimmt, also genau in dem Be-
reich tätig ist, der vom vorliegenden Verfahren berührt wird. Es liegen damit keine
Gründe dafür vor, von einer fehlenden Befugnis, im Namen der C._ AG
rechtsgültig Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs zu stellen, auszugehen. Da
somit zumindest die Gültigkeit eines Strafantrags der C._ AG zu bejahen ist,
liegen somit auch in dieser Hinsicht keine Gründe für eine Einstellung des Verfah-
rens vor. Zudem erübrigen sich weitere Erwägungen zur Vertretungsbefugnis von
Rechtsanwalt Dr. iur. Y._.
III. Sachverhalt
1. Gemäss dem im Strafbefehl umschriebenen Sachverhalt verschaffte sich
in der Nacht vom 11. auf den 12. Februar 2018 eine Gruppe von rund 14 Perso-
nen ohne entsprechende Bewilligung gewaltsam und unter Verursachung von
Sachschaden in unbekannter Höhe Zugang zu der Liegenschaft der Geschädig-
ten C._ AG an der D._-strasse ... in Zürich. Weiter wird im Strafbefehl
dargelegt, dass sich die "Häuserbesetzer" in den dritten Stock in ein Bürogebäude
begeben hätten. Dort hätten sie sich, wiederum unter Verursachung von Sach-
schaden zum Nachteil der C._ AG, verbarrikadiert. Es sei dazu gekommen,
dass sie die Bürotüre ausgehängt und Transparente aus den Fenstern gehängt
hätten, auf welchen sie erklärt hätten, dass das Haus "besetzt" sei. Als die Polizei
erschienen sei, sei diese aus den Fenstern mit verbotenen, dem Sprengstoffge-
setz unterstehenden Pyrotechnika beworfen worden. Schliesslich sei es den In-
terventionseinheiten der Polizei gelungen, in den dritten Stock vorzudringen, um
die Besetzer, welche zuvor vergeblich aufgefordert worden seien, das Gebäude
zu verlassen, aus dem Büro zu holen. Sofort seien die Polizeibeamten dann von
- 21 -
den Besetzern mit Schaum aus Feuerlöschern, Wasser und anderen Gegenstän-
den "beworfen" worden. Dem Beschuldigten wird sodann zur Last gelegt, dass er
von der Polizei innerhalb des besetzten Büros im dritten Stock dieser Liegen-
schaft angetroffen worden sei, wo er sich ohne entsprechende Bewilligung der
Berechtigten aufgehalten hätte, nachdem sich die Polizei habe Zugang verschaf-
fen können. Es wird ihm diesbezüglich vorgeworfen, sich des Hausfriedensbruchs
schuldig gemacht zu haben. Was die Vorwürfe der Sachbeschädigung und der
Gewalt und Drohung gegen Behörden oder Beamte betrifft, wurde das Strafver-
fahren mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich - Limmat vom 22. März 2018
eingestellt (Urk. 17).
2.1 Der Beschuldigte machte sowohl im Vorverfahren als auch vor Vor-
instanz von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch (Urk. 5; Urk. 6; Prot. I
S. 12 ff.). Sowohl aus dem Verhaftsrapport vom 12. Februar 2018 als auch aus
den Fotos, welche anlässlich der Verhaftung von ihm erstellt wurden, geht hervor,
dass sich der Beschuldigte zum Zeitpunkt des Eintreffens der Polizei in den in
Frage stehenden Büroräumlichkeiten im 3. Stock der Liegenschaft an der
D._-strasse ... aufgehalten hatte (Urk. 7; Urk. 8; Urk. 12/1). Daran, dass die
Fassade der Liegenschaft zum Zeitpunkt des Eintreffens der Polizei mit Transpa-
renten versehen war, mit welchen die Liegenschaft ausdrücklich als "besetzt" er-
klärt worden war (Urk. 9), zeigt sich zudem, dass der Beschuldigte wusste, dass
er nicht über eine Bewilligung verfügte, sich in jener Liegenschaft aufzuhalten.
Der Anklagesachverhalt erweist sich damit in Bezug darauf, dass sich der Be-
schuldigte ohne entsprechende Bewilligung Zugang zur Liegenschaft an der
D._-strasse ... verschafft hatte und er sich anschliessend auch ohne ent-
sprechende Bewilligung in den besetzten Büros im dritten Stock jener Liegen-
schaft aufhielt, in objektiver und subjektiver Hinsicht als erstellt.
2.2 Der Anklagesachverhalt hinsichtlich des Vorwurfs des Hausfriedens-
bruchs erweist sich somit ohne Einschränkung als rechtsgenügend erstellt und
kann diesem Urteil zugrunde gelegt werden.
- 22 -
IV. Rechtliche Würdigung
1. Wegen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB wird auf Antrag
bestraft, wer gegen den Willen des Berechtigten in ein Haus, in eine Wohnung, in
einen abgeschlossenen Raum eines Hauses oder in einen unmittelbar zu einem
Hause gehörenden umfriedeten Platz, Hof oder Garten oder in einen Werkplatz
unrechtmässig eindringt oder, trotz der Aufforderung eines Berechtigten, sich zu
entfernen, darin verweilt. In Bezug auf Räumlichkeiten, die dem Publikum nur für
bestimmte Zwecke offenstehen und deren Zweckbestimmung für jedermann ohne
jeden Zweifel klar zutage tritt, handelt gegen den Willen des Berechtigten, wer zu
einem anderen Zweck eindringt (BGE 108 IV 33 S. 39).
2. Wie bereits erwogen liegt ein gültiger Strafantrag der C._ AG vor.
Ausserdem erfüllte der Beschuldigte den Tatbestand des Hausfriedensbruchs
dadurch, dass er sich im Wissen darum, dass er dazu nicht berechtigt war und
dies nicht dem Willen der C._ AG entsprach, Zugang zur Liegenschaft an der
D._-strasse ... verschaffte und sich in deren dritten Stock in Büroräumlichkei-
ten aufhielt, sowohl in objektiver als auch in subjektiver Hinsicht. Entsprechendes
gilt insbesondere auch für das Betreten gemeinschaftlicher Gebäudeteile, zumal
der Beschuldigte nicht die Absicht hatte, eine bestimmte Dienstleistung einer in
das Gebäude eingemieteten Firma in Anspruch zu nehmen oder jemanden zu be-
suchen. Er drang mithin zu einem anderen als dem für diese Räumlichkeiten be-
stimmten Zweck ein. Der Beschuldigte ist daher des Hausfriedensbruchs im Sinne
von Art. 186 StGB schuldig zu sprechen.
V. Sanktion
1. Die Vorinstanz hat die Grundsätze der Strafzumessung zutreffend aufge-
zeigt. Auch hat sie richtigerweise darauf hingewiesen, dass für Hausfriedensbruch
im Sinne von Art. 186 StGB ein ordentlicher Strafrahmen von Geldstrafe (von
mindestens 3 und höchstens 180 Tagessätzen) bis hin zu einer Freiheitsstrafe
von 3 Jahren vorgesehen ist. Dies braucht nicht wiederholt zu werden (Urk. 46
S. 12 f.).
- 23 -
2.1 Hinsichtlich der objektiven Tatkomponente ist zunächst zu berücksichti-
gen, dass sich der Aufenthalt des Beschuldigten ohne Bewilligung in jener Lie-
genschaft auf eine Dauer von wenigen Stunden beschränkte (Urk. 1 S. 8 f.). Es
handelte sich mithin nicht um eine über längere Zeit andauernde Häuserbeset-
zung. Relativierend ist diesbezüglich allerdings auch zu berücksichtigen, dass der
Beschuldigte sowie die übrigen Personen, welche sich in jener Liegenschaft auf-
hielten, diese nicht ohne fremdes Zutun wieder verliessen. Vielmehr wurden sie
erst nach zuvor geleistetem Widerstand im Rahmen der Räumung durch die Poli-
zei aus dem Gebäude geführt (Urk. 1 S. 9; Urk. 12/1 S. 2). Die Staatsanwaltschaft
macht geltend, dass insbesondere zu gewichten sei, dass der Beschuldigte eine
intakte, genutzte und mit dem für Büroarbeiten notwendigen Equipment ausge-
stattete Liegenschaft und nicht eine Abbruchliegenschaft besetzt habe (Urk. 71
S. 2 f.). Tatsächlich war hinsichtlich dieser Liegenschaft jedoch vorgesehen, dass
sie rund ein halbes Jahr später, im Herbst 2018 abgebrochen werden würde
(Urk. 1 S. 9). Der Staatsanwaltschaft ist aber zuzustimmen, dass insofern nicht
von einer Abbruchliegenschaft die Rede sein kann, als sich zumindest in den Bü-
roräumlichkeiten im dritten Stock noch Mobiliar der E._ GmbH befand und
die Liegenschaft mithin nicht leer stand. Allerdings hätten auch deren Räume be-
reits geleert sein müssen. Verschuldensrelativierend wirkt sich sodann aus, dass
es sich nicht um private Wohnräumlichkeiten handelte. Ausserdem waren zum
Zeitpunkt, als sich der Beschuldigte sowie die weiteren Personen Zugang zum
Gebäude verschafften, keine weiteren Personen zugegen, welche durch die Be-
setzung beeinträchtigt worden wären. Schliesslich ist zu berücksichtigen, dass
dem Beschuldigten im Rahmen der Bemessung des Tatverschuldens allfällige im
Zusammenhang mit der in Frage stehenden Hausbesetzung entstandene Sach-
schäden oder allfällig gegenüber der Polizei ausgeübte Gewalt nicht angelastet
werden dürfen, zumal hinsichtlich dieser Vorwürfe der Sachbeschädigung und der
Gewalt und Drohung gegen Behörden oder Beamte am 22. März 2018 eine Ein-
stellung des gegen den Beschuldigten geführten Strafverfahrens erging (Urk. 17).
Das Tatverschulden des Beschuldigten wiegt daher in objektiver Hinsicht leicht.
2.2 In Bezug auf die subjektive Tatkomponente fällt ins Gewicht, dass der
Beschuldigte mit direktem Vorsatz handelte. Eine Notwendigkeit, sich ohne Bewil-
- 24 -
ligung in jene Liegenschaft zu begeben, bestand für ihn nicht. So war er insbe-
sondere nicht auf einen Schlafplatz angewiesen. Ob der Beschuldigte hinsichtlich
dieser Tat politisch motiviert handelte oder nicht, hat keinen Einfluss auf die Höhe
des Verschuldens. Indessen zeigt sich daran, dass er sich zusammen mit ande-
ren Personen in das Gebäude begab sowie daran, dass im Rahmen jenes Auf-
enthalts Transparente angebracht wurden, mit welchen die Liegenschaft als be-
setzt erklärt wurde, dass er planmässig vorging. Demzufolge wird das objektive
Tatverschulden durch die subjektive Schwere der Tat weder gemindert noch er-
höht. Es bleibt demnach bei einem insgesamt leichten Tatverschulden. Innerhalb
des weit gefassten Strafrahmens von Geldstrafe bis zu 3 Jahren Freiheitsstrafe
erscheint daher eine hypothetische Einsatzstrafe von 60 Tagessätzen Geldstrafe
oder 60 Tagen Freiheitsstrafe angemessen.
2.3.1 Über den Beschuldigten ist bekannt, dass er am tt. Oktober 1988 in
Zürich geboren wurde. Er hat eine Lehre als Polymechaniker absolviert. Diesen
Beruf übte er aber nur für kurze Zeit aus. Zum Zeitpunkt der vorinstanzlichen
Hauptverhandlung war der Beschuldigte Teilzeit als Bühnenbauer tätig. Dabei
verdiente er zwischen Fr. 500.– und Fr. 1'000.– pro Monat. Davon muss er seine
Krankenkassenprämien von rund Fr. 150.– pro Monat sowie sein Natelabonne-
ment und weitere Rechnungen bezahlen. Er wohnt bei seinen Eltern und bezahlt
diesen nur dann etwas für die Wohnkosten, wenn es ihm möglich ist (Prot. I
S. 10). Aus der Biografie und den Lebensumständen des Beschuldigten ergibt
sich nichts für die Strafzumessung Relevantes.
2.3.2 Der Beschuldigte ist im Schweizerischen Strafregister mit zwei Vorstra-
fen verzeichnet (Urk. 47). So wurde er mit Urteil des Bezirksgerichtes Zürich vom
20. Juni 2012 wegen Hinderung einer Amtshandlung zu einer bedingten Geldstra-
fe von 20 Tagessätzen zu Fr. 30.– verurteilt. Ausserdem wurde er mit Strafbefehl
der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 17. September 2012 wegen Sachbeschä-
digung und Hausfriedensbruch mit einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessät-
zen zu Fr. 30.– und Fr. 500 Busse bestraft. Ausserdem wurde mit jenem Strafbe-
fehl der bedingte Vollzug der mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich ausgefällten
Geldstrafe von 20 Tagessätzen widerrufen (Urk. 47). Insbesondere da es sich bei
- 25 -
der zweiten Verurteilung um eine einschlägige Vorstrafe handelt, wirken sich die-
se Einträge im Strafregister straferhöhend aus. Dabei ist aber zu berücksichtigen,
dass die Vorstrafen bereits mehrere Jahre zurückliegen und es sich bei beiden
Vorstrafen um Geldstrafen von unter 100 Tagessätzen handelte.
2.3.3 Der Beschuldigte zeigte sich nicht geständig, weshalb ihm unter dem
Titel des Nachtatverhaltens keine Strafminderung gewährt werden kann.
2.4 Die Täterkomponente wirkt sich demnach aufgrund der teilweise ein-
schlägigen Vorstrafen merklich erhöhend auf die hypothetische Einsatzsstrafe
aus. Es erscheint angemessen, die hypothetische Einsatzstrafe auf neu 80 Ta-
gessätze Geldstrafe oder 80 Tage Freiheitsstrafe zu erhöhen.
2.5.1 Während der Beschuldigte im Rahmen seines Eventualstandpunktes
die Bestrafung mit einer Geldstrafe beantragt (Urk. 48 S. 2), beantragt die Staats-
anwaltschaft die Bestätigung der Ausfällung einer Freiheitsstrafe (Urk. 71 S. 3).
2.5.2 Das dem Verschulden und den persönlichen Faktoren des Beschuldig-
ten angemessene Strafmass liegt in einem Bereich, in dem sowohl eine Geld- als
auch eine Freiheitsstrafe möglich wäre. Bei der Wahl der Sanktionsart ist als
wichtiges Kriterium die Zweckmässigkeit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswir-
kungen auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu
berücksichtigen. Nach dem Prinzip der Verhältnismässigkeit soll bei alternativ zur
Verfügung stehenden Sanktionen im Regelfall diejenige gewählt werden, die we-
niger stark in die persönliche Freiheit der Betroffenen eingreift bzw. die sie am
wenigsten hart trifft (BGE 138 IV 120 E. 5.2; BGE 134 IV 97 E. 4.2.2; BGE 134 IV
82 E. 4.1). In Bezug auf Vergehen und Verbrechen im unteren Bereich, die
grundsätzlich mit Geldstrafen bis zu 180 Tagessätzen zu ahnden sind, regelt
Art. 41 StGB, unter welchen Voraussetzungen (bedingte und unbedingte) Frei-
heitsstrafen in Betracht kommen (Heimgartner, in: Donatsch/Heimgartner/Isen-
ring/Weder [Hrsg.], Kommentar zum StGB, 20. Auflage 2018, N 1 zu Art. 41). Ent-
sprechend dem Verhältnismässigkeitsprinzip ist auch in Art. 41 Abs. 1 StGB vor-
gesehen, dass das Gericht dann auf eine Freiheitsstrafe statt auf eine Geldstrafe
erkennen kann, wenn eine solche geboten erscheint, um den Täter von der Be-
- 26 -
gehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten oder eine Geldstrafe vo-
raussichtlich nicht vollzogen werden kann. Ausserdem hat das Gericht die Wahl
der Freiheitsstrafe gemäss Abs. 2 jener Bestimmung näher zu begründen.
2.5.3 Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass auf die Art und Weise der Tat-
begehung entgegen dem Vorbringen der Staatsanwaltschaft keinen Einfluss auf
die Wahl der Strafart hat. So ist in Bezug auf die Beurteilung dieser Frage nicht
entscheidend, dass der Beschuldigte an der Besetzung einer noch möblierten Bü-
roräumlichkeit, die allerdings bereits hätte geräumt sein müssen, beteiligt war
(Urk. 71 S. 2 f.). Diesem Umstand wurde bereits im Rahmen der Bemessung des
objektiven Tatverschuldens genügend Rechnung getragen. Demgegenüber wies
die Staatsanwaltschaft zutreffenderweise darauf hin, dass sich der Beschuldigte
weder durch zwei in der Vergangenheit ausgesprochene bedingte Geldstrafen
noch durch den Widerruf des bedingten Vollzugs der einen Geldstrafe davon ab-
halten liess, das vorliegend zu beurteilende Delikt zu begehen (Urk. 71 S. 3).
Auch wenn die Begehung der Delikte, welche zur Bestrafung des Beschuldigten
mit den beiden bereits erwähnten Geldstrafen geführt haben, bereits mehrere
Jahre zurückliegt, kann dabei nicht mehr von einer Delinquenz ausgegangen
werden, welche jugendlichem Leichtsinn zugeschrieben werden könnte, zumal
der Beschuldigte auch damals bereits über 20 Jahre alt war (Urk. 47). Zwar han-
delte es sich bei diesen Vorstrafen jeweils lediglich um Geldstrafen im Bereich
von unter 100 Tagessätzen, jedoch machte sich der Beschuldigte durch die die-
sem Urteil zugrundeliegende Tat erneut des Hausfriedensbruchs strafbar. Vor
diesem Hintergrund kann nicht mehr davon ausgegangen werden, dass die Aus-
fällung einer weiteren Geldstrafe den Beschuldigten von weiterer einschlägiger
Delinquenz abzuhalten vermögen würde. Entsprechend erscheint es im Sinne von
Art. 41 Abs. 1 lit. a StGB geboten, auf eine Freiheitsstrafe zu erkennen.
2.6 Der Beschuldigte ist demnach mit einer Freiheitsstrafe von 80 Tagen zu
bestrafen. Einer Anrechnung von zwei Tagen erstandener Haft steht nichts ent-
gegen (Urk. 12/1; Urk. 12/9; Art. 51 StGB).
3. Die Vorinstanz gelangte zu Recht zum Schluss, dass der Vollzug der
Freiheitsstrafe aufzuschieben ist (Urk. 46 S. 16 f.). Der Beschuldigte wurde inner-
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halb der letzten 5 Jahre vor der Tat nicht im Sinne von Art. 42 Abs. 2 StGB zu ei-
ner bedingten oder unbedingten Freiheitsstrafe von mehr als sechs Monaten ver-
urteilt. Daher gilt grundsätzlich die Vermutung einer günstigen Prognose im Sinne
von Art. 42 Abs. 1 StGB. An dieser Vermutung vermag auch der Umstand, dass
der Beschuldigte einschlägig vorbestraft ist, nichts zu ändern. In Anbetracht des-
sen, dass der Beschuldigte nun erstmals mit einer Freiheitsstrafe zu bestrafen ist,
besteht – entgegen der Auffassung der Staatsanwaltschaft (Urk. 71 S. 3) – Aus-
sicht darauf, dass ihn dies genügend beeindruckt, um ihn von weiterer Delinquenz
abzuhalten. Es rechtfertigt sich daher, den Vollzug der Freiheitsstrafe bedingt auf-
zuschieben. Dem Umstand, dass ihn die bisher bedingt ausgesprochenen Strafen
nicht davon abhielten, weitere Delikte zu begehen, ist mit der Festsetzung einer
Probezeit von 3 Jahren Rechnung zu tragen.
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Ausgangsgemäss ist das erstinstanzliche Kostendispositiv zu bestätigen
(Dispositivziffern 4 und 5).
2.1 Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Parteien nach Massga-
be ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Unterliegt die Unter-
suchungsbehörde, trägt der verfahrensführende Kanton die Kosten (Schmid/Jo-
sitsch, a.a.O., N 3 zu Art. 428 StPO). Sowohl der Beschuldigte als auch die
Staatsanwaltschaft unterliegen mit ihren Hauptanträgen jeweils vollumfänglich. Es
rechtfertigt sich daher, die Kosten des Berufungsverfahrens zur Hälfte dem Be-
schuldigten aufzuerlegen und im Übrigen auf die Staatskasse zu nehmen.
2.2 Dem Beschuldigten ist eine reduzierte Prozessentschädigung im Um-
fang der Hälfte für anwaltliche Verteidigung im Berufungsverfahren aus der Ge-
richtskasse zuzusprechen (Art. 436 Abs. 2 StPO). Anlässlich der Berufungsver-
handlung im gegen den Mitbeschuldigten H._ geführten Strafverfahren, er-
klärte Rechtsanwalt lic. iur. X1._, welcher nicht nur den Beschuldigten und
H._, sondern auch weitere Mitbeschuldigte verteidigt, im Berufungsverfahren
für den Beschuldigten rund vier Arbeitsstunden aufgewendet zu haben (Urk. 90).
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Unter Berücksichtigung des im Verfahren von H._ geltend gemachten Stun-
denansatzes von Fr. 280.– erscheint es daher angemessen, die dem Beschuldig-
ten zuzusprechende reduzierte Prozessentschädigung für das Berufungsverfah-
ren auf Fr. 650.– festzusetzen.