# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 2f888ba0-d3ac-4e6a-b8f9-7161933ba312
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2007
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
2
A. B. ist am 20. Juli 1973 in C., in der Dominikanischen Republik geboren, geschieden und Vater zweier minderjähriger Kinder. Er war bei der D. als stellvertretender Chef de Service/Sommelier angestellt und wurde am 11. Oktober 2005 fristlos entlassen.
Im Schweizerischen Zentralstrafregister ist er nicht verzeichnet.
B. A. ist am 29. Juni 1978 geboren, deutsche Staatsangehörige und arbeitete seit dem 01. August 2005 als Servicefachangestellte bei der D..
Im Schweizerischen Zentralstrafregister ist sie nicht verzeichnet.
C. Am 08. Oktober 2005 befanden sich B. und seine Mitarbeiterin A. im Restaurant der D. bei der Arbeit. Dabei kam es zwischen den beiden Parteien zu einem Streitgespräch, über dessen Inhalt geteilte Meinungen vorliegen:
Nach Angaben von A. in der Klageschrift vom 05. Januar 2006 soll B. an jenem Abend während der Arbeit im Esssaal wie aus heiterem Himmel an sie herangetreten sein und zu ihr gesagt haben: „Ich kann ihren Hass nicht verstehen.“ Nachdem sie darauf nicht weiter eingetreten sei, habe er weiter ausgeführt: „Sie sind ein Rassist.“ Auf ihre Nachfrage hin habe er dann wiederholt: „Sie sind ein Rassist und ein Judenhasser.“ Daraufhin habe sie sich zu ihrer Vorgesetzten E., welche sich ebenfalls im selben Raum aufgehalten habe, begeben und ihr das Vorgefallene geschildert. Auf die Nachfrage von E., ob B. diese Aussagen tatsächlich getätigt habe, habe er entgegnet, dies gehe bloss A. und ihn etwas an. Daraufhin habe E. den Geschäftsführer der D., F., über den Vorfall informiert. Dieser befragte am folgenden Tag sowohl E. als auch B. über das Vorgefallene. Beide gaben ihre Sicht des Vorfalles zu Protokoll, wobei B. sich weigerte, das Protokoll mit seinen eigenen Aussagen zu unterzeichnen. In der Ergänzung zur Klage vom 18. April 2006 wird ausgeführt, B. habe die Ausdrücke „Rassist“, „Nazi“ und „Jude“ verwendet.
B. schilderte den Vorgang in der Stellungnahme vom 18. Mai 2006 sinngemäss folgendermassen: Es habe schon seit geraumer Zeit Spannungen im Team gegeben. Am 08. Oktober 2005 seien A. und er während der Arbeit im Esssaal für einen Moment alleine gewesen. Er habe mit ihr das Gespräch suchen wollen und sie daher gefragt, warum sie ihn denn hasse. Da sie nicht geantwortet habe, habe er sie gefragt, ob sie Rassistin sei. Darauf habe sie geantwortet, sie sei Nazi und rechtsradikal, worauf er entgegnet habe: „So wie du mit mir umgehst, so
3
sind die Nazis mit den Juden umgegangen.“ Danach habe er gesehen, wie sich A. mit E. unterhalten habe. Nach dem Gespräch mit seinem Chef F. habe er sich geweigert, das Protokoll zu unterzeichnen, weil dessen Inhalt nicht der Wahrheit entsprochen habe.
D. Am 05. Januar 2006 liess A. beim Kreisamt G. Strafklage wegen Ehrverletzung einreichen. Dabei wurden folgende Rechtsbegehren gestellt:
„1. Der Beklagte sei wegen Verleumdung gegenüber der Klägerin im Sinne von Art. 174 StGB, eventuell wegen übler Nachrede im Sinne von Art. 173 StGB, schuldig zu sprechen.
2. Eventualiter sei der Beklagte wegen Beschimpfung im Sinne von Art. 177 StGB schuldig zu sprechen.
3. Der Klägerin sei eine Genugtuung von Fr. 2'000.00, eventualiter nach richterlichem Ermessen, zuzusprechen, welche dem schweizerischen Komitee für UNICEF, Baumackerstrasse 24, 8050 Zürich, Spendenkonto PC 80-7211-9, auszuzahlen sei.
4. Unter gerichtlicher und aussergerichtlicher Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Beklagten.“
E. Nach gescheiterter Sühneverhandlung vor dem Kreispräsidium G. vom 06. März 2006 erhielt A. Gelegenheit, ihre Klage zu ergänzen. Mit Eingabe vom 18. April 2006 hielt sie an ihren bisherigen Rechtsbegehren unverändert fest.
F. B. liess in seiner Vernehmlassung vom 18. Mai 2006 Folgendes beantragen:
„1. Abweisung der Klage.
2. Verfahrensantrag: das Protokoll vom 29. März 2006 über die Einvernahme der Strafklägerin sei aus dem Recht zu weisen.
3. Unter gerichtlicher und aussergerichtlicher Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Klägerin.“
B. reichte dem Bezirksgerichtspräsidium für das Verfahren vor Bezirksgericht H. ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ein, welches mit Verfügung vom 14. März 2006 gutgeheissen wurde.
G. Im Anschluss an die Durchführung der Untersuchung und den Erlass der Schlussverfügung wurde B. vom Kreispräsidenten G. mit Verfügung vom 06. Dezember 2006 wegen Verleumdung im Sinne von Art. 174 des Strafgesetzbuches (StGB; SR 311.0), wegen übler Nachrede im Sinne von Art. 173 StGB sowie wegen
4
Beschimpfung im Sinne von Art. 177 StGB in den Anklagezustand versetzt. Daraufhin überwies das Kreispräsidium G. den Fall gestützt auf Art. 165 Abs. 3 der Strafprozessordnung (StPO; BR 350.000) dem Bezirksgerichtsausschuss H. zur Beurteilung.
H. Mit Urteil vom 22. Mai 2007, mitgeteilt am 26. Juni 2007, erkannte der Bezirksgerichtsausschuss H.:
„1. B. wird von der Anklage wegen Verleumdung gemäss Art. 174 StGB, wegen übler Nachrede gemäss Art. 173 StGB sowie wegen Beschimpfung gemäss Art. 177 StGB freigesprochen.
2. Auf die Genugtuungsforderung der Strafklägerin wird nicht eingetreten.
3. Die Kosten des Verfahrens, bestehend aus:
- Kosten des Aussöhnungsverfahrens Fr. 200.00
- Barauslagen und Untersuchungskosten
des Kreisamtes G. Fr. 500.00
- Gerichtsgebühr Fr. 2'000.00
total somit Fr. 2'700.00 gehen zulasten der Strafklägerin, A..
Ausserdem hat A. den Strafbeklagten ausseramtlich mit Fr. 3'000.00 zu entschädigen.

## Considerations