# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f6de246e-369f-495e-b742-12f5b4c16a53
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2012
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. A. wuchs zusammen mit einer Schwester in guten Familienverhältnissen bei seinen Eltern in Z. in Y. auf. Er besuchte dort vier Klassen der Primar- und drei Klassen der Sekundarschule. Danach zog er mit seinem Vater, der damals bei der Baufirma B. in X. arbeitete, in die Schweiz. Im Jahre 2005 kam seine Mutter nach. A. arbeitete in der Schweiz zunächst während zwei Jahren in einem Bauernbetrieb in W. und anschliessend während zehn Jahren bei der Firma B. in X., nämlich zunächst als Handlanger und später als Maschinist. In der Folge war er kurzfristig zusammen mit einem Kollegen im Tiefbau tätig. Seit dem Jahre 2006 bis zu seiner Festnahme arbeitete er bei der Firma C. in V. als Maschinist. Dabei verdiente er monatlich ca. Fr. 4‘175.-- netto (vor Abzug der Quellensteuer). A. besitzt kein Vermögen und hat nach eigenen Angaben Schulden im Betrag von ca. 30‘000.-- Fr. Im Betreibungsregister des Betreibungsamts Imboden ist er mit 25 offenen Verlustscheinen im Betrag von insgesamt Fr. 61‘320.-- verzeichnet. Er ist Vater zweier Töchter (Jahrgänge 2004 und 2006), für die er monatliche Unterhaltsbeiträge von total Fr. 1‘300.-- zu bezahlen hat.
Im Schweizerischen Strafregister ist A. seit dem Jahre 2005 mit sieben Einträgen verzeichnet, und zwar vorwiegend wegen Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittel- und das Strassenverkehrsgesetz. Im Strafregister von Y. ist er darüber hinaus nicht verzeichnet. Bei zwei der vorgenannten Strafen wurde der bedingte Strafvollzug angeordnet. Unter anderem verurteilte der Kreispräsident T. A. mit Strafmandat vom 19. November 2007 zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen à Fr. 60.--, bedingt vollziehbar bei einer Probezeit von vier Jahren, und zu einer Busse von Fr. 3‘000.--. Der Kreispräsident U. verurteilte ihn mit Strafmandat vom 4. März 2008 als Zusatzstrafe zum vorgenannten Strafmandat zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à Fr. 60.--, bedingt vollziehbar bei einer Probezeit von vier Jahren, sowie einer Busse von Fr. 300.--. Mit Strafmandat vom 2. März 2010 wurde A. vom Kreispräsidenten T. zu einer Geldstrafe von 15 Tagessätzen à Fr. 50.-- verurteilt, wobei zugleich bei den beiden zuvor genannten Vorstrafen die Probezeit auf insgesamt fünf Jahre verlängert wurde. Schliesslich verurteilte der Kreispräsident T. A. mit Strafmandat vom 5. Mai 2010 als Zusatzstrafe zum Strafmandat vom 2. März 2010 zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen à Fr. 60.--. Gemäss Leumundsbericht der Kantonspolizei Graubünden vom 27. Dezember 2011 ist der Leumund von A. aufgrund seiner mehreren Vorstrafen und seiner hohen Schulden als erheblich getrübt zu betrachten. Jedoch war sein Arbeitgeber mit seiner Arbeit sehr zufrieden.
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B. A. wurde am 23. November 2011 in T. festgenommen und danach in Untersuchungshaft gesetzt. Gleichentags eröffnete die Staatsanwaltschaft Graubünden ein Strafverfahren gegen A. wegen Raubs sowie Vergehen gegen das Waffengesetz. Mit Schreiben vom 30. November 2011 wurde Rechtsanwalt lic. iur. Mario Thöny als notwendiger Verteidiger von A. eingesetzt. Seit dem 22. Dezember 2011 befindet sich A. im vorzeitigen Strafvollzug.
C. Der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 14. Februar 2012 liegt folgender Sachverhalt zugrunde:
„A. Raub gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
Am Nachmittag des 20. November 2011 konsumierten A. und D. zusammen mit einem weiteren Landsmann in T. eine Flasche Wein und rauchten einen Joint Marihuana. Ca. um 17.00 Uhr begaben sich hierauf A. und D. in die Unterkunft des letztgenannten nach S., wo sie das Nachtessen einnahmen und erneut einen Joint Marihuana rauchten. Nachdem sie dort über Geldprobleme gesprochen hatten, fassten sie gemeinsam den Entschluss, in T. eine Prostituierte zu berauben, um dadurch Geld zu erlangen. Ca. um 21.45 Uhr fuhren die beiden Beschuldigten mit dieser Absicht mit einem Lieferwagen von S. zur R. nach T., wobei D. den Lieferwagen lenkte und A. vorne rechts auf einem der beiden Beifahrersitze mitfuhr. Auf der R. sprach A. die Prostituierte E. an und fragte sie nach dem Preis für deren Dienstleistungen. Nachdem sie sich einig geworden waren, liessen die Beschuldigten die Prostituierte vorne rechts in den Lieferwagen einsteigen und fuhren danach zum nahe gelegenen Parkplatz an der „Q.“. Dort nahm der direkt neben E. sitzende A. – mit Willen des Mittäters – plötzlich ein Messer mit einer geöffneten Klinge hervor, hielt es gegen den Oberkörper des Opfers, wodurch er es an Leib und Leben bedrohte, und forderte von ihr „Geld und Drogen“. E. hielt während dieser Zeit eine Handtasche auf den Knien und übergab diese hierauf A.. Dieser öffnete in der Folge die Beifahrertüre und liess die Prostituierte aussteigen, nachdem er ihr noch zu verstehen gegeben hatte, dass sie nicht die Polizei rufen solle. Anschliessend fuhren die Beschuldigten in Richtung S. davon. Auf dieser Fahrt durchsuchte A. die Tasche des Opfers, die deren Identitätskarte sowie Schmuck- und Hygieneartikel enthielt. Nach den Angaben von E. soll sich in dieser Tasche zudem eine 100 Franken Note befunden haben, was von den Beschuldigten jedoch bestritten wird.
Gemäss dem Polizeirapport ist der Wert der Handtasche samt dem Inhalt – ohne Bargeld – auf ca. CHF 170.00 zu beziffern. Die Identitätskarte des Opfers konnte später in der Unterkunft von D. in S. sichergestellt werden. Den Rest des Deliktsgutes hatte D. nach der Tat auf der Brücke bei P. in den Rhein geworfen.
Akten: 1.5 (S. 2), 1.10 (S. 2f.), 8.1, 8.2, 9.3, 9.5, 9.7 - 9.11, 10.1, 10.2
B.1. Mehrfache Widerhandlung gegen Art. 33 Abs. 1 lit. a des Waffengesetzes
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Ca. im Sommer 2009 erwarb A. von einer unbekannten Person ein Messer, dessen Klinge mit einem einhändig bedienbaren automatischen Mechanismus ausgefahren werden kann. In der Folge trug er dieses Messer mehrmals auf sich, letztmals am späten Abend des 15. Juli 2011 auf dem Parkplatz des Hotels F. an der O. in T.. Der Beschuldigte besass keine Bewilligung zum Erwerb und Tragen einer Waffe. Zudem war er wegen seinen mehreren Eintragungen im Schweizerischen Strafregister wegen Vergehen nicht berechtigt, eine Waffe zu erwerben.
Das Stellmesser wurde am 15. Juli 2011 durch die Polizei sichergestellt und mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 20. Januar 2012 beschlagnahmt.
Akten: 1.5 (S. 2f.), 1.12, 11.1 - 11.3
B.2. Mehrfache Widerhandlung gegen Art. 19a Ziff. 1 BetmG
Im Zeitraum vom 19. September 2011 bis zum 20. November 2011 erwarb A. von unbekannten Personen in T. unter drei verschiedenen Malen insgesamt ca. 0.5 gr Heroin zum Preis von total CHF 60.00 sowie unter vier verschiedenen Malen insgesamt ca. 1 gr Marihuana zum Preis von total CHF 20.00. Diese Betäubungsmittel verwendete er für den Eigenkonsum.
Akten: 1.5 (S. 3), 12.1, 12.2“
D. Anlässlich der Hauptverhandlung vor Bezirksgericht Plessur vom 19. April 2012 stellte die Staatsanwaltschaft Graubünden folgende Schlussanträge:
„1.a) A. sei schuldig zu sprechen
- des Raubes gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, - der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 33 Abs. 1 lit. a des
Waffengesetzes, - der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 19a Ziff. 1 BetmG.
b) Dafür sei er – teilweise als Zusatzstrafe zu den Strafmandaten des Kreispräsidenten T. vom 2. März 2010 und vom 5. Mai 2010 – mit einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren und einer Busse von Fr. 200.00 zu bestrafen. Bei schuldhafter Nichtbezahlung tritt an Stelle der Busse eine Ersatzfreiheitsstrafe von 2 Tagen.
c) Die erstandene Polizei- und Untersuchungshaft von 29 Tagen sei an die Freiheitsstrafe anzurechnen.
d) Der A. mit Strafmandat des Kreispräsidenten T. vom 19. November 2007 für eine Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je CHF 60.00 und mit Strafmandat des Kreispräsidenten U. vom 4. März 2008 für eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je CHF 60.00 gewährte bedingte Strafvollzug sei zu widerrufen.
e) Das bei A. beschlagnahmte Stellmesser sei gestützt auf Art. 31 Abs. 1 und 3 des Waffengesetzes definitiv einzuziehen und zu vernichten.
Kostenfolge sei die gesetzliche.“
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A., vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Mario Thöny, seinerseits stellte folgende Schlussanträge:
„1. A. sei wegen Raubes gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, wegen Widerhandlung gegen Art. 33 Abs. 1 lit. a WG i. V. mit Art. 33 Abs. 2 WG sowie wegen Widerhandlung gegen Art. 19a Ziff. 1 BetmG schuldig zu sprechen.
2. A. sei dafür im Zusatz zu den Strafmandaten des Kreispräsidenten T. vom 02. März 2010 und des Kreispräsident-Stellvertreters T. vom 05. Mai 2010 zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten zu bestrafen. Die erstandene Polizei- und Untersuchungshaft sowie die Dauer des vorzeitigen Strafantritts seien an die Strafe anzurechnen.
3. Der für die, vom Kreispräsidenten T. mit Strafmandat vom 19. November 2007 ausgesprochene, bedingte Geldstrafe im Betrag von Fr. 10‘800.00 gewährte bedingte Strafvollzug sowie der für die, vom Kreispräsidenten U. mit Strafmandat vom 04. März 2008 ausgesprochene, bedingte Geldstrafe im Betrag von Fr. 5‘400.00 gewährte bedingte Strafvollzug seien nicht zu widerrufen.
4. Unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge.“
E. Gegen das am 19. April 2012 gefällte, gleichentags mündlich eröffnete und am 20. April 2012 ohne schriftliche Begründung mitgeteilte Urteil des Bezirksgerichts Plessur meldete die Staatsanwaltschaft Graubünden mit Eingabe vom 24. April 2012 Berufung an, woraufhin das Bezirksgericht Plessur den Parteien am 22. Mai 2012 das schriftlich begründete Urteil mitteilte. Darin erkannte es wie folgt:
„1. A. ist schuldig des Raubes gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 33 Abs. 1 lit. a des Waffengesetzes und der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 19a Ziff. 1 BetmG.
2. a) Dafür wird A. teilweise als Zusatzstrafe zu den Strafmandaten des Kreispräsidenten T. vom 2. März 2010 und vom 5. Mai 2010 mit einer Gesamtstrafe von 12 Monaten Freiheitsstrafe und einer Busse von CHF 200.00 bestraft.
b) An die Freiheitsstrafe ist die erstandene Untersuchungshaft von 30 Tagen anzurechnen.
c) Die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse beträgt 2 Tage. Sie tritt an die Stelle der Busse, soweit dieselbe schuldhaft nicht bezahlt wird.
3. a) Die mit Strafmandat des Kreispräsidenten T. vom 19. September 2007 bedingt ausgesprochene Geldstrafe von 180 Tagessätzen à CHF 60.00 wird widerrufen.
b) Die mit Strafmandat des Kreispräsidenten U. vom 4. März 2008 bedingt ausgesprochene Geldstrafe von 90 Tagessätzen à CHF 60.00 wird widerrufen.
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4. Das beschlagnahmte einhändig bedienbare Messer mit automatischem Mechanismus wird gestützt auf Art. 31 Abs. 1 lit. a und b sowie Abs. 3 WG definitiv eingezogen.
5. a) Die Kosten des Verfahrens von CHF 7‘390.00 (Untersuchungsgebühren und Auslagen der Staatsanwaltschaft Graubünden CHF 3‘790.00, Gerichtsgebühren CHF 3‘600.00) gehen zu Lasten von A..
b) Die Kosten der angerechneten Untersuchungshaft von CHF 6‘096.00 sowie des Strafvollzugs gehen zu Lasten des Kantons Graubünden. Die beschuldigte Person hat sich daran nach Massgabe von Art. 380 Abs. 2 StGB zu beteiligen.
c) Die Kosten der amtlich bestellten Übersetzerin in Höhe von CHF 105.00 gehen zu Lasten der Gerichtskasse.
d) A. schuldet dem Bezirksgericht Plessur folglich:
Busse CHF 200.00 Verfahrenskosten CHF 7‘390.00 Total CHF 7‘590.00
In Rechtskraft erwachsene Bussen und Verfahrenskosten sind dem Bezirksgericht Plessur innert 30 Tagen nach Zustellung dieses Urteils mit beiliegendem Einzahlungsschein zu bezahlen.
6. a) Die amtliche Verteidigung wird – unter dem Vorbehalt, dass dieses Urteil in Rechtskraft erwächst – mit CHF 7‘927.00 entschädigt. Die Entschädigung geht zu Lasten des Kantons Graubünden und wird aus der Gerichtskasse bezahlt. Vorbehalten bleibt die Rückerstattungspflicht von A. gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.

## Considerations