# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** ae762953-1226-486e-91bd-b6594f483aba
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Die 1965 geborene X._, diplomierte Krankenschwester für allge
meine Krankenpflege (Urk. 7/1/3), arbeitete zuletzt mit einem Pensum von 80 % als Fachschwester Gastroenterologie am Y._ und meldete sich am 28. September 2011 unter Hinweis auf Mobbing am Arbeitsplatz und Depressi
onen bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/2). Die Sozi
alversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zog unter anderem die Akten der Pensionskasse Z._ (Z._; Urk. 7/10, Urk. 7/17, Urk. 7/23, Urk. 7/36, Urk. 7/75 und Urk. 7/129) bei, klärte die erwerblichen und medizinischen Verhältnisse der Versicherten ab und teilte ihr am 31. Oktober 2011 mit, dass aufgrund ihres Gesundheitszustands zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien, weshalb der Anspruch auf eine Rente geprüft werde (Urk. 7/16). Am 11. Mai 2012 erteilte die IV-Stelle Kosten
gutsprache für ein Aufbautraining beim A._ in Winterthur vom 14. Mai bis 18. November 2012 (Urk. 7/30), welches am 23. Oktober 2012 (Urk. 7/51) bis 17. Februar 2013 verlängert wurde. Mit Mitteilungen vom 14. März und 15. Mai 2013 (Urk. 7/70 und Urk. 7/80) informierte die IV-Stelle die Versicherte über die Zusprache eines Arbeitsversuchs bei Dr. med. B._ in Dietikon vom 6. März bis 5. September 2013 sowie die Übernahme der Kosten für ein Job Coaching im Rahmen des Arbeitsversuchs durch C._. Am 20. August 2013 teilte die IV-Stelle der Versicherten unter Hinweis darauf, dass letztere den Arbeitsversuch aufgrund von Unstimmigkeiten mit dem Arbeitgeber habe abbrechen müssen, mit, dass die Mitteilung vom 14. März 2013 (Urk. 7/70) per 9. Juni 2013 aufgehoben worden sei (Urk. 7/86). Mit Mit
teilung vom 27. Februar 2014 (Urk. 7/95) erteilte die IV-Stelle Kostengutsprache für ein Arbeitstraining beim D._ (D._; Einsatzbetrieb E._) vom 3. März bis 2. September 2014, welches am 13. August 2014 bis 1. März 2015 verlängert wurde (Urk. 7/107). Im Weiteren gewährte die IV-Stelle am 15. August 2014 Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche durch die F._ vom 16. September 2014 bis 15. Mai 2015 (Urk. 7/109). Am 23. Januar 2015 infor
mierte die IV-Stelle die Versicherte über den Abbruch der Arbeitsvermittlung und die Aufhebung der Mitteilung vom 15. August 2014 (Urk. 7/109) per 22. Januar 2015 (Urk. 7/125). Mit Vorbescheid vom 24. August 2015 (Urk. 7/149) stellte die IV-Stelle der Versicherten unter Hinweis darauf, dass die gesundheitlichen Einschränkungen überwiegend wahrscheinlich von psychoso
zialen Faktoren ausgelöst worden seien, die Abweisung des Leistungsbegehrens mangels Invalidität in Aussicht, wogegen die Versicherte unter Beilage der Be
richte von Dr. med. G._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psycho
therapie, vom 14. September und 28. Oktober 2015 (Urk. 7/150 und Urk. 7/159) Einwand (Urk. 7/151) erhob. Mit Verfügung vom 20. Januar 2016 (Urk. 2) wies die IV-Stelle das Rentenbegehren ab.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 12. Februar 2016 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, die Verfügung vom 20. Januar 2016 sei aufzuheben und es seien ihr die gesetzlichen Leistungen der Invalidenversicherung, insbesondere eine Rente, zuzusprechen (S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 23. März 2016 (Urk. 6) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. In der am 11. April 2016 erstatteten Replik (Urk. 9) wiederholte die Beschwerdeführerin die in der Beschwerde gestellten Anträge (S. 2). Die Beschwerdegegnerin verzichtete in der Folge auf das Einreichen einer Duplik (Urk. 11), was der Beschwerdeführerin am 17. Mai 2016 mitgeteilt wurde (Urk. 12).

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von Ge
burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krank
heitswert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen gu
ten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu er
zielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invali
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Er
werbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versi
cherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundes
gerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der ent
scheidrelevante Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre leistungsabweisende Verfügung (Urk. 2) damit, dass die gesundheitlichen Einschränkungen der Beschwerdefüh
rerin überwiegend wahrscheinlich von psychosozialen Faktoren ausgelöst wor
den seien (Probleme am Arbeitsplatz), welche aus versicherungsmedizinischer Sicht keine längerfristige, dauerhafte Erwerbsunfähigkeit begründeten. Im Wei
teren wies die Beschwerdegegnerin darauf hin, dass in den Berichten der Ver
trauensärztin der Z._ stets eine günstige Prognose abgegeben worden und die Wiedereingliederung bis zum Abbruch durch die Beschwerdeführerin gut ver
laufen sei. Bis zum Erlass des Vorbescheids sei hinsichtlich der Persönlichkeits
änderung sodann von einer Differenzialdiagnose ausgegangen worden, wobei eine solche Diagnose lediglich als Annahme gelte und nicht zu den fachärztlich gestellten Diagnosen gehöre. Bei der diagnostizierten rezidivierenden depressi
ven Störung, gegenwärtig leichtgradige Episode, handle es sich in invaliden
versicherungsrechtlicher Hinsicht um keine langdauernde schwere Erkrankung mit erheblicher und dauerhafter Einschränkung der beruflichen Funktionsfähig
keit und die Störung sei zudem behandelbar. Schliesslich sei die von Dr. G._ zuletzt gestellte Diagnose einer andauernden Persönlichkeits
änderung mit Einschränkung der beruflichen Funktionsfähigkeit und einer ge
genwärtig mittelschweren bis schweren depressiven Episode nicht im Detail be
gründet (S. 2-3).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber in ihrer Beschwerde (Urk. 1) auf den Standpunkt, die Arbeitsunfähigkeit sei nicht durch psychosoziale Fak
toren verursacht worden. Die Vertrauensärztin der Z._ habe bereits in ihrem ersten Bericht festgehalten, dass Probleme am Arbeitsplatz die Erkrankung aus
gelöst hätten, es sich bei Letzterer aber um eine eigenständige psychische Er
krankung mit Krankheitswert handle. Später habe die Vertrauensärztin die Frage, ob es psychosoziale Gründe mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gegeben habe, verneint (S. 6 Ziff. 15-16). Im Weiteren sei aktenkundig, dass die Einglie
derungsbemühungen trotz günstiger Prognose am schweren Gesundheitsscha
den und dessen Therapieresistenz gescheitert seien (S. 7 Ziff. 17). Schliesslich stehe die Beschwerdeführerin seit nahezu sechs Jahren in psychiatrischer Be
handlung und habe sich durchgehend einer antidepressiven medikamentösen Therapie unterworfen, weshalb von einer Chronifizierung der psychischen Stö
rung auszugehen und die Erkrankung nicht mehr heilbar sei (S. 8 Ziff. 22-26; vgl. auch Urk. 9 S. 3 Ziff. 3).
3.
3.1
In ihrem Bericht vom 30. Januar 2012 (Urk. 7/22/1-8) über die teilstationäre psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung seit 14. September 2011 nann
ten Dr. med. H._, Assistenzärztin, Dr. med. I._, Oberarzt, und Prof. Dr. med. J._, Leitender Arzt an der K._, folgende Diagnose (S. 2 Ziff. 1.1):
-
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
mittelgradige depressive Episode seit 02/2011 (ICD-10 F32.1)
-
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
keine
Die Ärzte führten aus, die Beschwerdeführerin sei deutlich depressiv, leicht ängst
lich, stehe zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit und sei affektarm. Es bestünden ein deutlicher Interessen- und Gefühlsverlust, eine Reduktion der Vitalgefühle, eine ausgeprägte innere Unruhe sowie Insuffizienz- und Schuld
gefühle. Die Beschwerdeführerin sei psychomotorisch ruhig und im Antrieb vermindert, aber deutlich verbessert als vor 2-3 Monaten. Bei Weiterführung der aktuellen ambulanten und teilstationären Therapie sowie der antidepressi
ven Pharmakotherapie sei die Prognose auf längere Sicht gut (S. 3 f.).
Die Beschwerdeführerin sei seit Februar 2011 in ihrer zuletzt ausgeübten Tätig
keit als spezialisierte Krankenschwester für Gastroenterologie zu 100 % arbeits
unfähig. Als körperliche, geistige und psychische Einschränkungen zeigten sich eine Erschöpfung im Rahmen chronischer Schlafstörungen, Konzentrationsstö
rungen sowie eine verminderte psychische Belastbarkeit im Rahmen des de
pressiven Zustandsbilds. Bei der Arbeit bestünden eine verminderte psychische und physische Belastbarkeit mit der Möglichkeit zu fehlerhaftem Arbeiten und interaktionellen Problemen. Eine behinderungsangepasste Tätigkeit sei seit Ja
nuar 2012 mit maximal 4 Stunden pro Tag, entsprechend einem Arbeitspensum von 50 % möglich (S. 4 f. Ziff. 1.6 f. und Ziff. 1.9). Bei günstigem Verlauf sei eine Steigerung auf 100 % zu erwarten (S. 1).
3.2
Die Vertrauensärztin der Z._, Dr. med. L._, FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, stellte in ihrem zuhanden der Z._ verfassten Verlaufsbericht vom 25. März 2013 (Urk. 7/75) folgende Diagnose (S. 2 lit. A1):
-
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichtgradige Episode (ICD-10 F33.0) unter Behandlung, bestehend seit Jahren, akute Episode seit April 2011
-
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
keine
Dr. L._ führte aus, der Befund habe sich im Vergleich zum Mai 2012 deutlich verbessert. Die Beschwerdeführerin sei lebhafter, affektiv spürbarer und komme alleine zur Untersuchung. Die kognitiven Fähigkeiten seien subjektiv besser, aber noch reduziert, wobei sie klinisch im strukturierten Interview prak
tisch unauffällig seien. Das Denken sei formal und inhaltlich unauffällig mit der Ausnahme von Blockaden betreffend die berufliche Vergangenheit und Zukunft. Die Stimmung sei situativ adäquat sowie auslenkbar und im Affekt sei die Be
schwerdeführerin situativ adäquat und beweglich. Psychomotorisch sei sie leicht unruhig und angespannt (S. 4 lit. A3.3).
Betreffend das Vorliegen von nicht-medizinischen (beispielsweise psychosozia
len) Gründen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit verneinte die Vertrauensärz
tin Ergänzungen zu vorherigen Berichten (S. 4 lit. A4; vgl. Urk. 7/10 S. 4 lit. A4, Urk. 7/17 S. 3 lit. A4, Urk. 7/23 S. 3 lit. A4 und Urk. 7/36 S. 5 lit. A4).
Unter dem Titel Prognose für bisherige Tätigkeit postulierte Dr. L._ weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit in pflegerischen Tätigkeiten, wobei die dies
bezügliche Langzeitprognose unsicher sei. Bezüglich einer angepassten Tätigkeit als Hörakustikerin/Diagnostikerin in einer Privatpraxis für Ohren-Nasen-Hals
krankheiten (ORL) sei die Prognose hingegen günstig. Im Weiteren hielt sie fest, dass eine 50%ige Arbeitsfähigkeit im 1. Arbeitsmarkt frühestens im September 2013 möglich sei, eventuell auch erst später, je nach Verlauf. Als Begründung nannte die Vertrauensärztin den bisherigen Verlauf, die persönlichen Ressour
cen, die hohe Arbeitsmotivation und Leistungsbereitschaft, die Ungünstigkeit von Schichtbetrieb sowie geregelte Arbeitszeiten (S. 5 lit. A7.1).
Dr. L._ führte weiter aus, der seit 6. März 2013 laufende Arbeitsver
such sei aus psychiatrischer Sicht sinnvoll und empfehlenswert. Wichtig sei eine langsame Steigerung, am besten entsprechend der Eigenwahrnehmung der Be
schwerdeführerin, welche unter Druck und Fremdbestimmung vermindert be
lastbar sei. Die Langzeitprognose mit zu erwartender 50%iger Arbeitsfähigkeit im 1. Arbeitsmarkt sei günstig. Eine „50 % AF angepasst“ sei frühestens ab September 2013 zu erwarten, bei langsamer Steigerung und Respekt bezüglich Autonomie und Selbstbestimmung der Beschwerdeführerin sei die Arbeitsfähig
keit möglicherweise noch höher (S. 6).
3.3
In seinem Bericht vom 14. September 2015 (Urk. 7/150) nannte der behan
delnde Psychiater Dr. G._ folgende Diagnosen (S. 1 Ziff. 1):
-
Persönlichkeitsänderung mit Einschränkung der beruflichen Funktionsfähig
keit
-
langjährige rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichtgradige Epi
sode unter Behandlung
Dr. G._ führte aus, dass die gesundheitlichen Störungen zunächst durch die Auflösung einer langjährigen Partnerschaft Mitte 2010 ausgelöst worden seien und es kurz darauf durch Konflikte am Arbeitsplatz zu einer er
neuten depressiven Episode gekommen sei, worauf die Beschwerdeführerin ab 5. April 2011 zu 100 % habe krankgeschrieben werden müssen. Anders als bei den depressiven Episoden vor 2010 habe sie sich trotz regelmässiger Therapie und hochdosierter Medikation nie erholt und habe sich ihr Gesundheitszustand im Verlauf der Behandlung nur leicht gebessert (S. 1 Ziff. 1). Krankheitsbedingt sei es zu einer erheblich eingeschränkten Belastbarkeit gekommen, da die Be
schwerdeführerin in Belastungssituationen mit Blockaden, kognitiven Ausfällen, depressiven Einbrüchen, psychosomatischen Symptomen sowie mit sozialem Rückzug rasch überfordert reagiere (S. 3 Ziff. 14). Angesichts des bisherigen Verlaufs der Erkrankung und der Dauer des Geschehens müsse von einer Fixie
rung ausgegangen werden, wobei die therapeutischen Möglichkeiten ausge
schöpft seien (S. 2 Ziff. 8).
Angesichts der gesundheitlichen Einschränkungen sei eine Tätigkeit im bisheri
gen Beruf (Pflegefachfrau Gastroskopie) nicht mehr möglich (S. 1 Ziff. 2). In ei
ner angepassten Tätigkeit ohne grossen zeitlichen und sonstigen Druck und ohne Multitasking sei die Beschwerdeführerin in einer auf fünf Tage verteilten 50%igen Tätigkeit seit April 2015 arbeitsfähig (S. 2 Ziff. 3 und Ziff. 7).
Der behandelnde Psychiater wies weiter darauf hin, dass private Probleme und Schwierigkeiten am Arbeitsplatz Auslöser der Erkrankung gewesen seien. Da sich die Beschwerdeführerin davon nicht habe erholen können, habe sich nun ein chronischer Zustand entwickelt, welcher mit einem psychosozialen Auslöser nichts mehr zu tun habe, sondern als Krankheitsverlauf betrachtet werden müsse respektive auf krankheits- und persönlichkeitsbedingt fehlende Ressour
cen zurückzuführen sei (S. 3 Ziff. 18).
3.4
Am 28. Oktober 2015 äusserte sich der behandelnde Psychiater erneut zum Ge
sundheitszustand der Beschwerdeführerin und stellte folgende Diagnosen (Urk. 7/159):
-
langjährige rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige bis schwere Episode (ICD-10 F32.1)
-
andauernde Persönlichkeitsänderung mit Einschränkung der beruflichen Funk
tionsfähigkeit (ICD-10 F62.1)
Der Psychiater wies darauf hin, dass es seit seinem Bericht vom 14. September 2015 (vgl. E. 3.3) zu einer erneuten Zustandsverschlechterung gekommen sei.
4.
4.1
4.1.1
Die Ärzte der K._, die Vertrauensärztin der Z._ sowie der behandelnde Psy
chiater diagnostizierten eine rezidivierende depressive Störung, wobei die K._-Ärzte von einer mittelgradigen depressiven Episode, die Z._-Vertrauensärztin von einer leichtgradigen Episode und der behandelnde Psychiater von einer mittelgradigen bis schweren Episode ausgingen. Letzterer stellte zudem die Di
agnose einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach psychischer Krankheit. Während die K._-Ärzte und der behandelnde Psychiater von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in angestammter Tätigkeit seit Februar 2011 respektive No
vember 2011 und einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit seit Januar 2012 beziehungsweise April 2015 ausgingen, erwähnte die Z._-Ver
trauensärztin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in pflegerischen Tätigkeiten, eine 50%ige Arbeitsfähigkeit im 1. Arbeitsmarkt frühestens ab September 2013 so
wie eine „50 % AF angepasst“ frühestens ab September 2013 (vgl. E. 3.1-3).
4.1.2
Der K._-Bericht (Urk. 7/22/1-8) datiert vom 30. Januar 2012 und war somit im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung vom 20. Januar 2016 (Urk. 2) bereits knapp vier Jahre alt. Er wurde zudem während der teilstationä
ren Behandlung verfasst, weshalb unklar ist, wie sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin nach Abschluss der Behandlung präsentierte. Die K._-Ärzte wiesen sodann auf eine verminderte psychische Belastbarkeit im Rahmen des depressiven Zustandsbilds hin (S. 2 unten und S. 3 oben), ohne jedoch dar
zulegen, wie sich die eingeschränkte Belastbarkeit konkret äussert und wie sie sich bei der Ausübung beruflicher Tätigkeiten im Einzelnen auswirkt. Bezüglich einer behinderungsangepassten Tätigkeit äusserten sich die K._-Ärzte lediglich hinsichtlich des Arbeitspensums und machten im Übrigen keine Angaben über das zumutbare Belastungsprofil. Schliesslich
ist die Erfahrungstatsache zu be
rücksichtigen, dass behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftrags
rechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientin
nen und Patienten aussagen (B
GE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351
E. 3b/cc).
Der aktuellste Verlaufsbericht der Z._-Vertrauensärztin wurde am 25. März 2013
(Urk. 7/75) verfasst, mithin fast drei Jahre vor Erlass der in Frage stehen
den Verfügung (Urk. 2). Im Weiteren sind die Angaben der Vertrauensärztin betreffend Umfang der Arbeitsfähigkeit nicht vollends klar. Unter dem Titel Prognose für bisherige Tätigkeit wies sie einerseits auf eine „50% AF im 1. Arbeitsmarkt frühestens im September 2013“ hin (
Urk.
7/75 lit. A7.1), ande
rerseits hielt sie später im Bericht fest, dass eine „50% AF angepasst frühestens ab September 2013“ zu erwarten sei (lit. A8). Die Vertrauensärztin machte zu
dem keine Angaben darüber, inwiefern die Arbeitsfähigkeit der Beschwerde
führerin aufgrund der objektiven Befunde konkret beeinträchtigt ist. Gemäss den Angaben der Vertrauensärztin haben sich die Befunde im Vergleich zur Untersuchung im Mai 2012 (vgl. Urk. 7/36 S. 4 lit. A3.3) „deutlich verbessert“ und sind namentlich das Bewusstsein, die kognitiven Fähigkeiten sowie das formale und inhaltliche Denken (mit Ausnahme von Blockaden bei beruflicher Vergangenheit und Zukunft) unauffällig (Urk. 7/75 S. 4 lit. A3.3).
Mit Bezug auf den Bericht von Dr. G._ vom 28. Oktober 2015 (Urk. 7/159) ist Folgendes zu bemerken: Der behandelnde Psychiater be
schränkte sich darauf, die Diagnosen der rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige bis schwere Episode, und der andauernden Persön
lichkeitsänderung mit Einschränkung der beruflichen Funktionsfähigkeit zu nennen sowie auf eine Zustandsverschlechterung seit seinem letzten Bericht vom 14. September 2015 (vgl. Urk. 7/150) hinzuweisen. Angaben betreffend den Auslöser der Verschlechterung, deren konkretes Ausmass sowie den Umfang der Arbeitsfähigkeit finden sich im Bericht nicht. Im Übrigen ist auch im Zusam
menhang mit dem in Frage stehenden Bericht wie auch jenem vom 14. September 2015 (Urk. 7/150) die
auftragsrechtliche Vertrauensstellung
zwi
schen dem behandelnden Psychiater und der Beschwerdeführerin zu berück
sichtigen
(BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Was die Berichte des D._ vom 24. Dezember 2014 (Urk. 7/124) und der F._ vom 22. Januar 2015 (Urk. 7/127) betrifft, ist darauf hinzuweisen, dass sie nicht von medizinischen Fachpersonen verfasst worden sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_989/2010 vom 16. Februar 2011 E. 4.4.2 mit weiteren Hin
weisen).
Die Stellungnahme von Dr. M._, Facharzt FMH Neurologie, Facharzt FMH Psy
chiatrie und Psychotherapie, Notfallmedizin (D), des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) der Beschwerdegegnerin datiert bereits vom 28. Februar 2012 (Urk. 7/152 S. 3 f.) und die RAD-Stellungnahmen vom 4. Juni und 30. Oktober 2015 (S. 5 und Urk. 7/161 S. 2) wurden nicht von einem in Psychiatrie und Psy
chotherapie spezialisierten Facharzt verfasst. Im Übrigen fallen Persönlichkeits
änderungen nach psychischer Krankheit – entgegen der Auffassung des RAD (S. 2) - nicht unter die
pathogenetisch-ätiologisch unkl
aren syndromalen Be
schwerdebilder, bei welchen eine Prüfung der Standardindikatoren
gemäss
BGE 141 V 281 zu erfolgen hat.
4.2
Nach dem Gesagten ist der medizinische Sachverhalt (namentlich der Umfang der Arbeitsfähigkeit in angestammter und angepasster Tätigkeit) in wesentlichen Teilen ungeklärt, weshalb es weiterer Abklärungen bedarf. Entsprechend ist die Verfügung vom 20. Januar 2016 (Urk. 2) aufzuheben und die Sache an die Be
schwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese eine psychiatrische Begutach
tung veranlasse und über den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin neu verfüge. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
Bei diesem Verfahrensausgang kann die Frage nach allfälligen Auswirkungen von psychosozialen Faktoren auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin (vgl. Urk. 1 S. 6 Ziff. 16, Urk. 2 S. 2 und Urk. 7/152 S. 6) einstweilen offen ge
lassen werden.
5.
5.1
Die Kosten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 800.-- festzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der un
terliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57). Die obsiegende vertretene Beschwerdeführerin hat Anspruch auf den vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen festzusetzenden Ersatz der Parteikosten (§ 34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Entsprechend steht ihr eine Prozessent
schädigung von Fr. 2‘200.-- (inkl. Barauslagen und MWSt) zu.