# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 9c2ab9cb-d632-421d-afa9-54679766e204
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
Am 11. November 2015 führte das Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen
(AVSV) auf dem Grundstück von A._ und B._ eine unangemeldete Kontrolle der
dortigen Hundehaltung durch. Aufgrund der festgestellten Mängel und des Umstandes,
dass in der Hundedatenbank seit Jahren keine Tiere mehr auf A._ und B._ mehr
gemeldet waren, beschlagnahmte das AVSV die im Zwinger vorgefundenen belgischen
Schäferhündinnen "S._" und "H._" gestützt auf Art. 24 Abs. 1 des Tierschutzgesetzes
(SR 455, TSchG) vorsorglich und brachte sie in einem Tierheim unter. In der Folge
zeigte das AVSV A._ und B._ die Absicht an, ein Tierhalteverbot zu verfügen und die
Hündinnen einzuziehen. In einem Schreiben vom 29. Januar 2016 verlangte der
damalige Rechtsvertreter des Ehepaares A._ und B._ vom AVSV die Sicherstellung
der beiden Tiere bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens. Am 8. April 2016
verfügte das AVSV die Einziehung der vorsorglich beschlagnahmten Hunde (Ziff. 1) und
verbot dem Ehepaar A._ und B._, weiter Tiere zu halten oder selbständig zu betreuen
(Ziff. 2-4). Ausserdem auferlegte es den beiden eine Verfahrensgebühr von CHF 600
(Ziff. 5) und hielt fest, "die bei der Beschlagnahme entstandenen Kosten für Tierarzt
und Unterbringung werden separat in Rechnung gestellt" (Ziff. 6; zum Ganzen vgl. act.
11/8/2).
Den gegen diese Verfügung erhobenen Rekurs hiess das Gesundheitsdepartement am
26. September 2017 teilweise gut (act. 11/8/3). Das generelle unbefristete
Tierhalteverbot für A._ und B._ wurde auf ein unbefristetes Hundehalteverbot für A._

## Considerations

reduziert. In den Erwägungen wurde jedoch festgehalten, dass die Platzierung von
Hunden unter dem Namen von B._ auf derselben Liegenschaft als Umgehung des für
seine Frau angeordneten Verbots gelte und von diesem ebenfalls erfasst sei. Die gegen
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diesen Entscheid erhobene Beschwerde wies das Verwaltungsgericht mit Entscheid
vom 11. Dezember 2018 ab, soweit es darauf eintrat (Verfahren B 2017/205; act.
11/8/4). Auch eine Beschwerde an das Bundesgericht blieb ohne Erfolg (Urteil
2C_122/2019 vom 6. Juni 2019; act. 11/8/5).
B.
Das AVSV stellte A._ am 26. Juni 2019 einen Betrag von CHF 42'308.10 in Rechnung
(1317 Tage Tierheim für "S._" à CHF 30: insgesamt CHF 39'510; Tierarztkosten:
CHF 2'198.10; Verfahrenskosten für die erstinstanzliche Verfügung: CHF 600; vgl.
act. 11/8/6). Für die Hündin "H._" erhob es keine Kosten; diese sei privat
untergebracht worden. A._ liess ihre Pflicht zur Kostenübernahme bestreiten. Am
23. September 2019 verfügte das AVSV schliesslich was folgt (act. 11/8/11):
1. A._ bezahlt CHF 41'708.10 für die Unterbringung der beschlagnahmten Hündin
S._ in der Zeit vom 11. November 2015 bis zum 20. Juni 2019.
2. A._ bezahlt CHF 600 als Gebühr für diese Verfügung.
C.
Den von A._ gegen diese Verfügung am 7. Oktober 2019 erhobenen Rekurs beim
Gesundheitsdepartement (GD) wies dessen Vorsteherin mit Entscheid vom 20. April
2020 ab (act. 2).
D.
Gegen den Rekursentscheid erhob A._ (Beschwerdeführerin) mit Eingabe vom 5. April
2020 Beschwerde beim Verwaltungsgericht (act. 1). Sie beantragte, der angefochtene
Entscheid sei aufzuheben; eventualiter sei die Sache zu neuer Entscheidung an das GD
bzw. an das AVSV zurückzuweisen; subeventualiter seien ihr die auferlegten Kosten zu
erlassen. In prozessualer Hinsicht ersuchte die Beschwerdeführerin zunächst um
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und -verbeiständung durch ihren
Rechtsvertreter (Rechtsanwalt Markus Heer, Flawil), füllte aber in der Folge das vom
Gericht einverlangte Gesuchsformular nicht aus und leistete den Kostenvorschuss (vgl.
act. 5). Der Vorsteher des Gesundheitsdepartements beantragte mit Vernehmlassung
vom 14. August 2020, die Beschwerde sei abzuweisen (act. 9). Zur Begründung
verwies er auf den angefochtenen Entscheid.
Auf die Ausführungen der Beschwerdeführerin, den angefochtenen Entscheid und die
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Akten wird – soweit wesentlich und erforderlich – in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Die Beschwerde vom
5. April 2020 erfolgte rechtzeitig und erfüllt formal und inhaltlich die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP).
2.
Streitig sind die Kosten der Unterbringung und veterinärmedizinischen Versorgung der
Hündin "S._" von insgesamt CHF 41'708.10 im Zeitraum vom 11. November 2015 bis
zum 6. Juni 2019 (Datum der Rechtskraft der Einziehungsverfügung vom 8. April 2016).
bis
Die Beschwerdeführerin macht in erster Linie geltend, die Vorinstanz habe die vom
AVSV in der Verfügung vom 8. April 2016 vorgesehene Verpflichtung (Dispositiv-Zff.6:
"Die bei der Beschlagnahme entstandenen Kosten für Tierarzt und Unterbringung
werden separat in Rechnung gestellt") mit Rekursentscheid vom 26. September 2017
aufgehoben bzw. Ziff. 6 durch eine neue Formulierung ersetzt ("A._ bezahlt eine
Gebühr von CHF 600"). Mit dieser heute rechtskräftigen Änderung des Dispositivs sei
definitiv auf die Erhebung der streitigen Kosten verzichtet worden. In den
nachfolgenden Rechtsmittelverfahren sei – im Gegensatz zu heute – nie die Rede
davon gewesen, es handle sich um einen zu berichtigenden Kanzleifehler, und die
Neufassung habe sich korrekterweise auf Ziff. 5 ("A._ und B._ bezahlen eine Gebühr
von CHF 600") bezogen.
Im Übrigen sei es dem AVSV nach Art. 24 Abs. 1 TSchG freigestanden, wenn nötig
über die Hündin "S._" zu verfügen, sei es durch Unterbringung bei einer Privatperson
oder durch Veräusserung. Schliesslich sei als eine der ersten Amtshandlungen K._ als
deren Eigentümer ausgemacht worden, und dieser habe die Hündin mit Schreiben vom
2. Dezember 2015 definitiv dem AVSV übereignet. Spätestens seit dieser Erklärung
habe das AVSV frei über "S._" verfügen können. Die Tierklinik X._, wohin "S._"
verbracht worden sei, habe denn auch bereits im Februar 2016 versucht, die Hündin zu
veräussern. Damit sei erwiesen, dass das AVSV die Hündin während des Verfahrens
nicht auf Verlangen der Beschwerdeführerin sichergestellt habe. Des Weiteren hätten
2.1.
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die enormen, jenseits jeder Verhältnismässigkeit stehenden Unterbringungskosten der
Beschwerdeführerin vorgängig angekündigt oder laufend mitgeteilt werden müssen. So
wäre es ihr möglich gewesen, selbst für die Unterbringung von "S._" zu sorgen oder
andere, kostengünstigere Dispositionen zu treffen. Nebst den Pensionskosten seien
auch die Tierarztkosten völlig unbegründet und unverhältnismässig. Bei ihrer
Beschlagnahme sei die Hündin absolut gesund gewesen. Die medizinischen Eingriffe
und Behandlungen seien nicht nachvollziehbar begründet worden. Die Vorinstanz habe
sich im Rekursentscheid über die entsprechenden Einwendungen der
Beschwerdeführerin einfach hinweggesetzt, worin eine Rechtsverweigerung liege.
Nach Auffassung der Vorinstanz ergibt sich die Kostenverlegung im Falle eines
Verstosses gegen die Tierschutzgesetzgebung aus der spezialgesetzlichen
Bestimmung von Art. 24 TSchG. Subsidiär kämen das Verursacherprinzip sowie der
verwaltungsrechtliche Grundsatz in Art. 94 Abs. 1 VRP zum Tragen, wonach diejenige
Person zum Ersatz der Barauslagen verpflichtet werden könne, welche durch ihr
Verhalten eine Amtshandlung veranlasst habe. Die Kosten für Tierheim und Tierschutz
seien konkret auf den Umstand zurückzuführen, dass die Beschwerdeführerin ihre
Hunde nicht tierschutzkonform gehalten habe und ein Eingreifen des AVSV notwendig
geworden sei.
2.2.
Die aufgeworfenen Rechtsfragen lassen sich mit allgemeinen verfahrensrechtliche
Grundsätzen beantworten.
2.3.
Mit Verfügung vom 8. April 2016 hat das AVSV die Einziehung der bei der Kontrolle
vom 11. November 2015 vorsorglich beschlagnahmten Hunde angeordnet.
Verfügungen und Entscheide sind vollstreckbar, wenn sie mit ordentlichen
Rechtsmitteln nicht oder nicht mehr angefochten werden können (vgl. Art. 101 Abs. 1
VRP). Angesprochen ist damit die sog. "formelle Rechtskraft" (vgl. statt vieler Häfelin/
Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016, Rz. 1091). Diese tritt ein,
wenn kein ordentliches Rechtsmittel mehr existiert, die Rechtsmittelfrist ungenutzt
abgelaufen ist, auf das Rechtsmittel nicht eingetreten oder es abgewiesen wurde, auf
dessen Erhebung definitiv verzichtet oder es unwiderruflich zurückgezogen wurde.
Während der Dauer eines Rechtsmittelverfahrens sind Sachverfügungen oder -
entscheide in der Regel nicht vollstreckbar, weil Rekurs und Beschwerde nach
kantonalem Verfahrensrecht aufschiebende Wirkung zukommt (Art. 51 Abs. 1 VRP;
2.3.1.
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durch Verweis in Art. 64 VRP gilt die aufschiebende Wirkung auch im
Beschwerdeverfahren; vgl. zum Ganzen M. Looser, in: Rizvi/Schindler/Cavelti, Gesetz
über die Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2020, N 3 f. zu
Art. 101 VRP). Die Rechtsmittel an das Bundesgericht wirken grundsätzlich nicht
aufschiebend (vgl. Art. 103 Abs. 1 bzw. den Verweis hierauf in Art. 117 des
Bundesgerichtsgesetzes, SR 173.110, BGG). Dennoch wird in der Praxis mit der
Vollstreckung bis zum Ablauf der Rechtsmittelfrist an das Bundesgericht bzw. während
des bundesgerichtlichen Verfahrens abgewartet, um gegenteiligen Anordnungen des
Bundesgerichts (vgl. Art. 103 Abs. 3 BGG) nicht vorzugreifen oder für den Fall eines
anderweitigen Ausgangs des Verfahrens keine unumkehrbaren Verhältnisse zu schaffen
(vgl. Looser, a.a.O., N 4 zur Art. 101 VRP).
Ist allerdings Gefahr im Verzug, muss die formelle Rechtskraft der Sachverfügung nicht
abgewartet werden, und es kann deren sofortige Vollstreckbarkeit angeordnet werden
(vgl. Art. 101 Abs. 2 VRP). Zum gleichen Ergebnis führt es, wenn eine Behörde oder ein
Gericht einem allfälligen Rechtsmittel gegen den Sachentscheid "aus wichtigen
Gründen" die aufschiebende Wirkung entzieht (vgl. Art. 51 Abs. 1 VRP). Hierfür müssen
bedeutende und dringliche öffentliche Interessen vorliegen, die das Interesse an einem
Aufschub der Wirksamkeit überwiegen (vgl. VerwGE B 2012/96 vom 19. Juni 2012 E. 2
und Präsidialentscheid B 2013/149 vom 22. Juli 2013 E. 2.1.1). Die aufschiebende
Wirkung kann von der erstinstanzlich verfügenden Behörde sowie von allen
nachfolgenden Rechtsmittelinstanzen entzogen oder wiederhergestellt werden. Der
Entzug der aufschiebenden Wirkung ist ab Eröffnung der entsprechenden Anordnung
wirksam. Auch wenn direkt im Hauptsachenentscheid verfügt wird, handelt es sich
beim Entzug der aufschiebenden Wirkung um eine Zwischenverfügung, die dahinfällt,
sobald die nächst höhere Rechtsmittelinstanz in der Hauptsache entscheidet (und zwar
unabhängig davon, ob der Rechtsmittelentscheid rechtskräftig wird). Der Entzug der
aufschiebenden Wirkung ist somit für jedes (Rechtsmittel-) Verfahren bzw. für jede
Instanz erneut anzuordnen.
2.3.2.
Weder in der Verfügung des AVSV vom 8. April 2016, im Rekursentscheid der
Vorinstanz vom 26. September 2017 noch im verwaltungsgerichtlichen Verfahren
wurde die aufschiebende Wirkung entzogen. Aufgrund des Suspensiveffekts wurde
"S._" mithin erst mit Eintritt der formellen Rechtskraft am 6. Juni 2019 – mit dem
Entscheid des Bundesgerichts – definitiv eingezogen.
2.3.3.
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Es fragt sich, weshalb "S._" weiter in der Tierklinik X._ verblieb, obwohl die
Rechtsmittelverfahren gegen die am 8. April 2016 verfügte Einziehung aufschiebend
wirkten.
2.4.
Nach den Grundsätzen von Art. 4 TSchG hat, wer mit Tieren umgeht, ihren
Bedürfnissen in bestmöglicher Weise Rechnung zu tragen und – soweit es der
Verwendungszweck zulässt – für ihr Wohlergehen zu sorgen (Abs. 1). Niemand darf
ungerechtfertigt einem Tier Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen, es in Angst
versetzen oder in anderer Weise seine Würde missachten. Das Misshandeln,
Vernachlässigen oder unnötige Überanstrengen von Tieren ist verboten (Abs. 2).
Gemäss Art. 24 Abs. 1 TSchG schreitet die zuständige Behörde unverzüglich ein, wenn
sie feststellt, dass Tiere vernachlässigt oder unter völlig ungeeigneten Bedingungen
gehalten werden. Sie kann die Tiere vorsorglich beschlagnahmen und auf Kosten der
Halterin oder des Halters an einem geeigneten Ort unterbringen; wenn nötig lässt sie
die Tiere verkaufen oder töten. Sie kann dafür die Hilfe der Polizeiorgane in Anspruch
nehmen.
2.4.1.
Das AVSV und die Vorinstanz führen die streitige Kostenauflage für die gesamte
Verfahrensdauer im Wesentlichen auf den zitierten Art. 24 Abs. 1 Satz 2 TSchG zurück.
Durch die Beschlagnahme eines vernachlässigten oder unter völlig ungeeigneten
Bedingungen gehaltenen Tieres wird der gesetzliche Zustand (d.h. die durch
verschiedene Ausführungsbestimmungen konkretisierten Grundsätze von Art. 4 TSchG)
mit unmittelbarem Zwang gegen den Tierhalter wiederhergestellt. Die entsprechende
Vollzugshandlung kann sich – als verfügungsbezogener Realakt – entweder auf eine
vorgängig erlassene Verfügung stützen oder kann – als verfügungsvertretender Realakt
und wie am 11. November 2015 auf der Liegenschaft der Beschwerdeführerin
geschehen – als unmittelbarer Gesetzesvollzug ohne vorhergehende Sachverfügung
erfolgen (vgl. Goetschel/Ferrari, a.a.O., S. 25; zur Rechtsfigur des
"verfügungsvertretenden Realakts" vgl. Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 32 Rz. 35 ff. und § 38 Rz. 17 ff.; Häfelin/Müller/
Uhlmann, a.a.O., Rz. 1478 ff.). Im Unterschied zum verfügungsbezogenen geht es beim
verfügungsvertretenden Realakt nicht um die Vollstreckung einer Verfügung, sondern
um die Durchsetzung einer gesetzlichen Pflicht (Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O.,
Rz. 1478). Der verfügungsvertretende Realakt muss sich auf eine eigene gesetzliche
2.4.2.
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Grundlage stützen (hier: Art. 24 Abs. 1 TSchG), der Mitteleinsatz muss verhältnismässig
sein und ist nur staatlichen Organen erlaubt (Tschannen/Zimmerli/Müller, a.a.O., § 32
Rz. 36 f.; Goetschel/Ferrari, a.a.O., S. 25). Im Vollzug der Tierschutzgesetzgebung kann
dem Tierhalter durch die zwangsweise Wegnahme des Tieres vorerst der unmittelbare
Besitz am Tier entzogen werden (Goetschel/Ferrari, a.a.O., S. 55 f.). Nach dieser
vorsorglichen Beschlagnahme klärt die Behörde den Sachverhalt ab und kann das Tier
– wenn notwendig – durch Verfügung definitiv beschlagnahmen (in der Verfügung vom
8. April 2016 als "Einziehung" bezeichnet). Dies insbesondere dann, wenn sich der
Schluss aufdrängt, dass der Halter auch in Zukunft nicht in der Lage sein wird,
angemessen für das Tier zu sorgen.
Aus diesen Ausführungen – und übrigens bereits aus dem Wortlaut von Art. 24 TSchG
–wird klar, dass es sich beim "behördlichen Einschreiten" und insbesondere bei der
"vorsorglichen Beschlagnahme" um einen Realakt handelt, mit dem das Schicksal des
Tieres bis zum Erlass einer allfälligen definitiven Beschlagnahme bestimmt werden
kann. Die Beschlagnahme gilt ab sofort und für die Dauer des erstinstanzlichen
Verfahrens; sie sichert als Regelungsmassnahme bedrohte rechtliche Interessen (vgl.
z.B. auch Art. 18 Abs. 1 VRP). Sie setzt zwingend eine (spätere) Verfügung in der
Hauptsache voraus, ist mit anderen Worten "akzessorisch" zur Hauptsache (vgl.
B. Märkli, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], a.a.O., N 6 zu Art. 18 VRP mit Hinweisen).
Es handelt sich um eine provisorische Massnahme auf Zeit, die unter dem Vorbehalt
steht, dass sie durch eine belastbarere Entscheidung in der Hauptsache ersetzt wird
(ebd.). Mit dem Entscheid in der Hauptsache fällt sie ohne weiteres dahin (vgl. GVP
2013 Nr. 48 E. 2; R. Kiener, in: A. Griffel [Hrsg.], Kommentar zum
Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 3. Aufl. 2014, N 29 zu § 6 VRG/
ZH, die in N 11 zu Recht die Bedeutung vorsorglicher Massnahmen im
erstinstanzlichen Verfahren und in jenen Rechtsmittelverfahren hervorhebt, in denen
der Entzug der aufschiebenden Wirkung mangels positiver Anordnungen nicht greift;
ferner Wiederkehr/Plüss, Praxis des öffentlichen Verfahrensrechts, Bern 2020, § 8 Rz.
3248 mit Hinweis u.a. auf BGE 139 IV 314 E. 2.2.3).
2.4.3.
Wird die definitive Beschlagnahme angeordnet und soll das Tier während eines
Rechtsmittelverfahrens weiterhin sichergestellt bleiben, ist einem allfälligen
Rechtsmittel die aufschiebende Wirkung zu entziehen. Fehlt es an einer derartigen
Anordnung, ist das Tier – aufgrund der aufschiebenden Wirkung der ordentlichen
Rechtsmittel – dem Tierhalter für die Dauer des Verfahrens wieder herauszugeben (vgl.
2.4.4.
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dazu das Vorgehen der jeweiligen kantonalen Vollzugsbehörden in BGer 2A.618/2002
vom 12. Juni 2003 und 2C_92/2015 vom 24. März 2015; widersprüchlich Goetschel, S.
26 und 78). Dies ist natürlich zu vermeiden, wenn sich der Tierhalter – wie im konkreten
Fall die Beschwerdeführerin – als unfähig erwiesen hat, Tiere zu halten und
angemessen zu betreuen und ihm deshalb (in der Hauptsache) gar verboten werden
soll, weiter Tiere zu halten. In solchen Fällen dürfte regelmässig nichts am Entzug der
aufschiebenden Wirkung vorbeiführen. Denkbar wäre auch die Anordnung einer
(erneuten) vorsorglichen Massnahme dahingehend, dass die Tiere während des
Verfahrens sichergestellt bleiben.
Im vorliegenden Fall hat die Beschwerdeführerin nur die Kosten für die Dauer der
vorsorglichen Beschlagnahme, d.h. vom 11. November 2015 bis zum 8. April 2016 zu
übernehmen. Insoweit stützt sich der vorinstanzliche Entscheid zu Recht auf Art. 24
Abs. 1 TSchG. Mangels anderweitiger Anordnungen für das Verfahren hätte das AVSV
die Hündinnen ab dem 8. April 2016 der Beschwerdeführerin wieder aushändigen
müssen, wie es diese auch mehrfach verlangt hat. Für die seit dem 8. April 2016
entstandenen Unterbringungs- und Tierarztkosten gibt es keinen Rechtsgrund,
weshalb diese nicht der Beschwerdeführerin angelastet werden können. Die
inzwischen ebenfalls rechtskräftige Bestimmung von Ziff. 6 der Verfügung vom 8. April
2016 spricht zwar allgemein von den "bei der Beschlagnahme entstandenen Kosten".
Das kann jedoch – unbesehen der vorstehend angesprochenen grundsätzlichen
Probleme – angesichts der aufschiebenden Wirkung der Rechtsmittel gegen die
definitive Beschlagnahme als Rechtsgrundlage für die Zahlungspflicht der
Beschwerdeführerin für die fortdauernde vorsorgliche Beschlagnahme während der
gesamten restlichen Verfahrensdauer nicht genügen.
2.4.5.
Das Dispositiv des Rekursentscheids vom 26. September 2017 steht diesem Ergebnis
nicht entgegen. Die Vorinstanz hat in jenem Entscheid nur mehr die
Beschwerdeführerin ins Recht gefasst und das gegenüber dem Ehemann
gleichermassen ausgesprochene Tierhalteverbot aufgehoben. Als offenkundige Folge
daraus sollte die Entscheidgebühr nur noch bei der heutigen Beschwerdeführerin
erhoben werden. Dabei wurde im Rekursentscheid statt Ziff. 5 (Entscheidgebühr)
fälschlicherweise Ziff. 6 (Kostenübernahme von Tierheim- und Tierarztkosten)
aufgehoben und ersetzt durch "Ziffer 6: A._ bezahlt eine Gebühr von CHF 600". Wie
die Vorinstanz zu Recht ausgeführt hat, ist offenkundig, dass es sich bei den
erwähnten CHF 600 um die Verfügungsgebühr handelt, welche neu ausschliesslich der
2.5.
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3.
Beschwerdeführerin auferlegt worden ist, anstatt auch ihrem Ehemann. Bei diesem
offenkundigen Fehler (falsche Ziffer, materiell aber richtiger Inhalt) handelt es sich um
ein redaktionelles Versehen, das die hierfür zuständige Vorinstanz im angefochtenen
Entscheid ohne weiteres berichtigen durfte (vgl. Art. 93 VRP und C. Reiter, in:
Rizvi/Schindler/Cavelti, a.a.O., N 5 f. zu Art. 93 VRP).
septies
septies
Gegen die so reduzierte Kostenauflage sprechen auch nicht die ungeklärten
Eigentumsverhältnisse an "S._". Es war die Beschwerdeführerin, die als Halterin zur
vorsorglichen Beschlagnahme Anlass gegeben hat (vgl. Art. 24 Abs. 1 TSchG) und die
– entgegen ihrer heutigen Darlegung – das Verfahren in der Hauptsache auch deshalb
geführt hat, um "S._" wieder in Besitz nehmen zu können.
2.6.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde teilweise gutzuheissen und der
angefochtene Entscheid aufzuheben ist. Die Streitsache ist zu neuer Entscheidung –
d.h. zur Festlegung der Tierheim- und Tierarztkosten zwischen dem 11. November
2015 und dem 8. April 2016 – an das AVSV zurückzuweisen. Diese Kosten werden sich
ca. auf einen Zehntel des in diesem Verfahren streitigen Betrages beschränken.
2.7.
Nach den konkreten Umständen obsiegt die Beschwerdeführerin zwar nicht
vollständig, aber zu neun Zehnteln. Entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens der Beschwerdeführerin zu einem und dem Staat zu neun
Zehnteln aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF 2'000 ist
angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Die auf die
Beschwerdeführerin entfallende Entscheidgebühr von CHF 200 wird mit dem
geleisteten Kostenvorschuss von CHF 2'000 verrechnet. Der Restbetrag von
CHF 1'800 wird ihr zurückerstattet. Auf die Erhebung der Kosten von CHF 1'800 beim
Staat (AVSV) ist nicht zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP).
3.1.
Neu zu verlegen sind sodann die amtlichen Kosten des Rekursverfahrens von
CHF 1'500. In der Regel wird die Kostenverlegung in Bezug auf die Beteiligten und ihre
Anteile analog dem Rechtsmittelentscheid vorgenommen (vgl. R. Hirt, Die Regelung der
Kosten nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, Diss. St. Gallen 2004, S.
103). Dementsprechend haben die Beschwerdeführerin einen (CHF 150) und der Staat
neun Zehntel (CHF 1'350) zu tragen. Der Anteil der Beschwerdeführerin ist mit dem
3.2.
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