# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** bf11ca20-479e-4071-9a2a-3eae0171a220
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1965, arbeitete
von 1990 bis 1999 regelmässig in der Schweiz auf dem Bau
(
Urk.
6/1/4
,
6/32/290
und 6/13
). Bei Arbeitsun
fällen 1995 und 1996 zo
g er sich ein Schädel-Hirn-Trauma und
eine Thorax
-
k
ontusion
respektive
eine Vorderarmfraktur zu und war jeweils einige Wochen arbeitsunfähig (
Urk.
6/66/3 und 6/66/10). Mit Verfügung vom 27. Dezember 1999
, bestätigt mit
E
insprachentscheid
vom 15. Mai 2000
,
stellte die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva) sodann fest, dass er auf
grund eines Handekzems für alle Arbeiten mit Kontakt zu Zement ungeeignet sei (
Urk.
6/32/259 f. und 6/32/235 ff.).
Infolgedessen kündigte ihm seine dama
lige Arbeitgeberin per Dezember 2000 (
Urk.
6/32/200).
1.2
Sodann
meldete sich der Versicherte im Februar 2000 wegen einer „Allergie“ bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle (nachfolgend: IV-Stelle), zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/1). Diese leistete
letztlich
am 17. Juni 2002 Kostengutsprache für eine Umschulung zum Taxifahrer (
Urk.
7/32/31), die der Versicherte aber nicht erfolgreich abschliessen konnte (
Urk.
7/28/3 und 6/66/13). Zudem sprach sie ihm am 24. Februar 2005 rückwirkend ab 1. September 2003 eine halbe Invalidenrente zu (
Urk.
6/31 und 6/43).
In der ersten Revision im Jahr 2007 liess die IV-Stelle den Versicherten einen Fragebogen ausfüllen (
Urk.
6/62 inkl. Beilagen). Des Weiteren holte sie einen Auszug aus dem Individuellen Konto (
Urk.
6/63), Auskünfte der neuen Arbeit
geber (zwei Privatpersonen, für die der Versicherte Garten-, Maler- und
Umge
bungsarbeiten
erledigte,
Urk.
6/64 f.) und Berichte der behandelnden Ärzte (
Urk.
6/66 und 6/69) ein. Anschliessend führte sie einen
Einkommensvergleich durch (
Urk.
6/70/2) und
bestätigte mit formloser Mitteilung vom
21. Mai 2008
den bisherigen Anspruch auf eine halbe Invalidenrente
(
Urk.
6/71).
1.3
Im aktuellen Revisionsverfahren, eingeleitet im Jahr 2013, liess die IV-Stelle den Versicherten wiederum einen Fragebogen ausfüllen (
Urk.
6/78) und holte erneut einen Auszug aus dem Individuellen Konto (
Urk.
6/79) sowie Berichte der behandelnden Ärzte (
Urk.
6/83, 6/87) ein.
Dabei
stellte sie fest
, dass der Ver
sicherte im März 2008 einen zusätzliche Arbeitsstelle
angetreten und dadurch im Jahr 2009 eine deutliche Einkommenssteigerung erfahren hatte. Die IV-Stelle führte deshalb einen weiteren Einkommensvergleich durch (
Urk.
6/90 und 6/91/4). Mit Vorbescheid vom 23. September 2014 stellte
sie
dem Versicherten sodann in Aussicht, die Rente wegen Verletzung der Meldepflicht rückwirkend per 1. Januar 2009 aufzuheben und separat die Rückforderung seither zu
Unrecht bezogener Leistungen zu verfügen (
Urk.
6/92).
Mit Vorbescheid vom
3. Oktober 2014 bezifferte sie die
se
Rückforderung (
Urk.
14).
Der Versicherte erhob Einwand (
Urk.
6/93 und 6/96) und wies
unter anderem auf die per Ende Oktober 2014 erfolgte Kündigung
durch einen seiner drei Arbeitgeber hin
(
Urk.
6/98).
Wie angekündigt hob die IV-Stelle
die Rente
schliesslich
mit Verfügung vom
2.
Februar 2015 rückwirkend per 1. Januar 2009 auf (
Urk.
6/100) und verlangte mit Verfügung vom 10. Februar 2015 die Rückerstattung der
zwischen 1. Januar 2009 und 30. September 2014
für den Versicherten
und se
ine
zwei
Kin
der ausbezahl
t
en Renten
von
insgesamt Fr.
87‘239
.–
(
Urk.
6/102 f.).
2.
Gegen diese Verfügungen erhob der Versicherte mit separaten Eingaben, beide datiert vom 21. Februar 2015, Beschwerde.
Im
Prozess
Nr. IV.
2015.00229
bean
tragte er
, die Verfügung vom
2.
Februar 2015
(
Urk.
2)
sei
aufzuheben und ihm
weiterhin
eine
halbe Invalidenrente
–
eventualiter
vorübergehend nur
eine
Viertelsrente
–
zuzusprechen (
Urk.
1)
.
Die IV-Stelle
anerkannte in der
Beschwerdeantwort vom 14. April 2015
einen Anspruch auf eine
Viertelsrente
ab 1. Februar 2015
(
Urk.
2).
Es folgte ein zweiter Schriftenwechsel (
Urk.
10
und
Urk.
13).
Zum Gesuch um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde (
Urk.
1 S.1) merkte das Sozialversicherungsgericht in den Erwägun
gen der Verfügung vom 24. Juli 2015 an, dass
d
er
Versicherte
die Einstellung der Rentenzahlungen ausdrücklich akzeptiert habe und der
Rückerstattungs
verfügung
bereits aufschiebende Wirkung zukomme (
Urk.
14).
Im
Prozess
Nr. IV.2015.00230 verlangte der Versicherte die Aufh
ebung der Verfügung vom 10.
Februar 2015, eventualiter die Beschränkung der Rückforderung auf die Renten der letzten fünf Jahr
e
(
Urk.
15/1).
Mit Beschwerdeantwort vom 14.
April 2015 reduzierte die IV-Stelle
ihre
Rückforderung auf Fr. 74‘981
.–
(
Urk.
15/5).
Der Versicherte
reichte
a
m
17. April 2015 (Datum Poststempel)
eine
weitere
Stellungnahme ein
(
Urk.
15/7), die
IV-Stelle
verzichtete auf eine solche
(
Urk.
15/11).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1
.
1
.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung
,
IVG
)
.
Der Invaliditätsgrad ist
b
ei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines
Einkom
-
mens
vergleichs
zu bestimmen
(Art. 16 ATSG)
. Dazu wird das Erwerbsein
-
kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungs
massnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener
Arbeits
marktlage
erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid gewor
den wäre (sog.
Valideneinkommen
).
Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1
.
2
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur
Ren
tenrevision
gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beein
flussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustan
des erheblich verändert haben (BGE
130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen);
dazu gehört
auch
die Verbesserung der Arbeitsfähigkeit aufgrund einer Angewöh
nung oder Anpassung an die Behinderung (vgl. BGE 141 V 9 E. 2.3).
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte
(der versicherten Person eröffnete)
rechtskräftige Verfügung,
die
auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer
Sach
verhaltsabklärung
, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensver
gleichs
(bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkun
gen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und prozessualen Revision (BGE 134 V 131 E. 3 und 133 V
108 E. 5.4 mit Hinweis). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist eine Verfügung verzichtbar, wenn bei einer von Amtes wegen durchgeführten Revi
sion keine leistungsbeeinflussende Änderung der Verhältnisse festgestellt wurde (Art. 74
ter
lit
. f
der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV
) und die bisherige Invalidenrente daher weiter ausgerichtet wird. Wird auf entsprechende Mitteilung hin keine Verfügung verlangt (Art. 74
quater
IVV), ist jene in Bezug auf den Vergleichszeitpunkt einer (ordentlichen) rechtskräftigen Verfügung gleich
zustellen (Urteile des Bundesgerichts 9C_771/2009 vom 10. September 2010 E. 2.2 und 9C_586/2010 vom 15. Oktober 2010 E. 2.2 mit Hin
weisen).
Gemäss Art. 88a
Abs.
1 IVV ist eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit alsdann von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen werden kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird, in jedem Fall aber, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussicht
lich weiter dauern wird. Auch eine Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit ist nach Art. 88a
Abs.
2 IVV erst zu berücksichtigen, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat
(vgl
.
auch
Urteil des Bundesgerichts 9C_1022/2012 vom 16. Mai 2013 E. 3.3
betreffend Meldepflichtverletzung
)
.
Im Übrigen sind d
ie
vorstehenden
Grundsätze
nicht nur auf die rückwirkende Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente analog anzu
wenden, sondern auch bei rückwirkender Beurteilung des Leistungsanspruchs im Rahmen einer Rentenrevision (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_226/2011 vom 15 Juli 2011 E. 4.3.1)
.
1
.3
Die Wirkung der Revision bestimmt sich in zeitlicher Hinsicht nach Art. 88
bis
IVV.
Nach
Abs.
2
lit
. a
dieser
Bestimmung
erfolgt die Herabsetzung oder Aufhe
bung der Rente frühestens vom ersten Tag des zweiten der Zustellung d
er Ver
fügung folgenden Monats.
Art. 88
bis
Abs.
2
lit
. b IVV lässt ausnahmsweise e
ine rückwirkende Herabsetzung oder Aufhebung der Rente
bereits vom Eintritt der anspruchserheblichen Änderung an
zu, wenn die unrichtige Ausrichtung einer Leistung darauf zurückzuführen ist, dass der Bezüger sie unrechtmässig erwirkt hat oder der ihm gemäss Art. 77 IVV zumutbaren Meldepflicht nicht nachge
kommen ist
(vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_1022/2012 vom 16. Mai 2013
E. 2.2
und 3.3
mit Hinweisen
sowie
9C_226/2011 vom 15. Juli 2011 E. 4.2.1).
G
emäss der
heute
geltenden Fassung
dieses Absatzes
erfolgt die rückwirkende
Aufhebung der Rente „unabhängig davon, ob die Verletzung der Meldepflicht oder die unrechtmässige Erwirkung ein Grund für die Weiterausrichtung war
“.
In
dessen verlangten Rechtsprechung und Lehre bis zu deren Inkrafttreten am
1. Januar 2015
für die rückwirkende Korrektur,
dass zwischen der
Meldepflicht
verletzung
und dem unrechtmässigen Leistungsbezug eine Kausalität besteht
(
vgl.
Ueli
Kieser
, ATSG-Kommentar, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2015, Art. 25
N 17 mit Hinweis auf SVR 1995 IV Nr. 58; vgl.
Urteile des Bundesgerichts
9C_320/2014 vom 29. Januar 2015 E. 5
und 9C_245/2012 vom 29 Oktober 2012 E. 5.1.1 und 5.2
).
Zu melden sind gemäss Art. 77 IVV alle Änderungen in den tatsächlichen Verhält
nissen, die für das Fortbestehen des Leistungsanspruchs wesentlich sind, namentlich solche des Gesundheitszustandes
,
der Arbeits- oder Erwerbsfähigkei
t sowie der persönlichen und gegebenenfalls wirtschaftlichen Verhältnisse
(vgl. auch Art. 31 ATSG). Die Meldung an die IV-Stelle hat unverzüglich nach Ein
tritt der Änderung zu erfolgen. Ob eine Meldepflicht besteht, beurteilt sich nach den konkreten Umständen des Einzelfalls. Massgebend ist die Umschreibung der Aufmerksamkeit, welche der als meldepflichtig betrachteten Person zumutbar ist. Dabei ist etwa auf die Fähigkeiten und den Bildungsstand der betreffenden Person abzustellen. Von Bedeutung ist insoweit, dass
sie
in unzweideutiger Form auf konkrete Meldepflichten hingewiesen worden ist. Sodann kann sich die Meldepflicht nur auf Sachverhaltsänderungen beziehen, um welche die betreffende Person sowohl bezüglich ihres Vorliegens als auch hinsichtlich der Auswirkungen auf den Leistungsanspruch weiss bzw. wissen müsste. Insoweit ist ein schuldhaftes Fehlverhalten erforderlich, wobei nach der Rechtsprechung bereits eine leichte Fahrlässigkeit ausreich
t (Urteil des Bundesverwaltungs
ge
richts C-7704/2009 E. 3.4.2-3 mit Hinweis auf BGE 118 V 214 E. 2b und 119 V 431 E. 2 sowie die Urteile des Bundesgerichts 8C_1/2007 vom 11. Mai 2007 E. 3 und 9C_570/2010 vom 8. September 2010 E. 3; vgl. auch Urteil des Bundesge
richts 9C_338/2015 vom 1
2.
November 2015 E. 2).
1
.4
Schliesslich
sind widerrechtlich bezogene Leistungen
, wie sie soeben beschrie
ben wurden, gemä
ss den Vorgaben von Art. 25 ATSG zurückzuerstatten
(Urteil des Bundesgerichts 9C_491/2012 vom 2
2.
Mai 2013 E. 2.2)
.
Der
Rückforde
rungsanspruch
erlischt mit dem Ablauf eines Jahres, nachdem die
IV-Stelle
davon Kenntnis erhalten hat, spätestens aber mit dem Ablauf von fünf Jahren nach der Entrichtung der einzelnen Leistung (Art. 25
Abs.
2 Satz 1 ATSG).
Dabei handelt es sich um von Amtes wegen zu berücksichtigende
Verwirkungs
fristen
(Urteil des Bundesgerichts 9C_320/2014 vom 29. Januar 2015 E. 2.2).
Für den Beginn der absoluten fünfjährigen Frist ist auf den tatsächlichen Bezug der einzelnen Leistungen abzustellen.
Für den Beginn der einjährigen Frist ist unter der Wendung „nachdem die Versicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat“ der Zeitpunkt zu verstehen, in dem die Verwaltung bei Beachtung der ihr zumutbaren Aufmerksamkeit hätte erkennen müssen, dass die Voraus
setzungen für eine Rückerstattung bestehen, oder mit anderen Worten, in
welchem sich der Versicherungsträger hätte Rechenschaft geben müssen über Grundsatz, Ausmass und Adressat des Rückforderungsanspruchs.
Die Voraus
setzungen für eine Rückforderung müssen demnach gegeben sein
bzw. d
er Rückforderungsanspruch muss feststehen. D
ies
setzt voraus, dass über die Unrechtmässigkeit des Leistungsbezuges rechtmässig verfügt respektive – im Beschwerdefall – gerichtlich entschieden ist.
Der blosse Erlass von Vorbescheid und Verfügung über die rückwirkende Renteneinstellung genüg
t
nicht für die Auslösung der relativen Verwirkungsfrist.
Das Bundesgericht hat denn auch
in seiner jüngeren Rechtsprechung
wiederholt entschieden, es sei nicht
bundes
rechtswidrig
, zuverlässige Kenntnis von der
Rechtswidrigkeit des
Leistungs
bezuges
erst nach Eintritt der Rechtskraft der Rentenaufhebung anzunehmen (
vgl.
Urteil des Bundesgerichts
8
C_642/2014 vom 23. März 2015 E. 3.2-3 mit diversen Hinweisen).
Für die Invalidenversicherung im Besonderen
vertritt
das Bundesgericht
s
odann
die Auffassung,
dass bereits der
Erlass des Vorbescheids
als fristwahrend gilt
. Demnach ist sowohl für
die
Einhaltung der relativen ein
jährige
n
Frist als auch
für
den Zeitraum von fünf Jahren, für den die Leistungen zurückgefordert werden können, auf das
Vorbescheidsdatum
abzustellen
(
vgl.
Urteile
des Bundesgerichts
9C_542/2015 vom 31. Mai 2016 E. 2,
9C_870/2013 vom 29. April 2014 E. 5.3
und 9C_875/2010 vom 28. März 2011 E. 4.2.1
).
Dar
über hinaus kann die fünfjährige Frist gewahrt werden, bevor die einjährige Frist ausgelöst wird (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_630/2015 vom 17. März 2015 E. 4.1 und 4.22).
2
.
2.1
Im Prozess Nr. IV.2015.002
2
9
betreffend die Aufhebung der Rente rückwirkend per 1. Januar 2009 ist unstrittig und belegt, wie viel der Beschwerdeführer ab dem Jahr 2009 tatsächlich verdiente und dass er die Beschwerdegegnerin erst mit dem Revisionsfragebogen vom 8. September 2013 über die zusätzlich seit
März 2008 bestehende dritte Anstellung
informiert
e
.
Strittig ist
indessen
, inwiefern die Veränderungen im tatsächlichen Einkommen anspruchserheblich sind (vgl. dazu E. 4
und 5
) und ob der Beschwerdeführer gegebenenfalls seine Melde
pflicht schuldhaft verletzte
(vgl. dazu E.
6
)
.
2.2
Im Prozess Nr. IV.2015.00230
forderte
die
Beschwerdegegnerin
in teilweiser Gutheissung der Beschwerde nur
die
zwischen
Oktober 2009 und September 2014 zugunsten des Beschwerdeführers und seiner Kinder ausbezahlten Renten
zurück
.
Für den Fall, dass
die
mitangefochtene
Verfügung vom
2.
Februar 2010 in Rechtskraft
erwachsen sollte,
hielt
der Beschwerdeführer
dem
entgegen
,
für
die
Berechnung der absoluten
Verwirkungsfrist
von fünf Jahren
sei
auf die Rückerstattungsverfü
gung abzustellen (vgl. dazu E. 6
).
3
.
Die Parteien in den Prozessen Nr. IV.2015.00229 und IV.2015.00230 sind iden
tisch.
Wie sich
aus dem dargelegten Sachverhalt, den
Parteistandpunkten
und den
vorstehenden rechtlichen Erwägungen ergibt, besteht zwischen den beiden Verfahren zudem ein enger sachlicher und rechtlicher Zusammenhang. Gemeinsamer Prozessgegenstand bilden die Invalidenrenten, die der Beschwer
deführer ab Januar 2009 für sich und seine Kinder bezog. Strittig ist, ob der Bezug zu Unrecht erfolgte und der Beschwerdeführer dabei seine Meldepflicht verletzte. Wird letzteres verneint, fällt eine rückwirkende Einstellung der Rente von vorherein ausser Betracht und es kann selbstredend auch keine Rücker
stattung verlangt werden. Es rechtfertigt sich daher, die Prozesse zu vereinigen und unter der älteren Prozessnummer IV.2015.00229 weiterzuführen (§ 28
lit
. a des Gesetz über das Sozialversicherungsgericht [
GSVGer
] in Verbindung mit Art. 125 der Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO]). Das Verfahren
Nr. IV.2015.00230 ist als dadurch erledigt abzuschreiben; dessen Akten werden im vorliegenden Prozess als
Urk.
15/0-1
4
geführt.
4.
4.1
Zeitlich
e
Vergleichsbasis für
eine
anspruchserhebliche
Änderung des
Invaliditäts
grades
im Sinne eines Revisionsgrundes nach Art. 17
Abs.
1 ATSG bildet die
Mitteilung vom 21. Mai 2008
, für welche der Rentenanspruch letzt
mals materiell geprüft und ein Einkommensvergleich durchgeführt wurde. D
eren Inhalt ist
indessen
im
Kontext mit der ursprünglichen Rentenverfügung vom 24. Februar 2005
zu sehen.
4.2
4.2.1
D
en
Erwägungen
(
Urk.
6/31) sowie dem Feststellungsblatt (
Urk.
6/28) zur Verfü
gung vom 24. Februar 200
5 (
Urk.
6/43)
ist
zu entnehmen,
dass
der
Zusprechung der halben Invalidenrente
mit Wirkung ab 1. September 2003
ein
Invaliditäts
grad
von 55
% zugrunde
lag
.
Das
Valideneinkommen
wurde
auf
Fr.
63‘765.75
festgesetzt. Es basierte auf dem
versicherten Verdienst von Fr.
5‘112
.–
, wie er
im Jahr 2001 als Grundlage für die B
erechnung der
Arbeitslosenentschädigung
diente
(
Urk.
6/32/64 ff.)
,
und berücksichtigte die
Nominallohnentwicklung
.
Diesem g
egenübergestellt wurde
für das zumutbare 50%-Arbeitspensum in einer behinderungsangepassten Tätigkeit
gestützt
auf die
Schweizerische
Lohnstruk
turerhebung
(LSE) 2002
de
s Bundesamtes für Statistik
(BFS;
Tabelle
T
A1,
Zent
ralwert
der Männer in Hil
fs
arbeiten
)
ein Invalideneinkommen
im
Jahr 2003
von Fr.
28‘903.–
.
4.2.2
Zur ursprünglichen Rentenverfügung ist anzumerken, dass
die Einkommen
sehr wahrscheinlich
nicht auf einer zeitidentischen Grundlage erhoben
wurden
. Für das Invalideneinkommen
von Fr. 28‘903.– bei einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
wurde
der standardisierte Monatslohn (Vollzeitäquivalent basierend auf 4 1/3 Wochen à 40 Arbeitsstunden) von Fr. 4'557.–
a
uf die
im
Jahr 2003
betriebs
übliche
wöchentliche Arbeitszeit von 41,7 Stunden (
BFS
, betriebsübliche Arbeitszeit nach
Wirt
schaftsabteilungen
, abrufbar im Internet)
hochgerechnet und an
die
Nominallohnentwicklung
gemäss Tabelle T1.39 Nominallohnindex 1993-2010 (
Basis 1939
=
100
, im Internet abrufbar)
, Total
für
Männer und Frauen
bis Ende
2003
angepasst (= 0,5 x 12 x
Fr.
4‘557.–
: 40 x 41.7 x 1.01
4
[2003])
. F
ür das
Valideneinkommen
resultiert
unter
Berücksichtigung
der
selben
Nominallohnentwicklung
indessen
ein Betrag
von
nur
Fr.
63‘322
.
–
(
=
12 x Fr.
5‘112.– x 1,01
8
[2002]
x 1,01
4
[2003]
)
.
Die
Nominallohnentwicklung
en
für Männer
und ebenso diejenige für das Baugewerbe fielen tiefer aus. Es ist daher anzunehmen,
dass
bei
m
Valideneinkommen
zusätzlich
die geschätzte
Nominal
lohnentwicklung
bis Ende 2004
aufgerechnet wurde (
effektiv
0,9
%
;
vgl.
auch
Urk.
6/70/2
„
Jahr 2004
“
).
4.3
4.3.1
In der
Mitteilung vom 21. Mai 2008
stand alsdann
geschrieben
, es bestehe weiter
hin
Anspruch
auf die bisherige Invalidenrente bei einem neuen
Invalidi
tätsgrad
von 54
%
(
Urk.
6/71). Der dazugehörige Einkommensvergleich
für das Jahr 2007
findet sich
einzig
im
Feststellungsblatt (
Urk.
6/70).
Es wurde
v
on einem
nominallohnbereinigten
Valideneinkommen
von Fr.
66‘
220.10
ausgegan
gen
.
Beim Invalideneinkommen
wurde
den tatsächlichen Einkünften des
Beschwerdeführer
s Rechnung getragen.
Y._
gab an, ihn mit
monatlich Fr.
1‘200
.–
, mithin Fr. 1
4
‘4
0
0.– pro Jahr
, zu
entlöhnen
(
Urk.
6/65/3)
.
Z._
erklärte,
ihm
für saisonbedingte Arbeiten von März bis November
neu
jährlich
Fr.
17
‘
5
2
0
.–
zu
bezahlen
(
Urk.
6/64/2-3
, vgl. auch den Auszug aus dem Indivi
duellen Konto
Urk.
6/63
)
.
D
as nominallohnbereinigte
hypothetische
Invaliden
einkommen
betrug im Vergleich dazu
Fr.
30‘
015
.–
.
Von der Einkommensver
besserung von Fr. 1‘905
.–
rechnete die Beschwerdegegnerin dem Beschwerde
führer
Fr.
270
.– an
und setzte das massgebliche Invalideneinkommen
letztlich
auf Fr. 30‘285.– fest
.
4.3.2
Das Vorgehen der Beschwerdegegnerin
stand im Einklang mit
Art. 31 IVG in der
nach Inkrafttreten der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008
geltenden Fassung
. Danach waren
von der Einkommensverbesserung
nur
zwei Drittel des Betrages
zu
berücksichtigen
, der Fr. 1‘500
.–
überstieg (vgl. auch
BGE 137 V 369).
Im Übrigen wurde bei beiden Einkommen nur die
Nominallohnentwicklung
gemäss
Tabelle T1.39,
Total
für Männer und Frauen
für die Jahre 2005 bis 2007
berücksichtigt, d.h. die Nominallohnentwicklung im Jahr 2004
von 1,009
wurde beim Invalideneinkommen zu keiner Zeit aufgerechnet (
Valideneinkommen
: Fr.
63‘765.75
x 1.01
[2005]
x 1.012
[2006]
x 1.016
[2007]
= Fr. 66‘219.–;
Inva
lideneinkommen
: Fr. 28‘903.– x 1.01 [2005] x 1.012 [2006] x 1.016 [2007] =
Fr. 30‘015.–).
Auf den gerundeten Invaliditätsgrad hat dies jedoch keinen Einfluss. Korrekt berechnet beträgt das massgebende
Invalideneinkommen
Fr.
30‘375
.–
,
darin enthalten ein
Betrag von
Fr.
90.– für die
anrechenbare
Einkommensver
besserung
.
4.
4
4.4.1
In der
angefochtenen
Verfügung vom
2.
Februar 2015 (
Urk.
2
)
nahm die Beschwerdegegnerin
, wie bereits im Vorbescheid vom 23. September 2014 (
Urk.
92) angekündigt,
ab Januar 2009
einen nicht mehr rentenbegründenden Invaliditätsgrad
von 36
%
an
und hob die Rente rückwirkend auf diesen Zeit
punkt auf
. Dem Einkommensvergleich
für das Jahr
200
9
legte sie ges
tützt auf die LSE 2008, TA 1,
Ziff.
45,
Anforderungsn
iveau 4 für Männer
,
die
für
sie spezifische Nominallohnentwicklu
ng und die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit im Jahr 2008
(statt 2009)
ein
Valideneinkommen
von Fr.
65‘621.70 (=
12 x
Fr. 5‘150
.–
: 40 x 41.6
x 1.021
[2009]
) zugrunde. Diesem stellte sie als Invalideneinkommen den gesamte
n
Lohn
von Fr. 42‘244.–
gegenüber, den der Beschwerdeführer gemäss Auszug aus dem I
ndividuellen Konto vom 24.
September 2013
(
Urk.
6/79/2)
im Jahr 2009 erwirtschaftet
hatte
(
Fr.
14‘400.–
bei
Y._
, Fr.
15‘200.–
bei
Z._
und Fr.
12‘644.–
bei
A._
;
vgl.
auch
Feststellungsblätter
Urk.
6/90 und 6/99/3
).
4.4.2
Vom Beschwerdeführer nicht beanstandet wurde das Invalideneinkommen
(
Urk.
1
Rz
21)
. Indessen ist festzuhalten,
dass für die Beurteilung eines Sachver
halts, der sich im Jahr 2009 verwirklicht
e
, die Rechtslage
im Jahr 200
9
massge
bend ist (
zu
diesem
übergangsrechtliche
n
Grundsatz
vgl.
BGE 130 V 445). Wie bereits
erwähnt
lautete Art. 31 IVG in der bis 31. Dezember 2011 geltenden Fassung wie folgt: Kann eine rentenberechtigte Person neu ein
Erwerbsein
kommen
erzielen oder ein bestehendes Erwerbseinkommen erhöhen, so wird die Re
nte nur dann im Sinne von Art.
17
Abs.
1 ATSG revidiert, wenn die
Einkom
mensverbesserung
jährlich mehr als
Fr.
1
‘
500
.–
beträgt (Abs.1). Für die Revision der Rente werden vom Betrag, der
Fr.
1
‘
500
.–
übersteigt, nur zwei Drittel
berücksichtigt (
Abs.
2).
Richtig wäre
es somit
gewesen
, das bisherige
Invaliden
einkommen
um die spezifische Nominallohnentwicklung für Männer
bis Ende
2009 zu bereinigen
(
Fr.
30‘375
.–
x 1.022
[2008]
x 1.021
[2009]
= Fr.
31‘6
95
.–)
.
Die Differenz von Fr. 10‘
549
.–
im Vergleich zum tatsächlich
erzielten Lohn von
Fr. 42‘244.–
wäre
sodann a
bzüglich Fr. 1‘500.– im Umfang
von
zwei Dritteln
anzurechnen gewesen. Es ist
folglich
von einem
massgeblich
en
Invalidenein
kommen
ab Januar 2009
von Fr.
37‘
728
.–
auszugehen.
4.4.3
Zwischen den Parteien strittig ist die Ermittlung des
Valideneinkommens
.
G
emäss
Bundesgericht
entscheidend
ist
, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen
Einkom
mensentwicklung
angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfah
rung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortge
setzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweisen).
Insbesondere bleibt der zuletzt erzielte Verdienst grundsätzlich bestehen, ausser es finden sich genü
gend konkrete Anhaltspunkte für eine berufliche Weiterentwicklung. Im
Revi
sionsverfahren
besteht insoweit ein Unterschied zur ursprünglichen
Rentenfest
setzung
, als dass der zwischenzeitig
tatsächliche
durchlaufene berufliche Wer
degang bekannt ist und
allenfalls
Rückschlüsse
auf die hypothetische beruflich-erwerbliche Entwicklung ohne Gesundheitsschaden zulässt (vom Beschwerde
führer angeführtes Urteil des Bundesgerichts 8C_564/2013 vom 17. Oktober 2013 E. 6.1).
Lässt sich aufgrund der tatsächlichen Verhältnisse das ohne gesundheitliche Beeinträchtigung realisierbare Einkommen nicht hinreichend genau beziffern, darf auf statistische Werte wie die LSE zurückgegriffen werden, sofern dabei die für die
Entlöhnung
im Einzelfall relevanten persönlichen und beruflichen Fak
toren mitberücksichtigt werden. So
hielt
das Bundesgericht
bei
einem selbstän
dig
erwerbenden Versicherten
fest, dass zwischen der Aufgabe seines Restau
rantbetriebs im Jahr 1997 und dem Jahr 2010, für
das
der
Einkommensver
gleich
vorzunehmen sei, rund 13 Jahre liegen würden. Dabei werde die konkrete Einkommenssituation eines Gastbetriebs durch konjunkturelle, betriebswirt
schaftliche und buchhalterische Faktoren sowie durch die Konkurrenzsituation beeinflusst. Die
früheren Einkünfte seien daher nicht als verlässliche Grundlage zur Bestimmung des aktuellen hypothetischen
Valideneinkommens
zu betrach
ten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_808/2013 vom 14. Februar 2014 E. 6.1 und 6.3.2).
4.4.4
Die Beschwerdegegnerin argumentierte
,
die Rentenzusprechung liege mehr als zehn Jahre zurück, weshalb den
Entwicklungen im Baugewerbe
nur durch Abstellen auf die LSE 2008 Rechnung getragen werden könne
(
Urk.
2 S. 3
,
Urk.
13
)
. Dabei verk
annte
sie
, dass die Verfügung vom
2.
Februar 2015 zwar
rund ein Jahrzehnt
nach der
Verfügung
vom 24. Februar 2005
erlassen wurde.
Indessen galt es
das
zur Rentenzusprechung und
vor allem
zur Mitteilung vom 21. Mai 2008
sehr
zeitnahe
Einkommen
ab Januar 2009
zu
ermitteln.
Ebenso wenig
gefolgt werden kann den
Überlegungen des Beschwerdeführers
. Er
brachte
nach langjähriger Berentung
erstmals vor,
dass aufgrund bereits damals beginnender gesundheitlicher Beeinträchtigungen auf das im Jahr 1995 erzielte Einkommen
abzustellen
und dieses
über die Nominallohnentwicklung hinaus entsprechend
seiner
damaligen
Lohnsteigerung a
nzupassen sei
.
Das
Valideneinkommen
betrage somit
Fr. 89‘306
.–
,
so dass er weiterhin Anspruch auf eine halbe Rente habe. Eventualiter sei ihm unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung
eine
Vier
telsrente
zuzusprechen
. Werde dennoch auf einen Tabellenwert abgestellt, sei eine
Einkommensparallelisierung
vorzuneh
men
. Dazu verweist er auf die Empfehlung der europäischen Kommission zu den ISCO-Normen, wonach Maurer unter
Ziff.
7112 aufgeführt würden
(
Urk.
1
Rz
10 -20
und 23
,
Urk.
10
Rz
3)
.
Gemäss Auszug aus dem Individuellen Konto vom 20. August 2003
(
Urk.
6/13)
betrug der ausbezahlte Lohn
im Jahr 1993 (März bis Dezember ) Fr. 43‘328.–, im Jahr
1994
(März bis Dezember)
Fr. 48‘055.–, im Jahr 1995 Fr. 63‘790.–, im Jahr 1996 Fr. 56‘251.–,
im Jahr 1997 (
März bis Dezember
)
Fr. 45‘887.–
,
im Jahr 1998
Fr.
62‘311.–
und
im
J
ahr 1999 Fr.
55‘996.–.
Die tiefe
ren
E
inkommen
sind
folg
lich
auf
saisonal
bedingt
fehlende Arbeit in den
Monaten Januar bis März
sowie
de
n Konkurs der
B._
mit anschliessender Neugründung der
C._
zurückzuführen
(vgl.
Urk.
6/66/12
und
www.zefix.ch
)
.
Die
relevanten
Einkommenss
teigerungen
in den Jahren
1993 bis 1995 lassen
sich
überwiegend wahrscheinlich
mit der Aneignung erster
relevanter
beruf
licher Fertigkeiten als
Maurer
in zwei
zehn
tägige
n
praktische
n
Grundausbildun
gen (
Urk.
11/1) und
im Berufsalltag erklären
.
J
edenfalls korrelieren die
Ein
kommensschwankungen
soweit ersichtlich
nicht
direkt mit
gesundheitlichen Beeinträchtigung
en
durch die
Unfälle
Anfang 1995
und
Ende
1996 sowie dem Ausbruch des Handekzems
Mitte
1998
(vgl.
Urk.
6/27/1)
. E
ine anhaltend einge
sch
ränkte Arbeitsunfähigkeit ab dem ersten Unfall
ist
denn auch
nicht durch echtzeitliche
medizinische Unterlagen
belegt
.
Ferner
waren
den
Weiterbildungsmögl
ichkeiten des Beschwerdeführers
auf
grund seiner g
eringe
n
Schulbildung
(
Urk.
6/1
/4
)
von Anfang an enge Grenzen gesetzt und er hatte in den acht Jahren
als Bauarbeiter
vor Ausbruch des Hand
-
e
kzems
ledi
glich
zwei zehntägige praktische Grundkurse besucht.
Zuvor war er elf Jahre lange Fabrikarbeiter (
Urk.
6/1/3).
Seit der Beschwerdeführer invalid ist, konnte er sein Einkommen soweit ersichtlich nur durch ein höheres
Arbeits
pensum
massgeblich steigern (vgl.
Urk.
6/79).
Es
ist
somit
der
Beschwerde
geg
nerin
(
Urk.
2 S. 3
,
Urk.
5
Rz
4a
,
Urk.
13
)
beizupflichten, dass e
ine fortwährende, über die Nominallohnentwicklung hinausgehende Lohnsteigerung
und das Erreichen des Anforderungsniveaus 3
oder gar 2
nicht
ü
berwiegend
w
ahr
scheinlich
erscheint.
Vielmehr hatte der Beschwerdeführer seine beruflichen Möglichkeiten bereits weitgehend ausgeschöpft. Allein die absolvierten Grund
kurse erlauben es nicht, den Beschwerdeführer in der LSE 2012, T17 unter
Ziff.
71 (Baufachkraft) statt
Ziff.
93 (Hilfskraft im Bau) einzuordnen. Im Übrigen zeigt Tabelle T17, dass sich die zunehmende Berufserfahrung vor allem in den ersten Jahren der beruflichen Tätigkeit positiv auf den Lohn auswirkt.
B
eachtet man den effektiven Stellenantritt be
i der
C._
am 24.
März 1997 (vgl.
Urk.
6/32/295)
,
so verdiente der Beschwerdeführer
in den Jahr
en
1997 und 1998
jeweils
ca. Fr. 5‘000
.–
bis Fr.
5‘200.–
pro Monat
. Im darauffolgenden Jahr führte
das
Handekzem zur Arbeitsunfähigkeit
als Maurer
(
Urk.
6/32/236 f.) und damit verbunden
zu
einer grösseren
Einkommensein
busse
.
Ein wesentlich tieferer Monatslohn
würde
sich gestützt
auf die
LSE 1998, TA1,
Ziff.
45, Anforderungsniveau 4 für Männer
ergeben
. U
mgerechnet auf die damals betriebsübliche Arbeitszeit im Baugewerbe von 42,3 Stunden
würde
dieser nur
Fr. 4‘594
.–
(= Fr. 4‘344.– : 40 x 42,3)
betragen
.
Gesamthaft betrachtet
erscheint
die
in der Rentenverfügung vom 24. Februar 2005 getroffene Lösung, auf den versichert
en
(tatsächlichen)
Verdienst
im Jahr 2001
abzustellen,
somit sinnvoll
und
ist
beizubehalten
(vgl. vorstehend E. 4.2.1)
. U
nter Berücksichtigung der
für das Baugewerbe spezifischen
Nomin
allohnentwicklung
in
den Jahren 2002 bis 2009
gemäss
vorerwähnter Tabelle
T1.93
resultiert ein
massgebliche
s
Valideneinkommen
von
Fr
.
68‘35
1
.– (
=
Fr. 5
‘
112.– x 12 x 1.016
[2002]
x 1.01
[2003]
x 1.004
[2004]
x 1.011
[2005]
x 1.011
[2006]
x 1.017
[2007]
x 1.02
[2008]
x 1.02
[2009]
).
Das Abstellen auf den Tabellenwert in Kombination mit einer
Einkommensparallelisierung
ist bei einem überdurchschnittlichen Ein
k
ommen übrigens nicht vorgesehen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_412/2013
vom 11. Dezember 2013
E. 5).
4.4.
5
Bei einem
Valideneinkommen
von Fr. 68‘351
.–
und einem Invalideneinkommen von Fr. 37‘728.– betrug
der neue Invaliditätsgrad
ab Januar 2009
aufgerundet 45
%.
Am so begründeten Anspruch auf eine
Viertelsrente
würde sich
übrigens
auch
nichts ändern,
wenn
für die Berechnung des
Valideneinkommens
statt
dessen
auf den
höchsten bei der
C._
erzielten Lohn im
Jahr 1998
a
bgestellt
und
dieser
an die Nominallohnentwicklung im Baugewerbe
angepasst
würde. Das
so berechnete
Valideneinkommen
von F
r. 72‘36
5
.–
(= Fr. 62‘311
.–
x 0.995
[1999]
x 1.019
[2000]
x 1.028
[2001]
x 1.016
[2002]
x 1.01
[2003]
x 1.004
[2004]
x 1.011
[2005]
x 1.011
[2006]
x 1.017
[2007]
x 1.02
[2008]
x 1.02
[2009]
)
würde
zu einem
Invaliditätsgrad
von
knapp 48
%
führen
.
Eine weitere nennenswerte Veränderung des tatsächlichen Einkommens bis zum Stellenverlust per Ende Oktober 2014 blieb aus. G
emäss Auszug aus
dem Indi
viduellen Konto vom 24.
September 2013
verdiente der Beschwerdeführer
im Jahr 2010
Fr.
44‘644
.–
, im Jahr 2011 Fr.
46‘560.–
und im Jahr 2012 Fr. 45‘050.–
(
Urk.
6/79/2)
.
Für das
Jahr 2013
verwies der Beschwerdeführer im
Revisionsfragebogen vom 8. September 2013 auf das Jahr 2012 und gab ein Monatseinkommen von
insgesamt Fr.
3‘666
.–
an
(
Urk.
6/78/3)
, was einem Jah
reseinkommen von
Fr. 43‘992.–
entspricht.
4.5
4.5.1
Schliesslich sind sich die Parteien
in den Rechtsschriften darin
einig, dass
das Invalideneinkommen nach dem Verlust einer der Arbeitsstellen per Ende Okto
ber 2014 neu festzusetzen ist
. In der Verfügung vom
2.
Februar 2015 hatte die Beschwerdegegnerin noch erklärt,
dieser w
irtschaftliche Faktor sei unbeachtlich (
Urk.
2 S. 3).
Erst i
n der Bes
chwerdeantwort führte sie einen neuen
E
inkom
mensvergleich
für das Jahr 2014 durch.
Diesem
legte sie gestützt auf die LSE 2012, TA1,
Ziff.
41-43, Kompetenzniveau 1 für Männer ein
Valideneinkommen
von Fr. 69‘020.50 zugrunde
. Für die Festlegung des Invalideneinkommens von Fr. 35‘800.45 in einem 50%-Arbeitspensum stützt sie sich auf die LSE 2012, TA1,
Ziff.
5-96, Kompetenzniveau
2.
Dazu erläut
erte sie, dem Beschwerdeführer stehe
eine Vielzahl von Hilfstätigkeiten in allen Bereichen offen
und
er habe über Jahre hinweg ein erhöhtes Einkommen erwirtschaftet
. Ausserdem
sei
er als
Gärtner nach
KUBB 2008 (
Tool/
Kodierungsunterstützung
für Benutzer der All
gemeinen Systematik der Wirtschaftszweige [NOGA], vgl.
www.bfs.admin.ch
)
,
Empfehlungen der europäischen Kommission zu den ISCO-Normen
und T17 der LSE
2012,
Berufshauptgruppe 6
ins Kompetenzniveau 2 einzuordnen.
In Anwendung von Art. 88a
Abs.
2 IVV beantragte sie daher, ihm ab Februar 2015 eine
Viertelsrente
bei eine
m
Invaliditätsgrad von 48
%
zuzusprechen (
Urk.
5
Rz
4
b
,
Urk.
13
). Der Beschwerdeführer hielt dem entgegen,
es sei vom an die
Real
lohnentwicklung
angepassten Invalideneinkommen gemäss der
ursprünglichen Rentenverfügung
auszugehen
, weshalb er s
pätestens seit Oktober 2014 wieder Anspruch auf eine halbe Rente
habe
(
Urk.
1
Ziff.
21 und 22,
Urk.
1
0
Ziff.
4).
4.5.2
Es ist an die Überlegungen in E. 4.4 anzuknüpfen. A
b Oktober 2014
ist
folglich
von einem
um die
spezifische Nominallohnentwicklung
im Baugewerbe berei
nigte
n
Valideneinkommen
von Fr. 70‘70
6
.–
(= Fr 68‘35
1
.– x 1,007 [2010] x 1.01 [2011] x 1,007 [2012] x 1,005 [2013] x 1,005 [2014]) auszugehen.
Selbst ein
Validenein
kommen
von Fr.
74‘85
8
.–
, basierend auf dem Lohn im Jahr 1998 wäre nicht abwegig.
So
lag
das monatliche Einkommen des
Beschwerdeführer
s
in den
Jahren 1997 und 1998
jeweils rund
10
%
über dem
Monatslohn gemäss
LSE 1998, wobei sich für das Jahr 2014
beim Abstellen auf die
LSE
2012, T1_skill_level,
Ziff.
41-43, Kompetenzniveau
1
für Männer unter Berücksichti
gung der betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit und
Nominallohnent
wicklung
im Baugewerbe ein
E
inkommen von Fr.
68‘62
1
.
–
(= Fr. 5‘457.– : 40 x 41.5 x 12 x 1.005 [2013] x 1.005 [2014])
ergeben
würde
(zur Anwendbarkeit d
er LSE 2012
vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_699/2015 vom
6.
Juli 2016 E. 5.2)
.
4.5.3
Bezüglich des
Invalideneinkommen
s legte
die Beschwerdegegnerin z
utreffend
dar,
dass dem Beschwerdeführer grundsätzlich Hilfstätigkeiten in verschiedenen Bereichen offen stehen.
Nicht
nachvollziehbar
ist
, weshalb sie vom
Kompetenz
niveau
2 ausging, nachdem sie
ha
uptsächlich
Tätigkeiten mitberücksichtigte,
die nichts mit Gärtnerarbeiten zu tun haben und
für welche dem Beschwerdeführer offensichtlich jegliche Qualifikation und Berufserfahrung fehlen. Es ist auch nicht bekannt, inwiefern bei der Vermittlung der privaten Arbeitgeber
und Festsetzung des seit
dem Jahr 2004
erzielten Lohnes
persönliche Beziehung
en mitspielten
(vgl.
z.B.
Urk.
6/27/2)
.
Immerhin sah
sich die Beschwerdegegnerin selbst veranlasst,
zufolge
Kündigung eines der Arbeitsverhältnisse
einen neuen Einkommensvergleich
mit einem tieferen Invalideneinkommen durchzuführen
und stellte beim
Valideneinkommen
weiterhin auf das Kompetenzniveau 1 ab
.
Wie die Beschwerdegegnerin zudem selbst zutreffend bemerkte (
Urk.
2 S. 3), arbeitete d
er Beschwerdeführer
wohl
auch
etwas
mehr als 50
%
. Ve
rschiedene Aktenstellen
sprechen
dafür, dass
er
seinen Arbeitgebern
je
weils einen Stun
denlohn von Fr.
40.– verrechnete
(vgl.
Urk.
6/62/
3, 6/64/3, 6/65/3
)
und bei
Z._
anfänglich eine Winterpause
von zwei (gemäss
ihren
Angaben im Jahr 2007 sogar drei
)
Monaten einlegte
. Demnach
arbeitete
er
von Anfang Frühling bis Anfang Winter
im Durschnitt
mindestens
94 h
/Mt.
im Jahr 2009
(= [12‘644 + 14‘4
0
0
]
: 40 : 12] + [15‘200
: 40
: 10]
),
100
h/
Mt.
im Jahr 2010
(=
[
[12‘644 + 14‘4
0
0] : 40
: 12] + [17‘600
:
40
:
10
]
),
97 h/Mt.
im Jahr 2011
(= [[12‘800 + 14‘400] : 40 : 12] + [16‘400 : 40 : 10])
und
94 h/Mt.
im Jahr 2012
(=[12‘800 + 14‘400 + 17‘850] : 40 : 12)
.
Im Vergleich dazu beträgt das durch
schnittliche monatliche Soll bei einem 50%-Arbeitspensum 91 h/
Mt.,
nämlich die Hälfte von 8.34 Stunden (= 41.7
h/Woche : 5)
x 21.8
Arbeitstage
(= [365 Tage –
52
Wochenenden
] : 12
, ohne Ferien
).
Wird dem Invalideneinkommen die LSE 2012, T1_skill_level, Ziffer 5-96,
Kompe
tenzniveau
1 für Männer zugrunde gelegt, ergibt sich für ein
Vollzeit
pensum
unter Berücksichtigung der betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden sowie der Nominallohnwicklung bei Männern ein Betrag von Fr. 66‘90
5
.
–
(= Fr. 5‘295.– : 40 x 41.7 x 12 x 1.005 [2013] x 1.005 [2014]). Das
unstrittig
e
Teilzeitpensum von 50 % (Fr. 33‘452
.
–
) hätte demnach einen
Invali
ditätsgrad
von knapp 53
%
zur Folge. Bereits ein
e aufgrund der erbrachten Leistung nicht auszuschliessende
leicht
höhere Arbeitsfähigkeit von 55
bis 64
%
(
Fr.
36‘797
.–
bis
Fr. 43‘487.–)
würde
allerdings
nur
noch
zu einem
Invaliditäts
grad
zwischen 48
bis
38
%
führen
.
4.6
Zusammenfassend sind somit
anspruchserhebliche
Änderungen
in den Einkom
mensverhältnissen des Bes
chwerdeführers nachgewiesen,
die
zweifelsohne die Voraussetzungen für
einen Revisionsgrund nach Art. 17
Abs.
1 ATSG
erfüllen
. S
tellt man
allein
darauf ab, wie viel
dieser
in den letzten Jahren effektiv ver
diente
, so
bestand
zwischen
1.
Januar 2009
und 3
1.
Januar
2015 Anspruch auf eine
Viertelsrente
und ab Februar 2015, drei Monate nach dem
Stellenverlust
,
wieder
Anspruch
auf eine halbe Rente.
Es gilt
jedoch
zu bedenken, dass g
emäss ständiger Praxis des Bundesgerichts die Verwaltung - wenn ein Revisionsgrund gegeben ist - den Rentenanspruch in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht umfassend ("allseitig")
zu prüfen hat
, wobei keine Bindung an frühere Beurtei
lungen besteht. Es ist nicht erforderlich, dass gerade die geänderte Tatsache zu einer Neufestsetzung der Invalidenrente führt; vielmehr kann sich bei der all
seitigen Prüfung des Rentenanspruchs ergeben, dass ein anderes
Anspruchs
element
zu einer Herauf-, Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente führt
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_378/2014 vom 2
1.
Oktober 2014 E.
4.2 mit zahlreichen Hinweisen).
5.
5.1
5.1.1
D
en Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in wel
chem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist, gehört zur Aufgabe der Ärzte (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
Hinsicht
lich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situa
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a). In Bezug auf Berichte von behandelnden Arztpersonen bzw. Therapiekräften ist zusätzlich auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung
in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
5.1.2
Mit
BGE 141 V 281 vom
3.
Juni 2015 hat das Bundesgericht sodann
seine
bishe
rige
Rechtsprechung zur Invaliditätsbemessung bei Schmerzstörungen ohne erkennbare organische Ursache und vergleichbaren psychosomatischen Leiden (BGE 130 V 352 u
nd anschliessende Urteile) ange
passt und festgehalten, dass die Invaliditätsbemessung stärker als bisher den Aspekt der funktionellen Aus
wirkungen zu berücksichtigen hat
, was sich schon in den diagnostischen Anforderungen niederschlagen muss.
Es ersetzte daher das bishe
rige Regel/Ausnahme-Modell
durch ein st
rukturiertes Beweisverfahren.
Neu hat a
nhand e
ines Kataloges von Indikatoren
eine
ergebnisoffene
symmetrische Beurteilung des – unter Berücksichtigung leistungshindernder äu
sserer Belastungsfaktoren einer
seits und Kompensationspotentialen (Ressourc
en) anderseits – tatsächlich er
reichbaren Leistungsvermögens
zu erfolgen
(E. 3.6).
Dabei betonte das Bundesgericht,
die Aufgabe der Überwindbarkeitsvermutung
ändere
an den Regeln betreffend die Zumutbarkeit n
ichts
, namentlich nicht am Erfor
dernis ei
ner objektivierten Beurteilungs
grundlage. Nach Art. 7 Abs. 2 zweiter Satz ATSG liegt eine Erwerbsunfähigkeit nur vor, wenn sie aus objektiv
er Sicht nicht überwindbar ist
(E. 3.7.1).
Die
Anerkennung eines rentenbegrün
denden Invaliditätsgrades ist
folglich
nur zulässig, w
enn die funktionellen Auswirkun
gen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt e
s da
ran, hat die Folgen der Beweislosigkeit
die materiell beweisbelas
tete ver
sicherte Person zu tragen (E. 6).
Die im Regelfall beachtlichen
Standardindika
toren
sind
:
Kategorie „funktioneller Schweregrad" (E. 4.3)
Komplex „Gesundheitsschädigung" (E. 4.3.1)
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
(E. 4.3.1.2)
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen; E. 4.3.2)
Komplex „Sozialer Kontext" (E. 4.3.3)
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens; E. 4.4)
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener
Leidens
druck
(E. 4.4.2)
5.1.3
Im Nachgang zu dieser Praxisänderung brachte das Bundesgericht in seinem Urteil 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2 (mit Hinweisen) klar zum Aus
druck, dass depressive Störungen leicht bis mittelgradiger depressiver Natur, seien sie im Auftreten rezidivierend oder episodisch, einzig dann als invalidi
sierende Krankheiten in Betracht fallen würden, wenn sie erwiesenermassen therapieresistent seien. Nur in einer solchen - seltenen, da nach gesicherter psychiatrischer Erfahrung Depressionen im Allgemeinen therapeutisch gut
angehbar
seien - gesetzlich verlangten Konstellation sei den normativen Anfor
derungen des Art. 7
Abs.
2 zweiter Satz ATSG für eine objektivierende Betrachtungs- und Prüfungsweise Genüge getan. Ein solcher Sachverhalt müsse überwiegend wahrscheinlich und dürfe nicht lediglich nicht auszuschliessen sein. Es komme dazu, dass die Therapie in dem Sinne konsequent gewesen sein müsse, dass die aus fachärztlicher Sicht indizierten zumutbaren (ambulanten und stationären) Behandlungsmöglichkeiten in kooperativer Weise optimal und nachhaltig ausgeschöpft worden seien.
5.2
5.2.1
Ende 2002/Anfang 2003 liess der Beschwerdeführer seine Beschwerden von verschiedenen Spezialisten abklären.
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für Physika
lische Medizin und Rehabilitation, hielt am 1
8.
November 2002 fest, er klage über vermehrte Kopfschmerzen mit
bioccipitaler
Lokalisation seit sieben Jahren, die bisher auf keine Therapiemassnahme angesprochen hätten. Aus rheumatolo
gischer, orthopädischer und neurologischer Sicht könne sie indessen trotz
Com
putertomogramm
keine gravierenden pathologischen Befunde finden. Es gebe keine Hinweise auf eine intrakranielle Blutung nach Schädel-Hirn-Trauma oder einen Tumor. Im Bereich der Halswirbelsäule habe man ebenfalls unauffällige
ossäre
Verhältnisse festgestellt, vor allem Hinweise für eine posttraumatische Segmentlockerung würden fehlen. Am ehesten handle es sich um ein Post-
Commotions
-Kontusionssyndrom nach Schädel-Hirn-Trauma, das schwierig zu behandeln sei. Die Kopfschmerzen würden durch die depressive Entwicklung mit angespannter psychischer Lage verstärkt. Sie glaube, zur Stabilisierung sei dringend eine Wiedereingliederung nötig (
Urk.
6/1/5-6).
5
.2.2
Der Facharzt für Neurologie,
Dr.
med.
E._
, berichtete am 23. Januar 2003, das im Jahr 1995 erlittene Schädel-Hirn-Trauma mit Commotio cerebri habe zu einem anhaltenden Spannungskopfschmerz geführt, wobei der Verlauf wahr
scheinlich durch eine depressive Entwicklung verstärkt worden sei. Hinweise für eine organische Genese fänden sich keine. Der Status und die durchgeführten Zusatzuntersuchungen seien normal gewesen. Therapeutisch dürfte die Behandlung der Depression Priorität haben. Daneben empfehle er eine regel
mässige Physiotherapie der Nacken- und Schultermuskulatur, da die Kopf
schmerzen teilweise auch dadurch unterhalten sein dürften (
Urk.
6/11/8 f.).
5
.2.3
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Dermatologie, stellte im Bericht vom
5.
März 2003 überdies fest, der Beschwerdeführer habe die Behandlung der Hände nach Juni 2002 entgegen seinen Empfehlungen nicht fortgesetzt. Dennoch sei das Handekzem aktuell weitgehend unauffällig und ruhig gewesen. Aus seiner Sicht sei dieser sofort für jegliche Arbeit arbeitsfähig. Im Vordergrund stehe zurzeit das psychische Problem mit einer depressiven Verstimmung (
Urk.
6/11/10).
5
.2.4
Zusammenfassend konnten somit organisch objektiv keine Unfallfolgen nach
-
g
e
wiesen werden und das Handekzem stand der Aufnahme einer ange
passten Tätigkeit seit dem Jahr 2003 nicht mehr entgegen.
5
.3
5
.3.1
Die Rentenzusprechung erfolgte gestützt auf den Bericht von
Dr.
G._
vom 25. Oktober 2004 (
Urk.
6/27).
Dr.
med.
H._
vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) befand diesen für sorgfältig und umfassend, hielt den Gesundheitszu
stand aber für innert 18 Monaten besserungsfähig (vgl.
Urk.
6/28/3).
Dr.
G._
diagnostizierte damals (1) eine Anpassungsstörung mit mittelgradiger depres
siver Reaktion (ICD-10: F.43.21) seit dem Jahr 1999, (2) ein Handekzem beid
seits seit dem Jahr 1998 sowie (3) chronisch rezidivierende Kopfschmerzen bei Status nach Schädel-Hirn-Trauma am 2
7.
Februar 1995.
Dazu erläuterte er, der Beschwerdeführer sei im Februar 1995 ca. 3,5 Meter tief in eine Bauschuttmulde gestürzt und habe sich dabei insbesondere eine Com
motio cerebri zugezogen. In der Zeit der Nichteignungsverfügung sei er dann
dekompensiert
mit Symptomen einer „
major
depression
“, wobei die Nacken-/Kopfbeschwerden ebenfalls deutlich zugenommen hätten. In der Folge seien Arbeitsversuche und die Umschulung am Handekzem bzw. den
depressionsbe
dingten
kognitiven Einschränkungen gescheitert. Bei Beginn der Therapie seien folgende Befunde erhoben worden: Antriebsminderung, verminderte Konzent
ration, Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit, Vergesslichkeit, eingeengtes,
perser
verierendes
, grüblerisches Denken, depressive Verstimmung, Dysphorie, Rat- und Hoffnungslosigkeit, innerliche Anspannung und Unruhe, Insuffizienz- und Versagensgefühle mit ausgeprägter Selbstwertproblematik, Freud- und Interes
senlosigkeit, hartnäckigen Schlagstörungen und sozialer Rückzug. Der Beschwerdeführer klage zudem über ständigen Druck im Kopf, rezidivierende migräneförmige
Kopfschmerzexazerbationen
von Stunden bis Tagen mit Nausea. Ferner habe dieser
ekzematöse
Veränderungen an den Handflächen, die bei geringer mechanischer Belastung und psychischem Stress
exazerbieren
wür
den. Nebst Einzeltherapien in einer Frequenz von zwei bis sechs Wochen sei
vorübergehend eine Paar- und Familientherapie zur Beruhigung der sehr ange
spannten familiären Situation erfolgt. Die Kombinationsbehandlung mit
Efexor
und
Remeron
sei im Januar 2004 auf
Aurorix
(600mg/d) umgestellt worden. Vorübergehend sei der Beschwerdeführer fix mit
Temesta
respektive
Xanax
behandelt worden. Eine deutliche Aufhellung der depressiven Verstimmung und Stabilisierung des Selbstwertgefühls sei seit der Anstellung im Juni 2004 zu beobachten, aber auch eine Verstärkung der Nacken-/Kopfschmerzen (Arbeit meist in gebückter Haltung), der lumbalen Rückenschmerzen (wahrscheinlich aufgrund der körperlichen
Dekonditionierung
) sowie der Schmerzen an der lin
ken Flanke (Rippenfraktur/-prellung im Februar 2003). Trotz möglichst wenig Belastung der rechten Hand, Benützung von Handschuhen und konsequenter Pflege habe sich das Handekzem verstärkt.
Daraus schlussfolgerte er, die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers habe seit dem Jahr 1995 im Sinne von häufigem Auftreten von Kopfbeschwerden und vermehrter Ermüdbarkeit abgenommen. Aufgrund der Schwere des Unfalls sei ein chronisches
postkommotionelles
Syndrom die wahrscheinlichste Erklä
rung. Dieses habe die Arbeitsleistung aufgrund der überdurchschnittlichen Leistungsbereitschaft zunächst nicht merklich tangiert. Dann habe das chro
nische Handekzem die Weiterführung einer Tätigkeit verhindert. Schliesslich seien die psychische und psychosomatische Symptomatik in den Vordergrund getreten. Unfallfolgen, Berufserkrankung und psychische Beschwerden würden miteinander interagieren. Der Beschwerdeführer arbeite derzeit ca. 40
%
. Bei weiterer Stabilisierung und ähnlich vorteilhaften Arbeitsbedingungen sei eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
praktisch möglich. Eine Umschulung sei aufgrund der kognitiven Einschränkungen und geringen Frustrationstoleranz auch in mittlerer Zukunft nicht erfolgsversprechend. Maschinen- respektive
Automaten
bedienung
oder Chauffeurtätigkeiten seien wegen der erhöhten Unfallgefahr nicht zu empfehlen.
5
.3.2
Am 2
6.
März 2006 füllte
Dr.
G._
das Formular E 213 der Europäischen Gemeinschaft für die Geltendmachung von sozialversicherungsrechtlichen Ansprüchen im Ausland aus. Dabei fügte er dem Wortlaut des vorstehenden Berichts lediglich die Nebendiagnose chronischer Tinnitus (vgl. dazu
Urk.
6/66/8) sowie den Hinweis auf die im März 2005 erfolgte Umstellung auf Citalopram (bis 40mg/d) und
Sumontil
® (50mg nachts) hinzu (
Urk.
6/59/4-7).
5
.3.3
Ähnlich lautete auch der Bericht von
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Neurologie, vom 1
2.
April 200
5.
Dieser hatte den Beschwerdeführer am 1
7.
Februar und 3
1.
März 2005 untersucht. Ihm gegenüber gab der Beschwerdeführer an, seit dem Unfall 1995 an pochenden und von Überempfindlichkeit auf Lärm und
Licht begleiteten Kopfschmerzattacken an sechs bis acht Tagen pro Monat zu leiden. Da er bei der Gartenarbeit öfters lange Zeit in gebückter und vorgeneig
ter Haltung beschäftigt sei, würden die Kopfwehattacken dadurch ausgelöst. In dieser Hinsicht helfe ihm die frei
einteilbare
Arbeitszeit.
Dr.
I._
zog den Schluss, seit dem Jahr 1999 bestehe eine depressive Episode, die nicht nur mit den Unfällen und der Berufskrankheit, sondern auch mit den Schwierigkeiten bei der Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess zeitlich zusammenhänge. Die rückwirkend zugesprochene Rente habe die Stimmung des Beschwerdeführers etwas aufgehellt. Wiedereingliederungsversuche wie Deutschkurs und
Taxiprü
fung
seien wegen der Kopfschmerzattacken und Konzentrationsschwierigkeiten infolge der Depression misslungen. Schliesslich wies
Dr.
I._
darauf hin, dass er dem Beschwerdeführer nach der Umstellung des Antidepressivums
Replax
40 mg als Anfallsmittel und Riboflavin (Vitamin B2) 400mg/d als
Mirgänepro
phylaktikum
verschrieben habe (
Urk.
6/66/10-11).
5
.3.4
Grund für die Berentung waren folglich psychische Beschwerden, die in einem engen Zusammenhang mit psychosozialen Faktoren standen. Dabei setzten sich die Ärzte nicht weiter mit der Frage auseinander, ob im Wesentlichen eine ver
selbständigte psychische Störung vorlag oder die Beschwerden nach wie vor eine hinreichende Erklärung in der aktuellen Belastungssituation fanden
(vgl. dazu
BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Immerhin führten die Wiederaufnahme einer
Arbeitstätig
keit
und die
Rentenzusprache
offenbar zu einer augenscheinlichen Verbesserung der Beschwerden. Zudem verstärkten sich
mit der neuen Tätigkeit
im Garten die Kopfschmerzen, welche in den ersten vier Jahren nach dem Unfall 1995 keinen ersichtlichen Einfluss auf das Arbeitspensum und den Lohn gehabt hatten. Die Zunahme der Beschwerden wurde indessen von allen Beteiligten nicht nur auf die Depression, sondern auch das häufige Arbeiten in gebückter Haltung zurückgeführt. Die Kopfschmerzen erforderte
n
schliesslich ab dem Frühjahr 2005 die Einnahme von
Replax
und damit verbunden die Umstellung des Anti
depressivums auf Citalopram. Über die effektive Durchführung und den Erfolg der prophylaktischen Behandlung mit Riboflavin
ist
nichts bekannt.
5
.4
5
.4.1
In der ersten Revision konkretisierte
Dr.
G._
im Bericht vom 1
5.
April 2008 zwei der Diagnosen. Demnach handelt es sich um ein Zementekzem und um chronisch rezidivierende Kopfschmerzen im Sinne einer posttraumatischen Migräne ohne Aura sowie eines posttraumatischen
Zervikalsyndroms
bei einem Status nach Schädel-Hirn-Trauma. Zum Verlauf notierte er, die Gartenarbeit sei ideal, weil sie körperlich leicht und zeitlich flexibel
einteilbar
sei. Einzig müsse der Beschwerdeführer oft in gebückter Haltung arbeiten, was zu Schmerzen im
Zervikalbereich
sowie ausstrahlenden Kopfschmerzen führe. Das Arbeitspensum betrage knapp 50
%
. Unter dieser Tätigkeit sei es nicht zur Exazerbation des Handekzems gekommen. Der Beschwerdeführer leide aber weiterhin an chro
nischen Nacken-/Kopfschmerzen bzw. Migräne, die ca. acht- bis zehnmal monatlich
exazerbiere
und die Einnahme eines
Tryptan
-Präparats notwendig mache. Die depressive Symptomatik sei unter fortführender Citalopram-Behandlung (20mg/d) mehr oder weniger stabil. Es fänden regelmässige stüt
zende Gespräche statt. Der Beschwerdeführer sei weiterhin innerlich deutlich angespannt und unruhig, sowie psychisch wenig belastbar. In akuten Stress
situationen nehme er eine Tablette
Temesta®expidet
, 1mg, ein. Befunde notierte
Dr.
G._
keine. Die Restarbeitsfähigkeit von 50
%
bezeichnete er als unver
ändert und nur unter idealen Bedingungen zu erreichen (
Urk.
6/69/1-2).
5
.4.2
Dr.
J._
, Fachärztin für Innere Medizin und Hausärztin, lehnte ihren Bericht vom 2
2.
April 2008 an denjenigen von
Dr.
G._
an. Indessen machte sie eine nicht weiter erörterte Verschlechterung des Gesundheitszustandes seit
Behand
lungsbeginn
im Januar 2005 geltend. Die Restarbeitsfähigkeit sei bestenfalls unverändert, betrage ihres Erachtens jedoch nur 30 bis 50
%
(
Urk.
6/66/2) bzw. 15 Stunden pro Woche (
Urk.
6/66/7). Sie selbst erhob keine relevanten Befunde. Der Beschwerdeführer soll aber angegeben haben, er leide täglich unter Kopf
schmerzen, bis zu dreimal wöchentlich seien diese schwer mit Licht- und
Lär
mintoleranz
. Er sei rasch ermüdbar und habe Konzentrationsschwierigkeiten (
Urk.
6/66/3). Zur bisherigen Therapie führte
Dr.
J._
unter anderem aus, der Beschwerdeführer habe von Dezember 2007 bis März 2008 die Physiotherapie besucht und mache regelmässige Heimübung
en
. Er nehme täglich 2
0 mg Citalopram und bei Bedarf 1
mg
Temesta
respektive ca. drei- bis viermal wöchentlich 80 mg
Replax
(
Urk.
6/66/4).
5
.4.3
Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer erst bei Einlei
tung der Revision einige Male eine Physiotherapie besuchte, obschon dies bereits im Januar 2003 von
Dr.
E._
angeregt wurde (vgl. E. 6.2.2). Die Dosis des Antidepressivums Citalopram konnte zudem halbiert werden und das
Handekzem trat trotz regelmässiger handwerklicher Tätigkeit nicht mehr in relevantem Ausmass in Erscheinung.
Neben diesen Indizien für eine Verbesse
rung des Gesundheitszustandes, werden i
n beiden Berichten keine aktuellen Befunde wiedergegeben. Sie deuten aber auf eine weitere Zunahme der Kopf
schmerzen im Kontext mit der Arbeit in gebückter Haltung hin
, was die Frage aufwirft, ob die Gartenarbeit als leidensangepasst zu gelten hat
. Die Einnahme des
Tryptan
-Präparats wird
darüber hinaus
auffallend in sehr unterschiedlicher Häufigkeit (drei bis viermal wöchentlich bzw. acht- bis zehnmal monatlich) an
gegeben.
Es ist somit nicht auszuschliessen, dass
die
Resta
rbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ab Januar 2009 mehr als 50
%
betrug (vgl. auch E. 4.5.3) und er diese mit der effektiven Arbeitsleistung nicht voll ausschöpfte.
5
.5
5
.5.1
In der aktuellen Revision nannte
Dr.
J._
am 1
8.
Dezember 2013 folgende gesundheitlichen Einschränkungen: Schwindel, Kopfschmerzen,
Migräne
attacken
, Konzentrationsschwierigkeiten und Ermüdbarkeit. Ohne somatische Beschwerden wenig nachvollziehbar erachtete sie sodann rein sitzende oder stehende Tätigkeiten als nicht mehr zumutbar, indessen bestanden trotz Schwindel und Kopfschmerzen ihrer Ansicht nach keine Einschränkungen bezüglich Bücken, Über-Kopf-Arbeiten, Kauern, Knien, Heben/Tragen von Las
ten und auf Leitern/Gerüste steigen. Die Einschränkung des
Konzentrationsver
mögens
und der Belastbarkeit quantifizierte sie nicht, stufte den Beschwerde
führer aber zumindest als fahrtauglich ein. Sie schlussfolgerte, dieser sei 3 bis 5 h/d bzw. 30 bis 50
%
arbeitsfähig, was gemessen an der über Jahre hinweg konstant erbrachten Arbeitsleistung von 94 Stunden oder mehr pro Monat nicht ohne weiteres einleuchtet. Schliesslich fügte sie hinzu, der Beschwerdeführer mache schon alles, was möglich sei (
Urk.
6/83/1-4), was das zwischen ihnen bestehende Vertrauensverhältnis untermauert und ihre Objektivität in Frage stellt. Nennenswerte eigene Befunde (
Urk.
6/83/7) oder Diagnosen (
Urk.
6/83/5, vgl. dazu
Urk.
6/69) nannte
sie
keine.
5
.5.2
Dr.
G._
stellte im Bericht vom 1
5.
April 2014 (
Urk.
6/87/1-3) ohne nähere Begründung neu folgende Diagnosen: (1) rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F33.1), (2) chronisches Schmerzsyndrom mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41) bei ausgeprägter Migräne-Anamnese und (3)
chronifiziertes
zerviko-zephales
Syndrom bei Status nach Schleudertrauma in den Jahren 1995 (mit Commotio cerebri) und 200
2.
Im Vergleich zum Bericht vom 1
3.
Mai 2008 ergänzte er lediglich, die medikamentöse Therapie sei im Dezember 2011 von Citalopram auf Sertralin-Mepha,100
mg/d, umgestellt worden. Die Exazerbationen der
Kopfschmerzen quantifizierte er neu mit zwei- bis dreimal wöchentlich bzw. der Einnahme von neun bis zwölfmal monatlich 80 mg
Replax
. Darüber hinaus erhob er Befunde, welche denjenigen im ersten Bericht vom 2
5.
Oktober 2004 entsprachen mit Ausnahme der zusätzlich erwähnten Stressintoleranz mit Erre
gungszuständen und der nicht mehr erwähnten hartnäckigen Schlafstörungen und
perserverierenden
Grübelei. Die Restarbeitsfähigkeit betrage unter idealen Bedingungen nach wie vor 5
0
% bzw. 20 h/Woche.
5
.5.3
Der RAD-Arzt
Dr.
med. univ.
K._
, Facharzt für Neurologie, nahm am 1
0.
Juni 2014 zu den Arztberichten Stellung und erklärte, in Zusammenfassung der Befunde bestehe bei den bekannten psychischen und somatischen Beschwerden ein im Wesentlichen unveränderter Gesundheitszustand. Dies entspreche weiter
hin einer 50%-Arbeitsfähigkeit in der gut angepassten Tätigkeit als Gärtner (
Urk.
6/91/4).
5
.5.4
Entgegen der Auffassung des RAD-Arztes gibt es
wiederum
durchaus Hinweise auf eine tendenzielle Besserung der psychischen
Beschwerden. So werden aktu
ell
keine Schlafstörungen und keine Grübelei mehr erwähnt. Neu wurde zudem die Diagnose rezidivierend
e
depressive Störung gestellt, welche auf Phasen ohne respektive mit nur geringer psychischer Beeinträchtigung schliessen lässt. Die einzelnen depressiven Episoden wurden allerdings nicht weiter erörtert. Zumin
dest aber musste der Beschwerdeführer in all den Jahren nie hospitalisiert wer
den und konnte sein Arbeitspensum seit Mitte 2004 ohne gesundheitlich bedingte Einbrüche
auf
etwas über 50
%
steigern. All dies deutete auf eine gesundheitliche Verbesserung hin, wie die Beschwerdegegner
in
bereits in der Verfügung vom
2.
Februar 2015
bemerkte (
Urk.
2 S. 3),
ohne daraus aber bei einem Invaliditätsgrad von 36
%
weitere Konsequenzen zu ziehen. Eine Thera
pieresistenz der depressiven Störung erscheint fraglich, die häufige Umstellung der Medikamente wurde in diesem Zusammenhang nicht weiter erö
r
tert. Offen
bar weiter zugenommen haben die organisch nicht erklärbaren Kopfschmerzen, welche neu zusätzlich mit einem Schädel-Hirn-Trauma im Jahr 2002 begründet werden. Diese rücken immer mehr in den Vordergrund. Auf den ersten Blick verwundert dies nicht allzu sehr, bedenkt man, dass der Beschwerdeführer sein Arbeitspensum laufend erhöhte und die Schmerzattacken gemäss seinen Anga
ben durch das Arbeiten in gebückter Haltung ausgelöst werden. Dies führt zur Frage nach dem Belastungsprofil und – je nach Einschränkung – eines
behin
derungsbedingten
Abzugs beim Invalideneinkommen. Bei einer Verlagerung der Symptomatik hin zur somatoformen Schmerzstörung und in Anbetracht der vom Bundesgericht neu formulierten Anforderungen an die Plausibilisierung einer daraus resultierenden Arbeitsunfähigkeit, die eine Auseinandersetzung mit den Einschränkungen in allen Lebensbereichen sowie den Ressourcen verlangt,
bilden die vorstehenden Bericht jedenfalls keine zureichende medizinische Grundlage für die Beurteilung des Rentenanspruchs.
5
.6
Über den Rentenanspruch
ab Januar 2009
kann somit
–
insbesondere
nach dem Gesagten
in E. 5.3.4, 5.4.3 und 5.5.4 –
nicht ohne sorgfältige Abklärung des medizinischen Sachverhalts
, des Verlaufs der Arbeitsfähigkeit und des
Belas
tungsprofils
durch einen
Facharzt
entschieden werden.
6
.
6
.1.
Unabhängig von einer allfälligen Verbesserung der Arbeitsfähigkeit steht n
ach
den Ausführungen
unter E. 4.
4.
fest
, dass der Beschwerdeführer bis Ende Sep
tember 2014 maximal Anspruch auf eine
Viertelsrente
gehabt hätte, effektiv aber eine halbe Rente bezog. Für diesen Fall machte er geltend, er ha
be seine Meldepflicht nicht schuldhaft verletzt, weil er in gutem Glauben von der frühe
ren Lohnsteigerung habe ausgehen dürfen und nur in einem 50%-Pensum gear
beitet habe. Überdies habe er die neue Arbeitsstelle bereits vor dem 2
1.
Mai 2008 angetreten, weshalb gar keine mitzuteilende Veränderung vorliege (
Urk.
1
Rz
26-28,
Urk.
10
Rz
2). Die Beschwerdegegnerin
verwies auf den
Einkommens
vergleich
und
die
Hinweis
e
zur Meldepflicht in
den vorhergehenden
Verwal
tungsakten
(
Urk.
13).
6
.2
Es bedarf keiner weiteren Erläuterung, dass sich der Beschwerdeführer sehr wohl bewusst war, dass er im letzten Revisionsfragebogen im Dezember 2007 nur zwei Arbeitgeber und Einkommen deklariert hatte (
Urk.
6/62 inkl. Beilagen). Ebenso offensichtlich war für ihn, dass eine Einkommenssteigerung von bis zu 50
%
bzw. über Fr. 10‘000
.–
im Vergleich zu den Vorjahren seine Rente beein
flussen könnte. So verdiente er gemäss Auszug aus dem Individuellen Konto vom 2
4.
September 2013 (
Urk.
6/79) im Jahr 2005 noch Fr. 27‘390.–, im Jahr 2006
Fr.
29‘420.–, im Jahr 2007
Fr.
31‘920.– und im Jahr 2008 Fr. 28‘004.–, während er im Jahr 2009 plötzlich ein Einkommen von Fr. 42‘244.– erwirt
schaftet
e
und in den Folgejahren nicht weniger erzielte. Der ursprüngliche
Ein
kommensvergleich
für das Jahr 2003 war ihm mit der Rentenverfügung vom 2
4.
Februar 2005 (
Urk.
6/31 und 6/43) eröffnet worden und bereits das Ein
kommen von zwei Arbeitgebern führte in der Mitteilung vom 2
1.
Mai 2008 (
Urk.
6/71) zu einer Reduktion des Invaliditätsgrades. Er konnte somit nicht gutgläubig damit rechnen, die Beschwerdegegnerin würde
kurze Zeit
später fast das Eineinhalbfache des bisherigen
Valideneinkommens
berücksichtigen. Darüber hinaus war er in der Rentenverfügung und der Revisionsmitteilung explizit auf seine Meldepflicht für Veränderungen in den Einkommensverhält
nissen aufmerksam gemacht worden. Unter diesen Gesichtspunkten kann es keine Rolle spielen, dass er zumindest mehr oder weniger nur 50
%
arbeitete.
6.
3
Es
liegt somit eine
zumindest grobf
a
hrlässige
und damit schuldhafte
Meldepflicht
verletzung
vor, die dazu führte, dass dem Beschwerdeführer (für
sich
persönlich
und seine
bei
den
Kinder) von Januar 2009 bis September 2013
zu Unrecht eine
Rente
in Höhe einer halben Invalidenrente
ausbezahlt wurde.
Demnach ist nicht zu bestanden, dass die Beschwerdegegnerin die Rente mit Verfügung vom
2.
Februar 2015 rückwirkend per
1.
Januar 2009 neu regelte
.
Für die
ab
Oktober 2013 ausbezahlten Renten gilt es indessen zu beachten, dass die Beschwerdegegnerin erstmals mit Eingang des Revisionsfragebogens am 1
7.
September 2013 Kenntnis vom neuen Arbeitgeber und den tatsächlichen aktuellen Einkünften erhielt (vgl. Aktenverzeichnis der IV-Akten Nr. 78)
, welche sie nach Eingang des Auszugs
aus dem Individuellen Konto am 2
5.
September 2013 (vgl. Aktenverzeichnis der IV Akten Nr. 79)
verifizieren konnte
. D
ie
Mel
depflichtverletzung
war folglich
für die von Oktober 2013 bis September 2014 ausbezahlten Renten
nicht mehr kausal, wie es Art. 88
bis
Abs.
2
lit
. b IVV in der damals geltenden Fassung verlangte. Die Beschwerdegegnerin hätte spätestens nach Erhalt des Auszugs aus dem Individuellen Konto die Rente einstellen kön
nen. Die Rückforderung von
Betreffnissen
für die Zeit nach erfolgter Meldung scheidet
damit
aus (vgl. vorerwähntes Urteil 9C_245/2012 E. 5.1.2 und 5.2).
Im Übrigen ist zur
geltend gemachten Rückforderung
f
estzustellen,
dass entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers der Vorbescheid zur
W
ahrung
der fünf
jährigen Frist
nach
Art. 25
Abs.
2
ATSG
gemäss aktuellster Rechtsprechung genügt
(vgl. E. 1.4
)
.
Noch offen ist aufgrund des
in E. 5
(insbesondere E. 5.4.3)
Ausgeführten
indessen
die Höhe der Rückforderungssumme
in Bezug auf die
zwischen dem
4.
Oktober 2009 (absolute Verwirkungsfrist) und 1
7.
September 2014 (Eingang Revisionsfragebogen) ausbezahlten Renten.
7
.
Zusammenfassend
ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer rückwirkend ab Januar 2009
zweifelsohne
keinen Anspruch mehr auf eine halbe Rente hatte. Indessen kann ohne Klärung
bzw. fachärztliche Beurteilung des medizinischen Sachverhalts respektive der Krankheitsentwicklung,
des Verlaufs der Arbeits
fähig
keit
sowie des Belastungsprofils in angepassten Tätigkeiten nicht ausge
schl
ossen werden, dass weiterhin Anspruch auf eine
Viertelsrente
und
allenfalls
ab Februar 2015
auf
eine
höhere
Rente bestand.
Die
Beschwerde
n
gegen die Verf
ügung
en
vom
2.
und 1
0.
Februar 2015
sind deshalb in dem Sinne gutzu
heissen,
als die Sache gestützt auf
§
26
Abs.
1
GSVGer
an die
Beschwerdegeg
nerin
zurückzuweisen ist, damit diese
nach erfolgter medizinischer Abklärung durch eine neutrale (nicht behandelnde) Fachperson und Durchführung einer allseitigen Prüfung
unter
Berücksichtigung der vorstehenden Erwägungen neu über den Rentenanspruch ab
Januar 2009
und die Höhe der Rückforderung
entscheide.
Anzumerken bleibt
, dass das Bundesgericht
in seinem Urteil
9C_195/2014 vom
3.
September 2014 im Falle einer Rückweisung entschied, dass der Zeitpunkt der
definitiven
Kenntnisnahme des
Ergebnisses der weiteren Abklärungen
die relative einjährige Verwirkungsfrist
auslöst
.
8
.
Da es in den beiden vereinigten Verfahren um die Bewilligung oder Verwei
gerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200
.–
bis
Fr.
1‘000.– festzulegen (Art. 69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
1‘0
00.– festzusetzen. Nach ständiger Rechtsprechung gilt die
Rückwei
sung
der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfü
gung als Obsiegen (BGE 137 V 57 E.2.2).
Demnach sind die Kosten der unterlie
genden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Nach
§
34
Abs.
1
GSVGer
hat die obsiegende Beschwerde führende Partei Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
2
GSVGer
). Unter Berück
sichtigung dieser Grundsätze hat der Beschwerdeführer Ansp
ruch auf eine
Pro
zessentschädigung
von
Fr.
3‘000
.–
(inkl. MWST und Barauslagen).
Das Gericht
beschliesst
:
Der vorliegende Prozess wird mit Prozess Nr. IV.2015.00230 vereinigt und unter Prozess Nr. IV.2015.00229 weitergeführt. Prozess Nr. IV.2015.00230 wird als dadurch erledigt abgeschrieben.