# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f6802379-8f36-5aab-bf8c-195caf0d7386
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Mit Wiederherstellungsverfügung vom 26. April 2018 forderte die Gemeinde Bolligen
den Beschwerdeführer auf, die auf den Parzellen Bolligen Grundbuchblatt
Nrn. B._ und C._ installierte Zaunabgrenzung zu entfernen. Gleichzeitig
wies sie ihn auf die Möglichkeit eines nachträglichen Baugesuchs hin und drohte die
Ersatzvornahme sowie eine Busse bei Nichtbefolgung an.
2. Gegen diese Verfügung reichte der Beschwerdeführer am 18. Juni 2018 Beschwerde
bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er beantragt
sinngemäss die Aufhebung der angefochtenen Verfügung.
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3. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet,1 stellte der
Gemeinde mit Verfügung vom 21. Juni 2018 die Beschwerde zu und beschränkte das
Verfahren vorerst auf die Frage der rechtzeitigen Erhebung der Beschwerde gemäss Art.
49 Abs. 1 BauG2. In seiner Stellungnahme vom 26. Juni 2018 führt der Beschwerdeführer
aus, er habe der Schweizerischen Post einen Zurückbehaltungsauftrag erteilt, wodurch
seine Sendungen vorübergehend aufbewahrt worden seien. Dies ermögliche ihm eine
Abholung der Post innert Monatsfrist. Wann genau er den Brief erhalten habe, sei Dank der
Unterschrift zum damaligen Zeitpunkt bekannt.
4. Auf die weiteren Ausführungen und vorhandenen Unterlagen wird, soweit für den
Entscheid relevant, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintretensvoraussetzungen
a) Gemäss Art. 49 Abs. 1 BauG können baupolizeiliche Verfügungen nach Art. 45 bis
48 BauG mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur
Beurteilung der Beschwerde gegen die baupolizeiliche Verfügung der Gemeinde Bolligen
vom 26. April 2018 zuständig. Der Beschwerdeführer ist als Adressat der angefochtenen
Verfügung zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 65 Abs. 1 VRPG3).
b) Baupolizeiliche Verfügungen können gemäss Art. 49 Abs. 1 BauG innert 30 Tagen
seit Eröffnung mit Beschwerde angefochten werden. Fristen, die durch eine Mitteilung
ausgelöst werden, beginnen am folgenden Tag zu laufen (Art. 41 Abs. 1 VRPG). Wird die
Adressatin oder der Adressat einer Verfügung anlässlich einer versuchten Zustellung einer
eingeschriebenen Sendung nicht angetroffen und wird daher eine Abholeinladung in den
Briefkasten oder in das Postfach gelegt, so gilt die Sendung nach der bundesgerichtlichen
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191). 2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0). 3 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21).
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Rechtsprechung als zugestellt, sobald sie auf der Post abgeholt wird.4 Eine Mitteilung gilt
jedoch in jedem Fall spätestens am siebenten Tag nach dem ersten erfolglosen
Zustellungsversuch als erfolgt (Art. 44 Abs. 3 VRPG), auch wenn eine Sendung nicht oder
zu einem späteren Zeitpunkt abgeholt wird. Hat die Empfängerin oder der Empfänger einer
Sendung der Post die Anweisung gegeben, die Postsendungen zurückzubehalten, so
verhält es sich nicht anders; die eingeschriebene Sendung gilt auch in diesem Fall
spätestens am letzten Tag der Abholfrist von sieben Tagen nach Eingang der Sendung
beim zuständigen Postamt als zugestellt.5 Die vorübergehende Aufbewahrung von
Sendungen durch die Schweizerische Post verlängert die Frist bis zum Eintreten der
Zustellfiktion nicht. Auch andere Abmachungen mit der Post können den Eintritt der
Zustellfiktion nicht hinausschieben.6
Zur Wahrung einer Frist muss die betreffende Handlung vor Ablauf der Frist, d.h. bis um
24.00 Uhr des letzten Tages, vorgenommen werden (Art. 42 Abs. 1 VRPG). Eine Eingabe
muss bis zu diesem Zeitpunkt der Behörde, der Schweizerischen Post oder einer
schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung übergeben werden
(Art. 42 Abs. 2 und 3 VRPG). Die Frist zur Einreichung eines Rechtsmittels ist eine
Verwirkungsfrist. Damit ist die Rechtzeitigkeit der Beschwerdeeinreichung eine
unabdingbare Eintretensvoraussetzung.
c) Die Gemeinde Bolligen hat die angefochtene Verfügung am 26. April 2018 der
Schweizerischen Post übergeben.7 Gemäss dem Suchergebnis für Einschreiben im Inland
kam die genannte Verfügung am 27. April 2018 bei der zuständigen Poststelle in
Ostermundigen an und lag bereit zur Abholung. Der Beschwerdeführer hat die Sendung
jedoch erst am 19. Mai 2018 abgeholt. Wie erwähnt, verlängert die Anweisung des
Beschwerdeführers, die Post zurückzubehalten, die Frist bis zum Eintreten der
Zustellfiktion nicht. Die Sendung galt daher bereits am 4. Mai 2018 als zugestellt. Für den
Beschwerdeführer begann dementsprechend die dreissigtägige Beschwerdefrist am 5. Mai
2018 zu laufen und endete am 3. Juni 2018. Da der 3. Juni 2018 ein Sonntag war, endete
die Frist am nächstfolgenden Werktag (Art. 41 Abs. 2 VPRG). Zur Wahrung der Frist hätte
der Beschwerdeführer folglich die Beschwerde spätestens am 4. Juni 2018 der
4 BGE 127 I 31 E. 2 aa). 5 BGE 141 II 429 E. 3.3. 6 BGE 127 I 31 E. 2 b). 7 Vgl. «Track & Trace» der Schweizerischen Post zur Nr. D._.
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Schweizerischen Post oder einer bernischen oder eidgenössischen Verwaltungs- oder
Gerichtsbehörde übergeben müssen (Art. 42 Abs. 2 und 3 VRPG). Zwischen dem
tatsächlichen Erhalt der Verfügung am 19. Mai 2018 und dem Ablauf der Beschwerdefrist
am 4. Juni 2018 hätte der Beschwerdeführer trotz der Zustellfiktion auch tatsächlich die
Möglichkeit gehabt, fristgerecht Beschwerde zu erheben. Der Beschwerdeführer hat die
Beschwerde indessen erst am 18. Juni 2018 der Poststelle Stettlen übergeben.8 Somit
erfolgte die Einreichung der Beschwerde zu spät.
d) Da der Beschwerdeführer mit seiner Eingabe die Frist nicht wahrte, kann auf die
Beschwerde nicht eingetreten werden.
2. Kosten
Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt der Beschwerdeführer. Er hat daher die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 400.– (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV9).
Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 Abs. 1 und 4 VRPG).