# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f554391a-79b5-4f11-8b7d-33d9120b1b8b
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
B.
Die X._ AG wurde am 1. November 2006 ins Handelsregister eingetragen. Am
9. Dezember 2010 verlegte die Gesellschaft ihren Sitz von Zürich nach Baar. Mit
Schreiben vom 19. April 2016 informierte sie das Kantonale Steueramt St. Gallen über
die damals beabsichtigte Fusion mit der A._ AG, Baar, die unter anderem
Eigentümerin einer Liegenschaft in K._ war. Hierbei ging sie von einer Steuerneutralität
der Fusion hinsichtlich der Kantonssteuern und einer mit der Fusion beendeten
Gewinn- und Kapitalsteuerpflicht der A._ AG aus. Das kantonale Steueramt bestätigte
diese Einschätzung am 12. Mai 2016 im Sinn eines Steuerrulings (Steuervorbescheid).
Ergänzend hielt das Steueramt hinsichtlich der Einbringung der Liegenschaft in K._ in
die X._ AG fest, dass die Steuerveranlagungen der A._ AG seit dem Geschäftsjahr
2010 und somit die Gewinnsteuerwerte gemäss provisorischer Bilanz per
31. Dezember 2015 nicht definitiv seien (act. G 3/2 und 8/6 III/06 f.). Am 20. Juni 2016
übernahm die X._ AG die Aktiven und Passiven der A._ AG gemäss Bilanz per
31. Dezember 2015 durch Absorptionsfusion. Am 7. Juli 2016 ersuchte sie das
Grundbuchamt K._ um Eintragung als Eigentümerin der Liegenschaft in K._ (act. G
8/6 III/8).
A.a.
Am 23. April 2020 veranlagte das Kantonale Steueramt die X._ AG per 30. Juni 2012
für die Kantonssteuern mit einem steuerbaren Reingewinn von CHF 141'300 und einem
steuerbaren Eigenkapital von CHF 185'000 (act. G 8/6 II/02). Die hiergegen mit der
Einrede der Veranlagungsverjährung am 11. Mai 2020 erhobene Einsprache wies das
Kantonale Steueramt mit Einspracheentscheid vom 21. September 2020 ab (act. G 8/6
II/1). Den dagegen erhobenen Rekurs vom 23. Oktober 2020 (act. G 8/1) wies die
Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen (VRK) mit Entscheid vom
21. Oktober 2021 ab, soweit sie darauf eintrat (act. G 2).
A.b.
Gegen diesen Rekursentscheid erhob Rechtsanwalt Samuel Ramp, Zürich, für die
X._ AG (Beschwerdeführerin) mit Eingabe vom 26. November 2021 Beschwerde mit
den Anträgen, der Entscheid sei aufzuheben (Ziffer 1), der Einspracheentscheid vom
21. September 2020 betreffend Kantonssteuern 2021 sei aufzuheben (Ziffer 2) und es
B.a.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 4/11
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## Considerations

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP; Art. 196 Abs. 1 und Art.
229 des Steuergesetzes, sGS 811.1, StG). Die Beschwerdeführerin ist zur
Beschwerdeerhebung legitimiert, und die Eingabe vom 26. November 2021 entspricht
zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 196 Abs. 1 und Art.
229 StG; Art. 64 in Verbindung mit Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist
grundsätzlich einzutreten. Soweit die Beschwerdeführerin Aufhebung des
Einspracheentscheids vom 21. September 2020 beantragt (Rechtsbegehren Ziffer 2),
ist darauf nicht einzutreten, da an dessen Stelle der Rekursentscheid getreten ist
("Devolutiveffekt", BGE 134 II 142 E. 1.4; BGer 1C_166/2013 vom 27. Juni 2013 E. 1.1
und 2C_204/2015 vom 21. Juli 2015 E. 1.2).
2.
seien die provisorisch gezahlten Steuern einschliesslich Zinsen der Einsprecherin zu
erstatten; eventualiter sei die Sache zu neuer Entscheidung an den Beschwerdegegner
zurückzuweisen (Ziffer 4). Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des
Beschwerdegegners (Ziffer 5).
In der Vernehmlassung vom 10. Januar 2022 beantragte die Vorinstanz Abweisung der
Beschwerde. Zur Begründung verwies sie auf die Erwägungen des angefochtenen
Entscheids (act. G 7). Mit Schreiben vom 17. Januar 2022 gab der Beschwerdegegner
seinen Verzicht auf eine Vernehmlassung bekannt. Er beantragte Abweisung der
Beschwerde (act. G 10). Am 27. Januar 2022 teilte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin mit, dass er auf eine weitere Stellungnahme verzichte und an den
in der Beschwerde gestellten Anträgen festhalte (act. G 12).
B.b.
Auf die Vorbringen in den Eingaben des vorliegenden Verfahrens wird, soweit für den
Entscheid erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
B.c.
Streitig ist, ob die Vorinstanz den Einspracheentscheid des Beschwerdegegners vom
21. September 2020, mit welchem der Nichteintritt der Veranlagungsverjährung für die
Kantonssteuern aufgrund des Rechnungsabschlusses per 30. Juni 2012 bestätigt
wurde, zu Recht unbeanstandet liess.
2.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 5/11
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Das Recht, eine Steuer zu veranlagen, verjährt fünf Jahre nach Ablauf der
Steuerperiode. Vorbehalten bleibt die Erhebung von Nachsteuern und Bussen (Art. 183
Abs. 1 StG). Die Verjährung beginnt nicht oder steht still (Art. 183 Abs. 2 StG) während
eines Einsprache-, Rekurs-, Beschwerde- oder Revisionsverfahrens (lit. a), solange die
Steuerforderung sichergestellt oder gestundet ist (lit. b), und solange weder der
Steuerpflichtige noch der Mithaftende in der Schweiz steuerrechtlichen Wohnsitz oder
Aufenthalt haben (lit. c). Die Verjährung wird unterbrochen und beginnt neu (Art. 183
Abs. 3 StG) mit jeder auf Feststellung oder Geltendmachung der Steuerforderung
gerichteten Amtshandlung, die einem Steuerpflichtigen oder Mithaftenden zur Kenntnis
gebracht wird (Ziffer 1), mit jeder ausdrücklichen Anerkennung der Steuerforderung
durch den Steuerpflichtigen oder den Mithaftenden (Ziffer 2), der Einreichung eines
Erlassgesuches (Ziffer 3) oder der Einleitung einer Strafverfolgung wegen vollendeter
Steuerhinterziehung oder wegen Steuervergehens (Ziffer 4). Das Recht, eine Steuer zu
veranlagen, ist 15 Jahre nach Ablauf der Steuerperiode auf jeden Fall verjährt (Abs. 4).
Inhaltlich stimmen diese Vorschriften weitgehend mit Art. 120 des Gesetzes über die
direkte Bundessteuer (SR 642.11; DBG) überein, weshalb die Rechtsprechung und
Lehre zur bundesrechtlichen Norm ebenfalls herangezogen werden kann.
Zu den auf Feststellung des Steueranspruchs gerichteten und die Verjährungsfrist
unterbrechenden Amtshandlungen gehören unter anderem die Zustellung des
Steuererklärungsformulars, die Mitteilung, dass die Veranlagung zu einem späteren
Zeitpunkt vorgenommen werden wird, ein Antwortschreiben auf eine Anfrage der
steuerpflichtigen Person und die dem Steuerpflichtigen zur Kenntnis gebrachten
Amtshandlungen der ordentlichen Rechtsmittelinstanzen. Dabei muss der
steuerbegründende Tatbestand bloss im Wesentlichen umrissen sein; die Steuer muss
nicht ziffernmässig festgelegt sein. Zur Unterbrechung des Laufs der
Veranlagungsverjährung genügt die schriftliche Mitteilung der Steuerbehörde, worin
diese die spätere Veranlagung der periodischen Steuer in Aussicht stellt und womit sie
einstweilen lediglich beabsichtigt, die Verjährung zu unterbrechen (vgl. Richner/Frei/
Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 3. Aufl. 2016, N 15-20 zu Art. 120 DBG;
BGE 139 I 64 E. 3.3 m.H.). Es ist nicht notwendig, dass die steuerpflichtige Person die
Unterbrechungshandlungen tatsächlich zur Kenntnis nimmt. Es genügt, dass sie ihr in
geeigneter Weise zur Kenntnis gebracht werden, namentlich indem eindeutig mitgeteilt
wird, dass ein Tatbestand der Steuer unterliegt (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O.,
N 21 zu Art. 120 DBG).
2.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 6/11
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Unbestritten blieb vorliegend, dass die Verjährungsfrist von fünf Jahren für die
Veranlagung der Kantonssteuern aufgrund des Rechnungsabschlusses per 30. Juni
2012 am 1. Juli 2012 zu laufen begann (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 3 zu
Art. 120 DBG). Ebenfalls unbestritten sind die Unterbrechungen der Verjährungsfrist
durch die Einreichung der Steuererklärung 2012 am 31. Januar 2014 (Eingang bei der
Steuerbehörde) sowie erneut durch die Zustellung der provisorischen Steuerrechnung
am 10. Februar 2014 (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 20 zu Art. 120 DBG).
Die relative Verjährungsfrist lief dementsprechend - fünf Jahre nach der zweiten
Unterbrechung - am 10. Februar 2019 ab. Die Veranlagungsverfügung vom 23. April
2020 (act. 8/6 II/02) wäre demnach nach Ablauf der Verjährungsfrist zugestellt worden.
Streitig ist, ob auch das Schreiben der Vorinstanz vom 12. Mai 2016 (act. G 3/2 und 8/6
III/6) geeignet war, die Veranlagungsverjährung zu unterbrechen.
2.3.
Mit Schreiben vom 19. April 2016 informierte die Beschwerdeführerin unter anderen
den Beschwerdegegner und das Grundbuchamt über die geplante Fusion mit der
Schwestergesellschaft A._ AG. Das Schreiben betraf vorab die Beurteilung der
Steuerneutralität dieses Zusammenschlusses. Der Beschwerdegegner wurde darin
gebeten, den Sachverhalt aus steuerrechtlicher Sicht zu prüfen und sein Einverständnis
mit der Beurteilung der Beschwerdeführerin auf dem Briefdoppel unterschriftlich zu
bestätigen (act. G 8/6 III/07). Der Beschwerdegegner bestätigte am 12. Mai 2016 sein
Einverständnis, wobei er den beiliegenden Begleitbrief als integralen Bestandteil des
Rulings erklärte. Bezüglich Einbringung der Liegenschaft K._ in die X._ AG mit
anschliessender interkantonaler Steuerausscheidung hielt er fest, dass die
Steuerveranlagungen der A._ AG seit dem Geschäftsjahr 2010 und somit die
Gewinnsteuerwerte gemäss der provisorischen Bilanz per 31.12.2015 noch nicht
definitiv seien. Im Weiteren beziehe sich das Ruling nur auf die Steuerfolgen im
Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Steuerpflicht im Kanton St. Gallen (Ziff.
3.1.3.1.). Allfällige weitere Steuerfolgen würden durch das vorliegende Einverständnis
nicht gerult. Dieser Tatbestand falle in die Kompetenz der Sitzkantone bzw. der
zuständigen Steuerämter. Im Zusammenhang mit der interkantonalen
Steuerausscheidung warte er gerne auf den Vorschlag der Beschwerdeführerin (act. G
8/6 III/6).
2.4.
Die Vorinstanz erwog im angefochtenen Entscheid, das Steuer-Ruling bezwecke die
vorgängige schriftliche und verbindliche Zusicherung des Steueramts hinsichtlich der
2.5.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 7/11
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Besteuerung eines konkreten, in der Zukunft liegenden Sachverhalts. Es grenze sich
damit klar von Auskünften im Rahmen eines Veranlagungsverfahrens ab (act. G 2 S. 6
m.H. auf St. Galler Steuerbuch [StB] 158 Nr. 1, Ziffern 1.1 und 1.2). Der
Beschwerdegegner habe sein Einverständnis mit der steuerrechtlichen Würdigung des
Sachverhalts mit Unterschrift auf einer Kopie der letzten Seite des Schreibens der
Beschwerdeführerin vom 19. April 2016 gegeben. Dadurch sei das Steuerruling
genehmigt worden, weshalb es grundsätzlich gereicht hätte, die unterzeichnete Seite
zurückzusenden. Der Beschwerdegegner habe das Steuerruling jedoch zusätzlich im
Begleitschreiben vom 12. Mai 2016 bestätigt, wobei er präzisiert habe, dass das Ruling
sich nur auf die Steuerfolgen im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Steuerpflicht
im Kanton St. Gallen beziehe. Zudem habe er darauf hingewiesen, dass die A._ AG
seit dem Geschäftsjahr 2010 noch nicht definitiv veranlagt worden sei und die
Gewinnsteuerwerte der provisorischen Bilanz per 31. Dezember 2015 nicht definitiv
seien. Diese Information seien hinsichtlich der "Einbringung der Liegenschaft K._"
erfolgt und habe die Beschwerdeführerin offensichtlich über den Stand der
Steuerveranlagungen der übernommenen Gesellschaft in Kenntnis setzen wollen. Dass
im Schreiben vom 12. Mai 2016 zwei unterschiedliche Sachverhalte thematisiert
worden seien - einerseits das die künftige Veranlagung betreffende Steuerruling und
andererseits die noch offenen Steuerveranlagungen früherer Jahre -, sei deutlich
erkennbar. Namentlich hätten sich die Hinweise zum Steuerruling auf künftige
Steuerperioden und diejenigen auf die noch offenen Veranlagungen auf frühere
Steuerperioden bezogen. Ein unzulässiger Verstoss gegen die Verwaltungspraxis durch
Vermischung von Veranlagungs- und Rulingverfahren sei daher nicht ersichtlich, und es
bestehe kein Anlass, dem Schreiben des Beschwerdegegners vom 12. Mai 2016
bereits aus formellen Gründen jegliche verjährungsunterbrechende Wirkung
abzusprechen (act. G 2 S. 6 f.). Der Beschwerdegegner habe sich im Schreiben vom
12. Mai 2016 nicht explizit auf die offene Veranlagung des Steuerjahres 2012 bezogen.
Er habe jedoch festgehalten, dass die A._ AG "seit" dem Geschäftsjahr 2010 nicht
definitiv veranlagt und die provisorische Bilanz per 31. Dezember 2015 daher ebenfalls
noch "nicht definitiv" sei. Inwiefern es sich bei dieser Feststellung lediglich um eine
Hilfstatsache hinsichtlich des Steuerrulings gehandelt haben solle, wie die
Beschwerdeführerin vorbringe, sei nicht ersichtlich. Vielmehr erscheine plausibel, dass
der Beschwerdegegner die Beschwerdeführerin als Rechtsnachfolgerin auf die noch
offenen Steuerveranlagungen - namentlich auch auf diejenige des Jahres 2012 - habe
aufmerksam machen wollen. Mit der Formulierung "seit dem Geschäftsjahr (...) noch
nicht definitiv" habe er ausreichend deutlich zum Ausdruck gebracht, dass er auf die
Veranlagung nicht habe verzichten wollen und die Realisierung der Steuerforderungen
angestrebt habe. Andernfalls hätte er dies im Schreiben gar nicht erwähnen müssen.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 8/11
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Dass nicht ausdrücklich auf die spätere Veranlagung hingewiesen und mitgeteilt
worden sei, das Schreiben gelte (auch) als Verjährungsunterbrechung - wie dies in dem
von der Beschwerdeführerin zitierten Bundesgerichtsurteil geschildert worden sei -,
schade nicht. In diesem Urteil sei erwogen worden, dass es aus Gründen der
Rechtssicherheit und der Transparenz gerechtfertigt erscheine, den Begriff der
Einforderungshandlung so weit zu fassen, dass er auch Mitteilungen einschliessen
könne, die zwar das Veranlagungsverfahren nicht konkret weiterführten, aber dem
Bürger den Willen der Behörden kundtäten, weiterhin auf die Realisierung der
Steuerforderung hinzuarbeiten (BGE 126 II 1 E. 2f). Es habe zudem unterschieden
zwischen einer Steuerbehörde, die eine Veranlagung versäumt habe und derjenigen,
die aufgrund äusserer Umstände ausserstande gewesen sei, das Verfahren
weiterzuführen (BGE 126 II 1 E. 2f), und habe damit den Schutz der
Veranlagungsverjährung auf Umstände reduziert, in denen die Steuerverwaltung die
Veranlagung schlicht vergessen habe. Letzteres sei dem Beschwerdegegner nicht
vorzuwerfen. Er habe sein Vorgehen hinsichtlich der Steuerausscheidung mit den
Steuerbehörden der Kantone Zürich und Zug koordiniert (act. G 8/6 III/05), was die
Weiterführung des Verfahrens zwar nicht geradezu verunmöglicht, zweifellos aber
erschwert habe. So habe das Steueramt des Kantons Zürich den
Einschätzungsentscheid für die Staats- und Gemeindesteuern 2012 erst am 2. März
2020 zugestellt, wobei es sich auf die Steuerausscheidung des Kantons Zug vom
10. Januar 2018 gestützt habe (act. G 8/6 III/02 f.). Somit ergebe sich, dass die
Verjährung hinsichtlich der Steuerveranlagung 2012 durch das Schreiben der
Vorinstanz vom 12. Mai 2016 unterbrochen und die Verjährungsfrist bis 12. Mai 2021
verlängert worden sei. Die definitive Veranlagungsverfügung vom 23. April 2020 sei der
Beschwerdeführerin folglich vor Eintritt der Veranlagungsverjährung zugestellt worden
(act. G 2 S. 7 f.).
Die Beschwerdeführerin wendet beschwerdeweise unter anderem ein, die Vorinstanz
habe den Sachverhalt teilweise unrichtig bzw. unvollständig festgestellt. Sie habe das
Schreiben vom 12. Mai 2016 dahingehend zitiert, "dass die Steuerveranlagungen der
A._ AG seit dem Geschäftsjahr 2010 und somit auch die Gewinnsteuerwerte gemäss
provisorischer Bilanz per 31. Dezember 2015 nicht definitiv seien" (act. G 2 S. 2). Das
Wort "auch" komme im Original (act. G 8/6 III/06) nicht vor. Daneben, dass die
Einleitung "Der Form halber" im Schreiben vom 12. Mai 2016 ohne Weiteres so
verstanden werden könne, dass das Nachfolgende lediglich pro forma und ohne
materielle Rechtswirkung sei, zeige diese Einleitung auch, dass sich die "noch
folgenden Punkte" auf die Bestätigung des Rulingantrags vom 19. März 2016 (act. G
2.6.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 9/11
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3/3) bzw. die dort aufgeführten Gewinnsteuerwerte beziehen würden und (nur) in
diesem Kontext zu verstehen seien. Im erwähnten Schreiben sei ein klarer behördlicher
Wille zur Realisierung der Steuerforderung nicht zu erkennen, und die Vorinstanz
verletze kantonales Steuerrecht, wenn sie einer Amtshandlung, aus der ein
behördlicher Veranlagungswille nicht erkennbar sei, verjährungsunterbrechende
Wirkung zuerkenne. Das Schreiben vom 12. Mai 2016 stelle nicht die spätere
Veranlagung einer Steuer in Aussicht. Es liege auf der Hand und entspreche gängiger
Rulingpraxis, dass der Beschwerdegegner habe festhalten wollen, sein Einverständnis
mit der Rulinganfrage beziehe sich nicht auf die darin aufgeführten konkreten
Gewinnsteuerwerte, solange diese nicht definitiv feststünden. Die von der Vorinstanz
gestützte Behauptung des Beschwerdegegners, das Schreiben vom 12. Mai 2016
thematisiere zwei unterschiedliche Sachverhalte (Ruling und Veranlagungsverfahren),
sei falsch. Beide Aspekte bezögen sich auf eindeutig auf das Ruling (der erste auf die
Einbringungs-Steuerwerte und der zweite auf die räumliche und sachliche Kompetenz
des Beschwerdegegners). Die Aussage von M. Rostetter (Die Verjährung im Recht der
direkten Bundessteuer und der harmonisierten kantonalen Steuern, Bern 2019, Rz.
362), wonach das Bundesgericht den Schutz der Veranlagungsverjährung auf
Umstände reduziere, in denen die Steuerverwaltung die Veranlagung schlicht
vergessen habe, dürfe nicht so verstanden werden, dass die Veranlagungsverjährung
nicht eintreten könne, solange die Steuerbehörde noch an die Veranlagung
"denke" (act. G 1).
Mit der Feststellung im Schreiben vom 12. Mai 2016, wonach die Steuerveranlagungen
der A._ AG seit dem Geschäftsjahr 2010 und somit die Gewinnsteuerwerte gemäss
der provisorischen Bilanz per 31. Dezember 2015 noch nicht definitiv seien (act. G 8/6
III/06), wies der Beschwerdegegner darauf hin, dass die erwähnte Gesellschaft seit
2010 - und damit auch für das Jahr 2012 - erst provisorisch veranlagt sei. Die erwähnte
Feststellung ist, mit der Vorinstanz, dahingehend zu interpretieren, dass der
Beschwerdegegner die Beschwerdeführerin auf die noch ausstehenden definitiven
Veranlagungen aufmerksam machen wollte und damit implizit eine spätere
Veranlagung in Aussicht stellte. Ein anderer Sinn der erwähnten Feststellung ist nicht
erkennbar. Die Feststellung bezieht sich auf einen in der Zukunft sich verwirklichenden
Sachverhalt (vgl. StB 158 Nr. 1.2). Ein Verstoss gegen Treu und Glauben zufolge
widersprüchlichen Verhaltens des Beschwerdegegners (act. G 1 Rz. 23) ist von daher
nicht ersichtlich. Wenn der Beschwerdegegner im Schreiben vom 12. Mai 2016 auf die
erwähnten Punkte "der Form halber" hinwies, so hatte dies entgegen der Auffassung
der Beschwerdeführerin (act. G 1 Rz. 15) keinen pro forma-Charakter ohne materielle
2.7.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/11
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Rechtswirkung, zumal gerade der dadurch zum Ausdruck gebrachte Wille, im
Zusammenhang mit einem Steueranspruch förmlich auf noch ausstehende definitive
Veranlagungen hinzuweisen, zeigt, dass der Hinweis ernstgemeint und
dementsprechend auch Rechtswirkungen zeitigen sollte. Die "noch folgenden Punkte"
beziehen sich sodann inhaltlich nicht nur auf die Bestätigung des Rulingantrags,
sondern haben inhaltlich insofern eine zusätzliche Bedeutung, als sie auch auf die noch
ausstehenden definitiven Veranlagungen aufmerksam machen. Die Tatsache, dass das
Wort "auch" unmittelbar vor der Textstelle im Schreiben vom 12. Mai 2016, wonach "...
die Gewinnsteuerwerte gemäss der provisorischen Bilanz per 31.12 2015 noch nicht
definitiv sind", nicht vorkommt, bewirkt entgegen der Auffassung der
Beschwerdeführerin (act. G 1 Rz. 9-12 und 19 ff.) nicht den Wegfall des
verjährungsunterbrechenden Charakters der Feststellung im erwähnten Schreiben.
Wie dargelegt stellte der Beschwerdegegner der Beschwerdeführerin mit seinem
Hinweis auf die noch ausstehenden definitiven Veranlagungen implizit eine spätere
Veranlagung in Aussicht. Der Beschwerdegegner war nicht verpflichtet, im Schreiben
vom 12. Mai 2016 auch noch explizit auf den verjährungsunterbrechenden Charakter
der erwähnten Feststellung hinzuweisen. Etwas Anderes lässt sich - wie im
vorinstanzlichen Entscheid zutreffend ausgeführt (act. G 2 S. 7 f.) - auch aus BGE 126 II
1 E. 2e und f nicht ableiten. Rostetter (a.a.O., Rz. 362 m.H. auf BGE 126 II 1 E. 2 f. und
BGE 79 I 48) legte in diesem Zusammenhang dar, dass die bundesgerichtliche
Rechtsprechung den Schutz der Veranlagungsverjährung schrittweise auf Umstände
reduziert habe, in denen die Steuerverwaltung die Veranlagung schlichtweg vergesse.
Er kritisiert dies insofern, als damit zu geringe Anreize für Behörden geschaffen würden,
das Veranlagungsverfahren innerhalb der relativen fünfjährigen Frist abzuschliessen. Er
schlägt diesbezüglich eine Gesetzesänderung vor (Rostetter a.a.O., Rz. 365). Im
vorliegenden Verfahren besteht kein Anlass, von der Rechtsprechung abzuweichen,
wonach einer Mitteilung, die eine spätere Veranlagung in Aussicht stellt,
verjährungsunterbrechende Wirkung zuzugestehen ist (BGE 126 II 1 E. 2f). Das Recht,
die Steuern für 2012 zu veranlagen, ist vorliegend dementsprechend nicht verjährt. Im
Weiteren brachte die Beschwerdeführerin im vorliegenden Verfahren - wie bereits im
vorinstanzlichen Verfahren - keine Einwände gegen die Steuerfaktoren (Veranlagung
per 30. Juni 2012 für die Kantonssteuern mit einem steuerbaren Reingewinn von
CHF 141'300 und einem steuerbaren Eigenkapital von CHF 185'000; act. G 8/6 II/02)
vor. Es fehlt auch an Anhaltspunkten für eine Unkorrektheit der diesbezüglichen
Feststellungen im vorinstanzlichen Entscheid (act. G 2 S. 8 E. 4). Unter diesen
Gegebenheiten ist der vorinstanzliche Entscheid zu bestätigen.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 11/11
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3.