# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** fe3ab7f1-b7d5-419b-9697-7d9a366b286c
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. X. ist A. Staatsbürger und wurde am 10. April 1941 in C. geboren. Er ist ledig und von Beruf emeritierter Prof. Dr. Arzt und Wissenschaftler. Er wohnt an der B. (Zweitadresse). Aus dem Protokoll seiner Einvernahme vor dem Bezirksgericht Prättigau/Davos vom 12. Juli 2012 ist zu entnehmen, dass er seinen Hauptwohnsitz an der C. hat, aufgrund seines progressiven Alters emeritiert ist und eine Rente bezieht, welche sich auf den Betrag von € 1‘150.-- pro Monat beläuft.
X. ist im Schweizerischen Zentralstrafregister nicht verzeichnet.
B. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Graubünden (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) vom 6. Juli 2011, mitgeteilt am 7. Juli 2011, wurde X. des Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB, der geringfügigen Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 172ter Abs. 1 StGB sowie des Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen gemäss Art. 292 StGB schuldig gesprochen und mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je Fr. 160.--, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von 2 Jahren, sowie einer Busse von Fr. 700.--, bei schuldhafter Nichtbezahlung ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 5 Tagen, alles unter Kostenfolge zu Lasten des X., bestraft. Dem Strafbefehl lag folgender Sachverhalt zu Grunde:
„Am 12. Juni 2009 forderte Y. ihren Bruder X. und dessen Lebenspartnerin Z. zum wiederholten Male auf, die gemäss Grundbuch ihr gehörende -Wohnung Nr. 7 an der D. nunmehr bis spätestens 30. September 2009 zu verlassen. Dieser Aufforderung kamen die beiden nicht nach, worauf Y. am 11. Januar 2010 dem damals zuständigen E. ein Ausweisungsersuchen unterbreitete. Dieses Gesuch führte im Rechtsmittelverfahren vor dem Einzelrichter des Kantonsgerichts von Graubünden am 28. April 2010 unter anderem zu folgendem Entscheid:
„2. Das Amtsbefehlsgesuch von Y. wird dahin gutgeheissen, dass X. und Z. verpflichtet werden, die 3-Zimmerwohnung Nr. 7 im 1. Stock (Stockwerkeigentum Nr. S53597) an der D. bis am 30. Juni 2010 zu räumen.
3. Die Anordnung unter Ziff. 2 erfolgt unter der ausdrücklichen Androhung der Straffolgen gemäss Art. 292 StGB, wonach mit Busse bestraft wird, wer der von einer zuständigen Behörde oder einem zuständigen Beamten unter Hinweis auf die Strafdrohung dieses Artikels an ihn erlassenen Verfügung nicht Folge leistet.“
Auf die gegen diesen Entscheid erhobene Verfassungsbeschwerde trat das Bundesgericht nicht ein, womit die superprovisorisch gewährte aufschiebende Wirkung der Beschwerde mit Entscheid vom 6. September 2010 hinfällig wurde.
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Trotzdem und in Kenntnis dieser Entscheide räumten der Beschuldigte und seine Lebenspartnerin die erwähnte Wohnung nicht. Schliesslich musste die Räumung - nach Ablauf einer am 4. Oktober 2010 vom E. bis am 22. Oktober 2010, 14.00 Uhr, erneut angesetzten und nicht genutzten Frist - am Nachmittag des 22. Oktobers 2010 durch die zuständige Behörde vorgenommen werden. Dazu mussten die Türe gewaltsam geöffnet und der Schlosszylinder ausgewechselt werden.
Obwohl X. im Sinne obiger Ausführungen wusste, dass er zumindest aktuell keinen Anspruch mehr auf die Wohnung Nr. 7 an der D. hatte, liess er am 5. Januar 2011 die Wohnungstüre durch einen Schreiner gewaltsam öffnen und den Schlosszylinder auswechseln. Dadurch entstand Y. ein Schaden in der Höhe von ca. Fr. 100.--. Darauf hielten sich der Beschuldigte und Z. bis zur polizeilichen Intervention am 8. Januar 2011 rechtswidrig in der erwähnten Wohnung auf.
Y. liess am 6./7. Januar 2011 gegen X. und dessen Lebenspartnerin Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs, Sachbeschädigung etc. stellen.“
C. Gegen diesen Strafbefehl erhob X. am 14. Juli 2011 Einsprache. Daraufhin ergänzte die Staatsanwaltschaft die Strafuntersuchung, welche sie mit Mitteilung an X. vom 5. Oktober 2011 abschloss. Am 20. Oktober 2011 verfügte die Staatsanwaltschaft die Überweisung des Strafbefehls ans Bezirksgericht Prättigau/Davos. Zudem teilte sie mit, dass sie am Strafbefehl festhalte und die Akten dem erstinstanzlichen Gericht zur Durchführung des Hauptverfahrens überweise, wobei der Strafbefehl als Anklageschrift gelte.
D. Die Hauptverhandlung, zu welcher mit prozessleitender Verfügung vom 5. Juni 2012 vorgeladen wurde, fand am 12. Juli 2012 statt. Anwesend waren X. als Beschuldigter in Begleitung seines privaten Verteidigers, Rechtsanwalt Dr. iur. Luzius Schmid. Die Staatsanwaltschaft war nicht zugegen. Die Parteien stellten die folgenden Schlussanträge:
Anträge der Staatsanwaltschaft Graubünden
1. X. sei schuldig zu sprechen des Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB, der geringfügigen Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 172ter Abs. 1 StGB sowie des Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen gemäss Art. 292 StGB.
2. X. sei zu bestrafen mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je Fr. 160.--, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von 2 Jahren.
3. X. sei zu bestrafen mit einer Busse von Fr. 700.--. Bei schuldhafter Nichtbezahlung trete an Stelle der Busse eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen.
4. Die Kosten des Verfahrens seien X. aufzuerlegen.
5. (Kostenzusammenzug)
6. Die Zivilklage sei auf den Zivilweg zu verweisen.
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Anträge X.
Freispruch, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Staates.
E. Gegen das am 12. Juli 2012 gefällte, gleichentags mündlich eröffnete und am 13. Juli 2012 ohne schriftliche Begründung mitgeteilte Urteil des Bezirksgerichts Prättigau/Davos meldete X. am 26. Juli 2012 Berufung an. Daraufhin teilte das Bezirksgericht Prättigau/Davos den Parteien am 30. August 2012 das begründete Urteil mit. Darin erkannte es wie folgt:
„1. X. ist schuldig des Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB, der geringfügigen Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 172ter Abs. 1 StGB sowie des Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen gemäss Art. 292 StGB.
2. Dafür wird X. bestraft
a) mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je Fr. 160.--, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von 2 Jahren, und
b) mit einer Busse von Fr. 700.--. Bei schuldhafter Nichtbezahlung tritt an Stelle der Busse eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen.
3. Die Zivilklage wird auf den Zivilweg verwiesen.
4. Die Kosten des Verfahrens von Fr. 3‘832.50 (Untersuchungsgebühr und Auslagen der Staatsanwaltschaft Graubünden von Fr. 832.50 + Gerichtsgebühr von Fr. 3'000.--) gehen zu Lasten des X..
X. schuldet dem Bezirksgericht Prättigau/Davos folglich:
- Busse Fr. 700.-- Fr. 700.--
- Verfahrenskosten Fr. 3‘832.50 Fr. 3‘832.50
Total Fr. 4‘532.50 Fr. 4‘532.50
In Rechtskraft erwachsene Busse und Verfahrenskosten sind innert 30 Tagen nach eingetretener Rechtskraft dieses Entscheids an die Bezirksgerichtskasse Prättigau/Davos zu bezahlen.

## Considerations