# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 69e877b9-3dac-481c-b3f1-a91c35eb4b98
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2012
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend
vorsätzliche Tötung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Horgen, I. Abteilung, vom 14. November 2011 (DG110013)
- 3 -
Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 12. Oktober
2010 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 76).
Entscheid der Vorinstanz: (Urk. 136 S. 164 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte G._ ist schuldig:
− der eventualvorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB
− des Raufhandels im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB
2. Der Beschuldigte H._ ist schuldig:
− der mehrfachen einfachen Körperverletzung im Sinne von
Art. 123 Abs. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 Abs. 2 StGB
− des Raufhandels im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB
3. Der Beschuldigte I._ ist schuldig des Raufhandels im Sinne von
Art. 133 Abs. 1 StGB.
Vom Vorwurf der versuchten einfachen Körperverletzung im Sinne von
Art. 123 Ziff. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 Abs. 2 StGB wird der
Beschuldigte I._ freigesprochen.
4. Der Beschuldigte J._ ist schuldig des Raufhandels im Sinne von
Art. 133 Abs. 1 StGB.
Vom Vorwurf der mehrfachen Begünstigung im Sinne von Art. 305
Abs. 1 StGB wird der Beschuldigte J._ freigesprochen.
5. Sanktion G._:
Der Beschuldigte G._ wird bestraft mit 7 Jahren Freiheitsstrafe,
wovon 637 Tage durch Haft bis und mit heute erstanden sind.
- 4 -
6. Sanktion H._:
a) Der Beschuldigte H._ wird bestraft mit 36 Monaten
Freiheitsstrafe.
b) Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 24 Monaten
aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Im
Übrigen (12 Monate, abzüglich 82 Tage, die durch
Untersuchungshaft erstanden sind) wird die Freiheitsstrafe
vollzogen.
7. Sanktion I._:
a) Der Beschuldigte I._ wird bestraft mit 12 Monaten
Freiheitsstrafe, wovon 81 Tage durch Haft erstanden sind.
b) Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.
c) Die mit Urteil des Obergericht des Kantons Zürich, II. Straf-
kammer, vom 19. Mai 2009 angesetzte Probezeit wird um
1,5 Jahre verlängert.
8. Sanktion J._:
a) Der Beschuldigte J._ wird bestraft mit 12 Monaten
Freiheitsstrafe, wovon 59 Tage durch Haft erstanden sind.
b) Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.
c) Die mit Urteil des Obergerichtes des Kantons Zürich, I.
Strafkammer, vom 8. März 2007 angesetzte Probezeit wird mit
Wirkung ab heute um 2 Jahre verlängert.
9. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom
9. Juni 2011 beschlagnahmten drei Armierungseisen werden
eingezogen und der Bezirksgerichtskasse Horgen zur gutscheinenden
Verwendung überlassen.
- 5 -
10. Die Daten auf der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des
Kantons Zürich vom 9. Juni 2011 beschlagnahmten externen Festplatte
werden nach Eintritt der Rechtskraft der Staatsanwaltschaft IV des
Kantons Zürich zur Löschung und die externe Festplatte zur
gutscheinenden Verwendung überlassen.
11. Der Beschuldigte G._ wird verpflichtet, den nachfolgenden
Privatklägern folgende Genugtuungen, jeweils zuzüglich 5 % Zins seit
15. Februar 2010 zu bezahlen:
− A._: Fr. 40'000.–
− B._: Fr. 40'000.–
− C._: Fr. 10'000.–
− D._: Fr. 10'000.–
− E._: Fr. 10'000.–
− F._: Fr. 10'000.–
Im Mehrbetrag werden die Genugtuungsbegehren abgewiesen.
12. Der Beschuldigte G._ wird verpflichtet, den Privatklägern A._
und B._ Schadenersatz von gesamthaft Fr. 7'339.20 zuzüglich
5 % Zins ab 15. Februar 2010 zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das
Schadenersatzbegehren abgewiesen.
13. Der Beschuldigte G._ wird verpflichtet, den Privatklägern C._,
D._ und E._ Schadenersatz von je Fr. 280.– zuzüglich 5 %
Zins ab 15. Februar 2010 zu bezahlen. Im Mehrbetrag werden die
Schadenersatzbegehren abgewiesen.
14. Es wird festgestellt, dass G._ gegenüber den Privatklägern aus
dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach für weiteren Schaden
ersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges des
Schadenersatzanspruches werden die Privatkläger auf den Weg des
Zivilprozesses verwiesen.
- 6 -
15. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 18'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 16'900.05 Gebühr Anklagebehörde
Fr. 59'524.90 Auslagen Untersuchung
Fr. ... amtliche Verteidigung
16. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens,
ausgenommen derjenigen der amtlichen Verteidigungen und der
unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft, werden zu 3/6 dem
Beschuldigten G._, zu 1/6 dem Beschuldigten H._, zu 1/6
dem Beschuldigten I._ und zu 1/6 dem Beschuldigten J._
auferlegt.
Die Kosten der amtlichen Verteidigungen und der unentgeltlichen
Vertretung der Privatklägerschaft werden auf die Gerichtskasse
genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135
Abs. 4 StPO. Die Nachforderung für die Kosten der unentgeltlichen
Vertretung der Privatklägerschaft richtet sich einzig gegen den
Beschuldigten G._.
17. (Mitteilung)
18. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge: (Prot. II S. 12 ff.)
a) Der Verteidigung des Beschuldigten G._:
(schriftlich und mündlich; Urk. 226 S. 1 f.)
1. Der Berufungskläger G._ sei von sämtlichen Vorwürfen
vollumfänglich freizusprechen, weshalb Ziff. 1, 5, 11, 12, 13, 14, und 16
des Urteilsdispositivs entsprechend zu korrigieren seien. Alles unter
gesetzlichen Kosten- und Entschädigungsfolgen (vollständige
- 7 -
Abweisung der Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren der
Privatkläger, angemessene Entschädigung und Genugtuung
(insbesondere für zu Unrecht erlittene Haft) für den Berufungskläger
G._).
2. Eventualiter wäre der Berufungskläger G._ (nicht wegen
vorsätzlicher Tötung, sondern lediglich wegen Totschlags) und/oder
wegen Tötung in entschuldbarer Notwehr im Sinne von Art. 16 StGB zu
verurteilen und/oder in Korrektur des angefochtenen Entscheids
wenigstens deutlich milder zu bestrafen.
3. Im Anschluss an das Urteil sei G._ aus der Untersuchungshaft zu
entlassen.
b) Der Verteidigung des Beschuldigten H._:
(schriftlich und mündlich; Urk. 228 S. 2)
1. Es sei auf die geänderte Anklage nicht einzutreten.
2. Der Beschuldigte 2 sei vom Vorwurf der mehrfachen Körperverletzung
im Sinne von Art. 123 Ziff. 2 StGB und des Raufhandels i.S.v. Art. 133
Abs. 1 StGB frei zu sprechen, evtl. sei er vom Vorwurf der mehrfachen
versuchten schweren Körperverletzung frei zu sprechen.
3. Die Zivilansprüche der Geschädigten und Privatkläger seien
abzuweisen.
4. Dementsprechend seien Ziff. 2, 6 und 16 des Urteilsdispositivs
aufzuheben und neu zu beurteilen bzw. dem Ausgang des
Berufungsverfahrens entsprechend anzupassen.
5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Staatskasse.
6. Eventualantrag: Eventuell sei der Beschuldigte, im Falle der
Bestätigung der rechtlichen Würdigung seitens der Vorinstanz bzw. im
Falle einer Verurteilung, zu einer bedingten Freiheitsstrafe von maximal
- 8 -
12 Monaten zu bestrafen, wovon 82 Tage durch Haft erstanden sind,
unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren.
c) Der Verteidigung des Beschuldigten I._:
(sinngemäss, schriftlich; Urk. 214)
Die Schadenersatz- und Genugtuungsforderungen der Privatkläger seien
abzuweisen.
d) Der Verteidigung des Beschuldigten J._:
(schriftlich und mündlich; Urk. 229 S. 1 f.)
1. Der Beschuldigte J._ sei vom Vorwurf des Raufhandels im Sinne
von Art. 133 StGB und damit vollumfänglich von Schuld und Strafe
freizusprechen.
Eventualiter sei der Beschuldigte mit einer angemessenen Geldstrafe
zu bestrafen, unter Anrechnung der erstandenen Haft, und der Vollzug
sei unter Ansetzung einer Probezeit von 4 Jahren aufzuschieben.
2. Auf die gegenüber dem Beschuldigten geltend gemachten
Zivilforderungen der Geschädigten – Solidarhaftung für den
Tötungsschaden – sei nicht einzutreten bzw. solche seien abzuweisen.
Dies unter ausgangsgemässer Kosten- und Entschädigungsregelung
zu Lasten der Geschädigten.
3.1. Die Kosten des Untersuchungs- und erstinstanzlichen
Gerichtsverfahren sowie der amtlichen Verteidigung seien
ausgangsgemäss auf die Staatskasse zu nehmen und der
Beschuldigte sei für die ihm durch die Untersuchung entstandenen
Kosten und Umtriebe sowie für die erlittene immaterielle Unbill
angemessen zu entschädigen.
3.2. Die Kosten des Berufungsverfahrens inkl. der amtlichen Verteidigung
seien auf die Staatskasse zu nehmen.
- 9 -
e) Der Staatsanwaltschaft:
(schriftlich und mündlich; Urk. 225 S. 2)
1. Das Urteil des BG Horgen vom 14. November 2011 gegen G._,
H._ und J._ sei im Schuldpunkt zu bestätigen, eventualiter
sei der Beschuldigte H._ statt der mehrfachen qualifizierten
einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 in Verbindung
mit Ziff. 2 Abs. 2 StGB der versuchten schweren Körperverletzung im
Sinne von Art. 122 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB
schuldig zu sprechen.
2. Der Beschuldigte G._ sei mit 11 Jahren Freiheitsstrafe, unter
Anrechnung der bisher erstandenen Haft von insgesamt 1026 Tagen
(6.12.2012), zu bestrafen.
3. Der Beschuldigte H._ sei mit 3 Jahren Freiheitsstrafe zu
bestrafen, wobei der Vollzug dieser Freiheitsstrafe im Umfang von
18 Monaten als vollziehbar und im gleichen Umfang von 18 Monaten,
unter Ansetzung einer zweijährigen Probezeit, aufzuschieben sei;
eventualiter im Fall eines Schuldspruchs wegen versuchter schwerer
Körperverletzung sei dieser Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von
4 Jahren zu bestrafen, unter Anrechnung der erstandenen
Untersuchungshaft von 82 Tagen.
4. Der Beschuldigte J._ sei mit einer – unbedingt vollziehbaren –
Freiheitsstrafe von 18 Monaten zu bestrafen.
5. Im Übrigen sei hinsichtlich der Beschuldigten G._, H._ und
J._ im Sinne des Urteils des Bezirksgerichts Horgen vom
14. November zu entscheiden.
- 10 -
f) Des Vertreters der Privatklägerschaft:
(schriftlich und mündlich; Urk. 226 S. 1)
1. In Abänderung von Ziff. 11 des angefochtenen Urteils seien die
Angeschuldigten G._, H._, I._ und J._ solidarisch
zu verpflichten, A._ und B._ je CHF 50'000 nebst 5 % Zins
seit 15.02.2010, F._ CHF 35'000 eventualiter CHF 25'000 nebst 5
% Zins seit 15.02.2010 und C._, D._ und E._ je
CHF 25'000 nebst 5 % Zins seit 15.02.2010 als Genugtuung zu
bezahlen.
2. In Abänderung von Ziff. 12 und 13 seien die Angeschuldigten
solidarisch zu verpflichten, A._ und B._, den Betrag von CHF
9'174 nebst 5 % Zins seit 15. Februar 2010 sowie C._, D._
und E._ je CHF 350 nebst 5 % Zins seit 15. Februar 2010 als
Schadenersatz zu zahlen.
3. In Abänderung von Ziff. 14 des angefochtenen Urteils sei festzustellen,
dass die vier Angeschuldigten gegenüber den Privatklägern dem
Grundsatz nach aus dem eingeklagten Ereignis für weiteren Schaden
und weitere Genugtuung solidarisch ersatzpflichtig sind. Zur genauen
Feststellung des Umfanges des Schadenersatz und eines weiteren
Genugtuungsanspruches seien die Privatkläger auf den Zivilweg zu
verweisen.
4. Es seien die Kosten des Berufungsverfahrens den Angeschuldigten zu
überbinden und diese seien zu verpflichten, die Kosten der
unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft zu übernehmen.
- 11 -

## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte und Verfahrensgang
1. Untersuchung und erstinstanzliches Verfahren
Hierzu kann vollumfänglich auf die Ausführungen unter I. im angefochtenen Urteil
verwiesen werden (Urk. 136 S. 9 ff.)
2. Urteil der Vorinstanz
2.1. Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil des Bezirks-
gerichts Horgen, I. Abteilung, vom 14. November 2011, erkannte das Gericht was
folgt (Urk. 136 S. 164 ff.):
1.1.1. Der Beschuldigte G._ wurde der eventualvorsätzlichen Tötung im
Sinne von Art. 111 StGB sowie des Raufhandels im Sinne von Art. 133 Abs. 1
StGB schuldig gesprochen. Die Vorinstanz fällte eine Freiheitsstrafe von 7 Jahren
aus und verpflichtete den Beschuldigten G._ weiter zur Bezahlung von
Genugtuungen sowie Schadenersatz gemäss den Dispositivziffern 11 bis 14.
Schliesslich auferlegte die Vorinstanz dem Beschuldigten 3/6 der Kosten für die
Untersuchung und das gerichtliche Verfahren, nahm unter dem Vorbehalt von
Art. 135 Abs. 4 StPO die Kosten der amtlichen Verteidigung auf die Gerichtskasse
und hielt fest, dass sich die Nachforderung für die Kosten der unentgeltlichen
Vertretung der Privatklägerschaft lediglich gegen den Beschuldigten G._
richte.
1.1.2. Der Beschuldigte H._ wurde der mehrfachen einfachen
Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Abs. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 Abs. 2
StGB
sowie des Raufhandels im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB schuldig gesprochen.
Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 36
Monaten, wobei der Vollzug im Umfang von 24 Monaten aufgeschoben und die
Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt wurde. Im übrigen Umfang wurde die
Freiheitsstrafe unter Anrechnung der erstandenen Haft von 82 Tagen für
- 12 -
vollziehbar erklärt. Dem Beschuldigten wurden alsdann die Kosten der
Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens im Umfang von 1/6 auferlegt,
wobei die Kosten für die amtliche Verteidigung unter dem Vorbehalt der
Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO auf die Gerichtskasse genommen
wurden.
1.1.3. Der Beschuldigte I._ wurde des Raufhandels im Sinne von Art. 133
Abs. 1 StGB schuldig gesprochen. Vom Vorwurf der versuchten einfachen
Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 Abs. 2
StGB sprach ihn die Vorinstanz frei. Der Beschuldigte wurde mit einer
Freiheitsstrafe von 12 Monaten bestraft, wobei der Vollzug der Freiheitsstrafe
– unter Anrechnung der erstandenen Haft von 81 Tagen – angeordnet wurde.
Zudem verlängerte die Vorinstanz die mit Urteil des Obergerichts des Kantons
Zürich, II. Strafkammer, vom 19. Mai 2009 angesetzte Probezeit um 1 1⁄2 Jahre.
Dem Beschuldigten wurden schliesslich die Kosten der Untersuchung und des
gerichtlichen Verfahrens ebenfalls im Umfang von 1/6 auferlegt, wobei die Kosten
für die amtliche Verteidigung unter dem Vorbehalt der Nachforderung gemäss
Art. 135 Abs. 4 StPO auf die Gerichtskasse genommen wurden.
1.1.4. Der Beschuldigte J._ wurde des Raufhandels im Sinne von Art. 133
Abs. 1 StGB schuldig gesprochen. Vom Vorwurf der mehrfachen Begünstigung im
Sinne von Art. 305 Abs. 1 StGB wurde er hingegen freigesprochen. Das Gericht
sanktionierte seine Delinquenz mit einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten und
ordnete – unter Anrechnung der erstandenen Haft von 59 Tagen – den
Vollzug der Freiheitsstrafe an. Auch dem Beschuldigten J._ wurden
schliesslich die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens im
Umfang von 1/6 auferlegt, wobei die Kosten für die amtliche Verteidigung unter
dem Vorbehalt der Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO auf die
Gerichtskasse genommen wurden.
3. Berufungsanmeldung und Berufungserklärung
Gegen diese Entscheide wurden folgende Berufungen erhoben:
- 13 -
3.1. Mit Eingabe vom 15. November 2011 (Urk. 105) meldete die Anklage-
behörde rechtzeitig bei der Vorinstanz Berufung an (Art. 399 Abs. 1 StPO). Die
Berufungserklärung der Anklagebehörde vom 30. Januar 2012 (Urk. 139) ging
innert gesetzlicher Frist bei der Berufungsinstanz ein (Art. 399 Abs. 3 StPO).
Darin beschränkte sie jeweils ihre Berufung und stellt die folgende Anträge:
− Betreffend G._ beschränkte sie die Berufung ausschliesslich auf
das Strafmass und beantragt eine Bestrafung mit 11 Jahren
Freiheitsstrafe.
− Betreffend H._ beschränkte sie ihre Berufung ausschliesslich auf
die Anteile des unbedingten und des bedingten Strafvollzugs. Sie
beantragt, diese seien jeweils auf 18 Monate festzulegen.
− Betreffend I._ beschränkte sie ihre Berufung auf das Strafmass
und beantragt die Ausfällung von 18 Monaten Freiheitsstrafe.
− Betreffend J._ beschränkte sie ihre Berufung auf das Strafmass
und beantragt die Ausfällung von 18 Monaten Freiheitsstrafe.
Mit Schreiben vom 29. August 2012 teilte die Anklagebehörde den Rückzug ihrer
Berufung betreffend den Beschuldigten 3, I._, mit (Urk. 187; vgl. dazu auch
Ziff. 3.4. nachfolgend).
3.2. Mit Eingabe vom 17. November 2011 (Urk. 106) meldete der Verteidiger
des Beschuldigten 1, G._, rechtzeitig bei der Vorinstanz Berufung an (Art.
399 Abs. 1 StPO). Die Berufungserklärung der Verteidigung vom 13. Januar 2012
(Urk. 137) ging innert gesetzlicher Frist bei der Berufungsinstanz ein (Art. 399
Abs. 3 StPO). Die Verteidigung teilte darin mit, die Berufung werde nicht
eingeschränkt und es werde ein vollumfänglicher Freispruch, die vollständige
Abweisung der Schadenersatz- und Genugtuungsansprüche sowie eine
Genugtuung für zu Unrecht erlittene Haft beantragt. Eventualiter werde ein
Schuldspruch wegen Totschlags und/oder wegen Tötung in entschuldbarer
Notwehr im Sinne von Art. 16 StGB beantragt, was eine deutlich mildere
- 14 -
Bestrafung zur Folge
haben müsse.
3.3. Mit Eingabe vom 18. November 2011 (Urk. 107) meldete der Verteidiger
des Beschuldigten 2, H._, rechtzeitig bei der Vorinstanz Berufung an (Art.
399 Abs. 1 StPO). Die Berufungserklärung der Verteidigung vom 3. Februar 2012
(Urk. 143) ging innert gesetzlicher Frist bei der Berufungsinstanz ein (Art. 399
Abs. 3 StPO). Die Verteidigung teilte darin mit, die Berufung werde nicht
eingeschränkt und es werde ein vollumfänglicher Freispruch beantragt.
3.4. Mit Eingabe vom 15. November 2011 (Urk. 104) meldete der Verteidiger
des Beschuldigten 3, I._, rechtzeitig bei der Vorinstanz Berufung an (Art. 399
Abs. 1 StPO). Die Berufungserklärung der Verteidigung vom 6. Februar 2012
(Urk. 145) ging fristgerecht bei der Berufungsinstanz ein. Mit Schreiben vom 29.
August 2012 teilte die Anklagebehörde der hiesigen Kammer den Rückzug
ihrer Berufung hinsichtlich des Beschuldigten 3 mit (Urk. 187). In der Folge gab
die Verteidigung mit Eingabe vom 30. August 2012 ebenfalls den Rückzug ihrer
Berufung bekannt (Urk. 189). Das Verfahren betreffend den Beschuldigten 3
(I._) wurde mittels Beschluss vom 11. September 2012 als durch Rückzug
der Berufungen erledigt abgeschrieben (Urk. 192). Zufolge der Berufung der
Privatklägerschaft nimmt der Beschuldigte 3 jedoch nach wie vor am
Berufungsverfahren teil.
3.5. Mit Eingabe vom 21. November 2011 (Urk. 108) meldete der Verteidiger
des Beschuldigten 4, J._, rechtzeitig bei der Vorinstanz Berufung an (Art.
399 Abs. 1 StPO). Die Berufungserklärung der Verteidigung vom 7. Februar 2012
(Urk. 148) ging innert gesetzlicher Frist bei der Berufungsinstanz ein (Art. 399
Abs. 3 StPO). Die Verteidigung teilte darin mit, die Berufung richte sich gegen den
Schuldspruch wegen Raufhandels im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB sowie
gegen die Sanktion und die Kostenregelung.
3.6. Schliesslich meldete auch die Privatklägerschaft mit Eingabe vom
15. November 2011 ihre Berufung an (Urk. 103; Art. 399 Abs. 1 StPO). Die
Berufungserklärung ging rechtzeitig am 31. Januar 2012 bei der hiesigen Kammer
- 15 -
ein (Urk. 141; Art. 399 Abs. 3 StPO). Die Privatkläger lassen darin die eingangs
wiedergegebenen Genugtuungs- und Schadenersatzbegehren stellen.
4. Verfahrensgang
4.1. Im Rahmen ihrer Berufungsbegründungen verzichteten die
Anklagebehörde (Urk. 139 S. 2) sowie die Privatkläger (Urk. 141) und der
Beschuldigte J._ (Urk. 148 i.V.m. Urk. 99) auf das Stellen von
Beweisanträgen. Der Beschuldigte G._ liess die Beweisanträge stellen, es
sei in der Wohnung von K._ ein Augenschein durchzuführen. Ferner sei
L._ als Zeuge zu befragen (Urk. 137 S. 4 f.). Der Beschuldigte H._
beantragte ebenfalls die Zeugeneinvernahme von L._. Zudem seien die
Strafakten in Sachen F._ beizuziehen (Urk. 143 S. 2 f.).
4.2. Mit Präsidialverfügung vom 7. März 2012 wurde den Verfahrensbeteiligten
Frist angesetzt um zu erklären, ob Anschlussberufung erhoben respektive ob
begründet ein Nichteintreten auf die Berufung beantragt werde. Gleichzeitig
wurde der Anklagebehörde sowie den Privatklägern Gelegenheit zur
Stellungnahme zu den Beweisanträgen der Beschuldigten G._ und H._
eingeräumt (Urk. 154).
4.3. Mittels Eingabe vom 27. März 2012 liess der Beschuldigte H._ den
Antrag stellen, auf die Berufung der Anklagebehörde betreffend ihn sei mangels
Legitimation nicht einzutreten (Urk. 160 S. 2). Weitere Eingaben bezüglich
Anschlussberufung respektive Nichteintreten gingen innert Frist nicht ein.
4.4. Die Anklagebehörde nahm mit Schreiben vom 2. April 2012 zu den
Beweisanträgen Stellung und beantragte deren Abweisung (Urk. 162). Die
übrigen Verfahrensbeteiligten liessen sich zu den gestellten Beweisanträgen
innert Frist nicht vernehmen.
4.5. Mit Präsidialverfügung vom 13. April 2012 wurde der Anklagebehörde Frist
zur freigestellten Stellungnahme zur Eintretensfrage angesetzt (Urk. 165). Innert
Frist beantragte diese mit Eingabe vom 30. April 2012, der Nichteintretensantrag
- 16 -
des Beschuldigten H._ sei abzuweisen und auf die Berufung sei einzutreten
(Urk. 169).
4.6. Mittels Beschluss vom 9. Mai 2012 trat die hiesige Kammer auf die
Berufung der Staatsanwaltschaft betreffend den Beschuldigten H._ ein
(Urk. 171).
4.7. Mit Präsidialverfügung vom 17. Mai 2012 wurden die Beweisanträge der
Beschuldigten G._ und H._ auf Durchführung eines Augenscheins in
der Wohnung K._ sowie auf Einvernahme von L._ als Zeuge
abgewiesen. Der durch den Verteidiger des Beschuldigten H._ beantragte
Aktenbeizug (Strafakten in Sachen F._) wurde hingegen gutgeheissen (Urk.
173).
5. Umfang der Berufung
Nachdem G._ und H._ jeweils uneingeschränkt Berufung erklären
liessen, sich die Berufung von J._ gegen seine Verurteilung wegen
Raufhandels sowie gegen das Strafmass richtet, die Privatkläger den
vorinstanzlichen Entscheid hinsichtlich der Schadenersatz- und
Genugtuungsforderung anfechten und sich schliesslich die Berufung der
Anklagebehörde gegen das jeweilige Strafmass der Beschuldigten 1, 2 und 4
richtet, sind lediglich die nachfolgenden Erkenntnisse unangefochten:
− Der Freispruch des Beschuldigten J._ vom Vorwurf der mehrfachen Begünstigung im Sinne von Art. 305 Abs. 1 StGB (Dispositivziffer 4 Abs. 2)
− Einziehung und Vernichtung der beschlagnahmten Armierungseisen (Dispositivziffer 9)
− Verwendung der beschlagnahmten Festplatte sowie Löschung der Daten (Dispositivziffer 10)
− Kostenfestsetzung (Dispositivziffer 15).
Vom Eintritt der Rechtskraft dieser Anordnungen ist vorab in Anwendung von
Art. 404 StPO Vormerk zu nehmen.
- 17 -
6. Allgemeines
6.1. Der Übersichtlichkeit halber wird vorliegend an der Systematik des
angefochtenen Entscheides weitestgehend festgehalten.
6.2. Im Rechtsmittelverfahren kann das Gericht für die tatsächliche und die
rechtliche Würdigung des angeklagten Sachverhaltes auf die Begründung der
Vorinstanz verweisen. Soweit dies hernach der Fall ist, geschieht dies jeweils in
Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO.
II. Prozessuales
1. Beweisanträge vor Vorinstanz
6.3. Vor Bezirksgericht stellte sowohl die Verteidigung von G._ (Urk. 71,
Urk. 94 S. 1 und S. 17 f., Prot. VI S. 7 und S. 11.) als auch jene von
H._ (Prot. VI S. 11) Beweisanträge, welche die Vorinstanz in Ziff. II. 1.1. des
angefochtenen Entscheides korrekt wiedergegeben hat (Urk. 136 S. 11).
6.4. Die Vorinstanz kommt zusammengefasst zum Schluss, dem Beweisantrag
2 des Beschuldigten G._ sei insofern entsprochen worden, als F._
anlässlich der Hauptverhandlung als Auskunftsperson einvernommen
worden sei, wobei sämtliche Parteien die Möglichkeit gehabt hätten,
Ergänzungsfragen zu stellen. Was die beantragte Einholung eines aktuellen
Strafregisterauszuges sowie eines aktuellen Leumundsberichtes über F._
anbelange, so erweise sich eine solche als nicht notwendig. Einerseits seien
aktuelle Strafregisterauszüge betreffend die Brüder ... [F._ und M._]
bereits zu den Akten genommen worden und andererseits befinde sich auch
schon ein Leumundsbericht betreffend F._ bei den Akten. Die Einholung
eines aktuellen Leumundsberichts erübrige sich, weil der Frage der
Glaubwürdigkeit einer Person im Rahmen der Beweiswürdigung ohnehin kaum
Bedeutung zukomme. Es sei daher nicht ersichtlich, welche Relevanz einem
aktuellen Leumundsbericht im vorliegenden Verfahren daher noch zukommen
soll. Was die beantragte Einholung eines aktuellen Leumundsberichtes betreffend
†M._ anbelange, so könne darauf verzichtet werden, da sich seine
- 18 -
deliktische Vergangenheit aus dem bereits beigezogenen Strafregisterauszug in
Urk. 80 ergebe (Urk. 136 S. 11 ff.).
Was die beantragte Zeugeneinvernahme vom L._ angeht, so erwog die
Vorinstanz zusammengefasst, es sei nicht ersichtlich, was eine neuerliche
Befragung L._s zur Entlastung der Beschuldigten beitragen könne. L._
habe in seiner Einvernahme vom 16. Februar 2010 klar ausgesagt, er sei so im
Zimmer gefesselt gewesen, dass er die Türe nicht gesehen habe, und deshalb
nicht sagen könne, wer an die Türe geklopft habe und wie diese schliesslich
aufgegangen sei (act. 8/5 S. 12 Antwort 95 in Verbindung mit S. 12a). Zudem
wisse er nicht, wie und vom wem † M._ und F._ verletzt worden seien.
Zuerst habe er sich von seinen Fesseln befreien müssen. Als er dann draussen
gewesen sei, sei alles schon passiert gewesen (act. 8/5 S. 17 f. Antworten 136 bis
142). Es sei ohne weiteres nachvollziehbar, dass die eigene Befreiung einige Zeit
in Anspruch genommen habe. Etwas anderes lasse sich den Angaben L._s
jedenfalls nicht entnehmen. Entsprechend könne daher von der beantragten
Zeugenbefragung L._s abgesehen werden (Urk. 136 S. 80).
6.5. Die Vorinstanz hat sich umfassend und gründlich mit den gestellten
Beweisanträgen auseinander gesetzt. Soweit im Rahmen der
Berufungsverhandlung keine neuen Argumente mehr vorgebracht werden, kann
vollumfänglich auf die oben zitierten Erwägungen im angefochtenen Entscheid
verwiesen werden.
7. Beweisanträge im Berufungsverfahren
7.1. Anlässlich der Berufungsverhandlung wurde den Parteivertretern vor
Abschluss des Beweisverfahrens in Anwendung von Art. 345 StPO die
Gelegenheit eingeräumt, weitere Beweisanträge zu stellen. Sämtliche
Parteivertreter gaben ihren entsprechenden Verzicht vorbehaltlos zu Protokoll.
Daraufhin wurde das Beweisverfahren durch die Verfahrensleitung für
geschlossen erklärt (Prot. II S. 17).
- 19 -
7.2. Im Rahmen seines Plädoyers stellte der Verteidiger des Beschuldigten 2,
H._, unter Ziff. II seiner Ausführungen den Antrag, L._ sei als Zeuge zur
inkriminierten Auseinandersetzung zu befragen (Urk. 228 S. 6).
Zunächst ist die Verteidigung darauf hinzuweisen, dass nach Abschluss des
Beweisverfahrens unter dem Vorbehalt von Art. 349 StPO keine neuen
Beweisanträge mehr gestellt werden können (Art. 405 Abs. 1 StPO i.V.m. 345
StPO; BSK StPO - Max Hauri, Art. 345 N 7). Im Übrigen würde sich die
Zeugenbefragung von L._ auch dann als obsolet erweisen, wenn der
betreffende Antrag rechtzeitig gestellt worden wäre. Diesbezüglich kann
vollumfänglich auf die
entsprechende und nach wie vor zutreffende Begründung der Präsidialverfügung
vom 17. Mai 2012 verwiesen werden (Urk. 173). Weitere Ausführungen hierzu
erübrigen sich.
8. Verwertbarkeit der Aussagen
8.1. Die Vorinstanz hat sich unter Ziff. II. 2 des angefochtenen Entscheides
einlässlich mit der Frage der Verwertbarkeit der Beweismittel, namentlich mit
jener der Aussagen F._s, auseinandergesetzt. Sie sah mit Blick auf die
Strafuntersuchung die Teilnahmerechte der Beschuldigten G._, I._ und
J._ verletzt, weil diese mit F._ nicht konfrontiert worden waren. Diesen
Mangel heilte die Vorinstanz, indem sie F._ anlässlich der erstinstanzlichen
Hauptverhandlung als Auskunftsperson befragte und sämtlichen Parteien die
Gelegenheit gab, Ergänzungsfragen zu stellen. Dieser Auffassung der Vorinstanz
kann ohne weiteres gefolgt werden. Die Aussagen von F._ sind
vollumfänglich und damit gegebenenfalls auch zum Nachteil der Beschuldigten
verwertbar, was von den Verteidigern im Übrigen im Berufungsverfahren auch
nicht in Abrede gestellt wurde.
8.2. Das Selbe gelte – so die Vorinstanz – im übrigen auch für die Aussagen
der Beschuldigten untereinander. Auch diese hätten an der Hauptverhandlung die
Möglichkeit gehabt, sich zu den jeweiligen Aussagen der anderen Beschuldigten
zu äussern respektive Ergänzungsfragen zu stellen. Auch in diesem Punkt kann
- 20 -
der Vorinstanz mit Verweis auf deren Begründung (Ziff. II. 2.5; Urk. 136)
zugestimmt werden.
8.3. Schliesslich stellt sich die Vorinstanz auf den Standpunkt, alle übrigen
einvernommenen Personen seien im Rahmen des polizeilichen
Ermittlungsverfahrens von der Polizei einvernommen worden, weshalb deren
Aussagen – entgegen der Ansicht der Verteidigungen der Beschuldigten
G._, I._ und J._ – und insbesondere auch die Aussagen von
N._ auch zu Lasten der Beschuldigten verwertbar seien. Wie die Vorinstanz
an anderer Stelle (Ziff. II. 2.2; Urk. 136 S. 14) zutreffend festhält, fand im
Untersuchungsverfahren eine einzige Konfrontationseinvernahme statt, nämlich
jene zwischen F._ und dem Beschuldigten H._ (Urk. 5/6). Bei
sämtlichen übrigen Befragungen nahmen die Beschuldigten weder teil, noch
verzichteten sie auf ihre Teilnahmerechte. Der Vorinstanz kann zwar zugestimmt
werden, wenn diese zum Schluss kommt, alle übrigen Personen seien im
Rahmen des polizeilichen Ermittlungsverfahrens einvernommen worden, weshalb
den Anforderungen von Art. 147 Abs. 1 StPO e contrario Genüge getan worden
sei. Alleine deshalb aber die Aussagen zu Lasten der Beschuldigten für
verwertbar zu erklären, greift jedoch zu kurz. Entscheidend für die Verwertbarkeit
dieser polizeilichen Einvernahmen ist, ob den Beschuldigten Gelegenheit
gegeben wurde, um den sie belastenden Auskunftspersonen Fragen zu stellen.
Der in Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK garantierte Anspruch jeder beschuldigten Person,
Fragen an Belastungszeugen zu stellen oder stellen zu lassen, ist ein besonderer
Aspekt des Rechts auf ein faires Verfahren gemäss Art. 6 Ziff. 1 EMRK.
Entsprechend sind Rügen unter dem Blickwinkel beider Bestimmungen zu prüfen.
Mit der Garantie von Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK soll ausgeschlossen werden, dass
ein Strafurteil auf Aussagen von Zeugen abgestützt wird, ohne dass dem
Beschuldigten wenigstens einmal angemessene und hinreichende Gelegenheit
gegeben wurde, das Zeugnis in Zweifel zu ziehen und Fragen an den Zeugen zu
stellen. Dieser Anspruch wird als Konkretisierung des rechtlichen Gehörs gemäss
Art. 29 Abs. 2 BV auch durch Art. 32 Abs. 2 BV gewährleistet. Ziel dieser Normen
ist die Wahrung der Waffengleichheit und die Gewährung eines fairen Verfahrens
(BGE 129 I 151 E. 3.1 mit Hinweisen). Aussagen von Zeugen und
- 21 -
Auskunftspersonen dürfen in der Regel nur nach erfolgter Konfrontation zum
Nachteil eines Angeschuldigten verwendet werden. Dem Anspruch, Fragen an
Belastungszeugen zu stellen, kommt grundsätzlich ein absoluter Charakter zu. Er
erfährt in der Praxis aber eine gewisse Relativierung. Er gilt uneingeschränkt nur,
wenn dem streitigen Zeugnis alleinige oder ausschlaggebende Bedeutung
zukommt, dieses also den einzigen oder einen wesentlichen Beweis darstellt BGE
129 I 151 E. 3.1 S. 154). Damit die Verteidigungsrechte gewahrt sind, ist
erforderlich, dass die Gelegenheit zur Befragung angemessen und ausreichend
ist und die Befragung tatsächlich wirksam ausgeführt werden kann. Der
Beschuldigte muss namentlich in der Lage sein, die Glaubhaftigkeit einer
Aussage zu prüfen und den Beweiswert in kontradiktorischer Weise auf die Probe
und in Frage stellen zu können. Das kann entweder zum Zeitpunkt erfolgen, zu
dem der Belastungszeuge seine Aussage macht, oder auch in einem späteren
Verfahrensstadium (Urteil des Bundesgerichts vom 31. März 2011, 6B_789/2010
E. 2.3 mit weiteren Verweisen). Nachdem die Beschuldigten keine Gelegenheit
hatten, den lediglich polizeilich einvernommenen Auskunftspersonen Fragen zu
stellen, sind deren Aussagen zum Nachteil der Beschuldigten entgegen der
Ansicht der Vorinstanz nicht verwertbar.
9. Anklageprinzip
9.1. Im Rahmen der erstinstanzlichen Hauptverhandlung machte die
Verteidigung des Beschuldigten J._ eine Verletzung des Anklageprinzips
geltend. Die Anklagebehörde habe es unterlassen, den subjektiven Tatbestand
des Angriffs sowie des Raufhandels zu umschreiben und darzulegen. Der dem
Beschuldigten zur Last gelegte Angriff sei in der Anklageschrift derart unpräzise
umschrieben, dass der entsprechende Vorwurf im objektiven und insbesondere
im subjektiven Bereich ungenügend konkretisiert sei. Es müsse daher allein
schon aus diesem Grund ein Freispruch erfolgen (Urk. 99 S. 15).
9.2. Anlässlich der Berufungsverhandlung führte die Verteidigung des
Beschuldigten J._ hierzu aus, die Schlussfolgerung der Vorinstanz im
angefochtenen Entscheid, wonach sich der subjektive Vorwurf unschwer
erkennen lasse, da der Tatbestand des Angriffs bzw. des Raufhandels nur
- 22 -
vorsätzlich begangen werden könne, sei unzutreffend. Vielmehr ergebe sich aus
der Anklage nicht, was dem Beschuldigten in tatsächlicher Hinsicht vorgeworfen
werde. Insbesondere sei unklar, ob dem Beschuldigten ein Handeln mit Wissen
und Wollen, eine Inkaufnahme eines bestimmten Erfolges oder eine
Sorgfaltspflichtverletzung vorgeworfen werde. Entsprechend liege eine Verletzung
des Anklagegrundsatzes vor (Urk. 229 S. 10).
9.3. Die Vorinstanz hat zunächst zutreffende theoretische Ausführungen zum
Anklagegrundsatz gemäss Art. 9 StPO gemacht und die aktuell massgebliche
Praxis des Bundesgerichts zitiert. Auf diese Ausführungen kann verwiesen
werden. In der Sache kommt die Vorinstanz zum Schluss, der Verteidigung sei
zwar darin zuzustimmen, dass in der Anklageschrift der subjektive Tatvorwurf des
Angriffs nicht expressis verbis festgehalten werde. Allerdings lasse sich aus dem
Gesamtkontext der subjektive Vorwurf sowohl des Raufhandels, als auch des
Angriffs unschwer erkennen. Hinzu komme, dass beide Straftatbestände nur
vorsätzlich begangen werden könnten. Inwiefern die Verteidigung des
Beschuldigten J._ aufgrund der vermeintlich unpräzisen Anklageschrift in
ihren Verteidigungsrechten eingeschränkt gewesen sein solle, habe diese in
keiner Weise
dargetan. Es sei auch nicht nachvollziehbar, inwiefern es dem Beschuldigten
J._ nicht hätte klar sein sollen, was ihm in tatsächlicher und rechtlicher
Hinsicht vorgeworfen werde. Dementsprechend habe die Verteidigung in ihrem
Plädoyer auch ausführlich zum Sachverhalt und zur rechtlichen Würdigung
Stellung genommen. Eine Verletzung des Anklageprinzips sei daher nicht
ersichtlich (Urk. 136 S. 18 f.). Diese zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz
können vollumfänglich übernommen werden. Lediglich im Sinne einer Ergänzung
ist
darauf hinzuweisen, dass gemäss der ständigen Rechtsprechung des Bundes-
gerichts der subjektive Tatbestand in der Anklageschrift nicht ausdrücklich
umschrieben werden muss, wenn vorweg oder im Anschluss an die Darstellung
des Einzelfalles auf den gesetzlichen Straftatbestand hingewiesen wird, sofern
der betreffende Tatbestand nur als Vorsatzdelikt erfüllbar ist (BGE 120 IV 348 E.
2c S. 356; 103 Ia 6 E. 1d). Dies ist, wie die Vorinstanz richtigerweise festhielt,
- 23 -
vorliegend der Fall, weshalb die Beanstandungen der Verteidigung unzutreffend
sind.
9.4. Wohl nicht ausdrücklich, aber immerhin sinngemäss, machte auch die
Verteidigung des Beschuldigten H._ anlässlich der Berufungsverhandlung
eine Verletzung des Anklageprinzips geltend. Sie stellte sich auf den Standpunkt,
es obliege der Anklägerin, plausibel zu erläutern und zu behaupten, wann, wo,
wie und wen der Beschuldigte verletzt haben solle. Es gehe nicht an, wichtige
Fragen offen zu lassen, in der grob falschen Meinung, deren Beantwortung sei für
die Verurteilung des Beschuldigten irrelevant. Es sei sehr wohl notwendig
abzuklären, was der Beschuldigte 2 mit Blick auf die ihm vorgeworfene
Körperverletzung effektiv gemacht habe. Entgegen der Meinung der Vorinstanz
könne nicht einfach angenommen werden, dass der Beschuldigte 2 "irgendwann"
und
"irgendwie" "mehrfach jemanden verletzt" habe. Der eingeklagte Sachverhalt
erweise sich in diesem Zusammenhang als ungenügend substantiiert und sei
zudem nicht erstellt (Urk. 228 S. 9 und 15).
9.5. Wie der Vertreter der Anklagebehörde bereits im Rahmen seiner Replik
mündlich und zutreffend zu Protokoll gab (Prot. II S. 27), zielen die
Beanstandungen der Verteidigung ins Leere. Die Anklageschrift umschreibt sehr
wohl und in ausreichendem Masse präzise, was dem Beschuldigten konkret
vorgeworfen wird. Inwiefern diesem nicht klar sei, wann und wo er wen auf welche
Art und Weise verletzt haben soll, bleibt schleierhaft. Dass der genaue zeitliche
Handlungsablauf eines Angriffs respektive eines Raufhandels aufgrund der
diesen
Delikten immanenten hohen Eigendynamik nicht regiebuchgleich in allen
Einzelheiten dargetan werden kann, liegt in der Natur dieser Straftatbestände.
Darin
jedoch eine Verletzung des Akkusationsprinzips erblicken zu wollen, würde
bedeuten, dass namentlich die hier zur Diskussion stehenden Straftatbestände
überhaupt nicht zur Anklage gebracht werden könnten – ausser sie wären
allenfalls filmisch aufgezeichnet –, was selbstredend nicht der Fall sein kann. Der
- 24 -
entsprechende Einwand der Verteidigung geht daher fehl. Auf die Anklage ist
unter diesem Aspekt ohne weiteres einzutreten.
10. Nichteintreten auf Eventualanklage
10.1. Sowohl die Anklagebehörde als auch die Verteidigung des Beschuldigten
H._ wurden im Vorfeld der Berufungsverhandlung darauf hingewiesen, dass
sich das Gericht für den Fall, dass es zum Schluss komme, der eingeklagte
Sachverhalt lasse sich erstellen, auch die Frage stellen müsse, ob die Schläge
mit dem Armierungseisen auf die Köpfe der Gebrüder ... [F._ und M._]
nicht gegebenenfalls auch unter den Straftatbestand der versuchten schweren
Körperverletzung (Art. 122 StGB) zu subsumieren seien. Beide Parteien wurde
daher aufgefordert, sich entsprechend vorzubereiten (Urk. 213).
10.2. Anlässlich der Berufungsverhandlung ergänzte die Anklagebehörde die
Anklageschrift vom 12. Oktober 2010 betreffend den Beschuldigten H._
gestützt auf Art. 333 Abs. 1 StPO im Sinne einer Eventualanklage gemäss
Art. 325 Abs. 2 StPO (Urk. 224) und beantragte für den Fall eines Schuldspruchs
wegen versuchter schwerer Körperverletzung die Bestrafung des Beschuldigten
H._ mit einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren (Urk. 225 S. 2).
10.3. Die Verteidigung des Beschuldigten H._ beantragte in der Folge, auf
die Eventualanklage sei nicht einzutreten. Zur Begründung führte sie im
Wesentlichen aus, die Vorinstanz habe im angefochtenen Entscheid ganz
bewusst davon Abstand genommen, den eingeklagten Sachverhalt unter dem
Straftatbestand der versuchten schweren Körperverletzung zu prüfen. Es könne
daher nicht angehen, dass sich die Berufungsinstanz nun mit diesem Vorwurf
erstmals auseinandersetze, denn dadurch würde dem Beschuldigten im Falle
einer abweichenden
rechtlichen Würdigung in Bezug auf diese Frage eine Rechtsmittelinstanz verloren
gehen. Entsprechend dürfe auf die Eventualanklage nicht eingetreten werden. Für
den Fall einer abweichenden rechtlichen Würdigung sei die Sache an die Vor-
instanz zurückzuweisen (Prot. II S. 22).
- 25 -
10.4. Art. 350 Abs. 1 StPO sieht vor, dass das Gericht getreu dem Grundsatz
iura novit curia grundsätzlich frei ist, den eingeklagten Sachverhalt rechtlich zu
würdigen. Dabei ist es wohl in tatsächlicher, nicht aber in rechtlicher Hinsicht an
die Anklage gebunden. Dieser für das erstinstanzliche Verfahren ausdrücklich
statuierte Grundsatz findet auch auf das zweitinstanzliche Verfahren Anwendung
(Art. 405 Abs. 1 StPO). Entsprechend findet über Art. 379 StPO auch Art. 333
Abs. 1 StPO im Berufungsverfahren Anwendung (Schmid, StPO
Praxiskommentar, Art. 333 N 4). Die Berufung ist grundsätzlich ein
reformatorisches Rechtsmittel. Lediglich in Ausnahmefällen hat sie kassatorische
Wirkung. Der Gesetzgeber sieht daher eine Aufhebung des angefochtenen
Entscheides und eine Rückweisung an die Vorinstanz nur dann vor, wenn das
Verfahren wesentliche Mängel aufweist, die im Berufungsverfahren nicht mehr
geheilt werden können (Art. 409 Abs. 1 StPO). In Frage kommen dabei etwa die
nicht richtige Besetzung des Gerichts, fehlende Zuständigkeit, fehlerhafte
Vorladungen, Verweigerung von Teilnahmerechten, nicht gehörige Verteidigung,
Abstützen des Urteils auf nicht verwertbare Beweismittel oder die unterbliebene
Behandlung bzw. Beurteilung
aller Anklage-, Einziehungs- und Zivilpunkte (BSK StPO - Luzius Eugster, Art. 409
N 1). Der Umstand alleine, dass die Berufungsinstanz eine andere rechtliche
Auffassung vertritt als die Vorinstanz und darauf gestützt der Staatsanwaltschaft
Gelegenheit gibt, die Anklage im Sinne von Art. 333 Abs. 1 StPO zu ändern,
rechtfertigt damit klarerweise keine Rückweisung und verstösst keinesfalls gegen
den Grundsatz des fairen Verfahrens i.S.v. Art. 6 EMRK. Der betreffende Einwand
der Verteidigung entbehrt damit jeglicher Grundlage. Auf die Eventualanklage ist
ohne weiteres einzutreten.
III. Sachverhalt
A. Unbestrittene Sachverhaltselemente
- 26 -
Die vorinstanzlichen Erwägungen zu den unbestrittenen Sachverhaltselementen
unter Ziffer III. A. sind allseits unbestritten und korrekt wiedergegeben. Darauf
kann verwiesen werden (Urk. 136 S. 19 ff.).
B. Bestrittene Sachverhaltselemente
1. Allgemeines
Die Vorinstanz hat unter Ziffer III. B. 1. vorab die theoretischen Grundsätze der
richterlichen Beweiswürdigung ausführlich dargetan. Darauf ist in globo zu
verweisen.
11. Generelle Glaubwürdigkeit
Die Vorinstanz hat sich zur allgemeinen Glaubwürdigkeit der Beschuldigten, des
Privatklägers F._ sowie der übrigen einvernommen Personen geäussert. Im
Ergebnis kann den vorinstanzlichen Einschätzungen zugestimmt werden.
Weitere Erörterungen zur Frage der Glaubwürdigkeit erübrigen sich, da der
allgemeinen Glaubwürdigkeit der Aussagenden nach neueren Erkenntnissen
ohnehin kaum mehr Bedeutung zukommt. Weitaus bedeutender für die
Wahrheitsfindung als die allgemeine Glaubwürdigkeit ist die Glaubhaftigkeit der
konkreten Aussagen. Darauf wird nachfolgend im Detail noch einzugehen sein.
12. Vorgeschichte
Die im angefochtenen Entscheid unter dem Titel "Vorgeschichte" zusammen-
gefassten Aussagen von F._ und L._ wurden durch die Vorinstanz
richtig wiedergegeben. Die Vorderrichter weisen darauf hin, dass die betreffenden
Schilderungen zwar nicht durch den angeklagten Sachverhalt gedeckt, dessen
ungeachtet aber dazu geeignet seien, sich einen Überblick über die Ereignisse
und namentlich auch über die Lärmkulisse in der Wohnung im Vorfeld der
eigentlichen Tathandlungen zu verschaffen. Diesen Erwägungen ist nichts
hinzuzufügen.
- 27 -
13. Beginn der tätlichen Auseinandersetzung
13.1. Das Zusammentreffen der Beschuldigten
1.1.1. Die Vorinstanz resümiert, bei einer Gesamtbetrachtung der teilweise im
Detail doch divergierenden Aussagen der vier Beschuldigten dränge sich
unweigerlich der Schluss auf, dass ihr Treffen im Erdgeschoss der Liegenschaft
bzw. vor der Wohnung von K._ nicht bloss zufällig gewesen sei. Eine
längerfristige Planung lasse sich aufgrund der Untersuchungsergebnisse aber
nicht nachweisen. Fest stehe hingegen – insbesondere auch aufgrund der un-
mittelbar zuvor geführten Telefonate unter den Beschuldigten –, dass sich die vier
Beschuldigten vor der Wohnung K._ eingefunden hätten, um sich um die
dortigen Vorgänge zu kümmern. Dabei hätten sie mit einer Intervention
zugewartet, bis sich sämtliche Beschuldigte vor Ort eingefunden hätten.
1.1.2. Die Verteidigung des Beschuldigten G._ beanstandet weder in ihrer
Berufungserklärung vom 13. Januar 2012 noch anlässlich der
Berufungsverhandlung die vorinstanzlichen Erwägungen zum Zusammentreffen
der Beschuldigten (Urk. 137 sowie Urk. 227).
1.1.3. Die Verteidigung des Beschuldigten H._ macht im Berufungsverfahren
geltend, es werde nach wie vor bestritten, dass das Zusammentreffen der
Beschuldigten im Treppenhaus nicht zufällig gewesen sein solle (Urk. 228 S. 13).
1.1.4. J._ liess vor Vorinstanz zusammengefasst geltend machen, er sei am
fraglichen Abend mit I._ verabredet gewesen. Er habe an der Haustüre des
Mehrfamilienhauses an der O._strasse ... in P._ bei I._ geläutet,
worauf ihm mittels elektronischer Türöffnung Eintritt gewährt worden sei. Im
Treppenhaus sei er sogleich auf I._ und H._ gestossen. Sie hätten alle
drei den Lärm und die ungewöhnlichen Geräusche aus der Wohnung K._
gehört. Zu diesem Zeitpunkt sei G._ von der Arbeit zurück gekommen, wo er
im Korridor auf seine Brüder und ihn getroffen sei. Das Zusammentreffen der vier
Beschuldigten habe einzig deshalb stattgefunden, weil aus der von L._
bewohnten Wohnung laute Stimmen, Geräusche und Schreie wahrzunehmen
gewesen seien. Das von der Anklägerin krampfhaft und mit allen Mitteln zu
- 28 -
konstruieren versuchte abgesprochene Zusammentreffen der Beteiligten finde
durch absolut gar nichts eine Stütze (Urk. 99 S. 2 f.) Anlässlich der
Berufungsverhandlung wiederholte der Verteidiger von J._ seinen
Standpunkt (Urk. 229 S. 5).
1.1.5. Die Vorinstanz hat die massgeblichen Aussagen der Beschuldigten
sorgfältig und vollständig zusammengefasst, was von den Beschuldigten denn
auch nicht bestritten wurde. Auf die Ausführungen der Vorinstanz kann
vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 136 S. 29 ff.). Ob sich die Beschuldigten
aufgrund einer vorhergehenden Absprache oder zumindest teilweise zufällig am
15. Februar 2010, um ca. 17.00 Uhr, im Erdgeschoss der Liegenschaft
O._strasse ... in P._ einfanden, lässt sich mit den vorhandenen
Beweismitteln letztlich nicht mit Sicherheit feststellen. Wie die Vorinstanz richtig
ausführte, bestehen
jedoch gewichtige Indizien, welche dafür sprechen, dass zumindest G._ und
J._ telefonisch herbeigerufen wurden, damit diese zusammen mit den bereits
im Haus anwesenden Brüdern I._ und H._ in der Wohnung K._
intervenieren konnten. Dafür, dass diesem Vorhaben bereits eine längere
Planung vorausgegangen wäre, finden sich in den Akten keinerlei Anhaltspunkte.
Letztlich ist jedoch die Frage, wer, wann und aus welchem Grund am Tatort
eingetroffen ist, nicht von zentraler Bedeutung. Entscheidend ist lediglich – und
insoweit ist der eingeklagte Sachverhalt erstellt –, dass die Beschuldigten am
Montag, den 15. Februar 2012, um ca. 17.00 Uhr oder kurz danach im
Erdgeschoss der Liegenschaft O._strasse ... in P._, vor der Wohnung
K._ aufeinander trafen.
13.2. Bewaffnung
1.1.6. G._
a) Die Vorinstanz führt zutreffend aus, es sei erstellt, dass der Beschuldigte
G._ das Tatmesser von Anbeginn des inkriminierten Sachverhaltes
dabei gehabt habe. Ob er das Tatmesser erst zwischen dem Zeitpunkt seiner
Ankunft in der Liegenschaft und dem Zeitpunkt, als er sich mit den übrigen
- 29 -
Beschuldigten vor der Wohnung von K._ einfand, zu sich genommen habe,
lasse sich nicht rechtsgenüglich erstellen. Die Beantwortung dieser Frage sei zu
Gunsten des Beschuldigten offen zu lassen (Urk. 136 S. 36 f.).
b) Diese Erwägungen im angefochtenen Entscheid werden durch die
Verteidigung von G._ nicht in Abrede gestellt. Vielmehr hält diese in ihrer
Berufungserklärung vom 13. Januar 2012 ausdrücklich fest, die Vorinstanz habe
richtigerweise nicht angenommen, der Beschuldigte habe das Messer zwischen
dem Zeitpunkt seiner Ankunft in der Liegenschaft und dem Zeitpunkt, als er sich
mit den übrigen Beschuldigten vor der Wohnung K._ eingefunden habe, zu
sich genommen haben (Urk. 137 S. 3). Diesen Standpunkt nahm die Verteidigung
auch im Rahmen der Berufungsverhandlung ein (Urk. 227).
c) Die Erwägungen der Vorinstanz sind zutreffend, unangefochten und
bedürfen keiner Ergänzung. Der eingeklagte Sachverhalt betreffend die
Bewaffnung des Beschuldigten G._ ist damit erstellt.
1.1.7. H._
a) Hinsichtlich der Bewaffnung des Beschuldigten H._ erwogen die
Vorderrichter zusammengefasst, es könne festgehalten werden, dass die
pauschalen Aussagen des Beschuldigten H._ auch hinsichtlich der
Umstände, wie sein DNA-Profil allenfalls auf das Armierungseisen hätte gelangen
können, als reine Schutzbestreitungen und Lügen zu qualifizieren seien.
Insbesondere durch den klaren und unbestrittenen Untersuchungsbericht zu den
am Armierungseisen vorgefundenen DNA-Mischspuren, welcher zudem die
Glaubhaftigkeit der entsprechenden Aussagen des Privatklägers F._ stütze,
sei klar erstellt, dass der Beschuldigte H._ – und nicht der vom Privatkläger
F._ aufgrund einer kleinen Unsicherheit ebenfalls genannte Beschuldigte
J._ – anlässlich der tätlichen Auseinandersetzung von dem vorgefundenen
Armierungseisen Gebrauch gemacht habe. Der diesbezüglich aufgrund der
teilweise unsicheren Ausführungen von F._ gemachte Einwand der
- 30 -
Verteidigung des Beschuldigten H._, dies sei eine Schlussfolgerung von
F._, nachdem er die ersten Aussagen aller Beteiligten habe lesen können
bzw. weil er zusätzliche Informationen nach seiner ersten Einvernahme hinterher
erfahren habe, verfange nicht. Auch wenn F._ dies erst anhand von
Erinnerungen klar aussagen konnte, so sei dennoch festzuhalten, dass er bereits
am 2. März 2010 eindeutig den Beschuldigten H._ als denjenigen mit dem
Armierungseisen identifiziert habe. Der polizeiliche DNA-Bericht sei am 4. März
2010 erstellt worden, mithin habe F._ bei seiner Aussage noch gar nichts
von den darin festgestellten DNA-Spuren des Beschuldigten H._ am
vorgefundenen Armierungseisen wissen können. Auch dies spreche deutlich für
die Glaubhaftigkeit der Aussage von F._. Aufgrund der Blutspuren an seinen
eigenen Kleidern sei zudem ersichtlich, dass der Beschuldigte H._ im Laufe
des Geschehens sicherlich in der Nähe von † M._ gewesen sein müsse.
Aufgrund der festgestellten Blutspritzer sei erstellt, dass er nicht erst mit
† M._ in Kontakt gekommen sei, als dieser bereits im Sterben am Boden
gelegen sei. Es sei deshalb mit der Anklage davon auszugehen, dass der
Beschuldigte H._ während des inkriminierten Geschehens ein
Armierungseisen bei sich gehabt habe. Wann sich der Beschuldigte H._
genau mit dem Armierungseisen bewaffnet habe, sei dabei nicht von Relevanz.
b) Die Verteidigung des Beschuldigten H._ bestritt den eingeklagten
Sachverhalt betreffend dessen Bewaffnung. Nach Auffassung der Verteidigung
stellt die Sachverhaltsdarstellung der Anklagebehörde nichts weiter als eine
spekulative Annahme dar. Dass die DNA des Beschuldigten H._ auf einem
Armierungseisen festgestellt worden sei, beweise nicht, dass er dieses als
Tatwerkzeug benützt habe. Es beweise lediglich, dass er mindestens einmal in
seinem Leben mit dem Armierungseisen in Kontakt gekommen sei. Es sei
aktenkundig, dass G._ die Armierungseisen von der Baustelle mit nach
Hause genommen habe. Es sei also denkbar, dass H._ die Armierungseisen
in seiner alten Wohnung im Parterre einmal behändigt habe. Der Beschuldigte
habe ja zuvor in der Wohnung K._ gewohnt und sei im Dezember 2009 dort
ausgezogen. Daraus ergebe sich die Möglichkeit, dass er die Armierungseisen
einmal berührt und folglich darauf seine DNA hinterlassen habe. Es sei nämlich
- 31 -
denkbar, dass ein oder zwei Armierungseisen beim Auszug des Beschuldigten in
der Wohnung des nachmaligen Mieters K._ zurückgeblieben seien. Relevant
sei zudem, dass die Gebrüder ... [F._ und M._] vermutlich Handschuhe
getragen hätten. Schliesslich sei auch zu bedenken, dass der Beschuldigte selbst
auch zwei bis drei Schläge auf den Kopf erhalten habe. Er sei am linken Arm
verletzt worden und habe immer geltend gemacht, er sei sofort nach dem Öffnen
der Türe geschlagen worden. Auch damit könnten seine DNA-Spuren auf dem
Eisen erklärt werden (Urk. 95 S. 4). Anlässlich der Berufungsverhandlung
wiederholte die Verteidigung diese Vorbringen im Wesentlichen (Urk. 228 S. 12).
c) Am Tatort wurden im Lichtschacht der Liegenschaft zwei Armierungseisen
vorgefunden. Auf einem der beiden Armierungseisen, nämlich jenem mit der
Spurenasservat Nr. ..., wurde ein DNA-Mischprofil nachgewiesen, welches
einerseits dem verstorbenen † M._ und andererseits dem Beschuldigten
H._ zugeordnet werden konnte (Urk. 14/4 S. 4). Der Beschuldigte H._
hat vor Vorinstanz denn auch seine Spurengeberschaft nicht bestritten. Vielmehr
hat er sich bemüht, Erklärungen dafür vorzubringen, wie seine DNA auf das
Armierungseisen gelangt sein könnte. Während H._ anlässlich seiner
zweiten polizeilichen Einvernahme vom 12. März 2010 noch zu Protokoll gab, von
einer Eisenstange in seiner Wohnung wisse er nichts (Urk. 5/3 S. 16), brachte er
in der vorinstanzlichen Hauptverhandlung plötzlich vor, es könne sein, dass er die
Armierungseisen in der Wohnung K._ zurückgelassen habe, als er dort
ausgezogen sei (Urk. 88 S. 13). Weder dieser nachgeschobene, noch die
betreffenden Erklärungsversuche der Verteidigung verfangen indes. Bei
gesamtheitlicher Betrachtung sämtlicher massgeblicher Beweismittel besteht kein
Zweifel daran, dass sich der Beschuldigte H._ mit dem Armierungseisen
bewaffnete und damit in das Geschehen eingriff. Wie die Vorinstanz vollkommen
zurecht ausführt, lassen die in diesem Punkt durchaus glaubhaften Aussagen von
F._ sowie die durch die Rechtsmedizin festgestellten Blutspuren auf der
Kleidung des Beschuldigten H._ zusammen mit seiner Spurengeberschaft
auf dem Armierungseisen vernünftigerweise nur einen Schluss zu, nämlich jenen,
dass der Beschuldigte H._ bei der Auseinandersetzung das Armierungseisen
- 32 -
mit sich führte. Auf die sorgfältige und im Ergebnis nicht zu beanstandende
Begründung im angefochtenen Entscheid kann daher verwiesen werden.
1.1.8. † M._
Die Vorinstanz kommt gestützt auf die Aussagen der Beschuldigten G._,
H._ und J._ zum Schluss, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass
† M._ bei der Auseinandersetzung mit einem Gegenstand bewaffnet
gewesen sei. Zugunsten der Beschuldigten sei daher anzunehmen, dass
† M._ anlässlich der tätlichen Auseinandersetzung einen schmalen, langen
und metallenen Gegenstand in seiner Hand gehalten habe. Mutmasslich habe es
sich dabei um den im Lichtschacht vorgefundenen Schraubendreher gehandelt.
Auf eben diesem sei DNA-Material gefunden worden. Die Auswertung des
Instituts für Rechtsmedizin habe ergeben, dass sich auf dem Griff- und dem
Schaufelteil des Schraubendrehers nicht bluthaltige DNA befunden habe, welche
sich † M._ habe zuordnen lassen (Urk. 136 S. 42 ff.).
1.1.9. Die Verteidiger der Beschuldigten beanstanden diese Schlussfolgerung der
Vorinstanz nicht. Die Verteidigung von H._ mutmasste vor Vorinstanz, bei
dem Gegenstand, den † M._ in der Hand gehalten habe, habe es sich um
das Armierungseisen gehalten, welches die Anklagebehörde dem Beschuldigten
2 zugeordnet habe (Urk. 95 S. 4 f.).
1.1.10. Die Vorinstanz hat die massgeblichen Aussagen der Beteiligten unter
Ziff. III. 4.3.5. a) vollständig und richtig wiedergegeben, darauf ist zu verweisen.
Die Beschuldigten G._, H._ und J._ schildern in der Untersuchung
übereinstimmend, dass † M._ bei der Auseinandersetzung einen
Gegenstand in der Hand gehalten habe. Diese im Kern kongruenten Aussagen
sind fraglos glaubhaft, zeichnen sie sich doch insbesondere auch dadurch aus,
dass sie frei von Übertreibungen und lebensnah geschildert sind. Ebensowenig
wirken die Aussagen untereinander abgesprochen. Die Verteidigungen weisen an
verschiedenen Stellen ihrer Plädoyers darauf hin, dass die Beschuldigten
aufgrund ihrer sofortigen Inhaftierung gar keine Möglichkeit gehabt hätten, ihre
Aussagen aufeinander abzustimmen. Dieser Auffassung kann nicht unbenommen
- 33 -
gefolgt werden. Den Beschuldigten wäre es nämlich unmittelbar nach dem
Tatgeschehen ohne weiteres möglich gewesen, sich zumindest in groben Zügen
abzusprechen. Wie den Wahrnehmungsberichten von Kpl Q._ vom 26.
Februar 2010 (Urk. 10/2) und von Fw R._ vom 4. März 2010 (Urk. 10/3) zu
entnehmen ist, standen die Beschuldigten I._ und H._ sowie J._
beim Eintreffen der Polizei vor der Liegenschaft beieinander. Kpl Q._ und Fw
R._ trafen als erste Patrouille um 17:34:38 am Tatort ein (Urk. 10/2 S. 2).
Rund 6 Minuten später trafen die Kantonspolizisten Wm mbA S._ und Det
Gfr. T._ am Tatort ein. Auch sie stellten fest, dass sich vor dem Haus
verschiedene unbekannte Personen aufhielten (Urk. 1 S. 14). Gemäss den
aktenkundigen Verhaftsrapporten der Kantonspolizei Zürich wurden H._
(Urk. 28/1) und I._ (Urk. 29/1) um 18.00 Uhr vor Ort verhaftet. Gemäss Urk.
30/1 soll J._ um 17.30 Uhr verhaftet worden sein, was jedoch offenkundig
nicht zutreffen kann, weil zu diesem Zeitpunkt noch gar keine Polizeipatrouille vor
Ort war. Fest steht hingegen, dass anfänglich relativ lange unklar war, was sich
überhaupt zugetragen hatte. Die ersten Beamten vor Ort waren mit einer
chaotischen Situation konfrontiert und bemühten sich sofort nach ihrem Eintreffen
um den im Sterben liegenden † M._. Sie hatten gar keine Gelegenheit, sich
um die möglichen Tatbeteiligten zu kümmern und gegebenenfalls kolludierende
Handlungen zu unterbinden. Es ist daher ohne weiteres denkbar, dass noch vor
der Verhaftung der Beschuldigten gewisse Absprachen hätten stattfinden können.
In Bezug auf die vorliegenden Frage, nämlich ob † M._ bewaffnet gewesen
sei, besteht jedoch kein Grund zur Annahme, dass die übereinstimmenden
Aussagen der Beschuldigten koordiniert wären. Mit Verweis auf die einleuchtende
Begründung der Vorinstanz ist es als erstellt zu betrachten, dass † M._
anlässlich der tätlichen Auseinandersetzung einen schmalen, langen und
metallenen Gegenstand in der Hand hielt. Dabei dürfte es sich mit grosser
Wahrscheinlichkeit um den Schraubendreher gehandelt haben, welcher im
Lichtschacht sichergestellt wurde und an dessen Griff- und Schaufelteil nicht
bluthaltige DNA von † M._ festgestellt werden konnte. Dass es sich beim
fraglichen Gegenstand um das Armierungseisen gehandelt haben könnte,
welches gemäss erstelltem Sachverhalt H._ zuzuschreiben ist, kann
- 34 -
ausgeschlossen werden. Anlässlich seiner polizeilichen Befragung vom 16.
Februar 2010 gab H._ selbst zu Protokoll, er habe beim etwas älteren,
dunkelhaarigen Mann etwas Schwarzes wahrgenommen. Was es gewesen sei,
das "da kurz in der Hand erschien" könne er nicht sagen (Urk. 5/1 S. 6). Am 12.
März 2010 führte H._ dann gegenüber der Polizei aus, er habe bei einem der
beiden Unbekannten einen Gegenstand in der Hand gesehen. Er wisse nicht, was
es für ein Gegenstand es gewesen sei (Urk. 5/3 S. 13). Die fraglichen
Armierungseisen befinden sich bei den Akten. Sie weisen jeweils eine Länge von
rund 40 cm und einen Durchmesser von 1.7 cm auf (Urk 12/2 S. 8). Angesichts
der Masse dieser Eisen ist es schlicht ausgeschlossen, dass sie dergestalt in der
Hand geführt werden könnten, dass man sie nicht zumindest als stangen- oder
stockartigen Gegenstand erkennen und benennen kann. Etwas derartiges hat der
Beschuldigte H._ jedoch nie zu Protokoll gegeben. Im Gegenteil, er spricht
von einem Gegenstand, der kurz "in der Hand" erschienen sei. Dabei muss es
sich offenbar um einen kleineren, weniger massiven Gegenstand gehandelt
haben. Damit findet die Hypothese der Verteidigung H._' in den Akten
keinerlei Stütze, weshalb sie ohne weiteres als unzutreffend verworfen werden
kann.
1.1.11. F._
a) Die Vorinstanz kam betreffend F._ zum Schluss, es sei erstellt, dass
dieser, nachdem er den Beschuldigten I._ zu Boden gedrückt habe, diesem
hinten aus dem Hosenbund einen Schraubenzieher gezogen hat. F._ habe
sich in der Untersuchung nicht dazu geäussert, wann er diesen Schraubenzieher
wegegeworfen habe. Anlässlich der Befragung im Rahmen der Hauptverhandlung
und mit der Belastung des Beschuldigten I._ konfrontiert habe F._ dazu
ergänzend ausgeführt, dass er einen Gegenstand in der Hand gehalten habe, als
er dem Beschuldigten I._ den Schraubenzieher weggenommen habe. Er
habe diesen ungefähr zwei bis drei Sekunden in der Hand gehalten, bevor er ihn
in die Wohnung geworfen habe. Er habe den Schraubenzieher nicht mehr in der
Hand gehabt, als er die Wohnung verlassen habe. Diese Darstellung von F._
sei nicht unvereinbar mit der Wahrnehmung des Beschuldigten I._, der ja nur
- 35 -
für kurze Zeit, zwei Sekunden, einen Gegenstand in der Hand von F._
gesehen haben will. Hinzu komme, dass aufgrund des übrigen
Untersuchungsergebnisses nicht davon auszugehen sei, dass F._ sich nach
dem Gerangel mit dem Beschuldigten I._ weiter aktiv an der
Auseinandersetzung beteiligt habe. Insbesondere sei von keinem weiteren der
Beschuldigten je geltend gemacht worden, von F._ mit einem Gegenstand
geschlagen oder auch nur bedroht worden zu sein. Der Beschuldigte H._
habe zwar teilweise unklare Aussagen über die Person, welche einen
Gegenstand gehalten habe, gemacht. Aufgrund des erstellten Sachverhaltes sei
aber einzig davon auszugehen, dass † M._ einen Gegenstand
(Schraubendreher) in der Hand gehalten habe. Der vom Beschuldigten I._
wahrgenommene Gegenstand sei somit offensichtlich bloss derjenige
Schraubenzieher gewesen, welchen F._ diesem aus dem Hosenbund
entnommen und danach weggeworfen habe. Es könne offen bleiben, ob F._
den Schraubenzieher unmittelbar nach der Wegnahme oder erst beim Verlassen
der Wohnung weggeworfen habe.
b) Da die Beschuldigten weder im vorinstanzlichen Verfahren, noch in der
Untersuchung oder im Berufungsverfahren behaupteten, F._ sei bei der
Auseinandersetzung bewaffnet gewesen, hat es bei den zutreffenden
Erwägungen der Vorinstanz sein Bewenden. Für eine Bewaffnung F._s
bestehen keine Anhaltspunkte.
1.1.12. L._
Dass L._ bei der tätlichen Auseinandersetzung bewaffnet gewesen sein soll,
wurde weder von der Anklagebehörde noch von den Beschuldigten
behauptet oder von diesem selbst zugegeben. Mit der Vorinstanz ist festzuhalten,
dass er sich nicht aktiv an den vorliegend zu beurteilenden tätlichen
Auseinandersetzungen beteiligt hat. Soweit die Verteidigung des Beschuldigten
H._ im Rahmen der Berufungsverhandlung Ausführungen dazu machte, es
sei
denkbar, dass sich L._ im Verlauf der Auseinandersetzung habe
befreien, in der Wohnung ein Armierungseisen behändigen und damit F._
- 36 -
von hinten auf den Kopf schlagen können (Urk. 228 S. 13), handelt es sich dabei
um reine Spekulationen. Weder hat eine der beteiligten Personen im Verlauf der
Untersuchung entsprechende Wahrnehmungen zu Protokoll gegeben, noch
bestehen irgendwelche objektiven Anhaltspunkte, welche für eine derartige
Annahme sprechen würden.
13.3. Beginn der Auseinandersetzung
1.1.13. Die Vorinstanz würdigte die Aussagen der Beteiligten zusammengefasst
dahingehend, dass nicht restlos geklärt werden könne, wer sich wann vor der
Türe zur Wohnung K._ eingefunden habe. Letztlich sei dies aber auch nicht
von Relevanz. Entscheidend sei, dass zum Zeitpunkt, als die Beschuldigten an
die Türe geklopft respektive an der Klingel geläutet hätten, diese zu viert
gewesen seien. Wer an der Türe geklopft und/oder geläutet habe, lasse sich nicht
mehr mit Sicherheit sagen. Ebenfalls lasse sich nicht mehr genau erstellen, wer
wo vor der Türe gestanden sei. Die betreffenden Aussagen der Beschuldigten
seien diesbezüglich zu widersprüchlich. Fest stehe hingegen, dass sich die
Beschuldigten J._ und G._ unmittelbar vor der Türe aufgehalten hätten.
Es sei erstellt, dass F._ die Türe in der Folge von innen einen Spalt breit
geöffnet habe. Als dieser die Beschuldigten vor der Türe gesehen habe, habe
vermutlich der Beschuldigte J._ entweder mit dem Fuss oder der Hand
verhindert, dass die Türe wieder geschlossen worden sei. Die von den
Verteidigungen der Beschuldigten vorgebrachte Sachverhaltsvariante, dass die
Gebrüder ... [F._ und M._] von ihrer Position innerhalb der Wohnung
nur die Möglichkeit gehabt hätten, die Wohnung durch einen
Überraschungsangriff und eine Überrumpelung ungeschoren zu verlassen,
erscheine in Gesamtbetrachtung der Umstände und der Vorgeschichte nicht als
ausgeschlossen. Gestützt werde diese Annahme auch durch die Tatsache, dass
† M._ zusammen mit den Beschuldigten G._ und H._ in den
Waschküchenbereich hinuntergefallen sei. Es sei deshalb zugunsten der
Beschuldigten offen zu lassen, aus welchem Grund schliesslich die Türe ganz
aufgegangen sei, ob durch körperliche Gewalt der Beschuldigten oder durch
einen der Gebrüder ... [F._ und M._]. Ebenfalls offen zu lassen sei die
- 37 -
Frage, wer zuerst auf wen losgegangen sei. Diesbezüglich könne nicht
zweifelsfrei davon ausgegangen werden, dass die Beschuldigten auf die
Gebrüder ... [F._ und M._] losgegangen seien bzw. diese angegriffen
hätten. Auf der anderen Seite könne aber auch nicht einfach von der Version der
Beschuldigten ausgegangen werden, wonach diese von den Gebrüdern ...
[F._ und M._] angegriffen worden seien. Wenn der Beschuldigte
G._ anlässlich der Hauptverhandlung ausgeführt habe, die Türe sei so
aufgegangen, dass eine beidseitige Konfrontation stattgefunden habe, so
erscheine dies plausibel. Dabei sei insgesamt nicht weiter verwunderlich, dass die
Beschuldigten einerseits und F._ andererseits jeweils gegenteilige Aussagen
gemacht hätten. L._ wolle seinen Aussagen zufolge nichts mitbekommen
haben, da er von seiner Position her nichts gesehen habe. Die Aussage von
N._, wonach die Beschuldigten die Türe mit Körpergewalt aufgemacht
hätten, könne insofern nicht zweifelsfrei übernommen werden, als viele ihrer
Aussagen insbesondere auch im Vergleich mit Aussagen der Beschuldigten
selbst über das Tatgeschehen nicht glaubhaft seien.
In der Folge sei es unbestrittenermassen zu einer tätlichen Auseinandersetzung
zwischen den Beschuldigten einerseits und den Brüdern ... [F._ und
M._] anderseits gekommen, wobei die Klärung der Frage, ob es sich dabei
um einen Angriff gehandelt habe, rechtlicher und nicht tatsächlicher Natur sei.
Namentlich aufgrund der teilweise widersprüchlichen Angaben von F._
müsse zugunsten des Beschuldigten I._ offengelassen werden, ob dieser vor
der Türe den Schraubenzieher tatsächlich in der Hand gehalten habe. Was aber
F._s Beobachtungen im Zusammenhang mit dem Messer in der Hand des
Beschuldigten G._ angehe, so sei festzuhalten, dass nicht ersichtlich sei,
wann dieser sonst im Laufe der Auseinandersetzung das Messer in G._'
Hand hätte sehen können. F._ habe seinen Aussagen zufolge denjenigen
Teil der Auseinandersetzung, welcher zur tödlichen Verletzung von † M._
geführt und ausserhalb der Wohnung von K._ stattgefunden habe, nicht
mitbekommen. Dies alles sei geschehen, bevor F._ seinen Bruder nach dem
Streit auf dem Boden im Waschküchenbereich gesehen habe. Er habe nicht
- 38 -
gesehen, wie jemand mit einem Messer auf seinen Bruder eingestochen habe.
Zudem habe von den übrigen Beschuldigten auch nie jemand glaubhaft dargelegt,
F._ sei während der tätlichen Auseinandersetzung im Waschküchenbereich
anwesend gewesen. Dass F._ aber von Anbeginn weg ausgesagt habe, der
Beschuldigte G._ habe ein Messer in der Hand gehalten, belege
unzweifelhaft, dass Letzterer entgegen seinen Beteuerungen eben doch schon
vor der Wohnungstüre bzw. im Zeitpunkt, als die Wohnungstüre von F._
geöffnet worden sei, das Tatmesser in seiner Hand gehalten habe. Auch
anlässlich der Hauptverhandlung habe F._ noch einmal deutlich gemacht,
dass der Beschuldigte G._ das Messer in der Hand gehalten habe, als er
(F._) die Wohnungstüre aufgemacht habe. Untermauert werde diese
Sachverhaltsdarstellung auch durch die
Aufzeichnung der zwei Notrufe, worin F._ nichts von einem Messerstich
erwähnt habe. Es sei dabei wohl davon auszugehen, dass F._ etwas von
einem Messerstich gegen seinen Bruder erwähnt hätte, hätte er die
Auseinandersetzung und den tödlichen Messerstich im Waschküchenbereich
miterlebt. Der diesbezüglich eingeklagte und entscheidende Sachverhalt sei somit
als erstellt zu betrachten.
Dass der Beschuldigte H._ das von ihm verwendete Armierungseisen bereits
in der Wohnungstüre offen und für F._ sichtbar in den Händen gehalten
habe, müsse anhand der in der Hauptverhandlung gemachten Äusserungen von
F._ zugunsten des Beschuldigten H._ verneint werden. Etwas anderes
könne nicht rechtsgenügend erstellt werden.
1.1.14. Die Verteidigung des Beschuldigten G._ machte vor Vorinstanz
zusammengefasst geltend, aufgrund der unabgesprochenen und überein-
stimmenden Aussagen sämtlicher Beschuldigter sei klar, dass es nie zu einem
Angriff der Beschuldigten auf die Brüder ... [F._ und M._] gekommen
sei. Genau umgekehrt habe es sich verhalten. Die Beschuldigten seien nämlich
von den aus der Wohnung stürmenden Brüdern ... [F._ und M._] völlig
überrascht worden. Die Anklagebehörde verfüge, mit Ausnahme der Aussagen
F._s, über kein einziges Beweismittel, welches ihre These stütze. Was die
- 39 -
Aussagen von N._ angehe, so lasse sich diese schon aus formellen Gründen
nicht gegen den Beschuldigten verwenden. Einzig und allein auf F._ beruhe
auch die Behauptung, dass G._ vom Moment der Türöffnung an das Messer
einsatzbereit in der Hand gehalten habe. Es sei durchaus möglich und sogar
wahrscheinlich, dass F._ das Messer bei G._ erst später gesehen habe,
als er es nämlich unten nach der Auseinandersetzung mit † M._ noch in der
Hand gehabt habe oder das Messer dort herumgelegen sei. Es sei daher nicht
verwunderlich, dass er das Messer habe beschreiben können. Es gebe keine
weiteren Spuren, welche einen Angriff auf die Gebrüder ... [F._ und
M._] belegen könnten und die nicht genau so gut mit der
Auseinandersetzung nach dem Angriff durch die Gebrüder ... [F._ und
M._] erklärt werden könnten (Urk. 94 S. 8).
Anlässlich der Berufungsverhandlung führte die Verteidigung hierzu aus, auch die
"Vorinstanz habe zu Recht einen Überraschungsangriff der Gebrüder ... [F._
und M._] beim Verlassen der Wohnung als erstellt angenommen und einen
vorgängigen eigentlichen Angriff der Beschuldigten ... [G._-H._-I._]
Brüder und J._ auf die ... [F._ und M._] (zu Recht und im
vorliegenden Berufungsverfahren unangefochten) verneint" (Urk. 227 S. 7).
1.1.15. Die Verteidigung von H._ stellte sich im erstinstanzlichen Verfahren
zusammengefasst auf den Standpunkt, die Anklageschrift beschreibe in
ungenügender Art und Weise, wie und durch wen die Türe zur Wohnung
K._ geöffnet worden sei. Es sei auch unberücksichtigt geblieben, dass der
Beschuldigte H._ im Besitz eines Schlüssels zur Wohnung K._ gewesen
sei. Daraus ergebe sich, dass die Beschuldigten gerade nicht vorgehabt hätten,
die Brüder ... [F._ und M._] anzugreifen, ansonsten sie nämlich die
Türe mit dem Schlüssel geöffnet hätten, und zwar ohne die Brüder ... [F._
und M._] mittels klopfen und lauter Nachfragen zu warnen. Nach dem
Klopfen sei es in der Wohnung still geworden, weil sich die Brüder ... [F._
und M._] höchstwahrscheinlich auf ihre Flucht aus der Wohnung
vorbereiteten. Ihr Plan sei es gewesen die Türe überraschend zu öffnen und die
Wohnung unter allen Umständen zu verlassen. Aufgrund ihrer höchst kriminellen
- 40 -
Machenschaften in der Wohnung K._ hätten sie zwingend mit dem Eintreffen
der Polizei rechnen müssen, weshalb sie nur noch ein Ziel verfolgt hätten,
nämlich zu fliehen. Sie hätten damit rechnen dürfen, dass L._ kein Interesse
daran gehabt habe, die Polizei zu rufen. So gesehen wären sie bei einer
erfolgreichen Flucht aus der Wohnung straflos davon gekommen. Entsprechend
hätten auch alle Beschuldigten übereinstimmend ausgesagt, dass die Türe
aufgegangen sei und die Gebrüder ... [F._ und M._] überraschend auf
sie losgegangen seien (Urk. 95 S. 4 f.).
Anlässlich der Berufungsverhandlung liess H._ durch seinen Verteidiger im
Wesentlichen das bereits Vorgebrachte wiederholen. Ergänzend dazu führte die
Verteidigung aus, es könne nicht angehen, dass die Vorinstanz angeblich zu
Gunsten der Beschuldigten offen lasse, aus welchem Grund schliesslich die Türe
ganz aufgegangen sei. Auch dürfe nicht offengelassen werden, wer zuerst auf
wen losgegangen sei. Von der Beantwortung dieser Fragen hänge nämlich ab, ob
eine Notwehrsituation für die Beschuldigten entstanden sei, oder nicht (Urk. 228
S. 15 ff.).
1.1.16. Die Verteidigung von J._ machte zunächst geltend, es müsse allein
schon aufgrund der Formulierung in der Anklageschrift zugunsten der
Beschuldigten angenommen werden, dass die Brüder ... [F._ und M._]
die Türe von sich aus und ohne entsprechende Gewalt seitens der Beschuldigten
vollständig öffneten. Bereits aufgrund der Gegebenheiten vor Ort sei nicht
vorstellbar, wie die vier Beschuldigten gemeinsam und gleichzeitig gegen die Türe
gedrückt haben sollten. Einzig denkbar sei, dass sie sich in Zweierkolonnen
gegen die Türe gestemmt hätten. Es sei erstellt, dass zumindest † M._ aus
der Wohnung getreten sei und dann mit G._ und wohl noch anderen
Beteiligten die Treppe hinuntergestürzt sei. Dieser Vorgang sei selbstredend
unmöglich, wenn man davon ausgehe, dass die Beschuldigten die Wohnungstüre
mit Gewalt aufdrückten und hernach in die Wohnung stürzten. Es sei auch darauf
hinzuweisen, dass die Anklagebehörde sich unredlicher Beweismittel bediene,
wenn sie auf die Aussagen von N._ abstelle. Ihre Aussagen seien aufgrund
von Art. 147 Abs. 4 StPO schlicht nicht verwertbar. Aufgrund der
- 41 -
Untersuchungsergebnisse sei genau das Gegenteil von dem erstellt, was
schliesslich in die Anklage Eingang gefunden habe. Es stehe nämlich fest, dass
die Beschuldigten durch die Brüder ... [F._ und M._] angegriffen worden
seien und nicht umgekehrt. Dafür dass es sich so, wie der Beschuldigte J._
im Übrigen immer schon ausgesagt habe, verhalten habe, spreche auch der
Umstand, dass er und G._ aufgrund des
unvermittelten Angriffs der Brüder ... [F._ und M._] rückwärts die
Treppe hinunterstürzten. Ihre Gewaltbereitschaft und ihr damaliges
Aggressionspotential hätten die Brüder ... [F._ und M._] durch ihre
massiven Übergriffe auf L._ eindrücklich zur Schau gestellt. (Urk. 99 S. 8 ff.).
Anlässlich der Berufungsverhandlung machte der Verteidiger von J._ keine
neuen Ausführungen zum Beginn der Auseinandersetzung (Urk. 229).
1.1.17. Die Vorinstanz hat unter Ziff. III. 4.4.1 bis 4.4.7 die Aussagen der
Beschuldigten sowie jene von F._ und N._ sehr sorgfältig und
vollständig zusammengefasst und wiedergegeben. Darauf kann zwecks
Vermeidung von unnötigen Wiederholungen vollumfänglich verwiesen werden. In
Bezug auf die Aussagen der Auskunftsperson N._ gilt es jedoch unter
Hinweis auf das unter Ziff. II. 2.3 vorstehend Erwogene zu beachten, dass allfällig
von ihr zum Nachteil der Beschuldigten gemachte Aussagen nicht verwertet
werden dürfen. Insofern ist den entsprechenden Beanstandungen der Verteidiger
beizupflichten. Immerhin kann aber auch festgehalten werden, dass ihren
Aussagen nichts
offenkundig Entlastendes zum Vorteil der Beschuldigten entnommen werden
kann.
1.1.18. a) Wann und aus welchem jeweiligen Grund sich die einzelnen Beteiligten
vor der Wohnungstüre K._ eingefunden haben, lässt sich aufgrund der
unterschiedlichen Angaben sämtlicher Beteiligter nicht mehr eruieren. Aufgrund
des Beweisergebnisses ist aber erstellt, dass sich sämtliche vier Beschuldigten
vor der Wohnungstüre befanden, als an der Türe geklopft respektive geläutet
wurde. Insoweit ist der Sachverhalt auch durch die Beschuldigten unbestritten und
infolgedessen als erstellt zu betrachten. Was die jeweilige Position der
- 42 -
Beschuldigten beim Öffnen der Türe angeht, sagte G._ aus, er sei eher
hinten respektive zuhinterst gestanden (Urk. 4/2 S. 3; Urk. 4/6 S. 5 f.). An anderer
Stelle gab er an, in der zweite Reihe gestanden zu sein (Urk. 4/2 S. 8). H._
gab an, G._ sei in diesem Moment zuvorderst gestanden, hinter ihm
J._, dann I._ und schliesslich er selbst (Urk. 5/1 S. 3; Urk. 5/3 S. 11).
I._ schilderte die Situation dahingehend, dass G._ direkt vor der Türe
gestanden sei. Er selbst sei leicht nach links versetzt, J._ rechts von ihm und
H._ hinter ihnen gestanden (Urk. 6/1 S. 2; Urk. 6/3 S. 3). J._ machte zur
Situation vor der Türe keine präzisen Aussagen. Anlässlich seiner ersten
Befragung gab er lediglich an, sie hätten geläutet und an die Türe gepoltert.
Nachdem die Türe von innen geöffnet worden sei, habe einer von ihnen, I._,
G._, oder er selbst die Hand in die Türe gehalten, damit diese nicht mehr
geschlossen werde (Urk. 7/1 S. 2). An anderer Stelle bestätigte er seine
Aussagen, indem er angab, er selbst, G._, I._ und H._ seien vor
der Türe gestanden. Er oder I._ hätten dann die Türe aufgehalten (Urk. 7/3
S. 4). Wenn die Vorinstanz angesichts dieser Aussagen schlussfolgert, es stehe
fest, dass sich die Beschuldigten J._ und G._ im Zeitpunkt, als die Türe
geöffnet worden sei, unmittelbar davor aufgehalten hätten, so ist dies durch das
Beweisergebnis erstellt. Immerhin hat der Verteidiger von J._ im Rahmen der
Berufungsverhandlung zugestanden, sein Mandant habe die "allenfalls
vorgenommenen Handlungen zur Vermeidung der sofortigen Schliessung der
Wohnungstüre durch die sich bei
L._ befindlichen Personen" lediglich mit dem Ziel vorgenommen,
"Informationen zum Wohlbefinden von L._ zu erhalten und diesem zu
helfen". Keinesfalls sei es um eine nachfolgende Durchführung eines tätlichen
Angriffs bzw. Raufhandels gegangen (Urk. 229 S. 9).
b) Es ist weiter nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz im Rahmen ihrer
Beweiswürdigung im Ergebnis zum Schluss kommt, es könne nicht zweifelsfrei
erstellt werden, dass die Beschuldigten auf die Gebrüder ... [F._ und
M._] losgegangen seien oder ob das Gegenteil der Fall gewesen sei.
Wenngleich die von den Verteidigern der Beschuldigten ins Feld geführte
Sachverhaltsvariante, wonach die Gebrüder ... [F._ und M._] gleichsam
- 43 -
mit dem Rücken zur Wand in der Falle gesessen seien und die Flucht nach vorne
hätten antreten müssen, nicht überzeugt, lässt sich gegenteiliges nicht restlos
beweisen. Immerhin aber ist darauf hinzuweisen, dass sich die Wohnung
K._, in welcher L._ festgehalten wurde, im Parterre der Liegenschaft
befindet und die Gebrüder ... [F._ und M._] ohne weiteres durch die
Fenster respektive via Balkontüre hätten fliehen können. Anlässlich der
Berufungsverhandlung bestätigte F._ immerhin, sich solche Gedanken auch
gemacht zu haben (Prozess SB120265 Urk. 57 S. 6). Insofern verfängt die
Hypothese der Verteidiger nicht. Ebenso ist es wenig wahrscheinlich, dass die
Gebrüder ... [F._ und M._] den Plan hatten, bei den engen räumlichen
Verhältnissen an den vier, zumindest teilweise bewaffneten, Beschuldigten
vorbeizustürmen und auf diese Weise die Flucht zu ergreifen. Ein derartiges
Vorhaben wäre bei vernünftiger Betrachtung von Anbeginn zum Scheitern
verurteilt gewesen. Wie die Vorinstanz jedoch zurecht festhielt, muss zugunsten
der Beschuldigten offen gelassen werden, ob die Wohnungstüre gewaltsam durch
die Beschuldigten aufgedrückt wurde oder ob die Brüder ... [F._ und
M._] diese unvermittelt ganz aufrissen. Ebenso lässt sich nicht mehr im
Detail klären, wer auf wen losgegangen ist. Wie die Vorinstanz zitierte, gab
G._ vor Bezirksgericht zu Protokoll, die Türe sei so aufgegangen, dass eine
beidseitige Konfrontation stattgefunden habe (Urk. 87 S. 20). Diese Schilderung
dürfte die konkreten Geschehnisse am besten wiedergeben. Einerseits
versuchten die Beschuldigten unbestrittenermassen von aussen zu verhindern,
dass die Wohnungstüre wieder geschlossen wurde und stemmten sich dagegen.
Andererseits waren die Brüder ... [F._ und M._] in der Wohnung
angesichts der Übermacht vor der Türe zunächst bemüht, diese um jeden Preis
wieder zu schliessen, und als dies nicht mehr gelang und sich die Türe für
sämtliche Beteiligten überraschend öffnete, ging man aufeinander los. Ein
einseitiger Angriff der Beschuldigten auf die Gebrüder ... [F._ und M._]
lässt sich damit nicht zweifelsfrei erstellen. Wie die Verteidigung von G._
aufgrund der vorinstanzlichen Erwägungen zum Schluss kommt, die Vorderrichter
hätten "verbindlich festgestellt", der Auseinandersetzung liege ein
Überraschungsangriff der Gebrüder ... [F._ und M._] zugrunde, ist
- 44 -
schlicht nicht nachvollziehbar. Solches lässt sich dem angefochtenen Entscheid
jedenfalls nicht entnehmen. Hier unterliegt die Verteidigung wohl ebenso einem
Irrtum, wie wenn sie die Auffassung vertritt, die vorinstanzlichen Erwägungen
seien für die Rechtsmittelinstanz bindend, weil die Anklagebehörde den
Schuldpunkt nicht angefochten habe. Dieser wurde bekanntlich von den
Beschuldigten zum Berufungsgegenstand gemacht und steht damit im
zweitinstanzlichen Verfahren ohne Einschränkung zur Disposition. Was die
Einwände der Verteidigung von H._ angeht, ist darauf hinzuweisen, dass die
Vorinstanz entgegen den Ausführungen der Verteidigung die Frage, wer auf wen
losgegangen sei, gerade nicht offen lässt. Die Vorinstanz kommt vielmehr mit
Verweis auf entsprechende Zugeständnisse des Beschuldigten G._ zum
zutreffenden Schluss, die Türe sei so aufgegangen, dass eine beidseitige
Konfrontation stattgefunden habe (Urk. 136 S. 55). Dies wird im Übrigen auch
schon rein bildlich dadurch unterstrichen, dass gemäss erstelltem Sachverhalt
(vgl. dazu später Ziff. 5) sich † M._ kämpfend zur Wohnungstür hinaus
bewegte (was für ein "Ausbrechen" der Gebrüder ... [F._ und M._]
sprechen könnte), während sich die tätliche Auseinandersetzung zwischen
F._ und I._ im Innern der Wohnung abspielte (was eher einen Angriff
der Gebrüder ... [ G._-H._-I._]). Die Verteidigung von H._
beanstandet weiter, die Vorinstanz habe sich nicht mit dem Argument
auseinander gesetzt, wonach H._ im Besitz eines Wohnungsschlüssels
gewesen sei und es daher auf der Hand liege, dass sich die Beschuldigten
unbemerkt Zutritt zur Wohnung hätten verschaffen können, wenn sie einen Angriff
geplant gehabt hätten. Dieses Argument ist insofern rein spekulativer Natur, als
H._ selbst ausführte, einer von ihnen habe an der Türklingel geläutet und
den Türgriff gedrückt (Urk. 5/1 S. 2 f.; Urk. 5/8 S. 11 ff.). Daraus geht hervor, dass
die Türe offenkundig von innen verschlossen war. Damit hätte sie von aussen
wohl auch mit einem Schlüssel nicht geöffnet werden können. Insofern kann der
Beschuldigte H._ aus dem Umstand, dass er allenfalls über einen
Wohnungsschlüssel verfügte, nichts zu seinen Gunsten ableiten.
c) Wenn die Vorinstanz erwägt, in der Folge sei es unbestrittenermassen zu
einer tätlichen Auseinandersetzung zwischen den Beschuldigten einerseits und
- 45 -
F._ sowie † M._ andererseits gekommen, wobei auf die einzelnen
Tathandlungen später noch einzugehen sei, ist dem nichts hinzuzufügen.
d) Soweit die Vorinstanz unter Ziff. III. 4.4.8 d) (Urk. 136 S. 56) Erwägungen zu
einer allfälligen Bewaffnung des Beschuldigten I._ macht, kann darauf
angesichts seiner rechtskräftigen Verurteilung vollumfänglich verwiesen werden.
Wie an anderer Stelle ausgeführt, stellte sich F._ von Anfang an auf den
Standpunkt, der Beschuldigte G._ sei bereits zu Beginn der tätlichen
Auseinandersetzung mit einem Messer bewaffnet gewesen. Rund drei Stunden
nach der Auseinandersetzung wurde F._ im Spital U._ erstmals durch
einen Funktionär der Kantonspolizei Schwyz zur Sache befragt. Schon damals
gab er zu Protokoll, dass jene Person, welche auf seinen Bruder los gegangen sei
(die Rede war von der Person mit dem "riesen Bart", womit unzweifelhaft G._
gemeint sein musste) mit einem Messer bewaffnet gewesen sei. Das Messer
habe eine 2.5 - 3 cm breite und ca. 10 cm lange Klinge aufgewiesen (Urk. 8/1 S.
17). Anlässlich seiner polizeilichen Einvernahme vom 2. März 2010 fertigte
F._ eine Skizze des Messers an, welches er bei G._ zuvor gesehen
habe (Urk. 8/3 S. 20a). Das Tatmesser wurde bekanntlich nicht gefunden.
Nachdem G._ aber zu Beginn seiner Einvernahmen bestritt, bei der
Auseinandersetzung ein Messer mit sich geführt zu haben, legte er am 5. März
2010 ein Geständnis ab. Dabei schilderte er erstmals auch die Beschaffenheit des
verwendeten Messers (Urk. 4/4 S. 4). Anhand dieser Beschreibungen konnte die
Anklagebehörde Erkundigungen bei der Firma ... einholen, dort hatte der
Beschuldigte das Messer gekauft. Anhand eines Fotos konnte der Beschuldigte
G._ das verwendete Messer eindeutig identifizieren (Urk. 4/7 S. 2 und
Anhang mit Fotografie des Messers). Das auf diese Weise eruierte Tatmesser
weist eine derartige Übereinstimmung mit dem bereits am Tattag durch F._
skizzierten Messer auf, das kein vernünftiger Zweifel daran bestehen kann, dass
F._ das Messer gesehen haben muss. Wie die Vorinstanz richtig ausführt,
hat F._ denjenigen Teil der Auseinandersetzung, welcher schliesslich zum
Tode seines Bruders † M._ führte, nicht mitbekommen, weil er zu jenem
Zeitpunkt erstelltermassen in der Wohnung K._ mit I._ in eine tätliche
- 46 -
Auseinandersetzung verwickelt war. Seinen im Sterben liegenden Bruder hat er
erst dann im Waschküchenbereich gesehen, als diesem die tödliche Verletzung
bereits beigebracht worden war (vgl. dazu auch die Aussagen von F._ an der
Berufungsverhandlung: SB120265 Urk. 57 S. 7). Dass F._ Teil dieser
Auseinandersetzung im Keller- respektive Waschküchenbereich gewesen sein
soll, wurde von keiner der Parteien je behauptet. Der Umstand, dass F._ die
Tatwaffe bereits in
einem Zeitpunkt derart präzise schildern und skizzieren konnte, als G._ noch
behauptete, nicht mit einem Messer bewaffnet gewesen zu sein und
niemand sonst wusste, wie das – verschwundene – Messer ausgesehen hatte,
lässt nur einen Schluss zu: G._ musste das Tatmesser bereits offen in der
Hand gehalten haben, als die Wohnungstüre geöffnet wurde. Die Vorinstanz ging
damit richtigerweise davon aus, dass der diesbezüglich eingeklagte
Sachverhalt als erstellt zu betrachten ist.
Dass der Beschuldigte H._ bei der Auseinandersetzung mit einem
Armierungseisen bewaffnet war, wurde zuvor unter Ziff. 4.2.2 dargetan. Gestützt
auf die Aussagen von F._ anlässlich seiner Einvernahme als
Auskunftsperson vor Bezirksgericht kamen die Vorderrichter zum Schluss, es
lasse sich nicht rechtsgenügend erstellen, dass H._ das von ihm verwendete
Armierungseisen bereits in der Wohnungstüre offen und für F._ sichtbar in
den Händen gehalten habe. Diese Erwägungen sind in der Sache zutreffend.
Allerdings findet sich in der Anklageschrift auch keine entsprechende
Sachverhaltsschilderung, welche zu erstellen gewesen wäre. Im Gegensatz zum
Beschuldigten G._, wo in der Anklageschrift explizit umschrieben wird, dieser
habe zum Zeitpunkt des behaupteten Angriffs "sein Messer jedenfalls für F._
sichtbar einsatzbereit in der Hand" gehalten, finden sich bezüglich H._ keine
entsprechenden Vorwürfe (Urk. 76 S. 6).
14. Ablauf der Auseinandersetzung
14.1. G._
- 47 -
1.1.19. Die Vorinstanz kommt zusammengefasst zum Schluss, es sei erstellt,
dass sich der Beschuldigte G._ entgegen seinen Ausführungen bereits mit
dem offenen Tatmesser in der Hand in die tätliche Auseinandersetzung mit
† M._ begeben habe. Zu seinen Gunsten sei jedoch davon auszugehen,
dass auch † M._ einen Gegenstand in seiner Hand gehalten habe. Dabei
habe es sich mutmasslich um den sichergestellten Schraubendreher gehandelt.
Anlässlich der weiteren Auseinandersetzung habe sich der Beschuldigte G._
eine Stichverletzung am linken Oberschenkel zugezogen, wobei nicht
ausgeschlossen werden könne, dass diese durch sein eigenes Messer und unter
Einwirkung von † M._ entstanden sei. Als der Beschuldigte G._ im
späteren Verlauf zumindest mit seinem rechten Knie auf den Boden gesunken
sei, habe er † M._ den eingeklagten tödlichen Messerstich versetzt.
1.1.20. Die Verteidigung von G._ machte vor Vorinstanz geltend, der
Beschuldigte habe während der ganzen Untersuchung von allem Anfang an
zugegeben, dass er am 15. Februar 2010 in der Liegenschaft O._strasse ...
in P._ anlässlich einer Auseinandersetzung † M._ mit einem Messer
einen tödlichen Stich beigebracht habe, dies nachdem † M._ ihn zuvor
angegriffen und ihm einen Stich in den Oberschenkel versetzt habe. Die
Behauptung der Anklagebehörde, es habe eine tätliche Auseinandersetzung
zwischen † M._
einerseits und G._, H._ und J._ andererseits gegeben, sei durch
nichts bewiesen. Vielmehr gestehe die Anklagebehörde ja selber ein, dass sich
die Reihenfolge der Tathandlungen im Detail nicht klären lasse. G._ sei nach
seinem Treppensturz vorübergehend bewusstlos gewesen. Vielleicht habe
† M._ in dieser Zeit eine Auseinandersetzung mit einem der Beschuldigten
gehabt, bei welcher er sich die festgestellten Kopfverletzungen zugezogen habe.
Auch das sei jedoch nicht nachgewiesen. Aufgrund der weitgehend ungeklärten
Sachlage sei zugunsten des Beschuldigten G._ von der für ihn günstigeren
Version auszugehen. Demnach seien die Gebrüder ... [F._ und M._]
unerwartet aggressiv aus der Wohnung herausgekommen und G._ habe
einen Schlag auf den Kopf bekommen. Danach sei er zusammen mit † M._
die Treppe hinuntergestürzt. † M._ sei mit einem unbekannten, metallenen
- 48 -
und spitzen Gegenstand auf ihn zugekommen. Bei diesem Gegenstand habe es
sich vermutlich um ein Messer oder einen Schraubenzieher gehandelt. G._
habe versucht † M._ mit der Hand von sich halten, als ihm dieser einen
(Faust-)Schlag auf den Kopf versetzt habe. Weil G._ † M._ offenbar
körperlich unterlegen gewesen sei, habe er erfolglos versucht, diesen
abzuwehren. Deshalb und weil er in Todesangst gewesen sei – er habe sich
durch den metallenen Gegenstand von † M._ bedroht gefühlt – habe er sein
Outdoormesser aus der Arbeitshose hervorgeholt. Damit habe er † M._
einschüchtern wollen, damit dieser von ihm hätte ablassen sollen. † M._
habe aber unbeirrt weitergekämpft. Irgendwann sei dann G._ am linken Bein
verletzt worden. Weil † M._ ihn gestochen habe, habe er gesehen, wie sein
linker Oberschenkel geblutet habe. Wegen der schwindenden Kraft im Bein sei
G._ dann auf die Knie gesunken, wobei er wegen des Blutverlustes und
unter Schock gedacht habe, er müsse sterben. † M._ habe aber nicht von
ihm abgelassen, weshalb G._ nochmals zwei Treppen hinuntergefallen sei.
Um sich von † M._ zu befreien und nicht selber getötet zu werden, habe
G._ † M._ schliesslich abwehrend mit beiden Händen weggestossen.
Dabei habe er ihm mit dem Messer einen Stich in die Brust versetzt, welcher
leider zur Tötung von † M._ geführt habe (Urk. 94 S. 12).
Im Rahmen der Berufungsverhandlung wiederholte die Verteidigung über weite
Teile die bereits vor Vorinstanz vorgebrachten Argumente. Ergänzend dazu
brachte sie vor, von einer Provokation durch den Beschuldigten G._ könne
keine Rede sein. Dieser habe das Messer während der Auseinandersetzung mit
den Gebrüdern ... [F._ und M._] zunächst gar nicht als Stichwaffe
eingesetzt, sondern erst am Ende der Auseinandersetzung mit † M._ tödlich
eingesetzt. Zu diesem Zeitpunkt sei der Beschuldigte schon erheblich verletzt auf
den Knien gewesen. Es sei unbestritten, dass der Beschuldigte mit seinem
Messer die tödliche Verletzung von † M._ herbeigeführt habe. Er habe sich
in Todesangst befunden und sich nicht mehr anders zu helfen gewusst. Er habe
nicht gezielt zugestochen, sondern versucht, den Angreifer mit letzter Kraft mit
Notwehrwillen wegzustossen. Dabei sei es zum verhängnisvollen Stich
gekommen. G._ habe das Messer bloss zu Warnzwecken hervorgenommen.
- 49 -
Er habe † M._ damit bloss auf Distanz halten wollen. Die Vorinstanz verfalle
in Willkür, wenn sie davon ausgehe, dass G._ bereits zu Beginn der
Auseinandersetzung vor der Wohnungstüre das Messer offen in der Hand
gehalten habe. F._ behaupte Solches, sei aber vollkommen unglaubwürdig
und was er sage sei unglaubhaft. Der Umstand, dass er das Messer habe
beschreiben können, spreche nicht dafür, dass er es vor der Wohnungstüre
gesehen habe. Ein Messer könne nämlich auch der dümmste Mensch zeichnen.
Es sei durchaus denkbar, dass er das Messer erst später gesehen habe, zum
Beispiel als er nach dem Streit ausserhalb der Wohnung K._ im
Waschküchenbereich seinen Bruder † M._ auf dem Boden gesehen habe.
Vor der Wohnungstüre könne er das Messer jedenfalls unmöglich gesehen
haben. Wenn nämlich F._ die Türe nur kurz einen Spalt von 10 cm geöffnet
und dann wieder zugedrückt habe, könne er unmöglich vier Personen zum Teil
vor G._ stehend, einen Schraubenzieher und ein Messer gesehen haben.
Eine solche Beobachtung sei objektiv gar nicht möglich, was klar mache, dass
F._ nicht die Wahrheit gesagt habe (Urk. 227 S. 8 ff.).
1.1.21. a) Die Vorinstanz hat auch hier die Aussagen des Beschuldigten G._
sehr gründlich und umfassend wiedergegeben. Den betreffenden Erwägungen
unter Ziff. III. 5.1 ist nichts mehr hinzuzufügen (Urk. 136 S. 58). Neue
Erkenntnisse konnten auch der Befragung von G._ anlässlich der
Berufungsverhandlung nicht entnommen werden (Urk. 217).
b) Im Ergebnis decken sich die Schlussfolgerungen der Vorinstanz weitest-
gehend mit den durch die Verteidigung des Beschuldigten vorgebrachten
Zugeständnissen. Bestritten wird vom Beschuldigten mit Vehemenz, dass er sich
bereits mit dem offenen Tatmesser in der Hand in die tätliche
Auseinandersetzung mit † M._ begeben habe. Dass G._ das
verwendete Messer bereits zu Beginn der Auseinandersetzung offen in der Hand
hielt, wurde indessen vorstehend unter Ziff. III. 4.3.6 d) ausführlich dargetan.
Daran ändert auch die Argumentation der Verteidigung nichts, die sich auf den
Standpunkt stellt, es sei objektiv gar nicht möglich, dass F._ durch den
Türspalt die Bewaffnung der Gebrüder ... [G._-H._-I._] habe
- 50 -
erkennen können. Diesbezüglich ist zunächst darauf hinzuweisen, dass die
Schilderungen der Beteiligten in Bezug auf die Türspaltbreite alles andere als
übereinstimmend sind. J._, der unbestrittenermassen zuvorderst bei der
Türe stand, gab zum Beispiel an, die Türe sei einen schmalen Spalt breit geöffnet
worden und ein Mann habe auf Deutsch gefragt, was sie wollten. Sie hätten sich
dann erkundigt, was in der Wohnung los sei. Der Mann habe dann aber nur
gemeint, das gehe sie nichts an und sie sollten abhauen. Sie hätten dann nach
L'._ (L._) gerufen und keine Antwort bekommen. Dann sei ein zweiter,
unbekannter Mann zur Türe gekommen und habe ebenfalls auf Deutsch gesagt
sie sollten abhauen (Urk. 7/1 S. 2). H._ gab an, die Türe sei von innen
geöffnet worden. G._ sei zuvorderst gestanden, hinter ihm J._, dann
I._. Er selber sei zuhinterst gestanden. Er habe zwei unbekannte Männer
gesehen, die in der Türe gestanden seien. Hinter ihnen habe er L._ gesehen.
Dann sei alles ganz schnell gegangen (Urk. 5/1 S. 3). Wenn also die
Beschuldigten Zeit und Raum hatten, von aussen in die Wohnung K._ zu
blicken, so muss es umgekehrt auch F._ möglich gewesen sein, die vor der
Tür stehenden Beschuldigten zu sehen. Das wäre im Übrigen gar durch eine
bloss 10 cm geöffnete Türe möglich – wenn auch vielleicht nur mit einem Auge
und nicht mit beiden. Von einer objektiven Unmöglichkeit, wie sie der
Verteidiger von G._ geltend macht, kann damit keine Rede sein. Gegen die
Sachverhaltsvariante der Verteidigung des Beschuldigten spricht neben den
bereits ins Feld geführten Argumenten auch der Umstand, dass G._ nach
seinen eigenen Angaben das Messer stets in einer Messerscheide mit sich
geführt habe; so auch am fraglichen 15. Februar 2010. Das Messer will G._
in der Tasche seiner Arbeitshosen gehabt haben, wobei die Scheide des Messers
unverschlossen gewesen sei. Auf diese Weise könne er das Messer bei der
Arbeit jeweils mit einer Hand oder mit Handschuhen herausziehen. Urk. 4/4 S. 5;
Urk. 4/6 S. 7). Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass die Scheide für das
Tatmesser weder am Tatort, noch in den Arbeitshosen des Beschuldigten
G._ gefunden wurde. Die Beschaffenheit seiner Hose schilderte G._
folgendermassen: "Ich trug Arbeitshosen mit grossen Säcken und Beintaschen.
Die Hosenbundsäcke waren sehr tief geschnitten, beinahe bis Mitte Ober-
- 51 -
schenkel, etwas nach innen reichend, damit man bequem mit darin platzierten
Gegenständen sitzen konnte (Urk. 4/7 S. 4). Die eigentliche Kampfhandlungen mit
† M._ schilderte der Beschuldigte in der Einvernahme vom 5. März 2010
wörtlich wie folgt (Urk. 4/4 S. 4): "M._ kam auf mich zu und er hatte in seiner
rechten Hand immer noch einen mir unbekannten Gegenstand. Ich weiss nicht
was es war. Ich hielt seine rechte Hand mit meiner linken Hand fest. Mit der
anderen Hand versuchte ich ihn wegzustossen und er mich mit seiner linken
Hand ebenfalls. Wie dies genau war, weiss ich nicht mehr. M._ schlug mich
auch auf den Kopf, vermutlich mit der Faust. Ich versuchte ihn abzuwehren. Ich
nahm dann aus meiner rechten Hosentasche, es waren Arbeitshosen, mein
Outdoormesser hervor, welches ich zum Arbeiten brauche". In der
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 16. März 2010 gab er an, † M._
sei wieder auf ihn los gegangen. Sie seien zusammen umgefallen. Er habe ihn –
den Beschuldigten – dann wieder angegriffen. Er habe mit seinem linken Arm
† M._'s rechten Arm gehalten. In der rechten Hand habe dieser den
Gegenstand gehabt. Mit den anderen Armen hätten sie herumgefuchtelt. Er habe
dann noch "ein paar bekommen". Er habe Schmerzen am Kopf gehabt. Er sei auf
Verteidigung gewesen und habe versucht, † M._ zurückzustossen. Mit der
linken Hand habe er ihn nicht mehr halten können, weil die Kraft nachgelassen
habe. Bei sich auf der rechten Seite habe er sein Arbeitsmesser gehabt, welches
er während des Kampfes habe herausnehmen können. Seine Hand habe er
immer noch fest gehalten. † M._ habe dann seine rechte Hand gehalten, in
der sich das Messer befunden habe. Sie seien dann in diesem Raum herumge-
gangen und hätten sich ähnlich wie zwei Ringer bewegt. Der Beschuldigte
G._ führte weiter aus, er sei dann auf sein rechtes Knie gefallen und habe
nicht mehr aufstehen können. Er habe Blut aus seinem Bein spritzen sehen. Im
Bein habe er keine Kraft mehr gehabt. Er habe dann versucht weg zu gehen, aber
† M._ sei immer noch an ihm gehangen. Auf dem rechten Bein sei er dann
davon gehumpelt, weil er das linke Bein nicht mehr gut habe bewegen
können. Es sei so schnell gegangen und er sei schwach geworden. Sie hätten
sich dann noch gegenseitig aneinander festgehalten. Er habe sich von † M._
befreien und diesen mit beiden Händen wegstossen wollen, wobei er in der
- 52 -
rechten Hand noch das Messer gehalten habe (Urk. 4/6 S. 6). In der Einvernahme
durch die Staatsanwaltschaft vom 17. Januar 2011 gab der Beschuldigte G._
schliesslich auf entsprechende Frage hin an, er habe das Messer in der rechten
Hand gehalten und zwar so, dass die Klinge auf der Daumenseite aus der Hand
geschaut habe. Wie er zugestochen habe, könne er nicht mehr sagen. Er erinnere
sich einfach, dass er ihn gegen oben weggestossen habe. Er sei eigentlich immer
auf den Knien gewesen (Urk. 4/8 S. 8). Anlässlich der Berufungsverhandlung
präzisierte G._ schliesslich, es habe sich bei der Hosentasche, in welcher
sich das Messer befunden habe, nicht um eine Beintasche, sondern um einen
normalen, breitgeschnittenen, seitlichen Hosensack gehandelt (Urk. 217 S. 5).
Allein schon aufgrund dieser Schilderungen des Beschuldigten selbst, wird
zweierlei klar. Erstens erscheint die Behauptung des Beschuldigten, wonach er
während der laufenden Kampfhandlung in seine Beintasche fasste und das
Outdoormesser behändigte, vollkommen unglaubhaft. Dies aus folgenden
Überlegungen: Der Beschuldigte gibt an, sein Messer sei unverschlossen in der
Messerscheide gesteckt. Er habe das Messer mitsamt Messerscheide in der
rechtsseitigen Beintasche seiner Arbeitshosen aufbewahrt, wobei deren Taschen
so gross geschnitten seien, dass man sich auch mit Gegenständen in der Tasche
bequem hinsetzen könne. Abgesehen davon, dass das Messer bei den durch den
Beschuldigten beschriebenen Kampfhandlungen inkl. mehrerer Treppenstürze mit
einiger Wahrscheinlichkeit hätte aus der weit geschnittenen Tasche fallen können,
ist es auch schlecht vorstellbar, wie der Beschuldigte, dessen linke Hand von
† M._ festgehalten wurde, während beide mit den anderen Armen
herumfuchtelten, mit der rechten Hand in seine breit geschnittene und tiefe
Beintasche fassen, dort auf Anhieb das Messer ergreifen und es schliesslich
einhändig aus dessen Scheide hätte ziehen können, ohne sich zu verheddern
oder mehrfach nachgreifend suchen zu müssen. Erschwerend kommt hinzu, dass
die Scheide nach Angaben des Beschuldigten aus mittelweichem Leder war (Urk.
7/4; Urk. 217 S. 5), was das Herausnehmen des Messers erfahrungsgemäss im
Gegensatz etwa zu einer Kunststoffscheide deutlich erschwert. Dies alles will
G._ nota bene getan haben, ohne von † M._ daran gehindert zu
werden. Zweitens gibt der Beschuldigte sinngemäss an, er habe † M._ mit
- 53 -
beiden Händen von sich wegstossen wollen. Wer ein Messer so in der Hand hält,
dass die Messerklinge auf der Daumenseite aus der Hand schaut, der kann bei
einer Wegstossbewegung keine solche Stichverletzung verursachen, wie sie
† M._ erlitten hat. Die festgestellte Verletzung kann nur durch eine
Stichbewegung mit mehr oder weniger horizontal geführter Klinge verursacht
worden sein, was sich auch aus dem Verletzungsbild ergibt (Urk. 38 S. 162). Es
ist schlicht undenkbar, wie die festgestellte Verletzung durch ein blosses Weg-
stossen hätte verursacht werden können. Hätte der Beschuldigte † M._
lediglich von sich weggestossen, so wäre die mehr oder weniger im rechten
Winkel zum Daumen aus der Hand ragende Messerklinge mit Bestimmtheit nicht
bis zum Schaft in den Brustkasten des Verstorbenen eingedrungen. Um Solches
zu erreichen, muss vielmehr eine deutliche Stichbewegung ausgeführt werden;
entweder mit stark abgewinkeltem Handgelenk von sich weg oder dann von der
Seite her mit einer eher die Faust mit dem Messer schwingenden Bewegung. Für
ein Geschehen in diesem Sinne sprechen jedenfalls mit aller Deutlichkeit auch die
Erkenntnisse der Rechtsmediziner. Diese resümieren im Ergänzungs-Gutachten
vom 1. März 2011, aufgrund der Tatsache, dass der Knorpel der 6. Rippe, das
Herz und der hintere, zwerchfellnahe Herzbeutelanteil glattrandige Defekte und
somit Zeichen einer scharfen Gewalteinwirkung aufweisen würden, sei aus
rechtsmedizinischer Sicht von einem mittelgradig-erhöhten Kraftaufwand (Impuls)
beim Zustechen auszugehen (Urk. 16/3 S. 2; Unterstreichung durch das Gericht).
c) Zusammengefasst kann damit festgehalten werden, dass sich der
Beschuldigte G._ bereits vor der Wohnung K._ mit dem offenen
Tatmesser in der Hand in die tätliche Auseinandersetzung begeben hat. Zu
seinen Gunsten ist mit der Vorinstanz anzunehmen, dass auch † M._ einen
Gegenstand in seiner Hand hielt, wobei es sich vermutungsweise um den
sichergestellten Schraubendreher gehandelt haben dürfte. Im Rahmen der
weiteren Auseinandersetzung hat sich der Beschuldigte G._ eine
Stichverletzung am linken Oberschenkel zugezogen. Hierbei kann nicht
ausgeschlossen werden, dass diese Verletzung durch sein eigenes Messer und
unter Einwirkung von † M._ entstanden ist. Als der Beschuldigte G._ im
- 54 -
späteren Verlauf zumindest mit seinem rechten Knie auf den Boden gesunken ist,
hat er † M._ den inkriminierten tödlichen Messerstich in die Brust versetzt.
14.2. H._
1.1.22. In Bezug auf den Beschuldigten H._ erwog die Vorinstanz
zusammenfassend, es sei aufgrund der Aussagen sämtlicher Beschuldigter in
jedem Fall davon auszugehen, dass sich neben dem Beschuldigten G._ und
† M._ auch H._ im Waschküchenbereich aufgehalten habe. Dies ergebe
sich allein schon aus den Aussagen von H._ selbst. Dass er entgegen
seinen Ausführungen nicht nur im Waschküchenbereich am Boden gelegen sei
und allenfalls sogar kurzzeitig das Bewusstsein verloren habe, werde einerseits
durch das jeweilige Verletzungsbild bei den Brüdern ... [F._ und M._]
und andererseits durch die früheren Aussagen von J._ widerlegt (Urk. 136 S.
72).
1.1.23. Die Verteidigung von H._ stellte sich vor Vorinstanz
zusammengefasst auf den Standpunkt, es werde bestritten und sei nicht
bewiesen, dass der Beschuldigte in die tätliche Auseinandersetzung mit
† M._ involviert gewesen sei. Einzig F._ behaupte etwas derartiges.
Seine Aussagen seien jedoch nichts anderes als rein spekulative Annahmen. Er
habe nämlich eindeutig ausgesagt, während der Auseinandersetzung mit I._
beschäftigt gewesen zu sein, weshalb er nicht gesehen habe, was die anderen
Beteiligten getan hätten. H._ habe unbestrittenermassen selber zwei bis drei
Schläge auf den Kopf erhalten. Zudem sei er am linken Arm verletzt worden. Es
habe sich dabei um eine Schnittwunde gehandelt. Deshalb könne er sich nicht
mehr erinnern, was genau geschehen sei. Es werde bestritten, dass der
Beschuldigte H._ zweimal mit einem Armierungseisen auf den Kopf von
† M._ geschlagen habe. Ebensowenig habe er mit dem Armierungseisen ein
bis zweimal auf den Kopf von F._ eingeschlagen. Dieser habe von einem
Schlag auf den Kopf gesprochen und zudem gesagt, er sei mit einem Schlagstock
geschlagen worden, welcher sich beim Zuschlagen über den Kopf "gebeugt"
habe. Es könne sich dabei nicht um ein Armierungseisen gehandelt haben. Bei
genauerer Betrachtung falle zudem auf, dass F._ den Beschuldigten
- 55 -
H._ nicht als Täter erkannt respektive bezeichnet habe. Vielmehr habe er
H._ erst als Täter bezeichnet, nachdem er die Akten studiert und die
Aussagen der Beteiligten gelesen habe. Als Täter komme sehr wohl auch
L._ in Frage. Dieser habe zahlreiche Gründe gehabt, die Brüder ... [F._
und M._] zu schlagen. Es sei daher gut möglich, dass sich dieser nach
seiner Befreiung an ihnen habe rächen wollen (Urk. 95 S. 7 ff.). Diese Argumente
wiederholte der Verteidiger von H._ im Wesentlichen auch im
Berufungsverfahren. Weiter wurde beanstandet, die Vorinstanz habe sich mit der
Rolle von L._ überhaupt nicht auseinander gesetzt. Die Vorinstanz sei bloss
von einem Gedanken geleitet gewesen, nämlich den Beschuldigten H._
schuldig sprechen zu wollen. Dabei sei beispielsweise auch unberücksichtigt
geblieben, dass der Beschuldigte selbst eine Stichwunde sowie Schläge auf den
Kopf erlitten habe. Es frage sich, wie der Beschuldigte angeblich beide Gebrüder
... [F._ und M._] (mit zwei verschiedenen Armierungseisen?) hätte
schlagen können, dies obwohl F._ in der Wohnung und † M._
ausserhalb der Wohnung am Kämpfen gewesen seien. Dabei solle der
Beschuldigte angeblich sogar ein drittes Armierungseisen bei sich gehabt haben
(Urk. 227 S. 14 ff.).
1.1.24. Die Vorinstanz hat die hier interessierenden Aussagen des Beschuldigten
H._ – soweit dieser nicht ohnehin von seinem Aussageverweigerungsrecht
Gebrauch machte – sowie der übrigen Beteiligten vollständig zusammengefasst
und korrekt wiedergegeben. Auf die Erwägungen unter Ziff. III. 5.2.2. bis 5.2.6 des
angefochtenen Entscheides kann ohne weiteres verwiesen werden (Urk. 136 S.
64 ff.).
Zunächst ist anhand der Aussagen erstellt, dass sich der Beschuldigte H._
zusammen mit † M._, J._ und G._ im Treppenhaus befunden hat,
während sich I._ zusammen mit F._ zunächst eine tätliche
Auseinandersetzung im Eingangsbereich der Wohnung K._ lieferte. Dass
sich danach H._ zusammen mit den vorgenannten † M._, J._ und
G._ im Kellerbereich vor der Waschküche aufgehalten hat, hat er selbst
zugestanden, indem er ausführte, er habe G._ blutend am Boden gesehen
- 56 -
und sei zu ihm hin gegangen. Einer der beiden anderen Männer sei ebenfalls auf
diesem "Podest" gelegen (Urk. 5/1 S. 3 und Urk. 5/3 S. 13). Diese Angaben
decken sich zudem mit den Aussagen von G._, welcher schon zu Beginn
seiner Einvernahmen zu Protokoll gab, er sei zusammen mit † M._ die
Treppe hinuntergestürzt. Sein kleiner Bruder H._ und J._ seien auch da
– sprich im Kellerbereich – gewesen (Urk. 4/2 S. 13). Auch J._ hat in der
Untersuchung eingestanden, in diesem "riesigen Durcheinander mit Schlägerei
und Gerangel" via Treppe zum einen Stock tiefer liegenden Keller gelangt zu sein
(Urk. 7/1 S. 2 und Urk. 7/3 S. 4). Dass die Beschuldigten bei ihren weiteren
Schilderungen sichtlich bemüht waren, sich Zurückhaltung aufzuerlegen, um die
Mitstreiter nicht zu belasten, ist offenkundig. Insofern ist auch nicht weiter
verwunderlich, wenn allenthalben behauptet wird, man habe zumindest kurzzeitig
die Besinnung verloren und könne sich an nichts mehr erinnern. Von ganz
entscheidendem Beweiswert sind nun aber in diesem Zusammenhang nicht die
geschönten Aussagen der Beteiligten, sondern das Gutachten des IRM vom
19. November 2010 betreffend die Spurenauswertung am im Lichtschacht der
Liegenschaft vorgefundenen Armierungseisen und den Kleidungsstücken der
Beteiligten (Urk. 14/4) sowie das Obduktionsgutachten des IRM vom 27. August
2010 (Urk. 15/4). Dass sich H._ mit dem fraglichen Armierungseisen
bewaffnet in den Konflikt begab, wurde unter Ziff. III. 4.2.2. c) vorstehend erstellt.
Auf den unmittelbar nach der Tat bei H._ sichergestellten Kleidungsstücken
konnten die Rechtsmediziner vier Blutspurasservate ab linker Schulterzone der
Kapuzenjacke, ab Bauchzone der Jeanshosen, ab rechtem Hosenbein hinten
sowie ab linker Schuhspitze nachweisen. Sämtliche Blutspuren konnten
zweifelsfrei † M._ zugewiesen werden. Die übrigen beteiligten Personen
konnten als Spurengeber ausgeschlossen werden (Urk. 14/4 S. 7). Dem 1.
Vorbericht der Spurensicherung am Tatort des Wissenschaftlichen Dienstes der
Stadtpolizei Zürich vom 5. März 2010 (Urk. 12/1 S. 11) lässt sich entnehmen,
dass namentlich an den Jeanshosen des Beschuldigten H._ diverse Blut-
Spritzspuren festgestellt wurden, welche eine erkennbare Auftreffrichtung von
schräg oben aufwiesen. Auf den an beiden vorne verbluteten Oberseiten der
Schuhe konnte zudem eine einzelne Spur als möglicher Blutstropfen festgestellt
- 57 -
werden, welcher von oben auf den Schuh getropft sein dürfte (Urk. 12/1 S. 12).
Diese Spurenlage macht deutlich, dass die Beteuerungen des Beschuldigten
H._, er habe an der tätlichen Auseinandersetzung mit † M._ nicht
teilgenommen, unwahr sind. Vielmehr wird aufgrund der vorgenannten
Feststellungen klar, dass er sich in unmittelbarer Nähe des blutenden † M._
befunden haben musste und zwar noch dann, als dieser aufrecht stand. Anders
liesse sich die Auftreffrichtung der Blutspritzer von schräg oben nicht erklären.
Namentlich können solche nicht entstehen, wenn das Opfer bereits am Boden
liegt. Dem Obduktionsbericht lässt sich des weiteren entnehmen, dass die Riss-
Quetschwunde am Hinterkopf des verstorbenen † M._ fünf seitengleich von
den Wundrändern tannenbaumartig ausgehende Hauteinblutungen mit einer
Breite von ca. 2 mm und einem Abstand voneinander von je ca. 5-6mm auf-
wiesen. Nach Auffassung der Rechtsmediziner kommt ein Schlag durch das
beschlagnahmte Armierungseisen als Verletzungsursache für die festgestellte
Kopfverletzung durchaus in Frage. Die spezielle Form des Armierungseisens
lasse sich der geformten Quetsch-Riss-Wunde am Hinterkopf zwanglos zuordnen
(Urk. 15/4). Wie die Vorinstanz mit Recht feststellte, lässt sich das beschriebene
Verletzungsmuster anhand des aktenkundigen Fotomaterials auch durch einen
medizinisch nicht geschulten Laien unschwer augenscheinlich erkennen (Urk. 38
S. 153). Nachdem am fraglichen Armierungseisen neben der DNA des
Beschuldigten H._ auch zweifelsfrei Blutanhaftungen von † M._
festgestellt werden konnten und anhand der Erkenntnisse aus dem
Obduktionsgutachten feststeht, dass die Riss-Quetschwunden auf dem Kopf des
Verstorbenen mit dem Armierungseisen verursacht wurden, besteht kein Zweifel
daran, dass es niemand anders als der Beschuldigte H._ war, welcher
† M._ die Hiebe auf den Kopf verabreichte. Dies umso mehr, als die
Blutspritz- und Tropfspuren auf der Kleidung des Beschuldigten eine klare
Sprache sprechen. Diese Erkenntnisse decken sich im Übrigen auch
vollumfänglich mit den glaubhaften Schilderungen von F._, welcher H._
bereits in der Untersuchung als denjenigen bezeichnete, der ihn mit dem
Armierungseisen geschlagen habe. Anlässlich der Berufungsverhandlung führte
er hierzu aus, einer der anderen habe eine Eisenstange gehabt. Als er nach der
- 58 -
Auseinandersetzung mit I._ die Wohnung verlassen habe, um seinem Bruder
zu Hilfe zu eilen, habe er von demjenigen mit der Eisenstange einen Schlag auf
den Kopf erhalten. H._ sei der einzige gewesen, der als Täter in Frage
gekommen sei. Es seien ja auch seine DNA-Spuren auf der Stange gefunden
worden. G._ sei in jenem Moment bei † M._ gewesen, I._ sei hinter
ihm in der Wohnung und J._ wo anderes gewesen (SB120265, Urk. 57 S. 8).
Aufgrund des medizinischen Berichts des erstversorgenden Spitals U._
wurden beim Beschuldigten zwei offene Wunden am Schädel festgestellt, wobei
die Verletzungen unfallkausal Schlägen auf den Kopf zugeordnet wurden (Urk.
18/2/1). Dieses Verletzungsbild deckt sich mit demjenigen von † M._.
Schliesslich kommt hinzu, dass ab dem mittleren Bereich des verwendeten
Armierungseisens ein inkomplettes DNA-Mischprofil nachgewiesen werden
konnte, welches anteilig † M._ und F._ zugewiesen werden konnte (Urk.
14/4 S. 6). Nachdem aufgrund des Beweisergebnisses fest steht, dass nur
H._ mit einem Armierungseisen bewaffnet in die Auseinandersetzung ging,
ist zweifelsfrei erstellt, dass er es auch war, der F._ beim Verlassen der
Wohnung mit dem nämlichen Armierungseisen auf den Kopf schlug. Dafür etwa,
dass L._ mit dem Armierungseisen zugeschlagen haben soll, gibt es
keinerlei Anhaltspunkte. Weder haben die Beteiligten jemals etwas derartiges zu
Protokoll gegeben, noch liegen anderweitige objektive Beweismittel vor, welche
diese These stützen würden. Mit der Vorinstanz ist nach dem Gesagten der
eingeklagte Sachverhalt bezüglich die Tatbeteiligung von H._ zweifelsfrei
erstellt ist. Die in der Berufungsverhandlung vorgebrachten Einwände der
Verteidigung muten insofern merkwürdig an, als der Verteidiger sachfremde und
aktenwidrige Argumente ins Feld führt. So wird dem Beschuldigten H._ zum
Beispiel nie vorgeworfen, er habe mit zwei verschiedenen Armierungseisen
zugeschlagen. In der Anklageschrift ist stets die Rede von ein und demselben
Armierungseisen, nämlich jenem, auf welchem die DNA des Beschuldigten und
die Blutanhaftungen des † M._ nachgewiesen wurden (Urk. 76 S. 6 f.).
Weiter wird H._ nirgends vorgeworfen, er habe die Brüder ... [F._ und
M._] gleichzeitig geschlagen. Die Anklagebehörde geht vielmehr von einem
gestaffelten Handeln aus, wobei nicht gesagt werden könne, in welcher
- 59 -
Reihenfolge H._ mit den Armierungseisen auf die Köpfe der Gebrüder ...
[F._ und M._] geschlagen habe (Urk. 76 S. 7). Weiter – so die
Verteidigung – solle der Beschuldigte sogar ein drittes Armierungseisen bei sich
gehabt haben. Auch diese Behauptung ist insofern vollkommen aus der Luft
gegriffen, als die Anklagebehörde dem Beschuldigten mit keinem Wort vorwirft,
bei der eigentlichen Auseinandersetzung drei Armierungseisen dabei gehabt zu
haben. Schliesslich neigt die Verteidigung auch in Bezug auf die erlittenen
Verletzungen des Beschuldigten H._ offenkundig zu einer gewissen
Dramatisierung, welche keine Stütze in den Akten findet. So ist die Rede von
einer Stichwunde im linken Oberarm des Beschuldigten. Ein Blick in die
Fotodokumentation der Kantonspolizei Zürich macht aber sogleich deutlich, dass
von einer eigentlichen Stichwunde keine Rede sein kann. Die Bilder zeigen
vielmehr eine schürfungsähnliche, ca. 1 cm lange, oberflächliche Wunde mit
marginalem Bluterguss am Wundrand (Urk. 38 S. 113 und 114). Der Beschuldigte
selbst sprach anlässlich seiner Einvernahme vom 12. März 2010 davon, dass er
erst zu Hause nach dem Ausziehen der Kleider bemerkt habe, dass er am linken
Oberarm eine kleine oberflächliche Stichwunde gehabt habe (Urk. 5/3 S. 14). Es
ist jedenfalls nicht ersichtlich, was der Beschuldigte H._ aus dieser
offenkundig geringfügigen Blessur zu seinen Gunsten ableiten will. Dass er
aufgrund dieser behaupteten "Stichverletzung" etwa nicht in der Lage gewesen
sein soll, das Armierungseisen als Schlagwaffe zu benützen, wird immerhin nicht
behauptet.
14.3. J._
1.1.25. Bezüglich der Tathandlungen des Beschuldigten J._ kommt die
Vorinstanz zum Schluss, der Sachverhalt hinsichtlich des schwarzen Sackes, den
der Beschuldigte von L._ erhalten habe, sei aufgrund des Geständnisses
erstellt. Was die Gegenstände angehe, so lasse sich lediglich erstellen, dass der
Beschuldigte J._ diese auf den Sims im Vorraum des Kellers gelegt habe.
Bezüglich der eigentlichen Beteiligung des Beschuldigten an der tätlichen
Auseinandersetzung sei der eingeklagte Sachverhalt aufgrund seiner eigenen
- 60 -
Aussagen ebenfalls erstellt. Dies mit einer Einschränkung: Entgegen dem
eingeklagten Sachverhalt lasse sich nicht erstellen, dass der Beschuldigte
J._ mit F._ gekämpft habe respektive dass er diesen festgehalten habe.
Solches habe selbst F._ nie behauptet und stehe auch im Widerspruch zu
dem bereits erstellten Sachverhalt (Urk. 136 S. 79 f.).
1.1.26. Die Verteidigung des Beschuldigten J._ führte hierzu anlässlich der
Berufungsverhandlung zusammengefasst aus, es sei durch nichts erstellt, dass
der Beschuldigte den Streit (mit-)provoziert habe. J._ sei nicht an einem
Raufhandel beteiligt gewesen. Selbst wenn man aber von seiner Beteiligung
ausgehen würde, so stehe fest, dass dieser in keiner Art und Weise die
körperliche Integrität eines anderen Menschen verletzt habe. Er sei lediglich
anwesend gewesen und habe versucht, den Streit zu schlichten. Damit sei er
jedenfalls im Sinne von Art. 133 Abs. 2 StGB straflos. Die Vorinstanz
argumentiere spekulativ und nicht gerechtfertigt, wenn sie erwäge, der
Beschuldigte habe
aufgrund des gesamten Auftretens der Beschuldigten vor der Wohnungstüre von
L._ zumindest in Kauf genommen, dass es nachfolgend zu einem
Raufhandel kommen könnte. J._ habe weder eine tätliche
Auseinandersetzung für möglich gehalten, noch habe er dennoch gehandelt, weil
er den Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf genommen habe. Die einzige
Motivation des Beschuldigten sei es gewesen, in Erfahrung zu bringen, wieso der
ihm gut bekannte L._ in seiner Wohnung schrie. Er habe nur wissen wollen,
ob es L._ gut gehe. Das Klopfen an die Wohnungstüre von K._ bzw.
L._ sowie die vom Beschuldigten allenfalls vorgenommene Handlung zur
Vermeidung der sofortigen Schliessung der Wohnungstüre durch die Gebrüder ...
[F._ und M._] habe lediglich ein Ziel gehabt. Es sei nur darum
gegangen, Informationen zum Wohlbefinden von L._ zu erhalten und diesem
zu helfen. Keineswegs sei es um eine nachfolgende Durchführung eines tätlichen
Angriffs bzw. eines Raufhandels gegangen (Urk. 229 S. 9 f.).
1.1.27. Die Vorinstanz hat die wesentlichen Aussagen des Beschuldigten J._
im Zusammenhang mit der Frage seiner Beteiligung an der Auseinandersetzung
- 61 -
sehr ausführlich und präzise zusammengefasst. Darauf ist zu verweisen (Urk. 136
S. 76 ff.). Zurecht hat sie darauf hingewiesen, dass der Beschuldigte selbst
verschiedentlich zu Protokoll gegeben hat, aktiv in die Auseinandersetzung
eingegriffen zu haben. Der Beschuldigte selbst spricht davon, die Brüder ...
[F._ und M._] gehalten respektive festgehalten zu haben (Urk. 7/1 S. 2;
Urk. 7/3 S. 3). Es sei ihm darum gegangen, den Streit zu schlichten. Im
Kellerbereich habe er "sich wieder eingemischt" und einen der beiden anderen –
gemeint sein muss † M._ – weggezogen (Urk. 7/3 S. 5). Vor Vorinstanz
gestand der Beschuldigte ein, er habe versucht, G._ und † M._
auseinander zu ziehen. Er sei zwar in den Streit verwickelt gewesen, es habe sich
dabei aber nicht um eine eigentliche Schlägerei gehandelt, sondern vielmehr um
eine Ziehen und Schubsen (Urk. 90 S. 14 ff.). Anlässlich der
Berufungsverhandlung gab der Beschuldigte schliesslich zu Protokoll, es könne
sein, dass er nur die Brüder ... [F._ und M._] gehalten habe. Möglich sei
aber auch, dass er die Brüder ... [G._-H._-I._] gezogen habe. Er
habe das Ganze nicht als Kampf gesehen, in welchem er Opfer gewesen sei. Es
sei vielmehr ein Gerangel gewesen, an dem er beteiligt gewesen sei (Urk. 219 S.
5 f.). Wie bereits vor Vorinstanz, gab F._ anlässlich der
Berufungsverhandlung zu Protokoll, er sei nach der Auseinandersetzung mit
I._ aus der Wohnung gekommen und im Bereich der Wohnungstüre mit dem
Eisen heftig auf den Kopf geschlagen worden. Daraufhin sei er nach rechts zur
Haustüre gegangen. Was J._ gemacht habe, wisse er nicht. Solange er ihn
gesehen habe, habe dieser jedenfalls nichts gemacht (SB120265, Urk. 57 S. 7).
Aufgrund dieser den Beschuldigten J._ entlastenden Aussagen F._s, ist
zugunsten des Beschuldigten J._ davon auszugehen, dass dieser F._
nicht festgehalten hat. Soweit die Vorinstanz erwägt, es sei zudem festzuhalten,
dass J._ nicht mit F._ gekämpft habe, ist dies zwar zutreffend,
allerdings ist auch darauf hinzuweisen, dass dem Beschuldigten in der
Anklageschrift auch keine Kampfhandlungen mit F._ zur Last gelegt wurden.
Demgegenüber ist im Sinne seiner eigenen Zugaben davon auszugehen, dass
J._ im Keller in das "Gerangel" zwischen † M._ sowie G._ und
H._ eingegriffen hat. Der eingeklagte Sachverhalt betreffend den Ablauf der
- 62 -
Auseinandersetzung ist mit Bezug auf den Beschuldigten J._ daher mit der
Ausnahme erstellt, dass er F._ nicht festgehalten hat.
IV. Rechtliche Würdigung
A. Ausgangslage
1. Angriff / Raufhandel
1.1. Die Vorinstanz hat mit ausführlicher und im Ergebnis zutreffender
Begründung festgehalten, es sei davon auszugehen, dass † M._ ebenfalls
bereits zu Beginn der Auseinandersetzung einen Gegenstand (mutmasslich den
vorgefundenen Schraubendreher) in den Händen gehalten und davon auch
Gebrauch gemacht habe. Auch F._ habe zugegeben, den Beschuldigten
I._ zu Boden gedrückt zu haben. Dabei sei davon auszugehen, dass es zu
einem gegenseitigen Festhalten gekommen sei. Folglich sei, auch wenn erstellt
sei, dass sich die vier Beschuldigten mit den entsprechenden Gegenständen
bewaffnet vor der Wohnungstüre eingefunden und sich bewusst auf die
Auseinandersetzung eingelassen hätten respektive diese zumindest in Kauf
genommen hätten, entgegen der Ansicht der Staatsanwaltschaft nicht von einem
Angriff im Sinne von Art. 134 StGB, sondern von einem Raufhandel im Sinne von
Art. 133 StGB auszugehen. Die Gebrüder ... [F._ und M._] seien zwar
den Beschuldigten gegenüber in der Minderheit gewesen, hätten sich aber
durchaus und zumindest im Sinne von Tätlichkeiten gegen diese gewehrt (Urk.
136 S. 86).
1.2. Der Umstand, dass die Vorinstanz aufgrund des erstellten Sachverhaltes
zum Schluss kam, die vorliegende Konstellation erlaube keine Subsumtion unter
den Straftatbestand des Angriffs gemäss Art. 134 StGB, wurde weder von den
Beschuldigten noch von der Anklagebehörde in Abrede gestellt. Nachdem der
durch die Vorinstanz ermittelte Sachverhalt weitestgehend auch im
Berufungsverfahren als erstellt betrachtet werden kann, besteht keine
Veranlassung von der rechtlichen Würdigung der Vorinstanz abzuweichen. Damit
- 63 -
ist vorab festzuhalten, dass die eingeklagten Tathandlungen unter dem
Straftatbestand des Raufhandels im Sinne von Art. 133 StGB zu prüfen sind.
2. Notwehrhilfe
2.1. Die Vorinstanz kommt im angefochtenen Entscheid zusammengefasst zum
Schluss, vorliegend sei nicht eine allfällige Notstandshilfe, sondern eine allfällige
Notwehrhilfe zu prüfen, da ein Angriff der Gebrüder ... [F._ und M._] auf
L._ als Ausgangslage gegeben sei. Es sei durchaus davon auszugehen,
dass sich die vier Beschuldigten zusammen gefunden hätten, um L._ zu
helfen. Ob die Beschuldigten dabei gewusst hätten, was sich innerhalb der
Wohnung K._ abgespielt habe oder wie vielen Personen L._ gegenüber
gestanden sei, lasse sich nicht erstellen. Der Beschuldigte G._ habe
mehrfach dahingehend ausgesagt, dass er nicht gewusst habe, was sich hinter
der Wohnungstüre von K._ abspiele, und er sowie die anderen
Beschuldigten hätten nur nachschauen und L._ helfen wollen; mit einer
Auseinandersetzung hätten sie nicht gerechnet. Sie seien zunächst von einem
Nachbarschaftsstreit oder Familienstreit ausgegangen. Auch der Beschuldigte
I._ habe ausgeführt, sie (die Beschuldigten) hätten gedacht, es sei ein
Familienstreit, und hätten eigentlich zuerst die Polizei rufen wollen. Der
Beschuldigte J._ habe sogar ausgeführt, dass man gar nicht habe helfen
wollen, er seinerseits habe nur wissen wollen, was in der Wohnung passiere.
Schliesslich habe sich anlässlich der Hauptverhandlung auch der Beschuldigte
H._ auf den Standpunkt gestellt, sie seien von einer Familienangelegenheit
ausgegangen. Zugunsten der Beschuldigten sei klar festzuhalten, dass die
Vorgeschichte ursächlich für die grundsätzliche Überlegung des Einmischens der
Beschuldigten gewesen sei. Der Angriff der Gebrüder ... [F._ und M._]
auf L._ sei noch nicht beendet gewesen, als sich die Beschuldigten vor der
Wohnungstüre versammelt und eingemischt hätten. Die Beschuldigten hätten zu
diesem Zeitpunkt nicht wissen können, was sich innerhalb der Wohnung
abgespielt habe und was dort mit L._ geschehen sei. Es sei deshalb von
einer Notwehrsituation des L._ bzw. einer Notwehrhilfesituation der
Beschuldigten auszugehen. Fraglich erscheine hingegen, ob das Vorgehen der
- 64 -
Beschuldigten als rechtfertigende Notwehrhilfe im Sinne von Art. 15 StGB oder
eher als Notwehrhilfeexzess im Sinne einer entschuldbaren Notwehrhilfe gemäss
Art. 16 Abs. 1 StGB anzusehen sei. Es sei diesbezüglich zunächst festzuhalten,
dass die Bewaffnung der Beschuldigten (das Messer bei G._, das
Armierungseisen bei H._ und der Schraubenzieher bei I._) bei der
vorliegenden Notwehrsituation grundsätzlich nicht unverhältnismässig erscheinen
würde. Angesichts der wahrgenommenen Geräusche und Schreie hätten die
Beschuldigten von einer Gewaltbereitschaft der Personen innerhalb der Wohnung
ausgehen müssen. Wenn sich die Beschuldigten dann aber derart bewaffnet vor
der Wohnungstüre eingefunden und sowohl provokant als auch aggressiv
aufgetreten seien, indem sie mit zumindest teilweise sichtbarer Bewaffnung (das
spätere Tatmesser des Beschuldigten G._) vehement an die Türe geklopft
und ein erneutes Schliessen derselben gewaltsam verhinderten hätten, so könne
im Hinblick auf die Notwehrhilfe nicht mehr davon ausgegangen werden, die
Grundsätze der Subsidiarität und Proportionalität seien gewahrt gewesen. Dies
insbesondere auch deshalb nicht, weil die Beschuldigten nicht hätten wissen
können, was sich innerhalb der Wohnung überhaupt abgespielt habe. Immerhin
seien sie mehrheitlich lediglich von einem Familienstreit ausgegangen. Das
Vorgehen der Beschuldigten sei deshalb nicht mehr als verhältnismässig
anzusehen. Dies treffe selbstredend auch auf die über den Raufhandel hinweg
gehenden Tatbeiträge der einzelnen Beschuldigten zu. Zusammenfassend könne
somit festgehalten werden, dass die Beschuldigten sich im Sinne eines
Notwehrhilfeexzesses nach Art. 16 Abs. 1 StGB auf den Raufhandel eingelassen
hätten (Urk. 136
S. 89 ff.).
2.2. Der Verteidiger des Beschuldigten G._ stellte sich im
Berufungsverfahren auf den Standpunkt, die Vorinstanz sei richtigerweise von
einer Notwehrhilfesituation ausgegangen. Falsch sei hingegen, dass sie die
Notwehrhilfe im Sinne von Art. 15 StGB verneint und lediglich einen
Notwehrhilfeexzess im Sinne von Art. 16 Abs. 1 StGB angenommen habe.
Entgegen der willkürlichen Annahme der Vorinstanz seien die Beschuldigten aber
weder provokant nochaggressiv aufgetreten. Der Beschuldigte G._ habe
- 65 -
auch nicht sein Messer schon vor der Wohnungstüre sichtbar in der Hand gehabt.
Die Beschuldigten hätten durchaus im Sinne der Notwehrhilfe die Grundsätze der
Subsidiarität und Proportionalität gewahrt. Sie hätten ja schliesslich nicht einfach
die Türe eingetreten, sondern höflich geklopft und lediglich das Schliessen der
Türe verhindert, was aber wegen der Situation von L._, dem sie hätten
helfen wollen, nicht unverhältnismässig gewesen sei. Die Beschuldigten seien
vom Angriff der Brüder ... [F._ und M._] überrascht worden. Die
Beschuldigten, namentlich der Beschuldigte G._, hätten sich daher im Sinne
einer Notwehrhilfe nach Art. 15 StGB auf den Raufhandel eingelassen, was zu
einem Freispruch führen müsse (Urk. 227 S. 15).
14.4. Der Verteidiger des Beschuldigten H._ brachte im Berufungsverfahren
vor, die Vorinstanz habe zurecht anerkannt, dass eine Notwehrsituation gegeben
gewesen sei. Weiter sei zutreffend, dass die Vorinstanz die angebliche
Bewaffnung – welche jedoch bestritten sei – für die betreffende Situation als nicht
unverhältnismässig erachtet habe. Nicht zutreffend sei hingegen, dass die Vor-
instanz die Grundsätze der Subsidiarität und Proportionalität als nicht eingehalten
gesehen habe. Dabei bleibe die Bewaffnung und das aggressive Auftreten der
Gebrüder ... [F._ und M._] unberücksichtigt. Dies obwohl die Vorinstanz
anerkenne, dass die Annahme plausibel sei, dass die Gebrüder ... [F._ und
M._] die Beschuldigten angegriffen hätten. Solange nicht restlos abgeklärt
worden sei, wer gegen wen mit welchen Waffen und mit welchen Absichten
losgegangen sei, könne nicht ernsthaft von einem Notwehrhilfeexzess
gesprochen werden. Nach dem Grundsatz in dubio pro reo hätte die Vorinstanz
die für die Beschuldigten günstigere Variante berücksichtigen müssen. Bei dieser
Betrachtungsweise seien die Grundsätze der Subsidiarität und der Proportionalität
zweifellos als erfüllt zu betrachten (Urk. 228 S. 19 f.).
14.5. Nach Auffassung des Verteidigers von J._ habe die Vorinstanz
zurecht das Vorliegen einer Notwehrhilfesituation der Beschuldigten
angenommen. Bezüglich des Beschuldigten J._ könne aber keine Rede
davon sein, dass sich dieser bewaffnet vor der Wohnungstüre von L._
eingefunden habe. Auch habe er keine Kenntnis von der Bewaffnung der anderen
- 66 -
Beschuldigten gehabt. Etwas anderes anzunehmen sei willkürlich. Der
Beschuldigte J._ habe die Grundsätze der Subsidiarität und der
Proportionalität gewahrt. Aufgrund der gesamten Aktenlage müsse bei Annahme
einer strafbaren Handlung nach Art. 133 Abs. 1 StGB zugunsten des
Beschuldigten J._ eine rechtfertigende Notwehrhilfe im Sinne von Art. 15
StGB angenommen werden.
14.6. Die Anklagebehörde äusserte sich im Berufungsverfahren nicht sub-
stantiiert zur Frage, ob bei den Beschuldigten in Bezug auf den Vorwurf des
Raufhandels die Annahme eines Notwehrhilfeexzesses gerechtfertigt gewesen
sei (Urk. 225).
14.7. Zurecht und von sämtlichen Beteiligten auch nicht in Abrede gestellt, hat
die Vorinstanz zunächst das Vorliegen einer Notstands- respektive Notstands-
hilfesituation verneint. Vorliegend ist allseits unbestritten, dass sich L._
aufgrund der gegen ihn gerichteten und von den Gebrüdern ... [F._ und
M._] ausgehenden Aggression grundsätzlich in einer Notwehrsituation
befunden hat. Weiter ist unbestritten, dass der gegen L._ gerichtete Angriff
zum Zeitpunkt der Intervention der Beschuldigten noch in vollem Gange war.
Zutreffend hat die Vorinstanz daher festgehalten, dass den Beschuldigten unter
diesen Umständen eine Notwehrhilfesituation zuzugestehen ist. Auf die
betreffenden Erwägungen unter Ziffer IV. A. 5.3 kann vollumfänglich verwiesen
werden (Urk. 136 S. 89 ff.). Soweit sich die Beanstandungen der Verteidigungen
auf einen anderen als den zuvor im Rahmen der Beweiswürdigung erstellten
Sachverhalt beziehen, ist nicht weiter darauf einzugehen. Damit stellt sich
schliesslich noch die Frage, ob die Annahme der Vorinstanz, wonach die
Beschuldigten durch ihr Auftreten und ihre Intervention die Grundsätze der
Subsidiarität und der Proportionalität missachtet hätten, vertretbar ist. Der
Grundsatz der Subsidiarität besagt, dass diejenige Person, die Notwehr übt, die
ungefährlichste Art der Verteidigung wählen muss, sofern mehrere
erfolgversprechende Abwehrmittel zur Verfügung stehen (BGE 102 IV 6). Der
Grundsatz der Proportionalität dagegen stellt sicher, dass die Abwehr des
Notwehr Übenden in etwa der Schwere des tatsächlichen oder drohenden
- 67 -
Angriffs sowie der Wichtigkeit des gefährdeten Rechtsgutes einerseits und der
Bedeutung des Gutes, das durch die Abwehr verletzt wird, andererseits
angepasst erscheint (BGE 102 IV 68). Wie die Vorinstanz richtig
zusammenfasste, haben sämtliche Beschuldigten im Verlauf des Verfahrens
ausgesagt, sie hätten wohl die ungewöhnlichen und beängstigenden Geräusche
aus der Wohnung K._ vernommen, aber dennoch nicht gewusst, was sich in
der Wohnung abspielte. Man sei zunächst davon ausgegangen, dass es sich
möglicherweise um eine streitige Familienangelegenheit gehandelt habe (Urk.
136 S. 89 f.). J._ führte anlässlich der Berufungsverhandlung aus, sie hätten
nicht gewusst, was sich in der Wohnung zutrage. Aus ihrer Sicht hätte es sein
können, dass L._ mit seiner Freundin, der Mutter oder seinem Vater streite
(Urk. 219 S. 4). Angesichts dieser Aussagen würde sich schon grundsätzlich die
Frage stellen, ob der erstelltermassen bewaffnete Auftritt der Beschuldigten vor
der Wohnungstüre und die entschlossene Vorgehensweise der Beschuldigten
verhältnismässig gewesen wäre. In Tat und Wahrheit ist aber davon auszugehen,
dass die Beschuldigten aufgrund der Vorkommnisse in der Wohnung K._
und der damit einhergehenden – zugestandenermassen besorgniserregenden –
Geräuschkulisse viel eher mit der Anwesenheit von mehreren Männern als mit
jener der Mutter oder der Freundin L._s rechneten. Entsprechendes haben
die Beschuldigten im Rahmen der polizeilichen Befragungen denn auch zu
Protokoll gegeben. Unter diesen Umständen ist die Vorinstanz vollkommen
zurecht davon ausgegangen, dass die Bewaffnung an sich wohl grundsätzlich
noch als verhältnismässig bezeichnet werden kann. Ob jedoch die gesamte
Intervention der Beschuldigten im Sinne des Notwehrrechts noch
verhältnismässig war, ist äusserst fraglich und angesichts des massiven
Auftretens zu viert sowie insbesondere des offen und damit potentiell kampfbereit
präsentierten Messers wohl zu verneinen. Jedenfalls kann aber das Verhalten der
Beschuldigten nicht mehr als subsidiär bezeichnet werden. Gerade aufgrund der
gesamten Umstände wären die Beschuldigten vorliegend in der Pflicht gewesen,
im Sinne der Subsidiarität die ungefährlichste und effizienteste Art der
Verteidigung zu wählen, und diese hätte für jeden durchschnittlich vernünftigen
Menschen darin bestanden, sofort die
- 68 -
Polizei herbeizurufen und dies den Unbekannten in der Wohnung zur Kenntnis zu
bringen. Dafür hätte einerseits ausreichend Zeit zur Verfügung gestanden, haben
die Beschuldigten doch auch genug Zeit gefunden, vor der Intervention noch
miteinander zu telefonieren, sich mit den beschriebenen Gegenständen zu
bewaffnen und im Fall von G._ auch noch in die Wohnung in den 4. Stock zu
gehen, um von dort aus J._ telefonisch herbeizurufen (Urk. 4/2 S. 3). Dass
die Beschuldigten durchaus in Betracht zogen, die Polizei herbeizurufen, gab
I._ unmittelbar nach dem inkriminierten Vorfall unmissverständlich zu
Protokoll. Anlässlich seiner ersten polizeilichen Befragung vom 15. Februar 2010
sagte er nämlich folgendes aus: "Wir wollten zuerst eigentlich die Polizei rufen.
J._ meinte dann aber, wir sollten zuerst einmal an der Wohnungstüre
klopfen" (Urk. 6/1 S. 1). Weshalb sich die Beschuldigten schliesslich bewusst
entschlossen, nicht die Polizei zu rufen, ist ungeklärt. Auf der Hand liegt jedoch
die Vermutung, dass sie entgegen ihren Beteuerungen sehr wohl um den illegalen
Aufenthalt des L._ in der Schweiz wussten und diesen deshalb nicht der
Polizei sozusagen ausliefern wollten. Allein schon das Herbeirufen der Polizei und
eine entsprechende Mitteilung an die hinter der verschlossenen Türe agierenden
Brüder ... [F._ und M._] hätte aber diese zweifelsfrei von ihrem Angriff
gegenüber L._ abgebracht, womit das Ziel – nämlich L._ zu helfen – für
alle Beteiligten gefahrlos erreicht worden wäre. Die Brüder ... [F._ und
M._] hätten damit jeden Moment mit dem Eintreffen der Polizei rechnen
müssen und die Wohnung über die Fenster respektive über die Balkontüre
verlassen können. Statt dessen entschieden sich die Beschuldigten bewusst für
die provokante Intervention, welche denn auch in die für alle voraussehbare
gewaltsame Auseinandersetzung mündete (vgl. dazu später) und schliesslich in
der Tötung von † M._ ihr tragisches Ende fand. Damit kann
zusammengefasst festgehalten werden, dass sich die Vorgehensweise der
Beschuldigten bereits schon unter dem Gesichtspunkt der Subsidiarität als klar
unangemessen erweist, was dazu führt, dass vorliegend nicht von einer
rechtfertigenden Notwehr im Sinne von Art. 15 StGB ausgegangen werden kann.
Die Vorinstanz hat daher im Ergebnis richtigerweise angenommen, dass sich die
Beschuldigten im Sinne eines Notwehrhilfeexzesses nach Art. 16 Abs. 1 StGB auf
- 69 -
den Raufhandel einliessen. Eine entschuldbare Notwehrhilfe im Sinne von Art. 16
Abs. 2 StGB steht dagegen nicht zur Diskussion und wurde denn auch von den
Verteidigern – zurecht – nicht thematisiert.
B. G._
1. Vorsätzliche Tötung
14.8. Die Vorinstanz kam im Rahmen ihrer rechtlichen Würdigung zum Schluss,
der Beschuldigte G._ habe den objektiven Straftatbestand der vorsätzlichen
Tötung nach Art. 111 StGB erfüllt. Der Tatbestand des Totschlags gemäss Art.
113 StGB komme nicht zur Anwendung, da beim Beschuldigten im Tatzeitpunkt
keine grosse seelische Belastung auszumachen sei. Er habe den † M._ vor
dem inkriminierten Ereignis nicht einmal gekannt. Auch eine heftige,
entschuldbare Gemütsbewegung liege nicht vor. Der Beschuldigte habe zudem
seine Bedrängnis durch † M._ vor dem tödlichen Messererstich mit seiner
Teilnahme am Raufhandel selbst schuldhaft herbeigeführt. Im Hinblick auf den
subjektiven Tatbestand erwog die Vorinstanz weiter, der Beschuldigte G._
habe um die Gefährlichkeit eines derartigen Messerstichs gewusst. Ihm sei
bewusst gewesen, dass dadurch Organe verletzt werden könnten respektive dass
man als Folge eines Stiches verbluten könne. Aufgrund der gesamten
Tatumstände sei nicht davon auszugehen, dass der Beschuldigte gezielt auf
† M._ eingestochen habe, es könne ihm daher nicht unterstellt werden, er
habe mit einem zielgerichteten Tötungswillen zugestochen. Wer jedoch mit einem
Messer derart auf den Oberkörper eines Kontrahenten einsteche – vorliegend
betrage die Länge des Stichkanals 10 cm – nehme unweigerlich eine tödliche
Folge des Stiches in Kauf. Es sei daher in subjektiver Hinsicht von einem
Eventualvorsatz auszugehen (Urk. 136 S. 91 ff.).
14.9. Die Verteidigung des Beschuldigten G._ stellte auch im
Berufungsverfahren nicht in Abrede, dass der Beschuldigte † M._ den
tödlichen Messerstich ins Herz versetzte. In ihrem Hauptstandpunkt machte sie
aber, wie bereits vor Bezirksgericht, zusammengefasst geltend, G._ habe in
rechtfertigender Notwehr gemäss Art. 15 StGB gehandelt. Er sei † M._
- 70 -
körperlich unterlegen gewesen. Zudem sei er unter dem Eindruck der durch
† M._ verursachten Verletzungen – Stichverletzung im linken Oberschenkel
sowie Hirnerschütterung – gestanden. Spätestens als er gespürt habe, wie ihm
das Blut aus dem Bein herausgelaufen sei, habe er Todesangst gehabt. Unter
diesen Umständen sei der Beschuldigte nicht gehalten gewesen, die
Auseinandersetzung gegen den übermächtigen Gegner – der im Rahmen der
vorgängigen Auseinandersetzung lediglich kleine, oberflächliche Verletzungen
erlitten habe – mit blossen Händen oder Füssen weiterzuführen respektive bis
zum Verbluten auszuharren. Genauso wenig könne von ihm erwartet werden,
dass er unter diesen Umständen dem Angreifer ebenfalls bloss gezielt ins Bein
gestochen hätte. Angesichts der Art und Schwere des Angriffs von † M._,
seiner körperlichen Überlegenheit und des Risikos, im Laufe der Auseinander-
setzung möglicherweise noch grössere Körperverletzungen davonzutragen oder
an der bereits erlittenen Stichwunde zu verbluten, sei der Beschuldigte zur
Notwehr mit dem mitgeführten Messer berechtigt gewesen. Ihm könne daher nicht
vorgeworfen werden, den Angriff mit dem Messer ins Herz des Angreifers
abgewehrt zu haben. Dies umso weniger, als er ja auch nicht einmal gezielt
dorthin gestochen habe, sondern den Angreifer eigentlich nur mit letzter Kraft mit
Notwehrwille habe wegstossen wollen, wobei er † M._ getroffen habe.
Nachdem die Vorinstanz zu Unrecht das Vorliegen einer Notwehrsituation
verneint habe, habe sie es zudem unterlassen, sich mit der Rechtsfigur der
Putativnotwehr auseinander zu setzen. Der Beschuldigte habe um sein Leben
fürchten müssen. Er sei deshalb, selbst wenn objektiv keine Notwehrsituation
vorgelegen hätte, aufgrund seiner Annahme einer Notwehrsituation berechtigt
gewesen, sich in der geschehenen Weise zu verteidigen. Für den Fall, dass keine
Notwehrsituation angenommen würde, sei festzustellen, dass der Beschuldigte
G._ jedenfalls keine vorsätzliche Tötung, sondern höchstens einen Totschlag
im Sinne von Art. 113 StGB begangen habe. Es sei erstellt, dass der Beschuldigte
durch eine Hirnerschütterung und die eigene Stichverletzung und den Blutverlust
geschwächt gewesen sei. Er habe sich auf den Knien befunden und aus Angst,
selbst getötet zu werden, † M._ einen einzigen tödlichen Messerstich
versetzt. Damit liege ein Affekt im Sinne des Art. 113 StGB vor. Der Beschuldigte
- 71 -
habe wohl zu Beginn der Intervention bereits ein Messer dabei gehabt, daraus
könnten jedoch keine Rückschlüsse auf seine Gefühlslage gezogen werden.
Jedenfalls habe der Beschuldigte kein Interesse am Zustandekommen des
Konflikts gehabt. Er sei von den herausstürmenden Gebrüdern ... [F._ und
M._] und der ganzen Situation, welche äusserst rasch abgelaufen und
vollkommen eskaliert sei, total überrascht worden. Wegen der Übermacht von
† M._ und aufgrund der eigenen Verletzungen habe der Beschuldigte um
sein Leben gefürchtet. Darum sei er entschuldbar aufgeregt und bestürzt
gewesen. G._ habe † M._ den tödlichen Messerstich in einem
entschuldbaren Affekt zugefügt, was festzustellen sei (Urk. 228 S. 3 ff.).
14.10. Die Anklagebehörde führt in der Berufungsverhandlung aus, es sei
zunächst unbestritten, dass dem Messerstich eine tätliche Auseinandersetzung
zwischen den Gebrüdern ... [F._ und M._] einerseits und den
Gebrüdern ... [G._-H._-I._] sowie J._ andererseits,
vorausgegangen sei. Weiter sei unbestritten, dass es G._ gewesen sei,
welcher den tödlichen Stich ausgeführt habe. Dabei könne von einer
Notwehrsituation keine Rede sein. Dies deshalb, weil sich der Beschuldigte
G._ bereits mit einem Messer bewaffnet in die Auseinandersetzung begeben
habe, die danach im Keller- und Waschküchenbereich mit dem tödlichen
Messerstich geendet habe. Im Zeitpunkt des Messerstichs habe sich † M._
alleine den Brüdern G._ und H._ sowie J._ gegenüber gesehen.
Diese seien damit sowohl zahlen- als auch kräftemässig klar überlegen gewesen.
† M._ sei in diesem Moment körperlich bereits durch zahlreiche
Verletzungen, unter anderem durch mindestens einen Schlag mit einem
Armierungseisen auf den Kopf, beeinträchtigt gewesen. Unter diesen Umständen
sei G._ der eventualvorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB
schuldig zu sprechen. Wer nämlich jemandem in die Brust steche und dabei einen
ca. 10 cm langen Stichkanal verursache, der wisse und nehme zumindest in Kauf,
dass er das Opfer damit tödlich verletzen könne. Ein Totschlag liege klarerweise
nicht vor. Die hohen Anforderungen dieses Straftatbestandes seien nicht erfüllt.
Viele Taten würden wie vorliegend im Affekt begangen, der Affekt sei aber meist
nicht entschuldbar. Man gehe nicht in eine Auseinandersetzung mit einem
- 72 -
Messer, wenn man dieses dann nicht auch verwenden wolle. Ein vernünftiger
Mensch handle nicht so.
14.11. Wie die Vorinstanz ausführte, regelt Art. 111 StGB als Grunddelikt die
vorsätzliche Tötung und ist charakterisiert durch das Fehlen von spezifischen
Tatbestandsmerkmalen (Urk. 136 S. 92). Es ist zutreffend, dass keine
Anhaltspunkte vorliegen, um die vorsätzliche Tötung als Mord zu qualifizieren.
Weiter ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz die Anwendung von Art. 113
StGB verneint hat. Art. 113 StGB setzt ein Handeln in einer nach den Umständen
entschuldbaren heftigen Gemütsbewegung oder unter grosser seelischer
Belastung voraus. Auf die ausführlichen und zutreffenden theoretischen
Ausführungen der Vorinstanz dazu kann ohne Weiterungen verwiesen werden
(Urk. 136 S. 93 f.). Es ist richtig, dass beim Beschuldigten G._ keine grosse
seelische Belastung auszumachen war. Er kannte das Opfer vor dem
Zusammentreffen am 15. Februar 2010 nicht. Auch lag beim Beschuldigten keine
heftige Gemütsbewegung vor. Das machte der Beschuldigte selbst auch nie
geltend. Er erklärte vielmehr, er habe gewusst, dass er etwas hätte machen
müssen, bevor es für ihn zu spät gewesen sei, oder er habe sich gegen den
Angriff von † M._ wehren müssen (Urk. 217 S. 8; Urk 87 S. 29). Dies kann
keinesfalls als grosse seelische Belastung oder heftige Gemütsbewegung
qualifiziert werden, sondern ist vielmehr nachfolgend unter dem Aspekt der
Notwehr zu prüfen. Weiter wäre die Situation insbesondere auch in keiner Weise
entschuldbar im Sinne von Art. 113 StGB, da der Beschuldigte G._ die
Situation, die dem tödlichen Stich voranging, selbst aktiv mitverursacht hat. Der
objektive Tatbestand der vorsätzlichen Tötung gemäss Art. 111 StGB ist somit
zweifelsfrei erfüllt.
14.12. In subjektiver Hinsicht muss die Tötung vorsätzlich begangen werden,
wobei Eventualvorsatz ausreicht. Mit der Vorinstanz kann beim Beschuldigten
G._ nicht von direktem Vorsatz ausgegangen werden. Der Beschuldigte hat
den Tod von † M._ nicht bewusst gewollt und daher zugestochen. Es fehlte
ihm am direkten Tötungswillen. Es muss hingegen klar festgehalten werden,
dass, wer mit einem solchen Kraftaufwand wie der Beschuldigte, mit einem
- 73 -
solchen Messer in einen derart sensiblen Bereich wie den Oberkörper eines
Menschen zusticht, zweifelsohne mit einer tödlichen Verletzung rechnen musste
und eine solche auch in Kauf nahm. Der Beschuldigte führte anlässlich der
Hauptverhandlung vor Vorinstanz ja selbst aus: "Ich wusste, entweder er oder ich"
(Urk. 87 S. 29). Es besteht damit kein Raum, um im vorliegenden Fall von
Fahrlässigkeit auszugehen. Auch der subjektive Tatbestand der vorsätzlichen
Tötung ist erfüllt, der Beschuldigte handelte mit Eventualvorsatz.
14.13. Notwehr
Die Verteidigung hat auch im Berufungsverfahren ihre gesamte Strategie auf
einem Sachverhalt aufgebaut, welcher nicht demjenigen entspricht, der durch das
Beweisergebnis erstellt ist. Insofern ist auf die vom erstellten Sachverhalt
abweichenden Argumente der Verteidigung nicht weiter einzugehen. Die
zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen und Schlussfolgerungen zur Frage der
Notwehr sind dagegen zu bestätigen. Ergänzend dazu ist darauf hinzuweisen,
dass der Verstorbene aufgrund seiner erheblichen Verletzungen am Kopf wohl
bereits massiv in seiner Abwehrfähigkeit beeinträchtigt respektive reduziert
gewesen sein dürfte, als er von G._ den Messerstich versetzt erhielt.
Jedenfalls ist erstellt, dass H._ dem noch stehenden † M._ mit dem
Armierungseisen auf den Kopf geschlagen hat (vorstehend Ziff. 5.2.4). Dies,
zusammen mit dem Umstand, dass der Beschuldigte G._ alleine drei
Gegnern gegenüberstand, macht deutlich, dass es sich hier nicht um eine
Notwehrsituation gehandelt haben kann. Von einem Kräfteverhältnis "Bär gegen
Mensch" – wie dies der Verteidiger des Beschuldigten glauben machen will –
kann mit Bestimmtheit keine Rede sein. Dies schon deshalb nicht, weil † M._
im Todeszeitpunkt gemäss Bericht über die gerichtliche Sektion 184 cm gross und
84 kg schwer war (Urk. 15/1 S. 1) und G._ gemäss Verhaftsrapport
mindestens 180 cm gross und von sportlich muskulöser Statur war und ist (Urk.
27/1). Die ganze Schilderung der angeblichen Notwehrsituation erscheint ohnehin
unglaubhaft. Nach Aussagen von G._ will er den tödlichen Stich deshalb
appliziert haben, weil er aufgrund der Stichverletzung im Oberschenkel viel Blut
verloren habe und deshalb geschwächt gewesen sei. Er habe dies bereits
- 74 -
zwischen dem Lift und den Treppentritten gesehen. Er sei zum Lift gehumpelt, vor
dem Lift habe er † M._ weggedrückt und versucht, aufzustehen. † M._
habe ihn da an die Wand gedrückt. Er habe sich dann aber losreissen können
und sei nochmals zwei Treppentritte hinuntergefallen (Urk. 87 S. 25 f.). Er gehe
davon aus, dass † M._ ihn mit seinem Gegenstand verletzt habe, er habe es
aber nicht gesehen (Urk. 87 S. 26 f.). Er habe Todesangst gehabt, sei unter
Schock gestanden und habe versucht, sich zu wehren (Urk. 87 S. 27). Unterhalb
dieser zwei Treppentritte habe er versucht, sich aufzurichten, und habe dann
gesehen, wie † M._ ihn wieder habe angreifen wollen. Er habe gewusst,
dass er den nächsten Stich nicht überleben würde; † M._ habe weiterhin
seinen Gegenstand in der Hand gehalten. Er (G._) habe † M._ dann
weggestossen und ihm den Stich versetzt. Das sei Auge um Auge, Zahn um Zahn
gewesen. Er habe gewusst, entweder † M._ oder er. Da er (G._) auf
dem Boden gewesen sei, habe er keine Möglichkeit gehabt, sich zurückzuziehen.
Er sei halb auf den Knien gewesen, † M._ sei irgendwie über ihm gestanden
in Angriffsposition. Er habe † M._ dann mit seiner letzten Kraft einen Stich
versetzt, um diesen von sich fernzuhalten (Urk. 87 S. 28 f.). Anlässlich der
Berufungsverhandlung gab der Beschuldigte G._ an, er habe seine
Stichverletzung im Oberschenkel zwischen dem Lift und der Treppe bemerkt, die
er nachher hinuntergefallen sei. Das Messer habe er in diesem Moment schon in
der Hand gehabt (Urk. 217 . 9). Nach diesen Schilderungen hätte G._ den
tödlichen Stich gegen † M._ irgendwo auf der Kellergeschossebene (1. UG,
zwei Tritte tiefer als die "Liftebene") applizieren müssen. Dabei war er nach
seinen eigenen Angaben stark blutend auf den Knien respektive mindestens auf
einem Knie. An anderer Stelle gab er an, er habe gesehen wie das Blut aus
seinem Oberschenkel gespritzt sei (Urk. 4/6 S. 6). Wenn man nun aber die
Fotodokumentation des Tatorts betrachtet, so stellt man fest, dass auf besagter
unterster Kellerebene keine namhaften Blutspuren (mit Ausnahme der Blutlache,
in welcher † M._ liegt) vorhanden waren (Urk. 39 Fotos S. 18-23). Diese
visuelle Feststellung deckt sich mit dem 1. Vorbericht der Spurensicherung vor
Ort, wo festgehalten wird, dass im Kellerbereich (1. UG) wo auch der Leichnam
von † M._ lag, keine weiteren, grossflächigen Blutspuren vorgefunden
- 75 -
wurden (Urk. 12/1 S. 4 f.). Wenn aber G._ ausführt, gerade dort habe er sich
vom starken Blutverlust geschwächt, mindestens einseitig kniend einem
vermeintlich tödlichen Angriff von † M._ ausgesetzt gesehen, weshalb er in
Notwehr gehandelt habe, so ist nicht einzusehen, weshalb sich dort keine
namhaften Blutspuren von ihm fanden. Hinzu kommt, dass wenn der Beschuldigte
bereits beim Lift den Stich in seinem Oberschenkel und daraus fliessendes Blut
bemerkt hätte, eigentlich auch der – angebliche – Fortgang des
Kampfgeschehens sichtbare Blutspuren bis ins zwei Stufen tiefer liegende
Kellergeschoss hätte hinterlassen müssen. Und ebenso hätte eine Blutspur
verursachen müssen, wenn sich der Beschuldigte mit aus seinem Bein
"herausspritzenden" Blut vom Kellergeschoss zwei Stufen höher auf das
"Liftgeschoss" und an den Fuss der Treppe zum Erdgeschoss begeben hätte, wo
er schliesslich von der Polizei angetroffen wurde. Beides ist aber ebenfalls nicht
der Fall. Auch unter diesem Gesichtspunkt ist die angebliche Notwehrsituation
des Beschuldigten G._ nicht nachvollziehbar und müssen seine
entsprechenden Depositionen als Schutzbehauptungen bezeichnet werden.
Bemerkenswert ist schliesslich in diesem Zusammenhang auch, dass der
Beschuldigte G._ nicht von Anfang an eine Notwehrsituation geltend machte,
sondern zunächst noch bestritt, die tödliche Stichverletzung bei † M._
verursacht zu haben. Der Anklagebehörde ist zuzustimmen, wenn diese
anlässlich der Berufungsverhandlung vorbrachte, es sei nicht nachvollziehbar,
warum der Beschuldigte nicht sofort auf die angebliche Notwehrsituation
aufmerksam gemacht und diesen Umstand statt dessen rund 20 Tage für sich
behalten habe (Prot. II S. 26). Bei dieser Sachlage ist festzuhalten, dass keine
Notwehrsituation bestand, was auch der Beschuldigte erkannte. Insofern kann er
sich auch nicht auf einen Notwehrexzess im Sinne von Art. 16 StGB berufen.
Soweit sich die Verteidigung auf den Standpunkt stellt, es liege eine
Putativnotwehr vor, so ist darauf hinzuweisen, dass selbst der Beschuldigte
G._ in der gesamten Untersuchung mit keinem Wort etwas entsprechendes
behauptet hat. Putativnotwehr stellte eine Form des Sachverhaltsirrtums dar.
Diejenige Person, die Putativnotwehr übt, hat eine falsche Vorstellung über die
Voraussetzungen eines Rechtfertigungsgrundes. G._ hat nie behauptet, er
- 76 -
habe sich diesbezüglich in einem Irrtum befunden. Im Gegenteil, er hat sich
konsequent, zuletzt anlässlich der Berufungsverhandlung, dahin gehend
geäussert, dass er von † M._ angegriffen worden sei. Davon, dass er
irrtümlich gemeint habe, † M._ greife ihn an, war nie die Rede. Entsprechend
liegt auch kein Fall von Putativnotwehr vor.
15. Raufhandel
15.1. Wer sich an einem Raufhandel beteiligt, der den Tod oder die
Körperverletzung eines Menschen zur Folge hat, wird mit Freiheitsstrafe bis zu
drei Jahren oder Geldstrafe bestraft. Nicht strafbar ist, wer ausschliesslich
abwehrt oder die Streitenden scheidet (Art. 133 StGB).
15.2. Die Vorinstanz hat unter Ziff. 3.2 ihrer rechtlichen Würdigung zutreffende
theoretische Ausführungen zum Tatbestand des Raufhandels gemacht und die
aktuelle bundesgerichtlichen Rechtsprechung dazu zitiert. Darauf kann verwiesen
werden (Urk. 136 S. 84 ff.).
15.3. Raufhandel ist die wechselseitige tätliche Auseinandersetzung zwischen
mindestens drei Personen, wobei die Beteiligung aktiv sein muss – das passive
Einstecken von Schlägen genügt nicht (Trechsel/Fingerhuth, StGB PK, Art. 133
N 2). In objektiver Hinsicht handelt derjenige tatbestandsmässig, welcher sich in
irgendeiner Art, sei es durch physische Unterstützung der Streitpartei oder durch
blosse psychische Mitwirkung in Form von anfeuernden Zurufen, an der tätlichen
Auseinandersetzung beteiligt (BSK Strafrecht II-Aebersold, Art. 133 N. 8).
1.1.1. Vorliegend ist erstellt, dass sich zwischen den Beschuldigten einerseits und
den Gebrüdern ... [F._ und M._] andererseits eine wechselseitige
Auseinandersetzung zutrug, an welcher unbestrittenermassen mehr als drei
Personen beteiligt waren, womit die tatbestandsmässige Anzahl der beteiligten
Personen zweifellos gegeben ist.
1.1.2. Aufgrund des Beweisergebnisses steht fest, dass es zwischen den
Beteiligten zu wechselseitigen Tätlichkeiten, namentlich auch zu Schlägen kam,
sowie dass man sich geschubst, festgehalten und gezogen hat. Soweit die
- 77 -
Verteidigung geltend macht, es habe sich dabei um reine Abwehrhandlungen
gehandelt, so überzeugt diese Argumentation nicht, denn es ist erstellt, dass der
Beschuldigte G._ mit offen getragenem Messer in eine direkte und
unmittelbare tätliche Auseinandersetzung mit † M._ verstrickt war, wobei
man sich gegenseitig gehalten, geschlagen und gestossen hat und es schliesslich
sogar zu Stichverletzungen kam, welche im Fall von † M._ einen tödlichen
Ausgang nahm. Es steht daher fest, dass sich G._ aktiv an der tätlichen
Auseinandersetzung beteiligte und damit in objektiver Hinsicht tatbestandsmässig
handelte.
1.1.3. Der Eintritt einer Tötungs- und/oder Verletzungsfolge stellt eine objektive
Strafbarkeitsbedingung des Raufhandels dar. Der Schweregrad der Verletzung
muss dabei mindestens die Intensität einer einfachen Körperverletzung im Sinne
von Art. 123 StGB aufweisen, wobei unerheblich ist, ob ein Teilnehmer oder ein
Dritter verletzt wird. Die objektive Strafbarkeitsbedingung muss vom Vorsatz nicht
erfasst sein (Trechsel/Fingerhuth, StGB PK, Art. 133 N 7). Diese Voraussetzung
ist durch den Todeseintritt bei † M._ sowie die durch die Schläge mit den
Armierungseisen verursachen Kopfverletzungen bei † M._ und F._ und
die Stichverletzung im Oberschenkel des G._ zweifelsohne mehrfach
gegeben.
1.1.4. In subjektiver Hinsicht erfüllt den Straftatbestand des Raufhandels gemäss
Art. 133 Abs. 1 StGB, wer in Bezug auf alle objektiven Tatbestandsmerkmale
– nicht aber bezüglich der objektiven Strafbarkeitsbedingung – vorsätzlich oder
zumindest eventualvorsätzlich handelt (BSK Strafrecht II-Aebersold, Art. 133
N. 11).
1.1.5. Das Beweisergebnis macht deutlich, dass die vier Beschuldigten
spätestens als die Wohnungstüre geöffnet wurde einerseits wussten, dass sich
neben L._ mindestens noch zwei weitere, fremde Männer in der Wohnung
K._ aufhielten. Andererseits fanden sie sich vor der Wohnungstüre im Falle
von G._ mit einem gezückten Messer bewaffnet ein, was deutlich macht,
dass er zumindest im Sinne eines Eventualvorsatzes in Kauf nahm, dass die
Intervention zu einer tätlichen Auseinandersetzung mit den L._
- 78 -
malträtierenden Männern führen könnte. Der Beschuldigte handelte damit
hinsichtlich des Raufhandels auch in subjektiver Hinsicht tatbestandsmässig.
1.1.6. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass der Beschuldigte
G._ hinsichtlich des Raufhandels tatbestandsmässig handelte. Rich-
tigerweise hat die Vorinstanz darauf hingewiesen, dass zwischen dem Tötungs-
delikt und dem Raufhandel Idealkonkurrenz besteht.
C. H._
1. Mehrfache versuchte schwere Körperverletzung
15.4. Die Vorinstanz verurteilte den Beschuldigten H._ wegen mehrfacher
einfacher Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 in Verbindung mit Ziff. 2
Abs. 2 StGB. Sie erwog, dass die Quetsch-Risswunden, welche F._ und
† M._ an ihren Köpfen erlitten hätten, weder als schwere Körperverletzungen
noch als Tätlichkeiten zu werten seien. Die vom Beschuldigten verwendeten
Armierungseisen qualifizierte die Vorinstanz als gefährliche Gegenstände im
Sinne des Gesetzes. Weiter führte sie aus, indem der Beschuldigte H._ mit
dem Armierungseisen auf die Köpfe der Gebrüder ... [F._ und M._]
eingeschlagen habe, habe er davon ausgehen müssen, ihnen zumindest einfache
Körperverletzungen zuzufügen. Ob er dabei allenfalls sogar schwerere
Verletzungen in Kauf genommen habe, sei in Berücksichtigung des
Anklagegrundsatzes offen zu lassen (Urk. 136 S. 102 f.).
15.5. Die Verteidigung führte zur rechtlichen Würdigung des Verhaltens von
H._ aus, die Vorinstanz habe festgehalten, dass die dem Beschuldigten
vorgeworfenen Verletzungen der Gebrüder ... [F._ und M._] nicht
schwer gewesen seien. Im Falle einer Verurteilung sei von einfacher
Körperverletzung auszugehen. Bei den Armierungseisen sei objektiv von der
Gefährlichkeit eines solchen Gegenstandes auszugehen. Bestritten werde aber,
dass der Beschuldigte den subjektiven Tatbestand erfüllt habe. Er könne sich
nicht daran erinnern und er könne sich nicht vorstellen, dass er bewusst mit
einem Armierungseisen auf die Köpfe der Gebrüder ... [F._ und M._]
- 79 -
eingeschlagen habe, um diese zu verletzen. Wenn der Beschuldigte solche
Schläge erteilt hätte, dann sei er selbst schon mehrmals am Kopf geschlagen
bzw. am Körper verletzt gewesen und habe sich nicht mehr kontrollieren können
und lediglich versucht, sich zu verteidigen. Der Beschuldigte habe mit Sicherheit
niemanden verletzen wollen. Es müsse bestritten werden, dass der Beschuldigte
hätte wissen müssen und können, dass ein Armierungseisen zu einer schweren
Körperverletzung hätte führen können. Es stehe fest, dass keine schwere
Körperverletzung verursacht worden sei. Der Beschuldigte habe nie jemanden
schwer verletzen wollen und habe dies auch nicht getan (Urk. 228 S. 19).
15.6. Die Staatsanwaltschaft führte zur rechtlichen Würdigung aus, die Vor-
instanz habe sich gestützt auf die Anklage und den Anklagegrundsatz für die
Qualifikation der Schläge mit den Armierungseisen als einfache Körperverletzung
entschieden. Bei der Beurteilung des Eventualvorsatzes würden indessen
folgende Grundsätze gelten. Je grösser das einem Täter bekannte
Verletzungsrisiko und je schwerer die Sorgfaltspflichtverletzung beim Tatvorgehen
seien, desto
eher sei anzunehmen, dass der Täter die schwere Körperverletzung in Kauf
genommen habe. Wer in einer dynamischen Auseinandersetzung selbst
unkontrolliert ein Armierungseisen bezeichnenderweise auf den Kopf eines
Menschen schlage, der müsse mit einer schweren Körperverletzung, namentlich
einem Schädel-Hirn-Trauma, rechnen. In einem solchen Fall sei gar das Risiko
tödlicher Verletzungen als generell hoch zu bezeichnen. Wer sich so wie der
Beschuldigte verhalte, nehme eine akut lebensgefährliche Folge der Schläge
auch zumindest in Kauf. Dass nicht bereits mit Anklageerhebung eine schwere
Körperverletzung
angeklagt worden sei, könne damit erklärt werden, dass die Rechtsprechung des
Bundesgerichts zur schweren Körperverletzung strenger geworden sei. Es werde
bei Gewaltdelikten vermehrt Eventualvorsatz angenommen und nicht mehr nur
ergebnisorientiert der objektive Tatbestand der einfachen Körperverletzung
angewandt (Urk. 225 S. 4 f.).
- 80 -
15.7. Gemäss Art. 122 StGB macht sich strafbar, wer vorsätzlich einen
Menschen lebensgefährlich verletzt, wer vorsätzlich den Körper, ein wichtiges
Organ oder Glied eines Menschen verstümmelt oder ein wichtiges Organ oder
Glied unbrauchbar macht, einen Menschen bleibend arbeitsunfähig, gebrechlich
oder geisteskrank macht, das Gesicht eines Menschen arg und bleibend entstellt
oder wer vorsätzlich eine andere schwere Schädigung des Körpers oder der
körperlichen oder geistigen Gesundheit eines Menschen verursacht.
15.8. Das Opfer † M._ wies laut Obduktionsgutachten des IRM zwei grosse,
oberflächliche und auffallend geformte Quetsch-Risswunden der Kopfschwarte an
Hinterkopf und rechtem Scheitel ohne knöcherne Verletzung auf (Urk. 15/4 S. 7).
Der Privatkläger F._ erlitt aufgrund der Schläge des Beschuldigten mit einem
Armierungseisen gemäss dem ärztlichen Befund des Spitals U._ eine
Schädelprellung mit einer offenen Wunde an der linken Stirn und am Haupt. Bei
dieser Wunde zeigte sich zudem eine ca. 0,5 mm tiefe fehlende Knochenlamelle
(vgl. Urk. 18/2/1). Gemäss diesem Befund bestand zu keinem Zeitpunkt eine
unmittelbare Lebensgefahr für den Privatkläger. Es resultierte aufgrund der
Schläge mit dem Armierungseisen auch keine der anderen schweren
Schädigungen im Sinne von Art. 122 StGB. Somit ist der Taterfolg – das heisst
eine Schädigung i.S.v. Art. 122 StGB – nicht eingetreten und der objektive Tat-
bestand ist nicht erfüllt. Folglich ist zu prüfen, ob eine versuchte schwere
Körperverletzung gemäss Art. 122 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB
vorliegt.
15.9. Ein Versuch gemäss Art. 22 Abs. 1 StGB liegt dann vor, wenn der Täter,
nachdem er mit der Ausführung eines Verbrechens oder Vergehens begonnen
hat, die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende führt oder wenn der zur Vollendung der
Tat gehörende Erfolg nicht eintritt oder dieser nicht eintreten kann. Um zu
bestimmen, ob ein Versuch vorliegt oder ob es sich bloss um straflose
Vorbereitungshandlungen handelt, bedient sich das Bundesgericht der
"Schwellentheorie". Danach beginnt der Täter mit der Ausführung der Tat, wenn
er den letzten
entscheidenden Schritt vollzieht, von dem es in der Regel kein Zurück mehr gibt
- 81 -
("point of no return"), es sei denn wegen äusserer Umstände, die eine Weiter-
verfolgung der Absicht erschweren oder verunmöglichen (Donatsch, in: Donatsch/
Flachsmann/Hug/Weder, Kommentar zum schweizerischen Strafgesetzbuch,
Zürich 2010, N 7 zu Art. 22).
15.10. Wie oben dargelegt, ist der Taterfolg nicht eingetreten. Der Bericht des
Spitals U._ hält aber ausdrücklich fest, dass bei einer Schädelprellung eine
Fraktur oder eine Blutung im Innern des Schädels auftreten kann, welche
durchaus lebensbedrohende Auswirkungen haben können (Urk. 18/2/1 S. 2).
Dass es sich beim Kopf eines Menschen um einen sehr sensiblen Körperteil
handelt, ist allgemein bekannt und gerichtsnotorisch, wenngleich der Beschuldigte
die möglichen Verletzungsfolgen in der Berufungsverhandlung zu verharmlosen
versuchte (Urk. 218 S. 4: "Es gibt eine Beule oder eine Verletzung. Es könnte viel
passieren. Ich bin aber kein Arzt. Ich weiss nicht, was genau passieren könnte. Es
wäre möglich, dass es mehr als nur eine Beule gäbe"). Schliesslich gestand er
aber ein, dass durch einen Schlag mit einer Eisenstange auf den Kopf eine solche
Verletzung, wie sie F._ erlitten hat, entstehen kann (Urk. 218 S. 6). Wird nun
mit einer 40 cm langen und 626 Gramm schweren Eisenstange (vgl. Urk. 218
S. 4) ungebremst gegen den Kopf einer Person geschlagen, was der
Beschuldigte erstelltermassen getan hat, so hat er offensichtlich den
entscheidenden Schritt zu einer möglichen schweren Körperverletzung vollzogen
und auch alles dafür
getan, den verpönten Erfolg eintreten zu lassen. Somit ist von einem vollendeten
Versuch einer schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 StGB
auszugehen. Die objektiven Voraussetzungen hierfür sind erfüllt.
15.11. Ein Versuch gemäss Art. 22 Abs. 1 StGB setzt Vorsatz hinsichtlich aller
objektiven Tatbestandsmerkmale voraus; soweit der Straftatbestand nicht eine
abweichende Vorsatzform erfordert, genügt dabei Eventualvorsatz (Donatsch/
Tag, Strafrecht I, Verbrechenslehre, 8. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2006, S. 131).
Der Tatbestand der schweren Körperverletzung gemäss Art. 122 StGB setzt in
subjektiver Hinsicht keine besondere Vorsatzform voraus, weshalb Eventual-
- 82 -
vorsatz genügt (Rehberg/Schmid/Donatsch, Strafrecht III, Delikte gegen den
Einzelnen, 9. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2008, S. 43 f.).
15.12. Ob der Täter die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen hat, muss
das Gericht – bei Fehlen eines Geständnisses der beschuldigten Person –
aufgrund der Umstände entscheiden. Dazu gehören die Grösse des dem Täter
bekannten Risikos der Tatbestandsverwirklichung, die Schwere der
Sorgfaltspflichtverletzung, die Beweggründe des Täters und die Art der
Tathandlung. Je grösser die Wahrscheinlichkeit der Tatbestandsverwirklichung ist
und je schwerer die Sorgfaltspflichtverletzung wiegt, desto näher liegt die
Schlussfolgerung, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf
genommen (BGE 134 IV 26 E. 3.2.2. mit Hinweisen). Wer unvermittelt und mit
erheblicher Wucht mit einem Armierungseisen – teilweise gar mehrfach – gegen
den Kopf seines Gegners schlägt, kann und muss wissen, dass damit beim Opfer
ohne weiteres ein lebensgefährlicher Zustand oder schwere bleibende
Schädigungen verursacht werden könnten. Diese Schlussfolgerung ist auch
aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung eines durchschnittlichen
Erwachsenen unumstösslich. Der Beschuldigte kann nicht ernsthaft darauf
vertraut haben, nur eine einfache Körperverletzung zu bewirken. Die
Wahrscheinlichkeit von schweren Verletzungen war derart gross und das
Ausmass der Pflichtverletzung derart eklatant, dass die Verhaltensweise des
Beschuldigten nicht anders interpretiert werden kann, als dass er zumindest in
Kauf genommen hat, seinen Gegnern lebensgefährliche oder anderweitig
schwere Verletzungen im Sinne von Art. 122 StGB zuzufügen. Auch die Art und
Weise der Tatbegehung – mehrfache Schläge mit einem als (im untechnischen
Sinne) Waffe eingesetzten Armierungseisen, teilweise von hinten – lassen keine
anderen Schlüsse zu. Somit nahm der Beschuldigte ohne Zweifel
lebensgefährliche bzw. schwere Verletzungen der Gebrüder ... [F._ und
M._] durch seine Handlungen in Kauf und handelte damit
eventualvorsätzlich.
15.13. Ob der Beschuldigte H._ die Gebrüder ... [F._ und M._] in
Notwehr mit dem Armierungseisen verletzt habe, wie der Verteidiger – wenn auch
- 83 -
nur am Rande – einwirft (Urk. 218 S. 18), ist selbstredend nicht zu prüfen: Wer
eine Tat nicht begangen haben will, kann sich offenkundig nicht auf einen
Rechtfertigungsgrund berufen – ganz davon abgesehen, dass das der
Beschuldigte H._ auch gar nicht tut.
15.14. Nach dem Gesagten sind alle Voraussetzungen des strafbaren Versuchs
einer schweren Körperverletzung gemäss Art. 122 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 22
Abs. 1 StGB erfüllt. Der Beschuldigte ist entsprechend schuldig zu sprechen.
16. Raufhandel
16.1. Um Wiederholungen zu vermeiden, kann zu den theoretischen Voraus-
setzungen des Raufhandels auf vorstehende Ausführungen verwiesen werden
(siehe Ziffer IV. B. 2.1-2.3).
16.2. Die Sachverhaltserstellung hat ergeben, dass sich der Beschuldigte
H._ aktiv an der tätlichen Auseinandersetzung beteiligte, indem er mit einem
Armierungseisen seinen zwei Kontrahenten Schläge auf deren Köpfe erteilte. Da
auch erstellt ist, dass sich zwischen den Beschuldigten einerseits und den
Gebrüdern ... [F._ und M._] andererseits eine wechselseitige
Auseinandersetzung zutrug, an welcher unbestrittenermassen mehr als drei
Personen beteiligt waren, womit die tatbestandsmässige Anzahl der beteiligten
Personen zweifellos gegeben ist, hat sich der Beschuldigte H._ in objektiver
Hinsicht tatbestandsmässig verhalten.
16.3. Da erstellt ist, dass der Beschuldigte H._ spätestens als die
Wohnungstüre geöffnet wurde wusste, dass sich neben L._ mindestens noch
zwei weitere, fremde Männer in der Wohnung K._ aufhielten und
er sich dennoch mit einem Armierungseisen bewaffnet vor der Wohnungstüre
positionierte, besteht kein Zweifel daran, dass er die darauf folgende tätliche
Auseinandersetzung zumindest in Kauf nahm und somit eventualvorsätzlich
handelte. Der subjektive Tatbestand ist erfüllt.
16.4. Der Beschuldigte H._ hat sich hinsichtlich des Raufhandels
tatbestandsmässig verhalten. Die Vorinstanz hat zu Recht festgehalten, dass
- 84 -
zwischen der mehrfachen Körperverletzung und dem Raufhandel Idealkonkurrenz
besteht.
D. J._
1.1 Zu den theoretischen Voraussetzungen des Raufhandels kann wiederum
auf vorstehende Ausführungen verwiesen werden (siehe Ziffer IV. B. 2.1-2.3).
1.2. Abstellend auf das Beweisergebnis ist klar festzuhalten, dass der
Beschuldigte J._, als er im Laufe der Auseinandersetzung zumindest
† M._ gepackt und gehalten hatte, den objektiven Tatbestand des
Raufhandels gemäss Art. 133 Abs. 1 StGB erfüllte.
1.3 Sein Einwand, er habe die Streitenden nur trennen und schlichten wollen,
weshalb er nach Art. 133 Abs. 2 StGB nicht strafbar sei, verfängt sodann nicht.
Die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz dazu sind im Ganzen zu
übernehmen (Urk. 136 S. 112 ff.). Ergänzend ist noch anzuführen, dass der
Beschuldigte J._ offenbar nie versuchte, einen der Mitbeschuldigten
zurückzuhalten. Er beschränkte sich lediglich darauf, † M._ im Gerangel zu
halten (vgl. Erw. 5.3.3 vorstehend). Dass es auch die Brüder ... [G._-
H._-I._] gewesen sein könnten, die er gezogen habe, hat der
Beschuldigte erstmals in der Berufungsverhandlung ausgesagt und erscheint als
wenig glaubhafte Reaktion auf den entsprechenden Vorhalt durch den
Vorsitzenden (Urk. 219 S. 4). Von einem eigentlichen Schlichten kann daher nicht
die Rede sein. Vielmehr hat sich J._ – wenn auch mit relativ geringer
Intensität – auf Seiten der Gebrüder ... [G._-H._-I._] an der
tätlichen Auseinandersetzung beteiligt. Hervorzuheben ist schliesslich auch, dass
aufgrund des Beweisergebnisses klar ist, dass der Beschuldigte J._ vor der
Wohnungstüre ganz vorne stand und damit die Auseinandersetzung mindestens
mitinitiierte. Sich dann darauf zu berufen, man habe nur schlichten wollen, kann
nicht angehen. Die Anwendung von Art. 133 Abs. 2 StGB kommt daher nicht in
Frage.
- 85 -
1.4 Zum subjektiven Tatbestand ist festzuhalten, dass auch der Beschuldigte
J._, so wie sich die Auseinandersetzung zutrug, mindestens
eventualvorsätzlich am Raufhandel teilnahm.
1.5 Der Beschuldigte J._ ist des Raufhandels im Sinne von Art. 133
Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
V. Sanktion
A. Grundsätze der Strafzumessung
Die Vorinstanz hat die Grundsätze für die Strafzumessung detailliert dargelegt.
Auf diese zutreffenden Ausführungen kann vollumfänglich verwiesen werden
(Urk. 136 S. 117 ff.).
B. G._
1. Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten G._ mit einer
Freiheitsstrafe von 7 Jahren (Urk. 136 S. 165).
2. Die Staatsanwaltschaft beantragte anlässlich der Berufungsverhandlung, der
Beschuldigte G._ sei mit einer Freiheitsstrafe von 11 Jahren zu bestrafen.
Das Tatverschulden sei entgegen der Vorinstanz im mittleren bis schweren
Bereich anzusiedeln. Wer sich mit einem offen hervorgenommenen Messer in
eine Auseinandersetzung begebe, rechne damit, das Messer auch einzusetzen.
Das habe der Beschuldigte auch getan, indem er mit diesem Messer † M._
in den linken Brustbereich gestochen habe, in den sensibelsten Bereich des
menschlichen Körpers. Es sei daher eine hypothetische Einsatzstrafe von 12.5 bis
15 Jahren festzusetzen. Das Verschulden werde in subjektiver Hinsicht durch den
Eventualvorsatz und die Bedrängnis, in der sich der Beschuldigte befunden habe,
relativiert. Eine Verminderung der Schuldfähigkeit hingegen könne
ausgeschlossen werden. Für die vorsätzliche Tötung sei daher von einer
Einsatzstrafe von 10 Jahren auszugehen, welche wegen des Raufhandels um 1
Jahr zu erhöhen sei. Täterbezogen würden sich die relevanten
Strafzumessungsgründe kompensieren. Straferhöhend würden die Vorstrafen
- 86 -
wirken, strafreduzierend das Geständnis und die minimale Einsicht und Reue
(Urk. 225 S. 6 f.).
3. Die Verteidigung führte im Berufungsverfahren aus, eine Freiheitsstrafe von
11 Jahren, wie sie die Staatsanwaltschaft verlange, sei deutlich überrissen und
keinesfalls gerechtfertigt. Auch wenn der Beschuldigte einen Menschen getötet
habe, was ihm sehr leid tue, sei zu berücksichtigen, dass nie und nimmer geplant
gewesen sei, † M._ zu töten. Dafür fehle dem Beschuldigten einerseits der
direkte Vorsatz, andererseits auch ein Motiv. Es könne weder von einer
Überschreitung einer erheblichen Hemmschwelle gesprochen werden, noch habe
eine deutliche gewaltmässige Übermacht bestanden. Der Beschuldigte sei selbst
erheblich verletzt worden. Nur weil die Situation unglücklich eskaliert sei, sei es
überhaupt zum tödlichen Messerstich gekommen. Es sei nur einmal zugestochen
worden und das erst, als der Beschuldigte geschwächt auf einem Knie † M._
klar unterlegen gewesen sei. Die Vorinstanz habe zu Recht darauf hingewiesen,
dass der Beschuldigte in erheblicher Bedrängung gewesen sei. Deutlich
strafmindernd seien das Geständnis und die Reue zu beachten. Ebenso müsse
beachtet werden, dass der Beschuldigte grundsätzlich ein guter Mensch sei und
über einen guten Leumund verfüge. Der Beschuldigte sei nicht schon mit
gezogenem Messer vor der Türe gestanden, weshalb sich gegenüber dem
vorinstanzlichen Urteil eine weitere Strafsenkung rechtfertige. Es sei daher eine
milde Strafe von maximal fünfeinhalb Jahren angemessen (Urk. 227 S. 16 f.).
4. Strafrahmen
Der Beschuldigte G._ hat mehrere Delikte in echter Konkurrenz verübt
(Art. 49 Abs. 1 StGB). Wie die Vorinstanz zutreffend ausgeführt hat, ist für die
Festlegung des Strafrahmens vom schwersten Delikt auszugehen (vgl. Urk. 136
S. 121). Das Gesetz sieht für die vorsätzliche Tötung gemäss Art. 111 StGB einen
Strafrahmen von 5 bis 20 Jahren Freiheitsstrafe vor. Da damit die gesetzliche
Höchstdauer der Freiheitsstrafe von 20 Jahren angedroht ist (vgl. Art. 40 StGB),
spielen Strafschärfungsgründe keine Rolle. Auch ist in Übereinstimmung mit der
Vorinstanz der ordentliche Strafrahmen nicht zu unterschreiten. Aufgrund der
- 87 -
Begehung des Raufhandels in einem Notwehrhilfeexzess im Sinne von Art. 16
Abs. 1 StGB ist jedoch eine obligatorische Strafminderung angezeigt.
5. Tatkomponente
5.1. Vorsätzliche Tötung
5.1.1. Die Vorinstanz führte zum objektiven Verschulden aus, die objektive
Tatschwere der vorsätzlichen Tötung sei im unteren bis mittleren Bereich des
betreffenden Tatbestandes zu lokalisieren. Der Beschuldigte habe sich mit
gezogenem Tatmesser einer tätlichen Auseinandersetzung gestellt, in deren
Verlauf er sich auf einen Kampf mit † M._ eingelassen und diesem mit einem
einzigen, mindestens mittelgradig kräftigen Stich ins Herz die tödliche Verletzung
zugefügt habe. Es sei zu berücksichtigen, dass sich der Beschuldigte selbst auch
eine stark blutende Wunde am linken Oberschenkel zugezogen habe. Die
Auseinandersetzung sei gegenseitig gewesen und der Beschuldigte habe den
tödlichen Stich erst appliziert, als er durch seine Beinverletzung geschwächt und
† M._ in einem gewissen Sinne unterlegen gewesen sei. Der Beschuldigte
sei zum Zeitpunkt des Messerstiches durchaus in einer gewissen Bedrängnis
gewesen, als er seine eigene Verletzung wahrgenommen habe und † M._
nach wie vor einen Gegenstand in der Hand gehalten habe. Der Beschuldigte
habe die Tötung von † M._ aber nicht von langer Hand geplant, sondern
durch seine Handlung in Kauf genommen. Die Tathandlung des Beschuldigten sei
zudem nicht von einer extremen Intensität, der Getötete habe nicht lang
andauernde Todesqualen und massive Schmerzen erleiden müssen. Insgesamt
sei von einer nicht zu unterschätzenden aber auch noch nicht erheblichen
kriminellen Energie des Beschuldigten auszugehen (Urk. 136 S. 122 f.). Diesen
Ausführungen der Vorinstanz ist grundsätzlich beizupflichten. Wesentlich ist
sicher, dass der Beschuldigte im Zuge der Auseinandersetzung selbst auch
erheblich verletzt wurde. Auch hat er sich im Zeitpunkt, als er den tödlichen Stich
- 88 -
ausführte, in einer gewissen Bedrängnis befunden, allerdings war er nicht derart
unterlegen, wie dies die Verteidigung darzustellen versucht hat. Ausserdem
konnte eine Notwehrsituation ausgeschlossen werden. Sodann darf nicht ausser
Acht gelassen werden, dass der Beschuldigte mit einiger Intensität und sehr
gezielt zugestochen hat. Die Länge des durch den Beschuldigten G._
verursachten Stichkanals betrug 10 Zentimeter; mithin hat er das Messer seinem
Kontrahenten bis nahezu zum Schaft in die Brust gerammt (vgl. Urk. 4/7 S. 2 und
Anhang mit Fotografie des Messers). Der Beschuldigte hat dem Opfer somit einen
massiven Stich an eine äusserst sensible Körperstelle versetzt. Insgesamt ist das
Verschulden des Beschuldigten G._ daher entgegen der Vorinstanz nicht
mehr im unteren, sondern im mittleren Bereich einzuordnen. Vor allem auch
wegen der fehlenden vorangegangen Planung wiegt das Verschulden nicht noch
schwerer. Aufgrund der gesamten Tatumstände erscheint eine Qualifikation des
Verschulden im mittleren Bereich durchwegs angemessen.
5.1.2. Zum subjektiven Verschulden sei gemäss Vorinstanz festzuhalten,
dass der Beschuldigte eventualvorsätzlich gehandelt habe und keine verminderte
Schuldfähigkeit vorgelegen habe. Beim Beschuldigten sei im Sinne des
vollständigen und schlüssigen psychiatrischen Gutachtens von Dr. med. V._
keine klinisch relevante und erhebliche psychiatrische Krankheit zu
diagnostizieren.
Einige Aussetzer in seiner Entwicklungsgeschichte und sozialen Bewährung
würden jedoch auf Disharmonien und Instabilitäten hinweisen. Diese
Persönlichkeitsartung des Beschuldigten begründe nicht die Einschränkung der
Einsichts- und Handlungsfähigkeit. Wegen Fehlens einer psychischen Störung
könne nicht von einer Gefahr erneuter solcher Straftaten gesprochen werden.
Zum Tatmotiv sei festzuhalten, dass der tödliche Messerstich im Rahmen einer
gegenseitigen tätlichen Auseinandersetzung erfolgt sei, in welcher der
Beschuldigte selbst in Bedrängnis geraten sei. Ein wirkliches Tötungsmotiv lasse
sich nicht ausmachen (Urk. 136 S. 123 ff.). Die Vorinstanz hat das sich bei den
Akten befindliche
Gutachten richtig gewürdigt (Urk. 136 S. 123 ff.). Es besteht kein Anlass, beim
Beschuldigten G._ von reduzierter Schuldfähigkeit auszugehen. Ebenfalls
- 89 -
zutreffend führte die Vorinstanz aus, dass die eventualvorsätzliche Begehung der
Tat das Verschulden etwas relativiere. Zur bereits zugunsten des Beschuldigten
berücksichtigten Bedrängnis ist schliesslich zu bemerken, dass diese Situation
durch ihn und sein Eingreifen mit gezogenem Messer massgeblich selbst
konstelliert worden ist.
5.1.3. In Berücksichtigung sämtlicher objektiver und subjektiver Tatkom-
ponenten erachtete die Vorinstanz eine hypothetische Einsatzstrafe von 8 Jahren
Freiheitsstrafe für die vorsätzliche Tötung als angemessen (Urk. 136 S. 125).
Aufgrund der nunmehr vorgenommenen Qualifikation des Verschulden im
mittleren und nicht mehr im unteren bis mittleren Bereich, ist die von der
Vorinstanz festgesetzte Einsatzstrafe zu erhöhen und auf 10 Jahre festzusetzen.
5.2. Raufhandel
5.2.1. Der Raufhandel trete gegenüber der vorsätzlichen Tötung in den
Hintergrund, wobei dieser nicht zu bagatellisieren sei. Hinsichtlich der objektiven
Tatschwere sei festzuhalten, dass der Beschuldigte an einem zwar kurzen, in
seinen Folgen aber massiven und intensiven Raufhandel teilgenommen habe, bei
welchem die Beschuldigten eine erhebliche Bewaffnung mit sich geführt hätten.
Es sei von einem mindestens erheblichen Verschulden auszugehen (Urk. 136
S. 126). Diesen vorinstanzlichen Erwägungen ist grundsätzlich zuzustimmen; die
Einschätzung des objektiven Tatverschuldens als "mindestens erheblich" (was zu
einen hypothetischen Einsatzstrafe von mindestens 1,5 Jahren führen müsste)
erscheint jedoch als zu hart. Zu beachten gilt es aber auch, dass der Beschuldigte
nicht nur bewaffnet war, sondern dass er auch auf die Unterstützung der anderen
drei Beschuldigten zählen konnte und die Beschuldigten ihren Gegnern somit
zahlenmässig überlegen waren.
5.2.2. In subjektiver Hinsicht ist zu berücksichtigen, dass sich der
Beschuldigte nur eventualvorsätzlich am Raufhandel beteiligt hat. Der Raufhandel
ist auch nicht von langer Hand geplant gewesen. Dies und insbesondere der dem
Beschuldigten zugebilligte Notwehrhilfeexzess rechtfertigen eine recht deutliche
- 90 -
Strafminderung, welche mit dem von der Vorinstanz veranschlagten einen Drittel
(Urk. 136 S. 126) noch eher zurückhaltend ausgefallen ist.
5.2.3. Die Vorinstanz erachtete daher eine Einsatzstrafe für den Raufhandel
alleine von einem Jahr als angemessen (Urk. 136 S. 127). Diese Einsatzstrafe
erscheint angesichts der vorstehenden Erwägungen als zu hoch. Entsprechend
ist die für die vorsätzliche Tötung festgesetzte Einsatzstrafe nur moderat zu
erhöhen.
6. Täterkomponente
6.1. Die Vorinstanz hat die persönlichen Verhältnisse und den Werdegang des
Beschuldigten sowie dessen Vorstrafen korrekt wiedergegeben. Darauf kann zur
Vermeidung von Wiederholungen verwiesen werden (Urk. 136 S. 127 ff.).
Aktualisierend führte der Beschuldigte anlässlich der Berufungsverhandlung aus,
er sei seit dem 22. März 2012 in der Strafanstalt W._. Dort arbeite er in der
Industriewerkstatt und verdiene Fr. 23.– pro Tag. Er mache Krafttraining, lese viel
und habe sich für einen Englischkurs angemeldet. Er habe jedoch Beschwerden
im linken Oberschenkel von der Stichverletzung. Der Muskel habe sich noch nicht
erholt, was sich auch auf die Hüfte auswirke. Zu seiner ehemaligen Verlobten
habe er seit sechs Monaten keinen Kontakt mehr (Urk. 217 S. 2 f.). Mit der
Vorinstanz fallen die Vorstrafen des Beschuldigten nur leicht straferhöhend ins
Gewicht, da sie doch schon länger zurückliegen. Weitere für die Strafzumessung
relevante Faktoren lassen sich den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten
nicht entnehmen.
6.2. Die Vorinstanz würdigte zu Recht das Geständnis des Beschuldigten als
deutlich strafmindernd (Urk. 136 S. 129 f.). Ohne dieses Geständnis hätte der
Täter wohl nur schwer eruiert werden können. Ausserdem berücksichtigte die
Vorinstanz die aufrichtige Reue des Beschuldigten richtigerweise zu dessen
Gunsten und erachtete aufgrund des gesamten Nachtatverhaltens eine deutliche
Strafminderung als angezeigt (Urk. 136 S. 130). Diesen Erwägungen ist
- 91 -
zuzustimmen. Es ergibt sich folglich aufgrund des Nachtatverhaltens eine
deutliche Strafminderung.
7. Fazit
In Würdigung aller für die Strafzumessung relevanter Kriterien sowie in
Anwendung des Asperationsprinzips (Art. 49 Abs. 1 StGB) erscheint eine
Freiheitsstrafe von 9 Jahren angemessen. Die 1038 Tage an erstandener Haft bis
und mit heute sind anzurechnen (Art. 51 StGB).
C. H._
1. Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten H._ mit einer Freiheitsstrafe
von 36 Monaten (Urk. 136 S. 165).
2. Die Staatsanwaltschaft beantragte anlässlich der Berufungsverhandlung, der
Beschuldigte H._ sei beim Schuldspruch gemäss Vorinstanz mit einer
Freiheitsstrafe von 3 Jahren zu bestrafen, wovon 18 Monate zu vollziehen seien
und der Vollzug von 18 Monaten aufzuschieben sei. Im Falle eines Schuldspruchs
wegen versuchter schwerer Körperverletzung sei der Beschuldigte mit einer
Freiheitsstrafe von 4 Jahren zu bestrafen. Zum Hauptantrag führte sie aus, die
Einzeltatschuld des Beschuldigten wiege ganz massiv. Angesichts der
Uneinsichtigkeit des Beschuldigten sei aber auch die Legalprognose nicht
unerheblich beeinträchtigt. Für den Eventualantrag führte sie aus, dass sich bei
einer Verurteilung wegen mehrfacher versuchter schwerer Körperverletzung der
Strafrahmen zwischen
180 Tagessätzen Geldstrafe von 10 Jahren Freiheitsstrafe bewege. Gehe man
von einem mittleren Verschulden aus und halte man dem Beschuldigten den
Versuch strafreduzierend zugute, so erscheine eine Freiheitsstrafe von 4 Jahren
angemessen (Urk. 225 S. 9 f.).
3. Die Verteidigung führte im Berufungsverfahren aus, der sehr junge
Beschuldigte sei 82 Tage in Untersuchungshaft gewesen. Die Dauer der
Untersuchungshaft habe beim Beschuldigten, welcher sich erstmals in seinem
Leben für Straftaten verantworten müsse, sofort Wirkung gezeigt und erfülle den
- 92 -
primären Zweck der Strafe. Es könne leicht angenommen werden, dass der
Beschuldigte nicht mehr delinquieren werde. Die Strafempfindlichkeit des
Beschuldigten sei sehr hoch. Er habe nach dem Vorfall während mehr als zwei
Jahren psychiatrische
Unterstützung gebraucht. Eine unbedingte Bestrafung des Beschuldigten sei
weder notwendig noch gerechtfertigt. Die Vorinstanz habe weder das Vorleben
noch die persönlichen Verhältnisse noch die Wirkung der Strafe auf das Leben
des Beschuldigten wirklich berücksichtigt. Sie habe zudem nicht berücksichtigt,
dass der Beschuldigte der jüngste Bruder gewesen sei, der den älteren Brüdern
bei Bedarf ohnehin habe helfen müssen. Die Vorinstanz habe das Verschulden
des Beschuldigten in nicht nachvollziehbarer Weise als schwer eingestuft. Eine
Freiheitsstrafe von maximal 12 Monaten sei verhältnismässig (Urk. 228 S. 20 ff.).
4. Strafrahmen
Der Beschuldigte H._ hat ebenfalls mehrere Delikte in echter Konkurrenz
sowie die versuchte schwere Körperverletzung mehrfach begangen, was
strafschärfend zu berücksichtigen ist (Art. 49 Abs. 1 StGB). Sodann ist aufgrund
der Begehung des Raufhandels in Notwehrhilfeexzess im Sinne von Art. 16
Abs. 1 StGB eine obligatorische Strafminderung angezeigt.
Vorliegend beträgt der ordentliche Strafrahmen der schweren Körperverletzung
Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe nicht unter 180 Tagessätzen
(Art. 122 StGB). Grundsätzlich könnte die versuchte Tatbegehung strafmildernd
berücksichtigt werden (Art. 22 Abs. 1 StGB). Da indessen keine
aussergewöhnlichen Umstände vorliegen, besteht kein Anlass, den ordentlichen
Strafrahmen zu verlassen.
5. Tatkomponente
5.1. Mehrfache versuchte schwere Körperverletzung
5.1.1. Der Beschuldigte bewaffnete sich für die Auseinandersetzung gegen
die ohnehin schon zahlenmässig unterlegenen Gegner mit einem massiven
Armierungseisen. Er setzte dieses auch nicht nur zu seiner Verteidigung oder zu
- 93 -
seinem Schutz ein, sondern er griff seine beiden Kontrahenten gezielt an, indem
er diesen platzierte Hiebe mit dem schweren Armierungseisen gegen deren Köpfe
versetzte. Der Beschuldigte hatte offenbar Zeit, die Schläge gezielt auszuführen,
weshalb davon auszugehen ist, dass er selbst nicht in Bedrängnis war. Einem
seiner Gegner – † M._ – verabreichte er gar mehrere Schläge. Mindestens
einen Schlag – jenen gegen F._ – führte der Beschuldigte zudem nicht im
direkten Kampf mit seinem Kontrahenten, sondern für den Gegner unerwartet von
hinten aus. Die Schläge waren sodann derart intensiv, dass Blut † M._s auf
die Kleidung des Beschuldigten spritzte und das Armierungseisen deutliche
Spuren insbesondere auf dem Kopf von † M._ hinterliess. Dieses Vorgehen
zeugt von erheblicher krimineller Energie. Hätte der Beschuldigte seine Opfer
tatsächlich schwer verletzt, wäre nach dem Gesagten von einer objektiven
Tatschwere im mittleren Bereich auszugehen.
5.1.2. In subjektiver Hinsicht ist festzuhalten, dass der Beschuldigte
eventualvorsätzlich handelte. Er kann die Armierungseisen allerdings nur
mitgeführt haben, um sie auch gegen seine Gegner zu verwenden. Ein anderer
Grund ist nicht ersichtlich. Bei seinem Tatvorgehen fällt auch eine erhebliche
Skrupellosigkeit und Geringschätzung der körperlichen Integrität der Gebrüder ...
[F._ und M._] auf. Immerhin ist aber auch ihm zuzubilligen, dass die Tat
nicht von langer Hand geplant gewesen ist.
5.1.3. Das objektive Tatverschulden wird durch das subjektive
Tatverschulden deshalb noch leicht relativiert. Nach Würdigung aller
Strafzumessungskriterien erscheint damit für die mutmasslich vollendete
mehrfache schwere
Körperverletzung eine hypothetische Einsatzstrafe von 4 Jahren angemessen.
5.1.4. Für den Versuch eine allzu deutliche Strafminderung vorzunehmen
verbietet sich, da es sich um vollendete Versuche handelte und der Beschuldigte
kaum etwas dazu beigetragen hat, dass bei den Gebrüdern ... [F._ und
M._] keine schweren Verletzungen eingetreten sind. Dass die Verletzungen
nicht gravierender ausgefallen sind, ist damit primär dem Zufall zu verdanken,
was sich der Beschuldigte nicht positiv anrechnen lassen kann. Insbesondere ist
- 94 -
nicht davon auszugehen, dass er etwa bewusst dosiert zugeschlagen hätte.
Immerhin ist aber gleichwohl zu berücksichtigen, dass die effektiven Tatfolgen
nicht sehr schwerwiegend waren und der tatbestandsmässige Erfolg auch nicht
sehr nahe lag.
5.2. Raufhandel
5.2.1. Wie schon beim Beschuldigten G._ ausgeführt (vgl. vorstehend
Ziff. V. B. 5.2.1.), beteiligte sich der Beschuldigte an einem zwar kurzen, in seinen
Folgen aber massiven und intensiven Raufhandel. Auch hier ist das objektive
Tatverschulden aber noch nicht als erheblich zu qualifizieren, wenngleich der
Beschuldigte mit einem schweren Armierungseisen bewaffnet am Raufhandel
teilnahm und damit eine erhebliche Gefährlichkeit an den Tag legte.
5.2.2. Auch in subjektiver Hinsicht gilt – mutatis mutandis – das bereits beim
Beschuldigten G._ Ausgeführte (vorstehende Erw. V. B. 5.2.2) und ist mithin
von einer erheblichen Reduktion des Tatverschuldens auszugehen.
5.2.3. Die bisher aufgelaufene Einsatzstrafe ist damit infolge des Raufhandels
ebenfalls nur moderat zu erhöhen.
6. Täterkomponente
6.1. Auf die vollständigen und zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz zu den
persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten und zu seinem Werdegang kann
verwiesen werden. Die Vorinstanz hielt fest, dass der Beschuldigte keine
Vorstrafen aufweise und würdigte dies unter Hinweis auf die diesbezügliche
Rechtsprechung richtigerweise neutral (Urk. 136 S. 133 ff., mit Verweis auf BGE
136 IV 1). Zu seinen aktuellen persönlichen Verhältnissen führte der Beschuldigte
anlässlich der Berufungsverhandlung aus, er sei nach wie vor an der Ausbildung
zum Wirtschaftsinformatiker. Er arbeite zur Zeit an verschiedenen Projekten für
die ... . Ende März oder Anfang April 2013 werde er die Ausbildung abschliessen.
Es
bestehe die Möglichkeit für eine Festanstellung bei der ... . In Zukunft wolle er
sich auf seine Karriere konzentrieren (Urk. 218 S. 2 f.).
- 95 -
6.2. Der Beschuldigte zeigt sich nach wie vor weder geständig noch einsichtig.
Er kann keine aufrichtige Reue für sich reklamieren. Es kommt daher aufgrund
seines Nachtatverhaltens keine Strafminderung in Betracht.
7. Fazit
Unter Berücksichtigung aller für die Strafzumessung relevanten Kriterien und in
Anwendung des Asperationsprinzips (Art. 49 Abs. 1 StGB) erscheint eine
Freiheitsstrafe von 31⁄2 Jahren angemessen. Die erstandene Haft im Umfang von
82 Tagen ist anzurechnen (Art. 51 StGB).
D. J._
1. Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten J._ mit einer Freiheitsstrafe
von 12 Monaten (Urk. 136 S. 166).
2. Die Staatsanwaltschaft beantragte anlässlich der Berufungsverhandlung, es
sei eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten auszusprechen, welche zu vollziehen sei.
Stark ins Gewicht fallen würde vor allem die Vorstrafe vom 8. März 2007, als der
Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten, unter Ansetzung einer
Probezeit von 4 Jahren, bestraft worden sei. In dieser Probezeit habe der
Beschuldigte nun delinquiert. Bei einem Strafmass von bis zu 3 Jahren
Freiheitsstrafe sei eine Bestrafung mit 18 Monaten Freiheitsstrafe nicht
drakonisch. Bei wohlwollender Betrachtung lasse sich sodann von einem Widerruf
des Vollzugs der Vorstrafe absehen (Urk. 225 S. 8).
3. Die Verteidigung führte im Berufungsverfahren aus, die Vorinstanz habe das
objektive Tatverschulden zu Recht als leicht qualifiziert, das subjektive
Tatverschulden habe sie jedoch als erheblich qualifiziert, was nicht
nachvollziehbar sei, da sie festgestellt habe, dass sich der Beschuldigte lediglich
eventualvorsätzlich am nicht von langer Hand geplanten Raufhandel beteiligt
habe, ein Mitläufer und nicht Organisator gewesen sei. Das Tatverschulden
müsse als noch leicht
qualifiziert werden. Die Einsatzstrafe von 10 Monaten sei auch mit Blick auf die für
den Notwehrhilfeexzess angenommene Strafmilderung um ein Drittel nicht
- 96 -
angemessen. Es sei zu beachten, dass die Vorstrafen des Beschuldigten nicht
einschlägig seien und heute mindestens 7.5 Jahre zurückliegen würden. Weiter
sei der Ansicht der Vorinstanz, wonach der Beschuldigte nicht mit einer anderen
Sanktion als einer Freiheitsstrafe zu belegen sei, nicht zu folgen. Bei Strafen bis
zu einem Jahr komme der Geldstrafe der Vorrang zu. Es könne nicht aufgrund
der in der Vergangenheit gegen den beschuldigten ausgesprochenen Strafen
abgeleitet werden, dass eine Freiheitsstrafe zweckmässiger als eine Geldstrafe
wäre. Vorliegend sei eine Geldstrafe sowohl möglich als auch sinnvoll. Der Zweck
der Geldstrafe äussere sich in der Beschränkung des Lebensstandards und dem
Konsumverzicht. Es sei eine Geldstrafe von maximal 180 Tagessätzen à Fr. 50.–
festzusetzen. Es sei sodann nicht nachvollziehbar, dass nicht mehr vom Fehlen
eine ungünstigen Prognose ausgegangen werden könne. Es gehe nicht an, den
bedingten Strafvollzug aus ausschliesslich oder nur vorwiegend
generalpräventiven Erwägungen abzulehnen. Die Vorinstanz habe der nicht
einschlägigen
Vorstrafe vorrangige Bedeutung beigemessen und andere positive Umstände
zugunsten des Beschuldigten vernachlässigt. So seien die Vorstrafen nicht
einschlägig, die Delikte würden mindestens 7.5 Jahre zurückliegen und der
Beschuldigte habe sich seither nichts mehr zu Schulden kommen lassen. Der
Beschuldigte habe im Jahr 2007 seine Frau geheiratet, im gleichen Jahr sei die
erste Tochter zur Welt gekommen, im Jahr 2009 die zweite. Der Beschuldigte sei
reifer geworden und habe seine Lebenseinstellung grundlegend geändert. Er
verbringe heute seine Freizeit mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern. Er
habe sodann seit Mai 2011 eine Festanstellung und seit April 2012 sei er gar
Vorarbeiter und führe 4 Personen. Der Beschuldigte setze sodann alles daran,
seine Schulden zu bezahlen. Es liege keine ungünstige Legalprognose oder gar
eine eigentliche Schlechtprognose vor. Den verbleibenden Bedenken könne mit
einer relativ langen Probezeit von 4 Jahren Rechnung getragen werden (Urk. 229
S. 11 ff.).
4. Strafrahmen
- 97 -
Für Raufhandel beträgt der ordentliche Strafrahmen Freiheitsstrafe bis zu drei
Jahren oder Geldstrafe (Art. 133 Abs. 1 StGB). Es liegen keine
Strafschärfungsgründe vor. Aufgrund der Begehung des Raufhandels in
Notwehrhilfeexzess im Sinne von Art. 16 Abs. 1 StGB ist jedoch eine
obligatorische Strafminderung
angezeigt. Für ein Unterschreiten des ordentlichen Strafrahmens besteht aber
auch hier keine Veranlassung.
5. Tatkomponente
5.1. Zur objektiven Tatschwere kann auf die Ausführungen zu den Beschuldigten
G._ und H._ sowie auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen
werden (V. B.5.2.1. und V. C.5.2.1.; Urk. 136 S. 144). Im Gegensatz zu den
beiden anderen Beschuldigten bewaffnete sich der Beschuldigte J._
allerdings nicht. Sein Tatbeitrag ist wesentlich geringer als derjenige der übrigen
Beteiligten. Das Verschulden des Beschuldigten J._ ist daher mit der
Vorinstanz als noch leicht zu qualifizieren.
5.2. Auch beim Beschuldigten J._ ist in subjektiver Hinsicht zu
berücksichtigen, dass er nur eventualvorsätzlich am Raufhandel teilgenommen
hat. Der Raufhandel ist wie bereits ausgeführt auch nicht von langer Hand geplant
gewesen, der Beschuldigte J._ ist vielmehr erst auf Anfrage der Gebrüder ...
[G._-H._-I._] beim späteren Tatort erschienen. Er beteiligte sich
aber trotzdem massgeblich bereits zu Beginn der Auseinandersetzung, indem er
das Schliessen der Wohnungstüre verhinderte und so einen Beitrag dazu leistete,
dass es überhaupt zu einer Auseinandersetzung kommen konnte. Der Notwehr-
hilfeexzess und die gesamten Umstände rechtfertigen sodann, wie bei den beiden
anderen Beschuldigten bereits dargelegt, eine deutliche Strafminderung.
5.3. In Berücksichtigung der objektiven und subjektiven Tatkomponente
erscheint in Anbetracht des noch leichten Verschuldens eine Einsatzstrafe von
150 Tagessätzen Geldstrafe als angemessen.
6. Täterkomponente
- 98 -
6.1. Die Vorinstanz hat die persönlichen Verhältnisse und den Werdegang des
Beschuldigten J._ sowie dessen Vorstrafen korrekt wiedergegeben. Darauf
kann zur Vermeidung von Wiederholungen verwiesen werden (Urk. 136 S. 145
ff.). Heute führte der Beschuldigte J._ zu seinen persönlichen Verhältnissen
aus, er sei nach wie vor bei der ... GmbH angestellt und er sei dort zum
Gruppenchef aufgestiegen. Er verdiene nun monatlich Fr. 5'750.– brutto inklusive
13. Monatslohn. Er habe nach wie vor Schulden in Höhe von Fr. 35'000.– beim
Betreibungsamt und noch circa Fr. 2'000.– an ausstehenden Gerichtsgebühren
für das Verfahren im Jahr 2007. Er bezahle dem Gericht monatlich Fr. 100.– und
dem Betreibungsamt liefere er ab, was Ende Monat übrig bleibe. Er sei verheiratet
und lebe mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern zusammen (Urk. 219 S. 2
f.). Insgesamt wirken die Vorstrafen, auch wenn sie nicht einschlägig sind, und
insbesondere die Delinquenz während der Probezeit der mit Urteil des
Obergerichts des Kantons Zürich, I. Strafkammer, vom 8. März 2007 primär
wegen bandenmässigen Einbruchdiebstählen bedingt ausgesprochenen 18
Monaten Freiheitsstrafe (Urk. 153) merklich straferhöhend.
6.2. Das Geständnis des Beschuldigten J._ führt hingegen, wie die
Vorinstanz zutreffend darlegte (Urk. 136 S. 147), zu einer deutlichen
Strafminderung. Weiter strafmindernd wirkt das Nachtatverhalten des
Beschuldigten, brachte er doch nach der Auseinandersetzung † M._ in
Seitenlage und versuchte sich um ihn zu kümmern.
6.3. Sodann können die Erwägungen der Vorinstanz zur Strafempfindlichkeit im
Ganzen übernommen werden (Urk. 136 S. 148 f.). Allein die Tatsache, dass der
Beschuldigte J._ verheiratet ist und zwei kleine Kinder hat, kann noch keine
besondere Strafempfindlichkeit begründen, beeinträchtigt doch eine Strafe jedes
Familienleben in unter Umständen erheblichem Masse. Wie die Vorinstanz richtig
ausführt, war der Beschuldigte im Zeitpunkt der Tatbegehung bereits Vater einer
Tochter und seine Frau schwanger. Besonders durch seine delinquente
Vergangenheit – u.a. Bestrafung mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 18
Monaten (vgl. vorstehend) – mussten dem Beschuldigten die Folgen einer
neuerlichen Delinquenz bewusst gewesen sein. Der Beschuldigte kann keine
- 99 -
besondere Strafempfindlichkeit geltend machen, die sich auf die Strafzumessung
auswirken würde.
7. Fazit
Die Straferhöhung durch die Vorstrafen und das Delinquieren in der Probezeit
einerseits und die Strafminderung durch das Geständnis und das
Nachtatverhalten andererseits wiegen in etwa gleich schwer. Die festgesetzte
Einsatzstrafe von 150 Tagessätzen Geldstrafe ist zu belassen. Die 59 Tage an
erstandener Haft sind anzurechnen (Art. 51 StGB).
8. Strafart und Vollzug
8.1. Das Gericht kann auf eine vollziehbare Freiheitsstrafe von weniger als
sechs Monaten nur erkennen, wenn die Voraussetzungen für eine bedingte Strafe
nicht gegeben sind und zu erwarten ist, dass eine Geldstrafe oder gemeinnützige
Arbeit nicht vollzogen werden kann (Art. 41 Abs. 1 StGB). Der Beschuldigte ist bei
der ... GmbH als Gruppenchef festangestellt. Er verdient dort monatlich
Fr. 5'750.– brutto inklusive 13. Monatslohn. Sodann bemüht er sich, regelmässige
Abzahlungen seiner Schulden zu leisten. In Anbetracht der wirtschaftlichen
Verhältnisse des Beschuldigten ist also davon auszugehen, dass eine Geldstrafe
vollzogen werden kann, weshalb die Voraussetzungen, um eine unbedingte
Freiheitsstrafe auszusprechen, nicht erfüllt sind, und eine Geldstrafe
auszusprechen ist.
8.2 Bei der Berechnung der Tagessatzhöhe bildet das Einkommen, das dem
Täter durchschnittlich an einem Tag zufliesst, ganz gleich, aus welcher Quelle die
Einkünfte stammen, den Ausgangspunkt. Denn massgebend ist die tatsächliche
wirtschaftliche Leistungsfähigkeit (vgl. BGE 116 IV 4 E. 3a S. 8). Was gesetzlich
geschuldet ist oder dem Täter wirtschaftlich nicht zufliesst, ist abzuziehen, so die
laufenden Steuern, die Beiträge an die obligatorische Kranken- und
Unfallversicherung, sowie die notwendigen Berufsauslagen bzw. bei
Selbständigerwerbenden die branchenüblichen Geschäftsunkosten (Botschaft
1998 S. 2019). Das
http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2012&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F116-IV-4%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page4
- 100 -
Nettoprinzip verlangt, dass bei den ermittelten Einkünften – innerhalb der
Grenzen des Rechtsmissbrauchs – nur der Überschuss der Einnahmen über die
damit verbundenen Aufwendungen zu berücksichtigen ist (BGE 134 IV 60 E. 6.1
und 6.2.).
Die Tagessatzhöhe ist unter Berücksichtigung des monatlichen Nettoeinkommens
von rund Fr. 5'200.– und der relevanten Abzüge sowie der Tatsache, dass der
Beschuldigte gegenüber seiner Familie unterstützungspflichtig ist, auf Fr. 70.–
festzusetzen.
Somit erweist sich eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu Fr. 70.– als dem
Verschulden und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten J._
angemessen.
8.3. Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe, von gemeinnütziger Arbeit
oder einer Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten und höchstens zwei
Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint,
um den Täter von der Begehung weiterer Vergehen oder Verbrechen abzuhalten
(Art. 42 Abs. 1 StGB). Wurde der Täter innerhalb der letzten fünf Jahre vor der
Tat zu einer bedingten oder unbedingten Freiheitsstrafe von mindestens sechs
Monaten oder zu einer Geldstrafe von mindestens 180 Tagessätzen verurteilt, so
ist der Aufschub nur zulässig, wenn besonders günstige Umstände vorliegen
(Art. 42 Abs. 2 StGB). Bei Art. 42 Abs. 2 StGB gilt demnach die Vermutung einer
günstigen Prognose bzw. des Fehlens einer ungünstigen Prognose nicht.
Vielmehr kommt der früheren Verurteilung zunächst die Bedeutung eines Indizes
für die Befürchtung zu, dass der Täter weitere Straftaten begehen könnte. Die
Gewährung des bedingten Strafvollzuges kommt daher nur in Betracht, wenn eine
Gesamtwürdigung aller massgebenden Faktoren den Schluss zulässt, dass trotz
der Vortat eine begründete Aussicht auf Bewährung besteht. Dabei ist zu prüfen,
ob die indizielle Befürchtung durch die besonders günstigen Umstände zumindest
kompensiert wird. Das trifft etwa zu, wenn die neuerliche Straftat mit der früheren
Verurteilung in keinerlei Zusammenhang steht, oder bei einer besonders positiven
Veränderung in den Lebensumständen des Täters (BGE 134 IV 1 E. 4.2.3. mit
weiteren Hinweisen).
- 101 -
Die objektiven Voraussetzungen für die Gewährung des bedingten Vollzugs sind
bei der auszusprechenden Strafe von 150 Tagessätzen Geldstrafe ohne weiteres
erfüllt.
In subjektiver Hinsicht müssen indes besonders günstige Umstände im Sinne von
Art. 42 Abs. 2 StGB für die Gewährung des bedingten Vollzugs vorliegen, wurde
der Beschuldigte doch mit Urteil vom 8. März 2007 zu einer bedingt vollziehbaren
Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt (Urk. 34/1). Der Beschuldigte hat die
heute zu beurteilende Straftat noch während laufender Probezeit der besagten
Vorstrafe begangen. Der Beschuldigte ist seit dem Jahr 2004 nun schon zum
dritten Mal strafrechtlich in Erscheinung getreten. Auch seine stabilen und
intakten familiären sowie seine beruflichen Verhältnisse scheinen den
Beschuldigten nicht von weiterer Delinquenz abzuhalten. Selbst eine gravierende
Verletzung aus dem Jahr 2006 im Zusammenhang mit einer Schlägerei (Urk. 34/4
S. 4), mit der Folge, dass eine Metallplatte in der linken Gesichtshälfte implantiert
werden musste, veranlasste den Beschuldigten sodann nicht, sich von
gewalttätigen Auseinandersetzungen fernzuhalten. Die vorstehenden
Ausführungen lassen keinesfalls den Schluss zu, dass beim Beschuldigten
besonders günstige Umstände vorliegen würden. Bei diesen Gegebenheiten kann
dem Beschuldigten der bedingte Vollzug nicht gewährt werden. Die Geldstrafe
von 150 Tagessätzen ist zu vollziehen,
wobei 59 Tagessätze als durch Haft geleistet gelten.
VI. Widerruf
1. Es stellt sich vorliegend nur noch für den Beschuldigten J._ die Frage
des Widerrufs. Der Beschuldigte wurde am 8. März 2007 vom Obergericht des
Kantons Zürich, I. Strafkammer, wegen bandenmässigen Diebstahls,
bandenmässigen Diebstahls (unvollendeter Versuch), mehrfache
Sachbeschädigung, mehrfachen Hausfriedensbruch und Vergehens gegen das
Betäubungsmittelgesetz zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten
verurteilt, unter Ansetzung einer Probezeit von 4 Jahren (vgl. Urk. 153). Das
heute zu beurteilende Delikt hat der Beschuldigte während dieser Probezeit
- 102 -
begangen, weshalb zu prüfen ist, ob die Strafe im Sinne von Art. 46 Abs. 1 zu
widerrufen ist.
2. Auf die stimmigen Ausführungen zu den theoretischen Voraussetzungen des
Widerrufs durch die Vorinstanz kann, um Wiederholungen zu vermeiden,
verwiesen werden (Urk. 136 S. 151 f.).
3. Der Beschuldigte J._ ist heute wegen Raufhandels im Sinne von
Art. 133 Abs. 1 StGB zu verurteilen. Die theoretischen Voraussetzungen für einen
Widerruf sind gegeben (vgl. Art. 46 Abs. 1 StGB). Zu bestrafen ist der
Beschuldigte mit einer unbedingten Geldstrafe. Mit der Vorinstanz (Urk. 136
S. 153) ist davon auszugehen, dass sich der Beschuldigte aufgrund seiner
familiären und beruflichen Situation künftig wohl verhalten wird. Auch die
Entwicklung in den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten lassen darauf
schliessen. Nicht zuletzt wird auch die erlittene Untersuchungshaft und die heute
unbedingt ausgesprochene Geldstrafe für den Beschuldigten Warnung genug
sein, von nun an nicht mehr zu delinquieren. Mit Blick auf den Leumund des
Beschuldigten bestehen jedoch gewisse Bedenken, dass er sich bewähren wird.
Diesen Bedenken ist mit der Verlängerung der Probezeit angemessen Rechnung
zu tragen. Es kann daher auf den Widerruf der mit Urteil des Obergerichts des
Kantons Zürich, I. Strafkammer, vom 8. März 2007 ausgefällten Freiheitsstrafe
vom 18 Monaten verzichtet werden, die angesetzte Probezeit von vier Jahren ist
jedoch mit
Wirkung ab heute um zwei Jahre zu verlängern.
VII. Zivilforderungen
A. Schadenersatz und Genugtuung für die Tötung von † M._
1. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten G._ verpflichtet, den
Privatklägern A._ und B._ je Fr. 40'000.– Genugtuung zu bezahlen,
sowie den Privatklägern C._, D._, E._ und F._ je Fr. 10'000.–,
jeweils nebst 5 % Zins seit 15. Februar 2010. Im Mehrbetrag wurden die
Genugtuungsbegehren abgewiesen. Sodann hat die Vorinstanz den
- 103 -
Beschuldigten G._ verpflichtet, den Privatklägern A._ und B._
Schadenersatz von gesamthaft Fr. 7'339.20 nebst 5 % Zins ab 15. Februar 2010,
sowie den Privatklägern C._, D._ und E._ Schadenersatz von je
Fr. 280.– zuzüglich 5 % Zins ab 15. Februar 2010 zu bezahlen. Im Mehrbetrag
wurden die Schadenersatzbegehren abgewiesen. Weiter wurde festgestellt, dass
der Beschuldigte G._ gegenüber den Privatklägern aus dem eingeklagten
Ereignis dem Grundsatze nach für weiteren Schaden ersatzpflichtig sei. Zur
genauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatzanspruches wurden die
Privatkläger auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen (Urk. 136 S. 166 f.).
2. Die Vertretung der Privatklägerschaft hält auch im Berufungsverfahren an
ihrem Begehren fest, es seien alle Beschuldigten solidarisch zu verpflichten, die
Schadenersatz- und Genugtuungszahlungen zu leisten. Weiter rechtfertige ein
allfälliges Selbstverschulden von † M._ keine Reduktion von Schadenersatz
oder Genugtuung für die Angehörigen. Schliesslich verlangt sie für F._ eine
höhere Genugtuung aufgrund der Verletzungen, die dieser erlitten hat (Urk. 226).
3. Auf die zutreffenden und vollständigen Erwägungen der Vorinstanz zu den
Voraussetzungen für die Zusprechung von Schadenersatz und Genugtuung kann
zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen verwiesen werden (Urk. 136
S. 153 ff.).
3.1 Abweichend von den vorinstanzlichen Erwägungen ist jedoch für die
Genugtuungs- und Schadenersatzzahlungen solidarische Haftbarkeit der
Beschuldigten G._, H._, I._ und J._ anzunehmen. Dies aus
folgenden Gründen: Art. 50 OR regelt die Ersatzpflicht mehrerer, die einen
Schaden im Sinn von Art. 41 ff. OR gemeinsam verschuldet haben. Für die
Anwendung von Art. 50 Abs. 1 OR ist sowohl eine gemeinsame Verursachung
wie auch ein gemeinsames Verschulden erforderlich (Pamela Küttel, Begriff der
Teilnahme nach Art. 50 OR, "Gemeinsame Verschuldung" eines Schadens durch
Anstifter, Urheber und Gehilfen und die Rolle des Begünstigers, in: HAVE 2008,
S. 320, 321, mit weiteren Hinweisen). Eine gemeinsame Verursachung ist dann
gegeben, wenn das Verhalten mehrerer Personen als adäquate Teil- oder
Gesamtursache des eingetretenen Schadens qualifiziert werden kann (Küttel,
- 104 -
a.a.O., S. 322). Dazu hielt das Bundesgericht fest, dass "nicht nur das Verhalten
des unmittelbaren Täters, sondern Aller, die an einem derartigen Unternehmen
teilgenommen haben – unbekümmert um das Mass ihrer Mitwirkung – als für die
eingetretenen Wirkungen kausal" erscheine (BGE 57 II 417 E. 2). Im eben
erwähnten Bundesgerichtsentscheid war – wie im vorliegenden Fall – klar, wer
dem Opfer den Schaden zugefügt hatte, trotzdem wurden die übrigen Beteiligten
für solidarisch haftbar erklärt, hatten sie doch mit ihrer Beteiligung an der Aus-
einandersetzung ihren Beitrag zum Eintritt des Schadens geleistet. Dasselbe gilt
für den hier zu beurteilenden Fall. Durch die Teilnahme an der gewalttätigen
wechselseitigen Auseinandersetzungen – welche denn auch zu einer allseitigen
Verurteilung wegen Raufhandels geführt hat – haben alle Beteiligten einen
kausalen Beitrag für den Eintritt des Schadens geleistet. Das schuldhafte
Zusammenwirken setzt sodann gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung
voraus, dass jeder Schädiger vom Tatbeitrag des andern Kenntnis hat oder bei
der erforderlichen Aufmerksamkeit Kenntnis haben könnte (BGE 104 II 225
E. 4a). Die Sachverhaltserstellung hat vorliegend ergeben, dass sich die
Beschuldigten G._ und H._ wie auch † M._ bewaffnet in die tätliche
Auseinandersetzung begaben. Alle am Raufhandel beteiligten Personen haben
den Einsatz dieser Waffen erkennen können bzw. hätten dies im Mindesten tun
müssen, weshalb sie schliesslich ein Mitverschulden am verursachten Schaden
trifft und sie somit im Sinne von Art. 50 Abs. 1 OR solidarisch haftbar sind.
3.2 Das Bundesgericht hat mehrfach festgehalten, dass Selbstverschulden des
Geschädigten bei der Bemessung von Schadenersatz und Genugtuung durch
einen entsprechenden Abzug berücksichtigt werden muss (BGE 129 IV 149
E. 4.1, BGE 123 III 306 E. 9b, BGE 117 II 50 E. 4b). Selbstverschulden stellt ein
Verhalten dar, von dem erwartet werden muss, dass der Geschädigte dessen
Gefährlichkeit einsieht oder hat einsehen können. Unterlässt es der Geschädigte,
zumutbare Massnahmen zu ergreifen, die geeignet wären, der Entstehung oder
Verschlimmerung eines Schadens entgegenzuwirken, so handelt er ebenfalls mit
Selbstverschulden. Auch wer sich freiwillig einer Gefahr aussetzt, die er kennt
oder kennen muss, oder falls er gar zu einem gefährlichen Vorhaben Anlass gibt,
setzt sich dem Vorwurf des Selbstverschuldens aus (Schnyder in: Basler
- 105 -
Kommentar zum Obligationenrecht I, Art. 1-529, 4. Auflage, Basel 2007, N 7 zu
Art. 44 OR). Zu den Umständen, die der Richter bei der Bemessung der
Genugtuung zu berücksichtigen hat, gehört auch ein Mitverschulden des
Verletzten (Schnyder, a.a.O., N 18 zu Art. 47 OR). Vorliegend ist, wie die
Vorinstanz bereits zutreffend erwogen hat, die Tötung anlässlich einer
wechselseitigen Auseinandersetzung zwischen den Beschuldigten einerseits und
den Gebrüdern ... [F._ und M._] andererseits erfolgt. Das Verhalten von
† M._ und seinem Bruder F._ ist sogar mindestens mitursächlich für den
gewalttätigen Zusammenstoss. Es muss demnach von einem gewissen
Selbstverschulden des Opfers † M._ gesprochen werden, das sich auf die
Bemessung der Genugtuungs- und Schadenersatzzahlung auswirken muss. Es
ist kein Grund ersichtlich, weshalb sich die Eltern und Angehörigen † M._
dessen Selbstverschulden nicht anrechnen lassen müssten. Der Tod von
† M._ setzt überhaupt erst die Ursache für die Zusprechung einer
Genugtuung, also müssen konsequenterweise auch die Umstände des Todes und
damit das Verhalten des Getöteten zur Bemessung der Genugtuungsansprüche
herangezogen werden. So wird klar, dass ein Selbstverschulden des Getöteten
die Verantwortlichkeit des Schädigers mindert und daher auch zu einer
Herabsetzung von Schadenersatz- und Genugtuungsansprüchen Dritter führen
muss. Dazu ist auf einen Entscheid des Bundesgerichts in einem ähnlich
gelagerten Fall zu verweisen (Urteil 6S.700/2001 vom 7. November 2002, E. 2.2 -
2.4 sowie bereits BGE 117 II 50 E. 4 a/bb). Im letztzitierten Entscheid verwies das
Bundesgericht überdies darauf, dass diese Auffassung der praktisch einhelligen
Lehre entspreche. Der vom Vertreter der Privatkläger zitierten abweichenden
Meinung von Hardy Landolt im Zürcher Kommentar (Urk. 226 S. 4) ist nicht zu
folgen. Wenn die Vorinstanz die Reduktion für das Selbstverschulden von
† M._ mit 20 % quantifiziert, ist dies nicht zu beanstanden. Er und sein
Bruder setzten durch ihr Vorgehen gegenüber L._ den Anlass für das
Eingreifen der Gebrüder ... [G._-H._-I._] und J._, und sodann
begab sich † M._ mit einem – mutmasslich – Schraubendreher bewaffnet in
den Kampf.
- 106 -
4. Die Voraussetzungen für die Zusprechung einer Genugtuung für die
Privatkläger A._ und B._ wie auch für C._, D._, E._ und
F._ sind erfüllt. Die Vorinstanz hat zutreffend ausgeführt, dass der Verlust
ihres Sohnes für die Eltern ausserordentlich schwer wiegt. Sie hat weiter richtig
erwogen, dass die Tötung im Rahmen einer wechselseitigen Auseinandersetzung
geschehen ist, an welcher auch der Getötete selbst beteiligt war. Ebenfalls
zutreffend ist, dass zwischen † M._ und seinen Geschwistern zwar ein
starker Familienzusammenhalt herrschte, jedoch kein Abhängigkeits- oder
Unterstützungsverhältnis bestand (Urk. 136 S. 158 ff.). In Würdigung aller
relevanten Umstände, insbesondere auch unter Berücksichtigung des
Selbstverschuldens von † M._, erscheint die von der Vorinstanz
zugesprochene Genugtuung von je Fr. 40'000.– für die Eltern und von je
Fr. 10'000.– für die Geschwister C._, D._ und E._ angemessen.
Bei der Bemessung der Genugtuung von F._ verhält es sich anders. F._
war an der wechselseitigen tätlichen Auseinandersetzung, anlässlich welcher sein
Bruder getötet worden ist, ebenfalls beteiligt. Somit ist bei der Bemessung seines
Genugtuungsanspruchs nicht nur das Selbstverschulden von † M._, sondern
in gleichem Masse auch sein
eigenes Selbstverschulden in Abzug zu bringen. Es resultiert somit eine um 40 %
reduzierte Genugtuung für F._ für die Tötung seines Bruders in Höhe von
Fr. 7'500.–. Sodann ist für alle Genugtuungszahlungen Zins zu 5 % seit dem
15. Februar 2010 geschuldet (vgl. BGE 129 IV 149 E. 4.). Die Beschuldigten
G._, H._, I._ und J._ sind in solidarischer Haftbarkeit zur
Leistung dieser Genugtuungszahlungen zu verpflichten. Im Mehrbetrag sind die
Begehren abzuweisen.
5. Wie die Vorinstanz zutreffend ausführt, ist das Schadenersatzbegehren von
A._ und B._ belegt und sämtliche Positionen stehen im Zusammenhang
mit der Tötung von † M._ (Urk. 136 S. 158 mit Verweis auf Urk. 84 und Urk.
85/1-10). Aufgrund der vorstehenden Ausführungen zum Selbstverschulden von
† M._ ist der Schadenersatzanspruch entsprechend zu kürzen. Die
Beschuldigten G._, H._, I._ und J._ sind demnach in
solidarischer Haftbarkeit zu verpflichten, den Privatklägern A._ und B._
- 107 -
Schadenersatz von gesamthaft Fr. 7'339.20 zuzüglich Zins ab 15. Februar 2010
zu bezahlen. Im Mehrbetrag ist das Schadenersatzbegehren abzuweisen. Ebenso
belegt und daher gutzuheissen sind die Schadenersatzbegehren der Privatkläger
C._, D._ und E._ (Urk. 136 S. 159 mit Verweis auf Urk. 84 und Urk.
85/4). Mit Hinweis auf vorstehende Argumentation sind die
Schadenersatzansprüche ebenfalls zu kürzen. Die Beschuldigten G._,
H._, I._ und J._ sind folglich in solidarischer Haftbarkeit zu
verpflichten, den Privatklägern C._, D._ und E._ Schadenersatz in
Höhe von je Fr. 280.– zuzüglich Zins seit 15. Februar 2010 zu bezahlen. Im
Mehrbetrag sind die Schadenersatzbegehren ebenfalls abzuweisen.
B. Genugtuungsanspruch von F._ aufgrund seiner Kopfverletzung
1. F._ hat im Zuge der Auseinandersetzung selbst eine erhebliche
Verletzung am Kopf erlitten. Die Wunde musste genäht werden (Urk. 18/2/1) und
eine Narbe ist heute noch sichtbar (vgl. Prozess Nr. SB120265, Urk. 57 S. 9).
2. Zu den theoretischen Voraussetzungen für die Zusprechung einer Genug-
tuung, zu den Ausführungen betreffend solidarischer Haftung der Beteiligten
sowie Selbstverschulden kann auf die vorstehenden Erwägungen verwiesen
werden (VII. A. 3.). Die Schwere der Verletzung von F._ begründet einen
Genugtuungsanspruch. Der Schlag mit dem Armierungseisen gegen den Kopf
von F._ anlässlich der wechselseitigen tätlichen Auseinandersetzung
verursachte die Verletzung und setzte somit die Ursache für den
Genugtuungsanspruch. Auch F._ ist sodann ein gewisses Selbstverschulden
anzulasten, begab er sich doch freiwillig in die tätliche Auseinandersetzung und
setzte letztlich durch das Vorgehen gegen L._ auch deren auslösendes
Moment. Es ist ebenfalls eine Reduktion der Genugtuung um 20 % angezeigt.
3. Nach dem Gesagten ist F._ zusätzlich zur bereits zugesprochenen
Genugtuung für die Tötung von † M._ eine weitere Genugtuung für seine
erlittene Verletzung zuzusprechen. Die Genugtuung ist aufgrund der gesamten
- 108 -
Umstände auf Fr. 1'600.– festzusetzen. Die Beschuldigten G._, H._,
I._ und J._ sind daher in solidarischer Haftbarkeit zu verpflichten,
F._ eine Genugtuung in Höhe von Fr. 1'600.– zuzüglich Zins zu 5 % seit dem
15. Februar 2010 zu bezahlen. Im Mehrbetrag ist das Genugtuungsbegehren
abzuweisen.
C. Haftung für weiteren Schaden
Die Beschuldigten G._, H._, I._ und J._ haben grundsätzlich
auch für weiteren, künftigen Schaden, der durch die Tötung von † M._
entstanden ist, aufzukommen. Unter Verweis auf die vorstehenden Ausführungen
ist ihre Haftbarkeit jedoch wiederum aufgrund des Selbstverschuldens von
† M._ um 20 % zu kürzen. Gegenüber dem Privatkläger F._ ist die
Haftbarkeit der Beschuldigten um 40 % zu kürzen, da sich dieser zusätzlich sein
eigenes Verschulden anrechnen lassen muss. Es ist somit festzustellen, dass die
Beschuldigten G._, H._, I._ und J._ gegenüber den
Privatklägern 1-5 aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach im
Umfang von 80 % für weiteren Schaden ersatzpflichtig sind, gegenüber dem
Privatkläger 6, F._, im Umfang von 60 %. Zur genauen Feststellung der
Höhe des Schadenersatzes sind die Privatkläger auf den Weg des Zivilprozesses
zu verweisen.
VIII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die vorinstanzliche Kostenauflage
(Dispositivziffer 16) zu bestätigen, mit der Ausnahme, dass sich die
Nachforderung für die Kosten der unentgeltlichen Vertretung der
Privatklägerschaft zufolge der solidarischen Haftbarkeit der Beschuldigten im
Umfang von 3/6 gegen den Beschuldigten G._ sowie im Umfang von je 1/6
gegen die Beschuldigten H._, I._ und J._ zu richten hat.
2. Ausgangsgemäss werden im Berufungsverfahren alle Beschuldigten
kostentragungspflichtig (Art. 426 Abs. 1 Satz 1 StPO). Ausgenommen sind
grundsätzlich die Kosten der amtlichen Verteidigung (Art. 426 Abs. 1 Satz 2
- 109 -
StPO), wobei die Rückzahlungspflicht im Sinne von Art. 135 Abs. 4 StPO
vorbehalten bleibt. Da auch die Privatkläger mit ihren Begehren weitgehend
unterliegen, werden sie
anteilsmässig kostentragungspflichtig (Art. 427 Abs. 1 lit. c StPO). Die Anklägerin
obsiegt im Berufungsverfahren ebenfalls nicht vollständig, weshalb ein Teil der
Kosten auf die Gerichtskasse zu nehmen ist.
2.1 Die Beschuldigten G._ und H._ unterliegen im Berufungsverfahren
vollständig, weshalb es sich rechtfertigt, ihnen die Kosten des
Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigungen
und der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft, im Umfang von je 1/4
aufzuerlegen. Die Kosten ihrer amtlichen Verteidigungen sind einstweilen auf die
Gerichtskasse zu nehmen, wobei eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO vorbehalten bleibt.
2.2 Die Berufung gegen den Beschuldigten I._ war nach den seinerzeitigen
Berufungsrückzügen (vgl. Beschluss vom 11. September 2012, Urk. 192) nur
noch auf den Zivilpunkt beschränkt, in welchem der Beschuldigte zum grössten
Teil unterliegt. Es rechtfertigt sich, ihm daher die Kosten des Berufungsverfahrens
– anteilsmässig gewichtet – im Umfang von 1/16 aufzuerlegen. Die seit dem 12.
September 2012 entstandenen Kosten seiner amtlichen Verteidigung sind
einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, wobei eine Nachforderung gemäss
Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten bleibt.
2.3 Der Beschuldigte J._ obsiegt im Berufungsverfahren im Strafpunkt
teilweise, unterliegt aber hinsichtlich des Schuldpunkts, weshalb ihm – wiederum
anteilsmässig gewichtet – die Kosten zu 3/16 aufzuerlegen sind. Die Kosten
seiner amtlichen Verteidigung sind im Umfang von 3/4 einstweilen und im Umfang
von 1/4 definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen, wobei für den einstweilen auf
die Gerichtskasse genommenen Teil eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO vorbehalten bleibt.
2.4 Auch die Privatklägerschaft unterliegt im Berufungsverfahren zu einem Teil,
indem ihre Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren nicht in der geforderten
- 110 -
Höhe gutzuheissen sind. Sie werden daher für die Kosten des Berufungsver-
fahrens im Umfang von 1/8 kostentragungspflichtig, dies in solidarischer Haftung
untereinander.
2.5 Sodann obsiegt auch die Anklägerin nicht vollständig, weshalb die Kosten
des Berufungsverfahrens schliesslich im Umfang von 1/8 auf die Gerichtskasse
zu nehmen sind.
3. Ausgangsgemäss sind die Kosten der unentgeltlichen Vertretung der
Privatklägerschaft zu 1/8 definitiv und zu 7/8 einstweilen auf die Gerichtskasse zu
nehmen (Art. 426 Abs. 4 StPO). Die Rückzahlungspflicht analog Art. 426 Abs. 1
StPO in Verbindung mit Art. 135 Abs. 4 StPO für den einstweilen auf die
Gerichtskasse genommen Teil, das heisst für 7/8 der gesamten Kosten, bleibt
vorbehalten.
Diese Nachforderung hat sich – entsprechend des ihnen jeweils überbundenen
Teils der Verfahrenskosten – im Umfang von je 1/4 der einstweilen auf die
Gerichtskasse genommenen Kosten gegen die Beschuldigten G._ und
H._, im Umfang von 1/16 gegen den Beschuldigten I._, im Umfang von
3/16 gegen den Beschuldigten J._ sowie im Umfang von 1/8 – in
solidarischer Haftung untereinander – gegen die Privatklägerschaft zu richten.