# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d208f1b4-c587-5da2-a1c3-62564f7e2950
**Court:** FR_TC
**Chamber:** FR_TC_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** FR / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt
A. C._ selig ist im Jahr 2016 verstorben. Er hinterlässt seine Ehefrau D._, die zwei gemeinsamen Kinder E._ und F._ sowie eine im Jahr 2004 geborene Tochter, A._.
Mit Entscheid vom 13. April 2016 ordnete das Friedensgericht des Sensebezirks für A._ eine Vertretungsbeistandschaft nach Art. 306 Abs. 2 ZGB an und ernannte Rechtsanwalt B._ zum Vertretungsbeistand, u.a. mit der Aufgabe, die finanziellen Interessen des Kindes im Zusammenhang mit dem Nachlass von C._ selig und der erbrechtlichen Auseinandersetzung zu wahren und zu vertreten.
B. Am 28. April 2016 reichte der Vertretungsbeistand beim Friedensgericht des Saanebezirks einen Antrag auf Errichtung eines öffentlichen Inventars im Nachlass von C._ selig ein. Mit Entscheid vom 8. Juni 2016 gewährte die Friedensrichterin des Saanebezirks (nachfolgend die Friedensrichterin oder die Vorinstanz) das öffentliche Inventar.
Am 17. Januar 2017 wurde das öffentliche Inventar mit dem Hinweis auf die einmonatige Erklärungsfrist, als geschlossen erklärt. Der Vertretungsbeistand beantragte am 17. Februar 2017 eine Zusatzfrist von 4 Monaten, insbesondere mit der Begründung, dass eine  für die Liegenschaften vorzunehmen sei. Mit Entscheid vom 24. Februar 2017 verlängerte die Friedensrichterin die Erklärungsfrist nach Art. 588 ZGB um 4 Monate und forderte die Erben auf, bis zum 3. März 2017 einen einstimmigen Vorschlag bezüglich eines Liegenschaftsexperten einzureichen.
Am 22. Juni 2017 beantragte der Vertretungsbeistand, die Frist zur Ausschlagung der Erbschaft auf unbestimmte Zeit zu sistieren und am 28. Juni 2017 ersuchte er darum, die Ausschlagungsfrist bis zum 31. Oktober 2017 zu erstrecken. Mit Entscheid vom 29. Juni 2017 verlängerte die Friedensrichterin die Ausschlagungsfrist bis zum 31. Oktober 2017. Am 31. Oktober 2017 beantragten der Vertretungsbeistand und D._, die Ausschlagungsfrist wegen dem noch ausstehenden Liegenschaftsexpertenbericht erneut bis zu 28. Februar 2018 bzw. Mitte Januar 2018 zu verlängern. Mit Entscheid vom 7. November 2017 der Friedensrichterin wurde die Ausschlagungsfrist bis zum 28. Februar 2018 erstreckt.
Am 12. Januar 2018 wurden die Erben darauf aufmerksam gemacht, dass die Verkehrswertschätzung beim Friedensgericht eingesehen werden kann. Gleichzeitig wurde ihnen der Verkehrswert der jeweiligen Liegenschaften mitgeteilt. Am 27. Februar 2018 beantragte A._ eine Fristverlängerung bis Ende Juni 2018, um sich mit den übrigen Erben zu besprechen und gegebenenfalls die Erbteilung organisieren zu können.
C. Mit Entscheid vom 5. März 2018 hob die Friedensrichterin den Entscheid vom 17. Januar 2017 auf und ersetzte ihn durch einen neuen Entscheid. Dabei wurden die Steuerwerte der Liegenschaften mit deren Verkehrswerte ersetzt und das öffentliche Inventar als geschlossen erklärt. Gleichzeitig wurde festgestellt, dass das Inventar während eines Monats beim Friedensgericht eingesehen werden kann. Die gesetzlich vorgesehene Frist von einem Monat zur Erklärung im Sinne von Art. 588 ZGB wurde bis zum 30. April 2018 verlängert.
Am 26. bzw. 28. April 2018 schlugen bis auf A._ alle Erben die Erbschaft von C._ selig aus.
Kantonsgericht KG Seite 3 von 9
Mit Schreiben vom 30. April 2018 bat der Vertretungsbeistand um Einsicht in das Inventar und ersuchte um eine Verlängerung der Frist für die Annahme der Erbschaft bis zum 31. Mai 2018.
Mit Entscheid vom 8. Mai 2018 lehnte die Friedensrichterin das Gesuch um Fristverlängerung ab. Auch die Frist zur Einsichtnahme in das Inventar wurde nicht verlängert.
D. Dagegen erhob A._, vertreten durch ihren Beistand, am 25. Mai 2018 Beschwerde und stellte unter Kosten- und Entschädigungsfolge die folgenden Rechtsbegehren:
1. Die von A._ am 25. Mai 2018 eingereichte Beschwerde wird gutgeheissen.
2. Der Entscheid des Friedensgerichts des Saanebezirkes vom 8. Mai 2018 wird aufgehoben.
3. Nach ergangenem Urteil wird der Beschwerdeführerin eine Nachfrist von 30 Tagen gesetzt, um die Erbschaft auszuschlagen oder anzunehmen.
4. Dem unterzeichneten Rechtsanwalt ist Gelegenheit zu geben, die Akten des Inventars einzusehen.
Mit der selben Eingabe ersuchte A._ um Erteilung der unentgeltlichen Rechtspflege für das Beschwerdeverfahren.
Am 30. Mai 2018 erklärte das Friedensgericht des Saanebezirks auf eine Stellungnahme zur Beschwerde zu verzichten.

## Considerations

Erwägungen
1.
1.1. Die Anordnung sowie die Aufnahme des öffentlichen Inventars erfolgen im Verfahren der freiwilligen Gerichtsbarkeit (PFYL, Die Wirkungen des öffentlichen Inventars, 1996, S. 9). Art. 14 Abs. 1 des kantonalen Einführungsgesetzes vom 10. Februar 2012 zum Schweizerischen Zivilgesetzbuch (EGZGB; SGF 210.1) sieht vor, dass in Erbschaftssachen die Friedensrichterin oder der Friedensrichter die freiwillige Gerichtsbarkeit ausübt (ebenso Art. 58 Abs. 2 des kantonalen Justizgesetzes vom 31. Mai 2010; JG, SGF 130.1). Weder das EGZGB noch das JG präzisieren, bei welcher Behörde der Entscheid des Friedensrichters anzufechten ist. Nach Lehre richten sich Verfahren danach, ob das kantonale Recht eine gerichtliche Behörde oder eine Verwaltungsbehörde für zuständig erklärt. In ersterem Fall richten sie sich nach Art. 248 f. ZPO, in letzterem nach kantonalem Recht (ABT/WEIBEL, Praxiskommentar Erbrecht, 3. Aufl. 2015, Art. 580 N. 16). Mangels besonderer Vorschrift nach EGZGB oder JG findet demzufolge die Schweizerische Zivilprozessordnung Anwendung. Bei Verweigerung einer beantragten  nach Art. 587 Abs. 2 ZGB steht den Erben ein Beschwerderecht zu. Liegt – wie in casu – ein gerichtlicher Entscheid vor, richtet sich das Verfahren nach Art. 319 f. ZPO (ABT/WEIBEL, Art. 587 N. 20).
Das Kantonsgericht ist demnach vorliegend zuständig, um über die Beschwerde nach Art. 319 ZPO zu entscheiden (Art. 52 JG).
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