# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d887a6f0-3e4f-4f95-b6e7-c97182e22382
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2011
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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A. Mit Urteil vom 15. Juni 2005 erklärte das Kreisgericht Rheintal A. schuldig des mehrfachen Betrugs und der Vernachlässigung von Unterhaltspflichten und bestrafte ihn dafür mit einer bedingten Gefängnisstrafe von 18 Monaten, abzüglich der erstandenen Untersuchungshaft von vier Tagen. Die Probezeit wurde auf fünf Jahre festgelegt. Gleichzeitig wurde für folgende, bedingt ausgesprochene Strafen der bedingte Strafvollzug widerrufen: Urteil des Kreisgerichts Oberengadin vom 6. Mai 1999 – 13 Monate Freiheitsstrafe, abzüglich 66 Tage Untersuchungshaft; Urteil des Bezirksgerichts Gossau vom 14. Januar 2000 – 3 Monate Freiheitsstrafe; Strafbescheid des Untersuchungsrichteramtes Gossau vom 15. November 2000 – 6 Wochen Freiheitsstrafe. In einer weiteren Verurteilung wurde A. mit Strafbescheid der Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen vom 22. November 2006 des mehrfachen Betrugs schuldig gesprochen und als Zusatz zum Urteil des Kreisgerichts Rheintal vom 15. Juni 2005 zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 3 Monaten verurteilt. Insgesamt waren somit Freiheitsstrafen von 19 Monaten und 6 Wochen, abzüglich 66 Tage Untersuchungshaft, zu vollziehen.
B. A. verbüsste diese Freiheitsstrafen ab dem 4. September 2006 in der Kantonalen Anstalt C. in D.. Mit Verfügung des Amtes für Justizvollzug Graubünden vom 26. Juli 2007 wurde er auf den 19. August 2007 hin bedingt aus dem Strafvollzug entlassen mit einer Probezeit von zwei Jahren. Gleichzeitig wurde für die Dauer der Probezeit eine Bewährungshilfe angeordnet mit der Befugnis, die Berufsausübung mitzubestimmen.
C. Am 10. Dezember 2008 stellte das Amt für Justizvollzug Graubünden dem Kreisamt Oberengadin Antrag auf Widerruf der bedingten Entlassung und Vollzug der Reststrafe. Der Antrag wurde unter anderem mit mangelnder Transparenz, Teilinformationen oder falschen Informationen von Seiten von A. begründet. Das Kreisamt Oberengadin überwies den Antrag zuständigkeitshalber an das Bezirksgericht Maloja.
D. Mit Urteil des Bezirksgerichts Maloja vom 28. April 2009, mitgeteilt am 6. Mai 2009, wurde der Antrag des Amtes für Justizvollzug Graubünden auf Widerruf der bedingten Entlassung und Vollzug der Reststrafe abgewiesen. Dem bedingt entlassenen A. wurde die Probezeit um ein Jahr, das heisst bis zum 26. Juli 2010, verlängert. In der Begründung hielt das Bezirksgericht unter anderem fest, A. habe nicht gegen die Anordnungen der Bewährungshilfe verstossen. Er habe nur seinen Unmut über das „Berufsverbot“ geäussert, habe sich seit der Entlassung jedoch nicht in einem als kritisch eingestuften Berufsbereich betätigt.
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Ein Widerruf wegen blossem Ungehorsam gehe zu weit und sei unverhältnismässig. A. Umfeld sei stabil. Er habe nach kurzer Arbeitslosigkeit wieder eine Stelle antreten können. Er arbeite weder in der Versicherungs- noch in der Treuhandbranche, weshalb eine Rückfallgefahr mit hinreichender Sicherheit ausgeschlossen sei. Um A. noch weiter zu begleiten, werde die Probezeit um ein weiteres Jahr verlängert, wobei weiterhin regelmässige Gespräche mit der Bewährungshilfe angebracht seien.
E. Mit Schreiben vom 26. Januar 2010 informierte die Bewährungshilfe St. Gallen das Amt für Justizvollzug Graubünden, dass das Bewährungshilfemandat sistiert worden sei und vorläufig pendent gehalten werde. Als Grund für die Sistierung wurde angegeben, dass sich A. gemäss Nachforschungen beim Einwohneramt E. am 4. Januar 2010 nach F. abgemeldet habe. Es hätten bereits im September 2009 mit A. Gespräche über eine Arbeit in F. stattgefunden, anlässlich welcher die Bedingungen (Arbeitsvertrag, keine Vertrauensstellung und Abmeldung bei der Gemeinde) erläutert worden seien. Am 18. November 2009 habe A. einen Gesprächstermin verschoben, weil er den Arbeitsvertrag für F. habe unterschreiben müssen. Er sei gebeten worden, den Arbeitsvertrag vorzulegen, was er aber nicht getan habe. Anlässlich einer Besprechung habe er erklärt, dass er vom 1. Dezember 2009 bis zum 3. Januar 2010 ein „Probearbeiten“ mit der ganzen Familie in F. vereinbart habe. Es seien an diesem Gespräch nochmals die Bedingungen besprochen worden. Man habe vereinbart, dass sich A. nach seiner Rückkehr anfangs Januar 2010 wieder melde. Nachdem er dies nicht getan habe, sei am 20. Januar 2010 schriftlich ein Termin vereinbart worden. Das entsprechende Schreiben sei mit der Bemerkung „weggezogen“ retourniert worden, worauf Nachforschungen beim Einwohneramt E. getätigt worden seien. Wenn A. innert laufendem Betreuungsmandat in die Schweiz zurückkehre und man dies erfahre, werde das Betreuungsmandat wieder aufgenommen. Es bestünden allerdings berechtigte Zweifel, dass sich A. bei seiner Rückkehr freiwillig melden werde.
F. Am 28. Mai 2010 teilte die Bewährungshilfe St. Gallen dem Amt für Justizvollzug Graubünden mit, dass eine am selben Tag getätigte Nachfrage beim Einwohneramt E. ergeben habe, dass die Abmeldung von A. vom 4. Januar 2010 nach F. wieder rückgängig gemacht und er wieder angemeldet worden sei, weil er nicht wie beabsichtigt nach F. ausgereist sei. Nachdem A. vor seiner angeblichen Ausreise keine der geforderten Unterlagen gebracht habe und sich trotz dem Verbleib in der Schweiz nicht wieder bei der Bewährungshilfe gemeldet habe, habe er klar gegen die Bewährungsauflagen verstossen. Durch die angebliche
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Ausreise und die vorübergehende Abmeldung habe er die Bewährungshilfe zudem vorsätzlich getäuscht. Mit seinem Verhalten zeige er, dass er aus dem Strafvollzug nichts gelernt habe und nicht gewillt sei, sich regelkonform zu verhalten.
Am 17. Juni 2010 bestätigte das Einwohneramt E. telefonisch, dass sich A. am 4. Januar 2010 abgemeldet und am 23. April 2010 an seiner vorherigen Wohnadresse wieder angemeldet habe.
G. Am 18. Juni 2010 stellte das Amt für Justizvollzug Graubünden dem Bezirksgericht Maloja sinngemäss den Antrag, die A. gewährte bedingte Entlassung zu widerrufen und die Reststrafe von 6 Monaten und 24 Tagen als vollziehbar erklären zu lassen. Das Bezirksgerichtspräsidium Maloja eröffnete A. am 22. Juni 2010 die Möglichkeit, zum Antrag des Amtes für Justizvollzug Graubünden Stellung zu nehmen. A. liess sich innert Frist nicht vernehmen. Mit Schreiben vom 19. Juli 2010 lud das Bezirksgerichtspräsidium Maloja A. auf den 10. August 2010 zur Hauptverhandlung vor. Am 22. Juli 2010 machte die Post dem Bezirksgericht Maloja Meldung, dass die Vorladung zur Hauptverhandlung nicht hatte zugestellt werden können und aufgrund eines Auftrages des Empfängers vielleicht noch längere Zeit (höchstens zwei Monate) bei der Post lagern werde. Auf Nachfrage wurde offenbar mitgeteilt, dass ein Rückhalteauftrag für die Zeit vom 19. Juli 2010 bis zum 12. August 2010 erteilt worden war. Weitere Abklärungen oder Vorkehren wurden nicht getroffen.
H. Am 10. August 2010 fand die Hauptverhandlung vor der Vorinstanz statt. A. nahm daran nicht teil. Mit Urteil vom 10. August 2010, mitgeteilt am 21. September 2010, entschied das Bezirksgericht Maloja:
„1. Der bedingt entlassene A. wird in den Strafvollzug zurückversetzt.
2. Die Reststrafe von 6 Monaten und 24 Tagen ist zu vollziehen.
3. Die Kosten für diesen Entscheid von CHF 1'000.-, sowie die Schreibkosten von CHF 100.-, werden A. auferlegt.

## Considerations