# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** cd734d8f-4a2b-59cf-be5f-851e00a77302
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdeführer ist Eigentümer des Grundstückes Wynau Grundbuchblatt
Nr. B._. Auf diesem befinden sich ein Wohnhaus und eine Garage. Am 25. März
2015 reichte der Beschwerdeführer bei der Gemeinde Wynau ein Baugesuch für den
Neubau eines Unterstandes zum Holzen und zur Holzlagerung ein. Für die Beurteilung des
Bauvorhabens holte die Gemeinde bei der C._ AG einen Fachbericht
Gewässerschutz ein. Dieser erging am 13. April 2015 und war positiv. Mit Entscheid vom
21. Mai 2015 erteilte die Gemeinde dem Bauvorhaben die Baubewilligung. Die Kosten des
Baubewilligungsverfahrens im Umfang von Fr. 447.70 setzten sich aus einer Pauschale
von Fr. 300.00, Fr. 10.00 für Auslagen sowie Fr. 137.70 für den Fachbericht
Gewässerschutz der C._ AG zusammen.
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Der Entscheid vom 21. Mai 2015 enthielt folgende Auflagen:
Vor Baubeginn ist ein Plan mit sämtlichen bestehenden und geplanten Abwasseranlagen (Regen-
und Schmutzwasser) der gesamten Liegenschaft zur Kontrolle einzureichen. Allfällige
gewässerschutztechnische Mängel sind im Rahmen des Anbaus, resp. des Umbaus zu beheben.
Das Dachwasser vom geplanten Unterstand muss oberflächlich über eine 30 cm starke und
begrünte Humusschicht versickern. Der Anschluss an eine bestehende unterirdische Sickeranlage
ist verboten.
Der geplante Unterstand muss gemäss dem kommunalen Abwasserreglement Art. 10 Absatz 2
einen Abstand vom mindestens 4 m gegenüber der bestehenden kommunalen
Mischabwasserleitung aufweisen.
Werden Arbeiten an den Vorplätzen ausgeführt, sind diese durchlässig zu gestalten. Damit die
Versickerung funktioniert, ist ein Material mit einer entsprechenden Durchlässigkeit zu wählen. Der
Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (Autowaschen etc.) ist verboten.
Die Entwässerung des Regenwassers hat auf der Parzelle der geplanten Liegenschaft zu erfolgen.
Es darf kein Regenwasser auf die angrenzenden Parzellen entwässern. Der Unterhalt und Betrieb
der Anlage ist durch den Grundeigentümer sicherzustellen.
Bei der Bauabnahme ist ein Plan "Dokumentation des ausgeführten Bauwerkes" mit sämtlichen
neuen und best. Abwasseranlagen abzugeben.
Zudem enthielt der Entscheid den Hinweis, die Kosten im Zusammenhang mit der
Baukontrolle würden nach der Baukontrolle verrechnet.
2. Der Beschwerdeführer reichte am 14. Januar 2016 bei der Gemeinde einen Plan, auf
welchem er die Abwasserleitungen und Versickerungsanlagen eingezeichnet hatte, und
eine Fotodokumentation der bestehenden Sickergruben sowie der Entwässerung des
neuen Unterstandes ein. Die C._ AG führte am 27. Januar 2016 eine Baukontrolle
durch. Gemäss dem Schlussbericht "Abnahme Gewässerschutzbewilligung Nr. 15/197"
vom 29. März 2016 stellte sie keine Mängel fest. Sie wies aber darauf hin, das Dachwasser
vom neu erstellten Unterstand versickere oberflächlich auf dem sickerfähigen Vorplatz
(statt über eine 30 cm starke Humusschicht). Der Grundeigentümer habe sicherzustellen,
dass die Versickerung des Dachwassers auf seiner Parzelle erfolge. Zudem hielt sie fest,
die Versickerungsanlagen und Leitungen seien im Rahmen der Zustandsaufnahme privater
Anlagen (ZPA) im Bereich D._ aufgenommen worden. Die Mängel diesbezüglich
würden im Rahmen der ZPA berücksichtigt. Für ihre Tätigkeit stellte die C._ AG
der Gemeinde Fr. 787.85 in Rechnung. Die Gemeinde auferlegte diese Kosten mit
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Verfügung vom 3. August 2016 unter dem Titel "Gebühren Baukontrolle" dem
Beschwerdeführer. Die Rechtmittelbelehrung enthielt den Hinweis, eine allfällige
Beschwerde sei beim Regierungsstatthalter Oberaargau einzureichen.
3. Dagegen erhob der Beschwerdeführer am 1. September 2016 Beschwerde beim
Regierungsstatthalter. Dieser leitete die Eingabe mitsamt Beilagen zur Weiterbehandlung
an die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE). Der
Beschwerdeführer macht insbesondere geltend, die Kosten der Baukontrolle seien nicht
verhältnismässig.
4. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, holte die
Vorakten ein und bat die Gemeinde, sich zur Beschwerde zu äussern. Die Gemeinde
verzichtete auf eine Stellungnahme und verweist lediglich auf die Gesuchsakten.
5. Auf die eingereichten Unterlagen wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
Die Gemeinde hat dem Beschwerdeführer die Kosten als "Gebühren Baukontrolle"
auferlegt. Kostenverfügungen, die im Rahmen von baupolizeilichen Verfahren nach Art. 45
ff. BauG2 erlassen werden, können innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der
BVE angefochten werden (Art. 49 Abs. 1 BauG). Die BVE ist somit für die Beurteilung der
Beschwerde zuständig. Der Beschwerdeführer ist als Adressat der Kostenverfügung zur
1 Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191). 2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0).
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Beschwerdeführung legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten.
2. Gebühren Baukontrolle
a) Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe im Baubewilligungsverfahren für den
Fachbericht Gewässerschutz Fr. 137.70 bezahlt. Nun folge eine Rechnung der
C._ AG im Umfang von Fr. 797.85 (recte: 787.85). Damit würde ihn der
Gewässerschutz für eine Überdachung von 16 m2 insgesamt Fr. 935.55 kosten (recte:
925.55). Er sei nicht bereit, diesen Betrag zu bezahlen. Diese Gebühr sei nicht
verhältnismässig.
b) Die Gemeinde hat in ihrer Verfügung ausgeführt, die C._ AG sei von ihr
beauftragt, sämtliche Gewässerschutzgesuche zu prüfen und die entsprechenden
Abnahmen sowie das Einmessen von Wasser- und Abwasseranlagen vorzunehmen.
Deren Tätigkeit werde nach Aufwand entschädigt und als "Auslagen für Drittleistungen"
gemäss Art. 1 GebR3 weiterverrechnet. Die Gebühren für die Baukontrolle richteten sich
nach Art. 35 GebR und würden nach Abschluss der Baukontrolle fällig.
c) Gemäss Art. 51 Abs. 1 BewD4 können die Gemeinden für baupolizeiliche Tätigkeiten
– wozu auch die sogenannte Baukontrolle, d.h. die Aufsicht über die Einhaltung der
gesetzlichen Vorschriften und der Bestimmungen der Baubewilligung5 gehört – Gebühren
und Auslagen erheben. Es handelt sich dabei um Verwaltungsgebühren. Diese sind
geschuldet, wenn jemand durch sein Verhalten eine Amtshandlung verursacht.6 Für die
Erhebung einer Verwaltungsgebühr ist eine hinreichende gesetzliche Grundlage
erforderlich (Legalitätsprinzip). Demnach bedürfen öffentliche Abgaben einer generell-
abstrakten Grundlage in einem formellen Gesetz, das den Kreis der Abgabepflichtigen
sowie den Gegenstand und die Bemessungsgrundlage festlegt.7 Art. 51 BewD allein
genügt als gesetzliche Grundlage nicht für das Erheben von Verfahrenskosten für
3 Gebührenreglement der Gemeinde Wynau, genehmigt durch die Gemeindeversammlung am 2. Dezember 2013 (GebR). 4 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1). 5 Vgl. Art. 45 Abs. 2 Bst. a BauG; Art. 47 BewD; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 45 N. 2. 6 Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 57 Rz. 20 ff. 7 Art. 69 Abs. 4 Bst. b KV; Tschannen/Zimmerli/Müller, a.a.O., § 59 Rz. 1 ff.
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baupolizeiliche Tätigkeiten. Die Gemeinde hat zusätzlich einen Gebührentarif zu erlassen
(Art. 51 Abs. 3 BewD).
Die Gemeinde Wynau verfügt über ein entsprechendes Gebührenreglement. Gemäss
Art. 34 ff. GebR kann die Gemeinde für Baukontrollen eine Aufwandgebühr II erheben. Sie
hat gestützt auf Art. 53 GebR in ihrem Gebührentarif die Aufwandgebühr II auf einen
Betrag von Fr. 120.00. pro Stunde festgelegt.8 Das Gebührenreglement der Gemeinde als
Gesetz im formellen Sinn beschreibt somit den Gegenstand der Abgabe (Baukontrolle),
den Kreis der Abgabepflichtigen sowie die Bemessungsgrundlage genügend.9 Die
Erhebung von Gebühren durch die Gemeinde für die Durchführung einer Baukontrolle ist
somit grundsätzlich zulässig.
Die Kontrolle von Versickerungsanlagen ist Aufgabe der Baupolizeibehörde (Art. 47 Abs. 4
Bst. c BewD). Die Gemeinde sollte daher für diese Aufgabe über das nötige Spezialwissen
verfügen. Sie kann diese Aufgabe aber auch Dritten übertragen (Art. 64 Abs. 1 Bst. c
GG10). Dafür sieht das kommunale Gebührenreglement aber keinen anderen Tarif vor.
Daher kann die Gemeinde für die Baukontrolle nur diejenigen Kosten dem Bauherrn
übertragen, die entstanden wären, wenn sie die Baukontrolle selber durchgeführt hätte. Da
für die Baukontrolle kein Spezialwissen erforderlich ist, handelt es sich nicht um ein
Expertenhonorar, welches gemäss den tatsächlichen Kosten zusätzlich verrechnet werden
kann (Art. 1 Abs. 2 GebR). Die Gemeinde kann die Aufwendungen Dritter für die
Baukontrolle nur mit einem Stundenansatz von maximal Fr. 120.00 weiterverrechnen.
d) Die Gemeinde übertrug der C._ AG die Baukontrolle. Die C._ AG
prüfte, ob das Dachwasser des neu erstellten Unterstandes oberflächlich versickert und ob
dies auf der Parzelle selbst erfolgt. Die Gemeinde kann dem Bauherrn den damit
verbundenen Aufwand unter Berücksichtigung eines Stundenansatzes von Fr. 120.00
auferlegen.
8 Vgl. Gebührentarif der Gemeinde Wynau vom 1. Januar 2014 sowie Gebührentarif der Gemeinde Wynau vom 1. April 2016. 9 Markus Müller/Reto Feller, Bernisches Verwaltungsrecht, 2. Aufl., Bern 2013, S. 904 f. 10 Gemeindegesetz vom 16. März 1998 (GG; BSG 170.11).
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Zusätzlich nahm die C._ AG im Rahmen der ZPA alle auf dem Grundstück bereits
vorhandenen Versickerungsanlagen sowie Leitungen auf.11 Diese Tätigkeiten sind
allerdings nicht der Baukontrolle oder der Prüfung der Einhaltung von Auflagen
zuzuordnen. Der Bauentscheid vom 21. Mai 2015 enthielt zwar auch die Auflage, es sei ein
Plan mit sämtlichen neuen und bestehenden Abwasseranlagen einzureichen. Der Bauherr
hat diese Auflage erfüllt: Er reichte im Januar 2016 einen Plan ein, in dem die
Abwasserleitungen und Versickerungsanlagen eingezeichnet sind. Die zusätzliche
Datenaufnahme durch die C._ AG im Rahmen der ZPA geht daher über eine
Baukontrolle hinaus. Es müsste separat geprüft werden, ob eine gesetzliche Grundlage für
die Überwälzung der damit verbundenen Kosten vorhanden ist. Falls die Gemeinde dazu
befugt wäre, müsste sie diese Kosten dem Grundeigentümer in einer separaten Verfügung
auferlegen. Da diese Kosten nicht im Zusammenhang mit der Baukontrolle anfallen, wäre
die BVE nicht die zuständige Beschwerdeinstanz.
Die von der Gemeinde Wynau dem Beschwerdeführer auferlegten Kosten umfassen den
gesamten Aufwand der C._ AG. Im Leistungsjournal der Schlussrechnung der
C._ AG sind beispielsweise "Baukontrolle vorbereiten" aber auch
"Versickerungsanlagen einmessen und prüfen" aufgelistet. Die Gemeinde hätte dem
Beschwerdeführer nur den im Zusammenhang mit der Baukontrolle angefallenen Aufwand
gestützt auf Art. 34 ff. GebR auferlegen dürfen. Wie hoch dieser Aufwand ausgefallen ist,
kann aus der Rechnung der C._ AG nicht eruiert werden.
3. Rückweisung
Die Gemeinde verzichtete auf eine Stellungnahme und verweist auf die Gesuchsakten.
Aufgrund der Akten ist es der BVE nicht möglich, die dem Beschwerdeführer überwälzten
Gesamtkosten entsprechend den zugehörigen Tätigkeiten genau aufzuschlüsseln. Es ist
unklar, welche Gebühren tatsächlich die Baukontrolle betreffen und welche durch die
Erfassung der bestehenden Versickerungsanlagen entstanden. Es ist nicht Sache der BVE
dies erstinstanzlich zu eruieren und über die kommunalen Gebühren im Zusammenhang
mit der Baukontrolle erstmals zu entscheiden. Die BVE darf zudem nicht darüber
entscheiden, ob und in welchem Umfang die Kosten der ZPA auf den Beschwerdeführer
11 Vgl. Vorakten pag. 17 Abnahme Gewässerschutzbewilligung Nr. 15/197.
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überwälzt werden dürften, da sie nicht die zuständige Rechtsmittelinstanz ist. Daher muss
das Verfahren zur erneuten Beurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen werden (vgl.
Art. 72 Abs. 1 VRPG12). Diese hat abzuklären, welche Kosten der C._ AG auf
welche Tätigkeiten zurückzuführen sind. Die Beschwerde ist daher gutzuheissen und die
Kostenverfügung der Gemeinde vom 3. August 2016 aufzuheben.
4. Kosten
a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens gilt die Gemeinde als unterliegend. Einer
Gemeinde werden Verfahrenskosten nur dann auferlegt, wenn sie in ihren
Vermögensinteressen betroffen ist (Art. 108 Abs. 2 VRPG). Da im vorliegenden Verfahren
nur die Höhe der von der Gemeinde erhobenen Gebühren umstritten war, ist die Gemeinde
in ihren Vermögensinteressen betroffen. Ihr können daher Verfahrenskosten auferlegt
werden. Diese werden bestimmt auf eine Pauschalgebühr von Fr. 300.00 (Art. 103 Abs. 2
VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 GebV13). Die Gemeinde hat die Verfahrenskosten
im Umfang von Fr. 300.00 zu bezahlen.
b) Da der Beschwerdeführer nicht anwaltlich vertreten ist, hat er keinen Anspruch auf
Ersatz von Parteikosten (Art. 104 Abs. 1 und 4 VRPG).