# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d570b690-bb25-4118-b17c-6cb574851222
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, II. Abteilung, vom
14. Oktober 2014 (DG140057)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland vom 16. Juli
2014 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 23).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der qualifizierten Widerhandlung gegen das
Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. b BetmG in
Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 40 Monaten Freiheitsstrafe, wovon
189 Tage durch Haft und vorzeitigen Strafvollzug bis und mit heute erstan-
den sind.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben.
4. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 17. Juni
2014 beschlagnahmte dunkelblaue Laptoptasche Marke unbekannt (BM-
Lager-Nr. ..., Asservatnr. ...) sowie die mit gleicher Verfügung beschlag-
nahmte dunkelblaue Aktenrolltasche Marke Samsonite (BM-Lager-Nr. ...,
Asservatnr. ...) werden eingezogen und vernichtet.
5. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 17. Juni
2014 beschlagnahmten Flugscheine (1 Flugticket IBERIA ETKT Nr. ...; 1
Boarding-Pass, 09.04.14, IB 3464, MAD-ZHR, ETKT Nr. ...) werden einge-
zogen und als Beweismittel bei den Akten belassen.
6. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 17. Juni
2014 beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich unter der
Lagernummer ... aufbewahrten 1'477 Gramm Kokaingemisch werden einge-
zogen und sind nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils durch die Kan-
tonspolizei Zürich zu vernichten.
7. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
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Fr. 2'500.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 2'000.– Gebühr für die Strafuntersuchung
Fr. 1'550.– Auslagen Vorverfahren
Fr. 13'000.– amtl. Verteidigungskosten inkl. Mehrwertsteuer
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt; davon ausgenommen sind die Kosten der
amtlichen Verteidigung, welche einstweilen und unter dem Vorbehalt von
Art. 135 Abs. 4 StPO von der Gerichtskasse übernommen werden.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 50 S. 3)
1. Ziff. 2 des Urteils des Bezirksgerichts Bülach vom 14. Oktober 2014 sei
aufzuheben und der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 20
Monaten zu bestrafen, unter Anrechnung der bereits erstandenen Haft
von 357 Tagen (vorzeitige Festnahme, Untersuchungshaft und vorzei-
tigen Strafvollzug);
2. Ziff. 3 des Urteils des Bezirksgerichts Bülach vom 14. Oktober 2014 sei
aufzuheben und dem Beschuldigten sei der bedingte Vollzug der Frei-
heitsstrafe zu gewähren, unter Ansetzung einer Probezeit von zwei
Jahren.
Eventualiter sei dem Beschuldigten der teilbedingte Vollzug zu gewäh-
ren und die Freiheitsstrafe im Umfang von 14 Monaten aufzuschieben,
unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren;
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. 8 % MwSt. zu Lasten
der Staatskasse.
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b) Der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland:
(Urk. 46, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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## Considerations

Erwägungen:
I.
Verfahrensgang
1. Mit Urteil vom 14. Oktober 2014 sprach das Bezirksgericht Bülach, II. Abtei-
lung, den Beschuldigten A._ schuldig der qualifizierten Widerhandlung gegen
das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. b BetmG in Verbin-
dung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG und bestrafte ihn - unter Anrechnung von 189
Tagen Haft und vorzeitigem Strafvollzug - mit 40 Monaten Freiheitsstrafe. Des
Weiteren wurde entschieden, die beschlagnahmte Laptoptasche und die Akten-
rolltasche einzuziehen und zu vernichten, die beschlagnahmten Flugscheine
(Flugticket; Boarding-Pass) einzuziehen und als Beweismittel bei den Akten zu
belassen sowie das beschlagnahmte Kokaingemisch einzuziehen und nach Ein-
tritt der Rechtskraft des Urteils zu vernichten. Letztlich wurden die Kosten der Un-
tersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, mit Ausnahme der Kosten der amt-
lichen Verteidigung, welche einstweilen und unter dem Vorbehalt von Art. 135
Abs. 4 StPO auf die Gerichtskasse genommen wurden, dem Beschuldigten aufer-
legt (Urk. 39, insb. S. 15 f.).
2. Gegen das am 14. Oktober 2014 mündlich eröffnete Urteil liess der Be-
schuldigte innert Frist mit Eingabe vom 24. Oktober 2014 Berufung anmelden
(Prot. I S. 16; Urk. 33). Mit Eingabe vom 3. Dezember 2014 reichte die Verteidi-
gung rechtzeitig die Berufungserklärung ein (Urk. 36; Urk. 41). Beweisergän-
zungsanträge stellte die Verteidigung keine (vgl. Urk. 41). Mit Präsidialverfügung
vom 15. Dezember 2014 wurde die Berufungserklärung der Staatsanwaltschaft
Winterthur/Unterland zugestellt und es wurde ihr Frist angesetzt, um zu erklären,
ob Anschlussberufung erhoben werde, oder um begründet ein Nichteintreten auf
die Berufung zu beantragen (Urk. 44). Fristgerecht beantragte der Vertreter der
Staatsanwaltschaft Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils und verzichtete auf
die Stellung von Beweisanträgen. Des weiteren ersuchte er um Dispensation von
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der Teilnahme an der Berufungsverhandlung (Urk. 46). Das Dispensationsgesuch
wurde - im Einverständnis mit der Verteidigung (Urk. 47) - bewilligt (vgl. Urk. 46).
Am 16. Januar 2015 wurde zur Berufungsverhandlung auf den 31. März 2015
vorgeladen (vgl. Urk. 48). Dazu erschien der Beschuldigte in Begleitung seines
amtlichen Verteidigers (Prot. II S. 3).
II.
Prozessuales / Umfang der Berufung
1. Die Berufung des Beschuldigten richtet sich allein gegen die Sanktion
(Urk. 41). Nicht angefochten ist somit der Schuldpunkt, die Einziehungen sowie
die vorinstanzliche Kostenfestsetzung und Kostenauflage.
2. Somit ist festzustellen, dass das Urteil des Bezirksgerichts Bülach, II. Abtei-
lung, vom 14. Oktober 2014 bezüglich Dispositivziffern 1 (Schuldpunkt), 4 (Ein-
ziehung und Vernichtung von Laptoptasche und Aktenrolltasche), 5 (Einziehung
von Flugticket und Boarding-Pass zuhanden der Akten), 6 (Einziehung und Ver-
nichtung des sichergestellten Kokaingemischs), 7 (Kostenfestsetzung) und
8 (Kostenauflage) in Rechtskraft erwachsen ist.
III.
Sanktion
A. Vorinstanzlich ausgesprochene Sanktion/Parteistandpunkte
1. Die Vorinstanz sanktionierte das strafbare Verhalten des Beschuldigten mit
einer (unbedingten) Freiheitsstrafe von 40 Monaten (Urk. 39, insb. S. 15).
2. Der Beschuldigte lässt im Berufungsverfahren im Hauptstandpunkt beantra-
gen, ihn mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 20 Monaten unter Ansetzung ei-
ner Probezeit von zwei Jahren zu bestrafen. Eventualiter lässt er einen teilbeding-
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ten Vollzug beantragen, wobei die Freiheitsstrafe im Umfang von 14 Monaten un-
ter Festsetzung einer Probezeit von zwei Jahren aufzuschieben sei (Urk. 41;
Urk. 50 S. 3). Zur Begründung lässt der Beschuldigte im Wesentlichen vortragen,
er sei lediglich ein Kurier in der untersten Hierarchiestufe ohne Kenntnis der Or-
ganisationsstruktur und ohne grossen Verdienst gewesen, was bei der Festset-
zung der Einsatzstrafe zu berücksichtigen sei. Ausserdem habe die Vorinstanz zu
Unrecht eine Vorstrafe aus Peru, welche nachweislich nicht mehr im peruani-
schen Strafregister aufscheine, zu seinen Lasten verwertet, obwohl dies nach
Art. 369 Abs. 7 StGB nicht zulässig sei. Dass er in einem Register der Analyse-
Zentrale der Antidrogeneinheit eingetragen sei, ändere daran nichts. Ein solcher
Eintrag halte dem Verwertungsverbot von Art 369 Abs. 7 StGB ebenfalls nicht
stand. Es verblieben daher einzig noch seine Vorstrafen aus Italien, welche aber
weit zurück liegen würden und auch nicht wirklich einschlägig seien. Weiter habe
die Vorinstanz sein Vorleben, insbesondere den tragischen Tod seiner Mutter und
die starke Drogensucht seiner Eltern, nicht zu seinen Gunsten berücksichtigt und
auch dem Umstand, dass er im erstmöglichen Zeitpunkt ein vollumfängliches Ge-
ständnis abgelegt habe, zu wenig Rechnung getragen. Anstelle einer leichten
Strafminderung sei eine Reduktion um einen Drittel gerechtfertigt. Schliesslich
habe die Vorinstanz nicht berücksichtig, dass er im Zeitpunkt der Tatbegehung
unter einem äusserst starken Drogeneinfluss gestanden habe, auch dies sei mit
einer Strafreduktion von einem Drittel zu berücksichtigen. Unter Berücksichtigung
dieser Umstände, sei er mit einer bedingten, eventualiter teilbedingten, Freiheits-
trafe von höchstens 20 Monaten zu bestrafen (Urk. 50 S. 4 ff.).
3. Die Staatsanwaltschaft ihrerseits trägt auf Bestätigung der vorinstanzlichen
Sanktion an (Urk. 46).
B. Strafrahmen / Grundsätze der Strafzumessung
1. Das Bezirksgericht hat den massgeblichen Strafrahmen korrekt ermittelt und
die Grundsätze der Strafzumessung, insbesondere auch bei Drogendelikten, zu-
treffend dargelegt (Urk. 39 S. 5-8). Um Wiederholungen zu vermeiden, kann vor-
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ab auf die entsprechenden vorinstanzlichen Ausführungen verwiesen werden
(Art. 82 Abs. 4 StPO). Ergänzend ist Folgendes zu bemerken:
2. Das Bundesgericht hat in neueren Entscheiden die Regeln zur Strafzumes-
sung modifiziert und das nachfolgend skizzierte Vorgehen vorgegeben (Urteile
des Bundesgerichtes 6B_323/2010 vom 23. Juni 2010, E. 2; 6B_865/2009 vom
25. März 2010, E. 1.2 und 6B_238/2009 vom 8. März 2010, E. 4 f., je mit Hinwei-
sen).
3. Dem Tatverschulden kommt bei der Strafzumessung eine entscheidende
Rolle zu. Der Begriff des Verschuldens muss sich auf den gesamten Unrechts-
und Schuldgehalt der konkreten Straftat beziehen. Zu unterscheiden ist zwischen
der Tat- und der Täterkomponente.
3.1. Vorerst ist die objektive Tatschwere als Ausgangskriterium für die Verschul-
densbewertung festzulegen und zu bemessen. Es gilt zu prüfen, wie stark das
strafrechtlich geschützte Rechtsgut überhaupt beeinträchtigt wurde. Darunter fal-
len etwa das Ausmass des verschuldeten Erfolges (Deliktsbetrag, Gefähr-
dung/Risiko, Zahl der Verletzten, körperliche und psychische Schäden beim Op-
fer, Sachschaden etc.) sowie die Art und Weise des Vorgehens. Von Bedeutung
ist auch die kriminelle Energie, wie sie durch die Tat und deren Ausführung offen-
bart wird. Auch die Grösse des Tatbeitrages und die hierarchische Stellung (bei
mehreren Tätern) sind von Bedeutung.
3.2. In einem nächsten Schritt ist eine Bewertung des (subjektiven) Verschuldens
vorzunehmen. Es stellt sich somit die Frage, wie dem Täter die objektive Tat-
schwere tatsächlich anzurechnen ist. Dazu gehören etwa die Frage der Zurech-
nungsfähigkeit (wer in seiner Einsichts- und/oder Handlungsfähigkeit beeinträch-
tigt ist, den trifft letztlich ein geringerer subjektiver Tatvorwurf; sein Verschulden
ist minder, was zu einer tieferen Strafe führen muss) sowie das Motiv. Ferner sind
die weiteren subjektiven Verschuldenskomponenten (zum Beispiel einige der in
Art. 48 StGB aufgeführten Gründe) zu berücksichtigen.
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In subjektiver Hinsicht ist sodann festzuhalten, dass das Verschulden eines
Täters, der eine Tat vorsätzlich begeht, wesentlich schwerer zu werten ist, als das
Verschulden eines Täters, der "bloss" fahrlässig oder mit Eventualvorsatz handelt.
Dies ist beim Verschulden zu berücksichtigen, wiegt dieses doch dann geringer
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 6P.119/2003/6S.333/2003 vom 20. Januar 2004,
Erw. II. 7.5.; Stratenwerth, Schweizerisches Strafrecht, AT II, 2. Auflage, Bern
2006, S. 185 f. N 25 ff. Wiprächtiger in: Basler Kommentar, StGB I, 2. Auflage,
Basel 2007, N 89 zu Art. 47 StGB).
3.3. Schliesslich ist eine vorläufige Gesamteinschätzung im Sinne einer hypothe-
tischen Einsatzstrafe vorzunehmen: das Gesamtverschulden ist zu qualifizieren
und innerhalb des zur Verfügung stehenden Strafrahmens die hypothetische Stra-
fe zu bestimmen, die diesem Verschulden entspricht.
3.4. Die verschuldensangemessene Strafe kann in einem dritten Schritt aufgrund
von Umständen, die mit der Tat grundsätzlich nichts zu tun haben, erhöht oder
herabgesetzt werden. Massgebend hierfür sind im Wesentlichen täterbezogene
Komponenten wie die persönlichen Verhältnisse, Vorstrafen, Leumund, Strafemp-
findlichkeit und Nachtatverhalten (Geständnis, Einsicht, Reue etc.; vgl. Trech-
sel/Affolter-Eijsten, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 2. Auf-
lage, Zürich/St. Gallen 2013, Art. 47 N 22 ff.; Wiprächtiger in: Basler Kommentar,
StGB I, a.a.O., N 129 ff. zu Art. 47 StGB).
3.5. Ein Geständnis, das kooperative Verhalten eines Täters bei der Aufklärung
von Straftaten sowie Einsicht und Reue wirken strafmindernd (Wiprächtiger in:
Basler Kommentar, StGB I, a.a.O., N 130 zu Art. 47 StGB). Das Bundesgericht
hat im Entscheid BGE 121 IV 202 in E. 2d.cc darauf hingewiesen, dass ein positi-
ves Nachtatverhalten zu einer Strafreduktion im Bereich von einem Fünftel bis zu
einem Drittel führen könne. Gemäss Bundesgericht kann jedoch nur ein ausge-
sprochen positives Nachtatverhalten zu einer Strafreduktion von einem Drittel füh-
ren. Zu einem solchen gehört ein umfassendes Geständnis von allem Anfang an
und aus eigenem Antrieb, also nicht erst auf konkrete Vorwürfe hin oder nach
Vorlage entsprechender Beweise. Ferner gehört kooperatives Verhalten in der
Untersuchung dazu, wie beispielsweise dass aufgrund des Verhaltens des Be-
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schuldigten weitere Delikte aufgeklärt oder Mittäter zur Rechenschaft gezogen
werden können, was ohne sein kooperatives Mitwirken nicht möglich gewesen
wäre. Schliesslich gehört Einsicht ins Unrecht der Tat und Reue dazu. Nur wenn
all diese Faktoren erfüllt sind, kann eine Strafreduktion von einem Drittel erfolgen.
Fehlen einzelne Elemente, ist die Strafe entsprechend weniger stark zu reduzie-
ren.
4. Gemäss Art. 50 StGB muss das Gericht die für die Zumessung der Strafe
erheblichen Umstände sowie deren Gewichtung festhalten (BGE 134 IV 17 E. 2.1,
S. 20). Die wesentlichen Tat- und Täterkomponenten sind so zu erörtern, dass
festgestellt werden kann, ob alle rechtlich massgebenden Gesichtspunkte Be-
rücksichtigung fanden und wie sie gewichtet wurden. Es muss ersichtlich werden,
ob und in welchem Mass sie strafmindernd oder straferhöhend in die Waagschale
fielen (ZR 113 (2014) Nr. 6, S. 20).
C. Umsetzung auf den konkreten Fall
1.1. Hinsichtlich der objektiven Tatschwere ist zu beachten, dass der Beschuldig-
te die erhebliche Menge von rund 1,5 Kilogramm Drogen transportierte, wobei es
sich bei Kokain um ein ausgesprochen potentes und damit gefährliches Suchtmit-
tel handelt.
1.2. Der durchschnittliche Reinheitsgrad der vier einzelnen Portionen betrug ca.
90%, mithin eine sehr hohe Konzentration, was jedoch angesichts des bezüglich
des Transportes getätigten persönlichen und finanziellen Aufwandes naheliegend
ist. Somit beförderte der Beschuldigte in Berücksichtigung des Vertrauensbe-
reichs der Analyse (vgl. Urk. 14/4) knapp 1,3 Kilogramm reines Kokain, welche
Menge um ein Vielfaches über dem vom Bundesgericht festgelegten Grenzwert
liegt, ab welchem ein sogenannt schwerer und damit qualifizierter Fall eines Be-
täubungsmitteldelikts vorliegt.
1.3. Hinsichtlich des Versteckes der Drogen ging der Beschuldigte insofern raffi-
niert vor, als die Drogen in Zwischenwänden der Transportbehältnisse eingenäht
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waren (vgl. Fotos in Urk. 4 und Vorhalt in Urk. 6 S. 1) und so nicht auf den ersten
Blick auffielen. Allerdings übernahm der Beschuldigte das Kokain bereits im in
den Behältnissen eingebauten Zustand.
1.4. Zu berücksichtigen ist, dass der Beschuldigte nicht aus eigenem Antrieb
handelte, sondern dass der Drogentransport an ihn herangetragen wurde. Der
Beschuldigte betätigte sich - folgt man seiner Darstellung - im Auftrage einer Per-
son namens 'B._' als Kurier, wobei Transporteure in der Regel auf einer tie-
feren Hierarchiestufe des Drogenhandels angesiedelt sind. Allerdings ist mit der
Staatsanwaltschaft vor Vorinstanz (Urk. 29 S. 2) zu beachten, dass der Beschul-
digte Flugtickets selber buchte bzw. buchen liess (Urk. 6 S. 3) und mit dem zuvor
von 'B._' erhaltenen Geld bezahlte (Urk. 7 S. 10, Urk. 9/1 S. 6) wie er auch
die Unterkunft in Guayaquil und Madrid mit solchem Geld selbst bezahlte
(Urk. 9/1 S. 6), er mithin einen gewissen Einfluss auf die Modalitäten des Trans-
portes nehmen konnte, was eher atypisch ist für einen (rein ausführenden) Dro-
gentransporteur.
1.5. Ausserdem wurden sämtliche Spesen von 'B._' mittels Übergabe von
US$ 500 und Soles 200 sowie via Western Union mit weiteren Euro 140 finanziert
(Urk. 7 S. 2 und S. 4; Urk. 9/1 S. 6).
1.6. Das Kokain wurde durch den Beschuldigten per Flugzeug von Guayaquil in
Ecuador über Madrid nach Zürich transportiert und hätte durch ihn per Bahn wei-
ter nach Bologna gebracht werden sollen. Mit seinem Tatbeitrag hätte der Be-
schuldigte einen wesentlichen Beitrag an die Versorgung des Drogenmarktes in
Italien geleistet.
1.7. Als Belohnung für sein Handeln wären dem Beschuldigten seine Schulden
gegenüber 'B._' in Höhe von Soles 7'000 (entspricht ca. Euro 1'800) erlassen
worden und er hätte darüber hinaus noch Euro 5'000 erhalten (u.a. Urk. 9/1 S. 5).
2.1. Was die subjektive Tatschwere betrifft, ist zu beachten, dass der Beschul-
digte direktvorsätzlich handelte. Er wusste, dass sich in seinem Gepäck ca. 1,5
Kilogramm Kokain befinden - 'B._' hatte ihm gegenüber vor dem Transport
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die Drogenart sowie die Menge erwähnt (Urk. 8 S. 2, Urk. 9/1 S. 3; vgl. auch
Urk. 6 S. 4), - wobei der Beschuldigte trotz seiner leicht abweichenden Ausfüh-
rungen anlässlich der Berufungsverhandlung (Prot. II S. 13) auf seine früheren
Aussagen zu behaften ist. Auch wenn 'B._' ihm nichts über die Qualität der
Drogen sagte, nahm der Beschuldigte einen hohen Reinheitsgrad des Kokains
zumindest in Kauf angesichts des für ihn ohne Weiteres erkennbaren personellen
und finanziellen Aufwandes für den Transport der Drogen von Ecuador (via Mad-
rid und Zürich) nach Bologna. In diesem Sinne räumte der Beschuldigte auch ein,
von guter Qualität ausgegangen zu sein (Urk. 6 S. 8, Urk. 8 S. 3; Prot. II S. 13).
Des Weiteren war dem Beschuldigten - auch aus eigener Erfahrung (dazu so-
gleich) - bewusst, dass Kokain gesundheitsgefährdend bzw. schädlich für den
Menschen ist (Urk. 6 S. 7, Urk. 8 S. 7; Prot. II S. 14). Mithin nahm er bewusst die
Gefährdung einer Vielzahl von Menschen in Kauf.
2.2. Gemäss dem Beschuldigten, dessen Angaben durch den Haaranalysebe-
richt des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zürich vom 20. Juni 2014
(Urk. 13/4) für den Zeitraum Mitte Januar bis Mitte Mai 2014 bestätigt wird ('Werte
in dieser Grössenordnung sind unseres Erachtens vereinbar mit einem mittelstar-
ken bis starken Cocain-Konsum innerhalb der genannten Zeitperiode'), konsu-
mierte er vor der Tat fast täglich Kokain (Urk. 6 S. 7, Urk. 8 S. 6, Prot. I S. 7). Er
selber bezeichnete sich als süchtig (Urk. 7 S. 5, Urk. 10/1 S. 2). Gemäss seinen
Angaben in der Untersuchung hatte er zu Beginn der Inhaftierung in der Schweiz
Entzugserscheinungen (Schlafstörungen; Urk. 7 S. 5), was er aber anlässlich der
Berufungsverhandlung wieder relativierte (Prot. II S. 10). Auch wenn der Beschul-
digte in der Untersuchung ein anderes Motiv (als seine Sucht) für seine Delin-
quenz nannte (dazu unten), kann angesichts seines doch ausgeprägten Kokain-
konsums von einer leichten Verminderung der Schuldfähigkeit des Beschuldigten
im Zeitpunkt der Tatbegehung ausgegangen werden, was strafmindernd zu be-
rücksichtigen ist.
2.3. Die Vorinstanz schloss zu Recht, dass der Beschuldigte nicht aus einer ei-
gentlichen Notlage heraus, sondern aus pekuniären Interessen handelte (Urk. 39
S. 9 f.). Die Angaben des Beschuldigten zum Motiv für sein Handeln erweisen
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sich in der Tat als nicht kohärent. Während er in der polizeilichen Befragung vom
9. April 2014 zunächst davon sprach, er habe Geld gebraucht, er hätte Euro 5'000
für den Transport erhalten (Urk. 6 S. 3 und S. 6; in diesem Sinne auch Urk. 6 S. 4,
Antwort 27), führte er im weiteren Verlauf der Befragung auf die konkrete Frage,
ob er irgendwie zum Transport gezwungen worden sei, aus, "eigentlich ja", um
dann zu ergänzen, um seine vorhandenen Schulden zu begleichen (Urk. 6 S. 7).
Er präzisierte, zur Rückzahlung des geliehenen Betrages von Soles 7'000 (ent-
spricht ca. Euro 1'800) aufgefordert worden zu sein, und es seien ihm Euro 5'000
sowie der Erlass dieser Schuld in Aussicht gestellt worden, wenn er die Reise
mache (Urk. 6 S. 7 f.; dazu auch in Urk. 8 S. 5). In der Hafteinvernahme führte der
Beschuldigte zunächst aus, 'B._' habe ihn "praktisch bedroht" und ihm vor-
geschlagen, die beiden Koffer zu transportieren, um damit die Schulden zu be-
gleichen und noch etwas Geld zu verdienen (Urk. 8 S. 3). Gleichzeitig bezeichne-
te er 'B._' als Freund (Urk. 8 S. 4). Im späteren Verlauf der Hafteinvernahme
dramatisierte er diese Drohung, indem er deponierte, 'B._' habe die gesamte
Summe sofort zurückhaben wollen und gesagt, er würde seine Frau und das Kind
bedrohen (Urk. 8 S. 6). In der polizeilichen Befragung vom 7. Mai 2014 führte der
Beschuldigte dann zum Grund des Drogentransportes an, er sei gezwungen wor-
den, sie hätten ihn und seine Familie mit dem Tod bedroht, weil er von 'B._'
Geld ausgeliehen gehabt habe (Urk. 7 S. 11 f. und S. 13). Gleichlautend äusserte
er sich in der staatsanwaltschaftlichen Befragung vom 27. Mai 2014 (Urk. 9/1
S. 3). Auffallend bei den diesbezüglichen Äusserungen ist die Steigerung und
Dramatisierung bezüglich der angeblichen Bedrohung, so dass diesbezüglich
Zweifel aufkommen, zumal der Beschuldigte 'B._' als Freund bezeichnete.
Fraglich erscheint auch, ob es dieses Darlehen tatsächlich gegeben hat: Während
der Beschuldigte im Vorverfahren noch angab, das Darlehen teils vor der Geburt
des Sohnes und dann auch nachher - um ihn wegen seines schlechten Gesund-
heitszustandes in einer Klinik untersuchen lassen zu können - erhalten zu haben
(Urk. 8 S. 3 und S. 4), behauptete er vor Vorinstanz, das Darlehen sei ihm in ver-
schiedenen Tranchen vor der Geburt des Sohnes gegeben worden (Prot. I S. 10).
Entscheidend ist indes, dass eine allfällige Drohung im Konnex zur Rückzahlung -
und nicht zum Drogenkurierdienst - stand (vgl. dazu der Beschuldigte in Urk. 6
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S. 6, Antwort 66), wenngleich der Beschuldigte anlässlich der Berufungsverhand-
lung neuerdings unglaubhaft etwas anderes geltend machte (Prot. II S. 15). Selbst
wenn ein gewisser Druck bestanden haben sollte, dieses Darlehen zurückzuzah-
len, wäre es dem Beschuldigten jedoch ohne Weiteres möglich gewesen, Geld für
die Rückzahlung bei seinem Vater erhältlich zu machen, zumal es um einen Be-
trag von umgerechnet lediglich ca. Euro 1'800 ging. Dass der Vater bereit war, ihn
finanziell zu unterstützten, zeigt sich darin, dass er ihm im Jahre 2013 grosszügig
drei Flugreisen von Peru nach Italien und retour finanzierte (Urk. 7 S. 8; Prot. I
S. 12) und dem Beschuldigten auch Geld überwies, wenn er - wie sich der Be-
schuldigte ausdrückte - 'nichts mehr zu essen hatte' (Urk. 7 S. 8). Um so eher ist
anzunehmen, dass der Vater des Beschuldigten für seinen Enkel (für dessen Ge-
burt und medizinische Nachbetreuung) eine bescheidene finanzielle Unterstüt-
zung geleistet hätte. Somit wäre es dem Beschuldigten ohne Weiteres möglich
gewesen, seinen Gläubiger zu befriedigen, weshalb von einer Notlage des Be-
schuldigten im Zusammenhang mit dem Drogentransport keine Rede sein kann,
zumal die Rückzahlung nicht mit einem Drogentransport verknüpft war (Prot. I
S. 11). Vor Vorinstanz und erneut anlässlich der Berufungsverhandlung behaupte-
te der Beschuldigte dann erstmals, die Reise- bzw. Flugkosten seinem Vater zu-
rückerstattet zu haben (Prot. I S. 13; Prot. II S. 12). Wenn es dem Beschuldigten
möglich war, diese Kosten im Betrag von mehreren Tausend Euro an seinen Va-
ter zurückzuzahlen und der Beschuldigte in Italien als Hilfsarbeiter Euro 2'000
monatlich verdient haben will, ist nicht ersichtlich, weshalb er das Darlehen nicht
an 'B._' zurückzahlen konnte. Mithin kann sich der Beschuldigte für sein
Handeln nicht auf eine schwere Bedrängnis oder eine schwere Drohung berufen.
Damit kommt als Motiv einzig ein pekuniäres, und damit ein egoistisches, in Fra-
ge, so wie es der Beschuldigte zunächst auch zu Protokoll gegeben hatte (Urk. 6
S. 3).
3. Unter Berücksichtigung der genannten objektiven und subjektiven Tatkom-
ponenten ist das Verschulden des Beschuldigten im Kontext des schweren Falles
einer Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz noch als leicht einzustu-
fen. Insgesamt ist der objektiven und subjektiven Tatschwere eine (hypothetische)
Einsatzstrafe im Bereich von ca. 32 Monaten Freiheitsstrafe, d.h. im unteren Drit-
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tel des Strafrahmens liegend, angemessen. Die von der Vorinstanz eingenomme-
ne Einstufung des Verschuldens als schwerwiegend (Urk. 39 S. 13), welche eine
Sanktion im oberen Drittel des zur Verfügung stehenden Strafrahmens indizieren
würde, kann damit nicht übernommen werden.
4. Im Folgenden ist zu prüfen, wie sich die Täterkomponenten auf diese Ein-
satzstrafe auswirken.
4.1. Was die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten betrifft, ergeben die
Akten folgendes Bild (Urk. 19/5, Urk. 9/1 S. 15; Prot. I S. 7; Prot. II S. 6 ff.): Der
Beschuldigte wurde am tt. September 1980 in .../Italien geboren, wo er - seine
Mutter verstarb, als der Beschuldigte dreijährig war - bis zu seinem 9. Altersjahr
bei seinen Grosseltern aufwuchs. Anschliessend wohnte er bis zu seinem
16. Altersjahr bei seinem Vater, welcher zwischenzeitlich wieder geheiratet hatte
und Vater einer Tochter geworden war. Jene Periode bezeichnete der Beschul-
digte als sehr schöne Zeit. Nach der obligatorischen Schulzeit absolvierte er eine
technische Ausbildung, jedoch ohne einen Abschuss zu machen. Er arbeitete an-
schliessend zunächst in der ...fabrik seines Vaters, später war er als Chauffeur
tätig und übte auch verschiedene Tätigkeiten bei Baufirmen aus. Im Jahr 2008
verbrachte der Beschuldigte Ferien in Peru, bei welchen er seine heutige Ehefrau
kennenlernte. Nachdem er zunächst ein Jahr zwischen Italien und Peru hin- und
herpendelte, übersiedelte er im Jahr 2009 definitiv zu seiner Frau nach Peru. Im
Dezember 2009 wurde er bei der Ausreise aus Peru festgenommen (dazu unten).
Nach Verbüssung einer Freiheitsstrafe bis im Juni 2012 blieb der Beschuldigte in
Peru, heiratete im November 2013 und wohnte zusammen mit seiner Ehefrau und
deren drei minderjährigen Geschwistern. Im Dezember 2013 wurde er Vater eines
Sohnes. In Peru verdiente er seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Früch-
ten und Inkareis auf dem Markt. Sein Einkommen in Peru bezifferte er auf ca. So-
les 1'000 bis 2'000 pro Monat. Der Beschuldigte verfügt über kein Vermögen.
Schulden von Soles 7'000 hat er gegenüber 'B._'. Seit seinem
17. Lebensjahr konsumierte der Beschuldigte Ecstasy und Kokain. Die Vorinstanz
hat diese persönlichen Verhältnisse als strafzumessungsneutral gewichtet
(Urk. 39 S. 11). Davon abweichend kann zwar nicht von einer eigentlich 'schwe-
- 16 -
ren Jugend' des Beschuldigten gesprochen werden, nachdem der Beschuldigte
die Periode des Zusammenlebens mit seinem Vater, seiner Stiefmutter und -
schwester explizit als sehr schöne Zeit bezeichnete (vgl. Urk. 19/5 S. 2). Nichts-
destotrotz ist in leichtem Masse strafmindernd zu berücksichtigen, dass die Mutter
des Beschuldigten sehr früh verstarb und er aufgrund der Drogensucht seines Va-
ters bis zu seinem neunten Lebensjahr bei seinen Grosseltern aufgewachsen war.
4.2. Strafmindernd zu gewichten ist das Geständnis des Beschuldigten, indes
nicht in dem von der Verteidigung vor Bezirksgericht und auch anlässlich der Be-
rufungsverhandlung geltend gemachten Ausmass von einem Drittel (vgl. Urk. 30
S. 11, Urk. 50 S. 8). Es kann zunächst auf die entsprechenden Erwägungen ver-
wiesen werden (oben Erw. III/B/3.5.). Es ist wohl zutreffend, dass der Beschuldig-
te bereits in der ersten Einvernahme mit Bezug auf den Drogentransport gestän-
dig war. Anderseits war die Beweislage zumindest in objektiver Hinsicht erdrü-
ckend. Des Weiteren kann auch nicht davon gesprochen werden, der Beschuldig-
te sei ausgesprochen kooperativ gewesen; mit Bezug auf die Hintermänner, ins-
besondere den direkten Auftraggeber 'B._', äusserte er sich nicht bzw. wenig
ergiebig, wobei der Grund dafür offen bleiben kann. Insbesondere das Geständnis
im subjektiven Bereich wirkt sich jedoch merklich aus, was insgesamt zu einer
Minderung im mittleren Bereich des von der Verteidigung erwähnten Maximums
führt.
4.3. Der Beschuldigte weist verschiedene Strafregistereinträge in Italien und Pe-
ru auf.
4.3.1. Zu seinen Gunsten ist die Verurteilung am 30. Oktober 2001 zu einer be-
dingten Freiheitsstrafe sowie einer Busse von 5,5 Mio. Lire (Urk. 19/3; vgl. auch
Urk. 9/1 S. 10 f.) vorliegend nicht mehr zu berücksichtigen, da diese Verurteilung
nach schweizerischem Recht heute aus dem Strafregister entfernt wäre (Art. 369
Abs. 3 StGB).
4.3.2. Am 25. Februar 2005 wurde der Beschuldigte wegen Verstosses gegen das
Betäubungsmittelgesetz zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von einem Jahr und
sechs Monaten sowie einer Busse von Euro 6'000 verurteilt (Urk. 19/3; vgl. auch
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Urk. 9/1 S. 11). Am 4. November 2010 erwirkte der Beschuldigte eine Zusatzstra-
fe von acht Monaten Freiheitsstrafe und eine Busse von Euro 800 zum Urteil vom
25. Februar 2005 (Urk. 19/3; vgl. auch Urk. 9/1 S. 11). Diese Zusatzstrafe ist zu-
sammen mit der Verurteilung vom 25. Februar 2005 als eine Vorstrafe zu gewich-
ten.
4.3.3. Wohl ist zutreffend, dass die Verurteilung des Beschuldigten wegen (ver-
suchten) Schmuggelns von ca. 2,4 Kilogramm Kokain von Peru nach Mailand,
begangen am 21. Dezember 2009, zu 30 Monaten Freiheitsstrafe (vgl. dazu der
Beschuldigte in Urk. 7 S. 5 f., Urk. 9/1 S. 12, Urk. 10/1 S. 2 und Prot. I S. 8: Straf-
vollzug bis 20. Juni 2012) im eigentlichen Strafregister von Peru nicht registriert ist
(Urk. 19/4/1), der Beschuldigte jedoch diesbezüglich seit dem 3. Januar 2010 we-
gen illegalem Drogenhandel bei der Antidrogen-Einheit verzeichnet ist
(Urk. 19/4/1). Diese Registrierung ist einem schweizerischen Strafregistereintrag
gleichzusetzen, und diese Vorstrafe ist mit der Vorinstanz (Urk. 39 S. 12) - und
entgegen der Ansicht der Verteidigung - bei der Strafzumessung zu berücksichti-
gen. Der von der Verteidigung vor Vorinstanz (Urk. 30 S. 11) angerufene Bundes-
gerichtsentscheid befasst sich mit der Verwertung von fristbedingt entfernten
Strafregistereintragungen, wohingegen aus der Auskunft der peruanischen Be-
hörden nicht hervorgeht, weshalb die Verurteilung des Beschuldigten keinen Ein-
gang ins Strafregister fand bzw. allenfalls gelöscht wurde. Die peruanische Vor-
strafe wurde denn auch vom Beschuldigten anerkannt (Prot. II S. 11), weshalb sie
unabhängig von einer allfälligen Eintragung im peruanischen Strafregister im
Rahmen des Vorlebens des Beschuldigten gemäss Art. 47 Abs. 1 StGB bei der
Strafzumessung zu berücksichtigen ist, zumal sie erst rund fünf Jahre zurückliegt.
Art. 369 Abs. 7 StGB, welcher der Verteidiger mit Blick auf die peruanische Vor-
strafe angewendet habe will (Urk. 50 S. 5 f.), gilt denn auch nur für die im schwei-
zerischen Strafregister eingetragenen Vorstrafen und ist für die Beurteilung aus-
ländischer Vorstrafen höchstens analog heranzuziehen.
4.3.4. Diese erwähnten beiden einschlägigen Vorstrafen wirken sich stark strafer-
höhend aus, zumal der Beschuldigte nicht einmal zwei Jahre nach Verbüssung
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einer längeren Freiheitsstrafe in Peru bis zum 20. Juni 2012 erneut - wiederum
wegen Kokainschmuggels im Kilobereich - straffällig wurde.
4.4. Die Einsicht des Beschuldigten ins Unrecht seiner Tat sowie seine bekunde-
te Reue (vgl. Urk. 7 S. 14) rechtfertigen eine weitere, allerdings nur sehr leichte
Strafminderung.
4.5. Weitere täterbezogene Zumessungsgründe sind nicht ersichtlich.
5. Insgesamt erweist sich unter Würdigung aller Tatkomponenten eine Frei-
heitsstrafe im Bereich von ca. 32 Monaten für die vom Beschuldigten begangene
Straftat als verschuldensangemessen. Die Täterkomponenten wirken sich insge-
samt leicht straferhöhend aus, da die Minderungen wegen seiner Jugend, Ge-
ständnis sowie Einsicht und Reue die Erhöhung wegen der einschlägigen Vorstra-
fen nicht aufzuwiegen vermag. Damit erweist sich eine Freiheitsstrafe von 36 Mo-
naten als dem Verschulden und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldig-
ten angemessen. An die Strafe anzurechnen sind 356 Tage Untersuchungshaft
und vorzeitiger Strafvollzug, die bis und mit heute erstanden sind (Art. 51 StGB).
6. Für Freiheitsstrafen von mehr als einem und höchstens drei Jahren sieht
das Gesetz den teilbedingten Vollzug vor, wenn dies notwendig ist, um dem Ver-
schulden des Täters genügend Rechnung zu tragen (Art. 43 Abs. 1 StGB). Mate-
riell ist das Fehlen einer ungünstigen Prognose vorausgesetzt. Bei der Beurtei-
lung der Frage, ob die für die Gewährung des bedingten bzw. teilbedingten Straf-
vollzuges erforderliche Voraussetzung des Fehlens einer ungünstigen Prognose
vorliegt, ist eine Gesamtwürdigung aller Umstände vorzunehmen.
6.1. Durch die Festsetzung einer Freiheitsstrafe in der Höhe von 36 Monaten ist
die objektive Voraussetzung für die Gewährung des teilbedingten Strafvollzuges
erfüllt (Art. 43 Abs. 1 StPO).
6.2. Der Beschuldigte weist gemäss vorstehender Erwägungen eine einschlägige
Vorstrafe in Italien auf und hat hinzukommend anerkannt, im Jahr 2009 in Peru
wegen Schmuggelns von 2,4 kg Kokain zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten
verurteilt worden zu sein und diese verbüsst zu haben (Prot. II S. 11). Unter Be-
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rücksichtigung der erheblichen einschlägigen strafrechtlichen Vorbelastung und
der übrigen vorerwähnten Lebensumstände - insbesondere der von ihm selbst
erwähnten Suchtproblematik - ist von einer eigentlichen Schlechtprognose auszu-
gehen. Die Freiheitsstrafe von 36 Monaten ist damit in vollem Umfang zu vollzie-
hen.
IV.
Kosten- und Entschädigungsfolgen
A. Allgemeines
1. Die beschuldigte Person trägt die Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird.
Ausgenommen sind die Kosten der amtlichen Verteidigung. Bei einem Freispruch
können der beschuldigten Person die Verfahrenskosten ganz oder teilweise aufer-
legt werden, wenn sie rechtswidrig und schuldhaft die Einleitung des Verfahrens
bewirkt oder dessen Durchführung erschwert hat (Art. 426 Abs. 1 und Abs. 2
StPO).
2. Wird die beschuldigte Person ganz oder teilweise freigesprochen, hat sie
u.a. Anspruch auf Entschädigung der wirtschaftlichen Einbussen, die ihr aus ihrer
notwendigen Beteiligung am Strafverfahren entstanden sind (Art. 429 Abs. 1 lit. b
StPO). Die Behörde prüft den Anspruch von Amtes wegen und sie kann die be-
schuldigte Person auffordern, ihre Ansprüche zu beziffern und zu belegen
(Art. 429 Abs. 2 StPO).
3. Bei Freispruch ist die Frage der Kostenauflage für jede Verfahrensstufe und
bei Teilfreispruch für jeden Anklagekomplex gesondert zu prüfen (Niklaus Schmid,
Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, Zürich/St. Gallen 2009,
N 1791).
4. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO).
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B. Kostenauflage
1. Im Berufungsverfahren unterliegt der Beschuldigte mit seinen Anträgen voll-
umfänglich, weshalb ihm - mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung -
die Kosten des Berufungsverfahrens aufzuerlegen sind. Die geringfügige Herab-
setzung der Strafe fällt mit Bezug auf die Kostenauflage demgegenüber nicht ins
Gewicht.
2 Die Kosten der amtlichen Verteidigung im Berufungsverfahren sind auf die
Gerichtskasse zu nehmen. Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vorbehalten.
3. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 2'500.-- festzuset-
zen.