# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 7b96cfc9-a440-47c9-80ad-d7f0e5227bdc
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.
1
X._
, geboren 1974,
arbeitete vom 3
0.
November 1998 bis zum 3
0.
September 2005 als Wildhüterin beim
Y._
des Kantons
Z._
und war bei der
A._
berufsvorsorgeversichert (
Urk.
14/8
).
Danach bezog sie v
om
1.
Oktober 2005 bis
zum 3
0.
April 2007 Taggelder der Arbeitslosenversicherung
und war entsprechend
bei der Stiftung Auffangeinrichtung BVG berufsvorsorgeversichert
(
Urk.
8;
Urk.
14/1)
.
Am 1
1.
Februar 2008 (Eingangsdatum) meldete sie sich bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung, IV-Stelle Kanton
Z._
, zum Leistungsbezug an (
Urk.
14/1).
Die IV-Stelle tätigte erwerbliche und
medizinische
Abklärungen und
holte
insbesondere den neuropsychologischen Untersuchungsbericht von
Dr.
phil
.
B._
vom
Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) vom 2
8.
Juli 2008 (
Urk.
14/18) ein.
Mit Verfügung vom
5.
Mai 2009 sprach die
IV-Stelle
X._
gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 55
%
eine halbe Rente
ab dem
1.
Januar 2008
zu (
Urk.
14/29).
Gestütz
t auf diese Verfügung erhob
X._
Klage gegen die
A._
und beantragte die
Zusprache
einer Invalidenrente.
Das Verwaltungsgericht des Kantons
Z._
hielt mit Urteil
vom
8.
Ok
tober 2010 (Verfahrens-Nr.
C._
)
fest, dass erst ab dem
1.
Januar 2007 eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40
%
eingetreten sei (
Urk.
14/86/12) und wies die Klage entsprechend ab. Die Stiftung Auffangeinrichtung BVG sprach
X._
mit Schreiben vom 2
4.
März 2011 infolgedessen ab dem
1.
Januar 2008 eine halbe Invalidenrente gestützt auf das Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) zu (
Urk.
9/10a-f).
1.2
In Rahmen der im Jahr 2011 von Amtes wegen eingeleiteten Rentenrevision (
Urk.
14/49) tätigte die IV-Stelle erneut
medizinische und erwerbliche Abklä
rungen und holte insbesondere das neurologische und psychiatrische Gutachten von
Dr.
med.
D._
, FMH Neurologie/Verhaltensneurologie SGVN und
Dr.
med.
E._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie
,
vom 2
0.
November 2013 ein (
Urk.
14/78.1). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom 2
0.
Januar 2014,
Urk.
14/81)
erhöhte die IV-Stelle mit Wirkung ab dem
1.
September 2013
die halbe Rente gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 64
%
auf eine
Dreiviertelsrente
(
Verfügung vom 2
5.
April 2014,
Urk.
14/92).
X._
wandte sich in der Folge an die Stiftung Auffangeinrichtung BVG und ersuchte um
Erhöhung der Invalidenrente
der beruflichen Vorsorge.
Die Stiftung Auffangeinrichtun
g verneinte mit Schreiben vom 2
4.
Juni 2014 eine
n
Anspruch auf eine höhere
Invalidenrente (
Urk.
9/14a-b)
.
2.
Mit Eingabe vom 1
7.
März 2015 (
Urk.
1) erhob
X._
Klage gegen die Stiftung Auffangeinrichtung BVG und beantragte
per
1.
September 2013
die Erhöhung der BVG-Rente auf eine
Dreiviertelsrente
.
Die Beklagte
schloss
mit Kl
ageantwort vom 3
0.
Juni 2015 auf
Abweisung der Klage (
Urk.
8). Nachdem die Akten der IV-Stelle beigezogen worden waren (
Urk.
14/1-107 und
Urk.
15/1-6; vgl. Verfügung vom
6.
Juli 2015,
Urk.
11)
hielten die Klägerin mit Replik vom 1
3.
August 2015 (
Urk.
18) und die Beklagte mit Duplik vom 1
7.
September 2015 (
Urk.
21) an ihren Anträgen fest. Die Duplik wurde der Klägerin am 2
1.
September 2015 zur Kenntnisnahme zugestellt (Urk. 22).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Die Klägerin brachte vor, dass der psychische Gesundheitszustand bereits bei Beginn der Rentenauszahlung durch die Invalidenversicherung sehr schlecht gewesen sei bzw. die psychischen Probleme bereits seit vielen Jahren bestünden, so habe sie in den Jahren 1995 bis 1998 eine Gesprächstherapie besucht und sei 2002 und 2003 in der
F._
in Behandlung gewesen. Sie habe auch ihren Hausarzt um Hilfe ersucht. Des Weiteren sei die Verschlechterung nicht vor allem auf den psychischen Zustand zurückz
uführen, sondern auch die m
ultiple Sklerose sei fortgeschritten (
Urk.
1
und
Urk.
18
).
Die Beklagte machte demgegenüber im Wesentlichen geltend,
dass im relevan
ten Zeitraum vom
1.
Oktober 2005 bis Ende April 2007 keine psychiatrischen Auffälligkeiten bestanden hätten, die ärztlich dokumentiert gewesen seien und zu einer Arbeitsunfähigkeit geführt hätten. Für die damalige Zusprechung der Invalidenrenten seien ausschliesslich die MS-typischen
Symptome relevant gewesen, welche gestützt auf das
bidisziplinäre
Gutachten immer noch für 50
%
der Arbeitsunfähigkeit verantwortlich seien.
Die jetzige Erhöhung der Invali
denrente sei auf die neu aufgetretenen psychischen Probleme zurückzuführen, so dass der sachliche Zusammenhang zwischen der Arbeitsunfähigkeit im rele
vanten Zeitraum und der jetzigen Erhöhung der Invalidität
nicht erstellt sei (
Urk.
8).
2.
2.1
Anspruch auf Invalidenleistungen haben gemäss Art. 23 Abs. 1 BVG Personen, die im Sinne der Invalidenversicherung zu mindestens 40 % invalid sind und bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, versichert waren. Nach Art. 24 Abs. 1 BVG hat der Versicherte Anspruch auf eine volle Invalidenrente, wenn er im Sinne der Invalidenversicherung mindes
tens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn er mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn er mindestens zur Hälfte und auf eine
Viertelsrente
, wenn er mindestens zu 40 % invalid ist.
2.2
Anspruch auf Invalidenleistungen haben gemäss
Art.
23 BVG Personen, die im Sinne der Invalidenversicherung zu mindestens 40
%
invalid sind und bei Ein
tritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, versichert waren. Nach
Art.
23 BVG versichertes Ereignis ist einzig der Eintritt der rele
vanten Arbeitsunfähigkeit, unabhängig davon, in welchem Zeitpunkt und in welchem Masse daraus ein Anspruch auf Invalidenleistungen entsteht. Die
Ver
sicherteneigenschaft
muss nur bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit gegeben sein, dagegen nicht notwendigerweise auch im Zeitpunkt des Eintritts oder der Ver
schlimmerung der Invalidität. Diese wörtliche Auslegung steht in Einklang mit Sinn und Zweck der Bestimmung, nämlich denjenigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern Versicherungsschutz angedeihen zu lassen, welche nach einer längeren Krankheit aus dem Arbeitsverhältnis ausscheiden und erst später inva
lid werden. Für eine einmal aus
während der Versicherungsdauer aufgetretene
Arbeitsunfähigkeit geschuldete Invalidenleistung bleibt die Vorsorgeeinrichtung somit leistungspflichtig, selbst wenn s
ich nach Beendigung des Vorsorge
verhältnisses der Invaliditätsgrad ändert. Entsprechend bildet denn auch der Wegfall der Versicherteneigenschaft kein Erlöschungsgrund (
Art.
26
Abs.
3 BVG e
contrario
; BGE 123 V 262 E. 1a, 118 V 35 E. 5).
2.3
2.3.1
Art.
23 BVG kommt auch die Funktion zu, die Haftung mehrerer Vorsorgeeinrichtungen gegeneinander abzugrenzen, wenn eine in ihrer Arbeitsfähigkeit bereits beeinträchtigte versicherte Person ihre Arbeitsstelle (und damit auch die Vorsorgeeinrichtung) wechselt und ihr später eine Rente der Invalidenversicherung zugesprochen wird. Der Anspruch auf
Invalidenleistun
gen
nach
Art.
23 BVG entsteht in diesem Fall nicht gegenüber der neuen
Vor
sorgeeinrichtung
, sondern gegenüber derjenigen, welcher die Person im Zeit
punkt des Eintritts der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit angehörte.
Damit eine Vorsorgeeinrichtung, der eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitneh
mer beim Eintritt der Arbeitsunfähigkeit angeschlossen war, für das erst nach Beendigung des Vorsorgeverhältnisses eingetretene Invaliditätsrisiko aufzu
kommen hat, ist indes erforderlich, dass zwischen Arbeitsunfähigkeit und Inva
lidität ein enger sachlicher und zeitlicher Zusammenhang besteht (BGE 130
V
270 E. 4.1). In sachlicher Hinsicht liegt ein solcher Zusammenhang vor, wenn der der Invalidität zu Grunde liegende Gesundheitsschaden im Wesentlichen derselbe ist, der zur Arbeitsunfähigkeit geführt hat. Sodann setzt die Annahme
eines engen zeitlichen Zusammenhangs voraus, dass die versicherte Person nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit nicht während längerer Zeit wieder arbeitsfähig wurde. Die frühere Vorsorgeeinrichtung hat nicht für Rückfälle oder Spätfolgen einer Krankheit einzustehen, die erst Jahre nach Wiedererlan
gung der vollen Arbeitsfähigkeit eintreten. Demnach darf nicht bereits eine Unterbrechung des zeitlichen Zusammenhangs angenommen werden, wenn die Person bloss für kurze Zeit wieder an die Arbeit zurückgekehrt ist. Ebenso wenig darf die Frage des zeitlichen Zusammenhangs zwischen Arbeitsunfähig
keit und Invalidität in schematischer (analoger) Anwendung der Regeln von
Art.
88a
Abs.
1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) beurteilt werden, wonach eine anspruchsbeeinflussende Verbesserung der Erwerbsfähig
keit in jedem Fall zu berücksichtigen ist, wenn sie ohne wesentliche Unterbre
chung drei Monate gedauert hat und voraussichtlich andauern wird. Zu berücksichtigen sind vielmehr die gesamten Umstände des konkreten Einzelfal
les, namentlich die Art des Gesundheitsschadens, dessen prognostische ärztliche Beurteilung und die Beweggründe, die die versicherte Person zur Wiederauf
nahme der Arbeit veranlasst haben (BGE 123 V 262 E.
lc
, 120 V 112 E. 2c/
aa
und 2c/
bb
mit Hinweisen).
2.3.2
Beruht die rentenbegründende Invalidität auf mehreren gesundheitlichen Ursa
chen, wovon sich lediglich eine bereits während des Vorsorgeschutzes au
f die Arbeitsfähigkeit der versi
cherten Person ausgewirkt hat, so muss die
Vorsorge
einrichtung
allein für die daraus resultierende Invalidität aufkommen. Für den
jenigen Anteil der Gesamtinvalidität, welcher auf Beschwerden zurückzuführen ist, die sich erst nach Austritt der versicherten Person aus der
Vorsorgeeinrich
tung
leistungsmässig manifestiert haben, mangelt es am erforderlichen Zusam
menhang
(
Hürzeler
, in: Schneider/Geiser/
Gächter
, Handkommentar zum BVG und FZG, Bern 2010,
Art.
23 N 24).
3.
3.1
Der Verfügung der Invalidenversicherung vom
5.
Mai 2009 und damit auch der
Zusprache
der halben Invalidenrente durch die Beklagte (vgl.
Urk.
9/10a-f) lag in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen folgender Sachverhalt zugrunde:
3.1.1
Dr.
med.
G._
, Neurologie FMH, hielt in seinem von der IV-Stelle eingeholten Bericht vom 1
7.
März 2008 als Diagnose eine multiple Sklerose, schubweise bestehend seit 2000, fest (
Urk.
14/10/3 ff.). Zuletzt sei
die Klägerin
vom
1.
Juni bis zum 3
1.
August 2007
im
H._
für behinderte Kinder tätig gewesen. Dies sei auf die Dauer nicht gegangen, da sie den dreimal wöchentlich anfallenden Nachtdienst nicht habe bewältigen können. Die funktionelle Einschränkung betreffe die MS-typische Ermüdbarkeit mit erhöhtem Schlafbedürfnis. Das Gedächtnis sei ebenfalls etwas schlechter geworden. Es bestehe eine
Pollakisurie
(einmal pro Stunde). Gleichgewichtsstörungen seien nur sporadisch vorhanden, Sehstörungen bestünden nicht. Sie habe häufig neuropathische Schmerzen in den Füssen, verstärkt durch langes Stehen und Gehen. Die bisherige Erwerbstätigkeit als Betreuerin im Internat mit häufigen Nachtdiensten sei nicht möglich oder zumutbar. Er denke, dass die
Klägerin
neben dem Haushalt im Grunde höchstens eine 50%ige Arbeitsleistung bewältigen könne. Das Arbeitstempo sei wahrscheinlich verlangsamt. Die Tätigkeit sollte regelmässige Arbeitszeiten und regelmässigen Schlaf ermöglichen. Langes Stehen und Gehen sei wegen dadurch ausgelösten Schmerzen in den Füssen nicht möglich.
3
.1.2
Dr.
med.
I._
, Allgemeine Innere Medizin, hielt in seinem von der
IV-Stelle eingeholten Arztbericht vom
6.
April 2008 1) eine multiple Sklerose, bestehend seit Dezember 2000 und 2) eine Belastungsstörung durch Mobbing am Arbeitsplatz, bestehend seit August 2007 als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (
Urk.
14/11). Er habe aufgrund der psychischen
Belas
tungsstörung
vom 1
4.
bis zum 1
9.
August 2007 eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert.
Die Klägerin
sei funktionell eingeschränkt aufgrund der vermehrten Ermüdbarkeit und der
rascheren
Erschöpfung, ertrage vor allem die im bisheri
gen Beruf als Erwachsenenbildnerin in der Gemeinde
J._
verlangte Nachtar
beit schlecht. Sie habe Fus
s
schmerzen beim Gehen und ein Gefühl der Ver
krampfung der Füsse. In der Freizeit seien sportliche Tätigkeiten oder soziale Kontakte erschwert durch die vermehrte Erschöpfung, sonst bestünden keine funktionellen Einschränkungen.
3.1.3
Dr.
phil
.
B._
hielt in seinem neuropsychologischen Untersuchungsbericht vom 2
8.
Juli 2008
folgende neuropsychologischen Diagnosen fest
(
Urk.
14/18/4)
:
Minimale bis leichte neuropsychologische Dysfunktion
en
bei multipler Sklerose mit:
minimalen
mnestischen
Instabilitäten
leichten exekutiven Minderfunktionen
MS-typische
Fatigue
-Symptomatik als Kardinalsymptom
Dr.
phil.
B._
konstatierte,
d
as
s das
Spektrum der
Aufmerksamkeitsfunktionen
auf
k
linischer Ebene durch eine profunde
Fatigue
-
Symptomatik auf
falle, wie sie bei multipler Sklerose typisch sei. Diese Problematik we
rd
e durch die Schlafstöru
ngen zusätzlich verschlimmert
. Dank vermehrter Anstrengung kö
nn
e
das Arbeitstempo und die
konzentrative
Spannung trotzdem auf ein reguläres Niveau gehoben werden. Die
erhöhte Anstrengung beschleunige
aber die ohnehin schon rasche Ermüdung und Erschöpfung. Aufgrund der guten Leistungsbereitschaft könn
t
en auf
Testebene kurzfristig normale
Konzentrati
onsleistungen
erbracht werden. Weder in der selektiven noch in der geteilten Aufmerksamkeit oder in der einfa
chen Reaktionsgeschwindigkeit fä
nden sich relevante Beeinträchtigungen. Die Gedächtnisfunktionen beweg
t
en sich in der verbalen Modalität im unteren Normbereich.
In der Verarbeitung und Speiche
ru
n
g von figuralen Informationen wü
rden durchschnittlich
e
Leistungen erbr
acht. Leichte exekutive Minderfunktionen fä
nden s
ich in der kognitiven Dynamik, in T
eilen des Arbeitsgedächtnisses und der Handlungspla
nung. Die Grun
dintelligenz entspr
eche
mit approximativ IQ 97 einem Real-
bis
Sekun
darschulniveau
und sei
gut vereinbar mit den erbrachten
Ausbildungs
leistun
gen
. Zusammenfassend ergä
ben sich minimale bis l
eichte neuropsychologische Dysfunkti
onen, die problemlos im Rahmen einer
MS-Erkrankung erklärbar seien
. Für sich alleine genommen würde diesen diskreten Instabilitäten aber kaum eine Alltagsrelevanz zukommen. Viel entscheidender für die Erklärung der faktischen Leistungseinschrän
kung sei
die schon vom Neurologen
Dr.
med.
G._
diagnostizierte und in der aktuellen Untersuchung evidente MS-typische
Fatigue
-Symptomatik. Die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit (50
%
) von
Dr.
G._
sei
nachvollziehbar
und plausibel. Anzumerken sei, dass das Problem der Müdigkeit und Erschöpfbarkeit in jeglicher Tätigkeit ein ähnliches sein werde (
Urk.
14/18/3 f.).
3.2
Die aktuelle medizinische Aktenlage präsentiert
sich
folgendermassen:
3.2.1
Die
Verfügung vom 2
5.
April 2014 basierte in medizinischer Hinsicht auf dem
bidisziplinären
Gutachten vom 2
0.
November 201
3.
Darin hielt
Dr.
D._
fol
gende neurologischen Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (
Urk.
14/78.1/10):
Encephalomyelitis
disseminata
mit schubförmigem Verlauf (ES Dezem
ber 2000, ED Dezember 2000?) mit
Fatigue
beginnende Stressinkontinenz
leicht bis höchstens mässig ausgeprägten kognitiven Störungen
diskreter
Extremitätenataxie
links
bei: auf
fällig weitem
Ventrikelsystem
(d
ifferentialdiagnostisch
Hirnvolu
menverminderung
bei
Encephalomyelitis
disseminata
,
Hydrocephalus
bei
Aquäduktstenose
)
Dr.
E._
notierte aus psychiatrischer Sicht 1) eine rezidivierende depressive Störung, zurzeit leicht bis mittleren Grades (ICD-10 F33.0-1), 2) psychogene Essattacken (ICD-10 F50.4) abwechselnd mit Fasten (ICD-10 F50.8), und 3) akzentuierte Persönlichkeitszüge vom
anankastischen
, schwernehmenden, nar
zisstischen Typ (ICD-10 Z73.1), differentialdiagnostisch Persönl
ichkeitsstörung (
Urk.
14/78.1/16
).
Im Rahmen der Konsensbeurteilung hielten die Gutachter dafür, dass
bei der
Klägerin
a
us psychiatrischer Sicht eine Kombination zwischen akzentuierten Persönlichkeitszügen vom
anankastischen
, narzisstischen, schwernehmenden Typ, einer rezidivierenden depressiven Störung und einer gravierenden Essstö
rung vor
liege
. Das Ich der
Klägerin
habe
sich während ihrer Kindheit und Jugend nicht adäquat entwickeln
können
, die Ressourcen
der
Klägerin
seien
erheblich beeinträchtigt. So sei
die affektive Verarbeit
ungsmöglichkeit deutlich reduziert.
Die akzent
uierten Persönlichkeitszüge seien
derart, dass eine
Persön
lichkeitsstörung
grundsätzlich diagnostiziert werden müsste, da aber die Symp
tomatik nicht sicher bis in die Kindheit zurückverfolgt werden k
ö
nn
e
und
sie
auch beruflich viele Jahre aktiv
gewesen sei
,
sei
die Diagnose der
Pe
rsönlich
keitsstörung
gemäss ICD-
10 nicht ganz abgesichert. Aus rein psychiatrischer Sicht
sei sie
gemittelt, wie oben dargelegt, unter Berücksichtigung der objekti
ven Befunde, des Verlaufs und der funktionellen Einschränkungen in ihrer Arbeits- und Leistungsfähigkeit zu 30
%
eingeschränkt. Berufliche Massnahmen
seien
insofern notwendig, als es wünschenswert
sei
,
ihr
beim Suchen eines Nischenarbeitsplatzes zu helfen.
Sie we
rd
e
Schwierigkeiten haben
,
Neues zu ler
nen und
sich
flexibel auf
Neues einzustellen. Sie brauche
dringend einen Nischenarbeitsplatz
(
Urk.
14/78.1/19 f.)
.
Aus neurologischer Sicht bestehe
eine
Encephalomyelitis
disseminata
mit schubförmigem Verlauf
mit
Fatigue
, beginnender Stressinko
ntinenz, leicht bis höchstens mä
ssig ausgeprägten kognitiven Störungen
sowie einer diskreten
Extremitätenataxie
links. Auffällig
sei in MR-
Unt
ersuchungen ein weites
Ventrikel
system
(
differentialdiagnostisch
Hirnvolumenverminderung bei
Ence
phalomyelitis
disseminata
,
Hydrocephalus
bei
Aquäduktstenose
). Im Vergleich zu einer neuropsychologischen Voruntersuchung
durch
Dr.
phil.
B._
,
der die
Klägerin
im August 2008 untersucht habe
und nur diskrete Beeinträchti
gungen
habe feststellen müss
e
n
,
sei
h
eute eine leichte bis maximal mä
ssige Beeinträchtigung frontaler wie auch
subcorticaler
Funktionen objektivierbar. Es besteh
e
eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit in einer Tätigkeit ausser Hause von 50
%
. Die Einschränkung ergebe
sich hauptsächlich aus der
Fatigue
-Symptomatik mit vermehrter Ermüdbarkeit und verminderter Belastbarkeit sowie zudem aus dem erhöhten Kontrollbe
darf bei leicht bis höchstens mä
ssig ausgeprägten kognitiven
Defiziten. Diese Einschätzung ge
lt
e
für körperlich nur wenig belastende Tätigkeiten ohne erhöhte Anforderungen an die Konzentrati
onsfähigkeit sowie an die Fähigkeit neue Inhalte aufzunehmen. Eine
Arbeitstä
tigkeit
als Pflegehelferin, wie dies von der
Klägerin
angestrebt we
rd
e
,
sei in ihrem
Falle eher ungeeignet.
N
ach eingehender Diskussion
seien sie
zum Schluss
gekommen
, dass die in den beiden Fachgebieten gestellt
e
Beeinträchtigung der
Arbeits- und Leistungsfä
higkeit nicht vollumfänglic
h addiert werden könne. Es liege
aus
bidisziplinärer
Sicht eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 60
%
vor. Damit habe
sie genügend Zeit
zur Erholung.
I
n ca. 2 Jahren
sollte
eine
Reevalu
ation
vorgenommen werden, um den Verlauf unter der dringend indizierten Psychotherapie im Hinblick auf eine mögliche Verbesserung der
Arbeitsfähig
keit
zu beurteilen.
3.2.2
Die Klägerin reichte im Klageverfahren den zuhanden des ehemaligen Rechtsvertreters der Klägerin erstellten Bericht von
Dr.
med.
K._
, Allgemeine Medizin FMH, vom
9.
Oktober 2014 ein (
Urk.
2/5).
Dr.
K._
führte auf Rückfrage aus, dass er die Klägerin seit dem Dezember 2000 behandle und die letzte Konsultation am
3.
Januar 2012 erfolgt sei
. Als psychische Auffälligkeit
könne das Essverhalten (Binge-
Eating
) bezeichnet werden. Nebst Gesprächstherapien sei eine medikamentöse Therapie der Adipositas und Ernährungsberatung durchgeführt worden. Andere psychische Auffälligkeiten seien während seinen Konsultationen nicht angegangen worden.
4.
4.1
Strittig und zu prüfen ist, ob
für
die Verschlechterung der Arbeitsfähigkeit der Klägerin dieselbe Gesundheitsbeeinträchtigung verantwortlich ist, derentwegen der Klägerin bereits mit Verfügung vom
5.
Mai 2009
eine
halbe R
ente der Eid
genössischen Invalidenversicherung und in der Folge auch entsprechende
Inva
lidenl
eistungen
der Beklagten
zugesprochen worden waren.
Zur Diskussion
ste
hen die sachliche und zeitliche
Konnexität
zwischen der Ursache der (ersten) Teilinvalidisierung und der späteren Erhöhung der Arbeitsunfähigkeit
bezie
hungsweise der Invalidität
.
Wäre
diese
Konnexität
zu bejahen, erg
äbe
sich dar
aus die Leistungspflicht der Beklagten
.
4.2
Die erste Teilinvalidisierung von 55
%
erfolgte gestützt auf die Arztberichte von
Dr.
G._
sowie die neuropsychologische Untersuchung von
Dr.
phil.
B._
(vgl.
Urk.
14/19)
. Beide Ärzte hielten fest, dass die Klägerin aufgrund der Folgen der multiplen Sklerose in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt war, so insbesondere durch die MS-typische Ermüdbarkeit bzw. die
Fatigue
(vgl. E. 3.1
.1 und E. 3.1.3; vgl. auch Arztbericht von
Dr.
G._
vom
3.
September 2008,
Urk.
14/23).
Aus den Berichten von
Dr.
G._
und
Dr.
phil.
B._
gehen keine auf einem psychischen Gesundheitsschaden basierenden Einschränkung
en hervor
(E. 3.1.1, E. 3.1.3; vgl. auch:
Urk.
14/23 und
Urk.
14/10/5).
Lediglich der Bericht von
Dr.
I._
vom
6.
April 2008 könnte eine psychisch
e Einschränkung vermuten lassen
. Er notierte eine psychische Belastungsstörung durch Mobbing am Arbeitsplatz, welche zu einer kurzen Arbeitsunfähigkeit vom 1
4.
bis zum 1
9.
August 2007
geführt habe.
Eine Therapie finde
nicht statt und die letzte Untersuchung sei am
3.
Oktober 2007 erfolgt
(
Urk.
14/11)
.
Damit kann gestützt auf diesen Bericht allerdings nicht von einer anhaltenden psychiatrisch bedingten Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden, welche zur ersten
Teilinva
lidisierung
beigetragen
hat.
Der
Vollständigkeit
halber ist auch festzuhalten, dass die attestierte Arbeitsunfähigkeit
ohnehin
nicht mehr in den durch die Beklagte vorsorgerechtlich versicherten Zeitraum fiel.
Andere
Arztberichte
, welche auf eine
psychiatrische Einschränkung mit Ausw
ir
kung auf die Arbeitsfähigkeit während der Versicherungsdeckung durch die Beklagte
schliessen
liessen
, liegen keine vor
(vgl.
Urk.
2/5;
Urk.
14/10/6 ff.;
Urk.
14/11/5 ff
.)
.
Damit ist zusammenfas
send festzuhalten, dass keine echtzeitlichen Berichte
vorliegen
,
woraus hervorginge, dass
bereits zu
m
Zeitpunkt
der erstmaligen
Rentenzusprache
der Invalidenversicherung bzw. im berufsvorsorgerechtlich relevanten Versicherungszeitraum
erhebliche psychische Erkrankungen, welche in der Folge zur Invalidisierung bzw. einer Erhöhung des Invaliditätsgrades geführt haben, vorgelegen hätten.
4.3
Die Erhöhung der Invalidenrente basierte in medizinischer Hinsicht auf dem
bidisziplinären
Gutachten vom 2
0.
November 201
3.
Darin hielt
Dr.
D._
aus neurologischer Sicht
einen
im Wesentlichen
un
veränderten Gesundheitszustand fest:
Neuropsychologisch seien
statt diskrete
,
leichte bis maximal mässige Beeinträchtigungen festzustellen
und d
ie Arbeitsfähigkeit ausser Hause
sei
immer noch hauptsächlich aufgrund der
Fatigue
-Symptomatik zu 50
%
einge
schränkt
(E. 3.2
).
Aus neurologischer Sicht ist
damit mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit davon auszugehen, dass sich die aus
der multiplen Sklerose
resultierenden Einschränkungen nicht relevant verschlechtert haben.
Auch ist gestützt auf das psychiatrische Gutachten nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass zwischen der bestehenden multip
len Sklerose (
aufgrund deren Folgen die erste Teilinvalidisierung erfolgte) und den gutachterlich attestierten psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen, weswegen schliesslich die Erhöhung der Invalidenrente bzw. die zweite
Teilin
validisierung
erfolgte, ein enger sachlicher Zusammenhang besteht.
So führte
Dr.
E._
aus, die akzentuierten Persönlichkeitszüge
seien derart
, dass eine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert werden müsste
.
D
a aber die Symptomatik nicht sicher bis in die Kindheit zurückverfolgt werden könne und sie beruflich viele Jahre aktiv gewesen sei, sei diese Diagnose nicht ganz abgesichert (
Urk.
14/78.1/19). Es sei davon auszugehen, dass die akzentuierten
Persönlich
keitszüge
letztlich Grundlage für die beiden anderen Symptomenkomplexe sei (
Urk.
14/78.1/18).
Damit ist nicht auszuschliessen, dass die multiple Sklerose möglicherweise auch zu einer erhöhten psychischen Vulnerabilität führte, allerdings ist - gestützt auf das psychiatrische Teilgutachten - ei
n enger sachlicher Zusammenhang
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt. Vielmehr ist davon auszugehen, dass die akzentuierten Persönlichkeitszüge sowie die ebenfalls eine Rolle spielenden invaliditätsfremden Faktoren, so insbesondere die schwere
Eheprob
lematik
,
ursächlich für die psychische Destabilis
ierung
waren (vgl.
Urk.
14/78.1/18). Auch die Klägerin selbst untermauert dies
, so hielt sie in der Klageschrift fest
, dass
sie schon in den Jahren 1995 bis 1998 (mithin vor evi
dentem Ausbruch der multiplen Sklerose) und 2002 und 2003 aufgrund ihrer psychischen Probl
eme in Behandlung war (
Urk.
1), gab allerdings im Revisions
fragebogen an, dass die Verschlechterung (stärkere Müdigkeit, koordinative Schwierigkeiten, Depressionen, Angstzustände) im Sommer 2009 eingetreten sei (
Urk.
14/49).
4.4
Damit liegt
k
eine
massgebliche
Verschlechterung
der
multiple
n
Sklerose bzw.
eines
während der Versic
herungszeit bei der Beklagten
eingetretenen,
zu einer
Arbeitsunfähigkeit führenden Gesundheitsschadens
vor.
Die
multiple Sklerose bzw. deren Folgen
führen
gestützt auf das
bidisziplinäre
Gutachten unverändert zu einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit. D
ie
Erhöhung
der Arbeitsunfähigkeit von
50 % auf 6
0 %
sowie die zusätzlichen qualitativen Einschränkungen
sind
auf den psychischen Gesundheitszustand zurückz
uführen, welcher sich
allerdings
erst nach
der Versicherungsdeckung durch die Beklagte
verschlechterte und eine Arbeitsunfähigkeit
-
und damit
eine
höhere Invalidität
-
nach sich zog. Damit ist die Klage vollumfänglich abzuweisen.
5.
Art. 73 Abs. 2 BVG
schliesst
einen Anspruch der obsiegenden Versicherungs
-
trägerinnen
auf eine Prozessentschädigung zwar nicht aus. Indes werden den Trägern der beruflichen Vorsorge
gemäss
BVG beziehungsweise den mit
öffentlichrechtlichen
Aufgaben betrauten Organisationen in Anlehnung an die Rechtsprechung zu Art. 159 Abs. 2 des bis Ende 2006 in Kraft gestandenen Bundesgesetzes über die Organisation der Bundesrechtspflege (
Bundesrechts
pflegegesetz
/OG)
praxisgemäss
keine Parteientschädigungen zugesprochen
.
Es besteht kein Grund, bei der Beklagten
– trotz ihres entsprechenden
Antra
-
ges
– anders zu verfahren (vgl. BGE 128 V 133 E. 5b, 126 V 150 E. 4a, 118
V
169 E. 7 und 117 V 349 E. 8, mit Hinweisen; vgl. auch BGE 122 V 125 E. 5b und 320 E. 1a und b sowie 112 V 356 E. 6).
Namentlich ist das Verhalten der Klägerin
jedenfalls nicht als mutwillig im Sinne von § 33 Abs. 2 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) anzusehen.
Der Beklagten
ist demzufolge keine Prozessentschädigung zuzusprechen.