# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b9025fa0-49d2-484f-9bc4-0cf065a18710
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. A.Y. besitzt den Führerausweis seit Juli 1983. Gemäss Administrativmassnahmen-
Register wurde er am 4. Juli 2012 wegen Überschreitens der zulässigen
Höchstgeschwindigkeit auf einer Autostrasse von 60 km/h um 25 km/h verwarnt.
B. Am 30. Juni 2015 überschritt der Lenker des Personenwagens mit den
Kontrollschildern SG 000’000 auf der X.-Strasse in X./A um 12.28 Uhr die zulässige
Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h um rechtlich relevante 51 km/h. Die
Bezirkshauptmannschaft Dornbirn verurteilte A.Y., den sie beim st. gallischen
Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt als Fahrzeughalter in Erfahrung gebracht hatte,
am 24. August 2015 zu einer Geldstrafe von € 334 und aberkannte ihm am 5. Oktober
2015 das Recht, von seinem schweizerischen Führerschein in Österreich Gebrauch zu
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machen, für die Dauer von zwei Wochen. Strafverfügung und Aberkennungsbescheid
wurden unangefochten rechtskräftig.
Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt eröffnete wegen der
Geschwindigkeitsüberschreitung gegenüber A.Y. am 16. November 2015 ein
Administrativverfahren und stellte ihm einen mindestens dreimonatigen
Führerausweisentzug in Aussicht. A.Y. machte am 23. November 2015 geltend, sein
Sohn – der den Sachverhalt unterschriftlich bestätigte – habe den Personenwagen am
30. Juni 2015 in X. gelenkt. Am 13. Januar 2016 wies die Bezirkshauptmannschaft
Dornbirn ein Gesuch um Wiedererwägung der Strafverfügung und des
Aberkennungsbescheides zurück. Am 28. Januar 2016 reichte A.Y. dem
Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt diesen Entscheid sowie weitere Unterlagen ein,
um zu belegen, dass er am Nachmittag des 30. Juni 2015 an einer Weiterbildung in K.
teilgenommen habe und zum Zeitpunkt der Geschwindigkeitsüberschreitung
zusammen mit zwei weiteren Personen in einem anderen Fahrzeug unterwegs zum
Treffpunkt in S. gewesen sei. Am 3. März 2016 zog das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt bei den österreichischen Behörden das Radarbild, auf welchem der
Lenker des Fahrzeuges nicht sichtbar ist, bei. Es entzog A.Y. mit Verfügung vom
21. April 2016 den Führerausweis für die Dauer von sechs Monaten.
Die Verwaltungsrekurskommission wies den dagegen erhobenen Rekurs nach
mündlicher Verhandlung am 24. November 2016 ab, soweit er sich gegen den Entzug
des Führerausweises richtete. Dass das in Österreich durchgeführte Strafverfahren den
rechtsstaatlichen Grundsätzen nicht genügt haben sollte, sei nicht ersichtlich. Sowohl
im Straf- als auch im Aberkennungsverfahren seien dem Betroffenen dieselben
Verfahrensrechte wie in der Schweiz zugestanden. Beide Verfügungen habe er aber
unangefochten rechtskräftig werden lassen. Die im schweizerischen
Administrativmassnahmeverfahren vorgebrachten Einwände hätte er – im Grenzgebiet
wohnhaft – im österreichischen Strafverfahren vorbringen können und müssen. Das
gelte umso mehr, als ihm angeblich sofort klar gewesen sei, dass er nicht gefahren sei.
Es sei widersprüchlich, die strafrechtliche Verurteilung zu akzeptieren und gegen deren
tatsächlichen Grundlagen im anschliessenden Administrativverfahren Einwände zu
erheben. Angesichts der massiven Geschwindigkeitsüberschreitung von 51 km/h habe
er nicht in guten Treuen davon ausgehen können, sie werde in der Schweiz ohne
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Konsequenzen bleiben. Die in Österreich mit einem zweiwöchigen Fahrverbot belegte
Geschwindigkeitsüberschreitung stelle – angesichts des Ausmasses – objektiv und –
da sie zumindest auf grober Fahrlässigkeit beruht habe – subjektiv eine schwere
Widerhandlung dar. Das Ausmass der Überschreitung rechtfertige es, die dreimonatige
Mindestentzugsdauer spürbar zu erhöhen. Das österreichische Fahrverbot habe sich
nur beschränkt ausgewirkt. Massnahmemindernd sei zu berücksichtigen, dass der
Betroffene beruflich auf das Führen eines Fahrzeugs angewiesen sei. Die vom
Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt verfügte Entzugsdauer von sechs Monaten sei
zu bestätigen.
C. A.Y. (Beschwerdeführer) erhob gegen den am 13. Dezember 2016 versandten
Entscheid der Verwaltungsrekurskommission (Vorinstanz) mit Eingabe seines
Rechtsvertreters vom 21. Dezember 2016 und Ergänzung vom 12. Januar 2017
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, es seien unter Kosten- und
Entschädigungsfolge der angefochtene Entscheid vom 24. November 2016 und die
Verfügung vom 21. April 2016 aufzuheben und es sei von jeder
Administrativmassnahme zum Nachteil des Beschwerdeführers abzusehen,
eventualiter sei die Angelegenheit zur Ergänzung des Sachverhalts und zur neuen
Beurteilung an das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt oder an die Vorinstanz
zurückzuweisen.

## Considerations

Die Vorinstanz verwies mit Vernehmlassung vom 16. Januar 2017 auf die Erwägungen
im angefochtenen Entscheid und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Das
Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt (Beschwerdegegner) verzichtete mit Vermerk
vom 18. Januar 2017 auf eine Vernehmlassung. Am 24. April 2017 ergänzte der
Beschwerdeführer seine Begründung mit einer im „Rheintaler“ am 19. April 2017
erschienen Ratgeberkolumne zum Thema „Führerausweisentzug bei Delikt im
Ausland?“.
Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Ausführungen des
Beschwerdeführers zur Begründung seiner Anträge sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
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Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Gegenstand der
Beschwerde ist der Rekursentscheid der Vorinstanz vom 24. November 2016. Da er an
die Stelle der ihm zugrunde liegenden Verfügung vom 21. April 2016 getreten ist
(„Devolutiveffekt“, BGE 134 II 142 E. 1.4; BGer 1C_166/2013 vom 27. Juni 2013 E. 1.1
und 2C_204/2015 vom 21. Juli 2015 E. 1.2), kann auf die Beschwerde, soweit damit die
Aufhebung der Verfügung beantragt wird, nicht eingetreten werden. Im Übrigen sind
die Eintretensvoraussetzungen erfüllt: Der Beschwerdeführer, dessen Rekurs gegen
den vom Beschwerdegegner verfügten Führerausweisentzug die Vorinstanz in der
Sache abgewiesen hat, ist zur Erhebung der Beschwerde befugt (Art. 64 in Verbindung
mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde gegen den am 13. Dezember 2016
versandten Rekursentscheid wurde mit Eingabe vom 21. Dezember 2016 rechtzeitig
erhoben und erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 12. Januar 2017 in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47
Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist deshalb unter dem
erwähnten Vorbehalt einzutreten.
2. Gemäss Art. 16c Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, SVG) wird der
Führerausweis nach einer Widerhandlung im Ausland entzogen, wenn im Ausland ein
Fahrverbot verfügt wurde (lit. a) und die Widerhandlung nach den Art. 16b und 16c als
mittelschwer oder schwer zu qualifizieren ist. Eine mittelschwere Widerhandlung
begeht nach Art. 16b SVG, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für
die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt (Abs. 1 lit. a). Nach einer
mittelschweren Widerhandlung wird der Führerausweis für mindestens einen Monat
entzogen (Abs. 2 lit. a). Eine schwere Widerhandlung begeht gemäss Art. 16c SVG, wer
durch grobe Verletzung von Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit
anderer hervorruft oder in Kauf nimmt (Abs. 1 lit. a). Aus Gründen der Rechtsgleichheit
hat das Bundesgericht für die Beurteilung von Geschwindigkeitsüberschreitungen
präzise Regeln aufgestellt. Danach stellt die Überschreitung der zulässigen
Höchstgeschwindigkeit ausserorts um 30 km/h und mehr auch bei günstigen
objektiven und subjektiven Umständen grundsätzlich eine schwere Widerhandlung im
Sinn von Art. 16c Abs. 1 Ingress und lit. a SVG dar (vgl. BGE 132 II 234 E. 3.1 mit
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Hinweisen; BGer 1C_263/2011 vom 22. August 2011 E. 2.5 und 1C_335/2011 vom
26. Oktober 2011 E. 2.2 je mit Hinweis auf 1C_83/2008 vom 16. Oktober 2008 E. 2.6).
Die Verwaltungsbehörde darf beim Entscheid über die Massnahme von den
tatsächlichen Feststellungen des Strafrichters nur abweichen, wenn sie Tatsachen
feststellt und ihrem Entscheid zugrunde legt, die dem Strafrichter unbekannt waren,
wenn sie zusätzliche Beweise erhebt oder wenn der Strafrichter bei der
Rechtsanwendung auf den Sachverhalt nicht alle Rechtsfragen abgeklärt, namentlich
die Verletzung bestimmter Verkehrsregeln übersehen hat. In der rechtlichen Würdigung
des Sachverhalts – namentlich auch des Verschuldens – ist die Verwaltungsbehörde
demgegenüber frei, ausser die rechtliche Qualifikation hängt stark von der Würdigung
von Tatsachen ab, die der Strafrichter besser kennt, etwa weil er den Beschuldigten
persönlich einvernommen hat. Die Verwaltungsbehörde ist grundsätzlich auch an einen
Strafentscheid gebunden, der nicht im ordentlichen Verfahren, sondern im
Strafbefehlsverfahren gefällt wurde, sofern die beschuldigte Person wusste oder
angesichts der Schwere der ihr vorgeworfenen Delikte voraussehen musste, dass
gegen sie ein Führerausweisentzugsverfahren eröffnet würde, und sie es trotzdem
unterlässt oder darauf verzichtet, im Rahmen des (summarischen) Strafverfahrens die
ihr garantierten Verteidigungsrechte geltend zu machen. Unter diesen Umständen darf
die betroffene Person nicht das Verwaltungsverfahren abwarten, um allfällige Rügen
vorzubringen und Beweisanträge zu stellen, sondern ist nach Treu und Glauben
verpflichtet, dies bereits im Rahmen des (summarischen) Strafverfahrens zu tun, sowie
allenfalls die nötigen Rechtsmittel zu ergreifen (vgl. BGE 123 II 97 E. 3c/aa). Diese
Grundsätze gelten auch für ausländische, insbesondere österreichische
Straferkenntnisse, wenn sie in einem förmlichen Verfahren ergangen sind, das heisst
dem Beschuldigten dieselben Verfahrensrechte wie in der Schweiz zustanden (vgl.
BGE 129 II 168, BGer 6A.32/2002 vom 21. Juni 2002 E. 2.2, 1C_392/2013 vom
23. Januar 2014, 6A.78/2002 vom 7. Februar 2003 E. 2.1).
3. Von den tatsächlichen Feststellungen im Straferkenntnis der
Bezirkshauptmannschaft Dornbirn abzuweichen, besteht entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers kein Anlass.
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3.1. Dass sich die österreichische Strafbehörde, welcher ein Radarbild des Fahrzeuges
samt Kontrollschildern, aber ohne erkennbaren Führer vorlag und welcher der Lenker
des Fahrzeugs nicht bekannt war, an den Fahrzeughalter gehalten hat, ist mit dem
schweizerischen Strafrecht vereinbar. Strafurteile ergehen häufig auf der Grundlage
von Indizien, was weder die Unschuldsvermutung noch die aus ihr abgeleiteten
Teilrechte verletzt (vgl. BGer 6B_527/2014 vom 26. September 2014 E. 2.1 mit
Hinweisen). Nach der Rechtsprechung kann die Haltereigenschaft bei einem
Strassenverkehrsdelikt, das von einem nicht identifizierten Fahrzeuglenker begangen
worden ist, ein Indiz für die Täterschaft sein (vgl. BGer 6B_812/2011 vom 19. April 2012
E. 1.5 mit Hinweisen auf weitere Rechtsprechung). Für Halter und Lenker von
Motorfahrzeugen ergeben sich aus ihrer Akzeptanz der Strassenverkehrsgesetzgebung
sowie aus ihrer Fahrberechtigung gewisse Obliegenheiten. Um einer Bestrafung zu
entgehen, muss der Halter den Rückschluss auf seine Urheberschaft auf Grund seiner
Haltereigenschaft und der Tatsache, dass die weitere Beweislage (z.B.
Radaraufnahmen) ihn nicht ausschliessen, irgendwie entkräften (vgl. BGer
6B_439/2010 vom 29. Juni 2010, 6B_676/2008 vom 16. Februar 2009, Ph.
Weissenberger, Kommentar Strassenverkehrsgesetz und Ordnungsbussengesetz, 2.
Aufl. 2015, N 32 zu Art. 90 SVG). Verzichtet der Betroffene auf jegliche Mitwirkung,
begibt er sich der Möglichkeit, auf sein Verfahren einzuwirken und seine Interessen
aktiv wahrzunehmen. Das kann aber die Behörden nicht an ihrer gesetzlichen Aufgabe
hindern. Zu prüfen ist dann insoweit nur noch, ob die Behörden wirksame
Verteidigungsmöglichkeiten gewährt und das Beweismaterial gesetzmässig verwendet
haben (vgl. BGer 6B_515/2014 vom 26. August 2014 E. 3 mit weiteren Hinweisen).
Die österreichischen Strafbehörden haben eine Strafverfügung erlassen. Aus dem als
Kann-Bestimmung formulierten § 49a des Verwaltungsstrafgesetzes 1991 kann nicht –
wie der Beschwerdeführer geltend macht – abgeleitet werden, die Behörde sei zum
Erlass einer sogenannten „Anonymverfügung“ verpflichtet gewesen. Die an den
Beschwerdeführer adressierte Strafverfügung vom 24. August 2015 fasste ihn im
Übrigen ausdrücklich als Täter ins Recht – „Sie haben die auf Freilandstrassen
zulässige Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h um 51 km/h überschritten.“ – und war