# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 1d300f1e-ef53-5ce2-8898-d6b37c3acd9f
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin reichte am 27. Februar 2015 bei der Gemeinde Saanen ein
Baugesuch ein für den Neubau einer Fernheizzentrale und eines Feuerwehrmagazins mit
Lagerräumen im Obergeschoss auf Parzelle Saanen Grundbuchblatt Nr. E._. Die
Parzelle liegt in der Zone für öffentliche Nutzungen (ZöN) A55/I. Gegen das Bauvorhaben
erhoben unter anderen die Beschwerdeführenden Einsprache. Mit Gesamtentscheid vom
7. Januar 2016 erteilte das Regierungsstatthalteramt Obersimmental-Saanen die
Baubewilligung.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden 1 und 2 am 8. Februar 2016
gemeinsam Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern
(BVE) ein. Sie beantragen sinngemäss die Aufhebung des Gesamtentscheides vom
7. Januar 2016 und die Erteilung des Bauabschlags. Die Beschwerdeführerin 3 reichte am
8. Februar 2016 ebenfalls Beschwerde gegen den Gesamtentscheid ein und beantragt, die
Baubewilligung sei nicht zu erteilen.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Das Regierungsstatthalteramt
Obersimmental-Saanen verzichtete mit Schreiben vom 24. Februar 2016 auf eine
Stellungnahme und verwies auf die Gesuchsakten und seinen Entscheid. Die
Beschwerdegegnerin beantragt in ihrer Stellungnahme vom 29. Februar 2016 die
Abweisung der beiden Beschwerden. Die Gemeinde Saanen beantragt in ihrer
Stellungnahme vom 11. März 2016, die Beschwerden seien abzuweisen, soweit darauf
eingetreten werden könne.
4. Auf die Rechtsschriften und Vorakten wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in
den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintreten
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG2. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen ihrer
Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG in Verbindung mit
Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführenden haben sich am vorinstanzlichen
Verfahren als Einsprechende beteiligt und sind mit ihren Einsprachen nicht
durchgedrungen. Sie sind somit formell beschwert. Dass die Vorinstanz die Legitimation
anerkannt und die Beschwerdeführenden zum Verfahren zugelassen hat, genügt jedoch
nicht. Sofern sie dies zu Unrecht getan hat, tritt die BVE auf die Baubeschwerde nicht ein,
denn zu dieser ist nur zugelassen, wer sich am vorinstanzlichen Verfahren zulässigerweise
beteiligte, wer also auch materiell beschwert ist.4
Nach Art. 35 Abs. 2 Bst. a BauG sind nur Personen zur Einsprache befugt, welche durch
das Bauvorhaben unmittelbar in eigenen schutzwürdigen Interessen betroffen sind. Nach
Lehre und Rechtsprechung ist eine Person in schutzwürdigen Interessen berührt, wenn sie
durch ein Bauvorhaben in höherem Mass als die Allgemeinheit betroffen ist und zum
Streitgegenstand eine besondere Beziehungsnähe hat. Diese Anforderungen grenzen die
Beschwerden betroffener Drittpersonen von der unzulässigen Popularbeschwerde ab.5
2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 4 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 40-41 N. 4b, mit Hinweisen auf die Rechtsprechung 5 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 35-35c N. 16, mit Hinweisen auf die Rechtsprechung
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Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts muss die besondere Beziehungsnähe zum
Streitgegenstand bei Bauprojekten insbesondere in räumlicher Hinsicht gegeben sein. In
einer besonders nahen Beziehung zur Streitsache stehen naturgemäss die Nachbarn des
Baugrundstücks. Unter Nachbarn versteht die Verwaltungs- und Gerichtspraxis vorab die
Eigentümer von Nachbargrundstücken. Der Kreis der betroffenen Nachbarschaft kann zwar
nicht allgemein festgelegt werden, sondern muss im Einzelfall nach den konkreten
Verhältnissen bestimmt werden. Die Einsprachebefugnis des Nachbarn ist aber in der
Regel zu bejahen, wenn dessen Liegenschaft unmittelbar an das Baugrundstück angrenzt
oder allenfalls nur durch einen Verkehrsträger davon getrennt wird. Darüber hinaus reicht
die Nachbarschaft so weit wie die allfälligen nachteiligen Auswirkungen des Bauvorhabens.
Eine weitere Umschreibung des Kreises der beschwerdeberechtigten Nachbarschaft kann
sich daher dort rechtfertigen, wo von einer Baute besonders starke Emissionen ausgehen.
Die mögliche Störung muss aber deutlich wahrnehmbar sein und objektiv betrachtet als
Nachteil empfunden werden.6
c) Die materielle Beschwerde der Beschwerdeführenden 1 und 2 ist unbestritten. Sie
sind Stockwerkeigentümer in unmittelbarer Nachbarschaft zur Bauparzelle. Auf ihre form-
und fristgerecht eingereichte Beschwerde wird daher eingetreten.
d) Die materielle Beschwerde der Beschwerdeführerin 3 wird von der Gemeinde
Saanen in Frage gestellt. Die Liegenschaft der Beschwerdeführerin 3 ist gut 150 m vom
Bauvorhaben entfernt. Dazwischen liegt ein freies Feld, so dass direkte Sichtverbindung
besteht. Bei einem Durchschnittsvorhaben wäre die Legitimation bei einer solchen Distanz
fraglich. Das Bauvorhaben beinhaltet jedoch eine Fernheizzentrale mit zwei 20 m hohen
Kaminen. Sowohl hinsichtlich der Ästhetik als auch mit Blick auf mögliche Immissionen
handelt es sich daher nicht um ein Durchschnittsvorhaben. Unter diesen Umständen
können die entsprechenden Störungen auch in einer Distanz von 150 m noch deutlich
wahrnehmbar sein und objektiv betrachtet als Nachteil empfunden werden. Die
Beschwerdeführerin 3 ist daher zur Beschwerde befugt, weshalb auf ihre form- und
fristgerecht eingereichte Beschwerde eingetreten wird.
6 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 35-35c N. 17, mit Hinweisen auf die Rechtsprechung
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2. Standort, Zonenkonformität
a) Die Beschwerdeführenden rügen, der gewählte Standort im bewohnten Gebiet mitten
im Dorf sei für eine Fernheizzentrale ungeeignet. Es hätten mehrere andere, geeignetere
Standorte zur Verfügung gestanden. Zudem stellen die Beschwerdeführenden die
Zonenkonformität in Frage, ohne dies näher zu begründen.
b) Die Bauparzelle liegt in der ZöN A55/I. Gemäss Anhang 5 GBR7 ist die ZöN A55/I mit
der Bezeichnung "Feuerwehrmagazin, Heizzentrale Fernwärmeversorgung Schönried,
Parkplatz" für folgende Zwecke bestimmt: Feuerwehrmagazin, Heizzentrale
Fernwärmeversorgung Schönried, Wohn- und Lagerraum für Betriebe sowie Parkplatz.
Das Bauvorhaben, das eine Fernheizzentrale und ein Feuerwehrmagazin beinhaltet, ist in
dieser Zone offensichtlich zonenkonform. Die ZöN A55/I wurde denn auch eigens für das
vorliegende Bauvorhaben überarbeitet. Die entsprechende Änderung des Baureglements
wurde von der Gemeindeversammlung am 28. März 2014 beschlossen und vom Amt für
Gemeinden und Raumordnung am 29. September 2014 genehmigt. Der Standort für die
Fernheizzentrale wurde im Rahmen der Änderung des Baureglements mit einem
Standortnachweis der Firma F._ vom 28. März 2014 eingehend geprüft. Dieser
kann im Baubewilligungsverfahren nicht mehr gerügt werden, sondern wurde mit der
rechtskräftigen Änderung des Baureglements verbindlich festgelegt. Die
Beschwerdeführenden haben denn auch bereits gegen die Änderung des Baureglements
Einsprache erhoben. Ihre Einsprachen wurden jedoch vom Amt für Gemeinden und
Raumordnung (AGR) als öffentlich-rechtlich unbegründet abgewiesen. Diese Rüge ist
daher unbegründet, soweit darauf eingetreten werden kann.
3. Immissionen
a) Die Beschwerdeführenden rügen, der Umstand, dass Fernheizzentralen der
Lärmempfindlichkeitsstufe (ES) III zugeordnet werden müssten, lasse erhebliche Lärm-,
Geruchs- und Abgasimmissionen erwarten. Dies führe zu einer unannehmbaren
Wohnsituation. Die Anlage müsse die Planungswerte einhalten. Dabei würden die
Emissionen stark von der Qualität der Holzschnitzel abhängen, dies werde jedoch nicht
7 Baureglement der Einwohnergemeinde Saanen vom 11. März 2011
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kontrolliert. Auch unterirdische Lärmübertragungen seien nicht ausgeschlossen, dennoch
seien keine Bodenuntersuchungen gemacht worden.
b) Die ZöN A55/I ist der ES III zugeteilt. Die ES III gilt in Zonen, in denen mässig
störende Betriebe zugelassen sind, namentlich in Wohn- und Gewerbezonen (Mischzonen)
sowie Landwirtschaftszonen (Art. 43 Abs. 1 Bst. c LSV8). Aus dieser Zuteilung zur ES III
kann nicht auf übermässige Immissionen in den umliegenden Wohnzonen geschlossen
werden. Soweit diese Rüge pauschal vorgebracht wird und sich grundsätzlich gegen
diesen Standort wendet, kommt sie im Baubewilligungsverfahren ohnehin verspätet, sie
hätte bereits im Rahmen der Änderung des Baureglements vorgebracht werden müssen.
c) Soweit sich die Rüge auf das konkrete Bauvorhaben bezieht, vermögen die
Beschwerdeführenden keine konkreten Grenzwerte zu nennen, die überschritten würden.
Das beco hat das Bauvorhaben mit Amtsbericht vom 7. Mai 2015 hinsichtlich des
Immissionsschutzes geprüft. Dabei hat es sowohl die Luftreinhaltung als auch den
Lärmschutz berücksichtigt. Hinsichtlich Luftreinhaltung ist für die Nachbarschaft eine
ausreichende Kaminhöhe besonders wichtig. Damit wird gewährleistet, dass die
Abgasfahne aus den Kaminen ungehindert abfliessen kann. Im Rahmen der Änderung des
Baureglements wurde für die Bestimmung der Kaminhöhe eigens ein Bericht erstellt.9 Im
Baubewilligungsverfahren hat das beco festgestellt, dass die Kaminhöhe den
Empfehlungen über die Mindesthöhe von Kaminen über Dach entspricht. Zudem verweist
das beco auf die Emissionsbegrenzungen der LRV10, welche die Holzschnitzel- und die
Ölfeuerungsanlage einhalten müssen. Die Einhaltung dieser Emissionsbegrenzungen
müsse mit einer Abnahmemessung und anschliessend mit periodischen Messungen
überprüft werden. Damit ist die Einhaltung der LRV-Grenzwerte auf Dauer sichergestellt.
Hinsichtlich des Lärmschutzes ist gemäss beco zu berücksichtigen, dass die Heizzentrale
in einem neu zu erstellenden Gebäude installiert wird. Die Lärmemissionen der Anlageteile
würden durch die Gebäudehülle gedämmt. Zudem hat das beco als Auflage die Einhaltung
seiner strengen Vorsorgewerte verlangt. Damit ist keine unzulässige Lärmbelastung der
Anwohner zu erwarten. Insbesondere kann der Planungswert bei den Liegenschaften der
Beschwerdeführenden, die ebenfalls in der ES III liegen, eingehalten werden.
8 Lärmschutz-Verordnung des Bundesrates vom 15. Dezember 1986 (LSV; SR 814.41) 9 Bericht der G._ zur Kaminhöhenbestimmung vom 14. Dezember 2011 10 Luftreinhalte-Verordnung des Bundesrates vom 16. Dezember 1985 (LRV; SR 814.318.142.1)
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Die BVE sieht keine Veranlassung, von diesen Einschätzungen der Fachbehörde
hinsichtlich Luftreinhaltung und Lärmschutz abzuweichen. Die Beschwerdeführenden
bringen nichts vor, was die Vollständigkeit und Richtigkeit des Amtsberichts in Frage
stellen würde. Auch der Verweis der Beschwerdeführenden auf das Pilotprojekt "Lokale
Immissionsbetrachtung von automatischen Holzschnitzelfeuerungen" des damaligen
Bundesamts für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) vermag daran nichts zu ändern.
Soweit dieser Bericht aus dem Jahr 2002 heute überhaupt noch aktuell ist, lässt sich
daraus für das Bauvorhaben der Beschwerdegegnerin nichts schliessen. Insbesondere
kann aus der Aussage im Bericht, wonach die durch die Feuerung bedingte
Zusatzbelastung in unmittelbarem Umkreis der Anlage deutlich feststellbar sei und bei
hohen Grundbelastungen durchaus eine Rolle spiele, nicht geschlossen werden, dass die
geplante Anlage der Beschwerdegegnerin nicht bewilligungsfähig ist. Zumal in Schönried
kaum von einer hohen Grundbelastung auszugehen ist. Daher ist gestützt auf den
Amtsbericht des beco davon auszugehen, dass das Bauvorhaben nicht zu unzulässigen
Immissionen in der Nachbarschaft führen wird und insofern bewilligt werden kann.
d) Soweit die Beschwerdeführenden die Qualität der Holzschnitzel ansprechen, kann
auf Anhang 3 Ziff. 521 Abs. 1 LRV verwiesen werden: Demnach dürfen in Holzfeuerungen
nur Holzbrennstoffe nach Anhang 5 Ziffer 3 Absatz 1 verbrannt werden, die aufgrund ihrer
Art, Qualität und Feuchtigkeit für das Verbrennen in diesen Anlagen geeignet sind.
Schliesslich sind keine unterirdische Lärmübertragungen zu erwarten. Die
Beschwerdeführenden vermögen keine konkreten Anhaltspunkte zu nennen, die solche
befürchten lassen. Unter diesen Umständen ist nicht zu beanstanden, dass auf
entsprechende Bodenuntersuchungen verzichtet wurde. Sollten solche Lärmübertragungen
später wider Erwarten dennoch zu Problemen führen, müssten nachträgliche Massnahmen
geprüft werden. Generell ist darauf hinzuweisen, dass nachträgliche Massnahmen zur
Emissionsbegrenzung auch bei rechtskräftig bewilligten Anlagen nicht ausgeschlossen
sind: Wo die Immissionen bei Erteilen der Bewilligung nicht oder nicht vollständig
vorausgesehen wurden oder wo eine zuverlässige Prognose schwierig ist, ist die Prüfung
der nachträglichen Anordnung von Massnahmen zur Emissionsbegrenzung angezeigt.11
11 BGer 1C_177/2011 vom 9.2.2012, E. 4.2
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4. Orts- und Landschaftsbild
a) Die Beschwerdeführenden rügen eine Verletzung des touristisch wichtigen Orts- und
Landschaftsbilds von Schönried. An diesem erhöhten Standort am Dorfrand wären die
hohen Kamine und die daraus aufsteigenden Dampffahnen von weitem deutlich sichtbar.
Die Kamine und die chaletähnlichen Kubaturen der Neubauten würden als Fremdkörper
wahrgenommen und sämtliche Aufmerksamkeit des Betrachters absorbieren. Dies
widerspreche Art. 26 GBR. Insbesondere seien Aussenkamine bei Neubauten ausdrücklich
verboten.
b) Soweit sich die Beschwerdeführenden aus ästhetischen Gründen grundsätzlich
gegen eine Heizzentrale an diesem Standort wenden, kommt diese Rüge verspätet. Diese
Grundsatzfrage konnte im Verfahren zur Änderung des Baureglements vorgebracht
werden, im Baubewilligungsverfahren steht sie nicht mehr zur Diskussion.
c) Alle Bauten und Anlagen sind hinsichtlich ihrer Gesamterscheinung,
Gebäudestellung, Proportionen, Fassaden-, Balkon- und Dachgestaltung und der
Verwendung von Baumaterialien so auszubilden, dass zusammen mit den bestehenden
oder vorauszusehenden Bauten eine gute Gesamtwirkung entsteht und die Schönheit oder
erhaltenswerte Eigenart des Strassen-, Orts- und Landschaftsbildes gewahrt bleibt (Art. 26
Abs. 1 GBR). Im Anhang 5 GBR sind die baupolizeilichen Masse für die ZöN A55/I
definiert. Demnach beträgt die zulässige Gebäudehöhe für das Feuerwehrmagazin und die
Heizzentrale maximal 10 m. Die Kaminlagen dürfen auf maximal 1‘266 m.ü.M. liegen, dies
gemessen bis zur Oberkante der Kamine. Für den Grenzabstand gelten die Bestimmungen
der Kernzone K.
Gestützt auf Vorschriften des allgemeinen Ortsbild- und Landschaftsschutzes darf das
Mass der nach der Zonenordnung zulässigen Nutzung in der Regel nicht eingeschränkt
werden.12 Dies gilt vorliegend umso mehr, als es sich nicht um eine allgemeine
Zonenvorschrift, sondern um eine Spezialzonenvorschrift handelt.
d) Eine Heizzentrale ist auf Hochkamine angewiesen. Somit ist aufgrund der
Vorschriften für die ZöN A55/I klar, dass an diesem Standort Hochkamine zulässig sind. Mit
12 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 9/10 N. 15 mit Hinweisen
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der Definition der maximal zulässigen Höhe für diese Kamine in der Zonenvorschrift kann
auch keine Reduktion der Kaminhöhe aus ästhetischen Gründen verlangt werden. Die
Oberkante der geplanten Kamine liegt auf 1'264.30 m.ü.M. und damit unterhalb der
erlaubten 1‘266 m.ü.M. Zwar ist es richtig, dass gemäss Art. 26 Abs. 3 Bst. d GBR
Aussenkamine bei Neubauten untersagt sind. Die zwei vorgesehen Kamine befinden sich
jedoch innerhalb des Gebäudes und werden erst über dem Dach ausserhalb des
Gebäudes geführt. Somit handelt es sich nicht um verbotene Aussenkamine. Kamine als
solche sind gemäss Art. 27 Abs. 3 GBR ausdrücklich erlaubt.
Auch was die Kubaturen betrifft, kann gestützt auf die Vorschriften des allgemeinen
Ortsbild- und Landschaftsschutzes keine Reduktion verlangt werden. Diese entsprechen
den Vorgaben hinsichtlich der baupolizeilichen Masse und sind im Übrigen mit Blick auf
das Orts- und Landschaftsbild unproblematisch.
e) Soweit die Beschwerdeführenden den chaletähnlichen Baustil der Neubauten
ansprechen, ist nicht klar, inwiefern dieser das Orts- und Landschaftsbild beeinträchtigt.
Gerade dieser Baustil ist in diesem Umfeld typisch und daher ohne Weiteres
bewilligungsfähig. Aus den Fotomontagen in der Stellungnahme der Beschwerdegegnerin
vom 29. Februar 2016 ist denn auch erkennbar, dass sich die Neubauten problemlos in
das Orts- und Landschaftsbild einfügen. Diese Rüge ist daher offensichtlich unbegründet.
Unter diesen Umständen konnte gestützt auf eine antizipierte Beweiswürdigung ohne
Verletzung des rechtlichen Gehörs der Beschwerdeführenden auf die Einholung eines
Gutachtens der Kommission zur Pflege der Orts- und Landschaftsbilder (OLK) verzichtet
werden (vgl. Art. 22 Abs. 1 BewD13).
5. Kosten
a) Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr
(Art. 103 Abs. 1 VRPG14). Für Entscheide in einer Verwaltungsjustizsache wird eine
Pauschalgebühr von Fr. 200.-- bis Fr. 4'000.-- je Beschwerde erhoben (Art. 19 Abs. 1
13 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 14 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
RA Nr. 110/2016/19 10
i.V.m. Art. 4 Abs. 2 GebV15). In Anwendung dieser Bestimmungen werden die Pauschalen
für die beiden Beschwerden auf je Fr. 1'800.-- festgelegt. Werden in einem einzigen
Entscheid mehrere Beschwerden beurteilt, so kann die Pauschalgebühr für die einzelnen
Beschwerdeführerinnen und Beschwerdeführer angemessen reduziert werden (Art. 21
Abs. 3 GebV). Dementsprechend werden die Pauschalen auf zwei Drittel, d.h. auf je
Fr. 1’200.-- reduziert. Insgesamt betragen die oberinstanzlichen Verfahrenskosten somit
Fr. 2’400.--.
Die Verfahrenskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Bei
diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführenden. Die
Beschwerdeführenden 1 und 2 haben demzufolge Verfahrenskosten in der Höhe von
Fr. 1'200.-- zu tragen und sie haften solidarisch für den gesamten ihnen auferlegten Betrag.
Die Beschwerdeführerin 3 hat ebenfalls Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'200.-- zu
tragen.
b) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die obsiegende Beschwerdegegnerin war
nicht anwaltlich vertreten. Ihr sind daher keine Parteikosten im Sinne des Gesetzes
entstanden (Art. 104 Abs. 1 und 2 VRPG). Somit sind keine Parteikosten zu sprechen.