# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** ab18acf1-b5b3-4deb-9d99-ae8f6c9a9e35
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2011
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. X. wurde am _ in AA. geboren, wo er zusammen mit drei Geschwistern bei den Eltern in geordneten Familienverhältnissen aufwuchs. An seinem Wohnort besuchte er auch die Primar- sowie die Sekundarschule. Anschliessend absolvierte er eine Lehre als Automechaniker, die er mit Erfolg abschloss. Heute ist X. Leiter der Firma A., welche der Firma B. AG angeschlossen ist. Gleichzeitig führt er ein eigenes Unternehmen in BB. im DD.. Aus beiden Beschäftigungen zusammen erzielt er nach eigenen Angaben ein monatliches Nettogehalt von insgesamt rund Fr. 10'000.--.
X. ist mit A. verheiratet. Er ist Vater zweier erwachsener Kinder.
X. ist im Schweizerischen Zentralstrafregister nicht verzeichnet.
B. Mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 18. Februar 2010 wurde X. wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung gemäss Art. 117 StGB sowie wegen Führenlassens eines nicht betriebssicheren Fahrzeugs gemäss Art. 29 SVG in Verbindung mit Art. 93 Ziff. 2 Abs. 2 SVG in Anklagezustand versetzt. Dieser Anklage liegt gemäss Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 18. Februar 2010 folgender Sachverhalt zugrunde:
„Am Freitag, 3. Oktober 2008, im Laufe des Morgens, begann es im EE. heftig zu schneien. Wegen Verkehrsproblemen auf der alten Kantonsstrasse HH. – JJ. disponierte X., Geschäftsführer des Firma A.- Betriebs, die Umfahrung der fraglichen Strecke. Anschliessend begab sich X. vor Ort und stellte fest, dass die Fahrbahn durch den Schnee sehr rutschig war. Zwischen 08.30 – 09.00 Uhr entschloss er sich, für alle Busse ein internes Kettenobligatorium anzuordnen. Gegen die Mittagszeit hörte es auf zu schneien und einige Fahrbahnabschnitte waren dann lediglich nass. X. hob sodann das interne Kettenobligatorium auf.
Anfangs Nachmittag begann es erneut zu schneien, was X. von seinem Büro aus in CC. feststellte. Gegen 16.00 Uhr fuhr B., Bus-Chauffeur bei dem Firma A.-Betrieb, am Steuer des Gelenkbusses der Marke Neoplan, Kontrollschilder GR _, von BB. in Richtung FF. ab. Zu diesem Zeitpunkt schneite es noch und die Fahrbahn war mit Schneematsch bedeckt und rutschig. Ein erneutes Kettenobligatorium verfügte der Geschäftsführer nicht.
Auf die Hinterachse des Gelenk-Busses waren Reifen mit einem weitgehend abgefahrenen Profil montiert, welche gemäss Gutachten des Strassenverkehrsamtes des Kantons Graubünden für die herrschenden Strassenverhältnisse bei Matsch und Schnee nicht tauglich waren (Dossier 5, act. 12). Trotz dieses Umstandes und der Tatsache, dass es schneite, unterliess es B., die Ketten zu montieren und fuhr in Richtung FF. los. Auf der CC.-Ebene erreichte er auf der mit Schneematsch bedeckten Fahrbahn eine Geschwindigkeit von bis 60 km/h. Als er sich am Ende der CC.-Ebene
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der linken unübersichtlichen Kurve näherte, betätigte er mehrmals den Retarder, um die Geschwindigkeit zu reduzieren. Da diese Motorbremse auf die Hinterachse wirkte, geriet der hintere Teil des Busses wegen des mangelhaften Reifenprofils und der rutschigen Fahrbahn ins Schleudern und teilweise auf die Gegenfahrbahn. Zu diesem Zeitpunkt befuhren zwei mit Holz beladene Lastwagen die fragliche Kurve in Gegenrichtung. C., der Lenker des ersten Lastwagens, versuchte angesichts des schleudernden Busses sein Fahrzeug so gut wie möglich nach rechts zu lenken. Es kam trotzdem zu einer heftigen Kollision zwischen der linken Ecke der Zugmaschine und der linken hinteren Seite des Gelenkbusses. Dadurch wurde die Kabine der Zugmaschine C. nach rechts abgewinkelt und der mit Rundholz beladene Sattel-Sachentransportanhänger kollidierte ebenfalls gegen die linke hintere Seite des Gelenkbusses. Dabei durchschlug die linke Stirnwandecke des Anhängers einen Teil des Fahrgastraumes. Dadurch wurden die am Fenster sitzenden D. und E. aus dem Gelenkbus gerissen und auf die Fahrbahn geschleudert. Zudem wurde der rückwärts zur Fahrrichtung und ebenfalls am Fenster sitzende F. durch die Wucht des Aufpralles gegen den Fussraum der rechten hinteren Schwenktüre geschleudert. Die drei genannten Fahrgäste verstarben infolge der massiven Verletzungen noch auf der Unfallstelle. Zwei weitere Personen wurden durch den Unfall verletzt, verzichteten jedoch auf die Stellung eines Strafantrages wegen fahrlässiger Körperverletzung. Am Bus entstand ein geschätzter Schaden von CHF ca. 150'000.-- und am Lastwagen C. und G. ein solcher von je CHF ca. 200'000.--.
In seiner technischen Unfallanalyse kommt der Gutachter zu folgendem Schluss.
- ‚Aus technischer Sicht bestehen keine Zweifel, dass der Nachläufer des Neoplan auf die Gegenfahrbahn geriet.
- Ursächlich dafür, dass der Nachläufer des Neoplan aus der Spur und ins Pendeln geriet, war eine Kombination aus der Betätigung des Retarders, der Profiltiefe der Hinterreifen, den Witterungsbedingungen und der Geschwindigkeit.
- Beim Neoplan N 4421 wirkt die Retarderbremse nur auf die hinterste Achse. Da der Nachläufer beim Betätigen des Retarders offenbar ins Pendeln geriet, muss davon ausgegangen werden, dass die Reifen dieser Achse die Seitenführungskräfte nicht mehr übertragen konnten. Wie dem Geschwindigkeitsdiagramm entnommen werden kann, dürften die Reifen beim Bremsen mit dem Retarder einen zu hohen Schlupf aufgebaut und zum Blockieren geneigt haben, wodurch die Reifen noch weniger Seitenführungskräfte übertragen konnten.
- Im Handbuch des Neoplan N 4421 wird explizit darauf hingewiesen, dass bei winterlichen Bedingungen nicht mit dem Retarder gebremst werden soll. Diese Bremse wirkt nur auf die Antriebsräder und somit auf die Achse des Nachläufers, wodurch das Fahrzeug ins Schleudern geraten kann.’
Im Zusatzgutachten vom 7. Dezember 2009 beantwortete der Experte die Frage, ob der Unfall hätte verhindert werden können, wenn der verunfallte Bus mit Schneeketten ausgerüstet gewesen wäre, wie folgt: ‚Aufgrund der Aussagen, des Reifenzustandes und des Knickwinkels des Gespannes erscheint es aus technischer Sicht zumindest plausibel, dass der
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Nachläufer des Neoplans bei montierten Schneeketten nicht oder zumindest in deutlich geringerem Masse ausgebrochen wäre und wahrscheinlich auch vor dem Kollisionspunkt hätte stabilisiert werden können.’“
C. An der Hauptverhandlung vor dem Bezirksgerichtsausschuss Maloja am 14. und 15. September 2010 nahmen X. und sein Verteidiger, Rechtsanwalt lic. iur. O., sowie der Vertreter der Anklage, Untersuchungsrichter lic. iur. Carlo Monigatti, teil. Ferner war der Busschauffeur B. als weiterer Angeklagter anwesend, ebenso dessen Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. iur. P.. Der Anklagevertreter stellte und begründete folgende Anträge:
„1. B. und X. seien im Sinne der Anklageschrift schuldig zu sprechen.
2. Dafür sei B. zu verurteilen: - Zu einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je CHF 110.--.
Der Vollzug der Geldstrafe sei aufzuschieben unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren.
- Zur Bezahlung einer Busse von CHF 800.--, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 7 Tagen.
X. sei zu verurteilen: - Zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu je CHF 100.--.
Der Vollzug der Geldstrafe sei aufzuschieben unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren.
- Zur Bezahlung einer Busse von CHF 700.--, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 7 Tagen.
3. Kostenfolge sei die gesetzliche.“
Der Verteidiger stellte in seinem mündlichen Plädoyer den Antrag, X. vollumfänglich freizusprechen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
D. Mit Urteil vom 14./15. September 2010, mitgeteilt am 5. Januar 2011, erkannte der Bezirksgerichtsausschuss Maloja wie folgt:
„1. X. ist schuldig der mehrfachen fahrlässigen Tötung gemäss Art. 117 StGB sowie des Führenlassens eines nicht betriebssicheren Fahrzeuges gemäss Art. 29 SVG in Verbindung mit Art. 93 Ziff. 2 Abs. 2 SVG.
2. Dafür wird er zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je CHF 100.- sowie zur Bezahlung einer Busse von CHF 300.-, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 3 Tagen, verurteilt.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird bedingt aufgeschoben; die Probezeit beträgt 2 Jahre.
4. Die Kosten des Verfahrens, bestehend aus:
- einer Untersuchungsgebühr der Staatsanwaltschaft CHF 1'961.65 - Barauslagen der Staatsanwaltschaft CHF 7'323.85
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- den Kosten gemäss Art. 358 StGB CHF 46.55 - der Busse CHF 300.00 - der Gerichtsgebühr CHF 1'500.00
Total CHF 11'132.05
gehen zu Lasten von X.. Die Gesamtkosten, zuzüglich der Busse von CHF 300.-, belaufen sich auf 11'132.05.

## Considerations