# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 9b533eb0-11df-57e8-a29f-d9e87b691cdd
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdeführerin 1 reichte am 7. Januar 2009 bei der Gemeinde Lyss ein
Baugesuch ein für die Umnutzung eines Lagergebäudes an der D._strasse1 in
Lyss (Parzelle Lyss Grundbuchblatt Nr. E._) in Büros. Am 5. März 2009 zog sie ihr
Baugesuch zurück. Mit Gesamtentscheid vom 25. Mai 2009 erteilte die Gemeinde Lyss die
Baubewilligung unter verschiedenen Auflagen und Bedingungen. Nachdem die
Beschwerdeführerin 1 am Rückzug des Baugesuchs festhielt, hob die Gemeinde Lyss mit
Verfügung vom 13. November 2009 die Baubewilligung auf und schrieb das Verfahren von
ihrem Geschäftsverzeichnis ab. Gleichzeitig eröffnete sie ein baupolizeiliches Verfahren
gegen die Beschwerdeführerinnen betreffend die Nutzung des Lagergebäudes als
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Bürogebäude. Am 1. September 2010 überwies sie die Akten dem
Regierungsstatthalteramt Seeland zum Entscheid über die Baubewilligungspflicht der
Büronutzung. Das Regierungsstatthalteramt stellte mit Verfügung vom 17. Mai 2011 fest,
dass die Umnutzung des Lagerhauses in ein Bürogebäude bewilligungspflichtig sei. Auf
Beschwerde hin bestätigte die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern
(BVE) diesen Entscheid.
Mit Wiederherstellungsverfügung vom 28. Dezember 2012 ordnete die Gemeinde u.a. an,
dass das Untergeschoss, das Erdgeschoss und das 1. Obergeschoss des Lagergebäudes
nicht zu Dienstleistungszwecken genutzt werden dürfen. Nötigenfalls werde dieses
Zweckentfremdungsverbot ersatzvornahmeweise durch Abschaltung der Wasserzufuhr
durchgesetzt. Für den südlichen Vorplatz verbot sie ab 1. März 2013 die Zu- und Wegfahrt
und die Parkierung. Für den Fall der Missachtung drohte sie die Ersatzvornahme durch
Anbringen eines Hindernisses sowie einer entsprechenden Markierung an. Für den
nördlichen Vorplatz verbot sie die Parkierung für nicht bewilligte Nutzungen mit Ausnahme
der Mieterin des 2. und 3. Obergeschosses und des Dachgeschosses. In der
Wiederherstellungsverfügung wurde auch auf die Möglichkeit eines nachträglichen
Baugesuchs hingewiesen.
Dagegen reichten die Beschwerdeführerinnen erneut Beschwerde ein. Die BVE wies diese
ab, wobei sie die Anordnung betreffend den Vorplatz im Süden des Gebäudes
D._strasse 1 so anpasste, dass dieser Vorplatz ab 1. März 2013 nur noch für Zu-
und Wegfahrten im Rahmen der bewilligten Nutzungen des Hauptgebäudes genutzt
werden darf und das Parkieren von Fahrzeugen untersagt ist. Zulässig blieb damit die
Anlieferung zu Lagerräumen.1 Das Verwaltungsgericht bestätigte auf Beschwerde hin
diesen Entscheid,2 ebenso das Bundesgericht, soweit es auf die dagegen erhobene
Beschwerde eintrat.3
Die Gemeinde führte in der Folge Baukontrollen durch. Mit Verfügung vom 9. November
2017 teilte sie mit, dass sie am Montag, 5. Februar 2018, die Markierungen von
Parkfeldern sowie den Text "reserviert" entfernen lassen und eine Markierung "Parkieren
verboten" anbringen werde. Zudem werde sie am Montag, 5. März 2018, auf der Südseite
1 Entscheid der BVE (RA Nr. 120/2013/3) vom 18. September 2014 2 VGE 2014/293 vom 6. Juli 2015 3 BGer 1C_460/2015 vom 6. Mai 2016
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einen Radabweiser erstellen lassen. Die voraussichtlichen Kosten zu Lasten der
Beschwerdeführerin 2 bezifferte sie auf Fr. 5'000.–. Die Beschwerdeführerinnen 1 und 2
hätten für die Zugänglichkeit des Grundstücks für diese Massnahmen zu sorgen. Es stehe
ihnen frei, bis 29. Januar 2018 selber die Markierungen von Parkfeldern sowie den Text
"reserviert" zu entfernen und eine Markierung "Parkieren verboten, Anlieferung gestattet"
vorzunehmen und bis spätestens 26. Februar 2018 den von der Gemeinde projektierten
Radabweiser unter Aufsicht der Gemeinde zu erstellen (angefochtene Verfügung, Ziff.
III./1.).
Im Weiteren forderte die Gemeinde in der Verfügung vom 9. November 2017 die
Beschwerdeführerinnen 1 und 2 auf, die Mietverträge mit dem F._studio sowie mit
G._, Praxis für Ergotherapie und Coaching, spätestens per 30. Juni 2018 zu
kündigen. Eine Kopie der Kündigungen sei der Baupolizeibehörde zuzustellen. Diese
Anordnung gelte auch für allfällige weitere, der Verfügung vom 28. Dezember 2012
zuwiderlaufende, Mietverträge. Die Gemeinde kündigte sodann an, dass die
Baupolizeibehörde am 1. Juli 2018 die Wasserzufuhr zu den Räumen im Erdgeschoss, im
ersten Obergeschoss sowie in den nicht rechtmässig vermieteten Räumen im
Kellergeschoss auf Kosten der Beschwerdeführerin 2 ohne weitere Verfügung demontieren
und die Leitungen versiegeln lassen werde. Sie verpflichtete die Beschwerdeführerinnen,
dafür zu sorgen, dass das Grundstück für diese Massnahmen zugänglich sein werde. Die
Mieter wurden zur Duldung verpflichtet, soweit sie die gemieteten Räume im Zeitpunkt der
Massnahmen noch zu Dienstleistungszwecken nutzten (angefochtene Verfügung, Ziff.
III./2.).
2. Gegen die Verfügung vom 9. November 2017 reichten die Beschwerdeführerinnen
am 14. Dezember 2017 Beschwerde bei der BVE ein. Sie beantragen deren Aufhebung
sowie die Feststellung, dass auf der Parzelle Lyss Grundbuchblatt Nr. E._ keine
Wiederherstellungsmassnahmen vollzogen werden können.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet4, holte die
Vorakten ein und führte den Schriftenwechsel durch. Die Gemeinde Lyss beantragt mit
4 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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Stellungnahme vom 17. Januar 2018 die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf
eingetreten werden könne.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintreten
a) Gemäss Art. 49 Abs. 1 BauG5 können baupolizeiliche Verfügungen nach Art. 45 bis
48 BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden.
Zu den anfechtbaren Verfügungen gehören auch Ersatzvornahmeverfügungen nach Art. 47
BauG einschliesslich der damit zusammenhängenden Kostenverfügungen, soweit sie über
die zugrunde liegende Sachverfügung hinaus Anordnungen über die Zwangsvollstreckung
enthalten, namentlich über Modalitäten der Ersatzvornahme.6 Für andere
vollstreckungsrechtliche Anordnungen bestimmt Art. 116 Abs. 3 VRPG7, dass diese dem
gleichen Rechtsmittel unterliegen wie die ihnen zugrunde liegende Sachverfügung. Bei
dieser Sachverfügung handelt es sich hier um eine Wiederherstellungsverfügung gemäss
Art. 46 BauG. Die BVE ist demnach zur Beurteilung der Beschwerde zuständig. Die
Beschwerdeführerinnen sind als Adressatinnen der angefochtenen Verfügung durch diese
beschwert und daher zur Beschwerde legitimiert.
b) Die angefochtene Verfügung datiert vom 9. November 2017. Gemäss
Eröffnungsformel (angefochtene Verfügung, Ziff. III/2./6.) wurde sie den
Beschwerdeführerinnen "per Adresse ihrer Vertreter" eröffnet. In der Beschwerde wird
jedoch ausgeführt, die Verfügung sei an die Beschwerdeführerinnen 1 und 2 selbst, jedoch
mit jeweils falschen Adressen versandt worden. Erst am 14. November 2017 sei ihnen die
Verfügung korrekt eröffnet worden. Die Gemeinde widerspricht dieser Darstellung in ihrer
Stellungnahme nicht. Den Akten lässt sich entnehmen, dass die Beschwerdeführerinnen
der Gemeinde im August 2016 einen Domizilwechsel gemeldet haben;8 in jenem Zeitpunkt
5 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 6 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 49 N. 18, Art. 60 N. 5, Art. 116 N. 11 f.; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 47 N. 4, Art. 49 N. 4 7 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 8 Vorakten, pag. 44
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hatten beide Beschwerdeführerinnen ihren Sitz an der H._strasse 10, in
I._.9 Im Februar 2017 wechselte die Beschwerdeführerin 1 an ein neues Domizil
an der J._strasse, in I._. Im Rubrum der angefochtenen Verfügung wird
für beide Beschwerdeführerinnen die alte Adresse angeführt. Gemäss den Akten wurde die
angefochtene Verfügung jedenfalls der Beschwerdeführerin 1 mit Sendung vom 13.
November 2017 erneut zugestellt mit dem Vermerk: "Die erste Zustellung wurde
retourniert, da die Nachsendefrist abgelaufen ist".10 Aufgrund der Akten und der
Ausführungen der Beteiligten ist davon auszugehen, dass die angefochtene Verfügung den
Beschwerdeführerinnen mit Sendung vom 13. November 2017 eröffnet wurde. Die
dreissigtägige Beschwerdefrist lief demnach am 14. Dezember 2017 ab. Die an diesem
Datum eingereichte Beschwerde erfolgte fristgerecht.
c) Auf die Beschwerde ist demnach grundsätzlich einzutreten. Allerdings können gegen
Vollstreckungsverfügungen nur Beschwerdegründe geltend gemacht werden, die nicht von
der Rechtskraftwirkung der zugrunde liegenden Sachverfügung umfasst werden. Zu den
zulässigen Gründen zählen das Fehlen einer vollstreckbaren Sachverfügung, die
Nichtigkeit der Sachverfügung, die Unzuständigkeit der verfügenden Behörde, die
Rechtswidrigkeit oder Unangemessenheit der Vollstreckungsmodalitäten (soweit diese
nicht bereits in der Sachverfügung festgelegt wurden) sowie die Rechtswidrigkeit oder
Unangemessenheit der Kostenauferlegung für die Vollstreckungsverfügung.11
Materiellrechtliche Einwendungen gegen die Sachverfügung können demnach nicht
vorgebracht werden, es sei denn, diese hätten die Nichtigkeit der Sachverfügung zur
Folge.
2. Rechtskräftige Sachverfügung
a) Bei der angefochtenen Verfügung handelt es sich um eine Vollstreckungsverfügung
(Art. 116 VRPG). Als solche dient sie der Durchsetzung der ihr zugrunde liegenden
Sachverfügung. Die Vollstreckung setzt voraus, dass die mit ihr durchgesetzte
Sachverfügung (bzw. der entsprechende Beschwerdeentscheid oder das Urteil)
9 Beschwerdebeilagen 4 und 5 10 Vorakten, pag. 1 11 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 47 N. 4; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 116 N. 7 f., N. 11 ff.
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rechtskräftig ist. Dies ist der Fall, wenn sie keinem ordentlichen Rechtsmittel mehr
unterliegt (Art. 114 VRPG).
b) Vollstreckt wird hier die Wiederherstellungsverfügung der Gemeinde Lyss vom
28. Dezember 2012. Diese wurde von der BVE unter Korrektur der Anordnung betreffend
den Vorplatz im Süden des Gebäudes bestätigt. In der Folge bestätigten das
Verwaltungsgericht und das Bundesgericht die Wiederherstellungsverfügung mit der von
der BVE vorgenommenen Korrektur. Der Entscheid des Bundesgerichts vom 6. Mai 2016
ist mit keinem ordentlichen Rechtsmittel mehr anfechtbar. Mit diesem wurde die bestätigte
Wiederherstellungsverfügung rechtskräftig.
Damit sind u.a. folgende Anordnungen in Rechtskraft erwachsen: "2. Das Untergeschoss, das Erdgeschoss und das 1. Obergeschoss dürfen nicht zu
Dienstleistungszwecken genutzt werden (Zweckentfremdungsverbot: ausschliesslich
Gewerbe-/Lagernutzung zulässig. Nötigenfalls wird die Baupolizeibehörde dieses
Zweckentfremdungsverbot durch die Abschaltung der Wasserzufuhr ersatzvornahmeweise
durchsetzen.
3. Der Vorplatz im Süden des Gebäudes D._strasse 1 darf innert zweier Monate ab
Eröffnung der vorliegenden Verfügung, das heisst ab 01. März 2013, nur noch für Zu- und
Wegfahrten im Rahmen der bewilligten Nutzungen des Hauptgebäudes genutzt werden. Das
Parkieren von Fahrzeugen ist untersagt (Zweckentfremdungs- und Benützungsverbot:
Abstellen von Fahrzeugen verboten). Wird der Vorplatz nach Ablauf dieser Frist weiterhin als
[unzulässige] Zu- und Wegfahrt benutzt, wird die Baupolizeibehörde das Zweckentfremdungs-
und Benützungsverbot durch das Anbringen eines Stellstreifens, Natursteinquadern oder
ähnlichem sowie einer entsprechenden Markierung auf Kosten der Verfügungsadressatin 1
(Grundeigentümerin) ersatzvornahmeweise durchsetzen."
c) Die Beschwerdeführerinnen behaupten, dass die Wiederherstellungsverfügung
teilweise nichtig sei. Sie begründen dies zunächst mit der Behauptung, dass aufgrund
eines neu ins Recht gelegten Expropriationsvertrags aus dem Jahr 1955 ein
unbeschränktes Zugangsrecht auf der Nord- und der Südseite der Parzelle bestehe. Daher
sei die Wiederherstellungsverfügung nichtig, soweit sie die Parkierung und die Zu- und
Wegfahrt auf dem südlichen und dem nördlichen Vorplatz beschränke.
Die Nichtigkeit einer Verfügung ist jederzeit und von sämtlichen staatlichen Instanzen von
Amtes wegen zu beachten. Nichtigkeit wird indessen nur angenommen, wenn der Mangel
der Verfügung besonders schwer ist, wenn er offensichtlich oder zumindest leicht
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erkennbar ist und wenn die Rechtssicherheit durch die Annahme der Nichtigkeit nicht
ernsthaft gefährdet wird. Nichtigkeitsgründe sind hauptsächlich schwerwiegende
Verfahrensfehler und die Unzuständigkeit der verfügenden Behörde. Inhaltliche Mängel
haben dagegen nur in seltenen Ausnahmefällen die Nichtigkeit einer Verfügung zur
Folge.12
Das blosse Beibringen eines neuen Beweismittels stellt keinen Nichtigkeitsgrund dar. Dies
gälte hier selbst, wenn das neue Beweismittel Zweifel an der inhaltlichen Richtigkeit des
Sachentscheids aufkommen liesse. Inhaltliche Mängel führen nur ganz ausnahmsweise, in
besonders schweren Fällen, zur Nichtigkeit eines Entscheids. Nichtigkeit wird
angenommen, wenn ein Mangel den Entscheid geradezu wirkungslos, unsinnig oder
unsittlich werden lässt.13 Dies träfe hier selbst dann nicht zu, wenn aus dem
Expropriationsvertrag die von den Beschwerdeführerinnen behaupteten Rechte abzuleiten
wären. Aus dem neuen Beweismittel lässt sich demnach nicht auf Nichtigkeit der
rechtskräftigen Wiederherstellungsverfügung schliessen. Die von den
Beschwerdeinstanzen mit der erwähnten Modifikation bestätigte
Wiederherstellungsverfügung vom 28. Dezember 2012 stellt einen vollstreckbaren
Sachentscheid dar.
d) Die Beschwerdeführerinnen führen zudem an, dass das Untergeschoss ab 1. März
2018 für eine bewilligte Nutzung, nämlich als Lagerraum, vermietet sei. Die
Wiederherstellungsverfügung vom 28. Dezember 2012 verbietet die Nutzung des
Untergeschosses zu Dienstleistungszwecken. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern die geltend
gemachte künftige Nutzung als Lagerraum auf die Mangelhaftigkeit, geschweige denn
Nichtigkeit dieser Anordnung schliessen liesse.
3. Markierung und Radabweiser auf dem südlichen Vorplatz
a) Die Beschwerde wendet sich zunächst gegen die Anordnungen betreffend
Beseitigung der Parkplatzmarkierungen und des Textes "reserviert", die Anbringung einer
Markierung "Parkieren verboten" und die Erstellung eines Radabweisers auf der Südseite
(angefochtene Verfügung, Ziff. III./1.). Diese Anordnungen beziehen sich, wie sich den
12 BGE 138 II 501 E. 3.1; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 49 N. 55 ff. 13 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 49 N. 55 ff., insbesondere N. 60
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Erwägungen in der angefochtenen Verfügung entnehmen lässt, auf den Vorplatz südlich
des Gebäudes.
b) Im Rechtsmittelverfahren gegen Vollstreckungsverfügungen sind die Rügegründe
eingeschränkt. Streitgegenstand bilden einzig Fragen betreffend das "Wann" und das "Wie"
des Vollzugs. Materiellrechtliche Einwendungen zur Sachverfügung bzw. zum
Sachentscheid können, wie bereits erwähnt, nicht mehr aufgeworfen werden. Es kann
einzig die Rechtswidrigkeit oder Unangemessenheit der Vollzugsmodalitäten gerügt
werden. So kann vorgebracht werden, die Vollstreckungsverfügung gehe über die zu
vollstreckende Anordnung hinaus oder missachte eine in der Sachverfügung enthaltene
Vollstreckungsanordnung, oder der Zeitpunkt der Vollstreckung oder die Wahl des
Zwangsmittels seien unverhältnismässig.14 Die Verhältnismässigkeit der
Vollstreckungsanordnung setzt voraus, dass diese zur Erreichung des angestrebten Ziels
geeignet und erforderlich ist und dem Belasteten zugemutet werden kann.
c) Demnach ist nicht auf das Vorbringen einzutreten, dass keine verkehrsgefährdenden
Zustände vorlägen. Es handelt sich dabei um eine materiellrechtliche Einwendung zur
Sachverfügung. Ob die Voraussetzungen einer Wiederherstellungsverfügung vorliegen,
wurde bereits rechtskräftig beurteilt. Die in der Wiederherstellungsverfügung getroffenen
Anordnungen sind vollstreckbar.
d) Die Beschwerdeführerinnen halten die Anordnungen betreffend den südlichen
Vorplatz für rechtswidrig bzw. nichtig, weil diese die rechtmässige Nutzung (Anlieferung für
Lagerzwecke) verhinderten. Zu- und Wegfahrten für die bewilligte Nutzung
(Gewerbe/Lager), namentlich Anlieferungen, bleiben jedoch auch im Falle der Entfernung
von Parkplatzmarkierungen und des Textes "reserviert" sowie bei Anbringen der
Markierung "Parkieren verboten" möglich. Die Konstruktionsweise des Radabweisers wird
im Anhang zur angefochtenen Verfügung15 dargestellt. Zur Strasse hin bleibt eine 7 Meter
breite Einfahrt offen. Die Platzverhältnisse nach Anbringen des Radabweisers erlauben
das Manövrieren mit einem Kleintransporter bis 3.5 t in der Weise, dass unter
Berücksichtigung der entsprechenden Schleppkurven sowohl die Ein- als auch die Ausfahrt
in Vorwärtsrichtung möglich sind. Damit sind Zu- und Wegfahrt für bewilligte Nutzungen
14 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 116 N. 12 f. 15 Vorakten, pag. 5 Rückseite
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(namentlich Anlieferungen für Lagerzwecke) weiterhin möglich; die Platzverhältnisse
lassen eine Anlieferung mit grösseren Fahrzeugen ohnehin nicht zu.
e) Die Beschwerdeführerinnen bestreiten, dass auf dem südlichen Vorplatz weiterhin
parkiert wird. Nach den Vorakten16 hat die Gemeinde nach Rechtskraft der Sachverfügung
anlässlich von mehreren Baukontrollen festgestellt, dass die auf eine Parkiermöglichkeit
hinweisenden Markierungen auf dem südlichen Vorplatz noch vorhanden sind und dieser
auch noch zum Parkieren genutzt wurde. Damit sind die Voraussetzungen der in der
Sachverfügung angedrohten Ersatzvornahme erfüllt. Die streitigen
Vollstreckungsmassnahmen (Entfernen von Markierungen, die auf eine Parkiermöglichkeit
hinweisen, Anbringen einer Markierung "Parkieren verboten" sowie Erstellung des
Radabweisers) bewegen sich im Rahmen der in der Sachverfügung angedrohten
Ersatzvornahme.
f) Diese Massnahmen sind zur Umsetzung der Sachverfügung geeignet. Der Gemeinde
kann nicht zugemutet werden, die Einhaltung des Parkierverbots dauerhaft zu überwachen;
die Änderung der Markierung und das Anbringen eines Hindernisses sind daher
erforderlich und entsprechend auch in der Sachverfügung als Ersatzvornahmemassnahme
vorgesehen. Die streitigen Vollstreckungsmassnahmen sind den Belasteten auch
zumutbar. Die Beschwerdeführerinnen müssen diesbezüglich keine Dispositionen treffen.
Auch gegen die gesetzten Termine lässt sich daher nichts einwenden. Da die Gemeinde
gemäss ihrer Stellungnahme vom 17. Januar 2018 die Vollstreckung bezüglich des
südlichen Vorplatzes vorläufig ausgesetzt hat, sind dafür neue Termine anzusetzen und
den Beschwerdeführerinnen mitzuteilen. Aus organisatorischen Gründen wird dies der mit
der Vollstreckung betrauten Gemeinde überlassen.
4. Nutzung des Erdgeschosses und des 1. Obergeschosses
a) Die Gemeinde hat die Beschwerdeführerinnen verpflichtet, die Mietverträge mit dem
F._studio sowie mit G._, Praxis für Ergotherapie und Coaching,
spätestens per 30. Juni 2018 zu kündigen (angefochtene Verfügung, Ziff. III./2./1.). Zudem
hat sie angekündigt, dass am 1. Juli 2018 die Wasserzufuhr zu den Räumen im
16 Pag. 27 ff.
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Erdgeschoss und im 1. Obergeschoss unterbunden wird (angefochtene Verfügung,
Ziff. III./2./2.). Die Beschwerdeführerinnen bestätigen die Kündbarkeit der entsprechenden
Mietverträge innert der angesetzten Frist. Unter Hinweis auf die Erstreckbarkeit von
Mietverhältnissen verlangen sie jedoch, dass vor dem tatsächlichen Ende der
Mietverhältnisse keine Vollstreckungsmassnahmen erfolgen sollen.
b) Die tatsächliche Beendigung der Mietverhältnisse ist jedoch nicht Voraussetzung der
Vollstreckung. Diese kann auch bei fortbestehenden Mietverhältnissen erfolgen, ohne dass
der Rahmen der zugrunde liegenden Sachverfügung gesprengt würde. Dass die
Beschwerdeführerinnen dadurch allenfalls in der Erfüllung ihrer Pflichten aus dem
Mietvertrag säumig werden, stellt keinen Hinderungsgrund dar, sondern betrifft nur das
zivilrechtliche Verhältnis zwischen Vermieterschaft und Mietern. Allfällige Rechtsfolgen
zulasten der Beschwerdeführerinnen aus der Vermietung der Räumlichkeiten für
unbewilligte Zwecke hätten diese dem eigenen Fehlverhalten zuzuschreiben. Der
Verhältnismässigkeitsgrundsatz bleibt gewahrt, zumal die Beschwerdeführerinnen nicht
behaupten, seit Rechtskraft der Wiederherstellungsverfügung Bemühungen zur
Beendigung der fraglichen Mietverhältnisse unternommen zu haben. Die beiden Mieter
haben als Adressaten der angefochtenen Verfügung seit deren Eröffnung Kenntnis davon,
dass die Nutzung des Erdgeschosses und des 1. Obergeschosses für
Dienstleistungszwecke rechtskräftig verboten worden ist und mittels Abstellen der
Wasserzufuhr am 1. Juli 2018 durchgesetzt werden soll. Damit blieb den Mietern eine der
regulären Kündigungsdauer für Mietverträge betreffend Geschäftsräumlichkeiten (Art. 266d
OR17) entsprechende Zeitdauer, um die nötigen Dispositionen zu treffen. Auch für die
Mieter stellt demnach die streitige Anordnung keine unzumutbare Belastung dar. Für eine
Neuregelung der Frist im Beschwerdeentscheid besteht daher kein Anlass.
5. Nutzung des Untergeschosses
a) Die Gemeinde hat angekündigt, dass am 1. Juli 2018 auch in den nicht rechtmässig
vermieteten Räumlichkeiten im Kellergeschoss die Wasserzufuhr unterbunden wird
(angefochtene Verfügung, Ziff. III./2./2). Die Beschwerdeführerinnen machen geltend, dass
17 Bundesgesetz vom 30. März 1911 betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht, OR; SR 220)
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das Untergeschoss ab 1. März 2018 für eine zulässige Lagernutzung vermietet werden
soll.
b) Es steht den Beschwerdeführerinnen frei, der Gemeinde rechtzeitig vor dem 1. Juli
2018 eine rechtmässige Nutzung des Untergeschosses (namentlich durch Einreichung
eines entsprechenden Mietvertrages und Zugänglichmachen der Kellerräumlichkeiten für
eine Baukontrolle) nachzuweisen. Da die fragliche Ankündigung der Ersatzvornahme auf
die nicht rechtmässig vermieteten Kellerräumlichkeiten beschränkt ist, besteht kein Anlass
für deren Aufhebung oder Anpassung.
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6. Andere Anordnungen
a) Die Beschwerdeführerinnen vertreten die Ansicht, die Anordnung gemäss Ziff. 4 der
Wiederherstellungsverfügung vom 28. Dezember 2012 betreffend die Nutzung des
nördlichen Vorplatzes dürfe nicht vollzogen werden, weil nicht nachgewiesen sei, dass dort
rechtswidrig parkiert werde.
b) Für den nördlichen Vorplatz werden in der angefochtenen Verfügung keine
Anordnungen getroffen. Die Anordnungen gemäss Ziff. III./1.-4. der angefochtenen
Verfügung beziehen sich gemäss den Erwägungen nur auf den südlichen Vorplatz. Die
Vollstreckbarkeit von Anordnungen betreffend den nördlichen Vorplatz ist nicht zu
überprüfen.
7. Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens
a) Die Beschwerdeführerinnen bemängeln, dass ihnen die Kosten des erstinstanzlichen
Verfahrens nicht anteilsmässig zugewiesen worden sind, und dass die Verlegung der
Kosten zwar in den Erwägungen behandelt, im Dispositiv der angefochtenen Verfügung
jedoch nicht geregelt wird.
b) Im Verwaltungsbeschwerdeverfahren kann der Streitgegenstand nicht über das
hinausgehen, was die Vorinstanz geregelt hat.18 Da die Gemeinde vorliegend die Kosten
des erstinstanzlichen Verfahrens nicht verbindlich verlegt hat, können diese nicht
Streitgegenstand im Beschwerdeverfahren bilden. Insbesondere ist es unter diesen
Umständen nicht möglich, dass die erstinstanzlichen Verfahrenskosten im
Beschwerdeentscheid verhängt werden.19 Die Gemeinde erklärt in ihrer Stellungnahme
vom 17. Januar 2018 ihre Absicht, die erstinstanzlichen Kosten wegen Uneinbringlichkeit
abzuschreiben.
8. Ergebnis und Kosten
18 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 72 N. 6 19 Vgl. Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 73 N. 2
RA Nr. 120/2017/68 13
a) Nach dem Gesagten erweisen sich die Rügen der Beschwerdeführerinnen als
unbegründet. Soweit die Beschwerdeführerinnen die Feststellung beantragen, dass auf der
Parzelle Nr. E._ keine Wiederherstellungsmassnahmen vollzogen können, könnte
sich ihr Rechtsbegehren auch auf weitere als die mit der angefochtenen Verfügung
angekündigten Vollstreckungsmassnahmen beziehen. Sie bringen dafür jedoch keine
Begründung vor und es sind auch keine Gründe für eine solche Feststellung ersichtlich.
Die Beschwerde ist demnach abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist, und die
angefochtene Verfügung ist zu bestätigen.
b) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführerinnen. Sie
haben die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf
eine Pauschalgebühr von Fr. 1'000.– (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV20).
Als Streitgenossinnen tragen die Beschwerdeführerinnen die ihnen gemeinsam auferlegten
Kosten unter Solidarhaft zu gleichen Teilen (Art. 106 VRPG). Damit wird die
Kostentragungsverpflichtung im Verhältnis zur einforderungsberechtigten Behörde
geregelt. Die interne Kostenverteilung unter den solidarisch Haftenden bildet nicht
Gegenstand der behördlichen Kostenverlegung. Vielmehr ist es Sache der
Solidarverpflichteten, untereinander zu regeln, wie sie die Kosten letztlich aufteilen
wollen.21
c) Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 Abs. 1 und 4 VRPG).