# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 55e20ea2-b280-4277-a752-25a852e04760
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2004
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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A. X. wurde am 22. Januar 1963 in A. geboren. Zusammen mit einer Schwester wuchs er bei seinen Eltern in B. auf, wo er die Primar- und die Sekundarschule besuchte. Nach dem Schulabschluss absolvierte er bei der Firma C. in R. eine Lehre zum Fahrzeugbauer, welche er nach vier Jahren erfolgreich abschloss. In der Folge wechselte er mehrfach Wohnort und Arbeitsstelle. Seit anfangs März 1995 ist X. in D. wohnhaft und hatte bis Ende Wintersaison 2001 verschiedene Stellen als Barman inne. Seit Mai 2001 führt er die Bar E. in D. Im Jahre 2002 erzielte der Berufungskläger ein steuerbares Einkommen von Fr. 17'800.-- (provisorische Veranlagung). Er besitzt kein Vermögen und hat nach eigenen Angaben Schulden in der Höhe von mindestens Fr. 30'000.--. X. ist ledig und hat keine Kinder.
Im schweizerischen Strafregister ist X. mit vier Eintragungen verzeichnet. Am 19. März 1986 verurteilte ihn die Kriminalkammer Thurgau wegen wiederholter, teils schwerer Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, wiederholter einfacher Verkehrsregelverletzung, Führens eines Motorfahrzeuges in nichtbetriebssicherem Zustand, pflichtwidrigen Verhaltens nach einem Unfall, teilweise begangen im Zustand verminderter Zurechnungsfähigkeit zu 18 Monaten Gefängnis. Diese Freiheitsstrafe wurde unter Anordnung einer dreijährigen Probezeit aufgeschoben. Am 8. März 1989 sprach in wiederum die Kriminalkammer Thurgau der wiederholten, teils schweren Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, begangen im Zustand leicht verminderter Zurechnungsfähigkeit und im Rückfall für schuldig und bestrafte ihn mit 14 Monaten Gefängnis. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wurde unter Anordnung einer vierjährigen Probezeit aufgeschoben. Gleichzeitig wurde der bedingte Strafvollzug gemäss Urteil vom 19. März 1986 widerrufen. Am 13. September 1991 wurde X. vom Landgericht Darmstadt wegen unerlaubten Erwerbs von Betäubungsmitteln zu einer einjährigen Freiheitsstrafe verurteilt, welche unter Anordnung einer dreijährigen Bewährungszeit aufgeschoben wurde. Am 21. November 1995 sprach ihn das Bezirksgericht Zürich der groben Verletzung von Verkehrsregeln, der Verletzung von Verkehrsregeln, des pflichtwidrigen Verhaltens, des Führens eines nicht betriebssicheren Fahrzeuges sowie der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes schuldig und bestrafte ihn mit zwei Monaten Gefängnis. Diese Freiheitsstrafe wurde zu Gunsten einer ambulanten Massnahme aufgeschoben. Aus dem Leumundsbericht der Kantonspolizei Graubünden vom 13. März 2003 (act. 2/5) geht über den Berufungskläger nichts Nachteiliges hervor.
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B. Mit Verfügung vom 9. September 2002 eröffnete die Staatsanwaltschaft Graubünden eine Strafuntersuchung gegen X. wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand gemäss Art. 91 Abs. 1 SVG, falscher Anschuldigung gemäss Art. 303 StGB, Irreführung der Rechtspflege gemäss Art. 304 StGB und Begünstigung gemäss Art. 305 StGB. Mit der Durchführung der Untersuchung wurde das Untersuchungsrichteramt Davos beauftragt. Nach Abschluss der Untersuchung versetzte die Staatsanwaltschaft Graubünden X. mit Verfügung vom 19. November 2003 wegen falscher Anschuldigung gemäss Art. 303 Ziff. 2 StGB, Anstiftung zur Irreführung der Rechtspflege gemäss Art. 304 Ziff. 1 Abs. 2 StGB in Verbindung mit Art. 24 Abs. 1 StGB, vorsätzlichen Fahrens in angetrunkenem Zustand gemäss Art. 91 Abs. 1 SVG, Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 37 Abs. 3 SVG und Art. 22 Abs. 2 VRV in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG sowie Widerhandlung gegen Art. 99 Ziff. 3 SVG in Anklagezustand. Diese zu Handen des Bezirksgerichtsausschusses Prättigau/Davos erhobene Anklage stützte sich auf folgenden Sachverhalt:
„In der Nacht vom 30. auf den 31. Juli 2002 arbeitete X. bis gegen 03.00 Uhr in der von ihm geführten Bar E. in D. und fuhr anschliessend mit seinem Personenwagen Daihatsu Feroza, Kennzeichen S., an sein Wohndomizil im F.-Tal, G.. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er eine unbekannte Menge alkoholischer Getränke konsumiert.
Zu Hause angekommen trank der Angeschuldigte bis gegen ca. 05.00 Uhr mehrere Gläser Wein. Weil seine Freundin, H., entgegen der Vereinbarung noch nicht bei ihm eingetroffen war und er sie per Handy nicht erreichen konnte, wollte er sich auf die Suche nach ihr machen. Gegen 06.00 Uhr setzte er sich daher wieder in das erwähnte Auto und fuhr damit auf der F.- Strasse bis zur Örtlichkeit I., wo ein Ambulanzfahrzeug die Strasse blockierte. Das Fahrzeug von H. befand sich auf der Seite liegend im angrenzenden Wiesland. Der Angeklagte hielt folglich den von ihm gelenkten Personenwagen ein bis drei Meter vor dem Rettungsfahrzeug an und stieg aus dem Wagen. Unmittelbar danach setzte sich sein ungenügend gesichertes Fahrzeug auf der 2-3% abfallenden Strasse in Bewegung. Obwohl X. noch versuchte, den Wagen an der A-Säule bzw. der Windschutzscheibe zurückzuhalten, prallte das Gefährt schliesslich gegen das Ambulanzfahrzeug. Nachdem der Angeklagte die Kollisionsstelle begutachtet hatte, begab er sich zu der verletzten H. und riss ihr das Pulsoxidmeter vom Finger.
Im weiteren Verlauf führte die Polizei auf der Unfallstelle beim alkoholisiert wirkenden X. einen Alcotest durch, welcher positiv ausfiel. Der Angeklagte wurde in der Folge vom zuständigen Polizeifunktionär darauf aufmerksam gemacht, dass er in diesem Zustand kein Fahrzeug mehr lenken dürfe. Den Führerausweis konnte X. nicht vorweisen, weil er ihn zu Hause gelassen hatte.
Einige Zeit später wurde die nicht schwer verletzte H. ins Ambulanzfahrzeug gebracht. Gleichzeitig setzte sich der Angeklagte ans Steuer seines Personenwagens und fuhr damit ein kurzes Stück rückwärts. Schliesslich
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konnte er von einem Polizisten an der Weiterfahrt gehindert werden, indem dieser den Fahrzeugschlüssel durch die offene Fahrertüre ergreifen und den Wagen abstellen konnte.
Schliesslich wurde X. von der Kantonspolizei ins Spital D. gebracht, wo ihm um 07.00 Uhr eine Blutprobe entnommen wurde. Kurze Zeit später machte der Angeklagte erstmals geltend, dass seine Mutter, J., und nicht er das Fahrzeug zur Unfallstelle gelenkt habe. Diese Aussage wiederholte er anlässlich mehrerer polizeilicher und untersuchungsrichterlicher Befragungen. In der Folge konnte der Angeklagte auch J. dazu bringen, bei den Befragungen seine Darstellungen zu bestätigen und dort tatsachenwidrig zu erklären, das Fahrzeug zur Unfallstelle gefahren zu haben.
Die Auswertung der erwähnten Blutprobe von X. ergab für den Zeitpunkt der Blutentnahme eine minimale Blutalkoholkonzentration von 1.96 Gewichtspromille. Zwischen der Unfallfahrt und der Blutentnahme konsumierte der Angeklagte keine alkoholischen Getränke.“
C. Mit Eingabe vom 30. April 2003 liess der Berufungskläger beim Untersuchungsrichteramt Davos mehrere Beweisergänzungsanträge stellen. Mit Verfügung vom 6. Mai 2003 gab der Untersuchungsrichter diesen Anträgen nur teilweise statt. In der Folge gelangte der Berufungskläger mit Beschwerde an die Staatsanwaltschaft Graubünden. Mit Verfügung vom 23. Juni 2003 wies die Staatsanwaltschaft die Beschwerde des Berufungsklägers ab, ohne ihn dabei mit Kosten zu belasten. Mit Eingabe vom 15. Juli 2003 liess X. Beschwerde bei der Beschwerdekammer des Kantonsgerichts von Graubünden erheben. Dabei stellte er die folgenden Anträge:
„1. Die Verfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 23. Juni 2003 sei aufzuheben.
2. Ziff. 4 und 5 der Verfügung des Untersuchungsrichteramtes Davos vom 6. Mai 2003 seien aufzuheben.
3. Der Untersuchungsrichter Davos sei anzuweisen, folgende Beweise gemäss Ziff. 5 und 6 des Schreibens vom 30. April 2003 zu erheben, namentlich:
3.1 der vom Polizeibeamten K. geltend gemachte Sachverhalt (act. 4.2.4, S. 6), wonach er das Fahrzeug des Beschwerdeführers am Unfallort etwas zurückgestossen und gesichert habe, sei im Beisein des Angeschuldigten am Unfallort nachzustellen und zu protokollieren.
3.2 der vom Polizeibeamten K. geltend gemachte Sachverhalt (act. 4.2.4, S. 2), wonach er im Moment, als der Beschwerdeführer auf dem Fahrersitz sass und dabei war, die Türe zu schliessen, gleichzeitig den Motor startete und rückwärts zu fahren begann, die Türe abfangen und wieder öffnen konnte, sei im Beisein des Angeschuldigten nachzustellen und durch die Kantonspolizei Graubünden Fotos in Richtung des auf dem genannten Strassenabschnitt stehenden Daihatsu Feroza mit offener Fahrertüre erstellen zu lassen.
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4. Gesetzliche Kosten- und Entschädigungsfolge.“
Mit Entscheid vom 18. August 2003, mitgeteilt am 3. September 2003 wies die Beschwerdekammer des Kantonsgerichts von Graubünden die Beschwerde kostenfällig zu Lasten des Beschwerdeführers ab. Zur Begründung führte sie unter anderem aus, der Untersuchungsrichter habe keine Rekonstruktion vornehmen müssen, da die Frage, wie sich die Ereignisse betreffend das Rückwärtsstossen des Wagens des Beschwerdeführers zugetragen hätten, für den Nachweis von dessen Unschuld offensichtlich unwesentlich und unbrauchbar in Bezug auf den abzuklärenden Tatbestand des Fahrens in angetrunkenem Zustand sei. Über die Frage, wem in Anbetracht der Zeugenaussagen Glauben geschenkt werden solle, entscheide sodann nicht die Untersuchungsbehörde, sondern der zuständige Sachrichter im Rahmen der Beweiswürdigung. Die vom Beschwerdeführer angefertigte Skizze mit Angaben über Strassen- und Fahrzeugbreite, welche belegen solle, dass bei halbgeöffneter Fahrertüre keine Person mehr am vom Fahrer aus gesehen linken Strassenrand seitlich von vorne her Richtung Insassenkabine am Wagen habe vorbeikommen können, um von der Einstiegsöffnung aus die Türe abzufangen, sei nicht geeignet, die Aussage des Polizeibeamten K. als Zeuge derart in Zweifel zu ziehen, dass aufgrund einer mangels Nachstellung dieses Teilsachverhaltes ungenügend weit geführten Untersuchung die Erhebung einer Anklage nicht gerechtfertigt wäre. Die genaue Lage des Fahrzeuges des Beschwerdeführers zum Zeitpunkt der damaligen Ereignisse auf der Strasse, insbesondere der Abstand vom linken Seitenrand sei nicht bekannt. Zudem grenze die Strasse an einen - wenn auch leicht abfallenden - Grasstreifen, der gegebenenfalls einen weiteren Bewegungsspielraum zulassen würde. Somit liesse sich eine genaue Rekonstruktion der damaligen Sachlage mangels der hierfür erforderlichen feststehenden Tatsachen nicht vornehmen. Zudem sei aufgrund der Angaben des Beschwerdeführers nicht ersichtlich, weshalb es nicht möglich gewesen sein soll, dass sich die Ereignisse tatsächlich so zugetragen hätten, wie sie der Polizeibeamte K. geschildert habe. Allerdings brauche diese Frage im Rahmen des Beschwerdeverfahrens nicht abschliessend beurteilt zu werden, da es auch diesbezüglich um die Glaubhaftigkeit einer Zeugenaussage und damit um die dem Sachrichter allein vorbehaltene Beweiswürdigung gehe. Dem zuständigen Sachrichter bleibe es unbenommen, im Zweifelsfalle in diesem Punkt eine Nachstellung anzuordnen.
D. Am 26. Februar 2004 fand vor dem Bezirksgerichtsgerichtsausschuss Prättigau/Davos die mündliche Hauptverhandlung statt. Der Berufungskläger war
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im Beisein seines privaten Verteidigers anwesend. Mit Urteil vom 26. Februar 2004, schriftlich mitgeteilt am 26. März 2004, erkannte der Bezirksgerichtsausschuss Prättigau/Davos wie folgt:
„1. X. ist schuldig der falschen Anschuldigung gemäss Art. 303 Ziff. 2 StGB, der Anstiftung zur Irreführung der Rechtspflege gemäss Art. 304 Ziff. 1 Abs. 2 StGB in Verbindung mit Art. 24 Abs. 1 StGB, des vorsätzlichen Fahrens in angetrunkenem Zustand gemäss Art. 91 Abs. 1 SVG, der Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 37 Abs. 3 SVG und Art. 22 Abs. 2 VRV in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG sowie der Widerhandlung gegen Art. 99 Ziff. 3 SVG.
2. Dafür wird er mit sechs Monaten Gefängnis bestraft.
3. Der Vollzug der Gefängnisstrafe wird unter Ansetzung einer Probezeit von drei Jahren aufgeschoben.
4. Die Kosten des Verfahrens, bestehend aus der Untersuchungsgebühr der Staatsanwaltschaft von Fr. 2'200.00, den Barauslagen der Staatsanwaltschaft von Fr. 687.90, einer Gerichtsgebühr von Fr. 3'500.00, total somit von Fr. 6'387.90 gehen zulasten des X. und sind zusammen mittels beigeschlossenem Einzahlungsschein innert 30 Tagen nach Rechtskraft dieses Urteils der Bezirksgerichtskasse, PC 70-3922-1, zu überweisen.

## Considerations