# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 5c742453-f621-5514-ba68-84b0844136ce
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdegegner reichte am 16. August 2017 bei der Gemeinde Lengnau BE
ein Baugesuch ein für den Teilabbruch eines bestehenden Gebäudes und die Aufstockung
mit Umbau zu einem Dreifamilien-Wohnhaus sowie die Erstellung eines Carports für drei
Personenwagen auf Parzelle Lengnau BE Grundbuchblatt Nr. G._. Die Parzelle
liegt in der Zone W2 (Wohnzone 2-geschossig). Gegen das Bauvorhaben erhoben
mehrere zu einer "Anwohnergemeinschaft F._weg" zusammengeschlossene
Anwohner, darunter die Beschwerdeführenden 1-4, Einsprache. Am 2. März 2018
(Eingangsstempel der Gemeinde) reichte der Beschwerdegegner revidierte Pläne ein1.
Mit Bauentscheid vom 16. März 2018 erteilte die Gemeinde Lengnau BE dem
Bauvorhaben mit der Projektänderung vom 2. März 2018 die Baubewilligung. Die
Einsprache wies sie ab.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden 1-4 am 13. April 2018 Beschwerde bei
der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragen die
Aufhebung des Bauentscheids vom 16. März 2018 und sinngemäss die Erteilung des
Bauabschlags.
3. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, holte die Vorakten
ein und führte den Schriftenwechsel durch. Die Gemeinde schliesst mit Stellungnahme
vom 1. Juni 2018 auf Abweisung der Beschwerde und Bestätigung der Baubewilligung. Der
Beschwerdegegner beantragt mit Beschwerdeantwort vom 4. Mai 2018 ebenfalls die
Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung der Baubewilligung. Mit Verfügung vom
18. Juni 2018 gewährte das Rechtsamt den Beschwerdeführenden das rechtliche Gehör zu
der im erstinstanzlichen Verfahren erfolgten Projektänderung vom 2. März 2018, da dies
gemäss den Vorakten noch nicht erfolgt war. Die Beschwerdeführenden haben dazu keine
Stellungnahme eingereicht.
1 Plan "AG = Attikageschoss" im Mst. 1:100, Plan "Ost- & Westfassade" im Mst. 1:100 sowie Plan "Süd- & Nordfassade" im Mst. 1:100 2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (Organisationsverordnung BVE, OrV BVE; BSG 152.221.191)
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## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintreten
Bauentscheide können nach Art. 40 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit für die Beurteilung
der Beschwerde zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen, die
Baugesuchsteller, die Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige
Gemeindebehörde (Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführenden, deren Einsprache
abgewiesen wurde, sind durch den vorinstanzlichen Gesamtentscheid formell und als
Nachbarn auch materiell beschwert und daher zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf die
form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Zuständigkeit
a) Nach Ansicht der Beschwerdeführenden wurden die Baukosten im Baugesuch
unzutreffend angegeben. Für das Bauvorhaben sei mit Baukosten von mehr als einer
Million Franken zu rechnen. Gemäss Art. 9 Abs. 2 BewD4 sei daher nicht die Gemeinde,
sondern das Regierungsstatthalteramt zum Entscheid über das Baugesuch zuständig.
b) Die Beschwerdeführenden haben diese Rüge bereits in ihrer Einsprache
vorgebracht.5 Die Gemeinde hat die bestrittene Zuständigkeit im angefochtenen
Bauentscheid behandelt und ihre Zuständigkeit bejaht. Zur Begründung hält sie fest, die
Baukosten würden auf dem Baugesuchsformular mit Fr. 950'000.– angegeben. Auf das
Argument, dies entspreche nicht den tatsächlich zu erwartenden Baukosten, geht sie nicht
ein.
Gemäss Art. 9 Abs. 2 BewD entfällt die Baubewilligungskompetenz der kleinen Gemeinden
und die Regierungsstatthalterin oder der Regierungsstatthalter ist zuständig, wenn die
Baukosten eine Million Franken übersteigen. Es liegt in der Natur der Sache, dass die
genauen Baukosten erst nach Vollendung der Baute abschliessend festgestellt werden
3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0) 4 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 5 Vorakten, pag. 23
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können. Bei noch nicht vollendeten Bauvorhaben richtet sich die Zuständigkeit nach den zu
erwartenden Baukosten. Dafür ist die Angabe der Baukosten im Baugesuchsformular
heranzuziehen. Bestehen Zweifel an deren Richtigkeit, so müssen weitere Abklärungen
getroffen werden; die Behörde kann insbesondere die Vorlage der Kostenvoranschläge
verlangen (Art. 11 Abs. 1 Bst. e BewD).
Das Bauvorhaben umfasst den Abbruch eines Geschosses, den Neubau von zwei
Geschossen à rund 120 m2 und eines Geschosses mit knapp 50 m2 Fläche, den Umbau
des Kellergeschosses sowie die Erstellung eines Carports für 3 Personenwagen mit 60 m2
Fläche. Gemäss Baugesuch entsprechen die angegebenen Baukosten einem Betrag von
Fr. 550.– pro Kubikmeter. Der Bauherr hat mit seiner Beschwerdeantwort einen
Baukostenplan eingereicht.6 Darin werden die für die verschiedenen Bauarbeiten
erwarteten Kosten aufgelistet. Gesamthaft betrachtet erscheinen die angegebenen
Baukosten zwar als eher bescheiden berechnet, jedoch nicht als unglaubwürdig. Es
bestehen jedenfalls keine Hinweise, dass mit zusätzlichen Baukosten von Fr. 50'000.– oder
mehr gerechnet werden müsste. Demnach ist von Baukosten in Höhe von Fr. 950'000.–
auszugehen; die Gemeinde hat ihre Zuständigkeit zu Recht bejaht.
3. Rechtliches Gehör
a) Die Beschwerdeführenden kritisieren, dass im angefochtenen Entscheid zu den in
der Einsprache vorgebrachten Argumenten nur oberflächlich oder teils gar nicht Stellung
bezogen werde. So gehe die Gemeinde im angefochtenen Entscheid nicht darauf ein, dass
die Beschwerdeführenden in ihrer Einsprache die Höhe der angegebenen Baukosten in
Zweifel gezogen habe. Auch die Argumente hinsichtlich der Ästhetik und der
ungenügenden Erschliessung mit dem bestehenden Zufahrtsweg habe die Gemeinde im
angefochtenen Entscheid nicht behandelt.
b) Der Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt, dass die Behörde die Vorbringen der in
ihrer Rechtsstellung Betroffenen sorgfältig prüft und beim Entscheid berücksichtigt. Daraus
ergibt sich die Pflicht der Behörde, ihre Verfügung zu begründen (Art. 52 Abs. 1 Bst. b
VRPG7). Die Begründung muss so abgefasst sein, dass die Betroffenen die Verfügung
6 Beilage 5 zur Beschwerdeantwort 7 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
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sachgerecht anfechten können. Es müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt
werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt.
Die Behörde muss jedoch nicht auf jedes Argument der Parteien eingehen; es genügt,
wenn sie sich mit den wesentlichen Gesichtspunkten auseinandergesetzt hat.8
Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist ein formeller Anspruch; die Verletzung des
rechtlichen Gehörs führt deshalb grundsätzlich zur Aufhebung des angefochtenen
Entscheids. Eine Gehörsverletzung kann aber dann geheilt werden, wenn die
Rechtsmittelinstanz dieselbe Kognition hat wie die Vorinstanz und der
beschwerdeführenden Person aus der Heilung kein Nachteil erwächst. Bei besonders
schwerwiegenden Gehörsverletzungen schliesst die Rechtsprechung jedoch eine Heilung
grundsätzlich aus.9 Die Heilung des rechtlichen Gehörs ist allenfalls bei der
Kostenverlegung zu berücksichtigen.10
c) Der angefochtene Entscheid stellt klar, dass die Angabe der Baukosten im
Baugesuch als massgeblich für die Zuständigkeit erachtet wird. Auf das Argument der
Beschwerdeführenden, dass die angegebenen Kosten nicht mit den tatsächlich zu
erwartenden Baukosten übereinstimmen, wird nicht näher eingegangen. Ob der
Begründungspflicht damit Genüge getan wird, erscheint zumindest zweifelhaft. Zu den
Vorbringen der Beschwerdeführenden betreffend Ästhetik und Erschliessung äussert sich
der Entscheid überhaupt nicht. Diesbezüglich ist die Begründungspflicht verletzt.
Die Beschwerdeführenden konnten die entsprechenden Rügen im vorliegenden
Beschwerdeverfahren noch einmal vorbringen, und die BVE überprüft diese mit freier
Kognition. Damit kann die Verletzung des Gehörsanspruchs der Beschwerdeführenden
geheilt werden.
4. Baugesuchsunterlagen
a) Die Beschwerdeführenden machen sinngemäss geltend, die Pläne zum Baugesuch
erfüllten die Anforderungen von Art. 12-15 BewD nicht.
8 BVR 2013 S. 443 E. 3.1.1; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 52 N. 5 9 BVR 2012 S. 28 E. 2.3.5; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 21 N. 16 10 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 108 N. 9
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b) Das Baugesuch muss das Bauvorhaben in allen für die Beurteilung wesentlichen
Punkten beschreiben. Die Lage, Einordnung, Gestaltung und Konstruktion sind durch
Situationsplan und Projektpläne darzustellen.11 Art. 12 ff. BewD regeln im Einzelnen,
welche Pläne erforderlich sind und welche Angaben die einzelnen Pläne jeweils enthalten
müssen.
Erforderlich sind demnach ein Situationsplan sowie Projektpläne, welche die Grundrisse
sämtlicher Geschosse, die zum Verständnis des Bauvorhabens nötigen Schnitte sowie
sämtliche Fassadenansichten darstellen. Zudem muss ein Umgebungsgestaltungsplan
eingereicht werden, wenn dies nach Art. 14 Abs. 1 Bst d BewD verlangt oder in den
Gemeindebauvorschriften vorgeschrieben wird.
c) Der Situationsplan (Mst. 1:500) und die Projektpläne (jeweils im Mst. 1:100) mit
Grundrissen und Fassadenansichten liegen vor. Ebenfalls vorhanden ist ein "Schnitt" im
Mst. 1:100, dessen Verlauf von Ost nach West im Plan "AG = Attikageschoss" eingetragen
ist.12 Zwar enthalten die Pläne nicht sämtliche Angaben, die nach Art. 12 ff. BewD
erforderlich sind, und die fehlenden Legenden erschweren deren Lesbarkeit. Eine
Feststellung der für die Beurteilung des Bauvorhabens wesentlichen Masse und
Gegebenheiten ist aber möglich. Gewisse fehlende Angaben können anderweitig erhoben
werden; so kann die baurechtliche Grundordnung zur Feststellung der massgebende
Nutzungszone (Art. 13 Abs. 1 Bst. b BewD) beigezogen werden. Die Höhe von oberkant
Erdgeschossboden bleibt unverändert, so dass der Fixpunkt (Art. 14 Abs. 1 Bst. b BewD)
verzichtbar erscheint. Für die anderen Geschosse reicht die Angabe der Geschosshöhen.
Da die Pläne vermasst sind, können Abstände zur Grenze und zu anderen Gebäuden
gemessen werden. Schliesslich genügt für das Verständnis des Bauvorhabens ein Schnitt
in Richtung Ost – West, da sich die Bewilligungsbehörde daraus zusammen mit den
Grundrissen und Fassadenansichten ein genügendes Bild machen kann.
Die Pläne "AG = Attikageschoss", "Süd- & Nord Fassade" sowie "Ost- und West Fassade"
wurden allerdings im Rahmen einer Projektänderung vom 2. März 2018 eingereicht.
Aufgrund der Vorakten ist davon auszugehen, dass diese Pläne den
11 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 34 N. 4 12 Beide Pläne mit Genehmigungsstempel der Gemeinde Lengnau vom 16. März 2018
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Beschwerdeführenden im erstinstanzlichen Verfahren nicht bekannt gegeben wurden.
Damit wurde ihr Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt. Im Beschwerdeverfahren
erhielten die Beschwerdeführenden von den Projektänderungsplänen Kenntnis und
Gelegenheit zur Stellungnahme. Damit wurde die Gehörsverletzung geheilt.
d) Die Beschwerdeführenden rügen das Fehlen eines Schattendiagramms. Bezüglich
Schattenwurf gibt es jedoch nur für Hochhäuser Vorschriften (Art. 22 Abs. 3 BauV13). Beim
Bauvorhaben handelt es sich nicht um ein Hochhaus im Sinne dieser Bestimmung. Es ist
daher unabhängig vom Schattenwurf bewilligungsfähig, sofern die vorgeschriebenen
Gebäudemasse eingehalten werden. Es ist daher nicht zu beanstanden, dass die
Gemeinde auf Einforderung eines Schattendiagramms verzichtet hat.
e) Das Baureglement der Gemeinde Lengnau (GBR)14 regelt in Art. 416 Abs. 1, wie die
privaten Aussenräume und die Umgebung zu gestalten sind. Die Gestaltungsvorschriften
betreffen insbesondere öffentlich erlebbare Einfriedungen, Vorgärten, Vorplätze und
Hauszugänge. Damit Bauvorhaben auf Übereinstimmung mit diesen Vorschriften geprüft
werden können, ist gemäss Art. 416 Abs. 2 GBR mit dem Baugesuch ein
Aussengestaltungsplan oder eine andere geeignete Darstellung der Aussenräume und
deren wesentlichen Gestaltungselemente einzureichen. Eine solche Darstellung fehlt in
den Planbeilagen zum Baugesuch.
5. Verfahren
a) Im Baugesuch15 wird das Bauvorhaben umschrieben als "Teil Abbruch und
Aufstockung mit Umbau in ein 3-Familienwohnhaus (12.10 x 10.65) vom best.
Betriebsgebäude; Carport neu für 3 PW (6.00 x 10.00)". In der amtlichen Publikation16
wurde als Bauvorhaben "Umbau Mehrfamilienhaus, Erstellung Carport für 3
Personenwagen" angegeben. Nach Ansicht der Beschwerdeführenden ist diese Publikation
irreführend.
13 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1) 14 Baureglement der Gemeinde Lengnau vom August 2011, genehmigt vom Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) am 11. Mai 2012 15 Vorakten, pag. 1 16 Vorakten, pag. 22
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b) Mit der Baupublikation (Art. 35 Abs. 1 BauG) sollen Einspracheberechtigte über ein
Bauvorhaben informiert und zur Wahrung ihrer Rechte befähigt werden. Die Publikation
muss daher aussagekräftig sein, insbesondere in Bezug auf die Grösse des Vorhabens
und allenfalls beanspruchte Ausnahmen. Fehlt in der Publikation ein wesentliches Element,
sind die Betroffenen in ihrem Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt. Bei der
Umschreibung wird jedoch kein hoher Detaillierungsgrad verlangt; gemäss Art. 26 Abs. 3
Bst. b BewD genügt eine allgemeine Umschreibung des Bauvorhabens. An die
Formulierung dürfen daher keine überspannten Anforderungen gestellt werden.17
c) Vorliegend geht aus der Publikation hervor, dass aus der beabsichtigten Bautätigkeit
auf einem bereits bebauten Grundstück ein Mehrfamilienhaus mit Carport für drei
Personenwagen hervorgehen soll. Als allgemeine Umschreibung des Bauvorhabens
genügt dies. Anhand des Publikationstexts konnten Dritte abschätzen, ob sie durch das
Bauvorhaben betroffen sein könnten. Eine nähere Umschreibung des bestehenden
Gebäudes in der Baupublikation war dazu nicht notwendig. Die Baupublikation enthielt
vorschriftsgemäss einen Hinweis auf die Auflage der Gesuchsakten, die
Einsprachemöglichkeit und deren Modalitäten18. Dies ermöglichte den
Einspracheberechtigten die Wahrung ihrer Interessen.
Nach Ansicht der Beschwerdeführenden hätte die Baupublikation den Hinweis auf eine
beanspruchte Ausnahme von den Gestaltungsvorschriften für das Attikageschoss
enthalten müssen. Nach den Vorakten hat jedoch der Beschwerdegegner kein
entsprechendes Ausnahmegesuch gestellt. Mit dem angefochtenen Entscheid wurde auch
keine Ausnahme gewährt. Die Publikation ist in dieser Hinsicht nicht zu beanstanden. Ob
das Bauvorhaben die massgebenden Nutzungsvorschriften einhält, wird unter Ziffer 6
geprüft.
d) Die Beschwerdeführenden kritisieren, dass keine Einspracheverhandlung
durchgeführt wurde. Art. 34 Abs. 1 BewD sieht vor, dass die Baubewilligungsbehörde eine
Einigungsverhandlung durchführen kann, sofern die Beteiligten nicht darauf verzichten.
Demnach haben die Beteiligten keinen Anspruch auf die Durchführung einer
Einigungsverhandlung, sondern diese steht im Ermessen der Baubewilligungsbehörde. Der
17 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 35-35c N. 8a 18 Art. 26 Abs. 3 Bst. f BewD
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Verzicht auf die Einigungsverhandlung kann vorab dann sinnvoll sein, wenn die Aussicht
auf eine Einigung äusserst gering ist. Die Gemeinde führt in ihrer Stellungnahme vom 1.
Juni 2018 aus, dass aus ihrer Sicht keine Aussicht auf eine Einigung bestand. Dass sie auf
eine Einigungsverhandlung verzichtete, ist folglich nicht zu beanstanden.
6. Verletzung der Nutzungsvorschriften
a) Die Beschwerdeführenden rügen, das Bauvorhaben verletze die kommunalen
Nutzungsvorschriften. Nach diesen sei nicht zulässig, dass das Treppenhaus zum
Attikageschoss auf der Schmalseite des Gebäudes bis an die Fassadenflucht der unteren
Geschosse reiche.
b) Gemäss Art. 212 Abs. 1 und Abs. 4 Bst. h GBR darf in der Wohnzone 2 zusätzlich zu
zwei Vollgeschossen ein Attikageschoss gebaut werden. Dieses darf maximal 3,5 m hoch
sein und muss um 2,5 m von der Fassade zurückversetzt sein. An einer Stelle pro
Längsfassade darf es im Umfang von maximal 40 % der Fassadenlänge an die
Gebäudeflucht gestellt werden. Art. 212 Abs. 4 Bst. h GBR bestimmt weiter: "Gegenüber der Gebäudeflucht der Schmalseite ist ein Abstand von mindestens 2.5 m
einzuhalten".
In Anhang A138 zum GBR findet sich eine grafische Darstellung zu den Vorschriften über
das Attikageschoss. In dieser sind an den beiden Längsfassaden Abschnitte, bei denen
das Attikageschoss an die Gebäudeflucht reicht, eingezeichnet. Diese sind nicht länger als
40 % der Fassadenlänge und befinden sich im mittleren Bereich der Längsfassaden. An
den Schmalseiten ragen sie nicht in den eingezeichneten Abstand von 2,5 m zur
Gebäudeflucht.
c) Eingeschossige Anbauten und vorspringende Gebäudeteile wie Balkone werden an
die Gebäudelänge nicht angerechnet (Anhang A123 und Anhang A131 Abs. 1 GBR). Somit
sind vorliegend die 12,10 m lange Nordwest- und Südostfassade als Längsseiten zu
betrachten und die 10,66 m lange Südwest- und Nordostfassade als Schmalseiten. Nach
den Plänen reicht das Attikageschoss an der Nordwestfassade (Längsseite) auf einer
Länge von 3,13 m bis an die Gebäudeflucht, ebenso an der Südwestfassade (Schmalseite)
auf einer Länge von 4,63 m.
Die Gemeinde vertritt im angefochtenen Entscheid die Ansicht, das Treppenhaus auf dem
Attikageschoss dürfe auf die Fassadenflucht des unteren Geschosses gestellt werden und
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die Bauherrschaft dürfe wählen, an welcher Stelle sie dieses anbringen wolle. Die
Vorschrift über den Rücksprung des Attikageschosses gelte für das Treppenhaus nicht.
Diese Auslegung lässt sich jedoch mit dem klaren Wortlaut von Art. 212 Abs. 4 Bst. h GBR
nicht vereinbaren. Dieser sieht für die Schmalseite einen Mindestabstand von 2,5 m vor. Es
besteht kein Vorbehalt, dass der an der Längsfassade zulässige Abschnitt ohne
Rücksprung (bis zu 40 % der Längsfassade) an die Gebäudeflucht der Schmalseite
reichen darf. Auch die Grafik in Anhang A138 zum GBR gibt darauf keinen Hinweis.
In anderen Gemeindebaureglementen finden sich teils Regelungen, wonach
Treppenhäuser zum Attikageschoss von den Vorschriften betreffend Rücksprung des
Attikageschosses von der Gebäudeflucht ausgenommen sind, d.h. bis an die Flucht der
darunterliegenden Fassade reichen dürfen.19 Das GBR der Gemeinde Lengnau enthält
aber keine solche Ausnahmeregelung für Treppenhäuser. Es gilt daher auch für diese die
allgemeine Regel, wonach das Attikageschoss an einer Stelle pro Längsfassade im
Umfang von maximal 40 % der Fassadenlänge an die Gebäudeflucht gestellt werden darf
und gegenüber der Gebäudeflucht der Schmalseite ein Abstand von mindestens 2,5 m
einzuhalten ist. Diese Regelung bietet genügend Spielraum für eine sinnvolle
Erschliessung von Attikageschossen. Eine Auslegung, wonach ein Treppenhaus im
Attikageschoss bis an die Gebäudeflucht der Schmalseite reichen darf, ist daher nicht
haltbar.
e) Der Beschwerdegegner hat kein Gesuch um Bewilligung einer Ausnahme von den
Vorschriften betreffend Gebäuderücksprung im Attikageschoss gestellt. Es sind auch keine
besonderen Verhältnisse ersichtlich, die eine entsprechende Ausnahme rechtfertigen
könnten. Das Bauvorhaben verletzt somit die Vorschriften über das zulässige
Nutzungsmass. Es ist daher nicht bewilligungsfähig. Die Beschwerde ist gutzuheissen und
es ist der Bauabschlag zu erteilen.
Die weiteren Einwände der Beschwerdeführenden gegen das Bauvorhaben, wonach die
Erschliessung über dem bestehenden Zufahrtsweg ungenügend sei und mit dem
Bauvorhaben keine gute ästhetische Gesamtwirkung entstehe, müssen daher nicht geprüft
19 Vgl. Baureglement der Einwohnergemeinde Zollikofen vom 2. Dezember 2001, vom AGR genehmigt am 28. Juni 2002, Art. 70 Abs. 2; Baureglement der Gemeinden Ostermundigen vom 26. Oktober 1993, vom AGR genehmigt am 17. März 1995, Art. 51 Abs. 2 (mit Änderung gemäss Verfügung des AGR vom 8. August 2011); Baureglement der Gemeinde Köniz vom 7. März 1993, vom AGR genehmigt am 21. Dezember 1993, Art. 91 Abs. 3
RA Nr. 110/2018/58 11
werden. Ebenso erübrigt sich eine Prüfung der Rüge, die Gemeinde habe die
Rechtsverwahrung der Beschwerdeführenden nicht gehörig vermerkt.
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7. Kosten
a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt der Beschwerdegegner. Er hat die
Verfahrenskosten des Beschwerdeverfahrens zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese
werden bestimmt auf eine Pauschalgebühr von Fr. 2'000.– (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m.
Art. 19 Abs. 1 GebV20). Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 Abs. 1 VRPG).
b) Der Beschwerdegegner trägt zudem die amtlichen Kosten des erstinstanzlichen
Verfahrens in Höhe von Fr. 2'786.60 (Art. 52 Abs. 1 BewD).