# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b227ef37-552a-4836-84e7-51a02601a9b4
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend mehrfache Sachbeschädigung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 7. Abteilung - Ein-
zelgericht, vom 22. September 2014 (GG140137)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 3. Juni 2014 (Urk. 23)
ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Das Verfahren wird betreffend den Anklagevorwurf der Sachbeschädigung
im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB in ND 5 sowie betreffend den Anklage-
vorwurf des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB in ND 32 ein-
gestellt.
2. Der Beschuldigte ist schuldig
- der mehrfachen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1
StGB, teilweise in Verbindung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB sowie
- der Hinderung einer Amtshandlung im Sinne von Art. 286 StGB.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 270 Tagessätzen zu
Fr. 30.– , wovon 18 Tagessätze als durch Haft geleistet gelten, sowie mit ei-
ner Busse von Fr. 800.–.
4. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf zwei
Jahre festgesetzt.
5. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft
nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 8 Tagen.
6. Die Privatkläger B._ und Co, C._ AG, D._ GmbH, Stadt Zü-
rich ERZ, Universität Zürich, Frau E._, F._ AG, G._, H._
AG, I._ AG und J._ AG werden mit ihren Zivilansprüchen auf den
Weg des Zivilprozesses verwiesen.
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7. Folgende mit Beschlagnahmeverfügungen der Staatsanwaltschaft Zürich-
Sihl vom 1. Oktober 2013 sowie vom 7. April 2014 beschlagnahmten Ge-
genstände werden eingezogen und durch die Lagerbehörde vernichtet:
- Farbspray blau (Asservat-Nr. A...);
- Farbspray pink (Asservat-Nr. A...); - Farbspray blau (Asservat-Nr. A...); - Farbspray gold (Asservat-Nr. A...);
- Diverse Spraydosen (Asservat-Nr. A...).
8. Folgende mit Beschlagnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl
vom 7. April 2014 beschlagnahmten Gegenstände werden dem Beschuldig-
ten nach Eintritt der Rechtskraft auf erstes Verlangen herausgegeben:
- Rucksack (Asservat-Nr. A...); - Herrenbekleidung (T-Shirt, Baseballcap, Schuhe und Shorts; Asservat-
Nr. A...); - Tasche (Asservat-Nr. A...);
- Graffiti-Skizzen (Sach-Kaution Nr. ...).
9. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 1'500.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'180.– Kosten der Kantonspolizei
Fr. 4'000.– Gebühr Anklagebehörde
Fr. 1'320.– Auslagen Untersuchung
Fr. 2'002.50 amtliche Verteidigung RA K._
Fr. 5'818.50 amtliche Verteidigung RA X._
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
10. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt, jedoch einschliesslich derjenigen für die amtliche
Verteidigung einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. Eine Nachforde-
rung sämtlicher Kosten erfolgt, wenn es die wirtschaftlichen Verhältnisse des
Beschuldigten erlauben.
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Berufungsanträge:
a) des Beschuldigten (Urk. 63 S. 2):
1. Die Dispositivziffern 2-5, 9 und 10 des vorinstanzlichen Urteils seien
aufzuheben, und A._ sei von Schuld und Strafe freizusprechen.
2. Die Kosten der Untersuchung, des erstinstanzlichen Verfahrens wie
auch des Berufungsverfahrens seien auf die Staatskasse zu nehmen,
und A._ sei für seine Umtriebe, namentlich die Kosten der erbete-
nen Verteidigung, zu entschädigen. Für die unschuldig erlittene Unter-
suchungshaft sei A._ eine Genugtuung auszurichten.
b) der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl (Urk. 54):
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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## Considerations

Erwägungen:
1. Prozessgeschichte
1.1. Der Beschuldigte liess mit Eingabe vom 22. September 2014 gegen das
eingangs im Dispositiv wiedergegebene Urteil des Bezirksgerichts Zürich, Einzel-
gericht, vom 22. September 2014 fristgerecht Berufung anmelden (Urk. 40;
Art. 399 Abs. 1 StPO). Am 5. November 2014 wurde dem Beschuldigten von der
Vorinstanz die begründete Ausfertigung des Urteils zugestellt (Urk. 47/2), worauf-
hin er mit rechtzeitiger Eingabe vom 24. November 2014 beim Obergericht die
Berufungserklärung einreichte (Urk. 50; Art. 399 Abs. 3 StPO). Am 8. Januar 2015
verzichtete die Staatsanwaltschaft auf Anschlussberufung und beantragte die Be-
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stätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 54; vgl. Urk. 52). Von den Privatklä-
gern (vgl. Urk. 53/2-11 und 53/13) liess sich niemand vernehmen.
1.2. Am 13. Februar 2015 wurden die Parteien zur Berufungsverhandlung auf
den 24. April 2015 vorgeladen. Nach dieser Verhandlung, zu welcher heute der
Beschuldigte in Begleitung seines Verteidigers erschienen ist, ist das Verfahren
spruchreif (Prot. II S. 3).
2. Prozessuales
2.1. Das bezirksgerichtliche Urteil blieb hinsichtlich der Dispositivziffern 1 (teil-
weise Einstellung des Verfahrens), 6 (Verweisung der Zivilforderungen der Privat-
kläger auf den Zivilweg) sowie 7 und 8 (Beschlagnahmeentscheide) unangefoch-
ten und ist somit insoweit in Rechtskraft erwachsen (Schmid, StPO-Praxiskom-
mentar, 2. Auflage, Zürich/St. Gallen 2013, Art. 402 N 1; vgl. auch Art. 437 StPO),
was vorab festzustellen ist.
2.2. Die erforderlichen Strafanträge wurden rechtzeitig gestellt (Art. 30 f. StGB);
bei den Nebendossiers 5 und 32, bei welchen dies (teilweise) nicht der Fall war,
wurde das Verfahren bereits vor Vorinstanz eingestellt (Urk. 43 S. 5 und 33 bzw.
Dispositivziffer 1).
3. Sachverhalt
3.1. Vorbemerkungen
3.1.1. Am 5. September 2013 um ca. 4.00 Uhr erhielt die Polizeipatrouille "Lim-
mat 5" den Auftrag, umgehend an die L._-Strasse ... zu fahren, wo zwei
Männer einen parkierten Lieferwagen mit den Schriftzügen 1._ und 2._
besprayen würden. Vor Ort hatte die Besatzung von "Limmat 10", die Polizisten
M._ und N._ (vgl. Urk. 13/1 S. 2), bereits einen der angeblichen Täter,
den Beschuldigten A._, arretiert. Der zweite Täter konnte flüchten (Urk. 1
S. 2). Ein Anwohner, der wohl durch die Spraygeräusche erwacht war, hatte den
zweiten Täter beim Sprayen gefilmt. Der Beschuldigte war dem Anwohner bis zu
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dessen Verhaftung nicht aufgefallen, weil er sich aus Sicht des Anwohners hinter
dem Lieferwagen befunden hatte (Urk. 1 S. 4).
3.1.2. In der Folge wurden im Graffitiarchiv der Stadtpolizei Zürich alle registrier-
ten 1...-Sprayereien herausgesucht (seit August 2011 waren 20 1...-Schriftzüge
registriert worden). Auch wurde eine Anfrage zu 1... an alle Graffitisachbearbeiter
in der Schweiz gesandt. Die Kantonspolizei Zürich vermeldete zahlreiche Anzei-
gen zu 1..., mit Tatorten hauptsächlich am rechten Ufer des Zürichsees (Urk. 2
S. 2). Auf diese Weise fanden die Nebendossiers 1-39 Eingang in die Anklage.
3.2. Verbleibende Anklagevorwürfe
3.2.1. Entsprechend wirft die Anklage dem Beschuldigten zusammengefasst vor,
im Zeitraum vom ca. 26. Februar 2011 bis zum 5. September 2013 an verschie-
denen Orten im Grossraum Zürich (Stadt Zürich sowie mehrheitlich Bezirk Meilen)
zum Schaden einer Vielzahl Geschädigter wissentlich und willentlich die Buchsta-
benfolge "1._", zweimal bloss "1'._" und einmal noch "3._", teilwei-
se mit Verzierungen, als Graffiti, Schriftzug und/oder Tag, gesprayt oder gemalt
zu haben (Urk. 23 S. 2 ff.).
3.2.2. Im Weiteren wirft die Anklage dem Beschuldigten vor, am 8. Februar 2013
nachmittags auf dem umzäunten Abstellgleis beim Bahnhof ... eine S-Bahn-
Komposition besprayt zu haben. Während des Sprayens habe er die uniformier-
ten Polizisten O._ und P._ erblickt und sei vor diesen davon gerannt,
obwohl O._ ca. dreimal "Halt Polizei" gerufen habe, wodurch der Beschuldig-
te eine Personenkontrolle verunmöglicht habe (Urk. 23 S. 6).
3.3. Stellungnahme Beschuldigter; Beweismittel; Vorinstanz
3.3.1. Der Beschuldigte bestritt diese Vorwürfe in der Untersuchung, vor Vor-
instanz (vgl. Urk. 43 S. 6) und auch anlässlich der heutigen Berufungsverhand-
lung (vgl. Prot. II S. 4 und Urk. 63 S. 2). Es ist deshalb im Folgenden zu prüfen,
ob der Anklagesachverhalt rechtsgenügend erstellt ist.
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3.3.2. An Beweismitteln liegen die Aussagen des Beschuldigten (Urk. 6/1-6;
Urk. 13/10), seiner Kollegen Q._ und R._ (Urk. 7/1-2) sowie der Polizis-
ten M._, N._ und O._ (Urk. 7/3-7) vor. Beim Beschuldigten zu Hau-
se wurden Skizzen mit dem Schriftzug 1... (vgl. Urk. 9/3 S. 4 oben links, S. 6
oben, S. 7 oben, S. 8) und Sprayerutensilien sichergestellt (Urk. 9/3 S. 1-4). Es
wurden Fotos ab dem Computer, der Digitalkamera und zwei Mobiltelefonen des
Beschuldigten ausgewertet (Urk. 11/4-6; vgl. auch Urk. 10/1 S. 2 Abs. 2-3).
Schliesslich holte die Staatsanwaltschaft bei Polizist Fw mbA S._, Graffiti-
Sachbearbeiter der Stadtpolizei Winterthur, am 17. Februar 2014 ein Gutachten
ein (Urk. 12/3).
3.3.3. Die Vorinstanz hat korrekte Ausführungen zu den Anforderungen an die
Beweisführung und zu den Grundsätzen der Beweiswürdigung sowie insbesonde-
re zur Würdigung von Aussagen gemacht, auf die vorab verwiesen werden kann
(Urk. 43 S. 7; Art. 82 Abs. 4 StPO). Ergänzend ist auszuführen, dass in einem
Strafprozess an den Beweis von Täterschaft und Schuld hohe Anforderungen zu
stellen sind. Gemäss der aus Art. 32 Abs. 1 BV fliessenden und in Art. 6 Ziff. 2
EMRK verankerten Maxime „in dubio pro reo“, die sich auch in Art. 10 StPO nie-
derschlug, ist bis zum gesetzlichen Nachweis ihrer Schuld zu vermuten, dass die
einer strafbaren Handlung beschuldigte Person unschuldig ist (Urteile des Bun-
desgerichts 1P.587/2003 vom 29. Januar 2004, E. 7.2., und 1P.437/2004 vom 1.
Dezember 2004, E. 4.2. f.; Pra 2002 Nr. 2 S. 4 f. und Nr. 180 S. 957 f.; BGE 127 I
38 ff., 40, BGE 120 Ia 31 ff., 35 f.). Als Beweiswürdigungsregel besagt die Maxi-
me, dass sich der Strafrichter nicht von der Existenz eines für die beschuldigte
Person ungünstigen Sachverhaltes überzeugt erklären darf, wenn bei objektiver
Betrachtung Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat. Die
Überzeugung des Richters muss auf einem verstandesgemäss einleuchtenden
Schluss beruhen und für den unbefangenen Beobachter nachvollziehbar sein
(Schmid, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, 2. Aufl., Zürich/St.
Gallen 2013, N 233 ff.). Die Beweiswürdigungsregel ist verletzt, wenn der Straf-
richter an der Schuld der beschuldigten Person hätte zweifeln müssen (BGE 127 I
38 ff., 41; BGE 124 IV 86 ff., 87 f.). Wenn erhebliche oder nicht zu unterdrückende
Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so abgespielt hat, wie er eingeklagt ist,
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so ist die beschuldigte Person nach dem Grundsatz „in dubio pro reo“ freizuspre-
chen (z.B. Schmid, Handbuch, N 235, m.w.H.). Soweit ein direkter Beweis nicht
möglich ist, ist der Nachweis der Tat mit Indizien zu führen, wobei die Gesamtheit
der einzelnen Indizien, deren „Mosaik“ (Arzt, In dubio contra, ZStrR 115 [1997]
197) zu würdigen ist (vgl. dazu auch Pra 2004 Nr. 51 S. 257 Ziff. 1.4; Pra 2002 Nr.
180 S. 962 f. Ziff. 3.4.). Ein Schuldspruch darf nur dann erfolgen, wenn die Schuld
der beschuldigten Person mit hinreichender Sicherheit erwiesen ist, d.h. Beweise
dafür vorliegen, dass die beschuldigte Person mit ihrem Verhalten objektiv und
subjektiv den ihm zur Last gelegten Straftatbestand verwirklicht hat. Dabei kann
nicht verlangt werden, dass die Tatschuld gleichsam mathematisch sicher und un-
ter allen Aspekten unwiderlegbar feststehe (Schmid, Handbuch, N 227). Es muss
genügen, wenn vernünftige Zweifel an der Schuld der beschuldigten Person aus-
geschlossen werden können. Aufgabe des Richters ist es, seinem Gewissen ver-
pflichtet, in objektiver Würdigung des gesamten Beweisergebnisses, zu prüfen, ob
er von einem bestimmten Sachverhalt überzeugt ist und an sich mögliche Zweifel
an dessen Richtigkeit zu überwinden vermag (Art. 10 Abs. 2 StPO; ZR 72 [1973]
Nr. 80; Pra 2004 Nr. 51 S. 257 Ziff. 1.4.; BGE 124 IV 86 ff., 88; BGE 120 Ia 31 ff.,
36 f.). Es liegt in der Natur der Sache, dass mit menschlichen Erkenntnismitteln
keine absolute Sicherheit in der Beweisführung erreicht werden kann; daher muss
es genügen, dass das Beweisergebnis über jeden vernünftigen Zweifel erhaben
ist (vgl. Entscheid des Kassationsgerichts des Kantons Zürich vom 26. Juni 2003
Nr. 2002/387S, E. 2.2.1, m.w.H.). Bloss abstrakte oder theoretische Zweifel dür-
fen daher nicht massgebend sein, weil solche immer möglich sind (Schmid,
Handbuch, N 233 ff.). Es genügt also, wenn vernünftige Zweifel an der Schuld
ausgeschlossen werden können, hingegen darf ein Schuldspruch nie auf blosser
Wahrscheinlichkeit beruhen. Lässt sich ein Sachverhalt nicht mit letzter Gewiss-
heit feststellen, was schon im Wesen menschlichen Erkenntnisvermögens liegt,
so hindert dies den Richter nicht, subjektiv mit Gewissheit davon überzeugt zu
sein.
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3.4. Terminologie
Zur Terminologie in der Graffiti-Szene existieren diverse Internetseiten (Wikipe-
diaeinträge "Graffiti" und "Graffiti-Jargon", vgl. Urk. 38/3; "Cans, Tags, Masterpie-
ces – die Insidersprache der Sprayer", www.paradisi.de). Demnach ist ein "Piece"
die Bezeichnung für ein aufwändiges, meistens mehrfarbiges und großflächiges
Graffiti (im vorliegenden Urteil auch einfach "Graffiti" genannt). "Throw-Ups" oder
"Quickpieces" sind schnell gemalte Graffiti, die meistens aus Zeitmangel nur mit
einer raschen Schraffierung oder gar nicht ausgefüllt sind, mithin unaufwändig
gestaltet sind. Ein "Tag" ist ein Signaturkürzel, welches das Pseudonym eines
"Writers" (d.h. des Graffiti-Sprayers) darstellt. Es gilt als die Urform des sich dar-
aus entwickelten Piece. "Style-Writing"/"Graffiti-Writing" oder kurz "Writing" ist die
mittlerweile am weitesten verbreitete Form von Graffiti. Beim Writing bildet die
Schrift (Buchstaben und Zahlen) das Basiselement der Bildkomposition, und die
Akteure stellen an sich selbst einen künstlerischen Anspruch. Die möglichst häu-
fige Verbreitung des Namens bzw. vielmehr des Pseudonyms eines Graffiti-
Writers in Kombination mit dessen möglichst einzigartiger, innovativer und vor al-
lem ästhetischer Gestaltung bilden die zentralen Ziele, um ein Höchstmaß an
Ruhm bzw. "Fame" zu erlangen. Die Ästhetik steht aber deutlich im Vordergrund.
Ein Writer, der keinen guten Style hat, erhält keine Anerkennung von anderen
Szenemitgliedern, egal wie viel er malt (Wikipedia  Graffiti  Style-Writing). Das
Übersprühen fremder Tags – auch "Crossen" genannt – wird als Beleidigung an-
gesehen. Zum Anbringen der Tags werden neben der Spraydose oft auch was-
serfeste Stifte benutzt. Tags sind häufig als Unterschrift unter gesprayten Bildern
zu finden, sie gelten in der jugendlichen Gang-Kultur aber auch einfach als territo-
riale Markierung. Eine "Crew" schliesslich ist ein Zusammenschluss von Writern,
die zusammen sprayen. Die Namen der Crews werden meistens mit mehreren
Buchstaben abgekürzt. Die Mitglieder einer Crew erhöhen deren Bekanntheits-
grad, indem sie das Crewkürzel ähnlich wie ihr eigenes Pseudonym in Bildern
verarbeiten. Da mehrere Personen das gleiche Kürzel malen, kann ein höherer
Bekanntheitsgrad erreicht werden.
http://de.wikipedia.org/wiki/Pseudonym http://de.wikipedia.org/wiki/Graffiti-Jargon%23S http://de.wikipedia.org/wiki/Stift_(Werkzeug) http://de.wikipedia.org/wiki/Pseudonym
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3.5. Aussagen des Beschuldigten
3.5.1. Der Beschuldigte wurde am Nachmittag des 5. September 2013 erstmals
polizeilich befragt. Er erklärte, dass er vor seiner Verhaftung die T._ Bar und
den U._ Club besucht und ziemlich viel Bier getrunken habe. Danach habe
er sich alleine zu Fuss auf den Heimweg gemacht. Er habe seinen Rucksack mit
einigen Gegenständen darin dabei gehabt. Spraydosen habe er keine dabei ge-
habt. Plötzlich sei die Polizei aufgetaucht, und es seien ihm Handschellen ange-
legt worden. Er sei völlig überrumpelt gewesen (Urk. 6/1 S. 1). Von Sprayern ha-
be er gar nichts mitbekommen. Wie gesagt, sei er betrunken gewesen; er habe im
Verlaufe der Nacht sicher drei bis vier Liter Bier getrunken. Von sich aus fügte der
Beschuldigte dann an, dass ihm gerade einfalle, dass er vor der Verhaftung
Spraydosen habe am Boden liegen sehen. Er habe eine davon aufgehoben und
sich überlegt, ob er diese für die Schule gebrauchen könnte. Er habe es dann
aber sein lassen und die Dose zurückgelegt. Gesprayt habe er nicht. Auf Frage,
wie denn die Farbe auf seine Hände komme, meinte er, möglicherweise von vor-
her, von der Schule (V._, vgl. Urk. 6/2 S. 3). Sie würden dort halt auch mit
Sprayfarben arbeiten. Eine konkrete Arbeit habe er in der Schule aber nicht ge-
macht, er habe nur ausprobiert. Es sei aber nichts dabei herausgekommen. Auf
Frage, ob dies ein Lehrer mitbekommen habe, erklärte er, dass es im Rahmen
des freien Arbeitens gewesen sei, wo meist kein Lehrer dabei sei. Auf weitere
Frage, ob er denn dabei mit Kollegen zusammengearbeitet habe, sagte der Be-
schuldigte, dass er das eigentlich alleine im Schulhof gemacht habe. Damit kon-
frontiert, dass er die Spraydose offenbar weggeworfen habe, sagte er, dass er die
Dose angeschaut und wieder hingestellt oder auch hingelegt habe. Der befragen-
de Polizist schloss, dass somit höchstens auf einer Spraydose seine Fingerab-
drücke und seine DNA zu finden sein würden. Der Beschuldigte antwortete: "Ich
glaube schon" – und fügte dann neu an, dass er nicht sicher sei, ob er nicht auch
noch eine zweite Dose angefasst habe. Er wisse nicht mehr, wie viele davon er
angefasst habe. Es treffe zu, dass er sich für Graffiti interessiere; er habe seine
Maturaarbeit über Street Art gemacht, wozu auch Graffiti gehöre. Auf Frage, wa-
rum er die Siegelung von Handy und Digicam verlangt habe, führte der Beschul-
digte aus, er wolle nicht, dass jemand seine privaten Sachen anschaue. Er wohne
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nun an der W._-Strasse ... in Zürich; bis kurz zuvor habe er bei seinen Eltern
in AA._ gewohnt (Urk. 6/1 S. 2 ff.).
3.5.2. Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Hafteinvernahme vom 6. Septem-
ber 2013 hielt der Beschuldigte an seinen früheren Aussagen fest. Er bestand auf
der Siegelung all seiner elektronischen Geräte. Er wolle nicht, dass fremde Leute
in seine Sachen schauten. Auf Vorhalt (und auf entsprechende Vorlage), dass bei
ihm zu Hause eine Skizze auf dem Tisch gelegen sei, die der Sprayerei auf der
linken Seite des Lastwagens sehr ähnle, wollte der Beschuldigte nichts sagen
(Urk. 6/2).
3.5.3. Am 7. September 2013 erfolgte die Einvernahme durch den Haftrichter
(Urk. 13/10). Der Beschuldigte erklärte, die Vorwürfe stimmten nicht, er habe das
nicht gemacht. Er sei zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen. Die Farbe an
seinen Händen rühre von der V._ her, wo sie genau an diesem Tag mit
Spraydosen experimentiert hätten. Er habe die Dosen nicht weggeschmissen,
sondern aufgenommen und wieder hingestellt. Aus seiner Sicht sei es einfach
sehr blöd gelaufen. In Bezug auf die bei ihm zu Hause sichergestellte Skizze er-
läuterte der Beschuldigte, dass sein Studium die Fachrichtung "..." beinhalte, wo
Typographie einer sehr grosse Rolle spiele. Deshalb interessiere er sich für sol-
che "anti-kommerziellen typographischen Phänomene" und zeichne Graffitis und
Tags ab (Urk. 6/2 S. 2-4).
3.5.4. Auch in der polizeilichen Befragung vom 23. September 2013 blieb der Be-
schuldigte im Wesentlichen bei seiner Darstellung. Wegen seines Studiums inte-
ressiere er sich auch für Graffiti. Sein Weg führe ihn oft am Letten (einem legalen
Graffitiplatz) vorbei, wo er die Graffiti betrachte und sich damit befasse. Er bejahte
den Schluss des befragenden Polizisten, ob er damit sagen wolle, dass er den
Schriftzug 1... am Letten gesehen und ihn dann zu Hause noch einige Male skiz-
ziert habe. Er habe diesen Schriftzug am Letten abgezeichnet und ihn – um ihn zu
verstehen – zu Hause weiterverarbeitet. Man habe bei ihm zu Hause ja auch an-
dere Schriftzüge gefunden. Auf Vorhalt zahlreicher gesprayter 1...-Graffitis und -
Tags (Urk. 6/4 S. 4 ff.) wollte der Beschuldigte keinen Kommentar abgeben
(Urk. 6/3 S. 1 ff.). Er habe sich am Letten auch schon in Graffiti versucht. Es treffe
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auch zu, dass er vorher Skizzen gemacht und diese Skizzen dann mitgenommen
habe, wenn er sprayen gegangen sei. Der Beschuldigte gab dann auf Ergän-
zungsfragen seines damaligen Verteidigers einen Exkurs zur Graffitikunst zum
Besten (Herausforderungen beim Entwerfen; Ziel beim Sprayen; Sinn und Zweck
verschiedener Sprühköpfe; Unterschiede bei Graffitis verschiedener Länder; hen-
kelartige Auswuchtungen und andere Stilmittel). Auch über seine Arbeiten in der
Schule sprach er, wobei er erklärte, dass sie dort zwar Papier und Spraydosen
zur Verfügung gestellt bekämen, die Spraydosen aber nicht nach Hause nehmen
dürften (Urk. 6/3 S. 6 ff.).
3.5.5. In der Schlusseinvernahme vom 26. März 2014 verwies der Beschuldigte
vollumfänglich auf seine früheren Aussagen. Einen Kurzbericht "Identifizie-
rung/DNA-Spuren" vom 9. Oktober 2013 (ND 32) betreffend die Sprayerei am
Bahnhof ... anerkannte er (Urk. 6/5 S. 1 f.; S. 6).
3.5.6. Vor Vorinstanz bestätigte der Beschuldigte seine Ausführungen bei der Po-
lizei und wollte keinerlei weitere Aussagen mehr machen (Urk. 35 S. 4 ff.).
3.5.7. Auch anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung verweigerte der Be-
schuldigte jegliche Antworten zur Sache (Prot. II S. 6).
3.6. Aussagen von Q._
Q._ sagte in der polizeilichen Einvernahme vom 20. September 2013 in Ab-
wesenheit des Beschuldigten aus, dass er zusammen mit dem Beschuldigten in
der Nacht vom 5. September 2013 im T._ und im U._ gewesen sei. Sie
seien zusammen im ... der V._, nicht in der gleichen Klasse, aber sie würden
verschiedene Fächer zusammen belegen. Am Donnerstag hätten sie meistens
freies Schaffen, weshalb sie länger schlafen könnten. Daher hätten sie sich öfters
am Mittwoch irgendwo getroffen. Er habe den Beschuldigten dann im U._
aus den Augen verloren und sei um 3 Uhr alleine nach Hause gegangen. Er ken-
ne den Beschuldigten seit Anfang Februar 20.. von der Schule. Er würde ihn als
Freund bezeichnen, sein bester Kollege sei er aber nicht. Er, Q._, interessie-
re sich weniger für Graffiti. Er habe noch nie – auch nicht legal – gesprayt und
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auch noch nie entsprechende Probleme gehabt. Er arbeite mehr im Spektrum
Film und Fotografie. Er wisse einfach, dass der Beschuldigte schöne "Characters"
und Comics zeichnen könne. Ob der Beschuldigte in einer Sprayercrew sei, wisse
er nicht. Die Schriftzüge 1'... und 1... sagten ihm auch nichts. Er sei manchmal
über Mittag mit dem Beschuldigten an den Letten gegangen, weil es schön sei,
dort zu essen. Es werde dort immer gesprayt, aber den Beschuldigten habe er
dort nie sprayen gesehen (Urk. 7/3 S. 1 ff.).
3.7. Aussagen von R._
R._ sagte in der polizeilichen Einvernahme vom 23. September 2014 in Ab-
wesenheit des Beschuldigten aus, der Beschuldigte sei ein recht guter Kollege
von ihm, und sie würden sich seit der Sekundarschule kennen, mithin seit drei
oder vier Jahren. Der Beschuldigte habe von ihm im November 2012 ein iPhone
3GS mit kaputtem Knopf und kaputtem Bildschirm übernommen; man habe nicht
mehr wirklich viel gesehen, aber das meiste habe noch funktioniert. Die Kamera
sei auch noch kaputt gewesen, man habe also keine Fotos mehr machen können.
Er habe, so glaube er, nichts gelöscht, bevor er das Handy dem Beschuldigten
übergeben habe, denn es habe Apps darauf gehabt, die dieser habe verwenden
wollen. R._ bestätigte dann, dass er dem Beschuldigten als Kontaktbild die
Foto einer mit dem Schriftzug 1... versprayten S-Bahn zugeordnet habe. Er selber
finde Graffiti recht interessant. An Zügen finde er es zwar daneben (er sei absolut
gegen diese Form von Vandalismus, und auch der Beschuldigte habe sich immer
in diesem Sinne geäussert), aber dieser versprayte Zug sei zufällig vorbeige-
kommen, als er an einem Bahnhof gewesen sei. Er habe damals ein Foto davon
gemacht. Er wisse, dass der Beschuldigte Street Art auch schön finde. Weil ihn
dies mit dem Beschuldigten verbinde, habe er dieses Bild als Kontaktbild zu sei-
nem Namen verwendet. Auf Nachfrage, in was für einem Zusammenhang der
Schriftzug 1... mit dem Beschuldigten stehe, erwiderte R._, dass sie wie ge-
sagt ein gemeinsames Interesse für Graffiti hätten. Wenn sie zusammen unter-
wegs seien, dann würden sie halt bei Graffitis stehenbleiben und sich diese an-
schauen. Ansonsten wisse er nichts über diesen Schriftzug. Er sei ab und zu mit
dem Beschuldigten am Letten gewesen, wo dieser auch manchmal eine Wand
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besprayt habe. Meistens habe er Wörter gesprayt, wobei er – R._ – aber e-
her den Gesamteindruck auf sich wirken lasse und nicht jeden Buchstaben lese.
1... habe der Beschuldigte allerdings in seiner Anwesenheit nie gesprayt. Auf Er-
läuterung, dass es im Verfahren gegen den Beschuldigten genau um den Schrift-
zug 1... gehe, sagte R._, dass er sich nun "Scheisse" fühle, wenn das jetzt
so ein Zufall sei, dass er ausgerechnet diesen Schriftzug als Kontaktbild verwen-
det habe (Urk. 7/2 S. 1 ff.).
3.8. Aussagen der beim Verhaftsvorgang anwesenden beiden Polizisten
3.8.1. Polizist M._ wurde am 26. März 2014 staatsanwaltschaftlich einver-
nommen. Er führte aus, dass er sich nicht mehr gut an den Vorfall erinnern könne.
Sie seien mit dem Streifenwagen vor Ort angekommen, nachdem sie per Funk
vernommen hätten, dass irgendjemand ein Fahrzeug am Besprayen sei. Sie hät-
ten dann den Beschuldigten angetroffen, der sich vom Fahrzeug entfernt habe.
Der Beschuldigte sei auf der linken Fahrzeugseite – derjenigen mit dem Schrift-
zug 1... – gestanden. Er habe nicht gesehen, ob der Beschuldigte den Lieferwa-
gen besprayt habe. Er sei sich nicht mehr ganz sicher, ob der Beschuldigte eine
Spraydose in der Hand gehabt habe; irgendetwas habe er aber auf den Boden
fallen lassen. Einen anderen Täter habe er nicht gesehen (Urk. 7/3).
3.8.2. Polizist N._ wurde am 7. April 2014 staatsanwaltschaftlich befragt. Er
führte aus, dass er und M._ mit Blaulicht und Horn an die genannte Örtlich-
keit gefahren seien. Er habe gesehen, wie der Beschuldigte mit einem Rucksack
von diesem Lieferwagen weggelaufen sei. Auf dem Lieferwagen sei deutlich das
Graffiti ersichtlich gewesen. Nachdem sie das Fahrzeug parkiert gehabt hätten,
habe er dem Beschuldigten eröffnet, dass sie nun eine Personenkontrolle durch-
führen würden. Er sei ihm dann nachgelaufen, weil er nicht auf Anhieb stehenge-
blieben sei. Zirka zwei bis drei Meter hinter ihm habe er nochmals gesagt: "Stadt-
polizei, wir machen eine Kontrolle". Daraufhin habe der Beschuldigte sich umge-
dreht. Beim Hinterherlaufen habe er gesehen, wie der Beschuldigte den Rucksack
und eine oder zwei Spraydosen weggeworfen bzw. deponiert habe. Auch er habe
den Beschuldigten indessen nicht sprayen gesehen. Den anderen Mann habe er
noch gesehen, aber nicht so, dass er ihn erkennen würde. Bei der Durchsuchung
- 15 -
des Rucksacks des Beschuldigten seien Skizzen, die wie die Graffiti auf dem Lie-
ferwagen ausgesehen hätten, und Spraydosen zum Vorschein gekommen. Zu-
dem habe er Farbe an den Händen gehabt. Er, N._, habe noch eine oder
zwei Spraydosen gefunden, die der Beschuldigte weggeworfen oder deponiert
habe (Urk. 7/5 S. 1 ff.).
3.9. Fotobogen der Hausdurchsuchung beim Beschuldigten
Am 5. September 2013 um 16.30 Uhr erfolgte eine Hausdurchsuchung in der
Wohnung des Beschuldigten an der W._-Strasse ... in Zürich 10 (Urk. 9/2).
Dabei wurden Sprayer-Schriftzüge auf grossformatigen Kartons, zahlreiche
Spraydosen, Schuhe mit Farbspuren, eine Schachtel mit neuen und eine Tüte mit
gebrauchten Sprühköpfen, Graffitibilder sowie insbesondere zwei – offen auf dem
Salon- oder Arbeitstisch liegende – Skizzenblätter mit dem Schriftzug 1... ange-
troffen und fotografiert (Urk. 9/3).
3.10. Auswertung der beiden Mobiltelefone des Beschuldigten
3.10.1. Anlässlich der Verhaftung konnte ein iPhone 4 des Beschuldigten sicher-
gestellt werden (Urk. 10/1 S. 2). Nachdem der Beschuldigte eine Weile auf einer
Siegelung all seiner elektronischen Geräte bestanden hatte (vgl. oben E. 3.5.1.
und 3.5.2.), liess er die Gegenstände am 13. September 2013 durch seinen da-
maligen Verteidiger freigeben (Urk. 10/3). Die Auswertung von "A._s iPhone"
mit der Rufnummer 07... brachte diverse Facebook-Chats zutage, u.a. folgende
Unterhaltung vom 30. September 2011, 10.29-10.37 Uhr (Urk. 11/6 S. 2):
a) (A._) "ich mal nacher mal die alte kampfstifg" / "kampfstifel vo mim va-
ter a$" / "ey häsch du am Mittwoch öppis im ... gmacht?"
(B._) "hmmm wegä meinsch?--"
(A._) "ich bin au ebä unterwägs gsi und ufm rückwäg über de ... gfahre
und öppis agfangnigs gseh..."
(B._) "ja chan guet sie...--"
(A._) "hehe".
Auf dem Computer des Beschuldigten wurde in diesem Zusammenhang ein
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Foto eines (Kampf)-Stiefels mit dem aufgesprayten Graffiti "4._" vom
29. April 2012 aufgefunden (Urk. 11/6 S. 3; Urk. 11/4 S. 5).
b) Am 3. September 2013, 10.00/12.05 Uhr, und am 4. September 2013,
10.32-10.52 Uhr (Urk. 11/6 S. 8), findet sich folgender iMessage-Chat mit
"AC._":
"Hanen hüt morgen nid gseh...was ziemli komisch isch"
"Hhmm.. fuck!"
"yo uf welere linie sött er nach züri fahre?"
"Sett eigendlich am 0615 nach zh fahre, ahgschriebe RE Stadelhofen, ha-
nen aber hüt au nid gseh :/ irgendwie komisch. Glaub de hends abkopplet..."
"Hanen gester au no gsuecht. Aber nix gfunde...voll fûrn arsch."
c) Ebenfalls am 4. September 2013, 10.20-11.17 Uhr (Urk. 11/6 S. 7), fand
auszugsweise folgender iMessage-Chat mit "AD'._" statt (AD._,
ein in Brüssel wohnhafter Kollege des Beschuldigten; vgl. Urk. 6/3 S. 3 und
Urk. 3 S. 3):
"Yo A._! Sagst mir wenn kunnen wir foto machen! Ich komme so am
13.00 nach zuri"
"ich muss AC._ fragen. um 13:00 bin ich noch in der schule, ich denke
heute bis 16:00.."
"Ok kein probleme! Bis gerad!"
"yo de AC._ hät ihn nonig gseh. vilicht fahrter s12, aber ich glaub ehner
er fahrt im fernverkehr söt mit RE agschribe si. aber muesch luege."
"Ich glaube IR oder IC".
d) Ebenfalls am 4. September 2013, 10.36-10.48 Uhr, fand folgender iMessa-
ge-Chat mit "AE._" statt (Auszug):
"yo häsch du en plan uf wellere linie er hüt fahrt? und wänn und wo fangts
hüt abig a? g A._"
"Esch bes jez noni gsichtet worde!Han geschter gluegt nüt gse...hüt würd er
fahre weisi ned. (...)".
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e) Weitere Chats drehen sich um "malen" ("...heeeeyo! 'wird gmaalädt hüt?!";
Urk. 11/6 S. 5) oder "painten" bzw. "malen am Letten", um "Farben", um Fo-
tos bzw. fotografieren ("wemers no go fötele?? Schiisst mi hart a wemer keis
foti händ"; Urk. 11/6 S. 9), um "AF._" bzw. dessen Laden "AG._",
wo sich die meisten Sprayer in Zürich mit Utensilien eindecken (vgl.
Urk. 11/6 S. 5 und 9).
3.10.2. Im Rahmen der Hausdurchsuchung beim Beschuldigten wurde ein weite-
res Handy, ein iPhone 3, sichergestellt (Urk. 10/1 S. 2). Dieses Mobiltelefon mit
der Rufnummer 07... funktionierte unter der Apple ID "...@R._.ch" und trug
den "Device"- bzw. Displaynamen "iPhone R._". Die Ermittlungen ergaben,
dass dieses iPhone vorgängig R._ gehört haben dürfte; viele Daten auf dem
Telefon hätten von jenem gestammt. Gemäss gefundener Einträge hätten sich
R._ und der Beschuldigte gemeinsam für eine Wohnung beworben. Beson-
ders stach hervor, dass in den Kontakten die Nummer des Beschuldigten (ge-
speichert unter "A._" mit einem "r") mit einem Kontaktbild versehen worden
war, welches eine mit dem Schriftzug "1..." versprayte S-Bahn zeigte (vgl.
Urk. 11/6 S. 12 und 13). Der Beschuldigte, am 23. September 2013 dazu befragt,
gab an, dass dies nicht sein Anzeigebild sei. Welches sein Anzeigebild sei, falle
ihm im Moment nicht ein, bzw. (handschriftlich ergänzt) er habe keines (Urk. 6/3
S. 2). Später wurde dem Beschuldigten und seinem damaligen Verteidiger seitens
des befragenden Polizisten nochmals erklärt, warum es sich bei dem Bild seiner
Ansicht nach um das Kontaktbild des Beschuldigten handle (Urk. 6/3 S. 3).
3.11. Fotobogen ab dem Computer des Beschuldigten
Eine Auswertung des Computers des Beschuldigten brachte zahlreiche Fotos von
Sprayereien zutage. Neben anderen Schriftzügen (z.B. "5._", "6._",
"7._", "4._") wurde vermehrt der Schriftzug "1._" abgelichtet
(Urk. 11/4 S. 2 [an S-Bahn], 3 [zweimal an S-Bahn], 4, 6, 11, 13, 14 [an S-Bahn]).
Ein Bild zeigt den Beschuldigten beim Sprayen, vermutlich in der Garage seiner
Eltern (Urk. 11/4 S. 1). Ebenfalls fotografiert wurden mehrfach der Tag 1'..., der in
den Akten als "Crew-Tag" glossiert ist (Urk. 11/4 S. 6-8, 11, 13, 14), einmal das
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Graffiti ... mit dem Zusatz "5 Jahr 1'._ Gang" (Urk. 11/4 S. 5), sowie mehr-
fach der Schriftzug 1'._ als Piece (Urk. 11/4 S. 11-13).
3.12. Fotobogen ab der Digicam des Beschuldigten
Schliesslich wurde die Digitalkamera des Beschuldigten ausgewertet. Neben Bil-
dern von Projekten an der ...-Schule und Gebäuden und Orten in Zürich ohne
Graffiti-Zusammenhang konnten auch hierbei Sprayer-Fotos gefunden werden,
die jedoch, soweit erkennbar, vom legalen Sprayplatz beim Lettenareal stammten.
Ersichtlich sind u.a. ein 1...-Tag sowie ein 1._-Graffiti (Urk. 11/5 S. 1 und 3).
Erkennbar ist sodann auch hier ein 1'._-Tag (Urk. 11/5 S. 3).
3.13. Aussagen von Polizist O._ zur Zugsbesprayung beim Bahnhof ... vom
8. Februar 2013 (Graffiti 1._), ND 32
O._ war am 8. Februar 2013 um ca. 13.35 Uhr mit seinem Kollegen P._
zum Abstellgleis beim Bahnhof ... ausgerückt, weil eine Privatperson die Be-
sprayung einer Zugskomposition gemeldet hatte. Polizist O._ gab am 7. April
2014 in Anwesenheit des Beschuldigten zu Protokoll, dass sie unterhalb der Ge-
leise angekommen seien. Er sei ca. drei oder vier Meter von dem Mann entfernt
gestanden und habe sehen können, wie dieser den Zug besprayte (vgl. den mit
dem unvollendeten Schriftzug 1._ versprayten S-Bahn-Wagen in ND 32/1
S. 12 und ND 32/4 S. 1). Die Person sei vermummt gewesen, er habe nicht er-
kennen können, ob es der Beschuldigte gewesen sei. Er sei aber gross gewesen,
zwischen 1.80 und 1.95 m. Er habe vielleicht dreimal geschrien: "Halt, Polizei, an-
halten"; sein Kollege sicher auch noch einmal. Der Mann habe aber flüchten kön-
nen; es habe Schnee gehabt, und mit ihrer Polizeiausrüstung hätten sie nicht ren-
nen können. Er sei dann über den Zaun gegangen, und sie hätten ihn verloren.
Sie hätten noch ein Velo sichergestellt, aber das habe keine Spuren ergeben
(Urk. 7/6 S. 3).
3.14. Kurzbericht des Forensischen Instituts vom 9. Oktober 2013
3.14.1. Gemäss Rapport vom 28. Februar 2013 liess der Täter eine schwarze
Stofftasche mit Spraydosen zurück, als er vom Abstellgleis beim Bahnhof ... vor
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den beiden Polizisten flüchtete (ND 32/1 S. 3; vgl. auch ND 32/5 S. 2). Darin be-
fanden sich Spraydosen, ein Latexhandschuh, ein Lippenpflegestift M-Budget, ein
Kugelschreiber sowie in einer Aussentasche Spraydosenknöpfe (ND 32/1 S. 9).
3.14.2. Am Forensischen Institut wurden der Lippenpflegestift, der Latex-Hand-
schuh sowie die diversen Spraydosenknöpfe nach DNA-Spuren untersucht. Die
Überprüfung des Lippenpflegestiftes (PCN 1...) ergab den Beschuldigten (PCN
2...) als Spurenverursacher (ND 32/5 S. 2). In einem weiteren Dokument des
FOR wurde dazu kommentiert: "Diese Person-Spur Übereinstimmung spricht für
Spurengeberschaft der Person, wenn kein eineiiger Zwilling als Spurengeber be-
rücksichtigt werden muss" (ND 32/6 S. 2). Hernach wurden der Latex-Handschuh
und die diversen Sprayknöpfe untersucht (ND 32/5 S. 3). Dabei ergab sich eine
"Übereinstimmung mit Profil von Spuren aus gleichem Fall" bzw. eine "Überein-
stimmung mit dem DNA-Profil der Spur mit der PCN 1..." – somit der Spur auf
dem Lippenpflegestift – wobei als Anmerkung notiert wurde: "Spurenverursacher
A._, tt.mm.1992". Eine Rückfrage beim zuständigen Sachbearbeiter des Fo-
rensischen Instituts, Herrn AH._, Kriminaltechnik, ergab, dass der Ablauf der
folgende sei: Wenn man schon ein Profil habe und sehe, dass ein weiteres iden-
tisch sei, dann schicke man dieses weitere Profil nicht nochmals ans EDNA (eidg.
DNA-Profil-Informations-System; vgl. Urk. 61, der Verteidigung vor der Beru-
fungsverhandlung zugestellt). Dies erklärt den entsprechenden Vermerk "Nicht an
EDNA" (vgl. ND 32/5 S. 3). Es kann somit geschlossen werden, dass auf allen un-
tersuchten Objekten – Lippenpflegestift, Latex-Handschuh und Spraydosenknöpfe
– die DNA des Beschuldigten aufgefunden wurde.
3.14.3. Der Beschuldigte gab am 26. März 2014 zu Protokoll, dass er den DNA-
Kurzbericht anerkenne. Ansonsten wollte er keinen Kommentar abgeben (Urk. 6/5
S. 2 f. und Urk. 6/6 S. 2). Auch die Verteidigung anerkannte vor Vorinstanz das
Vorhandensein von DNA-Spuren des Beschuldigten, wenn auch explizit nur auf
dem Lippenpflegestift. Zu den weiteren Fundstellen, d.h. Latex-Handschuh und
diverse Spraydosenknöpfe, machte sie keine Ausführungen (Urk. 36 S. 5 f.).
- 20 -
3.15. Würdigung
3.15.1. Auch wenn den Beschuldigten in der Verhaftsnacht niemand sprayen ge-
sehen hat, besteht kein Zweifel, dass er es war, der am 5. September 2013 um
ca. 4.00 Uhr an der L._-Strasse ... den Schriftzug 1._ an einen Lastwa-
gen sprayte (HD).
a) Er wurde auf derjenigen Seite des Lastwagens angetroffen, auf welche das
Graffiti 1._ gesprayt wurde. Er blieb entgegen der Verteidigung keines-
wegs "seelenruhig vor Ort" stehen, als die Polizei eintraf (Urk. 36 S. 4), son-
dern lief gemäss glaubhaften Aussagen beider Polizisten vom Lastwagen
weg und blieb auf die Halterufe von Polizist N._ auch nicht auf Anhieb
stehen. Vielmehr nutzte er die kurze Zeitspanne des sich Entfernens, um
sich seines Rucksacks und einer oder zwei Spraydosen zu entledigen, die er
in den Händen gehalten hatte. Als er gewahr wurde, dass auf den Spraydo-
sen möglicherweise seine DNA nachweisbar sein würde, fiel ihm nachträg-
lich (vgl. die offenkundig nachgeschobenen Aussagen, Erw. 3.5.1.) ein, dass
er eine der Dosen aufgehoben habe; kurze Zeit später waren es dann schon
zwei Dosen bzw. wollte er überhaupt nicht mehr so recht wissen, wie viele er
genau aufgehoben hatte. Unglaubhaft ist auch die Behauptung, dass er die
Dosen aufgehoben habe, um sich zu überlegen, ob er diese für die Schule
gebrauchen könnte: Die Schule stellt Spraydosen zur Verfügung (vgl. oben
E. 3.5.4.), so dass wenig Notwendigkeit bestand, nachts gebrauchte fremde
Spraydosen mitzunehmen. Wenig überzeugend wirken auch die Ausführun-
gen, dass seine farbigen Hände daher rührten, dass er genau am selben
Tag in der Schule mit Spraydosen gearbeitet habe. Wohl mag der Beschul-
digte ab und an in der Schule mit Spraydosen arbeiten. Betreffend genau
diesen Tag konnte er aber weder eine konkrete Spray-Arbeit benennen,
noch war er von Lehrern beim Sprayen gesehen worden, noch hatte er mit
Schulkollegen zusammengearbeitet. Vor dem Hintergrund dieser unglaub-
haften Aussagen und der nachfolgenden Erwägungen ist unerheblich, dass
– wie die Verteidigung moniert – nicht untersucht wurde, ob die Farbanhaf-
tungen an den Händen des Beschuldigten frisch waren und mit den Farben
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des angefangenen 1._-Graffitis übereinstimmten (vgl. Urk. 36 S. 4;
Urk. 63 S. 26).
b) Beim Beschuldigten zu Hause wurden Skizzen mit dem Schriftzug 1._
aufgefunden. Der Beschuldigte hat zugegeben, dass er diese Skizzen ge-
zeichnet hat (Urk. 6/3 S. 2 Antwort 7 f.). Der untere 1._-Schriftzug auf
dem aufgefundenen Skizzenblatt (Urk. 9/3 S. 4 bzw. 6 links) ist augen-
scheinlich praktisch identisch mit dem Graffiti 1._ auf dem Lastwagen,
und die Skizzen lagen offen auf dem Tisch, waren mithin erst kurz vorher
angefertigt worden – sie hatten dem Beschuldigten offensichtlich als Vorlage
für die nächtliche Sprayerei gedient. Zudem gab der Beschuldigte immerhin
zu, dass er sich häufig am Letten aufhalte, dort auch – legal – spraye und zu
diesem Zweck vorher jeweils Skizzen anfertige. Es ist daher nicht glaubhaft,
dass er ausgerechnet die bei ihm zu Hause aufgefundenen Skizzen nicht als
Graffiti-Vorlagen angefertigt habe, sondern aus dem Grund, weil er einen
ähnlichen – konkludent: fremden – 1._-Schriftzug am Letten gesehen
habe und diesen durch das Abzeichnen und Weiterverarbeiten zu Hause
habe "verstehen" wollen. Nachdem es Sprayern bekanntlich um ihren eige-
nen "fame" geht, ist nicht nachvollziehbar, warum der Beschuldigte Zeit da-
rauf verwenden sollte, zu Hause fremde Kürzel nachzuzeichnen, und noch
weniger verständlich ist, was es auf diese Art und Weise zu "verstehen" ge-
ben sollte. Die Verteidigung insinuiert, dass es möglicherweise der geflüch-
tete Mann war, dem implizit das Graffiti 2._ angelastet werde, der auch
das Graffiti 1._ gesprayt habe (Urk. 36 S. 4; Urk. 63 S. 26). Dann wäre
aber einerseits rätselhaft, warum der Beschuldigte von irgendwelchen Spra-
yern gar nichts mitbekommen haben will (an der angeblich starken Alkoholi-
sierung kann es nicht gelegen haben, konnte er sich doch je länger, an des-
to mehr Details der fraglichen Nacht erinnern, wie z.B. eben an die Anzahl
der Dosen, die er aufgehoben haben will) – schliesslich sah sogar der mit
Blaulicht und Horn anrückende Polizist N._ den unbekannten Mann
noch davonrennen. Andererseits bliebe auch unerklärlich, warum der unbe-
kannte Sprayer ein Graffiti sprayte, dessen Skizze beim Beschuldigten zu
Hause auf dem Tisch lag und die letzterer gezeichnet hatte.
- 22 -
3.15.2. Als weitere Leinwand diente dem Beschuldigten am 8. Februar 2013 um
ca. 13.45 Uhr eine auf dem Abstellgleis beim Bahnhof ... stehende S-Bahn, wo er
bei seiner Flucht vor der Polizei seine Tasche zurückliess (ND 32).
a) Im entsprechendem Polizeirapport ist festgehalten: "Der Täter liess die Ta-
sche mit den Spraydosen zurück, als er die sich nähernde Uniformpolizei
erblickte. Die Tasche mitsamt den Spraydosen wurde im FATS erfasst und
dem FOR Dispo zugestellt". Der Einwand der Verteidigung (Urk. 36 S. 5),
wonach völlig unklar sei, wo genau die Tasche sichergestellt wurde, zielt ins
Leere. Nachdem die Polizisten (von denen mindestens der eine, O._,
nur gerade drei oder vier Meter vom Täter entfernt stand) beobachteten,
dass es eben der Sprayer war, der die Tasche bei der S-Bahn zurückliess –
worauf im Übrigen auch der Inhalt der Tasche, nämlich u.a. Spraydosen,
hindeutet – ist der zentimetergenaue Fundort der Tasche irrelevant. An die-
sen Spraydosen bzw. an den Sprayknöpfen wurde nun die DNA des Be-
schuldigten sichergestellt; ebenso an einem in der Tasche aufgefundenen
Latexhandschuh (vgl. oben E. 3.14.). Darauf geht die Verteidigung – die sich
nur auf den Lippenpflegestift kapriziert – mit keinem Wort ein (Urk. 36 S. 5),
denn es gibt keine andere vernünftige Erklärung für diese Spuren, als dass
der Beschuldigte mit den Spraydosen zum eingeklagten Zeitpunkt die auf
dem Abstellgleis stehende S-Bahn versprayte. Dass schliesslich auch der in
der Tasche aufgefundene Lippenpflegestift DNA-Spuren des Beschuldigten
aufwies, rundet das Bild ab.
b) Die Verteidigung gibt sich erstaunt, dass der Täter zwar fluchtartig den Tat-
ort verlassen habe, sich aber dennoch die Zeit genommen habe, um sein
ganzes Material in die Tasche einzupacken – und die Tasche dann aber
trotzdem zurückgelassen habe (Urk. 63 S. 27). Ein solcher Ablauf erscheint
aber auch nicht wahrscheinlich. Vielmehr ist davon auszugehen, dass ein
Sprayer jeweils immer nur gerade diejenigen Spraydosen aus seiner Tasche
auspackt, die er in dem Moment gerade zum Sprayen benötigt, und den
Rest in seiner Tasche belässt, damit er bei einer Flucht keine Zeit mit Pa-
cken verliert. Entsprechend ist bestens vorstellbar, dass der Beschuldigte
- 23 -
mit denjenigen Spraydosen die Flucht ergriff, die er gerade in Händen hielt,
aber – angesichts des nur drei oder vier Meter entfernt stehenden Polizisten
O._ – keine Zeit mehr hatte, um auch die Tasche zu ergreifen.
c) Die Verteidigung wendet ein, die DNA am Lippenpflegestift beweise weder
die Anwesenheit des Beschuldigten am Tatort zum inkriminierten Zeitpunkt
noch die Urheberschaft des dortigen Graffitis (Urk. 36 S. 5 f.). Wollte man
dem folgen, so müsste dies ja bedeuten, dass Polizist O._ einen Mann
beim Sprayen beobachtete, der nicht der Beschuldigte war, der aber eine
Tasche bei sich hatte, in welcher sich Spraydosen, ein Latexhandschuh und
ein Lippenpflegestift befanden, welche allesamt der Beschuldigte benutzt
hatte bzw. welche Dinge ihm sogar gehörten – denn eine weitere, fremde
DNA wurde auf keinem der Gegenstände gefunden, der Beschuldigte hatte
sie also nicht etwa nur mitbenutzt. Dies müsste dann wiederum bedeuten,
dass der unbekannte Sprayer seine eigenen Spraydosen bzw. das entspre-
chende Behältnis mit sich nahm, als er vor der Polizei flüchtete, und nur die
Tasche des Beschuldigten, welche er aus einem unerfindlichen Grund mit
sich trug, liegenliess. Der Beschuldigte hat aber nie behauptet, er habe an
jenem Tag seine Tasche verloren oder einem Kollegen mitgegeben oder
dergleichen; dies aber wäre ja Voraussetzung gewesen, dass die Tasche
überhaupt erst in die Hände des unbekannten Sprayers gelangen konnte.
Falls die Verteidigung unterstellen will, die Tasche des Beschuldigten sei
aus einem anderen Grund bei diesem Abstellgleis gelegen, ohne jegliche
Verbindung zum unbekannten sprayenden Mann: Auch in so einem Fall hät-
te der Beschuldigte ja darlegen können, dass er diese Tasche dort am Vor-
tag oder wann auch immer verloren hätte, was er aber auch nicht getan hat.
All diese komplizierten Alternativabläufe sind höchst theoretisch – ganz im
Gegensatz zur Geschichte, die sich tatsächlich zugetragen hat. Diese ist
einfach und lautet so, dass es der Beschuldigte war, welcher am 8. Februar
2013 die auf dem Abstellgleis beim Bahnhof ... stehende S-Bahn-
Komposition mit dem Schriftzug 1._ versprayte, und dass er beim Weg-
laufen vor der Polizei eben seine Tasche zurückliess.
- 24 -
d) Dass stilistisch keine Ähnlichkeit zwischen dem 1._ auf dem Lieferwa-
gen und demjenigen auf der S-Bahn in Uetikon auszumachen sei, wie die
Verteidigung geltend macht (Urk. 36 S. 5; vgl. dazu im Übrigen E. 3.15.4.d)
unten), vermag an diesem Beweisergebnis nichts zu ändern. Ausserdem er-
scheint dies so absolut auch nicht zutreffend. Zwar sind zwischen den bei-
den Schriftzügen durchaus Unterschiede zu erkennen, wie z.B. beim Buch-
staben T, der auf dem Lastwagen wie ein Pfeil nach oben ragt, während der
T-Balken auf der S-Bahn horizontal verläuft. Im Gesamteindruck weichen die
beiden Schriftzüge aber nicht markant voneinander ab, und gar sehr ähnlich
erscheinen die roten Stellen und Punkte, welche auf beiden Fotos je seitlich
der Schriftzüge zu sehen sind (vgl. Urk. 6/4 S. 1 und ND 32/4 S. 1).
3.15.3. Damit ist die Frage zu klären, ob es sich beim Schriftzug 1._ um den
Tag oder das Piece des Beschuldigten handelt. Dabei kann neben den bisherigen
Fakten (zwei dem Beschuldigten nachgewiesene 1._-Sprayereien, 1._-
Skizzenblätter des Beschuldigten bei ihm zu Hause auf dem Tisch) von Folgen-
dem ausgegangen werden:
a) Aus den Fotos der Hausdurchsuchung und den Auswertungen von Compu-
ter, Digicam und Handys des Beschuldigten erhellt, dass es sich bei ihm um
einen regelmässigen Sprayer handelt. Die Spraydosen, die vielen neuen
und gebrauchten Sprühköpfe, die Tags allenthalben, die Skizzen und die
bemalten Leinwände bei ihm zu Hause (Urk. 9/3 bzw. oben E. 3.9.), die
zahlreichen bei ihm aufgefundenen Fotos von Sprayereien (Urk. 11/4-5 bzw.
oben E. 3.11. und E. 3.12.) und die Sprayer-Unterhaltungen mit Gleichge-
sinnten (Urk. 11/6 bzw. oben E. 3.10.1.) bestätigen diesen Schluss.
b) Auf dem Computer des Beschuldigten wurden Fotos von 1._-
Sprayereien aufgefunden, die polizeilich bereits vermerkt waren bzw. zu
welchen bereits Anzeigen vorlagen:
− ND 2: Am 7. Mai 2011 um 4.47 Uhr wurde das Graffiti 1._ an ei-
nem Zugswagen im Zürcher Hauptbahnhof entdeckt; verschmiert mit
einer Wellenlinie und der Aufforderung "Stay Out" (ND 2/1). Im Compu-
- 25 -
ter des Beschuldigten wurde ein Bild desselben Graffitis gefunden, fo-
tografiert am 4. Mai 2011 um 12.17 Uhr, mithin drei Tage vorher – noch
unversehrt, d.h. ohne Verschmierungen (ND 2/4 S. 2).
− ND 3: Am 7. Mai 2011 um 7.44 Uhr wurde das Graffiti 1._ an ei-
nem Zugswagen im Zürcher Hauptbahnhof entdeckt (ND 3/1). Im
Computer des Beschuldigten wurde ein Bild desselben Graffitis gefun-
den, fotografiert am 29. April 2011 um 12.20 Uhr, mithin acht Tage vor-
her (ND 3/4 S. 2).
− ND 5: Am 23. Juli 2011 um 12.42 Uhr wurde das Graffiti 1._ an ei-
nem Zugswagen auf dem C._-Gelände Baden entdeckt (ND 5/1).
Im Computer des Beschuldigten wurde ein Bild desselben Graffitis ge-
funden, fotografiert am 22. Juli 2011 um 10.18 Uhr, somit einen Tag
vorher (ND 5/3 S. 2). ND 5 wurde mangels Vorliegens eines rechtzeiti-
gen Strafantrages eingestellt, an der Heranziehung als Indiz hindert
dies aber nicht.
c) Sodann wurden wie erwähnt auf dem Computer und der Digicam des Be-
schuldigten zahlreiche weitere Fotos von 1._-Graffitis gefunden (vgl.
oben E. 3.11. und E. 3.12.).
d) In einem Handy, das zuvor R._, einem Kollegen des Beschuldigten,
gehört hatte, war die Nummer des Beschuldigten mit einem Kontaktbild ver-
sehen worden, das eine mit dem Schriftzug 1._ versprayte S-Bahn
zeigte. R._ versuchte dies in der Befragung vom 23. September 2013
zu erklären (vgl. oben E. 3.7.). Eine zugunsten des Beschuldigten lautende
Aussage wäre zu seinem Vorteil zu verwerten, auch wenn die Teilnahme-
rechte nicht eingehalten wurden. Von diesbezüglich überzeugenden Aussa-
gen R._s kann aber keine Rede sein: Der Beschuldigte hat einen
Bahnwagen (und einen Lastwagen) mit dem Graffiti 1._ versprayt. Auf
seinem Computer fanden sich mehrere Fotos, auf welchen mit dem Schrift-
zug 1._ versprayte S-Bahnen zu sehen waren. Und schliesslich fanden
sich auf dem iPhone 4 des Beschuldigten einige Konversationen über S-
- 26 -
Bahn-Züge, die auf irgendwelchen Linien nach Zürich fahren sollten, dann
aber zum Bedauern der Gesprächsteilnehmer jeweils nicht auf der erwarte-
ten Route im Einsatz waren (vgl. oben E. 3.10.1.). Es ist offensichtlich, dass
sich der Beschuldigte hier mit Kollegen über den Verkehr von versprayten S-
Bahn-Wagen unterhielt, wobei das Ziel war, die Werke auf den im Verkehr
befindlichen Zügen zu fotografieren – offenbar ein Highlight für Sprayer. Vor
diesem Hintergrund vermag die Aussage R._s, wonach er das fragliche
Bild der mit dem Graffiti 1._ – dem gleichen Schriftzug, den der Be-
schuldigte nachweislich zweimal gesprayt hat – versprayten S-Bahn rein zu-
fällig gemacht und es auch nur deshalb zu den Adressdaten des Beschuldig-
ten hinzugefügt habe, weil sie beide Street Art schön fänden, überhaupt
nicht zu überzeugen. Sie kann deshalb nicht zugunsten des Beschuldigten –
aber auch nicht zu seinem Nachteil – verwertet werden. Nicht überzeugend
wirkt vor diesem Hintergrund im Übrigen auch die Aussage R._s, wo-
nach der Beschuldigte in seiner Anwesenheit nie 1._ gesprayt habe.
R._ wollte sich einerseits nicht mehr daran erinnern können, was für
Wörter der Beschuldigte am Letten jeweils gesprayt habe, weil er eher den
Gesamteindruck auf sich wirken lasse und nicht jeden Buchstaben lese. Es
erscheint daher unplausibel, dass er sich andererseits aber noch genau ins
Gedächtnis rufen konnte, dass der Beschuldigte nie 1._ gesprayt habe.
Auch diese Aussage R._s kann deshalb nicht zugunsten des Beschul-
digten – aber auch nicht zu seinem Nachteil – verwertet werden. – Es bleibt
damit bei der Tatsache, dass im Handy, das zuvor R._ gehört hatte, für
den Beschuldigten ein Kontaktbild verwendet worden war, welches das Pie-
ce 1._ an einer S-Bahn zeigt.
e) Auch aus den Aussagen Q._s – ebenfalls nur in Abwesenheit des Be-
schuldigten befragt – kann nichts zu dessen Gunsten abgeleitet werden. Er
bestätigte bloss, mit dem Beschuldigten am 5. September 2013 im Ausgang
gewesen zu sein. Zum Zeitpunkt der Sprayerei hatte er aber seinen Kolle-
gen längst aus den Augen verloren und war nach Hause gegangen. Zudem
verkehrt Q._ offenbar nicht in der Sprayerszene, weshalb es den Be-
schuldigten nicht entlastet, dass Q._ ihn während des Mittagessens am
- 27 -
Letten nie sprayen sah und mit den Schriftzügen 1._ und 1'._
nichts anfangen konnte.
f) Zu überprüfen bleibt, ob es sich bei 1._, wie die Verteidigung einwendet
(Urk. 36 S. 13; Urk. 63 S. 12 ff.), um ein Crew-Tag handeln könnte, so dass
die entsprechenden 1._-Graffitis oder -Tags von verschiedenen Mitglie-
dern einer Crew gesprayt worden sein könnten. Die Verteidigung verweist
dazu auf einen Ausschnitt aus einem Polizeibericht der Kantonspolizei
Schaffhausen, gemäss welchem eine deutliche Zunahme von Darstellungen
ausschliesslich von Gruppennamen festzustellen sei, da diese nur in weni-
gen Fällen Aufschluss darüber geben würden, welcher Writer an der jeweili-
gen Sachbeschädigung beteiligt gewesen sei (vgl. auch Urk. 38/2 Abs. 3 f.).
In der Tat gibt es in den Akten mehrere Hinweise auf das Vorliegen eines
Crew-Tags. Allerdings ist laut den Bemerkungen auf den Fotobogen (sie
stammen von Wm mbA AI._, Graffiti-Sachbearbeiter der Stadtpolizei
Zürich; vgl. Urk. 11/3 S. 2 f. und Urk. 58) nicht der Schriftzug 1._ ein
solches Gruppenkürzel, sondern die Buchstabenfolge 1'._. An mehre-
ren Stellen ist vermerkt, dass sich Hinweise fänden, dass der Beschuldigte
zusammen mit weiteren Personen die Crew 1'._ bilde (Urk. 3 S. 2),
dass Anzeigen vorlägen, wonach im Raum Zürich eine 1'._-Crew exis-
tiere, wobei allerdings ein Zusammenhang zwischen 1._ und 1'._,
trotz der Ähnlichkeit der verwendeten Buchstaben, nicht festgestellt worden
sei (Urk. 9/3 S. 8), und dass auf verschiedenen Fotos (auch) Crew-Tags zu
sehen seien. So hätten zum Beispiel – immer gemäss Kommentierungen
von AI._ – auf einem Bild von der Skateranlage ... ab dem Computer
des Beschuldigten die Sprayer 8._ und 1._ neben ihren persönli-
chen Tags auch die Crew-Tags 9._ und 1'._ hinterlassen
(Urk. 11/4 S. 11). Auf einem weiteren Bild von einer unbekannten Örtlichkeit
ab dem Computer des Beschuldigten finde sich ein Hinweis auf die
1'._-Crew (Urk. 11/4 S. 13), und auf einem anderen fänden sich wiede-
rum die Crew-Tags 1'._ und 9... (Urk. 11/4 S. 14). Auf einem Bild vom
Letten ab der Digicam des Beschuldigten würden die roten Schriftzüge
- 28 -
10._, 1'._ und 9._ auf Sprayercrews hindeuten (Urk. 11/5
S. 3).
Es stellt sich durchaus die Frage, warum es sich – mit dem Kommentator –
bei 1'._ um ein Crew-Kürzel handeln soll, wohingegen 1._ der per-
sönliche Tag des Beschuldigten sein soll. Vorstellbar wäre durchaus auch
das Umgekehrte. So wurden beim Beschuldigten zu Hause neben Skizzen
mit dem Schriftzug 1._ auch solche mit dem Schriftzug 1'._ gefun-
den (Urk. 9/3 S. 8). Es liegen auch – zwar nur wenige – Fotos bei den Akten,
auf welchen der Schriftzug 1'._ ebenfalls als grosses Piece abgebildet
ist (Urk. 11/4 S. 11, 12 und 13; ND 36/4 S. 2), mithin ebenso gross wie die –
allerdings viel zahlreicheren – 1._-Graffitis. Einfach beantworten lässt
sich die Frage indes anhand eines Bildes ab dem Computer des Beschuldig-
ten. Es zeigt das Graffiti 11..., gemäss Kommentierung versehen mit dem
Zusatz "5 Jahr 1'._ GANG". Nachdem dieses Foto nur in eher kleinem
Format und nicht sehr guter Auflösung bei den Akten lag, mithin der Zusatz
"5 Jahr 1'._ GANG" gar nicht lesbar war, wurde es von der Kammer bei
Polizist Wm mbA AI._ nochmals angefordert (Urk. 58). Ein vergrösser-
ter Ausdruck zeigt nunmehr deutlich lesbar den Zusatz "5 Jahr 1'._
GANG" (Urk. 59 und 60; Urk. 58-60 der Verteidigung vor der Berufungsver-
handlung zugestellt, vgl. auch Urk. 63 S. 12 viertletzte Zeile). Damit bleibt
kein vernünftiger Zweifel daran, dass es sich bei 1'._ um eine Sprayer-
Crew oder eben -Gang handelt, was die Verteidigung im Übrigen heute gar
als gerichtsnotorisch bezeichnet hat (Urk. 63 S. 12 unten). Nun liegen ver-
schiedene Fotos bei den Akten, auf welchen neben dem Graffiti 1._ ein
kleineres 1'._-Graffiti ersichtlich ist (Urk. 11/4 S. 11; Urk. 11/4 S. 13;
Urk. 11/4 S. 14) bzw. ein kleinerer 1'._-Tag (ND 35/4 S. 1). Steht
1'._ aber nachweislich für die Crew, muss es sich bei 1._ um den
Writer bzw. das Crew-Mitglied und dessen persönliches Kürzel handeln. An-
dernfalls würden ja beide Buchstabenfolgen auf den letztzitierten Fotos für
Crews stehen, was aber keinen Sinn ergäbe – ist doch davon auszugehen,
dass der Writer sich mit seinem persönlichen Kürzel selber verewigen und
hernach mit dem Crew-Tag noch zeigen will, zu welcher Crew er gehört.
- 29 -
Damit ist der entsprechende Einwand der Verteidigung entkräftet. Es kann
davon ausgegangen werden, dass 1._ ein persönliches Sprayerkürzel
ist.
g) Es kann somit Folgendes geschlossen werden: Der Beschuldigte ist ein
Sprayer, und er hat nachweislich am 8. Februar 2013 den Schriftzug
1._ an einen S-Bahn-Wagen in ... und am 5. September 2013 an einen
Lieferwagen an der L._-Strasse ... in Zürich gesprayt. Bei seinen Fotos
konnten zahlreiche Bilder von Graffitis sichergestellt werden, darunter un-
zählige mit dem Graffiti 1._, auch an S-Bahn-Wagen, wobei für drei der
fotografierten 1._-S-Bahn-Graffiti bereits Anzeigen vorlagen und die Fo-
tos nachweislich kurz zuvor geschossen worden waren. Der Beschuldigte
hat sich mit Gleichgesinnten darüber ausgetauscht, auf welchen Linien ver-
sprayte S-Bahn-Wagen fahren, um diese im Schienenverkehr fotografieren
zu können. Sein Kollege R._ hat die Handy-Kontaktdaten des Beschul-
digten mit einem Bild eines mit dem Graffiti 1._ versprayten S-Bahn-
Zuges versehen. 1._ ist kein Crew-Tag, sondern ein persönlicher Wri-
ter-Tag. Aufgrund dieser Kette von Indizien bleibt kein vernünftiger Zweifel
daran, dass es sich bei 1._ um den persönlichen Tag bzw. das Piece
des Beschuldigten handelt. Anders zu entscheiden, hiesse, kumuliert davon
auszugehen, dass R._ das Piece eines anderen Sprayers als Kontakt-
bild für den Beschuldigten verwendete, dass der Beschuldigte persönlich
zweimal – unter Inkaufnahme des Risikos bei gleichzeitigem "Verschenken"
des "fames" an den fremden Sprayer – dieses fremde Piece an eine S-Bahn
bzw. an einen Lastwagen sprayte, und dass der Beschuldigte Bilder mit dem
fremden Schriftzug 1._ richtiggehend sammelte – Annahmen, für wel-
che aber nicht ansatzweise ein Grund ersichtlich ist und die darum nur hypo-
thetisch erscheinen. 1._ ist somit der persönliche Tag bzw. das Piece
des Beschuldigten.
3.15.4. Verantwortlichkeit des Beschuldigten für alle eingeklagten 1._-Pieces
und -Tags
- 30 -
a) Dies führt zur Frage, ob der Beschuldigte entsprechend für alle Sprayereien
verantwortlich gemacht werden kann, auf welchen die Buchstabenfolge
1._ zu lesen ist. Dafür bestehen nur schon aufgrund der allgemein be-
kannten Gewohnheiten in der Sprayerszene (vgl. oben E. 3.4.) ganz gewich-
tige Anhaltspunkte. Jeder Sprayer hat sein persönliches Pseudonym (oder
auch mehrere; vgl. z.B. unten E. 3.15.4.0hh)), damit für die Angehörigen der
entsprechenden Szene erkennbar wird, dass die fraglichen Sprayereien von
ihm stammen. Mit besonders zahlreichen, schönen und/oder an speziell ris-
kanten Orten angebrachten Werken versucht sich der einzelne in der Szene
einen Namen zu machen und möglichst viel Ruhm und Anerkennung zu er-
langen. Bei Tags geht es auch oft nur um das territoriale Markieren. Warum
also ein fremder Tag bzw. ein fremdes Piece kopiert werden sollte, ist somit
unter keinem Titel einsichtig. Ein solcher Sprayer würde sich dem Risiko des
Erwischtwerdens aussetzen, ohne dafür im Gegenzug Ehre und Ruhm ein-
heimsen oder wenigstens sein Revier markieren zu können. Bemerkenswer-
terweise hat der Beschuldigte auch nie behauptet, dass Tags oder Pieces in
der Szene öffentlich kopiert würden (er hat nur – wenn auch nicht glaubhaft
– behauptet, zu Hause fremde Pieces nachzuzeichnen, um sie verstehen zu
können). Durch seinen Verteidiger hat er aber ausführen lassen, dass selbst
dann, wenn man erstellen wollte, dass er mit dem Graffiti 1._ in Zu-
sammenhang gebracht werden könne, noch nicht gefolgert werden könne,
dass er allein für alle 1._-Graffiti verantwortlich sei, da es sich dabei
auch um einen Crew-Tag handeln könne (Urk. 36 S. 13). Weiss man nun
aber, dass 1._ kein Crew-, sondern ein individueller Tag ist (vgl. oben
E. 3.15.3.f), dann folgt auch aus der Argumentation der Verteidigung, dass
die Verantwortlichkeit für alle eingeklagten Graffitis und Tags sehr wohl beim
Beschuldigten verortet werden kann.
b) Es kommt hinzu, dass auch die örtlichen Verhältnisse den Beschuldigten
nicht entlasten – im Gegenteil. Fast alle eingeklagten 1._-Sprayereien
wurden zwischen ... und Zürich angebracht, mithin zwischen dem früheren
Wohnort des Beschuldigten bei seinen Eltern und seinem Ausbildungs- bzw.
späteren Wohnort (vgl. auch sogleich E. c)). So wurden die noch eingeklag-
- 31 -
ten 38 1._-Graffitis und -Tags neben Zürich (23) und ... (1) in Forch (1),
Männedorf (2), Zollikon (2), ... (3), Herrliberg-Feldmeilen (1) und Meilen (2)
aufgefunden. Ausnahmen sind je ein 1._-Graffiti in den drei Ortschaften
Niederweningen, Schaffhausen und Winterthur. Dabei handelt es sich aber
in allen drei Fällen um versprayte Züge, wobei unschwer vorstellbar ist, dass
diese an einem anderen Ort versprayt, hernach in Verkehr gesetzt und die
Sprayereien erst später an einem neuen Ort entdeckt wurden. Dies er-
scheint umso plausibler, als es sich bei allen drei Ortschaften um Endhalte-
stellen von S-Bahn-Linien handelt (Niederweningen: S5; Schaffhausen: S33;
Winterthur: S7), wo anlässlich eines Kontrollgangs oder aufgrund zwischen-
zeitlicher Benachrichtigungen Sprayereien gut nachträglich festgestellt wer-
den können. Denkbar ist aber auch, dass Sprayer zum Besprayen von gut –
d.h. nicht gut einsehbar – abgestellten Zugswagen auch einmal weitere
Strecken zurücklegen. Ins Auge sticht weiter, dass am rechten Zürichsee-
ufer bzw. auf der Forch auch diejenigen 1._, die nicht direkt auf Züge
gesprayt wurden, entlang der Bahnlinie bzw. in der Nähe von Bahnhöfen
aufgefunden wurden, mithin in Gehdistanz für einen ÖV-Benutzer (ND 4,
Bahnareal Forch; ND 9, Bahnareal Zollikon; ND 12, Männedorf, Baustelle
zwischen Seestrasse und Bahngleis unweit Bahnhof; ND 13, im Bahnhof
Herrliberg-Feldmeilen; ND 17, Bahnareal Zollikon; ND 27, im Bahnhof ...;
ND 36, Fassade Bahnhalle J._ beim Bahnhof Meilen). Nebenbei fällt
auf, dass beim Bahnhof Zollikon im September 2011 ein Lieferwagen und im
April 2012 ein Anhänger mit 1._ versprayt wurden, die am genau glei-
chen Ort, nämlich auf dem Parkplatz bei der Altglasentsorgung, gestanden
hatten (ND 9/1 S. 3; ND 17/1 S. 2).
c) Zeitlich wurden die eingeklagten Graffitis und Tags zwischen dem
26. Februar 2011 und dem 5. September 2013 entdeckt, mithin in einem
Zeitraum von rund zweieinhalb Jahren, zu dessen Beginn der Beschuldigte
ca. 18 1⁄2 Jahre alt war. Der Beschuldigte absolvierte nach der Sekundar-
schule in ... das Gymnasium an der Kantonsschule ... und in der Folge den
... an der V._ (Urk. 6/5 S. 8). Er besuchte mithin ab dem Alter von ca.
15 oder 16 Jahren Ausbildungsstätten in Zürich und pendelte zu diesem
- 32 -
Zweck mit dem Zug von ... in die Kantonshauptstadt. Er hielt sich somit im
fraglichen Zeitraum hauptsächlich in denjenigen Gegenden auf, in welchen
die eingeklagten Sprayereien aufgefunden wurden.
d) Schliesslich weisen viele der 38 noch eingeklagten Graffitis und Tags Ähn-
lichkeiten auf. Es ist dem Gericht keineswegs verwehrt, diesbezüglich selber
eine Würdigung vorzunehmen, können entsprechende Gemeinsamkeiten
oder Differenzen doch ohne Weiteres auch für Laien auf dem Gebiet der
Schriftanalyse oder der Kunst erkennbar sein. Dies erhellt nur schon aus
dem 1._ am Lieferwagen an der L._-Strasse in Zürich und den
beim Beschuldigten aufgefundenen 1._-Skizzen (Urk. 9/3 S. 6, linkes
Blatt untere Skizze und rechtes Blatt obere Skizze). Diese beiden Skizzen
und der angefangene Schriftzug auf dem Lieferwagen (vgl. a.a.O. Mitte) sind
sich derart ähnlich, dass niemand dem durchschnittlichen Betrachter unter-
stellen wollte, nicht imstande zu sein, hier Gemeinsamkeiten zu erkennen.
Zudem geht es nachfolgend nicht um die Anwendung schriftanalytischer
Kenntnisse auf Graffitis, sondern vielmehr um den schlichten Vergleich ein-
zelner Graffitis miteinander durch das Durchschnittsauge, dessen Resultate
als weitere Indizien in die Beweiswürdigung einfliessen können. Einen sol-
chen Vergleich gestattete sich im Übrigen in einem Sprayer-Entscheid vom
4. Oktober 2005 auch das damalige Kassationsgericht (Prozess-Nr.
AC040120, insb. S. 16 Erw. 3.2.d, in anonymisierter Version abrufbar unter
www.gerichte-zh.ch/entscheide/entscheide-suchen.html). Es führte aus:
"Auch für einen Laien deutlich zu sehen ist jedoch (...) die Übereinstimmung
des Schriftzuges auf der Lokomotive mit dem vom Beschwerdeführer zuge-
gebenermassen erstellten im Nebendossier 16" (a.a.O., S. 18 Abs. 2). Dies-
bezüglich verhält sich schliesslich auch die Verteidigung widersprüchlich:
Sie hält einerseits dafür, dass – wenn aus reinen Vergleichen Schlüsse ge-
zogen werden sollen – bei Graffitis Massstäbe anzuwenden wären, die den-
jenigen von Kunstexperten angenähert seien, bei Tags eher solche von
Handschriftenexperten. Bei Graffitis sei eine solch fundierte und nachvoll-
ziehbare Vergleichsarbeit eben gerade nicht möglich (Urk. 36 S. 7 f.). Ande-
rerseits erlaubt sie sich selber die Feststellung, dass ausser derselben
- 33 -
Buchstabenreihenfolge zwischen dem 1._ beim Lieferwagen und beim
Zugwagen "stilistisch keine Ähnlichkeit auszumachen" sei (Urk. 36 S. 5).
Damit gibt sie indirekt zu, dass auch aus ihrer Sicht Nicht-Kunstexperten
bzw. Nicht-Handschriftenexperten durchaus in der Lage sind, bei gewöhnli-
chen Graffitis Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu erkennen. Im Beru-
fungsverfahren führte sie denn auch aus: "Um eine Ähnlichkeit festzustellen,
braucht es auch keinen Gutachter" (Urk. 63 S. 19). Auf der anderen Seite ist
auch zu vergegenwärtigen, dass die eingeklagten Graffitis und Tags über
einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren gesprayt wurden, einer Periode, in
welcher sich Tags genauso wie handschriftliche Unterschriften leicht verän-
dern können. Unterschiede generieren kann allenfalls auch das gewählte
Mal- oder Schreibwerkzeug, z.B. Spraydosen oder Malstifte (bei Tags). Es
ist auch davon auszugehen, dass sich ein Sprayer bei seinen Pieces weiter-
entwickeln und immer neue Styles, immer wieder ein neues "schönes Ge-
samtes" (vgl. Urk. 6/3 S. 6), erschaffen will. Damit ist im Folgenden auf Ähn-
lichkeiten und Unterschiede einzugehen.
aa) Überaus ähnlich erscheinen entgegen der Verteidigung (Prot. II S. 7
i.V.m. Urk. 64/1-2) im Gesamteindruck die beiden 1._ auf den S-
Bahnen in ND 1 und ND 2, die im Abstand von nur zweieinhalb Mona-
ten entdeckt wurden (vgl. ND 2/4 S. 2), auch wenn dasjenige in ND 1
etwas eckiger, dasjenige in ND 2 etwas runder gehalten ist. Auch der
Umstand, dass das 1._ in ND 2 noch ohne Wellenlinie und "..."
auf dem Computer des Beschuldigten aufgefunden wurde (vgl. auch
oben E. 3.15.3.b)), ist ein Indiz dafür, dass ND 2 und damit auch das
sehr ähnliche ND 1 dem Beschuldigten zugeordnet werden können.
bb) Bei ND 8 und ND 9, im Abstand von ca. zwei Wochen auf einer S-Bahn
in Männedorf bzw. auf einem Lastwagen auf dem Parkplatz des Bahn-
hofs Zollikon entdeckt, weisen die "..." [Buchstaben] frappante Ähnlich-
keiten auf: Sie sind (je nach Sichtweise) seitenverkehrt geschrieben
und weisen oben rechts je einen "Koffergriff" auf. Unten rechts verläuft
- 34 -
der untere S-Bogen zudem in einen weiteren Bogen. Unterschiedlich
erscheint jedoch das "..." (einmal klein, einmal gross geschrieben).
cc) Ähnlich wie ND 8 und ND 9 muten ND 11 und ND 12 an, im Abstand
von ca. zwei Wochen auf einer S-Bahn beim Bahnhof Uetikon bzw. ei-
nem Anhänger neben der Bahnlinie in Männedorf entdeckt: Das "..." ist
wiederum seitenverkehrt geschrieben, mit je einer Auswuchtung oben
rechts, während das eine "..." klein, das andere gross geschrieben ist.
Wiederum ähnlich erscheinen die beiden "...", ebenso wie dasjenige
"..." in ND 13 (nochmals ca. zwei Wochen später entdeckt), mit Aus-
wuchtungen gegen oben am einen, am anderen oder an beiden Enden
des "..."-Balkens. Überaus ähnlich erscheinen im Übrigen bei ND 8
und ND 11 die beiden klein geschriebenen "...", und beide "..." weisen
Koffergriffe auf.
dd) Das 1._ in ND 17 gleicht sodann markant der einen beim Be-
schuldigten aufgefundenen Skizze, ebenso wie dem angefangenen
Schriftzug auf dem Lastwagen an der L._-Strasse (HD; vgl. die
Gegenüberstellung in ND 17/4). Insbesondere das wie ein Pfeil nach
oben ragende "..." ist praktisch deckungsgleich. Die Übergänge zwi-
schen den Buchstaben unterscheiden sich, wobei aber – wenn auch
seitenverkehrt – wiederum ähnlich erscheint, wie bei ND 17 der "..."-
Strich unten in das "..." mündet, während beim HD der "..."-Strich aus
dem "..." entsteht.
ee) Eher wenig Übereinstimmung mit anderen 1._-Graffitis lässt sich
in ND 23 ausmachen – der 1._-Tag weist aber hingegen Ähnlich-
keit zu vielen anderen Tags auf (vgl. sogleich E. gg)).
ff) Sehr viel Ähnlichkeit ist bei den beiden 1._-Graffiti in ND 31 und
ND 32 zu entdecken, aufgefunden im Abstand von ca. drei Wochen auf
zwei S-Bahnen auf dem Abstellgleis beim Bahnhof ... – mithin am ge-
nau gleichen Ort. Beide "..." weisen einen Koffergriff auf, aus welchem
heraus ein Querstrich den Buchstaben quasi halbiert, und auch die "..."
- 35 -
erscheinen sehr ähnlich, rückwärtsgelehnt mit einem Kringel in der Mit-
te. Bei beiden "..."-Balken ist links eine Auswuchtung gegen oben zu
erkennen, und der Strich verläuft unten gegen rechts. Ein ähnliches
Schriftbild weist auch das wiederum ca. eineinhalb Monate später im
Bahnhof Winterthur aufgefundene S-Bahn-1._ in ND 35 auf, und
auch hier ähneln das "..." (rückwärtsgelehnt mit einem Kringel) und das
"..." den gleichen Buchstaben in ND 31 und 32 frappant. Ähnliches gilt
auch wieder für das 1._ in ND 36 auf der Fassade der J._ in
Meilen, eine weitere Woche später aufgefunden; das "..." weist einen
Koffergriff auf, das "..." einen Kringel in der Mitte und eine Gestalt sehr
ähnlich denjenigen in ND 31, 32 und 35 – und das "..." ist im Vergleich
zu ND 35 gar praktisch identisch geblieben.
gg) Unverkennbare Ähnlichkeiten weisen auch die diversen eingeklagten
1._-Tags auf, z.B. in ND 1, ND 2, ND 3 (rechts des Graffitis zu er-
kennen, schwarz auf dunkelblauem Grund, vgl. ND 3/4 S. 2 oben),
ND 4, ND 5 (vgl. ND 5/3 S. 2), ND 6 (vgl. ND 6/1 S. 10), ND 7, ND 8
(vgl. ND 8/1 S. 9 oben), ND 9, ND 10, ND 11, ND 12, ND 13, ND 15,
ND 17, ND 18, ND 19, ND 20, ND 22, ND 23, ND 24, ND 25, ND 27,
ND 28, ND 33, ND 34, ND 36, ND 38 und ND 39. Vielen ist gemein-
sam, dass das "..." leicht eckig gehalten ist (ND 1, ND 2, ND 5, ND 6,
ND 7, ND 8, ND 9, ND 10, ND 11, ND 12, ND 15, ND 18, ND 20,
ND 22, ND 23, ND 24, ND 25, ND 27, ND 28, ND 33, ND 34, ND 36,
ND 38), dass der Tag mit einem (ND 2, ND 7, ND 9, ND 13, ND 22,
ND 33) oder zwei (ND 1, ND 4, ND 5, ND 6, ND 8, ND 10, ND 25)
Querstrichen unterstrichen ist, dass der "..."-Balken leicht elliptisch ver-
läuft (ND 1, ND 2, ND 3, ND 5, ND 6, ND 7, ND 8, ND 9, ND 10,
ND 19, ND 23, ND 28, ND 34, ND 38) oder dass das "..." an eine ... er-
innert, mit eher eckiger und schmaler oberer Kurve und eher runder,
weiter unterer Kurve (ND 1, ND 5, ND 6, ND 7, ND 23). Gewisse Tags
weisen beim unteren Abschluss des "..." einen kleinen Rückwärtsstrich
auf (ND 6, ND 9, ND 10, ND 17, ND 18, ND 20, ND 22). Einzelne "..."
wiederum sind in der Art eines Dollarzeichens gehalten (ND 11, ND 12,
- 36 -
ND 13, ND 15, ND 18) und der Unterstrich in der Form eines Pfeils
(ND 11, ND 12, ND 15, ND 20, ND 23, ND 34). Mit der Zeit wandelt
sich der Unterstrich teilweise zu einer Wellenlinie (ND 17, ND 18,
ND 22, ND 24, ND 27, ND 38), und über dem "..."-Balken erscheint bei
einigen Tags ein Kringel (ND 15, ND 19, ND 23, ND 24, ND 25, ND 27,
ND 38). Auch weist das "..." mit der Zeit oben teilweise einen Auf-
wärtsstrich auf (ND 9, ND 17, ND 18, ND 20, ND 22, ND 24, ND 25,
ND 27, ND 33, ND 38), oder es mündet in einen Pfeil (ND 27, ND 34,
ND 38). An diesen Ähnlichkeiten, aber auch Unterschieden ist sehr gut
die chronologische Entwicklung des 1._-Tags ersichtlich. Die Ver-
teidigung verkennt insbesondere die Ähnlichkeiten der Tags in ND 1
bis ND 5 (vgl. Prot. II S. 7 i.V.m. den Fotos der NDs).
hh) Das S-Bahn-1._ in ND 3 (ND 3/4) ist demgegenüber mit Wellen-
oder Zitterlinien geschrieben. Der Beschuldigte scheint aber auch die-
sen Stil zu beherrschen. Darauf deutet einmal der rechts vom Graffiti
erkennbare schwarze 1._-Tag hin (vgl. ND 3/4 S. 2), der Ähnlich-
keit mit anderen 1._-Tags aufweist (vgl. auch soeben E. gg)). So-
dann wurde auf dem Computer des Beschuldigten ein Bild eines ähn-
lich zittrig auf einen Kampfstiefel aufgesprayten Graffitis 4._ auf-
gefunden, und der Beschuldigte hatte einem Kollegen mitgeteilt, dass
er nun gerade den alten Kampfstiefel seines Vaters bespraye (vgl.
oben E. 3.10.1.a)). Dass der Beschuldigte sein Kürzel gleichzeitig in
ganz unterschiedlichen Stilen beherrscht, zeigt sich im Übrigen auch
auf den aufgefundenen Skizzen, die zugegebenermassen von ihm
stammen (vgl. Urk. 6/3 S. 2 Fragen/Antworten 6-8). Auf ein- und der-
selben Skizze (vgl. Urk. 9/3 S. 6 oben links) erscheint der Schriftzug in
zwei ganz unterschiedlichen Stilen, auf weiteren Blättern (Urk. 9/3 S. 6
oben rechts, S. 7 oben links und rechts) wiederum in anderen Darstel-
lungsweisen.
d) Bei einer gesamthaften Würdigung der Beweislage lässt sich nicht ernsthaft
bezweifeln, dass alle eingeklagten 1._-Graffitis und -Tags vom Be-
- 37 -
schuldigten stammen. Dasselbe gilt für den Gruss 3._ sowie die zwei
1'._-Schriftzüge, mit welchen der Beschuldigte markierte, dass er zur
1'._-Gang gehört. Insoweit ist der Sachverhalt somit erstellt. Anders zu
entscheiden, hiesse, von der bloss theoretischen Möglichkeit auszugehen,
dass im gleichen Zeitraum und im gleichen Gebiet, in welchem der Beschul-
digte verkehrte und zweimal nachweislich das Graffiti 1._ sprayte –
welches nachweislich sein Pseudonym ist – ein anderer Täter unterwegs
war, der ihn bewusst kopierte. Dieser Täter hätte über eine recht geschickte
Nachahmungsbegabung verfügt und es fertig gebracht, den Schriftzug des
Beschuldigten derart zu kopieren, dass in jedem Tag und in vielen Graffitis
Übereinstimmungen auszumachen waren. Dieser Täter hätte nicht nur bloss
schnelle Tags angebracht, sondern auch in aufwändiger Arbeit, künstlerisch
teilweise durchaus bemerkenswert und insbesondere unter Inkaufnahme
des entsprechenden strafrechtlichen Risikos S-Bahnen und andere Hinter-
gründe mit grossformatigen Graffitis versehen, ohne dafür in der Folge aber
den Ruhm ernten zu können. Ein Grund für all dies ist jedoch nicht im An-
satz ersichtlich. In Anbetracht aller Umstände ist festzuhalten, dass – ausser
im HD und in ND 32 – die einzelnen Elemente der eingeklagten Fälle für
sich allein nicht beweisbildend wären. Betrachtet man jedoch die gesamte
Kette von Indizien, so verbleiben keine unüberwindbaren Zweifel daran,
dass der Beschuldigte die eingeklagten Sprayertaten begangen hat.
e) Die Verteidigung hat im Berufungsverfahren erstmals eingewendet, dass der
Schriftzug 1._ von vielen Sprayern weltweit genutzt und häufig als Ab-
kürzung für "..." verwendet werde (Urk. 63 S. 13 ff. und S. 17). Dem kann so
nicht gefolgt werden. Bei Wikipedia (http://en.wikipedia.org/wiki/...; besucht
am 27. April 2015) ist aufgeführt, dass es sich bei 1._ um einen ...
handle, der illegal male, wobei sein Werk insbesondere in der ... (um ... und
...), aber auch in ... zu sehen sei. Sein Erkennungszeichen sei die von ihm
gemalte "Maske". Diese Maske stehe für all die Leute, die nur maskiert frei
reden könnten, ohne von der Polizei verhaftet zu werden. Andernorts wird
1._ wie folgt beschrieben: "Meet 1._ (1...), an artist for whom the
city is one endless canvas to connect with the people" (http://..., besucht am
- 38 -
27. April 2015). Die besagte Maske ist denn auch in den von der Verteidi-
gung in ihrem Plädoyer (Urk. 63) aufgeführten Bildern an vielen Stellen er-
sichtlich: Auf S. 13 in Bild 1 auf den kleinen Fotos rechts, in Bild 2 sowohl im
grossen Foto wie auch auf den kleinen Fotos rechts, auf S. 14 in den Bil-
dern 1 und 2 jeweils auf den kleinen Fotos rechts, in Bild 3 auf dem grossen
Foto, auf S. 15 in Bild 2 sowohl auf dem grossen Foto (halbe Maske) wie
auch auf einem der kleinen Fotos rechts, in Bild 3 auf den kleinen Fotos
rechts, auf S. 16 in Bild 1 (halbe Maske). Auch wenn man unter Google nach
"1._ Graffiti" sucht, erscheinen praktisch nur (unzählige) Bilder von
ebendieser Maske, dem Erkennungszeichen des Sprayers 1._. Es gibt
somit in ... einen offenbar ziemlich bekannten Sprayer, der auch 1._
heisst. Dies vermag aber am vorgenannten Beweisergebnis nichts zu än-
dern. Es scheint zunächst einmal nicht zuzutreffen, dass der Schriftzug
1._ von vielen Sprayern weltweit genutzt werde – primär wird das Kür-
zel vom Sprayer 1._ in ... benutzt, meist in Kombination mit seiner
Maske. Und selbst, wenn es irgendwo auf der Welt noch andere Sprayer
gäbe, die diesen Namen benutzen: Es bleibt dabei, dass sich auch der Be-
schuldigte diesen Namen als persönliches Pseudonym zugelegt hat. Daran
verbleibt kein Zweifel, nachdem (vgl. bereits oben E. 3.15.3.)
− der Beschuldigte nachweislich am 8. Februar 2013 den Schriftzug
1._ an einen S-Bahn-Wagen in ... und am 5. September 2013 an
einen Lieferwagen an der L._-Strasse ... in Zürich gesprayt hat,
− bei seinen Fotos zahlreiche 1._-Graffiti sichergestellt werden
konnten, darunter auch solche an Schweizer S-Bahn-Wagen, wobei für
drei davon bereits Anzeigen vorlagen und die Fotos nachweislich kurz
zuvor geschossen worden waren,
− 1._ kein Crew-Tag ist, sondern ein persönlicher Writer-Tag, und
− sein Kollege R._ die Handy-Kontaktdaten des Beschuldigten mit
einem Bild eines mit dem Graffiti 1._ versprayten S-Bahn-Zuges
versehen hat.
- 39 -
Hinzu kommen die örtlichen Verhältnisse. Auch wenn der Sprayer 1._ mit
seiner Maske und seinem Schriftzug die ... versprayt, und selbst wenn es irgend-
wo auf der Welt noch andere Sprayer geben sollte, die diesen Namen verwenden:
Es bleibt dabei, dass die vorliegend eingeklagten 1._-Schriftzüge nur in Zü-
rich und an der Goldküste (mit den drei genannten Ausnahmen an S-Bahnen, vgl.
oben E. 3.15.3.b)), mithin den Wohn- bzw. Aufenthaltsorten des Beschuldigten,
aufgefunden wurden, und dies in einem zusammenhängenden Zeitraum von
zweieinhalb Jahren. Zu beachten ist auch, dass schweizweit Graffitikarteien nach
dem Schriftzug 1._ durchsucht wurden, aber nur in Zürich und Umgebung
1._-Graffiti und -Tags auftauchten (Urk. 2 S. 2 Abs. 5), wobei viele davon
z.T. frappante Ähnlichkeiten aufweisen (vgl. oben E. 3.15.4.0). Auch dies deutet
auf den Beschuldigten als Urheber hin. Schliesslich kann davon ausgegangen
werden, dass in der Sprayer-Szene bekannt ist, dass der Beschuldigte unter dem
Pseudonym 1._ sprayt. Aufgrund der hinlänglich bekannten Usanzen ist
deshalb zu schliessen, dass zumindest Sprayer in Zürich und Umgebung (bzw.
wie gesehen gar in der ganzen Schweiz) den Schriftzug des Beschuldigten nicht
kopiert haben (vgl. dazu auch nochmals oben E. 3.15.4.d) [S. 36 f.]).
f) Nachdem erstellt ist, dass es der Beschuldigte war, der in ND 32 beim
Bahnhof ... die S-Bahn versprayte, gilt nach den glaubhaften Aussagen von
O._ ohne Weiteres als erstellt, dass der zwischen 1.80 und 1.95 Meter
grosse Beschuldigte auch vor den beiden Polizisten davonrannte, obwohl
diese ca. drei Mal "Halt Polizei" riefen, und damit eine Personenkontrolle
verunmöglichte. Im Übrigen konnte sich das Gericht anlässlich der Beru-
fungsverhandlung von der stattlichen Körpergrösse des Beschuldigten über-
zeugen.
g) Der Vollständigkeit halber ist noch zum Gutachten von Fw mbA S._ von
der Stadtpolizei Winterthur vom 17. Februar 2014 Stellung zu nehmen
(Urk. 12/3). Bei Sachverständigen ist auf strengste Unparteilichkeit und Un-
abhängigkeit zu achten. Funktionäre spezialisierter kriminaltechnischer oder
wissenschaftlicher polizeilicher Dienste können als Gutachter bestellt wer-
den, soweit sie nicht mit eigentlichen polizeilichen Ermittlungen befasst sind
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und sich ihre Tätigkeit auf ihr kriminalistisches bzw. wissenschaftliches Spe-
zialgebiet beschränkt (z.B. Erkennungsdienst, Wissenschaftlicher Dienst
bzw. heute FOR; vgl. Schmid, Handbuch StPO, N 936, Fn 373). Polizist
S._ ist Stadtpolizist in Winterthur. Wohl bearbeitet er dort sämtliche An-
zeigen betreffend Graffiti (a.a.O. S. 7), seine Arbeit findet indessen im Rah-
men des ordentlichen Polizeibetriebes statt. Die erforderliche Unabhängig-
keit kann ihm deshalb nicht attestiert werden. Daran vermag nichts zu än-
dern, dass ihn das Amtsgericht Bern seit einigen Jahren als Sachverständi-
gen bei Graffiti-Fällen einsetze (a.a.O. S. 7). Bei einem Blick in das Gutach-
ten ergeben sich sodann in der Tat Zweifel an S._s Unabhängigkeit. So
lobt er die in diesem Fall verrichtete Polizeiarbeit (a.a.O. S. 7) und zieht sei-
ne Schlüsse, indem er teilweise schlicht Indizien würdigt, so beim HD ("Er
befand sich auf dieser Seite des Lieferwagens, wurde verhaftet und hatte
Farbspuren an den Händen") sowie bei ND 32 ("Zudem besteht ein DNA-Hit
auf den Beschuldigten"). Darüber hinaus scheint das Gutachten auch nicht
in allen Teilen mit der erforderlichen Sorgfalt verfasst worden zu sein. Den
Ergebnissen mangelt es, worauf heute zu Recht auch die Verteidigung hin-
gewiesen hat (Urk. 63 S. 18) zum Teil gänzlich an einer Begründung (Dos-
siers 39, 38, 34, 33, 29, 28, 27, 25, 24, 22, 20, 18, 10, 15, 5, 3), und es lie-
gen mit der Verteidigung (vgl. Urk. 36 S. 9 f.; Urk. 63 S. 10 f.) auch termino-
logische Ungenauigkeiten vor. Im Weiteren verkennt Polizist S._ auch
die 1'._-Crew-Kürzel-Problematik, indem er in Dossier 37 1'._ als
"1._ ohne G" bezeichnet (a.a.O. S. 2). Aus all diesen Gründen kann
nicht auf das Gutachten abgestellt werden. Nachdem der Sachverhalt aber
ohnehin erstellt ist, ist dies auch nicht nötig.
Eine Klarstellung drängt sich nach den heutigen Ausführungen der Verteidi-
gung gleichwohl noch auf: Sie hält fest, Polizist S._ habe ausgeführt,
dass er "ein Graffiti mit einem Tag" brauche, um eine Zuordnung machen zu
können (Urk. 63 S. 8). Wie die Verteidigung aber noch vor Vorinstanz dar-
legte, vermischt S._ offenkundig die Begriffe "Graffiti" und "Tag" bzw.
stellt diese einander oftmals gleich (Urk. 36 S. 9 und 11 f.). Wenn er also in
seinem Bericht ausführt, dass es vor Gericht darum gehe, ob Graffitis mit
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dem gleichen Tag dem gleichen Sprayer zugeordnet werden könnten, dann
meint er damit offensichtlich einfach Graffitis mit der gleichen Buchstaben-
folge bzw. mit dem gleichen Schriftzug.
4. Rechtliche Würdigung
Die rechtliche Würdigung der Staatsanwaltschaft, auf die schon die Vorinstanz
abgestellt hat (Urk. 43 S. 22), ist zutreffend und gibt zu keinen weiteren Bemer-
kungen Anlass. Der Beschuldigte ist demnach der mehrfachen Sachbeschädi-
gung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB, teilweise in Verbindung mit Art. 172ter
Abs. 1 StGB, sowie der Hinderung einer Amtshandlung im Sinne von Art. 286
StGB schuldig zu sprechen.
5. Strafzumessung und Vollzug
5.1. Die Vorinstanz hat den Strafrahmen – der heute wegen des Verschlechte-
rungsverbots gegen oben bei einer Geldstrafe von 270 Tagessätzen zu Fr. 30.–
und einer Busse von Fr. 800.– begrenzt ist (Art. 391 Abs. 2 StPO) – und die Straf-
zumessungskriterien korrekt dargelegt (Urk. 43 S. 23 Ziff. 1-3).
5.2. Der Beschuldigte versprayte während einer Zeitspanne von etwas über
zweieinhalb Jahren immer wieder fremde Fassaden, Mauern, Strassen- und
Schienenfahrzeuge usw. und richtete dabei bei einer Vielzahl Geschädigter ins-
gesamt Sachschäden von mehreren zehntausend Franken an. Er muss sich des-
halb eine bedenkliche Gleichgültigkeit gegenüber fremdem Eigentum vorwerfen
lassen. Der Beschuldigte handelte direkt vorsätzlich und wohl in der Absicht, sich
in der Szene einen Namen zu machen. Bei vier Sachbeschädigungen ist von ge-
ringfügigen Schäden auszugehen. Das Verschulden des Beschuldigen wiegt hin-
sichtlich der Sachbeschädigungen nicht leicht. Als hypothetische Einsatzstrafe er-
scheinen die von der Vorinstanz festgesetzten 260 Tagessätze Geldstrafe und die
Busse von Fr. 800.– angemessen (vgl. Urk. 43 S. 25).
5.3. Betreffend die Hinderung einer Amtshandlung ist dem Beschuldigten anzu-
lasten, dass er trotz mehrmaliger Aufforderung durch die Polizei nicht stehen blieb
und die Flucht ergriff, um sich den strafrechtlichen Konsequenzen seines Spra-
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yens zu entziehen. Wiederum handelte der Beschuldigte direkt vorsätzlich. Das
Verschulden des Beschuldigten wiegt auch hier nicht leicht. Eine Erhöhung der
vorstehend festgesetzten Geldstrafe auf 270 Tagessätze erscheint angemessen.
5.4. Die Vorinstanz hat das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des
Beschuldigten zutreffend dargestellt, worauf vorab verwiesen werden kann
(Urk. 43 S. 26). Im Berufungsverfahren hat sich ergeben, dass der Beschuldigte
von seinen Eltern nunmehr mit Fr. 2'300.– im Monat unterstützt wird (Urk. 56).
Aus den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten ergeben sich keine straf-
zumessungsrelevanten Faktoren. Keine Auswirkungen auf die Strafzumessung
hat auch sein Nachtatverhalten: Er ist nicht geständig, entsprechend kann ihm
auch keine Reue oder Einsicht attestiert werden. Der Beschuldigte ist sodann
nicht vorbestraft (Urk. 51). Dies ist, da Vorstrafenlosigkeit als Normalfall zu gelten
hat, grundsätzlich neutral zu werten (BGE 136 IV I).
5.5. Es erscheint deshalb insgesamt angemessen, den Beschuldigten mit einer
Geldstrafe von 270 Tagessätzen und einer Busse von Fr. 800.– zu bestrafen. Der
Anrechnung der vom Beschuldigten erstandenen 18 Tage Haft steht nichts ent-
gegen (Art. 51 StGB). Mit der Vorinstanz (Urk. 43 S. 26 f.) erscheint eine Tages-
satzhöhe von Fr. 30.– angemessen und ist für den Fall des schuldhaften Nichtbe-
zahlens der Busse eine Ersatzfreiheitsstrafe von acht Tagen auszusprechen.
5.6. Die Vorinstanz hat die rechtlichen Grundlagen der Vollzugsfrage zutreffend
dargelegt und richtig erwogen, dass dem Beschuldigen für die Geldstrafe der be-
dingte Strafvollzug bei einer Probezeit von zwei Jahren zu gewähren ist (Urk. 43
S. 27 f.). Die Busse ist zu bezahlen (Art. 105 Abs. 1 StGB).
6. Kostenfolgen
6.1. Beim vorliegenden Ausgang des Verfahrens ist das erstinstanzliche Kos-
tendispositiv zu bestätigen.
6.2. Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte unter-
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liegt mit seinen Anträgen vollumfänglich. Dementsprechend sind ihm die Kosten
des Berufungsverfahrens aufzuerlegen.
6.3. Die Kosten der amtlichen Verteidigung im zweitinstanzlichen Verfahren
sind auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Rückzahlungspflicht bleibt vorbehalten
(Art. 426 Abs. 1 StPO; Art. 135 Abs. 4 StPO).