# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 42978280-b8d1-405c-af51-10c613bc0bce
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1986,
erlangte
im Juni 2005 das eidgenössische Fähigkeitszeugnis
zur V
erkäuferin
(Urk. 7/1/14)
und
schloss
im Juli 2008 den Kurs Pflegehelferin/Pflegehelfer SRK
(Schweizerisches Rotes Kreuz)
erfolgreich ab (Urk. 7/38/14)
. S
eit 1. Dezember 2018
ist sie
als
Spitex-
Hauspflegerin
tätig
(Urk. 7/307 S. 1 Ziff. 2.2)
.
Am
4. September 2007
meldete sie sich
unter Hinweis auf Rücken- und Becken
schmerzen bei der Invalidenversicherung
erstmals
zum Leistungsbezug an (Urk. 7/1). Die damals zuständige Sozialversicherung Aargau, IV-Stelle, verneinte mit Verfügung vom 31. März 2009 den Anspruch auf Leistungen der Invaliden
versicherung (Urk. 7/30).
1.2
Am 30. November 2009 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an und stellte den Antrag auf Umschulung (Urk. 7/38). Mit Verfügung vom 26. Februar 2010 verneinte die IV-Stelle
Aargau
den Anspruch auf Umschulung (Urk. 7/48), was
das Versicherungsgericht des Kantons Aargau mit Urteil vom 24. Mai 2011 bestätigte (Urk. 7/56).
1.3
Unter Hinweis auf mehrere tr
aumatische Ereignisse und Akne
i
nversa
stellte die Versicherte am 2
8
. April 2015 erneut ein Leistungsgesuch (Urk. 7/75 = Urk. 7/77 = Urk. 7/79 = Urk. 7/80). Mit Mitteilung vom 17. November 2015 sprach ihr die IV-Stelle
Aargau
Frühinterventionsmassnahmen im Sinne von Beratung und Unterstützung bei der beruflichen Integration zu (Urk. 7/108). Gestützt auf die medizinischen und erwerblichen Abklärungen sprach ihr die nunmehr zuständige Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zudem mit Verfügung vom 15. November 2018 bei einem Invaliditätsgrad von
52 % (Urk. 7/272 S. 3)
mit Wirkung ab Oktober 2016
eine halbe Invalidenrente zu (Urk. 7/266).
1.4
Am 30. September 2020 stellte die Versicherte unter Hinweis auf eine Verschlech
terung ihres Gesundheitszustands ein Revisionsgesuch (Urk. 7/290). Nach medizinischen und erwerblichen Abklärungen stellte die IV-Stelle der Versicher
te
n
mit Vorbescheid vom 19. August 2021 in Aussicht, die bisherige halbe Rente nicht zu erhöhen (Urk. 7/323). Nachdem die Versicherte am
8.
und 20. September 2021
(Urk. 7/330 und Urk. 7/336)
dagegen Einwände erhoben hatte, wies die IV-Stelle das Rentenerhöhungsgesuch mit Verfügung vom 1. Dezember 2021 ab (Urk. 7/343 = Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 1. Dezember 2021 (Urk. 2) erhob die Versicherte am 18. Januar 2022 Beschwerde
(Urk. 1)
mit dem Antrag auf eine ganze Rente ab 1. Februar 2021
(S. 2 Ziff. 2), eventuell
ersuchte sie um
Zusprache
von Einglie
derungsmassnahmen
(S. 2 Ziff. 3
)
und subeventuell beantragte sie die Einholung eines polydisziplinären Gerichtsgutachtens (S. 2 Ziff. 4)
. Mit Beschwerdeantwort vom 14. Februar 2022 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6). Am 28. April 2022 stellte das Gericht eine Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin
zu ergänzenden Abklärungen und
anschliessender
Neuentscheidung
in Aussicht (Urk. 8), worauf die Beschwerdeführerin am 20. Mai 2022 ausdrücklich auf Rückzug der Beschwerde verzichtete
(Urk. 10)
, was der Beschwerdegegnerin am 25. Mai 2022 zur Kenntnis gegeben wurde (Urk. 11).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (Art.
17 Abs
.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesent
lichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabe
nbereich von Bedeutung (BGE 141
V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Weder eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens genügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesund
heitszustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang vielmehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E. 2.3, je mit Hinweisen).
1.3
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
1.4
Bei der Beurteilung der
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
stützt sich die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen, die von ärztlichen und gegebenenfalls auch anderen Fachleuten zur Verfügung zu stellen sind. Ärztliche Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen).
1.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1
GSVGer
).
Bei ungenügenden Abklärungen durch den Versicherungsträger holt die Beschwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein, wenn sie einen (im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt für gutachterlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Administrativ
expertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betreffende Beweiserhebung erfolgt alsdann vor der – anschliessend reformato
risch entscheidenden – Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Verwaltung. Eine Rückweisung an den Versicherungsträger bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet ist. Ausserdem bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurückzu
weisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachterlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE 139 V 99 E. 1.1, 137 V 210
E. 4.4.1.4 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_354/2020 vom 8. Septem
ber 2020 E. 2.1)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Verneinung der Rentenerhöhung damit (Urk. 2), es
sei davon auszugehen, dass sich seit der letzten Rentenprüfung keine rententangierenden Änderungen ergeben hätten. Die Tätigkeit als Fachfrau Gesundheit entspreche keiner leidensangepassten Tätigkeit und diese könnte den Gesundheitszustand verschlimmern. Leidensangepasste Tätigkeiten seien leichte, wechselbelastende, überwiegend sitzende Tätigkeiten, die kein häufiges Bücken und kein Heben und Tragen von Lasten über 10 Kilogramm erforderten. Stereo
type Haltungen und Tätigkeiten, die starkes Schwitzen verursachten, seien zu vermeiden (S. 2 oben). Eine Umschulung würde die Rentenhöhe nicht tangieren
und
widerspreche dem Antrag auf eine ganze Rente. Überdies sei eine Arbeits
fähigkeit von 50 % nicht vereinbar mit der Ausbildungsfähigkeit zur Fachfrau Gesundheit (S. 2 Mitte).
2.2
Dagegen machte die Beschwerdeführerin zusammengefasst geltend, allein schon die Tatsache, dass sie wegen der Akne
inversa
bereits über 70 mal unter Vollnar
kose operiert worden sei
und
heute unter anderem eine rezidivierende schwere depressive Störung mit ADHS vorliege, was zur Folge habe, dass sie sei
t vielen Monaten ihre angestammte Tätigkeit von 40 % auf 20 % habe reduzieren
müssen
, beweise mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine im Vergleich zu 2017 massive gesundheitliche Verschlechterung, weshalb klar ein Revisionsgrund vorliege (S. 2
0 f.
Ziff. 6.4). Sie habe im Pflegebereich Fuss gefasst und wolle hier ihre spärlich verbliebene Resterwerbsfähigkeit bestmöglich ausschöpfen, weshalb sie sich zur Fachfrau Gesundheit ausbilden lasse. In diesem Beruf seien die körperlichen Anstrengungen geringer, weshalb sie sich nach Abschluss der Umschulung eine Erhöhung des Arbeitspensums erhoffe (S. 22 Ziff. 7.6).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob ein Revisionsgrund vorliegt, der zu einer Erhöhung der halben auf eine ganze Rente führt.
3.
3.1
Die letzte materielle Rentenprüfung fand mit Verfügung vom 15. November 2018 (Urk. 7/266), mit welcher der Beschwerdeführerin eine halbe Rente zugesprochen wurde, ihren Abschluss. Gemäss Feststellungsblatt vom 27. September 2018 (Urk. 7/247)
bildete das polydisziplinäre Gutachten des
Zentrums Y._
vom 31. August 20
1
7 (Urk. 7/181) die Grundlage für den Entscheid.
3.2
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Dr.
med.
A._
, Facharzt für orthopädische Chirurgie,
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Dermatologie und Venerologie
, und
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Allge
meine Innere Medizin,
Zentrum Y._
,
stellten
im
G
utachten
folgende Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(
S. 64 Ziff. 7.1):
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen, zwanghaf
ten und abhängigen Anteilen
-
Panikstörung
-
rezidivierend depressive Störung, gegenwärtig remittiert
-
Status nach
Spondylodese
L5/S1 bei
Spondylolyse
L5 mit guter lumbaler Beweglichkeit, beschwerdefrei
-
Achillodynie
, postoperativ persistierend bei
-
Status nach zuklappender
Calcaneus
-Osteotomie bei symptomatischer
Haglund
-Ferse
-
konstitutionelle
Laxität
mit fehlfunktionellem
Cervicalsyndrom
und Hypermobilität von
Extremitätengelenken
-
Akne
inversa
axillaris
,
inguinalis
et
glutealis
Grad II nach Hurley
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie (S. 64 Ziff. 7.2):
-
Adipositas
-
Refluxoesophagitis
Grad I
Es bestehe aus gesamtheitlicher Sicht eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für schwere und mittelschwere Tätigkeiten und eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit für leichte Tätigkeiten, wobei sich die Einschränkungen durch die psychischen Beschwerden und die Akne
inversa
erg
ä
ben.
Bei Tätigkeiten müssten
die ortho
pädischen/dermatologischen Profile
berücksichtigt werden
(S. 74 unten).
3.3
Anlässlich der aktuellen psychiatrischen Exploration habe die Beschwerdeführe
rin eine gewisse Somatisierung gezeigt. Sie habe sich in situationsadäquater Stimmung bei hintergründig nachvollziehbarer Subdepressivität, Ängstlichkeit, emotionaler Instabilität, Ratlosigkeit befunden. Der Antrieb sei knapp erhalten gewesen, die Psychomotorik phasenweise expressiv. Die Beschwerdeschilderung sei konzis. Die freie Zeit müsse sie straff strukturieren, um nicht in Leere zu verfallen, die Wohnung müsse zwanghaft geordnet sein. Kognitive Störungen, psychotisches oder
psychosenahes
Erleben und Verhalten habe nicht nachgewie
sen werden können.
D
ie Panikattacken
und die
Derealisation
/Depersonalisation habe sie plastisch
geschildert. Das Bewusstsein und die Orientierung seien erhalten
(S. 69 Mitte)
.
Aufgrund einer mittelgradigen kombinierten Persönlichkeitsstörung, einer instabilen, aktuell leichtgradigen Panikstörung und einer aktuell remittierten rezidivierend depressiven Störung bestehe in der bisherigen und in einer ange
passten Tätigkeit eine Leistungsminderung von 50 % (S. 73 unten).
3.4
Die Beschwerdeführerin gebe
an, dass sie keine nennenswerte
n
Beschwerden seitens der Lendenwirbelsäule (LWS) habe. Auffällig sei eine hochgradige Hyper
lordose mit
Lordosewinkel
um circa 90°. Di
e
Spondylolisthesis
sei operativ nicht reponiert worden. Es liege aktuell ein sehr guter Zustand nach
Spondylodese
L5/S1 vor. Zu b
e
achten s
ei die
hyperl
o
r
dotische
lumbale Fehlstatik, welche ein erhebliches Dekompensat
i
onspotenzial in sich berge (S. 69 unten).
Bei der aktuellen Untersuchung ergäben sich Zeichen einer
Achillesinsertionstendinose
am
Tuber
Calcanii
. Die Röntgenaufnahmen des rechten Rückfusses ergäben einen regelrechten Status nach
Calcaneusosteotomie
, knöchern durchbaut, ohne weitere Auffälligkeit (S. 70 oben). Bei der klinischen Untersuchung ergebe sich eine extreme Hypermobilität der Halswirbelsäule (HWS) im Rahmen der konstitutio
nellen
Laxität
. Es liessen sich keine aktuellen Blockierungen feststellen. Die Rönt
genaufnahmen ergäben keine Auffälligkeiten.
Insgesamt seien die Funktions
störungen auf orthopädischem Fachgebiet als leichtgradig einzustufen (S. 70 Mitte).
Leichte, zeitweise auch mittelschwere Tätigkeiten unter Vermeidung von häufigem Bücken, Heben und Tragen von Lasten über 10 kg und stereotypen Körperhaltungen seien ohne Einschränkung möglich. Dieses Profil sei nicht mit dem vollen Spektrum einer Pflegehelferin vereinbar. Die Tätigkeit
en
als Sport
artikelverkäuferin und im Service seien jedoch entsprechend diesem Profil ohne Einschränkung möglich (S. 74 oben).
3.5
Aus dermatologischer Sicht bestünden seit der P
ubertät rezidivierende Abszesse
inguinal,
axillär
und
gluteal
mit einer stark positiven Fam
i
lienanamnese.
Auch unter einer systemischen immunmodulierenden Therapie sei es nicht zu einer Stabilisierung des Befundes gekommen, so dass aktuell immer noch rezidivie
rende Abszesse aufträten, vor allem unter psychischer Belastung und in Stress
situationen. Erschwerend bestehe nach der
axillären
Operation rechts ein Lymphstau im rechten Arm (S. 70 unten).
Aufgrund der Akne
inversa
sei die Beschwerdeführerin in mittelschweren und schweren Tätigkeiten vollständig arbeitsunfähig, in leichten, angepassten Tätig
keiten, ohne starke mechanische Belastung der Haut, also in sitzenden Tätigkeiten (z.B. Bürotätigkeiten), bestehe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit. Tätigkeiten mit starkem Schwitzen oder Heben, wie zum Beispiel die Tätigkeit als Pflegehelferin oder im Service, sollten vermieden werden (S. 74 Mitte).
4.
4.1
Der aktuelle Gesundheitszustand ergibt sich
aus folgenden
medizinischen Berichten:
4.2
4.2.1
Im Sprechstundenbericht der
Universitätsklinik D._
, Wirbelsäulenchirurgie, vom 29.
Juli 2020 (
Urk.
7/300/3-4) wurden folgende Diagnosen
aufgeführt
(S. 1 Mitte):
-
chronische rezidivierende
Zervikalgie
bei
-
geringgradiger
Segmentdegeneration C5/6
-
beginnende Anschlusssegmentdegeneration L4/5
bei
-
Status nach dorsaler
Spondylodese
Die Beschwerdeführerin habe sich
bei im Vordergrund stehende
n
Schmerzen im Bereich
der
HWS mit gelegentlich bestehenden Parästhesien im Bericht der Finger I-V
vorgestellt. Das
Computertomogramm
(
MRI
)
der
HWS zeige nur eine
gering
gradige
Segmentdegeneration C5/
6.
Auf
eine neurophysiologische Untersuchung zum Ausschluss eines Karpaltunnelsyndroms
wolle
die Beschwerdeführerin verzichten.
Es sei k
ein Wiederaufgebot in der Sprechstunde geplant.
4.2.2
Am 14. April 2021 (Urk. 7/315/12-13) wurde
über
neu aufgetretene akute Dreh
schw
indelattacken
berichtet
(S. 1 unten). In der klinischen Untersuchung finde sich kein Defizit, auch in der externen ausführlichen
neurovestibulären
Unter
suchung nicht, insbesondere bestehe kein Hinweis auf eine peripher vestibuläre Störung. Klinisch sei aufgrund der Abhängigkeit von Kopf- und Armbewegung links differentialdiagnostisch eine
vertebrobasiläre
Insuffizienz oder ein
Subclavian
-
Steal
-Syndrom denkbar. Ein
cMRI
inklusive TOF-Angiographie der intrakraniellen Gefässe sei unauffällig. Auch ansonsten sei das
cMRI
unauffällig (S. 2 Mitte).
4.2.3
Laut dem Bericht vom 30. November 2021 (Urk. 3/3) besteht vor allem eine Lumbalgie bei Anschlusssegmentdegeneration mit vor allem Facettengelenks
arthrosen beidseits L4/5 bei zusätzlicher Pseudoarthrose L5/S1 13 Jahre nach
der
durchgeführten
Spondylodese
L5/S
1.
Es sei eine Facettengelenksinfiltration geplant. Bezüglich der
Zervikalgie
zeige sich eine
Osteochondrose
C5/6, welche mittels Infiltration oder Operation nicht sicher verbessert werden könne, weshalb die Behandlung mit konservativer Therapie fortgesetzt werde (S. 2).
4
.2.4
Laut Bericht vom 10. Januar 2022 (Urk. 3/4)
war
der Befund im Vergleich zur letzten Untersuchung unverändert. Die Facettengelenks-Infiltration L4/5 beidseits vor einem Monat habe ein sehr gutes Ansprechen für eineinhalb Wochen gezeigt, entsprechend sei eine Facettengelenksablation L4/5 beidseits vereinbart worden. Bei Beschwerdepersistenz würde eine Revisionsoperation mittels Verlängerungs-
Spondylodese
auf L4 geplant. Im Pflegeberuf sei die Beschwerdeführerin nur eingeschränkt arbeitsfähig, aktuell arbeite sie in einem Pensum von 20-30 %
.
Aufgrund der lumbalen aktuellen Situation sei kein Heben von Lasten über 5-10 kg möglich (S. 2).
4.3
PD
Dr.
med.
E._
,
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Facharzt für Gastroenterologie,
berichtete am
28.
September 2020 (Urk.
7/300/5-6)
, d
ie hochauflösende
Ösophagusmanometrie
zeige eine ineffektive
Ösophagusmotilität
und eine mechanisch beeinträchtigte
Refluxbarriere
mit i
nsuffizientem unterem
Ösophagus
sphinkter
und ausgeprägter axialer
Hiatushernie
(3
cm).
4.4
Prof.
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Chirurgie und Chefarzt des
Refluxzentrums
am Spital
G._
, berichtete am 26. April 2021 (Urk. 7/315/8-9), nach der
laparoskopischen
Hiatoplastik
(ohne Netz), HIS-Winkel-Rekonstruktion und
der
anteriore
n
180°
-
Fundoplicatio
sei die Beschwerdeführerin mit dem Resultat sehr zufrieden. Es gehe ihr deutlich besser als vor der Operation. Sie könne alles essen und trinken, habe keine Dysphagie und keine
Odynop
h
agie
. Die Flatulenz sei nicht störend und nicht relevant vermehrt, die Beschwerdeführerin könne auch Luft aufstossen. Es komme manchmal zu leichter Übelkeit und leichtem Brennen, was zur Dyspnoe führe. Ausserordentlich selten nach üppigen Mahlzeiten
träten
Anteile von
Volumenreflux
auf
(S. 1 unten).
4.5
Dr.
med.
H._
,
Facharzt für
Allgemeine Innere Medizin und Facharzt für Pneumologie
,
ging im Bericht
vom 19.
Oktober 2020 (Urk.
7/300/7-8)
gemäss Anamnese und Befunden davon aus,
dass die Beschwerdeführerin bereits
seit
der Schulzeit Asthmatikerin
ist
.
Mittlerweile hinzugekommen
seien
das Rauchen, die Magenprobleme und die Panikattacken. Bei einigen Episoden könnte sie sogar Stimmbandkrämp
f
e oder -alterationen gehabt haben. Zunächst sei eine Be
darfs
medikation verordnet worde
n
.
Da die Beschwerdeführerin jetzt auch
über
nächtliche
Atemnot berichte, sei die Therapie erweitert worden. Der
Computerto
mographie (
TCT
)
-Befund vom M
a
i dieses Jahres (vgl.
Urk.
7/300/9) bleibe offen.
Weder für eine
Sarkoidose
noch für eine abgelaufene Tuberkulose seien Hinweise gefunden worden.
Weitere diagnostische Massnahmen seien derzeit übertrieben. Langfristig müsse der Verlauf im Auge behalten werden (S.
2 unten).
4.6
Laut Austrittsbericht des
Klinikums I._
vom 23. Dezember 2020 (Urk. 7/312) leidet die Beschwerdeführerin an einer Panikerkrankung, die sie in ihrem Aktionsradius stark einschränke. Die Angst habe sich seit dem Tod ihrer Freundin vor fünf Monaten deutlich ausgebreitet, so dass sie beispielsweise bei jeglicher Körpersymptomatik einen frühen eigenen Tod gesehen habe. Sie habe weder arbeiten noch alleine schlafen (Angst vor Ersticken) können. Zudem zeige sie Zwangshandlungen, was sie erschöpft habe (S. 3 unten f.).
Die native nächtliche
Polysomnografie
vom November 2020 habe die mittel
schwere rein obstruktive Schlafapnoe und den verminderten Anteil an Tiefschlaf, möglicherweise durch respiratorische Ereignisse bedingt, belegt. Es sei
en
eine
Automatic
Positive
Airway
Pres
s
ure
(APAP)-Therapie begonnen und schlafhygi
enische Massnahmen besprochen worden. Die Beschwerdeführerin habe im Verlauf über eine deutliche Abnahme der Angstsymptomatik in der Nacht (keine Hyperventilation, keine Erstickungsangst) berichtet. Die Schlafqualität habe sich während des Aufenthaltes deutlich verbessert (S. 4 oben).
4.7
Dr.
med.
J._
, Fachärztin für Neurologe, und
lic
. phil.
K._
, Neuropsychologin und Psychologin FSP
,
berichteten am 12. April 2021 (Urk. 7/315/1-7) über eine verhaltensneurologisch-neuropsychologische Untersuchung und stellten folgende Diagnosen (S. 2):
-
vorbestehende, frühkindlich erworbene zerebrale Entwicklungsschwäche (perinatale Hypoxie, F07.8) mit daran assoziierter
-
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, Mischtypus seit der Kindheit mit Fortbestand im Erwachsenenalter, aktuell jedoch nur mit einer leichten objektivierbaren neurokognitiven Funktionsschwäche
-
Artikulationsschwäche in der Kindheit mit Logopädie (F80.0)
-
Feinmotorikschwäche
in der Kindheit
-
komorbid
auftretende affektpathologische Symptomatik und Zwangs
störung
Die Befunde entsprächen aktuell einer insgesamt leichten neurokognitiven Funktionsstörung. Unter Berücksichtigung der anamnestischen Angaben seien diese gut im Rahmen einer vorbestehenden, frühkindlich erworbenen zerebralen Entwicklungsschwäche mit daran assoziierten kognitiven Teilleistungsschwächen erklärbar (S. 1 unten).
Die aktuelle berufliche Tätigkeit bei der Spitex sei insbesondere aufgrund der hohen Empathie, welche eine richtige Ressource der Beschwerdeführerin darstelle, als adäquat zu betrachten. Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bedürfe es auch der Einschätzung aus fachpsychiatrischer/psychotherapeutischer Sicht (S. 2 unten).
4.
8
Dr.
med.
L._
, Fachärztin für Kardiologie und Allgemeine Innere Medizin, stellte im Bericht vom 4. Juni 2021 (Urk. 7/318) aus ihrem Fachgebiet folgende Diagnose (S. 1 oben):
-
rezidivierende Sinustachykardie
-
aktuell
exacerbiert
unter
Methylphenidat
, funktionell
-
im Holter-
Elektrokardiogramm (
EKG
)
keine relevanten Arrhythmien
-
strukturell und funktionell normaler Herzbefund
Die Beschwerdeführerin
berichte
über erneute vermehrte
Palpitationen
in Ruhe. Möglicherweise stünden diese im Zusammenhang mit einer neu begonnenen Therapie mit
Methylphenidat
. Die klinische Untersuchung sei unauffällig (S. 2 Mitte).
4.
9
4.
9
.1
Dr.
med.
M._
,
Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie,
stellte im Bericht
vom 7.
Februar 2021 (Urk.
7/311)
folgende Diagnosen aus ihrem Fach
bereich (S. 2 Ziff. 1):
-
Panikstörung (F41.0)
-
Anpassungsstörung, Angst und depressive Reaktion gemischt (F43.22) bei
-
traumatischen Ereignissen in der Lebensgeschichte
-
Zwangsstörung, vorwiegend Zwangshandlungen (Zwangsrituale; F42.1)
-
emotional-instabile Persönlich
keitsstörung, impulsiver Typ (F
60.30)
-
starker Verdacht auf AD(H)S
Die Ausprägung der Angstsymptome und die Häufigkeit des Auftretens der Panikattacken h
ätten
zugenommen. Die depressiven Symptome seien weiter schwer ausgeprägt. Die anfänglich vermutete Diagnose einer Persönlich
keitsstörung habe sich
g
efestigt und sei unterdessen
zu bestätigen
. Darüber hinaus sei eine weitere Abklärung bezüglich einer höchst wahrscheinlichen ADHS im Gange. Von den Einschränkungen, die der Beschwerdeführerin am meisten Schwierigkeiten bereiteten, könnten genannt werden: Konzentrationsstörungen, eine Unfähigkeit, emotionale Ausbrüche unter Kontrolle halten zu können,
impulshaftes
Verhalten, grosse Mühe beim Treffen von Entscheidungen (S.
2 unten).
Die Beschwerdeführerin sei durch die Mischung von psychischen und soma
tischen Beschwerden stark belastet und verunsichert. Sie werde vermutlich keine dauerhafte Arbeitsfähigkeit von über 30
% mehr erreichen. Das Maximum im Verlauf der letzten Jahre habe nur 40
% betragen. Im vergangenen Jahr sei diese Fähigkeit über lange Zeit wieder auf 0
% gewesen (S.
6 oben).
4.
9
.2
Am 1. Juni 2021 berichtete
Dr.
M._
, die verhaltensneurologisch-neuro
psychologische Untersuchung habe den geäusserten Verdacht bestätigt, und zwar noch in einem weitreichenderen Umfang (
Urk.
7/317
S. 1 unten). Die empfohlene medikamentöse Therapie mit einem
Methylphenidat
-Präparat sei mit positivem Effekt begonnen worden, habe aber nach wenigen Tagen wegen des Auftretens kardialer Nebenwirkungen abgebrochen werden müssen (S. 2 Mitte). Aufgrund einer aktuell bestehenden starken nächtlichen Angstsymptomatik werde versucht, einen Aufenthalt in einer Nachtklinik zu organisieren (S. 2 unten).
4.
9
.3
Mit Bericht vom 1
2.
September 2021 (Urk. 7/333 = Urk. 7/335) nahm
Dr.
M._
Stellung zum Vorbescheid der Beschwerdegegnerin und führte aus, es seien zwei neue Diagnosen, eine Zwangsstörung und eine emotional-instabile Persönlich
keitsstörung hinzugekommen
,
und es sei der Verdacht auf ein ADHS (F90.0) bestätigt worden (S. 2 Mitte). Anstelle einer Anpassungsstörung liege nun eine depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode, ohne psychotische Symptome (F33.2) vor. Die traumatischen Ereignisse in der Lebensgeschichte seien als psychisches Trauma, nicht andernorts klassifiziert
,
sowie
als
eine posttrauma
tische Belastungsstörung zu diagnostizieren (S. 3 oben). Die Beschwerdeführerin sei bemüht, ihre 20%ige Arbeitstätigkeit bei der Spitex beizubehalten, wobei dies ihre derzeitigen Möglichkeiten übersteige. Es sei fraglich, ob sie die Arbeitstätig
keit aufrechterhalten könne (S. 3 unten).
4.
9
.4
Am 16. Januar 2022 (Urk. 3/5) berichtete
Dr.
M._
, die Angst- und Panik
attacken hätten seit 2020 stark zugenommen.
Die Beschwerdeführerin
verspüre oft Todesängste mit dem Gefühl, zu ersticken (S. 1 unten). Die depressiven Symptome seien ständige Begleiter. Diese seien unter der Anpassungsstörung aufgelistet worden, wobei die Ängste und auch die Depressionen einen derartigen Schweregrad erreicht hätten, dass sie
nun
einzeln diagnostiziert werden müssten (S. 2 Mitte). Die Zwangsstörung sei seit Jahren unkontrollierbar und therapie
resistent (S. 3 oben). Die emotional-instabile Persönlichkeitsstörung bereite der Beschwerdeführerin Probleme auf der persönlichen Beziehungsebene und im Kontakt mit Behörden (S. 3 Mitte).
4.1
0
Dr.
med.
N._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
Regionaler Ärztlicher Dienst (
RAD
)
,
kam am
7.
Juni 2021
(Feststellungsblatt vom 19. August 2021, Urk. 7/322
S. 5-8
)
sowie am 18. Oktober 2021 (Feststellungs
blatt vom 1. Dezember 2021, Urk. 7/34
2
S. 5-8)
zusammengefasst zum Schluss
, es liege keine dauerhafte Änderung des Gesundheitszustandes vor.
5.
5.1
Im Zeitpunkt der
Rentenzusprache
im Jahr
2018
bestand bei der Beschwerdefüh
rerin aufgrund einer
mittelgradigen kombinierten Persönlichkeitsstörung, einer instabilen, aktuell leichtgradigen Panikstörung und einer aktuell remittierten rezidivierend depressiven Störung eine Leistungsminderung von 50 %
sowohl
in der bisherigen als auch in einer angepassten Tätigkeit (E. 3.3)
. A
ufgrund der Akne
inversa
bestand keine
Arbeitsfähigkeit
mehr in einer mittelschweren und schweren Tätigkeit und eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in einer leichten Tätigkeit ohne starke mechanische Belastung der Haut
(sitzende Tätigkeit). Tätigkeiten mit starkem Schwitzen oder Heben (beispielsweise als Pflegehelferin oder im Service) wurden im Beurteilungszeitpunkt als ungeeignet erachtet (E. 3.5).
Wegen
der Rückenproblematik erachteten die Gutachter
schwere Tätigkeiten als nicht mehr und
leichte
sowie
zeitweise mittelschwere Tätigkeiten unter Vermeidung von häufigem Bücken, Heben und Tragen von Lasten über 10 kg und stereotypen Körperhaltungen als
zu 100 %
zumutbar (E. 3.4).
5.2
Die behandelnde Psychiaterin (E. 4.
9
) schloss in ihren Berichten auf eine Verschlechterung des psychischen Zustands, indem zwei neue Diagnosen, eine Zwangsstörung sowie eine emotional-instabile Persönlichkeitsstörung
,
hinzuge
kommen seien
,
der Verdacht auf ein ADHS
bestätigt worden sei sowie anstelle der Anpassungsstörung nun eine depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode, vorliege. Überdies wertete sie die traumatischen Ereignisse in der Lebensgeschichte der Beschwerdeführerin als psychisches Trauma, nicht andern
orts klassifiziert, sowie
als
posttraumatische Belastungsstörung
(E. 4.
9
.3)
.
Vorab ist darauf hinzuweisen, dass
nicht die Diagnose massgebend
ist
, sondern in erster Linie der psychopathologische Befund und der Schweregrad der Symp
tomatik
.
Aus einer anderen Diagnose oder einer unterschiedlichen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus medizinischer Sicht allein kann somit nicht auf eine für den Invaliditätsgrad erhebliche Tatsa
chenänderung geschlossen werden
(Urteil
des Bundesgerichts 8C_170/2017 vom 13. Oktober 2017 E. 5.1 mit Hinweisen)
. Wegen des vergleichenden Charakters des revisionsrechtlichen Beweisthemas und des Erfordernisses, erhebliche faktische Veränderungen von bloss abweichenden Bewertungen abzugrenzen, muss deutlich werden, dass die Fakten, mit denen die Veränderung begründet wird, neu sind oder dass sich vorbestandene Tatsachen in ihrer Beschaffenheit oder ihrem Ausmass substantiell verändert haben. Die Feststellung über eine seit der früheren Beurteilung eingetretene tatsächliche Änderung ist genügend untermauert, wenn die ärztlichen Sachverständigen aufzeigen, welche konkreten Gesichtspunkte in der Krankheitsentwicklung und im Verlauf der Arbeitsunfähigkeit zu ihrer neuen diagnostischen Beurteilung und Einschätzung des Schweregrades der Störungen geführt haben (Urteil
des Bundesgerichts 8C_170/2017 vom 13. Oktober 2017 E. 5.1 mit Hinweisen
).
Was die neu hinzugekommenen Diagnosen betrifft, ist
Dr.
M._
entgegen
zuhalten, dass die
Y._
-Gutachter bereits im Jahr 2017 eine kombinierte Persön
lichkeitsstörung mit emotional instabilen, zwanghaften und abhängigen Anteilen sowie eine Panikstörung diagnostiziert hatten. Der Unterschied
in der Diagnostik dürfte damit minim sein. Was das ADHS betrifft, konnte in der verhaltensneuro
logisch-neuropsychologischen Abklärung durch
Dr.
J._
und
lic
. phil.
K._
(E. 4.
7
)
im Zusammenhang mit dem ADHS nur eine leichte neurokognitive Funktionsschwäche objektiviert werden
,
und
es wurde festgehalten, dass
der Beschwerdeführerin empfohlen
worden sei
, wie bisher bei ihrer beruflichen Tätigkeit Strategien anzuwenden. Allein
daraus, dass sich der Verdacht auf ein ADHS nach den einschlägigen Abklärungen nun bewahrheitet hat, k
ann somit nicht auf eine Verschlechterung des Gesundheitszustands geschlossen werden.
Auf welche traumatischen Ereignisse
, die zu einem psychischen Trauma, nicht andernorts klassifiziert und zu einer posttraumatischen Belastungsstörung führten,
Dr.
M._
bei ihr
er Berichterstattung Bezug nahm,
ist nicht ersichtlich
. Im Austrittsbericht des
Klinikums I._
(E. 4.
6
) wurde über den Tod einer Freundin berichtet, welcher zur Ausbreitung der Panikerkrankung geführt habe. Allerdings nahm die Angstsymptomatik
zumindest in der Nacht im Verlauf des Aufenthalts ab.
Was die
Depression, gegenwärtig schwere Episode betrifft, kann den Berichten von
Dr.
M._
kein Psychostatus entnommen werden, weshalb auch nicht nachvollziehbar ist, weshalb anstelle einer Anpassungsstörung eine Depression genannt wurde. Schliesslich berücksichtig
t
e die Psychiaterin bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auch die somatischen Beschwerden
,
und
es handelt sich um eine Einschätzung, die nicht unabhängig von subjektiven Gesichtspunkten erfolgt ist, da sie von den gegenwärtigen Verhältnissen ausging
(E. 4.
9
.1).
Insgesamt erscheint somit – trotz Hinweisen auf e
ine
mögliche
Verschlechterung des
psychischen
Gesundheitszustands
–
eine solche gestützt auf die vorliegenden Akten
nicht
ohne Weiteres als
ausgewiesen.
5.3
Laut Bericht der
Universitätsklinik D._
(E.
4
.2.3) liegt eine Lumbalgie bei Anschlusssegmentdegeneration mit vor allem Facettengelenksarthrosen beidseits L4/5 bei zusätzlicher Pseudoarthrose L5/S1 vor. Eine solche
bestand
im Zeitpunkt der
Y._
-Begutachtung noch nicht. Insofern liegt eine Ver
änderung
des Gesund
heitszustandes vor, wobei aber aus den medizinischen Berichten nicht ersichtlich ist, inwieweit
sich diese funktionell auswirkt und
die Arbeitsfähigkeit davon betroffen ist.
5.4
Die Beschwerdeführerin machte geltend, ab dem Sommer 2017 sei sie
aufgrund der Akne
inversa
erneut mehrfach operiert worden,
so dass sie im Jahr 2017 praktisch durchgehend zu 100 % arbeitsunfähig gewesen sein soll (Ur
k. 1 S. 10 Ziff. 5.15). Den Akten kann entnommen werden, dass die Beschwerdeführerin
im Jahr 2017 und anfangs Jahr 2018
nach operativen Eingriffen Phasen vollständi
ger Arbeitsfähigkeit zu verzeichnen hatte
(Urk. 7/232
/23-
39 ff.).
Ob sich der Gesundheitszustand aufgrund der Akne
inversa
insgesamt dauerhaft verschlech
tert hat
und
ob sich die Beschwerdeführerin nach Januar 2018 weiteren Opera
tionen unterziehen musste,
die jeweils zu einer längerdauernden Arbeitsunfähig
keit geführt hätten,
ist den Akten nicht zu entnehmen
.
5.5
Was die weiteren Erkrankungen betrifft (vgl. E. 4.3-
5, 4.8
), ist nicht ersichtlich, ob sich diese längerfristig auf die Arbeitsfähigkeit auswirken.
5.
6
Laut Arbeitgeberbericht vom 1
0
. Dezember 2020 war die Beschwerdeführerin seit 21. August 2020 zu 100% arbeitsunfähig (Urk. 7/307 S. 2). Trotzdem konnte sie gemäss eigenen Angaben (Urk. 1 S. 16 Ziff. 5.26) am 1. November 2020 eine Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit beginnen, was darauf hindeuten könnte, dass nicht eine Verschlechterung, sondern eine Verbesserung des Gesundheits
zustandes vorliegt.
5.
7
Zusammenfassend
kann aufgrund der medizinischen Akten nicht
schlüssig
überprüft werden,
ob sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin relevant verändert hat. Da der Sachverhalt ungenügend abgeklärt worden ist, rechtfertigt sich die Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin,
damit
diese
einerseits
ergänzende medizinische Abklärungen vornehme
, insbesondere aktuelle Berichte der behandelnden
Ärztinnen und Ärzte
einhole und aufgrund der verschiedenen gesundheitlichen Einschränkungen ein polydisziplinäres Gutachten anordne
, und andererseits prüfe, wie die geltend gemachte gesund
heitliche Einschränkung mit der begonnene
n
Ausbildung zur Fachfrau Gesund
heit in Einklang zu bringen ist.
Gestützt auf die ergänzte
n Abklärungen
hat sie hernach über
den
Rentena
nspruch
der Beschwerdeführerin neu zu entscheiden
.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
6.
Insoweit
die Beschwerdeführerin
einen Anspruch auf berufliche Eingliederungs
massnahmen im Sinne einer Umschulung zur Fachfrau Gesundheit geltend machte
(Urk. 1 S. 2 Ziff. 3)
, ist ihr entgegenzuhalten, dass bereits die
Y._
-Gutachter im Jahr 2017 eine Tätigkeit im Pflegebereich als nicht angepasst erachteten
(E. 3.4)
. An dieser Einschätzung dürfte sich
nichts geändert haben. Auch wenn
sich die Beschwerdeführerin erhofft,
dass sie als Fachfrau Gesundheit vermehrt Bürotätigkeiten ausführen könnte
(vgl. Urk. 1 S. 22 Ziff. 7.6)
, ist kaum wahrscheinlich, dass sie in diesem Berufsfeld gänzlich von Pflegeaufgaben entlastet würde, weshalb eine Umschulung auf Fachfrau Gesundheit
nach dem jetzigen Aktenstand als
eher
nicht geeignet
erscheint
.
Daran ändert auch die neuropsychologische Einschätzung, die aktuelle berufliche Tätigkeit bei der Spitex sei
aufgrund der Empathie der Beschwerdeführerin
geeignet (E. 4.9
)
,
nichts.
Sollten die ergänzenden medizinischen Abklärungen indessen ergeben, dass weiterhin eine Teilarbeitsfähigkeit gegeben ist, sind
allerdings
die Voraussetzun
gen für die Zusprechung beruflicher M
assnahmen grundsätzlich zu prüfen.
7.
7.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.
festzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7.2
Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend hat d
ie
anwaltlich vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Parteientschädigung. Diese wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierig
keit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
). Unter Berücksichtigung eines gerichtsüblichen Ansatzes von Fr
.
220.
pro Stunde zuzüglich Mehrwertsteuer erscheint eine Parteientschädigung von Fr.
2’400
.
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.