# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 9a15ae8d-177f-48db-8e8f-489602e25202
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend vorsorgliche Beweisabnahme
Berufung gegen eine Verfügung des Einzelgerichtes im summarischen Verfahren des Bezirksgerichtes Horgen vom 21. November 2013 (ET120002)
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Rechtsbegehren: (act. 6/1)
"1. Es sei bezüglich der Operation des Gesuchsgegners an der  vom 6. Februar 2006 und deren Auswirkungen im Sinn von Art. 158 ZPO eine vorsorgliche Beweisabnahme  und eine medizinische Gerichtsexpertise zu erstellen, dies unter Ernennung einer oder mehrerer Gutachterpersonen unter Mitwirkung der Parteien, und Unterbreitung der Fragen gemäss Ziff. 13 der nachfolgenden Begründung.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des ."
Verfügung des Einzelgerichts im summarischen Verfahren des Bezirksgerichts Horgen vom 21. November 2013:
(act. 3 S. 5 = act. 5 S. 5)
1. Es wird ein Gutachten angeordnet. 2. Die sachverständige Person wird nach unbenutztem Ablauf der
Frist gemäss Dispositivziffer 4 bestimmt. 3./4. Mitteilung / Rechtsmittel
Berufungsanträge des Berufungsklägers und Gesuchsgegners: (act. 2 S. 2)
"1. Die Verfügung sei aufzuheben. Auf das Gesuch vom 26. April 2012 sei nicht einzutreten, eventualiter sei es abzuweisen.
2. Der Berufung sei die aufschiebende Wirkung einzuräumen. 3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (inkl. 8% MWST) zu
Lasten der Gesuchstellerin."
Berufungsanträge der Berufungsbeklagten und Gesuchstellerin: (act. 12 S. 2)
"1. Die Berufung sei abzuweisen. 2. Die vorinstanzliche Verfügung sei zu bestätigen. 3. Auf das Gesuch nach Art. 158 ZPO sei einzutreten und es sei
gutzuheissen. 4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des Berufungs-
klägers."
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## Considerations

Erwägungen:
I.
1. Die Gesuchstellerin und Berufungsbeklagte (nachfolgend Berufungsbeklag-
te) unterzog sich am 6. Februar 2006 in der Klinik C._ in D._ einem me-
dizinischen Eingriff (sog. Narbenrevision), um die seit der operativen Geburt (Kai-
serschnitt) ihres letzten Kindes bestehenden starken Unterbauchschmerzen zu
beseitigen. Dieser Eingriff wurde dort vom Gesuchsgegner und Berufungskläger
(nachfolgend Berufungskläger) als Belegarzt durchgeführt (act. 6/1 S. 2 und
S. 5 f.; act. 6/3/3). Nach eigener Darstellung der Berufungsbeklagten haben sich
die Beschwerden nach diesem Eingriff verstärkt und insofern ausgeweitet, als sie
zusätzlich Rückenschmerzen im Kreuzbereich und schmerzassoziierte Gefühls-
störungen im linken Oberschenkel hat (act. 6/1 S. 6).
2. Am 26. April 2012 gelangte die Berufungsbeklagte an das Einzelgericht im
summarischen Verfahren des Bezirksgerichts Horgen und stellte ein Begehren
um vorsorgliche Beweisabnahme in der Form eines gerichtlichen Gutachtens zu
den medizinischen Folgen des operativen Eingriffes vom 6. Februar 2006
(act. 6/1). Als Bestandteil ihres Begehrens reichte die Berufungsbeklagte einen
rund fünfseitigen Katalog mit Gutachterfragen ein (act. 6/1 S. 20 ff.). Mit Verfü-
gung vom 8. Februar 2013 ordnete die Vorinstanz ein Gutachten an und schlug
Dr. med. E._ als Sachverständigen vor unter Fristansetzung an die Parteien,
Einwendungen gegen den vorgeschlagenen Experten zu erheben (act. 6/27).
Diese Verfügung wurde von der Kammer mit Beschluss vom 17. April 2013 we-
gen Verletzung des rechtlichen Gehörs aufgehoben und zur Neubeurteilung an
die Vorinstanz zurückgewiesen (act. 6/50). Auch die neuerliche Verfügung der Vo-
rinstanz auf Anordnung eines Gutachtens vom 16. Juli 2013 (act. 6/67) wurde von
der Kammer wegen Verletzung des rechtlichen Gehörs aufgehoben (act. 6/72).
Schliesslich ordnete die Vorinstanz mit Verfügung vom 21. November 2013 aber-
mals ein Gutachten an, wobei die sachverständige Person nach unbenutztem Ab-
lauf der Rechtmittelfrist zu bestimmen sei (act. 3 = 5). Gegen diese Verfügung
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richtet sich die vorliegende (rechtzeitig erhobene) Berufung (vgl. act. 2,
act. 6/75/1). Der Berufungskläger stellt den Antrag, auf das Gesuch um vorsorgli-
che Beweisabnahme und Erstellung einer medizinischen Gerichtsexpertise sei
nicht einzutreten, eventualiter sei es abzuweisen. In prozessualer Hinsicht bean-
tragte er, der Berufung sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen (act. 2 S. 2). Mit
Verfügung vom 19. Dezember 2013 fällte die Kammer bezüglich des Antrags um
aufschiebende Wirkung einen Nichteintretensentscheid mit der Begründung, dass
das vor der Vorinstanz hängige Verfahren aufgrund des ergriffenen Rechtmittels
und der damit verbundenen ausstehenden Gutachterbestimmung einstweilen oh-
nehin nicht fortgesetzt werden könne. Daher fehle es bezüglich des prozessualen
Antrags an einem Rechtsschutzinteresse (act. 7). Mit derselben Verfügung wurde
dem Berufungskläger ein Kostenvorschuss auferlegt, der fristgerecht geleistet
wurde (act. 9). Der Berufungsbeklagten wurde sodann mit Verfügung vom
12. Februar 2014 (act. 10) Frist zur Erstattung der Berufungsantwort gesetzt, die
innert Frist einging und dem Berufungskläger zugestellt wurde (act. 12; act. 11;
act. 15). Die Sache erweist sich als spruchreif.
II.
1.1 Der Berufungskläger rügt zunächst eine Verletzung des rechtlichen Gehörs
durch die Vorinstanz, weil diese sich mit zentralen Vorbringen in seiner Stellung-
nahme zum Gesuch (act. 6/61) nicht auseinandergesetzt habe und ihrer Begrün-
dungspflicht nicht nachgekommen sei (act. 2 S. 16). Der Berufungskläger stellte
sich bereits im vorinstanzlichen Verfahren auf den Standpunkt, dass die Beru-
fungsbeklagte das Institut der vorsorglichen Beweisführung in rechtsmissbräuchli-
cher Weise anrufe, weil sie sämtliche Fragen, die Gegenstand eines ordentlichen
Prozesses wären – insbesondere Haftungsvoraussetzungen und Schadener-
satz –, bereits im summarischen Vorverfahren prüfen lassen wolle, was zu einer
Aushebelung der richterlichen Prozessherrschaft führe (act. 6/61 S. 8 f., act. 2
S. 13 ff.). Ausserdem widersprächen die von der Berufungsbeklagten formulierten
Gutachterfragen in vielen Punkten der bundesgerichtlichen Rechtsprechung und
seien damit von vornherein ungeeignet, zur Klärung der Prozessaussichten beizu-
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tragen (act. 6/61 S. 9; act. 2 S. 16). Die Vorinstanz habe sich mit letzterem Ein-
wand gar nicht und mit der Argumentation der Rechtsmissbräuchlichkeit zumin-
dest im Kern nicht auseinandergesetzt, was im Widerspruch zum Grundsatz des
rechtlichen Gehörs stehe (act. 2 S. 13 und 16).
1.2 Der Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 53 ZPO) um-
fasst unter anderem die grundsätzliche Pflicht der Behörden, ihren Entscheid zu
begründen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass der Betroffene den
Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Es müssen kurz die we-
sentlichen Überlegungen genannt werden, von denen sich das Gericht hat leiten
lassen und auf die sich sein Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist hingegen, dass
sich der Entscheid mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und
jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann sich das Gericht
auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken (BGE 133 III 439
E. 3.3; BGE 134 I 83 E. 4.1 beide m.w.H.).
1.3 Die Vorinstanz erwog in Bezug auf den Einwand der Rechtsmissbräuchlich-
keit zusammengefasst, dass der Rechtsschutz nur bei offenbarem Rechtmiss-
brauch verweigert werde, wofür ein strenger Beurteilungsmassstab greife. Vorlie-
gend sei aber im Vorgehen der Berufungsbeklagten keine unmittelbar ins Auge
scheinende Rechtsmissbräuchlichkeit zu erkennen (act. 3 S. 3).
Mit dem Berufungskläger ist festzuhalten, dass die Vorinstanz im Wesentli-
chen allgemeine Ausführungen zum Rechtsmissbrauchverbot macht und zur Ar-
gumentation des Berufungsklägers lediglich (konkret) festhält, dass die vorsorgli-
che Beweisführung gerade dazu beitrage, aussichtslose ordentliche Prozesse zu
vermeiden, weshalb im Vorgehen der Berufungsbeklagten keine offensichtliche
Rechtsmissbräuchlichkeit erkennbar sei.
Ein allgemeiner Rechtsgrundsatz wie derjenige des Rechtsmissbrauchver-
bots ist schwierig zu erfassen und zu umreissen. Es bedarf daher konkretisieren-
der Ausführungen (allgemeiner Natur), um die ihm zugrundeliegenden Wertungen
herauszukristallisieren und auch, um eine Entscheidung des Gerichts bzw. Quali-
fikation einer konkreten Handlung als rechtsmissbräuchlich (oder nicht rechts-
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missbräuchlich) zu begründen (BSK ZGB I-HONSELL, 4. Aufl., Art. 2 N 37). Die
Vorinstanz weist zu Recht auf die grundsätzlich zurückhaltende Tendenz der Ge-
richte hin, eine Rechtsmissbräuchlichkeit zu bejahen (ZK ZPO-SUTTER-
SOMM/CHEVALIER, Art. 52 N 20 ff.). Vorliegend fällt die konkrete Würdigung des
berufungsklägerischen Einwands im Verhältnis zu den Erwägungen allgemeiner
Art zum Rechtsmissbrauchsverbot knapp aus. Vor dem aufgezeigten Hintergrund
ist dies allerdings vertretbar. Die Ausführungen des Berufungsklägers selbst be-
schränken sich (abgesehen von den aufgelisteten und als zu umfassend bemän-
gelten Punkten des Fragenkatalogs) auch nur auf Überlegungen grundsätzlicher
Natur zum vorsorglichen Beweisverfahren und zum Verbot des Rechtsmiss-
brauchs (act. 6/61 S. 8 f.). Die vorinstanzlichen Erwägungen machen in genügen-
der Weise deutlich, auf welche – allgemeinen und konkreten – Überlegungen sich
der Entscheid stützt. Dies ist entscheidend. Eine Verletzung der Begründungs-
pflicht kann daher in diesem Punkt nicht ausgemacht werden.
Sodann beurteilt die Vorinstanz den Einwand des Berufungsklägers, ein
Gutachten sei aufgrund der Fragestellungen der Berufungsbeklagten und man-
gels substantiierter Angaben ihrerseits zum Sachverhalt von vornherein zur Klä-
rung der Prozessaussichten ungeeignet, als nicht stichhaltig. Sie begründet dies
mit dem Umstand, dass es im Verfahren der vorsorglichen Beweisabnahme nicht
vorgesehen sei, substantiierte Sachverhaltsangaben des Gesuchsgegners [recte:
des Gesuchstellers] einzuholen (act. 3 S. 4). Mit dieser Begründung nimmt die
Vorinstanz nur zu letzterem Argument des Berufungsklägers Stellung. Bezüglich
des Vorbringens, dass die von der Berufungsbeklagten eingereichten Gutachter-
fragen in vielen Punkten der bundesgerichtlichen Rechtsprechung widersprächen,
mangelt es – wie der Berufungskläger zu Recht bemerkt – gänzlich an einer Aus-
einandersetzung. Dieses Versäumnis ist angesichts der bereits zweimaligen Zu-
rückweisung der Sache an die Vorinstanz aufgrund einer Verletzung des rechtli-
chen Gehörs und dem expliziten Hinweis, dass sich ein Entscheid mit den we-
sentlichen Standpunkten der Parteien einlässlich auseinanderzusetzen habe (vgl.
act. 6/72 S. 6), bedauerlich. Allerdings betrifft der Einwand der Ungeeignetheit der
Fragestellungen insofern eine prozessuale Besonderheit, als der endgültige Ent-
scheid über die Formulierung der Gutachterfragen ohnehin stets beim Gericht
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liegt. Die Gegenpartei hat dabei vorgängig die Möglichkeit, durch eigene Fragen
oder durch Zusatz- und Ergänzungsfragen den eigenen Standpunkt in das Ver-
fahren einzubringen (BGer 4A_225/2013 vom 14. November 2013 E. 2.2.3, zur
Publikation vorgesehen). In diesem Sinne wird die Vorinstanz (erst) im Rahmen
der Ernennung des Sachverständigen und der Unterbreitung der zu beantworten-
den Gutachterfragen über die Formulierung der Fragen und damit über deren Zu-
lässigkeit und Geeignetheit zu entscheiden haben. Dabei ist der Berufungskläger
vorgängig anzuhören und es ist ihm Gelegenheit einzuräumen, zu den Fragen
Stellung zu nehmen. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs ist daher im jetzigen
Verfahrensstadium – trotz der fehlenden Auseinandersetzung mit diesem Vor-
bringen im vorinstanzlichen Entscheid – zu verneinen.
1.4 Als Zwischenergebnis ist festzuhalten, dass die Vorinstanz das rechtliche
Gehör des Berufungsklägers in genügender Weise gewahrt hat. Im Folgenden ist
daher auf die weiteren Parteivorbringen und die Voraussetzungen der vorsorgli-
chen Beweisführung nach Art. 158 Abs. 1 lit. b ZPO einzugehen.
2.1 Das Gericht nimmt gestützt auf Art. 158 Abs. 1 lit. b ZPO jederzeit Beweis
ab, wenn die gesuchstellende Partei eine Gefährdung der Beweismittel oder ein
schutzwürdiges Interesse glaubhaft macht. Sowohl die Parteien als auch die
Vorinstanz haben richtig erkannt, dass (gemäss der Botschaft) mit dem Begriff
des schutzwürdigen Interesses in Art. 158 Abs. 1 lit. b ZPO auf die Möglichkeit
Bezug genommen wird, eine vorsorgliche Beweisführung auch zur Abklärung der
Beweis- und Prozessaussichten durchzuführen. Diese Möglichkeit soll dazu bei-
tragen, aussichtslose Prozesse zu vermeiden (BGE 138 III 76 E. 2.4.2 mit Hin-
weis auf BBl 2006 7315; vgl. act. 3 S. 2; act. 2 S. 15; act. 12 S. 4). Zur Bejahung
eines schutzwürdigen Interesses an einer vorsorglichen Beweisführung muss der
Gesuchsteller glaubhaft machen, dass ein Sachverhalt vorliegt, gestützt auf den
ihm das materielle Recht einen Anspruch gegen den Gesuchsgegner gewährt und
zu dessen Beweis das abzunehmende Beweismittel dienen kann (BGE 138 III 76
E. 2.4.2 m.w.H.).
Eine vorsorgliche Beweisführung kann also nur mit Blick auf einen konkreten
materiellrechtlichen Anspruch verlangt werden, da das Interesse an einer Be-
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weisabnahme vom Interesse an der Durchsetzung eines damit zu beweisenden
Anspruchs abhängt. Das Bundesgericht hat festgehalten, dass die Anforderungen
an die Glaubhaftmachung nicht überspannt werden dürften, gehe es doch beim
Verfahren der vorsorglichen Beweisabnahme noch nicht um die Prüfung der Be-
gründetheit des Hauptanspruchs (BGer 4A_225/2013 vom 14. November 2013 E.
2.2.2, BGer 4A_336/2013 E. 3.2.2, beide zur Publikation vorgesehen). Keine ei-
gentliche Glaubhaftmachung könne lediglich für Tatsachen verlangt werden, die
mit dem vorsorglich abzunehmenden Beweismittel bewiesen werden sollten, da
sonst der Zweck von Art. 158 Abs. 1 lit. b ZPO, die vorprozessuale Abklärung von
Beweisaussichten zu ermöglichen, vereitelt würde. Stelle das abzunehmende
Beweismittel das einzige dar, mit dem der Gesuchsteller einen Anspruch bewei-
sen könne, müsse es genügen, dass das Vorliegen der anspruchsbegründenden
Tatsachen lediglich substantiiert behauptet werde (BGE 138 III 76 E. 2.4.2).
2.2 Die Vorinstanz führte aus, dass die Berufungsbeklagte genügend glaubhaft
gemacht habe, dass ein Sachverhalt vorliege (chirurgischer Eingriff durch den Be-
rufungskläger und dessen Folgen), der einen Anspruch gegenüber dem Beru-
fungskläger begründen könnte (act. 3 S.3).
Der Berufungskläger bringt dagegen wie bereits im vorinstanzlichen Verfah-
ren vor, dass es an der Berufungsbeklagten liege, im Gesuch substantiierte An-
gaben zum Sachverhalt zu machen, damit ein Gutachten überhaupt erst sinnvoll
sei. Das Gesuch enthalte keine hinreichenden Angaben etwa über die Berufstä-
tigkeit der Berufungsbeklagten und deren Aufgaben in der Haushaltführung. Die
Anamnese sei nur absolut rudimentär und unzutreffend dargestellt worden, Akten
zum Zustand vor der Operation fehlten gänzlich. Mangels genügender Angaben
zum Sachverhalt seien die gestellten Gutachterfragen gar nicht seriös beantwort-
bar (act. 2 S. 17).
Die Berufungsbeklagte verweist einerseits auf die novenrechtliche Unzuläs-
sigkeit der Behauptung, dass das Gesuch keine genügende Angaben zu Berufs-
tätigkeit, Haushaltsführung und Anamnese enthalte, anderseits auf die in der Rep-
lik vom 1. Juli 2013 gemachten Ausführungen (act. 12 S. 25 ff.).
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2.3 Es ist dem Berufungskläger darin zuzustimmen, dass es im Verfahren der
vorsorglichen Beweisführung am Gesuchsteller liegt, dem Gericht in seinem Ge-
such die erforderlichen Angaben zum Sachverhalt zu machen und den Umfang
der beantragten Beweisführung (u.a. durch Einreichung eines Fragenkatalogs) zu
bestimmen (ZK ZPO-FELLMANN, 2. Aufl., Art. 158 N 20). Dabei ist allerdings dem
Umstand Rechnung zu tragen, dass in diesem Stadium vor Einleitung des Haupt-
prozesses das Prozessthema noch nicht (vollständig) herausgeschält ist und da-
her im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung die Anforderungen an die
Glaubhaftmachung eines Hauptsacheanspruchs nicht überspannt werden dürfen.
Die Berufungsbeklagte hat in ihrem Gesuch im erstinstanzlichen Verfahren unter
den Überschriften "Ausgangslage", "mögliches haftpflichtiges Operationsereignis",
"postoperativer Verlauf" und "möglicher Gesundheitsschaden als Folge der Ope-
ration" (act. 6/1 S. 5 ff.) genügende Angaben zum Sachverhalt gemacht und me-
dizinische Unterlagen beigebracht, um ihren Anspruch in der Hauptsache gegen-
über dem Berufungskläger darzutun. Akten zum Zustand vor der Operation sind
dafür entgegen den Behauptungen des Berufungsklägers nicht notwendig. Inwie-
fern die lediglich pauschale Behauptung, Berufstätigkeit, Aufgaben in der Haus-
haltsführung und Anamnese seien unzureichend aufgezeigt worden, zutreffend
sein sollte, kann vor dem Hintergrund der genannten Textpassagen mit entspre-
chenden Beweisofferten im Gesuch nicht nachvollzogen werden.
3.1 Abgesehen von der Glaubhaftmachung eines Hauptsacheanspruchs bzw.
der schlüssigen und substantiierten Behauptung der anspruchsbegründenden
Tatsachen, die durch das vorsorglich beantragte Beweismittel bewiesen werden
sollen, sind an das Bestehen eines schutzwürdigen Interesses im Sinne von
Art. 158 Abs. 1 lit. b ZPO keine hohen Anforderungen zu stellen. Das schutzwür-
dige Interesse ist gemäss Bundesgerichtspraxis jedoch dann zu verneinen, wenn
sich das beantragte Beweismittel als untauglich erweist. Kein Interesse an einer
vorsorglichen Beweisführung besteht sodann, wenn es der gesuchstellenden Par-
tei lediglich darum geht, ein bereits vorliegendes, beweistaugliches Gutachten mit
einem weiteren Gutachten in Frage zu stellen (BGer 4A_225/2013 vom 14. No-
vember 2013 E. 2.2.2; BGer 4A_336/2013 vom 10. Dezember 2013 E. 3.2.2). In
gleicher Weise ist von einem fehlenden schutzwürdigen Interesse auszugehen,
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wenn die verlangte Beweisabnahme gar nicht (mehr) erforderlich ist, um die Be-
weis- und Prozessrisiken abzuschätzen, da die notwendigen Beweise bzw. Ent-
scheidungsgrundlagen bereits vorliegen. Zu denken ist etwa im Hinblick auf allfäl-
lige Haftpflichtprozesse wegen Personenschäden an das Vorliegen einer detail-
lierten medizinischen Dokumentation des Beschwerdebildes und zahlreicher ärzt-
licher Stellungnahmen und Einschätzungen zu dessen Auswirkungen (vgl. OGer
LF120024 vom 14. Mai 2012, Erw. III.9.2 mit Hinweis auf OGer LF110116 vom
20. Dezember 2011, Erw. 2.7 f.).
3.2 Die Vorinstanz befand, dass die Berufungsbeklagte auch ein schutzwürdiges
Interesse an einer unabhängigen Gerichtsexpertise glaubhaft gemacht habe und
ordnete das Gutachten an (act. 3 S. 5). Die von der Berufungsbeklagten gestell-
ten Gutachterfragen unterschieden sich nämlich von den mittels Teilgutachten be-
reits behandelten Fragestellungen. Keines der erstellten Gutachten sei auf ge-
richtliche Anordnung hin und unter Hinweis auf Art. 307 StGB erstattet worden.
Ausserdem seien die bereits vorliegenden medizinischen Unterlagen teilweise
auch im Hinblick auf Sozialversicherungsleistungen erstellt worden, bei denen na-
turgemäss ein anderer Fokus vorliege als bei einem Haftpflichtgutachten. Von ei-
nem Gutachten, wie es die Berufungsbeklagte verlange, seien daher durchaus
neue Erkenntnisse zu erwarten (act. 3 S. 4).
Der Berufungskläger macht dagegen geltend, dass es an einem für eine
vorsorgliche Beweisabnahme gestützt auf Art. 158 Abs. 1 lit. b ZPO notwendigen
schutzwürdigen Interesse fehle. Es seien bereits zahlreiche Grundlagen (detail-
lierte medizinische Dokumentationen und ärztliche Stellungnahmen) vorhanden,
die es der Berufungsbeklagten ermöglichten, ihre Prozesschancen abzuschätzen.
Diese Unterlagen liessen auch eine Beurteilung derjenigen Punkte zu, die Ge-
genstand des von der Berufungsbeklagten vorgelegten Fragenkatalogs seien –
nämlich Anamnese, Beschwerden, Befund, Diagnose, Kausalzusammenhang, In-
dikation der Operation, lege-artis Durchführung der Operation, Höhe der Arbeits-
unfähigkeit im Erwerb und im Haushalt sowie weitere medizinische Massnahmen
(act. 2 S. 7 und 10). Aus den zahlreichen eingereichten medizinischen Dokumen-
ten verschiedener Fachdisziplinen ergebe sich die (bestrittene und im ordentli-
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chen Verfahren zu klärende) Überzeugung der Ärzte, dass die vom Berufungsklä-
ger vorgenommene Operation nicht indiziert war, nicht de lege artis vorgenom-
men wurde und dass als Folge der Operation eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit
der Berufungsbeklagten im Erwerb sowie im Haushalt bestehe. Damit sei es der
Berufungsbeklagten gestützt auf die vorhandenen Unterlagen ohne Weiteres
möglich, die Prozesschancen abzuschätzen (act. 2 S. 13).
3.3 Das Bundesgericht hielt in seiner jüngsten Rechtsprechung zu Art. 158
Abs. 1 lit. b ZPO fest, dass die vorsorgliche Beweisführung nicht bloss eine vage
Abschätzung der Prozesschancen ermöglichen solle, sondern eine eigentliche
Abklärung der Prozessaussichten im Allgemeinen und der Beweisaussichten im
Besonderen. Eine hinreichende Klärung der Prozessaussichten könne dabei aber
nur mit der vorsorglichen Abnahme von Beweismitteln erreicht werden, welche
sich auch eignen, im Beweisverfahren eines allfälligen Hauptprozesses eine tra-
gende Rolle zu spielen, was ganz besonders gelte, wenn solche Klärung eine Ex-
pertise erfordere (BGer 4A_336/2013 vom 10. Dezember 2013 E. 3.3.3.; BGer
4A_225/2013 vom 14. November 2013 E. 2.5 [Hervorhebungen im Original]). Dies
ist dem Berufungskläger grundsätzlich entgegenzuhalten, wenn er zwar aner-
kennt, dass die vorliegenden medizinischen Unterlagen teilweise nicht unabhän-
gig seien, jedoch geltend macht, dass ein neutrales Gerichtsgutachten erst im
Hauptprozess, noch nicht aber im Verfahren der vorsorglichen Beweisführung
notwendig sei (act. 2 S. 11).
Das Bundesgericht hat ausdrücklich klargestellt, dass es sich bei medizini-
schen Stellungnahmen (Arztzeugnisse, fachärztliche Berichte etc.) beweisrecht-
lich betrachtet um blosse Privatgutachten handle, welche als Bestandteil der Par-
teivorbringen und nicht als eigentliche Beweismittel gälten. Damit würden diese
nicht genügen, um die Prozesschancen zuverlässig abklären zu können. Verlange
ein Gesuchsteller im Rahmen der vorsorglichen Beweisführung ein gerichtliches
Gutachten im Sinne von Art. 183 ff. ZPO, liesse sich ein schutzwürdiges Interesse
daran nicht willkürfrei verneinen (BGer 4A_336/2013 vom 10. Dezember 2013
E. 3.3.3.; BGer 4A_225/2013 vom 14. November 2013 E. 2.5). Die Berufungsbe-
klagte reichte als Beilage zu ihrem Gesuch unter anderem ein Schreiben des Spi-
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tals ... an Dr. med. F._ vom 27. März 2006 (Gesuchsbeilage 4, act. 6/3/4),
ein Schreiben von Dr. med. F._ an Dr. med. G._ vom 18. Juli 2006 (Ge-
suchsbeilage 5, act. 6/3/5), einen Austrittsbericht des Universitätsspitals Zürich
vom 22. Mai 2006 (Gesuchsbeilage 6, act. 6/3/6), ein Schreiben von Dr. med.
F._ an Dr. iur. H._ vom 9. Oktober 2006 (Gesuchsbeilage 7, act. 6/3/7),
eine medizinische Zweitmeinung des Schmerzzentrums Polymedes vom 5. Juni
2007 (Gesuchsbeilage 8, act. 6/3/8) sowie eine Stellungnahme des medizinischen
Zentrums ... vom 15. Februar 2008 (Gesuchsbeilage 11, act. 6/3/11) ein. Bei die-
sen medizinischen Schreiben und Berichten handelt es sich durchwegs um reine
Parteivorbringen, die im Rahmen eines Auftragsverhältnisses mit der Berufungs-
beklagten erstellt wurden. Sie genügen den formalen Anforderungen an ein ge-
richtliches Gutachten im Sinne von Art. 183 ff. ZPO von vornherein nicht und gel-
ten gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung als reine Privatgutachten. Auch
wenn sie sich, wie es der Berufungskläger aufzeigt (act. 2 S. 7 ff.), zu relevanten
und von der Berufungsbeklagten beantragten Fragestellungen äussern, kann
ihnen aufgrund ihres geringen Beweiswertes im Hinblick auf die Abschätzung von
Prozess- und Beweischancen keine Bedeutung zugemessen werden.
3.4 Der Berufungskläger hält im Weiteren aber dafür, dass die medizinische Si-
tuation der Berufungsbeklagten auch bereits durch unabhängige, nicht von der
Gesuchstellerin beauftragte Gutachter geklärt worden sei, so insbesondere durch
die drei von der Invalidenversicherung beauftragten Gutachter des Ärztlichen Be-
gutachtungsinstituts (ABI) GmbH in Basel (Gesuchsbeilage 9, act. 6/3/9) und
durch den von der BVK Personalvorsorge des Kantons Zürich beauftragten Gut-
achter Dr. med. I._ (Gesuchsbeilage 16, act. 6/3/16). Auch wenn diese Stel-
lungnahmen im Hinblick auf Sozialversicherungsleistungen erstellt worden seien,
werde darin zu denjenigen Fragen Stellung genommen, die ebenfalls Gegenstand
des beantragten Gutachtens sein sollen. Der unterschiedliche Fokus im Sozial-
versicherungs- und im Haftpflichtrecht falle im vorliegenden Fall daher nicht ins
Gewicht (act. 2 S. 10).
Im Folgenden ist damit zu prüfen, ob die genannten Gutachten (Gesuchsbei-
lagen 9 und 16) als beweistauglich im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtspre-
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chung gelten und ob sie im Wesentlichen dieselben Fragen beantworten, welche
die Berufungsbeklagte in ihrem Gesuch formuliert. Nur wenn beides bejaht wer-
den kann, ist der Berufungsbeklagten ein schutzwürdiges Interesse an einem wei-
teren Gutachten abzusprechen.
3.5 Bei Gesuchsbeilage 9 handelt es sich um ein polydisziplinäres Gutachten
der ABI GmbH Basel vom 22. Januar 2008 (act. 6/3/9, im Folgenden MEDAS-
Gutachten), das im Rahmen eines sozialversicherungsrechtlichen Verfahrens von
der IV-Stelle Zürich in Auftrag gegeben wurde. Im Zivilprozess können von einer
anderen Behörde in Auftrag gegebene und in anderen Verfahren erstattete Gut-
achten (Fremdgutachten) gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung als ge-
richtliche Gutachten im Sinne von Art. 183 ff. ZPO beigezogen werden. Das Bun-
desgericht hat MEDAS-Gutachten in diesem Zusammenhang die Beweistauglich-
keit explizit zugesprochen (BGer 4A_336/2013 vom 10. Dezember 2013 E.
3.3.1.3).
Die Berufungsbeklagte wendet dagegen ein, dass die ABI GmbH im Unter-
schied zur Medizinischen Abklärungsstation des Spitals Y. im erwähnten Bundes-
gerichtsentscheid wirtschaftlich von der IV abhängig sei, da sie exklusiv von die-
ser mandatiert und bezahlt werde. Finanzielle Abhängigkeit stelle aber einen Aus-
standsgrund im Sinne von Art. 47 lit. f ZPO (i.V.m. Art. 183 Abs. 2 ZPO) dar. Da-
mit sei das Gutachten nicht neutral, sondern stelle ein Parteigutachten dar
(act. 12 S. 7 f. und 16 ff.). Ausserdem sei das Gutachten vor den bundesgerichtli-
chen Leiturteilen BGE 137 V 210 vom 28. Juni 2011 und BGer 9C_207/2012 vom
3. Juli 2013 ergangen, weshalb die Berufungsbeklagte damals hinsichtlich Wahl
des Gutachters sowie Mitwirkungsrechten praktisch keine Einflussmöglichkeiten
gehabt hätte.
In Bezug auf letzteres Argument ist der Berufungsbeklagten entgegenzuhal-
ten, dass das Bundesgericht im fraglichen Leitentscheid BGE 137 V 2010 E. 6
ausdrücklich festgehalten hat, dass nach altem Verfahrensstand (ohne Mitwir-
kungsrechte der versicherten Person) eingeholte Gutachten ihren Beweiswert
nicht per se verlören. Insofern sind auch MEDAS-Gutachten, die vor dem 28. Juni
2011 erstellt wurden, nicht grundsätzlich unbrauchbar (OGer ZH LF130025 E.
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2.4.1). Dem Umstand, dass ein nach altem Standard in Auftrag gegebenes Gut-
achten eine massgebende Entscheidgrundlage bildet, ist vielmehr im Rahmen der
Beweiswürdigung Rechnung zu tragen (BGer 9C_495/2012 vom 4. Oktober 2010
E. 2.3). Auch dem Standpunkt, dass die ABI GmbH von der IV wirtschaftlich ab-
hängig und daher nicht unabhängig sei, kann nicht gefolgt werden. Das Bundes-
gericht hat im erwähnten Entscheid allen damaligen achtzehn MEDAS eine wirt-
schaftliche Abhängigkeit von der IV attestiert, gleichzeitig aber festgehalten, dass
dies zu keiner Befangenheit und mithin zu keinem formellen Ausstandsgrund füh-
re. Ohnehin richte sich ein Ausstandsbegehren stets nur gegen Personen und
nicht gegen Behörden (BGE 137 V 2010 E. 2.4.1 und E. 1.3.3). Auch wenn die
Berufungsbeklagte behauptet, finanzielle Abhängigkeit stelle zivilprozessual und
im Unterschied zum Sozialversicherungsrecht einen Ausstandsgrund dar, hat sie
weder im vorinstanzlichen Verfahren noch in der Berufungsantwort konkrete Be-
anstandungen bzw. Befangenheitsgründe gegenüber den drei Gutachterpersonen
genannt. Dass die verschiedenen MEDAS aufgrund der jeweiligen Anzahl ihrer
angenommenen Aufträge unterschiedlich zu beurteilen wären, kann nicht bejaht
werden und ergibt sich insbesondere nicht aus der bundesgerichtlichen Recht-
sprechung, wo explizit auf das unterschiedliche Auftragsvolumen der einzelnen
MEDAS hingewiesen wurde, wobei bei sämtlichen fünfzehn beurteilten MEDAS
die Aufträge der IV-Stellen im (hohen) Bereich von 85 bis 90 % lagen (BGE 137 V
2010 E. 2.4.1).
Die Beweistauglichkeit des vorliegenden MEDAS-Gutachtens muss jedoch
aus einem anderen Grund infrage gestellt werden. Das Gutachten erkennt auf ei-
ne seit dem 6. Februar 2006 bestehende bleibende Arbeitsunfähigkeit der Beru-
fungsbeklagten von 100 % für körperlich schwere und intermittierend mittelschwe-
re sowie von 70 % für körperlich leichte Tätigkeiten (act. 6/3/16 S. 19). Entgegen
der Behauptung des Berufungsklägers (vgl. act. 2 S. 8 f.) äussert sich das Gut-
achten hingegen in keiner Weise zur entscheidenden Frage des natürlichen Kau-
salzusammenhangs zwischen dem medizinischen Eingriff durch den Berufungs-
kläger und den körperlichen Beschwerden der Berufungsbeklagten sowie zur
Frage, ob der Eingriff indiziert war und lege artis vorgenommen wurde. Damit de-
cken sich die durch das Gutachten geklärten Fragen in zentralen Bereichen nicht
- 15 -
mit den (berechtigten) Fragen des von der Berufungsbeklagten eingereichten
Fragenkatalogs (act. 6/3/15). Die Berufungsbeklagte verfügt folglich mit dem ME-
DAS-Gutachten über kein taugliches Mittel zur genaueren Abschätzung ihrer Be-
weis- und Prozesschancen gegenüber dem Berufungskläger.
3.6 Gesuchsbeilage 16 ist ein vertrauensärztliches Gutachten von Dr. med.
I._ vom 15. Februar 2008, das von der BVK Personalvorsorge des Kantons
Zürich in Auftrag gegeben wurde (act. 6/3/16). Dr. I._ hält explizit fest, dass
die Genese der neuralgiformen Schmerzen der Berufungsbeklagten im linken Un-
terbauch sowie in der Leistenregion insgesamt nicht habe geklärt werden können.
Die Berufungsklägerin stelle einerseits einen Zusammenhang mit der Notfallsectio
vom 8. November 2004 her, anderseits führe sie eine deutliche Schmerzzunahme
auf die anschliessend [durch den Berufungskläger] durchgeführte Narbenrevision
und Koagulation des Nervus ilioinguinalis und iliohypogastricus links am 6. Febru-
ar 2006 zurück (act. 6/3/16 S. 6). Damit wurden auch in diesem Gutachten die
Fragen des natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen den Beschwerden und
dem operativen Eingriff durch den Berufungsbeklagten sowie der Sorgfaltspflicht-
verletzung nicht geklärt. Offen bleiben kann daher, ob Dr. I._ wie von der Be-
rufungsbeklagten behauptet, jedoch nicht weiter dargelegt, als regelmässig von
der BVK mandatierter Gutachter von der Pensionskasse abhängig ist (vgl. act. 12
S. 7). Das vertrauensärztliche Gutachten stellt im Hinblick auf die Abschätzung
der Beweis- und Prozesschancen ebenfalls keine hinreichend taugliche Grundla-
ge dar.
3.7 Die für ein haftpflichtrechtliches Verfahren gegenüber dem Berufungskläger
relevanten Fragestellungen nach einer Sorgfaltspflichtverletzung (Indikation und
lege-artis Durchführung der Operation) sowie dem natürlichen Kausalzusammen-
hang werden im von der Berufungsbeklagten in Auftrag gegebenen Gutachten
von Prof. Dr. med. J._ vom 15. Januar 2009 beantwortet (Gesuchsbeilage
13; act. 6/3/13). Dieses stellt jedoch ein zivilprozessual nicht hinreichend taugli-
ches Privatgutachten dar. Dass es explizit im Hinblick auf einen haftpflichtrechtli-
chen Anspruch erstellt wurde, wie der Berufungskläger vorbringt (act. 2 S. 10),
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vermag an der Frage des schutzwürdigen Interesses im Zusammenhang mit
Art. 158 Abs. 1 lit. b ZPO nichts zu ändern.
3.8 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Berufungsbeklagte trotz einer
relativ umfangreichen medizinischen Dokumentation ihres Gesundheitszustands
in Bezug auf die haftpflichtrechtlich entscheidenden Fragen der Sorgfaltspflicht-
verletzung und des Kausalzusammenhangs über kein zivilprozessual taugliches
Gutachten verfügt. Ein schutzwürdiges Interesse gemäss Art. 158 Abs. 1 lit. b
ZPO an einer gerichtlichen Expertise ist daher genügend dargetan. Es wird im
Folgenden an der Vorinstanz sein, über die endgültige Formulierung der Fragen
zu entscheiden und in diesem Zusammenhang darüber zu befinden, ob es sich
rechtfertigt, sämtliche Fragen des Fragenkatalogs – mithin auch jene, die im ME-
DAS-Gutachten bereits geklärt wurden – einer gerichtlichen Expertise zu unter-
stellen. Dabei ist insbesondere auch dem Berufungskläger vorgängig die Möglich-
keit einzuräumen, durch eigene Fragen oder durch Zusatz- und Ergänzungsfra-
gen seinen eigenen Standpunkt einzubringen.
4.1 Der Berufungskläger stellt sich in seiner Berufungsschrift sodann wie bereits
vor der Vorinstanz auf den Standpunkt, dass die Berufungsbeklagte das Institut
der vorsorglichen Beweisführung in rechtsmissbräuchlicher Weise anrufe, weil es
für eine so breit gefächerte Fragestellung, wie sie die Berufungsbeklagte fordere,
nicht vorgesehen sei. Die vorsorgliche Beweisführung dürfe nicht dazu führen,
dass sich der Prozess faktisch in das "pretrial discovery"-Verfahren verschiebe
und aufgrund des summarischen Charakters eine Aushebelung der richterlichen
Prozessherrschaft bewirke (act. 2 S. 13 f.). Das schutzwürdige Interesse könne
zwar darin liegen, die Prozesschancen abschätzen zu können, jedoch gehe es al-
lein um die Abschätzung und nicht um die umfassende Klärung der Prozessaus-
sichten samt der Möglichkeit einer Verhinderung des Überklagens. Blieben Unsi-
cherheiten betreffend die Höhe des einzuklagenden Anspruchs, sei es zumutbar,
eine hierfür geschaffene unbezifferte Forderungsklage einzureichen (act. 2
S. 15 f.).
Die Berufungsbeklagte bestreitet, dass sie in rechtmissbräuchlicher Weise
das Hauptverfahren im summarischen Vorverfahren vorwegnehme. Im Hauptver-
- 17 -
fahren werde vielmehr ein umfangreiches Behauptungs- und Beweisverfahren zu
Fragen der Festsetzung und Bemessung des Schadens notwendig werden
(act. 12 S. 19). Eine "Zementierung" der Prozesschancen mit Ausschluss aller
Restrisiken eines Hauptverfahrens, wie es der Berufungskläger behaupte, sei gar
nicht möglich, weil ein vorsorglich erstelltes Gutachten in einem Hauptprozess frei
zu würdigen sein werde und ein neues Gutachten zum gleichen Thema nicht aus-
schliesse (act. 12 S. 21).
4.2 Das Verfahren der vorsorglichen Beweisführung dient wie (bereits ausge-
führt) nicht bloss der Abschätzung der Prozesschancen, sondern der eigentlichen
Abklärung der Prozessaussichten (BGer 4A_225/2013 E.2.5). Insofern darf die
durch ein gerichtliches Gutachten abzuklärende Fragestellung unter Wahrung des
durch das Gesuch definierten Prozessgegenstands breit angelegt sein. Unzuläs-
sig sind eigentliche Beweisausforschungsbegehren, weil der schweizerische Zivil-
prozess, wie der Berufungskläger zu Recht vorbringt, keine pre-trial discovery
kennt (ZK ZPO-FELLMANN, 2. Aufl., Art. 158 N 17a; KILLIAS/KRAMER/ROHNER, Ge-
währt Art. 158 ZPO eine "pre-trial discovery" nach US-amerikanischem Recht?,
in: Lorandi/Staehelin [Hrsg.], Innovatives Recht, Festschrift für Ivo Schwander,
Zürich/St. Gallen 2011, S. 942). Vorliegend hat die Berufungsbeklagte mit dem
Gesuch und dem eingereichten Fragenkatalog den Prozessgegenstand genau
umrissen, weshalb von Beweisausforschung keine Rede sein kann. Der Beru-
fungskläger verkennt mit seiner Befürchtung, durch ein weiteres Gutachten wür-
den die Prozesschancen "zementiert" und jegliche Unwägbarkeiten und Restrisi-
ken eines Hauptprozesses ausgeschlossen (vgl. act. 2 S. 15), offenbar die Be-
deutung der vorsorglichen Beweisführung. Dieselbe schliesst eine Beweisabnah-
me zum gleichen Thema im Hauptprozess nicht aus und in einem solchen kann
ohne Weiteres auch ein "Zweitgutachten" verlangt und angeordnet werden. Ins-
besondere wird es die Aufgabe des für den (allfälligen) Hauptprozess zuständigen
Gerichtes sein, darüber zu entscheiden, inwieweit das vorsorglich eingeholte Gut-
achten zuzulassen ist, und dieses danach – soweit relevant – zu würdigen (OGer
ZH LF120006 vom 3. April 2012; BK ZPO II-BBrröönnnniimmaannnn, Art. 158 N 27). Was die
Relevanz eines vorsorglich eingeholten Gutachtens im Hauptprozess betrifft, so
ist hier der Vollständigkeit halber immerhin anzumerken, dass diese wesentlich
- 18 -
davon abhängt, auf welchen (erkennbaren) Sachverhalt das Gutachten überhaupt
abstellt und inwieweit sich dieser vom Sachverhalt unterscheidet, der im Haupt-
prozess – gegebenenfalls über Beweisabnahmen – zu erstellen und dann allein
massgeblich sein wird. Die Risiken, dass ein vorsorglich eingeholtes Gutachten
auf einen in wesentlichen Punkten unvollständigen oder unzutreffenden Sachver-
halt abstellt und insoweit wertlos bleiben kann, liegen dabei ausschliesslich bei
der Partei, welche es beantragt und dabei den Sachverhalt bestimmt. Diese Risi-
ken sind erfahrungsgemäss bei strittigen Sachverhalten nicht zu unterschätzen,
ändern aber am Recht einer Partei, unter den Voraussetzungen des Art. 158
Abs. 1 lit. b ZPO ("schutzwürdiges Interesse") ein solches Gutachten beantragen
zu können, nichts – sie liegen vielmehr gewissermassen in der Natur der Sache.
Die Argumentation, dass es der Berufungsbeklagten zumutbar sei, eine un-
bezifferte Forderungsklage einzureichen, zielt schliesslich in die falsche Richtung.
Im Rahmen von Art. 158 Abs. 1 lit. b ZPO geht es gerade darum, Prozesse zu
vermeiden, indem dem Gesuchsteller eine Handhabe geboten wird, vor Einleitung
eines Prozesses seine Prozesschancen besser abzuschätzen (ZK ZPO-
FELLMANN, 2. Aufl., Art. 158 N 19b). Ein rechtmissbräuchliches Verhalten der Be-
rufungsbeklagten bzw. eine rechtsmissbräuchliche Verwendung des Instruments
der vorsorglichen Beweisführung ist daher zu verneinen.
5.1 Endlich bringt der Berufungskläger erneut vor, dass die eingereichten Gut-
achterfragen in vielen Punkten der bundesgerichtlichen Rechtsprechung wider-
sprächen und damit ungeeignet seien, zur Klärung der Prozessaussichten beizu-
tragen (act. 2 S. 16).
5.2 Über die Eignung der Fragen wird erst in einem späteren Verfahrensstadium
von der Vorinstanz zu entscheiden sein. Das wurde bereits festgehalten. Insofern
erübrigen sich an dieser Stelle weitere Ausführung dazu. Hinzu kommt, dass auch
hier die Risiken ungeeigneter Fragestellungen und damit allenfalls verbundener
Sachverhaltsunterstellungen oder -verzerrungen bei der gesuchsstellenden Partei
liegen.
- 19 -
III.
1.1 Hinsichtlich der Kosten- und Entschädigungsfolgen hat das Bundesgericht in
einem ebenfalls kürzlich ergangenen Urteil festgehalten, dass im Verfahren der
vorsorglichen Beweisführung nach Art. 158 ZPO die Kostenauflage im erstin-
stanzlichen Verfahren nicht nach dem sonst geltenden Unterliegerprinzip vorzu-
nehmen sei. Da die vorsorgliche Beweisführung stets dem Interesse derjenigen
Partei diene, die darum ersuche, seien die Gerichtskosten dem Gesuchsteller
aufzuerlegen, unabhängig davon ob der Gesuchsgegner Abweisung des Gesuchs
beantrage oder nicht. Ebenso habe der Gesuchsteller den Gesuchsgegner für das
Verfahren zu entschädigen (BGer 4D_54/2013 E. 3 vom 6. Januar 2014, zur Pub-
likation vorgesehen). Dies wird die Vorinstanz zu beachten haben.
1.2 Im obergerichtlichen Verfahren gelten indessen die üblichen Verteilgrund-
sätze von Art. 106 Abs. 1 ZPO. Der Gedanke, dass das vorsorgliche Beweisver-
fahren unabhängig von der Reaktion des Prozessgegners ohnehin durchzuführen
ist, kommt hier nicht zum Tragen. Vorliegend wird ausgangsgemäss der Beru-
fungskläger kosten- und entschädigungspflichtig (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Die zweit-
instanzliche Entscheidgebühr ist unter Berücksichtigung des Fr. 10'000.– über-
steigenden Streitwertes in Anwendung von § 4 Abs. 1 und Abs. 2, § 8 Abs. 1 und
§ 12 Abs. 1 und Abs. 2 GebV OG auf Fr. 2'500.– festzulegen, dem Berufungsklä-
ger aufzuerlegen und teilweise aus dem vom Berufungskläger geleisteten Kos-
tenvorschuss zu beziehen. Der Fehlbetrag ist ebenfalls vom Berufungskläger zu
beziehen (Art. 111 Abs. 1 ZPO). Der Berufungskläger ist überdies zu verpflichten,
der Berufungsbeklagten eine Parteientschädigung von Fr. 1'200.– zu bezahlen
(§ 4 i.V.m. § 9 i.V.m. § 13 AnwGebV; Art. 106 Abs. 1 ZPO i.V.m. Art. 95 Abs. 1 lit.
b und Abs. 3 lit. b ZPO). Die Berufungsbeklagte hat im Berufungsverfahren keinen
Ersatz der Mehrwertsteuer verlangt (vgl. act. 12 S. 2); es ist ihr deshalb auch kein
solcher zuzusprechen (vgl. das Kreisschreiben der Verwaltungskommission des
Obergerichts vom 17. Mai 2006; ZR 104 Nr. 76).
- 20 -