# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 5a23c6b7-c0b9-4600-b54d-7573e78483a7
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1973, Mutter von fünf
Kin
der
n (geboren 1998, 2000, 2003,
2007
und
2015
), arbeitete von Juli 1993 b
is Novem
ber 2007
als Betriebsmitar
beiterin bei der Y._ AG in Z._
(Urk. 6
/38) und
von Februar 2001 bis Dezember 2006
zudem
als Reinigungsmi
tarbeiterin bei der A._
AG in
B._
(Urk. 6
/42). Am 14. Dezember 2009 (Eingangsdatum) meldete sich die Versicherte
wegen
Gehörlosigkeit bei der Sozialversicherungs
anstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stell
e, zum Leistungsbezug an (Urk. 6
/27). Die IV-Stelle
nahm eine Abklärung der
beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt
vor
(
Bericht vom 9. Juli 201
0,
Urk. 6/48) und gab bei
Dr. med. C._
, FMH Neurologie und FMH Psychiatrie und Psychotherapie, ein psychiatri
sches Gutachten in Auftrag, das diese am 12. Mai 20
11 erstattete (Urk. 6
/53
; vgl. auch ergänzende Stellungnahme
von
Dr.
C._
vom
5.
Februar 2013,
Urk.
6/92
).
Mit Verfügung vom
7.
Juni 2013
wies die IV-Stelle das Leistungs
begehren der Versicherten mit der Begrün
dung ab, dass kein invalidisierender Gesu
ndhe
its
schaden vor
liege (Urk. 6/101
).
Die dagegen von der Versicherten am 1
0.
Juli 2013
erhobene Beschwerde (
Urk.
6/104
)
hiess
das Sozialversicherungsgericht mit Urteil IV.2013.00652 vom 2
1.
Oktober 2014
(Urk.
6/118)
in dem Sinne gut, dass es die angefochtene Verfügung aufhob und die Sache an die IV-Stelle zurückwies, damit
diese weitere Abklärungen
vornehme und
danach
über das Leistungs
begehren der
Versicherten neu entscheide.
Daraufhin
veranlasste die IV-Stelle beim
D._
ein po
lydisziplinäres Gutachten (
Expertise vom 2
6.
April 2017,
Urk.
6/162). Mit Verfügung vom 2
7.
September 2017 ver
neinte
sie
einen Leistungsanspruch erneut, da die Versicherte nicht an einer invalidisierenden Krankheit leide (
Urk.
6/176).
1.2
Am 3
0.
Oktober 2019 (Eingangsdatum) mel
dete sich die Versicherte wiederum
bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/185). Mit Verfügung vom 7.
Feb
ruar 2020 trat die IV-Stelle auf das neue Leistungsbegehren nicht ein
.
Sie begründete dies damit,
dass die Versicherte trotz entsprechende
r
Aufforderung
keine neuen Beweismittel
eingereicht habe
,
gemäss
denen sich ihre berufliche oder medizinische Situation wesentlich geändert habe
(
Urk.
6/199).
1.3
Am
3.
November 2020 (Eingangsdatum) meldet
e sich die Versicherte erneut
bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/205)
, unter Beilage der
Bericht
e
des
Zentrums
E._
vom 2
7.
Juni 2020 (
Urk.
6/204/6-7) und
der Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie des
Universitätsspitals F._
vom 1
0.
September 2020 (
Urk.
6/204
/1-2
).
In der Folge reichte
sie
die Berichte d
es
Zentrums G._
vom 1
6.
Dezember 2020 (
Urk.
6/212/3-7
)
und
des
Zent
rums
E._
vom
9.
Januar 2021 (
Urk.
6/212/1-2) ein
. Nach durchgefü
hr
tem
Vorbescheidverfahren
(
Vorbes
cheid vom
5.
Februar 2021, Urk.
6/215, und Einwand der Versicherten vom 1
5.
Februar respektive
5.
März 2021,
Urk.
6/218 und
Urk.
6/228) verneinte die
IV-Stelle mit Verfügung vom 21.
Mai 2021 (
Urk.
2) einen Anspruch auf IV-Leistungen.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 2
4.
Juni 2021 Beschwerde und beantragte, es sei die angefochtene
Verfügung aufzuheben und
ihr eine ganze Rente zuzuspre
chen; eventualiter seien weitere medizinische Abklärungen zu tätigen (
Urk.
1 S.
2).
Die Beschwerdegegnerin schlo
ss mit Beschwerdeantwort vom 1.
September 2021 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5), was der Beschwerdeführerin am
2.
September 2021 angezeigt wurde (
Urk.
7).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. De
zember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der kör
perlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumut
barer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1
.3
Bei nichterwerbstätigen Versicherten, die im Aufgabenbereich tätig sind und denen eine Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird für die Bemes
sung der Invalidität in Abweichung von
Art.
16 ATSG darauf abgestellt, in wel
chem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen.
Art.
7
Abs.
2 ATSG ist sinngemäss anwendbar (Art. 28a
Abs.
2 IVG in Verbindung mit
Art.
8
Abs.
3 ATSG; spezifische Methode der Invaliditätsbemessung [Betätigungsver
gleich]; vgl. statt vieler: BGE 142 V 290 E. 4). Al
s Aufgabenbereich nach Art. 7 Abs.
2 IVG der im Haushalt tätigen Versicherten gilt die übliche Tätigkeit im Haushalt sowie die Pflege und Betreuung von Angehörigen (
Art.
27
Abs.
1
IVV
).
1.4
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Ren
tenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode der Invaliditätsbe
messung (Art. 28a IVG) zu bestimmen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betäti
gungsvergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umstän
den täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Beson
deren (vgl. Art. 27 IVV) sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerbli
chen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Massge
bend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Beurteilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_178/2021 vom 11. Mai 2021 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.5
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.6
1.6.1
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3 IVV eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Vorausset
zungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisions
gesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass
die Vorbringen
der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versi
cherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tat
sächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revi
sionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festge
stellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität
zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (Urteil des Bundesgerichts 9C_351/2020 vom 21. September 2020 E. 3.1, insbesondere mit Hinweis auf
BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.6.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG).
1.7
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
Berichten des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) nach Art. 49 Abs. 2 IVV kommt ebenfalls Beweiswert zu, sofern sie den von der Rechtsprechung umschriebenen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten genügen (BGE 137 V 210 E. 1.2.1). Selbst eine Aktenbeurteilung ohne eigene Untersuchung kann beweiskräftig sein, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentli
chen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizini
schen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versi
cherten Person in den Hintergrund rückt. Dies gilt grundsätzlich auch in Bezug auf Berichte und Stellungnahmen der RAD (Urteile des Bundesgerichts 9C_335/2015 vom 1. September 2015 E. 3.1 und 9C_196/2014 vom 18. Juni 2014 E. 5.1.1 mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung ist es dem Sozialversi
cherungsgericht nicht verwehrt, einzig oder im Wesentlichen gestützt auf die (versicherungsinterne) Beurteilung des RAD zu entscheiden. In solchen Fällen sind an die Beweiswürdigung jedoch strenge Anforderungen in dem Sinne zu stellen, dass bei auch nur geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüs
sigkeit der ärztlichen Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen sind (BGE 142 V 58 E. 5.1; 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass
aufgrund der von der Beschwerdeführerin eingereichten Arztberichte keine w
esentliche
n
Verä
nderungen der Funktionseinschränkungen seit der letzten
Abklärung von 2017 hätten
festgestellt werden können.
Es lägen
keine neuen Diagnosen, Befunde oder Tatsachen vor,
welche zu einer andere
n Beurteilung des Sachverhalts
führen würden.
Die behandelnden
medizinischen Fachpersonen
würden der Beschwerdeführerin
seit vielen Jahren eine volle Arbeitsunfähigkeit
attestieren
.
Eine relevante
Verschlechterung
des Gesundheitszustands hätten sie
jedoch
nicht aufgezeigt
.
Im Weiteren sei
die Beschwerdeführerin weiterhin
als zu 100
%
im Aufgabenbe
reich tätig zu qualifizieren
. Das Erreichen des fünften Altersjahres des jüngsten Kindes reiche
für eine Änderung der Qualifikation nicht aus
(
Urk.
2).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte demgegenüber geltend, dass
die Beschwerdegeg
nerin den
Bericht
des
Zentrums G._
vom 1
6.
Dezember 2020 als nicht verwertbar qualifiziert habe, weil das Testprofilblatt
und eine ausreichende
Symptomvalidierung gefehlt hätten
. Unter diesen Umständen wäre es Aufgabe
der Beschwerdegegnerin
gewesen, diesbe
züglich weitere Unterlagen nachzufordern, was
diese indes
unterlassen habe.
Dr.
med. H._
, FMH Neurologie,
gehe
aus rein neurokognitiver Sicht
von ei
ner Arbeitsunfähigkeit
von 50
%
bis 70
%
aus.
Diese Einschätzung habe sie
mit der mittelgradigen neuropsychologischen Funktionsstörung begründet u
nd nachvollziehbar hergeleitet.
Nach der neu
ropsychologischen Untersuchung habe der langjährige
behandelnde
Dr.
phil.
klin
. psych. I._
die
Arbeits
unfähigkeit
auch für angepasste Tätigkeiten auf 100
%
ein
geschätzt. Im Weiteren sei d
ie Beschwerdegegnerin auf mehrere
Einwände – insbesondere jenen betref
fend den leidensbedingten Abzug
im Rahmen des Einkommensvergleichs
– in der angefochtenen Verfügung nicht eingegangen, was eine Verletzung der Begrün
dungspflicht und somit des rechtlichen
Gehörs darstelle (
Urk.
1 S. 4 f.
).
2.3
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch
der Beschwerdeführerin
auf eine Invali
denrente.
3.
3.1
3.1.1
Eine materielle Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer medizinischer Sachverhaltsabklärung erfolgte zuletzt im Rahmen des Erlasses der leistungsver
neinenden Verfügung vom
2
7.
September 2017 (Urk. 6/176
). Der Verfügung vom 2
7.
September 2017
lagen im Wesentlichen folgende
medizinischen
Beurteilun
gen
zugrunde:
3.1.2
Dr.
C._
stellte in ihrem Gutachten vom 12. Mai 2011 keine Diagnose aus dem psychiatrischen Diagnosespektrum. Sie erklärte, dass die Beschwerdeführerin in der zuletzt ausgeüb
ten Tätigkeit
nicht eingeschränkt sei. Es sei aber festzuhalten, dass sie aufgrund der ausgepräg
ten Schwerhörigkeit nur Arbeitsstellen anneh
men könne, b
ei denen sie nicht auf das
Hörvermögen
angewiesen sei (Urk. 6/53/10
).
3.1.3
Die Ärzte des
D._
stellten im polydisziplinären Gutachten vom 2
6.
April 2017
als Diagnose
mit A
uswirkung
en
auf die Arbeitsfähigkeit
eine funktionelle Taub
heit beidseits (ICD-10 H
90.5), kongenital.
Als Diagnose ohne Auswirkung
en
auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie eine rezidivierende depressive Störung, aktuell remittiert (ICD-10 F33.4
;
Urk.
6/162/42)
.
Die Ärzte des
D._
erklärten, dass die Beschwerdeführerin Tätigkeiten, welche nur minimalste Anforderungen an das Gehör stellen würden, nicht ausüben könne. Zusätzlich müsse auch in einer adap
tierten Tätigkeit von einer
quantitativen
Einschränkung der Leistungsfähigkeit
im Umfang von 20
%
ausgegangen werden.
Dies aufgrund der eingeschränkt möglichen schriftlichen Kommunikation. Aus psychiatrischer Sicht liege spätes
tens seit
dem
Austritt aus der p
s
ychiatrischen Klinik J._
im September 2013
wieder e
ine volle Arbeitsfähigkeit vor
(Urk.
6/162/
45
)
.
3.2
3.2.1
Im Rahmen des vorliegenden Neuanmeldungsverfahrens sind im Wesentlichen folgende medizinischen Berichte aktenkundig:
3.2.2
K._
,
Psychologin FSP/
Neuropsychologin, und
Dr.
H._
vom
Zent
rum G._
hielten
im
an das Zentrum L._
gerichteten
Bericht vom 1
6.
Dezember 2020
fest
, dass
die
Beschwerdeführerin am
3.
Dezember 2020 verhaltensneurologisch-neuropsychologisch
untersucht worden sei
.
Die erhobenen Befunde würden einer mittelschweren neuropsychologischen Funktionsstörung entsprechen. Dies als Folge nicht erworbener kognitiver Funktionen mit Beeinträchtigung der Entwick
lung der sprachdominanten Hemisphäre und des präfrontalen Kortex (Folge der ungenügenden Stimulation aufgrund der Gehörlosigkeit und der fehlenden Schulbildung während den für die Vernetzung der
Assoziationskortices
ma
ssge
blichen Entwicklungsphasen).
Ressourcenlimitierend würden sich zudem eine affektpathologische Komponente sowie die im Zuweisungsschreiben angegebe
nen Schlafstörungen auswirken.
Zusätzlich zum tiefen prämorbiden Leistungs
niveau
(IQ: 65 = leichte Intelligenzminderung; Untersuchung von Oktober 2
015 im Universitätsspital F._
)
beschreibe die Tochter eine Abnahme der geistigen Leistungsfähigkeit und Selbständigkeit in den letzten Jahren. Eine sich zusätzlich entwickelnde neurodegenerative Erkrankung, begünstigt durch verminderte
kognitive Ressourcen, bleibe damit nicht ausgeschlossen.
Eine MRI-Untersuchung zur besseren Differenzierung wäre hier hilfreich.
Bei einer mittelgradigen neuropsychologischen Funktionsstörung sei nach den Konsen
s
us-
krite
rien von Frei et al. (2016) aus rein neurokognitiver Sicht von einer Arbeitsun
fähigkeit von 50
%
bis 70
%
auszugehen.
Innerhalb des deutlich reduzierten Arbeitspensums seien der Beschwerdeführerin nur sehr einfache, einseitige respektive stark strukturierte Aufgaben mit Kontrolle durch andere zuzumuten. Aufgrund der Gehörlosigkeit sei
sie
zudem auf einen speziellen (geschützten) Arbeitsplatz angewiesen (
Urk.
6/212/4).
3.2.3
Di
e Fachpersonen des
Zentrum
s
E._
diagnostizierten
im Bericht vom
9.
Januar 2021
– nebst der von
K._
und
Dr.
H._
genannten Diagnose – eine schwere depressive Episode mit psychotischen Symp
tomen (ICD-10 F32.2), eine Adipositas (ICD-10 E66.0; BMI
=
32) und eine vollständige Gehörlosigkeit bei krankheitsbedingter Weigeru
ng des Tragens von Hör
apparaten.
D
ie Fachpersonen des
Zentrums
E._
gaben an,
dass
die schwere Depression die Handlungsfähigkeit
zusätzlich
zur neuropsy
chologischen Funktionsstörung
deutlich
beeinträchtige
. Die Beschwer
deführerin sei nicht mehr in der Lage, den Alltag zu bewältigen. Auch für angepasste T
ätig
keiten sei
eine 100%ige Arbei
tsunfähigkeit ausgewiesen (Urk.
6/212/2
).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung in medizi
nischer Hinsicht auf die Stellungnahme
von
RAD-Arzt
dipl.
med. M._
, Facharzt für Neurologie und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom
2
8.
Januar 2021 (
Urk.
6/214/4).
4.2
RAD-Arzt
M._
legte in dieser Stellungnahme dar, dass d
ie
am
3.
Dezember 2020 durchgeführte
neuropsychologische Testung
nicht verwertbar sei. Es wür
den ein Testprofilblatt und
eine ausreichende Symptomvalidierung
fehlen
. Da sich keine Hinweise
für
das Vorliegen von
klinisch manifeste
n
Aufmerksamkeits- und Konz
entrationsfluktuationen gezeigt hätten und die Beschwerdeführerin motiviert mitgearbeitet habe, erscheine
eine
schwere depressive Störung unw
ahr
scheinlich.
Das Fehlen von Hinweisen
für das Vorliegen von
klinisch manifeste
n
Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfluktuationen
und die motivierte Mitarbeit
würde
n
auch
den Angaben betreffend den
psychopathologischen Befund im Bericht
des
Zentrums
E._
vom
9.
Januar 2021
,
gemäss welchem alle
Denkvorgänge und di
e Konzentration verlangsamt gewesen sein sollen
, widersprechen
.
Die Untersuchungen
hätten zeitlich nahe
beieinander gelegen
.
Ansonsten würden sich keine Veränderungen zeigen. Die Beschwerde
führerin sei durch die Taubheit behindert und
die Kommunika
tion in der Familie funktioniere
nur unzureichend. Sie
verstehe Sachen falsch und sei deswegen frus
triert. Zudem habe
sie eine unzureichende Schulbildung. Im Vergleich zum
D._
Gutachten
von
2017
würden
sich keine wesentlichen Veränderungen der Funktionseinschränkungen
ergeben
(
Urk.
6/214/4).
4.3
Diese Beurteilung von RAD-Arzt
M._
ist einleuchtend und plausibel.
Im Rahmen der Begutachtung im
D._
wurde im April 2017 unter anderem auch eine ausführliche neuropsychologische Evaluation durchgeführt, deren Ergebnisse weitgehend unauffällig waren. Eine
spezifische neuropsychologische Diagnose
konnte
damals nicht gestellt und eine
Arbeitsunfähigkeit aus neuropsy
chologischer Sicht
nicht attestiert
werden
(
Urk.
6/16
2/32-41).
K._
und
Dr.
H._
haben im Bericht vom 1
6.
Dezember 2020
(
Urk.
6/212/3-7) nun
nicht
begründet
dargetan, inwiefern sich der Gesundheitszustand der Beschwer
deführerin
aus neuropsychologischer Sicht
seit der Begutachtung im
D._
erheblich verschlechtert haben soll. Sie gingen
vielmehr
von einer seit der Kind
heit bestehenden Beeinträchtigung infolge der ungenügenden Stimulation
wegen
der Gehörlosigkeit und der fehlenden Schulbildung a
us.
Welche neurodegenera
tive Erkrankung möglicherweise vorliegen könnte, haben
K._
und
Dr.
H._
nicht näher erläutert.
Unter diesen Umständen
bestand für die Beschwerdegegnerin kein Anlass
,
in diesem Zusammenhang
weitere Unterlagen oder Auskünfte
einzuholen.
Die
Fachpersonen des
Zentrums
E._
berichteten am 9.
Januar 2021 sodann ebenfalls von seit vielen Jahren unveränderten psychi
schen Symptomen und von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit seit dem 3
0.
November 2007
; dies
in eklatantem Widerspruch zu den beiden gutachterli
chen
Beurteilungen
von
Dr.
C._
vom 1
2.
Mai 2011 und des
D._
vom 2
6.
April 2017 (vgl. E. 3.1.2-3)
. Auch die
Fachpersonen des
Zent
rums
E._
legten dabei
nicht begründet dar
, inwiefern es seit der Begut
achtung im
D._
im Jahr 2017
zu einer erheblichen Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustands gekommen sein soll.
Schliesslich
sind auch dem Bericht der Klinik für Ohren-, Nasen-, Hal
s- und Gesichtschirurgie des F._
vom 1
0.
September 2020 (
Urk.
6/204/1-2) keine Anhaltspunkte dafür zu entnehmen, dass sich im Zusammenhang mit der an Taubheit grenzenden Schwerhörigkeit eine
relevante
Verschlechterung ergeben
hat.
Auf die Stell
ungnahme von RAD-Arzt
M._
kann somit abgestellt werden. Von weiteren medizinischen Abklärungen sind keine
entscheidrelevanten
neuen
Erkenntnisse zu erwarten, weshalb davon abgesehen werden kann (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 94 E. 4b, 122 V 157 E. 1d).
4.4
Was die Statusfrage anbelangt, ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdefüh
rerin, die Mutter von fünf Kindern ist
(geboren 1998, 2000, 2003, 2007 und 2015
), bereits seit Dezember 2007 keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgeht (vgl. Sachverhalt E. 1.1). A
nlässlich der Begutachtung im
D._
im März 2017
gab sie
ausdrücklich
an
, dass sie aus familiären Grü
nden nicht mehr arbeiten möchte.
Bereits damals war ihr Ehemann, der herzkrank ist, nicht mehr erwerbstätig (
Urk.
6/162/11). Dass dieser nun die Kinderbetreuun
g übernehmen würde
– wie die Beschwe
rdeführerin in der Neuanmeldung vom
3.
November 2020 (Eingangs
datum)
vorbrachte
(
Urk.
6/205)
– erscheint wenig plausibel.
Vor diesem
Hinter
grund
ist die Beschwerdeführerin
nach wie vor als Hausfrau bzw. als nicht
erwerbstätig einzustufen.
4.5
Eine wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Erlass der leistungsverneinenden Verfügung vom
2
7.
September 2017
ist damit zu vernei
nen.
Eine Verletzung der Begründungspflicht
bzw. des rechtlichen Gehörs
ist
im Übrigen
nicht gegeben
, zumal die
Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung auf die wesentlichen Einwände der Beschwerdeführerin eingegangen ist.
Die angefochtene Verfügung erweist sich damit als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
5.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.