# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c863bd4b-67ae-487d-98e2-325936e61cb3
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1961
,
absolvierte eine zweijährige Lehre als Verkäufer
und besuchte darauf während eines
Jahres die Handelsschule
Y._
, welche er
mit einem Diplom abschloss (
Urk.
10/8/5)
.
Nach einigen Jahren
Arbeitstätig
keit
als Angestellter nahm
er
eine selbständige Erwerbstätigkeit auf, die er in
folge Konkurses wieder aufgeben musste
.
Hernach war
er
mit diversen
Unter
brüchen
, während welchen
er
jeweils Arbeitslosenentschädigung
bezog
,
für
wechselnde Ar
beitgeber
im Service und in der Buchhaltung
tätig
(Urk.
10/8/7 und
10/15)
.
Ab dem
1. Oktober 2008 bis zum 1
6.
Januar 2009
war er
mit einem Pensum von 100
%
bei der
Z._
als
Sachbearbeiter in der
Buchhalt
ung
angestellt
(
Urk.
10/8/5
, 10/15/1 und 10/16
).
1.2
Am
3.
April 2009
meldete
sich der Versicherte
bei der
Sozialversicherungsan
stalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an
, da er an Alkohol
sucht, an Drogenabhängigkeit,
an einer HIV-Infektion und
an einem
Borderline
-Syndrom etc. leide
(
Urk.
10/3)
. Die IV-Stelle tätigte darauf erwerbliche
(
Urk.
10/12/1, 10/15
und
10/16
)
und medizinische
(
Urk.
10/7
, 10/12/3 ff.
und
10/17
)
Abklärung
en
.
Mit Schreiben vom
2.
Juni 2010 zog der Versi
cherte
sein
Leistungsg
esuch
wieder
zurück (Urk.
10/20), worauf ihm die IV-Stelle schriftlich erläuterte, wesha
lb dies nicht möglich sei (Urk.
10/21).
Trotz
mehrfach
er Auf
forderung wurde
der verlangte
Bericht des
behandelnden
Zentrums für
Abhän
gigkeitserkrankungen
der
Klinik A._
nicht
ein
ge
reicht
, da der Versicherte die erteilte Entbindung von der Schweigepflicht ge
gen
über der IV-Stelle widerrufen hatte
(Urk.
10/18, 10/19, 10/22 und 10/23)
.
Diese
verneinte darauf mit
Verfügung vom
8.
November 2010
einen
Leistungs
a
n
spruch
,
da die Arbeitsunfähigkeit vor allem durch das
Abhängigkeitsverhal
ten
begrün
de
t sei und deshalb keine Invalidität im Sinne des Gesetzes vorliege
(
Urk.
10/27)
. Dieser Entscheid blieb unangefochten.
1.3
In der Folge war der Versicherte wieder mit Unterbrüchen in wechselnden
An
stellungsverhältnissen
erwerbstätig (
Urk.
10/37/5).
Vom 2
0.
April bis zum 17
.
Juli
2012
war er
als Mitarbeiter in der Administration
für die
Firma B._
tätig
, welche ihm wegen mangelnder Leistung
das Arbeitsverhältnis kündigte
(
Urk.
10/36). Am
8.
August 2012
meldete er sich
bei der IV-Stelle er
neut zum Leistungsbezug an
, da
er an Depressionen leide (Urk.
10/30)
.
In der Folge wurde ein Bericht des Zentrums für Abhängigkeitserkrankungen
d
er
Klinik A._
vom 7.
August 2012 eingere
icht (Urk.
10/35).
Die IV-Stelle
holte
darauf
aktuelle erwerbliche
Unterlagen ein
(Urk.
10/36, 10/37
und
10/43
)
und
zog weitere Arztberichte bei
(
Urk.
10/46
).
Hernach gab sie
bei
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH
für Psychiatrie und Psychotherapie, ein psy
chiatrisches Gutachten in Auftrag, das am 1
2.
November 2013 erstattet wurde (
Urk.
10/53).
Mit Vorbescheid vom 16.
Juni 2014 stellte die IV-Stelle
darauf
die
Abweisung des Leistungsbegehens in Aussicht (
Urk.
10/58). Dagegen liess der Ver
sicher
te Einwand erheben (Urk.
10/60
und 10/72
).
Mit Verfügung vom
2
3.
Okto
ber 2014 verneinte die IV-Stelle einen
Leistungsan
spruch
(
Urk.
2 = 10/
73
)
.
2.
Gegen die Verfügung vom 2
3.
Oktober 2014 liess der Versicherte mit Eingabe vom 2
1.
November 2014 (
Urk.
1) Beschwerde erheben. Seine Rechtsvertreterin be
antragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben. Es seien dem Versi
cher
ten eine Rente und berufliche Massnahmen zuzusprechen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin.
Überdies
ersuchte sie
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (
Urk.
1 S. 2). Die
Be
schwer
degegnerin
schloss am 1
6.
Januar 2015 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
9). Mit Verfügung vom 2
7.
Januar 2015 (
Urk.
11) wurde dem Beschwer
deführer die un
entgeltliche Prozessführung
bewilligt
und ein zweiter
Schriften
wechsel
ange
ordnet. Die Replik wurde mit Eingabe vom 1
0.
April 2015 erstattet (
Urk.
14).
Am 1
3.
Mai 2015 reichte die Beschwerdegegnerin eine Duplik ein (
Urk.
17), welche der Gegenpartei mit Schreiben vom 1
9.
Mai 2015 zur Kenntnis gegeben wurde (
Urk.
18).
Auf die einzelnen Ausführungen in den Rechtsschriften und die neu eingereich
ten Unterlagen (vgl.
Urk.
15) wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen ein
gegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All
g
emeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
desge
setzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be
ei
nträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zu
dem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son
bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu ver
werten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objek
tiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung
einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen
Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG), als angenommen werden
kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (
Art.
6 ATSG) sei der versi
cherten Per
son
sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
2.
Die Beschwerdegegnerin
vertrat in der angefochtenen Verfügung vom 23. Okto
ber 2014 den Standpunkt
, es
sei
kein Gesundheitsschaden ausgewiesen,
d
er einen
Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung zu begründen vermöchte (
Urk.
2).
In ihrer Beschwerdeantwort führte sie
aus,
dass
gemäss dem psychia
trischen Gutachten von
Dr.
C._
vom 1
2.
November 2013 eine an
dauernde
Per
sönlichkeitsänderung
(ICD-10: F62.9) vor
liege
, welche sich auf die Arbeits
fähig
keit auswirke. Der Regiona
le Ärztliche Dienst habe am 19.
November 2013
die Schlussfolgerungen dieses Gutachtens in Frage gestellt, da kein pathologi
scher
Psychostatus erhoben worden sei.
In
einer weiteren Stellungnahme
vom 2
1.
Mai 2014
habe der Regionale Ärztliche Dienst überdies die Ansicht vertre
ten,
das Leiden
entspreche
keiner
chronifizierten
, erheblichen, schweren Krank
heit, welche die bisherige Bürotätigkeit langfristig einschränke. Die
Persönlich
keitsänderung
sei behandelbar und mit einer guten Prognose be
haftet. Es liege somit kein langandauernder Gesundheitsschaden vor.
Darüber hinaus vertrat die Beschwerdegegnerin die Auffassung,
s
elbst wenn sich die an
dauernde
Persön
lich
keitsänderung
auf die Arbeitsfähigkeit auswirken würde, so stell
te
sie ge
mäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung für sich alleine kei
nen invalidi
sie
renden Gesundheitsschaden im Rechtssinne dar, sondern sei nur ausnahms
weise unüberwindbar.
D
i
e Prüfung anhand der sogenannten Foerster-Kriterien zeige, dass hier kein
solcher Ausnahmefall vor
liege
(
Urk.
9).
Demgegenüber lässt der Beschwerdeführer geltend machen,
dass
die im Bericht des Zentrums für Abhängigkeitserkrankungen der
Klinik A._
vom 2
6.
Juni 2013 gestellte Diagnose einer kombinierten
Persön
lichkeitsstörung
mit emotional instabilen,
histrionischen
und narzisstischen Anteilen (ICD-10: F60.9) zutreffender
sei als die
von
Dr.
C._
gestellte Diag
nose einer andauernden Persönlichkeitsänderung (ICD-10: F62.9)
. Die Divergenz
bei der Diagnosestellung
dürfte damit zu erklären sein, das
s
gemäss der inter
nationalen Klassifikation psychischer Störungen die Unterscheidung zwischen einer erworbenen Persönlichkeitsänderung und dem
Zutagetreten
oder der Ver
schlimmerung einer Persönlichkeitsstörung nach Belastung schwierig sei.
B
ei beiden Leiden
handle es sich
um eigenständige psychische Erkrankungen mit
Krankheitswert mit oft einschränkender Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
. Auch
einer andauernden Persönlichkeitsänderung (ICD-10: F62.9) könne eine invalidenversicherungsrechtliche Relevanz nicht einfach abgesprochen werden
.
Massgebend bleibe die psychiatrische Be
urteilung,
gemäss welcher bei einer konsequenten Weiterführung der etablierten therapeutischen Massnahmen eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit
(in angestammter und in angepasster Tätigkeit)
be
stehe (
Urk.
1 S.
7 und 8).
Die Überwindbarkeitsprüfung anhand der sogenannten
Foerster-Kriterien sei auf Persönlichkeitsstörungen nicht anwendbar (
Urk.
14 S.
4).
3.
3.1
Die IV-Stelle ist auf die Neuanmeldung de
s
Beschwerdeführer
s
vom
8.
August 2012
materiell eingetreten. Es gilt somit zu prüfen, ob sich
sein Gesundheitszu
stand
im massgeblichen Zeitraum zwischen der ersten Verfügung vom
8.
Novem
ber 2010
, mit welcher
ein
Leistungsanspruch
verneint worden war, und der Verfügung vom
2
3.
Oktober 2014
, welche die zeitliche Grenze für den zu beur
teilenden Sachverhalt bildet, insoweit verschlechtert hat, dass nunmehr ein
Ren
tenanspruch
oder
ein Anspruch
auf Eingliederungsmassnahmen
besteht
(vgl. BGE
130 V 64 E. 2 und
117 V 198 E.
3a
)
.
3.2
Massgeblich für die Beurteilung des Gesundheitszustandes bei Erlass der Verfü
gung vom
8.
November 2010 war
der
Bericht
von
Dr.
med.
D._
, Fach
arzt
FMH für Innere Medizin, vom 1
3.
August 2009
samt Bei
lagen (Urk.
10/17;
vgl. das Feststellungsblatt für den Beschluss vom 2
7.
September 2010,
Urk.
10/24).
Dr.
D._
hielt als
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfä
hig
keit ein Alkoholabhängigkeitssyndrom,
einen
Kokainabusus
, eine
Persön
lich
keits
störung
mit narzi
s
stischen und emotional-instabilen Zügen
,
rezidivie
rende Depressionen und suizidale Krisen fest. Unter Diagnosen ohne Auswir
kung auf die
Arbeitsfähigkeit vermerkte er eine HIV-Infektion und einen Status nach Hepatitis B & C und Lues (
Urk.
10/17/2).
Aufgrund der
Persönlichkeits
störung
so
wie der aktuellen Belastungssituation (Beziehungsproblematik, Ar
beitslosig
keit
, neu entdeckte HIV-Infektion) und der persistierenden
Polytoxi
komanie
sei die
Pro
gnose
eher schlecht
.
Ab dem 13.
Mai 2008 bis auf Weiteres bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Buchhalter. Die bisherige Tätigkeit wäre aus medizinischer Sicht noch zumut
bar, falls es dem Beschwerdeführer gelingen sollte, die
Polytoxikomanie
in den Griff zu
be
kommen. Bei einem günstigen Verlauf wäre theoretisch eine Ar
beitsfähigkeit von
100
%
im bisherigen Beruf (oder im 2006 ausgeübten Beruf im Service) denkbar (
Urk.
10/17/3).
Aus den beig
elegten Austrittsberichten der
Klinik A._
geht hervor, dass der Beschwerdeführer
nach einem ersten Aufenthalt un
be
kannten Datums
drei weitere Male, namentlich
vom 1
4.
bis
zum 18.
Febru
ar 2008
(Urk.
10/17/34)
, vom 3
0.
Januar bis zum
2.
Februar 2009
(Urk.
10/17/14)
und vom 2
6.
Mai bis zum
2.
Juni 2009
(
Urk.
10/17/6)
,
stationär
behandelt
worden
war
.
3.3
Zusammen mit der
Neuanmeldung vom
8.
August 2012
wurden ärztliche Zeug
nisse des Zentrums für Abhängigkeitserkrankungen der
Klinik A._
eingereicht, welche dem Beschwerdeführer ab dem 22. Juni 2012
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestieren (
Urk.
10/29).
Dem in der Folge
eingereichten
Bericht
vom
7.
August 2012 ist zu entnehmen, dass der Beschwer
deführer
ab
dem 2
5.
Mai 2009 ambulant behandelt
wurde
.
Es wurden rezidi
vierende depressive Episoden, gegenwärtig mittelgradig bis schwere Epi
sode (ICD-10: F33.2), eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung,
Boderline
Typ
(ICD-10: F60.31), Störungen durch Alkohol, Abhängigkeitssyndrom, ge
genwär
tig
Einnahme von
Antabus
(ICD-10: F10.20)
,
und Störungen durch Ko
kain,
Ab
hängigkeitssyndrom
, episodischer Substanzkonsum (ICD-10: F14.26)
,
diagnosti
ziert (
Urk.
10/35/1). Sowohl in der angestammten als auch in einer an
gepassten Tätigkeit sei der Beschwerdeführer seit dem 2
2.
Juni 2012 arbeitsun
fähig
(
Urk.
10/35/2)
.
In einem weiteren Bericht vom 2
6.
Juni 2013
(
Urk.
10/46)
wurden die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
aufgeführt
:
Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen,
histrionischen
und narzisstischen Anteilen (ICD-10
: F60.9)
Hyperkinetische Störung (ICD-10: F90)
Alkoholabhängigkeitssyndrom, gegenwärtig in Behandlung mit
aversiven
Me
dikamenten (ICD-10: F10.23)
Kokainabhängigkeitssyndrom, gegenwärtig abstinent (ICD-10: F14.20)
HIV Infektion (seit 2006)
Chronische HCV-Infektion (seit 2012)
.
Zur
Krankengeschichte
wurde
festgehalten,
der Beschwerdeführer habe
nach dem
Umzug nach Zürich im Jahr 1992 wegen einer Liebesenttäuschung
ein
en
erste
n
Suizidversuch verübt
. 1994 habe er eine ambulante Psychotherapie be
gonnen und 1995
sei er
während fünf Wochen in der psychiatrischen Klinik
E._
hospitalisiert gewesen. Wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand und teilweise pflichtwidrigen Verhaltens nach Unfall sei ein erstes psychiatri
sches Gutachten vom 1
3.
Oktober 1995 von
Dr.
med. F._
, Fach
arzt FMH für
Psychiatrie, eingeholt worden, in welchem eine
Borderline-Per
sönlichkeits
störung
und eine Alkoholabhängigkeit diagnostiziert worden seien. Das Leben des Be
schwerdeführers sei gekennzeichnet durch ein Auf und Ab mit Wechsel von stabileren Phasen mit Alkohol- und Drogenabstinenz, problemati
schen Partner
schaft
en
und Alkoholexzessen mit delinquentem
Verkehrsverhal
ten
,
welches
zu
drei
weiteren Begutachtungen durch das Institut für
Rechtsme
dizin
(2001, 2005 und 2010) und gerichtlich angeordneten Massnahmen geführt habe.
In den er
wähn
ten Gutachten seien
die 1995 gestellten Diagnosen weitge
hend bestätigt worden. Wiederholte suizidale Krisen, meist ausgelöst durch
Be
ziehungskrisen
,
hätten zwischen 2003 und 2009 zu mindestens fünf psychiatri
schen
Hospitali
sa
tionen
geführt. Ab 2009 habe der Beschwerdeführer während immer längerer Zeit auf Alkohol verzichten können, worauf der zuvor nur spo
radische intra
ve
nöse Kokainkonsum in den Vordergrund
getreten
sei mit episo
disch auftre
ten
de
r massiver Selbstgefährdung.
Im Oktober 2012 sei eine ADHS-Abklärung durch
geführt worden, welche eine entsprechende Verdachtsdiagnose bestätigt und zur Be
handlung mit
Methylphenidat
geführt habe. Seither sei es dem Beschwerde
führer gelungen, kein Kokain mehr zu konsumieren. Er lebe mehrheitli
ch bei seiner betagten Mutter
, die ihn im Alltag unterstütze.
Schliesslich wurde dargelegt, dass die Diagnosen einer Persönlichkeitsstörung
und/oder Aufmerksamkeitsstörung praktisch nicht auseinanderzuhalten seien. Zu
dem sei die Symptomatik in der Vergangenheit immer wieder durch Substan
zen (Alkohol, Kokain) modifiziert worden, was wiederum typischerweise bei bei
den Pathologien auftrete. Die Belastung durch eine Arbeitsstelle mit einem Pen
sum von 100
%
wäre zu gross und würde mit grosser Wahrscheinlichkeit einen Rückfall in alte Verhaltensmuster provozieren. Ein Arbeitspensum von 50
%
könnte hingegen eine stabilisierende Funktion übernehmen
. Für die zu
letzt aus
geübte Tätigkeit als Buchhalter bestehe eine medizinisch begründete Arbeitsun
fähigkeit von 100
%
seit
April 2011 bis heute. Der Patient habe eine Anstellung
mit einem Pensum von 50
%
im Service/Verkauf in Aussicht und man hoffe, dass er stabil
genug sein werde, diese zu erhalten
.
Das
Konzentrati
onsvermögen
sei wenig eingeschränkt, auch dank Medikation mit Stimulanzien. Die An
pass
ungsfähigkeit sei eingeschränkt; er werde von anderen abgelenkt und könne am besten arbeiten, wenn er auf sich gestellt sei. Die Belastbarkeit sei deutlich ein
geschränkt.
3.4
Dr.
C._
hielt in seinem Gutachten
vom 1
2.
November 2013 (
Urk.
10/53)
a
ls Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine andauernde
Persönlich
keitsänderung
(ICD-10: F62.9) fest. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien die Alkoholabhängigkeit, gegenwärtig abstinent (ICD-10: F10.26), die
Ko
ka
in
abhängigkeit
, gegenwä
rtig abstinent (ICD-10: F14.26)
,
und die
Anpas
sungs
störung
mit längerer depressiver R
e
aktion, gegenwärtig remittiert (ICD-10: F43.21
).
Aktuell
könne von einer anhaltenden reduzierten psychischen Bela
s
t
barkeit, anhaltenden eingeschränkten sozialen Fertigkeiten und Beeinträchti
gung
en der beruflichen Funktionsfähigkeit ausgegangen werden. Aufgrun
d
der
er
h
öhten Ermüdbarkeit, raschen Erschöpfbarkeit, generell reduzierter
psychi
sche
r
Bela
s
t
barkeit, reduzierter Ausdauer sowie reduzierter geistiger Flexibil
it
ät
be
stehe
sowohl
in der angestammten Tätigkeit als auch in einer a
ngepassten Tätigkeit,
ohne hohe
Anforderungen an die Konzentrationsdauer und
die
psy
chische Belast
barkeit
und
ohne Nachtarbeiten, eine
Arbeits
un
fähigkeit von 50
%
. Eine Ver
besse
rung sei nicht mehr zu erwarten
(Urk. 10/53/12 und 10/53/13).
3.5
Im Beschwerdeverfahren wurden verschiedene Berichte der
Klinik A._
neu
eingereicht (vgl.
Urk.
15
).
Der Zwischenbericht des Zentrums
G._
vom
8. März 2013 (
Urk.
15/
2) war
zu
Handen
des Amtes für Justizvollzug,
Bewäh
rungs
-
und Vollzugsdienste, verfasst worden
.
Darin
wurden die Diagnosen eines
Abhängigkeitssyndroms von Alkohol, gegenwärtig abstinent, aber in Behand
lun
g mit
aversiven
oder hemmenden Medikamenten (ICD-10: F10.23), eines
Abhäng
ig
keitssyndrom
s
von
Kokain mit ständigem Substanzgebrauch (ICD-10: F14.25),
einer kombinierten
Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen,
histrioni
schen
und narzisstischen Anteilen (ICD-10: F60.9)
,
eine
r
hyperkineti
schen Stö
rung (ICD-10: F90)
, einer HIV-Infektion und einer Hepatitis C-Infek
tion
auf
ge
führt
.
Zu Beginn
der ambulanten Behandlung im Mai 2009
habe
d
er
Beschwer
de
führer
ein ambivalentes Beziehungsverhalten gegenüber
seinem
Be
handler gezeigt, welches er mittlerweile habe ablegen können. Das anfangs am
bivalente Verhalten lasse sich im Wesentlichen aus der bestehenden
Persönlich
keits
stö
rung
her
aus interpretieren. Ende November (2012) sei eine diagnostische Abklä
rung erfolgt, die
eine
hyperkinetische Störung als wahrscheinlich
habe
erschei
nen l
a
ss
en
. Seither erhalte
er
Methylphenidat
, ein Mit
tel mit stimulierender Wir
kung, und
das anfangs desolate Zustandsbild
habe sich
deutlich verbessert.
Seit dem Jahreswechsel verzichte der Beschwerdeführer auf
den Konsum von Ko
kain
. Überdies berichte er, keinen beziehungsweise sehr wenig Alkohol zu sich zu nehmen.
Aus dem Austrittsbericht des Zentrums für
H._
vom 1
9.
Mai 2014 (
Urk.
15/3) geht hervor, dass der Beschwerdeführer vom 24. bis zum 3
0.
April 2014 im Rahmen einer fürsorgerischen Unterbringung stationär behandelt
worden war
.
Aus psychiatrischer Sicht
wurden eine
schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10: F32.1)
,
einfache
Ak
tivitäts
- und Aufmerksamkeitsstörungen (ICD-10: F90.0),
p
sychische und Ver
haltensstörung
en
durch
Kokain, schädlicher Gebrauch (I
CD-10: F14.1),
psychi
sche
und Verhaltensstörung
en
durch Alkohol, Abhä
ngigkeitssyndrom (ICD-10: F10.2),
sowie
kombinierte und andere Persönlichkeitsstörungen (ICD-10: F61) diagnos
tiziert
. Der Beschwerdeführer habe angegeben, dass er im September 2013 seine Stelle als Kioskverkäufe
r
verloren
habe
und sich seitdem selbständig zu 100
%
um die Pflege seiner körperlich schwer eingeschränkten Mutter geküm
mert
habe
. Dies habe ihn zunehmend stark belastet. Er habe mehrere Monate lang nachts kaum geschlafen und sei zunehmend massiv er
schöpft gewesen, was er zunächst nicht wahrgenommen habe.
Am 1
2.
April 2014 habe er wegen der Schlaflosigkeit und ohne suizidale Absicht eine ganze Schachtel
Stilnox
zusammen mit Alkohol (trotz
Antabus
) eingenommen. Tags darauf habe er sich eine Messerstichverletzung links parasternal mit Durchtren
nung der
Arteria
mam
maria
und
Perikardverletzung
mit Herzbeuteltamponade und
Hämato
tho
rax
links zugefügt. An die Beweggründe dafür vermöge er sich nicht zu erin
n
ern. Er betrachte dies als eine Kurzschlusshandlung im Rahmen des akut
in
toxi
kierten
Zustands vor dem Hintergrund der psychosozialen Über
forderung. Seit sechs Monaten habe er eine liebevolle Beziehung zu einem ver
heirateten Fami
lienvater und könne am 1. Mai 2014 eine Stelle als
Hotelrezep
tionist
(50
%
) antreten (
Urk.
15/3 S. 2).
Einem weiteren Austrittsbericht vom 2
2.
Januar 2015 (
Urk.
15/4) zufolge
wurde
der Beschwerdeführer vom 2
7.
November bis zum 3
0.
Dezember 2014 erneut
s
tationär psychiatrisch
behandelt
, nachdem er sich am
9.
November 2014 auf
grund einer psychosozialen Belastungssituation und Drogenkonsums in suizi
daler Absicht eine Messerstichverletzung zugefügt hatte
.
Es wurde
aktuell
eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.) diagnostiziert
.
I
m Übrigen
wur
den
die
bereits
früher
gestellte
n
Diagnosen festgehalten
.
Der Beschwerdeführer habe geschildert, dass er sich im Sommer von seinem Freund getrennt habe, da er sich sexuell ausgenutzt gefühlt habe. Er habe am 11.
August 2014 seine HIV-Medikation und das
Concerta
abgesetzt. Danach habe er täglich ca. vier bis fünf Liter Weisswein getrunken und etwa drei bis fünf Gramm Kokain pro Tag kon
su
miert. Deswegen habe er seine Anstellung verloren.
Am
9.
November 2014 habe er zu
r
Bank fahren wollen. Auf dem Weg dorthin sei er
dekompensiert
. Die selbstverletzende Handlung sei ihm kaum erinnerlich, was er mit dem
intoxi
kierten
Zustand und der psychosozialen Überforderung begründe.
Zur somati
schen Anamnese wurde ferner vermerkt, dass sich der Beschwerdeführer auf
grund der Selbstverletzung vom April 2014 und den daraus notwendigen Ein
griffen und Komplikationen im Verlauf des Jahres
wiederholt
ins Spital
I._
habe begeben müssen (
Urk.
15/4 S. 3).
Auf Ersuchen der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers reichte das Zentrum für Abhängigkeitserkrankungen am 2
2.
März 2015 eine ergänzende Stellung
nahme zu seinem Bericht vom 2
6.
Juni 2013 ein (
Urk.
15/1). In derselben hielt es fest, dass Patienten nach einer langjährigen Drogen- und Alkoholkrankheit
,
häufig kompliziert durch Depressionen und weitere psychische
Störungen (hy
perki
netische Störung oder ADHS)
,
praktisch regelmässig die Symptomatik einer mehr oder weniger schweren Persönlichkeitsstörung (früher auch
Wesensände
rung
) zeigten. Aufgrund
d
er Anamnese und der Untersuchungsbefunde würden die Symptome der Persönlichkeitsstörung in der Regel einer der folgenden drei Hauptdiagnosegruppen nach ICD-10 zugeordnet:
1.
Organische psychische Störungen, organische Persönlichkeitsstörung F07.0
2.
Psychische und Verhaltensstörung durch psychotrope Substanzen,
Per
sönlichkeitsstörung
als Restzustand nach langjähriger Drogen-/
Alkohol
krankheit
F19.71
3.
Persönlichkeits- und Verhaltensstörung, spezifische
Persönlichkeitsstö
rung
F60 oder kombinierte Persönlichkeitsstörung F61 oder andauernde
Persönlichkeitsänderung, nicht Folge einer Schädigung oder Krankheit des Gehirns F62.
Beim Beschwerdeführer liege eine Kombination vor von organischen und psy
chi
schen Folgeschäden der langjährigen Drogen- und Alkoholkrankheit, von
Folgen
d
er durchgemachten Depressionen, Suizidversuche und des ADHS, die sich
in den Symptomen einer schweren kombinierten Persönlichkeitsstörung mani
festierten. Ob das jetzt mehr als F61 oder F60.9
, als F 62.9 oder als F19.71 interpretiert werde, sei für die Frage der Arbeitsfähigkeit und für die Prognose nicht entscheidend.
Man gehe mit dem Gutachter völlig einig, dass beim Schweregrad der vorlie
gen
den Persönlichkeitsstörung (oder eben der andauernden
Persönlich
keitsän
de
rung
) des Beschwerdeführers auch bei optimaler Therapie und Motiva
tion nicht davon ausgegangen werden könne, dass die aktuellen Einschränkun
gen (haupt
sächlich im Bereich Belastbarkeit, Ausdauer, Flexibilität und Anpas
sungs
fähig
keit) vollständig überwunden werde
n
könnten. Im besten Fall könne eine
Rest
ar
beitsfähigkeit
von 50
%
erreicht werden.
Nach dem Verlauf in den letzten Monaten mit den erneuten
Hospitalisationen
wäre
es ein sehr positiver Verlauf, wenn der Beschwerdeführer (nach 100%iger
Arbeitsunfähigkeit seit April 2011) im Anschluss an die zurzeit laufende Be
hand
lung in der
Klinik J._
mit Hilfe der I
nvalidenversicherung
nochmals zu 50
%
in seinem Beruf als Buchhalter (oder eventuell
a
n eine
m
seinen Be
hinderungen noch besser angepassten Arbeitsplatz) rehabilitiert werden könnte.
Es sei (sicher auch für den Gutachter
)
unverständlich, wie der Regionale Ärztli
che Dienst zum Schluss kommen könne, dass die Diagnose F62.9 (die vollstän
dig zitiert im ICD-10 „nicht näher bezeichnete andauernde
Persönlichkeitsän
derung
“ heisse) keiner
chronifizierten
, erheblichen, schweren Krankheit entspre
chen solle. Unverständlich sei auch
,
aufgrund welcher Evidenz der Regionale Ärztliche Dienst (im Gegensatz zu den Behandlern und zum Gutachter) bei
diesem schwer gestörten Patienten eine gute Prognose stellen könne. Die Stö
rung
sei zwar behandelbar, die Prognose bleibe aber eingeschränkt.
4.
4.1
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei,
das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflicht
ge
mäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg
baren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztbe
richtes
ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfas
send
ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer
den berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
fol
gerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grund
sätz
lich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der ein
gereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gut
achten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
4.2
Das Gutachten von
Dr.
C._
vom 1
2.
November 2013 (
Urk.
10/53) beruht auf
psychiatrischen und testpsychologischen Untersuchungen vom
6.
November 2013
und den zur Verfügung gestellten Akten (
Urk.
10/53/1).
Dr.
med.
K._
, Fachärztin FMH für Arbeitsmedizin und Allgemeinmedizin
vom Re
gio
nalen Ärztlichen Dienst
,
hat
am 1
9.
November 2013
insoweit richtig erkannt, dass
Dr.
C._
anlässlich der Untersuchung vom
6.
November 2013 keinen
pathologischen Psychostatus er
hob
(
vgl.
Urk.
10/53/11
, 10/57 und 10/71
). Daran
vermag auch nichts zu ändern, dass
es sich bei
Dr.
K._
um
k
eine
Fach
ärztin
aus dem Bereich der Psychiatrie handelt (
Urk.
1 S. 7). Es ist nicht nach
vollziehbar, wie
Dr.
C._
mit den erhobenen
,
im Wesentlichen unauffälligen
Befunden zu sei
ner Einschätzung bezüglich Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
wegen erhöhter Ermüdbarkeit, rascher Erschöpfbarkeit, generell reduzierter psy
chischer Belast
barkeit, reduzierter Ausdauer und reduzierter geistiger Flexibilität
gelangt.
Es kann deshalb nicht darauf abgestellt werden
.
Vor diesem Hinter
grund erweist sich die kontrovers diskutierte Frage, ob anstelle einer
Persön
lich
keitsänderung
nicht eine Persönlichkeitsstörung hätte diagnostiziert werden
müssen, als irrele
vant.
Ebenso wenig spielt es eine
Rolle, dass es
Dr.
C._
unter
liess
, die im Bericht des Zentrums für Abhängigkeitserkrankungen der
Klinik A._
vom 2
6.
Juni 2013 erwähnten psychia
tri
schen Gutachten aus den Jahren 1995, 2001, 2005 und 2010 beizuziehen, welche
dem Beschwer
deführer einhellig eine Persönlichkeitsstörung attestieren sollen (U
rk.
10/46/6).
Es bleibt zu prüfen, ob sich die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht mit
den weiteren vorhandenen medizinischen Unterlagen (vgl.
Urk.
10/35, 10/46 und
15) beurteilen lässt. Diesbezüglich ist vorab als Erfahrungstatsache zu be
rück
sichtigen, dass behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre
auftrags
recht
liche
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientin
nen
und Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E.
3b/cc.). Insbesondere geht aus keinem
der zur Diskussion stehenden ärztlichen Berichte hervor, dass er in Kenntnis der gesamten Aktenlage verfasst wurde. Soweit überhaupt eine Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit
(in angestammter und in angepasster Tätigkeit)
er
folgte, fehlt es jeweils an einer (nachvollziehbaren) Begründung. Es kann folg
lich darauf ebenfalls nicht abgestellt werden. Damit erweist sich der Sachverhalt in psy
chi
scher Hinsicht als abklärungsbedürftig.
Dies muss umso mehr gelten, als sich
mit
dem neu eingereichten Bericht des Zentrums für Akute Psychische Erkran
kungen der
Klinik A._
vom 19. Mai 2014
und der
neu gestellten
Diagnose einer schwere
n
depressive
n
Episode (
Urk.
15/3 S. 1)
Hin
weise auf eine
nach der gutachterlichen Untersuchung vom
6.
November 2013
eingetretene Verschlechterung des psychischen Gesundheits
zustandes ergeben
. Deren exakte
Dauer und Ausmass
ist ebenfa
lls abzuklären
, da der Sachverhalt
bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 2
3.
Oktober 2014 massgeb
lich
ist
.
Zur Beurteilung
der
psychischen Situation
und
zur Klärung der kontroversen Diagnostik
werden
allenfalls auch die frühe
ren Gutachten aus den Jahren 1995, 2001, 2005 und 2010 beizuziehen und zu würdigen sein.
4.3
Es
bleibt
zu bemerken
, dass
Dr.
C._
in seinem Gutachten unter anderem auch festhielt
,
der Beschwerdeführer habe geschildert, er fühle sich körperlich häufig schlecht. Wegen seiner HIV-Infektion nehme er einmal pro Tag
Atripla
ein. Er leide häufig unter Nebenwirkungen im Sinne von Übelkeit und Erbre
chen
nach der Medikamenteneinnahme (
Urk.
10/53/10). Es kann offen bleiben, ob un
d inwiefern die geschilderten Beschwerden in die gutachterliche Beurtei
lung der Arbeitsfähigkeit einflossen. Sie werfen jedoch zumindest die Frage auf,
ob
sich die gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers seit dem Erlass der Verfü
gung vom
8.
November 2010
insofern verschlechtert hat,
als
neu auch
aus soma
tischen Gründen Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit
zu verzeichnen sind
. Dies
muss umso mehr gelten, als
bereits
im Bericht des Zentrums für
Ab
hängig
keits
erkrankungen
der
Klinik
A._
vom 2
6.
Juni 2013
nebst
den gestellten
psychiatrischen Diagnosen auch
die HIV-In
fektion und eine seit 2012 neu bestehende chronische HCV-Infektion (Hepatitis C-Infektion) als die Arbeitsfähigkeit beeinflussende
Faktoren
aufgeführt wurden (
Urk.
10/46/1).
Die geschilderten Anhaltspunkte für eine Verschlechterung des
physischen
Ge
sund
heitszustandes hätten
entsprechender medizinischer Abklä
rungen bedurft,
welche
nachzuholen sein werden
.
Aus den neu eingereichten Unterlagen geht über
dies hervor, dass sich der Beschwerdeführer im April 201
4 eine
Messer
stich
verletzung
zufü
g
te
, welche Komplikationen verursach
t
e, die bis etwa Mitte September 2014 immer wieder
eine Behandlung erforderten
(vgl.
Urk.
15/3 und 15/4)
. Unter Umständen wird daher auch zu klären sein, ob
aus der fraglichen
Verletzung
ebenfalls eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit resultierte
, welche beim Erlass der angefochtenen Verfügung vom 2
3.
Oktober 2014 hätte berück
sich
tigt werden müssen
.
4.4
Zusammenfassend ergibt sich, dass über die strittigen Leistungsbegehren nicht ohne die notwendigen weiteren medizinischen Abklärungen entschieden werden
kann. Da die Beschwerden im Zusammenhang mit der medikamentösen Thera
pie
der HIV-Erkrankung
,
die neu bestehende Hepatitis C-Infektion
und die
Messer
stichverletzung
vom April 2014
samt
ihre
r
jeweiligen
Auswirkung
en
auf die
Arbeitsfähigkeit bis anhin überhaupt nicht abgeklärt wurden, wird die
Be
schwer
degegnerin
die notwendigen Abklärungen zu veranlassen haben.
Der an
gefoch
tene Entscheid ist somit aufzuheben und die Sache ist zur Durchführung der erforderlichen Abklärungen
sowohl zum physischen als auch zum psychi
schen Gesundheitszustand und den damit verbundenen Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit sowie zu
neuer Entscheidung an die Beschwerdegegnerin zu
rückzu
weisen (
§
26 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht;
GSVGer
).
5.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhäng
ig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 1‘000.-- festzulegen
(
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG)
und auf Fr. 6
00.--
fest
zusetzen.
Nach ständi
ger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen der
be
schwerdeführenden
Partei (BGE 137 V 57 E. 2.1 mit Hinweisen). Entsprechend dem Ausgang des
Verfahrens sind die Kosten der unterliegenden
Beschwerde
gegnerin
aufzuerlegen.
5
.2
Überdies hat der obsiegende Beschwerdeführer
Anspruch auf
den Ersatz der Parteikosten (§ 34 Abs. 1
GSVGer
)
.
Die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Ent
schädigung wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit
sache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§ 34 Abs.
3
GSVGer
). Vorliegend erscheint eine
Prozessentschädigung von Fr. 1‘6
00.
--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
als angemes
sen
, wobei zu bemerken ist, dass für Bemühungen ab dem
1.
Januar 2015 ein
Stun
denansatz
von
Fr.
185.-- und für diejenigen davor ein solcher von
Fr.
170.-- zu veran
schlagen ist.