# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 09c3e1c9-7ebc-42da-b692-54ffbdaa76c8
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1958, meldete sich am 1
8.
März 2004
unter Hinweis auf
Rücken- und Knie
beschwerden
sowie depressiver Verstimmung bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 10/1). Die Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihm mit Verfügung vom 2
6.
Oktober 2004 bei einem Invaliditätsgrad von
65 %
eine
Dreiviertelsrente
ab
1.
September 2004 zu (Urk. 10/13;
Urk.
10/15).
1.2
Am
8.
Januar 2008
teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, der Rentenan
spruch sei unverändert (
Urk.
10/23
).
Mit Schreiben vom selben Tag auferlegte sie ihm eine Schadenminderungspflicht betreffend regelmässige fachpsychiatri
sche Therapie (
Urk.
10/22).
Nach Einholen eines
bidisziplinären
Gutachtens des
Y._
vom 1
2.
November 2009 (
Urk.
10/32) teilte
die IV
-Stelle dem Versi
cherten mit
Schreiben vom
8.
Janua
r 2010 mit, der Rentenanspruch sei unver
ändert (
Urk.
10/34).
Am 1
8.
April 2012 stellte der Versicherte ein Rentenerhöhung
sgesuch (Urk.
10/38). Mit Verfügung vom 1
3.
September 2012 tra
t die IV-Stelle nicht auf das neue Leistungsg
esuch ein (
Urk.
10/44).
1.3
Nach Eingang eines am
4.
März 2014
ausgefüllten Revisionsfragebogens (Urk.
10/45
) holte die IV-Stelle unter anderem ein
interdisziplinäres Gutachten
ein, das am
2
6.
November 2014 erstattet wurde (
Urk.
10/57).
In der Folge gewährte sie dem Versicherten berufliche Massnahmen in Form einer Potential
abklärung (
Urk.
10/63) sowie eines Belastbarkeitstrainings (
Urk.
10/73).
Am 1
7.
Dezember 2015 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass aufgrund des schmerzbedingten Unterbruchs der Massnahme zurzeit keine beruflichen Ein
glie
derungsmassnahmen möglich seien (
Urk.
10/82).
Nach durchgeführtem
Vorbe
scheidverfahren
(
Urk.
10/91-92
;
Urk.
10/97
)
stellte die IV-Stelle
m
it Ver
fü
gung vom 1. Juni 2016 die
Dreiviertelsrente
des Versicherten
auf das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats ein. Einer allfälligen Beschwerde gegen diese Verfügung entzog sie die aufschiebende Wirkung (Urk.
10/104 = Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am
1. Juli 2016
Beschwerde
gegen die Verfügung vom
1. Juni 2016
(
Urk.
2) und beantragte,
diese sei aufzuheben und es seien die gesetzlichen Leistungen gemäss IVG zu erbringen
. Eventuell sei der Streitge
genstand zu weiteren Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen
.
In pro
zessualer Hinsicht beantragte er die Wiederherstellung der aufschiebenden Wir
kung
(
Urk.
1 S. 2 oben).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
8. September 2016 (Urk. 9
) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom
1
8.
Oktober 2016 wurde d
as Gesuch um Wiederher
stellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde
abgewiesen
und dem Beschwerdeführer die Beschwerdeantwort zugestellt (Urk
. 11
).
Der Beschwerdeführer reichte mit Eingabe vom 2
3.
November 2017 (
Urk.
13) einen aktuellen medi
zinischen Bericht ein (
Urk.
14) und nahm am 1
5.
Dezember 2017 ein weiteres Mal Stellung (
Urk.
15).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die massgebenden rechtlichen Grundlagen, insbesondere betreffend die Invalidi
tätsbemessung (
Art.
16 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG) und den Rentenanspruch (
Art.
28 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG), sind im angefochtenen Entscheid zutreffend wiedergegeben (
Urk.
2 S. 1). Darauf kann, mit den nach
stehenden Ergänzungen, verwiesen werden.
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidier
bar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisi
onsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9
C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.
1 mit Hinweisen).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krank
heitswert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
zur Pub
likation vorgesehenes
Urteil 8C
_841/2016 vom 3
0.
November 2017 E.
4.2.1;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invali
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeits
markt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
Zur Prüfung, ob und wie sich die Krankheit leistungsmindernd auswirkt, ist das strukturierte Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 durchzuführen (in den zur Publikation vorgesehenen Urteilen
des Bundesgerichts
8C_841/2016 E. 4.5.
2
und 8C_130/2017 E 7.
2,
beide vom 30. November 2017).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Strittig ist die revisionsweise Aufhebung der bis anhin ausgerichteten
Dreivier
telsr
ente
, wobei namentlich zu prüfen ist, ob
sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
wesentlich verbessert respektive sich die für die Invaliditäts
bemessung massgebende Arbeitsfähigkeit verändert hat.
Für die Beurteilung der Frage, ob eine anspruchserhebliche Änderung eingetreten ist, wird der Sachver
halt zur Zeit der strittigen Verfügung (hier:
Juni 2016
) verglichen mit dem Sachverhalt, wie er im Zeitpunkt der letzten
materiellen Beurteilung
(hier:
Januar
2010
) bestanden hat.
2.2
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) auf den Standpunkt,
dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit Anfang 2013 deutlich verbessert habe. Ihm sei die bisherige wie auch eine angepasste Tätigkeit voll zumutbar (S. 2 oben).
Eine anhaltende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei nicht ausgewiesen. Wenn überhaupt sei von einer
Dysthymie
auszugehen
. Die Schmerzproblematik sei progredient und
chronifiziert
. Die Arbeitsfähigkeit sei jedoch objektiv nicht eingeschränkt (S. 3 oben).
2.3
Der Beschwerdeführer machte in seiner Beschwerde (
Urk.
1) geltend,
dass er seit 1987 an einer chronischen Schmerzstörung sowie einer mittlerweile chroni
schen depressiven Erkrankung leide (S. 6
Ziff.
17).
S
ein Gesundheitszustand
habe sich
s
eit 200
4 nicht verändert
(
S. 8
Ziff.
23),
weshalb kein Revisionsgrund gegeben sei (S. 9
Ziff.
25)
.
E
ine Aufhebung gestützt auf
lit
.
a
Abs.
1 der am
1.
Januar 2012 in Kraft getretenen Schlussbestimmungen der Änderung vom 1
8.
März 2011 des
IVG sei ebenfalls nicht möglich, da Versicherte, welche das 5
5.
Lebensjahr zurückgelegt hätten, eine Besitzstandsgarantie hätten (S. 10
Ziff.
28)
.
Er sei i
m Zeitpunkt der Begutachtung und Durchführung von berufli
chen Massnahmen bereits
im 5
7.
Lebensjahr gestanden (S. 10
Ziff.
29).
Sowohl die Beschwerdegegnerin, Abteilung berufliche Massnahmen, die Stiftung
Z._
, die Stiftung
A._
als auch
die Ärzte des Sanatoriums
B._
und der Rehaklinik
C._
bestätigten, dass er krankheitsbedingt nicht arbeitsfähig sei (S. 11 f.
Ziff.
34 f.). Schliesslich hielt der Beschwerdeführer fest, dass sich die Beschwerdegegnerin offensichtlich weiterhin weigere, die neue bundesgerichtli
che Rechtsprechung zur somatoformen Schmerzstörung anzuwenden (S. 12
Ziff.
36).
3.
3.1
Die
Renten
zusprache
im Jahr
2004
erfolgte
im Wesentlichen gestützt auf den Bericht von
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychothera
pie,
vom 2
4.
April 2004 (
Urk.
10/5
/1-10
).
Dr.
D._
diagnostizierte eine
schwere depressive Entwicklung nach Kündigung, bei Selbstwert-,
B
eziehungs- und Autoritätsproblematik mit Tendenz zu
S
tottern in Belastungssituation
en und zu psychosomatischer beziehun
gsweise
somatoformer und paranoider Ver
arbe
itung. Es bestehe eine latente Suizidalität (S. 8 oben).
Der Beschwerdeführer leide seit seiner frühen Kindheit unter einer ausgeprägten Schüchternheit. Er fühle sich minderwertig im sprachlichen und intellektuellen Bereich, habe fürchterliche Ängste, nicht ernst genommen, ausgelacht oder
sonst wie
schika
niert zu werden (S. 6 unten). Zudem leide er unter massiven Schlafstörungen mit schreckhaftem Aufwachen, Zittern am ganzen Körper, Konzentrationsstö
rungen und Gedankenkreisen (S. 7 oben).
Der Beschwerdeführer habe nie gelernt sich zu wehren, fresse allen Ärger in sich hinein, meide Kontakte, um Kränkungen aus dem Weg zu gehen
,
und bezeichne sich quasi als Einzelgänger (S. 7 unten).
Aus ärztlich-psychiatrischer Sicht betrage die zukünftige Arbeits
fähigkeit in der freien Wirtschaft in einer sehr wohlwollenden
,
ruhigen, quasi geschützten Atmosphäre höchstens
50
%
(S. 8 unten).
3.2
Anlässlich
der ersten Rentenrevision wurde
bei
Dr.
D._
ein Verlaufsbericht
eingeholt.
Dr.
D._
berichtete a
m 1
7.
November 20
07 (
Urk.
10/20
/1-5), dass
sich der Beschwerdeführer erst kürzlich gemeldet habe, nachdem er ein Formu
lar zur Revision erhalten habe. Er könne sich soweit gut ausdrücken, wobei die Stimme monoton sei. Sobald er in Aufregung gerate, beginne er zu stottern, und habe weiterhin Angst, nicht ernst genommen oder ausgelacht zu werden. Er wirke gehemmt, in der Grundstimmung depressiv, lust- und freudlos (S. 2 oben). D
ie Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers respektive die Unzumutbarkeit
,
in der ursprünglichen Tätigkeit und in der heutigen angespannten freien Wirt
schaft einer Arbeit nachzugehen,
betrage a
us ärztlich-psychiatrischer Sicht
80
%
(S. 3).
3.3
Im Rahmen der zweiten
Rentenrevision
führte
Dr.
D._
im Verlaufsbericht
vom
7.
März 20
09 (
Urk.
10/26
/4-6) aus, in den letzten 1 1⁄4 Jahren habe sich weiterhin nichts Wesentliches verändert. Die stützende Behandlung vermöge
aufgrund der tiefen Ängste und der geringen Reflexionsfähigkeit keine wirkli
che Veränderung im Charakter zu bewirken (S. 1 oben).
Die
Arbeitsunfähigkeit
betrage mindestens 80 %; eine allenfalls restliche Arbeitsfähigkeit sei absolut unverwertbar. Eine wesentliche Besserung durch eine psychotherapeutische Behandlung sei aufgrund mangelnder Reflexionsfähigkeit nicht möglich. Die regelmässige Behandlung habe insbesondere eine Verhinderung einer Ver
schlechterung des seelischen Zustandsbildes zum Ziel (S. 3 unten).
3.4
Die Ärzte des
Y._
erstatteten am 1
2.
November 2009 ein
bidisziplinäres
Gutachten
(rheumatologisch und psychi
atrisch)
zuhanden der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
10/32).
Aus rheumatologischer Sicht wurde keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfä
higkeit gestellt. Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurden ein chronisches
zervikozephales
und
thorakolumbales
Schmerzsyndrom sowie ein
femoropatellares
Schmerzsyndrom genannt (S. 13 f.
Ziff.
5.2).
Auffäl
lig sei trotz des gesamthaft kräftig imponierenden Muskelstatus eine Insuffizi
enz insbesondere der wirbelsäulenstabilisierenden Muskulatur, welche zusam
men mit der Fehlhaltung und der diskreten Fehlstatik zu einer ständigen Fehl- und Überbelastung insbesondere des Achsenorgans mit konsekutiven
Inserti
onstendinopathien
beziehungsweise
Tendinosen
führe (S. 14 oben). Die
Dekon
ditionierung
stelle jedoch aus versicherungsmedizinischer Sicht keinen invali
disierenden Gesundheitsschaden dar, da dieser Zustand durch entsprechende aktive Therapie behoben werden könne
(S. 14 unten).
In psychiatrischer Hinsicht wurde ausgeführt, der Beschwerdeführer sei wort
karg, etwas in sich zurückgezogen und kontaktvermeidend. Die Grundstimmung sei gedrückt, die affektive Schwingungsfähigkeit teilweise erhalten. Die Beschwerdeschilderungen seien glaubwürdig. Ein Leidensdruck bezüglich der psy
chiatrischen Symptome sei spürbar, die Schmerzproblematik (Rücken- und Knie
schmerzen) stehe völlig im Hintergrund.
An Symptomen fänden sich eine depressive Stimmung, ein Verlust von Freude und eine Lustlosigkeit. Weiterhin sei der Antrieb vermindert, ebenso das Selbstvertrauen beziehungsweise das Selbstwertgefühl. Es komme zu Suizidgedanken, zu Durchschlafstörungen und einer erhöhten Tagesmüdigkeit. Durch die genannte Psychopathologie sei ein
chronifiziertes
, mittelgradig depressives Zustandsbild ausgewiesen
(S. 24 Mitte).
Aus psychiatrischer Sicht bestehe weiterhin eine 50%ige
A
rbeitsfähigkeit
, wobei diese in einer angepassten Tätigkeit zu verwerten wäre, bei der ein wohlwollen
des, stressarmes Arbeitsumfeld herrsche, da sich der Beschwerdeführer blockiert fühle, wenn er meine
,
unter Druck zu geraten (S. 25
Ziff.
6).
3.5
Im Zusammenhang mit dem Rentenerhöhungsgesuch reichte der Beschwerdefüh
rer einen Bericht
der Ärzte
des
E._
, Rheumaklinik und Institut für Physikalische Medizin,
vom 2
7.
Februar 2012
ein (
Urk.
10/41). Die Ärzte des
E._
nannten folgende Hauptdiagnosen (S. 1 Mitte):
-
chronisches
thorako
- und
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom
-
symptomatische
Coxarthrosen
beidseits
-
Verdacht auf Gonarthrosen beidseits
-
zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom rechts
-
arterielle Hypertonie
-
mehrere Lipome
-
Depression mit Angststörung
-
Hypercholesterinämie
Sie führten aus, es bestünden lumbale Rückenschmerzen, welche ins Gesäss und teilweise bis zur Kniekehle ausstrahlten. Der Beschwerdeführer kenne diese Schmerzen seit 20 Jahren.
In letzter Zeit hätten diese jedoch beim Gehen und Sitzen zugenommen. Neu bestünden zudem Anlaufschmerzen in den Hüften und den Oberschenkeln beidseits (S. 2 unten). Die
thorako
- und
lumbovertebra
len
Schmerzen seien durch Fehlhaltung,
Dekonditionierung
sowie degenerative Veränderungen der Wirbelsäule erklärt. Die Anlaufschmerzen der Hüften seien mit leichten, symptomatischen
Coxarthrosen
vereinbar und die Knieschmerzen beim Treppensteigen mit beginnenden Gonarthrosen (S. 3 oben).
3.6
Dr.
D._
berichtete
a
m
9.
Mai 20
12 (
Urk.
10/
40
), der Beschwerdeführer stehe weiterhin bei ihm in Behandlung. Er beklage sich, zunehmend unter kog
nitiven Störungen zu leiden. So schildere er glaubhaft, er sei häufig verwirrt, in Gedanken abwesend (S. 1 Mitte). Objektiv sei eine gewisse Verstärkung des Misstrauens und eine Verschlechterung des Selbstwertgefühls festzustellen (S. 2 oben).
Die
Diagnose
sei – abgesehen von einer
Verstärkung der depressiven Grundstimmung
– unverändert. Aufgrund der Zunahme der depressiven Grundstimmung sei aus ärztlich-psychiatrischer Sicht von einer Arbeitsunfähig
keit von 80-90 % auszugehen (S. 2 unten).
4.
4.1
Die im Rahmen
des im März 2014 eingeleiteten R
evision
sverfahrens
eingegange
nen Arztb
erichte geben über den Gesundheitszustand des Beschwer
deführers folgendes Bild:
4.2
Dr.
med.
F._
,
Facharzt für
Allgemeine
Innere Medizin, nannte im
Bericht vom 2
1.
März 2014
(
Urk.
10/48
/6-8
)
die bekannten Diagnosen. Er gab an, dass sich seit 2010 nichts verändert habe. Der V
erlauf gestalte sich stabil (S.
1 Mitte).
4.
3
Dr.
D._
führte im Bericht vom
2
8.
März 2014
(
Urk.
10/49/1-3) aus, dass weiterhin eine ausgeprägte Lust-, Freud- und Antriebslosigkeit
, eine schnelle Ermüdung und
eine innere Leere mit fehlendem Lebensinhalt im Vordergrund st
ünden
.
Das bekannte Misstrauen und die paranoide Verarbeitung von Belas
tungssituationen nähmen eher zu (S. 2 unten). Er nannte die bekannte Diagnose und als Differentialdiagnose eine Persönlichkeitsstörung vom schizoiden Typus (S. 3 oben). Aufgrund der sich stetig verschlechternden Symptomatik der depressiven Grundstörung erscheine die Arbeitsunfähigkeit aus ärztlich-psychi
atrischer Sicht heute 100 % (S. 3 unten).
4.
4
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Rheumatologie und
für
Allgemeine Innere Medi
zin, und
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
therapie, erstatteten am 2
6.
November 2014 ein
interdisziplinäres Gutachten
(
Urk.
10/57).
Dr.
H._
nannte im psychiatrischen Teilgutachten (
Urk.
10/57/19-33) keine Diagnosen mit anhaltender Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Er führte fol
gende Diagnosen ohne anhaltenden Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit an (S. 7
Ziff.
4):
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung
-
Dysthymie
-
akzentuierte Persönlichkeitszüge
Dr.
H._
führte aus,
die Depressivität sei nach der Kündigung im Frühjahr 2004 ausgeprägt gewesen, es habe sich wohl um eine mittelgradige Anpas
sungsstörung gehandelt. In den letzten Jahren sei es zu einer Stabilisierung der Verstimmungen gekommen. Aktuell zeige sich nur eine mässige Psychopatho
logie. Der Beschwerdeführer sei leicht gedrückt und etwas mürrisch. Ängste und Konzentrationsstörungen fänden sich nicht. Sein Appetit sei gut und der affek
tive Rapport in Ordnung. Der Beschwerdeführer pflege Hobbys, sei insbesondere von der Astronomie begeistert und schaue gerne Dokumentarfilme
(S. 8 oben)
. Er fahre Auto und sei fähig, jed
es Jahr lange Ferienreisen nach
Portugal und Italien zu unternehmen. Diese aktive Lebensgestaltung spreche gegen eine rele
vante Depressivität. Zusammenfassend sei von
einer
Dysthymie
auszugehen (S.
8
Mitte
).
Betreffend psychiatrische Behandlung habe der Beschwerdeführer mehrmals lange Pausen eingelegt und suche seit einigen Jahren nur alle vier Monate den Psychiater auf (S. 7 unten).
Es habe sich eine Verlagerung der Symptomatik weg von den Verstimmungen, hin zur Schmerzkrankheit einge
stellt. Der Beschwerdeführer leide seit einigen Jahren praktisch am ganzen Kör
per an heftigen Schmerzen; er fühle sich dadurch in seiner Lebensführung erheblich eingeschränkt. Es lägen Hinweise für eine psychosomatische Überla
gerung der Schmerzen vor. Der Beschwerdeführer sei auf diese fixiert, er äussere hypochondrische Befürchtungen und zeige eine Schmerzausdehnung. Auffal
lend sei zudem, dass Lebensprobleme die Schmerzen verstärkten. Diese würden oft den Hauptfokus seiner Interessen bilden, es lasse sich also eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung diagnostizieren (S. 8 unten).
Dr.
H._
hielt fest, dass es (Anfang 2013) zu einer Verbesserung des psychischen Gesundheits
zustandes gekommen sei. Der Beschwerdeführer könne voll arbeiten, er werde also nicht durch eine psychische oder psychosomatische Krankheit daran gehin
dert (S. 13
Ziff.
1 und 2).
Psychosoziale Faktoren seien in hohem Masse vor
handen (S. 12
Ziff.
17). So das Alter des Beschwerdeführers, die lange Phase von Arbeitsuntätigkeit, die Invalidität seiner Ehefrau, das subjektiv starke Krankheitsgefühl und die Tatsache, dass er mit der Arbeitswelt abgeschlossen habe (S. 9 oben).
Dr.
H._
ging
davon aus, dass krankheitsfremde Faktoren dafür verantwortlich seien, dass der Beschwerdefü
hrer nicht arbeitstätig sei (S.
12 Ziff.
18).
Dr.
G._
nannte
im rheumato
logischen Teilgutachten
(
Urk.
10/57/1-15)
keine
Diagnosen mit langandauerndem Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit, indessen im Wesentlichen folgende Diagnosen ohne langandauernde Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 6 f.):
-
chronisches, generalisiertes Schmerzsyndrom
-
nicht ausreichend somatisch abstützbar
-
primäres Fibromyalgie-Syndrom
-
Panalgie
-
diffuse Druckschmerzangabe
-
Polyarthralgien axialer und peripherer Gelenke
-
multiple Beschwerden wie Schlafstörungen, Müdigkeit, Schmerzen im Brustkorb und Bauch, Herzklopfen, Stechen im Brustkorb, Tinnitus, Kraftverluste, Nervosität
-
Panvertebralsyndrom
mit
spondylogener
Ausstrahlung in den Kopf und in alle Extremitäten
-
diffuse idiopathische
skelettale
Hyperostose
-
Bewegungseinschränkungen thorakal und lumbal
Dr.
G._
gab an, dass er die
– im Bericht des
E._
genannten –
Diagnosen einer
Coxarthrose
sowie einer Gonarthrose aktuell nicht bestätigen könne (S. 11 oben). I
nsgesamt beurteile er die vom Beschwerdeführer geschilderten Beschwerden bezüglich Umfang und Intensität höchstens als partiell auf die objektivierbaren somatisch-pathologischen Befunde abstützbar
. Es sei Aufgabe
des mitbegutachtenden Psychiaters, diesbezüglich Stellung zu beziehen
(S. 12 Mitte). Die Arbeitsfähigkeit sei aus rein somatisch-rheumatologischer Sicht für die vom Beschwerdeführer bisher ausgeübten beruflichen Tätigkeiten zu keinem Zeitpunkt anhaltend eingeschränkt gewesen (S. 13 unten).
Im Rahmen der
interdisziplinär
en Beurteilung wurde festgehalten, dass
seit Anfang
201
3 keine Arbeitsunfähigkeit mehr vorliege (
Urk.
10/57/18).
4.
5
Im Bericht der Ärzte des
E._
, Klinik für Rheumatologie, vom
3.
August 2015 (
Urk.
10/88/8-10) wurden
im Wesentlichen folgende Diagnosen genannt (S. 1):
-
chronisches
thorako
- und
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom
-
zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom
-
symptomatische
Coxarthrosen
beidseits
-
Periarthropathie
Knie beidseits
-
Depression mit Angststörung
Die Ärzte des
E._
führten aus, dass beim Beschwerdeführer ein panvertebrales Schmerzsyndrom bestehe, welches von diffusen, nicht-
dermatombezogenen
Beschwerden wie Kribbelparästhesien und Frösteln begleitet werde. Als Ursache der Rückenschmerzen fänden sich konventionell-radiologisch degenerative Ver
änderungen, welche sich jedoch seit den letzten Röntgenaufnahmen von 2012 nicht verändert hätten. Aus rheumatologischer Sicht gebe es keine objektiven Gründe, weshalb der Beschwerdeführer nicht in leichter, wechselbelastender Tätigkeit ganztags arbeiten könnte. Allerdinge bestehe eine verminderte Leis
tungsfähigkeit wegen der Notwendigkeit zu vermehrten Pausen und zunehmen
den Beschwerden im Tagesverlauf. Dies ergebe eine Arbeitsfähigkeit in ange
passter Tätigkeit aus rein rheumatologischer Sicht von 80 % (S. 3 Mitte).
4.6
Vom
5.
bis 2
4.
November 2015 befand sich der Beschwerdeführer im
C._
in stationärer Rehabilitation. Im Austrittsbericht vom 2
8.
Dezember 2015 (
Urk.
10/87) wurden dieselben Diagnosen wie
im
Bericht der Ärzte des
E._
genannt (vgl. S. 1). Die behandelnden Ärzte führten aus, dass der Beschwerdeführer in gutem Allgemeinzustand, jedoch praktisch unveränderter Symptomatik und nur minim verbessertem Aktivitätslevel habe entlassen wer
den können (S. 3 oben).
4.7
RAD-Arzt
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Anästhesiologie, hielt mit Stellung
nahme vom 1
0.
Februar 2016 (
Urk.
10/90/6) fest, dass keine richtungsweisende Veränderung des Gesundheitszustandes und der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit ausgewiesen sei. Deshalb könne unverändert auf das Gutachten von
Dr.
G._
und
Dr.
H._
vom 2
6.
November 2014 abgestellt werden.
4.8
Vom 2
2.
April 2016 bis 2
6.
Mai 2016 befand sich der Beschwerdeführer im statio
nären Aufenthalt im Sanatorium
B._
. Die behandelnden Ärzte nannten im
Austrittsbericht vom
6.
Juni 2016
(
Urk.
7)
als Hauptdiagnose eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psycho
tische Symptome
(S. 1 Mitte)
.
Der Beschwerdeführer habe bei Eintritt angege
ben, er sei stark blockiert, habe ausgeprägte Schlafstörungen, fühle sich antriebs- und energielos und leide an chronischen Schmerzen. Zudem werde ihm eventuell die Invalidenrente gestrichen, was einen finanzie
llen Einschnitt fü
r ihn bedeuten würde (S. 1 unten). Die Ärzte hielten fest, dass d
er seit 12 Jahren arbeitslose
Beschwerdeführer
im häuslichen Umfeld keinerlei Tages
struktur
zeige
. Die Aufgleisung einer solchen, möglichst im zweiten Arbeits
markt,
sei zur Stabilisierung
unerlässlich und dem
Beschwerdeführer zuzu
trauen. Eine weiterführende Psychotherapie werde empfohlen (S. 2 unten).
5.
Vorab ist festzuhalten, dass
Renten, die bei
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne nachweisbare organisc
he Grundlage gesprochen wurden (
innerhalb von drei Jahren nach Inkrafttreten
der Bestim
mung), überprüft und
herabgesetzt oder aufgehoben
werden können
, auch wenn die Voraussetzungen von
Art.
17
Abs.
1 ATSG nicht erfüllt sind
(
lit
.
a
Abs.
1 der am
1.
Januar 2012 in Kraft getretenen Schlussbestimmungen der Änderung vom 1
8.
März 2011 des
IVG
)
.
Der ursprünglichen
Rentenzusprache
per September 2004 lag kein Beschwerde
bild zugrunde, das unter
lit
. a
Abs.
1 der Schlussbestimmungen
der Änderung vom 1
8.
März 2011 des
IVG fällt.
Im Vordergrund stand ein depressives Geschehen.
So attestierte
Dr.
D._
dem Beschwerdeführer gestützt auf eine schwere depressive Entwicklung
eine Arbeitsfähigkeit von höchstens 50 %. D
aher ist eine Rentenaufhebung gestützt auf
lit
. a
Abs.
1
der Schlussbestim
mungen
der Änderung vom 1
8.
März 2011 des
IVG
vorliegend
nicht möglich
.
6.
6.1
Auf das interdisziplinäre Gutachten vom 2
6.
November 2014 kann abgestellt werden.
Dieses
erfüllt die Anforderungen an den Beweiswert medizinischer Berichte im Sinne der Rechtsprechung (vgl. vorstehende E. 1.4) vollumfänglich. Es setzt sich mit allen Aspekten der gesundheitlichen Beeinträchtigungen ausei
nander und berücksichtigt insbesondere auch sämtliche bis dahin angefallenen ärztlichen Untersuchungsberichte. Insgesamt ist das Gutachten umfassend und vermag zu überzeugen.
6.2
Dr.
G._
hielt im rheumatologischen Teil des
Gutachten
s (
Urk.
10/57/1-15) fest, dass im Vergleich mit dem
Y._
-Gutachten vom November 2009 keine rele
vante Veränderung der Befunde im Bereich der Wirbelsäule
eingetreten sei
(S.
10 unten).
Betreffend die Befunde im Bereich der unteren Extremitäten könne er eine leichtgradige Verbesserung des Gesundheitszustandes bestätigen. So seien die
ischiokrurale
Muskulatur und die Muskulatur des
Musculus
rectus
femoris
nicht mehr verkürzt und die Hüftbeweglichkeit beidseits wieder symmetrisch (S. 11 Mitte).
Auch aus dem Bericht
des
E._
vom
August 2015
geht keine wesentliche
Ä
nderung des Gesundheitszustandes hervor. Vielmehr hielten die Ärzte des
E._
fest, dass sich die degenerativen Veränderungen seit den letzten Röntgenaufnahmen von 2012 nicht verändert hätten (
Urk.
10/88 S.
10). Im Ver
gleich mit dem Bericht vom Februar 2012 (vgl. E. 3.5) nannten sie im Wesentli
chen keine neuen Diagnosen und Befunde
. Soweit
d
ie
Ärzte des
E._
neu von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit aus
gingen, han
delt es sich lediglich um eine unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unveränderten Gesundheitszustandes
.
Insgesamt ist aus somatischer Sicht nicht von einer
erheb
lichen Veränderung des Gesundheitszu
standes auszugehen.
6.3
In psychischer Hinsicht
hat sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers verbessert.
Während im
Y._
-Gutachten vom
November 2009 noch ein mittel
gradiges depressives Z
ustandsbild diagnostiziert worden war
,
liegt gestützt auf das interdisziplinäre Gutachten vom 2
6.
November 2014 lediglich noch eine
Dysthymie
vor.
Als
weitere
Diagnosen
wurden eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung sowie akzentuierte Persönlichkeitszüge
genannt
.
Aufgrund der im
psychiatrischen Teilg
utachten angeführten Befunde erscheint nachvollzieh
bar, dass kein relevantes
depressive
s
Geschehen
mehr vorliegt
. So
wurde angegeben, dass
sich keine Aufmerksamkeits-, Konzentrations- oder Gedächt
nis
stö
rungen fänden. Der Beschwerdeführer wirke mürrisch und etwas schweigsam, die Grundstimmung sei jedoch nicht deutlich gedrückt und der Antrieb nicht verarmt
(
Urk.
10/57/
19-33 S.
6
)
. Demgegenüber wurden im
Y._
-Gutachten vom November 2009 unter anderem eine gedrückte Grundstimmung, ein Verlust von Freude, eine Lustlosigkeit, ein verminderter Antrieb, ein vermindertes Selbstwertgefühl sowie Suizidgedanken angegeben.
Neben den ver
ände
rten Befunden
wiesen im Zeitpunkt der Begutachtung auch die regelmässigen Aus
landaufenthalte und die geringe Therapiefrequenz darauf hin,
dass sich der Gesundheitszustand
des
Beschwerdeführer
s verbessert hat.
Aufgrund des Austrittsberichtes des Sanatoriums
B._
vom Juni 2016 beste
hen Hinweise für eine Verschlechterung der depressiven Symptome nach Erlass des Vorbescheids
–
und wohl auch im Zusammenhang
mit der darin in Aussicht
gestellten Rentenaufhebung
. Ab dem 2
2.
April 2016 befand sich der Beschwerdeführer im Sanatorium
B._
. Die neue Diagnose der gegenwärtig schweren depressiven Episode war der Beschwerdegegnerin im Zeitpunkt der Verfügung vom
1.
Juni 2016 noch nicht bekannt
. D
er vorläufige Au
strittsbe
richt vom 2
4.
Mai 2016
(
Urk.
10/105)
wurde ihr e
rst am 1
4.
Juni 2016 zuge
stellt
. Wesentlich ist jedoch, dass im Verfügungszeitpunkt – sechs Wochen nach Klinikeintritt – noch nicht von einer stabilen beziehungsweise anhaltenden Verschlechterung ausgegangen werden konnte.
Betreffend
den vorläufigen Austrittsbericht des Sanatoriums
B._
vom 1
4.
November 2017 (
Urk.
14) ist darauf hinzuweisen, dass für die richterliche Beurteilung eines Falles grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens massgebend sind. Tatsachen, die sich erst später verwirklichen, sind jedoch insoweit zu berücksichtigen, als sie mit dem Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des
Entscheiderlasses
zu beeinflussen (BGE 121 V 362 E. 1b; 99 V 98).
Mit Verfügung vom
1.
Juni 2016
wurde das Verwal
tungsverfahren abgeschlossen.
Die
Tatsache
, dass sich der
Beschwerdeführer
vom
6.
Oktober bis 1
5.
November 2017
einer stationären Behandlung unterzie
hen
musste
respektive die dazu führende Verschlechterung des Gesundheitszu
standes ist für die Beurteilung des vorliegenden Falles nicht massgebend.
Es ist indessen darauf hinzuweisen, dass eine Neuanmeldung erfolgen kann.
Nach dem Gesagten
ist
aufgrund des
interdisziplinären
Gutachtens
vom 2
6.
November 2014
eine Verbesserung des Gesundheitszustandes de
s
Beschwer
deführer
s
ausgewiesen
.
Somit liegt ein Revisionsgrund
vor
.
6.4
In psychischer Hinsicht zu beurteilen sind eine anhaltende somatoforme Schmerz
störung
, eine
Dysthymie
und akzentuierte Persönlichkeitszüge.
Dabei dürfen die
Dysthymie
und die akzentuierten Persönlichkeitszüge als Diag
nosen aus der Z-Kategorie (Kapitel XXI) des ICD-10 Systems im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens nicht per se unberücksichtigt bleiben. Denn es ist nicht Aufgabe der Rechtsanwendung, die medizinischen Befunde einzeln oder separat zu prüfen, sondern anhand der strukturierten Vorgehensweise gesamthaft die funktionellen Folgen einer oder mehrerer psychischer Leiden zu würdigen. Denn Störungen fallen unabhängig von ihrer Diagnose bereits dann als rechtlich bedeutsame Komorbidität in Betracht, wenn ihnen im konkreten Fall ressourcenhemmende Wirkung beizumessen ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_130/2017 vom 3
0.
November 2017 E. 8.1).
6.4.1
Der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung wurde
gutachter
licherseits
–
noch unter Beachtung der inzwischen aufgege
benen Überwindbarkeitsvermu
tung –
keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit beigemessen.
Bei dieser Ausgangslage bestehen gewichtige Indizien, dass der für eine invalidisierende Gesund
heitsschädigung erforderliche Schweregrad nicht erreicht wird
(vgl. Urteil 9C_646/2015 vom 1
6.
Mai 2016 E. 4.6)
.
Gleichwohl ist die juristische Anspruchsprüfung in jedem Fall Aufgabe des Rechtsanwenders und insoweit die medizinische Schätzung der funktionellen Leistungsfähigkeit rechtlich nicht verbindlich
(vgl. Urteil des Bundesgerichtes 9C_154/2016 vom 1
9.
Oktober 2016 E. 4.1 unter Hinweis auf BGE 141 V 281 E. 5.2.2).
Wie der Beschwerdeführer zu Recht geltend machte, ist zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit die neue bundes
gerichtliche Rechtsprechung zur somatoformen Schmerzstörung anwendbar.
6.
4.2
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind Indikatoren beachtlich, die das Bundesgericht wie folgt systematisiert hat
(
BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie „funktioneller Schweregrad"
-
Komplex „Gesundheitsschädigung"
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen)
-
Komplex „Sozialer Kontext"
-
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Lei
dens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshindern
der
äusserer
Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Ressourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2.1).
Beweisrechtlich entscheidend ist der Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4):
Der Indikator einer
gleichmässigen
Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen zielt auf die Frage ab, ob die diskutierte Einschränkung in Beruf und Erwerb (bzw. bei Nichterwerbstätigen im Aufga
benbereich) einerseits und in den sonstigen Lebensbereichen (z.B. Freizeitge
staltung) anderseits gleich ausgeprägt ist. Dabei ist das bisherige Kriterium des sozialen Rückzugs (wiederum) so zu fassen, dass neben Hinweisen auf Ein
schränkungen auch Ressourcen erschlossen werden; umgekehrt kann ein krank
heitsbedingter Rückzug aber auch Ressourcen zusätzlich vermindern. Soweit
erhebbar
, empfiehlt sich auch ein Vergleich mit dem Niveau sozialer Aktivität vor Eintritt der Gesundheitsschädigung. Das Aktivitätsniveau der versicherten Person ist stets im Verhältnis zur geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit zu sehen (BGE 141 V 281 E. 4.4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1).
Die Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen, das
heisst
das
Ausmass
, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben vernachlässigt werden, weist (ergänzend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz unter dem Komplex "Gesundheitsschädigung") auf den tatsächlichen Leidensdruck hin. Dies gilt allerdings nur, solange das betreffende Verhalten nicht durch das laufende Versicherungsverfahren beeinflusst ist. Nicht auf feh
lenden Leidensdruck zu
schliessen
ist, wenn die Nichtinanspruchnahme einer empfohlenen und zugänglichen Therapie oder die schlechte Compliance klarerweise auf eine (unabwendbare) Unfähigkeit zur Krankheitseinsicht zu
rückzu
führen ist. In ähnlicher Weise zu berücksichtigen ist das Verhalten der versi
ch
erten Person im Rahmen der beruflichen (Selbst-) Eingliederung. Inkon
sis
tentes Verhalten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend gemachte Einschrän
kung sei anders begründet als durch eine versicherte Gesundheits
beeinträchti
gung (BGE 141 V 281 E. 4.4.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.2).
6.
5
Das inter
disziplinäre Gutachten von
Dr.
G._
und
Dr.
H._
wurde im Novem
ber 2014 und demnach vor der Rechtsprechungsänderung von BGE 141 V 281
beziehungsweise der Urteile 8C_130/2017 und 8C_841/2016 vom 3
0.
November 2017
verfasst. Damit verliert es seinen Beweiswert indes nicht per se (vgl. BGE 141 V 281 E. 8). Vorliegend ist eine schlüssige Prüfung der mass
gebenden Standar
dindikatoren gestützt auf das inter
disziplinäre Gutachten sowie die übrigen medizinischen Akten möglich und weitere medizinische Abklärungen sind dementsprechend nicht angezeigt.
6.
6
Mit Bezug auf den ersten Indikator („Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome") ergibt sich aus dem
inter
disziplinären Gutachten, dass der Beschwerdeführer
praktisch am ganzen Körper an heftigen Schmerzen
leide, deren Intensität auf einer zehnstufigen visuellen Analogskala (VAS)
6
betrage
(vgl.
Urk.
10/57/19-33 S. 6 unten).
Die Schmerzen stellten sein grösstes Problem dar (
Urk.
10/57/19-33 S. 4 oben
)
.
Dadurch fühle er sich in seiner Lebensführung erheblich eingeschränkt. Zum Tagesablauf ist bekannt, dass der Beschwerde
führer zwischen 8.00 und 9.00 Uhr aufstehe, etwas esse und die Einkäufe erle
dige. Oft gehe er zu Fuss, manchmal benutze er das Auto. Während – seltenen – schmerzfreien Phasen helfe er im Haushalt. Er interessiere sich sehr für Doku
mentarfilme und pflege die Astronomie als Hobby.
Oft lese er Dokumentationen im Internet (
Urk.
10/57/19-33 S. 5 oben
). In der Ehe gehe es momentan relativ gut. Sie machten jedes Jahr zusammen Ferien in Portugal (dieses Jahr beinahe vier Monate) und jeweils einige Wochen in Italien (
Urk. 10/57/19-33 S. 3
f.). Die Tochter sei von Zuhause ausgezogen, es bestünden aber enge Kontakte zu ihr (
Urk.
10/57/19-33 S. 5 unten
).
Daraus kann indessen nicht ohne weiteres auf eine rechtserhebliche Gesundheits
schädigung beziehungsweise auf einen (bestimmten) funktionellen Schweregrad der Störung geschlossen werden. Vielmehr sind das Beschwerde
bild ebenfalls mitprägende psychosoziale und soziokulturelle Belastungsfakto
ren, soweit sie unmittelbar (direkt) die Symptomatik beeinflussen, als nicht invalidisierende und damit nicht versicherte Umstände auszuscheiden (Urteil des Bundesgerichts 9C_549/2015 E. 4.3 mit Verweis auf BGE 141 V 28
1 E. 4.3.1.1
). Diesbezüglich ist festzuhalten, dass
Dr.
H._
davon ausging, dass krank
heitsfremde Faktoren dafür verantwortlich seien, dass der Beschwerdeführer nicht arbeitstätig sei. Als
psychosoziale Faktoren nannte er das Alter des Beschwerdeführers, die lange Phase von Arbeitsuntätigkeit, die Invalidität seiner Ehefrau, das subjektiv starke Krankheitsgefühl und die Tatsache, dass er mit der Arbeitswelt abgeschlossen habe
(vgl. vorstehende E. 4.4)
.
Die vorliegenden psy
chosozialen Belastungsfaktoren sprechen gegen das Vorliegen eines Krankheits
geschehens, das im invalidenversicherungsrechtlichen Sinne als schwer zu bezeichnen ist.
Zum zweiten Indikator („Behandlungserfolg oder -resistenz")
ergibt sich aus dem interdisziplinären Gutachten
, dass die therapeutischen Möglichkeiten nicht vollumfänglich ausgeschöpft
sind
.
So sei die medikamentöse Compliance des Beschwerdeführers nicht optimal. Eine genügende Einnahme der antidepressiv wirkenden Medikamente könne die
Dysthymie
verbessern respektive Rückfälle verhindern. Eine psychiatrische Stütztherapie wurde indessen nicht für notwen
dig befunden
(vgl.
Urk.
10/57/19-33 S. 11 Mitte
).
Eine massgebliche Komorbidität ist nicht ausgewiesen.
Die psychische Komorbidi
tät ist gemäss interdisziplinärem Gutachten vom November 2014 seit ein bis zwei Jahren gebessert
, eine bedeutende Psychopathologie liege nicht vor
.
Zudem ergibt sich aus dem Gutachten nicht, dass sich die akzentuierten Persön
lichkeitszüge (eher unsicher, zurückhaltend, etwas scheu, vgl.
Urk.
10/57 S. 24 f.) für sich alleine oder insgesamt im Kontext mit der somatoformen Schmerz
störung und der
Dysthymie
limitierend auf die Arbeitsfähigkeit auswirken wür
den
(
Urk.
10/57/19-33
S. 7 f.,
S. 9 Mitte
).
Den somatischen Diagnosen (
chro
ni
sches,
generalisiertes Schmerzsyndrom;
Panvertebralsyndrom
;
diffuse idiopa
thische
skelettale
Hyperostose
) kommt
gemäss Beurteilung im Gutachten
ebenfalls
kein
langandauernder
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu.
Angesichts der geschilderten Tagesaktivitäten und
der
Auslandaufenthalte ist
somit
insgesamt nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer ressourcen
hemmenden Wirkung der
komorbiden
Störungen auszugehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_130/2017 vom 3
0.
November 2017 E. 8.1).
6.
7
Betreffend die Kategorien Persönlichkeit und sozialer Kontext
ist festzuhalten
, dass
der
Beschwerdeführer
im psychiatrischen Teilgutachten (
Urk.
10/57/19-33)
als eher scheu und zurückhaltend charakterisiert wurde. Es handle sich jedoch um eine Normvariante
;
er habe früher trotz dieser Eigenart arbeiten können, was auch heute gelte (
S. 10 Mitte
).
E
ine Persönlichkeitsstörung
liege
nicht vor (
S. 7 Mitte
)
.
Beim Beschwerdeführer
besteh
en
im Wesentlichen eine
leicht gedrückte Grundstimmung und eine Fixierung auf die Schmerzen
.
Ein ausge
prägter sozialer Rückzug liegt nicht vor. D
er Beschwerdeführer
lebt
mit seiner Ehefrau zusammen und hat
ein
eng
es Verhältnis
zu seiner Tochter
.
Er hat
eine gute Ehegemeinschaft und eine regelmässige Tagesgestaltung, pflegt ein Hobby
und hält sich jedes Jahr länger in Italien und Portugal auf.
Dies wirkt sich
günstig auf
seine
Ressourcen aus.
6.
8
Zu prüfen bleibt der Aspekt der Konsistenz.
Im psychiatrischen Teilgutachten (
Urk.
10/57/19-33) wurde festgehalten, dass die Ressourcen subjektiv massiv eingeschränkt seien, was psychiatrisch nicht nachvollziehbar sei (S. 15 oben).
D
er Beschwerdeführer
erledigt Einkäufe,
fährt
Auto, hilft
gelegentlich im Haus
halt, liest
und
unternimmt jeweils längere Ferienreisen
. Diese Umstände spre
chen für das Vorhandensein persönlicher Ressourcen. Da d
er
Besc
hwerdeführer
die
vom Hausarzt
verordneten
antidepressiven
Medikamente zumindest im Untersuchungszeitpunkt nicht zuverlässig eingenommen hatte
(vgl.
Urk.
10/57/19-33
S. 7 oben und S. 11
Mitte)
, erscheint schliesslich ein erhebli
cher Leidensdruck zumindest fraglich.
6.
9
Vor diesem Hintergrund ist eine aus
der chronischen Schmerzstörung, der
Dys
thymie
und den akzentuierten Persönlichkeitszügen
resultierende invalidenver
sicherungsrechtlich massgebende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nicht überwiegend wahrscheinlich.
Die Berichte
der Stiftung
Z._
und der Stiftung
A._
vermögen nichts daran zu ändern, ist doch die Frage nach den noch zumutbaren Tätigkeiten und Arbeitsleistungen nach Massgabe der objektiv feststellbaren Gesundheitsschädi
gung durch die Ärzte und nicht durch die Eingliederungsfachleute auf der Grundlage der von ihnen erhobenen, subjektiven Arbeitsleistung zu beantwor
ten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_401/2014 vom 2
6.
November 2014 E.
4.2.2 mit Hinweis).
Folglich ist
gestützt auf das interdisziplinär
e Gutachten von
Dr.
G._
und Dr.
H._
von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit sowohl in den bisher ausge
übten Tätigkeiten als auch in einer geeigneten Verweistätigkeit auszugehen.
7
.
7.1
Das Bundesgericht geht vom Regelfall aus, dass eine medizinisch attestierte Ver
besserung der Arbeitsfähigkeit grundsätzlich auf dem Weg der Selbsteinglie
derung verwertbar ist. Praktisch bedeutet dies, dass aus einer medizinisch attes
tierten Verbesserung der Arbeitsfähigkeit unmittelbar auf eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit geschlossen und damit ein entsprechender Einkommensver
gleich (mit dem Ergebnis eines tieferen Invaliditätsgrades) vorgenommen wer
den kann.
In ganz besonderen Ausnahmefällen hat die Rechtsprechung dennoch nach langjährigem Rentenbezug trotz medizinisch (wieder) ausgewiesener Leis
tungsfähigkeit vorderhand weiterhin eine Rente zugesprochen, bis mit Hilfe von medizinisch-rehabilitativen und/oder beruflich-erwerblichen Massnahmen das theoretische Leistungspotential ausgeschöpft werden kann. Es können im Ein
zelfall Erfordernisse des Arbeitsmarktes der Anrechnung einer medizinisch vor
handenen Leistungsfähigkeit und medizinisch zumutbaren Leistungsentfaltung
entgegen stehen
, wenn aus den Akten einwandfrei hervorgeht, dass die Ver
wertung eines bestimmten Leistungspotentials ohne vorgängige Durchführung befähigender Massnahmen allein vermittels Eigenanstrengung der versicherten Person nicht möglich ist (Urteil des Bundesgerichts 9C_163/2009 vom 1
0.
September 2010 E. 4.2.2).
7.2
Diese Rechtsprechung hat das Bundesgericht im Urteil 9C_228/2010 vom 2
6.
April 2011
dahin gehend
präzisiert, dass
die revisions- oder wiedererwä
gungsweise Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente bei versicherten Personen, die das 5
5.
Altersjahr zurückgelegt oder die Rente seit mehr als 15 Jahren
bezogen haben, nur zulässig
ist
, wenn die Beschwerdegegnerin zuvor Eingliederungsmassnahmen durchgeführt hat (Urteil 9C_228/2010 vom 2
6.
April 2011
E. 3.3). Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass sol
che versicherte Personen aufgrund des fortgeschrittenen Alters oder der langen Rentendauer und der daraus folgenden langjährigen Arbeitsabstinenz in der Regel nicht selber in der Lage sind, sich dem Arbeitsmarkt zu stellen und sich dort selber wieder einzugliedern. Dies führt zwar für die Betroffenen nicht zu einer Art Besitzstandsgarantie. Es wird ihnen lediglich, aber immerhin zuge
standen, dass die Rente grundsätzlich erst nach geleisteter Eingliederungshilfe
eingestellt werden darf. Ausnahmsweise kann eine Selbsteingliederung aller
dings auch trotz fortgeschrittenem Alter ohne vorgängige Durchführung von Eingliederungsmassnahmen zumutbar sein (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_680/2014 vom 1
5.
Mai 2015 E. 6.2.4, 9C_68/2011 vom 1
6.
Mai 2011 E. 3.3 und 9C_228/2010 vom 2
6.
April 2011 E. 3.5). Zur Feststellung der zumutbaren Selbsteingliederung ist auf den Zeitpunkt der rentenaufhebenden Verfügung oder auf den darin verfügten Zeitpunkt der Rentenaufhebung abzustellen. In diesem Zeitpunkt ist für die versicherte Person ohne Zweifel klar, dass ihr Ren
tenanspruch unsicher ist und sie sich neu o
rientieren muss (BGE 141 V 5 E.
4.2.1).
7.
3
Im Zeitpunkt der vorliegend angefochtenen Verfügung vom
1.
Juni 2016 (Urk.
2) war d
er
am 1
0.
April
195
8 geborene Beschwerdeführer
5
8
Jahre alt, weshalb
er
unter den vom Bundesgericht besonders geschützten Personenkreis fällt.
Den Angaben zur Berufsbiographie ist zu entnehmen, dass
der Beschwerdefüh
rer ohne abgeschlossene Ausbildung in Italien als Maurer tätig war (vgl.
Urk.
10/1/4). Seit seiner Einreise in die Schweiz im Jahr 1975 arbeitete er bei verschiedenen Arbeitgebern als Hilfsarbeiter
(vgl. Lebenslauf, Urk. 10/60/1)
.
Zuletzt war der Beschwerdeführer von August 1995 bis April 2004 als Schleifer und
Polierer
von Brillengläsern tätig (vgl.
Urk.
10/
6 S. 1
).
7.4
D
ie Beschwerdegegnerin
gewährte
dem Beschwerdeführer
vor Einstellung der Invalidenrente
berufliche Massnahmen in Form
einer Potentialabklärung (Urk.
10/63) sowie eines Belastbarkeitstrainings (
Urk.
10/73).
Vom 3
0.
März bis 2
4.
April 2015 fand eine
Potentialabklärung der
Stiftung
Z._
statt.
Aus dem
Abschlussbericht der
Z._
vom
8.
Mai
2015
(
Urk.
10/69
)
ergibt sich
, dass die Präsenzzeit von
drei
Stunden für d
en Beschwerdeführer gut möglich gewesen sei, bei der Steigerung auf fünf respek
tive sechs Stunden sei er an seine Grenzen gestossen (erhöhte Müdigkeit, Zunahme der Verspätungen) und habe zusätzliche Pausen während des Pro
gramms und Erholungszeit am Abend gebraucht (S. 4 unten).
Aufgrund der Schmerzsymptomatik, der Hilfs- und Antriebslosigkeit, verbunden mit lange fehlender Arbeitspraxis, könne aktuell nicht von einer
verwertbare
n
Arbeits- und Leistungsfähigkeit
ausgegangen werden (S. 5 oben).
E
in Aufbautraining in einem leistungsreduzierten Rahmen
erscheine
als angezeigt (S. 5 Mitte).
Ab dem 2
2.
September 2015 absolvierte der Beschwerdeführer ein
Belastbarkeits
training
bei der
Stiftung
A._
.
Dem Schlussbericht
vom 1
0.
Dezember 20
15 (
Urk.
10/80) ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer bei allem mitgemacht habe, ohne motiviert zu sein. Er habe müde und
antriebslos gewirkt. Seine Schmerzen hätten sich während dem Belastbarkeits
training verstärkt, so dass er mehr Schmerzmittel habe einnehmen müssen. Ab dem
2
8.
Oktober 2015 sei der Beschwerdeführer nicht mehr im Belastbarkeits
training erschienen. A
m
5.
November 2015 sei er in das
Zürcher
Reha
Zentrum
C._
eingetreten, weshalb die Massnahme vorzeitig abgebrochen worden sei (S. 3 unten).
7.5
Insgesamt sind d
ie seitens der Beschwerdegegnerin durchgeführten
Eingliede
rungsmassnahmen
als
genügen
d zu beurteilen
.
Soweit
das Abbrechen des Belastbarkeitstrainings im Widerspruch zur Beurteilung im interdisziplinären Gutachten
(keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit)
steht,
ist auf die in hohem Masse vorhandenen psychosozialen Faktoren hinzuweisen (vgl. vorstehende E.
4.4).
Der Beschwerdeführer ist sowohl in
der zuletzt
ausgeübten Tätigkeit
als auch in einer geeigneten Verweistätigkeit zu 100 % arbeitsfähig,
weshalb keine Ein
schränkung des Leistungsvermögens in erwerblicher Hinsicht, mithin keine Invalidität mehr vorliegt.
Die angefochtene Verfügung vom
1.
Juni 2016 erweist
sich somit als rechtens, was zur Abweisung d
er dagegen erhobenen Beschwerde
führt.
8
.
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG
sind ermessensweise auf Fr.
8
00.-- anzusetzen und ausgangsgemäss de
m Beschwerdeführer
aufzuerlegen.