# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 8d964d11-24e9-4a2d-9e2b-ee8f405f5bf6
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
M._, geb. 2018, ist der Sohn von R._ und S._. Die Familie wohnte in B._/SG, bevor
die Mutter mit M._ am 9. Dezember 2020 im Frauenhaus St. Gallen Zuflucht fand. Am
21. Februar 2021 bezog die Mutter zusammen mit dem Sohn eine eigene Wohnung in
A._. Der Vater lebt weiterhin in B._.
B.
Mit dringlicher Anordnung vom 23. Dezember 2020 wurden eine
Besuchsrechtsbeistandschaft für M._ errichtet, ein Beistand ernannt und begleitete
Besuche des Vaters angeordnet. Mit Entscheid des Kreisgerichts X._ vom 19. März
2021 betreffend Eheschutzmassnahmen wurde die Obhut über M._ der Mutter
zugeteilt. Als Kindesschutzmassnahmen wurde die Weiterführung der
Besuchsrechtsbeistandschaft beschlossen, zusätzlich eine Erziehungsbeistandschaft
errichtet und dem Vater ein begleitetes Besuchsrecht von drei Stunden pro Woche
eingeräumt, wobei die Kosten dafür den Eltern je zur Hälfte auferlegt wurden.
C.
Die Abteilung Soziales der politischen Gemeinde B._ erteilte am 9. Februar 2021 eine
auf drei Monate befristete Kostengutsprache für die Begleitung der Besuche des
Vaters, unter Vorbehalt der Änderung der örtlichen Zuständigkeit. Mit Schreiben vom
1. April 2021 stellte die politische Gemeinde B._ der politischen Gemeinde A._ als
neue Wohngemeinde von M._ eine Unterstützungsanzeige zu, wogegen die Stadt A._
Einsprache erhob. Mit Schreiben vom 27. April 2021 verlängerte die Abteilung Soziales
der politischen Gemeinde B._ die Kostengutsprache für die Begleitung der Besuche
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um weitere sechs Monate, weiterhin ohne Präjudiz unter Vorbehalt der Änderung der
örtlichen Zuständigkeit. Der Gemeinderat der politischen Gemeinde B._ wies die
Einsprache der politischen Gemeinde A._ mit Beschluss vom 1. Juni 2021 ab.
Das Departement des Innern des Kantons St. Gallen wies den dagegen von der
politischen Gemeinde A._ erhobenen Rekurs am 3. Februar 2022 ab im Wesentlichen
mit der Begründung, die Gemeinde am Unterstützungswohnsitz von M._, seit
21. Februar 2021 die politische Gemeinde A._, sei zur subsidiären Übernahme der
Kosten des begleiteten Besuchsrechts verpflichtet.
D.
Gegen den Entscheid des Departements des Innern (Vorinstanz) erhob die politische
Gemeinde A._ (Beschwerdeführerin), vertreten durch die Sozialen Dienste, mit
Eingabe vom 16. Februar 2022 Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Sie stellte die
Rechtsbegehren, der Entscheid der Vorinstanz sei aufzuheben und es sei festzustellen,
dass die politische Gemeinde B._ (Beschwerdegegnerin) seit 21. Februar 2021 für die
subsidiäre Kostenübernahme des begleiteten Besuchsrechts von M._ örtlich
zuständig sei, unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Die Vorinstanz nahm mit Vernehmlassung vom 11. März 2022 sowie unter Verweis auf
den angefochtenen Entscheid zur Beschwerde Stellung. Die Beschwerdegegnerin liess
sich am 23. März 2022 unter Beantragung der Abweisung der Beschwerde vernehmen.
Die Beschwerdeführerin reichte am 19. April 2022 eine Stellungnahme dazu ein. Die
Beschwerdegegnerin äusserte sich dazu mit Schreiben vom 4. Mai 2022. Sowohl die
Vorinstanz als auch die Beschwerdeführerin verzichteten auf weitere Bemerkungen
dazu.
Auf die Ausführungen der Beteiligten zur Begründung ihrer Rechtsbegehren sowie die
Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Die politische Gemeinde
A._, deren Rekurs gegen die vom Gemeinderat der politischen Gemeinde B._
festgestellte Verpflichtung zur subsidiären Übernahme der Kosten für das begleitete
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Besuchsrecht von M._ ab 21. Februar 2021 mit dem angefochtenen Entscheid der
Vorinstanz vom 3. Februar 2022 abgewiesen worden war, ist zur Erhebung der
Beschwerde befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP; Cavelti/Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 446). Die
Beschwerde wurde mit Eingabe der Sozialen Dienste A._ vom 16. Februar 2022
rechtzeitig erhoben. Sie erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Beschwerdeführerin rügt eine Verletzung des rechtlichen Gehörs durch die
Vorinstanz. Diese habe sich mit ihrem im Rekurs vorgebrachten Argument, im Kanton
Zürich seien explizit die Sozialhilfebehörden am Unterstützungswohnsitz der Eltern für
die Kostengutsprache ambulanter Kindesschutzmassnahmen zuständig, in
unzulässiger Weise nicht auseinandergesetzt.
Der verfassungsmässige Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, SR 101, BV) verlangt,
dass die Behörde die Vorbringen der von der Verfügung oder dem Entscheid in ihrer
Rechtsstellung betroffenen Person tatsächlich hört, prüft und berücksichtigt. Daraus
folgt die Verpflichtung der Behörde, ihre Verfügung zu begründen. Dabei ist nicht
erforderlich, dass sie sich mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt
und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich abhandelt. Vielmehr kann sie sich auf die
für die Verfügung oder den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Die
Begründung muss aber so abgefasst sein, dass sich die betroffene Person über die
Tragweite Rechenschaft geben und die Verfügung oder den Entscheid in voller
Kenntnis der Sache an eine höhere Instanz weiterziehen kann. In diesem Sinne müssen
wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde leiten
liess und auf die sich ihre Verfügung stützt (statt vieler BGE 141 III 28 E. 3.2.4). Der
Umfang der Begründungspflicht richtet sich grundsätzlich nach der Komplexität des zu
beurteilenden Sachverhalts (BGE 111 Ia 2 E. 4b). Bei klarer Sachlage und bestimmten
Normen können Hinweise auf die Rechtsgrundlagen genügen, während ein weiter
Spielraum der Behörde – aufgrund von Ermessen oder unbestimmten Rechtsbegriffen
– und eine Vielzahl von in Betracht fallenden Sachverhaltselementen eine ausführliche
Begründung gebieten (G. Steinmann, in: Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender
[Hrsg.], Die Schweizerische Bundesverfassung, St. Galler Kommentar, 3. Aufl. 2014,
N 49 zu Art. 29 BV mit Hinweisen).
Die Vorinstanz hat sich im angefochtenen Entscheid nicht zu der von der
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Beschwerdeführerin im Rekurs angeführten Praxis der Kostentragung ambulanter
Kindesschutzmassnahmen im Kanton Zürich geäussert, was von ihr auch nicht
bestritten wird. Wie sie in ihrer Vernehmlassung in Übereinstimmung mit den oben
dargelegten Anforderungen an eine hinreichende Begründung indessen zutreffend
ausführt, durfte sie sich in ihrem Entscheid auf die für sie wesentlichen Gesichtspunkte
beschränken. In ihrer Begründung hat sie eingehend und nachvollziehbar dargelegt,
weshalb für sie die Zuständigkeit am Unterstützungswohnsitz des Kindes und nicht an
jenem des besuchsberechtigten Elternteils besteht. Aus der Nichterwähnung der
Handhabung im Kanton Zürich konnte die Beschwerdeführerin ohne Weiteres
schliessen, dass die Vorinstanz diese als nicht entscheidend für die vorliegende
Streitsache erachtete, was angesichts der Tatsache, dass sich die sozialhilferechtliche
Kostentragung nach kantonalem öffentlichen Recht bestimmt, das Sozialhilfegesetz
des Kantons Zürich anders als im Kanton St. Gallen nicht auf das Bundesgesetz über
die Zuständigkeit für die Unterstützung Bedürftiger (SR 851.1, ZUG) verweist und somit
die von der Beschwerdeführerin zitierten Zürcher Erläuterungen bereits daher nicht
einschlägig sind, nicht erstaunt. Eine Verletzung der Begründungspflicht und damit des
rechtlichen Gehörs liegt folglich nicht vor.
3.
Umstritten ist, welche politische Gemeinde für die Kostentragung der angeordneten
begleiteten Besuche des Vaters seit 21. Februar 2021 örtlich zuständig ist: jene am
Unterstützungswohnsitz des Kindes oder an jene am Unterstützungswohnsitz des
besuchsberechtigten Vaters. Nachdem die Beschwerdegegnerin die Kosten für das
begleitete Besuchsrecht vorsorglich – allerdings ohne Anerkennung einer Rechtspflicht
– übernommen hat, stellt sich nicht die Frage der vorläufigen Sicherstellung
(Kostengutsprache) bzw. Notfallzuständigkeit, sondern zu befinden ist über die
ordentliche subsidiäre Kostentragung, sowie aufgrund der Unterstützungsanzeige über
eine allfällige Rückerstattungspflicht der Beschwerdeführerin an die
Beschwerdegegnerin.
3.1.
Die Beschwerdeführerin bringt zusammengefasst im Wesentlichen vor, die örtliche
Zuständigkeit für die subsidiäre Kostentragung für ambulante
Kindesschutzmassnahmen liege nicht per se beim Unterstützungswohnsitz des Kindes.
Solches ergebe sich auch nicht aus der von der Vorinstanz zitierten Rechtsprechung.
Der Unterstützungswohnsitz des besuchsberechtigten Elternteils lasse sich genauso
einfach, schnell und eindeutig bestimmen wie der Unterstützungswohnsitz des Kindes.
3.2.
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4.
Es bedeute weder einen Mehraufwand, noch ergebe sich daraus die Gefahr einer
Verzögerung bei der Umsetzung der Massnahme. In der Regel übe nur ein Elternteil ein
begleitetes Besuchsrecht aus. Selbst in jenem Fall, bei dem Kosten, die nur einem
besuchsberechtigten Elternteil angefallen seien, auf zwei Verursacher verteilt werden
müssten, bestehe keine Gefahr der Verzögerung, da der subsidiäre Kostenträger am
Unterstützungswohnsitz des besuchsberechtigten Elternteils von Beginn weg
feststehe. In einem weiteren Schritt könne jene Gemeinde ohne Einfluss auf die
Umsetzung der Kindesschutzmassnahme eine entsprechende Kostenverteilung
vornehmen. Die von der Vorinstanz zitierten Ausführungen in den Richtlinien der
Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS-Richtlinien) zu situationsbedingten
Leistungen im Zusammenhang mit Kosten für das begleitete Besuchsrecht würden sich
an die Eltern und nicht an das Kind richten. Bei grundsätzlicher Zuständigkeit des
Unterstützungswohnsitzes des besuchsberechtigten Elternteils für die subsidiäre
Kostentragung würde dem Verursacherprinzip in höherem Masse Rechnung getragen
werden. Auch das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen weise darauf hin, dass
die Kosten begleiteter Besuchstage nicht vom Kind zu finanzieren und folglich nicht
durch Sozialhilfe zu bevorschussen seien. Gemäss Kantonsgericht Luzern seien die
Besuchsrechtskosten von den für die Eltern zuständigen Sozialhilfebehörden zu
übernehmen und nicht von der für das Kind zuständigen Sozialhilfebehörde. So werde
es auch im Kanton Zürich gehandhabt. Die im Zivilrecht vorgenommene Zuordnung,
wonach die Kosten für Kindesschutzmassnahmen von den Eltern zu tragen seien,
müsse im öffentlichen Recht grundsätzlich ihre Fortsetzung finden. Bedürftig sei nicht
das Kind, sondern seien die Eltern, weshalb deren Unterstützungswohnsitz
massgebend sei. Das gänzlich unschuldige Kind dürfe nicht zum Sozialfall gemacht
werden. Für den seltenen Fall, dass der besuchsberechtigte Elternteil im Ausland lebe,
wäre der Unterstützungswohnsitz des anderen in der Schweiz lebenden Elternteils für
die subsidiäre Kostentragung zuständig, und falls auch dies nicht möglich wäre,
ausnahmsweise jener des Kindes. Dadurch entstehe eine maximal dreistufige Kaskade.
Gemäss den SKOS-Richtlinien könnten situationsbedingte Leistungen auch im
Zusammenhang mit der Ausübung eines begleiteten Besuchsrechts übernommen
werden. Die Involvierung mehrerer Unterstützungswohnsitze führe nicht zu höherem
Aufwand und auch nicht zu Rechtsunsicherheit. Ohnehin könne nicht ausschlaggebend
sein, ob eine Lösung im Vollzug praktisch sei.
Die Eltern sorgen gemeinsam, ein jeder Elternteil nach seinen Kräften, für den
4.1.
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gebührenden Unterhalt des Kindes und tragen insbesondere die Kosten von
Betreuung, Erziehung, Ausbildung und Kindesschutzmassnahmen (Art. 276 Abs. 2 des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches, SR 210, ZGB). Die Aufteilung unter den Eltern
erfolgt nach Massgabe der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit (Art. 285 Abs. 1 ZGB).
Das (kantonale) öffentliche Recht bestimmt, unter Vorbehalt der Unterstützungspflicht
der Verwandten, wer die Kosten des Unterhalts zu tragen hat, wenn weder die Eltern
noch das Kind sie bestreiten können (Art. 293 Abs. 1 ZGB). Dabei darf die
Sozialhilfebehörde gestützt auf kantonales Recht die Übernahme der Kosten einer
bundesrechtskonform angeordneten Massnahme der zuständigen
Kindesschutzbehörde oder des zuständigen Zivilgerichts nicht verweigern;
diesbezüglich steht ihr keine Entscheidungsfreiheit zu (BGE 143 V 451 E. 9.4 und 135 V
134 E. 3 und 4.4). Soweit das Gemeinwesen mangels Leistungsfähigkeit der
Unterhaltspflichtigen für den Unterhalt eines Kindes aufkommt, geht der
Unterhaltsanspruch mit allen Rechten auf das Gemeinwesen über (Art. 289 Abs. 2
ZGB). Das Gemeinwesen subrogiert damit in den Unterstützungsanspruch des
berechtigten Kindes. Der Eintritt des Gemeinwesens in die Rechte des Kindes
gegenüber den Eltern hat den Charakter einer Legalzession.
Persönliche Sozialhilfe bezweckt, der Hilfebedürftigkeit vorzubeugen, deren Folgen
nach Möglichkeit zu beseitigen oder zu mildern und die Eigenverantwortung und die
Selbsthilfe der Hilfebedürftigen sowie ihre soziale und berufliche Integration zu fördern
(Art. 2 Abs. 1 des Sozialhilfegesetzes, sGS 381.1, SHG). Sie wird geleistet, soweit keine
Hilfeleistungen durch unterstützungspflichtige Verwandte, andere Private oder private
Sozialhilfeinstitutionen gewährt werden oder diese nicht rechtzeitig verfügbar sind,
oder soweit kein Anspruch auf Sozialversicherungsleistungen oder auf Sozialhilfe nach
der besonderen Gesetzgebung besteht (Art. 2 Abs. 2 SHG). Das Gesetz unterscheidet
zwischen betreuender und finanzieller Sozialhilfe. Auf Letztere hat Anspruch, wer für
seinen Lebensunterhalt nicht hinreichend oder nicht rechtzeitig aus eigenen Mitteln
aufkommen kann (Art. 9 SHG). Finanzielle Sozialhilfe umfasst Geld- und
Naturalleistungen sowie Kostengutsprachen (Art. 10 Abs. 1 SHG).
Die politische Gemeinde leistet persönliche Sozialhilfe durch fachlich geeignetes
Personal (Art. 3 Abs. 1 SHG). Zuständigkeit, Unterstützungswohnsitz und Verfahren
richten sich gestützt auf Art. 3 Abs. 2 SHG nach dem ZUG. Demzufolge sind die
Bestimmungen dieses Bundesgesetzes, welche die interkantonale Zuständigkeit für die
Unterstützung Bedürftiger regeln, im innerkantonalen Verhältnis zwischen den
einzelnen politischen Gemeinden sachgemäss anwendbar. Nach Art. 2 Abs. 1 ZUG ist
4.2.
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5.
bedürftig, wer für seinen Lebensunterhalt nicht hinreichend oder nicht rechtzeitig aus
eigenen Mitteln aufkommen kann. Der Bedürftige hat seinen Wohnsitz gemäss ZUG
(Unterstützungswohnsitz) in dem Kanton, in dem er sich mit der Absicht dauernden
Verbleibens aufhält (Art. 4 Abs. 1 ZUG). Das minderjährige Kind teilt nach Art. 7 Abs. 1
ZUG den Unterstützungswohnsitz der Eltern. Wenn die Eltern keinen gemeinsamen
zivilrechtlichen Wohnsitz haben, hat das minderjährige Kind nach Art. 7 Abs. 2 ZUG
einen eigenständigen Unterstützungswohnsitz am Wohnsitz jenes Elternteils, bei dem
es überwiegend wohnt. Es stellt damit rechnerisch einen separaten Unterstützungsfall
dar (Art. 32 Abs. 3 ZUG). Ausländer mit Wohnsitz in der Schweiz werden vom
Wohnsitzkanton unterstützt (Art. 20 Abs. 1 ZUG). Ist ein Ausländer mit Wohnsitz in der
Schweiz ausserhalb seines Wohnkantons auf sofortige Hilfe angewiesen, so muss der
Aufenthaltskanton ihm diese leisten (Art. 20 Art. 2 in Verbindung mit Art. 13 ZUG). Der
Wohnsitzkanton vergütet dem Aufenthaltskanton die Kosten der notwendigen und der
in seinem Auftrag ausgerichteten weiteren Unterstützung (Art. 23 Abs. 1 ZUG). Der
Aufenthaltskanton, der einen Bedürftigen im Notfall unterstützt und dafür vom
Wohnkanton die Erstattung der Kosten verlangt, muss diesem den Unterstützungsfall
sobald als möglich anzeigen (Art. 30 ZUG).
bis
Während das Bundesrecht zivilrechtlich regelt, wer von den Eltern die Kosten der
Kindesschutzmassnahmen zu tragen hat, bestimmt sich nach kantonalem öffentlichen
Recht, wer für den Unterhalt des Kindes aufzukommen hat, wenn die Eltern ihrer
Unterhaltspflicht – sei dies aus finanziellen oder anderen Gründen – nicht nachkommen
(sog. subsidiäre Kostentragung). Unbestritten ist vorliegend, dass sich der
eigenständige Unterstützungswohnsitz des Jungen seit 21. Februar 2021 in A._
befindet, wo er zusammen mit seiner Mutter wohnt (vgl. Art. 7 Abs. 2 ZUG). Der Vater
hat seinen Unterstützungswohnsitz in B._. Bis zur Verlegung des Wohnsitzes von
Mutter und Sohn befand sich der Unterstützungswohnsitz der gesamten Familie in
B._, womit anfänglich jene Gemeinde für die Kostentragung der begleiteten Besuche
örtlich zuständig war. Zu klären bleibt, wie es sich nach der Wohnsitzverlegung von
Mutter und Sohn per 21. Februar 2021 nach A._ damit verhält.
Das Kreisgericht X._ hat mit Entscheiden vom 23. Dezember 2020 (vorerst dringlich)
und vom 19. März 2021 (ordentlich, vi-act. 1/1) für den Vater ein begleitetes
Besuchsrecht mit seinem Sohn angeordnet. Eltern, denen das elterliche Sorgerecht
oder die Obhut nicht zusteht, und das minderjährige Kind haben gegenseitig Anspruch
5.1.
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auf angemessenen persönlichen Verkehr (Art. 273 Abs. 1 ZGB). Damit wird nicht nur
dem besuchsberechtigen Elternteil ermöglicht, verwandtschaftliche Beziehungen mit
dem Kind zu pflegen, sondern vor allem auch dem Bedürfnis des Kindes auf
regelmässigen Kontakt zu beiden Elternteilen nachgekommen (Schwenzer/Cottier, in:
Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch I, 6. Aufl. 2018, N 6 zu
Art. 273 ZGB). Die Ursache für die Anordnung von Kindesschutzmassnahmen liegt
generell im Unvermögen der Eltern oder eines Elternteils, eine gute Entwicklung des
Kindes zu gewährleisten (vgl. Art. 307 Abs. 1 ZGB). Sie setzt kein Verschulden voraus
und ist auch keine Sanktion, sondern hat zum Ziel, trotz Gefährdungslage das
Kindeswohl zu bewahren oder wiederherzustellen (P. Breitschmid, in: Geiser/
Fountoulakis [Hrsg.], a.a.O., N. 4 zu Art. 307 ZGB).
Detaillierte Angaben zu den Gründen für die Begleitung des Besuchsrechts zwischen
Vater und Sohn sind den Akten nicht zu entnehmen. Der Beistand erwähnt sowohl
medizinische Gründe als auch Sicherheitsbedenken (vi-act. 1/3). Eine Ursache liegt
offenbar darin, dass der Sohn gesundheitlich beeinträchtigt und auf entsprechende
pflegerische Unterstützung angewiesen ist. Die Besuche mit dem Vater werden daher
von der Spitex begleitet. Dass allein der Vater verantwortlich für die Anordnung des
begleiteten Besuchsrechts ist, trifft folglich entgegen den Ausführungen der
Beschwerdeführerin nicht zu, womit auch deren Rechtsaufassung fehlschlägt, die
Besuchsrechtskosten seien von der Beschwerdegegnerin als Unterstützungswohnsitz
des Vaters, der diese Massnahme ausschliesslich verursacht habe, zu tragen. Selbst
wenn das Verhalten des Vaters alleinige Ursache für die Anordnung des begleiteten
Besuchsrechts wäre, würde dies keine Zuständigkeit für die subsidiäre Kostentragung
an seinem Unterstützungswohnsitz begründen. Eine solche sozialhilferechtliche
Zuständigkeit lässt sich weder aus den gesetzlichen Bestimmungen ableiten, noch
findet sie in Lehre und Rechtsprechung eine Stütze. Die Zuständigkeit folgt
verschuldensunabhängig einzig der Bedürftigkeit in Bezug auf den Lebensunterhalt
(Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 ZUG). Hinzu kommt, dass vorliegend
zivilrechtlich feststeht, dass der Vater nicht für sämtliche Kosten des begleiteten
Besuchsrechts aufzukommen hat, sondern diese von den Eltern hälftig zu tragen sind.
Nach Art. 11 Abs. 1 BV haben Kinder und Jugendliche Anspruch auf besonderen
Schutz ihrer Unversehrtheit und auf Förderung ihrer Entwicklung. Mit Art. 11 BV
geniesst das Kindeswohl Verfassungsrang und gilt in der Schweiz als oberste Maxime
des Kindesrechts in einem umfassenden Sinn. Art. 11 Abs. 1 BV richtet sich nicht nur
an den Gesetzgeber, sondern auch an die rechtsanwendenden Behörden und
5.2.
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verpflichtet sie, bei der Interpretation und Anwendung von Rechtssätzen den
besonderen Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen Rechnung zu tragen. Dieser
Schutzauftrag wird etwa im Rahmen des zivilrechtlichen Kindesschutzes konkretisiert
(BGer 8C_25/2018 vom 19. Juni 2018 E. 4.1 mit Hinweisen). Beim begleiteten
Besuchsrecht handelt es sich um eine Kindesschutzmassnahme und bei den dafür
anfallenden Auslagen somit um Kinderunterhaltskosten, die direkt dem Kind zustehen.
Können diese Kosten von den unterhaltspflichtigen Eltern – wie vorliegend der Fall –
nicht oder nicht rechtzeitig gedeckt werden, liegt in Bezug auf den Lebensunterhalt
eine Bedürftigkeit des Kindes im Sinn von Art. 9 Abs. 1 SHG bzw. Art. 2 Abs. 1 ZUG
vor, womit die Gemeinde an dessen Unterstützungswohnsitz für die subsidiäre
Tragung der nicht gedeckten Kinderunterhaltskosten zuständig ist (dazu auch B. von
Deschwanden, Die Tücken bei der Bestimmung des Unterstützungswohnsitzes,
Jusletter vom 25. März 2019, S. 14). Dass das Kind zivilrechtlich betrachtet nicht selbst
für seinen Unterhalt aufzukommen hat, sondern einen Anspruch auf Leistung
desselben durch seine Eltern hat, ändert daran nichts. Das Kind, zu dessen Schutz und
Wohl die Massnahmen angeordnet wurden und auf welche es einen
verfassungsrechtlich garantierten Anspruch hat, verfügt in aller Regel über keine
eigenen Mittel zu deren Finanzierung. Daraus kann indessen nicht der Schluss gezogen
werden, das Kind könne im sozialhilferechtlichen Sinn gar nie bedürftig sein. Damit
würde sich der gesetzlich geregelte Unterstützungswohnsitz des Kindes als obsolet
erweisen. Vielmehr ist ein Kind bedürftig, dessen Unterhaltskosten von den Eltern nicht
gedeckt werden können. Massgebend ist allein die tatsächliche Bedürftigkeit, indem
der dem Kind zustehende Unterhalt nicht geleistet wird. Dabei umfasst der
sozialhilferechtliche Anspruch des Kindes gestützt auf Art. 11 BV die notwendigen
Mittel für eine für die kindliche Entwicklung unentbehrliche Pflege, Erziehung und
Betreuung, mithin über die reine Existenz hinausgehende Mittel, und damit auch die
bundesrechtlich angeordneten Massnahmen zu seinem Schutz. Streitigkeiten in Bezug
auf deren Finanzierung gefährden oder verhindern deren rasche Umsetzung, was
gemäss konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung infolge der derogatorischen
Kraft des Bundesrechts (Art. 49 Abs. 1 BV) nicht zulässig ist (vgl. BGE 135 V 134 E. 4.5
und 143 V 451 E. 9.4 sowie BGer 8C_358/2018 vom 22. Oktober 2018 E. 4.2 und
8C_25/2018 vom 19. Juni 2018 E. 4.2). Um das Kindeswohl bestmöglich zu wahren,
erweist sich die Anknüpfung für die subsidiäre Kostentragung von
Kindesschutzmassnahmen an den Unterstützungswohnsitz des Kindes somit als
einfach zu handhabende und sachgerechte Lösung. An davon abweichende
Rechtsauffassungen anderer Gerichte – etwa Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen, das nicht primär sozialhilferechtliche Fragen beurteilt, oder Gerichte anderer
Kantone (Zürich oder Luzern) mit abweichenden gesetzlichen Grundlagen – ist das
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hiesige Verwaltungsgericht nicht gebunden.
Hinzu kommt, dass die Interessen des Kindes und jene der Eltern bei der Frage des
notwendigen Unterhalts in einem Spannungsverhältnis stehen können. Selbst wenn die
Eltern zur Zahlung der Unterhaltskosten in der Lage sind, bedeutet dies noch nicht,
dass sie die Mittel dafür auch aufbringen, womit die Gefahr einer Vereitelung des
Zwecks der Kindesschutzmassnahmen besteht (vgl. BGer 8C_25/2018 vom 19. Juni
2018 E. 4.2). Um dem Kindesschutz rasch, nachhaltig und fachlich korrekt zum
Durchbruch zu verhelfen, ist deshalb nicht nur in jenem Fall, wo die Unterhaltspflicht
der Eltern zivilrechtlich noch nicht geregelt ist, sondern auch im Fall, wo die Eltern ihr
aus anderen Gründen nicht nachkommen können oder wollen, die Sozialhilfebehörde
am Unterstützungswohnsitz des Kindes zuständig (K. Affolter-Fringeli, Örtliche
Zuständigkeit zur Finanzierung von Kindesschutzmassnahmen, ZKE 2020, S. 261 ff.).
Vorhandene Drittansprüche schliessen die Sozialhilfe nicht aus, letztere ist aber
subsidiär zu diesen. Gemäss Kap. C.2 der SKOS-Richtlinien hat im Übrigen nicht nur
derjenige Anspruch auf finanzielle Unterstützung, der seine materielle Grundsicherung
nicht aus eigenen Mitteln zu decken vermag, sondern auch jener, der diese nicht aus
seinen Drittansprüchen decken kann. Dass das Kind seinen Rechtsanspruch auf
Unterhalt gegenüber den Eltern vorgängig geltend zu machen hat, kann ihm nicht
zugemutet werden. Dies ist Sache des Gemeinwesens, auf welches der
Unterhaltsanspruch gestützt auf Art. 289 Abs. 2 ZGB mit allen Rechten und Pflichten
übergeht, wenn es für den Unterhalt des Kindes aufkommt.
Die Angemessenheit der Zuständigkeit am Unterstützungswohnsitz des Kindes zeigt
sich auch darin, dass Eltern aufgrund hoher Kosten für Kindesschutzmassnahmen
nicht in die Sozialhilfe gedrängt werden sollen, sondern dass der ihnen zu
überbindende Kostenanteil entsprechend ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit
zumutbar sein soll. Da nach Art. 18 Abs. 1 lit. c SHG für während der Minderjährigkeit
bezogene finanzielle Sozialhilfe keine Rückerstattungspflicht besteht, ergibt sich aus
der Zuständigkeit am Unterstützungswohnsitz des Kindes für dieses zudem kein
Nachteil. Die Beschwerdeführerin als zuständiges Gemeinwesen am
Unterstützungswohnsitz des Sohnes tritt mit der Bezahlung der Kosten für die
begleiteten Besuche in dessen Gläubigerstellung ein. Damit hat sie die Möglichkeit, auf
zivilrechtlichem Weg auf die Eltern, welche gemäss Entscheid des Kreisgerichts X._
vom 19. März 2021 beide je die Hälfte der Kosten davon zu tragen haben,
zurückzugreifen. Dies ist indessen ebenso wenig Gegenstand des vorliegenden
Verfahrens wie die Frage, ob einem sozialhilfeabhängigen Elternteil die von ihm
zivilrechtlich zu tragenden Kosten eines begleiteten Besuchsrechts als
bis
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6.
Dem Verfahrensausgang entsprechend hat die Beschwerdeführerin die amtlichen
Kosten des Beschwerdeverfahrens zu bezahlen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr für das Beschwerdeverfahren von CHF 2'000 erscheint angemessen
(Art. 7 Abs. 1 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Auf ihre Erhebung
ist nicht zu verzichten, da das Gemeinwesen mit der Beschwerdeerhebung
überwiegend finanzielle Interessen verfolgt (Art. 95 Abs. 3 VRP).
Bei diesem Verfahrensausgang – die Beschwerdegegnerin hat als Gemeinwesen
grundsätzlich keinen Anspruch auf Kostenersatz – sind ausseramtliche Kosten nicht zu
entschädigen (Art. 98 Abs. 1 und 98 VRP).