# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** a9e6af56-0074-46e3-8d70-718e5f766590
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2009
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A.1. Mit öffentlich beurkundeter Erklärung vom 10. April 1991 begründete W. an der in seinem Eigentum stehenden Parzelle Nr. 1411, Plan 4, des Grundbuches der Gemeinde X., Stockwerkeigentum, indem er die Einheiten Nr. 1 mit einer Wertquote von 723/1000 (Stockwerkeigentums-Hauptbuchblatt 52528) und Nr. 2 mit einer Wertquote von 277/1000 (Stockwerkeigentums-Hauptbuchblatt 52529) zu Sonderrecht ausschied. In der Urkunde wurde unter anderem festgehalten, dass der Eigentümer der Stockwerkeinheit Nr. 1 seinen Anteil jederzeit in zwei Stockwerkeinheiten aufteilen dürfe, und dies ohne Zustimmung des Eigentümers der Stockwerkeinheit Nr. 2.
Am gleichen Tag unterzeichnete W. einen entsprechenden, die Stockwerkeigentumsbegründung kenntlich machenden Aufteilungsplan. Ebenfalls am 10. April 1991 erfolgte die Verabschiedung und Grundbuchanmeldung des Verwaltungsreglements. Darin wurde unter anderem vorgesehen, solange einzig zwei Stockwerkeinheiten bestünden, bedürften alle Beschlüsse der Zustimmung beider Stockwerkeigentümer. Komme es dennoch zu einer Pattsituation, stehe dem Eigentümer der Einheit mit der grösseren Wertquote der Stichentscheid zu. Sollten später einmal drei Stockwerkeinheiten geschaffen werden, müssten stets mindestens zwei Stockwerkeigentümer ihr Einverständnis zu den zu treffenden Entscheidungen geben.
Mit öffentlich beurkundetem Kaufvertrag vom 10. April 1991 veräusserte W. die Stockwerkeinheit Nr. 2 zum Preis von Fr. 550'000.00 an Y.. Der Erwerber bestätigte in der Urkunde, den Begründungsakt, den Aufteilungsplan und das Verwaltungsreglement zu kennen.
2. Im Jahre 2007 plante V., die Tochter von W., auf der in ihrem Eigentum stehenden, an die Parzelle Nr. 1411 angrenzenden Liegenschaft Nr. 1429 ein Mehrfamilienhaus samt Tiefgarage zu errichten. Am 21. Februar 2007 unterzeichneten W. und Y. im Namen der Stockwerkeigentümergemeinschaft Parzelle Nr. 1411 (Z.) eine Erklärung, wonach sie die Bauunterlagen eingesehen hätten und wonach gegen das Projekt keine Einwendungen beständen. Ausserdem sicherten sie V. zu, dass die Stockwerkeigentümergemeinschaft Z. der Eigentümerin der begünstigten Parzelle Nr. 1429 und zulasten der eigenen Parzelle Nr. 1411 sämtliche Rechte einräumen werde, welche für die Verwirklichung des Bauvorhabens erforderlich seien. Diese Urkunde war Bestandteil der Baueingabe vom gleichen Tag.
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Seine Einwilligung zu dieser Regelung, die unter anderem eine Ausnützungsübertragung zugunsten der Parzelle Nr. 1429 bezweckte, hatte Y. offenbar in der Erwartung erteilt, dass W. im Gegenzug zu einer baulichen Verbesserung der bestehenden Garagenzufahrt auf der Parzelle Nr. 1411 Hand bieten werde. Als dem nicht so war, widerrief Y. mit Schreiben vom 08. Juli 2007 die am 21. Februar 2007 erteilte Zustimmung. Ausserdem erhob er gegen das Bauprojekt Einsprache. Sie wurde indessen von der Gemeinde X. abgewiesen (Entscheid vom 21. August 2007, mitgeteilt am 05. September 2007). Ohne Erfolg blieb auch der anschliessende Weiterzug ans Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden (Urteil vom 17. Januar 2008, mitgeteilt am 22. Februar 2008).
3. Mit eingeschriebenem Brief vom 05. April 2007 lud W. Y. zu einer Stockwerkeigentümerversammlung ein, welche am 03. Mai 2007 16.00 Uhr in den Räumlichkeiten der Wenger & Vieli Rechtsanwälte an der Dufourstrasse 56 in 8008 Zürich stattfinden sollte. Laut der beigelegten Traktandenliste ging es unter anderem um die Wahl eines Verwalters für die Stockwerkeigentümergemeinschaft Z.; aber auch um die Ausgestaltung der Rechtsbeziehungen zur jeweiligen Eigentümerin der Nachbarparzelle Nr. 1429. Auf Wunsch von Y. wurde die Versammlung auf den 04. Mai 2007 13.30 Uhr verschoben. Als er am 23. April 2007 mitteilte, dass er auch diesen Termin nicht einhalten könne, wurde sie in seiner Abwesenheit zum vorgesehenen Zeitpunkt dennoch durchgeführt. Laut dem Protokoll, das von einem Mitarbeiter der Wenger & Vieli Rechtsanwälte verfasst wurde (U.), stellte W. als Vorsitzender fest, dass die Versammlung nicht beschlussfähig sei, da nur einer der beiden Stockwerkeigentümer anwesend sei. Eine zweite Versammlung fand auch nach Ablauf der zehntägigen Sperrfrist vorerst nicht statt.
4. In einem öffentlich beurkundeten Nachtrag vom 13. Juni 2007 zur Erklärung vom 10. April 1991 teilte W. seine Stockwerkeinheit in zwei Einheiten auf. Fortan verfügte die bisherige Einheit Nr. 1 (Stockwerkeigentums-Hauptbuchblatt 52528) noch über eine Wertquote von 579/1000, während auf die neue Einheit Nr. 3 (Stockwerkeigentums-Hauptblatt 54250) eine Wertquote von 144/1000 entfiel. – Mit öffentlicher Urkunde vom 25. Juni 2007 übertrug W. die Stockwerkeinheit Nr. 3 als Erbvorempfang auf seine Tochter V..
5. Nach dem Scheitern der Versammlung vom 04. Mai 2007 berief W. am 14. Juni 2007 auf den 09. Juli 2007 09.00 Uhr eine zweite Stockwerkeigentümerversammlung ein, die wiederum in den Räumlichkeiten der Wenger & Vieli Rechtsanwälte
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durchgeführt wurde und an der über die gleichen Geschäfte zu befinden war, welche bereits für die erste Versammlung traktandiert worden waren.
Laut dem Protokoll, das erneut von U. verfasst wurde, waren zwei Stockwerkeigentümer anwesend, W. mit einer Wertquote von 579/1000 (Stockwerkeinheit Nr. 1) sowie V. mit einer Wertquote von 144/1000 (Stockwerkeinheit Nr. 3), während der dritte, Y. mit einer Wertquote von 277/1000 (Stockwerkeinheit Nr. 2) der Versammlung fernblieb. Er hatte dies am 02. Juli 2007 angekündigt, mit der Begründung, dass ihm der Tagungsort nicht genehm sei.
Behandelt wurden an der Stockwerkeigentümerversammlung vom 09. Juli 2007 die folgenden Punkte: – Ernennung eines Verwalters – Ausnützungsübertragung samt Grenzbereinigung (Parzelle Nr. 1429) – Verbreiterung der Garagenzufahrt (Parzelle Nr. 1411) – Balkonsanierung (Stockwerkeinheit Nr. 2) – Erneuerung der Heizung – Situation Waschküche – Vertretungsbefugnis – Verteilung der gemeinschaftlichen Kosten – Alimentierung des Erneuerungsfonds. Hierauf wird soweit erforderlich in den Erwägungen zurückzukommen sein.
B. Am 21. Juli 2007 machte Y. beim Kreispräsidenten Trins als Vermittler eine gegen die Stockwerkeigentümergemeinschaft Z. gerichtete Anfechtungsklage anhängig. Laut dem Leitschein vom 16. November 2007 hatten die Parteien anlässlich der Sühneverhandlung vom 25. Oktober 2007 die folgenden Anträge gestellt:
Klägerisches Rechtsbegehren
1. Sämtliche Beschlüsse der Beklagten gemäss Protokoll vom 09. Juli 2007 seien aufzuheben.
2. Unter voller vermittleramtlicher, gerichtlicher und aussergerichtlicher Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beklagten.
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Beklagtisches Rechtsbegehren
1. Die Klage sei vollumfänglich abzuweisen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des Klägers.“
C. Mit Prozesseingabe vom 10. Dezember 2007 unterbreitete Y. die Streitsache dem Bezirksgericht Imboden, wobei er an seinen Rechtsbegehren gemäss Leitschein festhielt.
In ihrer Prozessantwort vom 05. Februar 2008 bestätigte auch die Stockwerkeigentümergemeinschaft Z. ihre an der Sühneverhandlung gestellten Anträge. Sie präzisierte freilich, dass bei der Berechnung der Umtriebsentschädigung der Zuschlag von 7,6 % für die Abgeltung der Mehrwertsteuer mitberücksichtigt werden müsse.
Im zweiten Schriftenwechsel (Replik vom 02. April 2008, Duplik vom 16. Mai 2008) blieb es bei diesen Rechtsbegehren.
D. Mit Urteil vom 16. September 2008, mitgeteilt am 29. Oktober 2008, erkannte das Bezirksgericht Imboden:
1. Die Klage wird gutgeheissen.
2. Die Kosten des Bezirksgerichts Imboden, bestehend aus einer Gerichtsgebühr von Fr. 2600.00, einem Streitwertzuschlag von Fr. 2500.00, einer Schreibgebühr von Fr. 744.70, Barauslagen von Fr. 155.30, total somit Fr. 6000.00, gehen unter solidarischer Haftung zu Lasten von W. und V., welche den Kläger überdies ausseramtlich mit Fr. 12'995.05 (inkl. 7.6 % Mehrwertsteuer) zu entschädigen haben.
3. Mitteilung an: ...
Die Vorinstanz hielt in ihrem Urteil zunächst fest, dass der Eigentümer der Stockwerkeinheit Nr. 1 (W.) gestützt auf die entsprechende Klausel in der Begründungserklärung vom 10. April 1991 zwar grundsätzlich berechtigt gewesen sei, seine Stockwerkeinheit ohne die Zustimmung des Eigentümers der Stockwerkeinheit Nr. 2 (Y.) und auch ohne Genehmigung der Stockwerkeigentümerversammlung in zwei Stockwerkeigentumsanteile aufzuteilen (E. 2b). In der Folge gelangte das Bezirksgericht Imboden dann aber zum Schluss, dass es der neuen Stockwerkeinheit Nr. 3, welche W. seiner Tochter V. abgetreten hat, am von Gesetzes wegen erforderlichen eigenen Zugang fehle; sie sei nur über gemeinschaftlichen Boden erreichbar, der im alleinigen Nutzungsrecht des Eigentümers der Stockwerkeinheit Nr.
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1 stehe und nicht ohne die Zustimmung der Stockwerkeigentümerversammlung mit einem Sondernutzungsrecht zugunsten der neuen Stockwerkeinheit Nr. 3 belastet werden könne. Verfüge V. aber nicht über eine Stockwerkeinheit im Rechtssinne, habe sie auch kein Stimmrecht an den Stockwerkeigentümersammlungen, so dass die Beschlüsse vom 09. Juli 2007 an einem schweren Mangel leiden würden und folglich in Gutheissung der Klage aufzuheben seien (E. 2c).
E. Hiergegen legte die Stockwerkeigentümergemeinschaft Z. am 18. November 2008 beim Kantonsgericht von Graubünden Berufung ein mit dem Begehren:
Das angefochtene Urteil sei aufzuheben und es sei die Klage vollumfänglich abzuweisen.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (inklusive Mehrwertsteuerzuschlag von 7,6 %) für beide Instanzen zulasten des Berufungsbeklagten.
F. Nachdem das Kantonsgerichtspräsidium mit Verfügung vom 27. November 2008 das schriftliche Verfahren gemäss Art. 224 Abs. 2 ZPO angeordnet hatte, reichte die Stockwerkeigentümergemeinschaft Z. am 13. Januar 2009 die Berufungsbegründung ein, wobei sie an ihren Rechtsbegehren gemäss Berufungserklärung festhielt.
In seiner Berufungsantwort vom 06. Februar 2009 stellte Y. demgegenüber den Antrag, es sei die Berufung abzuweisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Berufungsklägerin.
Im zweiten Schriftenwechsel (Replik vom 23. März 2009, Duplik vom 24. April 2009) blieb es bei diesen Rechtsbegehren.
Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften der beiden Parteivertreter wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Beide Parteien leisteten überdies den von ihnen geforderten Gerichtskostenvorschuss von je Fr. 6000.00.
II. Erwägungen
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1. Klagen auf Anfechtung von Beschlüssen der Stockwerkeigentümerversammlung sind gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. b GestG bei einem Gericht am Ort anhängig zu machen, an welchem das betreffende Grundstück im Grundbuch aufgenommen ist. Im vorliegenden Fall ist dies X., eine zum Bezirk Imboden gehörende Gemeinde. Damit durfte die Vorinstanz ihre örtliche Zuständigkeit bejahen.
Der Streit um die Gültigkeit von Beschlüssen der Stockwerkeigentümerversammlung ist vermögensrechtlicher Natur (RENÉ BÖSCH, Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch II, 3. Aufl., Basel 2007, Art. 712m ZGB N. 10; Urteil des schweizerischen Bundesgerichts 5C.27/2003 E. 1). Sollten die am 09. Juli 2007 gefassten und nunmehr angefochtenen Beschlüsse Bestand haben, würde der Weg frei, um im vorgesehenen Grenzbereinigungsverfahren unter anderem zu erwirken, dass 66.20 m2 Bauland von der Nachbarparzelle Nr. 1429 abgetrennt und mit der Parzelle Nr. 1411 vereinigt werden. Angesichts der in einem Kurort wie X. für Bauland zu entrichtenden Quadratmeterpreise beträgt der Streitwert offenkundig mehr als Fr. 8000. Damit war nicht nur die sachliche Zuständigkeit des Bezirksgerichts Imboden gegeben, sondern es erweist sich die Angelegenheit überdies als berufungsfähig (Art. 218 Abs. 1 ZPO in Verbindung mit Art. 19 Ziff. 1 ZPO). Da das Rechtsmittel frist- und formgerecht eingereicht wurde (Art. 219 Abs. 1 ZPO), kann darauf eingetreten werden.

## Considerations