# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** e083f5f5-40ee-4810-bd23-50d437a05c66
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_001
**Year:** 2012
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Abänderung Scheidungsurteil
Berufung gegen ein Urteil des Einzelrichters im ordentlichen Verfahren des Bezirksgerichtes Meilen vom 19. Mai 2011; Proz. FP100039
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Rechtsbegehren:
"1. Es sei Dispositiv Ziff. 2, Unterziffer 2.3 des Ehescheidungsurteils des Bezirksgerichts Meilen vom 1. November 2001 abzuändern und es sei festzustellen, dass der Kläger mit Wirkung per 1.  2010 keine monatlichen Beiträge an den Unterhalt der Beklagten mehr zu leisten hat;
1.1 Eventualiter sei Dispositiv Ziff. 2, Unterziffer 2.3 des  des Bezirksgerichts Meilen vom 1. November 2001 abzuändern, und es seien die monatlichen Beiträge des Klägers an den Unterhalt der Beklagten mit Wirkung per 1. September 2010 angemessen herabzusetzen;
2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen und zuzüglich  zu Lasten der Beklagten."
(act. 7/1 S. 2)
Urteil des Einzelrichters im ordentlichen Verfahren des Bezirksgerichtes Meilen vom 19. Mai 2011:
1. In Abänderung von Dispositiv Ziffer 2.2.3. des Urteils des Bezirksgerichtes
Meilen vom 1. November 2001 wird die Unterhaltsverpflichtung des Klägers
gegenüber der Beklagten mit Wirkung ab 1. September 2010 aufgehoben.
2. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf CHF 4'000.–.
3. Die Kosten des Verfahrens werden der Beklagten auferlegt.
4. Die Beklagte wird verpflichtet, dem Kläger eine Prozessentschädigung von
CHF 5'386.– zu bezahlen.
5./6. Mitteilung / Rechtsmittel.
(act. 6 S. 15 f.)
Berufungsanträge:
der Berufungsklägerin (act. 2 S. 2):
1. Dispositivziffer 1 des angefochtenen Urteils sei ersatzlos aufzuheben und es
sei die Klage des Klägers vollumfänglich abzuweisen.
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2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich Mehrwertsteuer) zu Lasten des Klägers für beide Instanzen.
des Berufungsbeklagten (act. 13 S. 2):
1. Es sei die Berufung vollumfänglich abzuweisen, soweit darauf einzutreten
ist, und es sei das Urteil des Einzelrichters des Bezirkes Meilen vom 19.5.2011 vollumfänglich zu bestätigen;
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen und zusätzlich  zulasten der Beklagten/Berufungsklägerin.

## Considerations

Erwägungen:
I.
1.
Die Parteien heirateten am tt. August 1975 (act. 7/4/1). Mit Urteil der Einzelrichte-
rin im ordentlichen Verfahren des Bezirks Meilen vom 1. November 2001 wurde
die Ehe der Parteien geschieden (act. 7/4/18 = act. 7/3/2). Über die Nebenfolgen
der Scheidung schlossen die Parteien eine Konvention (act. 7/4/13), welche mit
dem Scheidungsurteil genehmigt wurde (act. 7/4/18 S. 2 f.). In Ziffer 3 dieser
Konvention verpflichtete sich der Ehemann (Berufungsbeklagter), der Ehefrau
persönlich (Berufungsklägerin) ab Rechtskraft des Scheidungsurteils bis zur Er-
reichung des AHV-Alters – mithin bis zum 30. September 2015 – Unterhaltsbei-
träge im Sinne von Art. 125 ZGB von CHF 1'000.-- zu bezahlen, zahlbar monat-
lich im Voraus jeweils auf den Ersten eines jeden Monats. Gemäss Ziffer 4 der
Konvention sind diese Unterhaltsbeiträge indexiert. Sie betragen heute
CHF 1'076.85 (act. 2 S. 2 Ziff. 1, act. 13 S. 4 Ziff. 1).
2.
2.1 Mit Eingabe vom 26. August 2010 (act. 7/1) erhob der Berufungsbeklagte
beim Einzelrichter des Bezirks Meilen Klage auf Abänderung des Scheidungsur-
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teils vom 1. November 2001 mit dem eingangs zitierten Rechtsbegehren (act. 7/1
S. 2). Die Hauptverhandlung mit der persönlichen Befragung der Parteien fand
am 1. Dezember 2010 statt (Prot. I S. 3 ff.). Auf Aufforderung des Gerichts reichte
die Berufungsklägerin noch einen Ausweis über die bis zum 31. Dezember 2010
geäufneten Freizügigkeitsleistungen ihrer Pensionskasse sowie einen Kontoaus-
zug und eine Rentenberechnung bezüglich der Leistungen der AHV ein (act.
4/27/1-2b). Der Einzelrichter fällte das oben aufgeführte Urteil am 19. Mai 2011,
mit welchem er die Unterhaltsverpflichtung des Berufungsklägers per 1. Septem-
ber 2010 aufhob (act. 4/36 = act. 6). Mit Verfügung vom gleichen Datum wies er
das Gesuch des Klägers um unentgeltliche Prozessführung und um Bestellung
eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes ab (act. 6 S. 15). Dieser Entscheid blieb
unangefochten.
2.2 Mit Eingabe vom 22. Juni 2011 (act. 2) erhob die Berufungsklägerin Berufung
gegen dieses Urteil, womit sie beantragt, dieses aufzuheben und die Klage des
Klägers abzuweisen (act. 2 S. 2). Sie leistete den ihr auferlegten Kostenvorschuss
von CHF 4'000.-- fristgemäss (act. 8, act. 10). Die Berufungsantwort des Beru-
fungsbeklagten datiert vom 12. September 2011 (act. 13); er beantragt darin, die
Berufung vollumfänglich abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei, und das an-
gefochtene Urteil vollumfänglich zu bestätigen (act. 13 S. 2). Die Berufungsant-
wort wurde am 13. September 2011 der Berufungsklägerin zur Kenntnis gebracht
(act. 14).
3.
Für das Rechtsmittelverfahren gilt gemäss Art. 405 Abs. 1 ZPO das Recht, das
bei der Eröffnung des angefochtenen Entscheids in Kraft ist, mithin die Schweize-
rische Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 (ZPO).
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II.
1.
Die Vorinstanz ging bei ihrem Entscheid, mit welchem sie die Unterhaltsverpflich-
tung des Klägers gegenüber seiner Ex-Frau, der Beklagten, aufhob, davon aus,
dass sich deren finanzielle Verhältnisse durch eine Erhöhung ihrer Einnahmen auf
Grund vermehrter Erwerbstätigkeit erheblich und dauernd verändert hätten. Diese
wirtschaftliche Verbesserung sei jedoch im Scheidungszeitpunkt - zumindest nicht
in diesem Umfang – nicht voraussehbar gewesen. Sie kam aber schliesslich zum
Ergebnis, dass die Beklagte nicht mehr auf die Unterhaltsbeiträge des Klägers
angewiesen sei, da sie auf Grund ihrer eigenen Einnahmen für ihren gebühren-
den Unterhalt (inklusive Altersvorsorge) inzwischen selber aufkommen könne.
Des Weiteren würden es die finanziellen Verhältnisse der Beklagten nach erfolg-
ter Pensionierung erlauben, dass sie mit den zu erwartenden Renteneinnahmen
und Vermögenserträgen ihren dann zu erwartenden Bedarf zu decken vermöge
(act. 6).
2.
2.1 Die Berufungsklägerin macht in ihrer Berufungsbegründung im Wesentlichen
geltend, es sei im vorliegenden Fall zur Beurteilung der Frage der Herabsetzung
bzw. Aufhebung der nachehelichen Unterhaltsbeiträge des Klägers einzig zu prü-
fen, ob die eingetretene finanzielle Verbesserung auf ihrer Seite berücksichtigt
werden dürfe. Wenn die Unterhaltspflicht des Klägers aufgehoben werde, so wer-
de sie dadurch für den Ausbau ihrer Erwerbstätigkeit und den damit erzielten
Mehrverdienst bestraft, indem sie für den Rest ihres Lebens auf den knapp erwei-
terten Notbedarf gesetzt werde, obwohl sie schon im Zeitpunkt der Scheidung –
und damit auch heute – nach Art. 125 ZGB grundsätzlich berechtigt wäre, ihren
gebührenden Unterhalt decken zu können. Die Voraussetzungen für die Aufhe-
bung des Unterhaltsbeitrages des Klägers seien nicht gegeben. So sei die Ver-
besserung ihrer finanziellen Verhältnisse nicht unvorhersehbar gewesen. Auf
Grund der Umstände sei es nämlich ihr und dem Kläger im Scheidungszeitpunkt
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klar gewesen, dass sie ihre Arbeitstätigkeit werde ausbauen müssen, ansonsten
sie unter ihrem Notbedarf bzw. weit unter ihrem gebührenden Unterhalt hätte le-
ben müssen. Die Unterhaltsrente sei daher mit Blick auf die vorhersehbare Ver-
änderung festgelegt worden. Diese Rente habe jedoch ihren gebührenden Unter-
halt nicht decken können. Damit fehle es an der zweiten Voraussetzung für eine
Aufhebung der Rente wegen des Mehrverdienstes, könne doch gemäss Art. 129
Abs. 1 ZGB eine Verbesserung der Verhältnisse der berechtigten Person nur
dann berücksichtigt werden, wenn im Scheidungsurteil eine solche den gebüh-
renden Unterhalt deckende Rente festgesetzt worden sei (act. 2 S. 9 ff.).
2.2 Der Berufungsbeklagte bestreitet, dass bereits im Zeitpunkt der Scheidung
oder zu irgendeinem Zeitpunkt die finanziellen Verhältnisse der Berufungsklägerin
knapp gewesen seien. Es sei daher nicht so, dass die im Scheidungsurteil festge-
setzte Rente den gebührenden Unterhalt der Berufungsklägerin nicht habe de-
cken können, weshalb im Scheidungsurteil auch kein Manko festgestellt worden
sei. Es sei bei der Scheidung nicht vorhersehbar gewesen, dass die Berufungs-
klägerin ihre Arbeitstätigkeit erweitern werde. Sie habe denn auch in der persönli-
chen Befragung ausgesagt, dass sie im Scheidungszeitpunkt nicht gewusst habe,
dass sie ihr Arbeitspensum auf 100% erhöhen werde. Die Abänderungsvoraus-
setzungen seien somit erfüllt. Im Übrigen dürften Unterhaltsbeiträge selbst dann
herabgesetzt bzw. aufgehoben werden, wenn im Scheidungszeitpunkt eine Rente
festgesetzt worden sei, welche den gebührenden Unterhalt nicht decke, wenn und
soweit die Rente zusammen mit dem neuen Einkommen des Berechtigten dessen
gebührenden Unterhalt übersteige. Die Berufungsklägerin habe sich jedoch nie in
einem Manko befunden (act. 13 S. 4 ff.).
III.
1.
Gemäss Art. 129 Abs. 1 ZGB kann eine in einem Scheidungsurteil festgesetzte
Rente bei erheblicher und dauernder Veränderung der Verhältnisse herabgesetzt,
aufgehoben oder für eine bestimmte Zeit eingestellt werden.
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2.
Der Berufungsbeklagte macht geltend, dass sich die wirtschaftlichen Verhältnisse
der Berufungsklägerin verbessert hätten, da sie heute ein höheres Erwerbsein-
kommen erziele als im Zeitpunkt der Scheidung (act. 7/1 S. 8 Ziff. 13, Prot. I S. 6,
act. 7/14 S. 1). Dies wird von der Berufungsklägerin anerkannt. Einem Einkom-
men von Fr. 3'250.-- brutto pro Monat (inklusive 13. Monatslohn) steht ein ab April
2010 gültiges Einkommen von Fr. 5'017.-- netto gegenüber (act. 7/16 S. 2 Ziff. 4).
Hinzu kommt noch ein Vermögensertrag von Fr. 100.-- (act. 7/14 S. 1, act. 7/10/2,
act. 2 S. 17 Ziff. 29). Insgesamt ist somit von einem heutigen Monats-Einkommen
der Berufungsklägerin von Fr. 5'117.-- auszugehen. Dieses Einkommen stellt im
Verhältnis zu demjenigen des zur Zeit der Scheidung erzielten Verdienstes von
monatlich Fr. 3'250.-- brutto eine erhebliche Veränderung dar. Dies wie auch die
Dauerhaftigkeit dieser Einkommensverbesserung bestreitet die Berufungsklägerin
nicht. Es ist somit von einer dauernden Veränderung der massgeblichen Verhält-
nisse auf Seiten der Berufungsklägerin auszugehen.
3.
3.1 Nachträgliche Änderungen können jedoch eine Abänderung nur begründen,
wenn sie bei der Festsetzung der Rente nicht zum Voraus berücksichtigt worden
sind. Die Veränderung muss also im Zeitpunkt der Scheidung nicht vorhersehbar
gewesen sein. Dabei kommt es nicht auf die objektive Vorhersehbarkeit, sondern
auf das tatsächlich Vorhergesehene an. Im Zweifelsfall ist zu vermuten, dass vor-
hersehbare Veränderungen auch tatsächlich berücksichtigt wurden (FamKomm
Scheidung, Schwenzer, N. 7 zu Art. 129 ZGB; BSK ZGB I, Spycher/Gloor, N. 9 zu
Art. 129; BGE 131 III 189 E. 2.7.4).
3.2 Die Berufungsklägerin hat in der persönlichen Befragung durch die Vorinstanz
die Frage, ob sie im Zeitpunkt der Scheidung gewusst habe, dass sie ihr Arbeits-
pensum auf 100% erhöhen werde, verneint (Prot. I S. 15). Diese Aussage ist ein-
deutig. Daraus ergibt sich, dass die fragliche Ausdehnung der Erwerbstätigkeit
und die damit verbundene Verbesserung des Einkommens der Berufungsklägerin
im Scheidungszeitpunkt nicht voraussehbar war. Daran ändert nichts, dass sie im
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Scheidungsverfahren aussagte, dass sie die Stelle etwas ausbauen könne (Prot.
S. 6 in act. 7/4). Es lässt sich daraus keine Voraussehbarkeit ableiten, auch wenn
es für die Bejahung der Voraussehbarkeit genügt, dass die künftige Veränderung
sehr wahrscheinlich ist und keine Sicherheit des Eintritts der Veränderung gefor-
dert ist (BSK ZGB I, Spycher/Gloor, N. 9 zu Art. 129). Denn aus dieser Aussage,
die nur eine Möglichkeit, aber keine Absicht erwähnt, lässt sich keine grosse
Wahrscheinlichkeit für die Ausdehnung des Beschäftigungsumfangs entnehmen.
Es besteht auch – entgegen der Auffassung der Berufungsklägerin (act. 2 S. 11
Ziff. 17) – kein Grund, diese Aussage als nicht verwertbar zu bezeichnen. Wird
auf diese Aussage abgestellt, wird die Dispositionsmaxime nicht verletzt, wie die
Berufungsklägerin meint (act. 2 S. 11 Ziff. 16). Denn damit wird der Gegenpartei
nicht mehr und nichts anderes zugesprochen, als sie verlangt, und nicht weniger,
als die Gegenpartei anerkannt hat (Art. 58 Abs. 1 ZPO / § 54 Abs. 1 ZPO). Aber
auch der Verhandlungsgrundsatz wird nicht verletzt, wonach das Gericht – unter
anderem – an übereinstimmende bzw. nicht bestrittene Vorbringen der Parteien
gebunden ist (Art. 55 Abs. 1 ZPO / § 54 Abs. 1 ZPO; Gasser/Rickli, Kurzkommen-
tar ZPO, N. 2 zu Art. 55).
Die Berufungsklägerin begründete im vorinstanzlichen Verfahren die Vorausseh-
barkeit der Verbesserung der Verhältnisse (bzw. des notwendigen Ausbaus der
Erwerbstätigkeit) damit, dass auf Grund der Befragung durch das Gericht im
Scheidungsprozess anzunehmen sei, dass das Scheidungsgericht Zweifel gehabt
habe, ob sie sich finanziell selbst tragen könne und kaum von einem gebühren-
den Unterhalt habe ausgehen können (act. 7/16 S. 3 Ziff. 4 lit. b). Sinngemäss
behauptete sie damit eine Mankosituation im Zeitpunkt der Scheidung und eine
daraus folgende Voraussehbarkeit der Notwendigkeit, ihr eigenes Einkommen zu
verbessern. Dies hat der Berufungsbeklagte – entgegen der Auffassung der Beru-
fungsklägerin (act. 2 S. 11 Ziff. 16) – nicht anerkannt. Der Berufungsbeklagte hat
demgegenüber nämlich vorgebracht, dass im Scheidungsurteil eine den gebüh-
renden Unterhalt der Berufungsklägerin deckende Rente festgesetzt worden sei,
da im Scheidungsurteil kein Manko festgesetzt worden sei. War damit die zentrale
Grundlage für die behauptete Voraussehbarkeit der fraglichen Einkommensver-
besserung durch Erweiterung des Arbeitsumfangs bestritten, so durfte der Vorder-
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richter die Berufungsklägerin ohne Verletzung der Verhandlungsmaxime bzw. der
Vorschrift, dass nur über bestrittene Tatsache Beweis erhoben wird (§ 133
ZPO/ZH), zu diesem Thema persönlich befragen.
3.3 Kommt es – wie oben erwähnt – auf das tatsächlich Vorgesehene und nicht
auf die objektive Voraussehbarkeit an, so braucht nicht weiter geprüft zu werden,
ob die Voraussehbarkeit auf Grund der Umstände (drohende Unterdeckung des
gebührenden Bedarfs bzw. gewöhnlicher Lauf der Dinge) zu bejahen wäre, wie
dies die Berufungsklägerin geltend macht (act. 2 S. 12 Ziff. 18 und 19).
3.4 Zusammengefasst ist somit festzuhalten, dass die unbestrittene Verbesserung
der finanziellen Situation der Berufungsklägerin durch eine Steigerung ihres Er-
wersbseinkommens im Scheidungszeitpunkt nicht vorauszusehen war und dem-
zufolge auch bei der Festsetzung der Unterhaltsersatzrente nicht berücksichtigt
werden konnte. Die Abänderung bzw. Aufhebung der Pflicht des Berufungsbe-
klagten zur Leistung der im Scheidungsurteil festgesetzten Rente für die Beru-
fungsklägerin kann daher nicht aus dem Grund der Voraussehbarkeit der Verän-
derung der Verhältnisse abgelehnt werden.
4.
4.1 Gemäss Art. 129 Abs. 1 ZGB kann die Verbesserung der Verhältnisse der be-
rechtigten Person nur dann zu einer Aufhebung der Rente führen, wie dies der
Berufungsbeklagte mit seiner Klage verlangt, wenn im Scheidungsurteil eine den
gebührenden Unterhalt deckende Rente festgesetzt werden konnte. Für diese
und alle weiteren Abänderungsvoraussetzungen trifft die Behauptungs- und Be-
weislast den Berufungsbeklagten, der aus dem Vorhandensein dieses Aufhe-
bungsgrundes Rechte ableitet (Art. 8 ZGB; Urteil des Bundesgerichtes, II. zivil-
rechtliche Abteilung vom 29. Mai 2007, E. 5.1). Es ergibt sich auf Grund des kla-
ren Wortlautes des Gesetzes, dass eine Verbesserung der Verhältnisse auf Sei-
ten des Unterhaltsberechtigten nicht zu berücksichtigen ist, d.h. damit keine Her-
absetzung oder Aufhebung einer Unterhaltsrente begründet werden kann, wenn
die Rente gemäss Scheidungsurteil den gebührenden Bedarf im damaligen Zeit-
punkt nicht deckte. Mit dieser Regelung soll der unter dem früheren Recht festzu-
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stellenden Tendenz entgegengewirkt werden, dass Unterhaltsbeiträge bei einer
Verbesserung der Verhältnisse der berechtigten Person sehr rasch und ohne
Rücksicht auf die bei der ursprünglichen Unterhaltsfestsetzung bestehende Ge-
samtsituation herabgesetzt werden (Sutter/Freiburghaus, Kommentar zum neuen
Scheidungsrecht, N. 14 zu Art. 129 ZGB). Es trifft somit nicht zu, wie der Beru-
fungsbeklagte geltend macht, dass Unterhaltsbeiträge selbst dann herabgesetzt
bzw. aufgehoben werden können, wenn im Scheidungszeitpunkt eine Rente fest-
gesetzt wurde, welche den gebührenden Unterhalt nicht deckte, wenn und soweit
die Rente zusammen mit dem neuen Einkommen des Berechtigten den gebüh-
renden Unterhalt übersteigt (act. 13 S. 19 Ziff. 38). Es kommt somit einzig darauf
an, ob auch mit der Rente gemäss dem Scheidungsurteil bei der unterhaltberech-
tigten Person in jenem Zeitpunkt eine Mankosituation (nicht vollständige Deckung
eines gebührenden Unterhaltsbedarfs) bestanden hat.
4.2 Im Scheidungsurteil vom 1. November 2001 (act. 7/3/2) wurde kein Manko
des Bedarfs der Berufungsklägerin festgestellt (vgl. Art. 143 Ziff. 3 ZGB bzw. Art.
282 Abs. 1 lit. c ZPO). Daraus lässt sich jedoch entgegen der Auffassung des Be-
rufungsbeklagten (Prot. I S. 5, act. 13 S. 20 Ziff. 40) nicht zwingend schliessen,
dass damals kein Fehlbetrag vorhanden war (Hausheer/Spycher, Handbuch des
Unterhaltsrechts, S. 641 Rz. 09.110; BSK ZGB I, Spycher/Gloor, N. 10 zu Art.
129; a.M. Sutter/Freiburghaus, Kommentar zum neuen Scheidungsrecht, N. 14 zu
Art. 129 ZGB).
Im Scheidungsurteil wurde der Bedarf der Berufungsklägerin, welcher der mit die-
sem Entscheid genehmigten Vereinbarung zu Grunde lag, mit "ca. Fr. 4'400.--"
angegeben (act. 3/2 S. 3). Nach der unbestritten gebliebenen Darstellung der Be-
rufungsbeklagten berechnete sich dieser Betrag auf Grund des Protokolls der
Scheidungsverhandlung wie folgt (act. 7/1 S. 5):
Grundbetrag CHF 1'000.--
Mietzins CHF 1'700.--
Krankenkasse CHF 500.--
Krankenkasse für Tochter C._ CHF 250.--
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ÖV CHF 67.--
Telefon CHF 100.--
Übriges CHF 683.--
Total CHF 4'400.--.
Dieser Bedarf umfasste gemäss dem Berufungsbeklagten auch den Bedarf der
Tochter C._ (act. 13 S. 4 Ziff. 3, act. 7/22 S. 4 Ziff. 6), die sich im Zeitpunkt
der Scheidung der Parteien noch in der Lehre befand und bei der Berufungsklä-
gerin wohnte. Der Berufungskläger hatte denn auch nach der Scheidungskonven-
tion den Unterhaltsbeitrag an seine damals bereits mündige Tochter C._
(geb. tt.mm.1982) an die Ehefrau zu bezahlen, solange die Tochter in deren
Haushalt lebte (act. 3/2 S. 2). Demzufolge ist auch für diese ein Grundbetrag von
CHF 500.-- aufzunehmen (vgl. Kreisschreiben des Obergerichts über die Richtli-
nien für die Berechnung des betreibungsrechtlichen Existenzminimums vom
23. Mai 2001, ZR 100 Nr. 46). Somit verbleiben unter der Position "Übriges" nur
noch CHF 183.-- für die Berufungsbeklagte. Mithin umfasste dieser Bedarfsbetrag
von CHF 4'400.-- nur in einem bescheidenen Umfang einen erweiterten Notbedarf
der Berufungsbeklagten und der Tochter C._.
Das Erwerbseinkommen der Berufungsklägerin betrug im Scheidungszeitraum
unbestrittenermassen brutto CHF 3'250.-- (inkl. 13. Monatslohn) bzw. unter Be-
rücksichtigung der Sozialabzüge netto CHF 2'828.-- (act. 2 S. 3 Ziff. 3, act. 13
S. 7 Ziff. 5). Zusammen mit den Unterhaltsbeiträgen von CHF 1'000.-- für sie per-
sönlich und von CHF 600.-- für die Tochter C._ verfügte die Berufungskläge-
rin somit nach der Scheidung über ein Monatseinkommen von insgesamt
CHF 4'428.--. Hinzuzurechnen sind noch Kinderzulagen. Der Berufungsbeklagte
hat hierzu jedoch keine konkreten Angaben gemacht, so dass unter diesem Titel
kein Betrag zu berücksichtigen wäre. Werden dennoch diese mit schätzungswei-
se CHF 100.-- veranschlagt, so ist von einem damaligen monatlichen Gesamtein-
kommen der Berufungsbeklagten von CHF 4'528.-- auszugehen. Damit bestand
ein Überschuss von CHF 128.-- pro Monat über dem - leicht erweiterten - Exis-
tenzminimum.
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Ist davon auszugehen, dass zum gebührenden Unterhalt auch der für den Aufbau
einer angemessenen Altersvorsorge notwendige Betrag von CHF 435.-- gemäss
den Berechnungen der Vorinstanz (act. 6 S. 8 ff.) gehört, so ergibt sich ohne wei-
teres, dass der gebührende Unterhalt der Berufungsklägerin im Scheidungszeit-
punkt nicht gedeckt war. Einem Bedarf (inklusive Altersvorsorge) von CHF 4'835.-
- stand nämlich ein Einkommen von nur CHF 4'528.-- gegenüber. Mithin bestand
ein monatliches Defizit (Manko) von rund CHF 335.--. Ein Beitrag der Tochter
C._ an die Wohn- und Lebenskosten kann nicht berücksichtigt werden, hat
doch der Berufungsbeklagte hierzu keine konkreten Angaben über die Höhe des
Lehrlingslohnes bzw. eines daraus zu leistenden angemessenen Beitrags ge-
macht. Selbst wenn aber unter diesem Titel ein gewisser Beitrag hinzugerechnet
würde, änderte dies nichts an der Mankosituation. Denn mit dem gebührendem
Unterhalt ist grundsätzlich derjenige Betrag gemeint, der dem Gläubiger zusam-
men mit seiner Eigenversorgungskapazität die Aufrechterhaltung des letzten ehe-
lichen Lebensstandards ermöglicht (BSK ZGB I, Spycher/Gloor, N. 19 zu Art.
129). Der Berufungsbeklagte behauptet aber nicht, dass die Parteien im Schei-
dungszeitpunkt nahezu auf dem Existenzminimum gelebt hätten. Mithin hatte die
Berufungsklägerin grundsätzlich Anspruch auf eine Rente, die zusammen mit ih-
rem Erwerbseinkommen ihr einen über einem geringfügig erweiterten Notbedarf
liegenden Lebensunterhalt ermöglichen sollte.
Keine wesentliche Verbesserung der finanziellen Situation ergab sich für die Be-
rufungsklägerin nach Beendigung der Lehre der Tochter C._ im Sommer
2002 (act. 7/16 S. 2, Prot. S. 3 in act. 7/4). Zwar reduzierte sich ihr Existenzmini-
mum um CHF 750.-- (Fr. 250.-- Krankenkassenprämie und CHF 500.-- Grundbe-
trag) auf CHF 3'650.--. Andererseits reduzierte sich ihr Einkommen von CHF
4'528.-- durch den Wegfall der Unterhaltsbeiträge für die Tochter C._ von
CHF 600.-- und die Kinderzulagen von CHF 100.-- auf CHF 3'828.--. Bei einem
Erwerbseinkommen von CHF 2'828.-- und dem verbleibenden persönlichen Un-
terhaltsbeitrag von CHF 1'000.-- verfügte die Berufungsbeklagte ab diesem Zeit-
punkt der Beendigung der Ausbildung der Tochter nur noch über einen Über-
schuss von CHF 178.--. Dass damit – nach dem oben Ausgeführten – der gebüh-
rende Unterhalt nicht mehr gedeckt war, bedarf keiner weiteren Erläuterung.
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4.3 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die mit dem Scheidungsurteil
vom 1. November 2001 festgesetzte Rente für die Berufungsklägerin deren ge-
bührenden Unterhalt nicht deckte. Damit fehlt es an der in Art. 129 Abs. 1 ZGB
statuierten Voraussetzung für die vom Berufungsbeklagten beantragte Aufhebung
dieser Rente, die er mit der Verbesserung der Verhältnisse auf Seiten der Beru-
fungsklägerin auf Grund von deren höheren Erwerbseinkommens begründet. Die
Klage ist somit abzuweisen.
IV.
1.
Der Berufungsbeklagte unterliegt mit seiner Klage. Demzufolge sind die Prozess-
kosten ihm aufzuerlegen (Art. 105 Abs. 1 ZPO, Art. 106 Abs. 1 ZPO) und es ist
auch über diejenigen des erstinstanzlichen Verfahrens zu befinden (Art. 318 Abs.
3 ZPO). Bei der Bemessung dieser Kosten ist von einem Streitwert von CHF
65'687.85 auszugehen (act. 2 S. 2 f. Ziff. 1, act. 13 S. 4 Ziff. 1).
2.
2.1 Der Berufungsbeklagte hat damit die Gerichtskosten (Art. 95 Abs. 1 lit. b ZPO)
zu tragen.
2.2 Die erstinstanzliche Gerichtsgebühr von CHF 4'000.-- (act. 6 S. 14 f.) ist zu
bestätigen.
2.3 Die Entscheidgebühr für das vorliegende Berufungsverfahren ist in Anwen-
dung von § 12 Abs. 1 und 2, § 6 Abs. 1 und § 5 Gebührenverordnung des Ober-
gerichts vom 8. September 2010 auf CHF 4'000.-- festzusetzen. Sie wird aus dem
von der Berufungsklägerin geleisteten Kostenvorschuss (act. 10) bezogen und ist
ihr vom Berufungsbeklagten zu ersetzen (Art. 111 Abs. 2 ZPO).
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3.
3.1 Die Vorinstanz hat die Höhe der Prozessentschädigung auf CHF 5'386.-- (in-
klusive Mehrwertsteuer) festgesetzt (act. 6 S. 14 f.). Auch dieser Entscheid ist zu
bestätigen.
3.2 Sodann ist gestützt auf Art. 105 Abs. 2 ZPO, § 13 Abs. 1 und 2, § 6 und § 5
Verordnung über die Anwaltsgebühren vom 8. September 2010 die Parteient-
schädigung für das Berufungsverfahren auf CHF 4'500.-- zuzüglich 8% Mehrwert-
steuer festzusetzen.
3.3 In Anwendung von Art. 111 Abs. 1 Abs. 2 ZPO ist der Berufungsbeklagte zu
verpflichten, der Berufungsklägerin eine Parteientschädigung für das erst- und
zweitinstanzliche Verfahren von insgesamt CHF 8'886.-- (zuzüglich 8% Mehrwert-
steuer auf den Betrag von CHF 4'500.--) zu bezahlen.