# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 41486f05-b957-5fef-9476-95ba57ece0fa
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin reichte am 4. Juni 2015 bei der Gemeinde Wohlen ein
Baugesuch (datiert vom 19. April 2013) ein für die Installation einer neuen Mobilfunkanlage
mit entsprechender technischer Einrichtung sowie den Einbau eines Dachflächenfensters
mit Notausstieg. Der Antennenmast mit drei Antennenkörpern und zwei Richtfunkantennen
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soll – wie auch das Dachflächenfenster mit Notausstieg – auf bzw. in der ostseitigen
Dachfläche des ehemaligen Bauernhauses G._strasse 24, Parzelle Wohlen bei
Bern Grundbuchblatt Nr. H._, erstellt werden. Der Mast (ohne Blitzschutz) soll den
Dachfirst um 4 m überragen. Die Parzelle liegt in der Dorfzone 2-geschossig (DZ 2). Gegen
das Bauvorhaben erhoben unter anderen die Beschwerdeführenden Einsprache. Mit
Gesamtentscheid vom 20. Juni 2018 bewilligte die Gemeinde das Bauvorhaben.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 23. Juli 2018 Beschwerde bei der
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragen, der
Gesamtentscheid vom 20. Juni 2018 sei aufzuheben und dem Bauvorhaben sei der
Bauabschlag zu erteilen. Sie machen insbesondere geltend, das Bauvorhaben
beeinträchtige das Ortsbild und es fehle der korrekte Nachweis, wonach die Mobilfunkanlage
die massgebenden Anlagegrenzwerte bei allen Orten mit empfindlicher Nutzung einhalte.
3. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet,1 führte den
Schriftenwechsel durch und edierte die Vorakten. Am 18. Dezember 2018 reichte die
Beschwerdegegnerin korrigierte Planunterlagen sowie eine Projektänderung ein. Mit
Letzterer wurde die Abschirmung der Dachfenster des Standortgebäudes angepasst
(Folienbeschichtung anstatt Rahmenprofile mit integriertem Abschirmgewebe). Das
Rechtsamt holte anschliessend eine (weitere) Stellungnahme des Amts für Wirtschaft
(ehemals beco), Abteilung Immissionsschutz, sowie einen Fachbericht der kantonalen
Kommission zur Pflege der Orts- und Landschaftsbilder (OLK) ein. Danach führte es im
Beisein der Verfahrensbeteiligten und je einer Vertretung der OLK sowie der
gemeindeeigenen Fachberatung Baugestaltung einen Augenschein mit
Instruktionsverhandlung durch; die Fachberatung Baugestaltung hat im Vorfeld des am
4. Juni 2015 eingereichten Baugesuchs mehrmals zum Bauvorhaben Stellung genommen.
Die Verfahrensbeteiligten erhielten Gelegenheit, sich zum Ergebnis des Beweisverfahrens
sowie zur Projektänderung zu äussern bzw. Schlussbemerkungen einzureichen. Die
Beschwerdegegnerin beantragt, die Beschwerde sei vollumfänglich abzuweisen. Die
Gemeinde beantragt, die Beschwerde sei abzuweisen und der angefochtene Entscheid sei
zu bestätigen.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (Organisationsverordnung BVE, OrV BVE; BSG 152.221.191).
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4. Auf die Rechtsschriften und die vorliegenden Akten sowie den Fachbericht der OLK
und das Ergebnis des Augenscheins wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintretensvoraussetzungen
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG2. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide können
nach Art. 40 Abs. 1 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei der BVE
angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen den
Gesamtentscheid der Gemeinde Wohlen bei Bern vom 20. Juni 2018 zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen, die Baugesuchsteller, die
Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG
i.V.m. Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Einsprachen der Beschwerdeführenden wurden
abgewiesen, womit sie formell beschwert sind. Sie wohnen zudem allesamt innerhalb eines
Umkreises von rund 240 m vom Bauvorhaben entfernt. Der maximale Abstand, bis zu dem
die Berechtigung zur Einsprache gegeben ist, beträgt gemäss Standortdatenblatt vom
4. Juni 2015 912 m. Damit sind die Beschwerdeführenden durch den vorinstanzlichen
Entscheid auch materiell beschwert. Sie sind daher zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf
ihre form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Ortsbild- und Landschaftsschutz
a) Die ersten beiden Fassungen des Baugesuchs wurden von der Fachberatung
Baugestaltung noch abgelehnt. Nachdem die Beschwerdegegnerin die Antennenanlage
2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1). 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0).
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aber zusätzlich redimensioniert und anders platziert hatte, erachtete die Fachberatung die
Antennenanlage als «ortsbaulich verträglich», sofern diese symmetrisch auf die Ostseite des
Daches verschoben würde.4 Dieser Forderung kam die Beschwerdegegnerin mit dem am
4. Juni 2015 eingereichten Baugesuch nach.
b) Die Beschwerdeführenden rügen, die Antenne wirke sich aufgrund ihres exponierten
Standorts auf dem Dach einer ortsbildprägenden Baute nach wie vor negativ auf das Ortsbild
aus und führe nicht zu einer guten Gesamtwirkung. Daran würden auch die auf der
Bauparzelle vorhandenen Bäume nichts ändern. So sei nur die Hälfte des Baugrundstücks
entlang der G._strasse überhaupt mit Bäumen bewachsen. Bei den meisten
Bäumen handle es sich zudem um Niederstammfruchtbäume, die einerseits zwischen
Herbst und Frühjahr kein Laub tragen würden und andererseits von der geplanten Antenne
deutlich überragt würden. Hinzu komme, dass die Bäume nicht geschützt seien und daher
jederzeit beseitigt werden könnten. Das Bauvorhaben beeinträchtige ferner die bestehende
Dachsymmetrie und damit den vom grossen Dach geprägten Gesamteindruck des
Standortgebäudes. Schliesslich beanstanden sie, dass die Vorinstanz nicht die OLK
beigezogen habe.
c) Die Gemeinde stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt, die Bauparzelle befinde
sich weder in einem Ortsbildschutzperimeter noch sei das Standortgebäude
denkmalgeschützt. Zudem befänden sich auch in dessen unmittelbarer Nähe keine
Schutzzonen oder -gebiete, die den Bau einer Mobilfunkanlage aus ästhetischen Gründen
verunmöglichen würden. Folglich könne hier nicht von einem erhöhten Ortsbildschutz oder
einem besonderen ästhetischen Schutzstatus der betreffenden Liegenschaft gesprochen
werden, weshalb sie auch nicht verpflichtet gewesen sei, die OLK beizuziehen. Der
Forderung der Fachberatung Baugestaltung, wonach die Antenne ortsbildverträglich wäre,
sofern sie symmetrisch auf der östlichen, von der G._strasse abgewendeten
Dachfläche zum Stehen käme, sei im Übrigen Rechnung getragen worden. Des Weiteren
macht die Gemeinde geltend, es stehe nicht im Belieben der Mobilfunkbetreiberinnen, nur in
jenen Gebieten Mobilfunkanlagen zu erstellen, in denen durch die Erstellung keinerlei
Auswirkungen auf die Umgebung resultieren würden. Ferner sei bei der Beurteilung der
Einordnung von Mobilfunkanlagen insbesondere zu beachten, dass sich diese wegen ihrer
technischen Form und Funktion gestalterisch nur schwer befriedigend bzw. gut einordnen
4 Vgl. Vorakten, pag. 1.2 ff.
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liessen. Zu berücksichtigen sei weiter, dass Mobilfunkanlagen, um ihre Funktion zu erfüllen,
die Dächer und die nähere Umgebung überragen müssten, was eine gewisse Mindesthöhe
voraussetze. Die Höhe der projektierten Anlage liege folglich in der Natur der Sache. Wie
andere Infrastrukturanlagen würden Mobilfunkanlagen vom durchschnittlichen Betrachter
aber als technisch notwendige Einrichtungen hin- und wahrgenommen.
d) Die Beschwerdegegnerin weist ebenfalls darauf hin, dass vorliegend kein Ortsbild-
oder Landschaftsschutzgebiet tangiert sei. Zudem komme den Gemeinden bei
Gestaltungsfragen ein Ermessensspielraum zu, der vorliegend nicht überschritten worden
sei. Ferner gebe es für den Eigentümer des Baugrundstücks keinen Anlass, die seit vielen
Jahren bestehenden Bäume zu entfernen, da diese auch einen Sichtschutz für sein
Grundstück gewährleisten würden. Die geplante Mobilfunkanlage sei von der
G._strasse schliesslich auch dann nur eingeschränkt einsehbar, wenn die
bestehenden Bäume nicht vorhanden wären. So würde die Mobilfunkanlage aufgrund ihrer
Anordnung auf der Ostseite des Daches auch von der westlichen Dachhälfte abgedeckt
werden. Ferner überrage die Antenne den First bloss um 4 m, was bei einer Firsthöhe von
11.5 m nicht zu einer markanten Erscheinung, sondern zu einer ästhetisch
zufriedenstellenden Lösung führe. Da die Mobilfunkanlage in der Mitte der östlichen
Dachhälfte geplant sei, würde sie schliesslich auch nicht die bestehende Dachsymmetrie
stören. Selbst wenn aber ein Eingriff in die Dachsymmetrie vorläge, würde dieser nicht den
Gesamteindruck des Standortgebäudes beeinträchtigen. Im Übrigen sei das Bauvorhaben
mit der Fachberatung Baugestaltung bereits von einer leistungsfähigen, örtlichen Fachstelle
beurteilt worden, was einen Beizug der OLK ausschliesse.
e) Gemäss Art. 9 Abs. 1 BauG dürfen Bauten, Anlagen, Reklamen, Anschriften und
Bemalungen Landschaften, Orts- und Strassenbilder nicht beeinträchtigen. Diese Vorschrift
stellt die «ästhetische Generalklausel» im Sinne eines allgemeinen
Beeinträchtigungsverbots dar. Art. 17 Abs. 1 BauV5 konkretisiert diese Vorschrift:
Aussenanlagen für Radio- und Fernsehempfang sowie für Funkzwecke und dergleichen sind
möglichst unauffällig zu gestalten und anzubringen; sie dürfen die Landschaft und das
Ortsbild nicht beeinträchtigen. Schutzobjekt des Ortsbild- und Landschaftsschutzes ist der
Aussenraum, soweit er von einem allgemein begangenen Standort aus als Einheit wirkt und
5 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1).
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als solche erfassbar ist. Eine Beeinträchtigung liegt vor, wenn ein Bauvorhaben einen
Gegensatz zur bestehenden Überbauung schafft, der erheblich stört.6
Darüber hinaus sind die Gemeinden befugt, eigene Ästhetikvorschriften zu erlassen, die über
die kantonalen Vorschriften hinausgehen können (Art. 9 Abs. 3 BauG und Art. 17 Abs. 1
letzter Satz BauV). Solche Vorschriften müssen aber, um eine selbständige Bedeutung zu
haben, konkreter gefasst sein als die kantonalen und dürfen Letztere nicht nur allgemein
anders umschreiben.7 Die Gemeinde Wohlen hat unter dem Titel «Weiterentwicklung von
Orts- und Landschaftsbild» in Art. 14 GBR8 geregelt, dass Bauten und Anlagen so zu
gestalten sind, dass das Objekt als Einzelbau und mit Bezug zur Umgebung eine gute
Lösung ergibt. Bei der Beurteilung der guten Gesamtwirkung sind insbesondere zu
berücksichtigen:
- die prägenden Elemente und Merkmale des Strassen-, Orts- und Landschaftsbildes,
- die bestehende Gestaltung der benachbarten Bebauung,
- Standort, Stellung, Form, Proportionen und Dimensionen der Bauten und Anlagen,
- die Fassaden- und Dachgestaltung sowie die Materialisierung und Farbgebung,
- die Gestaltung der Aussenräume, insbesondere des Vorlandes und der Begrenzungen
gegen den öffentlichen Raum,
- die Gestaltung und Einordnung der Erschliessungsanlagen, Abstellplätze und Eingänge.
Art. 17 GBR enthält zudem Vorschriften zur Dachgestaltung. Danach sind Lukarnen,
Schleppgauben, Quergiebel, Dachflächenfenster, Firstoblichter, Dacheinschnitte mit
Überdachung zulässig, wenn sie den Gesamteindruck des Gebäudes nicht beeinträchtigen
(Art. 17 Abs. 2 GBR).
Der Begriff «gute Gesamtwirkung» in Art. 14 Abs. 2 GBR stellt einen unbestimmten
kommunalen Gesetzesbegriff dar, bei dessen Auslegung die kommunalen Behörden einen
gewissen Beurteilungsspielraum haben. Jedoch dürfen auch an das Erfordernis der guten
Gesamtwirkung nicht unverhältnismässig hohe Ansprüche gestellt werden. Die gute
Gesamtwirkung ist weder an geringen noch an besonders hohen architektonischen
Qualitäten zu messen. Das bedeutet bei durchschnittlichen örtlichen Gegebenheiten, dass
6 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 9/10 N. 13 f. 7 BVR 2009 S. 328 E. 5.2 mit Hinweisen; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 9/10 N. 4. 8 Baureglement der Gemeinde Wohlen vom 24. März 2010 (GBR).
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das Mittelmass der Umgebung nicht gestört werden darf und sich eine neue Baute oder
Anlage an den qualitativ hochwertigeren Bauten und Anlagen der Umgebung zu orientieren
hat.9
f) Gemäss der verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung lassen sich Mobilfunkanlagen
unter ästhetischen Gesichtspunkten nicht ohne Weiteres mit Gebäuden, auf welche die
Gestaltungsnormen in erster Linie zugeschnitten sind, vergleichen. Zum einen ist das
Erscheinungsbild einer Mobilfunkanlage – namentlich Durchmesser und Höhe des Masts
sowie die Anzahl und optische Erscheinung der Antennen – vorwiegend durch die
technischen Gegebenheiten bedingt. Die Gestaltungsmöglichkeiten der
Mobilfunkbetreiberinnen sind daher gering. Ausserdem besteht die Besonderheit, dass
Mobilfunkanlagen aufgrund ihrer Funktion in der Regel gut sichtbar sind, womit ihnen
praktisch an jedem Standort von vornherein etwas Störendes anhaftet. Dies allein vermag
jedoch nicht ohne Weiteres einen Bauabschlag zu rechtfertigen, ansonsten würde aus den
kommunalen Ästhetiknormen ein flächendeckendes Mobilfunkantennenverbot resultieren,
was nicht der Absicht des Gesetzgebers entsprechen kann und raumplanungs- bzw.
fernmelderechtlich problematisch wäre.10 Auch ist zu beachten, dass Mobilfunkantennen
aufgrund der betrieblich bedingten Höhe regelmässig geeignet sind, Silhouetten zu brechen
und Horizonte zu teilen. Ein Bauabschlag aus ästhetischen Gründen setzt daher voraus,
dass der beeinträchtigten Umgebung, Silhouette oder Horizontlinie erhöhte Schutzwürdigkeit
zukommt.11 Diesen Umständen ist bei der Beurteilung gebührend Rechnung zu tragen. Auch
das Bundesgericht betont, dass die Anwendung einer Ästhetikbestimmung
bundesrechtwidrig sein kann, wenn damit jeglicher Bau von Mobilfunkantennen in einem
Dorf verhindert wird.12
g) Gemäss den Bauplänen soll die Antennenanlage auf der östlichen Hälfte des
Teilwalmdachs des ehemaligen Bauernhauses G._strasse 24 errichtet werden und
zwar mittig oberhalb des bestehenden Schleppdaches. Links davon ist das
Dachflächenfenster mit Notausstieg geplant. Der Antennenmast mit Söll-Leiter weist ohne
Blitzschutz eine Höhe von 5.3 m auf und überragt den knapp 11.5 m hohen Dachfirst um
9 BVR 2009 S. 328 E. 5.3; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 9/10 N. 4a zweites Lemma. 10 VGE 2011/303 vom 1.6.2012, E. 4.3 mit Hinweisen. 11 VGE 2011/373 vom 15.2.2013, E. 4.3; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 9/10 N. 17 neuntes Lemma und 29b fünftes Lemma mit weiteren Hinweisen. 12 BGer 1C_49/2015 vom 9.12.2015, E. 4.3.
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4 m. Die drei Antennenkörper sollen im oberen und die beiden Richtfunkantennen im unteren
Bereich des Mastes befestigt werden. Weitere technische Einrichtungen sind schliesslich im
Innern bzw. Dachstock des Gebäudes vorgesehen.
Das ehemalige Bauernhaus G._strasse 24 befindet sich im Perimeter der Dorfzone
DZ 2, die im betreffenden Bereich («E._») in nördlicher, östlicher und teilweise auch
in südlicher Richtung von der Wohnzone W2 umfasst wird. Gegen Westen grenzt sie
dagegen an das offene Ackerland des «F._» (Landwirtschaftszone). Das
Standortgebäude selbst ist nicht denkmalgeschützt. Südwestlich der besagten Liegenschaft,
entlang der G._strasse, befinden sich jedoch mehrere als erhaltenswert eingestufte
Gebäude.
h) Das Rechtsamt der BVE hat für die ästhetische Beurteilung des Vorhabens die OLK
beigezogen. Dazu war das Rechtsamt bereits gestützt auf die allgemeinen geltenden
Verfahrensgrundsätze des VRPG13 (Art. 18 Abs. 1 und 2) befugt. Die Befugnis des
Rechtsamts der BVE, im vorliegenden Verfahren die OLK beizuziehen, ergibt sich aber auch
aus Art. 4 Abs. 1 OLKV14. Danach behandelt die OLK alle Bau- und Planungsgeschäfte, die
ihr von Verwaltungsjustiz- und übrigen Justizbehörden zur Begutachtung von Fragen des
Ortsbild- und Landschaftsschutzes unterbreitet werden. Daran ändert auch der Umstand
nichts, wonach das Bauvorhaben im Vorfeld der Baugesuchseingabe vom 4. Juni 2015
bereits mehrfach von der gemeindeeigenen Fachberatung Baugestaltung beurteilt worden
ist. Zwar handelt es sich bei Letzterer um eine örtliche leistungsfähige Fachstelle im Sinne
von Art. 22 Abs. 2 BewD15.16 Das Verbot der «Doppelbegutachtung» gemäss Art. 22a Abs. 2
BewD gilt jedoch nicht, wenn Bauvorhaben in Rechtsmittelverfahren vor Justizbehörden
umstritten sind. So sieht Art. 4 Abs. 1a OLKV lediglich vor, dass sich die OLK in solchen
Fällen bei ihrer Beurteilung mit den bereits eingeholten Gutachten auseinandersetzen muss.
Das hat die OLK vorliegend getan.
i) Die OLK führt in ihrem Bericht vom 22. Februar 2019 zunächst aus, das lange Zeit
ländlich geprägte Dorf Wohlen – mit seinen beiden Ortsteilen Ober- und Unterwohlen – sei
13 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21). 14 Verordnung vom 27. Oktober 2010 über die Kommission zur Pflege der Orts- und Landschaftsbilder (OLKV; BSG 426.221). 15 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1). 16 BDE vom 5. Februar 2015, E. 3 (RA Nr. 110/2014/148).
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mit der neuen Landstrasse nach Aarberg verkehrstechnisch in Stadtnähe gerückt worden.
Dies habe sich bis um 1970 aber nur punktuell auf die Bebauung vor Ort ausgewirkt. Den
grossen Wachstumsschub habe das Dorf zuerst auf dem Plateau zwischen Oberwohlen und
dem «Chropf» und wenig später grossflächig im Bereich des «E._», östlich der nach
1960 neu trassierten G._strasse erlebt. Im Zuge dieses Baubooms seien die beiden
vorher räumlich und topografisch klar getrennten Ortsteile Ober- und Unterwohlen
zusammengewachsen, allerdings grossmehrheitlich nur östlich der G._strasse. Die
Altbebauung entlang der historischen Wegverbindung über den «E._»
(G._strasse) sei gleichzeitig in die bauliche Verdichtung eingebunden worden. So
sei die locker drapierte und grosszügig durchgrünte Gruppe strukturell und materiell in
wesentlichen Teilen noch heute in ihrer bis um 1960 organisch gewachsenen Form erhalten
und damit die Geschichte klar ablesbar.
Betreffend Strassen-, Orts- und Landschaftsbild in der Umgebung des Bauvorhabens hält
die OLK in ihrem Bericht insbesondere fest, die südwestlich des Standortgebäudes gelegene
Altbebauung bestehe aus ehemaligen Bauernhäuser des 19. und frühen 20. Jahrhunderts
mit zugehörigen Nebengebäuden sowie aus Wohn- und Gewerbehäusern aus der Zeit nach
1900. Prägend für die gestaffelt entlang der Strasse aufgereihten Gebäude mit
Teilwalmdächern (mit oder ohne Ründi) seien die südorientierten Giebelfronten in
Sichtfachwerk über gemauertem Sockelgeschoss. Durch diese werde ein gestalterisch
homogenes Ensemble gebildet, das traditionellen Konstruktionsprinzipien verpflichtet sei.
Die Liegenschaften würden zudem durch ihre Hausgärten mit Bäumen in einen
übergeordneten Grünraum eingebunden. Letzerer werde durch einzelne markante hohe
Nadelbäume in den zugehörigen Hofbereichen akzentuiert. Auf seiner Ostseite sei der
«E._» ab 1980 etappenweise – mittlerweile flächendeckend – durch
unterschiedliche Überbauungen aus (Doppel-)Einfamilienhäuser bebaut worden. Nördlich
der G._strasse würden zeitgleiche Reihenhäuser das aufsteigende Terrain
dominieren. Der südlich gelegene Quartierteil orientiere sich zwar nur stellenweise an der
Topografie. Ein Teil der Quartierstrassen nehme aber die Altbebauung beidseits der
G._strasse geschickt auf, indem einzelne Objekte der Altbebauung als
wirkungsvoller Raumabschluss eingebunden würden. Trotz den unterschiedlichen
stilistischen Ausprägungen der nach 1980 entstandenen Wohnhäuser und trotz einzelner
Neubauten bilde das innere Ortsbild dieses Quartierbereichs ein in sich stimmiges Ganzes,
das durch Körnung, einheitliche Geschossigkeit, vertraute Dachformen und nicht zuletzt
durch den verbindenden Grünraum der Gartenbereiche charakterisiert werde. Für das
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äussere Ortsbild sei das auf der Westseite der in langem Bogen geführten
G._strasse bis heute weitgehend unbebaute Ackerland auf der ausgedehnten
offenen Geländestufe des «F._» massgebend. Aus Blickrichtung Oberwohlen sowie
in unterschiedlichen Perspektiven aus westlichen Richtungen bilde die Altbebauung entlang
der G._strasse mit ihren gestaffelt aufgereihten Walmdachhäusern und dem
abwechslungsreichen begleitenden Baumbestand sowie dem Kirchturm einen
einprägsamen, lebhaft konturierten Siedlungsrand, der dank seiner weitgespannten
Ausdehnung für das gesamte Dorf Wohlen bis heute kennzeichnend sei. Das aus westlichen
Richtungen von Weitem gut sichtbare ehemalige Bauernhaus G._strasse 24, erbaut
wohl kurz vor 1900, entfalte in verschiedenen Sichtbezügen seine Wirkung und sei damit
integraler Teil dieser aussagekräftigen Dorfsilhouette. Das betreffende Gebäude sei denn
auch in all seinen kennzeichnenden äusseren Merkmalen (Gebäudestellung, Volumetrie,
Konstruktionsweise, Detailgestaltung und Dachform inkl. Eindeckung) zweifellos als
markanter Teil des historischen Ensembles entlang der G._strasse zu lesen; dies
gelte in besonderem Masse bezüglich des Nachbargebäudes G._strasse 22. Der
Umstand, wonach das Standortgebäude selbst nicht denkmalgeschützt sei, bedeute im
Übrigen nicht, dass das Objekt automatisch ohne jeglichen Eigenwert oder ohne ortsbildliche
Qualitäten wäre. Folgerichtig sei es denn auch, wie die benachbarten als erhaltenswert
eingestuften Gebäude, der Dorfzone DZ 2 zugewiesen.
Zur Wirkung des Bauvorhabens in Bezug auf das Standortgebäude und dessen Dach führt
die OLK in ihrem Bericht im Wesentlichen aus: Eine Mobilfunkantenne würde das
voluminöse Dach verunklären und damit die Gesamterscheinung des Standortgebäudes
massiv beeinträchtigen. Das Dach habe im Laufe der Zeit zwar Veränderungen erfahren (auf
beiden Hauptdachflächen je mittig platzierte Ausbauten unter Schleppdächern sowie
Dachflächenfenster). In seiner Gesamtform sei das gross dimensionierte Teilwalmdach aber
nach wie vor aussagekräftig. Das technische Gestänge einer Mobilfunkanlage stelle jedoch
eine andere Kategorie dar und würde die bis anhin nach wie vor geschlossen wirkende
Gesamterscheinung stark tangieren. Daran ändere auch der Umstand nichts, wonach die
Antenne im Vergleich zum ursprünglichen Projekt versetzt und in der Höhe geringfügig
reduziert worden sei. Eine Mobilfunkantenne auf einem so markanten, exponiert platzierten
Dach wie jenem des Standortgebäudes, würde eindeutig als Störfaktor wahrgenommen.
Betreffend Wirkung auf das umliegende Strassen-, Orts- und Landschaftsbild führt die OLK
in ihrem Bericht schliesslich aus, die geplante Mobilfunkanlage beeinträchtige in erster Linie
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die Gesamtwirkung des äusseren Ortsbildes. Mit anderen Worten, die von Oberwohlen und
aus westlichen Richtungen über den «F._» gut einsehbare Altbebauung entlang der
G._strasse mit ihren gestaffelt aufgereihten Walmdachhäusern und dem
abwechslungsreichen begleitenden Baumbestand, die zusammen mit dem Kirchturm einen
einprägsamen, lebhaft konturierten Siedlungsrand bildet. Aufgrund der topografischen
Gegebenheiten, der Bebauungsstruktur und den vegetationsreichen
Parzellenbegrenzungen werde die geplante Mobilfunkantenne zwar aus vielen Bereichen
des Quartiers nicht zu sehen sein. Das innere Ortsbild werde aber zumindest im
unmittelbaren Umfeld des Bauvorhabens bzw. aus dem objektnahen Strassenraum
beeinträchtigt sein.
Nach Ansicht der OLK hätte die geplante Mobilfunkantenne insgesamt einen
unverhältnismässig negativen Einfluss auf das Orts- und Landschaftsbild zwischen Ober-
und Unterwohlen. Sie beantragt deshalb, dem Bauvorhaben den Bauabschlag zu erteilen.
Im Übrigen weist sie darauf hin, es sei inkonsistent und sachlich nicht nachvollziehbar, dass
die Fachberatung Baugestaltung einen Standort auf der Ostseite des Dachfirsts als
«ortsbaulich verträglich» erachte, nachdem diese das ursprüngliche Projekt zweimal mit dem
Hinweis auf die hohe ortsbildprägende Bedeutung des betreffenden Gebäudes abgelehnt
habe.
j) Die Beurteilung der OLK ist nachvollziehbar und überzeugend. Sie deckt sich zudem
mit dem Eindruck, den das Rechtsamt der BVE anlässlich des Augenscheins vom 3. April
2019 von der geplanten Antennenanlage, dem Standortgebäude und dessen Umgebung
gewonnen hat. So ist von Oberwohlen bzw. von Westen her über den «F._» klar
erkennbar, dass das Standortgebäude – insbesondere aufgrund seiner Dachform, aber auch
wegen seiner Stellung und Volumetrie – einen markanten Teil der Altbebauung entlang der
G._strasse bildet und mitprägend für den Siedlungsrand von Wohlen bzw. dessen
Silhouette ist; dies gilt umso mehr, als das betreffende Gebäude den (nördlichen) Abschluss
der Altbebauung bildet.17 Von der Ecke G._strasse/J._strasse wird zudem
die von der OLK beschriebene Ensemblewirkung des Standortgebäudes mit dem
denkmalgeschützten Nachbargebäude G._strasse 22 deutlich: So können die
beiden Häuser nach wie vor als zusammengehörender Hof wahrgenommen werden.18 Von
17 Vgl. die Fotodokumentation zum Augenschein vom 3. April 2019, Fotos Nrn. 13, 14 und 19. 18 Vgl. die Fotodokumentation zum Augenschein vom 3. April 2019, Fotos Nrn. 7 und 8.
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einer Ensemblewirkung der Liegenschaften Nr. 22 und 24 ging im Übrigen auch die
Fachberatung Baugestaltung in ihrem Bericht vom 9. April 2015 aus.19 Dass das
Standortgebäude selbst nicht im Bauinventar verzeichnet ist, ändert nichts am
wahrnehmbaren Gesamtbild bzw. Zusammenspiel der betreffenden Gebäude mit ihren
zusammenhängenden Grünräumen. Gleiches gilt für den Umstand, wonach die Bauten
nördlich des Standortgebäudes, auf der gegenüberliegenden Strassenseite, einen anderen
Stil als die Altbebauung aufweisen. Die betreffende Überbauung wie auch das Gebäude
J._strasse 2 bilden vielmehr einen eigenständigen Teil des Siedlungsrands und
haben keinen negativen Einfluss auf die Wirkung der Altbebauung entlang der
G._strasse.20 Das Standortgebäude wird zudem nur aus einer einzelnen
Blickrichtung von Oberwohlen her vom Gebäude J._strasse 2 (teilweise) verdeckt;21
aus westlichen Richtungen ist das Standortgebäude hingegen vollständig einsehbar.22 Da
die Altbebauung entlang der G._strasse nicht nur prägend für das Dorfbild von
Wohlen ist, sondern aus dem Zusammenspiel der betreffenden Gebäude, insbesondere
demjenigen der Liegenschaften G._strasse 22 und 24, auch die ursprüngliche
Struktur bzw. Entstehungsgeschichte von Wohlen ablesbar ist,23 kommt dem betreffenden
inneren und äusseren Ortsbild eine besondere Qualität und damit erhöhte Schutzwürdigkeit
zu. Dies gilt umso mehr, als es sich beim überwiegenden Teil der Altbebauung, insbesondere
beim Gebäude G._strasse 22, um denkmalgeschützte Bauten handelt. Damit
übereinstimmend misst auch die Fachberatung Baugestaltung dem Standortgebäude
zusammen mit den als erhaltenswert eingestuften Bauten entlang der G._strasse
eine wesentliche Bedeutung für das Ortsbild zu.24
k) Der Augenschein bestätigte ferner die Ansicht der OLK, wonach die geplante
Antennenanlage als Störfaktor wahrgenommen und sowohl die Gesamterscheinung des
Standortgebäudes als auch die Gesamtwirkung des inneren sowie äusseren Ortsbildes
beeinträchtigen würde. Das Dach des Standortgebäudes hat zwar bereits verschiedene
Eingriffe erfahren (Ausbauten unter Schleppdächern und Dachflächenfenster). Diese sind
19 Vgl. Vorakten, pag. 1.2. 20 Vgl. die Fotodokumentation zum Augenschein vom 3. April 2019, Fotos Nrn. 10 und 12-14. 21 Vgl. die Fotodokumentation zum Augenschein vom 3. April 2019, Fotos Nrn. 10-12. 22 Vgl. die Fotodokumentation zum Augenschein vom 3. April 2019, Fotos Nrn. 13, 14, 17 und 19. 23 Vgl. in diesem Zusammenhang die Planausschnitte zur geschichtlichen Entwicklung im OLK-Bericht vom 22. Februar 2019. 24 Vgl. Protokoll des Augenscheins vom 3. April 2019, S. 7 (oben), Votum Vertreter der Fachberatung Baugestaltung sowie Vorakten, pag. 1.3.
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jedoch als klar erkennbarer Ausfluss eines Nutzungswandels nicht mit dem technischen
Gestänge der geplanten Mobilfunkanlage vergleichbar. Die bisherigen baulichen Eingriffe
am Dach des Standortgebäudes sind in der Fernsicht, der vorliegend besondere Bedeutung
zukommt (E. 2j), zudem deutlich weniger gut wahrnehmbar als die geplante
Antennenanlage, die den Dachfirst um 4 m übersteigt.25 Das gross dimensionierte
Teilwalmdach des Standortgebäudes wirkt mit anderen Worten zumindest aus weiterer
Entfernung insgesamt nach wie vor intakt und würde durch die geplante Antennenanlage
empfindlich gestört; dies würde sich wiederum negativ auf die Gesamterscheinung des
Standortgebäudes und damit letztlich auf die gesamte Altbebauung entlang der
G._strasse auswirken. Selbst wenn man die früheren Eingriffe als Beeinträchtigung
qualifizieren würde, wäre das im Übrigen kein Grund, weitere Beeinträchtigungen zu
erlauben. Denn die Schutzwürdigkeit eines Orts- oder Landschaftsbilds wird durch frühere
nachteilige Veränderungen nicht aufgehoben.26 Die geplante Antennenanlage ist ferner nicht
mit derjenigen auf dem Gemeindehaus vergleichbar, die gemäss Beschwerdegegnerin von
Oberwohlen aus nur bei genauem Hinsehen erkennbar sei. So befindet sich die besagte
Anlage nicht am Siedlungsrand, sondern einige Häuserreihen dahinter und ist damit nicht
gleich exponiert wie die geplante Antennenanlage und folglich auch nicht gleich prägend für
die Dorfsilhouette bzw. das äussere Ortsbild.27 Hinzu kommt, dass die Mobilfunkanlage auf
dem Gemeindehaus nach Ansicht der OLK ebenfalls einen deutlichen Störfaktor für das
äussere Ortsbild darstellt und deshalb nicht hätte bewilligt werden dürfen.28 Dass die
Antennenanlage auf der Ostseite und nicht (wie ursprünglich geplant) auf der Westseite des
Daches erstellt werden soll, ändert schliesslich ebenfalls nichts an deren störenden Wirkung.
So tritt die geplante Antennenanlage nach wie vor auch im objektnahen Strassenraum
westlich des Standortgebäudes (insbesondere an der Ecke
G._strasse/J._strasse) als markanter Fremdkörper in Erscheinung und
beeinträchtigt dadurch insbesondere die Ensemblewirkung der Liegenschaften
G._strasse 24 und 22, mithin das innere Ortsbild. Daran ändert weder der Umstand,
wonach die Antennenanlage mittig bzw. symmetrisch platziert werden soll, noch der
Baumbestand entlang der G._strasse etwas.29
25 Vgl. die Fotodokumentation zum Augenschein vom 3. April 2019, Fotos Nrn. 13, 14 und 19. 26 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 9/10 N. 22 mit Hinweisen. 27 Vgl. die Fotodokumentation zum Augenschein vom 3. April 2019, Fotos Nrn. 15, 16 und 18. 28 Vgl. Protokoll des Augenscheins vom 3. April 2019, S. 13 (unten), Votum OLK-Vertreter. 29 Vgl. die Fotodokumentation zum Augenschein vom 3. April 2019, Fotos Nrn. 7-9.
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l) Es ist unbestritten, dass es aufgrund der topografischen Gegebenheiten und der
bestehenden Mobilfunkanlagen anderer Mobilfunkbetreiberinnen für die
Beschwerdegegnerin schwierig ist, einen Standort zu finden, der Unter- und Oberwohlen
optimal abdeckt. Zudem weisen Mobilfunkantennen aufgrund ihrer Funktion in der Regel
immer eine gewisse Höhe und ein technisches Erscheinungsbild auf, weshalb ihnen stets
etwas Störendes anhaftet. Allerdings bedeutet dies nicht, dass Mobilfunkanlagen unbesehen
der bestehenden Umgebung und ohne jegliche Berücksichtigung der Ästhetikvorgaben
realisiert werden können. Vielmehr haben sich Mobilfunkanlagen ebenfalls – wenn auch in
reduziertem Umfang – an die bestehenden Ästhetikbestimmungen zu halten. Dies gilt
insbesondere dann, wenn der betreffenden Umgebung und Silhouette – wie vorliegend –
erhöhte Schutzwürdigkeit zukommt (E. 2f).
Wie oben ausgeführt, überragt die geplante Antennenanlage den Dachfirst des
Standortgebäudes um 4 m und ist sowohl aus dem objektnahen Strassenraum als auch aus
grösserer Distanz deutlich als Fremdkörper wahrnehmbar. Dadurch wird nicht nur die
Gesamterscheinung des Standortgebäudes, sondern auch dessen Zusammenspiel mit der
übrigen Altbebauung entlang der G._strasse, allen voran die Ensemblewirkung mit
dem Nachbargebäude Nr. 22, erheblich gestört. Insbesondere mit Blick auf die noch
weitgehend intakte Dachlandschaft der Altbebauung, die durch die geplante
Antennenanlage verunklärt würde, kann nicht mehr gesagt werden, die umstrittene
Mobilfunkanlage ergebe als Einzelbau und mit Bezug zur Umgebung eine gute Lösung bzw.
Gesamtwirkung. Die geplante Antennenanlage ordnet sich in keinster Weise ins Ortsbild ein
und geht bei weitem über das Mass eines «erträglichen Störfaktors» hinaus. Sie führt
vielmehr zu einer unzulässigen Beeinträchtigung der Altbebauung entlang der
G._strasse und damit des für das Dorfbild von Wohlen kennzeichnenden
Siedlungsrands bzw. dessen Silhouette. Die vorliegend anwendbaren
Ästhetikbestimmungen (Art. 9 Abs. 1 BauG und Art. 17 Abs. 1 BauV sowie Art. 14 und
Art. 17 Abs. 2 GBR) werden durch das Vorhaben folglich verletzt. Der vorliegende Entscheid
führt schliesslich nicht zu einem grundsätzlichen Mobilfunkantennenverbot in der Gemeinde
Wohlen. So hat die BVE kürzlich, ebenfalls unter Beizug der OLK, einen Gesamtentscheid
der Gemeinde Wohlen bestätigt, mit welchem einer anderen Mobilfunkanbieterin der Bau
einer Mobilfunkanlage auf einem Flachdach in Hinterkappelen bewilligt worden ist.30 Im
30 BDE vom 29. Mai 2018, E. 6 (RA Nr. 110/2017/154).
RA Nr. 110/2018/106 15
Übrigen ist festzuhalten, dass sich aus der Mobilfunkkonzession kein Rechtsanspruch auf
Erstellung einer Mobilfunkanlage an einem bestimmten Standort ableiten lässt.31
m) Zusammengefasst ist der Fachmeinung der OLK, wonach die geplante
Antennenanlage einen unzulässigen negativen Einfluss auf das Orts- und Landschaftsbild
zwischen Ober- und Unterwohlen hat, zu folgen. Die Mobilfunkanlage verstösst gegen die
anwendbaren Ästhetikbestimmungen. Folglich ist die Beschwerde, soweit sie durch die
Projektänderung vom 18. Dezember 2018 (Folienbeschichtung anstatt Rahmenprofile mit
integriertem Abschirmgewebe) nicht bereits gegenstandslos geworden ist, gutzuheissen.
Der angefochtene Gesamtentscheid ist aufzuheben und dem Baugesuch vom 19. April 2013
mit Projektänderung vom 18. Dezember 2018 ist der Bauabschlag zu erteilen. Bei diesem
Ausgang erübrigt es sich, auf die weiteren Rügen der Beschwerdeführenden einzugehen.
An dieser Stelle ist schliesslich darauf hinzuweisen, dass die Aufhebung des
vorinstanzlichen Entscheids und die Erteilung des Bauabschlags nicht zu einer Verletzung
der Gemeindeautonomie führen. Wo eine Gemeinde eigene, selbständige (Ästhetik-
)Normen erlassen hat, steht ihr aufgrund der Gemeindeautonomie zwar auch bei der
Auslegung und Anwendung der Norm ein gewisser Beurteilungsspielraum zu. Soweit die
Gemeinde die Norm rechtlich vertretbar ausgelegt hat, darf eine Rechtsmittelinstanz sie
daher nicht anders auslegen.32 Wie sich aus den obigen Ausführungen ergibt, erfüllt das
umstrittene Bauvorhaben weder die kantonalen noch die kommunalen
Ästhetikanforderungen. Folglich ist die Auffassung der Gemeinde Wohlen, wonach die
geplante Antennenanlage ortsbildverträglich sei, rechtlich nicht haltbar. Eine Verletzung der
Gemeindeautonomie liegt somit nicht vor.
3. Kosten
a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt die Beschwerdegegnerin. Sie hat die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Die Verfahrenskosten im
Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr. Für besondere
Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren erhoben werden
31 BVR 2007 S. 58 E. 5.2; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 9/10 N. 29 mit weiteren Hinweisen. 32 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 9/10 N. 5 mit Hinweisen.
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(Art. 103 Abs. 1 VRPG). Die Pauschalgebühr wird festgesetzt auf Fr. 1'500.– (Art. 103 Abs. 2
VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV33). Für den Augenschein vom 3. April 2019 wird in
Anwendung von Art. 20 Abs. 1 GebV eine zusätzliche Gebühr von Fr. 500.– erhoben. Die
Kosten der OLK (Fr. 1'000.– für den Bericht vom 22. Februar 2019 gemäss Rechnung vom
28. Februar 2019 und Fr. 300.– für die Teilnahme am Augenschein gemäss Rechnung vom
9. April 2019) werden gestützt auf Art. 11 GebV zusätzlich erhoben. Die Verfahrenskosten
im Beschwerdeverfahren betragen somit insgesamt Fr. 3'300.–.
b) Die Beschwerdegegnerin hat als Baugesuchstellerin trotz Bauabschlag die Kosten des
erstinstanzlichen Baubewilligungsverfahrens zu tragen (Art. 52 Abs. 1 BewD34), jedoch
reduziert um die Kosten der Baukontrolle, die in der Baubewilligungsgebühr von Fr. 550.–
enthalten sind (vgl. Ziffer 310.3 GebT35). In Analogie zu Ziffer 311.3 GebT (Reduktion der
Baubewilligungsgebühr um 25 Prozent bei Verzicht der Bauherrschaft auf Bauausführung
nach erteilter Bewilligung) rechtfertigt sich vorliegend eine Reduktion der
Baubewilligungsgebühr um 25 Prozent bzw. Fr. 137.50. Für das Inkasso der auf Fr. 4'933.60
reduzierten erstinstanzlichen Kosten ist die Gemeinde zuständig.
c) Die Beschwerdegegnerin hat zudem den Beschwerdeführenden die Parteikosten zu
ersetzen (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Kostennote des Rechtsvertreters der
Beschwerdeführenden gibt zu keinen Bemerkungen Anlass. Die Beschwerdegegnerin hat
somit den Beschwerdeführenden die Parteikosten von Fr. 7'190.05 zu ersetzen.