# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 06413b61-4bd6-4d58-8c40-34d139c9fede
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Raub etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Hinwil vom 22. Mai 2012 (DG120004)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 18. Januar
2012 (Urk. 27) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 94)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 in Verbindung mit Ziff. 3 und teilweise mit Ziff. 4 StGB,
− der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 und Abs. 3 StGB,
− der Sachentziehung im Sinne von Art. 141 StGB,
− der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB,
− der versuchten Nötigung im Sinne von Art. 181 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB,
− der mehrfachen Widerhandlung gegen das Waffengesetz (WG) im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art. 7 Abs. 1 lit. a WG und Art. 12 Abs. 1 lit. d WV,
− der Widerhandlungen gegen das Ausländergesetz (AuG) im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. a und lit. b AuG.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 12 Jahren und 6 Monaten Freiheitsstrafe, wovon bis und
mit heute insgesamt 521 Tage durch Untersuchungs- und Sicherheitshaft erstanden sind.
3. Folgende mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 6. Januar 2012
beschlagnahmten Gegenstände werden, soweit nicht bereits in den Verfahren DG120005-E
und DG120006-E erfolgt, eingezogen und der Bezirksgerichtskasse zur Vernichtung
überlassen:
aus dem Cabaret R._
− 1 schwarzer Rucksack
− 1 Paket Kabelbinder
− 1 Revolver 22mm n°... und 6 Patronen 22LR
− 1 Kabelbinde (S._)
− 1 Kabelbinde (W._)
− 1 Taschenlampe, schwarz
− blutgetränkte Taschentücher
aus ALFA Romeo (C._)
− 1 schwarze Sturmhaube
− 1 Parkticket
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Fluchtweg
− Handschuhe (grau/weiss)
− 1 Handschuh, schwarz
− 1 selbstgemachte Sturmhaube, schwarz
− 1 Handschuh, schwarz
in Lausanne, av. D._-Strasse ...
− 1 Schachtel mit Patronen STINGER 22LR (6 fehlend)
aus Wohnung C._ (Hinwil)
− diverse Zigarettenstummel
4. Folgende mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 6. Januar 2012
beschlagnahmten Gegenstände und Vermögenswerte werden, soweit nicht bereits in den
Verfahren DG120005-E und DG120006-E erfolgt, definitiv beschlagnahmt, der Bezirks-
gerichtskasse zur Verwertung überlassen und zur Kostendeckung herangezogen:
aus ALFA Romeo (C._)
− € 28.26 und Fr. 0.10 (aus Bauchtasche, LACOSTE)
in Lausanne, av. D._-Strasse ...
− Fr. 203.45, US$ 6.– (aus Portemonnaie mit E._)
− 1 NOKIA, IMEI ...
− 1 Rucksack INVICTA (mit Werkzeug, um Zylinder abzubrechen, , Imbus)
− 1 NOKIA, IMEI ...
− 1 SAMSUNG, IMEI ...
− 1 SAMSUNG, IMEI ...
− Fr. 150.–
− Fr. 19.15
aus Restaurant F._ (C._)
− 1 NOKIA, schwarz
− 1 Karabiner, n°...
5. Folgende mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 6. Januar 2012
einzig als Beweismittel beschlagnahmte Gegenstände werden, soweit nicht bereits in den
Verfahren DG120005-E und DG120006-E erfolgt, auf erstes Verlangen der jeweiligen
berechtigten Person zurückgegeben:
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aus ALFA Romeo (C._)
− 1 weisses Feuerzeug
− 1 Nachladeticket für Natel 07...
− 1 Bauchtasche, LACOSTE
in Lausanne, av. D._-Strasse ...
− 1 Portemonnaie (mit E._)
− 1 Paar Handschuhe SOMMER GRIP (grün/beige)
− 1 Halbschuhe, VARESE
aus Wohnung C._ (Hinwil)
− 1 BMW Schlüssel und 1 Alfa Romeo Schlüssel
6. Schadenersatz
a) Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 1 Schadenersatz von Fr. 1'000.–
zuzüglich 5 % Zins ab 21. November 2010 zu bezahlen, und zwar unter solidarischer
Haftung mit den Mitbeschuldigten G._ und C._.
b) Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 2 (Versicherung) Schadenersatz
von Fr. 13'758.60 zu bezahlen, und zwar unter solidarischer Haftung mit den
Mitbeschuldigten G._ und C._.
c) Die Privatklägerin 5 wird mit ihrem Schadenersatzbegehren auf den Zivilweg
verwiesen.
d) Es wird dem Grundsatz nach festgestellt, dass der Beschuldigte verpflichtet ist, der
Privatklägerin 6 den durch seine Straftaten verursachten Schaden zu ersetzen.
e) Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 7 Schadenersatz von Fr. 144.–
zuzüglich 5 % Zins ab 12. Dezember 2010 zu bezahlen und zwar unter solidarischer
Haftung mit den Mitbeschuldigten G._ und C._. Im Mehrbetrag wird der
Privatkläger 7 mit seinem Schadenersatzbegehren auf den Zivilweg verwiesen.
f) Der Privatkläger 8 wird mit seinem Schadenersatzbegehren auf den Zivilweg
verwiesen.
g) Der Privatkläger 9 wird mit seinem Schadenersatzbegehren auf den Zivilweg
verwiesen.
h) Die Privatklägerin 10 wird mit ihrem Schadenersatzbegehren auf den Zivilweg
verwiesen.
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i) Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 11 Schadenersatz von
Fr. 1'290.– zu bezahlen, und zwar unter solidarischer Haftung mit den Mitbeschuldig-
ten G._ und C._. Im Mehrbetrag wird die Privatklägerin 11 mit ihrem Scha-
denersatzbegehren auf den Zivilweg verwiesen.
7. Genugtuung
a) Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 6 eine Genugtuung von
Fr. 1'000.– zu bezahlen, und zwar unter solidarischer Haftung mit den Mitbeschuldig-
ten G._ und C._.
Der Beschuldigte wird überdies verpflichtet, der Privatklägerin 6 eine Genugtuung von
Fr. 5'000.– zu bezahlen.
b) Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 7 eine Genugtuung von
Fr. 1'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 12. Dezember 2010 zu bezahlen, und zwar unter
solidarischer Haftung mit den Mitbeschuldigten G._ und C._.
Der Beschuldigte wird überdies verpflichtet, dem Privatkläger 7 eine Genugtuung von
Fr. 1'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 12. Dezember 2010 zu bezahlen.
c) Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 8 eine Genugtuung von
Fr. 1'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 21. November 2010 zu bezahlen, und zwar unter
solidarischer Haftung mit den Mitbeschuldigten G._ und C._.
d) Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 9 eine Genugtuung von
Fr. 1'000.– zu bezahlen, und zwar unter solidarischer Haftung mit den Mitbeschuldig-
ten G._ und C._.
e) Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 10 eine Genugtuung von
Fr. 1'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 21. November 2010 zu bezahlen, und zwar unter
solidarischer Haftung mit den Mitbeschuldigten G._ und C._.
8. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 2'200.– die weiteren Kosten betragen:
Fr. 11'535.70 Auslagen Vorverfahren
Fr. 860.– Kosten der Kantonspolizei Zürich
Fr. 15'879.95 Ausserkantonale Verfahrenskosten
Fr. 10'000.– Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 544.50 Auslagen Gerichtsverfahren (Gutachten IRM UZH)
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9. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Beschuldigten
auferlegt.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung und die Kosten für die unentgeltliche Verbeiständung
der Privatklägerin 6 werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine
Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 respektive Art. 426 Abs. 4 StPO.
10. (Mitteilungen)
11. (Rechtsmittelbelehrung)"
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten A._:
(SB120476 Urk. 202 S. 1 ff.)
Hauptanträge:
1. Es sei festzustellen, dass der Schuldspruch der Vorinstanz betr. der
Widerhandlungen gegen das Ausländergesetz (AuG) unangefochten
blieb und in Rechtskraft erwachsen ist. Des Weiteren sei festzustellen,
dass die Dispositiv Ziff. 3, 4 und 5 des vorinstanzlichen Urteils
(Beschlagnahmung und Einziehung) unangefochten geblieben und
rechtskräftig sind, mit der Ausnahme einzelner Gegenstände und Bar-
geldbeträge gemäss Ziff. 5 der nachfolgenden Anträge. Unangefochten
geblieben und damit rechtskräftig sind überdies die Dispositiv Ziff. 6c,
6f, 6g und 6h, Dispositiv Ziff. 8 und Teile von Dispositiv Ziff. 9 (Kosten
amtl. Verteidigung und unentgeltliche Verbeiständung der Privatkläge-
rin 6), was ebenfalls festzustellen sei.
2. Von den weiteren Vorwürfen des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1
Abs. 1 in Verbindung mit Ziff. 3 und teilweise mit Ziff. 4 StGB, der
sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 und Abs. 3 StGB, der
Sachentziehung im Sinne von Art. 141 StGB, der Sachbeschädigung
im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB, der versuchten Nötigung im Sinne
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von Art. 181 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB, der mehrfachen
Widerhandlung gegen das Waffengesetz (WG) im Sinne von Art. 33
Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art. 7 Abs. 1 lit. a WG und Art. 12 Abs. 1
lit. d WV, sei Herr Krasniqi freizusprechen.
3. Für die Widerhandlung gegen das Ausländergesetz sei mein Mandant
milde, höchstens jedoch mit 6 Monaten Freiheitsentzug, zu bestrafen.
4. Herr A._ sei aus der Sicherheitshaft zu entlassen und für die
erlittene Überhaft angemessen zu entschädigen.
5. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom
6. Januar 2012 zur Kostendeckung beschlagnahmten Fr. 203.45,
USD 6 (aus Portemonnaie A._) und das Handy Nokia E 71 mit der
IMEI ..., Rufnummer 07..., seien Herrn A._ herauszugeben.
6. Die Zivilansprüche der Privatkläger 1 (Schadenersatz Fr. 1'000.–
zuzüglich Zins), Privatklägerin 2 (Schadenersatz Fr. 13'758.60), Privat-
klägerin 6 (Schadenersatz dem Grundsatz nach sowie Genugtuung
Fr. 6'000.–), Privatkläger 7 (Schadenersatz Fr. 144.– zuzüglich Zins
sowie Genugtuung Fr. 2'000.– zuzüglich Zins), Privatklägerin 8
(Genugtuung Fr. 1'000.– zuzüglich Zins), Privatkläger 9 (Genugtuung
Fr. 1'000.–), Privatklägerin 10 (Genugtuung Fr. 1'000.– zuzüglich Zins),
Privatklägerin 11 (Schadenersatz Fr. 1'290.–) seien auf den Zivilweg zu
verweisen.
7. Das erstinstanzliche Kostendispositiv sei aufzuheben und es seien die
Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens auf die
Staatskasse zu nehmen.
Für den Fall, dass Herr A._ über die Widerhandlung gegen das
Ausländergesetz hinaus weiterer Straftaten schuldig gesprochen werden
soll, stelle ich Ihnen folgende
Eventualanträge:
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8. Herr A._ sei milde zu bestrafen.
9. Die von Herrn A._ angefochtenen Entscheide des Bezirksgerich-
tes Hinwil betr. Zivilansprüche (Schadenersatz und Genugtuung) seien
zu bestätigen.
10. Die von Herrn A._ angefochtenen Entscheide des Bezirksgerich-
tes Hinwil betr. Einziehung und Beschlagnahmungen seien zu bestäti-
gen.
11. Es seien die Verfahrenskosten – mit Ausnahme derjenigen für die
amtliche Verteidigung und die unentgeltliche Verbeiständung der
Privatklägerin 6 im erstinstanzlichen Verfahren sowie der Kosten für die
amtliche Verteidigung im Berufungsverfahren (Art. 426 Abs. 1 StPO) –
dem Appellanten aufzuerlegen, unter Berücksichtigung seiner
wirtschaftlichen Verhältnisse jedoch zu erlassen (Art. 425 StPO).
b) Der Privatklägerin B._
(SB120476 Urk. 203 S. 1)
1. Es sei der Beschuldigte A._ zu verpflichten, der Privatklägerin
B._ eine Genugtuung von Fr. 20'000.– plus Zins von 5 % seit dem
3. Dezember 2010 zu bezahlen,
2. unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Beschuldigten.
c) Der Staatsanwaltschaft:
(SB120476 Urk. 204 S. 1, sinngemäss)
1. Es sei die Berufung des Beschuldigten A._ abzuweisen.
2. Es sei der Beschuldigte A._ mit einer Freiheitsstrafe von
14 Jahren zu bestrafen, unter Anrechnung der erstandenen Haft.
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## Considerations

Erwägungen:
1. Prozessgeschichte
1.1. Mit vorstehend wiedergegebenem Urteil vom 22. Mai 2012 wurde der
Beschuldigte anklagegemäss schuldig gesprochen (bandenmässige, bewaffnete
Raubüberfälle, Sachentziehung, Sachbeschädigung, qualifizierte sexuelle sowie
einfache versuchte Nötigung einer Geschädigten, Widerhandlungen gegen das
Ausländergesetz) und mit einer Freiheitsstrafe von 12 Jahren und 6 Monaten
bestraft, wovon bis zum Urteilstag 521 Tage durch Haft erstanden waren. Der
Beschuldigte wurde verpflichtet, teils in solidarischer Haftung zusammen mit den
Mitbeschuldigten G._ und C._ (je separate Verfahren)
diversen Privatklägern Schadenersatz und Genugtuung zu bezahlen. Weiter ent-
schied die Vorinstanz über die Verwendung von beschlagnahmten Gegenständen
und wurden schliesslich dem Beschuldigten die Kosten der Untersuchung und
des gerichtlichen Verfahrens auferlegt, mit Ausnahme der Kosten der amtlichen
Verteidigung und der unentgeltlichen Verbeiständung der Privatklägerin 6, welche
unter Vorbehalt der Nachforderung einstweilen auf die Gerichtskasse genommen
wurden (Urk. 94 S. 53 ff.).
1.2. Gegen dieses schriftlich im Dispositiv eröffnete Urteil (Urk. 94 S. 58)
liessen einerseits der Beschuldigte seinen damaligen amtlichen Verteidiger am
30. Mai 2012 sowie andererseits die Privatklägerin 6 ihre Vertreterin am 31. Mai
2012 je innert Frist Berufung anmelden (Urk. 77/78) und nach Zustellung des
begründeten Urteils (Urk. 91/92) am 28. Oktober 2012 – ebenfalls fristgerecht –
dem Obergericht die Berufungserklärungen einreichen (Urk. 96 und 98).
Gleichzeitig liess der Beschuldigte den Beweisantrag stellen, es sei zu ermitteln,
wer am 21. November 2010 Benutzer der Rufnummer 07... gewesen sei und ob
dieser Benutzer zum Zeitpunkt des Raubes in H._ mit dem Beschuldigten te-
lefoniert habe (Urk. 98 S. 6).
1.3. Mit Präsidialverfügung vom 27. November 2012 wurden die Berufungs-
erklärungen in Anwendung von Art. 400 Abs. 2 und 3 StPO den jeweiligen
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Gegenparteien übermittelt, um gegebenenfalls Anschlussberufung zu erheben
oder Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen. Ebenso wurde den betroffe-
nen Parteien Frist angesetzt, um zum Beweisantrag des Beschuldigten Stellung
zu nehmen, und der Privatklägerin 6 wurde Gelegenheit gegeben, Anträge im
Sinne von Art. 335 Abs. 4 StPO, Art. 153 Abs. 1 StPO und Art. 68 Abs. 4 StPO zu
stellen (Urk. 50). Am 6. Dezember 2012 erhob die Staatsanwaltschaft Anschluss-
berufung und teilte mit, sich dem Beweisantrag des Beschuldigten nicht zu wider-
setzen (Urk. 112). Daraufhin wurde mit Präsidialverfügung vom 7. Januar 2013
die Anschlussberufungserklärung den Gegenparteien zugestellt und die Staats-
anwaltschaft beauftragt, die vom Beschuldigten beantragten Ermittlungen vorzu-
nehmen (Urk. 118). Am 25. Januar 2013 reichte die Staatsanwaltschaft die
Unterlagen über die ergänzenden Beweiserhebungen ein (Urk. 130, 132).
1.4. Nachdem verschiedene Eingaben des Beschuldigten persönlich betreffend
einen vermeintlichen Berufungsrückzug zu einiger Verwirrnis und Korrespondenz
geführt hatten und sich sodann ergab, dass das Vertrauensverhältnis zwischen
dem Beschuldigten und dem damaligen amtlichen Verteidiger erheblich gestört
war, entliess der Kammerpräsident mit Verfügung vom 26. Februar 2013 den
vormaligen amtlichen Verteidiger und ernannte per 22. Februar 2013 den auch
heute noch für den Beschuldigten tätigen Anwalt zum neuen amtlichen Verteidiger
(Urk. 158). Dieser teilte am 2. April 2013 mit, der Beschuldigte halte – entgegen
seinen vorgängigen missverständlichen Eingaben – an seiner Berufung fest
(Urk. 164). Daraufhin ergingen am 12. Juni 2013 die Vorladungen zur Berufungs-
verhandlung (Urk. 174). Angesichts des Umstands, dass die Privatklägerin 6 nicht
zum persönlichen Erscheinen an der Berufungsverhandlung verpflichtet wurde,
verzichtete deren Vertreterin am 8. Oktober 2013 auf ihren ursprünglich gestellten
Antrag, es habe dem urteilenden Gericht eine Richterin anzugehören (Urk. 180).
1.5. Zwischenzeitlich wurde die Sicherheitshaft über den Beschuldigten
verschiedentlich verlängert, letztmals mit Verfügung vom 30. Mai 2013 bis zum
Entscheid des Berufungsgerichts in der Sache (Urk. 172).
1.6. Zu Beginn der heutigen Berufungsverhandlung, zu welcher der zuständige
Staatsanwalt, der Beschuldigte persönlich in Begleitung seines amtlichen Vertei-
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digers sowie die Vertreterin der Privatklägerin 6 erschienen sind (Prot. II S. 13),
waren weder Vorfragen zu entscheiden (Prot. II S. 18) noch Beweise abzuneh-
men (Prot. II S. 20). Die Berufungsverhandlung wurde zusammen mit jener in
Sachen des Mitbeschuldigten C._ durchgeführt (Prot. II S. 13). Das vorlie-
gende Urteil erging im Anschluss an die Berufungsverhandlung (Prot. II S. 35 ff.).
2. Umfang der Berufung
2.1. Der Beschuldigte ficht die folgenden Punkte des vorinstanzlichen Urteils an
(Urk. 98 S. 3 ff.):
- den gesamten Schuldpunkt (Dispositivziffer 1), mit Ausnahme der Verurtei-
lung wegen der Widerhandlungen gegen das AuG;
- den Strafpunkt (Dispositivziffer 2);
- die Einziehung einer Barschaft aus seinem Portemonnaie sowie eines Mobil-
telefons (Dispositivziffer 4, teilweise);
- die mit den von ihm angefochtenen Schuldsprüchen zusammenhängenden
Verpflichtungen zur Leistung von Schadenersatz und Genugtuung (Disposi-
tivziffer 6 und 7, teilweise);
- die Kostenauflage (Dispositivziffer 9 Abs. 1).
2.2. Die Privatklägerin 6 beschränkt ihre Berufung auf die ihr zulasten des Be-
schuldigten zugesprochene Genugtuung (Dispositivziffer 7a Abs. 2). Gegenstand
der Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft ist einzig die Strafzumessung
(Dispositivziffer 2).
2.3. In den nicht angefochtenen Punkten ist das vorinstanzliche Urteil in
Rechtskraft erwachsen, was vorab vorzumerken ist (Art. 399 Abs. 3 StPO in
Verbindung mit Art. 402 und 437 StPO).
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3. Sachverhalt
3.1. Ausser dem Vorwurf gemäss Anklageziffer 1, wonach er im Oktober 2010
ohne gültigen Reisepass und ohne gültiges Visum in die Schweiz eingereist sei
und sich danach bis zu seiner Verhaftung am 19. Dezember 2010 unberechtig-
terweise hier aufgehalten habe, bestreitet der Beschuldigte die ganze restliche
Anklage. Es treffe alles nicht zu. Was G._ – auf dessen Aussagen die Ankla-
ge schwergewichtig basiert – erzähle, habe nichts mit der Wahrheit zu tun, sei er-
funden und erlogen. Die Beweise fehlten; es gebe lediglich Indizien, die
gegen ihn sprächen. Er wisse nicht, wie seine DNA-Spuren an die jeweiligen
Fundstellen gekommen seien. Seine Sachen seien missbraucht worden. In
H._ und I._ sei er gar nie gewesen (Urk. 65 S. 5 ff.; ebenso Urk. 200 S.
9 ff.). Diese Haltung hatte der Beschuldigte schon während der ganzen Untersu-
chung eingenommen.
3.2. Es ist deshalb zu prüfen, ob sich der Anklagesachverhalt aufgrund der
vorliegenden Beweismittel erstellen lässt. Wie dabei vorzugehen ist, hat die
Vorinstanz bereits zutreffend dargelegt (Urk. 94 S. 7 f.). Gerade wenn der Be-
schuldigte kritisiert, es lägen – gemeint wohl: nur nicht genügend beweiskräftige –
Indizien vor, ist zu ergänzen, dass beim Fehlen direkter Beweise ein indirekter
Beweis durchaus zulässig ist. Dabei wird aus bestimmten Tatsachen, die nicht
unmittelbar rechtserheblich, aber bewiesen sind (Indizien), auf die zu beweisende,
unmittelbar rechtserhebliche Tatsache geschlossen. Eine Mehrzahl von Indizien,
die für sich alleine nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf die Täterschaft
oder die Tat hinweisen und einzeln betrachtet die Möglichkeit des Andersseins
offen lassen, können einen Anfangsverdacht verstärken und in ihrer Gesamtheit
ein Bild erzeugen, das – einem Mosaik gleich – bei objektiver Betrachtung keine
Zweifel bestehen lässt, dass sich der Sachverhalt so verwirklicht hat (so zuletzt
Urteil des Bundesgerichts 6B_217/2012 vom 20. Juli 2012 mit weiteren Verwei-
sen). Es kommt auf das Gesamtbild und nicht darauf an, inwieweit ein einzelnes
Indiz bei isolierter Betrachtung zur Überzeugung des Gerichts beitragen kann.
3.3. Die Vorinstanz hat in ihren sorgfältigen Erwägungen die Beweislage richtig
erfasst und daraus die zutreffenden Schlüsse gezogen. Alle vorliegenden Be-
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weismittel und Indizien zusammen gewürdigt, ergibt sich ein Gesamtbild, das kei-
ne vernünftigen Zweifel daran belässt, dass sich der Sachverhalt so zugetragen
hat, wie er in der Anklageschrift dargestellt wird. Die im Kernbereich konstanten
und glaubhaften Aussagen von G._ lassen sich durch verschiedene Indizien
und Zeugenaussagen objektivieren und plausibilisieren. Es sind keine Anhalts-
punkte ersichtlich, dass G._ den Beschuldigten – so wie dieser geltend
macht – durchwegs falsch belastete. Nicht nur wäre dafür kein Motiv erkennbar,
sondern es erscheinen seine Aussagen in ihrem Detaillierungsgrad und ihrer Au-
thentizität auch derart, dass sie kaum erfunden und konstant wiedergegeben wer-
den könnten. Es ist daher vollumfänglich auf die zutreffenden Erwägungen der
Vorinstanz zu verweisen (Urk. 94 S. 13 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Was die Vertei-
digung im Berufungsverfahren dagegen vorbringt, dringt nicht durch:
3.4. Insbesondere macht die Verteidigung – wie schon vor Vorinstanz –
geltend, der Beschuldigte sei am 21. November 2010, als der Nachtclub J._
in H._ überfallen worden ist (Anklageziffer 2.1), in Lausanne gewesen. Der
Beschuldigte sei nämlich zur Tatzeit mehrmals angerufen worden, wobei sein
Mobiltelefon mit der Rufnummer 07... in Lausanne eingebucht gewesen sei (Urk.
202 S. 9 ff.; Urk. 98 S. 6; Urk. 70 S. 11/12). In diesem Zusammenhang stellte der
frühere Verteidiger im Berufungsverfahren denn auch den Beweisantrag, es sei
zu ermitteln, wer am 21. November 2010 Benutzer der Rufnummer 07... gewesen
sei und ob diese Person zum Zeitpunkt des Raubes in H._ mit dem Beschul-
digten telefoniert habe (Urk. 98 S. 6).
3.4.1. Zwischen den beiden genannten Nummern fanden zur Tatzeit am
21. November 2010 in den Stunden nach Mitternacht effektiv diverse Gespräche
statt (ND 2/7/54). Allerdings hat schon die Vorinstanz darauf hingewiesen, es sei
nicht belegt, dass die Rufnummer 07... überhaupt dem Beschuldigten zuzuordnen
sei. Erstellt sei einzig, dass der Beschuldigte bei seiner Verhaftung
in Lausanne ein Mobiltelefon mit der eingelegten SIM-Karte Rufnummer
07... auf sich getragen habe. Bezüglich des Beweiswerts der Telefonstandortbe-
stimmung komme es jedoch nicht auf das Gerät, sondern auf die
verwendete SIM-Karte an. Diese sei indessen auswechselbar. So könne zwar die
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SIM-Karte mit der Nummer 07... durchgehend in Lausanne nachgewiesen wer-
den. Es sei aber davon auszugehen, dass diese Nummer – bzw. die
SIM-Karte – nicht dem Beschuldigten gehört habe und nicht ständig von ihm
benutzt worden sei, sondern die Karte einfach durchgehend in der Wohnung in
Lausanne gewesen sei, in welcher der Beschuldigte verhaftet wurde. Zumal der
Beschuldigte in einer Einvernahme auch noch die Frage verneint habe, ob ihm die
überwachte Telefonnummer 07... etwas sage (vgl. act. 4/7 S. 3),
könnten – so die Vorinstanz abschliessend – die Telefonverbindungsnachweise
der Nummer 07... den Beschuldigten weder be- noch entlasten (Urk. 94 S. 29/30).
3.4.2. Diesen Erwägungen ist nur wenig beizufügen. Zu verdeutlichen ist, dass die
erwähnte Rufnummer 07... nicht etwa auf den Beschuldigten, sondern auf
K._ (recte wohl: K'._) eingelöst war (ND 2/7/51) und die zunächst
ermittelnde Kantonspolizei Freiburg schon von Anfang an Zweifel daran hatte, ob
diese Nummer (auch) vom Beschuldigten verwendet worden ist (ND 2/1/2 S. 14,
15 sowie ND 2/7/54, Kopfzeile). Dass dem nicht so war, wird nun durch die auf
Antrag der Verteidigung vorgenommenen Beweisergänzungen erhärtet: Die
Rufnummer 07... ist auf L._ eingelöst (Urk. 132/1),
wird jedoch von deren Ehemann, K'._, benützt (Urk. 132/10 S. 3, 4;
Urk. 132/11 S. 4). Zur Rufnummer 07... konnte L._, als Zeugin befragt, über-
haupt nichts Sachdienliches aussagen (Urk. 132/10). Auch K'._ kannte diese
Nummer nicht, vermutete dann aber auf Vorhalt der diversen Verbindungen zwi-
schen den beiden Nummern vom 20./21. und 25.
November 2010, mit seinem Cousin M._ telefoniert zu haben. Ob er damals
mit dem Beschuldigten telefoniert habe, verneinte K'._; er kenne diesen
nicht. Auf entsprechende Nachfrage des Beschuldigten räumte K'._ dann
aber ein, es könne sein, dass er mit M._ und dem Beschuldigten einmal ein
Glas getrunken und Dart gespielt habe. Die anschliessende Frage des
Beschuldigten, ob K'._ in jener Zeit mit ihm – dem Beschuldigten –
telefoniert habe, verneinte K'._ dann aber wieder; er glaube, er habe nie mit
dem Beschuldigten am Telefon gesprochen (Urk. 132/11 S. 4-6).
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Vor diesem Hintergrund kann keine Rede davon sein, dass – wie die frühere
Verteidigung geltend machte – der Beschuldigte zur Zeit des Raubüberfalles auf
den Nachtclub J._ sich nachgewiesenermassen in Lausanne aufgehalten
hätte. Vielmehr ist davon auszugehen, dass die vom Beschuldigten für sich
reklamierte Rufnummer 07... nicht von ihm benutzt worden ist – jedenfalls nicht
zur fraglichen Zeit. Die Vermutung des als Zeuge befragten K'._, die Num-
mer könnte von dessen Cousin benützt worden sein, ist da viel plausibler. Es
kommt hinzu, dass der Beschuldigte selbst in der Untersuchung sowie vor Vo-
rinstanz immer aussagte, er sei vor seiner Verhaftung erst seit
wenigen Tagen in Lausanne gewesen. Zwar sind seine diesbezüglichen Aus-
sagen etwas uneinheitlich (vorinstanzliche Hauptverhandlung: "2-3 Tage" bzw.
"ca. 10 Tage", Urk. 65 S. 7; delegierte Einvernahme vom 29. März 2011: "3-4 Ta-
ge", Urk. 4/7 S. 2; staatsanwaltschaftliche Einvernahme vom 21. Dezember 2011:
"drei Tage bis eine Woche", Urk. 4/9 S. 4), aber sie sind – nachdem der Beschul-
digte am 19. Dezember 2010 in Lausanne verhaftet worden ist – allesamt nicht
mit der Behauptung der Verteidigung vereinbar, der Beschuldigte habe sich am
21. November 2010, also einen ganzen Monat vorher, in Lausanne aufgehalten.
Im Berufungsverfahren machte der Beschuldigte allerdings geltend, er sei vor der
Verhaftung "mehrere Wochen" in Lausanne gewesen (Urk. 200 S. 12). Diese
Darstellung weicht sehr deutlich von seinen früher gemachten Ausführungen ab.
Entsprechend erscheint diese Aussage äusserst zweifelhaft, weshalb darauf nicht
abgestellt werden kann. Dem möglichen Einwand, es habe der Beschuldigte an
jenem Wochenende vom 20./21. November 2010 jemand in Lausanne besucht,
wäre schliesslich entgegen zu halten, dass die Telefonnummer 07... nicht nur je-
nes Wochenende, sondern ab dann bis am 19. Dezember 2010 beinahe täglich
sehr regelmässig im Raum Lausanne benutzt worden ist (ND 2/7/54). Wenn sich
der Beschuldigte also am 19. Dezember 2010 erst seit höchstens 10 Tagen in
Lausanne aufgehalten hat, kann er nicht der Besitzer der Rufnummer 07... gewe-
sen sein.
Sodann ist – mit der Staatsanwaltschaft (vgl. Urk. 204 S. 5) – festzuhalten, dass
die fragliche SIM-Karte mit der Rufnummer 07... während des Aufenthalts des
Beschuldigten in der Schweiz in vier verschiedenen Mobiltelefongeräten verwen-
- 16 -
det wurde. Wie der Auswertung der rückwirkenden Teilnehmeridentifikation der
Rufnummer 07... entnommen werden kann, wurde die fragliche SIM-Karte erst-
mals am 5. Dezember 2010 in das Mobiltelefon "Nokia E71"
mit dem IMEI-Code ... eingelegt. Davor wurde sie – unter
anderem – in einem Mobiltelefon "BlackBerry 8320 Curve" mit dem IMEI-Code ...
verwendet (Urk. 132/14 bzw. ND2 Urk. 7/52; Urk. 204 S. 5, mit Verweis auf
http://www.numberingplans.com/?page=analysis&sub=imeinr). Der Beschuldigte
führte anlässlich der Berufungsverhandlung aus, dass das von der Kantonspolizei
Waadt sichergestellt Mobiltelefon "Nokia E71" ihm gehört
habe. Er habe dieses in Lausanne erworben, nicht in einem Geschäft, sondern
von einer anderen Person. Wann genau er dieses Mobiltelefon übernommen
habe, wisse er nicht. Als er in die Schweiz eingereist sei, habe er ein anderes
Mobiltelefon gehabt. Er wisse aber nicht mehr, welche Marke es gewesen sei.
Auch wisse er nicht, wie dieses ausgesehen habe (Urk. 200 S. 21 f.). Er habe
aber seit seiner Ankunft in der Schweiz, die SIM-Karte mit der Rufnummer 07...
verwendet (Urk. 200 S. 11). Aufgrund der Aussagen des Beschuldigten sowie der
Auswertung der rückwirkenden Teilnehmeridentifikation ist zwar davon auszuge-
hen, dass der Beschuldigte die SIM-Karte mit der Rufnummer 07... am 5. Dezem-
ber 2010 in sein Mobiltelefon "Nokia E71" einlegte und dieses in der Folge be-
nutzte. Es kann dem Beschuldigten aber nicht gefolgt werden, dass er diese Ruf-
nummer bereits vor dem 5. Dezember 2010 – mithin auch im Tatzeitpunkt – in ei-
nem anderen Mobiltelefon verwendete. So konnte er – wie gesehen – nicht ange-
ben, welches Mobiltelefon er vor dem "Nokia E71"
benutzte, obwohl es sich bei einem "BlackBerry 8320 Curve" – mit der Staats-
anwaltschaft (vgl. Urk. 204 S. 5) – zweifelsohne um ein auffälliges Mobiltelefon
handelt. Entsprechend müsste vom Beschuldigte – insbesondere auch unter
Berücksichtigung des regen Gebrauchs dieser Rufnummer (vgl. Urk. 132/14) –
erwartet werden müssen, dass er das Mobiltelefon hätte beschreiben bzw. die
Marke des Mobiltelefons benennen können. Zudem ist zu berücksichtigen, dass
der Beschuldigte nicht geltend machte, dass er die fragliche SIM-Karte mit der
Rufnummer 07... noch in weiteren Mobiltelefongeräten verwendet oder diese al-
lenfalls mit weiteren Personen geteilt hat. Dies müsste aber der Fall gewesen
- 17 -
sein, da diese SIM-Karte in der massgeblichen Zeit in vier verschiedenen Mobilte-
lefongeräten verwendet wurde, der Beschuldigte aber lediglich angab, in der
Schweiz zwei verschiedene Mobiltelefone – mithin das "Nokia E71" sowie ein
Mobiltelefon unbekannter Marke – benutzt zu haben.
Es hat damit bei der Schlussfolgerung der Vorinstanz zu bleiben, dass sich
aus den rückwirkenden Verbindungserhebungen der in Frage stehenden Mobil-
telefone nichts zugunsten des Beschuldigten ergibt.
3.4.3. Nicht geeignet, im Sinne der Vorbringen der Verteidigung Zweifel an der
Sachverhaltsdarstellung gemäss Anklageschrift zu begründen ist auch, dass die
verschiedenen Geschädigten im Nachtclub J._ die beiden Täter nicht klar
identifizieren konnten und dahingehend nicht einheitlich ausgesagt haben,
welcher der beiden nun grösser gewesen sei (Urk. 202 S. 8 f.; Urk. 70 S. 13 ff.,
mit Verweisen): Zunächst ist festzuhalten, dass G._ 178 cm gross ist (Urk.
21/1) und der Beschuldigte 175 cm misst (Urk. 23/1), womit beide von
ähnlicher Grösse sind und demnach nicht zu erstaunen braucht, wenn Zeugen in
ihren Beschreibungen unsicher bzw. uneinheitlich darüber sind, wer nun grösser
ist. Und nachdem die beiden Täter Strumpfmasken trugen, ist ebenso klar, dass
sie von den Überfallenen nicht klar identifiziert werden konnten (vgl. nur anstelle
Vieler die Zeugen N._ in ND 1/2/10 S. 9 und O._ in ND 1/2/12 S. 10) –
zumal noch in der ganzen Situation der Aufregung und Angst.
3.4.4. Die Verteidigung machte sodann geltend, der Mitbeschuldigten G._
habe in den nicht parteiöffentlichen Einzeleinvernahmen wenn immer möglich den
Beschuldigten ins Zentrum gerückt und im Gegensatz dazu seinen Beitrag augen-
fällig bagatellisiert. Dies sei ein Aussageverhalten, welches bereits für sich allein
betrachtet zu Vorsicht Anlass geben müsse. Im Gegensatz dazu falle sodann auf,
wie einsilbig sich G._ in der beweisrelevanten Konfrontationseinvernahme
geäussert, sich vorab auf seinen eigenen Tatbeitrag beschränkt und Erinnerungs-
lücken geltend gemacht habe. Mangels eigener Vorbringen habe er auf Vorhalt
seiner früheren Aussagen lediglich immer wieder stereotyp bestätigt, damals die
Wahrheit gesagt zu haben. Würde man auf die Aussagen in besagter Konfronta-
- 18 -
tionseinvernahme abstellen, so liesse sich daraus jedenfalls kein rechtsgenügen-
der Beweis auf die Mittäterschaft des Beschuldigten führen (Urk. 202 S. 7 f.).
Bezüglich dieser Einwände kann vollumfänglich auf die diesbezüglichen, zu-
treffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 94 S. 29 ff.;
Art. 82 Abs. 4 StPO). Lediglich ergänzend bzw. präzisieren bleibt hier anzufügen,
dass zwar G._ selber Tatbeteiligter war und er dementsprechend bei seinen
Aussagen ein – durchaus legitimes – Interesse hätte haben können, die
Geschehnisse in einem für ihn günstigen Lichte darzustellen. Seine Aussagen
überzeugen aber insgesamt. Sie sind in sich stimmig und im Wesentlichen
widerspruchsfrei. Zudem decken sie sich im Kerngeschehen mit den Aussagen
der Geschädigten sowie den weiteren Untersuchungsergebnissen. Seine Aus-
sagen sind damit – mit der Vorinstanz (Urk. 94 S. 30) – glaubhaft. Daran ändert –
entgegen der Verteidigung (vgl. Urk. 202 S. 8) – sein Aussageverhalten anlässlich
der Konfrontationseinvernahmen nichts. Angesichts der Drucksituation aufgrund
der Konfrontation mit dem Beschuldigten ist dies – mit der Vorinstanz (Urk. 94
S. 29) – durchaus nachvollziehbar.
3.4.5. Es bestehen daher keine Zweifel daran, dass der Beschuldigte im Sinne
der Anklageschrift und den Erwägungen der Vorinstanz am Raub vom
21. November 2010 im Nachtclub J._ in H._ beteiligt war.
3.5. Auch zum Raubvorwurf im Nachtclub P._ Bar in I._
(Anklageziffer 2.2) machte der frühere Verteidiger vor Vorinstanz noch geltend, es
beweise der Verbindungsnachweis der Rufnummer 07..., dass der
Beschuldigte zur Tatzeit in Lausanne gewesen sei (Urk. 70 S. 16/17). Hierfür ist
ohne Weiteres auf die vorstehenden Erwägungen 3.4.1 und 3.4.2 zu verweisen:
Es ist davon auszugehen, dass es nicht der Beschuldigte war, der die genannten
Rufnummer zur massgeblichen Zeit benutzt hat.
3.5.1. Wenn der Verteidiger sodann auch hier Zweifel an der anklägerischen
Darstellung begründet sehen will, weil keines der Opfer den Beschuldigten als Tä-
ter identifiziert habe und sie zudem ebenfalls widersprüchlich darüber ausgesagt
hätten, ob nun der Täter 1 oder der Täter 2 mit den Damen in den oberen Stock
- 19 -
gegangen sei (Urk. 202 S. 11; vgl. ebenso Urk. 70 S. 17-19), ist gleichermassen
auf die Erw. 3.4.3 vorstehend zu verweisen. Diesen Umständen kommt keine
entscheidende Bedeutung zu.
3.5.2. Neben dem Vorwurf des Raubs steht in Anklageziffer 2.2 gegen den
Beschuldigten auch der Vorwurf der qualifizierten sexuellen Nötigung sowie des
Nötigungsversuchs zum Nachteil der Privatklägerin 6 (B._) im Raum (Ankla-
geschrift S. 13/14). Die Vorinstanz hat den Beschuldigten auch hier verurteilt, und
zwar zur Hauptsache gestützt auf die Aussagen von G._ und der Privatklä-
gerin 6 sowie des Umstands, dass an den Geschlechtsteilen bzw. dem Gesäss
der Privatklägerin 6 DNA-Spuren festgestellt werden konnten, die dem Beschul-
digten zuzuordnen sind.
3.5.3. Der Verteidiger hält dem verschiedenste Aussagen der Privatklägerin 6
entgegen, die der Darstellung der sexuellen Nötigung durch die Staatsanwalt-
schaft widersprächen. Zusammengefasst ist der Verteidiger der Meinung, die
Beschreibung des Täters durch die Privatklägerin 6 treffe nicht – jedenfalls nicht
mit der genügenden Sicherheit – auf den Beschuldigten zu (Urk. 202 S. 11;
vgl. ebenso Urk. 70 S. 19 ff.).
3.5.3.1. Bei genauer Analyse der Aussagen der Privatklägerin 6 (Urk. 6/3;
Urk. 6/5; Urk. 6/6-6/8) fällt jedoch auf, dass sie nur gerade ein einziges Merkmal
des Täters konstant anders beschrieb, als es auf den Beschuldigten zutrifft: Stets
sagte sie nämlich dezidiert aus, der Täter habe graue (Urk. 6/3 S. 7; Urk. 6/5
S. 17; Urk. 6/8 S. 2) bzw. graumelierte (Urk. 6/5 S. 9) Haare gehabt (was auf den
Beschuldigten so nicht zutrifft; vgl. Urk. 6/7/2 und 23/1). Offenbar schloss sie aus,
sich diesbezüglich geirrt zu haben und zog – auf Vorhalt der Aussage von
G._, es sei der Beschuldigte gewesen, der mit den Mädchen nach oben
gegangen sei – eher die Möglichkeit in Betracht, dass man die grau melierten
Haare auf der ihr vorgelegten Fotografie nicht so deutlich sehen könne (Urk. 6/5
S. 17). Als die Privatklägerin 6 dann während der Lebendwahlkonfrontation über
den Beschuldigte sagte, "das ist er", ergänzte sie – offensichtlich irritiert –, sie
könne nicht verstehen, weshalb er keine grauen Haare habe (Urk. 6/8 S. 2). Und
anschliessend fragte sie zurück, ob der Beschuldigte die Haare gefärbt oder diese
- 20 -
für die Tat grau gefärbt habe (Urk. 6/8 S. 3). Dass er die Haare gefärbt haben soll,
verneinte der Beschuldigte im Übrigen anlässlich der Berufungsverhandlung
vehement (act. 200 S. 6 f.).
3.5.3.2. Auch wenn sich die Privatklägerin 6 diesbezüglich offensichtlich sehr
sicher zu sein scheint, ist gleichwohl nicht ausgeschlossen, dass sie sich geirrt
haben könnte. Davon abgesehen, dass Zeugenaussagen und Identifikationen
notorischerweise zu den unzuverlässigeren Beweismitteln zählen, sind vorliegend
zudem die konkreten, bereits in Erw. 3.4.3 angeführten konkreten Umstände zu
beachten. Hinzu kommt, dass es gemäss Aussagen des Geschäftsführers des
Nachtclubs P._ Bar zur Zeit des Überfalls dunkel gewesen sei im Club, wes-
halb er selbst jedenfalls "keine Chance" gesehen habe, sich ein Gesicht zu mer-
ken (Urk. 6/1 S. 2, 4; Urk. 6/2 S. 5). Und schliesslich sind die diesbezüglichen
Aussagen der Privatklägerin 6 auch dahingehend etwas zu relativieren, als sie
auch selbst mehrmals darauf hinwies, nur "etwas vom Haaransatz rechts"
(Urk. 6/3 S. 7) bzw. "ein wenig Kopfhaare" (Urk. 6/5 S. 9) gesehen zu haben.
Hinzuweisen ist immerhin auf den Umstand, dass auf den Fotos HD 23/17 und
HD 6/7/2 im Bartbereich und im Bereich der rechten Schläfe durchaus gewisse
grauen Stellen im Haar des Beschuldigten auszumachen sind (vgl. auch Urk. 200
S. 6 f.).
3.5.3.3. Im weiteren beschrieb die Privatklägerin 6 nämlich auffallend viele Merk-
male der beiden Täter, die mit der Hypothese übereinstimmen, dass es erstens im
Sinne der Aussagen von G._ dieser selbst und der Beschuldigte gewesen
sind, die den Überfall verübt haben, sowie zweitens der Beschuldigte derjenige
war, der den sexuellen Übergriff auf die Privatklägerin 6 zu verantworten hat:
- So beschrieb sie den Täter des sexuellen Übergriffs als den Kleineren
der beiden, wenn auch mit "ca. zwischen 165 und 170 cm" gemessen am
Beschuldigten (vgl. dazu Urk. 23/1: 175 cm) um 5 bis 10 cm zu klein
(Urk. 6/3 S. 7). Der Beschuldigte ist effektiv etwas kleiner als G._ (Urk.
23/1 und Urk. 21/1: 175 cm zu 178 cm).
- 21 -
- Gleichermassen zutreffen würde die Einschätzung der Privatklägerin 6, dass
der Täter des sexuellen Übergriffs der ältere der beiden gewesen sei
(Urk. 6/5 S. 9).
- Dass die Augen des Täters braun gewesen seien (Urk. 6/3 S. 7), schliesst
jedenfalls den Beschuldigten als Täter nicht aus (Urk. 6/7/2), zumal der Ver-
teidiger anlässlich der Berufungsverhandlung – nachdem der Beschuldigte
selber nicht angeben konnte, welche Augenfarbe er habe – erklärte, der
Beschuldigte habe dunkelbraune Augen (Urk. 200 S. 6).
- Die Augenbrauen des Beschuldigten sind sodann effektiv eher tiefsitzend
(Urk. 6/7/2) und namentlich etwas tiefer als bei G._ (Urk. 6/7/1). "In der
Mitte sehr breit und buschig" bzw. "breit" sind die Augenbrauen des
Beschuldigten auch (Urk. 6/3 S. 7: Urk. 6/5 S. 9); jedenfalls deutlich ausge-
prägter als diejenigen G._s.
- Aus den bei den Akten liegenden Einvernahmen sowie dem persönlichen
Eindruck anlässlich der Berufungsverhandlung ergibt sich sodann, dass
der Beschuldigte im Gegensatz zu G._ recht gut deutsch
spricht (Urk. 4/7-4/9; Urk. 65; Urk. 200). Wenn die Privatklägerin 6 – selbst
russischer Muttersprache – deshalb über den Täter, der sie sexuell genötigt
habe, sagt, dieser habe Schweizerdeutsch gesprochen (Urk. 6/3 S. 7; Urk.
6/5 S. 11), so trifft das eher auf den Beschuldigten als auf G._ zu.
- Mit dem Beschuldigten überein stimmt dann weiter die Beschreibung der
Privatklägerin 6, der Täter habe einen gebräunten Teint gehabt (Urk. 6/3
S. 7). Wenn sie weiter mutmasst, dieser hätte "aus dem Iran oder Irak"
stammen können (a.a.O.), so kann dem sicher keine entscheidende Bedeu-
tung zukommen. Zum einen ist daran zu erinnern, dass die Lichtverhältnisse
schlecht und die Täter maskiert gewesen sind, und zum anderen fällt – ge-
rade auch vor diesem Hintergrund – auf, dass die Privatklägerin 6 teilweise
die Tendenz hatte, sich mit ihren Beschreibungen offensichtlich etwas weit
vorzuwagen. Ob sie etwa beispielsweise aufgrund des Kusses des Täters
auf ihre Gesässbacke in der Lage war, verlässlich zu spüren, dass dieser
- 22 -
schmale Lippen hat (Urk. 6/3 S. 7), darf sicherlich mit einem Fragezeichen
versehen werden. Das relativierte die Privatklägerin 6 denn auch später
selbst wieder etwas: sie würde das nicht behaupten, habe aber das entspre-
chende Gefühl gehabt (Urk. 6/5 S. 9).
- Wenn die Privatklägerin 6 sodann "den andern" unter anderem so
beschreibt, dass dieser eine grosse, rundliche und grössere Nase als der
Täter des sexuellen Übergriffs gehabt habe (Urk. 6/3 S. 7; Urk. 6/5 S. 8), so
trifft dies ebenfalls – deutlich – auf G._ und den Beschuldigten zu (vgl.
dazu wieder Urk. 6/7/1 und Urk. 6/7/2). Wer nun die "schönere
Gesichtsform" der beiden hat, ist kaum zu objektivieren; dass aber der
"andere" Täter ein schmaleres Gesicht gehabt habe (Urk. 6/3 S. 8), würde
wieder mit G._ und dem Beschuldigten übereinstimmen.
- Auch wenn der Beschuldigte das in Abrede stellt (Urk. 65 S. 8), so trifft
schliesslich die Beschreibung der Privatklägerin 6, der Täter habe O-Beine
gehabt (Urk. 6/5 S. 11), durchaus auf ihn zu. Zwar hat der Beschuldigte nicht
sehr ausgeprägte O-Beine, aber im Vergleich zu G._ eine doch sehr
deutlich als solche zu erkennende Beinstellung bzw. -form (Urk. 6/7/1 und
Urk. 6/7/2).
3.5.3.4. Demgegenüber verweist der Verteidiger wieder auf die Reaktion der Pri-
vatklägerin 6 in der Einvernahme vom 20. April 2011, wo ihr Fotos des Beschul-
digten und von G._ vorgelegt worden sind. Auf Vorhalt der Fotografie des
Beschuldigten sagte die Privatklägerin 6 nämlich spontan "das war nicht der", und
bei G._ war sie sich nicht sicher. Daraufhin fragte der Staatsanwalt nach,
weshalb sie den Beschuldigten ausschliesse. Die Privatklägerin 6 erwiderte, der
Mann auf der Fotografie habe "so einen Schlafzimmerblick" und das Augenlid lie-
ge zu tief auf den Augen (Urk. 6/5 S. 16). Auf den anschliessenden Vorhalt des
Staatsanwalts, wonach DNA-Spuren des Beschuldigten auf der Gesässbacke der
Privatklägerin 6 hätten sichergestellt werden können, folgte dann die bereits ge-
nannte Diskussion über die grauen Haare und die damit verbundene Verunsiche-
rung der Privatklägerin 6. Schliesslich zeigte die Privatklägerin 6 aber auf
G._ und äusserte, es komme ihr so vor, als ob dieser es gewesen sei. Daran
- 23 -
hängte sie indessen den Zusatz an, "auch seine Beinform", worauf der Staats-
anwalt relativierend eingreifen musste, da zu Vergleichszwecken eine Ganz-
körperaufnahme des Beschuldigten damals nicht vorlag (Urk. 6/5 S. 17).
Neben dem, dass sich die Privatklägerin 6 damit teilweise auch selbst wider-
sprach, bringen ihre Äusserungen am Schluss der Einvernahme vom 20. April
2011 vorab ihre Verwirrung und offensichtliche Verunsicherung zum Ausdruck.
Die ihr vorgehaltene Fotografie des Beschuldigten (wohl Urk. 23/1, die mit HD
23/17 identisch ist) muss denn auch als nur mässig aussagekräftig bezeichnet
werden. Insbesondere der "Schlafzimmerblick" erscheint aufgesetzt; jedenfalls
erhält man den Eindruck, dass der Beschuldigte auf jener Fotografie den Kopf
etwas nach vorne neigt und dafür mit den Augen nach oben blickt. Seiner in
Bewegung eingenommenen Haltung – so wie sie mutmasslich die Privatklägerin 6
gesehen hat – entspricht dieses Bild kaum. Bestätigt wird dies denn auch
dadurch, dass sich die Fotografien unter Urk. 6/7/2 so deutlich von Urk. 23/1
unterscheiden, dass man sich beinahe fragt, ob sie tatsächlich dieselbe Person
abbilden.
3.5.3.5. Schliesslich wurde zum Ende der Einvernahme vom 20. April 2011 spon-
tan entschieden, dass die Privatklägerin 6 den Beschuldigten über Video ansehen
kann. Das gab aber nicht viel her – weder in die eine noch in die andere Richtung:
Vom Körperbau her hatte die Privatklägerin 6 das Gefühl, dass der Beschuldigte
nicht mit dem Täter identisch sei, von den Augen und den Augenbrauen her
dagegen schon (Urk. 6/5 S. 18). Auf Antrag des Verteidigers (Urk. 6/6) wurde
deshalb eine Lebendwahlkonfrontation zwischen der Privatklägerin 6 sowie dem
Beschuldigten und G._ durchgeführt. Diese fand am 27. April 2011 statt (Urk.
6/7). Entgegen der Vorinstanz, die den Aussagen der Privatklägerin 6
anlässlich dieser Lebendwahlkonfrontation offensichtlich nicht grosse Bedeutung
beimass (Urk. 94 S. 22), spricht nun aber schon einiges dafür, dass die Privatklä-
gerin 6 anlässlich dieser Konfrontation im Beschuldigten den Täter erkannt hat:
Über G._ sagte sie, sie denke, er sei es nicht. Als der Beschuldigte
dagegen geheissen wurde, einen Text vorzulesen, reagierte die Privatklägerin 6
mit: "Das ist er." Im Folgenden wiederholte sie, dass die Augen des Beschuldigten
- 24 -
dem Täter schon ähnlich seien, und die ein bisschen runden O-Beine seien dies
auch. Zusammenfassend hielt sie fest, die O-Beine, die Grösse der Schuhe, die
Körpergrösse, die Stimme und die Augen des Beschuldigten stimmten mit dem
Täter überein. Ausser der Haarfarbe (vgl. dazu aber Erw. 3.5.3.1 und 3.5.3.2
vorstehend) liesse aufgrund des Gesamteindruckes alles den Beschuldigten als
Täter in Frage kommen (Urk. 6/8 S. 2/3).
Die Verteidigung machte hierzu geltend, dass die Lebendwahlkonfrontation eine
Woche später stattgefunden habe, weshalb die Privatklägerin 6 in jenem
Zeitpunkt über ungleich mehr Kenntnisse und Eindrücke verfügt habe als am An-
fang und demzufolge Überlagerungen von Erinnerung und neuem Wissen nicht
ausgeschlossen werden könne (Urk. 202 S. 11). Diesen Ausführungen kann nicht
gefolgt werden. Vielmehr sprechen die Schilderungen der Privatklägerin 6 eine
deutliche Sprache. Ihre Aussagen erscheinen authentisch, spontan und kohärent,
und sie bestätigt letztlich im Wesentlichen, was sie schon in den früheren Einver-
nahmen zur Beschreibung der Täter ausgesagt hatte.
3.5.4. Entscheidend – und damit gleichsam das Mosaik vervollständigend –
kommt nun die Auswertung der gefundenen DNA-Spuren hinzu: Bekanntlich hat
die Privatklägerin 6 ausgesagt, es habe sie der Täter nach der vollzogenen sexu-
ellen Nötigung auf die rechte Gesässbacke geküsst. Daran ist nicht zu zweifeln.
Ab dieser rechten Gesässbacke konnte nun ein DNA-Mischprofil nachgewiesen
werden, zu welchem mindestens zwei Personen beigetragen haben, wobei mit
diesen beiden Spuren alle DNA-Merkmale der DNA-Profile der Privatklägerin 6
und des Beschuldigten übereinstimmen. Gemäss Gutachten des Instituts für
Rechtsmedizin ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Mischspur von der Privat-
klägerin 6 und dem Beschuldigten stammt, um mehrere Milliarden Mal grösser,
als wenn man die Spurengeberschaft der Privatklägerin 6 und einer unbekannten,
mit dem Beschuldigten genetisch nicht verwandten Person annehmen würde
(Urk. 9/5).
Mit der genau gleichen Wahrscheinlichkeit stammt sodann das auf der Innenseite
des rechten Schenkels der Privatklägerin 6 sichergestellte DNA-Mischprofil
von der Privatklägerin 6 selbst und dem Beschuldigten (Urk. 9/11 S. 3), und im
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Vulvabereich der Privatklägerin 6 wurde ein zwar inkomplettes männliches DNA-
Profil nachgewiesen, dessen Y-DNA-Profil indessen mit jenem übereinstimmt, das
an der rechten Gesässbacke der Privatklägerin 6 festgestellt werden konnte.
Nach Einschätzung des Instituts für Rechtsmedizin ergibt sich daraus immerhin
ein starker Hinweis, dass der Beschuldigte auch der Spurengeber der DNA-
Rückstände im Vulvaabstrich der Privatklägerin 6 ist (Urk. 9/11 S. 2).
Zwar stimmt durchaus, dass – wie der Verteidiger (Urk. 70 S. 6/7; Urk. 202
S. 12 f.) und auch der Beschuldigte selber (Urk. 200 S. 16) ausführten – DNA-
Spuren insofern keine Tat beweisen, als diese keinen Aufschluss darüber geben,
wie die Spuren an den Tatort gekommen sind. Wenn aber – wie hier – derart klare
Beweise vorliegen, die einer Erklärung bedürfen, so ist der Beschuldigte gehalten,
hierfür eine plausible Erkältung abzugeben. Der Beschuldigte bzw. die Verteidi-
gung konnte aber in keiner Weise plausibel und nachvollziehbar darlegen,
weshalb diverse DNA-Spuren des Beschuldigten an der Privatklägerin 6 und auch
– beim Raub in Q._ – am bzw. im Fahrzeug des Mitbeschuldigten C._
sichergestellt werden konnten. Insbesondere kann den Ausführungen der Vertei-
digung und des Beschuldigten, wonach eine andere Person die Kleider bzw. die
Handschuhe des Beschuldigten getragen habe und es so zur Übertragung der
DNA des Beschuldigten auf die Privatklägerin 6 gekommen sei (Urk. 202 S. 13;
Urk. 200 S. 13 ff.), nicht gefolgt werden. Wie dargelegt, konnte an der rechten
Gesässbacke und am rechten Schenkel der Privatklägerin 6 eine DNA-Mischspur
festgestellt werden, die ihr sowie mit grösstmöglicher Wahrscheinlichkeit dem
Beschuldigten – und nicht einer Drittperson – zugeordnet werden konnte. Wenn
aber eine weitere Person – wie von der Verteidigung bzw. dem Beschuldigten
behauptet – die Tat begangen haben soll, wäre davon auszugehen, dass auch
dessen DNA auf der Haut der Privatklägerin 6 oder auf Kleidungsstücken des
Beschuldigten hätten festgestellt werden können. Dies war aber – wie vorstehend
dargelegt – gerade nicht der Fall. Diese von der Verteidigung bzw. dem Beschul-
digten vorgebrachte Version wird sodann auch weder durch die weiteren Beweis-
ergebnisse noch durch die Aussagen der Geschädigten und der beiden anderen
Mitbeschuldigten gestützt. Im übrigen soll die DNA-Spur auf der Gesässbacke der
Privatklägerin 6 durch einen Kuss entstanden sein, mithin nicht mit Kleidern.
- 26 -
Wenn, wie vorliegend, DNA-Spuren ein schon aufgrund weiterer Beweismittel
grösstenteils entstandenes Gesamtbild bestätigen und komplettieren, kann
kein Zweifel mehr bestehen. Die glaubhaften Aussagen insbesondere von
G._ und der Privatklägerin 6 werden durch die an den einschlägigen Orten
festgestellten, mit grösster Wahrscheinlichkeit dem Beschuldigten zuzuordnenden
DNA-Spuren geradezu in optima forma erhärtet.
3.5.5. Dass sich der Beschuldigte im Sinne der Anklageschrift und der vorinstanz-
lichen Erwägungen am Raub im Nachtclub P._ in I._ beteiligt
sowie sich überdies an der Privatklägerin 6 sexuell vergangen hat und diese
schliesslich zu nötigen versuchte, über den Vorfall Stillschweigen zu bewahren,
erscheint damit als bewiesen.
3.6. Was schliesslich den Vorwurf des Raubes im Cabaret "R._" in
Q._ betrifft (Anklageziffer 2.3), ist im Hinblick auf die Vorbringen der Verteidi-
gung zunächst wiederum auf die vorstehenden Erw. 3.4.3 zu verweisen. Dass die
verschiedenen befragten Personen die Täter nicht identifizieren konnten, teilweise
nicht einheitliche Aussagen darüber machten, welcher der beiden nun grösser
oder kleiner gewesen ist, sowie dass eine einzelne befragte Person erklärte, der-
jenige Täter, der sich ins Obergeschoss begeben habe, sei kahlköpfig gewesen
(ND 2/2/16 S. 2 – wobei sie sogleich auch relativierte, sie habe den Mann nur
vom Profil her und einige Sekunden gesehen), ist angesichts der Umstände des
Raubüberfalls nicht von Bedeutung (vgl. dazu den Verteidiger in Urk. 70 S. 26).
3.6.1. Ebenfalls ist nicht von entscheidendem Gewicht, was der Verteidiger aus
dem Umstand ableiten will, dass gemäss den Feststellungen des Westschweizer
Universitätszentrum für Rechtsmedizin vom 29. Dezember 2010 die Kopfhaut
des Beschuldigten intakt und unverletzt gewesen sei (ND 2/4/3), wo doch der
Barmann der "R._" dem Beschuldigten dreimal eine Champagnerflasche auf
den Kopf geschlagen haben wollte (ND 2/2/14 S. 2; Urk. 70 S. 25; Urk. 202
S. 13). Tatsache ist jedenfalls, dass der Beschuldigte bei seiner Verhaftung Ver-
letzungen aufwies (Urk. 4/4 S. 7). Wenn der Beschuldigte hierzu geltend machte,
er habe sich diese Verletzung auf der Baustelle zugezogen (Urk. 200 S. 20;
Urk. 202 S. 24), erscheint dies unglaubhaft. Einerseits sind seine Angaben
- 27 -
oberflächlich und ungenau. So konnte er nicht konkret schildern, wie er sich diese
Verletzung zugezogen und ob er sich beim linken oder rechten Auge verletzt
haben will. Er machte lediglich in allgemeiner Weise geltend, er sei gestürzt und
habe sich angeschlagen. Es sei nur geschwollen gewesen. Es habe nicht geblutet
(Urk. 200 S. 20). Andererseits stimmen diese Aussagen auch nicht mit den weite-
ren Beweisergebnissen überein. So sagte G._ aus, der Beschuldigte habe
die Verletzung am Auge bei der Wegfahrt vom "R._" damit erklärt, dass er
mit einer Champagnerflasche geschlagen worden sei (Urk. 2/9 S. 10). Das wird
dadurch objektiviert, dass an einer anlässlich der Verhaftung von
C._ in dessen Auto zurückgelassenen Strumpfmaske DNA-Spuren des Be-
schuldigten sowie ein Blutfleck oberhalb des rechten Auges festgestellt werden
konnten, welcher mittels DNA-Analyse ebenfalls dem Beschuldigten
zuzuordnen ist (jeweils mit einer Sicherheit von über 1 Milliarde: ND 2/5/3).
3.6.2. Neben den genannten DNA-Spuren waren im Umfeld des Raubüberfalls in
Q._ noch weitere solche Spuren des Beschuldigten zu finden. Zunächst hat
er solche im Auto von C._ hinterlassen (Türgriff, Zigarettenstummel, ND
2/5/3) und waren gleiche Spuren auf einem Handschuh zu finden, der im Wald
aufgefunden wurde, wohin der Beschuldigte und G._ gemäss
den Aussagen des Letzteren nach dem Verlassen des Fahrzeugs von C._
geflohen waren. Hinsichtlich dieses Handschuhs ist interessant, dass er neben
den Spuren des Beschuldigten sowohl DNA-Spuren von S._, dem Ge-
schäftsführer der "R._", der dem Täter den Revolver entreissen konnte, so-
wie der Privatklägerin 6 aufwies (ND 25/3 S. 2/3; Urk. 54 S. 2/3). Und schliesslich
konnte eine einfache DNA-Spur auf einer Taschenlampe gefunden werden, die im
oberen Stockwerk der "R._" zurückgelassen wurde, die mit einer Wahr-
scheinlichkeit von über 1 Milliarde zu eins dem
Beschuldigten eher zuzuordnen ist als nicht (ND 2/5/3 S. 4).
3.6.3. Wenn der Verteidiger hier nun einzig dagegen hält, es müsse G._ bzw.
eine andere Person beim Überfall in Q._ die Kleider und Arbeitshandschuhe
des Beschuldigten getragen haben (Urk. 70 S. 26/27; Urk. 202 S. 13), so ist das
reichlich unbeholfen. Nahezu alles spricht gegen diese These; namentlich dass
- 28 -
damit das Vorhandensein der Strumpfmaske mit einer einfachen – also
ausschliesslichen – DNA-Spur des Beschuldigten im Auto von C._ noch nicht
erklärt wäre, ebensowenig wie die – ebenfalls einfache – DNA-Spur am Türgriff
des Autos und der Umstand, dass am Handschuh mit den Spuren des Geschäfts-
führers der "R._", der Privatklägerin 6 und dem Beschuldigten nicht auch
Spuren von G._ bzw. einer weiteren Person gefunden
wurden. Nachdem sodann der Beschuldigte C._ nicht kennen und demzufol-
ge natürlich auch nie mit diesem mitgefahren sein will, wäre schliesslich auch
schwierig zu erklären, wie eine Zigarettenkippe mit einer – wiederum
einfachen – DNA-Spur des Beschuldigten in das Fahrzeug von C._ gelangen
konnte. Und wenn der Beschuldigte schliesslich geltend machte, er
bestreite zwar nicht, nie in diesem Fahrzeug mitgefahren zu sein, er bestreite
aber, in dieser Nacht dort im Auto gewesen zu sein (Urk. 200 S. 13), so erscheint
dies nicht nur äusserst zweifelhaft, sondern steht auch – wie vorstehend
ausgeführt – sämtlichen Beweismitteln klar entgegen.
3.6.4. Die Verteidigung machte schliesslich geltend, dass gemäss dem Bericht
des Forensischen Institutes Zürich vom 1. Februar 2012 ab dem Revolver, der in
Q._ sichergestellt worden sei, ein männliches DNA-Profil habe gesichert
werden können. Dabei habe der Beschuldigte als Spurengeber ausgeschlossen
werden können. Dieselbe DNA-Spur sei im Zusammenhang mit einem Einbruch-
diebstahl im Januar 2010 im nämlichen Restaurant in Q._ sichergestellt wor-
den (Urk. 202 S. 13 f.). Wenn die Verteidigung nun daraus schliesst, dass dies
dafür spreche bzw. dass zumindest nicht ausgeschlossen werden könne, der bis
heute noch nicht identifizierte Einbruchtäter vom Januar 2010 sei auch am Raub
vom 12. Dezember 2010 beteiligt gewesen, was somit gegen eine Täterschaft des
Beschuldigten spreche (Urk. 202 S. 14), kann dem nicht gefolgt werden. Zum ei-
nen ist zu berücksichtigen, dass – wie vorstehend dargelegt – ein Handschuh mit
der DNA des Beschuldigten gefunden wurde. Entsprechend ist davon auszuge-
hen, dass der Beschuldigte bei dieser Tat Handschuhe trug. Entsprechend er-
staunt es nicht, dass auf dem Revolver keine DNA-Spur des Beschuldigten si-
chergestellt werden konnte. Zum anderen schliesst die Tatsache, dass die DNA-
Spur einer anderen Person an dieser Waffe sichergestellt werden konnte, den
- 29 -
Beschuldigten als Täter nicht aus. Vielmehr ist zu beachten, dass in der Wohnung
in Lausanne, mithin am Verhaftsort des Beschuldigten, ein Patronenpaket sicher-
gestellt werden konnte und darin 6 Patronen fehlten. Dies entspricht genau der
Anzahl Patronen, die sich in der fraglichen Waffe befanden (vgl. hierzu Urk. 94
S. 23 und S. 43; Prot. II S. 28 f.).
3.6.5. Vor dem Hintergrund der Aussagen von G._ sowie der als
Zeugen einvernommenen Angestellten des "R._" und in Anbetracht der diese
Aussagen mehrfach bestätigenden objektiven Beweismittel ist damit erstellt, dass
sich der Beschuldigte im Sinne der Anklageschrift und den Erwägungen der Vor-
instanz am Raubüberfall gemäss Anklageziffer 2.3 beteiligt hat.
3.7. Damit ist im Sinne der zusammenfassenden Würdigung der Vorinstanz
(Urk. 94 S. 31/32) davon auszugehen, dass sich der Anklagesachverhalt gesamt-
haft so abgespielt hat, wie er in der Anklageschrift geschildert wird (mit der von
der Vorinstanz herausgearbeiteten Einschränkung hinsichtlich G._, a.a.O.,
welche aber bezüglich des Beschuldigten nicht von Bedeutung ist).
Ergänzend sei nochmals auf die vollständigen und zutreffenden Erwägungen der
Vorinstanz verwiesen.
4. Rechtliche Würdigung
4.1. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten genau im Sinne der Anträge der
Staatsanwaltschaft schuldig gesprochen (Urk. 94 S. 53; vgl. Anklageschrift S. 16).
4.2. Die Verteidigung führte aus, dass die Vorinstanz nicht nur beim Raub
in Q._, sondern auch bei jenem in I._ davon ausgegangen sei, der
Beschuldigte habe eine echte Waffe verwendet. Entsprechend sei die Vorinstanz
von mehrfacher und nicht nur einfacher Widerhandlung gegen das Waffengesetz
ausgegangen und habe bei der sexuellen Nötigung unter anderem deshalb auf
den qualifizierten Tatbestand erkannt. Der Zeuge T._ habe zwar klar
ausgesagt, dass ihm beide Waffen gezeigt worden seien und beide Waffen mit
Munition bestückt gewesen seien. Dennoch sei die Vorinstanz beim Mitbeschul-
digten G._ davon ausgeganen, dass er in allen Fällen, so also auch in
- 30 -
I._, lediglich eine Attrappe verwendet habe. Es sei nicht einzusehen, wes-
halb das Gericht bei absolut identischer Sachlage in einem Fall gezweifelt habe
und im anderen Fall nicht. Sachliche Gründe für eine Ungleichbehandlung zwi-
schen dem Mitbeschuldigten G._ und dem Beschuldigten würden sich jeden-
falls nicht ausmachen lassen. Es könne diesfalls nicht in einem Fall eine echte
Waffe sein, was im anderen Fall ebenso gut eine Attrappe habe sein können. Da
das Urteil gegen G._ rechtskräftig sei, habe der Beschuldigte Anspruch auf
Gleichbehandlung. Es sei somit auch bei ihm davon auszugehen, dass beim
Raub in I._ lediglich eine Attrappe verwendet worden sei (Urk. 202 S. 15 f.).
4.2.1. Grundsätzlich besteht kein Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht.
Vielmehr ist vom Vorrang des Legalitätsprinzips vor dem Gleichheitsprinzip
auszugehen (vgl. BGE 135 IV 191 E. 3.3, mit Hinweisen). Vorliegend sind keine
Gründe ersichtlich, von diesem Grundsatz abzuweichen. Dem Beschuldigten
steht damit – entgegen der Verteidigung – kein Anspruch auf Gleichbehandlung
mit dem Mitbeschuldigten G._ zu. Somit kann der Beschuldige aus dem
Umstand, dass die Vorinstanz in Bezug auf G._ davon ausging, es sei nicht
mit absoluter Sicherheit erstellbar, ob dieser eine echte Waffe oder eine
Attrappe mit sich geführt habe (Urk. 94 S. 31), nichts für sich ableiten.
4.2.2. Vorliegend ist zweifelsfrei erstellt, dass der Beschuldigte auch beim Raub
in I._ eine echte Waffe verwendete. Hierzu kann vollumfänglich auf die
zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 94 S. 20 f. und
S. 31; Art. 82 Abs. 4 StPO). Insbesondere ist auf die klaren und detaillierten
Aussagen des Zeugen T._ hinzuweisen, wonach ihm der eine Täter die
Trommeln von beiden Revolvern gezeigt und er gesehen habe, dass sich in der
einen Trommel vier und in der anderen sechs Patronen befunden hätten (vgl.
Urk. 94 S. 20 f. mit Verweis auf Urk. 6/2 S. 4 f.). Dieser Sachverhalt ist der vorlie-
genden rechtlichen Würdigung zugrunde zu legen. Dies gilt selbst dann, wenn die
Vorinstanz – auch wenn zu unrecht – beim Mitbeschuldigten G._ lediglich
von einer Attrappe ausging.
4.3. Die Verteidigung machte sodann geltend, dass der Nachweis von
vorgängigen Treffen des Beschuldigten sowie der beiden Mitbeschuldigten
- 31 -
G._ und C._ im Restaurant F._ in U._ nicht erstellt werden
könne. Damit scheitere auch das Element der Bandenmässigkeit, da diese einen
ausdrücklichen oder zumindest konkludent geäusserten Willen zur Begehung
entsprechender Taten voraussetze. An diesem Nachweis fehle es aber vorliegend
(Urk. 202 S. 6).
4.3.1. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist Bandenmässigkeit gege-
ben, wenn zwei oder mehrere Täter sich mit dem ausdrücklichen oder konkludent
geäusserten Willen zusammenfinden, inskünftig zur Verübung mehrerer selbstän-
diger, im Einzelnen möglicherweise noch unbestimmter Straftaten zusammen-
zuwirken. Dieser Zusammenschluss (auch nur zweier Personen) ist es, der den
Einzelnen psychisch und physisch stärkt, ihn deshalb besonders gefährlich macht
und die Begehung von weiteren solchen Straftaten voraussehen lässt (BGE 135
IV 158 E. 2; BGE 124 IV 286 E. 2a).
4.3.2. Gemäss Anklageschrift wird dem Beschuldigten vorgeworfen, er habe zu-
sammen mit den Mitbeschuldigten G._ und C._ im Restaurant F._
in U._ zwischen dem 31. Oktober 2010 und 20. November 2010 den Ent-
schluss gefasst, eine noch nicht näher bestimmte Anzahl Raubüberfälle auf noch
nicht bestimmte, dem Mitbeschuldigten C._ jedoch bekannte Nachtclubs zu
verüben (Urk. 27 S. 6).
4.3.3. Die Vorinstanz hielt hierzu – in Abweichung zur Anklageschrift – fest, es
sei davon auszugehen, dass der Beschuldigte sowie die beiden Mitbeschuldigten
G._ und C._ vor der Raubserie mindestens zur stillschweigenden Über-
einkunft gekommen seien, gemeinsam mehrere, im Einzelnen möglicherweise ört-
lich und zeitlich noch nicht bestimmte Raubüberfälle zu begehen (Urk. 94 S. 31
f.). Diese Ausführungen sind – entgegen der Verteidigung (Urk. 202 S. 6 f.) – nicht
zu beanstanden. Auf die entsprechenden Ausführungen kann vorab verwiesen
werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Lediglich ergänzend ist anzufügen, dass aufgrund
der Aussagen des Mitbeschuldigten G._ sowie der Zeugin V._ zwar da-
von ausgegangen werden kann, dass es zwischen dem Beschuldigten sowie den
beiden Mitbeschuldigten G._ und C._ zu Treffen im Restaurant F._
in U._ kam. Dass sie aber dort auch den Entschluss zur Begehung der
- 32 -
Raubtaten gefasst hätten, lässt sich gestützt auf diese Äusserungen nicht rechts-
genügend erstellen. Aufgrund der Tatsache, dass die jeweiligen Raubtaten immer
gleich, in derselben Rollenverteilung, detailliert vorbereitet, zeitnah und immer in
ähnlichen Lokalitäten ausgeübt wurden, lässt – mit der Vorinstanz (Urk. 94 S. 32)
und entgegen der Verteidigung (Urk. 202 S. 7) – aber den Schluss zu, dass sich
der Beschuldigte sowie die beiden Mittäter G._ und C._ nicht nur zufäl-
lig zusammen gefunden haben zur Begehung der Taten, sondern vielmehr zu-
mindest konkludent übereinkamen, die ihnen vorgeworfenen Raubtaten gemein-
sam zu verüben. Es ist damit von bandenmässiger Begehung der fraglichen
Raubtaten auszugehen.
4.4. Die von der Staatsanwaltschaft und der Vorinstanz vorgenommene rechtli-
che Würdigung ist damit zutreffend. Zur Begründung kann dafür auf die entspre-
chenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 94 S. 32-37).
Ergänzend bleibt festzuhalten, dass der Beschuldigte – wie bereits ausgeführt –
auch beim Raub in I._ einen echten und geladenen Revolver verwendete.
Indem er mit dieser, mithin gefährlichen Waffe die Privatklägerin 6 bedrohte, um
sie gefügig zu machen, hat er sich – entgegen der Verteidigung (Urk. 202 S. 18) –
ohne Weiteres der qualifizierten sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1
und Abs. 3 StGB schuldig gemacht. Entsprechend kann hier letztlich offen
bleiben, ob auch seine weiteren Handlungen, mit welchen er der Privatklägerin 6
Schmerzen zufügte (Penetration mit dem behandschuhten Finger in Vagina und
Anus, beissen in die Schamlippen), als grausam im Sinne von Art. 189 Abs. 3
StGB zu qualifizieren sind.
4.5. In diesem Sinne ist der vorinstanzliche Schuldspruch zu bestätigen und
der Beschuldigte demnach zum bereits rechtskräftigen Schuldspruch wegen der
Widerhandlungen gegen das AuG hinzu des bandenmässigen Raubes im Sinne
von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 in Verbindung mit Ziff. 3 und teilweise Ziff. 4 StGB, der
sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 und Abs. 3 StGB, der Sach-
entziehung im Sinne von Art. 141 StGB, der Sachbeschädigung im Sinne
von Art. 144 Abs. 1 StGB, der versuchten Nötigung im Sinne von Art. 181 in
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie der mehrfachen Widerhandlung gegen
- 33 -
das Waffengesetz (WG) im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art. 7
Abs. 1 lit. a WG und Art. 12 Abs. 1 lit. d WV schuldig zu sprechen.
5. Strafzumessung
5.1. Die Vorinstanz hat die Grundsätze, nach welchen eine Strafe zuzumessen
ist, richtig dargestellt (Urk. 94 S. 37/38 f.). Darauf und auf die jüngere Bundes-
gerichtspraxis zu diesem Thema (BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff; BGE 135 IV 130
E. 5.3.1; BGE 132 IV 102 E. 8.1, je mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichtes
6B_466/2013 vom 25.7.2013) kann vorab verwiesen werden.
5.2. Die Vorinstanz hat sodann zutreffend festgehalten, dass vorliegend die
schwerste Tat im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB der qualifizierte Raub gemäss
Art. 140 Ziff. 4 StGB ist, welche Bestimmung eine Freiheitsstrafe von mindestens
5 Jahren (bis zu 20 Jahren) vorsieht. Wenn die Vorinstanz dann aber alle Raub-
taten gemeinsam beurteilt und erwägt, es rechtfertige sich aufgrund des engen
Zusammenhangs mit den Raubüberfällen, die Einsatzstrafe nicht nur für den
Raub, sondern sogleich auch für die Sachentziehung, die Sachbeschädigung so-
wie die Widerhandlungen gegen das Waffengesetz zu bestimmen (Urk. 94 S. 38),
so entspricht dies nicht den Vorgaben der bundesgerichtlichen Rechtsprechung.
5.3. Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen
für mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu der Strafe
der schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch das Höchst-
mass der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhöhen und ist an das
gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 49 Abs. 1 StGB). Bei der
Bildung der Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB ist vorab der Strafrahmen für
die schwerste Straftat zu bestimmen und alsdann die Einsatzstrafe für die
schwerste Tat innerhalb dieses Strafrahmens festzusetzen. Die Einsatzstrafe ist
unter Einbezug der anderen Straftaten in Anwendung des Asperationsprinzips
angemessen zu erhöhen. Der Richter hat mithin in einem ersten Schritt
gedanklich die Einsatzstrafe für das schwerste Delikt festzulegen, indem er alle
diesbezüglichen straferhöhenden und strafmindernden Umstände berücksichtigt.
In einem zweiten Schritt hat er die Strafe zu erhöhen, um die weiteren Delikte zu
- 34 -
sanktionieren (Bundesgerichtsentscheid 6B_466/2013 vom 25. Juli 2013, E. 2.1,
mit Hinweisen).
5.4. Tatkomponente der schwersten Straftat
5.4.1. Es ist also zunächst eine Einsatzstrafe für die schwerste Straftat, mithin
den im Sinne von Art. 140 Ziff. 4 StGB qualifizierten bandenmässigen Raub im
"R._" in Q._ vom 12. Dezember 2010 (ND 2), festzusetzen.
5.4.2. In objektiver Hinsicht liegt die Schwere dieser Tat des Beschuldigten auf
einer Skala aller denkbaren qualifizierten Raubtaten im Sinne von Art. 140 Ziff. 3
und 4 StGB noch eher im unteren Bereich. Zu berücksichtigen ist, dass der
Beschuldigte nicht alleine, sondern vielmehr bandenmässig, mithin zusammen mit
den Mitbeschuldigten G._ und C._, handelte. Das Vorgehen des Be-
schuldigten muss insgesamt als recht brutal und zielstrebig bezeichnet werden.
So richte er seine Waffe auf die beiden Geschädigten S._ und W._ und
befahl ihnen, sich auf den Boden zu legen. Zudem brachte er den Geschädigten
S._ mittels des geladenen Revolvers mit gespanntem Hammer in unmittelba-
re Lebensgefahr und schlug diesem schliesslich mit der Faust oder dem
Revolvergriff auf den Kopf, als sich dieser weigerte, den Tresor zu öffnen.
Das Opfer erlitt aber dadurch immerhin keine gravierenderen physischen
Verletzungen. Gedanklich ist bis hierhin von einer Strafe auszugehen, die nur
wenig über der Untergrenze von Art. 140 Ziff. 4 StGB liegt.
5.4.3. Subjektiv ist zweifellos zutreffend, wenn die Vorinstanz erwägt, der
Beschuldigte habe direkt vorsätzlich mitgewirkt, sich ganz bewusst für die Delin-
quenz entschieden und sich von rein materiellen und egoistischen Beweggründen
leiten lassen (Urk. 94 S. 39). Wenn sie dann aber zugunsten des Beschuldigten
berücksichtigen will, "dass der Beschuldigte und der Mitbeschuldigte
G._ allenfalls teilweise alkoholisiert" gewesen seien, so geht dies zu weit,
auch wenn die Vorinstanz "höchstens von einer leichten Beeinträchtigung" aus-
geht (a.a.O.): Zunächst hat der Beschuldigte – der ja bekanntlich jegliche Beteili-
gung an den Taten abstreitet – selbst nicht behauptet, angetrunken und dadurch
von eingeschränktem Bewusstsein gewesen zu sein. Für eine solch spekulative
- 35 -
Annahme besteht deshalb kein Anlass, und auch der Grundsatz "in dubio pro reo"
verlangt nicht, zugunsten eines Beschuldigten alle möglichen theoretisch denk-
baren Entlastungsgründe anzunehmen, ohne dass sie von diesem selbst geltend
gemacht worden wären. Die Situation ist vergleichbar mit derjenigen bei Rechtfer-
tigungs- oder Schuldausschlussgründen: Ohne dass solche von einem Beschul-
digten angerufen würden, ist das Gericht selbstverständlich nicht gehalten,
zugunsten des Beschuldigten gleichwohl von derartigen entlastenden Umständen
auszugehen. Anders könnte dies nur sein, wenn sich aus den Akten entspre-
chende Anhaltspunkte ergäben. Dies ist vorliegend nicht der Fall. Es deutet nichts
darauf hin, dass der Beschuldigte bei dieser Tat in einem für die Beurteilung der
subjektiven Zurechenbarkeit relevanten Masse alkoholisiert gewesen wäre (für
welche Annahme gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung grundsätzlich eine
Blutalkoholkonzentration von über 2 Gewichtspromillen erforderlich wäre: vgl.
BGE 122 IV 49 E. 1b unter Hinweis auf BGE 119 IV 292 E. 2d). Dass
G._ vereinzelt aussagte, sie hätten vorgängig der Tat in Q._ getrunken
(Urk. 2/6 S. 3) bzw. bezüglich des Raubs in I._ gar einmal geltend machte,
sie seien "sehr betrunken" gewesen, sie hätten sich gut gefühlt und auch ein
wenig getorkelt (Urk. 2/7 S. 14, 16, 18) – er selbst habe vorgängig "zwei Liter
Schnaps getrunken" (Urk. 5/1 S. 16; vgl. auch Urk. 5/3 S. 3) –, ändert daran nichts
und ist als offensichtliches Bestreben G._s zu erkennen, sein Verschulden in
einem milderen Licht erscheinen zu lassen. Vielmehr ist nämlich darauf abzustel-
len, dass seitens der Geschädigten nicht festgestellt worden ist, dass die Täter al-
koholisiert gewesen wären (Urk. 6/2 S. 6; Urk. 6/4 S. 11; Urk. 6/10 S. 7; Urk. 6/14
S. 10; ND 1/2/2 S. 9; ND 1/2/4 S. 7; ND 1/2/6 S. 7; ND 1/2/8 S. 12; ND 1/2/10 S.
8; ND 1/2/12 S. 9; ND 1/2/14 S. 8; ND 2/2/6 S. 6; ND 2/2/9 S. 5). Das objektive
Tatverschulden wird so in subjektiver Hinsicht nicht vermindert.
5.4.4. Als Einsatzstrafe für die gesamte Tatschwere des bandenmässigen und im
Sinne von Art. 140 Ziff. 4 StGB qualifizierten Raubes in Q._ erscheint damit
eine Einsatzstrafe von 6 bis 6 1⁄2 Jahren Freiheitsstrafe als angemessen.
- 36 -
5.5. Wegen der zusätzlich vom Beschuldigten begangenen Delikte ist diese
Einsatzstrafe in Anwendung des Asperationsprinzips angemessen zu erhöhen
(Art. 49 Abs. 1 StGB).
5.5.1. Bandenmässiger Raub in H._ vom 21. Dezember 2010 (ND 1) und in
I._ vom 3. Dezember 2010 (HD)
5.5.1.1. Bandenmässiger Raub im Sinne von Art. 140 Ziff. 3 StGB sieht für sich
alleine einen Strafrahmen von mindestens 2 Jahren bis zu 20 Jahren Freiheits-
strafe vor.
5.5.1.2. In objektiver Hinsicht ist zu berücksichtigen, dass auch diese beiden
Taten bandenmässig ausgeführt wurden. Die Taten waren gut organisiert und die
jeweiligen Rollen bei der Tatbegehung war klar verteilt.
Beim Raub in H._ muss zugunsten des Beschuldigten sowie der beiden
Mitbeschuldigten G._ und C._ davon ausgegangen werden, dass sie
keine echte Schusswaffe mit sich geführt haben. Sie liessen es aber nicht damit
bewenden, dass sie ihre (zumindest echt aussehende) Revolverattrappe zur Ein-
schüchterung der Geschädigten einsetzten. G._ schlug mit dem Revolver-
knauf BA._ auf den Kopf, was sich der Beschuldigte als Mittäter anrechnen
lassen muss. In der Folge schlug der Beschuldigte dem Geschädigten BB._
zudem die Faust ins Gesicht. Die Beute betrug insgesamt rund Fr. 16'500.–. Das
Vorgehen zeugt von einer immensen kriminellen Energie, einer grossen Brutalität
und Rücksichtslosigkeit.
Beim Raub in I._ führte demgegenüber der Beschuldigte eine echte und
geladene Waffe mit sich. Das Vorgehen war auch hier brutal und einschüchternd.
A._ setzte seine Waffe auch gezielt ein, indem er sie ans Knie des Geschä-
digten T._ hielt, um diesen zu zwingen, ihm den Tresor zu zeigen (was
allerdings nicht zum Ziele führte). Schliesslich fesselten die beiden Mitbeschuldig-
ten A._ und G._ die Hände aller Geschädigten auf deren Rücken. Das
Vorgehen zeugt auch hier von einer immensen kriminellen Energie, einer grossen
- 37 -
Brutalität und Rücksichtslosigkeit. Die Beute von knapp Fr. 15'000.– war nicht
gerade sehr gross, aber auch nicht gerade unbedeutend gering.
Das objektive Tatverschulden für diese beiden, bandenmässig begangenen
Raubtaten ist als "nicht mehr leicht" zu würdigen. Entsprechend erscheint hierfür
eine hypothetische Einsatzstrafe von ca. 4 Jahren angemessen.
5.5.1.3. In subjektiver Hinsicht kann vollumfänglich auf die vorstehenden Aus-
führungen bezüglich des Raubes in Q._ (E. 5.4.2.) verwiesen werden.
Entsprechend wird auch hier das objektive Tatverschulden in subjektiver Hinsicht
nicht relativiert.
5.5.1.4. Für die beiden Raubtaten in H._ und I._ erscheint nach dem
Gesagten eine hypothetische Einsatzstrafe von 4 Jahren als angemessen. Unter
Berücksichtigung des Asperationsprinzips resultiert damit für die Tatschwere
sämtlicher Raubtaten eine Freiheitsstrafe von rund 8 bis 9 Jahre.
5.5.2. Sexuelle Nötigung zum Nachteil der Privatklägerin 6
5.5.2.1. Der vom Beschuldigten erfüllte Tatbestand der sexuellen Nötigung im
Sinne von Art. 189 Abs. 1 und 3 StGB sieht für sich alleine eine Freiheitsstrafe
von mindestens 3 Jahren bis zu 20 Jahren vor.
5.5.2.2. In objektiver Hinsicht ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte die
Privatklägerin 6 mit einem geladenen Revolver bedroht und sie mit demselben
geschlagen hat, um sie gefügig zu machen. Das zeugt schon einmal von erhebli-
cher Brutalität. Danach missbrauchte er sie während einigen Minuten (Urk. 6/3
S. 4: "ca. 4 Minuten") zur Vornahme einer beischlafsähnlichen Handlung (vgl.
dazu BSK StGB II-Maier, Art. 189 N 50/51), mit welcher er sie nicht nur demütigte,
sondern ihr auch Schmerzen zufügte (Penetration mit dem behandschuhten
Finger in Vagina und Anus, beissen in die Schamlippen). Von der objektiven
Erscheinung her bewegen sich die Handlungen des Beschuldigten auf einer
Skala aller denkbaren qualifizierten sexuellen Nötigungen so etwa im Bereich
eines Drittels.
- 38 -
5.5.2.3. In subjektiver Hinsicht ist festzuhalten, dass der Beschuldigte einzig aus
egoistischen Beweggründen zur Befriedigung seiner sexuellen Gelüste gehandelt
hat, und zwar ungeachtet des Willens und der Würde seines Opfers. Eine
Einschränkung der Schuldfähigkeit steht auch hier nicht zur Diskussion.
5.5.2.4. Wenn die Vorinstanz – so ist aus ihren Erwägungen auf S. 39/40
(Urk. 94) zu schliessen – für dieses Delikt sowie die versuchte Nötigung (s. dazu
sogleich) zusammen die Einsatzstrafe um weniger als 2 Jahre erhöht, ist dies
deutlich zu milde. Es ist daran zu erinnern, dass schon die qualifizierte sexuelle
Nötigung für sich alleine eine Mindeststrafe von 3 Jahren Freiheitsstrafe vorsieht.
Auch unter Beachtung des Asperationsprinzips ist deshalb unter diesem Titel eine
Straferhöhung von lediglich 2 Jahren nicht möglich. Für sich alleine betrachtet
erscheint für die qualifizierte Nötigung zum Nachteil der Privatklägerin 6 eine
Freiheitsstrafe von rund 6 Jahren angemessen. Entsprechend führt dieses
Delikt unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips zu einer Erhöhung der
vorstehend genannten Einsatzstrafe im Bereich von knapp 5 Jahren.
5.5.3. Versuchte Nötigung zum Nachteil der Privatklägerin 6
5.5.3.1. Unmittelbar nach der sexuellen Nötigung richtete der Beschuldigte beim
gemeinsamen Hinuntergehen in den Barraum den Revolver in einer Distanz von
10 bis 15 cm auf die Stirne der Privatklägerin 6 und verlangte von ihr, dass sie
gegenüber der Polizei Stillschweigen bewahre. Da dies die Privatklägerin 6 in der
Folge aber nicht tat, blieb es beim Versuch einer Nötigung (Art. 181 StGB in Ver-
bindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB). Auf dieses Delikt alleine steht eine Freiheits-
strafe bis zu 3 Jahren oder Geldstrafe. Jemanden mit gegen die Stirn gehaltener,
geladener Pistole zu nötigen, führt schon einmal sicher nicht zur Annahme einer
objektiven Tatschwere im nur untersten Bereich. Diese Nötigungshandlung ginge
sodann auch nicht etwa im Unrechtsgehalt der vorangegangenen sexuellen
Nötigung auf, sondern steht als eigenständiges, zusätzliches Delikt da. Bezweckt
werden sollte damit nichts weniger, als dass der Beschuldigte für die vorgängige
qualifizierte sexuelle Nötigung nicht zur Rechenschaft gezogen wird. Dass
es beim Versuch geblieben ist, ist schliesslich nicht dem Beschuldigten
- 39 -
zuzuschreiben – er hat alles getan, den Taterfolg zu erreichen – und kann sich
deshalb nur in geringem Masse strafmindernd auswirken.
5.5.3.2. Insgesamt ist damit die laufende Einsatzstrafe spürbar, mithin im Umfang
von knapp 1 Jahr, zu erhöhen.
5.5.4. Widerhandlungen gegen das Waffengesetz
Die mehrfache Widerhandlung gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33
Abs. 1 lit. a WG in Verbindung mit Art. 7 Abs. 1 lit. a WG und Art. 12 Abs. 1 lit. d
WV (das unberechtigte Erwerben, Besitzen und Tragen der in Frage stehenden
Faustfeuerwaffen, das für sich alleine mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder
Geldstrafe bedroht ist) tritt gegenüber den Delikten, welche der Beschuldigte
unter Verwendung ebendieser Waffen verübt hat, eher in den Hintergrund. Eine
geringe Straferhöhung ist dagegen am Platz.
5.5.5. Sachentziehung und Sachbeschädigung
Ebenfalls je mit Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren oder Geldstrafe wird die Sach-
entziehung und die Sachbeschädigung bestraft (Art. 141 StGB und Art. 144
Abs. 1 StGB), deren sich der Beschuldigte schuldig gemacht hat. Mit den
entsprechenden Handlungen versuchten der Beschuldigte und seine Mittäter,
nach dem Raubüberfall auf den Nachtclub J._ ihre Verfolgung zu erschweren
(Zerstören der Kommunikationsmittel, Ausbau und Mitnahme der Festplatte der
Überwachungsanlage; Mitnahme der Schlüssel des Clubs). Der so entstandene
Schaden von gesamthaft knapp Fr. 5'000.– (Anklageschrift S. 10) ist nicht
unerheblich, und das Vorgehen legt ein weiteres Zeugnis über die signifikante
kriminelle Energie ab. Es rechtfertigt sich deshalb unter diesem Titel eine weitere
leichte Straferhöhung.
5.5.6. Widerhandlungen gegen das Ausländergesetz
Schliesslich ist als Widerhandlungen gegen das Ausländergesetz im Sinne von
Art. 115 Abs. 1 lit. a und lit. b AuG zu würdigen, dass sich der Beschuldigte nach
seiner rechtswidrigen Einreise von spätestens Ende Oktober 2010 bis zu seiner
- 40 -
Verhaftung am 19. Dezember 2010 während gut anderthalb Monate ebenfalls
rechtswidrig in der Schweiz aufhielt. Angesichts des Strafrahmens von bis zu
einem Jahr Freiheitsstrafe oder Geldstrafe (Art. 115 Abs. 1 AuG) erscheint hierfür
in Anbetracht des insbesondere objektiv nicht überaus schwerwiegenden
Tatverschuldens im Gesamtzusammenhang eine nur marginale Straferhöhung als
angemessen.
5.5.7. Zwischenfazit
Aufgrund der Tatkomponente erscheint – asperiert – eine hypothetische Strafe
von rund 13 Jahren angemessen.
5.6. Täterkomponente
5.6.1. Persönliche Verhältnisse
Hinsichtlich der persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten kann zunächst auf
die zusammenfassende Wiedergabe im vorinstanzlichen Urteil verwiesen werden
(Urk. 94 S. 40/41). Anlässlich der Berufungsverhandlung führte er zudem aus, er
sei nach wie vor verheiratet. Im Mai 2011 sei sein Sohn auf die Welt gekommen.
Er habe mit seiner Ehefrau und seinen Kindern telefonisch Kontakt. Seine
Ehefrau wisse zwar, dass er im Gefängnis sei, was ihm vorgeworfen werde, wisse
sie aber nicht. Seine Familie wohne im Kosovo und lebe von der Rente seiner
Mutter, die monatlich Fr. 500.– betrage. Zudem schicke er von seinem Pekulium
Geld nach Hause. Schulden habe er keine (Urk. 200 S. 2 ff.).
Die persönlichen Verhältnisse wirken sich damit bei der vorliegenden Straf-
zumessung – mit der Vorinstanz (Urk. 94 S. 41) – neutral aus.
5.6.2. Vorstrafen
Deutlich straferhöhend wirken sich die verschiedenen – allesamt zumindest teil-
weise einschlägigen – 5 Vorstrafen des Beschuldigten aus, die er in den Jahren
1993 bis 2000 in Deutschland erwirkt hat. Es sei dafür auf den entsprechenden
Auszug aus dem Deutschen Bundeszentralregister (Urk. 23/7) sowie die Zusam-
menfassung im vorinstanzlichen Urteil verwiesen (Urk. 94 S. 41/42). Insbesonde-
- 41 -
re ins Gewicht fällt, dass der Beschuldigte nach den ersten drei Verurteilungen in
den Jahren 1993, 1994 und 1997 wegen verschiedenen Diebstählen und eines
Verstosses gegen das Deutsche Waffengesetz zu über vier Jahren Freiheitsstrafe
am 4. Dezember 1998 wegen schweren Raubs zu 7 Jahren und 6 Monaten sowie
am 15. Juni 2000 wegen gleicher Delikte – unter Einbezug des Urteils vom
4. Dezember 1998 – mit 11 Jahren Freiheitsstrafe bestraft werden musste.
Gemäss den Aussagen des Beschuldigten habe er diese Strafen verbüsst und sei
2004 nach zwei Dritteln der Strafe entlassen worden (Urk. 4/8 S. 4). Statt sich
durch die ersten Strafen von weiterem Delinquieren abhalten zu lassen, beging
der Beschuldigte also weitere einschlägige Straftaten zunehmender Schwere –
welche Tendenz durch das vorliegende Verfahren eindrücklich bestätigt wird. Das
zeugt von geradezu hartnäckiger Rechtsfeindlichkeit.
5.6.3. Nachtatverhalten
Der Beschuldigte ist nicht geständig und zeigt weder Einsicht noch Reue.
Sein Nachtatverhalten kann damit keine strafmindernde Wirkung haben (vgl. dazu
BGE 118 IV 349 und 121 IV 202; BSK StGB I-Wiprächtiger, Art. 47 N 129 ff.).
Die Verteidigung machte geltend, der Beschuldigte habe sich im Strafvollzug
klaglos und vorbildlich geführt. Dieses mustergültige Verhalten müsse bei der
Festsetzung der Strafe adäquat berücksichtigt werden (Urk. 202 S. 20). Diesen
Ausführungen kann nicht gefolgt werden. Ein positives Verhalten im Strafvollzug
hat grundsätzlich als Normalfall zu gelten (vgl. Urteil des Bundesgerichtes
6_974/2009 vom 18.02.2010 E. 5.5.). Entsprechend ist dieser Umstand bei der
vorliegenden Strafzumessung neutral zu werten.
5.7. Relation zur Strafe des Mitbeschuldigten G._
5.7.1. Die Verteidigung beanstandet die vorinstanzliche Strafzumessung dahin-
gehend, dass die ausgefällte Strafe zu hoch ausgefallen sei, dies insbesondere
im Vergleich zum Urteil gegen den Mitbeschuldigten G._, der lediglich mit
5 Jahren Freiheitsstrafe bestraft worden sei (Urk. 202 S. 18).
- 42 -
5.7.2. Wie der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu entnehmen ist, können
selbst gleich oder ähnlich gelagerte Fälle sich durchwegs massgeblich in strafzu-
messungsrelevanten Punkten unterscheiden (BGE 135 IV 191 E. 3.1). Zudem
hob das Bundesgericht hinsichtlich der Strafzumessung bei Mittätern hervor, dass
ein Anspruch auf "Gleichbehandlung im Unrecht" grundsätzlich nicht besteht. Eine
falsche Rechtsanwendung in einem Fall begründe daher grundsätzlich keinen
Anspruch, seinerseits ebenfalls abweichend von der Norm behandelt zu werden
(BGE 135 IV 191 E. 3.1 E. 3.3, mit Verweis auf BGE 124 IV 44 E. 2c). Allein ent-
scheidend ist mithin vorliegend, welche Strafe in Ausübung des pflichtgemässen
Ermessens für den Beschuldigten angemessen erscheint. Welche Strafe gegen
den Mitbeschuldigten G._ ausgesprochen wurde, ist damit insoweit irrele-
vant. Insbesondere könnte der Beschuldigte – entgegen der Verteidigung – auch
dann nichts daraus für sich ableiten, wenn sich jene Strafe als unangemessen tief
erwiese.
5.7.3. Im Zentrum der vorliegenden Strafzumessung stehen zwar – mit der
Verteidigung – die drei Raubtaten. Doch bereits in Bezug auf diese drei Taten
bestehen markante Unterschiede zum Mitbeschuldigten G._. So hat sich der
Beschuldigte beim Raub in Q._ nicht nur des bandenmässigen, sondern
auch des im Sinne von Art. 140 Abs. 4 StGB qualifizierten Raubes schuldig ge-
macht, was eine Mindeststrafe von 5 Jahren nach sich zieht. Ein weiterer augen-
fälliger Unterschied zum Mitbeschuldigten G._ besteht sodann darin, dass
sich der Beschuldigte zudem auch der qualifizierten sexuellen Nötigung im Sinne
von Art. 189 Abs. 1 und Abs. 3 StGB schuldig gemacht hat. Dieser Tatbestand
sieht für sich eine Mindeststrafe von drei Jahren vor. Weitere Unterschiede erge-
ben sich sodann auch in Bezug auf die subjektive Tatschwere der jeweiligen Ta-
ten und – insbesondere – bezüglich der Täterkomponente. Zum einen weisen
der Beschuldigte und der Mitbeschuldigte G._ unterschiedliche Vorstrafen
auf und zum anderen legte der Mitbeschuldigte G._ – im Gegensatz zum
Beschuldigten – ein weitgehendes Geständnis ab. Aus den genannten Gründen
ist eine derart markant unterschiedliche Bestrafung – entgegen der Verteidigung –
angezeigt und gerechtfertigt.
- 43 -
5.8. Fazit
Aus diesen Gründen erscheint die von der Vorinstanz ausgesprochene Freiheits-
strafe von 12 Jahren und 6 Monaten als zu tief; namentlich wohl infolge der klar
zu milden Einschätzung der qualifizierten sexuellen Nötigung. Viel eher ist es
angemessen, den Beschuldigten mit der von der Staatsanwaltschaft anschluss-
berufungsweise beantragten Freiheitsstrafe von 14 Jahren zu bestrafen. Darauf
anzurechnen sind die vom Beschuldigten bis und mit heute erstandenen 1048
Tage Untersuchungs- und Sicherheitshaft (Art. 51 StGB). Bei einer Strafe dieser
Höhe kommt ein bedingter Vollzug nicht in Betracht (Art. 42 Abs. 1 StGB, Art. 43
Abs. 1 StGB).
6. Einziehungen
6.1. Unter Dispositivziffer 4 hat die Vorinstanz verschiedene beschlagnahmten
Gegenstände und Vermögenswerte zur Verwertung und Kostendeckung heran-
gezogen. Der Beschuldigte ficht dies im Hauptbegehren insoweit an, als dies das
aus seinem Portemonnaie beschlagnahmte Bargeld (Fr. 203.45 und US$ 6.–)
sowie das Mobiltelefon mit der Nummer 07... betrifft. Im Eventual-standpunkt wur-
de die vorinstanzliche Regelung der Einziehung bzw. Vernichtung nicht bean-
standet (Urk. 202 S. 21; Urk. 98 S. 3/4).
6.2. Mit der heutigen anklagegemässen Verurteilung wird der Beschuldigte
kostenpflichtig (s. dazu untenstehende Erw. 8). Es hat deshalb bei den Beschlag-
nahmungen zur Kostendeckung im Sinne von Art. 268 Abs. 1 lit. a StPO zu
bleiben. Hinsichtlich des vom Beschuldigten für sich reklamierten Mobiltelefons
wäre sodann ohnehin nicht davon auszugehen, dass dieses dem Beschuldigten
gehört (vgl. dazu Erw. 3.4.1 und 3.4.2 vorstehend).
6.3. In Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils ist deshalb das an der av.
D._-Strasse ... in Lausanne beschlagnahmte Bargeld des Beschuldigten von
Fr. 203.45 und US$ 6.– sowie das Mobiltelefon NOKIA, IMEI ..., der
Bezirksgerichtskasse zur Verwertung zu überlassen und zur Kostendeckung
heranzuziehen.
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6.4. Im mündlich eröffneten und schriftlich versandten Dispositiv wurde hiezu in
Ziff. 4 irrtümlicherweise angeordnet, das beschlagnahmte Mobiltelefon sei durch
die Kasse des Bezirksgerichts Zürich zu verwerten. Das Bezirksgericht Zürich ist
und war indessen mit dem vorliegenden Verfahren gar nicht befasst; Vorinstanz
war vielmehr das Bezirksgericht Hinwil. Dieses offenkundige Versehen ist im
Sinne von Art. 79 Abs. 1 StPO formlos zu korrigieren. Entsprechend ist das
erwähnte Mobiltelefon NOKIA, IMEI ..., einzuziehen und durch die Kasse des Be-
zirksgerichts Hinwil zu verwerten.
7. Zivilansprüche
7.1. Schadenersatz
7.1.1. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten in Dispositivziffer 6 verpflichtet,
diversen Privatklägern in solidarischer Haftung mit den Mitbeschuldigten G._
und C._ Schadenersatz zu bezahlen. Zudem wurde festgestellt, dass der
Beschuldigte im Grundsatz verpflichtet ist, der Privatklägerin 6 den durch seine
Straftaten verursachten Schaden zu ersetzen.
7.1.2. Der Beschuldigte lässt dies im Hauptstandpunkt – als Folge seines Antrags
auf Freispruch – berufungsweise alles anfechten (Urk. 98 S. 4). Im Eventual-
standpunkt wurde festgehalten, dass dieser Entscheid dem Gericht überlassen
werde (Urk. 202 S. 21).
7.1.3. Nachdem der Beschuldigte heute so schuldig gesprochen wird, wie dies
bereits schon die Vorinstanz getan hat, sind auch die Schadenersatzansprüche
wie im vorinstanzlichen Urteil zu regeln. Es kann dazu vollumfänglich auf die
zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 94 S. 44 ff.
Erw. 1.2, 1.3, 1.7,1.8 und 1.12 sowie Dispositivziffer 6 lit. a, b, d, e und i).
7.2. Genugtuung
7.2.1. Die Vorinstanz hat den folgenden Privatklägern Genugtuungen zugespro-
chen (Urk. 94 S. 49 ff. und 56/57):
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a) Der Privatklägerin 6 Fr. 1'000.– zulasten des Beschuldigten, von
G._ und C._ in solidarischer Haftung
b) Der Privatklägerin 6 Fr. 5'000.– zulasten des Beschuldigten (für die sexuelle
Nötigung)
c) Dem Privatkläger 7 Fr. 1'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 12. Dezember 2010
zulasten des Beschuldigten, von G._ und C._ in
solidarischer Haftung
d) Dem Privatkläger 7 Fr. 1'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 12. Dezember 2010
zulasten des Beschuldigten (für die Lebensgefährdung durch das Verwen-
den des geladenen Revolvers mit gespanntem Hammer)
e) Dem Privatkläger 8 Fr. 1'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 21. November 2010
zulasten des Beschuldigten, von G._ und C._ in
solidarischer Haftung
f) Dem Privatkläger 9 Fr. 1'000.– zulasten des Beschuldigten, von
G._ und C._ in solidarischer Haftung
g) Dem Privatkläger 10 Fr. 1'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 21. November 2010
zulasten des Beschuldigten, von G._ und C._ in
solidarischer Haftung
7.2.2. Die Vorinstanz hat demnach zunächst all denjenigen Privatklägern, die
Opfer eines der Raubüberfälle wurden und eine Genugtuung forderten,
Fr. 1'000.– zugesprochen, je in solidarischer Haftung der drei Mittäter (vorstehen-
de lit. a, c, e, f und g). Das ist den konkreten Umständen angemessen und
entspricht auch den Genugtuungssummen, die von den Gerichten in der Ver-
gangenheit in ähnlichen Fällen zugesprochen worden sind.
7.2.3. Ebenfalls unter Verweis auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz ist
sodann zu bestätigen, dass der Beschuldigte (alleine) zusätzlich zu verpflichten
ist, dem Privatkläger 7, dem Geschäftsführer der "R._", eine Genugtuung
von weiteren Fr. 1'000.– zu bezahlen (Urk. 94 S. 51). Das erscheint in Anbetracht
- 46 -
des Vorgehens des Beschuldigten angemessen, der den Privatkläger 7 mit
gespannter, schussbereiter Waffe bedrohte und so in unmittelbare Lebensgefahr
gebracht hat.
7.2.4. Schliesslich hat die Vorinstanz den Beschuldigten (ebenfalls alleine)
verpflichtet, der Privatklägerin 6 für die sexuelle Nötigung eine Genugtuung
von weiteren Fr. 5'000.– zu bezahlen. Dies ficht die Privatklägerin 6 an und
lässt beantragen, diese Genugtuung berufungsweise auf Fr. 20'000.– zuzüglich
5 % Zins seit dem 3. Dezember 2010 festzusetzen.
7.2.4.1. Die Vorinstanz hat die Voraussetzungen, unter welchen eine Genugtuung
zuzusprechen und wie diese zu bemessen ist, korrekt umrissen (Urk. 94 S. 49).
Im Konkreten führt sie dann aus, der Beschuldigte habe die Privatklägerin 6 unter
Vorhalt eines geladenen Revolvers gezwungen, eine sexuelle Nötigung zu erdul-
den, wobei die Verletzung der sexuellen Integrität der Privatklägerin 6 schwer
wiege. Diese habe durch die Handlungen des Beschuldigten sowohl psychische
als auch physische Schmerzen erlitten, deren Langzeitfolgen schwierig abzu-
schätzen seien. Das Verschulden des Beschuldigten sei als verwerflich anzuse-
hen. Ausgehen hiervon und unter Berücksichtigung der gerichtlich zugesproche-
nen Genugtuungssummen in vergleichbaren Fällen erscheine eine Genugtuung
von Fr. 5'000.– als angemessen (Urk. 94 S. 50/51).
7.2.4.2. Die Vertreterin der Privatklägerin 6 erachtet diesen Betrag als zu tief,
einerseits in Anbetracht des Einsatzes von Waffengewalt und der Zufügung
von massiven Schmerzen, andererseits auch im Vergleich mit ähnlichen Fällen
(Urk. 96; Urk. 203).
7.2.4.3. Vor Vorinstanz liess die Privatklägerin 6 darauf hinweisen, dass sie ange-
sichts der ihr vorgehaltenen geladenen Waffe Todesangst gehabt und zunächst
eine Vergewaltigung befürchtet habe. Das anschliessende konkrete Vorgehen
des Beschuldigten sei Ausdruck einer rücksichtslosen, menschenverachtenden,
brutalen und erniedrigenden Haltung. Es habe dem Beschuldigten offenbar nicht
gereicht, sich an der Privatklägerin 6 sexuell zu vergehen, sondern er habe ihr
auch noch vorsätzlich Schmerzen zugefügt. Zwar habe die Privatklägerin 6 keine
- 47 -
körperlichen Verletzungen davon getragen. Sie – zur Tatzeit gerade einmal
21-jährig – habe aber die bisherige Unbeschwertheit verloren und lebe nicht mehr
einfach in den Tag hinein. An sich hätte sie Bedarf nach psychologischer Hilfe,
doch dazu fehle ihr das Geld, seitdem sie wieder in der Ukraine lebe. Dorthin
zurückzukehren habe sie sich entschlossen, nachdem sie in der Schweiz
entlassen worden sei. Hier habe sie nur eine Bewilligung als Tänzerin gehabt,
diese Tätigkeit aber nicht mehr ertragen können, weil sie so jeden Tag an die Tat
zurückerinnert worden wäre. In der Ukraine könne sie nun auf unregelmässiger
Basis an einem Kiosk arbeiten. Das Einkommen erlaube ihr aber nicht, auf eige-
nen Beinen zu stehen. Sie müsse deshalb bei ihrer Mutter leben (Urk. 69 S. 4/5).
7.2.4.4. Anlässlich der Berufungsverhandlung liess die Privatklägerin 6 sodann
ausführen, die Auswirkungen dieser Taten seien bis heute unverändert. So habe
sie den Vorfall bis heute noch nicht verarbeiten können. Als Opfer einer sexuellen
Nötigung leide sie unvermindert unter den Folgen des Übergriffs, bei welchem sie
dem Beschuldigten während Minuten hilf- und wehrlos ausgeliefert gewesen sei.
Sie sei traumatisiert und auch das Bild, dass der Beschuldigte eine geladene
Waffe in seiner Hand gehalten habe und sie nicht gewusst habe, ob er auf
sie schiesse, sei in ihrem Unterbewusstsein fest eingeprägt. Sie werde noch
regelmässig von Alpträumen heimgesucht. Eigentlich müsste sie psychologische
Hilfe in Anspruch nehmen. Das habe sie aber bisher nicht gekonnt, da sie im April
2011 die Stelle und ihre Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz verloren habe und
in die Ukraine habe zurückkehren müssen. In der Ukraine habe sie sich eine
solche Behandlung nicht leisten können (Urk. 203 S. 4).
7.2.4.5. Es bedarf keiner langer Ausführungen dazu, dass das Erlebnis am
3. Dezember 2010 für die Privatklägerin 6 traumatisch war. In Todesangst
– ein solche entsteht zwangsläufig, wenn jemand mit einem geladenen Revolver
bedroht wird – massive, mit Schmerzen verbundene sexuelle Übergriffe erdulden
zu müssen, hinterlässt erhebliche Spuren, auch wenn die Tathandlungen des
Beschuldigten letztlich "nur" einige Minuten gedauert haben. Auch ist nachvoll-
ziehbar, dass die Privatklägerin 6 sich nach diesem Erlebnis nicht mehr in der
Lage gesehen hat, weiterhin als Tänzerin zu arbeiten, nachdem diese Tätigkeit im
- 48 -
betreffenden Umfeld typischerweise eine stark erotisch-sexualisierte Komponente
enthält.
7.2.4.6. Wie der Gerichtspraxis zu diesem Thema entnommen werden kann,
werden bei Sexualdelikten, insbesondere bei Vergewaltigungen, in der Regel Ge-
nugtuungssummen im Bereich von Fr. 10'000.– bis zu Fr. 30'000.– zugesprochen
(Hütte/Ducksch/Guerrero, Die Genugtuung, 3. Auflage, Zürich 2005, vgl. tabellari-
sche Übersicht über die Gerichtsentscheide, Genugtuung bei Sexualdelikten Zeit-
raum 2003 - 2005, Ziff. 30 - 69). Es ist zwar zu beachten, dass der Eingriff in die
sexuelle Integrität bei einer Vergewaltigung wohl grundsätzlich etwas höher zu
gewichten ist als bei einer sexuellen Nötigung. Vorliegend ist aber zu berücksich-
tigen, dass es sich um eine qualifizierte sexuelle Nötigung sowie zusätzlich eine
versuchte Nötigung handelt. Entsprechend liegt einerseits ein schwerer, nachhal-
tiger Angriff auf das sexuelle Selbstbestimmungsrecht der Privatklägerin 6 vor, bei
welchem der Beschuldigte ihr auch Schmerzen zufügte (Schlag mit dem Revolver
auf den Rücken, Penetration mit Handschuh, Beissen in die Schamlippen). Ande-
rerseits drohte er ihr mit geladener Waffe (zur Duldung des sexuellen Übergriffs
und zwecks anschliessender Nötigung, gegenüber der Polizei Stillschweigen zu
bewahren) und versetzte sie dadurch in Todesangst.
7.2.4.7. Nach dem Gesagten erscheint damit die von der Vorinstanz zugespro-
chene Genugtuungssumme für die Privatklägerin 6 von Fr. 5'000.– als deutlich zu
tief. In Würdigung aller massgebenden Faktoren, insbesondere unter Berücksich-
tigung des vorsätzlich zugefügten Unrechts, des konkreten Ausmasses des Ein-
griffs in die Persönlichkeitsrechte der Privatklägerin 6 und der von ihr erlittenen
Angst, ist Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin 6 eine Genugtuung von
Fr. 20'000.– zu bezahlen. Dieser Betrag ist ab dem Tattag, dem 3. Dezember
2010, zu 5 % zu verzinsen.
8. Kosten- und Entschädigungsfolgen
8.1. Ausgangsgemäss – es bleibt bei der Verurteilung – ist die erstinstanzliche
Kostenverlegung (Dispositivziffer 9, 1. Absatz) zu bestätigen.
- 49 -
8.2. Im Berufungsverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Vorliegend unterliegt
der Beschuldigte mit seiner Berufung vollumfänglich. Demgegenüber obsiegt die
Privatklägerin 6 mit ihrer Berufungen und die Staatsanwaltschaft mit ihrer An-
schlussberufung. Die Kosten des Berufungsverfahrens sind damit, mit Ausnahme
derjenigen der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Verbeiständung
der Privatklägerin 6, dem Beschuldigten aufzuerlegen. Die Kosten der amtlichen
Verteidigung und der unentgeltlichen Verbeiständung der Privatklägerin 6 sind
einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, wobei die Rückzahlungspflicht im
Sinne von Art. 135 Abs. 4 StPO bzw. Art. 138 Abs. 1 StPO vorzubehalten ist.
8.3. Am 21. Oktober 2013 reichte der Vertreter des Privatklägers 7, Rechts-
anwalt Dr. Z._, seine Honorarnote ein. Für seine Aufwendungen
ist vom 13. April 2011 bis zum 9. Oktober 2013 ein Honorar von Fr. 4'320.–
aufgelaufen (Urk. 185).
8.3.1. Im erstinstanzlichen Verfahren hatte der Privatkläger 7 noch keine Ent-
schädigung für die Kosten seiner anwaltlichen Vertretung gefordert. Entsprechend
sprach ihm die Vorinstanz dann auch keine solche Entschädigung zu (vgl.
Art. 433 StPO). In der Folge hat der Privatkläger 7 das vorinstanzliche Urteil
nicht angefochten. Das Thema einer allfälligen Prozessentschädigung für das
erstinstanzliche Verfahren ist damit rechtskräftig erledigt.
8.3.2. Für das Berufungsverfahren hat der Privatkläger 7 angesichts des
Prozessausgangs gegenüber dem Beschuldigten aber einen Anspruch auf Ent-
schädigung (Art. 433 Abs. 1 StPO). Der Honorarnote von Rechtsanwalt Dr.
Z._ lässt sich nicht entnehmen, welche der geltend gemachten Aufwendun-
gen in die Zeit des Berufungsverfahrens fallen. Den Akten ist zu entnehmen, dass
er ausser der Einreichung der Honorarnote keine Eingaben erstattet hat. Zu stu-
dieren waren sodann die Präsidialverfügung vom 27. November 2012, die Vorla-
dung und das vorliegende Urteil. Darüber hinausgehend hat sich der Privatkläger
7 bzw. sein Vertreter nicht am Berufungsverfahren beteiligt und insbesondere
auch nicht an der Berufungsverhandlung teilgenommen. Mehr als eine Entschädi-
gung von Fr. 500.– ist vor diesem Hintergrund nicht gerechtfertigt. Entsprechend
- 50 -
ist der Beschuldigte zu verpflichten, dem Privatkläger 7 an die Kosten der anwalt-
lichen Vertretung eine Prozessentschädigung von Fr. 540.– (Fr. 500.– zuzüglich 8
% Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Diese Verpflichtung trifft den Beschuldigten in
solidarischer Haftung mit seinem Mitbeschuldigten C._.
8.3.3. Im mündlich eröffneten und schriftlich versandten Urteilsdispositiv wurde
festgehalten, dass zusätzlich auch der Mitbeschuldigte G._ solidarisch zur
Zahlung der genannten Prozessentschädigung an den Privatkläger 7 zu
verpflichten sei. Da sich der Mitbeschuldigte G._ aber nicht am vorliegenden
Berufungsverfahren beteiligte, handelt es sich dabei um ein offensichtliches Ver-
sehen. Das nachstehende Urteilsdispositiv ist damit entsprechend zu korrigieren.