# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 21dcdce3-4ebc-53ee-9a81-6d1b7d19e56d
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2005
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Am 6. Februar 2004 stellte der Beschwerdeführer bei der Bauverwaltung Wimmis
folgendes Baugesuch:
„Erwerb des Infanteriebunkers A2042 zum Erhalt des Bunkers samt Bewaffnung und Ausrüstung als
geschichtlichen Zeugen einer wichtigen Epoche der Schweiz. Durchführen von Besuchen und
Führungen.“
2
Der militärische Bunker befindet sich auf Parzelle Wimmis GBBl. Nr. C._,
D._, ausserhalb der Bauzone im Wald.
Die Gemeinde Wimmis leitete das Baugesuch an den Regierungsstatthalter von
Niedersimmental weiter. Dieser holte beim kantonalen Amt für Gemeinden und
Raumordnung (AGR) und beim kantonalen Amt für Wald (KAWA), Waldabteilung 3 Thun-
Niedersimmental, je einen Fachbericht zum geplanten Bauvorhaben ein. Das AGR und das
KAWA verweigerten die Ausnahmebewilligungen für das Bauen ausserhalb des
Baugebietes bzw. für das Bauen im Wald .
Mit Bauentscheid vom 30. Juli 2004 wies der Regierungsstatthalter von Niedersimmental
das Baugesuch für die geplante Umnutzung der militärischen Anlage ab. Er stützte sich
dabei im Wesentlichen auf die negativen Amtsberichte des AGR und des KAWA.
2. Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer bei der kantonalen Bau-,
Verkehrs- und Energiedirektion (BVE) am 25. August 2004 Beschwerde. Er beantragt, der
Bauabschlag sei aufzuheben und die Baubewilligung für die vorgesehene Umnutzung des
Militärbunkers sei zu erteilen. Eventualiter sei die Baubewilligung unter Auflagen und
Bedingungen des AGR und des KAWA zu erteilen.
Der Beschwerdeführer macht geltend, das Bauvorhaben beinhalte keine baulichen
Arbeiten. Es gehe lediglich darum, eine im zweiten Weltkrieg durch die Schweizerische
Armee erstellte militärische Kleinanlage nachträglich zu bewilligen. Er sei bereit, die Anlage
zu erwerben, um sie zu pflegen und zu unterhalten. Ausserdem plane er, in beschränktem
Umfang Führungen zu organisieren, um den Bunker interessierten Personen zu zeigen.
Das Projekt habe keine negativen Auswirkungen auf den Wald und die Umgebung zur
Folge und stehe im Einklang mit den wichtigen Anliegen der Raumplanung. Ein
Bauabschlag würde dazu führen, dass die Anlage wegen fehlenden Unterhaltes
sukzessive zerstört und der Wald beeinträchtigt würde.
3. Der Regierungsstatthalter von Niedersimmental hält am Bauabschlag fest und
verweist auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids.
3
Das AGR verweist auf seinen Fachbericht und beantragt, die Beschwerde sei abzuweisen.
Das KAWA hält fest, der Bunker sei von der Armee ohne Rodungsbewilligung erteilt
worden. Bei der fraglichen Fläche handle es sich daher nach wie vor um Wald im Sinne der
Gesetzgebung. Für die Umnutzung in eine nichtforstliche zivile Nutzung sei eine
forstrechtliche Bewilligung erforderlich. Diese könne nur erteilt werden, wenn die
Bauherrschaft wichtige Gründe geltend machen könne, welche das öffentliche Interesse an
der Walderhaltung überwiegen würden. Die Absicht des Beschwerdeführers, einen Beitrag
an die Erhaltung militärischer Denkmäler zu leisten, sei zwar anzuerkennen. Die Erhaltung
einer militärischen Anlage stelle angesichts der Vielzahl solcher Objekte jedoch nicht in
jedem Fall einen wichtigen Grund im Sinne der Waldgesetzgebung dar. Der fragliche
Bunker sei militärhistorisch nicht derart bedeutsam, dass sich eine forstrechtlichen
Bewilligung rechtfertigen würde.
Die Gemeinde Wimmis ist der Ansicht, dass das Bauvorhaben zu bewilligen sei. Es sei
sinnvoll, ehemalige Militäranlagen einer zivilen Nutzung zuzuführen, um sie vor dem
langsamen Zerfall zu bewahren. Im vorliegenden Fall seien keine zusätzlichen
Erschliessungsanlagen erforderlich und die geplante Nutzung des Bunkers habe keine
Lärmimmissionen zur Folge.
3. Das Rechtsamt der BVE, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, holte
beim Regierungsstatthalter von Niedersimmental nähere Angaben über die Grundfläche,
die Kubatur und den Standort des Militärbunkers ein. Ausserdem edierte es beim KAWA
und beim AGR Unterlagen bezüglich der Praxis zur Umnutzung von militärischen Bauten
und Anlagen im Wald.
Die Verfahrensbeteiligten erhielten abschliessend Gelegenheit, Schlussbemerkungen zum
Verfahren einzureichen. Der Beschwerdeführer weist in seinen Schlussbemerkungen
darauf hin, dass sich zur Zeit eine Arbeitsgruppe des eidgenössischen Departements für
Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) damit befasse, die militärhistorische
Bedeutung sämtlicher Festungsanlagen im Kanton Bern zu qualifizieren. Die
diesbezüglichen Arbeiten seien voraussichtlich im Frühjahr 2005 abgeschlossen. Die
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 155.221.191)
4
Frage, ob der Bunker militärhistorisch bedeutsam ist oder nicht, sei im vorliegenden
Beschwerdeverfahren von entscheidender Bedeutung. Es werde daher subeventualiter
beantragt, das Beschwerdeverfahren zu sistieren, bis das Ergebnis der VBS-Arbeitsgruppe
vorliege.
Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid von Bedeutung, in den Erwägungen
zurückzukommen sein.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Prozessvoraussetzungen
Nach Art. 40 Abs. 1 BauG2 können Bauentscheide innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der
Beschwerde zuständig. Der Beschwerdeführer ist durch den vorinstanzlichen Bauabschlag
beschwert und somit unbestritten zur Beschwerde befugt. Auf die form- und fristgerecht
eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Ausnahmebewilligung für das Bauen ausserhalb der Bauzone (Art. 24 RPG)
Nach Art. 16a Abs. 1 RPG3 sind Bauten und Anlagen in der Landwirtschaftszone
zonenkonform, die zur landwirtschaftlichen Bewirtschaftung oder für den produzierenden
Gartenbau nötig sind.
Der Beschwerdeführer beabsichtigt, den ausserhalb der Bauzone und im Wald gelegenen
militärischen Infanteriebunker ohne bauliche Massnahmen in eine zivile Anlage
umzunutzen, um ihn samt Bewaffnung und Ausrüstung zu erhalten und Besuche und
Besichtigungen durchzuführen. Es ist unbestritten, dass dieses Bauvorhaben in der
Landwirtschaftszone nicht zonenkonform im Sinne von Art. 16a Abs. 1 RPG ist und
demzufolge eine Ausnahmebewilligung nach Art. 24 ff. RPG erfordert.
2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0) 3 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (RPG; SR 700)
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Beim umstrittenen Bauvorhaben liegt offensichtlich keiner der Anwendungsfälle von Art.
24b oder Art. 24d RPG vor. Zu prüfen bleibt, ob für die beabsichtigte Umnutzung des
Militärbunkers allenfalls eine Ausnahmebewilligung nach Art. 24a RPG (Zweckänderung
ohne bauliche Massnahmen) oder Art. 24c RPG (teilweise Änderung) erteilt werden kann.
3. Ausnahmebewilligung nach Art. 24a RPG
a) Es ist vorliegend unbestritten, dass die Umnutzung des Militärbunkers mit keinen
baulichen Massnahmen verbunden ist. Es ist daher zu prüfen, ob für die Umnutzung
allenfalls eine Ausnahmebewilligung nach Art. 24a Abs. 1 RPG erteilt werden kann. Nach
dieser Vorschrift ist die Bewilligung zu erteilen, wenn durch die Zweckänderung der Baute
keine neuen Auswirkungen auf Raum, Erschliessung und Umwelt entstehen (Bst. a) und
sie nach keinem anderen Bundeserlass unzulässig ist (Bst. b). Die Bestimmung von Art.
24a Abs. 1 RPG beschränkt sich dabei nicht nur auf landwirtschaftliche Bauten, sondern
erlaubt auch Zweckänderungen anderer Bauten ausserhalb der Bauzone4.
b) Bei neuen Auswirkungen auf Raum, Erschliessung und Umwelt im Sinne von Art. 24a
Abs. 1 Bst. a RPG stehen Nutzungen im Vordergrund, welche allgemeine Umweltanliegen
berühren, höhere Belastungen der Erschliessung erzeugen oder zusätzliche Parkplätze
erfordern. Auch gewerbliche Nutzungen, welche zum Beispiel mehr motorisierte Zu- und
Wegfahrten verursachen als die bisherige Nutzung, fallen darunter.
Der Beschwerdeführer beabsichtigt, im ehemaligen Militärbunker Führungen durchzufüh-
ren, um den Bunker „einer geringen Anzahl interessierter Besucher“ zu zeigen. Aus dem
Situationsplan geht hervor, dass sich der Bunker mitten im Wald befindet und
strassenmässig nicht direkt erschlossen ist. Etwa 20 m westlich des Bunkers, entlang der
Simme, verläuft jedoch ein kleines Strässchen bzw. ein Waldweg. Aufgrund der Tatsache,
dass sich der Bunker mehrere hundert Meter vom nächsten besiedelten Gebiet befindet, ist
nicht auszuschliessen, dass Besucherinnen und Besucher den Bunker über dieses
Strässchen mit ihren motorisierten Fahrzeugen aufsuchen und diese in der Nähe des
Bunkers bzw. des Waldes abstellen. Der Beschwerdeführer sichert zwar zu, im Falle einer
Baubewilligung Auflagen zu akzeptieren, welche die Dauer der Führungen und die Grösse
4 BGE 127 II 215, E. 4b
6
der Besuchergruppen festlegen würden. Solche Auflagen wäre jedoch zu wenig wirksam,
da bereits bei verhältnismässig kleinen Besuchergruppen - zum Beispiel 5–10 Personen -
ein wesentliches Verkehrsaufkommen zu erwarten wäre. Ausserdem wären solche
Auflagen in der Praxis nur schwer zu kontrollieren.
Zusammenfassend folgt, dass die geplante Umnutzung des Bunkers neue Auswirkungen
auf die Umwelt im Sinne von Art. 24a Abs. 1 Bst. a RPG zur Folge hätte.
c) Nach Art. 18 Abs. 3 RPG untersteht der Wald einer besonderen bundesrechtlichen
Nutzungsordnung. Diese ist gemäss Art. 1 WaG5 darauf ausgerichtet, die verschiedenen
Waldfunktionen (Schutz, Wohlfahrt, Nutzung) zu fördern. Weil es sich beim Wald um
Nichtbaugebiet handelt, besteht grundsätzlich kein Anspruch auf eine Baubewilligung von
Bauten im Wald, sofern nicht besondere Gründe für eine Lage im Wald sprechen. Bauten
und Anlagen, die forstlichen Zwecken dienen, dürfen im Wald errichtet werden. Sie
benötigen keine Rodungsbewilligung, jedoch eine Baubewilligung (Art. 4 Bst. a und Art. 14
Abs. 1 WaV6). Nichtforstliche Kleinbauten und –anlagen wie beispielsweise Rastplätze,
Feuerstellen, Sport- und Lehrpfade oder erdverlegte Leitungen benötigen ebenfalls keine
Rodungsbewilligung, gelten aber als Nutzungen, die für die Funktion oder die
Bewirtschaftung des Waldes nachteilig sind (Art. 4 Bst. a WaV). Sie dürfen deshalb nur aus
wichtigen Gründen bewilligt werden und benötigen eine Ausnahmebewilligung nach Art. 24
RPG, welche nur im Einvernehmen mit der zuständigen kantonalen Forstbehörde erteilt
werden kann (Art. 16 Abs. 2 WaG; Art. 14 Abs. 2 WaV; Art. 35 KWaV7).
Der fragliche Militärbunker stellt unbestritten weder eine Baute und Anlage dar, die
forstlichen Zwecken dient, noch handelt es sich um eine nichtforstliche Kleinbaute bzw. –
anlage im oben erwähnten Sinn. Der Bunker wurde von der Armee nach Militärrecht ohne
forstrechtliche Bewilligung erbaut. Er widerspricht somit den Vorschriften der
Waldgesetzegbung. Das KAWA als zuständige kantonale Forstbehörde stimmt der
Umnutzung der zonenwidrigen Baute nicht zu. Damit steht fest, dass auch die
Voraussetzung von Art. 24a Abs. 1 Bst. b nicht erfüllt ist.
5 Bundesgesetz vom 4. Oktober 1991 über den Wald (WaG; SR 921.0) 6 Verordnung vom 30. November 1992 über den Wald (WaV; SR 921.01) 7 Kantonale Waldverordnung vom 29. Oktober 1997 (KWaV; BSG 921.111)
7
d) Zusammenfassend folgt, dass eine Ausnahmebewilligung nach Art. 24a RPG nicht
erteilt werden kann.
4. Ausnahmebewilligung nach Art. 24c RPG
a) Nach Art. 24c RPG und Art. 82 BauG werden bestimmungsgemäss nutzbare Bauten
und Anlagen ausserhalb der Bauzonen, die nicht mehr zonenkonform sind, in ihrem
Bestand grundsätzlich geschützt. Sie können erneuert, teilweise geändert, massvoll
erweitert oder wieder aufgebaut werden, sofern sie rechtmässig erstellt oder geändert
worden sind. In jedem Fall bleibt die Vereinbarkeit mit den wichtigen Anliegen der
Raumplanung vorbehalten.
b) Der Begriff der teilweisen Änderung ist als solcher durch die Revision des RPG nicht
verändert worden. Inhaltlich entspricht die Bestimmung von Art. 24c RPG grundsätzlich der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu Art. 24 Abs. 2 aRPG8. Danach ist eine Änderung
als teilweise zu betrachten, soweit hinsichtlich Umfang, äusserer Erscheinung sowie
Zweckbestimmung die Wesensgleichheit der Baute gewahrt wird und keine wesentlichen
neuen Auswirkungen auf die Nutzungsordnung, Erschliessung und Umwelt geschaffen
werden. Die Änderung darf nur untergeordneter Natur sein. Von Wesensgleichheit einer
Baute kann nur gesprochen werden, wenn die Zweckänderung nicht zu einer völlig neuen
wirtschaftlichen Zweckbestimmung führt, sondern zu einer Nutzung, die von der
ursprünglichen Nutzungsart nicht grundlegend abweicht9. Im Übrigen werden auch
Nutzungsänderungen erfasst, die keine baulichen Vorkehren erfordern, wenn die
Änderungen erhebliche Auswirkungen auf Umwelt und Planungen haben. Entscheidend
sind nicht einzelne Merkmale, sondern alle raumwirksamen Elemente im
Zusammenwirken. Allerdings hat der Bundesrat in Art. 41 und 42 RPV10 die zulässigen
Änderungen im Sinne von Art. 24c Abs. 2 RPG konkretisiert. Nach Art. 42 Abs. 1 RPV sind
Änderungen zulässig, wenn die Identität der Baute oder Anlage einschliesslich ihrer
Umgebung in den wesentlichen Zügen gewahrt bleibt. Dabei sind Verbesserungen
8 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (RPG; SR 700); Fassung, welche bis zum 1. September 2000 galt 9 BGE 113 Ib 303, E. 3b mit Hinweisen 10 Raumplanungsverordnung vom 28. Juni 2000 (RPV; SR 700.1)
8
gestalterischer Art zulässig. Ob die Identität einer Baute oder einer Anlage im wesentlichen
gewahrt bleibt, ist unter Würdigung der gesamten Umstände zu beurteilen (Art. 42 Abs. 3
RPV)11.
c) Grundsätzlich auch in den Anwendungsbereich von Art. 24c RPG fallen Bauten und
Anlagen, die vor dem Inkrafttreten des ersten Gewässerschutzgesetzes am 1. Juli 1972
gestützt auf das Spezialrecht des Bundes erstellt wurden. Dazu gehören insbesondere
auch militärische Bauten und Anlagen. Dabei ist zu beachten, dass es bei diesen Bauten
oft schwierig ist, eine zivile Folgenutzung zu finden, mit welcher die Identität der Baute im
Sinne von Art. 42 RPV in den wesentlichen Zügen gewahrt bleibt. Oft wird bereits die
Zweckänderung diesen Rahmen sprengen. Bei naher Verwandtschaft der Nutzungen wird
die Zweckänderung zwar noch als teilweise gelten können, doch wird damit in aller Regel
das Änderungspotential ausgeschöpft sein, so dass neben der Zweckänderung nicht auch
noch eine Erweiterung bewilligt werden kann. Konkret bedeutet dies, dass die
Zweckänderung eines Bunkers in eine Disco als vollständige Zweckänderung zu
qualifizieren und damit nach Art. 24c RPG nicht bewilligungsfähig ist. Die Umnutzung einer
vor dem 1. Juli 1972 erstellten Truppenunterkunft in ein Ferienlager kann dagegen als
teilweise Änderung gelten, wenn die Nutzungsintensität in ähnlichem Rahmen bleibt12. Als
identitätsrelevante Änderungen gelten Vergrösserungen der Nutzfläche,
Volumenveränderungen, Nutzungsänderungen und Umbauten innerhalb des Gebäudes,
Veränderungen des Erscheinungsbildes und der Erschliessung sowie Komfortsteigerungen
und das Verhältnis von Umbaukosten zum Gesamtwert des Gebäudes. Eine (unzulässige)
vollständige Zweckänderung liegt dann vor, wenn diese bei der fraglichen Baute erhebliche
bauliche Eingriffe (Tragkonstruktion, Erscheinungsbild) nach sich zieht, ein starkes
Verkehrsaufkommen auslöst oder mit den wichtigen Anliegen der Raumplanung nicht
vereinbar ist13.
d) Der Beschwerdeführer plant, den ehemaligen Militärbunker in ein originalgetreues
militärhistorisches Museum umzunutzen und in beschränktem Umfang Führungen durchzu-
führen, um den Bunker interessierten Personen zu zeigen. Die bisher rein militärische
Nutzung des Bunkers würde somit vollständig durch eine zivile Nutzung ersetzt. Es handelt
11 BGE 127 II 215, E. 3a und 3b mit Hinweisen 12 vgl. Erläuterungen zu Art. 42 RPV, hrsg. vom ehemaligen Bundesamt für Raumplanung, S. 43 13 vgl. Richtlinien des Kantons Bern zu Art. 42 Abs. 1-3 RPV, hrsg. von der Justiz-, Gemeinde- und  sowie der Volkswirtschaftsdirektion, November 2001, S. 24
9
sich um eine vollständige Zweckänderung im Sinne der oben dargelegten Rechtsprechung,
welche den Rahmen einer teilweisen Änderung nach Art. 24c RPG sprengt. Die Tatsache,
dass die Umnutzung mit keinen baulichen Massnahmen verbunden ist, ist dabei
unbeachtlich. Aus den oben stehenden Erwägungen in Ziffer 3 folgt zudem, dass die
geplante Umnutzung neue Auswirkungen auf die Umwelt zur Folge hat, mit der
Waldgesetzgebung unvereinbar ist und somit den wichtigen Anliegen der Raumplanung
widerspricht.
Zusammenfassend folgt, dass eine Ausnahmebewilligung nach Art. 24c RPG ebenfalls
nicht in Frage kommt.
5. Standortgebundenheit
Nach Art. 24 RPG können Ausnahmebewilligungen erteilt werden, Bauten und Anlagen zu
errichten oder ihren Zweck zu ändern, wenn der Zweck der Bauten und Anlagen einen
Standort ausserhalb der Bauzonen erfordert und keine überwiegenden Interessen
entgegenstehen. Diese Voraussetzungen müssen kumulativ erfüllt sein. Die
Standortgebundenheit darf nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nur bejaht
werden, wenn eine Baute aus technischen oder betriebswirtschaftlichen Gründen oder
wegen der Bodenbeschaffenheit auf einen Standort ausserhalb der Bauzonen angewiesen
ist oder wenn ein Werk aus bestimmten Gründen in einer Bauzone ausgeschlossen ist.
Dabei beurteilen sich die Voraussetzungen nach objektiven Massstäben, es kann weder
auf die subjektiven Vorstellungen und Wünsche des Einzelnen noch auf die persönliche
Zweckmässigkeit oder Bequemlichkeit ankommen. Generell ist bei der Beurteilung der
Voraussetzungen ein strenger Massstab anzulegen14.
Der Bunker liegt im Wald und ausserhalb der Bauzone und kann nicht gezügelt werden.
Möglicherweise liegen die meisten Bunker ausserhalb der Bauzonen. Soll ein Bunker mit
ehemals militärischer Nutzung in ein zivil zugängliches Baudenkmal umgenutzt werden, so
ist das in der Bauzone möglicherweise schlecht möglich. In Anbetracht der Vielzahl von
Bunkern (vgl. Erwägung 6) ist damit die Standortgebundenheit ausserhalb der Bauzonen
aber nicht gegeben. Es ist nicht auszuschliessen, dass bestimmte besonders wichtige
Zeitzeugen erhalten werden und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen und
14 BGE 124 II 252 E. 4a; 123 II 256 E. 5a m.w.H.
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dass dafür die Standortgebundenheit vorliegt. Für den hier zu beurteilenden Bunker fehlt
dieser Nachweis. Auch die Aufnahme in ein Inventar des Bundes, wie es vom VBS
offenbar erstellt wird (vgl. Erwägung 6), wäre kein solcher Nachweis. Bei diesem Inventar
geht es offenbar um eine Dokumentation der meisten bestehenden Objekte und nicht um
eine Qualifizierung von wenigen exklusiven Objekten, die für die Nachwelt nicht nur
erhalten, sondern sogar geöffnet werden sollten. Das persönliche Anliegen des
Beschwerdeführers, die militärische Anlage zu erhalten und für zivile Zwecke zu nutzen, ist
zwar nachvollziehbar, vermag jedoch nach der oben erwähnten Rechtsprechung keine
Standortgebundenheit zu begründen. Ausserdem stehen dem Bauvorhaben überwiegende
öffentliche Interessen entgegen.
6. Sistierung des Verfahrens
Der Beschwerdeführer macht geltend, zur Zeit sei eine Arbeitsgruppe des VBS damit
befasst, die militärhistorische Bedeutung sämtlicher Festungsanlagen im Kanton Bern zu
qualifizieren. Die diesbezüglichen Arbeiten seien voraussichtlich im Frühjahr 2005
abgeschlossen. Er beantragt subeventualiter, das Beschwerdeverfahren sei zu sistieren,
bis feststehe, ob es sich beim fraglichen Bunker um eine militärhistorisch bedeutsame
Anlage handle. Treffe dies zu, so bestünden wichtige Gründe für eine
Ausnahmebewilligung im Sinne von Art. 5 Abs. 2 WaG, welche das Interesse an der
Walderhaltung überwiegten.
Nach Art. 38 VRPG15 kann die instruierende Behörde das Verfahren von Amtes wegen
oder auf Antrag einstellen, wenn dessen Ausgang vom Entscheid eines andern Verfahrens
abhängt oder wenn im andern Verfahren über die gleiche Rechtsfrage zu befinden ist.
Diese Vorschrift setzt somit voraus, dass ein anderes Verfahren zumindest in Aussicht
stehen muss, dessen Ausgang für das vorliegende Beschwerdeverfahren von präjudizieller
Bedeutung ist16. Diese Voraussetzung ist hier nicht erfüllt. Art. 5 Abs. 2 WaG betrifft die
Rechtsfrage, wann Ausnahmebewilligungen vom Rodungsverbot erteilt werden können.
Diese Rechtsfrage bildet nicht Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens.
Prüfungsgegenstand war vielmehr die Frage, ob für das Bauvorhaben eine
Ausnahmebewilligung nach Art. 24 ff. RPG erteilt werden kann. Für eine
15 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 16 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 38 N. 2
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Interessenabwägung bleibt dabei kein Raum. Selbst wenn eine solche vorgenommen
werden müsste, wäre fraglich, ob das private Interesse des Beschwerdeführers, den
Bunker zivil zu nutzen, das öffentliche Interesse an der Walderhaltung überwiegt. Das
Inventar der Kampf- und Führungsbauten des VBS umfasst im Kanton Zürich
beispielsweise etwa 1700 Objekte. Davon wurden rund 650 Anlagen dokumentiert17. Es ist
zu erwarten, dass im flächenmässig grossen Kanton Bern etwa gleich viele – wenn nicht
sogar mehr - Militäranlagen inventarisiert werden. Würden alle diese Anlagen einer zivilen
Nutzung zugeführt, hätte dies zu Folge, dass die verschiedenen Waldfunktionen (Schutz,
Wohlfahrt, Nutzung) in Frage gestellt wären. Im vorliegenden Fall bestehen keine
Anhaltspunkte dafür, wonach der fragliche Bunker militärhistorisch derart bedeutsam ist,
dass ein überwiegendes privates Interesse besteht, die Anlage zivil zu nutzen.
Der Antrag, das Beschwerdeverfahren sei zu sistieren, wird daher abgewiesen.
7. Zusammenfassung, Kosten
Aus diesen Erwägungen folgt zusammenfassend, dass für die Umnutzung des
Militärbunkers auf Parzelle Wimmis Gbbl. Nr. C._ keine Ausnahmebewilligung
nach Art. 24, Art. 24a oder Art. 24c RPG erteilt werden kann. Die Beschwerde ist daher
abzuweisen und der vorinstanzliche Bauabschlag zu bestätigen.
Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer als unterliegende Partei die
oberinstanzlichen Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese bestehen aus
einer Pauschalgebühr, welche auf Fr. 700.00 festgelegt wird. Parteikosten sind keine zu
sprechen.