# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c32270ce-3c6e-4a51-97f1-8681dbd21487
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
a.
X._ wurde am 18. August 1992 geboren und ist Staatsangehörige von Sri Lanka. Sie
reiste am 9. Mai 2016 zur Vorbereitung der Heirat mit dem in der Schweiz
niedergelassenen Landsmann Y._ in die Schweiz ein (Visumserteilung für drei Monate,
act. Migrationsamt X._ [nachfolgend: MA X] 71) und heiratete diesen am 1. Juli 2016.
Im Rahmen des Familiennachzuges wurde ihr am 15. Juli 2016 eine
Aufenthaltsbewilligung erteilt (act. MA X 79).
b.
Am 6. Dezember 2016 ging beim Migrationsamt des Kantons St. Gallen vom
Einwohneramt der Stadt G._ eine Wegzugsmeldung für X._ ein. Gemäss dieser
meldete sich X._ am 30. November 2016 per 5. Dezember 2016 für sechs bis sieben
Monate nach Sri Lanka ab (act. MA X 100 f.). Einen Tag darauf meldete der Ehemann
X._ bei der Polizei G._ als vermisst (act. MA X 103 ff.). Die von der Polizei getätigte
Vermisstensuche blieb erfolglos und die damit verbundenen Abklärungen führten zu
keinen Erkenntnissen. Am 6. Juni 2017 tauchte X._ in Basel auf. Anlässlich der
polizeilichen Befragung gab sie an, dass sie von ihrem Ehemann entführt und an einem
ihr unbekannten Ort festgehalten worden sei. Zudem sei sie seit der Heirat regelmässig
von ihrem Ehemann geschlagen und psychisch unter Druck gesetzt worden.
c.
Mit Entscheid des Familienrichters des Kreisgerichts St. Gallen vom 27. Oktober 2017
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betreffend Eheschutzmassnahmen wurde davon Kenntnis genommen, dass die
Ehegatten getrennt leben. Zudem wurde ein Kontaktverbot verhängt (act. MA X 270 ff.).
d.
Das Untersuchungsamt G._ stellte das Strafverfahren gegen Y._ betreffend
Freiheitsberaubung und Entführung, Tätlichkeiten in der Ehe sowie Nötigung mit
Verfügung vom 15. Dezember 2017 ein. Es stellte fest, dass sich die überprüfbaren
Aussagen von X._ allesamt als falsch herausgestellt hätten. Ausser ihren Aussagen
gäbe es keine Beweismittel, die für eine Verurteilung sprechen würden.
e.
Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs verlängerte das Migrationsamt die
Aufenthaltsbewilligung von X._ mit Verfügung vom 25. April 2018 nicht, verweigerte
die Unterbreitung des Falls an das Staatssekretariat für Migration (SEM) und wies sie
an, die Schweiz spätestens nach 60 Tagen nach Rechtskraft der Verfügung zu
verlassen. Es kam im Wesentlichen zum Schluss, dass X._ lediglich fünf Monate in
ehelicher Gemeinschaft gelebt habe. Die geforderte Mindestdauer der
Ehegemeinschaft von drei Jahren werde nicht erfüllt. Ein wichtiger Grund zum Verbleib
in der Schweiz liege ebenfalls nicht vor. Die Schilderungen von X._ hinsichtlich der
ehelichen Gewalt seien durch die Abklärungen der Polizei teilweise widerlegt worden
und würden insgesamt unglaubwürdig erscheinen. Auch sei keine starke Gefährdung
der sozialen Wiedereingliederung im Herkunftsland gegeben. Sie halte sich erst seit
kurzer Zeit in der Schweiz auf und kenne die Lebensumstände im Heimatland. Ihre
Behauptung, ihre Eltern würden bei einer Rückkehr nichts mehr von ihr wissen wollen,
erscheine wenig glaubwürdig (act. MA X 246 ff.). Den gegen diesen Entscheid
erhobenen Rekurs wies das Sicherheits- und Justizdepartement mit Entscheid vom 24.
Oktober 2019 ab.
B.
X._ (Beschwerdeführerin) reichte am 8. November 2019 und mit Ergänzung vom 16.
Dezember 2019 durch ihren Rechtsvertreter Beschwerde gegen den Entscheid des
Sicherheits- und Justizdepartements (Vorinstanz) beim Verwaltungsgericht ein. Sie
stellte den Antrag auf Aufhebung des Entscheids der Vorinstanz und Erteilung der
Aufenthaltsbewilligung, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zudem ersuchte sie
um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung.
Entsprechend dem Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
verzichtete der Abteilungspräsident mit Schreiben vom 6. Februar 2020 auf die
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Erhebung eines Kostenvorschusses.
Mit Vernehmlassung vom 20. Januar 2020 schloss die Vorinstanz auf Abweisung der

## Considerations

Beschwerde und verwies zur Begründung auf die Erwägungen des angefochtenen
Entscheids.
Auf die Erwägungen der angefochtenen Entscheide und die Ausführungen der
Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie die Akten wird, soweit für
den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. (...)
2.
Mit der am 1. Januar 2019 in Kraft getretenen Revision des (vormaligen)
Ausländergesetzes (Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer; AuG),
welches neu Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer und über die
Integration (AIG, SR 142.20) heisst, erfuhr das Gesetz einige – für die vorliegende
Streitsache indes nicht massgebende – Anpassungen. Art. 126 Abs. 1 AIG bestimmt,
dass auf Gesuche, die vor dem Inkrafttreten des AIG eingereicht worden sind, das
bisherige materielle Recht anwendbar bleibt. Das Verfahren richtet sich demgegenüber
nach dem neuen Recht (Art. 126 Abs. 2 AIG). Die Beschwerdeführerin und ihr Ex-Mann
leben seit dem 1. Dezember 2016 bzw. 6. Juni 2017 getrennt und die anschliessende
Überprüfung der Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung wurde mit Verfügung vom
25. April 2018 abgeschlossen. Folglich ist die Angelegenheit nach dem bis zum
31. Dezember 2018 geltenden Ausländergesetz (AuG) in der Fassung vom 1. Oktober
2015 zu beurteilen.
3.
Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundeverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft
(SR 101, BV), Art. 4 lit. c der Verfassung des Kantons St. Gallen (sGS 111.1, KV), Art. 6
Ziff. 1 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR
3.1.
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0.101, EMRK) und Art. 14 Ziff. 1 des Internationalen Paktes über bürgerliche und
politische Rechte (SR 0.103.2, UNO-Pakt II) haben die Parteien Anspruch auf
rechtliches Gehör. Dieser ist formeller Natur. Seine Verletzung führt ungeachtet der
materiellen Begründetheit des Rechtsmittels zur Gutheissung der Beschwerde und zur
Aufhebung des angefochtenen Entscheids (BGE 144 I 11 E. 5.3). Aus dem Anspruch
auf rechtliches Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV fliesst zunächst die Pflicht der Behörden,
die Vorbringen der von einem Entscheid in ihrer Rechtsstellung betroffenen Person
tatsächlich zu hören, zu prüfen und in der Entscheidfindung zu berücksichtigen (BGE
136 I 229 E. 5.2, BGer 2C_432/2016 vom 26. Januar 2018 E. 3.2.1). Als weiteren
Teilgehalt umfasst der Anspruch auf rechtliches Gehör die Begründungspflicht.
Letztere verlangt jedoch nicht, dass sich die Rechtsmittelinstanz mit sämtlichen
vorgebrachten Sachverhaltselementen, Beweismitteln und Rügen auseinandersetzt.
Vielmehr kann sie sich auf die wesentlichen Überlegungen, welche zum Entscheid
geführt haben, beschränken, selbst wenn diese fehlerhaft sind. Die Begründung soll
dem Betroffenen ermöglichen, die Tragweite des Entscheides zu erfassen und diesen
in Kenntnis der Überlegungen der Rechtsmittelinstanz anzufechten (BGE 143 III 65 E.
5.2, 141 III 28 E. 3.2.4, BGer 2C_397/2018 vom 1. Mai 2019 E. 3.2, 2D_14/2018 vom
13. August 2018 E. 3.1.1). Die Begründungspflicht ist nur dann verletzt, wenn die
Rechtsmittelinstanz auf die für den Ausgang des Verfahrens wesentlichen Vorbringen
selbst implizit nicht eingeht (BGer 2C_878/2018 vom 23. Januar 2020 E. 3.2).
Die Beschwerdeführerin wirft der Vorinstanz eine Verletzung des rechtlichen Gehörs
vor, weil sich diese nicht mit dem von der Beschwerdeführerin beigebrachten
Beweisaussagen einer möglichen Zwangsverheiratung bei einer Rückkehr in ihr
Heimatland befasst habe. Die Thematik der Zwangsheirat sei mit keiner einzigen Silbe
erwähnt. Auch habe die Vorinstanz die beantragten Beweisaussagen der
Beschwerdeführerin nicht abgenommen und den Bericht der Opferhilfe nicht
gewürdigt. Durch diese Unterlassungen sei das rechtliche Gehör ebenfalls verletzt
worden.
Aus dem angefochtenen Entscheid ergibt sich, dass die Vorinstanz sich bereits beim
Aspekt der ehelichen Gewalt mit dem Bericht der Opferhilfe explizit auseinandergesetzt
hat, welcher ebenfalls Hinweise auf die möglichen Probleme bei einer Rückkehr in die
Heimat enthielt. Diesen Bericht hielt die Vorinstanz aber nicht für überzeugend (E. 4b
und 4d/cc des angefochtenen Entscheids). Auch das Schreiben der Eltern erwähnt die
Vorinstanz in der massgeblichen Erwägung (E. 5 des angefochtenen Entscheids)
explizit. Wenn die Vor-
3.2.
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4.
Ausländische Ehegatten und ledige Kinder unter 18 Jahren von
niederlassungsberechtigten ausländischen Personen haben – unter Vorbehalt von
Erlöschensgründen (Art. 51 Abs. 2 AuG) – Anspruch auf Erteilung und Verlängerung
ihrer Aufenthaltsbewilligung, soweit sie mit diesen zusammenwohnen (Art. 43 AuG)
oder, bei fortdauernder Ehegemeinschaft, ein wichtiger Grund für das Getrenntleben
besteht (Art. 49 AuG). Nach Auflösung der Ehe oder der Familiengemeinschaft besteht
der Anspruch des Ehegatten und der Kinder auf Erteilung und Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung nach den Art. 42 und 43 AuG weiter, wenn die Ehegemeinschaft
mindestens drei Jahre bestanden hat und eine erfolgreiche Integration besteht oder
wichtige persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich
machen (Art. 50 Abs. 1 AuG, Art. 77 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und
Erwerbstätigkeit, SR 142.201, VZAE).
Die Beschwerdeführerin reiste am 9. Mai 2016 zur Heiratsvorbereitung in die Schweiz
ein und heiratete ihren Ehemann am 1. Juli 2016. Am 30. November 2016 meldete sie
sich per 5. Dezember 2016 nach Sri Lanka ab. Ab dem darauffolgenden Tag galt sie als
vermisst. Am 6. Juni 2017 tauchte die Beschwerdeführerin wieder in Basel auf.
Unabhängig davon, ob ein Getrenntleben ab dem 1. Dezember 2016 oder 6. Juni 2017
angenommen wird (Anträge gemäss den Eheschutzverhandlungen vom 27. Oktober
2017, act. MA X 270 ff.), dauerte die Ehe allerhöchstens knapp ein Jahr.
Dementsprechend steht unbestrittenermassen fest, dass die Dreijahresfrist nach
Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG nicht erfüllt ist und die Beschwerdeführerin gestützt auf diesen
Gesetzesartikel keinen Anspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung hat. Die
Beschwerdeführerin ist jedoch der Auffassung, dass ein sogenannter nachehelicher
Härtefall nach Art. 50 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 AuG vorliege. Zur Begründung ihres
Anspruchs gibt sie an, dass sie Opfer ehelicher Gewalt geworden sowie eine Rückkehr
instanz nun zum Schluss kommt, eine starke Gefährdung der sozialen
Wiedereingliederung bei einer Rückkehr ins Heimatland sei nicht glaubhaft, ist dies eine
Frage der (korrekten) Beweiswürdigung und nicht des rechtlichen Gehörs. Jedenfalls
konnte die Beschwerdeführerin der Begründung des angefochtenen Urteils die
wesentlichen Überlegungen, von welchen sich die Vorinstanz leiten liess, entnehmen,
auch wenn die Vorinstanz nicht explizit die mögliche Zwangsverheiratung im
Heimatland erwähnte. Somit konnte sich die Beschwerdeführerin über die Tragweite
des angefochtenen Entscheids ein Bild machen und diesen sachgerecht anfechten. Vor
diesem Hintergrund ist der verfassungsrechtlichen Begründungspflicht Genüge getan
und der Gehörsanspruch der Beschwerdeführerin wurde nicht verletzt.
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in ihr Heimatland nicht zumutbar sei, womit wichtige Gründe für einen weiteren
Aufenthalt in der Schweiz ausgewiesen seien.
5.
Wichtige persönliche Gründe nach Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG können namentlich
vorliegen, wenn die Ehegattin oder der Ehegatte Opfer ehelicher Gewalt wurde oder die
Ehe nicht aus freiem Willen geschlossen hat oder die soziale Wiedereingliederung im
Herkunftsland stark gefährdet erscheint (Art. 50 Abs. 2 AuG und Art. 77 Abs. 2 VZAE).
Die beiden Elemente der ehelichen bzw. häuslichen Gewalt und der starken
Gefährdung der sozialen Wiedereingliederung (Art. 77 Abs. 2 VZAE) sind nicht
kumulativ zu verstehen (vgl. BGE 138 II 229 E. 3.2.2). Eheliche Gewalt liegt
insbesondere dann vor, wenn Personen innerhalb einer bestehenden oder aufgelösten
ehelichen Beziehung psychische, physische oder sexuelle Gewalt ausüben oder
androhen (vgl. M. Caroni, in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Bundesgesetz über die
Ausländerinnen und Ausländer, Handkommentar, Bern 2010, N 32 zu Art. 50 AuG). Das
Bundesgericht hat hierzu ausgeführt, dass häusliche Gewalt eine systematische
Misshandlung mit dem Ziel, Macht und Kontrolle auszuüben, bedeute. Eine einmalige
Ohrfeige oder eine verbale Beschimpfung im Verlauf eines eskalierenden Streits reiche
dagegen nicht aus. Vielmehr müssten die physische oder psychische Zwangsausübung
und deren Auswirkungen von einer gewissen Konstanz bzw. Intensität geprägt sein
(BGE 138 II 229 E. 3.2.1 f., Caroni, a.a.O., N 34 zu Art. 50 AuG). Auch psychische bzw.
sozio-ökonomische Druckausübung wie dauerndes Beschimpfen, Erniedrigen, Drohen
und Einsperren kann einen für die Annahme eines nachehelichen Härtefalls relevanten
Grad an unzulässiger Oppression erreichen. Dies ist praxisgemäss dann der Fall, wenn
die psychische Integrität des Opfers bei einer Aufrechterhaltung der ehelichen
Gemeinschaft schwer beeinträchtigt würde. Nicht jede unglückliche, belastende und
nicht den eigenen Vorstellungen entsprechende Entwicklung einer Beziehung
begründet indessen bereits einen nachehelichen Härtefall und ein weiteres
Anwesenheitsrecht in der Schweiz. Häusliche Oppression bedeutet systematische
Misshandlung mit dem Ziel, Macht und Kontrolle auszuüben. Die anhaltende,
erniedrigende Behandlung muss derart schwer wiegen, dass von der betroffenen
Person bei Berücksichtigung sämtlicher Umstände vernünftigerweise nicht erwartet
werden kann, dass sie einzig aus bewilligungsrechtlichen Gründen die Ehe
aufrechterhält und in einer ihre Menschenwürde und Persönlichkeit verneinenden
Beziehung verharrt. Eine glaubhaft gemachte oppressionsbedingte Aufhebung der
Hausgemeinschaft soll für die betroffene Person keine ausländerrechtlichen Nachteile
5.1.
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zur Folge haben, wenn sie durch das Zusammenleben in ihrer Persönlichkeit ernsthaft
gefährdet wäre und ihr eine Fortführung der ehelichen Gemeinschaft bei objektiver
Betrachtungsweise nicht mehr zugemutet werden kann. Kommt es in einer solchen
Situation zur Trennung, transformiert sich der vormals aus der ehelichen Beziehung
abgeleitete Aufenthaltsanspruch in einen selbständigen Aufenthaltsanspruch (BGE 138
II 229 E. 3.2.2, vgl. BGer 2C_878/2018 vom 23. Januar 2020 E. 5.1, 2C_248/2019 vom
12. Dezember 2019 E. 3.1.1, 2C_788/2018 vom 31. Januar 2019 E. 4.1).
Gerade weil der Nachweis ehelicher Gewalt in den wenigsten Fällen direkt erbracht
werden kann, trifft die ausländische Person bei der Feststellung des entsprechenden
Sachverhalts eine weitreichende Mitwirkungspflicht (vgl. Art. 90 AuG, BGE 138 II 229 E.
3.2.3). Dabei genügen allgemein gehaltene Behauptungen oder Hinweise auf punktuelle
Spannungen in der Beziehung nicht. Vielmehr muss die Systematik der Misshandlung
bzw. deren zeitliches Andauern und die daraus entstehende Belastung objektiv
nachvollziehbar konkretisiert, beweismässig unterlegt und in geeigneter Weise
glaubhaft gemacht werden (vgl. BGer 2C_682/2019 vom 26. Februar 2020 E. 4.1,
2C_133/2019 vom 11. April 2019 E. 3.3, M. Spescha, in: Spescha/Thür/Zünd/Bolzli/
Hruschka [Hrsg.], Kommentar Migrationsrecht, 5. Aufl. 2019, N 26 zu Art. 50 AuG, Art.
77 Abs. 5 VZAE). Der Beweis ist geleistet, wenn sich das Gericht in Anwendung des
zutreffenden Beweismasses von deren Vorhandensein überzeugt hat; bei
Anwendbarkeit des Beweismasses der Glaubhaftmachung ist ausreichend, dass die
Möglichkeit eines Zutreffens der behaupteten Tatsachen höher eingeschätzt wird als
deren Gegenteil (BGer 2C_165/2018 vom 19. September 2019 E. 2.2.2, 2C_58/2017
vom 23. Juni 2017 E. 2.2.1). Nur in diesem Fall und beim Bestehen entsprechender
Beweisanträge, die nicht in antizipierter Beweiswürdigung abgewiesen werden können,
wobei aber allfälligen sachinhärenten besonderen Beweisschwierigkeiten Rechnung zu
tragen ist, rechtfertigt es sich, ein ausländerrechtliches Beweisverfahren
durchzuführen. Als Beweismittel kommen insbesondere Arztzeugnisse oder
psychiatrische Gutachten, Polizeirapporte, Strafanzeigen, entsprechende
strafrechtliche Verurteilungen, glaubwürdige Zeugenaussagen von weiteren
Angehörigen und Nachbarn sowie Berichte/Einschätzungen von Fachstellen
(Frauenhäuser, Opferhilfe usw.) in Betracht (vgl. die nicht abschliessende Aufzählung
nach Art. 77 Abs. 6 und 6 VZAE). Eine strafrechtliche Verurteilung wird hingegen
praxisgemäss nicht vorausgesetzt (BGE 138 II 229 E. 3.2.3 und E. 3.3.3., BGer
2C_215/2019 vom 24. Januar 2020 E. 4.2, 2C_1072/2018 vom 1. Juli 2019 E. 2.4,
2C_788/2018 vom 31. Januar 2019 E. 3.2.1 und 3.2.2).
5.2.
bis
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=2c_765%2F2013&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F138-II-229%3Ade&number_of_ranks=0#page229 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&subcollection_mI2=on&insertion_date=&top_subcollection_aza=any&query_words=+2C_215%2F2019&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F138-II-229%3Ade&number_of_ranks=0#page229
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Die Vorinstanz gelangte zum Schluss, dass die von der Beschwerdeführerin
behauptete eheliche Gewalt nicht die rechtsprechungsgemäss vorausgesetzte
Intensität und Konstanz erreicht habe. Sie erwog im Wesentlichen, die Aussagen der
Beschwerdeführerin über Vorfälle mit Würgen, regelmässigen Schlägen und Drohungen
durch den Ehemann von Beginn der Ehe an seien nicht mit Unterlagen, insbesondere
mit Arztberichten oder Bildern über tatsächlich entstandene physische Verletzungen
resp. gesundheitliche Beeinträchtigungen, dokumentiert. Der Bericht des Frauenhauses
und die darin enthaltenen Anmerkungen würden auf den Aussagen der
Beschwerdeführerin basieren und seien in ihrer Bedeutung von vornherein zu
relativieren. Dies gelte auch für die vagen und allgemein gehaltenen Aussagen ihres
Onkels. Die vorgebrachten Einschränkungen der Beschwerdeführerin im
Zusammenhang mit der Pflege persönlicher Kontakte würden im Widerspruch zu den
Aussagen des Ehemannes im Strafverfahren stehen. Sie habe Verbindung zu ihrem
Bruder halten können und dieser habe sie mehrmals besucht. Ebenfalls sei es ihr
möglich gewesen, die eheliche Wohnung zu verlassen. Im Übrigen könne ohnehin nicht
von einer Unzumutbarkeit des weiteren Zusammenlebens mit dem Ehemann
gesprochen werden, weil die Beschwerdeführerin anlässlich der
untersuchungsrichtlichen Einvernahmen ausgesagt habe, dass sie die Probleme in der
Ehe immer erduldet habe und sich nicht von ihm habe trennen wollen. Angesichts der
vagen Aussagen der Beschwerdeführerin zur Wegzugsmeldung und zur angeblichen
Entführung bzw. Einschliessung durch den Ehemann und den Widersprüchen zu den
Aussagen des Ehemanns und den polizeilichen Ermittlungen würden sich erhebliche
Zweifel an der Glaubwürdigkeit ihrer Aussagen ergeben. Den Berichten des Zentrums
für Psychotraumatologie, des Frauenhauses St. Gallen und der Opferhilfe komme keine
entscheidende Bedeutung zu. Für sich alleine seien die Berichte jedenfalls nicht
geeignet, massgebliche eheliche Gewalt bejahen zu können, weil sie stets von der
Sachlage ausgehen würden, wie sie von der Beschwerdeführerin geschildert würde.
Die darin enthaltenen Feststellungen würden entsprechend auf nicht weiter
plausibilisierten Einschätzungen des tatsächlich Vorgefallenen basieren. Das im
Entscheid des Familienrichters verfügte Kontaktverbot sei ebenso nicht massgeblich,
weil dieses auf gemeinsamen Antrag der Ehegatten und ohne eingehende Begründung
gegenseitig erlassen worden sei.
Dagegen wendet die Beschwerdeführerin ein, dass das Strafverfahren zwar eingestellt
worden sei, dies jedoch nur, weil die Tatvorwürfe nicht hätten erhärtet werden können.
Daraus liessen sich keine Schlüsse über den Wahrheitsgehalt der Tatvorwürfe ziehen.
Denn im Strafverfahren sei einseitig auf die Aussagen des Ehemannes abgestellt
5.3.
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worden. Im Einzelnen ergebe sich Folgendes: In Bezug auf die modernen
Kommunikationsmittel lasse sich nicht der Schluss ziehen, dass sie mit ihren
Verwandten uneingeschränkt habe Kontakt pflegen können, selbst wenn sie darüber
hätte verfügen können. Sie habe vor dem Benutzen um Erlaubnis fragen müssen und
der Ehemann habe die Telefongespräche mitgehört. Der zum Geburtstag geschenkte
Laptop sei ihr wieder weggenommen worden. Die Verbindungsnachweise würden
aufzeigen, dass sie primär mit dem Ehemann Gespräche geführt habe und nicht mit
Drittpersonen. Während der Ehe seien ihre sozialen Kontakte sehr eingeschränkt
gewesen. Sie habe zwar einen Deutschkurs besuchen können und dieser sei laut den
Integrationsvereinbarungen auch unerlässlich gewesen, allerdings habe sie sich nach
dem Deutschkurs jeweils gleich danach wieder nach Hause begeben müssen. Zu ihrem
Bruder und Onkel habe sie Kontakt gehabt, daraus lasse sich jedoch nicht herleiten,
dass sie ein soziales Netz habe knüpfen können. Die Entführung und Einschliessung
habe im Strafverfahren nicht belegt werden können, weil es zum Teil widersprüchliche
Aussagen gegeben habe. In diesem ausländerrechtlichen Verfahren sei es nicht
statthaft, ausschliesslich auf die Ergebnisse eines Strafverfahrens abzustellen. Die
Vorinstanz hätte eigene Abklärungen treffen und sie befragen sollen, um sich einen
eigenen Eindruck zu verschaffen. Vor dem Hintergrund der diagnostizierten
posttraumatischen Belastungsstörung hätten auch sogenannte Realkennzeichen zu
Objektivierung und Plausibilisierung der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen geprüft werden
sollen. Es grenze an Willkür, wenn lediglich die zweifelhaften Ergebnisse des
Strafverfahrens ausgeschlachtet würden, auf der anderen Seite aber die Akten des
Eheschutz- und Scheidungsverfahren nicht berücksichtigt würden.
Strittig ist, ob die Beschwerdeführerin die von ihr geltend gemachte physische und
psychische Gewalt in der Ehe durch Schläge und Drohungen gegenüber ihr und ihrer
Familie und die Entführung sowie Freiheitsberaubung durch ihren Ehemann glaubhaft
nachweisen kann. Die Vorwürfe gegen den Ehemann waren Gegenstand eines
strafrechtlichen Verfahrens. Dieses Verfahren wegen Freiheitsberaubung und
Entführung, Tätlichkeiten in der Ehe sowie Nötigung wurde mit Verfügung vom 15.
Dezember 2017 mangels Beweisen eingestellt (act. MA X 224 ff.). Die
Beschwerdeführerin macht jedoch zutreffend geltend, dass für das Vorliegen
anspruchsbegründender ehelicher bzw. häuslicher Gewalt im Sinne von Art. 50 Abs. 1
lit. b oder Abs. 2 AuG (vgl. E. 5.2) nicht ein voller Beweis oder eine strafrechtliche
Verurteilung verlangt wird, sondern es genügt, wenn dies die ausländische Person,
losgelöst von einem strafrechtlichen Verfahren, in geeigneter Weise glaubhaft macht.
So will die Beschwerdeführerin aufzeigen, dass auf die Schlussfolgerungen im
5.4.
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Strafverfahren nicht ohne Weiteres abgestellt werden kann. Nebst den im
Strafverfahren getätigten Abklärungen (unter anderem Zeugenaussagen, forensisches
Gutachten vom 19. Juli 2017, Auswertungen von Mobiltelefondaten) liegen im
vorliegenden Fall ein fachärztlicher Therapiebericht der C._, vom 8. Juni 2018 (act.
Vorinstanz 4/8) und ein Arztbericht der C._ vom 25. Januar 2018 (act. MA X 279 ff.) je
unterzeichnet von Dr. R._, Klinikleiter und Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, sowie ein Bericht des Frauenhauses vom 12. Juni 2018 (act.
Vorinstanz 6/9) und der Opferhilfe vom 3. Oktober 2019 (act. Vorinstanz 25/16) als
Beweismittel vor.
Die Beschwerdeführerin hielt sich anschliessend an ihre angebliche Flucht von dem
Ort, an dem ihr Mann sie festgehalten haben soll, vom 8. Juni bis 28. Oktober 2017 im
Frauenhaus St. Gallen auf. Im Bericht des Frauenhauses vom 12. Juni 2018 wird
geschildert, dass sie nach der traditionellen Heirat mit ihrem Ehemann glücklich in
Indien umhergereist sei. Als sie in die Schweiz gekommen sei, sei alles anders
gewesen, und der Ehemann habe ihr seit dem ersten Tag Gewalt angetan. Er habe sie
eingesperrt, geschlagen, gewürgt und wiederholt mit dem Tod bedroht. Sie sei ziemlich
isoliert von der Aussenwelt gewesen. Am 30. November 2016 sei ein Streit zwischen ihr
und ihrem Ehemann eskaliert. In derselben Nacht sei sie vom Ehemann ins Auto gezerrt
worden, und er sei mit ihr weggefahren. Anschliessend habe er sie in ein Kellerzimmer
gesperrt. Sie habe nicht fliehen können und sei gezwungen worden zu essen. Sie habe
sich kaum mehr bewegt und sei im Bett liegen geblieben. Ihr habe zu allem die Kraft
gefehlt. Gemäss dem Bericht zeigte die Beschwerdeführerin klare Anzeichen einer
schweren Traumatisierung. Körperlich sei sie nach kurzen Strecken zu Fuss schnell
ausser Atem geraten. Das Sonnenlicht habe sie geblendet und sie habe angegeben,
Kopfschmerzen zu haben. Sie habe sich langsam erholen können und sich ans Leben
im Frauenhaus und in der Schweiz akklimatisiert. Gegen Ende des Aufenthalts sei die
Beschwerdeführerin kaum mehr wiederzuerkennen gewesen. Sie habe an
Selbstvertrauen gewonnen, habe an Gewicht zugelegt, sei körperlich gestärkt gewesen
und habe auch wieder lachen und neue soziale Beziehungen knüpfen können. Sie habe
um ihr Leben gekämpft und nicht erwartet, dass sie dafür mit ihren traditionellen
Werten brechen müsse (act. Vorinstanz 25/16). Nebst der Begleitung im Frauenhaus
wurde sie ambulant im Zentrum C._, betreut. Vom 27. Juni bis 31. Dezember 2017
nahm die Beschwerdeführerin im Rahmen einer tagesklinischen Behandlung dreimal
wöchentlich am Therapieprogramm (Ergo-, Musik-, Mal-, Sport- und
Bewegungstherapie sowie psychoedukative Gruppentherapie) teil und erhielt nach
Bedarf Einzelgespräche. Im fachärztlichen Therapiebericht vom 8. Juni 2018 wird
5.5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/24
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festgehalten, dass sich ein kohärentes Bild in Eigen- und Fremdanamnese sowie den
Befunden über den gesamten Zeitraum der Behandlung gezeigt habe. Es wurde die
Diagnose posttraumatische Belastungsstörung gestellt. Die Beschwerdeführerin sei
komplex traumatisiert, weise krankheitsaufrechterhaltende Faktoren aus und sei
mehrfach vulnerabel (Frau, Ethnie, Vorbelastungen, Geflüchtete, act. Vorinstanz 4/8).
Die Beschwerdeführerin wurde ab November 2017 auch von der Opferhilfe unterstützt.
Gemäss dem Beratungsbericht vom 3. Oktober 2019 habe die Beschwerdeführerin
sehr unter den Erlebnissen gelitten. Sie habe geschildert, an Ängsten und
Panikgefühlen zu leiden und habe wiederholende Flashbacks beschrieben,
traumatische Erinnerungsbilder über die in der Ehe erlebte Gewalt und von der Zeit, als
sie eingesperrt gewesen sei. Ein Schwerpunkt der Beratung habe in der Verarbeitung
der erlebten Gewalt und dem Umgang damit bestanden. Ebenfalls Bestandteil sei die
unsichere Bewilligungssituation gewesen.
Die genannten Berichte bestätigen alle, dass die Beschwerdeführerin Anzeichen einer
Traumatisierung zeigte infolge der behaupteten in der Ehe erlebten Gewalt und der
Entführung. Wie bereits unter E. 5.2 ausgeführt, muss die Möglichkeit eines Zutreffens
der behaupteten Tatsachen höher eingeschätzt werden als deren Gegenteil, damit das
Beweismass der Glaubhaftmachung erreicht wird. Den Berichten ist – wie die
Vorinstanz zu Recht bemerkte – gemeinsam, dass sie primär auf den subjektiven
Angaben der Beschwerdeführerin beruhen. An den Ausführungen der
Beschwerdeführerin bestehen aber aus nachfolgenden Gründen gewichtige Zweifel
und damit auch am Beweiswert der vorliegenden Berichte. Zum einen zeigen diese
Berichte auf, dass es nicht nur um die Aufarbeitung des angeblich erlittenen Traumas
ging, sondern der Beschwerdeführerin primär Unterstützung in den schwierigen
Situationen hinsichtlich des laufenden Strafverfahrens und Scheidungsprozesses
(Auswahl der Kleider und Haarschnitt für Verhandlung), der Bewilligungssituation bzw.
allfälliger Rückkehr sowie der Wohnungssuche (WG, Untermiete oder alleine wohnen)
geboten wurde. Insbesondere auch ihre kulturelle Herkunft wurde als
krankheitsaufrechtserhaltender Faktor gewertet. Zum anderen begab sich die
Beschwerdeführerin erst nach der Trennung vom Ehegatten in Behandlung bzw. ins
Frauenhaus und zur Opferhilfe. Eine zeitnahe Beurteilung, inwiefern die
Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin auf das Verhalten des Ehemannes
während der Dauer des Zusammenlebens zurückzuführen waren oder eine allfällige
Bilddokumentation über die der Beschwerdeführerin angetane physische Gewalt, fehlt
demnach. Auch kann sämtlichen ins Recht gelegten Berichten keine konkrete
Beschreibung der angeblichen Entführung und der physischen und psychischen
5.6.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/24
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Gewalt, welche der Ehemann gegenüber der Beschwerdeführerin ausgeübt haben soll,
entnommen werden. Einzig aus dem Bericht des Frauenhauses ergibt sich, dass die
Beschwerdeführerin angegeben habe, der Ehemann habe sie eingesperrt, geschlagen,
gewürgt und immer wieder mit dem Tod bedroht. Weiterführende Informationen finden
sich vorliegend in den im Strafverfahren durchgeführten Abklärungen. Sowohl für den
angeblichen Missbrauch während der Ehe als auch für die Entführung gibt es jedoch
keine Zeugen. Der Onkel der Beschwerdeführerin war zwar mehrfach zu Besuch bei ihr
und ihrem Ehemann, dennoch ist ihm nicht bekannt, dass sie vom Ehemann
misshandelt worden wäre. Er fügte in der Einvernahme vom 4. April 2017 an, dass die
Beschwerdeführerin so gut wie nie die Wohnung habe verlassen dürfen. Der Ehemann
sei morgens zur Arbeit gegangen, habe die Wohnungstüre geschlossen und die
Beschwerdeführerin sei alleine zurückgeblieben. Das habe ihm die Beschwerdeführerin
im November erzählt, als er mit seiner Familie in die Schweiz gefahren sei, um zu
fragen, was es denn für Beziehungsprobleme mit dem Ehemann gebe. Zur Entführung
gab der Onkel an, dass er nicht wisse, wo sich die Beschwerdeführerin aufhalte (act.
MA X 168). Auch der Bruder der Beschwerdeführerin wusste gemäss seinen Angaben
nichts von häuslicher Gewalt (Schreiben vom 30. November 2019, act. 6/12). Die
Beschwerdeführerin berichtete bei der Einvernahme vom 6. Juni 2017, dass der
Ehemann sie geschlagen und sie zu Hause eingesperrt habe. Er habe sie mit der Hand
geschlagen, wie eine Ohrfeige. Manchmal habe er sie gewürgt (act. Vorinstanz 17/D12,
S. 3 f.). Bei der Einvernahme vom 10. Juli 2017 gab sie zu Protokoll, dass der Ehemann
sie geschlagen, gewürgt und den Kontakt zu den Eltern verboten habe. Sie könne sich
nicht erinnern, wie oft sie geschlagen und gewürgt worden sei. Auf Nachfrage, ob das
wöchentlich passiert sei, antwortete sie mit Ja. Die Probleme hätten täglich bestanden.
Er habe sie unter Druck gesetzt (act. Vorinstanz 17/D14, Fragen 44 bis 46). Auch bei
der Einvernahme vom 2. August 2017 wiederholte die Beschwerdeführerin, dass sie mit
der Hand geschlagen worden sei, sich nicht erinnern könne, wie oft es vorgekommen
sei. Es sei nur passiert, wenn sie ihn gefragt habe, was er mache. Auf Nachfrage hin
meinte sie, dass es ein bis zweimal pro Woche passiert sei. Sie sei durch die Schläge
nie verletzt worden (act. Vorinstanz 17/D16, Fragen 58 ff.). Weiter behauptete sie, von
den Problemen in der Ehe ihrem Onkel erzählt zu haben. Diesem war bezüglich
häuslicher Gewalt allerdings nichts bekannt (act. Vorinstanz 17/D16, Fragen 73 f.). Im
Übrigen sagte sie aus, dass sie sich nicht von ihrem Mann habe trennen wollen.
Obwohl so viel passiert sei, habe sie das immer erduldet. Sie habe nie gedacht, dass
sie sich von ihm trennen müsse (act. Vorinstanz 17/D16, Fragen 76 ff.). Sowohl
hinsichtlich der häuslichen Gewalt als vor allem auch der Entführung sind die Angaben
der Beschwerdeführerin äusserst vage und undifferenziert. Das Auto, mit welchem sie
angeblich weggebracht wurde, konnte sie weder vom Typ, der Farbe noch der
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Inneneinrichtung her beschreiben. Konkrete Angaben zur Fahrt bzw. der Umgebung
fehlen ebenfalls, ausser, dass es viele Bäume gegeben habe. Sie konnte sich weder an
die Fahrzeit erinnern, noch ob sie über die Autobahn oder über Landstrassen fuhren.
Des Weiteren fehlen sämtliche Angaben zu allfälligen Ortstafeln oder Strassennamen,
Gebäuden, Restaurants oder sonstigem, welches ihr auf dem Weg hätte auffallen
können (act. Vorinstanz 17/D12. S. 5, 17/D16, Fragen ab 112 ff.). Dasselbe gilt auch für
die Fahrt nach Basel nach der angeblichen Freilassung. Nicht einmal das Gebäude
selbst, in welchem sie angeblich festgehalten wurde, konnte sie beschreiben (act.
Vorinstanz 17/D16, Fragen ab 152 ff.). Das Zimmer, in welchem sie während sechs
Monaten festgehalten worden sein soll, beschrieb sie ebenfalls nicht detailliert, sondern
nur sehr allgemein: weisse Wände, ein Fenster, ein Bett (Farbe Bettwäsche nicht
bekannt), ein Tisch und ein Badezimmer mit Fenster. Durch die Fenster habe sie
«normale» Gebäude gesehen (act. Vor-instanz 17/D12 S. 6, 10, 17/D16, Fragen ab
177 ff.). Wie die Vorinstanz zutreffend erwog, ist nicht nachvollziehbar, dass die
Beschwerdeführerin sich in keiner Weise versucht hat, bemerkbar zu machen, obwohl
es anscheinend umliegend Gebäude und damit möglicherweise auch Menschen
gehabt haben könnte. Gemäss Aussagen der Beschwerdeführerin habe sie während
der angeblichen Gefangenschaft nur schlafen können. Weinen und schlafen. Sie habe
wenig gegessen, nicht jeden Tag (act. Vorinstanz 17/D12, S. 10). Diese Angaben
bezüglich Schlafen und Weinen wiederholte sie bei der Einvernahme vom 2. August
2017. Sie habe ein- bis zweimal pro Tag Essen bekommen. Das Essen konnte sie nicht
genau beschreiben. Einmal seien es Nudeln gewesen. Sonst Fisch, Fleisch, sie wisse
nicht alles beim Namen (act. Vorinstanz 17/D16, Fragen ab 175 ff.). Bei der Aufnahme
im Frauenhaus gab die Beschwerdeführerin an, sie habe sehr viel abgenommen und
sei körperlich nicht fit. Auch diese Angaben sind zu relativieren. Am 3. Juli 2017, also
knapp einen Monat nach der angeblichen Freilassung, wurde die Beschwerdeführerin
forensisch-medizinisch im Institut für Rechtsmedizin untersucht. Gemäss dem
rechtsmedizinischen Gutachten vom 19. Juli 2017 präsentierte sich die
Beschwerdeführerin in normalem Allgemein- und Ernährungszustand. Bei einer
Körpergrösse von 161,5 cm habe sie inklusive Kleider 58 kg gewogen (act. Vorinstanz
17/A15). Auch bei der Aufnahme im Zentrum für Psychotraumatologie, 20 Tage nach
der Freilassung, wurde bezüglich des Allgemein- und Ernährungszustands nichts
Auffälliges erwähnt. Im polizeilichen Zwischenbericht vom 27. September 2017 wurden
weitere Ungereimtheiten nach Auswertung der Telefondaten, E-Mails und Fotos
festgestellt (act. MA X 196 bis 209). Die Beschwerdeführerin bemängelt diese
Auswertungen und die daraus gezogenen Schlussfolgerungen im Einzelnen. Sie
behauptet, dass einseitig auf die Aussagen des Ehemanns abgestellt werde. Ohne
weiter auf die konkreten Einwände einzugehen, wird der Beschwerdeführerin zwar
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zugestimmt, dass die Aussagen des Ehemannes ebenfalls auf eigenen subjektiven
Eindrücken und Empfindungen beruhen und daher auf eine Würdigung verzichtet
werden kann, insbesondere da er jegliche Vorwürfe von sich weist und damit
grundsätzlich das Gegenteil von der Beschwerdeführerin behauptet. Jedoch ändert
sich nichts an der Tatsache, dass rein gestützt auf die Angaben der
Beschwerdeführerin die geltend gemachte häusliche Gewalt nicht als ausreichend
glaubhaft erscheint. Auch der von der Beschwerdeführerin gemachte Verweis auf die
Akten des Eheschutzverfahrens gereicht ihr nicht zum Vorteil. Aus der Verhandlung
vom 24. Oktober 2017 ergeben sich keine weiterführenden Erkenntnisse hinsichtlich
der angeblichen häuslichen Gewalt und der Entführung. Das verhängte Kontaktverbot
zwischen der Beschwerdeführerin und dem Ehemann war unbestritten und wurde
seitens der Parteien nicht begründet (act. Vorinstanz 18/18).
Zusammengefasst gelingt es der Beschwerdeführerin nicht, die erforderliche Intensität
und Konstanz der Gewalteinwirkungen während der ehelichen Gemeinschaft glaubhaft
zu machen. Zwar zeigte die Beschwerdeführerin gemäss dem fachärztlichen
Therapiebericht der C._, dem Bericht des Frauenhauses und der Opferhilfe Anzeichen
einer Traumatisierung, welche möglicherweise von physischer und psychischer Gewalt
während der sechsmonatigen Dauer des ehelichen Zusammenlebens und der
behaupteten sechsmonatigen Entführung herrühren. Allerdings ergibt sich aus den
Strafakten – losgelöst vom Ausgang des Strafverfahrens –, dass die Angaben der
Beschwerdeführerin in den Einvernahmen vage und undifferenziert waren und damit
die häusliche Gewalt nicht objektiviert werden konnte. Es fehlt am Nachweis der
rechtsprechungsgemäss geforderten Systematik von Misshandlungen bzw. deren
zeitliches Andauern. Weitere Abklärungen, wie unter anderem die von der
Beschwerdeführerin verlangte persönliche Befragung, sind im vorliegenden Fall nicht
notwendig bzw. würden in antizipierter Beweiswürdigung nichts am rechtserheblichen
Sachverhalt ändern. Die Beschwerdeführerin wurde im laufenden Strafverfahren
dreimal ausführlich und unter Androhung von Straffolgen bei Falschaussage befragt.
Inwiefern sich durch eine weitere Befragung neue Erkenntnisse ergeben sollen,
erschliesst sich daher nicht (im Unterschied zu BGer 2C_215/2019 vom 24. Januar
2020 E. 6.3, bei welchem eine strafrechtliche Untersuchung fehlte). Es bleibt darauf
hinzuweisen, dass nicht jede unglückliche, belastende und nicht den eigenen
Vorstellungen entsprechende Entwicklung einer Beziehung die Annahme eines
nachehelichen Härtefalls rechtfertigt (BGE 138 II 229 E. 3.2.2, BGer 2C_922/2019 vom
26. Februar 2020 E. 3.1, 2C_1072/2018 vom 1. Juli 2019 E. 2.3). Im vorliegenden Fall
handelt es sich gemäss Angaben der Beschwerdeführerin und ihres Ehemanns um eine
5.7.
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6.
kulturell bedingt von den Eltern arrangierte Ehe. Eine Ehe, welche relativ rasch
eingegangen wurde und nach kurzer Zeit scheitert, weil sich die Eheleute in ihren
Vorstellungen über den Partner und dessen Verhalten – und vielleicht auch dessen
Familie – getäuscht sehen, bildet noch keine relevante Form von ehelicher Gewalt
(BGer 2C_293/2017 vom 30. Mai 2017 E. 3.1). Insgesamt sind keine eindeutigen
Anhaltspunkte bezüglich des Vorliegens häuslicher Gewalt ersichtlich, und damit
konnte die Beschwerdeführerin das Vorliegen eines nachehelichen Härtefalls im Sinne
von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG nicht nachvollziehbar konkretisieren und glaubhaft
machen.
Nebst der ehelichen Gewalt stellt auch die starke Gefährdung der sozialen
Wiedereingliederung im Herkunftsland für sich allein einen wichtigen persönlichen
Grund im Sinne von Art. 50 Abs. 2 AuG und Art. 77 Abs. 2 VZAE dar. Zu denken ist
etwa an geschiedene Frauen (mit Kindern), welche in ein patriarchalisches
Gesellschaftssystem zurückkehren und dort wegen ihres Status mit Diskriminierung
oder Ächtung rechnen müssen (BGE 137 II 345 E. 3.2.2, BGer 2C_777/2018 vom 8.
April 2019 E 3.1). Daher ist weiter zu prüfen, ob aufgrund dessen die
Aufenthaltsbewilligung zu erteilen bzw. zu verlängern ist.
6.1.
Bei der Anwendung von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG ist entscheidend, ob die persönliche,
berufliche und familiäre Wiedereingliederung der betroffenen ausländischen Person bei
einer Rückkehr in ihre Heimat als stark gefährdet zu gelten hätte und nicht, ob ein
Leben in der Schweiz einfacher wäre und von ihr vorgezogen würde (vgl. BGE 137 II
345 E. 3.2.2 und BGer 2C_1270/2012 vom 2. April 2013 E. 2.2). Ein nachehelicher
Härtefall setzt aufgrund der konkreten Umstände eine erhebliche Intensität der
Konsequenzen für das Privat- und Familienleben der ausländischen Person voraus, die
mit ihrer Lebenssituation nach dem Dahinfallen der Anwesenheitsberechtigung
verbunden sein werden (BGer 2C_822/2018 vom 23. August 2019 E. 3.3.1). Der blosse
Umstand, dass die Sicherheits-, Wirtschafts- und gesundheitliche Versorgungslage in
der Schweiz besser sind als im Heimatstaat, genügt gemäss Rechtsprechung nicht, um
von einem nachehelichen Härtefall ausgehen zu können, auch wenn die betroffene
Person in der Schweiz integriert erscheint, eine Landessprache mehr oder weniger
korrekt beherrscht, eine Arbeitsstelle hat, für ihren Lebensunterhalt selber
aufzukommen vermag und nicht straffällig geworden ist (vgl. BGer 2C_682/2019 vom
26. Februar 2020 E. 5, 2C_777/2018 vom 8. April 2019 E. 3.2). Hat der Aufenthalt nur
6.2.
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kürzere Zeit gedauert und wurden keine engen Beziehungen zur Schweiz geknüpft,
lässt sich ein Anspruch auf weiteren Verbleib nicht begründen, wenn die erneute
Integration im Herkunftsland keine besonderen Probleme darstellt (BGE 138 II 229 E.
3.1, 137 II 345 E. 3.2.3, BGer 2C_822/2018 vom 23. August 2019 E. 3.3.1). Unter
diesem Aspekt sind auch allfällige Vollzugshindernisse zu prüfen (BGE 137 II 345 E.
3.3.2, BGer 2C_682/2019 vom 26. Februar 2020 E. 5). Nach Art. 25 Abs. 3 BV darf
niemand in einen Staat ausgeschafft werden, in dem ihm Folter oder eine andere Art
grausamer und unmenschlicher Behandlung oder Bestrafung droht.
Es gilt dasselbe Beweismass wie bei der Geltendmachung von ehelicher Gewalt als
wichtigem Grund (vgl. E. 4.2).
Im angefochtenen Entscheid erachtete die Vorinstanz die Rückkehr und Reintegration
der Beschwerdeführerin in ihre Heimat als nicht gefährdet. Von einer gesellschaftlichen
Ächtung als getrenntlebende und geschiedene Frau durch Personen ausserhalb und
innerhalb des familiären Umfelds könne nicht ausgegangen werden. Die von der
Beschwerdeführerin gemachten Ausführungen in der Stellungnahme vom 7. Oktober
2019 stellten blosse Behauptungen dar.
Die Beschwerdeführer weist eindringlich darauf hin, dass alleinstehende Frauen
namentlich im Norden von Sri Lanka, wo sie herkomme, der Gefahr von
Diskriminierung, sexueller Ausbeutung sowie eingeschränkter Verdienstmöglichkeiten
ausgesetzt seien. Dies werde auch in der asylrechtlichen Rechtsprechung des
Bundesverwaltungsgerichts anerkannt. Es könne nicht pauschalisiert auf die
Möglichkeit eines beruflichen Wiedereinstiegs und einer Anknüpfung an das soziale
Netz im Herkunftsland verwiesen werden. Sie habe dargelegt, dass sie von ihrer
Familie in Sri Lanka keine Unterstützung zu erwarten habe. Als geschiedene und
tamilische Frau sei sie in Sri Lanka stigmatisiert und werde in der gegenwärtigen
politischen Situation keinen sozialen und wirtschaftlichen Anschluss finden. Als
Rückkehrerin habe sie zudem als Angehörige der tamilischen Minderheit schon bei der
Einreise Repressalien durch das neue politische Regime zu befürchten. Der Staat habe
gestützt auf Art. 25 BV eine Schutzpflicht und dürfe niemanden in einen Staat
ausschaffen, wenn dadurch voraussehbare Eingriffe in die Grund- und Menschenrechte
ermöglicht würden.
6.3.
Die Beschwerdeführerin ist sri-lankische Staatsangehörige tamilischer Ethnie und
6.4.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&subcollection_mI2=on&insertion_date=&top_subcollection_aza=any&query_words=2C_215%2F2019&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F137-II-345%3Ade&number_of_ranks=0#page345
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wuchs im Norden von Sri Lanka auf (U._, gemäss Google-Maps eine gute halbe
Stunde von Jaffna entfernt, act. MA X 16). Mit Verweis auf Themenpapiere über die
Situation der Frauen in Sri Lanka macht die Beschwerdeführerin primär allgemeine
Hinweise auf eine starke Gefährdung ihrer Wiedereingliederung in die Heimat. Die
blosse Möglichkeit einer Gefährdung der Beschwerdeführerin genügt nicht, sondern es
muss ihr eine reale, konkretisierte Gefahr drohen. Im Bericht des Frauenhauses wird
erwähnt, die Beschwerdeführerin habe erzählt, ihre Mutter habe vor Glück geweint und
habe nicht glauben können, dass sie noch am Leben sei. Im Heimatland sei sie den
patriarchalischen Gesellschaftsstrukturen schutzlos ausgesetzt und werde für ihren
"Verrat" bzw. "der Ehre ihres Ehemannes" büssen müssen (act. Vorinstanz 6/9, S. 3 f.).
Dem Bericht der Opferhilfe ist zu entnehmen, die Beschwerdeführerin habe grosse
Angst, in ihr Heimatland zurückzukehren. Seit der Trennung gehöre sie nicht mehr zum
Familienverbund, sie werde für die Scheidung verantwortlich gemacht und habe damit
Schande über die Familie gebracht. Bei einer Rückkehr hätte sie mit Repressionen zu
rechnen (act. Vorinstanz 25/16). Weitere Hinweise finden sich in den Einvernahmen des
Strafverfahrens. Der Ehemann äusserte in der Einvernahme vom 12. Dezember 2016,
dass die Beschwerdeführerin wieder zu den Eltern gehen könne, wenn sie nicht mehr
mit ihm zusammen sein wolle. Von ihrer Kultur her gebe er die Tochter dann den Eltern
zurück (act. MA 114, Fragen 79 und 80). Dies bestätigt auch die Auskunftsperson J._
bei ihrer Einvernahme am 14. Dezember 2016 (act. MA X 126, Frage 44). Hingegen gab
der Ehemann in der Einvernahme vom 17. Januar 2017 zu Protokoll, dass sich der
Vater der Beschwerdeführerin schämen würde, wenn seine Tochter nach Hause käme.
Dies erwähnte er im Zusammenhang mit dem Vorhaben, dass die Beschwerdeführerin
nach ihrer Operation Ende November zur Rehabilitation für einige Monate in ihr
Heimatland zurückkehren sollte (act. MA X 160, Frage 32). Mit Eingabe vom 8. Juni
2018 reichte die damalige Rechtsvertreterin ein Schreiben der Eltern der
Beschwerdeführerin ein (act. Vorinstanz 4/7). Laut diesem Schreiben machten sich die
Eltern Sorgen um die Beschwerdeführerin. Es sei ihnen gedroht worden, dass wenn die
Beschwerdeführerin in ihr Heimatland zurückkehre, dies ein grosses Risiko für ihr
Leben und das Leben ihrer Familie darstelle. Sie würden keine unnötigen Probleme
forcieren, gleichzeitig aber auch nicht wollen, dass sie festsitze. Sie rieten ihr, besser
dort oder an einem sicheren Ort zu bleiben. In Sri Lanka gebe es keine Garantie für ein
sicheres Leben. Zwei weitere Briefe, einer von den Eltern (per E-Mail weitergeleitet am
14. November 2019) und einer vom Bruder vom 30. November 2019, wurden der
Beschwerde beigelegt (act. 6/10 und 12). Bei diesen beiden Schreiben handelt es sich
um echte Noven. Das Verwaltungsgericht hat im Bereich des Ausländerrechts
entgegen Art. 61 Abs. 3 VRP, wonach neue Begehren im Beschwerdeverfahren
unzulässig sind, auch nach dem Erlass des angefochtenen Entscheides eingetretene
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Tatsachen (sogenannte "echte" Noven) zu berücksichtigen (VerwGE B 2019/119 vom
19. Dezember 2019 E. 3.1, B 2018/183 vom 3. Juli 2019 E. 2.1, vgl. auch Art. 6 Abs. 1
EMRK: richterliche Überprüfung mit voller Kognition, Cavelti/Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen – dargestellt an den Verfahren vor
Verwaltungsgericht, St. Gallen 2003, Rz. 645 mit Hinweisen, VerwGE B 2019/125 vom
12. Februar 2020 E. 6.2, B 2018/225 vom 29. August 2019 E. 5.2). Die Eltern führten
aus, sie würden sich bemühen, eine andere Ehe für die Beschwerdeführerin zu suchen.
Wenn die Leute wüssten, dass sie sich habe scheiden lassen, würden sie aus der
Gesellschaft ausgeschlossen. Dennoch seien sie seelisch vom Leid betroffen, welches
sie während der Ehe habe erleiden müssen. Sie hätten versucht, mit ihr Kontakt
aufzunehmen, aber sie habe sich nie gemeldet. In Zukunft müsse sie sich um sich
selbst kümmern. Sie solle nichts von ihnen erwarten. Wenn sie nach Sri Lanka
zurückkehre, werde die Gesellschaft sie nicht akzeptieren, und auch sie würden sie
nicht akzeptieren. Auch der Bruder bezweifelt, dass die Beschwerdeführerin bei einer
Rückkehr in ihr Heimatland ein friedliches, glückliches Leben führen könne. Die
Gesellschaft respektiere geschiedene Frauen nicht. Vor allem wenn jemand vom
Ausland geschieden zurückkehre. Die Eltern und er würden sich Gedanken machen,
wie sie eine Ehe für sie arrangieren könnten. Dies sei aber nicht einfach, da sich keiner
trauen würde, mit der Familie etwas anzufangen. Bei einer Rückkehr würde es auch
schwierig werden, eine Arbeit zu finden. Sie sei vor ihrer Abreise als Lehrerin angestellt
gewesen. Tausende Lehrerinnen würden auf einer Warteliste stehen in der Hoffnung,
eine Stelle zu finden. Sie würde aber nicht prioritär behandelt, da sich die Gesellschaft
von ihr distanzieren werde. Ohne Arbeit sei dort ein Leben nicht möglich. Er denke,
dass sie nicht bei den Eltern wohnen könne.
Sowohl Themenpapiere der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (einsehbar unter: https://
www.fluechtlingshilfe.ch/ unter: Herkunftsländer/Asien-Pazifik/Sri Lanka) als auch das
Bundesgericht sowie das Bundesverwaltungsgericht schildern die allgemeine Lage in
Sri Lanka und insbesondere die dortige Lage der Frauen. Dem Themenpapier «Sri
Lanka: Situation der Frauen» ist in Bezug auf die sozioökonomische Situation der
Frauen Folgendes zu entnehmen: Aufgrund des traditionellen Rollenverständnisses
wird in Sri Lanka von den Frauen erwartet, dass sie sich in erster Priorität um den
Haushalt und die Erziehung der Kinder kümmern. Diese dominierende gesellschaftliche
Erwartungshaltung hindert Frauen oft daran, eine Stelle zu suchen, und kann dazu
führen, dass Arbeitgeber Frauen in gebärfähigem Alter nicht einstellen. In keiner
anderen Provinz ist der Anteil der Frauen an der erwerbstätigen Bevölkerung so klein
wie in Jaffna (Moser/Schuster, Sri Lanka: Situation der Frauen, Themenpapier der SFH-
6.5.
https://www.fluechtlingshilfe.ch/ https://www.fluechtlingshilfe.ch/
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Länderanalyse vom 28. März 2013, S. 9 [nachfolgend: Situation der Frauen], unter:
https://www.fluechtlingshilfe.ch/ unter: Herkunftsländer/Asien-Pazifik/Sri Lanka). Die
Lage ist für arbeitssuchende Tamilinnen erschwert wegen der starren Vorstellungen
bezüglich der Geschlechterrollen und dem Kastenwesen innerhalb der tamilischen
Gemeinschaft. Zwar bestehen rechtlich keine Hürden für gewisse
Bevölkerungsgruppen im Zugang zu Arbeit, in der Realität ist Diskriminierung aufgrund
der Zugehörigkeit zur ethnischen Gruppe, sozialen Schicht und Kaste aber
allgegenwärtig. Insbesondere auf der Jaffna-Halbinsel ist das Kastensystem nach
Einschätzung von Experten sehr streng und hat Einfluss auf den Zugang zu Arbeit,
Ausbildung und Landbesitz (Situation der Frauen, a.a.O., S. 12). Im Urteil 2C_837/2016
vom 23. Dezember 2016 verwies das Bundesgericht in E. 4.4.2 ebenfalls auf dieses
Themenpapier und erwog, dass eine Ächtung nicht ganz auszuschliessen sei, jedoch
nicht gesagt werden könne, dass dies allgemein der Fall wäre. In Sri Lanka bestünden
staatliche und private Einrichtungen sowie gesetzliche Vorschriften, die dem Schutz
von geschiedenen oder gewaltbetroffenen Frauen dienten (Situation der Frauen, a.a.O.,
S. 7). Die Chance der Wiedereingliederung hänge im Übrigen von weiteren
unterschiedlichen Faktoren ab (Herkunft, soziale Stellung, Religion usw.). Das
Bundesgericht erwog im besagten Urteil, dass die Beschwerdeführerin ihren Einwand,
dass sie bei einer Rückkehr nicht auf die elterliche bzw. familiäre Hilfe zählen könne,
nicht weiter belege (E. 4.4.3). Im Urteil 2C_682/2019 vom 26. Februar 2020 entschied
das Bundesgericht über eine Wegweisung eines sri-lankischen Staatsangehörigen,
welcher nie Mitglied der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE, auch Tamil Tigers) war
und sah keine Gefährdung bei einer Rückkehr. Es verwies dabei auf die
Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts. Dieses befasste sich bereits mehrere
Male eingehend mit der Lage in Sri Lanka. In den Urteilen D-2494/2019 vom 18. Juni
2019 E. 9.3 und
E-3029/2019 vom 25. Juni 2019 E. 6.4 bezeichnete das Bundesverwaltungsgericht die
Lage in Sri Lanka als volatil und nach den verheerenden Anschlägen vom 21. April
2019 zweifellos als sehr angespannt, was jedoch nicht auf eine erhöhte Gefährdung
von zurückkehrenden tamilischen Staatsangehörigen schliessen lasse. Weiter erwog
das Bundesverwaltungsgericht im Urteil D-1588/2018 vom 29. Oktober 2019 in E. 8.3,
dass aktuell in Sri Lanka weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt herrsche.
Dabei verwies es auf die beiden Referenzurteile E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 und
D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017, in welchen es eine Einschätzung der Lage in Sri
Lanka vorgenommen hatte. So gelangte das Bundesverwaltungsgericht in diesen
Urteilen zum Schluss, dass keine generelle ernstzunehmende Gefahr für Rückkehrende
tamilischer Ethnie bestehe, Verhaftung und Folter ausgesetzt zu sein, sofern nicht
gewisse Risikofaktoren erfüllt seien. Solche Risikofaktoren könnten beispielsweise
https://www.fluechtlingshilfe.ch/ http://links.weblaw.ch/BVGer-E-1866/2015 http://links.weblaw.ch/BVGer-D-3619/2016
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7.
Die Beschwerdeführerin verweist im vorliegenden Fall nicht nur allgemein auf die
schwierige Lage in Sri Lanka und die Rolle als Frau, sondern belegt mit den Briefen der
Eltern und des Bruders, dass sie bei einer Rückkehr nicht auf familiäre Unterstützung
zählen könne und aufgrund ihrer Stellung als geschiedene Frau von der Gesellschaft
geächtet werde. Die Angaben der Eltern und des Bruders können nicht von vornherein
als Parteibehauptungen abgetan werden. Immerhin scheint die Beschwerdeführerin
das Thema einer allfälligen Rückkehr bereits während den Beratungen beschäftigt zu
haben. Selbst der Ehemann erwähnte, dass sich der Vater der Beschwerdeführerin
schämen würde, wenn seine Tochter nach Hause käme. Die vom Bruder gemachten
Ausführungen hinsichtlich einer möglichen Arbeitstätigkeit bei einer Rückkehr finden im
erwähnten Themenpapier Stütze. Die Beschwerdeführerin ist tamilischer Ethnie und
stammt von der Jaffna-Halbinsel, wo der Zugang zum Arbeitsmarkt für Frauen
erschwert ist. Bei einer Rückkehr ist daher fraglich, ob die Beschwerdeführerin
exilpolitische Tätigkeiten, eine Verbindung zu den LTTE oder ein Eintrag in einer
sogenannten "Stop-List" sein. Dabei stellte es weiter fest, dass der
Wegweisungsvollzug sowohl in die Nordprovinz als auch in die Ostprovinz unter
Einschluss des sogenannten Vanni-Gebiets zumutbar sei, wenn das Vorliegen von
individuellen Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären
oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens-
und Wohnsituation) bejaht werden könne. Im erst kürzlich ergangenen, bereits
erwähnten Urteil 2C_682/2019 vom 26. Februar 2020 führte das Bundesgericht in E.
5.3.3 aus, dass sich die politische Situation in Sri Lanka nach den
Präsidentschaftswahlen vom November 2019 erneut verändert habe, und aktuelle
Berichte über vermehrte Menschenrechtsverletzungen vorliegen würden. Zudem
belaste die gemäss Medienberichten erfolgte Flucht eines ranghohen sri-lankischen
Polizeiinspektors in die Schweiz und die Entführung einer Mitarbeiterin der Schweizer
Botschaft in Colombo die diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz
und Sri Lanka erheblich. Es scheine angesichts dieser neuesten Entwicklungen derzeit
unklar, wie sich die Situation für Rückkehrende aus der Schweiz gestalte. Die
Schweizerische Flüchtlingshilfe forderte aufgrund der politischen Situation seit der
Präsidentschaftswahl im November 2019 und nach den Vorfällen zwischen der
Schweiz und Sri Lanka den Verzicht auf Rückführungen nach Sri Lanka. Das
Staatssekretariat für Migration solle eine Lageanalyse sowie eine Anpassung der
Asylpraxis vornehmen, welches die neue Situation vollumfänglich berücksichtige (Keine
Rückführungen nach Sri Lanka, vom 5. Dezember 2019 und Gefährdete Rechte für
Minderheiten in Sri Lanka, vom 10. Dezember 2019 unter: https://
www.fluechtlingshilfe.ch News/Archiv/2019).
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aufgrund ihres Status als geschiedene Frau im dortigen Gesellschaftssystem mit
Diskriminierung oder Ächtung rechnen müsste. Dass tatsächlich eine starke
Gefährdung bei einer Rückkehr der Beschwerdeführerin in ihr Heimatland gegeben ist,
kann daher nicht ausgeschlossen werden. Allerdings lässt sich gestützt auf die
vorliegenden Akten auch nicht abschliessend feststellen, ob die Gefährdung tatsächlich
ausgewiesen ist. Im Übrigen hätte die Beschwerdegegnerin bei einer Verweigerung der
Bewilligung und der damit verbundenen Wegweisung auch das Vorliegen von
Wegweisungsvollzugshindernissen zu prüfen (vgl. BGE 137 II 345 E. 3.3.2, BGer
2c_682/2019 vom 26. Februar 2020 E. 5.3). Dementsprechend ist die Beschwerde
teilweise gutzuheissen, der Entscheid der Vorinstanz vom 24. Oktober 2019 ist
aufzuheben und die Sache in Bezug auf die Rückkehr zu ergänzenden
Sachverhaltsabklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die
Beschwerdegegnerin hat das Vorliegen einer starken Gefährdung der sozialen
Wiedereingliederung der Beschwerdeführerin im Herkunftsland nach Art. 50 Abs. 1 lit. b
AuG sowie allfällige Wegweisungsvollzugshindernisse näher und konkret zu prüfen.
Dafür kann die Beschwerdegegnerin beispielsweise eine Befragung der
Beschwerdeführerin, des Bruders oder des Onkels sowie Abklärungen hinsichtlich der
aktuellen Lage in der Herkunftsgegend der Beschwerdeführerin in Sri Lanka und der
Rolle der zurückkehrenden geschiedenen Frauen vornehmen oder in Auftrag geben,
etwa durch Einholen einer Länderanalyse oder eines sachdienlichen Berichts der
Schweizerischen Botschaft in Sri Lanka oder des EDA.
8.
In Streitigkeiten hat jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder
teilweise abgewiesen werden (Art. 95 Abs. 1 VRP). Gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung und (neuerer) Praxis des Verwaltungsgerichts gilt die Rückweisung
der Sache an die Vorinstanz mit offenem Ausgang für die Frage der Auferlegung der
Gerichtskosten wie auch der Parteientschädigung als vollständiges Obsiegen,
unabhängig davon, ob sie beantragt oder ob das entsprechende Begehren im Haupt-
oder im Eventualantrag gestellt wird (vgl. BGer 5A_845/2016 vom 2. März 2018 E. 3.2
mit Hinweisen, VerwGE B 2017/76 vom 16. August 2018 E. 5, B 2019/38 vom 19.
August 2019 E. 3.2). Die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens sind somit der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von
CHF 2'000 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12,
GKV). Auf die Erhebung ist gestützt auf Art. 95 Abs. 3 VRP zu verzichten.
8.1.
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Bei (teilweiser) Gutheissung eines Rechtsmittels ist zugleich von Amtes wegen über die
amtlichen Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens zu entscheiden. In der Regel erfolgt
die entsprechende Kostenverlegung in Bezug auf die Beteiligten und deren Anteile
analog dem Rechtsmittelentscheid (R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st.
gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, Diss. St. Gallen 2004, S. 103). Die
amtlichen Kosten für das Rekursverfahren vor der Vorinstanz von CHF 1'000 sind somit
ebenfalls der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Auf die Erhebung der Kosten ist zu
verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP).
8.2.
Die Beschwerdeführerin hat sowohl im Rekurs- als auch im Beschwerdeverfahren
Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung zulasten des Staates (Migrationsamt,
vgl. Art. 98 Abs. 1 und 2 VRP sowie Art. 98 VRP). Gemäss Art. 22 Abs. 1 lit. b der
Honorarordnung (sGS 963.75, HonO) beträgt das Honorar vor Verwaltungsbehörden
CHF 500 bis CHF 6'000. Die Vorinstanz sprach der Beschwerdeführer eine
Entschädigung aus unentgeltlicher Rechtsverbeiständung zu (Honorar um einen Fünftel
gekürzt: Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70, AnwG). Da die
Beschwerdeführerin nun obsiegt hat, steht ihr ein Anspruch auf volle ausseramtliche
Entschädigung zu. Die Höhe der im vorinstanzlichen Verfahren zugesprochenen
Entschädigung von CHF 1'393.20 (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) und CHF 800
(inkl. Barauslagen, zuzüglich Mehrwertsteuer) wurde nicht beanstandet. Die
Beschwerdeführerin hat demnach Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung in
der Höhe von CHF 2'600 (inklusive Barauslagen) zuzüglich 7,7% Mehrwertsteuer.
Allfällig bereits ausbezahlte Entschädigungen sind anzurechnen.
8.3.
bis
Für das Verfahren vor Verwaltungsgericht ist eine Honorarpauschale innerhalb des von
Art. 22 Abs. 1 lit. b der HonO festgelegten Rahmens zwischen CHF 1'500 und
CHF 15'000 massgebend. Da der Rechtsvertreter keine Kostennote eingereicht hat, ist
die Entschädigung nach Ermessen festzusetzen (vgl. Art. 30 lit. b Ziff. 1 und Art. 31
Abs. 1 und 2 AnwG, sowie Art. 6 und 19 der HonO). Innerhalb des für eine Pauschale
gesetzten Rahmens wird das Grundhonorar nach den besonderen Umständen,
namentlich nach Art und Umfang der Bemühungen, der Schwierigkeit des Falls und
den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten bemessen (Art. 19 HonO sowie
Art. 31 Abs. 1 und 2 AnwG; vgl. dazu BGE 141 I 124 E. 4 und BGer 1C_53/2015 vom
12. Mai 2015 E. 2.5). Unter Berücksichtigung dieser Bemessungskriterien und
insbesondere mit Blick auf die in vergleichbaren Fällen zugesprochenen
8.4.
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