# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f65fde16-a5c4-51b0-b885-c3bd61fc4031
**Court:** AR_OG
**Chamber:** AR_OG_003
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** AR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt
A. Die am XX.XX.1983 geborene A_ arbeitete seit dem 16. August 2011 als Filialleiterin bei
der C_ AG und war dadurch bei der Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG obligatorisch
gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert. Am 10. Januar 2013
wollte A_ an ihrem Arbeitsort eine Küvette von einem Stapel Küvetten herunternehmen.
Dabei fiel ihr diese auf das rechte Knie und prellte es.1
B. Die Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG sprach A_ mit Schreiben vom 18. Januar
2013 Taggelder zu und übernahm die Kosten der Heilbehandlung.2 Am 30. Mai 2013 teilte
A_ der Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG ihre bevorstehende Knie-Operation sowie
die erfolgte IV-Anmeldung mit.3 Am 25. Juni 2013 meldete sie, dass ihr per 23. Mai 2013
das Arbeitsverhältnis gekündigt worden sei.4 Nach erfolgter Kostengutsprache durch die
Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG wurde A_ am 8. Juli 2013 am rechten Knie
1 Act. 6.2/1 2 Act. 6.2/4 3 Act. 6.2/18 4 Act. 6.2/19
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operiert.5 Mit Schreiben vom 6. November 2013 erklärte die Zürich Versicherungs-
Gesellschaft AG, gemäss ihrem beratenden Arzt Dr. med. D_, Facharzt FMH Allgemeine
Innere Medizin, sei A_ in einer angepassten Tätigkeit zu 100% arbeitsfähig. Ab
1. November 2013 sei sie somit wieder vermittelbar. Für die Kosten der noch notwendigen
Behandlung werde weiterhin aufgekommen.6 Am 23. Dezember 2013 liess A_ dagegen
Einwand erheben.7
C. Mit Verfügung vom 4. Februar 2014 entschied die Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG,
dass ab 1. November 2013 die Taggeldleistungen eingestellt, sie für die Kosten der noch
notwendigen Behandlung aber weiterhin aufkommen werde.8 Dagegen liess A_ am 6.
Februar 2014 bzw. 3. April 2014 Einsprache erheben.9
D. Die IV-Stelle teilte A_ am 4. Juni 2014 mit, dass die Kosten für die Umschulung zur
Büroassistentin EBA von der IV-Stelle übernommen werden.10
E. Am 18. November 2014 fand eine Untersuchung bei Dr. med. E_, Facharzt FMH
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Luzern, statt. Der
Gutachter kam zum Schluss, die zurzeit noch vorhandenen gesundheitlichen
Beeinträchtigungen seien nicht respektive nicht überwiegend wahrscheinlich auf den Unfall
als alleinige oder als Teilursache zurückzuführen.11
F. Mit E-Mail vom 6. März 2015 bzw. Schadenmeldung vom 20. Februar 2015 wurde gestützt
auf das Arztzeugnis der Orthopädie St. Gallen vom 25. Februar 2015 ein Rückfall
gemeldet.12
G. Die Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG teilte am 9. März 2015 mit, dass aufgrund des
Gutachtens von Dr. med. E_ die jetzigen Kniebeschwerden rechts mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nicht mehr auf das Ereignis vom 10. Januar 2013 zurückzuführen seien,
weshalb dafür ab 1. Februar 2015 keine Leistungen auszurichten seien. Es könne auch
keine Kostengutsprache für den Spitaleintritt vom 16. März 2015 abgegeben werden.13 Die
Rechtsschutzversicherung von A_ nahm hierzu am 16. März 2015 Stellung.14
5 Act. 6.2/23 und act. 6.1/26 6 Act. 6.2/45 7 Act. 6.2/51 8 Act. 6.2/54 9 Act. 6.2/56 und act. 6.2/60 10 Act. 6.2/71 11 Act. 6.1/43-18/24 12 Act. 6.2/94 und act. 6.2/91 13 Act. 6.2/96 14 Act. 6.2/97
Seite 4
H. Am 17. März 2015 wurde A_ in der Orthopädie St. Gallen durch Dr. med. F_, Facharzt
FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, am rechten
Knie operiert.15
I. Mit Verfügung vom 19. März 2015 entschied die Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG,
dass sie ab 1. Februar 2015 keine Heilungs- und Behandlungskosten mehr erbringe.16
Dagegen liess A_ am 30. März 2015 Einsprache erheben.17
J. Mit Einspracheentscheid vom 13. Juli 2015 hiess die Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG
die Einsprache vom 6. Februar 2014 teilweise gut und stellte die Taggelder per 1. Februar
2014 ein. Die Einsprache vom 30. März 2015 betreffend Heilungs- und Behandlungskosten
wurde abgewiesen.18
K. Am 1. September 2015 liess A_ beim Obergericht Appenzell Ausserrhoden Beschwerde
mit den eingangs wiedergegebenen Anträgen erheben.19 In der Beschwerdeantwort vom
18. September 2015 beantragte die Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG die Abweisung
der Beschwerde.20 Am 30. Oktober 2015 reichte A_ die Replik ein. Sie verzichtete
stillschweigend auf die Durchführung einer mündlichen Verhandlung.21 Die Duplik der
Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG ging am 27. November 2015 ein.22
L. Auf die Vorbringen der Parteien in den Rechtsschriften sowie die Ausführungen in den
medizinischen Akten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
15 Act. 6.2/104 16 Act. 6.2/98 17 Act. 6.2/101 18 Act. 6.2/105 19 Act. 1 20 Act. 5 21 Act. 9 22 Act. 12
Seite 5

## Considerations

Erwägungen
1. Gemäss Art. 57 ATSG23 i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. b JG24 beurteilt das Obergericht als
kantonales Versicherungsgericht Beschwerden aus dem Bereich der Sozialversicherungen.
Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 58 Abs. 1 ATSG).
Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der weiteren Prozessvoraussetzungen
ergibt, dass diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der
Form- und Fristerfordernisse erfüllt sind.25
Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. 2.1
Vorliegend ist ein Einspracheentscheid angefochten, welcher auf zwei verschiedene
Verfügungen der Vorinstanz Bezug nimmt.26 Einerseits ist die Einstellung der
Taggeldleistungen per 1. Februar 201427 angefochten und andererseits die Einstellung der
Heilungs- und Behandlungskosten per 1. Februar 201528.
Während die Einstellung der Taggeldleistungen mit der Begründung erfolgte, die
Beschwerdeführerin sei unter Berücksichtigung der zu gewährenden Anpassungszeit bei
einem Berufswechsel per 1. Februar 2014 wieder vermittelbar, wurde der generelle
Fallabschluss mit dem fehlenden Kausalzusammenhang zwischen der sich im Verlauf
eingestellten Verkürzung respektive erhöhten Vorspannung des Quadriceps und dem
Unfallereignis vom 10. Januar 2013 begründet.29
2.2
Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG sind Gegenstand der Unfallversicherung
Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten. Ist
die versicherte Person infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG),
so hat sie Anspruch auf ein Taggeld (Art. 16 Abs. 1 UVG). Sie hat zudem Anspruch auf die
zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Art. 10 UVG).
23 Bundesgesetz vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG,
SR 830.1) 24 Justizgesetz vom 13. September 2010 (JG, bGS 145.31) 25 Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. März 1981 über die Unfallversicherung (UVG, SR 832.20)
i.V.m. Art. 59, Art. 60 Abs. 1 und Art. 61 lit. b ATSG sowie Art. 54, Art. 56 und Art. 59 des Gesetzes vom 9. September 2002 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG, bGS 143.1)
26 Act. 6.2/105 27 Act. 1 und act. 6.2/105 i.V.m. act. 6.2/54 28 Act. 1 und act. 6.2/98 29 Act. 6.2/105
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Zwischen den Parteien ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin am 10. Januar 2013
einen Berufsunfall erlitten hat. Die Vorinstanz hat denn auch ihre Leistungspflicht zunächst
anerkannt und der Beschwerdeführerin Versicherungsleistungen ausgerichtet.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin über den 1. Februar 2014 bzw. über
den 1. Februar 2015 hinaus Anspruch auf Leistungen der Vorinstanz hat.
3. 3.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst das Bestehen
eines natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfallereignis und dem
eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) voraus. Ursachen im Sinne des
natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der
eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur
gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für
die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die
alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das
schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige
Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit anderen Worten nicht
weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung
entfiele. Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein
natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung bzw.
im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach
dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt
für die Begründung eines Leistungsanspruches nicht.30
3.2
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem
Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang
besteht.31 Im Sozialversicherungsrecht spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der
sich aus dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des
Unfallversicherers im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen praktisch
keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt.32
30 BGE 129 V 177 E. 3.1 mit Hinweisen 31 BGE 129 V 177 E. 3.2 mit Hinweisen 32 BGE 134 V 109 E. 2.1 mit Hinweisen
Seite 7
3.3
Wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss auch der Wegfall
eines ursächlichen Zusammenhangs zwischen dem Unfallereignis und den bestehenden
Beschwerden mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen
sein. Weil es sich dabei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die
Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher
Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht beim Versicherten, sondern beim
Unfallversicherer. Dabei hat der Unfallversicherer nicht den Beweis für unfallfremde
Ursachen zu erbringen. Welche Ursachen ein nach wie vor geklagtes Leiden hat, ist an sich
unerheblich. Entscheidend ist allein, ob die unfallbedingten Ursachen eines
Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren haben, also dahingefallen sind.
Ebenso wenig muss der Unfallversicherer den negativen Beweis erbringen, dass kein
Gesundheitsschaden mehr vorliege oder dass die versicherte Person nun bei voller
Gesundheit sei.33
3.4
Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist,
in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind.34
Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte kommt Beweiswert zu, sofern sie
als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind
und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der
befragte Arzt in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht
schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen.35 Soll ein
Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden,
so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur
geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen
ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen.36
4. Zunächst ist der generelle Fallabschluss und somit die Einstellung der Heilungs- und
Behandlungskosten per 1. Februar 2015 zu prüfen.
33 Urteil des Bundesgerichts 8C_570/2014 vom 9. März 2015 E. 6.2 mit Hinweisen 34 BGE 125 V 351 E. 3a 35 BGE 125 V 351 E. 3b ee 36 BGE 135 V 465 E. 4.4 mit Hinweisen
Seite 8
Hier stellt sich die Frage, ob im Zeitpunkt der Leistungseinstellung durch die Vorinstanz von
der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch eine namhafte Verbesserung des
Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin erwartet werden konnte (vgl. Art. 19 Abs. 1
UVG).
4.1
Die Vorinstanz stützt ihre Auffassung, wonach die im Verfügungszeitpunkt bestehenden
Kniebeschwerden der Beschwerdeführerin nicht mehr unfallbedingt seien, auf das
medizinische Gutachten von Dr. med. E_. Diesem sei volle Beweiskraft zuzuerkennen.
Der Gutachter habe die Beschwerden mit einer Verkürzung respektive erhöhten
Vorspannung des Quadriceps erklärt, was konsekutiv einen höheren retropatellaren Druck
erzeuge und die geklagte Symptomatik hinreichend begründen könne. Diese Verkürzung
sei nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis zurückzuführen. Dr.
med. D_ habe der Operationsbericht vom 17. März 2015 vorgelegen. Dr. med. E_
habe am Telefon erklärt, dass die vernarbte Plica überwiegend wahrscheinlich nicht auf
den Unfall zurückzuführen sei. Es sei anatomisch nicht möglich, dass beim vorliegenden
Unfall die Plica habe verletzt werden können. Sie verlaufe nicht an jener Stelle, wo die
Kniescheibe traumatisiert worden sei.37 Dr. med. F_ begründe das Vorliegen eines
natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfall vom 10. Januar 2013 und der
Knieproblematik rechts mit dem im Sozialversicherungsrecht nicht anwendbaren Grundsatz
„post hoc ergo proper hoc“. Daher könne seine Beurteilung nicht ernsthaft berücksichtigt
werden.38
Die Beschwerdeführerin macht geltend, mit dem Unfall vom 10. Januar 2013 sei es zu einer
Traumatisierung der Plica gekommen. Damit der status quo sine vel ante habe erreicht
werden können, seien zwei Operationen erforderlich gewesen. Für diese habe die
Vorinstanz die Kosten zu übernehmen. Sie habe es nicht einmal für nötig erachtet, den
Operationsbericht von Dr. med. F_ dem Vertrauensarzt oder dem Gutachter
vorzulegen.39 Dr. med. F_ sei der Ansicht, zum jetzigen Zeitpunkt könne nicht mehr
verifiziert werden, wo genau die Kniescheibe traumatisiert worden sei. Ein Trauma der
Kniescheibe führe zu einer Bewegung derselben, welche indirekt die Schleimhautfalte
(Plica mediopatellaris) reizen und sekundär zu Vernarbungen führen könne.
Dementsprechend sei die Unfallkausalität gegeben. Sie habe vor dem Unfall keinerlei
37 Act. 5/2 38 Act. 12/1 39 Act. 1/6
Seite 9
Symptome gehabt.40 Der Bericht von Dr. med. E_ sei nicht schlüssig, nicht gut begründet
und es habe ihm der Operationsbericht von Dr. med. F_ vom 17. März 2015 nicht
vorgelegen. Auch Dr. med. G_, Facharzt FMH Chirurgie, SportClinic Zürich, vertrete die
Ansicht, dass der Unfall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ihre geltend gemachten
gesundheitlichen Beschwerden verantwortlich sei.41
4.2
Die Erstversorgung nach dem Unfall vom 10. Januar 2013 erfolgte durch das Spital
Herisau. Dort wurde eine Knie-Kontusion rechts diagnostiziert.42
Dr. med. H_, Facharzt Allgemeine Innere Medizin, Herisau, diagnostizierte im Arztbericht
vom 16. April 2013 eine Knochenmarkskontusion, lateroventrale Patella rechts. Es
beständen belastungsabhängige Schmerzen am Unterrand der Patella rechts lateral mit
Ausstrahlung in die Kniekehle rechts. Daneben Schwellung des Hoffa-Körpers, aktuell ohne
Erguss. Vor dem Ereignis vom 10. Januar 2013 habe die Beschwerdeführerin im Knie
rechts keine Beschwerden beklagt.43
Im Bericht über die Sprechstunde vom 29. Mai 2013 von Dr. med. I_, Facharzt FMH
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Spital Herisau,
wurde folgende Diagnose gestellt: Hinweise für chronische schmerzhafte Bursitis
infrapatellaris, aktuell Reizung Knie rechts mit Synovialitis und leichter Ergussbildung bei
Status nach Kontusion 10. Januar 2013. Weiter wurde ausgeführt, dass der Verlauf sehr
protrahiert sei. Einerseits bestehe ein Grundleiden im Rahmen einer chronischen
Polyarthritis, andererseits seien die Beschwerden trotz intensiver Physiotherapie schwierig
zu beeinflussen. Als Befund wurde festgehalten, dass ein deutliches Volumenplus der
Bursa infrapatellaris rechts gegenüber links bestehe. Weiter ein deutliches Flüssigkeitsplus
intraartikulär Knie rechts gegenüber links, leichte Überwärmung, Druckdolenz vor allem
infrapatellar, etwas weniger peripatellar und leichter Patellaanpressschmerz sowie
Druckdolenz auch im lateralen Gelenkspalt.44
J_, Spezialistin Medical Support, stellte in der medizinischen Beurteilung vom 25. Juni
2013 fest, dass mit überwiegender Wahrscheinlichkeit das geschilderte Ereignis vom 10.
40 Act. 9/3 41 Act. 9/3f 42 Act. 6.1/7 43 Act. 6.1/16 44 Act. 6.1/22
Seite 10
Januar 2013 verantwortlich sei für diese Bursa. Es könne somit eine Kostengutsprache für
die geplante Operation abgegeben werden.45
Im Operationsbericht vom 8. Juli 2013 wurde ein intraartikulär unauffälliger Kniebefund
sowie eine traumatisierte Bursa infrapatellar Knie rechts festgestellt.46
Im Bericht über die Untersuchung vom 18. Oktober 2013 führte Dr. med. K_, Facharzt
FMH Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin, St. Gallen, aus, dass nach einer
guten Wundheilung nach der Operation anhaltende Schmerzen im Kniegelenk ventral
bestehen blieben. Die Ursache der persistierenden Knieschmerzen rechts sei ihm auch
unklar. Er denke am ehesten an eine milde Form eines Morbus Sudeck.47
Dr. med. H_ stellte im Arztbericht vom 5. November 2013 folgende Diagnosen:
persistierende Knieschmerzen rechts, unklarer Aethiologie, DD: Morbus Sudeck, Status
nach traumatischer Bursitis präpatellaris Januar 2013; idiopathisch juvenile Arthritis vom
Spondylarhtropathietyp seit 1997, Rheumafaktor negativ, Status nach Basistherapie mit
Salazopyrin, Status nach Basistherapie mit Methotrexat, aktuell rezidivierende periphere
Gelenksentzündungen sowie chronisches Panvertebralsyndrom bei muskulären
Dysbalancen, segmentalen Dysfunktionen, aktuell ohne Hinweise auf Spondylarthritis.
Weiter führte er aus, durch die vom Rheumatologen Dr. med. K_ eingeleitete
Basistherapie mit ideopahtisch juveniler Arthritis sowie die angepasste Schmerzen
antientzündliche Therapie bei persistierenden Knieschmerzen im Rahmen einer
traumatischen Bursitis präpatellaris sollte innerhalb der nächsten 2 – 3 Monaten doch eine
namhafte Verbesserung hervorbringen.48
Dr. med. G_ diagnostizierte im Bericht vom 16. Januar 2014 ein chronisches
Schmerzsyndrom Kniegelenk rechts, Status nach Patellakontusion, Status nach
Arthroskopie mit lateraler Meniskusglättung und Status nach Bursektomie. Er erachtete den
Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und den gesundheitlichen Beeinträchtigungen
als überwiegend wahrscheinlich. Die noch vorhandenen Beschwerden seien als
Teilursache auf den Unfall zurückzuführen. Aufgrund einer individuellen Prädisposition
hätten sich die Beschwerden zu einem komplexen chronischen Schmerzsyndrom
entwickelt. Eine weitere kombinierte Behandlung durch den Hausarzt, durch die
Psychologin sowie durch einen kompetenten Physiotherapeuten sei vielversprechend.49
45 Act. 6.1/24 46 Act. 6.1/26 47 Act. 6.1/34 48 Act. 6.1/37 49 Act. 6.1/38
Seite 11
Dr. med. D_ führte in seiner Stellungnahme vom 18. Februar 2014 aus, die direkten
Folgen der Knieverletzung seien per 31. Oktober 2013 zu terminieren.50
Im Sprechstundenbericht vom 21. März 2014 erklärte Dr. med. F_, er führe die aktuell
beschriebenen Beschwerden im Bereich des rechten Kniegelenkes auf eine postoperativ
eingetretene, partielle Fibrosierung des Ligamentum patellae zurück. Therapeutisch glaube
er, dass mit einer gezielten funktionellen Physiotherapie der Beschwerdeführerin mit
grosser Wahrscheinlichkeit weitergeholfen werden könne.51
Dr. med. E_ stellte im Gutachten vom 9. Januar 2015 folgende Diagnosen: Quadriceps
mit erhöhter Vorspannung mit/bei Status nach patellarer Kontusion am 10. Januar 2013,
posttraumatischer Bursitis präpatellaris, Status nach offener Bursektomie am 8. Juli 2013,
prolongiertem Verlauf sowie intermittierenden retro- und peripatellaren Schmerzepisoden.
Weitere, den Bewegungsapparat betreffende Diagnosen seien gemäss Akten eine
idiopathische juvenile Arthritis (seit 1997) sowie ein chronisches Panvertebralsyndrom
mit/bei muskulärer Dysbalance und segmentaler Dysfunktion.52 Retrospektiv unter
Berücksichtigung der persönlich erhobenen Befunde und der aktualisierten Bildgebung
müsse postuliert werden, dass es sich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nur um eine,
sich im Verlauf eingestellte, Verkürzung respektive erhöhte Vorspannung des Quadriceps
handle, was konsekutiv einen höheren retropatellaren Druck erzeuge und die geklagte
Symptomatik hinreichend begründen könne. Es sei klinisch belegt, dass die Dehnbarkeit
des Quadriceps rechts gegenüber links eingeschränkt sei, was bei jeder Flexion eine
femoro-patellare Druckerhöhung über das physiologische Ausmass hinaus bewirke. Dies
könne einerseits, wenn diese Situation noch länger andauere, zu reaktiven ebendortigen
Knorpelschäden führen und andererseits müsse postuliert werden, dass durch die
dauernde Druckerhöhung (konsekutiv werde der Gelenkspalt verringert) die initial als
unspezifisch beurteilte Plica medialis nun trotzdem eingeklemmt und/oder, wie vom
Radiologen differentialdiagnostisch eingebracht, den neuen Knorpelbefund und die
entsprechende intraossäre Reaktion bewirkt habe oder unterhalte, letztendlich aber auch
selbst, da schmerzinnerviert, als schmerzauslösend wirke – dagegen spreche allerdings die
subjektive Schmerzhaftigkeit lateral bei medialer Plica. Unbestritten sei, dass die obige
Situation postoperativ aufgetreten sei. Ein direkter Zusammenhang (sekundäre Bursitis
präpatellaris) mit der gegebenen Situation sei aber nicht gegeben. Es könne höchstens
angenommen werden, dass die postoperativ prolongierte Schmerzhaftigkeit dazu geführt
50 Act. 6.1/39 51 Act. 6.1/42 52 Act. 6.1/45-12/24
Seite 12
haben könnte, dass die schmerzauslösende Flexion eher vermieden worden sei, was
konsekutiv zu der feststellbaren Verkürzung respektive erhöhten Grund- oder Vorspannung
des Quadriceps geführt habe und nun jeder Versuch, die Flexion zu steigern,
schmerzhafter empfunden werde, was zu einer weiteren Verkürzung führen werde.53
Mit Schadenmeldung UVG vom 20. Februar 2015 bzw. Mail der Rechtsschutzversicherung
der Beschwerdeführerin vom 6. März 2015 wurde der Vorinstanz ein Rückfall gemeldet.54
Dr. med. L_, Facharzt FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, und Dr. med. F_, Orthopädie St. Gallen, schlugen der
Beschwerdeführerin gemäss Arztzeugnis UVG Rückfall vom 25. Februar 2015 aufgrund
des ausbleibenden Erfolgs trotz konservativer Therapie eine Kniearthroskopie rechts mit
Narben-Débridement vor.55
Dr. med. D_ hielt in der Aktennotiz vom 4. März 2015 fest, dass die Operation vom 16.
März 2015 nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit im kausalen Zusammenhang zum
Ereignis vom 10. Januar 2013 stehe. Die Operation sei auch nicht indiziert. Dies gehe
eindeutig aus dem ausführlichen und qualitativ hochstehenden Gutachten von Dr. med.
E_ hervor.56
Gemäss Operationsbericht von Dr. med. F_ über die Operation vom 17. März 2015 finde
sich an typischer Stelle wie erwartet eine vernarbte breite, teilweise ausgefaserte Plica
mediopatellaris.57
Die Frage der Vorinstanz, ob die traumatisierte vernarbte Plica medipatellaris des
Kniegelenks rechts gemäss Operationsbericht vom 17. März 2015 mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit auf den Unfall vom 10. Januar 2013 zurückzuführen sei, verneinte Dr.
med. D_ in der Aktennotiz vom 15. September 2015. Er führte weiter aus, dass diese im
Operationsbericht vom 8. Juli 2013 als unauffällig beschrieben werde. Zudem sei es
anatomisch nicht möglich, dass beim vorliegenden Unfall die Plica verletzt werden könne.
Sie verlaufe an einer anderen Stelle als dort, wo die Kniescheibe traumatisiert worden sei.
Seine Beurteilung werde vom Gutachter Dr. med. E_ bei einem Telefonat und Vorlage
ihm bisher unbekannter Akten vollumfänglich gedeckt.58
53 Act. 6.1/45-16/24 54 Act. 6.2/91 und act. 6.2/94 55 Act. 6.2/94 56 Act. 6.1/44 57 Act. 6.1/46 58 Act. 6.1/48
Seite 13
Dr. med. L_, und Dr. med. F_, Orthopädie St. Gallen, führten in ihrer Stellungnahme
vom 28. September 2015 auf entsprechende Fragen des Rechtsvertreters der
Beschwerdeführerin aus, es könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr verifiziert werden, wo
genau die Kniescheibe traumatisiert worden sei. Sicherlich führe aber ein Trauma der
Kniescheibe zu einer Bewegung derselben, welche indirekt die Schleimhautfalte (Plica
mediopatellaris) reizen und sekundär zu Vernarbungen führen könne. Dementsprechend
sei die Unfall-Kausalität gegeben. Eine verdickte Schleimhautfalte gebe es zwar häufig
auch ohne traumatisches Ereignis. Da die Beschwerdeführerin vor dem Unfall keinerlei
Symptome gehabt habe, sei davon auszugehen, dass mit dem Trauma der Kniescheibe die
Reizung der Plica mediopatellaris eingesetzt und sekundär die Vernarbung stattgefunden
habe, sodass ihrer Ansicht nach ein überwiegend wahrscheinlicher Zusammenhang
zwischen dem Unfall vom 10. Januar 2013 und der präoperativen Symptomatik bestehe.59
4.3
Im Sinne einer Vorbemerkung ist festzuhalten, dass die seit 1997 bestehende Erkrankung
der Beschwerdeführerin an einer idiopathisch juvenilen Arthritis vom
Spondylarthropathietyp den Ärzten bekannt war und von diesen im Rahmen ihrer
Beurteilungen auch mitberücksichtigt wurde.60 Mit dem Unfall vom 10. Januar 2013 wurde
aber weder ein krankhafter Vorzustand verschlimmert noch überhaupt erst manifest,
weshalb die bestehende Erkrankung an Polyarthritis vorliegend für die Beurteilung der
Leistungspflicht der Vorinstanz nicht ausschlaggebend ist.61
Ob die gemäss Operationsbericht vom 17. März 2015 vernarbte breite plica mediopatellaris
überwiegend wahrscheinlich auf den Unfall vom 10. Januar 2013 zurückzuführen ist, wie
dies die operierenden Ärzte der Orthopädie St. Gallen postulieren,62 kann aufgrund der
vorliegenden divergierenden Arztberichte nicht schlüssig beantwortet werden. Anlässlich
der ersten Knieoperation vom 8. Juli 2013 berichtete Dr. med. I_ von einer relativ
kräftigen, aber nicht impingenden Plica mediopatelleris.63 Dr. med. E_ führte im
Gutachten vom 9. Januar 2015 aus, durch die dauernde Druckerhöhung durch die
Verkürzung respektive erhöhte Vorspannung des Quadriceps könne die initial als
unspezifisch beurteilte Plica medialis nun trotzdem einklemmen.64 Weiter erklärte er an
anderer Stelle, die Plica synovialis erscheine ihm zwar etwas verdickt, zeige aber keine
59 Act. 10.2 60 Act. 6.1/37, act. 6.1/38, act. 6.1/39 und act. 6.1/45-12/24 61 Urteil des Bundesgerichts 8C_570/2014 vom 9. März 2015 E. 6.2 mit Hinweisen 62 Act. 10.2 63 Act. 6.1/26 64 Act. 6.1/43-17/24
Seite 14
relevanten Zeichen einer chronischen (Über)Belastung.65 Letztendlich kann die obige Frage
jedoch offen bleiben, da die Vorinstanz den Fall zu früh abschloss.
Dr. med. E_ legt in seinem Gutachten dar, dass bei der Beschwerdeführerin mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit eine sich im Verlauf eingestellte Verkürzung respektive
erhöhte Vorspannung des Quadriceps vorliege. Diese erzeuge einen höheren
retropatellaren Druck, was die von der Beschwerdeführerin geklagte Symptomatik
hinreichend begründen könne.66 Er erklärte weiter, dass die Dehnbarkeit des Quadriceps
rechts gegenüber links eingeschränkt sei, was bei jeder Flexion (sitzen, Treppengehen)
eine femoro-patellare Druckerhöhung über das physiologische Ausmass hinaus bewirke.67
Er empfahl daher, mit dem vorgeschlagenen weiteren Eingriff zuzuwarten und stattdessen
– in Übereinstimmung mit der Beurteilung von Dr. med. F_ – eine Physiotherapie zu
verordnen, in welcher der Beschwerdeführerin die Technik des Dehnens (Stretching)
beigebracht werden solle. Falls diese konservative Massnahme versagen sollte, könne der
Eingriff problemlos zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.68 Eine ärztliche Intervention sei
seines Erachtens derzeit nicht notwendig. Durch das selbständige und im eigenen
Interesse durchzuführende Stretching sei es überwiegend wahrscheinlich, dass nach sechs
bis zwölf Monaten eine Beschwerdefreiheit bzw. Beschwerdearmut bestehe.69
Dr. med. E_ schloss somit in seinem Gutachten, auf welches sich die Vorinstanz für die
Begründung des Fallabschlusses abstützte, eine derzeitige ärztliche Intervention aus. Er
erachtete aber eine Fortsetzung der ärztlichen Behandlung – vorliegend einen weiteren
operativen Eingriff – zur Behebung der bestehenden Quadriceps-Problematik dann als
notwendig, falls die von ihm sowie Dr. med. F_ vorgeschlagene Massnahme – d.h.
manualtherapeutische Vorkehren in Form einer Physiotherapie zum Erlernen des
Stretchings – nicht den gewünschten Erfolg bringen sollte. Zwischen der von ihm
nachvollziehbar beschriebenen medizinischen Situation mit der Quadriceps-Problematik
und dem Unfall vom 10. Januar 2013 besteht ein Zusammenhang. Die von ihm als
Möglichkeit formulierte Aussage, wonach die postoperativ prolongierte Schmerzhaftigkeit
bei der Beschwerdeführerin dazu geführt hat, dass sie die schmerzauslösende Flexion eher
vermied, was konsekutiv zu der feststellbaren Verkürzung respektive erhöhten Grund- oder
Vorspannung des Quadriceps führte, ist als überwiegend wahrscheinlicher
Geschehensablauf anzusehen.70 Somit hätte die Vorinstanz nach Ablauf der von Dr. med.
E_ vorgeschlagenen Massnahmedauer bzw. nach Durchführung der Physiotherapie
65 Act. 6.1/43-19/24 66 Act. 6.1/43-16/24 67 Act. 6.1/43-17/24 68 Act. 6.1/43-17/24 69 Act. 6.1/43-21/24 70 Act. 61/43-17/24
Seite 15
einen Verlaufsbericht oder allenfalls nochmals einen ärztlichen Untersuchungsbericht
einholen müssen zur Klärung der Frage, ob die vom Gutachter festgestellte, unfallkausale
Quadriceps-Problematik nun behoben sei.
Die Beschwerde ist daher in diesem Punkt gutzuheissen.
5. Zu prüfen ist sodann die Einstellung der Taggelder per 1. Februar 2014.
5.1
Die Vorinstanz weist darauf hin, dass Dr. med. E_ retrospektiv eine über die Dauer von
ein bis zwei Wochen bestehende Arbeitsunfähigkeit nach dem Unfall als nicht
nachvollziehbar erachte. Die postoperative Arbeitsunfähigkeit sei hingegen nachvollziehbar.
Sowohl der Gutachter wie auch der beratende und der behandelnde Arzt hätten eine
Arbeitsunfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit verneint, weshalb die Beschwerdeführerin
spätestens ab November 2013 vermittelbar gewesen sei. Aufgrund der bei einem
Berufswechsel zu gewährenden Anpassungszeit von drei Monaten seien die Taggelder per
1. Februar 2014 zu terminieren.71
Die Beschwerdeführerin bringt vor, sie sei im Zeitpunkt der Einstellung der Taggelder per
1. Februar 2014 nach wie vor unfallbedingt arbeitsunfähig gewesen. Die von der IV-Stelle
gewährte berufliche Eingliederung dauere vom 11. August 2014 bis 10. August 2016. Sie
habe ab Juni 2014 Kurse im Hinblick auf die Umschulung belegt, weshalb sie bereits seit
1. Juni 2014 IV-Taggelder erhalte. Bis zum Erhalt der IV-Taggelder sei nach wie vor die
Vorinstanz zu verpflichten, gestützt auf die Arbeitsunfähigkeitszeugnisse von Dr. med.
H_ das ihr zustehende Taggeld zu entrichten. Von der Arbeitslosenversicherung erhalte
sie Arbeitslosengelder lediglich im Umfang der Arbeitsfähigkeit.72
5.2
Gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG entsteht der Anspruch auf Taggeld am dritten Tag nach dem
Unfalltag und erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit. Das Taggeld der
Unfallversicherung wird nicht gewährt, wenn ein Anspruch auf ein Taggeld der
Invalidenversicherung besteht (Art. 16 Abs. 3 UVG).
Arbeitsunfähigkeit ist gemäss Art. 6 ATSG die durch eine Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise
Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Bei
71 Act. 5/2f 72 Act. 1/6
Seite 16
langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder
Aufgabenbereich berücksichtigt. Steht fest, dass die versicherte Person unter dem
Blickwinkel der Schadenminderungspflicht einen Berufswechsel vorzunehmen hat, so hat
der Versicherungsträger sie dazu aufzufordern und ihr zur Anpassung an die veränderten
Verhältnisse sowie zur Stellensuche eine angemessene Übergangsfrist einzuräumen,
während welcher das bisherige Taggeld geschuldet bleibt. Diese Übergangsfrist bemisst
sich nach den jeweiligen Umständen des Einzelfalles und ist in der Regel auf drei bis fünf
Monate festzulegen. Nach deren Ablauf entspricht der für die Bemessung des Taggeldes
massgebende Arbeitsunfähigkeitsgrad der Differenz zwischen dem Einkommen, das ohne
Unfall im bisherigen Beruf verdient werden könnte, und dem Einkommen, das im neuen
Beruf zumutbarerweise zu erzielen wäre. Diese Grundsätze gelten – unter Vorbehalt der
Bestimmungen über die Koordination mit den Taggeldern der Arbeitslosenversicherung –
auch für arbeitslose Versicherte.
Ist die versicherte Person, die Taggeldleistungen bezieht, arbeitslos, so erbringt die
Unfallversicherung gemäss Art. 25 Abs. 3 UVV73 die ganze Leistung, wenn die
Arbeitsunfähigkeit mehr als 50 Prozent beträgt, und die halbe Leistung, wenn die
Arbeitsunfähigkeit mehr als 25, aber höchstens 50 Prozent beträgt. Bei einer
Arbeitsunfähigkeit von 25 und weniger Prozent besteht kein Taggeldanspruch.74
5.3
Dr. med. K_ erklärte im Bericht über die Untersuchung vom 18. Oktober 2013, dass die
Beschwerdeführerin als Detailshandelsangestellte mit langdauerndem Stehen zur Zeit
weiter 100% arbeitsunfähig sei. Längerfristig wäre eine Umschulung auf eine leichte Arbeit
vorwiegend sitzend sinnvoll.75
Der beratende Arzt der Vorinstanz, Dr. med. D_, erklärte in der Stellungnahme vom 5.
November 2013, dass die Beschwerdeführerin gemäss Konsiliarbericht und Telefon mit Dr.
med. K_ in einer sitzenden Tätigkeit zu 100% arbeitsfähig wäre.76
Im Arztbericht vom 5. November 2013 erachtete Dr. med. H_ die Beschwerdeführerin als
Detailshandelsangestellte mit lang dauerndem Stehen weiter zu 100% arbeitsunfähig. Bei
wechselhafter Tätigkeit mit leichten Hebearbeiten und vorwiegend sitzender Position
schätzte er die Arbeitsfähigkeit auf 50% mit einer stufenweisen Steigerung auf 70 – 80%.77
73 Verordnung vom 20. Dezember 1982 über die Unfallversicherung (UVV, SR 832.202) 74 Urteil des Bundesgerichts 8C_889/2014 vom 23. Februar 2015 E. 3 mit Hinweisen 75 Act. 6.1/34 76 Act. 6.1/36 77 Act. 6.1/37
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Dr. med. D_ führte in seiner Stellungnahme vom 18. Februar 2014 aus, für die beklagte
Arbeitsunfähigkeit sei das rechte Knie nur zu einem Teil verantwortlich. Es spielten weitere
Erkrankungen der Beschwerdeführerin mit. Die direkten Folgen der Knieverletzung seien
per 31. Oktober 2013 zu terminieren. Ab diesem Zeitpunkt seien krankhafte Zustände für
die beklagte Arbeitsunfähigkeit verantwortlich.78
Dr. med. E_ erklärte im Gutachten vom 9. Januar 2015, aufgrund der klinischen Befunde
sei retrospektiv am angestammten Arbeitsplatz aus orthopädisch-traumatologischen
Gründen eine länger dauernde Arbeitsunfähigkeit als 1 – 2 Wochen nach dem Trauma
nicht nachvollziehbar. Dass postoperativ nochmals eine Arbeitsunfähigkeit bestand, sei
nachvollziehbar. Medizinisch-theoretisch dauere diese empirisch 4 – 6 Wochen. In den
gleichen Zeiträumen habe analog die medizinisch zumutbare Arbeitsfähigkeit in einer
anderen respektive angepassten Tätigkeit bestanden.79
5.4
Es ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin seit 1. Juni 2014 IV-Taggelder erhält und
demzufolge seither kein Taggeld der Vorinstanz mehr gewährt werden muss.80 Fraglich ist,
ob – wie die Vorinstanz behauptet – die Beschwerdeführerin tatsächlich spätestens ab
November 2013 wieder vermittelbar und demzufolge die Einstellung der Taggelder per
1. Februar 2014 rechtens war.
Aus den Akten ergibt sich, dass der beratende Arzt der Vorinstanz, Dr. med. D_, sich im
November 2013 zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit auf die bis dahin vorhandenen Akten
sowie eine telefonische Auskunft von Dr. med. K_ abstützte, wonach die
Beschwerdeführerin für eine sitzende Tätigkeit zu 100% arbeitsfähig sei.81 Letzterer
beurteilte die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit rund 3 Wochen vor dem
erwähnten Telefonat noch dahingehend, dass er angab, längerfristig sei angesichts der
andauernden multiplen Gelenkbeschwerden eine Umschulung auf eine leichte Arbeit
vorwiegend sitzend sinnvoll.82 Weiter verneinte er im Bericht Hinweise auf eine Arthritis
oder eine intraartikuläre Pathologie und gab an, anlässlich seiner Untersuchung sei die
entzündlich-rheumatische Erkrankung nicht aktiv.83 Dr. med. K_ hielt somit in seiner
späteren telefonischen Auskunft daran fest, dass für die Beschwerdeführerin nur noch eine
sitzende bzw. eine angepasste Tätigkeit in Frage komme. Er äusserte sich aber nicht
78 Act. 6.1/39 79 Act. 6.1/43-20/24 80 Act. 1/6 81 Act.6.1/36 und act. 6.1/39 82 Act. 6.1/34-5/5 83 Act. 6.1/34-4/5
Seite 18
explizit dazu, ab wann dies der Fall sei. In die gleiche Richtung geht auch die Beurteilung
des behandelnden Arztes Dr. med. H_ vom 5. November 2013. Er schätzte die
Beschwerdeführerin in einer angepassten Tätigkeit vorläufig auf 50% arbeitsfähig ein mit
einer stufenweisen Steigerung auf 70 – 80%.84 Den Akten bzw. dem Gutachten von Dr.
med. E_ lässt sich sodann entnehmen, dass die Beschwerdeführerin gemäss ihren
eigenen Angaben erst ab April 2014 bis Juli 2014 beinahe schmerzfrei war.85 Weiter kann
festgestellt werden, dass die Ärzte, auch wenn sie in ihren Berichten keine Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit vornahmen, übereinstimmend den Verlauf der Knieprellung als
überdurchschnittlich lang beurteilten.86 Daher und insbesondere unter Berücksichtigung der
Einschätzung des die Beschwerdeführerin engmaschig betreuenden Arztes Dr. med. H_,
welcher sie noch bis Ende November 2013 als 100% arbeitsunfähig beurteilte,87 erscheint
die Kritik der Beschwerdeführerin an der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit der Vorinstanz
als berechtigt. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz kann nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin bereits ab
November 2013 wieder vermittelbar war. Es erscheint daher nicht angebracht, den
Taggeldanspruch der Beschwerdeführerin bereits per 1. Februar 2014 einzustellen.
Die Beschwerde ist daher auch in diesem Punkt gutzuheissen.
6. 6.1
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG i.V.m. Art. 1 Abs. 1 UVG).
6.2
Gemäss Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde
führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. Über
diese Regelung hinaus ist die Bemessung der Parteientschädigung eine Angelegenheit des
kantonalen Rechts, wobei bei kantonal festgesetzten Kriterien beachtet werden muss, dass
sie nicht den bundesrechtlich massgebenden Bemessungselementen zuwiderlaufen
dürfen.88 Im Bereich der Sozialversicherungen kommt die pauschale Bemessung des
84 Act. 6.1/37 85 Act. 6.1/34-10/24 86 Act. 6.1/16, act. 6.1/22, act. 6.1/24, act. 6.1/34-4/5, act. 6.1/37, act. 6.1/39, act. 6.1/42 und act. 6.1/43-
12/24 87 Act. 6.1/35 88 Urteil des Bundesgerichts 9C_307/2014 vom 15. Juli 2014 E. 3.1 mit Hinweisen; UELI KIESER, ATSG-
Kommentar, 3. Aufl. 2015, N. 212 zu Art. 61 ATSG
Seite 19
Honorars zur Anwendung (Art. 53 Abs. 3 VRPG i.V.m. Art. 28 lit. b JG i.V.m. Art. 13 Abs. 1
lit. c der Verordnung über den Anwaltstarif89.
Vorliegend handelt es sich in Bezug auf den Umfang um ein eher unter dem Durchschnitt
liegendes Verfahren. Doch stellen sich nicht bloss einfache Fragen, und zwar nicht nur
bezüglich Sachverhalt, sondern im Rahmen der Kausalität auch in rechtlicher Hinsicht. Für
beide Parteien hat die Streitsache grundsätzlich eine hohe Bedeutung. Demnach erscheint
unter Berücksichtigung dieser Umstände eine Entschädigung von pauschal Fr. 3‘000.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.