# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 45c5ef35-4e13-4fc5-af67-a842db81d273
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Erpressung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, Einzelgericht, vom 2. Juli 2019 (GG190013)
Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 4. März 2019
(Urk. 22) ist diesem Urteil beigeheftet.
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Urteil der Vorinstanz: (Urk. 49 S. 52 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− der Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 StGB
− des mehrfachen Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG
− der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von Art 19a Ziff. 1 i.V.m. Art. 19 Abs. 1 lit. d BetmG
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 6 Monaten Freiheitsstrafe (wovon 5 Tage durch Haft und
Ersatzmassnahmen erstanden sind) sowie mit einer Busse von Fr. 300.–.
3. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatz-
freiheitsstrafe von 3 Tagen.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 4 Jahre festge-
setzt. Die Busse ist zu bezahlen.
5. Es wird keine Landesverweisung angeordnet.
6. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 4. März 2019 beschlagnahm-
te und bei den Akten liegende Bankkundenkarte B._ Nr. 1, lautend auf C._, (As-
servaten-Nr. A011'729'309) wird dem Privatkläger nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils
auf erstes Verlangen herausgegeben.
Wird innert 60 Tagen ab Rechtskraft des Urteils kein entsprechendes Begehren gestellt,
wird die genannte Bankkundenkarte vernichtet.
7. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 4. März 2019 beschlagnahm-
te und bei der Stadtpolizei Zürich lagernde Mobiltelefon Nokia (Asservaten-Nr.
A011'920'595) wird dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils auf erstes
Verlangen herausgegeben.
Wird innert 60 Tagen ab Rechtskraft des Urteils kein entsprechendes Begehren gestellt,
wird das genannte Mobiltelefon vernichtet.
8. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 4. März 2019 beschlagnahm-
ten und bei der Stadtpolizei Zürich lagernden Betäubungsmittel und Betäubungsmitteluten-
silien gemäss Dispositivziffer 1. a)-f) der Verfügung mit der BM-Lagernummer S02445-2018
werden eingezogen und nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils vernichtet.
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9. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger Schadenersatz in der Höhe von Fr.
20.– zu bezahlen. Im Mehrbetrag werden die Zivilansprüche der Privatklägerschaft auf den
Zivilweg verwiesen.
10. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 1'500.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 2'800.– Gebühr für die Strafuntersuchung
Fr. 280.– Auslagen inner- und ausserkantonale Verfahrenskosten
Fr. 9'749.– amtl. Verteidigungskosten (inkl. MwSt. und Barauslagen)
Fr. 4'861.10 Kosten unentgeltliche Vertretung Privatklägerschaft (inkl. MwSt. und Barauslagen)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert sich die
Entscheidgebühr um einen Drittel.
11. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einschliesslich derjenigen
der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft, werden dem Beschuldigten auferlegt;
davon ausgenommen sind die Kosten der amtlichen Verteidigung, welche einstweilen und
unter dem Vorbehalt von Art. 135 Abs. 4 StPO von der Gerichtskasse übernommen werden.
12. (Mitteilung)
13. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(schriftlich; Urk. 54)
1. Ziff. 1 (erstes und zweites Lemma) bis und mit Ziff. 4 sowie Ziff. 9 und
Ziff. 11 des Urteils des Bezirksgerichts Bülach vom 2. Juli 2019 seien
aufzuheben;
2. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der Erpressung im Sinne von
Art. 156 Ziff. 1 StGB sowie vom Vorwurf des mehrfachen Vergehens
gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c
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BetmG freizusprechen; der Beschuldigte sei der mehrfachen Übertre-
tung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 i.V.m.
Art. 19 Abs. 1 lit. d BetmG schuldig zu sprechen;
3. Der Beschuldigte sei mit einer Busse von Fr. 300.– zu bestrafen.
4. Die Zivilforderungen des Privatklägers seien vollumfänglich abzuwei-
sen, eventualiter auf den Zivilweg zu verweisen;
5. Dem Beschuldigten sei eine Genugtuung in Höhe von Fr. 500.– zuzu-
sprechen;
6. Es sei das zuständige Bundesamt betreffend die Löschung des DNA-
Profils anzuweisen;
7. Die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens, des Berufungsverfah-
rens, der unentgeltlichen Rechtsvertretung des Privatklägers sowie die
Kosten der amtlichen Verteidigung (inkl. 7.7%) seien vollumfänglich auf
die Staatskasse zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft
(schriftlich; Urk. 62)
Verzicht auf Anträge

## Considerations

Erwägungen:
I. Verfahrensgang
1. Nach abgeschlossener Untersuchung erhob die Staatsanwaltschaft Zürich-
Limmat am 18. März 2019 (Eingang) gegen A._ (Beschuldigter) die im An-
hang wiedergegebene Anklage wegen qualifizierter Erpressung etc. (Urk. 22).
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2. Mit Urteil vom 2. Juli 2019 sprach das Einzelgericht in Strafsachen des Be-
zirksgerichts Bülach den Beschuldigten der Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff.
1 StGB, des mehrfachen Vergehens gegen das Bundesgesetz über die Betäu-
bungsmittel (BetmG) im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG, der mehrfachen
Übertretung des BetmG im Sinne von Art 19a Ziff. 1 i.V.m. Art. 19 Abs. 1 lit. d
BetmG schuldig und bestrafte ihn mit 6 Monaten Freiheitsstrafe (wovon 5 Tage
durch Haft und Ersatzmassnahmen erstanden waren) sowie mit einer Busse von
Fr. 300.–. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wurde aufgeschoben und die Probezeit
auf 4 Jahre angesetzt. Von einer Landesverweisung des Beschuldigten sah die
Vorinstanz ab. Die Vorinstanz verpflichtete den Beschuldigten, dem Privatkläger
Schadenersatz in der Höhe von Fr. 20.– zu bezahlen. Im Mehrbetrag verwies es
die Zivilansprüche des Privatklägers auf den Zivilweg. Die Vorinstanz entschied
im Übrigen über die Verwendung bzw. Herausgabe von beschlagnahmten Ge-
genständen, ordnete die Einziehung und Vernichtung von beschlagnahmten Be-
täubungsmitteln und Betäubungsmittelutensilien an und regelte die Kostenfolgen
des Verfahrens (Urk. 49 S. 52 ff.).
3. Gegen das mündlich eröffnete Urteil (Prot. I S. 41) liessen sowohl der Be-
schuldigte als auch die Staatsanwaltschaft rechtzeitig Berufung anmelden (Urk.
39 und 43). Am 29. Oktober 2019 versandte die Vorinstanz das begründete Urteil
an die Parteien (Urk. 48) und übermittelte mit Verfügung vom 7. Oktober 2019 die
Berufungsanmeldungen zusammen mit den Akten dem Obergericht (Urk. 47).
Das Urteil ging dem Beschuldigten und der Staatsanwaltschaft je am 30. Oktober
2019 in begründeter Fassung zu, dem Privatkläger wurde es am 6. November
2019 zugestellt (Urk. 48).
4. Am 19. November 2019 erklärte die Staatsanwaltschaft den Rückzug ihrer
Berufung (Urk. 52). Die Verteidigung des Beschuldigten reichte am 13. November
2019 der erkennenden Kammer rechtzeitig ihre schriftliche Berufungserklärung
ein, mit der sie im Wesentlichen einen Freispruch hinsichtlich des Anklagevor-
wurfs der Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 StGB sowie der mehrfachen
Vergehen gegen das BetmG im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG, die Abwei-
sung der Zivilforderungen des Privatklägers sowie eine Genugtuung für die er-
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standene Haft verlangte (Art. 399 Abs. 3 i.V.m. Art. 90 StPO). Sie stellte gleichzei-
tig den Beweisantrag, es sei der Privatkläger anlässlich der Berufungsverhand-
lung zum Sachverhalt zu befragen (Urk. 54). Mit Präsidialverfügung vom 21. No-
vember 2019 wurde dem Beschuldigten Frist angesetzt, um den gestellten Be-
weisantrag zu begründen (Urk. 56). Nach (fristgemässem) Eingang der Begrün-
dung des Beweisantrags vom 2. Dezember 2019 wurde die Berufungserklärung
des Beschuldigten am 3. Dezember 2019 in Anwendung von Art. 400 Abs. 2 und
3 StPO der Staatsanwaltschaft und dem Privatkläger übermittelt, um gegebenen-
falls Anschlussberufung zu erheben oder das Nichteintreten auf die Berufung zu
beantragen, zudem wurde der Staatsanwaltschaft und dem Privatkläger Frist an-
gesetzt, um zum Beweisantrag des Beschuldigten Stellung zu nehmen (Urk. 60).
Die Staatsanwaltschaft verzichtete am 18. Dezember 2019 innert Frist auf An-
schlussberufung und auf die Stellung eines Antrages. Zudem ersuchte sie um
Dispensation von der Teilnahme an der Hauptverhandlung. Der Beweisantrag des
Beschuldigten sei aus Sicht der Staatsanwaltschaft abzulehnen, da der Sachver-
halt als spruchreif erscheine (Urk. 62). Der Privatkläger nahm am 20. Dezember
2019 rechtzeitig zum Beweisantrag Stellung und beantragte unter Hinweis auf die
bereits erfolgten Einvernahmen dessen Abweisung. Er erhob keine Anschlussbe-
rufung und äusserte sich nicht zur Berufung des Beschuldigten (Urk. 63). Mit Prä-
sidialverfügung vom 8. Januar 2020 wurde der Beweisantrag des Beschuldigten
auf Einvernahme des Privatklägers mit dem Hinweis, dass abgelehnte Beweisan-
träge an der Berufungsverhandlung nach Art. 379 in Verbindung mit Art. 331
Abs. 3 StPO erneut gestellt werden können, abgewiesen (Urk. 65). Nachdem die
ursprünglich auf den 19. März 2020 angesetzte Berufungsverhandlung aufgrund
der Covid-19-Pandemie verschoben worden war, wurde auf Antrag der Verteidi-
gung und mit dem Einverständnis der Anklagebehörde am 1. April 2020 die
Durchführung des schriftlichen Verfahrens verfügt (Urk. 80). Die schriftliche Beru-
fungsbegründung datiert vom 21. April 2020 (Urk. 81), die Berufungsantwort des
Privatklägers vom 8. Juni 2020 (Urk. 92). Die Anklagebehörde verzichtete auf ei-
ne Berufungsantwort. Die Verteidigung reichte am 15. Juni 2020 ihre Stellung-
nahme zur Berufungsantwort ein (Urk. 95). Da sie im Wesentlichen auf ihren bis-
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herigen Standpunkt verwies und keine Noven vorbrachte, erübrigte sich ein weite-
rer Schriftenwechsel (Art. 390 Abs. 3 StPO). Das Verfahren ist spruchreif.
II. Umfang der Berufung / Prozessuales
1. Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung (Art. 402
StPO). Die nicht von der Berufung erfassten Punkte erwachsen in Rechtskraft
(Art. 437 StPO; vgl. BSK StPO-Sprenger, 2. Aufl. 2014, Art. 437 N 29). Der Be-
schuldigte lässt das vorinstanzliche Urteil hinsichtlich der Schuldsprüche betref-
fend Erpressung (Dispositivziffer 1 alinea 1) und des mehrfachen Vergehens ge-
gen das BetmG (Dispositivziffer 1 alinea 2), hinsichtlich der Sanktion (Dispositiv-
ziffern 2-4), der Zivilansprüche (Dispositivziffer 9) und der Kostenauflage (Disposi-
tivziffer 11) anfechten (Urk. 54). Unangefochten blieben der Schuldspruch wegen
der mehrfachen Übertretung des BetmG (Dispositivziffer 1 alinea 3), das Absehen
von der Landesverweisung (Dispositivziffer 5), die Anordnungen betreffend die
Verwendung bzw. Herausgabe von beschlagnahmten Gegenständen (Dispositiv-
ziffern 6 und 7), die Einziehung und Vernichtung von beschlagnahmten Betäu-
bungsmitteln und Betäubungsmittelutensilien (Dispositivziffer 8) sowie die Kosten-
festsetzung (Dispositivziffer 10). Somit ist das vorinstanzliche Urteil in Dispositiv-
ziffer 1 alinea 3 und den Dispositivziffern 5 bis 8 sowie 10 in Rechtskraft erwach-
sen (Art. 404 Abs. 1 StPO), was vorab mittels Beschluss festzustellen ist.
2. Die Verteidigung rügt hinsichtlich der Umschreibung der Vergehen gegen das
BetmG in der Anklageschrift eine Verletzung des Anklageprinzips (Urk. 34 Rz. 28
ff.). Zum Inhalt der Anklageschrift gehört eine genaue Umschreibung des Sach-
verhaltes mit der Umschreibung der dem Beschuldigten vorgeworfenen Taten mit
Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung (Art. 325
Abs. 1 lit. f. StPO). Bei gehäuften und regelmässigen Delikten, wie insbesondere
bei den hier in Frage stehenden Verstössen gegen das BetmG, wird dem Ankla-
gegrundsatz Genüge getan, wenn die Handlungen in zeitlicher und örtlicher Hin-
sicht lediglich approximativ umschrieben werden. Es genügt dabei nach der
Rechtsprechung, wenn sich die zeitlichen Verhältnisse nicht exakt rekonstruieren
lassen, die Angabe eines bestimmten Zeitraums, solange für die beschuldigte
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Person kein Zweifel darüber besteht, welches Verhalten ihr vorgeworfen wird (Ur-
teile des Bundesgerichts 6B_676/2013 vom 28. April 2014, E. 3.5.5.;
6B_441/2013 vom 4. November 2013, E. 3.2.). Nachdem die Anklage die erfor-
derlichen zeitlichen und örtlichen Angaben enthält, in dem sie in unter a) bis c) die
Zeiträume bezeichnet ["circa im März 2018"; "circa im April 2018 (um den 14. April
2018)" und "circa im April oder Mai 2018 (circa eine Woche nach der Tathandlung
gemäss Buchstabe b)"], sowie die Orte der Tathandlungen beschreibt ["Bushalte-
stelle resp. im Bereich hinter dem Gemeindehaus an der ...-Strasse in ...
D._", "im Bereich der E._ am ...-Weg ... in ... D._ und "im Bereich
des Gemeindehauses an der ...-Strasse in ... D._"] und hinsichtlich des ver-
kauften Marihuanas jeweils (mindestens) ungefähre Mengenangaben enthält
["drei Portionen Marihuana à 5 Gramm", "einen Klumpen (cirka in der Grösse ei-
nes Einfrankenstückes, genaue Menge unbekannt) Haschisch" und "einen Klum-
pen (genaue Menge unbekannt) Haschisch"; vgl. Urk. 22 S. 3 f.], ist dem Ankla-
geprinzip Genüge getan. Sämtliche Anklagesachverhalte sind genügend genau
umschrieben. Der Beschuldigte und seine Verteidigung wussten genau, gegen
welche Vorwürfe sie sich zu verteidigen hatten, was auch dadurch belegt ist, dass
die Verteidigung dies mit ihren Parteivorträgen an der erstinstanzlichen Hauptver-
handlung (Urk. 34) und in der schriftlichen Berufungsbegründung (Urk. 81) aus-
führlich getan hat.
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III. Sachverhalt / Beweiswürdigung
1. Bestrittener Sachverhalt
1.1. Die Bankkarte des Privatklägers wurde beim Beschuldigten sichergestellt
(D1 Urk. 7/4-5). Er anerkannte an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung, damit
Bezüge getätigt zu haben. Zudem gestand der Beschuldigte ein, des Öfteren mit
dem Privatkläger zusammen Marihuana bzw. Haschisch geraucht zu haben, und
er bestätigte, den Privatkläger auch einmal "beim Bus oder am Flughafen im Vor-
beilaufen" gesehen zu haben (Prot. I S. 29, 31 f.).
1.2. Abgesehen von diesen Zugaben ist der Beschuldigte hinsichtlich der in der
Anklage umschriebenen Sachverhalte in Bezug auf die Gegenstand der Berufung
bildenden Vorwürfe der Erpressung und des mehrfachen Vergehens gegen das
BetmG nicht geständig. Der Beschuldigte streitet einerseits den Vorwurf der
Anklage (Dossier 1; Urk. 22 S. 2 f.) ab, dem Privatkläger am 17. Juli 2018 in der
öffentlichen Sammelgarage am Flughafen Zürich-Kloten einen Fusstritt gegen den
Oberschenkel verpasst und ihn durch Drohung, andere noch kränkere Typen
kämen sonst seine Sachen holen, zur Übergabe von Fr. 20.–, seiner B._-
Bankkundenkarte und von Marihuana genötigt zu haben. Andererseits bestreitet
er auch die ihm zur Last gelegten Verkäufe von Marihuana und Haschisch an den
Privatkläger gemäss Dossier 2 (Urk. 22 S. 3 f.). Es ist daher im Rahmen der
Beweiswürdigung zu prüfen, ob die bestrittenen objektiven und subjektiven Sach-
verhaltselemente erwiesen sind.
1.3. Was der Beschuldigte wusste, wollte oder in Kauf nahm, gehört zum Inhalt
des subjektiven Tatbestandes. Dabei geht es um einen inneren Vorgang, auf den
anhand der eingehenden Würdigung des äusseren Verhaltens des Täters sowie
allenfalls weiterer Umstände geschlossen werden kann. Auch wenn die Fest-
stellung des subjektiven Tatbestandes Bestandteil der Sachverhaltsabklärung ist,
erweist es sich regelmässig – und so auch hier – als zweckmässig, im Rahmen
der rechtlichen Würdigung näher darauf einzugehen, was der Beschuldigte bei
seinen Handlungen gewusst, gewollt bzw. in Kauf genommen hat, zumal in die-
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sem Bereich Tat- und Rechtsfragen sehr eng miteinander verbunden sind (vgl.
BGE 119 IV 242 E. 2c).
2. Beweismittel / Grundsätze der Beweiswürdigung
2.1. Die relevanten Beweismittel wurden von der Vorinstanz korrekt und vollstän-
dig aufgezählt (Urk. 49 S. 6 f.). Ebenso hat die Vorinstanz die notwendigen
Ausführungen zur Theorie der Beweiswürdigung gemacht (Urk. 49 S. 7 ff.), sich
mit der Glaubwürdigkeit und der Glaubhaftigkeit der einzelnen einvernommenen
Personen eingehend auseinandergesetzt sowie die zutreffenden Folgerungen
hinsichtlich ihrer Glaubwürdigkeit gezogen (Urk. 49 S. 14 ff.), dabei vor allem aber
berücksichtigt, dass der allgemeinen Glaubwürdigkeit einer Person eine unterge-
ordnete Rolle zukommt und vielmehr auf die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen ab-
zustellen ist (Urk. 49 S. 8). Wie die Vorinstanz zutreffend erwogen hat, beruhen
die Anklagevorwürfe gegen den Beschuldigten überwiegend (wenn auch nicht
ausschliesslich) auf den Aussagen des Privatklägers. Die Vorinstanz hat die kon-
kreten Aussagen des Privatklägers und ebenfalls jene des Beschuldigten in aus-
führlicher Weise und zutreffend wiedergegeben (Urk. 49 S. 9 ff., 25 ff.). Darauf
kann vorab verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Auf die einzelnen Aussagen
des Privatklägers und des Beschuldigten ist nachfolgend lediglich noch verdeutli-
chend bzw. konkretisierend und teilweise ergänzend einzugehen.
2.2. Zur Beweiswürdigung ist anzumerken, dass auch unter dem Gesichtspunkt
des Grundsatzes "in dubio pro reo" keine absolute Gewissheit und Sicherheit in
der Beweisführung erreicht werden kann. Es ist in objektiver Würdigung des ge-
samten Beweisergebnisses zu prüfen, ob sich das Gericht von einem bestimmten
Sachverhalt überzeugt zeigen kann. Einzig wenn aufgrund der objektiven Sachla-
ge erhebliche und nicht zu unterdrückende – unüberwindliche – Zweifel an der
Schuld des Beschuldigten bestehen, muss das Gericht von der für ihn günstige-
ren Sachlage ausgehen bzw. ihn freisprechen (vgl. Art. 10 Abs. 2 und 3 StPO;
BGE 124 IV 86 E. 2a).
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3. Aussagen des Privatklägers
3.1. Der Privatkläger leidet an einer paranoiden Schizophrenie und nimmt deshalb
Medikamente. Er ist verbeiständet und bezieht eine IV-Rente (vgl. Urk. 4/2 S. 13
zu Frage 85; Prot. I S. 8, 12). Die Vorinstanz befasste sich eingehend mit den von
der Verteidigung mit Blick auf die psychische Krankheit des Privatklägers
angebrachten Zweifeln hinsichtlich seiner Glaubwürdigkeit und vor allem der
Glaubhaftigkeit seiner Aussagen. Sie hielt fest, anlässlich der Befragung an der
Hauptverhandlung seien die Defizite des Privatklägers deutlich erkennbar
gewesen, entsprechend habe sich die Befragung eher schwierig und umständli-
cher gestaltet. Da der Privatkläger nicht die wesentlichen Aspekte der ihm gestell-
ten Frage geliefert habe, sei er mehrmals sowie gezielt und so konkret wie mög-
lich befragt worden, damit eine Antwort mit dem zu interessierenden Inhalt habe
erhältlich gemacht werden können. Es sei davon auszugehen, dass die Staats-
anwaltschaft mit der gleichen Problematik zu kämpfen gehabt habe. Die Befra-
gung des Privatklägers an der Hauptverhandlung habe aber gezeigt, dass er
durchaus in der Lage sei, differenziert zu antworten und zu beurteilen, welche
Personen was von ihm verlangten und von wem er Respekt oder Angst habe und
vor wem nicht. So habe der Privatkläger wiederholt sowie konstant erklärt, dass er
wenn möglich den Kontakt zum Beschuldigten gemieden habe, seine Telefonan-
rufe nicht entgegen genommen habe, Angst vor ihm gehabt habe und befürchtet
habe, er werde ihn abstechen. Diese extreme Sichtweise möge mit seiner Krank-
heit zu tun haben, zeige aber im Grundsatz dennoch auf, dass der Privatkläger
sich vor dem Beschuldigten ernsthaft gefürchtet habe und ihm wenig entgegen zu
setzen gehabt habe (Urk. 49 S. 16, 20 mit Hinweis auf Prot. I S. 14 ff.). Dem ist
grundsätzlich beizupflichten.
3.2. Zu ergänzen ist vorab, dass die psychische Krankheit und damit zusammen-
hängende Einschränkungen des Privatklägers bei der Aussagewürdigung zwar
mit zu berücksichtigen sind. Damit ist indes nicht ausgeschlossen, dass die Aus-
sagen des Privatklägers als glaubhaft beurteilt werden und darauf abgestellt wer-
den kann. Vorab liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass die psychische
Krankheit die Aussageehrlichkeit des Privatklägers beeinträchtigen würde. Eben-
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so wenig gibt es Anzeichen dafür, dass er statt über tatsächliches Erlebtes über
Wahnvorstellungen berichten oder eine erfundene Geschichte erzählen würde.
3.3. Die Verteidigung anerkennt, dass der Privatkläger – wie in der Anklageschrift
beschrieben – leicht steuer- resp. manipulierbar und über wenig Widerstandskraft
verfügend ist. Sie hält diese Eigenschaften (vor allem) im Hinblick auf die Einwir-
kung der Strafverfolgungsbehörden auf den Privatkläger hinsichtlich seiner Aus-
sagen für relevant und folgert, der Privatkläger habe bei der Staatsanwaltschaft
(nur) das gesagt, was er gedacht habe, wolle diese hören (vgl. Urk. 34 Rz. 14).
Dieser Schlussfolgerung kann so nicht zugestimmt werden. Die verschiedenen
Einvernahmen des Privatklägers zeigen nämlich, dass er den Vorfall zunächst frei
schilderte, er teilweise sehr differenzierte Antworten gab und dabei auch in der
Lage war, Annahmen der befragenden Person richtig zu stellen:
3.3.1. Der Privatkläger konnte das Treffen mit dem Beschuldigten sowohl bei
der Polizei als auch vor der Staatsanwaltschaft in zunächst freier, spontaner
Schilderung, dann auf konkretisierende, ergänzende Fragen nachvollziehbar dar-
stellen (vgl. D1 Urk. 3/2 S. 2 f. zu Frage 16; D1 Urk. 4/2 S. 4 ff. zu Frage 22). Die
Schilderung des Privatklägers zu diesem Vorfall mit dem Beschuldigten war mit
plausiblen, äusseren Umständen verflochten (zunächst Treffen im ... am Flugha-
fen Zürich-Kloten, dann Verschiebung ins Parkhaus, dann Busfahrt nach E._
an den Wohnort des Privatklägers, weil dieser keine Wertsachen dabei hatte) und
wies, wie die Vorinstanz feststellte (Urk. 49 S. 18 ff.), zahlreiche Realitätskriterien
auf.
3.3.2. So hatte der Privatkläger in der polizeilichen Einvernahme auf die Frage,
was der Beschuldigte bei diesem, vom Privatkläger so bezeichneten, "Raub" am
Flughafen Zürich-Kloten zum Privatkläger gesagt habe, ausgesagt, der Beschul-
digte sei sehr aggressiv gewesen. Es sei schwierig, das nachzumachen. Er habe
ihn ständig angeschrien und gesagt: "Du musch mich nöd verarsche, bring das
Züg!". Der Beschuldigte habe zudem gesagt, wenn er (der Privatkläger) ihm das
Geld nicht gebe, kämen andere Typen, die noch kränker seien als er (der Be-
schuldigte), und würden ihm alles wegnehmen. Auf die Frage, wie er sich dabei
gefühlt habe, führte der Privatkläger aus, er habe grosse Angst gehabt. Vor allem,
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dass der Beschuldigte ihn schlagen würde. Nun, da er diese Aussage mache, ha-
be er Angst, dass der Beschuldigte ihn abstechen werde. Er könne sich gut vor-
stellen, dass der Beschuldigte auf diese Idee komme, wenn er etwas tue, was in
den Augen des Beschuldigten falsch sei (D1 Urk. 3/2 S. 3 zu Frage 25). Am
Schluss der Einvernahme betonte der Privatkläger nochmals von sich aus, dass
er Angst vor dem Beschuldigten habe und fügte an, er werde die Polizei anrufen,
falls sich der Beschuldigte bei ihm melde (D1 Urk. 4/2 S. 7 zu Frage 68). Wenn
der Privatkläger dann vor der Staatsanwaltschaft auf Nachfrage erklärte, er habe
Angst gehabt, dass der Beschuldigte ihm etwas antun könne (D1 Urk. 4/2 S. 8 zu
Fragen 43 ff.), fügt sich dies in stimmiger Weise mit den übrigen Aussagen des
Privatklägers zu einer erlebt wirkenden, stimmigen Darstellung zusammen. So ist
insbesondere mit Blick darauf, dass der Beschuldigte auch auf entsprechende
Frage der Staatsanwaltschaft bestätigte, er habe vor dem Beschuldigten Angst
gehabt (D1 Urk. 4/2 S. 8 zu Frage 44), zu beachten, dass der Privatkläger zuvor
auf die Frage, ob der Beschuldigte ihm bei den Geldbezügen Nachteile in Aus-
sicht gestellt habe, bereits erwähnt hatte, der Beschuldigte sei ihm vom Auftreten
her bedrohlich erschienen. Das habe sich ja dann später auch so herausgestellt.
Auf die Frage, wie er dies meine, fügte der Privatkläger an, der Beschuldigte habe
ihm einen Kick gegeben und gesagt, dass er ihn dieses Mal lasse (D1 Urk. 4/2
S. 7 zu Frage 35 und 36). Schon zu Beginn der Einvernahme vor der Staatsan-
waltschaft hatte der Privatkläger auf die Frage, weshalb er den Beschuldigten als
Feind sähe, festgehalten, dass der Beschuldigte nur Geld von ihm gewollt und
ihm auch einmal einen Kick gegeben habe (D1 Urk. 4/2 S. 3 zu Frage 10). Der
Privatkläger konnte im Übrigen bei der Befragung durch die Vorinstanz nachvoll-
ziehbar erklären, dass er vor dem Beschuldigten Angst gehabt und sich bedroht
gefühlt habe. Er habe gewusst, dass der Beschuldigte aggressiv sei, er habe das
gemerkt. Der Beschuldigte habe ihm einen Fusstritt verpasst und sei irgendwie
ausgerastet, weil er sein Geld und Marihuana gewollt habe. Dabei differenzierte
er auf entsprechende Frage ausdrücklich, dass er vor seinem Anwalt Respekt
hätte, wenn er ihm etwas sagen würde und er zuvor Marihuana geraucht habe,
aber vor dem Beschuldigten habe er Angst gehabt, weil er ihn bedroht habe (Prot.
I S. 14 f.). Der damit vom Privatkläger glaubhaft ausgedrückten, subjektiv emp-
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fundenen Angst vor dem Beschuldigten kann die Verteidigung die objektiven Um-
stände, dass der Privatkläger gemäss seiner Identitätskarte 1.80 m gross, der Be-
schuldigte bloss 1.65 m gross und dem Privatkläger somit körperlich unterlegen
sowie auch drei Jahre jünger sei, als der Privatkläger (vgl. Urk. 34 Rz. 19), nicht
entgegenhalten. Sie lassen seine Angst nicht als erfunden erscheinen.
3.3.3. Auf Details in Bezug auf die Geldbezüge angesprochen, erwähnte der Pri-
vatkläger vor der Staatsanwaltschaft ebenfalls von sich aus, der Beschuldigte ha-
be immer wieder gesagt, dass der Privatkläger wisse, dass er ihm Geld schulde,
und der Beschuldigte habe ab und zu gesagt, dass der Privatkläger ja nicht wolle,
dass ihm jemand sein Zeugs wegnehme, wenn er dem Beschuldigten kein Geld
gebe (D1 Urk. 4/2 S. 6 f. zu Fragen 28 ff.). Auf die Frage der Staatsanwaltschaft,
ob der Beschuldigte im Hinblick auf die Geldbezüge irgendetwas in Aussicht ge-
stellt habe, führte der Privatkläger dann präzisierend und einschränkend aus, das
dies ganz am Anfang nicht der Fall gewesen sei, ab dem 3. Mal habe der Be-
schuldigte dann erfunden, dass der Privatkläger ihm Geld schulden würde (Urk.
4/2 S. 7 zu Frage 34). Dass die Staatsanwaltschaft wenig später hinsichtlich der
Bezüge des Beschuldigten von der Bankkarte des Privatklägers fragte, welche
Nachteile der Beschuldigte dem Privatkläger in Aussicht gestellt habe (D1 Urk.
4/2 S. 10 zu Frage 64), ist vor dem Hintergrund des vom Privatkläger zuvor Aus-
geführten nicht beeinflussend und nicht zu beanstanden. Weiter verneinte der Pri-
vatkläger zurückhaltenderweise die Fragen, ob er beim Kick gegen die hinteren
Oberschenkel verletzt worden sei oder Schmerzen gehabt habe, lediglich seine
Hosen seien dreckig geworden (vgl. D1 Urk. 3/2 S. 4 zu Frage 23 und Urk. 4/2 S.
7 f. zu Fragen 40 und 41). Entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 34 Rz.
15) hat die Staatsanwaltschaft den Privatkläger sodann nicht vor vollendete Tat-
sachen gestellt und ihm auch nicht erklärt, wie sich der Sachverhalt zugetragen
habe. Sie hat lediglich (wenn auch ungenau) wiedergegeben, was der Privatklä-
ger zuvor ausgesagt hatte, nämlich, dass der Beschuldigte dem Privatkläger am
Flughafen einen Kick gegeben (dies mithin nicht nur angedroht, sondern ausge-
führt) habe (D1 Urk. 4/2 S. 11 zu Frage 67). Dass die Staatsanwaltschaft beim
Privatkläger hinsichtlich einzelner von ihm früher angesprochener Sachverhalts-
elemente beim Vorfall am Flughafen nachfragte, um eine möglichst ausführliche
- 15 -
Sachverhaltsschilderung zu erhalten, ist angesichts der vom Privatkläger zuvor
deponierten, freien Sachverhaltsschilderung (D1 Urk. 4/2 S. 8, zu Frage 42) nicht
suggestiv. Ebenso wenig ist zu beanstanden, dass die Staatsanwaltschaft dem
Privatkläger am Ende der Einvernahme seine Aussage aus der polizeilichen Ein-
vernahme, der Beschuldigte habe gedroht, dass, wenn der Privatkläger ihm das
Geld nicht gebe, ein paar Typen, die noch kränker seien als er, seine Sachen ho-
len würden, vorhielt (D1 Urk. 4/2 S. 11 zu Frage 70). Der Privatkläger bestätigte
nicht nur, das dies so stimme, sondern hielt dazu auf weitere Fragen fest, dass
dies bei ihm bewirkt habe, dass er dem Beschuldigten sein Geld gegeben habe
(D1 Urk. 4/2 S. 11 zu Fragen 71 f.). Die Aussagen des Privatklägers kommen zu-
nächst etwas zögerlich daher, erscheinen aber als authentisch und glaubhaft.
3.3.4. Zutreffend ist, dass der Privatkläger bei der Befragung vor Vorinstanz zu-
nächst vage meinte, zuerst habe der Beschuldigte ihm einen Tritt an den Ober-
schenkel gegeben und ihn "irgendwie" bedroht. Was der Beschuldigte genau ge-
sagt habe, wusste der Privatkläger auch auf entsprechende Nachfrage nicht mehr
genau, jedenfalls aber habe der Beschuldigte gesagt, er würde ihn dieses Mal in
Ruhe lassen. Der Beschuldige habe irgendwie gefordert bzw. gefragt, was er an
Wertsachen dabei habe und ob er die Bankkarte dabei habe, worauf der Beschul-
digte gesagt habe, er solle sie holen gehen (Prot. I S. 13 f.). Auf Nachfragen er-
gänzte der Privatkläger, er habe Angst gehabt, dass der Beschuldigte ihn schla-
ge, obschon das in der Vergangenheit mit Ausnahme des erwähnten Tritts nie
vorgekommen sei. Die vom Privatkläger bejahte weitere Frage der Vorinstanz, ob
der Privatkläger denn ernst genommen habe, was der Beschuldigte ihm gesagt
habe, bezieht sich nicht mehr darauf, was der Beschuldigte genau gesagt habe,
sondern wie der Privatkläger die Äusserungen des Beschuldigten aufgenommen
habe. Mit dieser Frage nimmt die Vorinstanz – hier ist der Verteidigung zuzustim-
men – auf die Androhung von Schlägen oder Ähnlichem Bezug, ohne dass der
Privatkläger zuvor ausgesagt hätte, der Beschuldigte habe mit Schlägen (oder
Ähnlichem) gedroht. Der Privatkläger sagte nur, dass er Angst vor Schlägen des
Beschuldigten gehabt habe. Die Vorinstanz spricht aber nicht von einer Drohung
des Beschuldigten, sondern fragt allgemein, ob der Beschuldigte eine solche Dro-
hung, ungeachtet von wem sie käme, immer ernst nehmen würde und insofern
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handelt es sich auch nicht um eine Suggestivfrage. Davon abgesehen kann der
Beschuldigte aus dieser Frage und der dazugehörigen Antwort des Privatklägers
nicht schliessen, dass die Aussagen des Privatklägers im Vorverfahren zu den
Äusserungen des Beschuldigten bei der Begegnung am Flughafen unzuverlässig
bzw. unglaubhaft sind. Vielmehr konnte der bereits am Anfang der Befragung vor
der Vorinstanz nervöse (vgl. Prot. I S. 7) Privatkläger offenbar keine genauen Er-
innerungen an die Worte des Beschuldigten mehr abrufen. Die schwindende und
selektive Erinnerung ist angesichts der seit dem Vorfall verstrichenen Zeit nicht
weiter überraschend. Was von einer Drohung mit Gewalt meist in Erinnerung
bleiben dürfte, ist die Angst vor Schmerzen und davor, verletzt zu werden, nicht
der genaue Wortlaut einer solchen Drohung.
3.3.5. Der Privatkläger gestand bei seinen Einvernahmen ein, dass er im Gegen-
satz zu F._ nicht in der Lage gewesen sei, sich dem Beschuldigten zu wider-
setzen. Konkret sagte der Privatkläger, der Beschuldigte würde auch F._
ausnehmen, aber da dieser den Beschuldigten nicht beachte, funktioniere dies
nicht so gut wie bei ihm (dem Privatkläger; vgl. D1 Urk. 3/2 S. 4 zu Frage 33), und
vor der Vorinstanz räumte er ein, dass er nicht oft "nein" sage und gewissermas-
sen ein Problem damit habe (Prot. I S. 19). Er fügte an, er werde oft gefragt, ob er
etwas wolle. Er wolle es aber gar nicht. Meistens sage er zuerst nein. Auf die wei-
tere Frage, ob er dann schlussendlich doch nachgebe, relativierte er, dass dies
"nicht immer" der Fall sei (Prot. I S. 19). Wie die Vorinstanz zu Recht bemerkte,
gestand der Privatkläger damit eine ihm eigene Schwäche ein. Er zeigte sich so
selbst-reflektierend, selbst-kritisch und aufrichtig und versuchte nicht, sich in ei-
nem möglichst vorteilhaften Licht zu präsentieren, was für die Glaubhaftigkeit sei-
ner Aussagen spricht.
3.3.6. Insgesamt kann entgegen der Auffassung der Verteidigung nicht gesagt
werden, dass dem Privatkläger ihm von Seiten der Strafverfolgungsbehörden vor-
gelegte bzw. vorgehaltene Sachverhalte lediglich bestätigte. Aus den Aussagen
des Privatklägers erschliesst sich klar, dass er dem Beschuldigten aus Angst vor
einem tätlichen Übergriff nicht trotzen konnte, dieser vielmehr bestimmte, was der
Privatkläger zu tun hatte.
- 17 -
3.4. Es trifft, wie die Verteidigung anführt (Urk. 34 Rz. 19) zu, dass der Privatklä-
ger freiwillig zum Treffen mit dem Beschuldigten am Flughafen ging. Der Privat-
kläger sagte dazu aus, er habe gedacht, dass er normal mit dem Beschuldigten
reden könne (vgl. D1 Urk. 3/2 S. 3 zu Frage 20). Daraus lässt sich freilich nicht
schliessen, dass der Privatkläger ihm ebenso freiwillig Geld und seine Bankkarte
übergab. Der Privatkläger ging ohne Wertsachen zu diesem Treffen mit dem Be-
schuldigten, weil er befürchtete, dieser würde sie ihm sonst wegnehmen. Erst an-
gesichts des laut dem Privatkläger fordernden, tätlichen und drohenden Verhal-
tens des Beschuldigten holte er zu Hause Geld, die B._-Bankkundenkarte
und Marihuana und übergab diese Sachen dem Beschuldigten. Das von der Ver-
teidigung für eine Falschaussage des Privatklägers angeführte Motiv, es sei dem
Privatkläger peinlich gewesen, dass er dem Beschuldigten seine Sachen freiwillig
gegeben habe, weshalb er dies für sich selber damit zu rechtfertigen versuche,
dass er aufgrund des Verhaltens des Beschuldigten keine andere Wahl gehabt
habe und den Beschuldigten belaste, sie ihm geraubt zu haben (vgl. Urk. 34 Rz.
17, 20), widerspricht dem glaubhaft geschilderten, ungewöhnlichen Ablauf mit
dem Abstecher nach E._ zur Wohnung des Privatklägers und erweist sich
vor dem Hintergrund der vom Privatkläger offen eingestandenen, durch Marihua-
na-Konsum verstärkten Schwäche als nicht stichhaltig. Die Argumentation der
Verteidigung widerspricht überdies den eigenen Aussagen des Beschuldigten.
Dieser gab nämlich an, andere Leute hätten dem Privatkläger Geld abgenommen
und ihn "verarscht". Der Beschuldigte habe jenen Leuten gesagt, dass sie dies
nicht mehr tun sollten (D1 Urk. 4/1 S. 3 zu Frage 9 f.). Insoweit räumte der Be-
schuldigte auch ein, dass der Privatkläger sein Geld nicht freiwillig hergab.
3.5. Zu Unrecht wirft die Verteidigung dem Privatkläger sodann vor, er dramatisie-
re bei der Schilderung der Vorfälle in den verschiedenen Einvernahmen (Urk. 34
Rz. 17). Zur Androhung von Schlägen durch den Beschuldigten führte der Privat-
kläger bei der Polizei aus, der Beschuldigte habe ihm "immer" mit Schlägen ge-
droht, dabei verneinte er zugleich die Frage nach der Drohung mit einer Waffe
und fügte an, der Beschuldigte habe nie etwas in diese Richtung erwähnt, son-
dern immer mit Schlägen gedroht (D1 Urk. 3/2 S. 2 zu Frage 22). Vor der Staats-
anwaltschaft hat der Privatkläger dann auf die Frage nach der Androhung von
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Schlägen auf das eine Mal am Flughafen verwiesen. Auf die Frage, ob es sonst
noch dazu gekommen sei, führte er aus, "noch einmal" bei einer anderen Gele-
genheit, glaube er. Also er glaube es nicht, sondern er habe schon mit Schlägen
gedroht (D1 Urk. 4/2 S. 10 f. zu Fragen 66 f.). Bei der polizeilichen Einvernahme
brachte der Privatkläger vor, der Beschuldigte habe ihm gedroht, andere Typen,
die noch kränker seien als er, würden kommen und ihm alles wegnehmen, wenn
er ihm seine Sachen nicht geben würde. Das ist eine durchaus originelle Aussa-
ge, die nicht erfunden, sondern erlebt wirkt. Beim Vorfall am Flughafen habe der
Beschuldigte dem Privatkläger einen Fusstritt verpasst (D1 Urk. 3/2 zu Fragen 24
ff.). Der Privatkläger sprach in der polizeilichen Einvernahme von 15 Überfällen
(D1 Urk. 3/2 S. 2 zu Frage 9), und erklärte dann, dass er für den Beschuldigten
insgesamt etwa 15 Bezüge von seinem Bankkonto getätigt habe (D1 Urk. 3/2 S. 5
zu Frage 41). Vor der Staatsanwaltschaft führte er aus, er habe ca. 5 Bankbezüge
gemacht, wisse es aber nicht mehr genau (D1 Urk. 4/2 S. 6 zu Frage 24). Auf
Nachfrage präzisierte er, der Beschuldigte habe nach ca. 6 Geldbezügen gesagt,
dass der Privatkläger ja nicht wolle, dass ihm jemand sein Zeugs wegnehme,
wenn er dem Beschuldigten kein Geld gebe. Er habe dem Beschuldigten ca.
Fr. 670.– Bargeld gegeben, welches er nicht direkt beim Automaten abgeholt ha-
be. Die Geldbezüge beim Automaten seien ca. 5 gewesen (D1 Urk. 4/2 S. 7 zu
Frage 30 und 31). Abgesehen davon, dass die Geldbezüge bzw. -übergaben oh-
nehin nicht Gegenstand der Anklage sind, stellt der Privatkläger diese auch nicht
dramatisierend dar. Es fällt im Gegenteil auf, dass der Privatkläger bei der
Staatsanwaltschaft verglichen mit den Aussagen vor der Polizei die Vorfälle sach-
licher beschreibt bzw. präziser antwortet, mithin ist keine dramatischere Schilde-
rung von Einvernahme zu Einvernahme feststellbar, vielmehr reduzierte der Pri-
vatkläger die Anzahl der Geldübergaben an den Beschuldigten in der staatsan-
waltschaftlichen Einvernahme und sagte aus, er wisse nicht mehr genau, wie vie-
le es gewesen seien. Er korrigiert mithin von sich aus seine anfänglichen Aussa-
gen. Hinsichtlich der Drohung des Beschuldigten, andere, noch kränkere Typen
würden kommen und seine Sachen holen, hält der Privatkläger im Übrigen wie
gesehen an seinen Aussagen fest. Damit belastet der Privatkläger den Beschul-
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digten nicht mehr als aus seiner Sicht nötig, was erneut für die Glaubhaftigkeit
seiner Aussagen spricht.
3.6. Mit den Einwänden der Verteidigung, der Privatkläger habe zur Anwesenheit
seines ehemaligen Mitbewohners F._ beim Vorfall am Flughafen wider-
sprüchliche Aussagen gemacht und dessen Anwesenheit liesse den Vorfall aus
Sicht des Privatklägers weitaus weniger bedrohlich erscheinen, hat sich die Vor-
instanz ebenfalls zutreffend auseinandergesetzt (vgl. Urk. 49 S. 19). Die Aussa-
gen des Privatklägers sind in diesem Punkt genau betrachtet nicht inkohärent und
widersprüchlich, sondern lediglich teilweise ungenau. Er sagte bei der polizeili-
chen Einvernahme zunächst aus, sein Mitbewohner F._ sei bei der Überga-
be der Sachen an den Beschuldigten anwesend gewesen (vgl. D1 Urk. 3/2 S. 4
zu Frage 33), während er auf die Ergänzungsfrage der Verteidigung an der
Hauptverhandlung, ob F._ "anlässlich dieser Situation am Flughafen Zürich-
Kloten beim Beschuldigten" gewesen sei, antwortete, F._ sei nicht dabei ge-
wesen (Prot. I S. 22). Dabei ist zu beachten, dass der Vorfall zwei Teile bzw.
Schauplätze umfasst, einerseits das Treffen am Flughafen und insbesondere im
Parkhaus und andererseits die Übergabe des Geldes, der Bankkarte und des
Marihuanas in der Nähe der Wohnung des Privatklägers in E._. Die beiden
Situationen hat der Privatkläger in seinen übrigen Aussagen jeweils unterschie-
den. So meinte er bei der polizeilichen Einvernahme auf Nachfrage, ob jemand
den Vorfall am Flughafen gesehen habe, eventuell die Kameras im Parkhaus (D1
Urk. 3/2 S. 3 zu Frage 19). Er erwähnte dann von sich aus, dass F._ auf der
Fahrt vom Flughafen zum Privatkläger nach Hause im gleichen Bus gewesen sei,
wie er und der Beschuldigte (D1 Urk. 3/2 S. 4 zu Frage 30). Auf die spätere Fra-
ge, ob F._ gesehen habe, wie der Privatkläger dem Beschuldigten das
Deliktsgut übergeben habe, meinte der Privatkläger, der Beschuldigte habe zu
F._ gesagt, er solle etwas weggehen. Er wisse nicht mehr, ob F._ die
Übergabe des Deliktsguts beobachtet habe. F._ habe ihn danach gefragt,
wie viel er dem Beschuldigten gegeben habe (D1 Urk. 3/2 S. 4 zu Frage 33). Dar-
aus lässt sich schliessen, dass F._ das Geschehen im Parkhaus des Flugha-
fens nicht direkt bzw. aus unmittelbarer Nähe verfolgen konnte und bei der Über-
gabe der Sachen an den Beschuldigten die Übergabe ebenfalls nicht direkt bzw.
- 20 -
aus nächster Nähe beobachten konnte, weshalb er laut dem Privatkläger auch
nicht wusste, wie viel Geld bzw. welche Wertsachen genau dieser dem Beschul-
digten gab. Es ist vor diesem Hintergrund nicht widersprüchlich, wenn der Privat-
kläger die Frage, ob F._ bei der Situation am Flughafen anwesend gewesen
sei, verneinte (Prot. I S. 22). Der Beschuldigte kann aus der Anwesenheit von
F._ schon deshalb nichts in Bezug auf die (fehlende) Bedrohlichkeit der
Situation für den Privatkläger ableiten. Davon abgesehen ist zu bemerken, dass
der Privatkläger nie aussagte, F._ sei sein Freund gewesen – er sprach stets
von seinem ehemaligen Mitbewohner (vgl. D1 Urk. 3/2 S. 2 zu Frage 16, S. 4 zu
Frage 30; D1 Urk. 4/2 S. 4 f. zu Frage 22, S. 8 zu Frage 42; Prot. I S. 12 f.), so
dass auch deshalb nicht ersichtlich ist, dass sich der Privatkläger in einer für ihn
bedrohlichen Situation an F._ hätte wenden können.
3.7. Dass der Privatkläger nie Anzeige bei der Polizei erstattete und erst nach der
Verhaftung des Beschuldigten am 7. August 2018 Strafantrag stellte (D1 Urk. 2),
lässt entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 34 Rz. 17) schliesslich ebenso
wenig an der Glaubhaftigkeit der Aussagen des Privatklägers zweifeln, sondern
ist ein begreiflicher Ausdruck des von ihm gegenüber dem Beschuldigten gezeig-
ten, unterwürfigen Verhaltens. Wenn der Privatkläger seiner Beiständin noch vor
der Festnahme des Beschuldigten alle Details zum Vorfall erzählte und die Bei-
ständin darauf meinte, man solle eine Strafanzeige machen (D1 Urk. 4/2 S. 15 zu
Frage 106), dies dann jedoch offenbar nicht gemacht wurde, heisst das nicht,
dass der Privatkläger die Angelegenheit nicht als strafwürdig erachtete, sondern
beweist vielmehr, dass ihm die Sache sehr nahe ging.
4. Aussagen des Beschuldigten
4.1. Der Vorinstanz ist im Weiteren darin beizustimmen, dass die wenigen, vom
Beschuldigten gemachten konkreten Aussagen über die verschiedenen Einver-
nahmen hinweg als unstimmig und schwer nachvollziehbar erscheinen (vgl. Urk.
49 S. 17 ff.). Der Beschuldigte beschränkte sich nicht auf ein blosses Bestreiten
der Anklagevorwürfe, sondern fiel in den verschiedenen Einvernahmen durch ein
ausgesprochen widersprüchliches, ausweichendes und teilweise gar rätselhaftes,
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abenteuerlich anmutendes Aussageverhalten auf. Dabei machte er gewisse Zu-
gaben.
4.2. So gab er bei der Befragung durch die Vorinstanz auf Vorhalt des zur Ankla-
ge gebrachten Vorfalls vom 17. Juli 2018 zu, dass er den Privatkläger beim Bus
oder am Flughafen im Vorbeilaufen gesehen habe. Er führte dazu weiter aus, er
sei dort aber jeweils nicht stehen geblieben oder habe mit ihm abgemacht und sei
mit ihm [recte wohl: nicht] nach E._ gegangen (Prot. I S. 29 f.). Im Übrigen
beschrieb der Beschuldigte die Bekanntschaft zwischen ihm und dem Privatkläger
bei der polizeilichen Einvernahme zunächst als "flüchtig" (D1 Urk. 3/1 S. 2 zu Fra-
ge 8). An der Hafteinvernahme gab der Beschuldigte etwas anders an, den Pri-
vatkläger seit einigen Monaten zu kennen und mit ihm einen freundschaftlichen
Umgang zu pflegen (D1 Urk. 4/1 S. 3 zu Frage 9). Weiter gab er zu, ab und zu mit
dem Privatkläger zusammen Cannabis geraucht zu haben (Prot. I S. 30, 32). Zu-
dem räumt der Beschuldigte auch eine Art Begegnung mit dem Privatkläger im
Bus oder am Flughafen ein, stellt ein (bewusstes) Treffen dort allerdings in Abre-
de.
4.3. Im Kern widersprüchlich sind die Aussagen des Beschuldigten dazu, wie er in
den Besitz der Bankkarte des Privatklägers kam, die er bei seiner Verhaftung auf
sich trug (vgl. D1 Urk. 7/3-5), und ob bzw. wie er diese benützte. Machte der Be-
schuldigte bei der Hafteinvernahme geltend, der Privatkläger habe diese irgend-
wann vergessen, weshalb er dessen Bankkarte zu sich genommen habe und sie
ihm habe zurückgeben wollen (D1 Urk. 4/1 S. 3 zu Frage 9), behauptete er an-
lässlich der Hauptverhandlung, der Privatkläger habe ihm diese freiwillig überge-
ben und praktisch aufgedrängt (Prot. S. 30 ff.). Im Gegensatz zur polizeilichen
Einvernahme, wo er Aussagen zu den Vorwürfen konsequent verweigerte (D1
Urk. 3/1), führte er in der Hafteinvernahme ausweichend aus, was der Privatklä-
ger sage, stimme "eigentlich" nicht. Auf Nachfrage meinte er, andere Leute hätten
den Privatkläger "verarscht", ihm aber Geld weggenommen. Der Beschuldigte
habe jenen gesagt, dass sie dies nicht mehr tun sollten. Die Bankkarte des Pri-
vatklägers habe er nie gebraucht. Er glaube, der Privatkläger werde von anderen
Leuten dazu getrieben, den Beschuldigten falsch zu belasten, so dass diese nicht
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verdächtigt würden. Er habe den Privatkläger nie genötigt, Geld abzuheben (D1
Urk. 4/1 zu Frage 9 f.). Vor der Staatsanwaltschaft hielt er auf die Frage, ob er
jemals die Bankkarte des Privatklägers benützt habe, ohne dass er dies gedurft
hätte, ausweichend fest, dazu wolle er jetzt keine Stellungnahme abgeben (D1
Urk. 4/4 S. 2 zu Frage 11). Bei der Befragung durch die Vorinstanz gab er dann
zu, dass er (bereits vor dem Vorfall am Flughafen) mit der Bankkarte des Privat-
klägers Geld abgehoben habe, er habe immer so zwischen Fr. 20.– und Fr. 50.–
bezogen, er wisse auch nicht, wieviel es insgesamt gewesen sei. Rechtfertigend
hielt er fest, er habe den Privatkläger nie gebeten, dieser sei immer von sich aus
gekommen. Es sei wegen des Kiffens gewesen. Wahrscheinlich sei dem Privat-
kläger auch von jemand anderem Geld abgenommen worden. Wahrscheinlich
auch, weil er mit ihm – dem Beschuldigten – in Kontakt gestanden sei (Prot. I S.
31 f.). Nachvollziehbar sind diese aus pauschalen, rätselhaften Andeutungen be-
stehenden Erklärungen ohne jedes Detail nicht. Sie sind als vorgeschobene
Schutzbehauptungen zu werten. Es erscheint als vollkommen lebensfremd, dass
der Privatkläger dem Beschuldigten seine Bankkarte samt Pin-Code überlassen
haben soll, weil die Beiden ab und zu zusammen Cannabis geraucht haben.
5. Fazit Aussagewürdigung
5.1. Die Einwände der Verteidigung in Bezug auf die Aussagen des Privatklägers
erweisen sich nach dem Gesagten als unbegründet. Die Aussagen des Privat-
klägers fügen sich mit den übrigen Beweismitteln – insbesondere der Sicher-
stellung der Bankkarte des Privatklägers beim Beschuldigten und dessen Zuge-
ständnissen, er habe den Privatkläger im Bus oder am Flughafen gesehen und
von ihm Geld sowie seine Bankkarte erhalten – zu einem widerspruchsfreien,
harmonischen Gesamtbild zusammen und sind daher glaubhaft. Entgegen der
Ansicht der Verteidigung (vgl. D1 Urk. 34 Rz. 16) sagte der Privatkläger nicht ein-
fach das, was er dachte, wolle die befragende Person hören, sondern der Privat-
kläger schilderte den Vorfall und insbesondere auch seine Angst vor dem Be-
schuldigten in authentischer Weise. Übertreibungen bzw. dramatisierende Ver-
stärkungen sind den Aussagen des Privatklägers nicht zu entnehmen, was eben-
falls für die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen spricht. Zudem ist kein stichhaltiges
- 23 -
Motiv dafür erkennbar, weshalb der Privatkläger den Beschuldigten falsch belas-
ten sollte.
5.2. Demgegenüber sind die Aussagen des Beschuldigten wie ausgeführt im Kern
widersprüchlich sowie auffallend detailarm, und insbesondere was die von sich
ablenkende, pauschale Behauptung des Beschuldigten angeht, andere Leute hät-
ten dem Privatkläger Geld abgenommen, auch weil er mit dem Beschuldigten in
Kontakt gestanden sei, abwegig. Dass der Privatkläger den Beschuldigten freiwil-
lig finanziell unterstützt haben soll, erscheint bereits mit Blick auf die finanziellen
Verhältnisse des Privatklägers und die oberflächliche Beziehung zwischen ihnen
lebensfremd und ist somit als nicht glaubhaft zu werten.
5.3. Mit der Vorinstanz ist im Ergebnis festzuhalten, dass in dieser Situation bei
objektiver Betrachtung keine Zweifel daran bestehen, dass sich der (äussere)
Sachverhalt wie angeklagt verwirklicht hat, wovon für die rechtliche Würdigung
auszugehen ist. Aufgrund fehlender Widerstandskraft bzw. psychischer Schwäche
war der Privatkläger nicht in der Lage, sich dem beschriebenen, fordernden, dro-
henden und tätlichen Verhalten des Beschuldigten zu widersetzen und übergab
ihm nach dem Treffen am Flughafen seine Bankkarte, Fr. 20.– sowie 4 Gramm
Marihuana, weil er vor dem Beschuldigten Angst hatte und befürchtete, dieser
werde ihm sonst etwas antun.
6. Vergehen gegen das BetmG
6.1. Der Beschuldigte stellt im Weiteren in Abrede, dass er dem Privatkläger bei
drei verschiedenen Gelegenheiten im März, April bzw. Mai 2018 drei Portionen
à 5 Gramm Marihuana sowie zwei Klumpen (genaue Mengen unbekannt)
Haschisch zu einem Preis von insgesamt Fr. 250.– verkauft habe, weshalb auch
insoweit zu prüfen ist, ob der Sachverhalt (Dossier 2) mit den vorhandenen Be-
weismitteln erstellt werden kann.
6.2. Wiederum ist hinsichtlich der Glaubwürdigkeit, der massgeblichen Aussagen
des Beschuldigten und des Privatklägers in den polizeilichen und staatsanwalt-
schaftlichen Einvernahmen sowie anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhand-
- 24 -
lung auf die ausführlichen Ausführungen der Vorinstanz zu verweisen. Die Vor-
instanz hat in diesem Zusammenhang mit überzeugender Begründung die Versi-
on des Privatklägers hinsichtlich des Kaufs von Haschisch bzw. Marihuana als
glaubhaft erachtet, die Bestreitungen des Beschuldigten hingegen als unglaub-
haft, worauf vorab zu verweisen ist (Urk. 49 S. 25 ff.).
6.3. Hervorzuheben und zu präzisieren ist, dass der Privatkläger aussagte, dass
er vom Beschuldigten Betäubungsmittel gekauft habe, obschon er dies eigentlich
nicht habe tun wollen (vgl. D1 Urk. 4/2 S. 4 f. zu Frage 22; Prot. I S. 18 f.). Wie die
Verteidigung festhält (Urk. 34 Rz. 26), brachte der Privatkläger in diesem Zusam-
menhang bei der polizeilichen Befragung vor, er wäre geschlagen worden, wenn
er den Klumpen Haschisch nicht gekauft hätte (D2 Urk. 3 S. 2 zu Frage 9). Der
Privatkläger gab weiter an, er habe damals nicht nein sagen können und das
Marihuana gekauft. Der Beschuldigte habe ihn "irgendwie" dazu gezwungen
(D2 Urk. 2 S. 1 f. zu Fragen 5 und 7). Dass der Privatkläger eigentlich nichts kau-
fen wollte, dann aber doch in den Kauf einwilligte, indem er dem Beschuldigten
das Geld gab und die Betäubungsmittel nahm, weil er nicht in der Lage war, dem
Beschuldigten gegenüber Widerstand zu leisten, fügt sich bruchlos in das be-
schriebene Verhaltensmuster des Privatklägers gegenüber dem Beschuldigten
ein. Die Aussagen des Privatklägers sind auch hinsichtlich dieses Anklagevor-
wurfs im Kern stimmig glaubhaft. Wenn die Verteidigung den vom Privatkläger
erwähnten Zwang beim Kauf von Marihuana einerseits und bei der Übergabe der
Wertsachen des Beschuldigten in E._ am 17. Juli 2018 andererseits gewis-
sermassen als den gleichen Vorgang bezeichnet (Urk. 34 Rz. 20 f.), übersieht sie,
dass es – anders als bei der dem Beschuldigten vorgeworfenen Erpressung –
beim Vergehen gegen das BetmG auf die (Un-)Freiwilligkeit des Geschäfts bzw.
der Vermögensdisposition auf Seiten des Käufers der Betäubungsmittel nicht an-
kommt.
6.4. Der Beschuldigte gab seinerseits zu, in Geldnöten gewesen zu sein, was er
gegenüber dem Privatkläger auch erwähnt habe (Prot. I S. 32). Zudem gestand er
einerseits ein, dass er mit dem Privatkläger zusammen Cannabis geraucht und
dem Privatkläger in diesem Zusammenhang Marihuana bzw. Haschisch zum
- 25 -
gemeinsamen Konsum überlassen habe. Im Weiteren bemerkte er an der erstin-
stanzlichen Hauptverhandlung im Zusammenhang mit der Übergabe der Bank-
kundenkarte des Privatklägers an den Beschuldigten zunächst, der Privatkläger
habe ihm seinen Bankkarte gegeben und aus Goodwill gesagt, der Beschuldigte
solle ein wenig Geld nehmen, was er auch getan habe. Wenn der Privatkläger et-
was kaufe, müsse er auch dafür bezahlen. Er habe ihm Gras gegeben, und der
Privatkläger habe ihm im Gegenzug die Bankkarte gegeben (Prot. I S. 30). Mithin
sprach der der Beschuldigte hier selber von einer Gegenleistung des Privatklä-
gers für die Betäubungsmittel. Im Widerspruch dazu gab er wenig später an, er
habe dem Privatkläger nie etwas verkauft, er habe einfach immer mit ihm ge-
raucht (Prot. I S. 32). Der Beschuldigte verfügte gemäss Anklageschrift und ein-
gestandenermassen seit unbekannter Zeit bis am 7. August 2018 in dem von ihm
bewohnten Zimmer im Gasthof zum ... in D._ über 64 Gramm Marihuana
(Urk. 22 S. 4; Urk. 34 Rz. 33). Er konnte keine nachvollziehbaren Gründe dafür
nennen, warum ihn der Privatkläger hinsichtlich des Verkaufs von Marihuana und
Haschisch zu Unrecht belasten sollte. Die Aussage des Beschuldigten, dass der
Privatkläger Unwahrheiten verbreite, weil er bei seinen Betreuern unter Druck
stehe und erzähle, dass der Beschuldigte Schuld sei, dass der Privatkläger Geld
verloren habe (Prot. I S. 33), macht keinen Sinn. Dies schon deshalb nicht, weil
der Privatkläger ja bei bloss gemeinsamen Konsum mit dem Beschuldigten gar
kein Geld verloren hätte und vor seinen Betreuern im Übrigen problemlos und oh-
ne Gesichtsverlust hätte zugeben können, andere Leute hätten ihm Geld abge-
nommen, wie der Beschuldigte ebenfalls behauptete (Prot. I S. 32).
6.5. Alles in allem ist daher als erstellt zu betrachten, dass der Beschuldigte dem
Privatkläger, wie in der Anklageschrift umschrieben, bei drei Gelegenheiten
Marihuana bzw. Haschisch verkaufte.
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IV. Rechtliche Würdigung
1. Erpressung
1.1. Im angefochtenen Urteil qualifizierte die Vorinstanz das Verhalten des
Beschuldigten gegenüber dem Privatkläger am 17. Juli 2018 am Flughafen Zü-
rich-Kloten und in E._ als Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 StGB (an-
ders als die Staatsanwaltschaft ging sie richtigerweise nicht von einer qualifizier-
ten Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 in Verbindung mit Art. 156 Ziff. 3
StGB aus).
1.2. Die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Strafbarkeit wegen Erpressung im
Sinne von Art. 156 Ziff. 1 StGB führte die Vorinstanz korrekt auf und sie nahm,
das kann hier bereits vorgenommen werden, auch eine korrekte rechtliche Würdi-
gung vor (Urk. 49 S. 28 ff.). Auf die Ausführungen der Vorinstanz ist vorab zu
verweisen.
1.3. Die Verteidigung lässt wie ausgeführt mit der Berufungserklärung einen voll-
umfänglichen Freispruch beantragen (Urk. 54). Den Tatbestand der Erpressung
nach Art. 156 Ziff. 1 StGB hielt sie gemäss ihren Ausführungen an der erstin-
stanzlichen Hauptverhandlung selbst für den Fall, dass der angeklagte (äussere)
Sachverhalt erstellt sei, in objektiver und subjektiver Hinsicht für nicht erfüllt. Nach
ihrer Auffassung spreche zunächst die lange Dauer des gesamten Vorgangs ge-
gen eine bedrohliche Situation, liege doch zwischen der angeblichen Drohung
bzw. Gewalteinwirkung durch den Beschuldigten und der Vermögensdisposition
eine Busfahrt zu dritt und der Privatkläger habe sich noch alleine nach Hause be-
geben. Es wäre dem Privatkläger unbenommen gewesen, zuhause zu bleiben
oder seinen Mitbewohner F._ um Unterstützung zu bitten. Der Privatkläger
habe zudem ganz genau gewusst, dass F._ noch nie etwas passiert sei, ob-
wohl dieser sich nicht so verhalte, wie der Beschuldigte dies angeblich wolle, so
dass die behauptete Angst zumindest objektiv betrachtet komplett unbegründet
sei (Urk. 34 Rz. 19). Dabei geht die Verteidigung jedoch von einer durchschnittli-
chen, psychisch normal robusten Person aus und blendet die psychische Schwä-
- 27 -
che des Privatklägers aus, der nur geringe Widerstandskraft besitzt, sich Druck-
und Manipulationsversuchen eines Dritten zu widersetzen.
1.4. Das tatbestandsmässige Verhalten der Erpressung im Sinne von Art. 156
Ziff. 1 StGB wird so umschrieben: "Wer in der Absicht, sich oder einen anderen
unrechtmässig zu bereichern, jemanden durch Gewalt oder Androhung ernstlicher
Nachteile zu einem Verhalten bestimmt, wodurch dieser sich selber oder einen
anderen am Vermögen schädigt, [...]". Hinsichtlich der Androhung ernstlicher
Nachteile muss der Täter dem Opfer grundsätzlich die Zufügung eines Übels in
Aussicht stellen, das nach einem objektiven Massstab geeignet ist, auch eine be-
sonnene Person in der Lage des Betroffenen gefügig zu machen und so seine
freie Willensbildung und -betätigung zu beschränken (vgl. Urteil des Bundesge-
richts 6B_1082/2013 vom 14. Juli 2014, E. 2.3.1 mit Hinweisen). Wie die Vo-
rinstanz indes zutreffend erkannte (Urk. 49 S. 30 f.), gibt es begründete Ausnah-
men von diesem objektiven Massstab. Wo es um besonders schutzbedürftige
Tatopfer geht, wie Kinder, ältere Menschen oder – wie hier – um Erwachsene mit
besonderer Beeinträchtigung, welche die Täterschaft gezielt anvisiert, um deren
Schwäche auszunutzen, ist diesem Umstand Rechnung zu tragen und der objek-
tive Massstab entsprechend zu relativieren (vgl. BSK StGB II-Delnon/Rüdi,
4. Aufl., Basel 2019, Art. 181 N 35). Entscheidend für die Erfüllung des Tatbe-
standes ist, dass das angedrohte Übel die Entscheidungsfreiheit der erpressten
Person derart einschränkt, dass sie sich zur Vermögensdisposition veranlasst
sieht. Es kommt mithin darauf an, ob eine Drohung freiheitsbeschränkend ist.
Dies ist der Fall, wenn ein Täter ganz bewusst ein Opfer aussucht, dem die übli-
che Besonnenheit und Robustheit oder eine gewisse Übersicht fehlt, um diese
Schwäche dann ganz gezielt auszunutzen. Deshalb rechtfertigt es sich, für die
Beurteilung der Frage, ob eine strafrechtlich relevante Drohung vorliege, nicht
ausschliesslich auf objektive, sondern auch auf subjektive Kriterien abzustellen,
wenn der Täter voraussieht, dass sein Opfer auf eine an sich lächerliche, unmög-
liche oder geringfügige Ankündigung aussergewöhnlich reagieren wird, nämlich
so, wie ein verständiger Mensch auf eine objektive schwere Drohung reagiert, und
diese Schwäche bewusst ausnützt (Delnon, Die Erpressung, Diss. Zürich 1981, S.
49 ff.). So hat die erkennende Kammer bereits in einem Entscheid vom 8. Oktober
- 28 -
1987 erkannt, dass ein Opfer auch durch Beschwörungsrituale und die Drohung,
dass böse Dämonen den im betreffenden Fall Geschädigten den Tod oder schwe-
re Leiden zufügten, sofern sie der Angeklagten bzw. ihrer Komplizin nicht Geld
und Schmuck gäben, womit sie dann die bösen Dämonen beschwören könnten,
psychisch widerstandsunfähig gemacht werden kann (vgl. SJZ 84/1988 S. 270 ff.,
S. 272; zur damaligen Fassung mit dem Tatbestandsmerkmal der Widerstandsun-
fähigkeit vgl. BSK StGB II-Weissenberger, Art. 156 zu I. Kriminalstatistik). Nach
einem neueren Entscheid der Kammer vom 16. Januar 2012 schützt der Tatbe-
stand der Erpressung ebenfalls Personen mit schwächerer Widerstandskraft als
sie ein Durchschnittsbürger aufweist. Im betreffenden Fall wurde eine ältere, al-
leinstehende Frau, welche einfacher zu verängstigen und bei welcher weniger
Widerstand zu erwarten war, damit bedroht, dass der Beschuldigte weiterhin auf
seiner (unberechtigten) Forderung beharren, sie erneut aufsuchen, mit haarsträu-
benden Geschichten über ihren verstorbenen Ehemann konfrontieren und sie wei-
terhin beobachten würde, was als (versuchte) Erpressung im Sinne von Art. 156
Ziff. 1 StGB qualifiziert wurde (Geschäfts-Nr. SB110536, E. III.2.2.5.).
1.5. Der Privatkläger hatte gemäss seinen glaubhaften Aussagen bereits aufgrund
früherer Begegnungen vor dem Beschuldigten Angst. Aufgrund der mit dem Fuss-
tritt Nachdruck verliehenen Drohung des Beschuldigten, der Privatkläger solle ihn
nicht verarschen und ihm sein Zeug bringen, andernfalls sich ein paar Typen sei-
ne Sachen holen würden, welche noch kränker seien als er, wurde der Privatklä-
ger derart eingeschüchtert und geriet so in eine psychische Zwangssituation. Er
wurde dadurch so in seiner Entscheidungsfreiheit beschränkt, dass er den Forde-
rungen des Beschuldigten Folge leistete und ihm in der Nähe seiner Wohnung in
E._ Fr. 20.–, seine Bankkundenkarte sowie rund 4 Gramm Marihuana aus-
händigte. Die Einschüchterung des Privatklägers durch das Verhalten des Be-
schuldigten am Flughafen und deren Einfluss auf die Übergabe des Geldes und
der Bankkarte zeigt sich in den Aussagen des Privatklägers, als er ihm die Sa-
chen gegeben habe, habe sich der Beschuldigte rasch beruhigt (D1 Urk. 3/2 S. 3
zu Frage 16) und der Privatkläger habe, da er diese Aussagen bei der Polizei ma-
che, Angst, dass der Beschuldigte ihn abstechen werde (D1 Urk. 3/2 S. 4 zu Fra-
ge 26). Diese – objektiv gesehen – übertriebene Angst dürfte durch die psychi-
- 29 -
sche Krankheit des Privatklägers verstärkt worden sein, wurde aber nicht
dadurch, sondern durch die Drohung und den Fusstritt des Beschuldigten ausge-
löst. Dass der Privatkläger, wie die Verteidigung betont, auf die Frage, warum er
nicht einfach zu Hause geblieben sei und den Beschuldigten habe warten lassen,
erklärte, er habe sich das überlegt, und habe sich dann gedacht, dass er dem Be-
schuldigten diese Sachen gebe (D1 Urk. 4/2 S. 15 zu Frage 103), zeigt nur, dass
sich der Privatkläger über einen Ausweg Gedanken machte, steht der Beschrän-
kung der Entscheidungsfreiheit aber nicht entgegen. Abgesehen davon, dass es
sich bei der Fahrt mit dem Bus Nr. ... vom Flughafen an den Wohnort des Be-
schuldigten in E._ um eine kurze Fahrt von wenigen Minuten handelt, ist die
Dauer der Busfahrt unbeachtlich, sofern beim Privatkläger der Einfluss der vorge-
nannten Drohung des Beschuldigten bei der Übergabe des Geldes und der Bank-
karte an den Beschuldigten bestehen blieb. Das ist nach dem Gesagten der Fall,
womit der objektive Kausalzusammenhang und die Adäquanz zwischen der An-
drohung ernstlicher Nachteile und dem vermögensschädigenden Verhalten des
Privatklägers gegeben ist. Die Tatbestandsvariante der Bestimmung zu einem
vermögensschädigenden Verhalten durch Androhung ernstlicher Nachteile ist da-
her vorliegend erfüllt.
1.6. Zutreffend hielt die Vorinstanz hinsichtlich des subjektiven Tatbestandes der
Erpressung fest, der Beschuldigte habe gewusst, dass der Privatkläger in einer
betreuten Wohngemeinschaft untergebracht sei, einige Einschränkungen aufwei-
se und nicht die Widerstandskraft besitze, die bei einer erwachsenen Person sei-
nes Alters erwartet werden könne (Urk. 49 S. 17 ff.). Das in der Berufungsbe-
gründung vorgebrachte Argument der Verteidigung, der Beschuldigte verfüge gar
nicht über die kognitiven Kapazitäten, um eine psychosoziale Einschätzung sei-
nes Gegenübers vorzunehmen und die daraus gewonnenen Erkenntnisse zu sei-
nen Gunsten auszunutzen (Urk. 81 S. 12), ist nicht stichhaltig. Bei der Befragung
durch die Vorinstanz erklärte der Beschuldigte, der Privatkläger wohne in einer
betreuten Wohngemeinschaft, wahrscheinlich sei ihm auch von jemand anderem
Geld abgenommen worden, wahrscheinlich auch, weil er mit ihm (dem Beschul-
digten) in Kontakt gestanden sei (Prot. I S. 32). Aus diesen Aussagen ist zu
schliessen, dass die Schwäche des Privatklägers für den Beschuldigten ersicht-
- 30 -
lich war, zumal die Beiden zuvor mehrmals zusammen Cannabis geraucht hatten.
Die Schwäche des Privatklägers hat der Beschuldigte mit dem erwiesenen, ange-
klagten Verhalten zu seinen eigenen, finanziellen Gunsten ausgenutzt und den
Tatbestand der Erpressung daher auch in subjektiver Hinsicht erfüllt. Der Be-
schuldigte wollte den Privatkläger mit der genannten Drohung zur Übergabe sei-
ner Wertsachen bewegen und nahm dabei in Kauf, ihn in seiner Entscheidungs-
freiheit entsprechend zu beschränken. Hinsichtlich der Nötigung handelte er somit
eventualvorsätzlich, hinsichtlich der Schädigung am Vermögen direktvorsätzlich
sowie mit der Absicht unrechtmässiger Bereicherung.
1.7. Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründe sind keine auszumachen.
Der Beschuldigte hat sich zum Nachteil des Privatklägers der Erpressung im Sin-
ne von Art. 156 Ziff. 1 StGB schuldig gemacht.
2. Vergehen gegen das BetmG
Hinsichtlich der rechtlichen Würdigung des im Dossier Nr. 2 zur Anklage gebrach-
tes Verhalten des Beschuldigten als mehrfaches Vergehen gegen das BetmG
im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG kann vollumfänglich auf die zutreffenden
Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 49 S. 35 f.). Der objektive
Tatbestand von Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG ist mit der Veräusserung von Marihua-
na und Haschisch erfüllt. In subjektiver Hinsicht handelte der Beschuldigte mit ei-
nem direkten Vorsatz. Die diesbezügliche rechtliche Würdigung wird von der
Verteidigung nicht in Frage gestellt (vgl. Urk. 84 Rz. 33 und Urk. 34 Rz. 23-27).
Der Beschuldigte hat sich des mehrfachen Vergehens gegen das BetmG im Sin-
ne von Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG schuldig gemacht.
V. Strafzumessung
1. Allgemeines/Grundsätze/Strafrahmen
1.1. Die vorliegend zu beurteilenden Delikte beging der Beschuldigte zwischen
März und Mai 2018 sowie im Juli 2018 und somit nach Inkrafttreten des neuen
- 31 -
Sanktionenrechts am 1. Januar 2018, womit das neue, im Tatzeitpunkt geltende
Recht zur Anwendung gelangt (Art. 2 Abs. 2 StGB).
1.2. Die Vorinstanz hat die Grundsätze, nach welchen eine Strafe zuzumessen ist
und die Voraussetzungen der Bildung einer Gesamtstrafe, grundsätzlich richtig
zusammengefasst (vgl. Urk. 49 S. 36 ff., 40 f.). Darauf kann vorab verwiesen wer-
den, ebenso auf die vom Bundesgericht in verschiedenen jüngeren Urteilen für
die Strafzumessung vorgegebenen Regeln (BGE 144 IV 217 E. 2.1 und 3.5.1;
BGE 136 IV 55 E. 5.4-5.8 je mit Hinweisen). Das Bundesgericht hält unter Hin-
weis auf den Gesetzgeber auch nach der Änderung des Sanktionenrechts am
Prinzip der Zulässigkeit einer Gesamtstrafe nur bei gleichartigen Strafen unter
Anwendung der konkreten Methode fest (BGE 144 IV 217 E. 3.3.4, 3.5.4 und 3.6).
Zu beachten ist nach wie vor, dass das Asperationsprinzip nur bei gleichartigen
Strafen zum Zuge kommt; treffen ungleichartige Strafen zusammen, wie etwa
Freiheitsstrafe und Geldstrafe oder Geldstrafe und Busse, so sind sie nebenei-
nander zu verhängen (BGE 144 IV 217 E. 3.3; BGE 137 IV 57 E. 4.3.1; Trech-
sel/Thommen, StGB-Praxiskommentar, 3. Aufl. Zürich 2017, Art. 49 N 7). Das Ge-
richt hat im Urteil die Wahl der Sanktionsart zu begründen (Art. 50 StGB) und
nach Festsetzung einer hypothetischen Einsatzstrafe für das schwerste Delikt
namentlich bei alternativ zur Verfügung stehender Geld- oder Freiheitsstrafe für
die weiteren Delikte im Hinblick auf das Gebot der Verhältnismässigkeit anzuge-
ben, warum es für diese weiteren Taten jeweils eine Freiheitsstrafe für erforderlich
hält (vgl. BGE 144 IV 217 E. 3.5.4, 4.1 und 4.3; Urteile des Bundesgerichts
6B_449/2011 vom 12. September 2011, E. 3.6.1 und 6B_210/2017 vom 25. Sep-
tember 2017, E. 2.2.1). Auch nach der neueren bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung ist es somit möglich, für mehrere Delikte, welche theoretisch mit separaten
Strafarten bestraft werden könnten, eine einheitliche Freiheitsstrafe zu verhängen.
So insbesondere, wenn die notwendige Zweckmässigkeit der Strafe bzw. spezial-
präventive Gründe nach einer Freiheitsstrafe als Sanktionsart verlangen (vgl. da-
zu unten Ziff. V.4).
1.3. Bei der Bildung der Sanktion für mehrere verwirkte Straftaten ist zunächst ei-
ne Einsatzstrafe für die schwerste begangene Tat festzulegen. In der Folge ist
- 32 -
grundsätzlich für jedes weitere Delikt eine konkrete Strafe zu bilden, soweit sich
die einzelnen Delikte für sich alleine beurteilen lassen. Bei der Festlegung der
einzelnen Strafen sind jeweils sämtliche strafzumessungsrelevanten Umstände zu
berücksichtigen. In diesem Zusammenhang ist für jede Straftat im Rahmen der
Tatkomponente die objektive und subjektive Tatschwere zu bestimmen, wobei
insbesondere auch dem Verhältnis der einzelnen Delikte untereinander, ihrer
grösseren oder geringeren Selbständigkeit sowie der Gleichheit oder Verschie-
denheit der verletzten Rechtsgüter Rechnung zu tragen ist (Urteil des Bundesge-
richts 6B_523/2018 vom 23. August 2018, E. 1.2.2.; BGE 144 IV 217 E. 3.5.4.,
4.1. und 4.3.). Demgegenüber rechtfertigt es sich bei der Bestimmung der
Täterkomponente, die einzelnen Aspekte gesamthaft für sämtliche begangenen
Taten zu würdigen, sofern diese für alle Delikte in gleicher oder vergleichbarer
Weise Geltung beanspruchen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_865/2009 vom
25. März 2010, E. 1.6.1.; Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich, II. Straf-
kammer, vom 5. Oktober 2017 [Geschäfts-Nr. SB160417], E. V./2.).
1.4. Wie sich aus dem vorinstanzlichen Urteil ergibt und noch näher aufzuzeigen
ist (vgl. unten Ziff. V.4.), erscheint die Ausfällung einer Geldstrafe für die bzw. ein-
zelne vom Beschuldigten begangene Vergehen nicht zweckmässig und würde der
präventiven Effizienz nicht genügend Rechnung tragen, weshalb sich die Aus-
fällung einer Gesamtfreiheitsstrafe als angemessen und verhältnismässig erweist.
1.5. Eine Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 StGB wird mit Freiheitsstrafe
bis zu 5 Jahren oder Geldstrafe bestraft, Vergehen gegen das Betäubungsmittel-
gesetz sind mit Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren oder Geldstrafe bis zu 180 Ta-
gessätzen (Art. 34 StGB) bedroht. Mangels aussergewöhnlicher Umstände ist der
ordentliche Strafrahmen nicht zu erweitern (vgl. BGE 136 IV 55 E. 5.8).
1.6. Für die mehrfache Übertretung des BetmG hat die Vorinstanz richtigerweise
im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 i.V.m. Art. 19 Abs. 1 lit. d BetmG eine separate Bus-
se ausgefällt (Art. 106 Abs. 3 StGB; vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_65/2009
vom 13. Juli 2009, E. 1.2).
2. Tatkomponente
- 33 -
2.1. Die Vorinstanz ging hinsichtlich der Erpressung von einem sehr leichten
objektiven Verschulden aus, welches durch die subjektive Tatschwere nicht (wei-
ter) relativiert werde (Urk. 59 S. 43 f.). Richtig ist, dass hinsichtlich der Fr. 20.– in
bar und der Übergabe der B._-Bankkarte von einem insgesamt geringen De-
liktsbetrag ausgegangen werden kann, weil sich der Kontostand des Privatklägers
am besagten Datum lediglich auf Fr. 55.84 belief (D1 Urk. 4/3/1). Das Vorgehen
des Beschuldigten bzw. sein Druckmittel war zwar – objektiv gesehen – nicht be-
sonders brutal, er beeinträchtigte jedoch, indem er dem Privatkläger mit den an-
deren Typen drohte und ihm einen Tritt verpasste, massiv dessen Sicherheitsge-
fühl. Der Beschuldigte nützte dabei die ihm bekannte Schwäche des Privatklägers
unverfroren zu seinen Gunsten aus, was die Vorinstanz zu Recht als verwerflich
bezeichnete. Subjektiv handelte der Beschuldigte direktvorsätzlich und aus rein
egoistischen und finanziellen Motiven. Die Verschuldensbewertung der Vorinstanz
fällt insoweit etwas milde aus, das Verschulden ist insgesamt als leicht zu bewer-
ten. Die Festsetzung einer hypothetischen Einsatzstrafe für die Erpressung von
4 Monaten erscheint jedoch angemessen. Zu beachten ist ohnehin, dass einer
Erhöhung des Strafmasses das prozessuale Verschlechterungsgebot (Art. 391
Abs. 2 StPO) entgegensteht.
2.2. Die so bemessene hypothetische Einsatzstrafe erhöhte die Vorinstanz auf-
grund der Vergehen gegen das BetmG um einen Monat auf 5 Monate. Was die
objektive Tatschwere der Vergehen gegen das BetmG anbelangt, fällt die
mehrfache Tatbegehung ins Gewicht. Die Tathandlungen betrafen ausschliesslich
Marihuana/Haschisch. Dieses verkaufte der Beschuldigte dem Privatkläger in
kleinen Portionen bzw. geringen Mengen gegen relativ geringe Beträge. Dabei
konsumierte der Beschuldigte auch selbst. Zu ergänzen ist, dass Cannabis laut
bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht als unbedenklich gilt, kann es doch
insbesondere bei lange dauerndem und übermässigem Gebrauch durchaus zu
psychischen und physischen Belastungen führen. Die Gefahren, die vom Konsum
für die menschliche Gesundheit ausgehen, sind jedoch vergleichsweise gering
und unterschreiten deutlich jene der harten Drogen (vgl. BGE 117 IV 314 E. 2 c
cc). Der Beschuldigte handelte direktvorsätzlich, aus finanziellen Motiven, aber of-
fensichtlich auch, um seinen eigenen Konsum zu finanzieren. Das Verschulden
- 34 -
wiegt diesbezüglich leicht. Für sich allein betrachtet würde das wohl zu einer Stra-
fe von 2 Monaten Freiheitsstrafe bzw. 60 Tagen Geldstrafe führen.
2.3. Unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips erweist sich die von der Vor-
instanz vorgenommene Erhöhung der Einsatzstrafe um einen Monat aufgrund der
Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz als angemessen.
3. Täterkomponente
3.1. Was die Täterkomponente angeht, kann wiederum vorab auf die vorinstanz-
lichen Erwägungen verwiesen werden. Die persönlichen Verhältnisse haben sich
seit dem erstinstanzlichen Verfahren nicht wesentlich verändert. Die Vorinstanz
hat aus den im angefochtenen Urteil im Rahmen der Tatkomponente zusammen-
gefassten persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten im Rahmen der Täter-
komponente zutreffend geschlossen, dass sich der Lebenslauf des Beschuldigten
weder straferhöhend noch strafmindernd auswirkt und eine besondere Straf-
empfindlichkeit nicht ersichtlich ist (Urk. 49 S. 45). Der in G._ geborene
Beschuldigte wuchs überwiegend in H._ bei seinen Eltern und seinen drei
Geschwistern auf und besuchte dort die Primar- und Sekundarschule B, bevor er
ab der 7. bis 9. Klasse mit seiner Familie nach D._ zog. Nach der Schulzeit
absolvierte er während zwei Jahren eine Anlehre als Polymechaniker und arbeite-
te an verschiedenen Orten temporär im Fensterbau, als Elektriker, Möbeltranspor-
ter und Lagerist (D1 Urk. 4/5 S. 8). An der erstinstanzlichen Hauptverhandlung
brachte der Beschuldigte vor, er sei seit April 2019 in einer Temporäranstellung
im Fensterbau für die Firma I._ AG in J._ tätig und verdiene zwischen
Fr. 1'000.– und Fr. 2'000.– netto monatlich. Ergänzend erhalte er Sozialhilfe. Ge-
mäss eigenen Aussagen hat der Beschuldigte Schulden bei der Krankenkasse in
Höhe von ca. Fr. 10'000.– für nicht bezahlte Krankenkassenprämien (Prot. I S.
24). Das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten sind
neutral zu gewichten.
3.2. Auf die Vorstrafen des Beschuldigten hat die Vorinstanz im angefochtenen
Urteil korrekt hingewiesen, sie sind an dieser Stelle noch einmal in Erinnerung zu
rufen:
- 35 -
3.2.1. Mit Strafbefehl der Jugendanwaltschaft Unterland vom 29. Dezember 2009
wurde der Beschuldigte wegen mehrfachem, teilweise versuchtem Diebstahl im
Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB teilweise in Verbindung mit Art. 22 StGB, mehr-
facher Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB, Hausfriedensbruch
im Sinne von Art. 186 StGB, unberechtigtem Verwenden eines (Motor-)Fahrrades
im Sinne von Art. 94 Abs. 3 aSVG, Entwendung zum Gebrauch im Sinne von
Art. 94 Ziff. 1 Abs. 1 aSVG, Fahrens ohne Führerausweis im Sinne von Art. 95
Abs. 1 aSVG sowie Übertretung von Art. 19a aBetmG zu 300 Stunden gemein-
nütziger Arbeit verurteilt.
3.2.2. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 26. August
2010 wurde der Beschuldigte wegen Vergehens gegen das BetmG im Sinne von
Art. 19 Ziff. 1 aBetmG mit einer bedingten Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu
Fr. 30.– bestraft. Der bedingte Vollzug dieser Geldstrafe wurde mit Strafbefehl der
Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 19. Dezember 2012 widerrufen.
3.2.3. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 19. De-
zember 2012 wurde der Beschuldigte wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand
im Sinne von Art. 91 Abs. 2 aSVG, Entwendung zum Gebrauch im Sinne von
Art. 94 Ziff. 1 aSVG, Führen eines Motorfahrzeugs ohne erforderlichen Führe-
rausweis im Sinne von Art. 95 Abs. 1 lit. a SVG und mehrfacher Übertretung des
BetmG im Sinne Art. 19a Ziff. 1 BetmG mit einer bedingten Geldstrafe von 120
Tagessätzen zu Fr. 70.– sowie einer Busse von Fr. 500.– bestraft. Die Probezeit
von 4 Jahren wurde mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland
vom 31. Mai 2013 um ein Jahr verlängert.
3.2.4. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 31. Mai
2013 wurde der Beschuldigte wegen Drohung im Sinne von Art. 180 StGB, ver-
suchter Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB sowie Missbrauch einer Fernmel-
deanlage im Sinne von Art. 179septies StGB zu einer Geldstrafe von 30 Tagess-
ätzen zu Fr. 30.– verurteilt.
3.3. Diese Vorstrafen sind zum Teil einschlägig, so erfolgten schon Verurteilungen
wegen Vermögensdelikten, Drohung, versuchter Nötigung und Vergehen gegen
- 36 -
das BetmG. Der Beschuldigte delinquierte zudem zwei Mal während laufender
Probezeiten. Die Vorstrafen sind deutlich straferhöhend zu werten. Zudem verüb-
te der Beschuldigte die vorliegend zu beurteilenden Delikte während laufender
Strafuntersuchung bzw. hängigem Gerichtsverfahren gegen ihn wegen Hausfrie-
densbruch, Drohung und weiteren Delikten betreffend Vorfälle aus dem Jahr 2017
(D1 Urk. 12/9), was sich ebenfalls straferhöhend auswirkt. Zur Zeit der erstin-
stanzlichen Hauptverhandlung war das vorgenannte, gegen den Beschuldigten
neben dem vorliegenden Strafverfahren geführte Strafverfahren vor der II. Straf-
kammer des Obergerichts des Kantons Zürich (Geschäfts-Nr. SB190205) noch
hängig (Prot. I S. 26), mittlerweile wurde die Sache von der II. Strafkammer mit
Urteil vom 24. Januar 2020 rechtskräftig erledigt.
3.4. Der Beschuldigte hat lediglich mit Bezug auf die mehrfache Übertretung des
Betäubungsmittelgesetz ein Geständnis abgelegt. Dieses ist indes erst im Rah-
men der diesbezüglichen, separaten Strafzumessung zu würdigen, weshalb sich
an dieser Stelle kein Strafminderungsgrund ergibt. Im Übrigen liegen keine Ge-
ständnisse vor, welche zu Gunsten des Beschuldigten gewürdigt werden könnten.
Reue oder zumindest Einsicht in das Unrecht seiner Taten zeigte der Beschuldig-
te nicht.
3.5. Insgesamt liegt auf Grund der Vorstrafen sowie der mehrfachen Delinquenz
während laufenden Probezeiten bzw. laufender Untersuchung ein deutlicher
Straferhöhungsgrund vor. Die von der Vorinstanz deshalb vorgenommene Erhö-
hung der Einsatzstrafe unter Berücksichtigung der Täterkomponente um einen
Monat (Urk. 49 S. 45) erscheint als sehr milde. Eine Erhöhung der von der Vo-
rinstanz festgesetzten Strafe von 6 Monaten Freiheitsstrafe kommt allerdings, wie
bereits erwähnt, nachdem einzig die Beschuldigte den vorinstanzlichen Entscheid
anficht, nicht in Betracht, weshalb es damit sein Bewenden hat.
4. Sanktionsart
4.1. Bei Straftatbeständen, welche alternativ Geld- oder Freiheitsstrafe vorsehen,
ist die Wahl der Freiheitsstrafe zu begründen, insbesondere im Bereich von Stra-
fen, bei denen aufgrund des Subsidiaritätsprinzips grundsätzlich eine Geldstrafe
- 37 -
auszusprechen wäre (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_523/2018 vom 23. Au-
gust 2018, E. 1.2.2. und 1.2.3.; BGE 134 IV 97 E. 4.2.1). Kommen als Sanktion
sowohl eine Freiheits- als auch eine Geldstrafe in Betracht, so ist nach dem Prin-
zip der Verhältnismässigkeit im Regelfall letztere auszusprechen, weil sie weniger
stark in die persönliche Freiheit des Täters eingreift. An dieser Stufenordnung der
Sanktionen hat der Gesetzgeber auch im Rahmen der Revision des Sanktionen-
rechts festgehalten (BGE 144 IV 237, E. 3.3.3). Bei der Wahl der Sanktionsart ist
als wichtiges Kriterium die Zweckmässigkeit einer bestimmten Sanktion, ihre
Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre präventive Effi-
zienz zu berücksichtigen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_523/2018, E. 1.2.3;
BGE 134 IV 97 E. 4.2). Nach dem Prinzip der Verhältnismässigkeit soll bei alter-
nativ zur Verfügung stehenden Sanktionen im Regelfall diejenige gewählt werden,
die weniger stark in die persönliche Freiheit des Betroffenen eingreift (BGE 138 IV
120 E. 5.2). Aus spezialpräventiven Gründen kann sich eine Freiheitsstrafe dann
aufdrängen, wenn der Beschuldigte in der Vergangenheit bereits mit einer Geld-
strafe sanktioniert wurde und diese ihn offensichtlich nicht genügend beeindruckt
hat. Bei der Wahl der Sanktionsart ist ferner auch Delinquenz während einer Pro-
bezeit und einer laufenden Untersuchung zu berücksichtigen (Urteil des Bundes-
gerichts 6B_416/2015 vom 7. Oktober 2015, E. 1.4.2.).
4.2. Die Vorinstanz hat korrekt darauf hingewiesen (vgl. Urk. 49 S. 38), dass be-
dingte und unbedingte Freiheitsstrafen unter sechs Monaten nach neuem Recht
nicht mehr nur ausnahmsweise in Betracht kommen, wie es bis am 31. Dezember
2017 der Fall war. Nach Art. 41 Abs. 1 lit. a StGB ist eine kurze Freiheitsstrafe im
Sinne einer effektiven Spezialprävention auszusprechen, wenn eine solche
geboten erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Delikte abzuhalten.
Vorausgesetzt wird, dass der Täter mit seinem Vorleben oder seiner Einstellung
gezeigt hat, dass er sich von Geldstrafen nicht beeindrucken lässt.
4.3. Die Vorinstanz erachtete aus spezialpräventiven Gründen eine Freiheitsstrafe
als angemessen (Urk. 49 S. 46 ff.). Dem ist zuzustimmen. Der Beschuldigte ist
mehrfach und teilweise einschlägig vorbestraft. Weder bedingte noch unbedingte
bzw. aufgrund erneuter Delinquenz vollzogene Geldstrafen vermochten den Be-
- 38 -
schuldigten davon abzuhalten, erneut straffällig zu werden. Eine Geldstrafe ist
damit offensichtlich unzweckmässig. Er wurde schon einmal zu gemeinnütziger
Arbeit und dreimal zu einer Geldstrafe sowie zwei Mal zu Bussen verurteilt. Eben-
so verbrachte er schon dreimal einen bis zwei Tage in Untersuchungshaft. Weder
die gemeinnützige Arbeit noch die drei ausgefällten Geldstrafen im Umfang von
15, 30 und 120 Tagessätzen konnten den Beschuldigten vom Begehen weiterer
Straftaten abhalten. Auch die einzelnen Tage in Untersuchungshaft zeigten keine
Wirkung. Weiter delinquierte der Beschuldigte während laufenden Probezeiten,
wobei ihn die diesbezüglichen Folgen, nämlich der Widerruf einer bedingt ausge-
fällten Geldstrafe bzw. die Verlängerung einer laufenden Probezeit, nicht beein-
druckten und er wiederum straffällig wurde (Urk. 51). Mit Bezug auf das vorlie-
gende Verfahren ist zudem festzuhalten, dass der Beschuldigte nicht geständig
oder reuig ist, was auf mangelnde Einsicht schliessen lässt. Vor diesem Hinter-
grund ist kaum zu erwarten, dass er sich durch eine weitere – selbst unbedingt
ausgesprochene – Geldstrafe beindrucken lassen würde, zumal damit lediglich
eine Erhöhung seiner Schulden resultieren würde. Einer Geldstrafe fehlt es daher
sowohl an der Zweckmässigkeit als auch an der präventiven Effizienz. Das Aus-
fällen einer Freiheitsstrafe als Gesamtstrafe für die vorgenannten Delikte im Sinne
von Art. 49 Abs. 1 StGB durch die Vorinstanz erweist sich als sachgerecht. Im Er-
gebnis ist heute eine Freiheitsstrafe von 6 Monaten auszufällen.
5. Busse
5.1. Bei der mit Busse zu ahndenden mehrfachen Übertretung des BetmG im
Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG hat die Vorinstanz die mehrfache Tatbegehung,
die Art der Drogen, das Verschulden des Beschuldigten und sowie sein Geständ-
nis gewichtet (Urk. 49 S. 45 f.). Auf diese Erwägungen kann zunächst verwiesen
werden. Die Bussenhöhe wird vom Beschuldigten ausdrücklich akzeptiert (Urk. 54
Ziff. 3). Die Vorinstanz hat hingegen nicht berücksichtigt, dass der Beschuldigte
diesbezüglich schon mehrfach einschlägig vorbestraft ist. Sein Geständnis ver-
mag die mehrfache Tatbegehung sowie die Vorstrafen nicht aufzuwiegen. Die
festgesetzte Bussenhöhe von Fr. 300.– erscheint daher als zu milde. Selbst unter
Berücksichtigung der geringen finanziellen Leistungsfähigkeit des Beschuldigten
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(er wird ergänzend vom Sozialamt unterstützt; vgl. Prot. I S. 24) wäre insgesamt
eine höhere Busse auszufällen, als dies die Vorinstanz getan hat. Allein, wiede-
rum aufgrund des Verschlechterungsverbots ist die von der Vorinstanz verhängte
Busse von Fr. 300.– zu bestätigen. Die Ersatzfreiheitsstrafe für den Fall, dass die
Busse schuldhaft nicht bezahlt wird (vgl. Art. 106 Abs. 2 StGB), ist praxisgemäss,
wie es die Vorinstanz getan hat (Urk. 49 S. 47), auf 3 Tage festzusetzen.
5.2. Damit ist der Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten (wobei
5 Tage durch Haft erstanden sind) sowie mit einer Busse von Fr. 300.– zu bestra-
fen.
5.3. Da die erstandene Haft sowie anschliessende Ersatzmassnahmen von ins-
gesamt 5 Tagen an die Freiheitstrafe anzurechnen sind (Art. 51 StGB), entfällt die
vom Beschuldigten dafür beantragte Genugtuung (vgl. Art. 429 Abs. 1 StPO
e contrario und Art. 431 Abs. 2 und 3 lit. b StPO).
6. Vollzug
Die Vorinstanz gewährte dem Beschuldigten für die ausgefällte Freiheitsstrafe
den bedingten Vollzug. Auch daran ist schon aus prozessualen Gründen nichts zu
ändern. Schiebt das Gericht den Vollzug einer Strafe ganz oder teilweise auf, so
bestimmt es dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren (Art. 44
Abs. 1 StGB). Die Dauer der Probezeit setzte die Vorinstanz unter Verweis auf die
einschlägigen Vorstrafen des Beschuldigten auf 4 Jahre fest (Urk. 32 S. 18 f.).
Das ist angesichts der verbleibenden Bedenken, denen mit einer verlängerten
Probezeit Rechnung zu tragen ist, zu bestätigen.
VI. Zivilforderung
1. Die geschädigte Person kann zivilrechtliche Ansprüche aus der Straftat als
Privatklägerschaft adhäsionsweise im Strafverfahren geltend machen (Art. 122
Abs. 1 StPO). Die Bezifferung und Begründung haben spätestens im Parteivor-
trag zu erfolgen (Art. 123 Abs. 2 StPO). Dabei hat der Privatkläger die privatrecht-
lichen Haftungsgrundlagen in tatsächlicher Hinsicht darzulegen, soweit diese
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durch das Strafverfahren nicht offenkundig sind. Insbesondere ist der Schaden zu
substantiieren (BSK StPO-DOLGE, Art. 123 N 13). Das Gericht entscheidet über
die anhängig gemachte Zivilklage, wenn es den Beschuldigten schuldig spricht
(Art. 126 Abs. 1 lit. a StPO). Wenn die Privatklägerschaft ihre Klage nicht hinrei-
chend begründet oder beziffert hat, wird die Zivilklage auf den Zivilweg verwiesen
(Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO). Eine Abweisung mangels Substantiierung erfolgt
nicht (BSK StPO-DOLGE, Art. 123 N 13).
2. Der Privatkläger forderte vor Vorinstanz vom Beschuldigten Schadenersatz im
Betrag von CHF 3'000.– (ohne Zins, vgl. Urk. 33). Die Vorinstanz hielt fest, die
Forderung sei weder hinreichend substantiiert begründet noch mit Belegen aus-
reichend ausgewiesen. Aufgrund des erstellten Sachverhalts hinsichtlich der
Übergabe von Fr. 20.– an den Beschuldigten, verpflichtete sie ihn zur Bezahlung
von Schadenersatz in dieser Höhe an den Privatkläger. Im Mehrbetrag verwies
sie die Zivilansprüche des Privatklägers auf den Zivilweg (Urk. 49 S. 50 f.).
3. Mit der Berufung beantragt der Beschuldigte die Abweisung der Zivilklage,
eventualiter deren Verweisung auf den Zivilweg (Urk. 54). Der Privatkläger ver-
zichtete auf Berufung bzw. Anschlussberufung. Er hat sich indes rechtzeitig als
Privatkläger konstituiert und ist damit zur Erhebung einer Zivilklage berechtigt
(Art. 115 Abs. 1 i.V.m. Art. 118 und Art. 122 Abs. 1 StPO).
4. Mit der Bestätigung des vorinstanzlichen Schuldspruchs hinsichtlich des ange-
klagten Sachverhalts steht ohne Weiteres fest, dass sich der Beschuldigte auch
im zivilrechtlichen Sinne (Art. 41 OR) widerrechtlich und schuldhaft gegenüber
dem Privatkläger verhalten hat, und der Privatkläger dem Beschuldigten nur des-
halb Fr. 20.– ausgehändigt hat. Daher hat der Beschuldigte dem Privatkläger
Schadenersatz in diesem Betrag zu leisten. Im Übrigen kann, wie die Vorinstanz
erwogen hat (Urk. 49 S. 51) hinsichtlich der Höhe des Schadens mangels Sub-
stantiierung und Belegen keine abschliessende Beurteilung vorgenommen wer-
den. Mangels Berufung bzw. Anschlussberufung des Privatklägers ist mehr als
eine Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils hinsichtlich der Zivilforderung ohne-
hin nicht möglich.
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5. Im Ergebnis ist der Beschuldigte somit zu verpflichten, dem Privatkläger
Fr. 20.– Schadenersatz zu bezahlen. Hinsichtlich der darüber hinausgehenden
Forderungen ist der Privatkläger mangels Substantiierung und Belegen auf den
Zivilweg zu verweisen.
VII. Löschung des DNA-Profils
Zum Antrag des Beschuldigten, das zuständige Bundesamt sei betreffend die
Löschung des DNA-Profils anzuweisen, ist zu bemerken, dass dieser Antrag auf
dem beantragten Freispruch des Beschuldigten gründet (vgl. Urk. 34 Rz. 54) und
mangels Freispruch obsolet ist. Mit Rechtskraft des vorliegenden Urteils hat aber
(wie es bereits von der Vorinstanz angeordnet wurde; vgl. Urk. 49 Dispositiv-
ziffer 12) eine entsprechende Mitteilung an die Koordinationsstelle Zürich mit dem
Formular "Löschung des DNA-Profils und Vernichtung des ED-Materials" zwecks
Bestimmung der Vernichtungs- und Löschungsdaten zu ergehen.
VIII. Kosten
1. Die Kosten des Berufungsverfahrens sind auf Fr. 3'000.– zu veranschlagen
(Art. 424 Abs. 1 StPO i.V.m. § 16 Abs. 1 und § 14 der Gebührenverordnung des
Obergerichts [GebV OG], LS. 211.11).
2. Hinsichtlich der angeklagten Sachverhalte wurde der Beschuldigte von der
Vorinstanz zurecht vollumfänglich schuldig gesprochen. Der Entscheid der
Vorinstanz, die Kosten dem Beschuldigten aufzuerlegen, erweist sich damit als
zutreffend. Sodann ist zu bestätigen, dass die Kosten der amtlichen Verteidigung
unter Hinweis auf Art. 135 Abs. 4 StPO einstweilen auf die Gerichtskasse zu
nehmen sind.
3. Im Berufungsverfahren erfolgt die Auflage der Kosten nach Massgabe des Ob-
siegens oder Unterliegens der Parteien. Als unterliegend gilt auch die Partei, auf
deren Rechtsmittel nicht eingetreten wird oder die das Rechtsmittel zurückzieht
(Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Staatsanwaltschaft zog ihre Berufung mit Eingabe
vom 19. November 2019 (Urk. 52) und damit während laufender Frist zur Einrei-
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chung der Berufungserklärung im Sinne von Art. 399 Abs. 3 StPO zurück. Nach
der Praxis des Zürcher Obergerichts hat dies keine Kosten zur Folge (ZR
110/2011 Nr. 37).
4. Der Beschuldigte dringt mit seiner Berufung in keinem Punkt durch: Es bleibt
bei den Schuldsprüchen hinsichtlich der Erpressung und des mehrfachen Verge-
hens gegen das Betäubungsmittelgesetz, bei der mit dem angefochtenen Urteil
ausgefällten Strafe und auch bei der dem Privatkläger zugesprochenen Zivilforde-
rung sowie der Verweisung der Zivilforderungen im Mehrbetrag auf den Zivilweg.
Daher sind die Kosten des Berufungsverfahrens vollständig dem Beschuldigten
aufzuerlegen.
5. Die Auslagen für die unentgeltliche Verbeiständung der Privatklägerschaft gel-
ten vorbehaltlos als Teil der (ausgangsgemäss aufzuerlegenden) Verfahrenskos-
ten (Art. 422 StPO). Entsprechend sind die Kosten für die unentgeltliche Verbei-
ständung der Privatklägerschaft im Berufungsverfahren ausgangsgemäss eben-
falls dem Beschuldigten aufzuerlegen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind
einstweilen – unter Vorbehalt der Rückzahlungspflicht gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO – auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 426 Abs. 1 StPO). Auf die missli-
chen finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten kann im Rahmen des Kosten-
bezuges Rücksicht genommen werden.
6. Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten, Rechtsanwalt Dr. iur. X._
macht für seine Bemühungen im Berufungsverfahren einen Aufwand von
insgesamt Fr. 4'009.55 (inkl. MwSt.) geltend (Urk. 97). Da, wie eingangs erwähnt,
keine Berufungsverhandlung am 19. März 2020 stattfand, ist der geltend gemach-
te Aufwand um diese Positionen, d.h. insgesamt Fr. 440.– (zzgl. MwSt.) zu kür-
zen. Entsprechend ist Rechtsanwalt Dr. iur. X._ mit Fr. 3'535.70 (inkl. MwSt.)
aus der Gerichtskasse zu entschädigen.