# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** ad8c07d6-1e37-56d6-b9f0-b6c0137409c5
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Die Eltern von
X._
, geboren 1995, meldeten diesen am 2
4.
Juli 1995 we
gen eines Geburtsgebrechens
bei der Invalidenversicherung
zum Leistungsbezug für medizinische Massnahmen an (
Urk.
8/1
Ziff.
5.1-5.3,
Ziff.
5.7).
Mit Verfü
gung vom
5.
September 1995 (
Urk.
8/3) sprach die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-St
elle, dem Versicherten
medizinische Massnahmen zur Behandlung des Geburtsgebrechens
Ziff.
346 zu.
Die weiteren Abklärungen ergaben, dass der Versicherte
zudem
an einem konge
nitalen psychoorganischen Syndrom im Sinne
des
Geburtsgebrechens
Ziff.
404 leidet (
Urk.
8/13
Ziff.
2).
M
it Verfügung vom 2
4.
Januar 2001
(
Urk.
8/20)
sprach die IV-Stelle
dem Versicherten
für die Zeit vom
1.
August 2000 bis 3
1.
Juli 2002 Ergo- und Psychotherapie zur Behandlung des Geburts
gebrechens
Ziff.
404 zu.
In der Folge
erteilte sie mit
Verfügung vom
3.
November 2004 (
Urk.
8/61) im Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen
Ziff.
404 Kostengutsprache für eine ambulante Ergotherapie nach ärztlicher Verordnung ab Januar beziehungsweise Februar 2005 für die Dauer eines Jahres für maximal 40 Sitzungen.
1.2
Mit
Verfügung vom 1
8.
April 2007 (
Urk.
8/96)
lehnte die IV-Stelle
eine Verlänge
rung der Kostengutsprache
für
eine
Ergotherapie ab. A
m
5.
Oktober 2007
(
Urk.
8/107)
teilte sie den Eltern des Versicherten
mit, sie übernehme die Kosten für die Behandlung des Geburtsgebrechens
Ziff.
404
weiter
bis zum 3
1.
Oktober 201
2.
Die Helsana Versicherungen AG (nachfolgend: Helsana) als Krankenversicherer des Versicherten wandte sich in einem Schreiben vom
9.
Dezember 2009 (
Urk.
8/124/1)
betreffend Ergotherapie des Versicherten
an die IV-Stelle. Diese teilte der Helsana
am
1
6.
Dezember 2009 mit,
ein Gesuch um Verlängerung
der Kostengutsprache
für eine
Ergotherapie sei bereits mit Verfügung vom 1
8.
April 2007 abgewiesen worden (
Urk.
8/125).
D
ie Helsana
bestritt
daraufhin in einem Schreiben an die IV-Stelle
vom 2
6.
Januar 2010 (
Urk.
8/129/1-2
=
Urk.
1/2
), dass sie die
Verfügung vom 1
8.
April 2007
erhalten
habe
,
und ersuchte
um Kostengutsprache für Ergothera
pie
rückwirkend
für die Zeit ab April 2006 bis Juli 200
9.
Die IV-Stelle lehnte die beantragte Kostengutsprache
in einem Schreiben an die Helsana vom
1
8.
Mai 2012
ab
(
Urk.
8/141)
.
2.
Die Helsana
ersuchte die IV-Stelle
a
m 2
4.
Mai 2012 (
Urk.
8/142 =
Urk.
1/1)
um
Überweisung ihrer Eingabe
vom 2
6.
Januar 2010 als Beschwerde an das Sozial
versicherungsgericht.
Die IV-Stelle leitete die
Schreiben
der Helsana am
8.
Juni 2012 (
Urk.
4) an das Gericht weiter.
Mit Vernehmlassung vom 1
0.
August 2012 beantragte die IV-Stelle d
ie Rück
weisung der Sache an
sie zur Durchführung
weiterer
Abklärungen (
Urk.
7).
Am 1
5.
November 2012 (
Urk.
11) nahm die
Beschwerdeführerin
zur Frage der Rechtzeitigkeit
ihrer Eingabe
Stellung. Die
Beschwerdegegnerin
verzichtete am 1
0.
Januar 2013 auf
eine Stellungnahme (
Urk.
14). Dieses
Schreiben
wurde
der
Beschwerdeführerin
am 1
4.
Januar 2013 zugestellt (
Urk.
15).
Die Einzelrichterin

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdeführerin
reichte
der Beschwerdegegnerin Rechnungen
über
eine
Behandlung des Versicherten
mit Ergotherapie
ein
. Die Behandlung durch
die Therapeutin
Y._
erfolgte
in der Zeit vom
7.
April 2006 bis 2
8.
April 2009
(vgl.
Urk.
8/129/3-10)
. Die
Beschwerdeführerin
war
als vorleistungspflichtiger Krankenversicherer für die Behandlungskosten aufgekommen
und
ersuchte die Beschwerdegegnerin
in
ihrer
Eingabe vom 2
6.
Januar 2010 um Übernahme der Behandlungskosten (
Urk.
1/2).
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Be
schwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
2.
2.1
Versicherte haben bis zum vollendeten 2
0.
Altersjahr Anspruch auf die zur Behandlung von Geburtsgebrechen (
Art.
3
Abs.
2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG) notwendigen medizini
schen Massnahmen (
Art.
13
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenver
sicherung, IVG). Der Bundesrat bezeichnet die Gebrechen, für welche diese Mass
nahmen gewährt werden. Er kann die Leistung ausschliessen, wenn das Gebrechen von geringfügiger Bedeutung ist (
Art.
13 Abs. 2 IVG).
Als Geburtsgebrechen gelten diejenigen Krankheiten, die bei vollendeter Geburt bestehen (
Art.
3
Abs.
2 ATSG in Verbindung mit
Art.
1
Abs.
1 Satz 1
der Ver
ordnung über Geburtsgebrechen,
GgV). Die blosse Veranlagung zu einem Leiden gilt nicht als Geburtsgebrechen. Der Zeitpunkt, in dem ein Geburtsgebrechen als solches erkannt wird, ist unerheblich (
Art.
1
Abs.
1 GgV). Die Geburtsgebrechen sind in der Liste im Anhang aufgeführt. Als medizinische Massnahmen, die für die Behandlung eines Geburtsgebrechens notwendig sind, gelten sämtliche Vor
kehren, die nach bewährter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft ange
zeigt sind und den therapeutischen Erfolg in einfacher und zweckmässiger Weise anstreben (
Art.
2
Abs.
3 GgV).
2.2
Das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) hat die Leistungspflicht für ver
schiedene Massnahmen im Kreisschreiben über die medizinischen Eingliede
rungsmassnahmen (KSME) näher umschreiben.
KSME Randziffer 404.11 (in der ab dem
1.
Januar 2009 gültigen Fassung) sieht
zur Behandlung des Geburtsgebrechens
Ziff.
404 GgV
eine Behandlung (z.B. Er
gotherapie) für die Dauer von höchstens zwei Jahren vor; eine einmalige Ver
längerung ist aufgrund spezi
alärztlicher Zeugnisse
möglich. Nach KSME Rand
ziffer 1015.2.1 ist eine Verlängerung
der Therapie
für ein Jahr nur einmalig und nur auf fachärztlich begründetes Gesuch hin möglich.
2.3
Bei einem Kreisschreiben handelt es sich um eine von der Aufsichtsbehörde für richtig befundene Auslegung von Gesetz und Verordnung. Die Weisung ist ihrer Natur nach keine Rechtsnorm, sondern eine im Interesse der gleichmässigen Gesetzesanwendung abgegebene Meinungsäusserung der sachlich zuständigen Aufsichtsbehörde. Solche Verwaltungsweisungen sind wohl für die Durchfüh
rungsorgane, nicht aber für die Gerichtsinstanzen verbindlich (BGE 118 V 206 E. 4c, vgl. auch 123 II 16 E. 7, 119 V 255 E. 3a mit Hinweisen). Das Gericht soll sie bei seiner Entscheidung mitberücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Es weicht anderseits insoweit von den Weisungen ab, als sie mit den anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen nicht vereinbar sind (BGE 123 V 70 E. 4a mit Hinweisen).
2.4
Das hiesige Gericht kam hinsichtlich der im Kreisschreiben vorgesehenen Rege
lung für die Kostenübernahme von ergotherapeutischen Massnahmen zur Be
handlung des Geburtsgebrechens
Ziff.
404 GgV
Anhang
zum Schluss, dass ihr keine in jedem Fall abschliessende Bedeutung zukommen könne, da eine strikte zeitliche Limitierung den normativen Anspruchsvoraussetzungen widersprechen würde,
wonach sich eine
Behandlung nach den Grundsätzen der Notwendigkeit, Zweckmässigkeit und Einfachheit zu richten habe. Die richterliche Prüfung bleibe vorbehalten, ob - entgegen der der Regelung zugrundeliegenden tatsäch
lichen Vermutung - im konkreten Einzelfall ausnahmsweise auch eine wieder
holte Verlängerung das therapeutische Ziel noch auf einfache
und zweckmäs
sige Weise anstreb
e (Urteile des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich IV.2008.01059 vom 3
0.
September 2009, E. 2.5, und IV.2009.00337
vom 3
0.
Juni 2009
, E. 1.2.3 mit Hinweisen).
3
.
3
.1
Die Beschwerdegegnerin
stellte
sich
in der Verneh
m
lassung vom 1
0.
August 2012 auf den Standpunkt
,
das Schreiben der Beschwerdeführerin vom
9.
Dezember 2009
an sie
sei als Zusatzgesuch zu werten. Die
Verfügung vom 1
8.
April 2007 sei
sodann
bereits rechtskräftig und die Beschwerdeführerin habe auch nach Kenntnis der Verfügung nicht innert 30 Tagen Beschwerde erhoben (
Urk.
7 S. 2
Ziff.
2).
Zunächst ist
zu prüfen, ob
die Eingabe der Beschwerdeführerin
an die Beschwer
degegnerin
vom 2
6.
Januar 2010
innert der Rechtsmittelfrist erfolgte.
3
.2
Erlässt ein Versicherungsträger eine Verfügung, welche die Leistungspflicht eines anderen Trägers berührt, so hat
er auch ihm die Verfügung zu eröffnen. Dieser kann die gleichen Rechtsmittel ergreifen wie die versicherte Person (
Art.
49
Abs.
4
ATSG
.
Der Entscheid eines Sozialversicherers über einen ihm ge
genüber geltend gemachten Anspruch kann namentlich die Leistungspflicht eines gemäss
Art.
70 ATSG vorleistungspflichtigen Sozialversicherungsträgers beeinflussen (BGE 134 V 153 E. 4.1.4 und E. 5.4).
Nach
Art.
60
Abs.
1 ATSG ist eine Beschwerde innerhalb von 30 Tagen nach der Eröffnung des Einspracheentscheides oder der Verfügung, gegen welche eine Einsprache ausgeschlossen ist, einzureichen.
3.3
Nach der Rechtsprechung obliegt der Beweis der Tatsache sowie des Zeitpunktes der Zustellung von Verfügungen sowie anderen rechtserheblichen Sendungen der Verwaltung grundsätzlich den Behörden. Sie tragen diesbezüglich die - ob
jektive (BGE 117 V 264 E.
3b) - Beweislast (BGE 124 V 400 E. 2a, 103 V 63
E.
2a mit Hinweisen), wobei im
Rahmen der Massenverwaltung bezüglich Tat
sachen, welche für die Zustellung erheblich sind, der Beweisgrad der überwie
genden Wahrscheinlichkeit gi
lt (BGE 124 V 400 E. 2b, 121 V 5
E. 3b).
Wird die Tatsache oder das Datum der Zustellung
nicht eingeschriebener, das heisst ohne Zustellnachweis
versendeter
Sendungen bestritten, genügt der Verweis auf den normalen organisatorischen Ablauf bei der Verwaltung den Beweisanforderun
gen nicht; hingegen kann der Nachweis der Zustellung aufgrund von weiteren Indizien oder gestützt auf die gesamten Umstände erbracht werden (BGE 103 V
6
3
E. 2; ARV 2000 S. 118; ZAK 1984 S. 124 E. 1b).
Im Zweifel ist auf die Dar
stellung des Empfängers abzustelle
n (BGE 124 V 400 E. 2a, 103 V 63
E. 2a;
RKUV 1997 Nr. U 288 S. 444 E. 2b).
3.4
Die
Beschwerdegegnerin
äusserte sich
in der Vernehmlassung vom 1
0.
August 2012
nicht
über die
Zustellung der Verfügung vom 1
8.
April 2007 an die Be
schwerdeführerin
.
Auf
der Verfügung
vom 1
8.
April 2007
ist
einzig
vermerkt, dass der
Beschwerdeführerin eine Kopie der Verfügung zugehen sollte (
Urk.
8/96 S. 2 unten)
.
Die Beschwerdegegnerin vermag
daher den Nachweis nicht zu erbringen, dass die Verfügung der Beschwerdeführer
in
zugestellt
wurde.
Demzufolge ist mit der Beschwerdeführerin davon
auszugehen, dass
diese
erst
mit
dem
Schreiben
der Beschwerdegegnerin vom 1
6.
Dezember 2009 (
Urk.
8/125) Kenntnis von der Verfügung vom 1
8.
April 2007
erhielt
.
Die 30tägige
Beschwerdefrist nach
Art.
60
Abs.
1 ATSG
stand
gemäss
Art.
38
Abs.
4 ATSG vom 1
8.
Dezember 2009 bis und mit
2.
Januar 2010
still. Die
Eingabe vom 2
6.
Januar 2010
erfolgte daher nach
der erstmaligen
Kenntnisnahme
der Verfügung vom 1
8.
April 2007
durch die Beschwerdegegnerin
rechtzeitig
innert der Rechtsmittelfrist.
Auf die Eingabe ist daher einzutreten.
4
.
4
.1
Die Beschwerdegegnerin sprach dem Versicherten mit Verfügung vom 2
4.
Januar 2001 (
Urk.
8/20) für die Zeit vom
1.
Augu
st 2000 bis 3
1.
Juli 2002 Ergot
herapie zur Behandlung des Geburtsgebrechens
Ziff.
404 zu.
Zudem er
teilte sie m
it Verfügung vom
3.
November 2004 (
Urk.
8/61) im Zusammenhang mit
dem genannten Geburtsgebrechen
Kostengutsprache für eine ambulante Er
gotherapie ab Januar beziehungsweise Februar 2005 für die Dauer eines Jahres und für maximal 40 Sitzungen. Mit Verfügung vom 1
8.
April 2007 lehnte
sie
eine Verlängerung der Kostengutsprache
für weitere Ergotherapie
ab
(
Urk.
8/96 S. 1).
Die Beschwerdegegnerin holte
nach dem Gesuch der Beschwerdeführerin vom 2
6.
Januar 2010 um Kostengutsprache für
Ergotherapie
einen Bericht von
Dr.
med.
Z._
, Kinderarzt FMH, vom 2
6.
April 2010 (
Urk.
8/134/5-6) und einen Bericht der Therapeutin
Y._
vom
8.
Januar 2012 (
Urk.
8/140) ein.
4.2
Die Beschwerdegegnerin
beantragte in der Vernehmlassung vom 1
0.
August 2012
die
Rückweisung der Sache an sie zur weiteren Abklärung.
Dabei
führte
sie
aus,
u
m medizinisch abzuklären, ob eine Übernahme der Therapie notwendig und zweckmässig wäre und ob ausnahmsweise eine Verlängerung der Kosten
gutsprache möglich sei
sowie zur Wahrung des rechtlichen Gehörs
der Be
schwerdeführerin
, sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (
Urk.
7 S.
2 f.
Ziff.
2).
4.3
Gestützt auf die vorliegenden Berichte von
Dr.
Z._
vom 2
6.
April 2010
Urk.
8/134/5-6) und von
Y._
vom
8.
Januar 2012 (
Urk.
8/140
)
und all
fälliger weiterer Abklärungen hat die Beschwerdegegnerin zu prüfen, ob eine Verlängerung der Ergotherapie zur Behandlung des Geburtsgebrechens
Ziff.
404 über den bereits zugesprochenen Zeitraum hinaus
möglich ist
.
Bei dieser Sachlage ist die Angelegenheit in Aufhebung der angefochtenen Verfü
gung zur weiteren Abklärung
an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Danach hat sie darüber zu befinden, ob die
in der Zeit von April 2006 bis April 2009
erfolgte Behandlung
des Versicherten
mit Ergotherapie
(vgl.
Urk.
8/129/3-10)
einf
ach und zweckmässig gewesen ist
und sie deren Kosten trotz anders
lautender Regelung in dem besagten Kreisschreiben zu übernehmen hat. In die
sem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Vorliegend sind die Kosten auf
Fr.
600.-- anzusetzen und der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.