# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 32094dde-7594-45e2-9201-b89ea414fb43
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2010
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ O.B., sudanesischer Staatsangehöriger, reiste am 16. Oktober 2002 in die Schweiz
ein und stellte am 17. Oktober 2002 ein Asylgesuch. Mit Verfügung des Bundesamts
für Flüchtlinge (heute Bundesamt für Migration) vom 22. Oktober 2002 wurde O.B. dem
Kanton St. Gallen zugewiesen. Am 7. Oktober 2003 wurde das Asylgesuch vom
Bundesamt für Flüchtlinge abgewiesen und die Wegweisung aus der Schweiz verfügt.
Mit dem Vollzug der Wegweisung wurde der Kanton St. Gallen beauftragt. Am 7.
November 2003 erhob der Gesuchsteller gegen diese Verfügung Beschwerde, die von
der Schweizerischen Asylrekurskommission am 10. Mai 2006 abgewiesen wurde. Mit
Eingabe vom 21. August 2006 beantragte O.B. beim Bundesamt für Migration
wiedererwägungsweise die Aufhebung der Verfügung vom 7. Oktober 2003. Mit
Verfügung vom 13. September 2006 wies das Bundesamt für Migration das
Wiedererwägungsgesuch ab. Am 16. Oktober 2006 erhob O.B. gegen diese Verfügung
Beschwerde bei der Schweizerischen Asylrekurskommission. Diese trat mit Entscheid
vom 23. November 2006 nicht auf die Beschwerde ein.
Am 17. Dezember 2007 reichte O.B. beim Ausländeramt des Kantons St. Gallen ein
Gesuch um Erteilung einer humanitären Aufenthaltsbewilligung ein. Das Gesuch wurde
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mit Verfügung vom 2. Juni 2008 abgelehnt. Dagegen erhob O.B. am 19. Juni 2008
Rekurs beim Sicherheits- und Justizdepartement.
B./ Am 1. Februar 2006 erhob O.B. beim Untersuchungsamt St. Gallen gegen drei
Mitarbeiter der Bahnpolizei Strafanzeige betreffend Amtsanmassung,
Freiheitsberaubung, Nötigung und eventualiter Amtsmissbrauch. Der Vollzug der
Wegweisung wurde in der Folge aufgrund des laufenden Strafverfahrens sistiert. Mit
Schreiben des Bundesamts für Migration vom 22. Januar und 1. April 2009 wurde die
Sistierung des Wegweisungsvollzugs als nicht mehr gerechtfertigt erachtet. Gleichzeitig
wurde jedoch darauf hingewiesen, dass die Vollzugshandlungen des Ausländeramtes
bis zum endgültigen Entscheid bezüglich des Gesuchs um Erteilung einer humanitären
Aufenthaltsbewilligung ausgesetzt würden.
In dem von O.B. anhängig gemachten Strafverfahren ersuchte die Staatsanwaltschaft
am 13. Juli 2009 aufgrund eines Beweisantrags der Verteidiger beim Ausländeramt –
unter Voraussetzung der Zustimmung des zuständigen Departements - um Edition der
Asyl- und Ausländerakten von O.B.. Mit Stellungnahme vom 19. August 2009 erklärte
sich O.B. mit der Edition der Akten des Ausländeramtes, nicht aber mit der Herausgabe
der Akten aus dem Asylverfahren einverstanden. Soweit letztere Teil der Akten des
Ausländeramts seien, müssten sie entfernt werden. Mit Verfügung vom 11. September
2009 stimmte das Sicherheits- und Justizdepartement der Herausgabe der Asyl- und
Ausländerakten von O.B. durch das Ausländeramt zu.
C./ Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 28. September 2009 erhob O.B.
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, die Verfügung vom 11.
September 2009 sei aufzuheben und es sei lediglich die Zustimmung zur Herausgabe
der Ausländerakten des Beschwerdeführers zu erteilen; unter Kosten und
Entschädigungsfolge. In seiner Beschwerdeergänzung vom 16. November 2009 macht
der Beschwerdeführer im wesentlichen geltend, bei den Asylakten handle es sich um
Bundesakten, für die seitens der Vorinstanz bezüglich der Herausgabe keine
Zuständigkeit vorliege. Des weiteren fehle es an den rechtlichen Voraussetzungen zur
Herausgabe der Asylakten. Das private Interesse des Beschwerdeführers an der
Verweigerung der Bekanntgabe dieser Akten überwiege die öffentlichen Interessen an
der Herausgabe der Akten.
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## Considerations

Auf die Erwägungen der angefochtenen Verfügung sowie auf die weiteren in der
Beschwerde vorgebrachten Ausführungen wird, soweit wesentlich, in den
nachstehenden Erwägungen näher eingegangen.
Das Sicherheits- und Justizdepartement beantragt in seiner Vernehmlassung vom 20.
November 2009 unter Hinweis auf die angefochtene Verfügung die Abweisung der
Beschwerde, unter Kostenfolge.
Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf eine Vernehmlassung.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingaben vom 28. September und
16. November 2009 wurden rechtzeitig eingereicht und erfüllen formal und inhaltlich die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48
Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.
2. Gemäss Art. 68 Abs. 1 des Strafprozessgesetzes (sGS 962.1, abgekürzt StP)
bedürfen Behördemitglieder und Beamte nach Art. 110 Abs. 3 des Schweizerischen
Strafgesetzbuchs (SR 311.0) für die Herausgabe amtlicher Akten der Zustimmung des
zuständigen Departementes, wenn sich die Untersuchung nicht gegen sie selbst
richtet. Vorbehalten bleiben abweichende Bestimmungen. Das zuständige
Departement erteilt die Zustimmung, wenn nicht öffentliche oder schutzwürdige private
Interessen gegenüber den Interessen der Strafrechtspflege überwiegen (Art. 68 Abs. 2
StP).
Diese Zustimmungspflicht seitens des übergeordneten Departements ergibt sich
letztlich aus dem Grundsatz der Gewaltentrennung. Strafuntersuchungsbehörden sind
nicht befugt, sich der Akten von Verwaltungsbehörden durch Zwang oder
Beschlagnahme zu bemächtigen. Da Gerichte und Verwaltungsbehörden einander
gleichgestellt sind, können jene mangels besonderer gesetzlicher Vorschriften den
Verwaltungsbehörden die Herausgabe ihrer Akten nicht befehlen (vgl. N. Oberholzer,
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Grundzüge des Strafprozessrechts, 2. Aufl., Bern 2005, Rz. 1240; GVP 1981 Nr. 36).
Daher hat die übergeordnete Verwaltungsbehörde erstinstanzlich über die
Aktenherausgabe zu entscheiden.
2.1. Die Vorinstanz hält in ihrer Verfügung fest, der Untersuchungsrichter habe dem
Beweisantrag auf Beizug der Asyl- und Ausländerakten betreffend den
Beschwerdeführer stattgegeben und somit zum Ausdruck gebracht, dass sie für die
Strafuntersuchung von Bedeutung seien. Das Sicherheits- und Justizdepartement habe
den Entscheid des Untersuchungsrichters nicht zu überprüfen. Im Rahmen des
Asylverfahrens seien persönliche Verhältnisse des Beschwerdeführers abgeklärt
worden, unter anderem Herkunft, Umstände der Ausreise aus seinem Heimatland,
Einreise in die Schweiz, Asylgründe, Zumutbarkeit der Wegweisung und finanzielle
Verhältnisse. In der Abweisung des Wiedererwägungsgesuchs des Bundesamtes für
Migration vom 13. September 2006 und im Entscheid der Schweizerischen
Asylrekurskommission vom 1. November 2006 seien des weiteren zwar die geltend
gemachten gesundheitlichen Probleme des Beschwerdeführers thematisiert worden,
doch würden sich in den Asylakten des Ausländeramtes keine ärztlichen Berichte
befinden. Letztlich sei dem Beschwerdeführer ein privates Interesse an der
Verweigerung der Herausgabe der Angaben und Abklärungen über ihn im
Zusammenhang mit dem Asylverfahren zu attestieren, doch überwiege sein privates
Interesse das Interesse der Strafrechtspflege, insbesondere das Interesse an der
Wahrheitsfindung, nicht. Somit sei die Zustimmung für die Herausgabe der Asyl- und
Ausländerakten zu erteilen.
2.2. Demgegenüber wendet der Beschwerdeführer ein, die Asylakten seien als
Bundesakten aufzufassen, welche der Zuständigkeit der Vorinstanz entzogen seien.
Für den Entscheid über die Herausgabe dieser Akten seien Bundesbehörden
zuständig. Selbst unter Annahme der Zuständigkeit der Vorinstanz sei die Herausgabe
der Akten zu verneinen, weil die entsprechenden rechtlichen Voraussetzungen nicht
gegeben seien. Die Wahrheitsfindung im Strafverfahren sei auch ohne Herausgabe der
Akten möglich. Die Akten des Asylverfahrens würden sich insbesondere auf Vorfälle in
der Heimat des Beschwerdeführers beziehen, wobei kein Zusammenhang zum
eingeleiteten Strafverfahren erkennbar sei. Der Behauptung der Verteidiger in dem vom
Beschwerdeführer anhängig gemachten Strafverfahren, seine Strafanzeige stehe im
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Zusammenhang mit dem Asylverfahren, könne nicht gefolgt werden. Über die
Wegweisung des Beschwerdeführers sei erst am 10. Mai 2006 entschieden worden.
Somit habe der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt der Strafanzeige vom 1. Februar
2006 nicht wissen können, dass er bald einen abschlägigen Entscheid erhalte.
Sämtliche relevanten ausländerrechtlichen Eingaben seien schon vor der Erhebung des
Strafverfahrens ergangen.
2.3. Die Rüge des Beschwerdeführers, die Akten des Asylverfahrens seien
Bundesakten, wirft die Frage nach der Herrschaft über die Dokumente auf, die vom
Untersuchungsrichter verlangt werden.
Die Akten des Ausländeramts enthalten einerseits die Erhebungen und
verfahrensleitenden Massnahmen im eigenen Kompetenzbereich, namentlich über die
Erteilung der Arbeitsbewilligungen, die Regelung des Aufenthalts sowie über das
Gesuch um Erteilung einer humanitären Aufenthaltsbewilligung, daneben auch Akten
über die Bezüge der Arbeitslosenversicherung. Im weiteren enthalten die Akten des
Ausländeramts auch Erhebungen, die im Rahmen der Vollzugshilfe zuhanden des
Bundesamts für Migration veranlasst wurden, insbesondere die Befragung des
Beschwerdeführers gemäss Art. 29 des Asylgesetzes (SR 142.31, abgekürzt AsylG).
Sodann befinden sich in den Akten des Ausländeramts auch Kopien von Dokumenten
des Bundesamts für Migration bzw. der Schweizerischen Asylrekurskommission. Es ist
unbestritten, dass die Vorinstanz über diejenigen Dokumente verfügen und somit
gemäss Art. 68 StP über deren Herausgabe entscheiden kann, die ihren eigenen
Zuständigkeitsbereich betreffen. Zu prüfen ist, wie es sich bei den Dokumenten über
Erhebungen zuhanden des Bundesamtes für Migration sowie Kopien von Dokumenten
dieser Behörde und der Schweizerischen Asylrekurskommission verhält. Diese ordnet
der Beschwerdeführer ausschliesslich dem Herrschaftsbereich der Bundesbehörden
zu.
Für den Fall von Dokumenten aus einem ursprünglich fremden Herrschaftsbereich, die
sich bei einer Behörde aufgrund eines Amtshilfe- bzw. Rechtshilfeverfahrens befinden,
hat das Bundesgericht – wenn auch nicht in abschliessender Weise – festgehalten,
dass aufgrund des in diesen Verfahren geltenden Spezialitätsprinzips bzw. aufgrund
des Grundsatzes der Zweckbindung der Bearbeitung von Personendaten ein Übergang
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der Herrschaft über die Dokumente nicht ohne weiteres anzunehmen sei. Aus
Praktikabilitätsgründen wurde zwar anerkannt, dass einer Behörde die Leitfunktion
zukommen kann; diese müsse jedoch im Falle eines Begehrens um Aktenedition die
Einwilligung der entsprechenden Behörde einholen (BGE 129 I 255 E. 4.2 mit
Hinweisen).
Die Erhebungen zuhanden des Bundesamtes für Migration befinden sich aufgrund der
Vollstreckungshilfe bzw. der Amts- und Rechtshilfe der Kantone zugunsten der
Bundesbehörden in den Akten des Ausländeramts (vgl. Art. 8 der Verordnung über den
Vollzug der Weg- und Ausweisung von ausländischen Personen, SR 142.281; vgl. dazu
auch allgemein Art. 43 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren, SR
172.021). Kopien von Dokumenten aus dem Asylverfahren, insbesondere die Verfügung
des Bundesamts für Migration und der Entscheid der Schweizerischen
Asylrekurskommission über die Ablehnung des Asylgesuchs, wurden dem
Ausländeramt im Hinblick auf die Delegation des Wegweisungsvollzugs an die Kantone
übermittelt (Art. 46 AsylG). Vorliegend befinden sich die streitigen Akten demzufolge
nicht aufgrund eines Amtshilfe- bzw. Rechtshilfegesuches des Ausländeramts in
dessen Akten, sondern sie wurden ihm auf Veranlassung der Bundesbehörden bzw.
einer Kompetenzdelegation übermittelt. Bei dieser Sachlage ist von einem Übergang
der Akten in den Kompetenzbereich bzw. Herrschaftsbereich des Ausländeramts
auszugehen (vgl. dazu auch die Erwägungen in BGE 129 I 256 E. 4.3).
Zu berücksichtigen ist weiter, dass sich das Asylverfahren durch eine enge
Zusammenarbeit zwischen kantonalen Ämtern und Bundesbehörden auszeichnet. Dies
führt dazu, dass die verschiedenen Verfahrensabschnitte und Aktenbestände nicht
lückenlos auseinandergehalten werden können. Der Anforderung, beim Ausländeramt
befindliche Akten seien selektiv nur soweit herauszugeben, als die ursprüngliche
Urheberschaft nicht bei einer Bundesbehörde liege, kann daher in der Regel auch aus
praktischen Gründen nicht gefolgt werden.
Im übrigen ermöglicht denn Art. 68 StP eine umfassende Interessenabwägung
(bezüglich der Voraussetzungen für die Bekanntgabe von Personendaten an kantonale
Behörden durch das Bundesamt für Migration vgl. Art. 9 der Asylverordnung 3 über die
Bearbeitung von Personendaten, SR 142.314). Konstellationen betreffend die
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Bearbeitung von Personendaten, wie sie in Art. 97 ff. AsylG normiert sind (u.a.
Bekanntgabe von Daten an das Heimatland bzw. Drittländer) sind vorliegend nicht
betroffen, wobei die entsprechenden Regeln, soweit relevant, auch für die
Vollzugsbehörde Geltung haben sollten (vgl. auch die analogen Bestimmungen von Art.
101 ff. des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer, SR 142.20). Auf
kantonale Behörden ist zudem zwar das kantonale Datenschutzgesetz (sGS 142.1)
anwendbar; da den Datenschutzbestimmungen grundrechtlicher Charakter zukommt,
unterscheiden sich diese vom Datenschutzgesetz des Bundes (SR 235.1, abgekürzt
DSG) in ihrem Kerngehalt jedoch nicht (vgl. dazu Art. 37 DSG, der festhält, dass beim
Fehlen kantonaler Datenschutzvorschriften, die einen angemessenen Schutz
gewährleisten, für das Bearbeiten von Personendaten durch kantonale Organe beim
Vollzug von Bundesrecht Art. 1–11a, 16, 17, 18–22 und 25 Abs. 1–3 DSG gelten). Somit
kann jedenfalls nicht von einem verminderten Schutz der von der Aktenedition
betroffenen Personen ausgegangen werden, wenn die Akten des Asylverfahrens dem
Herrschaftsbereich des Ausländeramts zugerechnet werden.
Zusammenfassend ist davon auszugehen, dass die Vorinstanz legitimiert war, gestützt
auf Art. 68 StP über den gesamten Aktenbestand des Ausländeramts zu verfügen.
2.4. Die Verteidiger der vom Beschwerdeführer angezeigten Bahnpolizisten
begründeten das Gesuch um Beizug der Akten des Ausländeramts mit dem möglichen
Motivationszusammenhang zwischen der Strafanzeige des Beschwerdeführers und
seinem Asyl- bzw. Ausländerrechtsverfahren. Die Staatsanwaltschaft gab dem
Beweisantrag statt. Ob die streitigen Akten einen Motivationszusammenhang zwischen
der Strafanzeige des Beschwerdeführers und seinem Asyl- bzw. Ausländerverfahren
belegen, muss von der Vorinstanz bzw. dem Verwaltungsgericht nicht geklärt werden.
Für die Prüfung, ob nicht öffentliche oder schutzwürdige private Interessen gegenüber
den Interessen der Strafrechtspflege überwiegen, ist zunächst festzustellen, ob
grundsätzlich ein Interesse der Strafrechtspflege am Aktenbeizug besteht. In der Folge
hat die Abwägung der Interessen zu erfolgen.
An der sorgfältigen und umfassenden Klärung der strafrechtlichen Belange besteht ein
erhebliches öffentliches Interesse. Auch ist möglich, dass ein innerer Zusammenhang
zwischen der Strafanzeige und dem Asylverfahren mit Auswirkungen auf die
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strafgerichtliche Beurteilung besteht. Der Wegweisungsvollzug wurde aufgrund des
Strafverfahrens mehrmals sistiert. Ein Ausschluss eines Zusammenhangs zwischen
Strafanzeige und Asylverfahren ergibt sich entgegen den Behauptungen des
Beschwerdeführers auch nicht aus dem zeitlichen Ablauf des Straf- und des
Asylverfahrens. Die Strafanzeige wurde zwar vor Erlass des ablehnenden Entscheids
der Asylrekurskommission vom 10. Mai 2006 erhoben. Das Asylverfahren wurde jedoch
am 17. Oktober 2002 eingeleitet und das Gesuch mit Verfügung vom 7. Oktober 2003
erstmals abgelehnt. Nicht zutreffend ist weiter die Behauptung des Beschwerdeführers,
alle relevanten ausländerrechtlichen Eingaben seien vor Erhebung der Strafanzeige
ergangen. Die Gesuche zuhanden des Bundesamts für Migration um Sistierung des
Wegweisungsvollzugs aufgrund des Strafverfahrens wurden offensichtlich nach
Einreichung der Strafanzeige gestellt. Welche Eingaben zu welchem Zeitpunkt beim
Bundesamt für Migration bzw. bei der Schweizerischen Asylrekurskommission
gemacht wurden, ist aus den restlichen, nicht streitigen Akten des Ausländeramts nicht
ersichtlich. Im übrigen kann es von Bedeutung sein, weshalb der Beschwerdeführer die
Strafanzeige erst rund zwei Jahre nach den in der Strafanzeige geltend gemachten
Taten einreichte. Auch das Aussageverhalten im Asylverfahren kann möglicherweise für
die Beurteilung der Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers von Bedeutung sein.
Der Beizug der streitigen Akten ist für die gerichtliche Beurteilung eines möglichen
Motivationszusammenhangs zwischen der Strafanzeige und dem Asylverfahren und
somit für die Klärung der vorgeworfenen Straftaten durchaus geeignet.
Öffentliche Interessen, die einer Herausgabe der Akten entgegenstehen würden, sind
nicht ersichtlich.
Unbestreitbar bestehen schutzwürdige private Interessen des Beschwerdeführers an
der Zurückhaltung der Akten aus dem Asylverfahren. Erhebungen im Rahmen eines
Asylverfahrens betreffen regelmässig persönliche Angaben bzw. das Asylgesuch an
sich berührt schon einen schutzwürdigen Bereich des Gesuchstellers. Insbesondere
befinden sich in den streitigen Akten persönliche Angaben betreffend den psychischen
und physischen Zustand sowie betreffend die politischen Ansichten des
Beschwerdeführers. Auch ist zu berücksichtigen, dass mit dem Beizug der Akten durch
den Untersuchungsrichter die Akten des Verwaltungsverfahrens zu Strafakten werden
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(GVP 1990 Nr. 78). Gemäss st. gallischem Strafprozessrecht besteht – mit Ausnahme
von ärztlichen Gutachten – ein uneingeschränktes Akteneinsichtsrecht der Parteien
(Oberholzer, a.a.O., Rz. 392), aus dem eine gewisse Öffentlichkeit der schützenswerten
Angaben betreffend den Beschwerdeführer folgt.
Zusammenfassend muss festgehalten werden, dass die Wahrheitsfindung im
Strafprozess von wesentlicher Bedeutung ist und wesensbedingt regelmässig die
Einschränkung der Privatsphäre von Beteiligten – insbesondere auch des Opfers -
bedingt. Vorliegend werden keine solch bedeutenden und konkreten privaten
Interessen des Beschwerdeführers tangiert, die das öffentliche Interesse der
Strafrechtspflege überwiegen. Die Beschwerde ist somit als unbegründet abzuweisen.
4. Dem Beschwerdeführer wurde die unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung gewährt. Amtliche Kosten sind daher keine zu erheben (Art. 99
VRP in Verbindung mit Art. 282 Abs. 1 lit. b des Zivilprozessgesetzes, sGS 961.2).
Der Anspruch des Rechtsbeistands des Beschwerdeführers gegenüber dem Staat aus
dem Beschwerdeverfahren ist auf Fr. 1'000.-- zuzügl. MWSt festzusetzen (Art. 282 Abs.
1 lit. c ZPG in Verbindung mit Art. 6 und 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für
Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75; Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes,
sGS 963.70).
Demnach hat das Verwaltungsgericht