# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 5a2f1de1-5c43-4b76-9fff-a97ff63405bd
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
D
er 1968
geborene und
von
2001
bis im Februar 2019 (
Urk.
3/5)
als Supervisor
bei
der
Y._
tätig gewesene
(
Urk.
7/18)
X._
meldete sich am 2
8.
Mai 2008 unter Hinweis auf eine Verletzung am linken Arm
(parti
eller Einriss der langen
Bicepssehne
;
Urk.
7/17/25)
bei der Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zum Leistungsbezug an
(
Urk.
7/10).
Die IV
Stelle tätigte in der Folge beruflich-erwerbliche Abklärungen
und verneinte gestützt auf die Akten des Unfallversicherers, wonach eine ärztliche Behandlung nicht mehr durchgeführt und der Fallabschluss
bei vollständiger Arbeitsfähigkeit
erfolgt sei (
Urk.
7/
25-
26), mit Verfügung vom 1
7.
Juni 2010 einen Leistungs
anspruch des Versicherten (
Urk.
7/35).
1.2
Am
3.
Juli 2017 meldete sich
X._
erneut bei der IV-Stelle zum Leistungs
bezug an (
Urk.
7/38). Diese liess einen aktuellen Auszug aus dem IK-Konto des Versicherten erstellen (
Urk.
7/42)
, führte ein Standortgespräch durch (
Urk.
7/44)
, holte einen Arbeitgeberbericht ein (
Urk.
7/48)
und aktualisierte die medizinische Aktenlage.
Mit Mitteilung vom
2.
Juli 2018 leistete
sie
Kostengutsprache für eine
vom 1
3.
August bis zum
7.
September 2018 dauernde Potentialabklärung (
Urk.
7/66
, 72
).
Am
6.
September 2018 zeigte die IV-Stelle dem Versicherten den Abschluss der Eingliederungsberatung
sowie die Rentenprüfung
an (
Urk.
7/78
) und stellte eine polydisziplinäre Begutachtung
in Aussicht (Mitteilung vom 22.
November 2018,
Urk.
7/89).
Nach Erstattung des von der
Medas
Z._
(nachfolgend:
Medas
)
am
1.
Mai 2019 erstellten
interdiszipli
näre
n
(a
llgemein-internistisch, chirurgisch, orthopädisch/rheuma
tolo
gisch, psy
chi
at
risch) Gutachten
s
(
Urk.
7/113
; mit Ergänzungen, Urk.
7/124, 130
)
setzte
die IV-Stelle
den
Versi
cherten mit Vorbescheid vom 19.
Dezember 2019 (
Urk.
7/133)
davon in Kenntnis, dass sie sein Leistungsbe
gehren abweisen werde
. Hieran hielt sie nach am 2
8.
Januar 2020 erfolgtem Ein
wand von
X._
(
Urk.
7/135) mit Verfügung vom
1
3.
Mai 2020 (
Urk.
2) fest.
2.
Dagegen liess
X._
am 1
2.
Juni 2020 Beschwerde erheben und beantragen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm eine ganze Rente, mindestens aber eine
Viertelsrente
der Invalidenversicherung auszurichten. Even
tualiter sei die Sache zwecks ergänzender Abklärungen
an die Beschwerde
gegnerin
zurückzuweisen (
Urk.
1). Mit Beschwe
rdeantwort vom 31.
Juli 2020 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), was dem Beschwerdeführer am
4.
August 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Unterlagen wird
,
soweit erforderlich
,
im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungs
rechts
,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
1.2
.1
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2
;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281
E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten
Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu er
bringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1; 141 V 281 E. 3.7; 139 V 547 E. 5.2;
127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
.2
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im
Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönl
ichkeitsdiagnostik, persönliche
Res
sour
cen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverläs
sige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Während die Beschwerdegegnerin dafürhielt, zwar sei dem Beschwerdeführer die bisherige Tätigkeit nicht mehr
,
eine angepasste Arbeit demgegenüber vollum
fänglich zumutbar, was ihm das Erwirtschaften eines rentenausschliessenden Ein
kommens erlaube (
Urk.
1),
liess der Beschwerdeführer insbesondere vortragen,
gestützt auf das
Medas
-Gutachten sei von einer dauerhaften Einschränkung seiner Arbeitsfähigkeit auszugehen.
Aufgrund des fortgeschrittenen chronifi
zierten Beschwerdebildes bestehe
überdies
eine wesentliche Verschlechterung seit der Begutachtung, weshalb Anspruch auf eine ganze Rente gegeben sei. Im Übrigen habe die Beschwerdegegnerin
sein
rechtliche
s
Gehör verletzt und sei ihre
r
Untersuchungspflicht in ungenügender Weise nachgekommen (
Urk.
2).
2.2
Die Beschwerdegegnerin ist unbestrittenermassen auf die neuerliche Anmeldung zum Leistungsbezug des Beschwerdeführers vom
3.
Juli 2017 (
Urk.
7/38) einge
treten und hat den hier strittigen Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Inva
lidenrente umfassend geprüft. Streitig und zu prüfen ist im Folgenden, ob sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit Erlass der Verfügung vom 1
7.
Juni
2010 (
Urk.
7/35) in anspruchsrelevanter Weise verschlechtert hat, wobei zwischen den Parteien insbesondere die Frage nach der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit im Streite steht, welche die Beschwerdegegnerin im Wesent
lichen gestützt auf das Gutachten der
Medas
vom
1.
Mai 2019 als unein
geschränkt gegeben erachtet.
3.
3.1
Nachdem der Beschwerdeführer noch am
7.
Januar 2009
über
persistierende Beschwerden nach distaler
Bicepssehenpartialruptur
links
aus dem
Unfall
vom
21. Dezember 2007 g
eklagt
hatte (Bericht von PD
Dr.
m
ed.
A._
, Orthopädische Chirurgie FMH, vom
8.
Januar 2009,
Urk.
7/24/4-5),
indes
eine Steigerung der ab 1
5.
September 2008 zumutbaren 50
%igen Arbeitsfähig
keit
bis zu einem Vollpensum ab
7.
Oktober 2008 umgesetzt
worden war
(
Urk.
7/24/15), hielt die Beschwerdegegnerin mit Besprechungsnotiz vom 31. März 2009 (
Urk.
7/25) fest, der Beschwerdeführer sei wieder
vollständig
arbeitsfähig und der Fall sei
vom Unfallversicherer
, nach Einstellung der medizi
nischen Behandlung seitens des Beschwerdeführers, abgeschlossen worden (Akten
notiz vom 1
9.
Oktober 2009,
Urk.
7/26
sowie
Urk.
7/27-28
).
Gestützt hierauf verneinte die Beschwerdegegnerin einen Leistungsanspruch des Versi
cherten (Verfügung vom
4.
Mai 2010,
Urk.
7/34).
3.2
3.2.1
Im Januar 2019 wurde der Beschwerdeführer allgemein-internistisch, chirurgisch, orthopädisch/rheumatologisch sowie psychiatrisch
in der
Medas
untersucht (Gut
ach
t
en vom
1.
Mai 2019,
Urk.
7/113).
3.2
.2
Aus internistischer Sicht liessen sich
gemäss Gutachten
keine Befunde erheben oder Erkrankungen benennen, die zu einer Einschränkung der Leistungsfähigkeit führen würden. Auch für die vom Beschwerdeführer geklagte Kraftlosigkeit und
Schwäche habe sich bei blandem internistischen Befund kein Korrelat gefunden
. Hierfür erscheine die psychiatrische Einschätzung vorrangig zu sein
(
Urk.
7/113/37).
3.
2.
3
Der chirurgische Gutachter
diagnostizierte ein chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom, welches auf die Diskushernien BWK11/12 und LWK3/4 zurück
zuführen sei. Insbesondere das Rückenleiden mit Diskushernien verunmögliche die schwere Arbeit am Flughafen; die noch linksseitigen Beschwerden nach Leistenhernien-Operationen schränkten die Arbeitsfähigkeit indes nicht ein (
Urk.
7/113/69).
Der orthopädische Fachgutachter bestätigte die Diagnose eines chronischen
lumbospondylogenen
Schmerzsyndroms und erklärte, weder seien anlässlich der aktuellen Untersuchung Symptome erhoben worden, welche auf eine
Reizung der Wurzel L3 links schliessen liessen, noch hätten sich bezüglich der medianen Diskushernie BWK11/12 Sensibilitätsausfälle
finden lassen
.
Die vom Beschwerdeführer angegebenen mässigen bis starken Schmerzen seien rheu
matologisch nicht erklärbar.
Mithin bestehe aus rheumatologischer Sicht weder eine Konsistenz noch eine Plausibilität (
Urk.
7/113/81).
In
bisheriger Tätigkeit
sei
eine vollumfängliche Leistungseinschränkung
ausgewiesen
. Eine leichte körper
liche Arbeit mit Wechselbelastung, ohne monoton repetitive Arbeiten und ohne das Heben von mehr als 5
kg sowie ohne Bücken
,
sei
dem Beschwerdeführer aber
zu 100
%
möglich (
Urk.
7/113/82
; Urk.
7/130/14
).
3.
2.
4
Betreffend
den
psychiatrischen
Befund hielt der Gutachter fest, die Interaktion mit dem Beschwerdeführer habe sich zäh gestaltet. Erst nach dem
Hinweis, dass eine Begutachtung
so nicht durchgeführt werden könne, habe sich die Koope
ration und Motivation erheblich verändert.
Einerseits habe er für die Beant
wortung der Frage, was 97 minus 3 ergebe, mehr als eine Minute benötigt und nicht ausführen können, was er am Vortag der Untersuchung gegessen habe. Andererseits habe sich
der Beschwerdeführer
auf die Begutachtung gezielt vor
bereitet, indem er etwa von den einzelnen Gutachtern Bilder im Internet gesucht habe.
Frühere, einschneidende Erlebnisse habe der Beschwerdeführer nicht berich
tet, wohingegen der Verlust des Arbeitspl
atzes oder das damit verbundene Nichtrespektieren
der Sorgen und Klagen des Beschwerdeführers gegenüber seinem ehemaligen Arbeitgeber eine wichtige
Rolle zu spielen scheine
.
Sein
äussere
s
Erscheinungsbild habe sich bezüglich Mimik und Gestik durchaus
mit
einem depressiven Habitus,
im
Verlauf jedoch lockerer gezeigt. Das An
t
wortver
halten sei immer wieder von Klage und Anklage
, vom E
rleben ungerechter Behandlung sowie davon, dass andere ihm nicht glaubten
,
und Ähnlichem geprägt gewesen
(
Urk.
7/
113/
95, 97). Der in der Folge erhobene psychiatrische Befund
zeigte
sich
,
mit Ausnahme der Affektivität mit ausgeprägter Störung der Vitalgefühle und Deprimiertheit, als weitgehend unauffällig (
Urk.
7/113/97-98). Der Gutachter verneinte das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung und
hielt dafür, das beim Beschwerdeführer vorliegende Störungsbild sei als Anpassungs
störung, F43.2,
besser noch als posttraumatische Verbitterungsstörung
zu verste
hen
, während als Differentialdiagnose
eine
depressive
Störung leichten bis mittle
ren
Grades genannt werden könne
. Der Beschwerdeführer sei verbittert gegen die IV, er sei verbittert gegen die Gutachter, gegen die Institutionen, beklage sich und schreibe Beschwerdebriefe
(
Urk.
7/113/103). Die Belastung habe viel zu tun mit dem Verlust des Arbeitsplatzes, mit dem Rollenverständnis, vielleicht auch mit erlebter Chancenlosigkeit. Es liege viel Ungerechtigkeitserleben vor, weshalb
die Unterform einer Anpassungsstörung, die posttraumatische Verbitterungsstörung
,
als Diagnose
am treffendsten sei
.
Typisch dafür sei, dass der Versicherte Krankheit und Kündigung als Beginn und Ursache seiner psychischen Beschwerden erlebe.
Es komme zu emotionaler Erregung, wenn er an das Ereignis erinnert werde und er ertrage es nicht, ehemalige Mitarbeiter bei der Arbeit zu sehen. Es zeige sich eine phobische Vermeidung von ereignisbezogenen Orten und eine querulato
rische Hartnäckigkeit im Kampf um die Wiederherstellung von Gerechtigkeit (
Urk.
7/113/7).
Im Weiteren sei von einer dysfunktionalen Störungsverarb
eitung, F54 auszugehen: es zeigten
sich eine gewisse Selbstlimitierung, eine als legitim erlebte final ausgerichtete Entschädigungshaltung, eine Tendenz zur Verdeut
li
chung,
eine
Dekonditionierung im Rahmen des nicht mehr Part
i
zipierens am Arbeits
prozess, ein übertriebenes Schonverhalten sowie ein Verharren in der Krankheitsrolle bis zu einer möglichen An
erkennung sowie eine ausgeprägte sub
jektive Leistungsinsuffizienz. Subjektiv gebe der Beschwerdeführer neuro
psycho
logische Einschränkungen
in einem Ausmass wie bei einer Demenz an. Dies ent
spreche aber nicht dem Verhalten mit Dokumentation der Beschwerden, exakter Handynutzung und Korrespondenz mit der IV-Stelle (
Urk.
7/113/8, 104).
3.
2.
5
Hinsichtlich interdisziplinärer
Konsensbeurteilung notierten die Gutachter, bei der Begutachtung und Anamneseerhebung habe die Aussagebereitschaft selek
tiert und limitiert gewirkt, teilweise seien nur wenige differenzierte A
ngaben zu erhalten gewesen. Als relevante Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit führten sie (1) eine Anpassungsstörung, Unterform einer Verbitterungs
störung, F43.2, DD: Depressive Episode, leicht bis mittelgradig, F32.0/1, (2) eine dysfunktionale Störungsverarbeitung, F54, sowie (3) ein chronisches,
lumbospon
dylogenes
Syndrom auf. Aus somatischer Sicht sei die Belastbarkeit des unteren Achsenskeletts vermindert; Heben und Tragen ü
ber 5
kg bereite Schmerzen. Damit ergebe sich für die bisherige Tätigkeit aus rheumatologischer Sicht eine vollumfängliche Einschränkung. Auch aus psychiatrischer Sicht sei die Arbeits
fähigkeit im bisherigen Beruf praktisch aufgehoben. Für eine angepasste Tätigkeit bestehe aus allgemeinmedizinischer, chirurgischer und rheumatologischer Sicht eine volle Arbeitsfähigkeit von 100
%
, wobei Wechselposition einzuhalten seien, kein Heben und Tragen von Gewichten über 5 kg, keine Arbeiten mit hoher Konzentrationsanforderung, mit Anforderung an die Teamfähigkeit, mit dem Bedie
nen gefährlicher Maschinen, ohne besondere Lärmbelastung sowie mit Pausen
bedarf und ohne ständig wechselnden Kontakt mit anderen Menschen erfolgen sollten. Eine solche Tätigkeit sei aus psychiatrischer
Sicht zu 50
%
zumutbar (
Urk.
7/113/7-10).
4.
4.1
Zu prüfen ist vorab die Rüge des Beschwerdeführers, ihm seien weder die Rück
fragen der Beschwerdegegnerin zum
Medas
-Gutachten zugestellt
,
noch
sei ihm
die Möglichkeit eingeräumt worden,
ebenfalls
ergänzende Fragen an die Gut
achter zu stellen, weshalb sein Anspruch auf rechtliches
Gehör verletzt worden sei (Urk.
1 S. 8). Der Versicherungsträger
hat
,
gedenkt
er
der Gutachtensperson Erläuterungs- oder Ergänzungsfragen zu stellen, die versicherte Person darüber zu informieren, womit auch sie die Gelegenheit erhält, ihrerseits solche Fragen zu stellen
(BGE 136 V 113)
. Diesen Vorgaben ist die Beschwerdegegnerin mit ihrer einseitigen Vorgehensweise, den
Medas
-Gutachtern mit Schreiben vom 2
1.
Juni 2019 (
Urk.
7/116) Rückfragen zu stellen, ohne den Beschwerdeführer vorab darüber zu informieren, nicht nachgekommen, was
- wie der Beschwerdeführer zu Recht einwendet -
unzulässig war. Indessen hat
er
- in Kenntnis dieser Gege
benheit (
Urk.
7/119: Akteneinsichtsgesuch,
Urk.
7/126: Aktenzustellung durch die Beschwerdegegnerin) - in der Folge darauf verzichtet, eigene Ergänzungs- oder Erläuterungsfragen zu stellen. Ebenso
wenig stellt er
bezüglich der ergän
zenden
Ausführungen der Gutachter (
Urk.
7/130)
weitere
Anträge
.
Mithin kann dieser Verfahrensmangel als geheilt bet
rachtet werden (BGE 136
V 113 E. 5.5).
4.2
Entgegen
der Ansicht
des Beschwerdeführers erfüllt das Gutachten
der
Medas
die
vom Bundesgericht postulierten, allgemeinen beweisrechtlichen Anforderungen (E. 1.4)
: Es beruht auf
den relevanten
Vorakten
(
Urk.
7/113/19-30
) sowie
auf
den erforderlichen und
umfassenden
Untersuchung
en
(
Urk.
7/113/35 f.,
68
,
79 f.,
97
f.
) und
setzt sich mit den vom Beschwerdeführer
geklagten Beschwerden (
Urk.
7/113/
31,
66,
76,
90 f.
) sowie den
bedeutsamen
Berichten auseinander (
Urk.
7/113/102, 105
). Die medizinischen Überlegungen sowie die daraus gezo
genen Schluss
folgerungen
sind
detailliert
begründet.
Soweit der Beschwerdeführer
die Beantwortung der von der Beschwerdegegnerin gestellten Ergänzungsfragen durch den
orthopädischen
Gutachter als nicht beweis
wertig erachtet (
Urk.
1 S.
8), ist Folgendes anzumerken: Zwar trifft es zu, dass der Gutachter die Diagnose des
lumbospondylogenen
Syndroms nicht mehr nannte, sondern nurmehr von einer muskulären Dysbalance im Bereich der Rumpf-/Rücken
muskulatur berichtete, welcher er keine Auswirk
ung auf die Arbeitsfähigkeit
zu
mass
(
Urk.
7/130/12). Ebenso ist zutreffend, dass er aus rheu
matologischer Sicht eine 100%ige Arbeitsfähigkeit ohne Leistungseinschränkung attestierte (
Urk.
7/
130/14).
Ein Widerspruch zum Gutachten ist indessen nicht
zu erblicken,
bleibt die interdisziplinäre Konsensbeurteilung davon
doch
unberührt.
Vielmehr erhellt, dass
sich
der orthopädische Gutachter -
dieser ist auf Erkran
kungen, Entwicklungsstörungen und Verletzungen des Bewegungsapparates spezialisiert, weshalb er nicht nur befähigt ist,
operative
Behandlungen von Störungen, sondern
auch Fragen rund um nicht operative Therapien rheuma
tologischer Pathologien zu
beurteilen
-
in seiner Einschätzung vom 2
5.
Sep
tember 2019 darauf beschränkt hat, zu allfällig rheumatologisch
en Pathologien
Stellung zu nehmen
, wozu er de
nn auch als Gutachter bestellt war (vgl.
Urk.
7/93, 95). Seine Einschätzung, wonach aus rheumatologischer Sicht
k
eine Leistungs
einschränkung
bestehe, steht der Konsensbeurteilung
nicht entgegen.
Dem
gemäss
erachteten
die Gutachter
aus somatischer Sicht die Belastbarkeit des unteren Achsenskeletts als vermindert
, was -
bloss
aber immerhin
- einer quali
t
ativen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit gleichkommt. Folgerichtig
bezeich
neten
sie
die Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit aus allg
e
meinmedi
zinischer, chirurgischer und rheumatologischer Sicht als uneingeschrän
kt (Arbeits
fähigkeit von 100
%
,
E. 3.5).
Soweit der orthopädische Gutachter die Präsenz für angepasste Tätigkeiten
auf
täglich vier Stunden
beziffert
hatte
(
Urk.
7/113/82), bezieht sich dies offenkundig auf die aus psychiatrischer Sicht attestierte Einschränkung der Leistungsfähigkeit (vgl.
Urk.
7/113/114; Konsens
beurteilung:
Urk.
7/113/10, Ziffer 4.8).
Der
Vorhalt des Beschwerdeführers, bei den von der Beschwerdegegne
rin gestell
ten Ergänzungsfragen
handle es sich
teilweise
um Suggestivfragen
, ist sodann
unbehelfli
ch
, hat der psychiatrische Gutachter die erbetene Ergänzungsfrage doch für erläuterungsbedürftig erklärt (
Urk.
7/124/2), beziehungsweise unbeantwortet gelassen (Frage 4,
Urk.
7/116/1
, 7/130/3-4
).
D
ie beiden
anderen
Fragen
wurden
vom orthopädischen Gutachter aus rheumatologischer Sicht
hin
reichend und nachvollziehbar beantwortet (Urk. 7/130/14-15).
Schliesslich
vermag der Beschwerdeführer auch aus dem Bericht der Psychiat
rischen
Klinik B._
vom
6.
Dezember 2019
(
Urk.
3/6)
nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Aus deren Bericht ergibt sich nichts, was den Gut
achtern der
Medas
im Januar 2019
verborgen geblieben
wäre
. Die
den Ärzten der
Psychiatrischen Klinik B._
- wie auch schon im Rahmen der Potentialabklärung (
Urk.
7/80/3, 5) -
geklagten Beschwerden
hatte
der Beschwerdeführer
bereits den Gutachtern vor
getragen
(vgl.
Urk.
7/113/66 und 90), was wie dargeleg
t
ins Gutachten Eingang fand
.
Wichtige Aspekte,
welche bei der Begutachtung uner
kannt geblieben wären, sind mithin nicht auszu
machen, was selbstredend
auch
für das vom behan
delnden Psychiater ausgestellte ärztliche Zeugnis vom 2
5.
Mai 2020
(
Urk.
3/4)
zu gelten hat
, sind darin weder Befunde genannt
,
noch
ist
die attestierte
vollständige
Leistungseinschränkung begründet dargelegt.
4.3
Mithin wird
der Beweiswert des
Gutachten
s
weder durch Widersprüche geschmä
lert, noch
werden
Tatsachen
dargetan
, die unerkannt geblieben wären
.
Damit drängen sich - entgegen dem Dafürhalten des Beschwerdeführers - weitere Abklärungen nicht auf.
4.4
4.4.1
Geht es um psychische Erkrankungen sind für die Beurteilung der Arbeitsfähig
keit systematisierte Indikatoren beachtlich, die - unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensations
potentialen (Ressourcen) andererseits - erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281
; E. 1.2.2
).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktio
nellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
grundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und wider
spruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E
. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Mithin ist nachfolgend zu prüfen, ob und inwieweit di
e ärztlichen Experten ihre Arbei
tsunfähigkeitsschätzung unter Beachtung der massgebenden Indikatoren hinreichend und nachvollziehbar begründet haben.
4.4.2
Mit Blick auf den
Komplex
«
Gesundheitsschädigung» in der Kategorie «funktio
neller Schweregrad»
ist
vorwegzuschicken
,
dass
sich
das von den Gutachtern beschriebene
B
ild der Verbitterungsstörung
nicht auf ein anerkanntes Klassifika
tionssystem zu stützen vermag
(E. 1.2.1)
und die Symptome einer Anpassungs
störung vorübergehender Art sind.
Der
vom psychiatrischen Gutachter erhobene
Befund
stellte sich denn
weitgehend unauffällig dar
(
Urk.
7/113/97 f.) und die testpsychologischen Zusatzuntersuchungen
liess
en
höchstens auf eine mittel
gradige Störung schliessen (
Urk.
7/113/100).
Die Aussagebereit
schaft des Besch
wer
deführers erschien selektiert und limitiert, teilweise waren nur wenige differenzierte Angaben zu erhalten (E. 3.4-3.5). Im Gegensatz hierzu war der Beschwerdeführer in der Lage, sich auf die Begutachtung gezielt vorzubereiten. Er zeigte sich wortgewandt sowie gut organisiert, während er neuropsycho
logische Auffälligkeiten in einem Ausmass schilderte, welches einer Demenz ent
sprach (
Urk.
7/113/9).
Das äussere Erscheinungsbild mit depressivem Habitus zeigte sich
im Verlauf der Begutachtung lockerer (E. 3.4). Augenfällig
ist
sodann die Vielzahl der psychosozialen Faktoren, welche gemäss Gutachter im Vorder
grund stehen
,
sozialversicherungsrechtlich jedoch
auszuklammern
sind
(Urteil des Bundesgerichts 9C_740/2018 vom
7.
Mai 2019 E. 5.2.1)
. So werde die finan
zielle Situation nach der
Kündigung belastend sein, aufgrund von Alter und Ausbildungsgrad werde die Vermittlungsfähigkeit nicht einfach sein. Darüber hinaus würden Faktoren wie Kränkung und Verletzung ebenso eine Rolle spielen wie der Rollenverlust innerhalb der
Familie (Urk.
7/113/9
, 108
).
Eine erhebliche Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde kann damit nicht als erstellt erach
tet werden.
Was den Behandlungs- und Eingliederungserfolg anbelangt, erklärten die Gutachter die Therapieoptionen
für
nicht ausgeschöpft, weshalb mittels
deren
Ausbau
s
- in Abhängigkeit
von
der Motivation des Beschwerdeführers sowie des Anreizsystems (
Urk.
7/113/105) -
eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf etwa 80
%
durchaus
als
möglich erscheine (U
rk.
7/113/10).
Grund zur Annahme einer Behandlungsresistenz besteht damit nicht.
Ferner waren die gemessenen Medika
mentenspiegel den Gutachtern zufolge als unbefriedigend zu bezeichnen und Eingliederungsmassnahmen nicht sinnvoll durchführbar. Zwar hielten die Gut
achter dafür, der Leidensdruck des Beschwerdeführe
r
s sei nicht unerheblich. Gleichzeitig erklärten sie,
es sei unklar, ob es primär darum gehe, den Ausprä
gungsgrad der Verletzung sichtbar zu machen beziehungsweise es stelle sich die Frage, wie ausgeprägt der Wunsch nach Anerkennung des zugefügten Leidens sei. Dies führe dazu, dass nicht alle Funktionseinschränkungen eindeutig auf Gesundheitsschädigungen zurückzuführen seien (
Urk.
7/113/105).
Das Vorliegen relevanter Komorbiditäten wurde
außerdem
verneint (
Urk.
7/113/99
; 7/113/107
).
Hinsichtlich des
Komplex
es
«Persönlichkeit»
ist festzuhalten, dass weder eine Persönlichkeitsakzentuierung noch eine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert wurde
n
. Die Gutachter erklärten, es gebe keine (psychiatrische
n
) dauerhafte
n
Gründe auf Persönlichkeitsebene, die mit einer reduzierten Arbeitsfähigkei
t ein
her
gingen
(
Urk.
7/113/100).
Demgegenüber bestünden durchaus intellektuelle Ressourcen; der Beschwerdeführer zeige sich gut organisiert, könne mit Akten umgehen und habe sich vor der Begutachtung informiert (
Urk.
7/113/111).
Zum Komplex
«Sozialer Kontext»
ergibt sich ferner,
dass der Beschwerdeführer in ein
intaktes Familienleben eingebettet ist (
Urk.
7/113/111)
.
Der Beschwerdeführer ist in dritter Ehe verheiratet, aus welcher drei Kinder hervorgegangen sind
(
Urk.
7/113/37)
;
als Hobby nannte
er
das Schreiben von «Poesie» in deutscher und kurdischer Sprache (
Urk.
7/113/79, 90
)
. Mit seiner Herkunftsfamilie steht er in gutem Kontakt (
Urk.
7/113/94). Zwar konnten die Gutachter hinsichtlich Tages
verlauf vom Beschwerdeführer
bloss
wenig Information erhältlich machen
, da
die Aussagebereitschaft selektiv und limitiert
gewirkt habe. Indes
sen
wiesen sie darauf hin, dass der Beschwerdeführer - im Gegensatz zu vielen anderen Pro
banden - alleine, ohne Begleitung, mit der Eisenbahn und dem Bus zur Begut
achtung
angereist sei. Ferner hielten sie fest, er habe angegeben, im Haushalt nichts zu machen, was er aber bereit
s früher nicht getan habe (Urk.
7/113/96).
4.4.3
Aufschlussreich ist
schliesslich
die Kategorie «Konsistenz». Im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung zeigten sich Kooperation und Motivation des Beschwer
defüh
r
ers erheblich verändert, nachdem ihm der Gutachter dargelegt hatte, dass eine Begutachtung bei
(dermassen)
zäher Interaktion nicht durch
führbar sei (
Urk.
7/113/97).
Sodann war
das
Verhalten
des Beschwerdeführers
in der Testsituation dermassen verzerrt, als sich neuropsychologische Auffällig
keiten im Ausmass einer Demenz zeigten, während
der Beschwerdeführer
kon
trastierend hierzu
mit der IV korrespondiere,
seine Beschwerden dokumentiere
und zahlreiche Dinge auf sein
em Handy bereit
halte (
Urk.
7/113/101).
Ferner wurden die Konsistenzparameter als erfüllt erachtet: es hätten sich unpräzis aus
weichende Schilderungen von Beschwerden, diffuse Beschwerdeschilderungen sowie Diskrepanzen zwischen den geschilderten Funktionsbeeinträchtigungen und den wenigen zu eruierenden Aktivitäten des Lebens ergeben. An einer sach
lichen Diskussionsmöglichkeit bezüglich Verweistätigkeiten habe es gemangelt, es hätten sich gewisse Diskrepanzen zwischen Medikamenten-Einnahme und laborchemisch bestimmtem Medikamentenspiegel gezeigt. Schliesslich seien Zeichen der Aggravation beim Antwortverhalten
erhoben worden
(Urk.
7/113/
109).
Dar
über hinaus erklärten die Gutachter, es zeige sich eine als legitim erlebte final ausgerichtete Entschädigungshaltung (E. 3.2.4).
4.4.4
Wie dargelegt, kann der Beweis für eine lang andauernde und erhebliche gesund
heitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Ge
samtbild einer Einschr
änkung in allen Leben
s
bereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt. Hingegen ist von der medizinisch-psychiatrischen Annahme einer Arbeitsunfähigkeit abzu
weichen, wenn diese, im Ergebnis, unter dem entscheidenden Gesichtswinkel von Konsistenz und materieller Beweislast der versicherten, rentenansprechenden Person zu wenig gesichert ist und insofern nicht überzeugt (BGE 145 V 361 E.
4.3 mit weiteren Hinweisen).
Dies ist vorliegend gegeben: die Sachverständigen habe
n
es versäumt, substantiiert darzutun, weshalb und inwieweit wegen
der von ihnen erhobenen Befunde
die Arbeitsfähigkeit im Ausmass von 50
%
einge
schränkt sein soll. In Anbetracht der nicht erheblich ausgeprägten Befunde
, der Vielzahl an psychosozialer Faktoren sowie vorhandener Ressourcen ist ihre Arbeitsunfähigkeitsschätzung nicht hinreichend nachvollziehbar. Insbesondere haben sie den entscheidenden Aspekt der Konsistenz weitgehend ausgeklammert.
Hieran ändert nichts, dass die Gutachter die von ihnen erhobenen Verzerrungen und
Diskrepanzen als «durchaus auch» im Einklang mit der von ihnen postu
lierten Verbitterungsstörung stehend bezeichneten
(
Urk.
7/113/109)
.
Das Leiden der Ver
bitterungsstö
rung lässt sich nicht zuverlässig der
Diagnose
eines anerkannten Klassifika
tionssystems
zuordnen, was grundsätzlich die A
nnahme eines invalidi
sierenden Gesundheitsschadens ausschliesst
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_822/2013 vom
4.
Juni 2014 E. 4.3 und 4.6)
.
Dass sich die genannten Inkon
sistenzen durch eine depressive Störung plausibilisieren liesse
n
, verneinten denn die Gutachter (
Urk.
7/113/109).
Mithin vermag ihre Ei
nschätzung
insofern
nicht zu überzeugen und fehlt es folglich an einem stimmigen Gesamtbild für die Annahme einer rechtlich relevanten ps
ychischen Funktionseinbusse.
Damit verbietet sich der Schluss auf eine Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht von 50
%
.
4.5
Nachdem eine Funktionseinbusse
aus
psychischen Gründen
nicht gesichert ist, besteht nicht nur
in
somatischer sondern auch psychischer Hinsicht in einer angepassten Tätigkeit eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit von 100
%
.
5.
5.1
Zu prüfen bleibt
damit
, wie sich die auf angepasste Tätigkeiten eingeschränkte Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers in erwerblicher Hinsicht auswirkt.
5.2
5.2.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothe
tischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invali
di
täts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
5.2.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Aus
nahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 144 I 103 E. 5.3, 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1).
Ist
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die versicherte Person die bisherige Tätigkeit unabhängig vom Eintritt der Invalidität nicht mehr ausgeübt hätte, kann das
Valideneinkommen
auf Grundlage der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) berech
net werden, wobei die für die Entlöhnung im Einzelfall gegebenenfalls rele
vanten persönlichen und beruflichen Faktoren zu berücksichtigen sind (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversi
cherung, 3. Auflage 2014,
Rn
55 f. zu Art.
28a
).
5.2.3
Gemäss Arbeitgeberfragebogen vom 3
1.
August 2017 war der Beschwerdeführer bis am 2
9.
Januar 2017 als Supervisor bei der
Y._
tätig. Nach einer längeren Arbeitsunfähigkeit
(nach
Verhebet
rauma
vgl.
Urk.
7/49/11;
Urk.
7/49/15)
wurde sein Arbeitsplatz angepasst und ihm ab Februar 2017 ein jährliches Einkommen von Fr. 72'020.-- ausgerichtet (
Urk.
7/48). Nachdem der Beschwerdeführer seine bisherige Arbeitsstelle infolge gesundheitlicher Ein
schrän
kungen verlor (v
gl. Kündigungsschreiben vom 26.
November 2018,
Urk.
3/5), ist am zuletzt als Supervisor
erzielten Lohn
anzuknüpfen (E.
5.2.2). Dieser ist gestützt auf die in den Jahren 2014 bis 2016 erwirtschafteten Einkom
men zu ermitteln und
-
zeitidentisch
zum Invalideneinkommen
(vgl. E.
5.3.2) -
der Nominall
ohnentwicklung bis ins Jahr 2018
anzupassen, was zu ei
nem jähr
lichen Einkommen von
Fr.
75'083.--
führt (vgl. IK-Auszug
,
Urk.
7/94: 2014:
Fr.
73'392.--
:
101.4
x
102.6
=
Fr.
74'260.--;
2015:
Fr.
76'096.--
:
102.2
x
102.6
=
Fr.
76'394.--;
2016:
Fr.
74'376.--
:
102.30
x
102.6
=
Fr.
74'594.-- [vgl. Bundes
amt für Statistik
, Tabelle T1.1.10, Nominallohnindex, Männer, 2011-2018, H 49-53, Verkehr und
Lagerei
). Das
Valideneinkommen
beträgt demnach Fr.
75'083.-
.
5.3
5.3.1
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausge
gebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden
(BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1). Die Verwendung der Tabellenlöhne ist subsidiär, das heisst deren Beizug erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl.
BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/Reichmuth,
Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
5.3.2
Da der Beschwerdeführer seine Arbeitsfähigkeit nicht verwertet, ist
zur Bemes
sung des
Invalideneinkommen
s
ein statistischer Tabellenlohn heranzuziehen. Mit Blick darauf, dass der Beschwerdeführer
bloss
über eine bescheidene Bildung
verfügt
(Grundschule, vgl.
Urk.
7/38/5)
, ist auf das standardisierte branchenun
abhängige monatliche
Einkommen
für
männliche Hilfskräfte (LSE 2018, Total in der Tabelle TA1, Kompetenzniveau 1, Männer) von
Fr.
5’417.-- abzustellen, was
bei einem Pensum von 100
%
zu einem jährlichen Lohn von
Fr.
67'767.-- führt (
Fr.
5'417.-- x 12 : 40 x 41.7 [Bundesamt für Statistik
, betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen in Stunden pro Woche,
T 03.02.03.01.04.01,
Total, 2018]).
5.3.3
Mit Bezug auf den behinderungs- beziehungsweise leidensbedingten Abzug ist zu beachten, dass das medizinische Anforderungs- und Belastungsprofil eine zum zeitlich zumutbaren Arbeitspensum tretende qualitative oder quantitative Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit darstellt, wodurch in erster Linie das Spektrum der erwerblichen Tätigkeiten (weiter) eingegrenzt wird, welche unter Berück
sichtigung der Fähigkeiten, Ausbildung und Berufserfahrung der versicherten Person realistischer Weise noch in Frage kommen. Davon zu unterscheiden ist die
Gegenstand des Abzugs vom Tabellenlohn bildende
Frage, ob mit Bezug auf eine konkret in Betracht fallende Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage verglichen mit einem gesunden Mitbewerber nur bei Inkaufnahme einer Lohn
einbusse reale Chancen für eine Anstellung bestehen (Urteil des Bundesgerichts 9C_796/2013 vom 28. Januar 2014 E.
3.1.1 mit Hinweisen).
Ist von einem genü
gend breiten Spektrum an zumutbaren Verweisungstätigkeiten auszugehen, können unter dem Titel leidensbedingter Abzug grundsätzlich nur Umstände berücksichtigt werden, die auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG) als ausserordentlich zu bezeichnen sind (
Urteil des Bundesgerichts
8C_297/2018 vom 6. Juli 2018 E. 3.5
).
Nachdem eine funktionelle Leistungseinbusse aus psychiatrischer Sicht nicht aus
gewiesen ist (E. 4.5), wird den
gesundheitlichen Einschränkungen des Beschwer
deführers mit dem Anforderungsprofil einer körperlich leichten Tätigkeit in Wech
selposition (E. 3.5) grundsätzlich hi
nreichend Rechnung getragen
. A
nge
sichts des Zumutbarkeitsprofils
ist
von einem genügend breiten Spektrum an zumutbaren Verweisungstätigkeiten auszugehen
, umfasst doch der Tabellenlohn im hier zugrunde gelegten Kompetenzniveau 1 bereits eine Vielzahl von
leichten und mittelschwe
ren Tätigkeiten (Urteil des Bundesgerichts 9C_447/2019 vom 8. Oktober 2019 E. 4.3.2)
. Folglich können unter dem Titel leidensbedingter Abzug grundsätzlich nur Umstände berücksichtigt werden, die auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt als ausserordentlich zu bezeichnen sind.
Weder das Alter noch die Nationalität - der Beschwerdeführer ist Schweizer (Urk. 7/39) - rechtfertigen einen Abzug vom Tabellenlohn. Ebenso wenig sind m
angelnde
Sprachkenntnisse oder ungenügende Ausbildung abzugsrelevant, da diesen Aspek
ten bei der Wahl des Kompetenzniveaus Rechnung zu tragen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_549/201
9 vom 26. November 2019 E. 7.7), welche Vorgabe mit dem Kompetenzniveau 1 erfüllt ist. Soweit der Beschwerdeführer
dennoch
einen Leidensabzug von mindestens 10
%
geltend machen lässt (
Urk.
1 S. 6), ver
mag er daraus nichts zu seinen Gunsten abzuleiten.
Auch wenn es an Anhalts
punkten dafür fehlt, dass der Beschwerdeführer seine Restarbeitsfähigkeit nur mit unterdurchschnittlichem Erfolg zu verwerten im Stande ist, führte die Gewährung eines leidensbedingten Abzuges nicht zu einem rentenbegründenden Invaliditäts
grad (vgl. nachfolgend E. 5.4).
5.4
Bei einem
Valideneinkommen
von
Fr.
75'083.-- und einem Invalideneinkommen von
Fr.
67'767.-- resultiert eine Einkommenseinbusse von
Fr.
7'316.-- und damit ein Invaliditätsgrad von rund 10
%
beziehungsweise bei der Gewährung eines Leidensabzuges von 10
%
ein solcher von rund 19
%
(
Fr.
67'767.-- x 0.9 = Fr. 60'990.--; Einkommenseinbusse von
Fr.
14'093.--).
Dies steht einem Renten
anspruch entgegen (E.
1.3).
Die angefochtene Verfügung ist daher nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen.
6.
Die Kosten des Verfahrens sind auf
Fr.
800.-- festzusetzen (
Art.
61
lit
.
f
bis
ATSG und
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
)
und ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzu
erlegen
.