# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 638136cb-a214-558c-8944-b39e77ce43be
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdegegner betreibt ein Lohnunternehmen in der Gemeinde Mattstetten.
Der Betrieb befindet sich im Dorfzentrum, die landwirtschaftlichen Maschinen und Geräte
sind an verschiedenen Standorten ausserhalb des Betriebszentrums untergebracht. Der
Beschwerdeführer plant, diese künftig an einem einzigen Standort ausserhalb des
Dorfzentrums unterzubringen und mit einer Reparaturwerkstätte sowie einer Wohnung zu
ergänzen. Aus diesem Grund gelangte er im August 2005 an die Gemeinde Mattstetten mit
dem Antrag, einen Teil der in der Landwirtschaftszone liegenden Parzelle Mattstetten
Grundbuchblatt Nr. I._ in die Gewerbezone umzuzonen. Das Grundstück befindet
sich ausserhalb des Siedlungsgebiets von Mattstetten an der Gemeindegrenze zu Urtenen-
Schönbühl. Es grenzt im Norden an die Autobahn A1 und im Westen an die
J._strasse.
Die Gemeinde liess eine Überbauungsordnung (ÜO) ausarbeiten. An der
Gemeindeversammlung vom 14. Juni 2007 beschlossen die Stimmberechtigten von
Mattstetten die ÜO U._ mit Zonenplanänderung, bestehend aus dem
Überbauungsplan und den Überbauungsvorschriften (ÜV). Mit Verfügung vom 18.
September 2007 genehmigte das Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) die ÜO
U._ und wies die Einsprachen ab, soweit es darauf eintrat. Gegen diese
Genehmigungsverfügung erhoben die Beschwerdeführenden 1, 3 und 4 sowie 5
Beschwerde bei der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion (JGK). Diese wies die
Beschwerden mit Entscheid vom 22. Januar 2009 ab. Dieser Entscheid erwuchs
unangefochten in Rechtskraft.
2. Der Beschwerdegegner reichte am 18. Mai 2009 bei der Gemeinde Mattstetten ein
vom 15. Mai 2009 datierendes Baugesuch ein für den Neubau einer Maschinenhalle mit
Werkstatt und Wohntrakt sowie einer Holzschnitzellagerhalle auf Parzelle Mattstetten
Grundbuchblatt Nr. I._. Die Parzelle liegt im Perimeter der ÜO U._.
Erschlossen wird sie über die J._strasse und einen M._weg. Die
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J._strasse befindet sich teilweise auf dem Gemeindegebiet von Mattstetten und
teilweise auf dem Gemeindegebiet von Urtenen-Schönbühl. Im Bereich der Bauparzelle
gehört die J._strasse zum Gemeindegebiet von Urtenen-Schönbühl. Leicht südlich
der Bauparzelle zweigt in Richtung Westen die L._strasse von der
J._strasse ab und führt durch einen Ortsteil von Urtenen-Schönbühl.
Gegen das Bauvorhaben erhoben unter anderen die Beschwerdeführenden 1-5
Einsprache. Die Beschwerdeführerin 1 machte hauptsächlich geltend, die Erschliessung
sei ungenügend und es sei eine koordinierte Planung über die beiden betroffenen
Gemeinden Mattstetten und Urtenen-Schönbühl im Gebiet der J._strasse an die
Hand zu nehmen. Gestützt auf den Antrag des Beschwerdegegners sistierte das
Regierungsstatthalteramt Fraubrunnen mit Verfügung vom 13. Oktober 2009 das
Verfahren, bis die Erschliessungsfrage mit den beiden betroffenen Gemeinden geregelt
sei. Am 1. Januar 2010 trat die Reform der dezentralen kantonalen Verwaltung in Kraft.
Zuständig für die Behandlung des Baugesuchs war nun das Regierungsstatthalteramt
Bern-Mittelland. Dieses hob die Sistierung des Verfahrens mit Verfügung vom 31. März
2011 auf, verlangte vom Beschwerdegegner weitere Unterlagen und holte verschiedene
Amtsberichte ein. Anschliessend gab es den Beteiligten Gelegenheit zur Stellungnahme.
Am 30. August 2011 teilte die Gemeinde Mattstetten mit, es sei eine Mediation zum Thema
Erschliessung vorgesehen. Sie beantragte deshalb die Aussetzung der Frist zur
Einreichung der Stellungnahmen. Am 31. August 2011 stellte der Beschwerdegegner ein
Gesuch um Sistierung bis zum Abschluss der Mediation. Am 11. Juni 2012 erwarb er den
von der ÜO U._ betroffenen Teil der Bauparzelle (Mattstetten Grundbuchblatt Nr.
K._). Mit Eingabe vom 30. Juli 2015 beantragte der Beschwerdegegner die
Aufhebung der Sistierung. Das Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland nahm das
Verfahren wieder auf. Mit Gesamtentscheid vom 24. November 2016 verneinte es die
Einsprachelegitimation des Beschwerdeführers 5 und erteilte dem Beschwerdegegner die
Baubewilligung.
3. Dagegen hat die Beschwerdeführerin 1 am 23. Dezember 2016 Beschwerde bei der
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) eingereicht. Sie beantragt,
die rechtliche Zulässigkeit der Einzonung des Baugrundstücks sei akzessorisch zu
überprüfen. Der Gesamtentscheid sei aufzuheben und dem Vorhaben sei der Bauabschlag
zu erteilen. Eventuell sei die Sache zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an die
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Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventuell sei die Baubewilligung mit einer Auflage zu
ergänzen, wonach mit dem Bau erst begonnen werden dürfe, wenn sichergestellt sei, dass
nach Betriebsaufnahme die in der Zone mit Planungspflicht (ZPP) Y._
vorgesehene verkehrstechnische Erschliessung für das nördliche Areal ab der
Kantonsstrasse im östlichen Teil der ZPP ebenfalls in Betrieb genommen werden könne.
Sie macht insbesondere geltend, die Anforderungen an die Ausscheidung von Bauzonen
seien mit dem Inkrafttreten des revidierten Raumplanungsrechts gestiegen. Daher dränge
sich eine Überprüfung der ÜO U._ auf. Weiter bringt die Beschwerdeführerin vor,
die falsche Standortangabe im Baugesuch (heutiger statt neuer Standort des
Unternehmens) habe betroffene Personen von der Einsprache abgehalten. Aufgrund der
unterschiedlichen Vermassung könne nicht nachvollzogen werden, ob sich die geplanten
Bauten innerhalb der Baufelder befänden. Das gemäss ÜO vorgeschriebene 3D-Modell
fehle. Es sei ungeklärt, ob die Entwässerung des Schutzwassers tatsächlich funktioniere.
Das Funktionieren der arealinternen Verkehrsabläufe sei zu Unrecht nicht näher überprüft
worden. Die strassenmässige Erschliessung sei ungenügend.
Die Beschwerdeführerinnen 2-4 haben am 27. Dezember 2016 je eine gleich lautende
Beschwerde eingereicht. Sie beantragen die Aufhebung des Gesamtentscheids vom 24.
November 2016 und die Erteilung des Bauabschlags. Eventuell sei die Sache an die Vor-
instanz zurückzuweisen. Sie machen insbesondere geltend, es sei ihnen die Akteneinsicht
verweigert worden. Aufgrund der falschen Standortangabe hätte die Publikation wiederholt
werden müssen. Das Bauvorhaben sei nicht genügend erschlossen und die Bauprofile
seien vor Jahren entfernt worden. Mehrere Vorschriften der ÜO U._ seien verletzt.
Der Beschwerdeführer 5 hat am 30. Dezember 2016 eine Beschwerde eingereicht. Er
beantragt die Aufhebung des Gesamtentscheids vom 24. November 2016 und die Erteilung
des Bauabschlags. Er macht insbesondere geltend, die Vorinstanz habe seine
Einsprachelegitimation zu Unrecht verneint. Zudem sei das Bauvorhaben ungenügend
erschlossen.
4. In seiner Beschwerdevernehmlassung vom 1. Februar 2017 verzichtet das
Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland auf das Einreichen einer förmlichen
Vernehmlassungseingabe. In seiner Beschwerdeantwort vom 3. Februar 2017 beantragt
der Beschwerdegegner die Abweisung der Beschwerden, soweit darauf einzutreten sei.
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Die Vorinstanz sei zu Recht davon ausgegangen, dass der Beschwerdeführer 5 nach dem
Verkauf der Nachbarparzelle nicht mehr einsprachelegitimiert sei. Die ÜO U._ sei
rechtsgültig zustande gekommen. Das Bauvorhaben generiere keinen signifikanten
Mehrverkehr. Die Bauparzelle sei genügend erschlossen. Die Voraussetzungen für eine
akzessorische Prüfung der Zonenplanänderung seien nicht erfüllt. Die Pläne seien
hinreichend vermasst und aussagekräftig.
5. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, holte bei der
Gemeinde die bewilligten Pläne und die angewendeten Gemeindevorschriften ein. Zudem
holte es beim AGR die Vorprüfungs- und Genehmigungsakten betreffend die ÜO
U._ ein. Von der Möglichkeit, allfällige Schlussbemerkungen einzureichen, machte
einzig der Beschwerdeführer 5 Gebrauch. Auf die Rechtsschriften und Akten wird, soweit
für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Der Entscheid des Regierungsstatthalteramts Bern-Mittelland ist ein
Gesamtentscheid im Sinne von Art. 9 KoG2. Er ist gestützt auf Art. 11 Abs. 1 KoG in
Verbindung mit Art. 5 Abs. 1 KoG mit Baubeschwerde nach Art. 40 Abs. 1 BauG3 bei der
BVE anfechtbar. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde zuständig. Die
Beschwerden sind innert der Rechtsmittelfrist eingereicht worden (Art. 40 Abs. 1 BauG in
Verbindung mit Art. 41 Abs. 1 und 2 VRPG4). Sie entsprechen den Formvorschriften von
Art. 32 VRPG.
b) Die Beschwerdeführerin 1 und die Beschwerdeführerinnen 2-4 haben sich
zulässigerweise als Einsprecherinnen am Baubewilligungsverfahren beteiligt (Art. 35 Abs.
2 Bst. c BauG bzw. Art. 35 Abs. 2 Bst. a BauG). Sie sind deshalb zur Beschwerde befugt
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0) 4 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
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(Art. 40 Abs. 2 BauG). Auf ihre Beschwerden ist vorbehältlich der nachfolgenden
Erwägungen einzutreten.
c) Der Beschwerdeführer 5 hat sich als Einsprecher am Baubewilligungsverfahren
beteiligt. Er ist zur Beschwerde befugt, soweit es um seine Einsprachelegitimation im vor-
instanzlichen Verfahren geht (Art. 65 Abs. 1 VRPG). Seine materiellen Rügen gegen den
Gesamtentscheid können jedoch nur gehört werden, wenn die Vorinstanz die
Einsprachelegitimation zu Unrecht verneint hat. In diesem Sinn ist auf seine Beschwerde
einzutreten.
2. Akzessorische Prüfung der ÜO U._
a) Die Beschwerdeführerin 1 macht geltend, die Voraussetzungen für eine
akzessorische Überprüfung der ÜO seien erfüllt. Während des ganzen
Planerlassverfahrens hätten der Beschwerdegegner und die Gemeinde Mattstetten
vorgegeben, die Erschliessung erfolge Richtung Dorf Mattstetten und Richtung
Kantonsstrasse. Im Betriebskonzept würden die möglichen Erschliessungsachsen
ausdrücklich über die J._strasse nach Mattstetten sowie über den Feldweg
Richtung Osten dargestellt. Von diesem Erschliessungskonzept sei die JGK in ihrem
Entscheid vom 22. Januar 2009 ausgegangen. Sie habe sich vom Grundsatz leiten lassen,
dass im Plangenehmigungsverfahren lediglich zu prüfen sei, ob das eingezonte Gebiet
erschliessbar sei. Zudem habe sie erwogen, dass in der Nähe weitere Baubewilligungen
erteilt worden seien und die vorhandene Erschliessung als genügend beurteilt worden sei.
Mit dem angefochtenen Entscheid werde nun die Erschliessung über den L._weg
erzwungen. Sowohl während der Erarbeitung des Erschliessungskonzepts mit der
Gemeinde Mattstetten als auch während des Mediationsprozesses sei aber nie die Rede
davon gewesen, dass die L._strasse gerade in jenem Bereich, in welchem sie zur
Hauptsache der Aufnahme des aus den Wohnsiedlungen stammenden Verkehrs diene,
weiteren Verkehr aus einer Arbeitszone der Nachbargemeinde aufnehmen solle. Das
Ausmass der planerischen Festlegungen und insbesondere deren Auswirkungen auf die
Beschwerdeführerin 1 sei in keiner Weise absehbar gewesen. Es sei immer nur die Rede
davon gewesen, dass die Verkehrsverhältnisse auf der J._strasse verbessert
werden müssten. Der fragliche Abschnitt der L._strasse sei nie als genügende
Erschliessung für die Einzonung in der Gemeinde Mattstetten zur Diskussion gestanden.
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Zudem gelte seit dem 1. Mai 2014 das revidierte Raumplanungsrecht. Die Anforderungen
an die Ausscheidung von Bauzonen seien stark gestiegen. Die eingezonte Fläche sei von
Fruchtfolgeflächen umgeben und wäre selber eine, wenn sie nicht eingezont worden wäre.
Bereits wegen der suggerierten Hauptverkehrsrichtungen des Betriebs hätte die Einzonung
als eigentliche Zoneninsel wohl gar nicht genehmigt werden dürfen. Sowohl aufgrund der
völlig veränderten Erschliessungssituation als auch wegen der massgebend geänderten
gesetzlichen Grundlagen dränge sich eine Neubeurteilung der mit der
Überbauungsordnung U._ erfolgten Einzonung auf. Die Planung beruhe auf der
Einzelinitiative eines Unternehmens. Eine Gesamtschau fehle.
b) Eine ÜO ist ein Nutzungsplan der dazu dient, für bestimmte Bauvorhaben eine
angepasste bau- und planungsrechtliche Ordnung zu schaffen. Wer mit den Festlegungen
in einer ÜO nicht einverstanden ist, kann und muss dagegen den ordentlichen
Rechtsmittelweg beschreiten (vgl. Art. 61a BauG). Nutzungspläne können im
Baubewilligungsverfahren grundsätzlich nicht mehr in Frage gestellt werden. Sie vermögen
die ihr zugedachte Funktion (vgl. Art. 14 und 21 RPG5) nur zu erfüllen, wenn ihnen
Verbindlichkeit und Beständigkeit zukommt und sie nur bei Vorliegen besonderer
Umstände bzw. erheblich veränderter Verhältnisse in Frage gestellt und revidiert werden
können.6 Eine nachträgliche (akzessorische) Prüfung von Nutzungsplänen im
Baubewilligungsverfahren ist deshalb nur ausnahmsweise möglich, wenn die Betroffenen
beim Planerlass keine Anfechtungsmöglichkeiten hatten oder das Ausmass der
Beschränkungen noch nicht klar war oder sich die tatsächlichen Verhältnisse oder die
gesetzlichen Voraussetzungen seit Annahme des Plans in einer Weise geändert haben,
dass das öffentliche Interesse an der Beibehaltung der auferlegten Nutzungsbeschränkung
dahingefallen sein könnte.7
c) Wie die Beschwerdeführerinnen 2 und 3 sowie der Beschwerdeführer 5 hat auch die
Beschwerdeführerin 1 seinerzeit Einsprache gegen die ÜO U._ erhoben und
anschliessend eine Beschwerde gegen die Genehmigungsverfügung des AGR eingereicht.
Die Fragen der Einzonung und der genügenden Erschliessung waren Thema des
Genehmigungs- und Beschwerdeverfahrens. Dabei wurde insbesondere auch
berücksichtigt, dass das zur Einzonung vorgesehene Land zum Teil im Inventar der
5 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700) 6 BGE 119 Ib 480 E. 5c 7 BGE 135 II 209 E. 5.1, 131 II 103 E. 2.4.1, 127 I 103 E. 6b, 123 II 337 E. 3a; BVR 2005 S. 443 E. 5.5; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 35-35c N. 2 Bst. b
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Fruchtfolgeflächen enthalten war.8 Bezüglich der Erschliessung trifft es zwar zu, dass eine
Erschliessung von Mattstetten her über die P._ und die J._strasse im
Vordergrund stand. Dies wurde jedoch in der ÜO nicht verbindlich festgelegt. Geregelt
wurden lediglich die Zu- und Wegfahrten auf den M._weg der Gemeinde
Mattstetten. Zudem wurde mit einer Baulinie Raum für den Ausbau der J._strasse
und den Bau einer neuen Verbindungsstrasse gesichert. Im Übrigen wurde die Frage der
genügenden Erschliessung nicht abschliessend beurteilt. Sowohl das AGR als auch die
JGK hielten lediglich fest, dass das einzuzonende Grundstück erschliessbar sei.9 Die
Beschwerdeführerin 1 hat darauf verzichtet, den Entscheid der JGK beim
Verwaltungsgericht anzufechten. Soweit sie nun Kritik am rechtskräftigen Entscheid der
JGK übt, kann sie nicht gehört werden. Eine wesentliche Änderung der tatsächlichen
Verhältnisse liegt nicht vor. Die ÜO wurde für den Betrieb des Beschwerdegegners
geschaffen und wird nach wie vor für diesen Zweck benötigt. Ob die Bauparzelle genügend
erschlossen ist und ob dazu die L._strasse berücksichtigt werden darf, ist im
Rahmen des Baubewilligungs- bzw.- Baubeschwerdeverfahrens zu prüfen. Am 1. Mai 2014
trat das revidierte RPG in Kraft. Nach der Übergangsbestimmung von Art. 38a RPG haben
die Kantone innert fünf Jahren ihre Richtpläne an das geänderte Bundesrecht anzupassen.
Bis zur Genehmigung dieser Richtplananpassung durch den Bundesrat darf im
betreffenden Kanton die Fläche der Bauzonen insgesamt nicht vergrössert werden. Nach
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist Art. 38a Abs. 2 RPG grundsätzlich auf alle
Einzonungen anwendbar, über die am 1. Mai 2014 noch nicht kantonal letztinstanzlich
entschieden war.10 Die ÜO U._ ist somit nicht betroffen. Im Übrigen wird weder
geltend gemacht noch ist ersichtlich, dass die Bauzonen in Mattstetten generell
überdimensioniert wären, so dass eine Anpassung des Zonenplans erforderlich wäre (Art.
21 Abs. 2 RPG). Die Voraussetzungen für eine akzessorische Prüfung der ÜO U._
liegen nicht vor. Die nachträgliche Anfechtung ist ausgeschlossen. Auf Ziff. 1 des Rechtsbegehrens der Beschwerdeführerin 1 kann deshalb nicht eingetreten werden.
3. Rechtliches Gehör
8 Vgl. Vorprüfungsakten des AGR, Eingabe des Amts für Landwirtschaft vom 24. Januar 2007 9 Vgl. Verfügung des AGR vom 18. September 2007 E. 3.1 und 3.2; Beschwerdeentscheid der JGK vom 22. Januar 2009 E. 5 10 BGE 141 II 393 E. 3 S. 399 f.
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a) Die Beschwerdeführerinnen 2-4 machen eine Verweigerung des Akteneinsichtsrechts
geltend. Sie bemängeln, dass ihnen weder Einsicht in die Mediationsvereinbarung noch in
die Akten zu den weiteren Verfahren betreffend die J._strasse gewährt worden
sei, obwohl im angefochtenen Entscheid mehrfach darauf Bezug genommen werde. Zwar
werde behauptet, diese Akten hätten keinen Einfluss auf das Verfahren. Die
Beschwerdeführerinnen 2-4 könnten dies jedoch ohne Akteneinsicht nicht beurteilen.
Auch der Beschwerdeführer 5 rügt eine Verletzung seines Anspruchs auf rechtliches
Gehör. Er macht geltend, er habe in seiner Eingabe vom 2. Mai 2016 ausführlich dargelegt,
warum er einsprachelegitimiert sei. Damit habe sich die Vorinstanz gar nicht wirklich
auseinandergesetzt, sondern lediglich festgehalten, dass der Beschwerdeführer 5 als
natürliche Person Einsprache gemacht habe und nicht die juristische Person E._
AG, und dass man mit der Einsprache nicht ausschliesslich öffentliche Interessen,
Interessen Dritter oder bloss mittelbare Interessen geltend machen könne.
b) Der Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 21 ff. VRPG gibt den Parteien das
Recht, sich zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten
zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung
wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu
äussern. Der Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt zudem, dass die Behörde die
Vorbringen der in ihrer Rechtsstellung Betroffenen sorgfältig prüft und beim Entscheid
berücksichtigt. Daraus folgt die Verpflichtung der Behörde, ihre Verfügung zu begründen
(vgl. Art. 52 Abs. 1 Bst. b VRPG). Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist ein formeller
Anspruch; die Verletzung des rechtlichen Gehörs führt deshalb grundsätzlich zur
Aufhebung des angefochtenen Entscheids. Eine Gehörsverletzung kann aber dann geheilt
werden, wenn die Rechtsmittelinstanz dieselbe Kognition hat wie die Vorinstanz und der
beschwerdeführenden Person aus der Heilung kein Nachteil erwächst. Bei besonders
schwerwiegenden Gehörsverletzungen schliesst die Rechtsprechung jedoch eine Heilung
grundsätzlich aus.11 Die Heilung des rechtlichen Gehörs ist allenfalls bei der
Kostenverlegung zu berücksichtigen.12
c) Das Akteneinsichtsrecht erstreckt sich grundsätzlich auf alle verfahrensbezogenen
Akten, die geeignet sind, Grundlage des Entscheids zu bilden, d.h. entscheidrelevant sind
11 BVR 2012 S. 28 E. 2.3.5; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 21 N. 16 12 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 108 N. 9
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oder sein könnten. Die Akteneinsicht ist auch zu gewähren, wenn dadurch der Entscheid in
der Sache nicht beeinflusst werden kann. Die Einsicht in die Akten, die für ein bestimmtes
Verfahren erstellt oder beigezogen wurden, kann somit nicht mit der Begründung
verweigert werden, die betreffenden Dokumente seien für den Verfahrensausgang
belanglos. Es muss vielmehr den Betroffenen selber überlassen sein, die Relevanz der
Akten zu beurteilen.13 Hingegen besteht kein Anspruch auf Einsicht in verwaltungsinterne
Akten.14
Umstritten ist unter anderem die genügende Erschliessung der Bauparzelle. Das
Baubewilligungsverfahren wurde zweimal zwecks Klärung der Verkehrs- und
Erschliessungssituation sistiert. Die beiden Gemeinden Mattstetten und Urtenen-
Schönbühl schlossen eine Mediationsvereinbarung ab und leiteten zu deren Umsetzung
Verfahren zum Erlass von Verkehrsbeschränkungsmassnahmen sowie
Baubewilligungsverfahren ein. Die Unterlagen und Akten, die die Beschwerdeführerinnen
2-4 einsehen wollen, stammen somit aus anderen Verfahren. Allerdings bezogen sich die
anderen Parteien in ihren Rechtsschriften auf die Mediationsvereinbarung und die gestützt
darauf eingeleiteten Verfahren. Umstritten war insbesondere, ob eine Abhängigkeit
zwischen diesen Verfahren und dem Baubewilligungsverfahren bestand bzw. ob die
Bauparzelle unabhängig vom Ergebnis in jenen Verfahren genügend erschlossen sei.15
Auch die Vorinstanz bezog sich in ihrer verfahrensleitenden Verfügung vom 21. Dezember
201516 und im angefochtenen Entscheid ausdrücklich auf die Mediationsvereinbarung
sowie auf die gestützt darauf verfügten Verkehrsbeschränkungsmassnahmen und
eingeleiteten Baubewilligungsverfahren. Sie kam zum Schluss, dass die fraglichen
Verfahren keinen Einfluss auf die Frage der genügenden Erschliessung der Bauparzelle
hätten. Sie hat die fraglichen Akten somit beigezogen. Diese bildeten Grundlage des
angefochtenen Entscheids. Die Rüge der Beschwerdeführerinnen 2-4, es sei ihnen die
Akteneinsicht verweigert worden, erweist sich deshalb als begründet.
d) Eine Begründung muss so abgefasst sein, dass die Betroffenen die Verfügung
sachgerecht anfechten können. Es müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt
13 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 23 N. 1 ff.; BGE 132 V 387 E. 3.2 mit Hinweisen 14 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 23 N. 8; BGE 132 II 485 E. 3 S. 494 f.; 125 II 473 E. 4a mit Hinweisen; Urteil 1C_388/2009 vom 17. Februar 2010 E. 5.2 15 Vgl. insbesondere Eingabe des Beschwerdegegners vom 30. Juli 2015, Vorakten pag. 377 ff.; Eingabe des Beschwerdeführers 5 vom 26. Oktober 2015, Vorakten pag. 441 ff.; Eingabe der Beschwerdeführerin 1 vom 10. November 2015, Vorakten pag. 453 ff. 16 Vorakten pag. 459 ff.
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werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt.
Die Behörde muss jedoch nicht auf jedes Argument der Parteien eingehen; es genügt,
wenn sie sich mit den wesentlichen Gesichtspunkten auseinandergesetzt hat.17 Die
Vorinstanz gab dem Beschwerdeführer 5 nach dem Verkauf der Nachbarparzelle
Gelegenheit, zur Frage seiner Einsprachelegitimation Stellung zu nehmen. Im
angefochtenen Entscheid verneinte sie die Einsprachelegitimation mit der Begründung, der
Beschwerdeführer 5 sei nicht mehr Nachbar des Baugrundstücks. Er habe als Privatperson
und nicht im Namen seiner Firma Einsprache erhoben. Er sei vom geplanten Bauvorhaben
nicht stärker betroffen als ein Dritter. Daher sei er nicht mehr zur Einspracheerhebung
legitimiert. Damit sind die Überlegungen, von denen sich die Vorinstanz hat leiten lassen,
erkennbar. Der Beschwerdeführer 5 war denn auch in der Lage, den vorinstanzlichen
Entscheid sachgerecht anzufechten. Soweit er eine Verletzung des Anspruchs auf
rechtliches Gehör geltend machen will, ist die Rüge unbegründet.
4. Einsprachelegitimation des Beschwerdeführers 5
a) Der Beschwerdeführer 5 war im Zeitpunkt der Einreichung seiner Einsprache
Eigentümer der Parzelle Mattstetten Grundbuchblatt Nr. N._. Diese wird vom
Baugrundstück lediglich durch den M._weg im Eigentum der Gemeinde
Mattstetten (Parzelle Mattstetten Grundbuchblatt Nr. O._) getrennt. Im Laufe des
Verfahrens veräusserte der Beschwerdeführer 5 dieses Grundstück. Er räumt in seiner
Beschwerde ein, dass seine Legitimation als Nachbar durch den Verkauf der Parzelle Nr.
N._ weggefallen sei. Er ist aber der Auffassung, er sei auch aus anderen Gründen
persönlich mehr als jedermann betroffen. Er und seine Familie würden direkt an der
P._gasse im Dorfkern von Mattstetten wohnen, wo er bis vor kurzem auch einen
Landwirtschaftsbetrieb geführt habe. Aus diesem Betrieb seien ihm rund 1 ha Land im
Dorfzentrum und diverse landwirtschaftliche Fahrzeuge verblieben. Er sei ein intensiver
Nutzer der P._gasse und der weiterführenden Verkehrsanlagen im Dorfkern, die
durch den Zusatzverkehr, den das Bauvorhaben vom neuen Standort via
P._gasse verursachen würde, zusätzlich erheblich belastet. Er befahre diese
täglich in allen Richtungen mehrfach mit privaten und landwirtschaftlichen Fahrzeugen. Er
sei deshalb persönlich und unmittelbar mehr als die Allgemeinheit oder ein bloss
17 BVR 2013 S. 443 E. 3.1.1; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 52 N. 5
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gelegentlicher bzw. nicht dort wohnhafter Benützer der P._gasse und der
Verkehrsanlagen im Dorfkern von Mattstetten von den Auswirkungen des Bauvorhabens
betroffen. Richtig sei, dass die Einsprache nicht von der E._ AG eingereicht
worden sei. Allerdings sei diese durch die Auswirkungen des Bauvorhabens ebenfalls
unmittelbar in ihren schützenswerten Interessen betroffen und durch die zusätzlichen
Belastungen und Gefährdungen zumindest durch finanzielle Nachteile bedroht, welche er
als Alleineigentümer wie ein Einzelunternehmer wirtschaftlich vollständig zu verantworten
und zu tragen habe. Somit sei er als Anwohner, Landwirt und Unternehmer durch das
Bauvorhaben und die davon ausgehenden erheblichen zusätzlichen Belastungen und
Gefährdungen persönlich und unmittelbar und mehr als die Allgemeinheit betroffen.
b) Gemäss Art. 35 Abs. 2 Bst. a BauG ist zur Einsprache gegen ein Bauvorhaben
befugt, wer unmittelbar in eigenen schutzwürdigen Interessen betroffen ist. Dies ist dann
der Fall, wenn eine Person dadurch in höherem Masse als die Allgemeinheit betroffen ist
und zum Streitgegenstand eine besondere Beziehungsnähe hat. Die Betroffenheit kann
rechtlicher oder tatsächlicher Natur sein. Sie muss aber hinreichend sein, das heisst eine
bestimmte Intensität erreichen, so dass von der Abwendung eines materiellen oder ideellen
Nachteils gesprochen werden kann. Der Nachteil muss persönlich und unmittelbar sein.
Diese Anforderungen grenzen die Einsprache betroffener Drittpersonen von der
unzulässigen Populareinsprache ab. Ein bloss mittelbares oder ausschliesslich
allgemeines öffentliches Interesse berechtigt nicht zur Einsprache.18 Nach der
Rechtsprechung des Bundesgerichts muss die besondere Beziehungsnähe zum
Streitgegenstand bei Bauprojekten insbesondere in räumlicher Hinsicht gegeben sein. Es
wird aber darauf verzichtet, auf bestimmte feste Werte abzustellen.19 In der Regel wird die
Einsprachebefugnis der Nachbarinnen und Nachbarn anerkannt, wenn ihre Liegenschaft
unmittelbar an das Baugrundstück angrenzt oder nur durch einen Verkehrsträger davon
getrennt wird.20 Als Richtwert gilt aber ein Abstand von etwa 100 m zum umstrittenen
Bauvorhaben. Bei grösseren Entfernungen muss eine Beeinträchtigung aufgrund der
konkreten Gegebenheiten glaubhaft gemacht werden.21 Daneben wird eine besondere
Betroffenheit vor allem in den Fällen bejaht, in denen von einer Anlage mit Sicherheit oder
18 BGE 123 II 376 E. 2; BVR 2006 S. 261 E. 2.2, mit weiteren Hinweisen; Merkli/ Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 65 N. 8 f. und Art. 79 N. 1; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 3. Aufl., Band I, Bern 2007, Art. 35/35a N. 16, mit weiteren Hinweisen 19 BGE 120 Ib 59 E. 1 c, 119 Ib 179 E. 1c, BGE 113 Ib 225 E. 1 c 20 BGE 121 II 171 E. 2b, mit Hinweisen; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 35/35a N. 17 21 BGE 140 II 214 E. 2.3
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grosser Wahrscheinlichkeit Immissionen auf Nachbargrundstücke ausgehen.22 Allerdings
ergibt sich die Legitimation nicht schon allein aus der räumlichen Nähe, sondern erst aus
einer daraus herrührenden besonderen Betroffenheit. Der Kreis der betroffenen
Nachbarschaft muss daher im Einzelfall nach den konkreten Verhältnissen bestimmt
werden.23 Bei der Beurteilung der Legitimation ist auf die Rechtsbehauptungen der
opponierenden Person abzustellen und es ist danach zu fragen, ob diese – angenommen
ihre Behauptungen träfen zu – vom strittigen Bauvorhaben unmittelbar in eigenen
schutzwürdigen Interessen betroffen wäre.24
c) Es ist unbestritten, dass dem Beschwerdeführer 5 nach dem Verkauf der
Nachbarparzelle die besonders nahe Beziehung zum Bauvorhaben fehlt, die seine
Einsprachelegitimation als unproblematisch erscheinen liesse. Er wohnt im Dorfzentrum
von Mattstetten an der P._gasse 6f und ist Eigentümer der Grundstücke
Mattstetten Grundbuchblatt Nrn. Q._, R._, S._ und T._.
Diese Grundstücke sind mehr als 600 m Luftlinie vom Baugrundstück entfernt. Es fehlt
daher an der unmittelbaren räumlichen Nähe. Zudem liegen die Autobahn A1 und die SBB-
Neubaustrecke dazwischen. Es kann deshalb ausgeschlossen werden, dass vom
geplanten Betrieb des Beschwerdegegners Immissionen auf die Grundstücke des
Beschwerdeführers 5 ausgehen werden. Der Beschwerdeführer 5 hat ausschliesslich als
Privatperson Einsprache erhoben. Soweit er nun geltend macht, er sei auch von den
Nachteilen betroffen, die seine Firma durch das Bauvorhaben erleide, handelt es sich
lediglich um eine mittelbare Betroffenheit, die nicht zur Einsprache berechtigt.
Der Betrieb des Beschwerdegegners befindet sich heute im Dorfzentrum von Mattstetten,
etwa 115 m von den Grundstücken des Beschwerdeführers 5 entfernt. Der
Beschwerdegegner benutzt bereits heute mit seinen Fahrzeugen das bestehende
Strassennetz rund um seinen Betrieb. Dazu gehört auch die P._gasse. Es mag
sein, dass aufgrund der Verlegung des Unternehmens an den U._ gewisse
Veränderungen bezüglich der Strassenbenutzung eintreten werden. Ob dadurch die
P._gasse künftig mehr oder weniger genutzt wird, lässt sich jedoch nicht
abschliessend voraussagen, da Prognosen über das künftige Verkehrsaufkommen
zwangsläufig mit beträchtlichen Unsicherheiten verbunden sind. Dies hängt vor allem von
22 BGE 136 II 281 E. 2.3.1; 121 II 171 E. 2b 23 BGE 123 II 376 E. 4b/aa; VGE 20808 vom 8.8.2000 i.S. P., E. 4a/aa; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 65 N. 11 24 BVR 2006 S. 261 E. 2.2, 2000 S. 139 E. 2b; VGE 20944 vom 3.4.2001 E. 3; Aldo Zaugg, Kommentar zum bernischen BauG, 2. Aufl. 1995, Art. 35/35a N. 16; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 65 N. 4
RA Nr. 110/2016/192 14
der Auftragslage und dem Kundenkreis des Beschwerdegegners ab. Insgesamt ist
aufgrund der blossen Standortverlegung des bestehenden Betriebs kein Mehrverkehr auf
dem umliegenden Strassennetz zu erwarten. Unter Berücksichtigung der grossen
Entfernung zwischen dem neuen Betriebsstandort des Beschwerdegegners und den
Liegenschaften des Beschwerdeführers 5 ist auch nicht davon auszugehen, dass eine
deutlich wahrnehmbare zusätzliche Immissionsbelastung entstehen wird. Es ist ferner nicht
ersichtlich, inwiefern dem Beschwerdeführer 5 als regelmässigem Benützer des gleichen
Strassennetzes durch die Verlegung des Lohnunternehmens Nachteile drohen sollten, von
denen er stärker als die übrigen Nutzerinnen und Nutzer des Strassennetzes betroffen
wäre. Unter Würdigung der gesamten Umstände ist deshalb nicht davon auszugehen, dass
das Bauvorhaben für den Beschwerdeführer 5 besondere Beeinträchtigungen von einer
genügenden Intensität zur Folge haben wird. Die Vorinstanz hat seine
Einsprachelegitimation somit zu Recht verneint. Die Beschwerde des Beschwerdeführers 5
ist deshalb abzuweisen.
5. Mangelhafte Bekanntmachung
a) Sowohl in den Baugesuchsformularen und auf dem Parkplatznachweis als auch in
der Baupublikation wurde als Standortadresse nicht die J._strasse, sondern die
W._strasse genannt. Die Beschwerdeführerin 1 bemängelt die falsche
Standortangabe im Baugesuch. Diese möge für die Einsprechenden, die sich am
Verfahren beteiligt hätten, keinen Nachteil bewirkt haben. Aufgrund der Standortangabe sei
aber der Eindruck entstanden, der Beschwerdegegner wolle am bisherigen Standort eine
Baute realisieren. Der Umstand, dass keine Nachbarn aus der L._- oder
V._strasse Einsprache erhoben hätten, lasse darauf schliessen, dass sich
verschiedene Personen von der falschen Standortangabe in die Irre führen liessen. Die
Beschwerdeführerinnen 2-4 bemängeln die falsche Standortangabe in der Publikation.
Zwischen der publizierten Adresse im Zentrum von Mattstetten und der korrekten Adresse
der Bauparzelle ausserhalb von Mattstetten an der Grenze zu Urtenen-Schönbühl bestehe
eine Distanz von 1.3 km. Aufgrund der Publikation habe die Bevölkerung von Urtenen-
Schönbühl davon ausgehen dürfen, dass es sich um ein Bauvorhaben im Zentrum von
Mattstetten handle. Es sei davon auszugehen, dass bei korrekter Publikation weitere
Betroffene von ihrem Einspracherecht Gebrauch gemacht hätten. Zudem seien die
Bauprofile kurz nach Ablauf der Einsprachefrist entfernt worden.
RA Nr. 110/2016/192 15
b) Weder die Beschwerdeführerin 1 noch die Beschwerdeführerinnen 2-4 haben sich
wegen der falschen Standortangabe in den Baugesuchsunterlagen bzw. in der Publikation
von der Einspracheerhebung abhalten lassen. Sie konnten sich somit trotz der Mängel
ohne Nachteil am Baubewilligungsverfahren beteiligen. Sie können deshalb aus der
mangelhaften Bekanntmachung keine Rechte ableiten.25 Sie haben auch durch die zu
frühe Entfernung der Profile keinen Nachteil erlitten, da sie sich bereits im vorinstanzlichen
Verfahren ein genügendes Bild vom Bauvorhaben machen konnten. Soweit sie damit die
Verletzung Verfahrensrechte Dritter geltend machen, kann nicht auf die Beschwerden
eingetreten werden. Die BVE prüft die Frage der mangelhaften Publikation allerdings von
Amtes wegen (vgl. Art. 40 Abs. 3 BauG).
c) Das Baubewilligungsverfahren soll sicherstellen, dass allfällige, von einem
Bauvorhaben berührte öffentliche oder private Interessen gewahrt werden können. Aus
diesem Grund sind Bau- und Ausnahmegesuche nach den Bestimmungen des
Baubewilligungsdekrets zu veröffentlichen oder den Anstössern sowie weiteren Personen,
die davon betroffen sein könnten, mitzuteilen. Der Bekanntmachung ist der Hinweis auf das
Recht zur Einsprache beizufügen (Art. 35 Abs. 1 BauG). Die Veröffentlichung erfolgt in
zwei aufeinanderfolgenden Nummern des amtlichen Anzeigers. Vorbehalten bleibt die
Veröffentlichung im Amtsblatt, wenn es die Gesetzgebung vorsieht (Art. 26 Abs. 2 BewD26).
Der Inhalt der Publikation wird in Art. 26 Abs. 3 BewD umschrieben. Sie hat unter anderem
die Parzelle mit Angabe der genauen Lage oder der Koordinaten sowie die allgemeine
Umschreibung des Bauvorhabens zu enthalten (Art. 26 Abs. 3 Bst b BewD). Die
Publikation muss so aussagekräftig sein, dass die betroffenen Personen entscheiden
können, ob sie in die vollständigen Baugesuchsakten Einsicht nehmen und allenfalls
Einsprache erheben wollen oder nicht. Fehlt in der Baupublikation ein wesentliches
Element des Bauvorhabens, stellt dies eine Verletzung des rechtlichen Gehörs der
Betroffenen dar.27 Unterbleibt die gebotene Bekanntmachung oder ist sie in wichtigen
Punkten unvollständig, läuft die Einsprachefrist nicht. Einspracheberechtigte Personen
25 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 35-35c N. 11 26 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 27 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 35-35c N. 8 f.
RA Nr. 110/2016/192 16
oder Organisationen können nachträglich Einsprache oder Baubeschwerde erheben,
sobald sie Kenntnis vom Bauvorhaben oder vom Bauentscheid erlangt haben.28
d) Es ist unbestritten, dass der Publikationstext mangelhaft war. Der Standort wurde mit
«Mattstetten, W._strasse 21, Parzelle Nr. I._, UeO "U._"»
bezeichnet. Die Publikation enthielt zwar den Gemeindenamen und die Parzellennummer,
so dass der Standort des Bauvorhabens bestimmt werden konnte. Dazu wären aber
Nachforschungen erforderlich gewesen, sind doch Parzellennummern in der Regel für die
meisten zur Einsprache legitimierten Personen wenig aussagekräftig. Ortskundige
Personen konnten wohl auch aufgrund des Namens der ÜO ableiten, dass sich der
Standort des Bauvorhabens nicht im Dorfzentrum von Mattstetten, sondern an der Grenze
zu Urtenen-Schönbühl befand. Es kann jedoch nicht davon ausgegangen werden, dass der
Flurname "U._" allen zur Einsprache legitimierten Personen bekannt war.
Augenfällig und leicht zu lokalisieren war die angegebene Adresse im Dorfzentrum von
Mattstetten. Da es sich dabei um die Wohnadresse des Beschwerdegegners und um die
Domiziladresse seines land- und forstwirtschaftlichen Lohnunternehmens handelt, war die
publizierte falsche Standortadresse geeignet, bei potenziellen Einsprecherinnen und
Einsprechern aus dem X._quartier von Urtenen-Schönbühl den Eindruck zu
erwecken, das Bauvorhaben solle im Dorfzentrum von Mattstetten am bestehenden
Standort des Unternehmens realisiert werden. Es lässt sich deshalb nicht ausschliessen,
dass weitere Personen Einsprache erhoben hätten, wenn die korrekte Standortadresse
publiziert worden wäre. Erschwerend kommt hinzu, dass auch auf den
Baugesuchsformularen und im Verfahrensprogramm die falsche Standortadresse enthalten
ist. Eine erneute korrekte Publikation erscheint deshalb als geboten. Die mangelhafte
Publikation war der Vorinstanz zudem bekannt, wurde sie doch von Einsprechenden
ausdrücklich gerügt. Zwecks Wahrung des rechtlichen Gehörs sämtlicher hinreichend
Betroffenen im Baubewilligungsverfahren hätte sie deshalb die Publikation mit den
korrekten Angaben zum Standort wiederholen müssen.
6. Vermassung des Bauvorhabens
28 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 35-35c N. 11
RA Nr. 110/2016/192 17
a) Die Beschwerdeführerin 1 und die Beschwerdeführerinnen 2-4 machen geltend, die
Baugesuchspläne könnten aufgrund ihrer Vermassung nicht auf ihre Übereinstimmung mit
der ÜO überprüft werden. Insbesondere sei nicht erkennbar, ob sich die geplanten Bauten
innerhalb der Baufelder befinden würden. Der Beschwerdegegner vertritt demgegenüber
wie die Vorinstanz die Auffassung, die Pläne seien hinreichend vermasst.
b) Das Baugesuch hat das Bauvorhaben in allen für die Beurteilung wesentlichen
Punkten zu beschreiben. Lage, Einordnung, Gestaltung und Konstruktion sind zudem
durch Situationsplan und Projektpläne darzustellen.29 Der Situationsplan soll insbesondere
Aufschluss geben über Lage und Grundfläche des Bauvorhabens mit den zugehörigen
Zahlenangaben (vgl. Art. 13 Abs. 1 Bst. f BewD). Zudem sind die in den bestehenden oder
öffentlich aufgelegten Überbauungs- oder Strassenplänen eingezeichneten Bau- und
Strassenlinien einzutragen (Art. 13 Abs. 1 Bst. h BewD in der bis 31. März 2017 geltenden
Fassung). In der ÜO werden weder Grenz- und Gebäudeabstände noch Gebäudelängen
oder -breiten vorgeschrieben. Verbindlich festgelegt werden viel mehr verschiedene
Baufelder samt der darin zulässigen Nutzung sowie eine Strassenbaulinie. Den
Vorprüfungsakten lässt sich zudem entnehmen, dass die Vordächer der beiden Hallen in
die Baufelder einbezogen wurden.30 Die Lage der Baufelder ist nicht ohne weiteres
feststellbar, da die entsprechenden Vermassungen im Überbauungsplan teilweise fehlen.
Damit eine Prüfung möglich ist, müssen die Baufelder gemäss ÜO vom Geometer auf
Situationsplan und Projektpläne (Grundriss) übertragen werden, wie dies im Übrigen Art.
13 Abs. 1 Bst. h BewD in der seit 1. April 2017 geltenden Fassung ausdrücklich verlangt.
c) Da die Baufelder nicht in die Baugesuchspläne übertragen worden sind, lässt sich
zwar nicht abschiessend beurteilen, ob die geplanten Bauten innerhalb der jeweiligen
Baufelder liegen. Aufgrund der vorhandenen Unterlagen ist dies aber zumindest fraglich:
Gemäss Überbauungsplan weist das Baufeld Wohnen eine Länge von 20 m und eine
Breite von 10 m auf. Den Baugesuchsplänen lässt sich demgegenüber entnehmen, dass
das Einfamilienhaus eine maximale Breite von 11.04 m aufweist. Gemäss
Überbauungsplan weist das Baufeld An- und Nebenbauten (Waschplatz überdeckt) eine
Länge von 13.75 m und eine Breite von 5 m auf. Den Baugesuchsplänen lässt sich
entnehmen, dass der überdeckte Waschplatz eine Länge von 17.50 m aufweist. Zudem
ragt das Vordach gemäss Umgebungsplan in die Strassenbaulinie. Es bestehen deshalb
29 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 34 N.4 30 Vgl. Vorprüfungsakten AGR Phase 1, Schreiben der Y._ AG vom 23. Juni 2006
RA Nr. 110/2016/192 18
berechtigte Zweifel, ob sich das Bauvorhaben vollständig innerhalb der Baufelder bzw. der
Baulinien befindet.
7. Arealinterne Verkehrsabläufe
a) Die Beschwerdeführerinnen 2-4 bemängeln, dass das gemäss ÜO verlangte Konzept
zu den arealinternen Verkehrsabläufen fehle. Die Beschwerdeführerin 1 macht geltend, die
Vorinstanz habe es unterlassen, das Funktionieren der arealinternen Verkehrsabläufe,
Materialfahrten für die Holzschnitzelanlage, Parkierungsmöglichkeiten und Lagerplätze
näher zu prüfen. Es möge zutreffen, dass die Bauherrschaft in der Gestaltung der
arealinternen Verkehrsabläufe grundsätzlich frei sei. Es müsse aber mindestens aufgezeigt
werden, dass diese auch ohne die für den Ausbau der J._strasse gesicherten
Flächen funktionieren würden. Der Beschwerdegegner vertritt demgegenüber die
Auffassung, aus den Projektplänen und der Anordnung der Parkplätze seien die
arealinternen Verkehrsverhältnisse hinreichend erkennbar.
b) Gemäss Art. 8 Abs. 2 ÜV sind die arealinternen Verkehrsabläufe und
Parkierungsmöglichkeiten im Baugesuch darzustellen. Den Baugesuchsunterlagen lassen
sich dazu jedoch keine näheren Angaben entnehmen. In den Plänen sind einzig die
Parkplätze und die Anschlüsse an den M._weg eingetragen. Anders als die
Vorinstanz ausführt, ist die Frage der arealinternen Verkehrsabläufe entscheidrelevant.
Gemäss Art. 8 Abs. 4 ÜV sichert die im Plan eingetragene Baulinie den Ausbau der
J._strasse bzw. den Raum für eine neue Verbindungsstrasse. Innerhalb dieses
Bereichs dürfen keine Anlagen gebaut und keine Vorkehrungen getroffen werden, die
einem Ausbau zuwiderlaufen. Der Beschwerdegegner plant, diesen Bereich mit einem
HMT-Belag zu versehen und somit zu nutzen. Er hat deshalb im Baubewilligungsverfahren
zumindest nachzuweisen, dass die arealinternen Verkehrsabläufe und die
Parkierungsmöglichkeiten auch ohne die Verwendung des mit der Strassenbaulinie
gesicherten Raumes möglich sind.
c) Im Zusammenhang mit der Strassenbaulinie sind zudem die Vorschriften der
Strassengesetzgebung über die Benützung der Bauverbotszone zu beachten (vgl. Art. 90
Abs. 2 BauG in der bis 31. März 2017 geltenden Fassung bzw. Art. 96a Abs. 3 BauG in der
seit 1. April 2017 geltenden Fassung). Falls der Beschwerdegegner die Bauverbotszone
RA Nr. 110/2016/192 19
als Verkehrsanlage oder Lagerplatz nutzen will, hat er ein Ausnahmegesuch nach Art. 81
SG31 einzureichen.
8. 3D-Modell
a) Die Beschwerdeführerin 1 und die Beschwerdeführerinnen 2-4 bemängeln, dass das
in der ÜO vorgeschriebene einfache 3D-Modell fehlt. Der Auffassung der Vorinstanz, es
handle sich dabei um eine Hilfestellung ohne konkreten Nutzen für das
Baubewilligungsverfahren, könne nicht gefolgt werden. Der Beschwerdegegner weist
darauf hin, er habe im Hinblick auf das Planungs- und Baubewilligungsverfahren ein
einfaches 3D-Modell erstellt und den Gemeinden Urtenen-Schönbühl und Mattstetten zur
Verfügung gestellt. Es könne nicht ihm angelastet werden, wenn das Modell in der Folge
verloren gegangen sei. Da die Prüfung des Projekts anhand der eingereichten Pläne und
Unterlagen möglich sei, habe die Vorinstanz zu Recht darauf verzichtet, die nochmalige
Erstellung eines 3D-Modells zu verlangen.
b) Gemäss Art. 6 Abs. 6 ÜV ist bei der Eingabe des Baugesuchs ein einfaches 3D-
Modell vorzulegen. Damit ist nicht das verschollene Modell gemeint, das im
Zusammenhang mit der Ausarbeitung und dem Erlass der ÜO erstellt und der
Beschwerdeführerin 1 am 28. Dezember 2006 zur Ansicht bis zum 31. Januar 2007
übergeben32 wurde. Es handelt sich bei Art. 6 Abs. 6 ÜV auch nicht um eine blosse
Ordnungsvorschrift, wie die Vorinstanz meint. Für das konkrete Bauvorhaben ist gemäss
ÜO viel mehr ausdrücklich eine weitere Unterlage im Sinn von Art. 15 Abs. 1 BewD
vorgeschrieben. Im Baubewilligungsverfahren dient ein Modell hauptsächlich zur
Beurteilung, ob sich ein Vorhaben ins Orts- und Landschaftsbild einordnet. Im vorliegenden
Fall ergeben sich die zulässigen Gebäudedimensionen bereits aus der ÜO. Sinn und
Zweck des in Art. 6 Abs. 6 ÜV verlangten einfachen 3D-Modells dürfte deshalb vorab sein,
die konkrete Gestaltung der Gebäudefassaden und deren Farbgebung sowie die
Umgebungsgestaltung optisch darzustellen, damit die Baubewilligungsbehörde gestützt
darauf prüfen kann, ob Vorschriften von Art. 6 Abs. 4, 5 und 8 ÜV eingehalten sind. Dem
3D-Modell kommt somit ein konkreter Nutzen zu, zumal sich die Gestaltung und
31 Strassengesetz vom 4. Juni 2008 (SG; BSG 732.11) 32 Vgl. dazu Bestätigung der Bauverwaltung Urtenen-Schönbühl, Vorakten pag. 311
RA Nr. 110/2016/192 20
Farbgebung der Fassaden den Projektplänen und den beispielhaften Referenzblättern nur
unzureichend entnehmen lässt.
c) Verlangt wird lediglich ein einfaches 3D-Modell. Es erscheint deshalb nicht zwingend
erforderlich, dass der Beschwerdegegner ein physisches Architekturmodell vorlegt. Für die
Beurteilung der Einhaltung der Gestaltungsvorschriften dürfte wohl auch ein virtuelles
Modell genügen.
RA Nr. 110/2016/192 21
9. Schmutzwasserleitung
a) Die Vorinstanz teilt die Auffassung der Beschwerdeführerin 1, wonach der Anschluss
an die Schmutzwasserleitung über der Rückstauebene zu erfolgen habe. Mangels
Erkennbarkeit dieser Kote erteilte sie die Gesamtbewilligung unter anderem mit der
Nebenbestimmung, die Bauherrschaft habe im Sinne einer Bedingung vor Baubeginn
zusammen mit der Beschwerdeführerin 1 die genaue Kote des Kanalisationsanschlusses
A1 im KS 178 zu bestimmen. Die Beschwerdeführerin 1 macht geltend, die
Nebenbestimmung sei unzulässig. Die Vorinstanz schiebe damit die Verantwortung für
einen für die Baubewilligung äusserst wichtigen Gegenstand ab. Sie hätte ohne weiteres
prüfen können, auf welcher Höhe sich die Rückstaukote befinde. Bei der
Schmutzwasserentsorgung gehe es um einen entscheidenden Punkt der Erschliessung.
Liege die Anschlusskote um mehr als 41 cm unter der Rückstaukote, handle es sich nicht
um eine Bagatelle, für die es genüge, den Baugesuchsteller zu verpflichten, sich mit der
Beschwerdeführerin 1 in Verbindung zu setzen. Das Bauvorhaben liege in fast ebenem
Gelände. Es sei weder geklärt noch gesichert, dass die Entwässerung des
Schmutzwassers tatsächlich funktioniere. Es sei einfacher, einen Strassenversatz von 41
cm auszugleichen, als einen derartigen Höhenunterschied im gesamten
Schmutzwassersystem.
b) Bauvorhaben können nur bewilligt werden, wenn das Baugrundstück genügend
erschlossen ist (Art. 22 Abs. 2 Bst. b RPG, Art. 7 Abs. 1 BauG). Erschlossen ist es unter
anderem, wenn die für die betreffende Nutzung erforderlichen Abwasserleitungen so nahe
heranführen, dass ein Anschluss ohne erheblichen Aufwand möglich ist (Art. 19 Abs. 1
RPG, Art. 7 Abs. 2 Bst. b BauG) bzw. wenn die Ableitung der Abwässer nach Massgabe
der gewässerschutzpolizeilichen Vorschriften gewährleistet ist. Nach Art. 11 Abs. 1
GSchG33 muss das verschmutzte Abwasser im Bereich öffentlicher Kanalisationen in die
Kanalisation eingeleitet werden. Der Inhaber der Kanalisation ist verpflichtet, das Abwasser
abzunehmen und der zentralen Abwasserreinigungsanlage zuzuführen (Art. 11 Abs. 3
GSchG). Baubewilligungen für Neu- und Umbauten dürfen nur erteilt werden, wenn im
Bereich öffentlicher Kanalisationen gewährleistet ist, dass das verschmutzte Abwasser in
die Kanalisation eingeleitet oder landwirtschaftlich verwertet wird (Art. 17 Bst. a GSchG).
Erschliessungsanlagen für die Abwasserbeseitigung müssen rechtlich sichergestellt sein
33 Bundesgesetz vom 24. Januar 1991 über den Schutz der Gewässer (Gewässerschutzgesetz, GSchG; SR 814.20)
RA Nr. 110/2016/192 22
(Art. 3 Abs. 1 BauV34). Diese Voraussetzung ist erfüllt, wenn die erforderlichen Anlagen
vorhanden sind oder Gewähr besteht, dass sie spätestens bei Fertigstellung der Bauten
und Anlagen, soweit nötig bei Baubeginn, vollendet sein werden (Art. 4 Abs. 1 Bst. a
BauV), die Anschlüsse an das öffentliche Leitungsnetz bewilligt sind (Art. 4 Bst. b BauV)
und bei Anlagen auf fremdem Grund entweder ein für die Grundeigentümer verbindlicher
Plan besteht oder das Recht zu ihrer Erstellung und Erhaltung vor dem Bauentscheid
vereinbart ist (Art. 4 Abs. 1 Bst. c). Jeder Anschluss an eine öffentliche oder private
Kanalisation bedarf der Zustimmung des Leitungseigentümers sowie einer Bewilligung der
Gemeindebehörde.35
c) Die Beschwerdeführerin 1 hat das Erschliessungskonzept Z._ hinsichtlich
seiner Konformität mit dem generellen Entwässerungsplan (GEP) technisch überprüfen
lassen. Danach kann das anfallende Schmutzwasser aus dem Projekt des
Beschwerdegegners grundsätzlich von der bestehenden Mischwasserkanalisation der
Beschwerdeführerin 1 aufgenommen werden. Die privaten Schmutzwasserleitungen und
der Anschluss an die öffentliche Kanalisation müssen zwingend über der Rückstauebene
von circa 526.20 liegen. Gleichzeitig sind die Minimalgefälle gemäss SN 592'000
einzuhalten. Andernfalls ist an den Anschlussschacht KS 176 anzuschliessen oder das
anfallende Schmutzwasser muss gepumpt werden.36 Eine genügende Erschliessung liegt
somit insofern vor, als in hinreichender Nähe eine Einrichtung zur Beseitigung des
Abwassers besteht, die den Beanspruchungen durch das Bauvorhaben des
Beschwerdegegners gewachsen ist. Gemäss dem Projektplan "Umgebungsplan,
Kanalisation/Entwässerung" plant der Beschwerdegegner, die Schmutzwasserleitung beim
Anschlussschacht KS 178 an die Abwasserleitung der Beschwerdeführerin 1
anzuschliessen. Der Anschluss ist auf 525.79 geplant. Die Anschlusskote liegt somit um 41
cm unter der Rückstaukote. Es ist aus diesem Grund nicht klar, ob beim Anschlussschacht
KS 178 ohne weiteres ein technisch einwandfreier Anschluss an die öffentliche
Kanalisation möglich ist oder ob eine Pumplösung mit Rückhaltemöglichkeit vorgesehen
oder eine andere Anschlussstelle vorgesehen werden muss. Somit ist der Sachverhalt
betreffend Kanalisationsanschluss ungenügend abgeklärt.
34 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1) 35 Vgl. Amt für Wasser und Abfall des Kantons Bern (AWA), Zuständigkeit für die Erteilung von Gewässerschutzbewilligungen, Oktober 2014, einsehbar unter <http://www.bve.be.ch>, Rubriken «Amt für Wasser und Abfall, Formulare/Merkblätter, Grundstückentwässerung» 36 Vgl. Schreiben der AA._ AG vom 12. Januar 2007, Vorprüfungsakten des AGR
http://www.bve.be.ch
RA Nr. 110/2016/192 23
d) Hinzu kommt, dass eine Zustimmung oder Bewilligung der Beschwerdeführerin 1
(bzw. ein entsprechender Amtsbericht) für den Anschluss an ihre Mischwasserkanalisation
gemäss den Vorakten nicht eingeholt worden ist. Die Erschliessung ist somit rechtlich
(noch) nicht genügend sichergestellt. Eine Baubewilligung kann deshalb im jetzigen
Zeitpunkt nicht erteilt werden.
10. Strassenanschlussbewilligung
a) Gemäss Baugesuch erfolgt der Strassenanschluss an eine Gemeindestrasse. Der
Neuanschluss oder die gesteigerte Benutzung eines bestehenden Anschlusses an eine
öffentliche Strasse bedürfen der Bewilligung des zuständigen Gemeinwesens (vgl. Art. 85
Abs. 1 SG). Voraussetzung dafür ist, dass die Zu- und Wegfahrten die öffentliche Strasse
nicht beeinträchtigen (vgl. dazu Art. 73 Abs. 1 SG und Art. 21 Abs. 1 BauG in Verbindung
mit Art. 57 BauV). Zur Beurteilung der Frage, ob ein Strassenanschluss verkehrssicher ist,
können die einschlägigen Normen des Schweizerischen Verbands der Strassen- und
Verkehrsfachleute (VSS) als Entscheidungshilfe herangezogen werden.
b) Die Vorinstanz forderte die Gemeinde Mattstetten mit Verfügung vom 29. März 2016
auf, einen Amtsbericht betreffend Strassenanschluss abzugeben.37 Die Gemeinde liess
sich in der Folge nicht vernehmen.38 Eine Bewilligung bzw. ein Amtsbericht mit Antrag
betreffend Strassenanschlussbewilligung des zuständigen Gemeinwesens fehlt somit.
Trotzdem erteilte die Vorinstanz mit dem Gesamtentscheid auch die
Strassenanschlussbewilligung. Auf welche Grundlagen sie sich dabei stützte, lässt sich
den Akten nicht entnehmen. Die erforderliche strassenbaupolizeiliche Beurteilung der
Strassenanschlüsse wurde offenkundig nicht vorgenommen. Damit haftet dem
vorinstanzlichen Entscheid ein erheblicher Mangel an.
c) Fraglich ist zudem, ob die Vorinstanz zu Recht die Gemeinde Mattstetten um einen
Amtsbericht betreffend Strassenanschluss ersucht hat. Laut den Vorakten handelt es sich
beim Weggrundstück Parzelle Nr. AB._ um einen Flurweg im Eigentum der
Gemeinde Mattstetten und nicht um eine Gemeindestrasse im Sinn von Art. 8 SG. Der
Anschluss an das öffentliche Strassennetz erfolgt deshalb erst bei der Einmündung des
37 Vgl. Vorakten pag. 527 ff. 38 Vgl. Vorakten pag. 551 ff.
RA Nr. 110/2016/192 24
M._weges in die J._.strasse Aus diesem Grund dürfte wohl die
Beschwerdeführerin 1 zuständiges Gemeinwesen für die Erteilung der
Strassenanschlussbewilligung sein.
11. Weitere Mängel
a) Aufgrund einer summarischen Prüfung der Baugesuchsunterlagen fallen weitere
Mängel auf: Wie bereits die Vorinstanz festgestellt hat, ist auf sämtlichen in den Akten
vorhandenen Formularen und auf dem Parkplatznachweis eine falsche Standortadresse
angegeben (W._strasse 21 statt J._strasse). Zudem ist das Formular 1.0
unvollständig ausgefüllt. Insbesondere fehlen in den Rubriken "Bauvorhaben" und
"Allgemeine Angaben" die Angaben zur Wohnnutzung. In der Rubrik "Zonenvorschriften
und Schutzbestimmungen" wird nicht beantwortet, ob es sich um ein Gebiet mit
Naturgefahren handelt. In der Rubrik "Allgemeine Angaben" wird die geplante Anzahl der
Auto- und Veloabstellplätze nicht angegeben. In den Vorakten fehlen zudem folgende, im
Formular 1.0 aufgeführten Beilagen zum Baubewilligungsgesuch: 3.0, 3.2, 3.3, 4.1, 5.2,
5.4, 5.8.
b) Im Situationsplan sind weder die Abstellplätze für Fahrzeuge (vgl. Art. 13 Abs. 1 Bst.
g BewD) noch die Bau- und Strassenlinien oder die Baubereiche (vgl. Art. 13 Abs. 1 Bst. h
BewD) eingezeichnet. Diese Mängelliste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
12. Rückweisung
a) Nach Art. 72 Abs. 1 VRPG entscheidet die Beschwerdeinstanz in der Sache oder
weist die Akten ausnahmsweise mit verbindlichen Anordnungen an die Vorinstanz zurück.
Erweist sich die Beschwerde als begründet, soll die Beschwerdeinstanz das streitige
Rechtsverhältnis wenn möglich nach ihrer eigenen Erkenntnis abweichend von der
angefochtenen Verfügung neu regeln. Das Gesetz verbietet ihr jedoch nicht, kassatorisch
zu entscheiden. Die Beschwerdeinstanz soll von der Möglichkeit der Rückweisung nur
ausnahmsweise Gebrauch machen. Es müssen besondere Gründe dafür sprechen, die die
prozessökonomischen Gesichtspunkte in den Hintergrund treten lassen. Mangelnde
Entscheidreife der Angelegenheit kann einen solchen Grund darstellen, sofern die
RA Nr. 110/2016/192 25
Beschwerdebehörde selber allzu umfangreiche Beweismassnahmen durchführen müsste.
Ebenso rechtfertigt sich die Rückweisung, wenn im vorinstanzlichen Verfahren
schwerwiegende Verfahrensfehler begangen worden sind.39
b) Die Baugesuchsunterlagen sind fehlerhaft und unvollständig. Zudem fehlen das
gemäss ÜO verlangte 3D-Modell und die Darstellung der arealinternen Verkehrsabläufe. Je
nach geplanter Nutzung des Bauverbotsstreifens ist zudem eine Ausnahmebewilligung
nach Art. 81 SG erforderlich. Zudem fehlen die strassenbaupolizeiliche Prüfung des
Strassenanschlusses und die Bewilligung für den Anschluss an die Kanalisation. Eine
abschliessende Beurteilung des Vorhabens ist gestützt auf die vorhandenen Unterlagen
somit nicht möglich. Zudem hat die Vorinstanz das Akteneinsichtsrecht der
Beschwerdeführerinnen 2-4 verletzt und das Bauvorhaben nicht korrekt publiziert. Es kann
nicht Sache der Beschwerdeinstanz sein, anstelle der Vorinstanz das
Baubewilligungsverfahren durchzuführen, die Baugesuchsunterlagen umfassend prüfen
und verbessern zu lassen, die korrekte Publikation nachzuholen und sich als erste Instanz
mit allfälligen weiteren Einsprachen auseinanderzusetzten, die fehlenden Unterlagen und
Amtsberichte oder Zustimmungen einzuholen und umfangreiche Abklärungen zu treffen
sowie die Verletzung des rechtlichen Gehörs zu heilen. Deshalb erscheint es sachgerecht,
die Angelegenheit an die Vorinstanz zur Fortsetzung des Baubewilligungsverfahrens
zurückzuweisen (Art. 72 Abs. 1 VRPG).
c) Die Vorinstanz wird das Bauvorhaben formell und materiell prüfen, die
Gesuchsunterlagen verbessern und ergänzen lassen, das Baugesuch publizieren und
profilieren lassen, die offenen gewässerschutz- und strassenbaupolizeilichen Fragen
abklären bzw. die erforderlichen Amtsberichte dazu einholen sowie das rechtliche Gehör
zu allen verfahrensrelevanten Akten gewähren und anschliessend einen neuen
Gesamtentscheid erlassen.
13. Kosten
a) Laut Art. 108 Abs. 1 VRPG werden die Verfahrenskosten der unterliegenden Partei
auferlegt, es sei denn, das prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere
Verlegung oder die besonderen Umstände rechtfertigen, keine Verfahrenskosten zu
39 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 72 N. 2 f.
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erheben. Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer
Pauschalgebühr. Für besondere Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können
zusätzliche Gebühren erhoben werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Die Pauschalgebühr wird
festgesetzt auf je Fr. 1'200.00 für die Beurteilung der Beschwerde der Beschwerdeführerin
1 und der gleichlautenden Beschwerden der Beschwerdeführerinnen 2-4 sowie auf Fr.
800.00 für die Beurteilung des Beschwerde des Beschwerdeführers 5 (Art. 103 Abs. 2
VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 und Art. 21 Abs. 3 GebV40). Zusätzliche Kosten
sind keine angefallen. Die Verfahrenskosten betragen somit insgesamt Fr. 3'200.00.
Die Beschwerdeführerin 1 unterliegt mit ihrem Antrag auf akzessorische Prüfung der ÜO.
Soweit auf ihre Beschwerde eingetreten werden kann, obsiegt sie jedoch mit ihrem Antrag
auf Aufhebung und Neubeurteilung. Sie gilt deshalb als zur Hälfte obsiegend. Da sie nicht
in ihren Vermögensinteressen betroffen ist, können ihr keine Verfahrenskosten auferlegt
werden (Art. 108 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 2 Abs. 1 Bst. b VRPG). Soweit auf
die Beschwerde der Beschwerdeführerinnen 2-4 eingetreten werden kann, dringen sie mit
ihren Beschwerden durch. Im Ergebnis obsiegen sie vollumfänglich. Es können ihnen
deshalb keine Verfahrenskosten auferlegt werden. Der Beschwerdeführer 5 unterliegt mit
seiner Beschwerde. Er hat deshalb Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.00 zu
tragen. Der Beschwerdegegner obsiegt gegenüber dem Beschwerdeführer 5 vollständig.
Gegenüber der Beschwerdeführerin 1 unterliegt er zur Hälfte, gegenüber den
Beschwerdeführerinnen 2-4 unterliegt er vollständig. Er hat deshalb Verfahrenskosten in
der Höhe von Fr. 1'800.00 zu bezahlen.
b) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Beschwerdeführerin 1 ist nicht
anwaltlich vertreten. Es sind ihr deshalb weder Parteikosten, noch Parteientschädigung
oder Auslagenersatz zuzuerkennen (Art. 108 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 104 VRPG). Die
anwaltlich vertretenen Beschwerdeführerinnen 2-4 obsiegen. Sie haben deshalb Anspruch
auf Parteikostenersatz. Diese sind vom Beschwerdegegner zu tragen. Die festgestellte
Verletzung des Akteneinsichtsrechts rechtfertigt aufgrund ihrer untergeordneten Bedeutung
keine andere Aufteilung. Der Beschwerdeführer 5 unterliegt und hat deshalb keinen
40 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
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Anspruch auf Parteikostenersatz. Der Beschwerdegegner obsiegt gegenüber der
Beschwerdeführerin 1 zur Hälfte und gegenüber dem Beschwerdeführer 5 vollumfänglich.
Hingegen unterliegt er gegenüber den Beschwerdeführerinnen 2-4 vollumfänglich. Es
rechtfertigt sich daher, dass er 30 Prozent seiner Parteikosten erstattet erhält. 10 Prozent
hat die Beschwerdeführerin 1 und 20 Prozent der Beschwerdeführer 5 zu tragen.
Die Beschwerdeführerinnen 2-4 sind mehrwertsteuerpflichtig41 und können somit die von
ihrer Rechtsvertreterin auf sie überwälzte Mehrwertsteuer in ihrer eigenen
Mehrwertsteuerabrechnung als Vorsteuer abziehen. Ihnen fällt daher betreffend
Mehrwertsteuer kein Aufwand an und eine Abgeltung der Mehrwertsteuer käme einer mit
Art. 108 Abs. 3 i.V.m. Art. 104 Abs. 1 VRPG unvereinbaren Überentschädigung gleich. Die
in der Kostennote der Rechtsvertreterin aufgeführte Mehrwertsteuer ist daher bei der
Bestimmung des Parteikostenersatzes nicht zu berücksichtigen.42 Im Übrigen geben die
Kostennoten der Anwältin und der Anwälte zu keinen Bemerkungen Anlass. Der
Beschwerdegegner hat somit den Beschwerdeführerinnen 2-4 die Parteikosten von
Fr. 6'210.90 zu ersetzen. Die Beschwerdeführerin 1 hat dem Beschwerdegegner einen
Parteikostenersatz von Fr. 680.40 zu bezahlen. Der Beschwerdeführer 5 hat dem
Beschwerdegegner einen Parteikostenersatz von Fr. 1'360.80 zu bezahlen.