# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** bcfb43db-8241-56c3-b0e8-f2b6408dfe78
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
Der Kanton St. Gallen ist Eigentümer der Grundstücke Nrn. 0000_ f., Grundbuch X._,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
sowie der einzig getrennt durch die K._strasse (Parzelle Nr. 0013_, Gemeindestrasse
erster Klasse) daran angrenzenden Parzelle Nr. 0002_. Nach dem Zonenplan der
Politischen Gemeinde X._ sind die Grundstücke Nrn. 0000_f. und 0002_ der Zone
für öffentliche Bauten und Anlagen (Oe BA) zugewiesen. Am 13. Juli 2015 reichte das
Baudepartement ein Baugesuch für den Teilabbruch und die Erweiterung der
Kantonsschule X._ (Art. 4 Abs. 1 lit. a des Mittelschulgesetzes; sGS 215.1, MSG) auf
Parzelle Nr. 0002_ ein. Während der öffentlichen Auflage vom 29. September 2015 bis
12. Oktober 2015 gingen 17 Einsprachen ein. Darunter war diejenige von A._, dem
Eigentümer der Parzelle Nr. 0003_ (Wohnzone W2a). Am 26./27. April 2016 und
23./24. März 2017 reichte das Baudepartement weitere Unterlagen resp.
Projektänderungen ein, insbesondere das Nutzungs- und Betriebskonzept vom
24. März 2017 (nachfolgend: Konzept) bzw. den Austauschplan: Grundriss Umgebung,
Massstab 1:200, vom 23. März 2017 (nachfolgend: Grundriss). Mit Entscheid vom
18. Januar 2018 wies der Gemeinderat X._ die Einsprache von A._ in öffentlich-
rechtlicher Hinsicht sowie in privatrechtlicher Hinsicht gemäss Art. 684 des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches (SR 210, ZGB) unter gleichzeitiger Eröffnung aller
kantonalen Teilverfügungen als Gesamtentscheid ab und bewilligte das Bauvorhaben
unter Nebenbestimmungen (act. 11/9/1.1, 1.6, 1.8-1.12, 1.14 f., 1.22-1.54, 2.8, 2.26,
3.8 f., 3.14 und 4.9, act. 11/VD/BD-18.02/1, www.geoportal.ch).
B.
Am 15. Juni 2016 reichte das Baudepartement ein Baugesuch für den Neubau einer
Energiezentrale für die Kantonsschule X._ sowie für die Sporthalle Y._ (Parzelle
Nr. 0004_, Assek.-Nr. 0005_) und das Versetzen der bestehenden Velounterstände
auf den Parzellen Nrn. 0000_ f. ein. Während der öffentlichen Auflage vom
14. Februar 2017 bis 27. Februar 2017 gingen 15 Einsprachen ein, darunter diejenige
von A._. In der Folge reichte das Baudepartement am 12./13. Juni 2017 eine
Projektänderung sowie am 12. Juli 2017, 23. August 2017 und 15. Januar 2018
ergänzende Unterlagen ein. Am 3. November 2017 schrieb das Amt für Wasser und
Energie (AWE) die Einsprache von A._ hinsichtlich der Verletzung der Luftreinhalte-
Verordnung und übermässiger Luftschadstoffimmissionen zufolge Rückzugs ab. Mit
Entscheid vom 18. Januar 2018 wies der Gemeinderat X._ die Einsprache von A._ in
öffentlich-rechtlicher Hinsicht unter gleichzeitiger Eröffnung aller kantonalen
Teilverfügungen als Gesamtentscheid ab und bewilligte die Projektänderung unter
Nebenbestimmungen (act. 11/9/4.1, 4.7-4.23, 5.6, 5.15, act. 11/VD/BD-18.01/1,
www.geoportal.ch).
C.
Gegen die Gesamtentscheide des Gemeinderates X._ vom 18. Januar 2018 rekurrierte
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A._ durch seinen Rechtsvertreter am 29. Januar 2018 an das Baudepartement (je
act. 11/2). Am 1. Februar 2018 überwies das Baudepartement die zwei Rekurse
zuständigkeitshalber an das Volkswirtschaftsdepartement (je act. 11/3). Am
18. Mai 2018 reichte das Baudepartement eine Befahrbarkeitsstudie der Ingenieurbüro
P._ GmbH vom 22. August 2017 und am 26. Juni 2018 eine (undatierte) Skizze
betreffend innerer Wendekreis bei Rückfahrmanövern eines 9.40 m langen LKWs
sowie, auf einem USB-Stick, fünf Befahrbarkeitsnachweise nach (act. 11/VD/
BD-18.01/16/1 und 20/4 f.). Mit Entscheid vom 25. März 2019 vereinigte das
Volkswirtschaftsdepartement die Rekurse und hiess sie insoweit teilweise gut, als das
Baudepartement verpflichtet wurde, vor Baubeginn ein Rissprotokoll an den Bauten
und Anlagen auf Parzelle Nr. 0003_ durch einen unabhängigen Experten erstellen zu
lassen (act. 2).
D.
Gegen den Entscheid des Volkswirtschaftsdepartements (Vorinstanz) vom
25. März 2019 erhob A._ (Beschwerdeführer) durch seinen Rechtsvertreter am
5. April 2019 zwei Beschwerden beim Verwaltungsgericht je mit dem Rechtsbegehren,
es sei der angefochtene Entscheid unter Kosten- und Entschädigungsfolge
aufzuheben, soweit die Rekurse abgewiesen worden seien. Eventualiter sei die
Baubewilligung mit vier zusätzlichen Auflagen zu ergänzen (je act. 1). Am 27. Mai 2019
(act. 7) reichte er eine Beschwerdebegründung nach. Gleichzeitig reduzierte er seine
Eventualbegehren auf folgende zwei zusätzlichen Auflagen:
"a) Erweiterung der geplanten Stützmauer entlang der Grenze zu Parzelle Nr. 0003_
sowie Erstellung einer Sickerleitung entlang der Stützmauer.
b) Erstellung einer Sicht- und Lärmschutzmauer von mindestens 4.0 m Höhe ab Niveau
des Wendeplatzes (Höhenkote 482.80 m.ü.M.) entlang der Grenze zu Parzelle
Nr. 0003_ bis zum "grünen Klassenzimmer" unter Einhaltung des gesetzlichen
Grenzabstandes."
E.
Mit Vernehmlassung vom 5. Juni 2019 schloss die Vorinstanz auf Abweisung der
Beschwerden (act. 10). Am 26. Juni 2019 verzichtete die Politische Gemeinde X._
(Beschwerdebeteiligte) auf eine Stellungnahme (act. 16). Mit Vernehmlassung vom
5. August 2019 beantragte das Baudepartement (Beschwerdegegner) durch seine
Rechtsvertreterin, auf die Beschwerde sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge
nicht einzutreten. Eventualiter sei sie abzuweisen (act. 19). Mit Replik vom
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
23. September 2019 bestätigte der Beschwerdeführer seine Anträge und Ausführungen
(act. 23). Am 11. November 2019 reichte die Beschwerdebeteiligte Akten nach
(act. 26 ff.). Am 21. November 2019 führte das Verwaltungsgericht im Beisein der
Verfahrensbeteiligten einen Augenschein durch (act. 30). Am 25. November 2019
reichte der Beschwerdegegner weitere Angaben zum Konzept sowie eine
Kostenschätzung vom 4. November 2019 für die Erstellung einer 2.50 m hohen Mauer
entlang des Grundstücks des Beschwerdeführers nach (act. 31 f.). Am
9. Dezember 2019 liess sich die Vorinstanz (act. 34), am 10. Dezember 2019 der
Beschwerdegegner (act. 35) und am 10. und 24. Januar 2020 der Beschwerdeführer
(act. 38 f., 41) abschliessend vernehmen.
Auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids und die Ausführungen der
Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie die Feststellungen anlässlich
des Augenscheins und die Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen
eingegangen.

## Considerations

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Nicht umstritten ist, dass die Beschwerdeverfahren B 2019/77 und 2019/78, wie vom
Beschwerdeführer beantragt (act. 7, S. 4 Ziff. II/7), verfahrensrechtlich zu vereinigen
und durch einen einzigen Entscheid zu erledigen sind (vgl. dazu die Hinweise in
VerwGE B 2018/80; B 2018/82 vom 23. Mai 2019 E. 1). Offenbleiben kann deshalb, ob
der Beschwerdeführer befugt war, gegen den angefochtenen Entscheid zwei
Beschwerden mit gleichlautenden Rechtsbegehren zu erheben, obgleich er sich nicht
gegen die Verfahrensvereinigung in den vorinstanzlichen Rekursverfahren wehrte.
2.
Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Der in den
Rekursverfahren mehrheitlich unterlegene Beschwerdeführer ist zur Ergreifung der
Rechtsmittel berechtigt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die
Beschwerdeeingaben vom 5. April 2019 (je act. 1) erfolgten rechtzeitig und erfüllen
zusammen mit der Ergänzung vom 27. Mai 2019 (act. 7) formal und inhaltlich die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1
und 2 VRP). Entgegen gegenteiliger Auffassung des Beschwerdegegners (act. 19,
S. 5 f. Ziff. IV/A/18-21) kann nicht gesagt werden, die vom anwaltlich vertretenen
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdeführer im Rahmen seiner Beschwerden vorgebrachte Kritik sei nicht
hinreichend substantiiert, da sie sich nicht auf den angefochtenen Entscheid beziehen
würde (vgl. dazu VerwGE B 2019/35; B 2019/36 vom 29. August 2019 E. 1.3 mit
Hinweis auf VerwGE B 2012/1 vom 12. Juni 2013 E. 1.3 und VerwGE B 2011/84 vom
11. August 2011 E. 1.2.2 mit Hinweis auf Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im
Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003 Rz. 922, siehe auch K. Spühler, in: derselbe/Tenchio/
Infanger [Hrsg.], Basler Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, 3. Aufl. 2017,
Art. 311 Rz. 15). Der Beschwerdeführer lässt es nicht bei der Wiederholung seiner
Vorbringen vor der Vorinstanz und der Beschwerdebeteiligten bewenden, sondern
befasst sich auch mit Feststellungen im angefochtenen Entscheid im Einzelnen (vgl.
act. 7, S. 10 Ziff. III/B/a/6, S. 12-17, 20-27, 30 f., 33-35 Ziff. III/B/b/1.5 f., 1.8, 2-2.4,
3.1e, 3.1i, 3.3a, 3.4e f., 4.9, 4.14-4.16, 5.1 f., S. 41, 43-48 Ziff. III/C/b/2.4, 3.5 f., 4.5,
5.2). Daran ändert nichts, dass er in der Beschwerdeergänzung stellenweise die
Beschwerdebeteiligte als "Vorinstanz" bezeichnete, von der "angefochtenen
Baubewilligung" resp. "seiner Einsprache" spricht (act. 7, S. 13, 15, 25 f., 29, 33 Ziff. III/
B/b/1.6, 1.11, 3.4c, 3.4f, 4.6, 4.14, S. 39, 42 Ziff. III//C/b/1.1, 3.2) und dieselben Rügen
erhebt wie in den Rekursverfahren. Damit kann dahingestellt bleiben, ob dem
Beschwerdeführer antragsgemäss (act. 23 Ziff. 4) nochmals (vgl. Zwischenverfügung
vom 9. April 2019, act. 5) Gelegenheit zur Beschwerdeergänzung hätte gewährt werden
dürfen. Auf die Beschwerden ist somit grundsätzlich einzutreten.
Nicht einzutreten ist auf die Beschwerden, soweit der Beschwerdeführer die Verletzung
politischer Rechte rügt (act. 7, S. 6 Ziff. III/A/5 f., S. 15 Ziff. III/B/b/1.9).
Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens kann nur sein, was bereits Gegenstand
der vorinstanzlichen Verfahren bildete (vgl. VerwGE B 2019/82 vom 2. Juli 2019 E. 1 mit
Hinweis). Verfahrensgegenstand der vorinstanzlichen Verfahren war die
Bewilligungsfähigkeit der Baugesuche des Beschwerdegegners vom 13. Juli 2015 und
15. Juni 2016. Die angeführten Vorbringen des Beschwerdeführers gehen über diesen
Rahmen hinaus. Aus demselben Grund kann auf die Beschwerden nicht eingetreten
werden, soweit darin ein "detailliert ausgearbeitetes alternatives Projekt" resp. die
Erstellung eines "Campus" auf den Parzellen Nrn. 0000_ f. propagiert wird (vgl. act. 7,
S. 7 f. Ziff. III/A/11-13), was der Beschwerdeführer anerkannt hat (act. 23 Ziff. 5). Ferner
ist auf die Beschwerden nicht einzutreten, soweit der Beschwerdeführer die Verletzung
bundesrechtlicher Raumplanungsziele und -grundsätze (Art. 1 Abs. 1 und Art. 3
Abs. 3 des Bundesgesetzes über die Raumplanung, Raumplanungsgesetz; SR 700,
RPG) rügt (act. 7, S. 39-42 Ziff. III/C/b/2). In Baubewilligungsverfahren, in welchen, wie
hier, lediglich die Übereinstimmung eines Bauprojekts mit den konkreten
Bauvorschriften zu überprüfen ist, finden die Planungsziele und –grundsätze keine
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Anwendung. Insbesondere können sie rechtskräftige Nutzungspläne nicht ausser Kraft
setzen (vgl. Waldmann/Hänni, Raumplanungsgesetz, Bern 2006, Art. 3 Rz. 15, mit
Hinweisen auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung). Der Beschwerdeführer
behauptet nicht, die Voraussetzungen für eine akzessorische Anfechtung des
Zonenplans der Beschwerdebeteiligten seien vorliegend erfüllt (vgl. dazu VerwGE
B 2018/219 vom 28. Februar 2019 E. 7 mit Hinweisen). Soweit der Beschwerdeführer
rügt (act. 7, S. 41 f. Ziff. III/C/b/2.5), die Energiezentrale verursache übermässige
Schadstoffimmissionen resp. verletzte die Vorschriften der Luftreinhalte-Verordnung
(SR 814.318.142.1, LRV), erweist sich die Beschwerde als gegenstandslos. Die
Abschreibungserklärung des AWE vom 3. November 2017 (act. 11/9/5.6) wurde von
ihm nicht angefochten (vgl. dazu VerwGE B 2016/40 vom 22. November 2017 E. 5.1
mit Hinweis, bestätigt mit BGer 1C_13/2018 vom 13. März 2019).
3.
Die erstinstanzlichen Entscheide der Beschwerdebeteiligten ergingen am
18. Januar 2018 (je act. 11/1) und damit nach Inkrafttreten des Planungs- und
Baugesetzes (sGS 731.1, PBG) am 1. Oktober 2017 (nGS 2017-049). Auf das strittige
Bauvorhaben sind somit grundsätzlich die Bestimmungen des PBG anwendbar (vgl.
Art. 173 Abs. 1 PBG sowie BGE 141 II 393 E. 2.4 mit Hinweisen, in: Pra 105 [2016]
Nr. 52, und G. Müller, Zulässigkeit der begünstigenden Rückwirkung, in: ZBl 118/2017,
S. 268 ff., S. 273 ff.). Die Anwendung "neuen Rechts" (vgl. Art. 173 Abs. 2 PBG) setzt
allerdings voraus, dass die ans PBG angepassten kommunalen Rahmennutzungspläne
in Kraft sind (vgl. Planungs- und Baugesetz, Botschaft und Entwurf der Regierung vom
11. August 2015, in: ABl 2015 S. 2399 ff., S. 2531, sowie Kreisschreiben des
Baudepartements, übergangsrechtliche Bestimmungen im Planungs- und Baugesetz,
vom 8. März 2017, S. 1-3 Ziff. 1). Das Baureglement der Politischen Gemeinde X._
vom 13. Februar 1996/5. August 1997 (vom Baudepartement genehmigt am
16. Juli 1999, BauR) mit dazugehörendem Zonenplan wurde noch nicht an die
Nutzungs- und Bauvorschriften des PBG (Art. 66 ff.) angepasst. Von den neuen
Regelungen kann daher vorerst nur Gebrauch gemacht werden, sofern sie direkt
anwendbar sind (vgl. dazu Anhang des zitierten Kreisschreibens). Ist dies nicht der Fall,
ist das bis 30. September 2017 gültige Gesetz über die Raumplanung und das
öffentliche Baurecht (Baugesetz; nGS 32-47, BauG, in der Fassung vom
1. Januar 2015) heranzuziehen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.
Der Beschwerdeführer bringt vor, die Beschwerdebeteiligte habe die
Koordinationspflicht verletzt (act. 7, S. 11-15, 27 Ziff. III/B/b/1, 4.2, S. 38 f., 43 f., 45 f.
Ziff. III/C/b/1, 3.4 f., 4.5, act. 41 Ziff. 2).
Die Koordinationspflicht nach Art. 25a RPG (vgl. dazu D. Dussy, in: Griffel/Liniger/
Rausch/Thurnherr [Hrsg.], öffentliches Baurecht, Zürich 2016, Rz. 7.92 ff.) ist zu
bejahen, wenn zwischen den anzuwendenden Vorschriften ein derart enger sachlicher
Zusammenhang besteht, dass sie nicht getrennt und unabhängig voneinander beurteilt
werden dürfen, ansonsten die gesonderte Behandlung sachlich zu unhaltbaren
Ergebnissen führen könnte. Dies gilt insbesondere, wenn für die Errichtung oder
Änderung einer Baute oder Anlage Verfügungen mehrerer Behörden nötig sind (siehe
hierzu auch Art. 132 PBG). Die Koordinationsgrundsätze finden auf
Sondernutzungspläne und damit auch auf Strassenpläne und –projekte nach dem
Strassengesetz (sGS 732.1, StrG) sachgemäss Anwendung (vgl. VerwGE B 2018/80;
B 2018/82 vom 23. Mai 2019 E. 6.1 mit Hinweisen). Sind die massgeblichen Fragen
Gegenstand verschiedener Verfahren, sind diese zeitlich zu koordinieren, wenn wegen
des Erfordernisses einer inhaltlich abgestimmten Anwendung des materiellen Rechts
keine Möglichkeit besteht, eines davon vorzuziehen (vgl. BGer 1C_564/2012 vom
19. November 2013 E. 5.1 mit Hinweisen). Keine Koordination muss gewährleistet
werden mit Entscheiden, die zwar in einem Zusammenhang zum Bauprojekt stehen,
aber keinen direkten Einfluss auf die Ausgestaltung der geplanten Baute oder Anlage
haben oder aus sachlichen Gründen erst nach der Errichtung bzw. Änderung der
betreffenden Baute oder Anlage getroffen werden können (vgl. BGer 1C_283/2016 vom
11. Januar 2017 E. 3.2 mit Hinweisen, siehe auch VerwGE B 2016/119 vom
16. August 2018 E. 4.1 mit Hinweisen).
4.1.
Im konkreten Fall wurde das ursprüngliche Baugesuch vom 13. Juli 2015
(act. 11/9/1.8-1.12, 1.14 f., 1.23-1.54) mehrmals nachträglich geändert resp. ergänzt,
ohne dass es in seinen Grundzügen verändert wurde (vgl. zur Zulässigkeit von
untergeordneten Projektänderungen Fritzsche/Bösch/Wipf/kunz, Zürcher Planungs-
und Baurecht, Band 1, 6. Aufl. 2019, S. 371, Zaugg/Ludwig, Baugesetz des Kantons
Bern, Band I, 4. Aufl. 2013, Art. 32 Rz. 12 ff., allerdings in Bezug auf Art. 43 des
Dekrets über das Baubewilligungsverfahren des Kantons Bern, Baubewilligungsdekret;
BewD, BSG 725.1, und A. Baumann, in: derselbe/van den Bergh/Gossweiler/Häuptli/
Häuptli-Schwaller/Sommerhalder Forestier [Hrsg.], Kommentar zum Baugesetz des
4.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Kantons Aargau, Bern 2013, § 60 Rz. 38 f.). Auch das Baugesuch vom 15. Juni 2016
(act. 11/9/4.9-4.23) für den Neubau der Energiezentrale stellt eine solch untergeordnete
Projektänderung dar, welche das ursprüngliche Baugesuch, welches einen Anschluss
an ein Fernwärmenetz vorsah (act. 11/9/1.24), in diesem Punkt ersetzte. Deshalb tut
nichts mehr zur Sache, ob das Bauprojekt gemäss dem Beschwerdeführer
ursprünglich mangelhaft war (siehe dazu Schreiben des Ortsgemeindepräsidenten von
Z._ vom 22. Januar 2014, act. 8/3). Ebenso wenig ist von Belang, dass diese
Projektänderung nicht ausdrücklich als solche bezeichnet wurde und die Baugesuche
nicht gleichzeitig öffentlich auflagen. Entscheidend ist, dass keine sich gegenseitig
ausschliessenden Baugesuche vorlagen, womit im erstinstanzlichen Verfahren keine
Gefahr sich widersprechender Entscheide bestand. Nichts Gegenteiliges ergibt sich
aus dem Umstand, dass die Energiezentrale, wie die bisherige Gas-/Ölheizung (vgl.
act. 11/9/4.11 Ziff. 2.2), auch der Wärmeerzeugung für die Sporthalle Y._ (Assek.-
Nr. 0005_) auf Parzelle Nr. 0006_ dienen soll. Es ist nicht erkennbar und wird vom
Beschwerdeführer auch nicht behauptet, dass weitere Bewilligungen für den Anschluss
der – bestehenden – Sporthalle Y._ an die Energiezentrale erforderlich (gewesen)
wären. Überdies entschied die Beschwerdebeteiligte am 18. Januar 2018 unter
Berücksichtigung der Projektänderung vom 15. Juni 2016 über das Bauprojekt als
Ganzes, wenn auch, wegen der Verknüpfung mit der Sporthalle Y._, aufgeteilt in zwei
Entscheide (je act. 11/2/2). Von einer unzulässigen Aufsplittung in mehrere Zwischen-
oder Teilverfügungen kann somit – entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers –
keine Rede sein (vgl. hierzu BGer 1C_150/2009 vom 8. September 2009 E. 2.2 mit
Hinweisen). Dies umso mehr, als die Beschwerdebeteiligte den Beschwerdegegner
unter Ziffer 4 des Dispositivs des Einspracheentscheids vom 18. Januar 2018
betreffend Teilabbruch und Erweiterung Kantonsschule verpflichtete (act. 11/VD/
BD-18.02/1, S. 11), mit dem Bau erst zu beginnen, wenn die Baubewilligung für das
Projekt Neubau Energiezentrale in Rechtskraft erwachsen sei. Die Vorinstanz vereinigte
alsdann die Rekursverfahren und fällte einen Entscheid (vgl. dazu Art. 33 Abs. 4 RPG).
Im Weiteren hat die Beschwerdebeteiligte in den Baubewilligungen vom
18. Januar 2018 (je act. 11/1) unter Ziff. 3.7 (S. 9) resp. lit. B/4.14 (S. 16), in der
Aktennotiz vom August 2016 (act. 11/9/3.10, S. 4 f.) sowie im Grundriss auf das
Betriebs- und Gestaltungskonzept K._strasse der Verkehrsingenieure Q._ vom
12. Dezember 2016 (act. 11/VD-BD-18.01/6/3 und 20/2) hingewiesen (vgl. dazu auch
Absichtserklärung zwischen dem Beschwerdegegner und der Beschwerdebeteiligten
vom 21. August 2017 betreffend Erstellung der Parkierungsanlage auf den
Grundstücken Nrn. 0000 f., act. 11/9/1.17). Aus den vorliegenden Unterlagen ergeben
sich jedoch keine Anhaltspunkte dafür, dass die Umsetzung des Betriebs- und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
5.
Das Verwaltungsgericht hat antragsgemäss (act. 1, S. 3 f. Ziff. II/5, act. 7, S. 3 f. Ziff. II/
5 f., S. 19, 22-24, 27, 32, 34, 36 Ziff. III/B/b/3.1b, 3.1i, 3.2b, 3.3a, 4.3, 4.12, 4.15, 6.1,
S. 38 Ziff. III/C/a/4, S. 42, 46-48 Ziff. III/C/b/2.5, 4.5, 4.7, act. 23 Ziff. 2 und 6), alle
Vorakten beigezogen und einen Augenschein durchgeführt. Der Beschwerdeführer
stellt darüber hinaus die Beweisanträge (act. 7, S. 12 f., 24 Ziff. III/B/b/1.6, 3.3a, S. 47
Ziff. III/C/b/4.7 und 5.2), es seien Gutachten über die zu erwartenden Lärm- und
Lichtimmissionen im Bereich seines Wohnhauses sowie zur Erschliessung/Anlieferung
und zur Verkehrssicherheit der Energiezentrale einzuholen und es sei das Original des
Betriebs- und Gestaltungskonzepts K._strasse vom 12. Dezember 2016 beizuziehen.
Von der Einholung eines Lärmgutachtens kann abgesehen werden (vgl. zur
Ermittlungspflicht Art. 25 Abs. 1 zweiter Halbsatz des Bundesgesetzes über den
Umweltschutz, Umweltschutzgesetz; SR 814.01, USG, Art. 36 der Lärmschutz-
Gestaltungskonzepts K._strasse (vgl. act. 11/9/1.30 Ziff. 14), inklusive die Erstellung
der Parkierungsanlage auf den Parzellen Nr. 0000_ f. (mitsamt Abbruch
Schulprovisorium und Bauernhaus, Assek.-Nrn. 0007_ und 0008_, www.geoportal,
vgl. dazu auch act. 11/9/3.10, S. 5 f.), bereits rechtlich gesichert wäre. Selbst wenn es
sich dabei nicht mehr bloss um Vorprojekte handeln würde, hätte die Vorinstanz in
Erwägung 3.3 des angefochtenen Entscheids (act. 2, S. 9 f.) im Übrigen
nachvollziehbar dargetan, dass kein derart enger sachlicher Zusammenhang zwischen
diesen Vorhaben und dem vorliegend strittigen Bauprojekt besteht, dass diese
zwingend koordiniert werden müssten. Das strittige Bauvorhaben kann, namentlich mit
Blick auf die Anzahl Parkplätze (vgl. E. 15.2) sowie die Erschliessung der
Energiezentrale (vgl. E. 14 hiernach), allein aufgrund der erteilten Baubewilligungen
ausgeführt werden. Ferner ist nicht ersichtlich, inwiefern Widersprüche zwischen der
Umsetzung des Betriebs- und Gestaltungskonzepts K._strasse und dem vorliegend
strittigen Bauvorhaben drohten (vgl. dazu auch act. 11/VD-BD-18.01/12 Ziff. II/1 und
20/3, act. 11/VD-BD-18.02/15, Ziff. II/1). Ein Verstoss gegen Art. 25a RPG durch die
Beschwerdebeteiligte oder die Vorinstanz ist unter diesen Umständen nicht
auszumachen.
Im Übrigen kann der Beschwerdebeteiligten keine Verletzung der Planungspflicht
(Art. 75 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft;
SR 101, BV, Art. 2 Abs. 1 RPG, Art. 1 Abs. 1 PBG) vorgeworfen werden, weil sie noch
kein "Gesamtverkehrskonzept X._" auf Stufe des wegleitenden kommunalen
Richtplans (Art. 5 f. PBG) festgesetzt hat. Jedenfalls bestehen keine Anhaltspunkte
dafür und wird vom Beschwerdeführer auch nicht weiter dargetan, welche planerischen
Ziele eines solchen Konzepts durch das strittige Bauvorhaben vereitelt würden.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Verordnung; SR 814.41, LSV, BGer 1C_95/2016 vom 29. September 2016 E. 2.1.2 und
BGer 1C_534/2011 vom 29. Mai 2012 E. 2.4 je mit Hinweis auf BGE 137 II 30 E. 3.4 mit
Hinweis auf BGer 1A.180/2006 vom 9. August 2007 E. 5.5, BGer 1C_296/2010 vom
25. Januar 2011 E. 3.4 mit Hinweisen, VerwGE B 2015/113 vom 20. Dezember 2016
E. 2.2 mit Hinweisen auf R. Wolf, in: Vereinigung für Umweltrecht und H. Keller [Hrsg.],
Kommentar zum Umweltschutzgesetz, 2. Aufl. 2004, Art. 25 Rz. 95, und
BGer 2C_311/2007 vom 21. Juli 2008 E. 3.6 und BGer 1A.58/2002 vom
2. September 2002 E. 2 mit Hinweisen, in: URP 2002, S. 685 ff.). Eine Lärmprognose
durch das Gericht ist ausreichend: Aufgrund der Akten und der Ergebnisse des
Augenscheins vom 21. November 2019 ergibt sich, dass eine Überschreitung der
massgebenden Belastungsgrenzwerte beim aktuellen Kenntnisstand ausgeschlossen
werden kann (vgl. dazu E. 8.2 hiernach). Ebenso kann auf die weiteren prozessualen
Vorkehren verzichtet werden. Die entscheidrelevanten tatsächlichen Verhältnisse
ergeben sich mit hinreichender Klarheit aus den Verfahrensakten und den Ergebnissen
des Augenscheins vom 21. November 2019 (vgl. hierzu BGer 1C_13/2018 vom
13. März 2019 E. 3 mit Hinweisen). Es ist nicht ersichtlich, inwiefern die Abnahme
dieser Beweisvorkehren entscheidwesentliche Erkenntnisse liefern könnte.
6.
Der Beschwerdeführer rügt weiter (act. 7, S. 4 Ziff. II/6, S. 47 f. Ziff. III/C/b/5, act. 23
Ziff. 2), die Vorinstanz hätte antragsgemäss einen Augenschein durchführen müssen.
Die Vorinstanz führte in Erwägung 15.2 des angefochtenen Entscheids (act. 2, S. 33)
dazu aus, die tatsächlichen (örtlichen) Verhältnisse ergäben sich aus den bestehenden
Akten. Im Übrigen sei es nicht möglich, an einem Augenschein die
Befahrbarkeitsstudien bezüglich der Wendemöglichkeit für Lastwagen auf dem
projektierten Vorplatz auf Parzelle Nr. 0009_ vor Ort zu überprüfen. Die tatsächlichen
Verhältnisse präsentierten sich derzeit anders als nach dem Bau der Energiezentrale.
Diese Ausführungen sind mit Blick auf die Akten, das Geoportal (www.geoportal.ch)
sowie das der Vorinstanz zustehende Ermessen nicht zu beanstanden und haben sich
am gerichtlichen Augenschein bestätigt. Die Vorinstanz durfte in antizipierter
Beweiswürdigung auf einen Augenschein im Sinne von Art. 12 Abs. 1 VRP verzichten,
ohne den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV)
zu verletzen (vgl. dazu BGer 1C_284/2017 vom 1. März 2018 E. 2.2 mit Hinweis auf
BGE 141 I 60 E. 3.3 mit Hinweis sowie VerwGE B 2019/35; B 2019/36 vom
29. August 2019 E. 3.5.1 mit Hinweis). Daran ändert nichts, dass sich das
Verwaltungsgericht, welches den Sachverhalt frei prüft (vgl. Art. 110 des
Bundesgesetzes über das Bundesgericht, Bundesgerichtsgesetz; SR 173.110, BGG,
und Art. 61 Abs. 2 VRP), ermessensweise veranlasst sah, einen Augenschein
durchzuführen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
7.
Der Beschwerdeführer macht zudem geltend (act. 7, S. 15-17, 24-26 Ziff. III/B/b/
2.1-2.4, 3.4b-3.4e), das vom Beschwerdegegner eingereichte Konzept könne nicht
Grundlage der umweltrechtlichen Beurteilung bilden. Es sei nicht unterzeichnet,
unvollständig und mangelhaft. Dem ist entgegenzuhalten, dass die
Beschwerdebeteiligte das Konzept unter Auflage lit. B/4.2 der Baubewilligung vom
18. Januar 2018 (act. 11/VD-BD-18.02/1, S. 15) für verbindlich erklärt hat. Deswegen
kann es der umweltrechtlichen Beurteilung zugrunde gelegt werden, selbst wenn es
vom Beschwerdegegner nicht unterzeichnet worden ist (vgl. hierzu Art. 147
Abs. 1 PBG, Art. 12 Abs. 1 lit. c USG, Schrade/Loretan, in: Vereinigung für Umweltrecht
und H. Keller [Hrsg.], a.a.O., Art. 12 Rz. 28 ff., und URP 2004, S. 348). Soweit der
Beschwerdeführer behauptet (act. 7, S. 15 f., Ziff. III/B/b/2.1), es stehe der
Baubewilligungsbehörde nicht zu, über ein Konzept eines Privaten zu befinden,
widerspricht er sich selbst. Gleichzeitig fordert er nämlich (Ziff. III/B/b/2.2), die
Bauherrschaft sei zu verpflichten, ein umfassendes und korrektes Konzept zu erstellen.
Ob die Festlegungen im Konzept unvollständig oder mangelhaft sind (vgl. hierzu
VerwGE B 2016/222 vom 23. Mai 2018 E. 4.2), ist nachfolgend zu prüfen.
8.
Der Beschwerdeführer wehrt sich gegen übermässige Lärmimmissionen auf seinem
Grundstück (act. 7, S. 16 f., 18-23, 26 f Ziff. III/B/b/2.3 f., 3b-3.1f, 3.1h und i, 3.2a und
3.2b, 3.4f, act. 38, S. 2-4, 7 f. Ziff. I/A/2-4, I/B/1 f., III).
Die Kantonsschule X._ auf Parzelle Nr. 0002_, welche im Jahr 1963 erbaut und in den
Jahren 1969 und 1992 erweitert wurde (vgl. Botschaft und Entwurf der Regierung vom
2. Juli 2013 zum Kantonsratsbeschluss über Teilabbruch und Erweiterung der
Kantonsschule X._, in: ABl 2013, S. 2005 ff. [nachfolgend: Botschaft], S. 2006, 2008,
2015, www._.ch), ist eine ortsfeste Anlage im Sinne von Art. 7 Abs. 7 USG und Art. 2
Abs. 1 LSV. Ob sie wegen der vorliegend strittigen Erweiterung als neue Anlage im
Sinne von Art. 25 Abs. 1 USG sowie Art. 2 Abs. 2 und Art. 7 Abs. 1 LSV zu qualifizieren
ist oder ob es sich dabei um eine wesentliche Änderung einer bestehenden Anlage (vgl.
Art. 16-18 USG sowie Art. 2 Abs. 4 und Art. 8 LSV) handelt (vgl. dazu
BGer 1C_252/2017 vom 5. Oktober 2018 E. 4.3, in: URP 2019, S. 66 ff., BGer 1A.
195/2006; 1A.201/2006 vom 17. Juli 2007 in BGE 133 II 292 nicht publizierte E. 2.3,
BGE 123 II 325 E. 4c/cc je mit Hinweisen, siehe auch act. 11/9/1.30 Ziff. 15 sowie
E. 5.2 des angefochtenen Entscheids, act. 2, S. 13), kann vorliegend offenbleiben. Wie
nachfolgend zu zeigen sein wird, ist der angefochtene Entscheid auch unter
8.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Zugrundelegung der Bestimmungen über Neuanlagen rechtmässig. Als neue Anlage
hat die erweiterte Kantonsschule X._ den Planungswerten (Art. 23 USG) zu genügen
(vgl. Art. 25 Abs. 1 USG und Art. 7 Abs. 1 lit. b LSV). Mit Ausnahme der
Lüftungsanlagen sowie der Erweiterung der Parkierungsanlage, auf welche die
Belastungsgrenzwerte für Industrie- und Gewerbelärm anwendbar sind (vgl. dazu
Art. 40 Abs. 1 in Verbindung mit Anhang 6 Ziff. 1 Abs. 1 lit. d und e sowie Ziff. 2 LSV),
muss sie mangels unmittelbar anwendbarer Planungswerte ein Immissionsniveau
einhalten, bei welchem nach richterlicher Beurteilung höchstens geringfügige
Störungen auftreten (vgl. Art. 40 Abs. 3 LSV in Verbindung mit Art. 15 USG unter
Berücksichtigung von Art. 19 und Art. 23 USG). Bei der Beurteilung, ob im Einzelfall
eine unzumutbare Störung vorliegt, sind der Charakter des Lärms, Zeitpunkt und
Häufigkeit seines Auftretens sowie die Lärmempfindlichkeit bzw. Lärmvorbelastung zu
berücksichtigen (vgl. VerwGE B 2016/215 vom 22. Februar 2018 E. 7.1 mit Hinweisen,
bestätigt mit BGer 1C_219/2018 vom 9. November 2018). Dabei ist nicht auf das
subjektive Lärmempfinden einzelner Personen abzustellen, sondern eine objektivierte
Betrachtung vorzunehmen, unter Berücksichtigung auch von Personen mit erhöhter
Empfindlichkeit (vgl. Art. 13 Abs. 2 USG und BGer 1C_601/2018 vom
4. September 2019 E. 6.2 mit Hinweisen, zur Publikation vorgesehen). In diesem
Zusammenhang können Vollzugshilfen der Fachbehörden des Bundes und der
Kantone eine Entscheidungshilfe bieten (vgl. BGer 1C_383/2016; 1C_409/2016 vom
13. Dezember 2017 E. 4.2, in: ZBl 119/2018, S. 657 ff., und URP 2018, S. 305 ff.).
Vorweg bleibt die Feststellung der Vorinstanz in Erwägung 5.2 des angefochtenen
Entscheids (act. 2, S. 13) unbeachtlich, der Beschwerdeführer mache nicht geltend, der
Betrieb der (erweiterten) Kantonsschule überschreite die Planungswerte. In den
darauffolgenden Erwägungen 5.4, 5.6 f. und 6.2 (S. 14-17) sowie implizit in
Erwägung 4.5 (S. 11 f.) setzte sie sich mit den diesbezüglichen Vorbringen des
Beschwerdeführers in der Rekursergänzung vom 23. Februar 2018 (act. 11/VD-
BD-18.02/6, S. 11-17 Ziff. III/B/2.1c-e, g, 2.2a-b, 2.4c, 2.5c) auseinander und verneinte
das Vorliegen von übermässigen Lärmimmissionen resp. mehr als geringfügigen
Störungen.
Nach Ziff. 1.2 des Konzepts sollen sämtliche Veranstaltungen mit Ausnahme des alle
zwei Jahre stattfindenden Mittelschulfestes und der Chorkonzerte spätestens um
21.45 Uhr enden (vgl. dazu auch Art. 8 Abs. 1 und Abs. 2 lit. c des Polizeireglements
der Politischen Gemeinde X._, PolR, act. 11/9/1.21). Abweichend davon sollen
gemäss den Angaben des Beschwerdegegners vom 25. November 2019 (act. 31
8.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Ziff. 1) neben durchschnittlich 15 bis 20 kleineren Schulanlässen (bis 150 Teilnehmer)
sowie fünf bis sechs externen Anlässen pro Jahr (je bis 21.45 Uhr) zusätzlich zum
Mittelschulfest (Festbetrieb bis 01.00 Uhr, Aufräumen bis ca. 02.30 Uhr resp.
03.00 Uhr) sowie den vier bis acht Chorkonzerten pro Jahr (bis 23.00 Uhr) auch vier bis
sechs Theatertage pro Jahr erst um ca. 22.30 Uhr und der einmal jährlich stattfindende
Kantiball um 24.00 Uhr (anschliessend Aufräumen) enden. Darauf ist der
Beschwerdegegner zu behaften. Wie der Beschwerdeführer in seiner Stellungnahme
vom 10. Januar 2020 (act. 38) zutreffend ausgeführt hat, ist demzufolge mit
durchschnittlich zwei bis drei Veranstaltungen pro Woche zu rechnen. Davon sollen
eine bis zwei Veranstaltungen länger als bis 21.45 Uhr dauern. Der Beschwerdeführer
stört sich ausdrücklich nicht an der Durchführung dieser Anlässe innerhalb des
Schulgebäudes, sondern in erster Linie am Lärm der Besucher und der Veranstalter im
Aussenbereich der Schule, namentlich auf dem Parkplatz, nach Ende der
Veranstaltungen um 21.45 Uhr. In dieser Hinsicht hat die Vorinstanz in Erwägung 4.5
des angefochtenen Entscheids (act. 2, S. 11 f.) zutreffend dargetan, dass die drei
Parkplätze nordwestlich und die 27 Parkplätze sowie die neun "E-Bike/Smart-
Parkplätze" nördlich der Schule gemäss den Projektanpassungen vom
23./24. März 2017 (act. 11/9/1.30 f.) nicht öffentlich seien, d.h. in erster Linie nur den
Lehrpersonen sowie den weiteren Mitarbeitern der Kantonsschule vorbehalten sein
sollen. Nicht zu erwarten ist, dass die Lautäusserungen dieses Benutzerkreises,
welcher dem Rektor resp. dem Verwalter der Schule untersteht (vgl. Art. 22 Abs. 1 und
Art. 26 MSG), auf dem Parkplatz nach den Veranstaltungen das in der Wohnzone W2a
zulässige Immissionsmass überschreiten (vgl. dazu auch Art. 7 PolR). Es ist aber mit
insgesamt 39 Fahrzeugbewegungen nach 21.45 Uhr zu rechnen (siehe dazu auch
Art. 33 der Verkehrsregelnverordnung; SR 741.11, VRV). Allerdings sind nur drei
Parkplätze an der nordwestlichen Ecke des Baugrundstücks Nr. 0002_ in rund 16 m
Entfernung des Einfamilienhauses des Beschwerdeführers (Assek.-Nr. 0010_) auf
Parzelle Nr. 0003_ geplant (vgl. Grundriss), welche rund einen Meter tiefer liegen als
das Haus des Beschwerdeführers. Die übrigen 36 Parkplätze weisen einen Abstand
von mindestens ca. 57 m zum Haus des Beschwerdeführers auf. Die Ausfahrt erfolgt
auf der vom Grundstück des Beschwerdeführers abgewandten, nordöstlichen
Grundstücksecke in die K._strasse. Hinsichtlich des Güterumschlags im
Aussenbereich der Schule nach 21.45 Uhr ist sodann festzuhalten, dass gemäss den
verbindlichen Angaben des Beschwerdegegners vom 25. November 2019
"Aufräumarbeiten" nur einmal pro Jahr nach dem Kantiball ab 24.00 Uhr und alle zwei
Jahre Samstag- (bis 02.30 Uhr) und Sonntagnacht (bis 03.00 Uhr) sowie am Sonntag
ab 09.00 Uhr vorgesehen sind. Nach den Theateraufführungen und den Chorkonzerten
sollen demnach in der Nacht im Aussenbereich keine Güter (mehr) umgeschlagen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
werden. Ausserdem lässt sich dem Konzept (Ziff. 3 f.) entnehmen, dass die Mensa am
Abend – bewilligungspflichtige Ausnahmen unter Einbezug der Nachbarn vorbehalten
(vgl. dazu Auflage lit. B/4.2 der Baubewilligung vom 18. Januar 2018, act. 11/VD-
BD-18.02/1, S. 15) – nur bis 18.00 Uhr (ohne Sonntag) in Betrieb sein darf und
Anlieferungen und Abtransporte nur bis 18.00 Uhr (werktags) resp. 12.00 Uhr
(samstags) zulässig sind und daraus im Falle von Veranstaltungen keine zusätzlichen
Lärmimmissionen resultieren. Dasselbe gilt für die projektierte Mulde nordwestlich der
Schule (vgl. Grundriss), welche nach unbestrittenen Angaben der
Beschwerdebeteiligten im Einsprachenentscheid vom 18. Januar 2018 (act. 11/VD-
BD-18.02/1, S. 10) der Zwischenlagerung von Garten- und Küchenabfällen dienen soll.
Bei dieser Sachlage sind bezüglich der durchschnittlich zwei bis drei Veranstaltungen
pro Woche auf dem Schulgelände höchstens geringfügige Lärmimmissionen auf dem
Grundstück des Beschwerdeführers zu erwarten. Daran ändern die vom
Beschwerdeführer am 10. Januar 2020 eingereichten Fotos und Videos resp. das
Protokoll vom 21./22. September 2018 (act. 39/8 f., 22) nichts, da sie den bestehenden
Zustand (ohne Konzept mit ergänzenden Angaben des Beschwerdegegners vom
25. November 2019) wiedergeben. Anhaltspunkte dafür, dass die geplante
Parkierungsanlage darüber hinaus die massgebenden Planungswerte in der
Wohnzone W2a nicht einhält (vgl. dazu VerwGE B 2010/227; B 2010/228 vom
6. Juli 2011 E. 7.9 f.), bestehen nicht und werden vom Beschwerdeführer auch nicht
weiter dargetan.
Was die geplante Lüftungsanlage (Industrie- und Gewerbelärm) anbelangt, gilt auf
Parzelle Nr. 0003_ in der Wohnzone W2a nach Art. 6 BauR in Verbindung mit
Anhang 6 Ziff. 1 Abs. 1 lit. e und Ziff. 2 sowie Ziff. 31 Abs. 1 LSV (siehe dazu auch
Art. 32 Abs. 1 des Einführungsgesetzes zur eidgenössischen
Umweltschutzgesetzgebung; sGS 672.1, EG-USG) ein Planungswert von 55 dB(A) am
Tag (7 bis 19 Uhr) und 45 dB(A) in der Nacht (19 bis 7 Uhr). Die Vorinstanz hat in
Erwägung 6.2 des angefochtenen Entscheids (act. 2, S. 16 f.) gestützt auf die
Vernehmlassung des Beschwerdegegners vom 20. April 2018 (act. 11/VD-
BD-18.02/15, S. 4) festgehalten, dass der "Geräuschpegel" der geplanten
Lüftungsanlage 40 dB(A) in der Nacht und 50 dB(A) am Tag betrage. Im Grundrissplan
3. Obergeschoss vom 19. November 2014 (act. 11/9/1.37), auf welchen die
Vernehmlassung des Beschwerdegegners vom 20. April 2018 fusst, ist indessen
lediglich der Vermerk "Fortluft über Dach Schallwert: ca. 40-50 dB" angebracht. Damit
ist nichts über die am ca. 50 m entfernten Immissionsort (Wohnhaus des
Beschwerdeführers auf Parzelle Nr. 0003_, vgl. Grundriss und Grundrissplan
3. Obergeschoss) einwirkende Belastung des Lüftungslärms gesagt. Ein
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
entsprechender Nachweis liegt nicht bei den Akten (siehe hierzu auch Art. 46 Abs. 1
lit. f BauR und zur Ermittlung und Beurteilung von Industrie- und Gewerbelärm,
Vollzugshilfe des Bundesamtes für Umwelt BAFU für Industrie- und Gewerbeanlagen,
Bern 2016, S. 17 ff., www.bafu.admin.ch). Des Weiteren ergibt sich aus der
Baubewilligung vom 18. Januar 2018 (act. 11/VD-BD-18.02/1) keine individuell-
konkrete Verpflichtung des Beschwerdegegners, welche sicherstellt, dass die besagten
Planungswerte eingehalten werden (vgl. dazu VerwGE B 2014/48 vom 28. Juli 2015
E. 5.4.5 mit Hinweis). Die Auflage lit. B/4.7, mittels welcher der Beschwerdegegner
verpflichtet wurde, (ein Jahr) nach Inbetriebnahme der Anlage und darüber hinaus im
Falle von Reklamationen Lärmmessungen durchzuführen, reicht dafür offensichtlich
nicht aus (siehe zur Kontrollpflicht der Beschwerdebeteiligten Art. 12 LSV und Art. 18
Satz 2 LSV sowie Art. 28 EG-USG). Allerdings weist das Lüftungsrohr eine Entfernung
zum Wohnhaus des Beschwerdeführers von rund 50 m auf. Auch verpflichtete sich der
Beschwerdegegner, die Mensa(-küche) – bewilligungspflichtige Ausnahmen unter
Einbezug der Nachbarn vorbehalten (vgl. dazu Auflage lit. B/4.2 der Baubewilligung
vom 18. Januar 2018, act. 11/VD-BD-18.02/1, S. 15) – nur von Montag bis Samstag
zwischen 06.30 und 18.00 Uhr zu benutzen (vgl. Konzept, Ziff. 3). Eine Überschreitung
des massgebenden Planungswerts am Immissionsort ist damit, selbst unter
Berücksichtigung allfälliger Pegelkorrekturen, von vornherein nicht zu erwarten, selbst
wenn die Nebenräume in der Küche während 24 Stunden dauernd einen kleinen
Luftdurchsatz haben (act. 31 Ziff. 3).
Im Weiteren ist gemäss Angaben des Beschwerdegegners vom 25. November 2019
(act. 31 Ziff. 2) voraussichtlich mit höchstens einer bis zwei Anlieferungen pro Tag für
die Mensa (vgl. dazu Ziff. 3 des Konzepts, siehe auch Plan "Lager_Küche_Ausgabe"
vom 8. Juni 2015, gemäss welchem die Küche für ca. 150 Essen pro Tag konzipiert ist,
act. 11/9/1.52) und mit zwei bis drei Anlieferungen pro Woche für den übrigen
Schulbetrieb (Verwaltung, Hausdienst) zu rechnen. Darauf ist der Beschwerdegegner
zu behaften. Die Wohn- und Schlafräume des Beschwerdeführers befinden sich
17.80 m vom geplanten Wendeplatz entfernt (vgl. Grundriss). Dort müssen die
Fahrzeuge für den Güterumschlag mit der Mensaküche wenden und rückwärts (siehe
dazu Art. 36 Abs. 4 des Strassenverkehrsgesetzes; SR 741.01, SVG, und Art. 17 Abs. 1
bis 3 VRV) auf einer Strecke von ca. 20 m zur "Anlieferung Küche" fahren (vgl.
Grundriss und Grundriss Erdgeschoss vom 3. Juli 2015, act. 11/9/1.34). Dabei werden
in aller Regel Vorrichtungen zur akustischen Warnung vor dem Rückwärtsfahren zur
Anwendung gelangen (vgl. dazu Art. 82 Abs. 1 der Verordnung über die technischen
Anforderungen an Strassenfahrzeuge; SR 741.41, VTS). Die Zeiten für Anlieferungen
und Abtransporte werden im Konzept (Ziff. 4) indes eingeschränkt (06.30 bis 18.00 Uhr
ter
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
werktags sowie 09.00 bis 12.00 Uhr samstags). Bei lediglich einer bis durchschnittlich
maximal drei Anlieferungen pro Tag, davon eine bis zwei Anlieferungen für die
Mensaküche, kann deshalb nicht gesagt werden, daraus resultierten mehr als
geringfügige Lärmimmissionen auf dem Grundstück des Beschwerdeführers, selbst
wenn diese Anlieferungen resp. die entsprechenden Abtransporte werktags zwischen
06.30 und 07.00 Uhr erfolgen und ein Wenden resp. das Wegfahren in einem Zug
aufgrund der Platzverhältnisse auf dem Wendeplatz gemäss den Darlegungen des
Beschwerdeführers nicht möglich wäre.
Hinsichtlich des Betriebsbeginns und des Aufenthaltsbereichs für die Mitarbeiter der
Küche ergibt sich aus dem Konzept (Ziff. 1.1), dass 25 Personen im Bereich
Verwaltung, Hauswartung, Mensa und Assistenz im Schulhaus tätig sein sollen. Auch
werden darin unter der Überschrift "Mensa/Küche" die Nutzungszeiten der Mensa
(06.30 bis 18.00 Uhr, ohne Sonntag) eingeschränkt (Ziff. 3). Gemäss Angaben des
Beschwerdegegners vom 25. November 2019 (act. 31 Ziff. 4) sollen bis zu sechs
Angestellte in der Küche/Mensa beschäftigt werden (vgl. dazu auch das
Mitarbeiterverzeichnis der Kantonsschule X._, www._.ch, und des derzeitigen
Mensapächters, www._1.ch). Arbeitsbeginn sei um 06.30 Uhr (siehe zur Tagesarbeit
auch Art. 10 des Bundesgesetzes über die Arbeit in Industrie, Gewerbe und Handel,
Arbeitsgesetz; SR 822.11, ArG). Darauf ist der Beschwerdegegner zu behaften. Bei
dieser Ausgangslage ist nicht einzusehen, inwiefern der durch den Betriebsbeginn der
Mensaküche verursachte Lärm (Lautäusserungen der Mitarbeiter, Manöver- und
Parkgeräusche) bei nur drei Parkplätzen in naher Umgebung des Wohnhauses des
Beschwerdeführers oder der durch die Benützung des Aufenthaltsbereichs für die
Mitarbeiter der Küche, welcher ca. 34.50 m vom Wohnhaus des Beschwerdeführers
entfernt liegt (vgl. Grundriss), durch maximal sechs Mitarbeiter der Küche verursachte
Lärm zu mehr als geringfügigen Störungen führen sollte. Entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers steht namentlich nicht zu erwarten, dass der Aufenthaltsbereich
des Küchenpersonals mit lauter Musik beschallt wird. Anhaltspunkte dafür, dass dieser
Bereich mit Lautsprecheranlagen ausgestattet werden soll, bestehen nicht.
Im Übrigen sind auch in Bezug auf die mit der Schneeräumung in den frühen
Morgenstunden einhergehenden Lärmimmissionen auf dem Grundstück des
Beschwerdeführers höchstens geringfügige Störungen zu erwarten, zumal die fragliche
Hauszufahrt resp. Parkierungsanlage auf einer Höhe von maximal 482.80 m ü.M. liegt
(vgl. Grundriss) und dementsprechend durchschnittlich nicht mit mehr als rund
20 Neuschneetagen pro Jahr zu rechnen ist (vgl. Klimaszenarien CH2018 Voralpen,
Höhenabhängige Veränderungen, des National Centre for Climate Services NCCS,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
www.nccs.admin.ch). Dasselbe gilt, wenn all diese Lärmquellen der erweiterten
Kantonsschule gesamthaft (Art. 8 USG) betrachtet werden, zumal in der Nacht nach
dem Gesagten in der Regel (vgl. dazu Auflage lit. B/4.2 der Baubewilligung vom
18. Januar 2018, act. 11/VD-BD-18.02/1, S. 15) keine Mehrfachbelastungen beim
Wohnhaus des Beschwerdeführers zu erwarten sind. Offenbleiben kann bei diesem
Ergebnis, ob für das strittige Bauvorhaben Erleichterungen erteilt werden könnten
(siehe dazu Art. 25 Abs. 2 USG, Art. 7 Abs. 2 LSV und BGer 1C_252/2017 vom
5. Oktober 2018 E. 6 und 7 mit Hinweis, a.a.O.).
Die von einer neuen Anlage erzeugten Emissionen sind im Rahmen der Vorsorge
soweit zu begrenzen, als dies technisch und betrieblich möglich sowie wirtschaftlich
tragbar ist (Art. 1 Abs. 2 und Art. 11 Abs. 2 USG sowie Art. 7 Abs. 1 lit. a LSV).
Emissionsbegrenzungen umfassen unter anderem Bau- und Ausrüstungsvorschriften
sowie Verkehrs- und Betriebsvorschriften (Art. 12 Abs. 1 lit. c und d USG). Sind die
Planungswerte, wie hier, eingehalten, sind zusätzliche emissionsbegrenzende
Massnahmen nur dann wirtschaftlich tragbar und verhältnismässig, wenn mit geringem
Aufwand eine wesentliche Emissionsreduktion erreicht werden kann (vgl. dazu
BGer 1C_219/2018 vom 9. November 2018 E. 9.4 mit Hinweisen). Bei der Vorsorge im
Rahmen von Art. 11 Abs. 2 USG erweist sich grundsätzlich lediglich eine
umweltrechtliche Optimierung des aufgelegten Projekts, nicht aber eine alternative
Neuplanung mit neuen Auswirkungen für Dritte als verhältnismässig (vgl.
BGE 124 II 517 E. 5d mit Hinweis).
Der Unterricht an der Kantonsschule findet werktags zwischen 07.00 und 18.00 Uhr
statt. Die weiteren Ausbildungen (I._schule, vgl. Vereinbarung über die I._Schule
N._/X._; sGS 215.65], Erwachsenenbildung X._, etc.) werden von Montag bis Freitag
ab 17.15 bis 21.45 Uhr und am Samstag ab 07.30 bis ca. 16.00 Uhr angeboten
(Konzept Ziff. 1.1). Die Öffnungszeiten der Mensa (Montag bis Samstag 06.30 bis 18.00
Uhr) sind damit auf den Schulbetrieb abgestimmt. Die vom Beschwerdeführer
beantragten zusätzlichen Betriebseinschränkungen (Öffnungszeiten der Mensa nur von
Montag bis Freitag zwischen 07.30 und 18.00 Uhr, act. 7, S. 17 Ziff. III/B/b/2.4)
rechtfertigen sich nicht. Wesentliche Emissionsreduktionen sind dadurch nicht zu
erwarten, zumal die Zeiten für Anlieferungen und Abtransporte eingeschränkt sind
(06.30 bis 18.00 Uhr werktags, 09.00 bis 12.00 Uhr samstags, vgl. Ziff. 4 des
Konzepts). Desgleichen ist die vom Beschwerdeführer geforderte Verlegung der
Lüftungsanlagen gegen den Innenhof hin (act. 7, S. 26 f. Ziff. III/B/b/3.4f)
unverhältnismässig. Ebenso wenig drängt sich die vom Beschwerdeführer geforderte
8.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
9.
Der Beschwerdeführer stellt sich ferner auf den Standpunkt, für die geplante Küche
und die Raucherzonen seien emissionsmindernde Massnahmen anzuordnen. Diese
Anlagen führten zu übermässigen Geruchsimmissionen auf seinem Grundstück (act. 7,
S. 23, 25-27 Ziff. III/B/b/3.2c, 3.4c-3.4f).
Die (erweiterte) Kantonsschule mitsamt der geplanten Lüftungsanlage und dem
Aufenthaltsbereich für Mitarbeiter der Mensaküche ist eine neue stationäre Anlage im
Sinne von Art. 2 Abs. 1 und Art. 3 LRV (vgl. zur Abgrenzung von bestehenden
stationären Anlagen BGE 131 II 103 E. 2.1). Als solche muss sie so ausgerüstet und
betrieben werden, dass sie die in Anhang 1 LRV und allenfalls die in den Anhängen 2
bis 4 LRV festgelegten Emissionsbegrenzungen einhält (vgl. Art. 3 LRV sowie
BGer 1C_289/2018 vom 8. Juli 2019 E. 2, BGer 1C_367/2016 vom 7. Februar 2017 E. 8
und BGer 1A.44/2006 vom 20. September 2006 E. 3 je mit Hinweisen). Ist für
bestimmte Anlagen, wie hier, keine Emissionsbegrenzung festlegt oder eine bestimmte
(act. 7, S. 17 f. Ziff. III/B/b/2.5) Schliessung der Zufahrt zu den geplanten Parkplätzen
nordwestlich und nördlich der Schule mittels der vorgesehenen mechanischen
Zufahrtsbeschränkungen zwischen 22.00 und 07.00 Uhr auf. Dementsprechend fällt
auch die Anordnung entsprechender Informationspflichten ausser Betracht. Wie bereits
ausgeführt, sind diese Parkplätze nicht öffentlich. Auch ist die beantragte Anordnung,
als Aufenthalts- und Raucherzone ausschliesslich den Innenhof der Kantonsschule
vorzusehen (act. 7, S. 23 Ziff. III/B/b/3.2c), nicht angezeigt (vgl. dazu auch das
Raucherreglement der Kantonsschule X._ vom 1. August 2016, www._.ch). Ferner
bestreitet der Beschwerdeführer die Ausführungen des Beschwerdegegners in der
Rekursvernehmlassung vom 20. April 2018 (act. 11/VD-BD-18.02/15, S. 5 Ziff. 2.3)
nicht, wonach der Grundwasserträger bzw. dessen Abfluss durch die vom
Beschwerdeführer verlangte (act. 7, S. 2 Ziff. I/2b, S. 21 f., 23 f. Ziff. III/B/b/3.1i, 3.3)
vier Meter hohe Lärmschutzmauer entlang der Grenze zur Parzelle Nr. 0003_ bis zum
Planpunkt 383.84 im Bereich des grünen Klassenzimmers resp. durch die dafür
notwenigen Pfahlbohrungen empfindlich gestört werden könnte (vgl. Replik vom
9. Mai 2018, act. 11/VD-BD-18.02/17 Zu 2.3). Auch diese Anordnung erweist sich
daher als unverhältnismässig, weshalb davon abzusehen ist. Nach unbestrittener
Darstellung des Beschwerdegegners (act. 31 Ziff. 5) würde sodann die Erstellung einer
2.50 m hohen Mauer, welche gemäss der Schätzung des Beschwerdegegners vom
4. November 2019 (act. 32) mit Kosten im Betrag von ca. CHF 70'000 verbunden wäre,
keinen hinreichenden Lärmschutz bieten. Welche zusätzlichen emissionsmindernden
Massnahmen sich darüber hinaus aufdrängen sollten, ist nicht ersichtlich und wird vom
Beschwerdeführer auch nicht weiter dargetan.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Begrenzung als nicht anwendbar erklärt, sind die Emissionen von der Behörde
vorsorglich so weit zu begrenzen, als dies technisch und betrieblich möglich und
wirtschaftlich tragbar ist (Art. 1 Abs. 2 und Art. 11 Abs. 2 USG sowie Art. 4 LRV). Als
übermässig gelten Immissionen, die einen oder mehrere Immissionsgrenzwerte nach
Anhang 7 LRV überschreiten (Art. 13 USG; Art. 2 Abs. 5 LRV). Bestehen keine
Grenzwerte, ist die Schädlichkeit oder Lästigkeit im Einzelfall zu prüfen, nach den in
Art. 14 USG und Art. 2 Abs. 5 LRV aufgestellten Kriterien (vgl. BGer 1C_260/2016 vom
6. Juni 2017 E. 2.1).
Wie bereits unter E. 8.2 hiervor ausgeführt, liegt die Lüftungsanlage rund 50 m vom
Wohnhaus des Beschwerdeführers entfernt. Auch sind die Betriebszeiten der
Lüftungsanlage eingeschränkt (06.30 bis 18.00 Uhr, ohne Sonntag). Nicht umstritten
ist, dass sie mit modernsten Filteranlagen ausgestattet werden soll (vgl. dazu
Rekursvernehmlassung des Beschwerdegegners vom 20. April 2018, act. 11/VD-
BD-18.02/15, S. 3). Überdies sollen zu "wesentlichen" Teilen Halb- und Fertigfabrikate
angeliefert werden (vgl. Konzept Ziff. 3). Entsprechend wird unter lit. B/4.3 der
Baubewilligung vom 18. Januar 2018 (act. 11/VD-BD-18.02/1, S. 15) bestätigt, dass
eine Regenerations- und keine Produktionsküche geplant sei. Eine Zusicherung des
Beschwerdegegners, deshalb auf Grill und Fritteuse gänzlich zu verzichten, ist nicht
aktenkundig. Insbesondere lässt sich eine solche der Aktennotiz vom 17. Januar 2017
(act. 27.1, S. 2) nicht entnehmen (vgl. dazu act. 7, S. 25 Ziff. III/B/b/3.4c). Unter diesen
Umständen ist nicht davon auszugehen, dass der Betrieb der Mensaküche zu
übermässigen Geruchsimmissionen führt. Auch ist nicht angezeigt, weitere
Massnahmen zur vorsorglichen Emissionsbegrenzung anzuordnen. Dasselbe gilt für
den Aufenthaltsbereich für Mitarbeiter der Mensaküche, welcher ca. 34.50 m vom Haus
des Beschwerdeführers entfernt genutzt werden soll. Deshalb drängt sich auch die
Anordnung eines generellen Rauchverbots im Grenzbereich der Parzellen Nrn. 0003_
und 0002_ nicht auf.
10.
Der Beschwerdeführer moniert weiter, die Anfahrten des Küchenpersonals sowie die
Anlieferungen am frühen Morgen führten zu übermässigen Lichtimmissionen (act. 7,
S. 21 f. Ziff. III/B/b/3.1i).
Angesichts des geplanten Beleuchtungskonzepts (vgl. Auflage lit. B/4.5 der
Baubewilligung vom 18. Januar 2018, act. 11/VD-BD-18.02/1, S. 15, und
act. 11/9/1.20) sowie bei einer bis durchschnittlich maximal drei Anlieferungen pro Tag
frühestens ab 06.30 Uhr, höchstens sechs Angestellten der Mensaküche sowie einem
Niveauunterschied von rund einem Meter (vgl. E. 8.2 hiervor) ist weder mit lästigen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Lichtimmissionen beim Wohnhaus des Beschwerdeführers zu rechnen, noch sind
weitergehende emissionsmindernde Massnahmen, namentlich die vom
Beschwerdeführer geforderte Sichtschutzmauer, anzuordnen (vgl. dazu BGE 140 II 33
E. 4.1 f. mit Hinweisen, siehe auch VerwGE B 2010/227; B 2010/228 vom 6. Juli 2011
E. 7.9.3 mit Hinweis). Entgegen der Meinung des Beschwerdeführers (act. 7, S. 21
Ziff. III/B/b/3.1g) ist des Weiteren bei einer bis durchschnittlich maximal drei
Anlieferungen pro Tag (vgl. E. 8.2 hiervor) kein "Verkehrskollaps" auf der Zufahrt zur
"Anlieferung Küche" zu erwarten. Diese ist mit einer Breite von 5.50 m entlang des
Nordtraktes hinreichend dimensioniert (vgl. Grundriss). Dessen ungeachtet ist Art. 19
Abs. 1 RPG und Art. 22 Abs. 2 lit. b RPG sowie Art. 66 lit. a und Art. 67 lit. a PBG auf
diese grundstücksinterne Zufahrt nicht anwendbar (vgl. BGer 1C_271/2011 vom
27. September 2011 E. 3.2.2mit Hinweisen). Dasselbe gilt für Art. 63 Abs. 1 lit. a StrG
und Art. 26 BauR.
11.
Der Beschwerdeführer hält ferner dafür (act. 7, S. 35 f. Ziff. III/B/b/5), die
Baubewilligung enthalte keine resp. unzureichende Auflagen zum
behindertengerechten Bauen.
Nicht umstritten ist, dass es sich bei der (erneuerten) Kantonsschule X._ um eine
öffentlich zugängliche Baute im Sinne Art. 102 Abs. 2 PBG in Verbindung mit Art. 3
lit. a des Bundesgesetzes über die Beseitigung von Benachteiligungen von Menschen
mit Behinderungen (Behindertengleichstellungsgesetz; SR 151.3, BehiG) und Art. 2 lit. c
Ziff. 2 der Verordnung über die Beseitigung von Benachteiligungen von Menschen mit
Behinderungen (Behindertengleichstellungsverordnung; SR 151.31, BehiV) handelt (vgl.
dazu T. Naguib, in: derselbe/Pärli/Copur/Studer [Hrsg.], Diskriminierungsrecht,
Bern 2014, Rz. 704 f., siehe zur mangelnden direkten Anwendbarkeit der
baurechtlichen Bestimmungen des BehiG auf Bauten der Kantone und von Privaten
BGE 134 II 249 E. 2.2 mit Hinweis auf BGE 132 I 82 E. 2.3.2 mit Hinweisen, in:
Pra 11/2006, S. 873 ff.). Der Zugang für Behinderte zu einer solchen Baute muss nach
Art. 2 Abs. 3 BehiG gewährleistet sein. Es darf keine Benachteiligung beim Zugang zur
Baute vorliegen, d.h. der Zugang darf für Behinderte aus baulichen Gründen weder
nicht noch nur unter erschwerten Bedingungen möglich sein (vgl. dazu Art. 8 Abs. 2
und 4 BV, BGer 1C_392/2011 vom 24. April 2012 E. 5.1, BGer 1C_394/2010;
1C_404/2010 vom 10. Juni 2011 E. 6.3 sowie Schefer/Hess-Klein,
Behindertengleichstellungsrecht, Bern 2014, S. 69 ff.). "Zugang" bedeutet auch
Benützbarkeit aller öffentlich zugänglichen Bereiche im Innern eines Gebäudes (vgl.
Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 22/23 Rz. 4a).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Wie die Vorinstanz in Erwägung 8 des angefochtenen Entscheids (act. 2, S. 23 f.) vorab
zutreffend ausgeführt hat, hat die Beschwerdebeteiligte gemäss dem Antrag des
Vereins Procap St. Gallen-Appenzell in der Stellungnahme vom 5. September 2015
(act. 11/9/1.16, S. 6) die darin enthaltenen "Feststellungen 1 bis 4" unter Auflage lit. B/3
der Baubewilligung vom 18. Januar 2018 (act. 11/VD-BD-18.02/1, S. 15) – trotz
anderslautender Darstellung des Beschwerdeführers – für verbindlich erklärt (vgl.
Art. 147 Abs. 1 PBG). Nicht erkennbar ist und wird vom Beschwerdeführer auch nicht
weiter substantiiert, inwiefern der aufgrund der Feststellung 4 zu erstellende seitliche
Stauraum für Rollstühle bewilligungspflichtige bauliche Anpassungen der Fluchtwege
nach sich ziehen würde (vgl. dazu Grundrissplan 1. Obergeschoss vom 3. Juli 2015,
act. 11/9/1.35). Jedenfalls kann nicht gesagt werden, daraus ergäben sich wesentliche
neue Auswirkungen oder Änderungen für das Projekt, welche nicht mehr im Rahmen
einer nachlaufenden Bewilligung gemäss Art. 149 PBG beurteilt werden könnten (vgl.
dazu VerwGE B 2018/246 vom 8. Juli 2019 E. 4.1 mit Hinweisen). Dementsprechend
kann diesbezüglich auch keine Verletzung des Anspruchs des Beschwerdeführers auf
rechtliches Gehör vorliegen (vgl. dazu VerwGE B 2018/246 vom 8. Juli 2019 E. 3.1 mit
Hinweisen). Im Weiteren lässt der Beschwerdeführer ausser Acht, dass der
Beschwerdegegner unter Feststellung 3 verpflichtet wurde, die Bühne rollstuhlgerecht
zu erschliessen. Die Erstellung einer Toilette für Behinderte in der Nähe und auf dem
Niveau der Aula und des Referateraums wurde von der fachkundigen Beratungsstelle
für behindertengerechtes Bauen des Vereins Procap St. Gallen-Appenzell nicht
beantragt.
12.
Nicht ersichtlich ist und wird vom Beschwerdeführer auch nicht weiter substantiiert
(act. 7, S. 2 Ziff. I/2a, S. 36 Ziff. III/B/b/6), inwiefern die Sicherheit bei der geplanten
Verlängerung der Stützmauer beim Grenzpunkt der Parzellen Nrn. 0011_, 0012_,
0002_ und 0003_ (vgl. Grundriss) unter Einhaltung der massgeblichen Normen nicht
gewährleistet resp. eine Weiterführung dieser Verlängerung unter
sicherheitspolizeilichen Aspekten erforderlich sein sollte (vgl. dazu Art. 101 PBG,
VerwGE B 2015/14 vom 20. Januar 2017 E. 9 mit Hinweisen auf BVR 2006 S. 272 ff.,
S. 276, und GVP 2003 Nr. 103, GVP 1997 Nr. 70 sowie VerwGE B 2012/142;
B 2012/147 vom 2. Juli 2013 E. 3).
13.
Darüber hinaus vertritt der Beschwerdeführer die Ansicht (act. 7, S. 42-44 Ziff. III/C/b/
3.1-3.3, 3.5 f.), die geplante Energiezentrale verletze den Grenz- und Strassenabstand.
Die 7.60 m hohe Energiezentrale auf Parzelle Nr. 0001_ (vgl. Fassaden- und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 23/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Schnittplan je vom 3. Juni 2016, act. 11/9/4.18 f.) hat gegenüber der Parzelle
Nr. 0014_, welche der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen (Oe BA) zugewiesen
und nicht klassiert ist (www.geoportal.ch), einen kleinen Grenzabstand (Art. 56 Abs. 1
und Abs. 2 Satz 1 BauG, siehe auch Art. 79 Abs. 1 und Art. 92 Abs. 1 PBG) von 5.00 m
einzuhalten (Art. 10 in Verbindung mit Art. 6 BauR). Nach dem Grundrissplan vom
3. Juni 2016 (act. 11/9/4.15) weist die Energiezentrale lediglich einen Grenzabstand von
1.62 m zur Parzelle Nr. 0014_ auf. Damit ist der massgebliche kleine Grenzabstand
nicht eingehalten. Die Vorinstanz kam in Erwägung 13.2 des angefochtenen Entscheids
(act. 2, S. 29) jedoch zum Schluss, dass die Beschwerdebeteiligte dem
Beschwerdegegner dafür zu Recht eine Ausnahmebewilligung erteilt habe. Die
bestehende Trafostation, welche einen Grenzabstand zur Parzelle Nr. 0014_ aufweise,
sei aus ästhetischen Gründen in die Energiezentrale integriert worden, weshalb
besondere Verhältnisse im Sinne von Art. 108 Abs. 1 PBG vorlägen. Auf Parzelle
Nr. 0014_ sei kein Ausbau der bestehenden Verkehrsfläche geplant (vgl. dazu Art. 108
Abs. 2 PBG). Diese Ausführungen der Vorinstanz sind nicht zu beanstanden, zumal der
neue Art. 108 PBG anders als der frühere Art. 77 Abs. 1 BauG für die Erteilung einer
Ausnahmebewilligung keine "offensichtliche Härte" mehr voraussetzt (vgl. dazu
VerwGE B 2018/99 vom 13. Januar 2019 E. 5.3.5 mit Hinweisen und zum alten Recht
VerwGE B 2018/41 vom 19. November 2018 E. 2.2 mit Hinweisen und B. Heer, a.a.O.,
Rz. 736 ff.). Da die Voraussetzungen für die Erteilung einer Ausnahmebewilligung somit
erfüllt sind, muss nicht untersucht werden, ob das Bauvorhaben in Bezug auf die
bestehende Trafostation zu keiner wesentlichen Verstärkung der Rechtswidrigkeit im
Sinn von Art. 109 Abs. 2 PBG führt und sich der Beschwerdegegner diesbezüglich auf
die Bestandesgarantie berufen könnte (vgl. dazu R. Clavadetscher, Materielles
Baupolizeirecht, S. 21, in: Schweizerisches Institut für Verwaltungskurse, Das
III. Nachtragsgesetz zum st. gallischen Baugesetz, Tagung vom 7. April 1997, und
VerwGE B 2018/189 vom 21. November 2018 E. 7.1 mit Hinweisen). Gegenüber der
K._strasse, Parzelle Nr. 0013_, Gemeindestrasse erster Klasse, weist die
Energiezentrale einen Strassenabstand von mindestens 4.85 m auf (vgl. die hier
massgebenden Situations- und Grundrisspläne je vom 3. Juni 2016, act. 11/9/4.13 und
4.15, sowie E. 4.2 hiervor und zur Messweise Art. 107 StrG). Der vorgeschriebene
Strassenabstand von 4.00 m ist damit eingehalten (vgl. Art. 24 Abs. 1 BauR, siehe auch
Art. 104 lit. a StrG).
14.
Sodann rügt der Beschwerdeführer, die strassenmässige Erschliessung der
Energiezentrale sei in Bezug auf die Wendemanöver auf dem Vorplatz der
Energiezentrale weder rechtlich noch tatsächlich sichergestellt (act. 7, S. 44-47 Ziff. III/
C/b/4).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 24/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Nach dem Amtsbericht der Verkehrspolizei vom 14. September 2017 (act. 11/9/4.5)
hält das Bauvorhaben die Anforderungen an die Verkehrssicherheit ein, sofern
anliefernde Lastwagen nicht rückwärts über die Parzelle Nr. 0014_ zur Energiezentrale
fahren, sondern auf dem Vorplatz der Energiezentrale auf Parzelle Nr. 0001_ wenden
(vgl. zu den Erschliessungsanforderungen Art. 19 Abs. 1 und Art. 22 Abs. 1 und 2
lit. b RPG, Art. 66 lit. a und Art. 67 lit. a PBG und VerwGE B 2018/52 vom
27. Februar 2019 E. 5.1 mit Hinweisen). Anhaltspunkte, welche diese Einschätzungen
der fachkundigen Verkehrspolizei ernsthaft erschüttern könnten, bestehen aufgrund der
Aktenlage nicht und werden vom Beschwerdeführer auch nicht substantiiert aufgezeigt
(vgl. dazu VerwGE B 2018/240 vom 1. Juli 2019 E. 4.2 mit Hinweisen). Der
Beschwerdegegner wurde im Einsprache- und Baubewilligungsentscheid vom
18. Januar 2018 (act. 11/VD/BD-18.01/1, S. 7-8, E. 6, Dispositiv-Ziff. 2, Auflage
Ziff. 3.3) verpflichtet, die Lieferanten anzuweisen, die Lastwagen auf dem Vorplatz der
Energiezentrale zu wenden. Ein Rückwärtsfahren in der Zubringerstrasse (Parzelle
Nr. 0014_) sei den Lieferanten zu untersagen (vgl. dazu Art. 17 Abs. 2 Satz 2 VRV). Der
Beschwerdegegner hat mittels der am 18. Mai 2018 und 26. Juni 2018 einreichten
Befahrbarkeitsstudien (act. 11/VD/BD-18.01/16/1 und 20/4 f.) sowie dem
Situationsplan Zufahrt vom 23. August 2017 (act. 11/9/4.20) nachgewiesen, dass ein
Wenden von 9.40 m langen Lastwagen auf dem Vorplatz der Energiezentrale auf
Parzelle Nr. 0001_ möglich ist. Wie die Vorinstanz in Erwägung 14.4 des
angefochtenen Entscheids (act. 2, S. 32) überdies nachvollziehbar dargetan hat, kann
der Beschwerdegegner ohne Weiteres rechtlich sicherstellen, dass sich die Lieferanten
an die entsprechenden Anweisungen halten. Unter diesen Umständen kann nicht
gesagt werden, das Bauvorhaben sei nicht hinreichend erschlossen, selbst wenn es
nicht sämtliche Anforderungen der Norm SN 640 052 der Vereinigung Schweizerischer
Strassenfachleute (VSS), vom April 1977, erfüllen sollte (vgl. dazu VerwGE B 2018/69
vom 19. November 2018 E. 2.3 mit Hinweisen).
15.
Schliesslich behauptet der Beschwerdeführer (act. 7, S. 27-34 Ziff. III/B/b/4, act. 38,
S. 4-7 Ziff. I/C/1-4, II, act. 41), die Erweiterung der Kantonsschule bedürfe deutlich
mehr als lediglich 70 bzw. sieben zusätzlicher Parkplätze.
Bei der Erweiterung von Bauten und Anlagen kann die Eigentümerschaft verpflichtet
werden, auf privatem Grund oder in nahe gelegenen öffentlichen Parkierungsanlagen
Abstellplätze für Motorfahrzeuge und Fahrräder bereitzustellen. Dabei beschränkt sich
15.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 25/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
die Pflicht auf den Mehrbedarf (Art. 69 Abs. 1 PBG). Art. 25 Abs. 1 BauR sieht eine
solche Verpflichtung grundsätzlich vor. Für öffentliche Bauten und Anlagen, d.h.
insbesondere für die Kantonsschule X._, wird die Abstellplatzerstellungspflicht
allerdings erst in der neuen, vom Rat der Beschwerdebeteiligten am 4. April 2017
erlassenen Fassung (Nachtrag 6) von Art. 25 Abs. 1 BauR (act. 27.2) ausdrücklich
geregelt. Wie es sich diesbezüglich intertemporalrechtlich verhält, kann indessen
offenbleiben, da die Anwendung von Art. 25 Abs. 1 BauR sowohl in der vom
Baudepartement am 16. Juli 1999 als auch in der am 6. Februar 2018 genehmigten
Fassung zum gleichen Ergebnis führt (vgl. dazu Art. 26 Abs. 1 und 3 RPG, Art. 38
Abs. 1 und Art. 173 Abs. 1 PBG, BGer 1C_71/2014 vom 19. Februar 2015 E. 2.2.1 mit
Hinweisen, insbesondere auf BGE 135 II 22 E. 1.2, A. Ruch, in: Aemisegger/Moor/
derselbe/Tschannen [Hrsg.], Praxiskommentar RPG: Nutzungsplanung, Zürich 2016,
Art. 26 Rz. 44 f., und Waldmann/Hänni, a.a.O., Art. 26 Rz. 17, sowie BGE 141 II 393
E. 2.4 mit Hinweisen, a.a.O., B. Heer, St. Gallisches Bau- und Planungsrecht,
Bern 2003, Rz. 1013, und VerwGE B 19/1978 vom 14. September 1978 E. 4 mit
Hinweisen, in: GVP 1978 Nr. 2, siehe auch, act. 7, S. 30 Ziff. III/B/b/4.9, act. 38, S. 6 f.
Ziff. II/1 und E. 7.3.2 f. des angefochtenen Entscheids, act. 2, S. 19-21, und act. 34).
Dabei ist zu beachten, dass der Beschwerdebeteiligten bei der Auslegung von Art. 25
Abs. 1 BauR Autonomie (Art. 50 Abs. 1 BV, und Art. 89 der Verfassung des Kantons St.
Gallen; SR 131.225, sGS 111.1, KV) zukommt und sich das Verwaltungsgericht dabei
eine gewisse Zurückhaltung aufzuerlegen hat (vgl. VerwGE B 2018/219 vom
28. Februar 2019 E. 9.1 und BGE 145 I 52 E. 3.6 je mit Hinweisen).
Vorweg ist festzuhalten, dass Art. 25 Abs. 2 BauR, gemäss welchem bei acht und mehr
erforderlichen Abstellplätzen gemäss Art. 25 Abs. 1 lit. d bis f aBauR mindestens ein
Drit-tel unterirdisch oder als ins Gebäude integriert zu erstellen ist, auf "Aus- und
Weiterbildung"(s-) oder "Sport- und Freizeiteinrichtungen" gemäss Art. 25 Abs. 1
lit. g BauR (act. 27.2) keine Anwendung findet. Damit muss nicht untersucht werden,
ob der Beschwerdegegner genügend (unterirdische) Abstellplätze (Mehrbedarf) für die
Erweiterung der Kantonsschule ausgeschieden hat.
Weiter ist nach Art. 25 Abs. 1 lit. g BauR die VSS Norm 640 281 (act. 8/4) für die
Berechnung der erforderlichen Anzahl Parkplätze massgebend, wobei vorliegend
unbestrittenermassen das vereinfachte Verfahren nach deren Kapitel D zur Anwendung
gelangt (vgl. dazu Kap. C/6.3 und 7). Gestützt darauf ermittelte die P._GmbH am
27. August 2013 (act. 11/9/1.53) einen spezifischen Richtwert von 99 Parkplätzen im
Schul- oder Tagesbetrieb (massgebende Betriebszeit), d.h. von Montag bis Freitag von
15.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 26/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
07.00 bis 18.00 Uhr (vgl. Konzept Ziff. 1.1). Dabei ging sie von 25 Klassenzimmern,
14 Spezialunterrichtszimmern, 720 Schülern resp. 216 Schülern im Alter von 18 Jahren
oder älter sowie einer Turnhallenfläche von 1'900 m aus. Diese Berechnung ist
grundsätzlich nachvollziehbar (vgl. dazu Kap. C/6.4 und D/10.1 der VSS-Norm 640
281). Entgegen der Meinung des Beschwerdeführers durfte darin der Unterricht an der
B._schule – nach Angaben des Beschwerdeführers 300 Schüler (act. 39/12) –
unberücksichtigt bleiben. Der Mietvertrag mit der B._schule wurde nach Angaben des
Kantonsbaumeisters an der Einspracheverhandlung vom August 2016 nur noch
befristet auf drei Jahre abgeschlossen und soll nach Ablauf dieses Vertrags nicht mehr
verlängert werden (act. 11/9/2.13). Für den Sportunterricht der D._Schule – gemäss
Beschwerdeführer 700 Schüler (act. 39/12) – und der Schulgemeinde X._ während der
Schulzeit auf der Sportanlage Y._ sind sodann zusätzlich nach wie vor 50 Parkplätze
auf Parzelle Nr. 0015_ ausgeschieden (vgl. Voten des Gemeindepräsidenten und des
Kantonsbaumeisters am Augenschein vom 21. November 2019, act. 30, S. 9). Gemäss
Ziff. 1.1 des Konzepts erfolgen die weiteren Ausbildungsangebote von Montag bis
Freitag (neu) erst ab 17.15 bis 21.45 Uhr und am Samstag ab 07.30 bis ca. 16.00 Uhr.
Dazu zählt auch der Unterricht an der I._schule, welchen gemäss Angaben des
Beschwerdeführers ca. 120 Schüler besuchen (act. 7, S. 28 Ziff. III/B/b/4.4). Damit
kann es werktags von 17.15 bis 18.00 Uhr zu Doppelbelegungen durch die
Kantonsschule X._ und die I._schule kommen. Daraus folgt, dass der von der
P._GmbH ermittelte spezifische Richtwert von 99 Parkplätzen im Schul- oder
Tagesbetrieb um maximal 48 Parkplätze – bei ca. 120 Studenten oder
120 Schulplätzen der I._schule – auf 147 Parkplätze zu erhöhen ist (vgl. dazu Kap. D/
10.1 und 10.3 der VSS-Norm 640 281).
Unmittelbar vor der Schule befindet sich die Bushaltestelle X._, Kantonsschule,
welche von den Linien Nrn. 0016._ und 0017._ der R._ AG in Richtung Z._ viermal
stündlich und in Richtung X._ Bahnhof zweimal stündlich bedient wird (www._2.ch).
Zudem liegt die Kantonsschule weniger als 500 m Fussdistanz (www.geoportal.ch),
d.h. wenige Gehminuten (Konzept Ziff. 2.1), vom Bahnhof X._ entfernt. Die öffentlichen
Parkplätze auf Parzelle Nr. 0000._ sind bewirtschaftet (vgl. dazu auch die Schul- und
Hausordnung der Kantonsschule X._ vom 1. Oktober 2016, S. 3). Unter diesen
Umständen durfte die Beschwerdebeteiligte von einem minimalen Parkplatzbedarf von
70 Plätzen (rund 48% des Norm-Richtwerts von 147 Parkplätzen), d.h. einem
Mehrbedarf nach der Erweiterung von sieben Plätzen, ausgehen, ohne Recht zu
verletzen (vgl. dazu Kap. 10.2 der VSS-Norm 640 281, Standort-Typ C). Im Rahmen
des ihr zustehenden Ermessens durfte sie dabei im konkreten Fall auf ein leicht tieferes
Angebot an Parkfeldern (rund minus vier Parkplätze) abstellen, als sich dies aus der
2
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 27/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
16. (...)