# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 4db16680-cb70-45f0-96ff-3c8a3183fe21
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. X._ wurde am _ 1990 in O.1_ geboren. Er besuchte die Primarschule in O.2_ bzw. die Kleinklasse in O.3_. Aufgrund der Scheidung seiner Eltern zog er anschliessend nach O.4_, wo er den Sekundarschulabschluss machte. In der Folge absolvierte er eine Maurerlehre, arbeitete dann aber im Verkauf und bildete sich parallel in den Bereichen Sicherheitsdienst und Versicherungen weiter. Erst kürzlich baute er eine Immobilienfirma auf. Sein derzeitiges monatliches Einkommen beläuft sich eigenen Angaben zufolge auf Fr. 5'000.00 bis Fr. 7'000.00.
Im Schweizerischen Zentralstrafregister ist X._ mit einem Eintrag verzeichnet. Am 26. November 2012 verurteilte ihn die Staatsanwaltschaft _ wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je Fr. 80.00, bedingt vollziehbar bei einer Probezeit von zwei Jahren, und einer Busse von Fr. 500.00. Im SVG-Massnahmenregister ist X._ mit einem Führerausweisentzug und einer Verwarnung aufgeführt.
B. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 20. Januar 2014, mitgeteilt am 27. Januar 2014, wurde X._ der groben Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 32 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG schuldig gesprochen und mit einer Gelstrafe von 60 Tagessätzen zu je Fr. 90.00 bestraft. Auf den Widerruf der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft _ vom 26. November 2012 bedingt ausgesprochenen Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je Fr. 80.00 wurde verzichtet. Hingegen wurde die Probezeit von zwei Jahren um ein Jahr verlängert. Die Kosten des Verfahrens von insgesamt Fr. 570.00 wurden ebenfalls X._ auferlegt.
C. Gegen diesen Strafbefehl liess X._ am 5. Februar 2014 rechtzeitig Einsprache erheben, woraufhin die Staatsanwaltschaft Graubünden am 11. Februar 2014 die Strafuntersuchung gegen ihn eröffnete.
D. Im Rahmen der Einvernahme vom 15. April 2014 teilte die Staatsanwaltschaft Graubünden X._ mit, dass sie die Strafuntersuchung als abgeschlossen erachte. Gleichzeitig wurde ihm die Anklageerhebung beim Bezirksgericht Hinterrhein gemäss Art. 324 ff. StPO in Aussicht gestellt und eine Frist von zehn Tagen eingeräumt, um allfällige Beweisanträge zu stellen.
E. Mit Eingabe vom 28. April 2014 liess X._ beantragen, es sei A._, O.5_, als Auskunftsperson zu befragen.
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Mit Verfügung vom 3. Juni 2014 lehnte die Staatsanwaltschaft Graubünden den Beweisantrag ab. Zur Begründung wurde ausgeführt, aufgrund eines Vergleichs zwischen Radarfoto und den aktenkundigen Bildern des Beschuldigten sowie aufgrund des bei der Einvernahme vom 15. April 2014 gewonnenen Eindrucks erachte es die Staatsanwaltschaft als rechtsgenüglich dargetan, dass X._ zum kritischen Augenblick das Fahrzeug durch den _-Tunnel gelenkt habe. Die Merkmale des Beschuldigten zum Radarbild wie Mundpartie, Augenbrauen, Augen, Ohr und die verhältnismässig lange und schmale Nase sprächen dafür. Eine zusätzliche Befragung von A._ mit Wohnsitz in O.5_ als Auskunftsperson sei unter diesen Umständen nicht erforderlich. Ausserdem habe es der Beschuldigte bisher unterlassen, ein Foto von A._ zu den Akten zu geben, obwohl er in der Lage wäre, ein solches zu besorgen. Es werde in diesem Zusammenhang auf die neuere bundesgerichtliche Rechtsprechung zur Mitwirkungspflicht des Beschuldigten verwiesen. Abgesehen davon sei der Beweisantrag verspätet eingereicht und überdies mit keinem Wort begründet worden.
F. Am 3. Juni 2014, mitgeteilt am 5. Juni 2014, stellte die Staatsanwaltschaft Graubünden dem Bezirksgericht Hinterrhein die Anklageschrift zu, welcher der folgende Sachverhalt zugrunde liegt:
"Grobe Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 32 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG
Am 05. September 2013, um 15:18 Uhr, lenkte X._ den Personenwagen Audi A6, Kontrollschild _, auf der Autostrasse _, im _-Tunnel, Gemeindegebiet O.6_, in Fahrtrichtung O.7_. Dabei missachtete er pflichtwidrig die signalisierte Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h und fuhr mit stark überhöhter Geschwindigkeit, nämlich nach Abzug der Toleranz von 6 km/h mit 121 km/h und damit 41 km/h schneller als erlaubt. Dies tat er, weil er aus Unaufmerksamkeit die Geschwindigkeit nicht im Auge behielt, wobei der Beschuldigte die geltende Höchstgeschwindigkeit kannte oder aufgrund der Signalisation hätte kennen müssen."
Der Anklageschrift war der Schlussbericht der Staatsanwaltschaft Graubünden im Sinne von Art. 326 Abs. 2 StPO angefügt.
G.1. Mit prozessleitender Verfügung des Bezirksgerichtspräsidenten Hinterrhein vom 10. Juni 2014 erfolgte die Vorladung zur Hauptverhandlung am 26. August 2014. Den Parteien wurde gleichzeitig eine Frist von zehn Tagen angesetzt, um Beweisanträge zu stellen und zu begründen.
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2. Mit Eingabe vom 23. Juni 2014 beantragte Rechtsanwalt Stephan Jau dem Bezirksgericht Hinterrhein, es sei A._, O.5_, als Auskunftsperson zu befragen.
3. Unter Verweis auf die Stellungnahme der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 26. Juni 2014 lehnte der Bezirksgerichtspräsident Hinterrhein diesen Beweisantrag mit Entscheid vom 9. Juli 2014 ab. Insbesondere hielt er fest, das Gericht werde den Beschuldigten an der Hauptverhandlung vom 26. August 2014 sehen und sein Aussehen mit demjenigen gemäss Messbild vom 5. September 2013 vergleichen können. Das Gericht werde sodann über die Notwendigkeit weiterer Beweiserhebungen entscheiden können.
H.1. Infolge der vom Verteidiger am 25. August 2014 telefonisch dargelegten Krankheit seines Mandanten wurde die Hauptverhandlung vom 26. August 2014 auf den 18. November 2014 verschoben. Den Parteien wurde wiederum eine Frist von zehn Tagen zur Einreichung allfälliger Beweisanträge gesetzt.
2. Mit Eingabe vom 8. September 2014 stellte Rechtsanwalt Stephan Jau abermals den Beweisantrag, A._ sei als Auskunftsperson zu befragen, allenfalls sei der Beschuldigte von der persönlichen Teilnahme an der Hauptverhandlung zu befreien. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde sodann der Antrag gestellt, der Bezirksgerichtspräsident Hinterrhein sowie weitere Richter, die bereits Akteneinsicht genommen hätten, hätten in den Ausstand zu treten und das Fotoblatt sowie die Kopie der ID des Beschuldigten seien aus den Untersuchungsakten respektive aus den Beilagen zur Anklageschrift zu entfernen.
3. In Anwendung von Art. 59 Abs. 1 lit. b StPO leitete das Bezirksgericht Hinterrhein das Ausstandsbegehren am 9. September 2014 zuständigkeitshalber an das Kantonsgericht von Graubünden weiter.
4. Mit Verfügung vom 28. Oktober 2014 wies das Kantonsgericht von Graubünden das Ausstandsbegehren ab, soweit es darauf eintrat (SK2 14 48). In den Erwägungen hielt das Kantonsgericht im Übrigen fest, dass auch kein Anlass bestehe, das Fotoblatt sowie die Kopie der Identitätskarte des Beschuldigten aus den Untersuchungsakten zu entfernen, da diese keinen Anschein der Voreingenommenheit bzw. Befangenheit zu begründen vermöchten.
5. Aufgrund der im Zusammenhang mit der Verfügung des Kantonsgerichts von Graubünden laufenden Rechtsmittelfrist sagte der Bezirksgerichtspräsident
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Hinterrhein die Hauptverhandlung vom 18. November 2014 mit prozessleitender Verfügung vom 5. November 2014 ab.
I. Mit Schreiben vom 24. November 2014 wurden die Parteien darüber in Kenntnis gesetzt, dass B._ dem Bezirksgericht Hinterrhein mitgeteilt habe, er könnte als Zeuge in Sachen X._ aussagen. Dieser werde somit als Zeuge zur Hauptverhandlung vorgeladen, deren Termin noch festzulegen sei.
J. Mit prozessleitender Verfügung vom 16. Dezember 2014 lud der Bezirksgerichtspräsident Hinterrhein unter Bekanntgabe der Zusammensetzung des Gerichts zur Hauptverhandlung vom 3. März 2015 vor. Den Parteien wurde gleichzeitig eine Frist von zehn Tagen angesetzt, um Beweisanträge zu stellen und zu begründen.
In Bezug auf den mit Eingabe des Verteidigers vom 8. September 2014 gestellten Beweisantrag, wonach A._ als Auskunftsperson zu befragen und allenfalls der Beschuldigte von der persönlichen Teilnahme zu dispensieren sei, fällte der Bezirksgerichtspräsident Hinterrhein in Anwendung von Art. 331 StPO und unter Verweis auf die eingeholte Stellungnahme der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 26. Juni 2014 sowie auf die Verfügung des Kantonsgerichts von Graubünden vom 28. Oktober 2014 folgenden Entscheid:
"1. Der Antrag wird abgewiesen.
Das Gericht wird den Beschuldigten an der Hauptverhandlung vom 3. März 2015 sehen und sein Aussehen mit demjenigen gemäss Messbild vom 5. September 2013 vergleichen können. Das Gericht wird sodann über die Notwendigkeit weiterer Beweiserhebungen entscheiden können.
2. Gemäss Art. 331 Abs. 3 StPO ist die Ablehnung von Beweisanträgen nicht anfechtbar, doch können abgelehnte Beweisanträge an der Hauptverhandlung erneut gestellt werden."
Zudem erging mit der Vorladung die Beweisverfügung, dass an der Hauptverhandlung B._, O.6_, als Zeuge einvernommen wird.
K. X._ blieb der Hauptverhandlung vom 3. März 2015 fern. Im Einverständnis mit seinem Verteidiger wurde B._ anlässlich des Verhandlungstermins als Zeuge einvernommen und in der Folge entschieden, in das Beweisverfahren zurückzukehren, um weitere Beweisabnahmen durchzuführen. Danach werde die Parteiverhandlung wieder aufgenommen respektive infolge des Nichterscheinens des Beschuldigten zur Hauptverhandlung ein neuer Verhandlungstermin angesetzt.
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Am 27. April 2015 erfolgte die rechtshilfeweise Einvernahme von C._ als Zeuge durch das Untersuchungsrichteramt Gossau.
L. Nachdem mit prozessleitender Verfügung des Bezirksgerichtspräsidenten vom 5. Mai 2015 unter Bekanntgabe der Zusammensetzung des Gerichts zur Hauptverhandlung vom 15. September 2015 vorgeladen worden war, stellte Rechtsanwalt Stephan Jau abermals die Beweisanträge auf Befragung von A._ als Zeuge und allenfalls auf Dispensation seines Mandanten von der persönlichen Teilnahme an der Hauptverhandlung. Der Bezirksgerichtspräsident Hinterrhein wies die Anträge mit Verfügung vom 19. Mai 2015 mit derselben Begründung wie in der Verfügung vom 16. Dezember 2014 erneut ab.
M. Anlässlich der Hauptverhandlung vom 15. September 2015 erschienen X._ mit seinem Rechtsvertreter, Rechtsanwalt M.A. HSG in Law Stephan Jau, sowie ein Vertreter der Staatsanwaltschaft Graubünden. Vorweg stellte der Verteidiger abermals den Antrag, es sei A._, O.5_ als Auskunftsperson zu befragen, allenfalls sei sein Mandant von der persönlichen Teilnahme zu dispensieren. Überdies sei die Befragung von C._ aus dem Recht zu weisen, da die Verteidigung an dessen Einvernahme nicht habe teilnehmen können. In der Sache stellten die Parteien folgende Anträge:
"Anträge der Staatsanwaltschaft:
1. X._ sei der groben Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 32 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG schuldig zu sprechen.
2. Dafür sei der Beschuldigte mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je CHF 90.00, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von 3 Jahren, zu bestrafen. Zudem sei er mit einer Busse von CHF 1'100.00 zu bestrafen, im Falle der Nichtbezahlung mit einer Ersatzfreiheitsstrafe von 11 Tagen.
3. Auf den Widerruf der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft _ vom 26. November 2012 bedingt ausgesprochenen Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je CHF 80.00 sei zu verzichten. Stattdessen sei die Probezeit von 2 Jahren um 1 Jahr zu verlängern.
4. Die Verfahrenskosten seien dem Beschuldigten zu überbinden."
Anträge des Beschuldigten:
1. Der Beschuldigte sei von Schuld und Strafe freizusprechen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen."
M. Gegen das am 15. September 2015 gefällte, dem Beschuldigten gleichentags mündlich eröffnete und den Parteien ebenfalls am gleichen Tag ohne
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schriftliche Begründung mitgeteilte Urteil des Bezirksgerichts Hinterrhein meldete X._ am 24. September 2015 Berufung an, woraufhin das Bezirksgericht Hinterrhein den Parteien das begründete Urteil am 20. Oktober 2015 mitteilte. Darin erkannte es wie folgt:
"1. Die anlässlich der Hauptverhandlung gestellten Beweisanträge werden abgelehnt.
2. X._ ist schuldig der groben Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 32 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG.
3. a) Dafür wird X._ mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je CHF 90.00 bestraft.
b) Der Vollzug der Geldstrafe wird unter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren aufgeschoben.
4. a) Zudem wird X._ mit einer Busse von CHF 1'100.00 bestraft.
b) Die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse beträgt 11 Tage. Sie tritt an die Stelle der Busse, soweit dieselbe schuldhaft nicht bezahlt wird.
5. Die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft _ vom 26. November 2012 bedingt ausgesprochene Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je CHF 80.00 wird nicht widerrufen. Hingegen wird die Probezeit von zwei Jahren um ein Jahr verlängert,
6. a) Die Kosten des Verfahrens von CHF 8'195.00 (Untersuchungsgebühren und Auslagen der Staatsanwaltschaft Graubünden CHF 1'195.00, Gerichtsgebühren CHF 7'000.00) gehen zu Lasten von X._.
b) X._ hat dem Bezirksgericht Hinterrhein folglich zu überweisen:
Busse CHF 1'100.00
Verfahrenskosten CHF 8'195.00
Total CHF 9'295.00
In Rechtskraft erwachsene Bussen und Verfahrenskosten sind innert 30 Tagen auf das Konto CK 038.267.100, IBAN CH16 0077 4110 0382 6710 0, des Bezirksgerichtes Hinterrhein bei der Graubündner Kantonalbank zu bezahlen.

## Considerations