# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c4330aa8-19c1-4e25-9057-c1d1ebead802
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2012
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ P. S. ist Facharzt für Allgemeinmedizin. Er führte in der Liegenschaft an der K-
strasse xx in R. eine Hausarztpraxis, in der auch seine Ehefrau, M. S.-H., tätig
beziehungsweise angestellt war. Die Praxisliegenschaft stand im hälftigen Miteigentum
der Eheleute S. Per 1. Januar 2007 verkauften sie die Liegenschaft an die I. GmbH,
welche im Oktober 2006 von P. S. und U. S. gegründet worden war. Seit Ende 2006 ist
auch M. S.-H. an der Gesellschaft beteiligt.
P. S. ist seit dem 1. Januar 2008 als Arzt und Leiter des S. Gesundheitszentrums in R.
tätig. Das Gesundheitszentrum wird in der ehemaligen Liegenschaft der Eheleute S.
betrieben. Diese wird seit dem 1. Januar 2008 (Mietbeginn) von der I. GmbH an die S.
vermietet.
B./ Am 28. Januar 2009 reichten die Beschwerdeführer die Steuererklärung für das
Jahr 2007 ein. Darin deklarierten sie für den Ehemann ein Einkommen aus
selbständiger Erwerbstätigkeit in Höhe von Fr. 291'139.--. Dies entspricht dem
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Ergebnis der beigelegten Jahresrechnung 2007 für die Arztpraxis. Am 20. Mai 2009
erging die Veranlagung für das Jahr 2007. Das Einkommen aus selbständiger
Erwerbstätigkeit wurde dabei entsprechend der Selbstdeklaration veranlagt. Die
Veranlagung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
In der Steuererklärung für das Jahr 2008 deklarierten die Beschwerdeführer für den
Ehemann ein Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit in Höhe von
Fr. 153'204.-- sowie ein Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit in Höhe von
Fr. 99'600.--. Die Veranlagungsbehörde rechnete demgegenüber in der Veranlagung
vom 23. Juni 2010 beim Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit des Ehemanns
den in der Jahresrechnung 2008 geltend gemachten ausserordentlichen Aufwand in
Höhe von Fr. 129'930.-- als Privatentnahme auf. Eine gegen diese Aufrechnung
erhobene Einsprache wies das kantonale Steueramt mit Entscheid vom 10. August
2010 ab.
C./ Dagegen liessen P. und M. S.-H. am 24. August 2010 Rekurs erheben mit den
Anträgen, es sei der angefochtene Einspracheentscheid aufzuheben, für die definitive
Veranlagung 2007 sei ein Revisionsverfahren einzuleiten und der Gewinn aus der
eingereichten Erfolgsrechnung 2008 in Höhe von Fr. 99'600.-- sei periodengerecht im
Steuerjahr 2007 zu berücksichtigen.
Das kantonale Steueramt stellte im Rahmen der Vernehmlassung vom 20. Oktober
2010 Antrag auf Rekursabweisung; es machte überdies geltend, seiner Meinung nach
sei der Rekurs als Revisionsgesuch für das Jahr 2007 entgegenzunehmen.
Am 17. März 2011 reichten P. und M. S.-H. über ihren neuen Vertreter beim kantonalen
Steueramt eine Selbstanzeige wegen ungenügender Versteuerung in der Steuerperiode
2007 ein. Gleichentags liessen sie sich zur Rekursvernehmlassung vernehmen und
dabei einen Sistierungsantrag stellen. Diesen begründeten sie damit, P. S. habe im
Jahr 2007 seine selbständige Erwerbstätigkeit vollständig eingestellt. Sämtliche im Jahr
2008 fakturierten Leistungen würden Behandlungen aus dem Jahr 2007 betreffen.
Diese seien irrtümlich nicht abgegrenzt worden. Aufgrund dessen sei in der
Steuerperiode 2007 eine Unterbesteuerung eingetreten. Sie hätten deshalb heute
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vorsorglich Selbstanzeige erstattet. Es sei mit dem Rekursverfahren zuzuwarten, bis
das heute eingeleitete Nach- und Strafsteuerverfahren erledigt sei.
Der Abteilungspräsident der Verwaltungsrekurskommission wies das
Sistierungsgesuch mit Verfügung vom 13. Mai 2011 ab. Mit Entscheid vom 25. August
2011 wurde sodann der Rekurs abgewiesen. Der Entscheid wurde zunächst nur mit
einer Kurzbegründung eröffnet. Mit Schreiben vom 5. September 2011 verlangte der
Rechtsvertreter von P. und M. S.-H. eine ausführliche Begründung. Diese wurde am 12.
September 2011 zugestellt.
D./ Gegen den Rekursentscheid liessen P. und M. S.-H. mit Eingabe vom 12. Oktober
2011 Beschwerde beim Verwaltungsgericht einreichen mit folgenden Anträgen:
"1. Der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die Sache sei zur Neuveranlagung
an das kantonale Steueramt St. Gallen zurückzuweisen und es sei das
Revisionsgesuch 2007 an die zuständige Behörde zu überweisen.
2. Eventuell seien die Beschwerdeführer in Gutheissung der Beschwerde mit einem
steuerbaren Einkommen 2008 von Fr. 211'670.-- zu veranlagen.
3. Subeventuell sei das Verfahren bis zur rechtskräftigen Erledigung des von den
Beschwerdeführern beantragten Nach- und Strafsteuerverfahrens betreffend das Jahr
2007 zu sistieren.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin."
Die Verwaltungsrekurskommission beantragte in ihrer Vernehmlassung vom
7. November 2011 Abweisung der Beschwerde. Der Beschwerdegegner stellte mit
Eingabe vom 16. November 2011 ebenfalls Antrag auf Abweisung der Beschwerde.
Am 25. November 2011 leitete das Verwaltungsgericht die Vernehmlassungen der
Vorinstanz und des Beschwerdegegners an den Rechtsvertreter von P. und M. S.-H.
weiter. Gleichzeitig wurde ihm eine Frist von vierzehn Tagen angesetzt, um zu den in
den Vernehmlassungen allfällig vorgebrachten neuen tatsächlichen und rechtlichen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Argumenten Stellung zu nehmen. P. und M. S.-H. liessen sich innert erstreckter Frist
mit Eingabe vom 12. Januar 2012 ergänzend vernehmen.
Auf die Begründungen der Verfahrensbeteiligten sowie auf die Ausführungen im

## Considerations

angefochtenen Entscheid wird, soweit erforderlich, in den folgenden Erwägungen
eingegangen.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
2. Die Beschwerdeführer deklarierten in der Steuererklärung 2008 für den Ehemann ein
Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit in Höhe von Fr. 99'600.--. Dies
entspricht dem Ergebnis der zusammen mit der Steuererklärung eingereichten
Jahresrechnung 2008. Darin wird ein ausserordentlicher Aufwand aus «Verkauf Praxis»
in Höhe von Fr. 129'930.-- ausgewiesen. Aus dem jeweiligen Detailkonto 7000 geht
hervor, dass der Aufwand aus der Ausbuchung von Anlagevermögen (der Konten 1500,
1510, 1520, 1521 und 1522) resultiert. Der Beschwerdegegner liess diesen Aufwand
nicht zu, sondern rechnete ihn als Privatentnahme auf.
Die entsprechende Aufrechnung liegt vorliegend im Streit. Im Einsprache- und
Rekursverfahren liessen die Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang geltend
machen, die Sachanlagen seien per 1. Juli 2007 auf die I. GmbH übertragen worden.
Zuvor hätten sie noch aufgewertet werden sollen. Die Aufwertung und anschliessende
Übertragung seien falsch verbucht worden. Es sei um Fr. 28'333.25 zu viel aufgewertet
worden; zudem sei der Verkauf der Sachanlagen an die I. GmbH zum Preis von Fr.
150'000.-- als ausserordentlicher Ertrag verbucht anstatt über die jeweiligen
Aktivkonten ausgebucht worden. Ende 2007 seien auch noch Abschreibungen auf den
Sachanlagen getätigt worden, obwohl diese gar nicht mehr vorhanden gewesen seien.
Es sei deshalb ein ausserordentlicher Aufwand im Jahr 2008 gebucht worden.
Umstritten ist überdies, ob die in der Jahresrechnung 2008 ausgewiesenen
Honorarerträge mit der Veranlagung 2008 zu erfassen sind. Diesbezüglich liessen die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdeführer im vorinstanzlichen Verfahren ausführen, die selbständige
Erwerbstätigkeit sei per 31. Dezember 2007 definitiv aufgegeben worden. Im Jahr 2008
seien aber noch Zahlungseingänge erfolgt, welche noch nicht verbucht und deshalb in
der Jahresrechnung 2008 ausgewiesen worden seien. Sowohl die Aufwendungen als
auch die Erträge würden jedoch das Jahr 2007 betreffen. Der Nettogewinn in Höhe von
(gerundet) Fr. 99'600.-- sei deshalb mit der Veranlagung 2007 zu erfassen. Am 17.
März 2001 reichten sie deshalb eine Selbstanzeige beim kantonalen Steueramt ein.
Die Vorinstanz verweigerte im angefochtenen Entscheid eine Korrektur der
eingereichten Jahresrechnung 2008. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus,
es bestünden keine Anhaltspunkte für eine handelsrechtswidrige Bewertung der
Sachanlagen im Abschluss 2008. Ein Vertrag betreffend die Übertragung von
Praxismobiliar auf die I. GmbH liege nicht vor. Auch deutete der Abschluss per
31. Dezember 2007 nicht auf eine Aufgabe der selbständigen Erwerbstätigkeit hin.
Entsprechend habe keine Berichtigung und damit auch kein Verzicht auf die vom
Beschwerdegegner vorgenommene Aufrechnung zu erfolgen.
3. Die Beschwerdeführer halten im Beschwerdeverfahren an ihren Einwänden fest,
dass das gesamte Praxisinventar am 1. Juli 2007 auf die I. GmbH übertragen und die
selbständige Erwerbstätigkeit per Ende 2007 aufgegeben worden sei. Darauf ist
nachfolgend einzugehen. Weiter stellt sich die Frage, ob die für die Arztpraxis
eingereichte Jahresrechnung 2008 beziehungsweise die ihr zu Grunde liegende
Buchhaltung den gesetzlichen Anforderungen an die Buchführung genügt.
3.1. Der Zeitpunkt der Beendigung einer selbständigen Erwerbstätigkeit variiert von Fall
zu Fall. Wird der Geschäftsbetrieb veräussert, endet die selbständige Erwerbstätigkeit
unmittelbar. Sofern der In- oder Teilhaber das Personenunternehmen in eine
Kapitalgesellschaft umwandelt und im Unternehmen weiterhin mitarbeitet, ist er fortan
unselbständig erwerbstätig. Wird das Personenunternehmen weder veräussert noch
umgewandelt, endet die selbständige Erwerbstätigkeit mit der letzten
Liquidationshandlung (J. von Ah, Die Besteuerung Selbständigerwerbender, 2. Auflage,
S. 31 ff.; M. Reich, in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Band I/2a, 2.
Auflage, N 39 f. zu Art. 18 DBG). Die Liquidation nimmt regelmässig eine gewisse Zeit
in Anspruch. Der Abschluss der Liquidation fällt somit häufig nicht mit der Aufgabe der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
aktiven Tätigkeit zusammen. Entsprechend dauert die selbständige Erwerbstätigkeit
der Angehörigen der freien Berufe so lange fort, bis das Inkasso der ausstehenden
Patienten- beziehungsweise Klientenguthaben beendet ist (BGer vom 17. Februar
1984, in: ASA 53, S. 352 ff.). Bis dahin behalten denn auch die geschäftlichen
Vermögensgüter ihre Geschäftsvermögensqualität, sofern über ihre Zweckbestimmung
nicht schon vorher Klarheit herrscht.
Vorliegend machen die Beschwerdeführer selbst geltend, die Arztpraxis sei (erst) am 2.
Januar 2008 liquidiert worden. Aus der im Rekursverfahren eingereichten Aufstellung
über die im Jahr 2008 erfolgten Patientenzahlungen (Vorakten, act. 17/6) geht hervor,
dass auch noch später Rechnungen gestellt wurden. Zudem wurden die letzten
Ausstände offensichtlich erst im Dezember 2008 beglichen. Von daher kann von einer
Beendigung der selbständigen Erwerbstätigkeit per Ende 2007 keine Rede sein, war
doch das Inkasso dannzumal noch nicht abgeschlossen. Eine andere Frage ist, ob der
Beschwerdeführer im Jahr 2008 noch Leistungen als freiberuflicher Arzt erbracht hat.
3.2. Die Vorinstanz bejahte dies. Sie erwog im angefochtenen Entscheid, es bestünden
keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass die selbständige Erwerbstätigkeit per Ende 2007
eingestellt worden sei.
Dieser Meinung kann sich das Verwaltungsgericht nicht abschliessen, zumindest
soweit (ohne weitergehende Untersuchung) auf die im Recht liegenden Akten abgestellt
wird. Zu beachten ist, dass sich die Jahresrechnung 2008 im Vergleich zu den
Abschlüssen der Vorjahre wesentlich anders präsentiert. So wird etwa im Jahr 2008
kaum Material- und Warenaufwand ausgewiesen, womit die Bruttogewinnmarge
(beinahe) 100% beträgt, was selbst für ein Dienstleistungsunternehmen eher
ungewöhnlich ist. Ferner wird keinerlei Mietaufwand geltend gemacht. Daraus ist zu
schliessen, dass dem Beschwerdeführer im Jahr 2008 keine Räumlichkeiten für die
behauptete freiberufliche Tätigkeit zur Verfügung standen. Dies wird auch dadurch
gestützt, dass seit dem 1. Januar 2008 die Praxisräumlichkeiten an der K-strasse xx in
R. von der I. GmbH an die S. vermietet werden (Vorakten, act. 7/3). In Betracht fällt
weiter, dass für das Jahr 2008 (praktisch) kein Personal- und Fahrzeugaufwand
ausgewiesen wird. Auch dies spricht dafür, dass im Jahr 2008 nur noch
Inkassohandlungen vorgenommen wurden.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführer eine detaillierte Aufstellung einreichten
(Vorakten, act. 17/6), in der Klientenzahlungen im Jahr 2008 verzeichnet sind, welche
ausnahmslos auf Konsultationen sowie Leistungen aus dem Jahr 2007 beruhen sollen.
Weiter anerboten die Beschwerdeführer im Rekursverfahren, nach Befreiung vom
Arztgeheimnis sämtliche Rechnungen aus den Jahren 2007 und 2008 vorzulegen (vgl.
Replik vom 17. März 2011; Vorakten, act. 16). In Anbetracht der geschilderten
Anhaltspunkte für die Aufgabe der aktiven Arzttätigkeit im Jahr 2007 hätte sich diese
Beweisabnahme aufgedrängt, ausser die Sachdarstellung der Beschwerdeführer wäre
nicht angezweifelt worden. Dies trifft aber gerade nicht zu.
3.3. Der Sachverhalt, den die Beschwerdeführer anhand der offerierten Rechnungen
beweisen wollten, erweist sich ausserdem als rechtserheblich. Stellte sich nämlich
heraus, dass die fakturierten Leistungen tatsächlich (allesamt) im Jahr 2007 erbracht
worden wären, entbehrte die Buchhaltung beziehungsweise die darauf beruhende
Jahresrechnung 2008 der Beweiskraft:
3.3.1. Zwar unterlag der Beschwerdeführer als Arzt nicht der obligationenrechtlichen
Buchführungspflicht im Sinn von Art. 957 des Obligationenrechts (SR 220), sondern nur
der steuergesetzlichen Aufzeichnungspflicht gemäss Art. 169 Abs. 2 StG. Aus den
Akten ist jedoch zu schliessen, dass die Bücher nach kaufmännischer Art geführt
wurden, womit die Aufzeichnungen an den obligationenrechtlichen Grundsätzen über
die formelle und materielle Ordnungsmässigkeit zu messen sind (Richner/Frei/
Kaufmann/Meuter, Kommentar zum harmonisierten Zürcher Steuergesetz, 2. Auflage,
N 18 zu § 134). Aus den vom Verwaltungsgericht nachträglich eingeholten Steuerakten
2005 und 2006 geht ausserdem hervor, dass der Beschwerdeführer nach der
sogenannten Soll-Methode abgerechnet hat, wies er doch in den entsprechenden
Jahren jeweils Debitoren, Kreditoren und Rechnungsabgrenzungen aus. Auch in der
Bilanz per 31. Dezember 2007 sind entsprechende Positionen enthalten, wenn auch
betragsmässig in wesentlich geringerem Umfang.
3.3.2. Würde es nun aber zutreffen - was übrigens weder Beschwerdegegner noch
Vorinstanz ausdrücklich bestreiten, dass Einnahmen von im Jahr 2007 erbrachten
ärztlichen Leistungen erst in der Jahresrechnung 2008 ausgewiesen wurden, so läge
darin ein Verstoss gegen zentrale Grundsätze ordnungsmässiger Rechnungslegung.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Tangiert wären insbesondere die Grundsätze der Wahrheit und Vollständigkeit der
Jahresrechnung sowie das Periodizitätsprinzip (vgl. dazu im Einzelnen: Richner/Frei/
Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 11 ff. zu § 64). Dagegen liesse sich auch nicht einwenden,
mit der Steuerperiode 2008 sei eine Umstellung auf die Ist-Methode erfolgt. Ein
Methodenwechsel zu diesem Zeitpunkt wäre unzulässig (Richner/Frei/Kaufmann/
Meuter, a.a.O., N 132 zu § 18). Ebenso wenig wäre es möglich, den Beschwerdeführer
auf dem eingereichten Abschluss zu behaften. Der Grundsatz von Treu und Glauben
steht einer nachträglichen Änderung der eingereichten Jahresrechnung nur entgegen,
soweit sich der Abschluss im Rahmen der handelsrechtlichen Vorschriften bewegt.
Wird hingegen in Verstoss gegen zwingende Grundsätze ordnungsgemässer
Rechnungslegung ein unrichtiger Gewinn ausgewiesen, ist (von Amtes wegen) eine
Berichtigung vorzunehmen (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 93 zu § 64). In
diesem Zusammenhang ist weiter bedeutsam, ob die Fehler in der Verbuchung
wesentlich sind. Bei unwesentlichen Fehlern wird vom buchmässigen Ergebnis
ausgegangen, und die festgestellten Differenzen sind auf- und abzurechnen.
Demgegenüber ist einer Buchhaltung, die mit schwerwiegenden Fehlern behaftet ist, in
ihrer Gesamtheit die Beweiskraft abzusprechen (Reimann/Zuppinger/Schärer,
Kommentar zum Zürcher Steuergesetz, 2. Band, N 497 zu Art. 19 lit. b). Davon wäre
hier auszugehen, sofern tatsächlich die gesamten in der Jahresrechnung 2008
ausgewiesenen Einnahmen oder zumindest (weite) Teile davon auf ärztlichen
Leistungen aus dem Jahr 2007 beruhten.
3.4. Die von den Beschwerdeführern in diesem Zusammenhang anerbotenen
rechtserheblichen Beweise wurden von der Vorinstanz nicht abgenommen. Die
Untersuchung erweist sich demnach als mangelhaft, weshalb sie im zweiten
Rechtsgang zu ergänzen und die begangene Gehörsverweigerung zu beseitigen ist.
Sofern sich dabei herausstellen sollte, dass die in der Jahresrechnung 2008
ausgewiesenen Honorarerträge (allesamt) nicht periodengerecht verbucht wurden,
müsste der Abschluss als Veranlagungsgrundlage abgelehnt werden. Alsdann wiese
auch die Jahresrechnung 2007 schwerwiegende Mängel auf, und es wäre die
Einleitung eines Nachsteuerverfahrens zu prüfen. Die diesbezügliche Zuständigkeit liegt
beim Beschwerdegegner. Aufgrund dessen erscheint es angezeigt, die Streitsache
nicht an die Vorinstanz, sondern an den Beschwerdegegner zurückzuweisen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.5. Offen bleiben kann, ob im Rahmen eines allfälligen Nachsteuerverfahrens der von
den Beschwerdeführern behauptete zu hohe Ertragsausweis im Jahr 2007, der
aufgrund von Fehlbuchungen entstanden sein soll, noch korrigiert werden kann. Dies
bildet nicht Streitgegenstand. Angemerkt sei immerhin, dass die das Praxisinventar
betreffenden Buchungen in der Tat fehlerhaft wären, sofern das Praxisinventar effektiv
per 1. Juli 2007 auf die I. GmbH übertragen wurde; denn es erfolgten keine
Ausbuchungen in den Aktivkonten (1500, 1510, 1520, 1521), sondern sowohl die
vorgenommenen Aufwertungen (in den Konten 1500 und 1520) von netto
Fr. 116'772.31 als auch die Übertragung auf die I. GmbH zum Preis von Fr. 150'000.--
liefen gänzlich über die Erfolgsrechnung (Konto 8000). Abgesehen davon, dass ein
plausibler Grund für eine buchmässige (Aufwertung) unmittelbar vor einer echten
Realisierung (Verkauf an I. GmbH) von stillen Reserven nicht erkennbar ist, liegt es auf
jeden Fall an den Beschwerdeführern, belegmässig nachzuweisen, dass und in
welchem Umfang Praxiseinrichtungen auf die I. GmbH übertragen wurden; andernfalls
wäre von einer geldwerten Leistung der I. GmbH an den Beschwerdeführer als
Anteilsinhaber auszugehen.
4. Das Gesagte führt infolge der begangenen Gehörsverletzung zu einer Gutheissung
der Beschwerde; daran ändert nichts, dass noch abzuklären ist, ob die in der
Jahresrechnung 2008 ausgewiesenen Honorarerträge effektiv mit der Veranlagung
2007 zu erfassen gewesen wären und der Ertragsausweis in der Jahresrechnung 2007
um Fr. 127'030.-- zu hoch ausgefallen ist.
Bei diesem Verfahrensausgang sind die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens
dem Beschwerdegegner aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Auf deren Erhebung wird
indes verzichtet (Art. 95 Abs. 3 VRP). Den Beschwerdeführern ist somit der (doppelt)
geleistete Kostenvorschuss von Fr. 3'000.-- zurückzuerstatten.
Die Beschwerdeführer haben überdies Anspruch auf eine ausseramtliche
Entschädigung (Art. 98 Abs. 1 und Art. 98bis VRP). Der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführer hat keine Kostennote eingereicht, weshalb die Entschädigung
ermessensweise festzusetzen ist (Art. 6 der Honorarordnung für Rechtsanwälte und
Rechtsagenten, sGS 963.75, abgekürzt HonO). In Anbetracht dessen, dass für das
parallele Verfahren betreffend direkte Bundessteuer (B 2011/204) ebenfalls
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ausseramtliche Kosten zu entschädigen sind, ist für das vorliegende Verfahren allein
eine Entschädigung von Fr. 1'000.-- angemessen (Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO).
Bei Gutheissung eines Rechtsmittels ist zugleich von Amtes wegen über die amtlichen
Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens zu entscheiden. In der Regel erfolgt die
diesbezügliche Kostenverlegung in Bezug auf die Beteiligten und ihre Anteile analog
dem Rechtsmittelentscheid (R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, Diss. St. Gallen 2004, S. 103). Eine entsprechende
Kostenverlegung erscheint vorliegend jedoch nicht sachgerecht. Zu beachten ist, dass
der Beschwerdeführer die behaupteten unrichtigen Ertragsausweise für das Jahr 2007
und das Jahr 2008 letztlich zu verantworten hat. Es ist auch nicht glaubhaft, wenn die
Beschwerdeführer in der Selbstanzeige vom 11. März 2011 ausführen lassen, zu ihrer
Überraschung seien im Jahr 2008 noch Debitorenzahlungen aus Leistungen des Jahres
2007 eingegangen. Diese Behauptung steht im Widerspruch zu den
Inkassohandlungen, die gemäss Darstellung der Beschwerdeführer das ganze Jahr
2008 über erfolgten (vgl. Vorakten, act. 17/6). Zudem wurde der Abschluss 2007 erst
am 28. Januar 2009 unterzeichnet. Des Weiteren machten die Beschwerdeführer
erstmals im Rekursverfahren geltend, die in der Jahresrechnung 2008 ausgewiesenen
Erträge seien nicht periodengerecht verbucht worden. In der Einsprache wehrten sie
sich einzig gegen die Aufrechnung des geltend gemachten ausserordentlichen
Aufwandes als Privatentnahme. Diesbezüglich wurden die bereits damals vertretenen
Beschwerdeführer im Einspracheentscheid zu Recht darauf hingewiesen, dass die im
Jahr 2008 vorgenommenen Korrekturbuchungen das Vorjahr betreffen. Ansonsten
bestand keine Veranlassung, die eingereichte Jahresrechnung in Frage zu stellen. Von
daher rechtfertigt es sich nicht, den vorinstanzlichen Kostenspruch gänzlich
aufzuheben. Angemessen erscheint eine Reduktion der von den Beschwerdeführern zu
tragenden amtlichen Kosten um die Hälfte. Die andere Hälfte ist dem Staat
aufzuerlegen. Auf deren Erhebung ist zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP). Eine
ausseramtliche Entschädigung ist für das Rekursverfahren zudem nicht zuzusprechen.
Die Beschwerdeführer zogen erst für die Replik einen Anwalt bei.
Demnach hat das Verwaltungsgericht
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte