# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 1ca75206-fe9b-5bc7-95d0-26ce98d21aa1
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdegegner reichte am 9. April 2015 bei der Gemeinde Safnern ein
Baugesuch ein für die Installation einer Luft-Wasser-Wärmepumpe auf Parzelle Safnern
Grundbuchblatt Nr. F._. Die Parzelle liegt in der Wohnzone W1 und ist der
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Lärmempfindlichkeitsstufe II (ES II) zugeordnet. Zudem befindet sich die Parzelle in der
Grundwasserschutzzone S3. Die Luft-Wasser-Wärmepumpe umfasst ein Aussen- und ein
Innengerät (sog. Split-Wärmepumpe). Das Aussengerät (Verdampfer) sollte gemäss
Baugesuch an die Nordfassade der Garage montiert werden. Gegen das Bauvorhaben
erhoben unter anderen die Beschwerdeführenden Einsprache.
2. Mit Bauentscheid vom 2. Juli 2015 erteilte die Gemeinde Safnern die
Ausnahmebewilligung für das Unterschreiten des Strassenabstands und bewilligte das
Bauvorhaben. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 31. Juli 2015 bei der Bau-,
Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) Beschwerde ein. Mit Verfügung
vom 14. Juli 2015 widerrief die Gemeinde den Bauentscheid vom 2. Juli 2015 wegen der
fehlenden Gewässerschutzbewilligung. Daraufhin schrieb die BVE mit Verfügung vom 19.
August 2015 das Beschwerdeverfahren als erledigt vom Geschäftsverzeichnis ab (vgl.
Beschwerdeverfahren der BVE RA Nr. 110/2015/103). In der Zwischenzeit leitete die
Gemeinde die Baugesuchsunterlagen dem Amt für Wasser und Abfall des Kantons Bern
(AWA) zur Beurteilung weiter und holte beim beco (Berner Wirtschaft) einen Fachbericht
zum Lärm ein. Das AWA erteilte mit Entscheid vom 17. Juli 2015 die
Gewässerschutzbewilligung. Das beco hielt in seinem Fachbericht vom 18. August 2015
fest, gestützt auf die eingereichten Baugesuchsunterlagen halte die Wärmepumpe die
Lärmgrenzwerte bei den relevanten Immissionsorten in der Nachbarschaft ein und die
gesetzlichen Vorschriften seien erfüllt. Das Vorhaben könne bewilligt werden unter der
Auflage, dass am Immissionsort die Vorsorgewerte des beco (43 dB(A) tagsüber und 33
dB(A) von 19.00 bis 07.00 Uhr) nicht überschritten würden.
3. Mit Bauentscheid vom 10. September 2015 erteilte die Gemeinde Safnern die
Baubewilligung und für das Unterschreiten des Strassenabstandes die
Ausnahmebewilligung. Die Gemeinde erteilte dem Beschwerdegegner zudem mit
Schreiben vom 25. September 2015 die Genehmigung für den vorzeitigen Baubeginn unter
der Auflage, dass die Bauherrschaft das finanzielle Risiko der getätigten Investitionen
trage, falls die Baubewilligung im Beschwerdeverfahren kassiert werde.
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4. Die Beschwerdeführenden erhoben gegen den Bauentscheid der Gemeinde Safnern
vom 10. September 2015 Beschwerde bei der BVE (vgl. Beschwerdeverfahren der BVE
RA Nr. 110/2015/134). Auf Gesuch des Beschwerdegegners hin entzog das Rechtsamt der
BVE dieser Beschwerde mit Verfügung vom 15. Dezember 2015 die aufschiebende
Wirkung. Daraufhin zog der Beschwerdeführer die Beschwerde, die er gegen die
Genehmigung des vorzeitigen Baubeginns eingelegt hatte, zurück. Mit Entscheid vom 3.
März 2016 hiess die BVE die Beschwerde gut, hob den angefochtenen Entscheid auf und
erteilte den Bauabschlag. Die BVE hielt in ihrem Entscheid fest, dass die
Baugesuchsunterlagen mangelhaft seien und die Tragweite der Bewilligung unklar sei, weil
die Gemeinde im Bewilligungsentscheid dem Beschwerdegegner eine andere als die
beantragte Konstruktionsweise für das Aussengerät (Erstellen auf Fundament statt
Befestigung an der Garagenwand) empfahl. Zudem rage das Aussengerät in die
Bauverbotszone (Strassenabstand), ohne dass dafür eine Ausnahmebewilligung beantragt
worden sei. Auch seien die Voraussetzungen zur Erteilung einer Ausnahmebewilligung
nicht erfüllt.
5. Auf Beschwerde hin hob das Verwaltungsgericht mit Urteil vom 6. April 2017 den
Entscheid der BVE auf und wies die Sache zur Fortsetzung des Baubewilligungsverfahrens
an die Gemeinde zurück.1 In der Begründung hielt es fest, die Baulinie sei in der
Zwischenzeit aufgehoben worden, so dass das Bauprojekt den Strassenabstand nunmehr
einhalte. Die Gemeinde habe die Pläne im Zuge des Bewilligungswiderrufs als "ungültig"
gestempelt und es sei im nachfolgenden Baubewilligungsverfahren kein neues Baugesuch
mit neuen Planunterlagen verlangt oder eingereicht worden. Damit fehle es an einer
grundlegenden Voraussetzung für die Baubewilligung und diese könne nicht erteilt werden.
Weiter halte die Anlage die für die Empfindlichkeitsstufe (ES) II massgeblichen
Planungswerte wie auch die Vorsorgewerte des beco zwar ein. Ob dem Vorsorgeprinzip
nach Art. 11 Abs. 2 USG2 in Verbindung mit Art. 7 Abs. 1 Bst. a LSV3 Genüge getan werde,
müsse jedoch anhand einer Einzelfallprüfung beurteilt werden. Vorliegend müssten
Alternativstandorte (z.B. im Untergeschoss der Garage oder auf der Südseite des Hauses)
sowie Schallschutzmassnahmen am gewählten Standort (z.B. Ummantelung oder
1 VGE 2016/82 vom 6. April 2017 2 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01) 3 Lärmschutz-Verordnung des Bundesrates vom 15. Dezember 1986 (LSV; SR 814.41)
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Abschirmung) auf ihre technische und betriebliche Umsetzbarkeit sowie ihre wirtschaftliche
Tragbarkeit hin geprüft werden.
6. Die Gemeinde nahm daraufhin das Verfahren wieder auf. Mit Entscheid vom
21. Dezember 2017 erteilte die Gemeinde Safnern dem Beschwerdegegner erneut die
Baubewilligung für die Installation der Luft-Wasser-Wärmepumpe. Gemäss dem
angefochtenen Bauentscheid wurden die Gesuchsakten durch nicht ungültig gestempelte
Unterlagsexemplare sowie von der Bauherrschaft unterzeichnete Fotos des ausgeführten
Projekts ergänzt. Sie erklärte die von ihr gestempelten Planunterlagen, Fotos und
Datenblätter der Anlage sowie den Fachbericht Immissionsschutz des beco vom
18. August 2015 für verbindlich. Schliesslich merkte sie die Rechtsverwahrung der
Beschwerdeführenden bezüglich übermässiger Lärmbelastung an.
7. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 25. Januar 2018 Beschwerde bei
der BVE ein. Sie beantragen die Aufhebung des Gesamtentscheids vom 21. Dezember
2017 und die Erteilung des Bauabschlags; eventuell sei die Sache zur erneuten
Durchführung des Baubewilligungsverfahrens an die Gemeinde Safnern zurückzuweisen.
In ihren Eingaben vom 7. Juni und 8. August 2018 halten die Beschwerdeführenden an den
gestellten Anträgen fest. Mit Schreiben vom 19. Juni 2018 stellen sie zudem den Antrag,
die Stellungnahme der Gemeinde vom 12. März 2018 sei aus den Akten zu weisen, weil
diese verspätet eingegangen sei.
8. Der Beschwerdegegner beantragt in seiner Beschwerdeantwort vom 7. Februar
2018, dass die Beschwerde gutgeheissen und die Sache zur erneuten Durchführung des
Baubewilligungsverfahrens an die Gemeinde Safnern zurückgewiesen werden solle.
Eventuell seien im Baubewilligungsverfahren erfolgte Verfahrensfehler im
Beschwerdeverfahren zu beheben und dem Beschwerdegegner die Baubewilligung zu
erteilen. Mit Schreiben vom 4. Juni und 10. August 2018 beantragt der Beschwerdegegner
die Baubewilligung für die Luft-Wasser-Wärmepumpe.
9. Die Gemeinde schliesst in ihrer Stellungnahme vom 12. März 2018 auf Abweisung
der Beschwerde und Bestätigung des angefochtenen Entscheids.
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10. Mit Instruktionsverfügung vom 22. März 2018 zog das Rechtsamt, das die
Beschwerdeverfahren für die BVE leitet4, die Archivakten RA Nr. 110/2015/103 und RA
Nr. 110/2015/134 zu den amtlichen Akten. Danach führte es im Beisein der Parteien und
einer Vertretung des beco einen Augenschein mit Instruktionsverhandlung durch. Das beco
beurteilte im Bericht vom 30. April 2018 die Immissionssituation für drei alternative
Standorte der Luft-Wasser-Wärmepumpe auf der Bauparzelle. Auf entsprechende
Aufforderung hin reichte der Beschwerdegegner im Anschluss an den Augenschein
korrigierte und aktualisierte Baugesuchsunterlagen (Baugesuchsformular 1.0 und
Situationsplan), technische Datenblätter zu den Wärmespeichern (Boiler und
Pufferspeicher), einen Sicherheitsnachweis für die installierte Wärmepumpe gemäss der
Niederspannungs-Installationsverordnung (NIV5), Unterlagen zum Flüstermodus der
Wärmepumpe sowie einen Lärmschutznachweis für die Luft-Wasser-Wärmepumpe ein. Mit
Verfügung vom 6. Juli 2018 holte das Rechtsamt einen ergänzenden Bericht zur
Immissionssituation beim beco ein. Die Parteien erhielten Gelegenheit, sich zum Ergebnis
des Beweisverfahrens zu äussern und Schlussbemerkungen einzureichen. Davon machten
die Beschwerdeführenden und der Beschwerdegegner Gebrauch.
11. Auf die Rechtsschriften, die vorhandenen Akten, das Ergebnis des Augenscheins, die
Berichte des beco sowie die nachgereichten Unterlagen wird, soweit für den Entscheid
relevant, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
4 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 5 Verordnung über elektrische Niederspannungsinstallationen des Bundesrats vom 7. November 2001 (Niederspannungs-Installationsverordnung, NIV; SR 734.27)
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a) Bauentscheide können nach Art. 40 BauG6 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit für die Beurteilung
der Beschwerde zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen, die Baugesuchsteller, die
Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 40 Abs. 2
BauG). Die Beschwerdeführenden, deren Einsprache abgewiesen wurde, sind durch den
vorinstanzlichen Bauentscheid beschwert und daher zur Beschwerdeführung legitimiert.
Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist grundsätzlich einzutreten.
2. Streitgegenstand
a) Gegenstand des Beschwerdeverfahrens kann nur sein, was Gegenstand des vor-
instanzlichen Verfahrens war. Anfechtungsobjekt ist im vorliegenden Verfahren der
Bauentscheid der Gemeinde Safnern vom 21. Dezember 2017, dem das Baugesuch des
Beschwerdegegners zugrunde liegt. Dieses hat die Installation einer Luft-Wasser-Wärme-
pumpe, eines Wassererwärmers (Boiler) und eines Pufferspeichers zum Gegenstand.7 Mit
dem Abbruch der Ölheizung und des Öltanks befasste sich die Gemeinde im
angefochtenen Bauentscheid nicht. Prozessthema vor der BVE kann daher nur sein, ob die
Vorinstanz die Baubewilligung für die Installation der Luft-Wasser-Wärmepumpe mit den
zugehörigen haustechnischen Anlagen (Boiler und Pufferspeicher) zu Recht erteilte.
b) Soweit die Beschwerdeführenden rügen, aus den Baugesuchsunterlagen gehe nicht
hervor, ob auch der Abbruch der bestehenden Ölheizung gemäss Art. 1a Abs. 2 BauG
hätte bewilligt werden müssen, liegt ihre Rüge ausserhalb des Streitgegenstands. Der
Umstand, dass das Vorhaben in der Gewässerschutzbewilligung mit "Ersatz Ölheizung zur
Luft-Wasser-Wärmepumpe in der Grundwasserschutzzone S3" umschrieben wird, ändert
daran nichts. Relevant ist, was im Baugesuch und den zugehörigen Unterlagen als
Gegenstand bezeichnet wird. Die Ölheizung und der Öltank sind darin nirgends erwähnt. In
diesem Punkt ist auf die Beschwerde somit nicht einzutreten. Der Einwand, es sei fraglich,
ob der Abbruch der Ölheizung baubewilligungspflichtig sei, hat baupolizeilichen Charakter.
6 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0) 7 Vgl. Baugesuchsformular 2.0 (Technik) vom 9. April 2015 im Register 1 der Vorakten der Gemeinde Safnern und Beilage 4 zum Schreiben des Beschwerdegegners vom 9. Mai 2018 in den Beschwerdeakten der BVE; vgl. auch Grundrissplan "Baugesuch Wärmepumpe" im Massstab 1:50 vom 7. April 2015 gezeichnet von der G._ AG im Register 1 der Vorakten der Gemeinde Safnern
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Solche Rügen prüft die Gemeinde auf Anzeige hin erstinstanzlich im baupolizeilichen
Verfahren (Art. 45 Abs. 1 und Art. 49 BauG). Anzumerken ist dazu, dass die Demontage
eines Öltanks nach der Praxis des AWA keiner Baubewilligung bedarf, wie aus der E-Mail
vom 26. März 2018 eines Mitarbeiters des AWA hervorgeht.8 Ob diese Auskunft im
vorliegenden Fall korrekt ist, muss hier nicht beurteilt werden, da nach dem Gesagten der
Abbruch der Ölheizung nicht Gegenstand des Baubewilligungs- bzw.
Beschwerdeverfahrens ist.
3. Rechtliches Gehör
a) Die Beschwerdeführenden rügen in mehrfacher Hinsicht die Verletzung des
rechtlichen Gehörs.
b) Der Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 21 ff. VRPG9 gibt den Parteien das
Recht, sich zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten
zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung
wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu
äussern. Die Behörde darf ihren Entscheid nicht zum Nachteil einer Partei auf ein
Aktenstück abstützen, in das die betreffende Partei keine Einsicht nehmen konnte und
dessen Inhalt ihr auch sonst nicht zur Kenntnis gebracht wurde (Art. 23 Abs. 2 VRPG).
Der Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt zudem, dass die Behörde die Vorbringen der
in ihrer Rechtsstellung Betroffenen sorgfältig prüft und beim Entscheid berücksichtigt.
Folge dieser Prüfungspflicht ist die behördliche Begründungspflicht. Eine Verfügung muss
daher die Tatsachen, Rechtssätze und Gründe enthalten, auf die sie sich stützt (Art. 52
Abs. 1 Bst. b VRPG). Eine Begründung muss so abgefasst sein, dass die Betroffenen die
Verfügung sachgerecht anfechten können. Es müssen wenigstens kurz die Überlegungen
genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr
Entscheid stützt. Die Behörde muss jedoch nicht auf jedes Argument der Parteien
eingehen; es genügt, wenn sie sich mit den wesentlichen Gesichtspunkten
auseinandergesetzt hat.10
8 Vgl. Beilage zum Augenscheinprotokoll vom 11. April 2018 der Beschwerdeakten der BVE 9 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 10 BVR 2013 S. 10 E. 3.1.1; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 52 N. 5
RA Nr. 110/2018/15 8
c) Auf die einzelnen Rügen der Beschwerdeführenden betreffend Verletzung des
rechtlichen Gehörs wird im entsprechenden Sachzusammenhang eingegangen.
RA Nr. 110/2018/15 9
4. Verspätete Stellungnahme der Vorinstanz
a) Die Beschwerdeführenden beantragen mit Schreiben vom 18. Juni 2018, die
Stellungnahme der Vorinstanz vom 12. März 2018 sei aus den Akten zu weisen, weil diese
zu spät eingereicht worden sei.
b) Vorliegend hat die Gemeinde mit Instruktionsverfügung vom 30. Januar 2018
Gelegenheit erhalten, sich innert 30 Tagen zur Baubeschwerde zu äussern. Von dieser
Möglichkeit machte sie Gebrauch. Ihre Stellungnahme vom 12. März 2018 versandte sie
jedoch erst am 15. März 2018 mit eingeschriebener Post, d.h. über 40 Tage nach Erhalt
der Instruktionsverfügung.11 Die Bemerkung der Beschwerdeführenden, wonach die
Vorinstanz ihre Stellungnahme vom 12. März 2018 nicht rechtzeitig einreichte, ist damit
nicht von der Hand zu weisen. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass die Gemeinde von
Gesetzes wegen als Vorinstanz am Beschwerdeverfahren wie eine Partei beteiligt ist,
unabhängig davon, ob sie eine Stellungnahme einreicht oder nicht (Art. 12 Abs. 3 VRPG).
Sie kann durch eine verspätete Stellungnahme ihre Stellung als Vorinstanz im
Beschwerdeverfahren nicht verlieren. Hinzu kommt, dass die BVE nach Art. 18 Abs. 1
VRPG den Sachverhalt von Amtes wegen feststellt. Es steht ihr somit zu, auch verspätete
Parteieingaben, wie das hier der Fall ist, zu berücksichtigen. Und schliesslich hat die BVE
die Möglichkeit, eine verspätete Parteieingabe als Stellungnahme im Sinne einer Auskunft
einer Partei oder Dritter zu behandeln (Art. 19 Abs. 1 Bst. c VRPG). Es besteht somit kein
Anlass, die Stellungnahme der Gemeinde vom 12. März 2018 aus den Akten zu weisen.
Der Antrag wird abgewiesen.
5. Baugesuchsfomular 1.0
a) Die Beschwerdeführenden monieren, die Gemeinde habe nur den Stempel "ungültig"
auf dem Baugesuch entfernt, ohne vom Beschwerdegegner ein neues oder aktualisiertes
Baugesuch zu verlangen. Dies sei daran erkennbar, dass das Baugesuch immer noch auf
den 9. April 2015 datiert sei. Zudem enthalte das Baugesuch immer noch eine falsche
Angabe. Unter dem Titel "Zonenvorschriften und Schutzbestimmungen" sei beim
Gewässerschutzbereich fälschlicherweise das Kästchen mit dem Buchstaben "B" statt
11 Vgl. Sendenummer Track and Trace Nr. H._
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jenes mit der Bezeichnung "S3" (Quellwasserschutzzone 3) angekreuzt worden. In ihrer
Eingabe vom 7. Juni 2018 kritisieren sie zudem, es sei fraglich, ob mit dem Nachreichen
des korrigierten Baugesuchs im Beschwerdeverfahren die zum Teil erheblichen formellen
Mängel geheilt werden könnten. Sie bemängeln besonders, dass das Baugesuch während
der Auflagefrist mit falscher Zonenangabe versehen war. Ebenfalls kritisieren sie, dass der
Eingang des Gesuchs bei der Gemeinde auf den 13. April 2015 datiert sei, obschon das
Baugesuch vom Beschwerdegegner am 30. April 2018 unterzeichnet worden sei.
Schliesslich rügen die Beschwerdeführenden pauschal, die Gemeinde verstosse gegen
das ArchG12 und die ArchV13.
b) Im Beschwerdeverfahren reichte der Beschwerdegegner mit Eingabe vom 9. Mai
2018 ein korrigiertes amtliches Baugesuchsformular 1.0 ein. Es ist unterzeichnet und mit
dem 30. April 2018 datiert. Es enthält beim Kästchen "S3" der Grundwasserschutzzone ein
Kreuz. Es beschreibt alle für die Beurteilung wesentlichen Punkte. Somit liegt ein formell
gültiges Baugesuch vor. Die formellen Mängel und Unklarheiten im Zusammenhang mit
dem Baugesuchsformular 1.0 sind damit behoben.
c) Es trifft zwar zu, dass das Baugesuch während der Auflagefrist hinsichtlich den
Angaben zum Gewässerschutzbereich mit einem Mangel behaftet war. Dieser formelle
Mangel ist jedoch entgegen der Auffassung der Beschwerdeführenden nicht derart
gravierend, dass dieser im Beschwerdeverfahren nicht mehr geheilt oder korrigiert werden
kann. Zum einen verfügt die BVE als erste Rechtsmittelinstanz über dieselbe Kognition wie
die Vorinstanz.14 Zum anderen konnten die Beschwerdeführenden trotz des Mangels ihre
Verfahrensrechte vollumfänglich wahrnehmen. Die BVE durfte die Mängel im
Beschwerdeverfahren somit korrigieren. Der Mangel ist aber im Kostenpunkt zu
berücksichtigen. Damit sind den Beschwerdeführenden keine Nachteile entstanden.
Inwiefern das Eingangsdatum vom 13. April 2015 oben rechts auf dem korrigierten
Baugesuchsformular mit Datum vom 30. April 2018 ein Problem darstellen soll, ist nicht
schlüssig. Die Beschwerdeführende legen weder dar noch ist ersichtlich, inwieweit ihnen in
diesem Zusammenhang ein Nachteil erwachsen ist. Mit dieser Kritik vermögen sie somit
12 Gesetzes vom 31. März 2009 über die Archivierung (ArchG; BSG 108.1) 13 Verordnung vom 4. November 2009 über die Archivierung (ArchV; BSG 108.111) 14 Vgl. Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 40 N. 11
RA Nr. 110/2018/15 11
nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. Das Datum bringt vielmehr zum Ausdruck, dass der
Beschwerdegegner am 13. April 2015 für die fragliche Luft-Wasser-Wärmepumpe ein
Baubewilligungsverfahren einleitete. Massgeblich für das Baubewilligungsverfahren ist
somit das korrigierte Baugesuchsformular 1.0 mit Datum vom 30. April 2018. Es ersetzt
jenes vom 9. April 2015. Dies wird der Klarheit halber im Dispositiv des
Beschwerdeentscheids festgehalten.
d) Nicht klar ist schliesslich, was die Beschwerdeführenden mit dem Einwand, die
Gemeinde verstosse gegen das ArchG und die ArchV, zu ihren Gunsten ableiten wollen.
Sie legen mit keinem Wort dar, was sich für Probleme aus dem Verstoss gegen das ArchG
und die ArchV ergeben könnten und inwieweit sich dies auf den Ausgang des Verfahrens
auswirken könnte. Hinzu kommt – wie oben ausgeführt –, dass das Baugesuchsformular
1.0 im Beschwerdeverfahren ohnehin korrigiert werden konnte.
6. Situationsplan
a) Die Beschwerdeführenden rügen weiter, beim Katasterplan fehle der
Eingangsvermerk, weshalb nicht nachvollzogen werden könne, ob dieser während der
Einsprachefrist vorgelegen habe. Auch enthalte der Katasterplan keine Beglaubigung des
Amtsgeometers.
b) Nach Art. 10 Abs. 3 BewD15 ist dem Baugesuch unter anderem der Situationsplan
beizulegen. Er ist zu datieren und von den Gesuchstellenden sowie von den
Projektverfassenden zu unterzeichnen. Laut Art. 12 Abs. 1 BewD ist der Situationsplan im
vermessenen Kantonsgebiet auf einer von der Nachführungsgeometerin oder vom
Nachführungsgeometer unterzeichneten Kopie des Plans für das Grundbuch zu erstellen.
c) In den Vorakten findet sich ein in Schwarz-Weiss kopierter Situationsplan.16 Darauf
sind die Grundflächen der bestehenden Gebäude kaum ablesbar. Auch enthält er keine
Unterschrift einer Nachführungsgeometerin oder eines Nachführungsgeometers. Er
entspricht somit den Anforderungen von Art. 12 BewD nicht. Der Beschwerdegegner
reichte im Beschwerdeverfahren jedoch einen korrigierten Situationsplan ein: Er ist von der
15 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 16 Vgl. ca. in der Mitte des Register 1 in den Vorakten der Gemeinde Safnern
RA Nr. 110/2018/15 12
Bauherrschaft, dem Grundeigentümer sowie vom Gemeindegeometer unterzeichnet. Aus
dem Situationsplan gehen die genaue Lage und die Masse des Aussengeräts der
umstrittenen Luft-Wasser-Wärmepumpe hervor. Zudem sind im Situationsplan die
baupolizeilichen Masse des Aussengeräts eingetragen. Der nachgereichte Situationsplan
entspricht somit den Anforderungen von Art. 12 und 13 BewD, was von den
Beschwerdeführenden zu Recht auch nicht mehr bestritten wird.
d) Die Beschwerdeführenden hatten zudem Gelegenheit, sich im Beschwerdeverfahren
zum korrigierten Situationsplan zu äussern. Sie konnten damit ihre Rechte im
Beschwerdeverfahren vollumfänglich wahrnehmen. Der Mangel ist aber im Kostenpunkt zu
berücksichtigen.
Massgeblich für das Baubewilligungsverfahren ist somit der korrigierte Situationsplan im
Massstab 1:500 vom 30. April 2018. Er ersetzt jenen vom 27. April 2015. Dies wird der
Klarheit halber ebenfalls im Dispositiv des Beschwerdeentscheids festgehalten.
e) Was die Kritik der Beschwerdeführenden betreffend den fehlenden Eingangsvermerk
der Gemeinde auf dem Katasterplan anbelangt, ist Folgendes anzumerken: Die
Beschwerdeführenden legen nicht dar und es ist auch nicht ersichtlich, inwieweit ihnen in
diesem Zusammenhang ein Nachteil erwachsen sein soll. Vorliegend konnten die
Beschwerdeführenden ihre Rechte im Einsprache- und Beschwerdeverfahren
wahrnehmen. Sie erlitten keinen Nachteil, weil der Eingangsvermerk der Gemeinde auf
dem Situationsplan fehlte. Sie vermögen aus dieser Rüge somit nichts zu ihren Gunsten
abzuleiten.
7. Projektpläne / Fotos
a) Weiter bringen die Beschwerdeführenden vor, für die Erstellung des unabhängigen
Sockels des Aussengeräts würden die Pläne fehlen. Die Gemeinde hätte ihnen das Recht
zugestehen müssen, sich zu den Plänen zu äussern. Damit habe sie ihren Anspruch auf
rechtliches Gehör verletzt. Auch die neu eingereichten Fotos des ausgeführten Bauprojekts
würden daran nichts ändern. Es bleibe damit unklar, was überhaupt bewilligt werden soll.
RA Nr. 110/2018/15 13
b) Art. 14 BewD schreibt vor, dass dem Baugesuch Grundriss-, Schnitt- und
Fassadenpläne sowie ein Umgebungsgestaltungsplan im Massstab 1:100 oder 1:50
beizulegen sind. In speziellen Fällen, insbesondere bei Anlagen von beschränkter Dauer,
kann nach Absatz 3 von Art. 15 BewD eine andere als in 14 BewD umschriebene
Darstellung gestattet werden, soweit diese zu beurteilen erlaubt, ob das Vorhaben den im
Baubewilligungsverfahren zu prüfenden Vorschriften entspricht. Die formellen
Anforderungen an die Projektpläne sollen dabei gewährleisten, dass das Bauvorhaben so
nachvollziehbar umschrieben wird, dass die Baubewilligungsbehörde das Baugesuch
beurteilen kann und Einspracheberechtigte ihre Rechte wahrnehmen können.
c) In den Akten finden sich Fotos des Aussengeräts, worauf die vier Sockel des
Aussengeräts zu sehen sind.17 Diese sind zusammen mit einem Gliedermassstab
(Doppelmeter) fotografiert, so dass deren Durchmesser, Höhe ab Terrain und Abstand von
der Fassade aus den Fotos gelesen werden kann. Die Fotos sind mit dem 21. Dezember
2017 datiert, vom Beschwerdegegner unterzeichnet und enthalten einen Stempel der
Gemeinde.
d) Anhand des Situationsplans und der Fotos vom 21. Dezember 2017 können hier die
für die Beurteilung des Bauvorhabens wesentlichen Masse und Gegebenheiten ohne
Weiteres festgestellt werden. Zudem handelt es sich um eine Anlage, die bereits installiert
wurde und deren Dimensionen vergleichsweise klein sind. So ist das Aussengerät 1.25 m
breit, 1.10 m hoch und 0.50 m tief. Es liegt hier somit ein Fall vor, wo die
Baubewilligungsbehörde bezüglich Baugesuchsunterlagen Erleichterungen gestatten kann
(Art. 15 Abs. 3 BewD). Es genügt hier somit, wenn das Aussengerät und die Sockel in
Fotos dargestellt werden. Die Rüge der Beschwerdeführenden, wonach für die Erstellung
der unabhängigen Sockel des Aussengeräts die Pläne fehlen, ist demzufolge unbegründet.
e) Vorliegend wies das Verwaltungsgericht die Akten zur Fortsetzung des Baubewilligungsverfahrens an die Gemeinde zurück. Im angefochtenen Entscheid vom
21. Dezember 2017 führte die Gemeinde aus, die Gesuchsakten seien in der Zwischenzeit
durch die Verwaltung durch Fotos des ausgeführten Projekts, die von der Bauherrschaft
unterzeichnet worden seien, ergänzt worden. Auch hielt die Gemeinde im angefochtenen
Entscheid fest, dass die mit dem Genehmigungsvermerk der Gemeinde versehenen
17 Vgl. Register 1 hinten in den Vorakten der Gemeinde Safnern
RA Nr. 110/2018/15 14
Planunterlagen, Fotos und Datenblätter der Anlage integrierende Bestandteile der
Baubewilligung seien.
RA Nr. 110/2018/15 15
f) Den Akten zufolge erhielten die Beschwerdeführenden, nachdem das
Verwaltungsgericht die Akten mit Urteil vom 6. April 2017 zur Fortsetzung des
Baubewilligungsverfahrens an die Gemeinde zurückwies, keine Kenntnis der Fotos und sie
konnten sich dazu auch nicht äussern. Mit diesem Vorgehen verletzte die Gemeinde den
Anspruch der Beschwerdeführenden auf rechtliches Gehör (vgl. Erwägung 2b). Im
Beschwerdeverfahren reichte der Beschwerdegegner die Fotos als Beilage zusammen mit
der Beschwerdeantwort vom 7. Februar 2018 nochmals ein.18 Über das Genügen der sich
in den Vorakten befindlichen Fotos wurde zudem am Augenschein diskutiert.19 Am
Augenschein wurden wiederum Fotos von den Sockeln sowie vom Aussengerät der
umstrittenen Wärmepumpe erstellt. Dazu konnten sich die Beschwerdeführenden
äussern.20 Damit konnten sich die Beschwerdeführenden ein vollständiges Bild der
umstrittenen Luft-Wasser-Wärmepumpe und Sockeln machen und ihre Verfahrensrechte
im Beschwerdeverfahren vollumfänglich wahrnehmen. Die Gehörsverletzung konnte somit
im Beschwerdeverfahren geheilt werden. Die Heilung ist allerdings bei der
Kostenverlegung zu berücksichtigen (vgl. Erwägung 16).
g) Aus dem Gesagten folgt, dass die strittige Angelegenheit aufgrund der vorhandenen
Akten beurteilt werden kann. Die formellen Mängel im Baugesuchsformular und im
Situationsplan konnten im Beschwerdeverfahren geheilt werden (vgl. Erwägungen 5 u. 6).
Ebenso konnte die BVE im Beschwerdeverfahren die Gehörsverletzung heilen. Die
Beschwerdeführenden konnten ihre Verfahrensrechte im Beschwerdeverfahren somit
wahrnehmen, ohne dass ihnen dadurch ein Nachteil entstand. Dass es sich hier um
heilbare Mängel handelt, folgt schliesslich auch aus dem Verwaltungsgerichtsurteil vom
6. April 2017. So wies das Verwaltungsgericht die Sache unter anderem an die Gemeinde
zurück zur Behebung der formellen Mängel. Das Verwaltungsgericht verlangte weder die
Anhebung eines neuen Baubewilligungsverfahrens noch eine Neupublikation des
Vorhabens. In diesem Punkt erweist sich die Beschwerde als unbegründet.
18 Vgl. Beilage 6 zur Beschwerdeantwort vom 7. Februar 2018 19 Vgl. Augenscheinprotokoll vom 11. April 2018, S. 15 Votum des Vorsitzenden in den Beschwerdeakten der BVE 20 Vgl. Foto Nr. 1, 2 und 7 der Fotodokumentation zum Augenscheinprotokoll vom 11. April 2018 in den Beschwerdeakten der BVE
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8. Elektrische Niederspannungsinstallation
a) Die Beschwerdeführenden rügen, in den Baugesuchsunterlagen fehle die Meldung
für die Installation einer Anlage mit mehr als 3,6 Kilovoltampere (kVA). Zudem gehe aus
den Unterlagen nicht hervor, ob der Bauherr im Besitz einer Installationsbewilligung oder
einer Ersatzbewilligung nach Art. 23 Abs. 1 NIV21 sei. Und schliesslich rügen die
Beschwerdeführenden, aus den Unterlagen sei nicht ersichtlich, ob den Anforderungen von
Art. 24 NIV Genüge getan sei.
b) Im Baubewilligungsverfahren ist zu prüfen, ob das Grundstück genügend mit
elektrischer Energie versorgt ist (Art. 7 Abs. 1 BauG). Das Wohnhaus des
Beschwerdegegners ist unbestritten an das Elektrizitätsverteilnetz angeschlossen. Es
benötigt somit keine Anschlussbewilligung, wie das etwa bei einem Neubauvorhaben der
Fall ist. Auch bestehen keine Anzeichen, dass für die elektrischen Anlagen und Geräte im
Wohnhaus des Beschwerdegegners zu wenig Netzkapazität vorhanden wäre. Im
Gegenteil: Am Augenschein zeigte sich, dass die fragliche Luft-Wasser-Wärmepumpe
problemlos funktionierte.22 Soweit die Beschwerdeführenden sinngemäss rügen, das
Grundstück bzw. das Wohnhaus des Beschwerdegegners sei nicht oder nicht genügend
mit Elektrizität versorgt, ist ihre Rüge unbegründet.
c) Darüber hinaus rügen die Beschwerdeführenden das Fehlen von Unterlagen zur
Prüfung diverser Vorschriften der NIV bzw. rügen deren Verletzung. Dazu ist Folgendes zu
bemerken: Es besteht keine rechtliche Grundlage, dass aus den Baugesuchsunterlagen
ersichtlich sein muss, ob der Bauherr im Besitz einer Installations- oder Ersatzbewilligung
nach Art. 23 Abs. 1 NIV ist. Die NIV regelt die Voraussetzungen für das Arbeiten an
elektrischen Niederspannungsinstallationen sowie die Kontrolle dieser Installationen (Art. 1
NIV). Nach Art. 34 Abs. 4 NIV ist für die Prüfung, ob Pflichtverletzungen im
Zusammenhang der NIV vorliegen, nicht die Baubewilligungsbehörde oder die BVE,
sondern das Eidgenössische Starkstrominspektorat (ESTI) zuständig. Es ist unter anderem
Kontrollorgan und entscheidet in Streitfällen, ob eine elektrische Installation den
21 Verordnung über elektrische Niederspannungsinstallationen des Bundesrats vom 7. November 2001 (Niederspannungs-Installationsverordnung, NIV; SR 734.27) 22 Vgl. Verbal am Ende der S. 6 des Augenscheinprotokoll vom 11. April 2018 in den Beschwerdeakten des Rechtsamts der BVE 22 Vgl. Fotos Nr. 12 bis 5 der Fotodokumentation
RA Nr. 110/2018/15 17
Vorschriften der NIV entspricht. Soweit die Beschwerdeführenden Rügen vorbringen, die
im Zusammenhang mit der NIV stehen, kann darauf nicht eingetreten werden.
d) Selbst wenn darauf eingetreten werden könnte, wären die Rügen unbegründet: Nach
Art. 6 NIV bedarf diejenige Person oder Firma eine Installations- oder Ersatzbewilligung,
die eine elektrische Installation vornimmt. Aus den Akten folgt, dass nicht der Bauherr,
sondern die Firma I._ AG die Elektroinstallation vornahm.23 Die Firma I._
AG verfügt nach dem öffentlichen Verzeichnis des ESTI über eine Installationsbewilligung
nach Art. 7 ff. NIV.24 Aus der Rechnung der Firma I._ AG vom 16. Juli 201425 folgt
zudem, dass vor der Montage der fraglichen Luft-Wasser-Wärmepumpe elektrische
Komponenten installiert wurden und eine entsprechende Meldung dieser
Installationsarbeiten an die Einwohnergemeinde Safnern, die Betreiberin des lokalen
Niederspannungsverteilnetzes (Netzebene 7) ist26, erfolgte (Art. 23 Abs. 1 NIV). Die
Gemeinde Safnern ist gleichzeitig Baubewilligungsbehörde und Betreiberin der
Netzebene 7. Damit war der Gemeinde spätestens mit Einreichung des Baugesuchs, d.h.
ab dem 13. April 2015 bekannt, dass eine Luft-Wasser-Wärmepumpe installiert wird. Und
schliesslich reichte der Beschwerdegegner mit Schreiben vom 9. Mai 2018 für die
umstrittene Luft-Wasser-Wärmepumpe einen Sicherheitsnachweis (SiNa) ein.27 Darin
bestätigte ein Elektrokontrolleur, dass die elektrische Installation der Wärmepumpe nach
den gültigen Normen und den anerkannten Regeln der Technik erfolgte.
9. Gewässerschutz
a) Die Beschwerdeführenden befürchten, die Wärmepumpe stelle eine Gefahr für den
Gewässerschutz dar. Sie bringen vor, für die gesamte Split-Pumpe müsse eine
Auffangwanne für das Kondenswasser vorgesehen und gebaut werden. Aus den
Baugesuchsunterlagen gehe nicht hervor, ob eine Auffangwanne für das Kondenswasser
geplant und gebaut werde.
23 Vgl. Beilage 8 zur Beschwerdeantwort vom 7. Februar 2018 in den Beschwerdeakten der BVE 24 Vgl. <https://verzeichnisse.esti.ch/de/aikb.htm> 25 Vgl. Beilage 8 zur Beschwerdeantwort vom 7. Februar 2018 des Beschwerdegegners 26 Vgl. Kataster der Netzgebiete abrufbar unter <https://www.geo.apps.be.ch/de> / Karten / Kataster der Netzgebiete 27 Vgl. Beilage 5 zum Schreiben vom 9. Mai 2018 des Beschwerdegegners
https://verzeichnisse.esti.ch/de/aikb.htm https://www.geo.apps.be.ch/de
RA Nr. 110/2018/15 18
b) Es ist aktenkundig, dass sich der Anlagestandort der umstrittenen Luft-Wasser-
Wärmepumpe in der Grundwasserschutzzone S3 befindet. Das AWA hat für die
umstrittene Luft-Wasser-Wärmepumpe mit Verfügung vom 17. Juli 2015 die
Gewässerschutzbewilligung erteilt.28 Das AWA hielt in seiner Beurteilung fest, es nehme
zur Kenntnis, dass das Abwasser der Kondensatwasserwanne der Luft-Wasser-
Wärmepumpe in die Mischwasserkanalisation eingeleitet werde.
c) In den Akten findet sich ein technisches Datenblatt der umstrittenen Anlage.29 Darin
wird erklärt, dass das anfallende Wasser von Reifansatz in der Abtauwanne des
Aussengeräts aufgefangen und über einen Schlauch abgeleitet wird. Das Datenblatt wurde
im angefochtenen Entscheid zum integrierenden Bestandteil der Baubewilligung erklärt.30
Die Kritik der Beschwerdeführenden, wonach aus den Baugesuchsunterlagen nicht hervor
gehe, ob eine Auffangwanne für das Kondenswasser geplant werde, ist somit nicht
stichhaltig. Ausserdem zeigte sich am Augenschein, dass unter dem Aussengerät eine
Abtauwanne mit einem Kondensatablauf montiert wurde.31 Am Augenschein wurde zudem
festgestellt, dass am Kondensatablauf ein isolierter Schlauch befestigt wurde, der das
Kondensat in einen Einlaufschacht abführt.32 Der Einlaufschacht ist nach den
Feststellungen am Augenschein an die Mischwasserkanalisation der Gemeinde
angeschlossen.33 Unter dem Blickwinkel des Gewässerschutzes ist die umstrittene Luft-
Wasser-Wärmepumpe somit nicht zu beanstanden. Das Kondensat wird, was gemäss der
Gewässerschutzbewilligung des AWA entscheidend ist, in die Mischwasserkanalisation
abgeleitet. Die Befürchtungen der Beschwerdeführenden, die Wärmepumpe stelle in der
Grundwasserschutzzone S3 eine Gefahr dar, erweisen sich als unbegründet.
28 Vgl. Register 1 der Vorakten der Gemeinde Safnern 29 Vgl. Register 1 der Vorakten der Gemeinde Safnern 30 Vgl. S. 3 des angefochtenen Bauentscheids vom 21. Dezember 2017 der Gemeinde Safnern 31 Vgl. Fotos Nr. 1 und 2 der Fotodokumentation zum Augenscheinprotokoll vom 11. April 2018 in den Beschwerdeakten des Rechtsamts der BVE 32 Vgl. Fotos Nr. 12 bis 5 der Fotodokumentation zum Augenscheinprotokoll vom 11. April 2018 in den Beschwerdeakten des Rechtsamts der BVE 33 Vgl. S. 3 f. des Augenscheinprotokolls vom 11. April 2018 in den Beschwerdeakten des Rechtsamts der BVE
RA Nr. 110/2018/15 19
10. Boiler und Pufferspeicher
a) Die Beschwerdeführenden rügen pauschal, aus den Baugesuchsunterlagen sei nicht
ersichtlich, ob die Regelung von Art. 21 KEnV34 eingehalten sei.
b) Vorab ist fraglich, ob die Beschwerde in diesem Punkt der Anforderung an eine
rechtsgenügliche Begründung nach Art. 32 Abs. 2 VRPG genügt. Die Frage kann aber
offen bleiben, da die Rüge ohnehin unbegründet ist, wie die nachfolgenden Ausführungen
zeigen.
c) Art. 21 KEnV enthält Vorschriften für Wassererwärmer (Boiler) sowie Warmwasser-
und Wärmespeicher (Pufferspeicher). Boiler und Pufferspeicher sind haustechnische
Anlagen im Sinne der kantonalen Energiegesetzgebung (Art. 1 Abs. 5 KEnV). Diese sind
so auszulegen, zu betreiben und zu unterhalten, dass der Energieverbrauch und die
Umweltbelastung möglichst gering bleiben (Art. 40 Abs. 1 KEnG35). In Ausführung dieser
Vorschrift legt Art. 21 KEnV die Anforderungen für Boiler und Pufferspeicher fest. Der
Wortlaut von Art. 21 KEnV lautet – soweit hier relevant – wie folgt: "1 Wassererwärmer sowie Warmwasser- und Wärmespeicher, für die nach Bundesrecht keine
energietechnischen Anforderungen bestehen, dürfen hinsichtlich allseitiger Wärmedämmung die
Dämmstärken gemäss Anhang 4 nicht unterschreiten. 2 Wassererwärmer sind für eine Betriebstemperatur von höchstens 60 °C auszulegen.
Ausgenommen sind Wassererwärmer, deren Temperatur aus betrieblichen oder hygienischen
Gründen höher sein muss. 3 (...) 4 Der Neueinbau einer direkt-elektrischen Erwärmung des Warmwassers ist in Wohnbauten nur
erlaubt, wenn
a das Warmwasser während der Heizperiode mit dem Wärmeerzeuger für die Raumheizung
erwärmt oder vorgewärmt wird oder
b das Warmwasser zu mindestens 50 Prozent mit erneuerbarer Energie oder nicht anders
nutzbarer Abwärme erwärmt wird."
d) Nach den Akten umfasst das Vorhaben nebst der Aussen- und Inneneinheit der
Wärmepumpe zusätzlich einen Boiler und einen Pufferspeicher (vgl. Erwägung 2a). Bedarf
die Wärmepumpe, wie hier, aus Gründen des Lärmschutzes einer Baubewilligung, ist nach
34 Kantonale Energieverordnung vom 26. Oktober 2011 (KEnV; BSG 741.111) 35 Kantonales Energiegesetz vom 15. Mai 2011 (KEnG; BSG 741.1)
RA Nr. 110/2018/15 20
Art. 61 KEnV im Baubewilligungsverfahren auch nachzuweisen, ob die mit dem
Heizsystem zusammengeschlossenen haustechnischen Anlagen die Anforderungen der
Energiegesetzgebung erfüllen.36
e) Vorliegend liess der Beschwerdegegner einen Boiler des Typs "SBB 401 WP SOL"
und einen Pufferspeicher des Typs "SBP 400 E" der Firma Stiebel Eltron installieren.37 Für
diese serienmässig hergestellten Anlagen enthält das Bundesrecht Anforderungen an die
Energieeffizienz und an das Inverkehrbringen (Art. 4 Abs. 1, Art. 5 Abs. 1, und Art. 7 Abs. 1
in Verbindung mit Anhang 1.15 Ziffer EnEV38). Nach Art. 21 Abs. 1 KEnV gelten somit für
diese Anlagen nicht die kantonalen Dämmstärken, sondern jene des Bundes. Im
Beschwerdeverfahren hat der Beschwerdegegner mit Konformitätserklärungen belegt,
dass der Boiler und der Pufferspeicher die bundesrechtlichen Anforderungen an die
Energieeffizienz erfüllen (vgl. Art. 7 EnEV).39 Weitere Nachweise und Abklärungen sind
demzufolge nicht erforderlich.
Was die Warmwassertemperatur anbelangt, legt Art. 21 Abs. 2 KEnV fest, dass Boiler
maximal auf eine Betriebstemperatur von 60 Grad Celsius auszulegen sind. Die Prüfung
am Augenschein ergab, dass die Warmwassertemperatur des Boilers rund 50 Grad
Celsius betrug.40 Damit ist auch die Anforderung von Art. 21 Abs. 2 KEnV erfüllt. Bei dieser
Sachlage wäre es überspitzt formalistisch, vom Beschwerdegegner zusätzlich einen
schriftlichen Energienachweis zu verlangen.41 Darauf kann im vorliegenden Fall verzichtet
werden. Denn entscheidend ist, dass die Anforderung erfüllt ist.
Gleiches gilt in Bezug auf die Einhaltung der Anforderung von Art. 21 Abs. 4 KEnV.
Danach muss der Boiler entweder mit dem Heizsystem oder mindestens zu 50 Prozent mit
erneuerbarer Energie erwärmt oder vorgewärmt werden. Der Augenschein zeigte, dass
36 Vgl. Artikel 25 in der Fassung des BauG vom 28. Januar 2009; vlg. auch Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 25 N. ff. 37 Vgl. Beilage 4 zum Schreiben des Beschwerdegegners vom 9. Mai 2018 38 Verordnung des Bundesrats vom 1. November 2017 über die Anforderungen an die Energieeffizienz serienmässig hergestellter Anlagen, Fahrzeuge und Geräte (Energieeffizienzverordnung, EnEV; SR 730.02) 39 Vgl. Beilage 3 zum Schreiben vom 9. Mai 2018 des Beschwerdegegners 40 Vgl. Foto Nr. 6 der Fotodokumentation zum Augenscheinprotokoll vom 11. April 2018 in den Beschwerdeakten des Rechtsamts der BVE 41 Vgl. Energienachweis "Heizungs- und Warmwasseranlagen (EN-103), Version September 2016, S. 2 unter dem Titel Warmwasser; auffindbar unter <www.endk.ch> Rubrik Fachleute / Energienachweis / EN-100 bis  (MuKEn 2014)
http://www.endk.ch
RA Nr. 110/2018/15 21
das Warmwasser des Boilers nicht rein elektrisch, sondern mit der Wärmepumpe bzw. mit
erneuerbarer Energie (Umweltwärme) erwärmt wird.42 Das folgt auch aus dem technischen
Datenblatt mit Montageskizze des Boilers.43 Darin sind die Leitungen für den Vor- und
Rücklauf abgebildet, die an einen externen Wärmeerzeuger, im vorliegenden Fall die
Wärmepumpe, angeschlossen werden können. Der installierte Boiler erfüllt demzufolge
auch die Anforderung von Art. 21 Abs. 4 KEnV. Auch in diesem Fall wäre ein zusätzlicher
schriftlicher Nachweis auf dem amtlichen Formular überspitzt formalistisch. Anhand der
nachgereichten Unterlagen und den Feststellungen am Augenschein steht somit fest, dass
der installierte Boiler und der Pufferspeicher die Anforderungen von Art. 21 KEnV erfüllen.
Auch in diesem Punkt erweisen sich die Zweifel der Beschwerdeführenden als
unbegründet.
11. Stellungnahme des beco vom 3. Oktober 2017
a) Hauptstreitpunkt ist der Lärm, der von der umstrittenen Wärmepumpe ausgeht. Die
Beschwerdeführenden kritisieren, die Gemeinde habe trotz Anweisung des
Verwaltungsgerichts im Rückweisungsentscheid vom 6. April 2017 nicht oder höchstens
rudimentär geprüft, ob im Rahmen des Vorsorgeprinzips zusätzliche
Emissionsbeschränkungen erforderlich seien. Sie monieren besonders, ihnen hätte das
Recht zugestanden, sich zu den Ergebnissen des Prüfberichts zu äussern. Die Gemeinde
habe damit ihren Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt. Das beco habe zwar am
3. Oktober 2017 einen neuen Bericht verfasst. Darin habe es lediglich festgehalten, dass
der Lärm der Wärmepumpe einem tiefen Umgebungslärm entspreche und kaum hörbar
sei. Das beco sei auch zum Schluss gekommen, dass eine Schallschutzhaube nicht
verhältnismässig sei, weil das Kosten-Nutzenverhältnis nicht stimme. Zudem hätten die
Gemeinde und das beco den gewählten Standort als optimal beurteilt, ohne dies näher zu
begründen.
b) Der Beschwerdegegner vertritt die Auffassung, das beco habe mit dem Bericht vom
3. Oktober 2017 die vom Verwaltungsgericht geforderte Einzelfallprüfung vorgenommen.
Zu berücksichtigen sei, dass die Wärmepumpe die strengen Grenzwerte des beco einhalte.
Auch eine Kostenbeteiligung durch die Beschwerdeführenden ändere nichts an der vom
42 Vgl. S. 6 des Augenscheinprotokolls vom 11. April 2018 43 Vgl. Beilage 4 zum Schreiben des Beschwerdegegner vom 9. Mai 2018 in den Beschwerdeakten der BVE
RA Nr. 110/2018/15 22
beco festgestellten Unverhältnismässigkeit von weiteren Schallschutzmassnahmen. Nach
der Rechtsprechung müsse es im Einzelfall möglich sein, bei krassem Missverhältnis
zwischen Aufwand für die Emissionsbegrenzung und dem damit verbundenen Nutzen für
die Umwelt die Verhältnismässigkeit zu verneinen, wie dies das beco getan habe.
c) Aus den Vorakten geht zwar hervor, dass die Gemeinde nach dem
Rückweisungsentscheid des Verwaltungsgerichts vom 6. April 2017 eine Stellungnahme
beim beco einholte.44 Aus dieser Stellungnahme vom 3. Oktober 2017, worauf sich auch
die Beschwerdeführenden in ihrer Beschwerde beziehen, ist zu entnehmen, weshalb das
beco weitere Schallschutzmassnahmen im Rahmen der Vorsorge als unverhältnismässig
erachtete. Insoweit nahm die Gemeinde zwar die vom Verwaltungsgericht verlangte
Prüfung im Rahmen der Vorsorge vor. Den Akten zufolge legte die Gemeinde das Ergebnis
dieser Prüfung aber nicht offen, obwohl das Baubewilligungsverfahren bei der Gemeinde
noch anhängig war. Die Beschwerdeführenden hatten demzufolge, bevor die Gemeinde
die Baubewilligung mit Bauentscheid vom 27. Dezember 2017 erteilte, weder Kenntnis von
der Stellungnahme des beco vom 3. Oktober 2017 noch konnten sich die
Beschwerdeführenden dazu äussern. Im angefochtenen Bauentscheid fehlt denn auch
eine Begründung, weshalb weitere Schallschutzmassnahmen im Rahmen der Vorsorge
unverhältnismässig sind. Der Verweis der Gemeinde auf die Baubewilligung vom
10. September 2015 hilft dabei nicht, da die BVE diese Baubewilligung mit
Beschwerdeentscheid vom 3. März 2016 aufhob. Mit ihrem Vorgehen hat die Gemeinde
den Anspruch der Beschwerdeführenden auf rechtliches Gehör mehrfach verletzt: Sie
konnten sich zur Stellungnahme des beco vom 3. Oktober 2017 nicht äussern und es fehlt
im angefochtenen Entscheid die Begründung, weshalb die Gemeinde bzw. das beco
weitere Schallschutzmassnahmen im Sinne der Vorsorge nicht als verhältnismässig
erachtet. Die BVE führte zur Frage, ob weitere lärmmindernde Massnahmen im Rahmen
der Vorsorge verhältnismässig sind, ein umfangreiches Beweisverfahren durch, wozu sich
die Beschwerdeführenden äussern konnten (vgl. Erwägung 12 und 13). Die
Beschwerdeführenden konnten somit ihre Verfahrensrechte im Beschwerdeverfahren
wahrnehmen. Die Gehörsverletzung konnte somit im Beschwerdeverfahren geheilt werden.
Die Verfahrensfehler der Gemeinde (fehlende Anhörung und mangelhafte Begründung des
Entscheids) sind aber bei der Kostenverlegung zu berücksichtigen (vgl. Erwägung 16).
44 Vgl. Register 1 in den Vorakten der Gemeinde Safnern
RA Nr. 110/2018/15 23
12. Flüstermodus
a) Im Beschwerdeverfahren wurde als Emissionsbeschränkungsmassnahme unter
anderem untersucht, ob die Wärmepumpe in einem Flüstermodus betrieben werden kann.
Der Beschwerdegegner reichte Unterlagen ein aus denen hervorging, dass die
Wärmepumpe über einen Flüstermodus verfügt.45 Dabei wurde für den Betrieb der
Wärmepumpe im Flüstermodus ein Schallleistungspegel von 57 dB(A) ausgewiesen,
während das beco seiner Berechnung des Schalldruckpegels an den Immissionsorten
J._ 3 und 7 bislang einen Schallleistungspegel von 53 dB(A) im Normalbetrieb der
Wärmepumpe, d.h. ohne schallreduzierten Betrieb, zugrunde legte.46
b) Zu dieser Diskrepanz erklärte das beco in der Stellungnahme vom 19. Juli 2018, seit
Anfang 2018 entnehme es den Schallleistungspegel für die Beurteilung der Immissions-
situation der Datenbank, die von der Fachvereinigung Wärmepumpen Schweiz und dem
Cercle Bruit zur Verfügung gestellt werde.47 Darin würden für die umstrittene Luft-Wasser-
Wärmepumpe folgende drei Schallleistungspegel (Lw) aufgeführt: Lw nach ErP von
53 dB(A), Lw Tagbetrieb maximal von 66 dB(A) und Lw Nachtbetrieb maximal von
62 dB(A). Bis Ende 2017 habe es den Schallleistungspegel Lw nach ErP von 53 dB(A) als
Ausgangsgrösse für die Berechnung der Schalldruckpegel herangezogen. Dieser
Schallleistungspegel werde dabei nach der Norm EN 121002 ermittelt und entspreche
grundsätzlich dem Alltag. Bei sehr kalten Aussentemperaturen könne dieser
Schallleistungspegel an wenigen Tagen pro Jahr jedoch etwas erhöht sein. Für das beco
sei seit anfangs 2018 jedoch der Schallleistungspegel (Lw) "Nachtbetrieb maximal"
(Flüstermodus) als Ausgangsgrösse relevant, da der Lärmgrenzwert nachts 10 dB(A) tiefer
sei als tagsüber.
c) Klarzustellen ist vorab, dass der Vorsorgewert beco für Wärmepumpen in der hier
betroffenen ES II während der akustischen Tageszeit 43 dB(A) und während der Nachtzeit
33 dB(A) beträgt.48 Weiter stehen zwei unterschiedliche Schallleistungspegel für den
45 Vgl. Beilagen 6 und 7 zum Schreiben des Beschwerdegegners vom 9. Mai 2018 in den Beschwerdeakten der BVE 46 Vgl. Bericht des beco vom 3. Oktober 2017 im Register 1 in den Vorakten der Gemeinde Safnern; vgl. auch Bericht des beco vom 30. April 2017 in den Beschwerdeakten der BVE 47 Vgl. www.fws.ch/verzeichnis.html 48 Vgl. <http://www.cerclebruit.ch> Rubrik Vollzugsordner/ 6 Industrie- und Gewerbelärm / 6.21 Wärmepumpen / Unterlagen der Kantone / Schallpegelbegrenzung bei Einzelanlagen, Vorsorgewerte, Version vom 29. Januar 2014
http://www.fws.ch/verzeichnis.html http://www.cerclebruit.ch
RA Nr. 110/2018/15 24
Flüstermodus im Raum. Gemäss der Datenbank der Fachvereinigung Wärmepumpen
Schweiz (FWS) und des Cercle Bruit beträgt der Schallleistungspegel im Flüstermodus
bzw. im schallreduzierten Nachtbetrieb 62 dB(A). Demgegenüber geht aus den
eingereichten Unterlagen des Beschwerdegegners hervor, dass der Schallleistungspegel
im Flüstermodus 57 dB(A) beträgt. Im vorliegenden Fall wird für die Beurteilung der
Lärmsituation in Übereinstimmung mit dem beco auf den für den Beschwerdegegner
ungünstigeren Schallleistungspegel von 62 dB(A) abgestellt. Es handelt sich dabei um den
aktuellsten Wert der Herstellerin, womit dessen Richtigkeit gewährleistet ist.
d) Vorliegend ermittelte das beco beim Fenster der Liegenschaft der
Beschwerdeführenden (J._weg 3) einen hörbareren Schalldruckpegel von 26.2
dB(A) und bei der Liegenschaft J._weg 7 einen hörbaren Schalldruckpegel von 32
dB(A), wenn die Wärmepumpe im "Nachtbetrieb maximal", also im Flüstermodus, läuft.49
Es hielt dazu fest, falls die Wärmepumpe während der akustischen Nachtzeit mit dem
Schallleistungspegel "Lw Tagbetrieb maximal" von 66 dB(A) laufen würde, wäre der
geltende Vorsorgewert von 33 dB(A) bei der Liegenschaft J._weg 7 um 3 dB(A)
überschritten. Aus diesem Grund dürfe die Wärmepumpe während der akustischen
Nachtzeit (19.00 bis 7.00 Uhr) nur im "Nachtbetrieb maximal" (Flüstermodus) betrieben
werden. Aus der Berechnung des beco folgt weiter, dass auch der Vorsorgewert beco
während der akustischen Tageszeit von 43 dB(A) deutlich eingehalten ist: Der hörbare
Schalldruckpegel bei der Liegenschaft J._weg 7 beträgt 36 dB(A) und bei der
Liegenschaft J._weg 3 30.2 dB(A), wenn als Ausgangsgrösse der Berechnung der
Schallleistungspegel "Tagbetrieb maximal" von 66 dB(A) zugrunde gelegt wird.
e) Es rechtfertigt sich hier, mit einer Auflage sicherzustellen, dass die Wärmepumpe
während der akustischen Nachtzeit nur im "Nachtbetrieb maximal" (Flüstermodus)
betrieben werden darf. Die angefochtene Baubewilligung wird deshalb mit der Auflage
ergänzt, dass die Wärmepumpe während der akustischen Nachtzeit, d.h. von 19.00 bis
07.00 Uhr, nur im Nachtbetrieb maximal (Flüstermodus) betrieben werden darf. Die
Lärmschutzmassnahme bzw. die Auflage ist für den Beschwerdegegner in sachlicher und
in finanzieller Hinsicht zumutbar: Im schallreduzierten Betrieb wird die Wärmeleistung der
Wärmepumpe begrenzt, womit sie weniger Emissionen verursacht. Dadurch verbessert
sich die Lärmsituation bei den nächstliegenden Immissionspunkten (Liegenschaften
49 Vgl. Beilagen 2 und 3 zur Stellungnahme des beco vom 19. Juli 2018 in den Beschwerdeakten der BVE
RA Nr. 110/2018/15 25
J._weg 3 und 7). Die Auflage kann zudem ohne grösseren Aufwand realisiert
werden. Es muss lediglich der Flüstermodus der Anlage aktiviert werden. Dadurch
reduziert sich zwar die Wärmeleistung der Anlage im Nachtbetrieb. Regelmässig werden
jedoch in der Nacht die Wohnraumtemperaturen aus Energiespargründen ohnehin
abgesenkt, wodurch nachts automatisch eine geringere Wärmeleistung benötigt wird. Die
Folgen des schallreduzierten Betriebs in der Nacht sind daher für den Beschwerdegegner
gering. Da die Anlage bereits in Betrieb ist, hat der Beschwerdegegner nach Rechtskraft
des vorliegenden Entscheids den Flüstermodus der Anlage während der akustischen
Nachtzeit zu aktivieren.
f) Als Zwischenergebnis steht fest, dass die Vorsorgewerte des beco für
Wärmepumpen während der akustischen Tageszeit von 43 dB(A) und während der
Nachtzeit von 33 dB(A) eingehalten sind, wenn die Wärmepumpe nachts im "Nachtbetrieb
maximal" oder Flüstermodus läuft. Aus dem Lärmschutznachweis des beco folgt zudem,
dass die Wärmepumpe im "Nachtbetrieb maximal" ebenfalls den Planungswert von 45
dB(A) in der Nacht gemäss Art. 40 Abs. 1 und Anhang 6, Ziff. 1 Abs. 1 Bst. e und Ziffer 2
LSV einhält. Unter diesen Umständen ist es nicht nötig, den Schallpegel an den
Immissionsorten zusätzlich mit einer Schallpegelmessung vor Ort zu ermitteln.
13. Vorsorgeprinzip
a) Umstritten ist, ob im Rahmen des Vorsorgeprinzips lärmmindernde Massnahmen
ergriffen werden müssen. Das beco führte in der Stellungnahme vom 19. Juli 2018 aus,
weitere vorsorgliche Massnahmen als die Anweisung, die Wärmepumpe während der
Nacht im Flüstermodus zu betreiben, sehe es nicht.
b) Die Beschwerdeführenden bringen in ihrer Eingabe vom 8. August 2018 vor, die
Anweisung des beco, die Wärmepumpe im Flüstermodus zu betreiben, sorge einzig dafür,
dass die Grenzwerte überhaupt eingehalten würden. Es handle sich hier um einen
Grenzfall, da der Schallpegel auch tagsüber nur noch 1 dB(A) unter dem Vorsorgewert von
33 dB(A) liege. Weiter bringen sie vor, es seien verschiedenste lärmsenkende
Massnahmen denkbar, die baulich und technisch umsetzbare seien. Es sei festgestellt
worden, dass durch eine Schallschutzhaube die Lärmbelastung um ca. 5 bis 10 dB(A)
gesenkt werden könne. Auch komme der Bau einer Lärmschutzwand genauso in Frage wie
RA Nr. 110/2018/15 26
die Verlegung der Wärmepumpe an die Südfassade. All diese Massnahmen sein technisch
und baulich möglich und würden die Lärmemissionen beträchtlich senken. Die
Massnahmen seien verhältnismässig, besonders die kostengünstige Variante der
Schallschutzhaube. Die Beschwerdeführenden erklärten sich bereit, sich an den Kosten
solcher Schallschutzmassnahmen zu beteiligen.
c) In den Schlussbemerkungen vom 10. August 2018 bemerkte der Beschwerdegegner,
trotz der Berechnung mit einem höheren Schallleistungspegel seien die Vorsorgewerte an
den relevanten Immissionspunkten eingehalten. Auch gehe aus der Stellungnahme des
beco vom 19. Juli 2018 hervor, dass der Vorsorgewert beco bei der
beschwerdeführerischen Liegenschaft erheblich unterschritten sei. Schliesslich hält der
Beschwerdegegner mit Verweis auf die Stellungnahme des beco vom 19. Juli 2018 fest,
dass der hörbare Schalldruckpegel von 26.2 dB(A) bei der beschwerdeführerischen
Liegenschaft effektiv tiefer liegen dürfte.
d) Auch wenn die Planungswerte eingehalten sind, ist nach ständiger Rechtsprechung
im Einzelfall zu prüfen, ob im Rahmen des Vorsorgeprinzips zusätzliche
Emissionsbegrenzungen erforderlich sind.50 Danach sind die Lärmemissionen so weit zu
begrenzen, als dies technisch und betrieblich möglich sowie wirtschaftlich tragbar ist (Art.
11 Abs. 2 USG51 in Verbindung mit Art. 7 Abs. 1 Bst. a LSV). Als verhältnismässig gelten
weitergehende Emissionsbeschränkungen dabei, wenn mit relativ geringem Aufwand eine
wesentliche Reduktion der Emissionen erreicht werden kann. Das gilt auch dann, wenn es
sich um geringfügige Emissionen handelt.52 Gemäss der Praxis des beco wird dem
Vorsorgeprinzip bei der Installation einer Wärmepumpe genügend Rechnung getragen,
wenn die von ihm festgelegten, unterhalb der Planungswerte liegenden sog.
"Vorsorgewerte" eingehalten sind. Diese betragen für die ES II 43 dB(A) am Tag und 33
dB(A) in der Nacht, wobei der massgebliche Beurteilungspegel – anders als bei den
Planungswerten – dem Mittelungspegel Leq entspricht, da hier keine Pegelkorrekturen zu
berücksichtigen sind und ein Dauerbetrieb anzunehmen ist.53 Nach der Rechtsprechung
50 Vgl. BGE 141 11476 E. 3.2, 124 II 517 E. 4b; BGer 1C_204/2015 vom 18.1.2016 E. 3.7, 1C_393/2014 vom 3.3.2016 E. 6.2, je mit Hinweisen 51 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01) 52 Vgl. BGE 140 II 33 E. 4.1 betreffend Lichtemissionen, 133 II 169 E. 3.2 betreffend Geruchsemissionen; Griffel/Rausch, Kommentar USG, Ergänzungsband, Art. 11 N. 14 mit weiteren Hinweisen 53 Vgl. Merkblatt "Schallpegelbegrenzung bei Einzelanlagen, Vorsorgewerte" vom 19.7.2016, einsehbar unter: <http://www.cerclebruit.ch> Rubrik Vollzugsordner/ 6 Industrie- und Gewerbelärm / 6.21 Wärmepumpen /
http://www.cerclebruit.ch
RA Nr. 110/2018/15 27
des Verwaltungsgerichts genügt das Einhalten der "Vorsorgewerte" des beco für sich allein
allerdings nicht, um dem Vorsorgeprinzip Nachachtung zu verschaffen. Denn dieses
verlangt, dass in jedem Einzelfall geprüft wird, ob mit weiteren Vorkehren (z.B. der Wahl
eines Alternativstandorts oder technischen Schallschutzmassnahmen) bei zumutbarem
Aufwand eine wesentliche Lärmreduktion erzielt werden kann.54
e) Wie ausgeführt (vgl. Erwägung 12), muss die umstrittene Wärmepumpe nachts im
Flüstermodus betrieben werden. Mit dieser Auflage wird erreicht, dass der Vorsorgewert
des beco für Wärmepumpen während der akustischen Nachtzeit von 33 dB(A) eingehalten
ist. Gleichzeitig ist die Auflage aber auch Ausfluss des Vorsorgeprinzips, bzw. bedeutet die
Annahme des "worst case". Denn die Berechnung des beco basiert im vorliegenden Fall
auf dem Schallleistungspegel in Abhängigkeit der maximalen Heizleistung (A-7/W35) im
Nachtbetrieb, d.h. bei einer Norm-Aussentemperatur von -7 Grad Celsius und einer
Vorlauftemperatur von 35 Grad Celsius. Solch tiefe Aussentemperaturen sind jedoch die
Ausnahme. Das Gebäude kann an gewöhnlichen Heiztagen mit einer deutlich geringeren
Heizleistung als mit der maximal zulässigen auf die gewünschte Standardtemperatur für
Wohnbauten erwärmt werden. Hinzu kommt, dass hier für den Flüstermodus auf den
ungünstigeren Schallleistungspegel von 62 dB(A) abgestellt wurde. Anders als die
Beschwerdeführenden meinen, handelt es sich hier somit nicht um einen Grenzfall. Der
Vorsorgewert beco tags von 43 dB(A) und der Planungswert Lr gemäss LSV von 55 dB(A)
sind an den nächstliegenden Immissionsorten J._weg 3 und 7 klar eingehalten.
Zutreffend ist zwar, dass der Vorsorgewert beco in der Nacht von 33 dB(A) mit der Auflage
knapp, d.h. um 1 dB(A) eingehalten ist. Dem ist jedoch entgegenzuhalten, dass die
Berechnung der Schalldruckpegel an den relevanten Immissionsorten mit den absolut
ungünstigsten Werten erfolgte. D.h. bei Volllast der Wärmepumpe bei einer
Aussentemperatur von -7 Grad Celsius im Dauerbetrieb, also ohne dass der Lärm über
eine bestimmte Betriebszeit gemittelt wird. Dazu kommt, dass hier ein Pufferspeicher
installiert wurde, wie sich am Augenschein zeigte (vgl. Erwägung 10). Damit kann erreicht
werden, dass die Betriebszeit der Wärmepumpe durch längere Ausschaltintervalle
zusätzlich reduziert werden kann. Beim Pufferspeicher handelt sich demzufolge ebenfalls
um eine Massnahme im Rahmen der Vorsorge, mit welcher die Emissionen der
Wärmepumpe weiter gesenkt werden können.
Unterlagen der Kantone / Schallpegelbegrenzung bei Einzelanlagen, Vorsorgewerte, Version vom 29. Januar 2014 54 VGE 2016/82 vom 6. April 2017 E. 3.5; VGE 2017/319 vom 6. Juni 2018 E. 3.2
RA Nr. 110/2018/15 28
f) Weitere lärmmindernde Massnahmen im Sinne des Vorsorgeprinzips, die am
Augenschein im Beisein der Parteien und einer Vertreterin des beco diskutiert wurden,
namentlich die Verlegung des Aussengeräts in das Innere des Gebäudes, die Verlegung
des Aussengeräts an die Süd-, West- und Ostseite des Gebäudes, die Montage einer
Schallschutzhaube oder den Bau einer Lärmschutzwand, sind nicht verhältnismässig: Von
vornherein ausser Betracht fällt dabei die Verschiebung der Anlage in das Innere des
Gebäudes. Es handelt sich hier um eine sog. Split-Anlage mit einem Innen- und
Aussengerät (vgl. Sachverhalt Ziff. 1). Aus technischen Gründen ist es nicht möglich, das
Aussengerät der Wärmepumpe innerhalb des Gebäudes aufzustellen, wie die Vertreterin
des beco am Augenschein überzeugend ausführte.55 Eine Innenaufstellung wäre nur mit
einem anderen Luft-Wasser-Wärmepumpensystem möglich. Der komplette Ersatz bzw. der
Austausch der bestehenden Split-Anlage durch ein neues System für die Innenaufstellung
wäre aufwändig und mit grossen finanziellen Kosten verbunden, weshalb diese
Massnahme als unverhältnismässig ausscheidet.
g) Zur Diskussion steht weiter, ob die Verschiebung an die Ost-, West- oder Südfassade
als Massnahme zur Emissionsbegrenzung ergriffen werden muss. Würde das Aussengerät
auf die Ostseite des Wohnhauses des Beschwerdegegners verschoben, würde sich
aufgrund der kleineren Distanz zur Lärmquelle (10.50 m statt 24.50) die Lärmsituation für
die Beschwerdeführenden deutlich verschlechtern. Das Gleiche gilt, wenn das Aussengerät
auf die Westseite des Wohnhauses des Beschwerdegegners verlegt würde. In diesem Fall
wäre der Vorsorgewert beco in der Nacht von 33 dB(A) bei der Nachbarliegenschaft
J._weg 7 nicht mehr eingehalten, wie aus der Stellungnahme des beco vom
30. April 2018 gefolgert werden kann.56 Demzufolge könnten mit der Verschiebung an die
Ost- oder Westseite die Emissionen nur verlagert, nicht aber vermindert werden.
Auch die Verlegung des Aussengeräts auf die Südseite scheidet als lärmmindernde
Massnahme im Sinne der Vorsorge aus, wie sich am Augenschein zeigte:57 Die
Massnahme wäre zum einen ungeeignet, weil sie ebenfalls zu keiner Verbesserung der
Lärmsituation führen würde. Im Vergleich zum jetzigen Standort würde sich bei einer
55 Vgl. Augenscheinprotokoll vom 11. April 2018, S. 9 oben, Votum Frau K._ 56 Vgl. Berechnung Schallpegel Immissionsorte als Beilage 1 zur Stellungnahme des beco vom 30. April 2018 in den Beschwerdeakten der BVE 57 Vgl. Augenscheinprotokoll vom 11. April 2018, S. 7 und 8 Votum Frau Glücki
RA Nr. 110/2018/15 29
Verschiebung des Aussengeräts auf die Südseite die Lärmsituation bei der
Nachbarliegenschaft J._weg 7 zwar verbessern. Verschlechtern würde sich
hingegen die Situation für die Beschwerdeführenden. Denn die Distanz des Aussengeräts
zur ihrer Liegenschaft würde so 23 m statt 24.50 m betragen, wie aus der Stellungnahme
vom 30. April 2018 des beco folgt. Die Beschwerdeführenden behaupten in ihrer Eingabe
vom 7. Juni 2018 zwar, das beco sei fälschlicherweise von einer Distanz von 25 m
zwischen dem jetzigen Aufstellungsort des Aussengeräts und ihrem Schlafzimmerfenster
ausgegangen; diese Distanz betrage nur 23.41 m. Dieser Einwand ist falsch: Nach den
Akten ging das beco von einer Distanz von 24.50 m zwischen dem Aussengerät auf der
Nordseite der Garage und dem Schlafzimmerfenster der Beschwerdeführenden aus. Der
Messpunkt liegt in der Mitte des Aussengeräts. Die Distanz von 24.50 m ist zudem im
Situationsplan im Massstab 1:500 vom 26. April 2018 und in den Lärmschutznachweisen
ausgewiesen. Im Übrigen kann die Distanz von 24.50 problemlos mit einem Massstab im
Situationsplan nachgemessen werden.58 Damit steht fest, dass mittels einer Verlegung des
Aussengeräts auf die Südseite keine Verbesserung der Lärmsituation erzielt werden
könnte. Die Feststellungen am Augenschein und Berechnungen des beco vom 30. April
2018 zeigen, dass der heutige Standort der umstrittenen Luft-Wasser-Wärmepumpe aus
lärmtechnischer Sicht nicht zu beanstanden ist.59 Die gegenteilige Auffassung der
Beschwerdeführenden ist nicht stichhaltig. Dazu kommt, dass eine Verlegung des
Aussengeräts auf die Südseite kostspielig und mit grossem Aufwand verbunden wäre: Es
müsste ein neues Fundament erstellt, sämtliche Leitungen der Anlage verlegt und
verlängert werden. Auch müsste das Kondenswasser zum Einlaufschacht auf der
Nordseite gepumpt werden, weil das Terrain auf der Südseite des Grundstücks tiefer liegt.
Somit wäre auch die wirtschaftliche Tragbarkeit nicht gegeben.
h) Die Beschwerdeführenden vertreten schliesslich die Meinung, insbesondere die
kostengünstige Variante der Schallschutzhaube oder eine Lärmschutzwand würden
verhältnismässige Emissionsbeschränkungsmassnahmen darstellen. Zutreffend ist zwar,
dass sich der Lärm nach der unbestrittenen Auskunft der Vertreterin des beco am
Augenschein mit einer Schallschutzhaube um ca. 10 dB(A) und mit einer Lärmschutzwand
um ca. 5 dB(A) reduzieren liesse. Am Augenschein führte die Vertreterin des beco weiter
58 Vgl. Beilage 2 zur Stellungnahme des beco vom 30. April 2018 in den Beschwerdeakten der BVE 59 Vgl. Augenscheinprotokoll vom 11. April 2018, S. 7 unten und S. 8 oben, Votum Frau K._; vgl. auch Stellungnahme des beco vom 30. April 2018 in den Beschwerdeakten der BVE
RA Nr. 110/2018/15 30
aus, eine Schallschutzhaube koste ca. Fr. 5'000.00 bis Fr. 10'000.00 und eine
Lärmschutzwand ca. Fr. 2'000.00 bis Fr. 3'000.00.
i) Nach den Erfahrungen des beco beträgt der Umgebungslärm in einer ruhigen
Wohnzone, wie hier, nachts zwischen 28 bis 35 dB(A). Wie ausgeführt, sind vorliegend die
Vorsorgewerte beco nachts mit der Auflage eingehalten. So beträgt der der
Schalldruckpegel beim Fenster der Liegenschaft der Beschwerdeführenden 26.6 dB(A).
Dabei handelt es sich um eine "worst case" Berechnung. Der Beschwerdegegner hat
zudem einen Pufferspeicher installiert, mit dem sich die Emissionen der Wärmepumpe
aufgrund der kürzeren Betriebszeiten im Sinne der Vorsorge weiter reduzieren lassen.
Auch sind nach der Erfahrung des beco die gerechneten Schallpegel an den
Immissionsorten eher höher als die Schallpegel, die bei den Immissionsorten effektiv
eintreffen. Der gerechnete Schalldruckpegel bei der Liegenschaft der
Beschwerdeführenden liegt im vorliegenden Fall unterhalb der ortsüblichen
Umgebungslärmlage. Und auch bei der Nachbarliegenschaft J._weg 7 entspricht
der Schalldruckpegel von 32 dB(A) in etwa dem Umgebungslärm in der Nacht. Mit
zusätzlichen Massnahmen lässt sich hier somit keine wesentliche Verbesserung der
Lärmsituation erreichen, da die Wärmepumpe kaum hörbar ist. Vor diesem Hintergrund ist
die wirtschaftliche Tragbarkeit von Massnahmen, die Mehrkosten von Fr. 2'000.00 bis
Fr. 10'000.00 zur Folge haben, zu verneinen. Die Schallschutzhaube oder die
Lärmschutzwand stellen hier keine Massnahmen dar, mit denen mit relativ geringem
Aufwand eine zusätzliche Lärmreduktion erreicht werden kann, selbst wenn sich die
Beschwerdeführenden an den Massnahmen finanziell beteiligen würden. Die Einschätzung
des beco, wonach es weitere Schallschutzmassnahmen, namentlich eine
Schallschutzhaube oder eine Lärmschutzwand, als nicht verhältnismässig erachte, weil das
Kosten-Nutzen-Verhältnis nicht stimme, ist somit nicht zu beanstanden.
j) Nach dem Gesagten wird hier unter Berücksichtigung des
Verhältnismässigkeitsgrundsatzes dem Vorsorgeprinzip nach Art. 11 Abs. 2 USG in
Verbindung mit Art. 7 Abs. 1 Bst. a LSV mit der Aktivierung des Flüstermodus und dem
Pufferspeicher genügend Rechnung getragen. Die umstrittene Luft-Wasser-Wärmepumpe
entspricht dem Stand der Technik. Weitere Lärmschutzmassnahmen, die mit geringerem
Aufwand umgesetzt werden könnten, werden von den Beschwerdeführenden nicht
gefordert und sind auch nicht ersichtlich. Insoweit erweist sich die Beschwerde als
unbegründet.
RA Nr. 110/2018/15 31
RA Nr. 110/2018/15 32
14. Weitere Rügen
a) Weiter kritisieren die Beschwerdeführenden, die Gemeinde habe fälschlicherweise
auf ein erneutes Baubewilligungsverfahren verzichtet und ihnen die Einsprache gegen das
Baugesuch verwehrt. Sie bemängeln auch, dem ganzen Verfahren würden nebst groben
formellen Mängeln auch lauter kleinere Mängel und Unklarheiten anhaften.
b) Hinzuweisen ist zunächst darauf, dass das Baubewilligungsverfahren, das der
Beschwerdegegner mit dem Baugesuch am 30. April 2015 bei der Gemeinde einleitete,
nach dem Rückweisungsentscheid des Verwaltungsgerichts vom 6. April 2017 wiederum
bei der Gemeinde hängig war. Zu berücksichtigen ist zudem der elementare
Verfahrensgrundsatz, wonach die Behörde die Parteien anhören muss, bevor sie verfügt
oder entscheidet (Art. 21 Abs. 1 VRPG).
c) Vorliegend krankt das Baubewilligungsverfahren daran, dass die Gemeinde die
Beschwerdeführenden, die sich bereits als Einsprechende am Baubewilligungsverfahren
beteiligten, nicht nochmals zur Sache anhörte, bevor sie die umstrittene Luft-Wasser-
Wärmepumpe mit Bauentscheid vom 27. Dezember 2017 bewilligte. Mit diesem Vorgehen
verletzte die Gemeinde das Anhörungsrecht der Beschwerdeführenden. Diese
Gehörsverletzung wiegt schwer, konnte aber im Beschwerdeverfahren geheilt werden. Die
Beschwerdeführenden konnten ihre Verfahrensrechte im Rahmen des umfangreichen
Beweisverfahrens vollständig wahrnehmen. Der Mangel ist aber im Kostenpunkt zu
berücksichtigen.
d) Nicht stichhaltig ist hingegen die Argumentation der Beschwerdeführenden, die
Gemeinde habe ihnen die Einsprache verweigert. Den Akten zufolge machten die
Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 5. Juni 2015 von ihrem Einspracherecht
Gebrauch. Dies ist auch der Grund, weshalb sie legitimiert sind, gegen den angefochtenen
Entscheid Beschwerde zu führen. Im vorliegenden Fall muss somit weder ein neues
Baubewilligungsverfahren angehoben werden noch ist es nötig, das Bauvorhaben erneut
zu publizieren. Seit Einreichung des Baugesuchs am 30. April 2015 hat sich weder der
Anlagetyp noch der Standort der umstrittenen Luft-Wasser-Wärmepumpen-Heizung
verändert. Sämtliche Unklarheiten und Mängel konnten im Beschwerdeverfahren beseitigt
werden (Erwägungen 7g, und 11). Das umstrittene Vorhaben kann gestützt auf die
vorhandenen Akten und Abklärungen im Beschwerdeverfahren beurteilt werden. Auch
RA Nr. 110/2018/15 33
wurden sämtliche Rügen der Beschwerdeführenden, die sie in der Einsprache vom 5. Juni
2015 vorbrachten, im Beschwerdeverfahren abgehandelt. Im Beschwerdeverfahren kann
somit über die Sache entschieden werden, zumal die BVE als Beschwerdeinstanz über
volle Kognition verfügt (Art. 40 Abs. 3 BauG).
e) Die Beschwerdeführenden kritisieren zudem, dem Bauherrn seien die Kosten für das
Baubewilligungsverfahren erlassen worden. Diese würden der Allgemeinheit aufgebürdet.
Es trifft zwar zu, dass die Gemeinde im angefochtenen Entscheid aus Kulanzgründen auf
die Erhebung der Bearbeitungskosten von Fr. 569.00 für den Bauentscheid verzichtete.
Aus dieser Kritik vermögen die Beschwerdeführenden jedoch nichts zu ihren Gunsten
abzuleiten. Sie legen weder dar noch ist ersichtlich, inwieweit ihnen mit dem Erlass der
Kosten ein konkreter Nachteil entstanden ist. Zudem können sich die
Beschwerdeführenden im Beschwerdeverfahren nicht auf allfällige Interessen Dritter bzw.
der Allgemeinheit berufen.
f) Und schliesslich rügen die Beschwerdeführenden, die Ausführungen zum
Lastenausgleich im angefochtenen Bauentscheid zeigten, dass die Gemeinde das Wesen
des Lastenausgleichs nicht kenne.
Die Beschwerdeführenden legen nicht dar, was für Nachteile ihnen mit diesen
Ausführungen zum Lastenausgleich im Bauentscheid entstehen und inwiefern sich diese
auf den Ausgang des Verfahrens auswirken. Festzuhalten ist dazu, dass die umstrittene
Luft-Wasser-Wärmepumpe ohne Ausnahmebewilligung für die Unterschreitung des
Strassenabstands bewilligt werden kann. Für das Lastenausgleichsbegehren der
Beschwerdeführenden vom 5. Juni 2015 besteht somit keine Grundlage mehr.60 Dass sich
im angefochtenen Entscheid trotzdem Ausführungen zum Lastenausgleich finden, schadet
aber nicht, da den Beschwerdeführenden dadurch keine Nachteile entstehen und diese auf
den Ausgang des Verfahrens keine negativen Auswirkungen haben.
60 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 30/31 N. 1 ff.
RA Nr. 110/2018/15 34
15. Fazit
Aus den Erwägungen folgt, dass die formellen Rügen der Beschwerdeführenden
(mehrfache Gehörsverletzung, mangelhafte Baugesuchsunterlagen) zum Teil berechtigt
sind. Die Mängel und Unklarheiten konnten im Beschwerdeverfahren jedoch behoben
werden. Als Schallschutzmassnahme wird zudem angeordnet, dass die Wärmepumpe
nachts nur im Flüstermodus betrieben werden darf. Der angefochtene Entscheid wird mit
einer entsprechenden Auflage ergänzt. Insoweit ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen.
Mit dieser Schallschutzmassnahme wurde dem Vorsorgeprinzip unter Berücksichtigung
des Verhältnismässigkeitsprinzips genügend Rechnung getragen. Die umstrittene Luft-
Wasser-Wärmepumpe verursacht keine unzulässigen Lärmimmissionen und ist
bewilligungsfähig. Darüber hinaus bringen die Beschwerdeführenden zahlreiche Rügen
vor, die unbegründet sind oder über den Streitgegenstand hinausgehen. Insoweit ist die
Beschwerde abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann. Demzufolge ist auch der
Eventualantrag abzuweisen. Es besteht kein Anlass, den angefochtenen Entscheid
aufzuheben und die Sache zur erneuten Durchführung eines Baubewilligungsverfahrens an
die Gemeinde zurückzuweisen.
16. Kosten
a) Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr
(Art. 103 Abs. 1 VRPG). Für besondere Untersuchungen, Gutachten und dergleichen
können zusätzliche Gebühren erhoben werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Für Entscheide in
einer Verwaltungsjustizsache wird eine Pauschalgebühr von Fr. 200.00 bis Fr. 4’000.00 je
Beschwerde erhoben (Art. 19 Abs. 1 i.V.m. Art. 4 Abs. 2 GebV61). In Anwendung dieser
Bestimmung wird die Pauschale aufgrund des aufwändigen Beweisverfahrens auf
Fr. 2'700.00 festgelegt. Für den Augenschein vom 11. April 2018 wird in Anwendung von
Art. 20 Abs. 1 GebV eine zusätzliche Gebühr von Fr. 300.00 erhoben. Die Kosten des
Beschwerdeverfahrens betragen somit Fr. 3'000.00.
Die Verfahrenskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
61 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
RA Nr. 110/2018/15 35
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG).
Nach Art. 108 Abs. 2 VRPG werden Behörden keine Verfahrenskosten auferlegt, ausser
sie sind in ihren eigenen Vermögensinteressen betroffen.
Die Beschwerdeführenden rügten zu Recht formelle Mängel und mehrfach die Verletzung
des rechtlichen Gehörs. Besonders die Verletzung des Anhörungsrechts wog schwer und
hatte zur Folge, dass die BVE ein aufwändiges Beweisverfahren durchführen musste (vgl.
Erwägung 14c). Behördliche Fehlleistungen stellen besondere Umstände im Sinn von
Art. 108 Abs. 1 VRPG dar, die sich auf die Kostenverlegung auswirken. Es rechtfertigt sich
hier, die Verfahrenskosten aufgrund der Verfahrensfehler der Gemeinde von Fr. 3'000.00
um zwei Drittel auf Fr. 1'000.00 zu reduzieren, zumal auch der Beschwerdegegner
beantragt, die Verfahrenskosten seien aufgrund der Fehler der Gemeinde aufzuerlegen
oder es sei auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. Zudem ist beiden
Parteien durch die von der Gemeinde verursachten Verfahrensfehler zusätzlicher Aufwand
entstanden.
Aus den Erwägungen ergibt sich, dass der Entscheid mit einer Auflage zum Lärmschutz
ergänzt wird. In diesem Punkt gelten die Beschwerdeführenden als obsiegend. Hingegen
gelten die Beschwerdeführenden betreffend die übrigen zahlreichen Rügen als
unterliegend. Es erscheint daher gerechtfertigt, den Beschwerdeführenden drei Fünftel der
reduzierten Verfahrenskosten von Fr. 1'000.00, ausmachend Fr. 600.00, zur Bezahlung
aufzuerlegen. Sie haften solidarisch für diesen Betrag. Der restliche Teil der
Verfahrenskosten von Fr. 400.00 wird dem Beschwerdegegner zu Bezahlung auferlegt.
b) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Parteikosten umfassen den durch die
berufsmässige Parteivertretung anfallenden Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Die
Kostennote der Anwältin des Beschwerdegegners von Fr. 5'031.50 sowie die Kostennote
der Anwältin der Beschwerdeführenden von Fr. 6'622.45 geben zu keinen Bemerkungen
Anlass.
Verantwortlich für die richtige Durchführung des Verfahrens war die
Baubewilligungsbehörde der Gemeinde Safnern. Aufgrund der begründeten
RA Nr. 110/2018/15 36
Verfahrensfehler (Nichtbeheben von formellen Mängeln der Baueingabe und mehrfache
Gehörsverletzung) rechtfertigt es sich hier, der Gemeinde zwei Drittel der Parteikosten des
Beschwerdegegners, ausmachend Fr. 3'354.35, und zwei Drittel der Parteikosten der
Beschwerdeführenden, ausmachend Fr. 4'414.95, aufzuerlegen.
Der verbleibende Drittel der Parteikosten des Beschwerdegegners von Fr. 1'677.15 und
der Beschwerdeführenden von Fr. 2'207.50 wird analog zu den Verfahrenskosten verteilt.
D.h., der Beschwerdegegner hat den Beschwerdeführenden zwei Fünftel der
verbleibenden Parteikosten von Fr. 2'207.50, ausmachend Fr. 883.00, zu ersetzen.
Entsprechend habe die Beschwerdeführenden dem Beschwerdegegner drei Fünftel der
verbliebenden Parteikosten von Fr. 1'677.15, ausmachend Fr. 1'006.30, zu ersetzen.