# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** a742af2e-876d-4c6e-bb9b-8b28463d6d6f
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1968, war
zuletzt
vom 12. Juni
bis am
10. September 2014
als
Zimmerfrau
im
Hotel Y._
tätig
.
Am 21.
Dezember 2014
(Posteingang am 7. Januar 2015; vgl. Aktenverzeichnis der IV
Stelle)
meldete sie sich bei der Invalidenversicherung unter Hinweis auf Schmerzen an der Hüfte
nach einem Sturz am 7. Juli 2014
zum Leis
tungsbezug an (Urk. 9
/8
, Urk. 9/28
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
,
führte in der Folge erwerbliche Abklärungen durch
(U
rk. 9/18, Urk. 9/26, Urk. 9/28),
holte
die Akten des Unfall
- und des Taggeld
versicherers (Urk. 9/11, Urk. 9/23
, Urk. 9/37
) sowie Berichte
der behandelnden Ärzte
(Urk. 9/20, Urk. 9/25
, Urk. 9/31 f.
)
ein
und auferlegte der Versicherten im Sinne der Schadenmin
de
rungspflicht, sich für die nächsten zwölf Monate in eine psychologisch/
psychia
trische sowie physiotherapeutische Behandlung zu begeben (Urk. 9/38)
, über deren Erfüllung sie erneut Berichte der behandelnden Fachpersonen einholte (Urk.
9/51 f., Urk.
9/
55 f., Urk. 9/62 ff.)
Am. 26. Juli 2017 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass zur Zeit
aus gesundheitlichen Gründen
keine Eingliede
rungs
massnahmen möglich seien (Urk. 9/86).
Mit Vorbescheid vom 10. Januar 2018 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung ihres
Renten
begehren
s in Aussicht (Urk. 9/96). Nachdem die Versi
cherte dagegen Einwand erhoben hatte (Urk. 9/100, Urk. 9/104) holte
die IV-Stelle
ein polydisziplinäres Gutachten in den Fachrichtungen Allgemei
ne Innere Medi
zin, Orthopädie
, Neurologie und Psychiatrie bei der
Z._
ein (Urk. 9/113), das am 7. September 2018 erstattet wurde (Urk. 9/127). Am 6. Dezember 2018 erliess sie einen weiteren Vorbescheid
,
in dem sie der Versicherten die Abweisung des Leistungsbegeh
r
ens in Aussicht stellte (Urk.
9/133). Nachdem die Versicherte erneut Einwand erhoben hatte (Urk. 9/134, Urk. 9/136) entschied die IV-Stelle mit Verfügung vom
25
.
November 2019
im angekündigten Sinne (Urk. 9/16
2
= Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob die
Versicherte
, vertreten durch Rechtsanwalt Tobias
Figi
,
am 10. Januar 2020 Beschwerde mit den Anträgen,
die Verfügung vom 25. November 2019 sei aufzuheben und es sei ihr spätestens ab dem 1. Dezember 2015 eine angemessene Rente der Invalidenversicherung auszurichten (Urk. 1).
Mit Eingabe
vom 14. Januar 2020 (Urk. 5) reichte sie einen Arztbericht der behandelnden P
s
y
c
hiaterin nach (Urk. 6).
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 12. Februar 2020 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 8), was der Beschwerde
führ
erin mit Verfügung vom 17. Februar 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 10).
Am 26. Mai 2020 wurde die Personalvorsorgestiftung der
Y._
zum Verfahren beigeladen (Urk.
11). Die
GastroSocial
Pens
ionskasse teilte am 8. Juni 2020
mit, sie habe die Versicherten der Personalvorsorgestiftung der
Y._
per 1. Januar 2020
übernommen und verzichte auf Stellungnahme zum vorliegenden Verfahren (Urk. 13).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unt
erbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
lidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Er
werbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Zur Annahme der Invalidität nach Art. 8 ATSG ist – auch bei psychischen Er
krankungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das
(fach-)
ärzt
licherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beein
träch
tigt. Je stärker psychosoziale und soziokulturelle Faktoren wie bei
spiels
weise Sorge um die Familie oder Zukunfts
ängste (etwa ein drohender finanzieller Not
stand) im Einzelfall in den
Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbe
stimmen, desto ausgeprägter muss
eine fachärztlich festgestellte psychische Stö
rung von Krankheitswert vor
handen sein. Das bedeutet, dass das klinische Be
schwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren her
rühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fach
medizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszu
stand. Solche von der soziokultu
rellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselb
stän
digte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde e
r
hebt, welche in den psychosozialen und sozio
kulturellen Umständen ihre hin
reichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisie
render psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigent
lichen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Fol
gen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 28. Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.5
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesund
heits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 14. April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die gesamt
haft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom 7. März 2018 E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssi
g und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrschein
lich
keit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweis
belastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar
2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.6
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen
sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These ab
stellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
1.7
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheid
rele
vante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Verfügung vom 25. November 2019 dahingehend, dass
laut dem
polydisziplinäre
n
Gutachten
mit Blick auf das
Rückenleiden eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 80 % in der angestammten und von 100 % in einer angepassten Tätigkeit vorliege (Urk. 2 S. 1). Daher be
gründe das somatische Leiden keinen Rentenanspruch. Andererseits bilde sich eine Verschlechterung des psychischen Leidens ab. Diesbezüglich seien jedoch einerseits die Therapiemöglichkeiten nicht ausgeschöpft und andererseits lägen psychosoziale Faktoren vor, die für die Beurteilung der Erwerbsfähigkeit nicht berücksichtigt werden dürften. Diese Faktoren bildeten die direkte Ursache der Einschränkungen im Leistungsvermögen
. D
er Gesundheitszustand der Beschwer
deführerin würde sich erheblich verbessern, sobald die belastenden Umstände weg
fielen. Somit fehle es am Kausalzusammenhang zwischen der Arbeitsunfähigkeit und einer selbständigen gesundheitlichen Erkrankung. Die Beschwerdeführerin habe daher keinen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (Urk. 2 S.
2).
2.2
Die Beschwerdeführerin brach
te dagegen vor,
das Gutachten der
Z._
habe eindeutig bestätigt
, dass ein schweres psychisches Leiden mit Krankheitswert vorliege. Die Unterstellung
,
wonach psychosoziale und soziokulturelle Belas
tungsfaktoren vorlägen, sei nicht korrekt. Da das psychische Leiden Krank
h
eits
wert habe, könne auch nicht erwartet werden, dass
dieses
bei Wegfall allfälliger belastender Lebensumstände verschwinde (Urk. 1 S. 15 f.).
Die Behauptung, sie schöpfe die Therapiemassnahmen nicht richtig aus, sei sodann tatsachenwidrig (Urk. 1 S. 16 f.).
Die Begründung der Beschwerdegegnerin
,
wonach keine Erkrankung im Sinne der Invalidenversicherung
vorläge,
widerspreche klar dem Gesetz und der aktu
ellen höchstrichterlichen Rechtsprechung. Zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit müsse auf die Einschätzung der medizinischen Sachverständigen abgestellt wer
den, wenn diese die Kriterien des strukturierten Beweisverfahren
s
berücksichtigt hätten und deren Beurteilung nachvollziehbar sei (Urk. 1 S. 18).
Sie
sei seit dem Unfallereignis vom 7. Juli 2014 - mit wenigen Unterbrüchen - gemäss
Z._
-Gutachten zu mindestens 50 % erwerbsunfähig. Das Gutachten sei vom RAD auf seine Richtigkeit überprüft und für verwertbar erklärt worden.
Es
weiche sodann nicht gravierend von der durch die behandelnde Ärztin gestellten Diagnose ab, weshalb zwingend die von der
Z._
attestierte Erwerbsunfähigkeit von
–
min
destens - 50 % berücksichtigt werden müsse
.
Da die Beschwerdegegnerin zudem einen leidensb
edingten Abzug von
10 % akzeptiert habe, sei klar erstellt, dass sie spätestens ab dem 1. Dezember 2015 Anspruch auf mindestens eine
Drei
vier
tel
s
rente
habe (Urk. 1 S. 18 f.).
2.3
Z
u prüfen ist,
wie es sich mit der Arbeitsfähigkeit aus somatischer Sicht verhält und
ob die Beschwerdegegnerin zu Recht das Vorliegen einer krankheitswerten psychischen Gesundheitsstörung verneint und der Beschwerdeführerin gestützt darauf die Ausrichtung einer Invalidenrente verweigert hat
, was diese in Abrede stellte
.
3.
3.1
Dr. med.
A._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, diagnostizierte in ihrem Bericht vom 10. Februar 2015 ein persistierendes, therapierefraktäres lumbosakrales Schmerzsyndrom und ein
lumbospondylogenes
Syndrom mit ISG-Dysfunktion und myofaszialer Komponente bei Status nach Stürzen am
11.
November 2011 und am 7. Jul
i 2014 mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
(Urk. 9/20/1)
. Die Beschwerdeführerin habe invalidisierende Schmerzen bei jegli
cher Tätigkeit. Die bisherige Tätigkeit sei aus medizinischer Sicht nicht mehr zu
mutbar, nach ausreichender Therapie
(psychisch und körperlich) könne die Be
schwerdeführerin
leichte Tätigkeiten mit einer stufenwe
isen Wiedereingliederung ausüben
(Urk. 9/20/3)
.
Momentan möglich seien wechselbelastende und vorwie
gend im Gehen ausgeübte Tätigkeiten, alle anderen Arbeiten seien nicht zumut
bar. Dies gelte seit dem Unfall am 7. Juli 2014 (Urk. 9/20/5)
.
3.2
Dr. med.
B._
, praktischer Arzt, berichtete am 12. März 2015
,
die Beschwerdeführerin sei am 7. Juli 2014 bei der Arbeit mit den Füssen an einem Bett hängengeblieben und auf die rechte Seite gestürzt. Er diagnostizierte eine Nervenläsion der Wurzeln L4, eine Schmerzsymptomatik im Dermatom L5/S1,
eine
Denervation
unklarer Genese im Verlauf des rechten
Nervus
ischiaradicus
,
ein chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom und einen Verdacht auf eine Läsion im Musculus Piriformis rechts (Urk. 9/23/50). Er führte aus, die Be
schwerdeführerin wirke verunsichert, schmerzgeplagt und zusätzlich unter einem psychisch stark belastenden Druck stehend, so dass zur Zeit weder berufs
spe
zifisch noch in einer angepassten Tätigkeit von einer Arbeitsfähigkeit auszugehen sei (Urk. 9/23/55). Im Bericht vom 1. September 2015 diagnostizierte er sodann neben den bereits bekannten Diagnosen eine
Z
ervikodorsalgie
und eine pseu
do
radi
kuläre Lumbalgie (Urk. 9/31/1) und verwies für die
Beurteilung der Arbeits
fähigkeit auf den Bericht der Reha
k
lini
k
C._
(Urk. 9/31/2 ff.).
3.3
Dr. med.
D._
, Facharzt für Anästhesiologie und interventionelle Schmerztherapie,
von der
K
linik
E._
berichtete am 29. Mai 2015, seine Abklärungen hätten die Diagnose eines
spondylogenen
Schmerzsyndroms erge
ben, welches in der Folge mittels Radiofrequenztherapie behandelt worden sei, diesbezüglich sei die Beschwerdeführerin anlässlich der letzten Kontrolle vom 9.
Dezember 2014 beschwerdefrei gewesen. Die Behandlung der unfallbedingten Hüftbeschwerden sei nicht durch ihn erfolgt, daher könne er keine Stellung zum Invaliditätsgrad der Be
schwerdeführerin nehmen. (Urk. 9
/25
/6
)
.
3.4
Die Beschwerdeführerin war vom 7. Juli bis am 4. August 2015 in der Reha
k
lini
k
C._
hospitalisiert. Die behandelnden Fachpersone
n stellten die Diagnose eines c
hronischen
lumbospondylog
enen
Schmerzsyndroms mit
Hemisacr
alisation
L6 links, Facetten
arthrose L4/5 rechts, einer
Ins
ertions
t
endinose
am Beckenkamm r
echts mehr als links mit frustra
nen Infiltrationen und einer somatoformen
Kom
ponente
(Urk. 9/31/9).
Aus rein muskuloskelettaler Sicht
sei eine Arbeitsun
fähig
keit nicht mit Sicherheit beurteilbar, aus globaler Sicht sei jedoch eine Arbeits
aufnahme im aktuellen Zustand nicht wahrscheinlich.
Zu empfehlen sei
ein Belastbarkeitstraining über die Invalidenversicherung mit psychiat
rischer Beteili
gung
(Urk. 9/31/12).
3.5
Dr. med.
F._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, diagnos
tizierte im Bericht vom 15. Juli 2015 in psychiatrischer Hinsicht eine depressive
Episode, derzeit mittelgradig (ICD-10 F32.1)
,
sowie ein
en
Verdacht auf eine gene
ra
lisierte Angststörung (ICD-10 F41.1). Die Beschwerdeführerin sei derzeit zu
100
% arbeitsunfähig, der weitere Verlauf sei schwierig abzuschätzen. (Urk
.
9/32/1).
Die Prognose sei eher schlecht, die Beschwerdeführerin befinde sich nach dem Umzug in einen anderen Kanton in einer sehr zu
r
ückgezogenen und einsamen Situation, in welcher der Kontakt zur Familie deutlich erschwert sei.
Vorschläge zum Aufbau einer Tagesstruktur oder von Kontakten zu anderen Menschen ausserhalb der Familie habe sie leider bisher freundlich
,
aber ent
schieden abgelehnt
(Urk. 9/32/3)
.
Die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit
sei durch
deutliche Einschränkungen der Anpassungsfähigkeit und Belastungs
fähigkeit, wahrscheinlich auch der Konzentr
ationsfähigkeit, beeinträchtigt
. Die Tätigkeit als Zimmermädchen auf dem ersten Arbeitsmarkt sei zur Zeit nicht
möglich, empfohlen werde ein Belastbarkeitstraining mit einem Pensum von 30 %
im geschützten Rahmen
. Mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit könne derzeit nicht gerechnet werden
(Urk. 9/32/4).
3.6
Dr.
D._
diagnostizierte am
13
. Mai 2016 ein persistierende
s
lumbosakrales Schmerzsyndrom beidseits mit Rezidiv einer
lumbospondylogenen
Schmerzkom
ponente bei Status nach thermischer Radiofrequenzablation der lumbalen medial
branches
L2-L5 rechts am 8. September 2014 sowie ein
en
Status nach periradi
kulärer Infiltration L5 und S1 rechts am 13. November 2014 bei Verdacht auf radikuläres Schmerzsyndrom und einer Infiltration der Bursa
praetrochanterica
rechts am 25. April 2016. Ebenfalls bestehe ein Verdacht auf höhergradige intra
spinale Fibrose. Es seien erneut thermische Radiofrequenztherapien durchgeführt worden, die Beurteilung
von
deren Effekt sei erst im Juni möglich (Urk. 9/56).
3.7
Nach einer stationären Behandlung auf der Depressions- und Angststation der
G._
vom 24. Mai bis am 21. Juli 2016 stellten
med.
pract
.
H._
, Oberärztin,
und Dr. med.
I._
, Assistenzärztin
,
im Austrittsbericht vom 16. August 2016
in psychiatrischer Hinsicht die Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Stö
rung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
,
und einer Persönlich
keitsakzentuierung mit ängstlich vermeidenden und abhängigen Zügen (ICD-10 Z73)
. Die Beschwerdeführerin sei aktuell zu 100 % arbeitsunfähig (Urk. 9/59/1).
Sie
sei für eine tagesklinische Weiterbehandlung angemeldet, nach Abschluss dieser Behandlung seien eine erneute Beurteilung, eine Profilabklärung und gege
benenfalls Wiedereingliederungsmassnahmen zu empfehlen (Urk. 9/59/2). Sie sähen die depressive Symptomatik im Rahmen von sozialer Isolation und Schei
dung aufgrund von grenzüberschreitenden Erfahrungen in der Ehe, Verurteilung der Scheidung durch die Familie, Rollenveränderung bei Eigenständigkeit der erwachsenen Kinder und Arbeitsunfähigkeit bei persistierendem lumbosakralem Schmerzsyndrom seit Juli 2014 auf dem Boden von strukturellen
Beeinträ
ch
ti
gungen im Sinne einer Persönlichkeitsakzentuierung mit ängstlich-vermeidenden und abhängigen Persönlichkeitszügen
(Urk. 9/59/2).
Die depressive Symptomatik habe sich während dem Klinikaufenthalt leicht verbe
ssert, insbesondere der Antrieb
(Urk. 9/59/2).
3.8
Im Bericht vom 9. November 2016 übernahm Dr.
F._
die von den Ärzten der
G._
gestellten Diagnosen und erklärte, der Befund sei kaum verändert, die Prognose hinsichtlich der Arbeitsfähigkei
t sei ungünstig. Die Beschwerdeführerin
sei weiterhin zu 100 % arbeitsunfähig
(Urk. 9/64/1 f.)
. In Anbetracht der Kombi
nation von somatischen und psychischen Faktoren sei es nicht möglich, derzeit ein klares Profil für eine Tätigkeit zu erstellen.
Sie empfehle eine Profilabklärung und eventuell Wiedereingliederungsmassnahmen (Urk. 9/64/3).
3.9
Dr. med.
J._
, Oberärztin am Institut für Anästhesiologie des Univer
sitätsspitals
K._
,
stellte im Abschlussbericht
vom 22. Februar 2018
über die
chronische
Schme
rztherapie
die Diagnosen eines rech
t
sbetonten lumbalen Schmer
z
syndroms, Differentialdiagnose radikulär,
spondylogen
,
myofascial
und
eines Verdachts auf ein
lumboradikuläres
Schmerzsyndrom links (Urk. 9/103/1 f.).
Arbeitsfähigkeitsbeurteilungen nehme sie prinzipiell keine vor
, für eine solche Beurteilung eigne sich eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit
(Urk.
9/103/3).
3.10
In einem undatierten
, bei der Beschwerdegegnerin am 26. Apr
il 2018
einge
gan
genen,
Verlaufsbericht berichtete Dr.
F._
von
einem stationären Gesundheits
zustand mit
zusätzlich aufgetretenem
intermittierende
m
psychotische
m
Erleben
. Sie legte dar, dass aus psychiatrischer Sicht (bei Besserung der psychischen Symptomatik) eine angepasste Tätigkeit in Teilzeit denkbar und sinnvoll
wäre (Urk. 9/106/1
)
.
3.11
Die Beschwerdeführerin war
laut Bericht vom 27. August 2018
ab dem 20. Juli 2018 zunächst im K
riseninterventionszentrum (
Urk. 9/122) und in der Folge auf der Depressions- und Angststation der
G._
hospitalisiert. Die behandelnden Fachpersonen berichteten von einem stationären Gesundheitszustand mit unver
änderten Diagnosen und Befunden. Die Dekonditionierung bezüglich Erwerbs
arbeit sowie anderer krankheitsbedingt vermiedener Alltagsaktivitäten sei pro
gredient (Urk. 9/126/1).
Die Beschwerdeführerin sei nicht arbeitsfähig, es sei fraglich, ob Belastbarkeit für Massnahmen der Wiedereingliederung im Umfang von mindestens zwei Stunden pro Tag bestehe (Urk. 9/126/2 f.).
3.12
3.12.1
Dem polydisziplinären Gutachten
der
Z._
vom 7. September 2018 sind folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu entnehmen (Urk.
9/127/8):
-
r
ezidivierende depressive Störung, aktuell mittelschwere bis schwere depres
sive Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10 F33.2)
-
r
ezidivierendes pseudoradikuläres Lumbalsyndrom beidseits bei gering- bis mittelgradigen Facettengelenksarthrosen LWK 2 bis SWK 1
Ferner stellten die Gutachter die folgenden Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 9/127/8):
-
a
kzentuierte Persönlichkeit mit ängstlich-vermeidenden und
dependenten
Anteilen (ICD-10 Z73.1)
-
Senk-Spreiz-Plattfuss beidseits
-
Adipositas (BMI 32.9 kg/m
2
)
-
s
ubstituierte Hypothyreose
-
m
ilde no
r
mochrome normozytäre Anämie
-
Hypovitaminosis
D
3.12.2
Dr. med. L._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
hielt fest, bei der Beschwerdeführerin, bei der sich die psychische Problematik bereits 2015 als wirksam erwiesen habe, sei es darauffolgend zu einem rezidivierenden Verlauf der depressiven Störung vor dem Hintergrund einer Arbeitslosigkeit seit 2014 und negativen Auswirkungen auf die Integration nach der Scheidung mit einer zu
nehmenden sozialen Isolation, Verurteilung der Scheidung durch die Familie sowie Rollenveränderung bei Eigenständigkeit der erwachsenen Kinder
, ge
kom
men
. Der Verlauf der depressiven Erkrankung habe bisher keine Remissions
pha
sen gezeigt, die erfolgten Therapien hätten sich als wenig erfolgsversprechend erwiesen.
Eine depressive Symptomatik mit Krankheitswert liege nach den Kri
te
rien des ICD-10 und D
SM-V im Sinne einer mittel- bis schwergradigen Episode ohne somatisches Syndrom vor. Die funktionsrelevanten Defizite resultierten aus der depressiven Symptomatik, die nach BDI-II und Hamilton-Skala
habe
objek
tiviert werden können. Das Ausmass der funktionellen Beeinträchtigungen führe zu Einschränkungen der Lebensführung, so dass die Beschwerdeführerin die eigene Selbstversorgung nur mit grossen Schwierigkeiten aufrechterhalten könne und auf die Hilfe und Unterstützung der Kinder angewiesen sei. Aufgrund der psychopathologischen Funktionsstörungen sei die Beschwerdeführerin weiterhin behandlungsbedürftig, die Behandlungsmöglichkeiten seien keineswegs ausge
schöpft, eine Therapieresistenz sei noch nicht zu postulieren. Bei einem bereits chronifizierten Verlauf der depressiven Erkrankung sei die aktuelle medika
men
töse Option unzureichend. Aus psychiatrischer Sicht resultiere daraus eine Arbeitsunfähigkeit sowohl in der angestammten als auch in der angepassten Tätigkeit von 50 % (Urk. 9/127/6 f.).
3.12.3
Im Rahmen der
Exploration durch Dr. med. M._
, Fachärztin für ortho
pä
di
sche Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
habe die Beschwer
de
füh
rerin belastungsabhängige Schmerzen im Bereich der unteren Lenden
wir
belsäule mit teilweiser Ausstrahlung in beide Beine angegeben. Bei der Unter
suchung habe sich eine reizlose, spontan
frei bewegliche Lendenwirbelsäu
le mit einer Hyper
lordose gezeigt. Übereinstimmend mit der angegebenen pseudora
dikulären Schmerz
ausstrahlung hätte
n sich im MRT der Lendenwirbelsäu
le vom 18. Jan
u
ar 2018 Facettengelenksarthrosen von LWK 2 bis SWK 1 ohne Neuro
kom
pression dargestellt. Die von der Beschwerdeführerin angegebene Hypäs
thesie sei bei feh
lender Neurokompression im aktuellen MRI nicht nachvoll
zieh
bar. Aufgrund des radiologischen Befunds seien gelegentliche belastungsab
hängige Schmerzen im
Bereich der unteren Lendenwirbelsäule
mit pseudoradikulärer Ausstrahlung mög
lich, eine generelle Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin lasse sich jedoch daraus nicht ableiten (Urk. 9/127/7).
3.12.4
Dr. med.
N._
,
Fachärztin für Neurologie, konnte auf ihrem Fachgebiet
keine Erklärung für die von der Beschwerdeführerin beklagten chronisch-thera
pieresistenten Rückenschmerzen und der Sensibilitätsminderung ab Mitte der rechten Oberschenkelaussenseite mit Ausstrahlung bis zur vierten Zehe rech
ts finden
.
Auf neurologischem Gebiet best
ehe keine Einschränkung der Arbeits
fähig
keit (Urk. 9/127/7 f.).
3.12.5
Gemäss Dr. med.
O._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Endokrinologie-Diabetologie
,
sei eine suffiziente Einstellung der Schilddrüsen
funktion unternommen worden. Durch die Schilddrüsenunterfunktion seien die angegebenen Symptome mit Müdigkeit und Kraftlosigkeit nicht zu erklären. Die aktuell festgestellte milde Anämie und die
Hypovitaminosis
D würden die Symp
tome ebenfalls nicht erklären
(Urk. 9/127/8)
.
3.12.6
Im interdisziplinären Konsens kamen die Experten zur Auffassung, dass die diag
nostizierte psychische Erkrankung mit sozialmedizinischer Relevanz die Arbeits
fähigkeit sowohl in der angestammten als auch in einer angepassten Tätigkeit um
50 % einschränke. Von orthopädisch-traumatologischer Seite bestehe eine 80
%ige Arbeits
f
ähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Reinigungskraft aufgrund eines
gering erhöhten Pausenbedarfs, i
n einer leidensadaptierten, dem Belastungsprofil entsprechenden Tätigkeit
werde von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit der Be
schwerdeführerin ausgegangen (Urk. 9/127/9). Der Beschwerdeführerin seien körperlich leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten ohne Zwangs
haltungen der Lendenwirbelsäule zumutbar. Bei einer limitierten Handlungs
energie mit Antriebsmangel, verminderter emotionaler Belastbarkeit und Aus
dauer seien Tätigkeiten ungeeignet, in denen schnelle Ein- und Umstellung auf neue Anforderungen und neue Situationen sowie Anforderungen an die kognitive Flexibilität und Ausdauer im Vordergrund stünden. Tätigkeiten mit hohen Anfor
derungen an Verlässlichkeit und Genauigkeit könnten wegen Aufmerksam
keits
schwierigkeiten problematisch sein. Arbeiten ohne stressreiche Umgebung in einem flexiblen Arbeitsmodus seien denkbar. Tätigkeiten ohne Schichtarbeit und ohne besonderen Zeitdruck seien geeignet. Dabei seien die sprachlichen Fähig
keiten der Beschwerdeführerin sowie ihr Ausbildungsgrad zu berücksichtigen (Urk. 9/127/9 f.).
3.13
Im
Gerichtsverfahren
eingereichten Bericht von Dr.
F._
vom 23. Dezember 2019 schildert
e
diese eine ab Januar 2019 bestehende, in der Intensität fluktu
ierende Suizidalität, die in dieser Zeit zunehmend gewesen sei, die Beschwerde
führerin sei
jedoch noch absprachefähig gewesen. Im Behandlungsverlauf seien verschie
dene Antidepressiva
v
ersucht worden, die jedoch aufgrund von nicht tolerablen Nebenwirkungen hätten sistiert werden müssen. Am 30. Mai
2019
sei bei einer Zuspitzung der Suizidalität, von der sich die Beschwerdeführerin kaum mehr habe abgrenzen können, notfallmässig der Eintritt ins Kriseninter
ven
tions
zentrum und nach zwei Wochen eine Überweisung zur stationären psychia
trischen Behandlung auf der Spezialstation für Angst und Depression der
G._
erfolgt. Die stationäre
Behandlung
dort
habe
vom 27. Jun
i bis am 12. August 2019 gedauert
(Urk. 6 S.
2
f.).
4.
4.1
Vorab
ist
auf den Beweiswert des
Gutachten
s
der
Z._
vom 7. September 2018
(Urk. 9/127)
einzugehen.
Die Expertise basiert auf umfassenden
orthopädisch-traumatologischen, internis
tischen, neurologischen und psychiatrischen
Untersuchungen
(Urk. 9/127/30, Urk. 9/127/49 ff., Urk. 9/127/62 ff., Urk. 9/127/77 ff.)
und wurde in detaillierter Kenntnis de
r
Vorakten
erstellt (Urk. 9/127/14
ff.
). Die Beschwerdeführerin konnte gegenüber den einzelnen Sachverständigen ihre aktuellen Beschwerden schildern und wurde von diesen jeweils — soweit fachspezifisch erforderlich — eingehend befragt. Sie konnte sich insbesondere zu verschiedenen Themenbereichen wie der
Krankheitsentwicklung sowie dem gewöhnlichen T
agesablauf äussern (Urk.
9/127/
27 ff.
,
9/127/45
ff., 9/127/59 ff., Urk. 9/127/73 ff.
). Die geklagten Leiden fanden sodann im Rahmen der Diagnostik Berücksichtigung, wobei sowohl diese als auch die aus medizinischer Sicht resultierenden Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit dargelegt und nachvollziehb
ar erläutert wurden (Urk.
9/127/
32
ff.,
Urk. 9/127/50 ff., Urk. 9/127/63 ff.
, Urk. 9/127/80 ff.
). Die Gutachter nahmen ausserdem Stellung zu vorangegangenen ärztlichen Beurtei
lungen (Urk.
9/127/35
,
Urk. 9/127/64 f.
, Urk. 9/127/80
)
. Gesamthaft erfüllt das
Z._
-Gutachten somit die vom Bundesgericht festgelegten formellen Kriterien für eine beweiswerte medizinische Expertise (vgl. E. 1.3 vorstehend).
4.2
In somatischer Hinsicht diagnostizierten die Experten ein rezidivierendes pseu
doradikuläres Lumbalsyndrom beidseits bei gering- bis mittelg
radigen Facet
ten
gelenksarthrose
n LWK 2 bis SWK 1 (Urk. 9/127/8), dem sie dahingehend Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zumassen, als dass die Ausübung der bisherigen Tätigkeit der Beschwerdeführerin nur zu 80 % zumutbar
sei. In einer angepassten Tätigkeit sei sie hingegen zu 100 % arbeitsfähig (Urk. 9/127/9).
Diese Beurteilung gelte ab dem 4. August 2014. Aufgrund des Sturzes am 7. Juli 2014 sei die Beschwer
de
führerin für höchstens vier Wochen zu 100 % arbeitsunfähig gewesen, ebenso während der
Dauer
der stationären Aufenthalte (Urk. 9/127/11).
Die Beschwerde
gegnerin stellte auf diese Beurteilung ab,
welche sich in Anbetracht der nur teilweise objektivierbaren Beschwerden als nachvollziehbar erweist. D
ies blieb
auch seitens
der Beschwerdeführerin unbestritten (Urk.
2 S. 2, vgl. Urk. 1
).
Dr.
A._
und Dr.
B._
attestierten in den Jahren 2014 bis 2015 hingegen jeweils
eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %
(Urk. 9/20/5, Urk. 9/23/55)
. Zu diesem Zeit
punkt beruhten diese Einschätzungen vor allem auf den von der Beschwerde
füh
rerin subjektiv angegebenen Schmerzen
.
S
oweit in den darauf folgenden medi
zinischen Abklärungen objektive Befunde erhoben werden konnten
(Urk. 9/31/9, Urk. 9/31/16)
, hat diese
die Gutachterin
Dr.
M._
in ihre Beurteilung mit ein
bezogen
(Urk. 9/127/7, Urk. 9/127/35)
.
Die Beurteilung der somatischen Be
schwerden der Beschwerdeführerin ist daher nicht zu beanstanden.
4.3
In psychiatrischer Hinsicht
diagnostizierte die Gutachterin D
r
.
L._
eine
rezidivierende depressive Störung, aktuell mittelschwere bis schwere Episode ohne
somatisches Syndrom, dem sie eine Reduktion der Arbeitsfähigkeit
von 50 % in jeglicher Tätigkeit beimass
(Urk. 9/127/
7
).
Die Beschwerdegegnerin ging dagegen davon a
us, dass im Gutachten im Wesentlichen nur Befunde
erwähnt seien
, die
auf psychosozialen und soziokulturellen Belastungen basier
ten,
welche die direkte
Ursache der Einschränkungen im Leistungsvermögen der Beschwerdeführerin bilden würden (Urk. 2 S. 2).
Zwar ist der Beschwerdegegnerin darin zuzustimmen, dass sich
laut
Gutachten
die psychische Problematik der Beschwerdeführerin vor dem Hintergrund von psy
chosozialen Belastungsfaktoren wie einer Arbeitslosigkeit seit 2014 und nega
tiven Auswirkungen
auf die Integration nach der Scheidung mit zunehmender sozialer Isolation, Verurteilung der Scheidung durch die Familie und Rollenver
änderung bei Eigenständigkeit der er
wachsenen Kinder entwickelte
(Urk.
9/127/8
0).
Bezüglich aktuell bestehende
r
Belastungsfaktoren
füh
rte Dr.
L._
Streitigkeiten zwischen d
en beiden Söhnen und die Impulsivität
des jüngeren Sohnes
an
, weswegen es bereits zu mehreren Polizeieinsätzen im Haus gekommen und er auch schon inhaftiert worden sei (Urk. 9/127/73)
,
sowie eine Überforderung mit den Verpflichtungen den erwachsenen Kindern gegenüber (Urk. 9/127/74)
. Dazu
legte
sie
dar, dass diese zur Aufrechterhaltung der depres
siven Symptomatik beitragen würden (Urk. 9/127/76). Andererseits hielt sie je
doch ausdrücklich fest, dass eine depressive Symptomatik mit Krankheitswert nach den Kriterien des ICD-10 und DSM-V vorliege und die funktionsrelevanten Defizite aus der depressiven Symptomatik resultier
ten
, die sich nach BD-II und Hamilton-Skala objektivieren liessen. Ferner konstatierte sie einen bereits chroni
fizierten Verlauf der depressiven Erkrankung
und führte zahlreiche Befunde wie eine deutliche Antriebslosigkeit mit eingeschränkter affektiver
Modulations
fähig
keit und depressiver Stimmungslage, einen Wechsel zwischen psychomotorischer Verlangsamung und Agitiertheit und objektivierbare Störungen bezüglich Kon
zentration und Aufmerksamkeit auf (Urk. 9/127/81).
Diese in Kenntnis der sozialen Belastungen erfolgte ärztliche Beurteilung lässt den Schluss auf ein im Wesentlichen psychosozial bedingtes und durch die psychosozialen Umstände aufrecht erhaltenes Beschwerdebild nicht zu.
Die gutachterliche
Einschätzung
teilte überdies auch
Dr.
P._
vom Regionalärztlichen Dienst
, welche die Beur
teilung der medizinischen Zusammenhänge und der Situation für einleuch
tend erachtete und
dafür hielt
,
au
f
das Gutachten abzustellen und den Emp
fehlungen zu folgen (Urk. 9/132/7).
Auch in
den Berichten der behandelnde
n
psychiatrischen Fachpersonen
finden sich sodann zwar
Hinweise auf eine psychosoziale Genese der depressiven Er
kran
kung mit Belastungsfaktoren wie der sozialen Isolation nach der Scheidung
(Urk. 9/32/2 f., Urk. 9/59/1) sowie auf Verschlechterungen des psychischen Zustandsbildes durch äussere Ereignisse im Bereich der Familie
,
was den Thera
p
ieverlauf erschwere (Urk. 9/59/2
, Urk. 9/64/3)
. J
edoch stellten auch diese jeweils die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung nach ICD-10 mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
,
ohne diese rein auf die psychosoziale Belastung zurück
zuführen
oder
darzulegen
, ohne diese Faktoren würde die psychische Problematik wegfallen
(Urk
. 9/32/1, Urk. 9/59/1, Urk. 9/6
4/1)
.
Insgesamt sind bei der Beschwerdeführerin aufgrund der medizinischen Akten
lage somit durchaus psychosoziale Belastungsfaktoren vorhanden, die zur Ent
wicklung der psychischen Problematik zumindest beitrugen und die
sie
zum Teil auch weiter belasten.
Daraus jedoch - entgegen der Einschätzung sämtlicher be
handelnder und begutachtender Ärzte - auf ein
klinische
s
Beschwerdebild
zu schliessen, das sich
einzig in Beeinträchtigungen
erschöpft
, welche von belas
tenden psychosozialen oder soziokulturellen Faktoren herrühren
(
vgl.
BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2)
,
ist nicht nachvollziehbar
. Vor diesem Hintergrund ist
der Schluss der Beschwerde
gegnerin, dass mit einem Wegfall der belastenden Lebensumstände unmittelbar auch das psychisc
he Leiden verschwinden werde, nicht
haltbar. Es ist somit auf das psychiatrische Gutachten abzustellen und von einem verselbständigten psy
chischen Leiden auszugehen.
Von der Durchführung eines strukturierten Beweis
verfahrens kann daher nicht Umgang genommen werden.
4.4
4.4.1
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
4.4.2
Was den Komplex «Gesundheitsschädigung» respektive den Indikator der «Aus
prägung der diagnoserelevanten Befunde» angeht, ist festzuhalten, dass Dr.
L._
eine r
ezidivierende depressive Störung, aktuell mittelschwere bis schwere depressive Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10 F33.2)
diagnostizierte, der ein mittelschwerer bis schwerer Schweregrad inhärent ist.
Diese Diagnose
geht
einher
mit den erhobenen Befunden einer
deutlichen Antriebslosigkeit mit ein
geschränkter affektiver Modulationsfähigkeit und depressiver Stimmungslage, einem Wechsel zwischen psychomotorischer Verlangsamung und Agitiertheit und objektivierbaren Störungen bezüglich Konzentration und Aufmerksamkeit (Urk. 9/127/81).
Psychosoziale Faktoren, welche rechtlich keine Invalidität zu be
gründen vermögen, sind zwar vorhanden, doch hat sich das depressive Zustands
bild als eigenständiges Krankheitsbild manifestiert
(vgl. vorstehende E. 4.3).
4.4.3
Bezüglich des Indikators des «Behandlungs- und Eingliederungserfolgs, bezie
hungsweise -resistenz» ist anzumerken, dass
entgegen der Darstellung der Be
schwerdegegnerin im angefochtenen Entscheid (Urk. 2 S. 2)
allein die fehlende Ausschöpfung aller Behandlungsmö
glichkeiten nicht mehr ausreicht
, um einen
invalidisierenden Gesundheitsschaden zu verneinen
(vorstehend E.
1.5)
. Dr.
L._
führte diesbezüglich aus, die Beschwerdeführerin habe die empfohlene stationäre und ambulante psychiatrische Behandlung wahrgenommen (Urk.
9/127/10). Die Behandlungsmöglichkeiten seien jedoch keineswegs ausge
schöpft, obwohl der Verlauf der Erkrankung bereits eine Chronifizierung ohne Remissionsphasen zeige und die erfolgten Therapien sich sowohl ambulant als auch stationär als wenig wirksam erwiesen hätten (Urk. 9/127/85). Eine Thera
pieresistenz sei noch nicht zu postulieren (Urk. 9/127/7). Dr.
L._
empfahl dringend eine Intensivierung der antidepressiven Pharmakotherapie sowie eine stationäre psychiatrische/psychosomatische Behandlung. Ausser der Optimierung der antidepressiven Medikation sollten die
augmentativen
und phasenpro
phy
laktischen Ansätze sowie eine psychiatrisch-psychotherapeutische Anbindung in der Muttersprache dringend diskutiert werden (Urk. 9/127/12). Eine erneute stationäre Behandlung wurde zum Gutachtenszeitpunkt bereits diskutiert (Urk.
9/127/73), die Beschwerdeführerin war in der Folge noch vor Erstattung des Gutachtens am 20. Juli 2018 zunächst im Kriseninterventionszentrum und später auf der Depressions- und Angststation der
G._
hospitalisiert (Urk. 9/122/1 f., Urk.
9/126)
. I
m Rahmen dieser Behandlung wurde auch eine
Aufdosierung
der medikamentösen Versorgung vorgenommen. Von den behandelnden Fachper
so
nen wurde jedoch in einem Verlaufsbericht zwei Wochen vor der geplanten Ent
lassung ein unverändertes Beschwerdebild und ein sehr geringes Therapie
an
sprechen festgehalten (Urk. 9/126/1).
Ferner liegt der Bericht der behandelnden Psychiaterin Dr.
F._
vom 23. Dezem
ber 2019 vor
, zu dem sich die Beschwerdegegnerin äussern konnte (Urk. 7)
. Dieser wurde
zwar
erst nach Abschluss des Ver
waltungsverfahrens erstellt
,
ist jedoch vo
rliegend zu berücksichtigen, da er
mit dem Streitgegenstand in
engem Sach
zusammenhang steht und geeignet
ist, die Beurteilung im Zeitpunkt des
Ent
scheiderlasses
zu beeinflussen (BGE 121 V 362 E. 1b,
99 V 98)
.
Daraus ergibt sich eine weitere Behandlung im
Kriseninterventionszentrum und
auf der
Depres
sions
- und Angststation der
G._
im Jahr 2019 sowie der Versuch, mehrere
Antidepressiva
einzusetzen oder höher zu dosieren, was jedoch von der Be
schwerdeführerin nicht vertragen wurde (Urk. 6 S. 2). Insgesamt ist trotz in der Zwischenzeit erfolgten Intensivierung der Therapiemassnahmen nur ein sehr
mässiger Therapieerfolg ersichtlich.
Weiter ist zu bemerken, dass die Beschwer
deführerin anfänglich den ärztlich empfohlenen Aufbau einer Tagesstruktur zwar abgelehnt hat (vorstehend E. 3.5), im Verlauf jedoch die verschiedenen verord
ne
ten Behandlungen mit unterschiedlichen therapeutischen Ansätzen wahrge
nom
men hat.
Zum Eingliederungserfolg respektive zur Eingliederungsresistenz ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin selbst keine Anstrengungen unternommen hat, um sich wieder in den Arbeitsmarkt zu
integrieren. Im Rahmen der ab 23. März 2017 eingeleiteten
beruflichen Massnahmen (Urk. 9/75)
zeig
te sie sich zunächst zwar motiviert
,
an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen
(Urk. 9/79/1)
, brach diese jedoch bei
m
ersten Gespräch ab, da sie sich aus gesundheitlichen Gründen dazu nicht in der Lage sah
(Urk. 9/87/2)
, obwohl die behandelnden Ärzte die Durch
führung von solchen Massnahmen empfohlen hatten (vgl. Urk.
9/59/2, Urk.
9/64/3
). Dies gilt als Indiz für eine nicht in
validisierende Beeinträchtigung
(vgl. BGE 141 V 281 E. 4.3.1.2). Fe
stzuhalten ist jedoch, dass die genauen Um
stände des Abbruchs nicht protokolliert wurden und insbesondere nicht er
sicht
lich ist, ob die Beschwerdeführerin auf allfällige negative
Folgen der Ver
weige
rung der
Teilnahme hingewiesen wurde (vgl. Urk.
9/87
)
.
4.4.4
Störungen fallen unabhängig von ihrer Diagnose bereits dann als rechtlich be
deut
same Komorbiditäten in Betracht, wenn ihnen im konkreten Fall ressourcen
hem
mende Wirkung beizumessen ist (BGE 143 V 418 E. 8.1).
Die Beschwer
de
führerin leidet unter Rückenbeschwerden, die zwar durch die Untersuchungser
gebnisse nur teilweise
zu objektivieren
waren (Urk. 9/127/10), gemäss der ortho
pädisch-traumatologischen Beurteilung jedoch dennoch eine nur 80%ige Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Reinigungsfachfrau zur Folge haben (Urk. 9/127/9).
4.4.5
Im Komplex «Persönlichkeit» ist zu beachten, dass die Beschwerdeführerin weit zurückreichende Züge mit rigiden, ängstlich-vermeidenden Komponenten auf
weist, so dass von einer Persönlichkeitsakzentuierung auszugehen ist. Diese führ
t
laut Dr.
L._
zu einer Unterordnung der eigenen Bedürfnisse, unter die
jenigen anderer Personen, zu denen eine Abhängigkeit bestehe
. Dazu kommt die
Angst, nicht für sich selbst sorgen zu können
,
und
die
Furcht, verlassen zu werden und auf sich selbst angewiesen zu sein
.
Das führe
zu einer Wahrnehmung von sich selbst als sozial unbeholfen und minderwertig im Vergleich mit anderen, mit einem eingeschränkten Lebensstil und Vermeidung von sozialen Kontakten. (Urk.
9/127/81 f.). Hinweise für eine Persönlichkeitsstörung ergaben sich jedoch keine. Die Beschwerdeführerin habe sich sodann in der Exploration verträglich, umgänglich sowie kontaktfreudig gezeigt und sei in der Lage gewesen, mit aus
reichender Flexibilität auf das
Gegenüber und die jeweilige Situation zu reagieren (Urk. 9/127/9
)
.
Insgesamt
ist
jedoch
davon auszugehen
, dass die
auch gutach
terlich erhobene und als Z-Diagnose gefasste akzentuierte
Persönlichkeit der Beschwerdeführerin den Umgang mit ihren gesundheitlichen Beschwerden und die berufliche Eingliederung eher erschwert als begünstigt.
4.4.6
Zum Komplex «sozialer Kontext» ist aktenkundig, dass die Beschwerdeführerin bereits vor der psychischen Erkrankung aufgrund ihrer Scheidung sozial isoliert war, ihr sozialer Rückzug erfolgte mithin nicht (nur) krankheitsbedingt, sondern trug als psychosozialer Faktor
auch
zur Entwicklung der Erkrankung bei. Die Beschwerdeführerin hat drei erwachsene Kinder, die beiden Söhne leben mit ihr in einem Haushalt. Zwar erhält si
e
von den Söhnen Hilfe bei der Hausarbeit, die Beziehung ist jedoch belastet, die Streitereien zwischen den Söhnen sowie die Impulsivität des jüngeren Sohnes mit Polizeieinsätzen im Haus machen der Be
schwerdeführerin zu schaffen. Sie fühlt sich mit ihren Verpflichtungen gegenüber den Kindern überfordert. Positiv zu werten ist, dass sie besonders zu ihrer Schwester, die in Zürich
lebt, eine enge Beziehung hat (Urk. 9/127/75). Ferner besucht
ihre 30jährige Tochter s
ie einmal pro Woche und sie hat
täglichen Kontakt zu ihrer Enkelin per FaceTime (Urk. 9/127/76). Das soziale Netz der Beschwerdeführerin weist somit durchaus gewisse Ressourcen auf, wenn auch die Familie nicht als intakt zu bezeichnen ist.
4.4.7
Hinsichtlich der beweisrechtlich entscheidenden Kategorie der «Konsistenz» ist vorab festzuhalten, dass Dr.
L._
die beklagten Symptome und Funk
tions
einbussen als konsistent, plausibel und nachvollziehbar eingestuft hat (Urk.
9/127/82) und keine Hinweise auf Aggravation oder Simulation
ausmachen
konnte (Urk. 9/127/78). Sie führte aus, das Ausmass der fun
ktionsrelevanten Defi
zite resultiere
aus der dep
ressiven Symptomatik
, dieses führe zu massiven Ein
schränkungen der Lebensführung, so dass die Beschwerdeführerin die eigene Selbstversorgung nur mit grossen Schwierigkeiten aufrechterhalten könne und auf Hilfe und Unterstützung der Kinder angewiesen sei (Urk. 9/127/81). Die Beschwerdeführerin schilderte dann auch einen Alltag, der zwar gewisse Aktivi
täten, wie Kontakte mit der Enkelin via FaceTime und deren zeitweise Betreuung (Urk. 9/127/48) sowie d
ie
Erledigung eines Teils der Haushaltsarbeiten beinhaltet, jedoch insbesondere im Hinblick auf ausserhäusliche Aktivitäten deutlich ein
ge
schränkt ist
(Urk. 9/127/76)
. Dass die Beschwerdeführerin in der Lage ist, alleine die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen sowie
ein- bis zweimal jährlich
in die Türkei zu fliegen, ist grundsätzlich n
icht mit einer vollumfänglichen,
doch mit einer
50%igen
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vereinbar, zumal die Be
schwerdeführerin soweit ersichtlich nicht zu Freizeitzwecken mit dem öffent
li
chen Verkehr unterwegs ist, sondern um Termin
e
einzuhalten
,
und sich darüber hinaus oft von ihrer Schwester begleiten lässt. Bei den Flügen in die Türkei han
delt es sich sodann nicht um Ferienreisen an sich
,
sondern um Besuche bei ihren Eltern
, wo der Beschwerdeführerin
die Verhältnisse
bekannt
sind
und sie sich nicht auf neue Umstände einstellen muss
(Urk. 9/127/76)
.
4.4.8
Ein gewisser Leidensdruck ist behandlungsanamnestisch ausgewiesen, die Be
schwerdeführerin nimmt
- wie gesagt -
seit Jahren regelmässig ambulante psy
chiatrische Termine bei Dr.
F._
wahr und absolvierte in den Jahr
en
2016, 2018 und 2019 jeweils mehrmonatige stationäre Aufenthalte im Kriseninter
ventions
zentrum sowie auf der Depressions- und Angststation der
G._
. (Urk.
9/59
).
4.4.9
In Anbetracht der mittel- bis schwergradig
ausgeprägten Befunde, der Pers
önlich
keitsakzentuierung und
dem wesentlich reduzierten
Aktivitätsniveau im privaten Lebensbereich
bei
inzwischen
intensivierten Therapiebemühungen
lässt sich die gutachterlich angegebene Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 50 % auch mit Blick auf die Standardindikatoren nachvollziehen.
Die Einschränkung um 50 % ergab sich aufgrund der dokumentierten funktionellen Einschränkungen (Urk. 8/184/97) und ist
auch
im Lichte der
teilweise vorhandenen Ressourcen und der fehlenden Integrationsbemühungen,
welche
auf einen teilweisen Erhalt
der Arbeitsfähigkeit hinweisen, nicht zu beanstanden. Demnach rechtfertigt es sich nicht, aus juristischer Sicht von dieser medizinischen gutachterlichen Be
urtei
lung, welcher sich auch die RAD-Ärztin
anschloss
(Urk.9/132/7)
, abzuweichen.
4.5
Laut Dr.
L._
gilt die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 50 % seit dem Tag der Begutachtung, mithin dem 16. Juli 2018. Retrospektiv erachtete sie die von der behandelnden Psychiaterin Dr.
F._
ab dem 1. Juli 2015 (und nicht erst wie von der Gutachterin angenommen ab dem Jahr 2016
; Urk. 9/32/1
) atte
stierte Arbeitsunfähigkeit von 100 % als zu hoch und führte aus, die diagnos
tizierte mittelgradige depressive Episode rechtfertige höchstens eine Reduktion der Arbeitsfähigkeit um 30-40 % (Urk. 9/127/11). Gemäss bundegerichtlicher Rechtsprechung ist jedoch
nicht die diagnostische Einordnung eines Gesu
nd
heits
schadens entscheidend
, sondern die zugrunde liegenden psychiatrischen Befunde (vgl. BGE 130 V 352 E.
2.2.3 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_782/2012 vom 22. Oktober 2013 E. 4.3.3).
Dr.
L._
beschrieb jedoch keine Veränderung beziehungsweise Verschlechterung der Befundlage seit der letzten
, am 26. April 2018 bei der Beschwerdegegnerin eingegangenen
Beurtei
lung durch Dr.
F._
(Urk. 9/106)
. Gegen eine solche Verschlechterung spricht sodann auch die zwischen der Begutachtung und der Erstattung des Gutachtens erfolgte Stellungnahme der behandelnden Ärzte der
G._
, die weiterhin
von
eine
r
mittelschwere
n
depressive
n
Episode und eine
m
stationären Gesundheitszustand
sprachen
(Urk.
9/126/1
). Es
erscheint somit überwiegend wahrscheinlich, dass die gutachterlich attestierte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bereits vor dem Begutachtungszeitpunkt Geltung hatte. Da Dr.
F._
seit ihrer ersten Berichter
stattung vom 1. Juli 2015 jeweils von einer kaum veränderten Befundlage aus
ging, ist der Beginn der 50%igen Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin auf diesen Zeitpunkt festzulegen.
5.
5.1
Es bleibt
,
die Prüfung der erwerblichen Auswirkungen vorzunehmen, w
obei die
Beschwerdeführer
in
unbestrittenerma
ssen als zu 100 % Erwerbstätige
zu qua
li
fizieren ist (vgl. Urk.
9/132/3
).
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs;
BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
In gewissen Fällen, insbesondere dort, w
o Validen- und Invalideneinkommen anhand derselben Tätigkeit zu ermitteln
sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_295/2017 vom 27. September 2017 E.
6.
5), kann auch eine Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen genügen. Das ohne Invalidität erzielbare hypothetische Erwerbseinkommen ist alsdann mit 100 % zu bewerten, während das Invalideneinkommen auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Inva
li
ditätsgrad ergibt (sogenannter Prozentvergleich; BGE 114 V 310 E. 3a mit Hin
weisen).
5.2
Aktuell geht die Beschwerdeführerin keiner Erwerbstätigkeit nach. Vor Eintritt des Gesundheitsschadens war sie seit ungefähr einem Monat als Zimmerfrau im Hotel
Y._
tätig
, diese Stelle wurde ihr jedoch noch während der Probezeit aufgrund von mangelnden Leistungen gekündigt
(Urk. 9/28
)
. Eine Tätigkeit im Reinigungsbereich oder in einer ähnlichen Hilfstätigkeit ist ihr ge
mäss der beweiskräftigen
medizinischen Beurteilung jedoch nach wie vor in einem Pensum
von 50 % zumutbar (Urk. 9/127/9
). Somit sind sowohl das Vali
den- als auch das Invalideneinkommen ausgehend von denselben Lohnansätzen zu berechnen. Deren zahlenmässige Ermittlung erübrigt sich indessen. Vielmehr entspricht der Grad der Arbeitsfähigkeit dem Invaliditätsgrad (Urteil des Bundes
gerichts 8C_365/2012 vom 30. Juli 2012 E. 7).
Der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin liegt somit grundsätzlich bei 50 %. Sie macht jedoch geltend, dass die Beschwerdegegnerin einen leidensbedingten Abzug von 10 %
vom Invalideneinkommen
anerkannt habe. Dies war jedoch nur im Rahmen
des ersten Vorbescheides vom 10. Januar 2018
der Fall, der auf un
vollständigen Abklärungen der gesundheitlichen Situation beruhte und ein ande
res Belastungsprofil vorsah, aufgrund dessen der Beschwerdeführerin lediglich sehr leichte bis leichte Tätigkeiten möglich waren
(Urk. 9/96)
. Aufgrund der attestierten Fähigkeit, leichte bis mittelschwere Tätigkeiten auszuüben,
worunter auch die angestammte Tätigkeit zu begreifen ist,
fällt diese Begründung für einen leidensbedingten Abzug ausser Betracht. Den weiteren Einschränkungen des Be
lastungsprofils wie der reduzierten Belastbarkeit und Ausdauer sowie der vermin
derten kognitiven Flexibilität und den Aufmerksamkeitsschwierigkeiten wurde im Rahmen der um 50 % reduzierten Arbeitsfähigkeit bereits genügend Rechnung getragen. Weitere Faktoren, die unter Umständen die Lohnhöhe beeinflussen könnten, sind nicht ersichtlich, insbesondere sind mangelnde Sprachkenntnisse oder eine ungenügende Ausbildung nicht abzugsrelevant, da diesen Aspekten bei der Wahl des Kompetenzniveaus Rechnung zu tragen ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts 8C_549/2019 vom 26. November 2019 E. 7.7
).
Es bleibt damit bei einem Invaliditätsgrad von 50 %, die Beschwerdeführerin hat daher Anspruch auf eine halbe Rente der Invalidenversicherung.
6.
6.1
Zu prüfen bleibt der zeitliche Verlauf des Anspruchs auf eine Invalidenrente.
Dieser entsteht
gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG nach einer während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch bestehenden durchschnittlich mindestens 40%igen Arbeitsunfähigkeit, sofern nach Ablauf dieses Jahres eine mindestens 40%ige Invalidität weiterbesteht. Dieses sogenannte Wartejahr
gilt als eröffnet, wenn auf
grund der Verhältnisse im Einzelfall eine deutliche Beeinträchtigung der Arbeits
fähigkeit vorliegt, wobei eine Arbeitsunfähigkeit von 20
%
in der Regel bereits bedeutend ist (AHI-Praxis 1998 S. 124).
Die Beschwerdeführerin war gemäss gutachterlicher Beurteilung ab dem 7. Juli 2014 bis am 3. August 2014 sowie während der stationären Behandlung in der Reha
k
lini
k
C._
zwischen dem 7. Juli und dem 4. August 2015 aus somatischer Sicht zu 100 % und während der übrigen Zeit zu 20 % arbeitsunfähig. Aus psychischen Gründen war sie
spätestens ab dem 15. Juli 2015 zu 50 % arbeits
unfähig (vgl. E. 4.5). Erstmals während eines Jahres durchschnittlich zu mindestens 40 % arbeitsunfähig war sie damit am 9. November 2015 (168 Tage
à 20 % + 28 Tage à 100 % + 168 Tage à 50 % = 365 Tage à 40 %). Da ihre
Anmeldung zum Rentenbezug am 21. Dezember 2014
mehr als 6 Monate vor diesem Ze
itpunkt erfolgte (vgl. Art. 29
IVG), ist der Rentenbeginn auf
Anfang November
2015 zu legen.
6.2
Nach der Rechtsprechung sind bei rückwirkender Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente die für die Rentenrevision geltenden Bestim
mungen (Art. 17 ATSG in Verbindung mit Art. 88a IVV) analog anzuwenden (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_399/2016 vom 18. Januar 2017 E. 4.8.1). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Ände
rung der tatsächlichen Verhältnisse eingetreten und damit der für die Abstufung oder Befristung erforderliche Revisionsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts im Zeitpunkt des Rentenbeginns mit demjenigen im – nach Massgabe des analog anwendbaren Art. 88a Abs. 1 IVV festzusetzenden – Zeitpunkt der Anspruchsänderung (vgl. BGE 125 V 413 E. 2d mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteile des Bundesgerichts 8C_375/2017 vom 25. August 2017 E. 2.2 und 8C_350/2013 vom 5. Juli 2013 E. 2.2 mit Hinweis).
Das beweiskräftige polydisziplinäre Gutachten datiert vom
7. September 2018 (Urk. 9/127), der Vorbescheid der Beschwerdegegnerin vom 6. Dezember 2018 (Urk. 9/133). Nachdem die Beschwerdeführerin dagegen Einwand erhoben hatte, wartete die Beschwerdegegnerin - ohne weitere Abklärungen hinsichtlich des Rentenanspruchs zu tref
fen - fast ein Jahr zu, um am 25
. November 2019 die vorliegend angefochtene Verfügung zu erlassen (Urk. 2).
Dr.
F._
berichtete indes am 23. Dezember 2019 von einer in der Zwischenzeit aufgetretenen Verschlech
terung des gesundheitlichen Zustandes der Beschwerdeführerin mit einer zuneh
menden
fl
uktuierenden Suizidalität mit immer wieder auftretenden Suizidim
pulsen, die sich bis am 30. Mai
2019
zugespitzt habe, so dass sich die Beschwer
deführerin kaum mehr habe davon abgrenzen können und notfallmässig der Eintritt zunächst ins Kriseninterventionszentrum und nach zwei Wochen der Übertritt auf die Depressions- und Angststation der
G._
notwendig geworden sei, wo sich die Beschwerdeführerin bis am 12. August 2019 habe behandeln lassen (Urk. 6 S. 2 f.).
Aus dem Gesagten ergeben sich zumindest Hinweise, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin im Zeitraum zwischen dem Erlass des
Vorbescheids und der Verfügung verschlechtert ha
ben könnte
. Ob diese Verschlechterung in rentenrelevanter Weise Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin hatte und von einer revisionsrechtlich erheblichen Dauer war, ergibt sich indes ebenso wenig aus dem Bericht von Dr.
F._
wie
der weitere Verlauf
während und
nach dem stationären Aufenthalt der Beschwerdeführerin.
Weitere ärztliche Beurteilungen betreffend das Jahr 2019 liegen nicht vor.
Es ist daher angezeigt, dass die Beschwerdegegnerin weitere medizinische Abklärungen zu einer allfälligen Veränderung der gesundheitlichen Situation und des Rent
enanspruchs der Beschwerdeführerin im Verlaufe des Jahres 2019 durchführt.
Dazu hat sie zumindest Verlaufsberichte der behandelnden Ärzte einzuholen und allenfalls eine
Verlaufsb
egutachtung
zu veranlassen
.
6.3
Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung in Gutheissung der Be
schwe
rde insoweit abzuändern, als die
Beschwerdeführerin ab 1. November 2015 Anspruch auf eine halbe Rente der Invalidenversicherung hat.
In Bezug auf den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin ab dem Jahr 2019 ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zur weiteren Abklärung des medizinischen Sachverhalts
und zu neuem Entscheid über das Vorliegen der Revisionsvoraussetzungen
zurück
zuweisen.
7
.
7
.1
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu prüfen war, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rensaufwand sowie unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69
Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
1’0
00
.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden B
eschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7
.2
Nach Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1
GSVGer
hat die ob
siegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit
sache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens
bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
Unter Berücksichtigung der genannten Kriterien ist die von der Beschwerde
gegnerin an die Beschwerdeführerin zu leistende Entschädigu
ng ermessensweise auf Fr. 2'1
00.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.