# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 593918e2-fc25-42e7-b86c-da6ec5af70f0
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Die 1961 geborene
X._
arbeitet
seit 1991 bei der
Y._
als Laborantin
(
Urk.
6/11)
. Am
15. Juni 2018 (
Urk.
6/8)
liess
sie sich unter Hinweis auf Elektrosensibilität (Hochfrequenzbereich)
, bestehend seit Okto
ber 2011,
bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV)
vom Arbeitgeber
zum Leistungsbezug an
melden
(Anmeldung zur Früh
erfassung am 17. Mai 2018, Urk.
6/4).
Am 15. Juni 2018 stellte die V
ersicherte selbst ein Leistungsge
such (Urk. 6/8).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, nahm daraufhin Abklärungen in erwerblicher sowie medizinischer Hinsicht vor.
Mit Vorbescheid vom 22. August 2018 (
Urk.
6/16)
stellte
die IV-Stelle
der Versi
cherten die Abweisung des
Anspruch
s
auf Leistungen der IV
in Aussicht
. Dies
wurde mit Verfügung vom 23. November 2018 (
Urk.
2) unter Abweisung der dagege
n erhobenen Einwände
(Urk. 6/24)
bestätigt.
2.
Hiergegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 19. Dezember 2018 Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte Eingliederungsmassnahmen respektive die Unterstützung
bei der Sanierung eines Büroplatzes,
«
um eine 100%ige Erwerbsunfähigkeit w
egen Elektro
hypersensibilität zu verhindern
»
(S. 1).
In ihrer Beschwerdeantwort vom 18. Februar 2019 (
Urk.
5) beantragte die Be
schwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 22. Februar 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG)
.
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung,
IVG)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer
Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Krankheit ist jede Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit, die nicht
Folge
eines Unfalles
ist und die eine medizinische U
n
t
er
suchung oder Behandlung erfordert oder eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat (Art. 3 Abs. 1
ATSG
).
1.
3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
a
us (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281
E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E.
6).
1.4
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 Abs. 1 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Ausübung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Abs. 1
bis
). Nach Massgabe der Art. 13 und 21 IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich (Abs. 2). Nach Massgabe von Art. 16 Abs. 2
lit
. c IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbs
fähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu erhalten oder zu verbessern (Abs. 2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Ein
gliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige beruf
liche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre
V
erfügung
vom
23. November 2018 (
Urk.
2) damit, dass
in der
Invalidenversicherung nu
r solche Erkrankungen ver
sichert seien
, die sich mit einer gewissen Schwere langandauernd auf die Arbeits
fähigkeit auswirken könnten. Man gehe nicht davon aus, dass die Beschwerde
führerin an einer solchen invalidisierenden Erkrankung leide.
Im Rahmen des Einwandverfahrens seien keine weiteren medizinischen Unterlagen eingereicht worden. Es bestehe somit weiterhin eine gesundheitliche Einschränkung, die bei der Invalidenversicherung nicht versichert sei. Eine Unterstützung bei der Ein
richtung eines strahlenfreien Raumes sei nicht möglich.
2.2
Dagegen machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerdeschrift vom 19. Dezem
ber 2018 (
Urk.
1) im Wesentlichen geltend, es seien ihr Leistungen
der IV
zuzuspre
chen, da sich ihre Erkrankung (Hypers
ensibilität auf hochfrequente Strahlung)
f
ür sie invalidisierend auswirke, was durch die
aktenkundigen
Arzt
be
richte belegt werde.
2.3
Mit
Beschwerdeantwort vom 18. Februar 2019 (
Urk.
5) führte die Beschwerde
gegnerin ergänzend aus, der Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung setze das Vorliegen einer Invalidität voraus. Der Nachweis einer Invalidität verlange eine gesundheitlich bedingte erhebliche und evidente, dauerhafte sowie objektivierbare Beeinträchtigung. Objektive Befunde, welche eine anerkannte Diagnose bzw. eine invalidenversicherungsrechtlich relevante Gesundheitsschä
di
gung belegen könnten, würden nicht vorliegen. Ein Anspruch auf IV-Leis
tungen bestehe daher nicht.
3.
3.1
Den medizinischen Akten
ist im Wesentlichen Folgendes zu entnehmen:
3.2
Am 16. Februar 2016 (
Urk.
6/1) hielt
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, gegenüber der Arbeitgeberin der Beschwerdeführerin fest, seit Oktober 2013 stehe die Beschwerdeführerin in seiner Behandlung wegen hoch
gra
diger Elektrosensibilität (Hochfrequenzbereich).
WLan
-Modems, DECT
Tele
fone, selbst Handys/Smartphones (in kurzer Entfernung) lösten verschiedene Be
schwer
d
en aus, führten zu massiven Schlafstörungen, vermehrter Nervosität und zu schneller Ermüdbarkeit. Durch verschiedene Massnahmen, auch durch einen Wohnungswechsel weg von hochfrequenten Strahlenquellen, sei es zu einer Ver
besserung des Allgemeinzustandes gekommen. Dabei bleibe aber die Elektro
sen
sibilität weiterhin bestehen. Für den Allgemeinzustand und die Belastbarkeit/
Konzentrationsfähigkeit wäre die Arbeit in einer möglichst strahlenarmen Um
gebung von grossem Vorteil. Dies
e Voraussetzung
wäre am Wohnort der Be
schwer
deführerin gegeben (alleinstehendes Haus, kein Einfluss von
WLan
-Modems,
welche in dicht besiedeltem Gebiet massiv zugenommen hätten und
von
hochfrequenzsensiblen Personen sehr schlecht toleriert würden). Er
bat die Arbeit
geberin daher
, mit der Beschwerdeführerin zu prüfen, wie weit sie Arbeiten bei sich zu Hause ausführen könn
t
e, was für sie von grossem Vorteil wäre und sich auch langfristig auf ihre Leistungsfähigkeit und Lebensqualität auswirken werde.
3.
3
Am 10. Mai 2018 (
Urk.
6/13 S. 9 f.)
stellte
Dr.
Z._
eine Elektrosensibilität, beginnend 2003
, fest
. Zunehmend würden massive Schlafstörungen bestehen, welche ortsabhängig seien
. Weiter
l
ä
ge
n
eine körperliche Erschöpfung, tagsüber eine Unruhe sowie eine Nervosität vor. Die Zuweisung an ihn sei im Oktober 2013 erfolgt. Die Beschwerdeführerin reagiere hochsensibel auf hochfrequente Strah
lung, ein (der Beschwe
rdeführerin nicht bekanntes) Mo
biltelefon im Standby-Modus löse in einer Distanz von vier bis fünf Metern von ihr Kopfdruck, leich
t
en Schwindel und Unwohlsein aus. Eine Sensibilitä
t
bestehe auch gegenüber magne
tischen Feldern (Elektroapparate etc.). Die Zunahme von
WLan
-Sendern in den letzten Jahren führe zu chronischen und verstärkten Beschwerden. Es würden chronische Schlaf
störungen, Schwindel, Kopfdruck
sowie eine verminderte allge
meine Stressbelastbarkeit vorliegen. Als Diagnose hielt der Internist eine hoch
gra
di
ge Elektrosensibilität (Hochfre
q
uenz), verg
l
e
ichbar mit einer allergischen Reaktion des Körpers
,
fest. Das Aufsuchen von weniger belasteten Plätzen, ein vorübergehender Schlafplatz im Keller
und
ein Wohnungswechsel
weit
weg von bebauten Gebieten
hätten
Linderung gebracht. Die Schutzmassnahmen seien unter anderem durch ihn veranlasst worden. Therapeutisch h
ätt
e
n
eine Stabili
sierung sowie ein Energieaufbau stattgefunden, unter anderem durch die Verbes
serung der Schlafqualität. Massnahmen am Arbeitsplatz seien vorgesehen. Ein
e
mindestens teilweise
zu Hause ausgeübte Arbeit
wäre
sehr
wünschenswert. In geschützter Umgebung sei ein Arbeitspensum von 60 bis 80 % möglich. Dabei sollte auf eine möglichst kleine Hochfrequenzbelastung geachtet werden. Die Beschwerden und der Zusammenhang mit
d
en genannten Auslösern sei
en
absolut
glaubhaft. Eine depressive Entwicklung sei eine Folgeerscheinung und nicht um
gekehrt. Die Gründe, warum heute 10 bis 15
%
der Bevölkeru
ng an Elektro
sen
sibilität
leiden würden
, seien nicht ganz klar. Tatsache sei, dass der Körper die Strahlung als Stressfaktor laufend kompensieren müsse. Solange er dies schaffe,
würden keine Symptome auftreten oder der Zusammenhang werde nicht realisiert
.
3.
4
Am 9. August 2018 (
Urk.
6/13 S. 7 f.) führte
Dr.
Z._
gegenüber
der
Y._
aus,
bei der Beschwerdeführerin bestehe eine massive Hypersensibilität vor allem auf hochfrequente Strahlung
(Ha
ndy
t
echnologie)
, weniger ausgepräg
t auf nieder
frequenten Elektrosmog. Die diesbezügliche Untersuchung am Arbeitsplatz der Beschwerdeführerin habe vor allem eine starke Belastung durch Niederfrequenz ergeben. Die Beschwerdeführerin reagiere aber mit Symptomen auf hochfre
quente Strahlenfelder. Das ändere nichts daran, dass die festgestellten Belas
tungen im Niederfrequenzbereich trotzdem eine Stressbelastung für den mensch
lichen Körper bedeute
te
n, dies für jeden Menschen an diesem Arbeitsplatz. Ob das dann Symptome auslöse oder nicht, sei wesentlich
von der Konstitution des Patienten abhängig. Diese Differenzierung sei sehr wichtig, um die Beschwerden der Beschwerdeführerin zu verstehen. Im Wohn- und Schlafbereich der Be
schwerdeführerin sei es gelungen, durch frequenzangepasste Neutralisations
mittel eine wesentliche Verbesserung der Schlafqualität und der Symptome zu erreichen. Ein gleiches Vorgehen wäre auch an einem festen Arbeitsplatz mit wenig Aufwand möglich und mindestens einen Versuch wert. Die Arbeits
fähig
keit sei in Abhängigkeit von der Intensität der Hochfrequenzbelastung einge
schränkt und führe zu den bekannten und mehrfach beschriebenen Symptomen. Das Vollpensum der Beschwerdeführerin liege bei 80 %. Vom 13. Juni bis 31. Juli (2018) habe eine Arbeitsfähigkeit von 40 % ihres Vollpensums vorgelegen. Ab 1. August 2018 bis mindestens 30. September 2018 habe eine Arbeitsfähigkeit von 60 % bestanden. Diese sei
möglich
mit einem Anteil
Homeoffice
oder - soweit möglich - durch Arbeit in wenig belasteten Räumen. Die Erfüllung eines vollen Pensums sollte unter diesen Bedingungen möglich sein, was auch das Ziel der Beschwerdeführerin sei, die ihre Arbeit sehr gerne in einem normalen Pensum machen möchte.
3.
5
Im Arztbericht Berufliche Integration/Rente vom 11. August 2018 (
Urk.
6/13
S.
1-6
) führte
Dr.
Z._
aus,
die Behandlung der Beschwerdeführerin erfolge seit dem 3. O
ktober 2013 (mit Unterbrüchen).
Seit Januar 2016 würden keine regel
mässigen Termine Gespräche/Massnahmen im Zusammenhang mit der Hochfre
quenz/Elektrosensibilität durchgeführt. Zwischen dem 13. Juni 201
8
und dem 31. Juli 2018 habe eine 40%ige Arbeitsfähigkeit vorgelegen und
vom
1. August bis mindestens Ende September 2018 eine Arbeitsfähigkeit von 60
%
(vgl. E. 3.
4)
. Anschliessend sei das Ziel, eine 80%ige Arbeitsfähigkeit zu erreichen. Wegen der
ausgesprochen starken Elektrosensibilität wäre
Homeoffice
als Teil des Gesamt
pensums sehr sinnvoll und wahrscheinlich auch möglich. Als Symptome würden
sich Schlafstörungen, Kopfschmerzen sowie diverse unspezifische Symptome zeigen
.
Aktuell sei es allgemein etwas besser, da der Schlaf (nach Neutra
lisa
tions
massnahmen) viel besser geworden sei.
Es
würden
derzeit
keine Medika
mente
eingenommen. Schulmedizinisch
lägen
keine objekti
vierbaren Befunde vor (S. 2
f.)
.
Im Zusammenhang mit der Frage nach
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit führte der Internist aus, es bestehe keine ursächliche psychische
Erkrankung. Der Leidensdruck entstehe durch massive chronische Stressbe
lastung
. Hauptursache sei hochfrequente Strahlung, heute flächendeckend. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
hielt er fest
«2003 erste Symptome, 2011 eindeutige Elektrohypersensibilität»
(S. 3)
. Unter optimalen Schutzmass
nah
men, welche die Ursachen der Hypersensibilität berücksichtigten, also die indi
vi
duelle Reaktionslage, sei die Prognose gut. Aus seiner Sicht müsse/könne der Arbeitsplatz als Stressfaktor mit relativ wenig Aufwand tolerabel gemacht werden. Die Frage, welche Funktionseinschränkungen bestehen würden und wie sich diese auf die bisherige Tätigkeit auswirkten, konnte
Dr.
Z._
nicht beant
worten. Das Normalpensum der Beschwerdeführerin von 80 %
beurteilte er als erreichbar. Er führte aus, i
n wenig belasteten Räumen (z.B. zu Hause) seien
nor
male Arbeitszeiten möglich.
3.
6
Am 8. November 2018 (
Urk.
6/23
S
. 3 f.) führte
Dr.
med.
,
lic
. phil
.
A._
, prakti
sche Ärztin, aus, die Beschwerdeführerin leide seit 2011 an Elektrosensibilität, vermutlich länger. Privat habe sie mehrmals ihren Wohnort wechseln müssen, bis sie nun an einem Ort wohne, der relativ wenig belastet sei.
Am
Arbeitsplatz sei die Situation schwieriger und eine Lösung
sei
noch nicht gefunden. Die Digita
lisierung der Welt nehme zu und das Thema Elektrosmoke
(richtig wohl: Elektro
smog)
und Elektrosensitivität werde Arbeitgeber und Ärzte in Zukunft mehr beschäftigen. Man wisse über Elektrosensitivität fast nichts. Nur wenige Ärzte hätten sich darauf spezialisiert und verstünden etw
as davon
, wie z.B.
Dr.
Z._
. Man könn
e die Ele
k
trobelastung über
die
Sinne nicht wahrnehmen. Als die Beschwerdeführerin im Raum mit erhöhten Kriechströmen gearbeitet habe, habe sie - ohne
eruierbare
andere Ursache - massive Knieprobleme
bekommen
, die hätten behandelt werden müssen. Sie habe degenerative Veränderungen in den Knien. Aber jetzt habe sie seit Monaten damit keine Probleme, seit sie nicht mehr im Raum mit erhöhten Kriechströmen arbeite. Sonst bestehe laut
Dr.
Z._
vor allem eine massive Hypersensibilität auf hochfrequent
e
Strahlung (Handytech
nologie), weniger stark auf niederfrequente Strahlung. Bei der Besc
hwerde
füh
rerin hätten sich die S
chlafprobleme massiv verbessert, seit sie einen Wohnort
mit wenig hochfrequenter Strahlenbelastung gefunden habe.
I
n der aktuell ange
spannten Arbeitssituation der Beschwerdeführerin dürfe es nicht um Schuldzu
weisung gehen, weder auf der einen noch auf der anderen Seite. Es wüssten einfach
alle zu wenig über die Problematik und
es
seien alle damit überfordert. Man habe noch kei
ne Strategien, man sei erst am
l
ernen
. Prinzipiell habe sie bei der Beschwerdeführerin immer den Eindruck gehabt, dass sie von ihrer Arbeit fasziniert sei und diese sehr gerne mache. Es lohne sich
,
noch einmal zu schauen, ob nicht ein Teil Homeoffice möglich wäre und ob int
e
rn nicht ein Raum ge
funden werde, der einigermassen geeignet wäre für elektrosensitive Menschen.
4.
4.1
Mit Blick auf die dargelegte medizinische Aktenlage fällt vorab auf, dass die Symp
tome der Beschwerdeführeri
n
aus somatischer Sicht
nicht objektiviert
werden können. So führte
Dr.
Z._
aus, es lägen (schulmedizinisch) keine obje
k
tivierbaren Befunde vor
. Passend dazu
ordnete er
die Elektrohypersensibilität
den
Diagnose
n
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
zu
(E.
3.5
)
und legte an anderer Stelle allgemein dar, die Gründe, warum 10 bis 15 % der Bevölkerung an Elektrosensibilität litten, seien nicht ganz klar (E. 3.3)
.
Damit
fehlt es mangels
Objektivi
erbarkeit der Beschwerden an einer
körperliche
n
Krankheit
und letztlich
auch
an einer
Invalidität im Sinne
der
invalidenversicherungsrechtlichen Gesetz
gebung
(E. 1.1 f.
).
Im Übrigen ist dem Bericht von
Dr.
Z._
vom
9. August 2018 (E. 3.4)
auch zu
entnehmen, dass die Beschwerdeführerin massiv hypersensibel vor allem auf hoch
frequente Strahlung (Handytechnologie), weniger ausgeprägt auf niederfre
quen
ten Elektrosmog
,
reagier
t
. Die die
sbezügliche Untersuchung am Arbeitsplatz
(
Urk.
3/2) hatte
jedoch
lediglich sehr schwache hochfrequente elektromagnetische Mikrowellen
ergeben
.
Gemäss Ausführung in der Elektrobiologischen Kurzzu
sammenfassung bezüglich des Arbeitsplatzes waren
weder
WLan
noch DECT und Han
d
ystrahlung vorhanden gewesen, respektive sehr schwach und diese
kö
nnten
in Bezug auf die Beschwerden der Beschwerdeführerin ausgenommen werden
. Auch mit Blick hierauf erscheint die Beschwerdeproblematik der Beschwerde
führerin nicht
gänzlich nachvollziehbar.
4.2
In psychiatrischer Hinsicht
legte
Dr.
Z._
weiter
dar, es bestehe keine
ursäch
liche psychische Erkrankung
(E. 3.
5
). Zwar
sprach
der Internist auch von einer «depressiven Entwicklung»
, welche Folgeerscheinung der Hypersensibilität sei (
E. 3.3)
.
E
ine fachärztlich-psychiatrische Behandlung fand und findet jedoch nicht
statt. Eine «depressive Entwicklung» ist nicht einer relevanten psychia
trischen Erkrankung gleichzustellen
(E. 1.3). Sodann begründete und begründet der Hin
weis darauf -
insbesondere mit Blick
darauf, dass
selbst
Dr.
Z._
eine
(relevante)
psychiatrische Erkrankung ausschloss
und keine fachärztliche Behandlung statt
fand/stattfindet
-
auch
keine
weitergehende Abklärungspflicht.
4.3
Nach der allgemeinen Beweisregel (
Art. 8
des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs
,
ZGB)
hat die versicherte Person die invalidisierenden Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachzuweisen. Gelingt dieser Nachweis nicht, verfügt sie über keinen Leistungs
anspruch. Mit anderen Worten wird bei Beweislosigkeit vermutet, dass sich der geklagte Gesundheitsschaden nicht invalidisierend auswirkt: Vermutet wird Vali
dität, nicht Invalidität
(BGE
141 V 28
1 E. 3.7.2, 139 V 547 E. 8.1).
Dr.
Z._
sah sich ausdrücklich nicht in der Lage, für die als Elektrosensibilität gefassten geklagten Symptome objektivierbare Befunde zu benennen (E. 3.5). Auch die Hausärztin - soweit sie überhaupt von den Aussagen des Dr.
Z._
abrückte - beschrieb kein objektivierbares Korrelat, sondern wies ihrerseits darauf hin, dass über die Problematik alle zu wenig wüssten (E. 3.6). Unter diesen Umständen erlauben die medizinischen Unterlagen nicht, die Elektrosensibilität und die davon hervorgerufenen Symptome der Beschwerdeführerin mit
überwie
gender Wahrscheinlichkeit einem medizinischen Hintergrund bezieh
ungs
weise dem
Elektrosmog zuzuschreiben. Dies gilt im Besonderen, wenn die mass
geben
den Grenzwerte - wie am Arbeitsplatz gemessen (Urk. 3/2) - offensichtlich bei Weitem nicht überschritten werden. Zudem ist es nach Darstellung von Dr.
A._
der Beschwerdeführerin gelungen, durch ihren Umzug in ein allein
steh
en
des Haus beschwerdelindernde Bedingungen herzustellen, wofür sie im Rahmen ihrer Schadenminderungspflicht ohnehin selbst einzustehen hat.
Nichts daran zu ändern vermag, dass das Bundesgericht in anderem Zusammen
hang in Bezug auf Elektrosensibilität auch schon von bestehenden und einzu
räu
menden Wissenslücken gesprochen hat (Urteil des Bundesgerichts 5A_47/2016 vom 26. September 2016 E. 4.4.1-2). Die sich daraus ergebende Beweislosigkeit hat die Beschwerdeführerin zu tragen.
Insgesamt ist damit festzuhalten, dass weder
in
somatische
r
noch
in
psychia
trische
r Hinsicht auf einen invalidisierenden Gesundheitsschaden
im Sinne von Art. 8 Abs. 1 ATSG (E. 1.1)
geschlossen werden kann. Eine
Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin entfällt
damit
(E. 1.4 f.)
, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
Auf die Einholung der Protokolle des Case
M
anagements (
Urk.
1 S. 2) kann ver
zichtet werden, da hiervon
mit Blick auf die
Beurteilung
des Gesundheits
zu
standes der Beschwerdeführerin
keine
neuen,
entscheidrelevanten
Erkenntnisse zu erwarten sind (
antizipierte
B
eweiswürdigung, BGE 124 V 90 E.
4b).
Im Übrigen
bleibt auf Folgendes hinzuweisen: M
it Blick auf die Aktenlage
fällt
auf, dass die Beschwerdeführerin sich lediglich im Büro eingeschränkt fühlt, nicht jedoch im Labor (
Urk.
6/
13 S. 13, 6/24 S. 2
). In diesem Zusammenhang wurde seitens
der behandelnden Ärzte
die Gewährung von Homeoffice durch den Arbeitgeber beantragt und auch ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin in wenig belasteten Räumen (z.B. zu Hause) eine normale Arbeitszeit leisten könn
t
e
(E. 3.2-3.6)
.
Auf eine langandauernde respektive dauerhafte Arbeitsunfähigkeit kann
somit
nicht geschlossen werden.
Es ist nicht Sache der I
V
,
für Kosten aufzukommen, die
mit der
Gewährung
struktureller Anpassungen durch den Arbeitgeber (wie etwa Homeoffice)
oder
durch
die Sensibilisierung
von
Mitar
beiter
n
(vgl.
Urk.
6/13 S. 13)
vermieden werden könnten
.
5.
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind nach dem Verfahrens
auf
wand zu bemessen und ermessensweise auf Fr.
6
00.--
festzusetzen. In Anbe
tracht des Obsiegens der Beschwerdegegnerin sind die Kosten der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.