# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 6830050b-4a17-4b8e-b564-a956a5344b30
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend mehrfache qualifizierte Widerhandlung gegen das 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, I. Abteilung, vom 14. Februar 2018 (DG170006)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 10. Januar
2017 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 1/11).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 89 S. 174 ff.)
"Es wird erkannt: (berichtigte Fassung)
1. Der Beschuldigte ist schuldig der mehrfachen qualifizierten Widerhandlung gegen das
Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG sowie von Art. 19 Abs. 1
lit. g BetmG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG, je in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2
lit. a BetmG.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 5 Jahren und 3 Monaten Freiheitsstrafe, wovon
1'003 Tage durch Haft bzw. vorzeitigen Strafvollzug erstanden sind.
3. Die sichergestellten Siebe mit Heroinrückständen (Ass.-Nr. A007'815'965 bzw. Lager-
Nr. B00021-2015) werden eingezogen und der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen.
Alle weiteren sichergestellten Gegenstände gemäss act. 6/8 und act. 6/9 werden dem
Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils innert Jahresfrist auf erstes Ver-
langen herausgegeben; nach Ablauf dieser Frist werden die Gegenstände der Lagerbe-
hörde zur gutscheinenden Verwendung überlassen.
4. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 13. Januar 2015
beschlagnahmte Barschaft von Fr. 4'100.– wird zur Deckung der Verfahrenskosten verwen-
det.
5. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 12'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 5'000.– Gebühr für die Strafuntersuchung
Fr. 40'480.55 Auslagen Vorverfahren
Fr. 104'777.45 amtl. Verteidigungskosten (Fr. 78'700.– Akonto + Fr. 26'077.45 Restbetrag; festgesetzt mit Nachtragsurteil vom 3. April 2018)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
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6. Die Auslagen des Vorverfahrens werden im Umfang von Fr. 20'000.– auf die Staatskasse
genommen und im Übrigen dem Beschuldigten auferlegt. Die übrigen Kosten der Unter-
suchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Beschuldigten auferlegt; davon
ausgenommen sind die Kosten der amtlichen Verteidigung, welche einstweilen und unter
dem Vorbehalt von Art. 135 Abs. 4 StPO von der Gerichtskasse übernommen werden.
7. [Mitteilungen.]
8. [Rechtsmittel.]"
Berufungsanträge: (Prot. II S. 27)
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 112 S. 1 und Urk. 144 S. 3, teilweise sinngemäss)
1. Der Beschuldigte sei von den gegen ihn erhobenen Vorwürfen vollumfäng-
lich freizusprechen.
2. Für die erlittene Haft von 1'005 Tagen sei dem Beschuldigten eine
angemessene Genugtuung von Fr. 200'100.-- zuzüglich Zins ab Verhaftstag
zuzusprechen.
3. Das sichergestellte Bargeld sei dem Beschuldigten herauszugeben.
4. Die gesamten Kosten des Verfahrens, inklusive derjenigen der amtlichen
Verteidigung sowie des Vorverfahrens, seien auf die Staatskasse zu
nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 97; Urk. 113)
Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren und 9 Monaten
zu bestrafen.
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## Considerations

Erwägungen:
I. Standpunkte
Dem Beschuldigten wird Betäubungsmittelhandel im Zeitraum von April 2013 bis
Januar 2014 vorgeworfen (Urk. 1/11). Er selbst stellt dies in Abrede. Nach Auf-
fassung der Verteidigung seien die Beweismittel der Staatsanwaltschaft – im
Wesentlichen abgehörte Telefongespräche und SMS-Verkehr sowie Mobilfunk-
Standortdaten und ein sichergestelltes Sieb mit Mikrospuren von Heroin – von der
Vorinstanz willkürlich zu Lasten des Beschuldigten gewürdigt worden. In erster
Linie macht die Verteidigung aber zahlreiche prozessuale Mängel geltend. Das
gesamte Strafverfahren gegen den Beschuldigten – so die Verteidigung – sei
nicht prozessrechtskonform (Urk. 112 S. 8; Urk. 144 S. 9 f.).
II. Verfahrensgang und Umfang der Berufung
1. Verfahrensgang
1.1. Erstinstanzliches Verfahren
In Bezug auf den Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil wird auf die
Erwägungen im angefochtenen Entscheid verwiesen (Urk. 89 S. 3 ff.). Ergänzend
ist festzuhalten, dass im Vorfeld der vorinstanzlichen Hauptverhandlung der
seitens der Verteidigung gestellte Beweisantrag gutgeheissen und mit Verfügung
vom 22. Mai 2017 sämtliche im Zusammenhang mit der Kontrolle des Telefonan-
schlusses des Beschuldigten vorhandenen Verbindungs- und Standortdaten für
den Zeitraum April 2013 bis Februar 2014 eingeholt wurden (Urk. 22 und 24). Die
erstinstanzliche Hauptverhandlung wurde am 5. Oktober 2017 sowie am
7. Oktober 2017 im Beisein der Mitbeschuldigten B._ und C._ sowie de-
ren amtlichen Verteidigern durchgeführt (Prot. I S. 20 ff.; Urk. 89 S. 2). Gegen den
am 14. Februar 2018 mündlich im Dispositiv eröffneten Entscheid meldete der
amtliche Verteidiger gleichentags Berufung an (Prot. I S. 137 ff.). Mit Urteil vom
3. April 2018 wurde in Ergänzung des ergangenen Sachentscheids das Honorar
der amtlichen Verteidigung festgelegt (Urk. 83). Die schriftlich begründete und
hinsichtlich der Dispositiv-Ziff. 1 berichtigte Fassung des Urteils vom 14. Februar
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2018 (Berichtigung: Keine Bestrafung des Beschuldigten gemäss Art. 19 Abs. 1
lit. b BetmG; vgl. Urk. 89 S. 159), wurde sowohl der Staatsanwaltschaft als auch
der amtlichen Verteidigung am 5. November 2018 zugestellt (Urk. 88).
1.2. Berufungsverfahren
Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten reichte mit Eingabe vom
26. November 2018 fristgerecht die Berufungserklärung beim Obergericht ein
(Urk. 91). Die Staatsanwaltschaft meldete nach entsprechender Fristansetzung
mit Eingabe vom 20. Dezember 2018 (hierorts eingegangen: 24. Dezember 2018)
Anschlussberufung an (Urk. 97).
Zur Berufungsverhandlung vom 12. Dezember 2019 erschienen der Beschuldigte
in Begleitung seines amtlichen Verteidigers sowie der Staatsanwalt (Prot. II S. 5).
Die Verhandlung wurde zusammen mit jener gegen den Mitbeschuldigten
C._ durchgeführt (Prot. II S. 5). Im Anschluss an die Berufungsverhandlung
erklärten sich die Parteien mit der schriftlichen Fortführung des Verfahrens
einverstanden, da zunächst auf Antrag der Verteidigung ein Gutachten einzuholen
war (Prot. II S. 17).
1.3. Stimmengutachten
Als Beweismittel wurden seitens der Staatsanwaltschaft Tonaufnahmen von
Gesprächen in der Wohnung des Mitbeschuldigten C._ eingereicht. Der
Beschuldigte bestritt, jemals in der Wohnung von C._ gewesen zu sein (statt
vieler: Urk. 111 S. 8). Der amtliche Verteidiger beantragte deshalb im Zusam-
menhang mit diesen abgehörten Gesprächen, es sei ein Stimmanalyse-Gutachten
einzuholen. Diesem Antrag wurde mit Beschluss vom 18. Dezember 2019
stattgegeben (Urk. 112 S. 12; Urk. 117).
Der Beschuldigte wurde vom Gutachter des Forensischen Instituts Zürich zwecks
Abgabe von Stimmvergleichsproben vorgeladen. Dieser Vorladung leistete er
unter Verweis auf sein Aussageverweigerungsrecht keine Folge (Urk. 131;
Urk. 137 S. 12). Der Beweisantrag auf ein Stimmengutachten bzw. vielmehr die
nachfolgende Verweigerung der Mitwirkung durch den Beschuldigten muss als
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rechtsmissbräuchlich bezeichnet werden. Allein die (nachgeschobene) Erklärung
des amtlichen Verteidigers, der Beschuldigte habe eben wegen der mangelhaften
Untersuchungsführung das Vertrauen in die Unabhängigkeit und Unvorein-
genommenheit der Gerichtsbehörden verloren, weshalb er eine Mitwirkung am
Gutachten verweigert habe, ändert daran nichts (Urk. 144 S. 6). Dies sind Um-
stände, welche ihm im Zeitpunkt des Beweisantrags im Berufungsverfahren längst
bekannt waren.
1.4. Weiterer Fortgang des Berufungsverfahrens
Das Gutachten des Forensischen Instituts ging am 3. März 2021 ein, worauf den
Parteien Gelegenheit zur Stellungnahme und zur Stellung von Ergänzungsfragen
gegeben wurde (Urk. 137 und 138). Die Staatsanwaltschaft verzichtete darauf
(Urk. 140). Die Verteidigung reichte ihre Eingabe am 10. Mai 2021 ein, worauf
diese mit Verfügung vom 21. Mai 2021 der Staatsanwaltschaft zur schriftlichen
Vernehmlassung zugestellt wurde (Urk. 144 und 147). Mit Eingabe vom 11. Juni
2021 verzichtete die Staatsanwaltschaft auf Vernehmlassung (Urk. 149). Mit Ver-
fügung vom 22. Juni 2021 wurde diese Eingabe der Verteidigung zugestellt und
Letztere um Zustellung ihrer Honorarnote ersucht (Urk. 150).
2. Umfang der Berufung
2.1. Der amtliche Verteidiger beantragt einen vollumfänglichen Freispruch, die
Herausgabe der sichergestellten Barschaft sowie eine angemessene Genugtuung
für die erlittene Haft. Nicht angefochten werden einzig die vorinstanzliche Disposi-
tiv-Ziff. 3 betreffend die Einziehung der Siebe mit Heroinrückständen und Heraus-
gabe diverser Gegenstände an den Beschuldigten (Urk. 91 S. 2) sowie die
Kostenfestsetzung durch die Vorinstanz (Dispositiv-Ziff. 5; Prot. II S. 8). Im
Übrigen gilt das vorinstanzliche Urteil als angefochten, weshalb darüber neu zu
entscheiden ist.
2.2. Die Staatsanwaltschaft beschränkt ihre Anschlussberufung auf das Straf-
mass und beantragt anstelle der vorinstanzlichen Bestrafung mit 5 Jahren und
3 Monaten eine Freiheitsstrafe von 5 Jahren und 9 Monaten (Urk. 97; Urk. 113).
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III. Prozessuales
1. Aktenbeizug
1.1. Die amtliche Verteidigung geht davon aus, dass die getrennte Verfahrens-
führung, die Verweigerung der Akteneinsicht in parallel geführten Verfahren und
die Durchführung einer erstinstanzlichen Hauptverhandlung mit drei Beschuldig-
ten, ohne formelle Vereinigung der Verfahren respektive ohne formellen Beizug
der Verfahrensakten der jeweils anderen Mitbeschuldigten zu einem nicht wieder-
gutzumachenden prozessualen Mangel an der gesamten Strafuntersuchung
geführt habe (Urk. 112 S. 2).
1.2. Der amtliche Verteidiger beantragte anlässlich der Berufungsverhandlung
sodann den Beizug der Akten des Strafverfahrens gegen D._ und E._
sowie B._ und C._ (Urk. 112 S. 9).
1.3. Die Verfahren gegen den Beschuldigten, D._, E._, C._ und
B._ wurden vor dem Bezirksgericht Bülach zunächst gemeinsam geführt und
die Verteidigung hatte auch die Möglichkeit zur Einsicht in die Akten dieser Mitbe-
schuldigten (Urk. 89 S. 5). Da sich gemäss den Ausführungen des Bezirksgerichts
Bülach jedoch keine wesentlichen Berührungspunkte zwischen den Anklagen ge-
gen D._ und E._ einerseits und jener gegen den Beschuldigten,
C._ und B._ andererseits ergaben, wurde den Parteien vorgeschlagen,
ohne Einschränkung des gegenseitigen Akteneinsichtsrechts auf eine formelle
Vereinigung zu verzichten (Urk. 26 S. 6). Zudem wurde den Mitbeschuldigten un-
terbreitet, zwei erstinstanzliche Hauptverhandlungen mit demselben Spruchkörper
durchzuführen. Einerseits eine Hauptverhandlung in den Verfahren gegen
D._ und E._ und andererseits eine solche in den Verfahren des Be-
schuldigten, von B._ und von C._ (Urk. 26 S. 7). Den Parteien, auch
dem Beschuldigten, wurde Frist angesetzt, um sich zu diesem Vorgehen der Vo-
rinstanz zu äussern, ausdrücklich unter der Androhung, dass ansonsten von einer
Zustimmung zum Vorgehen ausgegangen werde (Urk. 26 S. 7). Die Verteidigung
beantragte zwar wegen starker Arbeitsbelastung eine Fristerstreckung, verzichte-
te in der Folge aber auf Einwendungen gegen das Vorgehen der Erstinstanz (Urk.
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33 und 34). Es ist deshalb widersprüchlich, wenn die Verteidigung heute die for-
mal getrennte Verfahrensführung bemängelt. Abgesehen davon anerkennt die
Verteidigung, dass zwischen den Verfahren gegen D._ und E._ und je-
nen gegen den Beschuldigten und B._ keine wesentlichen Berührungspunkte
bestehen und macht einzig geltend, der Beizug sei wegen der gesamten Vorge-
schichte und den Stossrichtungen der Ermittlungen von Bedeutung, ohne dies al-
lerdings näher zu präzisieren (Urk. 112 S. 5).
1.4. Ob Akten von Mitbeschuldigten beizuziehen sind, hängt in erster Linie da-
von ab, ob die Mitbeschuldigten Taten gemeinschaftlich verübten und somit im
selben Verfahren zu behandeln sind. In zweiter Linie ist ein Aktenbeizug auch
geboten, wenn sich aus dem jeweils anderen Strafverfahren entlastende Momen-
te ergeben, die nicht bereits aus den Akten im eigenen Strafverfahren hervor-
gehen. Ebenso, wenn Aktenstücke aus anderen Verfahren bereits in Kopie bei-
gezogen wurden. Straftaten werden gemeinsam verfolgt und beurteilt, wenn
Mittäterschaft oder Teilnahme vorliegt (Art. 29 Abs. 1 lit. b StPO). Ist diese
Voraussetzung gegeben, besteht selbstredend auch Anspruch auf Einsicht in alle
Verfahrensakten aller Mitbeschuldigten im selben Verfahren. Bei Betäubungs-
mitteldelikten handelt es sich zwar um Delikte, die sich typischerweise durch
Arbeitsteilung auszeichnen und von mehreren Personen in unterschiedlichen
Rollen gemeinsam begangen werden (ALBRECHT, Die Strafbestimmungen des
Betäubungsmittelgesetzes [Art. 19 - 28 BetmG], 3. Aufl. 2016, Art. 19 N 148
m.w.H.). Angesichts der extrem weiten Fassung der Verbotsmaterie in Art. 19
Abs. 1 BetmG ist jedoch zu beachten, dass verschiedene der aufgezählten ver-
botenen Handlungen den Charakter der Mittäterschaft oder einer Teilnahme an
Drogengeschäften von Drittpersonen aufweisen können, gleichwohl aber als
selbständige Straftatbestände einzustufen sind (ALBRECHT, a.a.O, Art. 19 N 149;
Urteil des Bundesgerichts 6B_1026/2017 vom 1. Juni 2018 E. 1.2.2). Gemäss
ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung gilt demnach als Täter und unter-
steht als solcher der vollen Strafdrohung, wer in eigener Person alle Merkmale
eines in Art. 19 Abs. 1 BetmG umschriebenen Tatbestandes objektiv und subjek-
tiv erfüllt (BGE 142 IV 401 E. 3.3.2; BGE 133 IV 187 E. 3.2; BGE 119 IV 266
E. 3a; BGE 118 IV 397 E. 2c; BGE 106 IV 72 E. 2b; Urteil des Bundesgerichts
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6B_1026/2017 vom 1. Juni 2018 E. 1.2.2). Sodann macht auch ein allfälliges
Unterordnungsverhältnis einen Täter rechtlich nicht zum Gehilfen (BGE 133
IV 187 E. 3.3). Überdies gelten Lieferanten und Abnehmer als Akteure verschie-
dener Hierarchiestufen und sind daher nicht als Mittäter zu betrachten (Urteil des
Bundesgerichts 6B_1026/2017 vom 1. Juni 2018 E. 1.2.2). Und auch der Kurier,
der zwar ausschliesslich durch den Transport der Drogen zu deren Umsetzung
beiträgt und keine wesentlichen, über diesen Transport hinausgehenden Leist-
ungen erbringt, handelt als Täter im Sinne der illegalen Drogenbeförderung und
nicht nur als Gehilfe einer fremden Tat, obschon er Beihilfe zum Handeltreiben
leistet (HUG-BEELI, Kommentar zum BetmG, 2016, Art. 19 N 312). Insofern sind
solche Mitwirkungen am Drogenhandel keine Mittäterschaften im Sinne von
Art. 29 Abs. 1 lit. b StPO, welche eine gemeinsame Verfahrens- und Aktenführung
erheischen. Auch wenn jemand der Kopf einer ganzen Drogenhandelsorgani-
sation ist, bedeutet dies beispielsweise noch nicht, dass dessen Strafakten für
jedes Verfahren gegen untergeordnete Drogenhändler formell beizuziehen wären.
1.5. Soweit es D._ und E._ betrifft, war zwar im Laufe der Unter-
suchung noch offen, ob diese beim Drogenhandel mit dem Beschuldigten
zusammengewirkt haben. Auch im heutigen Zeitpunkt kann letztlich nicht ausge-
schlossen werden, dass der Beschuldigte Drogen über bzw. unter Mitwirkung von
D._ und/oder E._ bezogen hatte. Jedoch wurde mit vorliegender
Anklage weder ein Delikt des Beschuldigten in Mittäterschaft mit oder unter
Teilnahme von D._ und E._ angeklagt, noch war dies Gegenstand im
erstinstanzlichen Verfahren (Urk. 89 S. 5). Mangels gemeinschaftlicher Verübung
einer Straftat war somit auch kein formeller Aktenbeizug zwingend nötig.
1.6. Offenbar hatte die Verteidigung denn auch Einsicht in die Strafakten von
E._ genommen, zitierte sie doch an der Berufungsverhandlung Vorwürfe und
konkrete Aktenstücke unter Angabe der Actorennummern aus jenem Verfahren
(Urk. 112 S. 11). Ihr Einwand, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass sich
aus den Strafakten von E._ entlastende Momente für seinen Klienten ergä-
ben, erscheint somit rein theoretischer Natur.
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1.7. B._ wurde mit Urteil des Bezirksgerichts Bülach vom 14. Februar 2018
wegen mehrfachen qualifizierten Widerhandlungen gegen das Be-
täubungsmittelgesetz zu 8 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt (DG170020-C). Die
dagegen erhobene Berufung wurde mit Eingabe vom 17. Dezember 2018 zurück-
gezogen, weshalb der Entscheid in Rechtskraft erwuchs (vgl. Verfahren
SB180536-O). Inwieweit aus den Akten von B._ für den Beschuldigten ent-
lastende Momente hervorgehen, begründete die Verteidigung nicht. Es ist daran
zu erinnern, dass der amtlichen Verteidigung gestützt auf den Rückweisungsent-
scheid des Bundesgerichts vom 12. August 2016 (Urteil 6B_124/2016) das Recht
auf Einsicht in die Akten der Mitbeschuldigten D._ und E._ sowie von
C._ und B._ gewährt wurde. Insofern hatte sie die Möglichkeit, zu über-
prüfen, ob jene Verfahren Akten enthalten, welche im vorliegenden Verfahren feh-
len oder von Bedeutung wären. Darüber hinaus wurde der Beschuldigte von der
Vorinstanz hinsichtlich aller angeklagten Verkäufe an B._ rechtskräftig frei-
gesprochen (Anklageziffern A.1.2, A.1.b.bb, A.1.c.cc - A.1.c.ff und A.1.d.hh). Inso-
fern ist auch nicht nachvollziehbar, welche Bedeutung die Verteidigung den Akten
B._ im Berufungsverfahren gegen den Beschuldigten (noch) beimisst.
1.8. Die Berufungsverfahren gegen den Beschuldigten und C._ wurden
auch am Obergericht unter zwei Prozessnummern geführt. Die Berufungsver-
handlungen in beiden Verfahren fanden, wie bereits vor Vorinstanz, gemeinsam
im Beisein aller Beteiligter statt (Prot. II S. 5). Dies wurde den Parteien bereits mit
Vorladung vom 9. Oktober 2019 ausdrücklich mitgeteilt (Urk. 100). Die Akten
standen den jeweiligen Verteidigungen auch im Berufungsverfahren jederzeit zur
Einsicht zur Verfügung. Der Vorwurf der Verteidigung, der Referent im Berufungs-
verfahren habe deshalb "Sonderwissen" aus dem Verfahren gegen C._
gehabt, zielt ins Leere, wenn die Verteidigung selbst auf Einsicht in jene Ver-
fahrensakten verzichtet hat (Urk. 112 S. 9). Rechtlich zwar nicht ausschlaggebend
aber trotzdem zu erwähnen ist, dass in dieser Urteilsbegründung keine Akten-
stücke aus dem Verfahren gegen den Mitbeschuldigten C._ zitiert werden,
da solche für das vorliegende Verfahren ohne Bedeutung sind. Im Verfahren
gegen C._ gibt es keine Dokumente oder Beweismittel, auf welche abgestellt
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werden könnte oder müsste, welche nicht ohnehin schon in diesem Verfahren
ebenfalls zu den Akten genommen wurden.
1.9. Nicht beigepflichtet werden kann dem Argument der Verteidigung, dass im
Falle eines Weiterzugs der Sache an das Bundesgericht nicht auf Akten verwie-
sen werden könne, die nicht formell beigezogen worden seien (Urk. 112 S. 9).
Zum einen ist es wegen der Novenbeschränkung von Art. 99 BGG nicht möglich,
im Beschwerdeverfahren auf konkrete Aktenstücke zu verweisen, auf welche die
Verteidigung im obergerichtlichen Verfahren nie Bezug genommen hat. Zum
anderen hätten solche, wenn sie denn von der Verteidigung benannt worden
wären, für das vorliegende Verfahren in Kopie zu den Akten genommen werden
können.
1.10. Es besteht somit kein Grund für einen rein formellen Entscheid über den
Beizug von Akten, die der Verteidigung zur Einsicht zur Verfügung standen und
aus welchen sie heute nichts zu Gunsten des Beschuldigten ableitet.
2. Bewilligung von Zufallsfunden aus den Überwachungsmassnahmen
Abgesehen von der Kritik an der Untersuchungsführung ist nicht ersichtlich, was
der Verteidiger aus der Feststellung, wonach das Zwangsmassnahmengericht
hinsichtlich der Verwertbarkeit von Zufallsfunden heute wohl anders entscheiden
würde, konkret ableitet (Urk. 112 S. 6).
3. Änderungen der Anklage
3.1. Ebenso ist nicht erkennbar, was der Verteidiger aus den Änderungen der
Anklagen gegen B._ und C._ ableiten will (Urk. 112 S. 6 in Verbindung
mit Urk. 30). Der Beschuldigte ist davon nicht betroffen.
3.2. Weiter bemängelt der Verteidiger, dass dem Beschuldigten wegen
Handlungen mit C._ und F._ Anstaltentreffen zu Drogenhandel vorge-
worfen werde, während in den Anklageschriften gegen C._ und F._ da-
von nichts zu finden sei (Urk. 112 S. 7). Die Gründe für diese sinngemäss geltend
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gemachte "Ungleichbehandlung" können offen bleiben, da nicht ersichtlich ist, in-
wieweit der Beschuldigte davon einen Nachteil erleidet.
4. Beizug sämtlicher Videoaufzeichnungen betreffend den Garagenbetrieb "G._ AG"
4.1. Im Garagenbetrieb G._, von welchem aus – gemäss Wortlaut der
Staatsanwaltschaft – der "A._-D._-E._-Clan" Drogenhandel be-
trieb, waren private Videoüberwachungskameras installiert. Gemäss Angaben der
Verteidigung habe der Beschuldigte bis Herbst 2012 dort gearbeitet (Urk. 112 S.
13). Die Vorinstanz ging davon aus, dass wenn in den abgehörten Gesprächen
von demjenigen "aus der Garage" gesprochen werde, jeweils der Beschuldigte
damit gemeint gewesen sei (Urk. 112 S. 14; Urk. 89 S. 54). Sinngemäss macht
der Verteidiger geltend, anhand der Videoaufzeichnungen der privaten Überwa-
chungskameras lasse sich zeigen, welche Personen dort tätig gewesen seien,
was wiederum Rückschlüsse darauf zuliesse, dass mit der Bezeichnung "der von
der Garage" gar nicht zwingend der Beschuldigte gemeint gewesen sei (Urk.122
S. 14).
4.2. Auch von der Staatsanwaltschaft wurde nie geltend gemacht, dass nur der
Beschuldigte in jener Garage verkehrt sei. Es kann zwanglos angenommen
werden, dass auch weitere Personen von den Überwachungskameras erfasst
wurden. Daraus lassen sich allerdings keinerlei Rückschlüsse darauf ziehen, wen
die Gesprächsteilnehmer mit "jenem von der Garage" gemeint haben wollen. Es
ist erwiesen und anerkannt, dass der Beschuldigte dort verkehrte. Der Antrag auf
Beizug aller Aufnahmen – soweit diese denn überhaupt noch vorhanden wären –
ist deshalb abzuweisen (Urk. 112 S. 13).
5. Dokumentation der Überwachungsmassnahmen
5.1. Im Zusammenhang mit dem Ermittlungsverfahren gegen den "A._-
D._-E._-Clan" (abermals Wortlaut der Staatsanwaltschaft) wurden über
einen längeren Zeitraum zahlreiche Überwachungsmassnahmen bewilligt. Der
Verteidiger rügt, die Staatsanwaltschaft habe nur jene Erkenntnisse aus den
Überwachungsmassnahmen zu den Akten genommen, welche den Beschuldigten
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belasten (Urk. 112 S. 14). Daher sei der Antrag gestellt worden, dass die Staats-
anwaltschaft eine Liste sämtlicher Observationsmassnahmen, die im gesamten
Sachverhaltskomplex aller Beschuldigten erfolgt seien, mit Angabe von Zeit, Ort
und Datum der Observationen, zu erstellen habe (Urk. 112 S. 15). Diese Edition
erlaube es der Verteidigung, zu überprüfen, welche Telefonate und Audio-
Aufzeichnungen seitens der Strafuntersuchungsbehörden als relevant eingestuft
worden seien (Urk. 112 S. 15). Im Berufungsverfahren wurde seitens des Vertei-
digers ein solcher Beweisantrag aber nicht mehr ausdrücklich gestellt. Die Straf-
verfolgungsbehörden sind denn auch nicht verpflichtet, im Falle von geheimen
Überwachungsmassnahmen selbst irrelevante Vorgänge zu den Akten zu neh-
men bzw. diese in einer detaillierten, lückenlosen und chronologischen Übersicht
aller stattgefundener Überwachungsmassnahmen im Sinne eines sogenannten
Logbuchs zu erfassen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_403/2018 vom 14. Ja-
nuar 2019 E. 2.3. f.). Welche Überwachungsmassnahmen die Staatsanwaltschaft
als relevant einstufte, ist zudem klar: Es sind jene, die sie zu den Akten genom-
men hat.
5.2. Darüber hinaus ist an der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs
für Menschenrechte festzuhalten, wonach von der beschuldigten Person verlangt
werden darf, spezifische Gründe für ihr Gesuch auf Einsicht in möglicherweise
sachdienliche Aktenteile ausserhalb der Ermittlungsakte zu erhalten (Urteil des
EGMR Matanovi C v. Croatia vom 4. April 2017, Rz. 157, auch in: MEYER/
STAFFLER, Die Rechtsprechung des EGMR in Strafsachen im Jahr 2017, in:
forumpoenale, 5/2018, S. 446 ff., S. 454). Solche Gründe, geschweige denn auch
nur schwache Anhaltspunkte oder Vermutungen, aus welchen Gesprächen sich
Entlastendes ergeben könnte, wurden von der Verteidigung nicht vorgebracht.
6. Lange Dauer der geheimen Ermittlungen gegen den Beschuldigten
6.1. Die Verteidigung rügt, dass die dem Beschuldigten vorgeworfenen
Drogenhandelsaktivitäten das Jahr 2013 betreffen, der Beschuldigte jedoch erst
am 7. Januar 2015 verhaftet worden sei (Urk. 112 S. 18). Es sei unzulässig, wenn
Strafuntersuchungsbehörden einer Person jahrelang zuschauten, wie diese
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Drogen verkaufe, um zu erreichen, dass eine grosse Drogenmenge zusammen-
komme, welche eine längere Haftstrafe rechtfertigen würde.
6.2. Dieser Einwand kann in gewissen Fällen durchaus seine Berechtigung
haben, insbesondere wenn die Strafuntersuchung in geradezu rechtsmiss-
bräuchlicher Weise verzögert wird. Davon kann vorliegend aber keine Rede sein.
Ermittlungen gegen internationale Drogenbanden sind oftmals sehr aufwendig
und kompliziert. Das Bestreben, nicht gleich beim ersten Delikt zu Verhaftungen
zu schreiten, sondern zu versuchen, Hintermänner und Lieferketten zu ermitteln,
ist völlig legitim. Es ist denn auch widersprüchlich, wenn die Verteidigung einer-
seits einen Freispruch mit der Begründung mangelnder Beweise verlangt,
andererseits aber einen früheren Abbruch der Ermittlungen und eine schnellere
Verhaftung des Beschuldigten fordert.
7. Übersetzungsfehler
7.1. Soweit die Rüge von Übersetzungsfehlern die abgehörten Gespräche in
der Wohnung von C._ betreffen (Urk. 144 S. 8), muss nicht weiter darauf
eingegangen werden, weil ohnehin nicht auf diese Aufnahmen abgestellt werden
kann, da die Identität des Beschuldigten mit einer der jeweils sprechenden Perso-
nen nicht rechtsgenügend nachgewiesen ist (siehe nachfolgende Ausführungen
zum phonetischen Gutachten; E. III.8.).
7.2. Da die Vorwürfe des Drogenverkaufs an B._ nicht mehr Gegenstand
des Berufungsverfahrens bilden, ist auch der Antrag auf Neuübersetzung des Ta-
gebuches von B._ abzuweisen. Dieses Tagebuch hat für die im Berufungs-
verfahren verbleibenden Anklagepunkte keine Bedeutung mehr.
7.3. Abzustellen ist vorliegend auf die SMS-Kommunikation des Beschuldigten.
Sämtliche relevanten SMS hat die Vorinstanz in ihrem Entscheid in der deutschen
Übersetzung zitiert. Hinsichtlich keiner dieser SMS legte der Beschuldigte dar,
inwieweit ein sinnentstellender oder relevanter Übersetzungsfehler vorliege.
Grundsätzlich sind nur fehlerhafte Verfahrenshandlungen zu korrigieren. Einen
Anspruch auf erneute Übersetzung aller noch relevanten Überwachungsergebnis-
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sen besteht ebenso wenig wie ein Anspruch auf Wiederholung des ganzen
Strafverfahrens infolge eines Fehlers. Deshalb ist auch dieser pauschale bzw.
generelle Antrag der Verteidigung abzuweisen.
8. Identifikation des Beschuldigten anhand des Stimmenvergleichs
8.1. Der Beschuldigte liess bereits vor Vorinstanz bestreiten, die Person zu
sein, welche auf den abgehörten Gesprächen zu hören sei (Prot. I S. 24). Daran
hielt er auch im Berufungsverfahren fest und beantragte ein Stimmanalyse-
Gutachten (Urk. 111 S. 8; Urk. 112 S. 12; Urk. 117).
8.2. Ein forensisches Stimmengutachten umfasst einerseits eine technische
Analyse des Audiomaterials, andererseits aber auch eine linguistische Analyse
auf den drei Betrachtungsebenen Stimme, Sprache und Sprechweise. Man unter-
scheidet zwischen akustischer und auditiver Methodik (s.a. Beilage 1 zu
Urk. 138). Die wissenschaftlich zuverlässige Feststellung sprecherspezifischer
Merkmale bedingt deshalb Analysematerial in guter Qualität, denn die Stimme ist
kein eindeutiger Fingerabdruck; nur schon die Variabilität des Sprechers kann
erheblich sein. Besondere Schwierigkeiten bietet dabei fremdsprachiges Audio-
material. Hier reicht nicht einfach eine Übersetzung aus, sondern die begutach-
tende Person muss über vertiefte linguistische Kenntnisse der betreffenden
Fremdsprache verfügen, insbesondere um sprachliche Eigenheiten, wie bei-
spielsweise dialektspezifische Sprechweisen, zu identifizieren und zu differen-
zieren. Zur Dokumentation der Analyse sind deshalb absolut exakte Niederschrif-
ten in der betreffenden Sprache, sogenannte Transkriptionen (u.a. auch in phone-
tischer Schrift) nötig, sowie deren Übersetzungen, welche auch die linguistischen
Eigenheiten der betreffenden Sprache und des Sprechers möglichst authentisch
wiedergeben.
8.3. Das Gutachten des Forensischen Instituts gelangte zum Schluss, dass
eine eindeutige Sprecherzuordnung und Identitätsermittlung der Sprecher anhand
des qualitativ schlechten Materials und aufgrund von fehlendem tauglichen
Vergleichsmaterial nicht möglich sei (Urk. 137 S. 11). Es hielt auch fest, dass die
polizeilichen Übersetzungen der abgehörten Gespräche in der Qualität sehr
- 16 -
variieren würden und insgesamt mangelhaft seien. So seien beispielsweise
Passagen mit überlappenden Sprechsequenzen nicht als solche notiert und viele
Stellen aufgrund der schlechten Aufnahmequalität als unverständlich markiert
worden.
8.4. Aus diesem Grund kann allein aufgrund des Audiomaterials der abgehör-
ten Gespräche aus der Wohnung von C._ nicht rechtsgenügend geschlossen
werden, dass es sich bei einem der Sprecher um den Beschuldigten handle.
8.5. Die Tatsache, dass die Übersetzungen jener Audioaufnahmen bzw.
Gespräche (teilweise) für eine forensische Analyse ungenügend waren, lässt aber
nicht den Schluss zu, dass auch die Übersetzung der SMS-Kommunikation
sinnentstellende Fehler enthalte. Zum einen waren diese nicht Gegenstand der
Untersuchung des Forensischen Instituts, zum anderen handelt es sich dort um
schriftliche Übersetzungen von geschriebenen Meldungen, weshalb die akusti-
sche Verständlichkeit gar keine Rolle spielte.
8.6. Was abgehörte Telefongespräche betrifft, so ergibt sich die Identifikation
des Sprechers im Nachfolgenden jeweils aufgrund der Übereinstimmung mit
weiteren Beweisen, insbesondere Standortdaten des Mobiltelefons des Beschul-
digten oder inhaltlichen Angaben, die zwingend auf ihn schliessen lassen. Allein
aufgrund der Stimme ist eine Identifikation des Beschuldigten aber vorliegend
ebenfalls nicht rechtsgenügend möglich (dazu noch nachfolgend: E. IV.2 und
IV.3.3.).
8.7. Dass die Übersetzungen dieser Telefongespräche relevante sinnentstel-
lende Fehler enthalten, hat die Verteidigung ebenfalls nicht dargelegt. Immerhin
standen die Dolmetscher unter der Androhung strafrechtlicher Konsequenzen bei
wissentlich falscher Übersetzung. Abgesehen davon gibt es aufgrund des
unterschiedlichen semantischen Verständnisses von Wörtern, insbesondere aus
verschiedenen Sprachen, immer gewisse Differenzen in Übersetzungen. Der
Umstand, dass die Übersetzungen der abgehörten Wohnungsgespräche für eine
linguistische Analyse qualitativ nicht ausreichten, besagt daher noch nicht, dass
die Übersetzungen der abgehörten Telefongespräche sinnentstellende Fehler
- 17 -
enthalten würden. Auch die Bemerkungen im forensischen Gutachten über die
Qualität der polizeilichen Verdolmetschungen geben deshalb keinen Anlass, ohne
nähere Anhaltspunkte im Sinne des Antrags der Verteidigung sämtliches fremd-
sprachiges Beweismaterial nochmals übersetzen zu lassen (Urk. 144 S. 9).
IV. Sachverhalt
1. Überprüfungsumfang
Da die Staatsanwaltschaft das vorinstanzliche Urteil lediglich hinsichtlich der
Strafzumessung anficht, stehen die teilweisen Freisprüche der Vorinstanz nicht
mehr zur Disposition (Urk. 113). Zwar fanden diese teilweisen Freisprüche keine
Erwähnung im vorinstanzlichen Dispositiv, was prozessual zu bemängeln und im
Dispositiv des Berufungsentscheides zu korrigieren ist. Immerhin ist den
Erwägungen der Vorinstanz aber klar zu entnehmen, in welchen Punkten sie den
Anklagevorwurf als nicht erstellt erachtete. Deshalb wird nachfolgend nicht weiter
im Detail auf die Anklagevorwürfe eingegangen, in welchen die Vorinstanz zu
Freisprüchen gelangte.
2. Verweis auf Erwägungen der Vorinstanz
Gemäss Art. 82 Abs. 4 StPO kann die Rechtsmittelinstanz für die tatsächliche und
rechtliche Würdigung des angeklagten Sachverhalts auf die Begründung der Vor-
instanz verweisen. Soweit nachfolgend auf Erwägungen im vorinstanzlichen Urteil
verwiesen wird, erfolgt dies im zustimmenden Sinne. Davon ausgenommen sind
allerdings die Erwägungen der Vorinstanz hinsichtlich der Identifikation des
Beschuldigten anhand der Stimme in den abgehörten Gesprächen (Urk. 89 S. 16
- 19). Eine solche Übereinstimmung hätte man mittels forensischem Stimmengut-
achten nachzuweisen gehabt, was vorliegend mangels genügender Tonqualität
nicht möglich war (Urk. 137). Der entsprechende Einwand der Verteidigung ist
begründet.
- 18 -
3. Vorbemerkung
3.1. Bei der Strafuntersuchung gegen den Beschuldigten handelt es sich um
ein kleines Segment aus einer sehr grossen und komplexen Strafuntersuchung im
Umfeld der Familie A._-D._-E._ wegen Drogenhandels. Bei Durch-
sicht der Akten kann man sich des Verdachts kaum erwehren, dass auch der Be-
schuldigte ganz tief darin verwickelt war. Die Ermittlungsarbeiten waren zweifellos
äusserst schwierig und aufwendig. Im Nachhinein fällt eine Kritik an der Untersu-
chungsführung natürlich immer leicht. Trotzdem ist festzustellen, dass es die
Staatsanwaltschaft weitgehend der Verteidigung bzw. dem Gericht überliess, aus
den umfangreichen Akten einzelne abgehörte Gespräche herauszusuchen und
miteinander zu kombinieren sowie mit Standortdaten von Mobiltelefonen zu ver-
gleichen und daraus selbst vermeintliche Schlussfolgerungen zu ziehen, welche
dann Ausgangspunkt für weitere Interpretationen von weiteren abgehörten Ge-
sprächen bilden. In ihrem Plädoyer vor Vorinstanz hielt die Staatsanwaltschaft zu-
treffend fest, dass die verschiedenen Vorgänge "puzzleartig" zusammengesetzt
werden könnten. Dies allerdings, ohne darzulegen, welche der Puzzleteile sie für
ihre Argumentationsketten als wesentlich erachtete und wie diese ihrer Ansicht
nach zusammenzusetzen bzw. zu interpretieren seien (Urk. 66 S. 3). Auch die et-
was umständliche Nummerierung der Anklagevorwürfe – z.B. A.1.b) aa), teilweise
durchgehende Nummerierung, teilweise neu beginnende Nummerierung – mit
einem Rahmenvorwurf (A.1.1. - A.1.2.) und unklarer Abgrenzung zu den Detail-
vorwürfen ("Unter anderem handelt es sich um folgende Heroingeschäfte") samt
Überschneidungen von Vorgängen (Vorgang 37/6 und 37/7) vereinfacht die Arbeit
ebenso wenig, wie die Akturierung der Untersuchungsakten. Den polizeilichen
Befragungen wurden beispielsweise zahlreiche Beilagen angeheftet, die teilweise
unnummeriert, nicht fortlaufend nummeriert oder gar unleserlich nummeriert
wurden (vgl. Urk. 1/2/18 Beilagen 15 - 102?). Auch ein Gesamtverzeichnis aller
Akten fehlt.
3.2. Die Beweisführung der Staatsanwaltschaft stützt sich weitgehend auf
Niederschriften von abgehörten Gesprächen. Die Staatsanwaltschaft äusserte vor
Vorinstanz selbst, dass dabei die Zuordnung des Beschuldigten als einer der
- 19 -
Gesprächspartner zentral in der Beweisführung sei (Urk. 66 S. 3). Die Staatsan-
waltschaft ging dann zwanglos davon aus, dass dem so sei, weil den Übersetzern
der abgehörten Gespräche die markante Stimme des Beschuldigten aufgefallen
sei (Urk. 66 S. 3). Die Einschätzung der Dolmetscher ist ein wertvoller Hinweis,
allerdings kein rechtsgenügender Beweis. Es kommt hinzu, dass die Qualität der
Übersetzungen in den Niederschriften gemäss Gutachten des Forensischen
Institutes stark variiere und insgesamt als mangelhaft zu bezeichnen sei (Urk. 137
S. 11 E. 6.2). Dies fällt auch dem laienhaften Leser auf, denn teilweise sind die
auf Deutsch übersetzten Sätze inhaltlich und grammatikalisch nur schwer
verständlich, sei es, weil bloss einzelne Worte und weniger der Sinn übersetzt
wurde oder weil vielleicht unverständlich gesprochen worden war. Auch die
Tonqualität war gemäss Forensischem Institut derart ungenügend, dass die
Erstellung eines Stimmengutachtens nicht möglich war (Urk. 137). Wie bereits
erwähnt ist allerdings nicht ersichtlich, dass geradezu sinnentstellende Über-
setzungen erfolgten, welche sich zum Nachteil des Beschuldigten auswirkten.
Solches wurde von der Verteidigung denn auch nicht konkret dargelegt.
3.3. Die Vorinstanz hat mit sehr grossem Aufwand und Akribie versucht, mittels
Interpretation von abgehörten Gesprächen bzw. mit teilweise kaskadenhaft anmu-
tenden Spekulationen über die Bedeutung der Gesprächsinhalte in Kombination
mit Querverweisen zu anderen Gesprächen und Standortdaten von Mobiltelefo-
nen sowie wenigen Observationsberichten die Anklagevorwürfe zu erstellen.
Teilweise ist ihr dies gelungen. Zum Teil ist ihre Konklusion zwar sehr plausibel,
genügt aber den Anforderungen an eine lückenlose Beweiskette nicht. So geht
die Vorinstanz beispielsweise bei jedem transkribierten und übersetzten
Gespräch, bei welchem die Dolmetscher einen der Gesprächsteilnehmer als
"A'._" gekennzeichnet haben, stets davon aus, dass es sich zweifelsfrei um
den Beschuldigten handle. Das vorinstanzliche Gericht verschaffte sich in diesem
Zusammenhang einen eigenen Eindruck von den Audioaufnahmen in albanischer
Sprache und gelangte zum Schluss, dass eine Identifikation des Beschuldigten
anhand seiner Stimme, des Tonfalles und der Sprechweise auch ohne Stimmen-
gutachten problemlos möglich sei (Urk. 89 S. 18). Diese Schlussfolgerung ist nicht
haltbar, nachdem selbst die phonetische Abteilung des Forensischen Instituts
- 20 -
aufgrund des mangelhaften Untersuchungsmaterials an der Identifikation des
Beschuldigten gescheitert ist (Urk. 137). Die Vorinstanz geht auch davon aus,
dass sämtliche (Telefon-)Gespräche, welche unter Beteiligung der auf die Namen
H._, I._, J._ und K._ registrierten Telefonnummern erfolgten,
vom Beschuldigten geführt worden seien (Urk. 89 S. 121). Bei einzelnen Gesprä-
chen an einzelnen Tagen mag dies nachgewiesen sein, insgesamt erweist sich
diese generelle Annahme aber als bloss wahrscheinlich. Es wird im Einzelnen
nachfolgend noch darauf eingegangen.
3.4. Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass die vorinstanzliche Akturierung
bzw. Aktenzitierung Missverständnissen Vorschub leistet. Im Aktenverzeichnis
und in der Urteilsbegründung stellt die Vorinstanz den Aktenstellen der Unter-
suchungsakten eine "1" voran, obschon jene Dokumente nicht so akturiert sind
(bspw. wird die Anklageschrift mit "act. 1/11" anstatt mit "act. 11" bezeichnet). Die
bezirksgerichtlichen Akten wurden darauf folgend mit "2, 3" etc. weitergeführt.
Deshalb gibt es Aktenstücke aus dem Untersuchungsverfahren und Aktenstücke
aus dem bezirksgerichtlichen Verfahren, welche dieselbe Actorennummer tragen.
Nachfolgend wird die vorinstanzliche Akturierung verwendet, um nicht weitere
Verwirrung zu schaffen. Mit Urkunde 1/2/12 ist somit beispielsweise das Doku-
ment 2/12 aus den Untersuchungsakten gemeint.
4. Verstrickung des Beschuldigten in den Drogenhandel
4.1. Die Vorinstanz hat ausführlich und detailliert geschildert, wie der Beschul-
digte im Drogenhandel verwickelt war. Insbesondere hat sie dargelegt, dass der
Beschuldigte mehrere Kurzbesuche bei C._ gemacht hat, welche sich
aufgrund der gesamten Beweismittel und Indizien auch ohne Identifikation des
Beschuldigten durch das Stimmengutachten zwanglos erstellen lassen. C._
ist der Mitbeschuldigte, in dessen Wohnung man eine erhebliche Menge Heroin
sicherstellen konnte (Urk. 89 S. 38 f.). Die abgehörten Gespräche zwischen
C._, dem Beschuldigten sowie mit weiteren am Drogenhandel beteiligten
Personen ergeben im Kontext ein Gesamtbild, das eindeutig ist. Zwar sprachen
die beteiligten Personen immer codiert, d.h. unter Vermeidung des Wortes "Hero-
in"; dies ist allerdings üblich in Drogenhandelskreisen und der Beschuldigte konn-
- 21 -
te auch keine vernünftige Erklärung liefern, was ausser Drogen denn sonst das
Gesprächsthema hätte gewesen sein sollen (Urk. 89 S. 40 f.).
4.2. Der Beschuldigte berief sich während dem gesamten Verfahren praktisch
ausnahmslos auf sein Aussageverweigerungsrecht und machte auf Vorhalt der
belastenden Passagen der abgehörten Gespräche keine Aussagen (Urk. 1/2/1 -
1/2/35). Insofern stehen die belastenden Momente ohne plausible Eventualerklä-
rung des Beschuldigten im Raum. Allein der Umstand, dass der Beschuldigte
in Abrede stellte, C._ zu kennen, obschon abgehörte Gespräche in Kombina-
tion mit Standortdaten das Gegenteil belegen (vgl. Urk. 112 S. 25 - 38), zeigt,
dass seinen Bestreitungen keinen Glauben geschenkt werden kann.
5. Anklageziffer A.1.a, Vorgang (= VG) 23
5.1. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, er habe vor dem 29. April 2013
sowie am 17. Mai 2013 jeweils ein halbes Kilogramm Heroingemisch verkauft. Es
handelt sich um eine Drogenübergabe an einen unbekannten Mann namens
"L._" aus der Region Genf.
5.2. Die Vorinstanz würdigt zahlreiche abgehörte Telefongespräche in einem
Gesamtzusammenhang und erachtet diese Lieferung als erwiesen. Dieser
Auffassung ist beizupflichten, und es ist auf die Erwägungen der Vorinstanz zu
verweisen (Urk. 89 S. 19 - 56 und S. 56 - 74). Wesentlich für die Beweisführung
ist die SMS des Mitbeschuldigten C._, worin er erwähnt, dass er den Korb,
den ihm diese Garage gegeben habe, einem von unten für 35 Zoll Diameter
gegeben habe (Beilage zu Urk. 1/2/10 [30. April 2013]). Die Vorinstanz hat einer-
seits überzeugend hergeleitet, dass der Mann von der Garage der Beschuldigte
sein muss und insbesondere nicht E._ sein kann (Urk. 89 S. 47 - 56,
insbesondere S. 53 f.). Dies ergibt sich aus der Kohärenz mit Standortdaten,
Gesprächsinhalten und Observationen des Beschuldigten sowie dem Umstand,
dass erwiesen ist, dass die Mobiltelefonnummer ... dem Beschuldigten zuzuord-
nen und im fraglichen Zeitraum auch von ihm benutzt worden ist. Auch dies hat
die Vorinstanz überzeugend hergeleitet (Urk. 89 S. 20 - 22). Die pauschale Be-
hauptung der Verteidigung, dass dieses Mobiltelefon bzw. diese Nummer im Jah-
- 22 -
re 2013 nicht ausschliesslich vom Beschuldigten verwendet worden sei, blieb oh-
ne jegliche objektive Anhaltspunkte (Urk. 112 S. 19). Es kann deshalb zwanglos
angenommen werden, dass es sich beim Sprecher unter dieser Nummer jeweils
um den Beschuldigten handelt. Ebenso kein vernünftiger Zweifel besteht in der
Annahme, dass es sich beim Mann "von unten" um "L._" aus Genf handelt.
Dies ergibt sich aus der zeitlichen Koinzidenz der Reise von L._ zum Be-
schuldigten gemäss dem Telefongespräch zwischen den beiden am 29. April
2013und den weiteren Gesprächen (Urk. 89 S. 57 f.). Schliesslich ergibt sich
aus den späteren Telefonaten über die schleppende Bezahlung, dass L._
Fr. 17'500.-- pro halbes Kilo bezahlte (für das eine halbe Kilo Fr. 11'000.-- und
Fr. 6'500.--; vgl. insbesondere das Gespräch vom 19. Mai 2013, Beilage von
Urk. 1/2/5). Diese Schlussfolgerung aufgrund dieser Kurzzusammenfassung mag
auf den ersten Blick spekulativ erscheinen, sie lässt sich jedoch durch zahlreiche
weitere Gespräche erhärten, welche als einzelne Mosaiksteine letztlich im
Gesamtzusammenhang ein klares Bild ergeben. Um unnötige Wiederholungen zu
vermeiden, ist auf die ausführlichen Erwägungen der Vorinstanz zu verweisen
(Urk. 89 S. 56 - 74). Dass die Vorinstanz den Geldfluss für die Bezahlung der
Drogen als nicht rechtsgenügend erwiesen erachtete, ändert daran nichts (Urk. 89
S. 70). Immerhin ist aber davon auszugehen, dass der Beschuldigte die Drogen
nicht gratis geliefert hat.
6. Anklageziffer A.1.b) aa), VG 37/3
6.1. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, er habe am 5. Juni 2013 C._ in
dessen Wohnung in M._ ein halbes Kilogramm Heroin zum Erwerb angebo-
ten (Urk. 1/11 S. 3).
6.2. Dies ist aus dem abgehörten Gespräch zwischen dem Beschuldigten (in
der Legende in Anlehnung an dessen Vorname A._ als "A'._" bezeich-
net) und C._ abzuleiten, als der Beschuldigte C._ fragt, ob er ein "Hal-
bes" wolle (Urk. 1/2/5 Beilage 53). C._ verlangte hierauf zunächst eine Pro-
be. Im Übrigen dreht sich die Konversation unzweifelhaft um Drogengeschäfte.
Dieser Anklagesachverhalt ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz rechtsge-
nügend erwiesen (Urk. 89 S. 74 - 77). Die Identität des Beschuldigten ergibt sich
- 23 -
aus seiner Mitteilung im Gespräch, wonach er am nächsten Tag "nach Hause ge-
he" und erst am Sonntag oder Montag wieder zurückkommen werde (Urk. 1/2/5
Beilage 53b). Dies korreliert mit den Standortdaten seines Mobiltelefons, welche
einen Abflug am Folgetag und hernach eine Ankunft am Montag auf dem Flugha-
fen Zürich dokumentieren (Urk. 89 S. 23).
6.3. Die Verteidigung beruft sich zur Entlastung auf einen Standortnachweis
des Mobiltelefons des Beschuldigten mit der Nummer .... Dieser dokumentiere,
dass der Beschuldigte zur fraglichen Zeit in der Stadt Zürich gewesen sei (Urk.
112 S. 11 i.V.m. Urk. 68/1). Allerdings ist die Vorinstanz bereits auf die Zeitanga-
ben der Standortdaten und die Differenzen zur Ortszeit eingegangen (Urk. 89 S.
22 E. 3.2.2.). Der erwähnte Standortnachweis belegt deshalb gerade im Gegen-
teil, dass das Handy des Beschuldigten im Tatzeitpunkt (ca. 22 Uhr) bei Antennen
in der Nähe des Wohnortes von C._ eingeloggt war (Urk. 68/1). Wie bereits
erwähnt, verweigerte der Beschuldigte eine Aussage dazu, was er oder sein Mo-
biltelefon denn sonst in jener Gegend im Tatzeitraum gemacht habe.
6.4. Eine Verletzung des Anklagegrundsatzes ist zudem entgegen der Auf-
fassung der Verteidigung nicht zu erblicken, wenn die Anklageschrift bloss das
Anbieten von Heroin nennt und an jener Stelle nicht die Worte des Anstalten
Treffens erwähnt (Urk. 112 S. 22). Letzteres ist eine Frage der rechtlichen Wür-
digung und nicht des Anklagegrundsatzes. Ebenfalls ist nicht ersichtlich, was der
Beschuldigte aus dem Umstand ableiten will, dass dieses Treffen in der Anklage
gegen C._ angeblich fehle.
7. Anklageziffer A.1.c) gg), VG 37/4
7.1. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, er habe C._ am 14. August
2013 in dessen Wohnung 240 Gramm Heroingemisch übergeben.
7.2. Der Vorhalt stützt sich auf ein abgehörtes Gespräch in der Wohnung von
C._, das im Wortlaut auch im vorinstanzlichen Urteil wiedergegeben wird
(Urk. 89 S. 89). Daraus geht hervor, dass C._ zunächst Geldscheine bis zum
Betrag von Fr. 8'500.-- zählt. Dann wechseln die Anwesenden einige Worte und
- 24 -
plötzlich äussert C._: "Das sind ja nur 240 Punkte, fuck!". Selbstverständlich
liegt die Vermutung nahe, dass der Beschuldigte C._ in dessen Wohnung
aufsuchte, um einmal mehr Heroin zu liefern. Dafür, dass es sich beim
Gesprächspartner von C._ um den Beschuldigten gehandelt hat, liegen
jedoch keine anderen Beweise vor als die Vermutung der dolmetschenden
Person anhand der Stimme. An der Interpretation, dass der Ausruf von C._
eine vom Beschuldigten gelieferten Drogenmenge betraf, bleiben zudem ebenfalls
gewisse Zweifel. So ist beispielsweise anzunehmen, dass sich zwischen C._
und der Person ein Gespräch darüber ergeben hätte, weshalb es denn "bloss"
240 Gramm gewesen sind. Allerdings endet die Transkription des Gesprächs kurz
nach dem Ausruf von C._ (Urk. 1/2/7 Beilage 127). Insgesamt kann deshalb
nicht rechtsgenügend erstellt werden, dass der Beschuldigte am 14. August 2013
240 Gramm Heroingemisch geliefert hat, weshalb er in diesem Punkt freizu-
sprechen ist.
8. Anklageziffer A.2.1., VG 37/5
8.1. Gemäss Anklage habe der Beschuldigte am 21. November 2013 C._
in dessen Wohnung ein Heroinmuster angeboten (Urk. 1/11 S. 4).
8.2. Dieser Sachverhalt basiert auf einem abgehörten Gespräch vom
21. November 2013 in der Wohnung von C._, bei welchem zunächst drei
Personen anwesend waren. Eine Person sagte zu C._: "Ich habe dir ein
Muster mitgebracht" (Urk. 1/2/9 Beilage 344). Aus dem gesamten Gespräch geht
zwar zweifelsfrei hervor, dass sich die Personen über Drogengeschäfte unter-
halten, u.a. über Lieferungen und Zahlungsausstände. Standortdaten des Mobil-
telefons des Beschuldigten sind allerdings nicht vorhanden (Urk. 89 S. 32). Die
Vorinstanz stützte ihren Schuldspruch, nebst der vermuteten Übereinstimmung
der Stimme des Sprechenden mit derjenigen des Beschuldigten, auf zwei weitere
Umstände. Zum einen lasse der Unterbruch des Antennenkontaktes in
Oberengstringen von gut einer Stunde vermuten, dass der Beschuldigte sein
Mobiltelefon während des Besuchs bei C._ ausgeschaltet habe (Urk. 89
S. 32). Zum anderen bezeichne C._ gegenüber dem dort anwesenden
Dritten den Beschuldigten als Neffen von "dem aus N._ [Stadt in Nordmaze-
- 25 -
donien]" (Urk. 89 S. 33). Der Beschuldigte ist zwar der Neffe des mutmasslichen
Kopfes der Drogenhandelsorganisation in N._, aber diese Äusserung er-
scheint zu spekulativ, um daraus eine Identifikation des Beschuldigten rechtsge-
nügend nachzuweisen. Der Beschuldigte ist deshalb von diesem Vorwurf freizu-
sprechen.
9. Anklageziffer A.2.2., VG 37/5
9.1. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, am 30. November
2013 C._ in dessen Wohnung 250 Gramm Heroin angeboten und rund eine
Stunde später 244 Gramm geliefert zu haben (Urk. 1/11 S. 4).
9.2. Bei den Akten ist die Niederschrift des abgehörten Gesprächs vom
30. November 2013 zwischen dem Beschuldigten, einem unbekannten Mann
namens "O._" und C._ in dessen Wohnung (Urk. 1/2/9 Beilage 372d).
C._ sagte gegenüber dem Beschuldigten, er werde 100 nehmen, worauf der
Beschuldigte erwiderte: "um ehrlich zu sein, der Stoff geht bis 200, 300"
(s.a. Urk. 89 S. 115). Darauf unterhalten sich die beiden über das Strecken von
Drogen. Am Ende erklärt der Beschuldigte, dass er in einer halben Stunde wieder
vorbei komme und verlässt die Wohnung, was gemäss Transkription des abge-
hörten Gespräches offenbar hörbar war (Urk. 2/9 Beilage 372 f.). Im Gespräch
knapp eine Stunde später sagt O._, sie sollten die Ware abwägen, worauf
C._ äussert, dass es 244 seien, obschon es 250 hätten sein müssen.
9.3. Die Vorinstanz hat dargelegt, dass die Bewegung des Mobiltelefons des
Beschuldigten anhand der Standortdaten eine äusserst auffällige Übereinstim-
mung mit dem Gesprächsinhalt, wonach er Drogen hole und wieder zurückkehre,
aufweist (Urk. 89 S. 34 - 37). Dies kann nicht auf einen blossen Zufall zurückge-
führt werden. Der Sachverhalt ist in diesem Punkt erstellt.
10. Anklageziffer B.1.1. - B.1.4.
10.1. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, am 30. Oktober 2013 F._ in
P._ [Ortschaft] getroffen und eine Heroinübergabe besprochen zu haben. Am
2. November 2013 habe der Beschuldigte den von F._ vermittelten Abneh-
- 26 -
mer getroffen und diesem im Raum P._ eine Heroinprobe übergeben. Nach-
dem der Abnehmer die Qualität der Heroinprobe als gut befunden habe, habe ihm
der Beschuldigte am selben Abend eine unbekannte Menge im Bereich von 100 -
1000 Gramm Heroin geliefert. Am 8. November 2013 hätten sich dann der
Beschuldigte mit F._ und dem Abnehmer "Q._" getroffen, worauf der
Beschuldigte dem Q._ Heroin ausgehändigt habe (Urk. 1/11 S. 4).
10.2. Die Verteidigung anerkennt, dass eine nachvollziehbare Kommunikations-
kette dokumentiert sei, welche auf einen Drogenhandel im Bereich von 1 -
100 Gramm hinweise. Eine Übergabe von Drogen seitens des Beschuldigten sei
jedoch nicht nachgewiesen (Urk. 112 S. 23).
10.3. Die Mitteilung von Q._ an F._, wonach er schauen werde, wie
das Auto laufe (Urk. 1/2/12 Beilage 28), genügt nicht für den Nachweis, dass der
Beschuldigte diesem vorgängig eine Heroinprobe übergeben habe, die er nun
prüfen müsse. Dies, auch wenn man aufgrund der SMS-Kommunikation davon
ausgeht, dass sich der Beschuldigte und F._ am betreffenden Abend getrof-
fen haben (Urk. 1/2/12 Beilagen 15 - 24). Eine der Mitteilungen vom 2. November
2013 lautete übersetzt: "Komm heute Kaffee trinken, weil ich das Mädchen, über
welche du mir erzählt hast, getroffen habe. Deswegen komme heute, damit wir
Kaffee trinken können" (Urk. 1/2/12 Beilage 3). Der Vorinstanz ist zuzustimmen,
dass hier keine Zweifel bestehen, dass über Drogen gesprochen wurde. Auch der
Verteidigung ist allerdings Recht zu geben, dass damit eine Drogenübergabe
nicht rechtsgenügend erwiesen ist. Dies ist zwar wahrscheinlich, aber bloss eine
Vermutung.
10.4. Der Mitbeschuldigte F._ hat in der Konfrontationseinvernahme mit
dem Beschuldigten zugegeben, dass ein Treffen mit dem Beschuldigten und einer
Person namens Q._ am 8. November 2013 stattgefunden habe (Urk. 1/2/19
S. 4). Der in unmittelbarer Abfolge erfolgte SMS-Verkehr von F._ mit
Q._ und dem Beschuldigten belegt zudem, dass Q._ einige Zeit
"draussen" warten musste, weil der Beschuldigte Verspätung hatte, was der Be-
schuldigte auch vorgängig mitteilte (Urk. 1/2/12, Beilagen 40 - 44). Hernach fragte
F._ Q._ per SMS, ob "er" (gemeint ist der Beschuldigte) gekommen sei,
- 27 -
was Q._ bestätigte (Urk. 1/2/12 Beilage 47). Ebenso gab F._ in seiner
Einvernahme zu, dass ihm Q._ mitgeteilt habe, dass er 100 Gramm bekom-
men habe (Urk. 1/2/19 Antwort 18). Wenn F._ allerdings behauptet, er wisse
nicht, von wem Q._ diese 100 Gramm erhalten habe, ist dies angesichts der
dargestellten SMS-Kommunikation eine offensichtliche Schutzbehauptung
(Urk. 1/2/19 Antwort 16). Richtig ist, dass die Übergabe nicht unter den Augen
von F._ stattfand, sondern "draussen". In diesem Sinne ist die Behauptung
von F._ nicht falsch.
10.5. Dieser Anklagesachverhalt ist deshalb im Umfang von 100 Gramm rechts-
genügend nachgewiesen, in Bezug auf eine höhere Menge nicht.
11. Anklageziffer B.3.
11.1. Dem Beschuldigten wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, er habe
F._ am 8. Dezember 2013 200 Gramm Heroin geliefert (Urk. 1/11 S. 5).
11.2. Auch diesbezüglich brachte die Verteidigung vor, dass lediglich gesagt
werden könne, dass der Beschuldigte mit F._ gesprochen habe, es aber
nicht zu einer Drogenübergabe gekommen sei (Urk. 112 S. 24).
11.3. Es kann auf die überzeugenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen
werden (Urk. 89 S. 133 - 140). Wiederum ist aufgrund früherer Mitteilungen und
des Gesamtzusammenhangs klar, dass mit den Codeworten "Kaffee trinken" ein
Treffen zwecks Vereinbarung einer Drogenlieferung gemeint ist. Weiter legte die
Vorinstanz dar, dass mit dem Code "++" die Lieferung von 200 Gramm Heroin
gemeint war. Zum einen taucht dieser Code mehrfach auf, ohne dass ersichtlich
ist, was es sonst bedeuten sollte. Zum anderen deckt sich dies mit der SMS von
F._ an Q._, worin er diesem mitteilt, dass er dringend 200 Franken be-
nötige, wobei das Wort Franken hier Gramm bedeutet (Urk. 1/2/14 Beilage 4). Ein
deutliches Indiz dafür ist beispielsweise auch die SMS vom 3. Dezember 2013,
wo F._ von einem Abnehmer gefragt wird, wie teuer "Fr. 50" seien (Urk.
1/2/14 Beilage 10).
- 28 -
11.4. In der Folge kam es offenbar nicht zur Lieferung, weshalb sich F._ in
der SMS vom 5. Dezember 2013 beim Beschuldigten beklagte, dass er ihn habe
hängen lassen (Urk. 1/2/15 Beilage 6). Die beiden vereinbaren dann am
7. Dezember 2013 ein Treffen um 18 Uhr beim Coop in R._ [Ortschaft] (Urk.
1/2/15 Beilagen 27 - 30). Wiederum erscheint in den meisten Mitteilungen der
Hinweis auf den Zweck des Treffens, "Kaffee trinken".
11.5. Am 8. Dezember 2013 kam dann die folgende, im Gegensatz zu den
hektischen SMS zuvor nahezu entspannte Mitteilung des Beschuldigten an
F._: "Mein Freund, geht es dir gut? Geht der Familie gut?" worauf F._
antwortete: "Alles in Ordnung Freund. Der Familie geht gut. In Ordnung. Ciao"
(Urk. 1/2/15 Beilage 67 und 68). Hier besteht kein Zweifel, dass F._ damit
bestätigte, dass die Heroinlieferung in Ordnung gewesen sei. Was an dieser Stel-
le lediglich zusammengefasst wiedergegeben wird, hat die Vorinstanz detailliert
und überzeugend dargelegt. Auf ihre einleuchtenden Erwägungen kann verwie-
sen werden (Urk. 89 S. 133 - 140). Der Sachverhalt ist erstellt.
12. Anklageziffer B.5.
12.1. Unter dieser Anklageziffer wird dem Beschuldigten vorgeworfen, F._
am 18. Dezember 2013 in R._ 200 Gramm Heroin geliefert zu haben
(Urk. 1/11 S. 5).
12.2. Die Verteidigung verweist in ihrer Berufungsbegründung diesbezüglich auf
ihre Ausführungen vor Vorinstanz (Urk. 112 S. 24; vgl. Urk. 67 S. 46 - 50).
12.3. Die Vorinstanz hat dargelegt, dass F._ im abgehörten Gespräch vom
15. Dezember 2013 dem Beschuldigten mit codierten Worten ankündigt, dass er
am Mittwoch (18. Dezember 2013) seinen Drogenabnehmer treffen und ihm das
Heroin übergeben werde (Urk. 89 S. 143; Urk. 1/2/18 Beilage 5). Weiter ist auf-
grund der SMS-Kommunikation nachgewiesen, dass sich der Beschuldigte am
Mittwoch, 18. Dezember 2013, ca. um 20 Uhr, mit F._ beim Coop in R._
traf, wiederum um Kaffee zu trinken, was – wie bereits oben ausgeführt – eine
Drogenübergabe bedeutet (Urk. 89 S. 144; Urk. 1/2/18 Beilage 15).
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12.4. Ob die spätere SMS vom 20. Dezember 2013 einer unbekannten Person
an F._, wonach "die Braut sehr gut gewesen sei", diese Lieferung betraf,
kann dahingestellt bleiben (Urk. 1/2/18 Beilage 27). Es kann ausgeschlossen
werden, dass sich der Beschuldigte nach R._ begab, bloss um mit F._
ein Gespräch abzuhalten und ein Getränk zu konsumieren.
12.5. Schliesslich überzeugen auch die Ausführungen der Vorinstanz zur Menge
von 200 Gramm, was aus den zwei verräterischen Punkten in den SMS des
Beschuldigten an F._ vom 14. Dezember 2013, 09:59 Uhr (Urk. 1/2/18 Beila-
ge 1), sowie in jener vom 18. Dezember 2013, 13:59 Uhr, abzuleiten ist (Urk.
1/2/18 Beilage 17; Urk. 89 S. 142 - 144). Auch F._ und C._ verwende-
ten das Codewort "Punkte" bzw. "Pluszeichen" für die Menge in hundert Gramm
(vgl. oben E. IV.7.2.; E. IV.11.3. und E. IV.14.2. f.).
12.6. Auch die Übergabe von 200 Gramm Heroin am 18. Dezember 2013 in
R._/LU ist deshalb rechtsgenügend nachgewiesen.
13. Anklageziffer B.6.
13.1. Am 27. Dezember 2013 habe der Beschuldigte aufgrund einer am Vortag
erfolgten Bestellung 200 Gramm Heroin an F._ ausgeliefert (Urk. 1/11 S. 5).
13.2. Wiederum vereinbarten F._ und der Beschuldigte ein Treffen um "Kaf-
fee zu trinken" (Urk. 1/2/18 Beilagen 51 - 67). F._ sagte dem Beschuldigten,
er solle 2 Telefone mitnehmen. Die Vorinstanz hat überzeugend dargelegt, dass
damit einmal mehr in codierter Form mitgeteilt wurde, dass der Beschuldigte
200 Gramm mitbringen solle (Urk. 89 S. 149 - 150). F._ teilt dem Beschuldig-
ten dann mit, dass er sich um eine halbe Stunde verspäte, worauf der Beschuldig-
te ihm zunächst mitteilt, dass er wegen der Verspätung am morgigen Tag kom-
men solle, da er Besuch habe und nicht rausgehen könne (Urk. 1/2/18 Beilagen
51 - 67). Nichts desto trotz teilte er dem Beschuldigten um 19:09 Uhr mit, dass er
"hier" sei. Darauf erwiderte der Beschuldigte: "Ok, wenn du schon da bist,
dann komme ich in zwei Minuten", was F._ wiederum quittierte (Urk. 1/2/18,
Beilagen-Nr. unleserlich, vermutlich 64).
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13.3. Es kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen
werden (Urk. 89 S. 149 - 151). Der Anklagesachverhalt ist erstellt.
14. Anklageziffer B.7.
14.1. Dem Beschuldigten wird unter dieser Anklageziffer vorgeworfen, F._
am 6. Januar 2014 eine Menge von 200 Gramm Heroin angeboten und diese am
25. Januar 2014 in R._ übergeben zu haben (Urk. 1/11 S. 5). Die Übergabe
erachtete die Vorinstanz als nicht erwiesen (Urk. 89 S. 153), weshalb nur noch
auf das eingeklagte Angebot von 200 Gramm Heroin am 6. Januar 2014 einzuge-
hen ist.
14.2. Der Vorwurf stützt sich auf zwei SMS. Am 6. Januar 2014 fragte F._
beim Beschuldigten an, ob sie am selben Tag gemeinsam Kaffee trinken wollen
(Urk. 1/2/18 Beilage 75). Dies bestätigt der Beschuldigte mit seiner SMS rund 10
Minuten später (Urk. 1/2/18 Beilage 76). Am selben Tag schrieb der Beschuldigte
an F._ eine weitere SMS mit folgendem Wortlaut: "Gruss.. Kann ich dir Ge-
schenk für Weihnachten bringen?" (Urk. 1/2/18 Beilage 77).
14.3. Die Vorinstanz hat richtig hergeleitet, dass mit den Worten Kaffeetrinken
wiederum ein Drogengeschäft angebahnt wurde, und mit der Ankündigung eines
Weihnachtsgeschenks am 6. Januar 2014 sowie den bereits erwähnten codierten
zwei Punkten nach dem Wort Gruss eine Lieferung von 200 Gramm Heroin in
Aussicht gestellt wurde (Urk. 89 S. 151 - 152). Diesen Erwägungen ist nichts
beizufügen. Es ist rechtsgenügend erstellt, dass der Beschuldigte dieses Angebot
an F._ gemacht hat.
15. Zusammenfassung
15.1. Es ist somit rechtsgenügend nachgewiesen, dass der Beschuldigte insge-
samt 1'944 Gramm Heroingemisch abgegeben und weitere 700 Gramm Heroin-
gemisch angeboten hat.
15.2. Zum Reinheitsgrad kann auf die vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen
werden (Urk. 89 S. 155). Aufgrund der gehandelten Menge, der hierarchischen
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Stellung des Beschuldigten im Drogenhandel sowie statistischer Erhebungs-
zahlen ist von einem durchschnittlichen Reinheitsgrad des vom Beschuldigten
gehandelten Heroins von 30% auszugehen.
V. Rechtliche Würdigung
Es kann auf die vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden (Urk. 89 S. 155 -
160). Da die gehandelten Drogenmengen die bundesgerichtliche Grenze von
12 Gramm reinem Wirkstoff für den qualifizierte Fall von Art. 19 Abs. 2 lit. a
BetmG deutlich übertrafen, ist der Beschuldigte der mehrfachen Widerhandlung
gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c und g BetmG
(Veräusserung und Anstalten treffen) in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG
schuldig zu sprechen. Da ein Fortsetzungs- bzw. Wiederholungszusammenhang
besteht, hat bezüglich des Anbietens bzw. der Übergabe von Heroinproben kein
separater Schuldspruch zu ergehen (BGE 112 IV 109). Die Verteidigung erhob
eventualiter für den Fall eines Schuldspruchs zu Recht keine Einwendungen
gegen die rechtliche Würdigung.
VI. Strafzumessung
1. Strafrahmen
Aufgrund von Art. 19 Abs. 2 BetmG in Verbindung mit Art. 40 Abs. 2 StGB ist eine
Strafe zwischen 1 und 20 Jahren Freiheitsstrafe festzusetzen.
2. Tatkomponenten
2.1. Die Menge des reinen Heroinwirkstoffs beträgt knapp 800 Gramm, wobei
allerdings rund ein Drittel lediglich angeboten wurde, es mithin in diesem Umfang
zu keiner Drogenübergabe kam. Die Menge übersteigt die Grenze zu einem
schweren Fall um ein Vielfaches, weshalb die Strafe auch deutlich über einem
Jahr zu liegen kommen muss. Massgebend ist im vorliegenden Fall jedoch weni-
ger die Gesamtmenge, sondern vor allem die Art und Weise, wie der Beschuldigte
den Drogenhandel betrieb. Wer so häufig mit solch beträchtlichen Mengen und
über Monate hinweg handelt, bezeugt eine hohe kriminelle Energie und eine Stel-
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lung im mittleren bis oberen Bereich einer inländischen Drogenhandelshierarchie.
Der Beschuldigte handelte als Teil einer Drogenhandelsorganisation mit intensi-
ven Beziehungen in den Balkan. Wie hoch der finanzielle Profit des Beschuldigten
war, blieb im Dunkeln. Der Beschuldigte operierte mit verschiedenen, unter ver-
schiedenen Namen registrierten Mobiltelefonen und bediente sich einer codierten
Sprache, was auf einen nicht unerheblichen Organisationsgrad hinweist. Dass der
Beschuldigte aus finanzieller Bedrängnis heraus handelte, machte er nie geltend.
Er ist selbst nicht süchtig (Prot. I S. 86) und handelte relativ eigenständig, aus
reinem Gewinnstreben.
2.2. Insgesamt ist eine Strafe für das Tatverschulden im Bereich von 5 Jahren
angemessen (Urk 89 S. 161 - 167). Als grober Vergleich kann die Straf-
zumessungstabelle von FINGERHUTH/SCHLEGEL/JUCKER herangezogen werden
(FINGERHUTH/SCHLEGEL/JUCKER, OF-Kommentar BetmG, Zürich 2016, S. 547 f.).
Diese sieht bei rund 800 Gramm reinem Heroin eine Einsatzstrafe von 45 Mona-
ten vor. Es erfolgt ein Zuschlag von 10-20% aufgrund der grossen Anzahl der
Geschäfte. Ein Abzug von 30% hat für jenen Drittel zu erfolgen, bei dem es nur zu
Vorbereitungshandlungen gekommen ist. Damit resultiert nach der empirischen
Untersuchung von FINGERHUTH/SCHLEGEL/JUCKER eine Strafe im Bereich von
50 Monaten. Wie erwähnt, fällt vorliegend jedoch zu Lasten des Beschuldigten vor
allem ins Gewicht, mit welcher Professionalität er das Drogengeschäft betrieb.
Deshalb ist ein erhebliche Erhöhung dieser Strafe geboten. Dem mittelschweren
Tatverschulden entsprechend ist eine Strafe von 5 Jahren bzw. 60 Monaten fest-
zulegen.
3. Täterkomponenten
3.1. Aufgrund der Angaben des Beschuldigten ist zu dessen persönlichen
Verhältnissen Folgendes bekannt (Prot. I S. 81 ff.; Urk. 1/9/3; Urk. 111 S. 2 ff.): Er
wuchs in Mazedonien auf und kam im Alter von 15 Jahren in die Schweiz, wo er
bei seinem Onkel S._ wohnte. Seine Eltern und sein Bruder blieben in Ma-
zedonien. Er besuchte die Berufswahlschule und machte eine Ausbildung als In-
formatiker und kaufmännischer Angestellter an den Privatschulen T._ und
U._ in Zürich. Ab dem Jahre 2010 arbeitete er eine Zeit lang im Reisebüro
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"V._" von W._ und, nachdem W._ wegen Drogenhandels verhaftet
worden war, bei seinem Onkel D._ im G._, sowie teilweise auch in des-
sen Garage in AA._ [Ortschaft], bis diese aufgelöst wurden. Danach bezog
der Beschuldigte zeitweise Arbeitslosengeld und arbeitete dann ab Oktober 2014
bis zu seiner Verhaftung im Januar 2015 bei der Elektrofirma "AB._". Ende
2011 heiratete der Beschuldigte in Mazedonien seine nunmehr ebenfalls in der
Schweiz wohnhafte und als Coiffeuse tätige Ehefrau. Der Beschuldigte hat einen
heute rund dreijährigen Sohn, und seine Ehefrau war im Zeitpunkt der Berufungs-
verhandlung in Erwartung eines weiteren Kindes (Urk. 111 S. 2).
3.2. Der Beschuldigte ist nicht vorbestraft. Ein Geständnis liegt nicht vor. Der
Beschuldigte wurde nur durch seine Verhaftung davon abgehalten, sich weiterhin
intensiv dem Heroinhandel zu widmen. Insgesamt sind die Täterkomponenten
deshalb strafzumessungsneutral zu werten.
4. Weitere Strafzumessungsgründe
4.1. Das Ermittlungs- und das Untersuchungsverfahren dauerte sehr lange,
was allerdings auf die notwendigen, weit verzweigten und aufwendigen Ermittlun-
gen zurückzuführen ist. Insofern trifft die Untersuchungsbehörde keine Schuld.
Darüber hinaus verweigerte der Beschuldigte während des gesamten Verfahrens
nennenswerte Aussagen zur Sache, was das Verfahren verlängerte und ihm unter
dem Titel Verfahrensdauer bei der Strafzumessung nicht zu Gute gehalten
werden kann. Auch die Verweigerung des Beschuldigten an der Mitwirkung des
von ihm selber beantragten Stimmengutachtens führte zu einer Verfahrensver-
zögerung, die sich nicht strafmindernd auswirken kann.
4.2. Demgegenüber gab es aber Verfahrensverzögerungen, welche nicht dem
Beschuldigten anzulasten sind, insbesondere das bundesgerichtliche Verfahren,
in welchem er teilweise obsiegte. Aber auch das Berufungsverfahren erweist sich
als überlang, was allerdings auch auf die schwierige Terminfindung mit allen
Beteiligten zurückzuführen ist. Es kann im Übrigen auf die vorinstanzlichen
Erwägungen verwiesen werden (Urk. 89 S. 168 - 170). Insgesamt ist eine Straf-
reduktion um 5 Monate angemessen.
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5. Konkretes Strafmass
Unter Berücksichtigung sämtlicher tat-, täter- und täterunabhängigen Komponen-
ten rechtfertigt sich eine Strafe von insgesamt 4 Jahren und 7 Monaten. Davon
hat der Beschuldigte insgesamt 1'004 Tage durch Untersuchungshaft bzw. vorzei-
tigen Strafvollzug bereits erstanden (Art. 51 StGB; Verhaftung am 7. Januar 2015,
06:40 Uhr [Urk. 1/8/2], Entlassung aus vorzeitigem Strafvollzug am 6. Oktober
2017, 17.15 Uhr [Urk. 70 und 73]).
VII. Verwendung des sichergestellten Bargeldes
Mit Verfügung vom 13. Januar 2015 wurden beim Beschuldigten Fr. 4'100.-- in
bar beschlagnahmt (Urk. 1/6/11). Ein konkreter Zusammenhang mit deliktischer
Tätigkeit ist nicht nachweisbar. Der Antrag der Verteidigung auf Freigabe dieses
Betrages fusst auf seinem Antrag auf einen vollständigen Freispruch des
Beschuldigten. Aufgrund des Schuldspruches ist dieser Betrag zur teilweisen
Deckung der Verfahrenskosten zu verwenden (Art. 268 StPO).
VIII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Der Beschuldigte ist schuldig zu sprechen, weshalb er die Kosten der
Untersuchung, soweit ihm diese vorinstanzlich auferlegt wurden (vgl. Urk. 89
S. 175), und des erstinstanzlichen Verfahrens zu tragen hat (Art. 426 StPO).
Somit ist die vorinstanzliche Kostenauflage (Dispositivziffer 6) zu bestätigen.
2. Der amtliche Verteidiger reichte zwei Teilrechnungen sowie eine
handschriftliche Aufwandaufstellung für die Zeit vom 7. Dezember 2019 bis zur
Berufungsverhandlung am 12. Dezember 2019 ein (Urk. 107, 109 und 152). Der
geltend gemachte Aufwand von total rund 57 Stunden (einschliesslich 4 1⁄2 Stun-
den für die Berufungsverhandlung samt Weg) sowie Barauslagen ist aufgrund der
Grösse und Komplexität des Falles angemessen. Der Verteidiger ist deshalb mit
Fr. 13'725.-- (inkl. Auslagen und MwSt.) zu entschädigen.
3. Im Berufungsverfahren unterliegt der Beschuldigte mit seinem Antrag auf
einen vollumfänglichen Freispruch. Das geringfügige Obsiegen hinsichtlich dreier
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Anklagepunkte sowie hinsichtlich der Strafhöhe fällt nur in geringem Umfang ins
Gewicht. Die Staatsanwaltschaft unterliegt mit ihrer Anschlussberufung auf Erhö-
hung der vorinstanzlichen Strafe um sechs Monate. Es rechtfertigt sich deshalb,
im Verhältnis zum Gewicht dieser Abänderungsanträge, dem Beschuldigten die
Kosten des Berufungsverfahrens zu vier Fünfteln aufzuerlegen und zu einem
Fünftel auf die Gerichtskasse zu nehmen. Davon ausgenommen sind die Kosten
der amtlichen Verteidigung, welche im Umfang von vier Fünfteln einstweilen auf
die Gerichtskasse zu nehmen sind, unter Vorbehalt einer Nachforderung vom
Beschuldigten, soweit seine wirtschaftlichen Verhältnisse es erlauben (Art. 135
Abs. 4 StPO). Ein Fünftel der Kosten der amtlichen Verteidigung sind definitiv auf
die Gerichtskasse zu nehmen.