# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d155407a-0c47-4afa-8a93-56f320d463ae
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1945 geborene
X._
bezog ab Dezember 2010 eine ordentli
che Altersrente in der Höhe von monatlich
Fr.
1‘578.-- (
Verfügung vom 1
5.
Juli 2010 [
Urk.
8/65
]
). Infolge nachträglich gemeldeter Einkommen
erhöhte
d
ie
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse,
die Rente
mit Wir
kung ab
1.
Januar
2011
auf
Fr.
1‘664.--
(Verfügung vom 10. März
2011 [
Urk.
8/57]). Nachdem
die Verwaltung
die persönlichen Beiträge des Versi
cherten für die Jahre 2005 und 2006 als uneinbringlich abgeschrieben hatte
(
Urk.
8/33)
,
berechnete
s
ie
im Rahmen der
Verfügung vom 28. November 2014
die monatli
chen
Renten
betreffnisse
neu und forderte
von
X._
zu
viel ausge
richtete Altersrenten im Betrag von Fr. 4‘269.-- zurück (Urk.
8/29)
. Das
vom Versicherten am 2. Dezember 2014 gestellte Gesuch um Erlass der Rück
forde
rung (Urk.
8
/
24; vgl. auch
Urk.
8/20 und
Urk.
8/22
) lehnte die
Aus
gleichs
kasse
mangels guten Glaubens mit Verfügung vom 13. Januar 2015 ab (Urk.
8/19
).
Auf die
dagegen gerichtete Einsprache vom 18. Januar 2015 (Urk.
8/18;
vgl. auch
Urk.
8/16
) trat
s
ie nicht ein (Urk.
8/14).
Die gegen diesen Entscheid von
X._
a
m 1
4.
April 2015 im Prozess Nr.
AB.2015.00014 erhobene Beschwerde (
Urk.
8/13 S. 3) hiess das hiesige Ge
richt mit Urteil vom 1
5.
Juni 2015 in dem Sinne gut, dass es den angefochtenen
Einspracheentscheid
aufhob und die Sache an die Ausgleichskasse zurückwies, damit diese auf die Einspra
che vom 1
8.
Januar 2015 eintrete und über die Erlassfrage materiell befinde (
Urk.
8/10).
1.2
In der Folge setzte die Verwaltung dem Versicherten Frist zur Ergänzung seiner
Einspracheschrift
(Schreiben vom 2
7.
Oktober 2015 [
Urk.
8/9]). Am 9. November 2015 reichte Letztgenannter eine
entsprechende Stellungnahme ein (
Urk.
8/8). Mit
Einspracheentscheid
vom 1
9.
Februar 2016 wies die
Aus
gleichskasse
das Gesuch um Erlass der Rückerstattung ab (
Urk.
8/5
= Urk. 5
).
2.
Dagegen erhob
X._
mit Eingabe vom 2
8.
Februar 2016 Be
schwerde und beantragte sinngemäss, es sei auf die Rückforderung der zu viel bezogenen Altersrente zu verzichten (
Erlass;
Urk.
1). Mit Beschwerdeantwort vom 2
3.
März 2016 schloss die Ausgleichskasse auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5). Mit Gerichtsverfügung vom 2
9.
März 2016 wurde dem Beschwerde
führer das Doppel der Beschwerdeantwort zugestellt (
Urk.
9).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1
.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer die Rückerstattung der zu Unrecht ausbezahlten Altersrenten zu Recht nicht er
lassen hat.
Das Bestehen der Rückerstattungspflicht als solche ist indes nicht Streitgegenstand (vgl.
hiezu
auch
das
bereits erwähnte Urteil AB.2015.00014 vom 1
5.
Juni 2015 E.
3 [
Urk.
8/10 S.
3 f.]).
Von Bedeutung
ist
, dass die
Be
schwer
degegnerin
, nachdem sie den guten Glauben verneint hatte, die
(
weitere
)
Erlass
voraussetzung
der grossen Härte
der Rückerstattung
nicht mehr prüfte
. Zu ent
scheiden ist
(
allein
)
die Frage der Gutgläubigkeit
(
vgl.
hiezu
Urteil des vor
maligen
Eidgenössischen
Versicherungsgerichts C 178/02 vom 19. November 2002
mit Hin
weis auf
Meyer-
Blaser, Die Rückerstattung von
Sozialversiche
rungs
leistungen
, ZBJV 131/1995, S. 481 ff.
)
2
.
2
.1
Unrechtmässig bezogene Leistungen sind zurückzuerstatten (Art. 25 Abs. 1 Satz 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Wer Leistungen in gutem
Glauben empfangen hat, muss sie
nicht zu
rückerstatten, wenn eine grosse Härte vorliegt (Art. 25 Abs. 1 Satz 2 ATSG; vgl. auch Art. 4 Abs. 1 der Verordnung über den Allgemeinen Teil des
Sozialver
si
cherungsrechts
[ATSV]).
2
.2
2.2.1
D
er gute Glaube als Erlassvoraussetzung
ist
nicht schon mit der Unkenntnis des Rechtsmangels gegeben.
Der Leistungsempfänger darf sich vielmehr nicht nur keiner böswilligen Absicht, sondern auch keiner groben Nachlässigkeit schuldig
gemacht haben. Der gute Glaube entfällt somit einerseits von vornherein, wenn die zu Unrecht erfolgte Leistungsausrichtung auf eine arglistige oder
grobfahr
lässige
Melde- oder Auskunftspflichtverletzung zurückzuführen ist. Anderseits kann sich die rückerstattungspflichtige Person auf den guten Glauben berufen, wenn ihr fehlerhaftes Verhalten nur leicht fahrlässig war. Wie in anderen Berei
chen beurteilt sich das Mass der erforderlichen Sorgfalt nach einem objektiven Massstab, wobei aber das den Betroffenen in ihrer Subjektivität Mögliche und Zumutbare (Urteilsfähigkeit, Gesundheitszustand, Bildungsgrad usw.) nicht aus
geblendet werden darf (
BGE 138 V 218 E. 4 mit weiteren Hinweisen).
2
.2.2
Gemäss Rechtsprechung ist bei der Frage der Gutgläubigkeit beim
Leistungs
bezug
hinsichtlich der Überprüfungsbefugnis des Gerichts zu unter
scheiden zwischen dem guten Glauben als fehlendem Unrechtsbewusstsein und der Frage,
ob sich jemand
unter den gegebenen Umständen auf den guten Glauben be
rufen kann oder ob er bei zumutbarer Aufmerksamkeit den beste
henden
Rechts
mangel
hätte erkennen sollen (
vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_670/2014 vom 3
0.
Dezember 2014 E. 3.3).
2
.
3
Nach
Art. 29
bis
des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversi
cherung
(AHVG) werden für die Rentenberechnung Beitragsjahre,
Erwerbsein
kommen
sowie Erziehungs- und Betreuungsgutschriften der rentenberechtigten Person zwischen dem 1. Januar nach Vollendung des 20. Altersjahres und dem
31. Dezember vor Eintritt des Versicherungsf
alles (Rentenalter oder Tod) be
rück
sichtigt. Nach Art. 29
quinquies
Abs. 1 AHVG werden bei erwerbstätigen Personen nur die Einkommen berücksichtigt, auf denen Beiträge bezahlt wurden.
3
.
3
.1
Die Beschwerdegegnerin
lehnte den Erlass der Rückerstattungsschuld mit der Begründung ab,
bei Anwendung eines Mindestmasses an Sorgfalt und Auf
merk
samkeit wäre
für
de
n
Beschwerdeführer
der direkte Zusammenhang
zwischen
AHV/IV/EO-Beiträgen
und
AHV-Rente erkennbar gewesen. Es sei naheliegend,
dass aus
gebliebene
Beitragszahlungen Einfluss auf die AHV-Rente hätten res
pek
tive
solche
zu Rentenkürzungen und Rückzahlungsforderungen führen könnten. Es könne daher nicht von einem gutgläubigen Leistungsbezug ausgegangen werden. Die Prüfung der grossen Härte
erübrige sich
, da beide Voraussetzungen kumulativ erfüllt sein müssten (
Urk.
5 S. 2).
3
.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, er habe
„einfach das genommen
wo mir zugesendet wurde
“
. Im Falle einer tieferen Alters
rente hätte er
alsdann
Anspruch auf höhere Ergänzungsleistungen. Er sei nicht in der Lage, den von der Ausgleichskasse eingeforderten Betrag zu be
zahlen, da er nicht mehr arbeiten könne (
Urk.
1).
4
.
4
.1
Betreffend
die Frage nach dem
Vorliegen eines Unrechtsbewusstseins
besteht keine Veranlas
sung zur Annahme, der Beschwerdeführer hätte absichtlich die Ausrichtung von Altersrente
n
erwirkt, auf welche er keinen Anspruch h
at
,
und sei sich dessen auch bewusst gewesen.
4
.2
Zu prüfen bleibt, ob dem Beschwerdeführer der gute Glaube deshalb abge
sprochen werden muss, weil er die gebotene Aufmerksamkeit
pflichtwidrig
vermissen liess und dadurch die Ausrichtung der
–
unrechtmässig bezogenen
–
Leis
tungen erwirkt (res
pektive nicht verhindert) hat.
Der Beschwerdegegnerin ist insoweit
beizupflichten
, a
l
s
die
fehlende Entrich
tung
persönliche
r
Beiträge zu einer Rentenkürzung führen kann
,
was
grund
sätzlich
auch dem Beschwerdeführer
bewusst sein musste. Ihre
r
Einschätzung, wonach das Wissen um die Folgen aus
ge
bl
ie
b
en
e
r
Beitragszahlungen
per se
und gleichsam automatisch in jedem Fall
zu einem Ausschluss des guten Glaubens
führt, kann indes nicht gefolgt werden.
B
eim Streit um die Frage der
Gut
gläubigkeit
ist entscheidend, dass
diese
beim Bezug der
Rentenbetreffnisse
, auf
welchen Zeitpunkt
es
praxisgemäss ankommt, gegeben ge
wesen sein
muss
(
vgl.
bereits erwähntes
Urteil des
vor
maligen Eidgenössischen
Versicherungsge
richts
C
178/02 vom 1
9.
November 2002 E.
1.2
; zu den
[realistischen]
Anforderungen an die Erlassvoraussetzung des guten Glaubens
vgl.
vorerwähntes
Urteil des Bun
desgerichts 8C_670/2014 vom 3
0.
Dezember 2014
E. 4.2.3
).
D
er
der Auszahlung einer ordentlichen Altersrente zugrunde liegende
n
Verfü
gung vom 1
5.
Juli 2010
kann entnommen werden, dass das massgebende durch
s
chnittliche Jahreseinkommen Fr.
35‘5
68.00 beträgt,
die Rentenskala
43
(=
Teil
rente
)
zur Anwendung gel
angt und
sich
die Rente auf
Fr.
1‘578.00 beläuft
(
Urk.
8/65; vgl.
zu den Angaben in der
früheren
Verfü
gung vom 1
0.
März 2011
Urk.
8/57)
.
Angesichts
diese
r
Angaben allein
war für den Beschwerdeführer – auch wenn er um die bislang nicht bezahlten persönlichen Beiträge für die Jahre 2005 und 2006 wusste – nicht offensichtlich erkennbar, ob ihm eine in
mass
licher
Hinsicht
(aufgrund ausgebliebener Beitragszahlungen)
gekürzte Rente
ausbezahlt wird, zumal die von ihm seit 1963 erzielten Einkommen
(weit) unter
dem
im Rahmen der
Rentenberechnung maximal anrechenbaren AHV-Lohn lagen
(U
rk. 8/97
).
Daran ändert nichts, dass die Beschwerdegegnerin am 1
0.
März
2011
eine
betraglich
höhere
Altersrente verfügt
hatte
(
Urk.
8/57). Beiden
Verfügung
en ist
darüber hinaus
nicht weiter
zu entnehmen,
wie eine ordent
li
che Altersrente berechnet wird, sodass der Beschwerdeführer
– der in sozial
versicherungsrechtlichen Fra
gen ohnehin nicht speziell
bewandert
ist
–
die Rentenberechnung
auch keiner
Plausibilitätskontrolle unterziehen konnte.
Vor
Augen zu halten ist zudem,
dass der Versicherte
aufgrund des Schreiben
s der
Beschwerdegegnerin vom 6.
Mai 2010 davon ausgehen durfte, dass
diese
über
den
Umstand
(allfällig) bestehende
r
Bei
tragslücken
informiert war (
vgl.
Urk.
8/68)
.
4
.3
Nach dem Gesagten kann dem Beschwerdeführer betreffend den Rentenbezug
realistischerweise
keine Pflichtwidrigkeit zum
Vorwurf gemacht werden
,
und die Beschwerdegegnerin hat seinen guten Glauben zu Unrecht verneint. Die Sache ist daher an die Verwaltung
zurückzu
weisen;
d
iese
wird
prüfe
n
, ob auch die zweite, kumulativ zu erfüllende
Erlass
voraussetzung
der grossen Härte gegeben
ist
. H
ernach
wird
sie
über das Erlassgesuch neu verfüge
n
.
Das Gericht
erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird
in dem Sinne gutgeheissen, dass der angefochtene
Einsprache
ent
scheid
vom 1
9.
Februar 2016 aufgehoben und die Sache an die
Sozialversiche
rungs
anstalt
des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, zurückgewiesen wird, damit diese
im Sinne
der Erwägungen
über das
Erlass
gesuch
neu verfüge
.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
X._
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse
Bundesamt für Sozialversicherungen
4.