# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c3c0a14d-0aad-4a1b-8dd0-1b9ca7c934be
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Y._
, heute
X._
(vgl. Urk. 7/113), geboren 1991,
Mutter zweier Kin
der (geboren 2018 und 2021),
erlitt am 16. Mai 2009 aufgrund eines Fenster
sturzes eine inkomplette Paraplegie (Urk. 7/53/6-7 S. 1 Ziff.1). Am 26.
Januar 2010 meldete sie sich erstmals bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung, Aus
gleichskasse und IV-Stelle Appenzell Ausserrhoden, zum Leistungsbezug an (Urk. 7/10/1-10). Am 20. Januar 2012 erteilte die IV-Stelle Kostengutsprache für eine erstmalige berufliche Ausbildung zur Kauffrau (Urk. 7/38), welche die Ver
sicherte per 1.
August
2014 erfolgreich a
bschloss (Urk. 7/57, Urk. 7/58
). Am 30.
September 2014 erteilte die IV-Stelle Kostengutsprache für einen Bürostuhl (Urk. 7/62).
Am 17.
April 2017 meldete sich die Versicherte erneut
zum Leistungsbezug an (Urk. 7/64
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab und holte beim
Zentrum
A._
ein polydiszipli
näres Gutachten ein, das am 24.
Okt
ober 2017 erstattet wurde (Urk. 7/98
). Mit Verfügung vom
4.
Januar 2018 verneinte die IV-Stelle eine
n Rentenanspruch (Urk. 7/108 = Urk.
3/2
). In Gutheissung der dagegen erhobenen Beschwerde wies das hiesige Geric
ht die Sache mit Urteil vom 12.
Juni 2018 im Ve
rfahren Nr. IV.2018.00122
an die IV-Stelle zu ergänzenden Abklärungen zurück
(Urk. 7/111).
1.2
Die Versicherte teilte am 13. Juli 2018 - Eingang laut Aktenverzeichnis am
23.
August 2018 - der IV-Stelle mit, dass sie am 18. Mai 2018 Mutter einer Tochter
geworden sei und dass sie ihr Arbeitsverhältnis habe auflösen müssen, weil ihr
die Arbeitgeberin keine Teilzeitstelle habe anb
ieten können (Ur
k.
7/114 = Urk. 3/
9
).
Die IV-Stelle holte in de
r Folge einen Arztbericht (Urk. 7/120 = Urk.
7/121 = Urk. 7/124
= Urk. 3
/5) und eine Stellun
gnahme der
A._
-Gutachter (Urk. 7/129 = Urk.
7/131
= Urk.
3/7) ein und veranlasste eine H
aushaltabklärung, über die am 1
2
.
Juni 2019 berichtet wurde (Urk. 7/135 = Urk.
3/11). Nach Erlass eines
Vorbescheids (Urk. 7/139) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 4.
Septem
ber
2019 einen Rentenanspruch (Urk.
7/144 = Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am
25.
September 2019 Beschw
erde gegen die Verfügung vom 4.
September 2019 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr
rückwirkend
ab
dem 7.
Dezember 2016 mindestens eine halbe Invalidenrente zuzusprechen, eventuell sei die Sache zur
Vornahme weiterer
Abklärung
en
an die
IV-Stelle zurückzuweisen (Urk. 1 S.
2 oben). Die IV-Stelle beantragte mit Be
schwerdeantwort vom 28
.
Oktober 2019
(Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am
30.
Oktober 2019 zur Kenntnis ge
bracht (Urk.
8).
Die Parteien verzichteten
am 3. und 17. März 2020 (Urk. 14, Urk.
16) darauf, zu den beigezogenen Akt
en des Unfallversicherers (Urk.
12/1-242) Stellung zu neh
men, was ihnen je zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
17).
3.
Die SWICA Versicherungen AG
(
Swica
)
als zuständiger Unfallversicherer sprach der Versicherten mit Verfügung vom 13. Januar 2020
ab 1. März 2020
eine Inva
lidenrente entsprechend einer Er
werbseinbusse von 23 % zu (Urk.
12/236). Dage
gen erhob die Versicherte am 10
. Februar 2020 Einsprache (Urk.
12/242 S. 1 f.).
Mit Verfügung vom 22. April 2020 wurde das
vorliegende
Verfahren
bis zum Erlass des
Einspracheentscheids
des Unfallversicherers sistiert (Urk. 18). Nachdem der Unfallversicherer der
Versicherten
mitgeteilt hatte, dass er gedenke, mit dem
Einspracheentscheid
bis zum Vorliegen des Urteils in diesem Verfahren zuzu
war
ten (Urk. 20), wurde zur Vermeidung einer Pattsituation die am 22. April 2020 angeordnete Sistierung mit Beschluss vom 11. Mai
2020 wieder aufgehoben
(Urk. 24; vgl. E. 2). Gleichzeitig
wurde
die Einholung eines polydisziplinär
en
Gut
achten
s
in Aussicht gestellt
(Urk. 24)
, welches mit Verfügung vom 8. Juni 2020 angeordnet wurde (Urk. 28). Am 15. September 2021 erstattete die MEDAS
B._
ihr polydisziplinäres Gerichtsgutachten (Urk. 39), welches den Partei
en am 17. September 2021 zugestellt wurde (Urk. 43). Am 24. September 2021 nahm die Beschwerdeführerin zum Gutachten Stellung (Urk. 45) und am 4. Okto
ber 2021 erklärte die Beschwerdegegnerin ihren Verzicht auf eine Stellungnahme (Urk. 47), worüber die Parteien gegenseitig in Kenntnis gesetzt wurden (Urk. 48).
Mit Verfügung vom 17. Dezember 2021 wurde die
Pensionskasse Z._
zum Prozess beigeladen (Urk. 49), welche sich innert der angesetzten Frist nicht vernehmen liess.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.
1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des
streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210
E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezem
ber 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.
2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.
4
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der Verordnung
über die Invalidenversicherung, IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hin
weis).
1.
5
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. (BGE 141V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bun
desgerichts 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E. 2.3, je mit Hinweisen).
1.
6
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Ren
tenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode der Invaliditäts
bemessung (Art. 28a IVG) zu bestimmen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betäti
gungs
vergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umstän
den täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypo
thetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen (vgl. Art. 27 IVV) sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegen
über Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung ent
wickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall
ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweis
grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Be
urteilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_178/2021 vom 11.
Mai 2021 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.
7
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Im Rückweisungsurteil des hiesigen Gerichts vom 12. Juni 2018 (Urk. 7/111) wurde
unter anderem ausgeführt, was folgt (S. 7 f. E. 4):
Zur Arbeitsfähigkeit führt das Gutachten aus, dass der früher angeregte Versuch, die Arbeitsfähigkeit von 50 % mit genügend Unterstützung der Beschwer
de
führerin zu erhöhen, bis jetzt nicht erfolgt sei. Auch sei die theoretische Arbeits
fähigkeit von 70 % erst möglich, wenn die Beschwerdeführerin wirklich Pausen einlegen könne und dies auch mache. Im Widerspruch dazu steht die Ein
schätzung der Gutachter, wonach bereits aktuell eine Arbeitsfähigkeit von 70
% gegeben sei, obschon unbestrittenermassen die zur Erhöhung der Arbeitsfähig
keit erforderliche Unterstützung noch nicht erfolgt ist und die Beschwerde
füh
rerin die Pausen noch nicht einlegt. Diese Einschätzung ist nicht nachvoll
zieh
bar, denn entweder ist die aktuelle Tätigkeit bereits angepasst und es resultiert eine Arbeitsfähigkeit von 50 %, oder sie ist (noch) nicht optimal angepasst und bedarf zur Realisierung der theoretisch als möglich erachteten Arbeitsfähigkeit von 70 % weiterer Schritte. Insofern erweist sich das Gutachten als wider
sprüchlich.
Das Gutachten stellt weiter fest, dass die erforderlichen Therapien lege
artis
durchgeführt worden seien und von einem Residualzustand ohne weitere The
rapieoptionen auszugehen sei. Die Beschwerdeführerin sei motiviert und koo
pe
riere, und Hinweise für eine Aggravation bestünden nicht (...). Der bisherigen Krankheitsgeschichte (...) ist jedoch nicht zu entnehmen, dass seit dem Auftre
ten der
Schmerzexazerbation
eine konsequente Schmerztherapie verfolgt wor
den wäre. Mögliche Schmerztherapien und die Auswirkungen der neuropathi
schen Schmerzen wurden im Gutachten nicht geprüft. Dass es dieser Prüfung bedarf, legt der von der Beschwerdeführerin ins Recht gereichte Fachartikel indessen nahe. Eine Stellungnahme des RAD dazu fehlt (...). Damit erweist sich das Gutachten in diesem Punkt als unvollständig.
Zusammenfassend kam das Gericht zum Schluss,
das Gutachten erweis
e
sich hin
sichtlich der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht als nachvollziehbar und die Sache
sei
hinsichtlich der Auswirkungen der neuropathischen Schmer
zen und diesbezüglicher Schmerz
therapien ungenügend abgeklärt
(S.
8 oben).
2.2
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus, im Rahmen der Abklärung vor Ort durch den Abklärungsdienst und den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) hätten die vom Gericht bemängelten Punkte geklärt werden können (S. 1 f.). Aus medizinischer Sicht sei eine vermehrte medi
kamentöse oder sogar invasive Schmerztherapie derzeit nicht erforderlich und würde auch zu keiner Steigerung der Arbeitsfähigkeit führen. Es habe sich ge
zeigt, dass am bisherigen Entscheid festgehalten werden könne. Die Beschwer
deführerin könne weiterhin ihre bisherige wie auch alle anderen Tätigkeiten in einem Pensum von 70 % ausüben. Das gesetzliche Wartejahr sei somit nicht erfüllt worden (S. 2 oben).
2.3
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1), die ergänzende Stellungnahme der
A._
-Gutachter führe nicht zur Klärung der vom Gericht aufgeworfenen Fragen, wovon auch die Beschwerdegegnerin selber ausgegangen sei (S. 10). Ihre gesundheitlichen Verhältnisse hätten sich seit der Geburt der Tochter nicht verbessert. Vielmehr hätten die Belastung und die neu
ropathischen Schmerzen zugenommen; ihre diesbezüglichen Angaben deckten sich mit den Feststellungen des Hausarztes (S. 12 f.) und denjenigen im
A._
-Gutachten (S. 13). Bestimmte Ausführungen im Abklärungsbericht seien unvoll
ständig oder unzutreffend (S. 14 ff.). Ohne den 2009 erlittenen Unfall wäre sie voll erwerbstätig und entsprechend zu qualifizieren. Gesundheitsbedingt sei sie seit Dezember 2016 nur noc
h zu 50 % arbeitsfähig (S. 17). Bei einer allfälligen Anwendung der gemischten Methode sei von einem 80%-Pensum im Gesund
heitsfall auszugehen (S. 18 oben).
Die Beschwerdegegnerin habe weder die Frage der neuropathischen Schmerzen noch die Frage diesbezüglicher Schmerzthe
ra
pien noch die Frage, ob ihr Arbeitsplatz optimal angepasst (gewesen) sei, richtig abgeklärt (S. 18 unten). Zur Beurteilung der Paraplegie-assoziierten neuropathi
schen Schmerzen und deren Auswirkungen, zu welcher nicht einmal die be
auf
tragten Gutachter in der Lage gewesen seien, fehlten der RAD-Ärztin als Fach
ärztin für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungs
apparates die nötigen Qualifikationen. Auch befremde die Vorstellung, die entsprechenden
komplexen Fragen liessen sich im Rahmen eines blossen Hausbesuchs klären (S.
20
oben). Die Annahme der RAD-Ärztin, ihr derzeitiges Aktivitätsniveau sei nicht weniger belastend als eine leichte Bürotätigkeit mit regelmässigen zusätzlichen Erholungspausen, sei aus näher dargelegten Gründen unzutreffend (S. 21 f.).
2.4
In der Stellungnahme vom 24. September 2021 (Urk. 45) zum MEDAS-Gutachten (vgl. Urk. 39) führte die Beschwerdeführerin aus, dieses bestätige die beschwerde
weise vertretene Auffassung, wonach ihr seit dem 7. Dezember 2016 beziehungs
weise seit dem 22. Februar 2017 lediglich eine Erwerbstätigkeit im Umfange eines 50%-Pensums zugemutet werden könne. Entsprechend stehe ihr rückwirkend ab Februar 2017 mindestens eine halbe Rente zu (S. 2 unten).
2.5
Strittig und zu prüfen ist
demnach
der
Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin
.
3.
3.1
Im orthopädisch-
traumatologischen
, neurologischen und internistischen
Gutach-ten
vom 24. Oktober 2017 (Urk. 7/98) nannten die Gutachter des
A._
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 13
oben
):
-
inkomplette Paraplegie
sub
L2 bei
residuellem
Conus
-Syndrom bei Status nach Lendenwirbelkörper
(LWK)
-1-Berstungsfraktur am 16. Mai 2009
-
residuelles
,
lumboischialgieformes
Schmerzsyndrom bei inkompletter Para
plegie
unterhalb des zweiten Lendenwirbels (
sub
L2
)
bei
residuellem
Conus
-Syndrom mit/bei:
-
Status nach
LWK
-1-Berstungsfraktur am 16. Mai 2009
-
autonomer Dysfunktion mit Blasen-Mastdarmentleerungsstörungen
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
wurden
ein chronisches
thorakolumbovertebrales
Syndrom
, eine rezidivierende
Peroneal
-S
ehnenluxat
ion links und anamnestisch ein
Eisenmangel
genannt
(S. 13 unten)
.
3.2
In der versicherun
gsmedizinischen Beurteilung (S. 14 ff.
lit
.
D) hielten die Gut
achter Folgendes fest:
Aus orthopädischer Sicht ergebe sich für die aktuelle Tätigkeit als Bürokauffrau und für eine leidensadaptierte
Tätigkeit keine Einschränkung, d
ie Arbeitsfähigkeit betrage 100% (S. 14).
Aus neurologischer Sicht seien eine neurogene Blasenentleerungsstörung, eine Darmentleerungsstörung sowie eine unvollständige Paraplegie geblieben.
Die Be
schwerdeführerin
habe jedoch gelernt, ohne Hilfsmittel bei allerdings noch sehr auffallendem Gangbild mit massivem Einkrallen der Zehen und angedeuteten Trendelenburg-Zeichen mit Abrollstörung der Füsse frei zu gehen. Dadurch sei
das Gangbild instabil und wirke ataktisch, mitbedingt auch durch erhebliche Sensi
bilitätsausfälle entsprechend den geschädigten Segmenten.
Die Beschwerdefüh
rerin
brauche sicher längere Erholungszeiten und verspüre schon nach einem halben Arbeitstag eine massive Zunah
me von Krämpfen. Schon in einem früheren
Gutachten der
A._
AG sei dargelegt worden, dass sie eigentlich Pausen ein
schalten und sich zwischendurch auf eine Matte hinlegen sollte, was sie offenbar nie getan habe, da sie sich geschämt habe. Die jetzige Tätigkeit sei als optimal
angepasst zu betrachten, und die Arbeitsfähigkeit betrage aus neurologischer Sicht
70 % bei einer Arbeitsfähigkeit von 100 % und einer Leistungsminderung von 30
%
, da vermehrt Pausen zur Reduktion der Krämp
fe eingelegt werden müssten (S.
15).
Im polydisziplinären Konsens erachteten die Gutachter eine Arbeitsfähigkeit von 70 % in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Kauffrau und in angepasster Tätigkeit als gegeben, bei einem Arbeitspensum von 100 % und einer Leistungsminderung von 30 %. Zum retrospektiven Verlauf der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen und in einer leidensadaptierten Tätigkeit hielten sie fest, dass sich die Arbeitsfähigkeit seit mindestens Dezember 2016 verschlechtert haben dürfte und eine Arbeits-un
fähigkeit zwischen 0 und 50 % attestiert worden sei. Ab wann die Arbeits-fähig
keit dauernd 50 % betragen habe, könne nicht sicher rekonstruiert werden. Es sei auch angemerkt worden, dass versucht werden könnte, die Arbeitsfähigkeit mit genügend Unterstützung der
Beschwerdeführerin
zu erhöhen. Dies sei bis jetzt nicht erfolgt. Die theoretische Arbeitsfähigkeit sei erst möglich, wenn die
Be
schwerdeführerin
wirklich Pausen einlege
n könne und dies auch mache (S. 16, S.
53).
3.3
Dem n
eurologischen Teilgutachten (S. 46-
57) lässt sich aus der Anamnese als subjektive Angaben der
Beschwerdeführerin (S.
48 Ziff. 2.1) entnehmen, dass sie einige Zeit zu 100 % gearbeitet habe trotz manchmal massiven Schmerzen und
Krämpfen in der Muskulatur. Sie habe einfach nicht IV-abhängig sein wollen. Seit
Dezember 2016 habe sie ständig auch im ergonomischen Stuhl Schmerzen
, vor allem im Rücken um die Bruchstelle des Wirbels herum, welche sich insbesondere in die Beine stark ausbreiten könnten.
Zur Krankheitsentwicklung (S.
49 Ziff. 2.1) geht ferner hervor, dass die
Be
schwer
deführerin
während der ersten Hälfte 2016 als Kauffrau einigermassen das 100%-Pensum habe bewältigen können. Seit Sommer 2015 sei sie verheiratet, so dass noch die Haushaltarbeit dazukomme. Seit circa Dezember 2016 sei eine massive Exazerbation der Schmerzen und Muskelkrämpfe aufgetreten, so dass die
Be
schwerdeführerin
vorübergehend sogar zu 100% arbeitsunfähig geschrieben worden sei. In der Zwischenzeit habe sich die Situation soweit stabilisiert, dass sie
im angestammten Beruf wieder
zu 50% arbeiten könne. Ferner ist bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit (S. 52 Ziff.
5) vermerkt, dass die
Beschwerde
führerin
trotz ihrer schweren Verletzungen die Lehre im Teilpensum als Detail
handelsangestellte abgeschlossen und danach sofort eine neue Ausbildung als Kauffrau angefangen und diese ebenfalls beendet habe. Trotz massiven Rücken
schmerzen mit anhaltend neuropathischen, ausstrahlenden Schmerzen in die Beine habe sie bis Dezember 2016 zu 100 % als Kauffrau gearbeitet. Zu diesem Zeitpunkt sei eine massive Zunahme der Schmerzen angegeben worden, und die
Beschwerdeführerin
habe sich nicht mehr fähig gefühlt, zu 100 % zu arbeiten. Zurzeit sei sie zu 50 % arbeitsunfähig geschrieben.
4.
4.1
Dr. med.
C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte in seinem
Bericht vom 3. Oktober 2018 (Urk. 7/120 = Urk. 7/121 = Urk. 7/124 = Urk. 3/5)
aus
, er behandle die Beschwerdeführerin
seit dem 4. Oktober 2016 (Ziff.
1.1
)
.
Anamnestisch hielt er fest, nach einem Fenstersturz 2010 (richtig: 2009) und primär erfolgreicher Rehabilitation habe die Patientin eine KV-Aus
bildung machen können und nachher, trotz bereits dann chronischen Rücken
schmerzen, meist zu 100 % im Büro gearbeitet (Ziff. 2.1). Ab 2015 hätten sich schmerzbe
dingte Abwesenheiten mit gelegentlicher Notwendigkeit von 100-%-Krankschrei
bungen gehäuft, ab Mitte 2017 - beziehungsweise 25. März 2017 (Ziff. 1.3) - sei eine anhaltende Krankschreibung zu 50 % erfolgt. Dies habe zu einer deutlichen Stabilisierung geführt, so dass es zu einem erträglichen Schmerzniveau ohne Exazerbation gekommen sei. Die Patientin zeige eine doch hohe Leistungsbe
reitschaft und habe auch in der Schwangerschaft bis weit ins dritte
Trimenon
halbtags gearbeitet. Analgetika seien relativ wirkungslos und würden deshalb höchstens sporadisch eingenommen. Es bestehe ein mittelschwerer Dauerschmerz mit Zunahme bei körperlicher Anstrengung (Ziff. 2.2). Sollte die Patientin eine Anstellung finden, wo sie nur halbtags arbeiten könne, dürfte die Arbeitsfähigkeit la
ngfristig stabil bleiben (Ziff.
2.7). Mehr als einen halben Tag zu arbeiten
sei nicht realistisch beziehungsweise
wäre nur möglich, wenn am Arbeitsplatz eine Couch vorhanden wäre, so dass liegende Pausen mehrma
ls täglich möglich wären (Ziff.
3.4).
4.2
Die ergänzende Stellungnahme der
A._
-Gutachter vom 13. Februar 2019 (Urk. 7/129 = Urk. 7/131 = Urk. 3/7) hat folgenden Wortlaut:
Aus neurologischer Sicht besteht wie im Gutachten festgehalten eine 70%ige Leistungsfähigkei
t bei 100%iger Anwesenheit, das heisst
eine 70%ige Arbeits
fähigkeit. Die Reduktion von 30 % ist dem erhöhten Pausenbedarf geschuldet.
Inwiefern diese zusätzlichen Pausen im aktuellen Job eingehalten werden können
oder nicht, kann aus gutachterlicher Sicht nicht beurteilt werden. Allenfalls
müsste eine adäquate Stelle gesucht werden, bei der die
Versicherte die
Pau
sen
regelung einhalten kann.
Zu einer möglichen Schmerztherapie wurde im neurologischen Gutachten am Schluss unter Bemerkungen Stellung bezogen. Der Gutachterin fiel schon da
mals auf, dass die Versicherte nie wirklich schmerztherapeutisch behandelt wurde (...). In Frage kommen zum Beispiel schmerzmodulierende Antidepressiva oder auch bei neuropathischen Schmerzen erprobte
Antikonvulsi
va
wie zum Beispiel
Lyrica
. Im W
eiteren kämen auch Spasmen lösende Medikamente in Frage. Eine zusätzliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ist dadurch nicht zu erwarten.
Potenziell als Nebenwirkung auftretende Müdigkeit wird kompensiert durch das Empfinden von weniger Schmerzen beziehungsweise Spasmen. Die Schmerzbe
handlung könnte zum Beispiel in der Universitätsklinik
D._
, wo die Ver
sicherte gut bekannt ist, vorgenommen werden, oder in einer neuro
logischen Praxis mit Erfahrung in
Paraplegiologie
.
4.3
Med.
pract
.
E._
, Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Trau
matol
ogie des Bewegungsapparates, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), führte in ihrer Stellungnahme vom 8. März 2019 (Urk. 7/138 S. 3 oben) aus, die
A._
-Gutachter sähen sich ausserstande zu beurteilen, ob die Verhältnisse am aktuellen Arbeitsplatz angepasst seien. Zur Auswirkung der neuropathischen Schmerzen würden in deren Stellungnahme keine Angaben gemacht. Die vom Gericht auf
geworfenen Fragen seien demnach nicht abschliessend geklärt worden.
5.
5.1
Am 11. Juni 2019 wurde im Beisein der RAD-Ärztin med.
pract
.
E._
eine Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt durch
geführt, wobei der betreffende Bericht vom
12
. Juni 2019 datiert (Urk. 7/135
; vgl. S. 10
). Zur beruflichen Situation ohne Gesundheitsschaden (
Z
iff. 2.5) habe die Beschwerdeführerin angegeben, dass sie
bis zur Geburt der Tochter im Mai 2018 (vgl. Ziff. 4.1) immer im Rahmen von 100 % angestellt gewesen sei. Es sei schwierig zu sagen, wie sie danach im Gesundheitsfall weitergearbeitet hätte. Sie denk
e
aber schon, dass sie im Rahmen von 80 bis
100
% erwerbstätig geblieben wäre, dies einfach, weil sie gerne arbeite. Die Tochter hätte sie bei der Schwie
germutter oder der Schwägerin lassen können. Das hohe Pensum habe sie damit erklärt, dass sie gerne sparen würde, um irgendwann vielleicht ein Haus kaufen zu können. Sie könne aber nicht sagen, ob dies mit der Tochter zu viel wäre oder nicht. Die Schwiegermutter arbeite, aber nicht 100 %. Die Schwägerin sei immer zuhause und habe 3 Kinder (Ziff. 2.5).
Die Abklärungsperson legte die Qualifikation wie folgt fest (Ziff. 2.6): Bis Mai 2018 (Geburt der Tochter) 100 % Erwerbstätigkeit, ab Juni 2018 50 % Erwerbs
tätigkeit / 50 % Haushalt.
D
ie Angaben der Beschwerdeführerin betreffend die Qualifikation nach der Geburt der Tochter
seien
nicht plausibel und
könnten
nicht begründet werden. Aus finanziellen Gründen sei sie nicht gezwungen, ein hohes Pensum auszuüben. Zudem sei die Betreuung der Tochter nicht nachhaltig, die Schwiegermutter arbeite und die Schwägerin habe selber drei Kinder. Somit könne nicht davon ausgegangen werden, dass diese noch ein Kleinkind aufneh
men würde. Im Rahmen
des Bedarfs des Kindes an Fürsorge
sei davon auszu
gehen, dass
die Beschwerdeführerin derzeit bei guter Gesundheit überwiegend wahrscheinlich kein höheres Pensum als eine 50%ige Erwerbstätigkeit erfüllen würde. Die Arbeitsbemühungen habe sie erst Ende 2018 über Kollegen wieder sporadisch aufgenommen. Erst jetzt über das Regionale Arbeitsvermittlungszen
trum (RAV) habe sie den Druck,
sich
mehr – auch auf ihr nicht so gut gefallende Stellen – zu
bewerben
(Ziff. 2.6.1).
Die Einschränkungen in den einzelnen Tätigkeiten im Aufgabenbereich betrügen aus näher dargelegten Gründen (Ziff. 6) insgesamt 17.4 %, woraus sich ein ge
wichteter Invaliditätsgrad im Haushaltsbereich von 8.7 % ergebe (Ziff. 7).
5.2
RAD-Ärztin med.
pract
.
E._
führte in ihrer Stellungnahme
vom 13. Juni 2019 (Urk. 7/135 S. 11-12)
aus,
aus medizinischer Sicht seien vermehrte Pausen geeignet,
die Leistungsfähigkeit über den Tag zu erhalten. Die Angaben der Be
schwerdeführerin zu ihrem Tagesablauf stützten diese Einschätzung. Das derzei
tige Aktivitätsniveau sei nicht weniger belastend als eine leichte Bürotätigkeit mit regelmässigen zusätzlichen Erholungspausen. Durch die Schwangerschaft und Geburt der Tochter hätten die Belastungen, die die Beschwerdeführerin be
wältige, gegenüber dem Gutachtenszeitpunkt eher zugenommen. Daher könne der gutachterlichen Einschätzung einer 70%igen Arbeitsfähigkeit an einem optimal angepassten Arbeitsplatz mit zusätzlichen Pausen weiterhin gefolgt werden (S. 11 unten
)
.
Während des Hausbesuchs habe sie keine vegetativen Anzeichen von Schmerzen oder eine Schonhaltung der Wirbelsäule gezeigt
.
Eine vermehrte medikamentöse oder sogar invasive Schmerztherapie sei
derzeit nicht erforderlich und würde auch keine Steigerung der Arbeitsfähigkeit nach sich ziehen (S. 12 unten).
6.
6.1
Dr. med.
F._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumato
logie des
Bewegungsapparates, med.
pract
.
G._
, Facharzt für Psychia
tr
ie und Psychotherapie, Dr. med.
H._
, Fach
arzt für Urologie, und Dr. med.
I._
,
Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und
für Neu
rologie, MEDAS
B._
, erstatten am 15. September 2021 ihr poly
diszi
plinäres Gerichtsgutachten (Urk. 39).
Sie
nannten folgende, hier verkürzt wiedergegebene, unfallbedingte Diagnosen (S. 22 f. Ziff. 5.1
):
-
Thorako
-
lumbo
-vertebrales und
lumbo-ischialgiformes
Syndrom
-
inkomplette
Paraplegie unterhalb des Kreuzbeins (
sub
S1)
-
residuelles
Conus
-Syndrom mit neurogener Blasen- und Mastdarm
stö
rung
-
Sensibilitätsstörung
sub
S1 beidseits sowie
Dermatom
L1 links infolge des
Conus
-Syndroms
-
Paresen der Plantar-
Flektoren
an beiden Füssen und neurogene Krallen
zehen-Fehlstellungen beidseits, rechts mehr als links infolge des
Conus
-Syndroms
-
rezidivierende Luxationen der
Peroneal
-S
ehnen links
-
posttraumatische Belastungsstörung ICD-10 F43.1
-
spezifische Phobien (Flug, Höhe, Klaustrophobie) F40.2
Als unfallfremde Diagnosen (S. 23 Ziff. 5.2) nannten sie einen Verdacht auf Rechenstörung (ICD-10 F81.2) sowie eine episodische Migräne ohne Aura
.
6.2
Dr.
F._
führte im orthopädisch-
traumatologischen
Teilgutachten aus, die Beschwerdeführerin beschreibe nebst urologischen und neurologischen Be
schwerden mehrere einschränkende Probleme am Bewegungsapparat: Muskuläre Verspannungen und Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule und dem Schulter
gürtel sowie eine Gehbehinderung mit Neigung zu Gleichgewichtsstörungen. Als Folge seien das Sitzen, das Stehen, die Gehstrecke und das Tragen von Gewichten deutlich reduziert, was sich auf die berufliche Tätigkeit,
im Haushalt und in der Freizeit limitierend auswirke. Nach der klinischen Untersuchung und der Sichtung des Bildmaterials seien die subjektiven Beschwerden nachvollzieh- und objekti
vierbar (S. 12 f. Ziff. 7.2). Da aus orthopädischer Erfahrung mit Anschluss-Pathologien ober- und unterhalb der
Spondylodese
-Strecke zu rechnen sei, müsse mit einer Erweiterung der
Spondylodese
zu einem späteren Zeitpunkt gerechnet werden, was mit einer erneuten dorsalen Instrumentation verbunden sein werde (S. 13 Ziff. 7.3.1).
Betreffend die Arbeitsfähigkeit in bisheriger Tätigkeit könne
aus den zur Verfü
gung gestellten Akten ab 22. Februar 2017 keine Steigerung der Arbeitsfähigkeit
entnommen werden. Die dokumentierte Arbeitsfähigkeit am angestammten Arbeits
platz sei gestützt auf den Bericht von Dr.
C._
vom 3. Oktober 2018 vom 22. Februar 2017 bis zur Geburt des ersten Kindes 50 % geblieben. D
ie Leis
tungsfähigkeit
könne
gemäss dem
A._
-Gutachten vom 24. Oktober 2017 mit genügender Unterstützung gesteigert werden. Welche Massnahmen diese Leis
tungssteigerung zu bewirken vermöchten, gehe aus dem Gutachten jedoch nicht hervor (S. 15 Mitte Ziff. 7.4
).
Im Fazit sei die Beschwerdeführerin infolge Ver
schlechterung des Gesundheitszustands vom 22. Februar 2017 bis zur Kündigung des Arbeitsverhältnisses
am 13. Juli 2018
in der angestammten Tätigkeit andau
ernd 50 % arbeitsunfähig geblieben. Aus rein orthopädischer Sicht entspreche das bei der Untersuchung vom 8. Juni 2021 erhobene Beschwerdebild einer Arbeits
unfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Kauffrau von mindestens 50 %. Denn sowohl das längere Sitzen als auch das Gehen sowie das Heben und Tragen von Lasten seien eingeschränkt. Da sich die Unfallfolgen teilweise mit den neuro
logischen Befunden überschnitten, müsse die Einschätzung der Leistungsfähigkeit aus orthopädischer Sicht in einem ersten Schritt mit den neurologischen Befun
den verglichen und allenfalls noch ergänzt werden (S. 16 oben Ziff. 7.4; S. 17 Ziff. 8.1
).
Betreffend die Arbeitsfähigkeit in leidensangepassten Tätigkeiten seien aus ortho
pädischer Sicht zumutbar: leichte vorwiegend sitzende Tätigkeiten mit einer Sitz
dauer von höchstens 2 Stunden; leichte Arbeiten mit wechselnden Positionen sitzend-stehend-gehend, wobei das andauernde Stehen höchstens 1⁄2 Stunde be
tra
gen könne; Heben und Tragen von Gewichten bis höchstens 5 kg. Einge
schränkt zumutbar seien: ausnahmsweise Treppensteigen, sofern ein Handlauf vorhanden sei; ausnahmsweise Gehen bis 500 Meter. Nicht zumutbar seien Arbeiten auf Leitern und Gerüsten, in unebenem Gelände, in Zwangshaltungen oder in nasskalter Umgebung. Das mögliche Ausmass einer solchen Tätigkeit sei in der Gesamtbeurteilung
vorzunehmen
(S. 17 f. Ziff. 8.2). Der von der
Swica
anerkannte Rückfall per 7. Dezember 2016 habe zu Arbeitsunfähigkeiten wech
seln
den Grades geführt, bis ab 22. Februar 2017 eine dauerhafte Arbeitsun
fähig
keit von 50 % dokumentiert sei (S. 17 Ziff. 8.2.c). Ab Dezember 2016 hätten sich die Befunde aus orthopädischer Sicht vor allem durch die Schmerz-Exazerbation verschlechtert (S. 18 Ziff. 8.4).
6.3
Med.
pract
.
G._
hielt im psychiatrischen Teilgutachten zum arbeitsbezoge
nen Beschwerdebild fest,
das
Problem
der Beschwerdeführerin
seien die Schmer
zen, die auf die Konzentration gehen würden. 50 % könnte sie leisten, wenn auch dies schon viel wäre. Sie wolle
gerne
arbeiten, sie könne einfach nicht den ganzen Tag durcharbeiten.
Sie habe keine Lust
, ihr Leben lang nur daheim zu sitzen. Das sei nicht ihr Ziel. Die Kinder könnten ja auch in die KiTa. Sie wolle nicht ihr Leben lang den Haushalt machen (S. 7 unten
Ziff. 3.2
).
Die Anamnese erbringe zusammen mit dem Psychostatus und dem expliziten Abfragen der Symptome nach ICD-10 eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Der Sturz sei lebensbedrohlich gewesen
. Die Diagnose erscheine nicht schwer ausgeprägt, insbesondere seien dissoziative Symptome allenfalls ange
deu
tet. Die Diagnose habe offenbar keinen negativen Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit, da sie nach dem Unfall in der Lage gewesen sei, über längere Zeit 100 %
zu arbeiten (S. 13 Ziff. 6). Die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit betrage 100 % (S. 15 Ziff. 8
oben
).
Der Beginn einer Psychotherapie sei dringend zu emp
fehlen (S. 15 Ziff. 8 unten).
6.4
Dr.
H._
führte im urologischen Teilgutachten aus, die Arbeit als Kauffrau könne aus urologischer Sicht zu 100 % und bis zu 8 Stunden täglich zugemutet
werden unter folgenden Bedingungen: Die Beschwerdeführerin müsse am Arbeits
platz einen einfachen und schnellen Zugang zu einer Toilette haben; diese Toilette müsse sauber und genug geräumig sein, damit sie für einen allenfalls notwen
digen Selbstkatheterismus und das hierfür benötigte Material genügend Platz habe; wegen einer
Urge
-Symptomatik (imperativer und unwillkürlicher Urinver
lust zirka einmal pro Monat) sei ein direkter oder zu lange anhaltender Kun
denkontakt nicht ideal, idealer und zumutbar wäre eine Tätigkeit im
Backoffice
(S. 3 f. Ziff. 1).
6.5
Dr.
I._
hielt im neurologischen Teilgutachten fest,
gemäss der vertiefenden Befragung
stünden die Rückenschmerzen im Vordergrund. Es sei ein permanenter Schmerz, auf einer visuellen Analogskala (VAS) bei 5-6 von 10, ein Stechen und häufig, als sie gearbeitet habe, ein- bis zweimal am Tag, nun nicht mehr täglich, wie ein Messerstich, so dass sie keine Luft bekomme, VAS 9-10. Wenn sie stehe, nehme der Schmerz bereits nach 1-2 Minuten zu, krampfartig, vor allem auf Verletzungshöhe, und ziehe den Rücken hinauf und hinab. Im Sitzen nehme der Schmerz bereits nach ein paar Minuten zu, dazu komme ein Schmerz, eher von einer brennenden Charakteristik, von dorsal im Beckenkammbereich beidseitig, dorsaler Oberschenkel
,
Unterschenkel und Fusssohle. Ohne aufzustehen
,
bringe sie den ausstrahlenden Schmerz nicht weg. Sie sei in der Lage, sich zusam
men
zureissen und weiter sitzen zu bleiben, danach sei sie jedoch fix und fertig (S. 2 Ziff. 3.2
).
E
in Aufteilen von funktionellen Einschränkungen rein aus dem neurologischen beziehungsweise aus dem orthopädischen Fachgebiet sei nicht möglich. Aufgrund der sensomotorischen Ausfälle
sub
S1 beidseits mit der
Fuss
s
enkerparese
und den Krallenzehen sowie aufgrund der Schmerzen ausgehend im Bereich der
Spondy
lodese
thorakolumbal
beziehungsweise auch ausstrahlend in beide Beine bestehe eine Stand-
und Gangunsicherheit, Springen sei nicht möglich, das Treppen
stei
gen auf- und abwärts sei erschwert, ein Handlauf sei notwendig, zudem sei die Gehstrecke limitiert. Der freie Stand sei nicht sicher und es komme innert Kurzem zur Schmerzzunahme
thorakolumbal
. Im Sitzen verstärkten sich vor allem die Rückenschmerzen und auch die Ausstrahlungen in die Beine, sodass auch das Sitzen limitiert sei und die Beschwerdeführerin zur Entlastung wiederholt kurz aufstehen müsse (S. 8 Ziff. 7.2
).
Die Angaben in den Unterlagen und der Beschwerdeführerin, ihr Verhalten und der klinische Befund seien sehr konsistent (S. 8 Ziff. 7.3
).
Gemäss den Unterlagen und dem Eindruck während der neurologischen Untersuchung sei die Beschwer
deführerin sehr motiviert, trotz ihrer Einschränkungen einer Arbeitstätigkeit nachzugehen (S. 8 Ziff. 7.4).
Da zwischen somatischen Einschränkung
en
aus dem neurologischen beziehungs
weise orthopädischen Fachgebiet kaum unterschieden werden könne, sei die Beur
teilung mit dem orthopädischen Fachgutachter abgesprochen worden. Eine vorwiegend sitzende Tätigkeit
sei aus neurologischer Sicht in
einem 50%-Pen
sum, das heisst halbtags, zumutbar (S. 8 Ziff. 8.1). Eine Tätigkeit als Kauffrau entspreche im Wesentlichen einer angepassten Tätigkeit (S. 9 Ziff. 8.2).
Bezüglich der Schmerzen sei ein regelmässiges Training insbesondere der Rücken
muskulatur sowie des Gleichgewichts notwendig. Im Vordergrund stünden physi
kalische Massnahmen, eine multidisziplinäre Schmerzbehandlung werde aus neurologischer Sicht zum jetzigen Zeitpunkt nicht als notwendig erachtet. Der Endzustand sei erreicht (S. 10 Ziff. 5 f.
).
Zum neurologischen
A._
-Teilgutachten von 2017 ergäben sich in den Befun
den keine wesentlichen Änderungen. Die
A._
-Teilgutachterin habe die Not
wen
digkeit eines regelmässigen Trainings zur Kräftigung der Muskulatur betont, was bei einer 100%igen Arbeitstätigkeit zeitlich kaum möglich sei. Die aktuel
le Beurteilung einer nur halbtäg
igen Arbeitsfähigkeit entspreche im Wesentlichen einer anderen Beurteilung eines insgesamt in etwa unveränderten Gesund
heits
zustands (S. 11 Ziff. 7).
6.6
Nach einer zusammenfassenden Beurteilung (1. Teil des Gutachtens S. 21 ff.) kamen die Gutachter zum Schluss, die Beschwerdeführerin sei aus orthopädischer und neurologischer Sicht in der bisherigen Tätigkeit als Kauffrau sowohl im Untersuchungszeitpunkt als auch im Oktober 2017 zu 50 % arbeitsfähig (ge
wesen), entsprechend einem vollen Pensum halbtags (S. 23 Ziff. 6.1). Das Belas
tungsprofil
einer leidensangepassten Tätigkeit
entspreche einer Kombination des
jenigen aus dem orthopädischen
Teilgutachten (vorstehend E. 6.2
) und desjenigen aus dem urologischen
Teilgutachten (vorstehend E. 6.4
).
Eine angepasste Tätigkeit
sei zu 50%, das heisst halbtags, zumutbar.
Diese Angaben gälten zirka seit Feb
ruar 2017 (S. 23 f. Ziff. 2). Die Frage, ob seit August 2014 bis zum
4. September 2019 eine Änderung der gesundheitlichen Verhältnisse ergeben habe,
sei zu bejahen
. Ab Dezember 2016 sei es zu vermehrten Schmerzen gekommen. Die Diagnosen hätten sich aus orthopädischer und neurologischer Sicht nicht verändert (S. 24 Ziff. 3). Die Befunde hätten sich vor allem durch die Schmerz-Exazerbation ver
schlechtert (S. 24 Ziff. 4). Die empfohlenen Behandlungsmassnahmen seien Phy
sio
therapie, ein angepasster Bürostuhl, ein ergonomisch anpassbarer Schreibtisch,
Knöchelbandagen, eine medikamentöse Optimierung der Blasenfunktion und Psy
chotherapie. Eine multidisziplinäre Schmerztherapie sei jedoch nicht not
wendig (S. 25 Ziff. 5).
7.
7.1
Bei Gerichtsgutachten weicht das Gericht nach der Pra
xis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Fachleute ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen
bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann
vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist
oder
wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schluss
folgerungen gelangt. Abweichende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachleute dem Gericht als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung durch eine weitere Fachperson im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne eine solche vom Ergeb
nis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 143 V 269 E
. 6.2.3.2, 125 V 351 E. 3b/
aa
).
7.2
Es ist vorliegend kein Grund ersichtlich, der ein Abweichen von der Beurteilung durch die Gutachter der MEDAS
B._
rechtfertigen würde. Das Gutach
ten vermag den praxisgemässen Anforderungen (vgl. vorstehend E. 1.6) vollum
fänglich zu genügen. Der Beweiswert des Gerichtsgutachtens wird denn auch von den Parteien nicht in Frage gestellt Es ist somit darauf abzustellen.
Erstellt ist demnach das Vorliegen eines Revisionsgrundes
(E. 1.4)
mit der
Schmerzexa
zer
bation
ab Dezember 2016
(E. 6.6), was denn von der Beschwerdegegnerin auch nicht ernsthaft bestritten wird.
7.3
Was die im Rückweisungsurteil
vom 12. Juni 2018 monierte fehlende Prüfung
der
Auswirkungen der neuropathischen Schmerzen im
A._
-Gutachten 2017 (vgl. vorstehend E. 2.1) angeht, welche von den
A._
-Gutachtern
– wie dies
auch die RAD-Ärztin erkannte (E. 4.3) -
auch in
der
Stellungnahme vom 13. Febr
u
ar 2019 nicht vorgenommen wurde (E. 4.2; vgl. Urk. 24), so nahm die neuro
lo
gische MEDAS-Teilgutachterin Dr.
I._
zunächst eine sehr sorgfältige, detail
lierte Beschwerdeerhebung vor (vgl. E. 6.5). Die Schilderung der krampfartigen, brennenden, ausstrahlenden Schmerzen im Rücken und in den Beinen ist ein
drücklich und erscheint durchwegs
als
authentisch. Dr.
I._
hielt denn auch
explizit fest,
das
Verhalten der Beschwerdeführerin und der klinische Befund seien
sehr konsistent. Ersichtlicher Weise berücksichtigte sie
die Schmerzen
bei den funktionellen Einschränkungen
, wobei es nachvollziehbar erscheint, dass eine
strikte
Aufteilung derselben in das neurologische und orthopädische Fachgebiet nicht möglich ist. Entsprechend erfolgte eine Absprache mit dem orthopädischen Gutachter.
Die neurologisch-orthopädisch begründete polydisziplinäre Einschätzung einer 50%igen Arbeitsfähigkeit ist daher schlüssig und einleuchtend. Sie
berücksichtigt
die Vorgaben des hiesigen Gerichts auch betreffend
die Diskussion möglicher
Schmerztherapien, deren Notwendigkeit jedoch verneint wurde (E. 6.6
).
Die Ein
schätzung der Arbeitsfähigkeit
ist nicht zuletzt auch deshalb stimmig, weil sie
sich
im Wesentlichen
mit der
jenigen
durch den behandelnden Dr.
C._
(E. 4.
1) und
derjenigen
durch die Beschwerdeführerin selber
deckt
. Auch wenn
letzterer
angesichts
der
Parteistellung und Interessenslage
der Beschwerdeführerin
grund
sätzlich
nicht zu viel Gewicht eingeräumt werden darf, so ist doch nicht zu ver
kennen, dass
dieser
in den Akten durchgehend eine
hohe
Arbeitsmotivation,
Kooperation
sbereitschaft
und Verhaltenskonsistenz
zugeschrieben wird,
und sich dies
auch
in ihrer von Durchhaltewillen geprägten Arbeitsbiografie manifestiert (vgl.
vorstehend E. 2.1;
E. 3.3;
E. 4.1
sowie nachstehend E. 8.2
).
Dies spricht dafür, dass sie mit dem zuletzt geleisteten 50%-Pensum ihre Leistungskapazitäten bereits ausschöpfte.
Nachdem die Einschätzung einer 50%igen Arbeitsfähigkeit durch die MEDAS-Gutachter
im Wesentlichen
mit derjenigen der Beschwerdeführerin selber und ihres behandelnden Arztes übereinstimmt und von ihr bis
kurz vor der
Geburt ihres ersten Kindes
im Mai
2018 auch effektiv umgesetzt wurde, ist
schliesslich
weder ersichtlich noch wird geltend gemacht, dass und inwiefern eine noch tiefere
gutachterliche
Auseinandersetzung mit
der Schmerzsituation sich zu Gunsten der Beschwerdeführerin hätte auswirken können.
Diese erweist sich daher als genü
gend.
7.4
Im
A._
-Gutachten 2017 war festgehalten worden, die Steigerung der Arbeits
fähigkeit von 50 auf 70 % sei der Beschwerdeführerin erst mit genügend Unter
stützung sowie mit dem Einlegen von Pausen möglich. Die Attestierung einer theoretisch möglichen Arbeitsfähigkeit von 70 % war daher widersprüchlich (vgl. E. 2.1).
Dieser Widerspruch wurde weder mit der
A._
-Stellungnahme vom 13. Februar 2019 (E. 4.2) noch durch die blosse Begleitung des Haushaltsabklä
rungsbesuchs durch die RAD-Ärztin ohne eigene Untersuchung (E. 5.2) schlüssig aufgelöst. Insbesondere überzeugt in medizinischer Hinsicht nicht, dass
letztere
aus dem bei diesem Anlass geschilderten A
ktivitätsniveau
der Beschwerde
füh
rerin
, welches
in
deren
Rolle als Mutter teilweise ungeachtet der Schmerzen wohl schlicht unumgänglich sein dürfte,
mehr oder weniger
direkt auf eine 70%ige Arbeitsfähigkeit in einer leichten Bürotätigkeit
schloss
.
Entscheidend ist vorliegend, wie hoch die effektiv zumutbare
aktuelle
Arbeits
fähigkeit liegt, welche ohne weitere Schritte realisierbar ist. Die MEDAS-Gut
achter schaffen diesbezüglich die notwendige Klarheit, indem sie von einer effek
tiv vorliegenden Arbeitsunfähigkeit von 50 % seit Februar 2017 ausgehen. Die Auseinandersetzung mit und die Abgrenzung zu den Einschätzungen der
A._
-Gutachter 2017 erfolgte dabei
in zurückhaltender Tonalität
,
inhaltlich
aber präg
nant
und einleuchtend
.
So hielt
der
orthopädische Teilgutachter
fest, aus dem
A._
-Gutachten gehe nicht hervor, mit welchen Unterstützungsmassnahmen die Leistungsfähigkeit gesteigert werden könne (E. 6.2). Die neurologische
MEDAS
-Teilgutachterin ihrerseits wies darauf hin, dass die von der
A._
-Teilgutachterin als notwendig erachtete Kräftigungstraining bei einer 100%igen Arbeitstätigkeit zeitlich kaum möglich sei (E. 6.5).
7.5
Nach dem Gesagten ist erstellt, dass die Beschwerdeführerin ab Februar 2017 in ihrer angestammten Tätigkeit als Kauffrau
unter Beachtung des genannten Be
lastungsprofils (E. 6.6; vgl. E. 6.2 sowie E. 6.4) nur noch
zu 50 %
arbeitsfähig
ist.
Nachfolgend sind
die strittige Statusfrage (vgl. E. 1.
5) zu klären sowie gegebenen
falls die Einschränkungen im Haushalt zu prüfen.
8.
8.1
Die von einer qualifizierten Person durchgeführte Abklärung vor Ort (nach Massgabe des Art. 69 Abs. 2 IVV; vgl. auch
Rz
. 3081 ff. des Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung, KSIH, gültig ab 1. Januar 2015) stellt für gewöhnlich die geeignete und genügende Vorkehr zur Bestimmung der gesundheitlichen Einschränkung im Haushalt dar.
Hinsichtlich des Beweiswerts der entsprechenden Berichterstattung ist wesentlich, dass sie durch eine qualifizierte Person erfolgt, die Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus den medizinischen Diagnosen sich erge
benden Beeinträchtigungen und Behinderungen hat. Weiter sind die Angaben der versicherten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Be
teiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und angemessen detailliert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein sowie in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen.
Diese Beweiswürdigungskriterien sind nicht nur für die im Abklärungsbericht enthaltenen Angaben zu Art und Umfang der Behinderung im Haushalt mass
gebend, sondern gelten analog für jenen Teil eines Abklärungsberichts, der den mutmasslichen Umfang der erwerblichen Tätigkeit von teilerwerbstätigen Versi
cherten mit häuslichem Aufgabenbereich im Gesundheitsfall betrifft (Urteil des Bundesgerichts
I 236/06 vom 19. Juni 2006 E. 3.2
).
8.2
Im Zeitpunkt des nächtlichen Fenstersturzes
vom 16. Mai 2009
mit seinen gravie
renden und nachhaltigen gesundheitlichen Folgen war die Beschwerdeführerin 17 Jahre alt und befand sich in einer Lehre als
Detailshandelsfachfrau
im Bereich Schmuck und Uhren
.
Trotz den initial schweren Behinderungen im Alltag und am Arbeitsplatz führte sie mit Unterstützung des Elternhauses und des Arbeit
gebers die Lehre bis zum erfolgreichen Abschluss im Juli 2011 zu Ende.
Seitens des Arbeitgebers wurde damals geäussert, die Beschwerdeführerin sei motiviert und bringe in der Schule eine Top-Leistung, sie wolle unbedingte die Ausbildung beenden und einen Lehrabschluss haben (Urk. 7/21).
Ab Februar 2012 absolvierte sie im Rahmen einer Umschulung eine weitere Berufslehre als Kauffrau, welche sie im Juli 2014 erfolgreich abschloss und danach im
Lehrb
etrieb angestellt blieb (vgl. etwa orthopädisches MEDAS-Teilgutachten S. 12 [Urk. 39]).
Trotz massiver Rückenschmerzen mit anhaltend ausstrahlenden Schmerzen in die Beine arbeitete sie bis Dezember 2016
in einem Vollzeitpensum
als Kauffrau (vgl.
E. 3.3
).
Es ist daher stimmig, wenn die neurologische MEDAS-Gutachterin im
Se
ptember 2021 festhielt, die Beschwerdeführerin sei sehr motiviert, trotz ihrer Einschränkungen
einer Arbeitstätigkeit nachzugehen (E. 6.5).
Inkonsistenzen wurden weder von den
A._
- noch von den MEDAS-Gutachtern ausgemacht. Authentisch schilderte die Beschwerdeführerin dem psychiatrischen MEDAS-Teilgutachter, sie wolle arbeiten
und habe keine Lust
, ihr Leben lang nur daheim zu sitzen, das sei nicht ihr Ziel, die Kinder könnten ja auch in die KiTa, sie wolle nicht ihr Leben lang den Haushalt machen (E. 6.3).
8.3
Angesichts der dargelegten Erwerbsbiografie (E. 8.2) und der darin manifestierten sowie
mehrfach
glaubhaft bekräftigten Neigung, sich in einer aktiven Rolle
am Berufsleben
zu beteiligen, erscheint es als stimmig,
wenn
die Beschwerdeführerin anlässlich der Haushaltsabklärung im Juni 2019 angab
(vgl. E. 5.1)
, sie denke, dass sie
im Gesundheitsfall
auch nach der Geburt ihrer Tochter im Mai 2018 im Rahmen von 80-100 % erwerbstätig geblieben wäre, weil sie gerne arbeite.
Als Motiv für das hohe Pensum gab sie nachvollziehbarer Weise an, sie würde gerne sparen, um irgendwann vielleicht ein Haus kaufen zu können. Mit der nicht voll
zeitig erwerbstätigen Schwiegermutter und der Schwägerin scheinen sodann Be
zugspersonen vorhanden, die zumindest einen Teil der Kinderbetreuung abdecken könnten. Indem die Abklärungsperson auf begrenzte Kapazitäten der Schwägerin als mehrfacher Mutter verweist, verkennt sie, dass mittlerweile auch ein breites Angebot an
Kindertagesstätten (
KiTas
)
existiert, worauf die Beschwerdeführerin denn auch hinwies (vgl. E. 8.2, E. 6.3 sowie Urk. 1 S. 16 Mitte).
W
enn
sie
schliesslich aus dem
Monatseinkommen des Ehemannes von rund Fr. 8'000.--
(vgl. Urk. 7/135 Ziff. 2.4) darauf schliesst, die Beschwerdeführerin sei aus finanziellen Gründen nicht gezwungen, ein hohes Pensum auszuüben,
und würde daher auch nicht einem solchen nachgehen,
so hängt sie damit
effektiv – wie von
der Beschwerdeführerin
ausgeführt
(vgl. Urk. 1 S. 16)
-
einem überkommenen Rollenverständnis nach
. Ihre Einschätzung einer mutmasslichen Erwerbstätigkeit von 50 % ist nicht plausibel, weshalb darauf nicht abgestellt werden kann (vgl. E. 8.1).
Recht zu geben ist
der Abklärungsperson
immerhin dahingehend, dass ein Voll
zeitpensum
– sprich ein Pensum von 90 % und mehr -
der Mutter bei
Zusam
men
leben mit dem Partner und
gleichzeitigen Betreuungspflichten gegenüber Klein
kindern auch heute
statistisch gesehen
ein A
usnahmefall darstellt (vgl. Bundes
amt für Statistik, Erwerbssituation von Müttern mit Partner und Kind[
ern
] im Haushalt, 2020,
https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/sta
tistiken/wirtschaft
liche-so
ziale-situation-bevoelkerung/gleichstellung-frau-mann/vereinbarkeit-beruf-familie/erwerbsbeteiligung-muettern-vaetern.assetdetail.17685896.html
).
Überwiegend wahrscheinlich ist daher innerhalb des von der Beschwerdeführerin angegebenen Rahmens von 80 bis 100 % nicht eine 90 bis 100%ige hypothetische Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall zum Zeitpunkt der angefochtenen Verfü
gung, sondern ein Pensum von 80 %.
8.4
Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass sich an diesem
hypothetischen Erwerbspensum mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
auch mit der G
eburt des zweiten Kindes im Februar
2021 nichts geändert hätte. Es ist nach der
allge
meinen
Lebenserfahrung davon auszugehen, dass sich das Zusammenspiel von Betreuung und Erwerbstätigkeit mit der d
annzumal schon z
weieinhalbjährigen erstgeborenen Tochter schon soweit
etabliert
hätte, dass auch die Betreuung des Zweitgeborenen
ohne
Pensumsreduktion
in dieses System hätte integriert werden können.
8.5
Nachdem die Qualifikation auf 80 % Erwerbstätigkeit / 20 % Haushaltstätigkeit festzulegen ist, ist zu prüfen, ob und inwiefern die Beschwerdeführerin in der Haushaltstätigkeit eingeschränkt ist.
8.6
Die Haushaltsabklärung vom Juni 2019 erfolgte im Beisein der RAD-
Orthopädin
(E. 5.1), was ihr in medizinischer Hinsicht zusätzliches Gewicht verleiht.
Auch die weiteren Voraussetzungen (E. 8.1) sind erfüllt.
Betreffend die festgestellten Einschränkungen im Haushalt sowie die zumutbare Schadenminderung durch die Angehörigen erging denn auch seitens der Beschwerdeführerin keine Kritik. Diese beschränkte sich
vielmehr
auf die Festlegung der Qualifikation und die Ein
schätzung der Arbeitsfähigkeit im Erwerbsbereich sowie im Eventualstandpunkt darauf, dass die Beschwerdegegnerin die Berechnung des Invaliditätsgrades nach der gemischten Methode unterlassen habe (vgl. Urk. 1 S. 11-18).
Gestützt auf den Bericht zur Haushaltsabklärung ist demnach erstellt, dass die Beschwerdeführerin im Haushaltsbereich insgesamt zu 17.4 % eingeschränkt ist.
9.
9.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
9
.2
Gemäss dem in Art. 27
bis
Abs. 2–
4 der
Verordnung über die Invalidenversiche
rung (IVV) per 1. Januar 2018 eingeführten neuen Berechnungsmodell für die Festlegung des Invaliditätsgrads von teilerwerbstätigen Versicherten nach der gemischten Methode (Art. 28a Abs. 3 IVG) werden der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Erwerbstätigkeit und der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich – weiterhin – summiert (Art. 27
bis
Abs. 2 IVV). Die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Erwerbstätigkeit richtet sich nach Art. 16 ATSG, wobei das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person durch die Teiler
werbstätigkeit erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, auf eine
Vollerwerbstätigkeit hochgerechnet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. a IVV) und die pro
zentuale Erwerbseinbusse anhand des Beschäftigungsgrads, den die ver
sicher
te Person hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, gewichtet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. b IVV). Für die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich wird der prozentuale Anteil der Einschränkungen bei der Betätigung im Aufgabenbereich im Vergleich zur Situation, wenn die ver
sicherte Person nicht invalid geworden wäre, ermittelt. Der Anteil wird anhand der Differenz zwischen dem Beschäftigungsgrad nach Absatz 3
lit
. b und einer Vollerwerbstätigkeit gewichtet (Art. 27
bis
Abs. 4 IVV).
9
.3
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung a
n
gepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnah
men müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1).
9
.4
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne
gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgege
be
nen Lohnstrukturerhebungen (LSE
) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3,
135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1, 126 V 75 E. 3b).
Dabei sind
grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu ver
wenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3). Der Griff zur Lohnstatistik ist subsidiär, das
heisst deren
Beizug
erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Inva
lideneinkommens auf
grund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenver
sicherung, 3. Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
9
.5
Für die Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss auf die standardisierten Brut
to
löhne (Tabellengruppe A) abgestellt (BGE 129 V 472 E. 4.2.1 mit Hinweis), wo
bei jeweils vom so genannten Zentralwert (Median) aus
zugehen ist.
A
usserdem
gilt es zu be
rücksichtigen, dass ihnen
generell eine Arbeitszeit von 40 Wochen
stun
den zugrunde liegt, weshalb der massgebliche Tabellenlohn auf die entspre
chende betriebsübli
che Wochenarbeitszeit aufzu
rech
nen ist (BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 75 E. 3b/
bb
, 124 V 321 E. 3b/
aa
; AHI 2000 S. 81 E. 2a).
9
.6
Für die Vornahme des Einkommensvergleichs ist grund
sätzlich auf die Gegeben
heiten im Zeitpunkt des hypothetischen Rentenbeginns abzustellen (BGE 129 V 222). Ein Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruches. Die
IV-Anmeldung ging am 20. April 2017 bei der B
eschwerdegegnerin ein (Urk.
7/64
sowie Aktenver
zeichnis zu Urk. 7). Ein Rentenanspruch bestünde somit frühes
tens ab dem 1.
Oktober 2017
.
Da aber die Wartezeit nach Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG vorliegend erst Ende Januar 2018 abläuft, entsteht ein allfälliger Renten
anspruch frühestens ab 1. Februar 2018
.
9
.7
Nach Abschluss ihrer beiden Berufslehren war die Beschwerdeführerin ab 1. November 2014 in einem 100% Pensum als Sachbearbeiterin bei der
J._
in
K._
tätig. Gemäss eigenen Angaben in der IV-Anmeldung erzielte sie dabei ein monatliches Bruttoeinkommen von Fr. 4'220.-- (Urk. 7/64 Ziff. 5.4), was
von
ihrer
Arbeitgeber
in
am 30. Oktober 2018 gegenüber der Unfallversicherung bestätigt wurde (Urk. 12/218; vgl. zudem Urk. 12/200) und
einem Jahreseinkommen einschliesslich 13. Monatslohn von Fr. 54'860.-- entspricht.
Dies deckt sich im Wesentlichen auch mit dem Auszug aus dem individuellen Konto (IK; Urk. 7/76
Das
Valideneinkommen
beträgt demnach
grundsätzlich
Fr. 54'860.--
. Dies erscheint als unterdurchschnittlich, was nachfolgend zu prüfen bleibt.
9.8
Bezog eine versicherte Person aus invaliditätsfremden Gründen (z.B. geringe
Schulbildung, fehlende berufliche Ausbildung, mangelnde Deutschkenntnisse, be
schränkte Anstellungsmöglichkeiten wegen
Saisonnierstatus
) ein deutlich unter
durch
schnittliches Einkommen, ist diesem Umstand bei der Invaliditätsbe
mes
sung nach Art. 16 ATSG Rechnung zu tragen, sofern keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass sie sich aus freien Stücken mit einem bescheideneren Einkom
mensniveau begnügen wollte. Nur dadurch ist der Grundsatz gewahrt, dass die auf invaliditätsfremde Gesichtspunkte zurückzuführenden Lohneinbussen entwe
der überhaupt nicht oder aber bei beiden Vergleichseinkommen gleichmässig zu berücksichtigen sind (BGE 141 V 1 E. 5.4). Diese Parallelisierung der Einkommen kann praxisgemäss entweder auf Seiten des
Valideneinkommens
durch eine ent
sprechende Heraufsetzung des effektiv erzielten Einkommens oder aber auf Seiten des Invalideneinkommens durch eine entsprechende Herabsetzung des statis
tischen Wertes erfolgen (BGE 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1). Eine Paral
lelisierung ist indessen nur vorzunehmen, wenn die Differenz zum massgebenden Durchschnitt deutlich ist. Deutlich unterdurchschnittlich im Sinne von
BGE 134 V 322
E. 4 ist der tatsächlich erzielte Verdienst, wenn er mindestens 5 % vom branchenüblichen LSE-Tabellenlohn abweicht (vgl. BGE 135 V 297 E. 6.1.2).
Bei der Durchführung der Parallelisierung ist mit Blick auf eine dem Grundsatz der Rechtsgleichheit genügende Invaliditätsgradermittlung zu vermeiden, dass diese – bei einer kontinuierlich ansteigenden Differenz zwischen tatsächlich erzieltem Lohn und branchenüblichem Durchschnittseinkommen – ab Erreichen des
Erheblichkeitsgrenzwertes
von mindestens 5 % gegebenenfalls eine sprunghafte Erhöhung des Invaliditätsgrades zur Folge hat. Es ist daher nur in dem Umfang zu parallelisieren, in welchem die prozentuale Abweichung den
Erheblichkeitsgrenzwert
von 5 % übersteigt, bezweckt doch die Parallelisierung praxisgemäss nur die Ausgleichung einer deutlichen – also nicht jeder kleinsten – Abweichung des tatsächlich erzielten Verdienstes vom tabellarisch bestimmten branchenüblichen Referenzeinkommen (vgl. BGE 135 V 297 E. 6.1.3).
9.9
Angesichts der abgeschlossenen Ausbildung
und Berufserfahrung
der Beschwer
deführerin
im kaufmännischen Bereich ist zur Bestimmung des branchenüblichen Referenzeinkommens auf den standardisierten Durch
schnittslohn für p
raktische T
ätigkeiten wie Verkauf, Pflege,
Datenv
erarbeitung und Administration,
Bedie
nen von Maschi
nen und elektronischen Geräten, Sicherheitsdienst,
Fahrdienst
in sämtlichen Wirtschaftszweigen des privaten Sektors abzu
stellen (aktuellste im
Verfügungszeitpunkt veröffentlichte LSE 2016, Tabellengruppe
TA1_tira
ge_skill_le
vel
, Total, Niveau 2).
Das im Jahr 2016 von Frauen im Durchschnitt aller im Niveau 2 enthaltenen Tätigkeiten erzielte Einkommen betrug pro Monat Fr. 4‘832.--, mithin Fr. 57’984.-- im Jahr (Fr. 4’832.-- x 12). Der durch
schnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit im Jahr 2016 von 41.7 Stunden
(Bundesamt für
Statistik, Betriebs
übliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, T.
03.02.03.01.04
.01)
angepasst, ergibt dies ein massgebliches Vergleichseinkommen von rund Fr. 60’448.-- (Fr. 57‘984.-- : 40.0 x 41.7).
Vergleicht man dieses Einkommen mit dem zuvor ermittelten
Valideneinkommen
in der Höhe von Fr. 54'860.--, ergibt sich eine Abweichung von 9.2 % ([
Fr.
60'448.-- - Fr. 54'860] /
Fr. 60'448.-- x 100).
Im Jahr 2016 war die Be
schwerdeführerin erst 25 Jahre alt und verfügte nach Abschluss ihrer Lehre im Jahr 2014 noch über relativ wenig Berufserfahrung. Dass sich dies auf die Lohn
höhe auswirkt, darf als gerichtsnotorisch gelten. Das deutlich unterdurch
schnitt
liche Einkommen ist damit durch invaliditätsfremde Faktoren begründet, weshalb das
Valideneinkommen
bis zur
Erheblichkeits
schwelle
von 5 % zu parallelisieren
ist (E. 9.8).
Dies führt
zu einem massgebenden
Validenei
n
kommen
von rund Fr. 57’426
.
--
(Fr. 60'448.- x 0.95).
9
.
10
Nach dem Eintritt der Invalidität im Februar 2018 ging die Beschwerdeführerin nur noch für kurze Zeit und nach
der Geburt ihrer
Tochter im
Mai 2018
gar
keiner Erwerbstätigkeit mehr nach, wes
halb die Ermittlung des Invalideneinkommens nicht konkret erfolgen kann, sondern gestützt auf die statistischen Tabellenlöhne vorzunehmen ist.
9.
11
Angesichts der Zumutbarkeit einer 50%igen behinderungsangepassten Tätig
keit steht der Beschwerdeführerin auch bei Beachtung des erstellten Belastungsprofils (vgl. E. 6.2 sowie E. 6.4) eine gewisse Palette von Tätigkeiten offen. Es rechtfertigt sich angesichts der abgeschlossenen Ausbildung und Berufserfahrung im kauf
männischen Bereich,
auch
für die Bemessung des Invaliden
einkommens auf den
standardisierten Durch
schnittslohn für praktische Tätigkeiten wie Verkauf, Pflege
,
Datenv
erarbeitung und Administration,
Bedienen von Maschi
nen und elektro
nischen Geräten, Sicherheitsdienst,
Fahrdienst
in sämtlichen Wirtschaftszweigen des privaten Sektors abzu
stellen (aktuellste im Verfügungszeitpunkt veröffent
lichte LSE 2016, Tabellengruppe
TA1_tirage_skill_level
, Total, Niveau 2).
Somit ergibt sich ein im Jahr 2016 erzielbares Einkomme
n von Fr. 60'448.--
. Eine Anpassung an die Teuerung erübrigt sich, nachdem sich auch das
Validenein
kommen
auf das Jahr 2016 bezieht.
9.1
2
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnitts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäfti
gungs
grad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten. Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Ein
zelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25 % nicht übersteigen (vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2, 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
aa
-cc).
9.
1
3
Das orthopädisch-neurologische Belastungsprofil der Beschwerdeführerin prä
sen
tiert sich wie folgt (vgl. E. 6.2; E. 6.6): Zumutbar sind leichte vorwiegend sitzende Tätigkeiten mit einer Sitzdauer von höchstens 2 Stunden; leichte Arbeiten mit wechselnden Positionen sitzend-stehend-gehend, wobei das andau
ernde Stehen höchstens 1⁄2 Stunde betragen könne; Heben und Tragen von Gewichten bis höchstens 5 kg. Eingeschränkt zumutbar sind ausnahmsweise Treppensteigen, sofern ein Handlauf vorhanden ist, ausnahmsweise Gehen bis 500 Meter. Nicht zumutbar sind Arbeiten auf Leitern und Gerüsten, in unebenem Gelände, in Zwangshaltungen oder in nasskalter Umgebung. Im angestammten Bereich als Kauffrau stehen der Beschwerdeführerin auch unter Beachtung dieser Einschrän
kungen noch immer diverse
Tätigkeiten – insbesondere im Bürobereich -
offen. In stärkerem Masse eingeschränkt ist die Beschwerdeführerin hingegen durch das urologische Belastungsprofil: Die Beschwerdeführerin muss am Arbeitsplatz einen einfachen und schnellen Zugang zu einer sauberen und geräumigen Toilette haben; wegen einer
Urge
-Symptomatik ist
ein direkter oder zu lange anhaltender Kundenkontakt
nicht ideal (vgl. E. 6.4).
Auch wenn auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt durchaus eine gewisse Zahl solcher «
Backoffice
»-Arbeitsplätze zur Verfügung steht, so liegt doch auf der Hand, dass die Beschwerdeführerin angesichts des zu berücksichtigenden Belas
tungsprofils
die verbliebene halbtägige Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausge
glichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerb
li
chem Erfolg verwerten kann. Es rechtfertigt sich daher, einen leidensbedingten Abzug vom Tabellenlohn von 5 % vorzunehmen
.
9.1
4
Demnach beträgt das hypothetische Invalideneinkommen bei einem zumutbaren Arbeitspensum von 50 % rund Fr. 28'713.--
(Fr. 60'448.- x 0.95 x 0.5).
Aus der Gegenüberstellung mit dem
Valideneinkommen
von Fr. 5
7
’
426
.
--
resul
tiert bei einer Einkommenseinbusse von Fr. 2
8
’
713
.-- eine Einschränkung im Erwerbsbereich von
50
%.
9.1
5
Der Gesamtinvaliditätsgrad berechnet sich mittels Addition der Teilinvaliditäts
grade
(vgl. E. 9.2)
. Bei einem Anteil des erwerblichen Bereichs von 80 % und einer Einschrän
kung im Erwerbsbereich von
50
%
(vgl. E. 8.5 und E. 9.1
4
) ergibt dies anteilig e
inen Teilinvaliditätsgrad von
40
% (80 % x 0.
5
). Bei einem An
teil des Haushaltsbereichs von 2
0 % und einer Einschrän
kun
g im Haushalts
bereich von 17.4
% (vgl.
E. 8.5-6
) ergibt dies anteilig einen T
eilinvaliditätsgrad von 3.48 % (20 % x 0.174
).
Demnach resultiert bei einem Teilinvalidit
ätsgrad im Erwerbsbereich von
40
% und einem solchen von 3.48
% im Haushaltsbereich ein Gesamtinvaliditätsgrad
von gerundet 4
3
%, was einen Anspruch auf eine
Viertelsrente
begründet.
9.1
6
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die Verfügung vom 4. September 2019 daher aufzuheben und festzustellen, dass die Beschwerdeführerin ab dem 1. Februar 2018 Anspruch auf eine
Viertelsrente
hat.
10.
10.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Ver
sicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 1‘000.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
10.2
Die Kosten eines Gerichtsgutachtens können dem Versicherungsträger auferlegt
werden, wenn die Abklärungsergebnisse aus dem Verwaltungsverfahren in rechts
erheblichen Punkten nicht ausreichend beweiswertig sind, und zur Durch
führung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismassnahme an sich eine Rück
weisung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick auf die Wahrung der Ver
fahrensfairness entfällt (vgl. BGE 139 V 225 E. 4.2 mit Verweis auf BGE 137 V 210).
Nachdem die Sache durch das hiesige Gericht bereits einmal an sie zurück
ge
wiesen worden war
(vgl. E. 2.1)
, stützte sich die Beschwerdegegnerin in der ange
fochtenen Verfügung auf eine unergiebige Stellungnahme der damaligen Gutach
ter
(E. 4.2)
sowie
auf die wenig überzeugende Einschätzung ihrer RAD-Ärztin
(
E. 5.2;
vgl. E. 7.3-4) und klärte damit die im Rückweisungsurteil monierten Punkte
ungenügend
ab. Dementsprechend sind der Beschwerdegegnerin die Kosten für das Gerichtsgutachten der MEDAS
B._
in Höhe von Fr. 18'610.75 auf
zuerlegen.
10
.3
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerdeführerin Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
10.
4
Mit Kostennote vom 24. September 2021 machte der Rechtsvertreter der Beschwer
deführerin, Rechtsanwalt Bütikofer, einen Zeitaufwand von 27.
33 Stunden und einen Baraufwand von Fr. 280.-
-
geltend
(Urk. 46)
. Dies erscheint
angesichts der Schwierigkeit des Prozesses und des überdurchschnittlichen Aktenumfangs
noch
als
angemessen.
Unter Anwendung des korrekten Stundenansa
tzes von Fr. 220.-
-
- anstatt des
verrechneten Fr. 270.-
-
- ist die Prozessentschädigung unter Ein
schluss des geltend gemachten Baraufwands sowie der Mehrwertsteuer auf Fr. 6'777.15 festzulegen.
Ausgangsgemäss ist die Beschwer
de
gegnerin
zu ver
pflichten, der
Beschwerdeführer
in
eine Prozessent
schä
di
gung in
dieser Höhe
zu bezahlen.