# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 4080f9a7-ba4a-595f-b441-cb4f18e9b8d6
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdegegner reichte am 10. Mai 2017 bei der Gemeinde Beatenberg ein
Baugesuch ein für die Erstellung eines Geräteschuppens auf der Parzelle Beatenberg
Grundbuchblatt Nr. C._. Die Parzelle liegt in der Landwirtschaftszone. Der
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Beschwerdegegner reichte daher zusätzlich ein Gesuch um Erteilung einer
Ausnahmebewilligung nach Art 24 ff. RPG1 ein.
2. Das Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) hielt mit Stellungnahme vom
2. Juni 2017 fest, die erforderliche Ausnahmebewilligung gemäss Art. 24 ff. RPG könne
nicht erteilt werden. Mit Schreiben vom 6. Juni 2017 informierte die Bauverwaltung
Beatenberg den Beschwerdegegner über die Stellungnahme des AGR und teilte mit, die
Baubewilligung könne ohne Ausnahmebewilligung des AGR nicht in Aussicht gestellt
werden. Gleichzeitig gab sie dem Beschwerdegegner Gelegenheit zur Stellungnahme, zum
Rückzug des Baugesuchs oder zum Einreichen einer Projektänderung.2 Der
Beschwerdegegner antwortete mit Schreiben vom 8. Juni 2017, eine Projektänderung sei
nicht möglich und bat sinngemäss um Bewilligung des Vorhabens.3
Mit Schreiben vom 11. Juni 2017 setzte der Beschwerdegegner die Bauverwaltung
Beatenberg darüber in Kenntnis, dass der Geräteschuppen mittlerweile erstellt wurde.4
Anschliessend fand am 19. Juli 2017 eine Begehung vor Ort statt, an welcher Vertreter des
AGR sowie der Gemeinde den mittlerweile fertiggestellten Schopf besichtigten.5 Das AGR
hielt auch nach der Besichtigung an seiner Einschätzung fest. Mit Verfügung vom
20. September 2017 verweigerte es deshalb eine Ausnahmebewilligung für den
Geräteschuppen. Aufgrund der negativen Verfügung des AGR erteilte die Vorinstanz mit
Entscheid vom 19. Oktober 2017 dem Bauvorhaben den Bauabschlag. Aus Gründen der
Verhältnismässigkeit verzichtete sie jedoch auf die Wiederherstellung des rechtmässigen
Zustands.
3. Dagegen reichte das Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) am 22. November
2017 Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE)
ein. Das ARE beantragt, Ziffer IV.2 des Bauabschlags der Gemeinde Beatenberg vom
19. Oktober 2017, in welcher auf die Wiederherstellung verzichtet wird, sei aufzuheben.
1 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700) 2 Vorakten, p. 30 3 Vorakten, p. 29 4 Vorakten, p. 26 und 27 5 Vorakten, p. 24 und 25
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Die Gemeinde sei anzuweisen, die vollständige Wiederherstellung des rechtmässigen
Zustands anzuordnen.
4. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet6, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Das AGR beantragt mit Stellungnahme
vom 29. November 2017 die Gutheissung der Beschwerde. Die Vorinstanz hält in ihrer
Stellungnahme vom 14. Dezember 2017 an ihrem Entscheid fest und beantragt die
Abweisung der Beschwerde. Der Beschwerdegegner verlangt in seiner Beschwerdeantwort
vom 12. Januar 2018 ebenfalls die Abweisung der Beschwerde.
Auf die Rechtsschriften sowie auf das Ergebnis des Augenscheins wird, soweit für den
Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintretensvoraussetzungen
a) Bauentscheide sowie baupolizeiliche Verfügungen können innert 30 Tagen seit
Eröffnung mit Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden (Art. 40 Abs. 1 und Art. 49
Abs. 1 BauG7). Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen den Entscheid
zuständig.
b) Gemäss Art. 89 Abs. 2 BGG8 sind Bundesbehörden zur Beschwerde ans
Bundesgericht berechtigt, wenn der angefochtene Akt die Bundesgesetzgebung in ihrem
Aufgabenbereich verletzen kann. Beschwerdeberechtigte Bundesbehörden können die
Rechtsmittel des kantonalen Rechts ergreifen und sich vor jeder kantonalen Instanz am
Verfahren beteiligen, wenn sie dies beantragen (Art. 111 Abs. 2 BGG). Das Bundesamt für
Raumentwicklung (ARE) ist im Bereich der Raumplanung beschwerdeberechtigt (Art. 48
6 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 7 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 8 Bundesgesetz vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110)
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Abs. 4 RPV9) und daher zur vorliegenden Beschwerde legitimiert. Auf die frist- und
formgerecht eingereichte Beschwerde ist folglich einzutreten.
2. Streitgegenstand und Rechtsmittelbelehrung
a) Der Beschwerdegegner macht in seiner Beschwerdeantwort vom 12. Januar 2018
geltend, er sei mit dem Bauabschlag nicht einverstanden. Er habe diesen bloss deshalb
nicht angefochten, weil die Vorinstanz gleichzeitig auf die Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustands verzichtet habe. Er sei im Zeitpunkt des Bauabschlags noch nicht
anwaltlich vertreten gewesen und habe auf die Rechtsmittelbelehrung vertraut, wonach nur
er selbst, allfällige Einsprecher sowie die zuständige Gemeindebehörde zur Beschwerde
befugt seien. Einsprecher habe es keine gegeben und die Gemeinde habe ihm versichert,
auf ein Rechtsmittel zu verzichten. Die Gemeinde habe ihm zudem auf Nachfrage
mitgeteilt, dass er kein Rechtsmittel ergreifen müsse, weil im Entscheid auf einen Rückbau
des Schopfs verzichtet worden sei. Er sei deshalb davon ausgegangen, der Entscheid vom
19. Oktober 2017 würde rechtskräftig werden. Hätte er gewusst, dass auch das ARE
beschwerdeberechtigt ist, hätte er gegen den Bauabschlag sicherlich ein Rechtsmittel
ergriffen.
b) Anfechtungsobjekt in einem Beschwerdeverfahren ist die Verfügung der Vorinstanz.
Der Streitgegenstand bezeichnet denjenigen Teil des Anfechtungsobjektes, den die
beschwerdeführende Partei von der Rechtsmittelinstanz überprüfen lassen will. Der
Streitgegenstand braucht sich nicht mit dem Anfechtungsobjekt zu decken, kann aber nicht
über dieses hinausgehen. Er wird mit dem Antrag und der Begründung in der Beschwerde
festgelegt.10
Der Grundsatz von Treu und Glauben gemäss Art. 9 BV11 und Art. 11 Abs. 2 KV12 verleiht
dem Bürger einen Anspruch auf Schutz des berechtigten Vertrauens in behördliche
9 Raumplanungsverordnung des Bundesrates vom 28. Juni 2000 (RPV; SR 700.1) 10 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, Bern 1997, Art. 32 N 13 und Art. 72 N 6 bis 8; Markus Müller, Bernische Verwaltungsrechtspflege, 2. Aufl. 2011, S. 148 ff. 11 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) 12 Verfassung des Kantons Bern vom 6. Juni 1993 (KV; BSG 101.1)
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Zusicherungen oder sonstiges, bestimmte Erwartungen begründendes Verhalten.13 Der
Verfassungsgrundsatz von Treu und Glauben gebietet auch, dass aus mangelhafter
Eröffnung eines Verwaltungsaktes niemandem Rechtsnachteile erwachsen dürfen (Art. 44
Abs. 6 VRPG14). Unter mangelhafte Eröffnungen fallen auch Verwaltungsakte mit fehlender
oder falscher Rechtsmittelbelehrung. Die Nachteile einer fehlenden oder falschen
Rechtsmittelbelehrung werden dadurch abgewendet, dass die Rechtsmittelfrist gar nicht zu
laufen beginnt.15 Das bedeutet aber nicht, dass der Betroffene mit der Ergreifung eines
Rechtsmittels beliebig lange zuwarten darf. Er ist nach Treu und Glauben verpflichtet, die
zur Verteidigung seiner Rechte notwendigen Schritte ohne Verzug zu unternehmen und die
Verfügung innerhalb einer vernünftigen Frist in Frage zu stellen.16
c) Ziffer IV.4. des angefochtenen Entscheids verweist für die Rechtsmittelbelehrung
sowie für weitere Hinweise auf die Seiten 4 und 5 des Entscheids. Bei diesen Seiten
handelt es sich um standardisierte Orientierungsblätter zum formellen Verfahren. Die
Rechtsmittelbelehrung selbst wird dort korrekt wiedergegeben. Unter dem Titel «Weitere
Auszüge aus dem Baugesetz des Kantons Bern vom 9. Juni 1985 (BauG), aus dem
Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege vom 23. Mai 1989 (VRPG) und aus dem Dekret
über das Baubewilligungsverfahrens vom 22. März 1994 (BewD)» enthalten die
Orientierungsblätter zudem Erläuterungen zu Vorschriften aus den genannten Erlassen.
U.a. finden sich dort Ausführungen zur Beschwerdebefugnis möglicher Beteiligter. Diesen
Erläuterungen lässt sich nicht entnehmen, dass auch das ARE zur Beschwerde legitimiert
sein kann. Die gemachten Hinweise beziehen sich nach dem klaren Wortlaut der
Überschrift jedoch nur auf Bestimmungen aus dem BauG, dem VRPG und dem BewD17.
Die Beschwerdelegitimation des ARE ergibt sich aber aus dem BGG und der RPV, welche
gerade nicht Bestandteil der Erläuterungen sind. Ob dies auch für den bei Eröffnung des
Bauabschlags noch nicht anwaltlich vertretenen Beschwerdegegner erkennbar war, ist
zwar fraglich, kann letztlich aber offen bleiben. Wie dargelegt, wäre der Beschwerdegegner
verpflichtet gewesen, nach dem Erkennen des Irrtums den Bauabschlag ohne Verzug
anzufechten. Dies hat er nicht getan. Auch in den Rechtsbegehren seiner
13 Vgl. BGE 130 I 26 E. 8.1; Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Auflage 2016, § 10 N. 624 ff. 14 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 15 Markus Müller, Bernische Verwaltungsrechtspflege, 2. Auflage 2011, S. 102 16 BGE 112 Ib 417 E. 2.d, m.w.H.; Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Auflage 2014, § 29 N 23 17 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1)
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Beschwerdeantwort verlangt der mittlerweile anwaltlich vertretene Beschwerdegegner
lediglich die Abweisung der Beschwerde des ARE, welche sich nur gegen den Verzicht der
Wiederherstellung richtet. Der Bauabschlag ist bis heute von keinem der Beteiligten
angefochten worden. Er ist damit – wie auch die Verfügung des AGR vom
20. September 2017 betreffend Verweigerung der Ausnahmebewilligung – in Rechtskraft
erwachsen. Der Streitgegenstand im Beschwerdeverfahren beschränkt sich somit auf den
von der Vorinstanz verfügten Verzicht auf Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands.
3. Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands
a) Die Vorinstanz hat dem Geräteschuppen rechtskräftig den Bauabschlag erteilt. Er ist
daher formell und materiell rechtswidrig. Wird ein Bauvorhaben ohne Baubewilligung
ausgeführt, so setzt die Baupolizeibehörde eine angemessene Frist zur Wiederherstellung
des rechtmässigen Zustands bzw. der widerrechtlichen Baute (Art. 46 Abs. 1 und 2 BauG).
Die Wiederherstellungsmassnahme muss im öffentlichen Interesse liegen,
verhältnismässig sein und darf den Vertrauensgrundsatz nicht verletzen. Eine
Wiederherstellungsmassnahme ist verhältnismässig, wenn sie geeignet ist, das
angestrebte Ziel zu erreichen, nicht weiter geht, als zur Herstellung des rechtmässigen
Zustands nötig ist und die Belastung für die pflichtige Person in einem vernünftigen
Verhältnis zum verfolgten Ziel steht.18
b) Ein öffentliches Interesse an der Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands ist
im Allgemeinen gegeben, da das Interesse an der Einhaltung der baurechtlichen
Bestimmungen und an der konsequenten Verhinderung von Bauten, die der baurechtlichen
Ordnung widersprechen, generell gross ist. Besonderes Gewicht kommt dem öffentlichen
Interesse am konsequenten Vollzug des Bau-, Planungs- und Umweltrechts ausserhalb
des Baugebiets zu.19 Der umstrittene Geräteschuppen befindet sich ausserhalb des
Baugebiets. Der Beschwerdegegner hat ohne Baubewilligung und ohne
Ausnahmebewilligung nach Art. 24 ff. RPG gebaut und damit die Vorschriften des
Raumplanungsrechts verletzt. Dies widerspricht zwingenden öffentlichen Interessen. Daran
18 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 9; BVR 2013 S. 85 E. 5.1 19 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 46 N. 9a; BGE 136 II 359 E. 6; vgl. auch BGer 1C_397/2007 vom 27. Mai 2008 E. 3.4; BVR 1992 S. 488 E. 3
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ändert nichts, dass vorliegend keine Einsprachen gegen das Bauvorhaben eingegangen
sind. Bei der Wahrung der Zonenkonformität in der Landwirtschaftszone handelt es sich
um ein gewichtiges öffentliches Interesse.20 Die Wiederherstellung des rechtmässigen
Zustands bei illegalen Bauten in der Landwirtschaftszone bzw. ausserhalb der Bauzone
liegt daher im öffentlichen Interesse.
c) Der Beschwerdegegner bringt vor, auf die Wiederherstellung sei aus Gründen des
Vertrauensschutzes zu verzichten. Soweit sich der Beschwerdegegner auf die
unterbliebene Anfechtung des Bauabschlags beruft, kann auf das in E. 2 Gesagte
verwiesen werden.
Gutgläubig kann eine Bauherrschaft sein, wenn sie bei zumutbarer Aufmerksamkeit und
Sorgfalt annehmen durfte, sie sei zur Bauausführung berechtigt; z.B. aufgrund einer
mangelhaften Bewilligung oder Auskunft. Dabei dürfen sich Private sich u.a. nur dann auf
eine Auskunft verlassen, wenn die Amtsstelle zur Auskunftserteilung zuständig ist.21
Allgemein wird zudem vorausgesetzt, dass die Bewilligungspflicht für Bauvorhaben
bekannt ist. Wer bauen und nutzen will, muss sich um die Zulässigkeit seines Tuns
kümmern.22 Die Bauherrschaft, welche die nach den Umständen zumutbare
Aufmerksamkeit und Sorgfalt vermissen lässt, verdient gemäss Rechtsprechung keinen
Schutz und kann sich gegenüber einer Wiederherstellungsverfügung nicht auf ihren guten
Glauben berufen.23
Der Beschwerdegegner führt in seiner Beschwerdeantwort aus, der von ihm beauftragte
Holzbauunternehmer habe das Holz für den Schopf überraschend früh zugeschnitten und
bereit gehabt. Der Beschwerdegegner habe deshalb bei der Gemeinde sofortige
Abklärungen getroffen. Diese habe ihm mitgeteilt, das Vorhaben benötige zwar noch die
Zustimmung des AGR, allerdings sehe man keine Hinderungsgründe. Der
Beschwerdegegner wurde damit explizit auf die ausstehende Zustimmung des AGR
hingewiesen. Damit wusste er um das Zustimmungserfordernis des AGR. Dass die
Gemeinde ihm mitteilte, sie sehe keine Hinderungsgründe bei der noch ausstehenden
20 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 46 N. 9b/d mit Hinweis auf BGE 132 II 21 E. 6.4 und BGer 1C_404/2009 vom 12. Mai 2010 E. 4 21 Vgl. zum Ganzen Tschannen/Zimmerli/Müller, a.a.O., § 22 N 15 f. ; Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., N 676 ff. 22 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N 9b, mit Hinweisen; vgl. auch VGE 2016/219 vom 21. März 2017 E. 5.1 23 VGE 2008/23496 vom 28. April 2009 E. 4.2.2
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Ausnahmebewilligung des AGR, vermag mangels Zuständigkeit der Gemeinde für die
Ausnahmebewilligung keine Vertrauensgrundlage zu begründen. Selbst als ihm die
Gemeinde mit Schreiben vom 6. Juni 2017 mitteilte, das AGR habe die erforderliche
Ausnahmebewilligung verweigert, baute der Beschwerdegegner weiter: Aus der mit der
Beschwerdeantwort eingereichten Rechnung der D._ AG geht hervor, dass
zwischen dem 3. Juli 2017 und 13. Juli 2017 – und damit erst nach dem Schreiben der
Gemeinde vom 6. Juni 2017 – verschiedene Verkleidungsarbeiten am Geräteschuppen
ausgeführt worden sind.24 Der Beschwerdegegner begann also ohne Vertrauensgrundlage
und ohne Bewilligung mit dem Bau des Geräteschuppens und stellte diesen selbst dann
noch fertig, als er wusste, dass das AGR die Zustimmung vor-aussichtlich nicht erteilen
würde. Damit handelte er im baurechtlichen Sinne bösgläubig.
d) Bei bösem Glauben der Bauherrschaft kann auf die Wiederherstellung nur verzichtet
werden, wenn die Abweichung vom Erlaubten unbedeutend ist oder die Wiederherstellung
nicht im öffentlichen Interesse liegt oder sonst wie unverhältnismässig wäre25. Ein
Wiederherstellungsbefehl erweist sich dann als unverhältnismässig, wenn die Abweichung
vom Gesetz gering ist und die berührten allgemeinen Interessen den Schaden, der dem
Eigentümer durch die Wiederherstellung entstünde, nicht zu rechtfertigen vermögen.26
Geringfügigkeit der Abweichung kann bei geringem konkreten öffentlichem Interesse und
bloss leichter Bösgläubigkeit ein Grund sein, auf die Wiederherstellung zu verzichten.27 Auf
den Grundsatz der Verhältnismässigkeit kann sich somit auch eine Bauherrschaft berufen,
die nicht gutgläubig gehandelt hat. Sie muss aber in Kauf nehmen, dass die Behörden aus
grundsätzlichen Erwägungen, nämlich zum Schutz der Rechtsgleichheit und der baulichen
Ordnung, dem Interesse an der Wiederherstellung des gesetzmässigen Zustands erhöhtes
Gewicht beimessen und die der Bauherrschaft allenfalls erwachsenden Nachteile nicht
oder nur in verringertem Mass berücksichtigen.28
e) Der Beschwerdegegner und auch die Vorinstanz erachten den Abbruch des
Geräteschuppens als unverhältnismässig. Die Vorinstanz begründet den Verzicht auf die
Wiederherstellung damit, dass der Geräteschuppen eine bloss kleine zusätzliche Fläche
24 Vgl. Vorakten, p. 26 und Beilage 20 der Beschwerdeantwort vom 12. Januar 2018 25 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 46 N 9b, m.w.H. 26 BGE 132 II 21 E. 6.4 27 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 46 N 9c, m.w.H. 28 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 46 N 9 ff. mit Hinweisen; BVR 2006 S. 444 E. 6.1
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aufweise und optisch gut an das Ferienhaus angepasst sei. Weil auch die Notwendigkeit
des Geräteschuppens bejaht werden könne, erscheine eine Wiederherstellung aufgrund
der Geringfügigkeit der Baute als unverhältnismässig. Der Beschwerdegegner macht
ebenfalls geltend, beim Geräteschuppen handle es sich um eine Kleinstbaute mit sehr
geringen Ausmassen. Weil er sich zudem teilweise unter dem bestehenden Balkon des
Haupthauses befinde, betrage die zusätzlich überbaute Fläche lediglich 5.08 m2. Dies
entspreche ca. 1 % der Grundstücksfläche. Auch unter ästhetischen Gesichtspunkten
passe der angebaute Schopf perfekt ins Gesamtbild. Vorher hätten alle Gartengeräte und
die Gartenausrüstung im Kellerraum hinter dem Schlafzimmer im Untergeschoss des
Haupthauses aufbewahrt werden müssen. Die Gartenutensilien hätten also durch das
Schlafzimmer beschafft und wieder versorgt werden müssen. Das Ferienhaus und damit
auch das Schlafzimmer im Untergeschoss würden aufgrund von geänderten
Familienverhältnissen heute häufiger benützt als früher. Die bestehenden Verhältnisse
seien damit nicht mehr zeitgemäss und auch aus hygienischen Gründen unzumutbar
geworden. Der Beschwerdegegner und seine Ehefrau seien zudem beide über 80 Jahre alt
und für die Umgebungsarbeiten auf fremde Hilfe angewiesen. Sie hätten hierfür die
gemeinnützige Organisation «E._» beauftragt. Damit deren Mitarbeitende auch in
Abwesenheit des Beschwerdegegners die Arbeiten erledigen könnten, müssten die
Gartengeräte von aussen zugänglich sein. Es könne nicht sein, dass dafür fremden
Personen Zutritt zu privaten Räumen gewährt werden müsse. Der Kellerraum sei zudem
feucht, wodurch dort gelagertes Material Schaden nehmen könne. Schliesslich sei der
Rückbau mit Kosten verbunden. So habe der Bau des Schopfs Fr. 15'119.60 gekostet und
die Rückbaukosten würden ca. Fr. 11'000.-- betragen.
f) Der Rückbau des Geräteschuppens ist geeignet und erforderlich, um den
gesetzeskonformen Zustand wieder herzustellen. Mildere Massnahmen sind nicht
ersichtlich und werden auch nicht geltend gemacht. Es stellt sich allerdings die Frage, ob
die Wiederherstellung auch zumutbar ist. Der Geräteschuppen weist nach eigenen
Angaben des Beschwerdegegners eine Breite von ca. 1.50 m, eine Länge von ca.
4.25 m und eine Höhe von ca. 2.20 m auf. Es handelt sich damit zwar um ein kleineres
Bauvorhaben, jedoch nicht um einen «Mini-Bau», wie der Beschwerdegegner geltend
macht. Der Schopf stellt eine Erweiterung ausserhalb des bestehenden Gebäudevolumens
dar. Er befindet sich zudem nur teilweise unter dem bestehenden Balkon des Haupthauses
und auch dort ragt der Geräteschuppen deutlich hervor. Der Schopf widerspricht dem
Grundsatz der Trennung von Baugebiet und Nichtbaugebiet und damit einem der
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wichtigsten Prinzipien des Raumplanungsrechts des Bundes.29 Er stellt keine bloss
unbedeutende Abweichung vom Erlaubten dar. Entsprechend gross ist das öffentliche
Interesse an der Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands. Der Beschwerdegegner
übertrug aufgrund seines Alters die Gartenarbeiten der gemeinnützigen Organisation
«E._». Es ist ihm zuzumuten, Angehörige der von ihm selbst gewählten
Organisation Zutritt zum Haus zu gewähren, damit diese die ihnen übertragenen Arbeiten
erledigen können. Will der Beschwerdegegner dies nicht, hat er auch die Möglichkeit, eine
andere Landschaftsgärtnerei mit den Umgebungsarbeiten zu beauftragen, welche über die
notwendigen Gartengeräte verfügt und diese selbst mitbringt. Hygienischen Aspekten lässt
sich mit Reinigung und Pflege der Geräte und Kleidung ebenfalls nach wie vor ausreichend
Rechnung tragen und einer allfälligen Feuchtigkeit im Keller kann mit
Sanierungsmassnahmen begegnet werden. Insgesamt ist der Wunsch des
Beschwerdegegners nach einem von aussen zugänglichen Geräteschuppen zwar
nachvollziehbar. Seine Vorbringen vermögen jedoch keine Notwendigkeit des Schopfs zu
begründen. Vielmehr handelt es sich beim Schopf um eine annehmlichkeitssteigernde
Ideallösung. Dies gilt umso mehr, als es sich beim Haupthaus um ein Ferienhaus handelt,
das nicht dauerhaft bewohnt wird. Der Beschwerdegegner lagerte seine Gartenutensilien
bisher im Keller und kann dies auch weiterhin tun. Die finanziellen Nachteile des
Beschwerdegegners belaufen sich weiter auf insgesamt rund Fr. 26'120.-- (Baukosten von
ca. Fr. 15'120.--, Rückbaukosten von ca. Fr. 11'000.--). Diese Kosten fallen wegen der
fehlenden Gutgläubigkeit des Beschwerdegegners bei der Interessenabwägung jedoch
nicht massgeblich ins Gewicht. Sie wären mit einem Abwarten des Bewilligungsentscheids
zu verhindern gewesen. Schliesslich ändert auch eine gute ästhetische Einpassung nichts
daran, dass dem Vorhaben die genannten, zwingenden öffentlichen Interessen
entgegenstehen. Die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands erweist sich daher
als verhältnismässig.
4. Wiederherstellung, konkrete Anordnung und Frist
Das ARE stellt in seiner Beschwerde den Antrag, die Gemeinde sei anzuweisen, die
vollständige Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes anzuordnen. Eine
Rückweisung an die Gemeinde mit der verbindlichen Anordnung, den Abbruch des
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Geräteschuppens zu verfügen, würde jedoch einen prozessualen Leerlauf darstellen. Die
BVE verfügt daher die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands selber. Wie
dargelegt, kommt als Wiederherstellungsmassnahme einzig der vollständige Rückbau des
Geräteschuppens in Frage. Der Beschwerdegegner wird daher angewiesen, den erstellten
Geräteschuppen auf der Parzelle Beatenberg Grundbuchblatt Nr. C._ bis
31. August 2018 vollständig abzubrechen (inklusive allfälligem Fundament/Unterbau). Mit
der angesetzten Frist bis 31. August 2018 verbleibt dem Beschwerdegegner genügend
Zeit, diese Wiederherstellungsanordnung umzusetzen.
5. Beweisanträge
Der Beschwerdegegner verlangt als Beweismassnahme die Durchführung eines
Augenscheins und einer Parteibefragung. Er bot zudem an, im Bestreitungsfall die
Grundrisspläne und Grundbuchauszüge des Haupthauses auf der Parzelle Beatenberg
Grundbuchblatt Nr. C._ sowie eine Offerte für den Rückbau des Schopfs
einzureichen. Die Behörde klärt den Sachverhalt von Amtes wegen ab und bestimmt die
Art und den Umfang der Ermittlungen. Sie ist dabei nicht an die Beweisanträge der
Parteien gebunden (vgl. Art. 18 VRPG). Beweismassnahmen sind nicht erforderlich, wenn
von ihnen keine wesentlichen neuen Erkenntnisse zu erwarten sind.30 Vorliegend ergeben
sich die tatsächlichen Verhältnisse mit genügender Klarheit aus den Akten, so dass sich
ein Augenschein und eine Parteibefragung erübrigen. Auch die Grundrisspläne des
Haupthauses versprechen keine neuen, fallrelevanten Erkenntnisse. Die Beweisanträge
werden daher abgewiesen.
6. Kosten
a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt der Beschwerdegegner. Er hat die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 1'000.-- (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV31).
30 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 18 N 9 und 10 31 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21).
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b) Als unterliegende Partei hat der Beschwerdegegner keinen Anspruch auf
Parteikostenersatz (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Der Beschwerdeführer ist nicht anwaltlich
vertreten. Es werden somit keine Parteikosten gesprochen.