# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 64eb77ff-e455-5af0-a44b-68193d653cb5
**Court:** SG_KG
**Chamber:** SG_KG_002
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
Am 27. August 2013 fällte der Einzelrichter des Kreisgerichts Rorschach im von
Bgegen A eingeleiteten Verfahren betreffend Mieterausweisung einen Entscheid, der
durch Zustellung des Dispositivs an die Parteien gleichentags eröffnet wurde und unter
dem Titel "Kurzbegründung" eine kursorische Erläuterung (knapp eine halbe Seite)
enthielt, wonach die Voraussetzungen einer Mieterausweisung gegeben seien und das
Gesuch von A um Erstreckung des Mietverhältnisses verspätet erfolgt und damit
unbeachtlich sei. Am Schluss des Entscheids war folgender Hinweis angebracht: "Eine
ausführliche schriftliche Begründung dieses Entscheids wird nachgeliefert, wenn eine
Partei dies innert 10 Tagen seit der Zustellung des Entscheids verlangt. Wird keine
Begründung verlangt, so gilt dies als Verzicht auf die Anfechtung des Entscheids mit
Berufung (Art. 239 Abs. 2 ZPO). Der Entscheid wird damit rechtskräftig." Gegen diesen
Entscheid erhob A am 9. September 2013 Beschwerde beim Kantonsgericht und
verlangte eine Erstreckung des Mietverhältnisses von mindestens dreissig Tagen, da es
ihm nicht möglich und zumutbar sei, die Wohnung innerhalb weniger Tage zu räumen;
die ausstehenden Mietzinsen werde er der Vermieterin kurzfristig begleichen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/3
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## Considerations

Aus den Erwägungen:
II.
2. Die Beschwerde ist bei der Rechtsmittelinstanz innert 30 Tagen seit der Zustellung
des begründeten Entscheids oder seit der nachträglichen Zustellung der
Entscheidbegründung einzureichen (Art. 321 ZPO).
Beim angefochtenen Entscheid vom 27. August 2013 in vorliegender Fassung (vi-act.
8) handelt es sich nicht um einen begründeten Entscheid im Sinne der genannten
Bestimmung. Die sogenannte "Kurzbegründung" von knapp einer halben Seite [...]
genügt den Anforderungen an einen im Sinne des Gesetzes begründeten Entscheid
nicht; weder wird die Prozessgeschichte dargelegt, noch ist eine ausreichende
Auseinandersetzung mit den Tat- und Rechtsfragen ersichtlich, welche die betroffenen
Parteien in die Lage versetzen würde, den Entscheid sachgerecht anzufechten (dazu
BK-Killias, N 33 zu Art. 238 ZPO; Staehelin/Staehelin/Grolimund, Zivilprozessrecht,
§ 23 N 12). Es war denn – wie sich aus dem vorne zitierten Hinweis ergibt –
erklärtermassen auch nicht die Intention der Vorinstanz, die gehörige Begründung des
Entscheides durch eine Kurzbegründung zu ersetzen.
Nach dem Gesagten ist der Entscheid vom 27. August 2013 in der vorliegenden
Fassung mit – einer vom Gesetz im Übrigen auch gar nicht vorgesehenen –
Kurzbegründung nicht anfechtbar. Auf die (verfrühte) Beschwerde vom 9. September
2013 ist daher nicht einzutreten.
3. Es fragt sich weiter, ob es mit dem Nichteintretensentscheid sein Bewenden haben
kann. Dazu fällt was folgt in Betracht:
a) Mit seiner Eingabe vom 9. September 2013 hat der Beschwerdeführer innert der im
Hinweis auf der letzten Seite des Entscheides angesetzten 10-tägigen Frist
unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass er diesen anfechten will. Es
rechtfertigt sich daher, die Eingabe – ungeachtet der im Hinweis zitierten Bestimmung
von Art. 239 Abs. 2 ZPO (Fiktion eines Begründungs- und Rechtsmittelverzichts) – als
Begehren um nachträgliche Zustellung der Entscheidbegründung entgegenzunehmen
(vgl. Reetz, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/ Leuenberger, ZPO Komm., N 28 zu
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/3
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Vorbemerkungen zu den Art. 308-318 ZPO; Seiler, Die Berufung nach ZPO, N 825 und
N 827; ZPO-Rechtsmittel-Kunz, N 10 zu Art. 311; BK-Killias, N 20 zu Art. 239 ZPO;
Staehelin, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger, ZPO Komm., N 31 zu Art. 239
ZPO; vgl. CAN 2012 Nr. 9 E. 7 f.; ZR 1980 Nr. 70; ZR 2003 NR. 43 E. 6).
b) Sodann ist die Eingabe in diesem speziellen Fall ausnahmsweise in analoger
Anwendung der in Art. 48 Abs. 3 BGG konkretisierten Regel, wonach die Frist auch
dann als gewahrt gilt, wenn die Eingabe rechtzeitig bei einer unzuständigen
eidgenössischen oder kantonalen Behörde eingereicht worden ist, von Amtes wegen
an die Vorinstanz weiterzuleiten (vgl. Reetz/ Theiler, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/
Leuenberger, ZPO Komm., N 42 zu Art. 311 ZPO; Merz, DIKE-Komm-ZPO, N 5 zu
Art. 143 ZPO; ZPO-Rechtsmittel-Kunz, N 45 f. zu Art. 311 ZPO; a.M. OG ZH
PF120052-O/U vom 8. Oktober 2012, E. 3.c; das Bundesgericht hat die Frage der
Zulässigkeit der Überweisung von Amtes wegen in BGer 5A_376/2012 E. 3.2 offen
gelassen).
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Kantonsgericht, 03.10.2013 Art. 321 und Art. 239 Abs. 2 ZPO (SR 272); Art. 48 Abs. 3 BGG (SR 173.110). Eine Kurzbegründung genügt den Anforderungen an einen im Sinne des Gesetzes begründeten Entscheid nicht. Auf eine gegen eine Kurzbegründung erhobene (verfrühte) Beschwerde ist nicht einzutreten. Ausnahmsweise kann sie als Begehren um nachträgliche Zustellung der Entscheidbegründung und Weiterleitung von Amtes wegen an die Vorinstanz entgegengenommen werden (Kantonsgericht St. Gallen, Einzelrichter im Obligationenrecht, 3. Oktober 2013, BE.2013.43).
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2021-09-19T12:11:51+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen