# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 04114751-d25f-58bf-a28d-30eef9d2557e
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Die 1964 geborene
X._
(geschieden und kinderlos)
s
tammt aus der Türkei und reiste 1995 als Asylsuchende in die Schweiz ein, wo sie als vorläufig Auf
genommene bleiben konnte. Bis 2007 ging sie verschiedenen Tätigkeiten als
Küchenhilfe und Raumpflegerin nach
oder bezog Arbeitslosentaggelder (
Urk.
7/6
)
.
Zuletzt war sie 2013/
20
14 in einem niederschwelligen Arbeitsprogramm der
Z._
tätig.
Am 12. Januar 2016 meldete sich die Versicherte bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, wegen psychischen Beeinträchtigungen zum Leistungsbezug
an (Urk. 7/3 = Urk. 7
/9).
Diese traf medizinische und erwerbliche Abklärungen
und teilte
X._
mit Schreiben vom
6. Juni 2016
mit, dass zurzeit
aufgrund ihres Gesundheitszustand
es
keine beruflichen Eingliederungsma
s
snahmen mög
lich seien
(Urk. 7/17)
. Daraufhin liess die IV-Stelle die Versicherte durch
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH sowie zertifizierter Medizinischer Gutachter SIM, psychiatrisch begutachten (psy
chiatrisches Gutachten vom 16.
Juli 2017, Urk. 7
/39).
Die gestellten Rückfragen
zum Gutachten
(Urk. 7
/40) beantwortete
Dr.
A._
am
6. Oktober
2017 (Urk.
7
/42). Am 18. Oktober 2017
auferlegte
die IV-Stelle
der Versicherten eine Schadenminderungspflicht als Voraussetzung für allfällige zukünftige Leistungs
an
sprüche, nämlich die Durchführung einer
psychiatrischen (während sechs Monaten adäquaten
,
mindestens einmal wöchentlich stattfindenden - eventuell
stationären - psychiatrisch-psychotherapeutischen und psychopharmakologi
schen
)
Behandlung
zur Verbesserung des Gesundheitszustandes
(Urk. 7
/43).
X._
gab als Behandler für
die ihr auferlegte Massnahme med.
pract
.
B._
, Facharzt Psychiatrie,
an
(Urk. 7
/44), welcher der IV-Stelle am 21. November 2017 den B
ehandlungsplan zustellte (Urk. 7
/49).
Am 11. Juni 2018 berichtete der be
handelnde Psychiater
B._
über die
durchgeführte Massnahme (Urk. 7
/55).
Gestützt auf die versicherungsmedizinische Beurteilung von Dr. med.
C._
, Fachärztin
für
Psychiatrie und Psychotherapie
, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) vom
24. Juli
2018 (
vgl. Feststellungsblatt für den Beschluss vom 3. Oktober 2018,
Urk. 7
/57 S. 8) und nach durchgeführter Ressourcenprüfung
(Urk. 7
/57 S. 9) kündigte die IV-Stelle der
Versicherten mit Vorbescheid vom
3. Oktober 2018
die Abweisung
ihres Leistungsbegehrens mit der Begründung an, dass
keine adäquate Behandlung erfolgt und daher
die medizinischen Behandlungen nicht ausgeschöpft seien, weshalb nicht von einer langandauernden gesundheitlichen Beeinträchtigung ausgegangen werden könne
(Urk. 7
/58). Dagegen
erhob
X._
am 25. Oktober respektive
8
.
Januar
201
9
Einwand (Urk. 7/59 und Urk. 7
/
67). Zudem nahm med.
pract
.
B._
mit Eingabe vom 3. Dezember 2018
Stellung zum
abweisenden Vorbescheid (Urk. 7
/65). Daraufhin leitete die IV-Stelle
eine erneute psychiatrische Begutachtung der Vers
icherten ein (Urk. 7
/69-72). PD
Dr.
med.
D._
, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie FMH, erstattete das psychiatrische Gutachten
am 12. Juli 2019 (Urk. 7
/74).
Nach
dem RAD-Ärztin
Dr.
C._
Stellung zum psychiatrischen Gutachten von
Dr.
D._
genommen hatte (vgl. Feststellungsblatt für den Einwand vom 14. Oktober 2019,
Urk.
7
/79 S. 5 f.) und wiederum eine Ressourcenprüfung - unter
Beizug
des IV-Rechtsdienstes - vorgenomm
en worden war (Urk. 7
/80), kün
digte die IV-Stelle der Versicherten mangels Vorliegens eines invalidenver
siche
rungsrechtlichen Leidens erneut die Abweisung ihres Leistungsbegehrens an
(Urk. 7
/81).
Nachdem
X._
am 31. Oktober
2019
Einwand dagegen erho
ben
hatte (Urk. 7
/84
), verfügte die IV-Stelle am
27. Mai 2020
wie
vorbeschieden
die
Abweisung des Rentengesuchs (Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob
X._
am
11. Juni 2020
Beschwerde und beantragte, es sei
ihr
unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom
27. Mai 2020
eine ga
nze Invalidenrente zuzusprechen, eventuell seien weitere medizinische Abklä
run
gen in die Wege zu leiten.
In prozessualer Hinsicht ersuchte
sie
um die Gewäh
rung der unentgeltlichen Prozessführung (Urk. 1). Die Beschwerdegegnerin schlos
s mit Beschwerdeantwort vom
12. August 2020
auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6, unter
Beilage ihrer Akten, Urk. 7/1-92
)
, was der Beschwerdeführerin am 20. August 2020 mitgeteilt wurde (Urk. 8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unteralgen wird - soweit erforderlich - im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung
des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6).
Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend ob
jektivierten Massstab zu beurteilende
Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
1.3.1
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
li
di
tätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der
medi
-
zinisch
festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3
; in Bezug auf schizophrene Störungsbilder vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1
).
1.3.2
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.5
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen
sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische Th
ese abstellen (BGE 125 V 351 E.
3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) gestützt auf
ihre Abklärungen
davon aus, dass
-
entgegen den gutachterlichen psychia
trischen Beurteilungen
von
Dr.
A._
und von PD
Dr.
D._
- eine Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin nicht überwiegend wahrscheinlich nachgewiesen sei. So könnten die meisten Einschränkungen nicht objektiviert werden
, da die Beschwerdeführerin ihrer Mitwirkungspflicht anläss
lich den Begutachtungen nur eingeschränkt nachgekommen sei.
Ausserdem sei die Konsistenz nicht gegeben und das private Aktivitätsniveau stehe im Wider
spruch zur vollständigen Arbeitsunfähigkeit im beruflichen Bereich. Weiter sei die Medikamenten-Compliance nicht gegeben. Da die Beschwerdeführerin nur mangel
hafte
Informationen preisgebe, seien von weiteren medizinischen Abklä
rungen keine neuen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb in antizipierter Beweis
würdigung darauf verzichtet werden könne.
Die Folgen der Beweislosigkeit gingen zu Lasten der Beschwerdeführerin.
2.2
Die
Beschwerdeführerin bringt demgegenüber vor (Urk. 1),
sämtlich Ärzte kämen zum Ergebnis, dass die Beschwerdeführerin im ersten Arbeitsmarkt nicht mehr arbeitsfähig sei.
Weshalb
überwiegend wahrscheinlich kein IV-relevanter Ge
sundheitsschaden angenommen werde, erschliesse sich
daher
nicht aus den Akte
n
.
Die Beschwerdeführerin habe jeweils im Rahmen des ihr möglichen mitgewirkt. Allfällige Unklarheiten bestünden deshalb nicht aufgrund mangelnder Mitwir
kung der Beschwerdeführerin. Da die Beschwerdegegnerin es bis anhin unter
lassen habe, allfällige Unklarheiten mittels Rückfragen an die Gutachterstelle zu
klären
zu
versuchen, könne ebenfalls nicht die Rede davon sein, dass sämtliche Möglichkeiten, den Gesundheitszustand rechtserheblich abzuklären, ausgeschöpft seien. Die Folgen der allfälligen Beweislosigkeit trag
e
daher nicht die Beschwer
deführerin. Das Gutachten von
Dr.
D._
erfülle ausserdem sehr wohl die rechtsprechungsgemäss
en
Voraussetzungen bezüglich Beweiswert. Dabei
lege der Gutachter deutlich und nachvollziehbar dar, weshalb und aufgrund welcher Einschränkungen und Diagnosen der Beschwerdeführerin keine Arbeitstätigkeit im ersten Arbeitsmarkt zumutbar sei.
3.
3.1
Im Bericht der p
sychiatrischen
Klinik E._
vom 28. Januar 2016 (Urk. 7/13)
zuhan
den der Beschwerdegegnerin
wurde als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeits
fähig
keit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode
ohne psychotische Symptome (ICD-10: F33.2, bestehend seit mindestens 20 Jah
ren
)
,
genannt. Differentialdiagnostisch könne es eine andauernde Persönlichkeits
störung nach extremer Belastung mit depressiven und somatoformen Kognitions
mustern (ICD-10: F62.0) sein. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beständen folgende Diagnosen:
-
Regressiv veränderte
koloidhaltige
Schilddrüsenknoten
-
Reflux-
Symptomatik
-
Obstipation
-
Innere Hämorrhoiden
-
Chronische Blepharitis,
Sicca
-Symptomatik der Augen beidseits
Die Beschwerdeführerin sei
erstmals
vom 11. Januar bis 2. April 2001 stationär
in der
E._
hospitalisiert gewesen und werde seit dem 17. April 2015
auf Zu
wei
sung
der ambulant betreuenden Psychologin
der
Z._
erneut
ambulant psychiatrisch behan
delt. Zuletzt habe die Be
schwerdeführerin im Januar 2016 die geschützte Arbeit in der Handwerkstatt des
Z._
zu 50 % im Sinne eines niederschwelligen Integrationsprogramms wieder
aufgenommen, welche nach einem Monat wegen Überlastung abgebrochen wor
de
n sei. Seit circa 2008/2009 bestehe im
1.
Arbeitsmarkt eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit; für eine geschützte, niederschwellige Tätigkeit im Sinne einer Tages
struktur bestehe eine maximal 30-40%ige Arbeitsfähigkeit.
Aufgrund der geistig-psychischen Einschränkungen bestehe eine verminderte Leistungsfähigkeit von mindestens 50 %. Langfristig sei ein langsamer und schrittweiser Einstieg in eine geschützte, behinderungsangepasste Tätigkeit mit einer Belastbarkeit von 50 % denkbar. Aufgrund der zeitlichen Dauer und Persistenz der Symptomatik und der zum
aktuellen Zeitpunkt beobachtbaren Einschränkungen im allgemeinen Funk
tionsniveau sei die mittel-/langfristige Prognose für eine deutliche Verbesserung des Krankheitszustandes eher zurückhaltend zu stellen. Bis dato sei noch keine störungsspezifische, psychotherapeutische Behandlung möglich gewesen. Behin
dernd seien dabei ihre eingeschränkten Sprachkenntnisse, aber auch
eine miss
trauische Haltung gegenüber ihren Landsleuten
aufgrund ihrer traumatischen Vorgeschichte in ihrer Heimat. Es sei nicht davon auszugehen, dass sich die wes
entlichen berufsrelevanten Beeinträchtigungen im Verlauf verbessern liessen. Unter der Fortführung der antidepressiven Medikation und der regelmässigen ambulanten sozialpsychiatrischen Behandlung könnte eine geringe psychische Stabilität und somit Arbeitsfähigkeit auf dem zweiten Arbeitsmarkt erreicht werden.
3.2
Im Verlaufsbericht der
E._
vom 26. Oktober 2016 (Urk. 7/31)
zuhanden
der Be
schwerdegegnerin
wurden bei einem stationä
ren Gesundheitszustand folgende
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführt:
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
(IDC-10: F33.1, bestehend seit circa 1996)
-
Dysthymia
(ICD-10: F34.1, bestehend seit circa 2012)
-
Andauernde Persönlichkeitsstörung nach Extrembelastung mit
depressiven und somatoformen Kognitionsmustern (ICD-10: F62.0)
Die Beschwerdeführerin nutze 2-3-wöchentlich eine integriert psychiatrisch-psy
chotherapeutische ambulante Behandlung mit
Gesprächstherapie
kognitiv-beha
vioraler
Ausrichtung sowie Psychopharmakotherapie. Dabei halte sie die Ge
sprächstermine zuverlässig ein. Die Selbstversorgung sowie die Haushalttätigkeit seien in Phasen der
Dysthymie
sowie bei leichter Depressivität gut bis mittel
mässig
bewältigbar
. In Phasen mittel- bis
schwergradiger
Depressivität sei die Bewältigung dieser Lebensbereiche deutlich beeinträchtigt beziehungsweise zeit
weise nicht möglich. Durchgängig zeigten sich
schwergradige
Beeinträchtigun
gen in der sozialen Interaktion (nicht die Ursprungsfamilie betreffend). Weiterhin fänden sich mittelgradige Beeinträchtigungen in den Bereichen Anpassung an Regeln und Strukturen sowie Flexibilität und Umstellfähigkeit beziehungsweise
schwergradige
Beeinträchtigungen in den Bereichen Planung und Strukturierung von Aufgaben, Anwendung fachlicher Kompetenzen, Entscheidungs- und Urteils
fähigkeit, Durchhaltefähigkeit sowie Selbstbehauptungsfähigkeit. Die Beschwer
de
füh
rerin benenne als Tagesstruktur Haushalttätigkeiten sowie Administratives. In ihrer Freizeit gärtnere sie gerne. Sporadisch pflege sie Kontakt zu ihrem Bruder sowie einer guten Kollegin. Im ambulanten Rahmen präsentiere
sich die Be
schwerdeführerin mittelgradig depressiv bei Fehlen psychotischer Symptomatik.
Defizite beständen vorrangig in der sozialen Interaktion unter anderem
auf Grund von starkem Misstrauen, Ängsten und Schamgefühlen.
So lehne sie beispielsweise Auskünfte über traumatisierende Erlebnisse in der Vergangenheit nahezu gänz
lich ab. Die Beschwerdeführerin sei aufgrund ihrer Erkrankung hinsichtlich einer Tätigkeit auf dem
1.
beziehungsweise 2. Arbeitsmarkt weiterhin zu 100 % arbeits
unfähig. Zuletzt habe sie von 2. Dezember 2013 bis 1. Dezember 2014 an einem Beschäftigungsprogramm der
Z._
(Handwerkstatt, ähnlich Arbeit im geschützten Rahmen)
zu
einem 30%-Pensum teilgenommen.
Prognostisch sei von einer
Chronifizierung
der affektiven Erkrankung auszugehen. Die psychiatrisch-psychologische Weiterbehandlung diene der Stabilisierung der Beschwerde
füh
rerin sowie der Verhinderung depressiver Exazerbationen mit konsekutiv not
wendigen Klinikeintritten.
3.3
3.3.1
Dr.
A._
n
annte
in seinem
psychiatrischen Gutachten
vom
16. Juli 2017 (Urk. 7/39
)
die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf
die Arbeits
fähig
keit (S. 8
):
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit
psychotischen Symptomen (ICD-10: F33.3)
-
Andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (ICD-10:
F62.0
)
Die Beschwerdeführerin sei aus psychiatrischer Sicht sowohl
in
angestammter als auch in angepasster Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig seit 201
5.
Vermutlich bestehe bereits seit 2001 eine psychiatrisch bedingte Einschränkung der Arbeits
fähigkeit in angestammter Tätigkeit, die aber aufgrund
fehlender
Arztberichte nicht mehr zurückverfolgt werden könne
(S. 6 ff.)
.
Die bisherige Therapie sei nicht geeignet, eine schwere depressive Episode mit nun auch psychotischen Symp
tomen zu behandeln.
Indiziert sei eine mindestens dreimonatige psychiatrisch-stationäre Massnahme mit Neu-Einstellung der psychopharmakologischen Medi
ka
tion unter Laborkontrolle, da die Compliance der zwar krankheitseinsichtigen aber nicht behandlungseinsichtigen Beschwerdeführerin fraglich sei. Die aktuelle antidepressive Medikation mit
Surmontil
zur Nacht sei völlig unterdosiert und für eine schwere depressive Episode nicht geeignet. Eine
neuroleptische
Medi
kation zur Behandlung der psychotischen Symptome und der starken inneren Angespanntheit sei ebenfalls indiziert. Anschliessend sei eine tagesklinische Be
handlung zum Aufbau einer Tagesstruktur und zur weiteren Stabilisierung zu empfehlen (S. 11). Die Beschwerdeführerin habe sich zwar für Beschäfti
gungs
programme anfangs kooperativ gezeigt, jedoch sei sie psychisch nicht stabil und nicht ausreichend therapiert gewesen, sodass sie in eine Überforderungssituation
geraten sei. Die vorhandenen Probleme bei der Eingliederung seien in vollem Umfang durch das Störungsbild (Depression und Persönlichkeitsänderung) be
dingt. Aktuell seien Eingliederungsmassnahmen aus psychiatrischer Sicht nicht zumutbar (S. 9 f.).
In der zusammenfassenden Beurteilung hielt
Dr.
A._
fest, es
sei
zu vermuten, dass die Beschwerdeführerin in der Türkei aufgrund der politischen Aktivitäten des älteren Bruders selber in Schwierigkeiten mit der Polizei ge
kom
men sei und vermutlich auch Gewalterfahrungen erlebt habe, über die si
e
aber nicht berichten wolle. Dafür spreche auch, dass sie sich ziemlich bedroht
gefühlt
habe
und in der Schweiz politisches Asyl beantragt habe.
Über die in der Ehe erlebten Gewalterfahrungen möge sie ebenfalls nicht berichten. Möglich sei, dass die Gewalterfahrungen in der Ehe eine traumatische Erfahrung der Be
schwerde
führerin aus der Zeit in der Türkei nochmals getriggert hätten. Die Beschwer
de
führerin zeige deutliche Symptome einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung gemäss ICD-10: F62.0, welche länger als zwei Jahre
be
stünden
. Sie
habe
sicherlich eine extreme beziehungsweise traumatische Belas
tung in ihrer Vergangenheit
erlebt
und vermeide es als innere Abwehr und aus Angst vor möglicher
Retraumatisierung
,
darüber zu sprechen.
3.3.2
Mit Schreiben vom 6. Oktober 2017 beantwortete
Dr.
A._
die von der Beschwerdegegnerin gestellten Rückfragen zum psychiatrischen Gutachten vom 16. Juli 2017 (Urk. 7/40-42).
Die
im Gutachten
geschilderten
psychotischen Symptome bei der gegenwärtig gestellten schweren depressiven Episode seien das Stimmenhören, Verfolgungs- und Bedrohungsideen in ihrer Wohnung
aber auch durch Nachbarn im Wohnhaus. Sie sei innerlich überzeugt, dass jemand im Haus sie umbringen wolle. Den Grund hierfür könne sie nicht benennen und auch nicht, wer dies sein könnte.
Zur diagnostizierten andauernden Persönlichkeitsveränderung nach Extrembe
lastung erläuterte er, dass das beschriebene Misstrauen auch während der Unter
suchung vorhanden gewesen sei. Die Beschwerdeführerin
habe
sich deutlich an
gespannt
gezeigt
, der Blickkontakt sei gelegentlich nicht vorhanden gewesen und sie
sei
im Kontakt verschlossen gewesen. Es sei keine posttraumatische Belas
tungs
stö
rung (PTBS) diagnostiziert worden, aber es sei deutlich erkennbar gewe
sen, dass eine andauernde Persönlichkeitsveränderung bestehe, die nach einer PTBS auf
treten könne. Die Beschwerdeführerin habe sich sehr verschlossen ge
zeigt, aber sie habe glaubhafte und spürbare Hinweise auf erlebte Traumata ange
geben, über welche sie nicht habe sprechen wollen, um nicht
retraumatisiert
zu werden, was verständlich sei. Die traumatischen Ereignisse wären in einem siche
ren Rahmen wie der empfohlenen stationären Behandlung aufzuarbeiten
. Sie
zeige die typi
schen Symptome der andauernden Pers
ö
nlichkeitsänderung durch eine feindliche oder misstrauische
Haltung
gegenüber der Welt,
durch
sozialen
Rüc
kzug, das Gefühl der Hoffnungslo
sigkeit und durch ein chronisches Gefühl der Anspannung wie bei
ständigem
Bedrohtsein
.
Natürlich träten sozialer Rück
zug und das chro
nische Gefühl von Hoffnungslosigkeit auch im Rahmen einer Depression auf, denn
die Beschwerdeführerin leide auch an einer rezidivierenden depressiven Störung. Das
eine schlies
se das andere nicht aus.
Die Gedanken der Beschwerdeführerin seien auf die Ängste vor Bedrohung durch andere, auf ihre gesundheitlichen Beschwerden und den Verlust ihrer Zukunfts
aussichten einge
engt.
Zum sozialen Netz der Beschwerdeführerin führte
Dr.
A._
aus, dass ein
sozialer
Rückzug und Interesselosigkeit beständen, sodass sie sehr wenige Kontakte habe, die oberflächlich seien und mit denen sie auch nichts unternehme. Zur Schwester und zur Mutter, welche in der Türkei lebten, habe sie nur selten telefonischen Kontakt. Die Beschwerdeführerin habe sich auch familiär zurück
gezogen, sodass sie auch ihre drei in der Schweiz lebenden Brüder seit Jahren nicht mehr besuche und ebenfalls nur selten telefonisch kontaktiere. Sie sei seit 22 Jahren nicht mehr in der Türkei gewesen und habe in den letzten Jahren auch keine Reisen unter
nommen. Es gebe keine Freizeitaktivitäten und auch keine Interessen. Der Antrieb sei durch die schwere depressive Störung derart reduziert, dass sie kaum das
Haus
verlasse
; auch wegen der Angst und dem Misstrauen vor anderen.
Abends traue sie sich nicht, die Wohnung zu verlasse
n
. Selten gehe sie kurz spazieren.
3.4
Nachdem der Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 18. Oktober 2017 eine Schadenminderungspflicht
als Voraussetzung für allfällige zukünftige Leistungs
ansprüche, nämlich die Durchführung einer psychiatrischen (während sechs Monaten adäquaten mindestens einmal wöchentlich stattfindenden - eventuell
stationären - psychiatrisch-psychotherapeutischen und psychopharmakolo
gischen)
Behandlung zur Verbesserung des Gesundheitszustandes
auferlegt worden war
(Urk. 7
/43), stellte der Behandler med.
pract
.
B._
der Beschwerdegegnerin den Behandlungsplan zu (Urk. 7/49). Darin führte er aus, dass sich die Be
schwer
deführerin seit dem 30. August 2016 in seiner Praxis, delegiert an die Psy
chologin
lic
. phil.
F._
, Psychotherapeutin ASP,
in psychothera
peutischer
Behandlung befinde. Die Psychologin
F._
habe die Beschwer
de
führerin bereits mehrere Jahre zuvor im Rahmen ihrer früheren Tätigkeit im Psycho
sozi
alen Dienst der
Z._
betreut. Die Beschwerdeführerin erscheine regelmässig zu den einmal wöchentlich stattfindenden Sitzungen und werde zusätzlich medika
mentös mit
Surmontil
behandelt. Das Zustandsbild der
Beschwerdeführerin
be
stehe
bereits
seit mehreren Jahren. Folglich sei von einer
Chronifizierung
der Symptomatik
auszugehen. Als primäres Therapieziel sei eine weitere Stabili
sierung der Beschwerdeführerin sowie die Verhinderung
ein
er Exazerbation der bereits stark ausgeprägten Symptomatik definiert. Die Wahrscheinlichkeit, dass der psychische Zustand der Beschwerdeführerin durch einen stationären Auf
enthalt wesentlich verbessert werden könnte, sei sehr gering. Hingegen könnte eine Überweisung zu einer stationären
Beha
ndlung
ohne den ausdrücklichen Wunsch der Beschwerdeführerin vor dem Hintergrund
ausgeprägter paranoider Ängste kontraindiziert
sein und das Vertrauensverhältnis in der psychothera
peutischen Behandlung akut gefährden.
3.5
Am 11. Juni 2018 berichtete
n
med.
pract
.
B._
und Psychotherapeutin
F._
über die im Rahmen der auferlegten Schadenminderungspflicht durch
geführte Behandlung und beantwortete
n
die von der Beschwerdegegnerin ge
stellten Fragen (Urk. 7/55
). Sie
diagnostizierte
n
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10: F33.3, bestehend seit circa 1996) und eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (ICD-10: F62.0, bestehend seit circa 2016), welche sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirkten.
Die Beschwerdeführerin leide bereits seit über zehn Jahren unter einer schweren Symptomatik, die sich
chronifiziert
habe. Trotz verschiedener Behandlungen habe keine wesentliche Verbesserung ihres Zustan
des erreicht werden können. Die Beschwerdeführerin zeige
schwere depressive Symptome und teilweise psychotisches Erleben, paranoide Ängste, existentielle Ängste im Zusammenhang mit dem Älterwerden, Schlafstörungen, massive
Schwierigkeiten im Gestalten von sozialen Kontakten einhergehend mit sozialem Rückzug.
Die aktuelle Medikation beinhalte
Surmontil
und
Risperdal
.
In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin sei von einer negativen Prognose auszugehen. Es beständen keine Ressourcen, die für eine Eingliederung hilfreich sein könnten.
Die gestellte
n Fragen (Urk. 7/53) beantwortend
führte
n
med.
pract
.
B._
und die delegiert
arbeitende
Psychotherapeutin
F._
aus, dass die auferlegte Massnahme durchgeführt worden sei und die Beschwerdeführ
erin einmal wö
chen
tlich zu den
psychotherapeutischen
Sitzungen erschienen sei und eine adä
quat
e Medikati
on eingestellt worden sei.
V
on
einer
Klinikeinweisung sei aufgrund von
einer
fehlenden Indikation abgesehen worden. Der Zustand der Beschwerde
führerin habe sich zwar nicht verschlechtert,
sondern auf einem
labilen
Gleich
gewicht stabilisiert, wobei sich dieser Erfolg nicht auf die Arbeitsfähigkeit aus
wirke. Auch unter einer Weiterführung der Massnahme sei nicht mit einer Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu rechnen. Die Beschwerdeführerin sei mindestens seit Behandlungsbeginn
im August 2016
sowohl in angestammter Tätigkeit
(Küchenhilfe/Allrounderin)
als auch
in angepasster Tätigke
it zu
100 % arbeitsunfähig. Eine
Eingliederung
werde nicht möglich sein.
3.6
RAD-Ärztin
Dr.
C._
hielt in ihrer Stellungnahme vom 24. Juli 2018 (Urk. 7/57 S. 8) fest, dass der gesamte Verlauf absolut nicht nachvollziehbar sei. Bei einer anhaltenden schweren depressiven Symptomatik
mit psychotischen
Symptomen
wäre in erster Linie eine Optimierung der antidepressiven
Pharmakotherapie
vonnöten gewesen. Warum
Risperdal
eingesetzt, nicht aber die antidepressive Medikation angepasst/umgestellt/augmentiert worden sei, könne nicht nachvoll
zogen werden. Bei weiter anhaltender depressiver Symptomatik wäre eine
Hos
pitalisation
sicherlich indiziert gewesen. Welcher Art die verschiedenen Be
handlungen gewesen sei
e
n, sei unklar. Was unter einer Stabilisierung eines labilen Gleichgewichtes einer schwer depressiven Symptomatik mit psychoti
schen Symptomen verstanden werde, sei unklar. Insgesamt könne nicht von einer adäquaten Behandlung ausgegangen werden.
3.7
M
ed.
pract
.
B._
und
die
Psychotherapeutin
F._
nahmen mit Schreiben vom 3. Dezember 2018 Stellung
zum le
istungsabweisenden Vorbescheid vom 3. Oktober 2018 (Urk. 7/65)
.
Die Beschwerdeführerin werde mit
Surmontil
behan
delt. Dabei handle es sich um ein Medikament mit antidepressiver Wirkung. Das Präparat werde gemäss Kompendium unter anderem bei psychotischen Depres
sionen in Kombination mit einem Neuroleptikum sowie bei schweren chronischen Schmerzzuständen eingesetzt. Diese Beschreibung treffe auf das gezeigte klini
sche Bild der Beschwerdeführerin zu. Ergänzend werde sie seit Januar 2018 entsprechend mit
Risperdal
- einem Medikament mit antipsychotischer Wirkung - behandelt. Es sei also von
einer adäquaten
pharmakotherapeutischen
Behand
lung auszugehen.
Die Beschwerdefüh
rerin reagiere körperlich sehr s
ensibel auf die
Wirkstoffe der Medikamente, so habe sie damals das Generikum des Präparats
Surmontil
nicht vertragen. Zudem zeige die Beschwerdeführerin eine ausgeprägte paranoide Wahn-Wahrnehmung, was eine
Augmentierung
der Medikamente erschwere, weil jegliche Nebenwirkungen massive Ängste auslösten. Die An
nahme der RAD-Ärztin, dass bei einer schweren depressiven Symptomatik eine
Hospitalisation
indiziert wäre, sei sicher korrekt und entspreche den theoretischen und wissenschaftlichen Erkenntnissen. In der Praxis sei es jedoch so, dass man sich am klinischen Zustandsbild orientieren müsse und die weitläufige - und
mittlerweile
chronifizierte
- Symptomatik der Beschwerdeführerin in den Behan
d
lungsplan einbeziehen müsse. Dies impliziere, dass in der Behandlung nicht die Symptomfreiheit im Fokus stehen könne, sondern - auch angesichts ihres Alters - die Stabilisierung des psychischen Zustandes sowie die Verhinderung einer möglichen Verschlechterung. Zudem müsse die
chronische Symptomatik vor dem
Hintergrund einer stark
belasteten
Lebensgeschichte gesehen werden. Ihre Symp
tome seien entsprechend vielfältig und diagnostisch nicht ganz klar abzugrenzen. Daher sei auch die andauernde Persönlichkeitsänderung mit ausgeprägten para
noiden,
anankastischen
und ängstlichen Zügen in die Behandlung miteinbezogen w
o
rden, die sich ebenso negativ auf ihre Arbeitsfähigkeit auswirke
.
Der dia
gnos
tizierte Schweregrad der depressiven Episode sei in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit zu verstehen, nicht aber in Bezug auf die Alltagsbewältigung. Zudem sei im Ver
lauf festzustellen, dass das
psychotische Wahnerleben bei der Beschwerdeführerin zunehmend im Vordergrund stehe und differentialdiagnostisch von einer wahnhaften Entwicklung auszugehen sei.
Aus diesen Gründen sei das Risiko einer psychischen Dekompensation
erheblich einzuschätzen, sollte sie aus ihren
alltäg
lichen Abläufen
herausgerissen
werden, die ihr doch auch eine gewisse
Struktur
und Sicherheit gäben.
3.8
3.8.1
Anschliessend
leitete die Beschwerdegegnerin
eine erneute psychiatrische Begut
achtung der
Beschwerdeführerin ein
(Urk. 7
/69-72). PD
Dr.
D._
dia
gnostizierte in seinem
psychiatrischen Gutachten
vom
12. Juli 2019 (Urk. 7
/74)
eine Schizophrene (DSM-5) beziehungsweise paranoide Schizophrenie (ICD-10: F20.0), differentialdiagnostisch eine wahnhafte Störung (DSM-5; ICD-10: F22.0)
(S. 34)
.
Hinsichtlich der Diagnostik orientierte er sich am Diagnostischen und Statis
ti
schen Manual Psychischer Störungen (DSM-5) mit der Begründung, dieses stelle im Gegensatz zum ICD-10 die Diagnosekriterien ausführlicher und sp
ezifischer dar und widerspiegele den derzeitigen Wissensstand besse
r als das deutlich ältere ICD-1
0.
Die Herleitung der Diagnose b
egründete er damit, dass mit den
befundeten
formalen Denkstörungen mit Vorbeireden, Weitschwei
figkei
t und Umständlichkeit sowie einem Beeinträchtigungswahn zwei (notwendige) von fünf möglichen Kriterien der Kategorie A sowie die üb
rigen erforderlichen Kriterien C
bis E erfüllt seien, darunter das Ausschlusskriterium
Bestehen
einer
schizo
affek
tiven
Störung oder depressiver oder bipolarer Störung mit psychotischen Merk
malen.
Eine Schizophrenie manifestiere sich üblicherweise zwischen dem 1
8.
und 3
5.
Lebensjahr. Das durchschnittliche Prädilektionsalter für den Ausbruch liege bei Frauen bei ca. 26 Jahren. Bei Frauen gebe es einen zweiten Ersterkran
kungs
gipfel im Alter von 40 bis 45 Jahren, was mit dem Ausbruch bei der Be
schwer
deführerin übereinstimmen würde, da dieser je nach Quelle vor zirka 15 Jahren
(Alter 40)
oder vor zirka 20 Jahren (Alter 35) erfolgt sei.
Differenzialdiagnostisch schloss er das Vorliegen einer wahnhaften Störung nicht aus, falls die formalen Denkstörungen als Folge der Ängste und nicht als Ausdruck einer Schizophrenie
interpretiert würden. Dafür spreche, dass sich aus den dokumentierten Befunden nicht schliessen lasse, dass die formale Denkstörung je
mals
ausgeprägter vor
han
den gewesen
wäre
als derzeit, eher leichter. Gegen das Vorliegen einer depres
siven
Episode mit psychotischen Symptomen (so das Gutachten
Dr.
A._
; E. 3.3.1) spreche einerseits das
zur Zeit
vermutliche Fehlen depressiver Symptome wie Freude- oder Interesseverlust und auch einer Antriebsstörung
,
andererseits die schwer ausgeprägten formalen Denkstörungen, welche für eine depressive Stö
rung atypisch seien. Psychotische Symptome träten im Rahmen einer affektiven Störung typischerweise nur bei sehr schwerer Ausprägung inklu
sive Antriebs
störung auf und Ängste hätte sich in der Untersuchung mani
festieren müssen (S.
35). Dies spreche auch gegen das Vorliegen einer
schizo
affektiven
Störung. Der prototypische Verlauf einer solchen Störung sei so, dass zu den psychotischen Symptomen eine affektive Episode hinzukomme, gemäss den vorliegenden Arzt
berichten scheine es jedoch eher so zu sein, dass die Be
schwerdeführerin schon depressive Episoden gehabt habe und erst später die formalen Denkstörungen und der Beeinträchtigungswahn hinzugekommen seien (S. 36). Zusammenfassend könne auf der Basis der vorliegenden Symptome nicht definitiv beurteilt werden, ob der derzeit vorliegende Beeinträchtigungswahn und die formalen Denkstö
rungen Ausdruck einer Schizophrenie oder einer wahn
haf
ten Störung seien. Dass diese Symptome Ausdruck einer derzeitigen schweren depressiven Episode mit psychotischen Symptomen oder einer
schizoaffektiven
Störung seien, erachte er hingegen als eher unwahrscheinlich (S. 37).
3.8.2
Die dieser diagnostischen Herleitung zugrundeliegenden Befunde basierten auf den vorliegenden medizinischen
Vorakten
(vgl. E.
3.1 bis E.
3.7), der eigenen Untersuchung vom 1
2.
Juni 2019 im Beisein einer Dolmetscherin und Fremdaus
künften bei Bruder, der behandelnden Psychologin und der Sozialarbeiterin (
Urk.
7/74 S. 4). Die Erhebung der psychopathologischen Befunde inklusive
Schweregradbestimmung ergab mehrheitlich keine Einschränkungen (Bewusst
seins-, Orientierungs-, Auffassungs- oder Ich-Störungen
, Sinnestäuschungen
) oder
konnten nicht sicher beurteilt werden (
Paramnesien
,
Affektqualitäten und Affek
tivmodulation,
Zwänge, Schlafstörungen, Vitalgefüh
le, Appetenz). Konzentra
tions
störungen, Merkfähigkeits- und Gedächtnisstörungen konnte der Gutachter klinisch ebenfalls nicht
oder nicht
mit Sicherheit feststellen, verwies jedoch teil
weise auf die Eigen- und Fremdangaben, welche auf relevante Gedächtnis
probleme im Alltag hindeuten würden. Für eine sichere Beurteilung erachtete er eine neuropsychologische Untersuchung für notwendig (S. 25 f.).
Entsprechend der Diagnostik (E. 3.8.1) und Auswirkungen auf die A
rbeitsfähigkeit (nachfolgend
E. 3.8.4
) von Relevanz erwiesen sich demnach die
formalen Denkstörungen und der Wahn.
3.8.3
PD
Dr.
D._
führte hierzu aus, es lägen formale Denkstörungen mit Vorbeireden, Weitschweifigkeit und Umständlichkeit vor. Die Denkstörungen seien einerseits in der Untersuchungssituation beobachtet worden (die Beschwer
deführerin habe auf die meisten Fragen vorbei- und sehr wortreich geantwortet, die Antworten seien jedoch sehr global und kaum auf die Frage bezogen gewesen; häufig habe sie die nächste Frage nicht abgewartet, sondern spontan weiter über etwas berichtet, das län
gst keinen Bezug mehr zur ursprü
nglichen Frage gehabt habe; habe er sie unterbrochen und gebeten, die gestellte Frage nochmals zu wiederholen,
sei
ihr dies nur teilweise
gelungen),
was die Exploration stark erschwert bis teilweise verunmöglicht habe. Die erhobenen Drittangaben deuteten jedoch darauf hin, dass sich diese Störungen auch in den therapeutischen Sitz
ungen
und möglicherweise auch im normalen Alltag zeigten und somit nicht einzig Ausdruck des durch die gutachterliche Situation induzierten Stresses seien. Daher ging er von einer schweren Ausprägung aus
(S. 29)
.
Ausserdem liege ein Beeinträchtigungswahn vor, der sich in der Untersuchung zeige und deutlich das Alltagsverhalten präge. Für eine posttraumatisch bedingte
Hypervigilanz
sei das Beeinträchtigungserleben zu ausgeprägt. Die Beschwerdeführerin scheine auch nicht korrigierbar zu sein in ihrem Erleben, was ein Kriterium für einen mani
festen Wahn sei. Die Wahndynamik sei in der Untersuchung zwar eher gering gewesen, habe dennoch zu den Schwierigkeiten der Exploration beigetragen. Die Drittangaben hingegen würden darauf hindeuten, dass sich der Beeinträchti
gungswahn deutlich im Alltag zeige, sodass er von einer mittelgradigen Ausprä
gung ausgehe (S. 30).
3.8.4
Aufgrund der
schwergradig
ausgeprägten formalen Denkstörungen mit Vorbei
reden, Weitschweifigkeit und Umständlichkeit, des mittelgradig ausgeprägten Beeinträchtigungswahns und der damit einhergehenden
schwergradig
ausgepräg
ten übermässigen Angespanntheit und Nervosität liege derzeit seines Erachtens keine Arbeitsfähigkeit vor. Durch diese Symptome würden die Fähigkeiten
der Beschwerdeführerin in den ICF-Fähigkeitsbereichen Lernen und Wissensanwen
dung, Allgemeine Aufgaben und Anforderungen, Kommunikation sowie Interper
sonelle Interaktionen und Beziehungen substanziell beeinträchtigt. Konkret sei beispielsweise davon auszugehen, dass die formalen Denkstörungen dazu führten, dass das Wesentliche nicht vom Nebensächlichen getrennt werden könne, was negative Auswirkungen auf die Flexibilität und Effizienz bei der Aufgabenaus
führung und Zielerreichung mit sich bringe. So würden übertragene Aufgaben zwar möglicherweise korrekt ausgeführt, jedoch deutlich verlangsamt und unter
Einbezug vieler unnötiger Zwischenschritte. Die formalen Denkstörungen führten zudem auch zu einer deutlich beeinträchtigten zwischenmenschlichen Kommuni
kation, wie sie gerade in den von der Beschwerdeführerin zuletzt ausgeübten Hilfsarbeiten relevant sei, was unter Umständen bereits die Entgegennahme ein
facher Anweisungen und deren Umsetzung innert nützlicher Frist deutlich erschwere. Durch die Fehlbeurteilung der Realität könnten auch Mitarbeitende oder Vorgesetzte in den Beeinträchtigungswahn miteinbezogen werden. Diese
Missinterpretation
der Absichten des Gegen
übers als ihr feindlich gesinnt
könne sich deutlich erschwerend auf die zwischenmenschliche Kommunikation und auf die Teamfähigkeit der Beschwerdeführerin auswirken und diese unter Umständen gar verunmöglichen. Aufgrund der Aktenlage gehe er davon aus, dass die Be
schwerdeführerin seit spätestens Anfang 2016, mutmasslich jedoch bereits früher, zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen sei und sich daran bis heute nichts verändert habe (S. 44 f.). Aufgrund des derzeitigen Krankheitszustandes gehe er
nicht
davon aus, dass sich durch eine Anpassung der Tätigkeit die krankheitsbedingte Beein
trächtigung der Fähigkeit
en in einem Ausmass kompensieren lasse, welches eine partielle Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt erlauben würde (S. 45).
3.8.
5
Zur Anstrengungsbereitschaft und Mitwirkung hielt der begutachtende PD
Dr.
D._
fest, dass die Beschwerdeführerin bereits 2008 an einem Inte
grationsprogramm der
Z._
zu 100 % teilgenommen und anschliessend einen erfolglosen Einstiegsversuch in den 1. Arbeitsmarkt unternommen habe. Von Dezember 2013 bis Dezember 2014 habe sie an einem niederschwelligen Arbeits
programm
zu
einem 50%-Pensum teilgenommen und im Januar 2016 habe sie einen Arbeitsversuch i
n
geschützte
m
Rahmen unternommen, welcher jedoch auf
grund von Überlastung habe abgebrochen werden müssen. Die Mitwirkung der Beschwerdeführerin bei der Begutachtung sei augenscheinlich aufgrund meh
rerer Faktoren nur eingeschränkt vorhanden gewesen. Auf viele
Fragen habe sie nur ausweichend
reagiert
;
sowohl
zu den traumatischen Ereignissen als auch zu weniger belastenden
Themen
sei es schwierig gewesen, Angaben von ihr zu erhalten. Allerdings lasse sich dies einerseits auf die schwer ausgeprägten formalen Denkstörungen mit Vorbeireden, Weitschweifigkeit und Umständlich
keit zurückführen, andererseits auch auf den mittelgradig ausgeprägten para
noiden Wahn
.
Die unzureichende Beantwortung der Fragen sei deshalb nicht als mangelnde Mitwirkung zu interpretieren, sondern als Folge des Krankheitsbildes.
Nachdem die Beschwerdeführerin zunächst angegeben habe, die Medikamente regelmässig einzunehmen,
habe
sie von der bevorstehenden Durchführung der Blutentnahme erfahren
d
, ein
geräumt
, die Medikamente seit mehreren Tagen nicht mehr eingenommen zu haben. Als Begründung hierfür habe sie angegeben, dass
sie sich nach der Einnahme der Medikamente zu müde fühle für Deutschstunden. Allerdings lägen auch Hinweise auf eine bereits frühere (vor Beginn des Deutsch
kurses) unregelmässige Einnahme der Medikamente
vor
, so sei bereits im Gutach
ten vom Juli 2017 auf die fragliche Compliance der Beschwerdeführerin bei der Medikamenteneinnahme hingewiesen worden. Nach mehrmalige
m
Versuch
,
die Blutuntersuchung zu verschieben aus Angst vor der Reaktion der Therapeutin sowie deutlich spürbaren Ambivalenzen, habe sie letztlich dennoch in die Unter
suchung eingewilligt, welche anschliessend habe problemlos durchgeführt werden
können
(S. 41)
.
In der Konsistenz- und Plausibilitätsbeurteilung wurde ausgeführt, dass
keine Diskrepanz zwischen der subjektiven Beschwerdesc
hilderung, den Fre
mdangaben
und dem Verhalten der
Beschwerdeführerin
in der Untersuchungssituation bestehe
. Die
Beschwerdeführerin
sei nur sehr eingeschränkt in der
Lage
, die Symptome und Erlebensweisen differenziert und nachvollziehbar zu schildern, was jedoch als Ausdruck der Erkrankung zu interpretieren sei. Durch die aus dieser einge
schränkten Explorationsmöglichkeit resultierende schmale Informationsbasis
hätten nur vier respektive fünf von zehn psychopathologischen Symptomen beob
achtet werden können, nämlich formale Denkstörungen, Beeinträchtigungs
wahn,
Angespanntheit, Nervosität sowie nicht direkt Durchschlafstörungen. Die
Be
schwerdeführerin
habe weder
appellativ
noch theatralisch gewirkt. Die geschil
derten Beschwerden stimmten gut überein mit den in der Aktenlage dokumen
tierter Beschwerden zeitnaher Untersuchungen. Das
psychosoziale
Funktions
niveau in Haushalt, Freizeit und sozialen Aktivitäten sei gut vereinbar mit den erhobenen Befunden und dem Scheitern der bisherigen beruflichen Eingliede
rungsbemühungen. Aufgrund der schmalen Datenbasis seien sowohl der Beginn
d
er Erkrankung als auch die vormalige Arbeitstätigkeit schwierig zu eruieren. Die Erstmanifestation der psychischen Störung liege mutmasslich im Zeitraum von circa 2000 bis 2004, davor und bis 2006 sei die Beschwerdeführerin gemäss Akten 50-100 % als Küchenhilfe tätig gewesen.
Zwar gebe es deutliche Hinweise auf eine mangelnde Compliance der Beschwerdeführerin bezüglich der medika
men
tösen Behandlung, doch könne nicht genügend beurteilt werden, ob dies Folge der psychischen Störung sei oder Ausdruck mangelnder Mitwirkung. Für ersteres spreche, dass Patienten mit einer psychotischen Störung relativ häufig nur wider
willig Neuroleptika einnähmen. Die wöchentlichen einstündigen Psychotherapie
sitzungen habe die Beschwerdeführerin bis 2018 noch regelmässig wahrgenom
men, doch vergesse sie diese in der letzten Zeit aufgrund des Deutschkurses öfters
wahrzunehmen (S. 42 f.).
Es lägen einige Belastungsfaktoren vor. Die Beschwerdeführerin habe aversive Kindheitserfahrungen mit dem frühen Verlust des Vaters gemacht, wodurch die Mutter alleine für die Erziehung der fünf Kinder zuständig
gewesen
sei.
Migra
tions
-assoziierten Stress habe die
Beschwerdeführerin
durch die politischen Kon
flikte in ihrem Herkunftsland
,
denen ihr damaliger Verlobter bereits in jungen Jahren zum Opfer
gefallen sei und aufgrund derer
sie
Benachteiligungen
in der Ausbildung und der Berufsausübung erlebt
habe
,
erfahren
,
was
schliesslich zur Fl
u
cht und de
r damit verbundenen Familien
trennung geführt
habe
.
Der zuvor erwähnte Tod des frühen Verlobten und die später in der Schweiz mutmasslich erlebten Gewalterfahrungen durch den Ehemann stellten partnerschafts-asso
zi
ierte Belastungen dar. Die mangelhaften Deutschkenntnisse, das fortgeschritte
ne Alter und die bereits länger andauernde Arbeitslosigkeit dürften sich erschweren
d
auf die berufliche Wiedereingliederung auswirken. Als Ressource bezüglich Per
sön
lichkeitsentwicklung scheine die Beschwerdeführerin zumindest vor ihrer Erkrankung über eine hohe Resilienz verfügt zu haben, da sie trotz widriger Umstände in ihrem Heimatland
, welche ihr den Abschluss der Ausbildung und die spätere Berufsausübung erschwerten, diese dennoch immer wieder weiter
geführt habe. Trotz der offensichtlichen Sprachbarrieren sei es der Beschwerde
führerin gelungen
,
relativ bald nach der Migration in die Schweiz eine Arbeits
tätigkeit als Küchenhilfe/Allrounderin zu finden, welche sie in wechselnden Anstellungen für knapp 10 Jahre ausgeübt habe
. Es bestehe eine gute Unter
stützung durch die beiden in der Schweiz lebenden Brüder. Die Beschwerdefüh
rerin unternehme
Anstrengungen,
um sich einbürgern zu lassen
,
und besuche dazu einen Deutschkurs. Auch wenn die
Beschwerdeführerin
angebe, kein sozia
les Netz zu haben, so könne sie scheinbar doch auf Bekannte zurückgreifen, die sie zu
m
Untersuchungstermin begleiteten
(S. 43 f.)
.
3.8.
6
In der derzeitigen ambulanten Psychotherapie habe eine stabile therapeutische Beziehung etabliert werden können.
Beim Zustandsbild der Beschwerdeführerin sei eine
neuroleptische
Therapie die Behandlung der Wahl, die Gewährleistung der Einnahme der Medikation sei im ambulanten Rahmen jedoch schwierig durch
zuführen. Um diesem Problem zu begegnen, würde sich eine Depotmedi
kation anbieten, für welche jedoch das Einverständnis der Beschwerdeführerin gegeben sein müsste. Allenfalls könnte eine solche Behandlungsauflage in Erwä
gung gezogen werden. Ebenso könnte grundsätzlich auch eine Behandlungs
auflage für eine stationäre medikamentöse Einstellung in Erwägung gezogen werden. Die Beschwerdeführerin scheine jedoch einer stationären Therapie stark ablehnend gegenüberzustehen. Eine Auflage für eine stationäre Behandlung und/oder
neuroleptische
Depotbehandlung könnte den Vorteil haben, dass die
durch die Symptome vorliegende starke Einschränkung der Lebensqualität der Beschwerdeführer
i
n verbessert werden könnte. Ein Risiko könnte allerdings sein, dass die paranoiden Ängste der
Beschwerdeführerin
ihr verunmöglichten, einer
solchen Behandlungsauflage
nachzukommen
.
Infolge der ausgeprägten derzeiti
gen Psychopathologie seien weder Trainings zur Verbesserung von Fähigkeits
beeinträchtigungen noch berufliche Massnahmen angezeigt (S. 45 f.).
3.8.
7
Die fallspezifischen Fragen beantwortend führte PD
Dr.
med.
D._
aus, dass die vorliegenden Befunde
, die schmale Inf
ormationsbasis bezüglich Art und
Ausmass der mutmasslich
traumatischen Erlebnisse und das
Fehlen der Infor
mationen zur Persönlichkeit der Beschwerdeführerin
keine sichere Beurteilung erlaubten, ob eine posttraumatische Belastungsstörung/andauernde Persönlich
keits
än
derung nach Extrembelastung vorliege oder nicht
.
Trotz
d
er abweichenden diagnostischen Einordnung der psychopathologischen Symptome sei der Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit in den Arztberichten sowie dem Gutachten von Juli 2017 zuzustimmen. So
hätten
sich keine Hinweise auf eine mögliche Aggrava
tion/Simulation
ergeben
(S. 47 ff.).
3.9
RAD-Ärztin
Dr.
C._
nahm am 24. Juli 2019 Stellung (Urk. 7/79 S. 5 f.) und hielt fest, dass das psychiatrische Gutachten von PD
Dr.
D._
vom 12. Juli 2019 auf eigenen Untersuchungen
b
eruhe, die beklagten Beschwerden berück
sichtige und in Kenntnis und in Auseinandersetzung der
Vorakten
erstellt worden sei. Die medizinischen Zusammenhänge seien jedoch nicht ohne Weiteres ein
leuchtend.
Bisher sei nie eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert worden, wobei diese Diagnose nicht klar nachvollzogen werden könne, da nicht alle Punkte klar seien. Die früher genannten Diagnosen (rezidivierende depressive Störung und andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung) seien vom Gutachter verneint oder als ungenügend sicher beurteilbar beurteilt worden.
Der Gutachter gebe an, dass der Ausbruch der Erkrankung bei der Beschwer
deführerin im Alter von circa 35 respektive 40 Jahren gewesen sei (circa 1999 oder 2004), also im Alter eines
(statistischen)
zweiten Ersterkrankungsgipfels. Im Bericht der
E._
vom 28. Januar 2016 sei eine seit 20 Jahren bestehende rezi
divierende depressive Störung ohne psychotische Symptome beschrieben worden. 2001 sei eine erstmalige psychiatrische
Hospitalisation
in der
E._
erfolgt, wo
psychoseähnliches
Erleben mit
Externalisation
und
Derealisation
beschrieben worden sei, wobei anzumerken sei, dass solche Symptome auch bei Gesunden auftreten könnten. Parallel zu einer erneuten depressiven Episode habe sich Mitte 2017 eine psychotische Symptomatik entwickelt, damals sei die Beschwerde
füh
rerin 53 Jahre alt gewesen.
Die
von PD
Dr.
D._
beschriebenen schwe
ren
formalen Denkstörungen mit Vorbeireden, Weitschweifigkeit und Umständ
lichkeit blieben unklar
,
seien sicherlich nicht typisch für eine psychoti
sche/
wahnhafte Erkrankung und könnten auch bei Gesunden auftreten und unter Umständen auch darauf hindeuten, dass jemand nicht klar
a
ntworten
wolle. Die einseitige
Interpretation, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der schweren Denkstörung nicht in der Lage gewesen sei, klar auf Fragen zu reagieren, ent
spreche nicht der Bitte
,
Aggravation zu diskutieren.
Beim weite
r
beschriebenen
mittelgra
dig ausgeprägten paranoiden
Wahn
sei nicht klar,
wie angstbesetzt
die Aussagen gewesen seien und ob vegetative Symptome aufgetreten seien, sodass die Glaubhaftigkeit der Aussagen schwierig nachvollziehbar sei.
Dass durch die eingeschränkte Explorationsmöglichkeit nur eine schmale Informationsbasis (z.B. zum Tagesablauf) resultiert habe, überzeuge nicht, da die Beschwerdeführerin offensichtlich fähig gewesen sei, weitschweifig und umständlich zu berichten.
Ebenfalls
aufgrund der eingesch
ränkten Explorationsmöglichkeit
hätten 10 psy
ch
o
pathologische
Symptome
klinisch nicht sicher erfasst werden können. Solche Störungen müssten
gemäss Gutachter mittels einer neuropsychol
o
gischen Unter
suchung nachgewiesen/ausgeschlossen werden; zudem wäre eine
Beschwerden
validierung
zwingend. Aus Sicht des Gutachters hätten keine Diskrepanzen be
standen, wobei sämtliche Auffälligkeiten im Rahmen einer psychischen Krankheit interpretiert würden. Dies sei ungenügend, da sie ebenso gut als Hinweise auf eine Aggravation interpretiert werden könnten. Auch bei der Medikamen
ten
einnahme geh
e
der Gutachter von einer
Malcompliance
aufgrund der psychischen Erkrankung aus. Die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin 2017 ein Einbürge
rungsgesuch gestellt habe
,
könnte für Aggravation sprechen,
vor al
le
m
weil auch zum etwa gleichen Zeitpunkt die psychotischen Symptome aufgetreten seien. Wie stark die Beschwerdeführerin tatsächlich eingeschränkt sei, könne aus dem Gutachten nicht klar erkannt werden, da der Gutachter die ICF-Fähigkeitsbereiche aufgrund der psychischen Erkrankung als eingeschränkt beurteile, die Beschwer
deführerin aufgrund der verschiedenen Angaben jedoch durchaus Fähigkeiten und Ressourcen habe.
So zeige die Beschwerdeführerin, dass sie fähig sei, dreimal pro Woche einen Deutschkurs zu belegen. Offenbar gehe sie auch spazieren, mache Einkäufe, nehme Termine wahr und pflege gewisse Kontakte vor allem mit ihren Brüdern.
4.
4.1
Das psychiatrische Gutachten
von PD
Dr.
D._
vom 12. Juli 2019 (Urk. 7/74)
basiert auf einer umfassenden psychiatrischen Untersuchung und wurde in Kenntnis und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
(Anamnese) abgegeben
(E. 3.8.1)
.
Der
Gutachter
hat
detailliert Befunde
(E. 3.8.3)
erhoben und sich mit
den von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden auseinan
der
ge
setzt.
Seine Diagnose
hat er eingehend begründet und hierbei in Ausein
an
der
set
zung der übrigen medizinischen Aktenlage seine Schlussfolgerungen nach
voll
ziehbar dargelegt.
Dem Gutachten kommt demnach
- entgegen der Auf
fassung der Beschwerdegegnerin (Urk. 2 S. 2) -
grundsätzlich v
olle Beweiskraft zu (vgl.
E. 1.4
).
4.2
Die begründeten Einwände von RAD-Ärztin
Dr.
C._
(E. 3.9) vermögen nicht, genügende Zweifel an den Schlussfolgerungen des Gutachters zu begründen. Wohl ist
die
Diagnostik
,
wonach
nunmehr eine paranoide Schizophrenie vor
lie
gen soll, nachdem langjährige Behandler, auch im stationären Setting, von einer depressiven Störung oder/und andauernden Persönlichkeitsänderung aus
gegan
gen waren, überraschend
.
In der
Begründung vermag
sie indes
vor allen anderen gestellten Diagnosen zu überzeugen, zumal für die vormals behauptete Extrem
belastung sich weder
Hinweise noch Nachweise fanden
. Hierbei
darf auch mitein
bezogen werden,
dass die Beschwerdeführerin den Asylstatus nicht erlangte. Ausserdem
schilderte
Dr.
A._
anlässlich der e
rsten psychiatrischen Begutachtu
n
g
psychotische Symptome wie Stimmenhören, Verfolgungs- und Bedrohungsideen in der Wohnung aber auch durch Nachbarn.
Auch
med.
pract
.
B._
und Psychotherapeutin
F._
berichteten
-
zwar
bei schweren depressiven Symptomen
-
ein psychotisches Erleben, paranoide Ängste sowie existenzielle Ängste (vgl. E. 3.4-5).
Angesichts de
r
frühen Hin
wei
se
auf psychotische Symptome und der zunehmend festzustellenden wahnhaften Entwicklung vermag die diagnostische Einordnung d
er psychopathologischen
Symptomatik als Schizophrenie respektive paranoide Schizophrene
, differen
tial
diagnostisch
eine
wahnhaften Störung
,
durchaus zu überzeugen.
Die Sympto
matik hat sich im Krankheitsverlauf offenkundig verändert respektive zum Wahnhaften
im Sinne einer (paranoiden) Schizophrenie
akzentuiert
bzw. heraus
kristallisiert
, entsprechend veränderte sich auch die Diagnose
, was der Gutachter nachvollziehbar darlegte (vgl.
Urk.
7/74 S. 37)
.
Der RAD-Ärztin ist ausserdem insoweit zuzustimmen, als im Hinblick auf das Einbürgerungsverfahren und damit zusammenhängend
die
(notwendigen)
Bemü
hun
gen, sich vom Sozialhilfebezug zu lösen,
eine Aggravation nahelegen könnten.
PD
Dr.
D._
setzte sich mit diesem Umstand
nicht
auseinander, wies jedoch wiederholt darauf hin, dass das Verhalten der Beschwerdeführerin kons
istent sei, sich nicht nur ihm gegenüber zeige, sondern auch den langjährigen Betreuungspersonen wie Ps
ychologin
und Psychotherapeutin
sowie
Sozialarbei
terin, was mit den vorgängigen Berichten übereinstimmt.
Ähnliches gilt für die
nicht erhobenen oder
eruierbaren
vegetativen Reaktionen bei
der eigenen
Schil
derung ihrer Än
gste.
Die sie seit neun Jahren betreuende Sozialberate
rin wusste von wiederholten Kon
flikt
en mit anderen Teilnehmern oder Nachbarn (
Urk.
7/74 S. 29). Ausserdem berichtete der Gutachter über Angespanntheit und Nervosität, welche offensichtlich auch die emotionale Befindlichkeit im Alltag präge (vgl.
Urk.
7/74 S. 32).
Bei dem von PD
Dr.
D._
festgestellten konsistenten Verhalten sind keine
aggravatorischen
Hinw
eise zu erkennen, wobei darauf
hin
zuweisen ist, dass die psychiatrischen Einschränkungen schon vor dem Einbür
gerungsgesuch erhoben werden konnten.
4.3
D
er psychiatrische Gutachter
bezog
die heute massgebenden Standa
rdindikatoren (vorstehend E. 1.3.2
) in seine Beurteilung weitestgehend ein
(E. 3.8.5
)
.
Damit ver
mag der Gutachter zu überzeugen, weshalb kein Raum für eine parallele Über
prüfung der
praxisgemäss relevanten Standardindikatoren bleibt
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_407/2020 vom
3.
März 2021 E. 6.3)
.
So hat er sich einlässlich mit den diagnoserelevanten Befunden und deren Aus
prägung auseinandergesetzt
und auf belastende Faktoren aber auch Ressourcen hingewiesen.
Es best
ehe
zwar
Krankheitseinsicht
,
aber aufgrund der paranoiden Symptomatik eine eingeschränkte
Behandlungsbereitschaft, was auch die man
gelnde Medikamenten-Compliance zu erklären vermöge (S. 41
).
Hinsichtlich Be
hand
lungserfolg oder -resistenz gelangte er zum Schluss,
dass
sich die Beschwer
deführerin seit Jahren in (adäquater) Therapie befinde und
in der derzeitigen ambulanten Psychotherapie eine stabile therapeutische Beziehung habe etabliert werden können, die Behandlung aber allenfalls mittels Auflagen (Depotmedi
kation, stationäre
Hospitalisation
) verbessert werden könnte, verwies aber zu
gleich auf die damit einhergehenden Risiken bei den bestehenden paranoiden Ängsten (S. 45 f.).
Die Beschwerdeführerin
habe soziale Kontakte zu ihren beiden in der Schweiz lebenden Brüdern und zu einer sie bei Bedarf unterstützenden Bekannten, ansonsten lebe sie zurückgezogen (S. 43 f.). Lediglich im Zusammen
hang mit dem laufenden Einbürgerungsverfahren habe sie während drei Monaten regelmässig einen Deutschkurs besucht, wobei es aufgrund der müde-machenden Medikation vorübergehend zur
Malcompliance
bei deren Einnahme gekommen sei
.
Zu ergänzen ist, dass
der Lebenskontext der Beschwerdeführerin
auf
nicht-
vorhandene Ressourcen
schliessen
lässt
, so lebt sie geschieden sowie kinderlos alleine und bezieht Sozialhilfe.
In der Konsistenz- und Plausibilitätsbeurteilung führte PD
Dr.
D._
aus, dass keine Diskrepanzen zwischen der der sub
jektiven Beschwerdeschilderung, den Fremdangaben und dem Verhalten der Beschwerdeführerin in der Untersuchungssituation vorlägen. So sei das psycho
soziale Funktionsniveau in Haushalt, Freizeit und sozialen Aktivitäten gut ver
einbar mit den erhobenen Befunden (S. 42 f.). Entsprechend
sei
die Konsistenz zu bejahen.
Die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage lassen sich anhand der Standardindikatoren schlüssig und
widerspruchsfrei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachweisen. Mithin erfüllt
das Gutachten sowohl die praxisgemässen herkömmlichen
Anforderungen (vor
stehend E. 1.5
) als auch diejenigen des strukturierten Beweisv
erfahrens (vorste
hend E. 1.3
). Somit ist betreffend die Diagnosen sowie die Arbeitsfähigkeit auf das Gutachten abzustellen.
Dabei steht die gutachterliche Beurteilung einer voll
ständigen Arbeitsunfähigkeit seit mindestens Anfang 2016 im Einklang mit den Einschätzungen der Behandler; so attestierte bereits die
E._
der Beschwer
deführerin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (vgl. E. 3.1-2) und auch med.
pract
.
B._
respektive seine delegierte Psychotherapeutin
F._
gehen min
destens seit August 2016 von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit aus (vgl. E. 3.5). Auch der die Beschwerdeführerin im Juli 2017 be
gutachtenden
Dr.
A._
attestierte der Beschwerdeführerin eine psychiatrisch bedingte 100%ige Arbeitsunfähigkeit in angestammter und in angepasster Tätigkeit, sogar seit mindestens 2015 (vgl. E. 3.3.1).
4.
4
Abschliessend ist zu vermerken, dass
auf
weitere medizinische
n
(neuro
psych
o
logische
n
)
Abklärungen in antizipierter Beweiswürdigung zu verzichten
ist
, da
der Gesundheitszustand und die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit auf
grund
des voll beweiskräftigen
psychiatrischen Gutachtens von PD
Dr.
D._
(Urk. 7/74
) hinreichend abgeklärt sind und
- auch
ents
prechend den Aus
führungen der Beschwerdegegnerin (Urk. 2 S. 3) - aufgrund der krankheits
be
dingt eingeschränkten Mitwirkungsmöglichkeit der Beschwerdeführerin
tatsäch
lich
keine
neuen
Erkenntnisse zu erwarten sind
.
5.
Das Wartejahr nach Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG endete
im Januar 2017, nachdem
die Beschwerdeführerin
gemäss gutachterlicher
Einschätzug
spätestens
seit
Anfang 2016
zu 100
% arbeitsunfähig gewesen war
.
Die Beschwerdeführerin meldete sich
a
m
12. Januar
2016 (Urk. 7/2
; Eingangsdatum, vgl. Aktenver
zeich
nis zu
Urk.
7/1-92
)
(vgl.
Art. 29 Abs. 1 IVG
)
zum Leistungsbezug an, womit der frühest
mögliche Rentenbeginn im Januar
2017
liegt.
Wie bereits festgestellt
ist
die Beschwerdeführerin
spätestens seit Januar 2016
aus
psychiatrischer
Sicht sowohl in ihrer bisherigen Tätigkeit als
Küchenhilfe/
All
rounderin
als auch in jeder angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig. Dem
nach hat die Beschwerdeführerin
seit dem 1. Januar 2017 (vgl. E. 5.1)
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente.
6.
Zusammenfassend ist die Beschwerde
in dem Sinne
gutzuheissen, dass
in Auf
hebung der
angefochtene
n
Verfügung
vom 2
7.
Mai 2020
festzustellen
ist, dass die Beschwerdeführerin
seit dem 1. Januar 2017
Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung hat.
7
.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Ver
sicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
) und auf Fr. 8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Entsprechend erweist sich das Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Urk. 1 S. 2, 4. Antrag) als gegenstandslos.