# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 850222fa-441d-4c8a-8044-4cdeb7acfb4b
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Ehescheidung (vorsorgliche Massnahmen / Kontaktrecht)
Berufung gegen eine Verfügung des Einzelgerichtes des Bezirksgerichtes Horgen vom 15. April 2020; Proz. FE190166
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Rechtsbegehren:
des Berufungsbeklagten (act. 8/16 S. 2 und Prot. VI S. 6, sinngemäss)
Es seien zum Schutz des Kindeswohls im Rahmen der Offizialmaxime die notwendigen Massnahmen zu treffen, um die  gemäss dem Eheschutzurteil vom 3. Januar 2018 (EE170062-F) umzusetzen.
der Berufungsklägerin (act. 8/26 S. 2)
" 1. [...] 2. Der Antrag der Gegenpartei, es seien hinsichtlich des Be-
suchsrechts vorsorgliche Massnahmen zu erlassen, sei . Das Besuchsrecht des Beklagten sei auszusetzen für mindestens sechs Monate, resp. bis zum Vorliegen eines  Gutachtens.
3. [...] 4. [...] 5. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. MWST zu-
lasten des Beklagten."
Weitere Anträge der Berufungsklägerin (act. 8/26 Rechtsbegehren Nr. 2, , und act. 8/26 Ziff. 50, sinngemäss)
Es seien ein kinderpsychologisches Gutachten über C._ sowie ein Erziehungsfähigkeitsgutachten über den Beklagten einzuholen.
Verfügung des Einzelgerichts: (act. 7)
" 1. Der Antrag der Klägerin auf Sistierung des mit Eheschutzurteil vom 3. Januar 2018 (Geschäfts-Nr. EE170062-F) geregelten Besuchsrechts wird abgewiesen.
2. Die Anträge der Klägerin auf Einholung eines  Gutachtens über C._ und eines  über den Beklagten werden abgewiesen.
3. In Abänderung von Dispositivziffer 4 des Eheschutzurteils des Bezirksgerichts Horgen vom 3. Januar 2018 (Geschäfts-
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Nr. EE170062-F) wird der Beklagte berechtigt und verpflichtet, den gemeinsamen Sohn C._, geboren am tt.mm.2014, auf eigene Kosten wie folgt zu betreuen:
a) während einer „Wiederaufbauphase“ (erste vier Besuchs-
samstage ab Eröffnung dieses Entscheides) an jedem zweiten
Samstag für die Dauer von jeweils vier Stunden, nämlich am
- Samstag, 25. April 2020, von 10:00 Uhr bis 14:00 Uhr;
- Samstag, 9. Mai 2020, von 10:00 Uhr bis 14:00 Uhr;
- Samstag, 23. Mai 2020, von 10:00 Uhr bis 14:00 Uhr;
- Samstag, 6. Juni 2020, von 10:00 Uhr bis 14:00 Uhr;
b) ab Samstag, 20. Juni 2020, bis zum Beginn der Herbstferien
des Schuljahres 2020/2021 an jedem zweiten Samstag (erst-
mals am Samstag, 20. Juni 2020) von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr.
c) ab Beginn der Herbstferien des Schuljahres 2020/2021 und für
die weitere Dauer des Getrenntlebens bzw. des Scheidungs-
verfahrens
- an jedem zweiten Wochenende von Samstag, 10:00 Uhr, bis Sonntag, 18:00 Uhr,
- jeweils am zweiten Tag der Doppelfeiertage Weihnachten und Neujahr,
- sowie in geraden Jahren über die ganzen Osterfeiertage, von Karfreitag, 10:00 Uhr, bis Ostermontag, 18:00 Uhr, und in ungeraden Jahren über die ganzen Pfingstfeiertage, von Pfingstsamstag 10:00 Uhr, bis Pfingstmontag, 18:00 Uhr.
- während den Schulferien für die Dauer von 2 Wochen pro Jahr. Der Beklagte wird verpflichtet, die Ferienbetreuung  drei Monate vor dem geplanten Ferienbeginn  und mit der Klägerin abzusprechen. Können sich die Parteien nicht einigen, so kommt dem Beklagten das  bezüglich der Aufteilung der Ferien in  mit gerader Jahreszahl zu; in Jahren mit ungerader  der Klägerin. Weitergehende oder abweichende Wochenend-, Feiertags-
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oder Ferienkontakte nach gegenseitiger Absprache bleiben vorbehalten.
4. Die Klägerin wird verpflichtet, C._ für die Besuche beim Vater jeweils an den Wohnort des Beklagten zu bringen, und der Beklagte wird verpflichtet, C._ nach den Besuchen  an den Wohnort der Klägerin zurückzubringen oder –  die Klägerin ihre neue Wohnadresse gegenüber dem  weiterhin geheim halten will – an einen anderen von der Klägerin bekannt zu gebenden Übergabeort im Bezirk . Gibt die Klägerin dem Beklagten bis spätestens am ersten Besuchssamstag (25. April 2020) keinen entsprechenden Übergabeort an, gilt als solcher bis auf Weiteres der Bahnhof H._.
5. Die Klägerin wird angewiesen, die Besuchs- und  sowie die Modalitäten der Übergabe des Kindes gemäss vorstehenden Dispositivziffern 3 und 4 einzuhalten und alles zu unterlassen, was ein ungestörtes Besuchs-/Ferienrecht  oder verhindert. Für den Fall, dass sich die Klägerin nicht an diese Anordnung hält, wird ihr eine Bestrafung gestützt auf Art. 292 StGB . Art. 292 StGB lautet wie folgt:
Wer der von einer zuständigen Behörde oder einem zuständigen Beamten unter Hinweis auf die Strafandrohung dieses Artikels an ihn erlassene Verfügung nicht Folge leistet, wird mit Busse bestraft.
6. Den Parteien wird die Weisung erteilt, sich innerhalb von acht Wochen seit der Eröffnung dieses Entscheids unter je hälftiger Übernahme der Kosten in eine Mediation zu begeben, um eine der Umsetzung des Besuchsrechts zum Wohl ihres Sohnes gedeihliche gegenseitige Kommunikation zu erreichen. Die Mediation hat sich über wenigstens sechs Sitzungen zu . Die Wahl der Mediatorin bzw. des Mediators wird den Parteien überlassen. Sie ist der Beiständin schriftlich mitzuteilen. Teilen die Parteien ihre Wahl nicht innert vier Wochen seit der Eröffnung dieses Entscheids der Beiständin mit, bestimmt  die Mediatorin bzw. den Mediator.
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Für den Fall, dass sich die Parteien nicht an diese  halten, wird ihnen eine Bestrafung gestützt auf Art. 292 StGB angedroht. Art. 292 StGB lautet wie folgt:
Wer der von einer zuständigen Behörde oder einem zuständigen Beamten unter Hinweis auf die Strafandrohung dieses Artikels an ihn erlassene Verfügung nicht Folge leistet, wird mit Busse bestraft.
7. In Abänderung von Dispositivziffer 5 des Eheschutzurteils vom 3. Januar 2018 sowie in Ergänzung der bereits bestehenden Aufgaben, die ihr im Rahmen der Beistandschaft für C._ übertragen wurden, wird die Beiständin beauftragt,
- das Besuchs- und Ferienrecht gemäss Dispositivziffer 3 zu überwachen;
- einen Mediator bzw. eine Mediatorin zu bestimmen, wenn die Parteien ihr innert Frist keinen gemeinsamen Vorschlag gemäss vorstehender Dispositivziffer 6 unterbreiten;
- die Einhaltung der Weisungen gemäss den vorstehenden  5 und 6 zu überwachen und bei deren Missachtung dem Gericht (bzw. nach Abschluss des Scheidungsverfahrens der dannzumal zuständigen Kindes- und ) unverzüglich Bericht zu erstatten.
8 – 10. Kosten / Schriftliche Mitteilung / Rechtsmittelbelehrung"
Berufungsanträge:
der Berufungsklägerin (act. 2 S. 2 f.):
" 1. Die Verfügung des Bezirksgerichts Horgen vom 15. April 2020 sei aufzuheben und:
Es seien ein kinderpsychiatrisches Gutachten sowie ein  über den Kindsvater einzuholen. In Abänderung des Eheschutzentscheides des Bezirksgerichts Horgen vom 3. Januar 2018 Ziff. 3 und Ziff. 4 sei bis zum  eines kinderpsychiatrischen Gutachtens betreffend C._ sowie des Erziehungsfähigkeitsgutachtens über den Kindsvater das Besuchsrecht des Kindsvaters auszusetzen (zu sistieren).
Eventualiter sei die Verfügung des Bezirksgerichts Horgen vom 15. April 2020 aufzuheben und das Verfahren mit der Weisung
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an das Bezirksgericht Horgen zurückzuweisen, dass in  des Eheschutzentscheides des Bezirksgerichts Horgen vom 3. Januar 2018 Ziff. 3 und 4 das Besuchsrecht bis zum Vorliegen eines kinderpsychiatrischen Gutachtens betreffend C._ sowie eines Erziehungsfähigkeitsgutachtens über den Kindsvater zu sistieren ist und die Gutachten einzuholen sind.
Subeventualiter seien in Abänderung des  des Bezirksgerichts Horgen vom 3. Januar 2018 Ziff. 3 und Ziff. 4 Kontakte zwischen C._ und dem Kindsvater alle zwei Wochen für eine Stunde im Beisein einer hierfür  unabhängigen Kindespsychiaterin/Kinderpsychologin zu installieren, zwecks Berichterstattung über den Verlauf der Kontakte.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Berufungsbeklagten.
Im Weiteren sei superprovisorisch das Kontaktrecht zwischen Kindsvater und C._ bis zum Vorliegen eines Berufungsentscheides zu sistieren. "
des Berufungsbeklagten (act. 9 S. 2):
" 1. Die Berufung sei abzuweisen. 2. Die Eventualanträge seien abzuweisen. 3. Die Subeventualanträge seien abzuweisen. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beru-
fungsklägerin. [Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Verbei-
ständung]"

## Considerations

Erwägungen:
I.
1.1. Die Parteien sind seit dem tt. September 2013 verheiratet und Eltern des
gemeinsamen Sohnes C._, geboren am tt.mm.2014 (act. 8/3). Seit Juli 2017
leben sie getrennt. Mit Eheschutzentscheid des Bezirksgerichts Horgen vom
3. Januar 2018 wurde C._ für die Dauer des Getrenntlebens unter die Obhut
der Berufungsklägerin gestellt. Der Berufungsbeklagte wurde gleichzeitig berech-
tigt erklärt, C._ in einer ersten Phase an jedem zweiten Samstag und in einer
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zweiten – durch die Beiständin zu bestimmenden – Phase jedes zweite Wochen-
ende zu betreuen. Zudem wurde eine Besuchsbeistandschaft errichtet
(act. 8/4/48).
1.2. Mit Eingabe vom 30. August 2019 liess die Berufungsklägerin die Schei-
dungsklage vor Vorinstanz einreichen, woraufhin die Parteien zur Einigungsver-
handlung auf den 12. Dezember 2019 vorgeladen wurden (act. 8/1 und 8/6). Mit
Eingabe vom 27. November 2019 stellte der Berufungsbeklagte seinerseits das
vorstehende Begehren um Erlass vorsorglicher Massnahmen zur Umsetzung des
Besuchsrechts gemäss Eheschutzentscheid, worüber anlässlich der Verhandlung
vom 12. Dezember 2019 ebenfalls verhandelt wurde (act. 8/16 und 8/19/1-3;
Prot. VI S. 5 ff.). Anlässlich der Verhandlung beantragte die Berufungsklägerin die
Abweisung des Antrages des Berufungsbeklagten; zudem beantragte sie im Sin-
ne vorsorglicher Massnahmen, das Besuchsrecht des Berufungsbeklagten sei für
mindestens sechs Monate resp. bis zum Vorliegen eines kinderpsychiatrischen
Gutachtens auszusetzen (act. 8/26). Die Parteien schlossen schliesslich unter
Mitwirkung der Vorinstanz eine Vereinbarung über das Besuchsrecht des Beru-
fungsbeklagten und C._, beginnend mit einem ersten Besuch am 15. De-
zember 2019 (act. 8/30).
1.3. Am 15. Dezember 2019 fand der vereinbarte Besuch im BBT D._
statt; die weiteren abgemachten Treffen konnten nicht durchgeführt werden, da
die Berufungsklägerin weitere Treffen zwischen dem Berufungsbeklagten und
C._ ablehnte (act. 8/34 und 8/41). Zwischenzeitlich wurde vom Kinderarzt
von C._, Dr. med. E._, eine erläuternde schriftliche Auskunft zu seinen
Berichten eingeholt, die mit Schreiben vom 12. Januar 2020 erfolgte (act. 8/35/1
und 8/45). Den Parteien wurde daraufhin mit Verfügung vom 16. Februar 2020
das Schreiben des Kinderarztes zugestellt und Frist zur Stellungnahme angesetzt
(act. 8/46). Ihre Stellungnahmen erstatteten die Parteien mit Eingaben vom
22. und 29. Januar 2020 (act. 8/49 und 8/53). Mit Verfügung vom 15. April 2020
erliess die Vorinstanz schliesslich ihren Entscheid betreffend Besuchsrecht im
Sinne vorsorglicher Massnahmen (act. 8/68 = act. 7).
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1.4. Für die ausführliche Darstellung der vorinstanzlichen Prozessgeschichte
ist im Übrigen auf die Ausführungen im angefochtenen Entscheid zu verweisen
(act. 7 S. 2 ff.).
2.1. Mit Eingabe vom 4. Mai 2020 erhob die Berufungsklägerin Berufung ge-
gen die vorinstanzliche Verfügung mit den vorstehend zitierten Rechtsbegehren
(act. 2). Zugleich beantragte sie im Sinne einer superprovisorischen Massnahme,
das Kontaktrecht zwischen dem Berufungsbeklagten und C._ sei bis zum
Vorliegen des Berufungsentscheids zu sistieren. Mit Verfügung vom 6. Mai 2020
wurde das Begehren der Berufungsklägerin um vorsorgliche Sistierung des Be-
suchsrechts für die Dauer des Berufungsverfahrens abgewiesen (act. 5). Dem Be-
rufungsbeklagten wurde zudem Frist angesetzt, um die Berufung zu beantworten.
2.2. Der Berufungsbeklagte erstattete mit Eingabe vom 20. Mai 2020 fristge-
recht seine Berufungsantwort (act. 9). Mit Verfügung vom 4. Juni 2020 wurde so-
dann sein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gutgeheissen
und ihm in der Person von Rechtsanwalt lic. iur. Y._ ein unentgeltlicher
Rechtsbeistand bestellt (act. 11). Mit Vorladung vom 10. Juni 2020 wurden die
Parteien schliesslich zur Instruktionsverhandlung auf den 7. Juli 2020 vorgeladen,
anlässlich welcher zu Noven in der Berufungsantwort resp. zu allfälligen Äusse-
rungen der Gegenseite an der Verhandlung Stellung genommen werden konnte.
Zudem wurde vorgesehen, Vergleichsgespräche zu führen (act. 13/1-2).
2.3. Anlässlich der Verhandlung vom 7. Juli 2020 nahmen die Parteivertreter
abschliessend Stellung zu allfälligen Noven; zudem fand eine kurze Befragung
der Parteien zu einem neu eingegangenen Bericht der Beiständin (act. 15) statt.
Eine Einigung konnte anlässlich der Vergleichsgespräche nicht erzielt werden
(Prot. S. 6 ff.).
3. Die vorinstanzlichen Akten wurden beigezogen (act. 8/1-76). Das Verfah-
ren erweist sich als spruchreif. Auf die Ausführungen der Berufungsklägerin ist
nur insoweit einzugehen, als sie für den Berufungsentscheid relevant sind.
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II.
1. Bei der Anordnung resp. Abänderung vorsorglicher Massnahmen wäh-
rend des Scheidungsverfahrens sind die (materiell- sowie verfahrensrechtlichen)
Bestimmungen über die Massnahmen zum Schutz der ehelichen Gemeinschaft
sinngemäss anwendbar (Art. 276 Abs. 1 ZPO i.V.m. Art. 271 ff. ZPO und Art. 172
ff. ZGB; ANNETTE DOLGE, DIKE-Komm-ZPO, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2016,
Art. 276 N 15). Es gelangt das summarische Verfahren zur Anwendung mit ent-
sprechender Beweismittel- und Beweismassbeschränkung, und es gilt soweit wie
hier Kinderbelange betroffen sind, die Offizial- und Untersuchungsmaxime
(Art. 296 ZPO). Eine Abänderung vorsorglicher Massnahmen im Scheidungsver-
fahren setzt eine Veränderung der Verhältnisse voraus (Art. 276 Abs. 1 ZPO
i.V.m. Art. 179 Abs. 1 ZGB). Verlangt ist dabei eine wesentliche und dauernde
Veränderung. Eine Abänderung ist ferner angebracht, wenn die tatsächlichen
Umstände, die dem Massnahmeentscheid zu Grunde lagen, sich nachträglich als
unrichtig erwiesen haben oder wenn sich der Entscheid nachträglich im Ergebnis
als nicht gerechtfertigt herausstellt, weil dem Massnahmegericht die Tatsachen
nicht zuverlässig bekannt waren (BGE 141 III 376 E. 3.3.1). Das hat die Vor-
instanz bereits zutreffend und ausführlich dargestellt, weshalb darauf verwiesen
werden kann (vgl. act. 7 S. 8 ff.).
2.1. Gegen erstinstanzliche Entscheide betreffend vorsorgliche Massnahmen
ist die Berufung zulässig (Art. 308 Abs. 1 lit. b ZPO). Mit ihr kann die unrichtige
Rechtsanwendung und die unrichtige Feststellung des Sachverhaltes geltend
gemacht werden (Art. 310 ZPO). Neue Tatsachen und Beweismittel sind im Beru-
fungsverfahren grundsätzlich nur zuzulassen, wenn sie (a) ohne Verzug vorge-
bracht werden und (b) trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz
vorgebracht werden konnten (Art. 317 ZPO). Erforscht das Gericht den Sachver-
halt wie vorliegend von Amtes wegen, können die Parteien im Berufungsverfahren
Noven jedoch auch dann vorbringen, wenn die Voraussetzungen von Art. 317
Abs. 1 ZPO nicht erfüllt sind (BGE 144 III 349 E. 4.2.1.; vgl. auch Urteil
5A_1032/2019 vom 9. Juni 2020 E. 4.2).
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2.2. Die Berufung ist bei der Rechtsmittelinstanz innert der Rechtsmittelfrist
schriftlich und begründet einzureichen (Art. 311 Abs. 1 ZPO). Aus der Begrün-
dungspflicht ergibt sich, dass die Berufung zudem (zu begründende) Rechtsmit-
telanträge zu enthalten hat. In der Begründung hat eine Berufung führende Partei
der Rechtsmittelinstanz daher im Einzelnen darzulegen, aus welchen Gründen
der angefochtene Entscheid falsch ist und abgeändert werden soll. Es genügt
nicht, in einer Berufungsschrift einen blossen Verweis auf die Vorakten anzubrin-
gen und/oder pauschale Kritik am vorinstanzlichen Entscheid zu üben (wie z.B. es
sei falsch oder willkürlich), oder bloss das zu wiederholen, was bereits vor Vor-
instanz vorgebracht wurde (sog. Begründungslast; vgl. OGer ZH, LB110049 vom
5. März 2012 E. 1.1 m.w.H.; OGer ZH, PF120022 vom 1. Juni 2012 E. 4.1). Zwar
besteht keine eigentliche Rügepflicht (sondern nur eine Rügeobliegenheit), aber
die Berufung führende Partei muss sich sachbezogen mit den Entscheidgründen
des erstinstanzlichen Entscheides auseinandersetzen. Sie muss darlegen, inwie-
fern die Vorinstanz das Recht falsch angewendet hat bzw. welcher Sachverhalt
unrichtig festgestellt worden sein soll. Danach muss sie den vorinstanzlichen Er-
wägungen die aus ihrer Sicht korrekte Rechtsanwendung resp. den korrekten
Sachverhalt gegenüberstellen und darlegen, zu welchem abweichenden Ergebnis
dies führen soll. Dies gilt selbst im Bereich der Untersuchungsmaxime (vgl. zum
Ganzen etwa IVO W. HUNGERBÜHLER, DIKE-Komm-ZPO, Art. 311 N 30 ff. und
N 36 ff.; ZK ZPO-REETZ/THEILER, 3. Aufl. 2016, Art. 311 N 36 f.; vgl. OGer ZH
LB110049 vom 5. März 2012 E. 1.1 f., jeweils mit zahlreichen Verweisen). Ist die
Begründung nicht geradezu ungenügend, aber in der Substanz mangelhaft, lässt
dies das Eintreten auf die Berufung zwar unberührt, kann sich aber in der materi-
ellen Beurteilung zum Nachteil auswirken.
2.3. Die vorliegende Berufung vom 4. Mai 2020 wurde innert Rechtsmittelfrist
(vgl. act. 8/69/1) schriftlich, mit Anträgen versehen und begründet bei der Kammer
als der zuständigen Rechtsmittelinstanz eingereicht. Die Berufungsklägerin ist
durch den angefochtenen Entscheid beschwert und zur Berufung legitimiert. Es ist
daher auf die Berufung einzutreten. Die anlässlich des Berufungsverfahrens neu
eingereichten Urkunden sind aufgrund vorstehender Erwägungen – entgegen den
Anmerkungen des Berufungsbeklagten (vgl. act. 9 S. 15) – zu beachten.
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3. Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres Entscheides zusammenge-
fasst aus, dass eine Kindeswohlgefährdung durch Besuche von C._ beim
Berufungsbeklagten nicht ersichtlich sei. Zwar erscheine es insgesamt glaubhaft,
dass C._ im Zusammenhang mit der Ausübung des Besuchsrechts unter er-
heblichem psychischem Stress gestanden habe bzw. stehe, was auch der Beru-
fungsbeklagte nicht grundsätzlich in Abrede stelle. Indes wäre es zu kurz gegrif-
fen, diesen Stress auf den Kontakt zum Berufungsbeklagten an sich zurückzufüh-
ren, wie dies die Berufungsklägerin aus ihrer subjektiven Warte heraus tue.
Nachdem es im vorliegenden Fall keinerlei objektive Anhaltspunkte dafür gebe,
dass der Berufungsbeklagte seinen Sohn während den Besuchszeiten nicht adä-
quat, respektvoll und liebevoll behandeln würde und er zudem fähig und willig
scheine, seine Vaterrolle und die damit verbundene Verantwortung wahrzuneh-
men, gebe es keinen Grund, an der Erziehungsfähigkeit des Beklagten zu zwei-
feln. Vielmehr erscheine es sehr wahrscheinlich, dass C._ in einen belasten-
den Loyalitätskonflikt geraten sei. Die Sistierung oder Einschränkung des Be-
suchsrechts könne jedoch keine Abhilfe gegen den Konflikt schaffen; im Gegenteil
erscheine es für das Wohl und insbesondere für die persönliche Entwicklung von
C._ unbedingt notwendig, möglichst umgehend wieder einen regelmässigen
Kontakt zum Vater aufzubauen. Entsprechend sei der Antrag auf Sistierung des
mit Eheschutzurteil vom 3. Januar 2018 geregelten Besuchsrechts abzuweisen
(act. 7 S. 21 f.).
Ebenfalls seien die Anträge der Berufungsklägerin auf Einholung eines
kinderpsychiatrischen Gutachtens über C._ bzw. eines Erziehungsfähig-
keitsgutachtens über den Berufungsbeklagten abzuweisen. Ein Gutachten sei nur
dann erforderlich, wenn das Gericht nicht über das nötige Sach- und Fachwissen
zur Beantwortung der sich stellenden Rechtsfragen verfüge. Da das Gericht kei-
nerlei Anlass habe, an der Erziehungsfähigkeit des Berufungsbeklagten zu zwei-
feln, müsse über diese Frage auch kein Gutachten eingeholt werden. Ebenfalls
weder notwendig noch zielführend für den Entscheid über das Besuchsrecht sei
die Einholung eines kinderpsychiatrischen Gutachtens, da von den Besuchen
bzw. dem Kontakt mit dem Berufungsbeklagten keine Gefährdung des Wohles
von C._ ausgehe (act. 7 S. 23).
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4.1. Dagegen bringt die Berufungsklägerin im Wesentlichen vor, dass die psy-
chische Gesundheit von C._ offensichtlich durch die Kontakte zum Beru-
fungsbeklagten leide (act. 2 S. 9). Dies hätten wiederholt Arztzeugnisse des Kin-
derarztes bestätigt, sei aber auch von der Beiständin von C._, Frau F._,
so gesehen worden. Die Kita-Mitarbeiterinnen, die Kindergärtnerinnen und vor al-
lem die C._ behandelnde Kinderpsychiaterin (recte: Kinderpsychologin) wür-
den dies ebenfalls bestätigen (act. 2 S. 9). Zudem könne auch die Grossmutter
mütterlicherseits, die C._ auch regelmässig betreue und ihn sehr gut kenne,
Auskunft dazu geben, wie es C._ jeweils nach Besuchen beim Berufungsbe-
klagten gegangen sei (act. 2 S. 10 unten). Es müsse zwingend ein kinderpsychiat-
risches Gutachten eingeholt werden und bis zu seinem Vorliegen von Besuchs-
kontakten zwischen C._ und dem Berufungsbeklagten abgesehen werden,
um die Kindswohlgefährdung durch die Kontakte zu vermeiden (act. 2 S. 13). Ma-
ximal, wie subeventualiter beantragt, sei das Kontaktrecht im Beisein einer Fach-
person (Psychologe/Psychiater) auszuüben, damit beurteilt werden könne, warum
C._ so auf den Berufungsbeklagten reagiere und wie dem entgegengewirkt
werden könne. Dabei sei der Berufungsbeklagte zu verpflichten, mit C._
Deutsch zu sprechen, damit die Fachperson dem Gespräch folgen könne (act. 2
S. 13 f.).
4.2. Der Berufungsbeklagte macht in seiner Berufungsantwort zusammenge-
fasst geltend, die Vorinstanz komme (richtigerweise) zum Schluss, dass es kei-
nerlei objektive Anhaltspunkte dafür gebe, dass der Berufungsbeklagte seinen
Sohn nicht adäquat, respektvoll und liebevoll behandle; eine Kindswohlgefähr-
dung durch Besuche von C._ beim Berufungsbeklagten sei somit nicht er-
sichtlich (act. 9 S. 7). Der Berufungsbeklagte fährt fort, dass die Aussagen der
Beiständin und des Kinderarztes gerade nicht auf deren Wahrnehmungen beru-
hen würden, sondern auf den Aussagen der Berufungsklägerin selber. Dass
C._ nach dem Besuch psychische Auffälligkeiten gezeigt habe, sei eine reine
Parteibehauptung und müsse bestritten werden. Falls dies tatsächlich der Fall
gewesen sein sollte, sei dies auf den Loyalitätskonflikt zurückzuführen, in wel-
chem sich C._ befinde (act. 9 S. 9). Betreffend Berichte der Kita-
Mitarbeiterinnen müsse darauf hingewiesen werden, dass die Berufungsklägerin
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Vorgesetzte dieser Personen sei und auch hier offensichtlich sei, dass diese Per-
sonen einseitig über den aktuellen Stand informiert würden. Dies gelte sinnge-
mäss auch für die Mutter der Berufungsklägerin. Entsprechend seien den Berich-
ten und Aussagen jegliche Aussagekraft abzusprechen (act. 9 S. 11). Der von der
Berufungsklägerin wiederholt behauptete Zusammenhang zwischen Besuchskon-
takten und übermässiger psychischer Belastung sei nicht ansatzweise erstellt
(act. 9 S. 10).
5.1. Die Vorinstanz hatte in materieller Hinsicht zu prüfen, ob die Vorausset-
zung für den Entzug resp. die Sistierung des Besuchsrechts des Berufungsbe-
klagten im Sinne von Art. 274 Abs. 2 ZGB gegeben waren. Die rechtlichen Erwä-
gungen hierzu hat sie korrekt wiedergegeben (act. 7 S. 13 f.).
5.2. Zusammengefasst rügt die Berufungsklägerin hauptsächlich die Würdi-
gung der Beweismittel durch die Vorinstanz sowie eine Verletzung des Untersu-
chungsgrundsatzes. Dem kann – wie nachstehend zu zeigen sein wird – nicht ge-
folgt werden.
6.1.1. Die Berufungsklägerin behauptete im vorinstanzlichen Verfahren, dass
C._ jeweils nach den Kontakten mit dem Berufungsbeklagten physische und
psychische Reaktionen gezeigt habe, weshalb die Besuche auszusetzen seien.
Die Vorinstanz hielt dazu fest, dass sich die Berufungsklägerin in ihrem Schluss
durch die Berichte des Kinderarztes vom 15. Mai 2019 und 15. November 2019
bestätigt fühlen würde, in welchen der Kinderarzt die Verdachtsdiagnose einer
posttraumatischen Belastungsstörung gestellt hatte (act. 7 S. 15). Daraufhin hat
die Vor-instanz die Berichte zusammengefasst, gewürdigt und zunächst festge-
halten, dass der Kinderarzt – der gemäss eigenen Angaben über keine Ausbil-
dung in den Fachbereichen Kinder-/Jugendpsychiatrie resp. -psychologie verfüge
– zumindest seinen zweiten Bericht vom 15. November 2019 verfasst habe, ohne
dass er C._ zeitnah persönlich untersucht gehabt habe (act. 7 S. 16). Weiter
habe der Kinderarzt in seinem Schreiben vom 12. Januar 2020 an die Vorinstanz
erklärt, C._ jeweils nur körperlich untersucht und eine Beurteilung des Allge-
meinzustandes vorgenommen zu haben; insbesondere eine psychische Untersu-
chung habe er nicht durchgeführt. Auch aufgrund dieser Aussage erscheine die
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vom Kinderarzt in den Berichten vom 15. Mai 2019 und 15. November 2019 ge-
stellte (psychiatrische) Diagnose einer "posttraumatischen Belastungsstörung"
fraglich. Der Kinderarzt habe zudem schriftlich erklärt, dass er die bei C._
gemäss den zwei Berichten bestehenden Auffälligkeiten (schwere sprachliche
Regression, aggressives Verhalten und Schlafstörungen) und deren Auftreten im
Zusammenhang mit den Besuchen beim Vater nur anamnestisch, d.h. nur anhand
von Aussagen der Berufungsklägerin, habe feststellen können; C._ selbst
habe damals in den Untersuchungen nicht gesprochen. Ebenfalls allein gestützt
auf die Angaben der Berufungsklägerin sei die Kinderarzt offenbar davon ausge-
gangen, dass C._ in den ersten drei Jahren zuhause Gewalt miterlebt habe,
worauf er bei seiner Diagnose der posttraumatischen Belastungsstörung wesent-
lich abgestellt habe. Nachdem die Berichte des Kinderarztes vom 15. Mai 2019
und vom 15. November 2019 zum Gesundheitszustand von C._ massgeblich
auf Angaben der Berufungsklägerin und nicht etwa auf eigenen Wahrnehmungen
basieren würden, komme ihnen lediglich der Wert einer Parteibehauptung – und
nicht einer neutralen ärztlichen Einschätzung – zu. Damit würden als Hinweise auf
das Vorhandensein physischer und psychischer Auffälligkeiten bei C._ einzig
die Aussagen der Berufungsklägerin verbleiben (act. 7 S. 16 f.).
6.1.2. Die Berufungsklägerin hält diesen Erwägungen entgegen, die Vorinstanz
verkenne, dass der Kinderarzt mit Dr. G._, die C._ am 1. Oktober 2019
gesehen habe, in Praxisgemeinschaft sei und diese C._ am besagten Tag
behandelt habe. Der Kinderarzt sei somit sehr wohl informiert gewesen, wie es
C._ anlässlich der Konsultation am 1. Oktober 2019 gegangen sei, zumal
man sich in einer Praxisgemeinschaft über gemeinsame Patienten austausche,
insbesondere wenn ein Arztzeugnis zu erstellen sei und die Ärzte verpflichtet sei-
en, eine ausführliche Krankengeschichte zu führen, die über jeden Arztbesuch
dokumentiere (act. 2 S. 12).
6.1.3. Zunächst ist festzuhalten, dass die Vorinstanz ausdrücklich erwogen hat,
der Kinderarzt habe anlässlich seines Berichts vom 15. November 2019 C._
persönlich nicht zeitnah untersucht, wobei sein Bericht auch keinerlei Hinweis auf
eine (von der Berufungsklägerin behauptete) Konsultation bei Dr. G._ vom 1.
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Oktober 2019 enthält (act. 8/27/23) Dass Frau Dr. G._ eine (kinder-
)psychiatrische Ausbildung hätte, wird sodann von der Berufungsklägerin nicht
geltend gemacht. Zudem steht fest, dass der Kinderarzt selber C._ jeweils
lediglich körperlich untersucht und er keine psychische Untersuchung vorgenom-
men hat. Die Berufungsklägerin lässt unberücksichtigt, dass der Kinderarzt ge-
genüber der Vorinstanz ausdrücklich erklärte, dass er sich bei seinen Feststellun-
gen betreffend psychische Auffälligkeiten lediglich auf die Aussagen der Beru-
fungsklägerin stützte (vgl. act. 8/45 F/A 7, 9a, 12 und 13). Dass er für seine Fest-
stellungen Rücksprache mit anderen Ärzten genommen haben soll, erwähnte er
nicht. In dieser Hinsicht verweist der Kinderarzt in seinen zwei Berichten von 2019
konsequenterweise denn auch nicht auf Inhalte oder Ergebnisse der Konsultatio-
nen mit den anderen Ärzten. Nicht aktenkundig ist überdies, was Gegenstand der
behaupteten Behandlung durch Dr. G._ vom 1. Oktober 2019 gewesen sein
soll; die Berufungsklägerin behauptet in ihrer Berufungsschrift gar nicht erst, dass
dort Auffälligkeiten im Zusammenhang mit den Besuchen des Berufungsbeklag-
ten thematisiert worden wären. Dies wäre im Übrigen auch insofern unwahr-
scheinlich, als ab April 2019 – und damit zum fraglichen Behandlungszeitpunkt
seit über fünf Monaten – unbestritten keine Kontakte zwischen dem Berufungsbe-
klagten und C._ stattgefunden hatten. Zusammenfassend kann aufgrund des
Dargelegten damit davon ausgegangen werden, dass bei der behaupteten Kon-
sultation bei Dr. G._ vom 1. Oktober 2019 keine Auffälligkeiten von C._
im Zusammenhang mit dem Besuchsrecht des Berufungsbeklagten im Zentrum
standen, zumal dies der Kinderarzt ansonsten wohl spätestens in seinem Schrei-
ben an die Vorinstanz vom 12. Januar 2020 offengelegt hätte. Entsprechend geht
diese Rüge der Berufungsklägerin an der Sache vorbei.
6.2.1. Weiter bringt die Berufungsklägerin vor, der Kinderarzt kenne C._
schon seit 2016 und verfüge über einen Fähigkeitsausweis für delegierte Psycho-
therapie (FMPP). Er interessiere sich bereits seit Absolvieren des Grundstudiums
der Psychologie an der Universität Zürich neben den somatischen Problemen in
der Kinder- und Jugendmedizin auch für die verschiedenen Formen und Möglich-
keiten der Psychotherapie. Weiter arbeite er mit einer Gemeinschaftspraxis für
Psychotherapie und Beratung zusammen. Aus diesen Gründen sei er in jedem
- 16 -
Fall qualifiziert, die eingereichten Beurteilungen abzugeben und den Verdacht ei-
ner posttraumatischen Belastungsstörung zu diagnostizieren sowie die gemach-
ten Empfehlungen abzugeben (act. 2 S. 12).
6.2.2. Die Berufungsklägerin legt in ihrer Berufung nicht dar, inwiefern diese
Umstände hinsichtlich des von der Vorinstanz festgestellten Sachverhaltes rele-
vant sein sollten, und dies ist auch nicht ersichtlich. Der Kinderarzt hat C._
aktenkundig nicht auf seinen psychischen Zustand untersucht und seine Diagno-
se (Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung) lediglich auf einen Sach-
verhalt gestützt, den ihm die Berufungsklägerin dargelegt hatte. So basiert der in
den Berichten festgehaltene Zusammenhang zwischen den Symptomen und den
Kontakten zum Berufungsbeklagten lediglich auf Aussagen der Berufungsklägerin
und nicht auf eigener Erkenntnisgewinnung des Kinderarztes (act. 8/45 F/A 9a).
Damit kann offen bleiben, ob der Kinderarzt (im Allgemeinen) qualifiziert ist, die
eingereichten Berichte, gemachten Empfehlungen sowie die gestellten Diagnosen
abzugeben. Im vorliegenden Fall hat die Vorinstanz nicht (ausdrücklich) seine
Qualifikation angezweifelt, sondern die Tatsache, wie resp. auf welchen Grundla-
gen er zu seiner Diagnose gelangt ist. Entgegen der Ansicht der Berufungskläge-
rin ändern die neu eingereichten Berichte nichts an diesen Überlegungen (s. dazu
nachstehend E. II.8.). Die Berufungsklägerin setzt sich mit den restlichen Erwä-
gungen der Vorinstanz in dieser Hinsicht nicht auseinander. Entsprechend hat es
mit den Erörterungen der Vorinstanz damit sein Bewenden.
6.3. Zusammengefasst konnte die Berufungsklägerin nicht darlegen, dass die
Vorinstanz von einem unrichtigen Sachverhalt ausgegangen wäre, indem sie die
Berichte des Kinderarztes von C._ als Parteibehauptungen qualifizierte und
die darin geltend gemachten Feststellungen im Zusammenhang mit dem Beru-
fungsbeklagten für unglaubhaft hielt.
Nachdem sich der damalige Antrag der Beiständin vom 14. Juni 2019, mit wel-
chem sie bei der damals zuständigen Kindesschutzbehörde die Anordnung be-
gleiteter Besuche beantragte, hauptsächlich auf den Arztbericht vom 15. Mai 2019
und die Aussagen der Berufungsklägerin stützte, ist diesem ebenfalls keine über
- 17 -
die Behauptung der Berufungsklägerin hinausgehende Beweiskraft zuzusprechen
(act. 8/15/35).
7.1. Die Vorinstanz begründete ihren Entscheid weiter damit, dass die Beru-
fungsklägerin die geltend gemachten Beschwerden anlässlich der Verhandlung
vom 12. Dezember 2019 glaubhaft geschildert habe und auch der Berufungsbe-
klagte die von der Berufungsklägerin bei C._ beobachteten und beschriebe-
nen physischen und psychischen Probleme nicht grundsätzlich in Abrede gestellt
habe. Die Vorinstanz beurteilte die fraglichen Symptome sodann unter Hinweis
auf die Fachliteratur als typische psychosomatische Beschwerden, die bei Tren-
nungs-/Scheidungsstress ausgesetzten Kindern im Kindergartenalter festgestellt
werden könnten. Sie erwog, die Berufungsklägerin verkenne die wahre Ursache
der Beschwerden des Kindes, wenn sie diese auf eine inadäquate, unterdrücken-
de oder ungeduldige Behandlung durch den Berufungsbeklagten während dessen
Besuchszeiten zurückführe. Es gebe keinerlei objektive Anhaltspunkte dafür, dass
der Berufungsbeklagte seinen Sohn während den Besuchszeiten nicht adäquat,
respektvoll und liebevoll behandle. Ebenso wenig lägen der Vorinstanz objektive
Anhaltspunkte vor, die auf eine mangelnde Erziehungsfähigkeit des Beklagten
hindeuten würden. Beim Gericht habe der Berufungsbeklagte anlässlich der Ver-
handlung vom 12. Dezember 2019 den Eindruck eines „normalen“ Vaters hinter-
lassen, dem sein Sohn sehr am Herzen liege, der unter der Trennung von ihm lei-
de und sich darum bemühe, den Bedürfnissen seines Sohnes trotz der nun be-
stehenden räumlichen Trennung gerecht zu werden. Dieser Eindruck werde auch
durch eine von der Beiständin vorgenommene Interaktionsbeobachtung anlässlich
eines Hausbesuches beim Berufungsbeklagten im November 2018 gestützt, an-
lässlich welcher bei C._ keinerlei Unsicherheit oder Angst gegenüber dem
Berufungsbeklagten habe festgestellt werden können (act. 7 S. 17 f.). Dies werde
auch durch den Bericht des begleiteten Besuchstreffs (BBT) des Bezirks Horgen
über den Verlauf des Treffens vom 15. Dezember 2019 zwischen dem Beru-
fungsbeklagten und C._ gestützt. Das Wiedersehen zwischen den beiden
nach dannzumal acht Monaten des totalen Kontaktunterbruchs sei erstaunlich po-
sitiv verlaufen. Hätte C._ den Berufungsbeklagten tatsächlich nicht sehen
wollen bzw. hätte er sich von ihm unter Druck gesetzt und eingeschüchtert ge-
- 18 -
fühlt, wie dies die Berufungsklägerin behaupte, so hätte sich C._ anlässlich
des Besuchs ganz anders verhalten (act. 7 S. 20). Auf die Frage, weshalb sie so
sicher sei, dass die Ursache von C._s Beschwerden beim Berufungsbeklag-
ten lägen, habe die Berufungsklägerin einzig unsubstantiiert die angeblich sehr
tiefe Frustrationstoleranz des Berufungsbeklagten genannt und dass er ihr ge-
genüber im Beisein von C._ mehrere Male Gewalt ausgeübt habe. Da der
Berufungsbeklagte vom Vorwurf der Gewaltausübung rechtskräftig freigesprochen
worden sei, gelte es, diesen Freispruch zu berücksichtigen, weshalb dieser Vor-
wurf als haltlos erscheine (act. 7 S. 17 f.). Aufgrund dessen habe die Vorinstanz
keinerlei Anlass, an der Erziehungsfähigkeit des Berufungsbeklagten zu zweifeln,
weshalb kein Gutachten darüber eingeholt werden müsse. Für den Entscheid
über die Ausgestaltung resp. Sistierung des Besuchsrechts sei die Einholung ei-
nes kinderpsychiatrischen Gutachtens ebenso weder notwendig noch zielführend,
da von den Kontakten mit dem Berufungsbeklagten keine Gefährdung des Woh-
les von C._ ausgehe. Die Anträge der Berufungsklägerin auf Einholung eines
kinderpsychiatrischen Gutachtens über C._ resp. eines Erziehungsfähig-
keitsgutachtens über den Berufungsbeklagten seien folglich abzuweisen (act. 7
S. 23).
7.2. Die Berufungsklägerin macht in diesem Zusammenhang zusammenge-
fasst geltend, es sei willkürlich von der Vorinstanz, wenn sie vom Kanzleitisch aus
die Beschwerden von C._ (einzig) damit erkläre, dass es sich um ein hoch-
strittiges Scheidungsverfahren mit einem schwelenden Elternkonflikt handle. Dem
sei entgegenzuhalten, dass die Vorinstanz keine medizinische/psychologische
oder auch pädagogische Ausbildung irgendwelcher Art habe, C._ nicht ken-
ne und ihn nie gesehen habe (act. 2 S. 13; vgl. auch act. 2 S. 7, 8 f. und 17).
Vielmehr hätte die Vorinstanz von der Kinderpsychologin, den Kindergärtnerinnen
und Kita-Betreuerinnen von C._ zwingend weitere Abklärungen vornehmen
und Berichte einholen müssen, nachdem die Berufungsklägerin mitgeteilt gehabt
habe, dass sich C._ in psychiatrischer (recte: psychologischer) Behandlung
befinde und auch in der Kita und im Kindergarten Auffälligkeiten gezeigt habe
(act. 2 S. 8 f.).
- 19 -
Der mit der Berufung eingereichte Bericht der Kinderpsychologin würde
denn auch bestätigen, dass die psychische Gesundheit von C._ offensicht-
lich durch die Kontakte zum Berufungsbeklagten leide. Weiter hätten die Kita-
/Kindergartenmitarbeiterinnen ohne Instruktion, mit eigenen Worten in der kurzen
Berufungsfrist ihren Eindruck über die psychische Verfassung von C._ und
der Zeitnähe der Auffälligkeiten zu den Kontakten zum Berufungsbeklagten
schriftlich dargelegt (act. 2 S. 9).
Schliesslich wäre aufgrund der Aussagen der involvierten Personen zwin-
gend ein kinderpsychiatrisches Gutachten einzuholen gewesen (act. 2 S. 12 f.;
vgl. auch act. 2 S. 7, 8 f. und 17 f.). Daran ändere auch nichts, dass der Beru-
fungsbeklagte sich während ein paar Stunden vor Gericht offenbar positiv habe
darstellen können; es sei allgemein bekannt, dass dies nichts damit zu tun habe,
wie sich Personen in den eigenen vier Wänden gegenüber ihren Partnern und
Kindern verhalten würden (act. 2 S. 13). Ein Gutachten müsse selbst dann zwin-
gend eingeholt werden, wenn C._ in einem gewissen Loyalitätskonflikt stün-
de, zumal ein solcher in keiner Art und Weise die extremen Verhaltensauffälligkei-
ten erklären würde, wie sie bei C._ auftreten würden. Weiter habe der Beru-
fungsbeklagte anlässlich des Treffens vom 15. Dezember 2019 massenweise
Spielsachen angeschleppt, um C._ für sich zu gewinnen und damit C._
sich auf diese konzentriere und nicht auf ihn. C._ sei ängstlich gewesen. Um
für Dritte den Eindruck zu erwecken, dass sie vertraut seien, habe der Berufungs-
beklagte C._ auf Albanisch angewiesen, ihn auf Auge und Backe zu küssen.
Er sei mit C._ vom einen in das andere Zimmer gegangen, um sich den Au-
gen der Aufsicht der Grossmutter mütterlicherseits zu entziehen. Auf Albanisch
habe der Berufungsbeklagte C._ immer wieder befohlen, was dieser zu tun
habe, und wiederholt schlecht über die Berufungsklägerin gesprochen. Bezeich-
nend sei die massive Reaktion von C._ nach dem Treffen gewesen. Dies
inskünftig zu vermeiden und der Ursache auf den Grund zu gehen, sei Aufgabe
einer kinderpsychiatrischen Begutachtung (act. 2 S. 15 f.).
Da C._ auf die Kontakte mit dem Berufungsbeklagten derart reagiere, sei die
Erziehungsfähigkeit des Berufungsbeklagten ebenfalls abzuklären, liege doch na-
- 20 -
he, dass C._ auf das (aggressive) Verhalten des Berufungsbeklagten reagie-
re (act. 2 S. 14). Weiter spreche es gegen die Erziehungsfähigkeit des Beru-
fungsbeklagten, wenn er es – wie bspw. anlässlich des Besuches am
15. Dezember 2019, als die Grossmutter von C._ ebenfalls anwesend gewe-
sen sei – nicht einmal für eine kurze Zeit und unter Beobachtung unterlassen
könne, die Berufungsklägerin gegenüber C._ schlecht zu machen (act. 2
S. 14 f.).
7.3. In Bezug auf die Rüge, die Vorinstanz hätte bei den entsprechenden An-
zeichen weitere Beweismittel bei der Kinderpsychologin und den Kita-
/Kindergartenmitarbeiterinnen beschaffen müssen, ist daran zu erinnern, dass im
Bereich der Kinderbelange wohl der uneingeschränkte Untersuchungsgrundsatz
gilt, sich dadurch indes nichts an der (bereits geschilderten) summarischen Natur
des Verfahrens um Erlass vorsorglicher Massnahmen während des Scheidungs-
verfahrens ändert. Zudem sind die Parteien bei der Sammlung des Prozessstoffs
nach dem Grundsatz von Treu und Glauben zur Mitwirkung verpflichtet, da sie
den Prozessstoff am besten kennen (FamKomm– SCHWEIGHAUSER, 3. Aufl. 2017,
Anh. ZPO, Art. 296 N 11). Das bedeutet insbesondere, dass auch bei Kinderbe-
langen die Parteien grundsätzlich dem Gericht den wesentlichen Sachverhalt
substantiiert darlegen und glaubhaft machen müssen. Trotz des Untersuchungs-
grundsatzes ist im Übrigen eine vorweggenommene Würdigung von Beweisaner-
bieten jedoch nicht ausgeschlossen. Verfügt das Gericht über genügende Grund-
lagen für eine sachgerechte Entscheidung, kann es auf weitere Beweiserhebun-
gen im Sinne einer antizipierten Beweiswürdigung verzichten (Urteil
BGer 5A_468/2017 vom 18. Dezember 2017 E. 6.1. m.w.H.). Die Weigerung, zu-
sätzlich beantragte Beweismittel, wie bspw. Gutachten, abzunehmen, verletzt in
einem solchen Fall weder den verfassungsmässigen Beweisanspruch noch den
Untersuchungsgrundsatz (vgl. Urteil BGer 5A_813/2013 vom 12. Mai 2014 E. 4.3.
m.w.H.). Das Gericht hat dabei ein Ermessen, in welches die Berufungsinstanz
nur mit Zurückhaltung eingreift.
7.4. Unter diesen Umständen erscheint es zunächst zumindest fraglich, wes-
halb die anwaltlich vertretene Berufungsklägerin – aufgrund ihrer Mitwirkungs-
- 21 -
pflicht – im vorinstanzlichen Verfahren die Einholung der Berichte nicht beantragt
hat resp. nicht selbst aktuelle Berichte der Kinderpsychologin und der Kita-
/Kindergartenmitarbeiterinnen als Urkunden eingereicht hat. Die Berufungskläge-
rin hätte solche ohne Weiteres beschaffen und einreichen können – wie sie es im
Berufungsverfahren getan hat, in welchem sie die Erklärungen gar nur während
der zehntägigen Berufungsfrist besorgen konnte (vgl. act. 16 S. 7). Dass die Vor-
instanz im Rahmen des Verfahrens um vorsorgliche Massnahmen nicht von sich
aus solche eingeholt hat, zumal sie aufgrund der Vorbringen und bereits in den
Akten liegenden Berichte zum Schluss gekommen ist, dass eine Kindswohlge-
fährdung durch Kontakte zum Berufungsbeklagten nicht glaubhaft gemacht wor-
den sei, ist auch unter der Geltung des Untersuchungsgrundsatzes nicht zu bean-
standen. Lediglich die bestrittenen Behauptungen, dass der Berufungsbeklagte
eine sehr tiefe Frustrationstoleranz habe und C._ deswegen Auffälligkeiten
zeige oder der Berufungsbeklagte nie Interesse an einer Beziehung gezeigt habe,
sind zu wenig detailliert und zu pauschal gehalten, als dass aufgrund dieser von
Amtes wegen Beweise zu sammeln wären. Betreffend das Strafverfahren und den
Freispruch ist den vorinstanzlichen Erwägungen zu folgen. Der Berufungsbeklag-
te wurde rechtskräftig unter anderem vom Vorwurf der mehrfachen Tätlichkeit, der
mehrfachen Drohung und der Nötigung freigesprochen resp. wurden die Verfah-
ren teilweise eingestellt, nachdem das Strafgericht die Aussagen beider Parteien
auf über sechs Seiten gewürdigt hatte und zum Schluss gekommen war, dass die
Aussagen der Berufungsklägerin wenig glaubhaft erscheinen (act. 8/20B/48
S. 16–22). Aufgrund dieses Ergebnisses des Strafverfahrens durfte die Vorinstanz
die Gewaltvorwürfe der Berufungsklägerin für unbegründet resp. unbelegt erach-
ten. Ohnehin ist festzuhalten, dass ein anderes Ergebnis des Strafverfahrens vor-
liegend nur aber immerhin etwas über das Verhältnis zwischen den Parteien aus-
gesagt hätte und sich aus diesem jedenfalls keine direkten Rückschlüsse auf die
Beziehung zwischen dem Berufungsbeklagten und C._ hätten ziehen lassen.
7.5.1. Mit den Erwägungen der Vorinstanz betreffend den Interaktionsbericht
aus dem Jahr 2018 und den Bericht des BBT D._ setzt sich die Berufungs-
klägerin nicht auseinander (act. 7 S. 20 i.V.m. act. 8/34). Sie hält in dieser Hin-
sicht lediglich fest, dass der von C._ im Vorfeld des Besuchs im Dezember
- 22 -
2019 geäusserte und im Bericht festgehaltene Widerstand "von allen Beteiligten
ignoriert und negiert" worden sei (act. 2 S. 15 mit Verweis auf act. 34 1. Absatz).
Die Vorinstanz hat diese "Ablehnung" allerdings weder ignoriert noch negiert, hält
sie doch fest, dass sich C._ im Voraus gegenüber einem Treffen zunächst
ablehnend geäussert haben soll, er und der Berufungsbeklagte aber in der Folge
freudig aufeinander zugegangen seien (act. 7 S. 20). Diese Sachverhaltsdarstel-
lung ergibt sich ohne Weiteres aus dem Bericht des BBT H._/I._, des-
sen Inhalt von keiner der Parteien angezweifelt wird. Entsprechend ist davon aus-
zugehen, dass C._ – nach anfänglich zögerndem Verhalten – Freude am
Treffen hatte und sich wohl fühlte sowie dass sich der Berufungsbeklagte gut um
C._ gekümmert hat und seine Bedürfnisse wahr und ernst nahm (act. 8/34).
Hervorzuheben ist sodann, dass es keineswegs selbstverständlich ist, wenn ein
Fünfjähriger nach 8-monatigen völligen Kontaktunterbruch freudig auf den Vater
zugeht (act. 8/34; vgl. dazu auch unten, Ziff. 7.5.7). Daraus kann viel mehr ge-
schlossen werden, dass eine Beziehung bestand, an welche (noch) angeknüpft
werden kann, wie die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat (act. 7 S. 21).
7.5.2. Die von der Berufungsklägerin berufungsweise eingereichten Schreiben
der Kita-/Kindergartenmitarbeiterinnen und ihrer Mutter im Zusammenhang mit
dem Besuch vom 15. Dezember 2019 vermögen die Erwägungen der Vorinstanz
nicht zu erschüttern. Vorab ist nicht ersichtlich, weshalb die Berichte der Kita- und
Kindergartenmitarbeiterinnen und der Mutter der Berufungsklägerin erst mit der
Berufung eingereicht und gar erst dann erstellt wurden. Es hätte auch im Interes-
se der – vertretenen – Berufungsklägerin gelegen, diese bereits im vorinstanzli-
chen Verfahren (spätestens nach der Zustellung des Berichts des BBT im Januar
2020) einzureichen, zumal sie mit diesen ihren (damaligen) Standpunkt und ihren
Antrag auf Sistierung der Besuche hätte untermauern können. Die Berufungsklä-
gerin erklärt denn auch nicht stichhaltig, weshalb die Berichte erst im Hinblick auf
ihre Berufung erstellt wurden. Sie hat dazu lediglich ausführen lassen, sie habe
die neuen Belege damals nicht eingereicht, weil es ihr nicht um Prozesstaktik,
sondern um das Wohl von C._ gegangen sei (act. 16 S. 6). Es ist aber gera-
de im Interesse des Kindeswohls und damit aller Prozessbeteiligten, dass das er-
kennende Gericht einen umfassenden Überblick über den prozessrelevanten
- 23 -
Sachverhalt hat, damit dieses einen sachgerechten Entscheid fällen kann. Dies
müsste der vertretenen Berufungsklägerin bekannt sein. Umso befremdlicher ist
es nun, wenn sie dem Gericht eine – ihrer Meinung nach – wichtige Tatsache
vorenthält mit der Begründung, ihr sei es um das Wohl von C._ gegangen.
Statt der Vorinstanz ihre neuen Erkenntnisse vom Treffen zwischen dem Beru-
fungsbeklagten und C._ darzulegen, damit das Gericht allfällige Schritte ein-
leiten kann, lässt die Berufungsklägerin vielmehr eigenmächtig die weiteren ver-
einbarten Kontakte nicht stattfinden und verhindert seit Frühling 2019 entgegen
den geltenden gerichtlichen Anordnungen so gut wie jeden Kontakt zwischen
C._ und seinem Vater. Dies lässt die Erziehungsfähigkeit der Berufungsklä-
gerin nicht im guten Licht erscheinen, worauf bereits die Vorinstanz zu Recht hin-
gewiesen hat (act. 7 S. 22). Schliesslich ist dem Berufungsgericht nicht bekannt,
unter welchen Umständen die Schreiben entstanden sind.
7.5.3. Betreffend die Schreiben von J._, K._ und L._ ist weiter
anzumerken, dass sie Angestellte der Berufungsklägerin sind resp. im Zeitpunkt
der Berichtsverfassung waren (act. 4/1-3). Entsprechend ist eine Nähe und Ab-
hängigkeit dieser Personen zur Berufungsklägerin – entgegen ihrer Ansicht
(act. 16 S. 4 f.) – notorischerweise nicht von der Hand zu weisen; die Sachver-
haltsdarstellungen der Mitarbeiterinnen sind damit mit einer gewissen Zurückhal-
tung zu würdigen. Viel wichtiger als die Glaubwürdigkeit der Personen ist aller-
dings der Inhalt ihrer Schreiben. Dabei ist festzuhalten, dass daraus kein Verhal-
ten des Berufungsbeklagten anlässlich von Kontakten mit C._ abgeleitet
werden könnte, das nicht im Kindswohl läge – selbst wenn die geschilderten Vor-
fälle der Wahrheit entsprechen würden. Das Schreiben von J._ ist undatiert
und hält zu Beginn fest, dass C._ in der Woche nach dem fraglichen Treffen
gesagt habe, der Berufungsbeklagte sei böse (act. 4/1). Selbst wenn C._
dies ausgesagt hätte, ist diese Aussage alleine resp. die von J._ in ihrem
Schreiben festgehaltene Feststellung zu unsubstantiiert, als dass damit eine
Kindswohlgefährdung durch Kontakte mit dem Berufungsbeklagten glaubhaft ge-
macht ist. So ist unklar, an welchem Tag C._ dies genau gesagt haben soll
und wie die Umstände gewesen sein sollen, als er dies aussagte. Es erscheint
weiter unwahrscheinlich, dass ein Kind von sich aus und ohne Zusammenhang
- 24 -
seiner Kindergärtnerin gegenüber eine solche Aussage macht. Ein Zusammen-
hang zwischen den restlichen Vorbringen im Schreiben und der geltend gemach-
ten Gefährdung aufgrund des Besuchsrechts ist nicht erkennbar; einerseits sind
diese teilweise vage und geben nicht eine eigene Wahrnehmung wieder, anderer-
seits ist unklar, woher C._s Aussage, Angst vor einer Entführung zu haben,
herrühren soll. Eine solche Angst ist bislang nicht aktenkundig, weswegen auch
diese behauptete Aussage mit einer gewissen Vorsicht zu würdigen ist. Dies gilt
insbesondere, zumal die Berufungsklägerin – soweit ersichtlich – erst anlässlich
der Verhandlung vom 7. Juli 2020 das erste Mal im Scheidungsverfahren auf eine
Entführungsgefahr anspielt und dabei lediglich auf das Eheschutzverfahren aus
dem Jahr 2017 verweist (act. 16 S. 6). Nachdem unbestritten anfangs 2019 meh-
rere unbegleitete Besuche stattgefunden haben und die Berufungsklägerin offen-
bar damals und bis zur obergerichtlichen Verhandlung keine Entführungsgefahr
sah, ist nicht erkennbar, weshalb eine solche nun gegeben sein soll. Ihre Aussage
ist damit lediglich als durch nichts belegte Parteibehauptung zu qualifizieren.
7.5.4. Betreffend das Schreiben von K._ ist zunächst festzuhalten, dass
dieses nicht in der Amtssprache verfasst ist (act. 4/2). Da das Gericht der engli-
schen Sprache – jedenfalls im Umfang des verwendeten Wortschatzes im Schrei-
ben – ausreichend mächtig ist, erübrigt sich die Ansetzung einer Nachfrist, um ei-
ne Übersetzung nachzuliefern. Inhaltlich kann das Schreiben eine Kindswohlge-
fährdung aufgrund von Kontakten zwischen C._ und dem Berufungsbeklag-
ten nicht glaubhaft machen. Dem Berufungsbeklagten ist insofern recht zu geben,
als dass K._ das Fachwissen fehlt, eine psychologische Diagnose zu stellen.
Entsprechend ist ihre abschliessende "Würdigung", es beginne, C._s persön-
liche und unpersönliche Erfahrungen und die Angst sowie das Unbehagen ge-
genüber seinem Vater zu beeinflussen, nicht gehaltvoll und im Übrigen auch nicht
nachvollziehbar. Neben dem fehlenden Fachwissen spricht aber auch der Um-
stand, dass die Berufungsklägerin sie darüber informiert habe, was mit dem Beru-
fungsbeklagten vor sich ginge und vor sich gehe, gegen die Aussagekraft des
Schreibens.
- 25 -
7.5.5. Das Schreiben von L._ hält wiederum ebenfalls nur fest, dass
C._ einen Tag nach dem Kontakt mit dem Berufungsbeklagten ein aggressi-
ves Verhalten in der Kita gezeigt habe (act. 4/3). Auch damit kann jedoch keine
Kindeswohlgefährdung glaubhaft gemacht werden, die auf ein inadäquates Ver-
halten des Berufungsbeklagten anlässlich des Besuches zurückzuführen ist.
7.5.6. Beim Schreiben von M._ ist festzuhalten, dass sie zwar nicht mehr
bei der Kita der Berufungsklägerin arbeitet. Dennoch ist auch hier eine gewisse
Nähe anzunehmen, zumal sie C._ offenbar auch in ihrer Freizeit getroffen
und privat betreut hat (act. 4/4). In ihrem Schreiben beschreibt sie C._ in all-
gemeiner Weise, ohne jedoch einen zeitlichen Konnex anzugeben – immerhin hat
sie gemäss eigenen Angaben drei Jahre für die Berufungsklägerin gearbeitet.
Damit ist unklar, wann C._ die von ihr beschriebenen Verhaltensauffälligkei-
ten an den Tag gelegt haben soll. Weiter wird lediglich im unteren Teil ihres
Schreibens ein Zusammenhang zwischen den Kontakten und einem darauffol-
genden verängstigten und aggressiven Verhalten von C._ dargelegt. Wiede-
rum fehlt an dieser Stelle eine Zeitangabe – so kann es sich dabei um eine Zeit-
periode handeln, die vor einigen Jahren stattgefunden hat. Weiter beginnt
M._ die fragliche Textstelle mit "Nach Gesprächen mit [der Berufungskläge-
rin]", weswegen unklar ist, welchen Einfluss die Berufungsklägerin auf die nach-
folgende Feststellung der Kinderbetreuerin hat. Zudem ist anzumerken, dass die
fragliche Textpassage als einzige in einer anderen Schriftart geschrieben wurde
(vgl. beispielhaft den Buchstaben "..."). Dies lässt die Vermutung zu, dass die
Stelle nicht zeitgleich mit dem Rest des Textes geschrieben wurde, was wiederum
dessen Glaubhaftigkeit anzweifeln lässt. Zusammenfassend lässt das Schreiben
von M._ keinen Zusammenhang zwischen dem Treffen vom 15. Dezember
2019 und den Auffälligkeiten bei C._ glaubhaft erscheinen.
7.5.7. Zwischen der Berufungsklägerin und ihrer Mutter ist die persönliche Nähe
evident. Unter diesem Aspekt erscheint die Glaubwürdigkeit der Mutter als gering,
zumal das Verwandtschaftsverhältnis geeignet ist, die Aussage der Mutter zu-
gunsten der Berufungsklägerin zu beeinflussen. Inhaltlich erscheint ihr Schreiben
allerdings ohnehin wenig aussagekräftig. So ist aus den ersten drei Abschnitten
- 26 -
des Schreibens nichts abzuleiten, das für die geltend gemachte Kindswohlgefähr-
dung spricht (vgl. act. 4/5/2, oben). Im darauffolgenden Abschnitt hält sie lediglich
fest, was sie den Familienbegleiterinnen gesagt hat; immerhin wird daraus er-
sichtlich, dass die Berufungsklägerin und ihre Mutter die gleichen Worte verwen-
den, wenn es um die Beschreibung des Berufungsbeklagten geht (gut im Manipu-
lieren: vgl. Prot. VI S. 14; kein Interesse an C._: Prot. VI S. 16). Zudem deu-
tet die Wortwahl darauf hin, dass die Mutter der Berufungsklägerin – bis zu einem
gewissen Punkt menschlich und nachvollziehbar – mit einer voreingenommenen
Haltung zu diesem Treffen gegangen ist. Auch im Übrigen ist keine kindeswohlge-
fährdende Handlung des Berufungsbeklagten erkennbar. Inwiefern bspw. der
Kauf von Spielsachen nicht kindsgerecht sein soll, ist unklar; dass dies manipula-
tiv sein soll, deutet lediglich auf die bereits erwähnte subjektive Wahrnehmung der
Mutter der Berufungsklägerin hin. Die Behauptung, dass der Berufungsbeklagte in
Anwesenheit von C._ schlecht über die Berufungsklägerin geredet habe, ist
genauso unsubstantiiert wie diejenige, dass er C._ bearbeitet habe, indem er
ihm gesagte habe, dass er machen solle, was er ihm sage. Zum wiederholten Ma-
le wirft die Mutter der Berufungsklägerin dem Berufungsbeklagten denn auch ein
manipulatives Verhalten vor. Schliesslich ist davon auszugehen, dass die Koordi-
natorin des BBT – auch wenn sie der albanischen Sprache nicht mächtig ist – ei-
nen "Streit" zwischen der Mutter der Berufungsklägerin und dem Berufungsbe-
klagten wahrgenommen hätte. Ohnehin widerspricht diese Aussage derjenigen
der Koordinatorin des BBT, wenn diese ausführt, dass sich die Mutter der Beru-
fungsklägerin während dem Besuch dezent im Hintergrund aufgehalten habe
(act. 8/34 1. Absatz). In einem unerklärlichen Widerspruch zur Rückmeldung der
Koordinatorin des BBT steht sodann die Aussage der Mutter der Beschwerdefüh-
rerin, C._ sei ängstlich gewesen und habe nicht gewusst, wie er sich verhal-
ten solle, worauf der Beschwerdegegner C._ angewiesen habe, ihn auf das
Auge und die Backe zu küssen (act. 4/5/2, fünfter Abschnitt): Gemäss der Koordi-
natorin des BBT gingen der Berufungsbeklagte und C._ demgegenüber freu-
dig aufeinander zu (act. 8/34). Auch wenn die anwesenden Mitarbeiterinnen des
BBT kein Albanisch verstanden, müsste ihnen aufgefallen sein, wenn der fünfjäh-
rige C._ entsprechend angewiesen worden wäre. Gemäss ihren Beobach-
- 27 -
tungen gingen die beiden indes nicht nur freudig aufeinander zu, sondern sie hal-
ten überdies fest, C._ habe weder körperlich noch psychisch wahrnehmbare
Stress-Symptome gezeigt, vielmehr sei sein Blick immer direkt und offen, die
Stimme klar und bestimmt gewesen, und es seien keine irritierenden Situationen
während des Besuches festzustellen gewesen (act. 8/34). Damit kann auch das
Schreiben der Mutter der Berufungsklägerin den positiven Bericht des BBT nicht
erschüttern.
7.5.8. Zusammenfassend erscheinen auch diese neu eingereichten Berichte
ungeeignet und/oder unglaubhaft, um eine Kindswohlgefährdung zu belegen, die
auf ein Verhalten des Berufungsbeklagten anlässlich der Kontakte zu C._ zu-
rückzuführen wären.
7.6.1. Die Vorinstanz weist wie gesehen darauf hin, dass für C._ nicht
die Besuche beim Vater an sich, sondern vielmehr der zwischen den Eltern
schwelende Konflikt belastend sei. Sie verweist zur Illustration der für C._
belastenden Situation auf Folgendes: Bis November 2019 seien gemäss Schilde-
rung der Berufungsklägerin vier oder fünf Mal Spielzeuge oder Süssigkeiten (bei-
spielsweise ein Teddybär oder Kinderschokolade) vor ihre Haustüre gelegt wor-
den. Sie habe den Berufungsbeklagten, der damals zu ihr (nicht aber zu C._)
ein Kontaktverbot hatte, jeweils mit dem Auto vor dem Haus vorbeifahren sehen,
weshalb sie davon ausgehe, dass dieser die Geschenke für C._ von der
Wohnungstüre deponiert habe. Sie habe im Übrigen zu keinem ihrer Nachbarn
eine Beziehung. Sie und C._ ("wir") hätten diese Geschenke jeweils genom-
men und weggeschmissen. Damit sei, so die Vorinstanz weiter, C._ gegen-
über suggeriert worden, was von seinem Vater komme, sei schlecht und gehöre
in den Müll. Derartige Kundgaben der Abneigung würden bei einem Kind im Alter
von C._ nach heutigem Kenntnisstand zu einem heftigen Loyalitätskonflikt
führen, da Gefühle und Einstellungen jenes Elternteils, bei dem sich ein Kind die-
ses Alters aufhalte, weitgehend ungefiltert übernommen würden. Dieser Loyali-
tätskonflikt verstärke sich nach einem Besuch beim Vater, werde doch das Kind
jeweils mit der ablehnenden Haltung seinen einen Elternteils gegenüber dem an-
deren unmittelbar konfrontiert (act. 7 S. 19 f.).
- 28 -
Die Berufungsklägerin bringt dagegen in der Berufung vor, C._ sei (nur)
zweimal dabei gewesen, als die Sachen vor der Türe gefunden worden seien. Da
man nicht gewusst habe, wer es vor die Türe gelegt habe, habe man beschlos-
sen, dass man es nicht nehmen/essen dürfe und man habe es deshalb wegge-
worfen (von Fremden nichts nehmen). Die als Kleinkinderzieherin pädagogisch
geschulte Kindsmutter spreche gegenüber C._ nie schlecht über den Vater
und sei in der Lage, ihre Gefühle so zu filtern, dass er – gemeint C._ – es
nicht mitbekomme (act. 2 S. 14).
7.6.2. Die Berufungsklägerin war im vorinstanzlichen Verfahren gefragt worden,
ob sich der Berufungsbeklagte an das bis November 2019 geltende Rayon- und
Kontaktverbot gehalten habe, worauf sie mit nein antwortete. Sie verwies zur Be-
gründung darauf, dass sie vier- oder fünf Mal Spielzeuge oder Süssigkeiten vor
der Tür gehabt hätten und sie gesehen habe, wie der Berufungsbeklagte mit dem
Auto bei ihnen durchgefahren sei, so dass sie – was von der Vorinstanz nicht
ganz korrekt wiedergegeben wurde – "stark" davon ausgehe, dass dieser die Ge-
schenke dort deponiert habe, zumal sie zu keinem der Nachbarn im Haus eine
Beziehung habe (Prot. VI S. 19). Wenn sie nunmehr in der Berufung vorbringt,
man (also auch sie selbst) habe nicht gewusst, von wem die Sachen seien, wes-
halb sie – pädagogisch wertvoll ("von Fremden nichts nehmen") – beschlossen
hätten, die Sachen gemeinsam in den Müll zu werfen, so widerspricht sie sich
selber, und zwar deutlich. Im Übrigen macht sie nur geltend, gegenüber C._
nie schlecht über dessen Vater geredet zu haben, doch liesse sich Abneigung
auch anders als in Worten überdeutlich ausdrücken, etwa, indem gemeinsam ein
für das Kind bestimmter Teddybär in den Müll geworfen würde, weil der Teddybär
vom Vater stammt. Ein solches Verhalten wäre dem Kindeswohl jedenfalls nicht
zuträglich.
8. Die Berufungsklägerin reichte anlässlich des Berufungsverfahrens
schliesslich neue Berichte des Kinderarztes und der Kinderpsychologin von
C._ ein (act. 4/6 und 17/3-4).
8.1. Die Berichte des Kinderarztes vom 6. Mai 2020 und 30. Juni 2020 beste-
hen aus je einem resp. zwei Sätzen (act. 17/3-4). In seinem Bericht vom 6. Mai
- 29 -
2020 erklärt er, dass aufgrund der "bereits bekannten Diagnose einer posttrauma-
tischen Belastungsstörung" und den für C._ möglichen Folgen aus medizini-
scher und psychologischer Sicht dringend ein Gutachten einzuholen sei und bis
zu diesem Gutachten und dem abschliessenden Gerichtsverfahren von weiteren
Besuchen beim Berufungsbeklagten abzuraten sei (act. 17/3). Der Kinderarzt
stützt sich somit auf seine gestellte Diagnose, die – wie die Vorinstanz bereits kor-
rekt erwogen hat (s. dazu vorstehend E. II.6.) – hauptsächlich auf den Aussagen
der Berufungsklägerin beruht und damit als fraglich eingestuft wurde. Es handelt
sich beim neuen Arztbericht damit um einen Zirkelschluss, indem der Kinderarzt
die – erst noch – zu beweisende Kindswohlgefährdung als Voraussetzung für sei-
ne erneute Empfehlung zum Gutachten und zur Sistierung der Kontakte nennt.
Entsprechend hat der Bericht keine Aussagekraft. Ähnliches gilt für seinen Bericht
betreffend Einschulung von C._ (act. 17/4).
8.2. Den Bericht vom 30. April 2020 haben sowohl der Kinderarzt als auch die
in dessen Praxis tätige Kinderpsychologin von C._ unterzeichnet (act. 4/6).
Darin wird – erneut – festgehalten, dass als Diagnose ihrer Ansicht nach eine
posttraumatische Belastungsstörung im Vordergrund stehe. Es ist davon auszu-
gehen, dass die im Anschluss aufgelisteten Symptome einzig auf der Sachver-
haltsdarstellung der Berufungsklägerin beruhen. Einerseits erklärt die Kinderpsy-
chologin selbst, dass sie C._ erst im Laufe dieses Jahres persönlich getrof-
fen habe. Andererseits wurde gar nicht erst behauptet, dass die Berufungskläge-
rin mit C._ nach dem Treffen im Dezember 2019 den Kinderarzt aufgesucht
hat. Damit kann ausgeschlossen werden, dass die Feststellung, C._ habe
erneut die erwähnten Symptome nach dem fraglichen Treffen gezeigt, aufgrund
eines medizinischen Befundes gemacht wurden. Weiter erklärt die Kinderpsycho-
login im Bericht, die Familie nicht lange zu kennen und zunächst mit der Beru-
fungsklägerin vor und während der Sommerferien 2019 alleine drei Gespräche
geführt zu haben. Anlässlich dieser Gespräche habe die Berufungsklägerin der
Kinderpsychologin von der Entwicklungsgeschichte C._s, aber auch viel von
den konflikthaften Auseinandersetzungen zwischen den Parteien sowie Momen-
ten der Eskalation und der häuslichen Gewalt erzählt. Daraufhin hält die Kinder-
psychologin fest, es müsse davon ausgegangen werden, dass C._ seit sei-
- 30 -
nem Säuglingsalter immer wieder auch Zeuge dieser Auseinandersetzungen ge-
wesen sei. C._ sei dabei in einem traumatischen Ausmass überwältigt von
Gefühlen der Angst und Ohnmacht. Die Kinderpsychologin gehe davon aus, dass
die wiederholten Versuche, die Kontakte zum Berufungsbeklagten durchzusetzen,
auch wenn C._ Angst gezeigt habe, dazu geführt hätten, dass er jetzt gar
keinen Kontakt mehr zum Berufungsbeklagten haben wolle. Folglich mache es
keinen Sinn, mit Besuchskontakten fortzufahren oder diese gegen den Willen des
Kindes zu erweitern; vielmehr bräuchte es eine kinderpsychiatrische Begutach-
tung, um basierend darauf abzuleiten, welche Schritte in Zukunft sinnvollerweise
umgesetzt werden könnten (act. 4/6 S. 1 f.). Aus dem Dargelegten ergibt sich,
dass die angeblichen Vorkommnisse zwischen den Parteien während des Zu-
sammenlebens und die angeblich ablehnende Haltung von C._ gegenüber
Kontakten mit dem Berufungsbeklagten auf Aussagen der Berufungsklägerin be-
ruhen. Entsprechend basieren die Empfehlungen lediglich auf dieser Sachver-
haltsdarstellung, die – wie bereits vorstehend dargelegt (s. E. II.7.4.) – nicht be-
legt ist und sogar teilweise direkt den unmittelbaren Beobachtungen des BBT-
Teams widerspricht, und sind entsprechend wenig aussagekräftig. In dieser Hin-
sicht bezeichnend scheint auch, dass die Kinderpsychologin von ihren persönli-
chen Treffen mit C._ ein Bild eines altersgemäss entwickelten Jungen abgibt,
der im Grundsatz keine Auffälligkeiten zeige (act. 4/6 S. 2). Dass ein 6-jähriges
Kind, das – davon ist auszugehen – zumindest mit seinem Vater und der Gross-
mutter mütterlicherseits Albanisch redet, Mühe mit der deutschen Sprache hat, ist
nicht weiter verwunderlich. So hat auch der Kinderarzt in seinem Schreiben an die
Vorinstanz erwähnt, dass für C._s Sprachprobleme auch die Zweisprachig-
keit eine Rolle spielen könnte (act. 8/45 F/A 8a). Sonstige Auffälligkeiten hat die
Kinderpsychologin bei C._ anlässlich der persönlichen Konsultationen nicht
festgestellt, weswegen ausgeschlossen werden kann, dass die Diagnose einer
posttraumatischen Belastungsstörung gestützt auf die persönlichen Gespräche
gestellt wurde. Da ein persönlich erhobenes Untersuchungsresultat grundsätzlich
glaubhafter erscheint als eine rein anamnestische Diagnose, die sich einzig auf
Aussagen einer Partei stützt, kommt Ersterem mehr Gewicht zu. Anzumerken ist
- 31 -
immerhin, dass bei den persönlichen Treffen zwischen C._ und der Kinder-
psychologin Besuche des Berufungsbeklagten offenbar nicht thematisiert wurden.
8.3. Zusammenfassend können auch die neu eingereichten Berichte des Kin-
derarztes und der Kinderpsychologin nicht glaubhaft machen, dass eine Kindes-
wohlgefährdung von den Kontakten zwischen C._ und dem Berufungsbe-
klagten ausgeht.
9.1. Vor Vorinstanz war der Berufungsbeklagte einer Abklärung der Erzie-
hungsfähigkeit mittels Gutachten zwar nicht abgeneigt (vgl. Prot. VI S. 7 unten).
Die Behauptung der Berufungsklägerin, der Berufungsbeklagte wolle damit im
Wesentlichen nichts anderes als auch die Berufungsklägerin (act. 2 S. 7), läuft
aber insofern ins Leere, als dass es ihr in der Hauptsache um die Sistierung der
Kontakte zwischen C._ und dem Berufungsbeklagten ging resp. geht, wie
der Berufungsbeklagte zu Recht einwendet (act. 9 S. 9 f.). Die Einholung von Er-
ziehungsfähigkeitsgutachten zu diesem Zweck im vorliegenden Massnahmever-
fahren, wo es um das Kontaktrecht zwischen C._ und dem Berufungsbeklag-
ten während der Dauer des Scheidungsverfahrens geht, erscheint nicht notwen-
dig. Die Vorinstanz kam überdies zurecht zum Schluss, es sei aufgrund sämtli-
cher Umstände nicht glaubhaft gemacht worden, dass C._ aufgrund der Be-
suche resp. Kontakte zum Berufungsbeklagten psychosomatische Symptome
aufweise. Entsprechend hat sie die Einholung eines kinderpsychiatrischen Gut-
achtens über C._ zurecht für nicht notwendig erachtet, zumal auch nicht
ausser Acht zu lassen ist, dass die Erstellung eines Gutachtens bei einem sehr
jungen Kind eine erhebliche Belastung und einen Eingriff in seine Persönlichkeit
darstellt, was im Rahmen der Verhältnismässigkeit zu prüfen ist. Ähnliches gilt be-
treffend das Erziehungsfähigkeitsgutachten über den Berufungsbeklagten, zumal
aufgrund der Aktenlage glaubhaft erscheint, dass er erziehungsfähig ist und er
anlässlich der Kontakte kein Verhalten an den Tag legt, welches kindeswohlge-
fährdend ist und eine Sistierung des Besuchsrechts rechtfertigen würde.
9.2. Wenn die Vorinstanz schliesslich – nachdem sie eine Kindeswohlgefähr-
dung anlässlich der Besuche verneinte – erwog, dass die geltend gemachten Auf-
fälligkeiten auf den Trennungs-/Scheidungsstress und einen Loyalitätskonflikt zu-
- 32 -
rückzuführen seien, ist dies nicht zu kritisieren. Es ist gerichtsnotorisch und ent-
spricht der allgemeinen Lebenserfahrung, dass Kinder durch einen Elternkonflikt
belastet werden. Ein solcher Konflikt besteht hier offensichtlich, und es kann mit
Fug behauptet werden, dass C._ von diesem Elternkonflikt tangiert wird. Ei-
ne Einflussnahme durch den hauptbetreuenden Elternteil ist unter diesen Um-
ständen denn auch gar nicht notwendig. Vielmehr reicht schon alleine die Tatsa-
che aus, dass die Berufungsklägerin seit Geburt von C._ seine Hauptbe-
zugsperson ist, was sich in den letzten Monaten – seit Abbruch der regelmässi-
gen Kontakte mit dem Berufungsbeklagten durch die Berufungsklägerin – ver-
stärkt haben müsste. Dadurch hat C._ eine starke innere Verpflichtung ge-
genüber der Berufungsklägerin, die er erfüllen will. Nachdem nun aufgrund des
entsprechenden Berichts davon auszugehen ist, dass C._ auf den Besuch
am 15. Dezember 2019 – trotz langem Kontaktabbruch – grundsätzlich positiv re-
agiert hat, ist anzunehmen, dass seine Beziehung zum Berufungsbeklagten auch
vor dem Kontaktabbruch gut war und er somit bereits seit Längerem in einem ge-
wissen Loyalitätskonflikt steht. Entsprechend spielt es eine untergeordnete Rolle,
ob C._ bspw. wusste, dass der Berufungsbeklagte die fraglichen Gegen-
stände vor die Tür gestellt haben soll, die danach entsorgt wurden.
Durch die erwähnte Belastung können sich Verhaltensauffälligkeiten wie Aggres-
sivität, Konzentrationsprobleme, depressive Symptome und Schlafprobleme ent-
wickeln (vgl. WEIZENEGGER/CONTIN/FONTANA, Wiederaufbau des Kontakts zum ge-
trennt lebenden Elternteil in einer Hochkonfliktfamilie – eine Einzelfallstudie,
FamPra.ch 2019, S. 882, S. 885). Auch wenn unangenehm, sind solche Loyali-
tätskonflikte bis zu einem gewissen Grad als dem Besuchsrecht inhärente Er-
scheinung hinzunehmen, wenn das Verhältnis zwischen Kind und besuchsbe-
rechtigten Elternteil gut ist (FamKomm–BÜCHLER, Band I: ZGB, Art. 274 N 9
m.w.H.). Es gilt dabei abzuwägen, ob die Belastung durch die Besuchstage und
damit die Konfrontation mit seinem Loyalitätskonflikt oder der Verlust der Bezie-
hung zu einem Elternteil für das Kind schwerer wiegt. Wie erwähnt ist davon aus-
zugehen, dass das Verhältnis zwischen C._ und dem Berufungsbeklagten im
Grundsatz gut ist. Entsprechend ist der (vollständige) Verlust der Beziehung
selbstredend nicht leichthin hinzunehmen. Der Belastung, welcher C._ aus-
- 33 -
gesetzt wird, ist vielmehr durch eine mildere Kindesschutzmassnahme als den
Entzug des Besuchsrechts entgegenzuwirken (s. dazu nachstehend E. II.11.).
9.3. Unter den gegebenen Umständen kann davon abgesehen werden, von
Amtes wegen Berichte oder Gutachten einzuholen oder Personen zu befragen,
nachdem selbst aufgrund der neuen Vorbringen und Belege nach wie vor nicht
glaubhaft erscheint, dass C._ aufgrund der Kontakte mit dem Berufungsbe-
klagten Auffälligkeiten zeigen und damit eine Kindswohlgefährdung einhergehen
würde. Ob ein Erziehungsfähigkeitsgutachten resp. ein kinderpsychiatrisches
Gutachten in der Hauptsache einzuholen ist, wird die Vorinstanz zu entscheiden
haben. Im vorliegenden Verfahren um Erlass resp. Abänderung vorsorglicher
Massnahmen, wo es um das Kontaktrecht zwischen C._ und dem Beru-
fungsbeklagten während der Dauer des Scheidungsverfahrens geht, ist die Einho-
lung von Gutachten nicht angezeigt.
10. Zusammengefasst kann der Vorinstanz keine unrichtige – und erst recht
keine willkürliche – Feststellung des Sachverhaltes vorgeworfen werden, wenn sie
es aufgrund der Aktenlage für glaubhaft hielt, dass C._ im Zusammenhang
mit der Ausübung des Besuchsrechts zwar unter erheblichem psychischem
Stress gestanden sei resp. stehe, diesen Stress jedoch nicht auf den Kontakt zum
Berufungsbeklagten an sich zurückführte. Gestützt auf diesen Sachverhalt hat die
Vorinstanz denn auch korrekt erwogen, dass keine Kindswohlgefährdung durch
Kontakte zwischen dem Berufungsbeklagten und C._ auszumachen sei. Ent-
sprechend ist der Entscheid nicht zu beanstanden, das Besuchsrecht des Beru-
fungsbeklagten nicht zu sistieren und keine Gutachten einzuholen.
11.1. Gestützt auf den vorinstanzlichen Entscheid ist der Berufungsbeklagte ak-
tuell und bis zum Beginn der Herbstferien des Schuljahres 2020/2021 berechtigt
und verpflichtet, C._ an jedem zweiten Samstag von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr
zu betreuen. Ab dann und für die weitere Dauer des Scheidungsverfahrens dehnt
sich das Besuchsrecht auf jedes zweite Wochenende von Samstag, 10.00 Uhr,
bis Sonntag, 18.00 Uhr, inkl. eines Ferienbesuchsrechts, aus (act. 7 Dispositivzif-
fer 3b und 3c).
- 34 -
11.2. Aufgrund der nunmehr vorliegenden Verhältnisse erscheint das durch die
Vorinstanz angeordnete, unbegleitete Besuchsrecht nicht mehr sachgerecht. Im-
merhin hat C._ den Berufungsbeklagten seit 15 Monaten nicht mehr unbe-
gleitet und in diesem Zeitraum überhaupt erst einmal für einige Stunden in Beglei-
tung gesehen. In der Zwischenzeit sind seit dem letzten Treffen zwischen
C._ und dem Berufungsbeklagten über sieben Monate vergangen; damit ist
etwa gleich viel Zeit wie in der letzten Phase des längeren Kontaktabbruchs zwi-
schen April 2019 und Dezember 2019 vergangen. Es hat sich gezeigt, dass
C._ zumindest vor dem Besuch im Dezember 2019 doch gewisse Ängste
und Bedenken zeigte. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich C._
wieder so verhalten wird. Weiter ist nicht von der Hand zu weisen, dass das Ver-
hältnis zwischen den Parteien als hochproblematisch bezeichnet werden muss,
was nicht spurlos an C._ vorbeigeht (s. dazu vorstehend E. II. 9). Für ein
Kind in diesem Alter wäre ein unbegleitetes Besuchsrecht unter diesen Umstän-
den mit Überforderungen und möglicherweise gewissen Ängsten verbunden. Dies
liegt nicht im Kindswohl; es ist mit entsprechenden Kindesschutzmassnahmen
entgegenzuwirken.
11.3. Vorliegend erscheint die Anordnung eines begleiteten Besuchsrechts
sachgerecht. Nachdem C._ und der Berufungsbeklagte faktisch seit 15 Mo-
naten keine feste Beziehung aufbauen konnten, ist es in einer ersten Phase wich-
tig, dass sich eine solche mithilfe regelmässiger Kontakte zunächst (wieder) ent-
wickelt. Den von der Berufungsklägerin befürchteten negativen Auswirkungen für
das Kind kann durch die Anwesenheit einer Drittperson – wie bereits anlässlich
des Besuches im Dezember 2019 – entgegengewirkt werden. Auch die Anwe-
senheit anderer Kinder kann zu einer gewissen Entspannung beitragen.
Ein begleitetes Besuchsrecht stellt dabei regelmässig lediglich eine Übergangslö-
sung dar und ist zeitlich zu begrenzen. Nachdem C._ gemäss dem Bericht
des BTT bereits innert kürzester Zeit einen vertrauensvollen Umgang mit dem Be-
rufungsbeklagten an den Tag legte, ist davon auszugehen, dass die begleiteten
Besuche verhältnismässig schnell in unbegleitete Kontakte gemäss dem Ehe-
schutzurteil vom 3. Januar 2018 überführt werden können. Das damals angeord-
- 35 -
nete Besuchsrecht scheint nach wie vor im Kindeswohl. Danach sollen Besuche
mit Übernachtung stattfinden. Entsprechend ist das Besuchsrecht wie folgt anzu-
ordnen:
- längstens bis Ende Oktober 2020 ein begleitetes Besuchsrecht an jedem
zweiten Samstag- oder Sonntagnachmittag nach Massgabe der Beistän-
din, jedoch mindestens vier Stunden;
- spätestens ab November 2020 ein unbegleitetes Besuchsrecht an jedem
zweiten Samstag von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr;
- spätestens ab März 2021 ein unbegleitetes Besuchsrecht an jedem zwei-
ten Wochenende von Samstag, 10.00 Uhr, bis Sonntag, 18.00 Uhr. Fällt
das Betreuungswochenende auf Ostern, ist der der Berufungsbeklagte
zusätzlich berechtigt und verpflichtet, C._ bereits ab Karfreitag, 10.00
Uhr, bis Ostermontag, 18.00 Uhr, zu betreuen. Fällt das Betreuungswo-
chenende auf Pfingsten, verlängert sich die Betreuungsverantwortung des
Berufungsbeklagten bis Pfingstmontag, 18.00 Uhr.
Von einem Ferienbesuchsrecht ist einstweilen abzusehen, da zunächst regelmäs-
sige unbegleitete Besuche inkl. Übernachtungen stattzufinden haben und sich ei-
ne stabile Beziehung zwischen C._ und dem Berufungsbeklagten aufbauen
muss.
11.4. Die vorinstanzlichen Modalitäten der Kinderübergaben sind zu übernehmen,
nachdem keine der Parteien Einwände dagegen erhoben hat (vgl. act. 2 S. 19
und act. 9 S. 14). Ebenso ist der Berufungsklägerin die Weisung zu erteilen, die
Besuchskontakte zwischen C._ und dem Berufungsbeklagten einzuhalten
und alles zu unterlassen, was ein ungestörtes Besuchsrecht beeinträchtigt oder
verhindert. Die Berufungsklägerin bringt in ihrer Berufung in dieser Hinsicht keine
stichhaltigen Argumente gegen eine solche Weisung vor, sondern lediglich Wie-
derholungen (act. 2 S. 19). Zudem ist diese Weisung wie bereits vorinstanzlich mit
der Androhung einer Strafe wegen Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen
gemäss Art. 292 StGB für den Fall der Missachtung zu verbinden. Zu erwähnen
- 36 -
sei an dieser Stelle, dass eine Weigerung oder Missachtung der vorstehenden
Weisung nicht nur vollstreckungsrechtliche Konsequenzen hätte, sondern sich
auch auf die Beurteilung der Erziehungsfähigkeit der Berufungsklägerin im Schei-
dungsverfahren auswirken könnte.
11.5. Der Beiständin ist es freizustellen, die vorstehenden Fristen zu verkürzen,
nicht jedoch zu verlängern. Von einer Verpflichtung des Berufungsbeklagten, bei
den Besuchen Deutsch zu sprechen (vgl. act. 2 S. 14), ist abzusehen. Einerseits
wurde nicht glaubhaft gemacht, dass der Berufungsbeklagte schlecht über die Be-
rufungsklägerin redet. Zudem ist Deutsch für den Berufungsbeklagten eine
Fremdsprache, weshalb es ihm nicht zumutbar ist, mit seinem Kind in einer für ihn
fremden Sprache zu reden, ohne dass dafür objektive Gründe vorlägen. Genauso
erscheint es nicht notwendig, eine Kinderpsychiaterin resp. -psychologin als Be-
gleitperson einzusetzen, wie es die Berufungsklägerin subeventualiter beantragt,
da anlässlich der Besuche von keinen kindswohlgefährdenden Handlungen sei-
tens des Berufungsbeklagten auszugehen ist.
11.6. Nachdem C._ den Berufungsbeklagten seit nun mehr über sieben
Monaten nicht mehr gesehen hat, erscheint die Installierung eines begleiteten Be-
suchsrechts dringend. Die Beiständin von C._ wird entsprechend ersucht, ein
begleitetes Besuchsrecht für C._ in die Wege zu leiten, mit dem besonderen
Hinweis, ein solches – aufgrund des langen Kontaktabbruchs – möglichst rasch
zu installieren.
12.1. Die Vorinstanz erteilte den Parteien die Weisung, sich in eine Mediation
zu begeben, um eine der Umsetzung des Besuchsrechts zum Wohl von C._
gedeihliche gegenseitige Kommunikation zu erreichen (act. 7 Dispositivziffer 6).
Sie begründete die Weisung zusammengefasst damit, dass seit der Trennung
zwischen den Parteien keinerlei Kommunikation betreffend C._ stattgefun-
den habe. Im Interesse des Kindes könne das allerdings nicht einfach hingenom-
men werden, gerade wenn die Eltern wie hier die gemeinsame elterliche Sorge für
das Kind trügen und sich deswegen über Wesentliches austauschen müssten.
Die Vorinstanz sei davon überzeugt, dass beiden Parteien das Wohl von C._
am Herzen liege, auch wenn sie ob ihren gegenseitigen persönlichen Vorbehalten
- 37 -
zeitweise zu verkennen schienen, dass zu diesem Wohl auch der ungehinderte,
wohlwollend begleitete persönliche Kontakt zum anderen Elternteil gehöre, bei
dem das Kind nicht wohne. Es sei ihnen daher die Möglichkeit zu geben, im Inte-
resse ihres gemeinsamen Sohnes C._ eine Verbesserung in ihrem Umgang
zu erzielen (act. 7 S. 26 f.).
12.2. Die Mediation betreffend macht die Berufungsklägerin geltend, dass eine
unter Zwang und erst noch mit Strafandrohungen im Unterlassungsfall sanktio-
nierte Mediation per se zum Scheitern verurteilt und als Massnahme nicht geeig-
net sei. Sofern aber in einer Gesamtbeurteilung das (gemeint wohl: kinderpsychi-
atrische) Gutachten tatsächlich zum Schluss gelange, dass eine Mediation ziel-
führend sei, werde sich die Berufungsklägerin in derselben einbringen. Sie be-
gründet ihren Standpunkt zusammengefasst damit, dass 2018 zwei durch die
Beiständin begleitete Gespräche zwischen den Parteien stattgefunden hätten,
diese jedoch gescheitert seien. Die Parteien hätten von Anfang an nie miteinan-
der kommunizieren können, und die Ehe sei von Anfang an durch Gewalt des Be-
rufungsbeklagten geprägt gewesen. Die Berufungsklägerin spreche gegenüber
C._ nicht schlecht über den Berufungsbeklagten – wohl aber er über die Be-
rufungsklägerin. Die Berufungsklägerin sei den Kontakten von C._ zum Beru-
fungsbeklagten positiv gegenübergestanden, solange C._ nach den Besu-
chen nicht derart massiv reagiert hätte. Sie wisse nicht, was anlässlich der Besu-
che vorgefallen sei, dass C._ nun solche Auffälligkeiten an den Tag lege.
Dies gelte es mittels Gutachten professionell zu ergründen. Die Schuld dafür,
dass die Kontakte nicht stattfinden könnten, ohne dass C._ massiv reagiere,
sei nicht bei der Berufungsklägerin zu sehen, sondern im Verhältnis von C._
und dem Berufungsbeklagten (act. 2 S. 19 f.).
12.3. Der Berufungsbeklagte begrüsst eine Mediation zwischen den Parteien
und hält diese für angezeigt, auch wenn er anmerkt, dass diese sicherlich heraus-
fordernd erscheine (act. 9 S. 14).
12.4. Die rechtlichen Erwägungen der Vorinstanz über die angeordnete Media-
tion sind nicht zu beanstanden, weshalb darauf verwiesen wird (act. 7 S. 27). Wie
die Vorinstanz korrekt erwog, braucht es für die angeordnete Mediation keine Zu-
- 38 -
stimmung der Eltern. Allerdings muss eine minimale Bereitschaft vorhanden sein,
sich auf einen Mediationsprozess an sich einzulassen.
12.5.1. Die Berufungsklägerin wiederholt grösstenteils ihre Vorbringen betreffend
die Besuche zwischen C._ und dem Berufungsbeklagten, verkennt dabei
aber, dass es bei der angeordneten Mediation nicht um das Verhältnis resp. die
Kontakte zwischen dem Berufungsbeklagten und C._ geht. Vielmehr geht es
– wie die Vorinstanz korrekt darlegte – darum, die Kommunikation und den Um-
gang zwischen den Parteien C._ betreffend zu verbessern. Immerhin sind
und bleiben sie beide Eltern von C._ und sind beide nach wie vor Inhaber der
elterlichen Sorge. Als solche haben sie eine Verantwortung zu tragen. Dass 2018
erfolglose Gespräche zwischen den Parteien in Begleitung der Beiständin stattge-
funden haben, ist nicht aktenkundig, indes auch nicht von entscheidender Bedeu-
tung, konnte doch die Beiständin aus ihrer Rolle hinaus nicht die Funktion einer
Mediatorin übernehmen.
12.5.2. Es ist nicht erkennbar, weshalb die Berufungsklägerin den Besuch einer
Mediation von einem Gutachten abhängig macht, zumal zwischen den Parteien
kein Austausch C._ betreffend besteht. Dabei handelt es sich um eine unbe-
strittene Tatsache, die nicht mittels eines Gutachtens zu überprüfen wäre. Mit die-
ser Haltung zeigt die Berufungsklägerin allerdings auf, dass sie einer Mediation –
im Grundsatz – nicht a priori abgeneigt ist. Auch aus der persönlichen Befragung
anlässlich des Berufungsverfahrens geht nicht hervor, dass die Berufungsklägerin
gegenüber einer Mediation grundsätzlich abweisend wäre (Prot. S. 11 f.). Da eine
Mediation zwischen den Eltern die Kindessphäre auch nicht tangiert, ist nicht er-
sichtlich, dass das Wohl von C._ aufgrund einer Anordnung in irgendeiner
Weise gefährdet wäre.
12.6. Entsprechend ist die Weisung betreffend angeordneter Mediation nicht zu
beanstanden. Mit Verfügung vom 15. April 2020 setzte die Vorinstanz den
Parteien eine Frist von acht Wochen, innert welcher sie sich in eine Mediation hät-
ten begeben müssen (act. 7 Dispositivziffer 6). Gemäss unbestrittenen Vorbringen
hat die Mediation nicht stattgefunden (Prot. S. 11 ff.). Entsprechend ist den Par-
teien erneut die Weisung zu erteilen, sich innerhalb von acht Wochen in eine Me-
- 39 -
diation zu begeben. Gegen die übrigen von der Vorinstanz festgelegten Modalitä-
ten betreffend Inhalt, zeitlichen Rahmen und Anzahl der Besuche ist nichts einzu-
legen (act. 7 S. 27 und Dispositivziffer 6). Die Vorinstanz hat die Anordnung der
Mediation zusätzlich mit der Strafandrohung im Unterlassungsfall nach Art. 292
StGB unter Strafe gestellt. Auch dagegen ist nichts einzuwenden. Es ist darauf
hinzuweisen, dass – neben der möglichen Bestrafung nach Art. 292 StGB – eine
Verweigerung der Teilnahme bei der Beurteilung der Erziehungsfähigkeit berück-
sichtigt werden kann, aber auch zu weiteren Kindesschutzmassnahmen führen
kann, wie bspw. zur Anordnung einer Einzeltherapie des verweigernden Eltern-
teils.
III.
1. Im Rechtsmittelverfahren bemisst sich die Gebühr nach Massgabe des-
sen, was vor der Rechtsmittelinstanz noch im Streit liegt (§ 12 Abs. 2 GebV OG).
Grundlage der Gebührenfestsetzung im vorliegenden Zivilprozess bilden das tat-
sächliche Streitinteresse, der Zeitaufwand des Gerichts und die Schwierigkeit des
Falls, wobei die Gebühr bei nicht vermögensrechtlichen Streitigkeiten – wie der
vorliegenden – in der Regel CHF 300.– bis CHF 13'000.– beträgt (§ 6 Abs. 1 und
§ 5 Abs. 1 GebV OG). Zu beachten ist, dass im vorliegenden Berufungsverfahren
ein Zwischenentscheid betreffend vorsorgliche Massnahmen gefällt und eine
knapp fünfstündige Verhandlung durchgeführt wurde (act. 5 und Prot. S. 6 ff.). Un-
ter Berücksichtigung der Reduktion aufgrund des summarischen Verfahrens
(vgl. § 8 Abs. 1 GebV OG) ist die zweitinstanzliche Entscheidgebühr entspre-
chend auf CHF 2'000.– festzusetzen.
2.1. Die Kosten werden in der Regel nach Obsiegen und Unterliegen verteilt
(vgl. Art. 106 ZPO). Davon kann in familienrechtlichen Verfahren abgewichen
werden (vgl. Art. 107 Abs. 1 lit. c ZPO). Geht es um Kinderbelange (bspw. elterli-
che Sorge, Obhut, Besuchsrecht), werden die Kosten nach der Praxis der Kam-
mer im Regelfall den Eltern hälftig auferlegt und die Parteientschädigungen wett-
geschlagen, wenn die Parteien unter dem Gesichtspunkt der Interessen des Kin-
des gute Gründe zur Antragsstellung hatten (vgl. etwa OGer ZH LY150043 vom
- 40 -
31. August 2015, E. 11). In Verfahren betreffend Kinderbelange ist davon auszu-
gehen, dass die Standpunkte der Parteien in der Regel im Rahmen des gerichtli-
chen Ermessensspielraums berechtigt sind (vgl. OGer ZH LC160038 vom 25. Ok-
tober 2016, E. III.).
2.2. Die Berufungsklägerin dringt mit ihren Anträgen nicht durch. Dennoch
kann ihr nicht vorgeworfen werden, ihre Anträge nicht unter Berücksichtigung des
Interesses von C._ gestellt zu haben. Entsprechend liegt kein Grund vor, von
der vorstehend dargelegten Praxis abzuweichen, zumal hauptsächlich das Kon-
taktrecht zwischen dem Berufungsbeklagten und C._ zu beurteilen war. Es
rechtfertigt sich daher, den Parteien die Kosten je hälftig aufzuerlegen, den Anteil
des Berufungsbeklagten jedoch einstweilen in Folge Gewährung der unentgeltli-
chen Rechtspflege auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Nachzahlungspflicht
nach Art. 123 ZPO bleibt vorbehalten. Parteientschädigungen sind nicht zuzu-
sprechen.