# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b964bff6-9bd2-5616-996a-7cbca1faefbe
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
1.
Die 1995 geborene
X._
ist seit dem 1
5.
August 2011 als
Fachange
stellte
Gesundheit in Ausbildung beim
Spital
Y._
angestellt und damit bei der
Unfallversicherung Stadt Zürich im Rahmen des Bundesgesetzes über die Un
fall
versicherung (UVG) obligatorisch versichert.
Mit Unfallmeldung vom
6.
Mai 2014
liess die
Arbeitgeberin der
Versicherte
n
der Unfallversicherung Stadt Zürich mit
teilen,
die Versicherte
sei am
4.
März 2014 auf dem Arbeitsweg um 6.15 Uhr von
einer fremden Person gepackt und im Intimbereich intensiv angefasst worden
(
Urk.
7
/G001).
Dr.
med.
Z._
, Fachärztin für All
gemeine Medizin, führte
im Arztzeugnis vom 1
6.
Mai 2014 aus, es bestehe eine psychische Belas
tung nach
einem
sexuellen
Übergriff
, verbunden
mit
einer
Angstsymptomatik und
mit
einer Schlafstörung mit Albträumen (
Urk.
7/M001).
Mit Verfügung vom 1
2.
August 2014 verneinte die Unfallversicherung Stadt Zürich
ihre Leistungspflicht im Zusammenhang mit dem Ereignis vom
4.
März 2014, da es sich um keinen Unfall im Sinne des Gesetzes gehandelt habe und auch keine unfallähnliche Körperschädigung vorliege (
Urk.
7/G008).
Die von der Concordia Schweizerische Kranken- und Unfallversicherung AG (
im Folgenden
Concordia), der obligatorischen Krankenpflegeversicherung der Versicherten
(
Urk.
3/2)
, gegen diesen Entscheid am
3.
September 2014 erhobene Einsprache (
Urk.
7/J001) wies die Unfallversicherung Stadt Zürich mit Einspracheentscheid vom
1.
Oktober 2014 ab (
Urk.
2).
2.
Gegen diesen Entscheid vom
1.
Oktober 2014
erhob die Concordia mit Eingabe
vom 3
1.
Oktober 2014 Beschwerde und beantragte die Aufhebung des ange
foch
tenen Entscheides und die Übernahme der Heilungskosten für die Behand
lung der
aufgrund des Ereignisses vom
4.
März 2014 entstandenen psychischen Belas
tun
g durch die Unfallversicherung Stadt Zürich. Eventualiter beantragte sie die
Rück
weisung
an die Unfallversicherung Stadt Zürich zur Vornahme weiterer Abklä
rungen (
Urk.
1). Mit Beschwerdeantwort vom 1
0.
November 2014 schloss die Un
fallversicherung Stadt Zürich auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6).
Mit Verfügung vom 1
4.
November 2014 wurde die Versicherte zum Prozess beige
la
den und ihr Frist zur Stellungnahme angesetzt (
Urk.
8). Die Ver
sicherte verzich
tete auf eine Stellungnahme (
Urk.
9) und mit Verfügung vom 1
2.
Januar 2015 wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (
Urk.
10). Am 1
3.
Februar 2015 erstattete die Concordia ihre Replik (
Urk.
12) und am
7.
April 2015 erfolgte die Duplik der Unfallversicherung Stadt Zürich (
Urk.
16).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.
1
Gemäss
Art.
6 UVG werden - soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt - die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
krankheiten gewährt (
Abs.
1). Der Bundesrat kann Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen (
Abs.
2). Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen bei Schädigungen, die den Verunfallten bei der Heilbehandlung zugefügt werden (
Abs.
3).
1.2
Ein Unfall ist gemäss
Art.
4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozial
versi
cherungsrechts
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwir
kung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Be
einträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
1.
3
Nach der Rechtsprechung bezieht sich das
Be
griffsmerkmal
der Ungewöhnlich
keit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selber. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor allenfalls schwer wiegende, unerwartete Folgen nach sich zog. Der
äusse
re Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen Le
bens
be
reich Alltäg
lichen oder Üblichen überschreitet. Ausschlaggebend ist also, dass sich der äussere Faktor vom Normalmass an Umwelteinwirkungen auf den mensch
lichen Körper abhebt. Ungewöhnliche Auswirkungen allein begründen keine Ungewöhnlichkeit (BGE 134 V 72 E. 4.3.1 mit Hinweis).
1.4
Das
Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit
bezieht sich
auch bei
Schreckenser
eignissen
definitionsgemäss nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, son
dern
nur auf diesen selbst. Es kann deshalb nicht von Belang sein, ob der äussere
Faktor allenfalls schwerwiegende, uner
wartete Folgen nach sich zieht
.
Nur ausser
gewöhnliche Schreckensereignisse, die mit einem ausserordentlichen psy
chi
schen Schock verbunden sind, erfüllen das Merkmal der Ungewöhnlich
keit.
Nach der ständigen Rechtsprechung muss es sich um die seelische Einwir
kung
eines gewaltsamen, in der unmittelbaren Gegenwart der versicherten Per
son sich
abspielenden Vorfalls handeln, wobei zudem eine überraschend heftige Ein
wir
kung gegeben sein muss
(RKUV 1991 Nr. U 128 S.
227
f. E.
1a, RKUV 2000 Nr.
U
365 S.
89
f.
E.
2a)
.
Die geltenden Anforderungen an das Merkmal der Un
ge
wöhnlichkeit für Schreckensereignisse sind in der Rechtsprechung sehr hoch.
Als typische Schreckensereignisse werden etwa eine Brand
- oder
Erdbe
ben
ka
tastrophe
, ein Eisenbahn
- oder Flugzeug
unglück
,
eine schwere
Autokolli
sion
, ein
Brückeneinsturz, ein Bombenabwurf oder eine sonstige plötzliche To
desgefahr
be
wertet
(
EVGE 1939 117 E.
4
)
.
Angenommen wurde ein
Schreckens
ereignis
bei
spielsweise
mit Bezug auf das Erleben eines schweren Seebebens (vgl. SVR 2008 UV Nr. 7, U 548/06 E. 3.4).
Eine Straftat, bei der eine Einwirkung auf den menschlichen Körper erfolgt, stellt
regelmässig ein Unfallereignis dar. So werden etwa der Mord, die Verge
walti
gung oder die Körperschädigung als Unfall bewertet. Die Straftat kann ge
gebe
nen
falls auch als Schreckereignis beziehungsweise Schock gewertet werden, wenn - ohne körperliche Verletzung - die betreffende Einwirkung gewaltsam und
über
raschend heftig erfolgte (vgl. BGE 129 V 177).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin vertritt die Auffassung, dass zwischen dem Ereignis vom
4.
März 2014 und den nachfolgend zur Arbeitsunfähigkeit führenden psy
chi
schen Beschwerden kein adäquater Kausalzusammenhang bestehe. Die Frage, ob es sich beim Ereignis um einen Unfall im Sinne des Gesetzes handelt, liess die Beschwerdegegnerin
im Einspracheentscheid
vom
1.
Oktober 2014
offen (
Urk.
2 S. 4).
In der Beschwerdeantwort vom 1
0.
November 2014 führte sie
je
doch
aus, dass nur aussergewöhnliche Schreckensereignisse, die mit einem ausseror
dent
lichen psychischen Schock verbunden seien, das Merkmal der Un
gewöhnlichkeit erfüllten. Beim Übergriff vom
4.
März 2014 seien die Anforde
rungen für ein Schreckensereignis im Sinne der Rechtsprechung nicht erfüllt (
Urk.
6 S. 3-4).
2.2
Die Beschwerdeführerin macht demgegenüber
in der Beschwerde vom 3
1.
Okto
ber 2014
geltend, der fragliche Vorfall sei zwar nicht geeignet, eine psychische
Störung mit langandauernder Arbeitsunfähigkeit zu verursachen, wohl aber
eine
psychische Störung
mit einer vorübergehenden Arbeitsunfähig
keit.
Die
Beschwer
d
e
gegnerin
verkenne, dass das Ereignis bei der Versicherten eine kurzfristige Trau
matisierung herbeigeführt habe (
Urk.
1 S. 5).
In der Replik vom 1
3.
Februar
2015 ergänzte sie, ein
verbrecherischer Überfall wie derjenige vom
4.
März 2014
gehöre zu den typischen Schreckensereignissen und sei zweifellos geeignet ge
wesen, um bei der Versicherten Angst- und
Schreckens
wirkungen
im Sinne der Rechtsprechung hervorzurufen. Mithin sei erwiesen, dass ein Unfall vorliege (
Urk.
12 S. 2-4).
2.3
Zu klären
ist
daher
zunächst, ob es sich beim Vorfall vom
4.
März 2014 um einen Unfall im versicherungsrechtlichen Sinn handelt
.
3.
3.1
In der Unfallmeldung vom
6.
Mai 2014 wird das Ereignis vom
4.
März 2014, welches sich um 6.15 Uhr auf dem Arbeitsweg ereignete
,
wie folgt beschrieben (
Urk.
7/G001): „Sexueller Übergriff. Mitarbeiterin wurde von hinten von einer fremden Person gepackt und im Intimbereich intensiv angefasst. Danach ist der Täter geflüchtet.
“
3.
2
Dem
Polizeibericht vom
6.
März 2014 (
Urk.
7/G005
/3 S. 2) lässt sich
zum Sach
verhalt
entnehmen,
e
in unbekannter Mann habe sich der Versicherten von hin
ten
unbemerkt genähert,
habe
ihr sehr grob über den Kleidern zwischen die Beine gegriffen und seine Hand an ihrem Schambereich gerieben. Zudem habe er die Versicherte mit seiner anderen Hand am Oberkörper festgehalten, so dass seine Hand auf ihrer Brust gelegen habe. Als die Versicherte begonnen habe zu schrei
en, habe der Unbekannte von ihr abgelassen und sei geflohen.
Die Versicherte gab anlässlich der polizeilichen Befragung vom
4.
März 2014
(
Urk.
7/G005/4)
zudem an, sie sei
während des
Vorfall
s
zunächst geschockt und wie versteinert gewesen. Nach ein paar Sekunden habe sie sich wieder gefasst und laut geschrien. Irgendwann habe der Mann sie losgelassen. Ob das während des Schreiens oder vorher gewesen sei, wisse sie nicht mehr. Die Dauer des Vor
falls sei ihr sehr lange erschienen, doch vermutlich sei
en
e
s
nur ein paar Mi
nu
ten gewesen. Der Mann habe nichts gesagt. Sie glaube
,
ein Lachen gehört zu haben, als er weggelaufen sei, doch sie sei sich nicht sicher. Als der Mann sie
an
gefasst habe, sei ihr schlecht geworden. Sie habe sich „grusig“ gefühlt und hätt
e sich übergeben können. Sie habe Angst gehabt und habe immer noch Angst, auch weil sie diesen Weg jeden Tag gehe und davon ausgehe, dass der Mann dies geplant und sie vielleicht auch schon länger beobachtet habe.
3.3
Die behandelnde Ärztin
Dr.
Z._
hielt am 1
6.
Mai 2014
(
Urk.
7/M001)
fest, es bestehe eine psychische Belastung nach einem sexuellen Übergriff
, ver
bun
den mit einer Angstsymptomatik und
mit
einer Schlafstörung mit Albträu
men
. Unter psychologischer Betreuung und Therapie sei der Verlauf bislang erfreulich. Die Behandlung bestehe in einer Gesprächstherapie und einer Medi
kation mit Antidepressiva sowie vorübergehend
mit
dem Schlafmittel
Stil
nox
.
Dr.
Z._
stellte der Versicherten Zeugnisse über die Arbeits
unfähig
keit au
s, welche zwischen dem 1
7.
März
und dem
4.
Juli 2014 zwischen 0
%
,
50
%
und 100
%
varii
erte
. Offenbar konnte die ärztliche Behandlung am 3
1.
Juli
2014 abgeschlossen werden
(
Urk.
7/T002,
Urk.
7/T003
,
Urk.
7/T004)
.
4.
4.1
Die bundesgerichtliche Rechtsprechung ist betreffend d
ie
Ungewöhnlichkeit von Schreckensereignissen
restriktiv
, indem diese lediglich bei aussergewöhnlichen Schreckensereignissen bejaht und somit nur in diesen Fällen von Unfällen aus
gegangen wird. Bejaht hat das Bundesgericht ein aussergewöhnliches
Schre
ckens
ereignis
zum Beispiel im Falle einer Versicherten, welche
Opfer einer
massi
ven
sexuellen Nötigung geworden ist,
indem
sie von einem betrunkenen Un
bekannten in
der Nacht in einem
Hinterhof unter Drohung mit einem Messer zu sexuellen Handlungen im Sinne von oralem Geschlechtsverkehr
gezwungen
w
orden ist
(U 193/06 vom 2
0.
Oktober 2006 E. 2.1).
Ebenfalls bejaht wurde ein
aussergewöhnliches Schreckensereignis im Falle einer Versicherten
, welche frü
h
morgens am Arbeitsplatz
von drei Männern überfallen, unter Androhung von
Waffengewalt
gefesselt und in die Toilette eingesperrt wurde, wobei sie die stän
dige - aufgrund der gesamten Umstände objektiv verständliche - Befürch
tung hegte, es könnte auch zu sexueller Gewalt kommen (Urteil des Bundesge
richts 8C_522/2007 vom
1.
September 2008).
4.2
Dem Vorfall vom
4.
März 2014 ist
die
Eindrücklichkeit keineswegs abzu
sprechen.
Es ist verständlich, dass die
achtzehnjährige
Versicherte in Angst geriet
und fürchtete
, der ihr unbekannte Mann, welche
r
sie
überraschte,
festhielt und im Intimbereich berührte, könne ihr etwas antun.
Dennoch ist
zu berück
sichtigen, dass die Versicherte beim Vorfall nicht verletzt wurde, dass der Täter sie durch die Kleidung hindurch berührte, dass die Dauer des Vorfalls
wohl
ei
ni
ge
Minuten nicht überschritt
und
dass
der
Täter
unbewaffnet
war. Ein
Verge
wal
ti
gungs
ver
such
, wie er von der
Beschwerdeführerin
behauptet wird (
Urk.
1 S. 5), kann nicht
als überwiegend wahrscheinlich angenommen
werden
, denn die
Ver
sicherte selbst
sagte anlässlich der polizeilichen Befragung aus
,
nicht zu wissen
, ob der Täter noch andere Absich
ten gehabt habe (
Urk.
7/G005
/4 S. 4
).
4.
3
Ein Vergleich mit
den in
der zitierten Rechtsprechung des Bundesgerichts
ge
schilderten Ereignissen
ergibt, dass in den Fällen
, in welchen von einem ausser
ge
wöhnlichen Schreckensereignis ausgegangen wurde,
eine andere
höhere
Inten
sität und Dauer
der Bedrohung bestand
(vgl. E. 1.4 und E. 4.1)
.
Die von der Be
schwerdeführerin
angeführten
Entscheide
des Bundesgerichts
8C_168/2011 vom
1
1.
Juli 2011 und 8C_182/2010 vom
2.
Juli 2010 vermögen an dieser Ausgangs
lage nichts zu ändern. In diesen Ent
scheiden befasste sich das Bundesgericht
nämlich
lediglich mit der Frage des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen den Schreckensereignissen und den
psychischen
Gesundheitsschäden, welchen es jeweils verneinte
,
ohne sich zur Frage zu äussern, ob ein aussergewöhnliches Schreckensereignis vorliege
.
4.4
Zusammenfassend
erfüllt der Vorfall vom
4.
März 2014 die
rechtsprechungsge
mäss
sehr hohen Anforderungen an ein aussergewöhnliches Schreckensereignis nicht, weshalb
der
gesetzliche Unfallbegriff nicht erfüllt
ist
. Ob
ein
adäquater
Kausalzusammenhang
zwischen dem Ereignis und den
ans
chliessend
aufgetre
tenen psychischen Beschwerden besteht
, kann
unter diesen Umständen
offen
gelassen werden. Der angefochtene Einspracheentscheid vom
1.
Oktober 2014 erweist sich daher als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.