# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 17c15a57-1927-4027-bf4e-8ff8d972dd16
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1969, bezieht seit Juni 2008 bei einem Invalidi
tätsgrad von 66 % eine
Dreiviertelsrente
der Invalidenversicherung (Urk. 2/11). Gemäss ihren eigenen Angaben war sie vom 1. Januar bis am 31. Dezember 2018 im Anwaltsbüro
Y._
als Rechtsanwältin mit einem Beschäf
tigungsgrad von 50 % im Angestelltenverhältnis und ab 1. Januar 2019 in derselben Kanzlei als selbständige Rechtsanwältin mit einem Pensum von 50 % tätig (Urk. 1 S. 3
Rz
. 5). Mit Anschlussvertrag Nr.
...
vom 1. Oktober 2014 hatte sich das Anwaltsbüro
Y._
zur Durchführung der beruflichen Vorsorge ihres Personals der Sammelstiftung Vita angeschlossen (Urk. 2/2). Gestützt darauf wurden auf
X._
lautende Vorsorge
ausweise ausgestellt (Urk. 7/2, 7/3 und 2/4).
1.2
Nachdem die Versicherte mit Schreiben vom
10. November 2018
bei der
Sammel
stiftung
Vita die Bemessung des versicherten Verdienstes
beanstandet
und
um Ausstellung eines
angepassten Vorsorgeausweis
es ersucht hatte
(
Urk. 7/2
)
, teilte ihr die
selbe
am 13. November 2018
mit,
dass sie an ihrer bisherigen Berechnung festhalte (
Urk. 2/5).
Auch im Rahmen der hernach
geführten
Korrespondenz ver
mochten die Parteien
keine Einigung
hinsichtlich der Höhe des
versicherten Ver
dienstes
zu erzielen (Urk. 2/6
-10).
2.
Am 10. Juli 2019 erhob
X._
beim hiesigen Gericht Klage gegen die Sammelstiftung Vita und beantragte (Urk. 1 S. 2):
«Es sei der versicherte Jahreslohn ausgehend vom effektiven AHV-pflichtigen Jahreslohn (abzüglich Koordinationsabzug gemäss BVG) festzusetzen und die Beiträge damit entsprechend folgenden Jahreslöhnen festzusetzen:
2018:
CHF 80'
250
.
/.
CHF 6'169 (Invalidität von
3⁄4
) = CHF 74’081
2019:
CHF 100'
000
.
/.
CHF 6'221 (Invalidität von
3⁄4
) = CHF 93’779
Unter Entschädigungsfolgen zu Lasten der
Beklagten
.
»
Mit Klageantwort vom 4. September 2019 schloss die Beklagte auf Abweisung der Klage
und beantragte, den versicherten Jahreslohn unter Berücksichtigung der gekürzten Grenzbeträge auf Fr. 25'556.-- für das Jahr 2018 sowie auf Fr. 25'774.-- für das Jahr 2019 festzusetzen
(Urk. 6)
.
M
it Verfügung vom
5. Sep
tember 2019
ordnete das Gericht
ein
en zweiten
Schriftenwechsel
an
(Urk. 8). Mit Replik vom 21. Oktober 2019 (Urk. 11) und Duplik vom 19. Dezember 2019
(Urk. 15, der Klägerin zugestellt am 10. Februar 2020 [Urk. 18])
,
hielten die Par
teien jeweils an ihren Anträgen fest.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.
1
Obligatorisch zu versichern ist der Teil des Jahreslohnes
der Arbeitnehmer
von
aktuell
Fr. 24'885.-- bis und mit Fr. 85'320.--. Dieser Teil wird koordinierte
r
Lohn genannt (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die berufliche Alters-, Hinterlas
senen- und Invalidenvorsorge
,
BVG
). Mit der Eintrittsschwelle (Art. 7 Abs. 1 BVG), dem Koordinationsabzug (Art. 8 Abs. 1 BVG), dem maximalen sowie dem minimalen versicherten Verdienst (Art. 8 Abs. 1 und Abs. 2 BVG) werden im obli
gatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge
verschiedene
Grenzbeträge bezeich
net.
Diese
vier Werte
stehen
miteinander in einem direkten mathematischen Bezug
und definieren
das gesamte
Obligatorium
der beruflichen Vorsorge
(
St
auf
fer, Berufliche Vorsorge, 3.
Aufl. 201
9,
Rz
585 f.).
Der Koordinationsabzug bezweckt, das Zusammenwirken von erster und zweiter Säule so zu koordinieren, dass ihre Leistungen keine Überentschädigung verursachen (Stauffer/
Cardinaux
, Rechtsprechung des Bundesgerichts zur beruflichen Vorsorge, 4. Aufl., S. 20).
Die in ihrer Höhe variablen Grenzbeträge sind auf die Leistungen der AHV abge
stimmt (koordiniert) und stehen in einem festen proportionalen Verhältnis zur Rentenhöhe der AHV.
So entspricht etwa der obere Grenzbetrag von Art. 8 Abs. 1 BVG dem Dreifachen der jährlichen AHV-Maximalrente.
Der Bundesrat erhält in Art. 9 BVG die Kompetenz, diese Grenzwerte entsprechend der Veränderung der AHV-Rentenhöhe anzupassen. Von dieser Kann-Vorschrift hat der Bundesrat bis heute bei jeder AHV-Rentenerhöhung Gebra
uch gemacht (Stauffer, a.a.O.,
Rz
593
f.
). Die Grenzwerte gelten – im
Obligatoriumsbereich
– ohne Berücksich
t
igung des Beschäfti
gungsgrades (Stauffer, a.a.O.,
Rz
598
).
1.2
Für Personen, die im Sinne des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung (IVG) teilweise invalid sind, werden die Grenzbeträge nach den Artikeln 2, 7, 8 Absatz 1 und 46 BVG
hingegen
folg
endermassen gekürzt (Art. 4 der
Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invali
denvorsorge
, BVV
2
):
Rentenanspruch in Bruchteilen
einer ganzen Rente
Kürzung der Grenzbeträge
1⁄4
1⁄4
1⁄2
1⁄2
3⁄4
3⁄4
1.3
Hinsichtlich de
r
Altersgutschriften erfahren invalide oder
teilinvalide
Versicherte eine besondere Behandlung. So wird bei Versicherten, die teilinvalid werden, das Altersguthaben in einen aktiven und in einen der Rentenberechtigung entspre
chenden Teil aufgeteilt (Art. 15
Abs. 1
BVV 2). Teilinvalidität nach BVG liegt dann vor, wenn der Versicherte mindestens eine
Viertelsrente
der IV bezieht; ent
sprechend erfolgt die Aufteilung anteilsmässig. Dabei wird der Anteil, welcher der Teil-Invalidität entspricht, gemäss den für die Vollinvalidität entwickelten Grundsätzen (
Art. 15 Abs. 2 BVV 2,
Art. 14 BVV
2) behandelt.
Bei einem Renten
anspruch auf eine
Viertelsrente
entspricht das auf die Teilinvalidität entfallende Altersguthaben 25 %, bei einem solchen auf eine halbe Rente 50 % und bei einem Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
75 % des bisherigen Altersguthabens (Art. 15 Abs. 1 BVV 2). Das Alterskonto wird in diesem Umfang bis zum Erreichen des Rentenalters respektive bis zum Erlöschen des Anspruchs auf eine Invalidenrente weitergeführt (Art. 15 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 14 BVV 2). Das auf die weitergeführte Erwerbstätigkeit entfallende Altersguthaben beträgt demgegen
über bei einem Anspruch auf eine
Viertelsrente
75 %, bei einem solchen auf eine halbe Rente 50 % und bei einem Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
25 % des bisherigen Altersguthabens (Art. 15 Abs. 1 BVV 2). Dieses ist dem Altersguthaben eines voll erwerbstätigen Versicherten gleichgestellt, und es besteht beim Stellen
wechsel Anspruch auf eine entsprechende Freizügigkeitsleistung (Art. 15 Abs. 2 BVV 2).
1.4
1.4.1
Im Bereich der weitergehenden beruflichen Vorsorge werden d
ie Rechtsbezie
hungen zwischen versich
ertem Arbeitnehmer und privater Vorsorgeeinrichtung
durch den Vorsorgevertrag geregelt. Auf diesen von der Lehre und Rechtspre
chung den
Innominatverträgen
sui generis zugeordneten Vertrag ist der Allge
meine Teil des Obligationenrechts anwendbar (Art. 1-183 OR). Regl
ement oder Statuten stellen den vorformulierten
Inhalt des Vorsorgevertrages dar, vergleich
bar Allgemeinen Vertrags- oder Versicherungsbedingungen, denen sich der Ver
sicherte konkludent, durch Antritt des Arbeitsverhältnisses und unwidersprochen gebliebene
r
Entgegenna
hme von Versicherungsausweis und
Vorsorgereglement,
unter
zieht. Bei der A
nwendung von statutarischen und
reglement
arischen
Best
immu
ngen im weitergehenden Vorsorgebereich
i
st zu berücksichtigen, dass die Vor
sor
geeinrichtungen in der Ausgestaltung der Leistungen
und d
eren Finanzie
rung grundsätzlich autonom sind (Art. 49
BVG; wobei Abs. 2 die für die weiter
gehende Vorsorge zwingenden Minimalvorschriften aufführt). Dabei haben sie jedoch das Gebot der Rechtsgleichheit, das Willkürverbot und das Verhältnismäs
sigkeitsprinzip zu beachten. Die Rechte der Versicherten dürfen nur soweit beschränkt werden, als dies für die sachgerechte Durchführung des Vorsorg
ever
hältnisses erforderlich ist
(BGE 138 V 366 E. 4 mit weiteren Hinweisen).
Die Vor
schriften über die Definition und Grundsätze der beruflichen Vorsorge sowie des versicherbaren Lohnes oder des versicherbaren Einkommens (Art. 1, 33a und 33b BVG) gelten auch in der weitergehenden beruflichen Vorsorg
e (Art. 49 Abs. 2 Ziff. 1 BVG).
1.4
.2
Das Prinzip der Gleichbehandlung der Destinatäre bildet neben den Grundsätzen der Angemessenheit, Kollektivität und Planmässigkeit ein Strukturprinzip der wei
ter
gehenden beruflichen Vorsorge. Der Gleichbehandlungsgrundsatz findet auch bei reinen Ermessensleistungen Anwendung und schliesst nicht aus, dass unter den Destinatären nach objektiven Kriterien Kategorien gebildet werden dürfen. Innerhalb der gebildeten Gruppen (beispielsweise im Rahmen verschie
dener Vorsorgepläne) sind die Destinatäre jedoch einander gleichzustellen. Dies gebietet auch der Grundsatz der Kollektivität, wonach jeweils alle Angestellten einer Kategorie einzubeziehen sind, was Einzellösungen oder Sonderregelungen entgegensteht. Planmässigkeit schliesslich bedeutet, dass sowohl die Finanzie
rung wie auch die Ausgestaltung der Leistungsseite in Statuten oder Reglement
im
v
oraus
nach schematischen Kriterien festzulegen sind (BGE 132 V 149 E. 5.2.5 mit Hinweisen).
1.4.3
Die Auslegung des Reglements einer privatrechtlichen Vorsorgeeinrichtung als vorformulierter Inhalt des Vorsorgevertrages geschieht nach dem Vertrauens
prinzip. Dabei sind jedoch die den Allgemeinen Versicherungsbedingungen inne
wohnenden Besonderheiten zu beachten, namentlich die sogenannten
Unklar
heits
- und Ungewöhnlichkeitsregeln. Nach diesen Auslegungsgrundsätzen gilt es, ausgehend vom Wortlaut und unter Berücksichtigung des Zusammenhanges, in dem eine streitige Bestimmung innerhalb des Reglements als Ganzes steht, den objektiven Vertragswillen zu ermitteln, den die Parteien mutmasslich gehabt haben. Dabei hat das Gericht zu berücksichtigen, was sachgerecht ist, weil nicht angenommen werden kann, dass die Parteien eine unvernünftige Lösung gewollt
haben. Sodann sind mehrdeutige Wendungen in vorformulierten Vertragsbedin
gungen im Zweifel zu Lasten ihres Verfassers auszulegen (BGE 144 V 376 E. 2.2; 140 V 50 E. 2.2, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Klägerin
erklärte zur Begründung ihrer Klage im Wesentlichen,
bei der Ermitt
lung des versicherten Einkommens sei auf
das tatsächlich erzielte AHV-pflichtige Jahreseinkommen
abzustellen
.
Die Regelung von Art. 4 BVV 2 sei
geschaffen
worden, um Teilinvalide nicht zu benachteiligen. Dabei sei im Ergeb
nis einzig der Grenzbetrag der Eintrittsschwelle
um drei Viertel
zu kürzen und nicht auch der obere Teil des versicherten Jahreslohns; denn sonst würden Teil
invalide über
mässig schlechter gestellt, was dem gesetzgeberischen Ziel nicht ent
sprechen würde. Da es im vorliegenden Fall aber nur um die weitergehende berufliche Vorsorge gehe, könne die genaue Vorgehensweis
e
im obligatorischen Bereich offen
bleiben.
Im Bereich der weitergehenden beruflichen Vorsorge werde nir
gends eine Regelung aufgestellt, welche derjenigen von Art. 4 BVV
2 ent
spreche
. Art. 8 BVG sei im Katalog von Art. 49 Abs. 2 BVG gerade nicht erwähnt, was bedeute, dass allfällige Grenzbeträge und deren Kürzung wegen Teilinvali
dität in der weitergehenden beruflichen Vorsorge nicht massgebend seien.
Im Ergebnis sei vom gesamten AHV-pflichtigen Lohn auszugehen und von diesem der gemäss Teilinvalidität reduzierte Koordinationsabzug abzuziehen, was
für das Jahr 2018 einen versicherten Jahreslohn von Fr.
74’081
.-- und im Jahr 2019 einen solchen in der Höhe von Fr.
93’779
.-- ergebe
(Urk. 1).
2.
2
Die Beklagte
hielt dem
in ihrer Klageantwort
entgegen
, die Grenzbeträge
seien
aufgrund des Invaliditätsgrades der Klägerin um
drei Viertel
zu kürzen. Art. 8 Abs. 1 BVG
lege dabei
nicht nur die Eintrittsschwelle fest, sondern auch den oberen Grenzbetrag.
Die Klägerin sei
in einer umhüllenden Vorsorgelösung ver
sichert, die über die obligatorische Vorsorge hinausgehe und gemäss dem anwend
baren Vorsorgeplan den maximal versicherbaren Jahreslohn auf 150 % der Lohnobergrenze
im
Obligatoriumsbereich
festlege.
Das anwendbare Regle
ment enthalte keine weiteren Ausführungen bezüglich dem
versicherten
Lohn von
teilinvaliden
Personen,
sei
somit in diesem Punkt lückenhaft und demzufolge auslegungsbedürftig. Im Zentrum der Auslegung von lückenhaften
Vorsorge
reglementen
stehe primär die gesetzeskonforme Auslegung, womit auch in der weitergehenden Vorsorge die gesetzlichen Normen des BVG-
Obligatoriums
als Massstab gelten würden. Die von der Klägerin gewollte Lösung, auf der einen
Seite von der obligatorischen Regelung bei der Kürzung des Koordinations
abzuges von
teilinvaliden
Personen zu profitieren, auf der anderen Seite betref
fend
den oberen Grenzbetrag
aber den gesamten AHV-Lohn zu versichern mit der Begründung, dass es sich um eine überobligatorische Lösung handle, würde dem Grundsatz der Gleichbehandlung widersprechen. Aufgrund des Gleichbe
handlungsprinzips sei klar, dass die Regelung von Art. 4 BVV 2 auch ohne explizite Erwähnung im Reglement in einer umhüllenden Vorsorgelösung wie vorliegend Anwendung zu finden habe, auch wenn Art. 8 sowie Art. 34 Abs. 1
lit
. b BVG nicht im Katalog von Art. 49 Abs. 2 BVG enthalten seien.
Infolge
dessen sei der versicherte Jahreslohn unter Berücksichtigung der
jeweils um drei Viertel
gekürzten Grenzbeträge im Jahr 2018 auf Fr. 25'556.-- und im Jahr 2019 auf Fr. 25'774.
-- festzusetzen (Urk. 6).
2.3
In ihrer Replik ergänzte die Klägerin, bei einem Invaliditätsgrad von 66 % seien – soweit zulässig und im Reglement vorgesehen – die in Frage stehenden Grenz
beträge nicht um drei Viertel, sondern
bloss
um 66 % zu kürzen. Eine Kürzung aller Beträge müsste sich klar und eindeutig aus dem Reglement ergeben. Von einem lückenhaften Reglement könne nicht die Rede sein. Selbstverständlich könne ein Reglement – wie vorliegend – im Bereich der weitergehenden beruf
lichen Vorsorge den massgebenden AHV-pflichtigen Lohn als versicherten Lohn bezeichnen. Wenn im Reglement nichts enthalten sei, bedeute dies unmittelbar, dass keine weitere Kürzung vorgenommen werden dürfe. Dadurch, dass der Koordinationsabzug dem Grad der Teilinvalidität angepasst werde, werde in völ
liger Kongruenz zum tieferliegenden effektiven AHV-pflichtigen Einkommen gesichert, dass nur ein Teilbetrag des Koordinationsabzugs abgezogen werde
(Urk. 11).
2.
4
Duplicando
führte die Beklagte aus, für die Berechnung respektive Kürzung der Grenzbeträge se
i der Invaliditätsgrad von 66 %
massgebend,
was gemäss Art. 4 BVV 2 zu einer Kürzung von 75 % führe. Nur weil die Rentenleistungen prozent
genau erbracht würden, gelte dies nicht gleichermassen für die entsprechenden Kürzungsregeln, zumal diesbezügliche Ausführungen im Reglement fehlen würden. Die Klägerin sei im aktiven Teil effektiv in einem Teilzeitpensum tätig, weshalb sehr wohl ein Vergleich mit anderen teilzeitig tätigen Personen, die einen ungekürzten Koordinationsabzug auf ihrem AHV-Lohn hätten, angebracht sei. Für den passiven Teil erhalte die Klägerin eine Rente der Invalidenversicherung und auch eine entsprechend
e
BVG-Rente, was im Endeffekt in etwa wieder einem 100 % Lohn entspreche. Folglich würden die von der Klägerin geltend gemachten Ausführungen ihrerseits den Grundsatz der Gleichbehandlung verletzen (Urk. 15).
2.5
Strittig und zu klären ist
,
ob und inwieweit sich die bei der Klägerin bestehende Teilinvalidität
bei der Bemessung des versicherten Verdienstes
auf
den Koordina
tionsabzug sowie auf die Obergrenze des maximalen versicherten Verdienstes
auswirk
t
.
3.
3.1
Unbestrittenermassen sind
für die Bemessung des versicherten Verdienstes
in ers
ter Linie
die reglementarischen Bestimmungen massgebend
(Urk. 1 S. 4, Urk. 6 S. 4, Urk. 11 S. 3
Rn
6, Urk. 15 S. 3
Rn
6-7).
3.2
3.2.1
L
aut Ziffer 2.3.1
Absatz 1
des hier massgebenden Reglements der Beklagten in der ab 1. Januar 2018 gültig gewesenen Fassung (Urk. 2/3
S. 5
) entspricht der massgebende Jahreslohn dem mutmasslichen AHV-Jahreslohn der versicherten Person. Familien- und Kinderzulagen werden nicht berücksichtigt. Sofern der Vor
sorgeplan nichts
Anderes
vorsieht, werden Lohnbestandteile, die nur gelegent
lich oder vorübergehend anfallen, nicht berücksichtigt. Nicht zum massgebenden Jahreslohn gehören Abgangsentschädigungen und Dienstaltersge
schenke.
Gemäss
den ersten beiden Absätzen von
Ziffer 2.3.2 des Vorsorgeregle
ments
(Urk. 2/3 S. 5)
basiert die Berechnung der Vorsorgeleistungen und -beiträge auf dem v
ersicherten Jahreslohn (Abs. 1), wobei dieser
im Vorsorgeplan umschrieben
wird
(Abs. 2). Gemäss dem
hier
anwendbaren Vorsorgeplan ent
spricht der versicherte Jahreslohn dem massgebenden Jahreslohn, begre
nzt auf 450 % der maximalen AHV-
Altersrente und
reduziert um den Koordinations
abzug gemäss BVG, mindestens
jedoch dem BVG-Mindestlohn (Urk. 2/2).
3.2
.2
Im
Vorsorgeplan
für das Anwaltsbüro
Y._
, welcher
integrierender Bestandteil
des
Vorsorgeregleme
nts bildet (vgl. Urk. 2/2 S. 2),
wird ausdrücklich festgehalten, dass der versicherte Jahreslohn um den «Koordina
tionsabzug gemäss BVG» zu reduzieren
ist
, womit
die Kürzungsbestimmung für Teilinvalide von Art. 4 BVV 2
zumindest
hinsichtlich
dem Koordinationsabzug
Anwendung findet. Dies ist unter
den Parteien
–
dem Grundsatz nach
–
denn auch
unstrittig geblieben (Urk. 1 S. 6
Rn
8, Urk. 6 S. 3,
Urk. 11 S. 3
Rn
5,
Urk. 15 S. 2-3
).
Bei der Klägerin besteht
ein Invaliditätsgrad von 66 % und damit ein
Anspruch
auf eine
Dreiviertelsrente
der Invalidenversicherung (vgl. Urk. 2/11). Der Koordinationsabzug ist demnach in Anwendung von Art. 4 BVV 2 um drei Viertel zu kürzen
, wie es auch die Klägerin in ihrer Klage n
och vertreten hatte (vgl. E. 2.1
)
. Soweit die Klägerin in ihrer Replik für eine Kürzung von 66 % ein
steht (Urk. 11 S. 3
Rn
5), kann ihr nicht gefolgt werden, zumal sich weder aus Art. 4 BVV 2 noch aus den
reglementarischen Bestimmungen eine Grundlage für eine zum Invaliditätsgrad proportionale Kürzung des Koordinationsabzuges findet.
Vielmehr hat sich der
Bundesrat
bei Inkraftsetzung von
Art
4 BVV 2
aus
praktischen Erwägungen
dafür entschieden, die Grenzbeträge in Abhän
gigkeit vom Rentenbruchteil und nicht vom Invaliditätsgrad zu reduzieren
(Schnyder/Brechbühl, Änderungen bei den Leistungen der beruflichen Vorsorge, SZS 2005, S. 47)
.
3.
3
Wie bereits ausgeführt
(E. 1.4.1)
sind die Vorsorgeeinrichtungen
bei der Anwen
dung von statutarischen und reglementarischen Bestimmungen im weiterge
henden Vorsorgebereich
zwar grundsätzlich autonom, sie haben dabei jedoch das Gebot der Rechtsgleichheit, das Willkürverbot sowie das Verhältnismässigkeits
prinzip zu beachten. Zudem gelten die Vorschriften über die Definition und die Grundsätze der beruflichen Vorsorge sowie des versicherbaren Lohnes oder des versicherbaren Einkommens auch im Bereich der weitergehenden Vorsorge (Art. 49 Abs. 2
Ziff. 1
BVG).
Soweit
die Klägerin
den Standpunkt vertritt
,
es sei
einzig der Grenzbetrag der Eintrittsschwelle um drei Viertel zu kürzen
nicht aber
auch der obere Teil des versicherten Jahreslohn
e
s
(E. 2.1)
,
ist darauf hinzuweisen
, dass die im BVG statuierten Grenzbeträge (Eintrittsschwelle [Art. 7 Abs. 1 BVG], Koordinationsabzug [Art. 8 Abs. 1 BVG], maximaler/minimaler Verdienst [Art. 8 Abs. 1 und 2 BVG])
untereinander in einem direkten mathematischen Bezug und
in einem proportionalen Verhältnis zur Rentenhöhe der AHV
stehen
. Damit wird – in Umsetzung des Verf
assungsauftrages aus Art. 111 der Bundesverfassung
– gewährleistet, dass sich die Leistungen aus der
1.
und der 2. Säule gegenseitig ergänzen
(E. 1.1)
.
E
ine Kürzung des Koordinationsabzuges infolge Teilinvalidität
hat
somit
nur
schon aus systemischen Gründen
mit einer
proportionalen
Reduk
tion des oberen Grenzbetrages des versicherten Einkommens einherzugehen.
Das
Altersguthaben der Klägerin
wurde
aufgrund i
hrer Rentenberechtigung in einen
aktiven sowie in einen der Rentenberechtigung entsprechenden Teil aufge
teilt (Art. 15 BVV 2). Im aktiven Teil ist die Klägerin effektiv in einem Teilzeit
pensum tätig und für den passiven Teil erhält sie eine Invalidenrente (vgl. Urk. 2/11)
. Würde die Klägerin
aufgrund ihrer Teilinvalidität von einer
Kürzung des Koordinationsabzuges
profitieren, ohne dass sich auch der maximale versi
cherte Verdienst entsprechend reduzierte
, würde
sie
– wie die Beklagte zu Recht
vorbringt
(
Urk. 6 S. 4 f.
Rn
7,
Urk. 15) – im Vergleich mit einer teilerwerbstätigen Person, welche zu
k
einer Kürzung des Koordinationsabzuges berechtigt ist (vgl.
dazu
Stauffer, a.a.O.,
Rz
598
)
, in
stossender
Weise bessergestellt
.
Art. 4 BVV 2
bezieht sich denn auch
auf sämtliche Grenzbeträge und insbesondere auch auf den oberen Grenzbetrag von Art. 8 Abs. 1 BVG
(Mitteilungen über die berufliche
Vorsorge Nr. 75, S. 15 f., Erläuterungen zu Art. 4 «Koordinierter Lohn von
teil
invaliden
Versicherten»; vgl. Urk. 6 S. 3).
Dementsprechend ist die von der Klägerin
geforderte
Bemessung des versicherten Verdienstes in Anbetracht des Gebots der Gleichbehandlung der Versicherten (vgl. E. 1.4.2) nicht zu schützen.
4.
Zusammengefasst
sind die reglementarischen Bestimmungen hinsichtlich der Bemessung des versicherten Verdienstes bei Teilinvalidität
vorliegend
so auszu
legen, dass
eine
Art. 4 BVV 2
entsprechende Regel
auch in der weiter
gehenden
beruflichen Vorsorge Anwendung findet, womit sowohl der Koordinationsabzug als auch der maximale versicherte Verdienst um drei Viertel zu kürzen sind.
Die Klägerin verfügt somit über keinen Anspruch auf Bemessung des versicherten Verdienstes ohne Kürzung des maximalen versicherten Verdienstes. Diese Erwä
gungen haben die Abweisung der Klage zur Folge.
5.
Der vorherrschende Grundsatz der Einfachheit und Raschheit des Verfahrens (Art. 73 Abs. 2 BVG) lässt es aufgrund der Dispositionsmaxime im Belieben der klägerischen Partei, den Streit zu definieren, den sie dem Berufsvorsorgegericht vortragen will. Aufgrund des im Recht der beruflichen Vorsorge auf kantonaler Ebene vorgeschriebenen Klageverfahrens ergibt sich der Streitgegenstand einzig aus den Rechtsbegehren der Klage, und allenfalls, soweit zulässig, der Widerklage (BGE 135 V 23 E. 3.1
mit Hinweis auf BGE 129 V 450 E. 3.2
).
In der Folge
sind
im vorliegenden Verfahren
einzig die gestellten Klageanträge zu prüfen.
Ein Fest
stellungsinteresse der Beklagten an ihrem Antrag auf Feststellung des versi
cherten Verdienstes (Urk. 6 S. 2 Rechtsbegehren Ziffer 2) ist nicht auszumachen, zumal es ihr
im Rahmen der
Durchführung der beruflichen Vorsorge
im
nicht
streitigen Verfahren
(vgl. dazu Stauffer,
a.a.O.
,
Rz
1911 ff.)
obliegt, den versi
cherten Verdienst umfangmässig festzulegen, wogegen der versicherten Person (wiederum) der Klageweg offensteht.
Damit hat
es mit der Ab
weisung der Klage sein Bewenden
.
6
.
Praxisgemäss werden den Trägern der beruflichen Vorsorge keine Prozessent
schädigungen zugesprochen. So ist auch hier zu verfahren. Die obsiegende Beklagte hat denn auch keinen entsprechenden Antrag gestellt (Urk.
6 S. 2).