# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 8ee90050-a739-4884-8fd7-d64c6be4362b
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_005
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Criminal Procedure

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. Am 1. September 2014, um 16:10 Uhr, lenkte Z._ das Fahrzeug Toyota J Hiace 2.5 4WD, _, samt Sachentransportanhänger Humbaur X HA 7510 G, _, vom Parkplatz "A._" in O.1_ Richtung _strasse, um weiter nach O.2_ zu fahren. Als Z._ keinen Verkehr auf der _strasse wahrnahm, fuhr er linksabbiegend in diese ein. Dabei übersah er den vortrittsberechtigten Motorradfahrer X._, der mit seinem Motorrad Harley Davidson, _, Richtung O.3_ fuhr. In der Folge kam es zu einer seitlich frontalen Kollision zwischen den Fahrzeugen. X._ und seine Soziusfahrerin Y._ stürzten und verletzten sich.
B. Am Tag nach dem Unfall, dem 2. September 2014, füllten X._ und Y._ das Formular "Strafantrag/Privatklage" der Staatsanwaltschaft Graubünden aus, wobei sie jeweils angaben, auf die Stellung eines Strafantrages zu verzichten, sich jedoch als Straf- und Zivilkläger am Strafverfahren beteiligen zu wollen.
C. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 12. Januar 2015, mitgeteilt am 19. Januar 2015, wurde Z._ der Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 36 Abs. 2 SVG und Art. 15 Abs. 3 VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG für schuldig befunden und mit einer Busse von Fr. 400.00 bestraft.
D. Mit Eingabe vom 27. Januar 2015 (Datum Poststempel) an die Staatsanwaltschaft Graubünden erklärten X._ und Y._, dass sie Einsprache gegen den Strafbefehl vom 12. Januar 2015 erheben würden. In dessen Sachverhalt werde zu Unrecht festgestellt, dass sie auf die Stellung eines Strafantrages gültig verzichtet hätten. Ein solcher Verzicht liege nicht vor, hätten sie sich doch explizit als Straf- und Zivilkäger konstituiert. Im Weiteren seien die im Sachverhalt des Strafbefehls als leicht bezeichneten Verletzungen in Tat und Wahrheit gravierender, weshalb ersucht werde, auf den Strafbefehl zurückzukommen und zuerst den weiteren Krankheitsverlauf abzuwarten.
E. Mit Schreiben vom 3. Februar 2015 stellte die Staatsanwaltschaft Graubünden die "Einsprache" von X._ und Y._ dem Kantonsgericht von Graubünden zu zwecks Prüfung der Frage, ob die Eingabe als Beschwerde gemäss Art. 393 StPO zu betrachten sei. Da es in der vorliegenden Angelegenheit durch den Verzicht auf die Stellung eines Strafantrages an einer Prozessvoraussetzung gefehlt habe, hätte sie gemäss Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO
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eine Nichtanhandnahmeverfügung zu erlassen gehabt, was vorliegend jedoch nicht geschehen sei. Weil die Staatsanwaltschaft nicht zwei separate Entscheide gefällt habe, sondern nur einen Strafbefehl, sei von einer impliziten Nichtanhandnahme auszugehen, die nicht mit Einsprache, sondern mittels Beschwerde anzufechten sei.
F. Mit Verfügung des Vorsitzenden der II. Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden wurden die Staatsanwaltschaft und Z._ aufgefordert, zur Einsprache bzw. - richtigerweise - zur Beschwerde von X._ und Y._ (nachfolgend: Beschwerdeführer) Stellung zu nehmen.
G. Mit Stellungnahme vom 12. Februar 2015 beantragte die Staatsanwaltschaft die kostenfällige Abweisung der Beschwerde, da die Beschwerdeführer gültig auf die Stellung eines Strafantrages verzichtet hätten.
H. Z._ liess sich mit Schreiben vom 16. Februar 2015 dahingehend vernehmen, als dass ihm das Geschehene leid tue und er den Strafbefehl vom 12. Januar 2015 akzeptiere.
I. Auf die Begründung der Anträge in den Rechtsschriften sowie auf die Ausführungen im angefochtenen Strafbefehl wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
II. Erwägungen
1. a) Anfechtungsobjekt der vorliegenden Beschwerde bildet der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 12. Januar 2015, mitgeteilt am 19. Januar 2015. Ein Strafbefehl ist grundsätzlich mittels Einsprache anzufechten; die Einsprache ist an die Staatsanwaltschaft zu richten (Art. 354 Abs. 1 StPO). Beschwerde gemäss Art. 393 ff. StPO ist jedoch zu erheben, wenn der Strafbefehl eine implizite Einstellung enthält. Eine solche liegt namentlich dann vor, wenn die Staatsanwaltschaft durch den Strafbefehl nur einen Teil der inkriminierten Taten ahndet, im Übrigen jedoch keine formelle Einstellung erfolgt (BGE 138 IV 241 E. 2 = Pra 2013 Nr. 29). Der Grundsatz der Verfahrenseinheit (Art. 29 StPO) verlangt, dass Straftaten gemeinsam verfolgt und beurteilt werden, wenn eine Person wegen mehrerer Straftaten verdächtigt, beschuldigt oder angeklagt ist. In materieller Hinsicht ist dies insbesondere für die Bildung einer Gesamtstrafe (Art. 49 StGB) wichtig. Daraus lässt sich im Umkehrschluss ableiten, dass beim Erlass eines Strafbefehls lediglich hinsichtlich eines Teils der inkriminierten Taten ohne
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gleichzeitigen Erlass einer Einstellungsverfügung für die übrigen Punkte (bzw. ohne Mitteilung i.S.v. Art. 318 Abs. 1 StPO) im Regelfall von einer impliziten Einstellung auszugehen ist und diese ohne weiteres Zuwarten auf eine allfällige förmliche Einstellung angefochten werden kann (vgl. Beschluss des Kantonsgerichts von Graubünden SK2 14 60 vom 3. März 2015, E. 1a [zur  vorgesehen]). Dies hat sinngemäss auch bei einer impliziten Nichtanhandnahme zu gelten (Franz Riklin, Kommentar StPO, 2. Aufl., Zürich 2014, N 11 zu Art. 354 StPO), zumal gemäss Art. 310 Abs. 2 StPO die Vorschriften zur Verfahrenseinstellung bei einer Nichtanhandnahme analog anzuwenden sind. Zu prüfen ist somit zunächst, ob der angefochtene Strafbefehl eine implizite Nichtanhandnahme enthält. Bejahendenfalls ist die Beschwerde zulässig.
b) Bereits im Polizeirapport vom 9. Oktober 2014 (StA act. 1, S. 3) sind Verletzungen sowohl von X._ als auch von Y._ dokumentiert. Dementsprechend war denn auch bei den an die Beschwerdeführer ausgehändigten und von diesen ausgefüllten Formularen "Strafantrag/Privatklage" als Betreff jeweils "Verkehrsunfall/Körperverletzung" aufgeführt (vgl. StA act. 9 und 11). Zudem liegen den staatsanwaltschaftlichen Akten zwei Arztberichte des B._ bei, welche sich über die durch den Unfall zugezogenen Verletzungen der Beschwerdeführer äussern (StA act. 8 und 10). Schliesslich spricht auch der Strafbefehl vom 12. Januar 2015 davon, dass sich X._ und Y._ leicht verletzt hätten. Angeführt wird sodann, dass die Beschwerdeführer auf die Stellung eines Strafantrages verzichtet hätten, was nichts anderes bedeuten kann, als dass ein Verfahren betreffend die Verletzungen der Beschwerdeführer nicht an die Hand genommen wurde. Diese Auffassung wird offenbar auch von der Staatsanwaltschaft selbst geteilt, wenn sie in ihrem Schreiben vom 3. Februar 2015 (KG act. A.2) festhält, durch den Verzicht auf die Stellung eines Strafantrages habe es an einer Prozessvoraussetzung (wie zu ergänzen ist: für die Eröffnung eines Strafverfahrens betreffend die Verletzungen der Beschwerdeführer) gefehlt, weshalb - mangels förmlicher Nichtanhandnahmeverfügung - von einer impliziten Nichtanhandnahme auszugehen sei. In Bezug auf die (implizite) Nichtanhandnahme betreffend die Verletzungen von X._ und Y._ ist die Beschwerde somit zulässig bzw. die "Einsprache" vom 27. Januar 2015 als Beschwerde entgegenzunehmen. Die falsche Bezeichnung des Rechtsmittels schadet nicht (vgl. Art. 385 Abs. 3 StPO).
2. a) Gemäss Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO in Verbindung mit Art. 310 Abs. 2 StPO und Art. 322 Abs. 2 StPO sowie Art. 22 des Einführungsgesetzes zur
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Schweizerischen Strafprozessordnung (EGzStPO; BR 350.100) kann gegen Nichtanhandnahmeverfügungen der Staatsanwaltschaft beim Kantonsgericht von Graubünden Beschwerde geführt werden. Die Behandlung der Beschwerde fällt in die Zuständigkeit der II. Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden (Art. 10 Abs. 1 der Kantonsgerichtsverordnung [KGV; BR 173.110]). Die Beschwerde ist innert 10 Tagen schriftlich und begründet einzureichen (Art. 322 Abs. 2 StPO; Art. 396 Abs. 1 StPO). Die beschwerdeführende Partei hat dabei genau anzugeben, welche Punkte des Entscheides bzw. der Verfügung sie anficht (Art. 385 Abs. 1 lit. a StPO), welche Gründe einen anderen Entscheid nahelegen (Art. 385 Abs. 1 lit. b StPO) und welche Beweismittel sie anruft (Art. 385 Abs. 1 lit. c StPO). Mit Beschwerde können gemäss Art. 393 Abs. 2 StPO sowohl Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung (lit. a), als auch die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts (lit. b) gerügt werden. Ferner kann die Rüge der Unangemessenheit (lit. c) erhoben werden.
b) Die als Beschwerde entgegenzunehmende "Einsprache" vom 27. Januar 2015 (Datum Poststempel) erweist sich als fristgerecht. Die Eingabe an die Staatsanwaltschaft als für Beschwerden gemäss Art. 393 ff. StPO nicht zuständige Behörde schadet nicht (Art. 91 Abs. 4 StPO).
c) Die Beschwerdeführer verweisen zur Begründung ihrer Beschwerde im Wesentlichen auf ein bei den Akten der Staatsanwaltschaft liegendes Schreiben. Zu prüfen ist, ob dies dem Begründungserfordernis der Beschwerde genügt.
Gemäss Art. 396 Abs. 1 StPO ist die Beschwerde zu begründen. Sie hat sich insbesondere darüber zu äussern, welche Gründe einen anderen Entscheid nahe legen (Art. 385 Abs. 1 lit. b StPO). In der Begründung ist schlüssig zu behaupten, dass und weshalb ein Beschwerdegrund gegeben ist. Die Anforderungen an die Beschwerdebegründung dürfen nicht überspannt werden, doch hat sich die Begründung zumindest in minimaler Form mit der angefochtenen hoheitlichen Verfahrenshandlung auseinanderzusetzen (vgl. Patrick Guidon, Die Beschwerde gemäss Schweizerischer Strafprozessordnung, Zürich/St. Gallen 2011, Rz. 392 mit Hinweis auf BGE 131 II 449 E. 1.3). Daran mangelt es, wenn die Richtigkeit der tatsächlichen oder rechtlichen Erwägungen der angefochtenen Handlung nur pauschal bestritten wird. Die Gründe, welche einen anderen Entscheid nahelegen, müssen sich grundsätzlich aus der Beschwerdeschrift selbst ergeben. Als ungenügend angesehen werden deshalb allgemeine Verweise auf Ausführungen in Rechtschriften anderer Verfahren oder gar auf die Gesamtheit der Akten, da es
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nicht Aufgabe der Beschwerdeinstanz sein könne, in Eingaben an andere Behörden oder anderen Verfahren nach Beschwerdegründen samt der dazugehörigen Anträge zu suchen (vgl. Guidon, a.a.O., Rz. 394 m.w.H.). Nach Guidon wäre es jedoch zu formalistisch, wenn nicht auf Rechtsschriften des vorinstanzlichen Verfahrens verwiesen werden dürfte. Wolle der Beschwerdeführer zur Vermeidung von Wiederholungen auf schon bei der vorinstanzlichen Strafbehörde vorgebrachte Argumente verweisen, so sei dies nicht zu beanstanden, sofern er die betreffenden Aktenstücke genau bezeichne (Guidon, a.a.O., Rz. 394; in diesem Sinne auch der Beschluss des Kantonsgerichts Basel-Landschaft vom 10. April 2012 [470 12 18], E. 1.4; restriktiver jedoch Niklaus Schmid, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2013, Rz. 1474 [Fn. 91], welcher Verweise auf frühere Rechtsschriften oder solche anderer Parteien für unzulässig hält, sich dabei allerdings auf das Urteil des Bundesgerichts 2C_528/2010 vom 6. November 2010 [abgedruckt in SJ 2011 I 107 ff.] beruft, wo es um das - wohl strengeren Kriterien unterworfene - Begründungserfordernis im Verfahren vor Bundesgericht selbst ging).

## Considerations