# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** af4632b0-3756-47ab-aea8-0b0661fba619
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der 1986 geborene
X._
war seit
1.
Februar 2015
als
Brandschutzmonteur
bei der
Y._
AG
angestellt und in dieser Eigenschaft bei der
Suva
gegen die Folgen von Unfällen versichert
. Am 2
6.
Februar 2015 fiel
er
bei
m H
erab
stei
gen von
einer Leiter
und verletzte sich an der
linken
Schulter (Schadenmeldung vom
9.
März 2015 [
Urk.
10/2]
).
Die
Suva erbrachte
ihre
Leistungen,
Taggeld un
d Heilbehandlung
und erteilte Kostengutsprache für
di
e
am
8.
September 2015
durchgeführt
e
offene Schulterstabilisation nach
Latarjet
(
Urk.
10/15,
Urk.
10/59
und
Urk.
10/36 ff.
).
Am
6.
April 2016 wurde dem Versicherten ein Herzschri
tt
macher implantiert (
Urk.
10/81
, vgl.
Urk.
10/78
).
Vom 2
0.
September bis 2
0.
Ok
tober 2016 hielt
er sich
im Zusammenhang mit einer von
der Suva veranlassten Belastbarkeitsabklärung in der Reh
a
klinik
Z._
auf (
Urk.
10/118
).
Nach einer kreisärztlichen Untersuchung vom
8.
Februar 2017 (
Urk.
10/143) teilte die Suva den Fallabschluss und
die
Einstellung ihrer Leistungen per
1.
April 2017 mit und wies auf die separate Rentenprüfung hin (
Urk.
10/147).
Im weiteren Verlauf be
teiligte
sie sich
an einem von der Eidgenössischen Invalidenversicherung in Auf
trag gegebenen interdisziplinären Gutachten der MEDAS
A._
(Gutachten vo
m
4.
Dezember 2017 [
Urk.
10/203;
vgl. auch
Urk.
10/184 f.])
.
Mit Verfügung vom 2
2.
März 2018 (
Urk.
10/211
) sprach
sie
entsprechend
einer Integritätseinbusse von 10
%
eine Int
egritätsentschädigung von
Fr.
12’6
00.
--
zu
. Mit
einer weiteren Verfügung vom 2
2.
März 2018 (
Urk.
10/214
)
verneinte sie Rentenleistungen der Unfallversicherung
mit der Begründung eines fehlenden natürlichen Kausalzu
sammenhangs zwischen dem Unfall vom 2
6.
Februar 2015 und der im Februar 2016 eingetret
enen vollen Erwerbsunfähigkeit. Im Zeitpunkt des möglichen Ren
tenanspruchs habe aufgrund der vollständigen Invalidität aus unfallfremden Gründen im Sinne der überholenden Kausalität kein Anspruch auf ei
ne Rente der Unfallversicherung entstehen
könne
n.
Die Eidgenössische Invalidenversicherung sprach ihrerseits mit Verf
ügung vom 8.
Mai 2018 (
Urk.
10/223) eine ganze Rente mit Wirk
ung ab
1.
Oktober 2016 zu. Gegen die
beiden
Verfügungen
der Suva
vom 2
2.
März 2018 erhob der Versicherte am
6.
April 2018 vorsorglich und am
8.
Mai 2018 begründet Einsprache (
Urk.
10/217 und
Urk.
10/222).
Nachdem die Suva den Fall ihrem Kreisarzt unterbreitet hatte (
Urk.
10/241
)
, wies sie die Ein
sprache mit
Einspracheentscheid
vom 1
3.
März
201
9
ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen
erhob der Versicherte am 2
3.
April 2019
(
Urk.
1) Beschwerde mit den Anträgen (S. 2), der
Einspracheentscheid
sei aufzuheben und es sei eine Rente und eine höhere Integritätsentschädigung der Unfallversicherung aus
zurichten,
allenfalls
sei ein Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben.
In ihrer Be
schwe
rdeantwort vom 1
7.
Juli 2019
beantragte die S
uva
, die Be
schwerde sei ab
zuweisen (
Urk.
9
).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebro
chen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Über
gangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am 2
6.
Februar 2015 ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Gemäss
Art.
6 UVG werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
krankheiten gewährt (
Abs.
1). Der Bundesrat kann Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen (
Abs.
2). Aus
serdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen bei Schädigungen, die den Ver
unfallten bei der Heilbehandlung zugefügt werden (
Abs.
3).
1.
3
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des na
türlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht al
s in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit e
ingetreten gedacht werden kann
(BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm ob
liegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Be
weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Mög
lichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
an
spruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.
4
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmäs
sige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG), so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 % invalid (Art. 8 ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1). Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden kann und allfällige Einglie
derungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG).
1.5
1.5
.1
Nach Art. 24 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine angemes
sene Integritätsentschädigung, wenn sie durch den Unfall eine dauernde erhebli
che Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität erleidet. Die Integritätsentschädigung wird in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie darf den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten Jahresverdienstes nicht übersteigen und wird entsprechend der Schwere des Integritätsschadens ab
ge
stuft (Art. 25 Abs. 1 UVG).
1.5
.2
Gemäss Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung der Entschädi
gung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36 UVV Gebrauch gemacht. Abs. 1 dieser Vorschrift bestimmt, dass ein Integritätsschaden als dauernd gilt, wenn er vo
raussichtlich
während des ganzen Lebens minde
stens in gleichem Umfang be
steht. Er ist erheblich, wenn die körperliche oder geistige Integrität, unabhängig von der Erwerbsfähigkeit, augenfällig oder stark beeinträchtigt wird. Gemäss Abs. 2 gelten für die Bemessung der Integritätsentschädigung die Richtlinien des Anhanges
3.
Fallen mehrere körperliche oder geistige Integritätsschäden aus einem oder mehreren Unfällen zusammen, so wird die Integritätsentschädigung nach der
gesamten Beeinträchtigung fest
gesetzt (Abs. 3).
1.
5
.3
Im Anhang 3 zur UVV hat der Bundesrat Richtlinien für die Bemessung der In
tegritätsschäden aufgestellt und in einer als gesetzmässig erkannten, nicht ab
schliessenden Skala (BGE 124 V 29 E. 1b mit Hinweisen) wichtige und typische Schäden prozentual gewichtet (RKUV 2004 Nr. U 514 S. 416). Für die darin ge
nannten Integritätsschäden entspricht die Entschädigung im Regelfall dem ange
gebenen Prozentsatz des Höchstbetrages des versicherten Verdienstes (
Ziff.
1
Abs.
1). Die Entschädigung für spezielle oder nicht aufgeführte Integritätsschäden wird nach dem Grad der Schwere vom Skalenwert abgeleitet (
Ziff.
1
Abs.
2). In
tegritätsschäden, die gemäss der Skala 5 % nicht erreichen, geben keinen An
spruch auf Entschädigung (
Ziff.
1
Abs.
3). Die völlige Gebrauchsunfähigkeit eines Organs wird dem Verlust gleichgestellt; bei teilweisem Verlust und teilweiser Ge
brauchsunfähigkeit wird der Integritätsschaden entsprechend geringer, wobei die Entschädigung jedoch ganz entfällt, wenn der Integritätsschaden weniger als 5 % des Höchstbetrages des versicherten Verdienstes ergäbe (
Ziff.
2).
1.5
.4
Die Medizinische Abteilung der Suva hat in Weiterentwicklung der
bundesrätli
chen
Skala weitere Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form (sog. Feinras
ter) erarbeitet. Diese von der Verwaltung herausgegebenen Tabellen stellen zwar keine Rechtssätze dar und sind für die Parteien nicht verbindlich, umso mehr als
Ziff.
1 von Anhang 3 zur UVV bestimmt, dass der in der Skala angegebene Pro
zentsatz des Integritätsschadens für den «Regelfall» gilt, welcher im Einzelfall Ab
weichungen nach unten wie nach oben ermöglicht. Soweit sie jedoch lediglich Richtwerte enthalten, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicherten gewähr
leistet werden soll, sind sie mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 29 E. 1c, 116 V 156 E. 3a).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren Entscheid
damit (
Urk.
2 S. 7 ff.), dass
gemäss
kre
isärztliche
r
Untersuchung
vom
8.
Februar 2017
ab Untersuchungsda
tum
leichte
und
für den linken Arm angepasste Tätigkeiten zu 100
%
zumutbar
sei
en
und
von weiteren Massnahmen keine namhafte Besserung der Arbeitsfä
higkeit
mehr
habe
erwarte
t werden können.
Gemäss dem
interdisziplinären Gu
t
achten der MEDAS
A._
vom 4.
Dezember
2017
sei aus
rein orthopädischer
Sich
t
in einer Verweistätigkeit ab März 2016 eine medizinisch-theoretisch
e
Arbeitsfä
higkeit von 100
%
festgehalten
und ab
Mitte August 2017
zufolge
Verschlechte
rung der
Situation an der
linken Schulter und
eines vermehrten Pausenbedarfs
und verringerter
Leistung
noch eine Arbeitsfähigkeit von 60
%
attestiert worden.
Zur erneuten
(weiteren)
Beurteilung sei
auf
die
laufende
orthopädische
Behand
lung hingewiesen worden
, die in
der
Universitätsklinik
B._
erfolge
und noch nicht
a
bgeschlossen worden sei
. Am 2
2.
Dezember 2017 habe der zuständige Arzt der U
niversitätsklinik
B._
von einer deutlichen Besserung des Zustandes be
richtet und es sei keine weitere Kontrolle vereinbart worden. Darauf sei der Kreis
arzt am 2
3.
Februar 2018 zum Schluss gekommen, dass der Endzustand bezüglich linker Schulter erreicht sei und
damit
seien
die Taggeldleistungen per 31.
März 2017 ei
n
gestellt worden. Ein Anspruch auf eine Invalidenrente für die Unfallfol
gen habe daher frühestens am
1.
April 2017 entstehen können. Indes habe die
IV-Stelle des Kantons Zürich mit Verfügung vom
8.
Mai 2018
eine ganze Rente zugesprochen und aufgrund
d
er verspäteten A
nmeldung den
Beginn der Renten
zahlung auf den
1.
Oktober 2016 festgelegt.
D
er Anspruch auf eine Rente der
(Eidgenössischen)
Invalidenversicherung
sei damit
zwar nach dem Unfall vom 2
6.
Februar
2015
, jedoch noch vor dem Zeitpunkt
des Eintritts der unfallbeding
ten Erwerbsunfähigkeit
entstanden.
Dabei sei
dem
Gutachten der MEDAS
A._
zu entnehmen
, dass
bezüglich der 100%igen Arbeitsunfähigkeit in angestammter wie
auch
in einer Verweistätigkeit ab
Februar
2016 die kardiale Situation im Vor
dergrund
gestanden habe
.
Gestützt darauf se
i davon auszugeh
en, dass die unfall
fremde volle Invalidität eingetreten sei, bevor am
1.
April 2017 ein Anspruch auf eine Invalidenrente der Unfallversicherung habe entstehen können. Es
liege damit
ein Fall der
überholenden Kausalität vor
.
Bezüglich Integritätsentschädigung sei die linke Schulte
r des Beschwerdeführers noch 30 Grad
über der Horizontalen beweglich. Die kreisärztliche Schätzung des Integritätsschadens auf 10
%
erweise sich mit Blick auf die F
einrastertabelle 1.2 der Suva (
Integritätsschaden bei Funktionsstöru
ngen an den oberen Extremitäten
) als
angemessen hoch bewertet
(S. 13 f.).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber
auf den Standpunkt (
Urk.
1
S. 3
f
.
),
er habe insgesamt fünf Unfälle
an der linken Schulter erlitten. Da
bei
seien
unterschiedliche Unfallversicherungen involviert
gewesen
;
Ereignis 1
vom
16.
November
2007,
Militärversicherung; Ereignis 2 mit unbe
kanntem Datum, Militärversicherung
;
Ereignis 3
vom 2
2.
April 2012,
SUVA; Er
eignis 4 vom 3
0.
April
2013,
die
Zürich Ve
rsicherungen;
Ereignis 5 vom 2
6.
Feb
ruar
2015, SUVA
.
Den
MEDAS
Gutachter
hätten
n
icht alle Akten vorgelegen. I
nsbesondere
würden
die Unfallunterlagen der Zürich Versicherung zum Ereignis vom 3
0.
April 2013
fehlen
.
Er habe a
ufgrund der schlechten Prognose hinsichtlich der Herzbeschwer
den die notwendigen empfohlenen Behandlungen im
B._
nicht aufnehmen können. Es könne daher nicht von einem
Endzustand ausgegangen werden und
der Rentenanspruch
könne
nich
t abschliessend verneint werden. A
uch die Höhe der Integritätsentschädigung
sei fraglich
. Es
sei
nicht nachvollziehbar, wie die Be
schwerde
gegnerin im
Einspracheentscheid
vom 13.
März 2019 allfällige Ren
tenansprüche
habe verneinen
können
und lediglich auf einen Fall der sich über
holenden Kausalität
verwiesen habe
. Es
sei
auch stossend, dass die Beschwerde
gegnerin weder rechtzeitig eine Rückfallmeldung bei der Militärversicherung ein
gereicht, noch die Abklärungen der Militärversicherung abgewartet habe um erst dann abschliessend zu beurteilen, ob es sich um einen Rückfall, eine Verschlim
merung oder um Spätfolgen handle. Je nach Abklärungsergebnis resultierten un
terschiedliche Leistungsansprüche und die Leistungen hätten entsprechend un
tereinander koordiniert werden müssen
(S. 4 f.)
.
3.
3.1
Kreisarzt
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Chirurgie, hielt anlässlich seiner Untersu
chung vom
8.
Februar 2017 (
Urk.
10/143) folgende Diagnosen fest
(S. 5)
:
Schulterluxation links am 2
6.
Februar 2015 mit:
-
anteroinferiorer
Schulterinstabilität
-
Bankart-Läsion und kleine Hill-Sachs-Läsion
-
Status nach offener Schulterstabilisatio
n nach
Latarjet
am 8.
Septem
ber 2015
Der Beschwerdeführer gebe
an, dass
bei
der
Aussenrotation noch starke Schmer
zen im Bereich des linken Schultergelenks auftreten
würden
. Die Abduktion des linken Arms sei massiv eingeschränkt, während
die
Anteversion gut möglich
sei
. Körpernah könnten 3-4 kg und körperfern 2-3 kg gehoben werden. Der Nacht
schlaf sei durch
die
Beschwerden im linken Schultergelenk deutlich gestört, und der Beschwerdeführer erwache
deshalb
drei- bis viermal pro Nacht
(S. 3)
.
Im lin
ken Schultergelenk
zeige sich e
in eher schlechtes Heilergebnis und
die Beweg
lichkeit
sei insbesondere bei Abduktion massiv eingeschränkt und
die Belastbar
keit des linken Arms ebenso. A
ls Brandschutzmonteur
bestehe keine Arbeitsfä
higkeit mehr und
es
werde auch keine Arbeitsfähigkeit mehr erreichbar sein. Auf
grund der Schulterverletzung link
s seien ab dem Untersuchungstag
leichte Tätig
keiten mit einem Gewichtslimit, angelegt von 10 kg und körperfern
von 4 kg, ohne Überkopfarbeiten
insbesondere unter Last und ohne Arbeiten, die eine Ro
tation im Schultergelenk verlangten, für den linken Arm zu 100
%
zumutbar. Die jetzt noch vorhandenen Beschwerden im Bereich des linken Schultergelenks seien unfallkausal. Die Erstluxation hab
e
vor zwanzig Jahren
in
der Rekrutenschule
(RS)
stattgefunden und somit wäre eigentlich die Militärversicherung für die Sta
bilisierungsoperation zuständig gewesen und es sei davon auszugeben, dass alle weiteren Luxationen aufgrund der Instabilität im linken Schultergelenk erfolgt seien.
Selbst wenn dies abgelehnt würde, so sei ein Sturz am 2
8.
April 2013, de
finiert als traumatische Schulterluxation links mit mehrfragmentärer Bankart-Läsion und Hill-Sachs-Läsion, eher geeignet
gewesenen
eine Instabilität der Schulter hervorzurufen, als das Kontusionstrauma am 2
6.
Februar
201
5.
Der Be
schwerdeführer sei damals bei der Zürich Versicherung versichert gewesen. Es
sei
ein Endzustand erreicht und von weiteren Behandlungen könn
t
e
n
keine wesent
liche
n
Verbesserung
en
mehr erwartet werden. Zum Erhalt der jetzigen Beweg
lichkeit sei die Physiotherapie sowie die Wassertherapie noch bis Ende April fort
zu
führen
und
für die benötigten Schmerzmittel
bestehe weiterhin eine Leistungs
pflicht
(S. 5 f.).
Unter Beurteilung des Integritätsschadens hielt der Kreisarzt fest
(
Urk.
10/142)
, d
ie Unfallfolgen
seien
dauernd und erhebli
ch, der Integritätsschaden betrage
10
%.
Referenz sei die Integritätsentschädigung gemäss UVG, Tabelle l (Revision 2000), Integritätsschaden bei Funktionsstörungen an den oberen Extremitäten. Als Referenzwert werde die völlige Gebrauchsunf
ähigkeit eines Arms, die mit 50
% bewertet sei, herangezogen.
3.2
Im Interdisziplinären Gutachten der MEDAS
A._
vom
4.
Dezember 2017 (
Urk.
10/203
/4-48
), basierend auf Untersuchungen in den Fachgebieten Allge
meine Innere Medizin, Orthopädie, Psychiatrie und Kardiologie, nannten die Ex
perten folgende Diagnosen (S. 25):
Diagnosen mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit
(
als
Brandschutzmonteur)
-
schwere Kardiomyopathie mit mittelschwer eingeschränkter linksventri
kulärer Funktion bei Status nach
CRT Implantation im April 2016
-
Scapuladyskinesie
mit schmerzhafter Bewegungseinschränkung von 40
%
bei/mit:
-
Status nach offener Schulterstabilisation nach
Latarjet
(2x35 mm Mal
-
leolarschrauben
) links am
8.
September
2015 bei/mit:
-
Status nach
anteroinferiorer
Schulterinstabilität links mit
ossärer
Bankartläsion und kleiner Hill-Sachs-Läsion mit/bei:
-
Status nach
Schulter-Erstluxation links als 20-jähriger in der RS
-
Status nach
mehrfachen Reluxation
en, letzte traumatisch am 2
8.
April
2013 und erneut am
2
7.
Februar
2015,
rezidivierende (Sub)
luxationen
im Alltag
Diagnosen ohne Relevanz für die Arbeitsfähigkeit
-
Schwierigkeiten in Bezug auf die Lebensbewältigung
(ICD-10 Z
73
)
; Stress nicht anders klassifiziert bei körperlichen/psychischen Störun
gen/Belast
-
ungen
(ICD-10 Z
73.3
)
-
Hypertonie Erstdiagnose Februar 2016
-
Adipositas Grad l, BMI 31kg/m
2
-
Status nach Nikotinkonsum
Der orthopädische Experte
führte aus
, der im Untersuchungszeitpunkt 31
-j
ährige Beschwerdeführer habe in der RS
eine Schulterluxation links
und dann erneut Schulterluxationen links anlässlich eines Treppensturzes 2013 und eines Leiter
sturzes 2015 erlitten. Am
8.
September 2015 sei eine offene Schulteroperation links in der Uniklinik
B._
durchgeführt worden. Ab Januar 2016 sei eine schwere Herzinsuffizienz unklarer
Aetiologie
diagnostiziert worden. Eine n
ormale postoperative physiotherapeutische Behandlung habe
deshalb nicht
stattfinden
und eine
normale Beweglichkeit und ein schmerzfreier Zustand habe nie erreicht werden können.
Klinisch
zeige sich
ein normaler Status bis au
f die Schulterprob
lematik links
mit einer eingeschränkten Beweglichkeit der linken Schulter um 40
%
und einer
Scapuladykinesie
.
Radiologisch
zeigten sich
normale
ossäre
Ver
hältnisse und eine Muskul
atur ohne fettige Degeneration.
Zusammengefasst
könne
eine verminderte Schulterbelastbarkeit links attestiert werden
. Aufgrund
der
Einschränkungen bestehe folgendes Zumutbarkeitsprofil: Das andauernde He
ben und Tragen von schweren Lasten über 3 kg links sei nicht mehr zumutbar, wie
auch
Arbeiten mit langen Hebelarmen links, Überkopfarbeiten links sowie das Hantieren mit schlagenden und vibrierenden Maschinen.
Die
vollständige
Ar
beitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit könne sechs Monate postoperativ, das heisse ab März 2016 attestiert und ab Mitte August 2017 bis auf weiteres
,
könne
wegen der Verschlechterung der linken Schulter
,
in einer Verweistätigkeit von
eine
r
Arbeitsfähigkeit von 60
%
ausgegangen werden.
Der
Beschwerdeführer
sollte medizinisch in der Klinik
B._
weiter
beurteilt und betreut werden und
nach Abschluss der Behandlung
sollte
eine orthopädische Neubeurteilung zur Ar
beitsfähigkeit erfolgen (S. 2
1
f.).
Aus allgemeininternistischer Sicht hielt der Experte fest, es bestehe keine Diag
nosen mit Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit. Der Beschwerdeführer sei dies
bezüglich 100
%
leistungsfähig und das Zeitpensum lieg
e
bei 8.5 Stunden pro Tag. Die kardiologische Seite sei dabei kardiologisch zu beurteilen
(S. 2
3
)
.
Der Kardiologe führte aus,
es
bestünden eine bekannte
dilatative
Kardiomyopa
thie und ein Status nach CRT
(Herzschrittmacher)
Implantation im April 201
6.
Es k
önne
eine schwere
dilatative
K
ardiomyopathie mit mittelschwer
eingeschränkter linksventrikulärer Funktion nachgewiesen werden. Auf
grund der Herzerkrankung bestehe
eine massiv eingeschränkte
körperliche Leistungsfähigkeit.
Aus kardialer Sicht
sei der Beschwerdeführer
weiterhin für jegliche körperliche Tätigkeit
zu
100
%
arbeitsunfähig
(S. 2
3
).
Aus psychiatrischer Sicht hielt der Exp
erte fest, die aktuelle psychiatrische
Un
tersuchung habe keine Hinweise für eine relevante depressive Störung ergeben. Es l
ägen
auch keine kognitiven Störungen vor. Im Rahmen der entstandenen psy
chosozialen Belastungen seien jedoch zeitweilig, hervorgerufen durch die exter
nen Auslöse
r, Auffälligkeiten im Verhalten
möglich. Die einschneidenden ge
sundheitlichen Ereignisse seien für
den Beschwerdeführer
unerwartet gekommen, hätten seinen Lebensentwurf verändert und eine Trauer sowie Unsicherheiten im Umgang mit seinem sozialen Umfeld ausgelöst. Aus rein psychiatrischer Sicht bestehe jedoch keine Arbeitsunfähigkeit und er sei sowohl in der angestammten Tätigkeit als auch in einer ideal angepassten beruflichen Aufgabe in einem hun
dertprozentigen Pensum arbeitsfähig (S. 2
4
f.).
Aus gesamtmedizinischer Sicht schlossen die Exper
ten, der Beschwerdeführer leide
an einer schweren
dilatativen
Kardiomyopathie, welche
seit Januar 2016
keine Arbeitsfähigkeit erlaube, weder in angestammter noch in
einer
Verweistä
tigkeit. Orthopädisch wäre momentan eine Verweistätigkeit zu 60
%
möglich im Rahmen des Zumutbarkeitsprofils wegen
eines vermehrten Pausen- und
Physio
therapiebedarf
s
und einer eingeschränk
ten Leistung. Bei der 100%igen Arbeits
unfähigkeit in angestammter
, wie
auch
in
einer
Verweistätigkeit
stehe die kar
diologische Sicht im Vordergrund. Zuvor
habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit aus orthopädischer Sicht seit Februar 2015 be
standen. Zusammengefasst bestehe
damit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit Februar 2015 weiterhin andauernd
(S. 2
5
)
.
Zur Frage
,
welcher der festgestellten Gesundheitsschäden mindestens mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit
auf
das Ereignis vom 2
6.
Februar 2015 verursacht und welche mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
auf
das Ereignis vom 2
2.
März 2012
zurückgeführt werden könnten, hielten
die Experten
fest
, der Beschwerde
führer habe nach eigenen Aussagen eine Erstluxation in der RS erlitten. Danach
sei die Schulter überwiegend stabil
gewesen
bis zum erneuten Ereignis von 2012, in den Akten 2013, wo es zu einer zweiten Luxation gekommen sei. Seither er
folgten
rezidivieren
de Luxationen und erneut am 26.
Februar 2015 und danach zunehmende Besc
hwerden bis zur Operation am 8.
September 201
5.
Entspre
chend müsse postuliert werden, dass die Schulter in der RS erstmalig luxierte, das Ereignis von 2012(1
3?) den Zustand verschlimmert habe
und es zu einer
rich
tungsgebenden Verschlimmerung
durch das Ereignis vom 2
6.
Februar 2015 mit der Operation
im September 2015 gekommen sei (
Urk.
10/203 S. 3
0
).
3.3
PD
Dr.
med.
D._
,
Stv
. Leiter Schulterchirurgie
in
der Universitätsklinik
B._
,
berichtete über
die
Schultersprechstunde mit ambulanter Untersuchung vom 2
2.
Dezember 2017 (
Urk.
10/200
)
F
olgendes
:
D
er Beschwerdeführer habe nun im Eigenregime die
Scapula
-Fit Übungen durchgeführt und davon auch et
was profitieren können. Insgesamt
ergebe sich
eine kompensierte und auch deut
lich bessere Situation als vor der Operation. Der Beschwerdeführer
scheine
aber noch ein deutliches
,
vor allem
scapulathorakales
Rehabilitationsdefizit
zu haben
und
dementsprechend sei er erneut für die Heimübungen zur
Scapulazentrierung
beraten und entsprechend instruiert worden. Ein fixer Verlaufskontrolltermin sei nicht vereinbart worden. Der Beschwerdeführer würde sich ansonsten wieder
mit ihnen
in Verbindung setzen.
3.4
Am 2
7.
Februar 2019 (
Urk.
10/241) hielt
Kreisarzt
Dr.
C._
fest
(S. 6)
,
aufgrund der im MEDAS Gutachten festgehaltenen Befunde ergebe sich versicherungsme
dizinisch keine Änderung an der Beurteilung d
es Integritätsschadens vom
8.
Feb
ruar 201
7.
So sei
in
orthopädischer Hinsicht im MEDAS
Gutachten zwar eine pas
sagere Verschlechterung seitens
der linken Schulter ab Mitte August 2017 festgestellt
worden
, hierzu aber noch auf
den weiteren Behandlungsbedarf
und die Beurteilung in der Universitätsklinik
B._
verwiesen
worden. Entsprechend dem
Verlaufsbericht der Univer
sitätsklinik
B._
vom 2
2.
Dezember
2017
sei dann im Verlauf
eine
deutliche
Zustandsbesserung beschrieben
worden
,
mit einer aktiv globalen Eleva
tionsfähigkeit von 130°, passiv
bis 170°, einer
glenohumera
len
Abduktion bis 90°, eine Aussenr
otation ohne Widerstand bis 50°
mit einer lediglich
endgradig
leichten Schmerzhaftigkeit ohne Zeichen einer Instabilität. Entsprechend
der Beurteilung des Integritätsschadens vom
8.
Februar
2017
sei gemäss Suva-Tabelle 1/ Integritätsschaden
bei Funktionsstörungen an den oberen Extremitäten, bei einer h
ier beschriebenen Beweglichkeit
der Schulter bis 30° über die Horizontale hinausgehend, der bereits f
estgestellte Integritätsschaden von 10
% weiterhin angemessen hoch bewertet. Hierzu pass
ten auch die orthopädi
schen
Zumutbarkeitsprofile. Eine darüberhinausgehende gesundheitliche und be
ru
fliche Beeinträchtigung,
mit einer bereits dauerhaft aufgehobenen Arbeitsfä
higkeit, b
eding
e
sich nicht unfallkausal,
sondern aufgrund der individuell vorlie
genden kardialen Grunderkrankung
.
4.
4.1
Es ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer alleine in Folge de
r
Herzerkran
kung
zu 100
%
erwerbsunfähig ist.
D
abei ist
den
Akten
zu entnehmen
, dass die Herzerk
rankung
(
dilatative
Kardiomyopathie
) erstmals
im Februar
/März
2016
diagnostiziert
wurde
(Einweisung am 2
9.
Februar 2016 und MRI vom Her
z vom
8.
März 2016 [
Urk.
10/203/4-48 S. 6
]) und dem Beschwerdeführer
in der Folge
am
6.
April 2016 ein Herzschrittmacher implantiert wurde
(
Urk.
10/78,
Urk.
10/115 S. 1,
Urk.
10/203
/4-48
S.
6
).
Bezogen auf das Unfallereignis vom 2
6.
Februar 2015 ergeben die Akten, dass
zufolge der Verletzungen
am
8.
September 2015
in der Un
iklinik
B._
eine offene Schulteroperation links
durchgeführt wurde. D
abei zeigten die Ärzte nach
vollziehbar auf, dass sich der
postoperative
Verlauf
u
nter anderem da
du
rch
protrahiert
zeigte
, weil aufgrund der zwischenzeitlich aufgetretenen
Herzerkran
kung e
ine
«
normale
»
postoperative physiotherapeutische Behandlung nicht
durchgeführt
werden konnte
.
Letztlich
konnte
weder eine
normale Beweglichkeit
noch
ein schmerzfreier Zustand
erreicht
werden
und es verblieb ein
Funktions
defizit an der linken Schulter
mit Belastungseinschränkungen
für
die
linke obere Extremität
(
Urk.
10/81, 10/143 S. 5, 10/203/4-48 S. 20 und S. 28).
Im Weiteren wurde im Rahmen der interdisziplinären Abklärung auch nachvollziehbar
aufge
zeig
t, dass der Beschwerdeführer zwar bereits eine Erstluxation in der Rekruten
schule
erlitten
hatte und
es
später es zu weiteren Luxationen gekommen
war
. Dabei
zeigte sich die Schulter aber
immer wieder soweit stabil
,
das
s es dem Be
schwerdeführer möglich
gewesen
war eine
Arbeitstätigkeit zu
100
%
aufzuneh
men
und zwar auch in de
n
eher s
chulterbelastenden Tätigkeit
en als Isolierer und
Brandschutzmonteur, welche
er
zuletzt
seit April 2014 aus
geführt hatte
(
Urk.
10/157, 10/203
/4-48 S. 29
).
Dass es z
u einer richtungsgebenden Verschlim
merung durch das Ereignis vom 2
6.
Februar 2015 mit der Operation im September 2015 gekommen
war
, ist vor diesem Hintergrund einleuchtend dargelegt
(
vgl.
Urk.
10/203
/4-48
S. 3
0
).
Dass den
Gutachter
n
der MEDAS
A._
massgebliche Ak
ten, insbesondere
aus der Zeit ab April 2013, nicht vorgelegt hatten, trifft sodann nicht zu (vgl.
Urk.
10/203
/4-48 S. 4
f.)
Abklärungen der
Militär
versicherung
ste
hen
keine
an (vgl.
Urk.
10/245) und davon könnte
n
in diesem Zusammenhang nichts N
eues erwartet werden
(zum Antrag dazu vgl.
Urk.
1 S. 5)
und auch sonst drängen sich keine
weiteren medizinischen
Abklärungen
wie ein Gerichtsgutach
te
n
(
Urk.
1 S. 2)
auf
,
weshalb darauf zu verzichten ist
(antizipierte Beweiswürdi
gung;
vgl. BGE 122 V 157 E. 1d
).
4.2
4.2.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt nach dem hiervor Gesagten (E.
1.
3
) zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusam
menhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als ein
getreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit einge
treten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Beja
hung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperli
che oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetre
tene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit Hinwei
sen).
4.2.2
Denkt man im Falle des Beschwerdeführers das Unfallereignis vom 2
6.
Februar 2015 weg, so entfiele die bestehende
Arbeitsunfähigkeit nicht, da er die im
Feb
ruar/März 2016
eingetretene Herzerkrankung, welche die Implantierung eines
Herzschrittmacher
erforderte, trotzdem erlitten hätte und bedingt durch diese Er
krankung
trotzdem voll erwerbsunfähig wäre. Somit besteht kein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis und der
ab
1.
April
201
7 be
steh
enden
Erwerbsunfähigkeit
, weshalb die Unfallversicherung fü
r sie nicht auf
zukommen hat. Damit erübrigt sich auch die
Frage
,
ob dann, wenn
der Beschwer
deführer die Herzerkrankung nicht
erlitten hätte, er nach diesem Datum alleine aufgrund der Unfallfolgen trotzdem arbeitsunfähig geblieben wäre,
da
dieser Kausalitätsverlauf nicht eingetreten ist. Der Unfall wurde als mögliches auslösen
des Ereignis der Arbeitsunfähigkeit durch
die Herzerkrankung
gleichsam
überholt (vgl. zu dieser sog. «überholenden Kausalität»
Urteil
des Bundesgerichts
8
C_6
30/
200
7
vom
1
0.
März
200
8, E. 5.2
mit Hinweisen
; vgl. auch
Hürze
ler
/
Kieser
, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, Bern 2018, Art. 6
Rz
55 und Art. 36
Rz
3
).
Besteht kein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen dem Un
fallereignis und der nach dem
3
1.
März
201
7
andauernden Arbeits
-
und
Erwerbs
unfähigkeit, hat die Beschwerdegegnerin
Rentenleistungen aus der Unfallversiche
rung zu Recht verneint.
4.3
Der Beschwerdeführer begründet seinen Antrag auf
eine höhere
Integritätsent
schädigung nicht näher
.
Die
se
legte die Beschwerdegegnerin gestützt auf die kreisärztliche Einschätzung
vom
8.
Februar 2017
fest (vgl. E. 3.1), wobei
der Kreisarzt
am
2
7.
Februar 2019
präzisierend Stellung nahm
(E. 3.4).
Mit Blick
auf das orthopädische
Zumutbarkeitsprofil
,
wonach
der linke Arm
trotz
Schulterprob
lematik noch weitgehend einsetzbar
ist, erscheint diese Beurteilung jedenf
alls nicht als unangemessen. Die veranschlagte Integritätsentschädigung entspre
chend
einer
Integritätseinbusse von 10
%
ist damit
jedenfalls
nicht zu beanstan
den.
4.4
Festzuhalten bleibt, dass die Beschwerdegegnerin - angesichts der von ihr bejah
ten grundsätzlichen Leistungspflicht für die Folgen des Ereignisses vom 26. Feb
ruar 2015 - zur Erbringung der gesetzlichen Leistungen verpflichtet war. Anderen für frühere Ereignisse zuständigen UVG-Versicherern (vgl. Urk. 1 S. 3) kommt nach Art. 100 UVV keine (direkte) Leistungspflicht zu (vgl. insbesondere Art. 100 Abs. 3 und 5 UVV).
Auch gegenüber der Militärversicherung ging die Beschwerdegegnerin zu Recht jedenfalls von ihrer unmittelbaren Leistungspflicht aus (Art. 103 UVG, Art. 126 UVV). Eine Anmeldung des Falles bei der Militärversicherung und eine weiterge
hende Koordination mit der Militärversicherung hätte sich wohl vor der Festle
gung der Langzeitleistungen (Invalidenrente, Integritätsentschädigung) aufge
drängt (vgl.
Maeschi
, Kommentar zum Bundesgesetz über die Militärversiche
rung, Bern 2000, Art. 76
Rz
9, S. 523). Mittlerweile wurde gegenüber der Militär
versicherung ein Rückfall zum Ereignis vom 14. November 2007 geltend gemacht und die Militärversicherung hat – soweit ersichtlich – ihre Leistungspflicht für die linksseitigen Schulterschmerzen verneint (vgl. Urk. 10/236, 10/245). Ange
sichts dessen besteht von vorneherein kein Koordinationsbedarf im Sinne von Art. 103 UVG und Art. 126 Abs. 5 UVV.
Demnach
erweist sich die Beschwerde
insgesamt
als unbegründet, was zu deren
Abweisung führt.