# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 938c9647-0ee2-558b-b5d0-e92176f2987b
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ R.Z., Bichwil, ist Eigentümer des Grundstücks Nr. 000, Grundbuch Oberuzwil. Auf
der 3'157 m grossen Parzelle steht ein Wohnhaus mit teilweise ausgebauter Scheune.
Südwestlich ans Wohnhaus ist auf dem 103 m2 grossen Nachbargrundstück Nr. 001
von X.Y., Oberuzwil, ein Wohnhaus angebaut. An dieses wiederum ist auf der 133 m2
grossen Nachbarparzelle Nr. 002 ein drittes Wohnhaus angebaut. Gemäss Zonenplan
der Politischen Gemeinde Oberuzwil vom 25. März 1994 liegt das ganze Gebiet in der
Landwirtschaftszone. Die drei Liegenschaften werden über die Oberdorfstrasse,
Gemeindestrasse 2. Klasse erschlossen, an welche alle drei Grundstücke grenzen. Die
Zufahrt zum Grundstück Nr. 000 verläuft dabei über die Vorplätze der Grundstücke
Nrn. 001 und 002, hauptsächlich direkt über jenes des Grundstücks Nr. 001.
B./ a) Der Eigentümer der Parzelle Nr. 000 reichte am 23. Juli 2010 ein Gesuch für den
Umbau des Wohnhauses und Ausbau der Scheune ein. Zudem sollten an der
Ostfassade eine überdachte Terrasse und auf der Nordseite drei Parkplätze erstellt
werden. Dagegen erhob die Eigentümerin des Grundstücks Nr. 001 am 18. August
2010 Einsprache. Sie machte unter anderem geltend, die überdachte Terrasse halte
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den Grenzabstand nicht ein und das Baugrundstück sei nicht hinreichend erschlossen,
weil für die Zufahrt über ihr Grundstück kein Fahrwegrecht bestünde. Die Baubehörde
bewilligte am 13. Januar 2011 mit Zustimmung des Amts für Raumentwicklung und
Geoinformation des Kantons St. Gallen (AREG) vom 28. Oktober 2010 das Baugesuch
mit Auflagen, setzte für die Einsprache, soweit sie privatrechtlicher Natur war, eine Frist
zur Klageerhebung beim Zivilrichter an und wies die öffentlich-rechtliche Einsprache
ab.
b) Gegen diesen Beschluss liess die Einsprecherin am 28. Januar 2011 beim
Baudepartement des Kantons St. Gallen Rekurs erheben. Sie machte dabei eine
Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend, weil ihr die Teilverfügung des AREG nicht
eröffnet worden war. Weiter vertrat sie die Meinung, die Baubehörde habe dem geltend
gemachten Grunddienstbarkeitsvertrag eine falsche Bedeutung zugemessen. Das
Baudepartement heilte die Gehörsverletzung und wies den Rekurs mit Entscheid vom
23. Juli 2012 kostenpflichtig ab, soweit es darauf eintrat. Die Heilung berücksichtigte es
bei der Kostenverlegung.
C./ Gegen den Rekursentscheid liess die unterlegene Rekurrentin am 28. August 2012
beim Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen Beschwerde erheben und beantragen,
der Entscheid sei kostenpflichtig aufzuheben und zur neuen Entscheidung
zurückzuweisen. Eventuell sei die Baubewilligung zu verweigern. Nebst dem, dass die
Gehörsverletzung nicht geheilt werden könne, sei das Fahrwegrecht über ihr
Grundstück Streitgegenstand eines hängigen Zivilrechtsverfahrens. Indem die
Vorinstanz gleichwohl von einer offensichtlichen Zufahrtsberechtigung des Bauherrn
ausgegangen und die Baubewilligung erteilt habe, werde insbesondere Art. 49 des
Baugesetzes (sGS 731.1, abgekürzt BauG) verletzt.
D./ Das Baudepartement und die Baukommission der Gemeinde Oberuzwil beantragen
mit Vernehmlassungen vom 21. September 2012 bzw. 2. Oktober 2012, die
Beschwerde abzuweisen. Der Beschwerdegegner seinerseits lässt mit Eingabe vom
5. November 2012 die kostenpflichtige Abweisung beantragen. Die
Beschwerdeführerin nahm dazu am 30. November 2012 Stellung.
E./ Auf die von den Verfahrensbeteiligten vorgebrachten Ausführungen wird, soweit
erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
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## Considerations

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
2. Die Beschwerdeführerin verlangt den Beizug der Akten des hängigen Zivilverfahrens
vor dem Kreisgericht Wil über den für den vorliegenden Streit massgeblichen
Grunddienstbarkeitsvertrag betreffend Fuss- und Fahrwegrecht vom 20. Januar 1943.
Es ist aber nicht streitig, dass dieses Verfahren (nach wie vor) hängig ist. Zudem sind
die dortigen Rechtsschriften und Beweisanträge für das vorliegende Verfahren nicht
massgebend, wie anschliessend zu zeigen sein wird. Auf den Beizug der Akten kann
deshalb verzichtet werden.
3. In formeller Hinsicht macht die Beschwerdeführerin geltend, ihr rechtliches Gehör
und ihr Vertrauen in eine Auskunft der Baubehörde sei verletzt worden. Davon
abgesehen, dass die Teilverfügung des AREG im erstinstanzlichen Verfahren nicht
eröffnet worden sei, habe die Gemeinde ihr tatsachenwidrig mitgeteilt, diese Verfügung
liege noch gar nicht vor.
3.1. Personen und Behörden, gegen die sich eine Eingabe richtet, ist grundsätzlich
Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. Verfügungen, die erheblich belasten, sind
grundsätzlich nur zulässig, wenn die Betroffenen den wesentlichen Sachverhalt kennen
und Gelegenheit zur Stellungnahme hatten (Art. 15 Abs. 1 und 2 VRP, Art. 29 der
Bundesverfassung, SR 101, abgekürzt BV).
3.1.1. Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist einerseits ein persönlichkeitsbezogenes
Verfahrensrecht der Beteiligten und schützt vor Herabminderung zum blossen
Verfahrensobjekt. Andererseits ist er ein Mittel der Sachaufklärung, dient der optimalen
Aufarbeitung der relevanten Entscheidungsgrundlagen und ermöglicht im Rahmen des
Verfahrensrechts die Einführung der Sicht der Betroffenen. Der Anspruch ergibt sich
allein aus dem Verfahren heraus und gilt vorbehaltlos. Inhalt und Umfang des
Gehörsanspruchs sind nicht abstrakt zu umschreiben, sondern am Anspruch auf
wirksame Mitwirkung anhand konkreter tatsächlicher und rechtlicher Gegebenheiten
nach Fallgruppen und im Einzelfall zu konkretisieren. Voraussetzung der Wahrnehmung
des rechtlichen Gehörs ist eine entsprechende Orientierung der Betroffenen. Sie
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bezieht sich auf den zu treffenden Entscheid wie auf den Beizug von Unterlagen und
Gutachten und schliesst geheim geführte Verfahren aus. Das Recht auf rechtliches
Gehör räumt den Betroffenen die Möglichkeit ein, sich vor Erlass eines in ihre
Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu äussern. Mit dem Anspruch auf
effektive Mitwirkung korrespondiert, dass die Behörde die Vorbringen der Beteiligten
tatsächlich hört, prüft und berücksichtigt und ihre Entscheide vor diesem Hintergrund
begründet (G. Steinmann, in: St. Galler Kommentar, 2. Auflage, Zürich/St. Gallen 2008,
Rz. 21 ff. zu Art. 29 BV).
3.1.2. Der Gehörsanspruch ist formeller Natur. Wird eine Verletzung des Anspruchs
festgestellt, muss der angefochtene Hoheitsakt grundsätzlich aufgehoben werden ohne
Rücksicht darauf, ob die Anhörung für den Ausgang des Verfahrens relevant ist, das
heisst die Behörde zu einer Änderung des Entscheids veranlassen wird oder nicht
(Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Auflage, Zürich 2006, Rz.
1709; BGE 137 I 195 E. 2.2 mit Hinweis).
3.1.3. Eine nicht besonders schwerwiegende Verletzung kann jedoch geheilt werden,
wenn der Betroffene die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu
äussern, die sowohl den Sachverhalt als auch die Rechtslage mit mindestens gleicher
Kognition wie die Vorinstanz prüfen kann (Steinmann, a.a.O., Rz. 32 f. zu Art. 29 BV).
So ist die Verweigerung des rechtlichen Gehörs oder die Verletzung der
Begründungspflicht durch die erstentscheidende Behörde regelmässig im
Rekursverfahren heilbar, da die Rekursbehörden mit umfassender Kognition
entscheiden (Art. 46 VRP). Demgegenüber ist das Verwaltungsgericht grundsätzlich nur
zur Rechtskontrolle befugt (Art. 61 VRP; Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im
Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 731 f.).
3.1.4. Die Heilung soll gleichwohl die Ausnahme bleiben, weil dem Betroffenen damit
eine Instanz verloren gehen kann. Die Gehörsverletzung kann aber selbst bei einer
schwerwiegenden Verletzung geheilt werden, wenn und soweit die Rückweisung der
Sache an die Vorinstanz zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen
Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der
betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren
wären. Auch in diesem Fall muss die Rechtsmittelinstanz aber über die gleiche
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Kognition wie die Vorinstanz verfügen (Kiener/Rütsche/Kuhn, Öffentliches
Verfahrensrecht, Zürich/St. Gallen 2012, N 266, BGE 133 I 201 E. 2.2, BGE 132 V 387
E. 5.1 mit Hinweis).
3.2. Der ebenfalls angerufene Vertrauensschutz gemäss Art. 9 BV verschafft einen
Anspruch auf Schutz des berechtigten Vertrauens, sofern sich die behördliche
Mitteilung oder Auskunft bzw. das Verhalten auf eine konkrete, den betreffenden
Bürger berührende Angelegenheit bezieht. Der Anspruch auf Vertrauensschutz in ein
bestimmte Erwartungen begründendes Verhalten der Behörden setzt zudem unter
anderem voraus, dass der Private im Vertrauen auf die Richtigkeit des Verhaltens der
Behörde Dispositionen getroffen hat, die nicht ohne Nachteil wieder rückgängig
gemacht werden können (Wiederkehr/Richli, Praxis des allgemeinen
Verwaltungsrechts, Band 1, Bern 2012, N 1970 und 1950).
3.3. Vorliegend hat die zuständige Gemeindebehörde am 13. Januar 2011 gleichzeitig
über das Baugesuch und die dagegen erhobene öffentlichrechtliche Einsprache
entschieden (Art. 84 Abs. 2 BauG). Die beiden Beschlüsse hat sie in der gleichen
Verfügung eröffnet. Dabei hat sie auf die nach Art. 87bis Abs. 2 BauG nötige
raumplanungsrechtliche Teilverfügung des AREG vom 28. Oktober 2010 Bezug
genommen und diese in Anwendung von Art. 4 lit. f des Gesetzes über die
Verfahrenskoordination in Bausachen (sGS 731.2) dem Gesuchsteller, nicht aber auch
der Einsprecherin eröffnet. Die Vorinstanz hat darin zu Recht einen Verfahrensfehler
und damit eine Verletzung des rechtlichen Gehörs gegenüber der Einsprecherin
festgestellt. Der festgestellte formelle Mangel wiegt aber - wie die Vorinstanz zu Recht
ausführt - nicht besonders schwer. Anders als im geltend gemachten BGE 133 I 201
wurde der Anfechtungsgegenstand (der Einsprache-Entscheid) der
Verfügungsadressatin (der Einsprecherin) zugestellt. Aus diesem ging ausdrücklich
hervor, dass das AREG dem Baugesuch mit raumplanungsrechtlicher Teilverfügung
zugestimmt hatte. Davon abgesehen, dass die Einsprecherin damit die Möglichkeit
gehabt hätte, selber die Zustimmungsverfügung bei der Baubehörde nachzuverlangen,
hat die Rekursinstanz den Fehler geheilt, indem sie die Verfügung des AREG der
Rekurrentin nachgeliefert, alsdann einen doppelten Schriftenwechsel angeordnet, die
Einsprecherin zum Augenschein an Ort und Stelle eingeladen und schliesslich die
Baubewilligung und den Einsprache-Entscheid mit voller Kognition überprüft und den
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Verfahrensfehler bei der Kostenverlegung zu Gunsten der Rekurrentin berücksichtigt
hat. Ob die Teilverfügung dabei durch die Baubehörde oder die Rekursinstanz
zugestellt wurde, spielt deshalb keine Rolle, weil der Zustimmungsverfügung des AREG
kein Vorbescheid vorausgeht, der den Verfahrensbeteiligten vorab zur Stellungnahme
zugestellt werden müsste. Art. 84 Abs. 1 BauG sieht einzig vor, dass dem
Baugesuchsteller Gelegenheit gegeben werde, zu den Einsprachen Stellung zu
nehmen. Die entsprechenden Stellungnahmen wären sodann den Einsprechern -
zumindest zur Kenntnisnahme - zuzustellen (BGE 137 I 195, SJZ 109 [2013 Nr. 5]
S. 106, BGer 1C_142/2012 vom 18. Dezember 2012 E. 2.3). Vorliegend hat der
Gesuchsteller auf eine Stellungnahme verzichtet. Der Einsprecherin ist folglich wegen
des Versehens der Baubehörde keine Instanz verloren gegangen.
3.4. Da der raumplanungsrechtlichen Zustimmungsverfügung kein
Vorbescheidsverfahren vorausgeht, spielt es in Bezug auf das rechtliche Gehör wie
gesagt auch keine Rolle, dass die Gemeindeverwaltung sich offensichtlich über den
Verfahrensstand geirrt und der Einsprecherin auf ihre Nachfrage hin fälschlicherweise
geantwortet hat, die Stellungnahme des AREG sei noch ausstehend bzw. müsse noch
abgewartet werden. Dazu kommt, dass die Beschwerdeführerin gestützt auf diese
Fehlinformation keine unwiderrufliche, irreversible oder zu Schaden führende
Disposition getroffen oder unterlassen hat. Mit ihrer Anfrage vom 7. November 2011
hat sie nicht nach dem Verbleib der Zustimmungsverfügung des AREG gefragt,
sondern einzig an ihre Einsprache vom 18. August 2010 erinnert und dem Bauamt in
diesem Zusammenhang mitgeteilt, dass sie "umgehend eine schriftliche
Stellungnahme" auf ihre Einsprache erwarte. In diesem Zusammenhang verwies sie auf
den Baustopp vom 20. August 2010 und die Tatsachen, dass der Nachbar
zwischenzeitlich (gleichwohl) sämtliche Fenster eingesetzt habe und das Haus
mittlerweile bewohnt und beheizt werde und dass der Kaminfeger öfters anwesend
gewesen sei. Weiter gab sie zu bedenken, dass der Bauherr wohl keine
Bauversicherung abgeschlossen und den beschäftigten Handwerkern aus den
Kantonen Thurgau und Zürich die nötige Fachkompetenz abgegangen sei. Schliesslich
monierte sie, sie werde betreffend den Leitungsverlauf der Kanalisation von der
Gemeinde bereits seit Juli 2010 hingehalten. Soweit dieses Schreiben das gerügte
Bauvorhaben ihres Nachbarn betraf, erging die Antwort der Gemeinde knapp zwei
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Monate später in Form des Einspracheentscheids. Ein treuwidriges Verhalten seitens
der Beschwerdebeteiligten liegt damit nicht vor.
3.5. Nach dem Gesagten durfte die Vorinstanz den Zustellungsfehler durch die
Baubehörde und damit die Gehörsverletzung heilen. Der Formfehler wiegt nicht schwer
und konnte mit der nachträglichen Zusendung ohne weiteres geheilt werden. Die
Rückweisung des Verfahrens würde tatsächlich nur zu einem reinen formalistischen
Leerlauf und einer unnötigen Verzögerung führen, was unter Umständen selbst bei
einer schwerwiegenden Gehörsverletzung eine Heilung rechtfertigen würde. Auch hat
die Vorinstanz ihrerseits keine Gehörsverletzung begangen, indem sie sich mit dem
Einwand der Beschwerdeführerin, sie habe mit der beantragten Rückweisung ja gerade
auf eine rasche Erledigung der Sache selbst verzichtet, nicht weiter auseinandergesetzt
hat. Die Rekurrentin hat zwar Anspruch darauf, dass die Rekursinstanz ihre Vorbringen
abhandelt. Die Begründungspflicht gebietet aber nicht, dass sich ein Entscheid mit
jedem einzelnen Argument, das im Prozess vorgetragen wird, auseinandersetzt,
besonders dann nicht, wenn dieses offensichtlich unbegründet ist (Cavelti/Vögeli,
a.a.O., Rz. 1057). Dass die Einsprecherin in einem Baubewilligungsverfahren kein
Interesse daran hat, dass das bekämpfte Bauverfahren des Nachbarn ohne Verzug
bewilligt werde, versteht sich von selbst und muss nicht weiter erörtert werden. Dazu
kommt, dass einzig das für eine Zurückweisung sprechende Interesse an einer
Verzögerung der materiellen Entscheidung offenkundig nicht schutzwürdig ist (H.
Seiler: Abschied von der formellen Natur des rechtlichen Gehörs, SJZ 100 [2004] Nr. 16
S. 384 Fussnote 88). Darüber hinaus hat die Vorinstanz aber einlässlich begründet,
wieso sich vorliegend eine Heilung der Gehörsverletzung rechtfertige. Zudem hat sie
mit Blick auf die erlittene Gehörsverletzung die Kosten- und Entschädigungsfolgen zu
Gunsten der Beschwerdeführerin abgeändert. Folglich erwächst dieser mit der Heilung
im Rekursverfahren auch sonst kein Nachteil. Schliesslich liegt mit der Fehlinformation
über den Verfahrensstand auch kein treuwidriges Verhalten der Baubehörde vor. Die
Beschwerde ist damit in diesen Punkten abzuweisen.
4. Materiell ist im Beschwerdeverfahren einzig noch streitig, ob die Voraussetzung der
Baureife gegeben sei oder nicht. Soweit die Beschwerdeführerin dazu neue Tatsachen
vorbringt, wie die Vorinstanz rügt, sind diese im Beschwerdeverfahren insofern
gleichwohl zu berücksichtigen, als sie nicht erst nach Abschluss des Rekursverfahrens
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eingetreten sind (echte Noven). Unechte Noven, also (neue) Tatsachen, die sich vor
Abschluss des Rekursverfahrens verwirklicht haben, die der Vorinstanz aber nicht
bekannt waren oder von ihr nicht berücksichtigt wurden, dürfen im
Beschwerdeverfahren vorgebracht werden und sind zu würdigen. Neue Anträge sind
dagegen selbstredend nicht möglich (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 642 f.), werden
vorliegend aber auch nicht gestellt.
4.1. Nach Art. 22 Abs. 2 lit. b des Raumplanungsgesetzes (SR 700, abgekürzt RPG)
dürfen Baubewilligungen nur erteilt werden, wenn das Land im Sinn Art. 19 Abs. 1 RPG
erschlossen ist. Erschlossen ist das Land insbesondere dann, wenn es über eine
hinreichende Zu- und Wegfahrt verfügt (Art. 49 Abs. 2 lit. a BauG). Eine Zufahrt ist als
hinreichend zu betrachten, wenn sie tatsächlich so beschaffen ist, dass sie bau- und
verkehrstechnisch der bestehenden und geplanten Überbauung und Nutzung genügt,
den zu erwartenden Fahrzeugen und Fussgängern sicheren Weg bietet und von den
öffentlichen Diensten wie Feuerwehr, Sanität, Kehrichtabfuhr und Schneeräumung
ungehindert benützt werden kann und - wenn sie über fremdes Grundeigentum führt -
rechtlich gesichert ist. Zur hinreichenden Zufahrt gehört auch das Verbindungsstück
von der öffentlich zugänglichen Strasse zum Baugrundstück (B. Heer, St. Gallisches
Bau- und Planungsrecht, Bern 2003, N 513 f.).
4.2. Die vorliegende Baubewilligung basiert hinsichtlich der Feinerschliessung auf dem
grundbuchlich vermerkten Fuss- und Fahrwegrecht gemäss
Grunddienstbarkeitsvertrag vom 20. Januar 1943 (act. 7/32). Mit dieser Dienstbarkeit
wird dem jeweiligen Eigentümer des Grundstücks Nr. 000 von der Dorfstrasse her über
den Platz westlich des Hauses auf dem Grundstück Nr. 001 je hin und zurück gegen
entsprechende Mitunterhaltspflicht am Weg die jederzeitige und ungehinderte
Ausübung des Fuss- und Fahrwegrechts eingeräumt.
4.3. Die Beschwerdeführerin bestreitet den Inhalt und Umfang der Grunddienstbarkeit.
Da die Einräumung des Wegrechts zivilrechtlicher Natur ist, muss die diesbezügliche
Rechtsstreitigkeit grundsätzlich vor dem Zivilrichter entschieden werden. Ein
entsprechendes Verfahren ist unbestrittenermassen seit Ende 2010 beim Kreisgericht
Wil hängig. Die vorfrageweise Prüfung zivilrechtlicher Fragen durch
Verwaltungsbehörden ist aber grundsätzlich zulässig, auch wenn die Behörden sich
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dabei praxisgemäss in Zurückhaltung üben. Die Auslegung eines zivilrechtlichen
Vertrags durch eine Verwaltungsbehörde erfolgt im Kanton St. Gallen (Juristische
Mitteilungen des Baudepartements des Kantons St. Gallen 2012/I Nr. 2 S. 8) wie in
anderen Kantonen in der Regel dann, wenn der Vertragsinhalt leicht feststellbar ist und
sich ein unzweifelhaftes Resultat ergibt. Eine Pflicht, zivilrechtliche Vorfragen zu
entscheiden, besteht dabei nicht (BGer 1C_237/2010 vom 30. August 2010 E. 2.4.2 mit
Hinweis).
4.4. Vorliegend ist die Vorinstanz mit der Baubehörde zum Schluss gekommen, mit der
vorliegenden Dienstbarkeit sei die notwendige hinreichende Erschliessung vorhanden.
Die Beschwerdeführerin hält dem entgegen, dass die heute bestehende private Zufahrt
nicht wie in dem im Grundbuch eingetragenen Dienstbarkeitsvertrag angeführt von der
Dorfstrasse abgehe, sondern von der Oberdorfstrasse. Zudem sei im Zeitpunkt des
Vertragsschlusses die belastete Parzelle vier Mal grösser gewesen als heute und die
Auffahrt zum begünstigten Grundstück sei damals anders, insbesondere nicht so nahe
an ihrem Haus vorbei verlaufen. Die Oberdorfstrasse habe es im Jahr 1943 noch gar
nicht gegeben und anstelle des heutigen Vorplatzes ihres Wohnhauses habe sich ein
mit einer Mauer umrandeter Güllenkasten befunden. Da der entsprechende
Rechtsstreit seit längerer Zeit beim Zivilrichter hängig sei, könne von keinen klaren
Verhältnissen die Rede sein, weshalb es nicht an der Verwaltungsbehörde sei, diesen
Rechtsstreit vorfrageweise zu klären.
4.5. Art. 49 Abs. 2 lit. a BauG verfolgt nebst planerischen in erster Linie feuer-,
gesundheits- und verkehrspolizeiliche Zwecke. Dafür muss die Erschliessung nicht nur
tatsächlich, sondern auch rechtlich sichergestellt sein, dies vor allem auch dann, wenn
der Zugang über ein fremdes Grundstück führt. Liegt dabei ein an sich unbeschränktes
Fuss- und Fahrwegrecht zu Gunsten der Bauparzelle vor und ist einzig umstritten, wo
und in welchem Ausmass dieses heute genau ausgeübt werden darf, erscheint die
hinreichende Zufahrt aus dem beschränkten Gesichtswinkel des Baupolizeirechts
grundsätzlich als sichergestellt. Es ist nicht Sache der Baubewilligungsbehörde, über
die Begründetheit solcher zivilrechtlicher Streitpunkte der Nachbarn umfassend zu
entscheiden (GVP 1981 Nr. 58 S. 113 f. mit Hinweisen). Wehrt sich die Einsprecherin
also einzig gegen die Art und Weise der Ausübung des an sich unbestrittenen Fuss-
und Fahrwegrechts, ist sie auf den Zivilrechtsweg zu verweisen, wobei ihr eine Frist von
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vierzehn Tagen zur Einleitung des Verfahrens anzusetzen ist (Art. 84 Abs. 3 BauG). In
diesem Fall könnte der Bauherr von der Baubewilligung erst Gebrauch machen, wenn
die privatrechtliche Einsprache auf dem Zivilrechtsweg rechtskräftig erledigt wäre
(Art. 89 Satz 2 BauG; Heer, a.a.O., Rz. 953). Ein solcher Fall liegt hier aber nicht vor.
Klage beim Kreisgericht hat nicht die Einsprecherin erhoben, sondern der
servitutsberechtigte Bauherr, nachdem die Einsprecherin das grundbuchlich gesicherte
Fuss- und Fahrwegrecht seiner Meinung nach zu Unrecht behindert hat.
4.6. Nach dem Gesagten stellt sich vorliegend die Frage, ob die geplante Zufahrt dank
dem Grunddienstbarkeitsvertrag betreffend Fuss- und Fahrwegrechtsvertrag vom
20. Januar 1943, der gemäss Bestätigung des Grundbuchamts Oberuzwil vom 14. Juli
2010 aktuell im Grundbuch eingetragen ist, in baurechtlicher Hinsicht gesichert ist. Für
die Ermittlung von Inhalt und Umfang einer Dienstbarkeit gibt Art. 738 des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches (SR 210, abgekürzt ZGB) eine Stufenordnung vor.
Ausgangspunkt ist der Grundbucheintrag. Soweit sich Rechte und Pflichten aus dem
Eintrag deutlich ergeben, ist dieser für den Inhalt der Dienstbarkeit massgebend
(Art. 738 Abs. 1 ZGB). Nur wenn sein Wortlaut unklar ist, darf im Rahmen des Eintrags
auf den Erwerbsgrund, das heisst auf den Dienstbarkeitsvertrag, zurückgegriffen
werden. Ist auch der Erwerbsgrund nicht schlüssig, kann sich der Inhalt der
Dienstbarkeit - im Rahmen des Eintrags - aus der Art ergeben, wie sie während
längerer Zeit unangefochten und in gutem Glauben ausgeübt worden ist (Art. 738
Abs. 2 ZGB, BGer 1C_237/2010 vom 30. August 2010 E. 2.4.1 mit Hinweis).
4.6.1. Der Beschwerdeführerin ist insofern zuzustimmen, dass das betroffene Gebiet
heute von der Unterdorf- und Oberdorfstrasse erschlossen wird, während mit dem im
Servitutsvertrag genannten Strassennamen "Dorfstrasse" die heutige
Gemeindestrasse, 1. Klasse, bezeichnet wird, die Bichwil mit dem westlich gelegenen
Riggenschwil verbindet und mindestens 250 m vom belasteten Grundstück entfernt
verläuft. Damit ist aber auch klar, dass die Strassenbezeichnungen seit dem Jahr 1943
offensichtlich geändert und die Bezeichnung der Erschliessungstrassen des Gebiets
Oberdorf neu in Unterdorf- und Oberdorfstrasse unbenannt oder entsprechend
präzisiert wurden. Selbst wenn die beiden Strassen in den letzten 70 Jahren saniert,
dabei vermutlich ausgebaut und allenfalls leicht in ihrem Verlauf verändert wurden,
ergibt sich aus der im Recht liegenden historischen Siegfried-Karte (act. 6) aus dem
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vorletzten Jahrhundert ohne Weiteres, dass im für den vorliegenden Fall betroffenen
Gebiet im Jahr 1943 die heutige Unter- und Oberdorfstrasse in etwa gleich verlaufen
sind wie heute. Da die Gebäude bzw. deren Vorgängerbauten ebenfalls bereits damals
an der heutigen Oberdorfstrasse gelegen haben, liegt es folglich auf der Hand, dass mit
der damaligen Bezeichnung "Dorfstrasse" die heutige "Oberdorfstrasse gemeint ist.
4.6.2. Mit der Einsprache vom 18. August 2010 hat die Beschwerdeführerin eine Kopie
einer alten Fotografie eingereicht. Auf diesem Bild ist erkennbar, dass ihrem heutigen
Wohnhaus früher eine Umrandung des Jauchekastens vorgelagert war, wie sie geltend
macht. Diese hatte etwa die Ausmasse eines grösseren Brunnentrogs. Der Fotografie
lässt sich aber auch entnehmen, dass der Vorplatz gleichwohl breit genug war, dass
nicht bloss mit einem Motorrad, sondern auch mit einem vierrädrigen Fahrzeug aufs
begünstigte Nachbargrundstück gefahren werden konnte. Aus den Plänen der
Baueingabe vom 1. August 2010 und den Fotos im Augenscheinprotokoll vom 30. Mai
2012 geht hervor, dass dem Wohnhaus heute anstelle des umrandeten Güllenkastens
ein Treppenabgang vorgelagert ist. Sodann ist auch heute noch genügend Platz
vorhanden, dass ein Motorfahrzeug über den Vorplatz auf das begünstigte Grundstück
fahren kann. Daraus ergibt sich ohne Weiteres, dass das im Grundbuch eingetragene,
nicht weiter definierte und damit an sich uneingeschränkte Fuss- und Fahrwegrecht
"über den Platz des Hauses" der Beschwerdeführerin trotz der zwischenzeitlich
veränderten Situation im Bereich des heutigen Vorplatzes verläuft, auch wenn
zivilrechtlich noch nicht auf den Meter genau geklärt ist, wo das grundbuchlich
eingetragene Wegrecht ursprünglich verlaufen ist bzw. weiterhin verlaufen soll. Damit
kann im vorliegenden öffentlich-rechtlichen Verfahren darauf verzichtet werden, die
Akten des Zivilprozesses mit den dort gestellten Beweisanträgen zum ursprünglichen
Wegverlauf beizuziehen. Das Selbige gilt im Übrigen für die Vorinstanz, weshalb ihr
nicht vorgeworfen werden kann, sie habe den Sachverhalt ungenügend abgeklärt und
damit ihre Untersuchungspflicht nach Art. 58 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 12 Abs. 1
VRP verletzt.
4.6.3. Das Gleiche gilt hinsichtlich des Einwands der Beschwerdeführerin, das im Jahr
1943 grundbuchlich eingetragene Wegrecht sei damals nicht wie heute ausgeübt direkt
von der heutigen Oberdorfstrasse, sondern von der heutigen Unterdorfstrasse aus
weiter westlich über die heutige Oberdorfstrasse hinweg und von dort nicht direkt zu
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den Gebäuden auf dem belasteten und dem begünstigten Grundstück, sondern weiter
westlich an diesen vorbei in nordöstlicher Richtung verlaufen (vgl. Karte des
Augenscheinprotokolls der Vorinstanz vom 30. Mai 2012 [act. 7/3], worin der
behauptete Wegverlauf als rot gestrichelte Linie eingezeichnet ist). Nachdem feststeht,
dass die heutige Unter- und Oberdorfstrasse seit jeher ungefähr im heutigen Bereich
verlaufen sind und die zusammengebauten Gebäude der Beschwerdeführerin und des
Beschwerdegegners schon im vorletzten Jahrhundert an der heutigen Oberdorfstrasse
gelegen haben, ist der von der Beschwerdeführerin behauptete Verlauf unglaubwürdig
bzw. mit dem für den vorliegenden Fall massgebenden Fuss- und Fahrwegrecht vom
20. Januar 1943 nicht identisch. Alsdann fragt sich auch, warum das Wegrecht mit
dem behaupteten Verlauf im Zuge der späteren Grundstücksteilungen nicht in
Anwendung von Art. 743 Abs. 2 ZGB bereinigt worden ist, zumal das Grundstück der
Beschwerdeführerin heute praktisch bloss noch aus dem Gebäude und dem
vorgelagerten Vorplatz besteht und das Fuss- und Fahrwegrecht nach ihrer Darstellung
nie über den vorgelagerten Platz des Gebäudes auf Parz.-Nr. 001 geführt haben soll.
4.6.4. Auf Grund des Gesagten ist die Vorinstanz folglich zu Recht vorfrageweise zum
Schluss gekommen, dass die nach Art. 49 Abs. 2 lit. a BauG notwendige Baureife mit
der Grunddienstbarkeit vom 20. Januar 1943 aus öffentlich-rechtlicher Sicht erfüllt ist.
Allein mit Blick auf den Inhalt der umstrittenen Grunddienstbarkeit ist bereits klar, dass
öffentlich-rechtlich von einer hinreichenden Erschliessung des Grundstücks Nr. 000
ausgegangen werden kann. Das Gleiche ergäbe sich im Übrigen auch aus dem
Wortlaut des Dienstbarkeitsvertrags und der Art und Weise, wie das Wegrecht bis
anhin ausgeübt worden ist. Auf Grund des vorliegenden Fuss- und Fahrwegrechts ist
die vorgesehene Zufahrt ohne Weiteres über den Vorplatz des Grundstücks Nr. 001
realisierbar, ohne dass ein polizeiwidriger Zustand herbeigeführt würde. Nur unter
diesem besonderen baurechtlichen Gesichtswinkel hatte die Baubehörde die geplante
Zufahrt in rechtlicher Hinsicht zu prüfen. Die nachbarschützende Funktion der
Grunddienstbarkeit ist vom Zivilrichter zu beurteilen (ZBl 79 [1978] S. 539).
5. Zusammengefasst erweisen sich die Einwände der Beschwerdeführerin als
unbegründet, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
6. (...).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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