# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 8c8b6d93-00df-4938-9d16-41b240ff9104
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Der im Jahre 1961 geborene
X._
war ab
1.
Januar 200
5 bei der
Y._
AG als
Kranführer
angestellt und als solcher
bei der
Suva
obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert
(
Urk.
9/I/1)
.
Am
1
8.
Juli 2007 musste der
Versi
cherte
einen schweren Gegenstand vom Körper abhalten, wobei es zu einer Kontusion des linken Thoraxes sowie Schmerzen an der linken Schulter kam (Urk. 9/II/5,
Urk.
9/II/10). Beim Anschluss eines Pizzaofens an den Strom erlitt der Versicherte am
3.
März 2013 einen Stromschlag
und klagte in der Folge über persistierende bewegungs- und belastungsabhängige Schmerzen im Bereich der linken
adominanten
Schulter (
Urk.
9/III/1,
Urk.
9/III/42 S. 2). Am 2
0.
Januar 2015 rutschte der Versicherte von einer Leiter ab und stürzte drei Meter in die Tiefe, wobei er sich ein Thoraxtrauma sowie ein
Extremitätentrauma
rechts zuzog (
Urk.
9/I/1,
Urk.
9/I/5 S. 2).
Am 1
7.
April 2017 verletzte sich der Versicherte bei einer Auffahrkollision, wobei er
in der Folge
insbesondere über HWS-Beschwerden klagte (
Urk.
9/IV/1,
Urk.
9/IV/10).
1.2
Nach mehrfacher kreisärztlicher Abklärung des Sachverhalts (
Urk.
9/I/247,
Urk.
9/I/286,
Urk.
9/I/295,
Urk.
9/I/298) sprach die Suva dem Versicherten mit Verfügung vom
4.
Dezember 2017 ab
1.
Januar 2017 ausgehend von einer Erwerbsunfähigkeit von 12
%
eine Rente zu; weiter eine Integritätsentschädigung ausgehend von einem Integritätsschaden von 10
%
(
Urk.
9/I/300).
Dagegen liess der Versicherte am
8.
Dezember 2017
Einsprache
erheben (
Urk.
9/I/308). Mit Verfügung vom 1
1.
Juli 2018 informierte die Suva über die Einstellung der Rente per
1.
Februar 2018 (
Urk.
9/I/354), wogegen der Versicherte am 1
1.
September 2018
ebenfalls Einsprache
erheben liess (
Urk.
9/I/351).
Mit
Einspracheentscheid
vom 1
7.
April 2019 wies die Suva die erhobenen Einsprachen ab und bestätigte die zugesprochene Integritätsentschädigung bei einem Integritätsschaden von 10
%
(
Urk.
9/I/383 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Vertreter des Versicherten am 2
8.
Mai 2019 Beschwerde und beantragte
, es sei der angefochtene
Einspracheentscheid
aufzuheben und
es seien dem Beschwerdeführer die gesetzlichen Leistungen in Form einer Integritätsent
schädigung von mindestens 25
%
zu gewähren. Darüber hinaus sei bezüglich der weiteren Körperbereiche Wirbelsäule, linker Ellbogen, Fuss rechts sowie
Hemit
horax
rechts mittels einer medizinischen Expertise zu klären, wie hoch eine zusätzliche Integritätsentschädigung auszufallen habe; unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
9.
Juli 2019 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
8), was dem Beschwerdeführer mit Verfü
gung vom 2
2.
Juli 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
10).
Am 12. Mai 2020 reichte der Beschwerdeführer weitere Arztberichte ein (
Urk.
11, Urk. 12/1-4).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. No
vember 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversiche
rung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt
ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dem
entsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. Septem
ber 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeit
punkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Entsprechend den nachfolgenden Ausführungen haben sich die für die
allein
strittige Integritätsentschädigung relevanten Unfälle in der Zeit vor dem
1.
Ja
nuar 2017
ereignet
(vgl.
Urk.
9/I/286 S. 7)
, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und i
n dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Nach Art. 24 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung, wenn sie durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen oder geistigen Integrität erleidet. Die Integritätsentschädigung wird in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie darf den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten Jahresverdienstes nicht übersteigen und wird entsprechend der Schwere des Integritätsschadens abgestuft (Art. 25 Abs. 1 UVG).
Gemäss Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung der Entschädigung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36 UVV Gebrauch gemacht. Abs. 1 dieser
Vorschrift bestimmt, dass ein Integritätsschaden als dauernd gilt, wenn er voraussichtlich während des ganzen Lebens minde
stens in gleichem Umfang besteht. Er ist erheblich, wenn die körperliche oder geistige Integrität, unabhängig von der Erwerbsfähigkeit, augenfällig oder stark beein
trächtigt wird. Gemäss Abs. 2 gelten für die Bemessung der Integritätsentschädi
gung die Richtlinien des Anhanges
3.
Fallen mehrere körperliche oder geistige Integritätsschäden aus einem oder mehreren Unfällen zusammen, so wird die Integritätsentschädigung nach der gesamten Beeinträchtigung fest
gesetzt (Abs. 3).
Im Anhang 3 zur UVV hat der Bundesrat Richtlinien für die Bemessung der Integritätsschäden aufgestellt und in einer als gesetzmässig erkannten, nicht abschliessenden Skala (BGE 124 V 29 E. 1b mit Hinweisen) wichtige und typische Schäden prozentual gewichtet (RKUV 2004 Nr. U 514 S. 416). Für die darin genannten Integritätsschäden entspricht die Entschädigung im Regelfall dem angegebenen Prozentsatz des Höchstbetrages des versicherten Verdienstes (
Ziff.
1
Abs.
1). Die Entschädigung für spezielle oder nicht aufgeführte Integritätsschäden wird nach dem Grad der Schwere vom Skalenwert abgeleitet (
Ziff.
1
Abs.
2). Integritätsschäden, die gemäss der Skala 5 % nicht erreichen, geben keinen Anspruch auf Entschädigung (
Ziff.
1
Abs.
3). Die völlige Gebrauchsunfähigkeit eines Organs wird dem Verlust gleichgestellt; bei teilweisem Verlust und teilwei
ser Gebrauchsunfähigkeit wird der Integritätsschaden entsprechend geringer, wobei die Entschädigung jedoch ganz entfällt, wenn der Integritätsschaden weniger als 5 % des Höchstbetrages des versicherten Verdienstes ergäbe (
Ziff.
2).
Die Medizinische Abteilung der Suva hat in Weiterentwicklung der
bundesrätli
chen
Skala weitere Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form (sog. Feinras
ter) erarbeitet. Diese von der Verwaltung herausgegebenen Tabellen stellen zwar keine Rechtssätze dar und sind für die Parteien nicht verbindlich, umso mehr als
Ziff.
1 von Anhang 3 zur UVV bestimmt, dass der in der Skala angegebene Pro
zentsatz des Integritätsschadens für den «Regelfall» gilt, welcher im Einzelfall Abweichungen nach unten wie nach oben ermöglicht. Soweit sie jedoch lediglich Richtwerte enthalten, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicherten gewähr
leistet werden soll, sind sie mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 29 E. 1c, 116 V 156 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen
Einspracheentscheid
hinsichtlich der
nunmehr allein strittigen
Integritätsentschädigung
(vgl.
Urk.
1 S. 5)
damit, dass
für die verbliebenen Unfallfolgen am rechten Handgelenk eine
Integritätseinbusse von 10
%
ausgewiesen sei. Für die Unfallfolgen im
Bereich des rechten
Hemithorax
und des rechten Fusses liege mangels Erheblichkeit kein Integritätsschaden vor. Weiter seien die Pathologien an den beiden Schultern nicht unfallbedingt, sondern degenerativer Natur (
Urk.
2 S. 9 f.
, vgl. zum Ganzen auch
Urk.
8
).
2.2
Demgegenüber machte der Vertreter des Beschwerdeführers im Wesentlichen geltend, dass der Integritätsschaden zunächst auf 20
%
festgesetzt
und erst nach
träglich auf 10
%
reduziert worden sei (
Urk.
1 S. 5). Gestützt auf die Stellung
nahme von
Dr.
med.
Z._
, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin
,
vom 23
.
Mai 2019 sei bei der linken wie der rechten Schulter von einem Integritätsschaden von je mindestens 10
%
auszugehen, wobei be
i der rechten Schulter eher ein
solche
r
von 15
%
ausgewiesen sei. Darüber hinaus sei bezüglich der weiteren von
Dr.
Z._
bezeichneten Körperbereiche (Wirbelsäule, linker Ellbogen, Fuss rechts sowie
Hemithorax
rechts) eine Begutachtung durchzuführen und gestützt darauf die weitere Integritätsentschädigung festzusetzen (S. 7).
3.
3.1
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Chirurgie (Kreisarzt), ging anlässlich seiner kreisärztlichen Abschlussuntersuchung
vom
2.
November 2017
von den folgen
den Diagnosen aus
(Urk. 9/I/286 S. 7)
:
-
Schulterverletzung am 1
8.
Juli 2007
-
Persistierende bewegungs- und belastung
s
abhängige Schulterschmerzen links mit eingeschränkter Beweglichkeit nach Stromunfall am
3.
März 2013
-
Leitersturz aus 3 m Höhe am 2
0.
Januar 2015 mit
-
Mehrfragmentärer intraartikulärer distaler Radiusfraktur rechts
-
Rippenseriefraktur
3.
–
1
0.
Rippe rechts
-
Pneumothorax rechts
-
Ulna-Impaktionssyndrom
mit TFCC-Ruptur
,
lunotriquetraler
Chondro
malazie
und Verdacht auf Partialruptur des dorsalen LT-Bandes
-
Riss der
Peroneus
brevis
-Sehne rechts, Partialruptur des Ligamentu
m
fibulotalare
anterius am 2
0.
J
anuar 2015
Die Beschwerden im
Bereich des rechten Hand
gelenkes würden einer mässigen Arthrose entsprechen, sodass ein Integritätsschaden von 10
%
ausgewiesen sei. Zudem bestehe eine schmerzhafte Einschränkung der Funktion der linken Schul
ter, welche ebenfalls einer Einschränkung von 10
%
entspreche
(bei hälftiger Aufteilung auf die Ereignisse vom 1
8.
Juli 2007 sowie
3.
März 2013)
und insge
samt zu einem Integritätsschaden von 20
%
führe (Beurteilung vom
3.
November 2017,
Urk.
9/I/287).
3.2
In seiner Stellungnahme vom 2
4.
November 2017 führte
Dr.
A._
aus, dass
die Schulterbeschwerden links allein auf das Ereignis vom
3.
März 2013 zurück
zuführen seien, wobei keine strukturell objektivierbaren Folgen mehr vorliegen würden (
Urk.
9/I/295 S.
2). Auf Anfrage hin präzisierte
Dr.
A._
seine Ausführungen in
seinem Bericht vom 2
7.
November 2017 dahingehend, dass das Ereignis vom
3.
März 2013 nicht zu strukturellen Läsionen an
der linken Schulter geführt habe
, welche objektiviert werden könnten (
Urk.
9/I/298 S. 2). Hinsichtlich der Einschätzung des Integritätsschadens führte
Dr.
A._
aus, dass bezüglich der linken Schulter degenerative Veränderungen das Beschwerdebild bestimmen würden und eine Integritätsentschädigung hier nicht geschuldet sei (
Urk.
9/I/297).
3.3
In seiner Beurteilung vom 2
2.
Mai 2018 führte
Dr.
A._
aus, dass
auf dem
Arthro
-CT der linken Schulter vom 2
9.
August 2007 keine Verletzungsfolgen hätten dargestellt werden können. Es könne mit überwiegender Wahrscheinlich
keit davon ausgegangen werden, dass im Beschwerdebild diesbezüglich Unfall
folgen heute keine Rolle mehr spielen würden.
Bezüglich der rechten Schulter
werde im Austrittsbericht des Universitätsspitals
B._
vom 2
9.
Januar 2015 nicht über eine Schulterverletzung berichtet. Solche würden erstmals am 2
6.
Juli 2017 dokumentiert, wobei sich in der Bildgebung vom 2
2.
Dezember 2017 erheb
liche degenerative Veränderungen gezeigt hätten, welche aber nicht eine Folge des Unfalls vom 2
0.
Januar 2015 seien. Hinsichtlich der Beschwerden am rechten
Hemithorax
sowie dem rechten Fuss sei
die
Erheblichkei
tsgrenze
für eine Integ
ritätsent
schädigung nicht erreicht (
Urk.
9/I/342).
3.4
In seinem Bericht vom 2
3.
Mai 2019 führte
Dr.
Z._
im Wesentlichen aus, dass
Dr.
A._
hinsichtlich der linken Schulter die am 2
4.
Mai 2013 beschriebene strukturelle Partialruptur-Läsion der
S
ubsc
apularissehne
, welche eine ausrei
chend starke Schulter-Traumatisierung nahe
lege, nicht berücksichtigt habe. Zudem habe
Dr.
A._
die vorangegangenen Unfälle ausgeblendet und die konkrete Krafteinwirkung des Unfallgeschehens nicht genügend in Betracht gezogen
(
Urk.
3/6 S. 2).
Befremdlic
h sei dabei auch die schnelle Än
derung der Einschätzung (S. 4). Aufgrund der vorliegenden Funktionseinschränkung sei min
destens von einem Integritätsschaden von 10
%
auszugehen (S. 6).
Hinsichtlich der rechten Schulter sei nicht von einem Sturz auf den Rücken, son
dern von einer Gewalteinwirkung auf der rechten Seite auszugehen, sodass eine Verletzung des rechten Schultergelenkes keineswegs unwahrscheinlich, sondern im Gegenteil sehr wahrscheinlich
sei
. Bei den MRI-Befunden vom 2
2.
Dezember 2017 handle es sich nicht um rein degenerative Veränderungen (S. 7). Die Viel
zahl an feststellbaren Veränderungen an der rechten
Schulter
sprechen
gegen eine rein
degenerative Ursache. Weiter sei es nicht unüblich, dass bei einem schwerwiegenden Multitrauma relevante Verletzungen lange übersehen würden, dies insbesondere wenn die Verletzungen in der Nähe gelegen seien
und
die Schmerzen
nicht klar abgrenzbar seien. Dies auch deshalb, weil eine stark ausge
baute Schmerztherapie d
ie Beschwerden vermindern würde
, zudem sei der rechte Arm aufgrund der erkannten Verletzungen über sehr lange Zeit nicht mobilisiert worden (S. 8 f.). Ein Integritätsschaden von 10
%
, eher sogar 15
%
sei ausgewie
sen (S. 9).
Zu wenig abgeklärt worden seien die Probleme an der Wirbelsäule sowie am linken Ellbogen, wobei diesbezüglich eher keine Prozente für eine isolierte Integ
ritätsentschädigung gesprochen werden könnten; es dränge sich aber eine Berücksichtigung bei den beiden Schultergelenken auf. Demgegenüber bestehe bezüglich den Beschwerden am
Hemithorax
rechts sowie am Fuss rechts ein Integritätsschaden, wobei er zur Klärung der Situation eine externe Abklärung empfehle (S. 10).
4.
4.1
Wie bereits ausgeführt
und vom Beschwerdeführer auch ausdrücklich so vermerkt (
Urk.
1 S. 5 oben)
ist die Aufhebung der Invalidenrente im vorliegenden Verfah
ren nicht mehr strittig, sodass in dieser Hinsicht von einer Teilrechtskraft des angefochtenen
Einspracheentscheids
auszugehen ist.
Unbestritten ist
auch die Festsetzung des Integritätsschadens für die Beschwerden an der rechten Hand. Dieser wurde von der Beschwerdegegnerin mit 10
%
bemessen, was
aufgrund der Akten (kreisärztliche Beurteilung vom
3.
November 2017 (
Urk.
9/I/286 S. 7, Urk. 9/I/287 S. 1) ausgewiesen ist und
beschwerdeweise nicht gerügt wurde. So machte der Vertreter des Beschwerdeführers lediglich geltend, dass aufgrund der weiteren Beschwerden auf eine höhere Integritätsentschädigung zu schliessen sei
, teilweise nach ergänzenden weiteren Abklärungen.
4.2
Zu prüfen bleibt demnach vorliegend, ob aufgrund der weiteren Beschwerden an der linken und rechten Schulter, am
Hemithorax
rechts, am Fuss rechts, am Ellbogen links sowie an der Wirbelsäule eine weitergehende Integritätsentschädi
gung geschuldet ist.
Die Beschwerdegegnerin stützt sich in ihrer Beurteilung des Integritätsschadens allein auf die kreisärztlichen Einschätzungen von
Dr.
A._
. Zu prüfe
n bleibt dabei zunächst, ob diese den Beweisanforderungen für die Beurteilung der vor
liegend relevanten Sachfragen
zu
genügen vermögen.
Festzuhalten ist dabei, dass
d
en Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte nach der Rechtsprechung Beweiswert zu
kommt
, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchs
frei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE 125 V 351 E. 3b/
bb
/
ee
). Trotz dieser grundsätzlichen Beweiseignung kommt den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fach
personen praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten unabhängiger Sachverständiger. Soll ein Versicherungsfall ohne Ein
holung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweis
würdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_348/2016 vom 9. Dezember 2016 E. 2.4).
4.3
4.3.1
Insgesamt vermag die Einschätzung von Dr.
Z._
vom 2
3.
Mai 2019
zumindest ge
ringe Zweifel an der Einschätzung der Sachlage durch
Dr.
A._
zu wecke
n, dies aus
den folgenden Gründen:
Die Beschwerden an der linken Schulter wurden im Nachgang zum Unfall vom
3.
März 2013 bildgebend abgeklärt. Der Beurteilung der Sonographie vom 2
3.
Mai 2013 kann dabei
– entsprechend der Einschätzung von
Dr.
Z._
-
ent
nommen werden, dass die
Subscapularissehne
ansatznah cranial eine kleine gelenksseitige Partialruptur von wenigen Millimetern
aufweist
(
Urk.
9/III/35). Gestützt auf das
Arthro
-MRI vom
7.
Juni 2013 wurde die
Subscapularissehne
demgegenüber als regelrecht beurteilt (
Urk.
9/III/33).
Aufgrund der genannten Bildgebungen wurde anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung vom 1
2. Sep
tember 2013 eine
Subscapularisoberr
andläsion
anerkannt (
Urk.
9
/III/42); die persistierenden Beschwerden an der linken Schulter sind zudem echtzeitlich doku
mentiert (vgl.
Urk.
9/III/18,
Urk.
9/III/21). Vor diesem Hintergrund vermag die Einschätzung von
Dr.
A._
nicht zu überzeugen, insbesondere hätte er
einlässlich begründen müssen, wie die – zumindest für den medizinischen Laien
– sich widersprechenden Bildgebungen zu
be
werten
sind
, unter Bezugnahme auf die kreisärztliche Einschätzung
vom 1
2.
September 201
3.
Dies
umsomehr
, als
Dr.
A._
seine Einschätzung bezüglich der linken Schulter in der Zeit zwischen der kreisärztlichen Abschlussuntersuchung am
2.
November 2017 und der endgültigen Einschätzung des Integritätsschadens am 2
7.
November 2017 zweimal änderte.
Auch hinsichtlich der rechten Schulter vermag die Argumentation von
Dr.
A._
nicht zu überzeugen. So ist gestützt auf den Bericht der Klinik für Unfallchirurgie des
B._
vom 2
9.
Januar 2015 von einem Thoraxtrauma sowie
Extremitätentrauma
rechts auszugehen, was gegen einen Sturz auf den Rücken
ohne Beteiligung der rechten Schulter
spricht (
Urk.
9/I/10); zudem wurde im Rahmen der Unfallmeldung die rechte Schulter neben dem rechten Unterarm als betro
ffener Körperteil erwähnt (Urk.
9/I/1). Vor diesem Hintergrund sowie aufgrund der weiteren Ausführungen von
Dr.
Z._
(Schonhaltung, Schmerz
medikation
, Vielzahl der B
efunde
)
erscheint es durchaus möglich, dass die Schul
terverletzung
rechts
über längere Zeit nicht erkannt wurde.
Auch in dieser Hinsicht erscheinen weitere Abklärungen nötig.
Auch die Kritik von
Dr.
Z._
bezüglich der Beurteilung der Beschwerden am rechten
Hemithorax
sowie am rechten Fuss sind nicht unbegründet. So wurde anlässlich der
kreisärztlichen Untersuchung vom
1.
Mai 2017 für beide Bereiche auf die weiterhin bestehenden belastungsabhängigen Beschwerden hingewiesen (
Urk.
9/I/247 S. 6 unten). Demgegenüber bleibt die abschliessende Feststellung im Rahmen der Festsetzung der Integritätsentschädigung
in dieser Hinsicht
weitge
hend unbegründet; insbesondere kommt die entsprechende Stellungnahme ohne Befundaufnahme und Würdigung der geltend gemachten Beschwerden aus. Nachdem aufgrund der Schulterbeschwerden ohnehin weitere Abklärungen angezeigt sind, drängt sich auch
eine
abschliessende Beurteilung der Thorax- und Fussbeschwerden auf.
4.3.2
Demgegenüber erscheint bezüglich der neu geltend gemachten Beschwerden an der Wirbelsäule sowie am
linken
Ellbogen (als Folge des Unfalls vom 1
7.
April 2017) kein weiterer Abklärungsbedarf gegeben. So wurden anlässlich der Scha
denmeldung vom 2
4.
April 2017 allein Wirbelsäulenbeschwerden angegeben (
Urk.
9/IV/1). Anlässlich der Untersuchung vom 2
4.
April 2017 klagte der Beschwerdeführer über persistierende Schmerzen im Bereich der unteren HWS (
Urk.
9/IV/10 S. 1). Anlässlich der eingeleiteten Abklärungen konnten
Trauma
folgen
radiologisch ausgeschlossen werden, wobei die Beschwerden im Rahmen von Myogelosen beurteilt wurden (
Urk.
9/IV/10 S
. 3). Bei dieser Aktenlage können strukturelle Schädigungen an der Wirbelsäule oder am Ellbogen, welche nunmehr Anspruch auf eine Integritätsentschädigung auslösen
könnten
, mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden.
4.4
Hinsichtlich der Einschätzung der Sachlage durch
Dr.
Z._
ist
anzumerken, dass
i
n Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften auf die Erfah
rungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftrags
rechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientin
nen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Vor diesem Hintergrund
kann nicht per se auf dessen Einschätzung abgestellt werden, zumal sich bei der Einschätzung eines Integritätsschadens immer auch ein gewisser Ermessungsspielraum ergibt.
Nichts anderes ergibt sich aus den im Beschwerdeverfahren aufgelegten Arztbe
richten, welche – ohne dies näher auszuführen - festhalten, das die Beschwerden an der linken Schulter überwiegend wahrscheinlich posttraumatisch bedingt seien (
Urk.
12/1) beziehungsweise die Verdachtsdiagnose einer traumatisch bedingten Verletzung des
Nervus
peron
eus
superficialis
stellen (Urk.
12/2-4).
4.5
Zwecks fundierter Beurteilung der Sachlage erscheint es
zusammenfassend
– entsprechend der Empfehlung von
Dr.
Z._
-
angezeig
t, die Sache zur externen Begut
achtung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Abzuklären ist dabei die Unfallkausalität der Schulterbeschwerden rech
ts und links. Bei Bejahung einer
solchen hat weiter e
ine Einschätzung des sich daraus
ergebenden Integr
itätsschadens zu erfolgen. Eine solche Einschätzung ist
auch bezüglich der anerkannten Unfallfolgen am
Hemithorax
rechts sowie am rechten Fuss
erforderlich
. Abschliessend ist eine gesamthafte Einschätzung des Integr
i
tätsschadens vorzunehmen,
unter Berücksichtigung
des unbestrittenen und aufgrund der Akten ausgewiesenen Integritätsschadens
im Umfang von 10
%
für die Beschwerden am rechten Handgelenk.
5.
Die Rückweisung einer Sache kommt einem Obsiegen des Beschwerdeführers gleich. Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin demnach zu verpflichten, dem Beschwerdeführer eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, welche in Anwendung von
Art.
61
lit
. g ATSG, namentlich unter Berücksichti
gung der Bedeutung der Streitsache und der Schwier
igkeit des Prozesses
,
auf
Fr.
1'7
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.