# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** dfc17f22-decd-46cc-9987-999f07ccb2f0
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_004
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt:
1. Mit öffentlich beurkundetem Kaufvertrag vom 24. Oktober 2014
veräusserte die A._ SA die Grundstücke Nrn. C._ sowie
D._, beide eingetragen im Grundbuch der Gemeinde B._, zum
Preis von insgesamt CHF 990'000.-- an die E._ AG. Dabei wurde
vereinbart, dass die Handänderungssteuern zu Lasten der A._ SA
gehen. Der öffentlich beurkundete Kaufvertrag vom 24. Oktober 2014
wurde nie zur Eintragung in das Grundbuch angemeldet. Am 21.
Dezember 2016 verkaufte die A._ SA die Grundstücke Nrn. C._
und D._ zum Preis von insgesamt CHF 970'000.-- (nochmals) an die
Eheleute F._.
2. Gestützt auf den öffentlich beurkundeten Kaufvertrag vom 24. Oktober
2014 erhob die Gemeinde B._ (nachfolgend Gemeinde) mit
Veranlagungsverfügung vom 4. Dezember 2018 von der A._ SA eine
Handänderungssteuer von CHF 19'800.--. Nachdem diese Verfügung
unangefochten in Rechtskraft erwachsen ist, bezahlte die A._ SA die
erhobene Handänderungsteuer.
3. Mit Schreiben vom 23. Juli 2021 setzte die Gemeinde die G._ SA
darüber in Kenntnis, dass sie es als steuerpflichtige Person unterlassen
habe, die Handänderung mitzuteilen. Diese Unterlassung stelle eine
versuchte Steuerhinterziehung dar, weshalb in Erwägung gezogen werde,
sie hierfür zu büssen.
4. Am 10. August 2021 ersuchte der Verwaltungsratspräsident der A._
SA, namentlich Herr H._, um einen persönlichen Vortritt. Diesem
Ersuchen wurde stattgegeben, indem H._ am 15. September 2021
mündlich befragt wurde.
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5. Mit Strafsteuerveranlagung vom 10. Dezember 2021 wurde die A._
SA wegen versuchter Steuerhinterziehung mit einer Busse von CHF
13'200.-- bestraft. Die Verfahrenskosten von insgesamt Fr. 850.00 wurden
der A._ SA auferlegt.
6. Dagegen erhob die A._ SA am 23. Dezember 2021 Einsprache, in
welcher sie die Auffassung vertrat, dass das mit öffentlich beurkundetem
Kaufvertrag vom 24. Oktober 2014 vereinbarte Grundstückgeschäft nicht
als Handänderung zu qualifizieren und die auferlegte
Handänderungssteuer von CHF 19'800.-- deshalb zu Unrecht erfolgt sei.
Auch könne ihr kein Vorsatz vorgeworfen werden. Ohnehin sei es der
Gemeinde nicht gelungen, ihr ein vorsätzliches Verhalten nachzuweisen.
7. Am 8. Juli 2022 erliess die Gemeinde den Einspracheentscheid, worin sie
die Einsprache abwies, soweit darauf eingetreten wurde. Die
Verfahrenskosten wurden – in Abweichung zur Strafsteuerveranlagung
vom 10. Dezember 2021 – neu auf insgesamt CHF 1'580.-- festgesetzt.
8. Dagegen erhob die A._ SA (nachfolgend Beschwerdeführerin) am 5.
August 2022 Beschwerde an das Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden mit dem Antrag um Aufhebung des Einspracheentscheids
vom 8. Juli 2022. Begründend wurde im Wesentlichen geltend gemacht,
dass der öffentlich beurkundete Kaufvertrag vom 24. Oktober 2014 nie im
Grundbuch angemeldet worden sei. Damit habe die E._ AG nie eine
eigentümerähnliche Stellung erlangt, weshalb keine Handänderung
vorliege. Ohnehin seien die Voraussetzungen für die Anmeldung des
öffentlich beurkundeten Kaufvertrages vom 24. Oktober 2014 nicht erfüllt
gewesen. Liege keine Handänderung vor, könne in der unterlassenen
Mitteilung auch keine versuchte Steuerhinterziehung erblickt werden.
Auch sei ihr ein allfälliges Fehlverhalten nicht bewusst gewesen. Es sei
daher weder Vorsatz noch Fahrlässigkeit gegeben.
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9. Die Gemeinde (nachfolgend Beschwerdegegnerin) beantragte in ihrer
Vernehmlassung vom 2. September 2022 die Abweisung der Beschwerde,
soweit darauf einzutreten sei. Die Beschwerdeführerin habe sich gegen
die mit Veranlagungsverfügung vom 4. Dezember 2018 erhobene
Handänderungssteuer von CHF 19'800.-- nicht zur Wehr gesetzt und
diese bezahlt. Mache sie heute geltend, der Abschluss des öffentlich
beurkundeten Kaufvertrages vom 24. Oktober 2014 sei nicht als
Handänderung zu qualifizieren, handle sie widersprüchlich. Werde das
vertraglich vereinbarte unwiderrufliche Zahlungsversprechen bzw. der
Restkaufpreis nicht fristgerecht bezahlt, habe die Verkäuferin nach
Ansetzung einer Nachfrist das Recht, vom Vertrag zurückzutreten und
Schadenersatz zu fordern. Obschon die E._ AG den geschuldeten
Restkaufpreis nicht bezahlt habe, sei die Beschwerdeführer weder vom
Grundstückkaufvertrag zurückgetreten noch habe sie
Inkassomassnahmen eingeleitet. Wesentlich sei auch, dass beide
Vertragsparteien das Eigentum an den Grundstücken Nrn. C._ und
D._ in ihren Büchern aktiviert hätten. Auch habe die E._ AG die
von ihr geleistete Anzahlung von CHF 100'000.-- erst erstattet, als die
genannten Grundstücke an die Eheleute F._ verkauft worden seien,
was voraussetze, dass die E._ AG auf die Eintragung des öffentlich
beurkundeten Kaufvertrages vom 24. Oktober 2014 im Grundbuch
verzichtet habe. Damit sei erstellt, dass die Vertragsparteien während
mehr als zwei Jahren zusammenwirkten. Damit sei der Beweis erbracht,
dass die seit geraumer Zeit im Immobilienbereich tätige
Beschwerdeführerin bzw. die für sie handelnden Organe wissentlich und
willentlich versucht hätten, die Handänderungssteuer zu vermeiden.
Ergänzend wurde festgehalten, dass die Beschwerdeführerin in
mindestens einen weiteren Fall analog vorgegangen sei. Dieser Fall sei
rechtskräftig erledigt.
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10. Im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels ergänzte und vertiefte die
Beschwerdeführerin den von ihnen eingenommenen Standpunkt. Die
Gemeinde verzichtete indessen auf eine Einreichung einer Duplik.
11. Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften, wird
soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen, eingegangen.

## Considerations

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt bildet der Einspracheentscheid der
Beschwerdegegnerin vom 8. Juli 2022, mit welchem sie die gegen die
Strafverfügung vom 10. Dezember 2021 erhobene Einsprache der
Beschwerdeführerin abwies und an der kostenfälligen Aussprechung einer
Busse wegen versuchter Steuerhinterziehung von CHF 13'200.-- festhielt.
Gemäss Art. 1 Abs. 2 des Gesetztes über die Gemeinde- und
Kirchensteuer (GKStG; BR 720.200) i.V.m. Art. 179 Abs. 5 des
Steuergesetzes für den Kanton Graubünden (StG; BR 720.000) können
gegen Strafverfügungen die gleichen Rechtsmittel erhoben werden wie
gegen eine ordentliche Veranlagungsverfügung. Gegen ordentliche
Veranlagungsverfügungen und damit auch gegen Strafverfügungen kann
der Steuerpflichtige – nach durchlaufenem Einspracheverfahren – innert
30 Tagen seit Zustellung des Entscheids Beschwerde beim
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden erhoben werden. Das
Verwaltungsgericht des Kantons erweist sich somit zur Beurteilung der
vorliegenden Beschwerde als zuständig. Die Beschwerde vom 5. August
2022 wurde zudem frist- und formgerecht eingereicht, weshalb darauf
einzutreten ist.
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2.1. Im vorliegenden Verfahren ist strittig, ob die Beschwerdegegnerin die
Beschwerdeführerin zu Recht wegen versuchter Steuerhinterziehung
gemäss Art. 1 Abs. 2 GKStG i.V.m. Art. 175 Abs. 1 StG bestraft und sie
mit einer Busse von CHF 13'200.-- belegt hat.
2.2. Gemäss Art. 1 Abs. 2 GKStG i.V.m. Art. 174 Abs. 1 lit. a StG wird mit
Busse bestraft, wer als Steuerpflichtiger vorsätzlich oder fahrlässig
bewirkt, dass eine Veranlagung zu Unrecht unterbleibt oder dass eine
rechtskräftige Veranlagung unvollständig ist. Dazu zählt insbesondere die
Nichtdeklaration von steuerbaren Leistungen aber auch das
Verschweigen anderer steuererheblicher Tatsachen. Als strafbares
Verhalten kommt jedes Tun oder Unterlassen in Frage, das als Verletzung
von Verfahrens- bzw. Mitwirkungspflichten zu würdigen ist (vgl. Urteil des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden A 11 36 vom 19.
September 2011 E.2.a; Urteil des Bundesgerichts 2C_851/2011 vom 15.
August 2012 E.2.2.). Wer eine Steuerhinterziehung versucht, wird mit
Busse bestraft (Art. 175 Abs. 1 StG). Der objektive Tatbestand der
Steuerhinterziehung kann auch durch blosses Unterlassen erfüllt werden
(R. SIEBER/J. MALLA, in: Martin Zweifel/Peter Athanas [Hrsg.], Kommentar
zum Schweizerischen Steuerrecht I/2b, Bundesgesetz über die direkte
Bundessteuer [DBG], 3. Aufl., Basel 2017 N. 6 zu Art. 176 DBG). Der
Übergang von der straflosen Vorbereitung zum strafbaren Versuch ist auf
den Zeitpunkt anzusetzen, da der zur Tat entschlossene Täter
entsprechend diesem Vorsatz mit der Ausführung der Tat beginnt. Es
bleibt beim Versuch einer strafbaren Handlung, wenn diese nicht zu Ende
geführt wird, d.h. das tatbestandsmässige Unrecht lediglich zum Teil
verwirklicht wird, oder wenn der Taterfolg ausbleibt. Dass die Straftat über
das Versuchsstadium hinausgelangt, kann daran liegen, dass die Behörde
das Fehlverhalten des Täters entdeckt oder dass dieser die strafbare
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Verhaltensweise von sich aus aufgibt (R. SIEBER/J. MALLA, in: Martin
Zweifel/Peter Athanas [Hrsg.], a.a.O., N. 2. f. zu Art. 176 DBG).
2.3. Der Steuerhinterziehungsversuch ist nur bei vorsätzlicher Tatbegehung
strafbar. Nebst direkt vorsätzlicher Begehung erfüllt auch Eventualvorsatz
den subjektiven Tatbestand (R. SIEBER/J. MALLA, in: Martin Zweifel/Peter
Athanas [Hrsg.], a.a.O., N 5 zu Art. 176 DBG). Vorsätzlich handelt gemäss
Art. 12 Abs. 2 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB; SR 311.0),
wer die Tat mit Wissen und Willen ausführt. Eventualvorsätzlich handelt,
wer die Verwirklichung der Tat für möglich hält und in Kauf nimmt. Steht
mit hinreichender Sicherheit fest, dass sich der Steuerpflichtige der
Unrichtigkeit oder Unvollständigkeit der gegenüber der Steuerbehörde
gemachten Angaben bewusst war, kann der Wille zur (versuchten)
Steuerhinterziehung vorausgesetzt werden. Der Nachweis der subjektiven
Tatbestandsmerkmale obliegt der Behörde (R. SIEBER/J. MALLA, in: Martin
Zweifel/Peter Athanas [Hrsg.], a.a.O., N. 28 zu Art. 175 DBG).
2.4. Werden mit Wirkung für eine juristische Person Verfahrenspflichten
verletzt, Steuern hinterzogen oder Steuern zu hinterziehen versucht, wird
gemäss Art. 1 Abs. 2 GKStG i.V.m. Art. 177 Abs. 1 StG die juristische
Person gebüsst. Die juristische Person ist selber strafrechtlich nicht
schuldfähig, fehlt ihr doch die Möglichkeit zur Einsicht in das Unrecht einer
Tat sowie die Fähigkeit gemäss dieser Einsicht zu handeln (BGE 85 IV
95); ein strafbares Verhalten kann somit nicht unmittelbar ihr vorgeworfen
werden. In diesem Sinne ist die juristische Person als Täterin und Trägerin
eines Verschuldens zu verstehen, das sich im Verhalten der für sie
handelnden Organe äussert; diese wiederum sind als natürliche Personen
schuldfähig. Ein solches – der juristischen Person zuzuordnendes, von ihr
zu vertretendes – Verschulden bildet Voraussetzung für ihre Bestrafung
(R. SIEBER/J. MALLA, in: Martin Zweifel/Peter Athanas [Hrsg.], a.a.O., N. 6
zu Art. 181 DBG).
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3.1. Die Beschwerdegegnerin wirft der Beschwerdeführerin vor, dass der
Abschluss des öffentlich beurkundeten Kaufvertrages vom 24. Oktober
2014 eine Handänderung zur Folge gehabt habe, was mit rechtskräftiger
Verfügung vom 4. Dezember 2018 festgestellt worden sei. Indem die
Beschwerdeführerin diese Handänderung in der Folge nicht dem
Gemeindesteueramt gemeldet habe, habe sie den Tatbestand der
versuchten Steuerhinterziehung erfüllt. Dagegen bringt die
Beschwerdeführerin vor, dass der öffentlich beurkundete Kaufvertrag vom
24. Oktober 2014 nicht im Grundbuch angemeldet worden sei. Damit sei
die E._ AG nicht Eigentümer der Grundstücke-Nrn. C._ sowie
D._ geworden, weshalb keine Handänderung vorliege; dies habe zur
Konsequenz, dass der Tatbestand der versuchten Steuerhinterziehung
nicht erfüllt sei. In der Tat ist es so, dass sich die Beschwerdeführerin nur
dann wegen versuchter Steuerhinterziehung strafbar gemacht haben
kann, wenn der Abschluss des öffentlich beurkundeten Kaufvertrages vom
24. Oktober 2014 eine Handänderung zu Folge gehabt hätte und die
Beschwerdeführerin somit zur Meldung an das Gemeindesteueramt
verpflichtet gewesen wäre.
3.2. Mit ihrem Vorbringen, wonach keine Handänderung vorliege, möchte die
Beschwerdeführerin auf die rechtskräftige Verfügung vom 4. Dezember
2018 zurückzukommen. Mit Blick darauf, dass dieses
Veranlagungsverfahren bereits rechtskräftig abgeschlossen wurde und
die steuerstrafrechtliche Beurteilung eng mit der Veranlagung verknüpft
ist, steht nicht zum vornherein fest, dass die Frage, ob eine Handänderung
gegeben ist, vorliegend einschränkungslos erneut thematisiert wird. Klar
ist immerhin, dass aufgrund der Unschuldsvermutung gemäss Art. 32 Abs.
1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV; SR
101) im Steuerstrafverfahren insoweit, als die Beschwerdeführerin im
Veranlagungsverfahren die Beweislast trug (vgl. Urteile des
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Bundesgerichts 2C_385/2017 / 2C_386/2017 vom 7. September 2017
E.4.2), nicht ohne Weiteres auf die rechtskräftige Veranlagungsverfügung
abgestellt werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_298/2020 vom
9. Oktober 2020 E.6.1). Es stellt sich also die Frage, ob das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden als Strafrichter auf die
rechtskräftige Verfügung vom 4. Dezember 2018 zurückkommen bzw. ihre
Rechtsmässigkeit überprüfen darf. Dabei ist zu berücksichtigen, dass
diese Verfügung, welche vom Gemeindesteueramt als sachkompetente
Behörde erlassen wurde, an das Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden hätte weitergezogen werden können. Allerdings hat die
Beschwerdeführerin von dieser Möglichkeit unbestrittenermassen keinen
Gebrauch gemacht. Dies hat zur Konsequenz, dass die
Überprüfungsbefugnis des Strafrichters zumindest bei offensichtlicher
Rechtsverletzung oder offensichtlichem Ermessensmissbrauch möglich
ist (vgl. HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht,
Zürich/St. Gallen, 2020, 8. Aufl., Rz. 1760 f.)
3.3. Im Kanton Graubünden erheben die Gemeinden eine
Handänderungssteuer nach den Bestimmungen des GKStG. Als
Handänderung gilt jede Übertragung der tatsächlichen oder
wirtschaftlichen Verfügungsgewalt über ein Grundstück (Art. 8 Abs. 1
GKStG). Die Handänderungsteuer im Kanton Graubünden knüpft somit
alleine an den Übergang der tatsächlichen oder wirtschaftlichen
Verfügungsgewalt an. Wie dieser Übergang bewerkstelligt wird – mittels
Rechtsgeschäft oder auf andere Weise – ist unerheblich. Mit anderen
Worten verlangt die Bündner Handänderungssteuer nicht einmal ein
Rechtsgeschäft, um ausgelöst zu werden. In diesem Punkt unterscheidet
sich die Bündner Handänderungssteuer von den Handänderungssteuern
der meisten Kantone, die primär am Eigentumsübergang anknüpfen (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 2C_9/2019 vom 29. Januar 2020 E.2.4.3. f.).
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3.4. Mit öffentlich beurkundetem Kaufvertrag vom 24. Oktober 2014
(Verpflichtungsgeschäft) verpflichtete sich die Beschwerdeführerin, der
E._ AG die Grundstücke Nrn. C._ sowie D._ zu Eigentum
zu übertragen (vgl. Art. 184 des Schweizerischen Obligationenrechts [SR;
220]). Die Beschwerdeführerin hatte somit eine Pflicht zur
Eigentumsverschaffung. Ausfluss dieser Pflicht ist, dass die E._ AG
gestützt auf den öffentlich beurkundeten Kaufvertrag vom 24. Oktober
2014 entweder auf Abgabe der Grundbuchanmeldung oder aber auf
gerichtliche Zusprechung des Grundeigentums (vgl. Art. 665 Abs. 2 des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches [ZGB; SR 210]) hätte klagen können,
was sie indes nie gemacht hat. Damit hat die E._ AG riskiert, dass
die Beschwerdeführerin weiterhin über die Grundstücke Nrn. C._
sowie D._ dinglich verfügt, z.B. eine Dienstbarkeit begründet. Solche
Verfügungen sind nach schweizerischem Recht grundsätzlich gültig, ohne
dass es auf die Gut- oder Bösgläubigkeit des aus der Verfügung
Begünstigten ankäme. Die Interessen des Käufers sind diesfalls lediglich
durch Schadenersatzansprüche gegen den Verkäufer gewahrt (Art. 97
OR). Das Gesagte gilt namentlich auch im Falle eines sogenannten
Doppelverkaufs des Grundstücks. Wenn daher der Verkäufer eines
Grundstückes dieses ein zweites Mal verkauft, so erlangt der Zweitkäufer
Eigentum, wenn der Verkäufer ihn und nicht den Erstkäufer im Grundbuch
eintragen lässt. Das Dargelegte hat zur Konsequenz, dass die E._
AG aufgrund des öffentlichen beurkundeten Kaufvertrages vom 24.
Oktober 2014 (Verpflichtungsgeschäft) keine Verfügungsgewalt über die
Grundstücke Nrn. C._ sowie D._ erlangt haben konnte. Es
verhält sich nämlich so, dass die E._ AG ihren Erfüllungsanspruch
auf Eigentumsübertragung nie (klageweise) durchgesetzt hat. Auch hat sie
keine Verfügungsbeschränkung gemäss Art. 960 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB
vormerken lassen. Gegenstand einer solchen Verfügungsbeschränkung
bzw. Vormerkung hätte der Anspruch der E._ GmbH auf
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Eigentumsübertragung der Grundstücke Nrn. C._ sowie D._
gebildet, was ihr erlaubt hätte, sich das Eigentum zulasten der im
Grundbuch eingetragenen Zweitkäufer, namentlich der Eheleute F._,
zu verschaffen. Eine solche Verfügungsbeschränkung ist indes nicht
aktenkundig und auch nicht behauptet worden. Damit stand es der
Beschwerdeführerin, solange die E._ noch nicht im Grundbuch als
Eigentümerin der Grundstücke Nrn. C._ sowie D._ eingetragen
war, frei, diese an einen Zweitkäufer zu verkaufen, was sie mit dem
Verkauf an die Eheleute F._ auch getan hatte. Die
Beschwerdeführerin liess die Eheleute F._ schliesslich auch als
hälftige Miteigentümer der Grundstücke Nrn. C._ sowie D._ im
Grundbuch eintragen. Vor diesem Hintergrund ergibt sich, dass die
Verfügungsgewalt über diese Grundstücke weiterhin, d.h. auch nach dem
Abschluss des öffentlich beurkundeten Kaufvertrages vom 24. Oktober
2014, bei der Beschwerdeführerin verblieb. Daran ändert auch die
Tatsache nichts, dass die E._ AG die Grundstücke Nrn. C._
sowie D._ in ihren Büchern aktiviert hatte; schliesslich ist einzig und
allein die Verfügungsgewalt massgebend, welche – wie gesagt – die
Beschwerdeführerin innehatte.
3.5. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das hier zur Diskussion
stehende Rechtsgeschäft nicht als Handänderung zu qualifizieren ist. Ging
die Beschwerdegegnerin in ihrer rechtskräftigen Verfügung vom 4.
Dezember 2018 fälschlicherweise vom Gegenteil aus, beging sie damit
eine offensichtliche Rechtsverletzung. Aus diesem Grund kann und darf
das Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden auf diese Verfügung
zurückkommen. Ist erstellt, dass offensichtlich keine Handänderung
vorliegt, hatte die Beschwerdeführerin dementsprechend auch keine
Verpflichtung, eine solche beim Gemeindesteueramt zu melden. Der
Beschwerdeführerin kann mithin keine Verletzung von Verfahrens- bzw.
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Mitwirkungspflichten vorgeworfen werden. Aus diesem Grund kann ihr
auch nicht vorgeworfen werden, sie hätte zu bewirken versucht, dass die
Veranlagung der Handänderungsteuer unterbleibt. Damit erweist sich
bereits der objektive Tatbestand der versuchten Steuerhinterziehung
gemäss Art. 1 Abs. 2 GKStG i.V.m. Art. 175 Abs. 1 StG als nicht erfüllt,
weshalb die Beschwerdeführerin von Strafe freizusprechen ist. Vor diesem
Hintergrund muss nicht mehr geprüft werden, ob die Organe der
Beschwerdeführerin vorsätzlich (subjektiver Tatbestand) und schuldhaft
gehandelt haben.
3.6. Die Beschwerde ist somit gutzuheissen und die Ziffern 1 bis 3 des
angefochtenen Einspracheentscheids vom 8. Juli 2022 sind aufzuheben.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Verfahrenskosten
vollumfänglich zulasten der Beschwerdegegnerin (Art. 73 Abs. 1 VRG).
Die Staatsgebühr wird auf CHF 2'000.-- festgesetzt. Gemäss Art. 78 Abs.
1 VRG wird die unterliegende Partei verpflichtet, der obsiegenden Partei
die durch den Rechtsstreit verursachten notwendigen Kosten zu ersetzen.
Die Vertreterin der Beschwerdeführerin hat trotz Aufforderung keine
Honorarnote eingereicht. Daher wird
die Parteientschädigung ermessensweise festgesetzt. Die
Beschwerdeführerin ist mehrwertsteuerpflichtig, weshalb ihr die
aussergerichtliche Entschädigung exklusive Mehrwertsteuer
zuzusprechen ist. Die aussergerichtliche Entschädigung zugunsten der
Beschwerdeführerin ist ermessensweise auf pauschal CHF 2'500.--
festzusetzen. In diesem Umfang hat die Beschwerdegegnerin die
Beschwerdeführerin zu entschädigen.