# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 89dec210-2476-4546-9084-7731929a63cc
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Nötigung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 1. Abteilung - , vom 30. Mai 2017 (GB150050)
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Strafbefehl:
Der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 4. Februar 2015 ist die-
sem Urteil beigeheftet (Urk. 13).
Urteil der Vorinstanz:
1. Die Beschuldigte ist schuldig der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB.
2. Die Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu
Fr. 30.–, wovon bis und mit heute 29 Tagessätze als durch Haft geleistet
gelten.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre
festgesetzt.
4. Es wird eine Bewährungshilfe angeordnet.
5. Der Beschuldigten wird die Weisung erteilt, die bei B._ begonnene Be-
handlung fortzusetzen, solange der behandelnde Arzt dies für notwendig
hält, längstens aber für die Dauer der Probezeit.
6. Der Beschuldigten wird die Weisung erteilt, von Alkohol abstinent zu bleiben
und sich entsprechenden Kontrollen zu unterziehen.
7. Das Amt für Justizvollzug des Kantons Zürich, Bewährungs- und Vollzugs-
dienste, 8090 Zürich, wird mit der Überwachung dieser Weisungen und dem
Vollzug der Bewährungshilfe beauftragt.
8. Der am 27. Dezember 2014 sichergestellte, bei der Stadtpolizei Zürich la-
gernde Schal des Privatklägers (Asservat-Nr. A007'794'072) wird diesem
nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils herausgegeben. Wird der Schal
nicht innert drei Monaten seit Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils vom Pri-
vatkläger herausverlangt, so wird er der Stadtpolizei Zürich zur gutscheinen-
den Verwendung überlassen.
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9. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 1'500.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'700.– Gebühr Anklagebehörde Fr. 28'736.60 Gutachten Fr. 2'667.70 amtliche Verteidigung Untersuchung Fr. 12'000.– amtliche Verteidigung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
10. Rechtsanwältin X._ wird für ihre Aufwendungen als amtliche Verteidige-
rin der Beschuldigten mit Fr. 12'000.– (inkl. Barauslagen und 8 % MwSt.)
aus der Gerichtskasse entschädigt.
11. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung und des Gutachtens, werden
der Beschuldigten auferlegt, jedoch erlassen. Die Kosten der amtlichen Ver-
teidigung und des Gutachtens werden unter Vorbehalt einer Nachforderung
gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO auf die Gerichtskasse genommen.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung der Beschuldigten:
(Urk. 160 S. 1)
1. Dispositivziffer 1 des angefochtenen Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 30. Mail 2017 sei aufzuheben und die Beschuldigte sei vom Vorwurf der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB .
2. Dispositivziffer 2 bis 7 des angefochtenen Urteils des  Zürich vom 30. Mail 2017 seien aufzuheben.
3. Dispositivziffer 11 des angefochtenen Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 30. Mail 2017 sei insofern abzuändern, als die  Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, inklusive der Kosten der amtlichen Verteidigung vollumfänglich auf die Gerichtskasse zu nehmen seien. Eine  im Sinne von Art. 135 StPO sei ersatzlos zu streichen.
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4. Der Beschuldigten sei für die erlittene Haft vom 7. Januar bis 4. Februar 2015 (29 Tage) eine angemessene Genugtuung in der Höhe von mind. Fr. 5'800.– auszurichten.
5. Die Kosten des vorliegenden Berufungsverfahrens, inkl. Kosten der amtlichen Verteidigung seien vollumfänglich auf die  zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl:
(schriftlich, Urk. 100)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Gegenstand des Berufungsverfahrens
1.1. Urteil der Vorinstanz
Mit Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 1. Abteilung - Einzelgericht, vom 30. Mai
2017 wurde die Beschuldigte der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB schuldig
gesprochen und mit einer Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu je Fr. 30.– bestraft,
wovon 29 Tagessätze als durch Haft geleistet galten. Der Vollzug der Geldstrafe
wurde aufgeschoben und die Probezeit auf drei Jahre festgesetzt. Zudem wurde
eine Bewährungshilfe angeordnet. Der Beschuldigten wurde sodann die Weisung
erteilt, die bei B._ begonnene Behandlung fortzusetzen, solange der behan-
delnde Arzt dies für notwendig hält, längstens aber für die Dauer der Probezeit.
Weiter wurde die Beschuldigte angewiesen, von Alkohol abstinent zu bleiben und
sich entsprechenden Kontrollen zu unterziehen. Mit der Überwachung der Wei-
sungen und dem Vollzug der Bewährungshilfe wurde das Amt für Justizvollzug
des Kantons Zürich beauftragt. Zudem wurde über die Herausgabe des sicherge-
stellten Schals des Privatklägers an diesen entschieden (Urk. 96 S. 21 f.).
1.2. Berufungsanmeldung
Das erstinstanzliche Urteil vom 30. Mai 2017 wurde der Beschuldigten an der
Hauptverhandlung vom gleichen Tag mündlich eröffnet und im Dispositiv überge-
ben (Urk. 82, Prot. I S. 41). Gegen den Entscheid liess die Beschuldigte rechtzei-
tig Berufung anmelden (Urk. 85; Art. 399 Abs. 1 StPO).
1.3. Berufungserklärung
Das begründete Urteil wurde der Beschuldigten am 8. September 2017 zugestellt
(Urk. 96 bzw. Urk. 94/2). Am 19. September 2017, und damit fristgerecht, liess die
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Beschuldigte die Berufungserklärung postalisch aufgeben (Urk. 97). Die Staats-
anwaltschaft Zürich-Sihl (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) verzichtete auf An-
schlussberufung und beantragt die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
(Urk. 100). Der Privatkläger erhob weder selbständig Berufung noch liess er sich
innert Frist zur Erhebung einer Anschlussberufung vernehmen (Urk. 98,
Urk. 99/2).
Die Beschuldigte verlangt einen vollumfänglichen Freispruch unter entsprechen-
der Kosten- und Entschädigungsfolge. Für die erlittene Haft sei der Beschuldigten
eine angemessene Genugtuung auszurichten (Urk. 97 S. 2, Urk. 106 S. 1).
Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung (Art. 402
StPO). Die nicht von der Berufung erfassten Punkte erwachsen in Rechtskraft
(Schmid, StPO Praxiskommentar, Art. 402 N 1; Art. 437 StPO). Nicht angefochten
wurde das vorinstanzliche Urteil mit Bezug auf die Herausgabe des sichergestell-
ten Schals des Privatklägers, die Festsetzung der Entscheidgebühr sowie der
Entschädigung der amtlichen Verteidigung. Folglich sind die Dispositivziffern 8
(Herausgabe Schal), 9 (Kostenfestsetzung) und 10 (Entschädigung amtliche Ver-
teidigung) in Rechtskraft erwachsen, was mittels Beschluss festzustellen ist.
2. Verwertbarkeit von Beweismitteln
2.1. Einvernahmen ohne Verteidigung
Die amtliche Verteidigung der Beschuldigten rügte vor Vorinstanz und im Beru-
fungsverfahren, das Recht auf wirksame Verteidigung sei verletzt worden. Die
Verteidigerin sei erst am 20. Tag des Freiheitsentzugs als amtliche Verteidigerin
der Beschuldigten bestellt worden. Weil die Beschuldigte weder in der polizeili-
chen Einvernahme vom 8. Januar 2015 noch in der Hafteinvernahme vom 9. Ja-
nuar 2015 gehörig verteidigt gewesen sei, seien diese Einvernahmen nicht zulas-
ten der Beschuldigten verwertbar (Urk. 80 S. 2, Urk. 106 S. 2 f.).
Wie die Verteidigung zutreffend vorbrachte, liegt ein Fall notwendiger Verteidi-
gung unter anderem vor, wenn die Untersuchungshaft mehr als 10 Tage gedauert
hat (Art. 130 lit. a StPO). Wurden in Fällen, in denen die Verteidigung erkennbar
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notwendig gewesen wäre, Beweise erhoben, bevor eine Verteidigerin oder ein
Verteidiger bestellt worden ist, so ist die Beweiserhebung nur gültig, wenn die be-
schuldigte Person auf ihre Wiederholung verzichtet (Art. 131 Abs. 3 StPO). Die
Beschuldigte wurde am 27. Dezember 2014 von der aufgebotenen SOS-Ärztin
C._ im Rahmen einer Fürsorgerischen Unterbringung in die PUK eingewie-
sen. Die Fürsorgerische Unterbringung dient dem Zweck einer bestehenden
Selbst- oder Fremdgefährdung zu begegnen und insbesondere der Behandlung
einer Sucht oder Krankheit. Für die Anordnung der Untersuchungshaft muss ein
dringender Tatverdacht und ein Haftgrund gegeben sein. Diese Instrumente sind
daher nicht vergleichbar. Die Beschuldigte wurde erst am 7. Januar 2015 in Un-
tersuchungshaft versetzt. In diesem Zeitpunkt war noch nicht klar, ob diese Unter-
suchungshaft länger als 10 Tage dauern werde, weshalb noch keine amtliche
Verteidigung anzuordnen war. Am 15. Januar 2015 – und somit bevor die Unter-
suchungshaft länger als 10 Tage dauerte – wurde die amtliche Verteidigerin der
Beschuldigten bestellt. Es lag demnach im Zeitpunkt der beiden Einvernahmen
kein Fall notwendiger Verteidigung vor.
Deshalb bestehen keine Gründe, welche gegen die Verwertbarkeit der Einver-
nahmen der Beschuldigten sprechen würden. Die Einvernahmen sind für die
Sachverhaltserstellung heranzuziehen.
2.2. Verwertbarkeit des Gutachtens
In Bezug auf das forensisch-psychiatrische Gutachten vom 9. November 2016
liess die Beschuldigte vor Vorinstanz rügen, es sei ihr keine Frist gemäss Art. 188
StPO angesetzt worden, um zum Gutachten Stellung nehmen zu können. Damit
sei das rechtliche Gehör verletzt worden; dieser formelle Mangel ziehe die Un-
verwertbarkeit des Gutachtens per se nach sich (Urk. 80 S. 4 f.). Dass keine for-
melle Fristansetzung erfolgte, widerspricht der Bestimmung von Art. 188 StPO. Es
ist daher zu prüfen, ob dieser Verfahrensmangel geheilt werden konnte. Der
zwingende Charakter von Art. 188 StPO erfasst die Unterbreitung des Gutachtens
durch das Gericht; ob die Parteien hierzu Stellung nehmen wollen, steht in ihrem
Belieben. Um von dieser Möglichkeit Gebrauch machen zu können, ist erforder-
lich, dass sie genügend Zeit zum Studium des Gutachtens erhalten. Dabei hat
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das Beschleunigungsgebot in den Hintergrund zu treten. Ergänzungsfragen an
den Gutachter können im gerichtlichen Verfahren als Beweisantrag gemäss
Art. 331 Abs. 2 StPO gestellt werden (HEER, in : BSK StPO I, Art. 188 N 3). Wie
die Vorinstanz zutreffend erwog, hatte die Verteidigung bereits gut fünf Monate
vor der Hauptverhandlung Kenntnis vom Gutachten und die Möglichkeit, sich da-
mit auseinanderzusetzen, allfällige Beweisanträge zu stellen und anlässlich der
Hauptverhandlung dazu Stellung zu nehmen (Urk. 96 S. 6 f.), was sie auch tat
(Urk. 80 S. 4 ff.). Um dem Gutachter persönlich Ergänzungsfragen stellen zu kön-
nen oder eine Verbesserung oder Ergänzung des Gutachtens zu beantragen, bot
das Gericht zudem die Vertagung der Hauptverhandlung an. Die Verteidigung
verzichtete darauf (Prot. I S. 38 f.). Der Mangel fehlendender vorgängiger Fristan-
setzung ist damit geheilt; das rechtliche Gehör der Beschuldigten wurde vollum-
fänglich gewahrt.
II. Sachverhalt
1. Anklagevorwurf
Der Beschuldigten wird vorgeworfen, am 27. Dezember 2014 nach einem verba-
len Streit mit ihrem Ehemann D._ diesen daran gehindert zu haben, die
Wohnung zu verlassen, indem sie ihn am Schal gepackt, in die Wohnung zurück-
gezogen und den Schal einmal um den Hals gewickelt habe. Sie habe den Schal
zugezogen, ihm angedroht, ihn umzubringen, wenn er die Wohnung verlassen
würde und ihn zudem mit der Hand am Hals gewürgt, so dass er nicht mehr in der
Lage gewesen sei, die Wohnung zu verlassen.
2. Standpunkt der Beschuldigten
Die Beschuldigte bestreitet den Sachverhalt. Sie macht geltend, sie habe ihre Zu-
stimmung zum Strafbefehl in der Einvernahme vom 2. Februar 2015 nur abgege-
ben, da sie möglichst schnell aus der Untersuchungshaft habe herauskommen
wollen (Urk. 44 S. 2 f., Urk. 106 S. 4). Die Belastungen des Privatklägers würden
nicht der Wahrheit entsprechen. Das Motiv für seine Falschbelastung liege darin
begründet, dass er ihrer überdrüssig sei und sie schnellstmöglich loswerden wol-
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le. Er habe sie denn auch schon länger mit der Scheidung bedrängt (Urk. 44 S. 4,
Urk. 106 S. 6 f.).
3. Beweiswürdigung
3.1. Allgemeine Grundsätze
Die Vorinstanz hat zu den allgemeinen Grundsätzen der Beweiswürdigung das
Nötige ausgeführt. Um Wiederholungen zu vermeiden, kann darauf verwiesen
werden (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 96 S. 11 f.).
3.2. Glaubwürdigkeit der Beteiligten
Entgegen dem Vorbringen der Beschuldigten (Urk. 44 S. 5 f.) ergeben sich keine
Hinweise für eine eingeschränkte Glaubwürdigkeit des Privatklägers. Der Um-
stand, dass er in der polizeilichen Einvernahme auf die Frage nach seiner Bezie-
hung zur Beschuldigten aussagte, er wolle sich von der Beschuldigten scheiden
lassen (Urk. 4/1 S. 2), beschlägt seine Glaubwürdigkeit in keiner Weise, vielmehr
wird diese durch die offene Darlegung seines Scheidungswunsches gestützt.
Dass der Privatkläger nicht vom Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machte
mit der Bemerkung, er werde Aussagen machen, ansonsten es ja nichts bringe
(Urk. 4/1 S. 2), stellt entgegen der Auffassung der Verteidigung kein Indiz für eine
falsche Anschuldigung dar (Urk. 44 S. 4). Die Bemerkung des Privatklägers ist
schlicht eine zutreffende Feststellung. Vorliegend handelt es sich um ein Vierau-
gendelikt und neben den Aussagen der beiden Beteiligten liegen keine weiteren
Beweismittel vor, weshalb eine Aussageverweigerung des Beschuldigten dazu
führen würde, dass kein belastendes Beweismittel vorhanden wäre.
3.3. Würdigung der Aussagen der Beteiligten
3.3.1. Aussagen der Beschuldigten
a) Zusammenfassung
Die Beschuldigte führte in ihrer polizeilichen Befragung vom 8. Januar 2015 aus,
dass ihr Ehemann am 27. Dezember 2014, als er um ca. 17.30 Uhr nach Hause
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gekommen sei, die Polizei gerufen habe, nachdem er gesehen habe, dass sie Al-
kohol getrunken habe. Als er das Telefon in die Hand genommen habe, habe sie
versucht, ihm dies aus der Hand zu reissen. Mit dem Vorwurf konfrontiert, ihren
Ehemann daran gehindert zu haben, die Wohnung zu verlassen, ihn weiter ge-
würgt und ihm mit dem Tod gedroht zu haben, erklärte sie, dass dies alles Lügen
seien. Es treffe zu, dass sie ca. einen Liter Weisswein getrunken habe und dass
er sie weinend angetroffen habe (Urk. 4/2 S. 2 ff.). In der staatsanwaltschaftlichen
Hafteinvernahme vom 9. Januar 2015 ergänzte die Beschuldigte, dass sie ihrem
Mann "vielleicht im Affekt" gesagt habe, dass sie ihn umbringen würde, wenn er
die Wohnung verlasse (Urk. 4/3 S. 3). Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen
Einvernahme vom 2. Februar 2015 hielt die Beschuldigte zwar an ihrer Darstel-
lung fest, wonach die Aussagen ihres Mannes Lügen seien; sie anerkannte je-
doch auch die Vorwürfe und erklärte sich mit einem Strafbefehl wegen Nötigung
einverstanden (Urk. 4/4 S. 2 und 3). In der Befragung anlässlich der Hauptver-
handlung vor erster Instanz war die Beschuldigte nicht in der Lage, den Hergang
des Geschehens zu beschreiben. Sie führte aber einlässlich aus, dass ihr Mann
sie unter Druck gesetzt habe, damit sie in die Scheidung einwillige und dass er
einen Skandal veranstaltet habe. Er habe gesehen, dass sie nicht nüchtern ge-
wesen sei und habe die Polizei gerufen. Er habe einen Grund gesucht, um sie
rauszuschmeissen (Urk. 41 S. 3 f.). Diese Ausführungen wiederholte sie vor
Obergericht (Prot. II S. 15 ff.). Ergänzend erklärte sie, dass ihr Ehemann nach
draussen gegangen sei und die Polizei von der Strasse aus angerufen habe. Neu
erklärte sie, dass sie sich schlafen gelegt habe, nachdem er die Wohnung verlas-
sen hatte (Prot. II S. 17). Sie räumte ein, dass sie nicht gewollt habe, dass ihr
Mann die Wohnung verlasse, da sie mit ihm über die Situation habe sprechen
wollen. Eine Auseinandersetzung habe es aber nicht gegeben (Prot. II S. 16 f.).
b) Würdigung
Die Aussagen der Beschuldigten wurden im Laufe der Zeit ausschweifender und
teilweise detaillierter. Dies widerspricht dem Umstand, dass Erinnerungen mit
dem Lauf der Zeit üblicherweise eher verblassen. So erklärte sie erstmals in der
Hauptverhandlung vom 9. Februar 2016, dass ihr Mann versucht habe, sie zu
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schlagen (Urk. 41 S. 5). Dass sie mehr als ein Jahr wartete, um diese wichtige In-
formation mitzuteilen, deutet darauf hin, dass es sich dabei nicht um die Wahrheit
handelt. Auch wurden ihre Aussagen zum Grund, warum sie weinte, als ihr Mann
nach Hause kam, mit der Zeit dramatischer. Anfänglich erwähnte sie von sich aus
gar nicht, dass sie weinte. In der Hafteinvernahme erklärte sie dann, dass sie
Nachrichten gelesen und geweint habe, als ihr Ehemann nach Hause gekommen
sei (Urk. 4/3 S. 2). An der Hauptverhandlung führte sie sodann aus, dass sie mit
Freundinnen aus der Ukraine gesprochen habe und diese ihr vom Tod von Ver-
wandten der Beschuldigten berichtet hätten. Deshalb habe sie geweint. Vor Be-
zirksgericht gab sie auf die Frage des Richters, von wessen Tod sie erfahren ha-
be, zunächst keine Antwort und erklärte dann auf erneutes Nachfragen, der Bru-
der und die Schwester ihres Onkels seien erschossen worden. Vor Obergericht
erklärte die Beschuldigte zu diesem Thema auf entsprechende Frage hingegen,
dass sie vom Tod eines Kollegen erfahren habe; dieser sei an einer Krankheit ge-
storben (Prot. II S. 19). Von wessen Tod die Beschuldigte erfahren hatte und un-
ter welchen Umständen es dazu gekommen sein soll, konnte nicht restlos geklärt
werden. Es gilt festzuhalten, dass, auch wenn sich diese Ereignisse tatsächlich so
abgespielt hätten, doch merkwürdig ist, dass die Beschuldigte bruchstückhaft im-
mer mehr Details zum Grund ihrer Gemütsregung angab und nicht bereits von
Beginn weg darauf hinwies, zumal der Tod – und insbesondere das Umkommen
im Krieg – von näheren Verwandten ein einschneidendes Erlebnis darstellt und
eine emotionale Reaktion nachvollziehbar ist.
Die Beschuldigte hatte zudem, wie sie selber angab, ungefähr einen Liter Weiss-
wein konsumiert und wies gemäss Atemlufttest einen Alkoholpegel von beinahe 2
Promille auf. Wie ausgeführt, war sie emotional erregt und weinte als ihr Mann
nach Hause kam. Die Aussage, wonach sie ihren Mann nicht auf das Sofa ge-
drückt hätte, weil sich dort ihr Laptop befunden habe, mit welchem man sehr vor-
sichtig umgehen müsse, lässt sich schlecht mit einer Handlung im Affekt verein-
baren. Ihre Aussage, dass ihr Ehemann den Schal sowieso nie auf diese Art tra-
ge, dass man ihn erwürgen könne, mutet sodann lebensfremd an und ist als
Schutzbehauptung zu werten.
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Bereits die Vorinstanz hat zutreffend darauf hingewiesen (Urk. 96 S. 13), dass die
Ausführungen der Beschuldigten, wonach der Privatkläger bloss aufgrund des
Umstandes, dass er sie betrunken angetroffen hatte – ohne irgendeine Eskalation
des Paarkonfliktes – den Entschluss gefasst haben soll, die Polizei zu rufen, nicht
einleuchten.
Die Angaben der Beschuldigten zum gesamten Geschehen weisen Widersprüche
auf. Insgesamt sind ihre Aussagen ausschweifend, teilweise konfus und in einer
Gesamtbetrachtung in Bezug auf das Kerngeschehen nicht glaubhaft. Es ist da-
her nur beschränkt auf ihre Aussagen abzustellen.
3.3.2. Aussagen des Privatklägers
a) Zusammenfassung
Der Privatkläger erklärte in seiner Befragung vom 27. Dezember 2017 zusam-
mengefasst, dass er nach 17.00 Uhr zu Hause angekommen sei, wo er seine
Ehefrau stark weinend angetroffen habe. Auf seine Frage hin, weshalb sie weine,
habe sie ihm vorgeworfen, dass er sich nie für sie interessiere. Er habe auch so-
fort gemerkt, dass sie alkoholisiert gewesen sei. Er habe deshalb gesagt, dass er
die Wohnung wieder verlassen werde und seinen Schal um den Hals gelegt. Da-
raufhin sei seine Ehefrau ihm gefolgt, habe sich zwischen ihn und die Türe ge-
stellt, die beiden Enden des Schals gepackt und ihn in die Wohnung zurückgezo-
gen. Sie habe ihm dann sinngemäss gesagt, dass sie ihn umbringen werde. Da-
raufhin habe sie das eine Schalende genommen, es erneut um seinen Hals ge-
schleift und ihn gegen den Diwan gedrückt. Als er sich daraufhin zu wehren be-
gonnen und sich der Schal etwas gelöst habe, sei die Beschuldigte mit ihrer Hand
an seinen Hals gegangen und habe zugedrückt, damit es ihm weh tue. Im Hand-
gemenge sei es ihm gelungen, das Festnetztelefon zu greifen und den Polizeinot-
ruf zu wählen. Die Beschuldigte habe versucht, ihm das Telefon aus der Hand zu
reissen. Da die Beschuldigte schockiert gewesen sei – weil sie nicht ernsthaft
damit gerechnet habe, dass er die Polizei wirklich rufen würde – habe sie von ihm
abgelassen. Gemeinsam hätten sie dann auf das Eintreffen der Polizeibeamten
gewartet (Urk. 4/1 S. 2 f.). Seine Aussagen wiederholte er in der staatsanwalt-
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schaftlichen Einvernahme vom 2. Februar 2015 und vor Vorinstanz (Urk. 4/5,
Urk. 42).
b) Würdigung
Die Aussagen des Privatklägers sind konstant, lebensnah und detailliert. Er belas-
tet die Beschuldigte nicht übermässig, indem er von sich aus angab, dass sie nur
"ein bisschen" zugedrückt habe und er auch nicht bewusstlos geworden sei. Wie
sogleich darauf einzugehen sein wird, relativierte er auch die Todesdrohung, wo-
nach diese im Russischen des Öfteren verwendet werde und er solche Drohun-
gen seiner Frau bis zum eingeklagten Vorfall nicht ernst genommen habe.
Die Beschuldigte liess ausführen, es sei ein Lügensignal darin zu sehen, dass der
Privatkläger in der ersten polizeilichen Einvernahme nicht erwähnte, dass die Be-
schuldigte ihm gedroht habe, ihn umzubringen (Urk. 44 S. 6 f). Seine Aussage
lautete: "An die Worte, wo sie da gesagt hat, kann ich mich aber nicht mehr ge-
nau erinnern. Ich erwiderte ihr jedenfalls, dass sie mich nun endlich umbringen
solle." Auf entsprechendes Nachhaken erklärte er erneut, dass er sich nicht an
die genauen Worte erinnere, sie aber gesagt habe, dass sie ihn umbringen wer-
de. Er relativierte diese Aussage, indem er sogleich anfügte, dass die Russen
dies des Öfteren sagen würden (Urk. 4/1 S. 3). Dass er ihr geantwortet habe, sie
solle ihn "nun endlich umbringen", macht keinen Sinn, wenn sie ihm nicht zuvor
gedroht hatte, ihn umzubringen und wirkt überdies spontan und nicht erfunden.
Aus seinen Aussagen geht demnach – entgegen der Ansicht der Beschuldigten
(Urk. 106 S. 6) – klar verständlich hervor, dass sie ihm sagte, dass sie ihn um-
bringen werde. An den genauen Wortlaut erinnerte er sich nicht und er erklärte
auch (zugunsten der Beschuldigten), dass diese Worte von Russen häufig ge-
braucht werden, was darauf hindeutet, dass es sich nicht immer – vermutlich auch
zwischen der Beschuldigten und dem Privatkläger – um eine Drohung, sondern
wohl zum grossen Teil um daher gesagte Worthülsen handelt. Der Privatkläger
erklärte nachvollziehbar, dass vergleichbare Vorfälle bereits vorgekommen seien,
er aber zum ersten Mal wirklich Angst vor der Beschuldigten bekommen habe.
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Die Beschuldigte liess sodann vorbringen, dass der Privatkläger ihr, als sie in der
Psychiatrischen Universitätsklinik war, eine SMS schrieb, wonach es gut komme,
wenn sie sich scheiden lassen würde (Urk. 44 S. 8). Darin sei sein Motiv zu se-
hen, die Beschuldigte falsch beschuldigen zu wollen, um eine Scheidung durch-
zusetzen. Zur Motivlage des Privatklägers kann vollumfänglich auf die zutreffen-
den Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden, wonach seine Aussagen
nicht aufgrund seiner Motive von vornherein unglaubhaft sind (Urk. 96 S. 10).
Die Verteidigung macht weiter geltend, der Privatkläger habe sich bei seiner Ein-
vernahme im Gewaltschutzverfahren bestürzt gezeigt, als er erfahren habe, dass
die Beschuldigte in Untersuchungshaft versetzt worden sei. Dieses Verhalten zei-
ge, dass der Privatkläger nie daran gedacht habe, dass die Beschuldigte ins Ge-
fängnis komme, weil es eben keinen Grund dafür gebe. Die Bestürzung des Pri-
vatklägers zeige, dass die von ihm vorgebrachten Belastungen nicht der Wahrheit
entsprechen (Urk. 4 S. 5 f.). Dieser Argumentation der Verteidigung kann nicht
gefolgt werden, vielmehr ist den Äusserungen des Privatklägers zu entnehmen,
dass er der Auffassung war, dass die Beschuldigte in einer psychiatrischen Klinik
unterzubringen sei, nicht ins Gefängnis gehöre. Die Beschuldigte war nach dem
Vorfall auch in die Psychiatrische Universitätsklinik eingewiesen worden und hat
sich vom 27. September 2017 bis 22. Dezember 2017 freiwillig im Psychiatrie-
stützpunkt des Bezirksspitals Affoltern behandeln lassen (Urk. 101/1, Urk. 104
S. 2). Der Privatkläger war sich demnach bewusst, dass die Beschuldigte psychi-
atrische Betreuung benötigt und seine Bestürzung ist im Gegenteil so zu werten,
dass er sich Sorgen um die Beschuldigte und ihre Gesundheit machte. Dass er
sich trotz der gewollten Scheidung um sie sorgte, ist nicht abwegig, sondern
nachvollziehbar. Vor diesem Hintergrund ist eine falsche Anschuldigung umso
weniger anzunehmen.
Insgesamt sind die Aussagen des Privatklägers glaubhaft. Es ergeben sich keine
Anhaltspunkte für eine Falschbelastung der Beschuldigten. Der Sachverhalt hat
sich demnach gemäss seinen Schilderungen abgespielt und es ist für die rechtli-
che Würdigung auf den Anklagesachverhalt abzustellen.
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III. Rechtliche Würdigung
1. Rechtliches
Vorab kann auf die zutreffende rechtliche Würdigung der Vorinstanz verwiesen
werden (Art. 82 Abs. 4 StPO, Urk. 92 S. 16). Ergänzend ist Folgendes festzuhal-
ten:
Schuldunfähigkeit als Merkmal ausgeschlossener Schuld setzt eine tatbestands-
mässige und rechtswidrige – und damit regelmässig eine vorsätzliche – Handlung
voraus. Die Frage, ob der Täter vorsätzlich, d.h. mit Wissen und Willen i.S.v.
Art. 12 Abs. 2 StGB gehandelt hat, ist von der Frage der Schuldfähigkeit zu unter-
scheiden. Schuldunfähigkeit bedeutet nicht, dass der Täter keinen tatbestands-
mässigen Vorsatz bilden könnte; vielmehr kann grundsätzlich auch der völlig
Schuldunfähige vorsätzlich handeln. Im Zustand ausgeschlossener Schuldfähig-
keit können (zweckrationale) Handlungen gerade deshalb ausgeführt werden, weil
die normalerweise bestehenden Hemmungen infolge Alkohol- oder Medikamen-
tenkonsums oder einer bestehenden oder im Tatzeitpunkt einwirkenden Krankheit
bzw. psychischen Störung lahm gelegt sind. Die Einsicht in das Tatunrecht be-
dingt einen normativen Wertungsakt, der Bestand und Geltung der Norm erfasst
und dessen Vornahme aufgrund einer psychischen Störung eingeschränkt sein
kann. Beim Vorsatz dagegen geht es um die Umsetzung eines Handlungsent-
schlusses auf der Grundlage von sinnlich wahrgenommenen oder vorgestellten
Tatumständen, was auch bei fehlender Einsicht in das Unrecht möglich ist, weil es
dazu des entsprechenden Wertungsaktes nicht bedarf (BOMMER/DITTMANN, in:
BSK StGB I, Art. 19 N 18 f., Entscheid des Obergerichts SB140138 vom 9. Juli
2014, Erw. III.A.3).
2. Subjektiver Tatbestand
Wenn die Verteidigung geltend macht, dass der Beschuldigten das Bewusstsein
gefehlt habe, eine Nötigungshandlung zu begehen (Urk. 80 S. 3), ist ihr entge-
genzuhalten, dass für die vorsätzliche Tatbegehung ein Handeln mit Wissen und
Willen erforderlich ist. Nicht erforderlich ist dagegen ein Bewusstsein bezüglich
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der Tatbestandsmässigkeit des Handelns. Für den Nachweis des Vorsatzes kann
sich das Gericht – soweit der Täter nicht geständig ist – regelmässig nur auf
äusserlich feststellbare Indizien und auf Erfahrungsregeln stützen, die ihm Rück-
schlüsse von den äusseren Umständen auf die innere Einstellung des Täters er-
lauben (BGE 134 IV 26, Erw. 3.2.2). Vorliegend hat die Beschuldigte den Privat-
kläger am Schal gepackt, von der Türe zurückgezogen und den Schal zugezogen
und ihn mit einer Hand am Hals gewürgt. Es ist zwar davon auszugehen, dass die
Beschuldigte im Affekt gehandelt hat, jedoch führt dies entgegen der Auffassung
der Verteidigung nicht dazu, dass Fahrlässigkeit vorliegt. Pflichtwidrige Unvorsich-
tigkeit im Sinne von Art. 12 Abs. 3 StGB ist nicht zu erkennen, vielmehr wollte die
Beschuldigte die Handlungen vornehmen in der Absicht, den Privatkläger am Ver-
lassen der Wohnung zu hindern, was ihr auch gelungen ist.
3. Fazit
Zusammenfassend hat die Beschuldigte mit Wissen und Willen gehandelt und mit
ihrem Verhalten den objektiven und subjektiven Tatbestand von Art. 181 StGB er-
füllt.
IV. Schuldfähigkeit
1. Gutachten
Der Gutachter E._ erstattete am 9. November 2016 ein forensisch-
psychiatrisches Gutachten über die Beschuldigte (Urk. 67) unter Einbezug des
neuropsychologischen Gutachtens F._ vom 24. Oktober 2016 (Urk. 64). Bei-
de Gutachter stellen die Diagnose einer Alkoholabhängigkeit und eines dysexeku-
tiven Syndroms mit Auswirkungen auf die Verhaltens- und Emotionskontrolle
(ICD-10 F07.8). Als Ursachen kämen eine gemäss der Beschuldigten 2004 von
ihr erlittenen Gehirnentzündung, eine beginnende Demenz sowie der missbräuch-
liche Alkoholkonsum in Frage (Urk. 64 S. 9 f.). Weiter wird im psychiatrischen
Gutachten festgehalten, rein deskriptiv liege eine Persönlichkeitsakzentuierung
aus dem B-Cluster vor (ICD-10 Z73.1); das Vorliegen einer eigenständigen Per-
sönlichkeitsstörung lasse sich aber nicht nachweisen (Urk. 67 S. 49 f.). Der Gut-
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achter kommt zum Ergebnis, dass bei der Beschuldigten im Tatzeitpunkt eine mit-
telgradig ausgeprägte Verminderung sowohl der Einsichts- als auch der Steue-
rungsfähigkeit vorlag. Diese Beeinträchtigung sei bedingt durch die hirnorgani-
sche Störung, welche bereits vor dem Tatzeitpunkt bestand. Die Auswirkungen
dieser Störung auf ihr Verhalten sei durch den Alkoholkonsum im Vorfeld der Tat-
situation und der emotionellen Anspannung in der Tatsituation zusätzlich verstärkt
worden (Urk. 67 S. 54).
2. Stellungnahme der Beschuldigten
Die Verteidigung bemängelt, dass der Gutachter eine Persönlichkeitsakzentuie-
rung annimmt, aber in der Conclusio das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung
verneint (Urk. 80 S. 6). Dazu ist festzuhalten, dass eine Persönlichkeitsakzentuie-
rung nicht dasselbe ist wie eine Persönlichkeitsstörung. Die Voraussetzungen für
das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung gehen weiter. Insbesondere ist ge-
mäss Gutachten für die Diagnose einer dissozialen Persönlichkeitsstörung das
Bestehen einer Pathologie seit später Kindheit oder früher Adoleszenz vorausge-
setzt, was sich bei der Beschuldigten nicht nachweisen lasse (Urk. 67 S. 50).
Aus den Darlegungen der Verteidigung erhellt nicht, was aus dem geltend ge-
machten nicht mehr nur fachtechnischen Interesse des Gutachters an der Person
der Beschuldigten (Urk. 80 S. 6) hinsichtlich der Qualität des Gutachtens abzulei-
ten wäre. Insgesamt nimmt die Verteidigung keine fundierten Bemängelungen am
Gutachten vor. Es wird nur pauschal geltend gemacht, der Gutachter habe viele
Punkte, die die Beschuldigte ihm anlässlich der Exploration erzählt habe, nicht
richtig verstehen und korrekt einordnen können, z.B. bezüglich ihres Abschlusses
und ihrer militärischen Karriere (Urk. 80 S. 7).
3. Fazit
Das Gutachten erweist sich als nachvollziehbar und schlüssig. Namentlich ist die
gutachterliche Schlussfolgerung, wonach die hirnorganische Störung den geisti-
gen Zustand der Beschuldigten durch Ausfälle in der Verhaltens- und Emotions-
kontrolle beeinträchtigt, mit dem Tatgeschehen vereinbar, welches sich vor dem
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Hintergrund einer hochemotionalen Situation des Auseinanderbrechens einer
langjährigen Paarbeziehung ereignete.
Den schlüssigen Ausführungen des Gutachters sowie den zutreffenden Erwägun-
gen der Vorinstanz hierzu ist vollumfänglich zuzustimmen (Urk. 96 S. 15). Es ist
von einer mittelgradigen Verminderung der Schuldfähigkeit der Beschuldigten
auszugehen.
V. Sanktion
1. Strafzumessung
1.1. Allgemeines
Die Vorinstanz hat die allgemeinen Grundsätze der Strafzumessung zutreffend
dargelegt und den Strafrahmen korrekt abgesteckt (Urk. 96 S. 16). Das Gesetz
sieht für diese Tat als Sanktion eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder eine
Geldstrafe vor (Art. 181 StGB).
Vorweg ist zudem festzuhalten, dass das am 1. Januar 2018 in Kraft getretene
neue Sanktionenrecht keine Auswirkungen auf den vorliegenden Fall hat, zumal
die Vorinstanz eine Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu Fr. 30.– ausgefällt hat und
eine Änderung der Sanktion zum Nachteil der Beschuldigten oder eine Erhöhung
der Tagessatzhöhe infolge des Verschlechterungsverbotes nicht in Betracht
kommt.
1.2. Tatkomponenten
a) Objektive Tatschwere
Die physisch ausgeübte Gewalt des Schal-Zuziehens und des Würgens war zwar
nicht sehr intensiv und dauerte auch nur kurze Zeit, jedoch sind Einwirkungen auf
den Hals einer Person gefährlich und können zu erheblichen gesundheitlichen
Beeinträchtigungen führen. Vorliegend resultierte keine körperliche Verletzung
aus der Gewaltanwendung. Der Privatkläger war nur kurze Zeit in seiner freien
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Willensbetätigung eingeschränkt. Die Tat war nicht geplant, vielmehr handelte die
Beschuldigte im Affekt. Die objektive Tatschwere ist insgesamt mit der Vorinstanz
als noch leicht zu beurteilen. Die Einsatzstrafe ist im Bereich von 90 Tagen anzu-
setzen.
b) Subjektive Tatschwere
Die Beschuldigte handelte vorsätzlich. Ausgelöst wurde ihr Verhalten im Rahmen
einer auseinanderbrechenden langjährigen Beziehung einerseits von der Angst,
verlassen zu werden. Sie handelte auch aus einer Wut heraus, weil ihr Ehepart-
ner kein Interesse an ihren Problemen zeigte bzw. ihr Vorwürfe wegen des Alko-
holkonsums machte. Die subjektive Tatschwere wird durch die mittelgradige Ver-
minderung der Schuldfähigkeit infolge ihrer hirnorganischen Störung und ihrer Al-
koholisierung erheblich relativiert. Das Verschulden wiegt in subjektiver Hinsicht
leicht.
Eine Einsatzstrafe von 45 Tagen erscheint der Tatschwere insgesamt als ange-
messen.
1.3. Täterkomponenten
Die Beschuldigte ist in ... [Ort], in der Ukraine, auf die Welt gekommen und bei ih-
ren Eltern mit einem jüngeren Bruder aufgewachsen. Mit 17 Jahren, nach vorzei-
tigem Schulabschluss sei sie auf eigenen Wunsch der sowjetischen Armee beige-
treten. Gleichzeitig habe sie das Hochschulstudium als Ingenieur für Maschinen
und Apparate von chemischen Betrieben im Alter von 23 Jahren abgeschlossen.
Aus ihrer ersten Ehe hat sie einen Sohn. In der Armee sei sie bei der Chemieab-
wehr gewesen und habe bis 2015 gedient. Es sei eine glückliche Zeit gewesen.
1988 sei sie nach Afghanistan abkommandiert worden und sei dort in die Gefan-
genschaft von Mujahedin geraten. Ihr Sohn sei von ihrer Mutter aufgezogen wor-
den, die Ehe habe fünf Jahre gedauert. Sie wisse nicht mehr weshalb die Ehe ge-
schieden wurde. 2004 habe sie einen Nervenzusammenbruch erlitten und nach
diversen Experimenten und Erprobungen von neuen Medikamenten sei man zum
Schluss gekommen, dass sie eine infektiöse Gehirnentzündung erlitten habe,
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welche mit einer Gedächtnislücke einher gegangen sei. In Ägypten habe sie 2005
ihren künftigen Ehemann, den Privatkläger, kennengelernt. Sie habe mit ihm in
Sardinien und Zürich gelebt. In Sardinien sei sie im Bereich Alternative Energien
tätig gewesen; seit 2012 hätten sie in der Schweiz gelebt. In dieser Zeit sei sie
Hausfrau gewesen (Urk. 67 S. 41 ff.). Nun bezieht die Beschuldigte Sozialhilfe
und die Anmeldung bei der IV sei pendent (Prot. II S. 9).
Die Beschuldigte ist weder geständig noch reuig. Sie verfügt über keine Vorstra-
fen (Urk. 78).
Insgesamt ergeben sich aus den Täterkomponenten weder straferhöhende noch
strafmindernde Faktoren, weshalb es bei der Einsatzstrafe von 45 Tagessätzen
Geldstrafe bleibt.
Die Beschuldigte lebt von Sozialhilfe und verfügt damit nur über ein sehr beschei-
denes Einkommen. Den bescheidenen finanziellen Verhältnissen der Beschuldig-
ten scheint ein Tagessatz von Fr. 20.– angemessen.
Die Beschuldigte hat 29 Tage Haft erstanden (Urk. 11/3 bzw. Urk. 11/38), die ihr
auf die Geldstrafe anzurechnen sind (Art. 51 StGB). Damit entfällt ein Anspruch
der Beschuldigten auf Entschädigung und/oder Genugtuung für die erlittene Haft.
3. Vollzug der Strafe
Der Gutachter kam u.a. in Anwendung des Risiko-Assessments VRAG zum
Schluss, dass bei der Beschuldigten ein geringes kriminelles Rückfallrisiko beste-
he (Urk. 67 S. 48). Die Wahrscheinlichkeit, dass die Beschuldigte ähnliche Straf-
taten begeht, wird als gering eingeschätzt (Urk. 67 S. 61). Diese Einschätzung ist
nachvollziehbar; die nicht vorbestrafte Beschuldigte hat sich seit der Tat vor gut
drei Jahren denn auch nichts mehr zuschulden kommen lassen.
Vor diesem Hintergrund bestehen keine Anhaltspunkte, welche die Vermutung ei-
ner günstigen Prognose umzustossen vermögen. Die Voraussetzungen für die
Gewährung des bedingten Strafvollzuges gemäss Art. 42 StGB sind somit erfüllt.
Mit der Vorinstanz erscheint eine Probezeit von 3 Jahren als angemessen.
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4. Weisung
Gemäss Gutachten wird es mit einer Progredienz der hirnorganischen Störung in
der Zukunft überwiegend wahrscheinlich zu einer ungünstigen Veränderung der
momentan aufgestellten kriminellen Prognose kommen und kann die hirnorgani-
sche Störung keiner kausalen Behandlung zugeführt werden. Jedoch ist eine the-
rapeutische Behandlung indiziert zum besseren Umgang mit den Folgen der Stö-
rung und zur Aktivierung von allenfalls noch vorhandenen psychischen Ressour-
cen. Ferner sollte auch die Abhängigkeitsproblematik gezielt angegangen werden
(Urk. 67 S. 61 f.). Mit anderen Worten befürwortet der Gutachter eine ambulante
therapeutische Behandlung. Eine solche erscheint zweifellos geeignet, die Be-
schuldigte zu unterstützen. Jedoch erscheint fraglich, ob die Voraussetzungen zur
Anordnung einer ambulanten Massnahme gegeben sind. Es kann hierzu auf die
zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 96 S. 19 f.). Für
die Erteilung einer Weisung zur ärztlichen und psychologischen Betreuung ist
nicht erforderlich, dass die Voraussetzungen von Art. 63 StGB erfüllt sind (Trech-
sel/Aebersold, in: Trechsel/Pieth, Praxiskommentar StGB, 3. Aufl. 2018, Art. 94
N 6). Die Fortsetzung der psychologischen Betreuung stellt eine wichtige Unter-
stützung für die Beschuldigte dar und ist mit der Vorinstanz zu befürworten. Die
Beschuldigte erklärte vor Obergericht, dass sie die Behandlung bei B._ nicht
nur weiterführen wolle, sondern auch müsse, da sie die psychologische Unter-
stützung brauche (Prot. II S. 15). Da die Beschuldigte offensichtlich einsieht, dass
die psychologische Betreuung erforderlich ist, ist ihr die Weisung zu erteilen, die
Behandlung bei B._ weiterzuführen.
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Ausgangsgemäss ist die vorinstanzliche Regelung der Kostenfolgen zu bestäti-
gen. Entsprechend sind der Beschuldigten auch die Kosten des Berufungsverfah-
rens, ausgenommen derjenigen der amtlichen Verteidigung, aufzuerlegen, ange-
sichts der prekären finanziellen Situation der Beschuldigten allerdings definitiv ab-
zuschreiben. Das Honorar der amtlichen Verteidigung für das Berufungsverfahren
ist auf Fr. 5'100.– festzulegen.
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