# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 0463d0ff-b05d-42db-914e-1dfe8113fe9a
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Diebstahl etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, I. Abteilung, vom
18. März 2015 (DG140094)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland vom 13. Novem-
ber 2014 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 45).
Urteil der Vorinstanz:
(Urk. 66)
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− des Diebstahls und des mehrfachen Versuches hierzu im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB, teilweise in Verbindung mit Art. 22 StGB,
− der mehrfachen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB,
− des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB,
− des vorsätzlichen Fahrens in fahrunfähigem Zustand (andere Gründe) im Sinne von Art. 91 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 2 Abs. 2 VRV,
− des mehrfachen vorsätzlichen Vergehens gegen das Ausländergesetz im Sinne von Art. 5 Abs. 1 lit. d AuG und Art. 115 Abs. 1 Bst. a und b AuG.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 18 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 243 Tage durch
Polizei- und Untersuchungshaft sowie vorzeitigen Strafantritt erstanden sind.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben.
4. Der mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 14. Juni 2012 gewährte bedingte Teil der
Freiheitsstrafe von 6 Monaten wird widerrufen. Der Vollzug des bedingt gewährten Teils der
Freiheitsstrafe wird angeordnet, unter Anrechnung der damals erstandenen, noch nicht
angerechneten Haft.
5. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 13. Oktober 2014 be-
schlagnahmten Gegenstände
− 1 Scherenwagenheber
− 1 schwarze Jacke
werden definitiv eingezogen und sind nach Rechtskraft dieses Urteils zu vernichten.
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6. Der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 13. Oktober 2014
beschlagnahmte und beim Forensischen Institut Zürich unter der Ref-Nr. ..., A... aufbe-
wahrte Schraubenzieher wird eingezogen und ist nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils
durch das Forensische Institut Zürich zu vernichten.
7. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 13. Oktober 2014
beschlagnahmten und bei bei der Kantonspolizei Aargau unter der Fall-Nr. ... aufbewahrten
zwei Schraubenzieher sowie der Bolzenschneider werden eingezogen und sind nach Eintritt
der Rechtskraft dieses Urteils durch die Kantonspolizei Aargau zu vernichten.
8. Es wird vorgemerkt, dass der Beschuldigte das Schadenersatzbegehren der Privatklägerin
im Betrag von Fr. 4'000.– anerkannt hat.
9. Das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin wird abgewiesen.
10. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 2'500.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 2'000.– Auslagen Vorverfahren
Fr. 573.– Auslagen Gutachten
Fr. 3'265.– Ausserkantonale Verfahrenskosten
Fr. 7'597.80 amtl. Verteidigungskosten
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
Verlangt keiner der Parteien eine schriftliche Begründung des Urteils, ermässigt sich die
Entscheidgebühr auf zwei Drittel.
11. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Beschuldigten
auferlegt; davon ausgenommen sind die Kosten der amtlichen Verteidigung, welche
einstweilen und unter dem Vorbehalt von Art. 135 Abs. 4 StPO von der Gerichtskasse
übernommen werden.
12. (Mitteilungen)
13. (Rechtsmittel)
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten (Urk. 89):
1. Das Urteil des Bezirksgerichts Bülach sei betreffend die Ziffer 1, Abs. 1, 2
und 3 sowie die Ziffer 2 aufzuheben.
2. Der Beschuldigte sei betreffend den Einbruchsversuch vom 26. April 2013 in
die Räumlichkeiten der B._ in C._ freizusprechen (versuchter
Diebstahl, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch).
3. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten zu bestrafen.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates.
b) Der Staatsanwaltschaft (Urk. 75):
(schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
c) Der Privatklägerschaft:
Keine Anträge.

## Considerations

Erwägungen:
1. Prozessuales
1.1. Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil der Vorinstanz
vom 18. März 2015 wurde der Beschuldigte des Diebstahls und des mehrfachen
Versuchs hierzu, der mehrfachen Sachbeschädigung, des mehrfachen Haus-
friedensbruchs, des vorsätzlichen Fahrens in fahrunfähigem Zustand und des
mehrfachen vorsätzlichen Vergehens gegen das Ausländergesetz schuldig ge-
sprochen und mit einer zu vollziehenden Freiheitsstrafe von 18 Monaten belegt.
Zudem wurde der bedingte Vollzug eines Teils einer Vorstrafe – sechs Monate
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Freiheitsstrafe – widerrufen. Schliesslich wurde über die beschlagnahmten
Gegenstände und die Zivilansprüche befunden. Gegen dieses Urteil meldete der
Beschuldigte noch vor Schranken Berufung an (Art. 399 Abs. 1 StPO; Prot. I
S. 19). Die Berufungserklärung ging, nachdem dem Beschuldigten das begründe-
te Urteil am 5. Juni 2015 zugestellt worden war (Urk. 63), innert gesetzlicher Frist
bei der Berufungsinstanz ein (Art. 399 Abs. 3 StPO; Urk. 69 f.). Weder die Staats-
anwaltschaft noch die Privatklägerschaft haben Anschlussberufung erhoben (vgl.
Urk. 75 f.; Art. 400 Abs. 2 f. und Art. 401 StPO). Beweisergänzungsanträge
wurden im Berufungsverfahren keine gestellt (Art. 389 Abs. 3 StPO; Urk. 69;
Urk. 75; Prot. II S. 5). Die Staatsanwaltschaft ersuchte um Dispensation von der
Beteiligung am weiteren Verfahren (Urk. 75); mit der Vorladung zur Verhandlung
wurde ihr das Erscheinen freigestellt (Urk. 85).
1.2. Der Beschuldigte hat seine Berufung beschränkt (Urk. 69 S. 2; Urk. 89
S. 1, Art. 399 Abs. 4 StPO). Er ficht den Schuldspruch betreffend versuchten Ein-
bruchdiebstahl gemäss Anklageziffer I.2. an. Die Staatsanwaltschaft beantragt die
Bestätigung des angefochtenen Entscheides. Im Berufungsverfahren sind demzu-
folge die Schuldsprüche betreffend den Diebstahl und einen Versuch hierzu, teil-
weise betreffend die mehrfache Sachbeschädigung und den mehrfachen Haus-
friedensbruch, das vorsätzliche Fahren in fahrunfähigem Zustand und das mehr-
fache vorsätzliche Vergehen gegen das Ausländergesetz (Dispositiv-Ziffer 1)
sowie der Widerruf (Dispositiv-Ziffer 4), die Einziehungen (Dispositiv-Ziffer 5 - 7),
die Regelung der Zivilansprüche (Dispositiv-Ziffer 8 f.) sowie die Kostenfest-
setzung und deren Verlegung (Dispositiv-Ziffern 10 f.) nicht angefochten. Vom
Eintritt der Rechtskraft dieser Anordnungen ist vorab Vormerk zu nehmen
(Art. 402 StPO i.V.m. Art. 437 Abs. 1 StPO).
2. Sachverhalt
Diebstahlversuch, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch in ND1 [Anklage Ziffer I.2.]
2.1. In der Anklageschrift wird dem Beschuldigten unter der genannten Ziffer im
Wesentlichen vorgeworfen, er sei am 26. April 2013, um 02.20 Uhr, mit zwei Mit-
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tätern in einem Fahrzeug zur B._ in C._ gefahren, habe sich Zutritt zum
Liegenschaftenareal durch Aufstemmen der Tore sowie Verbiegen und Durch-
trennen von Gitterstäben verschafft, habe unbefugt das Areal betreten, habe sich
Zugang zum Verkaufsgeschäft im Bereich der Kasse und des Zigarettenregals
durch Aufstemmen des Fenstergitters mit einem Wagenheber und Aufbrechen
des Fensters mit einem Flachwerkzeug verschafft und habe schliesslich den Tat-
ort, infolge Erkennen des Geschehens durch eine Drittperson, verlassen (Urk. 45
S. 3 f.).
2.2. Die Vorinstanz hatte keine vernünftigen Zweifel daran, dass sich der Sach-
verhalt abspielte wie in der Anklageschrift dargestellt, da die DNA des Beschuldig-
ten ab einem Handabdruck – nicht Handschuhspuren – auf einem Fensterbrett
beim Tatort sowie dessen Jacke vor Ort sichergestellt werden konnte. Die
Darstellung des Beschuldigten und dessen Kollegen, Letzterer habe die Jacke ge-
tragen und mit der Jacke eine Sekundär-DNA-Spur des Beschuldigten auf dem
Fensterbrett verursacht, sei aufgrund des eingeholten Gutachtens des Instituts für
Rechtsmedizin unwahrscheinlich (Urk. 66 S. 7 ff.).
2.3. Der Beschuldigte hat stets bestritten, beim versuchten Einbruchdiebstahl in
C._ dabei gewesen zu sein. Er habe seine Jacke D._ ausgeliehen, wel-
cher sie am Tatort zurückgelassen habe. Die sichergestellte DNA-Spur müsse
von der Jacke stammen. Im Übrigen stamme die sichergestellte DNA-Spur von
einem Handschuhabdruck. Damit beruhe das Gutachten auf unzutreffenden An-
nahmen. Gleichermassen sei nicht erwiesen, dass allfälliges DNA-Sekret der Ja-
cke bereits eingetrocknet gewesen sei; schliesslich seien die dem Gutachten zu-
grunde gelegten biostatischen Berechnungen veraltet. Unter weiterer Berücksich-
tigung der Aussagen der Beteiligten bestünden unüberwindliche Zweifel an seiner
Täterschaft (Urk. 58/1 S. 3 ff.).
2.4. In der heutigen Berufungsverhandlung brachte der Beschuldigte einzig vor,
es sei nicht möglich, dass auf der Fensterbank am Tatort bei der B._ in
C._ DNA-Spuren sichergestellt worden seien, die ihm hätten zugeordnet
werden können (Urk. 88 S. 7). Der Verteidiger des Beschuldigten ergänzte in sei-
nem Plädoyer, das Auffinden von DNA an einem Tatort beweise nicht, dass sich
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der entsprechende Spurengeber auch tatsächlich am Tatort aufgehalten habe.
Eine DNA-Spur beweise insbesondere nicht, dass diejenige Person, welcher das
DNA-Profil zugeordnet werden könne, direkten Kontakt mit dem Gegenstand ge-
habt habe. Jede DNA-Spur stelle logischerweise höchstens ein Indiz für einen di-
rekten Kontakt dar. In diesem Zusammenhang brachte der Verteidiger weiter vor,
die
Vorinstanz sei auf das Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin (IRM) der Uni-
versität Bern eingegangen, jedoch ohne die seitens der Verteidigung diesbezüg-
lich vorgebrachten Argumente zu berücksichtigen. Unter Verweis auf seine Aus-
führungen vor Bezirksgericht führte der Verteidiger aus, die Gutachterin habe
biostatische Berechnungen angestellt, welche auf Tests aus den Jahren vor 2002
Bezug nähmen. Das Vorgehen sei völlig veraltet. Im Jahre 2000 (und früher) sei
eine DNA-Spur nur auswertbar gewesen, wenn Blut oder Sperma oder auch
Hautparzellen in der Grösse eines 20-Cent-Stücks von einem DNA-Träger auf ei-
nen anderen DNA-Träger übertragen worden seien. Heute genügten wenige
Körperzellen zur Erstellung eines kompletten DNA-Profils eines Menschen. Hinzu
komme, dass in der Untersuchung stets von Handabdrücken die Rede sei. Wenn
dem so wäre, so hätten aber auch Daktyspuren vorhanden sein müssen. Es sei
auch unerklärlich, weshalb Polizist E._ sich zu den Spuren geäussert
habe, obwohl er die Spurensicherung gar nicht selber vorgenommen habe.
Zudem habe E._ festgehalten, es seien keine Papillarlinien und Daktyspuren
vorhanden gewesen. Wenn dem so wäre, liesse sich nicht erklären, wie man
überhaupt Handabdruck- von Handschuhspuren hätte unterscheiden können.
(Urk. 89, vgl. auch Urk. 58/1).
2.5. Vorliegend ist somit von entscheidender Bedeutung, ob die am Tatort
erhobene und dem Beschuldigten zugewiesene DNA-Spur zweifelsfrei zur Fest-
stellung führt, dass der Beschuldigte sich am Tatort aufgehalten hatte.
2.5.1. Dem Rapport von Kpl F._ (Patrouille Kpl F._ / Pol.
G._) vom 3. Juni 2013 ist zu entnehmen, dass beim aufgebrochenen Fenster
ab der Fensterbank aussen "bei Handabdrücken (Handschuhspuren) DNA ge-
sichert" worden sei. Weiter wird erwähnt, dass ab dem Fensterglas des aufge-
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brochenen Fensters aussen Dakty gesichert worden sei. Dazu wird im nächsten
Punkt festgehalten, ab dem Fensterglas des aufgebrochenen Fensters sei nach
der Daktysicherung ab den Fingerabdrücken DNA gesichert worden (Urk. ND1/1
S. 2). Diese aufgeführten Spuren korrespondieren mit dem am 26. April 2013 von
Polizist G._ erstellten Spurensicherungsprotokoll. Als Nr. 2 wurde eine DNA-
Spur ab Fensterbrett bei aufgebrochenem Fenster aussen aufgenommen.
(Urk. ND1/5 S. 2). Damit übereinstimmend ist im Spurensicherungsbericht der
Kantonspolizei Aargau vom 3. Mai 2013 (verfasst von Wm E._) als Spur-Nr.
2 die entsprechende DNA-Spur mit dem Vermerk "ab Handabdrücken auf Fens-
terbrett bei aufgebrochenen Fenster (vorläufig ohne Auswertung) aufgeführt (Urk.
ND 1/11 S. 2). Beim entsprechenden Bericht wird als Spurenmaterial angegeben,
dass Kpl F._ ab Handabdrücken auf dem Fensterbrett beim aufgebrochenen
Fenster eine DNA-Spurensicherung vorgenommen habe und das Spurenmaterial
zwecks Erstellung eines DNA-Profils dem Institut für Rechtsmedizin in Bern zuge-
stellt worden sei (Urk. ND 1/13). Bezüglich dieser Spur Nr. 2 erfolgte durch das
IRM Bern eine Auswertung, welche als Spurengeber den Beschuldigten identifi-
zierte (vgl. Urk. ND 1/13). Aus dieser Darstellung geht hervor, dass die im Spu-
rensicherungsprotokoll als Nr. 2 aufgenommene DNA-Spur bis zur Auswertung
konstant als DNA-Spur ab Fensterbrett und ab Handabdrücken und stets als Spur
Nr. 2 geführt wurde. Dass offenbar überdies an gleicher Stelle auch Handschuh-
spuren festgestellt wurden, vermag daran nichts zu ändern. Weshalb keine Aus-
wertung von Dakty-Spuren vorgenommen wurde bzw. ob die entsprechenden
Spuren für eine Auswertung genügt hätten, lässt sich den Akten nicht entnehmen,
was indessen ohne Einfluss auf die Tatsache bleibt, dass eine auswertbare DNA-
Spur gesichert wurde. Gleiches gilt für die vom Verteidiger angesprochene Email-
Antwort von Wm E._ vom 6. November 2014. Diesbezüglich ist zu erwähnen,
dass E._, entgegen dem Einwand der Verteidigung, betreffend die Erteilung
von Auskünften über die Spuren nicht zum Vornherein als unzuständig bezeichnet
werden kann, erhielt er doch als Kriminaltechniker das Spurenmaterial zur Aus-
wertung zugestellt (vgl. Urk. ND 1/9, Urk. ND 1/11). Indessen trifft es sicher zu,
dass er infolge des Zeitablaufs wohl keine verlässlichen Erinnerungen an die Sa-
che mehr hatte und insbesondere auch über die damaligen Wahrnehmungen von
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Pol F._ nicht berichten konnte. Indessen gab er dies in seiner Email insofern
korrekt bekannt als er schrieb: "Papillarlinien oder Daktyspuren seien, soweit sich
F._ heute noch erinnern könne, nicht vorhanden gewesen" (Urk. ND 1/29).
2.5.2. Nachfolgend ist entscheidend, welche Erkenntnisse aus der Analyse der
ausgewerteten DNA-Spur gewonnen werden können.
2.5.3. Die Staatsanwaltschaft beauftragte das Institut für Rechtsmedizin der
Universität Bern am 10. Oktober 2014 mittels Gutachten die DNA-Spur dahinge-
hend zu prüfen, als dass zu beurteilen sei, mit welcher Wahrscheinlichkeit eine
Spurenübertragung von der Jacke auf die Fensterbank - wie dies vom Beschul-
digten geltend gemacht wird - stattgefunden haben könnte (Urk. ND 1/30/2). Die
Vorinstanz hat die wesentlichen Aussagen des Gutachtens in ihrem Urteil korrekt
zusammengefasst, worauf verwiesen werden kann (Urk. 66 S. 10 f., Art. 82 Abs. 4
StPO). Hervorzuheben ist, dass das Gutachten feststellte, dass der Kriminaltech-
nische Dienst die abgeriebene Stelle auf der Fensterbank als "Handabdrücke"
beschrieben habe. Das Bild des erstellten DNA-Profils und der vorgängig gemes-
senen DNA-Konzentration sei nach der Erfahrung des IRM vereinbar mit dem
Szenario, dass sich jemand mit (eventuell schwitzenden) Händen auf die Fenster-
bank abgestützt oder hochgezogen habe. Theoretisch sei auch eine Übertragung
von DNA von der Jacke auf die Fensterbank möglich (Sekundärtransfer). Dieses
Szenario würde jedoch verlangen, dass an der Jacke eine relativ grosse Menge
DNA vorhanden gewesen wäre, da bei einem Kontakt mit der Fensterbank, z.B.
bei einem Abstreifen des Ärmels beim Einstieg durch das Fenster, nur ein Teil
davon übertragen worden wäre. Dass ein Sekundärtransfer einer derartigen
Kontaktspur zu diesem DNA-Profil hätte führen können, sei sehr unwahrscheinlich
(Urk. ND 1/30/5 S. 2). Aus den Ausführungen des Gutachtens geht klar hervor,
dass sowohl die Variante des Primär- als auch des Sekundärtransfers sorgfältig
durchdacht wurden. Die Argumentation der Verteidigung, dass beim heutigen
Stand der Technik auch aus Kontaktspuren ein DNA-Profil erstellt werden könne,
mag richtig sein und wird auch im Gutachten so dargestellt. Das Gutachten führt
indessen nachvollziehbar und überzeugend aus, weshalb im vorliegenden Fall
davon auszugehen ist, dass von einem direkten Kontakt des Spurengebers aus-
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zugehen ist, nämlich infolge des Profilbildes (Hohe Ausprägung) und der gemes-
senen DNA-Konzentration. Dabei erscheint es einerseits als unwahrscheinlich,
dass im Rahmen eines Sekundärtransfers ausreichend DNA auf die Fensterbank
hätte übertragen werden können, andererseits hätte die Jacke genau an der
Stelle des Handabdrucks mit der Fensterbank in Kontakt gekommen sein müs-
sen. Die Darstellung des Beschuldigten erweist sich damit als sehr unwahrschein-
lich (vgl. Urk. ND 1/30/5). Die Kritik der Verteidigung, die Gutachterin habe bio-
statische Berechnungen angestellt, welche auf Tests aus den Jahren vor 2002
beruhten, erweist sich in zweierlei Hinsicht als nicht massgeblich. Zum einen
betreffen die biostatischen Berechnungen den Beweiswert der (unumstrittenen)
Hauptspurengeberschaft des Beschuldigten und nicht die Frage der Wahrschein-
lichkeit eines Sekundärtransfers. Zum anderen hat der von der Gutachterin dem
Gutachten beigelegte Bericht aus dem Journal of Forensic Sciences aus dem
Jahr 2002 nichts mit den konkreten Berechnungen der Gutachterin zu tun. Der
Bericht handelt nicht von Berechnungsmethoden (vgl. Urk. ND 1/30/6; Review
Wickenheiser).
2.5.4. Die Aussagen von D._ stützen die Darstellung des Beschuldigten in-
soweit, als auch er angibt, die Jacke des Beschuldigten getragen zu
haben. Indessen ist dabei fragwürdig, weshalb er die Farbe der Jacke nicht
korrekt beschreiben konnte. So gab er in seiner Einvernahme vom 8. Januar 2014
an, es sei eine braune dicke Jacke gewesen. Es könnte auch sein, dass die Jacke
dunkelblau gewesen sei. Weiter gab D._ an, der Beschuldigte sei nach Ser-
bien gereist und habe ihm die Jacke hier gelassen (Urk. ND 1/24 S. 1-2). Wenn
es so gewesen wäre, dass D._ die Jacke über eine längere Zeit ausgeliehen
hatte, wäre mindestens zu erwarten gewesen, dass er über die Farbe der Jacke,
welche schwarz war, korrekt hätte Auskunft geben können. Der Gehalt der Aus-
sagen von D._ ist aber auch insofern zu relativieren, als er anlässlich seiner
Einvernahmen vom 8. Januar 2014 und 3. Februar 2014 ausführte, aus Sicher-
heitsgründen könne er seine Mittäter nicht nennen, was seine Angabe, der Be-
schuldigte sei nicht dabei gewesen in einem anderen Licht
erscheinen lässt (vgl. Urk. ND 1/24 und ND 1/25). Insgesamt erscheinen die
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Angaben von D._ als unzuverlässig und vermögen daher den
Beschuldigten nicht entscheidend zu entlasten.
2.5.5. Beachtlich ist im Weiteren die widersprüchliche Darstellung des Beschuldig-
ten zum Übergabeort der Jacke. So führte er anlässlich der erstinstanzlichen
Hauptverhandlung zunächst aus, D._ die Jacke in H._
(Serbien) übergeben zu haben, erklärte später in der Einvernahme, er habe
D._ die Jacke hier in der Schweiz übergeben (Prot. I S. 12, S. 17). Anlässlich
der Berufungsverhandlung gab der Beschuldigte dann erneut an,
D._ die Jacke in H._ übergeben zu haben. Auf den Hinweis, dass er vor
Vorinstanz gesagt habe, die Übergabe der Jacke hätte in der Schweiz stattgefun-
den, gab der Beschuldigte an, auch das könne sein, es sei seither viel Zeit ver-
gangen (Prot. II S. 7). Der Umstand, dass der Beschuldigte betreffend den Über-
gabeort der Jacke unterschiedliche Aussagen machte und dazu auf weitere Nach-
frage keine näheren Angaben zur Ausleihe der Jacke machen konnte, sondern
verallgemeinernd ausführte, wenn ihn jemand frage, ob er die Jacke leihen könne,
dann mache er das, lässt grösste Zweifel an der Richtigkeit seiner Angaben auf-
kommen.
2.6. Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass gestützt auf das Gutachten
des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Bern sowie unter weiterer Beach-
tung der Aussagen von D._ und des Beschuldigten, keine Zweifel darüber
bestehen, dass der Beschuldigte als Mittäter am versuchten Einbruchdiebstahl bei
der B._ in C._ beteiligt war. Der Sachverhalt in Anklageziffer I.2. kann
somit als erstellt gelten.
2.7. Die von der Vorinstanz vorgenommene weitere Sachverhaltserstellung und
die rechtliche Würdigung zu Anklageziffer I.2. sind zutreffend und zu übernehmen
(Urk. 66 S. 7 ff., Art. 82 Abs. 4 StPO). Der Beschuldigte ist demnach auch
schuldig des versuchten Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB, in Ver-
bindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB, der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144
Abs. 1 StGB und des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB (Anklage-
ziffer I.2.).
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3. Sanktion
3.1. Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen
für mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu der Strafe
der schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch das Höchst-
mass der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte anheben. Dabei ist es
an das gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 49 Abs. 1 StGB). Bei
der Bildung der Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB ist vorab der Strafrahmen
für die schwerste Straftat zu bestimmen und alsdann die Einsatzstrafe für die
schwerste Tat innerhalb dieses Strafrahmens festzusetzen. Schliesslich ist
die Einsatzstrafe unter Einbezug der anderen Straftaten in Anwendung des Aspe-
rationsprinzips angemessen zu erhöhen. Das Gericht hat mithin in einem ersten
Schritt gedanklich die Einsatzstrafe für das schwerste Delikt festzulegen, indem
es alle diesbezüglichen straferhöhenden und strafmindernden Umstände einbe-
zieht. In einem zweiten Schritt hat es die Strafe zu erhöhen, um die weiteren
Delikte zu sanktionieren. Auch insoweit muss es den jeweiligen Umständen
Rechnung tragen (BGE 127 IV 101 E. 2b S. 104 mit Hinweis; Urteil 6B_460/2010
vom 4. Februar 2011 E. 3.4.4 mit Hinweis, nicht publ. in: BGE 137 IV 57).
3.2. Die Vorinstanz hat das schwerste Delikt bestimmt und den gesetzlichen
Strafrahmen ausgehend von Art. 139 Ziff. 1 StGB korrekt abgesteckt (Geldstrafe
oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren) worauf verwiesen werden kann (vgl. HD
Urk. 66 S. 19, Art. 82 abs. 4 StPO). Im Übrigen hat sie zutreffend auf die bundes-
gerichtliche Praxis hinsichtlich Unter- bzw. Überschreitung des ordentlichen Straf-
rahmens hingewiesen (vgl. BGE 136 IV 55 E. 5.8).
3.3. Die Vorinstanz setzte die Einsatzstrafe für die drei Diebstähle nach der ob-
jektiven und subjektiven Tatschwere sowie unter Berücksichtigung der beiden
Versuche auf 7 Monate fest und qualifizierte das Verschulden als nicht leicht (vgl.
HD Urk. 66 S. 21 ff.).
3.4. Ausgehend von den zutreffenden Erwägungen des Bezirksgerichts zur
objektiven und subjektiven Tatschwere betreffend den vollendeten Diebstahl in
Anklageziffer I.1. (vgl. HD Urk. 66 S. 21 ff.), jedoch unter zusätzlichem Hinweis
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darauf, dass der direktvorsätzliche Diebstahl aus finanzieller Motivation die Regel
ist, weshalb die verschuldenserhöhende Komponente des subjektiven Tatver-
schuldens gegenüber der bezirksgerichtlichen Einschätzung relativiert wird,
erscheint eine hypothetische Einsatzstrafe von 3 Monaten angemessen; das Ver-
schulden des Beschuldigten wiegt noch leicht.
3.5. Die hypothetische Einsatzstrafe ist für die beiden versuchten Diebstähle
unter Berücksichtigung des Strafmilderungsgrunds des Versuchs und unter
Beachtung des Asperationsprinzips zu erhöhen. Mit der Vorinstanz ist darauf hin-
zuweisen, dass es in Bezug auf Anklageziffer I.3. schlicht Zufall war, dass nichts
Geldwertes aufgefunden werden konnte und es auch in Bezug auf Anklageziffer
I.2. nicht dem Plan der Täter entsprach, ohne Deliktsgut vom Einbruchobjekt
abzulassen, sondern es lediglich infolge der Beobachtung des Diebstahlversuchs
durch Dritte dazu kam. Auch im Übrigen kann auf die zutreffenden Ausführungen
der Vorinstanz zur Tatschwere verwiesen werden, wobei anzumerken ist, dass
diese für beide Delikte als gleich hoch einzustufen ist (Urk. 66 S. 22, Art. 82
Abs. 4 StPO.). Im Ergebnis ist die hypothetische Einsatzstrafe von 3 Monaten für
den vollendeten Diebstahl infolge der versuchten Diebstähle merklich zu erhöhen.
3.6. Des Weiteren erhöhte die Vorinstanz unter Berücksichtigung des in Art. 49
Abs. 1 StGB verankerten Asperationsprinzips die für die Diebstähle festgesetzte
hypothetische Einsatzstrafe aufgrund der vom Beschuldigten ebenfalls ver-
wirklichten Tatbestände der mehrfachen Sachbeschädigung sowie des mehr-
fachen Hausfriedensbruchs um drei Monate, was zu übernehmen ist. Bezüglich
der mehrfachen Sachbeschädigung ist mit der Vorinstanz hervorzuheben, dass
der Beschuldigte einen massiven Sachschaden in Kauf nahm (Urk. 66 S. 24). Es
ist dabei von einem nicht mehr leichten Verschulden auszugehen.
3.7. Auch das Ergebnis der Vorinstanz zur Straferhöhung infolge des mehr-
fachen Vergehens gegen das Ausländergesetz (3 Monate) sowie des Fahrens in
fahrunfähigem Zustand (1 Monat) ist unter Verweis auf die entsprechenden Erwä-
gungen zu übernehmen (HD Urk. 66 S. 24 f., Art. 82 Abs. 4 StPO). Einzig zur
Bezeichnung des Verschuldens in Worten gilt es festzuhalten, dass das von der
Vorinstanz veranschlagte schwere Verschulden beim Vergehen gegen das Aus-
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ländergesetz eine Strafe im obersten Drittel des Strafrahmens bis zu einem Jahr
Freiheitsstrafe bedingte und zu einer Asperation von ca. 6 Monaten führte. Das
Verschulden wiegt demnach in diesem Deliktskomplex mittelschwer.
3.8. Zu den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten kann auf die Erwä-
gungen der Vorinstanz verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO; HD Urk. 66
S. 26). Aus dessen Biographie und den persönlichen Verhältnissen ergeben sich
auch nach den anlässlich der Berufungsverhandlung gemachten Angaben (Prot. II
S. 2 ff.) keine Anhaltspunkte, die für die Strafzumessung von Bedeutung wären.
3.9. Die drei schweizerischen Vorstrafen des Beschuldigten und die Delinquenz
während laufender Probezeit wirken sich merklich straferhöhend aus. Das teil-
weise Geständnis des Beschuldigten ist – wie von der Vorinstanz erwogen –
strafmindernd zu berücksichtigen. Die straferhöhenden Aspekte sind um rund
5 Monate stärker zu gewichten, als das strafmindernde Geständnis.
3.10. In Anbetracht aller relevanter Umstände erweist sich demzufolge die
vorinstanzlich ausgesprochene Freiheitsstrafe von 18 Monaten als angemessen.
Der bereits erstandene Freiheitsentzug von 427 Tagen (bis und mit 17. Septem-
ber 2015) ist anzurechnen.
4. Vollzug
Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass keine besonders günstigen Um-
stände im Sinne von Art. 42 Abs. 2 StGB zur Gewährung des Aufschubs der Frei-
heitsstrafe vorliegen. Auf die entsprechenden Erwägungen kann verwiesen
werden (HD Urk 66 S. 28 ff., Art. 82 Abs. 4 StPO). Sie ist daher zu vollziehen.
5. Kosten- und Entschädigung
5.1. Im Berufungsverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO).
5.2. Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtli-
chen Verteidigung, sind ausgangsgemäss dem Beschuldigten aufzuerlegen
(Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind einstweilen
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auf die Gerichtskasse zu nehmen, wobei die Rückzahlungspflicht gemäss Art. 135
Abs. 4 StPO vorbehalten bleibt.
5.3. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 2'500.-- festzu-
setzen.
5.4. Der amtliche Verteidiger reichte mit Eingabe vom 4. September 2015 die
Honorarnote für seine Aufwendungen im Berufungsverfahren ein und stellte, vor-
erst ohne Berücksichtigung des Zeitaufwands für die Berufungsverhandlung und
die Urteilsbesprechung, einen Betrag von Fr. 5'117.15 (inkl. Auslagen exkl.
MwSt.) in Rechnung (Urk. 87). Die geltend gemachten Aufwendungen sind aus-
gewiesen. Unter Hinzurechnung des Aufwands für die Berufungsverhandlung und
die Besprechung des Urteils ist der amtliche Verteidiger für das Berufungsver-
fahren mit Fr. 6'240.-- (inkl. Auslagen und MwSt.) zu entschädigen.