# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d561986c-180d-4bcf-9e27-e48fd486e573
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend
versuchte schwere Körperverletzung und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung, vom 27. August 2013 (DG130170)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 23. Mai
2013 (Urk. 15) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 25)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von
Art. 122 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 24 Monaten aufgeschoben und die
Probezeit auf 4 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (12 Monate) wird die Freiheitsstrafe vollzo-
gen.
4. Der mit Urteil des Bezirksgerichts Hinwil vom 1. Oktober 2012 für eine Geldstrafe von
90 Tagessätzen zu je Fr. 20.– unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren gewährte
bedingte Strafvollzug wird widerrufen.
5. Es wird vorgemerkt, dass der Privatkläger B._ sein Schadenersatzbegehren zurückge-
zogen hat.
6. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 5'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. Kosten Kantonspolizei
Fr. 3'500.– Gebühr Anklagebehörde
Fr. Kanzleikosten
Fr. 65.05 Auslagen Untersuchung
Fr. 5'647.60 amtliche Verteidigung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen
der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt.
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8. Die Honorarnote der amtlichen Verteidigung vom 27. August 2013 wird bewilligt und diese
wird für ihre Bemühungen und Barauslagen inklusive heutige Hauptverhandlung und Nach-
besprechung mit Fr. 5'647.60 (inkl. 8 % MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt.
9. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbe-
halten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
10. (Mitteilungen)
11. (Rechtsmittelbelehrung)"
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 45 S. 1 f.)
Hauptanträge:
1. In Aufhebung der Dispositiv-Ziffer 1.-4., 6., 7. und teilweise 9. (betref-
fend Vorbehalt der Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO) des
Urteils des Bezirksgerichtes Zürich vom 27. August 2013 (Geschäfts-
Nr.: DG130170) sei der Beschuldigte von jeglicher Schuld frei-
zusprechen und es sei auf den Widerruf der mit Urteil des Bezirks-
gerichtes Hinwil vom 1. Oktober 2012 ausgefällten Strafe abzusehen.
2. Die Kosten des Vor- und des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens wie
auch des Berufungsverfahrens sowie die Kosten der amtlichen Vertei-
digung seien vollumfänglich auf die Staatskasse zu nehmen bzw. aus
dieser zu bezahlen.
Eventualanträge:
1. In Aufhebung der Dispositiv-Ziffer 1. des Urteils des Bezirksgerichtes
Zürich vom 27. August 2013 (Geschäfts-Nr.: DG130170) sei der
Beschuldigte der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123
Ziff. 2 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
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2. In Aufhebung der Dispositiv-Ziffer 2. und 3. des Urteils des Bezirks-
gerichtes Zürich vom 27. August 2013 (Geschäfts-Nr.: DG130170) sei
der Beschuldigte mit einer Geldstrafe von maximal 360 Tagessätzen
bzw. einer Freiheitsstrafe von maximal 12 Monaten zu bestrafen, wobei
der Vollzug der Strafe bei Ansetzung einer Probezeit von drei Jahren
aufzuschieben sei.
3. In (teilweiser) Bestätigung der Dispositiv-Ziffer 4. des Urteils
des Bezirksgerichtes Zürich vom 27. August 2013 (Geschäfts-Nr.:
DG130170) sei die mit Urteil des Bezirksgerichtes Hinwil vom
1. Oktober 2012 ausgefällte Strafe zu widerrufen.
4. Im Übrigen sei das Urteil des Bezirksgerichtes Zürich vom 27. August
2013 (Geschäfts-Nr.: DG130170) zu bestätigen.
5. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien auf die Staatskasse zu
nehmen und die Kosten der amtlichen Verteidigung seien aus der
Staatskasse zu bezahlen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 31)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

## Considerations

Erwägungen:
1. Prozessgeschichte
1.1. Mit vorstehend wiedergegebenem Urteil vom 27. August 2013 wurde der
Beschuldigte anklagegemäss der versuchten schweren Körperverletzung im
Sinne von Art. 122 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig
gesprochen und mit einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren bestraft. Der Vollzug dieser
Strafe wurde im Umfang von 24 Monaten aufgeschoben und die Probezeit auf
4 Jahre festgesetzt; im Umfang von 12 Monaten wurde die Strafe für vollziehbar
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erklärt. Gleichzeitig widerrief die Vorinstanz den mit einem Urteil des Bezirks-
gerichts Hinwil vom 1. Oktober 2012 dem Beschuldigten für eine Geldstrafe von
90 Tagessätzen von Fr. 20.– gewährten bedingten Strafvollzug. Die Kosten- und
Entschädigungsregelung wurde ausgangsgemäss getroffen (Urk. 25 S. 41 ff.).
1.2. Gegen dieses Urteil liess der Beschuldigte seinen amtlichen Verteidiger am
28. August 2013 fristgerecht Berufung anmelden (Urk. 21) und nach Zustellung
des begründeten Urteils (Urk. 22; Urk. 24/2) - ebenfalls fristgerecht - am
22. November 2013 dem Obergericht die Berufungserklärung einreichen
(Urk. 27).
1.3. Mit Präsidialverfügung vom 25. November 2013 wurde die Berufungserklä-
rung in Anwendung von Art. 400 Abs. 2 und 3 StPO der Staatsanwaltschaft und
dem Privatkläger übermittelt, um gegebenenfalls Anschlussberufung zu erheben
oder Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen. Gleichzeitig wurde dem
Beschuldigten Frist angesetzt, um zu seinen finanziellen Verhältnissen ver-
schiedene Auskünfte zu erteilen und zu belegen (Urk. 29). Am 29. November
2013 teilte die Staatsanwaltschaft mit, sie verzichte auf die Erhebung einer
Anschlussberufung und beantrage die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
(Urk. 31), und am 12. Dezember 2013 reichte der Verteidiger eine Kopie der
Steuererklärung 2011 des Beschuldigten sowie die entsprechende Schluss-
rechnung ein (Urk. 32; Urk. 34/1-2). Der Privatkläger liess sich nicht vernehmen.
1.4. Zu Beginn der heutigen Berufungsverhandlung, zu welcher der Beschuldigte
und der amtliche Verteidiger Rechtsanwalt lic. iur. X._ erschienen sind, wa-
ren keine Vorfragen zu entscheiden (Prot. II S. 4-6). Das vorliegende Urteil erging
im Anschluss an die Berufungsverhandlung (Prot. II S. 10-12).
2. Umfang der Berufung/Prozessuales
2.1. Der Beschuldigte lässt beantragen, er sei in Aufhebung des erstinstanzli-
chen Urteils vollumfänglich freizusprechen (Urk. 27; Urk. 45). Im Sinne seiner
Berufungsanträge (Urk. 27 S. 3; Urk. 45 S. S. 1 f.; Prot. II S. 6 f.) sind deshalb
lediglich die Dispositivziffern 5 (Vormerknahme des Rückzugs des Schaden-
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ersatzbegehrens durch den Privatkläger), 6 (Kostenfestsetzung) und 8 (Fest-
setzung des Verteidigerhonorars) des vorinstanzlichen Urteils in Rechtskraft
erwachsen und die übrigen Punkte im Berufungsverfahren zu überprüfen (Art. 399
Abs. 3 StPO in Verbindung mit Art. 402 und 437 StPO). Vom Eintritt der Rechts-
kraft dieser Anordnungen ist vorab Vormerk zu nehmen (Art. 404 StPO).
2.2. Zudem lässt der Beschuldigte beantragen, es sei C._ erneut als Zeugin
zubefragen, insbesondere zu ihrer politischen Gesinnung und ihrer Mitgliedschaft
bei der pro-eritreischen Organisation Young People's Front for Democracy And
Justice (YPFDJ; vgl. Prot. II S. 8; Urk. 45 S. 3). Auf diesen Beweisantrag ist nach-
stehend an geeigneter Stelle einzugehen.
3. Sachverhalt/rechtliche Würdigung
3.1. Der Beschuldigte bestreitet den ihm von der Staatsanwaltschaft vorgeworfe-
nen und von der Vorinstanz als erstellt erachteten Sachverhalt. Er habe den
Privatkläger nicht geschlagen und sei auch nicht in eine Auseinandersetzung mit
diesem involviert gewesen. Er werde falsch belastet (so letztmals in Urk. 44 S. 5
ff.; vgl. auch Urk. 45 S. 3).
3.2. Es ist deshalb zu prüfen, ob sich der Anklagesachverhalt durch die vorhan-
denen Beweismittel erstellen lässt. Wie dabei methodisch vorzugehen ist, hat die
Vorinstanz zutreffend wiedergegeben; ebenfalls hat sie den Grundsatz "in dubio
pro reo" richtig umrissen (Urk. 25 S. 6 ff., 21). Auf die entsprechenden Erwägun-
gen kann deshalb verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.3. In materieller Hinsicht kann dagegen der Vorinstanz nicht gefolgt und der
Schuldspruch nicht aufrecht erhalten werden. Es kann dem Beschuldigten nicht
mit der erforderlichen Sicherheit nachgewiesen werden, der Täter zu sein. Im Ein-
zelnen dazu Folgendes:
3.3.1. Dass an jenem 6. Oktober 2012 mit einer Eisenstange auf den Privatkläger
eingeschlagen worden ist und dieser die in der Anklageschrift umschriebenen
Verletzungen erlitten hat, steht fest: Die Verletzungen sind durch objektive
Beweismittel dokumentiert (Fotos, ärztliche Berichte: Urk. 3; Urk. 7/2-3; Urk. 7/5;
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Urk. 7/8), und angesichts der Aussagen des Privatklägers und der Zeugen
D._ und C._ ist nicht daran zu zweifeln, dass dem Privatkläger diese
Verletzungen mit einer Eisenstange zugefügt worden sind. Insofern ist die vor-
instanzliche Beweiswürdigung zutreffend.
3.3.2. Mit der Frage der Identität des Täters hat sich die Vorinstanz demgegen-
über zu wenig detailliert befasst.
3.3.2.1. Wirklich tatnah, nämlich am 8. Oktober 2012, wurde von allen letztlich
einvernommenen Personen einzig der Privatkläger befragt (Urk. 4/1). Er sagte auf
entsprechende Frage aus, er kenne den Mann nicht, der ihn geschlagen habe,
"aber später hat man mir gezeigt, wer mich geschlagen hat. Man hat mir das im
Facebook gezeigt, wer mich geschlagen hat." Der Täter heisse "E._", sei
Eritreer und wohne in F._. Er - der Privatkläger - habe diese Hinweise von
Landsleuten erhalten, die beim Vorfall zugegen gewesen seien. Diese hätten
auch den Polizisten auf dem Handy gezeigt, wer der Täter sei (Urk. 4/1 S. 2). Das
wird durch den Polizeirapport bestätigt: Danach habe die ausgerückte Polizeipat-
rouille auf Mobiltelefonen Facebook-Fotos des mutmasslichen Täters vorgezeigt
erhalten. Nachträglich hat dann die Polizei Fotoprints erstellt (Urk. 2/2-3) und
schliesslich im Dezember 2012 von anonymer Seite den Hinweis erhalten, dass
es sich bei "E._" und der Person auf den Facebook-Fotos um den Beschul-
digten handle (Urk. 1 S. 8).
Von daher mag zwar zutreffen, wenn der Privatkläger erklärte, er würde den Täter
wieder erkennen, wenn er ihn sehen würde (Urk. 4/1 S. 5). Das ist aber ganz klar
mit dem Vorbehalt zu versehen, dass ein solches Wiedererkennen nicht zuletzt
darin begründet liegen würde, dass dem Privatkläger nach dem Vorfall eben die
ihm bis dahin unbekannte Identität des - angeblichen - Täters bekanntgegeben
und dessen Facebook-Fotos gezeigt worden sind. In der staatsanwaltschaftlichen
Einvernahme bestätigte der Privatkläger denn auch nochmals: "Ich habe auch
erst im Nachhinein erfahren, dass er mich geschlagen hat. Landsleute haben mir
ein Foto von ihm auf Facebook gezeigt." (Urk. 4/2 S. 6).
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Aus dem gleichen Grund ist - entgegen der Vorinstanz - für die Beurteilung der
Glaubhaftigkeit der Aussagen des Privatklägers nicht von entscheidender Bedeu-
tung, dass dessen Beschreibung der Person, die ihn geschlagen habe, auf den
Beschuldigten passt (Urk. 25 S. 21). Davon abgesehen, dass die durch
den Privatkläger anlässlich der polizeilichen Befragung abgegebene Täter-
beschreibung kaum wirklich individualisierende Merkmale enthält und so auf eine
Grosszahl von jüngeren Eritreern passen dürfte ("kräftig gebaut, ähnliche Haare
wie ich, ungefähr gleiche Hautfarbe, grösser als ich, so 28-jährig": Urk. 4/1 S. 5),
ist auch hier anzunehmen, dass diese Beschreibung von den dem Privatkläger
vorgezeigten Facebook-Fotos des Beschuldigten zumindest mitbeeinflusst
worden ist.
Genau der gleiche Vorbehalt muss schliesslich - mit der Verteidigung (Urk. 45
S. 8) - gelten, wenn der Privatkläger anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen
Einvernahme vom 19. April 2013 den Beschuldigten als Täter bezeichnete und
sich dabei gar "zu 100 %" sicher sein wollte (Urk. 4/2 S. 6/7). Hier kommt hinzu,
dass eine Konfrontationseinvernahme für das Thema der Identifizierung eines
Täters ohnehin nur von beschränkter Aussagekraft sein kann (im Gegensatz etwa
zu Wahlbild- oder Lebendwahlkonfrontationen), weil erfahrungsgemäss die
Befragten oftmals von der Erwartung ausgehen, dass ihnen mit dem Beschuldig-
ten auch der Täter präsentiert wird. Vorliegend war das bei der Einvernahme des
Privatklägers am 19. April 2013 gar in optima forma so: Auf die Frage, ob er zu
einer Gegenüberstellung mit der beschuldigten Person bereit sei, antwortete der
Privatkläger: "Ja, ich will die Person sehen, die mich geschlagen hat" (Urk. 4/2
S. 3).
Aus den Depositionen des Privatklägers ist damit im Hinblick auf die Identität des
Täters nicht viel gewonnen: Offensichtlich stützte er sich bei seinen Aussagen in
nicht unwesentlichem Masse auf die dahingehenden Angaben von Drittpersonen.
Seine eigene Täterbeschreibung - so diese überhaupt nicht ebenfalls durch die
ihm vorgezeigten Facebook-Fotos beeinflusst gewesen ist - blieb sodann sehr
vage und trifft zwar auf den Beschuldigten zu, gleichermassen aber auch auf sehr
viele weitere junge Eritreer.
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3.3.2.2. D._ wurde erst über drei Monate nach dem Vorfall erstmals am
18. Januar 2013 befragt (Urk. 6/3). Über den Beschuldigten sagte er einleitend,
dieser sei seit etwa zwei Jahren "komisch", und er habe seither gar keinen
Kontakt mehr mit ihm (Urk. 6/3 S. 1). Offenbar liegt das zumindest in den Augen
von D._ darin begründet, dass der Beschuldigte der eritreischen Oppositi-
onsbewegung nahesteht (Urk. 6/3 S. 3; Urk. 5/1 S. 3; Urk. 5/2 S. 3; Prot. I S. 10),
währenddem D._ weder die eine noch die andere Gruppe unterstütze, son-
dern "einfach persönlich vorwärts kommen" möchte in seinem Leben (Urk. 6/4
S. 4). Der Beschuldigte seinerseits verweist darauf, dass er früher schon einmal
grundlos vom Vater von D._ angezeigt worden sei (was dann zu einer Verur-
teilung des Beschuldigten durch das Einzelgericht des Bezirksgerichts
Hinwil vom 1. Oktober 2012 wegen Angriffs führte, wobei der Beschuldigte die
Vorwürfe auch dort vollumfänglich in Abrede gestellt hatte, vgl. Beizugsakten
GG120032 des Bezirksgerichts Hinwil) und dieser nun seinen Sohn schicke, um
gegen ihn auszusagen. Das sei ein Komplott (Urk. 5/3 S. 2; vgl. Urk. 6/4 S. 7).
Damit zusammenhängend erklärte D._ in der staatsanwaltschaftlichen Ein-
vernahme vom 29. April 2013 schliesslich, er habe einen "grossen Hass"
gegen den Beschuldigten, weil dieser in Gegenwart seines - D._s -
kleinen Bruders seinen Vater geschlagen habe (Urk. 6/4 S. 8).
Diese Umstände sind der Glaubwürdigkeit D._s im vorliegenden Verfahren
selbstredend nicht förderlich. Im Sinne seiner Aussagen schätzt er den Beschul-
digten als Schläger ein, der bereits einmal seinen - D._s - Vater zusammen-
geschlagen habe (wobei D._ beim damaligen Vorfall nicht anwesend war:
vgl. Beizugsakten), und angesichts des deshalb von ihm zugestandenermassen
entwickelten Hasses ist nicht von vornherein auszuschliessen, dass er vorliegend
entweder unbewusst den Beschuldigten in die Person eines Schlägers projizieren
oder diesen gar auch bewusst falsch anschuldigen könnte.
Der Verteidiger weist sodann darauf hin, dass der Beschuldigte ein Gegner des
eritreischen Regimes und ein Deserteur sei. Er sei ein bekennendes und aktives
Mitglied der Oppositionsgruppe Eritrean Youth for Democratic Change (EYDC).
Demgegenüber sei D._ - wie auch C._ - nachgewiesenermassen Anhä-
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nger der eritreischen Führung. D._ sei Mitglieder der Organisation Young
People's Front for Democracy and Justice (YPFDJ). Er habe sich zudem öffentlich
dazu bekannt, regierungskritische Eritreer in der Schweiz zu bekämpfen (Urk. 45
S. 4). Vor dem Hintergrund dieses politischen Konflikts seien die Aussagen von
D._ mit grosser Vorsicht zu geniessen und sie seien deshalb nicht von mas-
sgeblicher Relevanz (Urk. 45 S. 8). Es sei offensichtlich, dass D._ ein Motiv
habe, den Beschuldigten einer Straftat zu bezichtigen (Urk. 45 S. 10). Aufgrund
der unterschiedlichen politischen Haltungen bzw. Gesinnungen der beteiligten
Personen erscheint es zwar nicht ausgeschlossen, dass D._ allenfalls ge-
neigt sein könnte, bewusst oder auch nur unbewusst gegen den Beschuldigten
falsch auszusagen. Dieser Umstand ist vorliegend ausschliesslich bei der Glaub-
würdigkeit von D._ zu berücksichtigen. Bei der Sachverhaltserstellung spielt
die allgemeine Glaubwürdigkeit einer aussagenden Person aber lediglich eine un-
tergeordnete Rolle. Massgeblich ist vielmehr die Glaubhaftigkeit der konkreten
Aussagen dieser Person (vgl. hierzu auch die Vorinstanz, Urk. 25 S. 7 f.).
Was die Aussagen von D._ als solche betrifft, bezeichnete er gleich
einleitend zu seiner ersten Befragung am 18. Januar 2013 den Beschuldigten als
Täter (auf Frage, ob ihm der Name "E._" etwas sage): "Ja, das ist eben der
Täter" (Urk. 6/3 S. 2), und blieb in der Folge dabei. Der Beschuldigte habe den
Privatkläger mit einer etwa 2 bis 3 cm dicken, etwa 1 Meter langen gräulich bis
schwarzen Metallstange geschlagen (Urk. 6/3 S. 2 ff.; Urk. 6/4 S. 4 ff.). Weitere
beschreibende Angaben zur Person des Täters oder dessen konkreten Vor-
gehensweise machte D._ nicht (z.B. bezüglich Kleidung des Täters,
seines Verhaltens, der Art und Weise des Schlagens - etwa mit welcher Hand,
sonstige allfällige Besonderheiten), auch auf explizite Nachfragen nicht (z.B.
Urk. 6/4 S. 6: "Wie wurde der Geschädigte geschlagen?" - "Er hat ihn mit dieser
Eisenstange geschlagen."). Die letztlich deshalb nur sehr verkürzte Aussage "der
Beschuldigte hat den Privatkläger mit einer Eisenstange geschlagen" bleibt so nur
schlecht überprüfbar.
Auch Beschreibungen des Randgeschehens, in welches ein bestimmtes Kerner-
eignis eingebettet ist, erlauben indessen, Rückschlüsse auf den Wahrheitsgehalt
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der Aussagen einer befragten Person zu ziehen. Hier fällt auf, dass D._ kon-
stant sagte, der Privatkläger habe vor dem eigentlichen Vorfall eine Auseinander-
setzung zwischen zwei eritreischen Gruppierungen schlichten und eine Schläge-
rei verhindern wollen. Der Privatkläger sei "einfach in die Mitte" gegangen und
habe versucht, die Leute zu trennen (Urk. 6/3 S. 2, 4; Urk. 6/4 S. 4, 5). Dem-
gegenüber beschrieb der Privatkläger selbst - wie die Verteidigung zurecht darauf
hinweist (Urk. 45 S. 9) - aber gar nichts Entsprechendes: Er stellte die Situation
gegenteils konstant so dar, dass er sich überhaupt nicht in die Auseinander-
setzung eingemischt habe, sondern ganz vorne auf dem Perron des Gleis 6
gestanden sei, als der Täter plötzlich gekommen sei und ihn geschlagen habe,
ohne etwas zu sagen. Er habe auch nicht mit diesen Leuten gesprochen. Ent-
weder hätten sie ihn deshalb in irrtümlicher Weise geschlagen oder weil sie
"irgend ein Problem" mit ihm gehabt hätten (Urk. 4/1 S. 3, 4, 5). In seiner staats-
anwaltschaftlichen Einvernahme bestätigte der Privatkläger das. Er habe beim
Gleis auf den Zug in Richtung ... gewartet, und dann sei plötzlich jemand von hin-
ten gekommen und habe mit einer Eisenstange auf ihn eingeschlagen
(Urk. 4/2 S. 4 ff.). Ausdrücklich bestätigte der Privatkläger auch nochmals, dass
es weder vor noch während der Schläge eine Kommunikation gegeben habe
(Urk. 4/2 S. 10).
Wenn die Vorinstanz aufgrund dieser unterschiedlichen Darstellungen nicht an
der grundsätzlichen Glaubhaftigkeit der Aussagen von D._ zweifeln will,
"zumal der Privatkläger im Tatzeitpunkt angetrunken gewesen sein dürfte und
sich womöglich nicht mehr in allen Details erinnern konnte und/oder die
Geschehnisse in einem für ihn günstigen Licht darstellen wollte" (Urk. 25 S. 24),
so erscheint dies als etwas allzu pauschal. Es geht nicht um einen unbedeuten-
den Teil des Randgeschehens, sondern um Sachverhaltselemente, die recht
nahe am eigentlichen Kerngeschehen liegen: Es ist ein grosser Unterschied, ob
jemand ohne jeglichen äusseren Anlass auf den Zug wartend plötzlich von hinten
mit einer Eisenstange angegriffen wird, oder ob jemand beim Versuch, einen
Streit zwischen zwei Gruppen zu schlichten, von einem der Streitlustigen Schläge
versetzt erhält. Zumindest dass er betrunken gewesen wäre, wird sodann vom
Privatkläger in Abrede gestellt (er habe "nicht viel, ein wenig" Alkohol getrunken:
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Urk. 4/2 S. 4) und von den anderen Beteiligten - soweit sie überhaupt danach
gefragt worden waren - jedenfalls nicht einheitlich so gesehen. Dafür, dass sich
der Privatkläger "womöglich nicht mehr in allen Details erinnern konnte und/oder
die Geschehnisse in einem für ihn günstigen Licht darstellen wollte", bestehen
angesichts der grundsätzlich klaren, plausiblen und konstanten Aussagen des
Privatklägers sodann keine Anhaltspunkte.
Vielmehr sind die Aussagen von D._ angesichts dessen, dass er den Beginn
bzw. die Ursache der von ihm geschilderten Attacke mit der Metallstange derart
anders beschreibt als der davon unmittelbar betroffene Privatkläger selbst, mit ei-
nem recht grossen Fragezeichen zu versehen. Es soll - wie bereits angetönt -
nicht angezweifelt werden, dass D._ Schläge gegen den Privatkläger gese-
hen hat. Hinsichtlich der Frage, wer für diese Schläge verantwortlich ist, kann
aber nicht ausgeschlossen werden, dass er allenfalls den Beschuldigten in
die Person des Täters projiziert oder diesen allenfalls gar bewusst zu Unrecht
belastet. Es sind jedenfalls die Aussagen von D._ nicht geeignet, das schon
bis dahin nur sehr wacklige Beweisfundament weiter zu festigen.
3.3.2.3. C._ wurde neben dem Privatkläger am tatnächsten, am
26. Oktober 2012 (20 Tage nach dem Vorfall), polizeilich befragt (Urk. 6/5). Sie
führte aus, es sei bei den damaligen Auseinandersetzungen zwischen zwei Grup-
pen um eine Frau gegangen. Der Privatkläger habe viel Alkohol getrunken gehabt
und sei sehr wütend gewesen. Er habe den Mann mit der Eisenstange gewarnt,
dass wenn dieser jemandem etwas antun würde, er - der Privatkläger - ihn töten
werde. Daraufhin habe der Mann den Privatkläger mit der Stange geschlagen
(Urk. 6/5 S. 3, 4). Sie kenne diesen Mann nicht, habe ihn aber schon einmal in
Zürich im Hauptbahnhof gesehen. Er sei ca. 180 cm gross, ca. 24-25 jährig,
schlank, habe schwarze gekrauste Haare, ca. 4 bis 5 cm lang, sei Eritreer, habe
keine Brille, keinen Schnauz oder Bart. In ihrer Gruppe nenne man ihn "E._"
(Urk. 6/5 S. 5).
In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 29. April 2013, sechs Monate
später, erklärte C._, sie kenne den Beschuldigten unter dem Namen
"E._" und habe diesen an jenem 6. Oktober zum ersten Mal gesehen (Urk.
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6/6 S. 3). Zum Ablauf der Geschehnisse ergänzte sie, es hätten mehrere Männer
den Privatkläger nach dessen Warnung umzingelt und ihn "mit diesem Gegen-
stand von der Baustelle" zu Boden geschlagen. Mit dem Gegenstand habe der
Beschuldigte geschlagen. Auch die anderen hätten aber auf den Privatkläger ein-
geschlagen oder eingetreten, aber sie würde diese nicht wiedererkennen. Den
fraglichen "Gegenstand" beschrieb C._ als lang, ca. 4 bis 5 cm dick und
weiss, aus Eisen und mit vielen Löchern (Urk. 6/6 S. 6, 7). Auf Ergänzungsfragen
der Verteidigung gab C._ den Wortlaut der vor den Schlägen vom
Privatkläger ausgesprochenen Warnung wieder mit: "Wenn Du einen von diesen
Leuten [wohl: schlägst], die mit mir sind, wirst Du es nicht überleben". Und auf die
Frage, woher sie den Rufnamen des Beschuldigten kenne, antwortete sie: "Inner-
halb der eritreischen Gemeinschaft hört man das eine oder andere über die
anderen und man hört Geschichten über die Leute" (Urk. 6/6 S. 8).
In Bezug auf C._ macht die Verteidigung ebenfalls - wie erwähnt -
geltend, dass sie ein Mitglied der nationalistischen YPFDJ-Bewegung und damit
eine Anhängerin der eritreischen Führung sei (Urk. 45 S. 10). Ihre Aussagen
seien vor dem Hintergrund des genannten politischen Konflikts mit Vorsicht zu
geniessen und entsprechend nicht von massgebender Relevanz (Urk. 45 S. 8).
Auch hier ist zu beachten, dass C._ aufgrund ihrer politische Haltung mög-
licherweise geneigt sein könnte, gegen den Beschuldigten - bewusst oder unbe-
wusst - falsch auszusagen. Die unterschiedliche politische Gesinnung ist aber
wiederum ausschliesslich bei ihrer Glaubwürdigkeit zu berücksichtigen. Für die
Sachverhaltserstellung steht die Glaubhaftigkeit ihrer konkreten Aussagen im
Zentrum.
Bei den Aussagen von C._ macht zunächst ebenfalls - mit der Verteidigung
(Urk. 45 S. 8 und S. 10 f.) - stutzig, dass sie den Ablauf des Geschehens in Bezug
auf den doch einigermassen zentralen Punkt des Auslösers der Attacke auf den
Privatkläger ganz anders schildert als dieser selbst. Auch nach ihren Aussagen
sei der Privatkläger nicht einfach plötzlich und ohne Anlass angegriffen worden,
sondern die Schläge seien eine Reaktion auf ein warnendes/drohendes bzw. sub-
jektiv wohl möglicherweise auch bis zu einem gewissen Grade provozierendes
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Auftreten des Privatklägers gewesen. Im Weiteren beschreibt C._ - wiede-
rum entgegen den Aussagen des betroffenen Privatklägers selbst -, wie mehrere
Männer den Privatkläger umzingelt und schliesslich geschlagen hätten. Ebenfalls
anders als alle andern schildert C._, dass es sich beim Schlaginstrument um
einen weissen Gegenstand gehandelt habe (während sonst zumeist von schwarz
bzw. mindestens dunkel gesprochen wurde). Diese doch recht markanten Wider-
sprüche lassen durchaus die Frage zu, ob C._ tatsächlich den Angriff auf
den Privatkläger beschreibt oder ob sie allenfalls vorab Aussagen vom Hörensa-
gen wiedergibt und/oder interpretiert.
Auch in Bezug auf die Frage der Identifikation des Beschuldigten als Täter be-
stehen recht grosse Vorbehalte: Zwar passt die Täterbeschreibung, welche
C._ anlässlich der polizeilichen Befragung abgab, weitgehend auf den Be-
schuldigten, auch wenn dieser zumindest auf den Facebook-Fotos ein kleines
Bärtchen trägt (Urk. 2/1 und Urk. 2/2, währenddem C._ keinen Bart
erwähnte). Ob sie den Täter aber effektiv selbstständig als den unter dem Namen
"E._" bekannten Beschuldigten identifizierte, ist gar nicht klar. Jedenfalls ist
aufgrund ihrer Aussagen davon auszugehen, dass sie den Beschuldigten offen-
sichtlich nicht kannte und auch nicht verlässlich sagen konnte, ob sie diesen vor
dem Vorfall überhaupt schon einmal gesehen hatte. Mit grösster Wahrscheinlich-
keit ist es deshalb so, dass C._ nach dem Vorfall von anderen mitgeteilt er-
hielt, es handle sich beim Täter um "E._". Das wiederum deckte sich mit
ihrer Zugabe, dass man innerhalb der eritreischen Gemeinschaft das eine oder
andere über die anderen und Geschichten über die Leute höre. Aus diesen Grün-
den kann - mit den bereits vorstehend angestellten Überlegungen (Erw. 3.3.2.1
a.E.) - auch nicht von entscheidender Bedeutung sein, dass C._ anlässlich
der Konfrontationseinvernahme den Beschuldigten als Täter bezeichnete.
Die Aussagen von C._ sind damit ebenfalls nicht geeignet, Aussagekräftiges
zur Identität des Täters beizutragen.
3.3.2.4. Aufgrund der Aussagen des Privatklägers und der befragten (Belast-
ungs-) Zeugen hat zwar durchaus als erstellt zu gelten, dass der Privatkläger an
jenem 6. Oktober 2013 mit einer Eisenstange zusammengeschlagen worden ist.
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Hinsichtlich der Frage, ob der Beschuldigte der Täter gewesen ist, sind demge-
genüber ganz erhebliche Zweifel anzubringen. Eine eigenständige Belastung
ergeht lediglich von Seiten D._s, währenddem der Privatkläger selbst und
C._ mit grosser Wahrscheinlichkeit lediglich vom Hörensagen
weitergeben, dass es sich beim Täter um "E._" und damit den Beschuldigten
gehandelt habe. Wie bereits eingehend erörtert (Erw. 3.3.2.2), sind aber den Aus-
sagen von D._ erhebliche Vorbehalte entgegenzubringen; einerseits er-
scheint angesichts des von ihm eingeräumten Hasses gegen den Beschuldigten
und der damit verbundenen Spannungssituation seine Glaubwürdigkeit einge-
schränkt, und andererseits sind auch seine konkreten Aussagen nicht in über-
zeugendem Masse glaubhaft, insbesondere weil er den Beschuldigten letztlich
nur sehr verkürzt als Täter bezeichnet und sich seine Darstellung der Ereignisse
in teilweise recht zentralen Punkten erheblich von jener des Privatklägers selbst
unterscheidet.
3.3.3. Nachdem sich die von der Anklagebehörde behauptete Täterschaft des
Beschuldigten damit nicht beweisen lässt, kommt den Aussagen des Beschuldig-
ten und dessen damaligen Begleiters G._ keine entscheidende Bedeutung
mehr zu. Sie erlangten bei dieser Ausgangslage nur dann wesentliches Gewicht,
wenn sie geradezu auf eine Selbstbelastung hinausliefen.
3.3.3.1. Davon kann allerdings bei den Aussagen des Beschuldigten keine Rede
sein (vgl. dazu deren Zusammenfassung in Urk. 25 S. 17 ff.; vgl. sodann Urk. 44
S. 5 ff.). Natürlich sagte er grossmehrheitlich vage und nur wenig greifbar, ja teil-
weise widersprüchlich, aus. Es ist aber schon einmal gewichtig zu berücksichti-
gen, dass er erst am 19. Dezember 2012 und mithin fast zweieinhalb Monate
nach dem Vorfall erstmals mit dem Vorwurf konfrontiert und polizeilich befragt
worden ist (Urk. 5/1). Angesichts dessen erscheint - im Sinne der Unschuldsver-
mutung seine Nichttäterschaft angenommen - nicht erstaunlich, wenn er sich nicht
mehr auf Anhieb daran zu erinnern vermochte, ob er sich in der Nacht vom 5. auf
den 6. Oktober 2012 im Club ... aufgehalten hat oder nicht (Urk. 5/1 S. 2; vgl.
ebenso die Verteidigung, Urk. 45 S. 11). Wenn er jenen Club effektiv immer wie-
der besuchte (a.a.O.) - was nicht widerlegt werden kann -, kann ihm sodann auch
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nicht verargt werden, wenn er den Abend mangels besonderer Vorkommnisse
"detailarm, schwammig und inkonstant" schilderte (so die Vorinstanz in Urk. 25
S. 22). Durchaus lebensnah ist aber, dass der Beschuldigte in der staatsanwalt-
schaftlichen Einvernahme, weitere vier Monate später und mithin über sechs Mo-
nate nach dem Vorfall, den Abend konkreter beschreiben kann, nachdem er mit
G._ gesprochen hat, bei welchem er sich nach dem Clubbesuch aufgehalten
hatte. Auch wenn sich die Aussagen des Beschuldigten und von G._ teilwei-
se widersprechen mögen, können diese - entgegen der Vorinstanz (Urk. 25 S. 22)
- nicht einfach als "schlecht abgesprochen oder erfunden" abgetan werden.
Ebenso mag zwar als "wenig lebensnah" erscheinen, dass der Beschuldigte für
eine Station das Tram genommen haben will, währenddem G._ den gleichen
Weg zu Fuss zurückgelegt habe (Urk. 25 S. 23). Völlig abwegig ist das aber - mit
der Verteidigung (Urk. 45 S. 11 f.) - nicht, und im Sinne der Berechnungen des
Verteidigers in der vorinstanzlichen Hauptverhandlung (Urk. 19/5 und 19/6)
stimmte das auch mit den übrigen Schilderungen der beiden überein. Dass der
Beschuldigten entgegen seinen Aussagen kaum bei der Station ... ausgestiegen
sein dürfte (Urk. 5/3 S. 3), sondern vielmehr dort eingestiegen wäre, wenn er für
die Strecke vom ... Club (...-Strasse ...) zum Wohnort von G._ (...-Strasse
...) das Tram benutzt hätte (Tram Nr. 10: ... - ...), ist sodann kein entscheidender
Widerspruch, sondern kann ohne Weiteres das Resultat eines Missverständnis-
ses oder Irrtums sein. Wie bereits erwähnt: Wenn der Beschuldigte und G._
in jener Nacht entgegen der Behauptung in der Anklageschrift eben gar nichts
Aussergewöhnliches erlebt haben - wovon aufgrund der Unschuldsvermutung
grundsätzlich einmal auszugehen ist -, kann ihnen nicht vorgeworfen werden, sich
erst allmählich und nach Gesprächen miteinander an den betreffenden Morgen
erinnern gekonnt zu haben. Entgegen der Vorinstanz können die Aussagen des
Beschuldigten damit nicht einfach als widersprüchlich und damit als unglaubhaft
qualifiziert werden (Urk. 25 S. 23), jedenfalls ganz sicher nicht in einem Masse,
als er sich damit gleichsam selbst belasten würde.
3.3.3.2. Aus den Aussagen von G._ lassen sich keine wesentlichen Erkennt-
nisse ableiten (Urk. 25 S. 12 ff., 23/24). Grosso modo decken sie sich
ungeachtet einzelner Widersprüche mit den Schilderungen des Beschuldigten.
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Dass G._ seinen Kollegen, den Beschuldigten, "möglichst nicht belasten"
wollte (so die Vorinstanz in Urk. 25 S. 24), erscheint in der gegebenen Konstella-
tion überhaupt nicht abnormal und macht seine Aussagen deshalb nicht unglaub-
haft.
3.3.4. Es hat damit dabei zu bleiben: Dass der Beschuldigte diejenige Person
gewesen ist, die am Morgen des 6. Oktober 2012 am Bahnhof ... den Privatkläger
mit einer Eisenstange geschlagen hat, ergibt sich als klare, eigenständige Aussa-
ge nur aus den Depositionen von D._. Dessen Glaubwürdigkeit ist aber an-
gesichts seines zugestandenermassen gespannten Verhältnisses zum Beschul-
digten eingeschränkt, und in der Sache erscheinen seine Aussagen nicht als
überzeugend: So fehlen seiner "nackten" Beschuldigung, es sei der Beschuldigte
der Täter, weiterführende, überprüfbare Realitätskennzeichen bzw. widerspricht
seine Umschreibung des Tatgeschehens im recht zentralen Bereich, weshalb es
zur Attacke auf den Privatkläger gekommen ist, den Ausführungen des Privatklä-
gers selbst in ganz erheblichem Masse. Soweit sodann der Privatkläger und
C._ den Beschuldigten als Täter bezeichnen, gründen ihre Aussagen mit
grosser Wahrscheinlichkeit ganz wesentlich auf Erkenntnissen vom Hörensagen
bzw. auf dem Umstand, dass der Beschuldigte von Dritten - etwa D._ - als
Täter bezeichnet und durch Facebook-Fotos "identifiziert" worden ist. Weitere
Aussagen oder objektive Beweismittel (z.B. Aufnahmen von Überwachungskame-
ras o.ä.), die auf eine Täterschaft des Beschuldigten schliessen liessen, bestehen
nicht.
Bei dieser Ausgangslage verlieren die Aussagen des Beschuldigten und seines
Kollegen G._ an Bedeutung. Zwar mögen sie vage und teilweise gar wider-
sprüchliche Erklärungen über jene Nacht abgegeben haben, aber ihre Aussagen
sind keinesfalls so, dass sich daraus geradezu eine (Selbst-) Belastung des Be-
schuldigten ergäbe. Vielmehr erscheint es nicht als aussergewöhnlich, dass sie
sich nicht mehr im Detail an die fragliche Zeit erinnert haben, nachdem sie erst
zweieinhalb bzw. gar über drei Monate nach dem Vorfall erstmals polizeilich be-
fragt worden sind und in ihren Augen - wovon im Sinne der Unschuldsvermutung
ausgegangen werden muss - nichts Besonderes vorgefallen ist.
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3.4. Es verbleiben damit erhebliche, nicht zu unterdrückende Zweifel an der
anklageseits behaupteten Täterschaft des Beschuldigten. Er ist deshalb in
Anwendung des Grundsatzes "in dubio pro reo" freizusprechen.
3.5. Damit erübrigt es sich, dem Beweisantrag des Beschuldigten stattzugeben
und C._ erneut als Zeugin zu befragen.
3.6. Als Folge hievon ist schliesslich keine Sanktion festzusetzen und entfällt ein
Widerruf des mit Urteil des Bezirksgerichts Hinwil vom 1. Oktober 2012 für eine
Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 20.– bei einer Probezeit von 2 Jahren
gewährten bedingten Strafvollzugs.
4. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Ausgangsgemäss - der Beschuldigte wird freigesprochen und obsiegt im
Berufungsverfahren - sind die Kosten der Untersuchung und der gerichtlichen
Verfahren, einschliesslich derjenigen der amtlichen Verteidigung (für das Beru-
fungsverfahren in der Höhe von Fr. 4'300.–, vgl. Urk. 49), auf die Gerichtskasse
zu nehmen (Art. 426 Abs. 1 und 2 StPO; Art. 428 Abs. 1 StPO).