# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 7c7b9858-3c87-5e9c-a821-d2e7e15f28ca
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Das Vermessungswerk der Gemeinde Lüscherz (Los 3)1 umfasst die Ersterhebung
für Los 3A und die Erneuerung für Los 3B (Gebiet Moos) und beinhaltet die Anpassung an
den geltenden Vermessungsstandard AV93. Die öffentliche Auflage des
Vermessungswerks fand in der Zeit vom 15. Juni 2018 bis 16. Juli 2018 statt. Bisher
verfügte die Gemeinde Lüscherz im Gebiet von Los 3A über ein Vermessungswerk aus
den Jahren 1902 bis 1910, das provisorisch als Grundbuchvermessung anerkannt war.
Das Gebiet Moos (Los 3B) wurde 1988 nach der Güterzusammenlegung Brüttelen –
Finsterhennen – Siselen – Treiten teilnumerisch erhoben.2
1 Vorakten, «Verifikationsordner», Gemeinde Lüscherz: Plan 1:25'000 mit Aufteilung in Los 3A und Los 3B, pag. 1 2 Vgl. angefochtene Verfügung, Ziff. 2 und 3
RA Nr. 140/2018/21 2
Der Beschwerdeführer als Grundeigentümer von Parzelle Lüscherz Grundbuchblatt
Nr. C._, die gemäss Planeinteilung im Los 3A in der Landwirtschaftszone (LWZ)
liegt3, beteiligte sich am Verfahren. Er bemängelte in seiner Einsprache vom 14. Juli 20184,
dass die Parzelle nach der Neuvermessung eine Teilfläche von 513 m2 «geschlossener
Wald» aufweise. Mit der Änderung von Landwirtschaftsland zu Wald verliere die Parzelle
mit einer Gesamtfläche von 1'210 m2 an Wert. Die fragliche Teilfläche könne nicht mehr als
ökologische Ausgleichsfläche angegeben werden und sei nicht mehr
direktzahlungsberechtigt. Zudem sei der alte Flurname zu belassen.5
Die Einigungsverhandlung fand vor Ort am 17. August 2018 unter Anwesenheit des
zuständigen Nachführungsgeometers der Gemeinde und Vertretern der Waldabteilung
Mittelland statt.6 Bezüglich Nomenklatur (Flurname) nahm der Beschwerdeführer seine
Einsprache zurück; hinsichtlich Bezeichnung der Bodenbedeckung als «geschlossener
Wald» hielt er daran fest. Das Amt für Geoinformation (AGI) genehmigte mit Verfügung
vom 19. November 2018 die Ersterhebung von Los 3A und die Erneuerung von Los 3B.
2. Dagegen reichte der Beschwerdeführer am 18. Dezember 2018 Beschwerde bei der
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er macht geltend, dass
im Rahmen der Ersterhebung von Los 3A auf seiner Parzelle die Teilfläche von 513 m2 zu
Unrecht als geschlossener Wald bezeichnet worden sei und verlangt eine
"Neubeurteilung".
Das Rechtsamt holte die Vorakten ein und führte den Schriftenwechsel durch. Zudem holte
es mit der ersten Verfügung eine Stellungnahme des Amtes für Wald des Kantons Bern
(KAWA), Waldabteilung Mittelland (nachfolgend Waldabteilung Mittelland), ein. Dieses
beantragt in seiner Stellungnahme vom 15. Januar 2019 die Abweisung der Beschwerde
gegen die amtliche Vermessung und die Ablehnung "in allen Begehren". Das AGI weist in
seiner Stellungnahme vom 14. Januar 2019 darauf hin, dass sich auf der Parzelle Lüscherz
Grundbuchblatt Nr. C._ zum Zeitpunkt der Ersterhebung Waldbäume oder
Waldsträucher befunden hätten, welche eine Waldfunktion wahrnehmen würden. In der
3 Vorakten, «Verifikationsordner», Planeinteilung 1:10'000, pag. 39 4 Vorakten, «Vertragsordner», pag. 8 bzw. pag. 297 5 Vorakten, «Vertragsordner», Einsprache vom 14. Juli 2018, pag. 8 6 Vorakten, «Vertragsordner», Protokoll der «Einsprachenverhandlung» vom 17. August 2018
RA Nr. 140/2018/21 3
amtlichen Vermessung sei diese Teilfläche als geschlossener Wald abzubilden.
Nachträgliche Rodungen seien nicht Bestandteil des Ersterhebungsverfahrens.
3. Auf die Rechtsschriften und die Vorakten wird, soweit für den Entscheid wesentlich,
in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Angefochten ist die Genehmigung einer amtlichen Vermessung. Als amtliche
Vermessung gelten die zur Anlage und Führung des Grundbuchs vom Kanton
genehmigten und vom Bund anerkannten Vermessungen (Art. 1 Abs. 1 VAV7). Die
Zuständigkeit für die Ersterhebung und Erneuerung richtet sich im Kanton Bern nach
Art. 36 in Verbindung mit Art. 24 KGeoIG8 und wird zwischen Kanton und Gemeinden
aufgeteilt. Die Auflage der Ersterhebung und Erneuerung erfolgt durch die Gemeinde
(Art. 38 Abs. 1 KGeoIG). Wer ein schutzwürdiges Interesse hat, kann innert der Auflagefrist
Einsprache erheben. Die Gemeinde führt Einigungsverhandlungen durch und erstattet der
Vermessungsaufsicht Bericht und stellt Antrag (Art. 39 Abs. 1 und 2 KGeoIG). Gemäss den
Materialien zum KGeoIG richtet sich das Verfahren gestützt auf Art. 38 bis 40 KGeoIG
nach den Vorgaben der VAV.9
Art. 28 Abs. 1 VAV besagt, dass nach Abschluss einer Ersterhebung oder Erneuerung der
amtlichen Vermessung sowie nach Behebung von Widersprüchen nach Art. 14a, bei denen
Grundeigentümer in ihren dinglichen Rechten berührt sind, "eine öffentliche Auflage mit
Einspracheverfahren" durchgeführt wird. Gegenstand der öffentlichen Auflage sind der
Plan für das Grundbuch des betreffenden Perimeters und weitere zum Zweck der
Grundbuchführung erstellte Auszüge aus den Daten der amtlichen Vermessung (Art. 28
7 Verordnung vom 18. November 1992 über die amtliche Vermessung (VAV; SR 211.432.2) 8 Kantonales Geoinformationsgesetz vom 8. Juni 2015 (KGeoIG; BSG 215.341) 9 Vgl. Vortrag vom 10.12.2014 des Regierungsrates an den Grossen Rat zum Kantonalen Geoinformationsgesetz (KGeoIG), Tagblatt des Grossen Rates 2015, Beilage 5, S. 14 (nachfolgend Vortrag KGeoIG)
RA Nr. 140/2018/21 4
Abs. 2 VAV). Vorliegend hat das AGI als Vermessungsaufsicht über die eingereichten
Einwendungen bzw. Einsprachen entschieden und das Vermessungswerk genehmigt
(Art. 22 Abs. 3 i.V.m. Art. 40 Abs. 1 KGeoIG).
b) Gemäss Art. 62 Abs. 1 Bst. a VRPG10 beurteilt die in der Sache zuständige Direktion
Beschwerden gegen Verfügungen von ihr untergeordneten Verwaltungseinheiten, sofern
nicht die Gesetzgebung ein Rechtsmittel unmittelbar an eine andere Rechtsmittelinstanz
vorsieht.11 Die Gesetzgebung über die Geoinformation bzw. die amtliche Vermessung sieht
keine andere Rechtsmittelinstanz vor. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde
gegen die Genehmigungsverfügung des AGI zuständig.
c) Die Genehmigungsverfügung des AGI kann insofern angefochten werden, als ihr
Inhalt Verfügungscharakter hat. Nach ständiger Praxis gilt als Verfügung ein individueller,
an Einzelne gerichteter Hoheitsakt, durch den eine konkrete verwaltungsrechtliche
Rechtsbeziehung in verbindlicher und erzwingbarer Weise geregelt wird.12 Werden durch
eine Anordnung oder einen Beschluss einer Behörde keine individuellen Rechte oder
Pflichten verbindlich festgelegt, mangelt es an einem wesentlichen Verfügungselement. In
zwei früheren Entscheiden ist das Verwaltungsgericht auf Beschwerden betreffend die
Ersterhebung bzw. Erneuerung der amtlichen Vermessung vorbehaltlos eingetreten.13 In
VGE 2015/364 vom 1. Dezember 2016 hat das Verwaltungsgericht bei der Prüfung der
Eintretensfrage nunmehr festgestellt, dass gemäss dem KGeoIG ein öffentliches Auflage-
verfahren nur durchgeführt werden müsse, wenn dingliche Rechte betroffen seien. Dies sei
beispielsweise dann der Fall, wenn Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer durch die
Erneuerung der amtlichen Vermessung in ihrem Grundeigentum betroffen seien oder wenn
Lage und Bestand von Dienstbarkeiten beeinflusst würden.14 Und nur in diesem Fall stehe
der Rechtsweg offen.
Der Beschwerdeführer rügt, dass die Teilfläche auf seiner Parzelle zu Unrecht als
«geschlossener Wald» eingestuft worden sei. Ob es sich bei der Genehmigungsverfügung
10 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 11 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 62 N. 2 ff. 12 Vgl. BGE 141 II 233, E. 3.1 S. 235 und BGE 139 V 143 E. 2.1 S. 144 ff. mit Hinweisen. Vgl. auch Tschannen/ Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 28 N. 1 ff. 13 Vgl. VGE 2012/124 vom 22.3.2013 (Verfahren RA Nr. 140 2012 5) sowie VGE 2011/169 vom 8.12.2011 (Verfahren RA Nr. 140 2010 27) 14 VGE 2015/364 vom 1.12.2016, E. 1.2 mit weiteren Hinweisen, E. 2.2.2
RA Nr. 140/2018/21 5
mit Bezug auf die Bezeichnung «geschlossener Wald» auf Parzelle Lüscherz
Grundbuchblatt Nr. C._ um eine anfechtbare Verfügung handelt und demzufolge
auf die Beschwerde eingetreten werden kann, ist gemäss dem massgebenden Entscheid
des Verwaltungsgerichts davon abhängig, ob der Beschwerdeführer dadurch in seinen
dinglichen Rechten betroffen ist (vgl. die nachfolgende E. 2).
2. Amtliche Vermessung; Bodenbedeckung
a) Nach Auffassung des Beschwerdeführers hätte die Teilfläche von 513 m2 (42 % der
Gesamtfläche) aus seiner Parzelle Lüscherz Grundbuchblatt Nr. C._ in materieller
Hinsicht nicht als «geschlossener Wald» bezeichnet werden dürfen, da diese Fläche so
nicht mehr landwirtschaftlich nutzbar sei. Dazu reichte er zwei Fotos ein, denen zufolge
sich in der Zwischenzeit kein Wald (mehr) auf der Parzelle befinde.15
b) Gegenstand der Genehmigungsverfügung des AGI ist eine Ersterhebung der
amtlichen Vermessung. Als solche gilt unter anderem die Erstellung der Bestandteile der
amtlichen Vermessung in Gebieten ohne definitiv anerkannte amtliche Vermessung
(Art. 18 Abs. 1 VAV). Die Daten der amtlichen Vermessung sind Georeferenzdaten, die von
den Behörden des Bundes, der Kantone und der Gemeinden sowie von der Wirtschaft, der
Wissenschaft und Dritten zur Gewinnung von Geoinformationen verwendet werden (Art. 1
Abs. 2 VAV). Bestandteile der amtlichen Vermessung bilden namentlich die Daten gemäss
Datenmodell der amtlichen Vermessung (Art. 5 Bst. b VAV), dessen Objektkatalog unter
anderen die Informationsebenen Bodenbedeckung und Einzelobjekte umfasst (Art. 6
Abs. 1 und Art. 6 Abs. 2 Bst. b und c VAV) sowie der Plan für das Grundbuch und die
weiteren zum Zweck der Grundbuchführung erstellten Auszüge aus den Daten der
amtlichen Vermessung (Art. 5 Bst. c VAV). Gemäss Art. 7 Abs. 1 VAV ist der Plan für das
Grundbuch ein "aus den Daten der amtlichen Vermessung erstellter analoger oder digitaler
graphischer Auszug, der als Bestandteil des Grundbuches die Liegenschaften sowie die
flächenmässig ausgeschiedenen selbständigen und dauernden Rechte und Bergwerke
abgrenzt; ihm kommen die Rechtswirkungen von Eintragungen im Grundbuch zu". Im Plan
für das Grundbuch werden die Inhalte verschiedener Informationsebenen, so auch die
Bodenbedeckung, Einzelobjekte oder Liegenschaften dargestellt (Art. 7 Abs. 2 VAV). Zu
15 Beilage zur Beschwerde vom 26. November 2018
RA Nr. 140/2018/21 6
den weiteren zum Zweck der Grundbuchführung erstellten Auszügen aus den Daten der
amtlichen Vermessung gehört insbesondere die Grundstückbeschreibung (Art. 65
TVAV16).17
c) Was zur hier interessierenden Informationsebene Bodenbedeckung gehört, wird in
Art. 7 Abs. 1 TVAV bestimmt. Demzufolge beschreibt die Informationsebene
Bodenbedeckung die tatsächliche Lage von Objekten im Raum, deren Ausdehnung und
die Erscheinungsform (Gebäude, befestigte Flächen, humusierte Flächen, bestockte
Flächen und vegetationslose Flächen).18 Die bestockten Flächen werden in
«geschlossener Wald», «bestockte Weide» bzw. «Wytweide» sowie «übrige bestockte
Flächen» unterteilt (vgl. Art. 7 Abs. 1 Bst. b Ziff. 5 TVAV). Die bestockten Flächen
umfassen laut Art. 18 TVAV "den Wald im Sinne von Art. 2 Abs. 1 WaG". Die geometrische
Abgrenzung des Waldes im Rahmen der amtlichen Vermessung hat "bei Bedarf mit den
zuständigen Forstorganen zu erfolgen" (Art. 18 Abs. 3 TVAV). Gemäss Art. 25 KGeoIG
kann der Regierungsrat Erweiterungen des Inhalts der amtlichen Verordnung durch
Verordnung regeln. Weder die kantonale Geoinformationsverordnung (KGeoIV19) noch die
Kantonale Verordnung über die amtliche Vermessung (KVAV20) enthalten entsprechende
Bestimmungen. Es ist gemäss den Vorakten auch nicht ersichtlich, dass die Gemeinde
eine Erweiterung des Inhalts der amtlichen Vermessung im Sinne von Art. 24 Abs. 4
KGeoIG vorgenommen hat.
Die bodenbezogenen Daten der amtlichen Vermessung dienen der Sicherung des
Grundeigentums und sind Grundlage für die Erstellung von Landinformations- und
geographischen Informationssystemen. Der Plan für das Grundbuch ist die wichtigste
Auswertung aus den Geobasisdaten für die amtliche Vermessung. Mit Bezug auf die
Bedeutung der amtlichen Vermessung zieht das Verwaltungsgericht folgenden Schluss:
"Die Informationen aus dem Vermessungswerk sind umfassender als die
Grundbuchinformationen: Die amtliche Vermessung enthält alle bodenbezogenen
16 Technische Verordnung des VBS vom 10. Juni 1994 über die amtliche Vermessung (TVAV; SR 211.432.21) 17 Vgl. VGE 2015/364 vom 1.12.2016, E. 3.2 ff. 18 Vgl. Meinrad Huser, Schweizerisches Vermessungsrecht, 2014, N. 408 19 Kantonale Geoinformationsverordnung vom 11. November 2015 (KGeoIV; BSG 215.341.1) 20 Kantonale Verordnung über die amtliche Vermessung vom 5. März 1997 (KVAV; BSG 215.341)
RA Nr. 140/2018/21 7
Informationen; das Grundbuch beschränkt sich im Wesentlichen auf die Festlegung von
Rechtsverhältnissen und die dinglichen Rechte von Privaten."21
Das Verwaltungsgericht ist im zitierten Fall und mit Hinweis auf die Lehre der Auffassung
gefolgt, dass es sich bei den Bodenbedeckungen (darunter auch die bestockten Flächen)
um beschreibende Angaben handelt, die nicht an der Grundbuchwirkung teilnehmen.
Dasselbe gilt auch für die Grundstücksbeschreibung wie dies Art. 20 Abs. 2 GBV22
ausdrücklich vorsieht. Daher haben nach Auffassung des Verwaltungsgerichts Angaben
über die tatsächliche Beschaffenheit der Grundstücke, wie beispielsweise die Art der
Bodennutzung "auf Grund ihres beschreibenden Charakters in der Regel keine
unmittelbare Rechtswirkung". So könne sich jemand beispielsweise nicht mit Hinweis auf
den Plan für das Grundbuch von einem Rodungsverbot befreien, wenn darin ein tatsächlich
bestehender Wald nicht eingezeichnet sei.23 Daraus folgert das Verwaltungsgericht zum
einen, "dass sich die Angaben zur Bodenbedeckung und zu den Einzelobjekten im Plan für
das Grundbuch oder der Grundstücksbeschreibung jedenfalls weder auf die Eigentums-
noch auf andere dingliche Rechte der Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer
auswirken".24 Zum andern weist es darauf hin, dass die Angaben über die
Bodenbedeckung in anderen Verfahren verwendet werden, wie in Verfahren betreffend
landwirtschaftliche Direktzahlungen und die amtliche Bewertung im Steuerrecht, was dem
Zweck der amtlichen Vermessung entspreche. Dies öffne nach dem Gesagten aber nicht
den Rechtsweg. Ob sich das Rechtsmittel, das den Grundeigentümerinnen und
Grundeigentümern im Verfahren der amtlichen Vermessung zustehe, auch auf die Art der
Bodenbedeckung beziehe, hänge davon ab, ob die diesbezüglichen Feststellungen für das
Grundbuch relevant seien oder nicht. 25
d) Bei der hier umstrittenen Bodenbedeckung «geschlossener Wald» handelt es sich
um beschreibende Angaben, die nicht an der Grundbuchwirkung teilnehmen (vgl. Art. 20
GBV26). Dies hat das AGI im angefochtenen Entscheid ebenfalls festgestellt.27 Die
21 VGE 2015/364 vom 1.12.2016, E. 3.3 22 Grundbuchverordnung vom 23. September 2011 (GBV; SR 211.432.1) 23 Vgl. VGE 2015/364 vom 1.12.2016, E. 3.4, mit weiteren Hinweisen, insbesondere auf BVGer B-1737/2010 vom 11.1.2011, E. 4.2 sowie Jürg Schmid, Basler Kommentar, N. 25 zu Art. 950 ZGB 24 VGE 2015/364 vom 1.12.2016, E. 3.4 in fine 25 VGE 2015/364 vom 1.12.2016, E. 3.5 26 Meinrad Huser, a.a.O., N. 491 ff, insbes. N. 493 sowie 531 ff. 27 Vgl. angefochtene Verfügung, Ziff. 5, S. 6
RA Nr. 140/2018/21 8
Bezeichnung der Teilfläche von Parzelle Nr. C._ als «geschlossener Wald» ist für
das Grundbuch rechtlich nicht bindend. Das bekräftigen auch die waldrechtlichen
Grundlagen: so besagt Art. 2 Abs. 1 WaG28, dass für die Frage, ob Wald im Rechtssinne
vorliege, weder "Entstehung, Nutzungsart und Bezeichnung im Grundbuch" massgebend
seien. Daraus ergibt sich, dass der Beschwerdeführer durch die umstrittene
Bodenbedeckung «geschlossener Wald» nicht in seinen dinglichen Rechten berührt ist.
Der angefochtenen Genehmigung kommt bezüglich der Bodenbedeckung kein
Verfügungscharakter zu. Dies ergibt sich auch aus der angefochtenen Verfügung, wonach
das AGI feststellt, dass Liegenschaften und Bodenbedeckungen "formell und technisch"
korrekt erhoben worden seien.29 Die Genehmigungsverfügung ist somit betreffend die
Bezeichnung der Teilfläche auf Parzelle Lüscherz Grundbuchblatt Nr. C._ als
geschlossener Wald nicht anfechtbar.
e) Der Beschwerdeführer befürchtet, dass seine Parzelle durch die Bezeichnung der
Teilfläche als geschlossener Wald an Wert verliere. Zudem könne die fragliche Teilfläche
nicht mehr als ökologische Ausgleichsfläche angegeben werden und sei nicht mehr
direktzahlungsberechtigt.
Wie das Verwaltungsgericht im bereits zitierten Entscheid betreffend Bodenbedeckung und
Einzelobjekte festgehalten hat, vermag deren Aufnahme in die amtliche Vermessung nicht
zu bewirken, dass eine Baute oder Anlage als rechtmässig erstellt gilt. Deren allfällige
Rechtmässigkeit sei durch die einschlägigen Bestimmungen namentlich in einem
Planungs-, Bewilligungs- oder Wiederherstellungsverfahren zu beurteilen. Die Aufnahme
der Anlagen als Bodenbedeckung oder Einzelobjekte könne ein solches nicht ersetzen. Die
amtliche Vermessung stelle "vielmehr die bestehenden Zustände fest".30 Gleiches gilt
bezüglich des Erfordernisses einer Rechtmässigkeitsprüfung auch für die umstrittene
Bodenbedeckung «geschlossener Wald» auf Parzelle Lüscherz Grundbuchblatt
Nr. C._. Gemäss Verwaltungsgericht "kann sich jemand (...) nicht mit Hinweis auf
den Plan für das Grundbuch von einem Rodungsverbot befreien, wenn darin tatsächlich
bestehender Wald nicht eingezeichnet ist".31 Im umgekehrten Fall gilt daher eine gemäss
Plan für das Grundbuch oder Grundstücksbeschreibung als «geschlossener Wald»
28 Bundesgesetz vom 4. Oktober 1991 über den Wald (Waldgesetz, WaG; SR 921.0) 29 Vgl. angefochtene Verfügung, Ziff. 5, S. 6 30 VGE 2015/364 vom 1.12.2016, E. 3.5 31 VGE 2015/364 vom 1.12.2016, E. 3.4 mit Verweis auf BVGer B-1737/2010 vom 11.1.2011, E. 4.2
RA Nr. 140/2018/21 9
bezeichnete Fläche nicht automatisch als Wald im Rechtssinne, wenn dies nicht in dem
dafür vorgesehenen Verfahren festgelegt worden ist. Ob eine Fläche als Wald gilt, muss in
einem Waldfeststellungsverfahren eruiert werden. Waldfeststellungsverfahren richten sich
grundsätzlich nach Art. 10 WaG bzw. den kantonalen Ausführungsbestimmungen (Art. 4
KWaG).
Dies wird bestätigt durch die Richtlinie «Detaillierungsgrad in der amtlichen Vermessung,
Informationsebene Bodenbedeckung» der Konferenz der Kantonalen Vermessungsämter
(KKVA)32. Diesen Richtlinien zufolge kann der Wald ausserhalb der Bauzone im Rahmen
einer periodischen Nachführung "mit oder ohne Waldfeststellungsverfahren" nachgeführt
werden. Auch gemäss Handbuch DM.01-AV des AGI33 wird ausserhalb des Bereichs der
Bauzonen in den Plänen der amtlichen Vermessung die im Zeitpunkt der Aufnahme
aktuelle Waldgrenze dargestellt. Die so ermittelte Waldgrenze entspreche aber nicht in
jedem Fall der Waldgrenze nach Waldgesetz. Im Zweifelsfall müsse diese im Rahmen
eines "offiziellen Waldfeststellungsverfahrens" ermittelt werden. Auch das
Bundesverwaltungsgericht hat in einem ähnlich gelagerten Fall festgestellt, dass es sich
bei der Festlegung der Bodenbedeckung im Rahmen der amtlichen Vermessung und beim
Verfahren zur Waldfeststellung um zwei unterschiedliche Verfahren handelt.34
f) Die beschreibenden Angaben werden in der amtlichen Vermessung auch im
Zusammenhang mit Direktzahlungen in der Landwirtschaft und bei der Ermittlung des
amtlichen Werts verwendet. Sind diese Angaben umstritten, so kann die "Fehlerhaftigkeit
dieser Angaben" gemäss Entscheid des Verwaltungsgericht "in den entsprechenden
Verfahren (Beitrags- bzw. Steuerverfahren) geltend gemacht werden (...)."35 Hinsichtlich
der umstrittenen Bodenbedeckung hätte denn auch kein öffentliches Auflageverfahren
durchgeführt werden müssen (vgl. E. 1c). Zusammenfassend ist daher festzustellen, dass
das AGI das formell und technisch korrekt erhobene bzw. erneuerte Vermessungswerk der
Gemeinde Lüscherz (Los 3) genehmigt hat. Mit Bezug auf die umstrittene
Bodenbedeckung «geschlossener Wald» auf Parzelle Nr. C._ hat es gemäss den
Ausführungen keine anfechtbare Verfügung erlassen. Folglich lag kein taugliches
32 Fassung vom 16. Juni 2011 abrufbar unter www.kkva.ch Rubrik «Downloads» 33 einsehbar unter www.bve.be.ch, Rubriken «Vermessung» 34 Vgl. auch BVGer B-1737/2010 vom 11.1.2011, E. 4.2 35 VGE 2015/364 vom 1.12.2016, E. 3.6 in fine
http://www.kkva.ch http://www.bve.be.ch
RA Nr. 140/2018/21 10
Anfechtungsobjekt vor (vgl. E. 2c).36 Auf die Beschwerde kann daher nicht eingetreten
werden.
36 Vgl. zum Ganzen VGE 2015/185 vom 22.1. 2016, E. 3.7
RA Nr. 140/2018/21 11
3. Verfahrenskosten
Die oberinstanzlichen Verfahrenskosten bestehen aus einer Pauschalgebühr. Die Behörde
setzt die Gebühr gestützt auf die gesetzliche Gebührenordnung nach pflichtgemässem
Ermessen fest (Art. 103 Abs. 1 und 2 VRPG). Wird auf eine Beschwerde nicht eingetreten,
so kann die Gebühr angemessen reduziert oder es kann ganz auf sie verzichtet werden
(Art. 21 Abs. 1 GebV37). In Anwendung dieser Bestimmungen wird auf die Erhebung von
Verfahrenskosten verzichtet. Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 Abs. 1 und 3
VRPG).