# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b333f79c-775d-4377-bb11-b9754317f727
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
a. Mit Schreiben vom 19. Januar 2017 ersuchte A._, vertreten durch seinen
Rechtsvertreter, den Stadtrat Q._ um Bestätigung, dass er in allen Verfahren und vor
allen Gerichten vom Amtsgeheimnis befreit sei. Dazu verwies er auf den
Protokollauszug vom 24. Juni 2013 aus der Sitzung des Stadtrats Q._ vom 19. Juni
2013, gemäss welchem er sowohl gegenüber seinen Rechtsvertretern als auch
gegenüber der Anklagekammer, den Strafuntersuchungsbehörden und den
gegebenenfalls mit der Materie befassten Gerichten vom Amtsgeheimnis befreit wurde.
Am 25. Januar 2017 teilte Rechtsanwalt B._, welcher den Stadtrat vertritt, A._ mit,
dass sich die Befreiung vom Amtsgeheimnis lediglich auf das gegen ihn geführte
Strafverfahren bezogen habe. Eine weitergehende Befreiung vom Amtsgeheimnis
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enthalte der Protokollauszug vom 24. Juni 2013 nicht. Die Klage von A._ und weiterer
Abtretungsgläubiger der K._ AG gegen die Stadt Q._ stehe in keinem
Zusammenhang mit dem oben genannten Strafverfahren.
b. In der Folge stellte A._ am 27. Januar 2017 durch seinen Rechtsvertreter bei der
Regierung des Kantons St. Gallen ein Gesuch um Entbindung vom Amtsgeheimnis in
seiner ehemaligen Tätigkeit als Stadtrat der politischen Gemeinde Q._. Er beantragte,
dass er für den beim Bezirksgericht R._ anhängigen Forderungsprozess sowie
überhaupt für alle Verfahren, in denen er persönlich in Sachen K._ AG in
Konkursliquidation als Partei oder Zeuge beteiligt sei, vom Amtsgeheimnis zu befreien
sei. Mit Schreiben vom 30. Januar 2017 bestätigte die Staatskanzlei den Eingang des
Gesuchs und wies die Angelegenheit dem Departement des Innern zur Bearbeitung zu.
Dieses kam im Schreiben vom 2. Februar 2017 zum Schluss, dass weder die
Regierung noch das Departement zuständig für die Entbindung vom Amtsgeheimnis
seien und übermittelte das Gesuch dem Stadtrat der politischen Gemeinde Q._ zur
Bearbeitung.
c. Am 10. Februar 2017 reichte A._ durch seinen Rechtsvertreter bei der Regierung
des Kantons St. Gallen ein Wiedererwägungsgesuch betreffend die verfahrensleitende
Verfügung des Departements des Innern sowie eventualiter eine
Rechtsverweigerungsbeschwerde gegen den Rechtsdienst des Departements des
Innern ein. Er sei nach wie vor der Ansicht, dass die Regierung für die Entbindung vom
Amtsgeheimnis zuständig sei. Die Leiterin des Departements des Innern hielt in ihrem
Schreiben vom 20. Februar 2017 fest, dass die Übermittlung an den Stadtrat formlos
erfolgt sei und ihr daher kein Verfügungscharakter zukomme. Dementsprechend sei die
Übermittlung keiner Wiedererwägung zugänglich. Eventualiter habe A._ eine
Rechtsverweigerungsbeschwerde erhoben. Nachdem sich diese gegen das
Departement des Innern richte, könne dieses die Beschwerde nicht mehr zuhanden der
Regierung bearbeiten. Die Entscheidfindung würde demnach dem
Bildungsdepartement als ordentlichem Stellvertreter des Departements des Innern
obliegen.
d. Nach Einholung der Vernehmlassungen beim Stadtrat Q._ und dem Departement
des Innern entschied die Regierung in der Sitzung vom 24. Oktober 2017, dass die
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Rechtsverweigerungsbeschwerde abgewiesen werde, soweit darauf einzutreten sei.
Sie hielt im Ergebnis fest, es erscheine vertretbar, dass das Departement des Innern
die Angelegenheit formlos an den aus seiner Sicht zuständigen Stadtrat Q._ zur
Behandlung übermittelt habe. In der formlosen Übermittlung sei keine materielle
Rechtsverweigerung zu erblicken. Hinsichtlich des Einwandes der Befangenheit des
Stadtrats Q._ könne ein Gesuch um Einsetzung einer Ersatzverwaltung beim Amt für
Gemeinden gestellt werden.
B.
a. A._ (Beschwerdeführer) erhob am 7. November 2017 durch seinen Rechtsvertreter
Beschwerde gegen den Entscheid der Regierung (Vorinstanz) beim Verwaltungsgericht.
Er stellte den Antrag, dass die Beschwerde gutzuheissen sei und der vorinstanzliche
Entscheid aufzuheben sei sowie die Vorinstanz für die weitere Behandlung als
zuständig erklärt werde; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. In Bezug auf die
Parteientschädigung im vorinstanzlichen Rechtsverweigerungsverfahren sei die Sache
zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
b. Mit Verfügung vom 28. Dezember 2017 hiess der Präsident des Verwaltungsgerichts
das Gesuch um aufschiebende Wirkung gut. Dem Stadtrat der politischen Gemeinde
Q._ wurde damit die Behandlung des an ihn übermittelten Gesuchs um Entbindung
des Beschwerdeführers vom Amtsgeheimnis untersagt.
c. Sowohl die Vorinstanz wie auch das Departement des Innern schlossen in ihren
Vernehmlassungen auf Abweisung der Beschwerde und verzichteten auf ergänzende
Bemerkungen. Die politische Gemeinde Q._ (Beschwerdegegnerin) liess sich am 23.
Februar 2018 vernehmen und beantragte, dass auf die Beschwerde nicht einzutreten
sei, eventualiter sei sie abzuweisen.
d. Am 6. März 2018 nahm der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter zur
Beschwerdeantwort der Beschwerdegegnerin Stellung und hielt an seinen Anträgen
fest. Die Beschwerdegegnerin äusserte sich am 15. März 2018 dazu.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die

## Considerations

Akten wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
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Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 92 in
Verbindung mit Art. 59 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS
951.1, VRP). Die Rechtsprechung erfolgt in Fünferbesetzung, weil die Regierung als
Vorinstanz entschieden hat (Art. 18 Abs. 3 lit. b Ziff. 2 des Gerichtsgesetzes, sGS
941.1, GerG). Der Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert
(Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde gegen den Entscheid
der Vorinstanz vom 24. Oktober 2017 wurde mit Eingabe vom 7. November 2017
rechtzeitig erhoben und erfüllt formal und inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde
ist daher einzutreten.
2.
2.1. Nach Art. 11 Abs. 3 VRP werden Eingaben an eine unzuständige Stelle von dieser
der zuständigen Stelle übermittelt. Fehlt es an der Zuständigkeit, kann die angerufene
Instanz die Eingaben formlos oder mittels förmlichen Nichteintretensentscheids
weiterleiten. Ein förmlicher Entscheid ist zu erlassen, wenn einer der Beteiligten die
Zuständigkeit ausdrücklich behauptet oder bestreitet (Cavelti/Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 470, T. Flückiger,
in: Waldmann/Weisseberger [Hrsg.], Praxiskommentar zum
Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, Rz. 11 zu Art. 8 VwVG). Die Behauptung
kann ausdrücklich erfolgen oder sich implizit etwa aus einer (weiteren) Eingabe im
Rahmen des Schriftenwechsels ergeben (BGE 108 Ib 540 E. 2a, BGer 2C_372/2018
vom 25. Juli 2018 E. 4.1.3).
2.2. Der Beschwerdeführer bat mit Schreiben vom 19. Januar 2017 die
Beschwerdegegnerin um Bestätigung, dass er gestützt auf den Protokollauszug vom
24. Juni 2013 aus der Sitzung des Stadtrats Q._ vom 19. Juni 2013, gemäss welchem
er sowohl gegenüber seinen Rechtsvertretern als auch gegenüber der Anklagekammer,
den Strafuntersuchungsbehörden und den gegebenenfalls mit der Materie befassten
Gerichten vom Amtsgeheimnis befreit wurde, auch in allen anderen Verfahren und vor
allen Gerichten vom Amtsgeheimnis befreit sei. Mit Schreiben vom 25. Januar 2017
bis
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teilte der damalige Rechtsvertreter der Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer
mit, dass sich die Befreiung vom Amtsgeheimnis lediglich auf das Strafverfahren
bezogen habe. Eine weitergehende Befreiung vom Amtsgeheimnis enthalte der
Protokollauszug vom 24. Juni 2013 nicht. Nach dieser Antwort der
Beschwerdegegnerin gelangte der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 27. Januar
2017 an die Vorinstanz und bat diese um Entbindung vom Amtsgeheimnis bezüglich
seiner ehemaligen Tätigkeit als Stadtrat der Beschwerdegegnerin. Er stellte klar, dass
er die Vorinstanz als zuständige "vorgesetzte" Behörde betrachte und behauptete
damit explizit deren Zuständigkeit (Formelles, Ziff. 3). Wenn eine Partei wie im
vorliegenden Fall die Zuständigkeit einer Behörde ausdrücklich behauptet, scheidet
das Vorgehen der formlosen Übermittlung aus. In diesem Fall kommt bei Verneinung
der Zuständigkeit nur ein formeller Nichteintretensentscheid in Betracht. Folglich
erweist sich das Schreiben des Departements des Innern vom 2. Februar 2017, an
welches die Angelegenheit durch die Staatskanzlei zur Bearbeitung zugewiesen
worden war, mit der formlosen Übermittlung des Gesuches des Beschwerdeführers an
die Beschwerdegegnerin als rechtswidrig, zumal die Regierung und nicht das
instruierende Departement über das Gesuch des Beschwerdeführers hätte entscheiden
müssen.
3.
3.1. Nach Art. 29 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (SR 101, BV) hat jede Person in Verfahren vor Gerichts- und
Verwaltungsinstanzen Anspruch auf gleiche und gerechte Behandlung sowie auf
Beurteilung innert angemessener Frist. Dieser Artikel räumt den Anspruch auf
Behandlung formgerecht eingereichter Eingaben ein und verbietet die formelle
Rechtsverweigerung. Eine solche formelle Rechtsverweigerung liegt vor, wenn die
Behörde auf eine ihr unterbreitete Sache nicht eintritt, obschon sie darüber
entscheiden müsste (BGE 135 I 6 E. 2.1). Die Beurteilung einer formellen
Rechtsverweigerung richtet sich nach dem einschlägigen Verfahrensrecht, und es wird
dabei geprüft, ob das Verfahrensrecht unter dem Gesichtswinkel des Eintretens oder
Nichteintretens auf eine Eingabe korrekt gehandhabt wird (G. Steinmann in: B.
Ehrenzeller u.w. [Hrsg.], Die schweizerische Bundesverfassung, St. Galler Kommentar,
3. Aufl. 2014, N 20 zu Art. 29 BV).
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Im kantonalen Recht kann mit der Rechtsverweigerungsbeschwerde nach Art. 88 Abs.
2 VRP geltend gemacht werden, dass die Behörde sich weigere, eine vorgeschriebene
Amtshandlung vorzunehmen oder sie ungerechtfertigt verzögere (lit. a), die Amtsgewalt
missbrauche oder sich einer strafbaren Handlung oder Unterlassung schuldig gemacht
habe (lit. b) oder bei Ausübung der Befugnisse sonst willkürlich gehandelt habe (lit. c).
Es wird zwischen formeller und materieller Rechtsverweigerung unterschieden.
Voraussetzung für eine Rechtsverweigerungsbeschwerde aus formellen Gründen ist,
dass der Betroffene Anspruch auf Erlass einer Verfügung hat (Cavelti/Vögeli, a.a.O.,
Rz. 1208 ff.).
3.2. Wie unter E. 2.2 ausgeführt, hätte das Departement des Innern weder in eigenem
Namen über die Zuständigkeit über das Gesuch des Beschwerdeführers vom 27.
Januar 2017 entscheiden noch dieses formlos an die Beschwerdegegnerin übermitteln
dürfen. Dabei kann offenbleiben, ob das Übermittlungsschreiben des Departementes
vom 2. Februar 2017 nicht auch als Verfügung hätte qualifiziert werden können und
demzufolge einer Wiedererwägung zugänglich gewesen wäre (vgl. BGE 108 Ib 540 E.
2). Deshalb hätte die Vorinstanz die Rechtsverweigerungsbeschwerde schützen
müssen. Die Beschwerde ist in diesem Punkt und somit teilweise gutzuheissen, der
angefochtene Entscheid aufzuheben und die Sache zu neuem Entscheid über das
Gesuch des Beschwerdeführers, allenfalls zunächst über die Zuständigkeit, an die
Vorinstanz zurückzuweisen.
4. In der Sache bleibt zwar strittig, ob die Vorinstanz als "vorgesetzte" Behörde des
Stadtrats der Beschwerdegegnerin gilt und damit materiell über die Entbindung vom
Amtsgeheimnis des Beschwerdeführers zu entscheiden hat. Die Bestimmung der
zuständigen Behörde – gemäss Beschwerdeantrag Ziff. 1 zweiter Teil soll dies die
Vorinstanz sein – ist nach Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids vorerst Sache
der Vorinstanz selbst und nicht des Verwaltungsgerichts. In diesem Punkt ist die
Beschwerde deshalb abzuweisen.
Aus prozessökonomischen Gründen ist dazu immerhin im Rahmen eines obiter dictum
Folgendes festzuhalten, auch wenn dieses nicht in Rechtskraft erwachsen kann
(VerwGE B 2015/14 vom 20. Januar 2017 E. 1, www.gerichte.sg.ch):
http://www.gerichte.sg.ch
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4.1. Der Beschwerdeführer unterstand in seiner Stellung als Stadtrat und untersteht
auch nach seinem Ausscheiden der Schweigepflicht über amtliche Angelegenheiten,
die gemäss besonderer Vorschrift oder gemäss ihrer Natur geheim zu halten sind (vgl.
Art. 99 Abs. 1 und 2 GG). Wer ein Geheimnis offenbart, das ihm in seiner Eigenschaft
als Mitglied einer Behörde oder als Beamter anvertraut worden ist, oder das er in seiner
amtlichen oder dienstlichen Stellung wahrgenommen hat, wird mit Freiheitsstrafe bis zu
drei Jahren oder Geldstrafe bestraft. Die Verletzung des Amtsgeheimnisses ist auch
nach Beendigung des amtlichen oder dienstlichen Verhältnisses strafbar (Art. 320 Abs.
1 des Schweizerischen Strafgesetzbuches, SR 311.0, StGB). Keine Verletzung des
Amtsgeheimnisses liegt vor, wenn das Geheimnis mit schriftlicher Einwilligung der
vorgesetzten Behörde offenbart wird (Art. 320 Abs. 2 StGB). Wer die vorgesetzte
Behörde ist, ist nach dem Verwaltungsrecht zu entscheiden (Trechsel/Vest in: Trechsel/
Pieth [Hrsg.], Praxiskommentar zum Schweizerischen Strafgesetzbuch, 2. Aufl. 2013, N
12 zu Art. 320 StGB). Entsprechendes wird auch in Art. 37 des Einführungsgesetzes
zur schweizerischen Straf- und Jugendstrafprozessordnung (sGS 962.1, EG-StPO)
festgehalten: Behördenmitglieder sowie Mitarbeitende des Kantons und der
Gemeinden bedürfen für die Herausgabe amtlicher Akten und für die Erteilung von
Auskünften über Tatsachen, die dem Amtsgeheimnis unterstehen, der Zustimmung der
vorgesetzten Behörde, wenn sich die Untersuchung nicht gegen sie selbst richtet. In
der Botschaft und dem Entwurf der Regierung zum EG-StPO vom 20. Oktober 2009
wurde dazu Folgendes ausgeführt: Welche Instanz als „vorgesetzte Behörde“ zu
qualifizieren ist, bestimmt sich nach dem kantonalen Organisationsrecht. Bei den
Mitarbeitenden der Kantonsverwaltung ist dies gestützt auf Art. 69 des
Staatsverwaltungsgesetzes (sGS 140.1) das jeweils zuständige Departement. Bei
Amtsstellen der Gemeinden ist in der Regel der Rat die vorgesetzte Behörde (ABl 2009
S. 3133). Wer vorgesetzte und damit zuständige Behörde eines Mitglieds des
Stadtrates ist, ist weder diesem Gesetz noch der dazugehörigen Botschaft zu
entnehmen.
4.2. In der Verfassung des Kantons St. Gallen (sGS 111.1, KV) wird den Gemeinden
Autonomie zugesichert (Art. 89 KV). Die Gemeinde steht unter der Aufsicht des
Kantons. Die Aufsicht beschränkt sich im Bereich der Gemeindeautonomie auf die
Überprüfung der Rechtmässigkeit (Art. 100 Abs. 1 KV). Mit dem Gemeindegesetz
wurden die organisations- und haushaltrechtlichen Bestimmungen der Verfassung auf
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Gesetzesstufe umgesetzt. So wird in diesem Gesetz unter anderem die den
Gemeinden von der KV zugestandene Autonomie in Sachen der Behördenorganisation
geregelt. Nach Art. 155 Abs. 1 GG umfasst die Staatsaufsicht nach Massgabe der
Kantonsverfassung die öffentlich-rechtliche und die privatrechtliche Tätigkeit der
Gemeinde. Aufsichtsbehörden sind die Regierung, das zuständige Departement und
weitere Behörden nach Massgabe der Gesetzgebung (Art. 156 GG). Die Regierung übt
die Oberaufsicht aus (Art. 157 Abs. 1 GG). Die kantonale Aufsichtsbehörde ist damit
befugt, die Gemeindetätigkeiten auf deren Rechtmässigkeit zu überprüfen. Die
operativen Tätigkeiten unterstehen also einem Kontrollsystem auf kantonaler Stufe (vgl.
den dreistufigen Staatsaufbau des schweizerischen Bundesstaates, Häfelin/Haller/
Keller/Thurnherr, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 9. Aufl. 2016, Rz. 974 sowie
Aufsicht über die Gemeinden Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrechts,
7. Aufl. 2016, Rz. 1947 ff.). Bei Verletzung der gesetzlichen Ordnung trifft die
Aufsichtsbehörde Massnahmen nach Art. 159 Abs. 2 GG.
4.3. Die Gemeinde selbst kann sich wiederum durch die Gemeindeordnung
organisieren (Art. 3 und 19 des Gemeindegesetzes, sGS 151.2, GG), was die
Beschwerdegegnerin mit Erlass der Gemeindeordnung vom 28. Februar 2016 (sRS
111.1) tat. Das Stadtparlament der Beschwerdegegnerin beaufsichtigt gemäss Art. 27
Abs. 1 dieser Gemeindeordnung den Stadtrat und die Verwaltung. Die Aufgaben des
Stadtrates werden in Art. 36 Abs. 3 der Gemeindeordnung umschrieben; unter
anderem ist er auch für alle weiteren Aufgaben der Stadt, die nicht einem anderen
Organ zugewiesen werden, zuständig (Art. 36 Abs. 3 lit. k der Gemeindeordnung der
Stadt Q._). In Anwendung von Art. 101 GG erliess der Stadtrat von Q._ ein
Geschäftsreglement (sRS 161.1). Keine der genannten Gesetzesbestimmungen
vermögen eine abschliessende Antwort auf die vorliegend interessierende Frage
hinsichtlich der zuständigen Behörde für die Entbindung eines Mitglieds des Stadtrats
vom Amtsgeheimnis zu geben.
5. Demnach besteht eine planwidrige Unvollständigkeit der vorliegenden
Gesetzesbestimmungen. Eine Lücke im Gesetz liegt vor, wenn sich eine Regelung als
unvollständig erweist, weil sie jede Antwort auf eine sich stellende Rechtsfrage
schuldig bleibt oder eine Antwort gibt, die aber als sachlich unhaltbar angesehen
werden muss (zum Begriff der Gesetzeslücke bzw. der planwidrigen Unvollständigkeit
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des Gesetzes vgl. BGE 128 I 34 E. 3b, BGE 121 III 219 E. 1d/aa; Häfelin/Müller/
Uhlmann, a.a.O., Rz. 201 ff.). Beim Ausfüllen einer Gesetzeslücke hat ein Gericht
allgemeine Rechtsgrundsätze zu befolgen. Grundsätzlich hat es diejenigen Regeln zu
bilden, die es als Gesetzgeber aufstellen würde. Eine Lückenfüllung kann auch durch
Analogieschluss in Anlehnung an bestehende gesetzliche Regelungen erfolgen
(Wiederkehr/Richli, Praxis des allgemeinen Verwaltungsrechts, Band I, Bern 2014, Rz.
1237 ff.).
5.1. Im Geschäftsreglement des Stadtrats Q._ ist in Art. 42 Abs. 3 geregelt, dass bei
der Bearbeitung von Gesuchen im Bereich des Gesetzes über das
Öffentlichkeitsprinzip der Verwaltung (sGS 140.2, Öffentlichkeitsgesetzes, OeffG)
jeweils das in der Sache zuständige Mitglied des Stadtrats Verfügungen erlässt. Sofern
der Stadtrat direkt betroffen ist, so ist die Stadtpräsidentin bzw. der Stadtpräsident
zuständig. Im Öffentlichkeitsgesetz werden die Information der Öffentlichkeit durch die
öffentlichen Organe und der Zugang zu amtlichen Dokumenten geregelt (Art. 1 Abs. 1
OeffG). Analog dem Amtsgeheimnis ist der Zugang zu geheimen Information über das
Öffentlichkeitsgesetz (Art. 2, 3, 6 und 7 OeffG) nicht gestattet. Umgekehrt fällt die
gesamte Kategorie der Dokumente, die nach OeffG zugänglich und nicht in den
Ausnahmebestimmungen (Art. 2, 3, 6 und 7 OeffG) geregelt sind, nicht unter das
Amtsgeheimnis (B. Cottier, in: Brunner/Mader [Hrsg.], Handkommentar zum
Öffentlichkeitsgesetz, Bern 2008, N 12 zu Art. 4, BGer 1C_129/2016 vom 14. Februar
2017 E. 2.3.1). Unter Berücksichtigung der gesetzlichen Bestimmungen hat der
Stadtrat nach Art. 42 Abs. 3 der Gemeindeordnung zu prüfen, ob im konkreten
Einzelfall der Zugang zu den amtlichen Dokumenten zu gewähren ist. Im Falle der
Entbindung vom Amtsgeheimnis ist ebenfalls abzuwägen, ob die betroffene Person
Informationen über Dienst- und Privatgeheimnisse preisgeben darf. Der im OeffG
geregelte Zugang zu amtlichen Dokumenten und die Entbindung vom Amtsgeheimnis
weisen eine rechtlich dogmatische Nähe auf. In diesem Sinne ist die für das OeffG
bestehende Regelung der Zuständigkeit zur Beantwortung der vorliegend im Streit
liegenden Frage der „vorgesetzten Behörde“ mitzuberücksichtigen. Im vorliegenden
Fall verlangt der Beschwerdeführer als ehemaliger Stadtrat der Beschwerdegegnerin
die Entbindung vom Amtsgeheimnis. Nach Art. 42 Abs. 3 des Geschäftsreglements der
Beschwerdegegnerin ist geregelt, dass sofern der Stadtrat direkt betroffen ist, die
Stadtpräsidentin bzw. der Stadtpräsident zuständig ist. Mit Beschluss vom 19. Juni
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2018&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F128-I-34%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page34 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2018&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F121-III-219%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page219
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2013 befreite der Stadtrat der Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer im Rahmen
des gegen ihn laufenden Strafverfahrens bereits vom Amtsgeheimnis. Die
Beschwerdegegnerin bestreitet auch nach wie vor nicht ihre Zuständigkeit
(Beschwerdeantwort vom 23. Februar 2018, act. 11).
5.2. Ein Vergleich mit anderen Gemeinden zeigt, dass - sofern sich in den
Gemeindeordnungen bzw. Geschäftsreglementen explizite Regelungen betreffend die
Befreiung vom Amtsgeheimnis finden - in der Regel die Exekutive als zuständige und
damit „vorgesetzte“ Behörde für die Entbindung vom Amtsgeheimnis bei einem
Mitglied des Rats erklärt wird (beispielhafte Aufzählung: Art. 16 Abs. 1 lit. c des
Geschäftsreglements des Stadtrates der Stadt St. Gallen, sRS 173.1, Art. 71b Abs. 2
der Gemeindeordnung der Stadt Bern, SSSB Nr. 101.1, Art. 63 des
Geschäftsreglements des Grossen Stadtrates der Stadt Luzern, sRS 0.3.1.1.1 und
Art. 16 der Geschäftsordnung für den Stadtrat der Stadt Chur, sGS 122).
5.3. Unter Berücksichtigung des Angeführten ist davon auszugehen, dass in Anlehnung
an das Geschäftsreglement des Stadtrats hinsichtlich der Zuständigkeit bei Gesuchen
betreffend das Öffentlichkeitsgesetz und an die bestehenden Regelungen anderer
Gemeinden für ein (ehemaliges) Mitglied des Stadtrates der Beschwerdegegnerin der
Stadtrat der Beschwerdegegnerin als „vorgesetzte Behörde“ nach Art. 320 Abs. 2
StGB und Art. 37 EG-StPO gilt und dieser damit zuständig für die in Frage stehende
Entbindung vom Amtsgeheimnis ist. Dies entsprach offensichtlich auch der
gemeinsamen Sichtweise des Beschwerdeführers und der Beschwerdegegnerin im
Juni 2013, als der Stadtrat Q._ den Beschwerdeführer auf dessen Gesuch hin vom
Amtsgeheimnis im gegen diesen gerichteten Strafverfahren befreite (act. 8/3a/1-4).
6. Über den Einwand des Beschwerdeführers, der Stadtrat der Beschwerdegegnerin
sei befangen, ist zwar ebenfalls nicht im vorliegenden Verfahren zu entscheiden.
Entgegen der Meinung der Vorinstanz ist allerdings nach dem Wortlaut von Art. 159
Abs. 2 lit. f Ziff. 1 GG kein Gesuch um Einsetzung einer Ersatzverwaltung notwendig,
sondern eine solche kann – und soll bei gegebenen Voraussetzungen – auch von
Amtes wegen erfolgen. Im vorliegenden Fall dürfte eine Befangenheit der Mitglieder
des Stadtrates der Beschwerdegegnerin und damit eine Ausstandspflicht im Sinne von
Art. 7 VRP vorliegen, verlangt doch der Beschwerdeführer die Befreiung vom
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Amtsgeheimnis für ein Zivilverfahren über wechselseitige Forderungen in der
Grössenordnung von rund zehn Millionen Franken.
7.
7.1. Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die Kosten zu tragen,
dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen werden. Dem Verfahrensausgang
entsprechend – Obsiegen des Beschwerdeführers in der Hauptsache und
Rückweisung an die Vorinstanz – sind die Kosten des Beschwerdeverfahrens dem
Staat aufzuerlegen. Eine Entscheidgebühr von CHF 2'000 ist angemessen. Auf die
Erhebung der Kosten ist zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP). Der im
Beschwerdeverfahren geleistete Kostenvorschuss von CHF 2'000 ist dem
Beschwerdeführer zurückzuerstatten.
7.2. Der Beschwerdeführer hat im Beschwerdeverfahren Anspruch auf eine
ausseramtliche Entschädigung zulasten des Staates (Vorinstanz, vgl. Art. 98 Abs. 1 und
2 VRP sowie Art. 98 VRP). Der Rechtsvertreter hat keine Kostennote eingereicht,
weshalb die Entschädigung nach Ermessen festzusetzen ist (vgl. Art. 30 lit. b Ziff. 1 und
Art. 31 Abs. 1 und 2 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70, AnwG, sowie Art. 6, 19 und 22
Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75,
HonO). Eine Entschädigung von insgesamt CHF 3‘000 ist angemessen. Hinzu kommen
4% pauschale Barauslagen (Art. 28 Abs. 1 HonO) sowie die Mehrwertsteuer (Art. 29
HonO). Die vom Rechtsvertreter des Beschwerdeführers erbrachten anwaltlichen
Leistungen unterliegen sowohl den bisherigen als auch den neu ab 1. Januar 2018
geltenden Mehrwertsteuersätzen. Da die Leistungen mehrheitlich vor dem
1. Januar 2018 erbracht wurden, ist ein Anteil der ausseramtlichen Entschädigung von
CHF 2‘000 zuzüglich Barauslagen mit dem bisherigen Mehrwertsteuersatz von 8 %
und ein solcher von CHF 1‘000 zuzüglich Barauslagen mit dem neuen Steuersatz von
7.7 % abzurechnen (vgl. Ziff. 2.1 der MWST-Info 19 zur Steuersatzänderung per
1. Januar 2018, www.estv.admin.ch).
Über die Kostenfolge und die vom Beschwerdeführer beantragte Parteientschädigung
im vorinstanzlichen Verfahren hat die Vorinstanz zu entscheiden. Sie hat die Kosten
entsprechend einem vollständigen Obsiegen des Beschwerdeführers zu verlegen.
bis
bis
http://www.estv.admin.ch/
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