# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 83f674ac-64e5-5e04-a4aa-0302613d747a
**Court:** AR_OG
**Chamber:** AR_OG_004
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** AR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt
A. A.1
A_ wandte sich unter dem Titel „Bewilligung von besonderen Aufwendungen“ mit
Schreiben vom 28. Juli 2014 an die Gemeinde B_ und ersuchte um Gutheissung des
folgenden Antrags: „Zusätzliche Aufwendungen für Gerichtsvorschüsse der
Gerichtsverfahren Verf. Nr. O1S 14 5, O1S 14 6, O1S 14 7 und O1S 14 8 im Betrag von je
Fr. 500.--, Total Fr. 2‘000.--, seien zu übernehmen und auf mein der Gemeinde B_
bekanntes Konto bei der UBS AG zu überweisen.“1
A.2
Mit Schreiben vom 21. Oktober 2014 wandte sich A_ erneut an die Gemeinde B_ und
beantragte: „Zusätzliche Aufwendungen für den Gerichtsvorschuss des Gerichtsverfahrens
Verf. Nr. O1S 14 12 im Betrag von Fr. 500.-- sei zu übernehmen und auf mein der
Gemeinde B_ bekanntes Konto bei der UBS AG zu überweisen.“2
A.3
Am 4. April 2016 reichte A_ beim Departement Gesundheit und Soziales (nachfolgend:
DGS) eine Rechtsverweigerungsbeschwerde ein mit dem Antrag, die Gemeindebehörden
von B_ seien anzuhalten, umgehend zu verfügen.3
1 Act. 7.1 2 Act. 7.1 3 Act. 7.1
Seite 3
A.4
Mit Entscheid vom 17. August 2016 hiess das DGS die Rechtsverweigerungsbeschwerde
von A_ vom 4. April 2016 betreffend Verweigerung einer Amtshandlung gut und
verpflichtete die Gemeinde B_, bis zum 30. September 2016 über die gestellten Anträge
zu entscheiden.4
B. B.1
Am 6. Oktober 2016 teilte A_ dem DGS mit, dass sich die Gemeinde B_ bis heute
weigere, dem Entscheid vom 17. August 2016 nachzukommen und über die Anträge vom
28. Juli 2014 und vom 21. Oktober 2014 zu entscheiden. Er bitte darum, die
entsprechenden Massnahmen zu treffen.5
B.2
Das DGS gewährte mit Schreiben vom 25. Oktober 2016 der Gemeinde B_ eine letzte,
nicht mehr erstreckbare Frist bis 12. November 2016, um über die gestellten Anträge zu
entscheiden.6
B.3
Mit Schreiben vom 1. November 2016 ersuchte die Gemeinde B_ A_ in den Verfahren
O1S 14 5, O1S 14 6, O1S 14 7 und O1S 14 8 um Zustellung von Unterlagen bis
7. November 2016.7
C. Am 4. November 2016 reichte A_ beim DGS erneut eine Rechtsverweigerungs-
beschwerde ein. Er beantragte, dass über seine Anträge vom 28. Juli 2014 und vom
21. Oktober 2014 in Sachen Gerichtsvorschüsse der Entscheid durch das Departement zu
fällen und dass die Gemeinde B_ zur Bezahlung einer angemessenen Entschädigung an
ihn zu verpflichten sei.8
D. D.1
Mit Schreiben vom 9. November 2016 ersuchte die Gemeinde B_ beim DGS um eine
Fristverlängerung der bis zum 12. November 2016 angesetzten Frist, da A_ die mit
Schreiben vom 1. November 2016 einverlangten Unterlagen nicht eingereicht habe.9
4 Act. 7.7 und act. 16.11 5 Act. 7.8 und act. 16.11 6 Act. 7.9 und act. 16.11 7 Act. 7.14 8 Act. 16.11 9 Act. 7.11
Seite 4
D.2
Das DGS mahnte mit Schreiben vom 23. November 2016 die Gemeinde B_ um eine
beförderliche Erledigung der Angelegenheit.10 Mit einer Kopie dieses Schreibens wurde
auch A_ bedient.11
D.3
Mit Schreiben vom 11. April 2017 wandte sich das DGS an A_ und mahnte die
Einsendung der von der Gemeinde B_ einverlangten Unterlagen an.12
D.4
An der Sitzung vom 7. Juni 2017 beschloss der Gemeinderat B_, dass der Antrag von
A_ auf Kostenübernahme der Sicherheitsleistungen in den zurzeit sistierten Verfahren
O1S 14 5, O1S 14 6, O1S 14 17 [richtig: O1S 14 7] und O1S 14 8 vor dem Obergericht
Appenzell Ausserrhoden abgewiesen wird. Versandt wurde die Verfügung am 23. Juni
2017.13
E. Mit Eingabe vom 13. Juni 2017 erhob A_ Rechtsverweigerungsbeschwerde mit dem
eingangs wiedergegebenen Antrag beim Obergericht Appenzell Ausserrhoden. Er stellte
sich auf den Standpunkt, dass vorliegend das Beschleunigungsgebot verletzt sei. Die
Behandlung seiner Anträge vom 28. Juli 2014 und vom 21. Oktober 2014 in Sachen
Gerichtsvorschüsse sei längst überfällig. Das DGS sei zu veranlassen, dem
Beschleunigungsgebot Folge zu leisten und die Beschwerde vom 4. November 2016 zu
entscheiden.14
F. Das DGS beantragte in der Vernehmlassung vom 5. Juli 2017, die Beschwerde von A_
als erledigt abzuschreiben. Durch die Verfügung der Gemeinde B_ vom 7. Juni 2017 sei
die vorliegende Rechtsverweigerungsbeschwerde gegenstandslos geworden.15 Die
beigeladene Gemeinde B_ verzichtete auf eine Stellungnahme.
G. Mit Eingabe vom 14. Juli 2017 liess A_, vertreten durch seine Tochter C_, gegen die
Verfügung der Gemeinde B_ vom 7. Juni 2017 Rekurs erheben.16
10 Act. 7.12 11 Act. 7.13 12 Act. 7.14 13 Act. 7.15 14 Act. 1 15 Act. 6 16 Act. 10
Seite 5
H. Die Replik von A_ ging am 10. Oktober 2017 beim Obergericht ein.17 Mit Schreiben vom
17. Oktober 2017 verzichtete das DGS auf eine Duplik und reichte die korrigierten Akten
ein.18 Hierzu nahm A_ mit Eingabe vom 1. Dezember 2017 Stellung.19
I. Auf weitere Einzelheiten im Sachverhalt und in den Akten sowie auf die Vorbringen der
Parteien in den Rechtsschriften wird, soweit für die Beurteilung entscheidrelevant, im
Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Erwägungen
1. 1.1
Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der Prozessvoraussetzungen ergibt, dass
das Obergericht für die Behandlung der Rechtsverweigerungsbeschwerde zuständig ist
(Art. 42 Abs. 3 VRPG20). Die Rechtsverweigerungsbeschwerde ist grundsätzlich an keine
Fristen gebunden (Art. 42 Abs. 2 VRPG) und die Prüfung der weiteren Voraussetzungen
ergibt, dass diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der
Form- und Fristerfordernisse erfüllt sind (Art. 54, Art. 56 und Art. 59 VRPG). Insoweit ist auf
die Beschwerde einzutreten.
1.2
In der Verfügung vom 7. Juni 2017 beschloss der Gemeinderat B_, den Antrag von A_
auf Kostenübernahme der Sicherheitsleistungen in den Verfahren O1S 14 5, O1S 14 6,
O1S 14 17 [richtig: O1S 14 7] und O1S 14 8 vor dem Obergericht abzuweisen.21 Versandt
wurde die Verfügung am 23. Juni 2017 und damit nach Einreichung der vorliegenden
Rechtsverweigerungsbeschwerde vom 13. Juni 2017.22 Somit hat der Gemeinderat B_ in
Bezug auf die oben genannten Verfahren während der Rechtshängigkeit der
Rechtsverweigerungsbeschwerde Sachverfügungen erlassen. Die vorliegende Beschwerde
wird daher in Bezug auf diese Verfahren gegenstandslos und ist abzuschreiben.23
17 Act. 9 18 Act. 15 und act. 16 19 Act. 18 20 Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege vom 9. September 2002 (VRPG, bGS 143.1) 21 Act. 7.15 22 Act. 7.15 und act. 1 23 MARKUS MÜLLER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das
Verwaltungsverfahren, 2008, N. 12 zu Art. 46a VwVG; BOSSHART/BERTSCHI, in: Alain Griffel [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 3. Aufl. 2014, N. 52 zu § 19 VRG; vgl. Urteil des Obergerichts Appenzell Ausserrhoden O4V 16 24 vom 31. August 2017 E. 1.4
Seite 6
Unerheblich ist, ob gegen die Verfügung der Gemeinde B_ vom 7. Juni 2017 Rekurs
erhoben wurde. Kernthema des vorliegenden Beschwerdeverfahrens ist die Untätigkeit des
Departementes und nicht die Rechtskraft einer Verfügung der Gemeinde, zumal die
Gemeinde keinen Einfluss auf den Verlauf des diesbezüglichen Rechtsmittelverfahrens hat
und auch keine zweite Verfügung in der gleichen Sache erlassen kann.
2. Von der Gemeinde B_ nicht behandelt wurde der Antrag des Beschwerdeführers vom
21. Oktober 2014 in Bezug auf das Verfahren O1S 14 12. In diesem Punkt wurde die
vorliegende Rechtsverweigerungsbeschwerde nicht gegenstandslos und ist demnach zu
entscheiden.
2.1
Nach Art. 3 Abs. 1 VRPG behandeln die Verwaltungsbehörden ein bei ihnen eingeleitetes
Verfahren beförderlich und sorgen ohne Verzug für dessen Erledigung. Mit einer
Rechtsverweigerungsbeschwerde kann die Verweigerung oder ungebührliche Verzögerung
einer Amtshandlung gerügt werden, sofern kein ordentliches Rechtsmittel gegeben ist
(Art. 42 Abs. 1 VRPG). Ein Teil der Lehre geht allerdings davon aus, dass vor der
Beschwerde eine Mahnung an die säumige Behörde zu richten ist. Zwar erscheint eine
solche Mahnung oder zumindest eine Erkundigung nach dem Stand des Verfahrens als in
der Regel zweckmässig und zumutbar, als Eintretensvoraussetzung für eine
Rechtsverweigerungsbeschwerde sollte sie aber nicht aufgefasst werden.24 Demgegenüber
tendiert die Rechtsprechung dazu, vor einer Rechtsverweigerungsbeschwerde eine
Mahnung als nötig zu erachten.25
2.2
Der Beschwerdeführer bringt vor, seit Erhebung der (erneuten) Rechtsverweigerungs-
beschwerde am 4. November 2016 sei in der Angelegenheit nichts gelaufen. Dem ist nicht
so, ermahnte der Beschwerdegegner doch die Gemeinde B_ mit Schreiben vom
23. November 2016, die Angelegenheit nach Erhalt der notwendigen Unterlagen
beförderlich zu erledigen.26 Und am 11. April 2017 wies er den Beschwerdeführer darauf
hin, dass ohne die angeforderten Unterlagen ein Entscheid seitens der Gemeinde nicht
möglich sei.27 Insofern hatte es der Beschwerdeführer in der Hand, die Angelegenheit einen
Schritt voran zu bringen. Unabhängig davon ist aber festzustellen, dass der
Beschwerdeführer gegenüber dem Beschwerdegegner vor Erhebung der
24 BOSSHART/BERTSCHI, a.a.O., N. 48 zu § 19 VRG 25 BGE 125 V 373 E. 2b/cc; Urteil des Bundesgerichts 9C_84/2015 vom 17. März 2015 E. 3.2.3; Urteil
des Bundesgerichts 9C_190/2007 vom 24. September 2007 E. 4.2; vgl. Urteil des Obergerichts Appenzell Ausserrhoden O4V 16 30 vom 6. Juli 2017 E. 3.1
26 Act. 7.12 27 Act. 7.14
Seite 7
Rechtsverweigerungsbeschwerde keine Mahnung ausgesprochen hat. Daher ist unter
Berücksichtigung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung die vorliegende Beschwerde in
Bezug auf das Verfahren O1S 14 12 abzuweisen.
3. 3.1
Vorliegend geht es im Kern um die Vergütung von Kosten im Rahmen der Sozialhilfe. Nach
Art. 53 Abs. 1 i.V.m. Art. 22 Abs. 2 lit. b VRPG wird im Bereich der öffentlichen Fürsorge in
der Regel auf die Erhebung von Verfahrenskosten verzichtet. Demnach werden keine
Kosten erhoben.
3.2
Der Beschwerdeführer unterliegt in Bezug auf den Antrag im Verfahren O1S 14 12,
weshalb ihm in diesem Punkt keine Entschädigung zusteht. Zwar kann bei Verlegung der
Verfahrenskosten bei Gegenstandslosigkeit der mutmassliche Prozessausgang
berücksichtigt werden.28 Im vorliegenden Fall hätte die Beschwerde jedoch in jenen
Verfahren, welche zufolge Gegenstandslosigkeit abgeschrieben werden, mangels
vorgängiger Mahnung durch den Beschwerdeführer ebenfalls abgewiesen werden müssen.
Daher besteht insgesamt kein Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Entschädigung.
Den Behörden ist keine Parteientschädigung auszurichten (Art. 59 i.V.m. Art. 24 Abs. 3 lit. a
VRPG). Demnach werden keine Entschädigungen zugesprochen.
28 REBECCA HIRT, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, 2004,
S. 101
Seite 8