# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b8e51354-6378-5b54-b06d-0f5436b9c1f0
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ X.Y. (geb. 6. Februar 1972) stammt aus Nigeria. Im Jahr 2000 reiste er illegal in die
Schweiz ein. Auf sein Asylgesuch, welches er als N.K. (geb. 6. Februar 1976, von Sierra
Leone) stellte, trat das Bundesamt für Flüchtlinge (heute Bundesamt für Migration) am
17. Juli 2000 nicht ein. Die Asylrekurskommission (heute Bundesverwaltungsgericht)
wies den gegen den Nichteintretensentscheid erhobenen Rekurs am 25. Juni 2003 ab.
Bereits seit 30. Juni 2002 war der Aufenthaltsort von X.Y. nicht mehr bekannt.
B./ X.Y. heiratete am 3. Juli 2002 in Lagos die irisch-schweizerische Doppelbürgerin
U.T. (geb. 10. September 1955 in Dublin). Im Rahmen des Familiennachzugs reiste er
am 4. September 2002 in die Schweiz ein und erhielt eine Aufenthaltsbewilligung. Seit
3. September 2007 verfügt er über die Niederlassungsbewilligung, bei der trotz des
Hinweises auf seinen am 21. April 2006 ausgestellten irischen Pass der Zusatz "EG/
EFTA" fehlt. Nach verschiedenen befristeten Erwerbstätigkeiten ist er seit 18. Juni 2007
als Produktionsmitarbeiter bei der C. AG, fest angestellt. Die Ehe mit U.T. wurde am
10. Juli 2009 geschieden. Am 2. Dezember 2009 wurde X.Y. vom Kreisgericht Rheintal
wegen qualifizierter Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einer
Freiheitsstrafe von 14 Monaten, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von zwei
Jahren, verurteilt. Die dagegen erhobenen Rechtsmittel wurden vom Kantonsgericht
am 17. August 2010 (ST.2010.12-SK3) und vom Bundesgericht am 22. Dezember 2010
(6B_892/2010) abgewiesen.
X.Y. heiratete am 15. Januar 2010 in Nigeria seine Landsfrau O.P. (geb. 26. Juni 1983).
Ihr Gesuch vom 6. Dezember 2010 um Familiennachzug wird angesichts des laufenden
Verfahrens zur Überprüfung des Anwesenheitsrechts von X.Y. in der Schweiz, auf das
sie sich beruft, beim Migrationsamt pendent gehalten.
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C./ Das Migrationsamt widerrief am 19. Mai 2011 die Niederlassungsbewilligung von
X.Y. Den dagegen am 3. Juni 2011 erhobenen Rekurs wies das Sicherheits- und
Justizdepartement des Kantons St. Gallen (nachfolgend Vorinstanz) am 11. Juni 2012
ab.
D./ Gegen den Entscheid vom 11. Juni 2012 erhob X.Y. (nachfolgend
Beschwerdeführer) durch seinen Rechtsvertreter mit Eingabe vom 21. Juni 2012 und
Ergänzung vom 10. August 2012 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem
Rechtsbegehren, unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei der angefochtene
Entscheid aufzuheben und vom Widerruf der Niederlassungsbewilligung abzusehen.
Unter Verzicht auf eine Vernehmlassung beantragte die Vorinstanz am 14. August 2012
die Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolge. Auf die Ausführungen des
Beschwerdeführers zur Begründung seines Begehrens wird, soweit erforderlich, in den
Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
2. Die Beschwerde richtet sich gegen den Widerruf der Niederlassungsbewilligung,
welche dem Beschwerdeführer am 3. September 2007 erteilt wurde.
2.1. Der Beschwerdeführer stammt aus Nigeria, ist aber zumindest seit der Ausstellung
des irischen Passes am 21. April 2006 auch Staatsbürger von Irland, welches Mitglied
der Europäischen Gemeinschaft (nachfolgend EG) ist. Für Staatsangehörige der
Mitgliedstaaten der EG gilt das Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer
(Ausländergesetz; SR 142.20, abgekürzt AuG) nur so weit, als das Abkommen vom
21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der EG
und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (Freizügigkeitsabkommen;
SR 0.142.112.681, abgekürzt FZA) keine abweichenden Bestimmungen enthält oder
das Gesetz günstigere Bestimmungen vorsieht (vgl. Art. 2 Abs. 2 AuG).
Nach Art. 2 Abs. 1 Anhang I FZA hat der unselbständig erwerbstätige
Beschwerdeführer grundsätzlich das Recht, sich in der Schweiz aufzuhalten. Dieses
Recht darf gestützt auf Art. 5 Abs. 1 FZA nur durch Massnahmen, die aus Gründen der
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öffentlichen Ordnung, Sicherheit und Gesundheit gerechtfertigt sind, eingeschränkt
werden. Weitere Präzisierungen finden sich vor allem in der Richtlinie 64/221 EWG des
Rates der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft vom 25. Februar 1964 zur
Koordinierung der Sondervorschriften für die Einreise und den Aufenthalt von
Ausländern, soweit sie aus Gründen der öffentlichen Ordnung, Sicherheit oder
Gesundheit gerechtfertigt sind (kurz RL 64/221/EWG, publ. in: ABl. Nr. 56 S. 850), auf
welche in Art. 5 Abs. 2 Anhang I FZA Bezug genommen wird (vgl. BGer 2C_221/2012
vom 19. Juni 2012).
Art. 5 Anhang I FZA kann nicht zu Massnahmen gegen in der Schweiz befindliche
Personen ermächtigen, die über diejenigen hinausgehen, welche im schweizerischen
Recht vorgesehen sind. Eine andere Auffassung widerspräche unter anderem dem in
Art. 2 FZA normierten Diskriminierungsverbot sowie der in Art. 2 Abs. 2 AuG
enthaltenen Meistbegünstigungsklausel. Daher ist zunächst zu untersuchen, ob es
ausserhalb des Freizügigkeitsabkommens eine Rechtsgrundlage gibt, auf welche die
Verweigerung eines weiteren Verbleibs des Beschwerdeführers in der Schweiz gestützt
werden kann (vgl. dazu nachfolgend E. 2.2). Erst bei Bejahung dieser Frage ist in einem
nächsten Schritt zu prüfen, inwiefern das Freizügigkeitsabkommen den Behörden
zusätzliche Schranken auferlegt (vgl. dazu nachfolgend E. 2.3; zum Prüfungsprogramm
vgl. BGE 130 II 176 E. 3.2).
2.2. Bei der Anwendung des Landesrechts ist zu prüfen, ob ein Widerrufsgrund erfüllt
(vgl. dazu nachfolgend E. 2.2.1.) und die Massnahme verhältnismässig ist (vgl. dazu
nachfolgend E. 2.2.2.).
2.2.1. Nach Art. 63 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art. 62 Ingress und lit. b AuG kann die
Niederlassungsbewilligung eines Ausländers widerrufen werden, wenn er zu einer
längerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung ist diese Voraussetzung erfüllt, wenn gegenüber dem Ausländer eine
Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr ausgesprochen wurde (BGE 135 II 377 E. 4.1).
Ob die Strafe bedingt, teilbedingt oder unbedingt ausgesprochen wurde, spielt keine
Rolle (vgl. BGer 2C_453/2011 vom 28. November 2011 E. 2.2.1 mit Hinweis). Mit der
rechtskräftigen Verurteilung des Beschwerdeführers zu einer Freiheitsstrafe von 14
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Monaten, bedingt erlassen bei einer Probezeit von zwei Jahren, ist der Widerrufsgrund
gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art. 62 Ingress und lit. b AuG erfüllt.
2.2.2. Sowohl Art. 63 Abs. 1 als auch Art. 62 Ingress und lit. b AuG sind als
"Kann-"Bestimmung formuliert und räumen der zuständigen Behörde einen gewissen
Ermessensspielraum ein. Gemäss Art. 96 Abs. 1 AuG berücksichtigt die zuständige
Behörde bei der Ermessensausübung die öffentlichen Interessen und die persönlichen
Verhältnisse sowie den Grad der Integration der Ausländerinnen und Ausländer. Dabei
sind namentlich die Schwere des Verschuldens bei Straftaten, die Dauer der bisherigen
Anwesenheit sowie die dem Betroffenen und seiner Familie drohenden Nachteile zu
berücksichtigen (vgl. BGE 135 II 377 E. 4.3 mit Hinweisen).
An die Schwere des Verschuldens sind umso strengere Anforderungen zu stellen, je
länger der Betroffene in der Schweiz gelebt hat. Selbst wenn er sein ganzes bisheriges
Leben in der Schweiz verbracht hat (Ausländer der "zweiten Generation"), ist bei
Gewalt-, Sexual- und Betäubungsmitteldelikten bzw. wiederholter Straffälligkeit ein
Widerruf des Anwesenheitsrechts nicht ausgeschlossen (vgl. BGE 122 II 433 E. 2c; 130
II 176 E. 4.4.2). Neben dem strafrechtlichen Verschulden sind insbesondere die Art und
Schwere der Straftat(en), die durch die Straftat verletzten Rechtsgüter, die Art und
Umstände der Tatbegehung (einfache oder mehrfache Delinquenz) sowie das Verhalten
nach der Tat zu berücksichtigen. Dem strafrechtlichen Resozialisierungsgedanken ist
zwar im Rahmen der umfassenden Interessenabwägung Rechnung zu tragen. Die
Prognose über das Wohlverhalten ist jedoch nicht ausschlaggebend, weil aus der Sicht
der Ausländerbehörden das Interesse der öffentlichen Ordnung und Sicherheit im
Vordergrund steht. Aus ausländerrechtlicher Sicht ist das Risiko eines Rückfalls umso
weniger hinzunehmen, je schwerer die Tat wiegt, welche die ausländische Person
verübt hat. Im Zusammenhang mit Gewaltdelikten muss selbst ein geringes Restrisiko
nicht in Kauf genommen werden (vgl. S. Hunziker, in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.],
Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, Stämpflis Handkommentar,
Bern 2010, N 12 zu Art. 63 AuG mit Hinweisen auf die bundesgerichtliche
Rechtsprechung).
Das Verschulden des Beschwerdeführers an den in den Jahren 2008 und 2009
begangenen Straftaten wiegt in ausländerrechtlicher Hinsicht schwer. Er wurde wegen
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Drogenhandels – er hatte im Zeitraum etwa eines Jahres rund 100 Gramm
Kokaingemisch, d.h. mehr als 18 Gramm reines Kokain weiterverkauft – zu einer
bedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten verurteilt. Der Beschwerdeführer hat sich
damit einer schweren Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig
gemacht. Beim Betäubungsmittelhandel hängt das Verschulden wesentlich davon ab,
in welcher Funktion der Täter mitgewirkt hat (vgl. Urteil des Kantonsgerichts St. Gallen
ST.2010.12-SK3 vom 17. August 2010 E. 2b). Da der Beschwerdeführer unter anderem
einen Bezug von rund 50 Gramm Kokaingemisch bei seinem Lieferanten tätigte,
durften ihn die Strafbehörden willkürfrei als Zwischenhändler und nicht als Lieferanten
an Endverbraucher behandeln (vgl. BGer 6B_892/2010 vom 22. Dezember 2010 E. 1.4).
Der Beschwerdeführer delinquierte – auch wenn er insgesamt eine relativ geringe
Menge an Kokain umsetzte – als Zwischenhändler unterster Kategorie, ohne selber
drogenabhängig zu sein oder sich – bei fester Anstellung mit einem monatlichen
Einkommen von Fr. 3'500.- - in einer eigentlichen finanziellen Notsituation bzw.
notstandsähnlichen Lage befunden zu haben. Nach den Feststellungen des
Strafrichters ist sodann nicht ersichtlich, dass er – über sein teilweises Geständnis
hinaus – eine besondere Einsicht und Reue an den Tag gelegt hätte. Die Bekundung,
sich künftig an das Gesetz halten zu wollen, ist eine Selbstverständlichkeit (vgl. BGer
6B_892/2010 vom 22. Dezember 2010 E. 3.3). In ausländerrechtlicher Hinsicht kommt
hinzu, dass der Beschwerdeführer seinen Kokainlieferanten - mithin den Händler der
nächsthöheren Stufe - bei sich zu Hause beherbergte (vgl. Urteil des Kreisgerichts
Rheintal vom 2. Dezember 2009 E. 2). Zu berücksichtigen ist zudem, dass der
Beschwerdeführer im Jahr 2000 sein Asylgesuch unter Verwendung einer falschen
Identität einreichte.
Dieses öffentliche Interesse am Widerruf der Niederlassungsbewilligung des
Beschwerdeführers überwiegt sein privates Interesse an einem weiteren
Anwesenheitsrecht in der Schweiz. Zwar lebt er mit Unterbrüchen von unbekannter
Dauer seit dem Jahr 2000 – mithin seit rund 12 Jahren – in der Schweiz und ist
beruflich – als seit 18. Juni 2007 festangestellter Produktionsmitarbeiter bei C. AG, die
ihm ein gutes Zeugnis ausstellt - hier integriert. Er wurde jedoch in Nigeria, wo er bis
zum Alter von 24 Jahren lebte, sozialisiert. Dorthin kehrte er nach seiner Einreise in die
Schweiz zumindest zweimal zurück, um zu heiraten. Den Beschwerdeführer binden
keine familiären Beziehungen an die Schweiz. Seine Ehefrau, die er am 15. Januar 2010
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in seiner Heimat heiratete, lebt in Nigeria. Dass sie in der Vergangenheit Beziehungen
zur Schweiz hatte, wird weder geltend gemacht noch aus den Akten ersichtlich. Die
Rückkehr nach Nigeria wird dem Beschwerdeführer deshalb wesentlich dadurch
erleichtert, dass er in familiärer Hinsicht – Kontakte bestanden auch zu seiner Mutter,
welche im Jahr 2002 eidesstattlich das Kindsverhältnis des Beschwerdeführers
bestätigte (vgl. act. 13, Dossier des Beschwerdeführers S. 21/22), und zu seinem
Schwiegervater, der im Jahr 2010 eine entsprechende Erklärung für die Ehefrau abgab
(vgl. act. 13, Dossier der Ehefrau des Beschwerdeführers S. 10) - über
Anknüpfungspunkte verfügt. Familiär ist der Beschwerdeführer somit ausschliesslich
mit seinem Herkunftsland verbunden. Weitere persönliche Beziehungen hat er in der
Schweiz unter anderem im Umfeld des Drogenhandels gepflegt. Die privaten
Interessen an der Weiterführung dieser persönlichen Kontakte wiegen gering. Sodann
werden die beruflichen Erfahrungen, die er in der Schweiz sammeln konnte, den
wirtschaftlichen Neuanfang begünstigen.
2.3. Zu klären ist, ob der Widerruf der Niederlassungsbewilligung auch vor den Regeln
des Freizügigkeitsabkommens standhält.
2.3.1. Einschränkungen der Freizügigkeit sind eng auszulegen. Entfernungs- bzw.
Fernhaltemassnahmen setzen eine tatsächliche und hinreichend schwere Gefährdung,
die ein Grundinteresse der Gesellschaft berührt, voraus. Nicht jede Verletzung
nationalen Rechts bewirkt eine solche Gefährdung. Soweit es – wie hier – nicht um
Massnahmen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit geht, darf ausschliesslich das
persönliche Verhalten der in Betracht kommenden Einzelperson ausschlaggebend sein.
Das bedeutet, dass der Ausländer, gegen den die ausländerrechtlichen Massnahmen
ergriffen werden, durch sein persönliches Verhalten zu diesen Anlass gegeben haben
muss. Art. 3 Abs. 1 RL 64/221/EWG steht Massnahmen entgegen, die zum Zwecke der
Abschreckung anderer Ausländer, mithin aus generalpräventiven Gründen, verfügt
werden. Ausserdem können strafrechtliche Verurteilungen allein laut Art. 3 Abs. 2 RL
64/221/EWG nicht ohne weiteres Massnahmen begründen. Der EuGH hat diese
Bestimmung dahin ausgelegt, dass von den Behörden eine spezifische Prüfung unter
dem Blickwinkel der dem Schutz der öffentlichen Ordnung innewohnenden Interessen
verlangt wird, die nicht notwendigerweise mit den Beurteilungen übereinstimmen muss,
auf denen die strafrechtliche Verurteilung beruht. Somit darf eine frühere strafrechtliche
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Verurteilung nur insoweit berücksichtigt werden, als die ihr zugrunde liegenden
Umstände ein persönliches Verhalten erkennen lassen, das eine gegenwärtige
Gefährdung der öffentlichen Ordnung darstellt. Es ist allerdings möglich, dass schon
allein das vergangene Verhalten den Tatbestand einer solchen Gefährdung der
öffentlichen Ordnung erfüllt. Laut EuGH obliegt es den nationalen Behörden, diese
Frage in jedem Einzelfall zu beurteilen, wobei sie die besondere Rechtsstellung der
dem Gemeinschaftsrecht unterliegenden Personen und die grosse Bedeutung des
Grundsatzes der Freizügigkeit zu berücksichtigen haben (vgl. BGE 130 II 176 E. 3.4.1
mit Hinweisen).
Nach Art. 27 Abs. 1 der Richtlinie 2004/38/EG des Europäischen Parlaments und Rates
vom 29. April 2004 über das Recht der Unionsbürger und ihrer Familienangehörigen,
sich im Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten frei zu bewegen und aufzuhalten (vgl. ABl. L
158/77 vom 30. April 2004, kurz RL 2004/38/EG), welche für die Schweiz nicht von
unmittelbarer Bedeutung, aber geeignet ist, die Beurteilung der Verhältnismässigkeit zu
prägen, darf die Freizügigkeit der Unionsbürger und ihrer Familienangehörigen aus
Gründen der öffentlichen Ordnung, Sicherheit und Gesundheit eingeschränkt werden.
Art. 27 Abs. 2 RL 2004/38/EG weist – in Anknüpfung an die bisherige Rechtslage und
die Rechtsprechung des EuGH – darauf hin, dass dabei ausschliesslich auf das
persönliche Verhalten des Betroffenen abzustellen ist. Dieses muss eine "tatsächliche,
gegenwärtige und erhebliche Gefahr" darstellen, die ein Grundinteresse der
Gesellschaft berührt. Eine strafrechtliche Verurteilung allein kann nicht ohne weiteres
eine Ausweisung begründen, und der Grundsatz der Verhältnismässigkeit ist zu
beachten. Generalpräventive Begründungen sind damit von Vornherein unzulässig. Für
Unionsbürger und ihre Familienangehörigen mit dem Recht auf Daueraufenthalt,
welches ihnen nach einem ununterbrochenen, rechtmässigen Aufenthalt während fünf
Jahren zukommt, kommen erhöhte Anforderungen zum Zug. Sie dürfen nur aus
schwerwiegenden Gründen der öffentlichen Ordnung oder Sicherheit ausgewiesen
werden (Art. 28 Abs. 2 RL 2004/38/EG). Hat ein Unionsbürger die letzten zehn Jahre im
Aufnahmemitgliedstaat gelebt oder ist er minderjährig, darf er nicht ausgewiesen
werden, es sei denn, die Entscheidung beruhe auf zwingenden Gründen der
öffentlichen Sicherheit, die von den Mitgliedstaaten festzulegen sind (Art. 28 Abs. 3 RL
2004/38/EG).
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Der Begriff der "zwingenden Gründe" ist erheblich enger als derjenige der
"schwerwiegenden Gründe" der öffentlichen Ordnung und Sicherheit. Nach der
Rechtsprechung des EuGH sind solche zwingenden Gründe auf "aussergewöhnliche
Umstände" zu begrenzen und setzen nicht nur das Vorliegen einer Beeinträchtigung
der öffentlichen Sicherheit, sondern darüber hinaus einen "besonders hohen
Schweregrad" derselben voraus. Im Übrigen ist auch der Begriff der öffentlichen
Sicherheit selbst in diesem Kontext auszulegen. Dieser umfasst sowohl die innere als
auch die äussere Sicherheit. Nach der Rechtsprechung können die Beeinträchtigung
des Funktionierens der Einrichtungen des Staates und seiner wichtigen öffentlichen
Dienste sowie das Überleben der Bevölkerung ebenso wie die Gefahr einer erheblichen
Störung der auswärtigen Beziehungen oder des friedlichen Zusammenlebens der
Völker oder eine Beeinträchtigung der militärischen Interessen die öffentliche Sicherheit
berühren. Der bandenmässige Handel mit Betäubungsmitteln kann aber durchaus auch
von diesem Begriff erfasst werden. Denn er stellt eine "diffuse Kriminalität" dar, die mit
beeindruckenden wirtschaftlichen und operativen Mitteln ausgestattet ist und sehr
häufig über internationale Verbindungen verfügt. Der EuGH verweist in diesem
Zusammenhang darauf, dass in einem Rahmenbeschluss festgestellt worden sei, der
illegale Drogenhandel stelle eine Bedrohung der Gesundheit, Sicherheit und
Lebensqualität der Unionsbürger sowie der legalen Wirtschaftstätigkeit, der Stabilität
und der Sicherheit der Mitgliedstaaten dar. Allerdings muss eine
Ausweisungsmassnahme jedenfalls auf eine individuelle Prüfung des Einzelfalls
gestützt werden. Sie kann nur dann mit zwingenden Gründen gerechtfertigt werden,
wenn eine solche Massnahme angesichts der aussergewöhnlichen Schwere der
Bedrohung für den Schutz der Interessen, die mit ihr gewahrt werden sollen,
erforderlich ist. Dies setzt voraus, dass dieses Ziel unter Berücksichtigung der
Aufenthaltsdauer im Aufnahmemitgliedstaat und insbesondere der schweren negativen
Folgen, die eine solche Massnahme für den Unionsbürger haben kann, die vollständig
in den Aufnahmestaat integriert sind, nicht durch weniger strikte Massnahmen erreicht
werden kann. Weiter ist der aussergewöhnliche Charakter der Bedrohung der
öffentlichen Sicherheit aufgrund des persönlichen Verhaltens des Betroffenen (die für
die Zeit zu beurteilen ist, zu der die Ausweisungsverfügung ergeht), und zwar nach
Massgabe der verwirkten und verhängten Strafen, des Grades der Beteiligung an der
kriminellen Aktivität, des Umfangs des Schadens und gegebenenfalls der
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Rückfallneigung, gegen die Gefahr abzuwägen, die Resozialisierung des Unionsbürgers
in dem Staat, in den er vollständig integriert ist, zu gefährden (vgl. Epiney/ Mosters, Die
Rechtsprechung des EuGH zur Personenfreizügigkeit und ihre Implikationen für das
Freizügigkeitsabkommen Schweiz-EU, in: Schweizerisches Jahrbuch für Europarecht
2010/2011, Zürich/ Bern 2011, S. 75 ff. mit Hinweisen insbesondere auf die
Rechtsprechung).
2.3.2. Ob sich die Interessenabwägung bei der Beurteilung des Widerrufs der
Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers an den "zwingenden" Gründen –
weil er irischer Staatsbürger ist und sich seit mehr als zehn Jahren rechtmässig in der
Schweiz aufhält – oder aber lediglich an den "schwerwiegenden" Gründen – weil er
sich noch nicht während zehn Jahren oder länger als irischer Staatsbürger rechtmässig
in der Schweiz aufgehalten hat –orientiert, kann offen bleiben. Selbst die dargestellte
Rechtsprechung des EuGH zu den zwingenden Gründen lässt den Widerruf der
Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers zu. Mit der Beteiligung am
Drogenhandel auf Händlerstufe, ohne sich in einer eigentlichen finanziellen Notlage zu
befinden, und der Beherbergung des Händlers der nächsthöheren Stufe bei sich zu
Hause wirkte der Beschwerdeführer in einer Funktion am organisierten
Kokainhandelssystem mit, welche mit Blick auf die genannten mit dem
Betäubungsmittelhandel verbundenen vielfältigen Gefahren die Beendigung seines
Aufenthalts in der Schweiz als verhältnismässig erscheinen lassen.
Seine privaten Interessen erscheinen von untergeordneter Tragweite (vgl. zur
Interessenabwägung oben E. 2.2.2.). Dies gilt umso mehr, als ihn mit Irland, dessen
Bürgerrecht er im Alter von über dreissig Jahren aufgrund einer - mittlerweile wieder
aufgelösten – Ehe mit einer irisch-schweizerischen Doppelbürgerin erworben hatte,
weder persönliche noch wirtschaftliche Beziehungen verbinden.
2.4. Zusammenfassend ergibt sich, dass das öffentliche Interesse an der Beendigung
des Aufenthalts des Beschwerdeführers in der Schweiz schwer wiegt. Die privaten
Interessen des Beschwerdeführers an dessen Weiterführung werden durch den
Umstand relativiert, dass er familiär durch die Heirat einer in Nigeria lebenden
Landsfrau nicht an die Schweiz gebunden ist und ihm der Neustart in seinem
Heimatland aufgrund seiner beruflichen Erfahrungen, welche er in der Schweiz
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sammeln konnte, auch in wirtschaftlicher Hinsicht erleichtert wird. Da er zudem über
einen irischen Pass verfügt, bestehen für den Beschwerdeführer Alternativen zu einer
Rückkehr nach Nigeria. Insgesamt vermögen deshalb seine privaten Interessen an
einem weiteren Verbleib in der Schweiz die öffentlichen Interessen am Widerruf seiner
Niederlassungsbewilligung nicht zu überwiegen. Die Beschwerde ist deshalb
abzuweisen.
3. (...).