# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 862b817a-38c6-4403-b3cd-f2fffc50fefe
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
X._
, geboren 1956, Mutter eines erwachsenen Sohnes (geboren 1988), ist gelernte Chemielaborantin und hat ein Grundstudium in Germanistik als Werkstudentin absolviert. Sie war zuletzt vom
1.
Juli 2011 bis am 9. Januar 2015 als Projekt-Assistentin an der
Z._
,
A._
, im 80%-Pensum angestellt (letzter Arbeitstag
9.
Januar 2013,
Urk.
7/13/1). Ab dem 1
0.
Januar 2013 war sie durch die behandelnden Ärzte krankgeschrieben (
Urk.
7/5/21,
Urk.
7/5/25,
Urk. 7/6/5),
weshalb der Arbeitgeber sie am 6. Juni 2014 (Urk. 7/3) zur Früherfassung meldete und sich
X._
schliesslich
am 27. Juni 2014 – unter Hinweis auf eine seit langer Zeit bestehende Erschöpfungsdepression – bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum
Leis
tungsbezug
an
meldete
(
Urk.
7/6). D
ie
IV-Stelle
zog
einen Auszug aus
ihrem
individuellen Konto (Urk.
7
/
11
) bei, holte einen Bericht
der Arbeitgeberin (Urk. 7/13) sowie Berichte der behandelnden Ärzte (
Urk.
7/12,
Urk.
7/14, Urk. 7/18
) ein und
liess ein psychiatrisches Gutachten bei
Dr.
med.
B._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, erstellen (Gutachten vom 2
9.
März 2015,
Urk.
7/25)
.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom
2.
Juni 2015 [
Urk.
7/27], begründeter Einwand vom 1
5.
Juni 2015 [
Urk.
7/31], ergänzender Einwand vom
5.
August 2015 [
Urk.
7/37], Stellungnahmen der Beschwerdeführerin vom
9.
Oktober 2015 [
Urk.
7/44] und 1
5.
Januar 2016 [
Urk.
7/47]) verneinte die IV-Stelle mit Ver
fügung vom 1
5.
März 2016 einen Rentenanspruch (Urk. 7/53 [=
Urk.
2]).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 1
3.
April 2016 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und ihr eine ganze Rente zuzusprechen (
Urk.
1 S. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 31. Mai 2016 beantragte die IV-Stelle Abwei
sung der Beschwerde (Urk. 6), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 2. Juni 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgeset
zes über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Be
tracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreivier
telsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
1.3.1
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungs
ge
mäss
ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krankheitswert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes
8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. Novem
ber 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesge
richts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November
2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer
Restarbeits
fähigkeit
auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.3.2
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei Vorliegen einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung oder eines damit vergleichbaren psychosoma
tischen Leidens (BGE 141 V 281 E. 4.2) sind
gemäss
neu
e
rer Praxis
Indika
toren beachtlich, die das Bundesgericht
in seinem am 3.
Juni
2015 ergang
enen Entscheid
wie folgt systematisiert hat
(
BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
Kategorie „funktioneller Schweregrad"
Komplex „Gesundheitsschädigung"
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
Komorbiditäten
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen)
Komplex „Sozialer Kontext"
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens)
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener
Lei
dens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung
leistungshin
dernder
äusserer
Belastungsfaktoren einerseits und
Kompensationspotenzia
len
(Ressourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; Urteil des Bundesge
richts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2.1).
Beweisrechtlich entscheidend ist der Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4):
Der Indikator einer
gleichmässigen
Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen zielt auf die Frage ab, ob die disku
tierte Einschränkung in Beruf und Erwerb (bzw. bei Nichterwerbstätigen im Aufgabenbereich) einerseits und in den sonstigen Lebensbereichen (z.B. Frei
zeitgestaltung) anderseits gleich ausgeprägt ist. Dabei ist das bisherige Krite
rium des sozialen Rückzugs (wiederum) so zu fassen, dass neben Hinweisen auf Einschränkungen auch Ressourcen erschlossen werden; umgekehrt kann ein krankheitsbedingter Rückzug aber auch Ressourcen zusätzlich vermin
dern. Soweit
erhebbar
, empfiehlt sich auch ein Vergleich mit dem Niveau sozialer Aktivität vor Eintritt der Gesundheitsschädigung. Das
Aktivitäts
niveau
der versicherten Person ist stets im Verhältnis zur geltend gemachten Ar
beitsunfähigkeit zu sehen (BGE 141 V 281 E. 4.4.1; vgl. Urteil des Bundes
ge
richts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1).
Die Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen, das
heisst
das
Ausmass
, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben vernachlässigt werden, weist (ergänzend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz unter dem Komplex "Gesundheitsschädigung") auf den tat
säch
lichen Leidensdruck hin. Dies gilt allerdings nur, solange das betreffende Verhalten nicht durch das laufende Versicherungsverfahren beeinflusst ist.
Nicht auf fehlenden Leidensdruck zu
schliessen
ist, wenn die Nichtinan
spruch
nahme einer empfohlenen und zugänglichen Therapie oder die schlechte Compliance klarerweise auf eine (unabwendbare) Unfähigkeit zur
Krankheit
seinsicht
zurückzuführen ist. In ähnlicher Weise zu berücksichtigen ist das Verhalten der versicherten Person im Rahmen der beruflichen (Selbst-) Ein
gliederung. Inkonsistentes Verhalten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend gemachte Einschränkung sei anders begründet als durch eine versi
cherte Gesundheitsbeeinträchtigung (BGE 141 V 281 E. 4.4.2; vgl. Urteil des Bun
des
gerichts 9C_296/20
16 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.2).
1.3.3
Gutachten, welche noch vor dieser bundesrechtlichen Praxis eingeholt und sich daher noch nicht zu den beachtlichen Indikatoren äussern, verlieren per se nicht ihren Beweiswert.
Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelf
alls mit seinen spezifischen Ge
gebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschl
iessendes Abstellen auf die vor
handenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht st
andhält
. In sinngemässer An
wendung der nunmehr materiell-beweisrechtlich geänderten Anforderungen ist in jedem einzelnen Fall zu pr
üfen, ob die beigezogenen admi
nistrativen und/o
der gerichtlichen Sachverständi
gengutachten – gegebenenfalls im Kontext mit
weiteren fachärztlichen Berich
ten – eine schlüssige Beurteilung im Lichte d
er massgeblichen Indikatoren er
lauben oder nicht. Je nach
Abklä
rungstiefe
und -dichte kann zudem unter Um
ständen eine punktuelle Ergän
zung genügen (BGE 141 V 281 E. 8).
1.3.4
Wie in
BGE 141 V 281
festgehalten (E. 5.2.1), hat sich das Bundesgericht verschiedentlich, so auch jüngst, über das Zusammenwirken von Recht und Medizin bei der konkreten Rechtsanwendung geäussert. Danach ist es sowohl den begutachtenden Ärzten al
s auch den Organen der Rechtsan
wendung
aufgegeben, die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall mit Blick auf die normativ vor
gegebenen Kriterien zu beurteilen. Die medizinischen Fachpersonen und die Organe der Rechtsanwendung prüfen die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht (BGE 137 V 64 E. 5.1). Bei der Abschätzu
ng der Folgen aus den diagnos
ti
zierten gesundheitlichen Beeinträchtigungen nimmt zuerst der Arzt Stellung zur Arbeitsfähigkeit. Seine Einschätzung ist ein
e wichtige Grundlage für die an
schliessende juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsle
istung der versi
cherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 140 V 193 E. 3.2; Ulrich Meyer, Der Rechtsbegriff der Arbeitsunfähigkei
t und seine Bedeutung in der So
zialversicherung, namentlich für den Einkomme
nsvergleich in der Invaliditäts
bemessung, in: Schmerz und Arbeitsunfähigkeit, Schaffhauser/
Schlauri
[Hrsg.], 2003, S. 49).
Die Rechtsanwender überprüfen die betreffenden Angaben frei, insbesondere dahin, ob die Ärz
te sich an die massgebenden nor
mativen Rahmenbeding
ungen gehalten haben, das heisst, ob sie ausschliesslich funktionelle Ausfälle berücksichtigt haben, welche Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung sind (Art. 7 Abs. 2 erster Sat
z ATSG), sowie, ob die
versiche
rungsmedizi
nische
Zumutbarkeitsbeurteilung
auf objektivierter Grundlage er
folgt ist (Art. 7
Abs. 2 zweiter Satz ATSG; vgl. BGE 137 V 64 E. 1.2 in
fine
). Dies sichert die einheitliche und rechtsgleiche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit (BGE 140 V 290 E. 3.3.1, 135 V 201 E. 7.1; E. 5.2.2).
Jedenfalls in der Invalidenversicherung tragen Recht und Medizin, je nach ihren fachlichen und funktionellen Zuständigkeiten,
zur Feststellung ein und dersel
ben Arbeitsunfähigkeit bei. Das heisst, dass die medizinischen Gutach
ter nicht, wie häufig anzutreffen, eine quasi freihändi
ge Beurteilung abgeben und dane
ben noch Grundlagen liefern sollen, anhand derer die
Rechtsanwen
der
eine von der subjektiven ärztlichen Einschätzung losgelöste
Parallelüber
prüfung
vor
nehmen. Es gibt keine unterschiedlichen Regeln gehorchen
de, getrennte Prü
fung einer medizinischen und einer rechtlichen Arbeitsfähigkeit (E. 5.2.3).
1.4
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen fest
zustellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim
Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht
erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe an
zu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärzt
lichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person ausein
ander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizini
schen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin
nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwor
t
ung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; der
selbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin
erwog im
angefochtenen Entscheid
, der vorliegende Erschöpfungszustand im Rahmen einer Neurasthenie
vermöge
invalidenver
sicherungsrechtlich
zu keiner Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu führen
(Urk. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte in ihrer Beschwerde dagegen im Wesentli
chen vor, aus den Berichten des behandelnden Psychiaters ergebe sich eine invalidisierende Wirkung der neurasthenischen Symptomatik (Urk. 1).
3.
3.1
Dem psychiatrischen Gutachten von
Dr.
B._
vom 2
9.
März
2015 (Urk. 7/25)
kann folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit entnommen werden (
Urk.
7/25/13):
anhaltender Erschöpfungszustand im Rahmen einer Neurasthenie (ICD-10 F48.0)
Sodann wurde folgende Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit genannt (
Urk.
7/25/13):
anamnestisch depressive Episode im Januar 2013, Differentialdiag
nose: Anpassungsstörung bei beruflicher Belastungssituation (ICD-10 F43.2)
Die psychiatrische Gutachte
rin hielt fest,
d
ie Symptomkonstellation lasse sich aus zeitweise depressiven Symptomen, körperlic
her Schwäche und dem psy
chosozialen Kontext sowie aus der Werkbiographie der Beschwerdeführerin am
genauesten mit dem Konzept der Neurasthenie beschreiben (
Urk.
7/25/15).
Zu den Therapieoptionen wurde festgehalten, dass
mit der
bisherige
n
Thera
pie klinisch keine Verbesserung der Lebensqualität und der Leistungsfähig
keit erreicht
worden sei.
Eine Überprüfung der Therapiestrategie sei ange
zeigt. Verhaltenstherapeutisch könnten Ängste und Vermeidungsverhalten erklärt und praktisch durch Exposition behandelt werden. Medikamentös könnte durch eine Steigerung der
Paroxetin
-Dosis eine weitere
Angstminde
rung
erreicht werden. Die diesbezüglich vorhandenen Ängste vor Nebenwir
kungen könnten ebenfalls durch verhaltenstherapeutische Psychoedukation abgebaut werden. Die Beschwerdeführerin habe ein hohes Bedürfnis nach Autonomie in ihren Entscheidungen. Dies sollte berücksichtigt werden, damit die Arzt-Patienten-Beziehung aufrechterhalten werden könne. Die Prognose sei aus klinischer Sicht mässig optimistisch. Medizinisch-theoretisch sollte
eine Besserung in den Items des Mini-ICF
erreicht werden können. Da aber psychosoziale Faktoren
ebenso
hineinspiel
t
en, sei die Prognose bezüglich der Wirksamkeit solcher Therapiemassnahmen eher verhalten (
Urk.
7/25/15-16).
Die Beschwerdeführerin leide laut ihrem ambulanten Behandler Dr. med.
C._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
an einer protra
hierten Erschöpfungsdepression schweren Grades (ICD-10 F32.2 und F48.0). Mit dieser Formulierung deute er einen langen Krankheitsverlauf mit ausge
prägten Symptomen auf dem Boden reduzierter psychischer Ressourcen und erhöhter psychischer Stressintoleranz im Sinne einer Neurasthenie an. Dieser Beurteilung schliesse sich die Gutachterin an. Die Krankheits
geschichte sei
bland
. E
rst infolge einer beruflichen Belastungssituation habe die
Beschwer
deführerin
mit einer „Flucht nach vorn" begonnen, indem sie auf die an
stehende Pensionierung ihres langjährigen Vorgesetzten mit
der
Kündigung ihrer zwanzigjährigen Anstellung und
einer
berufliche
n
Neuorientierung rea
giert habe. Offenbar habe sie sich zu diesem Zeitpunkt keine
Anpassungs
leistungen
zugetraut und sich eine Stelle gewünscht, an der sie sich ihr Stellenprofil selbst einrichten könnte. Angesichts schwieriger Voraussetzung
en innerhalb des neuen Arbeitsteams sei sie jedoch an einer psychosozialen Überforderung gescheitert. Wie dies bei Personen mit einer Neurasthenie klinisch oft der Fall sei, werde diese erst psychisch behandlungsbedürftig, wenn Fehlentscheidungen (hier die vorzeitige Kündigung der Anstellung beim
Dekan) oder eine psychosoziale
Belastungssituation die berufliche Exi
stenz gefährdeten. Häufig träten solche Krisen gegen Ende der beruflichen Laufbahn zwischen dem 4
5.
und 6
0.
Lebensjahr auf und führten zu einer lang anhaltenden Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
7/25/16).
V
on keinem
Vorbehand
ler
werde vom
ausgeprägte
n
Vermeidungsverhalten der Beschwer
deführerin
berichtet.
So vermeide sie alle Situationen und Tätigkeiten, die ihr Stress ver
ur
sachen
könnten
. Klinisch könnte auch von einer Belastungsphobie ge
sprochen werden, welche durch grosse Angst vor Stresssituationen bei der Arbeit, aber auch im Privatleben
,
und das Vermeiden von Herausforderungen und Anpassungsleistungen gekennzeichnet sei.
Gemäss dem
Austrittsbericht der
F._
vom 31.
Oktober
2014
habe die Beschwerde
führerin g
egen Ende
der Hospitalisierung
lebhafter und vitaler gewirkt
,
ihre Ressourcen besser nutzen und ihre Grenzen besser erkennen können. Sie habe ihre Verhaltensweisen erproben und ihre Selbstwirksamkeit verbessern können. Es hätten sich deutliche Hinweise auf eine Selbstwertstabilisierung, eine vermehrte Selbstsorge und auch die Wahrnehmung und Kommunikation der eigenen Bedürfnisse ergeben (
Urk.
7/25/17-18). Aus
versicherungsmedi
zinischer
Sicht handle es sich bei der Neurasthenie um eine Störung, die eine gewisse Überwindbarkeit der Probleme beim Wiedereinstieg in die
Arbeits
tätigkeit
annehmen lasse. Hierzu sei aber eine geeignete ressourcenfördernde
Therapieform (Verhaltenstherapie, strukturelle oder Schema-Therapie) notwen
dig
. Eine schwerwiegende psychische Störung sei aus
versicherungsmedizi
nischer
Sicht nicht vorhanden. Auch chronische körperliche
Begleiterkran
kungen
und ein mehrjähriger Krankheitsverlauf bei unveränderter oder pro
gredienter Symptomatik oder
längerfristigerer
Remission seien nicht
gegeben
, ebenso
wenig
wie ein ausgewiesener sozialer Rückzug. Es sei ein primärer Krankheitsgewinn im Sinne einer „Flucht
in die Krankheit“ auszumachen
(
Urk.
7/25/18-19). Zur Überwindbarkeit der Beschwerden hielt die Gutachte
rin fest, diese Frage sei medizinisch-theoretisch grundsätzlich zu bejahen. Die Steigerung der Leistungsfähigkeit werde aber in der Praxis sehr wahrschein
lich nicht gelingen. Psychiatrisch gesehen liege eine depressive Störung zurzeit nicht vor. Die Kriterien
der
Minderung
des
Antrieb
s
,
einer
depressive
n
durchgehend gedrückte
n
Stimmung und
des
Rückgang
s
der Interessen seien nicht erfüllt. Der Freiburger Persönlichkeit
-Inventartest zeige
–
abgesehen von starker Gehemmtheit und geringer Aggression
–
keine Hinweise auf eine ausgeprägte Persönlichkeitspathologie. Der Mini-ICF sei insgesamt angesichts der präsentierten Schonhaltung schwer beurteilbar, zeige aber auch relativ geringe Beeinträchtigungen der Fähigkeiten, die bei einer Depression deutlich eingeschränkt sein sollten (Kontaktfähigkeiten, Aktivitäten, allgemeine Selbstständigkeit). Die Beschwerdeführerin habe sich während der Untersuch
ung klinisch sehr auffällig verhalten. Sie habe eine ausgeprägte ängstliche Selbstschonung und Angst vor Überforderung präsentiert
(Urk.
7/25/19).
D
ie Beschwerdeführerin
habe sich bezüglich des Arbeitsplatzes
solange an die
dortigen Bedingungen
anpassen können, wie sie sich von ihrem Vorge
setzten wert
ge
schätzt und auch beschützt gefühlt habe. Die Ankündigung, dass er nun pensioniert werde, habe bei ihr eine überstürzte Fluchtreaktion ausgelöst. Ihre Angst vor Veränderungen, die sie überfordern könnten, sei so gross gewesen, dass sie die Stelle lieber freiwillig ganz aufgegeben habe. Sie habe damit ihre Autonomie bewahrt und sich nicht dem neuen Vorgesetzten im Dekanat anpassen müssen.
Bei ihrer
neue
n
Anstellung
habe sie
nach
gleichen Bedingungen
wie bisher
gesucht. Dies habe sich dann aber nicht so umsetzen lassen, da sie auf eine sehr problematische Teamsituation getroffen sei.
Der Umgang miteinander
sei
offensichtlich nicht mehr wohlwollend und wertschätzen
d gewesen und
es habe Mobbing und andere Probleme gegeben, welche sie überfordert hätten.
I
m neuen Team
habe
ein sehr hoher
Anpas
sungsdruck
bestanden. Der Autonomie-Abhängigkeitskonflikt habe eine re
aktive neurasthenische Krise mit Erschöpfung ausgelöst. Dies habe zu einem bis heute anhaltenden
kompletten Rückzug aus der Arbeitswelt geführt. Durch den Rückzug aus dem Konfliktfeld
“
Arbeit
“
habe sie sich dem
Anpas
sungsdruck
in der Arbeitswelt nicht mehr stellen müssen. Anhand der Anga
ben der Beschwerdeführerin und den Vorberichten könne die Angst vor der beruflichen Wiedereingliederung und die dies vermeidende regressive
Schon
haltung
im Kontext einer Neurasthenie psychiatrisch-psychotherapeutisch plausibel und nachvollziehbar hergeleitet werden. Das Krankheitskonzept der Neurasthenie sei mit den objektiven und klinischen Befunden vereinbar (Urk. 7/25/20-21). Es liege im Wesen der Neurasthenie und der betroffenen Personen, sich mit grossem Ehrgeiz und Kraftaufwand gesellschaftlich und beruflich integrieren zu wollen und sich dabei mit den Jahren zunehmend zu ersc
höpfen.
Die Beschwerdeführerin habe berichtet,
schon immer weniger Kraft als andere Menschen, die sie gekannt habe, gehabt
zu
habe
n
. Sie habe ihre ganze Energie in ihren Beruf investiert. Für eine Partnerschaft habe sie „keine Kraft" gehabt, „nicht lieben können". Aus dem Bericht der
Klinik D._
geh
t gemäss
Dr.
B._
hervor, dass
sich
die Beschwerdeführerin ebenfalls sehr um die Therapieangebote
bemüht habe, dass ihre Kraftlosigkeit und Apathie
jedoch
sehr lange im Vordergrund gestanden hätten. Erst unter länger dauernder Entlastung sei sie wieder kommunikativer und vitaler ge
worden. Sie habe während der gutachterlichen Untersuchung mehrfach da
rauf hingewiesen, dass die Therapie bei
Dr.
C._
für sie sehr lehr- und hilfreich sei und sie viele neue Einsichten gewonnen und Zusammenhänge zwischen ihren Symptomen und ihrem Leben habe herstellen könne
n
(
Urk.
7/25/21).
Zur Arbeitsfähigkeit führte die Expertin aus, im aktuellen Zustand seien der innerseelische Verlauf und die Symptomatik so verfestigt, dass an eine jet
zige Rückkehr an den
ehemaligen Arbeitsplatz tatsächlich nicht zu denken sei. Auch an einem Nischenarbeitsplatz sei die Beschwerdeführerin aktuell überfordert. Immerhin scheine die Medikation mit
Paroxetin
in einer fast homöopathischen Dosis von 3,3 mg pro Tag
(
1/6 einer 20
mg Tablette) schon eine Wirkung zu zeigen. Offenbar sei hier ein pharmakologisches
Therapie
potential
vorhanden. Ob sich dies aber in eine Steigerung der Leistungs- und Anpassungsfähigkeit umsetzen lasse, könne bei vorhandenem
Krankheitsge
winn
erst im Verlauf beurteilt werden (
Urk.
7/25/22).
3.2
Dr.
C._
hielt in seinem Bericht vom
1.
Juli 2015 zu Händen der
Rechts
vertreterin
der Beschwerdeführerin (
Urk.
7/36) folgende Diagnosen fest (
Urk.
7/36/1): (1) rezidivierende depressive Störung, heute chronische depres
sive Phase schweren Grades (ICD-10 F33.2), (2) rezidivierendes neurastheni
sches Erschöpfungssyndrom, heute
chronifiziert
(ICD-10 F48.0), (3)
Panikstö
rung
(ICD-10 F41.0), (4) asthenische Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.7; Urk. 7/36/1).
Nach dem Aufenthalt in der Klinik in
E._
habe die Beschwerdeführerin den Haushalt nicht mehr geführt. Sie habe zwar noch soziale Kontakte, habe diese aber nie mehr von sich aus wahrgenommen. Vielmehr würden sich einzelne Kolleginnen und ihr Sohn sehr um sie kümmern. Unter den Antidepressiva, zuletzt
Deroxat
, erlebe sie auch in geringsten Dosen nicht mehr erträgliche Nebenwirkungen, zum Beispiel verstärkte Müdigkeit. Die wöchentlichen Konsultationen habe sie anfangs regelmässig eingehalten, in letzter Zeit wegen ihrer Schwäche aber teils abgesagt. Die Beschwerde
führerin sei nicht erwerbsfähig. Bei der psychischen Symptomatik handle es sich um einen seit jeher verselbständigten psychopathologischen
Krankheits
prozess
mit einem sich stetig verschlimmernden Verlauf, unabhängig von äusseren Faktoren. Die Foerster-Kriterien seien erfüllt (
Urk.
7/36/4-5).
3.3
Der Stellungnahme der psychiatrischen Gutachterin
Dr.
B._
vom 19. Septem
ber 2015 zu Händen der Beschwerdegegne
rin (
Urk.
7/42) kann entnommen werden, es sei aus psychiatrischer Sicht plausibel, dass die Be
schwerdeführerin seit dem Zeitpunkt der Ankündigung
der Begutachtung im Rahmen des IV-Verfahrens
einer starken psychosozialen Belastung ausge
setzt
gewesen
sei. Dass in diesem Zusammenhang eine Symptomverstärkung auftreten könne, sei
klinisch bekannt und plausibel
(
Urk.
7/42/2). Diagnos
tisch seien sich D
r.
C._
und die Gutachterin einig, dass die Neurasthenie eine zentrale Rolle spiele
.
Da diese Störung in ihrem Erscheinungsbild aber vielgestaltig bis komplex sein könne, könne man einzelne Symptome in Unterdiagnosen ordnen, wie dies zum Teil auch beispielsweise bei der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom
Borderline
-Typ (
Nebendiag
nose
Depression, Essstörung, Suchterkrankung etc.) vorkomme. Letzten Endes komme es hinsichtlich der Beurteilung der Leistungsfähigkeit
je
doch eher auf eine klare Beschreibung des klinischen Bildes und der individuellen Funktio
nalität an als auf die Ausgestaltung der Diagnoseliste. Es bestehe aus gut
achterlicher Sicht kein Informationszugewinn und keine Notwendigkeit, die Diagnosen laufend zu ändern oder zu ergänzen, wenn das klinische Bild
zwar symptomverstärkt, im Wesentlichen aber doch unverändert sei. Die Gutachterin könne den von
Dr.
C._
neu formulierten Diagnosen daher nicht zustimmen. Aus seinem Schreiben gingen keine neuen Informationen hervor, die einen Einfluss auf die Beurteilung der Funktionalität und
Leis
tungsfähigkeit der Beschwerdeführerin hätten. Der von
Dr.
C._
beschrie
bene Psychostatus sei nicht gemäss AMDP strukturiert. Er zähle unspezi
fische Symptome auf, die eher auf eine psychische Reaktion auf das aktuelle Geschehen denn auf eine schwere depressive Episode hinweisen würden. Das gesamte Bild sei mit dem vergleichbar, welches die Beschwerdeführerin in der Begutachtung gezeigt habe. Bezüglich der Krankengeschichte (Schreiben
Dr.
C._
S
.
4-5) könne bestätigt werden, dass die Beschwerdeführerin unter psychosozialen Belastungen offenbar schon sehr früh mit einer neurasthe
nischen Symptomatik reagiert habe. Dennoch habe sie ihren schulischen und beruflichen Werdegang gestalten können und sei durch ihre Symptomatik nicht wesentlich beeinträchtigt gewesen. Schwere Traumatisierungen und schwere Unfälle, Erkrankungen oder sonstige Schicksalsschläge seien nicht bekannt, weshalb die Gutachterin zu dem Schluss komme, dass die Kranken
geschichte bezüglich solch gravierender Erlebnisse
bland
sei (Urk.
7/42/3).
Zu den Standardindikatoren führte
Dr.
B._
aus, da die Begutachtung sechs Monate her und die klinische Beschreibung von
Dr.
C._
nur zum Teil plausibel und in mehreren Punkten nicht nachvollziehbar sei, könne keine Stellung zum aktuellen Zustand der Beschwerdeführerin genommen werden
(Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde). Zum Behandlungserfolg/-
resi
stenz
hielt die Gutachterin
fest, dass bezüglich der Therapiestrategien und der pharmakologischen Optionen bekannt sei, dass diese Sy
mptomkonstellation schwierig zu behandeln sei. Die persönlichen Ressourcen würden hie
r eine bedeutende Rolle spielen
und es sei von grosser Bedeutung, ob un
d in
wieweit sie genutzt wü
rden. Im vorliegenden Fall sei davon auszugeben, dass die Ressourcen gerade angesichts der aktuellen existenziellen Ängste im Hinter
grund st
ünd
en und wenig therapeutisch genutzt werden könn
t
en. Dies werde von
Dr.
C._
ebenfalls
so beschrieben. Angesichts der aktuellen Situation sei plausibel und nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführerin ihre Ressourcen zwecks Eingliederung nicht nutzen könne. Zu den
Komorbiditäten
wurde
festgehalten, eine Neuformulierung der Diagnosen sei nicht hilfreich und trage
eher zur Verwirrung, denn zur Klärung des Krankheitsbildes bei. Sodann wurde zum Komplex
“
Persönlichkeit
“
ausgeführt, eine spezielle
Persönlich
keitsdiagnostik
sei zurzeit aus gutachterlicher Sicht nicht notwendig und würde die Beschwerdeführerin wahrscheinlich zusätzlich psychisch belasten.
Die persönlichen Ressourcen seien im Rahmen der Neurasthenie erheblich ein
geschränkt. Das hohe Leistungsideal der betroffenen Personen sei dabei leider für die berufliche Reintegration oft eher hinderlich denn förderlich. Wie von
Dr.
C._
beschrieben, träten im Kontext mit der neurasthenischen Verarbeitung der belastenden Situation starke Ängste von Überforderung und Leistungsversagen auf. Dass sich dies auch negativ auf die Abwehrkräfte des Körpers auswirken könne, sei hinreichend bekannt. Gehäufte Infekte würden die Fähigkeit zur regelmässigen Teilnahme an
Beschäftigungsmass
nahmen
einschränken, sie aber nicht grundsätzlich verunmög
lich
en. Zum sozialen Kontext berichtete
Dr.
B._
, u
nter sozialem
Rückzug verstehe man das gehäufte Absagen von Verabredungen,
das
Vermeiden neuer sozialer Kontakte sowie das Ablehnen von Kontaktversuchen bekannter oder nicht bekannter Personen.
Ein s
ozialer Rückzug sei unvollständig, wenn sich die Person noch mit Verwandten und Freunden auf deren Drängen tr
e
ff
e
oder im Rahmen des Alltags diese Kontakte
gestalte
. Dass unter den aktuell gege
benen Umständen soziale Kontakte schwieriger seien, sei nachvollziehbar. Bezüglich der Konsistenz gab
Dr.
B._
an, der von
Dr.
C._
geschilderte Leidensdruck der Beschwerdeführerin sei mit dem klinischen Eindruck wäh
rend der Begutachtung grundsätzlich vereinba
r und
zum Teil nachvollzieh
bar. Zu beachten sei, dass es sich beim Schreiben von Dr.
C._
in Form und Darstellung nicht um eine objektive Stellungnahme handle. Die Einschrän
kung durch die ängstlich depressive Verarbeitung der jetzigen psychoso
zialen Belastungen und die Stressintoleranz würden wahrscheinlich zurzeit die vorhandenen Ressourcen in Form
von
hohem Leistungsideal und beruf
lichen Erfahrungen überwiegen (
Urk.
7/42/4-6).
4.
4.1
Das
psychiatrische
Gutachten (Urk. 7/
25
) vom
29. März 2015
basiert auf fachärztlichen Untersuchungen, wurde in Kenntnis der und Auseinanderset
zung mit den
Vorakten
sowie insbesondere auch unter Berücksichtigung der geklagten Beschwerden erstattet. Die Gutachter
in
ha
t
die medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtend dargelegt und ihre Schluss
folgerungen nachvollziehbar begründet. Das
psychiatrische
Gutachten
von
Dr.
B._
erfüllt demnach alle rechtsprechungsgemässen Kriterien für eine beweistaugliche medizinische Entscheidungsgrundlage, weshalb ihm grund
sätzlich voller Beweiswert zukommt (vgl. E. 1.4).
Der
Schlussfolgerung der
Gutachterin, wonach bei der Beschwerdeführerin aus psychiatrischen Gr
ünden
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
bestehe, kann indessen
mit der
Beschwerde
gegnerin
– welche das Fehlen eines invalidisierenden Gesundheitsschadens annahm –
aus den nachfolgenden Gründen nicht
gefolgt
werden
(vgl. E. 4.2, E. 4.3)
.
4.2
Ob die vorliegend zur Diskussion stehenden Diagnosen einen invalidisieren
den Gesundheitsschaden darstellen, ist eine Rechtsfrage. Aus rechtlicher Sich
t kann von einer medizinischen Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit abge
wichen wer
den, ohne dass diese ihren Beweiswert verlöre (vgl. statt vieler:
Urteil des Bun
desgerichtes 8C_283/2015 vom 24. Juni 2015 E. 2 mit Hinw
eis).
Dem
psychiatrischen
Gutachten vom
29. März
201
5
(
Urk.
7/
25
) ist zu ent
nehmen, dass die
von der Gutachterin attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit mit einer Verfestigung des innerseelischen Verlaufs und der Symptomatik begründet wird.
Selbst in einem Nischenarbeitsplatz (in einer angepassten Tätigkeit) sei die Beschwerdeführerin überfordert (Urk. 7/25/22).
Die im Bereich der
somatoformen
Schmerzstörung entwickelten Grundsätze gelten auch für die Beurteilung der inval
idisierenden Wirkung des von der
psychiatrischen Gutachterin
diagnostizierten
anhaltenden Erschöpfungszu
stands im Rahmen einer Neurasthenie (ICD-10 F48.0);
Urteil des Bundesge
richts
I70/07
vom
14
.
April
20
08 E.
5
,
mit weiteren Hinweisen). Zu prüfen ist daher, ob gestützt auf das
psychiatrische
Gutachten vom
29. März
201
5
(Urk. 7/
25
) und –
soweit nötig – unter Berücksichtigung der weiteren fach
ärztlichen Berichte in sin
ngemässer Anwendung der mit BGE
141 V 281 materiell-beweisrechtlich geänderten Anforderungen eine schlüssige Beurtei
lung im Lichte der massgebenden Indikatoren möglich ist oder nicht (E. 1.3.2
).
4.3
4.3.1
Die Antworten, welche die medizinischen Sachverständigen anhand der (im Einzelfall relevanten) Indikatoren geben, verschaffen den Rechtsanwendern
Indizien, wie sie erforderlich sind, um den Beweisnotstand im Zusammenha
ng mit der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit bei psychosomatisc
hen Störungen zu überbrücken (BGE 141 V 281 E. 4.1.3).
4.
3
.2
Unter dem Aspekt funktioneller Schweregrad ist dem
psychiatrischen
Gut
achten
zu entnehmen,
d
er Mini-ICF sei insgesamt angesichts der präsentier
ten Schonhaltung schwer beurteilbar, zeige aber auch relativ geringe Beein
trächtigungen der Fähigkeiten, die bei einer Depression deutlich eingeschränkt
sein sollten (Kontaktfähigkeiten, Aktivitäten, allgemeine Selbstständigkeit
;
Urk.
7/25/19)
. Das Freiburger Persönlichkeitsinventar wies ein unauffälliges
Persönlichkeitsprofil auf (
Urk.
7/25/11
)
.
Eine schwerwiegende psychische Störung verneinte die Gutachterin (Urk. 7/25/18).
Weitere Angaben zum aktuellen Zustand der Beschwerdeführerin sind der Stellungnahme der Gut
achterin vom 1
9.
September 2015 nicht zu entnehmen (
Urk.
7/42)
.
Auch un
ter Berücksichtigung der Berichte des behandelnden Psychiaters ergibt sich somit eine nur mässige Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde.
Von einer Behandlungsresistenz respektive von der Ausschöpfung der
Be
hand
lungsmöglichkeiten
kann
nicht die Rede sein.
A
us dem Gutachten geht hervor, dass eine Überprüfung der Therapiestrategie angezeigt sei, zumal die bisherige Therapie keine klinische Verbesserung der Lebensqualität erbracht habe. Verhaltenstherapeutisch könnten Ängste und Vermeidungsverhalten erklärt und praktisch durch Exposition behandelt werden. Hierzu sei
eine ge
eignete ressourcenfördernde T
herapieform (Verhaltenstherapie, strukturelle oder Schema-Therapie) notwendig
. Zudem sollte medizinisch-theoretisch eine Besserung der Mini-ICF-APP Items erreicht werden können (
Urk.
7/25/16). Die Ressourcen würden bei dieser Symptomkonstellation eine grosse Rolle spielen, könnten vorliegend therapeutisch jedoch nur wenig genutzt werden (
Urk.
7/42/4). Die Beschwerdeführerin war während rund eines Monates in der
Klinik
in
E._
zur psychosomatischen Rehabilitation hospitalisiert (Urk. 7/18) und hat von dieser stationären Therapie offenbar profitiert (Urk. 7/25/5-6,
Urk.
7/25/17-18). Die Sitzungen beim behandelnden Psychiater hat sie gemäss dessen Angaben in letzter Zeit teilweise abgesagt (vgl. E.
3.2). Sodann könnte medikamentös durch eine Steigerung der
Paro
xetin-Dosis
eine weitere Angstminderung erreicht werden (Urk. 7/25/15). Die
Gutachterin erachtete die Medikation mit
Paroxetin
in einer Dosis von 3,3 mg
pro Tag
(
1/6 einer 20mg Tablette
) fast schon als homöopathisch und merkte
an, dass hier ein pharmakologisches Therapiepotential vorhanden sei (
Urk.
7/25/
22)
. Zudem wurde festgestellt, dass die Beschwerdeführerin sich mit einer passiven Schonhaltung zufriedenzustellen scheine, womit sie
Copingstrategien
und damit Problemlösungsversuche blockiere und so den Krankheitsgewinn aufrechterhalte (
Urk.
7/25/21)
.
Dass alle
Therapiemöglich
keiten
ausgeschöpft wären, ergibt sich auch nicht aus der Stellungnahme des behandelnden Psychiaters, wonach ein medikamentöser Versuch mit einem Antidepressivum wegen Nebenwirkungen gescheitert und nach der nur spo
radisch möglichen Einnahme des Tranquilizers
Temesta
die Beschwerde
füh
rerin jeweils drei Tage lang eine übermässige Müdigkeit gehabt habe (Urk.
3/3
). Welches Ergebnis die von ihm im März 2016 in die Wege geleitete
Narkolepsie-Abklärung (vgl. Urk. 3/4-5) gezeitigt hat und ob sich hieraus
zusätzlich
e Behandlungsmöglichkeiten
ergaben,
ist nicht bekannt.
Was den Indikator "
Komorbidäten
" betrifft, so ist nach den gutachterlichen Ausführungen eine Neuformulierung der Diagnosen nicht hilfreich und trägt eher zur Verwirrung denn zur Klärung des Krankheitsbildes bei. Zwar sei das klinische Bild symptomverstärkt, jedoch im Wesentlichen unverändert (Urk. 7/42/3).
Komorbiditäten
wu
rden demnach keine festgestellt, sondern dieselbe Symptomatik unterschiedlich klassifiziert.
Daran vermögen auch die Schreiben des behandelnden Psychiaters vom
1.
Juli 2015 (
Urk.
3/1 [=
Urk.
7/36]), 5. Oktober 2015 (
Urk.
3/2 [=
Urk.
7/45]),
7.
März 2016 (
Urk.
3/4 [=
Urk.
7/50]) und
2.
April 2016 (Urk. 3/3) nichts zu ändern. Die Gutachterin legte nachvollziehbar dar, weshalb keine weiteren psychiatrischen Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu stellen seien, insbesondere keine depressive Störung schwere
n Grades (Urk. 7/25/19).
Auch in körperlicher Hinsicht ist keine Komorbidität aktenkundig.
Die Gutachterin berichtete zwar von ei
nem unauffälli
gen
Persönlichkeits
profil
(
Urk.
7/25/10). Die persönlichen Ressourcen seien im Rahmen der Neurasthenie jedoch erheblich eingeschränkt, wobei das hohe Leistungsideal für die berufliche Reintegration oft eher hinderlich als förderlich sei (Urk. 7/42/5).
Diese Feststellung begründete die Gutachterin nicht allein aus den Persönlichkeitstests, weshalb der nicht verständliche Einwand, die Frage
bögen ausgefüllt zu haben, „wie wenn sie gesund wäre“ (Urk.
3/2), ohne Belang ist. Dass die Beschwerdeführerin „seit ihrer Geburt während ihres ganzen Lebens in einem schweren Grad an derselben psychopathologischen Symptomatik gelitten hat wie in den letzten drei Jahren“ (vgl. Urk. 3/1 S. 4), ist mit Blick auf ihren schulischen und beruflichen Werdegang (Matura auf dem zweiten Bildungsweg; Werkstudentin und erwerbstätige alleinerziehende Mutter; vgl. Urk. 7/5/25) in keiner Weise ausgewiesen. Dass die Beschwerde
führerin ihr Chemiestudium aus gesundheitlichen Gründen abgebrochen habe
n soll, ergibt sich nicht aus den Akten, der Abbruch des Germanistikstudiums geschah mit Geburt ihres Sohnes (vgl. Urk. 7/25/6, Urk. 7/36/2). Schwere
Traumatisierungen oder Unfälle, Erkrankungen oder sonstige Schicksals
schläge
sind nicht bekannt. Es ist daher schlüssig, wenn die Gutachterin aus psychiatrischer Sicht von einer
blanden
Krankengeschichte schreibt. Eben
falls ist es nachvollziehbar, wenn die Gutachterin angibt, die Ankündigung der Begutachtung im Rahmen des IV-Verfahrens stelle eine starke psycho
soziale Belastung dar, woraus sich eine Symptomverstärkung ergeben habe (Urk. 7/42/2). Dass psychosoziale Belastungsfaktoren für die Symptomatik eine Rolle spielen, ergibt sich auch aus dem Austrittsbericht der
E._
, wonach die Beschwerdeführerin subjektiv am meisten vo
n
der vorgegebenen
Tagesstruktur, von der räumlichen Distanz zu den Belastungsfaktoren und den sozialen Kontakten profitiert habe (Urk. 7/18/2). Die Gutachterin wies auch auf finanzielle Schwierigkeiten, die schwierige Situation am Arbeitsplatz sowie den Tod des Vaters hin (Urk. 7/25/8-9), was auch gemäss Dr.
C._
die Beschwerden verstärkte (Urk. 7/36/4).
Sodann ist mit der Gutachterin nur von einem unvollständigen sozialen Rückzug auszugehen (Urk. 7/42/5). Auch Dr.
C._
beschreibt keinen komp
letten Rückzug („sie hat zwar noch soziale Kontakte, hat diese aber nie mehr von sich aus aufgenommen. Vielmehr kümmern sich einzelne Kolleginnen und der Sohn sehr um die Patientin“ [Urk. 7/36/4]). Ferner erledigt die Be
schwerdeführerin alle zwei Woche mit dem Auto einen Grosseinkauf, an
sonsten sie ihre Einkäufe im Dorfladen besorgt (Urk. 7/25/9). Die Selbstpflege ist gewährleistet und die Beschwerdeführerin besorgt ihren Haushalt, selbst wenn sie nach Ansicht des behandelnden Psychiaters nur das Allernötigste erledigt und für ihren Garten einen Gärtner engagiert (Urk. 7/36/4, Urk. 3/3).
Unter Berücksichtigung der nunmehr beachtlichen Standardindikatoren
,
insbesondere
der fehlenden Therapieresistenz des neurasthenischen Leidens
,
sind erhebliche funktionelle Auswirkungen des anhaltenden
Erschöpfungs
syndroms
im Rahmen einer Neurasthenie respektive der in diesem Zusamme
n
hang geklagten Beschwerden nicht schlüssig nach
gewiesen
. Der diagnos
tizierte anhaltende Erschöpfungszustand im Rahmen einer Neurasthenie (ICD-10 F48.0) hat somit gestützt auf die Feststellungen der Gutachterin (noch) keine invalidenversicherungsrechtlich relevante Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit.
5.
Damit ist die angefochtene Verfü
gung, mit welcher ein Rentenanspruch ver
neint wurde, nicht zu beanstanden und die Beschwerde abzuweisen.
6.
Gestützt auf
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren vo
r dem kanto
na
len Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Ver
weigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert unter Berücksichti
gung des
gesetzlichen Rahmens (Fr. 20
0.-- bis Fr. 1'000.--) auf Fr. 8
00.-- fest
zusetzen und
der
unterliegenden Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen.