# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 07daf70e-e36b-4e50-b50a-5f65287fc8ff
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der 1968 geborene
X._
verfügt über ein höheres Wirtschaftsdiplom VSK und war zuletzt vom
10. August 2010 bis 31. August 2012
als L
agerist
bei
Z._
tätig (Urk. 6/4/
8
, Urk. 6/4/10)
.
Am 25. März 2021 meldete er sich unter Hinweis auf eine
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung
(ADHS) seit
der
Kindheit, Panikattacken und Depress
ionen seit der Jugendzeit, ein
Erschöpfungsburnout seit 2012, Glieder- und Muskelschmerzen seit 2003, Belastung/Stress am Arbeitsplatz, Verwirrtheit und Stottern bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 6/5). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, nahm erwerbliche und medizinische Abklärungen vor
und stellte dem Versicherten mit Vorb
e
scheid vom 25. Mai 2021 (Urk. 6/16) die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht, wogegen
letzterer
am 21. Juni 2021 Einwand (Urk. 6/25) erhob.
Am 13. Juli 2021 verneinte die IV-Stelle verfügungsweise einen Leistungsanspruch des Versicherten (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 8. September 2021 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, es sei die Verfügung vom 13. Juli 2021 aufzuheben und es sei ihm eine ganze Rente zuzusprechen respektive der Invaliditätsgrad zu bestimmen. Eventuell sei die Sache zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
, damit diese erneut über den Leistungsanspruch entscheide
. In formeller Hinsicht stellte der Beschwerdeführer das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung (S. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 11. Oktober 2021 (Urk. 5) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde, was dem Be
schwerdeführer am 12. Oktober 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 7).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des
rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V
210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfol
gend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilw
eise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1
ATSG). Für die Beurteilung des Vor
liegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheit
lichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsscha
dens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6
ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgest
ützte Dia
gnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V
396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Ar
beitsleistung zu erbringen (BGE 145
V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Anspruch auf eine Re
nte haben gemäss Art. 28 Abs. 1
IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf
eine ganze Rente (Art.
28 Abs. 2
IVG).
1.5
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die In
validenversicherung nach Art. 6
ATSG massgebende funktio
nelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fach
kompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich unter
suchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.3.2).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht
gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wer
tung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie wür
digen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundes
ge
richts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxis
gemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V
231 E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen
verfügt (
BGE 137 V
210 E. 1.2.1). Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge
Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuver
lässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, sind ergänzen
de Abklärungen vorzunehmen (BGE 145 V 97 E. 8.5, 142 V
58 E. 5.1 mit Hinweisen).
Reine Aktengutachten sind beweiskräftig, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich fest
stehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befas
su
ng mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteil des Bundesgerichts 8C_750/2020 vom 23. April 2021 E. 4 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die leistungsabweisende Verfügung (Urk. 2) damit, dass gemäss der medizinischen Abklärung kein Gesundheitsschaden vor
liege, welcher sich längerfristig auf die Arbeitsfähigkeit auswirke. Entspreche
nd
bestehe kein Anspruch auf eine Invalidenrente (S. 1).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1), er leide seit der Kindheit an einer ADHS und seit einigen Jahren an Depressionen sowie Angst- und Panikattacken, was dazu geführt habe, dass er seither arbeits
unfähig sei und vom Sozialamt unterstützt werde. Seine diversen Versuche, an
Beschäftigungsprogrammen des Sozialamtes teilzunehmen
,
seien misslungen. Er
st
nach etlichen Jahren habe er realisiert, dass es angesichts seiner psychischen Einschränkungen überhaupt möglich sei, sich bei der Invalidenversicherung an
zumelden. Nach vielen Anlaufversuchen sei es ihm schliesslich
mit Unterstützung
gelungen, eine IV-A
nmeldung abzuschicken. Wegen de
r
Depressionen und der ADHS fehle es ihm an jeglicher Motivation, an seinem Zustand etwas zu ver
ändern und er könne gerade noch seinen Alltagsverpflichtungen nachkommen, wenn der arbeitsbedingte Stress nicht vorhanden sei (S. 1).
Im Weiteren führte d
er Beschwerdeführer aus, der relevante Sach
v
erhalt sei nur ungenügend ab
geklärt worden. Es habe keine materielle Prüfung stattgefunden, wobei für die Frage, ob ein psychisches Leiden mit Krankheitswert vorliege und dieses Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe, ein fachärztliches Gutachten erforderlich sei.
Die Beschwerdegegnerin habe
einzig auf die Beurteilung der
RAD-
Ärztin abgestellt, welche über keinen psychiatrischen Facharzttitel verfüge und
welche
sich ledig
lich auf die vorhandenen Akten
abgestützt
und keine eigenen Untersuchungen durchgeführt habe. Die pauschale Feststellung der RAD-Ärztin, wonach die ADHS nicht unter den Begriff des rechtserheblichen Gesundheit
sschadens falle, sei unhaltbar, sie habe
kein Belastungsprofil durchgeführt
und ihre Annahme einer Arbeitsfähigkeit erscheine im Vergleich zum Bericht der behandelnden Psychia
terin als zweifelhaft
. Im Weiteren seien psychische Erkrankungen einem struk
turierten Beweisverfahren zu unterziehen
(S. 2).
2.3
I
n der Beschwerdeantwort (Urk. 5)
präzisierte die Beschwerdegegnerin
, dass eine Arztperson unabhängig von ihrer Fachrichtung grundsätzlich in der Lage sei, die Kohärenz des Berichts
einer Kollegin oder eines Kollegen
zu beurteilen. Die RAD-Ärztin habe ihre Beurteilung aufg
rund der Aktenlage vorgenommen
und keinen Untersuchungsbericht im Sinne von Art. 49 Abs. 2 IVV erstellt, weshalb es keines spez
ifischen Facharzttitels bedürfe
(S. 1).
3.
3.1
Die behandelnde Psychiaterin
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Psychiatrie FMH, stellte am 4. Mai 2021 folgende Diagnosen
(Urk. 6/11 S. 3 Ziff. 2.5
f.
):
-
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
ADHS
-
Panikattacken
-
Depression
-
Angst
-
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
keine
Dr.
A._
führte aus, der Beschwerdeführer stehe seit
2018
in ihrer Behandlung, wobei
Konsultationen
drei- bis viermal pro Jahr
stattfänden.
Seit
September 2012 liege
in der Tätigkeit als Lagerist eine 20%ig
e und seit
November 2016 e
ine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vor
. Als Symptome beschrieb die Psychia
terin Angst- und Panikattacken, eine Erschöpfung, Glieder- und Muskel
schmer
zen, Konzentrationsschwierigkeiten und Stimmungsschwankungen
, wobei der Zustand ohne Arbeitseinsatz respektive ohne Druck relativ stabil sei (S. 2 f.
Ziff. 1.1 ff.). Die Prognose sei
ungünstig
, da der Beschwerdeführer seit neun Jahren
keiner geregelten Arbeit mehr nachge
he (S. 3 Ziff. 2.7
). Als Funktionseinschrän
kungen nannte Dr.
A._
fehlende Konzentration und Ausdauer, Müdig
keit, Erschöpfung und Impulsivität. Wenn der Beschwerdeführer unter Druck stehe, träten v
iele Fehler auf und es komme zu
Panik und Stress, wobei er dann «weglaufe»
(
S. 4
Ziff. 3.4). Die selbständige Haushaltführung sei möglich, wobei er manchmal Hilfe bei Formularen benötige (S. 5 Ziff. 4.5).
3.2
Die RAD-Ärztin Dipl.-Med.
B._
, Fachärztin für Innere Medizin/Prävention und Gesundheitswesen, nannte am 20. Mai
2021 folgende Diagnosen
(Urk. 6/14/2-3)
:
-
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
keine
-
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
ADHS (ICD-10 F90.0)
-
Agoraphobie mit Panikattacken (ICD-10 F40.0)
-
spezifi
sche isolierte Phobie (ICD-10 F
40.2)
Als Einschränkungen in Bezug auf die bisherige Tätigkeit als Lagerist nannte die
RAD-Ärztin Konzentrationsschwierigkeiten, Müdigkeit, Erschöpfung, Stim
mungs
schwankungen
, sporadische Angst- und Panikattacken, fehlende Ausdauer und Impulsivität. Unter dem Titel Belastungsprofil
führte sie aus
, dass eine Tätigkeit der Ausbildung des Beschwerdeführers entsprechend ohne Einschrän
kungen ver
richtet werden könne.
Betreffend
die
Arbeitsunfähigkeit in der
bishe
rige
n
Tätig
keit als Lagerist hielt die RAD-Ärztin Folgendes fest: 100% Arbeits
unfähigkeit seit November 2016 bis auf weiteres; 0 % Arbeitsunfähigkeit aus versiche
rungs
medizinisch-theoretischer Sicht. In einer angepassten Tätigkeit gemäss Belas
tungs
profil
attestierte sie
aus versicherungsmedizinisch-theoretischer Sicht
eine
Arbeitsunfähigkeit
von 0 %
seit jeh
er.
Gemäss der RAD-Ärztin könne
ein Ge
sund
heitsschaden
, welcher sich längerfristig auf die Arbeitsfähigkeit in der ange
st
ammten Tätigkeit auswirke,
nicht
festgestellt werden. Die Angaben der behan
delnden Ärztin seien nicht geeignet, das
Vorliegen eines IV-relevanten Gesund
heitsschadens zu begründen. Es fehlten differenzierte Angaben zu den Krank
heitssymptomen und den hieraus resultierenden Funktionseinschränkungen und es sei auch nicht erkennbar, dass sämtliche Therap
ieoptionen ausgeschöpft seien
.
4
.
4.1
Beim Beschwerdeführer stehen einzig psychi
sche Beschwerden
zur Diskussion
, wobei die RAD-Ärztin lediglich über den Titel «Fachärztin für Innere Medizin/
Prävention und Gesundheitswesen» verfügt. Davon abgesehen ist nicht ohne Weiteres nachvollziehbar, wie Dipl.-Med.
B._
auf eine Arbeitsunfähigkeit von 0 % in der bisherigen und in einer angepassten Tätigkeit kam
, da diesbe
züg
lich
jegliche Begründung fehlt
. Die RAD-Ärztin hat den Beschwerdeführer nicht persönlich untersucht
(Urk. 6/14/2-3)
, sondern verwies einzig auf den Arztbericht der behandelnden Psychiate
rin
, welche
jedoch
von einer 100%igen Arbeitsun
fähig
keit in der angestammten Tätigkeit seit November 2016 ausging (Urk. 6/11 S. 2 Ziff. 1.3)
.
Dipl.-Med.
B._
setzte sich in keiner
Weise mit der unter
schiedlichen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch
Dr.
A._
auseinan
der
und ignorierte die Diagnose einer Depression im Bericht der behandelnden Ärztin (E. 3.1) gar gänzlich
.
4.2
Nach dem Gesagten durfte die Beschwerdegegnerin ihre Leistungsablehnung nicht
auf die Einschätzung ihrer
RAD-
Ärztin
abstützen
(vgl. E. 1.5)
.
In den Akten
finden sich sodann keine fachärztlichen Stellungnahmen, welche ein abschlies
sendes Bild betreffend
Gesundheitszustand und
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers erlauben.
Abgesehen davon, d
ass eine direkte
Leistungszusprache
einzig gestützt auf die Angaben behandelnder Ärztinnen und Ärzte mit Blick auf deren auf
tragsrechtliches Verhältnis zur versicherten Person im S
treitfall kaum je in Frage kommt
(
BGE 135 V 465
E. 4.5
), erweist sich
d
ie von
Dr.
A._
postulierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit in ang
estammter Tätigkeit insbesondere unter Be
rück
sichtigung der nur pauschal umschriebenen Funktionseinschränkungen des Beschwerdeführers (fehlende Konzentration und Ausdauer, Müdigkeit, Erschöp
fung, Impulsivität; Urk. 6/11 S
4 Ziff. 3.4)
als
nicht
genügend
nachvollziehbar.
Angaben
zum Umfang der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit fehlen gänzlich
(S. 5 Ziff. 4.2)
.
Es ist sodann zu berücksichtigen, dass die behandelnde Psy
chiaterin den Beschwerdeführer
seit Aufnahme der ambulanten Behandlung im Jahre 2018 lediglich drei- bis viermal
pro Jahr gesehen hat (S. 2 Ziff. 1.1 f.)
und den Akten keine Hinweise auf eine anderweitige psychotherapeutische Be
handlung im genannten Ze
itraum entnommen werden können
, was bei einer attestierten Arbeitsunfähigkeit von 100 % überrascht.
Ebenso wenig
überzeugt
unter diesem Aspekt
die von
Dr.
A._
erwähnte schlec
hte Prognose –
welche
einzig
mit dem Fehlen einer geregelten Arbeit seit neun Jahren be
gründet wurde (S. 3 Ziff. 2.7) -, nachdem
sich in den Akten insbesondere keine
Anhaltspunkte
darauf finden, dass beim Beschwerdeführer
in der Vergangenheit
eine tagesklinische oder stationäre Behandlung stattgefunden hat. Nichts
anderes
folgt aus dem ärztlichen Zeugnis der behandelnden Psychiaterin vom 22. Mai 20
19 (Urk. 6/2/5) betreffend eine 100%ige A
rbeitsunfähigkeit, da eine entspre
chende Begründung fehlt
. Im Bericht von Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Psy
chiatrie und Psychotherapie, vom 19. Oktober 2017 (Urk. 6/2/6) wird im Wes
ent
lichen
festgehalten
, dass dem Beschwerdeführer
die Einnahme von
Temesta
2 mg
gemäss eigenen Angaben sehr gut geholfen habe, er endlich frei von Angst sei und sich nun wieder darauf konzentrieren könne, in der Schweiz Fuss zu fassen.
Der Bericht vom 15. August 2017 (Urk. 6/2/3-4) – welcher nicht von einer Arzt
person verfasst wurde - betrifft
die Zeit vom
Februar 2010 bis Februar 2011
, mithin eine Zeitperiode, welche zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung über zehn Jahre zurücklag, so dass er im vorliegenden Beschwerde
verfahren nicht oder zumindest nur in sehr geringem Umfang relevant ist. Im Übrigen ist im
genannten
Bericht von einer
Zustandsverbesserung
aufgrund der Therapie die Rede, weshalb sich der Beschwerdeführer auf die Stellensuche habe
konzentrieren
wollen und den weiteren Therapiesitzungen ferngeblieben sei. Gleiches gilt mit Bezug auf den Bericht des Medizinischen Zentrums
D._
, welche
r
vom 1. Dezemb
er 2009 datiert und in welchem
eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
erwähnt wurde (Urk. 6/2
/1-2
).
Was
im Übrigen
die Schilde
rungen des Beschwerdeführers bezüglich seiner Beschwerden im Einwand vom 21. Juni 2021 (Urk. 6/25) angeht, ist festzuhalten, dass es sich dabei um rein subjektive Angaben des Beschwerdeführers handelt und diese mehrheitlich die Zeit als Kind/Jugendlicher respektive währe
nd seiner Anstellung beim
Z._
in den Jahren 2010 bis 2012 (vgl. Urk. 6/4/8) betrafen.
Dennoch hat die Beschwerdegegnerin im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (Art. 43 Abs. 1 und Abs. 1
bis
sowie Art. 61
lit
. c in Verbindung mit Art. 2 ATSG).
Indem sie trotz attestierter 100%iger Arbeitsunfähigkeit durch die behandelnde Psychiaterin und den Diagnosen eines ADHS, Panikattacken, Angst und Depression ohne Einholen einer aktuellen Einschätzung einer psychiatrischen Fachperson einzig auf die abweichende Aktenbeurteilung ihrer fachfremden RAD-Ärztin abstellte, hat sie ihre Untersuchungspflicht klar verletzt.
4.3
Nach dem Gesagten ist die Verfügung vom
13. Juli 2021 (Urk. 2)
aufzuheben und die Sache zu
r
D
urchführung weiterer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Hernach wird sie über die Rentenfrage
neu zu entscheiden und
dabei auch über die Gewährung beruflicher Massnahmen zu befinden
haben
.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
%1.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streit
wert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
8
0
0.-- anzusetzen. Ent
spre
chend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden
Beschwerde
geg
nerin
aufzuerlegen.
Damit erweist sich das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Prozessführung (Urk. 1 S. 1) als gegenstandslos.