# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 28174ea6-802c-58fd-9286-b93f5d12ac79
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1984,
ist Mutter eines 2008 zur W
elt gekommenen Sohnes und hat in
Kosovo eine Ausbildung zur Kr
ankenschwester absolviert (Urk.
6/6 f.). Ab dem 1. Januar 2013 war sie beim
Y._
als Pflegehilfe SRK in einem 60%-Pensum angestellt (Urk. 6/2/1 f.).
Von Januar 2013 bis August 2016 war sie ausse
rdem bei der Z._, A._
, tätig (Urk. 6/20).
Unter Hinweis auf
eine Epilepsie und eine Depression meldete sie sich am 12. Dezember 2018 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 6/7). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
holte nebst einem Arbeitgeberbericht (Urk. 6/2) insbesondere einen Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug, Urk. 6/20) sowie die Akten des Krankentaggeldversicherers ein (Urk. 6/18).
Per 31. Mai 2019 löste der
Y._
das Arbeitsverhältnis mit der Versicherten auf (Urk. 6/24).
Im weiteren Verlauf zog die IV-Stelle wiederum Akten des Krankentaggeldver
sicherers bei (Urk. 6/26-45, 6/50 und 6/57)
und holte Berichte der behandelnden Ärzte ein (Urk. 6/61, 6/64 f.). Am 22. Juni 2020 teilte sie der Versicherten schriftlich mit, dass keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien und der Rentenanspruch geprüft werde (Urk. 6/63). Im Rahmen eines Telefonats vom
30. September 2020 ersuchte die Versicherte um die
Gewährung
von Integrations
massnahmen (Urk. 6/66). Nach Rücksprache mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD; Stellungnahmen vom 18. Dezember 2020 und 3. März 2021,
Urk. 6/67/5-8)
stellte ihr die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 23. März 2021 die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 6/68). Dagegen
erhob
die behandelnde Psychiaterin der Versicherten mit Schreiben vom 4. Mai 2021
Einwand
(Urk. 6/71).
Am 18. Mai 2021 verfügte die IV-Stelle im angekündigten Sinne (Urk. 2 = Urk. 6/72).
2.
Dagegen erhob X._
am
17. Juni 2021 Beschwerde mit dem Rechts
begehren, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Beschwerdegeg
nerin sei zu verpflichten, sie mittels beruflicher Massnahmen zu unterstützen. Eventualiter sei die vorliegende Streitsache zu weiteren Abklärungen
insbesondere einer
bidisziplinären
Begutachtung
an die Beschwerdegeg
nerin zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 25. August 2021 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5), worüber die Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 26. August 2021 in Kenntnis gesetzt wurde (Urk. 7).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unab
hängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weit
gehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde
(§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom 18. Mai 2021
hielt die Beschwerdegegnerin im Wesentlichen fest, aus den medizinischen Unterlagen gehe hervor, dass die Beschwerdeführerin kurz nach Ablauf der einjährigen Wartezeit wieder ihre Tätigkeit als Pflegeassistentin im bisherigen 60%-Pensum hätte aufnehmen können. Folglich bestehe kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversiche
rung, da sie ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen erzielen könne. Für die Stellenvermittlung könne sich die Beschwerdeführerin an das Regionale Arbeitsvermittlungszentrum wenden (Urk. 2 S. 1).
2.2
In ihrer Beschwerdeschrift vom 17. Juni 2021 machte die Beschwerdeführerin zusammengefasst geltend,
es sei nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegeg
nerin den Rentenanspruch verneint hab
e. Gestützt auf die RAD-Beurteilungen sei jedoch ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden ausgewiesen.
Aufgrund der Beschwerden sei es ihr nicht mehr möglich, die bisherige Tätigkeit auszuüben, doch sei sie äusserst motiviert, eine leidensange
passte Tätigkeit zu finden. Es sei jedoch noch unklar, in welchem Umfang diese zumutbar wäre.
Seitens der Fachärzte sei der Beschwerdegegnerin mehrfach erläutert worden, dass sie auch aus medizinischer Sicht darauf angewiesen sei, mittels beruflicher Massnahmen unterstützt zu werden. Nachdem die Beschwer
degegnerin diese Unterstützung verweigert habe, sei sie dazu zu verpflichten. Falls der Anspruch auf berufliche Massnahmen noch nicht ausgewiesen sein sollte,
sei die Beschwerdegegnerin zu weiteren Abklärungen zu verpflichten,
in deren Rahmen
ein
bidisziplinäres
Gutachten der Fachrichtungen Neurologie und Psychiatrie einzuholen sei
(Urk. 1 S. 2 f. und S. 5
f.
).
2.3
Mit Beschwerdeantwort vom 25. August 2021
führte
die Beschwerdegegnerin
aus
, dass ein Anspruch auf berufliche Eingliederungsmassnahmen mangels Notwen
digkeit und Eignung ausser Betracht falle. Des Weiteren seien die Voraussetzun
gen für die einzelnen Massnahmen nicht erfüllt. Die Beschwerdeführerin sei
aus medizinischer Sicht als Pflegeassistentin in ihrem bisherigen Pensum von 60 % arbeitsfähig (Urk. 5).
3.
3.1
Die Beschwerdeführerin erlitt am 10. Juni 2018 erstmals einen generalisierten, tonisch-klonischen epileptischen Anfall, worauf sie bis zum 12. Juni 2018 im Spital
B._
hospitalisiert war.
Gemäss Bericht selben Datums
hätten
sich
im Rahmen einer EEG-Untersuchung (vgl. Urk. 6/18/48) epilepsieverdächtige Potentiale
gezeigt
, weshalb eine antiepileptische Therapie initiiert w
orden sei
(Urk. 6/18/42).
Dr. med. C._
, Fachärztin für Neurologie, führte am 27. Juli und 12. September 2018 weitere EEG-Untersuchungen durch (U
rk.
6/18/33, 6/18/37), wobei epilepsietypische Entladungen
aufgetreten seien
(Urk. 6/18/32, 6/18/36). Dr.
C._
attestierte ab dem 12. Juli 2018 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 6/18/65
). Zuvor war diese seitens des Hausarztes D
r.
med. D._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, bescheinigt worden (Urk.
6/18/56,
6/18/60-64).
3.2
Zuhanden des Krankentaggeldversicherers hielt Dr.
C._
mit Bericht vom 13. November 2018 fest, der Heilungsprozess
sei verzögert
, da momentan insbe
sondere eine depressive Episode sowie chronische Spannungskopfschmerzen im Vordergrund stünden. Die antiepileptische Medikation verursache nach wie vor eine deutliche Müdigkeit und leichten Schwindel. Die Arbeitsfähigkeit sei
sowohl
durch die erhöhte Müdigkeit
als auch die Aufmerksamkeits- und Konzentrations
störungen sowie die generelle psychomotorische Verlangsamung eingeschränkt. Bis zum 23. November 2018 liege eine 100%ige A
rbeitsunfähigkeit vor; danach sollte der Wiedereinstieg in die angestammte Tätigkeit zu 50 % möglich sein.
Eine psychologisch-psychiatrische Behandlung sei dringend indiziert
(Urk. 6/18/12)
.
3.3
Am 22. November 2018 wurde die Beschwerdeführerin im Spit
al
B._
neuropsychologisch-
verhaltensneurologisch untersucht. Dabei hätten sich
gemäss Bericht gleichen Datums
Minderleistungen in mehreren kognitiven Teil
funktionen eruieren lassen. Auf Verhaltensebene hätten affektive Auffälligkeiten im Sinne einer depressiven Verstimmung, Adynamie und Bedrücktheit mit verminderter Belastbarkeit sowie reduziertem Antrieb dominiert (Urk. 6/26/11).
Anamnestisch seien nebst Schlafproblemen ein
Schwankschwindel
und eine Übelkeit angegeben worden, wobei sich Letztere auch zusammen mit starken Kopfschmerzen während der gesamten Untersuchung und im Verlauf zunehmend verstärkt gezeigt hätten, was sich zusätzlich negativ auf die allgemeine kognitive Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin ausgewirkt habe. Insgesamt ent
sprächen die Befunde formal einer leichten neuropsychologischen Störung, am ehesten interpretierbar im Rahmen eines multifaktoriellen Geschehens.
Prinzipiell sei in rein kognitiver Hinsicht eine mehrstündige Arbeitstätigkeit im angestamm
ten Beruf als Pflegeassistentin zumutbar. Im Vordergrund der Befunde stünden
aktuell jedoch die depressive Symptomatik, die Müdigkeit respektive Erschöpf
barkeit und die reduzierte Belastbarkeit, sodass sich zurzeit ein beruflicher Wiedereinstieg deutlich schwierig gestalten dürfte. Eine fachpsychiatrische
Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit
sei
unerlässlich (Urk. 6/26/12).
3.4
Gemäss Bericht von Dr.
C._
vom 6. Februar 2019 habe die Beschwerdeführerin am 30. Januar 2019 mit hoher Wahrscheinlichkeit einen erneuten epileptischen A
nfall erlitten (Urk. 6/26/18). Im Rahmen zweier weiterer EEG-Untersuchungen vom 4. und 25. Februar 2019
zeigten sich epilepsieverdächtige Aktivitäten, weshalb eine Langzeit-EEG-Abklärung für
notwendig
erachtet wurde (Urk. 6/26/18, 6/26/20).
3.5
Im Auftrag des Krankentaggeldversicherers wurde die Beschwerdeführerin am 11. Juli 2019 erneut neuropsychologisch-verhaltensneurologisch unt
ersucht. Dr. med. E._
, Fachärztin für Neurologie, gelangte in ihrem Bericht vom 22. Juli 2019 zum Schluss, dass eine Diskrepanz zwischen der subjektiven Einschätzung der Arbeitsfähigkeit und den objektiv nur leicht leistungseinschränkenden Befunden bestehe.
Aus neuropsychologisch-leistungs
psychologischer Sicht ergebe sich sowohl für die angestammte Tätigkeit
als Pflegeassistentin als auch für jede andere bildungsadäquate Tätigkeit eine höchs
tens 20-30%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (Urk. 6/50/10).
3.6
Vom 8. bis 12. April 2019 war die Beschwerdeführerin zwecks Durchführung einer Langzeit-EEG-Abklärung erstmals in der Klinik
F._
hospitalisiert. Dem Austrittsbericht vom 21. M
ai 2019 ist zu entnehmen, dass
während 72 Stunden keine epileptischen Anfälle oder patiententypischen Ereignisse hätten
aufgezeich
net werden können
.
Interiktal
hätten sich jedoch ein bilateraler
mässiggradiger
Verlangsamungsherd mit linksbetont eingelagerten epilepsietypischen Potentia
len sowie
bifrontale
Spike-
Waves
(vier bis fünf pro Sekunde) finden lassen.
In der klinisch-psychologisch/psychiatrischen Exploration habe eine in zeitlich enger Korrelation zu den epileptischen Ereignissen neu aufgetretene depressive Störung eruiert werden können. Die quantitative Arbeitsfähigkeit sei im Rahmen der depressiven Episode eingeschränkt. Qualitativ bestünden die üblichen Einschränkungen im Rahmen einer Epilepsiediagnose mit Vermeidung von gefährlichen Arbeitssituationen sowie ungeschütztem Arbeiten in der Höhe
(Urk. 6/50/26 f.).
Zur Evaluation Absence-artiger Zustände wurde die Beschwerdeführerin vom 23. bis 27. Dezember 2019 erneut
stationär
in der Klinik
F._
untersucht.
Wesentliche Änderungen im Vergleich zum V
orbefund hätten
sich dabei
gemäss Austrittsbericht vom 17. Januar 2020
nicht
ergeben
(Urk. 6/65/41).
Es hätten weder epileptische Anfälle
ein solcher sei zuletzt im April 2019 aufgetreten
(vgl. Urk. 6/65/15)
noch Anfallsmuster registriert werden können, sodass aktuell kein
e
Hinweis
e
für noch bestehende epileptische Ereignisse
vorlägen und die
Epi
lepsie auch angesichts der geringen Anfallsfrequenz als derzeit suffizient einge
stellt zu werten sei
. Die von der Beschwerdeführerin berichteten Symptome seien vielmehr als Ausdruck der seit dem ersten Anfall im Jahr 2018 bekannten depressiven Symptomatik zu betrachten, welche in der klinisch-psycho
logisch/psychiatrischen Exploration weiterhin als mittelgradig imponiert habe
(Urk. 6/65/40).
3.7
Vom 2. September 2019 bis 28. Februar 2020 befand sich die Beschwerd
eführerin in der Psychiatrischen Klinik G._
in tagesklinischer Behand
lung, wobei dem
Bericht
vom
20. April 2020
folgende Diagnosen entnommen werden können (U
rk. 6/61/4
):
-
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
-
generalisierte idiopathische Epilepsie und epileptische Syndrome (ICD-10 G40.3).
Seit dem 2. September 2019 liege bis auf Weiteres eine 100%ige Arbeitsunfähig
keit für jede Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt vor. Empfehlenswert sei eine arbeitsorientierte Ergotherapie respektive eine Belastungs-/Potentialabklärung (Urk. 6/61/2, 6/61/4).
Der Besuch einer zwei- bis dreistündigen Wiedereingliede
rungsmassnahme erscheine realistisch umsetzbar, da dies weitestgehend dem Pensum des tagesklinischen Programms entspreche (Urk. 6/61/6).
3.8
Dr. med. H._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte in ihrem Bericht vom 7. Juli 2020 eine rezidivierende depressive Störung mit mittelgradiger depressiver Episode und somatischem Syndrom
(ICD-10 F33.11; Urk. 6/64/3). Aus psychiatrischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit weiterhin deutlich eingeschränkt, wobei auf Wunsch der Beschwerdeführerin keine Arbeitsunfähigkeit mehr attestiert worden sei (Urk. 6/64/2).
Zur korrekten Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
seien
durch die Invalidenversicherung unter
stützte Arb
eitsintegrationsmassnahmen empfehlenswert
(Urk. 6/64/6).
3.9
Der RAD-Stell
ungnahme von Dr. med. I._
, Fachärztin für Neurolo
gie, vom 18. Dezember 2020 ist folgende Diagnose mit dauerhaften Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu entnehmen (Urk. 6/67/5):
-
leichte neuropsychologische Störung im Rahmen der Epilepsie und Depression (Erstdiagnose November 2018).
Demgegenüber verneinte Dr.
I._
einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit in Bezug auf folgende Diagnosen (Urk. 6/67/5 f.):
-
Epilepsie unklarer Ursache (Erstdiagnose 10. Juni 2018)
-
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1; Erstdiagnose Juli 2018)
-
Spannungskopfschmerzen (Erstdiagnose 2018)
-
Arachnoidalzyste
, Zufallsbefund 10. Juni 2018, keine Operationsindi
kation.
Aufgrund der Epilepsie liege eine rein qualitative Einschr
änkung der Arbeits
fähigkeit vor, wobei
in Bezug auf das Belastungsprofil
der Einschätzung der Klinik
F._
gefolgt werden könne. Ausserdem habe die Beschwerdeführerin ab Juli 2018 eine mittelgradige depressive Störung entwickelt, welche regelrecht behandelt worden sei.
Dr.
E._
habe in verhaltensneurologisch-neuropsychologischer Hinsicht am 22. Juli 2019 insgesamt eine leichte neurokognitive Störung feststellen können.
Entsprechend den Begutachtungs
richt
linien sei eine Arbeitsunfähigkeit von 20-30 % ausgewiesen worden.
Ferner sei eine graduelle Reintegration in den angestammten Beruf empfohlen worden. Gesamthaft sei von einem dauerhaften Gesundheitsschaden auszugehen
(Urk. 6/67/6 f.).
Ergänzend hielt Dr.
I._
am 3. März 2021 insbesondere unter
Einbezug
des
Bericht
s
von
D
r.
H._
vom 7. Juli 2020 fest,
dass aus psychiatrischer Sicht aufgrund der mittelgradigen depressiven Episode eine Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit bestehe.
Von neuropsychologischer Seite sei bezogen auf ein 100%-Pensum eine 20-30%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden. In Anbetracht der fortbestehenden Depression sei mit überwiegender Wahrschein
lichkeit eher von einer 30%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Diese sei spätes
tens seit dem 22. Juli 2019 sowohl für die angestammte als auch für leidensadap
tierte Tätigkeiten ausgewiesen (Urk. 6/67/7 f.).
4.
4.1
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf Leistungen der Invalidenversicherung (vgl. vorstehende E. 2.1-2.3). Die Beschwerdegegnerin verneinte diesen in erster Linie auf der Grundlage der RAD-Stellungnahmen von Dr.
I._
vom 18. Dezember 2020 und 3. März 2021 (Urk. 6/67/5-8).
4.2
Die
RAD
stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzun
gen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invaliden
versicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der
Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgaben
bereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzun
gen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.3.2).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht
gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzuneh
men sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 145 V 97 E. 8.5, 142 V 58 E. 5.1 mit Hinweisen).
Reine Aktengutachten sind beweiskräftig, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich fest
stehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteil des Bundesgerichts 8C_750/2020 vom 23. April 2021 E. 4 mit Hinweisen).
4.3
4.3.1
Dr.
I._
vom RAD stützte sich in neurologischer Hinsicht
hauptsächlich auf die Berichte der Klinik
F._
,
in welcher
sich
die Beschwerdeführerin im April und Dezember 2019
jeweils einer Langzeit-EEG-Abklärung unterzogen hatte.
In Über
einstimmung mit der Einschätzung der Fachärzte der Klinik
F._
(Urk. 6/65/49) schloss Dr.
I._
auf eine rein qualitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Entsprechend hielt sie
in Bezug auf das
Belastungsprofil unter anderem fest, dass
Arbeiten in der Höhe sowie
die Benutzung
von Geräten mit Eigen- und Fremd
gefahr oder
das Führen
von Kraftfahrzeugen zu vermeiden sei
en
(Urk. 6/67/6).
Diese Beurteilung vermag zu überzeugen
, da i
nsbesondere keine Anhaltspunkte dafür
bestehen
, dass die diagnostizierte epileptische Erkrankung die Leistungs
fähigkeit der Beschwerdeführerin in zeitlicher Hinsicht
wesentlich beeinträchtigt. So
sind über
einen
Zeitraum von knapp zwei Jahren (Juni 2018 bis März 2020)
insgesamt
nur
vier epileptische Anfälle dokumentiert worden (vgl. Urk. 6/18/42, 6/26/18, 6/65/10 und 6/65/15).
Seitens der behandelnden Neurologin Dr.
C._
w
ar
ausserdem
soweit ersichtlich
bereits ab Mitte Dezember 2018 keine Arbeitsunfähigkeit mehr attestiert
worden
(vgl.
unter anderem
Urk. 6/26/14, 6/26/16
und Urk. 6/65/2
).
4.3.2
In ihrer ergänzenden Stellungnahme vom 3. März 2021 attestierte
Dr.
I._
der Beschwerdeführerin eine generelle
30%
ige
Arbeitsunfähigkeit aus
psychischen Gründen
.
Basis
dieser Einschätzung bildete in erster Linie
die neuropsycholo
gische Beurteilung von Dr.
E._
vom 22. Juli 2019 (vgl. U
rk.
6/67/6-8).
Anzumerken ist in diesem Zusammenhang zunächst, dass
eine neuropsycholo
gische Abklärung lediglich eine Zusatzuntersuchung darstellt, welche bei begründeter Indikation in Erwägung zu ziehen ist. E
s
ist
grundsätzlich Aufgabe eines psychiatrischen Facharztes, die Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung allfälliger neuropsychologischer D
efizite einzuschätzen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_11/2021 vom 16. April 2021 E. 4.2 mit Hinweisen)
, was im konkreten Fall nicht erfolgt ist. Die Beschwerdeführerin rügt des Weiteren zu Recht
(Urk. 1 S. 6)
, dass
der RAD
die während mehrerer Monate in der
G._
in Anspruch genommene tagesklinische Behandlung ausser Acht gelassen hat. Aus den RAD-Stellungnahmen ergibt sich nicht, ob
Dr.
I._
von diesen therapeutischen Bemühungen Kenntnis hatte; jedenfalls w
erden
sie nicht erwähnt
.
Eine Auseinandersetzung
mit den Berichten der
G._
wäre jedoch in Anbetracht des Umstands, dass die tagesklinische Behandlung
nach der Untersuchung durch
Dr.
E._
im Juli 2019 stattfand, umso mehr zu erwarten gewesen.
Die RAD-Ärztin
berücksichtigte
zwar immerhin
den Bericht der behandelnden Psychiaterin Dr.
H._
vom 7. Juli 2020. Die
Feststell
ung, wonach unverändert zum Zeit
punkt der neuropsychologischen Untersuchung durch Dr.
E._
eine Depression mittelgradiger Ausprägung bestanden habe (Urk. 6/67/6), mag zwar zutreffen (vgl. Urk. 6/50/13, 6/64/3).
Ob d
araus
allerdings
ohne Weiteres
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
der Schluss gezogen werden
k
ann
,
dass unverändert eine leichte neuropsychologische Störung vorgelegen habe, erscheint fraglich.
Es ist in diesem Kontext hervorzuheben, dass von einer Diagnose nicht direkt auf die Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit geschlossen werden kann (Urteil des
Bundesgerichts 9C_169/2021 vom 16. Juni 2021 E. 4.3.2 mit Hinwei
sen).
Dementsprechend sind
für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
falls es um psychische Erkrankungen
wie beispielsweise depressive Störungen
geht
–
systemati
sierte Indikatoren beachtlich, die es unter Berücksichtigung von leistungshindernden äusseren Belastungsfaktoren wie auch von Kompensations
potentialen (Ressourcen) erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (Urteil des Bundesgerichts 8C_214/2021 vom 31. August 2021 E. 3.2 mit Hinweisen).
Dies ist v
orliegend
nicht möglich, da
sich
weder D
r.
I._
noch die Beschwerdegegnerin mit den massgebenden Indikatoren (vgl. BGE 141 V 281 E
.
4.1.3) auseinander
setzten.
4.3.3
Nach dem Gesagten
ist der Beschwerdeführerin beizupflichten, dass
insofern
-
zumindest
geringe
-
Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
RAD-
Aktenbeurteilungen
bestehen
, als darin zur Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit aus psychischen Gründen Stellung genommen wird. I
n Nachachtung der bundes
gerichtlichen Praxis
kann darauf folglich
nicht abgestellt werden (vgl. vorstehende E. 4.2)
. D
ie Beschwerdegegnerin wird in Anbetracht des geltenden Untersuchungsgrundsatzes (Art. 43 Abs. 1 ATSG) weitere psychiatrische Abklärungen zu veranlassen haben.
Die zusätzlich von der Beschwerdeführerin
im
E
ventualantrag
anbegehrte
neuro
logische Begutachtung (vgl. Urk. 1 S. 6) erscheint nach derzeitiger Lage der Akten hingegen insbesondere mit Blick auf die
bereits
erfolgten Langzeitabklärungen der epileptischen Erkrankung in der Klinik
F._
nicht zwingend angezeigt.
Die Beschwerdegegnerin wird
zu prüfen haben, ob
und inwiefern sich der somatische Gesundheitszustand seit dem Erlass der angefochtenen Verfügung verändert hat.
Bei Bedarf
wird sie auch in diesem Zusammenhang weitergehende medizinische Abklärungen in die Wege zu leiten haben
, um die funktionelle Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin gesamthaft beurteilen zu können. Je
nach Ergebnis der medizinischen Abklärungen und der sich ergebenden Funktionseinschränkungen wird
schliesslich
auch eine Haushaltsabklärung in Betracht zu ziehen sein, da die Beschwerdeführerin
vor Eintritt des Gesundheitsschadens
sowohl im Erwerbs- als auch im Aufgabenbereich
tätig war
(vgl. U
rk.
6/21/2,
6/67/8).
5.
Zusammenfassend
ist festzuhalten, dass sich die medizinische Aktenlage für eine abschliessende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin und damit des Invaliditätsgrades als unzulänglich erweist. Folglich ist die angefoch
tene Verfügung vom 18. Mai 2021 (Urk. 2) aufzuheben und die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese nach ergänzender Abklärung
im Sinne der obigen Erwägungen
eine neue Beurteilung vornehme
und sodann über den Leistungsanspruch
insbesondere auch über denjenigen auf berufliche Eingliederungsmassnahmen
neu verfüge.
6.
6.1
Das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kanto
nalen Versicherungsgericht ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Im vorliegenden Verfahren sind sie ermessensweise auf Fr.
700.-- anzusetzen. Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 210 E. 7.1, 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
6.2
Nach Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1
GSVGer
hat die obsie
gende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses sowie dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
Mangels Vorliegens einer Honorarnote ist die Prozessentschädigung ermessens
weise festzusetzen. Unter Berücksichtigung der massgebenden Kriterien hat die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr.
1’600
.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.