# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** af499c85-c637-40a4-b5fb-0325613d3f84
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend mehrfache ungetreue Geschäftsbesorgung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Pfäffikon, Einzelgericht Strafsachen, vom 20. Juli 2018 (GG170027)
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Anklage
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 21. Dezember 2017
(Urk. 34) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 94)
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der mehrfachen ungetreuen Geschäftsbesorgung im Sinne von
Art. 158 Ziff. 1 StGB
− der mehrfachen üblen Nachrede im Sinne von Art. 173 StGB
− der mehrfachen versuchten Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB in
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB.
2. Von den Vorwürfen der Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 StGB und
der mehrfachen Verletzung des Geheim- und Privatbereichs durch Aufnah-
megeräte im Sinne von Art. 179quater StGB wird der Beschuldigte freigespro-
chen.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 210 Tagessätzen zu
Fr. 60.–.
4. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 4 Jahre
festgesetzt.
5. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 20.Dezember
2017 beschlagnahmten
- Buchhaltungsantrag B._ Services mit Vermerk: "gilt rückwirkend
ab 3.08.2012" (act. 11/3)
- Buchhaltungsantrag B._ Services mit Datum und Notizen
(act. 11/4)
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- Übertragung der Vollmacht auf C._ (Original) (act. 11/5)
- Darlehensvertrag D._ AG - E._ (act. 11/8)
- Arbeitsverträge F._ GmbH wie folgt:
- Arbeitsvertrag F._ GmbH mit A._ (act. 11/18/1)
- Arbeitsvertrag F._ GmbH mit A._ (Doppel) (act. 11/18/2)
- Arbeitsvertrag F._ GmbH mit E._ (act. 11/18/3)
- Kopie Operationsliste (act. 11/39)
- Kopie Patientenliste Anästhesie Pflege Februar 2015 (act. 11/40)
- Handschriftliche Briefe (act. 11/43) E._ an A._ wie folgt:
- Handschriftlicher Brief vom 08.10.2014
- Handschriftlicher Brief vom 19.01.2015
- Handschriftlicher Brief vom 21.01.2015
- Handschriftlicher Brief an C._, vom 16.02.2015
- Handschriftlicher Brief vom 17.02.2015
werden eingezogen und der Lagerungsbehörde zur Vernichtung überlassen.
6. Nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheides werden die folgenden, mit
Verfügung der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 5. Juli 2013 beschlag-
nahmten Gegenstände dem Beschuldigten auf erstes Verlangen herausge-
geben:
- Wild-Überwachungskamera "Maginon WK1" (Dossier 4)
- SDHC-Speicherkarte "Transcend" 32 GB (Dossier 4, act. 9)
sowie
Bundesordner
- 1 Bundesordner "SPITAL G._ [Ort] / H._" (grün)
- 1 Bundesordner "RECHTSÖFFNUNG E._-B._" (grün)
- 1 Bundesordner "RECHTSOEFFNUNG E._-A._" (grün)
- 1 Bundesordner "RECHTSOEFFNUNG HONORAR" (grün)
- 1 Bundesordner "LOHNFORDERUNG F._"
- 1 Bundesordner "SUEHNEVERHANDLUNG E._" (rot-schwarz)
Unterlagen zugeordnet zu Beschuldigten
- Diverse Unterlagen A._ (pers. Korrespondenz, Notizen etc.)
- 4 -
- Kopien von Briefkorrespondenz mit SMS mit E._
- Diverse Quittungen und Zahlungsbelege A._
- Akten Zivilverfahren (Urteile, Verfügungen, Rechtsschriften etc.) betref-
fend Rechtsstreitigkeiten mit I._ & Co.
- Juristische Fachtexte Internetausdrucke und Vorlagen
- Div. Rechnungen A._ neutrale Finanzdienstleistungen je mit Bei-
lagen
Unterlagen und Gegenstände F._ GmbH
- Diverse Schreiben A._ an E._
- Diverse ungeöffnete Briefe von A._ an Dritte
- Diverse voradressierte Briefcouverts
Büromaterial in Plastikbox
- Unterschriftsmappen braun, 2 Stück
- Bundesordner leer, 3 Stück (2x grün, 1x rot)
- Hängeregister, 2 Stück
- Diverse Sichtmäppchen
Originalakten im Hauptdossier
- Verfügung Friedensrichteramt J._ 17.09.2015 (act. 11/2)
- Zahlungsauftrag A._ an K._ [Bank] (act. 11/9)
- K._ Formular für Zahlungen, der D._ AG (act. 11/10)
- Belastungsanzeige K._ Konto, D._ AG (act. 11/11)
- E-Mail A._ an L._ Bank, M._ (act. 11/13)
- Betreibungsregisterauszug E._ (act. 11/21)
- Gutschriftanzeiger K._ Fr. 500.– F._ an A._ (act. 11/25)
- Gutschriftanzeige K._ Fr. 140.– F._ an A._ (act. 11/26)
- Notizzettel "1'500.– Honorar N._ an A._ [...]" (act. 11/27)
- Rechnung B._ Services an F._ GmbH (act. 11/29)
- Kündigungsschreiben A._ an F._ GmbH (act. 11/30)
- Übersichtstabelle "Schlussrechnung F._" an A._ (act. 11/31)
- Übersichtstabelle "Kostenaufstellung F._" A._ (act. 11/32)
- Schreiben RA O._ - Widerruf Generalvollmacht (act. 11/33)
- Strafanzeige A._ an die Staatsanwaltschaft St. Gallen (act. 11/34)
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- "Inventarliste Übergabe F._ 05.10.2015" A._ (act. 11/35)
- Briefe von A._ an das Spital G._ (sep. Verzeichnis)
(act. 11/37)
- SMS Korrespondenz 16 A-4 Seiten mit Screenshots (act. 11/41)
- Farbfotografien von Aktenordnern und Unterlagen A._
(act. 11/42).
Werden die Gegenstände nicht innert 90 Tagen ab Rechtskraft dieses Ent-
scheides abgeholt, wird Verzicht angenommen und die Gegenstände wer-
den vernichtet.
7. Nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheides werden die folgenden, mit
Verfügung der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 5. Juli 2013 beschlag-
nahmten Gegenstände dem Privatkläger 1 auf erstes Verlangen herausge-
geben:
Bundesordner
- 1 Bundesordner "I._ CO" (gelb)
- 1 Bundesordner "E._" (gelb)
- 1 Bundesordner "AHV-PK F._" (grün)
- 1 Bundesordner "E._" (grau)
Unterlagen zugeordnet zu Privatkläger 1
- Akten E._ (persönliche Korrespondenz, Abrechnungen P._,
Steuererklärungen, Verträge, Notizen etc.)
- P._ Dossiers E._ (5 Stück)
Unterlagen und Gegenstände F._ GmbH
- Geschäftliche E-Mails A._ betr. F._ GmbH
- Prospekte F._ GmbH und Q._ AG
- Visitenkarten F._ GmbH A._
- Daten CD-R, enthalten pdf-Dateien
- Buchhaltungsunterlagen B._ Services (eingereicht von C._
anlässlich der EV vom 25.02.2017)
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Originalakten im Hauptdossier
- Original Generalvollmachten mit Substitutionsbefugnis (act. 11/1) wie
folgt:
- Generalvollmacht E._ an A._ mit amtlicher Beglaubi-
gung (Original)
- Generalvollmacht F._ GmbH an A._ (Original)
- Generalvollmacht F._ GmbH an A._ (Kopie)
- Widerruf der Generalvollmacht mit handschriftlichen Notizen
E._
- Auftrag Interessenwahrung im Rechtsstreit I._ & Co., unterzeich-
net von A._ (act. 11/6)
- Auftrag Interessenwahrung im Rechtsstreit I._ & Co., unterzeich-
net von A._ (act. 11/7)
- Abtretungserklärung E._ vom 07.06.2012 (act. 11/12)
- Öffentliche Beurkundung Gründung F._ GmbH (act. 11/15)
- R._-Erklärung E._ (act. 11/16)
- Vollmacht E._ und F._ GmbH an A._ (Kopie) "Reklama-
tionen, Beschwerden und Abklärungen von I._ & Co. ..."
(act. 11/19)
- Vollmacht E._ und F._ GmbH an A._ (Kopie) "Aktenein-
sicht Rechtsöffnungsverfahren I._ & Co. gegen E._"
(act. 11/20)
- Makler - Vereinbarung, Allfinanzbroker und F._ (act. 11/22)
- Vertrag Übertragung von Stammanteilen F._ (act. 11/23)
- Protokoll 1. Gesellschafterversammlung der F._ (act. 11/24)
- Notizzettel mit Blankounterschriften E._
- Zusammenstellung von Dokumenten durch A._ "Herausgabe Un-
terlagen - Urteil Bezirksgericht Pfäffikon ZH 3.12.2015" (separates Ver-
zeichnis) (act. 11/36)
- Kopie Mitarbeiterausweis E._ Spital G._.
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Werden die Gegenstände nicht innert 90 Tagen ab Rechtskraft dieses Ent-
scheides abgeholt, wird Verzicht angenommen und die Gegenstände wer-
den vernichtet.
8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 2 Fr. 100.– als Genug-
tuung zu bezahlen.
9. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf
Fr. 3'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 5'000.– Gebühr für das Vorverfahren.
Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert
sich die Gerichtsgebühr um einen Drittel.
10. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden der
Beschuldigten zu 4/5 auferlegt und zu 1/5 auf die Gerichtskasse genommen.
11. Dem Beschuldigten wird eine Prozessentschädigung von Fr. 1'500.– für an-
waltliche Verteidigung aus der Gerichtskasse zugesprochen.
12. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 1 für das gesamte Ver-
fahren eine reduzierte Prozessentschädigung von Fr. 15'000.– zu bezahlen.
13. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 2 für das gesamte Ver-
fahren eine reduzierte Prozessentschädigung von Fr. 2'000.– zu bezahlen.
14. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 3 für das gesamte Ver-
fahren eine Prozessentschädigung von Fr. 6'000.– zu bezahlen.
15. Die Privatklägerin 4 wird mit ihrem Schadenersatzbegehren auf den Weg
des Zivilprozesses verwiesen.
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Berufungsanträge
a) Der Verteidigung:
(schriftlich, Urk. 96; Prot. II S. 2 f.)
"1. Dispositiv-Ziffer 1 des Urteils des Bezirksgerichts Pfäffikon ZH vom 20. Juli
2018 (Geschäfts-Nr. GG170027-H/U) sei aufzuheben hinsichtlich der Tatbe-
stände mehrfache ungetreue Geschäftsbesorgung im Sinne von Art. 158
Ziff. 1 StGB und der mehrfach versuchten Nötigung im Sinne von Art. 181
StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB und es sei der Berufungskläger von diesen
Tatbeständen vollumfänglich freizusprechen.
2. Dispositiv-Ziffer 3 des Urteils des Bezirksgerichts Pfäffikon ZH vom 20. Juli
2018 (Geschäfts-Nr. GG170027-H/U) sei aufzuheben und die Geldstrafe für
die vorliegend nicht angefochtene mehrfache üble Nachrede im Sinne von
Art. 173 StGB nach Ermessen des Gerichts neu festzusetzen.
3. Dispositiv-Ziffern 9, 10, 11, 12 und 13 des Urteils des Bezirksgerichts Pfäf-
fikon ZH vom 20. Juli 2018 (Geschäfts-Nr. GG170027-H/U) seien aufzuhe-
ben und die Kostenfolgen neu zu regeln.
4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates."
c) Der Privatklägerin 4:
(Prot. II S. 6)
" 1) Die Rechtsbegehren Ziff. 1. und Ziff. 3 in der Berufung des Beschuldig-
ten A._ vom 11. Dezember 2018 seien abzuweisen.
2) Ziff. 1 Spiegelstrich 1 und Ziff. 12 des Dispositivs des angefochtenen Ur-
teils vom 20. Juli 2019 seien vollumfänglich zu bestätigen.
3) Alles unter Kosten und Entschädigungsfolge zu Lasten des Beschuldig-
ten A._."
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d) Der Privatklägerin 2:
(schriftlich; Urk. 102; sinngemäss)
Verzicht auf Anschlussberufung und Bestätigung des vorinstanzlichen Ur-
teils.
d) Der Privatklägerin 1 und 3:
(sinngemäss)
Verzicht auf Anschlussberufung.
d) Der Staatsanwaltschaft See / Oberland des Kantons Zürich:
(schriftlich; Urk. 101; sinngemäss)
Verzicht auf Anschlussberufung und Bestätigung des vorinstanzlichen Ur-
teils.
_

## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte
1. Das Bezirksgericht Pfäffikon, Einzelgericht Strafsachen, entschied mit Urteil
vom 20. Juli 2018 im Verfahren GG170027 über die vorliegende Anklage. Gegen
dieses Urteil liess der erbetene Verteidiger des Beschuldigten mit Eingabe vom
13. August 2018 (Urk. 86) innert Frist (vgl. Urk. 85/8) Berufung anmelden. Das
vollständig begründete Urteil (Urk. 91) wurde von der Staatsanwaltschaft
See/Oberland des Kantons Zürich (hernach Anklagebehörde oder Staatsanwalt-
schaft) am 21. November 2018 (Urk. 93/2), von den Privatklägern 1-4 jeweils am
22. November 2018 (Urk. 93/3-5) und von der Verteidigung am 26. November
2018 (Urk. 93/1) entgegengenommen. Mit Eingabe vom 11. Dezember 2018 ging
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die Berufungserklärung des Beschuldigten am 12. Dezember 2018 hierorts ein
(Urk. 96). Mit Präsidialverfügung vom 3. Januar 2019 (Urk. 99) wurde der Staats-
anwaltschaft sowie den Privatklägern unter Hinweis auf die Berufungserklärung
des Beschuldigten Frist zur Erhebung einer Anschlussberufung bzw. zum Antrag
auf Nichteintreten auf die Berufung angesetzt. Mit Eingabe vom 7. Januar 2019
(Urk. 101) wurde seitens der Staatsanwaltschaft wie mit Eingabe vom 24. Januar
2019 (Urk. 102) seitens des Rechtsvertreters der Privatklägerin 2 jeweils mitge-
teilt, dass keine Anschlussberufung erhoben werde und die Bestätigung des vor-
instanzlichen Urteils beantragt werde. Die weiteren Privatkläger liessen sich dem-
gegenüber diesbezüglich nicht vernehmen (Empfangsbestätigungen: Urk. 100/3-
4). Mit Beschluss vom 8. Februar 2019 (Urk. 2019) wurde auf entsprechendes
Begehren der Privatklägerin 3 vom 25. Januar 2019 (Urk. 103) die Rechtskraft
von Dispositiv-Ziffer 14 des vorinstanzlichen Urteils hinsichtlich der Verpflichtung
des Beschuldigten, der Privatklägerin 3 eine Prozessentschädigung von
Fr. 6'000.– zu bezahlen, festgestellt.
2. Die Vorladungen an die Staatsanwaltschaft, die Privatkläger und den Be-
schuldigten zur Berufungsverhandlung ergingen am 25. Juni 2019 (Urk. 108).
3. Die Berufungsverhandlung, an welcher die Verfahren gegen den Beschul-
digten A._ und gegen die (teilweise Mit-) Beschuldigte C._ (separates
Verfahren SB180512) gemeinsam verhandelt wurden, fand am 19. November
2019 statt. Erschienen sind der Beschuldigte und C._ mit ihrem Verteidiger
sowie der Privatkläger 1, E._, in Begleitung von Rechtsanwalt lic. iur.
Y._, welcher neben dem Privatkläger 1 auch die Privatklägerin 4 (S._
GmbH, ehemals F._ GmbH) vertritt.
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II. Prozessuales
A. Mehrfachverteidigung
1.1. Die beschuldigte Person kann im Strafverfahren zur Wahrung ihrer Interes-
sen grundsätzlich einen Rechtsbeistand ihrer Wahl bestellen (Art. 127 Abs. 1 und
129 Abs. 1 StPO, Art. 32 Abs. 2 BV, Art. 6 Ziff. 3 lit. c EMRK sowie Art. 14 Abs. 3
UNO-Pakt II). Das Recht auf freie Verteidigerwahl ist aber nicht unbeschränkt.
Vorbehalten bleiben die strafprozessualen und berufsrechtlichen Vorschriften und
Zulassungsvoraussetzungen. Die Verteidigungsrechte der beschuldigten Person
finden eine Schranke überdies an den Parteirechten der übrigen Verfahrensbetei-
ligten (Urteil 1B_7/2009 vom 16. März 2009 E. 5, nicht publ. in: BGE 135 I 261).
1.2. Nach Art. 127 Abs. 3 StPO kann ein Rechtsbeistand in den Schranken von
Gesetz und Standesregeln im gleichen Verfahren die Interessen mehrerer Verfah-
rensbeteiligter wahren. In diesem Zusammenhang zu beachten ist insbesondere
Art. 12 lit. c des Anwaltsgesetzes (BGFA; SR 935.61), wonach Anwältinnen und
Anwälte jeden Konflikt zwischen den Interessen ihrer Klientschaft und den Perso-
nen, mit denen sie geschäftlich oder privat in Beziehung stehen, zu meiden ha-
ben. Bedingung dafür, dass Anwältinnen und Anwälte im gleichen Strafverfahren
die Interessen mehrerer Verfahrensbeteiligter wahren dürfen, ist demnach, dass
in Bezug auf die einzelnen Verfahrensbeteiligten keine Interessenkollision oder
auch nur der Anschein einer solchen Kollision bestehen darf (vgl. Botschaft zur
Vereinheitlichung des Strafprozessrechts, BBl 2006 1085, S. 1176).
1.3. Bei Mehrfach-Verteidigungsmandaten desselben Rechtsvertreters für ver-
schiedene Mitbeschuldigte besteht nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts
grundsätzlich ein Interessenkonflikt, der gestützt auf das Anwaltsberufs- und
Strafprozessrecht einen Verfahrensausschluss eines erbetenen privaten Verteidi-
gers durch die Verfahrensleitung rechtfertigen kann. Von besonderen Ausnahme-
fällen abgesehen dürfen Anwältinnen und Anwälte keine Mehrfachverteidigungen
von Mitbeschuldigten ausüben. Dies selbst dann nicht, wenn die Mandanten der
Doppelvertretung zustimmen, oder wenn der Verteidiger beabsichtigt, für alle Be-
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schuldigten auf Freispruch zu plädieren. Bei ihrem Entscheid über die Nichtzulas-
sung bzw. Abberufung von Anwälten hat die Verfahrensleitung entsprechenden
Interessenkonflikten in jedem Verfahrensstadium vorausschauend Rechnung zu
tragen. Eine Mehrfachverteidigung von verschiedenen Mitbeschuldigten könnte
allenfalls (im Interesse der Verfahrenseffizienz) ausnahmsweise erlaubt sein, so-
fern die Mitbeschuldigten durchwegs identische und widerspruchsfreie Sachver-
haltsdarstellungen geben und ihre Prozessinteressen nach den konkreten Um-
ständen nicht divergieren (Urteil 1B_613/2012 vom 29. Januar 2013 E. 2.; Urteil
6B_1073/2010 vom 21. Juni 2011 E. 1.2.2; Urteil 1B_7/2009 vom 16. März 2009
E. 5.5 und E. 5.8 mit Hinweisen, nicht publ. in: BGE 135 I 261).
2. Um einen Freispruch oder ein möglichst mildes Urteil zu erreichen, kann je-
de von mehreren beschuldigten Personen versucht sein, mitbeschuldigte Perso-
nen zu belasten, womit eine wirksame Verteidigung durch den gleichen Rechts-
anwalt nicht mehr gewährleistet wäre (LIEBER, IN: DONATSCH/HANSJAKOB/LIEBER
[HRSG.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. A., Zürich
2014, Art. 127 StPO N 12 m.w.H.). Dies erscheint im vorliegenden Strafverfahren
ausgeschlossen. So werden die beiden Beschuldigten – der Beschuldigte in vor-
liegendem Verfahren und die Beschuldigte im Verfahren SB180512 – vor Beru-
fungsinstanz lediglich hinsichtlich des Vorwurfs des Nötigungsversuchs nament-
lich vom 10. Juni 2017 der gleichen Tat angeklagt. Dabei sollen sie die versuchte
Nötigung durch gleichmassgebliches, arbeitsteiliges Zusammenwirken bei der
Ausführung begangen haben, wobei jeder, soweit er nicht selber gehandelt habe,
mit den Tathandlungen des anderen einverstanden gewesen sei (vgl. Urk. 34
S. 12). Diesbezüglich ist massgebend, dass beide Beschuldigten den in Frage
stehenden Anklagesachverhalt in objektiver Hinsicht anerkannten und ihn ledig-
lich in subjektiver Hinsicht bestritten, ohne sich dabei gegenseitig wesentlich zu
belasten. Unter diesen Umständen steht die Mehrfachvertretung durch den je-
weils erbetenen Rechtsvertreter Rechtsanwalt lic. iur. et lic. oec. publ. X._
einer jeweils wirksamen Verteidigung nicht entgegen, weil divergierende Prozess-
interessen der mitbeschuldigten Personen in rechtsgenügendem Mass ausge-
schlossen werden können. Abgesehen davon resultiert hinsichtlich des in Frage
stehenden Nötigungsversuchs auch ein Freispruch für beide Beschuldigten
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(s. nachstehend E. III.4. bzw. Verfahren SB180512). Die Mehrfachvertretung er-
weist sich demnach vorliegend so oder anders als zulässig.
B. Verwertbarkeit / Konfrontationsrecht
1. Nach Art. 147 Abs. 1 Satz 1 StPO haben die Parteien das Recht, bei Be-
weiserhebungen durch die Staatsanwaltschaft und die Gerichte anwesend zu sein
und einvernommenen Personen Fragen zu stellen. Der Anspruch auf Teilnahme
an den Beweiserhebungen im Untersuchungs- und Hauptverfahren gilt grundsätz-
lich auch für die Einvernahme von Mitbeschuldigten (BGE 140 IV 172 E. 1.2.2;
139 IV 25 E. 5.1-5.3; je mit Hinweisen). Beweise, die in Verletzung dieser Be-
stimmung erhoben worden sind, dürfen nach Art. 147 Abs. 4 StPO nicht zulasten
der Partei verwendet werden, die nicht anwesend war. Das Recht, bei Beweiser-
hebungen durch die Staatsanwaltschaft und die Gerichte anwesend zu sein und
einvernommenen Personen Fragen zu stellen, setzt Parteistellung voraus. Partei-
en sind die beschuldigte Person, die Privatklägerschaft sowie im Haupt- und im
Rechtsmittelverfahren die Staatsanwaltschaft (Art. 104 Abs. 1 StPO). Der in Art. 6
Ziff. 3 lit. d EMRK garantierte Anspruch der beschuldigten Person, den Belas-
tungszeugen Fragen zu stellen, ist ein besonderer Aspekt des Rechts auf ein fai-
res Verfahren. Dieser Anspruch wird als Konkretisierung des rechtlichen Gehörs
(Art. 29 Abs. 2 BV) auch durch Art. 32 Abs. 2 BV gewährleistet (BGE 131 I 476
E. 2.2; 129 I 151 E. 3.1 mit Hinweisen). Der Begriff des Zeugen im Sinne von
Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK ist autonom und ohne formelle Bindung an das nationale
Recht auszulegen. Als Aussagen von Zeugen gelten all jene, die formell zugelas-
sen sind, dem Gericht zur Kenntnis kommen und von ihm verwendet werden kön-
nen (BGE 131 I 476 E. 2.2; 125 I 127 E. 6a mit Hinweisen). Damit der von Art. 6
Ziff. 3 lit. d EMRK garantierte Anspruch gewahrt ist, muss die beschuldigte Person
namentlich in der Lage sein, die Glaubhaftigkeit einer Aussage prüfen und den
Beweiswert in kontradiktorischer Weise auf die Probe und infrage stellen zu kön-
nen (BGE 133 I 33 E. 2.2; 131 I 476 E. 2.2; 129 I 151 E. 4.2; je mit Hinweisen).
Das kann entweder zum Zeitpunkt erfolgen, zu dem der Belastungszeuge seine
Aussage macht, oder auch in einem späteren Verfahrensstadium (BGE 131 I 476
E. 2.2; 125 I 127 E. 6b mit Hinweisen; Urteil 6B_611/2015 vom 17. Dezember
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2015 E. 1.3.2). Der Beschuldigte verwirkt sein Recht auf die Stellung von Ergän-
zungsfragen nicht dadurch, dass er es erst im Rahmen der Berufung geltend
macht (Urteile 6B_529/2014 vom 10. Dezember 2014 E. 5.2, nicht publ. in: BGE
140 IV 196; 6B_98/2014 vom 30. September 2014 E. 3.4 und 6B_510/2013 vom
3. März 2014 E. 1.3.2 mit Hinweisen).
2. Vorliegend wurde C._ am 25. Februar 2016 (Urk. D1/19) von der Poli-
zei in Abwesenheit des Beschuldigten und seiner Verteidigung einvernommen.
Deshalb ist diese Einvernahme infolge unterbliebener Konfrontation und der nicht
bestehenden Möglichkeit für den Beschuldigten, Ergänzungsfragen zu stellen,
nicht zu Ungunsten des Beschuldigten verwertbar, zumal er – soweit ersichtlich –
auch nicht auf seine entsprechenden Rechte verzichtet hat.
C. Teilrechtskraft
1. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung auf-
schiebende Wirkung und wird die Rechtskraft des angefochtenen Urteils dement-
sprechend gehemmt. Das Berufungsgericht überprüft somit das erstinstanzliche
Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). Dabei ist es na-
heliegend, dass weitere nicht angefochtene Punkte in die Überprüfung des Urteils
einzubeziehen sind, wenn eine enge Konnexität mit den angefochtenen Punkten
besteht. Entsprechend ist im Zusammenhang mit einer Überprüfung des Straf-
masses regelmässig auch über den bedingten oder unbedingten Vollzug bzw. die
Dauer der Probezeit zu entscheiden (vgl. dazu HUG/SCHEIDEGGER, IN: DO-
NATSCH/HANSJAKOB/LIEBER [HRSG.], a.a.O., Art. 399 StPO N 20 m.w.H.; NIKLAUS
SCHMID/DANIEL JOSITSCH, SCHWEIZERISCHE STRAFPROZESSORDNUNG, PRAXISKOM-
MENTAR [KURZ: PRAXISKOMMENTAR STPO], 3. A., Zürich/St. Gallen 2018, Art. 399
StPO N 18; BSK StPO II-SPRENGER, Art. 437 StPO N 31 f.). Auch wenn das Beru-
fungsgericht nur die angefochtenen Punkte neu beurteilt, fällt es am Ende ein ins-
gesamt neues Urteil (Art. 408 StPO), worin es jedoch anzugeben hat, welche
Punkte bereits früher in Rechtskraft erwachsen sind (Urteile des Bundesgerichtes
vom 3. April 2013 6B_482/2012 E. 5.3. und vom 14. November 2012 6B_99/2012
E. 5.3.).
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2. Vorab ist festzustellen, dass das Urteil des Bezirksgerichts Pfäffikon, Einzel-
gericht Strafsachen, vom 20. Juli 2018 (Urk. 94) hinsichtlich Dispositiv-Ziffern 1
teilweise (Schuldspruch mehrfache üble Nachrede), 2 (Freispruch von den Vor-
würfen der Veruntreuung und der mehrfachen Verletzung des Geheims- und Pri-
vatbereichs durch Aufnahmegeräte), 5 (Beschlagnahme und Vernichtung), 6 (Be-
schlagnahme und Herausgabe an den Beschuldigten), 7 (Beschlagnahme und
Herausgabe an den Privatkläger 1), 8 (Genugtuung Privatklägerin 2) und 15
(Verweis Privatklägerin 4 mit Schadenersatzbegehren auf den Zivilweg) in
Rechtskraft erwachsen ist, was mittels Beschlusses festzuhalten ist. Bereits vorab
mit Beschluss vom 8. Februar 2019 (Urk. 2019) wurde die Rechtskraft von Dispo-
sitiv-Ziffer 14 (Verpflichtung des Beschuldigten, der Privatklägerin 3 eine Pro-
zessentschädigung von Fr. 6'000.– zu bezahlen) festgestellt (s. vorstehend unter
E. I.1.).
III. Materielles
A. Anklagevorwurf
Seitens der Vorinstanz wurde der dem Beschuldigten zur Last gelegte Anklage-
vorwurf umfassend und zutreffend wiedergegeben (Urk. 94 E. II.1.1. u. 1.6.), wes-
halb vollumfänglich darauf verwiesen werden kann. Nicht zu beurteilen verbleiben
vor Berufungsinstanz die Vorwürfe der Veruntreuung, der mehrfachen üblen
Nachrede sowie der mehrfachen Verletzung des Geheim- und Privatbereichs
durch Aufnahmegeräte, bezüglich welchen einerseits (üble Nachrede) der
Schuldspruch unangefochten blieb und andererseits (Veruntreuung und Verlet-
zung des Geheim- und Privatbereichs durch Aufnahmegeräte) ein (rechtskräfti-
ger) Freispruch ergangen ist.
B. Standpunkt des Beschuldigten
1. Der Beschuldigte bzw. seine Verteidigung bestreiten den ihm vorgeworfenen
Anklagesachverhalt.
- 16 -
2. Hinsichtlich des Vorwurfs der ungetreuen Geschäftsbesorgung macht der
Beschuldigte geltend, dass es sich bei den in Frage stehenden Zahlungen im Ge-
samtbetrag von Fr. 10'141.60 – welche er in dieser Höhe auch anerkennt – alle-
samt um (Akonto-) Lohnzahlungen bzw. um Provisionszahlungen gehandelt habe,
wobei diese Transaktionen von Seiten des Inhabers der F._ GmbH, E._,
mündlich autorisiert worden seien (Urk. D1/22 insb. S. 8 ff.; Prot. I S. 17 f., 24 u.
41; Prot. II S. 17).
3. Hinsichtlich des Vorwurfs der versuchten Nötigung anerkennt der Beschul-
digte, dass Tierkot gesammelt wurde und er diesen am 10. Juni 2017 an der in
der Anklage umschriebenen Stelle auf dem eigenen Grundstück deponiert hatte
(Prot. II S. 24). Demgegenüber bestreitet er, dass er dadurch die Privatklägerin 2
und ihre Familienangehörige aufgrund des dadurch herbeigeführten auf diese
Stelle konzentrierten, penetranten Gestankes dazu zwingen wollte, auf den Auf-
enthalt auf ihrem Vorplatz und der dort eingerichteten Lounge zu verzichten
(Urk. D1/22 S. 44 ff.; Prot. I S. 31 ff. ; Prot. II S. 24 f.).
C. Beweismittel
Als Beweismittel dienen die Aussagen des Beschuldigten (Urk. D1/21; Urk. D1/22;
Prot. I S. 16 ff.; Prot. II S. 8 ff. und S. 16 ff.), diejenigen des Privatklägers 1,
E._, (Urk. D1/16 S. 3 ff.), diejenigen der Privatklägerin 2, T._,
(Urk. D1/17 S. 17 ff.) sowie diejenigen der Beschuldigten im Verfahren SB180512,
C._ (Urk. D1/20 S. 20 ff. bzw. S. 29 f.; Prot. I S. 11 ff.; Prot. II S. 13 ff. und
S. 25 ff.).
Ferner dienen mehrere Urkunden als Beweismittel, so u.a. ein Handelsregister-
auszug der F._ GmbH vom 23. September 2015 (Urk. D1/9/2), ein Arbeits-
vertrag zwischen der F._ GmbH und dem Beschuldigten vom 31. August
2012 (Urk. 9/3 bzw. Originale: Urk. D1/11/18/1-3), ein Darlehensvertrag zwischen
der D._ AG und dem Privatkläger 1 vom 7. Juni 2012 (Urk. D1/11/8), diverse
Belastungsanzeigen zu Ungunsten der F._ GmbH bei der L._ Regional-
bank (Urk. D1/12/9-14), Kontoauszüge des Kontos der F._ GmbH bei der
K._ AG U._ [Ort] (Urk. D1/12/3), eine Rechnung der A._ – neutrale
- 17 -
Finanzdienstleistungen vom 24. Februar 2014 zu Ungunsten der F._ GmbH
(Urk. D1/4/8), ein Auftrag zwischen dem Privatkläger 1 und dem Beschuldigten
vom 16. Januar 2013 (Urk. D1/11/6) bzw. 20. Februar 2013 (Urk. D1/11/7), sowie
Beizugsakten des Prozesses vor dem Arbeitsgericht des Bezirkes Meilen zwi-
schen dem Beschuldigten und der Privatklägerin 4 (Verfahren AH160005) (Urk.
D1/14/1-7) sowie die anlässlich der Berufungsverhandlung eingereichten Unterla-
gen (Urk. 114, 115, 117/1-11).
Schliesslich liegen diverse Farbkopien von Fotografien betr. Lagerung von Tierkot
am Grenzbereich zwischen den Grundstücken des Beschuldigten und der Privat-
klägerin 2 als Beweismittel bei den Akten (Urk. D7/3; D7/5).
D. Grundsätze der Beweiswürdigung
1. Bestreitet eine beschuldigte Person die ihr vorgeworfenen Taten, ist der
Sachverhalt aufgrund der Untersuchungsakten und der vor Gericht vorgebrachten
Argumente nach den allgemein gültigen Beweisregeln zu erstellen. Gemäss der
aus Art. 32 Abs. 1 BV fliessenden und in Art. 6 Ziff. 2 EMRK verankerten Maxime
"in dubio pro reo" ist bis zum gesetzlichen Nachweis ihrer Schuld zu vermuten,
dass die einer strafbaren Handlung beschuldigte Person unschuldig ist (BGE 137
IV 219 E. 7.3. mit Hinweisen; BGE 127 I 38 E. 2a). Das heisst der verfolgende
Staat hat der beschuldigten Person alle objektiven und subjektiven Tatbestandse-
lemente nachzuweisen (NIKLAUS SCHMID / DANIEL JOSITSCH, Handbuch des
schweizerischen Strafprozessrechts, 3. A. Zürich/St. Gallen 2017 [Handbuch],
Rz 216 f.) und nicht die beschuldigte Person ihre Unschuld (BGE 127 I 38 E. 2a;
Urteil des Bundesgerichts 6B_605/2016 vom 15. September 2016 E. 2.2). Als
Beweiswürdigungsregel besagt die Maxime, dass sich der Strafrichter nicht von
der Existenz eines für die beschuldigte Person ungünstigen Sachverhaltes über-
zeugt erklären darf, wenn bei objektiver Betrachtung erhebliche und nicht zu un-
terdrückende Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat (BGE
138 V 74 E. 7; BGE 128 I 81 E. 2 mit Hinweisen).
2. Stützt sich die Beweisführung auf die Aussagen von Beteiligten, so sind die-
se frei zu würdigen (Art. 10 Abs. 2 StPO). Es ist anhand sämtlicher Umstände, die
- 18 -
sich aus den Akten und den Verhandlungen ergeben, zu untersuchen, welche
Sachdarstellung überzeugend ist, wobei es vorwiegend auf den inneren Gehalt
der Aussagen ankommt, verbunden mit der Art und Weise, wie die Angaben er-
folgten. Nach neueren Erkenntnissen kommt der allgemeinen Glaubwürdigkeit der
befragten Person im Sinne einer dauerhaften personalen Eigenschaft kaum mehr
Bedeutung zu. Weitaus bedeutender für die Wahrheitsfindung als die allgemeine
Glaubwürdigkeit ist die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussagen, welche durch ei-
ne methodische Analyse ihres Inhaltes darauf zu überprüfen sind, ob die auf ein
bestimmtes Geschehen bezogenen Angaben einem tatsächlichen Erleben des
Befragten entspringen. Damit eine Aussage als zuverlässig gewürdigt werden
kann, ist sie insbesondere auf das Vorhandensein von Realitätskriterien und um-
gekehrt auf das Fehlen von Phantasiesignalen zu überprüfen. Dabei wird zu-
nächst davon ausgegangen, dass die Aussage gerade nicht realitätsbegründet ist,
und erst wenn sich diese Annahme aufgrund der festgestellten Realitätskriterien
nicht mehr halten lässt, wird geschlossen, dass die Aussage einem wirklich Erleb-
ten entspricht und wahr ist (BGE 133 I 33, E. 4.3. mit Hinweisen und Urteil des
Bundesgerichts 6B_95/2015, 6B_112/2015, 6B_113/2015 vom 25. Januar 2016
E. 6.3 mit Hinweisen; RUCKSTUHL/DITTMANN/ARNOLD, Strafprozessrecht, Zürich –
Basel – Genf 2011, § 9 N 505).
3. Der Grundsatz "in dubio pro reo" findet als Beweislastregel keine Anwen-
dung, wenn die beschuldigte Person eine sie entlastende Behauptung aufstellt,
ohne dass sie diese in einem Mindestmass glaubhaft machen kann. Es tritt näm-
lich insoweit eine Beweislastumkehr ein, als nicht jede aus der Luft gegriffene
Schutzbehauptung von der Anklagebehörde durch hieb- und stichfesten Beweis
widerlegt werden muss (NIKLAUS SCHMID / DANIEL JOSITSCH, Praxiskommentar,
a.a.O., Art. 10 StPO N 2a; BSK StPOI-TOPHINKE, Art. 10 StPO N 21).
4. Liegen keine direkten Beweise vor, ist nach der Rechtsprechung auch ein
indirekter Beweis zulässig. Beim Indizienbeweis wird aus bestimmten Tatsachen,
die nicht unmittelbar rechtserheblich, aber bewiesen sind (Indizien), auf die zu
beweisende, unmittelbar rechtserhebliche Tatsache geschlossen. Eine Mehrzahl
von Indizien, welche für sich alleine nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf
- 19 -
die Täterschaft oder die Tat hinweisen und einzeln betrachtet die Möglichkeit des
Andersseins offen lassen, können einen Anfangsverdacht verstärken und in ihrer
Gesamtheit ein Bild erzeugen, das bei objektiver Betrachtung keine Zweifel be-
stehen lässt, dass sich der Sachverhalt so verwirklicht hat. Das ist mithin auch der
Fall, wenn sich die als belastend gewerteten Indizien zu einer Gewissheit verdich-
ten, welche die ausser Acht gelassenen entlastenden Umstände als unerheblich
erscheinen lassen (Urteil des Bundesgerichts 6B_678/2013 vom 3. Februar 2014
E. 3.3. mit Hinweisen).
5. Auf die Argumente der beschuldigten Person oder ihrer Verteidigung ist im
Rahmen der nachstehenden Erwägungen einzugehen. Dabei muss sich das Ge-
richt nicht ausdrücklich mit jeder tatsächlichen Behauptung und jedem rechtlichen
Einwand auseinandersetzen; vielmehr kann es sich auf die für die Entscheidfin-
dung wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 138 I 232, E. 5.1. mit Hin-
weisen; Urteil des Bundesgerichts 6B_484/2013, E. 3.2. vom 3. März 2014).
E. Allgemeine Glaubwürdigkeit der Beteiligten
1. Die Glaubwürdigkeit einer Person ergibt sich aus deren prozessualen Stel-
lung, ihren wirtschaftlichen Interessen am Ausgang des Verfahrens sowie vor al-
lem anhand ihrer persönlichen Beziehungen und Bindungen zu den übrigen Pro-
zessbeteiligten.
2. Der Beschuldigte ist als vom Strafverfahren Betroffener offensichtlich daran
interessiert, sein Verhalten in einem möglichst positiven Licht darzustellen. Aller-
dings ist hervorzuheben, dass für den Beweiswert sämtlicher Aussagen des Be-
schuldigten deren Glaubhaftigkeit das massgebende Kriterium bleibt, worauf in
Bezug auf die einzelnen, dem Beschuldigten vorgeworfenen Anklagepunkte ein-
zugehen sein wird.
3. Hinsichtlich der allgemeinen Glaubwürdigkeit des Privatklägers 1, E._,
ist festzuhalten, dass er im Sinne von Art. 178 lit. a StPO als Auskunftsperson
einvernommen wurde (s. Urk. D1/16), weshalb er nicht unter der Strafandrohung
von Art. 307 StGB zur wahrheitsgemässen Aussage verpflichtet wurde. Allerdings
- 20 -
war er gestützt auf Art. 180 Abs. 2 und Art. 181 Abs. 1 StPO zur Aussage ver-
pflichtet und wurde gemäss Art. 181 Abs. 2 StPO auf die Folgen einer falschen
Anschuldigung, einer Irreführung der Rechtspflege und einer Begünstigung ge-
mäss Art. 303-305 StGB hingewiesen, was seine Glaubwürdigkeit tendenziell
stärkt. Auch wenn der Privatkläger 1 selbst keine finanziellen Forderungen an den
Beschuldigten stellte (vgl. Urk. D1/31/1), geht es im vorliegenden Prozess unter
anderem um Zahlungen, welcher der Beschuldigte unrechtmässig zu Ungunsten
des Unternehmens des Privatklägers 1, der F._ GmbH, vorgenommen haben
soll, weshalb die Beziehung zwischen dem Privatkläger 1 und dem Beschuldigten
auch aus wirtschaftlichen Gründen belastet erscheint. Zudem kam die Strafanzei-
ge gegen den Beschuldigten auf Initiative des Privatklägers 1 zustande (Urk. D1/6
u. D1/8). Deshalb sind die Aussagen des Privatklägers 1 mit einer gewissen Zu-
rückhaltung zu würdigen, wobei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit seiner Aussa-
gen eine vorrangige Bedeutung zukommt.
4. Die Privatklägerin 2, T._, wurde ebenfalls im Sinne von Art. 178 lit. a
StPO als Auskunftsperson einvernommen und stand in dieser Eigenschaft auch
nicht unter der mit der Strafandrohung von Art. 307 StGB verbundenen Wahr-
heitspflicht. Allerdings war sie gestützt auf Art. 180 Abs. 2 und Art. 181 Abs. 1
StPO zur Aussage verpflichtet und wurde gemäss Art. 181 Abs. 2 StPO auf die
Folgen einer falschen Anschuldigung, einer Irreführung der Rechtspflege und ei-
ner Begünstigung gemäss Art. 303-305 StGB hingewiesen, was ihre Glaubwür-
digkeit tendenziell stärkt. Nicht ausser Acht zu lassen ist des Weiteren, dass das
Verhältnis zwischen der Privatklägerin 2 und dem Beschuldigten aufgrund nach-
barlicher Streitigkeiten bereits seit Jahren sehr belastet erscheint. So wurde der
Beschuldigte im Jahre 2009 wegen der Blockierung des Zugangs der Privatkläge-
rin 2 und ihres Ehemannes zum Heizungsraum sowie der Unterbrechung der
Warmwasserzufuhr zu deren Liegenschaft wegen mehrfacher Nötigung im Sinne
von Art. 181 StGB verurteilt (vgl. Urk. D1/27/5). Des Weiteren ist zu beachten,
dass die Privatklägerin 2 in vorliegendem Prozess (auch) wirtschaftliche Interes-
sen verfolgt (Urk. D1/31/2; Urk. HD 51). Deshalb sind die Aussagen der Privatklä-
gerin 2 mit einer gewissen Zurückhaltung zu würdigen. Vorrangige Bedeutung
kommt aber letztlich der Beurteilung der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen zu.
- 21 -
5. Hinsichtlich der Aussagen von C._ ist zu bemerken, dass sie in einem
separaten Verfahren als beschuldigte Person einvernommen wurde und somit
nicht unter der Strafandrohung von Art. 307 StGB zu wahrheitsgemässen Aussa-
gen verpflichtet war, was bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen
zu berücksichtigen ist, zumal sie als Objekt der Strafverfolgung ein erhebliches In-
teresse daran haben dürfte, die Geschehnisse in einem für sie möglichst günsti-
gen Licht darzustellen. Der Umstand, dass es sich bei ihr um die Ehefrau des Be-
schuldigten handelt, schränkt ihre Unabhängigkeit und damit Glaubwürdigkeit
nicht unbeträchtlich ein. Ihre Aussagen sind deshalb mit einer gewissen Zurück-
haltung zu würdigen, auch wenn die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen, auf welche
im Rahmen der Würdigung des massgebenden Anklagepunktes einzugehen sein
wird, klar im Vordergrund steht.
F. Würdigung hinsichtlich ungetreue Geschäftsbesorgung
1. Bestrittener Anklagesachverhalt
Seitens des Beschuldigten wird letztlich lediglich die Unrechtmässigkeit der ange-
klagten von ihm vorgenommenen Zahlungen zu Lasten der F._ GmbH be-
stritten. Auf diese Frage wird nachstehend im Rahmen der rechtlichen Würdigung
eingegangen.
2. Tatbestand der ungetreuen Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 u. 3 StGB
Wer aufgrund des Gesetzes, eines behördlichen Auftrages oder eines Rechtsge-
schäfts damit betraut ist, Vermögen eines andern zu verwalten oder eine solche
Vermögensverwaltung zu beaufsichtigen, und dabei unter Verletzung seiner
Pflichten bewirkt oder zulässt, dass der andere am Vermögen geschädigt wird,
wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 158 Ziff. 1
Abs. 1 StGB). Handelt der Täter in der Absicht, sich oder einen andern unrecht-
mässig zu bereichern, so kann auf Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu fünf Jah-
ren erkannt werden (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB). In subjektiver Hinsicht wird ver-
langt, dass der Täter vorsätzlich handelt, wobei Eventualvorsatz genügt.
- 22 -
3. Geschäftsführereigenschaft
3.1. Im Allgemeinen
Hinsichtlich der Prüfung der Geschäftsführereigenschaft sind fünf Voraussetzun-
gen massgebend: Dass der Geschäftsführer fremdes Vermögen verwaltet, dass
er dies in fremdem Interesse tut, dass er bei dieser Tätigkeit über ein hohes Mass
an Selbständigkeit verfügt, dass seine Pflichten gerade auf die Wahrnehmung
fremder Vermögensinteressen gerichtet sind und dass es sich dabei um Vermö-
gensinteressen von einigem Gewicht handelt (vgl. dazu BSK STGB II-NIGGLI,
Art. 158 StGB N 13 ff.).
3.2. Verwaltung fremden Vermögens
3.2.1. Insoweit und insofern der Täter eigenes Vermögen verwaltet, trifft ihn keine
Treuepflicht, weshalb die Existenz von fremdem Vermögen Tatbestandsvoraus-
setzung bildet (BSK STGB II-NIGGLI, Art. 158 StGB N 15).
3.2.2. Vorliegend ist unbestritten, dass der Beschuldigte das Vermögen der
F._ GmbH und nicht sein eigenes verwaltete und somit die in Frage stehen-
den Zahlungen zu Lasten des Vermögens der F._ GmbH ausgelöst wurden
(Urk. 78 S. 9; Urk. D1/22 S. 8 ff.).
3.3. Handeln in fremdem Interesse
3.3.1. Weiter wird vorausgesetzt, dass der Täter das fremde Vermögen auch in
fremdem Interesse verwaltet (BSK STGB II-NIGGLI, Art. 158 StGB N 17).
3.3.2. Der Beschuldigte hatte vorliegend fremde Interessen, und zwar diejenigen
der F._ GmbH, zu wahren, was auch seitens des Beschuldigten nicht in
Zweifel gezogen wurde (Urk. D1/22 S. 2 ff.; Prot. I S. 16 ff.). Deshalb ist auch die-
se Voraussetzung hinsichtlich der Prüfung der Geschäftsführereigenschaft des
Beschuldigten als erfüllt anzusehen.
- 23 -
3.4. Hohes Mass an Selbständigkeit
3.4.1. Eine weitere Voraussetzung besteht im Kriterium der Selbständigkeit (BGE
120 IV 190 E.2b), weil gerade das Fehlen von Kontrolle und Überwachung den
strafrechtlichen Schutz rechtfertigt (TRECHSEL/CRAMERI, IN: TRECHSEL/PIETH
(HRSG.), PRAXISKOMMENTAR STGB, 3. A., Zürich 2018, Art. 158 StGB N 4 m.w.H.)
3.4.2. Auch wenn es der Beschuldigte von sich weist, dass er Geschäftsführer
der F._ GmbH gewesen sei ("Nein, nie": Urk. D1/22 S. 5; "Ich habe mich nie
als Geschäftsführer gefühlt.": Prot. II S. 19), ergibt sich aus dem übrigen Beweis-
ergebnis zweifelsfrei, dass er für die F._ GmbH als faktischer Geschäftsfüh-
rer fungierte.
3.4.3. So machte der Privatkläger 1 geltend, der Beschuldigte sei Teilhaber und
Geschäftsführer der F._ GmbH gewesen, was auch auf der Visitenkarte des
Beschuldigten verzeichnet gewesen sei (Urk. D1/16 S. 4 f.; Urk. 117/11), woge-
gen der Beschuldigte allerdings einwandte, diese seien nie an Kunden abgege-
ben worden (Prot. II S. 20 f.). Des Weiteren bestätigte der Privatkläger 1 die Aus-
führungen seines Rechtsvertreters Rechtsanwalt Z._ im Verfahren zwischen
dem Beschuldigten und der Privatklägerin 4 vor dem Arbeitsgericht des Bezirks-
gerichts Meilen vom 5. Juli 2016, wonach der Beschuldigte lediglich auf dem Pa-
pier und vorgeschoben Arbeitnehmer der F._ GmbH und in Wirklichkeit de-
ren selbstständiger Geschäftsführer gewesen sei. Ebenso bestätigte der Privat-
kläger 1, dass das vorgetäuschte Arbeitsverhältnis lediglich dazu gedient habe,
das Konkurrenzverbot, welches der Beschuldigte mit der I._. Vermögens-
verwaltung vereinbart gehabt hatte, zu umgehen und die wahren Verhältnisse zu
verschleiern. Beim Arbeitsvertrag des Beschuldigten vom 31. August 2012 habe
es sich gemäss der Bestätigung des Privatklägers 1 deshalb um einen simulierten
Vertrag im Sinne von Art. 18 Abs. 1 OR gehandelt, denn tatsächlich seien der Be-
schuldigte und der Privatkläger 1 gleichberechtigte Geschäftspartner gewesen
(Urk. D1/16 S. 7 auf Vorhalt von Urk. D1/14/5). Der Beschuldigte stellt dies zwar
in Abrede (Prot. II S. 16, 23). Diese Sachlage wird allerdings auch durch die Prä-
ambel eines zwischen der Darlehensgeberin D._ GmbH – einem Unterneh-
men des Beschuldigten (Urk. D1/22 S. 18) – und dem Privatkläger 1 als Darle-
- 24 -
hensnehmer zeitlich unmittelbar davor abgeschlossenen Darlehensvertrages vom
7. Juni 2012 zwecks Gründung der F._ GmbH mit den geborgten Fr.
20'000.– (Urk. D1/11/8) bestätigt. Daraus geht hervor, dass der Beschuldigte bis
30. Juni 2012 in einem Arbeitsverhältnis mit einem Vermögensverwalter steht und
dass der Privatkläger 1, um allfälligen arbeitsrechtliche Streitigkeiten aus dem
Weg zu gehen, für eine Zeitperiode von maximal 6 Monaten als alleiniger Firmen-
inhaber und Geschäftsführer nach aussen amtieren und eingesetzt werden soll
(Urk. D1/11/8 S. 1), welche Darstellung auch seitens des Beschuldigten aner-
kannt wurde (Urk. D1/22 S. 19). An der Geschäftsführereigenschaft des Beschul-
digten vermag vor diesem Hintergrund weder der anderslautende Handelsregis-
terauszug der F._ GmbH (vgl. Urk. D1/9/2) noch der Umstand etwas zu än-
dern, dass im Arbeitsvertrag des Beschuldigten vom 31. August 2012 lediglich der
Privatkläger 1 als Geschäftsführer der F._ GmbH bezeichnet wird und dem
Beschuldigten darin die Funktion als "Berater und Mitarbeiter Sekretariat" zuge-
schrieben wurde (vgl. Urk. D1/9/3 S. 1). Dass seine tatsächliche Rolle in der
F._ GmbH über die eines einfachen Beraters und Sekretariatsmitarbeitenden
hinausging, geht bereits aus der Beschreibung seiner Tätigkeiten hervor, gab der
Beschuldigte an der Berufungsverhandlung doch an, während den zahlreichen –
sowohl gesundheitlich als auch beruflich bedingten – Abwesenheiten des Privat-
klägers 1 stets als dessen alleiniger Stellvertreter geamtet zu haben (Prot. II S. 22
- 24). Sein Verteidiger hob an der Berufungsverhandlung sodann hervor, dass es
der Beschuldigte gewesen sei, der das notwendige Know-how für die Gründung
und Leitung der F._ GmbH eingebracht hatte und zudem mit umfassenden
Vollmachten für das Tätigen von Geschäftshandlungen ausgerüstet gewesen sei.
Demgegenüber habe der Privatkläger 1 vorwiegend über die notwendigen Ge-
schäftskontakte verfügt, sei aber weiterhin hauptberuflich als gelernter Anästhe-
siepfleger tätig gewesen (Urk. 113 S. 3 ff.). Entsprechend kommt auch die Vertei-
digung letztlich zum Schluss, dass der Beschuldigte faktisch Geschäftsführer der
F._ GmbH gewesen war (Urk. 78 S. 9; Urk. 113 S. 4).
3.4.4. Bei dieser Sachlage ist – im Ergebnis einhergehend mit der Auffassung der
Vorinstanz (Urk. 94 E. II.2.2.9.) – ohne Weiteres erstellt, dass der Beschuldigte in
- 25 -
der massgebenden Zeit faktisch Geschäftsführer der F._ GmbH war und das
erforderliche Mass an Selbstständigkeit innehatte.
3.5. Pflicht zur Wahrung fremder Vermögensinteressen
3.5.1. Vorausgesetzt wird ferner, dass der Täter dem Berechtigten gegenüber zu
besonderer Treue verpflichtet ist (BSK STGB II-NIGGLI, Art. 158 StGB N 12).
3.5.2. Der Beschuldigte war aufgrund seiner Stellung als faktischer Geschäftsfüh-
rer bei der F._ GmbH klarerweise verpflichtet, deren Vermögensinteressen
zu wahren. Dies war gerade typischer und wesentlicher Bestandteil seiner Aufga-
ben.
3.6. Vermögensinteressen von einigem Gewicht
3.6.1. Schliesslich wird gefordert, dass es um Vermögensinteressen von einigem
Gewicht geht, was bis zu einem gewissen Grad nichts anderes darstellt als die
Kehrseite der selbständigen und nicht gerade untergeordneten Stellung des Ge-
schäftsführers (BSK STGB II-NIGGLI, Art. 158 StGB N 51).
3.6.2. Vorliegend nahm der Beschuldigte Vermögensinteressen in beträchtlicher
Höhe wahr, was sich nicht nur, aber auch an den vorliegend in Frage stehenden
und anerkannten Transaktionen zeigt. Deshalb ist vorliegend auch dieses letzte
Erfordernis für die Annahme einer Geschäftsführereigenschaft gegeben.
3.7. Verletzung einer damit zusammenhängenden Pflicht
3.7.1. Ferner wird gefordert, dass der Täter gerade die Pflichten verletzt, die ihn
generell als Geschäftsführer und im Besonderen hinsichtlich des fraglichen Ge-
schäfts treffen (BGE 120 IV 190 E.2b ; BSK STGB II-NIGGLI, Art. 158 StGB
N 124 ff.). Massgebend sind insbesondere gesetzliche und vertragliche Bestim-
mungen, Statuten, Reglemente oder Beschlüsse der Generalversammlungen, der
Gesellschaftszweck oder branchenspezifische Usanzen (TRECHSEL/CRAMERI,
PRAXISKOMMENTAR STGB, a.a.O., Art. 158 StGB N 9 m.w.H.).
- 26 -
3.7.2. Vorliegend ergeben sich die Pflichten des Beschuldigten gegenüber der
F._ GmbH aus den gesetzlichen, vertraglichen, statutarischen und allenfalls
reglementarischen Bestimmungen. Auch gestützt auf den Gesellschaftszweck der
F._ GmbH (Vermittlung, Verwaltung und Durchführung von Finanzierungen
aller Art, Aufnahme und Gewährung von Darlehen, Durchführung von Kapital-
markttransaktionen sowie Erbringungen von Finanzdienstleistungen, Beratung
und Betreuung von Mandaten in allen Finanzangelegenheiten im Anlage-, Vor-
sorge-, Versicherungs- und Finanzierungsbereich etc.; vgl. Urk. D1/9/2) wird deut-
lich, dass der Beschuldigte insbesondere ihre Vermögensinteressen zu wahren
hatte.
3.7.3. Die allfällige Verletzung der Pflichten des Beschuldigten ist nachfolgend
im Einzelnen zu prüfen.
3.7.3.1. Erwiesen ist, dass der Beschuldigte die fraglichen Transaktionen zu
Gunsten der "Neutrale Finanzdienstleistung A._" vornahm.
3.7.3.2. Gemäss dem Beschuldigten habe es sich hierbei um Lohn- bzw. Provi-
sionszahlungen gehandelt, welche ihm geschuldet waren, wobei diese Transakti-
onen von Seiten des Inhabers der F._ GmbH, dem Privatkläger 1, mündlich
autorisiert worden seien (Urk. 22 insb. S. 8 ff.; Prot. I S. 17 f., 24 u. 41; Prot. II
S. 17). Seine Geschäftsführung sei zudem seitens des Privatklägers 1 regelmäs-
sig gebilligt worden ("mach eifach, muesch nöd immer fröge"; Urk. 78 S. 9; Prot. II
S. 22).
3.7.3.3. Demgegenüber lässt der Privatkläger 1 verlauten, er habe diese
Transaktionen nicht bewilligt (Urk. D1/16 S. 10 ff.). Auch sei gemäss dem Privat-
kläger 1 mit dem Beschuldigten hinsichtlich Entschädigung nie etwas Konkretes
vereinbart worden. Der Beschuldigte habe jeweils gesagt, er (der Privatkläger 1)
solle sich keine Sorgen machen und er habe noch genug andere Sachen, die er
mache (Urk. D1/16 S. 5 u. 8).
3.7.3.4. Auf Vorhalt des Arbeitsvertrags mit dem Beschuldigten vom 31. August
2012 (Urk. D1/9/3 bzw. Originale: Urk. D1/11/18/1-3), woraus "ca. 15 Stunden pro
- 27 -
Woche" als Arbeitszeit festgehalten wurden bzw. woraus gleichzeitig hervorgeht,
dass diese sich "nach dem Auftragsvolumen bzw. Kundenaufträge[n]" richte (Zif-
fer VI. des Arbeitsvertrags) und ein "Stundelohn von CHF 25.00 brutto (inkl.
13. Monatslohn und Abgeltung der Feiertage, jedoch ohne Ferienentschädigung)"
vereinbart wurde, gab der Privatkläger 1 an, bestätigen zu können, dass er den
Vertrag unterschrieben habe, er sich aber nicht mehr richtig an den Vertragsinhalt
zu erinnern vermöge. Immer wenn er das Geld angesprochen habe, habe der Be-
schuldigte gesagt, dass er [der Privatkläger 1] sich keine Sorgen machen müsse
(Urk. D1/16 S. 5). Später macht er im Widerspruch dazu geltend, mit dem Be-
schuldigten weder schriftlich noch mündlich ein Honorar für Dienstleistungen ver-
einbart gehabt zu haben (Urk. D1/16 S. 11), wobei er wiederum eingesteht, dass
der Beschuldigte etwas für seine Arbeit habe bekommen müssen (Urk. D1/16
S. 11).
3.7.3.5. Seine Unterschrift unter dem Arbeitsvertrag der F._ GmbH mit
dem Beschuldigten muss sich der Privatkläger 1 entgegenhalten lassen, zumal er
nicht geltend macht, der Beschuldigte habe keine Arbeitsleistung für die F._
GmbH erbracht und habe deshalb keinen Anspruch auf eine entsprechende Ent-
schädigung, auch wenn er aussagt, dass nie etwas Konkretes hinsichtlich Ent-
schädigung vereinbart worden sei (Urk. D1/16 S. 8). Vielmehr bringt der Privat-
kläger 1 vor, der Beschuldigte habe nicht auf seinem Lohn bestanden bzw. sinn-
gemäss geltend gemacht, genügend andere finanzielle Quellen zu haben. Dass
der Beschuldigte gewisse Arbeiten für die F._ GmbH geleistet hat, ergibt sich
sodann auch aus den von ihm anlässlich der Berufungsverhandlung eingereichten
Unterlagen – insbesondere aus der dort dokumentierten Geschäftskorrespondenz
mit (ehemaligen) Kunden der F._ GmbH und mit anderen Geschäftspartnern
(Versicherungen, Makler etc., vgl. Urk. 115) – und wurde letztlich auch seitens
des Privatklägers 1 nicht bestritten (vgl. Duplik RA Y._, Prot. II S. 36, sinn-
gemäss).
3.7.3.6. Folglich hatte der Beschuldigte gestützt auf das Beweisergebnis Leis-
tungen für die F._ GmbH erbracht und Anspruch auf Lohn für seine Arbeit für
die F._ GmbH.
- 28 -
3.7.3.7. Vorliegend ist indes entscheidend, dass sowohl der Beschuldigte wie
auch der Privatkläger 1 davon ausgingen, dass seitens des Privatklägers 1 vor-
gängig eine Autorisierung hinsichtlich der Auszahlung des Lohnes an den Be-
schuldigten einzuholen gewesen ist. Dies spricht klarerweise dafür, dass dies das
Verständnis der erwähnten Parteien war. Allerding ist keine Pflichtverletzung an-
zunehmen, wenn die F._ GmbH eine eigene Schuld tilgte und nicht rechts-
genügend ausgeschlossen werden kann, dass ihr ein Gegenwert zukam und die
Transaktion deshalb im Gesellschaftsinteresse stand. Lohnzahlungen, auf welche
Anspruch besteht und der F._ GmbH somit ein Gegenwert zukam, stehen
klarerweise im Gesellschaftsinteresse. Deshalb ist nachfolgend zu prüfen, ob der
Beschuldigte die Lohnzahlungen zu seinen Gunsten zu Recht auslöste.
3.7.3.8. Hinsichtlich der Transaktion über Fr. 1'620.– vom 31. Oktober 2010 sei
es um Aufwand für Werbebriefe und Administrative Arbeiten im September und
Oktober 2012 gegangen, welche der Privatkläger 1 nicht autorisiert habe, auch
wenn er anerkennt, dass der Beschuldigte Werbebroschüren, z.B. eine Geburts-
tagsbroschüre drucken lassen und an Kunden verschickt hat (Urk. D1/16 S. 9 f.).
Dass damit ein gewisser Aufwand entsteht, ist nachvollziehbar. Gestützt auf diese
seitens des Privatklägers 1 vorgebrachten Umstände ist jedenfalls nicht rechtsge-
nügend widerlegt, dass der Beschuldigte diesbezüglich nicht im Interesse der
F._ GmbH tätig wurde und damit nicht im Gesellschaftsinteresse gehandelt
hat. Es ist deshalb davon auszugehen, dass der damit im Zusammenhang ste-
hende Aufwand einen Gegenwert für die F._ GmbH darstellt. Es ist deshalb
von der Rechtmässigkeit dieser Zahlung auszugehen.
3.7.3.9. Auch hinsichtlich der Transaktion über Fr. 1'500.– vom 30. November
2012 macht der Privatkläger 1 sinngemäss nicht geltend, dass der Beschuldigte
keinen Aufwand für die F._ GmbH betrieben habe, auch wenn er den Sinn
der Aufwände des Beschuldigten in Frage stellt ("wenn es etwas Sinnvolles ge-
wesen wäre und wir etwas verdient hätten und er auch Kunden gebracht hätte";
Urk. D1/16 S. 11). Diese Behauptungslage ist aber nicht ausreichend, um das Tä-
tigwerden des Beschuldigten für die F._ GmbH hinsichtlich dieser Zahlung
rechtsgenügend in Zweifel zu ziehen. Deshalb ist auch bezüglich dieser Transak-
- 29 -
tion davon auszugehen, dass sie im Interesse der Gesellschaft erfolgte und einem
Gegenwert gegenüberstand. So ist auch in diesem Zusammenhang die Aussage
des Privatklägers 1 aufschlussreich, wonach der Beschuldigte durchaus einen
nicht unbeträchtlichen Aufwand für die F._ GmbH betrieben habe ("Er hat
immer Tonnen von Notizen gemacht und Briefe geschrieben: Urk. D1/16 S. 11).
Deshalb findet aufgrund dieses anerkannten seitens des Beschuldigten betriebe-
nen Aufwands für die F._ GmbH die These, dass dieser nicht im Gesell-
schaftsinteresse sondern lediglich im eigenen Interesse gehandelt habe, keine
Bestätigung in den Akten. Die in Frage stehende Zahlung über Fr. 1'500.– erweist
sich deshalb als rechtmässig.
3.7.3.10. Hinsichtlich der seitens des Beschuldigten ausgelösten Zahlung vom
21. Februar 2013 über Fr. 1'000.– nimmt der Privatkläger 1 lediglich insofern Stel-
lung, als er diese Zahlung seines Wissens nicht autorisiert haben will (Urk. D1/16
S. 12), welcher Einwand vor dem Hintergrund des übrigen Beweisergebnisses,
insbesondere des Arbeitsvertrags vom 31. August 2012 und seinen eigenen Aus-
sagen, gemäss welchen dem Beschuldigten durchaus Aufwand in seiner Tätigkeit
für die F._ GmbH entstanden sei, unglaubhaft erscheint. Aus der Belas-
tungsanzeige der L._ Regionalbank vom 21. Februar 2013 geht denn auch
als Zahlungsgrund "Admin.", also administrative Arbeiten, hervor (Urk. D1/12/13).
Die Tatsache, dass administrative Arbeiten bereits gemäss der entsprechenden
Umschreibung in seinem Arbeitsvertrag zum Tätigkeitsbereich des Beschuldigten
gehörten (Urk. D1/11/18/1; Prot. II S. 20), stützt zusätzlich die Annahme, dass es
sich bei dieser Zahlung um eine Lohnzahlung für vom Beschuldigten für die
F._ GmbH geleistete Arbeiten gehandelt hat. Es ist deshalb von der Recht-
mässigkeit dieser Zahlung auszugehen.
3.7.3.11. Anders gelagert erweisen sich die Umstände allerdings bei der Trans-
aktion vom 20. August 2014 über Fr. 1'024.–. Diesbezüglich wird in der entspre-
chenden bei den Akten liegenden Belastungsanzeige der L._ Regionalbank
vom 20. August 2014 (Urk. D1/12/14) auf die Rechnung Nr. 2014-395-001 zu Las-
ten der F._ GmbH verwiesen, aus welcher sich wiederum ergibt, dass der
Beschuldigte jener für seine Arbeiten im Zusammenhang mit der Betreibung der
- 30 -
I._ & Co. Vermögensverwaltung einen Stundenansatz von Fr. 200.- in Rech-
nung gestellt hat (Urk. D1/4/8). Auch wenn sich nicht rechtsgenügend ausschlies-
sen lässt, dass es sich beim in Rechnung gestellten Betrag ebenfalls um eine
Entschädigung für die Arbeitsleistung des Beschuldigten bei der F._ GmbH
gehandelt hat, lässt sich ein Stundenansatz in der Höhe von Fr. 200.– mit dem
übrigen Beweisergebnis nicht in Übereinstimmung bringen. So vermochte sich
weder der Privatkläger 1 an die Vereinbarung dieses Stundenansatzes (Urk.
D1/16 S. 13) noch der Beschuldigte einigermassen konkret daran zu erinnern. Die
pauschalen Aussagen des Beschuldigten, wonach es sich bei der in Frage ste-
henden Zahlung von Fr. 1'024.– um eine Akontolohnzahlung gemäss Arbeitsver-
trag bzw. um eine Arbeitsleistung gehandelt habe (Urk. D1/22 S. 12; Prot. I S. 17;
Prot. II S. 19 f.), lassen in Bezug auf die Höhe des Stundenansatzes und der zu-
züglich in Rechnung gestellten Mehrwertsteuer keine brauchbaren Rückschlüsse
zu. Korrekt ist allerdings der Einwand des Beschuldigten, dass der in Rechnung
gestellte Betrag von Fr. 3'024.– (Urk. D1/4/8) damals auch nicht vollumfänglich,
sondern lediglich im Umfang von Fr. 1'024.– beglichen wurde (Urk. D1/12/14). Vor
dem Hintergrund, dass damals der Kontosaldo der F._ GmbH bei der
L._ Regionalbank nach der ausgelösten Zahlung lediglich noch Fr. 554.88
auswies und dem Umstand, dass rund einen Monat später – am 15. September
2014 – ein Betrag von Fr. 2'000.– überwiesen wurde, erscheint es denn auch sehr
naheliegend, anzunehmen, dass es sich hierbei um den Restbetrag des in der
Rechnung Nr. 2014 395 - 001 ausgewiesenen Gesamtbetrages von Fr. 3'024.–
gehandelt hat. In dieser Hinsicht äusserte sich der Beschuldigte auch anlässlich
der Berufungsverhandlung, als er angab, er habe im Hinblick auf die Bezüge ge-
nerell jeweils schauen müssen, wieviel Geld sich überhaupt auf dem Geschäfts-
konto befand (Prot. II S. 19). Im Untersuchungsverfahren gab der Beschuldigte
mit Blick auf diese konkrete Zahlung auf entsprechenden Vorhalt der Staatsan-
waltschaft allerdings an, dass er sich nicht erinnere bzw. verwies er darauf, dass
der Privatkläger 1 hätte intervenieren können, wenn die Zahlung nicht gerechtfer-
tigt gewesen wäre (Urk. D1/22 S. 13), was ausweichend erscheint. Vor dem Hin-
tergrund, dass sich nicht einmal der Beschuldigte selbst an die Vereinbarung ei-
nes Stundenansatzes von Fr. 200.– zu erinnern vermochte und seinem übrigen
- 31 -
pauschal und ausweichend erfolgten Aussageverhalten, welches gerade ange-
sichts der in Frage stehenden weiten Spanne von unterschiedlichen Stundenan-
sätzen für seine Arbeit, an welche er sich nicht mehr zu erinnern zu vermögen
vorgibt, unglaubhaft wirkt, ist nicht davon auszugehen, dass ein Stundenansatz im
Betrag von Fr. 200.– zuzüglich Mehrwertsteuer vereinbart wurde. Vielmehr ist für
die Arbeitsleistung des Beschuldigten der auch ansonsten angenommene Ansatz
von Fr. 25.– pro Bruttostunde anzunehmen. Dies ist auch im Gesamtzusammen-
hang zu sehen, dass (auch) die in Frage stehende Rechnung 2014 - 395 - 001 an
die Adresse der F._ GmbH am Domizil des Beschuldigten ging (vgl.
Urk. D1/4/8) und aufgrund des diesem seitens des Privatklägers 1 eingeräumten
Vertrauens eine Überprüfung der Rechnung bzw. des Rechnungsbetrages un-
wahrscheinlich war. Ein Honorar von Fr. 200.– pro Stunde zuzüglich Mehrwert-
steuer geht immerhin aus dem bei den Akten liegenden Auftrag zwischen dem
Beschuldigten und dem Privatkläger 1 hinsichtlich der rechtlichen Auseinander-
setzung des Privatklägers 1 mit der I._ & Co. Vermögensverwaltung hervor,
welcher allerdings nicht die F._ GmbH betrifft und, soweit ersichtlich, einzig
vom Beschuldigten – für die Seite des Privatklägers 1 teilweise mit Generalvoll-
macht vom 16. Januar 2013 – am 10. März 2013 (vgl. Urk. D1/11/6) und später
nochmals am 20. Februar 2015 unterzeichnet wurde (vgl. Urk. D1/11/7). Hinsicht-
lich letzterer Vereinbarung ist zu bemerken, dass die erwähnten Zahlungen be-
reits mehrere Monate davor – im August und September 2014 – erfolgten, wes-
halb dieser schriftliche Auftrag, abgesehen davon, dass die F._ GmbH nicht
Vertragspartei ist, nicht als entsprechende Grundlage für einen höheren Stunden-
ansatz gelten kann. Vor diesem Hintergrund ist es letztlich auch irrelevant, dass
das entsprechende Schriftstück den handschriftlichen Vermerk aufweist, dass der
Privatkläger 1 anlässlich eines Gesprächs vom 16. Januar 2013 eine mündliche
Bestätigung bzw. Zusage gemacht haben soll. Eine Involvierung der F._
GmbH geht aber auch aus der am 10. März 2013 unterzeichneten Vertragsversi-
on nicht hervor, auch wenn auf der Unterschriftszeile deren Stempel angebracht
wurde. Aus dem Vertragstext ist sie jedenfalls nicht als Vertragspartei erkennbar
(vgl. Urk. D1/11/6). Letztlich bestätigt auch der Beschuldigte diese Einschätzung,
dass keine schriftliche Vereinbarung mit der F._ GmbH hinsichtlich eines hö-
- 32 -
heren Stundenansatzes besteht, weil er angab, dass er etwas einreichen würde,
wenn es diesbezüglich etwas Schriftliches gäbe und es sicher mündlich vereinbart
worden sei (Urk. D1/22 S. 12). Diese Sachlage steht auch mit dem übrigen Be-
weisergebnis im Einklang: Eine Tätigkeit des Beschuldigten persönlich bzw. der
"Neutrale Dienstleistungen A._" im Zusammenhang mit der Auseinanderset-
zung zwischen dem Privatkläger 1 und der I._ & Co. Vermögensverwaltung
erscheint gestützt auf die entsprechenden übrigen Ausführungen des Beschuldig-
ten (Urk. D1/21 S. 7 f.) durchaus plausibel, nicht hingegen ein Mandat oder ein
Aktivwerden seitens der F._ GmbH in dieser Sache.
Zu Gunsten des Beschuldigten ist dennoch davon auszugehen, dass die ausge-
lösten Zahlungen im Gesamtbetrag von Fr. 3'024.– im Umfang von Fr. 350.– (14
h à Fr. 25.–) im Interesse der Gesellschaft erfolgten, weil letztlich nicht restlos
ausgeschlossen werden kann, dass auch in dieser Angelegenheit ein Gegenwert
in Form einer Arbeitsleistung des Beschuldigten für die F._ GmbH erfolgte.
Die Vereinbarung eines Stundenansatzes von Fr. 200.- zu Lasten der F._
GmbH in dieser Angelegenheit ist demgegenüber rechtsgenügend auszuschlies-
sen. Im Mehrumfang von Fr. 2'674.- erweisen sich die Zahlungen des Beschuldig-
ten deshalb so oder anders als nicht im Gesellschaftsinteresse stehend und sind
demnach unrechtmässig erfolgt.
3.7.3.12. Bei der Zahlung über Fr. 2'997.60 vom 29. Oktober 2013 lässt sich ei-
ne Arbeitsleistung des Beschuldigten gemäss Arbeitsvertrag vom 31. August
2012 bereits gestützt auf seine eigenen Angaben ausschliessen, auch wenn er
diesbezüglich anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung neu von einer
Akontolohnzahlung gemäss Arbeitsvertrag spricht (Prot. I S. 17). So machte der
Beschuldigte vor Staatsanwaltschaft noch geltend, hierbei habe es sich um seine
Beteiligung gemäss Ziffer III.10 des Darlehensvertrags vom 7. Juni 2012 gehan-
delt (Urk. D1/11/8) bzw. korrigierte er seine Aussage diesbezüglich umgehend
und stützte sich hernach auf eine mündliche Vereinbarung mit dem Privatkläger 1,
welche einen Provisionsaufteilungsschlüssel von 80% zu 20% zu seinen Gunsten
für neue, an die V._ Versicherung vermittelte Kunden vorgesehen habe
(Urk. D1/22 S. 11 f.). Seitens des Privatklägers 1 wird demgegenüber vorge-
- 33 -
bracht, der Beschuldigte habe nie ein Mandat der V._ Versicherung gehabt
bzw. nie einen Versicherungsnehmer, sei es namens der F._ GmbH oder der
"Neutrale Finanzdienstleistung A._", an die V._ Versicherung vermittelt.
Davor habe er (der Privatkläger 1) einmal eine Provision seitens der V._
Versicherung bekommen. Die in Frage stehende Überweisung zu Ungunsten der
F._ GmbH von Fr. 2'997.60 habe er nicht autorisiert. Bestätigen könne er
hingegen, dass die Provision für die Vermittlung eines Versicherungsnehmers bei
der V._ Versicherung 80% betrug (Urk. D1/16 S. 14 f.). Letztlich stellt sich
die Frage, wann welcher Betrag seitens der V._ Versicherung auf dem Konto
der F._ GmbH gutgeschrieben wurde, weil der Bezug des Beschuldigten oh-
ne eine entsprechende Gutschrift nicht durch das Gesellschaftsinteresse gedeckt
sein kann bzw. die entsprechende Forderung allenfalls direkt beim Privatkläger 1
oder der V._ Versicherung hätte eingefordert werden müssen. Gemäss Aus-
zug des Kontos ... der F._ GmbH bei der K._ AG in U._
(Urk. D1/12/3) geht hervor, dass am 25. Oktober 2013 eine als "Saläreingang"
bezeichnete Gutschrift erfolgte. 80% hiervon betragen die in Frage stehende Be-
lastung von Fr. 2'997.60. Unter diesen Umständen und angesichts der dürftigen
übrigen Beweislage ist zu Gunsten des Beschuldigten davon auszugehen, dass
die erwähnte Lastschrift im Gesellschaftsinteresse erfolgte. Die Zahlung im Betrag
von Fr. 2'997.60 erfolgte deshalb rechtmässig.
4. Vermögensschaden
4.1. Ein Schaden besteht in der Verminderung der Aktiven, Vermehrung der
Passiven, Nichtvermehrung der Aktiven oder Nichtverminderung der Passiven
(BGE 121 IV 104). Erheblich gefährdete Darlehen stellen wirtschaftlich gesehen
bereits einen Schaden dar (BGE 122 IV 281 ff.), wobei eine vorübergehende Ge-
fährdung genügt (BGE 129 IV 124 f.). Zwischen der Verletzung der Treuepflicht
und dem Vermögensschaden muss ein Kausalzusammenhang bestehen (BSK
STGB II-NIGGLI, Art. 158 StGB N 127 m.w.H.).
4.2. Vorliegend führten die Pflichtverletzungen des Beschuldigten dazu, dass der
F._ GmbH finanzielle Mittel in der Höhe von Fr. 2'674.– entzogen wurden,
ohne dass ihr gleichzeitig Mittel in dieser Grössenordnung zugeführt wurden. Dem
- 34 -
Beschuldigten stand kein Lohn in diesem Betrag zu. In diesem Umfang besteht
demzufolge der der F._ GmbH zugefügte Schaden.
5. Vorsatz
5.1. Der erforderliche Vorsatz muss sich auf Tatmittel, Erfolg und Kausalzusam-
menhang richten, wobei Eventualvorsatz genügt (TRECHSEL/CRAMERI, PRAXIS-
KOMMENTAR STGB, a.a.O., Art. 158 StGB N 14 m.w.H.).
5.2. Der Beschuldigte wusste um seine Stellung bei der F._ GmbH sowie
um die daraus fliessenden Verpflichtungen. Ebenso wusste er, dass er mit dem
Vermögen der F._ GmbH aus der Perspektive der F._ GmbH fremde
Schulden tilgte, ohne dass sie eine Verpflichtung traf oder ihr hierfür Sicherheiten
oder Gegenwerte zukamen, und dass die in Frage stehende Zahlung im Betrag
von Fr. 2'674.- insgesamt nicht im Gesellschaftsinteresse lag. Indem er die pro-
zessgegenständliche Zahlung im erwähnten Betrag im Wissen um die desolate fi-
nanzielle Lage der F._ GmbH trotzdem auslöste, ohne ihr finanzielle Mittel in
annähernd dieser Grössenordnung zuzuführen, wollte er die F._ GmbH ent-
sprechend am Vermögen schädigen. Der Beschuldigte handelte damit vorsätzlich.
6. Absicht unrechtmässiger Bereicherung gemäss Ziff. 1 Abs. 3
6.1. Als Qualifikationsgrund nennt Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB die Bereiche-
rungsabsicht. Diese kann darin liegen, dass der Täter aus der treuwidrigen Ge-
schäftsbesorgung einen Verdienst ziehen will (TRECHSEL/CRAMERI, PRAXISKOM-
MENTAR STGB, a.a.O., Art. 158 StGB N 16 m.w.H.). Voraussetzung ist, dass die
Absicht, sich oder einen andern unrechtmässig zu bereichern, das eigentliche
Handlungsziel ist (dolus directus ersten Grades), weshalb Eventualabsicht nicht
genügt. Ersatzbereitschaft kann die Absicht unrechtmässiger Bereicherung aus-
schliessen (BSK STGB II-NIGGLI, Art. 158 StGB N 140 f. m.w.H.).
6.2. Der Beschuldigte hat hinsichtlich der massgebenden prozessgegenständli-
chen Zahlung im erwähnten Betrag mit Bereicherungsabsicht gehandelt. Er wollte
sich damit selbst finanziell besserstellen, ohne einen Rechtsanspruch hierauf zu
haben. Eine Ersatzbereitschaft des Beschuldigten bestand nicht. Entsprechend
- 35 -
sind vorliegend nicht nur die Tatbestandsvoraussetzungen des Grundtatbestands
gemäss Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (Vergehen, Strafrahmen bis 3 Jahre Freiheit-
strafe) erfüllt, sondern auch jene des als Verbrechen ausgestalteten qualifizierten
Tatbestandes gemäss Abs. 3 (Strafrahmen bis 5 Jahre Freiheitsstrafe). Die Vor-
instanz erkannte dagegen nur auf einen Schuldspruch wegen (mehrfach began-
gener) einfachen ungetreuen Geschäftsführung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1
Abs. 1 StGB (vgl. Urk. 94 S. 14, 27 oben). Angesichts der Tatsache, dass nur der
Beschuldigte Berufung erhoben hat und die Staatsanwaltschaft zudem auf eine
Anschlussberufung verzichtet hat, ist es dem Obergericht nach der bundesge-
richtlichen Rechtsprechung aufgrund des Verschlechterungsverbots verwehrt, den
Beschuldigten einer schärferen rechtlichen Qualifikation schuldig zu sprechen
(BGE 139 IV 282 E. 2.5). Entsprechend bleibt es vorliegend beim Schuldspruch
wegen mehrfach begangener (einfacher) ungetreuer Geschäftsbesorgung im Sin-
ne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB.
7. Zwischenergebnis
Mangels Vorliegens von Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründen macht
sich der Beschuldigte vorliegend der mehrfachen ungetreuen Geschäftsbesor-
gung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig.
G. Würdigung hinsichtlich (versuchte) Nötigung
1. Bestrittener Anklagesachverhalt
Der Beschuldigte bestritt anlässlich der Berufungsverhandlung nicht, den Tierkot
an der in der Anklage umschriebenen Stelle auf dem eigenen Grundstück depo-
niert zu haben. Allerdings bestreitet er, dass er dadurch die Nachbarin T._
und ihre Familienangehörigen aufgrund des dadurch herbeigeführten auf diese
Stelle konzentrierten, penetranten Gestankes dazu zwingen wollte, auf den Auf-
enthalt auf ihrem Vorplatz und der dort eingerichteten Lounge zu verzichten (Urk.
22 S. 44 ff.; Urk. 78 S. 22; Prot. I S. 31 ff. ; Prot. II S. 24 f.). Darauf wird nachste-
hend im Rahmen der rechtlichen Würdigung eingegangen.
- 36 -
2. Tatbestand der versuchten Nötigung gemäss Art. 181 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB
2.1. Anklagebehörde und Vorinstanz qualifizieren den angeklagten Sachverhalt
als mehrfache Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB in Verbindung mit Art. 22
Abs. 1 StGB.
2.2. Gemäss Art. 181 StGB macht sich strafbar, wer jemanden durch Gewalt
oder Androhung ernstlicher Nachteile oder durch andere Beschränkung seiner
Handlungsfreiheit nötigt, etwas zu tun, zu unterlassen oder zu dulden. Schutzob-
jekt von Art. 181 StGB ist die Freiheit der Willensbildung und Willensbetätigung
des Einzelnen (BGE 134 IV 216 E. 4.4.3; BGE 129 IV 6 E. 2.1, BGE 129 IV 262
E. 2.1). Diese ist strafrechtlich unabhängig von der Art der (legalen) Tätigkeit ge-
schützt, welche der Betroffene nach seinem frei gebildeten Willen verrichten will
(BGE 134 IV 216 E. 4.4.3). Der Tatbestand ist ein Erfolgsdelikt; die Anwendung
des Nötigungsmittels muss den Betroffenen in seiner Handlungsfreiheit beein-
trächtigen (Urteil 6B_819/2010 vom 3. Mai 2011 E. 5.1; BGE 147 IV 437
E. 3.2.1.). Ein Versuch liegt gemäss Art. 22 Abs. 1 StGB vor, wenn der Täter die
strafbare Tätigkeit nicht zu Ende führt oder der zur Vollendung der Tat gehörende
Erfolg nicht eintritt bzw. nicht eintreten kann, was zu einer fakultativen Strafmilde-
rung durch das Gericht führt.
2.3. Um dem gesetzlichen und verfassungsmässigen Bestimmtheitsgebot ("nul-
lum crimen sine lege") gerecht zu werden, ist die Tatbestandsvariante der "ande-
ren Beschränkung der Handlungsfreiheit" in Art. 181 StGB restriktiv auszulegen.
Das Zwangsmittel der "anderen Beschränkung der Handlungsfreiheit" muss, um
tatbestandsmässig zu sein, das üblicherweise geduldete Mass an Beeinflussung
in ähnlicher Weise eindeutig überschreiten, wie es für die im Gesetz ausdrücklich
genannten Zwangsmittel der Gewalt und der Androhung ernstlicher Nachteile gilt.
Es muss ihnen mithin eine den gesetzlich genannten Mitteln vergleichbare
Zwangswirkung zukommen (vgl. BGE 137 IV 326 E. 3.3.1; BGE 134 IV 216 E. 4.1
mit Hinweisen). Es führt somit nicht jeder noch so geringfügige Druck auf die Ent-
scheidungsfreiheit eines andern zu einer Bestrafung nach Art. 181 StGB (zum
- 37 -
Ganzen: BGE 147 IV 347 E. 3.2.1.; BGE 129 IV 262 E. 2.1; BGE 119 IV 301
E. 2a; je mit Hinweisen).
2.4. Die Rechtsprechung (vgl. hierzu Urteil 6B_819/2010 vom 3. Mai 2011 E. 5.3,
insb. E. 5.4) hat unter die Generalklausel der "anderen Beschränkung der Hand-
lungsfreiheit" in erster Linie Narkose, Betäubung, schwerer Rausch, Hypnose und
ähnliche Zustände, aber auch die Blendung mit Licht sowie die Ausnützung von
Verblüffung und Erschrecken gefasst (BGE 101 IV 167 E. 2). Im Einzelnen hat sie
ein dem Merkmal der Gewalt gleichkommendes Zwangsmittel angenommen bei
der massiven akustischen Verhinderung eines öffentlichen Vortrags durch organi-
siertes und mit Megaphon unterstütztes "Niederschreien", wobei das Bundesge-
richt darauf hinwies, dass bloss lästige Störungen durch Pfiffe und Zwischenrufe
noch nicht genügen (BGE 101 IV 167 E. 2a), bei der Bildung eines Menschentep-
pichs durch 24 Demonstranten vor dem Zugang einer Ausstellung, wodurch die
Wegfahrt eines Motorfahrzeugs verhindert und der Zugang zur Ausstellung für
Fussgänger behindert wurde (BGE 108 IV 165 E. 3b), bei der Sabotage eines
Bahnschranken-Mechanismus, welche für kurze Zeit den Strassenverkehr unter-
band (BGE 119 IV 301 E. 3), bei der totalen Blockierung des Haupteingangs zu
einem Verwaltungsgebäude (Urteil des Kassationshofs 6S.671/1998 vom 11. De-
zember 1998, zitiert in BGE 129 IV 6 E. 2.3), bei Blockaden der Zufahrten bzw.
Werksgeleise zu den Atomkraftwerken Beznau, Gösgen und Leibstadt (BGE 129
IV 6 E. 2.5), bei einer Blockade des Verkehrs auf einer Autobahn während an-
derthalb Stunden im Rahmen eines Streiks für die Einführung des flexiblen Alters-
rücktritts (BGE 134 IV 216) und beim vielfachen, teils durch Drohungen begleite-
ten und über längere Dauer anhaltenden Verfolgen zweier Vertreter des ehemali-
gen Arbeitgebers durch einen entlassenen Angestellten mit dem Ziel, die Wieder-
anstellung zu erreichen (BGE 129 IV 262 E. 2.5). Verneint hat das Bundesgericht
eine "andere Beschränkung der Handlungsfreiheit" im Sinne des Tatbestands der
Nötigung bei einem relativ kurzfristigen, weder mit einer bestimmten Forderung
noch mit irgendwelchen Drohungen verbundenen Verweilen einer Gruppe von
Studenten in einer Fakultätssitzung (BGE 107 IV 113 E. 3b), und bei wiederhol-
tem Herstellen einer Verbindung zum Telefonanschluss der Nachbarin (379 Mal
- 38 -
innerhalb eines Monats), um auf störende Rauchimmissionen durch deren Holz-
feuerungsanlage hinzuweisen (vgl. Urteil 6B_320/2007 vom 16. November 2007).
2.5. Eine Nötigung ist unrechtmässig, wenn das Mittel oder der Zweck unerlaubt
ist oder wenn das Mittel zum angestrebten Zweck nicht im richtigen Verhältnis
steht oder wenn die Verknüpfung zwischen einem an sich zulässigen Mittel und
einem erlaubten Zweck rechtsmissbräuchlich oder sittenwidrig ist (BGE 137 IV
326 E. 3.3.1; BGE 134 IV 216 E. 4.1; BGE 129 IV 6 E. 3.4, BGE 129 IV 262
E. 2.1; BGE 119 IV 301 E. 2b; je mit Hinweisen).
2.6. In subjektiver Hinsicht bedarf es des Vorsatzes, der sich auf die Einfluss-
nahme (Nötigungsmittel) und das abgenötigte Verhalten (Nötigungserfolg) bezie-
hen muss. Der Täter muss wissentlich und willentlich den Willen des Opfers beu-
gen und es dadurch in seiner rechtlich geschützten Freiheit beschränken (BSK
STGB II-VELNON/RÜDY, Art. 181 StGB N 55). Während ein Teil der Lehre bezüg-
lich des Nötigungserfolgs direkten Vorsatz verlangt (SCHUBARTH, KOMMENTAR
STRAFRECHT, BESONDERER TEIL, 3. Bd., Bern 1984, Art. 181 StGB N 67 m.H.; zur
Finalstruktur der Nötigung IMPERATORI, DAS UNRECHT DER NÖTIGUNG, Diss. Zürich
1987, S. 118 ff.), genügt nach herrschender Lehre an sich Eventualvorsatz (STRA-
TENWERTH/JENNY/BOMMER, SCHWEIZERISCHES STRAFRECHT, BESONDERER TEIL I, 7.
A. Bern 2010, § 5 Rz. 14 m.H.; BSK STGB II-DELNON/RÜDY, Art. 181 StGB N 55).
Gleichzeitig werden allerdings vom Beschuldigten nicht direkt angestrebte, son-
dern bloss hingenommene Beschränkungen der Handlungsfreiheit nicht als Nöti-
gung erfasst bzw. "ausgeschieden" (STRATENWERTH/JENNY/ BOMMER, a.a.O., § 5
Rz. 14).
3. Beschränkung der Handlungsfreiheit
3.1. Die in Frage stehende Tatbestandsvariante einer "anderen Beschränkung
der Handlungsfreiheit" der Nachbarn soll vorliegend durch den mit einer Schaufel
gesammelten und vom Beschuldigten zusammen mit seiner Ehefrau an der
Grundstücksgrenze deponierten frischen Tierkot und der damit im Zusammen-
hang stehenden Geruchsemmission erfüllt worden sein. Über die Intensität des
Gestanks liegen keine Berichte bei den Akten. Aus den darin befindlichen Farb-
- 39 -
kopien von Fotografien geht hervor, dass es sich hierbei um Tierkot im Umfang
von einem kleinen Häufchen und einer kleinen Wurst von wenigen Zentimetern
Durchmesser bzw. Länge handelt (vgl. Urk. D7/4 u. D7/5 insb. S. 3). Dass davon
eine Geruchsbelästigung ausgeht, ist klar. Dies bedeutet aber noch nicht, dass
daraus auch eine strafrechtlich unzulässige Beschränkung der Handlungsfreiheit
resultiert. So stellt auch eine eventuell zivilrechtlich als übermässig erklärte Ein-
wirkung noch keine Nötigung dar.
3.2. Seitens der Privatklägerin 2 wurde hinsichtlich der Intensität der Ge-
ruchsimmission vor Staatsanwaltschaft zu Protokoll gegeben, dass es sich dabei
um einen penetranten, leicht süsslichen Gestank gehandelt hätte. Es sei dadurch
nicht mehr möglich gewesen, sich in ihrer Lounge aufzuhalten. Der Kot habe sich
nur wenige Zentimeter hinter der Lounge befunden. Der Geruch sei auch von ih-
ren Gästen bemerkt worden, als sie sich anlässlich eines Geburtstagsfestes am
10. Juni 2017 draussen aufgehalten hätten. Sie seien dann nach einer gewissen
Zeit wieder hineingegangen und hätten den Sitzplatz nicht benutzen können
(Urk. D1/17 S. 18).
3.3. Angesichts der strengen Anforderungen an diese Tatbestandsvariante ist
unter den gegebenen Umständen eine Beschränkung der Handlungsfreiheit im
Sinne des Tatbestandes zu verneinen. Die vom deponierten Tierkot ausgehenden
Immissionen sind sicher als unangenehm einzustufen. Eine eigentliche "Geruchs-
blockade", welche es der Privatklägerin 2, ihrer Familie und ihren Gästen nicht
mehr erlaubt hätte, sich über längere Zeit – auch andernorts – im Garten aufzu-
halten, liegt allerdings nicht vor. Dies wäre für die Annahme einer strafrechtlich re-
levanten Beschränkung der Handlungsfreiheit aber erforderlich. Die in Frage ste-
hende Tathandlung des Beschuldigten, welche er zumindest mitgetragen hat, war
nicht geeignet, eine derart massive und strafrechtlich relevante Drucksituation zu
schaffen, wie dies bei der Anwendung von Gewalt oder Androhung von Nachtei-
len der Fall sein kann. Aus diesen Gründen ist auch auf die Vornahme eines Au-
genscheines hinsichtlich Evaluation der Intensität der Geruchsimmissionen zu
verzichten.
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3.4. Der objektive Tatbestand der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB ist dem-
zufolge – entgegen der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 94 E. II.2.6.6.) – vorlie-
gend nicht erfüllt.
4. Zwischenergebnis
Der Beschuldigte ist folglich zweitinstanzlich vom Vorwurf der mehrfachen ver-
suchten Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB freizu-
sprechen.
IV. Strafzumessung
A. Anwendbares Sanktionsrecht
1. Seit dem 1. Januar 2018 ist das revidierte Sanktionenrecht in Kraft (AS 2016
1249; BBI 2012 4721). Der Beschuldigte beging alle in Frage stehenden Delikte
indes vor dem Inkrafttreten des neuen Rechts. Gemäss Art. 2 Abs. 1 StGB wird
derjenige nach dem neuen Recht beurteilt, wer nach dessen Inkrafttreten ein Ver-
brechen oder Vergehen begeht. Wurde das Verbrechen oder Vergehen bereits
vor Inkrafttreten des neuen Rechts begangen, so ist dieses nur anwendbar, wenn
es für den Beschuldigten das mildere ist (Art. 2 Abs. 2 StGB). Während nach al-
tem Recht die Ausfällung einer Geldstrafe von einem bis zu 360 Tagessätzen
möglich ist, ist nach neuem Recht nur noch eine Geldstrafe von drei bis 180 Ta-
gessätzen zulässig (alt bzw. neu Art. 34 Abs. 1 StGB). Nach altem Recht ist über-
dies eine Freiheitsstrafe unter 6 Monaten nur ausnahmsweise zulässig, wenn der
bedingte Strafvollzug ausser Betracht fällt und eine Geldstrafe aller Voraussicht
nach nicht vollzogen werden könnte (Art. 41 Abs. 1 aStGB; BGE 134 IV 60
E. 3.1). Mit der Revision beabsichtigte der Gesetzgeber eine Verschärfung des
Sanktionenrechts, indem der Vorrang der Geldstrafe gegenüber der Freiheitsstra-
fe rückgängig gemacht und die Möglichkeit von kurzen Freiheitsstrafen wieder
eingeführt wurde (BBI 2012 4721 ff.).
2. Wie nachstehend zu zeigen sein wird, ist der Beschuldigte vorliegend mit ei-
ner bedingten Geldstrafe zu bestrafen, deren Vollzug im Sinne von Art. 42 Abs. 1
- 41 -
StGB aufzuschieben ist (s. hierzu nachstehend unter Ziff. IV.D.5 und Ziff. V.). Vor
diesem Hintergrund ist der Beschuldigte nach neuem Recht nicht milder zu beur-
teilen, weshalb Art. 2 Abs. 2 StGB nicht einschlägig und das alte Recht anzuwen-
den ist.
B. Strafrahmen
1. Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen für
mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu der Strafe der
schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch das Höchstmass
der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhöhen und ist an das ge-
setzliche Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 49 Abs. 1 StGB). Bei der Bil-
dung der Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB hat der Richter in einem ersten
Schritt den Strafrahmen für die schwerste Straftat zu bestimmen und alsdann die
Einsatzstrafe für diese Tat in Nachachtung der ständigen Rechtsprechung des
Bundesgerichts (Urteil 6B_466/2013 vom 25. Juli 2013, E. 2.1 und 2.3.2; mit Hin-
weisen, bestätigt in Urteilen 6B_375/2014 vom 28. August 2014, E. 2.6. und
6B_1246/2015 vom 9. März 2016 E. 1.1) unter Beachtung aller objektiven und
subjektiven verschuldensrelevanten Umstände festzusetzen. Sodann hat er in ei-
nem weiteren Schritt die übrigen Delikte zu beurteilen und die Einsatzstrafe in
Anwendung des Asperationsprinzips zu erhöhen, ehe nach Festlegung dieser
(hypothetischen) Gesamtstrafe für sämtliche Delikte die allgemeinen Täterkom-
ponenten zu berücksichtigen sind. Die Bildung einer Gesamtstrafe im Sinne von
Art. 49 Abs. 1 StGB ist indes nur bei gleichartigen Strafen möglich. Ungleichartige
Strafen sind kumulativ zu verhängen, da das Asperationsprinzip nur greift, wenn
mehrere gleichartige Strafen ausgesprochen werden (BGE 137 IV 57 E. 4.3.1).
Geld- und Freiheitsstrafe sind keine gleichartigen Strafen im Sinne von Art. 49
Abs. 1 StGB (BGE 137 IV 57 E. 4.3.1). Das Gericht kann somit auf eine Gesamt-
freiheitsstrafe nur erkennen, wenn es im konkreten Fall für jeden einzelnen Norm-
verstoss eine Geldstrafe ausfällen würde (konkrete Methode; BGE 138 IV 120
E. 5.1; 137 IV 249 E. 3.4.2).
2. Vorliegend erweist sich die ungetreue Geschäftsbesorgung angesichts des
höheren Strafrahmens nach der abstrakten Methode als die gegenüber der mehr-
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- 42 -
fachen üblen Nachrede schwerere Tat, weshalb von ersterem Tatbestand als
schwerste Straftat auszugehen ist. Der massgebende ordentliche Strafrahmen für
eine ungetreue Geschäftsbesorgung nach Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB reicht von
einem Tagessatz Geldstrafe bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe.
3. Die tat- und täterangemessene Strafe ist grundsätzlich innerhalb des or-
dentlichen Strafrahmens der anzuwendenden Strafbestimmung festzusetzen.
Dieser Rahmen ist vom Gesetzgeber in aller Regel sehr weit gefasst worden, um
sämtlichen konkreten Umständen Rechnung zu tragen. Vorliegend drängt sich
keine Erweiterung des ordentlichen Strafrahmens auf.
4. Vorliegend ist für jeden einzelnen Normverstoss des Beschuldigten eine
Geldstrafe auszufällen (s. hierzu nachstehend unter Ziff. D.5), weshalb die Vo-
raussetzungen für die Bildung einer Gesamtstrafe gegeben sind.
C. Strafzumessungsfaktoren
Seitens der Vorinstanz wurden die zu den Kriterien der Strafzumessung nötigen
theoretischen Ausführungen gemacht. Darauf und auf die aktuelle Rechtspre-
chung des Bundesgerichts zum Thema (BGE 136 IV 55 E. 5.4. ff.; 135 IV 130
E. 5.3.1; 132 IV 102 E. 8.1; je mit Hinweisen) kann vorab verwiesen werden. Zu-
treffend wurde auch festgehalten, dass zwischen der Tat- und Täterkomponente
sowie der objektiven und subjektiven Tatschwere zu unterscheiden ist (s. Urk. 94
E. III.2.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
D. Konkrete Strafzumessung
1. Ungetreue Geschäftsbesorgung
1.1. Objektive Tatschwere
Vorliegend fällt im Rahmen der Beurteilung der objektiven Tatschwere insbeson-
dere deutlich verschuldensmindernd ins Gewicht, dass die Deliktssumme vor dem
Hintergrund der Spannweite von denkbaren Beträgen mit Fr. 2'674.– sehr tief ist.
Der Umstand, dass es sich hierbei um zwei Geldbezüge gehandelt hat, wirkt sich
nicht merklich verschuldenserhöhend aus. Der Beschuldigte hat das ihm entge-
- 43 -
gengebrachte Vertrauen missbraucht, was auf eine nicht unbeträchtliche kriminel-
le Energie seinerseits hinweist. Zu seinen Gunsten wirkt sich wiederum aus, dass
die Kontrollmechanismen der geschädigten Gesellschaft sehr lasch gehandhabt
wurden, was die Delinquenz des Beschuldigten erheblich erleichterte. Sein Ver-
schulden ist vor dem Hintergrund des weiten Strafrahmens als sehr leicht einzu-
stufen. Es erweist sich als angemessen, hierfür eine Einsatzstrafe von 80 Ta-
gessätzen Geldstrafe anzusetzen.
1.2. Subjektive Tatschwere
Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere wirkt sich der Umstand, dass der Be-
schuldigte vorsätzlich handelte, strafzumessungsneutral aus. Der Beschuldigte
handelte aus egoistischen, finanziellen Gründen. Die subjektive Tatschwere ver-
mag die objektive nicht zu relativieren, weshalb es bei der erwähnten Einsatzstra-
fe (s. Ziff. 1.1. vorstehend) bleibt.
2. Mehrfache üble Nachrede
2.1. Objektive Tatschwere
Hinsichtlich der objektiven Tatschwere der üblen Nachrede fällt erheblich ver-
schuldenserschwerend ins Gewicht, dass der Beschuldigte mit der Redaktion und
dem Versand der inkriminierten Schreiben ohne begründeten Anlass mehrfach
und gegenüber mehreren Personen delinquierte, was auf eine hohe kriminelle
Energie hinweist. Immerhin war der Adressatenkreis, auch wenn sich der Be-
schuldigte mit seinen Schreiben an mehrere Personen aus seinem beruflichen
wie privaten Umfeld richtete, noch überschaubar, was sich verschuldensmindernd
auswirkt. Inhaltlich waren die Schreiben geprägt von der Bezichtigung der Ge-
schädigten mit kriminellen Machenschaften und weiteren erheblichen Denunziati-
onen, was sich zu Ungunsten des Beschuldigten auswirkt. Sein Verschulden er-
weist sich insgesamt als mittelschwer. Isoliert betrachtet wäre für die mehrfache
üble Nachrede eine Einsatzstrafe von 90 Tagessätzen Geldstrafe vorzusehen.
- 44 -
2.2. Subjektive Tatschwere
Hinsichtlich der subjektiven Tatkomponente ist festzustellen, dass der Beschuldig-
te die inkriminierten Schreiben vorsätzlich verfasste und durch deren Versand an
verschiedene Personen bewirken wollte, dass bei den Adressaten der Eindruck
entstehen könnte, dass sich die geschädigten Personen nicht so benehmen, wie
nach allgemeiner Anschauung charakterlich anständige Menschen sich zu verhal-
ten pflegen, und dass dadurch ihr Ruf geschädigt würde. Die Emotionalität des
Handelns und seine grossmehrheitliche Überzeugung, im Recht zu sein, wirkt
sich geringfügig verschuldensmindernd aus. Sein Verschulden erweist sich aber
auch nach Würdigung der subjektiven Tatschwere immer noch als erheblich. Eine
Reduktion der Einsatzstrafe auf 80 Tagessätze Geldstrafe erweist sich demnach
hinsichtlich der mehrfachen üblen Nachrede – bei isolierter Betrachtung – als an-
gemessen. Diese Einsatzstrafe erweist sich auch in Gegenüberstellung mit der
mit gleichen Tatbeiträgen in Erscheinung tretenden Mittäterin, der Ehefrau des
Beschuldigten, als angemessen, welche indes eine leicht tiefere Einsatzstrafe zu
vergegenwärtigen hat, da ihr insgesamt weniger ehrenrührige Schreiben anzulas-
ten sind (s. Anklage Urk. 35 Dossiers 5 u. 6; vgl. Verfahren SB180512 E. IV.D.3.).
3. Asperation
Asperiert mit der bezüglich der ungetreuen Geschäftsbesorgung eingesetzten
Strafe von 80 Tagessätzen Geldstrafe erweist sich vorliegend eine Erhöhung im
Umfang von 50 Tagessätzen als angemessen. Insgesamt hat der Beschuldigte
demnach eine Strafe von 130 Tagessätzen Geldstrafe zu vergegenwärtigen.
4. Täterkomponente
4.1. Zum Vorleben und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten kann
vorab auf die entsprechenden und zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz
(Urk. 94 E. III.6.1.) verwiesen werden. Seit dem vorinstanzlichen Urteil haben sich
seine persönlichen Verhältnisse nicht wesentlich verändert (Prot. II S. 8 ff.). Der
Beschuldigte verfügt über eine zu berücksichtigende Vorstrafe (Urk. 111): Er wur-
de am 14. Dezember 2010 vom Bezirksgericht Pfäffikon wegen teilweise grober
- 45 -
Verletzung der Verkehrsregeln zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu
Fr. 200.–, deren Vollzug im Umfang der Hälfte bei einer Probezeit von drei Jahren
aufgeschoben wurde, sowie einer Busse von Fr. 500.– verurteilt. Weil die Vorstra-
fe nicht einschlägig ist und weit zurückliegt, ist sie vorliegend lediglich sehr leicht
zu Ungunsten des Beschuldigten zu berücksichtigen. Aufgrund des Vorlebens
rechtfertigt sich demnach eine geringfügige Straferhöhung auf 140 Tagessätze
Geldstrafe.
4.2. Beim Nachtatverhalten ist dem Verhalten des Täters nach der Tat und im
Strafverfahren Rechnung zu tragen. Ein Geständnis, das kooperative Verhalten
eines Täters bei der Aufklärung von Straftaten sowie die Einsicht und Reue wir-
ken strafmindernd. Dabei können umfangreiche und prozessentscheidende Ge-
ständnisse eine Strafreduktion von bis zu einem Drittel bewirken (BGE 121 IV 202
E. 2d/cc). Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann ein Geständnis
bei der Analyse des Nachtatverhaltens im Rahmen der Strafzumessung zuguns-
ten des Täters berücksichtigt werden, wenn es Ausdruck von Einsicht und Reue
ist. Ein Verzicht auf Strafminderung kann sich demgegenüber aufdrängen, wenn
das Geständnis die Strafverfolgung nicht erleichtert hat, namentlich weil der Täter
nur aufgrund einer erdrückenden Beweislage oder erst nach Ausfällung des erst-
instanzlichen Urteils gestand (Urteile des Bundesgerichts 6B_426/2010 vom
22. Juli 2010 E. 1.5; 6B_558/2011 vom 21. November 2011 E. 2.3; 6B_853/2013
vom 20. November 2014 E. 2.4.7).
Vorliegend liegt weder ein Geständnis noch eine bei der Strafzumessung zu be-
rücksichtigende Einsicht und Reue des Beschuldigten vor. Letztlich wurde die vor-
instanzliche Verurteilung wegen mehrfacher übler Nachrede zwar nicht mehr an-
gefochten, doch beruht sie auf einer erdrückenden Beweislage. Auch Reue oder
Einsicht liess der Beschuldigte – ebenfalls anlässlich der Berufungsverhandlung
(Prot. II S. 16 ff., 37) – hinsichtlich aller heute zu berücksichtigenden Straftaten
vermissen. Eine Strafreduktion aufgrund des Nachtatverhaltens des Beschuldig-
ten rechtfertigt sich deshalb nicht.
- 46 -
5. Strafart und Tagessatzhöhe
5.1. Bei der Wahl der Sanktionsart ist als wichtiges Kriterium die Zweckmässig-
keit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter und sein sozia-
les Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen (BGE 134 IV 97
E. 4.3). Nach dem Prinzip der Verhältnismässigkeit soll bei alternativ zur Verfü-
gung stehenden und hinsichtlich des Schuldausgleichs äquivalenten Sanktionen
im Regelfall diejenige gewählt werden, die weniger stark in die persönliche Frei-
heit des Betroffenen eingreift (BGE 138 IV 120 E. 5.2). Hält das Gericht im Rah-
men der Gesamtstrafenbildung für einzelne Delikte im konkret zu beurteilenden
Fall unter Beachtung des Verhältnismässigkeitsprinzips eine Geldstrafe nicht
mehr für schuldadäquat und zweckmässig, hindert Art. 41 Abs. 1 StGB sie nicht
daran, auf Einzelfreiheitsstrafen von weniger als sechs Monaten zu erkennen,
wenn die daraus zu bildende Gesamtstrafe sechs Monate übersteigt (BGE 144 IV
217 E. 4.3).
5.2. Vorliegend erscheint es auch vor dem Hintergrund, dass der Beschuldigte
über eine teilweise als unbedingte Geldstrafe ausgesprochene Vorstrafe verfügt,
nicht erforderlich, ihn mit einer Freiheitsstrafe zu sanktionieren. Insbesondere weil
diese Vorstrafe nicht einschlägig ist und bereits lange zurückliegt, rechtfertigt es
sich vorliegend, nochmals auf eine Geldstrafe als Sanktionsart zu erkennen.
5.3. Hinsichtlich Festsetzung der Tagessatzhöhe wurden vorliegend von der Vor-
instanz die erforderlichen und zutreffenden theoretischen Ausführungen gemacht,
worauf verwiesen werden kann (Urk. 94 E. III.7.). Anlässlich der Berufungsver-
handlung gab der Beschuldigte an, sein monatliches Einkommen variiere auf-
grund seiner selbständigen Tätigkeit im Bereich von Fr. 3'000.– bis Fr. 4'000.–
(Prot. II S. 10), was einem Jahreseinkommen von zwischen Fr. 36'000.– und
Fr. 48'000.– entspricht. Ausgehend vom für den Beschuldigten für die Tagessatz-
festlegung günstigeren Fall – d.h. einem monatlichen Einkommen von Fr. 3'000.–
– und unter Einbezug der zu berücksichtigenden Lebenshaltungskosten (Kran-
kenkasse, Steuern, vgl. Prot. II S. 12, 15 sowie Urk. 104/1) sowie des nach bun-
desgerichtlicher Rechtsprechung vorzunehmenden Abzugs bei einer hohen An-
- 47 -
zahl von Tagessätzen im Umfang von 10 % erweist sich ein Tagessatz von Fr.
60.– nach wie vor als angemessen.
6. Ergebnis
Unter Berücksichtigung aller massgebenden Strafzumessungsgründe erweist sich
vorliegend eine Gesamtstrafe von 140 Tagessätzen Geldstrafe zu Fr. 60.- als an-
gemessen.
V. Vollzug
A. Rechtliche Grundlagen
Zur Frage des Vollzugs der Freiheitsstrafe hat die Vorinstanz zutreffende allge-
meine und konkrete Ausführungen gemacht. Auf die entsprechenden Erwägun-
gen kann vorab vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 94 E. III.9.).
B. Weitere Beurteilung
1. Insbesondere ist es auch zutreffend, dass der Beschuldigte in objektiver
Hinsicht die Voraussetzungen zur Gewährung des bedingten Strafvollzuges er-
füllt, da er vorliegend zu einer Geldstrafe verurteilt wird, die sich innerhalb des ge-
setzlich zulässigen Rahmens befindet. Auch hat er noch nie eine Freiheitsstrafe
oder eine Geldstrafe von mindestens 180 Tagessätzen verbüsst.
2. In subjektiver Hinsicht ist massgebend, dass der Beschuldigte zwar über ei-
ne teilweise als unbedingte Geldstrafe ausgesprochene Vorstrafe verfügt, diese
indes nicht einschlägig ist und bereits weit zurückliegt. Deshalb kann dem Be-
schuldigten vorliegend der bedingte Vollzug gewährt werden.
3. Den bestehenden Restbedenken ist – einhergehend mit der Auffassung der
Vorinstanz (Urk. 94 E. III.9.4.) – mit der Ansetzung einer längeren Probezeit
Rechnung zu tragen. Nachdem die Vorstrafe mittlerweile jedoch bereits fast
9 Jahre zurück liegt, ist eine Probezeit von 3 Jahren als ausreichend zu erachten.
- 48 -
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
A. Vorinstanz
1.1. Gestützt auf Art. 428 Abs. 3 StPO hat die Rechtsmittelinstanz von Amtes
wegen auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung zu befinden,
wenn sie selber ein neues Urteil fällt und nicht kassatorisch entscheidet. Gemäss
Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person die Verfahrenskosten, wenn
sie verurteilt wird. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist die Entschä-
digungsfrage nach der Kostenfrage zu beantworten, der Kostenentscheid präjudi-
ziert mithin die Entschädigungsfrage. Es gilt der Grundsatz, dass bei Auferlegung
der Kosten keine Entschädigung auszurichten ist (BGE 137 IV 352, S. 357,
E. 2.4.2).
1.2. Vorliegend wird der Beschuldigte teilweise schuldig gesprochen. Ihm sind
demgemäss die Kosten der Untersuchung und des vorinstanzlichen Verfahrens –
deren Höhe sich als angemessen erweist – lediglich teilweise aufzuerlegen. An-
gesichts der vorliegenden Umstände rechtfertigt sich eine Kostenauflage im Um-
fang von drei Fünfteln, im übrigen Umfang sind die Kosten auf die Gerichtskasse
zu nehmen. Entsprechend ist ihm für das vorinstanzliche Verfahren eine Entschä-
digung im Betrag von Fr. 3'000.– (inkl. MwSt.) zuzusprechen.
2.1. Die Privatklägerschaft hat gegenüber der beschuldigten Person Anspruch
auf angemessene Entschädigung für notwendige Aufwendungen im Verfahren,
wenn sie obsiegt oder wenn die beschuldigte Person nach Art. 426 Abs. 2 StPO
kostenpflichtig wird (Art. 433 Abs. 1 StPO). Es ist zwischen dem Obsiegen der
Privatklägerschaft im Strafpunkt und im Zivilpunkt zu unterscheiden. Verlangt die
geschädigte Person eine Verurteilung des Beschuldigten und tritt sie demnach als
Strafklägerin auf, ist sie im Falle eines Schuldspruches als obsiegende Partei für
die ihr im Zusammenhang mit der Strafklage erwachsenen Anwaltskosten im
Strafverfahren zu entschädigen. Soweit sie als Zivilklägerin auftritt, setzt eine Ent-
schädigung voraus, dass die Zivilklage zumindest teilweise gutgeheissen wird.
- 49 -
Die Entschädigung beschränkt sich auf die unmittelbar aus der Interessenwah-
rung im Strafverfahren entstandenen Kosten, wobei deren Bemessung im richter-
lichen Ermessen liegt (BSK STPO II-WEHRENBERG/FRANK, Art. 433 StPO N 18).
2.2. Gemäss Verordnung über die Anwaltsgebühren (AnwGebV) bemisst sich die
Gebühr im Vorverfahren nach dem notwendigen Zeitaufwand der Vertretung (§ 16
Abs. 1 AnwGebV). Für die Führung eines Strafprozesses einschliesslich Vorberei-
tung des Parteivortrags und Teilnahme an der Hauptverhandlung beträgt die
Grundgebühr vor dem Einzelgericht in der Regel Fr. 600.– bis Fr. 8'000.– (§ 17
Abs. 1 lit. a AnwGebV). Richtet sich die Gebühr nach dem Zeitaufwand, beträgt
sie in der Regel Fr. 150.– bis Fr. 350.– pro Stunde (§ 3 AnwGebV).
2.3. Vorliegend obsiegen die Privatklägerin 4 (S._ GmbH) im Strafpunkt
hinsichtlich der ungetreuen Geschäftsbesorgung, allenthalben in einem minderen
Betrag, und der Privatkläger 1 (E._) vollumfänglich hinsichtlich der unange-
fochten gebliebenen mehrfachen üblen Nachrede. Seitens der Rechtsvertretung
dieser beiden Parteien (Urk. 72 u. 73) wurde lediglich ein beide Parteien betref-
fender "Honorarvorschlag" eingereicht (Urk. 74) und seitens der Vorinstanz hin-
sichtlich der beiden erwähnten Privatkläger – soweit ersichtlich – nicht differen-
ziert. Klarerweise waren die im Zusammenhang mit der ungetreuen Geschäftsbe-
sorgung des Beschuldigten stehenden Aufwände ungleich umfangreicher als die
sich aus der mehrfachen üblen Nachrede ergebenden. Deshalb rechtfertigt es
sich, den Beschuldigten zu verpflichten, dem Privatkläger 1 für das Vorverfahren
und das erstinstanzliche Verfahren eine Prozessentschädigung im Betrag von Fr.
5'000.– und der Privatklägerin 4 für das Vorverfahren und das erstinstanzliche
Verfahren eine reduzierte Prozessentschädigung von Fr. 9'000.–, jeweils inklusive
Mehrwertsteuer, zuzusprechen.
2.4. Die Privatklägerin 2 (T._) unterliegt hinsichtlich der versuchten Nöti-
gung sowie der Verletzung des Geheim- und Privatbereichs durch Aufnahmegerä-
te, obsiegt demgegenüber in Bezug auf die unangefochten gebliebene mehrfache
üble Nachrede durch den Beschuldigten. Angesichts dieser Umstände rechtfertigt
es sich, ihr bezüglich Untersuchung und vorinstanzlichem Verfahren eine durch
- 50 -
den Beschuldigten zu bezahlende reduzierte Prozessentschädigung im Betrag
von Fr. 1'600.– (inkl. MwSt.) zuzusprechen.
2.5. Das vorinstanzliche Entschädigungsdispositiv ist im Sinne dieser Erwägun-
gen anzupassen.
B. Berufungsinstanz
1.1. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob bzw. inwieweit eine
Partei im Sinne dieser Bestimmung obsiegt oder unterliegt, hängt davon ab, in
welchem Ausmass ihre vor der zweiten Instanz gestellten Anträge gutgeheissen
werden (Urteil des Bundesgerichts 6B_1025/2014 vom 9. Februar 2015 E. 2.4.1.
mit Hinweisen; bestätigt in 6B_10/2015 vom 24. März 2015 E. 4.2.1). Die Ent-
schädigungsfrage folgt den gleichen Regeln wie der Kostenentscheid. Es gilt der
Grundsatz, dass bei Auferlegung der Kosten keine Entschädigung oder Genugtu-
ung auszurichten ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_802/2015 vom 9. Dezember
2015 E. 5.3; BGE 137 IV 352 E. 2.4.2).
1.2. Der Beschuldigte unterliegt im Berufungsverfahren zum Teil: In Bezug auf
die ihm vorgeworfene versuchte Nötigung erwirkt er einen Freispruch, hinsichtlich
der angeklagten ungetreuen Geschäftsbesorgung unterliegt er, es resultiert im
Berufungsverfahren jedoch eine deutliche Reduktion der Deliktssumme. Beim
Strafmass kann der Beschuldigte lediglich eine Reduktion im Umfang von einem
Drittel vergegenwärtigen. Ferner erzielt er für sich im Berufungsverfahren eine ge-
ringfügige Verbesserung mit Blick auf die Probezeit. Unter diesen Umständen
rechtfertigt es sich, ihm die Kosten des Berufungsverfahrens zu einem Drittel auf-
zuerlegen und im übrigen Umfang auf die Gerichtskasse zu nehmen. Ausgangs-
gemäss ist ihm eine Entschädigung im Betrag von Fr. 2'700.– (inkl. MwSt.) zuzu-
sprechen.
1.3. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahrens ist in Anwendung von
Art. 424 Abs. 1 StPO i. V. m. §§ 16, 2 Abs. 1 lit. b, c und d sowie 14 GebV OG un-
ter Berücksichtigung der Bedeutung und Schwierigkeit des Falles sowie des Zeit-
- 51 -
aufwands des Gerichts für dieses Verfahrens – unter Mitberücksichtigung des Pa-
rallelverfahrens SB180512 – auf Fr. 3'500.– festzusetzen.
2.1. Auch im Berufungsverfahren hat die Privatklägerschaft gegenüber der be-
schuldigten Person Anspruch auf angemessene Entschädigung für notwendige
Aufwendungen im Verfahren, wenn sie obsiegt oder wenn die beschuldigte Per-
son nach Art. 426 Abs. 2 StPO kostenpflichtig wird (Art. 436 Abs. 1 i.V.m. 433
Abs. 1 StPO).
2.2. Vorliegend obsiegt die Privatklägerin 4 im Wesentlichen, auch wenn die De-
liktssumme hinsichtlich der ungetreuen Geschäftsbesorgung deutlich reduziert
wurde. Es rechtfertigt sich unter Berücksichtigung des von ihr für das Berufungs-
verfahren geltend gemachten Aufwands (Urk. 119), den Beschuldigten zu ver-
pflichten, ihr eine diesbezügliche Entschädigung im Betrag von Fr. 1'500.– zu be-
zahlen.