# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 712f7e68-4857-4146-b598-f5e15b37a89d
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1965, alleinerziehende Mutter eines im Jahre 2004 geborenen Sohnes (Urk. 5/2 Ziff. 3.1) meldete sich am 20. September 2007 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 5/2). Die Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, verneinte mit Verfügung vom 19. Februar 2008 einen Rentenanspruch der Versicherten (Urk. 5/25)
Am 26. August 2009 meldete sich die Versicherte erneut zum Rentenbezug an (Urk. 5/28). Nach erfolgten medizinischen und erwerblichen Abklärungen, in deren Rahmen die IV-Stelle eine polydisziplinäre Begutachtung der Versicherten veranlasste (Urk. 5/44), verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 27. Februar 2012 erneut einen Rentenanspruch (Urk. 5/92). Die daraufhin beim hiesigen Gericht erhobene Beschwerde wurde mit Urteil vom 9. September 2013 im Ver
fahren Nr. IV.2012.00371 rechtskräftig abgewiesen (Urk. 5/106).
1.2
Am 19. November 2014 meldete sich die Versicherte wiederum bei der Invali
den
versicherung zum Rentenbezug an (Urk. 5/110). Die IV-Stelle tätigte erwerb
liche (Urk. 5/118) und medizinische Abklärungen (Urk. 5/119, Urk. 5/122, Urk. 5/126, Urk. 5/128-129) und veranlasste eine erneute polydisziplinäre Begut
achtung (Urk. 5/141, Urk. 5/143). Nach durchgeführtem
Vorbescheid
ver
fahren
(Urk. 5/146, Urk. 5/152) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 8. Dezember 2016 erneut einen Rentenanspruch der Versicherten (Urk. 5/160 = Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am
21. Dezember 2016 Beschwerde gegen die Verfügung vom 8. Dezember 2016 (Urk. 2) und beantragte,
diese sei aufzuheben und es sei
en ihr die gesetzlichen Leistungen, insbesondere eine ganze Invalidenrente, zuzusprechen (Urk. 1 S. 2
lit
. I.1-2). Mit Beschwerdeantwort vom 1. Februar 2017 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 4), was der Beschwerdeführerin am 27. Februar 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 6).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder
herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsren
te
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
G
emäss
der mit
BGE 130 V 352
begründeten und seither stetig weiter entwi
ckelten Rechtsprechung vermochten eine fachärztlich (psychiatrisch) diagno
stizierte somatoforme Schmerzstörung und vergleichbare psychoso
matische Leiden (
BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3
) in der Regel keine lang dauernde, zu einer Inva
lidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG führende Arbeitsunfähigkeit zu bewirken. Vielmehr bestand die Vermutung, dass solche Beschwerdebilder oder ihre Fol
gen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar seien und nur bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machten, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmer
zen notwendigen Ressourcen verfügt (zur Entstehungsgeschichte dieser Praxis:
BGE 135 V 201
E.
7.1.2;
Urteil des Bundesgerichtes 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 2.1
).
Ob ein solcher Ausnahmefall vorlag, entschied sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien (so genannte „Foerster-Kriterien“, vgl. BGE 130 V 352, BGE 131 V 39 E. 1.2, BGE 139 V 547 E. 3.2.3).
Mit BGE 141 V 281 hat das Bundesgericht die Überwindbarkeitsvermutung auf
gegeben und das bisherige Re
gel-/Ausnahme-Modell durch ein strukturiertes
normative
s
Prüfungsraster ersetzt. In dessen Rahmen wird im Regelfall
anhand von auf den funktionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren das tat
sächlich erreichbare Leistungsvermögen ergebnis
offen und symmetrisch beur
teilt, indem
gleichermassen
den
äusseren
Belastungs
faktoren wie den vorhande
nen Ressourcen Rechnung getragen wird (BGE 141 V 574 E. 4.2 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2 mit Hinwei
sen). Die Anerkennung eines rentenbe
gründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
grundlage im Einzelfall anhand der Standardindika
toren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahr
scheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislo
sigkeit nach wie vor die materiell beweis
belastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; BGE 141 V 547 E. 2; Urteil des Bundesgerichts 8C_28/2016 vom 15. April 2016 E. 3.2).
Die Durchführung eines strukturierten Beweisverfahrens nach dem dargelegten Prüfungsraster erübrigt sich
rechtsprechungsgemäss
, wenn Ausschlussgründe vorliegen, etwa wenn die Leistungseinschränkung überwiegend auf Aggravation oder einer ähnlichen Erscheinung beruht, welche die Annahme einer gesund
heitlichen Beeinträchtigung von vornherein
ausschliessen
(BGE 141 V 281 E. 2.2; vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_549/2015 vom 29. Januar 2016 E. 4.1 und 9C_899/2014 vom 29. Juni 2015 E. 4).
Die Rechtsprechung hat zu den „vergleichbaren psychosomatischen Leiden“ ausdrücklich jene gezählt, die im Nachgang zu BGE 130 V 352 über die Jahre als sogenannte „pathogenetisch-ätiologisch unklare
syndromale
Beschwerde
bilder ohne nachweisbare organische Grundlage“ in invalidenver
siche
rungs
rechtlicher Hinsicht den gleichen sozialversicherungsrechtlichen Anforderungen (Regel-Ausnahmemodell mit
„
Überwindbarkeitsvermutung“) unterstellt wurden (BGE 142 V 342 E. 5.2.1; BGE 141 V 281 E. 4.2; BGE
140 V 8 E. 2.2.1.3; bis
lang: Fibromyalgie: BGE 132 V 65 E. 4 [Urteil des Bundesgerichts I 336/04 vom 8. Februar 2006]; dissoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörung: Urteil des Bundesgerichts I 9/07 vom 9. Februar 2007 E. 4 in
fine
, in: SVR 2007 IV Nr. 45 S. 149; dissoziative Bewegungsstörung: Urteil des Bundesgerichts 9C_903/2007 vom 30. April 2008 E. 3.4;
Chronic
Fatigue Syndrome [CFS; chronisches Müdig
keitssyndrom] und Neurasthenie: Urteile des Bundesgerichts I 70/07 vom 14. April 2008 E. 5; 9C_98/2010 vom 28. April 2010 E. 2.2.2, in: SVR 2011 IV Nr. 17 S. 44, und 9C_662/2009 vom 17. August 2010 E. 2.3, in: SVR 2011 IV Nr. 26 S. 73; spezifische und unfalladäquate HWS-Verletzungen [Schleuder
trauma] ohne organisch nachweisbare Funktionsausfälle: BGE 136 V 279 [Urteil des Bundesgerichts 9C_510/2009 vom 30. August 2010]; nichtorganische Hyper
somnie: BGE 137 V 64 E. 4 [Urteil des Bundesgerichts 9C_871/2010 vom 25. Februar 2011]; leichte Persönlichkeitsveränderung bei chronischem Schmerz
syndrom: Urteil des Bundesgerichts 8C_167/2012 vom 15. Juni 2012 E 5.2 und 6.1).
Gemäss
BGE 142 V 342 ist die Rechtsprechung
gemäss
BGE 141 V 281 auch auf eine posttraumatische Belastungsstörung anwendbar
.
1.4
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei Vorliegen einer anhaltenden soma
toformen Schmerzstörung oder eines damit vergleichbaren psychoso
matischen Leidens (BGE 141 V 281 E. 4.2) sind Indikatoren beachtlich, die das Bundes
gericht wie folgt systematisiert hat
(
BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie „funktioneller Schweregrad"
-
Komplex „Gesundheitsschädigung"
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen)
-
Komplex „Sozialer Kontext"
-
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Lei
dens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshin
dernder
äusserer
Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Ressourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2.1).
Beweisrechtlich entscheidend ist der Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4):
Der Indikator einer
gleichmässigen
Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen zielt auf die Frage ab, ob die diskutierte Einschränkung in Beruf und Erwerb (bzw. bei Nichterwerbstätigen im Auf
gaben
bereich) einerseits und in den sonstigen Lebensbereichen (z.B. Freizeit
gestaltung) anderseits gleich ausgeprägt ist. Dabei ist das bisherige Kriterium des sozialen Rückzugs (wiederum) so zu fassen, dass neben Hinweisen auf Ein
schränkungen auch Ressourcen erschlossen werden; umgekehrt kann ein krank
heitsbedingter Rückzug aber auch Ressourcen zusätzlich vermindern. Soweit erhebbar, empfiehlt sich auch ein Vergleich mit dem Niveau sozialer Aktivität vor Eintritt der Gesundheitsschädigung. Das Aktivitätsniveau der versicherten Person ist stets im Verhältnis zur geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit zu sehen (BGE 141 V 281 E. 4.4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1).
Die Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen, das
heisst
das
Ausmass
, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben vernachlässigt werden, weist (ergänzend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz unter dem Komplex "Gesundheitsschädigung") auf
den tatsächlichen Leidensdruck hin. Dies gilt allerdings nur, solange das betreffende Verhalten nicht durch das laufende Versicherungsverfahren beeinflusst ist. Nicht auf fehlenden Leidensdruck zu
schliessen
ist, wenn die Nichtinanspruchnahme einer empfohlenen und zugänglichen Therapie oder die schlechte Compliance klarer
weise auf eine (unabwendbare) Unfähigkeit zur Krankheitseinsicht zurückzu
führen ist. In ähnlicher Weise zu berücksichtigen ist das Verhalten der versi
cherten Person im Rahmen der beruflichen (Selbst-) Eingliederung. Inkonsistentes Verhalten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend gemachte Einschränkung sei anders begründet als durch eine versicherte Gesundheits
beein
trächtigung (BGE 141 V 281 E. 4.4.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.2).
1.5
Wie in
BGE 141 V 281
festgehalten (E. 5.2.1), hat sich das Bundesgericht ver
schiedentlich, so auch jüngst, über das Zusammenwirken von Recht und Medi
zin bei der konkreten Rechtsanwendung geäussert. Danach ist es sowohl den begutachtenden Ärzten al
s auch den Organen der Rechtsan
wendung aufgege
ben, die Arbeitsfähigkeit im E
inzelfall mit Blick auf die nor
mativ vorgegebenen Kriterien zu beurteilen. Die medizinischen Fachpersonen und die Organe der Rechtsanwendung prüfen die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht (BGE 137 V 64 E. 5.1). Bei der Abschätzu
ng der Folgen aus den diagnosti
zierten gesundheitli
chen Beeinträchtigungen nimmt zuerst der Arzt Stellung zur Arbeitsfähigkeit. Seine Einschätzung ist ein
e wichtige Grundlage für die an
schliessende juristi
sche Beurteilung der Frage, welche Arbeitsle
istung der versi
cherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 140 V 193 E. 3.2; Ulrich Meyer, Der Rechtsbegriff der Arbeitsunfähigkei
t und seine Bedeutung in der So
zialversicherung, namentlich für den Einkomme
nsvergleich in der Invali
ditäts
bemessung, in: Schmerz und
Arbeitsunfähigkeit, Schaffhauser/
Schlauri
[Hrsg.], 2003, S. 49).
In diesem Sinne lautet die normativ bestimmte Gutachterfrage, wie die sachver
ständige Person das Leistungsvermögen einschätzt, wenn sie dabei den ein
schlägigen Indikatoren folgt. Die Rechtsanwender überprüfen die betreffenden Angaben frei, insbesondere dahin, ob die Ärzte sich an die massgebenden nor
mativen Rahmenbedingungen gehalten haben, das heisst, ob sie ausschliesslich funktionelle Ausfälle berücksichtigt haben, welche Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung sind (Art. 7 Abs. 2 erster Satz ATSG), sowie, ob die versiche
rungsmedizinische Zumutbarkeitsbeurteilung auf objektivierter Grundlage er
folgt ist (Art. 7 Abs. 2 zweiter Satz ATSG; vgl. BGE 137 V 64 E. 1.2 in
fine
). Dies sichert die einheitliche und rechtsgleiche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit (BGE 140 V 290 E. 3.3.1, 135 V 201 E. 7.1; E. 5.2.2).
Jedenfalls in der Invalidenversicherung tragen Recht und Medizin, je nach ihren fachlichen und funktionellen Zuständigkeiten, zur Feststellung ein und dersel
ben Arbeitsunfähigkeit bei. Das heisst, dass die medizinischen Gutachter nicht, wie häufig anzutreffen, eine quasi freihändige Beurteilung abgeben und dane
ben noch Grundlagen liefern sollen, anhand derer die Rechtsanwender eine von der subjektiven ärztlichen Einschätzung losgelöste Parallelüberprüfung vor
nehmen. Es gibt keine unterschiedlichen Regeln gehorchende, getrennte Prü
fung einer medizinischen und einer rechtlichen Arbeitsfähigkeit (E. 5.2.3).
1.6
In intertemporalrechtlicher Hinsicht ist sinngemäss wie in BGE 137 V 210 (betreffend die rechtsstaatlichen Anforderungen an die medizinische Begutach
tung) vorzugehen. Nach diesem Entscheid verlieren gemäss altem Verfahrens
standard eingeholte Gutachten nicht per se ihren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften
Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vor
handenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE a.a.O. E. 6 in
initio
). In sinngemässer Anwendung der nunmehr materiell-beweisrechtlich geänderten Anforderungen ist in jedem einzelnen Fall zu prü
fen, ob die beigezogenen admi
nistrativen und/oder gerichtlichen Sachverständi
gengutachten – gegebenenfalls im Kontext mit weiteren fachärztlichen Berichten – eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgeblichen Indikatoren erlauben oder nicht. Je nach Abklärungstiefe und -dichte kann zudem unter Um
ständen eine punktuelle Ergänzung genügen (
BGE 141 V 281
E. 8).
1.7
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Renten
bezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidier
bar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes
auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revi
sionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9
C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.
1 mit Hinweisen).
1.8
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
akten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi
nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein
leuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom 8. Dezember 2016 (Urk. 2) ging die Beschwerdegegnerin gestützt auf das polydisziplinäre Y._-Gutachten davon aus, dass für die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit die psychiatrische Proble
matik im Vordergrund stehe. Die vorliegenden Beschwerden würden mass
geblich durch psychosoziale Belastungsfaktoren verursacht, welche auch weiter
hin verschlechternd auf den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin einwirkten. Die Anstrengungs- und Leistungsbereitschaft während der Unter
suchung sei insgesamt als ungenügend beschrieben worden. Die fehlende Mit
wirkung sei jedoch nicht krankheitsbedingt und die Ergebnisse zur Beurteilung der Leistungsfähigkeit deshalb nicht verwertbar (S. 1). Insgesamt liege kein
langandauernder Gesundheitsschaden vor, die einwirkenden psycho
sozialen Belastungsfaktoren seien invaliditätsfremd und würden keinen erhebli
chen Gesundheitsschaden begründen. Mit optimaler Motivation und Leistungs
bereitschaft sowie genügenden Anstrengungen könnte die Beschwer
de
führerin bessere Resultate erzielen. Gemäss Gutachten sei nicht erkennbar, aufgrund welcher objektiver Befunde und Diagnosen sich die Arbeitsfähigkeit gegenüber der Einschätzung von Dr. Z._ seit dem Jahre 2011 geändert habe. In Bezug auf die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch Dr. A._ sei daher von einer anderen Einschätzung desselben medizinischen Sachverhaltes auszugehen (S. 2).
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin geltend, der psychiatrische Gut
achter Dr. A._ habe in seinem psychiatrischen Teilgutachten vom 24. September 2015 ausdrücklich bestätigt, dass eine psychiatrische Erkrankung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliege (Urk. 1 S. 7 Ziff. 23). Das Teil
gutachten von Dr. A._ erfülle die praxisgemässen Kriterien vollum
fänglich, weshalb darauf abzustellen sei. Die Ärzte des Psychiatrischen Ambulatoriums B._ hätten zudem mit Bericht vom 22. Februar 2015 eine Verschlechte
rung des Gesundheitszustandes im Vergleich zum Bericht vom 22. Juli 2011 bestätigt (S. 7 Ziff. 24). Entgegen der Annahme der Beschwerde
gegnerin liege sehr wohl ein invalidisierender Gesundheitsschaden vor. Die Argumentation der Beschwerdegegnerin, wonach die Krankheitsfaktoren mit genügender Willens
anstrengung überwindbar seien, greife somit nicht und stehe im klaren Wider
spruch zum Y._-Gutachten (S. 7 f. Ziff. 25). Gemäss der Beurteilung der Y._-Gutachter könne die Arbeitsfähigkeit auch durch medizinische Mass
nahmen kaum wesentlich verbessert werden, auch eine Reintegration in den ersten Arbeitsmarkt sei nicht möglich (S. 8 Ziff. 28). Es liege deshalb eine voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit vor, womit der Invaliditätsbegriff klar erfüllt sei (S. 8 Ziff. 29). Die Beschwerdeführerin sei alleinerziehende Mutter eines zwölfjähri
gen Sohnes, habe ab dem Jahre 2005 aufgrund der Betreuung ihres Kindes nur noch Teilzeit gearbeitet und somit ihr Pensum lediglich zwecks Kinderbetreuung reduziert (S. 9 Ziff. 33). Aufgrund der familiär bedingten Reduktion der Erwerbstätigkeit sei der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin vorliegend nach der Methode des Einkommensvergleiches gemäss Art. 16 ATSG zu berech
nen. Nachdem gemäss Y._-Gutachten keine verwertbare Restarbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt mehr besteht, resultiert zweifellos ein Invaliditätsgrad, welcher der Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine ganze Invalidenrente gewährt (S. 9 Ziff. 37).
2.3
Strittig und zu prüfen ist damit, ob sich der Gesundheitszustand der Beschwer
deführerin seit der letzten Beurteilung im Jahre 2013 in einem Ausmass ver
schlechtert hat, welches nun einen Anspruch auf eine Rente begründet.
3.
Die Verfügung der Beschwerdeführerin vom 27. Februar 2012 bildete Gegen
stand des Urteils des hiesigen Gerichts vom 9. September 2013 (Urk. 5/106).
Im genannten Urteil wurde insbesondere auf die am 13. Dezember 2011 von Dr. med. Z._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, beziehungsweise am 16. Dezember 2011 von Dr. med. C._, Facharzt für Rheumatologie, erstatteten Gutachten Bezug genommen, in welchen insbeson
dere generalisierte Schmerzen ohne erkennbare, ausreichend erklärende organi
sche Veränderungen, eine mögliche, leichtgradige
Periarthro
pathia
humerosca
pularis
rechts, eine Adipositas, eine anhaltende somatoforme Schmerz
störung, eine rezidivierende depressive Störung, gegen
wärtig knapp leichtgradige Episo
de, sowie familiäre Schwierigkeiten diagnostiziert wurden (Urk. 5/106 S. 13 f. E. 4.10-11). Insgesamt wurde der medizinische Sachverhalt vom Gericht folgen
dermassen beurteilt (Urk. 5/106 S. 18 f.):
5.3 (...)
Die Gesamtwürdigung der bei Fehlen einer psychischen Komorbidität zu be
achtenden zusätzlichen Kriterien führt zum Schluss, dass insgesamt höchstens ein Kriterium, dasjenige des Rückzugs in allen sozialen Belangen, erfüllt ist und damit der Schluss der ausnahmsweisen Unzumutbarkeit der willentlichen Schmerzüberwindung unzulässig ist. Somit ist der Regelfall der zumutbaren Überwindbarkeit gegeben und die aufgrund der diagnostizierten somatofor
men Problematik attestierte Arbeitsunfähigkeit bleibt im sozialversicherungs
rechtlichen Rahmen ausser Betracht.
5.4
Zusammenfassend ist der medi
zinische Sachverhalt als dahingehend erstellt zu betrachten, dass bei der Beschwerde
führerin aus psychiatrischer Sicht kei
ne invalidisierenden Ein
schränkungen bestehen, und ihr trotz der bestehenden leichtgradigen Schulterproblematik die bisherige, körperlich leichte Tätigkeit in einem Pensum von 100 % zumutbar ist, wobei auf Arbeiten über Kopf zu verzichten ist.
4.
4.1
Nach einer
Hospitalisation
vom 19. September bis 10. Oktober 2014 nannten die Ärzte des D._, Klinik für Rheumatologie, im Wesentlichen folgende Diagnosen (Urk. 5/119 S. 1 f.):
-
zerviko
- und
lumbospondylogenes
Syndrom beidseits
-
Schmerzsyndrom mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.1)
-
rezidivierende depressive Störung
-
Periathropathia
humeroscapularis
beidseits
-
Sulcus
ulnaris
Syndrom rechts
-
leichtgradige Gonarthrose beidseits
-
Adipositas Grad 2
Klinisch zeige sich eine Fehlhaltung mit muskulärer Haltungsinsuffizienz bei Hyperlordose, Hyperkyphose mit Kopfretraktion und ausgedehnten
myofas
cialen
Befunden.
Therapeutisch sei vorwiegend mit intensivierten ergo- und physiotherapeutischen Massnahmen gearbeitet worden, im Verlauf sei dadurch eine leichte jedoch stetige Verbesserung der Schmerzsymptomatik erzielt wor
den. Raschere Therapieerfolge seien durch die schwankende Stimmungslage nicht möglich gewesen. An der antidepressiven Therapie sei keine Anpassung vorgenommen worden. Gegebenenfalls sei es angebracht, die Beschwerdeführe
rin im Verlauf in einer psychosomatischen Tagesklinik anzubinden (S. 2). Während des Aufenthaltes habe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestanden (S. 3).
4.2
In ihrem Bericht vom 22. Februar 2015 nannten die Ärzte der E._ folgende Diagnosen (Urk. 5/122 S. 2):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.6)
-
Panikstörung [episodisch paroxysmale Angst] (ICD-10 F41.0)
-
Fibromyalgie (ICD-10 M79.7)
Seit dem letzten Arztbericht vom 27. Juli 2011 habe sich der Gesundheitszu
stand verschlechtert. Die Beschwerdeführerin sei aufgrund des Gesundheitszu
standes nicht in der Lage, zu arbeiten. Derzeit gehe die Beschwerdeführerin in die Ergo- und Physiotherapie, weitere Termine zu vereinbaren sei schwierig. Sie schaffe es nicht, viele Termine innerhalb einer Woche wahrzunehmen (S. 2). Im Verlauf der letzten Jahre sei es zwar immer mal wieder zu einer leichten Ver
besserung des Zustandes gekommen, eine vollständige oder nachhaltige Verbes
serung habe jedoch nicht erreicht werden können. Als ungünstige prognostische Faktoren seien der lange Krankheitsverlauf sowie die grundlegende Persönlich
keitsstörung zu nennen. Die Symptomatik sei in den vergangenen zwei Jahren nur geringfügig beeinflussbar gewesen. Eine regelmässige
Betätigung im Sinn einer geschützten Tätigkeit im Rahmen von zwei bis drei Stunden täglich wäre sinnvoll. Insgesamt scheine es unrealistisch, die Beschwerdeführerin wieder am ersten Arbeitsmarkt integrieren zu können. Seit Beginn der Behandlung am 8. Juli 2011 bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (S. 3).
4.3
Der Hausarzt Dr. med. F._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, nannte in seinem Bericht vom 13. April 2015 im Wesentlichen folgende Diag
nosen (Urk. 5/126 S. 1):
-
chronisches posttraumatisches
Zervikobrachialsyndrom
rechts bei Hal
tungs
insuffizienz und muskulärer
Dekonditionierung
-
rezidivierende depressive Störung meist mittelgradig bei Kindheit und Jugend in ökonomisch sehr schwierigen Bedingungen, Zustand nach schwieriger Partnerschaft mit Kindsvater und jahrelang andauerndem Verlust der sozialen Integration mit Angst- und Schmerzver
arbeitungs
störung
-
atrophe
Autoimmun-Gastritis
-
Lactoseintoleranz
-
«
biliäre»Hepatitis
-
TVT-Operation 2008 bei Belastungsinkontinenz
-
Adipositas
Nach dem Unfall vom 21. Januar 2006 und einer längeren Voll- und Teilzeit-Arbeitsunfähigkeit als Lingerie-Mitarbeiterin und Putzfrau in einem städtischen Altersheim sei sie nach Auslaufen der Krankentaggeldzahlungen noch im Rahmen eines Schonarbeitsplatzes beschäftigt worden, habe aber auch die minimsten Bedingungen nicht erfüllt und den Arbeitsplatz verloren. Trotz breit gefächerten Abklärungen und Behandlungen, ambulant und stationär, sei es ihr seither nie mehr gelungen, den Anforderungen des ersten Arbeitsmarktes zu genügen. Die Prognose bezüglich Wiedererlangen der Erwerbsfähigkeit sei infaust (S. 2).
4.4
Bei unveränderten Diagnosen führten die Ärzte der E._ am 21. Mai 2015 ergänzend zum früheren Bericht vom 22. Februar 2015 aus, alle zwei bis drei Wochen würden stützende,
psychoedukative
und beratende Gespräche mit ange
passten verhaltenstherapeutischen Interventionen stattfinden. Die Beschwer
de
führerin erhalte zudem eine kontinuierliche Psychopharmako
therapie sowie eine sozialpsychiatrische Begleitung (Urk. 5/129 S. 4 Ziff. 1.5). Seit dem 8. Juli 2011 bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (S. 4 Ziff. 1.6). Die Beschwerdeführerin könne nicht konzentriert an einer Sache arbeiten. Es bestünden eine erhöhte Erschöpfbarkeit, eine verminderte Belast
barkeit, ein reduziertes Durchhaltevermögen und starke Konzentrations
störungen. Eine regelmässige Betätigung im Sinn einer geschützten Tätigkeit (ange
passte Tätigkeit mit reduziertem Belastungsprofil) im Rahmen von zwei bis drei Stunden täglich wäre sinnvoll. Das Bildungsniveau müsse dabei berück
sichtigt werden (S. 5). Im günstigsten Fall könnte eine Integration an einem geschützten Arbeitsplatz gelingen (S. 5 Ziff. 1.8).
4.5
Im Auftrag der Beschwerdegegnerin wurde die Beschwerdeführerin in der Inter
disziplinären medizinischen Gutachterstelle Y._ inter
nistisch, rheumatologisch, psychiatrisch und neuropsychologisch begut
achtet. In ihrem Gutachten vom 22. Dezember 2015 (Urk. 5/141) nannten die ver
ant
wortli
chen Ärzte folgende Diagnosen mit wesentlicher Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit (S. 33 Ziff. 4.1):
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
aktenanamnestisch depressive Episoden, zurzeit leicht- bis mittelgradig (ICD-10 F33.11)
-
Schwierigkeiten bei der kulturellen Eingewöhnung (ICD-10 Z60.3)
-
Belastung und Überforderung als alleinerziehende Mutter (ICD-10 Z73)
-
leichtgradige rechtsbetonte mediale Gonarthrose
Als Diagnosen ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, aber mit Krankheitswert, nannten die Ärzte sodann folgende (S. 33 Ziff. 4.2):
-
generalisiertes Schmerzsyndrom, Kriterien für eine Fibromyalgie ACR 1990 erfüllt
-
Adipositas (BMI 35)
-
Penicillin-Allergie, anamnestisch
-
«biliäre» Hepatitis, Pankreasinsuffizienz,
atrophe
Autoimmun-Gastritis sowie Laktoseintoleranz anamnestisch
Bezüglich der anamnestisch mit im Vordergrund stehenden chronischen Schmerz
problematik leide die Beschwerdeführerin gemäss aktueller fach
ärztli
cher rheumatologischer Beurteilung unverändert zur Vorbegutachtung im Jahre 2010 an einem generalisierten Schmerzsyndrom ohne entsprechend aus
geprägtes organisches Korrelat am Bewegungsapparat. Die damals fest
gestellte
Impingementsymptomatik
der rechten Schulter sei aktuell nicht mehr abgrenz
bar, neu sei hingegen eine leichtgradige rechtsbetonte Gonarthrose. Auch wenn die Problematik aktuell etwas anders als im Jahre 2010 gewichtet werde, sei diesbezüglich von einer vergleichbaren Belastungsfähigkeit auszu
gehen. Aus rein rheumatologischer Sicht bestehe unverändert eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Wäschereitätigkeit. Diese Einschätzung gelte auch für jede andere, körperlich leichte Tätigkeit. Der Verwertung der aus rein rheumato
logischer Sicht zu attestierenden Arbeitsfähigkeit stünden nun aber die anläss
lich der jetzigen psychiatrischen Exploration erhobenen Befunde entgegen. Die Beschwerdeführerin leide einerseits an einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren und aktenanamnestisch an depressiven Episoden, derzeit leicht bis mittelgradig, sowie andererseits an Schwierigkeiten bei der kulturellen Eingewöhnung und Belastung/Überforderung als alleiner
ziehende Mutter. Anlässlich der psychiatrischen Untersuchung habe die Beschwerdeführerin einen stark leidenden Eindruck hinterlassen, ihre Schwie
rigkeiten in der Lebensbewältigung würden alle Bereiche erfassen. Es gebe keine Teile mit einem relativ gut funktionierenden Funktionsniveau – durch die Not
wendigkeit, zur Alltagsbewältigung andauernd Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen, werde ergänzend zumindest indirekt belegt, dass das mögliche Leistungsniveau sehr tief sei. Ein gewisser Anteil der vorliegenden Problematik sei soziokulturellen Faktoren zuzuordnen, dessen genauer Umfang sei sicher Ermessenssache. Ohne Zweifel sei die Beschwerdeführerin in ihrem aktuellen Zustand nicht in der Lage, Lohnarbeit zu leisten, eine Integration an irgend
einem Arbeitsplatz sei in der Summe der Teilprobleme schlichtweg nicht vor
stellbar. Die aus rein psychiatrischer Sicht zu attestierende Arbeitsunfähigkeit sei höchstens zur Hälfte soziokulturellen Faktoren und mindestens zur Hälfte einer psychischen Krankheit im engeren Sinne zuzuordnen. Eine Reintegration in den ersten Arbeitsmarkt sei somit nicht mehr möglich aufgrund der erwähn
ten psychopathologischen Befunde und soziokultureller Faktoren mit je hälfti
gem Anteil an der 100%igen Arbeitsunfähigkeit in der freien Wirtschaft. Diese Einschätzung gelte spätestens ab der Anmeldung bei der Invalidenversicherung am 19. November 2014 (S. 32 f.).
Der psychiatrische Gutachter Dr. med. A._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte in seinem Teilgutachten vom 9. November 2015 (Urk. 5/141/53-60) aus, er beurteile die Situation grundlegend anders als die Psychiaterin im Vorgutachten, was ausführlich zu begründen sei und was nicht nur auf die seither veränderten Beurteilungskriterien zurückzuführen sei (S. 5 Ziff. 5).
Bereits als gesunde Frau ohne Beschwerden sei die Beschwerde
führerin ohne Zweifel durch die Erziehung ihres
Sohnes bis aufs Äusserste gefordert worden. Im Vordergrund des klinischen Bildes der chronischen Schmerzstörung stünden Beschwerden, die seit mindestens sechs Monaten in einer oder mehre
ren anatomischen Regionen bestehen würden, und die ihren Ausgangs
punkt in einem physiologischen Prozess oder einer körperlichen Störung hätten. Die Schmerzen hätten ihren Ursprung in einem Bagatellvorfall genommen. Es habe sich dann eine massive Überlagerung mit psychischen Faktoren entwickelt, die in ihrer Ausprägung immer mehr zugenommen hätten. Die Psychiaterin im Vorgutachten habe im Zeitpunkt ihrer Untersuchung noch nicht erkennen kön
nen, wie umfassend die Beschwerdeführerin immer mehr auf Unterstützung durch das Umfeld angewiesen gewesen sei. Der Sohn habe im damaligen Zeit
punkt auch weniger Anforderungen an die Erziehungskompetenz der Beschwer
deführerin gestellt. Die Beschwerdeführerin stelle nun ein wesentlich anderes Bild dar (S. 6). Nach den neuen Beurteilungskriterien handle es sich offen
sichtlich um eine komplexe Gesundheitsschädigung mit seelischen Teilproble
men, die einzeln, alleine genommen, wahrscheinlich noch keine Invalidität zu begründen vermöge. Die Beschwerdeführerin habe bei der Untersuchung einen stark leidenden Eindruck hinterlassen, ein ausgeprägter Leidensdruck sei ohne Frage vorhanden. Mit der Summe der Teilprobleme sei eine Integration an irgendeinem Arbeitsplatz schlichtweg nicht vorstellbar, wobei sich bei dieser Einschätzung psychiatrische Krankheitsfaktoren im engeren Sinne und sozio
kulturelle Dimensionen mischten. Schwierig zu beantworten sei die Frage, wieweit soziokulturelle Faktoren ausgeschieden werden sollten. Die Problematik werde durch ihre Wurzeln in der dominikanischen Republik sicher stark akzen
tuiert und dieser Aspekt werde in den früheren Berichten nicht explizit ausge
schieden. Ein gewisser Anteil sei diesem Konto anzulasten und der genaue Umfang sei sicher Ermessenssache. Nach seiner Einschätzung könne aber höchstens die Hälfte der Invalidität damit
begründet werden und mindestens die Hälfte sei einer psychischen Krankheit im engeren Sinne zuzuordnen. In ihrem aktuellen Zustand sei sie nicht in der Lage, Lohnarbeit zu leisten. Durch die Fremdplatzierung des Sohnes, durch die Notwendigkeit, zur Alltagsbewältigung dauernde Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen, werde indirekt belegt, dass das mögliche Leistungsniveau sehr tief sei. Die aktuelle Einschätzung entspreche den in den Akten abgelegten Berichten der weiter beteiligten psychiatrischen Fachleute (S. 7).
Bei allen möglichen Freizeitaktivitäten und insbesondere auch bei den Hand
lungen mit ihrem Sohn und namentlich auch bei der Berufstätigkeit würden sich die Krankheitsaspekte, der Migrationshintergrund und die Persönlichkeits
eigenschaften negativ auswirken und in diesem Sinne ergebe sich ein konsi
stentes, umfassendes Bild einer Problematik, die in früheren Jahren in dieser Ausprägung noch nicht klar erkennbar gewesen sei. Er, Dr. A._, sei über
zeugt, dass die Beschwerdeführerin keine Chance mehr habe, im ersten Arbeits
markt integriert zu werden und gleichzeitig auch über zu wenig Potenzial verfüge und zu wenig Ressourcen vorhanden seien, um im Rahmen einer Fort
setzung der Psychotherapie eine Wende herbeizuführen. Man könne natürlich argumentieren, dass die Beschwerdeführerin mit einer optimalen Motivation, mit einer Leistungsbereitschaft, mit einer genügenden Anstrengung bessere Resultate erzielen könne. Das sei grundsätzlich richtig, nur müsse berücksichtigt werden, dass die Besonderheiten integrierter Bestandteil der Problematik seien und nicht als isolierter, dem freien Willen der Beschwerdeführerin unterliegen
der Bestandteil gesehen werden dürften, den sie so oder anders ausleben könnten (S. 8).
Sowohl die bisher ausgeübte Tätigkeit im Gastgewerbe und im Heimbereich als auch Verweistätigkeiten könnten nicht mehr
ausgeübt werden, aufgrund von je hälftig psychosomatischen Gegebenheiten und soziokulturellen Faktoren (S. 8 Ziff. 6.1-2). Die Beschwerdeführerin unterziehe sich bereits seit langer Zeit einer ambulanten Psychotherapie und das Verbesserungspotenzial sei minimal. Es könne keine Veränderung erwartet werden, die den Wiedereinstieg in den ersten Arbeitsmarkt ermögliche (S. 8 Ziff. 7).
4.6
Auf entsprechende Nachfrage der Beschwerdegegnerin führte Dr. A._ am 11. Januar 2016 aus, bei einer leichten bis höchstens mittelgradigen Depression als Zweitdiagnose sei eine marginale Verbesserung der Befindlichkeit sowohl bei Augmentation der Medikation als auch bei anderer
Präparatewahl
möglich. Die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit würde aber durch eine solche geringgra
dige Verbesserung der Gesamtsituation nicht verändert. An seinen Schlussfolge
rungen in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit sei daher also festzuhalten (Urk. 5/143 S. 2).
5.
5.1
Der letzten rentenabweisenden Verfügung, welche vom hiesigen Gericht mit Urteil vom 9. September 2013 geschützt worden war (Urk. 5/106), lagen insbe
sondere die Gutachten von Dr. Z._ sowie Dr. C._ zugrunde, in welchen generalisierte Schmerzen ohne erkennbare, ausreichend erklärende organische Veränderungen, eine mögliche, leichtgradige
Periarthropathia
humeroscapularis
rechts, eine Adipositas, eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung, eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig knapp leichtgradige Episode, sowie familiäre Schwierigkeiten diagnostiziert worden waren und eine vollstän
dige Arbeitsfähigkeit in einer behinderungsangepassten Tätigkeit attestiert wor
den war (vgl. E. 3).
Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin (E. 2.1) liegen Hinweise dafür vor, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit der letzten Beurteilung im Jahre 2013 verändert hat. So wurde neu eine leichtgradige rechtsbetonte mediale Gonarthrose diagnostiziert, die generalisierten Schmerzen ohne erkennbare organische Veränderungen entwickelten sich zu einer chroni
schen Schmerzstörung und anstelle der damals nur knapp leichtgradigen depressiven Episode liegt nun eine leicht- bis mittelgradige depressive Episode vor (E. 4.5). Unter Berücksichtigung dieser Veränderungen sowie in Nachach
tung der Rechtsprechungsänderung des Bundesgerichts betreffend psychische Erkrankungen seit der letzten gerichtlichen Überprüfung des Leistungsanspruchs rechtfertigt es sich, im Folgenden umfassend neu zu prüfen, wie sich der verän
derte Gesundheitszustand auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit der Beschwer
deführerin auswirkt.
5.2
Was die somatischen Beschwerden betrifft, gewichtete der rheumatologische Gutachter die Problematik aktuell etwas anders als im Jahre 2010. Unverändert stand die in der Zwischenzeit chronifizierte Schmerzproblematik im Vorder
grund, die früher festgestellte
Impingementsymptomatik
der rechten Schulter war nicht mehr abgrenzbar, neu hinzugekommen war hingegen eine leichtgra
dige rechtsbetonte Gonarthrose. Aus rein rheumatologischer Sicht attestierten die Gutachter jedoch unverändert eine vollständige Arbeitsfähigkeit sowohl in der zuletzt ausgeübten als auch in jeder anderen, körperlich leichten Tätigkeit (E. 4.5).
5.3
Für die Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes stützten sich sowohl die Beschwerdeführerin als auch die Beschwerdegegnerin grundsätzlich auf das Y._-Gutachten vom 22. Dezember 2015 (E. 2.1-2). Ob die medizinische Beur
teilung den nunmehr zu beachtenden Indikatoren (vorstehend E. 1.4) im Ergeb
nis hinreichend Rechnung trägt, ist im
Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalles mit seinen spezifischen Gegebenheiten zu untersuchen (E. 1.5)
Der psychiatrische Gutachter hat sich unter Berücksichtigung der geänderten Rechtsprechung des Bundesgerichts (Urk. 5/141/57 Ziff. 5) mit dem funktionel
len Schweregrad der Beeinträchtigung auseinandergesetzt: Die Gesundheits
schädigung betreffend wurde die Ausprägung der relevanten Befunde themati
siert, der Gutachter führte die Befunde detailliert und differenziert auf (Urk. 5/141/56-57 Ziff. 3.1). Ebenso beurteilte er den Therapieverlauf (Urk. 5/141/56 oben) und die Frage von begleitenden Erkrankungen (Komorbi
dität; Urk. 5/141/57 Ziff. 3.2). Der Komplex der Persönlichkeit ist direkt in die Diagnostik eingeflossen und der soziale Kontext
wurde im Gutachten ebenfalls angesprochen und berücksichtigt (Urk. 5/141/57
59 Ziff. 5). Unter dem Aspekt der Konsistenz wurden sowohl der Umfang der bestehenden Aktivitätsein
schränkungen (anhand der Aktivitäten und des Tagesablaufes erhoben, Urk. 5/141/54-55) als auch der Leidensdruck (Urk. 5/141/59 oben) berücksich
tigt.
Der psychiatrische Gutachter Dr. A._ setzte sich sodann ausführlich mit der Beurteilung durch die Vorgutachterin auseinander und wies dabei insbesondere darauf hin, dass diese im Zeitpunkt der damaligen Untersuchung noch nicht habe erkennen können, wie umfassend die Beschwerdeführerin immer mehr auf die Unterstützung durch das Umfeld angewiesen sei und auch der Sohn habe im damaligen Zeitpunkt noch weniger Anforderungen an die Erziehungskompetenz gestellt (E. 4.5).
Die Beurteilung durch Dr. A._ deckt sich sodann mit den Ausführungen der behandelnden Ärzte der E._ (E. 4.2 und E. 4.4) sowie des Hausarztes Dr. F._ (E. 4.3), welche eine Reintegration der Beschwerdeführerin in den ersten Arbeitsmarkt für unrealistisch hielten.
5.4
Soweit die Beschwerdegegnerin geltend macht, die Beschwerden würden mass
geblich durch psychosoziale Belastungsfaktoren verursacht und die
Anstren
gungs
- und Leistungsbereitschaft während der Untersuchung sei insgesamt als ungenügend beschrieben worden, wobei die fehlende Mitwirkung nicht krank
heitsbedingt sei, weshalb die Beurteilung der Leistungsfähigkeit nicht verwert
bar sei (E. 2.1), vermag diese Argumentation nicht zu überzeugen. Dr. A._ äusserte sich ausdrücklich zu dieser Frage und wies darauf hin, dass die fehlen
de Motivation und Leistungsbereitschaft integrierter Bestandteil der bestehen
den Problematik sei und gerade nicht dem freien Willen der Beschwerdeführerin unterliege. Die auf soziokulturelle Faktoren zurückzuführende Arbeitsunfähig
keit bezifferte Dr. A._ sodann auf höchstens 50 % und schied diesen Anteil in seiner Beurteilung aus (E. 4.5).
5.5
Insgesamt gibt es demnach keinen Grund, von den nachvollziehbaren und über
zeugenden Schlussfolgerungen der Y._-Gutachter abzuweichen, und der medizinische Sachverhalt ist als dahingehend erstellt zu betrachten, dass die Beschwerdeführerin seit der Anmeldung bei der Invalidenversicherung vom 19. November 2014 vollständig arbeitsunfähig ist, wobei diese Arbeitsunfähig
keit je zur Hälfte auf soziokulturelle Faktoren beziehungsweise eine psychische Krankheit im engeren Sinn zurückzuführen ist. Nachdem soziokulturelle Fakto
ren nicht invalidisierend sind, ist für die Berechnung des Invaliditätsgrades von einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % auszugehen.
6.
6.1
Es bleibt die Prüfung der erwerblichen Auswirkungen der bestehenden Ein
schränkungen mittels Einkommensvergleich.
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird
das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalidenein
kommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkom
mensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
6.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns
, mithin Mai 2015,
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrschein
lichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; BGE 135 V 58 E. 3.1; BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
Auszugehen ist dabei vom letzten Verdienst der Beschwerdeführerin als Haus
wirtschaftsangestellte in einem Pflegezentrum. Im Urteil des hiesigen Gerichts vom 9. September 2013 wurde das Jahreseinkommen bei einer Qualifikation als voll Erwerbstätige im Jahre 2009 auf Fr. 54'546.-- festgesetzt (Urk. 5/106 S. 20 oben). Unter Berücksichtigung der Nominallohnerhöhung (Schweizerischer
Lohnindex insgesamt [1939 = 100], Frauen, Stand 2009: 2552, Stand 2015: 2686;
www.bfs.admin.ch
, Arbeit und Erwerb, Löhne/Erwerbseinkommen, detaillierte Daten, Lohnentwicklung) ergibt dies für das Jahr 2015 ein
Validen
einkommen
von rund Fr. 57'410.-- (Fr. 54'546.-- : 2552 x 2686).
6.3
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtspre
chung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch her
ausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, BGE 135 V 297 E. 5.2; BGE 129 V 472 E. 4.2.1; BGE 126 V 75 E. 3b). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröf
fentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (Urteile des Bundesgerichts 9C_699/2015 vom 6. Juli 2016 E. 5.2, 8C_78/2015 vom 10. Juli 2015 E. 4 und 9C_526/2015 vom 11. September 2015 E. 3.2.2; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.8.1 und BGE 133 V 545 E. 7.1). Der
Beizug
der
Lohnstatistik erfolgt nur, wenn eine Ermitt
lung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7; BGE 139 V 592 E. 2.3, BGE 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/Reichmuth, IVG, 3. Aufl., N 55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtspre
chung).
Das Bundesgericht hat mit BGE 142 V 178 festgehalten, dass den LSE 2012 nach Massgabe des bisher Erwogenen für alle Fälle erstmaliger Invaliditätsbe
messung und auf Neuanmeldung hin nach vorausgegangener rechtskräftiger Ablehnung oder nach Aufhebung der Invalidenrente sowie im Revisionsver
fahren (mit Entstehung des potentiellen oder Veränderung des laufenden Rentenanspruches im Jahre 2012 oder später) Beweiseignung zukommt.
Nachdem die Beschwerdeführerin seit dem Jahre 2009 nicht mehr erwerbstätig ist (vgl. Urk. 5/35
Ziff. 2.1),
l:\
juris_dms
\prod\dossier\00271019.docm
ist das Invalideneinkommen gestützt auf den stan
dardisierten Durchschnittslohn in sämtlichen Wirtschaftszweigen des privaten Sektors zu bestimmen und es ist vom mittleren Lohn für Frauen, die Hilfsarbei
ten ausführen, auszugehen. Dieser belief sich im Jahre 2012 auf monatlich Fr. 4'112.-- (LSE 2012, S. 35, Tabelle TA1, Total, Niveau 1), mithin Fr. 49'344.-- im Jahr (Fr. 4'112.-- x 12). Unter Berücksichtigung einer durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41.7 Wochenstunden (betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, Total;
www.bfs.admin.ch
, Arbeit und Erwerb, Erwerbstätigkeit und Arbeitszeit, detaillierte Daten) sowie der Nominallohner
höhung (Schweizerischer Lohnindex insgesamt [1939 = 100], Frauen, Stand 2012: 2630, Stand 2015: 2686;
www.bfs.admin.ch
, Arbeit und Erwerb, Löhne/Erwerbseinkommen, detaillierte Daten, Lohnentwicklung) ergibt dies für das Jahr 2015 ein Einkommen von rund Fr. 52'536.-- (Fr. 49'344.-- : 40 x 41.7 : 2630 x 2686). Nachdem der Beschwerdeführerin lediglich eine Arbeitsfähigkeit von 50 % angerechnet werden kann, beträgt das Invalideneinkommen somit Fr. 26'268.-- (Fr. 52'536.-- x 0.5).
6.4
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und
Ausmass
der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäfti
gungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können
(BGE 124 V 321 E.
3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten
(BGE 126 V 75 E.
5b/
aa
). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdi
gung der Umstände im Einzelfall nach
pflichtgemässem
Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25
%
nicht übersteigen (BGE 135 V 297 E. 5.
2; 134 V 322 E.
5.2 und
126 V 75 E.
5b/
bb
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfä
higkeit eingeschränkt ist
(BGE 126 V 75 E.
5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthalte
ne gesundheitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs
einfliessen
und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dür
fen (Urteile des Bundesgerichts 9C_846/2014 vom 22. Januar 2015 E. 4.1.1 und 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E.
3.1
mit Hinweisen
).
Nach ständiger Rechtsprechung darf das (kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges
gemäss
BGE 126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen; es muss sich auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 137 V
71 E.
5.2 und 126 V 75 E.
6).
Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt oder zu Unrecht berücksichtigt, hat die Beschwerdeinstanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen (vgl. Urteile des Bundesgerichtes
8C_113/2015 vom 26. Mai 2015 E.
3.2 und
8C_808/2013 vom 14.
Februar 2014 E.
7.1.1 mit Hinweisen).
Nachdem die Beschwerdeführerin ohne die belastenden soziokulturellen und psychosozialen Faktoren wohl in der Lage wäre, in jeder körperlich leichten Tätigkeit in einem
Pensum von 50 % zu arbeiten, trägt ein Leidensabzug von 5 % den Gegebenheiten des vorliegenden Falles angemessen Rechnung.
6.5
Beim einem
Valideneinkommen
von Fr. 57'410.-- (vgl. vorstehend E. 6.2) sowie einem Invalideneinkommen in der Höhe von rund 24’955.-- (Fr. 26'268.-- x 0.95; vgl. vorstehend E. 6.3-4) ergibt sich somit eine Einkommenseinbusse von Fr. 32’455.--, was einem Invaliditätsgrad von gerundet 57 % entspricht.
Damit hat die Beschwerdeführerin nach Ablauf von sechs Monaten seit der Anmeldung (Art. 29 Abs. 1 IVG) vom 19. November 2014, mithin ab 1. Mai 2015 Anspruch auf eine halbe Invalidenrente. Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde.
7.
7.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 900.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie
der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen
.
7.2
Nach § 34 Abs. 1
GSVGer
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Vorliegend erscheint eine Prozessentschä
digung von Fr. 2’500.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) als angemessen.