# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** e92cec4b-53d5-47cc-9d89-5fdb0404e296
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend mehrfache Anstiftung zur Verletzung des Amtsgeheimnisses
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, Einzelgericht, vom
25. Juni 2014 (GG140032)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 20. März
2014 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 25).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der mehrfachen Anstiftung zur Verletzung des
Amtsgeheimnisses im Sinne von Art. 320 Ziff. 1 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 24
StGB.
2. Betreffend den Vorfall vom 10.06.2009 (Anklageschrift, S. 3, 4. Absatz) wird
der Beschuldigte vom Vorwurf der Anstiftung zur Verletzung des Amtsge-
heimnisses im Sinne von Art. 320 Ziff. 1 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 24 StGB
freigesprochen.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu
Fr. 60.– (entsprechend Fr. 3'000.–) sowie mit einer Busse von Fr. 500.–.
4. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt. Die Busse ist zu bezahlen.
5. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen.
6. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 1'200.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 1'000.– ; Gebühr für die Strafuntersuchung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt.
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 56 S. 2)
1. Die Ziffern 1 und 3 bis 8 des Urteils vom 25. Juni 2014 des Bezirksgerichts
Bülach (Geschäfts-Nr. GG140032) seien aufzuheben.
Der Beschuldigte sei von Schuld und Strafe freizusprechen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des Staates.
b) Der Vertreterin der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich:
(Urk. 49, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessrechtliches
1. Berufungsanmeldung, -erklärung und Teilrechtskraft
Noch vor den Schranken meldete der Beschuldigte Berufung gegen das erstin-
stanzliche Urteil an (Prot. I S. 32). Die Staatsanwaltschaft erhob weder selbstän-
dige noch Anschluss-Appellation (Urk. 49).
Am 24. Oktober 2014 nahm die Verteidigung das begründete Urteil der Vorinstanz
entgegen (Urk. 42). Die Berufungserklärung ging am 13. November 2014, und
damit rechtzeitig, am Obergericht ein (Urk. 46/1).
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Der Beschuldigte ficht das erstinstanzliche Urteil mit Ausnahme des Teilfrei-
spruchs vollumfänglich an (a.a.O. S. 2). Somit ist festzustellen, dass das bezirks-
gerichtliche Urteil bezüglich Dispositivziffer 2 in Rechtskraft erwachsen ist.
2. Anklageprinzip
2.1. Das Anklageprinzip bezweckt zugleich den Schutz der Verteidigungsrechte
der angeschuldigten Person und dient dem Anspruch auf rechtliches Gehör (In-
formationsfunktion; BGE 133 IV 235 E. 6.2 und 6.3 S. 244 ff.; Urteil 6B_130/2012
vom 22. Oktober 2012 E. 6.2 [nicht publ.] in: BGE 138 IV 209; je mit Hinweisen).
Nach dem Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand des
Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion; Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV;
Art. 9 und Art. 325 StPO; Art. 6 Ziff. 1 und Ziff. 3 lit. a und b EMRK). Das Gericht
ist an den in der Anklage wiedergegebenen Sachverhalt gebunden (Immutabili-
tätsprinzip), nicht aber an dessen rechtliche Würdigung durch die Anklagebehörde
(vgl. Art. 350 StPO). Die Anklage hat die der beschuldigten Person zur Last ge-
legten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe
im objektiven und subjektiven Bereich genügend konkretisiert sind. Hinsichtlich
der Vorsatzelemente genügt grundsätzlich der Hinweis auf den gesetzlichen
Straftatbestand im Anschluss an die Darstellung des Sachverhalts als zureichen-
de Umschreibung der subjektiven Merkmale, wenn der betreffende Tatbestand
nur mit Vorsatz begangen werden kann (BGE 120 IV 348 E. 3c S. 356 mit Hin-
weisen; BGE 6B_288/2014 vom 22. Januar 2015).
2.2.1. Die Verteidigung moniert, es sei "nicht gehörig angeklagt", "dass der Be-
schuldigte effektiv gewusst" habe, "dass Auskünfte aus dem polizeilichen Informa-
tionssystem nicht erteilt werden" dürften (Urk. 46/1 S. 5; Urk. 56 S. 5). Die Ankla-
geschrift mache "mit keinem Wort namhaft", geschweige denn beweise, "worin die
Absicht und insbesondere das Wissen des Beschuldigten liegen" solle, "wonach
eine Auskunftserteilung, wie sie anbegehrt worden" sei, "rechtswidrig sein soll"
(a.a.O. S. 10f.). Der subjektive Tatbestand werde in der Anklageschrift "überhaupt
nicht angesprochen", sodass eine Verurteilung das Anklageprinzip verletze
(S. 13, 15).
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2.2.2. In der Anklageschrift wird einleitend der äussere, zum objektiven Tatbe-
stand der Anstiftung zur Amtsgeheimnisverletzung gehörende Lebensvorgang un-
ter Bezeichnung der beteiligten Personen sowie der örtlichen und zeitlichen Um-
stände zusammengefasst. Danach werden die fünf Tatkomplexe in der gebotenen
Kürze, aber dennoch präzise und vollständig im Sinne von Art. 9 und Art. 325
Abs. 1 StPO, dargelegt.
Damit erfüllt die Anklageschrift nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung be-
reits das Akkusationsprinzip, denn der vorliegend interessierende Tatbestand
kann nur eventual- oder direkt vorsätzlich erfüllt werden. Es versteht sich auf-
grund der Sachverhaltsumschreibung und des beantragten Schuldspruchs daher
für jedermann von selbst, dass die Anklagebehörde dem Beschuldigten vorwirft,
er habe darum gewusst, dass ihm der Polizeibeamte B._ die angeforderten
Daten - weil für Privatpersonen geheim - nicht mitteilen durfte, und er habe
B._ gleichwohl wissentlich und willentlich zur Preisgabe der Informationen
angestiftet.
Die Staatsanwaltschaft brachte den inneren Sachverhalt in der Anklageschrift
aber sogar explizit zu Papier, indem sie ausführte: "Dabei handelte der Beschul-
digte im Wissen darum, dass es sich bei den preisgegebenen Informationen um
Tatsachen handelte, welche nur einem beschränkten Kreis von Personen bekannt
waren, und im Wissen darum, dass diese nicht ohne Weiteres an Privatpersonen
offenbart werden dürfen" (Urk. 25 S. 3).
Entgegen dem Vorbringen der Verteidigung kann mithin keine Rede davon sein,
dass der zum subjektiven Tatbestand der Anstiftung zur Verletzung des Amtsge-
heimnisses gehörende Sachverhalt in der Anklageschrift "überhaupt nicht ange-
sprochen" wird. Vielmehr wird darin der innere Sachverhalt sogar über das Erfor-
derliche hinaus umschrieben. Was dem Beschuldigten vorgeworfen wird, war für
diesen aus der Anklageschrift klar ersichtlich, und er konnte dementsprechend die
ihm zustehenden Verteidigungsrechte wahrnehmen.
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Nicht in die Anklageschrift gehören Indizien und direkte Beweise für die aufge-
stellten Behauptungen, ebenso wenig erst für die Strafzumessung relevante Moti-
ve.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Anklageschrift die Anforderungen
von Art. 9 und Art. 325 StPO erfüllt.
2.2.3. Eine andere Frage ist, ob die Vorinstanz bei ihrem Schuldspruch teilweise
auf Sachverhalte abstellte, die nicht Bestandteil der Anklage bilden. Darauf wird
bei den Erwägungen zum Schuldpunkt (Ziff. II.) zurückzukommen sein.
3. Verwertbarkeit der Aussagen des Polizeibeamten B._
3.1. Die Verteidigung hält die polizeiliche Befragung des Polizeibeamten B._
vom 13. März 2012 (Urk. 6/2) für unverwertbar zu Lasten des Beschuldigten, weil
die erforderliche Aussageermächtigung der vorgesetzten Behörde im Sinne von
Art. 170 Abs. 2 StPO damals nicht vorgelegen habe (Urk. 46/1 S. 5). Anders als
von der Vorinstanz angenommen, handle es sich dabei nicht um eine Ordnungs-,
sondern um eine Gültigkeitsvorschrift, gehe es doch darum, eine Ausnahme vom
Amtsgeheimnis zu legitimieren.
3.2. Art. 170 StPO verlangt, dass der Beamte Geheimnisse, die ihm in seiner amt-
lichen Eigenschaft anvertraut worden sind oder die er bei der Ausübung des Am-
tes wahrgenommen hat, nur mit schriftlicher Ermächtigung der vorgesetzten Be-
hörde preisgibt. Überwiegt das Interesse an der Wahrheitsfindung das Geheim-
haltungsinteresse, muss die Behörde aber die Bewilligung erteilen (Schmid, StPO
Praxiskommentar, 2. Aufl., Art. 70 N 1 und vor Art. 168 - 176 N 1, BSK StPO,
2. Aufl., Vest/Horber Art. 170 N 4 und 10).
3.3. Die Gemeindepolizei C._ gelangte, als sie am 19. Februar 2014 im Hin-
blick auf die Zeugeneinvernahme des Polizeibeamten B._ vom 7. März 2014
(Urk. 18) eine Interessenabwägung im Sinne von Art. 170 Abs. 3 StPO vornahm
(Urk. 19/7), zum Schluss, dass eine Aussage-Ermächtigung zu erteilen sei. Nach-
dem es
- bereits in der polizeilichen Befragung vom 13. März 2012 (Urk. 6/2) um ein und
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denselben Sachverhalt bzw. um die gleichen Geheimnisse wie in dieser Zeugen-
einvernahme gegangen war und
- die C._ Behörde damals nicht etwa eine beantragte Aussage-Bewilligung
verweigert hatte, sondern B._ diese bloss einzuholen vergessen hatte (wäh-
rend er die Ermächtigung der aktuellen vorgesetzten Behörde, der Abteilung Si-
cherheit der Stadt D._, beigebracht hatte, Urk. 4/3),
ist die Entbindung von der Wahrung des Amtsgeheimnisses vom 19. Februar
2014 so zu verstehen, dass sie rückwirkend auch die polizeiliche Befragung
B._s legitimierte, weshalb diese zu Ungunsten des Beschuldigten im vorlie-
genden Strafverfahren verwertbar ist, zumal der Beschuldigte im Rahmen der
Zeugeneinvernahme Gelegenheit hatte, Ergänzungsfragen (auch bezüglich jener
Aussagen) an den Polizeibeamten B._ zu stellen.
3.4. Offen bleiben kann unter diesen Umständen, ob der in einem Teil der Lehre
vertretenen Auffassung beizupflichten ist, wonach Art. 170 Abs. 2 StPO generell
nur eine Ordnungsvorschrift darstellt, mithin nie zur Unverwertbarkeit führt
(Schmid, Praxiskommentar, 2. Aufl., Art. 170 N 4; Schmid, Handbuch des
Schweizerischen Strafprozessrechts, N 891f.; Donatsch in: Donatsch/Hansjakob/
Lieber, 2. Aufl., Art. 170 N 13; ferner - anders als noch in der ersten Auflage - mitt-
lerweile auch BSK StPO, a.a.O., Art. 170 N 9 FN 27). Und nicht weiter nachge-
gangen zu werden braucht schliesslich der Frage, ob andernfalls eine Einver-
nahme trotz gänzlichem Fehlen der Ermächtigung durch die vorgesetzte Behörde
dennoch dann verwertbar ist, wenn eine Interessenabwägung durch das Gericht
nach den Kriterien von Art. 170 Abs. 3 StPO ergibt, dass die Ermächtigung zur
Aussage zu erteilen gewesen wäre (so im Ergebnis das Urteil SU120012 des
Obergerichts des Kantons Zürich, vom 19. Februar 2013, S. 18).
4. Beweisergänzungsanträge
Die Verteidigung beantragt, wie teilweise schon in der Untersuchung und vor Vo-
rinstanz, verschiedene Beweisergänzungen (vgl. dazu die Urk. 21/2, 21/3, 28, 31,
34 S. 5 und S. 14 sowie Urk. 40 S. 8f.).
4.1. Beizug der Strafakten E._
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So verlangt sie im Zusammenhang mit dem ersten in der Anklage erhobenen
Vorwurf (Urk. 25 S. 2, ferner unten Ziff. II.3.) den Beizug der Akten des Strafver-
fahrens gegen E._ (Urk. Urk. 46/1 S. 3; Urk. 56 S. 2). Dies sei erforderlich,
"um die Einzelheiten der damaligen Vorwürfe gegen Herrn E._ und die Plau-
sibilität der Aussage des Beschuldigten vor der Befragung E._ überprüfen
bzw. nachweisen zu können" (a.a.O.).
Dem Antrag ist nicht stattzugeben. Zur Beantwortung der Frage, was E._
dem Beschuldigten mitgeteilt hatte, bevor dieser B._ zwecks Auskunftsertei-
lung kontaktierte, vermöchten die betreffenden Akten zwar möglicherweise indi-
rekt einen Beitrag zu leisten, indem die angeblich von E._ offenbarten Tat-
vorwürfe mit den tatsächlich gegen ihn erhobenen verglichen werden könnten. In-
des besteht kein Anlass, nicht schon ohne Aktenbeizug von den diesbezüglichen
Angaben des Beschuldigten auszugehen. Denn die von diesen teilweise abwei-
chenden Ausführungen E._' in dessen Zeugeneinvernahme im vorliegenden
Verfahren vermögen die Depositionen des Beschuldigten nicht als zweifelhaft er-
scheinen zu lassen oder gar umzustossen, zumal sich aus der Befragung von
E._ ergibt, dass dieser sich an die dem Beschuldigten erteilten Auskünfte
über das eigene Strafverfahren nicht mehr zuverlässig erinnerte (was angesichts
der seither vergangenen Zeitspanne von gut sechs Jahren nicht weiter erstaunen
würde) oder erinnern wollte.
4.2. Einvernahme der Zeugen F._ und G._
Unterbleiben kann sodann die beantragte Einvernahme von F._ und
G._ in Bezug auf die Legitimationslage bei den Leasingverträgen (Urk. 46/1
S. 13; Urk. 56 S. 15). Die Vorinstanz hat den schon in der Hauptverhandlung vor
Bezirksgericht gestellten Antrag mit zutreffender Begründung abgelehnt (Urk. 43
S. 8f.). Nachdem sich seither an der Ausgangslage nichts verändert hat, kann zur
Vermeidung unnötiger Wiederholungen auf jene Erwägungen verwiesen werden.
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4.3 Einholen einer Amtsauskunft Oberstaatsanwaltschaft zum Thema Fahrzeug-
fahndung
Ebenfalls nicht notwendig ist die Einholung der von der Verteidigung beantragten
Amtsauskunft (Urk. 56 S. 15). Wie nachfolgend noch zu zeigen sein wird, ist der
Ausgang des Verfahrens nicht von einer solchen Auskunft abhängig.
5. Beizug der Akten B._
Vom Berufungsgericht von Amtes wegen beigezogen wurden die Akten des
Strafbefehlsverfahrens gegen den Polizeibeamten B._ (vgl. die beigez. Akten
der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich, Unt.Nr. 2012/69). Dies zur Klärung
der Frage, ob sich aus jenen Akten sachdienliche Erkenntnisse für das vorliegen-
de Verfahren wie etwa den Beschuldigten entlastende, dem Gericht noch nicht
bekannte Aussagen, ergäben (was nicht der Fall war) sowie zur Verifizierung der
Rechtskraft des gegen B._ ergangenen Strafbefehls.
II. Schuldpunkt
1. Grundsätzliches zum Tatbestand der Anstiftung zur Verletzung des Amtsge-
heimnisses
Die Vorinstanz hat die objektiven und subjektiven Voraussetzungen für einen
Schuldspruch wegen Anstiftung zur Verletzung des Amtsgeheimnisses im Sinne
von Art. 320 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 24 Abs. 1 StGB bereits ein-
lässlich dargelegt (Urk. 43 S. 11 bis 13). Auch das braucht nicht wiederholt zu
werden.
2. Ausgangslage
Es ist unbestritten, dass der Beschuldigte im (nach Berücksichtigung des erstin-
stanzlichen Teilfreispruchs) noch relevanten Zeitraum vom 28. Februar 2008 bis
zum 2. März 2009 Geschäftsführer des Ermittlungs- und Inkassodiensts H._
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AG war und dabei Überwachungen und Ermittlungen, insbesondere im Auftrag
von Leasinggebern, vornahm (Prot. I S. 8f. und 22ff.; Prot. II S. 7). Nicht in Abrede
gestellt wird sodann, dass der Beschuldigte in diesem Zeitraum den bei der Ge-
meindepolizei C._ tätigen Polizeibeamten B._ - den er von einer frühe-
ren geschäftlichen Zusammenarbeit her kannte (Prot. I S. 11ff.; Prot. II S. 11) -
unter anderem per E-Mail um Informationen über verschiedene Personen ersuch-
te. Schliesslich räumt der Beschuldigte ein, dass B._ auf seine Anfragen hin
in seiner dienstlichen Funktion Abklärungen vornahm und ihm Informationen lie-
ferte (Prot. II S. 11).
Hingegen negiert der Beschuldigte teilweise den Geheimnischarakter der erfrag-
ten und ihm mitgeteilten Daten. Diese seien für jedermann oder jedenfalls für ihn
(als von den Leasinggebern bevollmächtigte Person und im Hinblick auf eine all-
fällige Strafanzeige gegen Leasingnehmer wegen Veruntreuung; Prot. I S. 8f., 14
und 21ff.) legal erhältlich gewesen. Zumindest habe er dies, nicht zuletzt auch
angesichts des Verhalten von B._ ihm gegenüber, geglaubt (Prot. I S. 15, 16,
17, 20f.; Prot. II S. 11 und 16). Abgesehen davon habe er zuweilen auf seine An-
fragen hin gar nichts für ihn Neues von B._ erfahren. Es sei ihm nie bewusst
gewesen, nicht rechtens gehandelt zu haben (S. 28f.).
Im Folgenden ist auf die einzelnen Anklagevorwürfe näher einzugehen.
3. Anfragen des Beschuldigten vom 28./29. Februar 2008 (betreffend E._)
3.1. Hinsichtlich des Anklagewortlauts sei auf Seite 2 der Anklageschrift (Urk. 25)
und die Ausführungen zum Anklageprinzip unter Ziff. I.2. dieser Urteilsbegrün-
dung verwiesen.
3.2. Zwischen dem Beschuldigten und dem Polizeibeamten B._ spielte sich
am 28. und 29. Februar 2008 folgender E-Mail-Verkehr ab (Urk. 15/1 = Urk. 19/1):
Der Beschuldigte schrieb B._ am 28. Februar:
Habe vor mit dieser Person eine geschäftliche Transaktion zu machen:
E._, ... [Adresse], tt.05.1970.
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Kannst du mir bitte bei Gelegenheit abchecken ob alles i.O. ist bzw. eventuell ein
Eintrag besteht?
B._ antwortete:
Was wettsch met dem? Dä het im 2002 ond 2003 chli en gröbere Itrag ...
Der Beschuldigte erwiderte:
Ich han wie bereits gseiht e gschäftlichi transaktion pendenz. es handelt sich um e
möglichi zämearbet bi eneme projekt. bruch also jedes mögliche detail, wann er
nöd suber isch.
Daraufhin B._:
"Muesch es für dech phalte ...
Er het im 02 ond 03 handlige met kind gha ..."
Der Beschuldigte hakte nach:
ich han gwüsst, dass er Seklehrer gsi isch und Psychologie studiert.
handlige mit ching: nur verdacht oder ischer gständig gsi bzw. isch es zu enere
verurteilig cho? hät er suschto no iitrag kha?
B._ respondierte:
S.ex handlige met kind, er esch verzeigt, aber öb er verurteilt worde esch, gsähnd
mer leider ned ...
Der Beschuldigte insistiert:
wie chan ni usefinde wie schwer das ganze gsi isch bzw. obs es missverständnis
vo elterne binere teene wo sich i de lehrer verliebt hät oder effektiv oppis gröbers
vorgfalle isch? ob eine i de chischte gsi isch, würdsch aber gseh oder?
Der E-Mail-Verkehr endet mit folgender Antwort B._s vom 12. März 2008:
Met em andere (gemeint: bezüglich obiger Anfrage) chan der au ned wiiterhelfe,
ich weiss nor, dass gschrebe worde esch, aber öb er ghocket esch, chan ich der
leider ned säge ...
3.3. B._ hatte als Polizeibeamter Zugang zum Informationssystem "Polis".
Die darin gespeicherten Daten waren für dienstlichen Gebrauch bestimmt und
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durften Privatpersonen nicht ohne Einverständnis des Betroffenen oder gesetzli-
che Grundlage herausgegeben werden. B._ wusste das (Urk. 18 S. 7). In-
dem er dem Beschuldigten dennoch zunächst die Auskunft erteilte, E._ habe
zwei "gröbere" Einträge, ihm danach bekannt gab, der Betreffende habe 2002 und
2003 "Handlungen mit Kindern" gehabt und schliesslich mitteilte, E._ sei we-
gen sexueller Handlungen mit Kindern verzeigt worden (wobei für die Polizei al-
lerdings "leider" nicht ersichtlich sei, ob er auch in Haft genommen und verurteilt
worden sei), enthüllte B._ wissentlich und willentlich ihm in seiner Eigen-
schaft als Beamter anvertraute Geheimnisse. Unter anderem dafür wurde er denn
auch mit mittlerweile rechtskräftigem Strafbefehl der Staatsanwaltschaft I des
Kantons Zürich vom 17. September 2012 wegen Verletzung des Amtsgeheimnis-
ses im Sinne von Art. 320 Ziff. 2 StGB schuldig gesprochen und mit 60 Tagessät-
zen zu je Fr. 100.-, unter Gewährung des bedingten Strafvollzugs, sowie einer
Busse von Fr. 1'500.- bestraft (Urk. 55/13).
3.4. Von Seiten des Beschuldigten wird vorgebracht, B._ habe ihm keinerlei
Geheimnisse offengelegt, denn er habe vom Polizeibeamten nichts Neues über
E._ erfahren (Urk. 46/1 S. 4). Der früher als Lehrer tätige E._ habe ihm
schon vor dem E-Mail-Verkehr des Beschuldigten mit B._ mündlich mitgeteilt
gehabt, dass gegen ihn früher einmal ein Strafverfahren wegen angeblicher sexu-
eller Handlungen mit einem Schüler in Gang gesetzt worden sei; das Verfahren
habe jedoch angesichts der widersprüchlichen Aussagen des Jungen nicht zu ei-
ner Verurteilung geführt.
Nun ist diese Behauptung des Beschuldigten insofern zweifelhaft, als seltsam er-
scheint, dass er im Rahmen der elektronischen Korrespondenz mit B._
nichts (explizit) über die angeblichen Kenntnisse betreffend das strafrechtliche
Vorleben von E._ verlauten liess. Auch schrieb er B._, dass vielleicht
bloss ein Missverständnis der Eltern einer Teenie (also eines Mädchens), die sich
in den Lehrer verliebt habe, vorliege, während es doch gemäss E._' eigenen,
insofern glaubhaften Aussagen - wie auch nach den Vorbringen des Beschuldig-
ten im vorliegenden Strafverfahren - um einen Schüler (einen Jungen) gegangen
sein soll. Immerhin sprach der Beschuldigte in der E-Mail an B._ eine Schü-
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ler-/Lehrer-beziehung an und brachte die Möglichkeit eines Missverständnisses
ins Spiel. Vor allem aber schloss E._ selber im Rahmen der Zeugeneinver-
nahme nach anfänglicher Bestreitung nicht aus, dass er dem Beschuldigten von
der Strafsache erzählt hatte, wobei er sich zum Zeitpunkt nicht äusserte (Urk. 16,
insb. S. 11f.). Mit der Vorinstanz ist daher zugunsten des Beschuldigten davon
auszugehen, dass er bereits von einem Strafverfahren wegen sexueller Handlun-
gen E._' mit einem Kind wusste, als er sich bei B._ über das strafrecht-
liche Vorleben des früheren Lehrers erkundigte.
Indes bewahrt dies den Beschuldigten nicht vor einem Schuldspruch.
Auch mit der blossen Bestätigung einer dem Empfänger bereits bekannten Tatsa-
che offenbart der zur Verschwiegenheit Verpflichtete nach vorherrschender Lehre
und Rechtsprechung das Geheimnis, denn die Mitteilung bestärkt ihn in seinem
Wissen (BSK STGB, 3. Aufl., Niklaus Oberholzer, Art. 320 N 10; Stefan Trech-
sel/Hans Vest in: Trechsel/Pieth [Hrsg.] StGB PK, 2. Aufl., Art. 320 N 8; BGE 75
IV 71ff. Erw. 1; SJZ 67 [1971] Nr. 45 Erw. 3b = AGVE 1968 S. 116ff.). Kein Ge-
heimnisverrat liegt nur dann vor, wenn der Adressat bereits verlässliches und
vollständiges Wissen besitzt (Trechsel/Vest, a.a.O., Art. 321 N 24; BGE 106 IV
131ff.). Das war beim Beschuldigten nicht der Fall. Er erklärte denn auch, er habe
wissen wollen, über welche Informationen die Polizei verfügte (entsprechend woll-
te er in einer Mail an B._ auch "jedes mögliche" [gemeint: für B._ eru-
ierbare] "Detail" wissen) und ob sich dies mit den Aussagen E._' decke, habe
verifizieren wollen, ob das, was ihm E._ berichtet habe, wahr sei oder nicht
(Urk. 14 S. 6 und 8, Urk. 20 S. 2, Prot. I S. 18 und 19; Prot. II S. 12). Dass der
Beschuldigte das wichtigste angestrebte Ziel, nämlich zu erfahren, ob E._
verurteilt worden war, nicht erreichte - was die Verteidigung immer wieder betont -
ändert nichts. Immerhin erhielt er von B._ eine behördliche Bestätigung, dass
E._ wegen sexuellen Handlungen mit Kindern verzeigt worden war. Das ge-
nügt an sich bereits.
Der Beschuldigte erfuhr jedoch zudem von B._ keineswegs nur Bekanntes,
sondern auch Neuigkeiten. So teilte ihm der Polizeibeamte mit, dass E._ so-
wohl 2002 als auch 2003 einen "gröberen Eintrag" gehabt habe und in einer spä-
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teren Mail, dass er 2002 und 2003 "Handlungen mit Kindern" gehabt habe. Das
eröffnete die Möglichkeit, dass E._ sogar wegen verschiedener Vorfälle mit
allenfalls mehreren Opfern in Untersuchung gestanden hatte (die Verzeigung von
2003 könnte denn auch die Busse wegen Besitzes von pornographischen Auf-
nahmen von Kindern betreffen, vgl. dazu Urk. 16 S. 6f. und S. 8f.). Davon wusste
der Beschuldigte offensichtlich nichts, sprach er selbst doch in der Untersuchung
stets nur von angeblichen sexuellen Handlungen mit einem Kind, von denen ihm
E._ berichtet habe (Urk. 14 S. 6, Urk. 16 S. 12; vgl. sodann auch Prot. I S.
19) und von einer einmaligen Angelegenheit bzw. einem Vorfall (Urk. 20 S. 2;
Prot. II S. 15). Im Weiteren wollte der Beschuldigte entgegen seinen auch heute
gemachten Aussagen (Prot. II S. 12) nicht nur bestätigt haben, ob das was
E._ ihm erzählt hatte stimmt, sondern umfassende Informationen über ihn. Er
wollte, wie es dem Emailverkehr zu entnehmen ist, "jedes Detail" wissen.
Der Beschuldigte erhielt also, wie man es auch betrachtet, sehr wohl Informatio-
nen vom Polizeibeamten B._, die als Offenbaren eines Geheimnisses zu
qualifizieren sind.
3.5. B._ erteilte die besagten Auskünfte sodann nicht unaufgefordert, son-
dern auf Ersuchen ("Kannst du mir bitte bei Gelegenheit abchecken ob [betr.
E._] alles i.O. ist bzw. eventuell ein Eintrag besteht?") und insistierende
Nachfragen ("... bruch also jedes mögliche detail ...") des Beschuldigten. Dieser
rief den konkreten Tatentschluss beim Polizeibeamten kausal hervor. Dass der
Beschuldigte dafür - nicht zuletzt dank dem guten Einvernehmen mit dem frühe-
ren Mitarbeiter B._ - keine besondere Überzeugungsarbeit zu leisten brauch-
te, die blosse Bitte genügte, ändert nichts; die Überwindung eines Widerstands ist
zur Erfüllung des Tatbestands nicht erforderlich (BGE 128 IV 11, 127 IV 122, 124
IV 34, 116 IV 1), wie übrigens auch die Verteidigung zutreffend ausführte (Urk.
46/1 S. 9, mit Hinweisen auf die Literatur).
3.6. Wie der Wortlaut der massgeblichen Mails (insbesondere auch der Nachfra-
gen) zeigt, stellte der Beschuldigte die Anfrage sodann mitnichten unter die Be-
dingung, dass die Antworten das Amtsgeheimnis nicht verletzen würden, wie die
Verteidigung glauben machen will (Urk. 46/1 S. 10).
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3.7. Soweit der Beschuldigte mit Bezug auf den subjektiven Tatbestand noch im-
mer behauptet, der Auffassung gewesen zu sein, dass ihm B._ die erfragten
Auskünfte ohne Weiteres ohne Verletzung des Amtsgeheimnisses geben dürfe
(Urk. 14 S. 8, vgl. auch Urk. 46/1 S. 5, 7 und 10f.), zumal ja auch ein Strafregis-
terauszug über eine Person eingeholt werden könne (Prot. I S. 19ff.), kann ihm
nicht geglaubt werden. Jeder erwachsene Mensch mit normalen kognitiven Fä-
higkeiten weiss, dass seitens der Behörden ohne ausdrückliche - hier unbestritte-
nermassen fehlende (Urk. 20 S. 2, Prot. I S. 18) - Einwilligung des Betroffenen
oder - hier ebenfalls nicht vorhandene - gesetzliche Grundlage keine Informatio-
nen über den strafrechtlichen Leumund einer Person herausgegeben werden dür-
fen. Der Beschuldigte als diplomierter Betriebsökonom, der jahrelang in leitender
Funktion bei einer Grossbank tätig war und 2002 ein Unternehmen in der Sicher-
heitsbranche gründete, das er 2008 an die I._ verkaufte, ferner ab 2006 Ge-
schäftsführer der H._ AG war (Prot. I S. 7f.), gehörte erst recht zum Perso-
nenkreis, der über solche Kenntnisse verfügt.
Wenn die Vorinstanz bezüglich des Wissens des Beschuldigten eine etwas un-
glückliche, auf Fahrlässigkeit hinaus laufende Formulierung wählte (Urk. 46
S. 7f.), dann ist diese Erwägung für das Berufungsgericht, dem eine umfassende
Kognition zukommt, nicht bindend und ändert sie am Ergebnis nichts.
Vor Vorinstanz räumte der Beschuldigte denn auch dazu passend ein, davon
ausgegangen zu sein, dass B._ als Polizist dem Amtsgeheimnis unterstehe,
und er erklärte, unter dem Begriff Amtsgeheimnis zu verstehen, dass der Träger
"über Verfahren von Personen, wo man nicht involviert ist, keine Auskunft geben
darf. Er darf also nicht zu mir kommen und sagen, dass mein Nachbar dieses und
jenes angestellt hat" (Prot. I S. 14).
Ein Indiz für das vorhandene Bewusstsein über die Verschwiegenheitspflicht be-
steht ferner darin, wie der Beschuldigte im vorliegenden Mail-Verkehr auf die Be-
merkung des Polizeibeamten "Muesch es für dich bhalte" (vor der Mitteilung,
E._ habe 2002 und 2003 Handlungen mit Kindern gehabt) reagierte: Er frage
nicht etwa nach, ob denn solche Informationen geheim seien, sondern erklärte im
Gegenteil sogleich nachhakend und fordernd, er brauche (von B._) jedes De-
- 16 -
tail über E._. Hätte der Beschuldigte wirklich zu Beginn naiv geglaubt,
B._ dürfe ihm ohne Verletzung des Amtsgeheimnisses Auskunft geben, hätte
ihn die Aufforderung des Polizeibeamten, über die Informationen Stillschweigen
zu wahren, stutzig und vorsichtig gemacht und zur Nachfrage bewogen, ob
B._ denn nichts darüber sagen dürfe. Dass B._ den Beschuldigten be-
züglich E._ nicht noch deutlicher erklärte, dass er die gewünschten Auskünf-
te nicht erteilen dürfte, entlastet den Beschuldigten entgegen den Ausführungen
des Verteidigers (Urk. 46/1 S. 7 und 10) hinsichtlich des Wissens um das Amts-
geheimnis selbstredend in keiner Weise.
Der Beschuldigte wusste überdies auch, dass eine geplante "geschäftliche
Transaktion" mit E._ (offenbar ging es bei dieser grösseren finanziellen Un-
ternehmung um eine Liegenschaft in J._ [Staat in Südamerika], Prot. I S. 20)
die gewünschten Auskünfte in keiner Weise zu legalisieren vermochte.
3.8. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschuldigte den Polizeibeam-
ten B._ mit seinen Anfragen in Sachen E._ dazu brachte (und damit
kausal bestimmte), ihm Amtsgeheimnisse, d.h. Informationen, die B._ in sei-
ner amtlichen Stellung anvertraut worden waren und die er nicht ohne Weiteres
einer Privatpersonen weitergeben durfte, zur Kenntnis zu bringen. Vom so Erfah-
renen hatte der Beschuldigte zuvor teilweise keine sichere Kenntnis, teilweise war
es sogar neu.
Es liegt, entgegen der Argumentation der Verteidigung, auch kein Versuch einer
Anstiftung vor, bloss weil der Beschuldigte das wichtigste Ziel, zu erfahren, ob
E._ verurteilt worden war, nicht erreichte (Urk. 46/1 S. 3 und 5); die Anstif-
tung als solche war vielmehr schon vollendet, als B._ nach irgendwelchen
geheimen Informationen zu suchen begann, die er dem Beschuldigten liefern
konnte (BSK StGB, 3. Aufl., Marc Forster, Art. 24 N 11 und N 24). Selbst wenn er
dem Beschuldigten danach überhaupt keine relevanten Daten mitgeteilt hätte -
was er jedoch wie gezeigt sehr wohl getan hat - läge entgegen der Auffassung
der Verteidigung nicht nur (gemäss Art. 24 Abs. 2 StGB bei Vergehen straflose)
versuchte Anstiftung vor, sondern eine vollendete Anstiftung zu versuchter Verlet-
zung des Amtsgeheimnisses, denn auch diesfalls wäre der Tatentschluss ge-
- 17 -
weckt und die Tat begonnen worden (vgl. Trechsel/Jean-Richard in: Trech-
sel/Pieth, StGB PK, 2. Aufl., Art. 24 N 12).
Von keinerlei Bedeutung für die rechtliche Würdigung ist, ob der Beschuldigte
wusste, aus welchen Datenbanken B._ die Informationen schöpfen würde
(Urk. 46/1 S. 11, Prot. I S. 16).
Dem Beschuldigten war im Weiteren klar, dass B._ ihm Angaben wie die er-
fragten wegen seiner Pflicht zur Verschwiegenheit nicht liefern durfte. Indem er
den Polizeibeamten dennoch willentlich (und selbstredend wissentlich) motivierte,
nach geheimen Informationen zu suchen und ihm diese zu liefern, handelte er
vorsätzlich.
Damit hat der Beschuldigte den objektiven wie den subjektiven Tatbestand der
Anstiftung zur Verletzung des Amtsgeheimnisses im Sinne von Art. 320 Ziff. 1
Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 24 Abs. 1 StGB erfüllt.
4. Anfrage vom 17. September 2008 (betreffend K._ und Dr. med. L._)
4.1. Dem Beschuldigten wird zur Last gelegt, sich beim Polizeibeamten B._
am 17. September 2008 danach erkundigt zu haben, ob K._ nebst dem ihm
bekannten Personenwagen noch weitere Fahrzeuge eingelöst habe und wie das
Geburtsdatum von Dr. med. L._ laute. Nachdem B._ in der Applikation
"Mofis/Faber" die entsprechenden Abklärungen getroffen gehabt habe, habe er
noch gleichentags per Mail unter Angabe von Marke, Typ und Halterpersonalien
geantwortet, welche zwei weiteren Fahrzeuge auf das betreffende Kontrollschild
eingelöst seien, dass aber K._ kein weiteres Fahrzeug immatrikuliert habe
und L._ nur ein einziges.
4.2. Mit Bezug auf Dr. med. L._ wird dem Beschuldigten in der Anklageschrift
- die den zu beurteilenden Sachverhalt verbindlich umgrenzt - einzig vorgeworfen,
dass er B._ nach dessen Geburtsdatum gefragt habe. Ob B._ sich
überhaupt dazu motivieren liess, das Datum herauszusuchen, ergibt sich aus den
Akten ebenso wenig wie, ob er dies in der Folge getan hat und ob er es dem Be-
schuldigten anschliessend (mündlich oder schriftlich) übermittelt hat.
- 18 -
Es könnte hinsichtlich L._ mithin höchstens von einer versuchten Anstiftung
zur Verletzung des Amtsgeheimnisses ausgegangen werden. Da Art. 320 StGB
eine Höchststrafe von 3 Jahren Freiheitsstrafe vorsieht, handelt es sich bei der
Bestimmung um ein Vergehen (Art. 10 Abs. 2 StGB). Versuchte Anstiftung ist je-
doch lediglich strafbar, wenn der Täter darauf aus ist, jemanden zu einem Verbre-
chen zu bestimmen.
Der Beschuldigte ist also mit Bezug auf den Tatvorwurf hinsichtlich des Geburts-
datums von Dr. med. L._ freizusprechen.
4.3. Was K._ betrifft, so bestreitet der Beschuldigte nicht, B._ nach den
von ihr eingelösten Fahrzeugen gefragt zu haben und vom Polizeibeamten die
Auskunft erhalten zu haben, dass auf sie keines immatrikuliert sei (vgl. dazu auch
den Mailverkehr in Urk. 15/2).
4.3.1. Er macht aber geltend, von B._ gar nichts erfahren zu haben, was er
nicht schon vorher gewusst habe (Urk. 46/1 S. 12). Es sei ihm folglich nichts of-
fenbart worden. Das trifft nicht zu. Der Beschuldigte wusste nicht, ob K._ ein
(allenfalls weiteres) Fahrzeug eingelöst hatte, und B._ machte dieser Unge-
wissheit ein Ende, indem er dem Beschuldigten per Mail mitteilte, es sei auf sie
kein Fahrzeug (gemeint evtl. kein weiteres Fahrzeug) eingelöst.
4.3.2.1. Die Verteidigung behauptet, Halterinformationen seien generell nie ge-
heim. Ebenso wenig unterständen Informationen über Fahrzeugmarke und -typ
dem Amtsgeheimnis. Denn wer ein Auto auf einem Parkplatz oder im Verkehr se-
he, könne nicht nur aufgrund des Nummernschilds (über den Autoindex) den Hal-
ter eruieren, sondern erkenne darüber hinaus, um welches Fabrikat es sich hand-
le.
Eventualiter argumentiert der Verteidiger, jegliche Informationen aus dem Fahr-
zeugausweis würden auf besonderen Bedürfnishinweis erteilt. Dass der Bedürf-
nisnachweis schriftlich zu erfolgen habe, sei eine blosse Ordnungsvorschrift. Da
der Betrieb, in dem der Beschuldigte tätig gewesen sei, solche Angaben benötigt
habe, um Zivilansprüche und Strafanzeigen substantiieren zu können, und da der
- 19 -
Beschuldigte von den Kunden und Fahrzeugeigentümern, den Leasinggebern,
entsprechend bevollmächtigt gewesen sei, habe er von der Rechtmässigkeit der
Anfragen bei B._ und der Auskunftserteilung durch diesen ausgehen können
(Urk. 46/1 S. 12f.).
4.3.2.2. Gemäss Art. 104 Abs. 5 aSVG Satz 1 in der 2008 (also zur Tatzeit) gülti-
gen Fassung hatten die Kantone, wenn ein zureichendes Interesse glaubhaft ge-
macht wurde, die Namen von Fahrzeughaltern und ihrer Versicherer bekannt zu
geben. Satz 2 erlaubte den Kantonen, das Verzeichnis der Namen der Fahrzeug-
halter zu veröffentlichen, wobei die Realisierung eines solchen Verzeichnisses
von den kantonalen Datenschutzgesetzen abhing (Giger, Komm. SVG, 7. Aufl.,
N 5 zu Art. 104 SVG). Mittlerweile ist Abs. 5 von Art. 104 aSVG gestrichen.
Gemäss Art. 125 Abs. 1 VZV sind die von den Kantonen und Bundesstellen zu
führenden Register und Kontrollen im Strassenverkehr zwar grundsätzlich nicht
öffentlich. Jedermann hat aber das Recht, aus den Registern und Kontrollen Aus-
künfte zu verlangen, die seine Person oder sein Fahrzeug betreffen, wenn er sich
ausweist. Laut Art. 126 Abs. 1 VZV können sodann Namen und Adressen von In-
habern eines Kontrollschilds jedermann bekanntgegeben werden. Es bestehen
diesbezüglich denn auch elektronisch frei abrufbare Datenbanken, in welche die
Kontrollschild-Angaben eingegeben werden können. Abs. 2 statuiert, dass über
die Namen von Fahrzeughaltern und ihrer Versicherer bei Unfällen gegenüber
den Beteiligten und bei Halterwechsel gegenüber dem neuen Halter Auskunft zu
erteilen ist. Nach Abs. 3 dürfen Angaben aus dem Fahrzeugausweis auf begrün-
detes schriftliches Gesuch Personen bekanntgegeben werden, die im Hinblick auf
ein Verfahren ein zureichendes Interesse geltend machen.
4.3.2.3. Die Verteidigung irrt, wenn sie sich auf den Standpunkt stellt, Halter- und
Fahrzeugdaten seien nie geheim. Dass jedermann, der eine Kontrollschild-
Nummer kennt, basierend auf Art. 126 Abs. 1 VZV über den Autoindex oder durch
Anfrage bei den Behörden auch dessen Halter eruieren kann (sofern dieser die
Information nicht hat sperren lassen), und dass er beim Anblick des Fahrzeugs
erkennen kann, um welches Fabrikat es sich handelt, trifft zwar zu. Die Befugnis
zur Abfrage des Kontrollschildhalters macht auch Sinn; man denke etwa an den
- 20 -
Fussgänger, der auf dem Fussgängerstreifen von einem Fahrzeuglenker touchiert
wird und daraufhin den (weiterfahrenden) Lenker zwar nicht bei der Polizei anzei-
gen, aber mit ihm Kontakt aufnehmen will, oder an den "Parkplatzsünder", der ein
privates Parkfeld belegt und vom Berechtigten kontaktiert werden möchte, damit
er im wahrsten Sinne des Wortes das Feld räumt. Daraus folgt aber nicht umge-
kehrt, dass jeder, der einen Personennamen (und eine Adresse) kennt, auch oh-
ne Weiteres Auskunft darüber erhalten soll, ob die betreffende Person Fahrzeug-
halter ist und darüber hinaus sogar, welches Fahrzeug dieser fährt. Denn wer auf
diese Weise Daten abfragen will, tut dies gemeinhin aus purer Neugier, vor wel-
cher der Fahrzeughalter geschützt werden soll.
Dementsprechend gewährt der Gesetzgeber nur einem beschränkten Personen-
kreis, bei dem ein qualifiziertes Interesse zu vermuten ist oder der ein solches
zumindest glaubhaft machen kann, den Zugang zu diesen sensiblen Daten (Art.
104 Abs. 5 aSVG, Art. 125 Abs. 3 VZV, Art. 126 Abs. 2 und 3 VZV).
4.3.2.4. Von Seiten des Beschuldigten wird geltend - teils ausdrücklich, teils sinn-
gemäss - gemacht, bei Verdacht auf Veruntreuung von Leasingfahrzeugen (und
die vier letzten eingeklagten Sachverhalte sollen sich alle auf eine solche Konstel-
lation beziehen) sei bei der H._ AG regelmässig wie folgt vorgegangen wor-
den (vgl. insb. Urk. 14 S. 4f. und 9f., Urk. 20 S. 5, Prot. I 8f., 13f. und 22ff.).
Der Leasinggeber (der ja stets Eigentümer des Fahrzeugs geblieben sei) habe die
H._ AG bevollmächtigt, alle erforderlichen Massnahmen zur Sicherstellung
bzw. Rückführung des Fahrzeugs zu treffen. Zu diesen Massnahmen in Vertre-
tung des Leasinggebers habe die Einholung von sachdienlichen Auskünften bei
den Behörden zur Eruierung des derzeitigen Besitzers bzw. Standorts des Fahr-
zeugs, die allfällige Erwirkung von richterlichen Herausgabebefehlen im summari-
schen Verfahren (vgl. Art. 257 ZPO) und schliesslich - nach fruchtloser Vollstre-
ckung des Befehls durch die dafür zuständigen Behörden (Art. 343 Abs. 1 lit. d
ZPO) oder wenn das Fahrzeug verschollen gewesen sei - die Erstattung einer
Strafanzeige gehört.
- 21 -
Ausgestattet mit der Vollmacht des Leasinggebers habe der Beschuldigte beim
Polizeibeamten B._ Auskünfte eingeholt, die ihm hätten ermöglichen sollen,
so rasch als möglich den Standort des Fahrzeugs zu eruieren und die nötigen
Schritte zur Wiederbeschaffung bzw. Rückführung desselben zu veranlassen.
Dazu sei er nach Gesetz grundsätzlich befugt gewesen, habe er doch den Eigen-
tümer des Fahrzeugs vertreten, der jederzeit das Recht habe, aus den Registern
Auskünfte zu verlangen, die sein Fahrzeug betreffen. Es habe oft rasch gehandelt
werden müssen, da die Gefahr bestanden habe, dass das Fahrzeug ins Ausland
verbracht und dort unauffindbar sein würde. Der Beschuldigte habe sich deshalb
des schnellsten und einfachsten Wegs bedient, indem er jeweils B._ per E-
Mail um Auskunft gebeten habe. Das geschilderte Vorgehen habe sich mit der
Zeit eingespielt, und B._ habe dann darauf vertraut, dass der Beschuldigte
im Besitz einer Vollmacht sei und diese nicht mehr verlangt (Prot. I S. 14).
Auch an der Berufungsverhandlung führte der Beschuldigte aus, dass er bei allen
Aufträgen über eine Vollmacht des Auftraggebers verfügt habe. Sie hätten jeweils
regionale Touren gemacht, um die Leasingfahrzeuge gemäss den Aufträgen si-
cherzustellen. Falls am bekannten Wohnort des Leasingnehmers niemand aufzu-
finden gewesen sei, hätten sie vor Ort bei der Einwohnerkontrolle oder dem Poli-
zeiposten weitere Abklärungen getroffen. Dabei hätten sie sich mit den jeweiligen
Vollmachten ausgewiesen. Der Beschuldigte habe jeweils die erfragten Informati-
onen erhalten. Um bei der Staatsanwaltschaft eine Strafanzeige wegen Verun-
treuung der Leasingfahrzuge einreichen zu können, hätten sie Nachweise wie,
dass das Fahrzeug auf eine neue Person eingelöst worden sei, erbringen müssen
(Prot. II S. 11 und 13). Weiter führte der Beschuldigte aus, er sei zu 100% sicher,
dass er B._ die Vollmacht gezeigt habe und er wisse auch, dass er bei den
nächsten Fällen die Vollmacht nicht jedes Mal habe zeigen müssen. Er hätte die-
se jedoch vorlegen können (Prot. II S. 15).
Diese Sachverhaltsschilderung des Beschuldigten erscheint schon für sich be-
trachtet als plausibel. Sie wird aber auch gestützt durch Aussagen des stellvertre-
tenden Geschäftsführers der H._ AG, F._ (Urk. 7), ein Schreiben des
Leiters Forderungsmanagement der M._ Financial Services bzw. N._,
- 22 -
G._ (Urk. 33/1, Blatt 2), die eingereichte Vollmacht betreffend den letzten
eingeklagten Sachverhalt (betreffend O._) und die denselben Vorfall betref-
fende polizeiliche Anzeigebestätigung (Urk. 33/1 Blätter 1 und 3). Schliesslich bil-
den auch Teile des Mailverkehrs in der Sache E._ (Urk. 15/1) ein Indiz für die
Richtigkeit der Darstellung des Beschuldigten. B._ erkundigte sich nämlich
anlässlich jener Korrespondenz Ende Februar 2008 (also knapp 7 Monate vor der
dem vorliegend interessierenden Ereignis) beim Beschuldigten darüber, ob man
bei der H._ AG für ein Inkasso bzw. eine Autorückführung eine Vollmacht
habe und wer diese ausstelle; daraufhin antwortete der Beschuldigte, eine durch
die Anwälte des Kunden (d.h. des Leasinggebers) oder die eigenen Anwälte aus-
gestellte Vollmacht sei zwingend nötig, ansonsten die rechtliche Legitimation nicht
gewährleistet wäre. Nachdem ihn der Polizeibeamte darüber aufgeklärt hatte, er
stelle die Frage im Hinblick auf ein Inkassogeschäft für eine Garage, das er selbst
wahrnehmen wolle (was der Beschuldigte aber nicht weitersagen solle), wurde
der Beschuldigte noch ausführlicher und erklärte etwa, ein Inkassogeschäft und
eine Fahrzeugsicherstellung hätten verschiedene Rechtsgrundlagen, was dann
auch die Vollmacht betreffe. Entscheidend sei, was wem gehöre und welche Ver-
träge, Allgemeinen Geschäftsbedingungen etc. vorhanden seien. Das Ganze sei
"hochkomplex" und man müsse aufpassen, um nichts falsch zu machen und nicht
am Ende selbst angezeigt zu werden. Er habe aber 7 Jahre Erfahrung und helfe
ihm gern. Diese Ausführungen des Beschuldigten gegenüber B._ per E-Mail
weisen darauf hin, dass der Beschuldigte mit dem von ihm geschilderten ge-
schäftlichen Hintergrund vorging, tatsächlich über Vollmachten verfügte und der
Auffassung war, rechtmässig vorzugehen.
B._ behauptete zwar demgegenüber in der Untersuchung, den Beschuldig-
ten darauf hingewiesen zu haben, dass er ihm die Halter- bzw. Fahrzeugauskünf-
te nicht geben dürfe (Urk. 6/2 S. 9). Es ist jedoch nicht auszuschliessen, dass sich
der Polizeibeamte - der sich im Übrigen nur zögerlich geständig erklärte - auf die-
se Weise mit einer unwahren Aussage eine verschuldensmässig bessere Stellung
im eigenen Verfahren zu schaffen versuchte, indem er seine grundsätzliche Integ-
rität beteuerte und implizit eine hohe Intensität der Beeinflussung durch den Be-
schuldigten geltend machte. Der Beschuldigte stellte denn auch in Frage, dass
- 23 -
B._ je eine in diese Richtung weisende Bemerkung fallen liess (Prot. I S. 15);
es könne höchstens sein, dass B._ einmal erklärt habe, eigentlich nicht für
Fälle zuständig zu sein, die ausserkantonale Leasingnehmer beträfen (vgl. zur
tatsächlichen Gesetzeslage jedoch die nachfolgenden Ausführungen unter Ziff.
II.4.3.2.6.). Beziehungsweise führte der Beschuldigte anlässlich der Berufungs-
verhandlung aus, dass B._ ihm einmal indirekt zu verstehen gegeben habe,
dass er eigentlich zu dem jeweiligen Polizeiposten mit der entsprechenden Voll-
macht gehen müsse, da dies regional geregelt sei. Er sei daher davon ausgegan-
gen, dass, wenn es überhaupt ein Problem geben könnte, dann weil B._ ihm
Informationen gegeben habe, welche er beim zuständigen regionalen Polizeipos-
ten hätte erfragen müssen, welche er dort aber bekommen hätte (Prot. II S. 12).
4.3.2.5. Was das Vorbringen des Beschuldigten betrifft, in allen zur Anklage ge-
langten "Leasing-Fällen" und damit auch im aktuell interessierenden eine Voll-
macht besessen zu haben (Urk. 20 S. 5), so bezeichnete er sich - anders als be-
züglich des eingeklagten Vorfalls betreffend O._ (Urk. 33/1) - als hier nicht
(mehr) in der Lage, die Ermächtigung des Leasinggebers beizubringen, und er er-
klärte, sich an Einzelheiten des vorliegend interessierenden Sachverhalts zu erin-
nern (Urk. 14 S. 10). Das erstaunt allerdings angesichts der Tatsache, dass der
Beschuldigte erst gut fünf Jahre nach dem eingeklagten Ereignis erstmals (!) mit
dem Anklagevorwurf konfrontiert wurde (er lebte zwischenzeitlich im Ausland)
nicht und taugt daher auch nicht zum Nachweis, dass er nicht hinreichend be-
vollmächtigt war.
Dass der Beschuldigte im hier interessierenden Fall nicht wegen Verdachts auf
Veruntreuung um Auskunft bat, ist im Übrigen auch deshalb äusserst unwahr-
scheinlich, weil eine persönliche Beziehung zu K._ (und/oder L._), die
auf blosse private Neugier hinweisen könnte, nicht aktenkundig ist. In der ersten
Mail an B._ betreffend K._ sprach er denn auch ausdrücklich von einem
"Fall" (Urk. 15/2).
4.3.2.6. Ist nun aber nach dem Gesagten davon auszugehen, dass der Beschul-
digte vom Leasinggeber zur Einholung von Erkundigungen im Namen desselben
als Eigentümer ermächtigt worden war und es sich um einen Fall handelte, bei
- 24 -
dem zumindest die Gefahr einer Veruntreuung im Raum stand, hatte er als Ver-
treter des Eigentümers ein Anrecht auf Einsicht bzw. Auskunftserteilung im Sinne
von Art. 125 Abs. 3 VZV betreffend das Fahrzeug des Leasinggebers bzw. des-
sen Verbleib. Abgesehen davon hätten bei der vorliegenden Konstellation auch
"zureichende Gründe" im Sinne von Art. 126 Abs. 3 VZV für Angaben im Zusam-
menhang mit dem Fahrzeugausweis bestanden, wurden die Auskünfte doch auch
im Hinblick auf ein allenfalls nötiges summarisches (Herausgabebefehl) oder
strafrechtliches Verfahren verlangt.
Der Beschuldigte brauchte sich nicht an eine bestimmten Amtsstelle wie etwa das
Strassenverkehrsamt zu wenden. Das Gesetz verlangt dies nicht. Auch Polizei-
stellen dürfen also die Auskünfte erteilen (wie dies übrigens gemäss Schreiben
der M._ Financial Services auch sonst praktiziert wird, Urk. 33/1 Blatt 2).
Auch bedarf es keiner Einwilligung des Leasingnehmers.
Was bleibt, ist, dass der Beschuldigte sich gegenüber B._ nicht tatsächlich
mit einer (vorhandenen, wie anzunehmen ist) Vollmacht des Leasinggebers aus-
gewiesen hat, sondern es bei der E-Mail-Anfrage bewenden liess, und damit ein
Formerfordernis (Art. 125 Abs. 3 VZV: "wenn er sich ausweist") nicht beachtete.
Ob deshalb die erhaltene Information in objektiver Hinsicht ein Geheimnis blieb,
kann offen bleiben (weil diesfalls beim Beschuldigten von einem Irrtum über ein
rechtlich geprägtes Sachverhaltsmerkmal auszugehen wäre).
Nicht erstellt ist auf jeden Fall der subjektive Tatbestand der Anstiftung zur Verlet-
zung des Amtsgeheimnisses. Es ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte
die Vollmacht besass und sich demnach als Vertreter des Eigentümers hätte
ausweisen können bzw. dem Polizeibeamten die Ermächtigung sowie auf
Wunsch weitere Unterlagen zum Fall auf erstes Verlangen (sei es als E-Mail-
Anhang, sei es im Rahmen einer persönlichen Vorsprache) vorgewiesen hätte.
Unter den beiden hatte sich aber - wie zugunsten des Beschuldigten anzunehmen
ist - in den Monaten vor dem vorliegenden Ereignis mit zunehmender Anzahl An-
fragen ein Vertrauensverhältnis entwickelt, das B._ immer öfter bewog, aus
eigenem Antrieb auf die Vorlage der Vollmacht zu verzichten. Dazu wurde er vom
Beschuldigten nicht "bestimmt" bzw. motiviert. Anders ausgedrückt kann die Tat-
- 25 -
sache allein, dass der Beschuldigte die um Auskunft ersuchende Person war,
selbstverständlich nicht für eine Erfüllung des Tatbestands der Anstiftung genü-
gen.
4.3.3. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der vom Leasinggeber bevoll-
mächtigte Beschuldigte sich - gemäss Art. 125 Abs. 3 VZV grundsätzlich zu Recht
- für befugt hielt, die hier interessierenden Informationen bei B._ abzufragen
und er auch bereit war, die erforderliche Vollmacht jederzeit einzureichen. Damit
fehlt es am (Eventual-)Vorsatz B._ zu einer Verletzung des Amtsgeheimnis-
ses anzustiften. Der Beschuldigte ist in diesem Anklagepunkt freizusprechen.
Bleibt anzumerken, dass sich die Situation aus der Warte des Polizeibeamten an-
ders präsentierte: B._ prüfte vor der Auskunftserteilung nicht, ob der Be-
schuldigte über die erforderliche Vollmacht verfügte, und nahm damit zumindest
in Kauf, dass er nicht als Vertreter des Eigentümers des Fahrzeugs ermächtigt
sein würde.
5. Anfrage vom 23. September 2008 (betreffend die Eheleute PQ._)
5.1. Laut Anklageschrift verschickte Patrik B._ am 25. November 2011 mit-
tels separatem Anhang "PQ._.doc" auf entsprechende Anfrage des Beschul-
digten vom 23. September 2008 die aktuellen Adressen der Eheleute PQ._
und teilte ihm mit, "dass diese Personen kein Fahrzeug eingelöst hätten, seit
wann eine der betreffenden Personen was für ein Kennzeichen deponiert habe
und über welchen Ausweistyp die andere Person verfüge" (Urk. 25 S. 3), nach-
dem B._ die entsprechenden Angaben im "Infocar" erhältlich gemacht habe.
5.2. Die E-Mail des Beschuldigten vom 23. September 2008 (Urk. 15/3) beginnt
mit: "Hier die Infos". Es scheint also ein Gespräch (wie auch die Staatsanwalt-
schaft in der Zeugeneinvernahme mit B._ annahm und der Befragte nicht
ausschloss, Urk. 18 S. 16) oder eine andere E-Mail vorangegangen zu sein; wel-
che Informationen dort geflossen waren, ist nicht bekannt. Der Beschuldigte nennt
sodann den Namen der Ehefrau, Q._, deren Geburtsdatum und drei Adres-
sen, an denen sie sich aufhalten könnte, ausserdem Kontrollschild, Marke und
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Typ des Autos. Ferner bezeichnet er Namen und Geburtsdatum des Ehemannes.
Es folgen drei Fragen:
- Fz ... noch eingelöst?
- Zusätzliche Fze eingelöst (sie und Ehemann)?
- Andere Adresse?
5.3.1. Der Halter eines bestimmten Nummernschilds (und damit die Auskunft, ob
ein Fahrzeug noch beim selben Halter eingelöst ist) kann von jeder Person ohne
weiteres erfragt werden und ist kein Geheimnis (Art. 126 Abs. 1 VZV).
5.3.2. Gemäss Kreisschreiben des Eidgenössischen Amts für das Zivilstandswe-
sen über die "Bekanntgabe der im Zivilstandsdienst erfassten Wohnorte auf An-
frage" (Urk. 33/2) ist sodann, auch ohne Begründung, auf schriftliche Anfrage hin
der Wohnsitz oder gewöhnliche Aufenthaltsort einer bestimmten Person bekannt
zu geben (es sei denn, diese habe die Bekanntgabe gesperrt, worauf hier aber
nichts hindeutet). Auch mit solchen Adressauskünften werden, wie bereits die Vo-
rinstanz zutreffend feststellte (Urk. 43 S. 25), keine Geheimnisse verraten.
5.3.3. Weiter wollte der Beschuldigte wissen, ob auf die einzelnen Ehepartner an-
dere Fahrzeuge eingelöst seien und erhielt auch die gewünschte Antwort, dass
dem nicht so sei. Damit erfuhr er - entgegen der nicht nachvollziehbaren Auffas-
sung der Verteidigung (Urk. 46/1 S. 13f.) - keineswegs bloss, was er schon wuss-
te bzw. eine "Nicht-Information" (a.a.O. S. 15), sondern etwas Neues.
Der Beschuldigte vermochte sich auch an diesen Vorfall nicht in den Einzelheiten
zu erinnern, macht aber sinngemäss geltend, auch diese Frage stehe im Zusam-
menhang mit der möglichen Veruntreuung bzw. der Rückschaffung eines Lea-
singfahrzeugs; auch sei er vom Leasinggeber bevollmächtigt gewesen (Urk. 14
S. 11f.). Es erscheint plausibel, dass der Beschuldigte vorliegend herausfinden
wollte, ob das betreffende Fahrzeug auf den allenfalls anderswo lebenden Ehe-
gatten überschrieben war und ob die Ehefrau allenfalls bereits im Besitz eines
neuen Wagens war (was ein Indiz dafür dargestellt hätte, dass das Leasing-Auto
nicht nur - durch Abgabe des Kontrollschilds - ausser Betrieb gesetzt war). Die
- 27 -
Anfrage ist grundsätzlich als von Art. 126 Abs. 3 VZV gedeckt zu betrachten. Es
kann sinngemäss auf das bereits unter Ziff. II.4. Erwogene verwiesen werden.
Allerdings hätte der Beschuldigte die Anfrage schriftlich zu begründen und seine
Legitimation als Stellvertreter der Leasinggeberin vorzuweisen gehabt. Mangels
anderer Erkenntnisse und angesichts des Zeitablaufs seit dem Ereignis von rund
fünf Jahren (der erklärt, warum der Beschuldigte sich nicht an Einzelheiten zu er-
innern vermochte und die Unterlagen nicht mehr beibringen konnte) ist auch hier
davon auszugehen, dass der Beschuldigte die Nachweise damals liefern konnte,
er sie aber nicht einreichte, weil B._ (wie er ihm möglicherweise anlässlich
des vorangegangenen Gesprächs oder E-Mails erklärt hatte) ihm vertraute und
ihm (schon früher) zu verstehen gegeben hatte, dass er bei Veruntreuungsfällen
von sich aus auf schriftliche Begründung und Vollmacht verzichtete. Es fehlt damit
der Nachweis, dass der Vorsatz des Beschuldigten darauf gerichtet gewesen wä-
re, Informationen zu erhalten, die für ihn gesperrt bzw. geheim waren. Dement-
sprechend kann ihm auch nicht angelastet werden, B._ direkt- oder eventu-
alvorsätzlich zu einer Verletzung des Amtsgeheimnisses angestiftet zu haben.
Der Beschuldigte ist auch in diesem Anklagepunkt freizusprechen.
6. Anfrage vom 27. Februar 2009 (betreffend die Eheleute RS._)
6.1. Die Anklagebehörde legt dem Beschuldigten zur Last, er habe sich am
27. Februar 2009 (bei B._) danach erkundigt, ob von den Personen R._
und S._ oder ihren Firmen T._ bzw. U._ GmbH weitere Fahrzeuge
eingelöst seien und ob er von S._ ein Foto haben könne. Am 2. März 2009
habe B._ geantwortet, es seien keine weiteren Fahrzeuge auf die beiden
eingelöst und er könne das gewünschte Foto nicht erhältlich machen.
6.2.1. Der Beschuldigte fragte B._ mit der erwähnten Mail, ob er nachsehen
könnte, ob ein Fahrzeug bei den Eheleuten oder deren Firmen eingelöst sei (wo-
bei ihm ein auf die Firma U._ GmbH eingelöster Ford Mondeo bereits be-
kannt sei) und erhielt die Auskunft, dass das nicht der Fall sei. In der staatsan-
waltschaftlichen Befragung vom 27. September 2013 erklärte der Beschuldigte,
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es sei auch hier die gleiche Konstellation vorgelegen wie bei den anderen Fällen,
doch vermöge er sich an Details nicht zu erinnern (Urk. 14 S. 12).
Es kann sinngemäss auf die Ausführungen unter Ziff. II.4. und II.5. verwiesen
werden. Dem Beschuldigten kann nicht nachgewiesen werden, dass er die Anfra-
ge ohne über die nötige Legitimation und die weiteren erforderlichen Unterlagen
über den Leasingfall zu verfügen und im Bestreben tätigte, über B._ an In-
formationen zu kommen, die ihm nicht zugestanden wären.
6.2.2. Keine Rechtsgrundlage bestand allerdings für den Bezug einer Fotografie
von S._ (und nur von ihr verlangte der Beschuldigte ein Bild, Urk. 15/4). Dass
das Recht am eigenen Bild besteht und dieses auch für Leasinggesellschaften
(und deren Vertreter), die einen Verdacht auf Veruntreuung bzw. Beteiligung da-
ran hegen, nicht aufgehoben ist, war dem Beschuldigten fraglos bewusst. Den-
noch wirkte er mit seiner Anfrage auf B._ ein, um diesen dazu zu bewegen,
ihm ein Foto von S._ zu übermitteln. B._ hätte offenbar die Gelegenheit
gehabt, aus dem Informationssystem Infocar eine solche Aufnahme (aus dem
Führerausweis) abzurufen (Urk. 6/2 S. 8), bestreitet aber, dies überhaupt jemals
getan zu haben (a.a.O.). Konkret zur vorliegenden Mail befragt, erklärte B._
in der ersten Befragung vom 12. März 2012 (mithin rund drei Jahre nach dem
Vorfall) durch die Polizei, sich nicht mehr an den Vorgang erinnern zu können
(Urk. 6/2 S. 7). Auch in der Zeugeneinvernahme vom 7. März 2014 (in der er fast
durchgehend noch grössere Wissenslücken geltend machte) machte er dazu kei-
ne sachdienlichen Angaben, bestätigte bloss auf entsprechenden Vorhalt der
Staatsanwältin, dass er dem Beschuldigten per Mail mitgeteilt habe, es sei kein
Foto erhältlich zu machen. Tatsächlich hatte der Polizeibeamte bezüglich der
Aufnahme in der Antwort-Mail lakonisch geantwortet: "Kein Foto".
Angesicht all dessen kann nicht nachgewiesen werden, dass B._ damals auf
die Anfrage des Beschuldigten hin nur schon den Entschluss gefasst hatte, dem
Ansprecher das gewünschte Foto zukommen zu lassen (was ihm, wie erwähnt,
offenbar problemlos möglich gewesen wäre). Weckte aber die Anfrage des Be-
schuldigten bei B._ keinen Tatentschluss zur Verletzung des Amtsgeheim-
nisses, wurde auch die Haupttat nicht versucht und kann demnach höchstens
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versuchte Anstiftung vorliegen. Da eine solche nur strafbar ist, wenn sich die ver-
suchte Anstiftung auf ein Verbrechen bezieht (Art. 24 Abs. 2 StGB), ist der Be-
schuldigte auch bezüglich dieses Anklagevorwurfs freizusprechen.
III. Strafzumessung und Vollzug
1. Der Strafrahmen für den Anstifter ist grundsätzlich derselbe wie derjenige für
den Haupttäter; er reicht für die Verletzung des Amtsgeheimnisses von einem Ta-
gessatz Geldstrafe bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe (Art. 320 Abs. 1 StGB,
Art. 24 Abs. 1 StGB).
Da es sich bei Art. 320 StGB um ein echtes Sonderdelikt handelt und dem anstif-
tenden Beschuldigten die Beamteneigenschaft fehlt, ist die Strafe für ihn jedoch
gemäss Art. 26 StGB obligatorisch im Sinne von Art. 48a StGB zu mildern (was
die Vorinstanz übersehen oder jedenfalls nicht explizit berücksichtigt hat).
2. Art. 320 StGB schützt die Privatsphäre des Bürgers, soweit er sie - oft (wie hier
E._) gezwungenermassen - der Verwaltung offenlegt, sowie das Interesse
des Staates an der Diskretion der Beamten und Behörden.
Als der Beschuldigte den Polizeibeamten B._ zur Tat anstiftete, hatte er es
darauf abgesehen, so viel wie möglich von behördlicher Seite über das oder die
gegen E._ geführte(n) Strafverfahren zu erfahren. Die Informationen sollten
dem Beschuldigten dazu dienen, beurteilen zu können, ob E._ ihm zuvor die
Wahrheit gesagt hatte. Dieser hatte ihm nämlich - verunsichert durch den Be-
schuldigten, der im Sinne eines Bluffs hatte durchblicken lassen, er habe von Be-
rufs wegen Zugang zu strafrechtlichen Daten (Prot. I S. 17 und 18) - erklärt ge-
habt, es sei zwar einmal ein Verfahren wegen sexueller Handlungen mit Kindern
gegen ihn geführt worden, doch sei dieses eingestellt worden, nachdem sich die
Aussagen des angeblichen Opfers als völlig widersprüchlich entpuppt hätten. Die
Privatsphäre E._' wurde durch die Anstiftung des Beschuldigten in noch
leichtem Masse tangiert; an die in erster Linie angestrebte Information, ob
E._ verurteilt worden war, kam der Beschuldigte nicht heran. Immerhin
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brachte er aber in Erfahrung, dass in zwei Jahren zweimal gegen E._ rappor-
tiert wurde, was bedeutete, dass er mehrere Straftaten begangen haben konnte.
E._ musste sich nicht gefallen lassen, dass der Beschuldigte über B._ in
seinen Verfahrensakten herumstocherte und so seine - möglicherweise nicht den
Tatsachen entsprechenden - Angaben zu überprüfen suchte. Auch das staatliche
Interesse an der Geheimhaltung solcher Daten zur Wahrung der Diskretion wurde
leicht in Mitleidenschaft gezogen.
Der Beschuldigte ging allerdings bei der Anstiftung B._s weder raffiniert vor,
noch bedurfte es beim Polizeibeamten besonderer Überredungskünste, um ihn
zur Verletzung des Amtsgeheimnisses zu bringen. B._ gab vielmehr recht
bereitwillig Auskunft. Verschuldenserhöhend wirkt sich jedoch aus, dass der Be-
schuldigte - unzufrieden mit dem Gehalt der ersten Informationen B._s - in-
sistierte, um weitere bzw. genauere Auskünfte zu erhalten.
Was das Motiv des Beschuldigten betrifft, so ist zwar bis zu einem gewissen Grad
nachvollziehbar, dass er aus moralischen Gründen mit einer Person, die ein Kind
sexuell missbraucht haben könnte, keine Handelsgeschäfte abschliessen wollte
(es ging offenbar um Liegenschaftenhandel in J._) und deshalb nach einer
Bestätigung dafür suchte, dass dem tatsächlich nicht so war (Prot. I S. 17ff.).
Möglicherweise wollte er sich zudem vergewissern, dass E._ keinen Eintrag
wegen anderer Straftaten, insbesondere Vermögensdelikte, hatte. Indes hätte er
diese Auskünfte legal erhältlich machen können, indem er im Hinblick auf den
Geschäftsabschluss von E._ einen Strafregisterauszug verlangt hätte. Hätte
dieser sich geweigert, hätte der Beschuldigte dies als Indiz dafür werten können,
dass das Register nicht blank war. Der Beschuldigte wäre also ohne Weiteres in
der Lage gewesen, die Verletzung der geschützten Rechtsgüter zu vermeiden.
Der Beschuldigte handelte im Übrigen nicht nur eventual- sondern direkt vorsätz-
lich. Er wusste darum, dass der Polizeibeamte ihm solche Auskünfte nicht erteilen
durfte und stiftete ihn wissentlich und willentlich dazu an.
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Gesamthaft betrachtet wiegt das objektive und subjektive Tatverschulden noch
leicht und erweist sich die von der Vorinstanz mit 30 Tagessätzen bemessene
Einsatzstrafe als angemessen.
Wie erwähnt, ist die Strafe jedoch zwingend zu reduzieren, weil dem Beschuldig-
ten die Beamteneigenschaft fehlt, die zur Erfüllung des Sonderdelikts der Verlet-
zung des Amtsgeheimnisses erforderlich ist (Art. 26 StGB). Ihm oblagen, anders
als der Amtsperson B._, keine Sonderpflichten, und er musste diesbezüglich
keinen inneren Widerstand überwinden, um zu delinquieren.
Seit der Tatbegehung sind mittlerweile rund 7 Jahre vergangen. Das erstinstanzli-
che Urteil erging kurz vor Ablauf der Verjährungsfrist. Nach Ablauf von zwei Drit-
teln der Verjährungsfrist ist gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung (BGE
132 IV 4) zwingend eine Strafmilderung vorzunehmen. Die lange Verfahrensdauer
bzw. der lange Zeitablauf seit der Tatbegehung sowie, dass sich der Beschuldigte
seither nichts mehr hat zu Schulden kommen lassen, sind somit strafmildernd zu
berücksichtigen.
Insgesamt rechtfertigt sich eine Reduktion der Geldstrafe auf 15 Tagessätze.
Was das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten betrifft,
so kann auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 43 S. 32f.).
Es ergibt sich daraus nichts Sanktionsrelevantes.
Auch für eine Herabsetzung der Tagessatzhöhe besteht kein Anlass. Das Vermö-
gen (ohne Liegenschaften) des nach eigenen Angaben einkommenslosen Be-
schuldigten ist seit der bezirksgerichtlichen Verhandlung sogar um gut 40 % auf 1
Million Schweizer Franken gewachsen (Urk. 51/2), und die Lebenshaltungskosten
in J._, wo er lebt, sind nach wie vor deutlich tiefer als hierzulande. Anlässlich
der Berufungsverhandlung führte der Beschuldigte zu seinen finanziellen Verhält-
nissen aus, dass er seinen Lebensunterhalt nach wie vor aus den ausbezahlten
Guthaben der 2. und 3. Säule bestreite. Seine Wohnkosten würden sich in
J._ auf zirka Fr. 4'000.- und in der Schweiz auf Fr. 1'000.- belaufen. Er pend-
le zwischen der Schweiz und J._ hin und her. Seine Schulden würden haupt-
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sächlich aus den Alimenten für seine Kinder bestehen. Diesbezüglich sei eine
Kapitalauszahlung abgemacht worden, welche Schuld er jedoch nicht sofort be-
zahlen müsse (Prot. II S. 9f.). Der Beschuldigte verfügt somit offenbar über aus-
reichend liquide Mittel um seinen Lebensunterhalt in J._ und der Schweiz
sowie das Pendeln zwischen den beiden Ländern zu finanzieren. Die Alimenten-
schulden sind zurzeit noch nicht fällig. Somit ergeben sich auch aufgrund der
neusten finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten keine Gründe für eine Re-
duktion der von der Vorinstanz festgelegten Tagessatzhöhe. Es bleibt bei einem
Tagessatz von Fr. 60.-.
Von der Ausfällung einer Busse (die Vorinstanz verhängte eine solche im Betrag
von Fr. 500.-) ist jedoch praxisgemäss abzusehen.
Zusammengefasst ist der Beschuldigte somit mit einer Geldstrafe von 15 Tages-
sätzen zu Fr. 60.- zu bestrafen.
3. Hinsichtlich der Frage des Vollzugs der Geldstrafe kann auf die zutreffenden
Erwägungen der Vorinstanz verwiesen (Urk. 43 S. 33ff.) werden, mit der einzigen
Einschränkung, dass der Verkauf der H._ AG für die Legalprognose ohne
Bedeutung ist.
Dem Beschuldigten ist der bedingte Strafvollzug zu gewähren, die Probezeit auf
das Minimum von 2 Jahren anzusetzen.
IV. Kosten und Entschädigung
1. Die erstinstanzliche Kostenaufstellung ist zutreffend und zu bestätigen.
2. Der Beschuldigte wird mit Bezug auf den gewichtigsten und im Strafverfahren
mit dem grössten Aufwand verbundenen Einzelfall (betreffend E._) schuldig
gesprochen, von den vier weiteren Vorwürfen, die alle im Zusammenhang mit
seiner Tätigkeit bei der H._ AG stehen (Urk. 25 S. 3, Abs. 1 bis 4), jedoch
freigesprochen (in einem Fall bereits rechtskräftig durch die Vorinstanz, in den
drei weiteren durch das Berufungsgericht).
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Im Berufungsverfahren obsiegt der Beschuldigte hinsichtlich der drei noch offenen
Sachverhalte im Zusammenhang mit der H._ AG, unterliegt aber in der Sa-
che E._ (die auch im Plädoyer der Verteidigung den grössten Raum ein-
nimmt).
Insgesamt erscheint es in Anwendung von Art. 426 Abs. 1 StPO und Art. 428
Abs. 1 und 3 StPO angemessen, die Kosten der Untersuchung und der beiden
gerichtlichen Verfahren zu einem Drittel dem Beschuldigten aufzuerlegen und zu
zwei Dritteln auf die Gerichtskasse zu nehmen.
3. Dem Beschuldigten ist für seine Aufwendungen in der Untersuchung und den
beiden gerichtlichen Verfahren eine reduzierte Prozessentschädigung von
Fr. 12'000.- (inklusive Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten
(Art. 429 Abs. 1 StPO; vgl. auch Urk. 35 und Urk. 58).