# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f5811c1a-c411-4d71-ada8-229afab8d284
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren 1967, arbeitete nach ihrer Einreise in die Schweiz im Jahr 1996 (vgl.
Urk.
9/2
Ziff.
1.6) in verschiedenen Clubs als Tänzerin
(
vgl.
Urk.
9/8
;
Urk.
9
/
6
)
.
Seit Mai 2001 war sie nicht mehr erwerbstätig (
vgl.
Urk.
9/8
;
Urk.
9
/
7
).
Am
8.
März 2012 meldete sich die
Versicherte
zum Bezug von Leis
tungen
der
Invalidenversicherung an (Urk.
9/
2
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
lud die Versicherte zu einem Gespräch über die berufliche Situation (vgl.
Bericht Ressourcen
gespräch vom 2
9.
März 20
12
,
Urk.
9/6
)
und
holte
einen
Auszug
aus dem individuellen Konto (
Urk.
9/8
)
sowie medizinische Berichte
(
Urk.
9/
9-10)
ein
.
1.2
Am 1
7.
Juli 2012 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass eine
polydis
-
zipli
näre
medizinische Untersuchung notwendig sei (
Urk.
9/15). Mit Schreiben vom 1
8.
Juli 2012 wandte sich die Versicherte gegen eine Begutach
tung, soweit sie dazu in eine andere Stadt reisen müsse (
Urk.
9/16). Die IV-Stelle hielt mit Schreiben vom 2
7.
August 2012 an einer polydisziplinären Be
gutachtung durch eine nach dem Zufallsprinzip bestimmte Gutachterstelle fest (
Urk.
9/18) und teilte am 2
8.
August 2012 mit, dass diese durch die MEDAS
Y._
erfolgen werde (
Urk.
9/20). Nachdem die Versicherte ein ärztliches At
test ein
ge
reicht (vgl.
Urk.
9/22/1) und telefonisch mit
get
eilt
hatte
, dass sie nicht bereit sei, nach
Y._
zu fahren (vgl.
Urk.
9/30), forderte die
IV-Stelle die Versicherte
mit Schreiben vom
2.
Oktober 2012
auf, sich mit der Begutachtung am
vorge
-
sehenen
Ort einverstanden zu erklären; andernfalls müsste
dies als
Ver
-
weigerung der Begutachtung verstanden und
aufgrund der Akten entschie
den werden (
Urk.
9/3
2
). Die Versicherte wandte sich weiterhin gegen die ge
plante Begutachtung in
Y._
(vgl.
Urk.
9/37/3-4), erklärte sich aber bereit, sich einer Begutachtung in
Z._
zu unterziehen (
Urk.
9/37/1).
1.3
Mit Schreiben vom 1
4.
November 2012 teilte die IV-Stelle mit, dass sie den Auf
trag für das MEDAS Gutachten – wiederum nach dem Zufallsprinzip – an die
A._
in
B._
verge
ben habe, und forderte die Versicherte auf, eine entsprechende Bereitschaftser
klärung zu unterzeichnen (
Urk.
9/40). Der Mitteilung vom 1
4.
Dezember 2012 (
Urk.
9/50; versandt am 2
2.
März 2013) ist – neben den Namen der Gutachter – zu entnehmen, dass die Reisekosten (Taxi) nach
B._
von der IV-Stelle über
nommen würden. Mit Schreiben vom 2
7.
März
2013 wurde die Versicherte von der
A._
zur medizinischen Abklärung am
1.
Mai und 1
4.
Juni 2013 auf
geboten (
Urk.
9/51). Da sich die Versicherte nach einem Suizidversuch seit dem 2
6.
März 2013 in der
C._
befand (vgl.
Urk.
9/52;
Urk.
9/56;
Urk.
9/59), wurde der Gutachtensauftrag storniert (vgl.
Urk.
9/52).
1.4
Nachdem die IV-Stelle die Versicherte am 1
7.
Juni 2013 über die Namen der Gutachter informierte (
Urk.
9/61), teilte ihr die
A._
a
m 1
9.
Juni 2013
die neuen Termine für die Untersuchungen mit
(
Urk.
9/62
).
Die Versicherte wandte sich mit einem Schreiben der Ärzte der
C._
gegen die geplante Begutachtung (
Urk.
9/63). Daraufhin
forderte die IV-Stelle die Versicherte am 1
7.
Juli 2013 letztmalig auf,
sich mit der Begutachtung
bei der
A._
in
B._
einverstan
den zu erklären
; die Transportkosten für ein Privatauto oder Taxi würden über
nommen. Falls sie die Bereitschaftserklärung innert Frist nicht unterzeichne,
müsste
dies als Verweigerung der Begutachtung verstanden und
aufgrund der Akten entschieden werden
(
Urk.
9/64). Die Versicherte hielt weiterhin fest, dass sie die Reise nach
B._
nicht antreten könne (vgl. Telefonnotiz vom 1
9.
Juli 2013,
Urk.
9/65, sowie Schreiben vom 2
5.
Juli 2013,
Urk.
9/69).
In der Folge
wies
die IV-Stelle
das Leistungsbegehren – nach durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
(
Urk.
9/
72-73
) – mit Verfügung vom
2
0.
November 2013
aufgrund verweigerter Mitwirkung
ab
(
Urk. 9/
74
=
Urk.
2)
.
2.
Gegen die Verfügung vom 2
0.
November 2013 (Urk. 2) erhob die Versicherte am
6.
Januar 2014
Beschwerde (Urk. 1) und beantragte,
diese sei aufzuheben und es sei ihr eine ganze Rente zuzusprechen (S. 2
Ziff.
1).
Eventuell sei eine Begut
achtung in
Z._
und subeventuell eine medizinische Abklärung der
Reisefä
higkeit
anzuordnen
(S. 2 Ziff.
2
und
3
).
In prozessualer Hinsicht stellte sie ein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung (S. 2
Ziff.
4
).
Mit Eingabe vom
6.
Februar 2014 (
Urk.
6) reichte die Beschwerdeführerin einen aktuellen
Bericht der Ärzte der
C._
(
Urk.
7
)
ins Recht.
Die
Beschwerdegegnerin
ersuchte mit Ver
nehmlassung vom
1
1.
Februar 2014
um Abweisung der Beschwerde (Urk. 8). Dies wurde der Beschwerdeführerin am 5.
März
2014 zur Kennt
nis gebracht (Urk. 10).
Am 1
9.
März 2014 wurde der Beschwerdegegnerin die Eingabe der Beschwerdeführerin vom
6.
Februar 2014 (
Urk.
6) samt Bericht der Ärzte der
C._
(
Urk.
7) zur Kenntnisnahme zugestellt (
Urk.
11).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
43 Abs. 1 Satz 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) prüft der Versicherungsträger die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erfor
derlichen Auskünfte ein.
Soweit ärztliche oder fachliche Untersuchungen für die Beurteilung notwendig und zumutbar sind, hat sich die versicherte Person diesen zu unterziehen (
Art.
43 Abs. 2 ATSG).
1.2
Kommt die versicherte Person den Auskunfts- oder Mitwirkungspflichten in unentschuldbarer Weise nicht nach, so kann der Versicherungsträger auf Grund der Akten verfügen oder die Erhebungen einstellen
und Nichteintreten be
schliessen.
Er muss
die versicherte Person unter Einräumung einer angemesse
nen Bedenkzeit vorher schriftlich
mahnen
und auf die Rechtsfolgen hin
w
e
i
sen (
Art.
43 Abs. 3 ATSG).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.4
Für die richterliche Beurteilung eines Falles sind grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens massgebend. Tatsachen, die sich erst später verwirklichen, sind jedoch insoweit zu berück
sichtigen, als sie mit dem Streitgegenstand in engem Sach
zusammenhang ste
hen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des
Entscheiderlasses
zu beeinflussen (BGE 121 V 362 E. 1b S. 366; 99 V 98 S. 102).
2.
2.1
Streitig und zu prüfen ist,
ob
die erfolgte Anspruchsverneinung im Rahmen eines Aktenentscheid
e
s infolge unterbl
iebener Mitwirkung rechtens ist
.
2.2
Die
Beschwerdegegnerin
hielt
in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2)
fest
,
dass aufgrund der vorliegenden Unterlagen ein medizinisches Gutachten erfor
derlich sei, um den Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin
beurteilen zu können. Da sich die Beschwerdeführerin dieser Begutachtung nie unterzogen habe, sei sie gezwungen, die Abklärungen einzustellen (S. 2 Mitte).
In der Beschwerdeantwort (
Urk.
8) führte die Beschwerdegegnerin aus, es sei nicht nachvollziehbar, weshalb sich die Beschwerdeführerin in
Z._
einer me
dizinischen Untersuchung unterziehen würde, nicht aber in
B._
.
Aus den Ak
ten sei kein medizinischer Grund ersichtlich, weshalb es ihr nicht möglich sein sollte, die Untersuchung in
B._
wahrzunehmen.
2.3
Die Beschwerdeführerin stellte sich in ihrer Beschwerde (Urk. 1) auf den Stand
punkt, dass
aufgrund der vorliegenden Arztberichte von einer 100%igen Ar
beitsunfähigkeit auszugehen sei; bereits aufgrund der schweren
Persönlich
keitsstörung
sei ein Anspruch auf eine ganze Invalidenrente ausgewiesen (S. 8
Ziff.
1). Zudem sei festzuhalten, dass sie nicht generell eine Begutachtung ver
weigere, sondern lediglich eine Begutachtung ablehne, welche mit einer langen Anreisedauer verbunden sei und ausserhalb von
Z._
liege. Sie sei nur in be
schränktem Umfang reisefähig (S. 8
Ziff.
2).
3.
3.1
Dr.
med.
D._
,
Allgemeine Innere Medizin FMH,
Leitender Arzt der
E._
,
führte im
Bericht vom
2.
April 2012
zuhanden der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
9/9/5-6
) aus,
dass
die
Beschwerdeführerin
die
E._
seit Oktober 2004
jeweils
bei akuten Gesundheitsstörungen auf
su
che
(S. 1 oben) und deshalb immer bei anderen Ärzten in Behandlung gestan
den
sei
(S. 1 unten).
Er nannte verschiedene
Diagnosen und Beschwerden im Zeitraum Oktober 2004 bis Dezember 2011, so beispielsw
eise Depression, Rückenprobleme oder
Bronchitis
(S. 1 Mitte)
.
Bezüglich einer
Rente oder
län
gerdauernden Arbeitsunfähigkeit
szeugnissen
hätten sie keine Kenntnisse (S. 2).
3.2
Dem
Bericht der Ärzte des
F._
vom 2
3.
April 2012
zuhanden der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
9/10)
sind folgende
Diagnosen mit Auswirkung auf die A
rbeitsfähigkeit
zu entneh
men (
Ziff.
1.1):
emotional instabile Persönlich
keitsstörung vom
Borderline
-Typ
re
zidivierend
e
depressive Störung,
gegenwärtig schwere Epis
ode
ohne psy
chotische Symptome
Anorexia
nervosa
Bulimia
nervosa
Störungen durch Alko
hol
, Abhängigkeitssyndrom mit episodischem
Sub
stanzgebrauch
Die Ärzte des
F._
gaben an, dass
bei der Beschwerdeführerin
b
ereits in der Ju
gend immer wieder depressive Episoden mit schweren Essstörungen und wie
derholten Suizidversuchen
aufgetreten seien
.
Dann
seien die Beschwerden
lange
Zeit
r
egredien
t
und der psychische Zustand bis zur Scheidung stabil gewesen; s
either
bestünden
ständig körperliche Beschwerden und
es seien
mehrere psy
chiatrische
Hospitalisation
en
in der
G._
erfolgt
, vor allem
wegen Suizidalität.
Während der Behandlung
bei ihnen
habe eine gewisse Stabilisie
rung beobachtet werden können. T
rotzdem sei die
Beschwerdeführerin
im Alltag massiv eingeschränkt und könne kaum einen geregelten Tagesablauf einhalten.
Die Persönlichkeitsstörung, die depressive Symptomatik und die daraus fol
gende Essstörung seien sehr stark ausgeprägt (
Ziff.
1.4).
Die Ärzte der
F._
at
testierten der Beschwerdeführerin
vom
7.
September 2010 (Behandlungsbeginn
, vgl.
Ziff.
1.2
) bis auf
weiteres
eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit als Tänzerin
(
Ziff.
1.6).
Aufgrund der k
örperliche
n
Schwäche bei Anorexie,
den
Impuls
durchbrüche
n
,
den
häufige
n Auseinandersetzungen sowie dem
selbstschädigen
de
n
Verhalten bereits bei geringer Belastung
bestehe eine Unmöglichkeit, einer geregelten Arbeit nachzugehen
(
Ziff.
1.7).
3.3
Im
Attest der Ärzte der
H._
vom
7.
September 2012
zuhanden der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
9/22
/1) wurde
ausgeführt
,
d
ie Beschwerdeführerin
habe angegeben, unmöglich für die vertrauensärztliche Untersuchung nach
Y._
reisen zu kön
nen. S
ie sei schon länger nicht mehr Zug gefahren
und empfinde dabei viel Angst. A
uch könne sie niemanden bitten, sie dahin zu begleiten. Deshalb werde aus medizinischen Gründen, falls möglich, eine vertrauensärztliche Untersu
chung in
Z._
mit
einer kürzeren
Anreisezeit für die
Beschwerdeführerin
empfohlen
.
3.4
Mit
Schreiben
der Ärzte der
C._
vom
6.
Mai 2013
zuhanden der
Beschwer
-
degeg
nerin
(
Urk.
9/63)
wurde festgehalten, dass es
der psychische
Ge
sundheits
-
zustand
der
Beschwerdeführerin
nicht zu
lasse
, dass sie öffentlich
e
Ver
-
kehrsmittel
nutzen könne. D
ies sei zu berücksichtigen und Termine mit
der Beschwerdeführerin seien
zukünftig
innerhalb des Stadtgebietes zu vereinbaren.
3.5
Die
Ärzte der
C._
stellten mit Bericht
vom
7.
Mai 2013
zuhanden der
Beschwer
degegnerin
(
Urk.
9/59)
–
nach einem
stationäre
n
Aufenthalt
der Be
schwerdeführerin
vom 2
6.
M
ärz bis
5.
Mai 2013 (
Ziff.
1.3)
–
folgende
Diagnosen mit Auswirkung auf
Arbeitsfähigkeit
(
Ziff.
1.1):
emotional instabile Persönli
chkeitsstörung:
Borderline
-Typ
rezi
divierende depressive Störung
aktenanamnestisch:
Anorexia
nervosa
Bulimia
nervosa
Störungen durch Alkohol
: Abhängigkeitssyndrom mit episodischem
Sub
stanzgebrauch
Die
Ärzte der
C._
bescheinigten der Beschwerdeführerin in der zuletzt ausgeüb
ten Tätigkeit als Tänzerin
vom 2
6.
März 2013 bis auf
weiteres
eine Ar
beitsunfähigkeit
von 100 %
(
Ziff.
1.5).
Aktenanamnestisch sei die Arbeitsfähig
keit der Beschwerdefüh
rerin seit Jahren nicht gegeben,
ebenso während des aktuellen Aufenthaltes in der
C._
.
Es sei nicht davon auszugehen, dass sich die Arbeitsfähigkeit auf lange Sicht verbessern werde (S. 1 unten).
Des Weiteren führten sie aus, dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer desolaten
Lebens
situation
mit mangelnden sozialen Kontakten wiederholt in tiefe Lebenskrisen gerate
. Vor dem Hintergrund einer seit langem bekannten emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom
Borderline
-Typ komme es immer wieder zu depres
siven Episoden. Die für den aktuellen Klinikaufenthalt
anlässliche
Suizidalität habe im Rahmen einer Krisenintervention aufgefangen werden können. Der Zustand der Beschwerdeführerin habe sich auf prognostisch ungünstigem Ni
veau stabilisiert (S. 3 oben).
Sie
zeige ein stark ausgeprägtes selbstschädigendes Verhalten durch Alkoholkonsum, mangelnde Nahrungsaufnahme, Suizidalität sowie Ab
lehnung verschiedener Hilfsange
bote, dies
vor dem Hintergrund der bekannten
Border
line
-Persönlichkeitsstörung
. Es sei nicht zu erwarten, dass sich diese seit langem bestehenden dysfunktionalen Verhaltensmuster gravierend verändern könnten
(S.
3 unten).
D
ie
Beschwerdeführerin
sei nicht in der Lage, einer geregelten Tät
igkeit nachzugehen (
Ziff.
1.6).
4.
4.1
Aus formeller Sicht ist das Vorgehen der
Beschwerdegegnerin
nicht zu beanstan
den.
So wies sie
die Beschwerdeführerin (zuletzt) mit Schreiben vom
1
7.
Juli 2013 (
Urk.
9/64) auf die Rechtsfolgen einer schuldhaften Verweigerung der Begutachtung hin und räumte ihr eine (letzte) Frist bis zum 2
6.
Juli 2013 ein, um sich mit der geplanten
Begutachtung einverstanden zu erklären
. Sie hat das Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
somit korrekt durchgeführt.
Dies wurde
denn
auch von der Beschwerdeführerin nicht in Frage gestellt.
4.2
Des Weiteren ist zu prüfen
, ob die angeordnete Begutachtung als notwendig und zumutbar (vgl.
Art.
43 Abs. 2 ATSG) einzustufen ist.
Die Notwendigkeit hat in erster Linie die Beschwerdegegnerin, die für eine
rechts
konforme
Sachverhaltsabklärung verantwortlich ist, zu beurteilen, wobei
ihr ein entsprechendes Ermessen
zuzubilligen ist.
In psychiatrischer Hinsicht liegen die Berichte der behandelnden Ärzte des
F._
sowie der
C._
vor.
Zu bemerken ist, dass der Bericht der Ärzte der
C._
sehr stark auf dem Bericht der Ärzte des
F._
basiert. So wurden Diag
nosen,
Einschränkungen und Arbeitsfähigkeit deckungsgleich beurteilt.
In bei
den Berichten wurde
festgehalten
, dass die Beschwerdeführerin nicht in der Lage sei, einer geregelten Arbeit nachzugehen.
Dass die Beschwerdegegner
in
vor diesem Hintergrund
zum Schluss kam, die Berichte der behandelnden Ärzte
würden
keine ausreichende Beurteilungsgrundlage bieten,
ist nicht zu beanstan
den,
zumal bei der Beweiswürdigung der Erfahrungstatsache Rechnung zu tra
gen ist, dass
behandelnde Ärzte wie
auch
Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (vgl. BGE 125 V 352 ff.).
Vielmehr erscheint eine
neutrale Beurteilung
,
zumindest in psychiatrischer Hinsicht
,
zur Beurteilung des Rentenanspruchs notwendig.
S
omit
ist –
entgegen
der Beschwerdeführer
in
– ein
Anspruch auf
eine
ganze Rente
a
ufgrund der vorliegenden Unterlagen
nicht ausgewiesen.
Die üblichen Untersuchungen in einer Gutachtensstelle sind ohne konkret entge
genstehende Umstände generell als zumutbar zu betrachten (
Ueli
Kieser
, ATSG-Kommentar,
2.
Auflage,
Art.
43
N
44). Vorliegend bestehen keine Hin
weise, dass es der Beschwerdeführerin nicht zumutbar wäre, sich einer medizi
nischen Abklärung zu unterziehen, sei dies bei einem Psychiater oder in einer Gutachtensstelle.
Zu prüfen bleibt damit die Reisefähigkeit.
4.3
Die Verletzung der Auskunfts- oder Mitwirkungspflicht ist nur relevant, wenn sie in unentschuldbarer Weise erfolgt
(
vgl.
Art.
43 Abs. 3 ATSG)
.
Es muss sich mithin um eine schuldhafte Verletzung handeln, wobei das Verhalten der versi
cherten Person nicht mehr nachvollziehbar sein darf, was etwa dann gegeben ist, wenn ein Rechtfertigungsgrund nicht einmal ansatzweise erkennbar ist oder wenn das Verhalten schlechthin unverständlich ist (
Kieser
,
a.a.O.
,
Art.
43
N
51).
Vorliegend machte
d
ie Beschwerdeführerin bereits nach der ersten Information betreffend polydisziplinäre Untersuchung im Juli 2012 geltend, sie
sei
schon seit mehreren Jahren nicht mehr ausserh
alb der Stadt
Z._
gewesen
und eine Reise zu einem Arzt in eine andere Stadt
komme
für sie kaum in Frage.
Sie leide an Schwindelgefühlen, Kreislaufproblemen, niedrigem Blutdruck
sowie
Proble
men mit der Orientierung und der Einschätzung von Distanzen (
Urk.
9/16 S. 3 oben).
Das Attest der Ärzte der
H._
vom September 2012 vermag nichts
weiteres
dazu beizutragen, beruht es doch im Wesentlichen auf den Angaben der Beschwerdeführerin. Gemäss Schreiben der Ärzte der
C._
vom Mai 2013
lässt
der psychische Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin
die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel nicht zu.
RAD-Arzt
Dr.
med.
I._
,
Facharzt für Ps
ychiatrie und Psychotherapie
, führte mit Stellungnahme vom 2
8.
Mai 2013 aus, dass die Wegefähigkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln aufgrund eines
traumatischen Ereignisses – die Beschwerdeführerin sei Opfer eines Zugunglücks gewesen – eingeschränkt sei (
Urk.
9/71 S. 1 unten).
Infolge
dessen
hielt
die Beschwerdegegnerin
fest
, dass die Transportkosten für ein
Pri
vatauto
oder Taxi übernommen würden
(
Urk.
9/64)
.
Die Beschwerdeführerin er
klärte daraufhin telefonisch, dass
sie
alleine lebe und keine Begleitperson habe, die mit ihr mit einem privaten Fahrzeug nach
B._
fahren würde. Auch mit ei
nem Taxi sei die Reise nicht möglich. Sie sei einmal im Taxi überfallen worden und würde es nicht mehr wagen, alleine in ein Taxi zu sitzen
(vgl. Telefonnotiz vom 1
9.
Juli 2013,
Urk.
9/65).
Nach dem Gesagten gingen sowohl die Ärzt
e der
C._
als auch RAD-Arzt Dr.
I._
davon aus, dass die Reisefähigkeit der Beschwerdeführerin mit öf
fentlichen Verkehrsmitteln eingeschränkt sei. Insofern vermag die Argumenta
tion der Beschwerdegegnerin,
es sei nicht
nachvollziehbar, dass sich die Be
schwerdeführerin einer medizinischen Untersuchung in
Z._
(ihrem Wohnort), nicht aber in
B._
,
unterziehen würde
, nicht zu überzeugen
.
Ausserdem
ist zu berücksichtigten, dass
die Beschwerdeführerin nicht nur Opfer eines Zugun
glücks (vom 2
4.
Oktober 2003, vgl.
Urk.
9/37/7-15), sondern auch eines Über
falls durch einen Taxifahrer (am
6.
Augus
t 2010, vgl. Unterlagen in Urk.
9/70) war.
Schliesslich
sind
die
mangelnden sozialen Kontakte
der Beschwerdeführe
rin aktenkundig (vgl. Bericht der
Ärzte der
C._
vom
7.
Mai 2013,
E. 3.5)
. Dem
entsprechend erscheint
auch
nachvollziehbar
, dass sie keine Begleitperson hat, die sie
mit einem Privatauto
nach
B._
fahren könnte.
Unbestritten ist schliess
lich, dass die Beschwerdeführerin mit einer Begutachtung in
Z._
einverstan
den wä
re.
Vor diesem Hintergrund
ist mit
überwiegend
er W
ahrscheinlich
keit erstellt
, dass bei der Beschwerdeführerin die Reisefähigkeit aus psychischen Gründen
in dem Sinne
eingeschränkt ist
, dass ihr eine medizinische Abklärung ausserhalb von
Z._
nicht möglich ist
.
Da sie
folglich
krankheitshalber nicht in der Lage war, die Untersuchungstermine in
(
Y._
und
)
B._
wahrzunehmen,
erscheint
ihr Verhalten entschuldbar.
Damit fehlt es an einer schuldhaften Verletzung der Mitwirkungspflicht im Sinne von
Art.
43 Abs. 3 ATSG
.
4.4
I
m
Rahmen des
vorliegenden
Beschwerdeverfahrens
reichte die
Beschwer
-
deführe
rin
einen
Bericht
der
C._
vom 3
0.
Januar 2014 (
Urk.
7)
ins Recht, in welchem
unter anderem
zur Reisefähigkeit Stellung
genommen wird
.
Dieser
Bericht
ist
zwar
erst
nach Abschluss des Verwaltungsverfahrens am
2
0.
No
-
vember
2013 ergangen, bezieht sich indessen auch auf die Zeit vorher und kann somit ebenfalls berücksichtigt werden (vgl. E. 1.4).
Prof.
Dr.
med.
J._
,
Psychia
trie und Psychotherapie FMH,
führte im Be
richt
der
C._
vom 3
0.
Januar 2014 zuhanden der Rechtsvertreterin der Be
schwerdeführerin (
Urk.
7) aus, dass die Beschwerdeführerin – nach
stationärer Behandlung in seiner Station vom 2
6.
März bis
5.
Mai 2013 und mehreren Te
lefongesprächen –
seit dem
9.
Januar 2014 bei ihm in ambulanter Behandlung stehe (S. 1
Ziff.
1). Er nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Ar
beitsfähigkeit (S. 1
Ziff.
2a):
emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom
Borderline
-Typ
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert
psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol,
Abhängigkeitssyn
drom
Anorexia
nervosa
generalisierte Angststörung
Prof.
J._
attestierte der Beschwerdeführerin eine seit Jahren bestehende 100%ige Arbeitsunfähigkeit in ihrem angestammten Beruf als Tänzerin (S. 2
Ziff.
3a). Des Weiteren sei derzeit keine
dem psychischen
Leiden angepasste Tä
tigkeit denkbar. Auch hier liege der Beginn Jahre zurück, gelte zu 100 % und sei voraussichtlich dauerhaft (S. 2
Ziff.
3b).
Prof.
J._
gab weiter an, dass die Beschwerdeführerin seines Erachtens zu
ihr
unbekannten Destinationen aus
serhalb von
Z._
reiseunfähig sei; selbst innerhalb von
Z._
sei das Benut
zen öffentlicher Verkehrsmittel nur unter grösstem innerpsychischem Aufwand möglich. Dies sei bedingt durch die Kombination aus der generalisierten
Angst
störung
mit panischen und auch sozialphobischen Komponenten sowie der
Borderline
Persönlichkeitsstörung, welche eine Emotionskontrolle erheblich er
schwere (S. 2
Ziff.
7a). Der Beschwerdeführerin sei eine Begutachtung aus
serhalb von
Z._
nicht zumutbar, da sie dann der Örtlichkeiten und der Um
stände unkundig werde, was bei ihr Ängste auslöse. Aus demselben Grund sei es ihr auch nicht möglich oder ausgeprägt erschwert, mit einem Privatauto oder Taxi an einen Begutachtungsort ausserhalb von
Z._
zu reisen (S. 3 Ziff. 7d).
Mit diesem Bericht hat Prof.
J._
die
aus psychischen Gründen
stark einge
schränkte Reisefähigkeit der Beschwerdeführerin, welche
seitens der
C._
bereits
a
m
6.
Mai 2013
attestiert
wurde,
eingehend und nachvollziehbar begründet.
4.
5
F
raglich
ist
, ob
zur vollständigen Abklärung des medizinischen Sachverhalts
tatsächlich eine polydisziplinäre Begutachtung erforderlich ist
oder eine medizi
nische Abklärung in psychiatrischer Hinsicht ausreichend wäre, zumal die psy
chische Komponente ganz klar im Vordergrund steht
.
So bestehen keine Hin
weise auf wesentliche somatische Beschwerden, die sich auf die Arbeitsfähigkeit
auswirken würden.
Zu bemerken ist, dass
die Auftragsvergabe
in diesem Fall
nicht nach dem Zufallsprinzip erfolgen
müsste
(
vgl.
Art.
72
bis
der Verordnung
über die Invalidenversicherung,
IVV
, e
contrario
).
A
uch bei polydisziplinären Gutachten
muss indessen
vom Zufallsprinzip
abge
-
wi
chen werden können (wie dies die Beschwerdeführerin geltend ma
chte, vgl.
Urk.
1 S. 8
Ziff.
3).
Sinn und Zweck der Vergabe
der
polydisziplinäre
n
Gut
achten nach dem Zufallsprinzip
ist
die Gewährleistung der
Unabhängigkeit der Gutachterstellen und die Neutralität der Gutachten
(
vgl. Pressemeldung des BSV vom 5. April 2012 betreffend Medizinische Gutachten in der IV:
Qualitätssi
cherung
und faire Verfahren, unter:
www.bsv.admin.ch
).
Die Auftragsvergabe nach Zufallsprinzip erfolgt somit zum Schutz der
v
ersicherten
Personen
.
Ange
sichts dessen muss in
Ausnahmefällen, wie vorliegend bei eingeschränkter
Rei
sefähigkeit
, eine Abweichung
vom
Zufallsprinzip möglich sein.
Vor diesem Hintergrund
ist nicht nachvollziehbar, dass die Beschwerdegegnerin den Gutachtensauftrag im November 2012
– nachdem bei der MEDAS
Y._
keine Begutachtung zustande gekommen war
(vgl.
Urk.
9/39) –
wiederum nach dem Zufallsprinzip neu verg
ab
.
Vielmehr wäre angesichts der konkreten Umstände die Auftrags
vergabe
an eine in
Z._
gelegene Gutachtensstelle an
gebracht gewesen.
4.6
Zusammenfassend liegt keine schuldhafte Verletzung der Mitwirkungspflicht im Sinne von
Art.
43
Abs.
3 ATSG vor, indem sich die Beschwerdeführerin gewei
gert hat, sich einer Begutachtung in
B._
zu unterziehen. Die
Beschwerdegeg
nerin
hat das Leistungsbegehren somit zu Unrecht aufgrund verweigerter Mit
wirkung gestützt auf
Art.
43
Abs.
3 ATSG
abgewiesen
. Zur vollständigen Ab
klärung des medizinischen Sachverhalts erscheint indessen zumindest eine psy
chiatrische Untersuchung
als
notwendig.
Demnach ist
die Beschwerde
teilweise
gutzuheissen und die Sache zur
ergän
zenden medizinischen Abklärung in
Z._
an die
Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
5
.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Ermessensweise
sind
diese auf Fr.
600
.-- anzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Damit erweist sich das Gesuch der Be
schwerdeführerin um unentgeltliche Prozessführung (Urk. 1 S. 2
Ziff.
4) als ge
genstandslos.