# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 2332df0b-d49b-4c09-819c-cbf28972635a
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2005
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ G. Y., geboren 1963, ist türkische Staatsangehörige. Sie heiratete am 2. Juni 1998
in K./Türkei ihren Landsmann X. Y., geboren 1965. Der Ehemann war im Zeitpunkt der
Heirat im Besitz einer Jahresaufenthaltsbewilligung im Kanton St. Gallen. Am 6.
November 1998 reiste die Ehefrau im Rahmen des Familiennachzugs zu ihrem
Ehemann und erhielt in der Folge eine ordentliche Jahresaufenthaltsbewilligung.
Im März 1999 verliess G. Y. ihren Ehemann und ging in das Frauenhaus St. Gallen.
Am 16. Juli 1999 reichte G. Y. Klage auf Trennung der Ehe ein. Der Ehemann erklärte
anlässlich der Einvernahme vor der Instruktionsrichterin, dass er so schnell wie möglich
die Scheidung wolle. Er habe die Heirat nie gewollt.
Am 12. November 1999 gebar G. Y. den Sohn H. Dieser leidet an verschiedenen
Geburtsgebrechen.
Mit Verfügung vom 16. August 2000 verweigerte das Ausländeramt die Verlängerung
der Aufenthaltsbewilligung von G. Y. und die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung an
ihr Kind, da sie nicht mehr mit ihrem Ehemann zusammenlebte.
Am 14. Dezember 2000 zog die Familie Y. nach Gossau.
Aufgrund einer Bestätigung des Einwohneramts St. Margrethen, dass die Eheleute Y.
seit 13. Oktober 2000 wieder in ehelicher Gemeinschaft lebten, hob das Ausländeramt
am 19. Dezember 2000 seine Verfügung vom 16. August 2000 auf.
Am 13. März 2001 fand vor dem Vermittleramt Gossau ein Vorstand statt. Der
Ehemann beantragte dabei die Scheidung, die alleinige elterliche Sorge für den Sohn
und die Verpflichtung der Ehefrau, an den Unterhalt des Kindes angemessene Beiträge
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zu bezahlen. Mit Verfügung vom 4. Mai 2001 widerrief in der Folge das Ausländeramt
die Aufenthaltsbewilligung von G. Y.. Diese Verfügung erwuchs in Rechtskraft.
Am 15. Mai 2001 entschied der Eheschutzrichter des Bezirksgerichts Gossau, dass H.
Y. in der alleinigen Obhut der Mutter bleibe. Dem Vater wurde ein Besuchsrecht von
drei Stunden pro Woche eingeräumt. Ausserdem wurde er verpflichtet, ab 1. Juni 2001
der Ehefrau an den Unterhalt monatlich Fr. 1'300.-- zu bezahlen.
Am 11. Juni 2001 erteilte das Ausländeramt H. Y. eine Kurzaufenthaltsbewilligung als
Patient und G. Y. eine analoge Bewilligung zur Betreuung des Kindes.
Mit Verfügung vom 12. Februar 2003 wies das Ausländeramt das Gesuch um
Verlängerung der befristeten Aufenthaltsbewilligungen bzw. der
Kurzaufenthaltsbewilligungen von H. Y. und G. Y. ab und verfügte, die Betroffenen
hätten den Kanton St. Gallen bis 30. April 2003 zu verlassen. Diese Verfügung ist in
Rechtskraft erwachsen.
Am 27. April 2003 stellten G. Y. und H. Y. durch ihre Rechtsvertreterin beim
Ausländeramt ein Gesuch um Unterbreitung als Härtefall gemäss Art. 13 lit. f der
Verordnung über die Begrenzung der Zahl der Ausländer (SR 823.21, abgekürzt BVO).
Mit Verfügung vom 27. August 2003 wies das Ausländeramt das Gesuch ab. Zur
Begründung wurde im wesentlichen angeführt, gemäss Abklärungen der
Vertrauensärztin der Schweizer Vertretung in Ankara sei die medizinische Versorgung
von H. Y. in der Türkei gewährleistet.
B./ Die Gesuchsteller erhoben durch ihre Rechtsvertreterin Rekurs und beantragten,
die Verfügung des Ausländeramts vom 27. August 2003 sei aufzuheben und es sei der
Rekurrentin und ihrem Sohn der Aufenthalt in der Schweiz zu gewähren, eventualiter
sei die Ausreisefrist bis auf weiteres aufzuschieben, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge.
Das Justiz- und Polizeidepartement wies den Rekurs mit Entscheid vom 27. April 2004
ab mit der Begründung, die Voraussetzungen für die Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung nach Art. 13 lit. f BVO seien nicht erfüllt.
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C./ Mit Eingaben vom 12. Mai und 21. Juni 2004 erhoben G. Y. und H. Y. durch ihre
Rechtsvertreterin Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, Ziff. 1 und 4
der Verfügung des Justiz- und Polizeidepartements vom 27. April 2004 seien
aufzuheben und es sei ihnen die Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz zu erteilen,
unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Mit Verfügung vom 13. Mai 2004 wurde den Beschwerdeführern die unentgeltliche
Rechtspflege und Rechtsverbeiständung gewährt.
Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 8. Juli 2004 in der Hauptsache
auf Abweisung der Beschwerde.
Die von den Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge gemachten

## Considerations

Ausführungen werden, soweit wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen
dargelegt und gewürdigt.
Mit Verfügung vom 11. August 2004 wurde das Beschwerdeverfahren sistiert, damit die
Beschwerdeführer einen Bericht der Stiftung Internationaler Sozialdienst einholen
konnten. Der Bericht wurde am 30. November 2004 eingereicht. Die Vorinstanz liess
sich dazu am 13. Dezember 2004 vernehmen.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1./ Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die
Beschwerdeführer sind zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingaben vom 12. Mai und 21.
Juni 2004 wurden rechtzeitig eingereicht und enthalten einen Antrag, eine Darstellung
des Sachverhalts und eine Begründung. Insoweit sind die Sachurteilsvoraussetzungen
erfüllt (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP).
Gegenstand des Rekursentscheides ist die Weigerung des Ausländeramts, das
Begehren der Beschwerdeführer um Erteilung einer Bewilligung als Härtefall dem
Bundesamt für Migration zu unterbreiten. Wie die Vorinstanz zutreffend ausführt,
entscheidet der Kanton nicht allein über die Erteilung einer Bewilligung aufgrund eines
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Härtefalls. Der Entscheid über die Ausnahme von der zahlenmässigen Begrenzung liegt
in der Kompetenz der Bundesbehörden (Art. 52 Abs. 1 lit. a BVO). In der Beschwerde
wird beantragt, den Gesuchstellern sei die Aufenthaltsbewilligung zu erteilen. Diesem
Begehren kann ungeachtet der Anerkennung eines Härtefalls nicht entsprochen
werden. Das Ausländeramt bzw. die Vorinstanz kann lediglich verpflichtet werden, das
Gesuch um Anerkennung als Härtefall den Bundesbehörden zu unterbreiten. Materiell
äussern sich die Beschwerdeführer denn auch zum Vorliegen eines Härtefalls, weshalb
auf die Beschwerde einzutreten ist.
2./ Nach Art. 4 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer
(SR 142.20, abgekürzt ANAG) entscheidet die zuständige Behörde im Rahmen der
gesetzlichen Vorschriften und der Verträge mit dem Ausland nach freiem Ermessen
über die Bewilligung von Aufenthalt und Niederlassung.
a) Ein Ausländer hat nach Art. 4 ANAG grundsätzlich keinen Rechtsanspruch auf
Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung. Eine Ausnahme besteht unter anderem dann,
wenn sein Ehegatte über eine Niederlassungsbewilligung verfügt. Die Ehegattin eines
niedergelassenen Ausländers hat nach Art. 17 Abs. 2 ANAG Anspruch auf Erteilung
und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, solange die Ehegatten zusammen
wohnen. Nach einem ordnungsgemässen und ununterbrochenen Aufenthalt von fünf
Jahren hat der Ehegatte ebenfalls Anspruch auf die Niederlassungsbewilligung (Art. 17
Abs. 2 ANAG).
Art. 8 Ziff. 1 der Europäischen Menschenrechtskonvention (SR 0.101; abgekürzt EMRK)
garantiert den Schutz des Familienlebens. Darauf kann sich der Ausländer berufen, der
nahe Verwandte mit Anwesenheitsrecht (Schweizer Bürgerrecht,
Niederlassungsbewilligung) in der Schweiz hat. Wird ihm selber die Anwesenheit in der
Schweiz untersagt, kann dies unter Umständen Art. 8 EMRK verletzen. Soweit eine
intakte familiäre Beziehung besteht und tatsächlich gelebt wird, ist das der zuständigen
Behörde durch Art. 4 ANAG eingeräumte freie Ermessen eingeschränkt. In solchen
Fällen bildet Art. 8 EMRK eine Grundlage für einen Anspruch auf eine
Aufenthaltsbewilligung (BGE 116 Ib 155 E. 1 mit Hinweis). Da Art. 8 EMRK
grundsätzlich voraussetzt, dass die massgeblichen Familienmitglieder zusammenleben
und sich gegenseitig Unterhalt gewähren, fehlt es am Schutzobjekt der Familie, wenn
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eine Ehe nicht als Gemeinschaft geführt wird. Dabei spielt keine Rolle, auf welche
Gründe dies zurückgeht bzw. welcher Ehepartner die Verantwortung dafür trägt. Die
eheliche Beziehung ist diesfalls nicht intakt beziehungsweise wird nicht gelebt (BGE
118 Ib 145 E. 4).
b) Nach der gesetzlichen Ordnung setzt somit der Rechtsanspruch des Ehegatten
eines in der Schweiz niedergelassenen Ausländers auf Erteilung und Verlängerung einer
Aufenthaltsbewilligung voraus, dass die eheliche Gemeinschaft gelebt wird (vgl. BGE
123 I 26). Die Beschwerdeführerin lebt von ihrem Ehemann getrennt. Sie hatte die
Aufenthaltsbewilligung im Rahmen des Familiennachzugs erhalten, obwohl ihr
Ehemann bei der Heirat lediglich über eine Aufenthaltsbewilligung verfügte.
Zwischenzeitlich wurde ihm die Niederlassung erteilt. Der Verbleib beim Ehegatten
bzw. der Bestand der ehelichen Gemeinschaft war somit Bedingung für den Aufenthalt.
Diese Voraussetzung ist im vorliegenden Fall nicht mehr gegeben, weshalb ein
Rechtsanspruch auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nicht mehr
besteht. Die Verweigerung der Verlängerung der im Rahmen des Familiennachzugs
erteilten Aufenthaltsbewilligung bzw. der Aufenthaltsbewilligungen im Zusammenhang
mit der ärztlichen Betreuung des Kindes ist denn auch in Rechtskraft erwachsen. Zu
prüfen ist im folgenden, ob die Weigerung der Unterbreitung als Härtefall einem
Missbrauch bzw. einer Ueberschreitung des Ermessens gleichkommt.
c) aa) Wichtige Gründe im Sinne von Art. 13 lit. f BVO liegen dann vor, wenn sich der
Gesuchsteller in einer persönlichen Notlage befindet. Dies bedeutet, dass seine
Lebens- und Daseinsbedingungen gemessen am durchschnittlichen Schicksal von
Ausländern in gesteigertem Mass in Frage gestellt sind bzw. die Verweigerung der
Aufenthaltsbewilligung für ihn schwere Nachteile zur Folge hätte (VerwGE vom 24.
Oktober 2002 i.S. S.S. mit Hinweis auf VPB 1996 Nr. 60.95).
Bei der Würdigung eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalls sind sämtliche
Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen. Die Anerkennung eines Härtefalls
bedeutet nicht notwendigerweise, dass die Anwesenheit des Ausländers in der
Schweiz das einzige Mittel darstellt, um nicht in eine Notlage zu geraten. Der Umstand,
dass sich der Ausländer während einer längeren Zeitspanne in der Schweiz aufgehalten
hat, dass er sozial und beruflich gut integriert ist und dass sein Verhalten nicht zu
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Klagen Anlass gegeben hat, genügt für die Annahme eines Härtefalles nicht. Es ist
ausserdem erforderlich, dass die Beziehung des Gesuchstellers zur Schweiz so eng ist,
dass es ihm nicht zugemutet werden kann, in einem anderen Land, vor allem in seinem
Herkunftsland, zu leben.
Medizinische Gründe können zur Anerkennung eines Härtefalls führen, wenn der
Betroffene beweist, dass er an einem ernsthaften Gesundheitsschaden leidet, der
während einer längeren Zeitspanne dauernde Behandlung oder punktuelle
medizinische Notfallmassnahmen erfordert, die im Herkunftsland nicht verfügbar sind,
so dass eine Ausreise aus der Schweiz schwerwiegende Folgen für die Gesundheit
nach sich ziehen könnte. Hingegen genügt der Umstand allein, dass in der Schweiz
bessere medizinische Leistungen als im Herkunftsland angeboten werden, zur
Annahme eines Härtefalls nicht (Pra 92, Nr. 25).
bb) Dauerte die eheliche Gemeinschaft bei verheirateten Ausländern wie im
vorliegenden Fall nur kurze Zeit, ist nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts
in der Regel ein Widerruf der Bewilligung verhältnismässig (vgl. GVP 1998 Nr. 22). Nach
den Weisungen des Bundesamts für Migration kann die Aufenthaltsbewilligung in
gewissen Fällen auch nach der Auflösung der ehelichen Gemeinschaft verlängert
werden. Zu berücksichtigen sind dabei auch die Umstände, die zur Auflösung der
ehelichen Gemeinschaft geführt haben. Steht fest, dass der im Familiennachzug
zugelassenen Person, namentlich wenn sie misshandelt worden ist, eine Fortführung
der ehelichen Gemeinschaft nicht länger zugemutet werden kann, so ist dies beim
Entscheid besonders in Rechnung zu stellen. Härtefälle sind zu vermeiden (Weisungen
Ziff. 654 mit Hinweis auf BBl 2002, S. 3754 und 3795).
Sind die Umstände der Trennung bei der Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung im
Hinblick auf das Vorliegen eines Härtefalles zu berücksichtigen, so können sie auch bei
der Beurteilung nach Art. 13 lit. f BVO in Betracht gezogen werden.
cc) Die Beschwerdeführerin heiratete ihren Ehemann am 2. Juni 1998 in ihrem
Heimatstaat. Die Umstände der Eheschliessung sind aufgrund der Akten unklar. Nach
einer schriftlichen Erklärung der Beschwerdeführerin heiratete sie X. Y. am 19. August
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1985. Am 26. Juli 1986 hätten sie sich scheiden lassen. Sie habe dann bei ihren
Schwiegereltern gewohnt, bis sie X. Y. am 2. Juni 1998 wieder geheiratet habe.
Der Schwager der Beschwerdeführerin bestätigte, diese habe von 1992 bis 1997 bei
seinen Eltern gewohnt. Im Rekursverfahren reichte die Beschwerdeführerin Fotos ein,
die anlässlich der traditionellen Hochzeit gemacht worden seien. Diese sei im Jahr
1992 erfolgt.
Der Ehemann der Beschwerdeführerin heiratete am 12. September 1986 in Gossau die
Schweizer Bürgerin E.A. Im Eheschein ist vermerkt, der Ehemann sei seit 26. Februar
1986 von G. geborene Aslan, geschieden. Am 29. März 1996 wurde die Ehe Y.-A.
geschieden. Die beiden 1986 und 1991 geborenen Kinder wurden der Mutter zugeteilt.
Fest steht jedenfalls, dass die Ehe der Beschwerdeführerin mit ihrem Ehemann
offenbar von den Eltern arrangiert wurde und der Ehemann während der sog.
traditionellen Ehe eine Schweizerin heiratete und dadurch in den Besitz der
Aufenthaltsbewilligung gelangte. Anlässlich des Scheidungsverfahrens äusserte er, er
wolle die Ehe mit der Beschwerdeführerin nicht weiterführen. Während er mit einer
Schweizerin verheiratet war, kehrte der Ehemann regelmässig in die Türkei zurück und
hielt dort an seiner Beziehung mit der Beschwerdeführerin fest. Inwiefern diese über die
Ehe mit der Schweizerin orientiert war, ergibt sich aus ihren Aussagen nicht.
dd) Wie erwähnt, sind die Umstände, die zur Auflösung der ehelichen Gemeinschaft
geführt haben, zu berücksichtigen. Sind die Voraussetzungen für die Annahme eines
Härtefalles gemäss Art. 13 lit. f BVO erfüllt, ist dies bei der Ausübung des Ermessens
zu berücksichtigen. In der Beschwerde wird denn auch das Vorliegen eines Härtefalles
geltend gemacht und namentlich damit begründet, das Kind der Beschwerdeführerin
leide an einer Krankheit, die in der Türkei nicht behandelt werden könne.
Die Beschwerdeführerin behauptet, sie sei von ihrem Ehegatten nicht nur geschlagen,
sondern auch psychisch sehr stark unter Druck gesetzt worden, nachdem sie
schwanger geworden sei. Der Ehemann habe gewollt, dass die Schwangerschaft
abgebrochen werde. Sie habe nicht eingewilligt und sei in der Folge von ihrem
Ehegatten psychisch misshandelt worden. Sie habe abgeklärt, ob sie in ihre eigene
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Familie oder die Familie des Ehemannes zurückkehren könnte. Dabei sei sie auf allen
Seiten auf Ablehnung gestossen. Sie verfüge nicht über ein gutes Beziehungsnetz im
Heimatort.
Es bestehen gewisse Anhaltspunkte, dass die Beschwerdeführerin von ihrem Ehemann
geschlagen wurde. Ein direkter Beweis fehlt allerdings. Im ärztlichen Zeugnis von Dr.
med. R. vom 14. November 2003 wird vermerkt, die Beschwerdeführerin habe ihm am
26. April 1999 mitgeteilt, sie sei von ihrem Ehemann geschlagen und aus der Wohnung
geworfen worden, weil sie die Schwangerschaft nicht habe unterbrechen wollen. Auch
am 30. November 2000 habe sie berichtet, sie sei von ihrem Mann geschlagen worden.
Sie habe über Schmerzen am Hals geklagt. Er habe eine Druckdolenz am Hals
festgestellt, was medizinisch einer Prellung entspreche.
Der Arzt beurteilte die Angaben der Beschwerdeführerin offenbar als glaubhaft und
hielt fest, die Ehefrau sei von ihrem Ehemann geschlagen worden. Allerdings ist
festzuhalten, dass der Arztbesuch wegen der Schwangerschaft und nicht wegen der
geltend gemachten Misshandlung erfolgte. Auch liegen keine Akten über eine
polizeiliche Intervention infolge der geltend gemachten Misshandlungen vor, und auch
eine Strafanzeige hat die Beschwerdeführerin nicht eingereicht. Aus den schriftlichen
Berichten von Mitarbeiterinnen des Frauenhauses ergeben sich keine direkten
Hinweise, dass die Ehefrau geschlagen wurde. In der Beschwerde wird denn auch
lediglich geltend gemacht, sie sei von ihrem Ehemann psychisch missbraucht worden.
Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführerin im Oktober/November 2000 wieder zu
ihrem Ehemann zog. Dies relativiert die Schwere der geltend gemachten
Misshandlungen in erheblichem Mass. Offenbar waren die Uebergriffe des Ehemannes
nicht derart gravierend, dass sie die Beschwerdeführerin zu einer Trennung
veranlassten. Weiter ergibt sich aus dem Bericht der Beratungsstelle Frauenhaus vom
18. November 2003, dass die Eheleute nach wie vor intensive, zum Teil auch sexuelle
Kontakte hätten. Der Ehemann besuche seine Frau und seinen Sohn regelmässig in
Gossau und telefoniere teilweise mehrmals in der Woche mit seiner Familie und bringe
auch seine Wäsche vorbei.
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Wie die Vorinstanz zutreffend ausführt, kann der Vorwurf der Misshandlung nicht
leichthin zur Verlängerung bzw. zur Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung nach
Auflösung der ehelichen Gemeinschaft führen. Es sind konkrete Hinweise erforderlich,
und die verbalen, tätlichen oder anderen Angriffe müssen derart massiv sein, dass die
Fortführung der ehelichen Beziehung für den davon betroffenen Ehegatten unzumutbar
wird. Andernfalls besteht die Gefahr der rechtsmissbräuchlichen Berufung auf
häusliche Gewalt (VerwGE vom 16. März 2004 i.S. A.L.). Allfällige Misshandlungen im
Zeitpunkt der Schwangerschaft vermögen im Lichte der oben dargelegten Entwicklung
der ehelichen Beziehung und der Wiederaufnahme regelmässiger Kontakte sowie
intimer Beziehungen keinen Härtefall zu begründen. Die Beschwerdeführerin fand sich
offenbar mit dem Verhalten des Ehemannes ab. Andernfalls wäre nicht nachvollziehbar,
weshalb sie mit ihm nach wie vor enge Beziehungen pflegt und sich insbesondere auch
sexuell mit ihm einlässt. Würde dies gegen ihren Willen geschehen, hätte sie dies
gegenüber den Mitarbeiterinnen des Frauenhauses sowie in der Beschwerde
ausdrücklich erwähnt. Im Rekurs hielt sie denn auch fest, es sei nicht zum vornherein
auszuschliessen, dass eine nochmalige Wiedervereinigung der Ehegatten stattfinden
könnte.
d) Zu prüfen bleibt, ob der Gesundheitszustand des Kindes einen Härtefall zu
begründen vermag.
aa) Fest steht, dass das Kind der Beschwerdeführerin an gesundheitlichen Störungen
leidet. Dem Arztzeugnis von Dr. med. C. vom 9. Mai 2004 ist zu entnehmen, dass das
Kind ein komplexes Syndrom mit Entwicklungsstörung/Missbildung des Gehirns,
verbunden mit einem erheblichen psychomotorischen Entwicklungsrückstand aufweist.
Daneben besteht eine Missbildung der Nieren- und Harnwege, die durch einen
operativen Eingriff am 19. Mai 2004 nur teilweise korrigiert werden konnte. Bezüglich
der psychomotorischen Entwicklungsstörung erhalte der Sohn eine heilpädagogische
Behandlung, die auf wöchentlicher Basis zu Hause durchgeführt werde. Der Knabe
habe damit erfreuliche Fortschritte gemacht. Bezüglich der Nieren- und Harnwege
bestehe eine erhöhte Anfälligkeit für Harnwegsinfektionen. Diese könnten zu
lebensbedrohlichen Zuständen führen, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt und
behandelt werden. Im Falle einer Rückreise des Knaben in die Türkei wären die mit
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grossem Aufwand erreichten therapeutischen Ergebnisse in Frage gestellt. Für die
weitere Betreuung sei der Sohn auf eine medizinische Institution angewiesen, die innert
Stunden einen Harnwegsinfekt diagnostizieren und behandeln kann, sowie auf ein
kinderchirurgisches Zentrum, in dem die Nieren langfristig kontrolliert werden und in
dem auch operative Eingriffe an Nieren und Harnwegen möglich sind, sowie eine
Institution, in der die psychomotorische und geistige Entwicklung überwacht und durch
geeignete Massnahmen gefördert werden könne.
Der Arzt hielt fest, dass eine Uebersiedlung in die Türkei nur dann verantwortet werden
könne, wenn die genannten Voraussetzungen am künftigen Wohnort des Kindes
gegeben seien und die Finanzierung gesichert sei.
bb) Das Ausländeramt traf Abklärungen, ob die gesundheitliche Betreuung des Kindes
in der Türkei möglich ist. Die Vertrauensärztin der Schweizer Botschaft hielt fest, dass
die Behandlung in einem Universitätsspital oder in einer gut ausgestatteten Kinderklinik
in der Türkei, welche in den grossen Städten leicht gefunden werden könne, möglich
sei. Der Botschafter hielt fest, dass einer Rückkehr von H. und der Beschwerdeführerin
in der Türkei nichts im Wege stehe.
cc) Die Beschwerdeführerin bestreitet, dass die medizinische Versorgung für H. in der
Türkei gewährleistet sei. Sie reichte ein Schreiben des Spitals von K. vom 25. Juli 2003
ein, wonach die erforderliche Behandlung dort nicht gewährleistet werden könne. Im
fraglichen Schreiben wird ausgeführt, es sei kein Spezialist für Pädiatrie, für
pädiatrische Chirurgie sowie für pädiatrische Neurologie vorhanden, weshalb man das
Kind in einem anderen Krankenhaus behandeln lassen solle. Weiter wird in der
Beschwerde geltend gemacht, es sei von der Vorinstanz überhaupt nicht darauf
eingegangen worden, ob die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer finanziellen Situation
Zugang zu den medizinischen Leistungen habe. Die Vertrauensärztin der Botschaft
habe diese Frage nicht beantwortet. Es sei daher davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin nicht Zugang zu den notwendigen Massnahmen habe. Im übrigen
müssten die bestehenden Unterlagen und insbesondere die bereits bestehende
Krankengeschichte übersetzt werden, was überaus schwierig und kostenintensiv sei.
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Die Beschwerdeführerin macht geltend, ihr Heimatdorf liege rund zweieinhalb
Autostunden von der nächsten Stadt, der Provinzhauptstadt Sivas, entfernt. Die
Hauptstadt Ankara liegt nach den Angaben des stellvertretenden Chefarztes des
Kinderspitals Sivas 550 Kilometer von dieser Stadt entfernt. Allerdings geht aus der
Bestätigung des Chefarztes nicht genau hervor, welche Art von Behandlung im
besagten Kinderspital nicht durchgeführt werden kann.
dd) Im Bericht der Stifung Internationaler Sozialdienst wird ausgeführt, das Dorf A.
befinde sich 30 km von K. und 130 km von Sivas entfernt. Im Dorf gebe es keine
medizinische Betreuung. In K. befinde sich ein staatliches Bezirksspital mit 50 Betten.
Dieses verfüge nicht über Spezialisten, die innert Stunden Diagnosen stellen könnten.
Dringende Fälle würden ins Spital nach Sivas gebracht. Es gebe keine Institution im
Bezirk K., welche die psychomotorische und kognitive Entwicklung von H. unterstützen
könne. Die entsprechende Organisation in Sivas sei nicht aktiv und wäre zu bezahen.
Es sei unmöglich, medizinische Versicherungsleistungen ohne eigene finanzielle
Leistungen zu erhalten. Das Gesundheitsministerium führe ein "green-card"-System
ein. Damit sollten auch arme Personen Gesundheitsleistungen an staatlichen Spitälern
beziehen können. Doch für die Bedürfnisse von H. würden diese Spitäler nicht über die
notwendige Ausrüstung verfügen.
Als Empfehlung wird im Bericht weiter ausgeführt, die Familien der Beschwerdeführer
lebten in ärmlichen Verhältnissen, welche keine ausreichenden Wohnverhältnisse für
ein behindertes Kind bieten könnten. Beide Familien würden weder die
Beschwerdeführerin noch deren Sohn akzeptieren. Eine medizinische Versorgung wäre
nur über das Provinzspital Sivas möglich. Wenn die Beschwerdeführer in die Türkei
zurückkehren müssten, so werde es notwendig sein, das Kind unter den Schutz der
Türkischen Regierung zu stellen und es in einem Heim zu plazieren sowie seine Familie
beratend und finanziell zu unterstützen. Da die entsprechenden Institutionen aber völlig
überlastet seien, würden Behinderte auf eine Warteliste gesetzt und könnten darum
erst (zu) spät entsprechende Hilfs- und Wiedereingliederungsangebote nutzen. Dies
bedeute, dass H. und seine Mutter mangels ausreichender eigener finanzieller Mittel
nicht die notwendige Behandlung erhalten könnten. Die Kosten könnten nicht über die
Sozialversicherung abgerechnet werden, weshalb H. von einer zeitgerechten
medizinischen Versorgung ausgeschlossen wäre. H. könnte dann in Lebensgefahr sein.
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Deshalb werde empfohlen, dass es für H. und seine Mutter besser wäre, wenn sie in
der Schweiz bleiben könnten.
ee) Die Beschwerdeführerin behauptet weiter, sie habe in ihrem Heimatstaat kein
Beziehungsnetz mehr. Sie könne weder in ihre eigene Familie noch in jene ihres
Ehemannes zurückkehren. Sie stosse auf allen Seiten auf Ablehnung. Zwei ihrer
Schwestern litten an einer Krankheit. Sie erhalte keine finanzielle Unterstützung von
ihren Verwandten in der Türkei.
Fest steht, dass vier Schwestern und ein Bruder der Beschwerdeführerin in der Türkei
wohnen. Mehrere Geschwister sind in K. wohnhaft bzw. im Dorf A. bzw. B. Im
Rekursverfahren wurden Bestätigungen der Geschwister eingereicht, wonach diesen
eine Unterstützung der Beschwerdeführerin nicht möglich sei. Die Bestätigungen
lassen aber verschiedene Fragen offen. Die Schwestern bestätigten, sie seien
Hausfrauen und hätten eines oder mehrere Kinder und kein eigenes Einkommen.
Angaben über die Tätigkeiten der Ehemänner wurden nicht gemacht.
Aus dem Bericht des Internationalen Sozialdienstes geht hervor, dass die
Beschwerdeführerin fünf Schwestern und einen Bruder hat. Der Bruder lebe zusammen
mit seiner Mutter. Er sei verheiratet und habe vier Kinder. Er sei blind. Drei Schwestern
lebten mit ihren Familien in Kayseri, rund 100 km von K. entfernt. Gemäss dem Bericht
sei der Kontakt innerhalb der Familie nicht sehr gut und einfühlsam. Da der Bruder
blind sei und auch das Kind der Beschwerdeführerin besondere Pflege und
Unterstützung benötige, sei die Familie über eine mögliche Rückkehr der
Beschwerdeführer in die Türkei nicht begeistert. Die Familie wolle auch keine weiteren
Erklärungen zu diesem Punkt abgeben.
e) aa) Das Bundesgericht hat in seiner Praxis unter anderem einen Härtefall bei einer
abgewiesenen Asylbewerberin aus Rwanda angenommen, bei welcher der Abbruch
einer im Heimatstaat nicht möglichen Aidstherapie mit schweren gesundheitlichen
Konsequenzen verbunden gewesen wäre (BGE 128 II 208). Ebenso hat es einen
Härtefall bei einem jungen türkischen Staatsangehörigen anerkannt, der sich etwas
mehr als zehn Jahre in der Schweiz aufhielt, dessen Asylgesuch während dieser Zeit
nicht behandelt wurde und der sich tadellos verhielt, finanziell unabhängig sowie sozial
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und beruflich gut integriert war (BGE 124 II 112). Das Verwaltungsgericht anerkannte
einen Härtefall bei einer türkischen Staatsangehörigen, die als Folge ihrer ehelichen
Probleme akut suizidgefährdet war (VerwGE vom 24. Oktober 2002 i.S. S.S.).
bb) In objektiver Hinsicht steht fest, dass die Beschwerdeführerin zahlreiche enge
Verwandte im Herkunftsstaat hat. Im Dorf A. leben ihre Mutter sowie der Bruder und
eine Schwester. Dass die Angehörigen über eine Rückkehr der Beschwerdeführerin
nicht begeistert sind, wie im Bericht des Internationalen Sozialdienstes festgehalten ist,
ist nicht entscheidend. Die Beschwerdeführerin würde an ihrem Herkunftsort
zweifelsohne über ein soziales Beziehungsnetz verfügen, das ihr eine Rückkehr
erheblich erleichtert, zumal sie vor ihrer Einreise in die Schweiz rund 35 Jahre dort lebte
und mit ihrer Herkunftsregion also noch weitgehend vertraut ist.
In Bezug auf den beeinträchtigten Gesundheitszustand des Kindes fällt die
Anwesenheit verschiedener Verwandter in der Herkunftsregion nicht entscheidend ins
Gewicht. Im Arztbericht vom 9. Mai 2004 wird eine medizinische Institution als
notwendig erachtet, die innert Stunden einen Harnweginfekt diagnostizieren und
behandeln könne. Allein der erschwerte Zugang zu medizinischen
Versorgungseinrichtungen vermöchte zwar einen Härtefall nicht zu begründen. Die
Provinzhauptstadt Sivas, wo gemäss Bericht des Internationalen Sozialdienstes die
notwendige medizinische Versorgung gewährleistet wäre, liegt rund 130 km von A.
entfernt, was angesichts der ärztlich bescheinigten Notwendigkeit einer Diagnose und
Behandlung innert Stunden als erhebliche Distanz zu qualifizieren ist. Hinzu kommt,
dass die Beschwerdeführerin im Herkunftsort in eher ärmlichen Verhältnissen leben
würde, was sich sowohl in bezug auf eine rasche Reise in die Provinzhauptstadt als
auch in bezug auf die finanziellen Leistungen für eine Behandlung des Kindes
erschwerend auswirken würde.
cc) Aufgrund der örtlichen und sozialen Verhältnisse muss im vorliegenden Fall
aufgrund der zusätzlichen Abklärungen von einer schwer eingeschränkten
Zugänglichkeit zu medizinischen Leistungen gesprochen werden. Die Auskunft der
Schweizer Vertretung in der Türkei bzw. der Vertrauensärztin bezog sich eher auf die
allgemeine medizinische Versorgungslage. Aus dem Bericht der Stiftung Internationaler
Sozialdienst geht dagegen hervor, dass es im konkreten Fall mit überaus grossen
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Problemen verbunden wäre, die notwendige medizinische Versorgung zu erhalten.
Dieser Bericht wurde zwar von einer NGO-Institution verfasst, wie die Vorinstanz
zutreffend festhält. Dies allein bedeutet aber nicht, dass er nicht aussagekräftig oder
einseitig zugunsten der Beschwerdeführer abgefasst ist. Jedenfalls ist er wesentlich
detaillierter und aussagekräftiger als die Auskunft der Schweizer Vertretung, und die
Vorinstanz legt nicht dar, inwiefern einzelne konkrete Feststellungen oder Beurteilungen
fehlerhaft sind oder die Organisation als solche nicht als vertrauenswürdig einzustufen
ist. Die Vorinstanz wäre gehalten gewesen, allfällig aufzuzeigen, dass die geltend
gemachten medizinischen Versorgungslücken alltäglich sind bzw. dass sie immer
wieder mit derartigen Problemen konfrontiert sei, sodass nicht von einem Einzelfall
ausgegangen werden könnte. Solche Ausführungen machte sie jedoch nicht. Daher ist
gesamthaft davon auszugehen, dass bezüglich der medizinischen Versorgung des
Kindes nicht nur alltägliche Schwierigkeiten bestehen, wie sie in der Türkei auftreten
können, sondern eine erhebliche und akute Unsicherheit bezüglich der notwendigen
medizinischen Versorgung gegeben wäre. Hinzu kommt, dass das Kind auch an einer
Entwicklungsstörung leidet, welche eine heilpädagogische Behandlung erfordert. Kann
diese nicht weitergeführt werden, so besteht eine erhebliche Gefahr, dass das Kind
auch in dieser Beziehung eine bleibende Beeinträchtigung erleidet. Die Vorinstanz legt
im übrigen nicht näher dar, wie die Praxis bei der Anerkennung von Härtefällen bei
Kindern mit schwerwiegenden Geburtsgebrechen gehandhabt wird. Jedenfalls macht
sie nicht geltend, es würde bei Kindern mit schweren Entwicklungsstörungen generell
bei der Beurteilung der Rückkehr in bestimmte Länder die Anerkennung eines
Härtefalles verweigert.
dd) Aufgrund der gegebenen Sachlage erachtet das Verwaltungsgericht die
Voraussetzungen für die Anerkennung eines Härtefalles als gegeben. Daher ist die
Beschwerde gutzuheissen. Der Rekursentscheid vom 27. April 2004 ist aufzuheben
und die Vorinstanz ist anzuweisen, die Angelegenheit im Sinne der Erwägungen dem
Bundesamt für Migration zu unterbreiten bzw. unterbreiten zu lassen.
3./ Die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens gehen aufgrund der Gewährung
der unentgeltlichen Rechtspflege zulasten des Staates. Eine Entscheidgebühr von Fr.
2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Auf die Erhebung
ist zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/17
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St.Galler Gerichte
Die Vertreterin hat für das Beschwerdeverfahren keine Kostennote eingereicht, weshalb
ihr Anspruch auf Kostenersatz ermessensweise festzusetzen ist (Art. 6 der
Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75, abgekürzt HonO).
Eine Entschädigung von Fr. 1'600.-zuzügl. MWSt erscheint angemessen (Art. 22 Abs. 1
lit. c HonO; Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70).
Weiter wird in der Beschwerde beantragt, das Honorar für die Vertretung im
Rekursverfahren sei auf Fr. 2'320.-- zuzüglich Barauslagen, MWSt sowie weiteren
Auslagen, insgesamt auf Fr. 2'930.60, festzusetzen. Die Vertreterin hält fest, das
Honorar von Fr. 2'320.-- habe bereits auf dem reduzierten Ansatz von Fr. 160.-- pro
Stunde beruht. Die Vorinstanz erhebt dagegen keine Einwendungen, weshalb der
Anspruch der unentgeltlichen Rechtsbeiständin für das Rekursverfahren auf Fr.
2'930.60 inkl. MWSt festzusetzen ist.