# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c3443fe2-27c4-47bc-bf61-02ed0c00ff3d
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1980, war von September 2016 bis August 2018 am
Y._
als Lehrbeauftragte für Geschichte und Philosophie tätig, als sie sich am 2
7.
Juli
2017 unter Hinweis auf eine Vir
userkrankung mit nachfolgendem Erschöpfungszustand bei der Invalidenversicherung zum Leis
tungsbezug anmeldete (
Urk.
7/3). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinisch
e und erwerbliche Situation ab, und holte bei
m
Z._
ein psychiatrisch-neuro
logisches
Gu
tachten ein, das am 2
5.
Mai 2020 (
Urk.
7/52) erstattet wurde, und bei der
A._
ein polydiszip
linäres Gut
achten ein, das am 2
8.
Februar 2021 erstattet wurde (
Urk.
7/83
).
Nach
durchgeführtem
Vorbescheidverfahren (
Urk.
7/87,
Urk.
7/92
) verneinte
die
IV-Stelle mit Verfügung vom
9.
Juli 2021 einen Rentenanspruch (
Urk.
7/97
=
Urk.
2)
.
2.
Die Versicherte erhob am
9.
September 2021
Beschwerde (
Urk.
1) gegen die Ver
fügung vom
9.
Juli 2021
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben (S. 2
Ziff.
1
) und es sei ihr
eine Invalidenrente
zuzusprechen (S. 2
Ziff.
2
), eventuell sei
ein Obergutachten in Auftrag zu geben (S. 2
Ziff.
3), subeventuell sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese ein neues psychiatri
sches Gutachten unter Ausschluss des
A._
durchführe (S. 2
Ziff.
4), subsubeven
tuell seien ihr berufliche Massnahmen zuzusprechen (S. 2
Ziff.
5).
Die IV-Stelle beantr
agte mit Beschwerdeantwort vom 1
3.
Oktober 2021
(
Urk.
6
) die Abweisung der Beschwe
rde. Dies wurde
der Beschwerdeführerin am
1
5.
Ok
tober 2021
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
8
).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSV
), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung
haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen Einspracheentscheids eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. De
zem
ber 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfol
gend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
ti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.4
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne
weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend ob
jektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mut
bar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E.
4c
; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.5
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts
9C_590
/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts
9C_580
/2017 vom 16. Ja
nuar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.6
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_604
/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
1.7
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
be
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arz
tes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi
cherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärzt
lichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b
/cc).
1.8
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E.
3a
mit Hinweis).
1.9
Über das Zusammenwirken von Recht und Medizin bei der konkreten Rechtsan
wendung hat sich das Bundesgericht verschiedentlich geäussert. Danach ist es sowohl den begutachtenden Ärzten als auch den Organen der Rechtsanwendung aufgegeben, die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall mit Blick auf die normativ vorge
gebenen Kriterien zu beurteilen. Die medizinischen Fachpersonen und die Organe der Rechtsanwendung prüfen die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht. Bei der Ab
schätzung der Folgen aus den diagnostizierten gesundheitlichen Beeinträchti
gun
gen nimmt zuerst der Arzt Stellung zur Arbeitsfähigkeit. Seine Einschätzung ist eine wichtige Grundlage für die anschliessende juristische Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 141 V 281 E. 5.2.1).
Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere darauf
hin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen las
sen. Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des strukturierten Beweisverfahrens stattfinden, sondern im Rahmen der Beweiswür
digung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen med
izinisch an
hand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und so
mit den normativen Vorgaben Rechnung tragen. Entscheidend bleibt letztlich im
mer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im Rah
men des Sozialversicherungsrechts abschliessend nur aus juristischer Sicht beantwor
tet werden kann. Nach BGE 141 V 281 kann so
mit der Beweis für eine lang an
dauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Ein
schränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeits
unfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht ge
leistet und nicht zu er
bringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenansprechenden Person auswirkt (BGE 144 V 50 E. 4.3
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisende Ver
fü
gung vom 9. Juli 2021 (Urk. 2) damit, dass keine Diagnosen vorlägen, welche zu einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führen würden. Die Beschwerdeführerin sei in der Lage, ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen.
Es bestehe kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (S. 1).
Die festgehaltene gene
ralisierte Angststörung werde im Gutachten durch
Dr.
B._
zwar diagnostiziert, jedoch ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Die im psychiatrischen Gutach
ten zuhanden der
zuständigen Pensionskasse
erwähnte Diagnose einer Persönlich
keitsstörung sei lediglich aufgrund eines SKID-II Interviews gestellt worden, was nicht zulässig sei. Bei einer erheblichen sozialen Phobie seit Kindheit wäre es zudem schwer vorstellbar, den Beruf Gymnasiallehrerin zu erlernen und diesen auch auszuführen. Das durchgeführte Gutachten von Februar 2021 beruhe auf eigenen Unt
ersuchungen, berücksichtige die g
eklagten Beschwerden und sei in
Kenntnis und Auseinandersetzung mit den Vorakten erstellt worden. Aus diesem Grund sei das erneute Durchführen eines Gutachtens nicht zielführend.
Es seien keine neuen, relevanten medizinischen Unterlagen eingereicht worden, die zu neuen Erkenntnissen führen würden (S. 2).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf
den Standpunkt (Urk. 1),
Dr.
C._
habe in seinem Gutachten von Dezember 2019 eine ängstlich-vermei
dende Persönlichkeitsstörung, eine zwanghafte Persönlichkeitsstörung, eine Neurasthenie sowie einen Verdacht auf hochfunktionalen beziehungsweise aty
pischen Autismus gestellt (S. 13
Ziff.
27
) und ihr eine Arbeitsfähigkeit von drei Wochenlektionen bezogen auf ein Vollpensum von 23 Wochenlektionen attestiert (S. 11
Ziff.
21
)
, im zweiten Gutachten eine Arbeitsfähigkeit von sechs Wochen
lektionen (S. 15
Ziff.
31
)
und im dritten Gutachten eine Arbeitsfähigkeit von acht Wochenlektionen (S. 17
Ziff.
39
).
In einer leidensangepassten Tätigkeit könne eine leichte Steigerung auf ein Pensum von 40
%
erwartet werden (S. 17
27
).
Das psychiatrische
A._
-Gutachten sei aus diversen näher genannten Gründen nicht beweiskräftig (S. 21 f
f
.
Ziff.
56 ff.
).
Der Untersuchungsgrundsatz sei verletzt wor
den, indem keine Abklärungen hinsichtlich Autismus und Neurasthenie getätigt worden seien
(S. 25 f
f
.
Ziff.
66 ff.
)
.
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin und in die
sem Zusammenhang insbesondere, ob auf das polydisziplinäre
A._
-Gutachten von Februar 2021 oder
auf die drei Gutachten zuhanden der
zuständigen Pen
sionskasse
abgestellt werden kann.
3.
3.1
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, berichtete am 2
5.
August 2017 (
Urk.
7/9) und nannte als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronischer (psychischer und somatischer) Erschöpfungszu
stand unklarer Ätiologie, möglicherweise postviral (S. 1
Ziff.
1.1). Er führte aus,
seit zirka Anfang März bestehe ein ausgeprägter Zustand der körperlichen und psychischen Erschöpfung beziehungsweise eine reduzierte Belastbarkeit (sowohl mental-kognitiv als auch körperlich). Die laborchemische und körperliche Unter
suchung sei unauffällig gewesen
(S. 2
Ziff.
1.4)
. Es bestehe vom 1
6.
März bis vorerst 3
1.
August 2017 eine
100%ige
Arbeitsunfähigkeit
(S. 2
Ziff.
1.6)
.
Die kör
perlichen Symptome hätten sich in den letzten Wochen schrittweise gebessert, die kognitiven Einschränkungen würden persistieren (S. 3
Ziff.
1.11).
3.2
Dr.
med.
E._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, Psy
chosomatik SAPPM,
F._
, berichtete am 1
2.
Dezember 2017 (
Urk.
7/15) und nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (S. 1
Ziff.
1.1):
-
chronische generalisierte Angsterkrankung seit mehreren Jahren (ICD-10
F41.1
)
-
soziale Ängste seit vielen Jahren (ICD-10
F40.1
)
-
chronisches Erschöpfungssyndrom, seit zirka einem Jahr (ICD-10
G93.3
)
-
Status nach depressiver Episode 2008 (ICD-10
F32.1
)
-
Chronische rezidivierende Schlafstörung seit dem Studium (ICD-10
F51.0
)
Sie führte aus,
es sei eine langfristige Psychotherapie und Körpertherapie (Kör
perwahrnehmung, Entspannung, Selbstbehauptung, Ausdauertraining) notwen
dig.
Die Beschwerdeführerin sei vom
1.
bis 2
2.
Oktober 2017 zu 100
%
krankge
schrieben worden.
Ab dem 2
3.
Oktober 2017 sei sie wieder soweit arbeitsfähig, dass sie drei Lektionen Unterricht/Woche erteilen könne (S. 2
Ziff.
1.6).
3.3
Dr.
med.
G._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, berichtete am 2
3.
Januar 2018 (
Urk.
7/18) zuhanden
der
zuständigen
Pensions
kasse
über die vertrauensärztliche Untersuchung der Beschwerdeführerin
und
nannte folgende Diagnosen (S. 7):
-
generalisierte Angsterkrankung
-
Depression
-
Erschöpfung
-
Untergewicht
-
Eisenmangel
-
Status nach prolongierter Sinusitis
Sie führte aus,
die Beschwerdeführerin könne
seit Januar 2017
an drei Tagen je eine Stunde Unterricht erteilen.
Es werde eine Nachuntersuchung in sechs Mona
ten, am besten durch einen Psychiater empfohlen (S. 7). Beruflich würden keine Massnahmen empfohlen. Medizinisch sei die Beschwerdeführerin bereits sehr gut betreut (S. 8).
3.4
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete sein psychiatrisches Gutachten zuhanden der
zuständigen Pensionskasse
am
4.
Dezember 2018 (
Urk.
7/29) und
nannte folgende Diagnosen (S. 25):
-
ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung (ICD-10
F60.6
)
-
zwanghafte Persönlichkeitsstörung (ICD-10
F60.5
)
-
Neurasthenie (ICD-10
F48.0
)
-
Verdacht auf hochfunktionalen beziehungsweise atypischen Autismus (ICD-10
F84.1
)
Er führte aus,
Hinweise für weitere
komorbide
psychische Störungen gemäss ICD-10 bestünden für eine soziale Phobie, eine generalisierte Angststörung und – als somatische Störung – ein postvirales Ermüdungssyndrom (S. 25).
D
ie Beschwer
deführerin
habe
schon gegen Ende der Primarschulzeit soziale Ängste und Sorgen sowie Minderwertigkeitsgefühl
e und Selbstzweifel entwickelt.
Zu diesem diagnostischen Ergebnis passe das Resultat eines Selbstbeurteilungsverfahrens (
STAI
), welches darauf hinweise, dass bei der Beschwerdeführerin eine grund
legend
e
, das heisse zeitüberdauern
d
ängstliche Persönlichkeit vorliege
(S. 25 f.)
.
Das Erfahrungs- und Verhaltensmuster sei charakteristisch und dauerhaft und weiche in seiner Ausprägung deutlich von sozial erwarteten Vorgaben ab. Die Abweichung des Verhaltens und Erlebens sei so ausgeprägt, dass die Versicherte in vielen vor allem beruflichen Situationen unflexibel sei, was zu einem hohen Leidensdruck führe.
Hinsichtlich der zwanghaften Persönlichkeitsstörung könne konstatiert werden, dass die Versicherte unter anderem eine ausgeprägt perfektionistische Arbeits
weise pflege, welche zu erheblich mehr Zeitbeanspruchung für die Erledigung von Arbeiten führe. Arbeit und Produktivität stelle sie weit über Freizeitaktivitä
ten und zwischenmenschliche Beziehungen. Damit seien die diagnostischen Kri
terien für die zwanghafte Persönlichkeitsstörung erfüllt.
Punkto Neurasthenie könne gesagt werden, dass die Beschwerdeführerin schon seit Jahren an chronischer Müdigkeit und Erschöpfung leide und nun seit Ende 2016/Anfang 2017 in quälender Weise von schweren Ersc
höpfungsgefühlen geplagt werde.
Organische Ursachen seien nicht in einem Ausmass vorhanden, dass sie die Schwere der geklagten Erschöpfung hinreichend begründen könnten (S. 26 f.).
Die Diagnose eines hochfunktionalen beziehungsweise atypischen Autismus könne nur verdachtsweise gestellt werden. Diesbezüglich bestünden Hinweise, etwa in einer Störung der sozialen Kommunikation, durch eine verzögerte Spra
chentwicklung im Kindesalter, ein möglicherweise erschwertes Verständnis von übertragener Bedeutung (in Humor oder Ironie) und eine gewisse Abneigung gegenüber Veränderungen der eigenen Lebensumstände oder Alltagsabläufen.
Überdies bestünden Überempfindlichkeiten auf grelles Licht, Geräusche, Stim
mungen oder Berührung, was bei Autismus-Spektrum-Störungen nicht unüblich sei.
Ein Selbstbeurteilungsverfahren habe zwar keine hochgradige Wahrschein
lichkeit für das Vorliegen der Diagnose gezeigt, aber immerhin noch eine erhöhte
Wahrscheinlichkeit. Zudem könnten
komorbide
psychische Störungen wie Per
sönlichkeitsstörungen oder Angststörungen, aber auch ein erlerntes Kompensati
onsverhalten autistische Symptome maskieren und die Diagnostik erheblich erschweren.
Falls eine Autismus-Spektrum-Störung vorliegen sollte, hätte dies erhebliche Konsequenzen für die Therapie und die Prognose der Berufsfähigkeit. Daher sollte eine Ausschlussdiagnostik durchgeführt werden
(S. 27)
.
Bei der internen Konsistenzprüfung habe die Beschwerdeführerin innerhalb der Beschwerdeschilderung keine Widersprüche gezeigt. Bei der externen Konsistenz
prüfung
sei kein Widerspruch zwischen der Selbstschilderung und fremdanam
nestischen Angaben erkennbar gewesen. Das Ausmass der geschilderten Beschwerden habe auch mindestens teilweise mit der Intensität der bisherigen Inanspruchnahme von therapeutischer Hilfe übereingestimmt.
Es bleibe jedoch unklar, wieso die Beschwerdeführerin im Frühjahr 2017 angesichts einer voll
ständigen und Monate dauernden Erschöpfung keine stationäre psychiatrische Behandlung in Anspruch genommen habe.
Zusammenfassend könne aus psychi
atrischer Sicht aufgrund einer weitgehend unauffälligen Konsistenzprüfung ohne erhebliche Zweifel auf die subjektiven Beschwerdeklagen abgestellt werden
(S. 28
f.)
.
Es handle sich um ein komplexes, teils noch unklares und
chronifizier
tes
Stö
rungsbild. Die Komplexität ergebe sich aus den
komorbiden
psychischen Störun
gen, die ihren Anfang bereits in der Kindheit genommen hätten. Allerdings bleibe noch unklar, ob sich etwa die diagnostizierte ängstlich-vermeidende Per
sönlich
keitsstörung vorwiegend durch ungünstige Umgebungsbedingungen ent
wickelt habe oder eher umgekehrt die Besonderheiten der Beschwerdeführerin schon während der Kindheit zur besonderen Strenge und Leistungsorientierung der Eltern geführt hätten.
Die ständige Sorge der Beschwerdeführerin vor Unge
nügen und Zurückweisung hätten im Verlauf jedenfalls zu einer kompensatorisch per
fektionistischen Arbeitshaltung geführt, die zusammen mit den sozialen Ängs
ten bei Schwellensituationen wahrscheinlich die psychophysischen Dekompensa
tio
nen zur Folge gehabt hätten
(S. 29)
.
Die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin sei gegenwärtig aus psychiatri
scher Sicht eingeschränkt. Diese Einschätzung ergebe sich aus den erhobenen psychopathologischen beziehungsweise psychosomatischen Befunden, nament
lich ausgeprägte Müdigkeit und Erschöpfung, wiederkehrende K
o
p
fschmerzen
, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Antriebsminderung, Schlafstörungen, Kraft- und Energiemangel, wiederkehrende Ängste vor Kritik und Tadel, Grübeln, Angst vor Ablehnung und K
ritik, mittelgradige bi
s starke Ängstlichkeit, mittel
g
ra
dig innere U
nruhe und mittelg
r
a
dig bis starke Insuffizienzgefühle
(S. 29)
.
Aus psychiatrischer Sicht bestehe zum Untersuchungszeitpunkt eine Arbeitsfähigkeit
von drei Wochenlektionen bezogen auf ein Vollpensum von 23 Wochenlektionen.
Die Beschwerdeführerin vermöge wegen der nur noch gering vorhandenen Durchhaltefähigkeit nur wenige Stunden pro Woche zu unterrichten, danach werde sie
durch
z
unehmende
Erschöpfung gebremst
(S. 30)
.
Da die Beschwerdeführerin bereits eine mehrjährige, aber bezogen auf die Ängste wenig erfolgreiche psychoanalytische
B
ehandlung durchgeführt habe und auf eine strukturierte Vorgehensweise gut anspreche, sei eher die Indikation für eine
V
erhaltenstherapie gegeben.
Pharmakotherapeutisch
sollte die bestehende Medi
kation mit
Cymbalta
ausgebaut und nach Massgabe der Verträglichkeit hochdo
siert werden. Sollte sich keine Response einstellen, wäre ein Wechsel auf ein
SSRI
und als weitere Option auf einen MAO-Hemmer angezeigt.
In einem zweiten Schritt sollte auch die zwanghafte Persönlichkeitsstörung psychotherapeutisch behandelt werden (S. 31).
Da die chronische Erschöpfung (Neurasthenie) wesent
lich in einem ursächlichen Zusammenhang mit den diagnostizierten Persönlich
keitsstörungen stehe, sei davon auszugehen, dass diese sich bei einer Behandlung der Persönlichkeitsstörungen ebenfalls bessere
(S. 32
oben
)
.
Es sei bisher keine stringente Verhaltenstherapie und keine ausreichende Psychopharmakotherapie durchgeführt worden (S. 33).
3.5
Die Ärzte des
F._
berichteten am 1
5.
Juli 2019 (
Urk.
7/36) und führten aus, der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin habe sich seit dem letzten Bericht vom Oktober 2018 verbessert (S. 1).
Die depressive Symptomatik sei aktuell remittiert. Die Beschwerdeführerin habe das Pensum von drei auf sechs Unterrichtsstunden pro Woche erhöhen können, was etwa einem
30%igen
Pen
sum entspreche. Eine angepasste Tätigkeit wäre mehr Unterricht in kleinen Grup
pen statt frontal vor einer Klasse zu unterrichten oder Unterricht von Erwachse
nen statt von Jugendlichen
(S. 2)
.
3.6
Die Ärzte des
G._
, Klinik für
Konsiliarpsychiatrie
und Psychosomatik, berichteten am 1
2.
September 2019 (
Urk.
7/91)
über die Sprech
stunde vom 2
8.
August 2019 und
führten aus, bei der Beschwerdeführerin liessen sich soziale Ängste seit Jugendalter feststellen. Es sei eine soziale Phobie (ICD-10
F40.1
) vor dem Hintergrund einer ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstruk
tur festzustellen. Zudem ergäben sich Hinweise auf teils agoraphobische, teils generalisierende Tendenzen
, jedoch ohne ausgeprägtes Vermeidungsverhalten. Es bestehe zusätzlich eine leichte depressive Symptomatik, gekennzeichnet durch bedrückte Stimmung, Morgentief, Antriebs- und Appetitminderung sowie In
suffizienzgefühle, die am ehesten als leichte depressive Episode in Remission zu beurteilen seien
(S. 1)
.
3.7
Dr.
C._
erstattete sein psychiatrisches Verlaufsgutachten zuhanden der
zustän
digen Pensionskasse
am 1
2.
Dezember 2019 (
Urk.
7/40
), nannte unveränderte Di
agnosen
seit der Begutachtung im Dezember 2018
(
S. 14;
vgl. vorstehend E.
3.4)
und führte aus,
es zeige sich eine affektiv ausgeglichene Beschwerdeführerin, die weder klagsam noch dysphorisch aufgetreten sei, aber ängstlich-unsicher und angespannt gewirkt habe. Wiederholt habe sie wiederkehrende Erschöpfungszu
stände angegeben, die sich erst allmählich etwas gebessert hätten. Ihr A
ntrieb sei vermindert und
die Erschöpfbarkeit erhöht, kognitiv sei sie weitgehen
d
unauffäl
lig gewesen.
I
n der objektiven psychopathologischen Befunderhebung
hätten eine leichte Konzentrationsstörung, eine mittelgradige Ängstlichkeit, eine mittelgra
dige Antriebsverarmung und eine leichte Erhöhung des Redeflusses beobachtet werden können
(S. 13)
.
Zusammenfassend könne konstatiert werden, dass das Beschwerdebild und der Beschwerdeverlauf, wie dies von der Beschwerdeführerin bezüglich Neurasthenie
und der beiden diagnostizierten Persönlichkeitsstörungen
geklagt werde, im Vergleich zu ICD-10 und wissenschaftlicher Literatur plausibel seien
(S. 15
f.
)
.
Die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin sei gegenwärtig aus psychiatrischer Sicht noch immer eingeschränkt. Diese Fähigkeitseinschrän
kungen hätten eine Limitierung der beruflichen Teilhabe als Kantonsschullehrerin zur Folge.
Aus gutachterlicher Sicht könne festgestellt werden, dass die Beschwer
deführerin ihr Arbeitspensum in angestammter Tätigkeit gegenüber 2018 stabil von drei auf sechs Wochenlektionen habe steigern können
(S. 16 f.)
. Es bestehe daher zum Untersuchungszeitpunkt eine Arbeitsfähigkeit von sechs Wochenlek
tionen bezogen auf ein Vollpensum von 23 Wochenlektionen in der angestamm
ten Tätigkeit (S. 18).
3.8
Prof.
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Z._
,
erstattete sein
psychiatrisches und neuropsychologisches Gutachten am 2
5.
Mai 2020 (
Urk.
7/52) zuhanden der IV-Stelle und
nannte folgende Diagnosen (S.
29):
-
generalisierte Angststörung (ICD-10
F41.1
)
-
soziale Phobie (ICD-10
F40.1
)
-
Chronic-Fatigue-Syndrom (ICD-10
G93.3
)
Er führte aus,
bei der Beschwerdeführerin stehe ganz im Vordergrund die im Ver
gleich mit früheren Zeiten erhöhte Erschöpfbarkeit. Diese trete aktuell nicht im Rahmen einer depressiven Symptomatik auf.
Auffällig seien zudem persönlich
keitsgebundene Akzentuierungen wie allgemeine Ängstlichkeit, im Besonderen in sozialen Situationen, in der die Beschwerdeführerin
in Frage gestellt werde (S.
23).
Wenig bis gar keine Plausibilität habe die Annahme eines bei der
Beschwerdeführerin vorliegenden Autismus. Keines der kennzeichnenden Symp
tome für eine solche schwerwiegende Entwicklungsstörung sei bei der B
eschwer
deführerin zu sehen
(S. 27)
.
Die ängstlich vermeidende Persönlichkeitseigenschaft sei zwar bei der Beschwerdeführerin ein persönlichkeitsbeschreibender Aspekt, reiche jedoch nicht aus für die Diagnose einer spezifischen Persönlichkeitsstörung (S. 26). Ohne das zusätzlich aufgetretene Chronic-Fatigue-Syndrom wäre es wohl aufgrund der Persönlichkeitsakzentuierung nicht zu einer wesentlichen Leis
tungseinschränkung in den letzten Jahren gekommen (S. 31).
Die Beschwerde
führerin habe erhebliche Ressourcen. Offensichtlich liege eine hohe Intelligenz vor, eine breite Bildung und auch durchaus eine trotz der geschilderten Persön
lichkeitseigenschaften g
ewinnende Gesamtpersönlichkeit.
Die Beschwerdeführe
rin habe seit zehn Jahren eine offensichtlich befriedigende Partnerschaft, verfüge zudem über einen Freundeskreis und habe
auch, wenn auch etwas kühle, Bezie
hungen zur Ursprungsfamilie.
Zudem sei sie durchaus leistungsmotiviert und auch bezüglich ihres Berufsfeldes veränderungsbereit
(S. 31)
.
Es bestünden gleichmässige Einschränkungen des Aktivitätsniveaus in allen Lebensbereichen. Entsprechend
d
er geschilderten Symptome seien Therapien durchgeführt worden. Eine spezifische Therapie des Chronic-Fatigue-Syndroms sei zwar wissenschaft
lich noch nicht etabliert, es gebe allerdings neuere erfolgversprechende Behand
lungsansätze. Die Durchführung einer solchen Therapie sollte überprüft werden. Es bestehe bei der Beschwerdeführerin ein erheblicher Leidensdruck.
Die geklag
ten Symptome und Funktionseinbussen seien konsistent, plausibel und entspre
chend der Untersuchungsergebnisse valide und nachvollziehbar. Insbesondere ergäben sich keinerlei Hinweise auf Aggravation der Symptomatik oder gar bewusstseinsnahe Simulation (S. 32).
Die Funktions- und Fähigkeitsstörungen würden sich vor allen Dingen aus dem Chronic-Fatigue-Syndrom ableiten. Ungünstig wirke sich aus, dass die Persönlichkeitsstruktur der Beschwerdeführe
rin mit der ängstlichen und zwanghaften Komponente sowie der phobische Anteil mit dem chronischen Erschöpfungssyndrom interagier
t
e
n
.
An sich lägen erhebli
che Ressourcen vor, die aber aufgrund der Erkrankungen aktuell nicht voll genutzt werden könnten
(S. 33)
.
Die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Gymnasiallehrerin sei bezogen auf ein 100
%
Pensum aktuell zu zirka 40
%
gegeben. Die solchermassen eingeschränkte Arbeitsfähigkeit sei seit zirka Anfang 2017 anzunehmen. Eine der Behinderung optimal angepasste Tätigkeit sollte Erholungspausen zwischen den Leistungsintervallen ermöglichen.
Zudem sollte die Tätigkeit nicht allzu viele Situationen beinhalten, in denen erhöhter Leis
tungsdruck ausgeübt werde beziehungsweise auch verstärkt konfrontative Situa
tionen aufträten.
Eine Schultätigkeit in Kleinklassen, im Erwachsenenbereich, im Weiterbildungsbereich oder auch in einer Berufstätigkeit als Maltherapeutin
erschienen durchaus sinnvoll. In einer optimal angepassten Tätigkeit wäre eine Steigerung der Präsenzzeit mit entsprechender Verteilung der Leistungsintervalle beziehungsweise der Erholungsintervalle bis zu 60
%
denkbar
(S. 34 f.)
.
Im Rah
men der neuropsychologischen Untersuchung habe keine kognitive Stö
rung fest
gestellt werden können
(S. 98).
3.9
Dr.
med.
H._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin, nahm am 1
7.
Juni 2020 Stel
lung (
Urk.
7/85/9 ff.) und führte aus, das Gutachten von
Dr.
B._
sei aus psychi
atrischer Sicht zwar nachvollziehbar, allerdings seien die Einschränkungen und Arbeitsunfähigkeiten vorwiegend aufgrund einer neuroimmunologi
schen/
soma
tischen Diagnose attestiert worden (Chronic-Fatigue-Syndrom)
, also fachfremd. Zusätzlich sei die Diagnose auch nicht gemäss den geforderten Krite
rien herge
leitet worden. Demzufolge müssten zusätzlich noch weitere Disziplinen einbezo
gen und ein entsprechendes polydisziplinäres Gutachten eingeleitet wer
den.
3.
10
Dr.
C._
erstattete sein psychiatrisches Verlaufsgutachten zuhanden der
zustän
digen Pensionskasse
am 1
4.
Dezember 2020 (
Urk.
7/77)
und nannte folgende Diagnosen (S. 15):
-
Neurasthenie (ICD-10
F48.0
)
-
ängstlich-vermeidende und zwanghafte Persönlichkeitsstörung (ICD-10
F60.0
,
F60.5
)
-
Verdacht auf hochfunktionalen beziehungsweise atypischen Autismus (ICD-10
F84.1
)
Er führte aus
, Hinweise auf weitere
komorbide
psychische Störungen gemäss ICD-10 seien nicht gefunden worden, insbesondere keine generalisierte Angststörung und keine soziale Phobie. Punkto Beschwerdeverlauf könne festgestellt werden, dass sich unter fortgesetzter Psychotherapie und Zusatztherapie die Selbstwahr
nehmung, die Selbstbehauptung und die Affekttoleranz leicht verbessert hätten
(S. 15)
.
A
us psychiatrischer Sicht bestehe somit zum Untersuchungszeitpunkt eine Arbeitsfähigkeit von acht Wochenlektionen bezogen auf ein Vollpensum von 23 Wochenlektionen in der angestammten Tätigkeit. In einer leidensangepassten Tätigkeit könne aktuell noch eine leichte Steigerung auf ein Pensum von 40
%
erwartet werden. Es bestehe eine Berufsunfähigkeit der Beschwerdeführerin als Lehrbeauftragte Geschichte an der Kantonsschule
Y._
in
I._
von
15
Wochenlektionen bezogen auf ein Vollpensum von 23 Wochenlektionen.
Be
ruf
liche Massnahmen seien angezeigt. Sie sollten in Form eines Job Coachings oder einer Berufsberatung die Beschwerdeführerin unterstützen, einen Wechsel in ein den Beschwerden angepasstes Setting vorzunehmen oder eine Umschulung
zu vollziehen (S. 18).
Eine leidensangepasste Tätigkeit könnte der Beschwerde
führe
rin derzeit in einem Pensum von 40
%
ab sofort zugemutet werden (S. 20).
3.11
Die Ärzte der
A._
erstatteten ihr poly
disziplinäres Gutachten am 2
8.
Februar 2021 (
Urk.
7/83) gestützt auf die Unter
suchung
der Beschwerdeführerin sowie die Akten und nannten keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigke
i
t (S.
7 unten). S
ie nannten folgende Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 8 oben):
-
funktionelle Störung mit
-
Erschöpfungssyndrom (ICD-10
F48.0
)
-
Hypersomnie
(ICD-10
G47.1
)
-
Akzentuierung von Persönlichkeitszügen mit selbstunsicheren Anteilen
-
leichtes Untergewicht
-
Laktoseintoleranz gemäss Unterlagen
-
anamnestisch allergische
Rhinokonjunktivitis
-
substituierter Vitamin D-Mangel
Sie führten aus,
weder aus rheumatologischer, allgemeininternistischer, noch aus neurologischer Sicht könne eine somatische Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden. Namentlich die funktionelle Störung mit sub
jektivem Erschöpfungssyndrom und
Hypersomnie
schränke die Arbeitsfähigkeit aus gutachterlicher Sicht nicht relevant ein. Auch die psychiatrische Diagnose
der
Akzentuierung von Persönlichkeitszügen mit selbstunsicheren Anteile
n
schränke die Arbeitsfähigkeit nicht relevant ein.
Insgesamt bestehe somit aus polydiszipli
närer Sicht eine uneingeschränkte Arbeits- und Leistungsfähigkeit in der ange
stammten Tätigkeit als Lehrperson und in jeder anderen geeigneten Verweis
tätigkeit.
Eine wesentliche Arbeitsunfähigkeit in der Vergangenheit könne retrospektiv gesehen aus gutachterlicher Sicht nicht zugeordnet werden (S. 8).
In der psychiatrischen Untersuchung habe sich die Stimmungslage ausgeglichen und optimistisch gezeigt, ein depressiver Affekt sei nicht vorhanden gewesen. Der Antrieb sei nicht vermindert gewesen (S. 26).
Es fänden sich gesamthaft aus psy
chiatrischer Sicht keine Anhaltspunkte für
eine in einer psychischen
Erkrankung
begründbaren Ursache für die erhöhte
Müdigkeit (S. 27). In der Untersuchung habe es keine Hinweise auf eine Aggravation oder Simulation von Beschwerden gegeben.
Es fänden sich
kriteriengeleitet
und insbesondere in der Gesamtschau der Biographie keine Anhaltspunkte für eine Diagnosestellung einer Persönlich
keitsstörung.
Es hätten sich auch für das Bestehen einer ausgeprägten sozialen Phobie keine Anhaltspunkte ergeben. Es sei die Tendenz zu einer erhöhten Ver
unsicherung in den akzentuierten selbstunsicheren Persönlichkeitszügen zu
sehen, welche jedoch nicht den Schweregrad einer Persönlichkeitsstörung erreichten (S. 28).
Aus neurologischer Sicht wurde ausgeführt, dass rein deskriptiv vom Aspekt der raschen Erschöpfung die Symptomatik zu einem Chronic-Fatigue-Syndrom passen würde. Allerdings bestünden im somatischen Bereich keine Halsschmerzen, Myalgien oder Arthralgien
,
und es bestehe auch kein all
gemeines Krankheitsgefühl, wie dies von Patienten mit einem Chronic-Fatigue-Syndrom beschrieben werde (S. 41).
Aufgrund der sehr langen nächtlichen Uhr
zeiten von über 12 Stunden Dauer sei gut erklärbar, dass es im Laufe dieser Zeit zu längerdauernden Wachphasen komme. Zudem müsse davon ausgegangen werden, dass
das
sich auch tagsüber
für
längere Zeit
Hinlegen mit
gelegentlich
em
E
inschlafe
n
den Nachtschlaf destabilisiere. Es liege somit ein inadäquates Schlaf
verhalten vor, das primär korrigiert werden sollte
(S. 42)
.
Die eingeschränkte körperliche Belastbarkeit sei nicht plausibel erklärbar. Ein objektivierbares Krank
heitskorrelat liege nicht vor. Ungünstig sei das passive
V
erhalten der Beschwer
deführerin, welches in sich wahrscheinlich auch zu einer Dekonditionierung geführt habe (S. 43).
3.12
RAD-Ärztin
Dr.
H._
nahm am 1
3.
April 2021
Stellung (
Urk.
7/
85/11 ff.)
und führte aus,
aus versicherungsmedizinischer Sicht werde empfohlen, auf die Beur
teilung im
A._
-
Gutachten hinsichtlich Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit abzustellen.
4.
4.1
Das polydisziplinäre
A._
-Gutachten vom Februar 2021 (vorstehend E. 3.11)
umfasst die Fachrichtungen Allgemeine Innere Medizin, Psy
chia
trie, Neurologie und Rheumatologie. Die Gutachter verfügen über den entsprechen
den Facharzt
titel bezie
hungs
weise die erforderliche Fachausbildung und waren somit in ihren Fachge
bieten zur Beurteilung des Gesund
heitszu
standes und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin befä
higt (vgl. Urk. 7/83 S.
5
). Die Gut
achter berücksich
tigten sodann die ge
klag
ten Beschwer
den und
das
Verhalten der Beschwerde
füh
rerin und erstellten ihr jeweiliges Teilgutach
ten in Kenntnis der Vorakten. Sowohl die ge
stellten Diagnosen als auch die Schluss
folgerungen zur Arbeits
fähigkeit werden im Gut
achten ausführlich begründet und sind nachvoll
ziehbar. Damit er
füllt das Gut
achten die bundesgerichtlichen Anforde
rungen an ein medizi
nisches Gut
ach
ten (vorstehend E. 1.8) vollum
fäng
lich, so dass für die Ent
scheidfindung darauf abzustellen ist.
4.2
Die Gutachter legten in schlüssiger und nachvollziehbarer Weise dar,
dass aus somatischer Sicht keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt
werden könne. Namentlich die funktionelle Störung mit subjektivem Erschöp
fungssyndrom und
Hypersomnie
schränke die Arbeitsfähigkeit nicht relevant ein (
Urk.
7/83 S. 8).
Sie begründeten, dass die Beschwerdeführerin im somatischen Bereich über keine relevanten Symptome berichte und
die Symptomatik
rein deskriptiv vom Aspekt der raschen Ersch
öpfung
zu einem Chronic-Fatigue-Syndrom passen würde. S
ie machten
darauf aufmerksam, dass im somatischen Bereich allerdings keine Halsschmerzen, Myalgien oder A
rthralgien
und auch kein allgemeines Krankheitsgefühl
bestünden, womit die diagnostischen Kriterien nicht vollständig erfüllt seien
(S. 41)
.
Im schlafmedizinischen Bereich ergäben sich ebenfalls keine H
inweise auf eine zugrunde
liegende somatische Störung. Es liege vielmehr ein inadäquates Schlafverhalten vor, welches primär korrigiert werden sollte (S. 42).
Es habe im somatischen Bereich bisher keine Ursache für die rasche Erschöpfung und eingeschränkte Belastbarkeit festgestellt werden kön
nen. Die eingeschränkte körperliche Belastbarkeit sei somit nicht plausibel erklär
bar, ein objektivierbares Krankheitskorrelat liege nicht vor (S. 43).
Zusammenfassend kann demna
ch festgehalten werden, dass der
Beschwerde
füh
rer
in
aus somatischer Sicht die angestammte Tätigkeit
als Lehrperson
sowie auch
jede andere geeignete Verweistätigkeit uneingeschränkt zumutbar ist (S.
19 f., S.
35 f., S. 43).
4.3
Der psychiatrische Gutachter nannte in seinem Teilgutachten (
Urk.
7/83 S. 22-31) als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Akzentuierung von Persönlichkeitszügen mit selbstunsicheren Anteilen (ICD-10
Z73.1
) und ging davon aus, dass
die Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht in der ange
stammten Tätigkeit als Lehrperson sowie in jeder anderen geeigneten Verweis
tätigkeit
voll arbeitsfähig sei (S. 29 f.).
4.4
Auch das psychiatrische Teilgutachten erfüllt die
formalen Beweiswertanforde
rungen (vorstehend E. 1.8) ohne weiteres, ist es doch für die streitigen Belange um
fassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt auch die ge
klagten Beschwerden und wurde in Kenntnis sowie
-
entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers (
Urk.
1 S. 21
Ziff.
56-58) -
Würdigung der Vorakten (Anamnese) ab
gegeben.
Der psychiatrische Gutachter setz
te sich rechtsgenüglich mit der Beurteilung
durch
Dr.
C._
auseinander (
Urk.
7/83 S. 28 f
.
).
Darüber hin
aus leuchtet es in der Darlegung der medizi
nischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und ent
hält nachvollziehbar begrün
dete Schlussfolgerungen, weshalb darauf ab
ge
stellt wer
den kann.
Eine entsprechende Prüfung ergibt denn auch, dass der psychiatrische Gutachter die heute massgebenden Standardindikatoren (vorstehend E. 1.6) in seine Beur
teilung in genügendem Umfang einbezogen hat.
So hat er sich einlässlich mit den diagno
serelevanten Befunden und deren Aus
prägung auseinandergesetzt
(S.
25 ff.), ebenso mit dem bisherigen Behandlungs
erfolg (S. 25). Er legte in nachvollziehbarer Weise dar, dass
sich
bei der Beschwer
deführerin
in der U
ntersuchung im klinischen Eindruck keine Hinweise auf relevante Beeinträchtigungen des kognitiven Funktionsniveaus gefunden hätten
. Die Stimmungslage habe sich ausgeglichen und optimistisch gezeigt,
ein depres
siver Affekt sei nicht vorhanden und der Antrieb nicht vermindert gewesen.
E
s habe eine gute affektive Modulationsfähigkeit bestanden.
Es hätten sich keine Symp
tome aus dem Spektrum der Angststörungen gefunden
. Die Beschwerdefüh
rerin habe zwar angegeben, häufig selbstunsicher zu sein
, was jedoch nicht mit einer Angststörung zu erklären sei
(S. 26).
Zum Aspekt der Persönlichkeit wies der Gutachter darauf hin, dass
deutliche Hinweise für das Bestehen
selbstun
-
sicherer Persönlichkeitsanteile vor
lägen
. Gemäss Gutachter müssten sich für die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung diese Anteile jedoch in verschiedenen Lebensberei
chen bereits in der Kindheit oder Jugend geäussert haben, bis heute fortbestehen und in mehreren Lebensbereichen zu deutlichen Einschränkungen des jeweiligen Funktionsniveaus führen. Hierfür ergäben sich jedoch keine Anhaltspunkte.
So sei es der Beschwerdeführerin gelungen, nach Beendigung der Schule ein Studium zu absolvieren, welches bezüglich der von ihr bis heute ausgeübten Tätigkeit davon geprägt sei, anderen Menschen aus einer exponierten Position heraus gegenüber zu
tret
en
. Es fänden sich somit gesamthaft keine Hinweise für das Bestehen einer Persönlichkeitsstörung
(S. 27).
Seit August 2017 befinde sich die Beschwerdeführerin in ambulanter Behandlung bei einer
Psychosomatikerin
des
F._
. Aktuell suche sie die Therapeutin alle zwei Wochen auf. Zudem werde sie niedrigdosiert psychopharmakologisch antidepressiv behandelt (S. 25, S. 28).
Gesamthaft liege kein Störungsbild aus dem Spektrum der psychi
schen Erkrankungen vor, welches die Beschwerdeführerin in ihrer Lebensführung gravierend beeinträchtig
e
(S. 28).
Als persönliche Ressourcen können dem Gut
achten das Nachgehen der angestammten Tätigkeit als Lehrerin in einem nied
rigprozentualen Pensum sowie das Absolvieren einer Zusatzausbildung zur Mal
therapeutin entnommen werden. Es bestehe eine harmonische Partnerschaft, die Beschwerdeführerin pflege tragfähige soziale Kontakte und es bestünden eine Reihe erfüllender Freizeittätigkeiten (S. 29).
Zu prüfen bleibt der Aspekt der Kon
sistenz. Im Psychiatrischen Teilgutachten wurde ausgeführt,
die Beschwerdefüh
rerin gebe an, in der Erledigung der Haushalts
-
angelegenheiten
aufgrund der feh
lenden Energie
einge
schränkt zu sein,
so dass ihr Partner den grössten Teil erle
digen müsse. Es fänden sich jedoch in anderen Bereichen keine Einschränkungen des Funktionsniveaus
. In der Untersuchung hätten sich keine Hinweise auf eine Aggravation oder Simulation von Beschwerden ergeben
(S. 28).
Die Bestimmung der Arbeitsfähigkeit (S
. 29
f.) ist
schliesslich
so erfolgt, dass sie sich gleichsam aus dem Saldo aller wesentlichen Belastungen und Ressourcen (BGE
141 V 281 E. 3.4.2.1) ergibt. Die von der Rechtsanwendung zu prüfende Frage, ob sich der Gutachter an die massgebenden normativen Rahmenbedingun
gen ge
halten und das Leistungsver
mögen in Berücksichtigung der einschlägigen Indi
katoren eingeschätzt hat (BGE 141 V 281 E. 5.2.2), ist demnach zu bejahen. Die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
grund
lage lassen sich anhand der Standardindikatoren schlüssig und wider
spruchsfrei mit überwiegen
der Wahrscheinlichkeit nachweisen. Mithin erfüllt das Gutachten sowohl die praxisgemässen herkömmlichen Anforderungen (vorstehend E. 1.8) als auch diejenigen des strukturierten Beweis
verfahrens (vor
stehend E. 1.5-1.6). Somit ist betreffend die Diag
nosen sowie die Arbeitsfähigkeit auf das Gutachten abzustellen.
4.5
Anhaltspunkte dafür, dass das
A._
-Gutachten nicht verwertbar wäre, sind entge
gen der Ansicht der Beschwerdeführerin nicht zu erkennen. Das Vorbringen, das psy
chiatrische
Teilg
utachten
beschränke sich auf lediglich neun Seiten und
setze sich nicht mit den Vorakten auseinander (
Urk.
1 S. 21 f.), vermag nicht zur Unverwertbarkeit des Gutachtens zu führen,
kommt es für den Aussagegehalt doch grundsätzlich nicht auf die Länge des Gutachtens an, sondern ist in erster Linie massgebend, ob die Expertise inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüs
sig erscheint (vgl. Urteil des Bundesgerichts vo
m 1. April 2009,
9C_55
/2009, E.
3.3 mit Hinweisen), was vorliegend zutrifft
(vgl. auch vorstehend E. 4.4)
.
Zu beachten ist diesbezüglich auch, dass das psychiatrische Gutachten Teil einer umfassenden polydisziplinären Begutachtung ist und damit auch Beobachtungen und Einschätzungen während den somatischen Untersuchungen vorliegen, wel
che eine Gesamteinschätzung erlauben.
Prof.
B._
(vgl. vorstehend E. 3.8)
wies in seiner Beurteilung auf eine somatische Genese der Erschöpfung hin, weshalb eine Untersuchung allfälliger somatischer Ursachen gerechtfertigt war.
Die in methodischer Hinsicht erhobenen Einwände gehen
somit ins Leere.
Auch mit der in diagnostischer Hins
icht erhobenen Kritik vermag die
Beschwer
deführer
in
nicht durchzudringen.
Angesichts des Umstandes, dass Prof.
B._
keine psychi
atri
schen Ursachen für die Erschöpfung der Beschwerdeführerin erheben konnte
(vgl. vorstehend E. 3.8)
und anlässlich der
A._
-Begutachtung
weder eine psychische noch eine
somatische Genese eruiert werden konnte
(vgl. vorstehend E. 3.11)
,
erscheint es als gerechtfertigt
davon auszugehen, dass es für die E
rschöpfung kein objektivierbares Krankheitskorrelat g
ibt.
Damit entbehrt auch die von
Dr.
C._
als massgeblich beschriebene Gefahr eines Erschöpfungs
zustandes bei Erhöhung der Arbeitsfähigkeit
einer medizinischen Grundlage
(vgl. vorstehend E.
3.4, E. 3.7, E. 3.10).
Im Gutachten von Prof.
B._
(vgl. vorstehend E. 3.8)
wurde zwar eine generalisierte Angststörung sowie eine soziale Phobie festgehalten, jedoch als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Er führte diesbezüglich aus, dass die beschriebenen Ängste auch zu einer ängstlichen Persönlichkeitsproblematik passen würden, aufgrund der nicht erfüllten allgemei
nen ICD-10 Kriterien sei eine Persönli
c
hk
eitsstörung je
doch nicht zu diagnosti
zieren.
Im
A._
-Gutachten wurden diese Ängste
einer nicht
arbeitsrelevanten Per
sönlichkeitsakzentuierung zugeordnet, da
kriteriengeleitet
weder für das Bestehen einer generalisierten Angststörung noch für eine ausgeprägte soziale Phobie Anhaltspunkte gefunden worden seien.
Die von
Dr.
C._
festgestellte Persön
lichkeitsstörung wurde zudem lediglich aufgrund eines SKI
D-II-Interviews dia
gnostiziert.
Der entsprechende Fragebogen beziehungsweise eine überprüfbare Auswertung desselben wurde dem
Gutachten
jedoch nicht beigelegt, was der Nach
vollziehbarkeit der Diagnose entgegensteht.
Die allgemeinen Kriterien für eine Persönlichkeitsstörung gemäss ICD-10 waren
gemäss
den überzeugenden Ausführungen im
A._
-Gutachten
nicht erfüllt (vgl.
Urk.
7/83 S.
27
f.
).
Ausserdem ist die Frage nach der
noch zumutbaren Arbeitsleistung rechtsprechungsgemäss nach Massgabe der objektiv feststellbaren Gesundheitsschädigung (und nicht gestützt auf die Diagnose) zu beurteilen. Vor
liegend erging die gutachterliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit im Einklang mit den erhobenen Befunden.
4.6
Zusammenfassend steht der Sachverhalt dahingehend fest, dass die Be
schwerde
führerin
in der angestammten
sowie einer angepassten
Tätigkeit aus interdiszipli
närer Sicht
voll arbeitsfähig ist.
Der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
wurde sowohl in somatischer als auch in psychiatrischer Hinsicht ausreichend abgeklärt. In anti
zipierter Beweis
würdigung sind keine weiteren Abklä
rungen nötig (
BGE 136 I 229 E. 5.3 mit Hin
weisen)
, da nicht davon auszugehen ist, dass weitere medizinische Abklärun
gen mit überwiegender Wahrscheinlich
keit zu einem anderen Ergebnis führen wür
den.
Nach dem Gesagten ist die IV-Stelle zu Recht von der
im
A._
-Gutachten
attes
tierten Einschätzung der Arbeitsfähigkeit ausgegangen und hat den Leistungsan
spruch der Beschwerdeführerin zu Recht verneint. Die Beschwerde erweist sich folglich als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist.
5.
Die Verfahrenskosten sind auf Fr. 800.-- festzusetzen (Art. 69 Abs.
1
bis
IVG) und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.