# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** fa15af64-b439-580e-9d9c-e2f5e776b0c1
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1958,
meldete sich am 21. Juni 2018 unter Hinweis auf diverse somatische B
eschwerden bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbe
zug an (Urk.
7/6
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinisch
e und erwerbliche Situation ab.
Nach durchgeführtem Vor
bescheidverfahren (Urk.
7/25
; Urk.
7/26+28; Urk. 7/45-46
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
28. Oktober 2019
einen Rentenanspruch (Urk.
2 = 7/56
)
.
2.
Der
Versicherte erhob am 26. November 2019
Beschwerde gegen die Verfügung vom
28. Oktober 2019
(Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm
eine Rente
zuzusprechen, eventuell sei
die Angelegenheit zur ergänzenden medizinischen Abklärung und erneuten Verfügung an die IV-Stelle zurückzuwei
sen
(Urk.
1 S. 2
).
Die IV-Stelle
verzichtete mit Schreiben vom 6. Januar 2020 auf die Erstattung einer
Beschwerdeantwort (Urk.
6
).
Mit Replik vom 26. März 2020 hielt der Beschwerdeführer am Rückweisungsantrag zur ergänzenden Abklärung fest (Urk. 11).
Die Beschwerdegegnerin verzichtete wiederum auf das Einreichen einer Duplik (Schreiben vom 19. Mai 2020, Urk. 14). Am 18. Mai 2020 (Urk. 15)
legte
der Beschwerdeführer einen weiteren Arztbericht ins Recht (Urk. 16). Die Einga
ben wurden den Parteien mit Verfügung vom 26. Mai 2020
zur Kenntnis gebracht (Urk.
17
).
Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers reichte am 4. Juni 2020 ihre Honorarnote ein (Urk. 18+19).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6
ATSG
) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Das trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung
zumutbarerweise
erzielbare Ein
kommen ist bezogen auf einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu ermitteln, wobei an die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten keine übermässigen Anforderungen zu stellen sind (BGE 138 V 457 E. 3.1 mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts 9C_118/2015 vom 9. Juli 2015 E. 2.1 mit Hinweis).
Das fortgeschrittene Alter wird, obgleich an sich ein invaliditätsfremder Faktor, in der Rechtsprechung als Kriterium anerkannt, welches zusammen mit weiteren persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu führen kann, dass die einer versicherten Person verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
realistischerweise
nicht mehr nachgefragt wird, und dass ihr deren Verwertung auch gestützt auf die Selbsteingliederungspflicht nicht mehr zumut
bar ist. Der Einfluss des Lebensalters auf die Möglichkeit, das verbliebene Leis
tungsvermögen auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, lässt sich nicht nach einer allgemeinen Regel bemessen, sondern hängt von den Umständen des Einzelfalles ab. Massgebend können die Art und Beschaffenheit des Gesund
heitsschadens und seiner Folgen, der absehbare Umstellungs- und Einarbeitungs
aufwand und in diesem Zusammenhang auch Persönlichkeitsstruktur, vorhan
dene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung, beruflicher Werdegang oder Anwendbarkeit von Berufserfahrung aus dem angestammten Bereich sein (BGE 138 V 457 E. 3.1 mit Hinweisen). Die Möglichkeit, die verbliebene Arbeits
fähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, hängt nicht zuletzt davon ab, welcher Zeitraum der versicherten Person für eine berufliche Tätigkeit
und vor allem auch für einen allfälligen Berufswechsel noch zur Verfügung steht (BGE 138 V 457 E. 3.2 mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_645/2017 vom 23. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
Gemäss BGE 138 V 457 richtet sich der Zeitpunkt, in welchem die Frage nach der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit bei vorgerücktem Alter beantwortet wird, nach dem Feststehen der medizinischen Zumutbarkeit einer (Teil-)Erwerbstätig
keit (E. 3.3). Als ausgewiesen gilt die medizinische Zumutbarkeit einer (Teil-)Er
werbstätigkeit, sobald die medizinischen Unterlagen diesbezüglich eine zuverläs
sige Sachverhaltsfeststellung erlaube
n (BGE 143 V 431 E. 4.5.1; vgl.
BGE 138
V 457 E. 3.4).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus,
die medizinischen Abklärungen hätten ergeben, dass der Beschwerdeführer seit Januar 2017 für körperlich anspruchsvolle Tätigkeit
en, wie die erl
ernte Tä
tigkeit als Maurer und die zuletzt ausgeführte Arbeit als Hilfselektrik
er, zu 100 % arbeitsunfähig sei. Nach der versicherungsmedizinischen Beurteilung sei ihm eine angepasste, leichte Tätigkeit ohne Heben, Tragen und Transportieren von Gewich
ten über 5 kg und unter Meidung von Arbeiten in Armvorhalte und Überkopf
arbeiten vollschichtig zumutbar.
Für die zuletzt ausgeführte Tätigkeit als Hilfselektriker (
Valideneinkommen
) wie auch eine angepasste (Hilfs-)Tätigkeit (Invalideneinkommen) sei derselbe statisti
sche Jahreslohn von Fr. 67'589.90 heranzuziehen
(S. 1).
Unter Gewährung eines leidensbedingen Abzuges von 25 % resultiere ein Invali
ditätsgrad von 25 %.
Ob es aus wirtschaftlicher Sicht und altersbedingt beschwerlich sei, eine gesund
heitlich ausreichend angepasste Tätigkeit zu finden, liege nicht im Ermessen der Beschwerdegegnerin. Es müssten lediglich derartige Tätigkeiten auf dem freien Arbeitsmarkt existieren (S. 2).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt (Urk. 1)
, die Beschwerdegegnerin habe den Untersuchungsgrundsatz verletzt, da die in der angefochtenen Verfügung anzutreffenden Annahmen auf ungenügenden beruf
lich-erwerblichen und medizinischen Abklärungen beruhen würden (S. 5 Ziff. 2a f.). Er sei selbst in einer angepassten leichten Tätigkeit gestützt auf die Einschät
zung von
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
lediglich im Umfang von 50 % arbeitsfähig unter zusätzlicher Berücksichtigung von Pausen (S. 6 lit. d). Allerdings sei die zumutbare Restarbeitsfähigkeit aufgrund seiner
gesundheitlichen Beeinträchtigung und des fortgeschrittenen Alters nicht mehr verwertbar (S. 5 Ziff. 3a f.).
Selbst wenn von der Verwertbarkeit auszugehen wäre, wäre beim
Valideneinkommen
auf das Einkommen als berufserfahrener Akkord
maurer abzustellen und dieses sei der Nominallohnentwicklung entsprechend abzupassen
, wodurch jedenfalls ein rentenbegründender Invaliditätsgrad resul
tieren würde (vgl. S. 4 Ziff. II.1b und S. 6 lit. d f.).
Nach Einsicht in die Akten der Beschwerdegegnerin hielt der Beschwerdeführer mit Replik (Urk. 11) insbesondere fest, nebst
Dr.
Y._
habe auch
der Regionale Ärztliche
Dienstes (RAD) am 21. Januar 2020 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit in angepasster Tätigkeit attestiert mit stufenweiser Steigerung und Abwarten des Verlaufes (S. 2 Ziff. 2a). Die Beschwerdegegnerin habe zudem nur
angiologische
Beschwerden bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit berücksichtigt, obwohl in den medizinischen Akten auch eine Bandscheiben- und Schwindelproblematik, kardiologische Beschwerden
sowie
Hüft- und Gesässschmerzen dokumentiert seien. Es sei daher eine umfassende Begutachtung angezeigt (S. 3 Ziff. 3a f.).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die
Beschwerdegegnerin die zumutbare Restarbeits
fähigkeit des Beschwerdeführers
rechtsgenüglich
abgeklärt hat und ob eine allfällige
Restarbeitsfähigkeit aufgrund seines fortgeschrittenen Alters noch ver
wertbar ist. Sofern dies zu bejahen ist, bleibt zu prüfen, ob die Beschwerdegeg
nerin den Rentenanspruch zu Recht verneint hat.
3.
3.1
Der Hausarzt des Beschwerdeführers,
Dr.
Y._
, hielt im Bericht vom 15. August 2018 (Urk. 7/19/1-5) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit fest (Ziff. 2.5):
-
Lendenwirbelsäulen (LWS)-Syndrom
-
residuelles
Halswirbelsäulen (HWS)-Syndrom und
Deltoideusschwäche
Schulter links
-
periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK)
-
Bauchaortenaneu
rysma
Keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hätten die arterielle Hypertonie und die Hypercholesterinämie (Ziff. 2.6).
Das
Bauchaortenaneu
rysma
sei am 3. Mai 2018 im Universitätsspital
Z._
operiert worden (Ziff. 3.5; vgl. auch diverse Berichte des
Z._
, Urk. 7/13-15).
Als objektivierbare Befunde führte
Dr.
Y._
einen hinkenden Gang rechts, Beweglichkeitseinschränkungen in der Rotation der LWS sowie der Ante-/Retroflexion (um die Hälfte reduziert) mit End
phasenschmerz fest (Ziff. 2.4). Der Beschwerdeführer leide an chronischen LWS-
Beschwerden und einer Schulterschwäche links bei einem Status nach HWS-Operation
im Januar
(richtig: Februar, vgl. Urk. 7/19/28-29)
2014 (Ziff. 2.1).
In der bisherigen Tätigkeit im Bereich Installationen und Monteurarbeiten sei der Beschwerdeführer seit Januar 2017 zu 100 % arbeitsunfähig (Ziff. 1.3). In einer leidensangepassten Tätigkeit sei von einer Arbeitsfähigkeit von zwei bis vier Stunden täglich auszugehen (Ziff. 4.1).
Dem Bericht legte
Dr.
Y._
diverse Arztberichte
bei
betreffend verschiedenste somatische Beschwerden
, wegen welchen der Beschwerdeführer im
Zeitraum
von
Juli 2013 bis August 2018 bei
verschiedenen Ärzten in Behandlung war
(Urk. 7/19/7-86).
3.2
Am 5. Oktober 2018 wurde bei hochgradiger Abgangsstenose und kontralatera
lem Verschluss der AII eine
perkutane
transluminale
Angioplastie
(
PTA
)
der Arterie
iliaca
interna
dextra
durchgeführt mit angiographisch akzeptablem Resultat. Die am Abgang verschlossene
Arteria
glutea
superior
habe sich nicht
rekanalisieren
lassen (
Bericht
Z._
, Prof.
Dr.
A._
und
Dr.
B._
,
Urk. 7/31/4-5
).
3.3
Wegen vermehrten Schmerzen über dem
Musculus
trapezius
sowie dem
Musculus
deltoideus
stellte sich der Beschwerdeführer auf Zu
weisung seines Hausarztes im S
pital
C._
vor. Die Symptomatik habe sich gemäss Bericht vom 1. Novem
ber 2018 durch Physiotherapie praktisch vollständig zurückgebildet, weshalb kein Handlungsbedarf mehr bestehe. Bezüglich den zusätzlich bestehenden
lumbo
spondylogenen
Schmerzen sei ebenfalls eine Physiotherapieverordnung ausge
stellt worden (Urk. 7/31/6-7).
3.4
Im am 15. November 2018 eingegangenen Bericht von
Dr.
Y._
(Urk. 7/31/1-3) hielt dieser einen verschlechterten Gesundheitszustand des Beschwerdeführers fest (Ziff. 1.1).
Aktuell habe eine
Claudicatio
glutealis
links bei PAVK
, ein
lumbo
spondylogenes
Schmerzsyndrom sowie ein
Zervikalsyndrom
links Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.2). Der Beschwerdeführer leide an
klaudikalen
Schmerzen in der linken Hüfte und Schmerzen in der linken Schulterregion. Lauf
strecken seien nur bis 800 Meter möglich, dann müsse er stehen bleiben (Ziff. 1.3).
Eine leichte sitzende Tätigkeit, in welcher er vorwiegend die rechte Hand benö
tige, sei zumutbar (Ziff. 2.1). Diesbezüglich machte
Dr.
Y._
jedoch keine Angaben zum zeitlichen Umfang.
3.5
Gemäss Bericht vom 20. Dezember 2018 (Urk. 7/33
/1-2; vgl. auch beigelegten
Bericht vom 6.
September 2018, Urk. 7/33/3-4
) von
Dr.
med.
D._
, Fach
arzt für
Angiologie
und Allgemeine Innere Medizin, ist der Beschwerdeführer seit dem Jahr 2003 bei ihm in Behandlung (Ziff. 1.1).
Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit
habe die PAVK, teils
ektatisch
Stadium II beidseits (Ziff. 2.6). Die Ver
schlusskrankheit sei seit dem Jahr 2003 bekannt und es hätten rezidivierende Verschlüsse und multiple
kathetertechnische
und
interventionelle
Eingriffe statt
gefunden (Ziff. 2.1). Der Beschwerdeführer leide an anst
r
engungsabhängigen Hüft- und Gesässschmerzen beidseits nach wenigen Metern freier Gehstrecke (Ziff. 2.2). Eine Tätigkeit mit regelmässig
er
körperlicher Belastung sei nicht mehr möglich (Ziff. 2.7). Weitere Ausführungen zur zumutbaren Arbeitsfähigkeit - insbesondere auch in angepasster Tätigkeit - machte
Dr.
D._
nicht.
3.6
Am 18. Juni 2019 stellte sich der Beschwerdeführer aufgrund seiner ausstrahlen
den Beinschmerzen auf der Abteilung für Wirbelsäulenchirurgie, Orthopädie und Neurochirurgie der
Klinik
E._
vor (Urk. 7/47). Gemäss ärztlicher Beurteilung bestehen chronische lumbale Rückenschmerzen vor allem be
i Belas
tung. Diese seien mit den mul
t
i
segmentalen
Osteochondrosen
L2 bis S1 und
Spondylart
hrosen
ausreichend erklärt
.
I
ntensive und anhaltende medizinische Trainingstherapie
sei
mehrmals wöchentlich
zu empfe
hlen. Darüber hinaus
bestünden
unklare
claudicatioartige
Beschwerden mit ausstrahlenden Beschwer
den in die Beine ohne
Dermatombezug
beidse
its beziehungsweise wechselseitig
. Hierfür habe sich in der Bildgebung der LWS kein Korrelat gezeigt. Auch die diagnostizierte
foraminale
Einengung L3/4 erscheine
oligosymptomatisch
und lasse sich bei der aktuellen klinischen Untersuchung nicht reproduzieren.
Es werde eine weiterreichende neurologische Abklärung empfohlen, wofür der Beschwerdeführer «im Haus» angemeldet werde (S. 3).
3.7
Im Bericht vom 7. August 2019 des
Z._
zur Verlaufskontrolle des operativ behandelten
Bauch
aorten
aneu
rysmas
wurde ein subjektiv guter Verlauf in den vergangenen 24 Monaten sowie auch aus ärztlicher Sicht ein aktuell zufrieden
stellendes Ergebnis festgehalten
(Urk. 7/51/12-14; vgl. auch Urk. 7/51/15-16)
.
3.8
Am 21. Januar 2019 nahm RAD-Arzt
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Chirurgie, sowie visiert durch
Dr.
med.
G._
, praktische Ärztin,
Stellung zum vorliegenden Fall (Urk. 7/55/3-4). Es seien seit der ersten Stellungnahme des RAD vom 22. August 2018 (vgl. Urk. 7/24/2-3) keine neuen medizinischen Fak
ten und Diagnosen vorgebracht worden in den Berichten von
Dr.
D._
und
Dr.
Y._
.
Dr.
D._
habe zur Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit keine Stellung genommen.
Dr.
Y._
habe festgehalten, es sei eine «leichte Tätigkeit, sitzend mit vorwiegend rechter Hand» zumutbar, wobei auch er sich zum Ausmass der Arbeitsfähigkeit in einer solchen Tätigkeit nicht geäussert habe (Ziff. 1 und 2). Im Arztbericht des
Z._
vom 5. Oktober 2018 (vgl. vorstehend E. 3.2) sei von einer erfolgreichen
Rekanalisierung
der
Arteria
iliaca
interna
sin
.
berichtet wor
den. Damit könne von einer Besserung des Gesundheitszustandes bezüglich der PAVK
ausgegangen werden (Ziff. 3).
Ebenfalls habe sich die Symptomatik, auf
grund welcher sich der Beschwerdeführer gemäss Bericht vom 1. November 2018 des Spitals
C._
vorgestellt habe, durch Physiotherapie praktisch vollstän
dig zurückgebildet und es bestehe aus ärztlicher Sicht kein Behandlungsbedarf mehr (Ziff. 4).
Es sei von folgendem zumutbaren Belastungsprofil auszugehen: «Leichte (ange
passte), überwiegend sitzend ausgeübte Tätigkeit ohne Heben, Tragen und Trans
portieren von Las
t
en über 5 kg, ohne (beidseitiges) Arbeiten in Armvorhalte und Überkopfarbeiten mit leichter Wechselbelastung». Eine solche Tätigkeit sei unter Berücksichtigung der funktionellen Einschränkungen ganztags umzusetzen. Die Leistungsfähigkeit könne durch die belastungs- und schmerzbedingt notwendi
gen Pausen im Umfang von medizinisch-theoretisch zirka 20 % eingeschränkt sein. Es sei ein Einstieg mit 50 % Arbeitsfähigkeit und
eine
stufenweise Steige
rung zu empfehlen. Der weitere Verlauf sei «AP-abhängig» abzuwarten.
3.9
In einem undatierten Schreiben an die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers (Eingangstempel vom 26. November 2019) führte
Dr.
Y._
unter anderem noch
mals aus, dass der Beschwerdeführer in seiner bisherigen Tätigkeit als Maurer und Elektriker zu 100 % arbeitsunfähig sei. Eine sitzende, leichte Tätigkeit sei bis zu 50 % möglich (vier Stunden mit Pausen, Tätigkeit beispielsweise auf Tischebene; Urk. 3/8).
4.
4.1
Vorliegend ist unbestritten und aufgrund der Akten ausgewiesen, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner diversen körperlichen Beschwerden in seiner gelernten Tätigkeit als Maurer sowie
der
Tätigkeit als Hilfselektriker zu 100 % arbeitsunfähig ist.
In einer angepassten, körperlich leichten und überwiegend im Sitzen ausgeübten Tätigkeit ohne Überkopfarbeiten und ohne (beidseitiges) Arbeiten in Armvorhalte liegt nach Einschätzung der RAD-Ärzte eine
Arbeitsfähigkeit
von 80 % vor, wobei ein Einstieg mit einer Arbeitsfähigkeit von 50 % und stufenweiser Steige
rung zu empfehlen sei. Der weitere Verlauf sei «AP-abhängig» abzuwarten.
Ent
gegen den Ausführungen der RAD-Ärzte ist es
nicht zutreffend
, dass das Ausmass einer zumutbaren angepassten Tätigkeit von keinem der behandelnden Ärzte be
ziffert worden sei: Der Hausarzt
Dr.
Y._
geht von einer zumutbaren Arbeitsfä
higkeit von bis zu vier Stunden
respektive 50
%
aus (vgl. vorstehend E. 3.1 sowie E. 3.9).
Seitens des RAD wurde die Verschlusskrankheit als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eingeordnet (vgl. Stellungnahme vom 22. August 2018,
Urk. 7/24/3 oben).
Der behandelnde
Angiologe
beurteilt
e
dies jedoch anders,
ging
er doch davon aus, die PAVK habe Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (vorste
hend E. 3.5).
In der Stellungnahme vom 21. Januar 2019
ging der RAD
bezüglich der PAVK von einer Verbesserung aus, da eine erfolgreiche
Rekanalisierung
statt
gefunden habe (vgl. vorstehend E. 3.8).
Die im Verlaufe des Gerichtsverfahrens eingereichten Arztberichte belegen jedoch, dass
aufgrund zunehmender rechts
seitiger
Claudicatiobeschwerden
schon im März 2020 und neuerlich im Mai 2020
weitere
angiologische
Eingriffe aufgrund der vorliegenden Verschlusskrankheit vorgenommen werden mussten (Bericht vom 24. Februar 2020 von
Dr.
D._
, Urk. 12/1; Bericht
e
vom 16. März 2020
und vom
4.
Mai 2020
vom Institut für Diagnostische und
Interventionelle
Radiologie
Z._
, Urk. 12/2
,
Urk.
16
) und
auch
weitere Abklärungen der Rückenproblematik in der
Klinik
E._
geplant
seien
(Bericht vom 4. Mai 2020 vom Institut für Diagnostische und
Interven
tionelle
Radiologie, Urk. 16).
Die der RAD-Beurteilung zugrunde gelegte Annahme eines gebesserten Gesundheitszustandes bezüglich der PAVK (
Urk.
7/55/4) wird durch die in diesem Verfahren vom Beschwerdeführer einge
reichten medizinischen Akten, welche jedenfalls auf keinen stabilen Verlauf schliessen lassen, deutlich in Frage gestellt.
Die beim Beschwerdeführer vorlie
gende Verschlusskrankheit wurde vom RAD aufgrund der vorliegenden medizi
nischen Aktenlage als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eingeordnet und somit beim Belastungsprofil sowie dem Ausmass der Eins
chränkung nicht berücksichtigt, ohne dass dieser auf einer reinen Aktenbeurteilung beruhenden Einschätzung ein feststehender medizinischer Sachverhalt zugrunde lag, was gegen die Beweiswertigkeit der RAD-Beurteilung spricht (Urteil des Bundes
gerichts 9C_411/2018 vom 2
4.
Oktober 2018 E. 4.2).
Sodann haben im Juli 2019 offenbar weitere neurologische Abklärungen in der
Klinik
E._
stattgefunden (vgl. vorstehend E. 3.6 sowie Urk. 7/43), zu wel
chen keine Unterlagen vorliegen.
Aus denselben könnten allenfalls Erkenntnisse über allfällige Wechselwirkungen zwischen den der PAVK zuzuordnenden
klau
dikatioartigen
Beschwerden und allfälligen
neural
verursachten Beschwerden gewonnen werden, blieb doch bis anhin die Möglichkeit gegenseitiger Wechselwir
kungen vom RAD gänzlich unbeachtet.
4.2
Gestützt auf die vorliegenden Berichte kann der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers nicht abschliessend beurteilt werden. Vielmehr besteht weite
rer Abklärungsbedarf bezüglich den somatischen
E
inschränkungen und deren Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
in angepasster Tätigkeit
.
Mithin ist die Sache zur weiteren Abklärung des Gesundheitszustands und zur neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Dabei wird die Beschwerdegegnerin sinnvollerweise zunächst einen neurologischen Bericht der
Klinik
E._
zu den
offenbar im Juli 2019 stattgehabten neurologischen Abklärungen und her
nach zumindest eine
angiologische
Beurteilung des Verlaufs im
entscheidwesent
lichen
Zeitraum ab Januar 2018 (
Art.
29
Abs.
1 IVG; Eingang der Anmeldung zum Leistungsbezug:
4.
Juli 2018, vgl. Aktenverzeichnis in:
Urk.
7), gegebenen
falls ein
bidisizplinäres
angiologisch
/orthopädisches Gutachten einzuholen haben.
Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde.
4.3
Anzumerken bleibt Folgendes:
Für den Zeitpunkt, in welchem die Frage nach der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit im fortgeschrittenen Alter beantwortet wird, ist auf das Feststehen der medizinischen Zumutbarkeit einer (Teil-)Erwerbs
tätigkeit abzustellen (BGE 138 V 457 E. 3.4). Diese genügende medizinische Grundlage wird
voraussichtlich erst vorliegen, wenn der am 9. März 1958
gebo
rene Beschwerdeführer schon
einige Monate
über 62
Jahre alt
ist
. Angesichts des dannzumal fortgeschrittenen Alters des Beschwerdeführers, seiner mult
iplen gesundheitlichen Probleme und
der Einschränkungen auch bei angepassten Tätigkeiten wird seine
allenfalls verbleibende
Restarbeitsfähigkeit
hinsichtlich der Verwertbarkeit
mit einem besonderen Augenmerk zu prüfen sein.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskos
ten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie
der
Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
5.2
Nach
§
34
Abs.
1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikos
ten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemes
sen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2
)
.
In Anwendung obiger Kriterien sowie unter Berücksichtigung der Honorarnote vom 4. Juni 2020 (vgl. Urk. 19) ist die Parteientschädigung vorliegend auf Fr. 3'
100.--
(inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen und ausgangs
gemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.