# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 493a962e-b11f-5dee-84ea-fa56d1b80ba2
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin und der Beschwerdegegner beabsichtigen, ihre defekte
Elektromantelspeicherheizung durch eine Luft/Wasser-Wärmepumpe mit aussen
aufgestelltem Verdampfer zu ersetzen. Hierfür reichten sie am 30. Mai 2016 bei der
Gemeinde Spiez ein Baugesuch ein. Im selben Baugesuch ersuchten sie auch um die
Bewilligung für die Errichtung einer Solaranlage auf ihrem Dach sowie für zusätzliche
Dachfenster.
Gegen das Bauvorhaben erhoben unter anderen die Beschwerdeführenden Einsprache.
Die Bauherrschaft zog daraufhin das Baugesuch betreffend die Solaranlage und die
Dachflächenfenster zurück. Mit Bauentscheid vom 28. Juni 2017 erteilte die Planungs-,
Umwelt- und Baukommission der Gemeinde Spiez die Baubewilligung für die
Wärmepumpe.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden 1 bis 6 am 31. Juli 2017 Beschwerde
bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragen
die Aufhebung des Bauentscheids vom 28. Juni 2017 sowie die Erteilung des
Bauabschlags.
Der Beschwerdeführer 7 reichte ebenfalls am 31. Juli 2017 Beschwerde gegen den
Bauentscheid vom 28. Juni 2017 bei der BVE ein. Er stellt in seiner Beschwerde folgende
Anträge:
RA Nr. 110/2017/83 3
"1. Das Dispositiv des vorinstanzlichen Bauentscheids sei in Ziffer 4.6 mit den folgenden Auflagen zu
ergänzen:
1.1. Nach der Bauabnahme
Lärmschutz - Industrie- und Gewerbelärm
Die von der Wärmepumpe allein erzeugten Lärmimmissionen dürfen die Vorsorgewerte beco nicht
überschreiten:
Wohnzone, ES II
Leq Dauerbetrieb, unkorrigiert Tag (07.00 - 19.00) ≤ 43 dB(A)
Nacht (19.00 - 07.00) ≤ 33 dB(A)
1.2. Nach Bauvollendung ist die Wärmepumpe während der Nacht (19.00 - 07.00 Uhr) im Silentmodus 2
bzw. Flüstermodus 2 zu betreiben.
1.3. Die Beschwerdegegner haben zwecks Schutz des Orts- und Landschaftsbildes um die Wärmepumpe
herum eine allseitig als Sichtschutz geeignete, blickdichte, immergrüne und die Wärmepumpe in ihrer
Höhe überragenden Bepflanzung anzubringen, welche sämtliche privatrechtlichen und
nachbarrechtlichen Vorschriften einhält und die Verkehrssicherheit, insbesondere des
Strassenanschlusses der Einstellhallenausfahrt auf der Parz. Nr. K._ zur öffentlichen
L._strasse, nicht beeinträchtigt.
2. Die unter Ziff. 1 hiervor beantragten Auflagen seien vor Baubeginn im Grundbuch anzumerken und das
Grundbuchamt sei anzuweisen, diese Anmerkungen auf dem Grundbuchblatt des Baugrundstücks
Parz. Nr. M._ Spiez anzubringen.
3. Es sei festzustellen, dass die Erstellung einer Solaranlage auf dem nord- und südseitigen Dach des
Hauses der Beschwerdegegner baubewilligungspflichtig ist.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegegner."
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, vereinte die
beiden Beschwerdeverfahren mit Verfügung vom 7. August 2017. Es führte daraufhin den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Die Beschwerdegegnerin und der
Beschwerdegegner beantragen in ihrer Beschwerdeantwort die Abweisung der
Beschwerden. Die Vorinstanz stellt in ihrer Vernehmlassung folgende Anträge:
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
RA Nr. 110/2017/83 4
"1.1 Die beiden Baubeschwerden der Beschwerdeführer/in 1 bis 6 vom 31. Juli 2017 und des
Beschwerdeführers 7, vom 31. Juli 2017, seien abzuweisen.
1.2 Die im Fachbericht des beco vom 18. April 2017 erwähnten Auflagen (unter E.) sind wie folgt ergänzend
im Gesamtbauentscheid vom 28. Juni 2017 aufzunehmen:
Die von der Wärmepumpe erzeugten Lärmimmissionen dürfen die Vorsorgewerte des beco nicht
übersteigen:
Wohnzone Empfindlichkeitsstufe (ES)
II Leq Dauerbetrieb, unkorrigiert
Tag (07.00 - 19.00) ≤ 43 dB(A) Nacht (19.00 - 07.00) ≤ 33 dB(A)
1.3 Weiter ist ergänzende in den Auflagen des Gesamtbauentscheids vom 28. Juni 2017, die Erstellung
einer sinnvollen Bepflanzung (oder Erweiterung der bestehenden Bepflanzung), als Sichtschutz für das
aussen aufgestellte Splitgerät aufzunehmen."
4. Mit Verfügung vom 5. Oktober 2017 gab das Rechtsamt den Beteiligten Gelegenheit,
allfällige Schlussbemerkungen einzureichen. Darin hielten die Beschwerdeführenden an
ihren Anträgen fest. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in
den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintretensvoraussetzungen
a) Bauentscheide können nach Art. 40 BauG2 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit für die Beurteilung
der Beschwerde zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen und die Baugesuchsteller, die
Einsprecherinnen und die Einsprecher sowie die zuständige Gemeindebehörde (Art. 40
2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
RA Nr. 110/2017/83 5
Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführenden 1-6 treten als "Eigentümergemeinschaft
L._strasse 17+19" auf und reichten eine gemeinsam unterzeichnete Beschwerde
ein. Die Beschwerdelegitimation der Beschwerdeführerin 6 ist zwar fraglich, da sie weder
Eigentümerin eines Nachbargrundstücks in der L._strasse ist noch ihre
Wohnadresse in Spiez hat. Ihre Legitimation bedarf jedoch keiner abschliessenden
Beurteilung, da die Kollektivbeschwerde der Beschwerdeführenden 1-6 so oder anders
materiell zu beurteilen ist. Der Beschwerdeführer 7 ist als Einsprecher und
Grundeigentümer des Grundstücks Spiez Grundbuchblatt-Nr. N._, welches an das
Grundstück der Bauherrschaft angrenzt, ebenfalls zur Beschwerde legitimiert. Auf die frist-
und formgerecht eingereichten Beschwerden ist einzutreten.
2. Zeitpunkt des Entscheids der Vorinstanz
a) Die Beschwerdeführenden machen geltend, die Planungs-, Umwelt- und
Baukommission Spiez habe anlässlich einer Sitzung vom 17. Januar 2017 und damit zu
einem Zeitpunkt über das Bauvorhaben entschieden, als die massgebenden Fachberichte
noch nicht vorgelegen hätten und die Schlussbemerkungen noch nicht eingetroffen seien.
Dies stelle eine Verfahrensverletzung bzw. eine Verletzung des rechtlichen Gehörs sowie
eine unzulässige, antizipierte Beweiswürdigung und einen Ermessensfehler dar. Der
Beschwerdeführer 7 führt weiter aus, zwar würde im angefochtenen Entscheid vom
28. Juni 2017 auf die Fachberichte und Schlussbemerkungen, welche erst nach der
Sitzung vom 17. Januar 2017 eingetroffenen seien, Bezug genommen. Dieser Entscheid
sei allerdings ausschliesslich vom Präsidenten der Planungs-, Umwelt- und
Baukommission Spiez sowie vom Abteilungsleiter Bau unterzeichnet. Die Fachberichte und
die Schlussbemerkungen hätten aber von der Gesamtkommission beurteilt werden
müssen. Zumindest hinsichtlich der rechtlichen Würdigung dieser beiden Fachberichte und
der Schlussbemerkungen des Beschwerdeführers 7 handle es sich beim vorinstanzlichen
Bauentscheid deshalb um einen Präsidialentscheid. Dieser Präsidialentscheid sei infolge
sachlicher und funktioneller Unzuständigkeit und damit infolge Kompetenzüberschreitung
unzulässig.
Die Vorinstanz bringt in ihrer Stellungnahme vom 6. September 2017 vor, entgegen den
Ausführungen im angefochtenen Entscheid sei das Bauvorhaben nicht an der Sitzung der
Planungs-, Umwelt- und Baukommission vom 17. Januar 2017, sondern an der Sitzung
RA Nr. 110/2017/83 6
vom 23. Mai 2017 und damit unter Berücksichtigung sämtlicher Fachberichte beurteilt
worden. Beim im angefochtenen Entscheid genannten Datum vom 17. Januar 2017 handle
es sich um ein Versehen.
b) Baubewilligungsbehörde der Gemeinde Spiez ist gemäss Art. 613 Abs. 1 GBR3 die
Planungs-, Umwelt- und Baukommission. Die Kommission besteht aus sieben Mitgliedern
(Anhang I zur GO4). Bei Abstimmungen entscheidet das Mehr der Stimmenden (vgl. Art. 57
Abs. 3 GO; Art. 34 Abs. 2 OrgV5 i.V.m. Art. 20 Abs. 3 OrgV). Wer in der Sache zuständig
ist, unterschreibt für die Gemeinde. Für die Kommissionen unterzeichnen die oder der
Vorsitzende gemeinsam mit der Sekretärin oder dem Sekretär (Art. 40 und 41 OrgV). Die
Kommissionssekretariate werden grundsätzlich durch die zuständigen
Verwaltungsabteilungen geführt (Art. 32 OrgV). Bei der Planungs-, Umwelt- und
Baukommission ist das die Abteilung Bau (Anhang I OrgV).
c) Die Vorinstanz führt im angefochtenen Entscheid unter Ziff. 3.5 aus, die Planungs-,
Umwelt- und Baukommission habe das Bauvorhaben an der Sitzung vom 17. Januar 2017
beurteilt. Dem Protokoll zu dieser Sitzung lässt sich entnehmen, dass die Kommission
damals mit einstimmigem Beschluss beantragte, dem Vorhaben die Baubewilligung zu
erteilen und die Einsprachen abzuweisen. Aus den Vorakten geht jedoch hervor, dass die
Kommission diesen Beschluss nicht umsetzte: Anstatt einen förmlichen Bauentscheid zu
erlassen, holte die Vorinstanz einen Fachbericht der Kantonalen Kommission zur Pflege
der Orts- und Landschaftsbilder (OLK) zur Frage der Ästhetik sowie einen Fachbericht des
Amts für Berner Wirtschaft (beco), Immissionsschutz, zur Frage der Lärmimmissionen der
Wärmepumpe ein. Danach tagte die Kommission am 23. Mai 2017 ein weiteres Mal und
fasste an dieser Sitzung erneut den Beschluss, dem Bauvorhaben die Baubewilligung zu
erteilen. Aufgrund des Fachberichts der OLK entschied die Kommission neu jedoch, die
Baubewilligung mit einer Auflage zu ergänzen, wonach die Sichtbarkeit der Wärmepumpe
mittels Bepflanzung zu beschränken ist. An der Sitzung vom 23. Mai 2017 fanden dagegen
die fristgemäss eingereichten Schlussbemerkungen des Beschwerdeführers 7 keine
Berücksichtigung. Diese datieren auf den 19. Juni 2017.
3 Baureglement der Gemeinde Spiez vom 24. November 2013 (GBR) 4 Gemeindeordnung der Gemeinde Spiez vom 26. November 2000 (letzte Teilrevision am 27. November 2016) (GO) 5 Organisationsverordnung der Gemeinde Spiez vom 4. Dezember 2000 (letzte Teilrevision am 9. November 2015) (OrgV)
RA Nr. 110/2017/83 7
d) Die Planungs-, Umwelt- und Baukommission Spiez war für die Fällung des
Bauentscheids bzw. die Erteilung der Baubewilligung zuständig. Unterzeichnet wurde der
Entscheid vom Präsidenten der Kommission sowie vom Leiter der Abteilung Bau, welche
als zuständige Verwaltungsabteilung das Sekretariat der Planungs-, Umwelt- und
Baukommission führt. Die unterschreibenden Personen waren demnach zur
Unterzeichnung des Bauentscheids berechtigt. Es liegt weder eine sachliche noch eine
funktionelle Unzuständigkeit vor. Dies gilt umso mehr, als der angefochtene Entscheid
nicht von den an den Sitzungen der Gesamtkommission diskutierten Inhalten abweicht. Ein
Vergleich des Sitzungsprotokolls vom 23. Mai 2017 mit dem Entscheid vom 28. Juni 2017
zeigt, dass die Erkenntnisse der Sitzung vom 23. Mai 2017, an welcher die Kommission die
eingeholten Fachberichte sowohl des beco als auch der OLK thematisierte, in den
Bauentscheid übernommen worden sind. Die Vorinstanz hat die Fachberichte formell
korrekt gewürdigt.
e) Anders verhält es sich mit der Nichtberücksichtigung der Schlussbemerkungen des
Beschwerdeführers 7 vom 19. Juni 2017. Darin stellte der Beschwerdeführer 7 mehrere
neue Anträge. Einige davon stellt er im vorliegenden Beschwerdeverfahren erneut. Aus
den Vorakten geht nicht hervor, dass sich die Planungs-, Umwelt- und Baukommission mit
diesen Anträgen befasst hätte. Die letzte Kommissionssitzung fand am 23. Mai 2017 und
damit vor Eintreffen der Schlussbemerkungen vom 19. Juni 2017 statt. Auch im Entscheid
vom 28. Juni 2017 werden die Anträge und die darin erstmals genannten Auflagen nicht
behandelt; sie werden dort weder gutgeheissen noch abgewiesen. Insofern wurde das
rechtliche Gehör des Beschwerdeführers 7 verletzt.
Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist ein formeller Anspruch; die Verletzung des
rechtlichen Gehörs führt deshalb grundsätzlich zur Aufhebung des angefochtenen
Entscheids. Eine Gehörsverletzung kann aber dann geheilt werden, wenn die
Rechtsmittelinstanz dieselbe Kognition hat wie die Vorinstanz und der
beschwerdeführenden Person aus der Heilung kein Nachteil erwächst. Die Heilung des
rechtlichen Gehörs ist allenfalls bei der Kostenverlegung zu berücksichtigen.6 Diese
Voraussetzungen sind hier erfüllt: Die BVE kann das Bauvorhaben frei prüfen (Art. 40 Abs.
3 BauG). Der Beschwerdeführer 7 konnte seine Rechte im Beschwerdeverfahren zudem
umfassend wahrnehmen. Die Gehörsverletzung wiegt auch nicht derart schwer, dass eine
6 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 108 N. 9
RA Nr. 110/2017/83 8
Heilung des Verfahrensmangels ausgeschlossen wäre. Der Gehörsverletzung ist aber im
Kostenpunkt Rechnung zu tragen (vgl. Erwägung 10).
3. Begründungspflicht
a) Der Beschwerdeführer 7 rügt weiter, die Vorinstanz sei ihrer Begründungspflicht nicht
nachgekommen. So habe sie insbesondere nicht ausreichend begründet, weshalb sie vom
eingeholten Fachbericht der OLK abgewichen ist.
b) Eine Verfügung muss die Tatsachen, Rechtssätze und Gründe enthalten, auf die sie
sich stützt (Art. 52 Abs. 1 Best. b VRPG7). Die Begründung muss so abgefasst sein, dass
die Betroffenen den Entscheid sachgerecht anfechten können. Deshalb muss die Behörde
mindestens kurz die Überlegungen nennen, von denen sie sich hat leiten lassen und auf
die sie ihren Entscheid stützt. Sie muss sich dabei nicht ausdrücklich mit jeder Behauptung
zum Sachverhalt und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen. Vielmehr kann sie
sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken.8
c) Die Sach- und Rechtslage, von welcher die Vorinstanz ausging, ist – unabhängig von
deren inhaltlichen Richtigkeit – ohne weiteres erkennbar. Die Vorinstanz hat die für sie
wesentlichen Entscheidgesichtspunkte dargelegt. Dies gilt auch für die Würdigung des
OLK-Berichts. Die Vorinstanz führte aus, mit dem gewählten Standort seien sämtliche
Vorschriften eingehalten, insbesondere mit Bezug auf den Lärmschutz. Mit einer
entsprechenden Auflage bezüglich Bepflanzung könne die Sichtbarkeit der Wärmepumpe
auf ein Minimum beschränkt werden, womit der Forderung nach einer guten Integration in
die bestehende Bausubstanz Rechnung getragen werde. Aufgrund dessen und im
Vergleich zu den an diesem Standort eingehaltenen Lärm- und Abstandsvorschriften
würden sich die minimalen Einschränkungen in Bezug auf die Ästhetik als
vernachlässigbar erweisen. Anhand der Begründung konnte der vorinstanzliche Entscheid
von den Beschwerdeführenden damit ohne weiteres sachgerecht angefochten werden.
Dies haben die Beschwerdeführenden und insbesondere der Beschwerdeführer 7 mit
seiner ausführlichen Beschwerde auch getan. Die Vorinstanz musste sich nicht mit jedem
7 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 8 BGE 134 I 83 E. 4.1; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 52 N. 6 ff.
RA Nr. 110/2017/83 9
einzelnen Argument des Beschwerdeführers 7 zur Ästhetik auseinandersetzen. Die
Vorinstanz ist ihrer Begründungspflicht genügend nachgekommen und hat den Anspruch
auf rechtliches Gehör nicht verletzt.
4. Untersuchungspflicht
a) Der Beschwerdeführer 7 sieht eine Verletzung des rechtlichen Gehörs sinngemäss
weiter darin, dass die Vorinstanz ihrer Untersuchungspflicht nicht ausreichend
nachgekommen sei. So habe sie keine alternativen Standorte für die Wärmepumpe
gesucht und sich nur auf die Angaben der Bauherrschaft verlassen. Insbesondere habe die
Vorinstanz die Möglichkeit der Installation eines integralen Wärmepumpen-Innengeräts im
Gebäudeinnern unbeachtet gelassen. Betreffend Lärmschutzmassnahmen habe es die
Vorinstanz zudem unterlassen, Abklärungen zu einem speziellen und geräuschärmeren
Modus der Wärmepumpe, dem sogenannten "Silentmodus 2", zu tätigen.
b) Art. 18 VRPG statuiert für die Sachverhaltsermittlung den Untersuchungsgrundsatz.
Dieser bedeutet, dass der rechtserhebliche Sachverhalt von Amtes wegen richtig und
vollständig abzuklären ist. Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts
stellt eine Rechtsverletzung dar, ein Verstoss gegen die Beweisregeln, eine Verletzung des
rechtlichen Gehörs und damit eine Verfassungsverletzung. Der Untersuchungsgrundsatz
gilt allerdings nur im Rahmen des Verfahrensgegenstandes. Dieser wird in der Regel von
der ansprechenden Partei vorgegeben.9 Im Baubewilligungsverfahren bedeutet dies, dass
die Baubewilligungsbehörde ein Projekt so zu beurteilen hat, wie es die Bauherrschaft
beantragt. Die Behörde ist nicht befugt, dem Projekt andere Lösungen gegenüberzustellen
und statt der nachgesuchten Bewilligung die Bauerlaubnis für ein abweichendes Vorhaben
auszustellen.10 Das Bauprojekt ergibt sich aus den Baugesuchsunterlagen, welche
grundsätzlich aus dem Baugesuch, dem Situationsplan, den Projektplänen und allenfalls
weiteren erforderlichen Unterlagen bestehen (vgl. Art. 10 Abs. 3 BewD11).
9 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 18 N 1 f. und N 11 10 Vgl. zum Ganzen Zaugg/Ludwig, Kommentar zum bernischen BauG, Band I, 4. Aufl. 2013, Art. 38-39 N 14 11 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1)
RA Nr. 110/2017/83 10
c) Die von der Bauherrschaft eingereichten Baugesuchsunterlagen enthalten mehrere
Pläne, aus welchen sich der genaue Aussenstandort der geplanten Wärmepumpe
entnehmen lässt. Weder durfte noch musste die Vorinstanz bei der Beurteilung der
Ästhetik nach Alternativstandorten für die Wärmepumpe suchen. Sie hatte sich damit
darauf zu beschränken, die eingereichten Baugesuchsunterlagen – und nur diese – auf
ihre Gesetzeskonformität hin zu beurteilen. Die Vorinstanz brauchte deshalb auch die
Aussage der Bauherrschaft, alternative Standorte seien geprüft und als untauglich beurteilt
worden, nicht näher abzuklären. Zwar kam die OLK in ihrem Bericht vom 4. Mai 2017 zum
Schluss, es seien alternative Standorte zu prüfen. Dies stellt entgegen der Ansicht des
Beschwerdeführers 7 allerdings keinen an die Vorinstanz gerichteten Auftrag dar, nach
anderen Aussen- oder Innenstandorten für die Wärmepumpe zu suchen. Vielmehr hatte
die Vorinstanz den Bericht der OLK im Rahmen ihrer rechtlichen Beurteilung des
eingereichten Bauvorhabens zu würdigen, was sie auch getan hat: Gemäss Erkenntnis der
Vorinstanz sind am gewählten Standort sämtliche Vorschriften, allenfalls unter Anordnung
von Auflagen, eingehalten. Der Vorinstanz ist es auch nicht vorzuwerfen, dass sie im
Rahmen des lärmschutzrechtlichen Vorsorgeprinzips keine Standorte im Gebäudeinnern
näher prüfte: Die Bauherrschaft sah zuerst einen Standort der Wärmepumpe im westlichen
Teil des Gebäudes mit Aussengerät an der Westfassade vor. An diesem Standort würde
jedoch der Grenzabstand unterschritten und ein Näherbaurecht fehlt. Ein Alternativstandort
im Ostteil des Gebäudeinnern wurde vom Beschwerdeführer 7 abgelehnt. Wegen des
geringen Gebäudeabstands wäre bei dieser Variante mit Ansaug- und Ausblasöffnung
gegen Osten wahrscheinlich ohnehin mit einer höheren Lärmbelastung zu rechnen
gewesen. Auch betreffend des "Silentmodus 2" musste die Vorinstanz keine weiteren
Abklärungen treffen. Die Vorinstanz holte einen Fachbericht zu den Lärmimmissionen der
Wärmepumpe ein und kam zum Schluss, die Wärmepumpe erfülle die gesetzlichen
Anforderungen auch ohne weitere Massnahmen. Ob diese Ansicht zutrifft, ist eine Frage
des materiellen Rechts und wird nachfolgend zu prüfen sein. Jedenfalls stellen die
unterbliebenen Abklärungen zum "Silentmodus 2" der Wärmepumpe ebenfalls keine
Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes dar. Die Vorinstanz hat weder Art. 18 VRPG
noch das rechtliche Gehör verletzt.
5. Solaranlagen
RA Nr. 110/2017/83 11
a) Der Beschwerdeführer 7 rügt, die Vorinstanz habe sich im angefochtenen Entscheid
zu Unrecht nicht zur Baubewilligungspflicht von Solaranlagen geäussert und damit das
rechtliche Gehör verletzt. Es sei nämlich nur auf "baubewilligungspflichtige" Solaranlagen
verzichtet worden. Dies stelle nicht einen generellen Verzicht auf die Erstellung jeglicher
Solaranlagen dar, sondern lediglich den speziellen Verzicht auf die Erstellung einer
baubewilligungspflichtigen Solaranlage. Es bestehe somit die Möglichkeit, dass die
Bauherrschaft entweder gleichzeitig mit der Wärmepumpe oder zu einem späteren
Zeitpunkt eine Solaranlage auf ihrem Hausdach erstelle in der Überzeugung, diese sei
baubewilligungsfrei. Der Beschwerdeführer 7 verlangt deshalb die Feststellung, dass
Solaranlagen auf dem nord- und südseitigen Dach des Hauses der Bauherrschaft
baubewilligungspflichtig sind. Auch die Beschwerdeführenden 1-6 rügen, Solaranlagen
seien am umstrittenen Standort baubewilligungspflichtig. Die Vorinstanz ist dagegen der
Ansicht, mit der Projektänderung seien die Solaranlagen nicht mehr Bestandteil des
Verfahrens gewesen und sie hätten sich im Bauentscheid damit weder dazu äussern
dürfen noch müssen.
b) Im ursprünglichen Baugesuch vom 7. April 2016 ersuchte die Bauherrschaft
zusammen mit der Wärmepumpe u.a. um die Baubewilligung für das Erstellen von
Solaranlagen auf ihrem Dach sowie für zwei zusätzliche Dachfenster. Da sich die
eingegangenen Einsprachen auch gegen die Solaranlagen richteten, verzichtete die
Bauherrschaft im Rahmen einer Projektänderung auf die Solaranlagen und die
Dachflächenfenster und reichte entsprechend neue Pläne und ein neues
Baugesuchsformular 1.0, welches nur noch den Bau einer Wärmepumpe zum Gegenstand
hatte, ein. Die Vorinstanz gab den Beteiligten Kenntnis von der Projektänderung und bot
ihnen Gelegenheit zur Stellungnahme.
c) Die Baubehörde hat das Projekt so zu beurteilen, wie es die Bauherrschaft zuletzt zur
Bewilligung beantragt hat.12 Gegenstand der Baubewilligung ist also das konkrete, von der
Bauherrschaft zuletzt gewollte und bewilligungspflichtige Bauvorhaben. Die Behörde darf
sich nicht zu mehr äussern, als die Bauherrschaft beantragt.
d) Die Vorinstanz musste in der Baubewilligung das von der Beschwerdegegnerin und
vom Beschwerdegegner zuletzt gewollte, baubewilligungspflichtige Bauvorhaben prüfen.
12 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 38-39 N 14
RA Nr. 110/2017/83 12
Die Beurteilung hatte sich demnach auf die Wärmepumpe zu beschränken. Die Vorinstanz
durfte sich in der Bewilligung für die Wärmepumpe weder zur Bewilligungspflicht noch zur
Bewilligungsfähigkeit allfälliger künftiger Solaranlagen äussern. Dies gilt unabhängig von
der Frage, ob der Verzicht der Beschwerdegegnerin und des Beschwerdegegners als
Projektänderung oder bloss als teilweiser Rückzug des Baugesuchs zu werten ist.
Entsprechend muss das Dispositiv des vorinstanzlichen Entscheids auch nicht mit einer
Gegenstandsloserklärung betreffend die Solaranlagen ergänzt werden, wie dies der
Beschwerdeführer 7 verlangt. Es ist zudem unerheblich, ob die Beschwerdegegnerin und
der Beschwerdegegner mit ihrem Verzicht auf "baubewilligungspflichtige" Solaranlagen
komplett auf das Errichten von Solaranlagen verzichteten oder nach wie vor planen, aus
ihrer Sicht baubewilligungsfreie Solaranlagen zu erstellen. So oder anders beantragte die
Bauherrschaft zum Zeitpunkt des vorinstanzlichen Entscheids keine Baubewilligung mehr
für Solaranlagen. Die Rügen der Beschwerdeführenden betreffend die fehlende
Auseinandersetzung der Vorinstanz mit den Solaranlagen erweisen sich somit als
unbegründet. Die Vorinstanz verletzte ihre Begründungspflicht nicht.
e) Nach dem Gesagten waren die Solaranlagen im vorinstanzlichen Verfahren zum
Entscheidzeitpunkt nicht mehr Verfahrensgegenstand. Die Vorbringen der
Beschwerdeführenden vor der BVE zur Bewilligungspflicht von Solaranlagen stellen damit
eine unzulässige Ausweitung des Streitgegenstands dar.13 Auf das Feststellungsbegehren
des Beschwerdeführers 7 zur Bewilligungspflicht von Solaranlagen kann deshalb nicht
eingetreten werden.
6. Ortsbild
a) Die Vorinstanz holte einen Fachbericht der OLK ein. Darin stellte die OLK den
Antrag, dem Baugesuch aus der Optik des Orts- und Landschaftsbildes keine Bewilligung
in Aussicht zu stellen.
Die Vorinstanz erteilte die Bewilligung trotzdem und führte im angefochtenen Entscheid
aus, die Bauherrschaft habe nach Zustellung des OLK-Berichts vom 4. Mai 2017 mitgeteilt,
die bestehenden Pflanzen als Sichtschutz ausdehnen zu wollen. Mit einer entsprechenden
13 Vgl. Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, Bern 1997, Art. 32 N 13 und Art. 72 N 6 bis 8; Markus Müller, Bernische Verwaltungsrechtspflege, 2. Aufl. 2011, S. 148 ff.
RA Nr. 110/2017/83 13
Auflage zur Bepflanzung könne die Sichtbarkeit der Wärmepumpe auf ein Minimum
beschränkt werden. Damit werde der Forderung nach einer guten Integration in die
bestehende Bausubstanz Rechnung getragen. Angesichts der an diesem Standort
eingehaltenen Lärm- und Abstandsvorschriften würden sich die minimalen
Einschränkungen in Bezug auf die Ästhetik als vernachlässigbar erweisen. Im vorliegenden
Beschwerdeverfahren räumte die Vorinstanz in ihrer Stellungnahme vom
6. September 2017 ein, eine Erweiterung der Bepflanzung als Sichtschutz
bedauerlicherweise nicht in den Auflagen des Entscheids vom 28. Juni 2017 aufgenommen
zu haben. Ansonsten hielt sie an ihrer vorgenommenen Beurteilung fest.
Die Beschwerdeführenden rügen, der im Vorgarten aufgestellte, freistehende Verdampfer
der Wärmepumpe beeinträchtige das Ortsbild. Die Vorinstanz habe missachtet, dass die
OLK in ihrem Fachbericht vom 4. Mai 2017 das Bauvorhaben aus ästhetischer Sicht
abschlägig beurteilt habe.
b) Das Baugrundstück der Bauherrschaft gehört zu einer Überbauung südlich der
L._strasse, bestehend aus zwei Gruppen von je drei eng zusammengebauten
Terrassenhäusern, welche gemäss den Ausführungen der Beschwerdegegnerin und des
Beschwerdegegners gegen Ende der 1970er Jahre erstellt wurden. Das Gebiet der
L._ liegt im Ortsbilderhaltungsgebiet. Nördlich der L._strasse stehen in
grosszügigen Gartenanlagen mehrere denkmalgeschützte Gebäude. Die Bebauung südlich
der Strasse ist eher dicht mit neueren Gebäuden mit Garten- und Garagenvorplätzen zum
Strassenraum.14 Diese Vorgärten sind strassenseitig mit Pflanzen eingefriedet. Der aussen
aufgestellte Verdampfer der Wärmepumpe soll im Vorgarten der Bauherrschaft rund 2.5 m
entfernt von der Fassade des bestehenden Gebäudes aufgestellt werden und die Masse
von rund 1.25 m x 0.5 m x 1.31 m aufweisen.
c) Die OLK kam in ihrem Bericht vom 4. Mai 2017 zum Schluss, die Luft/Wasser-
Wärmepumpe sei vor dem bestehenden Gebäude sehr markant, erscheine in der
vorgefundenen Situation fremd und aufgrund der Zonenplanbestimmungen nicht
angebracht. Die Anordnung von technischen Elementen in Vorgärten möge in einer
Gewerbezone ohne Anforderungen an das Orts- und Landschaftsbild möglich erscheinen.
An der L._strasse handle es sich jedoch um ein völlig neues und ortsfremdes
14 Vgl. OLK-Bericht vom 4. Mai 2017, Vorakten pag. 67 f. sowie die bewilligten Pläne
RA Nr. 110/2017/83 14
Element. Die Platzierung von Luft/Wasser-Wärmepumpen sei in Nebenräumen möglich.
Auch die Anordnung an eine Aussenfassade würde die Integration des technischen
Elements verbessern. Die autonome Platzierung von Luft/Wasser-Wärmepumpen in
Vorgärten zum Strassenraum erzeuge in Wohnzonen keine gute Wirkung auf das Ortsbild.
Es seien deshalb alternative Standorte zu prüfen, wobei insbesondere der guten
Integration in die bestehende Bausubstanz Rechnung zu tragen sei.
d) Gemäss Art. 9 Abs. 1 BauG dürfen Bauten Landschaften, Orts- und Strassenbilder
nicht beeinträchtigen. Eine Beeinträchtigung liegt vor, wenn ein Bauvorhaben einen
Gegensatz zur bestehenden Überbauung oder Landschaft schafft, der erheblich stört.
Darüber hinaus dürfen die Gemeinden eigene Ästhetikvorschriften erlassen, die weiter
gehen können als die kantonalen Vorschriften (Art. 9 Abs. 3 BauG). Derartige Vorschriften
müssen, um selbständige Bedeutung zu erlangen, konkreter gefasst sein als die
Anordnungen des kantonalen Rechts, sie dürfen Letztere nicht bloss allgemein anders
formulieren.15 Die Gemeinde Spiez hat solche selbständige Ästhetikvorschriften erlassen.
Gemäss Art. 411 Abs. 1 GBR sind Bauten und Anlagen so zu gestalten, dass zusammen
mit ihrer Umgebung eine gute Gesamtwirkung entsteht. Beim Begriff „gute Gesamtwirkung“
gemäss Art. 411 Abs. 1 GBR handelt es sich um eine ästhetische Generalklausel. Der
Begriff „gute Gesamtwirkung“ stellt dabei einen unbestimmten kommunalen
Gesetzesbegriff dar, bei dessen Auslegung die kommunalen Behörden einen gewissen
Beurteilungsspielraum haben. Jedoch dürfen an das Erfordernis der guten Gesamtwirkung
nicht unverhältnismässig hohe Ansprüche gestellt werden. Die „gute Gesamtwirkung“ ist
weder an geringen noch an besonders hohen architektonischen Qualitäten zu messen.
Das bedeutet bei durchschnittlichen örtlichen Gegebenheiten, dass das Mittelmass der
Umgebung nicht gestört werden darf und sich ein neues Bauvorhaben an den qualitativ
hochwertigeren Bauten und Anlagen der Umgebung zu orientieren hat.16 Gemäss
Zonenplan der Gemeinde Spiez befindet sich die Parzelle der Bauherrschaft im
Ortsbilderhaltungsgebiet. Die Ortsbilderhaltungsgebiete sind Schutzgebiete nach Art. 86
BauG und umfassen die für das Ortsbild prägenden Siedlungsteile (Art. 511 Abs. 1 GBR).
Für solche Ortsbilderhaltungsgebiete bestimmt Art. 511 Abs. 2 GBR, dass sich Neu-, An-
und Umbauten optimal ins Ortsbild einzufügen haben. Der Charakter der Aussenräume
mitsamt den prägenden Elementen wie Wegnetz, Vorgärten, -plätze, Einfriedungen,
15 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 9/10 N. 4 f. und 13; BVR 2009 S. 328 E. 5.2 mit Hinweisen 16 Vgl. BGer 1P.678/2004 vom 21.6.2005, E. 4.3; VGE 22961 vom 26.11.2007 i.S. F. AG, E. 3.4 und 3.5 mit Hinweisen, BVR 2009 S. 328 E. 5.2 und 5.3
RA Nr. 110/2017/83 15
Bäume und Obstgärten ist zu erhalten und ortsbildgerecht zu erneuern (Art. 511 Abs. 4
GBR). Wichtige Grundlage für die Analyse des Ortsbildes bilden das Bauinventar und das
Inventar schützenswerter Ortsbilder der Schweiz (ISOS).17
e) Im Bauinventar des Kantons Bern ist das Grundstück der Bauherrschaft nicht erfasst.
Es befindet sich allerdings in der Nähe der Baugruppe AC_, welche die
Villenbebauung an der L._strasse umfasst. Das ISOS misst der Gemeinde Spiez
regionale Bedeutung zu. Gemäss ISOS-Auszug befindet sich die Parzelle der
Bauherrschaft an der Grenze der Umgebungszonen (U-Zo) U._ (O._ und
P._) und V._ (Q._ und R._). Die U-Zo U._ ist
gekennzeichnet durch eine AD._ , den AF._, das AG._ und das
den Q._ umfassende Gelände mit Einfamilienhäusern. Vom ISOS erfasste
Einzelelemente in der U-Zo U._ sind das W._ mit X._, das
Y._, die Gebäude der Z._, die AA._ sowie die AB._. Die
U-Zo V._ beinhaltet demgegenüber eine AC._ mit öffentlichen Bauten.
Bedeutende Einzelelemente in der U-Zo V._ sind ein AD._, der
S._, ein alter AE._ sowie mehrere Einfamilienhäuser beim AF._.
f) Betreffend die Bestimmungen im Baureglement ist es vorab Sache der Gemeinde zu
bestimmen, wie sie ihre kommunalen Vorschriften verstanden haben will. Ihr steht aufgrund
der Gemeindeautonomie bei der Auslegung und Anwendung ihrer (Ästhetik-)Normen ein
gewisser Beurteilungsspielraum zu. Wird die Anwendung einer solchen Bestimmung
Gegenstand eines Beschwerdeverfahrens, darf die Rechtsmittelinstanz lediglich prüfen, ob
die Auslegung der Gemeinde rechtlich haltbar ist. Sie ist hingegen nicht befugt, die
kommunale Auslegung und Anwendung der Norm, welche naturgemäss die zuständige
Exekutivbehörde vorzunehmen hat, durch ihr eigenes Verständnis zu ersetzen, wenn die
Rechtsauffassung der Gemeinde rechtlich vertretbar erscheint.18
g) Aus dem zum ISOS und zum Bauinventar Gesagten ergibt sich, dass das
Baugrundstück nicht zu den für das Ortsbild prägenden Elementen zählt. Es ist zwar
nachvollziehbar, dass die OLK ein technisches Gerät in einem Vorgarten an der
L._strasse als fremd qualifiziert. Das Grundstück steht aber nicht in einer
optischen Verbindung zu den im ISOS genannten Elementen. Das Grundstück liegt sodann
17 Kommentierung zu Art. 511 GBR 18 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 9/10 N. 5.
RA Nr. 110/2017/83 16
nahe einer Baugruppe, ist selbst aber weder Teil dieser Gruppe noch sonst wie im
Bauinventar verzeichnet. Diese für das Ortsbilderhaltungsgebiet verhältnismässig geringe
Standortbedeutung ist bei den Anforderungen an die ästhetische Integration des
Wärmepumpen-Aussengeräts zu berücksichtigen. Mittels einer abgestimmten
Gartenbepflanzung kann das lediglich 1.25 m x 0.5 m x 1.31 m grosse Gerät weiter so
kaschiert werden, dass es optisch kaum noch in Erscheinung tritt. Auch der
Beschwerdeführer 7 verlangt im Übrigen nicht mehr als eine Bepflanzung. Eine Auflage
betreffend Bepflanzung steht auch nicht im Widerspruch zur Beurteilung der OLK. Die OLK
kam einzig zum Schluss, das Gerät als solches füge sich nicht in das Ortsbild ein. Zu einer
Bepflanzung äusserte sich die OLK nicht, da diese zum Beurteilungszeitpunkt von der
Bauherrschaft auch noch nicht vorgeschlagen war. Mit einer Beschränkung der
Sichtbarkeit des Wärmepumpen-Aussengeräts mittels entsprechender Gartenbepflanzung
ist nach dem Gesagten weder das Baugesetz noch das ISOS verletzt. Dass die Gemeinde
ihre eigenen Ästhetikvorschriften als erfüllt beurteilte, ist zudem vertretbar und rechtlich
nachvollziehbar.
h) Die Beschwerdeführenden berufen sich weiter auf einen Dienstbarkeitsvertrag aus
dem Jahr 1975/1976, welcher bei Errichtung der Siedlung u.a. zwischen dem damaligen
Grundeigentümer und der Einwohnergemeinde Spiez abgeschlossen wurde. Auch dieser
erlaube die Errichtung eines aussen aufgestellten Verdampfers einer Wärmepumpe nicht.
Im Baubewilligungsverfahren werden private Rechte grundsätzlich nicht überprüft. Dafür ist
das Zivilverfahren vorgesehen. Die Baubewilligung ist eine Polizeibewilligung. Sie stellt
fest, dass ein Bauvorhaben mit den öffentlich-rechtlichen Regeln und insbesondere mit der
Bau- und Planungsgesetzgebung übereinstimmt. Dies bedeutet, dass die
Baubewilligungsbehörde einem Gesuch um Erteilung einer Baubewilligung zu entsprechen
hat, wenn dieses die formellen Voraussetzungen erfüllt und dem öffentlich-rechtlichen
Baupolizeirecht, den Vorschriften über die Raumplanung und den Umweltschutz sowie
weiteren öffentlich-rechtlichen Vorschriften nicht widerspricht, ungeachtet allfälliger
Privatrechte, wie z. B. Dienstbarkeiten. Für die Durchsetzung von Zivilansprüchen steht der
zivilrechtliche Rechtsweg offen. Der Grundsatz der strikten Trennung zwischen Privat- und
Verwaltungsrecht wird einzig in zwei Fällen durchbrochen: Zivilrechtliche Bestimmungen
werden im Baubewilligungsverfahren einerseits angewendet, wenn die Baugesetzgebung
privatrechtliche Tatbestände voraussetzt oder ausdrücklich als massgebend erklärt, wie
beispielsweise zur Sicherung einer über fremden Boden führenden Zufahrt. Andererseits
RA Nr. 110/2017/83 17
ist das Zivilrecht zu berücksichtigen, wenn die Bauherrschaft auf fremdem Boden baut.19
Keine der beiden genannten Ausnahmen liegt hier vor. Die BVE hat die Dienstbarkeit aus
dem Jahre 1975/1976 nicht zu prüfen. An der privatrechtlichen Natur des
Dienstbarkeitsvertrags ändert nichts, dass einerseits die Gemeinde Vertragspartei ist und
andererseits der Vertrag auf die damaligen Sonderbauvorschriften T._ (SBV)
verweist.
i) Nach dem Gesagten erweist sich für die Einhaltung der Ästhetikvorschriften die
Aufnahme der von der Vorinstanz versehentlich nicht ins Dispositiv aufgenommenen
Bepflanzungsauflage als notwendig, aber auch als ausreichend. Zur konkreten
Ausgestaltung der Auflage verlangt der Beschwerdeführer 7, die Bepflanzung müsse einen
allseitigen und ganzjährigen Sichtschutz gewährleisten und dürfe die Verkehrssicherheit
nicht beeinträchtigen. Ausserdem müssten mit der Bepflanzung die privat- und
nachbarrechtlichen Vorschriften eingehalten werden. Eine allseitige Bepflanzung würde
jedoch die Funktionalität des Wärmepumpen-Aussengeräts beeinträchtigen und ist damit
nicht vorzuschreiben. Dass die Bepflanzung weder privat- noch öffentlich-rechtliche
Vorschriften verletzen darf, gilt sodann bereits von Gesetzes wegen und muss ebenfalls
nicht eigens angeordnet werden. Die Auflage zur Ästhetik hat einzig sicherzustellen, dass
das Wärmepumpen-Aussengerät vom öffentlichen Raum her möglichst nicht zu sehen ist
und die Ästhetik damit gewahrt bleibt.
7. Lärm der Wärmepumpe
a) Die Beschwerdeführenden rügen weiter den Lärm der Wärmepumpe. Die
Beschwerdeführenden 1-6 bringen vor, die Beschwerdegegnerin und der
Beschwerdegegner würden widersprüchliche Angaben zur Art der Wärmepumpe machen,
weshalb sich die Frage stelle, ob ein seriöses Lärmgutachten überhaupt möglich sei. Der
Beschwerdeführer 7 macht zudem geltend, die Vorinstanz habe in der Begründung des
angefochtenen Entscheids zwar den Fachbericht Immissionsschutz des beco als richtig
anerkannt, die im Bericht geforderten Auflagen betreffend Vorsorgewerte aber nicht in das
Entscheiddispositiv aufgenommen. Der angefochtene Entscheid sei deshalb mit
entsprechenden Auflagen zu ergänzen. Der Beschwerdeführer 7 verlangt schliesslich im
19 Vgl. BVR 2003 S. 385 mit Hinweisen, BDE vom 22. April 2008 E. 5, RA-Nr. 110/2007/147 mit Hinweisen
RA Nr. 110/2017/83 18
Sinne einer Reduktion der Lärmimmissionen, dass die Wärmepumpe während der
Nachtzeit nur im sog. "Silentmodus 2" betrieben werden dürfe.
Die Vorinstanz führt in ihrer Stellungnahme vom 6. September 2017 aus, die Anordnung
einer Auflage betreffend Einhaltung der Vorsorgewerte versäumt zu haben. Die vom
Beschwerdeführer 7 zusätzlich geforderte Auflage, die Wärmepumpe nachts im
"Silentmodus 2" laufen zu lassen, sei dagegen unverhältnismässig.
b) Bei der geplanten Wärmepumpe handelt es sich um eine ortsfeste Anlage im Sinne
von Art. 7 Abs. 2 USG20 und Art. 2 Abs. 1 LSV21, bei deren Betrieb Lärm verursacht wird.
Als neue Anlage muss sie die Planungswerte der Umgebung einhalten (Art. 25
Abs. 1 USG, Art. 7 Abs. 1 Bst. b LSV). Darüber hinaus müssen die Lärmemissionen im
Rahmen der Vorsorge unabhängig von der bestehenden Umweltbelastung so weit
begrenzt werden, als dies technisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar ist
(Art. 11 Abs. 2 USG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 Bst. a LSV). Diesem Vorsorgeprinzip liegt der
Gedanke der Prävention zugrunde. Aus dem Vorsorgeprinzip lässt sich jedoch nicht
ableiten, von einer Anlage Betroffene hätten überhaupt keine Belastungen hinzunehmen.
Soweit die Entstehung bestimmter Emissionen nicht verhindert werden kann, dienen die
gestützt auf das Vorsorgeprinzip zu ergreifenden Massnahmen dazu, Mensch und Umwelt
gegen die Einwirkungen abzuschirmen. Das Vorsorgeprinzip hat somit hinsichtlich der
Einwirkungen nicht zwingend eliminierenden Charakter, doch leistet es jedenfalls einen
Beitrag zu deren Begrenzung.22 Die Massnahmen, die gestützt auf dieses Prinzip verfügt
werden, müssen verhältnismässig sein.23
Das beco hat für Wärmepumpen Vorsorgewerte definiert, die strenger sind als die
Planungswerte. Die Liegenschaften der Parteien befinden sich in der Wohnzone. Es gilt die
Empfindlichkeitsstufe (ES) II (Art. 211 GBR). Der Vorsorgewert des beco für
Wärmepumpen in der ES II beträgt während der akustischen Tageszeit (07.00 - 19.00 Uhr)
43 dB(A) und während der Nachtzeit (19.00 - 07.00 Uhr) 33 dB(A).24 Diese Werte gelten
20 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01). 21 Lärmschutz-Verordnung des Bundesrates vom 15. Dezember 1986 (LSV; SR 814.41). 22 BGE 124 II 517 E. 4a. 23 BGE 127 II 306 E. 8. 24 www.vol.be.ch > Luft & Immissionen > Lärm > Heizung, Lüftung & Klima > Vorsorgewerte des beco zur Schallpegelbegrenzung bei Einzelanlagen
RA Nr. 110/2017/83 19
bezüglich der nächsten lärmempfindlichen Räume (Räume in Wohnungen, ausgenommen
Küchen ohne Wohnanteil, Sanitärräume und Abstellräume) und werden in der Mitte des
offenen Fensters ermittelt (Art. 39 Abs. 1 LSV).
c) Das beco äusserte sich mit Fachbericht vom 18. April 2017 zum Bauvorhaben.
Gestützt auf die Baugesuchsunterlagen und eine Besichtigung vor Ort kam das beco zum
Ergebnis, die Wärmepumpe halte die Vorsorgewerte und die Planungswerte in der
Umgebung ein. Das Bauvorhaben könne deshalb bewilligt werden. Die Bewilligung sei
allerdings mit der Auflage zu versehen, wonach die von der Wärmepumpe allein erzeugten
Lärmimmissionen die Vorsorgewerte beco nicht überschreiten dürfen. Das beco führte im
Fachbericht weiter aus, der Vorsorge sei mit Einhaltung der Vorsorgewerte genügend
Rechnung getragen worden, es sei denn, mit geringem Aufwand könne eine zusätzliche
Geräuschreduktion bei der Wärmepumpe erzielt werden. Vorliegend sei abzuklären, ob die
Wärmepumpe nachts, 19.00 bis 07.00 Uhr, im Flüstermodus betrieben werden könnte.
Dies würde eine Geräuschreduktion von 3 bis 5 db erwirken. Weitere
Vorsorgemassnahmen, die wirtschaftlich tragbar wären, seien aus Sicht des beco nicht
möglich.
d) Die vom beco definierten Vorsorgewerte für Wärmepumpen werden gemäss den
Berechnungen im Fachbericht eingehalten. Die Beschwerdeführenden 1-6 bringen zwar
sinngemäss vor, es sei nicht klar, ob es sich vorliegend um eine Luft/Wasser-
Wärmepumpe oder um eine Luft/Luft-Wärmepumpe handle. Eine seriöse Lärmbeurteilung
sei deshalb nicht möglich. Ob es sich um eine Luft/Luft- oder Luft/Wasser-Wärmepumpe
handelt, hat jedoch weder Einfluss auf die gesetzlichen Lärmgrenzwerte noch auf die durch
das beco vor Ort und in Kenntnis der konkreten Modellart vorgenommene Lärmbeurteilung.
Die Beschwerdeführenden erläutern denn auch nicht, inwiefern die konkrete
Lärmbeurteilung falsch sei. Die BVE sieht keinen Anlass, von der Einschätzung der
Fachbehörde abzuweichen. Die konkrete Wärmepumpe hält die Planungs- und
Vorsorgewerte ein. Das beco beantragte im Fachbericht, die Einhaltung mit einer
entsprechenden Auflage zusätzlich sicherzustellen. Diese Auflage ist geeignet, die
Einhaltung der Vorsorgewerte auch künftig zu gewährleisten. Die Vorinstanz räumt ein,
eine entsprechende Auflage versehentlich nicht im Entscheiddispositiv angeordnet zu
haben. Der angefochtene Entscheid ist folglich mit einer solchen Auflage zu ergänzen.
Dass die Vorinstanz entgegen ihren Erwägungen im angefochtenen Entscheid die Auflage
des beco nicht auch im Entscheiddispositiv aufführte, ist zwar ein bedauerliches
RA Nr. 110/2017/83 20
Versäumnis, stellt entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers 7 aber keine Verletzung
des rechtlichen Gehörs dar.
e) In der Bedienungsanleitung zur umstrittenen Wärmepumpe wird der "Silent mode"
umschrieben als geräuschreduzierter Betrieb. Der "Silent mode" hat Auswirkungen auf die
Heizleistung und die Effizienz der Wärmepumpe. Beim "Silent mode 1" laufen der Lüfter
und/oder der Verdichter mit gedrosselter Leistung. Beim "Silent mode 2" sind Verdichter
und Lüfter gestoppt. Die Erwärmung übernimmt der zweite Wärmeerzeuger. Ist der "Silent
mode 2" aktiv, entstehen höhere Stromkosten.25
In der Praxis des beco ist unter dem Flüstermodus ein reduzierter Betrieb der
Wärmepumpe zu verstehen. Dieser entspricht nach dem Gesagten dem vorliegenden
"Silentmodus 1". Dieser Flüstermodus ist einfach zu programmieren und verursacht nur
geringfügige Zusatzkosten, hauptsächlich durch leicht erhöhten Strombedarf. Der
Flüstermodus ist technisch und wirtschaftlich tragbar und damit verhältnismässig. Im Sinne
des Vorsorgeprinzips erweist es sich somit als geboten, die umstrittene Wärmepumpe
während der akustischen Nachtzeit im Flüstermodus bzw. "Silentmodus 1" laufen zu
lassen. Dies kann mit einer Auflage sichergestellt werden, weshalb der angefochtene
Entscheid mit einer entsprechenden Auflage zu ergänzen ist. Anders verhält es sich mit
dem "Silentmodus 2". In diesem Modus sind Verdichter und Lüfter abgeschaltet. Es
entspricht nicht dem Zweck des Vorsorgeprinzips, eine zulässige Heizung nicht betreiben
zu dürfen. Eine eigentliche Stilllegung der Wärmepumpe von 19.00 bis 07.00 Uhr wäre
höchstens dann angezeigt, wenn mit anderen Massnahmen die Lärmwerte während der
akustischen Nachtzeit nicht eingehalten werden können. Das ist vorliegend nicht der Fall.
Wie dargelegt, liegen die Lärmwerte der Wärmepumpe auch ohne zusätzliche
Massnahmen bereits unter den Vorsorgewerten des beco. Der "Silentmodus 2", also das
Abschalten des Lüfters und/oder Verdampfers, ist damit nicht angezeigt.
f) Der Beschwerdeführer 7 bringt jedoch vor, die Beschwerdegegnerin und der
Beschwerdegegner hätten sich selbst dazu verpflichtet, nachts den "Silentmodus 2" zu
aktivieren. Dies, indem sie im Baugesuch angegeben hätten, dass während der
akustischen Nachtzeit nicht gearbeitet werde. Im Lärmschutznachweis hätten sie zudem
25 Vorakten, Beilage 13 zur Stellungnahme des Beschwerdeführers 7 vom 19. Juni 2017
RA Nr. 110/2017/83 21
als Massnahme den "Silentmodus" angegeben. Auf dieser doppelten Selbstdeklaration
seien die Beschwerdegegnerin und der Beschwerdegegner zu behaften.
Das Baugesuchsformular 2.1 (Immissionsschutz) enthält die Frage: "Wird während der
akustischen Nachtzeit (19.00-07.00 Uhr) gearbeitet?". Diese Frage beantwortete die
Bauherrschaft mit "nein". Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers 7 lässt sich daraus
nicht schliessen, die Beschwerdegegnerin und der Beschwerdegegner hätten sich zum
"Silentmodus 2" bekannt. Diese im Baugesuchsformular enthaltene Frage bezieht sich
nicht auf die vorgesehene Nutzung der einmal erstellten Baute bzw. Anlage, sondern auf
die Bauarbeit des zu erstellenden Objekts selbst. Es wird mit anderen Worten danach
gefragt, ob zur Erstellung des Bauvorhabens auch während der akustischen Nachtzeit
gearbeitet wird. Damit lässt sich aus der verneinten Frage der Nachtarbeit nicht ableiten,
die Bauherrschaft hätte im Baugesuch zum Ausdruck gebracht, die Wärmepumpe nachts
abzuschalten. Dasselbe gilt auch für die von der Bauherrschaft ausgefüllten
Lärmschutznachweise. Auf diesen Formularen kann die Bauherrschaft
Lärmschutzmassnahmen benennen und ein entsprechendes Kästchen ankreuzen, sofern
sie Lärmschutzmassnahmen ergreifen will. Im ursprünglichen Lärmschutznachweis vom
25. Mai 2016 gab die Bauherrschaft den "Silentmodus" als Lärmschutzmassnahme an. Sie
spezifizierten diesen jedoch nicht weiter und gaben insbesondere nicht an, ob der Modus 1
oder 2 gemeint ist. Sie kreuzten auch das dazugehörige Kästchen auf dem Formular nicht
an und nahmen in den Lärmberechnungen auf dem Formular keine Pegelreduktion
aufgrund des "Silentmodus" vor. Am 2. August 2016 reichte die Bauherrschaft zudem neue
Lärmschutznachweise ein, in welchen sie den "Silentmodus" nicht mehr als
Lärmschutzmassnahme aufführte. Es fragt sich also, ob die Bauherrschaft überhaupt
deklarierte, den "Silentmodus" tatsächlich benutzen zu wollen. So oder anders hat sie sich
aber nicht dazu verpflichtet, die Wärmepumpe nachts im "Silentmodus 2" laufen zu lassen;
solches geht weder aus dem ersten Lärmschutznachweis vom 25. Mai 2016 noch aus den
nachfolgenden Nachweisen vom 2. August 2016 hervor.
8. Anmerkung der Auflagen im Grundbuch
a) Der Beschwerdeführer 7 beantragt, die Auflagen zur Ästhetik und zum Lärm im
Grundbuch anmerken zu lassen bzw. die Anweisung des Grundbuchamts, diese
Anmerkung vorzunehmen. Zur Begründung macht er geltend, zum Schutz gutgläubiger
RA Nr. 110/2017/83 22
Erwerber des Baugrundstücks seien die Auflagen im Grundbuch anzumerken. Im Falle
einer Eigentumsübertragung am Baugrundstück schütze die Grundbuchanmerkung
gleichzeitig die durch die Auflage unmittelbar geschützten Nachbarn und die Öffentlichkeit.
b) Auflagen sind als öffentlich-rechtliche Eigentumsbeschränkungen auch ohne
Grundbucheintrag gegenüber der Bauherrschaft, den Grundeigentümern und ihren
Rechtsnachfolgern durchsetzbar. Ihre Anmerkung im Grundbuch hat lediglich
Informationscharakter und ist nicht Gültigkeitserfordernis.26 Fehlt ein Eintrag im Grundbuch,
ist selbst ein gutgläubiger Erwerber des Grundstücks grundsätzlich nicht geschützt.27
Entsprechend sieht das Gesetz nur in wenigen, vorliegend nicht einschlägigen Ausnahmen
vor, dass Nebenbestimmungen im Grundbuch anzumerken sind (vgl. Art. 29 Abs. 3 BauG).
Die konkreten Auflagen zur Bepflanzung und zum Lärm der Wärmepumpe haben auch
ohne deren Anmerkung im Grundbuch sowohl für die Beschwerdegegnerin und den
Beschwerdegegner als auch für deren allfällige Rechtsnachfolger Geltung. Für eine
autoritativ angeordnete Anmerkung der Auflagen im Grundbuch fehlt es nicht nur an der
Notwendigkeit, sondern auch an den gesetzlichen Grundlagen.
9. Übrige Vorbringen und Beweisanträge des Beschwerdeführers 7
a) Die vom Beschwerdeführer 7 gestellten Rechtsbegehren sind mit den vorstehenden
Erwägungen abschliessend beurteilt. Soweit seinen Anträgen nicht entsprochen werden
konnte, wurden die sachbezogenen Rügen des Beschwerdeführers 7 aufgegriffen und die
teilweise Abweisung bzw. das teilweise Nichteintreten einlässlich begründet. Damit ist auf
weitere Rügen des Beschwerdeführers 7, welche für die Entscheidfindung entweder nicht
massgeblich sind oder die in keinem direkten Zusammenhang zu den von ihm gestellten
Begehren stehen, nicht weiter einzugehen.
b) Wenn die Behörde bei freier, pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung
gelangt, die vorhandenen Akten erlaubten die richtige und vollständige Feststellung des
Sachverhalts oder die behauptete Tatsache sei für die Entscheidung der Streitsache nicht
von Bedeutung, so kann sie auf das Erheben weiterer Beweise verzichten. Diese
26 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 29 N 8, m.w.H. 27 BGE 111 Ia 182 E. 4
RA Nr. 110/2017/83 23
sogenannte antizipierte Beweiswürdigung verletzt den Anspruch auf rechtliches Gehör
nicht.28 Die vom Beschwerdeführer 7 beantragten Beweiserhebungen erweisen sich als
nicht notwendig. Die vorstehenden Erwägungen zeigen, dass die Beschwerde auch ohne
diese Beweiserhebungen beurteilt werden kann. Die Beweisanträge sind daher
abzuweisen.29
10. Zusammenfassung und Kosten
a) Zusammenfassend wird die Baubewilligung für die Wärmepumpe bestätigt. Der
angefochtene Entscheid wird aber durch Auflagen zur Ästhetik sowie zum Lärmschutz
ergänzt.
b) Die Grundsätze der Kostenverlegung sind in Art. 108 VRPG geregelt. Demnach
werden die Verfahrenskosten der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Die
Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr. Für
besondere Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren
erhoben werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Die Pauschalgebühr wird auf Fr. 1'200.--,
ausmachend Fr. 500.-- für die Beschwerde der Beschwerdeführenden 1-6 und Fr. 700.--
für die aufwändigere Beschwerde des Beschwerdeführers 7, festgesetzt (Art. 103 Abs. 2
VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 GebV30).
Die Beschwerdeführenden 1-6 verlangen die Aufhebung des angefochtenen Entscheids
und die Erteilung des Bauabschlags. Diesem Begehren wird nicht entsprochen, womit die
Beschwerdeführenden 1-6 grundsätzlich als unterliegend gelten. In der Begründung ihrer
Beschwerde führen sie jedoch aus, es wäre das Mindeste gewesen, "objektbezogene
Auflagen betreffend Lärm und Bepflanzung im juristisch relevanten Teil des Bauentscheids
zu formulieren". An die Beschwerde von Laien sind keine hohen Anforderungen zu stellen.
Diese Formulierung der anwaltlich nicht vertretenen Beschwerdeführenden 1-6 ist damit als
28 BVR 2012 S. 252 E. 3.3.3, mit Hinweisen 29 siehe dazu: Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 18 N. 8 ff. 30 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
RA Nr. 110/2017/83 24
sinngemässer Eventualantrag zu qualifizieren. Die Beschwerdeführenden 1-6
konkretisieren die verlangten Auflagen aber nicht weiter. Angesichts des bloss sinngemäss
gestellten und inhaltlich nicht näher umschriebenen Eventualantrags können die
Beschwerdeführenden 1-6 bei diesem Verfahrensausgang zu nicht mehr als 1/5 als
obsiegend gelten. Die Beschwerdeführenden 1-6 haben damit Verfahrenskosten von 4/5,
ausmachend Fr. 400.--, zu bezahlen. Sie haften solidarisch für den gesamten auf sie
entfallenden Betrag. Die Beschwerdegegnerin und der Beschwerdegegner unterliegen zu
1/5 und haben entsprechende Verfahrenskosten von Fr. 100.-- zu tragen. Auch sie haften
solidarisch für den gesamten auf sie entfallenden Betrag.
Der Beschwerdeführer 7 dringt mit rund der Hälfte seiner in der Beschwerde gestellten
Rechtsbegehren durch. Er ist damit zur Hälfte obsiegend. Dasselbe gilt für die
Beschwerdegegnerin und den Beschwerdegegner, welche die Abweisung der
Beschwerden beantragen. Der auf die Beschwerde des Beschwerdeführers 7 entfallende
Teil der Verfahrenskosten von Fr. 700.-- ist folglich zwischen dem Beschwerdeführer 7 und
der Beschwerdegegnerin sowie dem Beschwerdegegner hälftig aufzuteilen. Die
Beschwerdegegnerin und der Beschwerdegegner haben entsprechend Verfahrenskosten
von Fr. 350.-- zu bezahlen. Aufgrund der untergeordneten Verletzung des rechtlichen
Gehörs des Beschwerdeführers 7 wird der auf ihn entfallende Verfahrenskostenanteil von
Fr. 350.-- reduziert um einen Fünftel. Der Beschwerdeführer 7 hat somit Verfahrenskosten
von Fr. 280.-- zu tragen. Behördliche Fehlleistungen wie die Verletzung des rechtlichen
Gehörs stellen besondere Umstände im Sinn von Art. 108 Abs. 1 VRPG dar.31 Es
rechtfertigte sich daher, die Gemeinde zu verpflichten, die verbleibenden Verfahrenskosten
von Fr. 70.-- zu übernehmen. Da die Gemeinde nicht in ihren Vermögensinteressen
betroffen ist, können ihr aber keine Verfahrenskosten auferlegt werden (Art. 108 Abs. 2
VRPG). Die restlichen Verfahrenskosten von Fr. 70.-- trägt deshalb der Kanton.
c) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Parteikosten umfassen den durch die
berufsmässige Parteivertretung anfallenden Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Nach Art. 11
31 VGE 21682 vom 3. September 2003, E. 3.2, in BVR 2004 S. 138.
RA Nr. 110/2017/83 25
Abs. 1 PKV32 beträgt das Honorar in verwaltungsrechtlichen Beschwerdeverfahren
Fr. 400.-- bis Fr. 11'800.-- pro Instanz. Innerhalb des Rahmentarifs bemisst sich der
Parteikostenersatz nach dem in der Sache gebotenen Zeitaufwand sowie der Bedeutung
der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 41 Abs. 3 KAG33). Die Anwältin
des Beschwerdeführers 7 macht ein Honorar von Fr. 11'250.--, Auslagen von Fr. 452.-- und
Mehrwertsteuern geltend. Im vorliegenden Fall sind allerdings der gebotene Zeitaufwand,
die Bedeutung der Streitsache und die Schwierigkeit des Prozesses als
unterdurchschnittlich einzustufen. Daher erscheint eine Ausschöpfung des
Gebührenrahmens zu einem Viertel und damit ein Honorar von Fr. 3'250.-- als
angemessen. Die Parteikosten des Beschwerdeführers 7 werden somit festgelegt auf
Fr. 3'998.15 (Honorar Fr. 3'250.--, Auslagen Fr. 452.--, Mehrwertsteuern 296.15). Der zur
Hälfte obsiegende Beschwerdeführer 7 hat damit Anspruch auf Ersatz eines
Parteikostenanteils von gerundet Fr. 1'999.10. Die Tragung dieser Parteikosten wird der
Beschwerdegegnerin und dem Beschwerdegegner im Umfang von 4/5, ausmachend Fr.
1'599.30, auferlegt. Sie haften solidarisch für den Betrag. Die übrigen Parteikosten im
Umfang von Fr. 399.80 hat die Gemeinde Spiez zu tragen.
Auf Seiten der Beschwerdegegnerin und des Beschwerdegegners sowie der
Beschwerdeführenden 1-6 sind keine ersatzfähigen Parteikosten entstanden (Art. 104
Abs. 1 und 2 VRPG).