# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 184257a6-fc9b-4fa7-b263-0934cb8038b9
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
a. Die serbische Staatsangehörige X._, geboren 1959, reiste am 7. November 1994 im
Rahmen des Familiennachzugs zu ihrem Ehemann, den sie am 29. Juni 1980 im
Heimatland geheiratet hatte, in die Schweiz ein und erhielt eine Aufenthaltsbewilligung.
Die Ehe wurde am 3. Juni 2004 geschieden. Aus der Ehe ging ein Sohn, geboren 1980,
hervor. Seit der Einreise war X._ Mutter und Hausfrau.
b. Das im September 2004 eingereichte Gesuch um Erteilung einer
Niederlassungsbewilligung wies das damalige Ausländeramt (heute: Migrationsamt) mit
Verfügung vom 6. Oktober 2004 ab. Es hielt fest, dass X._ zwar die zeitlichen
Voraussetzungen erfülle, jedoch nicht alleine für ihren Lebensunterhalt aufkommen
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könne. Das Gesuch um Erteilung der Niederlassungsbewilligung könne nicht
abschliessend geprüft werden, da ein IV-Verfahren pendent sei (act. Migrationsamt 56).
Ab November 2004 bezog X._ Sozialhilfeleistungen (act. Migrationsamt 82). Mit
Verfügung vom 15. November 2007 sprach die IV-Stelle X._ eine befristete halbe IV-
Rente vom 1. Februar 2005 bis 30. November 2006 zu. Sie litt vorübergehend an einer
Depression und war zu 50% arbeitsunfähig. Anschliessend wurde ihr eine 80%-ige
Arbeitsfähigkeit attestiert (act. Migrationsamt 87 ff.). Bis Ende März 2009 war X._ auf
dem zweiten Arbeitsmarkt bei der A._ AG tätig (act. Migrationsamt 74, 82). Vom
3. August 2009 bis 2. August 2011 bezog X._ Arbeitslosentaggelder
(act. Migrationsamt 108 ff.). Das erneute Leistungsbegehren um Ausrichtung einer IV-
Rente vom Mai 2009 wurde mit Verfügung vom 27. März 2012 abgewiesen. Die IV-
Stelle hielt fest, dass sich der Gesundheitszustand von X._ seit dem Gutachten des
Ärztlichen Begutachtungsinstituts (ABI) nicht relevant verändert habe und sie weiterhin
als 80% arbeitsfähig gelte (act. Migrationsamt 125). Ab dem 2. Juli 2012 bis 30. April
2014 arbeitete X._ wieder auf dem zweiten Arbeitsmarkt bei der A._ AG (act.
Migrationsamt 200).
c. Das Migrationsamt verlängerte die Aufenthaltsbewilligung von X._ am 7. November
2012. Allerdings unter der Bedingung, dass sich X._ aktiv um eine Stelle auf dem
ersten Arbeitsmarkt bemühe und bald die Sozialhilfe abgelöst werden könne (act.
Migrationsamt 134.). Bis zum November 2013 stiegen die Sozialhilfeschulden weiter an
und betrugen CHF 150'916.35 (act. Migrationsamt 143). Daher verwarnte das
Migrationsamt X._ mit Verfügung vom 4. Dezember 2013. Die Arbeitsbemühungen für
die Monate Januar bis Oktober 2013 erachtete das Migrationsamt als ungenügend.
X._ wurde erneut angehalten, sich künftig in jeder Beziehung klaglos zu verhalten
(Loslösung von der Sozialhilfe, Bewähren als Arbeitskraft im ersten Arbeitsmarkt, act.
Migrationsamt 156 ff.). Nachdem sich X._ seriös um Arbeitsstellen bemüht hatte,
verlängerte das Migrationsamt X._ im Jahr 2014 die Aufenthaltsbewilligung, weiterhin
unter den Bedingungen der aktiven Stellensuche und der Ablösung der Sozialhilfe (act.
Migrationsamt 205). Im Jahr 2015 wurde die Aufenthaltsbewilligung – soweit sich aus
den Akten ergibt – bedingungslos verlängert (act. Migrationsamt 259).
d. Mit Schreiben vom 16. November 2016 kündigte das Migrationsamt die
Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung an (act. Migrationsamt 301 ff.). Der
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Schuldensaldo bei der Sozialhilfe betrage CHF 189'346.13 (act. Migrationsamt 300).
Die Arbeitsbemühungen hätten nicht ausgereicht. Es liege damit ein Widerrufsgrund
vor. Im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs reichte der Rechtsvertreter von
X._ unter anderem einen Arztbericht von Dr. S._ vom 29. Dezember 2016 ein,
gemäss welchem X._ an einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig
mittelgradige bis schwere Episode, leide. Bei einer Rückkehr nach Serbien sei keine
adäquate medizinische Behandlung gewährleistet. Zudem leide X._ laut dem
Arztbericht von Dr. V._ vom 22. November 2016 an einer chronischen
Niereninsuffizienz, welche ebenfalls einer adäquaten Behandlung in der Schweiz
bedürfe (act. Migrationsamt 323 ff.). Eine Rückfrage beim Staatssekretariat für
Migration (SEM) ergab, dass die chronische Niereninsuffizienz auch in Serbien
behandelt werden könnte (Schreiben vom 21. März 2017, act. Migrationsamt 350 f.).
Am 10. Mai 2017 verfügte das Migrationsamt die Nichtverlängerung der
Aufenthaltsbewilligung (act. Migrationsamt 375 ff.). Den gegen diesen Entscheid
erhobenen Rekurs wies das Sicherheits- und Justizdepartement mit Entscheid vom
4. Juli 2018 ab.
B.
a. X._ (Beschwerdeführerin) reichte durch ihren Rechtsvertreter am 20. Juli 2018 und
mit Ergänzung vom 31. Oktober 2018 Beschwerde gegen den Entscheid des
Sicherheits- und Justizdepartements (Vorinstanz) beim Verwaltungsgericht ein. Sie
beantragte die Aufhebung des Entscheides der Vorinstanz bzw. der Verfügung des
Migrationsamtes vom 10. Mai 2017. Eventualiter sei die Angelegenheit zur
Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen; alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Zudem stellte sie den Antrag auf Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege und Rechtsverbeiständung. Gleichzeitig bat sie um Sistierung des
Beschwerdeverfahrens, da sich ihre finanzielle Situation, insbesondere wegen einer
neuen Teilzeit-Arbeitsstelle, wesentlich stabilisiert hätte und die weitere Entwicklung
hinsichtlich der Sozialhilfeschulden abzuwarten sei.
b. Der Abteilungspräsident des Verwaltungsgerichts bewilligte mit Schreiben vom
27. November 2018 die unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung und
bat um ergänzende Angaben hinsichtlich des Sistierungsantrags. Nach Gewährung
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diverser Fristverlängerungen nahm der Rechtsvertreter am 10. April 2019
abschliessend zur Entwicklung der finanziellen Situation Stellung.
Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 29. April 2019 die Abweisung

## Considerations

der Beschwerde und verwies zur Begründung auf die Erwägungen des angefochtenen
Entscheids. Zudem wies sie darauf hin, dass sich die Beschwerdeführerin trotz der
Teilzeit-Arbeitsstelle in absehbarer Zeit nicht dauerhaft von der Sozialhilfe lösen könne.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die
Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Als Adressatin des
angefochtenen Entscheids ist die im Rekursverfahren unterlegene Beschwerdeführerin
zur Ergreifung des Rechtsmittels berechtigt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1
VRP). Die Beschwerde wurde mit Eingabe vom 20. Juli 2018 rechtzeitig erhoben und
erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 31. Oktober 2018 formal wie inhaltlich die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1
und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist daher grundsätzlich einzutreten.
Nicht einzutreten ist darauf, soweit die Beschwerdeführerin beantragt, die Verfügung
des Migrationsamts sei aufzuheben. Die erstinstanzliche Verfügung ist durch den
Entscheid der Vorinstanz ersetzt worden; diese gilt im Beschwerdeverfahren zwar als
inhaltlich mitangefochten, jedoch ist deren selbständige Anfechtung ausgeschlossen
(Devolutiveffekt, BGer 2C_249/2014 vom 27. März 2015 E. 1.3 mit Hinweis auf BGE
138 II 169 E. 3.3).
2.
2.1. Im Beschwerdeverfahren sind neue Begehren gemäss Art. 61 Abs. 3 VRP
unzulässig, weshalb das Verwaltungsgericht Tatsachen, die nach Abschluss des
Rekursverfahrens eingetreten sind („echte Noven“), grundsätzlich nicht mehr
berücksichtigt (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Auf.
bis
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2003, Rz. 642). Im Bereich des Ausländerrechts hat das Verwaltungsgericht als
Ausnahme von diesem Grundsatz laut bundesgerichtlicher Rechtsprechung auf den
Sachverhalt im Zeitpunkt seines Entscheides abzustellen (BGE 128 II 149). Es hat also
entscheidwesentliche Tatsachen, die nach Abschluss des Rekursverfahrens
eingetreten sind, zu berücksichtigen (VerwGE B 2016/111 vom 16. Januar 2018 E. 2,
www.gerichte.sg.ch).
2.2. Mit der am 1. Januar 2019 in Kraft getretenen Revision des (vormaligen)
Ausländergesetzes (Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer; AuG),
welches neu Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer und über die
Integration (AIG, SR 142.20) heisst, erfuhr das Gesetz einige – für die vorliegende
Streitsache indes nicht massgebende – Anpassungen. Art. 126 Abs. 1 AIG bestimmt,
dass auf Gesuche, die vor dem Inkrafttreten des AIG eingereicht worden sind, das
bisherige materielle Recht anwendbar bleibt. Das Verfahren richtet sich demgegenüber
nach dem neuen Recht (Art. 126 Abs. 2 AIG). Da das Gesuch um Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung im November 2016 behandelt wurde, ist die Angelegenheit nach
dem bis zum 31. Dezember 2018 geltenden Ausländergesetz (AuG) in der Fassung vom
1. Oktober 2015 zu beurteilen.
2.3. Die Aufenthaltsbewilligung ist befristet und kann verlängert werden, wenn keine
Widerrufsgründe nach Art. 62 AuG vorliegen (Art. 33 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 62 Abs.
1 lit. e AuG kann die zuständige Behörde Bewilligungen, ausgenommen
Niederlassungsbewilligungen, widerrufen, wenn die Ausländerin oder der Ausländer
oder eine Person, für die er zu sorgen hat, auf Sozialhilfe angewiesen ist. Dabei geht
es in erster Linie darum, eine zusätzliche und damit künftige Belastung der öffentlichen
Wohlfahrt zu vermeiden. Es muss auf die wahrscheinliche finanzielle Entwicklung bei
der ausländischen Person abgestellt werden; erforderlich ist eine konkrete Gefahr der
Sozialhilfeabhängigkeit; blosse finanzielle Bedenken genügen nicht. Es ist neben den
bisherigen und den aktuellen Verhältnissen auch die wahrscheinliche finanzielle
Entwicklung auf längere Sicht abzuwägen. Erwerbsmöglichkeiten bzw. Einkünfte
müssen mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf mehr als nur kurze Frist hin
gesichert erscheinen. Der auf Art. 62 Abs. 1 lit. e AuG gestützte Widerruf der
Bewilligung fällt grundsätzlich in Betracht, wenn eine Person hohe finanzielle
Unterstützungsleistungen erhalten hat und nicht damit gerechnet werden kann, dass
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sie in Zukunft selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen wird. Unter dem Blickwinkel der
Verhältnismässigkeit ist namentlich von Bedeutung, ob bzw. in welchem Mass der
Ausländer die Fürsorgeabhängigkeit verschuldet hat (BGer 2C_953/2018 vom
23. Januar 2019 E. 3.1, 2C_1048/2017 vom 13. August 2018 E. 4.2.1, 2C_395/2017
vom 7. Juni 2018 E. 3.1).
Die Bewilligungserteilung bzw. -verlängerung liegt im Ermessen der Behörden, es sei
denn eine Sondernorm des Landesrechts oder eines bi- oder multilateralen
Staatsvertrags räume der betroffenen Person einen Anspruch auf Aufenthalt ein (vgl.
z.B. Zünd/Hugi Yar, Aufenthaltsbeendende Massnahmen im schweizerischen
Ausländerrecht, insbesondere unter dem Aspekt des Privat- und Familienlebens, in:
EuGRZ 40/2013, S. 1 ff., Ziff. 7 mit Hinweisen).
2.4. Unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin seit November 2004 praktisch ohne
Unterbruch Sozialhilfe bezog und per Juni 2018 einen Schuldensaldo in der Höhe von
CHF 221'246.50 aufwies (act. Vorinstanz [nachfolgend: vi] 25). Dieser Betrag ist im
Lichte der Rechtsprechung als erheblich zu qualifizieren (BGer 2C_23/2018 vom
11. März 2019 E. 4.2.1). Nach Erlass des strittigen Entscheides der Vorinstanz vom
4. Juli 2018 nahm die Beschwerdeführerin per 1. Oktober 2018 eine Arbeitstätigkeit bei
der B._ AG auf (act. 21/2). Im Arbeitsvertrag vom 29. August 2018 wurde eine
Wochenarbeitszeit von 17,5 Stunden vereinbart. Per 1. März 2019 erfolgte eine
Vertragsanpassung neu mit einer Wochenarbeitszeit von 19,5 Stunden (act. 28/6). Im
April 2019 war die Beschwerdeführerin noch auf Sozialhilfeleistungen in der Höhe von
CHF 891.65 angewiesen (Abrechnung vom 27. März 2019, act. 28/8). Die
aufgenommene Erwerbstätigkeit entspricht der im ärztlichen Zeugnis von Dr. V._
attestierten Arbeitsfähigkeit von 50% (act. 21/5). Im Rahmen der Abklärungen im IV-
Verfahren wurde beim ABI ein Gutachten in Auftrag gegeben. Darin wurde eine
zumutbare Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit von 80% ermittelt (act.
Migrationsamt 87 ff., Verfügung vom 15. November 2007, und 125 f., Verfügung vom
27. März 2012). Für die Ablösung von der Sozialhilfebedürftigkeit wäre denn auch die
Aufnahme einer Erwerbstätigkeit in einem höheren Pensum notwendig. Eine solche
erscheint aufgrund der subjektiven Krankheitsüberzeugung und des fortgeschrittenen
Alters der Beschwerdeführerin nicht realistisch. Entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführerin kann sie auch aus dem Hinweis auf ein neuerlich pendentes IV-
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Verfahren nichts zu ihren Gunsten ableiten. Einerseits ist aus den von der
Beschwerdeführerin beigelegten Akten trotz ihrer weitreichenden Mitwirkungspflicht
(Art. 2 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 90 AuG) nicht ersichtlich, inwiefern sich ihr
Gesundheitszustand verschlechtert haben soll. Gemäss dem ärztlichen Zeugnis von Dr.
V._ vom 18. September 2018 soll die Beschwerdeführerin nämlich bereits seit dem
27. Februar 2008 zu 50% arbeitsunfähig sein, obwohl eine gegenteilige IV-Verfügung
vom 27. März 2012 besteht. Für Dr. S._ steht gemäss seinem Bericht vom
29. Dezember 2016 aufgrund der rezidivierenden Depression, gegenwärtig
mittelgradige bis schwere Episode, eine halbe IV-Rente zur Diskussion. Mit einer
allfälligen 50%-igen Arbeitsunfähigkeit würde ihr andererseits keine ganze IV-Rente
zustehen und sie müsste sich im Rahmen ihrer Restarbeitsfähigkeit weiterhin um eine
Erwerbstätigkeit bemühen. Selbst bei Zusprache einer allfälligen IV-Rente könnte nicht
mit einer vollständigen Loslösung von der Unterstützung durch die öffentliche Hand
gerechnet werden, weil die allfällige Rente aufgrund der fehlenden Beitragsjahre
(Einreise mit 35 Jahren, Teilrente, siehe auch IV-Rentenberechnung gemäss der
Verfügung vom 15. November 2007, act. Migrationsamt 87) und des tiefen
massgeblichen durchschnittlichen Jahreseinkommens nicht existenzsichernd wäre. Die
Erheblichkeitsschwelle ist bei einem Widerruf (bzw. einer Nichtverlängerung) der
Aufenthaltsbewilligung tiefer als bei einem Widerruf der Niederlassungsbewilligung, wie
der Wortlaut von Art. 62 lit. e AuG ("auf Sozialhilfe angewiesen") im Vergleich zum
Wortlaut von Art. 63 Abs. 1 lit. c AuG ("dauerhaft und in erheblichem Mass auf
Sozialhilfe angewiesen") zeigt (BGer 2C_395/2017 vom 7. Juni 2018 E. 4.1).
Zusammenfassend ist festzustellen, dass nicht damit gerechnet werden kann, dass
sich die Beschwerdeführerin jemals dauerhaft von der Sozialhilfe bzw. der
Unterstützung durch die öffentliche Hand wird lösen können. Der Widerrufsgrund nach
Art. 33 Abs. 2 AuG in Verbindung mit Art. 62 lit. e AuG ist damit erfüllt. Die Gründe, aus
denen eine Person sozialhilfeabhängig geworden ist, müssen jeweils in die Beurteilung
miteinbezogen werden. Ob und inwieweit die betroffene Person ein Verschulden an der
Sozialhilfebedürftigkeit trifft, bildet praxisgemäss keine Frage des Vorliegens des
Widerrufsgrundes, sondern der nach Art. 96 Abs. 1 AuG vorzunehmenden
Verhältnismässigkeitsprüfung (BGer 2C_395/2017 vom 7. Juni 2018 E. 3.2,
2C_775/2017 vom 28. März 2018 E. 3.2).
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2.5. Nach Art. 62 lit. d AuG kann die Aufenthaltsbewilligung widerrufen werden, wenn
eine mit der Verfügung verbundene Bedingung nicht eingehalten worden ist. Wie sich
nachfolgend in E. 3.2 zeigen wird, kann der Beschwerdeführerin aufgrund der zu wenig
exakt formulierten Bedingungen des Migrationsamtes nicht die Nichteinhaltung der
Bedingungen vorgeworfen werden.
3.
3.1. Liegt der Widerrufsgrund der Sozialhilfeabhängigkeit vor, ist zu prüfen, ob die
damit verbundene aufenthaltsbeendende Massnahme verhältnismässig erscheint.
Ausschlaggebend ist das persönliche Verhalten der betreffenden Person, wobei vor
allem das Verschulden an der Situation, der Grad der Integration bzw. die Dauer der
bisherigen Anwesenheit sowie die der betroffenen Person und ihrer Familie drohenden
Nachteile zu berücksichtigen sind; zu beachten ist auch die Qualität der sozialen,
kulturellen und familiären Beziehungen sowohl im Gast- wie im Heimatland (BGer
2C_419/2018 vom 29. Oktober 2018 E. 2.2, 2C_395/2017 vom 7. Juni 2018 E. 3.2;
2C_775/2017 vom 28. März 2018 E. 3.2). Nach einer rechtmässigen Aufenthaltsdauer
von rund zehn Jahren kann regelmässig davon ausgegangen werden, dass die sozialen
Beziehungen in diesem Land so eng geworden sind, dass es für eine
Aufenthaltsbeendigung besonderer Gründe bedarf; im Einzelfall kann es sich anders
verhalten, wenn die Integration zu wünschen übrig lässt (BGE 144 I 266 E. 3.9, BGer
2C_953/2018 vom 23. Januar 2019 E. 3.3.1).
3.2. Zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin die Sozialhilfebedürftigkeit selbst
verschuldet hat. Die Beschwerdeführerin war nach der Scheidung innert kurzer Zeit auf
Sozialhilfe angewiesen. Aufgrund ihrer physischen und psychischen Leiden bezog sie
von Februar 2005 bis November 2006 eine halbe IV-Rente. Von April bis August 2009
und Juli 2012 bis April 2014 betätigte sie sich auf dem zweiten Arbeitsmarkt bei der
A._ AG. Nach achtjährigem Sozialhilfebezug stellte das Migrationsamt im November
2012 die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung lediglich unter der Bedingung aus,
dass sich die Beschwerdeführerin aktiv um eine Stelle auf dem ersten Arbeitsmarkt
bemühe und bald die Sozialhilfe abgelöst werden könne (act. Migrationsamt 134). Die
Beschwerdeführerin bewarb sich im Zeitraum von Januar bis Oktober 2013
durchschnittlich auf vier Stellen im Monat. Dabei reichte sie überwiegend
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Blindbewerbungen ein. Nach Prüfung der Arbeitsbemühungen kam das Migrationsamt
zum Schluss, dass aufgrund der wenigen schriftlichen Bewerbungen nicht von einer
ernsthaften Stellensuche ausgegangen werden könne. Die von der Beschwerdeführerin
eingereichten Arbeitsbemühungen seien ungenügend. Mit Verfügung vom 4. Dezember
2013 wurde die Beschwerdeführerin deshalb verwarnt (act. Migrationsamt 156 ff.). Im
Zeitraum vom April 2014 bis September 2015 überprüfte das Migrationsamt die
Arbeitsbemühungen der Beschwerdeführerin wiederholt. Gemäss dem Schreiben vom
10. November 2014 hielt das Migrationsamt die Arbeitsbemühungen der
Beschwerdeführerin für ausreichend und verlängerte die Aufenthaltsbewilligung
weiterhin unter der Bedingung der aktiven Stellensuche (act. Migrationsamt 205). Im
Jahr 2015 wurde die Aufenthaltsbewilligung ausschliesslich mit dem üblichen
Bewilligungsformular und ohne Bedingung verlängert, soweit dies aus den Akten
ersichtlich ist (act. Migrationsamt 259). In diesem Zeitraum reichte die
Beschwerdeführerin mehr Bewerbungen (durchschnittlich sechs bis sieben) als noch im
Jahr 2013 ein und reduzierte die Anzahl der Blindbewerbungen (durchschnittlich zwei
bis drei). Auch vom Oktober 2015 bis zur Ankündigung der Nichtverlängerung der
Aufenthaltsbewilligung vom 16. November 2016 bemühte sich die Beschwerdeführerin
im gleichen Rahmen wie vorher um Stellen. Sie bewarb sich monatlich auf sechs bis
sieben Stellen. Davon reichte sie durchschnittlich drei Blindbewerbungen ein. In den
Monaten Dezember 2015, Januar und Juni 2016 beliefen sich die Bewerbungen auf
drei bis fünf, wobei sie sich im Dezember und im Januar nicht blind bewarb.
Mehrheitlich entspricht sowohl die Quantität als auch die Qualität (verschiedene
Arbeitgeber, nicht alle Bewerbungen am selben Tag, geeignete Hilfsarbeitertätigkeiten)
der Bewerbungen derjenigen in den Jahren 2014 und 2015. Ungeachtet der Frage, ob
die Arbeitsbemühungen grundsätzlich als ausreichend qualifiziert werden können, kann
der Beschwerdeführerin dementsprechend nicht vorgeworfen werden, dass die
Bewerbungen im Jahr 2016 nicht mehr den Anforderungen des Migrationsamtes
entsprechen. Die Beschwerdeführerin durfte in Treu und Glauben davon ausgehen,
dass sie - wenn sie weiterhin gleich viele Bewerbungen wie bisher einreicht - die
Bedingungen des Migrationsamtes erfüllte. Dies insbesondere auch aufgrund des
Umstandes, dass ihr im Jahr 2015 die Aufenthaltsbewilligung ohne Bedingung
verlängert wurde (act. Migrationsamt 259). Zudem ist der Beschwerdeführerin zugute
zu halten, dass sie im fortgeschrittenen Alter trotz jahrelanger erfolgloser Stellensuche
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immerhin nach Erlass der Verfügung eine Teilzeitstelle als Reinigungsmitarbeiterin
aufnehmen konnte. Der Vertrag vom August 2018 wurde im Februar 2019 sogar
angepasst und die Wochenarbeitszeit um zwei Stunden heraufgesetzt. Zwar kann noch
nicht von einem stabilen Arbeitsverhältnis gesprochen werden, doch ist zumindest der
Effort der Beschwerdeführerin anzuerkennen. Insgesamt kann der nicht in der Schweiz
ausgebildeten Beschwerdeführerin in ihrem fortgeschrittenen Alter, mit ihrer
medizinischen Vorgeschichte und langjährigen Abwesenheit vom Arbeitsmarkt mangels
fehlender exakter Vorgaben des Migrationsamtes an Quantität und Qualität der
Arbeitsbemühungen damit nicht vorgehalten werden, dass die Arbeitsbemühungen
ungenügend sind. Dies wird auch durch die Einschätzung des Sozialamtes, dass sich
die Beschwerdeführerin stets korrekt verhalten habe und sich aktiv und seriös um
Arbeitsstellen bemühte, unterstrichen (act. Migrationsamt 131, 167 und 295). Die
Sozialhilfebedürftigkeit ist der Beschwerdeführerin demnach nicht anzulasten. Auch die
lange Anwesenheit in der Schweiz (24,5 Jahre inkl. zweijährigem Rechtsmittelverfahren)
sowie die Tatsache, dass sie nie straffällig wurde und keine Betreibungen trotz
bescheidener finanzieller Mittel vorliegen, spricht zu diesem Zeitpunkt für eine
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdeführerin. Die
Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung erweist sich deshalb aktuell als
unverhältnismässig.
3.3. Allerdings ist die Beschwerdeführerin gehalten, sich - sobald das IV-Verfahren
abgeschlossen ist - im Rahmen der in diesem Verfahren festgestellten Arbeitsfähigkeit
um Stellen zu bemühen. Die subjektive Krankheitsüberzeugung der
Beschwerdeführerin ist dafür nicht massgebend. Dem Migrationsamt steht es überdies
frei, die Anforderungen an die Arbeitsbemühungen der Beschwerdeführerin hinsichtlich
der Quantität und der Qualität genauer zu definieren. Als Vergleich dazu könnte
beispielsweise das Vorgehen bei der Arbeitslosenversicherung wie auch bei den
Ergänzungsleistungen (Anrechnung hypothetisches Erwerbseinkommen) dienen,
welche in der Regel mindestens acht nachweisbare Bewerbungen verlangen sowie die
Bewerbungsform (schriftlich, blind) oder auch der örtliche Radius exakt festgelegen.
Allerdings wäre auch zu beachten, dass insbesondere bei Personen im
fortgeschrittenen Alter, ohne Ausbildung, jahrelanger Abwesenheit vom Arbeitsmarkt
und ausländerrechtlichem Status auch einer Blindbewerbung nicht von vornherein jede
Qualität abgesprochen werden kann. Denn eine Blindbewerbung kann den Vorteil mit
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sich bringen, dass insbesondere auch die Beschwerdeführerin nicht zum vornherein
gegen gesunde und jüngere Mitbewerber unterliegt und unter Umständen die "Gunst
der Stunde" für sich nutzen kann. Für die Beschwerdeführerin kommt zudem ein relativ
grosses Spektrum an nicht einschlägig qualifizierten Hilfsarbeiten in Betracht, für
welche von potentiellen Arbeitgebern in der Regel keine qualifizierten Bewerbungen
verlangt werden oder die gar nicht ausgeschrieben werden.
3.4. Die Beschwerde ist dementsprechend, soweit darauf eingetreten werden kann,
gutzuheissen, und der angefochtene Entscheid der Vorinstanz vom 4. Juli 2018 ist
aufzuheben. Das Migrationsamt ist anzuweisen, die Aufenthaltsbewilligung der
Beschwerdeführerin zu verlängern.
4.
4.1. Aufgrund des Obsiegens der Beschwerdeführerin – das Nichteintreten auf den
Antrag, die Verfügung des Migrationsamtes sei aufzugehen, kann vernachlässigt
werden – sind die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens vom Staat zu tragen
(vgl. Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF 2‘000 erscheint angemessen
(vgl. Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Auf die Erhebung ist
zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP).
4.2. Bei vollständiger oder teilweiser Gutheissung eines Rechtsmittels ist zugleich von
Amtes wegen über die amtlichen Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens zu
entscheiden. In der Regel erfolgt die entsprechende Kostenverlegung in Bezug auf die
Beteiligten und deren Anteile analog dem Rechtsmittelentscheid (R. Hirt, Die Regelung
der Kosten nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, Diss. St. Gallen 2004,
S. 103). Die Vorinstanz verzichtete zufolge Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege auf die Erhebung der amtlichen Kosten für das Rekursverfahren von
CHF 1'000 bei der Beschwerdeführerin. Nachdem die Beschwerdeführerin nun obsiegt
hat, sind die Kosten für das Rekursverfahren von CHF 1'000 beim Staat zu erheben.
Gestützt auf Art. 95 Abs. 3 VRP ist auf die Erhebung zu verzichten.
4.3. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf
eine Entschädigung ihrer ausseramtlichen Kosten im Beschwerdeverfahren. Der
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Rechtsvertreter reichte keine Kostennote ein, weshalb die Entschädigung nach
Ermessen festzusetzen ist (Art. 30 lit. b Ziff. 2 und Art. 31 Abs. 1 des Anwaltsgesetzes;
sGS 963.70, AnwG, Art. 6 und 19 der Honorarordnung; sGS 963.75, HonO). Eine
Entschädigung von CHF 2'500 für das Beschwerdeverfahren erscheint angemessen
(Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO). Der Staat (das Migrationsamt) hat somit den
Rechtsvertreter mit CHF 2'500 zuzüglich CHF 100 Barauslagen (vier Prozent von
CHF 2‘500, Art. 28 Abs. 1 HonO) und Mehrwertsteuer von 7,7% (Art. 29 HonO) zu
entschädigen. Dass die Beschwerdeführerin die Entschädigung nicht zuzüglich
Mehrwertsteuer beantragt hat, schadet nicht, da der Antrag noch vor Inkrafttreten der
revidierten Honorarordnung am 1. Januar 2019 gestellt wurde.
Im vorinstanzlichen Verfahren wurde der Rechtsvertreter zufolge Gewährung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung entschädigt und ihm das Honorar um einen
Fünftel herabgesetzt (Art. 31 Abs. 4 AnwG). Zufolge Gutheissung der Beschwerde und
damit Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheides steht dem Rechtsvertreter eine
ungekürzte Entschädigung zu. Der Staat (das Migrationsamt) hat den Rechtsvertreter
somit mit CHF 1'500 inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer zu entschädigen,
wobei gemäss dem vorinstanzlichen Entscheid auf zwei Drittel der Entschädigung
(CHF 1'000) 8,0% Mehrwertsteuer und auf einen Drittel (CHF 500) 7,7%
Mehrwertsteuer ausgerichtet werden. Eine allenfalls bereits ausbezahlte Entschädigung
aus unentgeltlicher Rechtsverbeiständung ist anzurechnen.