# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b11ef626-2da2-43ad-8a7f-b23de191a715
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_002
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt:
1. A._, Jahrgang 1989, wohnt seit Oktober 2013 in D._. Seit
Dezember 2014 wird er, mit Unterbrüchen, von der Gemeinde D._
öffentlich-rechtlich unterstützt. Im Jahr 2015 wurde für ihn eine
Begleitbeistandschaft gemäss Art. 393 des Schweizerischen
Zivilgesetzbuches (ZGB; SR 210) im Bereich Arbeit/Bildung sowie eine
Vertretungsbeistandschaft gemäss Art. 394 ZGB im Bereich umfassende
Vermögensverwaltung errichtet. In diesem Rahmen wird er von der
Berufsbeistandschaft
B._ vertreten.
2. Mit Verfügung vom 4. Juli 2019 entschied die Gemeinde D._, dass
A._ ab dem 1. Juli 2019, befristet bis zum 30. Dezember 2019, mit
einem monatlichen Betrag von CHF 1'435.40 öffentlich unterstützt werde.
Gleichzeitig ordnete sie u.a. an, dass A._, sollte er bis zum 20. August
2019 keinen Anstellungsvertrag vorweisen können, verpflichtet sei, bei
E._ eine Arbeit aufzunehmen. Bei Missachtung dieser Auflage werde
"der erzielbare Lohn vom angebotenen Arbeitsvolumen vollumfänglich
angerechnet" und die ergänzende Unterstützung um diesen Betrag
teileingestellt, wobei bei einer Arbeitsleistung von 50 % mit einem Lohn von
mindestens CHF 700.-- zu rechnen sei. Diese Verfügung blieb
unangefochten.
3. Nachdem die Gemeinde D._ die öffentliche Unterstützung im
November 2019 ohne weitere Ankündigung um CHF 700.-- gekürzt hatte,
intervenierte die Beiständin mit E-Mail vom 7. November 2019 und
verlangte die Einhaltung des gesetzlichen Verfahrens (Anhörung und
Erlass einer anfechtbaren Verfügung). Mit E-Mail vom 8. November 2019
stellte sich die Gemeinde auf den Standpunkt, dass A._ seine
Mitwirkungs- und Schadenminderungspflicht verletzt habe, weil er auf
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Einkommen verzichte. Mit E-Mail vom 20. November 2019 anerkannte die
Gemeinde D._, dass sie das rechtliche Gehör von A._
hinsichtlich der Kürzung verletzt habe, weshalb sie diese zurücknahm und
in Aussicht stellte, ihm das rechtliche Gehör zu gewähren und später, wenn
überhaupt, eine erneute Verfügung zu erlassen. Mit gleichentags erstelltem
Schreiben wurde die Beiständin aufgefordert, zur Verletzung der
Mitwirkungs- und Schadenminderungspflicht Stellung zu nehmen. Mit
Schreiben vom 29. November 2019 teilte diese mit, dass sie über
Arbeitsbemühungen von A._ nicht informiert sei. Gleichzeitig ersuchte
sie die Gemeinde D._, die angedrohte Kürzung in Form einer
beschwerdefähigen, an A._ persönlich mitzuteilenden Verfügung (mit
Kopie an sie) zu erlassen.
4. Mit einem an die Beiständin gerichteten Schreiben vom 3. Dezember 2019
(mit Kopie an A._), hielt die Gemeinde D._ unter Bezugnahme
auf die in Rechtskraft erwachsene Verfügung vom 4. Juli 2019 fest, sie
sehe sich nicht veranlasst, nochmals eine beschwerdefähige Verfügung zu
erlassen, zumal auch keine Gründe für deren Widerruf geltend gemacht
worden seien. Deshalb habe sie bei der Berechnung der Sozialhilfequote
für Dezember die Einnahmen, die A._ hätte erwirtschaften können
(CHF 700.-- bei einem 50 %-Pensum), eingerechnet. Das Kantonale
Sozialamt unterstütze ihre Vorgehensweise und verweise auf das Urteil des
Verwaltungsgerichts U 19 10.
5. Mit Beschwerde vom 22. Januar 2020 an das Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden stellte A._ (nachfolgend Beschwerdeführer) das
sinngemässe Rechtsbegehren, es sei eine Rechtsverweigerung gemäss
Art. 49 Abs. 3 VRG festzustellen und auf die Leistungskürzung per
1. Dezember 2019 zu verzichten.
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6. Mit Beschwerdeantwort vom 10. Februar 2020 beantragte die Gemeinde
D._ (nachfolgend Beschwerdegegnerin) die Abweisung der
Beschwerde. Sie stützte sich dabei auf das Urteil des Verwaltungsgerichts
(nachfolgend VGU) U 18 63 vom 8. Januar 2019 und führte aus, die
Kürzung sei zulässig, denn es gehe nicht um eine Sanktion wegen
ungenügender Integrationsbemühungen, sondern um eine Sanktion wegen
fehlender Anspruchsvoraussetzungen, weil der Beschwerdeführer seiner
Schadenminderungspflicht nicht nachkomme.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften wird,
soweit entscheidrelevant, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

## Considerations

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Vorerst ist zu prüfen, ob auf die Beschwerde eingetreten werden kann,
wobei sich die Frage stellt, was genau das Anfechtungsobjekt der
erhobenen Beschwerde ist. Explizit rügt der Beschwerdeführer eine
Rechtsverweigerung seitens der Beschwerdegegnerin (vgl.
Rechtsbegehren); sinngemäss geht aus seiner Beschwerde vom 22.
Januar 2020 jedoch hervor, dass er sich gegen die im Schreiben vom 3.
Dezember 2019 (Akten des Beschwerdeführers [Bf-act.] 9) angeordnete
Kürzung der Unterstützungsleistung für den Monat Dezember 2019 wehrt.
Die Beschwerdegegnerin schien in den Begehren des Beschwerdeführers
ein Gesuch um Widerruf der Verfügung vom 4. Juli 2019 (Bf-act. 2)
gesehen zu haben, zumal sie im Schreiben vom 3. Dezember 2019 (Bf-
act. 9) festhielt, es lägen keine entsprechenden Gründe für einen Widerruf
vor. In ihrer Vernehmlassung vom 10. Februar 2020 macht sie hingegen
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unter Hinweis auf das Urteil des Verwaltungsgerichts U 18 63 geltend, dass
eine Kürzung zulässig sei.
1.1. Anhaltspunkte dafür, dass sich die Beschwerde gegen die Verfügung vom
4. Juli 2019 (Bf-act. 2) richten würde, sind nicht ersichtlich. Diese könnte
auch nicht (erfolgreich) angefochten werden, zumal sie
unbestrittenermassen in Rechtskraft erwachsen ist. Ebensowenig liegen
Anhaltspunkte für eine Nichtigkeit dieser Verfügung, die jederzeit
berücksichtigt werden müsste, vor.
1.2. Mit der Verfügung vom 4. Juli 2019 (Bf-act. 2) wurden die Auflage,
entweder einen Arbeitsvertrag vorzuweisen oder sich bei E._ zu
melden, angeordnet und die Konsequenz für deren Nichtbefolgung –
Anrechnung des erzielbaren Lohns und Teileinstellung der
Unterstützungshilfe – angedroht. Den Umstand der Kürzung akzeptierte
der Beschwerdeführer bzw. seine Beiständin (vgl. Bf-act. 4, 7, 8, 10) denn
auch, er bzw. sie verlangte jedoch, dass das Verfahren eingehalten, mithin
das rechtliche Gehör gewährt werde. Damit ist seitens des
Beschwerdeführers nicht ein Widerruf dieser Verfügung (recte:
Wiedererwägung, vgl. Art. 24 und Art. 25 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100]) gemeint, auch nicht
sinngemäss. Die diesbezüglichen Ausführungen der Beschwerdegegnerin
im Schreiben vom 3. Dezember 2019 (Bf-act. 9) und der Hinweis auf VGU
U 19 10 zielen daher an der Sache vorbei.
1.3. Gemäss Art. 49 Abs. 1 lit. a VRG sind Entscheide von Gemeinden, soweit
sie nicht bei einer anderen Instanz angefochten werden können oder nach
kantonalem oder eidgenössischem Recht endgültig sind, beim
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden mit Beschwerde anfechtbar.
Gemäss Art. 49 Abs. 3 VRG gelten auch Rechtsverweigerung und
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Rechtsverzögerung sowie Realakte, die in Rechte und Pflichten von
Personen eingreifen, als anfechtbare Entscheide.
1.3.1. Die Beschwerdegegnerin hielt mit E-Mail vom 20. November 2019 (Bf-
act. 7) fest, dass sie die Kürzung mangels Gewährung des rechtlichen
Gehörs als unrechtmässig erachtete; sie stellte die Rückzahlung der
Kürzung und den allfälligen Erlass einer neuen Verfügung in Aussicht. Zur
Gewährung des rechtlichen Gehörs setzte sie dem Beschwerdeführer mit
Schreiben vom 20. November 2019 eine Frist, um sich zur Sache zu
äussern (Bf-act. 6). Richtigerweise hätte sie nach fristgerechtem Eingang
der entsprechenden Vernehmlassung vom 29. November 2019 eine
anfechtbare Verfügung erlassen sollen. Stattdessen schrieb sie am 3.
Dezember 2019 (Bf-act. 9) der Beiständin (mit Kopie an den
Beschwerdeführer), die Verfügung vom 4. Juli 2019 sei rechtskräftig, sie
sehe sich deshalb nicht veranlasst, nochmals eine beschwerdefähige
Verfügung zu erlassen. Diese Aussage könnte unter den gegebenen
Umständen tatsächlich als Rechtsverweigerung angesehen werden, gegen
die sich die Beschwerde vom 22. Januar 2020 richten könnte. Insofern
erweist sich der seitens der Beschwerdegegnerin in ihrer Vernehmlassung
vom 10. Februar 2020 erhobene Vorwurf, die Vorgehensweise der
Berufsbeistandschaft sei "befremdlich", als nicht nachvollziehbar, und die
Bemerkung, die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (nachfolgend
KESB) habe die Beschwerdegegnerin nie kontaktiert und somit eine
Klärung ohne Anrufung des Gerichts verunmöglicht, als irrelevant.
Allerdings ist zu beachten, dass im Schreiben vom 3. Dezember 2019 (Bf-
act. 9) u.a. auch die effektive Kürzung der Sozialhilfe für den Monat
Dezember 2019 geregelt wird. Diese Anordnung ist neu, weshalb zu prüfen
ist, ob das fragliche Schreiben als anfechtbare Verfügung angesehen
werden kann oder nicht.
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1.4. Art. 22 VRG sieht vor, dass Entscheide zu begründen sind, dass sie ein
Dispositiv mit Rechtsspruch und Kostenregelung sowie eine Belehrung
über die Möglichkeit und die Frist des ordentlichen Weiterzugs enthalten
müssen (Abs. 1). Das Schreiben vom 3. Dezember 2019 (Bf-act. 9) wird
nicht als Verfügung bezeichnet, es enthält weder eine (ausführliche)