# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d996fec0-cb67-4c88-b561-06fdb36b8c5a
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1957, gelernte Büroangestellte, liess sich im Jahr 2005 aus gesundheitlichen Gründen zur Pflegehelferin SRK umschulen und arbeitete ab 1
0.
Februar 2006 im Heim
Y._
in einem Pensum von un
gefähr 50
%
.
Am
7.
August 2008 meldete sie sich unter Angabe rheumatischer Beschwerden und Beschwerden an beiden Handgelenken zum Rentenbezug bei der Invaliden
versicherung an. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, verneinte einen Rentenanspruch mit Verfügung vom 1
4.
Juli 200
9.
Die dagegen erhobene Beschwerde der Versicherten vom
9.
August 2009 hiess das Sozial
versicherungsgericht des Kantons Zürich mit unangefochten in Rechtskraft erwachsenem Urteil vom 3
0.
Dezember 2010 in dem Sinne gut, dass es die Sa
che zur ergänzenden Abklärung der medizinischen Situation und neuerlichen Ermittlung des Invaliditätsgrades zurückwies (vgl. Urteil IV.2009.00727,
Urk.
12/50).
1.2
Die IV-Stelle nahm in der Folge weitere Berichte der behandelnden Ärzte zu den Akten (
Urk.
12/55-59), tätigte ergänzende erwerbliche Abklärungen
(
Urk.
12/67-68) und holte ein polydisziplinäres Gutachten des
Z._
vom 2
5.
Mai 2012 (
Urk.
12/66) ein. Nach durchge
führ
tem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
12/72, 12/75, 12/79)
verneinte
sie mit Verfü
gung vom 2
8.
Februar 2013 neuerlich einen Rentenanspruch der Versi
cherten (
Urk.
2).
2.
Dagegen liess
X._
am 1
1.
April 2013 Beschwerde erheben und die Aufhebung des angefochtenen Entscheids sowie die Gewährung einer ganzen Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 100
%
beantragen. Zu
dem sei ein zweiter Schriftenwechsel anzuordnen und für den Fall ergänzender Abklärungen ein polydisziplinäres Gutachten unter Berücksichtigung der Gebiete Neurologie, Psychiatrie und Rheumatologie an wirklich unabhängiger Stelle einzuholen (
Urk.
1). Mit Eingabe vom 2
4.
April 2013 (
Urk.
5) liess die Beschwerdeführerin einen Bericht von
Dr.
med.
A._
, Facharzt FMH für Neu
rologie und Computertomographie, vom 1
8.
April 2013 (
Urk.
4) und am 2
3.
Mai 2013 (
Urk.
9) unter anderem einen Bericht von
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Innere Medizin, vom
1.
Mai 2013 (
Urk.
10/1) einreichen. Die
Beschwerde
gegnerin
schloss in der Vernehmlassung vom 2
4.
Mai 2013 (
Urk.
11) auf Ab
weisung der Beschwerde und verzichtete am 1
2.
Juni 2013 auf eine Stellung
nahme zur Eingabe der Beschwerdeführerin vom 2
3.
Mai 2013 (
Urk.
14).
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, nachfolgend eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Im Urteil IV.2009.00727
vom 3
0.
Dezember 2010 wurden die
gesetzlichen Bestim
mungen und die von der Rechtsprechung entwickelten Grundsätze, namentlich über den Begriff der Invalidität (Art. 8
Abs.
1 und 3
des Bundesge
setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
, Art. 4
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG)
, den Umfang des Rentenanspruchs (Art. 28
Abs.
2 IVG), die Bemessung des Invaliditätsgrades (Einkommensvergleich, Betätigungsvergleich oder gemischte Methode; Art. 28a IVG und Art. 16 ATSG)
sowie die Rechtsprechung
zur Aufgabe der
ärztlichen Fachpersonen im Rahmen der Bemessung des Invaliditätsgrades (BGE 125 V 261 E. 4)
zutreffend
dargelegt. Darauf wird verwiesen.
1.2
Zu ergänzen ist, dass der Rentenanspruch gemäss der seit
1.
Januar 2008 gelten
den Fassung von Art. 29 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Artikel 29
Abs.
1 ATSG entsteht, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Alters
-
jahres folgt (
Abs.
1).
1.3
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These ab
stellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt
was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist
, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen
kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutl
ich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1,
125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer
Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.
Materiell streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin.
Die Beschwerdegegnerin verneinte denselben im angefochtenen Entscheid ge
stützt auf das Gutachten des
Z._
und stellte sich dabei auf den Standpunkt, dass die Beschwerdeführerin infolge ihres Gesundheitsschadens zwar nicht mehr im angestammten Bereich als Pflegehelferin arbeiten könne, doch sei ihr die Ausübung einer den körperlichen Beschwerden angepassten Tätigkeit zu 80
%
zumutbar. In Anwendung der gemischten Methode errechnete sie im 80%igen Erwerbsbereich einen Teilinvaliditätsgrad von 6,76
%
. Im mit 20
%
gewichteten Haushaltsbereich ging sie von keiner Einschränkung aus (
Urk.
2).
Die Beschwerdeführerin lässt im Wesentlichen die beweisrechtliche Verwertbar
keit des Gutachtens des
Z._
bestreiten und in materieller Hinsicht geltend machen, die behandelnden ärztlichen Fachpersonen gingen im Gegensatz zu den Ärzten des
Z._
von einer klar objektivierbaren gesundheitlichen Beein
trächtigung und einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit aus (
Urk.
1).
3.
Die Rückweisung der Sache an die Verwaltung im Urteil IV.2009.00727 vom
3
0.
Dezember 2010 basierte auf der Würdigung der bis Ende des gerichtlichen Ver
fahrens vorgelegenen medizinischen Akten, gemäss welchen die Beschwer
de
führerin seit längerem unter Handbeschwerden gelitten und sich am
5.
März 2008 der operativen Behandlung eines Carpaltunnelsyndroms rechts, im Sep
tember 2009 einer
Leistenhernienoperation
und am
2.
Februar 2010 der operati
ven Versorgung des Daumengrundgelenks links unterzogen hat
te
.
Das Gericht erwog in Übereinstimmung mit den Parteien, dass die Beschwerde
führerin in der angestammten Tätigkeit im Pflegebereich nicht mehr arbeitsfä
hig sei. Die Frage nach dem Ausmass der Arbeitsfähigkeit in einer Verwei
sungstätigkeit liess sich gestützt auf die Aktenlage nicht abschliessend beurtei
len; insbesondere wurde erwogen, dass den medizinischen Unterlagen neben den Handbeschwerden Hinweise auf multiple weitere, nicht abschliessend
beur
teilbare
Beschwerden zu entnehmen seien und
dass die von der
Beschwerdegeg
nerin
beigezogene Schätzung der Restarbeitsfähigkeit von 70
%
lediglich einer
von
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Rheumatologie, prognostizierten Verbes
serung der Arbeitsfähigkeit nach beruflicher Umschulung entspreche,
deren
An
gemessenheit angesichts der
noch vorhandenen multiplen Beschweren in den Händen beziehungsweise Fingern
,
aber auch im Bereich des Rückens fraglich sei (
Urk.
12/50/1-25).
4.
4.1
Nach der Rückweisung der Sache zur ergänzenden Abklärung holte die
Beschwer
degegnerin
unter anderem einen aktuellen Bericht von
Dr.
C._
vom 1
8.
April 2011 ein (
Urk.
12/57). Seine Diagnosen lauteten auf HLA-B27 positiv,
Spondylarthopathia
,
myofasziales
Schmerzsyndrom (Verdacht auf
Fibromyal
giesyndrom
), chronisches
cervico
-vertebrales, -
encephales
,
lumbo
-vertebrales Syndrom, Polyarthrosen und ein Karpaltunnelsyndrom beidseits rechtsbetont seit zirka 2002 beginnend, CTS-Operation 03.08.
Die Beschwerdeführerin leide unter chronischen Beschwerden von Seiten der Hals- und Lendenwirbelsäule (HWS und LWS) sowie unter Einschlafen der Fin
ger und typischen
myofaszialen
Triggerpointbeschwerden
am Becken- und Schultergürtel. Sie sei wegen ihrer Schmerzen nicht belastbar, könne vor allem nicht länger als 30 Minuten sitzen, auch sei jegliche Umschulung sowie Her
ausforderung im Sinne einer psychischen Belastung nicht durchführbar. In
be
hinderungsangepasster
Tätigkeit bestehe eine um 80
%
verminderte Leis
tungs
fähigkeit.
Dr.
med.
D._
, Facharzt FMH für Chirurgie, speziell Handchirurgie, welcher die Hand- und Fingeroperationen durchgeführt hatte, diagnostizierte in seinem Bericht vom
3.
Mai 2011 unter anderem ebenfalls ein
myofasziales
Schmerz
-
syndrom bei einer
Spondylarthropathie
, eine
Rhizarthrose
beidseits so
wie eine Polyarthritis. Er attestierte
eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit vom
5.
März 2008 bis 1
7.
Juli 2010 und seither eine 90%ige Einschränkung aufgrund der starken kö
rperlichen Behinderung wegen der
chronischen Schmerzen, wel
che zu Konzentrationsstörungen führten.
Normale Arbeit könne die Beschwerdeführerin nicht mehr durchführen; auch sei sie im Haushalt auf Mithilfe angewiesen. In einer behinderungsangepassten
Tä
tigkeit ohne Belastung der Hände und des Rückens wie zum Beispiel als
Sitz
wa
che
sei sie zirka zwei
Halbtage
pro Woche arbeitsfähig (
Urk.
12/58/5-7).
Gemäss Bericht von
Dr.
med.
E._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psycho
therapie, vom
4.
Mai 2011 stand die Beschwerdeführerin erstmals vom
8.
November 2007 bis 1
9.
Februar 2009 in psychotherapeutischer Behandlung.
Am 1
7.
November 2009 habe sie die Behandlung auf Druck ihres Hausarztes wegen massiver Schlafstörungen, zunehmender Gereiztheit und Angst vor
Impuls
durchbrüchen
bei vermindertem Antrieb und mangelnder Lebensfreude bei fast totalem sozialem Rückzug wieder aufgenommen. Ihre Diagnose lautete auf eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, und eine
anankastische
Persönlichkeit. Aufgrund des Behandlungsverlaufs sei aus psy
chiatrischer Sicht auf eine anhaltend reduzierte Belastbarkeit im berufli
chen Umfeld in Sinn einer 40%
ig
en Arbeitsfähigkeit zu schliessen
(
Urk.
12/59/1-6).
4.2
Die internistischen, rheumatologischen und psychiatrischen Untersuchungen im
Z._
wurden am 3
0.
August,
1.
September und 2
1.
Dezember 2011 durchge
führt. Sie führten zu folgenden Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
12/66/35 f.):
1.
Belastbarkeitseinschränkung im Bereiche
Dig
. I beidseits bei
Bandinsuffizienz MP-Gelenk beidseits mit
Status nach Bandplastik links MP-Gelenk
Dig
. I am
2.
Februar 2010 mit konsekutiver Einschränkung der Flexion (40°)
Keine Hinweise für dystrophe oder neuropathische Veränderungen
Mit diskrepanten Untersuchungsbefunden beobachtet und
unbe
-
obach
tet
2.
Belastungsabhängige
cervikocephale
und
lumbovertebrale
Missempfin
-
dungen
Zum Zeitpunkt der Untersuchung keine Hinweise für eine
Facettengelenks/
myofascial
fortgeleitete respektive
radikuläre
Reiz- oder Ausfallsymptomatik bei
Segmental nicht eingeschränkter Beweglichkeit
Beginnende
Chondrosen
C4/C5, eher fortgeschritten C6/C7 mit
dort diskret angedeuteter
Kyphosenbildung
mit diskrepanten Untersuchungsbefunden beobachtet und
unbe
-
obachtet
3.
Myofasziale
Dysbalancen
betont Schultergürtelregion rechts mit
Inkonstanter Reproduzierbarkeit
.
Keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurden unter anderem der psychiat
risch festgestellten neurotischen Fehlentwicklung gemäss ICD-10: F48.9 und einer ebenfalls diagnostizierten
Somatisierungsstörung
gemäss ICD-10: F45.0 beigemessen.
Die zusammenfassende Beurteilung lautete dahingehend, dass internistisch bis auf den rheumatologisch zu beurteilenden positiven HLA-B27-Laborwert und den grenzwertigen ANA-Titer durchwegs unauffällige Befunde vorgelegen hät
ten und keine Einschränkung der Leistungsfähigkeit begründet werde. Aus rheumatologisch-somatischer Sicht könnten die beklagten Beschwerden und Einschränkungen angesichts der reproduzierbaren Befunde im demonstrierten Ausmass nicht nachvollzogen werden, weshalb zumindest wahrscheinlich eine bewusstseinsnahe Schmerzverdeutlichung respektive Selbstlimitierung vorliege. Auch würden die rheumatologischen Befunde die geschilderten Einschränkun
gen am Achsenskelett nicht erklären. Die anhaltend bis heute attestierte Arbeitsunfähigkeit sei weder nachvollziehbar noch begründet.
Zwar sei eine pflegerische Tätigkeit mit repetitivem Einsatz
der Hände nicht mehr zumutbar; f
ür eine bezüglich der Hände behinderungsangepasste Tätigkeit mit Einhalten von Schonkriterien für HWS und LWS sei die Arbeitsfähigkeit aber im Bereich von aktuell 80
%
ausgewiesen.
Dr.
C._
habe die Arbeitsfähig
keit noch mit 70
%
beurteilt.
Bei der psychiatrischen Untersuchung habe die Beschwerdeführerin über erhebli
che Belastungen in der Kindheit und Jugend durch sexuelle Übergriffe berichtet. In der Folge sei ihr eine expansive Strategie nicht möglich gewesen und sie habe sich in eine Art Opferrolle begeben. In der aktuellen Untersuchung sei die neurotische Entwicklung deutlich geworden; die behandelnde Psychiate
rin habe eine
anan
kastische
Persönlichkeit beschrieben. Hierdurch werde jedoch keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit verursacht. Eine möglicherweise zu
vor
bestandene
relevante depressive Symptomatik sei aktuell nicht mehr fest
stellbar gewesen und habe sich wohl unter den Antidepressiva und der Psy
chotherapie verbessert.
Es
lägen
weder
psychosoziale noch emotionale Belas
tungen vor, die schwerwiegend genug seien, um als ursächliche Einflüsse für die beschriebenen Schmerzen zu gelten. Die Erkrankung der Tochter an Morbus
Bechterew
sei von der Beschwerdeführerin nicht als über das zu erwartende Mass hinausgehend emotional belastend beschrieben worden.
Aus psychiatrischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit ebenfalls nicht eingeschränkt, weshalb insgesamt von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit auszugehen sei. Das aktuell ermittelte Belastbarkeitsprofil gelte seit Februar 2010 nach Indikationsstellung und Operation des linken MP-Gelenks D1 (
Urk.
12/66/35 ff.).
4.3
Den im gerichtliche
n
Verfahren eingereichten Berichten von
Dr.
A._
vom
1
8.
April 2013 (
Urk.
4) und von
Dr.
B._
vom
1.
Mai 2013 (
Urk.
10/1) ist zu ent
nehmen, dass die Beschwerdeführerin am 2
1.
Oktober 2012 einen Verkehrs
un
fall in
F._
erlitten hat, infolge welchem sie ins Spital eingewiesen wor
den sei. Nach der Rückkehr zwei Tage später hab
e sie
Dr.
C._
wegen thoraka
ler
Prellungen, Schwindel und starke
r
Kopfschmerzen aufgesucht. Insbesondere die
spondylogene
Symptomatik habe sich verschlechtert.
Dr.
A._
liess CTs der LWS und HWS erstellen, welche gemäss seiner Beurteilung erhebliche
Osteo
chondrosen
und
Unkarthrosen
C6/7, eine kleine
Protrusion
C5/6 median und linksbetont, eine leichte
Unkarthrose
rechts sowie eine Einengung des
Foramens
C6/7, eine
kyphosierte
Haltung der HWS und eine diskrete linkskonvexe Skoli
ose mit Scheitelpunkt C6 links erkennen liessen (
Urk.
4).
Dr.
B._
führte den Schmerzzus
tand der Beschwerdeführerin
einerseits auf die degenerativen Veränderungen, andererseits auf eine Weichteilproblematik (im Sinne von
periartikulären
und
myofaszialen
Schmerzen) zurück. Auch wenn die klinische Untersuchung zurzeit keine eindeutige Einschränkung der
Rückenbe
weglichkeit
und keine Entzündungszeichen der Gelenke aufweise, seien die therapieresistenten Schmerzen auf die objektivierbaren und klinischen Befunde zurückzuführen. Hinzu kämen die Depression und die chronische Migräne. Seines Erachtens sei eine berufliche Integration unter diesen Umständen nicht mehr realisierbar (
Urk.
10/1).
5.
5.1
In Würdigung der nunmehrigen medizinischen Aktenlage muss festgestellt wer
den, dass das eingeholte polydisziplinäre Verwaltungsgutachten in mehrfacher Hinsicht den bundesgerichtlichen Anforderungen an den Beweiswert eines ärzt
lichen Gutachtens (vgl. obige E. 1.3) nicht
genügt
und damit nicht als
Entschei
dungsgrundlage
für die Beurteilung des Gesundheitszustandes der Beschwerde
führerin und ihrer Arbeitsfähigkeit in einer Verweisungstätigkeit taugt.
Ein wesentlicher Mangel des Gutachtens liegt in der fehlenden Auseinanderset
zung mit der Frage, ob die Beschwerdeführerin an einer rheumatologischen Grunderkrankung leidet, welche – zumindest teilweise – Erklärung für die geklagten Schmerzen bildet. Trotz positiver Laborbefunde hinsichtlich des HLA-B27-Wertes und eines grenzwertigen ANA-Titers (
Urk.
12/66/21) setzte sich der zuständige Rheumatologe
Dr.
med.
G._
in keiner Weise mit der Frage nach dem Vorliegen einer entzündlichen Rheumaerkrankung auseinander und fokus
sierte nicht nur die Befunderhebung, sondern auch seine Beurteilung in unzu
länglicher Weise von Anfang an auf eine allfällige Schmerzverdeutlichung und Selbstlimitierung (vgl.
Urk.
12/66/23 ff.). Angesichts des Umstandes, dass den Berichten von
Dr.
C._
und
Dr.
D._
sowie von
Dr.
med.
H._
, Fachärztin FMH für Neurologie, die Diagnosen einer Polyarthritis unter Bezugnahme auf die erhöhten Laborwerte sowie auf Gelenksentzündungen (vgl.
Urk.
12/50/16-20
f.
12/57/5, 12/58/5) zu entnehmen sind, und die Tochter der Beschwerdeführerin offenbar an Morbus
Bechterew
leidet (vgl.
Urk.
12/66/34), erscheint die Abklärung von
Dr.
G._
als klar unvollständig und seine Beur
teilung als insgesamt tendenziös.
Auch das psychiatrische Teilgutachten des
Z._
weist erhebliche
beweisrechtli
che
Mängel auf. So fehlt es sowohl der diagnostizierten neurotischen Fehlent
wicklung gemäss ICD-10 F48.9 als auch der Diagnose der
Somatisierungsstö
rung
(ICD-10 F45.0) an einer nachvollziehbaren psychiatrischen Herleitung und an begründeten differentialdiagnostischen Überlegungen. Im Zusammenhang mit der festgestellten
Somatisierungsstörung
setzte sich der zuständige psychi
atrische Teilgutachter
Dr.
med.
I._
weder mit den Kriterien und Leitlinien eines anerkannten Diagnosesystems auseinander, noch findet sich eine Aussage zum Schweregrad dieser Störung. Den
Qualitätsleitlinien für psychiatrische Gut
achten in der Eidgenössischen Invalidenversicherung der Schweizerischen Gesellschaft für V
ersicherungspsychiatrie (SGPP,
Bern, Februar
2012) wird da
mit klar nicht entsprochen.
Hinzu kommt, dass das
Z._
die Arbeitsfähigkeit in einer Verweisungstätigkeit erst ab Februar 2010 beurteilte (
Urk.
12/66/41), mithin zum hier ebenfalls mass
geblichen Beurteilungszeitraum von Februar 2008 bis Januar 2010 (vgl. obige
E. 1.2 und BGE 138 V 475 zur Frage der Anwendbarkeit von
Art.
29
Abs.
1 IVG
,
was
bei Anmeldung zum Leistungsbezug
im August
2008
zum Beginn des Wartejahres gemäss
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG ab Februar 2008 führt
) keine Stel
lung bezieht. Der Hinweis im Gutachten des
Z._
unter Ziffer 7.5 auf die Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit mit 70
%
durch
Dr.
C._
hilft diesbezüglich nicht weiter, wurde doch diese Einschätzung bereits im Urteil IV.2009.00727 vom 3
0.
Dezember 2010 als blosse Prognose nach erfolgter Umschulung erkannt und zudem durch die späteren Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit von
Dr.
C._
(vgl. unter anderem
Urk.
12/57/6) ihres Gehalts entzogen.
Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführerin vor Erlass des hier angefochtenen Entscheides gemäss anamnestischen Angaben gegenüber
Dr.
A._
(
Urk.
4) und
Dr.
B._
(
Urk.
10/1) einen Verkehrsunfall erlitten hat, welcher eine Ver
schlechterung des Gesundheitszustandes zur Folge gehabt habe, was in die bis
herigen ärztlichen Beurteilungen nicht einfliessen konnte und der
Beschwerde
gegnerin
im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
aus nicht nachvollziehbaren Gründen durch den Vertreter der Beschwerdeführerin nicht zur Kenntnis ge
bracht wurde.
Zusammengefasst ist auf die Beurteilung des
Z._
nicht abzustellen. Angesichts dessen kann auf weitere Ausführungen zu den im Wesentlichen
formalen Ein
wänden des Vertreters der Beschwerdeführerin gegen die Verwertbarkeit des MEDAS-Gutachtens verzichtet werden. Hinzuweisen
ist
in diesem Zusammen
hang dennoch auf das zwischenzeitlich wiederholt bestätigte Grundsatzurteil BGE 139 V 547.
Nicht abgestellt werden kann angesichts
der Komplexität und Vielschichtigkeit der Beschwerden sowie
der Diskrepanz
en
zur Einschätzung des
Verwaltungs
gutachtens
auf die
einzelnen
Beurteilungen der behandelnden Ärzte/
Ärztinnen, zumal
der Erfahrungstatsache Rechnung
zu
tragen
ist
, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Weitere medizinische Abklärungen erweisen sich demnach als unumgänglich.
5.2
Angesichts des Umstandes, dass im
Z._
-Gutachten die Frage nach einer entzünd
lichen rheumatischen Erkrankung und deren Auswirkungen überhaupt nicht gestellt und die Arbeitsfähigkeit im Zeitraum Februar 2008 bis Januar 2010 gar nicht beurteilt wurde,
mithin die Erhebung von bisher vollständig un
geklärten Fragen notwendig ist,
ist die Sache im Einklang mit der
bundesge
richtlichen
Rechtsprechung (BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4) zur Einholung eines weiteren Gutachtens an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Dem Antrag der Beschwerdeführerin auf Einholung eines Gerichtsgutachtens (
Urk.
1 S. 11) wird nicht entsprochen,
zumal nach neuerer bundesgerichtlicher Rechtsprechung kein Anspruch auf Einholung eines Gerichtsgutachtens besteht (vgl. BGE 138 V 271 E. 1.2.2 unter Hinweis auf BGE 136 V 376).
5.3
Angesichts der offenen Fragestellungen wird die Beschwerdegegnerin neuerlich ein polydisziplinäres Gutachten unter Berücksichtigung der Disziplinen der Rheumatologie, Orthopädie und der Psychiatrie einzuholen und dabei den Ver
fahrensrechten der Beschwerdeführerin unter Berücksichtigung der neueren bundesgerichtlichen Rechtsprechung (BGE 137 V 210) und der
Auftragsvergabe nach dem Zufallsprinzip nach
Art.
72
bis
der Verordnung über die Invalidenver
sicherung (IVV)
Rechnung zu tragen haben.
Sinnvollerweise ergänzt die Beschwerdegegnerin ihren Standardfragenkatalog (vgl.
Urk.
12/60/3-4) mit einem Hinweis auf den konkret zu beurteilenden Zeit
raum (von Februar 2008 bis zum Begutachtungszeitpunkt). Zudem ist im Rah
men der rheumatologischen Beurteilung unter anderem Stellung zu nehmen zum Vorliegen und
zur
Auswirkung einer
Spondylarthropathie
oder eines ähnli
chen Beschwerdebildes sowie zu den in diesem Zusammenhang erhobenen Laborwerten. Auch hierzu ist die Beschwerdegegnerin gehalten, ihre Fragestel
lung zu konkretisieren. Trotz diverser degenerativer Zustände im Bereich
der
HWS, der LWS und der Finger fehlt es bis anhin an einer orthopädischen Ab
klärung, was ebenfalls nachzuholen ist. Die bisherigen neurologischen Abklä
rungen zeigten keine neurologischen Ausfälle (vgl.
Urk.
12/50/20-21, 4). Sollten die zuständigen Gutachterpersonen zur Auffassung gelangen, dass sich dennoch eine neurologische Abklärung aufdrängt, werden sie das Notwendige in die Wege zu leiten haben.
Je nach Ergebnis der zusätzlichen
medizinischen Abklärungen wird die
Beschwer
degegnerin
im Weiteren gehalten sein, die bisher unterbliebene Ab
klärung der Einschränkungen im Bereich Haushalt durchzuführen.
Damit ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, dass die Sache an die
Be
schwerdegegnerin
zur oben definierten ergänzenden Abklärung und
zu
neuerli
chem Entscheid zurückzuweisen ist.
6.
6.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG in der seit dem 1. Juli 2006 in Kraft stehenden Fassung) und ermessensweise auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Entsprechend hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Parteientschädi
gung
. Diese ist nach
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit Art. 34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Sache und nach der Schwierigkeit des Prozesses zu be
messen. In Anwendung
dieser Grundsätze rechtfertigt sich die Zusprechung ei
ner Prozessentschädigung von
Fr.
3‘100.-- (inklusive Barauslagen und Mehr
wertsteuer).