# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 0fdcf972-af79-46c4-ab8c-19100c3c2459
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1964, hat eine Ausbildung im Detailhandel absolviert und war vom 6. November 2001 bis zum 15. Juli 2013 (letzter effektiver Arbeits
tag) bei der
Y._
,
Z._
, als Einkäuferin angestellt (Urk. 7/4/4, 7/15 und 7/18/8 ff.). Unter Hinweis auf eine mittelg
radige Depression sowie Angstzu
stände meldete sie sich am 22. Januar 2014 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/4). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zog nebst einem aktuellen Auszug aus dem individuellen Konto (IK
Auszug; Urk. 7/15) insbesondere einen Arbeitgeberbericht (Urk. 7/18/8 ff.), die Akten des Krankentaggeldversicherers (Urk. 7/5, 7/22, 7/31, 7/37 und 7/48) sowie Berichte der behandelnden Ärzte bei (Urk. 7/21, 7/23). Mit Schreiben vom 3. Juli 2015 teilte sie der Versicherten mit, dass aktuell keine beruflichen Eingliede
rungsmassnahmen möglich seien (Urk. 7/50).
Nach Eingang weiterer Arztberichte (Urk. 7/52, 7/58) gab die IV-Stelle bei der MEDAS
A._
ein
bidiszip
li
näres
Gutachten in Auftrag (MEDAS
Gut
achten vom 22. August 2016, Urk. 7/73) und ersuchte in der Folge um Bea
ntwortung von Ergänzungsfragen
(Urk. 7/74-78). Mit Vorbescheid vom 30. Dezember 2016 stellte sie der Versicherten die Abweisung des Leistungsbe
gehrens in Aussicht
(Urk. 7/80), wogegen
diese Ein
wand
erhob (Urk. 7/81, 7/84 und 7/87). Am 6. Juni 2017 verfügte die IV-Stelle im angekündigten Sinne (Urk.
7/92
).
Die von der Versicherten dagegen am
4.
Juli 2017 erhobene Beschwerde (
Urk.
7/93/3 ff.) hiess das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich mit Urteil IV.2017.00756 vom 2
8.
September 2018 in dem Sinne gut, dass es die Sache an die IV-Stelle zurückwies, damit diese
hinsichtlich des psychischen Gesundheitszustandes der Versicherten weitere Abklärungen vornehme und her
nach über den
Leistungsanspruch neu verfüge
(
Urk.
7/100). Dieser Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.2
Im Zuge der Umsetzung dieses Urteils holte die IV-Stelle
zunächst bei den behan
delnden Ärzten Berichte ein (
Urk.
7/107, 7/108/7 ff. und 7/110/7 ff.) und gab danach bei der
B._
ein psychiatrisch-neuropsychologi
sches Gutachten in Auftrag (
Urk.
7/113), welches am 1
6.
Mai 2019 vorgelegt wurde (
Urk.
7/116).
Mit Vorbescheid vom 2
1.
Juni 2019 stellte sie der Versicher
ten die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
7/118), wogegen diese unter Beilage eines Berichtes der behandelnden Psychiaterin (Urk. 7/122) Einwand erhob (
Urk.
7/119, 7/121).
Nachdem die Gutachter mit Stellungnahme vom 2
4.
Oktober 2019 auf Ergänzungsfragen der IV-Stelle geantwortet hatten (
Urk.
7/123 f.), wurde der
Versicherten die Möglichkeit eröffnet, sich hierzu zu äussern
(
Urk.
7/125).
Sie
machte davon mit Stellungnahme vom
5.
Dezember 2019 wiederum unter Beilage eines Berichtes der behandelnden Psychiaterin Gebrauch (
Urk.
7/126 f.). Nach Rücksprache mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD,
Urk.
7/128/4) verfügte die IV-Stelle am 1
1.
Februar 2020 im ange
kündigten Sinne (
Urk.
2 =
Urk.
7/129
).
2.
Dagegen erhob
X._
am 1
3.
März 2020 Beschwerde mit dem Rechts
begehren, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und ihr sei mit Wirkung ab Ablauf des Wartejahres im August 2014 eine Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen. Eventualiter sei die Verfügung aufzuheben und die Sache sei zur erneuten medizinischen Begutachtung
vorzugsweise einer
bidisziplinären
Ver
laufsbegutachtung bei der MEDAS
A._
und anschliessendem neuen Entscheid über den Rentenanspruch an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Im Sinne eines Verfahrensantrages ersuchte die Beschwerdeführerin das Gericht darum, auf Kosten der Beschwerdegegnerin eine Oberbegutachtung zu veran
lassen (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
7.
April 2020 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), worüber die Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 2
1.
April 2020 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
8).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts,
A
TSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
1
.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheid
relevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom 1
1.
Februar 2020 hielt die Beschwerde
gegnerin zusammengefasst fest,
dass sie nach dem Rückweisungsurteil des Sozial
versicherungsgerichts erneut eine Begutachtung in Auftrag gegeben habe. Aus den
Akten
gehe hervor, dass bei der Beschwerdeführerin keine gesund
heitli
che Einschränkung vorhanden sei. Es sei von einer Aggravation auszugehen.
Mit den im
Vorbescheidverfahren
eingereichten medizinischen Unterlagen seien keine neuen Tatsachen geltend gemacht worden. Angesichts der Inkonsistenzen liege mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine Aggravation vor; eine valide Aussage zu allfälligen Funktionseinschränkungen sei nicht möglich. Das Leistungsbegehren werde daher abgewiesen
(
Urk.
2 S. 1 f.).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte in ihrer Beschwerdeschrift vom 1
3.
März 2020 im Wesentlichen geltend,
dass das Gutachten der
B._
nicht lege
artis
erstellt worden sei und folglich die Qualitätsanforderungen einer
beweisgenüglichen
medizinischen Expertise nicht erfülle.
Die nachvollziehbaren Ausführungen der behandelnden Psychiaterin zum Gutachten würden dessen Oberflächli
chkeit, Lückenhaftigkeit und u
nsorgfältig
e Ausarbeitung
belegen (Urk.
1 S. 5).
Im Gutachten seien sämtliche Fragen zur Situation in der Ver
gangenheit und früheren Einschätzungen nicht beantwortet worden. Die Beurtei
lung sei gestützt auf die eigene Untersuchung mit rudimentärer, nicht nachvoll
ziehbarer Begründung und lediglich unter Hinweis auf
eine
nicht vorhandene Validität sowie negative Antwortverzerrung beziehungsweise Aggravation ent
fallen. In der
gesamten übrigen Aktenlage seien jedoch keinerlei Hinweise auf Selbstlimitierung oder Aggravation zu finden (
Urk.
1 S. 9 f.).
Des Weiteren habe die Beschwerdegegnerin ausser Acht gelassen, dass sich der somatische Gesund
heitszustand seit
Erlass
der letzten vom Gericht beurteilten Verfügung ver
schlechtert habe
. In Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes seien in dieser Hinsicht jedoch keine aktuellen Berichte angefordert worden (Urk.
1 S. 6 f.).
Vor diesem Hintergrund sei eine vom Gericht zu veranlassende Oberbegutachtung angezeigt, da eine erneute Rückweisung aus prozessökonomischen Gründen nicht mehr sachgemäss erscheine (
Urk.
1 S. 12).
Mit Blick auf die medizinische Akten
lage sei allerdings festzuhalten, dass ein Anspruch auf eine ganze Rente ab August 2014 bis jedenfalls drei Monate nach Eintritt der damals im MEDAS
Gut
achten ab März 2016 attestierten Teilarbeitsfähigkeit
bereits jetzt
ausgewiesen sei (Urk. 1 S. 9).
3.
3.1
3.1.1
Im Rahmen der erstmaligen Beurteilung des
Rentenanspruchs der Beschwerde
führerin holte die Beschwerdegegnerin zunächst nebst Berichten der behandeln
den Ärzte
ein vom Krankentaggeldversicherer in Auftrag gegebenes Gutachten ein. In diesem Zusammenhang
kann auf die Ausführungen in E.
3.1-3.5 des Urteils des Sozialversicherungsgerichts vom 2
8.
September 2018 (IV.2017.00756) verwiesen werden (
Urk.
7/100/6 ff.).
3.1.2
D
em von der
Beschwerdegegnerin bei der MEDAS
A._
in Auftrag gegebenen
bidisziplinäre
n
Gutachten
vom
2
2.
August 2016
waren
im Wesentli
chen folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu ent
nehmen (Urk. 7/73/50):
-
Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01)
-
Zwangshandlungen (ICD-10 F42.1)
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0)
-
chronische Hand- und Fingergelenksarthralgien
-
chronisches
lumbospondylogenes
Syndrom rechts
-
Impingementsymptomatik
der rechten Schulter vom
Supraspinatustyp
-
leichtes
Reizknie
rechts.
Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien demgegenüber insbesondere:
-
akzentuierte Persönlichkeitszüge (abhängig und ängstlich-unsicher,
ICD-10 Z73)
-
unterdurchschnittlicher Intelligenzquotient
-
chronisches
tendomyotisches
zervikales Schmerzsyndrom
myofaszialer
Ausprägung.
Im interdisziplinären Konsens gelangten die Gutachter zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin unter einer Vielzahl von körperlichen und psychischen Beschwerden leide, wobei sich Letztere schwergewichtig auswirken würden und insbesondere im Nachgang zur Kündigung im Jul
i 2013 zu einer bis heute anhal
tenden Arbeitsunfähigkeit von 90 % in der angestammten Tätigkeit und von 70 % in einer leidensangepassten Tätigkeit geführt hätten (Urk. 7/73/49).
Auf entsprechende Rückfragen der IV-Stelle (vgl. Urk. 7/74
, 7/77) führte
pract
. med. C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, mit ergänzenden Stellungnahmen vom 30. September und 8. November 2016 im Wesentlichen aus, dass die Arbeitsfähigkeit der Versicherten trotz vorhandener Ressourcen erheblich eingeschränkt sei. Grund hierfür sei, dass sich die Störungen im privaten Umfeld weniger stark auswirken würden als im Erwerbsleben, welches teilweise höhere Anforderungen an die Leistungsfähigkeit stelle und zu einer Überforderung führe. Bei der Versicherten hätten sich infolge zunehmender Überlastung in der Arbeits
welt pathologische Kompensationsmechanismen entwickelt (Urk. 7/75/3, 7/78/4 f.).
3.1.3
Mit Urteil IV.2017.00756 vom
2
8.
September 2018 erwog das Sozialver
siche
rungs
gericht im Wesentlichen,
dass auf das psychiatrische Teilgutachten von
pract
. med.
C._
nicht abgestellt werden könne.
Zur Begründung wurde fest
gehalten, dass
sich
zum einen
die Herleitung der einzelnen Diagnosen als nicht überzeugend
erweise
. Zum anderen seien hinsichtlich der konkreten Auswirkun
gen der psychischen Störungen auf die im Erwerbsleben vorausgesetzten Fähig
keiten und Funktionen Unklarheiten vorhanden.
In diesem Zusammenhang sei eine mangelhafte Auseinandersetzung mit dem prinzipiell auf sämtliche psychi
schen Störungen anwendbaren strukturierten Beweisverfahren erfolgt. Gesamt
haft erweise sich der
entscheidrelevante
Sachverhalt in psychiatrischer Hinsicht als ungenügend abgeklärt, weshalb die Sache zwecks ergänzender Abklärungen und neuer Beurteilung des Leistungsanspruchs an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen sei (
Urk.
7/100/14).
3.2
3.2.1
Dem im Zuge der Umsetzung diese
s Urteils eingeholten Bericht von
Dr.
med. D._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, vom
9.
Dezember 2018
sind im Wesentlichen folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfä
higkeit zu entnehmen (
Urk.
7/108/9):
-
rezidivierende mittelgradige Depression seit Juli 2013 mit Angstattacken
-
chronische Schmerzen
-
Knieschmerzen beidseits, aktuell bei Status nach Distorsion vor allem rechts, Status nach mehrmaligen Arthroskopien beidseits
-
Femoro-acetabuläres
Impingement
beidseits; Status nach Hüftarthro
skopie links 2010
-
Fingerpolyarthrose beidseits
-
STT-Arthrose links mit Status nach
Arthrodese
des MCP-Gelenks I links
-
lumbospondylogenes
Syndrom rechts mit
Spondylarthrosen
vor
wiegend L4/5
-
AC-Gelenksarthrose links; Status nach SLAP-
Repair
2006
-
PHS
tendopathica
beidseits; Arthroskopie links mit SLAP-
Refixation
2006; Arthroskopie rechts mit offener
Bicepstendodese
und Verschluss des
Rotatorenmanschettenintervalls
2002.
Ein Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurde demgegenüber in Bezug auf eine rezidivierende Migräne verneint
.
Aus ärztlicher Sicht
zeichne sich keine Ver
besserung ab; vor allem psychisch gehe es der Beschwerdeführerin nach wie vor schlecht. Auch der körperliche Zustand verschlechtere sich tendenziell eher (
Urk.
7/108/10).
Hinsichtlich der Zumutbarkeit der bisherigen oder einer leidens
angepassten Tätigkeit äusserte sich
Dr.
D._
nicht (
Urk.
7/108/12).
3.2.2
Dr.
med.
E._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
stellte in ihrem Bericht
vom 1
7.
Dezember 2018
folgende Diagnosen (
Urk.
7/107/1 f.):
-
Panikstörung mit Agoraphobie (ICD-10 F40.01) und psychogene Hyper
ventilation (ICD-10 F45.3)
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F61) mit überangepassten (abhängigen), selbstunsicheren und perfektionistischen (zwanghaften) Zügen
-
Zwangshandlungen (ICD-10 F42.1)
-
dissoziative Störung (ICD-10 F44.7; dissoziative Körperempfindungs-störung und dissoziative Zustände bei emotionaler Überlastung)
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
Probleme bei emotionaler Mangelerfahrung in der Kindheit und früher Verantw
ortungsübernahme bei psychisch
krankem Elternteil (ICD-10 Z61.8, Z81.1) und langjähriger Gewalterfahrung in Paarbeziehung (ICD
10 Z63.0; Differentialdiagnose: komplexe
Traumafolgestörung
).
Dadurch sei die Beschwerdeführerin nicht nur in der Durchhaltefähigkeit deutlich eingeschränkt.
Infolge von Selbstunsicherheit und Überanpassung an die Bedürf
nisse anderer Personen sei namentlich auch die Selbstbehauptungsfähigkeit stark beeinträchtigt. Die Beschwerdeführerin pflege einen mehrheitlich eingeschränk
ten, wenig flexiblen Lebensstil mit geringen kulturellen und sozialen Aktivitäten
. Beziehungen z
u vertrauten Personen könne sie
aufrechterhalten
; in der Gruppen
fähigkeit sei sie jedoch aufgrund von Ängsten und Panikattacken stark beein
trächtigt. Des Weiteren bestehe eine teilweise eingeschränkte Wegefähigkeit. Gesamthaft
sei aus psychiatrischer Sicht sowohl für die angestammte Tätigkeit als Mitarbeiterin im Einkauf als auch in einer angepassten Tätigkeit eine volle Arbeitsu
nfähigkeit zu attestieren (Urk.
7/107/5 f.).
3.2.3
Zu dieser Schlussfolgerung gelangte auch
Dr.
med. F._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
,
in ihrem Bericht vom 1
6.
Januar 2019, wobei sie eine Steigerung der Belastbarkeit für nicht absehbar erachtete (
Urk.
7/110/14).
Dabei ging sie
zusammengefasst
von folgenden Diagnosen mit Auswirkung
en
auf die Arbeitsfähigkeit aus (
Urk.
7/110/12 f.):
-
komplexe
Traumafolgestörung
bei massiver jahrelanger emotionaler Ver
nachlässigung in der Kindheit und multiplen Traumata im Erwachsenen
alter mit Störungen der Persönlichkeitsstruktur (ICD-10 F43.8)
-
chronische depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Symptome (ICD-10 F33.8) unter Antidepressiva
-
Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01, seit mindestens Januar 2013)
-
Zwangshandlungen (ICD-10 F42.1, seit vielen Jahren)
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41, vermutlich seit Jugendalter)
-
unterdurchschnittlicher Intelligenzquotient von 82
-
rheumatologische Diagnosen gemäss MEDAS-Gutachten vom 2
2.
August 2016.
Die gesamthaft mittelschwere bis schwere langjährige psychische Erkrankung habe zur Folge, dass die Durchhalte- und die Gruppenfähigkeit stark einge
schränkt sei
en
. Mittelgradige Einschränkungen seien in Bezug auf die Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, die Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit, die Selbstbe
hauptungsfähigkeit sowie die Kontaktfähigkeit zu Dritten vorhanden. In weiteren Dimensionen seien leichtgradige Beeinträchtigungen vorhanden (Urk. 7/110/12).
3.2.4
Im
bidisziplinären
Gutachten der
B._
vom 1
6.
Mai 2019 wurden keine Diagnosen mit oder ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt (
Urk.
7/116/5).
Lic
. phil. G._
, Fachpsychologe für Neuropsychologie FSP, hielt in seiner
Teilexpertise fest, dass bei der Beschwerdeführerin rein formal
also ohne Berücksichtigung des
Validitätsaspektes
der Befunde
eine ins
gesamt leichte bis mittelgradige neuropsychologische Störung bei unterdurch
schnittlichem intellek
tuellen
Leistungsvermögen mit einem Gesamt
intelligenz
quotienten von 72 vorliege.
Neben Defiziten im theoretischen Verar
beiten hätten sich mnestische,
attentionale
,
visuokonstruktive
und exekutive Minderleistungen mit teilweise deutlichen Schwankungen in verschiedenen Auf
gaben zum selben kognitiven Funktionsbereich ergeben. Im Bereich der Affekti
vität habe die Beschwerdeführerin von Beginn weg einen müden Eindruck bei normaler Grundstimmung und gegebener affektiver Schwingungsf
ähigkeit hin
terlassen. Die Ermüdbarkeit habe leicht erhöht gewirkt; der Antrieb sei leicht ver
mindert erschienen (
Urk.
7/116/66).
In den durchgeführten
Leistungsvalidi
sierungs
verfahren
hätten sich allerdings Auffälligkeiten und Hinweise für eine negative Antwortverzerrung im kognitiven Bereich ergeben. Es müsse von einer zumindest nicht durchgängig genügenden Anstrengungsbereitschaft ausge
gangen werden, weshalb die erhobenen neuropsychologischen Befunde nicht als valide gewertet werden könnten.
Im Rahmen der in den Akten genannten psychiatrischen Diagnosen wäre eine neuropsychologische Störung denkbar. Bei fehlender Validität der aktuell erhobenen neuropsychologischen Befunde entziehe es sich aber der gutachterlichen Erkenntnismöglichkeit, ob eine solche gegenwärtig tatsächlich und, falls ja, in welchem Schweregrad vorliege. Eine Diagnose könne auf neuropsychologischem Fachgebiet nicht gestellt werden (
Urk.
7/116/67, 7/116/69 f.).
Im
Rahmen der psychiatrischen Untersuchung durch
Dr.
med.
H._
, Fach
arzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
habe die Beschwerdeführerin berichtet, sich insgesamt nicht mehr als belastbar zu empfinden. Wenn sie mehr als zwei Termine pro Woche habe, reagiere sie unruhig und angespannt. Bei Anforderun
gen und äusserem Druck werde sie zudem ängstlich. Selbst im Privatbereich sei sie rasch gereizt und fühle sich überfordert.
Besonders im Beisein vieler Menschen reagiere sie seit 2013 ängstlich. Sie habe ein gewisses Misstrauen und immer den Gedanken, dass ihr jemand etwas antun könnte. Sie gehe deshalb bewusst auch zu Zeiten nach draussen oder einkaufen, wenn weniger Menschen unterwegs seien. Zwei bis drei Mal pro Monat träten ausserdem Panikattacken auf. Massive Angst habe sie vor Dunkelheit und gehe deshalb nicht alleine nach draussen. Wenn sie in Angstzustände gerate, müsse sie an bedrohliche Situationen von früher denken, etwa als sie ein Mann im Dunkeln verfolgt habe. Die Stimmung sei phasenweise schlecht.
Des Weiteren
müsse sie zu Hause alles sehr sauber und
ordentlich
halten, a
nsonsten
sie sich
verunsichert
fühle
. Insgesamt sei sie energie
los und neige dazu, alles «in sich hineinzufressen». Sie könne sich nicht abgren
zen und behaupten (
Urk.
7/116/27).
Aus psychiatrischer Sicht
hätten sich weder hinsichtlich Bewu
sstsein,
Orien
tierung
oder Wahrnehmung
noch in Bezug auf
Mnestik
, Konzentration und Auf
merksamkeit oder
formales und inhaltliches
Denken Auffälligkeiten eruieren lassen.
Von
Ängsten,
einem gewissen Misstrauen und
einem Vermeidungsverhal
ten habe die Beschwerdeführerin
in Situationen mit anderen Personen berichtet. Zudem träten zwei bis drei Mal pro Monat Panikattacken auf. Ferner sei ein
anankastisches
Verhalten geschildert worden
, jedoch keine Zwangshandlungen, -impulse oder -gedanken. Affektiv habe die Beschwerdeführerin zunächst bei ein
geschränkter Modulation ängstlich verunsichert und subdepressiv gewirkt. Im weiteren Verlauf habe sich die Interaktion adäquat gestaltet
, wobei die Beschwer
deführerin phasenweise auch auslenkbar gewesen sei. Schuldgefühle oder Insuffizienzerleben seien nicht geschildert worden
. Der gerichtete motorische Handlungsantrieb sei zunächst vermindert gewesen, im Verlauf dann jedoch adäquat
(
Urk.
7/116/32 f.).
In der Gegenübertragung habe die Beschwerdeführerin während der Untersuchungssituation nicht namhaft beeinträchtigt gewirkt. Sie habe von einem weiterhin ausreichend gut strukturierten Tagesablauf mit guten Fähigkeiten zur Selbstversorgung berichtet. Während der psychiatrischen Explo
ration habe sie zudem keine mnestischen oder kognitiven Defizite beschrieben. Sämtliche Fragen seien folgerichtig be
antwortet worden und bei den zeitlichen Zuordnungen seien keine Probleme aufgetreten (
Urk.
7/116
/36).
Anlässlich der neuropsychologischen Untersuchung seien die Validierungsver
fahren auffällig gewesen, sodass gesamthaft von einer negativen Antwortver
zerrung auszugehen sei. Die neuropsychologischen Befunde seien folglich
als nicht
valide zu werten.
Aus psychiatrischer Sicht würden sich diese auch nicht durch eine allfällige psychische Erkrankung erklären lassen. Insbesondere widerspreche der ermittelte IQ-Wert von 72 dem Antwortverhalten der Beschwerde
führerin sowie ihrem beruflichen Werdegang. Auch der in der neuro
psychologi
schen Vorbegutachtung erhobene Wert von 82, welcher mit einer Lernbehinde
rung gleichzusetzen wäre, stehe im Widerspruch zu den mnestischen und kognitiven Fähigkeiten der Beschwerdeführerin. Bei einer derart niedrigen Intelligenz wäre sie nicht annähernd zur Ausübung ihrer letzten Erwerbstätigkeit in der Lage gewesen. Durch die Validierungstests würden sich somit insgesamt belegbare Inkonsistenzen ergeben.
Dies sei insbesondere vor dem Hintergrund zu sehen, dass der Beschwerdeführerin seitens des psychiatrischen Gutachters bezüglich der neuropsychologischen Untersuchung die Konsequenzen falscher
Angaben erläu
tert worden seien. Somit sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer Aggravation auszugehen. Folglich seien auch
psychiatrischerseits
keine diagnosti
schen Einschätzungen mit dem Grad einer überwiegenden Wahrschein
lichkeit mehr möglich, da das tatsächliche Beschwerdeausmass nicht mehr objek
tiviert werden könne. Daher sei gesamthaft keine versicherungsmedizinische diagnostische Einschätzung mit dem Grad einer überwiegenden Wahrscheinlich
keit mehr möglich. Daraus resultiere ausserdem, dass keine valide Aussage über allfällige bei der Beschwerdeführerin vorhandene Funktionseinschränkungen erfolgen könne und dementsprechend auch keine Einschätzung der Arbeitsfähig
keit (
Urk.
7/116/36 f).
3.2.5
Mit Bericht vom 2
9.
August 2019 kritisierte
Dr.
F._
das Gutachten in mehr
facher Hinsicht. Namentlich sei es oberflächlich
, lückenhaft und unsorgfältig aus
gefertigt. Es erfasse in keiner Weise die Komplexität der gesundheitlichen Stö
rungen und deren funktionellen Folgen
. Des Weiteren erfülle es die Qualitätsleit
linien für versicherungspsychiatrische Gutachten nicht und vermittle den Ein
druck, dass der Fokus auf den Nachweis von
Noncompliance
und Aggravation gerichtet gewesen sei. Ausserdem sei nur
mangelhaft auf die Vorbefunde einge
gangen worden
(
Urk.
7/122/2
ff.
).
3.2.6
In ihrer Stellungnahme vom
2
4.
Oktober 2019
wiesen die Gutachter insbesondere den Vorwurf zurück, dass die Expertise selektiv z
wecks
Nachweis von
Non
compliance
und Aggravation erstellt worden sei. Darüber hinaus sei der formale und inhaltliche Aufbau
eines IV-Gutachtens durch die obligatorische Vorlage des Bundesamtes für Sozialversicherung vorgegeben und strikt eingehalten worden. Aufgrund der Gesamteinschätzung habe das tatsächliche Beschwerdeausmass nicht beurteilt werden können, weshalb auch keine Auseinandersetzung mit den Vorbefunden möglich gewesen sei (
Urk.
7/124/2).
Die Ausführungen von
Dr.
F._
würden keine neuen Erkenntnisse beinhalten, welche zu einer anderen Bewertu
ng führen würden (
Urk.
7/124/3,
7/124/8).
3.2.7
Mit Bericht vom
1.
Dezember 2019
erachtete
Dr.
F._
die von ihr erhobenen Einwände für nicht widerlegt. D
ie Gutachter hätten ihre Kritikpunkte zurückge
wiesen, ohne inhaltlich
vertieft
auf diese einzugehen
(Urk.
7/126/1)
.
Aufgrund der ungenügenden Qualität des Gutachtens empfehle sie, die Anfertigung eines neuen Gutachtens beziehungsweise eines Obergutachtens zu beantragen (
Urk.
7/126/5).
4.
4.1
Die
Parteien vertreten unterschiedliche Auffassungen in Bezug auf die Frage, ob auf das
ps
ychiatrisch-neuropsychologische Gutachten
der
B._
vom 1
6.
Mai 2019
abgestellt werden kann und ob auf dieser
medizini
sche
n
Grundlage
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine Aggravation ausge
wiesen
ist, die einem Rentenanspruch entgegensteht.
4.2
Rechtsprechungsgemäss liegt regelmässig kein versicherter Gesundheitsschaden vor, soweit die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Konstellation beruht. Dies trifft namentlich zu, wenn: eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen oder Einschränkungen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese besteht; intensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt; keine medizinische Behandlung und Therapie in Anspruch genommen wird; demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirken oder wenn schwere Ein
schränkungen im Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist. Nicht per se auf Aggravation weist blosses verdeutlichendes Verhalten hin (BGE 141 V 281 E. 2.2.1, BGE 131 V 49 E. 1.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_899/2014 vom 29. Juni 2015 E. 4.1).
Eine auf Aggravation oder vergleichbaren Konstellationen beruhende Leistungs
einschränkung vermag einen versicherten Gesundheitsschaden nicht leichthin auszuschliessen, sondern nur, wenn im Einzelfall Klarheit darüber besteht, dass nach plausibler ärztlicher Beurteilung die Anhaltspunkte für eine klar als solche ausgewiesene Aggravation eindeutig überwiegen und die Grenzen eines bloss verdeutlichenden Verhaltens zweifellos überschritten sind, ohne dass das
aggra
vatorische
Verhalten auf eine verselbständigte, krankheitswertige psychische Stö
rung zurückzuführen wäre (vgl. BGE 143 V 418 E. 8.2; vgl. Urteile des Bundes
gerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 6.1 und 9C_899/2014 vom 29. Juni 2015 E. 4.2).
Steht fest, dass eine anspruchsausschliessende Aggravation oder ähnliche Konstellation im Sinne der Rechtsprechung gegeben ist, erübrigt sich die Durch
führung eines strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 (vgl. BGE 141 V 281 E. 2.2.2; Urteil des Bun
desgerichts 9C_899/2014 vom 29.
Juni 2015 E. 4.4).
4.3
4.3.1
Dr.
H._
zog die Schlussfolgerung, dass die Beschwerdeführerin mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit
aggraviert
habe
, weshalb weder eine versiche
rungsmedizinische diagnostische Einschätzung noch eine valide Aussage zu den
vorhandenen Funktionseinschränkungen möglich sei
. Während der Untersu
chungssituation habe sie in der Gegenübertragung nicht namhaft beeinträchtigt gewirkt.
Des Weiteren habe sie von einem ausreichend gut strukturierten Tages
ablauf mit guten Fähigkeiten zur Selbstversorgung berichtet.
Mnestische o
der kognitive Defizite habe sie
anlässlich der psychiatrischen Exploration nicht geschildert; sämtliche Fragen seien von ihr folgerichtig beantwortet worden.
Im Rahmen der neuropsychologischen Testung seien die Validierungsverfahren auf
fällig gewesen. Gesamthaft sei von einer negativen Antwortverzerrung auszuge
hen. Die nicht validen neuropsychologischen Befunde seien nicht durch eine all
fällige psychische Erkrankung zu erklären.
Der ermittelte Intelligenzquotient widerspreche dem Antwortverhalten der Beschwerdeführerin und ihrem berufli
chen Werdegang.
Die durch die Validierungstests belegbaren Inkonsistenzen seien insbesondere vor dem Hintergrund zu sehen, dass der Beschwerdeführerin die Konsequenzen falscher Angaben erläutert worden seien (
Urk.
7/116/36 f.).
4.3.2
Lic
. phil.
G._
führte in der Tat aus, dass bei einem nonverbalen Leistungs
validierungsverfahren der Fehler-Cut-Off überschritten worden und ein auffälli
ges Resultat erzielt worden sei. In einem verbalen Leistungsvalidierungsverfahren hätten sowohl in den primären als auch in den sekundären
Effort
-Parametern
durchgängig Auffälligkeiten festgestellt werden können. Die Leistungen der Beschwerdeführerin seien mehrere Standardabweichungen schwächer gewesen als diejenigen einer klinische
n
Vergleichsstichprobe von Patienten mit mittelgra
diger bis schwerer Hirnverletzung und vergleichbar mit denjenigen von Demenz
patienten. In einem eingebetteten
Validitätsparameter
mit tiefer Sensitivität sei eine unauffällige Leistung erbracht worden. Insgesamt sei trotzdem von einer negativen Antwortverzerrung auszugehen, weshalb die neuropsychologischen Befunde als nicht valide einzustufen seien. Kognitive Beeinträchtigungen im Rahmen allfällig bestehender psychiatrischer Komorbiditäten seien nicht ausge
schlossen. Bei fehlender Validität der aktuell erhobenen Befunde entzögen sich der exakte IQ
Wert
und ein detailliertes neuropsychologisches Störungsmuster aber der gutachterlichen Erkenntnismöglichkeit (
Urk.
7/116/69 f.).
4.3.3
In Anbetracht dieser Ausführungen ist dem psychiatrischen Gutachter
insoweit
beizupflichten,
als
die auffälligen neuropsychologischen Befunde ein Indiz für eine Übertreibung oder Ausweitung von Beschwerden darstellen
, da
die unter
durchschnittlichen Resultate einiger Validierungstests
nicht durch eine psychi
sche Erkrankung erklärt werden konnten. Diese Gegebenheit verschafft für sich jedoch noch nicht die notwendige Klarheit über das Vorliegen einer Aggravation
, zumal diese aufgrund der
einschneidenden
Folgen des
Anspruchsverlusts
recht
sprechungsgemäss
nicht leichthin anzunehmen ist.
Das Vorliegen eines Aus
schlussgrundes ist rechtsprechungsgemäss auf möglichst breiter Beobachtungs
basis auch in zeitlicher Hinsicht zu beurteilen.
Beschwerdevalidierungstests
bilden
in diesem Zusammenhang einen «Mosaikstein»
(Urteile des Bundesgerichts 9C_621/2018 vom 2
7.
November 2018 E. 5.3.3 und 9C_899/2014 vom 2
9.
Juni 2015 E. 4.2.3).
Hervorzuheben ist zunächst, dass
Dr.
H._
im Zuge seiner fachärztlichen Unter
suchung keine typischen Hinweise für eine Aggravation
(vgl. vorstehende E. 4.2)
feststellen konnte. Für ihn wirkte die Beschwerdeführerin zwar nicht namhaft beeinträchtigt
.
Anhaltspunkte dafür, dass sie ihre
Klagen demonstrativ und unglaubwürdig vorgetragen hätte, finden sich allerdings nicht
; der Gutachter beschrieb auch keine Diskrepanzen zwischen der geschilderten Beeinträchtigung und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese
. Ebenso
wenig wurden
ihrer
seits
beispielsweise intensive Schmerzen angegeben, deren Charakterisierung vage blieb.
Ferner geht aus den Akten hervor, dass die Beschwerdeführerin seit Jahren psychiatrische Behandlungen in Anspruch nimmt
. Aktuell handelt es sich um therapeutische Sitzungen bei
Dr.
F._
im Abstand von jeweils etwa drei Wochen (
Urk.
7/110/7) und wöchentliche Gruppen
psycho
therapien bei
Dr.
E._
(Urk. 7/
107/1).
In der Vergangenheit befand sie sich zudem mehrfach in (teil-)stationärer Behandlung (vgl. Urk. 7/52/2).
Die Ergebnisse der von
Dr.
H._
veranlassten
Blut
untersuchung lassen des Weiteren
wie er selbst festhielt
nicht
zweifelsfrei
auf eine unregelmässige Einnahme der verordneten
Psychopharmaka schliessen (Urk.
7/116/33 f.).
In Bezug auf die ebenfalls einzubeziehende zeitliche Beobachtungsbasis bringt die Beschwerdeführerin
zu Recht vor (
Urk.
1 S. 9), dass sich in de
n übrigen
medizinischen
Akten keine Anhaltspunkte für eine Aggravation oder gar Simu
lation finden lassen.
Dr.
I._
äusserte sich in seinem psychiatrischen Gut
achten vom 8. Oktober 2014 dahingehend, dass die Beschwerden authentisch geschildert worden seien und kein
Malingering
vorliege (
Urk.
7/37/8, 7/37/11). Von somatischer Seite wurde im Rahmen der Begutachtung durch die MEDAS
A._
lediglich
eine Verdeutlichungstendenz in Bezug auf die Schmerzsymptomatik festgestellt (
Urk.
7/73/35)
, was charakteristisch ist für Schmerzstörungen, denen
von vornherein
kein ausreichendes organisches Korre
lat
zu Grunde liegt
.
Psychiatrischerseits
ergaben sich
hingegen
keine Hinweise für Inkonsistenzen, Ag
gravation oder Simulation (Urk.
7/73/67, 7/73/72).
Der
artiges ist auch den zahlreichen Berichten der behandelnden Fachärzte nicht zu entnehmen.
4.3.4
Gesamthaft ist der
Schluss auf eine mit überwiegender Wahrscheinlichkeit beste
hende Aggravation
bei dieser Ausgangslage
nicht haltbar.
Zwar liegen neuro
psychologische Befunde vor, welche auf eine absichtliche
, gesteuerte
Symptom
erzeugung hindeuten.
Im Ergebnis erachtete es
lic
. phil.
G._
trotzdem für denk
bar, dass eine authentische neuropsychologische Störung vorliegt (Urk. 7/116/70
f.
).
Ein zweifelloses Überschreiten der Grenzen
bloss verdeutlichenden Verhaltens ist
auch
unter Berücksichtigung einer möglichst breiten
medizinische
n
Beobach
tungsbasis nicht ausgewiesen.
Namentlich wurden im Rahmen vorangegangener Begutachtungen keine Hinweise
für
eine Aggravation festgestellt. Diesen Umstand liess
Dr.
H._
, welcher selbst ebenfalls keine typischen Anzeichen einer Aggravation erkennen konnte,
jedoch nicht in seine Einschätzung miteinfliessen
. Die
Vorakten
wurden seinerseits zwar umfassend im Gutachten wiedergegeben (
Urk.
7/116/14 ff.); eine eigentliche Auseinandersetzung damit fand allerdings nicht statt
,
beziehungsweise wurde für nicht möglich
erachtet.
Eine solche
wäre jedoch in jedem Fall zu erwarten gewesen,
zumal
rückwirkend für mehrere Jahre
ein Rentenanspruch
in Frage steht und angesichts der
früheren Gutachten
und Arztberichte
Diagnosen zur Diskussion standen,
deren Symptomatik sich nicht primär in kogni
tiven Beeinträchtigungen äussert
und
die
somit
durch eine neu
ropsychologische
Untersuchung nicht
oder nur bedingt
zu verifizieren sind.
Ent
gegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin
durfte der begutachtende Experte seine Abklärung nicht abbrechen. Vielmehr hätte er den Gesundheitszustand aus objektiver Sicht fassen müssen, damit der Gesundheitszustand und der hier strittige Rentenanspruch beurteilt werden kann, denn die Abklärungspflicht der Beschwerdegegnerin bleibt unter den gegebenen Umständen zentral. Damit
erweist sich das psychiatrisch-neuropsychologische Gutachten der
B._
mangels Auseinandersetzung mit den
Vorakten
und den dort diagnostizierten Diagnosen und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit mit Blick auf die Standardindikatoren
somit
nicht als beweiskräftig, weshalb darauf nicht abgestellt werden kann.
Hinzu kommt, dass die
bereits im Urteil IV.
2017.00756 als
abklärungsbedürftig
eingestuften
Fragen
(vgl. Urk. 7/100/14)
nicht beantwortet wurden
, da von gut
achterlicher Seite
zu Unrecht auf eine Aggravation erkannt
und zum von der Beschwerdegegnerin ausgearbeiteten Fragenkatalog
in keiner Weise
Ste
llung genommen wurde (vgl. Urk.
7/116/39 ff.).
Folglich erweist sich der
entscheidre
levante
Sachverhalt in psychiatrischer Hinsicht nach wie vor als ungenügend abgeklärt, weshalb die Voraussetzungen für eine erneute Rückweisung an die
Beschwerdegegnerin erfüllt sind (vgl. vorstehende E. 1.5) und von der Veran
lassung eines Gerichtsgutachtens abzusehen ist.
Die Beschwerdegegnerin wird
in Nachachtung des geltenden Untersuchungs
grundsatzes (
Art.
43
Abs.
1 ATSG) gleichzeitig
zu prüfen
haben, ob auch in somatischer Hinsicht weitere Abklärungen
angezeigt
sind.
In diesem Kontext machte die Beschwerdeführerin geltend, dass sich ihr Gesundheitszustand seit der Begutachtung durch die MEDAS
A._
verschlechtert habe (
Urk.
1 S. 6 f.), ohne diese Behauptung indes während des Beschwerdeverfahrens durch ärzt
liche Berichte zu untermauern.
Soweit die Beschwerdeführerin
schliesslich
den Standpunkt vertritt, dass
ein Anspruch auf eine ganze Rente ab August 2014 für einen befristeten Zeitraum bereits gegenwärtig
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgewiesen sei (Urk.
1 S. 9), ist ihr zu widersprechen, da
unverändert keine beweiskräftige medizinische Grundlage dafür besteht. Es ist daran zu erinnern, dass das psychi
atrische Teilgutachten von
pract
. med.
C._
nicht zu überzeugen vermochte
, weshalb es im Übrigen auch nicht zweckmässig erscheint, bei der MEDAS
A._
ein Verlaufsgutachten in Auftrag zu geben (vgl.
Urk.
1 S.
2).
Die
Zusprechung von Leistungen der Invalidenversicherung
würde daher im Wesent
lichen gestützt auf die Angaben der behandelnden Ärztinnen und Ärzte erfolgen, welche erfahrungsgemäss mitunter im Hinblick auf ihre auftrags
rechtliche Vertrauensstellung eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen
. Dies kommt gemäss bundesgerichtlicher Praxis allerdings kaum je in Frage
(BGE
135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc
)
.
5.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich die Aktenlage für eine abschliessende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin und damit des Invaliditätsgrades nach wie vor als unzulänglich erweist. Folglich ist die angefochtene Verfügung vom
1
1.
Februar 2020
(Urk. 2)
in teilweiser Gut
heissung der Beschwerde
aufzuheben und die Sache
ist
erneut
an die Beschwer
degegnerin zurückzuweisen, damit diese nach ergänzender Abklärung im Sinne der obigen Erwägungen eine neue Beurteilung vornehme und sodann über den Leistungsanspruch der Versicherten neu verfüge.
Soweit die Beschwerdeführerin
bereits
nach dem aktuellen Stand der Aktenlage
um die Zusprechung einer Inva
lidenrente ersucht, ist ihr Begehren abzuweisen.
6
.
6
.1
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu prüfen war, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Ver
fahrensaufwand sowie unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69 Abs. 1
bis
IVG) und ermessensweise auf
Fr.
700.-- anzusetzen. Nach ständiger Rechtspre
chung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
6
.2
Nach
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34
Abs.
1
GSVGer
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit
sache, der Schwierigkeit des Prozesses sowie dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Mangels Vorliegens einer Honorarnote ist die Prozessentschädigung ermessens
weise festzusetzen. Unter Berücksichtigung der massgebenden Kriterien hat die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin eine Parteient
schädigung in der Höhe von
Fr.
1'800.--
(inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.