# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f8222be0-1c5f-41d7-ba8c-00b35ef5e8e4
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1977
,
war seit dem
1.
Mai 2012
als
Verkaufsmitarbeiter bei einem
Y._
-Agenturpartner
angestellt
. Diese Stelle wurde ihm per Ende August 2013
infolge Geschäftsaufgabe gekündigt
(vgl.
Arbeitszeugnis,
U
rk.
7/
15
)
.
Nach einer Meldung zur Früherfassung (
Urk.
7/5)
meldete sich der Versicherte am
1
8.
Oktober 2013 unter Hinweis auf einen Bandscheibenvorfall
bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/19
).
Die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab
und zog Akten der
Krankentaggeld
versicherung
bei
(
Urk.
7/25).
Am
6.
Februar 2014 (
Urk.
7/29) teilte sie mit, dass sie die Kosten für eine Laufbahnberatung übernehme.
Am 2
4.
Juni 2014 (
Urk.
7/41) hielt die IV-Stelle fest, dass die Arbeitsvermittlung erfolgreich abgeschlossen sei; der Beschwerdeführer habe per 1
6.
Juni 2014 eine angepasste Tätigkeit als Kassier in einem 50
%
-Pensum gefunden.
Nach ergangenem Vorbescheid (
Urk.
7/51) ver
neinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
4.
Oktober 2014 (
Urk.
7/52) einen An
spruch des Versicherten auf eine Invalidenrente.
1.2
Mit Schreiben vom 1
2.
Mai 2016 (
Urk.
7/54) meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug einer Rente der Invalidenversicherung an
(vgl. auch Anmeldung vom 2
4.
Mai 2016,
Urk.
7/56)
.
Die IV-Stelle
tätigte weitere Abklärungen zur
medizi
nische
n
und erwerbliche
n
Situation und zog Akten der
nunmehr
zu
ständigen
Krankentaggeld
versicherung bei (
Urk.
7/66
;
Urk.
7/82
).
Am 2
3.
November 2016 teilte sie mit, dass aufgrund des Gesundheitszustandes des Versicherten zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien (
Urk.
7/83).
In der Mitteilung vom 1
8.
September 2017 (
Urk.
7/106) hielt sie fest, dass sie die Kosten für ein Arbeitstraining übernehme.
Dieses Arbeitstraining
startete im Dezember 2017 (vgl.
Urk.
7/116) und
wurde
im März 2018
um
dr
ei Monate verlängert (vgl. Mitteilung vom
5.
März 2018,
Urk.
7/120).
Ab 1
0.
Juli 2018 erhielt der Ver
sicherte eine Festanstellung als
Polisseur
mit einem Arbeits
pensum von 30
% (vgl. Arbeitsvertrag der
Z._
AG, Urk.
7/133-134). Die
IV-Stelle
gewährte
Kos
tengutsprache für ei
nen Einarbeitungszuschuss (Urk.
7/135) und für einen Arbeitsstuhl (
Urk.
7/140).
Am 2
8.
Januar 2019 konn
ten die beruflichen Massnah
men erfolgreich abgeschlossen werden (
Urk.
7/149).
Im Zusammenhang mit der Prüfung
des
Rentenanspruchs
holte
d
ie
IV-Stelle
bei der
A._
ein polydisziplinäres Gutachten ein, welches am
2.
Januar 2020 erstat
tet wurde
(
Urk.
7/188
; vgl. auch Stellungnahme
vom 2
4.
Februar 2020
zu Ergän
zungsfragen, Urk.
7/195
)
.
Mit Vorbescheid vom 1
3.
März 2020 stellte sie dem Versicherten eine befristete Rente in Aussicht:
eine
Dreiviertelsrente
vom
1.
Juni bis 3
1.
Juli 2018,
eine
halbe Rente vom
1.
bis 3
1.
August 2018 sowie
eine
Vier
telsrente
vom
1.
September 2018 bis 3
1.
Oktober 2019 (
Urk.
7/198).
Dagegen erhob der Versicherte
am 1
6.
April 2020
Einwand
(
Urk.
7/209
)
.
Die IV-Stelle auf
erlegte ihm am 1
2.
Juni 2020 (
Urk.
7/213) eine Schadenminderungspflicht
in Be
zug auf
Massnahmen zur Erhaltung der Arbeitsfähigkeit.
Des Weiteren
sprach
sie
dem
Versicherten mit Verfügung vom
2
4.
September 2020
ab dem
1.
Juni 2018
befristet bis zum 3
1.
Januar 2020
eine
ganze Invaliden
rente zu (
Urk.
7/232
und
Urk.
7/214
=
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am 2
6.
Oktober 2020
Beschwerde gegen die Verfügung vom
2
4.
September 2020
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben
und es sei ihm eine Invalidenrente zuzusprechen; eventuell sei die Angelegenheit zu weite
ren Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen (S. 2
Ziff.
1 und 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
1.
Dezember 2020
(
Urk.
6
) die Abweisung der Beschwerde. Der Beschwerdeführer hielt mit Replik vom
7.
Januar 2021
an seinen Anträgen fest (
Urk.
10
).
D
ie Beschwerdegegnerin
teilte am
3.
Februar 2021 mit, dass sie
auf das Einreichen einer Duplik
verzichte
(
Urk.
1
3
). Dies wurde
dem Beschwerdeführer
am
1
0.
Februar 2021
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
1
4
).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art.
8 Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über den All
ge
meinen Teil des Sozialversicherungsrecht
s, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art.
7 Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Fol
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art.
7 Abs.
2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40
% arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40
% invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40
% besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50
% auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60
% auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70
% auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die rückwirkend ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Reduktion abgestufte Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der Leis
tung und andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung (BGE
125
V
413 E.
2d; Urteil des Bundesgerichts 8C_780/2007 vom 27.
August 2008 E.
2.3; vgl. Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3.
Auflage 2014,
Rn
11 zu Art.
30–31). Rechtsprechungsgemäss bildet eine solche Verfügung insgesamt den Anfechtungs- und Streitgegenstand und unterliegt integral der gerichtlichen Prüfung, selbst wenn nur einzelne Punkte davon bestritten sind (vgl.
BGE
131
V
164 E.
2.2, 125
V
413 E.
2d; vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_440/2017 vom 25.
Juni 2018 E. 5.1 [in BGE
144
V
153 nicht publiziert] und 9C_50/2011 vom 25.
Mai 2011 E.
2.1).
Spricht die Verwaltung der versicherten Person eine abgestufte oder befristete Rente zu und wird beschwerdeweise einzig die Abstufung oder die Befristung der Leistungen angefochten, hat dies nicht eine Einschränkung des Gegenstandes des Rechtsmittelverfahrens in dem Sinne zur Folge, dass die unbestritten gebliebenen Bezugszeiten von der Beurteilung ausgeklammert blieben. Die gerichtliche Prü
fung hat vielmehr den Rentenanspruch für den gesamten verfügungsweise gere
gelten Zeitraum und damit sowohl die Zusprechung als auch die Abstufung oder Aufhebung der Rente zu erfassen (BGE
131
V
164 E.
2.2, 125
V
413 E.
2d; Urteile des Bundesgerichts 8C_765/2007 vom 11.
Juli 2008 E.
2 und I
526/06 vom 31.
Oktober 2006 E. 2.3 mit Hinweisen). Dabei ist in anfechtungs- und streit
ge
genständlicher Hinsicht irrelevant, ob eine rückwirkende Zusprechung einer ab
gestuften oder befristeten Invalidenrente in einer oder in mehreren Verfügungen gleichen Datums eröffnet wird (BGE
131
V
164 Regeste; Urteil des Bundesge
richts 8C_489/2009 vom 23.
Oktober 2009 E.
4.1 mit Hinweis).
1.4
Nach der Rechtsprechung sind bei rückwirkender Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente die für die Rentenrevision geltenden Bestimmun
gen (Art.
17 ATSG in Verbindung mit Art.
88a
der
Verordnung
über die Invali
denversicherung, IVV
) analog anzuwenden (BGE
133 V 263 E.
6.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_122/2020 vom 26.
Februar 2021 E.
2). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Änderung der tatsächlichen Verhält
nisse einge
treten
und damit der für die Abstufung oder Befristung erforderliche Revisions
grund gegeben ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts im Zeitpunkt des Rentenbeginns mit demjenigen im – nach Massgabe des analog anwendbaren Art.
88a Abs.
1 IVV festzusetzenden – Zeitpunkt der Anspruchs
änderung (vgl.
BGE
125
V
413 E.
2d mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteile des Bundesge
richts 8C_375/2017 vom 25.
August 2017 E.
2.2 und 8C_350/2013 vom 5.
Juli 2013 E.
2.2 mit Hinweis).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE
134 V 231 E.
5.1, 125 V 351 E.
3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
hielt
in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2 Ver
fü
gungsteil 2)
fest
, dass
im Januar 2016 erstmalig eine rheumatische Erkrankung diagnostiziert worden sei. Ab der Konsultation vom 1
7.
Januar 2017 sei die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit für eine angepasste Tätigkeit mit 100
% angegeben worden (S. 1 unten).
Seit Beginn der psychiatrischen Behand
lung am 1
2.
Mai 2016 könne eine Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht angenommen werden. Diese sei im Bericht von
Dr.
med.
B._
vom 2
3.
August 2017 mit 40
% eines 80
%-Pensums beziffert und am 3
1.
Oktober 2018 bestätigt worden (S. 2 unten). Im psychiatrischen Gutachten werde nachvollziehbar darge
stellt, weshalb die Symptomatik derzeit nur noch geringgradig ausgeprägt sei und weshalb eine andauernde Persönlichkeits
änderung nicht vorliege (S. 2 Mitte). Im Gutachten könne retrospektiv nicht fest
gestellt werden, wann sich der Zustand wesentlich verändert habe. Deshalb gelte die aktuelle Einschätzung erst ab dem Zeitpunkt der Untersuchung. Daraus ergebe sich für die Tätigkeit als Uhrenschlei
fer und jede andere angepasste Tätigkeit folgender Verlauf der Arbeitsunfähig
keit:
-
100
% ab 1
5.
Januar 2016 - 1
7.
Januar 2017
-
70
% ab 1
8.
Januar 2017 - 1
2.
Oktober 2019
-
0
% ab 1
2.
Oktober 2019 - Datum der Untersuchung durch
A._
In teilweiser Gutheissung des Einwandes stehe dem Beschwerdeführer somit ab
1.
Juni 2018 (nach IV-Taggeld)
befristet bis 3
1.
Januar 2020 (
Art.
88a
Abs.
1 IVV) eine ganze Invalidenrente zu (S. 2 unten).
2.2
Der Beschwerdeführer
stellte sich in der Beschwerde (
Urk.
1) auf den Standpunkt, dass
eine Verletzung des in
Art.
43
Abs.
1 ATSG normierten Untersuchungs
grundsatzes vorliege.
Die Beschwerdegegnerin habe ihre Abklärungspflicht ver
letzt, indem sie sich bei der Beurteilung des Rentenanspruchs auf das nicht beweiskräftige Gutachten der
A._
abgestützt habe. Das Gutachten leide auch unter gravierenden formellen Mängeln. Auch bestehe kein Anlass für eine Befris
tung der Rente. Ein entsprechender Revisionsgrund sei nicht gegeben (S. 4 Mitte).
Im Rahmen der Replik (
Urk.
10) führte er aus,
dass
das Gutachten der
A._
keinerlei gültige Unterschriften trage, weshalb es schon aus formellen Gründen nicht beweiswertig sein könne. Erst recht nicht, wenn man sich
den zweifelhaften Ruf von
Dr.
med.
C._
im Hinblick auf die Abgabe ärztlicher Zeugnisse vor Augen führe
(S. 4 oben).
Zudem sei das Gutachten in den wesentlichen Punkten nicht aussagekräftig und somit auch inhaltlich unbrauchbar (S. 5 oben).
Zusam
menfassend liege keine aussagekräftige und beweiswertige ärztliche Beurteilung des Gesundheitszustandes vor. Sowohl zur Frage des retrospektiven Verlaufes der Arbeitsfähigkeit wie auch zum für eine Befristung der Rente not
wendigen Vor
liegen eines Revisionsgrundes hätten sich die Gutachter nicht geäussert (S. 7 unten).
Unbestritten sei, dass er in der Vergangenheit nicht 100
% habe arbeiten können und deshalb Anspruch auf eine ganze Invalidenrente habe. Solange nicht beweiswertig dargelegt sei, ob und in welchem Ausmass eine all
fällige Verbesse
rung des Gesundheitszustandes Anlass zu einer Rentenrevision geben könnte, habe er Anspruch auf die Zusprache einer unbefristeten Invaliden
rente (S. 8 oben).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführers und dabei insbesondere, ob er über die Zeitdauer vom
1.
Juni 2018 bis 3
1.
Januar 2020
hinaus einen Anspruch auf eine Invalidenrente hat.
3.
3.1
Im
Kurzaustrittsbericht
der Ärzte des
D._
vom 1
7.
August 2013 (
Urk.
7/9) wurde im Wesentlichen ein
lumboradikuläres
Schmerzsyndrom L5 rechts
diagnostiziert
(S. 1 Mitte). Nach einem Bandscheibenvorfall im April 2013 mit konsekutiver 100%iger Arbeitsunfähigkeit sei
dem Beschwerdeführer
ein guter Verlauf bescheinigt worden, so dass ein Versuch mit
einer
20%ige
n
Arbeitsfähig
keit habe unternommen werden können
(S. 1 Mitte)
.
3.2
Vom 1
6.
bis 2
7.
September 2013 befand sich der Beschwerdeführer in stationärer Rehabilitation in der
E._
. Im v
orläufige
n
Austrittsbericht vom 2
6.
September 2013 (
Urk.
7/11)
wurden folgende Diagnosen genannt
:
-
zervikobrachiale
Schmerz
en
bei
-
Verdacht auf
Liquorrhoe
-Syndrom
-
Status nach epiduraler Infiltration L4/5 in Linksseitenlage mit 80
mg
Kenacort
am 26.08.2013
-
chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom mit/bei:
-
Osteochondrose
Typ
Modic
1 des Segments LWK4/5
-
breitbasiger
Diskusprotrusion
auf Höhe L4/5 ohne Nervenwurzel
kom
pression
-
kleiner medianer
Diskusprotrusion
L5/S1 ohne Wurzelkompression
-
Nikotinabusus
Die behandelnden Ärzte gaben an, dass
der Beschwerdeführer ein multimodales Behandlungsprogramm absolviert habe. Im Verlauf hätten d
ie Schmerz
sympto
matik und die muskulären Verspannungen im Rückenbereich
r
eduziert werden können.
Am 2
7.
September 2013 sei der Beschwerdeführer nach eigenem Wunsch entlassen worden.
3.3
Med.
pract
.
F._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, nannte im Bericht vom 1
6.
November 2013 zuhanden der Beschwerdegegnerin (
Urk.
7/27)
die im Austrittsbericht der
E._
aufgeführten
Diagnosen (
vgl. vorstehend E. 3.2). Zu
sätzlich
nannte er die Diagnose einer
leichte
n
depressive
n
Entwicklung
(S. 1 Mitte).
Er attestierte dem Beschwerdeführer ab dem
1.
Oktober 2013 bis voraus
sichtlich
Dezember
2013
eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit (S. 2).
3.4
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Rheumatologie und für Allgemeine Innere Medizin, führte im Gutachten vom 1
7.
Februar 2014 zuhanden der
Kranken
taggeld
versi
cherung (
Urk.
7/44/10-25) aus, die Arbeitsfähigkeit sei aus rein somatisch-rheu
matologischer Sicht für die zuletzt ausgeübte berufliche Tätigkeit zu keinem Zeit
punkt anhaltend eingeschränkt gewesen (S. 14 Mitte). Ungünstig auf eine erfolg
reiche Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess könnten sich krankheitsfremde Faktoren wie beispielsweise länger anhaltende berufliche Arbeitsabstinenz, limi
tierte Berufsausbildung und möglicherweise die limitierte Motivation auswirken (S. 14 unten).
3.5
Dr.
F._
führte im Bericht vom 2
8.
August 2014 zuhanden der Beschwerde
geg
nerin (
Urk.
7/48) aus, dass der Beschwerdeführer seit
zweieinhalb
Monaten an der Kasse arbeite und sehr zufrieden sei. Er habe sich sehr gut integriert und der Chef sei auch zufrieden. Die Schmerzen habe er so weit unter Kontrolle.
3.6
Vor diesem Hintergrund verneinte die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom
1
4.
Oktober 2014 (
Urk.
7/5
2
)
einen Anspruch des Beschwerdeführers auf eine I
nvalidenrente.
4.
4.1
Im
Zusammenhang mit der
Neuanmeldung vom
Mai 2016 wurden folgende Berichte beigebracht:
4.2
Die Ärzte des
H._
, Klinik für Rheumatologie,
nann
ten im Bericht vom 1
5.
Januar 2016 (
Urk.
7/53/1-2)
folgende Diagnosen (S. 1 Mitte):
-
axiale
Spondyloarthritis
-
axialer Befall mit teilweise entzündlichen
Lumbosakralgien
-
Coxitis
links
-
Enthesitiden
der vorderen Thoraxwand
-
HLA-B27 negativ
-
ungenügendes Ansprechen auf NSAR
-
aktuell: persistierende entzündliche Aktivität, TNF-Blockade vor
gese
hen
-
Verdacht auf Pityriasis versicolor
-
p
ersistierende Knieschmerzen beidseits
-
Status nach medialer
Teilmeniskektomie
Knie links 2006
-
Status nach medialer
Teilmeniskektomie
Knie rechts 2008
-
Status nach vorderer Kreuzbandplastik Knie rechts Februar 2011
Sie
hielten fest, dass aufgrund der anamnestischen Angaben, der Klinik und der Bildgebung von 2013 und 2015 die Diagnose einer axialen Spondyloarthritis bestätigt werden könne (S. 2 unten).
4.
3
Dr.
med.
I._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, hielt im Bericht vom 2
7.
April 2016 zuhanden der K
rankentaggeldversicherung (Urk.
7/66/5-7) fest, dass seit
dem 1
8.
Januar 2016 bis auf Weiteres eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe
. Dies gelte auch für andere berufliche Tätigkeiten (S.
2 unten).
4.
4
Aus dem Bericht der
Ärzte der
J._
,
Kniechirurgie,
vom 2
9.
Juni 2016 zuhanden der Krankentaggeldversicherung (
Urk.
7/69/6-10)
ergibt sich
,
dass bei der Diagnose einer medialen Meniskusläsion am 2
9.
Februar 2016 eine Knieoperation rechts erfolgte (S. 1 Mitte; S. 2 Mitte).
Dem Beschwerdeführer wurde postoperativ
vo
m 2
9.
Februar bis 1
4.
März 2016 eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit attestiert (S.
3 oben). Die bisherige Tätigkeit sei ihm nicht mehr zumutbar
; sitzende Tätig
keiten sollten bis 100
% möglich sein
(S. 3 Mitte).
Dies gelte seit dem 2
9.
Juni 201
6.
Je nach Krankheitsverlauf könnte eine stehende Tätigkeit in eingeschränk
tem Rahmen wiederaufgenommen werden
(S.
4 unten
)
.
4.
5
Die Ärzte des
H._
, Klinik für Rheumatologie,
gab
en im Bericht vom
1.
Juli 2016
zuhanden der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
7/70/8-11) a
n
,
dass seit Beginn der Behandlung im Januar 2016 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe (
Ziff.
1.6). Die Arbeitsfähigkeit auf längere Sicht hänge stark vom Ansprechen auf die begonnene Therapie mit einem TNF-Alpha-Hemmer ab (S. 1 oben). Die medizini
schen
Massnahmen sollten im besten Fall eine Wiedereingliederung in die gewohnte Arbeit ermöglichen (
Ziff.
1.8).
4.
6
Dr.
I._
gab
im Bericht vom 1
3.
Juli 2016 zuhanden der Beschwerde
gegnerin (
Urk.
7/71
/1-4
)
an, dass sich der Beschwerdeführer
nicht mehr arbeits
fähig
fühle. Es sei unklar, ob ihm die bisherige Tätigkeit noch zumutbar sei (
Ziff.
1.7).
4.7
Dr.
med. Abdullah
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
therapie,
nannte
im Bericht vom 1
7.
August
2016
zuhanden der Beschwerde
gegnerin
(
Urk.
7/72/7-12)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
rezidivierende depressive Störung, schleichende Entwicklung mit erheb
li
cher somatoformer Schmerzstörung (ICD-10: F33.1)
-
Verdacht auf Rest unverarbeitete posttraumatische Belastungsstörung in seinem Heimatland (ICD-10: F43.1)
Dr.
B._
führte aus, dass der Beschwerdeführer seit dem 1
2.
Mai 2016 bei ihm in Behandlung stehe (
Ziff.
1.2). D
er Beschwerdeführer
klage
über Schlafstörungen und Lustlosigkeit. Er könne keine Freude empfinden, sei vom Leben enttäuscht und neige zu aggressiven Ausbrüchen. Es falle ihm schwer
,
Ent
scheidungen zu treffen. Zum ärztlichen Befund gab er an, dass anamnestisch formalgedanklich ausgeprägt Ketten von Problemen und Zukunftssorgen sowie Existenzängste bestünden. In der Grundstimmung sei der Beschwerdeführer traurig, deprimiert, niedergestimmt in Verbindung mit innerer Unruhe (
Ziff.
1.4). Es bestehe eine durch Depression induzierte Störung der Aufmerksamkeit mit massiven vitalen Einschränkungen in allen Bereichen des sozialen Lebens mit hohem Leidensdruck. Eine Arbeitsleistung sei derzeit nicht möglich (
Ziff.
1.7).
4.
8
Die Ärzte d
er Kniechirurgie der
J._
gab
en im Bericht vom 2
9.
September
2016 (
Urk.
7/93/19-20) an,
dass
der Beschwerdeführer an
antero
medialen
Knieschmer
zen mit Instabilitätsgefühl rechts
leide (S. 1 Mitte; S.
2 oben).
K
linisch lasse sich eine Instabilität nicht nachvollziehen
. Empfohlen werde eine Lokaltherapie
, beispielsweise eine Neuraltherapie (S. 2 unten).
Am
1
6.
Dezember 2016
(
Urk.
7/103/7-8)
führten die Ärzte
der
Chiropraktischen Medizin der
J._
aus
, dass der Beschwerdeführer fünf Mal mittels lokaler
Procaininfiltrationen
und manuelle
r
Massnahmen behandelt wor
den sei. Er
berichte
über eine Beschwerdereduktion der Knieschmerzen um 50
%.
Das
Trep
pensteigen und
das Anheben von
Lasten
bereite
ihm nach wie vor Schmerzen
. Der Beschwerdeführer sei nun jedoch in der Lage, aktive physio
therapeutische Massnahmen durchzuführen und wünsche, auf eine weitere Behandlung ihrerseits zu verzichten
(S. 2 Mitte).
4.
9
Im
Bericht der Ärzte
der Rheumatologie
des
H._
vom 3
1.
März 2017 (
Urk.
7/
91
) wurde ausgeführt, dass d
er
Gesundheitszustand stationär sei (
Ziff.
1.1).
Die letzte Kontrolle sei am 1
8.
Januar 2017 erfolgt (
Ziff.
3.1).
Seit Januar 2017
(richtig wohl: 2016)
sei der Beschwerdeführer im Rahmen der Grunderkrankung zu 100
% arbeitsunfähig geschrieben worden.
Der
weitere Verlauf
hänge
von der Möglich
keit einer Krankheitskontrolle ab und vom Auftreten mechanisch störender post
entzündlicher Veränderungen.
Letztere lägen bislang nicht in relevanter Form vor, die Entzündungsaktivität habe im letzten MRI vom November 2016 unter
drückt werden können und es hätten sekundäre myofasziale Beschwerden im Vordergrund gestanden, die sich unter physikalischer Therapie erholen dürften
. Eine angepasste Tätigkeit sei damit zu 100
% möglich. Die Wirbelsäule schwer belastende Tätigkeiten seien nicht mehr möglich (
Ziff.
2.1)
.
4.10
Dr.
B._
nannte im Bericht vom 2
1.
Juni 2017 zuhanden der Beschwerdegegne
rin (
Urk.
7/93/1-5) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.2):
-
rezidivierende depressive Störung gegenwärtig schwere Episode mit Ketten von somatischen Beschwerden (ICD-10: F33.2)
-
Rest unverarbeitete posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1)
-
Verdacht auf andauernde Persönlichkeitsänderung nach extremer Belas
tung (ICD-10: F62.0)
Der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers habe sich verschlechtert (Ziff.
1.1). Der Beschwerdeführer stehe nach wie vor in regelmässiger (alle zwei bis drei Wochen) psychiatrischer Behandlung (
Ziff.
1.3 und
Ziff.
3.1). Klinisch-pathologisch imponiere eine anhaltende depressive Störung chronischen Verlaufs mit anhaltender somatoformer Schmerzstörung. Der Krankheitswert sei aus psy
chiatrischer Sicht valide ausgewiesen. Es bestünden keine Hinweise auf Simula
tion und / oder Aggravation (
Ziff.
1.3).
4.11
I
m Ber
icht vom 1
7.
Juli 2017
(
Urk.
7/98/5-7) gaben die Ärzte des
H._
an
,
dass
a
ktuell
für die Tätigkeit an der Kasse -
wobei eine wechselbelastende Tätigkeit leider nicht habe gewährlei
stet werden können -
eine Arbeitsunfähigkeit von 60
%
bestehe
. Bei Berücksichtigung einer wechselbelastenden Tätigkeit, wobei genügend Pausen gewährleistet sowie auch fixe Positionen wie Sitzen und Stehen über längere Zeit vermieden werden müssten, sei im Rahmen der Spondylarthritis eine 100%ige Arbeitsaufnahme möglich (
Ziff.
2.1). Insgesamt sei die Prognose gut, vor allem wenn die psychosoziale Belastungssituation und die soziale Situ
ation geklärt sei
en
(
Ziff.
3.3).
4.1
2
Dr.
I._
berichtete am 2
6.
Juli 2017 (
Urk.
7/103/4-6) über einen unveränderten Gesundheitszustand (S. 1 Mitte). Der Beschwerdeführer arbeite lediglich zu 80
%. Die Arbeit habe nicht zu 100
% aufgenommen werden können, da der Beschwer
deführer immer noch Beschwerden angegeben habe. Sie habe ihm vom 2
8.
Juni bis
2.
Juli 2017 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (S.
2 Mitte).
Der Beschwerdeführer
fühle sich teilweise nicht mehr arbeitsfähig (S. 2 unten).
4.1
3
Dr.
B._
führte im Bericht vom 2
3.
August 2017
zuhanden der Krankentaggeld
versicherung
(
Urk.
7/103/2-3) aus, dass
eine leichte
A
rbeits
tätigkeit ohne körper
lich starke Beanspruchung im Umfang von 40
% erbracht werden könne (
als Ant
wort auf die Frage nach der Arbeitsfähigkeit in Bezug auf ein Pensum von 80
%;
S. 2 Mitte).
4.1
4
Die Ärzte des
H._
, Klinik für Rheumatologie, führten im Bericht vom 1
1.
Juni 2018 (
Urk.
7/127) aus, dass der Beschwerdeführer im Rahmen eines Integrations
prozesses eine Arbeitsstelle als Uhrenschleifer habe beginnen können.
Eine Erhö
hung der Arbeitszeit auf mehr als drei Stunden sei aktuell nicht realistisch. Der Arbeitsplatz sei optimal für den Beschwerdeführer eingerichtet und es sei bereits ein Spezialstuhl für ihn organisiert worden (S. 2 Mitte).
4.1
5
Dr.
B._
gab im Bericht vom 3
1.
Oktober 2018
zuhanden der Beschwerdegegne
rin
(
Urk.
7/146) an, dass der Beschwerdeführer eine 30%ige an
gepasste Tätigkeit habe, mit der er gut zurechtkomme und die nicht erhöht wer
den könne (
Ziff.
2.1). Die Prognose sei tendenziell ungünstig einzuschätzen (
Ziff.
3.3).
4.1
6
Im Bericht der Ärzte des
H._
, Klinik für Rheumat
ologie, vom 2
6.
März 2019 (Urk.
7/154) wurde
n folgende Diagnosen genannt:
-
axiale Spondyloarthritis
-
persistierende Knieschmerzen beidseits nach mehreren operativen Ein
grif
fen bei Binnenläsionen
-
rezidivierende depressive Episoden und Verdacht auf Anpassungsstörung
-
latente Tuberkulose
-
diskrete
Thrombozytose
unklarer Ätiologie
Die behandelnden Ärzte berichteten, dass im Winter eine
Pausierung
der Therapie mit
Remsima
erfolgt sei, was zu einer deutlichen Zunahme der axialen Beschwer
den mit Zunahme der Morgensteifigkeit bis zu drei bis vier Stunden und einer deutlichen Schmerzzunahme nach der Arbeit
, vor allem lumbal,
geführt habe.
In der Folge sei die
Therapie mit
Remsima
wiederaufgenommen worden
.
Insgesamt habe sich ein Teilansprechen auf diese Therapie gezeigt (S. 2)
.
Im Bericht der Ärzte des
H._
vom 2
9.
Mai 2019
zuhanden der Beschwerde
geg
nerin (
Urk.
7/162/2-4) wurde festgehalten, dass die Prognose schwierig abzu
schätzen sei. Der Beschwerdeführer erfahre unter den TNF-alpha-Blockern jeweils eine Beschwerdebesserung von etwa 50
%; die Schmerzen seien aber nie komplett
regredient
gewesen. Auch MR-tom
o
graphisch liessen sich immer wieder ent
zünd
liche Veränderungen an der Wirbelsäule nachweisen (S. 2 Mitte). In An
betracht der jetzigen Tätigkeit als Uhren-Politeur könne von einer Belastbarkeit für Wie
dereingliederungsmassnahmen im Umfang von zwei bis drei Stunden täglich aus
gegangen werden (S. 2 unten).
In Anbetracht der chronifizierten Rückenschmer
zen und des ausgeprägt schlechten Nachtschlafs mit Tages
müdigkeit bestehe sicherlich eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit (S. 1 f.).
4.
1
7
Dr.
med.
K._
, Facharzt für Orthopädie und Traumatologie, Regionaler Ärztli
cher Dienst der Beschwerdegegnerin (RAD),
hielt mit Stellungnahme vom 1
3.
Juni 2019 (
Urk.
7/196/11-12) fest, dass der Beschwerdeführer in der angepassten Tätigkeit als Uhrenschleifer in einem Pensum von 30
% arbeite. Es könne nicht nachvollzogen werden, weshalb keine höhere Arbeitsfähigkeit bestehe. Es fehle eine verbindliche Festlegung der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit, weshalb ein MEDAS-Gutachten in Auftrag gegeben werde.
4.1
8
Das Gutachten der Ärzte der
A._
vom
2.
Januar 2020
(
Urk.
7/188
/2-163
) basiert auf einer
interni
stischen, einer psychiatrischen
sowie einer
rheumatolog
ischen Untersuchung (vgl. S.
2
). Die Gutachter nannten
folgende
Diagnose
n mit Auswir
kung
auf die Arbeitsfähigkeit (S.
6
Ziff.
4.2):
-
mögliche axiale
Spondylarthropathie
-
aktenkundig geringe degenerative Veränderung der unteren LWS ohne Nachweis einer Spinalkanalstenose oder einer Nervenwurzelaffektion
-
Status nach vorderer Kreuzbandersatzplastik 2/2011 nach Sturz und vor
derer Kreuzbandruptur. Re-OP rechtes Kniegelenk mit Meniskus
chirurgie und Entfernung eines störenden
Endobuttons
2/2016
Zudem nannten sie folg
ende Diagnosen ohne Auswirkung
auf die Arbeitsfähig
keit (
S.
6 f.
Ziff.
4.2
):
-
Nikotin-Konsum
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichtgradige depressive Episode
-
posttraumatische Belastungsstörung, gegenwärtig weitgehend remittiert
-
multipler Substanzgebrauch
-
Fehlgebrauch von Opioiden und Benzodiazepin-Analogon
Im internistischen Teilgutachten wurde festgehalten,
dass kein Anhalt für eine die Arbeitsfähigkeit einschränkende internistische Diagnose bestehe (S. 49 unten).
Der rheumatologische Gutachter führte aus,
dass
der Beschwerdeführer über seit 2013 bestehende Rückenschmerzen
berichte
. Bei längerem Stehen und längerem Sitzen sowie bei der Arbeit seien die Schmerzen einschränkend (S. 90
Ziff.
3.1).
Während der Nachtruhe müsse er häufig die Seiten wechseln. Der Schmerz bleibe über die gesamte Nacht gleich. Morgens bestehe eine Steifigkeit über eine halbe bis zwei Stunden, gelegentlich auch bis vier Stunden
(S. 99 Mitte).
In der aktuel
len Untersuchung habe der Beschwerdeführer eine schmerzbedingt einge
schränkte Mobilität dargeboten, welche von einer willentlich akzentuierten Gegenspannung begleitet worden sei (S. 99 unten).
Eine axiale
Spondylar
thropa
thie
erscheine als möglich, auch wenn die radiologische Diagnostik und die kli
nische Untersuchung nicht eindeutig zur Diagnoseerklärung hätten bei
tragen können (S. 102 Mitte). Eine Medikation mit einem TNF-Blocker sei bereits etabliert worden. Die berichtete Alltagsaktivität, die berufliche Restarbeitsfähig
keit, die Selbständigkeit und weitgehende Selbstversorgung würden zusammen
gefasst nicht auf eine namhafte Limitation hinweisen, zumal die axiale
Spondylarthropathie
auch lediglich als möglich anzusehen sei (S. 102 unten). Aus rheumatologischer Sicht sei in angepasster Tätigkeit (körperlich leichte bis mithin mittelschwere Tätigkeiten, wechselnd belastend, überwiegend sitzend ausgeübt) angesichts der Indikation und des hiesigen objektiven Befundes keine Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit anzunehmen (S. 102 f.).
In der aktuellen Untersuchung habe der Beschwerdeführer nicht wesentlich schmerzgeplagt gewirkt. Die spon
tane Beweglichkeit sei weitgehend frei und ungehindert gewesen. Während der Untersuchung seien Hinweise auf Inkonsistenzen auf
gefallen (S. 104 unten). Zusammengefasst sei eine bewusstseinsnahe Beschwerdeüberzeichnung als naheliegend anzunehmen (S. 105 oben).
Nach der Umorientierung im Jahr 2017 zum Uhrenschleifer mit überwiegend sitzender Tätigkeit und Bereitstellung eines speziellen Stuhles bestünden aus rheuma
tologischer Sicht keine weiteren Ein
schränkungen. Auch rückblickend ergebe sich aus den hiesigen objektiven Befunden und übereinstimmend mit dem vorliegenden Aktenmaterial keine aus
reichend begründbare Einschränkung, zu
mindest in körperlich leichten bis mit
telschweren Tätigkeiten mit Wechsel
belastung (S. 106 unten).
Eine invalidisie
rende Gesundheitsstörung mit dauer
hafter Einschränkung in angepassten Tätig
keiten lasse sich auf rheumatologischem Fachgebiet auch retrospektiv nicht erkennen (S. 108 oben).
Der psychiatrische Gutachter hielt fest,
dass sich der Beschwerdeführer haupt
sächlich durch andauernde starke Rückenschmerzen in seiner Leistungsfähigkeit beeinträchtigt fühle (S. 144 unten).
Zudem habe er nach mehreren Knieoperatio
nen
belastungsabhängige Schmerzen.
Seine psychischen Beschwerden seien eine Reaktion auf seine schlechte körperliche Verfassung, die mit beruflichen und finanziellen Problemen einhergehe (S. 145 oben). Der Beschwerdeführer sei nach einer Fahnenflucht
etwa ein Jahr im Irak inhaftiert worden und habe dabei Gewalt- und Foltererfahrungen gemacht (S. 145 unten).
Aufgrund dessen leide er unter Albträumen, die er unter
regelmässigem
Konsum von Cannabis unterdrü
cken könne (S. 151 Mitte).
Im hiesigen AMDP-konform erhobenen psychiatri
schen Befund finde sich eine bedrückte, aber schwingungs
fähige Stimmung; die übrigen Achsenkriterien einer depressiven Episode (Antriebsstörung, Freudver
lust) hätten nicht sicher festgestellt werden können. Angegeben würden zudem Selbstwer
tdefizite, Zukunftsängste, eine
Grübel
neigung und sekundäre Schlafstö
ru
ngen. Die Verhaltensbeobachtung und
die Angaben zur Alltagsaktivität (teil
schichtige Arbeitsfähigkeit, Tätigkeiten im Haushalt und bei der Kinderbetreuung) sprächen ebenfalls gegen eine anhaltende gravierende Depressivität (S. 152 unten). Die beschriebene Systemkonstellation sei allenfalls mit den Vorausset
zungen einer leichtgradigen depressiven Episode knapp vereinbar (S. 152 f.).
Die zuletzt vom behandelnden Psychiater vor einem Jahr angegebene mittelgradige bis schwere depressive Episode sei somit nicht mehr nachweisbar und habe sich anscheinend teilweise zurückgebildet
(S. 153 oben). Die beschriebenen psychi
schen Beschwerden seien auch im Kontext eines jahrelangen fortgesetzten C
annabiskonsums verstehbar
(S. 154 Mitte).
Im zurück
liegenden Jahr hätten sich die depressiven Beschwerden deutlich zurückgebildet
. Es seien keine Funktions- und Fähigkeitsstörungen aus den genannten Gesund
heitsstörungen ableitbar, zumal der B
eschwerdeführer
über eine ausreichend günstige Ressourcenlage ver
füge (soziale Einbindung, gute Therapie- und Arbeitsmotivation, Berufserfahrung in verschiedenen Bereichen
) und keine Defizite in der Selbstversorgung und All
tagsaktivität zeige (S. 157 unten).
Zusammenfassend ergäben sich keine hinrei
chend wahrscheinlichen Hinweise für eine psychiatrisch begründbare Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit (S. 155 Mitte).
Für die aktuelle Tätigkeit als angelernter Uhrmacher bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (S. 158 Mitte).
Zum zeitlichen Verlauf gab der
psychiatrische
Gutachter an, dass der behandelnde Psychiater im August 2017 körperlich leichte Arbeiten mit einem Pensum von 40
% für zumut
bar gehalten habe. Im Oktober 2018 habe er empfohlen, nicht über ein Pensum von 30
% hinauszugehen. Der aktuelle Untersuchungsbefund spreche gegen eine weiter bestehende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit.
Die jetzige Bewertung gelte spätestens ex
nunc
(S.
158 unten).
Es ergäben sich keine Hinweise auf eine verfälschende Beschwerdepräsentation im Sinne einer Aggravation (S. 157 Mitte).
Bei Hin
weisen auf einen Cannabismissbrauch (Differentialdiagnose: Abhängig
keit),
einem Konsum von Ecstasy und einem Fehlgebrauch von Opioiden und Benzodiazepin-Analoga sei eine
Entgiftungs-
beziehungsweise
Entwöhnungs
be
handlung dringend
indiziert (S. 156 unten)
.
Im Rahmen der interdisziplinären Gesamtbeurteilung wurde ausgeführt,
dass sich die aktenkundige Einschätzung einer Teilarbeitsfähigkeit angesichts des jetzigen psychiatrischen Befundes nicht mehr bestätigen
lasse
. Rheumatologisch ergebe sich eine qualitative Minderung der Arbeitsfähigkeit aufgrund der möglichen Spondylarthritis und der degenerativen spinalen Veränderungen sowie des post
operativen Gelenkstatus (S. 7
Ziff.
4.3).
Soziale oder familiäre Belastungsfaktoren mit funktioneller Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit lägen nicht vor
(S. 7
Ziff.
4.5). Das Labor zeige keine wirksamen Spiegel von Antidepressiva und einen Drogenkonsum
(S.
7
Ziff.
4.6
).
Notwendig sei eine vollständige Suchtmittel
ab
stinenz. Bis zu deren Erreichen sollte die Fahrerlaubnis sistiert werden (S. 8
Ziff.
4.10). Sowohl die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als auch die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit wurde in allen Teilbereichen (Innere Medizin, Rheumatologie, Psychiatrie) mit 100
% angegeben (S. 8
Ziff.
4.7 und 4.8).
4.1
9
RAD-
Arzt
Dr.
K._
formulierte mit Stellungnahme
vom 1
6.
Januar 2020
(
Urk.
7/196/12) verschiedene Rückfragen zum Gutachten der Ärzte der
A._
,
unter anderem betreffend die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit seit 2016.
4.20
Die Gutachter der
A._
hielten mit Stellungnahme vom 2
4.
Februar 2020
(U
rk.
7/195)
fest, dass
ein Belastungsprofil in den Fragen der Konsensbeurteilung nicht genannt werde. Dieses ergebe sich aus den Antworten zu den Fragen 8.1 und 8.2 der Teilgutachten.
E
ine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
«
in einer an
ge
passten Tätigkeit seit 2016
»
sei
im A
uftrag nicht erbeten worden
. Die Beurteilun
gen der Arbeitsfähigkeit zum zeitlichen Verlauf würden unter den Fra
gen 8.1 und 8.2 abgegeben. Die Bewertungen umfassten dabei auch den Zeitraum ab 2016 (S. 2).
4.21
RAD-Arzt
Dr.
K._
führte mit
Stellungnahme vom 1
1.
März 2020
(U
rk.
7/196/12-
15) aus,
dass das Gutachten der
A._
die gestellten Fragen um
fassend beantworte und die Rückfragen beantwortet worden seien (S. 12 unten).
Dr.
K._
nannte folgende Einschränkungen in Bezug auf die bisherige Tätigkeit als Goldschmi
e
d wie auch als Hilfsarbeiter: verminderte Belastbarkeit für regel
mässiges mittelschweres und schweres Heben, Tragen und Transportieren von Lasten, für Arbeiten mit Überstreckbelastung der Wirbelsäule über Kopf- und Schulterhöhe, auf Leitern und Gerüsten, Überkopfarbeiten, für ausschliesslich ste
hende Tätigkeiten, für häufiges Bücken sowie für Tätigkeiten in körperlichen Zwangshaltungen wie Knien, Kriechen, Hocken, repetitive Rotationsbelastungen der Wirbelsäule, für Arbeiten mit erhöhten Anforderungen an die Stand- und Gangsicherheit und für dauerhaftes
Stehen und Gehen auf unebenem Grund, für Tätigkeiten im Freien ohne Schutz vor Kälte, Zugluft, Nässe sowie auf regen- und eisglattem Untergrund, für Tätigkeiten mit vermehrter Vibrationsbelastung (S. 13 Mitte).
Zudem führte
Dr.
K._
die Arbeitsunfähigkeiten für den Zeitraum 1
8.
Januar 2016 bis 2
0.
Dezember 2018 auf, wobei er sich auf die Akten der Krankentaggeldversicherung stützte (
S. 13 f.;
vgl.
Urk.
7/152/3-4).
Zwischen dem 2
0.
Dezember 2018 und dem 1
2.
Oktober 2019 werde keine Arbeitsunfähigkeits-Zeit angegeben. Medizinisch-theoretisch dürfte die Arbeitsunfähigkeit in dieser Zeit auch bei 48
% liegen. Seit dem 1
2.
Oktober 2019 (Untersuchung durch Gut
achter) bestehe keine Arbeitsunfähigkeit mehr (S. 14
f.
).
4.
2
2
RAD-Arzt
Dr.
med.
L._
, Facharzt für Chirurgie, Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, führte mit u
ndatierte
r
Stellungnahme (Feststellungsblatt vom 1
2.
Juni 2020
;
Urk.
7/212/3-8) aus,
dass im Januar 2016 erstmalig eine rheuma
tische Erkrankung diagnostiziert worden sei. Spätestens seit November 2016 seien die objektiven Entzündungszeichen unter rheumatologischer Basistherapie stabi
lisiert (Bericht
H._
vom 3
1.
März 2017). Die medizinisch-theoretische Arbeits
fähigkeit für eine angepasste Tätigkeit sei ab der Konsultation vom 1
7.
Januar 2017 mit 100
% angegeben worden. Seitdem stünden subjektive Beschwerden im Vordergrund und die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit stelle auf die persönliche Einschätzung des Beschwerdeführers ab (S. 7 oben).
Die psychiatrischen Berichte böten wenig Befunde und unbelegte Diagnosen und die Angaben zur Arbeitsfä
higkeit würden nicht begründet
. Das
A._
-Gutachten weise keine wesentlichen Diskrepanzen zur Aktenlage auf. Im psychiatrischen Gutachten werde nachvoll
ziehbar dargestellt, weshalb die Symptomatik derzeit nur noch geringgradig aus
geprägt sei und weshalb eine andauernde Persönlichkeitsänderung nicht vorliege
(S. 7 Mitte).
Zusammenfassend könne festgestellt werden, dass die Kritik am Gutachten unbe
rechtigt sei. Die Kritik am dargestellten zeitlichen Verlauf der Arbeitsfähig
keit sei berechtigt (S. 7 unten).
Seit Beginn der psychiatrischen Behandlung am 1
2.
Mai 2016 könne eine Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht angenommen wer
den. Diese sei im Bericht von
Dr.
B._
vom 2
3.
August 2017 mit 40
% eines 80
%-Pensums beziffert und am 3
1.
Oktober 2018 bestätigt worden. Im Gutach
ten könne retrospektiv nicht festgestellt wer
den, wann sich der Zustand wesent
lich ver
bess
ert habe. Deshalb gelte die aktuelle Einschätzung erst ab dem Zeit
punkt der Untersuchung
(1
2.
Oktober 2019)
. Daraus ergebe sich für die Tätigkeit als Uhrenschleifer und jede andere angepasste Tätig
keit folgender Verlauf der Arbeitsunfähigkeit:
100
% ab 1
5.
Januar 2016
bis
1
7.
Januar 2017
,
70
% ab 1
8.
Januar 2017
bis
1
2.
Oktober 2019
, 0
% ab 1
2.
Oktober 2019 (Untersuchung durch
A._
; S. 8 oben).
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin
sprach
dem Beschwerdeführer ab dem
1.
Juni 2018 be
fristet bis zum 3
1.
Januar 2020 eine g
anze Invalidenrente zu
.
Wie unter der vorstehenden Erwägung 1.3 dargelegt, ist der Rentenanspruch für den gesamten verfügungsweise geregelten Zeitraum
zu prüfen
und damit sowohl die Zusprechung als auch die Aufhebung der Rente.
5.2
Im Zeitpunkt des Rentenbeginns (Juni 2018) war der Beschwerdeführer mit einem Arbeitspensum von 30
% als
Polisseur
für die
Z._
AG tätig (
zuvor bezog er Taggelder während Eingliederungsmassnahmen, vgl.
Urk.
7/131/3).
Die Beschwerdegegner
in stützte sich
betreffend Rentenzusprechung
auf die
ver
sicherungsmedizinisc
he
Aktenb
eurteilung ihres RAD-Arztes
Dr.
L._
(vgl. vor
stehend E.
4.22)
.
RAD-Arzt
Dr.
L._
verfasste eine ausführliche Stellung
nahme und legte anhand d
er
vorliegenden Arztberichte
den Verlauf der A
rbeits
fähigkeit wie folgt dar:
100%ige Arbeitsunfähigkeit ab 1
5.
Januar 2016, 70%ige Arbeits
unfähigkeit
ab
1
8.
Januar 2017
sowie
0%ige Arbeitsunfähigkeit
ab 1
2.
Oktober 201
9.
Grundlage für die
ab Juni 2018 befristet zugesprochene
ganze Rente ist somit
e
i
n
e 70%ige Arbeits
un
fähigkeit
in jeglicher Tätigkeit
.
I
n psychiatrischer Hinsicht
liegen die Berichte des
behandelnden Psychiaters
Dr.
B._
vor. Dieser nannte die Diagnosen
einer rezidivierenden depressiven Störung, des Rests einer unverarbeiteten posttraumatischen Belastungsstörung sowie des Verdachts auf eine andauernde Persönlichkeits
änderung nach extremer Belastung (vgl. vorstehend E. 4.10).
In Bezug auf
den vorliegend massgeblichen Zeitraum ab Juni 2018 hielt
Dr.
B._
fest, dass die 30%ige angepasste Tätigkeit nicht erhöht werden könne
(vgl.
Bericht vom Oktober 2018,
vorstehend E. 4.15).
Auch die Rheumatologen des
H._
hielten im Juni 2018 fest, dass eine Erhöhung der Arbeitszeit auf mehr als drei Stunden aktuell nicht realistisch sei (vgl. vor
ste
hend E. 4.14), dies, nachdem sie
dem Beschwerdeführer im März 2017
noch
eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit a
ttestiert
hatt
en
(vgl. vorstehend E. 4.9)
.
Auch im aktuellsten Bericht vom Mai 2019 hielten
d
ie
Ärzte des
H._
fest, dass in Anbetracht der jetzigen Tätigkeit als Uhren-Politeur von einer Belastbarkeit im Umfang von zwei bis drei Stunden täglich ausgegangen werden könne (vgl. vorstehend E. 4.16).
Ausweislich der Akten
lag
im massgebenden Zeit
raum
ab Juni 2018 aus psychi
atrischer Sicht lediglich eine 30%ige Arbeitsfähigkeit vor.
Diese
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
wurde auch durch die Rheumatologen des
H._
bestätigt.
Vor
diesem Hintergrund
ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin für die Zeit ab Juni 2018
von einer
7
0%ige
n
Arbeitsfähigkeit
ausging
und dem Beschwerdeführer eine ganze
Invalidenr
ente zusprach
.
5.3
Zu prüfen bleibt die Befristung der Leistungen. Ob der für die Befristung erfor
derliche Revisionsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sach
ver
halts im Zeitpunkt des Rentenbeginns mit demjenigen im Zeitpunkt der Anspruchsänderung (vgl. vorstehend E.
1.4).
RAD-Arzt
Dr.
L._
ging gestützt auf das Gutachten der Ärzte der
A._
davon aus, dass
sowohl
in der bisherigen Tätigkeit als auch in einer angepassten Tätig
keit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestehe.
Da im Gutachten retrospektiv nicht festgestellt werden könne, wann sich der Zustand wesentlich verbessert habe, gelte die aktuelle Einschätzung erst ab
dem Zeitpunkt der Untersuchung vom 1
2.
Oktober 2019 (
vgl. vorstehend E. 4.22).
5.4
In Bezug auf das Gutachten der Ärzte der
A._
fällt auf
, dass die inter
disziplinäre Gesamtbeurteilung sehr dürftig ist; sie umfasst lediglich vier Seiten und enthält zahlreiche Wiederholungen
(
Urk.
7/188/5-8)
.
Im
rheumatologischen Teilgutachten
wurde in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit festgehalten, dass nach
der
Umorientierung
zum Uhren
schleifer
2017
mit überwiegend sitzender Tätigkeit und Bereitstellung eines spe
ziellen Stuhles keine weiteren Einschränkungen bestünden (
Urk.
7/188 S. 106 Mitte). Betreffend die Merkmale einer angepassten Tätigkeit gab der rheumatolo
gische Gutachter lediglich an, dass im Sinne einer prophylaktischen Empfehlung zumindest leichte bis allenfalls mittelschwere Tätigkeiten, wechsel
belastend aus
geübt, als leistbar anzusehen seien (
Urk.
7/188 S. 107 Mitte).
Der rheumatologische Gutachter differenzierte
somit
nicht zwischen bisheriger (Hilfsarbeiter)Tätigkeit und angepasster Tätigkeit. B
ei der Tätigkeit als Uhren
schleifer
handelt es sich
nicht um die bisherige Tätigkeit
;
vielmehr konnte der Beschwerdeführer diese Tätigkeit
erst
im Rahmen von beruflichen Massnahmen aufnehmen. Auch vermag nicht zu überzeugen, dass
d
er
Gutachter
lediglich «im Sinne einer prophylaktischen Empfehlung» gewisse qualitative Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit anführte.
Bei den Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit wurden neben der möglichen axialen
Spondylarthropatie
auch
geringe degenerative Veränderungen der unteren LWS sowie ein Status nach vor
derer Kreuzbandersatzplastik nach Sturz und vorderer Kreuzbandruptur sowie Re-Operation des rechten Kniegelenkes genannt.
Entsprechend müssten die
Rücken- und
Kniebeschwerden auch einen Einfluss auf das medizinische Anforderungs- und Belastungsprofil haben.
Z
um z
eitliche
n
Verlauf
gab der rheumatologische Gutachter
an, dass
seit
der
Um
orientierung
zum Uhrenschleifer
im Jahr 2017
keine weiteren Einschränkungen bestünden.
Auch rückblickend ergebe sich
aus den hiesigen objektiven Befunden und übereinstimmend mit dem vorliegenden Aktenmaterial keine ausreichend begründbare Einschränkung, zumindest in körperlich leichten bis mittelschweren Tätigkeiten
(vgl. vorstehend E. 4.18).
Der rheumatologische Gutachter
hielt zudem fest
, dass
Dr.
G._
bereits am 1
7.
Februar 2017 berichtet habe, dass die Arbeits
fähigkeit zu keinem Zeitpunkt anhaltend eingeschränkt gewesen sei (vgl.
Urk.
7/188 S.
107 oben). Dazu
ist festzuhalten, dass das Gut
achten von
Dr.
G._
nicht aus dem Jahr 2017, sondern aus dem Jahr 2014 stammt
(vgl. vorstehend E.
3.4), mithin aus der Zeit vor Auftreten der rheumatischen Erkrankung.
Des Weiteren findet sich i
m rheumatologischen T
eilgutachten
keine
Stellung
nahme zu
den
früheren rheumatologischen Beurteilungen. Insbesondere fehlt eine Auseinandersetzung mit den aktuellen Berichten
der Ärzte
des
H._
vom Juni 2018 (vgl. vorstehend E. 4.14) und Mai 2019 (vgl. vorstehend E. 4.16), wonach
eine Arbeitstätigkeit von
nicht mehr als 30
%
beziehungsweise
zwei bis drei
Stun
den pro Tag möglich sei
.
Während d
er rheumatologische Gutachter
in seinem Teilgutachten
von einer
bewusstseinsnahen Beschwerdeüberzeichnung aus
ging
,
hielt
der psychiatrische Gutachter
explizit fest
, dass sich keine Hinweise auf eine verfälschende Beschwer
depräsentation im Sinne einer Aggravation ergäben.
Dies wurde im
Rahmen der
Konsensbeurteilung
mit keinem Wort erwähnt
.
Der psychiatrische Gutachter ging
bei der Frage nach der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit von der aktuellen Tätigkeit als angelernter Uhrmacher aus.
Die Arbeit als Uhrmacher konnte der Beschwerdeführer jedoch erst im Rahmen von beruflichen Massnahmen aufnehmen.
Zudem ist fraglich, ob sie sich aus betrieblicher Sicht auf eine Vollzeittätigkeit ausdehnen liesse.
5.5
Die Beschwerdegegnerin stellte den Gutachtern
der
A._
verschiedene Ergän
zungsfragen. Sie hielt im Schreiben betreffend Rückfragen vom 2
2.
Januar 2020 (
Urk.
7/189) fest, dass die angestammte Tätigkeit des Beschwerdeführers nicht Goldschmied, sondern eine Hilfsarbeitertätigkeit sei; die Arbeitsfähigkeit sei in dieser Tätigkeit seit 2016 polydisziplinär zu beurteilen.
Zudem fehle in
der Kon
sensbeurteilung
das Belastungsprofil
.
Weiter stelle sich die Frage, ob
die aktuelle Tätigkeit als Uhrenschleifer
/ Uhrmacher
der
angepassten Tätigkeit ent
spreche
.
Ausserdem sei die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit seit 2016 zu beurteilen. Schliesslich
sei fraglich, ob der nachgewiesene Substanz
gebrauch einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe.
Die Gutachter der
A._
hielten mit ergänzender Stellungnahme vom 2
4.
Februar 2020 (
Urk.
7/195) fest, dass die Bewertungen im Gutachten (unter den Fragen 8.1 und 8.2) auch für die neu angegebene Referenztätigkeit gelten würden (S. 1 unten). Nach einem Belastungsprofil sei im Fragenkatalog der Konsensbeurtei
lung nicht gefragt worden. Das
Belastungsprofil ergebe
sich aus
den Antworten zu den
Fragen 8.1 und 8.2 der Teilgutachten.
Eine Beurteilung der
Arbeitsfähig
keit in einer angepassten Tätigkeit seit 2016 sei im Auftrag nicht erbeten worden. Die Beurteilungen
der Arbeitsfähigkeit zum zeitlichen Verlauf
würden unter den Fragen
8.1 und 8.2
abgegeben. Die
Bewertungen
würden
dabei
auch
den
Zeitraum ab 2016
umfassen
.
Die
psychiatrische
Beurteilung enthalte
eine
ausführliche Begründung für
die
Notwendigkeit
einer Drogenabstinenz, dies auch in
Bezug auf die Arbeitsfähigkeit
. Es werde empfohlen, die psychiatrische Beurteilung und die psychiatrische
Beantwortung der Fragen nochmals voll
ständig zur Kenntnis zu nehmen
(S. 2)
.
Festzuhalten ist, dass
auch unter Berücksichtigung der ergänzenden gutachter
li
chen Stellungnahme
nach wie vor nicht alle wesentlichen Fragen beantwortet wurden. So
fehlt das Belastungsprofil und es
wurde nicht beantwortet, ob es sich bei
der aktuellen Tätigkeit als Uhrenschleifer um eine angepasste Tätigkeit han
delt. Des Weiteren
fehlt eine Beurteilung zum Verlauf
der A
rbeitsfähigkeit aus polydisziplinärer Sicht, sowohl in Bezug auf
die
angestammten Hilfsarbeiter
tätigkeiten
als auch auf eine angepasste
Tätigkeit.
Nach dem Gesagten ergibt sich, dass das Gutachten der Ärzte der
A._
die Anforderungen an den Beweiswert
eines Arztberichtes
(vgl. vorstehend E. 1.5)
nicht zu erfüllen vermag, insbesondere da
diese
s
für die streitigen Belange
nicht
umfassend ist
und die Beurteilungen in verschiedenen Punkten nicht plausibel erscheinen
.
5.
6
Vor diesem Hintergrund ist
nicht nachvollziehbar
,
dass
die Beschwerdegegnerin keine weiteren Abklärungen tätigte
, zumal in Bezug auf den Gesundheitszustand ab Oktober 2019 - mit Ausnahme des nicht beweiswertigen
A._
-Gutachtens - keine
echtzeitlichen
medizinischen Akten vorliegen
.
RAD-Arzt
Dr.
K._
stellte auf das Gutachten der Ärzte der
A._
ab und erstellte in Ergänzung dazu selbst ein Belastungsprofil (vgl. vorstehend E. 4.21).
In Bezug auf
den Verlauf der Arbeitsfähigkeit
stützte er sich
mangels ent
sprechender Angaben im Gutachten
insbesondere auf die Akten der Kranken
taggeldversiche
rung.
Auch RAD-Arzt
Dr.
L._
stellte auf das
A._
-Gutachten ab, verfasste eine ausführliche
Stellungnahme
und legte den Verlauf der Arbeits
fähigkeit
anhan
d der
vorliegenden Arztberichte
dar
(vgl. vorstehend E. 4.22)
.
Diese RAD-Stellungnahmen, welche ohne eigene Untersuchung des Beschwerde
führers
in Ergänzung des Gutachtens
erstellt wurden, reichen
nicht aus
zur Beur
teilung des aktuellen Gesundheitszustandes
und der Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers
.
Damit fehlt es
für die Zeit ab Oktober 2019
an
jeglichen
beweiswertigen medizinischen Akten
.
5.
7
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer ab dem
1.
Juni 2018 befristet bis zum 3
1.
Januar 2020 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente hat. In Bezug auf einen
allfälligen
Rentenanspruch ab Februar 2020
ist ein Ent
scheid gestützt auf die vorhandenen medizinischen Akten nicht möglich.
5
.
8
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§
26 Abs.
1
GSVGer
).
Bei ungenügenden Abklärungen durch den Versicherungsträger holt die Beschwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein, wenn sie einen (im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt für gutachterlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Administrativ
expertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betref
fende Beweiserhebung erfolgt alsdann vor der – anschliessend reformatorisch entscheidenden – Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rück
weisung an die Verwaltung. Eine Rückweisung an den Versicherungsträger bleibt hingegen mög
lich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig unge
klärten Frage begründet ist. Ausserdem bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurückzuweisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachterli
chen Ausführungen erforderlich ist (B
GE
139 V 99 E.
1.1, 137 V 210
E.
4.4.1.4 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_354/2020 vom 8.
September 2020 E.
2.1)
.
5.
9
Vorliegend ergibt sich, dass ein abschliessender materieller Entscheid
betreffend
den
Rentenanspruch ab Februar 2020
gestützt auf die vorhandenen medizi
ni
sch
en Akten nicht möglich ist.
So blieb die Frage nach einer
erheblichen
Verän
derung des Sachverhalts respektive dem Vorliegen eines Revisionsgrundes bisher vollständig ungeklärt.
Die vorhandenen medizinischen Unterlagen erlauben keine zuverlässige Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ab Oktober 2019, weshalb die Beschwerdegegnerin weitere Abklärungen vorzunehmen hat.
Die angefochtene Verfügung (
Urk.
2) ist folglich insofern aufzuheben
,
als sie den Sachverhalt ab
dem
1
2.
Oktober 2019 betrifft und
es ist
die Sache
diesbezüglich
zur
rechtsgenügenden Abklärung des medizinischen Sachverhalts und zum er
neuten Entscheid über den
Renten
anspruch ab Februar 2020 an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen
. Das psychiatrische Gutachten wird dabei – auch im Hinblick auf einen allfälligen Substanzgebrauch - den Erfordernissen des struk
turierten Beweisverfahrens zu genügen haben
. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
6.
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr.
1’0
00
.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuer
legen.
7.
7.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Ver
wal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Ob
siegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
7.2
Die Prozessentschädigung wird vom Gericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
). Beim praxisgemässen Stunden
an
satz von
Fr.
185
.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ist vorliegend eine Ent
schädigung von
Fr.
2’000
.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) an
gemessen, welche entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der unterliegenden Beschwerdegeg
nerin aufzuerlegen ist.