# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** ec74f477-7ad2-5351-9d15-8bbf89c2da13
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
M._, geb. 1971, stammt aus der Türkei und kam im Rahmen des Familiennachzugs
1974 zu seinen Eltern in die Schweiz. Er verfügte fortan über die
Niederlassungsbewilligung, deren Kontrollfrist letztmals bis 21. August 2020 verlängert
wurde. M._ leidet an verschiedenen Krankheiten und bezieht seit August 1997 eine
Invalidenrente. Er ist mit der türkischen Staatsangehörigen K._ verheiratet. Die Ehefrau
erhielt nach ihrer Einreise im Jahr 1993 die Aufenthaltsbewilligung. Die beiden
gemeinsamen Söhne des Ehepaars, A._ (geb. 1995) und B._ (1999), kamen in der
Schweiz zur Welt. Am 8. April 2000 reiste das Ehepaar M._ und K._ mit den Söhnen
für eine Therapie in die Türkei aus. Am 14. März 2002 kehrte M._ allein in die Schweiz
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zurück. Am 16. April 2014 wurde ein Familiennachzugsgesuch für die Ehefrau und den
Sohn B._ bewilligt. Beim älteren Sohn A._ war die Nachzugsfrist bereits abgelaufen.
B.
Die Familie M._ war fortan in einer Mietwohnung am S._-weg 00_ in X._ wohnhaft.
Nachdem die Aufenthaltsbewilligung der Ehefrau am 9. Januar 2020 abgelaufen war,
leitete das Migrationsamt des Kantons St. Gallen Abklärungen zum Aufenthaltsort ein.
Im März 2020 meldete das Einwohnamt X._ dem Migrationsamt, dass die Wohnung
seit Dezember 2018 an einen Untermieter vermietet sei, weshalb M._ rückwirkend per
31. Dezember 2018 aufgrund des Wegzugs ins Ausland im Einwohnerregister der
Politischen Gemeinde X._ gelöscht wurde. Das Migrationsamt leitete in der Folge
Abklärungen zur Prüfung der Aufenthaltsverhältnisse der Familie M._ ein. Diese
ergaben, dass die Ehefrau und die beiden Söhne in der Türkei leben und M._ sich nur
zeitweise in der Schweiz aufhält.
Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs stellte das Migrationsamt mit Verfügung vom
29. April 2021 fest, die Niederlassungsbewilligung von M._ sei erloschen, und wies ihn
aus der Schweiz weg (60 Tage nach Rechtskraft der Verfügung). Im Wesentlichen
begründete es den abschlägigen Entscheid damit, M._ sei im Jahr 2019 mehrheitlich
landesabwesend gewesen und habe seinen Lebensmittelpunkt in die Türkei verlagert.
Den gegen diese Verfügung erhobenen Rekurs wies das Sicherheits- und
Justizdepartement mit Entscheid vom 10. August 2021 ab.
C.
M._ (Beschwerdeführer) reichte mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 25. August
2021 und Ergänzung vom 7. Oktober 2021 beim Verwaltungsgericht Beschwerde
gegen den Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartements (Vorinstanz) ein. Er
stellte den Antrag auf Aufhebung des Entscheids der Vorinstanz und Feststellung, dass
seine Niederlassungsbewilligung nicht erloschen sei, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Zudem ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege und Rechtsverbeiständung.
Mit Vernehmlassung vom 21. Oktober 2021 schloss die Vorinstanz auf Abweisung der
Beschwerde und verwies zur Begründung auf die Erwägungen des angefochtenen
Entscheids.
Auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids und die Ausführungen der
Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie die Akten wird, soweit für
den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
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## Considerations

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Eintreten
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Als Adressat des
angefochtenen Entscheids ist der im Rekursverfahren unterlegene Beschwerdeführer
zur Ergreifung des Rechtsmittels berechtigt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1
VRP). Die Beschwerde wurde mit Eingabe vom 25. August 2021 rechtzeitig erhoben
und erfüllt zusammen mit der Beschwerdeergänzung vom 7. Oktober 2021 formal wie
inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1
sowie Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.
2. Rechtliches
bis
Erlöschen der Niederlassungsbewilligung
Gemäss Art. 61 Abs. 1 Ingress und lit. a des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen
und Ausländer und über die Integration (SR 142.20, AIG) erlischt die
Niederlassungsbewilligung mit der Abmeldung einer ausländischen Person ins Ausland.
Verlässt die ausländische Person die Schweiz ohne Abmeldung, erlischt die
Niederlassungsbewilligung nach sechs Monaten Auslandsaufenthalt (Art. 61 Abs. 2
Satz 1 AIG). Mit dieser Regelung hat der Gesetzgeber für das Erlöschen der
Niederlassungsbewilligung auf zwei formelle Kriterien – die Abmeldung oder einen
Auslandsaufenthalt von mindestens sechs Monaten – abgestellt (BGE 145 II 322
E. 2.3). Grundsätzlich zieht nur ein ununterbrochener sechsmonatiger
Auslandsaufenthalt das Erlöschen der Niederlassungsbewilligung gestützt auf Art. 61
Abs. 2 Satz 1 AIG nach sich. Vorbehalten bleiben jedoch Konstellationen, in welchen
die Rückkehr in die Schweiz nicht mehr im Sinne des Gesetzgebers erfolgt. Dies ist
etwa der Fall, wenn ein ausländischer Staatsangehöriger seinen Wohnsitz oder seinen
Lebensmittelpunkt ins Ausland verlegt und nur für relativ kurze Zeitperioden, etwa zu
Besuchs- oder Geschäftszwecken, in die Schweiz zurückkehrt, ohne jedoch
ununterbrochen sechs Monate im Ausland zu weilen. Diesfalls ist nicht ersichtlich,
inwiefern die nach dem Willen des Gesetzgebers für die Aufrechterhaltung erforderliche
minimale physische Präsenz in der Schweiz erfüllt sein sollte, selbst wenn der
ausländische Staatsangehörige in der Schweiz noch über eine Wohnung verfügt (BGE
145 II 322 E. 2.3, 120 Ib 369 E. 2c). Im Sinne dieser bundesgerichtlichen Praxis hat
denn auch der Verordnungsgeber in Art. 79 Abs. 1 der Verordnung über Zulassung,
Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (SR 142.201, VZAE) präzisiert, dass die Frist von sechs
Monaten Auslandsaufenthalt (im Sinne von Art. 61 Abs. 2 Satz 1 AIG) durch
2.1.
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3. Vorbringen der Beteiligten
Die Vorinstanz kam im angefochtenen Entscheid im Wesentlichen zum Schluss, dass
sich der Beschwerdeführer von Januar bis Dezember 2019 lediglich während
höchstens rund zwei Monaten in der Schweiz aufgehalten habe. Diese
Aufenthaltsdauer habe sich auf mehrere Besuche verteilt. Er habe in dieser Zeit zwar
nicht mehr als sechs Monate ununterbrochen in der Türkei gelebt. Aus den
Gesamtumständen gehe jedoch hervor, dass er erheblich mehr Zeit in der Türkei als in
der Schweiz verbracht habe. Ein Gesuch um Aufrechterhaltung der
Niederlassungsbewilligung habe er nicht gestellt.
Der Beschwerdeführer hält im Wesentlichen dagegen, dass er zu keinem Zeitpunkt
seinen Wohnsitz in der Schweiz aufgegeben habe. Für die Berechnung der
Aufenthaltsdauer in der Schweiz könne nicht einfach auf die Ein- bzw. Ausreisestempel
vorübergehende Tourismus-, Besuchs- oder Geschäftsaufenthalte nicht unterbrochen
wird.
Untersuchungsmaxime und Mitwirkungspflicht
Die verfügende Behörde hat im Rahmen der Untersuchungsmaxime abzuklären, ob der
gesetzlich verlangte Auslandsaufenthalt tatsächlich ununterbrochen war. Nebst der
Untersuchungsmaxime obliegt es allerdings auch dem Ansprecher (vorliegend also
dem Beschwerdeführer), an der Feststellung des für die Anwendung des AIG
massgebenden Sachverhalts mitzuwirken (Mitwirkungspflicht, Art. 90 AIG). Dies gilt im
besonderen Masse für Umstände, die – wie vorliegend – der Beschwerdeführer besser
kennt als die Behörde und welche ohne seine Mitwirkung gar nicht oder nicht mit
vernünftigem Aufwand erhoben werden können. Die entsprechenden
(Mitwirkungs-)Pflichten gelten umso strenger, je mehr Indizien vorliegen, welche darauf
schliessen lassen, dass in erster Linie die ausländerrechtliche Gesetzgebung
umgangen werden soll. Zudem ist zu beachten, dass es im Migrationsrecht anders als
im Steuerrecht nicht Sache der Behörden ist, den Wohnsitz (aus dem die
Steuerbehörden die Steuerpflicht ableiten) zu beweisen, sondern die Beweislast trotz
Untersuchungsgrundsatz die Person trägt, die aus dem behaupteten Wohnsitz den
Anspruch auf eine ausländerrechtliche Bewilligung ableitet. Vorliegend darf und muss
vom Beschwerdeführer deshalb erwartet werden, dass er von sich aus Umstände
vorbringt und klar belegt, weshalb sich sein Lebensmittelpunkt im fraglichen Zeitraum
nach wie vor in der Schweiz befunden hat. Als Indizien hierfür könnten etwa ein
Mietvertrag, Bestätigungen Dritter, Telefonrechnungen, Zahlungsbelege, Bahnbillette
usw. dienen (vgl. BGer 2C_866/2017 vom 7. März 2018 E. 3.1.2, 2C_65/2016 vom
11. November 2016 E. 3.2, 2C_1008/2015 vom 20. Juni 2016 E. 3.3).
2.2.
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im Pass abgestellt werden. Er sei auch mit dem Auto von der Türkei in die Schweiz
gereist. Im Sommer 2019 habe er sich mit seiner Ehefrau in der Schweiz aufgehalten,
wie ein Schreiben von ihr an das Migrationsamt vom 12. Juni 2019 belege. Auch im
Oktober und November 2019 habe er hier wiederholt Arzttermine wahrgenommen. Er
habe sich jeweils nicht länger als einige Wochen im Ausland aufgehalten. Hier in der
Schweiz habe er sodann nicht nur Arzttermine wahrgenommen, sondern sich auch um
seine kranke Mutter gekümmert, die ebenfalls in X._ wohne. Eine Unterstützung könne
nicht nur mittels körperlicher Arbeiten, sondern auch in psychologischer Form erfolgen.
Da er sich im Jahr 2019 unbestrittenermassen oft in der Türkei aufgehalten habe, lasse
sich aus der Weiterleitung der Post an seine Auslandadresse nichts ableiten. Dasselbe
gelte für den Betreibungsregisterauszug. Die Anhäufung von Betreibungen im Jahr
2019 sei kein Hinweis für die Landesabwesenheit. Aufgrund der hohen Behandlungs-
und Medikamentenkosten sei er damals vorübergehend in einen Engpass gefallen. Aus
diesem Grund habe er auch seine Wohnung untervermietet. Der Untermieter habe
indessen bestätigt, dass er seine Wohnung regelmässig aufgesucht habe. Zeitweise
habe er auch bei seiner Mutter gewohnt. Dass er gegenüber dem Einwohneramt und
der Polizei gesagt habe, er wohne im Ausland, treffe nicht zu. Die Aufenthalte in der
Türkei seien wegen der ausschliesslich dort erhältlichen Medikamente notwendig
gewesen. Daraus könne keine Verlegung des Lebensmittelpunktes abgeleitet werden.
Auch dass seine Familie in der Türkei lebe, hätten die Behörden seit Jahren gewusst.
Er habe dort im Jahr 2019 nie mehr als sechs Monate am Stück verbracht. Der Schluss
der Vorinstanz basiere auf einer falschen Sachverhaltsermittlung und sei darüber
hinaus nicht plausibel. Sein Lebensmittelpunkt befinde sich in der Schweiz, wo er seit
nunmehr 47 Jahren wohne. Er sei hier aufgewachsen und tief verankert. Er kenne die
hiesige Kultur, habe Schweizer Freunde, sei hier zur Schule gegangen und habe sich
ausbilden lassen. Er spreche fliessend Schweizerdeutsch. Seine Mutter und
Geschwister lebten hier. Nach wie vor verfüge er in der Schweiz über eine Wohnung
und befinde sich in medizinischer Behandlung. Er verweile hier mit der Absicht
dauernden Verbleibens.
4. Beweiswürdigung
Zu klären ist, ob sich der Beschwerdeführer im Jahr 2019 mehr als sechs Monate
ununterbrochen im Ausland aufgehalten bzw. seinen Lebensmittelpunkt in die Türkei
verlegt hat, was das Erlöschen der Niederlassungsbewilligung zur Folge hätte. Der
Beschwerdeführer ist IV-Rentner und geht seit mehreren Jahren keiner Erwerbstätigkeit
nach. Eine beruflich bedingte Anwesenheit in der Schweiz fällt damit nicht in Betracht.
Fest steht, dass er sich in der Schweiz nicht abmeldete und auch kein Gesuch um
Aufrechterhaltung der Niederlassungsbewilligung stellte (vgl. Art. 61 Abs. 2 Satz 2 AIG
und Art. 79 Abs. 2 VZAE). Gerade die vom Beschwerdeführer angeführte medizinische
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Veranlassung für seinen Aufenthalt in der Türkei – gemäss seinen Angaben sei ein
bestimmtes Medikament nur dort erhältlich – wäre allenfalls ein möglicher Grund für
eine Aufrechterhaltung der Niederlassungsbewilligung gewesen.
Aussagen des Beschwerdeführers
Sowohl der mit der Abklärung beauftragte Polizist, der am 28. Februar 2020
telefonischen Kontakt mit dem Beschwerdeführer hatte, als auch die Mitarbeiterin des
Einwohneramts X._, bei welcher der Beschwerdeführer Anfang März 2020 vorsprach,
gaben übereinstimmend an, der Beschwerdeführer habe ihnen mitgeteilt, er halte sich
mehrheitlich in der Türkei auf und reise nur noch ab und zu in die Schweiz (Akten
Migrationsamt [MA] 290 und 294). Ein Grund, weshalb diese Personen unabhängig
voneinander eine falsche Aussage gemacht haben sollten, wie vom Beschwerdeführer
vorgebracht wird, ist nicht ersichtlich. Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer sich
im Jahr 2019 gemäss eigenen Angaben häufig in der Türkei aufgehalten hat (act. 8, Rz.
6).
4.1.
Wohnsituation
Die Stadtpolizei X._ stellte Anfang 2020 fest, dass in der Wohnung der Familie M._ an
der bisherigen Meldeadresse am S._-weg 00_ in X._ seit Dezember 2018 T._ zur
Untermiete wohnte. Der Untermieter führte aus, dass er die Wohnung am S._-weg
00_ in X._ vom Beschwerdeführer seit Dezember 2018 gemietet habe und dafür
monatlich CHF 1'000 bezahle. Ursprünglich sei der Untermietvertrag befristet gewesen
bis Ende 2019. Da keine Kündigung erfolgt sei, bestehe das Untermietverhältnis fort.
Der Beschwerdeführer komme sporadisch bzw. regelmässig vorbei und hole ab und zu
die Post ab (MA 290 und 328). Die Untervermietung der Wohnung stellt ein gewichtiges
Indiz für die Verlegung des Lebensmittelpunktes des Beschwerdeführers in die Türkei
dar. Aus der Höhe des Untermietzinses von CHF 1'000 bei einem Mietzins von
CHF 1'130 (inkl. Nebenkosten, MA 446 und 453) kann geschlossen werden, dass der
Anteil der Nutzung durch den Beschwerdeführer in der fraglichen Zeitspanne von
Dezember 2018 bis Ende 2019 gering war. Am 10. März 2020 kündigte der
Beschwerdeführer den bisherigen Untermietvertrag per sofort und ersetzte ihn durch
einen neuen Untermietvertrag für zwei Zimmer der 41⁄2-Zimmer-Wohnung. Fortan
bildeten der Beschwerdeführer und T._ gemäss neuem Vertrag eine
Wohngemeinschaft (MA 420). Auch diese Vertragsänderung deutet klar darauf hin,
dass der Untermieter zuvor die ganze Wohnung oder den grössten Teil für sich
beanspruchte und der Beschwerdeführer sich dort nicht regelmässig für längere Zeit
aufhielt. Dafür, dass der Beschwerdeführer sich im Jahr 2019 grösstenteils bei seiner in
X._ lebenden Mutter aufgehalten und um diese gekümmert hätte, fehlen jegliche
4.2.
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Hinweise, wie beispielsweise eine Bestätigung der Mutter, Kontoauszüge mit
Zahlungsnachweisen für die Schweiz oder eine entsprechende Adressänderung bzw. -
umleitung. Im Gegenteil zeichnet gerade die Postzustellung ein anderes Bild (vgl.
nachfolgend unter E. 4.3).
Postzustellung
Für die Postzustellung nahm der Beschwerdeführer im Jahr 2019 den Dienst "Swiss
Post Box Ausland" in Anspruch. Die gescannten Couverts werden dabei in einen
elektronischen Briefkasten gelegt. Der Empfänger kann anschliessend Instruktionen
geben, ob die Post physisch zugestellt, geöffnet und gescannt oder ob sie vernichtet
werden soll (MA 329). Die Nutzung des beschriebenen Postservice deutet darauf hin,
dass der Beschwerdeführer im Jahr 2019 häufig landesabwesend war. Hätte er sich
nämlich regelmässig in seiner Wohnung in X._ oder in jener der Mutter aufgehalten,
hätte er die Post ohne Weiteres vor Ort entgegennehmen können und wäre die
Einrichtung eines solchen elektronischen Postfachs nicht nötig gewesen.
4.3.
Anwesenheiten in der Schweiz im Jahr 2019
Aus den Ein- und Ausreisestempeln im türkischen Pass des Beschwerdeführers (MA
317 f. und 411) geht hervor, dass dieser während der folgenden Zeitspannen nicht in
der Türkei weilte.
4.4.
8. bis 16. Januar 2019: 9 Tage
In diese Zeit fallen die Arztbesuche am 10. Januar 2019 bei Dr.med. Q._ in Z._ (MA
450) und Dr.med. N._ in R._ (MA 416). Aus dem (nicht vollständigen) Kontoauszug
(Postfinance) des Monats Januar 2019 geht hervor, dass zwischen 9. und 15. Januar
2019 Bezüge in der Schweiz getätigt wurden, was mit den Passstempeln
übereinstimmt.
4.4.1.
15. bis 25. April 2019: 11 Tage
Zu dieser Aus- und Einreise aus bzw. in die Türkei macht der Beschwerdeführer keine
näheren Angaben. Dafür, dass er sich in dieser Zeit in der Schweiz aufgehalten hätte,
gibt es in den Akten keinerlei Hinweise; insbesondere sind in diesem Zeitraum keine
Arztbesuche aktenkundig. Das Schreiben des volljährigen Sohnes B._ vom 8. April
2019 an das Migrationsamt, das angeblich in X._ verfasst wurde, stellt jedenfalls
keinen Nachweis dar, dass der Beschwerdeführer im Frühjahr 2019 in der Schweiz
weilte.
4.4.2.
22. bis 27. Mai 2019: 6 Tage
Am 23. Mai 2019 konsultierte der Beschwerdeführer Dr.med. Q._ in Z._ (MA 445) und
am 24. Mai 2019 Dr.med. N._ in R._ (MA 451).
4.4.3.
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5. Fazit
Auch wenn dem Beschwerdeführer zuzustimmen ist, dass aus den vermehrten
Betreibungen im Jahr 2019 nicht auf seine Landesabwesenheit geschlossen werden
kann, so ist ihm der Nachweis, dass er seinen Lebensmittelpunkt und Wohnsitz im Jahr
2019 in der Schweiz hatte, nicht gelungen. Trotz seiner aufgrund der Indizienlage
gesteigerten Mitwirkungspflicht hat er keine Beweismittel eingereicht, aus denen
ersichtlich wäre, dass er im Jahr 2019 längere Zeiträume in der Schweiz und damit
19. bis 25. September 2019: 7 Tage
In diesem Zeitraum hielt sich der Beschwerdeführer in der Schweiz auf und besuchte
am 23. und 24. September 2019 Dr.med. P._ in X._ (MA 441) und am 25. September
2019 Dr.med. Q._ in Z._ (MA 440).
4.4.4.
Seit 9. Dezember 2019
Am 9. Dezember 2019 reiste der Beschwerdeführer erneut in die Schweiz ein, um am
10. Dezember 2019 Dr.med. Q._ in Z._ (MA 437) und auch Dr.med. P._ in X._ (MA
441) zu konsultieren. Am 20. Dezember 2019 unterzeichnete er eine Anwaltsvollmacht
(MA 435). Im Zeitpunkt der Kontaktaufnahme durch die Stadtpolizei X._ Ende Februar
2020 hielt sich der Beschwerdeführer wieder in der Türkei auf (MA 290). Ab März 2020
blieb er offenbar länger in der Schweiz, just nachdem er vom Verfahren betreffend
Erlöschen seiner Niederlassungsbewilligung erfahren hatte.
4.4.5.
Zusätzliche Aufenthalte im Jahr 2019
Dafür, dass der Beschwerdeführer im Sommer und im Herbst 2019 mit dem Auto in die
Schweiz gereist und sich hier länger aufgehalten hätte, fehlen einerseits genauere
zeitliche Angaben, andererseits aber auch stichhaltige Beweise. Inwiefern ein
Schreiben der Ehefrau an das Migrationsamt vom 12. Juni 2019 die Anwesenheit des
Beschwerdeführers in der Schweiz belegen soll, ist nicht nachvollziehbar. Gemäss
einem Schreiben von Dr.med. Q._ vom 10. Dezember 2018 sei der Beschwerdeführer
bei wiederholten Arztbesuchen im Oktober und November 2019 auf die Begleitung
seiner Ehefrau angewiesen gewesen (MA 439). Bei wem und wann diese Arztbesuche
erfolgten, geht daraus indessen nicht hervor. Krankenkassenabrechnungen zu diesen
angeblichen Besuchen wurden nicht eingereicht, obschon dies ein Leichtes gewesen
wäre. Beim fraglichen Schreiben ging es sodann nicht um die Arzttermine des
Beschwerdeführers an sich, sondern um die notwendige Begleitung durch die Ehefrau
als Begründung dafür, weshalb jene damals in Istanbul keinen Deutschkurs habe
besuchen können. Dass die Vorinstanz den Nachweis der Anwesenheit des
Beschwerdeführers im Sommer und Herbst 2019 anhand dieser Aktenstücke nicht als
erbracht erachtete, stellt daher keine unrichtige Feststellung des Sachverhalts dar.
4.4.6.
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nicht sechs Monate im Ausland verbracht hätte. Auch Beweisanträge wurden dazu
keine gestellt. Die geschilderten Umstände und vorhandenen Beweismittel deuten in
ihrer Gesamtheit eindeutig darauf hin, dass der Beschwerdeführer sich seit Dezember
2018 und bis Dezember 2019 nicht mehr für längere Zeit in X._ oder anderswo in der
Schweiz aufhielt. Nachgewiesen sind einzig mehrere Arztbesuche, die alle während drei
sieben- bis neuntägigen Aufenthalten im Januar, Mai und September 2019 (insgesamt
22 Tage) sowie ab 9. Dezember 2019 stattfanden. Auffällig ist dabei auch, dass die
Termine bei verschiedenen Ärzten jeweils zeitlich nahe beieinanderlagen oder sogar auf
den gleichen Tag gelegt wurden. Die Abwesenheitsdauer von sechs Monaten gemäss
Art. 61 Abs. 2 AIG wurde sodann durch die aktenkundigen medizinischen Kontrollen
bzw. Untersuchungen in der Schweiz nicht unterbrochen (vgl. Art. 79 Abs. 1 VZAE und
vorne E. 2.1). Hinzu kommt, dass seine Ehefrau nicht mehr in der Schweiz lebt,
sondern schon vor längerer Zeit in die Türkei zurückkehrte, wo auch die zwei
erwachsenen Söhne wohnen. Die Schlussfolgerung der Vorinstanz, dass sich der
Beschwerdeführer von Januar bis Anfang Dezember 2019 während höchstens zwei
Monaten in der Schweiz aufgehalten hat und damit während mehr als sechs Monaten
landesabwesend war, ist vor diesem Hintergrund nicht zu beanstanden. Allein aus dem
Aufenthalt zwecks Inanspruchnahme medizinischer Leistungen lässt sich kein
Lebensmittelpunkt ableiten.
Eine Verhältnismässigkeitsprüfung des Erlöschens der Niederlassungsbewilligung als
aufenthaltsbeendender Massnahme ist – im Gegensatz zum Widerruf der Bewilligung –
nicht erforderlich, da die Bewilligung in Fällen wie dem vorliegenden von Gesetzes
wegen dahinfällt (BGer 2C_691/2017 vom 18. Januar 2018 E. 3.1). Da die
Niederlassungsbewilligung mit dem sechsmonatigen Auslandaufenthalt spätestens per
Ende November 2019 von Gesetzes wegen erloschen ist, vermag der Umstand, dass
der Beschwerdeführer sich ab März 2020 wieder häufiger in der Schweiz aufhielt, daran
nichts zu ändern. Für den Beschwerdeführer gelten bei einer allfälligen Wiedereinreise
in die Schweiz die allgemeinen ausländerrechtlichen Bestimmungen für
Neueinreisende. Die Beschwerde ist somit abzuweisen.
6. Unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung im Beschwerdeverfahren
Der Entscheid über das Begehren um unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung für das Beschwerdeverfahren fällt in die Zuständigkeit des
Abteilungspräsidenten (Art. 99 Abs. 1 und 2 VRP in Verbindung mit Art. 119 Abs. 3 der
Schweizerischen Zivilprozessordnung, SR 272, ZPO, und Art. 6 Abs. 2 des Reglements
über die Organisation und den Geschäftsgang des Verwaltungsgerichts, sGS 941.22).
Die unentgeltliche Rechtspflege wird gewährt, wenn der Gesuchsteller bedürftig ist und
das von ihm angestrebte Verfahren nicht aussichtslos erscheint. Soweit es zur
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Wahrung seiner Rechte notwendig ist, besteht ausserdem Anspruch auf
unentgeltlichen Rechtsbeistand (Art. 99 Abs. 2 VRP in Verbindung mit Art. 117 und 118
Abs. 1 Ingress und lit. c ZPO; Art. 29 Abs. 3 der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft, SR 101, BV). Als aussichtslos sind Begehren
anzusehen, bei denen die Gewinnaussichten beträchtlich geringer sind als die
Verlustgefahren und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können.
Dagegen gilt ein Begehren nicht als aussichtslos, wenn sich Gewinnaussichten und
Verlustgefahren ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese.
Massgebend ist, ob eine Partei, die über die nötigen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger
Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde. Eine Partei soll einen Prozess, den
sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht deshalb anstrengen
können, weil er sie nichts kostet. Diese vom Bundesgericht zum Begriff der
Aussichtslosigkeit gemäss Art. 29 Abs. 3 BV entwickelte Praxis ist auch für die
Auslegung von Art. 117 Ingress und lit. b ZPO zu berücksichtigen (vgl. BGE 138 III 217
E. 2.2.4 mit Hinweis).
Im vorliegenden Beschwerdeverfahren war zu überprüfen, ob die Vorinstanz den
Rekurs gegen die Verfügung des Migrationsamts vom 29. April 2021, worin dieses
feststellte, dass die Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers erloschen sei,
zu Recht abwies. Wie aus den vorstehenden Erwägungen rückwirkend betrachtet
hervorgeht, muss das Beschwerdeverfahren im Zeitpunkt der Anhängigmachung
sowohl mit Blick auf die geschilderte Rechtsprechung als auch vom Sachverhalt her als
aussichtslos bezeichnet werden, weshalb das Gesuch betreffend unentgeltliche
Rechtsverbeiständung – das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege erweist sich, da
auf die Erhebung von Kosten verzichtet wird (vgl. E. 7 nachfolgend), als
gegenstandslos – abzuweisen ist.
7. Kosten
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von CHF 2'000 erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Auf die Erhebung ist zufolge voraussichtlicher
Uneinbringlichkeit in Anwendung von Art. 97 VRP ausnahmsweise zu verzichten. Damit
wird das im vorliegenden Beschwerdeverfahren gestellte Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege gegenstandslos (vgl. E. 6 vorstehend).
Ausseramtliche Kosten sind bei diesem Verfahrensausgang mangels Obsiegens und
mangels Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung nicht zu entschädigen
(Art. 98 Abs. 1 und 98 VRP).bis
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