# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d84e8c7d-f319-4011-8539-b6f46b08137c
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_001
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Forderung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dietikon vom 19. Dezember 2012 (CG100055-M)
- 2 -
Rechtsbegehren:
"Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger Fr. 277'880.– nebst Zins zu 5% seit 16. August 2007 zu bezahlen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beklagten."
Urteil des Bezirksgerichtes Dietikon vom 19. Dezember 2012:
1. Die Klage wird abgewiesen.
2. Die Gerichtsgebühr wird auf Fr. 15'900.-- festgesetzt.
3. Die Gerichtskosten werden dem Kläger auferlegt.
4. Der Kläger wird verpflichtet, der Beklagten eine Prozessentschädigung von Fr. 28'800.-- (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
5. (Mitteilung)
6. (Berufung)
Berufungsanträge:
Des Klägers und Berufungsklägers (Urk. 43):
Der Entscheid (Urteil) des Bezirksgerichts Dietikon vom 19.12.2012, zugestellt am 21.12.2012, Geschäfts-Nr.: CG100055-M/U; sei vollumfänglich - Ziffern 1-4 des Dispositivs - aufzuheben, und die Beklagte/Berufungsbeklagte sei zu verpflichten, dem Kläger/Berufungskläger Fr. 277'880.-- nebst Zins zu 5% seit 16. August 2007 zu bezahlen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beklagten/Berufungsbeklagten für beide Instanzen (Klage- und Berufungsverfahren).
- 3 -

## Considerations

Erwägungen:
A
Am 19. Dezember 2012 erliess das Bezirksgericht Dietikon das eingangs
erwähnte Urteil, mit welchem es die Klage abwies. Am 30. Januar 2013 erhob der
Kläger gegen das ihm am 21. Dezember 2012 zugestellte Urteil rechtzeitig und
mit schriftlicher Begründung Berufung (Urk. 43). Den Prozesskostenvorschuss
von Fr. 15'900.- hat er am 13. Februar 2013 rechtzeitig geleistet (Urk. 47).
Auf das erst nach Inkrafttreten der Schweizerischen Zivilprozessordnung
zugestellte Urteil sind im Berufungsverfahren deren Bestimmungen anwendbar
(Art. 405 Abs. 1 ZPO). Da sich die Berufung als offensichtlich unbegründet
erweist, konnte auf die Einholung einer Berufungsantwort verzichtet werden (Art.
312 ZPO).
B
1. Der Kläger und Berufungskläger (nachfolgend nur noch Kläger) erhielt im
Frühjahr 2007 von seinem Onkel C._ ein handschriftliches, vom 20. Juni
2004 datiertes Testament ausgehändigt, in dem er ihn als Alleinerben der
Liegenschaft D._ in E._ einsetzte und die weiteren Nachkommen auf
den Pflichtteil setzte. Der Kläger setzte sich darauf mit seiner Treuhänderin, der
Beklagten und Berufungsbeklagten (nachfolgend nur noch Beklagte) in
Verbindung, um das Testament prüfen zu lassen. Gemäss Kläger, um seine
Gültigkeit zu prüfen, gemäss Beklagter zur Prüfung, "ob man dies so machen
könne". Das Dokument wurde der Beklagten unbestrittenermassen nur per Fax
übermittelt (Urk. 4/7 bzw. 15/2); sie sah das originale Dokument nie. Am 4. Mai
2007 erteilte die Beklagte dem Kläger schriftlich den Rat, im Testament noch das
Geburtsdatum des Klägers einzufügen, den Erblasser mit seinem Geburtsnamen
C1._ unterzeichnen zu lassen sowie noch einen Widerruf allfälliger früherer
letztwilliger Verfügungen aufzunehmen (Urk. 15/3). In der Folge fügte der
Erblasser in das Original der Urkunde handschriftlich das Geburtsdatum des
Klägers ein und unterzeichnete es nochmals mit dem Vornamen C1._; auf
- 4 -
eine weitere Ergänzung, so wie von der Beklagten angeregt, wurde verzichtet. Die
Beklagte sah das Testament nach diesen Änderungen unbestrittenermassen nicht
mehr. Nach dem Tod von C._ am tt.mm.2007 wurde das Testament in dieser
Form eingeliefert (Urk. 4/3). Es wurde in der Folge wegen Nichteinhaltung der
Eigenhändigkeitsvorschriften erfolgreich angefochten. Der Kläger anerkannte
(erst) im Januar 2008 gegenüber den gesetzlichen Erben, dass das Testament
nicht in der Handschrift von C._ geschrieben sei, sondern nur von diesem
unterschrieben sei; die Schrift stimme vielmehr mit derjenigen der Person überein,
die die Steuererklärung für den Erblasser besorgt habe (Urk. 28/23).
Zum Zeitpunkt der Faxübermittlung des Testaments fand noch ein Telefonat
zwischen den Parteien statt. Die Beklagte will den Kläger dabei zusätzlich auf die
einzuhaltende Form beim handschriftlichen Testament hingewiesen haben (Urk.
14 S. 5). Der Kläger anerkannte mindestens ein solches Telefonat für den 4. Mai
2007 sowie, dass ihm diese Formvorschrift für Testamente grundsätzlich bekannt
gewesen sei (Prot. I S. 9f). Der Kläger anerkannte auch, dass die zwei
Adressblöcke, die sich auf der unteren Hälfte des am 4. Mai 2007 von ihm an die
Beklagte gefaxten und vom Kläger selber im vorliegenden Verfahren
eingereichten Testamentsdokuments befinden, seine eigene Handschrift tragen
(Urk. 4/7). Wie sie auf dieses Dokument gekommen sind, konnte der Kläger
zunächst nicht erklären (Prot. I S. 6f in Verb. mit Urk. 15/2 bzw. 4/7). Dass der
Kläger der Beklagten bereits am 30. April 2007 das Testamentsdokument ein
erstes Mal ohne diese Adressblöcke zugefaxt hat, und auf Verlangen der
Beklagten am 4. Mai 2007 ein zweites Mal mit den anderen Zwecken dienenden
Adressblöcken gefaxt hat, wie der Kläger in der Replik nach ergangenem Vorhalt
dieser Adresszusätze neu behauptete (Urk. 27 S. 4f), kann aufgrund des
eingereichten Journals der Beklagten über ihren Faxverkehr im Jahre 2007
ausgeschlossen werden (Urk. 35/1+2). Dort ist für den 30. April 2007 kein
Faxeingang verzeichnet, wohl aber ein solcher am 4. Mai 2007 kurz vor 8.30 Uhr.
Die Richtigkeit und Zuverlässigkeit dieser Journale wurde und wird vom Kläger
nicht in Frage gestellt (Urk. 34 und 35/1+2 in Verb. mit Urk. 36, 38 und 43).
2. Mit der vorliegenden Klage fordert der Kläger Schadenersatz von Fr. 277'880.-,
entsprechend dem Wert des ihm wegen der Testamentsungültigkeit entgangenen
- 5 -
testamentarischen Vermächtnisses. Er wirft der Beklagten eine
Sorgfaltspflichtverletzung vor, da sie bei dem ihr zugefaxten Testament nicht
erkannt habe, dass dieses nicht vom Erblasser vollständig und eigenhändig habe
verfasst sein können. Er, der Kläger, habe dies selber nicht erkannt und trotz
seiner engen Beziehung zum Erblasser auch nicht erkennen können, wohl aber
die sachverständige Beklagte, selbst wenn sie den Erblasser nicht gekannt habe.
Der Kläger verweist dazu auf bestimmte Formulierungen des Testaments, die
erkennbarermassen nicht von einem 73-jährigen, des Lesens und Schreiben
kaum kundigen Landwirtes hätten stammen können, bzw. auf Textstellen, die
offensichtlich nachträglich ergänzt worden seien. Umgekehrt sei die offenkundige
Schriftdiskrepanz zwischen dem vorgelegten Testament und der auf Rat der
Beklagten vorgenommenen Ergänzungen mit der zwischenzeitlich
fortgeschrittenen (Seh-)Schwäche des Erblassers zu erklären und habe dem
Kläger daher keinerlei Anlass zur Skepsis betreffend die eigenhändige
Verfassung des Haupttextes gegeben.
3. Die Vorinstanz hat eine Sorgfaltspflichtverletzung der Beklagten verneint und
die Klage abgewiesen. Sie hat einerseits erwogen, dass der Kläger nicht habe
ausreichend darlegen können, weshalb für die Beklagte konkrete Anhaltspunkte
für fehlende Handschriftlichkeit des Erblassers bestanden hätten. Andererseits
habe die Beklagte keinen Grund zur zwingenden Annahme gehabt, dass der ihr
zugefaxte Testamentsentwurf (mit Ausnahme der vom Kläger darauf
angebrachten Adressblöcke) nach lediglich der Einfügung von Geburtsdatum und
Unterschrift eins zu eins als endgültiges Testament benutzt werden würde.
Vielmehr habe die Beklagte davon ausgehen dürfen und können, dass auch der
Kläger eine entsprechende minimale Überprüfung vornehmen und der Erblasser
gegebenenfalls nochmals den gesamten Text von Hand schreiben werde. Der
Kläger habe ja das Erfordernis der Handschriftlichkeit gekannt. Diesfalls hätte es
aber gar keine Rolle gespielt, dass der Entwurf nicht vom Erblasser selbst von
Hand (ab)geschrieben war. Spätestens bei der empfohlenen Ergänzung des
Testaments mit der Unterschrift und dem Geburtsdatum durch den Erblasser
hätte auch dem Kläger die Diskrepanz der beiden Schriftbilder auffallen müssen.
Indem er diese Diskrepanz nicht näher abgeklärt habe, habe der Kläger sich
- 6 -
grobfahrlässig verhalten, was den Kausalzusammenhang zwischen der
(vermeintlichen) Sorgfaltswidrigkeit der Beklagten und der letztlichen
Formungültigkeit des Testaments aufheben würde.
C
1. Ob die Beklagte ihren Beratungsauftrag gehörig erfüllt hat, hängt zunächst von
dessen Inhalt ab. Die Beklagte macht geltend, ihr Auftrag habe gelautet, das
Testament darauf hin zu prüfen, ob man "das so machen" könne. Der Kläger
macht geltend, der Auftrag an die Beklagte habe auf Prüfung der "Gültigkeit" des
Testamentes gelautet. Damit ist objektiv nicht klar, welcher Prüfungsumfang
zwischen den Parteien vereinbart war. Die Auftragsumschreibung nach der
Version der Beklagten weist nach dem üblichen Sprachverständnis auf eine
vorwiegend inhaltliche Prüfung hin bezüglich der erbrechtlichen Zulässigkeit und
der ausreichenden und klaren Formulierung. Weiter kann darunter allenfalls auch
noch eine summarische Prüfung der äusseren Form subsumiert werden, also die
Prüfung auf die grundsätzliche Einhaltung der Eigenhändigkeitsform. Unter eine
"Gültigkeitsprüfung" kann hingegen allenfalls auch eine weitergehende Prüfung
der äusseren Form fallen.
Unter diesen Umständen ist daher nach dem Vertrauensprinzip zu prüfen, was
eine unbefangene Drittperson aufgrund der konkreten Umstände von dieser
Prüfung erwarten konnte und durfte, insbesondere hinsichtlich der Einhaltung der
Eigenhändigkeitsform.
Die Beklagte ist keine Schriftsachverständige und kannte weder den Erblasser,
seine Persönlichkeit und seinen Bildungsgrad noch seine Handschrift. Sie hatte
auch keine weitere Kenntnis von den Umständen, unter welchen das
Testamentsdokument entstanden war, und insbesondere keine Hinweise auf eine
mögliche Drittbeteiligung. Eine Schriftprüfung wäre überdies nur anhand des
Originals möglich gewesen und mittels eines Vergleichs mit originalen weiteren
Handschriftproben. Dieser Kenntnisstand der Beklagten war dem Kläger bewusst.
Unter diesen Umständen konnte der Kläger aber nach Treu und Glauben und
ohne ausdrücklichen weiteren Hinweis keine einlässlichere Prüfung der
Authentizität der Handschrift oder von Formunregelmässigkeiten im Schriftbild
- 7 -
erwarten. Wenn der Kläger sodann die Antwort der Beklagten gemäss Urk. 15/3
als Bestätigung einer Gültigkeit versteht (Prot. I S. 5, Urk. 27 S. 5), obschon diese
Antwort gewisse Änderungen empfiehlt und sich zur Form und insbesondere zur
konkreten Handschriftlichkeit überhaupt nicht äussert, so belegt dies das
damalige eigene Verständnis des Klägers von der Gültigkeitsprüfung. Er selber
verstand damals unter einer Gültigkeitsprüfung offensichtlich selber keine Analyse
des konkreten Handschriftbildes bzw. eine Hinterfragung der Eigenhändigkeit.
Sodann kannte der Kläger selber das Erfordernis der Eigenhändigkeit und war
selber bzw. ausschliesslich allein in der Lage, die Einhaltung dieser Form zu
prüfen. Die Beklagte konnte ihm dabei ohne Kenntnis des Erblassers und dessen
Handschrift erkennbarermassen nicht behilflich sein. Sie war diesbezüglich nicht
sachverständiger als der Kläger. Sodann geht die Interpretation des Klägers von
Urk. 15/3 fehl. Dort weist die Beklagte nur darauf hin, die angeregten Änderungen
seien "auf dem Testament" anzubringen bzw. "im Testament" zu ergänzen. Das
heisst - entgegen Urk. 27 S. 5 bzw. Urk. 43 S. 8 - indessen nicht, sie seien genau
auf jenem Schriftstück anzubringen, welches der Beklagten gefaxt worden war.
Die kritische Hinterfragung der Eigenhändigkeit der Testamentsurkunde war
daher nach Treu und Glauben nicht Gegenstand des Auftrages. Daran ändert
nichts, dass der Kläger das Dokument der Beklagten allenfalls noch persönlich
vorbeibringen wollte und dass die Beklagte dies nicht für nötig erachtete. Der
Kläger wusste jedenfalls, dass die Beklagte bei ihrer Prüfung sich allein auf die
Faxkopie abstützen würde und die Prüfung nur anhand einer Kopie stattfinden
würde.
Entscheidend ist jedoch, dass die Beklagte nach Treu und Glauben nicht davon
ausgehen konnte, das ihr am 4. Mai 2007 zugefaxte Testamentsdokument sei
bereits die Endfassung, welche später als Originaltestament dienen würde.
Dagegen sprechen vor allem die beiden Adressblöcke, welche der Kläger
unbestrittenermassen persönlich auf dem handschriftlichen Testamentstext bzw.
vermutlich eher einer Fotokopie davon angebracht hatte und ihn so der Beklagten
faxte. Dieses Faxdokument samt Absender und Absendedatum hat der Kläger als
eigene Klagebeilage vor Vorinstanz eingereicht (Urk. 4/7). Es kann sich somit
nicht um ein später zustande gekommenes oder gar bei der Beklagten
- 8 -
entstandenes Dokument handeln, und eine Zustellung des
Testamentsdokumentes ohne diese Adresszusätze bereits am 30. April 2007 an
die Beklagte ist aufgrund von Urk. 35/1+2 ausgeschlossen. Bereits diese
Adressblöcke, die zudem in einer anderen Handschrift verfasst sind als das
eigentliche Testament, lassen das Testament für jede Drittperson offenkundig als
Entwurf oder Vorlage erscheinen, nicht aber als Endfassung eines eigenhändigen
Testaments des Erblassers.
Dieser Eindruck verstärkt sich noch durch die offen gelassene Lücke beim
Geburtsdatum das Klägers und die Streichung des Wortes "Datum" samt
Einfügung eines konkreten Tages aus dem Jahr 2004. Dass das Testament aber
erst im Mai 2007 geprüft und je nachdem im Mai 2007 noch geändert werden
sollte, spricht weiter dafür, dass die vorgelegte Urkunde aus Sicht der Beklagten
nicht die endgültige Fassung sein sollte. Schliesslich ist noch auf weitere
Schreibkorrekturen mittels Streichungen hinzuweisen, welche angesichts der
üblichen Solennität bei der Abfassung eines endgültigen - kurzen - Testamentes
eher ungewöhnlich sind und den Eindruck eines vorläufigen Entwurfs weiter
verstärken. Die Beklagte durfte und musste den ihr zugefaxten Testamentstext
daher erst als Entwurf verstehen. Dass sie ihn auch tatsächlich so verstanden hat,
belegen ihre Ratschläge zur Ergänzung, welche sich durchaus auch auf den
materiellen Testamentsinhalt bezogen (Widerruf aller vorgängigen Verfügungen
von Todes wegen) und nicht nur auf eher formale Punkte (Aufnahme des
Geburtsdatums des Klägers und Anführung des ordentlichen Taufnamens des
Erblassers zwecks klarer Identifikation). Es kann nicht die Rede sein davon, die in
Urk. 15/3 dokumentierten Empfehlungen belegten, dass die Beklagte selber
davon ausgegangen sei, der Erblasser schreibe das Testament nicht nochmals
neu (Urk. 43 S. 9). Die vorgeschlagene Widerrufsklausel hätte überdies auch
kaum mehr Platz auf der vorgelegten Urkunde gehabt. Einen Entwurf aber auf
seine handschriftliche Authentizität zu prüfen, ergab keinen Sinn und die Beklagte
war dazu weder berufen noch in der Lage.
Zusammenfassend ist daher festzustellen, dass die Beklagte das ihr zugefaxte
Testamentsdokument als blossen Entwurf verstehen durfte und nicht erkennen
konnte, dass dieser (ohne die Adresszusätze) als Originaltestament verwendet
- 9 -
würde. Daher hatte sie auch keinen Anlass, die vordergründig als erfüllt
erscheinende Formvorschrift der Eigenhändigkeit kritisch zu hinterfragen. Dazu
war sie im Übrigen erkennbarermassen nicht in der Lage und eine solche
urkundliche Prüfung erscheint auch vom Inhalt des erteilten Auftrages her als
nicht erfasst. Damit kann keine Unsorgfalt der Beklagten bei der Ausführung des
ihr erteilten Beratungsauftrages erkannt werden, indem sie den Kläger nicht
darauf hingewiesen hat, dass das Dokument möglicherweise nicht vom Erblasser
eigenhändig geschrieben wurde.
2. Der Kläger beruft sich zur Begründung der Unsorgfalt bei der Nichterkennung
der Nichteigenhändigkeit auf verschiedene Textstellen des Testamentsentwurfs
(Urk. 27 S. 7f bzw. Urk. 43 S. 4ff, je in Verb. mit Urk. 28/24). Obschon es aus den
vorerwähnten Gründen nicht darauf ankommt, sei noch kurz auch dazu Stellung
genommen.
Bereits die Vorinstanz hat darauf hingewiesen, dass eigenhändige Testamente
häufig mittels Abschreiben einer Vorlage entstehen. Unter der Annahme, Urk. 4/7
sei eine Vorlage zum späteren Abschreiben bzw. ein Entwurf zur späteren
Reinschrift, geht der Einwand des Klägers, das Schriftbild dieser Vorlage
entspreche generell nicht demjenigen eines 73-jährigen Landwirtes, daher ins
Leere. Dass es sich bei Urk. 4/7 nicht mehr um eine Vorlage bzw. einen Entwurf
sondern um eine als Original angedachte Urkunde handelte, konnte die Beklagte,
wie vorstehend ausgeführt, nicht erkennen.
Wenn weiter rechtliche Begriffe verwendet werden, die auf die vorgelegene
Situation nicht zutrafen oder juristisch unzutreffend sind - Erbe mit Korrektur auf
Alleinerbe, Hinweis auf Nachkommen trotz Kinderlosigkeit des Erblassers - so
würde dies einerseits gerade auf das Vorliegen eines nicht ganz zutreffenden und
ungeschickt abgeänderten Musters hinweisen. Andererseits können diese
Ausdrücke, so wie verwendet, auch auf einen ungebildeten Laien hinweisen, wie
es der Erblasser war, der möglicherweise unter seinen entfernteren Verwandten
gesetzliche Erben, Pflichtteilserben, Nachkommen und Alleinerben nicht zu
unterscheiden vermochte. Sodann wusste die Beklagte - im Gegensatz zum
- 10 -
Kläger - unbestrittenermassen über die genauen verwandtschaftlichen
Verhältnisse des Erblassers nicht Bescheid, somit auch nicht über die
Nichtexistenz irgendwelcher Nachkommen ausserhalb des bekannten
Familienkreises. Der Hinweis im Testament auf möglicherweise doch noch
vorhandene Nachkommen war aus Sicht der Beklagten daher nicht völlig von der
Hand zu weisen, jedenfalls aber nicht falsch bzw. derart abwegig, dass an der
Urheberschaft des Erblassers oder an einem für ihn bestimmten
Testamentsmuster offenkundige Zweifel hätten entstehen müssen. Die eigene
Wohnadresse des Erblassers "D._" wurde wohl einmal in der Urkunde falsch
geschrieben und anschliessend korrigiert, zweimal hingegen auf Anhieb richtig
aufgeführt. Daraus lässt sich nicht folgern, der Erblasser als der vorgebliche
Verfasser der Urkunde habe nicht einmal seine eigene Adresse gekannt; die erste
Korrektur konnte auch der Korrektur eines Verschriebs dienen. Die Hinweise des
Klägers auf ursprüngliche Auslassungen im Text und deren später
vorgenommene Ergänzung - so bezüglich des eigenen Geburtsjahrs des
Erblassers, des Nachnamens und Wohnortes des Vermächtnisnehmers und des
konkreten Datums anstelle des gestrichenen Wortes "Datum" - bekräftigen
ebenfalls die Vermutung, dass mit einer Vorlage gearbeitet wurde, die noch vor
der Versendung an die Beklagte vom Autor korrigiert und ergänzt wurde. Wie
bereits ausgeführt hatte die Beklagte aber keinen Anlass zur Annahme, diese
Urkunde würde so wie vorgelegt schliesslich als Originaltestament dienen. Das
Mosaik von ursprünglichem Text mit nachträglich in derselben Schrift
ausgeführten Korrekturen und Lückenfüllungen bekräftigt gegenteils den Eindruck
für einen unbefangenen Dritten, dass es sich dabei erst um einen - bereits einmal
korrigierten - Entwurf handelt, von welcher Hand auch immer.
Stutzig machen mussten sicher die Abweichungen im Schriftbild des
Testamtentsentwurfs Urk. 4/7 bzw. Urk. 15/2 von demjenigen der nach der
Begutachtung durch die Beklagte vom Erblasser eingefügten Ergänzungen beim
Geburtsdatum des Klägers und der Unterschrift (Urk. 4/2). Dies ist dem Kläger
zugegebenermassen aufgefallen. Wenn er diesem Umstand nicht weiter
nachgegangen ist und ihn für sich selber ohne Weiterungen mit der
nachgelassenen Seh- und Körperkraft des Erblassers erklärt hat (Prot. I S. 7, Urk.
- 11 -
27 S. 9), so kann er diesen Umstand heute nicht der Beklagten und einer
unsorgfältigen Auftragserfüllung anlasten. Zurecht hat bereits die Vorinstanz
darauf hingewiesen, dass die Beklagte das Testament nach Vornahme der
empfohlenen Ergänzungen nicht mehr gesehen hat, die Prüfung dieser letzten
Version mit den offenkundig zutage getretenen Schriftdiskrepanzen nicht mehr
Gegenstand des Beratungsauftrags war. Bezeichnenderweise war es gerade
diese Diskrepanz zwischen Unterschrift und übrigem Testamentstext, welche
später zur Anzweiflung der Eigenhändigkeit führte (Urk. 28/23).
3. Im Berufungsverfahren rügt der Kläger die Nichtabnahme der vor Vorinstanz
offerierten Beweismittel (Urk. 43 S. 3).
Hinsichtlich der nicht angeordneten Edition des Originalfax vom 4. Mai 2007
(Beweisantrag a) ist zu bemerken, dass jeder Fax stets eine Fotokopie ist und
Kopien grundsätzlich keine Schriftexpertise zulassen. Sodann wurde vorstehend
ausgeführt, dass selbst beim Erkennen der nachträglichen Lückenfüllungen durch
die Beklagte keine Sorgfaltspflichtverletzung vorliegen würde. Die Beklagte
konnte und musste das Testamentsdokument nicht als definitive
Testamentsfassung bzw. als Fax des Originals verstehen. Das original
empfangene, allenfalls etwas deutlichere Faxdokument vermag daher keine
weiteren Aufschlüsse zu geben und es konnte und kann daher auf dessen Edition
verzichtet werden.
Ob der Kläger seinerseits von einer eigenhändigen Verfassung des fraglichen
Testamentsdokumentes Urk. 4/7 durch den Erblasser ausgehen durfte
(Beweisantrag b), spielt für den Entscheid keine Rolle. Massgeblich ist, wovon die
Beklagte ausgehen durfte und musste.
Zur Kenntnis der Beklagten von der Kinderlosigkeit des Erblassers und des
Verwandtschaftsgrades zum Kläger und deren Bedeutung für die zu
entscheidende Frage einer Sorgfaltspflichtverletzung wurde vorstehend bereits
Stellung genommen. Ob der Kläger die Beklagte darüber telefonisch informiert
hat, ist nicht relevant und Beweiserhebungen erübrigen sich (Beweisantrag c).
Der Kläger hat vor Vorinstanz bestätigt, dass ihm das Erfordernis der
Eigenhändigkeit von Testamenten im fraglichen Zeitpunkt bekannt war. Ob und in
welchem Sinne diese Eigenhändigkeit am 4. Mai 2007 telefonisch konkret zur
- 12 -
Sprache kam, ist nicht von Bedeutung (Beweisantrag d).
Anlass zu beweismässigen Weiterungen besteht damit nicht.
4. Nach dem Gesagten erweisen sich Klage und Berufung als unbegründet.
D
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird der Kläger kostenpflichtig. Der
massgebliche Streitwert für die Bemessung der Entscheidgebühr beträgt Fr.
277'880.- .
Der Beklagten ist hingegen mangels wesentlichen Umtrieben im
Berufungsverfahren keine Parteientschädigung zuzusprechen.