# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** eb66f253-44fd-44ef-93bb-a4919f2590f2
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1997, leidet unter
einem angeborenen Psycho-Organi
schen Syndrom (POS; Urk.
7/7
). S
eit dem Kleinkind
alter zeigte er Ver
hal
ten
sauffälligkeiten
mit Sozialisierungsauffälligkeiten,
erhöhter
Impulsivität, Hyper
aktivität
,
erschwerter Affektsteuerung
, Konzentrations- und Aufmerksam
keitsproblemen
(Urk.
7/8/8
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
sprach
mit Verfügung
en
vom 25.
Oktober 2006
die Kosten für die erforderlichen
medizinischen
Behandlungen des Geburtsgebrechens Ziff. 404 gemäss Verordnung über Geburtsge
brechen (
GgV
) zu, namentlich die Kosten für ambulante Psychotherapie
(Urk.
7/10-11
).
Der Versicherte besuchte die Sekun
darschule A. Im August 2013 begann er eine Lehre zum Zimmermann und im August 2016 eine Lehre zum Fachmann Betreuung, welche
er
beide
nach kurzer Zeit
abbrach
(Urk. 7/12/5
, Urk. 7/21/2
).
1.2
Am
25. Juli 2019
meldete sich der mittlerweil
e volljährige Versi
cherte bei der IV-Stelle
wegen Depression und Sucht
erkrankung
zum Leistungsbezug (berufliche Integration/Rente) an
(Urk. 7/12)
.
Die IV-Stelle nahm erste Abklärungen zu den
medizinischen und erwerblichen Verhältnisse vor.
Mit Schreiben vom
2
0.
Novem
ber
2019
teilte
die IV-Stelle dem Versicherten
unter Hinweis auf seine Mit
wir
kungspflicht und die Säumnisfolgen
mit, dass gemäss der medizinischen Ein
schät
zung mit einer Drogenabstinenz und einer regelmässigen ambulanten psy
chiatrisch-psychologische
n
Behandlung für drei Monate der Gesundheits
zustand wesentlich verbessert werden könne. Nach Abschluss dieser Massnahme würden die Abklärungen erneut aufgenommen
und darüber entschieden, ob die Ein
schränkung der Erwerbsfähigkeit bleibend oder zumindest von längerer Dauer sei.
Die IV-Stelle forderte den Versicherten
zudem
dazu auf,
ihr
bis am 5. Dezem
ber 2019
mitzuteilen, bei welchem Arzt diese Massnahme durchgeführt werde respektive - bei bereits bestehender fachärztlicher Behandlung - den Behand
lungsplan zuzusenden
(Urk. 7/32).
Mit Schreiben vom 25. November 2019 teilte der Versicherte der IV-Stelle mit, die auferlegte Massnahme bei Dr. med.
A._
, Fachärztin für Allgemeine Medizin, durchzuführen (Urk. 7/33). Mit Schreiben vom 18. Dezember 2019
und
vom 15. Januar 2020 gewährte
die IV-Stelle dem Versicherten eine Nachfrist bis am
28. Februar
2020, um mitzuteilen, bei welchem Arzt die psychiatrisch-psycho
therapeutis
che Behandlung stattfinde (Urk.
7/35
, Urk. 7/38
).
Am 24.
Februar 2020
berichtete
die Psychiatrische
Klinik B._
der IV-Stelle telefonisch, dass der Versicherte sich seit dem 29. Januar 2020 erneut in einem stationären Aufenthalt befinde (Urk. 7/39)
, welcher - gemäss der Telefonnotiz vom 26. Februar 2020 - für zirka vier Wochen geplant sei (Ur
k.
7/40)
.
Mit Schrei
ben vom 28.
Februar 2020 gewährte die IV-Stelle bezüglich ihres Schreibens vom 18. Dezember 2019 eine Nachfrist von zehn Tage
n (Urk.
7/44).
Anlässlich der
telefonische
n
An
frage
durch Mitarbeiter der
Psychiatrischen Klinik B._
vom 16. März 2020
, wo
der Versicherte seit dem 29.
Januar 2020 weiterhin
behandelt wurde
,
sagte die IV-Stelle
eine Verlängerung der Nachfrist bis am 31. März 2020
zu
(Urk. 7/45).
Mit Schreiben vom 19. März 2020 teilte der Versicherte der IV-Stelle mit, die auferlegte Massnahme bei Dr. med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und bei seiner Hausärztin Dr.
A._
durchzuführen (Urk. 7/
46
).
Die
IV-Stelle
wandte sich
mit Schreiben
vom 30. März 2020 an Dr.
C._
und Dr.
A._
mit der Bitte
, ihr den Behandlungsplan
betreffend die auferlegte Massnahme
zuzustellen (Urk.
7/47-48
).
Am 6. April 2020 teilte Dr.
A._
der IV-Stelle mit, dass der Versicherte schon länger nicht mehr bei ihr in Behandlung gewesen sei und bisher auch
keine
Urinproben genommen worden seien (Urk. 7/49-50). Die IV-Stelle setzte
am 14. April 2020
dem Ver
si
cherten
eine
weitere
Frist bis am 22. April 2020
an
, um
ihr
mitzuteilen, bei wel
chem Arzt er die geforderte Drogenabstinenz mittels Urinprobe überprüfen lasse
,
respektive sich hierzu
gegebenenfalls mit Dr.
A._
in Verbindung zu setzen (Urk. 7/51).
Mit Schreiben vom 23. April 2020 verlängert sie die Frist um weitere zehn Tage (Urk. 7/52). Der Psy
chiater Dr.
C._
erklärte anlässlich des Telefon
gesprächs gegenüber der IV-Stelle
vom 20. Mai 2020
, dass er den Versicherten nicht kenne und somit ke
inen Bericht machen könne (Urk.
7/54).
Mit Schreiben vom 10. Juni 2020 erklärte die IV-Stelle dem Versicherten, dass die Auflage vom 19. November 2019 nicht erfüllt worden sei und das Leis
tungs
gesuch daher nicht geprüft werde könne. Ausserdem forderte die IV-Stelle den Versicherten unter Hinweis auf Art. 43 des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
letztmals
auf,
ihr
bis am 2. Juli 2020
bekannt zu geben, bei welchem Arzt die Drogenabstinenz kontrolliert und die psychiatrische Behandlung durchgeführt
werde
, sowie ihr das Datum der dies
bezüglichen Kontaktaufnahme mit dem Arzt/den Ärzten und den Zeitraum der
Psychiatrische Klinik B._
-
Hospitalisation
mitzuteilen
, anderenfalls aufgrund der vorliegenden Akten entschieden werde
(Urk. 7/56).
Der Versicherte liess sich dazu nicht verlauten.
1.3
Mit Vorbescheid vom
26. August
2020
kündigte die IV-Stelle die Abweisung des Leistungsgesuchs an (Urk. 7/60). Dagegen wurden keine Einwände vorgebracht, woraufhin die IV-Stelle mit Verfügung vom 5. Oktober 2020 das Leistungsgesuch wie angekündigt abwies (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob
der Versicherte mit Eingabe vom
4. November
2020
Beschwerde und beantragte
die Wiederaufnahme der Prüfung des Leistungsanspruchs (Urk. 1
).
Mit der Beschwerde reichte er den Bericht des Zentrums für Integrative Psy
chia
trie der
Psychiatrischen Klinik B._
vom 5. November 2020 ein (Urk. 3).
Die
Beschwerdegegnerin
schloss in der Beschwerdeantwort vom 30. Dezember 2020 auf
Abweisung der Be
schwer
de (Urk.
6)
,
wovon
dem Beschwerdeführer
am 5. Januar 2021 Kennt
nis gegeben wurde (Urk.
8
).
Am 2. und 1
9. März 2021 (Urk. 10-13
, Urk. 17) teilte
Y._
vom
Berufsbeistandschafts
- und Betreuungsdienst der Stadt
Z._
dem Ge
richt mit, dass er seit dem 5. Januar 2021 Vertretungsbeistand des
Beschwer
de
führer
s sei und diesen in diesem Verfahren nunmehr vertrete.
Am 19. März 2021 wurde dem Beistand unter Beilage einer Kopie der Beschwerde und des ange
foch
tenen Entscheides mitgeteilt, dass der Schriftenwechsel grundsätzlich abge
schlos
sen, eine weitere Eingabe
seinerseits
indes möglich sei (Urk. 15).
Eine weitere Stellungnahme wurde in der Folge nicht eingereicht
.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
1.2.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt
eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein
. Entscheidend ist die nach einem weitgehend ob
jektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen
(BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2.2
Mit BGE 145 V 215 liess das Bundesgericht die bisherige Rechtsprechung fallen, wonach primäre Abhängigkeitssyndrome beziehungsweise Substanzkonsum
stö
rungen zum vornherein keine invalidenversicherungsrechtlich relevanten Ge
sund
heitsschäden darstellen können, und ihre funktionellen Auswirkungen des
halb keiner näheren Abklärung bedürfen. Fortan ist - gleich wie bei allen anderen psychischen Erkrankungen - nach dem strukturierten Beweisverfahren zu ermit
teln, ob und gegebenenfalls inwieweit sich ein fachärztlich diagnostiziertes Ab
hängigkeitssyndrom im Einzelfall auf die Arbeitsfähigkeit der versicherten Person auswirkt. Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann immerhin dort von einem strukturierten Beweisverfahren abgesehen werden, wo es nicht nötig oder geeig
net ist. Es bleibt daher etwa dann entbehrlich, wenn für eine - länger dauernde (Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG) - Arbeitsunfähigkeit nach bestehender Aktenlage keine Hinweise bestehen oder eine solche im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen ge
genteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus ande
ren Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (E. 7).
1.3
1.3
.1
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 Abs. 1 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Abs. 1
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Ein
gliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
Nach Art. 4 Abs. 2 IVG gilt die Invalidität als eingetreten, sobald sie die für die Begründung des Anspruches auf die jeweilige Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht hat.
1.3.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.4
1.4
.1
Im Gebiet der Invalidenversicherung gilt ganz allgemein der Grundsatz, dass die invalide Person, bevor sie Leistungen verlangt, alles ihr Zumutbare selber vorzu
kehren hat, um die Folgen ihrer Invalidität bestmöglich zu mildern (BGE 113 V 22 E. 4a mit Hinweisen). Dieses Gebot der Selbsteingliederung ist Ausdruck des in der ganzen Sozialversicherung geltenden Grundsatzes der Schadenminde
rungspflicht (vgl. BGE 120 V 368 E. 6b, 117 V 275 E. 2b),
wobei jedoch von der versicherten Person nur Vorkehren verlangt werden können, die unter Berück
sichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzel
falles
zumutbar sind
(BGE 113 V 22 E.
4a mit Hinweisen auf Lehre und Recht
sprechung; ZAK 1989 S. 214 E. 1c). Als Ausdruck der allgemeinen Schadenmin
derungspflicht geht die Pflicht, die notwendigen Schritte zur Selbsteingliederung zu unternehmen, nicht nur dem Renten-, sondern auch dem gesetzlichen Ein
glie
derungsanspruch vor (Urteil des Bundesgerichts 9C_356/2014 vom 14. Novem
ber 2014 E. 3.1 mit Hinweisen auf Urteile I 116/03 vom 10. November 2003 E. 3.1 und I 145/01 vom 12. September 2001 E. 2b).
1.
4
.2
Die versicherte Person muss gemäss Art. 7 IVG alles ihr Zumutbare unternehmen, um die Dauer und das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit (Art. 6 ATSG) zu ver
rin
gern und den Eintritt einer Invalidität (Art. 8 ATSG) zu verhindern (Abs. 1). Die versicherte Person muss gemäss Art. 7 Abs. 2 IVG an allen zumutbaren Mass
nah
men, die zur Erhaltung des bestehenden Arbeitsplatzes oder zu ihrer Einglie
de
rung ins Erwerbsleben oder in einen dem Erwerbsleben gleichgestellten Auf
ga
ben
bereich (Aufgabenbereich) dienen, aktiv teilnehmen.
Dazu gehören medizi
ni
sche Behandlungen nach Art. 25 des Bundesgesetzes über die Kranken
versi
che
run
g (KVG; Art. 7 Abs. 2
lit
. d IVG).
1.4
.3
Als zumutbar gilt gemäss Art. 7a IVG jede Massnahme, die der Eingliederung der versicherten Person dient; ausgenommen sind Massnahmen, die ihrem Gesund
heits
zustand nicht angemessen sind.
Dies
e Bestimmung ist Ausfluss einer verstärkten Schadenminderungspflicht
(BGE 145 V 2 E. 4.2.3). Der
Gesetzgeber
strebt mit Art. 7a IVG im Verhältnis zu
Art. 21 Abs. 4 ATSG in Bezug auf die Zumutbarkeitsfrage eine Verschiebung der Beweis
last an. Die Beweislast für die Unzumutbarkeit einer Massnahme im Sinne von Art. 7 Abs. 2 IVG liegt somit neu bei der versicherten Person (
Urteil des Bundes
gerichts
8C_741/2018 vom 22. Mai 2019
E. 3.3 mit Hinweisen).
Der Untersuchungsgrundsatz schliesst
indes
die Beweislast im Sinne der Beweis
füh
rungslast begriffsnotwendig aus, da es Sache des Sozialversicherungsgerichts (oder der verfügenden Verwaltungsstelle) ist, für die Zusammentragung des Be
weismaterials besorgt zu sein (BGE 115 V 111 E. 3d/
bb
; Maurer, Sozial
ver
si
cherungsrecht, Bd. I, 2. unveränderte Aufl., Bern 19
83, S. 438 Ziff. 7a). Im Sozial
versicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Be
weislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (BGE 115 V 133 E. 8a). Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungs
grund
satzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zu
mindest die Wahrschein
lichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 261 E. 3b).
1.4.4
Im Rahmen der Schadenminderungspflicht (BGE 113 V 22 E. 4a) ist die ver
sicherte Person jederzeit gehalten, sich im Sinn
e
der Selbsteingliederung einer zumutbaren Behandlung zu unterziehen, wenn die Möglichkeit
dazu besteht (vgl. Art. 7 Abs. 2
lit
.
d IVG). Grundsätzlich sind die Anforderungen an die Schaden
minderungspflicht dort strenger, wo eine erhöhte Inanspruchnahme der Invali
den
versicherung in Frage steht, namentlich wenn der Verzicht auf schaden
min
dernde Vorkehren Rentenleistungen auslöst (BGE 113 V 22 E. 4d; Urteil des Bundesgerichts I 824/06 vom 13. März 2007 E. 3.1.1, in: SVR 2008 IV Nr. 7 S. 19).
Nach der Rechtsprechung ist die fortgesetzte Krankheitsbehandlung, die insbe
sondere auch die dauernde Einnahme ärztlich verschriebener Medikamente um
fasst, in aller Regel eine jederzeit zumutbare Form allgemeiner Schadenmin
de
rung; dazu zählt auch die dauernde Einnahme von ärztlich verschriebenen Schmerz
mitteln, selbst wenn diese mit Nebenwirkungen verbunden ist (statt vieler
: Urteil des Bun
desgerichts 8C_625/2016 vom 27.
Januar 2017 E. 3.4.1 mit Hin
weisen; zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 8C_741/2018 vom 22. Mai 2019 E. 4.1).
Die aus fachärztlicher Sicht indizierten und zumutbaren (ambulanten und statio
nären) Behandlungsmöglichkeiten hat die versicherte Person in kooperativer Weise optimal und nachhaltig
auszuschöpfen (BGE 140 V 193 E.
3.3; 137 V 64 E. 5.2 mit Hinweis; SVR 2016 IV Nr. 52 S. 176,
9C_13/2016 E.
4.2 mit Hinweisen).
Welche konkreten Behandlungsmöglichkeiten indiziert und zumutbar sind, be
stimmt der Facharzt oder die Fachärztin.
Solange aus fachärztlicher Sicht nicht oder nicht ausreichend genutzte zumutbare (ambulante oder stationäre) Behand
lungsmöglichkeiten weiterhin indiziert sind, genügt es aus objektivem Blickwin
kel nicht, dass die versicherte Person sämtliche Therapievorschläge des Haus
arztes oder der übrigen behandelnden Ärzte in kooperativer Weise umgesetzt hat (vgl. BGE 137 V 64 E. 5.2; zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 8C_741/2018 vom 22. Mai 2019 E. 4.2).
1
.4
.
5
Die Leistungen können gemäss Art. 7b IVG nach Art. 21 Abs. 4 ATSG gekürzt oder verweigert werden, wenn die versicherte Person den Pflichten nach Art. 7
IVG
oder nach Art.
43 Absatz 2 ATSG nicht nachgekommen ist (Abs. 1). Beim Entscheid über die Kürzung oder Verweigerung von Leistungen sind alle Um
stände des einzelnen Falles, insbesondere das Ausmass des Verschuldens der ver
sicherten Person, zu berücksichtigen (Abs. 3).
Nach Art. 21 Abs. 4 ATSG
können Leistungen vorübergehend oder dauernd ge
kürzt oder verweigert werden
, wenn sich eine
versicherte Person einer zumut
baren Behandlung oder Eingliederung ins Erwerbsleben entzieht oder widersetzt, die eine wesentliche Verbesserung der Erwerbsf
ähigkeit oder eine neue Erwerbs
möglichkeit verspricht, oder wenn sie nicht au
s eigenem Antrieb das ihr Zumut
bare dazu beiträgt. Sie muss vorher schrift
lich gemahnt und auf die Rechts
folgen hingewiesen werden; ihr ist eine angemessene
Bedenkzeit einzuräumen.
Behand
lungs
- und Eingliederungsmassnahmen, die eine Gefahr
für Leben und Gesund
heit darstellen, sind nicht zumutbar.
Gemäss Art. 43 Abs. 3 ATSG kann der Versicherungsträger
auf Grund der Akten verfügen oder die Erhebungen einstellen und Nichteintreten beschliessen
, wenn die versicherte Person oder andere Personen, die Leistungen beanspruchen, den Auskunfts- oder Mitwirkungspflichten in unentschuldbarer Weise nicht nach
kommen. Er muss diese Personen vorher schriftlich mahnen und auf die Rechts
folgen hinweisen; ihnen ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen.
1.
4
.6
Die Regelungen von Art. 43 Abs. 3 ATSG (Nichteintreten oder Sachentscheid aufgrund der Akten) und Art. 7b Abs. 1 IVG (Kürzung oder Verweigerung der Leistung) sind grundsätzlich nebeneinander anwendbar (Urteil
e
des Bundesge
richts
9C_309/2019 vom 7. November 2019 E. 4.2.4 und
9C_370/2013
vom 22. November
2013 E. 3
, je
mit Hinweis
en
).
Die Sanktion bei verletzter Schadenminderungs- oder Mitwirkungspflicht hat sich an das
Verhältnismässigkeitsprinzip
zu halten und
insbesondere das Ausmass des Verschuldens der versicherten Person zu berücksichtigen
(Urteil des Bundes
ge
richts 9C_370/2013 vom 22.
November 2013 E. 3 mit Hinweisen).
Rechtsstaatliche Voraussetzung für eine Leistungskürzung oder -verweigerung ist
ausserdem, dass zwischen dem Verhalten der versicherten Person und dem Ein
tr
itt oder der Verschlimmerung der Invalidität ein natürlicher und adäquater
Kau
sal
zusammenhang
besteht (BGE 111 V 186).
Eine Leistungskürzung
(oder
–
ver
wei
gerung
)
kommt daher nur solange in Frage, als
das
den Eintritt oder die Ver
schlim
merung der Invalidität kausal verursachende
,
qualifizierte Verschulden der versicherten Person Wirkung hat
(Urteil des Bundesgerichts 8C_830/2012 vom 13. März 2013 E. 5.1
a.E
.; vgl. Meyer/
Reichmuth
,
a.a.O
,
Rz
34 zu Art. 7-7b IVG).
Die versicherte Person ist grundsätzlich so zu stellen, wie wenn sie ihre Scha
denminderungspflicht wahrgenommen hätte, was umgekehrt bedeutet, dass Leis
tungen, welche bei gesetzeskonformem Verhalten dennoch zu erbringen wären, nicht gekürzt oder verweigert werden können (vgl. SVR 2008 IV Nr. 7 S. 19, I 824/06 E. 3 und 4; Urteil des Bundesgerichts 9C_842/2010 vom 26. Januar 2011 E. 2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
führte zur Begründung der angefochtenen
Verfügung
aus
, der
Beschwerdeführer
sei der
am 20. November 2019 mitgeteilte
n
Auflage
zur
Drogenabs
tinenz und regelmässigen
psychiatrisch-psychotherapeutische
n
Behandlung nicht nachgekommen. Auch
auf diverse Anfragen
habe er
nicht rea
giert. Der Sachverhalt sei daher anhand der vorliegenden Akten geprüft worden.
Es
liege ein
Substanzkonsum
vor, welcher die Leistungsfähigkeit einschränke. Mittels Abstinenz sollte
die Situation verbessert
und eine Lehr- oder Arbeitsstelle angetreten werden können.
Die weiteren Erkrankungen, namentlich
Depressionen und eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung
seien therapeutisch mittels Medikation und Psychotherapie behandelbar. Eine solche psychiatrische Behandlung werde soweit bekannt derzeit indes nicht durchgeführt.
Es bestehe aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht daher keine gesundheitliche Ein
schränkung, die einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung be
gründen würde.
Für ein allfälliges Zusatzgesuch sei die Auflage vom 20. Novem
ber 2019 zu erfüllen
(Urk. 2).
2.2
Dagegen bringt der
Beschwerdeführer
vor,
er habe
aus gesundheitlichen Gründen
in den letzten Monaten
nicht mehr an Therapien teilnehmen
oder sich darüber in Kenntnis setzen können. Er habe sich in den letzten Monaten sehr stark sozial zurückgezogen. Daher sei es ihm nicht möglich gewesen, sich um seine Ange
legenheiten zu kümmern. Vor zwei Wochen habe er Massnahmen zur Unter
stützung ergriffen. Er lasse sich
nun wieder stationär in der Abteilung für Dialektisch-
Behaviorale
Therapie (DBT) der
Psychiatrischen Klinik B._
in
D._
behandeln.
Er habe nach wie vor das Ziel, in absehbarer Zeit auf eigenen Beinen stehen zu können. Zur Erreichung dieses Ziels
hole er sich Hilfe, wie eine Beistandschaft und Be
treutes Wohnen.
Ein weiteres Ziel sei, eine Ausbildung abschliessen zu können. Dazu benötige er Hilfe und Unterstützung von der Invalidenversicherung. Daher sei sein Leistungsanspruch erneut zu prüfen
(Urk. 1).
2.3
2.3.1
Es ist unstrittig und ausgewiesen, dass beim
Beschwerdeführer
im Alter von 19 Jahren eine
einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ADHS), erste Symptomatik im Alter von zirka 7/8 Jahren (ICD-10 F90.0), diagnostiziert und ausserdem die Diagnose psychische und Verhaltensstörungen durch
Cannabi
noide
: Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F12.2),
Therapiebeginn ab dem Alter von 15 Jahren, gestellt wurde (Bericht des Zentrums für Integrative Psychiatrie der
Psychiatrischen Klinik B._
vom 9. Oktober 2019, Urk. 7/30/2).
Zu den durchgeführten Behandlungen
ist
den Akten
zu entnehmen, dass
der
Be
schwerdeführer
seit
zirka Anfang 2014 («seit fünf Jahren»; Urk. 7/21/2) ambulant in der
Integrierte
n
Suchthilfe
E._
behandelt wurde. E
ine erste
Ent
zugsbehandlung
wurde
im Jahr 2018 in der Klinik für Suchttherapie
begonnen
und nach dem Eintritt am 20. November 2018 aufgrund eines Konsumrückfalls auf Cannabis und unangepassten Verhaltens gegenüber dem Klinikpersonal per 24. Dezember 2018 abgebrochen
.
Nebst der Hauptdiagnose Störungen durch
Cannabinoide
, Entzugssyndrom bei bekannter Cannabisabhängigkeit (ICD-10 F12
.2), seien die folgenden Nebendiagnosen gestellt worden: Störungen durch Alkohol, schädlicher Gebrauch (ICD-10 F10.1), Störungen durch Tabak (ICD-10 F17.2), leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0), differentialdiagnostisch Ver
dacht auf rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10
F33.0), aktenanamnestisch bekannte einfache Aktivitäts- und Aufmerksam
keits
störung (ICD-10 F90.0). Aufgrund einer Skoliose leide der Beschwerdeführer zu
dem zeitweise an Rückenschmerzen
.
Das ADHS
sei mit
Concerta
behandelt worden
, worunter der Beschwerdeführer ruhiger, konzentrierter und ausgegliche
ner gewesen sei
(Bericht Klinik für Suchttherapie,
F._
, vo
m 28.
Dezember 2018
;
Urk. 7/21).
Zirka von Ende Juli 2019 bis Mitte August 20
19
wurde der
Beschwerdeführer
gemäss dem Bericht der
Psychiatrischen Klinik B._
vom 9.
Oktober 2019
während fast drei Wochen in der Psychiatrie
G._
behandelt
(Urk.
7/30/5). Anschlies
send, ab dem 19. August 2019, wurde
er
im
Zentrum für Integrative Psychiatrie der
Psychiatrischen Klinik B._
stationär
behandelt, welche Behandlung zur Zeit der Berichterstattung
vom 9.
Oktober 2019 andauerte
(Urk.
7/30
/5
)
.
Ab dem
29.
Januar 2020
wurde der
Beschwerdeführer
mindestens bis am 16. März 2020 erneut in einer Einrichtung der
Psychiatrischen Klinik B._
stationär behandelt (Telefonnotizen
der Beschwerdegegnerin vom 24.
Februar 2020 und vom 16. März 2020; Urk. 7/39, Urk. 7/45). Eine dritte sta
tionäre Behandlung
auf der Psychotherapiestation für Impulskontrollstörungen war gemäss dem Bericht des Zentrums für Integrative Psychiatrie der
Psychiatrischen Klinik B._
vom 5. November 2020
zur Zeit der Berichterstattung
bei
mittelgradig bis
schwer
gradig
depressiver Episode
im Gange (Urk. 3 S. 1).
2.3.2
Es ist unstrittig, dass der Beschwerdeführer die von der Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 20. November 2019
«
zur Verbesserung des Gesundheitszustandes
»
auferlegte Pflicht zur Durchführung einer Drogenabstinenz (
Cannabinoide
, THC) und regelmässigen psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung während dreier Monate (Urk. 7/32/1-2) innert der
angesetzten
und insgesamt bis am 2. Juli 2020 verlängerten Frist (Urk. 7/56) nicht
vollständig
erfüllt hat.
Fest steht auch, dass die Beschwerdegegnerin das in Art. 21 Abs. 4 ATSG und Art. 43 Abs. 3 ATSG vorgesehene Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
grundsätzlich
korrekt durchgeführt hat.
2.3.3
Strittig und zu prüfen
ist
,
ob die Beschwerdegegnerin
(Urk. 2)
den
Anspruch des
Beschwerdeführer
s auf Leistungen der Invalidenversicherung
zu Recht
ohne weiterführende Abklärungen
anhand der vorliegenden Akten
prüft
e
und
aus
gehend von
einer
(potentiellen)
Suchtmittelabstinenz
sowie
Behandelbarkeit der psychischen Beschwerden (Depression, ADHS)
den
Leistungsanspruch
mangels
einer invalidenversicherungsrechtlich relevanten gesundheitlichen Einschrän
kung
verneint hat
.
Zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis bildet dabei die am
5. Oktober 2020
erlassene
,
angefochtene
Verfügung (BGE 143 V 409 E. 2.1
,
134 V 392 E. 6
)
.
Der mit der Beschwerde eingereichte Bericht des Zentrums für Inte
grative Psychiatrie der
Psychiatrischen Klinik B._
vom 5. November 2020 (Urk. 3) ist daher insoweit beachtlich, als sich daraus relevante Rückschlüsse bis zum 5. Oktober 2020 ergeben.
3.
3.1
Die
Beschwerdegegnerin
hat den
Beschwerdeführer
mit Schreiben vom 20. November 2019 (Urk. 7/32) und - nach mehrmaliger Fristerstreckung
–
letzt
mals
mit Schreiben vom 10.
Juni 2020 (Urk. 7/56)
sowohl im Sinne einer der Abklärung des Gesundheitsschadens vorgelagerten Mitwirkungspflicht als auch im Sinne der Schadenminderung zu
einer Drogenabstinenz von
Cannabinoide
und THC
sowie einer psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung während dreier Monate
aufgefordert.
Bei
der damit verbundenen
Androhung eines Ent
scheides aufgrund der Akten
stützte
sich die Beschwerdegegnerin auf Art. 43 Abs.
3
ATSG, welche Bestimmung sie im Schreiben vom 20. November 2019
aus
drücklich
zitiert hat (Urk. 7/32/2)
und welche - entsprechend dem Titel «Ab
klärung» - einer Abklärungsmassnahme entspricht
.
Nachdem der
Beschwerde
füh
rer
den
geforderten
Nachweis bis am 2.
Juli 2020 (Urk. 7/56/2) nicht erbracht
hatte, fällte sie
androhungsgemäss
einen Sachentscheid
aufgrund der Akten
(Urk.
2
)
, mithin ohne detaillierte
, weiterführende
A
bklärung des Leistungsan
spruchs.
3.2
B
ei der
Anwendung von
Art. 43 Abs. 3 ATSG und Art. 7b Abs. 1 IVG
in Ver
bindung mit Art. 21 Abs.
4 ATSG
ist aufgrund der mit dem bundes
gerichtlichen Leitentscheid BGE 145 V 215 (Urteil vom 11. Juli 2019) geänderten Recht
sprechung bei Suchterkrankungen indes
das Folgende
zu beachten
:
Die bisherige Rechtsprechung zu den primären Suchterkrankungen bejahte grund
sätzlich die Möglichkeit der
Anordnung einer
Entzugsbehandlung
unter dem Titel der Abklärungsmassnahme, wo es darum ging, die erwerblichen Auswirkungen einer - invaliditätsfremden - primären Abhängigkeit von denjenigen eines invali
di
sierenden Gesundheitsschadens abzugrenzen. Hingegen kam eine solche Mass
nahme bei - invalidenversicherungsrechtlich beachtlicher - sekundärer Abhän
gig
keit unter dem Titel der Sc
hadenminderungspflicht in Frage.
Nach geänderter
Rechtsprechung sind auch primäre Abhängigkeiten von psychotropen Substan
zen
als - potenziell - invalidisierende Gesundheitsschäden abzuklären (
vgl. E
.
1.2.2 hiervor
). Wie bei den sekundären Suchtgeschehen ist demnach neu auch bei primären Abhängigkei
tssyndromen
die Anordnung einer
Entzugsbehandlung
im Vorfeld einer Begutachtung unter dem Titel der Mitwirkungspflicht im Abklä
rungsverfahren nicht statthaft, würde damit doch die Qualifikation des Sucht
ge
schehens und seiner erwerblichen Auswirkungen als zum vornherein invaliden
versicherungsrechtlich irrelevant und deshalb auszuscheiden vorweggenommen.
Wie es sich damit verhält, ist indes nach dem Gesagten im Abklärung
sverfahren erst zu untersuchen.
Demgegenüber
darf eine Entzugsbehandlung
als Behand
lungsmassnahme
(zur Qualifikation als Leidensbehandlung vgl. Urteil
des Bun
des
gerichts
9C_218/2007 vom 19.
November 2007 E. 2.4) - sofern im konkreten Fall zumutbar - unverändert jederzeit zur Schadenminderung angeordnet werden (BGE 145 V 215
E.
8.2).
Eine Verletzung von Schadenminderungspflichten be
rechtigt die Verwaltung nicht zum Nichteintreten auf das Leistungsersuchen, sondern allenfalls zur Kürzung oder Verweigerung von Leistungen (Art. 7 Abs. 1 sowie Abs. 2
lit
. d
IVG
i.V.m
. Art. 21 Abs. 4 ATSG;
zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 9C_309/2019 vom 7. November 2019 E. 4.2.2
mit Hinweisen
).
3.3
3.3.1
Die hier mit Schreiben vom 20. November 2019 (Urk. 7/32)
und letztmals vom 10. Juni 2020 (Urk. 7/56)
mitgeteilte
Auflage zur
Drogenabstinenz und
dreimona
tigen
psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung hätte somit allein
als medizinische Behandlungsmassnahme
gestützt auf die
Schadenminderungs
pflicht (Art. 7 und 7b Abs. 1 IVG
i.V.m
. Art. 21 Abs. 4 ATSG)
erfolgen dürfen.
Da
die
Beschwerdegegnerin
diese
Anordnung
unter dem Titel der Mitwirkungspflicht im Abklärungsverfahren
sowie
(
nach durchgeführtem Mahn- und
Bedenkzeitver
fahren
)
die Leistungsprüfung
gestützt auf Art. 43 Abs.
3 ATSG
schliesslich ohne Weiterungen
aufgrund der
Akten
vornahm, kann ihr nicht gefolgt werden und war das Vorgehen
un
rechtmässig.
Denn d
ie hier allein in Frage stehende Sank
tionsnorm des
Art. 7b IVG
(in Verbindung mit
Art. 21 Abs.
4 ATSG)
sieht
einzig die Leistungskürzung oder -verweigerung vor, nicht aber den Entsch
eid aufgrund der Akten, wie ihn
Art. 43 Abs. 3 ATSG
für den Fall der verweigerten Auskunft oder Mitwirkung kennt.
3.3.2
Unzulässig
ist auch die Begründung
zur
verfügte
n
Abweisung des Leistungs
be
gehrens
,
bei
welcher die
Beschwerdegegnerin
ausgehend von einer Drogenab
stinenz und
von einer
grundsätzliche
n
Behandelbarkeit
der Depressionen
sowie
de
s
ADHS
auf das Fehlen einer
relevanten
gesundheitlichen Einschränkung schl
oss
(Urk. 2 S. 2)
.
Denn die
grundsätzliche Behandelbarkeit einer Gesundheitsbe
ein
trächtigung in der Invalidenversicherung
schliesst
einen An
spruch nicht per se aus
(
vgl. BGE 143 V 409 E. 4.4 sowie grundlegend BGE 127 V 294 E. 4
; BGE 145 V 215 E. 8.2
).
Die
Beschwerdegegnerin
hat sich
im angefochtenen Entscheid
dem
entsprechend
auch nicht
mit dem Anspruchserfordernis der Invalidität
bezüglich berufliche Massnahmen und eines Rentenanspruchs
inhaltlich befasst und zu
folge deren Fehlens entsprechende Ansprüche abgelehnt.
Zur Begründung einer Leistungsverweigerung zufolge einer
- im Entscheid ausse
r
dem nicht explizit genannten -
Verletzung der Schadenminderungspflicht nach
Art. 7 und 7b Abs. 1
IVG
i.V.m
. Art. 21 Abs. 4 ATSG fehlt es
in den Erwägungen des angefochtenen Entscheides
ferner an einer
nähere
n
Auseinan
dersetzung mit der Frage der angemessenen Sanktion (Verweigerung, Kürzung der Leistung)
nach dem Ausmass des Verschuldens der versicherten Person
.
Denn die
Festle
gung einer Sanktion in Anwendung von Art. 21 Abs. 4 ATSG hat nach Massgabe von Art. 7b Abs. 3 IVG zu erfolgen.
Diese ist aufgrund aller Fallum
stände, ins
besondere aber nach dem Ausmass des Verschuldens der versicherten Person vorzunehmen und sie hat vor allem auch das Gebot der Verhältni
s
mässigkeit, namentlich die Relation zur günstigen Wirkung der streitbetroffenen Massnahme zu wahren. Mit anderen Worten da
rf eine Sanktion nicht
weiter
ge
hen
, als wenn die Schadenminderungspflicht befolgt worden wäre. Praxisgemäss bildet bei den Verletzungen der Eingliederungs- bzw. Selbsteingliederungslasten die Kürzung der Leistung die Regel (Urteil des Bundesgerichts 8C_865/2017 vom 19. Oktober 2018 E. 5.2.2).
3
.
4
3.4.1
Bei der derzeit vorliegenden Aktenlage kann
sodann
auch
keine ergänzende, ab
schliessende Beurteilung dazu vorgenommen werden, ob
gestützt auf
Art. 7 und
Art.
7b Abs. 1
und Abs. 3
IVG
i.V.m
. Art. 21 Abs. 4 ATSG
eine Verletzung der Schadenminderungspflicht anzunehmen und eine Leistungsverweigerung
(oder Leistungskürzung)
gerechtfertigt sei.
D
enn aus den Akten ergeben sich Hinweise darauf, dass der
Beschwerdeführer
- wi
e er selbst geltend macht (Urk.
1)
–
allen
falls
aus gesundheitlichen Gründen nicht dazu in der Lage war
, die Anordnung zum Nachweis der Drogenabstinenz und dreimonatigen psychiatrisch-psycho
the
rapeutischen Behandlung erfolgreich
zu erfüllen, wie sich aus dem
Nachf
ol
gen
den ergibt.
Die Annahme einer Verletzung der Schadenminderungspflicht käme dabei erst dann in Frage, wenn
die Auflage
zur Drogenabstinenz und
zur
dreimonatigen
Behandlung
dem
Beschwerdeführer
im Sinne von Art. 7a IVG zumut
bar war und
er
den
ihm
auferlegten Schadenminderungspflichten nicht nach
kam, sondern
willentlich den krankhaften Zustand aufrecht
erhielt
(
BGE 145 V 215
E. 5.3.1
a.E
.
).
3.4.2
Aus den
Akten
geht hervor
, dass sich der
Beschwerdeführer
w
ährend der laufen
den Frist
(
ab Zustellung des Schreibens vom
20. November 2019 [Urk. 7/32] bis am 2. Juli 2020 [
Urk. 7/56
]
) wä
hrend mehrerer
Wochen in stationärer Behandlung in einer psychiatrischen Klinik
befand. Nicht aktenkundig ist dagegen
, von wann bis wann diese Behandlung(en) dauerten.
Namentlich
ist nicht bekannt,
wann
die erste stationäre Behandlung im
Zentrum für Integrative Psychiatrie der
Psychiatrischen Klinik B._
, welche gemäss dem Bericht vom
9. Oktober 2019 am 19. August 2019 begonnen hatte, endete. Fest steht nur, dass sie zurzeit der Berichterstattung vom 9. Oktober 2019 noch andauerte (Urk. 7/30/5) und
somit möglicherweise auch im Zeitpunkt der
Anordnung im November 2019 fortbestand. B
ereits ab dem 29. Januar 2020
wurde zudem
eine weitere stationäre Behandlung von mehreren Wochen, mindestens bis am 16. März 2020 und weiterhin (Urk. 7/39, Urk. 7/45), sowie eine dritte stationäre Behandlung im
Zen
trum für Integrative Psychiatrie der
Psychiatrischen Klinik B._
im Herbst 2020 (Urk. 3)
aufgenommen
. Auch bezüglich dieser zwei stationären Behandlungen liegen keine Austritts
berichte bei den Akten und es ist nicht bekannt, wie lange sie - von wann bis wann - gedauert haben.
Dem
Bericht des Zentrums für Integrative Psychiatrie der
Psychiatrischen Klinik B._
vom 5. November 2020
ist zum Behandlungsverlauf zu entnehmen, dass es d
em Beschwerdeführer nach dem Austritt
aus den früheren stationären Behandlungen in stabilisiertem und gebessertem Zustand nicht gelungen sei, ambulante Termine bei seinem neuen psychiatrischen Behandler wahrzunehmen,
woraufhin auch das Rezept für die
ADHS-Medikation ausgelaufen
sei und er diese nicht mehr eingenommen habe. Infolge des daraus resultierenden Rückzuges habe der Beschwerdeführer auch seine Post nicht mehr geöffnet, seine Administration nicht mehr erledigen können und die Schreiben der Beschwerdegegnerin unbeantwortet gelassen.
Es werde
in psychopathologischer Hinsicht ein Zusammenhang zu den Krankheits
bildern der ADHS und der depressiven Episode
gesehen
. Defizite in einer adä
quaten beziehungsweise verzerrten Selbsteinschätzung bezüglich der eigenen psychischen Möglichkeiten bei der Alltagsbewältigung hätten in Kombination mit Antriebsmangel, Niedergestimmtheit und den durch den Austritt verursachten psychosozialen Stressfaktoren zu Überforderungs- und Ohnmachtserleben mit sozialem Rückzug, Aktivierung der Verdrängungsmechanismen und Vernachläs
sigung der Pflichten geführt. Infolgedessen sei es dem Beschwerdeführer nicht
gelungen, die Tagesstruktur aufrechtzuerhalten und seinen Verpflichtungen nach
zukommen, sodass es erneut zu einer psychischen Destabilisierung und Zustands
verschlechterung gekommen sei. Aus psychiatrisch-psychologischer Sicht sei eine Unterstützung bei der Wiedereingliederung durch die Invalidenversich
erung klar indiziert und nötig
(Urk. 3).
3.4.3
Fest steht damit lediglich
, dass der Beschwerdeführer in der Zeit der gewährten Frist ab Zustellung des Schreibens vom 20. Nove
mber 2019 (Urk. 7/32) bis am 2.
Juli 2020 (Urk. 7/56)
mindestens während eineinhalb Monaten stationär be
handelt wurde und sich der Gesundheitszustand nach
Abschluss
der stationären Behandlungen jeweils wieder verschlechterte. Angesichts der fehlenden Austritts
berichte zu den stationären Behandlungen
in der
Psychiatrie G._
und der
Psychiatrischen Klinik B._
kann
dabei
nicht ausgeschlossen werden, dass die geforderte dreimonatige Behandlung erfolgt
ist und der
Beschwerdeführer
in den Zeiten vor und/oder nach den stationären Behandlungen zur Aufnahme
sowie
Durchführung einer kontrollierte
n
Cannabis
abstinenz
gesundheitsbedingt
, insbesondere in Kombination mit dem ADHS und der depressiven Symptomatik,
nicht in der Lage war.
Wie es sich damit verhält, wird die
Beschwerdegegnerin
abzuklären
und einen Entscheid zur Frage der Verletzung der Schadenminderungspflicht unter Berück
sichtigung der Voraussetzungen nach Art. 7 ff. IVG in Verbindung mit Art. 21
Abs. 4 ATSG
(vgl. E. 1.4.3 ff. hiervor
; vgl. auch E. 3.2 hiervor und
BGE 145 V 215
E. 8.2)
zu fällen haben.
Vorab sind vor allem die Austrittsberichte sämtlicher stationärer Behandlungen des
Beschwerdeführer
s bei der
Psychiatrie G._
und dem
Zentrum für Integrative Psychiatrie der
Psychiatrischen Klinik B._
einzuholen.
Zu denken ist auch an eine fachärztlich-psychiatrische Stellungnahme, sei es durch die behandelnden Ärzte, sei es durch einen gutachterlichen Experten, zur Zumutbarkeit der auferlegten Drogenabstinenz und
psychiatrisch-psychotherapeutischen Behand
lung
während der laufenden Frist ab Zu
stellung des Schreibens vom 20.
November
2019 (Urk.
7/32)
mindestens
bis am 2. Juli 2020 (Urk. 7/56)
.
Sofern eine
schuldhafte
Verletzung der Schadenminderungspflicht verneint wird und keine Leistungsverweigerung
gestützt auf
Art. 7b Abs. 1 IVG
i.V.m
. Art. 21 Abs. 4 ATSG erfolgt,
wird
die
Beschwerdegegnerin
gegebenenfalls
- nach allfälli
gen weiteren Abklärungen zur
Eingliederungsfähigkeit und
Arbeitsfähigkeit -
einen materiellen Leistungsentscheid nach den Grundsätzen gemäss BGE 145 V 215
f
ällen. Eine allfällige Invalidität ist dabei nicht nur in Bezug auf berufliche Massnahmen
(
vgl. Art. 15 ff. IVG, insbesondere
Berufsberatung
nach Art. 15 IVG und erstmalige berufliche Ausbildung nach Art. 16 IVG)
, sondern auch hinsicht
lich eines Rentenanspruchs
(vgl. Art. 28 ff. IVG)
beachtlich.
3.5
3.5.1
I
n diesem Zusammenhang ist dara
n zu erinnern
, dass ein Rentenanspruch ent
stehen kann, wenn die versicherte Person nach Ablauf der einjährigen Wartezeit (Art. 28 Abs. 1
lit
. c IVG) nicht oder noch nicht eingliederungsfähig ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_787/2014 vom 5. Februar 2015 E. 3.2 mit Hinweisen). Dies gilt auch angesichts der in Art. 28 Abs. 1
lit
. a IVG (in der ab 1. Januar 2008
geltenden Fassung) aufgestell
ten (negativen) Anspruchsvoraus
setzung der fehlen
den Eingliederungsfähigkeit (Urteil des Bundesgerichts 9C_309/2019 vom 7. Novem
ber 2019 E. 4.3.1).
3.5.2
Hier bestanden
gesundheitliche Beeinträchtigungen berei
ts seit der Kindheit und Jugend
(Urk. 7/7-8, Urk. 7/21/1-2
,
Urk. 7/30/2) und
der
Beschwerdeführer
hat
bereits zwei Lehren abgebrochen
, letztere nach Angaben des
Beschwerdeführer
s aufgrund von Depressionen (Urk. 7/21/2)
.
Zwar
erklärten die Ärzte der
Psychiatrischen Klinik B._
im Bericht
vom 9.
Oktober 2019
(Urk. 7/30/3)
, dass im Prinzip keine Verminderung der Leistungsfähigkeit bestehe und eine Lehre auf dem ersten Arbeitsmarkt mög
lich sei. Diese Aussage wurde jedoch
sinngemäss
unter den Vorbehalt der regel
m
ässigen Einnahme der ADHS-Medik
ation und
der Drogenabstinenz gestellt
(Urk.
7/30/3, Urk. 7/30/6)
, welche in der Folge - soweit bekannt - nicht einge
hal
ten wurde und
- was abzuklären ist -
allenfalls nicht eingehalten werden konnte
.
Ausserdem
wurde eine Begleitung durch einen
Jobcoach
während der Lehre als ideal bezeichnet
(Urk. 7/30/3)
und
die Notwendigkeit zur
Beratung
(Urk. 7/30/5)
.
Weiter
wurden
mittelschwere Einschränkungen in der Anpassung an Regeln und Strukturen, in der
Konzentration
und Durchhaltefähigkeit, bei der
Planung
von Aufgaben sowie in der
Umsetzung
von angedachten Vorhaben in die Handlung (Vermeidungsverhalten)
aufgeführt (Urk. 7/30/4-5)
.
Die
Einschätzung erfolgte zudem während einer
zurze
it der Berichterstattung vom 9.
Oktober 2019 seit dem 19. August 2019 (
weiterhin
)
andauernden stationären Behandlung (
Urk. 7/30/5).
Dies deutet darauf hin, dass
möglicherweise
anspruchs
relevante
gesundheitsbe
dingte
Einschränkungen
in der Eingliederungsfähigkeit und in der Arbeitsfähig
keit
bereits ein Jahr
(Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG)
vor dem
frühest
möglichen Rentenbeginn ab dem 1. Januar 2020
bestanden
hatten
(
vgl.
Art. 29 Abs. 1 und
Abs.
3 IVG;
Anmeldung vom 25. Juli
2019, Art. 7/12
)
. Dies auch mit Blick darauf, dass die erste Entzugsbehandlung in der
Klinik für Suchttherapie
erfolglos war und per
24. Dezember 2018
nach einem Rückfall abgebrochen wurde
(Urk. 7/21)
, die weitere stationäre Behandlung in der
Psychiatrie G._
- nach zeitweisem Wohnen auf der Strasse
(Urk. 7/30/2)
- bereits gegen Ende Juli 2019 aufgenommen und direkt anschliessend ab dem
19. August 2019
im Zentrum
für Integrative Psychiatrie der
Psychiatrischen Klinik B._
bis mindestens bis am 9. Oktober 2019 fortgeführt wurde (Urk. 7/30/5)
.
I
m weiteren Verlauf
sodann hielt
die in der stationären Behandlung erreichte Stabilisierung des Gesundheitszustandes nicht an
(Urk. 3)
,
und bereits ab dem
29.
Januar 2020
wurde
n
eine weitere stationäre Behandlung von mehreren Wochen
, mindestens bis am 16. März 2020 und weiterhin (Urk. 7/39, Urk. 7/45), sowie eine dritte stationäre Behandlung im Zentrum für Integrative Psychiatrie der
Psychiatrischen Klinik B._
im Herbst 2020 (Urk. 3) nötig
.
3.5.3
Allfällige weiterführende
Abklärungen zu Eingliederungsfähigkeit und Arbeits
fähigkeit
betreffend den Eintritt einer Invalidität hinsichtlich berufliche
r
Mass
nahmen und Rentenanspruch
sind somit
für die Zeit spätestens ab Januar 2019
vorzunehmen.
4.
Nach dem Gesagten kann bei gegebener Akten- und Rechtslage nicht abschlies
send über die Fragen der Verletzung einer Schadenminderungspflicht im Sinne von Art. 7 ff. IVG
i.V.m
. Art. 21 Abs. 4 ATSG und des Anspruchs des
Beschwer
deführer
s auf Leistungen der Invalidenversicherung entschieden werden.
Die angefochtene Verfügung vom
5.
Oktober 2020 (Urk. 2) ist somit aufzuheben und die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zu ergänzenden Abklärung
en
im Sinne der Erwägungen
(E. 3.4.3 und E. 3.5)
und zu neu
em Entscheid über die Leis
tungs
ansprüche des Beschwerdeführers zurückzuweisen.
In diesem Sinne ist die Beschwerde folglich gutzuheissen.
5
.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rück
weisung der Sache an die Verwal
tung zu weiterer Abklärung und neuem Entscheid als vollständiges Obsiegen (vgl. ZAK 1987 S. 268 f. E. 5 mit Hinweisen). Da der Streitgegenstand die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen betrifft, ist das Verfahren kos
ten
pflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und
unab
hängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG), ermessensweise auf Fr.
6
00.-- anzusetzen und der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.