# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 11dda06b-5a11-4e43-a862-a31f507fe422
**Court:** ZH_SRK
**Chamber:** ZH_SRK_001
**Year:** 2012
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

hat sich ergeben:
A. A (nachfolgend der Pflichtige) ist Inhaber eines im Weinhandel tätigen Ein-
zelunternehmens. In den Steuererklärungen 2008 und 2009 (Hilfsblatt A) deklarierten
er und seine Ehefrau B (nachfolgend die Pflichtige, zusammen die Pflichtigen) folgende
Verluste aus selbstständiger Erwerbstätigkeit:
2008 2009
Reinverlust gemäss Erfolgsrechnungen 67'411 118'128
verbuchte Bruttoerträge von Bankkonti (im WV deklariert) 117 453
Reinverlust gemäss StE 2007, Ziffer 21, Kolonne Bundessteuer 2'691 0
Total 70'219 118'581
Am 7. und 8. September 2010 führte das kantonale Steueramt in den Ge-
schäftsräumlichkeiten des Unternehmens eine Buchprüfung durch, worauf der Vertre-
ter im Schreiben vom 17. September 2010 zu den noch offenen Punkten Stellung
nahm. Im Revisionsprotokoll vom 30. September 2010 vertrat der Revisor die Auffas-
sung, dass die geltend gemachten Verluste mangels Gewinnstrebigkeit nicht zum Ab-
zug zuzulassen seien. Den in der Folge ausgearbeiteten Einschätzungsvorschlag für
die Steuerperioden 2008 und 2009 beantwortete der Vertreter am 20. Oktober 2010.
Mit Beweisauflage vom 27. Januar 2011 ersuchte der Revisor die Pflichtigen um ver-
schiedene Beweisleistungen, unter anderem im Zusammenhang mit der deklarierten
selbstständigen Erwerbstätigkeit. Der Vertreter nahm mit Schreiben vom 18. Februar
2011 zur Sache Stellung und reichte verschiedene Unterlagen ein. Da der Revisor die
Erfüllung der Beweisauflage als ungenügend erachtete, erliess er am 3. März 2011
eine Mahnung, zu welcher sich der Vertreter am 9. März 2011 äusserte. Im Revisions-
bericht vom 22. März 2011 hielt der Revisor an seiner Auffassung fest, wonach die
geltend gemachten Verluste nicht zum Abzug zuzulassen seien. Im selben Zusam-
menhang müsse zusätzlich die folgende Korrektur des Abzugs gemäss Ziffer 16.5 der
Steuererklärung 2008 vorgenommen werden:
2008 2009
Reinverlust gemäss StE 2007, Ziffer 21, Kolonne Staatssteuer 4'691 0
abzüglich im Hilfsblatt A deklarierter Reinverlust (siehe oben) -2'691 0
Aufrechnung im Einkommen (nur Staatssteuer) 2'000 0
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2 DB.2011.283 + 284 2 ST.2011.369 + 370
Am 9. Mai 2011 erliess die Steuerkommissärin die Veranlagungsverfügungen
für die direkte Bundessteuer mit einem steuerbaren Einkommen 2008 von Fr. 199'100.-
und 2009 von Fr. 145'400.-. Am gleichen Tag ergingen die Einschätzungsentscheide
für die Staats- und Gemeindesteuern, in welchen die Steuerkommissärin das steuerba-
re Einkommen 2008 auf Fr. 203'200.- und 2009 auf Fr. 146'400.- sowie das steuerbare
Vermögen 2008 auf Fr. 7'060'000.- (satzbestimmend Fr. 7'350'000.-) und 2009 auf
Fr. 6'998'000.- (satzbestimmend Fr. 7'289'000.-) festsetzte. In den Entscheiden stellte
die Steuerkommissärin mit Bezug auf die erwähnten strittigen Punkte auf den Revisi-
onsbericht des Revisors ab.
B. Am 6. Juni 2011 erhoben die Pflichtigen Einsprache gegen diese Entschei-
de und beantragten, es sei der Weinhandel als selbstständige Erwerbstätigkeit anzuer-
kennen. Entsprechend seien die geltend gemachten Verluste zum Abzug zuzulassen.
Der gewährte Zweitverdienerabzug von Fr. 400.- sei wieder zu streichen. Mit Einspra-
cheentscheiden vom 10. November 2011 wies das kantonale Steueramt die Einspra-
chen ab.
C. Am 9./12. Dezember 2011 erhoben die Pflichtigen hiergegen Beschwerde
und Rekurs und erneuerten ihren bereits in den Einsprachen gestellten Antrag.
Das kantonale Steueramt beantragte in der Beschwerde- und Rekursantwort
vom 30. Januar 2012 die Abweisung der Rechtsmittel. Es fehlten Unterlagen wie bei-
spielsweise Businesspläne, welche die Gewinnstrebigkeit belegten. Auch sei zu beach-
ten, dass der Umsatz stetig abnehme. Die eidgenössische Steuerverwaltung schloss
sich in der Eingabe vom 28. Februar 2012 dem Antrag des kantonalen Steueramts an.

## Considerations

Die Kammer zieht in Erwägung:
1. a) Nach Art. 18 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer
vom 14. Dezember 1990 (DBG) bzw. § 18 Abs. 1 des Steuergesetzes vom 8. Juni
1997 (StG) sind steuerbar alle Einkünfte aus einem Handels-, Industrie-, Gewerbe-,
Land- und Forstwirtschaftsbetrieb, aus einem freien Beruf sowie aus jeder anderen
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selbstständigen Erwerbstätigkeit. Bei selbstständiger Erwerbstätigkeit werden von die-
sen Einkünften gemäss Art. 27 Abs. 1 DBG bzw. § 27 Abs. 1 StG die geschäfts- oder
berufsmässig begründeten Kosten abgezogen. Verluste aus einer solchen Tätigkeit
können mit den übrigen Einkünften verrechnet werden (vgl. zum sog. Nettoprinzip:
Markus Reich, in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Band I/2a, 2. A.,
2008, Art. 25 N 5 DBG).
Abzugsfähig ist der gesamte Aufwand, der für die selbstständige Erwerbstä-
tigkeit notwendig ist. Die Beschränkung der Abzugsfähigkeit auf die notwendigen Aus-
gaben soll lediglich bewirken, dass der Abzug nur für jene Auslagen gestattet wird, die
einen geschäftlichen Grund haben, und dass alle Aufwendungen unberücksichtigt blei-
ben, die vorwiegend mit der allgemeinen Lebenshaltung eines Selbstständigerwerben-
den zusammenhängen. In der Einschätzungspraxis wird weniger auf die Zumutung der
Vermeidung abgestellt, sondern vielmehr darauf, ob der Aufwand geschäftsmässig
begründet ist (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 2. A., 2009,
Art. 27 N 3 DBG; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Kommentar zum harmonisierten Zür-
cher Steuergesetz, 2 A., 2006, § 27 N 3 StG).
In jedem Fall erfordert der Abzug, dass die Tätigkeit, welcher der betreffende
Aufwand zuzurechnen ist, überhaupt eine selbstständige Erwerbstätigkeit im Sinn von
Art. 18 Abs. 1 DBG und § 18 Abs. 1 StG darstellt (StRK, 18. März 1993 = ZStP 1993,
108).
b) Der steuerrechtliche Begriff der selbstständigen Erwerbstätigkeit ist auf-
grund der vielfältigen Sachverhalte, die damit abgedeckt werden, nicht scharf definiert
(BGE 125 II 113, E. 5 S. 120 ff.). Allgemein wird darunter jede Tätigkeit verstanden, bei
der ein Unternehmer auf eigenes Risiko, unter Einsatz von Arbeit und Kapital, in einer
frei gewählten Organisation und mit der Absicht der Gewinnerzielung am Wirtschafts-
verkehr teilnimmt (vgl. BGE 121 I 259, E. 3c 263; Blumenstein/Locher, System des
Steuerrechts, 6. A., 2002, S. 176; Cagianut/Höhn, Unternehmenssteuerrecht, 3. A.,
1993, § 1 N 17 ff. und 34 ff.; Höhn/Waldburger, Steuerrecht, 9. A., 2001, § 14 N 36;
Ernst Höhn, Interkantonales Steuerrecht, 4. A., 2000, § 13 N 5 ff., S.194 f.; Reich,
Art. 18 N 14 DBG mit weiteren Hinweisen).
Eine selbstständige Erwerbstätigkeit kann haupt- oder nebenberuflich, dau-
ernd oder temporär ausgeübt werden. Ob eine solche Tätigkeit vorliegt, ist stets nach
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den gesamten Umständen des Einzelfalles zu beurteilen (vgl. BGE 112 Ib 79, E. 2a
S. 81; 122 II 446, E. 3b S. 449); die einzelnen Merkmale des Begriffs der selbstständi-
gen Erwerbstätigkeit dürfen nicht isoliert betrachtet werden und können auch in unter-
schiedlicher Intensität auftreten (Reich, Art. 18 N 15 DBG). Auch wenn der Begriff im
Normalfall die oben genannten Elemente umfasst, so bedeutet dies nicht, dass eine
Tätigkeit, bei der einzelne dieser Elemente fehlen, automatisch nicht mehr selbststän-
dig wäre. Umgekehrt kann eine Tätigkeit unter Umständen selbst bei Vorliegen mehre-
rer dieser Faktoren nicht als Erwerbstätigkeit gelten. Dies ist etwa dann der Fall, wenn
eine Tätigkeit im Sinn einer Liebhaberei bzw. eines Hobbys ausgeübt wird (BGr,
11. Juli 2001, NStP 2001, 76 - 83, E. 4h/cc, auch zum Folgenden). Die steuerrechtliche
Qualifikation einer Tätigkeit als selbstständiger Erwerb im erwähnten Sinn oder als
Liebhaberei hängt grundsätzlich davon ab, ob sie ausschliesslich oder vorwiegend im
Hinblick auf die Erzielung eines Erwerbseinkommens ausgeübt wird (BGr, 2. Oktober
1992, NStP 1993, 7, E. 2b; Raoul Oberson, Les pertes commerciales fiscalement dé-
ductibles, ASA 48, 113). Unterscheidungskriterium ist also der Beweggrund für die
Ausübung der Tätigkeit. Es handelt sich dabei um eine subjektive Voraussetzung, auf
deren Vorhandensein nur durch Indizien (nämlich erkennbare Umstände) geschlossen
werden kann. Eine zusätzliche Erschwernis liegt darin, dass es Grenzfälle gibt, bei
denen sich Liebhaberei und Erwerbstätigkeit verbinden, wobei das Schwergewicht auf
der einen oder anderen Seite liegen kann.
Zur Erwerbs- oder Geschäftstätigkeit gehört, dass tatsächlich ein Einkommen
erzielt wird: Wer eine Tätigkeit ausübt, welche auf die Dauer nichts einbringt oder dau-
ernd einen finanziellen Aufwandüberschuss erfordert, betreibt diese nicht als Erwerbs-
tätigkeit, sondern als Liebhaberei oder aus einem andern nicht kommerziellen Grund.
Denn wer eine unrentable Aktivität wirklich als Erwerbstätigkeit ausübt, wird sich in
der Regel durch das andauernde Fehlen eines finanziellen Erfolgs von der Zwecklosig-
keit seines Unterfangens überzeugen lassen und die betreffende Tätigkeit aufgeben
(Roman Blöchliger, Steuerliche Probleme des Abzuges geschäftlicher Verluste, StR
1981, 236). Allerdings muss nicht jedes einzelne mit einem Verlust abgeschlossene
Jahr oder selbst die Tatsache, dass während mehrerer Jahre Verlust erzielt worden ist,
zum Schluss zwingen, es handle sich um eine Liebhaberei (Höhn/Waldburger, § 14 Rz
45). Ob sich nämlich eine Tätigkeit lohnt, lässt sich methodisch richtig nur nach Be-
trachtung des Gewinns aus der gesamten Betriebstätigkeit von deren Aufnahme bis zu
ihrer Beendigung beurteilen (sog. Totalgewinn, vgl. Theisen, Die Liebhaberei – ein
Problem des Steuerrechts und der betriebswirtschaftlichen Steuerlehre, Steuer und
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Wirtschaft [StuW], 1999, 259; StRK II, 17. Februar 2000, 2 ST.1999.419, E. 6a). Der
Entscheid über den steuerlichen Charakter einer Tätigkeit hängt deshalb von einer
Prognose über den zu erwartenden Totalgewinn ab. Ergibt die Prognose ein positives
Gesamtergebnis, ist dies ein gewichtiges Indiz für die Gewinnstrebigkeit. Anderseits
liegt bei negativer Prognose die Schlussfolgerung nahe, dass ein Steuerpflichtiger,
dem es tatsächlich um die Erzielung eines Erwerbseinkommens gegangen wäre, sich
wegen des in Aussicht stehenden finanziellen Misserfolgs von der Weiterführung des
Betriebs abbringen lassen würde. Die steuerrechtliche Qualifikation der Tätigkeit ist
eine Frage, die grundsätzlich für jede Veranlagungsperiode neu überprüft werden
kann, wobei unter Umständen die Verhältnisse in den Vorjahren bzw. in den auf das
Steuerjahr folgenden Jahren gewisse Anhaltspunkte liefern können (BGr, 31. August
2005, 2A.46/2005, E. 2.2.2, www.bger.ch, mit Hinweisen zum Ganzen).
Qualifiziert sich die Aktivität des Steuerpflichtigen in der unter den erwähnten
Kriterien vorzunehmenden Prüfung als Liebhaberei oder produziert sie reine Lebens-
haltungskosten (vgl. § 33 lit. a StG, Art. 34 lit. a DBG), so können die entstandenen
Verluste nicht mit übrigen Einkünften verrechnet werden.
c) Nach Art. 123 Abs. 1 DBG bzw. § 132 Abs. 1 StG stellen die Steuerbehör-
den zusammen mit dem Steuerpflichtigen die für eine vollständige und richtige Besteu-
erung massgebenden tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse fest. Dabei gilt die
allgemeine Regel der Beweislastverteilung, dass die Steuerbehörde die steuerbegrün-
denden oder -erhöhenden Tatsachen nachzuweisen hat, der Steuerpflichtige dagegen
jene Umstände, welche die Steuerschuld mindern oder aufheben (Blumenstein/Locher,
S. 416 [mit Verweisungen] und 454). Dementsprechend obliegt der Nachweis, dass
eine selbstständige Erwerbstätigkeit vorliegt, grundsätzlich der Steuerbehörde. Ist da-
gegen streitig, ob eine bestimmte verlustbringende Betätigung (überhaupt) eine selbst-
ständige Erwerbstätigkeit darstellt (oder ob nicht z.B. eine Liebhaberei vorliegt), ist
hierfür der Steuerpflichtige beweispflichtig (vgl. StRK I, 18. März 1993, StE 1995 B 23.1
Nr. 30). Denn er leitet hieraus die steuermindernde Verrechnung dieses Verlusts mit
übrigen Einkünften ab. Zur Beweisleistung gehört in erster Linie und in jedem Fall,
dass eine substanziierte Sachdarstellung gegeben wird, die ohne weitere Untersu-
chung, aber unter dem Vorbehalt der Beweiserhebung, die Beurteilung der massge-
benden Qualifikationsfrage ermöglicht. Für die von ihm verfochtene, hinreichend
substanziierte Sachdarstellung hat der Steuerpflichtige beweiskräftige Unterlagen ein-
zureichen oder zumindest unter genauer Bezeichnung Beweise anzubieten.
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2. a) Gemäss dem Handelsregisterauszug des Kantons Zürich und der ein-
schlägigen Internet-Site ist der Pflichtige Inhaber einer Einzelunternehmung in dritter
Generation. Die Unternehmung führt gemäss eigenen Angaben fast ausschliesslich
Weine aus zwei bestimmten Anbaugebieten in Norditalien. Zudem wird auf einem
Weingut in Norditalien eigener Rebbau betrieben.
Vorliegend ist für die Qualifikation der Tätigkeit das Erfordernis der Ge-
winnstrebigkeit als Abgrenzungsmerkmal zwischen selbstständiger Erwerbstätigkeit
und Liebhaberei von zentraler Bedeutung. Darauf stützt sich denn auch der Entscheid
des kantonalen Steueramts, nach dessen Ansicht der Pflichtige seine Tätigkeit eben
gerade nicht mit der Absicht der Gewinnerzielung ausübte.
b) Die Pflichtigen begründen ihren Standpunkt damit, dass dessen Familie seit
über 100 Jahren im Weinhandel in den beiden Regionen Norditaliens tätig sei. In die-
ser Zeit sei aus der geschäftlichen Tätigkeit ein beträchtliches Vermögen erwirtschaftet
und auch versteuert worden. Jährlich werde ein Umsatz von über einer Million Franken
erzielt. Die Kundenstruktur habe sich im laufenden Jahr erneut verbessert. Am Weinfo-
rum der Expovina beteilige sich die Firma wieder mit einer eigenen Veranstaltung. An
der Expovina seien Bestellungen von über Fr. 135'000.- eingegangen. Daraus sei er-
sichtlich, dass ein Geschäftsbetrieb vorliege. Die diesbezüglichen Begriffsmerkmale
seien gegeben, und der entsprechende Nachweis sei erbracht worden. Die Verluste in
den vergangenen Jahren seien auf besondere Umstände zurückzuführen. Je nach Art
der Tätigkeit könnten lange Perioden mit Verlusten auftreten. Ein anhaltender finanziel-
ler Misserfolg bilde nur ein Indiz, dass das Handeln des Steuerpflichtigen nicht auf Ge-
winn ausgerichtet sei. Die Art der Tätigkeit sei aber von entscheidender Bedeutung. Es
sei auf das Gesamtbild abzustellen, wobei es alle Umstände des Einzelfalles zu be-
rücksichtigen gelte. Bei Betrieben mit erheblichem Umsatz und mehreren Angestellten
müsse die Messlatte hoch angesetzt werden. Auch seien emotionale Gesichtspunkte
und die Verbundenheit mit einem traditionsreichen Familienunternehmen zu beachten.
Schon der Jahresabschluss 2010 habe verbessert werden können. Für das
laufende Jahr sei eine Aussage noch verfrüht. In den Jahren ab 2008 hätten sich Ge-
winne ergeben, wenn keine Löhne an die Ehefrau und an den Sohn bezahlt worden
wären. Betrachte man den Weinhandel als Liebhaberei, so gelte der Lohn an die Ehe-
frau als steuerfreier familieninterner Transfer. Der Lohn an den Sohn qualifiziere sich
als steuerfreie Schenkung.
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c) Nachdem die geltend gemachten Verluste 2008 und 2009 bereits an der
Buchprüfung den wesentlichen Diskussionspunkt gebildet hatten, nahm der Revisor in
der Beweisauflage vom 27. Januar 2011 Bezug auf diese Verluste und ersuchte die
Pflichtigen um eine Aussage und um einen Nachweis hinsichtlich der folgenden Punk-
te:
 Finanzierung
 Kapitalbedarf, Kapitalverwendung und -herkunft
 erwartete Renditen
 Angaben über die getroffenen Annahmen bei der Ermittlung der zu erwarten-
den Einnahmen
 Massnahmen bzw. Pläne zur Erreichung der erwarteten Renditen
 Aktionspläne bzw. Alternativpläne bei Scheitern der Renditeerwartungen
 Planbilanzen und Planerfolgsrechnungen
 Liquiditäts- und Investitionspläne
In den angefochtenen Einspracheentscheiden wies das kantonale Steueramt
zudem auf die folgenden Kennzahlen der Unternehmung hin:
Jahr 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009
Gewinn -25'420 -76'644 -71'745 -128'772 -151'568 -121'418 -67'411 -118'128
Bruttogewinn 206'078 103'793 116'013 59'214 36'086 73'179 103'159 139'325
In den Eingaben vom 17. September 2010, 20. Oktober 2010, 18. Februar
2011 und 9. März 2011 sowie in den Einsprachen vom 6. Juni 2011 und den Be-
schwerde- und Rekursschriften vom 9. Dezember 2011 machten die Pflichtigen gel-
tend, dass es sich um einen Betrieb mit einer ordentlichen Buchhaltung, mehreren An-
gestellten und einem erheblichen Umsatz handle. Die Verluste der vergangenen Jahre
seien auf widrige Umstände (Erntepech beim selbst bewirtschafteten Weingut, Rezes-
sion im Handelsbereich) zurückzuführen. Die eingeleitete Neuorientierung mit einer
Abkehr vom Grosshandel und einer Hinwendung zum Konsumenten habe Kosten ver-
ursacht. Das Angebot sei mehr als verzehnfacht und eine Homepage mit Verkaufsshop
eingerichtet worden. Bereits im Jahr 2010 habe der Verlust reduziert werden können
(T-act. 64 mit Darlegung der Kundenstruktur). Der neu in die Unternehmung eingetre-
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tene Sohn habe das Ziel, seine Existenz für die Zukunft seriös und gewinnorientiert
aufzubauen. Zur Beseitigung der Verluste seien folgende Schritte eingeleitet worden:
 Internetauftritt
 Zertifizierung für ökologische Produktion
 Firmenprospekt
 Eigene Veranstaltung am Weinforum an der Expovina
 Zusammenarbeit mit namhaften Hotels im Norditalien
d) Die Ausführungen der Pflichtigen enthalten keine überzeugenden Erklärun-
gen für die langjährigen Verluste der Unternehmung. Einzelereignisse wie eine
schlechte Ernte oder eine Rezession betreffen in der Regel nur ein einziges Jahr oder
wenige Jahre und verursachen Gewinneinbrüche oder vorübergehende Verluste, je-
doch keine längeren Verlustphasen. Die in den angefochtenen Einspracheentscheiden
genannten Kennzahlen belegen indessen eine lang andauernde Verlustphase 2002 bis
2009 ohne erhebliche Schwankungen. Die Verluste des selbst bewirtschafteten Wein-
guts dauerten mindestens von 2007 bis 2009, wofür eine einzige Missernte kaum ver-
antwortlich sein kann. Auch die Bruttogewinne bewegen sich während der ganzen Zeit
auf einem gleichbleibend tiefen Niveau. Weil Planbilanzen und Planerfolgsrechnungen
fehlen, ist insbesondere auch nicht klar, wann welche Kennzahlen angestrebt und wie-
weit diese Ziele auch erreicht wurden. Die Gründe für die Verluste dürften (vermutlich)
weniger in zu hohen Kosten, sondern eher in zu tiefen Verkaufspreisen und damit im
zu tiefen Bruttogewinn liegen (vgl. Jahresabschlüsse 2007-2009). Eine endgültige Be-
urteilung der Sachlage ist indessen auf Grund der ungenügenden Substanziierung und
Beweislage nicht möglich.
Nachdem die Begründung für die Verluste nicht überzeugt, kann auch nicht
beurteilt werden, ob die von den Pflichtigen genannten Massnahmen eine Beseitigung
der Verluste erwarten lassen. Diese Massnahmen (Veränderung der Kundenstruktur,
Internetauftritt etc.) erweisen sich im Übrigen auch als zu wenig substanziiert. Insbe-
sondere wurde kein Businessplan mit konkreten Zahlen eingereicht. Soweit sich die
Massnahmen auf das Marketing erstrecken (Internetauftritt, Firmenprospekt, Weinfo-
rum an der Expovina, Zusammenarbeit mit namhaften Hotels in Norditalien), kann dar-
aus keine grundsätzlich Neuausrichtung und Eliminierung von Verlustquellen abgeleitet
werden. Ob die Zertifizierung für ökologische Produktion geeignet und ausreichend ist,
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die Verluste des selbst bewirtschafteten Weinguts zu beseitigen, erscheint eher unsi-
cher.
Unter diesen Umständen ist im Sinn einer Prognose nicht davon auszugehen,
dass die Weinhandlung in Zukunft einen Gewinn abwirft, worauf die Pflichtigen, welche
ihren Lebensunterhalt aus andern Einkunftsquellen decken können, auch gar nicht
angewiesen sind; die Gewinnstrebigkeit muss daher verneint werden. Sollte der neu in
das Geschäft eingetretene Sohn eines Tages die Weinhandlung übernehmen, müsste
die Sachlage neu geprüft werden. Die gegenwärtige Mitarbeit des Sohnes im Rahmen
eines Arbeitsvertrags ist jedoch im Hinblick auf die Frage der Gewinnstrebigkeit uner-
heblich.
Nach dem Gesagten ist es den Pflichtigen nicht gelungen, den ihnen oblie-
genden Nachweis zu erbringen, dass ihre Tätigkeit eine selbstständige Erwerbstätig-
keit im Sinn des Steuerrechts darstellt. Dies ergibt sich aufgrund einer Gesamtbetrach-
tung aller Umstände, wobei es beim Pflichtigen insbesondere an der erforderlichen
erkennbaren Gewinnstrebigkeit fehlt. Mithin übt er seine Tätigkeit aus Liebhaberei oder
aus einem anderen nicht kommerziellen Grund aus; die damit zusammenhängenden
"Gewinnungskosten" gehören folglich zu den allgemeinen Lebenshaltungskosten. Sol-
che jedoch sind steuerlich nicht abzugsfähig, sodass der Verlust aus der Tätigkeit nicht
mit dem übrigen Erwerbseinkommen verrechnet werden kann.
3. a) Einkommen und Vermögen der Ehegatten, welche in ungetrennter Ehe
leben, werden ohne Rücksicht auf den Güterstand zusammengerechnet (Art. 9 Abs. 1
DBG und § 7 Abs. 1 StG). Diese Faktorenaddition führt zur Aufhebung der steuerlichen
Schranken innerhalb der ehelichen Gemeinschaft. Was dem einen Ehegatten vom an-
deren Ehegatten an Einkünften zufliesst, bildet kein Einkommen. Unerheblich ist, wel-
cher Ehegatte das Einkommen erwirtschaftete und welchen Weg das Geld im Haushalt
nahm (Markus Reich, Zur Frage der Ehegattenbesteuerung, ZBl 86 [1985], 239).
b) Das Einkommen aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit, welche die Pflich-
tige durch ihre Tätigkeit in der Einzelunternehmung als Angestellte ihrer Ehemannes
erzielte, stellt einen solchen gemeinschaftsinternen Zufluss dar, der bei der Einkom-
mensberechnung ausser Betracht fällt. Wohlgemerkt bedeutet diese steuerliche Kor-
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rektur nicht, dass privatrechtlich oder AHV-rechtlich kein rechtsgültiges Arbeitsverhält-
nis vorliegt.
4) a) Aus vorstehenden Erwägungen folgt, dass die Beschwerde und der Re-
kurs teilweise gutzuheissen sind. Das steuerbare Einkommen ist wie folgt neu zu be-
rechnen:
Bund 2008 Kanton 2008 Bund 2009 Kanton 2009
Einkommen bisher 199'113 203'213 145'418 146'418
unselbst. Erwerbstätigkeit Ehefrau -25'263 -25'263 -25'372 -25'372
Berufsauslagen 2'300 2'300 2'500 2'500
Einkommen neu 176'150 180'250 122'546 123'546
abgerundet 176'100 180'200 122'500 123'500
b) Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Verfahrenskosten zu
zwei Dritteln den Pflichtigen und zu einem Drittel der Beschwerdegegnerin bzw. dem
Rekursgegner aufzuerlegen (Art. 144 Abs. 1 DBG und § 151 Abs. 1 StG). Parteient-
schädigungen sind keine zuzusprechen (Art. 144 Abs. 4 DBG in Verbindung mit Art. 64
Abs. 1 - 3 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968; § 152 StG
i.V.m. § 17 Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959/8. Juni
1997).