# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 14834a0d-7529-48e8-b47d-e8fac2feebe5
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend mehrfache Erpressung, ev. Nötigung und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Uster, Einzelgericht, vom
6. Dezember 2016 (DG160025)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 22. September
2016 (Urk. 70/1) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte, A._, ist nicht schuldig und wird vollumfänglich freige-
sprochen.
2. Die Privatkläger werden mit ihren Schadenersatzbegehren auf den Weg des
Zivilprozesses verwiesen.
3. Das Genugtuungsbegehren des Privatklägers 1 wird abgewiesen.
4. Die Gerichtsgebühr fällt ausser Ansatz; die übrigen Kosten werden auf die
Gerichtskasse genommen.
5. Dem Beschuldigten wird zulasten der Gerichtskasse eine Prozessentschä-
digung von Fr. 11'000.– für anwaltliche Verteidigung zugesprochen.
6. Das Genugtuungsbegehren des Beschuldigten wird abgewiesen.
Berufungsanträge:
a) Der Staatsanwaltschaft See/Oberland:
(Urk. 84 S. 1)
1. Schuldigsprechung des Beschuldigten der mehrfachen Erpressung im
Sinne von Art. 156 Ziff. 1 StGB
2. Bestrafung mit einer Geldstrafe von 300 Tagessätzen zu CHF 70.–
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3. Vollzug von 150 Tagessätzen Geldstrafe und Gewährung des beding-
ten Vollzugs der restlichen 150 Tagessätzen der Geldstrafe, unter An-
setzung einer Probezeit von 4 Jahren
4. Widerruf des mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis
vom 9. Dezember 2014 für eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen à
Fr. 30.– unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren gewährten be-
dingten Strafvollzuges
5. Entscheid über die Zivilansprüche der Privatklägerschaft
6. Kostenauflage an den Beschuldigten
b) Des Beschuldigten:
(Urk. 85 S. 1 f.)
1. Es sei die Berufung abzuweisen und das Urteil des Bezirksgerichts Us-
ter vom 6. Dezember 2016 vollumfänglich zu bestätigen.
2. Es sei dem Beschuldigten für das Berufungsverfahren eine Prozess-
entschädigung von CHF 8'000.– inkl. MWST zu bezahlen.
3. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens (beide
Instanzen) seien auf die Staatskasse zu nehmen. Im Eventualfall einer
Verurteilung seien die Kosten dem Angeklagten (teilweise) aufzuerle-
gen.
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## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Gegenstand des Berufungsverfahrens
Mit Urteil des Bezirksgerichtes Uster, Einzelgericht, vom 6. Dezember 2016 wurde
der Beschuldigte vom Vorwurf der mehrfachen Erpressung, ev. Nötigung vollum-
fänglich freigesprochen. Die Privatkläger wurden mit ihren Schadenersatzbege-
hen auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen und das Genugtuungsbegehren
des Privatklägers 1 wurde abgewiesen. Dem Beschuldigten wurde eine Prozess-
entschädigung für anwaltliche Verteidigung von Fr. 11'000.-- zugesprochen und
das Genugtuungsbegehren des Beschuldigten wurde abgewiesen (Urk. 71).
Die Staatsanwaltschaft hat gegen das Urteil fristgerecht mit Eingabe vom 9. De-
zember 2017 Berufung angemeldet (Urk. 70/15) und mit Eingabe vom 2. Mai
2017 die Berufungserklärung eingereicht (Urk. 72). Die Berufung wurde nicht be-
schränkt. Die Staatsanwaltschaft beantragt Schuldigsprechung der mehrfachen
Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 StGB, Bestrafung mit einer Geldstrafe
von 300 Tagessätzen zu Fr. 90.-- unter Gewährung des bedingten Strafvollzuges
für 150 Tagessätze mit einer Probezeit von 3 Jahren, Vollzug der restlichen 150
Tagessätze und Widerruf der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
Limmattal/Albis vom 9. Dezember 2014 für eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen
zu Fr. 30.-- gewährten bedingten Strafvollzuges, Entscheid über die Zivilansprü-
che der Privatklägerschaft und Kostenauflage an den Beschuldigten.
Innert der mit Präsidialverfügung vom 22. Mai 2017 angesetzten Frist haben we-
der der Beschuldigte noch die Privatklägerschaft Anschlussberufung erhoben.
Der Beschuldigte stellte mit Eingabe vom 13. Juli 2017 ein Gesuch um Bestellung
einer amtlichen Verteidigung (Urk. 79). Mit Präsidialverfügung vom 19. Juli 2017
wurde dem Beschuldigten mit Wirkung ab 13. Juli 2017 in der Person von
Rechtsanwältin lic. iur. X._ eine amtliche Verteidigerin bestellt (Urk. 81).
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Da einzig die Staatsanwaltschaft das vorinstanzliche Urteil angefochten hat und
ihr keine Legitimation betreffend den Zivilpunkt zukommt (BGE 139 IV 201 E. 4
mit Hinweisen; BSK StPO-Ziegler/Keller, Art. 381 StPO N 3) und der Beschuldigte
keine Anschlussberufung erhob, ist festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil
betreffend Dispositiv-Ziffern 2 und 3 (Zivilforderungen der Privatkläger) sowie 6
(Genugtuungsbegehren des Beschuldigten) in Rechtskraft erwachsen ist.
2. Verwertbarkeit von Beweismitteln
Die amtliche Verteidigung des Beschuldigten rügte, der Beschuldigte hätte bereits
seit Beginn der Untersuchung notwendig verteidigt sein müssen, da ihm eine
Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr gedroht habe und er mit der Situation
überfordert gewesen sei. Die Einvernahmen der Privatkläger, anlässlich derer der
Beschuldigte auf eine Teilnahme verzichtet habe, seien daher nicht verwertbar
(Urk. 85 S. 4, Prot. II S. 27).
Ein Fall notwendiger Verteidigung liegt unter anderem vor, wenn der beschuldig-
ten Person eine Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr oder eine freiheitsentzie-
hende Massnahme droht (Art. 130 lit. b StPO) oder wenn sie wegen ihres körper-
lichen oder geistigen Zustands oder aus anderen Gründen ihre Verfahrensinte-
ressen nicht ausreichend wahren kann (Art. 130 lit. c StPO). Wurden in Fällen, in
denen die Verteidigung erkennbar notwendig gewesen wäre, Beweise erhoben,
bevor eine Verteidigerin oder ein Verteidiger bestellt worden ist, so ist die Be-
weiserhebung nur gültig, wenn die beschuldigte Person auf ihre Wiederholung
verzichtet (Art. 131 Abs. 3 StPO). Massgebend ist für die Beurteilung der Frage
notwendiger Verteidigung die konkret drohende Strafe, nicht die abstrakte Straf-
drohung. Das dem Beschuldigten im Vorverfahren vorgeworfene Tatverhalten
bewegte sich klar im unteren Bereich eines für Erpressung oder Nötigung denkba-
ren Verhaltens. Entsprechend orientierte sich auch die drohende Strafe am unte-
ren Strafrahmen, welcher sowohl für Erpressung wie auch für Nötigung bei einer
Geldstrafe liegt. Es drohte dem Beschuldigten im Zeitpunkt des Vorverfahrens
keine Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr. Entsprechend wurde denn auch in
der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft die Bestrafung des Beschuldigten mit
einer Geldstrafe beantragt. Beim Beschuldigten handelt es sich sodann um einen
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normal entwickelten, jungen Mann. Der erhobene Vorwurf ist nicht komplex und
der Beschuldigte war daher im Vorverfahren in der Lage, seine Verfahrensinte-
ressen ohne Rechtsvertretung ausreichend zu wahren. Es lag demnach kein Fall
notwendiger Verteidigung vor.
Nach Art. 147 Abs. 1 Satz 1 StPO haben die Parteien das Recht, bei Beweiser-
hebungen durch die Staatsanwaltschaft und die Gerichte anwesend zu sein und
einvernommenen Personen Fragen zu stellen. Beweise, die in Verletzung dieser
Bestimmung erhoben worden sind, dürfen nach Art. 147 Abs. 4 StPO nicht zulas-
ten der Partei verwendet werden, die nicht anwesend war. Auf eine Teilnahme an
den Einvernahmen der Privatkläger verzichtete der Beschuldigte; anlässlich der
Konfrontationseinvernahme mit B._ wurden ihm die Einvernahmeprotokolle
der Privatkläger aber vorgelegt und er konnte dazu Stellung nehmen. Aufgrund
des gültigen Verzichts auf Teilnahme an den Einvernahmen sind diese verwert-
bar.
Zusammengefasst bestehen keine Gründe, welche gegen die Verwertbarkeit der
Einvernahmen der Privatkläger sprechen würden. Die Einvernahmen sind deshalb
für die Sachverhaltserstellung heranzuziehen.
3. Beweisantrag
Der Beschuldigte liess anlässlich der Berufungsverhandlung den Antrag stellen,
es seien die Privatkläger C._ und D._ erneut zu befragen (Prot. II
S. 18). Er machte geltend, er sehe die Privatkläger regelmässig. Sie hätten immer
wieder über das vorliegende Verfahren gesprochen und beide Privatkläger hätten
ihm gegenüber zum Ausdruck gebracht, dass es ihnen leid tue, dass er im vorlie-
genden Verfahren involviert sei. Wenn sie in dieser Sache erneut vor Gericht aus-
sagen müssten, würden sie ein gutes Wort für ihn einlegen (Prot. II S. 14). Bereits
in der Untersuchung haben die Beteiligten ausgeführt, teilweise weiterhin in Kon-
takt zu stehen. Wenn die Privatkläger tatsächlich kein Interesse an einer Strafver-
folgung des Beschuldigten mehr hätten, hätte es ihnen offen gestanden, dem Ge-
richt eine Desinteressenserklärung einzureichen. Aus einer erneuten Einvernah-
me der Privatkläger sind mit Blick auf den regelmässigen Kontakt zum Beschul-
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digten und der Thematisierung des vorliegenden Verfahrens keine unbeeinfluss-
ten neuen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb dem entsprechenden Beweisantrag
des Beschuldigten nicht stattzugeben ist.
II. Sachverhalt
1. Anklagevorwurf
Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See / Ober-
land vom 22. September 2016 vorgeworfen, er habe einige Tage vor dem 6. Juni
2015 zusammen mit B._ angefangen, den Geschädigten D._ anzurufen
und zu fragen, ob er Handyabos für ihn abschliessen könne, welche später hätten
umgeschrieben werden sollen. Da der Geschädigte sich geweigert habe, dem
Ansinnen des Beschuldigten nachzukommen, habe dieser den Geschädigten be-
droht indem er ihm gesagt habe, er würde ihn "jeden Tag ficken" und ihn umbrin-
gen. Da der Beschuldigte dem Geschädigten als gefährlich bekannt gewesen sei,
sei der Geschädigte am 6. Juni 2015 mit dem Beschuldigten und B._ nach
Zürich gefahren, sei mit B._ in den E._ [Geschäft eines Mobilfunknetz-
betreibers] gegangen und habe auf Geheiss von B._ drei Handyverträge und
im C._ [Elektronik Handelskette] im Hauptbahnhof nochmals drei Handyver-
träge auf seinen Namen abgeschlossen. Drei Handys habe der Geschädigte vom
Geschäft ausgehändigt erhalten und dem Beschuldigten übergeben, drei weitere
Handys seien dem Geschädigten per Post zugestellt worden und auf dessen Ge-
heiss ebenfalls dem Beschuldigten übergeben worden. Dem Geschädigten sei
beim Abschluss der Verträge von B._ zugesichert worden, dass die Verträge
zu einem späteren Zeitpunkt auf ihn umgeschrieben würden, was nicht der Fall
gewesen sei.
Dem Beschuldigten wird ferner vorgeworfen, er habe am 16. Juni 2015 in ge-
meinsamem Tatentschluss und Tatplanung mit B._ angefangen, den Ge-
schädigten C._ anzurufen, habe ihn aufgefordert, zum Hauptbahnhof Zürich
zu kommen und habe ihn via Natelmitteilungen bedroht mit den Worten "Huren-
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sohn", "ich verbrenne Deine Familie", "ich warte vor deinem Haus", "wir werden
uns sehen" und habe den Geschädigten verbal beschimpft. Der Geschädigte, der
gewusst habe, dass D._ ähnliches passiert sei, sei verängstigt worden durch
das Verhalten und die Äusserungen des Beschuldigten. Er habe sich zum Haupt-
bahnhof Zürich begeben, wo B._ dem Geschädigten gesagt habe, er wisse
schon, was in G._ von Seiten des Beschuldigten auf ihn warte, wenn er nicht
mitmache. Der Geschädigte habe sich aufgrund der Androhungen des Beschul-
digten und deren Bekräftigung durch B._ verängstigt mit B._ in den
E._ und in den C._ am Hauptbahnhof begeben und habe nach Vorgabe
von B._ in jedem Geschäft je drei Handyverträge auf seinen Namen abge-
schlossen. Die 6 Handys habe B._ an sich genommen. Dem Geschädigten
sei bei Abschluss der Verträge zugesichert worden, dass diese zu einem späteren
Zeitpunkt auf ihn umgeschrieben würden, was aber nicht der Fall gewesen sei.
2. Standpunkt des Beschuldigten
Der Beschuldigte stellte sich von Anfang an auf den Standpunkt, er habe auf ent-
sprechende Anfrage von B._ die beiden Geschädigten C._ und D._
kontaktiert und sie gefragt, ob sie Handyverträge abschliessen könnten, welche
zu einem späteren Zeitpunkt umgeschrieben würden, und habe ihnen die Num-
mer von B._ gegeben. Er bestritt konstant, die Privatkläger bedroht oder un-
ter Druck gesetzt zu haben. An dieser Darstellung hielt er auch im Berufungsver-
fahren fest.
Der Sachverhalt ist daher bezüglich der angeklagten Drohungen und Beschimp-
fungen gegenüber den Privatklägern zu erstellen.
3. Beweismittel
Als Beweismittel für die Sachverhaltserstellung stehen die Aussagen des Be-
schuldigten, von B._ und der beiden Privatkläger zur Verfügung. Sachliche
Beweismittel liegen nicht vor, insbesondere fehlen Telefonprotokolle der Gesprä-
che, in denen der Beschuldigte D._ mit dem Tod bedroht und gesagt haben
soll, "er würde ihn jeden Tag ficken" und Natelmitteilungen an den Geschädigten
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C._ ("Hurensohn" "ich verbrenne Deine Familie" "ich warte vor deinem
Haus", "wir werden uns sehen"). Den Umstand, dass diese Mitteilungen nicht
mehr vorhanden sind, erklärte der Geschädigte C._ damit, dass er sein Mo-
biltelefon zur Reparatur gebracht habe und dabei die SMS-Nachrichten des Be-
schuldigten gelöscht worden seien (Urk. D11/8 S. 2).
Wie die Verteidigung zutreffend rügte, wurden im Vorverfahren keine Abklärungen
beim Mobiltelefonanbieter von C._ im Hinblick auf die Möglichkeit einer Wie-
derherstellung dieser Mitteilungen getroffen. Diese mangelhafte Beweiserhebung
darf sich auf jeden Fall nicht zu Lasten des Beschuldigten auswirken. Angesichts
des Umstandes, dass die Vorfälle über zwei Jahre zurückliegen, drängen sich
aber keine weiteren Abklärungen auf, da nach dieser langen Zeit nicht zu erwar-
ten ist, dass sich schlüssig abklären lässt, ob und wann die Mitteilungen gelöscht
wurden und sich diese wiederherstellen lassen.
4. Beweiswürdigung
4.1. Allgemeine Grundsätze
Die Vorinstanz hat zu den Allgemeinen Grundsätzen der Beweiswürdigung das
Nötige ausgeführt. Um Wiederholungen zu vermeiden, kann darauf verwiesen
werden (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 71 S. 5 und S. 11).
4.2. Glaubwürdigkeit der Beteiligten
Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass B._ und der Beschuldigte als in ein
Strafverfahren involvierte Personen sowohl hinsichtlich einer drohenden Verurtei-
lung und Strafe als auch hinsichtlich der finanziellen Folgen ein erhebliches Inte-
resse am Ausgang des Verfahrens haben. Diese Interessenlage ist bei der Wür-
digung ihrer Aussagen zu beachten, führt aber entgegen der Auffassung der Vo-
rinstanz (Urk. 71 S. 11) nicht per se zu einer eingeschränkten Glaubwürdigkeit
des Beschuldigten und von B._. Dasselbe gilt auch bezüglich der beiden Pri-
vatkläger, welche ein erhebliches, in erster Linie finanzielles, Interesse am Aus-
gang des Verfahrens haben.
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Weder betreffend die Beschuldigten noch betreffend die Privatkläger liegen kon-
krete Anhaltspunkte vor, welche an ihrer allgemeinen Glaubwürdigkeit zweifeln
liessen.
4.3. Würdigung der Aussagen der Beteiligten
4.3.1. Aussagen des Beschuldigten
a) Zusammenfassung
Der Beschuldigte sagte in der staatsanwaltschaftlichen Befragung vom 10. Feb-
ruar 2016 aus, er habe die beiden Geschädigten nur gefragt, ob sie die Abos ma-
chen und die Geräte B._ geben können. Er habe ihnen gesagt, dass die Ver-
träge dann umgeschrieben würden. Er sei beim Abschluss der Verträge nicht zu-
gegen gewesen und habe kein Gerät erhalten (Urk. 1/26).
In der Konfrontationseinvernahme mit dem Beschuldigten vom 16. Juni 2016 sag-
te B._ aus, C._ habe Fr. 200.-- erhalten und er habe ihn nicht gezwun-
gen (Urk. 1/27 S. 2), die Geschädigten seien zu ihm gekommen und hätten die
Handy-Abos gemacht. Der Beschuldigte habe von ihm (B._) etwas Geld da-
für bekommen, damit die Leute zu ihm gekommen seien (Urk. 1/27 S. 3 f.). Er be-
stätigte seine Aussage, wonach er die Geräte für Fr. 400.-- pro Gerät verkauft ha-
be (Urk. 1/27 S. 6). Der Beschuldigte erklärte demgegenüber, er sei nie im Laden
gewesen, habe kein Geld und kein Handy genommen (Urk. 1/27 S. 4). B._
habe ihm gesagt, dass er Abos machen und diese dann umschreiben könne, er
solle ihm sagen, wenn er jemanden kenne, der Abos machen möchte. Er habe die
beiden Geschädigten ganz normal gefragt und sie hätten sich dazu bereit erklärt
(Urk. 1/27 S. 5).
In der Schlusseinvernahme vom 16. Juni 2016 wiederholte der Beschuldigte, er
habe lediglich auf Anfrage von B._ zwei Personen gefragt, ob sie bereit wä-
ren, die Verträge abzuschliessen (Urk. 1/28 S. 1). Er habe gedacht, dass B._
eine Firma habe und die Verträge umschreiben werde (Urk. 1/28 S. 2).
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Sodann sagte er in der Befragung vor Vorinstanz aus, B._ habe ihn gefragt,
ob er zwei Personen finde, die für ihn und seine Firma Handyverträge abschlies-
sen können. Dabei habe er ihm gesagt, dass die Verträge nach einem Monat auf
seine Firma überschrieben würden. Er habe den Privatkläger 1 gefragt, er kenne
ihn schon seit längerem, und habe ihm auch die Nummer von B._ gegeben.
Er habe C._ an B._ vermittelt, habe ihn nicht zum Vertragsschluss über-
reden müssen und ihm nichts versprochen, nur gesagt, dass die Verträge über-
schrieben würden. Er habe ihn nicht bedroht (Prot. I S. 9 f.). Er kenne den Privat-
kläger aus G._ und verbringe ab und zu Zeit mit ihm. Sie hätten ein gutes
Verhältnis (Prot. I S. 11). Er habe B._ vertraut und ihm einen Gefallen getan.
B._ habe ihm gesagt, dass er die Verträge für seine Firma brauche, er könne
auf die Firma maximal zehn Handyverträge abschliessen, brauche jedoch mehr
Verträge und Handys. Ferner bestätigte der Beschuldigte, D._ gefragt zu ha-
ben, ob er für B._ Handyverträge abschliessen könne. Auch ihm habe er ge-
sagt, dass die Verträge nach einem Monat umgeschrieben würden. Die Privatklä-
ger hätten ihm vertraut und er habe B._ vertraut. Auch D._ habe er nicht
bedroht (Prot. I S. 13). Er kenne ihn aus G._ und unterhalte auch mit ihm ein
gutes Verhältnis. Beide Privatkläger sehe er auch heute noch und beide würden
sagen, dass alles gegen B._ gerichtet sei, nicht gegen ihn (Prot. I S. 14).
Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung führte der Beschuldigte erneut
aus, dass er den Kontakt zwischen B._ und den Privatklägern hergestellt ha-
be, indem er C._ und D._ je die Telefonnummer von B._ gegeben
habe. Er habe die Privatkläger gefragt, ob diese B._ einen Gefallen machen
und Handy-Abos abschliessen könnten. Er habe den Privatklägern gesagt, was
Sache sei, nämlich dass die Abos nach Ablauf eines Monats auf B._ umge-
schrieben würden. Die Privatkläger hätten in der Folge dann diese Handyverträge
abgeschlossen. Der Beschuldigte selber sei nicht dabei gewesen, als sie diese
Verträge abgeschlossen hätten. Der Beschuldigte bestritt, die Privatkläger be-
droht oder erpresst zu haben. Sie hätten diese Verträge abgeschlossen, weil sie
ihm vertraut hätten, und er habe B._ vertraut (Prot. II S. 11 ff.).
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b) Würdigung
Wie aus vorstehender Zusammenfassung seiner Aussagen hervorgeht, hat der
Beschuldigte über sämtliche Einvernahmen hinweg konstant ausgesagt, er habe
die beiden Privatkläger auf entsprechende Anfrage von B._ gefragt, ob sie
bereit wären, Mobiltelefonverträge abzuschliessen, die dann zu einem späteren
Zeitpunkt überschrieben würden. Die Aussagen des Beschuldigten sind somit in
diesem Kernpunkt gleichbleibend und widerspruchslos. Auffällig ist aber auch,
dass seine Aussagen sehr pauschal ausgefallen sind. Bezüglich der Erklärungen,
die B._ gegenüber dem Beschuldigten gemacht haben soll, fehlen jegliche
Details. Es wird nicht nachvollziehbar, was die eigentlichen Hintergründe dieser
Vertragsabschlüsse gewesen sein sollen und warum die beiden Privatkläger an-
gefragt werden sollten. In der ersten Einvernahme sagte der Beschuldigte aus, er
wisse nicht, weshalb dieses Vorgehen von B._ vorgeschlagen worden sei
(Urk. 1/26 S. 3). In der Konfrontationseinvernahme mit B._ erklärte er,
B._ habe gesagt, er habe eine Firma und werde die Abos umschreiben
(Urk. 1/27 S. 3). Auch die Darlegung vor Vorinstanz, es sei nur möglich gewesen,
10 Abos über die Firma von B._ laufen zu lassen, gibt keine plausible Erklä-
rung für das Zwischenschalten der Privatkläger ab, zumal nicht ersichtlich ist, auf
wen die Verträge hätten überschrieben werden sollen. Auch bezüglich der Anga-
ben, die er den Privatklägern gemacht haben will, entbehren seine Aussagen jeg-
licher Realitätskriterien. Der Beschuldigte beschränkt sich im Wesentlichen da-
rauf, seine Behauptung zu wiederholen, er habe die Privatkläger auf Anfrage von
B._ gefragt, ob sie Mobiltelefonabos auf ihren Namen für B._ abschlies-
sen würden, wobei diese dann überschrieben würden. Es erscheint lebensfremd,
dass er nicht nachfragte, weshalb B._ die Verträge nicht selber abschliessen
könne, auf wen sie überschrieben würden und weshalb diese Personen/Firmen,
auf welche die Umschreibung erfolgen sollte, nicht von Anfang an die Verträge
ohne Zwischenschalten der Privatkläger abschliessen konnten. Auch wenn die
beiden Privatkläger im Zeitpunkt der Vertragsabschlüsse erst 19 Jahre alt und
noch nicht sehr geschäftserfahren waren und den Beschuldigten bereits seit lan-
gem kannten, erscheint es nicht glaubhaft, dass sie aus blosser Gefälligkeit ohne
weitere Angaben bereit gewesen wären, gleich sechs Mobiltelefonverträge mit er-
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heblichen finanziellen Konsequenzen im Falle eines Scheiterns der Vertragsüber-
tragungen auf ihren eigenen Namen abzuschliessen, zumal auch nach Darstel-
lung des Beschuldigten keine eigentliche Freundschaft oder ein besonderes Ver-
trauensverhältnis zwischen ihm und den Privatklägern bestand.
Zusammenfassend erscheinen die Aussagen des Beschuldigten wenig glaubhaft
und vermögen den Anklagesachverhalt nicht zu widerlegen. Zu prüfen bleibt, ob
sich dieser aufgrund der Aussagen der weiteren Personen erstellen lässt.
4.3.2. Aussagen B._
a) Zusammenfassung
B._ sagte in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 10. Februar
2016 aus, C._ und D._ seien einfach zu ihm gekommen und hätten al-
les für ihn gemacht, er habe sie nicht erpresst oder bedroht. Er wisse nicht, was
der Beschuldigte mit ihnen gemacht habe (Urk. 1/21 S. 25). Den Beschuldigten
kenne er seit 2 bis 3 Jahren, sie seien Kollegen. Der Beschuldigte sei beim Ab-
schluss der Verträge nicht anwesend gewesen. Er habe die Geräte bekommen
und habe sie in ... im Handy-Shop verkauft (Urk. 1/21 S. 27). Er habe die Verträ-
ge auf Firmen von Kollegen umschreiben lassen wollen. Das habe aber nicht
funktioniert (Urk. 1/21 S. 27). Die Geschädigten seien zu ihm gekommen und hät-
ten gesagt, sie wollten Verträge machen und hätten ihm die Handys gegeben. Er
habe sich bedankt und verabschiedet, so etwas sei im zuvor noch nie passiert
(Urk. 1/21 S. 28).
In der Konfrontationseinvernahme mit dem Beschuldigten vom 16. Juni 2016 sag-
te B._ aus, C._ habe Fr. 200.-- erhalten und er habe ihn nicht gezwun-
gen (Urk. 1/27 S. 2), die Geschädigten seien zu ihm gekommen und hätten die
Handy-Abos gemacht. Der Beschuldigte habe von ihm (B._) etwas Geld da-
für bekommen, damit die Leute zu ihm gekommen seien (Urk. 1/27 S. 3f.). Er be-
stätigte seine Aussage, wonach er die Geräte für je Fr. 400.-- verkauft habe
(Urk. 1/27 S. 6). Der Beschuldigte erklärte demgegenüber, er sei nie im Laden
gewesen, habe kein Geld und keine Handys genommen (Urk. 1/27 S. 4). B._
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habe ihm gesagt, dass er Abos machen könne und diese dann umschreiben kön-
ne, er solle ihm sagen, wenn er jemanden kenne, der Abos machen möchte. Er
habe die beiden Geschädigten ganz normal gefragt und sie hätten sich bereit er-
klärt (Urk. 1/27 S. 5).
In der Schlusseinvernahme vom 16. Juni 2017 sagte B._ aus, er habe nie-
manden erpresst und genötigt.
b) Würdigung
Wie der Beschuldigte gab auch B._ keine nachvollziehbare Erklärung dafür,
wie es dazu gekommen sein soll, dass die beiden Privatkläger zu seinen Gunsten
Mobiltelefonverträge auf ihren Namen abgeschlossen haben. Völlig unglaubhaft
erscheint seine erste Darstellung, wonach die Privatkläger zu ihm gekommen sei-
en und gesagt hätten, sie wollten Abos abschliessen und ihm ohne Weiteres die
Geräte übergeben hätten. Er sagte selber aus, so etwas habe er noch nie zuvor
erlebt, was glaubhaft erscheint, da ein solches Verhalten gegenüber einem Unbe-
kannten (die Privatkläger kannten B._ nicht) nicht der Lebenserfahrung ent-
spricht. Auch seine Aussagen sind pauschal gehalten ohne Realitätskriterien.
Nachvollziehbar erscheint sein Vorbringen in der Konfrontationseinvernahme,
wonach der Beschuldigte von ihm etwas dafür erhalten habe, dass er ihm die bei-
den Privatkläger "vermittelt" habe. Wenig glaubhaft ist dann aber seine Behaup-
tung, er wisse auch nicht mehr, was der Beschuldigte erhalten habe (Urk. 1/27
S. 4). Eine mögliche Erklärung für das Handeln der Privatkläger ist das Vorbrin-
gen von B._, wonach C._ Fr. 200.-- erhalten habe. Damit tut sich eine
denkbare Variante auf, wonach den Privatklägern ein Entgelt bezahlt wurde und
sie die Verträge im naiven Vertrauen darauf abschlossen, dass diese überschrie-
ben würden. Mit dieser Variante wäre die späte Anzeigeerstattung durch die bei-
den Privatkläger vereinbar. Darauf wird zurückzukommen sein.
Insgesamt ist festzuhalten, dass die Darstellung von B._ wie diejenige des
Beschuldigten nicht glaubhaft erscheint. Seinen Aussagen lassen sich jedoch
auch keine Belastungen bezüglich der angeklagten Drohungen und Beschimp-
fungen des Beschuldigten gegenüber den Privatklägern entnehmen. Seine Aus-
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sagen stützen weder die Aussagen der Privatkläger noch diejenigen des Be-
schuldigten in der zentralen Frage, ob der Beschuldigte die Privatkläger im Hin-
blick auf den Vertragsabschluss bedroht hat.
4.3.3. Aussagen C._
a) Zusammenfassung
C._ erstattete am 16. September 2015 Anzeige bei der Polizei (Urk. D11/1).
In der gleichentags durchgeführten polizeilichen Befragung sagte er aus, der Be-
schuldigte habe ihn angerufen und ihm SMS geschrieben. Die Anrufe habe er
nicht abgenommen. Der Beschuldigte habe ihm während etwa zwei Stunden SMS
geschrieben und gedroht, er werde ihn und seinen Kollegen D._ fertig ma-
chen, sollte er nicht nach Zürich gehen und einen Kollegen treffen. Der Beschul-
digte habe geschrieben "Du musch gah, dä ... isch suscht gefickt" "Du Nuttesohn,
wänn ich dich uf dä Strass gsehn, bisch en tote Mänsch", "Irgendwänn wirsch
mich uf dä Strass geseh", "Ich weiss wo du wonsch", "ich wart vor dini Huustür",
"Ich töte dich und dini Familie und verbränn dich" (Urk. D11/8 S. 2). Da er be-
fürchtet habe, dass ihm oder D._ etwas angetan würde, habe er zugesagt. Er
habe B._ getroffen und dieser habe ihm erklärt, sie würden zusammen Han-
dyverträge machen, er habe erwidert, er wolle das nicht tun. B._ habe ge-
sagt, er müsse es tun, sonst wäre er am "Arsch", wenn er A._ anrufen wer-
de. Er habe Angst gehabt und sei mitgegangen. Er habe Angst vor dem Beschul-
digten, dieser habe viel Macht von seiner Familie her, er habe gefährliche Brüder
und er wisse, dass er Jüngere verarsche, für die Drogen, die er brauche. Wegen
seinem Ruf würde er dem Beschuldigten alles zutrauen (Urk. D11/8 S. 2). Die
späte Anzeigeerstattung erklärte der Geschädigte damit, dass seine Mutter die
Rechnungen gesehen habe und gesagt habe, er müsse Anzeige erstatten.
In der Befragung als Auskunftsperson vom 16. Juni 2016 sagte C._ aus,
dass er in keiner Beziehung zu B._ stehe, den Beschuldigten dagegen kenne
und jeden Tag sehe und mit D._ befreundet sei (Urk. 1/23 S. 2). Es habe
damit angefangen, dass D._ ihn angerufen habe und gefragt habe, ob er ihm
wegen irgendetwas helfen könne und ihn dann wegen den Handys angesprochen
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habe. Einen Tag später habe der Beschuldigte angerufen und habe angefangen,
ihn zu bedrohen, habe gesagt, er solle zum HB gehen, wo ein Kollege von ihm
warte. Er sei nicht direkt darauf eingegangen. Da habe der Beschuldigte während
ca. zwei Stunden immer wieder Nachrichten geschrieben und angerufen und ihn
und seinen Kollegen D._ bedroht. Er habe ziemlich Angst gehabt wegen
D._, da er ihn angesprochen habe. Dann sei er zum HB gefahren, wo
B._ gewesen sei. Er habe zu B._ gesagt, er mache das nicht. B._
habe ihm nicht gedroht, habe ihm aber klar gemacht, wenn er das nicht mache,
wisse er, was in G._ vom Beschuldigten auf ihn warte (Urk. 1/23 S. 4). Auf
die Frage, was der Beschuldigte ihm geschrieben habe, sagte der Geschädigte,
er habe alles Mögliche geschrieben "Hurensohn, ich verbrenne deine Familie, ich
warte vor deinem Haus, wir werden uns sehen". Der Beschuldigte sei sehr oft mit
den Worten gegen die Familie losgegangen und habe diese auch bedroht. Er ha-
be ihm gedroht, dass er ihn töten werde und seine Familie töten werde (Urk. 1/23
S. 5). Er habe Angst gehabt, da er dem Beschuldigten dies zutraue, da dieser
immer ein Ass im Ärmel habe und wenn er etwas machen wolle dies auch tue und
nicht zweimal überlege (Urk. 1/23 S. 6). B._ habe ihm nicht gedroht und ihm
erklärt, er werde die Verträge umschreiben. Den Umstand, dass er so lange mit
der Anzeigeerstattung zugewartet hatte, erklärte C._ damit, dass er gehofft
habe, dass B._ und der Beschuldigte Wort halten würden (Urk. 1/23 S. 11).
b) Würdigung
Die Aussagen von C._ sind im Kernbereich widerspruchslos und konstant.
Wie beim Beschuldigten fällt aber auch bei ihm auf, dass die Aussagen über das
mit dem Beschuldigten Besprochene sehr dürftig ausgefallen sind. Es werden
nicht durch detaillierte Wiedergabe des Ablaufs der Gespräche mit dem Beschul-
digten Realitätskriterien gesetzt. Vielmehr behauptet der Geschädigte sehr knapp,
der Beschuldigte habe sogleich angefangen, ihn zu bedrohen, nachdem er sich
nicht bereit erklärt habe, Handyverträge abzuschliessen. Auch betreffend das Ge-
spräch mit dem Privatkläger D._, welches dem Anruf des Beschuldigten vom
16. Juni 2015 voranging, bleiben die Aussagen von C._ vollkommen unbe-
stimmt. In der Befragung als Auskunftsperson sagte er dazu aus: "Angefangen
- 17 -
hat es mit D._. Er hat mich angerufen und gefragt, ob ich ihm helfen kann
wegen irgendetwas. Dann hat er mich glaube ich wegen den Handys angespro-
chen. Ich wusste damals aber noch nichts davon. Dann habe ich es halt sein ge-
lassen und einen Tag später hat sich A._ bei mir gemeldet" (Urk. 1/23 S. 4).
Es widerspricht der Lebenserfahrung, dass D._, der mit C._ befreundet
ist, ihn anruft, um Hilfe bittet wegen irgendetwas, über Handys spricht und seinem
Freund von den 10 Tage zuvor erfolgten massiven Drohungen seitens des Be-
schuldigten im Zusammenhang mit Handyverträgen nichts erzählt.
Diffus bleiben auch die Ausführungen des Privatklägers zu den Gründen, weshalb
er Angst vor dem Beschuldigten gehabt habe. In der polizeilichen Befragung er-
klärte er, der Beschuldigte habe viel Macht von seiner Familie her, er habe ge-
fährliche Brüder und er wisse, dass der Beschuldigte Jüngere verarsche, für die
Drogen, die er brauche. Wegen seinem Ruf würde er dem Beschuldigten alles zu-
trauen (Urk. D11/8 S. 2). In der Befragung als Auskunftsperson sagte er aus, er
habe Angst vor dem Beschuldigten gehabt und habe ihm zugetraut, dass er die
Drohungen umsetze, da er immer ein Ass im Ärmel habe und wenn er etwas ma-
chen wolle, dies auch tue und nicht zweimal überlege (Urk. 1/23 S. 6). Diese Er-
klärungen des Privatklägers für die Angst vor dem Beschuldigten wegen dessen
gefährlichen Brüdern und dessen nicht näher spezifizierten Rufs erscheinen auf-
grund ihrer Pauschalität wenig glaubhaft.
Vor dem Hintergrund der behaupteten massiven Drohungen schlicht nicht nach-
vollziehbar ist sodann, dass der Privatkläger die Nachrichten mit drohendem In-
halt nicht auf dem PC gesichert hat, bevor er sein Mobiltelefon zur Reparatur
weggegeben hat.
Auch die späte Anzeigeerstattung erst drei Monate nach den angeklagten Vorfäl-
len wirft Fragen auf. Die Erklärung des Privatklägers, er habe so lange mit der
Anzeigeerstattung gewartet, da er gehofft habe, der Beschuldigte und B._
würden ihr Wort halten (Urk. 1/23 S. 11), könnte darauf hinweisen, dass er die
Möglichkeit der Vertragsumschreibung als realistisch betrachtete und deshalb
mitwirkte und lässt Zweifel daran aufkommen, dass die massiven Drohungen tat-
sächlich erfolgten.
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Dass die Schilderung des Vorgefallenen durch C._ sich über weite Teile mit
derjenigen von D._ deckt und sich ihre Aussagen gegenseitig stützen, spricht
einerseits für die Glaubhaftigkeit ihrer Darstellung, andererseits ist aber auch fest-
zuhalten, dass die beiden Privatkläger befreundet sind und sich betreffend die
Vorfälle informiert haben (Urk. 1/23 S. 5). Eine gegenseitige Beeinflussung oder
Angleichung der Aussagen kann nicht ausgeschlossen werden.
Aufgrund der Aussagen von C._ lässt sich der Sachverhalt nicht ohne
rechtserhebliche Zweifel erstellen. Besonders fällt hier ins Gewicht, dass er die
Mitteilungen mit bedrohendem Inhalt nicht gesichert hat, seine späte Anzeigeer-
stattung damit begründete, dass er gehofft habe, die Beschuldigten würden Wort
halten und dass seine Darstellung betreffend das Gespräch mit dem Beschuldig-
ten nicht über pauschale Angaben hinausgeht. Vor diesem Hintergrund erscheint
die Nennung der drohenden Äusserungen als eine aus dem Zusammenhang ge-
rissene plakativ wirkende Aufzählung.
4.3.4. Aussagen D._
a) Zusammenfassung
D._ erstattete am 1. September 2015 bei der Polizei Anzeige gegen den Be-
schuldigten und B._ (Urk. D12/1) und sagte in der gleichentags durchgeführ-
ten polizeilichen Einvernahme aus, der Beschuldigte habe ihn angerufen und ge-
fragt, ob er für ihn Mobiltelefonabos abschliessen könne, er würde diese an-
schliessend auf seine Firma überschreiben lassen. Er habe verneint, worauf der
Beschuldigte während 5 Minuten versucht habe, ihn zu überreden. Er habe
schlussendlich zugesagt, damit er ihn loswerde, habe nach einigen Minuten aber
zurückgerufen und gesagt, er werde das nicht tun. Der Beschuldigte habe ihn an-
geschrien und gesagt, wenn er zu ihm ins Büro komme, werde er ihn auseinan-
dernehmen, er werde ihn jeden Tag ficken, jeden Tag verfolgen und ihn kaputt
machen (Urk. D12/6 S. 1). Er habe gesagt "Ich figg dir alles, ich wird dich jedä
Tag suechä" "ich nimm dich usenand". Der Beschuldigte sei richtig explodiert als
er nochmals angerufen habe und gesagt habe, er mache es nicht. Er habe ge-
schrien: "Ich bring dich um". Er glaube nicht, dass er dies ernst gemeint habe. Der
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Beschuldigte sei sehr aggressiv am Telefon gewesen und habe so laut geschrien,
dass er ihn fast nicht mehr habe verstehen können (Urk. D12/6 S. 3). Er habe
Angst gehabt, dass er ihm etwas antun würde. Eingeschüchtert durch diese Dro-
hungen habe er sich bereit erklärt, die Verträge abzuschliessen. Der Beschuldig-
te, B._ und er seien zum E._ gefahren. Der Beschuldigte sei draussen
geblieben, er sei mit B._ in den Shop gegangen. Zwei Wochen nach Unter-
zeichnung der Verträge habe der Beschuldigte von ihm Fr. 350.-- weggenommen,
damit die Mobiltelefonverträge hätten umgeschrieben werden können (Urk. D12/6
S. 2). D._ sagte aus, er habe am Vorabend der Anzeigeerstattung dem Be-
schuldigten gesagt, sein Vater habe die Mahnungen gesehen und werde mit ihm
zur Polizei gehen. Der Beschuldigte habe zu ihm gesagt "Gah nöd, ich sägs der
nöd zwei Mal". Auf die Frage, ob er Angst habe, dass der Beschuldige ihm etwas
antun werde, wenn er erfahre, dass er bei der Polizei gewesen sei, antwortete
D._, er denke nicht, denn sie wüssten, wer sein Vater sei und hätten Respekt
vor ihm, er könne es aber nicht mit 100% Sicherheit sagen. Weil er Angst vor dem
Beschuldigen habe, sei er nicht zu seinen Eltern gegangen und habe nicht die Po-
lizei avisiert. Als die Mahnungen gekommen seien, sei es dann einfach zu viel
gewesen (Urk. D12/6 S. 3). B._ habe ihn angerufen und gesagt, er solle die
Pakete mit den Geräten nicht dem Beschuldigten geben, sondern ihm. Vor
B._ habe er keine grosse Angst, weil er keinen grossen Kontakt zu ihm ge-
habt habe. Er denke, B._ könnte schon auch Probleme machen und glaube,
das Ganze komme von ihm aus (Urk. D12/6 S. 4). Auf die Frage, was geschehen
werde, wenn der Beschuldigte oder B._ erfahren würden, dass er bei der Po-
lizei gewesen sei, antwortete D._, er wisse nicht, ob sie ihn angreifen wür-
den, er mache sich jedoch grosse Sorgen (Urk. D12/6 S. 4). Schliesslich erklärte
er auf die Frage, weshalb er erst jetzt zur Anzeigeerstattung komme, er habe
nicht zur Polizei gehen wollen, weil er nicht noch mehr Probleme habe machen
wollen. Erst auf weitere explizite Frage, ob er Angst gehabt habe, dass B._
oder der Beschuldigte ihm etwas antun würden, wenn er zur Polizei gehe, bejahte
er dies (Urk. D12/6 S. 5).
In der Einvernahme als Auskunftsperson vom 16. Juni 2016 sagte D._ aus,
B._ kenne er nicht gut, er habe einfach schon von ihm gehört, den Beschul-
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digten kenne er von G._ schon sehr lange, seit seiner Kindergartenzeit.
C._ sei ein Kollege von ihm. Er schilderte, dass der Beschuldigte ihn angeru-
fen habe und gefragt habe, ob er Abos für ihn machen könne, er würde diese
dann auf seine Firma nehmen. Er habe mehrfach verneint und der Beschuldigte
habe versucht, ihn zu überreden. Irgendwann habe er ja gesagt, da der Beschul-
digte ihn so unter Druck gesetzt habe, indem er gesagt habe, er solle es doch
machen. Kurze Zeit später habe er den Beschuldigten angerufen und ihm gesagt,
dass es nicht gehe. Der Beschuldigte habe gesagt, wenn er dies nicht mache,
würde er ihn "jeden Tag ficken" und habe auch gesagt, er werde ihn umbringen,
er würde ihn auseinandernehmen (Urk. 1/25 S. 4 f.). Der Beschuldigte sei in
G._ bekannt dafür, dass er gefährlich sei. Er habe schon nicht gedacht, dass
der Beschuldigte ihn umbringen werde, aber dass er ihn mobben und verprügeln
würde, habe er ihm zugetraut (Urk. 1/25 S. 5). Er habe Angst bekommen und ha-
be Respekt vor dem Beschuldigten gehabt und sei aus Angst ein paar Tage spä-
ter mitgegangen. Eine Woche nach dem Abschluss der Verträge habe der Be-
schuldigte Fr. 300.-- für die Umschreibung der Verträge verlangt sonst würden die
Verträge auf seinen Namen bleiben. Die ersten Geräte habe er im Geschäft be-
kommen und sogleich B._ übergeben, die weiteren drei Geräte habe er per
Post zugestellt erhalten und habe sie dem Beschuldigten nach Hause gebracht
(Urk. 1/25 S. 8 f.). Er habe dem Beschuldigten die Fr. 300.-- gegeben, eine Um-
schreibung der Verträge sei jedoch nicht erfolgt. Er habe Angst gehabt, zur Polizei
zu gehen. Sein Vater und sein Stiefvater hätten ihm gesagt, er solle zur Polizei
gehen.
b) Würdigung
Die Aussagen von D._ wirken authentischer und weit weniger stereotyp als
diejenigen von C._. Glaubhaft schildert er, wie er sich auf einen Anruf des
Beschuldigten und dessen Drängen hin zuerst bereit erklärte, Mobiltelefonverträ-
ge abzuschliessen. Diese Zugabe des Privatklägers deutet darauf hin, dass er an
die Machbarkeit solcher Vertragsübertragungen glaubte, was auch dadurch do-
kumentiert wird, dass er dem Beschuldigten nach den Vertragsabschlüssen für
die Überschreibung der Verträge nochmals Fr. 300.-- überwies. Ferner lässt sich
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daraus entnehmen, dass es durchaus denkbar ist, dass er sich auch ohne Dro-
hung zum Abschluss solcher Verträge hätte verleiten lassen.
D._ hat erst rund drei Monate nach dem Abschluss der Verträge Anzeige
gegen den Beschuldigten erstattet. Er erklärte den Umstand der späten Anzeige-
erstattung mit einer widersprüchlichen Begründung: Einerseits sagte er aus, er
habe Angst gehabt, zur Polizei zu gehen. Andererseits räumte er ein, er habe den
Beschuldigten am Vorabend der Anzeigeerstattung orientiert, dass er zusammen
mit seinem Vater zur Polizei gehen werde, worauf der Beschuldigte gesagt habe,
er solle nicht gehen, er sage dies nicht zwei Mal. Die vorgängige Orientierung des
Beschuldigten über die Anzeigeerstattung spricht nicht dafür, dass der Privatklä-
ger Angst vor ihm hatte. Der Privatkläger räumte denn auf die Frage, ob er Angst
habe, dass der Beschuldigte ihm etwas antun werde, wenn er erfahre, dass er bei
der Polizei gewesen sei, auch ein, er denke nicht, denn der Beschuldigte wisse,
wer sein Vater sei und habe Respekt vor ihm. Dass er sich vor diesem Hinter-
grund nicht schon den behaupteten Drohungen seitens des Beschuldigten entge-
genzusetzen getraute, ist wenig glaubhaft, zumal nach seiner Darstellung zwi-
schen den geltend gemachten Drohungen und dem Abschluss der Verträge ein
paar Tage lagen, in denen er sich hätte Unterstützung holen können.
Insgesamt lassen auch die Aussagen von D._ Zweifel daran bestehen, dass
der Beschuldigte die Drohungen und Beschimpfungen gemäss Anklage ausge-
sprochen hat.
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5. Fazit
Den unglaubhaften pauschalen Darstellungen des Beschuldigten und des Mitbe-
schuldigten B._ stehen ebenso pauschale Aussagen des Privatklägers
C._ gegenüber, welche ebenfalls kein stimmiges Ganzes bilden. Die Aussa-
gen des Privatklägers D._ sind zwar etwas detaillierter ausgefallen, vermö-
gen jedoch auch nicht ohne rechtserhebliche Zweifel zu überzeugen. Bei ihm fällt
vor allem der Widerspruch ins Gewicht, dass er angeblich aus Angst vor dem Be-
schuldigten mit der Anzeigeerstattung drei Monate lang zugewartet, dann aber
den Beschuldigten über die Anzeigeerstattung vororientiert und erklärt hat, er
denke nicht, dass ihm der Beschuldigte wegen der Anzeigeerstattung etwas antun
werde, denn dieser habe Respekt vor seinem Vater. Zugunsten des Beschuldig-
ten fällt sodann ins Gewicht, dass die SMS mit angeblich bedrohendem Inhalt ge-
löscht wurden und der Privatkläger C._ diese nicht gesichert hat, was unter
der Annahme, dass er massiv bedroht wurde, völlig unverständlich erscheinen
würde.
Mit der Vorinstanz bleiben nicht zu unterdrückende Zweifel daran, dass der Be-
schuldige die Privatkläger im Sinne des Anklagesachverhaltes bedroht hat und
kann nicht mit rechtsgenügender Sicherheit ausgeschlossen werden, dass sich
die Privatkläger aus anderer Motivation (Kollegialität und/oder Blauäugigkeit, in
Aussicht gestellter finanzieller Vorteil) zum Abschluss von Mobiltelefonverträgen
verleiten liessen.
Der Beschuldigte ist daher dem Grundsatz "in dubio pro reo" folgend vom Vorwurf
der Erpressung ev. Nötigung freizusprechen.
IIl. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Ausgangsgemäss ist die vorinstanzliche Kosten- und Entschädigungsregelung
(Dispositiv-Ziffer 4 und 5) zu bestätigen, sind die Kosten des Berufungsverfah-
rens, inklusive derjenigen der amtlichen Verteidigung auf die Gerichtskasse zu
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nehmen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der von Rechtsanwältin lic. iur. X._ geltend
gemachte Aufwand erscheint angemessen; der Stundenansatz für die amtliche
Verteidigung ist jedoch im Sinne von § 3 AnwGebV auf Fr. 220.-- zu reduzieren,
weshalb ihr für ihre Bemühungen im Berufungsverfahren eine Entschädigung von
Fr. 6'400.– aus der Gerichtskasse zuzusprechen ist.