# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 582012ed-1a59-4e3d-8b37-cc364b8e63bf
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend einfache Körperverletzung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichtes des Bezirkes Uster vom 15. August 2012 (GG120020)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 2. April
2012 (Urk. 32) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der mehrfachen Übertretung des Betäu-
bungsmittelgesetzes im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG.
2. Der Beschuldigte wird freigesprochen von den Vorwürfen
− der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1
StGB,
− der mehrfachen versuchten Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB in
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB,
− des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB und
− der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Busse von Fr. 500.–. Bezahlt der
Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatz-
freiheitsstrafe von 5 Tagen. Die Haft von 37 Tagen wird mit insgesamt
Fr. 500.– an die Busse bzw. mit 5 Tagen an die Ersatzfreiheitsstrafe ange-
rechnet.
4. Der mit Verfügung vom 16. März 2012 beschlagnahmte Gegenstand "Ta-
schenmesser, silberfarben in schwarzem Textiletui" wird dem Beschuldigten
nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids von der Bezirksgerichtskasse
Uster auf erstes Verlangen herausgegeben.
Sollte innerhalb von 60 Tagen nach Eintritt der Rechtskraft dieses Ent-
scheids die Herausgabe nicht verlangt werden, so bleiben die Gegenstände
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der Bezirksgerichtskasse Uster zur gutscheinenden Verwendung überlas-
sen.
5. Die Zivilklage der Privatklägerschaft wird auf den Zivilweg verwiesen.
6. Die Gerichtsgebühr fällt ausser Ansatz; die übrigen Kosten, inklusive derje-
nigen der Untersuchung, der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen
Vertretung der Privatklägerschaft, werden auf die Gerichtskasse genommen.
7. Dem Beschuldigten wird eine Genugtuung von Fr. 7'400.– nebst Zins zu 5 %
seit 22. Januar 2012 aus der Gerichtskasse zugesprochen.
Berufungsanträge:
a) Der Vertretung der Privatklägerschaft:
(Urk. 77 S. 2 f. i.V.m. Urk. 67 S. 2 f.)
1. In Gutheissung der Berufung seien die Ziffern 2, 3, 5, 6 und 7 des Dis-
positivs des Urteils des Bezirksgerichtes Uster vom 15. August 2012
mit der Geschäfts-Nr. GG120020 aufzuheben,
2. der Beschuldigte sei im Sinne der Anklageschrift der Anklägerin vom
2. April 2012
− wegen einfacher Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1
Abs. 1 StGB,
− wegen der mehrfachen versuchten Nötigung im Sinne von Art. 181
in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB,
− wegen des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186
StGB sowie
− wegen der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB
schuldig zu sprechen und hierfür zu bestrafen,
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3. der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Privatklägerin eine Genugtu-
ung im Betrage von Fr. 2'100.00 nebst Zins von 5 % seit dem 1. Januar
2012 zu bezahlen, darüber hinaus sei die Zivilklage der Privatklägerin
auf den Zivilweg zu verweisen,
4. der Privatklägerin sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und
der Unterzeichnende sei der Privatklägerin weiterhin als unentgeltlicher
Rechtsbeistand beizuordnen, wobei der Beschuldigte zu Gunsten der
Staatskasse zu verpflichten sei, die Parteikosten der Privatklägerin zu
bezahlen,
5. die Ziffern 1 und 4 des Dispositivs des Urteils vom 24. Oktober 2012
seien zu bestätigen,
6. der Beschuldigte sei zu sämtlichen Verfahrenskosten beider Instanzen
zu verurteilen, nicht aber die Privatklägerin.
b) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 78 S. 2 f.)
1. Die von der Privatklägerin erhobene Berufung sei abzuweisen.
2. Das vom Bezirksgericht Uster gefällte Urteil vom 15. August 2012 in
der Fassung vom 22. Oktober 2012 in der Geschäfts-Nr.: GG120020-I
sei zu bestätigen, indem der Beschuldigte
a) von den Vorwürfen
(1) der einfachen Körperverletzung i.S.v. Art. 123 StGB,
(2) der mehrfachen versuchten Nötigung i.S.v. Art. 181 StGB
i.V.m. Art. 22 StGB,
(3) des mehrfachen Hausfriedensbruchs i.S.v. Art. 186 StGB
und
(4) Tätlichkeiten i.S.v. Art. 126 StGB
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freizusprechen,
b) wegen der mehrfachen Übertretung von Art. 19a BetmG mit einer
Busse von Fr. 500.– zu bestrafen,
c) die Zivilklage der Privatklägerschaft auf den Zivilweg zu verwei-
sen,
d) die Gerichtsgebühr ausser Ansatz zu fallen sowie die übrigen
Kosten, inklusive derjenigen der Untersuchung, der amtlichen
Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der Privatkläger-
schaft auf die Gerichtskasse zu nehmen und
e) dem Beschuldigten eine Genugtuung von Fr. 7'400.– nebst Zins
zu 5% seit dem 22. Januar 2012 aus der Gerichtskasse zuzu-
sprechen
sei.
3. Die Genugtuungsforderung der Privatklägerin in Höhe von Fr. 2'100.–
nebst Zins zu 5% seit dem 1. Januar 2012 sei auf den Zivilweg zu ver-
weisen.
4. Alles unter Parteikosten- und Entschädigungsfolgen für beide Verfah-
ren zu Lasten der Gerichtskasse.
c) Der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:
(schriftlich, Urk. 72)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Am 2. April 2012 klagte die Staatsanwaltschft IV des Kantons Zürich den
Beschuldigten wegen einfacher Körperverletzung, mehrfacher versuchter Nöti-
gung, mehrfachen Hausfriedensbruchs, Tätlichkeiten sowie mehrfacher Übertre-
tung des Betäubungsmittelgesetzes an. Mit Urteil des Einzelgerichtes des Bezir-
kes Uster vom 15. August 2012 wurde der Beschuldigte der mehrfachen Übertre-
tung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG zu einer
Busse verurteilt und im Übrigen freigesprochen.
2. Gegen diesen Entscheid liess die Privatklägerin Berufung anmelden
(Urk. 58). Nach Versand des begründeten Urteils ging rechtzeitig die Berufungs-
erklärung ein (Urk. 67). Die Staatsanwaltschaft IV verzichtete ausdrücklich auf
Anschlussberufung und beantragte die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
(Urk. 72). Der Beschuldigte liess die Frist zur Erklärung der Anschlussberufung
unbenutzt verstreichen (Urk. 70 & 73).
3. Die Berufung der Privatklägerin richtet sich gegen die Ziff. 2, 3, 5, 6 und 7
des vorinstanzlichen Urteils. Darüber hinaus beantragt sie die anklagegemässe
Bestrafung des Beschuldigten, eine Genugtuung von Fr. 2'100.-- nebst Zins zu
5 % seit dem 1. Januar 2012, die Verweisung der darüber hinausgehenden Zivil-
klage auf den Zivilweg, die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege sowie
die Auferlegung sämtlicher Verfahrenskosten beider Instanzen an den Beschul-
digten. Zudem liess sie ihre erneute Befragung, die erneute Befragung des Zeu-
gen C._ sowie die Vornahme eines Augenscheins samt teilweiser Tatrekon-
struktion an ihrem Wohnort beantragen (Urk. 67 S. 2 f. und Urk. 77 S. 2 f.).
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Die Verurteilung wegen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes sowie die
Herausgabe des Taschenmessers wurden nicht angefochten und sind demnach
rechtskräftig geworden, was vorab festzustellen ist.
II. Beweisanträge
1. Die erneute Befragung des Zeugen C._ lässt die Privatklägerin damit
begründen, dass sich das Obergericht selbst einen unmittelbaren Eindruck über
die Glaubwürdigkeit der Person C._ und die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen
machen soll (Urk. 67 S. 15). Dies ist nicht nötig. Die bei den Akten liegenden Ein-
vernahmen des Zeugen C._ reichen für die Würdigung aus, dies umso mehr,
als nicht geltend gemacht wird, er könne nun plötzlich noch weitere, zusätzliche
Angaben zum Tatgeschehen machen. Bestenfalls wird er seine bisherigen Anga-
ben bestätigen können. In diesem Falle würden aber die bisher gemachten Aus-
sagen genügen. Sollte er sich demgegenüber in einer neuerlichen Einvernahme
in Widersprüche verwickeln, so würde dies dazu führen, dass nicht auf seine Aus-
sagen abgestützt werden würde, was keinen Einfluss auf das Resultat der Ge-
samtwürdigung hätte. Eine weitere Einvernahme kann somit unterbleiben.
2. Dasselbe gilt auch für die Privatklägerin selbst. Wie später noch aufzuzeigen
sein wird, hat sich die Privatklägerin in erhebliche Widersprüche verstrickt und
weichen ihre Aussagen stark voneinander ab. Eine weitere Einvernahme wäre
höchstens dazu geeignet, diese Widersprüche zu vergrössern und damit die Qua-
lität ihrer Aussagen insgesamt weiter zu verschlechtern. Von einer erneuten Be-
fragung ist deshalb abzusehen.
3. Auch der beantragte Augenschein bzw. die Tatrekonstruktion ist nicht ge-
eignet, zur Sachverhaltsfeststellung beizutragen: Bei einer allfälligen Tatrekon-
struktion wird sich die Privatklägerin entweder bewegen und wehren können oder
nicht. Im ersteren Fall würde sie damit ihren eigenen Ausführungen widerspre-
chen, was die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen weiter einschränken würde. Sollte
sie bei einer Tatrekonstruktion bei eingeklemmtem Arm völlig regungslos verhar-
ren, so darf daraus nicht geschlossen werden, dass sie dies auch zum angebli-
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chen Tatzeitpunkt tatsächlich so getan hat. Dass es beim behaupteten Einklem-
men des Arms, von welcher Sachverhaltsdarstellung, wie nachfolgend aufzuzei-
gen sein wird, ohnehin nicht auszugehen ist, nicht möglich sein soll, den Arm
überhaupt zu bewegen, trifft sowieso nicht zu. Die Fixierung beschränkt sich beim
Einklemmen zwischen Tür und Rahmen auf eine Achse, um welche zumindest
leichte (Ver-)drehungen möglich sind. Dies sind bekannte Tatsachen und daran
vermag auch ein Augenschein nichts zu ändern.
4. Die Beweisergänzungsanträge sind somit abzuweisen.
III. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
1. Dem Beschuldigten wird zum Einen vorgeworfen, in der Nacht vom 17. auf
den 18. Dezember 2011 gegen den Willen der Privatklägerin deren Wohnung be-
treten, sie zu Boden geworfen und ihr gleichzeitig den Mund zugedrückt und ein
Messer gegen den Hals gehalten zu haben. Dabei habe er ihr gesagt, dass es
nächstes Mal anders herauskommen würde, wenn sie nicht auf die Alimente ver-
zichten würde. Zum Andern wird ihm vorgeworfen, am 1. Januar 2012 erneut die
Privatklägerin aufgesucht und dabei deren Arm zwischen Tür und Zarge einge-
klemmt zu haben. Dabei soll er ihr zahlreiche Schnittwunden zugefügt haben.
Wiederholt soll er sie geheissen haben, auf die Alimente zu verzichten (Urk. 32).
2. Die Vorinstanz gelangte zum Schluss, dass sich mit den gesammelten Be-
weisen der Anklagesachverhalt nicht erstellen lasse und sprach den Beschuldig-
ten frei. Dieser Freispruch ist ausführlich und überzeugend begründet. Auf sorg-
fältige und differenzierte Weise hat sie die Aussagen sämtlicher Tatbeteiligten und
Zeugen gewürdigt. Sie kam zum Schluss, dass die Anklagevorwürfe im Wesentli-
chen auf den Aussagen der Privatklägerin basieren, welche aber erhebliche und
nicht zu unterdrückende Zweifel an deren Wahrheitsgehalt erweckten und nicht
davon ausgegangen werden könne, dass sich die in der Anklage beschriebenen
Sachverhalte so zugetragen hätten. Auf ihre sämtlichen diesbezüglichen Erwä-
gungen und auch auf die nicht minder zutreffende und sorgfältige Würdigung der
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übrigen Beweismittel kann somit, um unnötige Wiederholungen zu vermeiden,
verwiesen werden (Urk. 66 S. 12 - 28; Art. 82 Abs. 4 StPO).
3. Die in der Berufungserklärung von der Vertretung der Privatklägerin an der
vorinstanzlichen Arbeit geäusserte Kritik stösst ins Leere. Dies gilt insbesondere
für den Vorwurf der willkürlichen Tatsachenfeststellung.
3.1.a.) Wenn in der Berufungserklärung zum angeblichen Vorfall von Neujahr
vorgebracht wird, der Arm sei lange Zeit eingeklemmt gewesen, so findet dies in
den Akten keine Stütze und wird insbesondere von der Privatklägerin nicht so be-
hauptet (Urk. 67 S. 10). Die anlässlich der polizeilichen Einvernahme auf die Fra-
ge der Dauer gemachte Angabe "Ich würde sagen längere Zeit" ist beweismässig
wertlos, da sie bar jeglicher Objektivierbarkeit ist (Urk. 7/1 S. 5). Mögen für eine
Person in einer solchen Situation 15 Sekunden eine längere Zeit darstellen, ist
dies bei einer anderen Person erst nach 15 Minuten der Fall. Anlässlich der
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme konnte sie in zeitlicher Hinsicht keine An-
gaben machen (Urk. 7/2 S. 14). Es bleibt somit einzig festzustellen, dass die Pri-
vatklägerin zur Dauer, welche der Beschuldigte angeblich benötigt habe, um ihr
die Schnitte zuzuführen, keine konkreten Angaben machen konnte. In Ermange-
lung jeglicher objektivierbarer Behauptungen und Hinweise auf die angebliche
Dauer verbietet sich eine Qualifikation dieser Dauer von vornherein. Da der Be-
schuldigte dazu auch keine Angaben machen kann, lässt sich diesbezüglich
nichts erstellen und somit auch nichts daraus ableiten. Erst recht nicht der von der
Vertretung der Privatklägerin gezogene Schluss, wonach dem Beschuldigten län-
gere Zeit zur Verfügung gestanden habe, um ihr die angeblichen Verletzungen so
zuzufügen.
b.) Eben so unklar ist, was die Vertretung der Privatklägerin aus der behaupteten
angetroffenen Situation nach dem angeblichen Überfall ableiten will (Urk. 67
S. 11). Selbst wenn davon auszugehen wäre, dass die Tochter weinte, die Privat-
klägerin völlig aufgelöst war, eine schlechte und bedrückte Stimmung herrschte,
die Privatklägerin ein Tuch über dem Arm hatte, die Alimente zwischen den Par-
teien immer wieder ein Thema waren und die Tochter noch heute weint, wenn sie
ein Rüstmesser sieht, müsste daraus nicht zwingend geschlossen werden, dass
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sich die Dinge wie in der Anklage beschrieben zugetragen haben. Es sind ohne
weiteres andere Geschehensabläufe denkbar, welche in einem solchen Bild en-
den können. Wie später noch aufzuzeigen sein wird, sind diese sogar eher wahr-
scheinlich.
c.) Davon ausgehend, dass die Privatklägerin die beschriebenen Verletzungen
tatsächlich aufwies, spricht eben doch einiges dafür, dass sie sich diese selbst
zugefügt hat, worauf später noch genauer einzugehen sein wird. Dass sie solches
im Zustand grösster Aufgelöstheit und Verzweiflung getan hat, ist lebensnah, weil
für solche Selbstverletzungen typisch, ebenso dass dies auf die Tochter eine
traumatisierende Wirkung hatte. Auch alle anderen beschriebenen Umstände las-
sen sich ohne weiteres mit anderen Geschehensabläufen in Einklang bringen und
erwecken mehr als nur leichte Zweifel am behaupteten Tatablauf.
d.) Daran ändert auch der Umstand nichts, dass die Aussagen des Zeugen
C._ dafür sprechen, dass der Beschuldigte sich entgegen seinen Behaup-
tungen zu jenem Zeitpunkt im Haus, in welchem die Privatklägerin wohnt, aufge-
halten hat. Auch aus diesem Umstand muss nicht zwingend auf das von der Pri-
vatklägerin Geschilderte geschlossen werden. Im Lichte der gesamten Beweisla-
ge sind zwanglos andere Geschehensabläufe denkbar, etwa dass der Beschul-
digte versucht hat, in die Wohnung zu gelangen und ihm kein Einlass gewährt
wurde, oder dass er in die Wohnung gelangt ist und sich dort anderes Unerfreuli-
ches zugetragen hat.
e.) Auch die Aussagen des Zeugen C._ vermögen hinsichtlich des Kernge-
schehens nichts zur Klärung beizutragen. Wie gesagt hat er die behaupteten Ge-
schehnisse nicht mit eigenen Augen gesehen, sondern lediglich, wie der Beschul-
digte davon gezogen sein soll und wie sich die Situation bei seinem Eintreffen
präsentierte. Mit diesen Schilderungen wären aber auch andere Geschehensab-
läufe in Einklang zu bringen, etwa ein erfolgloser Eintrittsversuch des Beschuldig-
ten und die Selbstzufügung der Verletzungen durch die Privatklägerin oder ande-
re Formen des Streites und der Auseinandersetzung. Dass die Aussagen des
Zeugen C._ das Kerngeschehen als sehr wahrscheinlich erscheinen lassen,
kann nicht gefolgert werden.
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f.) Dies insbesondere nicht im Lichte des Verletzungsbildes am Arm der Privatklä-
gerin. Die Anklage spricht von oberflächlichen Schnittwunden (Urk. 32 S. 3). Sieht
man sich die fotografisch festgehaltenen Verletzungen an, so wäre auch die Qua-
lifikation als "Kratzer" nicht falsch, da die Haut lediglich sehr oberflächlich und
gleichmässig angeritzt ist (Urk. 9/1), so wie dies auch im Kurzbericht des Spitals
... umschrieben wurde (act. 9/3). Das Spital ..., welches notabene nicht aufge-
sucht wurde, um die Kratzer zu behandeln, sondern zwei Tage später, um diese
zwecks geplanter Anzeige des Beschuldigten zu dokumentieren (Urk. 9/3), bestä-
tigte in seinem ergänzenden schriftlichen Bericht weiter, dass die Wunden ober-
flächlich, parallel verlaufend und multipel vorhanden sind, so dass auch eine
Selbstverletzung möglich sein könnte (Urk. 9/6). Letzteres scheint denn nicht nur
auf Grund des Verletzungsbildes als eher wahrscheinlich. Tatsächlich ist das Ver-
letzungsbild dem Gericht bekannt. Es ist ein klassisches Bild nach Selbstverlet-
zung, typischerweise von verzweifelten oder psychisch angeschlagenen Perso-
nen. Eine Fremdzufügung ist nicht nur atypisch, sondern im vorliegenden Fall auf
Grund der Dynamik der behaupteten Geschehnisse vernünftigerweise auszu-
schliessen: Das dokumentierte Verletzungsbild mit den gleichmässig langen und
gleichmässig oberflächlichen Schnitten setzt ein ruhiges, präzises und sorgfälti-
ges Führen der Klinge und ein absolutes Stillhalten des Armes voraus. Jede hek-
tische Bewegung, sei es des Armes oder der Klinge, würde zu unterschiedlichen
Schnitttiefen am Arm und unterschiedlichen Längen und Lagen der Wunden und
in jedem Falle zu einem völlig anderen Verletzungsbild führen. Dass aber in der
angeblichen Angriffssituation die Privatklägerin auf der einen Seite ihren Arm völ-
lig immobil gehalten haben und der Beschuldigte auf der anderen Seite in ebenso
ruhiger und kontrollierter Präzisionsarbeit vorgegangen sein soll, scheint allein
schon auf Grund der behaupteten Streitsituation als unwahrscheinlich.
g.) Der Vertreter der Privatklägerin brachte gegen die Annahme einer Selbstver-
letzung vor, dass die kurze Zeit, welche der Zeuge C._ hatte, um das Trep-
penhaus hinaufzusteigen, nicht gereicht hätte, um sich die Verletzungen selbst
zuzufügen (Urk. 77 S. 13, Prot. II S. 9). Dieser Einwand verfängt nicht, ist es doch
durchaus möglich, dass die Privatklägerin sich nach dem Zusammentreffen mit
dem Zeugen C._ noch weitere Verletzungen zugefügt hat. Dies gilt umso
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mehr, als der Zeuge anlässlich der polizeilichen Befragung lediglich angab, fest-
gestellt zu haben, dass der rechte Arm der Privatklägerin zugedeckt bzw. einge-
bunden gewesen sei (Urk. 8/1 S. 2). Als Zeuge befragt führte er zwar darüber
hinaus an, dass die Privatklägerin ihm "etwas von den Stichen am Unterarm ge-
zeigt" habe (Urk. 8/2 S. 6). Sie habe ihm aber nicht alles gezeigt. Es seien ver-
schiedene Schnitte, vielleicht auch Stiche am Unterarm gewesen (Urk. 8/2 S. 8).
3.2. Auch die Aussagen der Privatklägerin ergeben alles andere als ein Bild von
tatsächlich Erlebtem.
a.) So gab sie gegenüber der Polizei an, dass sie, nachdem sie die Anwesenheit
des Beschuldigten an der Türe bemerkt habe, diese wieder habe schliessen wol-
len, er aber seinen Fuss in den Türrahmen gestellt habe und ihren Arm aus der so
offen gehaltenen Türe herausgezogen habe (Urk. 7/1 S. 5). Wenig später, im
Rahmen der selben Befragung gab sie an, dass sie die Türe mit ihrem Fuss blo-
ckiert habe, damit der Beschuldigte ihren Arm nicht einklemmen könne. Die
Schnitte habe sie anfänglich nicht gespürt, da ihr der Oberarm sehr geschmerzt
habe, welcher vermutlich eingeklemmt gewesen sei (Urk. 7/1 S. 6).
b.) Bei einem solchen behaupteten Tatablauf ist das fragliche Verletzungsbild al-
leine schon deshalb kaum möglich, weil die Türe durch - wessen auch immer -
Fuss offengehalten wurde und Unterarm und Ellenbogen somit frei gelegen und
damit voll beweglich gewesen wären. Dass sie in dieser Situation nicht versucht
hat freizukommen und den Arm aus der Umklammerung loszureissen, sondern
diesen ausgestreckt und ruhig dem Beschuldigten entgegengehalten haben soll,
ist völlig lebensfremd. Ganz abgesehen davon widerspricht sie sich ja bereits in
diesen wenigen kurzen Aussagen in wesentlichen Punkten ganz entscheidend, so
etwa in der Frage, wessen Fuss die Türe blockierte und ob ihr Oberarm einge-
klemmt war oder nicht. Dabei handelt es sich nicht um Details oder Nuancen, bei
denen nach einer gewissen Zeit leichte Abweichungen nichts Aussergewöhnli-
ches wären, sondern sie widerspricht sich in zentralen Punkten, bei denen ein Ir-
ren oder eine Verwechslung vernünftigerweise auszuschliessen sind.
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c.) Eine nochmals abweichende Schilderung der Dinge gab die Privatklägerin an-
lässlich der Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft ab. Dort gab sie zwar wiede-
rum an, der Beschuldigte habe seinen Fuss zwischen die Türe und den Rahmen
gehalten. Durch die derart blockierte Türe habe er dann den Arm heraus gerissen
und zu schneiden begonnen. Davon, dass der Arm eingeklemmt war, war nun
plötzlich nicht mehr die Rede und als Grund, weshalb sie den Arm nicht zurück-
gezogen habe, gab sie nicht an, dass dieser eingeklemmt gewesen sei, sondern
dass es keinen Platz gehabt habe, um den Arm zurückzuziehen. Zudem bestätig-
te sie anlässlich dieser Einvernahme, dass sie den Arm nicht ruhig gehalten, son-
dern immer wieder versucht habe, diesen zurückzuziehen (Urk. 7/2 S. 13). An
dieser Stelle behauptete sie schliesslich auch, und dies in Widerspruch zu frühe-
ren Aussagen, dass ihr Ellenbogen zwischen der Tür eingeklemmt gewesen sei.
Der Ellenbogen habe dann auch drei, vier Tage geschmerzt. Auch diese Aussage
ist im Lichte ihrer früheren, anderslautenden Aussagen nicht nur völlig unglaub-
haft, sondern auch nicht mit der objektiven Feststellung des rapportierenden Poli-
zeibeamten und dem Spital ... in Einklang zu bringen, wonach am Ellenbogen
keinerlei Druckdolenzen oder Ähnliches festzustellen gewesen seien (Urk. 7/1 S.
6; Urk. 9/3). Sofern es also überhaupt zu einer Auseinandersetzung der beiden
gekommen sein sollte, lässt sich jedenfalls nicht erstellen, dass der Arm der Pri-
vatklägerin eingeklemmt war.
d.) Anlässlich der polizeilichen Befragung vom 4. Januar 2012 wurde sie weiter
gefragt, wieso der Beschuldigte die Türe nicht einfach aufgestossen habe. Weil
sie mit der anderen Hand die Türe zugestossen habe, lautete ihre Antwort. Nach-
dem ihr eine weitere Frage gestellt wurde, fragte sie der einvernehmende Beamte
erneut, weshalb der Beschuldigte die Türe nicht einfach aufgestossen habe, wo-
rauf sie diesmal zur Antwort gab, dass sie dies nicht wisse (Urk. 7/1 S. 5).
e.) Zusammenfassend bleibt somit festzuhalten, dass auf Grund der Aussagen
der Privatklägerin Grund zur Annahme besteht, dass sich am fraglichen 1. Januar
2012 an der Wohnungstüre der Privatklägerin ein Vorfall ereignet hat, dafür
spricht auch der Umstand, dass der Zeuge C._ den Beschuldigten angetrof-
fen haben will. Was genau sich dort abgespielt hat, lässt sich aber mit den Aus-
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sagen der Privatklägerin nicht rekonstruieren, insbesondere nicht, dass sich die
Dinge in etwa so zugetragen haben, wie in der Anklage geschildert. Dazu vermö-
gen auch die weiteren Beweismittel keinen Beitrag zu leisten, insbesondere nicht
die Aussagen des Zeugen C._, welcher die angebliche Auseinandersetzung
ja nicht selbst wahrgenommen hatte.
3.3. Dasselbe gilt auch für den ersten angeblichen Vorfall in der Nacht vom
17. auf den 18. Dezember 2011.
Anlässlich der polizeilichen Befragung beschrieb die Privatklägerin den Vorfall wie
folgt:
a.) Der Beschuldigte sei plötzlich vor der Wohnung aufgetaucht, in diese einge-
drungen, habe sie auf den Boden gestossen und ihr mit der rechten Hand den
Mund zu und mit der anderen ein Messer an den Hals gehalten. Er sei rechts ne-
ben ihr gekniet. Auf die Frage, ob sie das Messer gesehen habe und wie dieses
ausgesehen habe, gab sie zur Antwort, dass sie dieses nicht richtig angeschaut
habe und auch nicht wisse, ob es ein Sackmesser gewesen sei. Auf entspre-
chende Nachfrage gab sie sodann zur Antwort, dass sie das Messer gesehen ha-
be, aber es nicht beschreiben könne. Daraufhin habe sie ihn nach hinten weg ge-
stossen und zu schreien begonnen, worauf er abgehauen sei. Die Tochter habe
alles gesehen und habe auch Angst bekommen (Urk. 7/1 S. 3 ff.).
b.) Auch diese Schilderung fällt vorab durch ihre geringe Lebensnähe auf. Wäh-
renddem es zwar wenig wahrscheinlich aber theoretisch noch vorstellbar ist, dass
jemand eine liegende Person überwältigt, indem er dieser ausschliesslich den
Mund zu hält aber neben und nicht auf sie kniet und sie auch sonst in keiner Art
und Weise fixiert, sind die Schilderungen des angeblich eingesetzten Messers in
sich widersprüchlich und auch nicht nachvollziehbar. Auf Grund ihrer Schilderung
ist nicht klar, ob sie das Messer nun gesehen haben will oder nicht. Dass sie
schliesslich bei jener Antwort, in welcher sie angab, dieses gesehen zu haben,
dieses nicht beschreiben konnte, ist ebenfalls nicht nachvollziehbar. Das Zücken
und Vorhalten eines Messers ist ein dramatisches und eindrückliches Erlebnis
und der Anblick dieses Messers prägend. Dass sie trotzdem keine Beschreibung
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des Messers abgeben kann spricht ebenfalls dafür, dass es sich hierbei nicht um
tatsächlich Erlebtes handelt.
c.) Dieser Eindruck wird bei der Würdigung der Einvernahme bei der Staatsan-
waltschaft weiter bestärkt, denn die dort abgegebene Sachverhaltsdarstellung
weicht in wesentlichen Punkten erheblich von der vorherigen ab. Zwar beschrieb
sie auch da, dass er mit der einen Hand den Mund zu und mit der anderen das
Messer an den Hals gehalten habe. Dabei will sie aber bereits geschrien haben,
weshalb ihre Tochter aufgestanden sei. Auf unmittelbare Nachfrage nach dem
Schreien gab sie dann zur Antwort, dass sie erst geschrien habe, nachdem er die
Hand weggenommen habe, was die Tochter gesehen habe (Urk. 7/2 S. 8 ff.).
Auch dieser Widerspruch in den behaupteten Handlungsabläufen ist nicht als
nachvollziehbarer Widerspruch in einer Aussage erklärbar, etwa durch Zeitablauf
bedingt oder weil es sich um eine unwesentliche Nuance handelt. Die Frage, ob
die Tochter von Anfang an dabei war und alles miterlebt hat oder ob Sie erst nach
den Schreien dazugekommen sei und ob diese Schreie erst nach dem Wegneh-
men der Hand oder schon vorher ausgestossen wurden, sind zentrale Punkte in
denen sich die Privatklägerin derart diametral widerspricht, dass es kaum vor-
stellbar ist, dass es sich dabei um selbst Erlebtes handelt. Auch handelt es sich
dabei nicht um komplexe oder dynamische Handlungsabläufe, bei denen es na-
turgemäss schwer fällt, sich die genaue Geschehensabläufe in Erinnerung zu ru-
fen, was allfällige Ungereimtheiten erklärbar machen würde. Vielmehr kann ihr
Aussageverhalten nur so gewertet werden, dass es sich beim Erzählten um eine
zumindest im Kerngeschehen erfundene Geschichte handelt, die je nach Frage
immer wieder anders erzählt wird. Somit lässt sich auch bei diesem angeblichen
Vorfall auf Grund der Aussagen der Privatklägerin alleine nicht auf genügend zu-
verlässige Art und Weise ein bestimmter Sachverhalt erstellen, und schon gar
nicht der in der Anklage beschriebene.
d.) Wohl wurden zahlreiche weitere Untersuchunsghandlungen vorgenommen,
doch auch aus diesen lässt sich nichts zu Lasten des Beschuldigten ableiten.
Da sind in erster Linie einmal die Aussagen des Beschuldigten selbst. Mit der Vor-
instanz sind seine Aussagen insgesamt als wenig glaubhaft zu qualifizieren
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(Urk. 66 S. 16 ff.). So verstrickte auch er sich in zahlreichen Punkten in erhebliche
Widersprüche. Insbesondere seine Bestreitung, zu den fraglichen Zeitpunkten bei
der Privatklägerin gewesen zu sein, erscheint als nicht glaubhaft. Es liegt vielmehr
nahe, dass er zu den fraglichen Zeitpunkten jeweils die Privatklägerin bei ihr zu
Hause aufgesucht hat. Da er aber die Taten grundsätzlich bestreitet, lässt sich
aus seinen Angaben auch nichts ableiten, was den Anklagesachverhalt in den de-
liktsrelevanten Punkten erhärten würde. Umgekehrt lässt sich aber daraus auch
nicht ableiten, dass sich die Geschehnisse folglich wie von der Privatklägerin be-
schrieben zugetragen haben müssen. Es bleibt hinsichtlich seiner Aussagen so-
mit einzig festzuhalten, dass ihn seine Aussagen wegen ihrer eher tiefen Glaub-
haftigkeit nicht zu entlasten vermögen. Ihnen lassen sich aber auch keine Anga-
ben entnehmen, welche darauf schliessen lassen, dass sich die Dinge so wie in
der Anklage beschrieben zugetragen haben.
e.) Wie schon erwähnt, konnte auch der Zeuge C._ zum Kerngeschehen
keine Angaben aus eigener Wahrnehmung machen. Zwar kann auch er bestäti-
gen, dass die Parteien ein konfliktbeladenes Verhältnis belastet. Weiter konnte er
feststellen, dass die Privatklägerin Schnittverletzungen/Kratzer aufwies und dass
sie sehr aufgewühlt war, wovon ebenfalls auszugehen ist. Es ist auch ohne weite-
res möglich, dass die Privatklägerin ihm erzählt hat, dass sie mit einem Messer
angegriffen worden sei, bloss heisst dies noch lange nicht, dass es auch so war.
Wie oben ausgeführt, muss eben vielmehr davon ausgegangen werden, dass es
nicht so war, sondern dass sich Anderes zugetragen hat, was weder bekannt
noch in der Anklage aufgeführt ist, sich aber mit den Feststellungen C._s oh-
ne weiteres in Einklang bringen liesse.
f.) Auch die Ehefrau des Beschuldigten wurde als Zeugin befragt (Urk. 8/3). Eine
vertiefte Auseinandersetzung mit ihrer Aussage kann unterbleiben, denn auch sie
belastet den Beschuldigten nicht. Andererseits ergibt sich aus ihren Aussagen
auch nichts, was für die Sachverhaltsdarstellungen der Privatklägerin sprechen
würde, weshalb auf ihre Aussagen nicht weiter abzustützen ist.
g.) Dasselbe gilt für den Arbeitgeber des Beschuldigten, den Zeugen D._.
Auch er kann die belastete Beziehung der beiden bestätigen und erklärte weiter,
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dass der Beschuldigte am 17. Dezember 2012 bis 23 Uhr bei ihm gearbeitet habe
(Urk. 8/6 S. 4). Auch hier kann eine breite Würdigung seiner Aussage unterblei-
ben. Das einzige was er in dieser Hinsicht mit seiner Aussage bestätigen könnte
wäre, dass der Beschuldigte zu jener Zeit nicht bei der Privatklägerin war, was
den Aussagen des Zeugen C._ widerspricht, schliesslich aber offen bleiben
kann. Weitere relevante Angaben, insbesondere zum Tathergang, macht er nicht.
h.) Der Zeuge E._ konnte zum Tatgeschehen gar nichts sagen und seine
Aussagen tragen zur Klärung des Sachverhalts nichts bei (Urk. 8/8).
i.) Dasselbe gilt schliesslich für die Zeugin F._. Auch sie wurde ausführlich
über die involvierten Parteien, deren Beziehung und deren Familien befragt. Zur
Sache konnte sie gar keine Aussagen machen.
j.) Soweit sich aus diesen Zeugenaussagen überhaupt etwas entnehmen lässt, so
immerhin, dass die Parteien sehr stark verfeindet sind und sich gegenseitig auf al-
le möglichen Arten und Weisen gegenseitig das Leben schwer machen und auch
nicht davor zurück schrecken, Dritte in diese Auseinandersetzung zu involvieren.
Das sagt wie gesagt wenig über das Tatgeschehen aus, aber dafür umso mehr
über die Glaubwürdigkeit der beiden, nämlich dass die Aussagen im Lichte dieser
tiefen Feindschaft entsprechend mit grösster Zurückhaltung zu würdigen sind.
k.) Zu erwähnen ist weiter, dass eine umfangreiche Spurensicherung vorgenom-
men wurde (Urk. 11). Diese förderte nichts zu Tage, was den Anklagesachverhalt
stützen würde. So konnten beim Türrahmen keinerlei Spuren festgestellt werden,
was im Falle des behaupteten Einklemmens des Arms wohl der Fall gewesen wä-
re (Urk. 11/5). Auch das Taschenmesser des Beschuldigten, welches als Tatwaffe
am ehesten in Frage käme, wurde untersucht und es konnten wohl Spuren des
Beschuldigten, nicht aber der Privatklägerin gefunden werden. Wäre sie mit die-
sem verletzt worden, so wäre das Fehlen von Spuren nicht zu erklären
(Urk. 11/10).
l.) Zusammenfassend lässt sich somit festhalten, dass sich auf Grund der vorlie-
genden Akten der Anklagesachverhalt nicht erstellen lässt. Die einzige konkrete
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Belastung stellen die Aussagen der Privatklägerin dar. Sie ist jedoch unglaubwür-
dig und ihre Aussagen derart widersprüchlich und wenig lebensnah, dass nicht
auf sie abzustützen ist. Nachdem nun aber noch nicht einmal diese Aussagen ei-
ne plausible Sachverhaltsdarstellung abzugeben vermögen und die einzigen wei-
teren objektiven Beweismittel, nämlich die Fotos des Arms und die weiteren me-
dizinischen Unterlagen, gegen diese Sachverhaltsdarstellung sprechen, kann
nicht davon ausgegangen werden, dass sich die Dinge wie in der Anklage be-
schrieben zugetragen haben. Der Sachverhalt ist somit nicht erstellt und der Be-
schuldigte freizusprechen.
IV. Zivilforderungen
1. Die Privatklägerin beantragt die Zusprechung einer Genugtuung und die
Verweisung der darüber hinausgehenden Zivilklage auf den Zivilweg (Urk. 67
S. 2). Die Vorinstanz hat die Zivilklage in Anwendung von Art. 126 Abs. 2
lit. d StPO auf den Zivilweg verwiesen, da der Beschuldigte freigesprochen wurde
(Urk. 66 S. 30).
2. a.) Währenddem diese Art der Erledigung unter der früheren StPO die Regel
war, verlangt der Gesetzgeber mit der neuen StPO nach Möglichkeit auch im Fal-
le eines Freispruchs eine materielle Erledigung der Zivilklage. Allerdings soll das
Strafgericht die Zivilklage nur entscheiden müssen, wenn die Sache spruchreif ist,
d.h. wenn über die den Zivilanspruch ohne Weiterungen auf Grund der im bisheri-
gen Verfahren gesammelten Beweise entschieden werden kann (BSK-StPO Dol-
ge, Art. 126 N 19). Erfolgt ein Freispruch mangels Beweis, wird in aller Regel
auch der zivilrechtlich bedeutsame Sachverhalt illiquid sein (Donatsch/Hans-
jakob/Lieber, Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, Art. 126
N 7).
b.) Genau dies ist vorliegend der Fall: Wie oben ausgeführt, ist der Sachverhalt
völlig illiquid. Es ist zwar nicht auszuschliessen, dass sich etwas anderes ereignet
hat und es ist auch nicht auszuschliessen, dass daraus zivilrechtliche Ansprüche
entstanden sind. Aber wie gesagt lässt sich weder der Anklage- noch ein anderer
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Sachverhalt erstellen und zwar auch nicht nach Würdigung der Beweise nach zi-
vilprozessualen Beweismitteln, da die Sachverhaltsdarstellung der behauptungs-
pflichtigen Partei derart unsubstantiiert und widersprüchlich ist, dass noch nicht
einmal eine genügende Behauptung vorliegt, über welche Beweis geführt werden
könnte. Dementsprechend lässt sich auch nichts zu den übrigen Haftungsvoraus-
setzungen sagen, weshalb die zivilrechtlichen Ansprüche auf den Zivilweg zu
verweisen sind.
V. Genugtuung
In Übereinstimmung mit den Erwägungen der Vorinstanz (Urk. 66 S. 31) ist dem
Beschuldigten bei diesem Ausgang des Verfahrens für die erlittene Haft eine Ge-
nugtuung von Fr. 7'400.-- zuzüglich Zins zu 5% seit dem 22. Januar 2012 aus der
Staatskasse auszurichten.
VI. Kostenfolgen
1. Ausgangsgemäss ist die vorinstanzliche Kostenregelung zu bestätigen
(Urk. 66 S. 32).
2. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ergreift also ein Pri-
vatkläger ein Rechtsmittel, zu dem er legitimiert ist, so folgt die Auflage der Ver-
fahrenskosten zivilprozessualen Grundsätzen, d.h. streng nach Massgabe ihres
Obsiegens oder Unterliegens (BSK-StPO, a.a.O., Art. 428 N 10). Nachdem die
ausschliesslich Berufung erhebende Privatklägerin vollständig unterliegt, hat sie
sämtliche Kosten zu tragen. Da ihr mit Verfügung vom 24. Januar 2012 die un-
entgeltliche Rechtspflege gewährt wurde (Urk. 23/9), ist sie aber auch von den
Verfahrenskosten befreit (Art. 136 Abs. 2 lit. b. StPO). Dementsprechend sind die
Kosten auf die Gerichtskasse zu nehmen.
3. Obsiegt die beschuldigte Person gegenüber der Privatklägerschaft, so hat
sie Anspruch auf die Aufwendungen, welche durch die Anträge zum Zivilpunkt
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verursacht worden sind (Art. 432 Abs. 1 StPO). Sofern die antragstellende Person
mutwillig oder grob fahrlässig die Einleitung des Verfahrens bewirkt hat, so kann
sie auch verpflichtet werden, dem Beschuldigten die Aufwendungen für die Aus-
übung ihrer Verfahrensrechte im Strafpunkt zu ersetzen (Art. 432 Abs. 2 StPO).
Wie oben ausgeführt, ist nicht davon auszugehen, dass sich die Dinge wie in der
Anklage beschrieben zugetragen haben. Ob aber die Verfahrenseinleitung gera-
dezu mutwillig war, lässt sich ebenfalls nicht erstellen, bejahendenfalls hätte das
Verfahren schon in einem weit früheren Stadium eingestellt werden müssen,
weshalb zumindest das Einlegen der Berufung nicht als mutwillig erscheint und
dementsprechend die Privatklägerin nicht zu einer Entschädigung zu verpflichten
ist. Dies auch deshalb, weil dem Beschuldigten für den Zivilpunkt alleine keine
Mehraufwendungen entstanden sind. Die Aufwendungen für die amtliche Vertei-
digung sind somit auf die Gerichtskasse zu nehmen.