# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 8111608d-bd53-4ac8-b7b7-157c3a001e4e
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.
a. A.A. ist seit seiner Einbürgerung in der Schweiz im Jahr 2007 deutsch-
schweizerischer Doppelbürger. In den Jahren 2007 bis 2009 war er in der von ihm
gegründeten X. AG mit Sitz in Rapperswil-Jona und in der X. GmbH, Hamburg,
unselbständig erwerbstätig. Er verfügt über Grundeigentum in Deutschland und der
Schweiz (Rapperswil-Jona). Am 27. September 2011 wurde er für die direkte
Bundessteuer 2007 bis 2009 sowie die Kantons- und Gemeindesteuern 2007 bis 2009
veranlagt (act. G 10/6 02/27, 09/27, 16/27). In den dagegen erhobenen Einsprachen
machte er geltend, in diesen Jahren in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig
gewesen zu sein. Für 2008 und 2009 seien sodann Abzüge von Beiträgen an die AHV
und die gebundene Vorsorge zuzulassen (act. G 10/16 04/27, 11/27, 18/27).
b. Das Kantonale Steueramt hiess die Einsprachen mit Entscheiden vom 6. September
2013 insoweit gut, als es die Beitragsabzüge zuliess; im Übrigen wies es die
Einsprachen ab. Zur Begründung erwog es unter anderem, dass die im Rahmen des
Einbürgerungsverfahrens vorgebrachten Argumente (Freunde und Bekannte in der
Schweiz, geplante Ansiedlung der gesamten Geschäftsaktivitäten in der Schweiz,
zwanzigjährige CH-Ansässigkeit) bei der Festlegung des steuerrechtlichen Wohnsitzes
zu berücksichtigen seien. Auch habe die Einbürgerung den Wohnsitz in der Schweiz
vorausgesetzt. Für die direkte Bundessteuer setzte das Steueramt die steuerbaren
Einkommen auf Fr. 205‘100.-- (2007, satzbestimmend Fr. 712‘200.--), Fr. 65‘100.--
(2008, satzbestimmend Fr. 244‘400.--) und Fr. 408‘200.-- (2009, satzbestimmend Fr.
610‘900.--) fest. Für die Kantons- und Gemeindesteuern veranlagte das Steueramt
steuerbare Einkommen von Fr. 205‘000.-- (2007, satzbestimmend Fr. 712‘000.--), Fr.
64‘900.-- (2008, satzbestimmend Fr. 244‘400.--) und Fr. 407‘900.-- (2009,
satzbestimmend Fr. 610‘700.--) sowie steuerbare Vermögen von Fr. 6‘344‘000.-- (2007,
satzbestimmend Fr. 7‘396‘000.--), Fr. 6‘116‘000.-- (2008, satzbestimmend Fr.
7‘187‘000.--) und Fr. 5‘282‘000.-- (2009, satzbestimmend Fr. 6‘346‘000.--; act. G 10/6
05/27, 12/27, 19/27). Hiergegen liess A.A. am 1. Oktober 2013 Rekurs (Kantons- und
Gemeindesteuern) und Beschwerde (direkte Bundessteuer) erheben mit dem Antrag,
die internationale Steuerausscheidung sei unter der Prämisse, dass er in den Jahren
2007 bis 2009 im Sinn des Doppelbesteuerungsabkommens zwischen Deutschland
und der Schweiz als in Deutschland ansässig gegolten habe, vorzunehmen (act. G
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
10/1). Diese Rechtsmittel wurden von der Verwaltungsrekurskommission des Kantons
St. Gallen mit Entscheid vom 20. Mai 2014 abgewiesen (act. G 2).
B.
a. Gegen diesen Entscheid liess A.A. durch die Q. AG mit Eingabe vom 23. Juni 2014
Beschwerde erheben und beantragen, es sei festzustellen, dass der Beschwerdeführer
im Sinn von Art. 4 Ziff. 2 des Abkommens zwischen der Schweizerischen
Eidgenossenschaft und der Bundesrepublik Deutschland zur Vermeidung der
Doppelbesteuerung auf dem Gebiete der Steuern vom Einkommen und vom Vermögen
(DBA-D; SR 0.672.913.62) als in Deutschland ansässig gelte und er folglich in der
Schweiz lediglich beschränkt steuerpflichtig sei. Die internationale Ausscheidung sei
entsprechend vorzunehmen. Die steuerbaren Faktoren seien (in Fr.) wie folgt
festzusetzen:
Steuerperiode 2007 steuerbar satzbestimmend
Kantons- und
Gemeindesteuern
- Einkommen 20‘600.-- 632‘300.--
- Vermögen 859‘000.-- 7‘396‘000.--
Direkte Bundessteuer 20‘600.-- 631‘600.--
Steuerperiode 2008
Kantons- und Gemeindesteuern
- Einkommen 15‘700.-- 240‘500.--
- Vermögen 844‘000.-- 7‘187‘000.--
Direkte Bundessteuer 15‘700.-- 239‘800.--
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Steuerperiode 2009
Kantons- und Gemeindesteuern
- Einkommen 13‘200.-- 608‘600.--
- Vermögen 495‘000.-- 6‘346‘000.--
Direkte Bundessteuer 13‘200.-- 607‘900.--
Die Streitsache sei zur entsprechenden Neubeurteilung und Vornahme der korrekten
internationalen Steuerausscheidung an den Beschwerdegegner zurückzuweisen (act. G
1). Mit Eingabe vom 16. Juli 2014 liess der Beschwerdeführer eine Übersicht über seine
Aufenthaltsorte im Jahr 2007 einreichen (act. G 6 und G 7.1).
b. In der Vernehmlassung vom 28. Juli 2014 beantragte die Vorinstanz Abweisung der

## Considerations

Beschwerde und verwies auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids (act. G
9). Am 7. August 2014 liess der Beschwerdeführer eine weitere Übersicht über seine
Aufenthaltsorte in den Jahren 2007 bis 2009 nachreichen (act. G 12 f.). Am 12. August
2014 teilte der Beschwerdegegner den Verzicht auf eine Vernehmlassung mit und
beantragte Abweisung der Beschwerde (act. G 15). Die Beschwerdebeteiligte
verzichtete stillschweigend auf eine Stellungnahme (act. G 16).
c. Auf die Vorbringen des Beschwerdeführers in den Eingaben des vorliegenden
Verfahrens wird - soweit für den Entscheid relevant - in den nachstehenden
Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Da die steuerrechtlichen Vorschriften des Bundes und der Kantone zur
Veranlagung der Einkommens- und Vermögenssteuern vereinheitlicht sind, erledigte
die Vorinstanz den Rekurs betreffend die Kantons- und Gemeindesteuern einerseits
und die Beschwerde betreffend die direkte Bundessteuer anderseits zu Recht im
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
gleichen Entscheid, aber mit getrennten Dispositivziffern; unter diesen Umständen
durfte auch der Beschwerdeführer die Beschwerden in einer gemeinsamen
Rechtsschrift erheben (BGE 135 II 260 E. 1.3). Ebenso ist es zulässig, dass das
Verwaltungsgericht über die Beschwerden im gleichen Urteil entscheidet (vgl. BGer
2C_440 und 441/2014 vom 10. Oktober 2014 E. 1.2).
2. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59
Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP; Art. 229 in
Verbindung mit Art. 196 Abs. 1 des Steuergesetzes, sGS 811.1, StG; Art. 1 Abs. 3 und
Art. 7 Abs. 2 der Verordnung zum Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, sGS
815.1; Art. 145 des Gesetzes über die direkte Bundessteuer, SR 642.11, DBG). Der
Beschwerdeführer ist zur Beschwerde legitimiert, und die Eingabe vom 23. Juni 2014
entspricht zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 229 in
Verbindung mit Art. 194 Abs. 1 StG in Verbindung mit Art. 64 und Art. 48 Abs. 1 VRP;
Art. 145 in Verbindung mit Art. 140 Abs. 1 und 2 DBG). Auf die Beschwerde ist somit
einzutreten.
Die Kognition des Verwaltungsgerichts ist auf Rechtsverletzungen beschränkt; der
Beschwerdeführer kann sich sodann auch darauf berufen, die angefochtene Verfügung
oder der angefochtene Entscheid beruhe auf einem unrichtig oder unvollständig
festgestellten Sachverhalt (Art. 61 VRP). Nachdem das Verwaltungsgericht im
Steuerrecht nicht an die Begehren der Verfahrensbeteiligten gebunden ist (Art. 196
Abs. 2 StG) und das Novenverbot im Sinne von Art. 61 Abs. 3 VRP in diesem
Rechtsbereich nicht gilt (vgl. VerwGE B 2007/218 vom 13. März 2008 E. 2.1,
www.gerichte.sg.ch), sind die vom Beschwerdeführer nachgereichten schriftlichen
Auskünfte betreffend Aufenthaltstage in den Jahren 2007 bis 2009 in und ausserhalb
der Schweiz (act. G 7.1 und G 13) in die Beweiswürdigung des vorliegenden Verfahrens
mit einzubeziehen.
3.
3.1. Streitig ist vorliegend die durch den vorinstanzlichen Entscheid bestätigte
Feststellung der unbeschränkten Steuerpflicht des Beschwerdeführers in der Schweiz
in den Jahren 2007 bis 2009. Gemäss Art. 3 Abs. 1 DBG, Art. 3 Abs. 1 des
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten Steuern des Bundes und der
Kantone (StHG; SR 642.14) sowie Art. 13 Abs. 1 StG sind natürliche Personen aufgrund
persönlicher Zugehörigkeit steuerpflichtig, wenn sie ihren steuerrechtlichen Wohnsitz
oder Aufenthalt in der Schweiz bzw. im Kanton haben. Die schweizerische Steuerhoheit
ist im internationalen Verhältnis gegebenenfalls durch das anwendbare
Doppelbesteuerungsabkommen begrenzt (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,
Handkommentar zum DBG, 2. A. 2009, Rz. 6 der Vorbemerkungen zu Art. 3 bis 15
DBG). Das DBA-D definiert in Art. 4 Abs. 1 „eine in einem Vertragsstaat ansässige
Person“ im Sinn des Abkommens als Person, die nach dem in diesem Staat geltenden
Recht dort unbeschränkt steuerpflichtig ist. Die persönliche Zugehörigkeit führt zu einer
grundsätzlich unbeschränkten Steuerpflicht. Vorweg zu prüfen ist somit, ob beim
Beschwerdeführer nach schweizerischem Recht die Voraussetzungen der subjektiven
und objektiven Steuerpflicht im Kanton St. Gallen in den erwähnten Jahren zu bejahen
waren (vgl. dazu Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., Rz. 6 der Vorbemerkungen zu
Art. 3 bis 15 DBG).
3.2. Einen (die unbeschränkte Steuerpflicht begründenden) steuerrechtlichen
Aufenthalt in der Schweiz hat eine Person, wenn sie in der Schweiz ungeachtet
vorübergehender Unterbrechungen während mindestens 30 Tagen verweilt und eine
Erwerbstätigkeit ausübt (Art. 3 Abs. 3 lit. a DBG, Art. 13 Abs. 3 lit. a StG) bzw. während
mindestens 90 Tagen verweilt und keine Erwerbstätigkeit ausübt (Art. 3 Abs. 3 lit. b
DBG, Art. 13 Abs. 3 lit. b DBG). Einen Wohnsitz hat eine Person, wenn sie sich hier mit
der Absicht dauernden Verbleibens aufhält oder wenn ihr das Bundesrecht hier einen
besonderen gesetzlichen Wohnsitz zuweist (Art. 3 Abs. 2 DBG, Art. 3 Abs. 2 StHG, Art.
13 Abs. 2 StG). Als Wohnsitz einer Person gilt der Ort, an dem sich faktisch der
Mittelpunkt ihrer Lebensinteressen befindet. Dieser bestimmt sich nach der Gesamtheit
der objektiven, äusseren Umstände, aus denen sich diese Interessen erkennen lassen,
nicht nach den bloss erklärten Wünschen der steuerpflichtigen Person. Der
steuerrechtliche Wohnsitz ist insofern nicht frei wählbar; eine bloss affektive
Bevorzugung des einen oder anderen Ortes fällt nicht ins Gewicht (BGer 2C_472/2010
vom 18. Januar 2011, E. 2.2 mit Hinweis auf BGE 125 I 54 E. 2a und 123 I 289 E. 2b).
Sodann genügt es nach der Rechtsprechung für eine Wohnsitzverlegung nicht, die
Verbindungen zum bisherigen Wohnsitz zu lösen; entscheidend ist vielmehr, dass nach
den gesamten Umständen ein neuer Wohnsitz begründet worden ist. Der rechtliche
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Gehalt des Wohnsitzbegriffs lehnt sich weitgehend an den Wohnsitzbegriff des
Zivilgesetzbuches (ZGB) an: Nach wie vor gilt, dass niemand an mehreren Orten
zugleich Wohnsitz haben kann. Gleichermassen bleibt der einmal begründete Wohnsitz
- grundsätzlich - bis zum Erwerb eines neuen bestehen. Nicht entscheidend ist deshalb
in der Regel, wann der Steuerpflichtige sich am bisherigen Wohnort abgemeldet oder
diesen verlassen hat. Begibt er sich ins Ausland, bleibt er in der Schweiz
steuerpflichtig, bis er nachweisbar im Ausland einen neuen Wohnsitz begründet (BGer
2C_472/2010, a.a.O., E. 2.1).
In diesem Zusammenhang ist von Bedeutung, dass die Steuerbehörden die den
Steuerwohnsitz konstituierenden Sachverhaltselemente zwar von Amtes wegen
abzuklären haben (Art. 123 Abs. 1 DBG, Art. 176 StG) und der Steuerwohnsitz als
steuerbegründende Tatsache grundsätzlich von den Steuerbehörden nachzuweisen ist.
Der Steuerpflichtige ist jedoch zur Mitwirkung und namentlich zu umfassender
Auskunftserteilung über die für die Besteuerung massgebenden Umstände verpflichtet
(vgl. Art. 124 ff. DBG, Art. 170 StG). Dass eine Wohnsitzverlegung stattgefunden hat, ist
somit vom Steuerpflichtigen im Rahmen seiner Mitwirkungspflicht darzulegen. Dazu
gehört nicht nur die endgültige Lösung der Verbindungen zum bisherigen Wohnsitz,
sondern auch die Darstellung der Umstände, welche zur Begründung des neuen
Wohnsitzes geführt haben (BGer 2C_472/2010, a.a.O., E. 2.2).
3.3. Der Beschwerdegegner begründete die Einspracheentscheide vom 6.
September 2013 im Wesentlichen mit Hinweis auf die am 8. Mai 2007 erfolgte
Einbürgerung des Beschwerdeführers. Für die Erlangung derselben habe dieser auf
seine zwanzigjährige Anwesenheit in der Schweiz, seinen Freundes- und
Bekanntenkreis in der Schweiz und die Ansiedlung der Geschäftsaktivitäten in der
Schweiz verwiesen (vgl. dazu Auszug Einbürgerungsgesuch; act. G 10/6 24/27). Der
Wohnsitz in der Schweiz bilde Voraussetzung für die Erlangung der schweizerischen
Staatsbürgerschaft. Damit sei gleichzeitig die persönliche und unbeschränkte
Steuerpflicht in der Schweiz verbunden (act. G 10/6 05/27, 12/27, 19/27). Die
Vorinstanz hielt im angefochtenen Entscheid fest, mit seinen Äusserungen im
Einbürgerungsverfahren habe der Beschwerdeführer die Absicht des dauernden
Verbleibens bekräftigt. Es erscheine als sehr wahrscheinlich, dass sein
Lebensmittelpunkt im Jahr der Einbürgerung und in den Folgejahren in der Schweiz
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
gelegen habe. Damit obliege der Nachweis, dass die Voraussetzungen für eine
Besteuerung in den Jahren 2007 bis 2009 erfüllt gewesen seien, nicht dem
Beschwerdegegner. Vielmehr sei es Sache des Beschwerdeführers, den Gegenbeweis
für den steuerlichen Wohnsitz ausserhalb der Schweiz zu erbringen (act. G 2 S. 6 mit
Hinweis auf StE 1992 B 11.1 Nr. 11). Für seine Sachdarstellung habe der
Beschwerdeführer sodann von sich aus beweiskräftige Unterlagen einzureichen oder
die Beweismittel wenigstens unter genauer Bezeichnung anzubieten (act. G 2 S. 6 mit
Hinweis auf RB-ZH 2008 Nr. 74, S. 152). Derartige Beweise lägen nicht vor. Der
Beschwerdeführer habe lediglich darauf hingewiesen, die gesellschaftlichen,
politischen und sozialen Verbindungen im Einzelnen belegen zu können. Eine
hinreichende Substantiierung sei nicht erfolgt. Damit sei in Bestätigung der früheren
gerichtlichen Beurteilung (VRKE I/1-2009/63 vom 30. März 2010, E. 2c) davon
auszugehen, dass in den Jahren 2007 bis 2009 eine Steuerpflicht in der Schweiz
bestanden habe (act. G 2 S. 7).
3.4. Im vorliegenden Verfahren lässt der Beschwerdeführer unter anderem
ausführen, in den Jahren vor 2007 habe er eine geringe berufliche Tätigkeit über die
schweizerische X. AG entwickelt. Im 2007 habe er diese Arbeiten in der Schweiz
faktisch eingestellt. Seit dem 1. Januar 2008 beziehe er aus der schweizerischen
Gesellschaft keinen Lohn mehr. Sein gewöhnlicher Aufenthalt befinde sich in Hamburg.
Er sei dort in verschiedenen öffentlichen bzw. sozialen Institutionen engagiert.
Unregelmässig alle paar Wochen komme er für einige Tage nach Rapperswil. Zur
Schweiz habe er keine familiären Beziehungen. Seine drei mittlerweile erwachsenen
Kinder würden in Deutschland leben und fänden sich dort regelmässig zu
Zusammenkünften ein. Seine Lebenspartnerin lebe in Salzburg. Nur die aus Schweizer
Quellen stammenden Einkünfte und Vermögenswerte dürften hier von der
Veranlagungsbehörde erfasst werden (beschränkte Steuerpflicht in der Schweiz). Er
habe die zweckdienlichen Informationen bereitwillig abgegeben. Es gehe nicht an, dass
die Vorinstanz ihm die Untersuchungspflicht aufbürde. Sie habe mit ihrer Feststellung,
dass es der Steuerpflichtige unterlassen habe, von sich aus beweiskräftige Unterlagen
einzureichen oder die Beweismittel unter genauer Bezeichnung anzubieten, die
Verfahrensgrundsätze verletzt. Die Vorinstanz habe für das Steuerjahr 2006 zugunsten
des Beschwerdeführers entschieden. Bereits in jenem Entscheid sei die
Staatsbürgerschaft für die Frage der Ansässigkeit ohne Bedeutung gewesen. Seine
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Angaben im Rahmen des Einbürgerungsverfahrens, die Geschäftsaktivitäten in der
Schweiz ansiedeln zu wollen, hätten einer Wunschvorstellung, nicht jedoch der Realität
entsprochen. Dies würden die Einkommenszahlen deutlich belegen. Der
Beschwerdeführer sei während der fraglichen Steuerperioden in Deutschland aufgrund
persönlicher Zugehörigkeit unbeschränkt steuerpflichtig gewesen (act. G 1 S. 4-7 mit
Hinweis Steuerbescheide, act. G 3).
3.5.
3.5.1. Der Beschwerdeführer war in den Jahren 2007 bis 2009 Eigentümer einer
Liegenschaft in Jona; an der Adresse dieser Liegenschaft hat auch die von ihm
gegründete X. AG ihren Sitz. Diese Verhältnisse blieben nach Lage der Akten bis heute
unverändert. Nach der Rechtsprechung können die geschäftlichen Interessen für die
Bestimmung des Mittelpunktes der Interessen des Steuerpflichtigen nur dann von
Bedeutung sein, wenn sie einen überwiegenden Teil seiner Gesamtinteressen
darstellen. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang, dass auch Führungskräfte der
Wirtschaft soziale Beziehungen pflegen und dass insbesondere derartige Beziehungen
ein gewichtiges Element bei der Bestimmung des Mittelpunktes der Lebensinteressen
darstellen (vgl. BGer 2C_472/2010 vom 18. Januar 2011, E. 2.3). Der Beschwerdeführer
macht im vorliegenden Verfahren nicht geltend, dass seine geschäftlichen Interessen
den überwiegenden Anteil seiner Gesamtinteressen beinhalten würden; solches ist aus
den Akten auch nicht ersichtlich. Er lässt im vorliegenden Verfahren jedoch
Zusammenstellungen betreffend seine Aufenthaltsorte in den Jahren 2007 bis 2009
einreichen (act. G 7.1 und G 13). In der am 18. Juli 2014 vorgelegten Aufstellung nennt
er für 2007 33 1⁄2 Aufenthaltstage in der Schweiz und 198 Aufenthaltstage in Hamburg
(act. G 7.1). In der Aufstellung vom 28. Juli 2014 werden die Aufenthaltstage in der
Schweiz wie folgt bescheinigt: 22.5 Tage für 2007, 41.5 Tage für 2008 und 37.5 Tage
für 2009 (act. G 13).
3.5.2. Aufgrund der vorstehenden Angaben ist davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer sich in der Schweiz in den Jahren 2007 bis 2009 je während
mindestens 30 Tagen aufhielt und eine Erwerbstätigkeit ausübte (Art. 3 Abs. 3 lit. a
DBG, Art. 13 Abs. 3 lit. a StG), auch wenn er aus der schweizerischen Gesellschaft
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
keinen Lohn bezog. Er war daher bereits aus diesem Grund in der Schweiz zufolge
persönlicher Zugehörigkeit unbeschränkt steuerpflichtig.
Was sodann die Rüge des Beschwerdeführers betrifft, wonach der Beschwerdegegner
nicht legitimiert gewesen wäre, das Einbürgerungsgesuch (act. G 10/6 24/27) ohne
seine Zustimmung eigenständig zu beschaffen (Amtsgeheimnisverletzung; act. G 1 S. 6
oben), ist festzuhalten, dass der Beschwerdegegner im Rahmen seiner
Untersuchungspflicht (Art. 112 Abs. 1 DBG, Art. 163 Abs. 2 und 176 StG) berechtigt
war, diese Informationen einzuholen. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers
(act. G 1 S. 6) bestand demzufolge auch kein Verwendungs- bzw.
Beweisverwertungsverbot.
Der Beschwerdeführer lässt im Weiteren darlegen, er habe das
Einbürgerungsgesuchsformular so beantwortet, dass die zuständige Kommission
seinem Gesuch stattgeben würde. Nach der allgemeinen Lebenserfahrung würden die
Angaben nicht die objektiven Verhältnisse widerspiegeln, sondern seien sehr stark vom
Wunsch beeinflusst, die Staatsbürgerschaft zu erhalten (act. G 1 S. 6). Dazu ist
festzuhalten, dass die Einbürgerung (Kantons- und Gemeindebürgerrecht) im Jahr 2007
einen Wohnsitz des Beschwerdeführers von acht Jahren im Kanton und von vier Jahren
in der Gemeinde voraussetzte (vgl. Art. 9 des Gesetzes über das St. Galler Bürgerrecht,
BRG; sGS 121.1). Wenn er nunmehr geltend macht, seine Angaben im
Einbürgerungsformular würden nicht ausschliessen, dass er noch mehr Freunde und
Bekannte und feste Bindungen in Deutschland pflege, wo er aufgewachsen, seine
Ausbildung absolviert, seine Familie gegründet, seine Kinder aufgezogen und wo er
sein berufliches Beziehungsnetz habe (act. G 1 S. 6), so ist anzunehmen, dass er mit
diesen Angaben den für die Einbürgerung vorausgesetzten langjährigen Wohnsitz nicht
in Abrede stellen möchte. Für das Jahr 2006 bestätigte die Vorinstanz in VRKE I/
1-2009/63, a.a.O., S. 6, das Vorliegen eines CH-Wohnsitzes. Im Jahr 2007, in welchem
der Wohnsitz als Einbürgerungsvoraussetzung gegeben sein musste (vgl. Art. 41 BRG),
hielt sich der Beschwerdeführer nach seinen Angaben wie erwähnt 22.5 oder 33.5 Tage
hier auf. In den Folgejahren 2008 und 2009 ergaben sich erheblich längere Aufenthalte
in der Schweiz (act. G 13). Aus diesen Angaben lassen sich somit offensichtlich keine
Umstände ableiten, aufgrund welcher von einer veränderten Wohnsitz-Situation im
Sinn der Verlegung des Lebensmittelpunktes nach Deutschland im Jahr 2007 (nach
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Erhalt des CH-Bürgerrechts) oder in den Folgejahren auszugehen wäre. Wenn er im
Weiteren vorbringt, er habe in den Jahren 2007 bis 2009 seine wirtschaftliche Aktivität
in der Schweiz deutlich reduziert und faktisch eingestellt (act. G 1 S. 6 unten), so
erscheint dies mit Blick auf die geschilderten Verhältnisse nicht geeignet, eine
Verlegung des Lebensmittelpunktes nach Deutschland darzutun. Der Schluss der
Vorinstanz, der Beschwerdeführer habe in den Jahren 2007 bis 2009 Wohnsitz in Jona
gehabt, lässt sich damit nicht beanstanden.
4.
4.1. Damit stellt sich die Frage, ob der angefochtene Entscheid im Einklang mit
dem DBA-D steht bzw. ob die Steuerpflicht des Beschwerdeführers in der Schweiz
durch das Abkommen eingeschränkt wurde. Nach Art. 4 Abs. 2 DBA-D gilt eine Person
als in dem Vertragsstaat ansässig (im Sinn von Art. 4 Abs. 1 DBA-D), in dem sie über
eine ständige Wohnstätte verfügt. Verfügt sie in beiden Vertragsstaaten über eine
ständige Wohnstätte, so gilt sie als in dem Vertragsstaat ansässig, zu dem sie die
engeren persönlichen und wirtschaftlichen Beziehungen hat. - Kann nicht bestimmt
werden, zu welchem Vertragsstaat die Person die engeren persönlichen und
wirtschaftlichen Beziehungen hat, oder verfügt sie in keinem der Vertragsstaaten über
eine ständige Wohnstätte, so gilt sie als in dem Vertragsstaat ansässig, in dem sie ihren
gewöhnlichen Aufenthalt hat. - Hat die Person ihren gewöhnlichen Aufenthalt in beiden
Vertragsstaaten oder in keinem der Vertragsstaaten, so gilt sie als in dem Vertragsstaat
ansässig, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt. Besitzt die Person die
Staatsangehörigkeit beider Vertragsstaaten oder keines Vertragsstaates, so regeln die
zuständigen Behörden der Vertragsstaaten die Frage in gegenseitigem Einvernehmen.
Gilt eine natürliche Person, die in Deutschland über eine ständige Wohnstätte verfügt
oder dort ihren gewöhnlichen Aufenthalt von mindestens sechs Monaten im
Kalenderjahr hat, nach Art. 4 Abs. 2 DBA-D als in der Schweiz ansässig, so kann diese
Person vom deutschen Staat ungeachtet anderer Bestimmungen dieses Abkommens
nach den Vorschriften über die unbeschränkte Steuerpflicht besteuert werden (mit
Anrechnung der schweizerischen Steuer bzw. Freistellung; vgl. Art. 4 Abs. 3 DBA-D).
Bei Anwendung des Abkommens durch einen Vertragsstaat hat, wenn der
Zusammenhang nichts anderes erfordert, jeder nicht anders definierte Ausdruck die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Bedeutung, die ihm nach dem Recht dieses Staates über die Steuern zukommt, welche
Gegenstand des Abkommens sind (Art. 3 Abs. 2 DBA-D). Die Begriffe „Mittelpunkt der
Lebensinteressen“ und „gewöhnlicher Aufenthalt“ sind daher nach schweizerischem
Recht auszulegen. Als ständige Wohnstätte im Sinn des DBA-D kommt jede Form der
Wohnstätte in Betracht, sofern sie der Person jederzeit und dauernd zur Verfügung
steht und von ihr auch regelmässig benutzt wird (vgl. Thomas Hilty,
Kompaktkommentar zum Doppelbesteuerungsabkommen Deutschland-Schweiz,
Zürich 2002, S. 11).
4.2. Aufgrund von Art. 4 Abs. 2 Bst. a DBA-D ist bei Doppelansässigkeit
(Wohnstätte sowohl im einen wie auch im anderen Abkommens-Staat) zu prüfen, zu
welchem der beiden Staaten der Steuerpflichtige die engeren persönlichen und
wirtschaftlichen Beziehungen (Mittelpunkt der Lebensinteressen) hat. Bei der
Beurteilung des Orts der engeren persönlichen und wirtschaftlichen Beziehungen einer
Person sind ihre familiäre Anbindung, ihre berufliche, politische, kulturelle und sonstige
Tätigkeit, der Ort ihrer Geschäftstätigkeit, der Ort, von wo aus sie ihr Vermögen
verwaltet, und Ähnliches zu berücksichtigen. Wirtschaftliche Beziehungen bestehen vor
allem zu örtlich gebundenen Tätigkeiten, Einnahmequellen und
Vermögensgegenständen. Der Mittelpunkt der Lebensinteressen ist auf der Grundlage
einer Wertung sowohl der persönlichen als auch der wirtschaftlichen Beziehungen im
konkreten Fall zu ermitteln (vgl. Hilty, a.a.O., S. 12). Dabei sind die wirtschaftlichen
Beziehungen bei Führungskräften der Wirtschaft auch im Rahmen der Anwendung von
Art. 4 Abs. 2 Bst. a DBA-D nicht stärker zu gewichten als die persönlichen
Beziehungen. Wie bereits im Zusammenhang mit der Feststellung des Wohnsitzes
nach Landesrecht ist auch in Bezug auf das internationale Doppelbesteuerungsrecht
festzuhalten, dass geschäftliche Interessen für die Bestimmung des Mittelpunktes der
Interessen des Steuerpflichtigen nur dann von Bedeutung sein können, wenn sie einen
überwiegenden Teil seiner Gesamtinteressen darstellen (vgl. BGer 2C_472/2010 a.a.O.,
E. 2.3 und 3.4.2 mit Hinweisen). Bestehen zu einem Vertragsstaat die deutlich engeren
persönlichen Beziehungen und ausserdem noch ins Gewicht fallende wirtschaftliche
Beziehungen, und zu dem anderen Vertragsstaat nur gegenwartsbezogene
wirtschaftliche Beziehungen, die sich voraussichtlich in der Zukunft abbauen werden,
so liegt der Mittelpunkt der Lebensinteressen im erstgenannten Staat. In diesem Sinn
kann insbesondere der Umstand, dass eine Person, welche in einem zweiten Staat sich
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
neu eine Wohnstätte zur Verfügung hält, während dem sie im ersten Staat in derjenigen
Umgebung, in welcher sie immer gewohnt hat, wo sie gearbeitet hat und wo sie ihre
Familie und Vermögenswerte hat, die bisherige Wohnstätte beibehält, aufzeigen, dass
das Zentrum der Lebensinteressen weiterhin im ersten Staat liegt (vgl. BGer
2C_472/2010 a.a.O., E. 3.4.2 mit Hinweisen).
4.3.
4.3.1. Die Vorinstanz führte im angefochtenen Entscheid aus, der Beschwerdeführer
verfüge in Hamburg über eine Wohnung, deren Steuerwert (Fr. 850‘000.--) und
Nutzfläche (169 m ) grösser seien als beim Doppeleinfamilienhaus in Jona (Steuerwert
Fr. 529‘000.-- und Fläche von 120 m ). Dieser Umstand belege jedoch nicht engere
persönliche Beziehungen in Deutschland. Insbesondere seien die zeitliche Intensität
der Nutzung der Wohnung und die Aufenthaltsdauern in Deutschland und der Schweiz
nicht dargelegt worden. Damit sei fraglich, ob der Beschwerdeführer in den Jahren
2007 bis 2009 über eine ständige Wohnstätte (in Deutschland) verfügt habe; dies wäre
nur bei regelmässiger Nutzung der Fall. Demgegenüber führe der Beschwerdeführer
nicht aus, wieso sich die im Rahmen des Einbürgerverfahrens geschilderten
Verhältnisse (act. G 10/6 24/27) kurz nach Einbürgerung geändert haben sollten. Dies
sei folglich nicht nachvollziehbar. Aufgrund der gesamten Umstände sei daher davon
auszugehen, dass in den Jahren 2007 bis 2009 zu Jona-Rapperswil die engeren
persönlichen Beziehungen bestanden hätten. Unbestritten pflege der
Beschwerdeführer (mit der Tätigkeit in der X. GmbH in Hamburg) enge wirtschaftliche
Beziehungen zu Deutschland. Die in der Schweiz domizilierte Gesellschaft habe nach
seinen Angaben im Jahr 2007 nur noch geringe und in den beiden Folgejahren keine
Geschäftsaktivitäten mehr entfaltet. Dies habe sich im Lohn des Beschwerdeführers
widerspiegelt, der 2007 lediglich Fr. 52‘476.-- (Deutschland: Fr 499‘467.--) betragen
habe. 2008 und 2009 habe die X. AG (Jona) keine Entschädigung entrichtet (act. G
10/6 1/27, 8/27, 15/27). Die Arbeitsleistung scheine somit sowohl im Jahr 2007 als
auch in den Folgejahren für Kunden in Deutschland bzw. im EU-Raum geleistet worden
zu sein. Unter www. ... .de seien seine aktiven Aufsichts- und Beiratsmandate
aufgelistet. Aktive geschäftliche Beziehungen zur Schweiz seien keine aufgeführt. Auch
wenn dies nicht bedeute, dass in den Jahren 2007 bis 2009 keine Mandate in der
Schweiz bestanden hätten, sei davon auszugehen, dass dem Standort Hamburg in den
2
2
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
fraglichen Steuerperioden eine nicht unerhebliche wirtschaftliche Bedeutung
zugekommen sei. Rückschlüsse auf den Standort Rapperswil-Jona könnten daraus
jedoch nicht gezogen werden, denn viele Managementfunktionen seien aufgrund der
Kommunikationstechnologie nicht standortgebunden und hätten somit auch von der
Schweiz aus erfüllt werden können. Im Übrigen werde der Standort Rapperswil-Jona
unter der Rubrik „Kontakt“ nach wie vor auf der Internetseite des Beschwerdeführers
aufgeführt. Vor diesem Hintergrund erscheine es wahrscheinlich, dass die
wirtschaftliche Bedeutung des Standorts Hamburg in den Jahren 2007 bis 2009
grösser gewesen sei als derjenige in Rapperswil-Jona. Dass damit - nach über
20jähriger Ansässigkeit in der Schweiz - eine Verschiebung des Mittelpunkts der
Lebensinteressen nach Hamburg einhergegangen sei, sei damit jedoch nicht erstellt.
Da weder aus den Akten ersichtlich noch vom Beschwerdeführer ausreichend dargetan
worden sei, dass er in Hamburg in den Jahren 2007 bis 2009 über eine regelmässig
genutzte ständige Wohnstätte verfügt oder aber dort gewöhnlichen Aufenthalt von
mindestens sechs Monaten gehabt habe, ergebe sich auch aus Art. 4 Abs. 3 DBA-D
keine unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland. Die Steuerbefugnis des Bundes sei
somit in den streitigen Jahren durch das Abkommen nicht beschränkt worden (act. G 2
S. 8 f.).
4.3.2. Der Beschwerdeführer lässt unter anderem ausführen, er habe zu beiden
Staaten persönliche Beziehungen. Die wirtschaftlichen Interessen seien in Deutschland
aufgrund der steuerlich erfassten Einkünfte deutlich höher als in der Schweiz. Es liege
auf der Hand, dass die in Deutschland erzielten Erwerbseinkünfte eine erhebliche
zeitliche und physische Präsenz erfordern würden. In Hamburg verfüge er über ein
entsprechendes Sekretariat, während die Schweizer Gesellschaft im Jahr 2007 (neben
ihm selbst) kein qualifiziertes Personal beschäftigt habe. Da die Kriterien der
Wohnstätte und der persönlichen Beziehungen auf beide Orte zutreffen würden,
komme den wirtschaftlichen Beziehungen die entscheidende Bedeutung zu. Dies umso
mehr, als er nicht verheiratet sei und nicht mit Kindern zusammenlebe. In Hamburg
bestünden umfassende gesellschaftliche, politische, kulturelle und soziale
Verbindungen, die er im Einzelnen belegen könne, falls dies erforderlich sei. Die von
der Vorinstanz angeführten Angaben auf seiner Homepage könnten - gleich wie ein
Werbeprospekt - nicht als Grundlage für die Feststellung des Lebensmittelpunktes
dienen. Niemand prüfe diese Aussagen auf deren Wahrheitsgehalt bzw.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Realitätsbezug. Gerade auf oberster Managementstufe seien die persönlichen Kontakte
und die Pflege des Beziehungsnetzes entscheidend. Allein deshalb müsse der
Beschwerdeführer in Hamburg sein. Deshalb beschäftige er dort auch eine Assistentin
und eine Sekretärin. In Deutschland verfüge er über zwei Fahrzeuge, während er bei
seinen Besuchen in der Schweiz bei Bedarf ein Fahrzeug tageweise miete. All dies
spreche dafür, dass sich sein Lebensmittelpunkt in Deutschland befinde (act. G 1 S.
8-11).
4.4.
4.4.1. Aufgrund der geschilderten Gegebenheiten ist davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer sowohl in der Schweiz wie auch in Deutschland über eine „ständige
Wohnstätte“ im Sinn von Art. 4 Abs. 2 lit. a DBA-D verfügt und in den Jahren 2007 bis
2009 aufgrund persönlicher Zugehörigkeit in Deutschland steuerpflichtig war (vgl.
nachgereichte Unterlagen in act. G 3). Damit ist von einer Doppelansässigkeit
auszugehen, d.h. von einer Steuerpflicht aufgrund persönlicher Zugehörigkeit sowohl in
der Schweiz (vgl. vorstehende E. 3.5) als auch in Deutschland (vgl. Hilty, a.a.O., S. 11).
Hinsichtlich des zu klärenden Besteuerungsvorrangs bzw. der Frage, zu welchem Staat
die engeren persönlichen und wirtschaftlichen Beziehungen bestehen bzw. wo der
Mittelpunkt der Lebensinteressen liegt, ist vorab festzuhalten, dass der
Beschwerdeführer wie dargelegt (vorstehende E. 3.5) mit den von ihm vorgelegten
Aufenthaltsdauern die Feststellungen der Vorinstanz bezüglich der Anknüpfungspunkte
zur Schweiz nicht zu entkräften vermag. Die von ihm geschilderten persönlichen
Lebensverhältnisse (vgl. vorstehende E. 3.4) belegen für die Jahre 2008 bis 2009 keine
veränderte Situation im Vergleich zu derjenigen von 2007. Insbesondere macht er auch
im vorliegenden Verfahren nicht deutlich, wieso sich die im Rahmen des
Einbürgerungsverfahrens im Jahr 2006 geschilderten Verhältnisse und Zukunftspläne
(act. G 10/6 24/27) kurz nach Einbürgerung im Mai 2007 geändert haben sollten. Zu
berücksichtigen ist dabei insbesondere, dass der Beschwerdeführer bis zur geltend
gemachten Verlagerung nach Deutschland unbestritten seinen Lebensmittelpunkt
während vielen Jahren in Jona hatte, mit Hinweis darauf die schweizerische
Staatsbürgerschaft beantragte und in der Schweiz erwerbstätig war. Seine
Arbeitstätigkeit in der Schweiz gab er auch während seiner Aufenthalte in Deutschland
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
nicht auf, auch wenn diese im Vergleich zur Tätigkeit für die deutsche AG einen
geringen Umfang einnahm.
4.4.2. Hinsichtlich der vom Beschwerdeführer im vorliegenden Verfahren erstmals
behaupteten Aufenthaltsdauer in Deutschland im Jahr 2007 von über sechs Monaten
(198 Tage, act. G 7.1) ist festzuhalten, dass ihn der deutsche Staat aufgrund dieses
Umstandes gemäss Art. 4 Abs. 3 Satz 1 DBA-D „ungeachtet anderer Bestimmungen
dieses Abkommens“ nach Vorschriften über die unbeschränkte Besteuerung besteuern
„kann“; von dieser Besteuerungsbefugnis machte dieser wie erwähnt (vorstehende E.
4.4.1 mit Hinweis auf act. G 3) Gebrauch. Hierbei hat der deutsche Staat jedoch -
zwecks Vermeidung einer Doppelbesteuerung - für gewisse Einkünfte eine Befreiung
von der deutschen Steuer vorzunehmen oder aber die für dieses Jahr bezahlten
schweizerischen Steuern anzurechnen (vgl. Art. 4 Abs. 3 Satz 2 DBA-D; Hilty, a.a.O., S.
13). Diese Bestimmung, welche auf deutsches Begehren in das DBA-D aufgenommen
worden war, schränkt die Besteuerung in der Schweiz in keiner Weise ein, d.h. die
Schweiz kann ungeachtet dieses konkurrierenden Besteuerungsrechtes die Person
aufgrund ihres nationalen Rechtes besteuern. Die Bestimmung hat insgesamt
„lediglich“ zur Folge, dass die Besteuerung auf das deutsche Niveau „hochgeschleust“
wird (Hilty, a.a.O., S. 12 f.). Gilt m.a.W. im Falle doppelter Ansässigkeit eine natürliche
Person im Sinn des DBA als in der Schweiz ansässig, so wird die Besteuerung in der
Schweiz nur insoweit eingeschränkt, als dies für in der Schweiz ansässige Personen im
DBA vorgesehen ist (vgl. P. Locher, Einführung in das internationale Steuerrecht der
Schweiz, 3. A. 2005, S. 245 unten). Für 2008 und 2009 macht der Beschwerdeführer
keine Angaben zu seinen Aufenthaltsdauern in Deutschland. Jedoch besteuerte ihn der
deutsche Staat soweit ersichtlich auch für diese Jahre unbeschränkt (vgl. act. G 3).
4.4.3. Aufgrund der genannten Umstände und der Beibehaltung der „Wohnstätte“
sowie des (schweizerischen) Arbeitsortes in Jona kann nicht davon ausgegangen
werden, dass der Beschwerdeführer - unmittelbar nach seiner Einbürgerung im Mai
2007, welche einen CH-Wohnsitz vorausgesetzt hatte - sämtliche persönlichen und
geschäftlichen Beziehungen an seinem früheren langjährigen Wohnort aufgab. Dies
umso weniger, als er gemäss den Darlegungen im erwähnten VRK-Entscheid vom 30.
März 2010, S. 10 oben (vgl. vorstehende E. 3.3), die Liegenschaft in Hamburg im Jahr
2008 offenbar verkaufen wollte. Der Beschwerdeführer verneint zum einen zwar
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
familiäre Beziehungen in der Schweiz (vorstehende E. 3.4), wobei nicht vollständig klar
ist, auf welche Zeiträume (Jahre) sich diese Aussage bezieht. Anderseits lässt sich aus
den Akten auch kein ideeller Lebensmittelpunkt in Deutschland ableiten. Die Kinder
sind erwachsen und die Lebenspartnerin lebt in Salzburg. Die von ihm behaupteten
gesellschaftlichen, politischen, kulturellen und sozialen Verbindungen in Deutschland
sind (für die in Frage stehenden Jahre) nicht belegt. Das blosse Angebot, diese
Verbindungen im Einzelnen zu belegen, falls dies erforderlich sei (vorne E. 4.3.2.; act. G
1 S. 9 Ziff. 1.2. Abs 2 und S. 12), genügt der Mitwirkungspflicht des Beschwerdeführers
nicht. Ein ideeller Lebensmittelpunkt in einem der beiden Staaten ist auch insofern
nicht dargetan, als er selbst bestätigt, zu beiden Staaten persönliche Beziehungen zu
haben (act. G 1 S. 8). Die Tatsache allein, dass der Beschwerdeführer Einkommen in
den Jahren 2007 bis 2009 in erster Linie mit der Tätigkeit in der deutschen GmbH
erzielte, vermag für sich allein keinen Mittelpunkt der Lebensinteressen (Art. 4 Abs. 2 lit.
a DBA-D) zu begründen. Die Schlussfolgerung der Vorinstanz (act. G 2 S. 9), der
Beschwerdeführer habe in den Jahren 2007 bis 2009 sowohl in der Schweiz als auch in
Deutschland als ansässig gegolten, jedoch habe der Mittelpunkt der Lebensinteressen
in der Schweiz (nach wie vor) gelegen, so dass er im Sinn des Abkommens als hier
ansässig gegolten habe, lässt sich vor diesem Hintergrund nicht beanstanden.
5. (...).