# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 69c6aecb-1f6b-4224-aad5-db2144977548
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend mehrfachen Exhibitionismus
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Hinwil, Einzelgericht in Zivil- und Strafsachen, vom 6. April 2017 (GG170002)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 25. Januar
2017 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 15).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig des mehrfachen Exhibitionismus im Sinne von
Art. 194 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu
Fr. 30.– (entsprechend Fr. 3'600.–), wovon 29 Tagessätze als durch Haft
geleistet gelten.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre
festgesetzt.
4. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 1'800.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 2'000.– Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 528.– Auslagen
Fr. 26.– Entschädigung Zeuge
Fr. 12'535.85 Kosten amtliche Verteidigung (inkl. Fr. 423.90 Barausla-gen und MwSt)
5. Verlangt keine der Parteien eine schriftliche Begründung des Urteils, ermäs-
sigt sich die Entscheidgebühr auf zwei Drittel.
6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, mit Aus-
nahme der Kosten der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten
auferlegt.
7. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO.
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Berufungsanträge:
a) Der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 57 S. 2)
1. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf des mehrfachen  i.S. von Art. 194 Abs. 1 StGB von Schuld und Strafe frei zu sprechen.
2. Dem Beschuldigten sei für die Dauer der Untersuchungshaft eine Entschädigung von CHF 5'800.00 (29 Tage à CHF 200.00) . Zudem sei ihm zusätzlich eine Genugtuung von CHF 1'000.00 zu bezahlen.
3. Die Anschlussberufung sei vollumfänglich abzuweisen. Der  sei vom Vorwurf der mehrfachen sexuellen  mit Kindern i.S. von Art. 187 Ziff. 1 StGB von Schuld und Strafe frei zu sprechen.
4. Die Kosten des Untersuchungsverfahrens und des erst- und zweitinstanzlichen Gerichtsverfahrens seien auf die Staatskasse zu nehmen, die Kosten der amtlichen Verteidigung des erst- und zweitinstanzlichen Verfahrens seien auf die Staatskasse zu , wobei der Sprechenden für das vorliegende Verfahren eine Entschädigung von insgesamt CHF 6'279.90 zuzusprechen sei.
5. Es sei die Ehefrau des Beschuldigten zum 22. September 2016 einzuvernehmen und eine Auskunft von ihr zum Fenster .
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:
(Urk. 56 S. 1)
Der Beschuldigte A._ sei der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen und mit einer Geldstrafe von 240 Tagessätzen zu Fr. 30.– sowie einer Busse von Fr. 1'400.– zu bestrafen. Der Vollzug der Geldstrafe sei bei einer Probezeit von drei Jahren aufzuschieben.
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## Considerations

Erwägungen:
I. Gegenstand des Berufungsverfahrens
Der Beschuldigte wurde mit Urteil des Bezirksgerichts Hinwil vom 6. April 2017
des mehrfachen Exhibitionismus im Sinne von Art. 194 Abs. 1 StGB schuldig ge-
sprochen und mit einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu Fr. 30.–
bestraft. Die Probezeit wurde auf 3 Jahre festgesetzt.
Gegen das am 6. April 2017 mündlich eröffnete Urteil hat der Beschuldigte mit
Eingabe vom 10. April 2017 fristgerecht Berufung angemeldet (Urk. 32) und innert
Frist mit Eingabe vom 26. Juni 2017 die Berufungserklärung eingereicht (Urk. 36
und Urk. 42). Er beantragt vollumfänglichen Freispruch, Zusprechung einer Ent-
schädigung von Fr. 5'800.– für die erlittene Haft sowie einer Genugtuung von
Fr. 1'000.– (Urk. 42). Gleichzeitig stellte er den Antrag auf Zeugeneinvernahme
seiner Ehefrau durch das Berufungsgericht. Dieser Beweisantrag wurde mit Prä-
sidialverfügung vom 19. September 2017 einstweilen abgewiesen (Urk. 51).
Innert der mit Präsidialverfügung vom 4. Juli 2017 angesetzten Frist hat die
Staatsanwaltschaft mit Eingabe vom 12. Juli 2017 Anschlussberufung erhoben
(Urk. 46). Sie beantragt, der Beschuldigte sei der mehrfachen sexuellen Handlun-
gen mit Kindern im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen und mit
einer bedingten Geldstrafe von 240 Tagessätzen zu Fr. 30.– sowie einer Busse
von Fr 1'400.– zu bestrafen. Die Probezeit für die bedingte Geldstrafe sei auf 3
Jahre anzusetzen. Die Privatklägerinnen haben keine Anschlussberufung erho-
ben.
Die vorinstanzliche Kostenfestsetzung (Dispositiv-Ziffer 4) blieb unangefochten, in
diesem Punkt ist der Eintritt der Rechtskraft festzustellen. In allen übrigen Punk-
ten ist das Urteil der Vorinstanz angefochten und bildet Gegenstand des Beru-
fungsverfahrens.
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II. Prozessuales
1. Strafanträge
Der Beschuldigte liess im Berufungsverfahren geltend machen, dass die für eine
Verurteilung wegen Exhibitionismus notwendigen Strafanträge nicht vorliegen, da
nicht von der Erhebung einer Strafanzeige auf das Vorliegen eines gültigen Straf-
antrages geschlossen werden könne (Urk. 42 S. 2).
Die Vorinstanz hat sich detailliert mit der Frage des Vorliegens der Strafanträge
auseinandergesetzt. Es kann auf ihre zutreffenden Erwägungen verwiesen wer-
den (Urk. 39 S. 6 f.). Zusammenfassend ist festzuhalten, dass eine Strafanzeige
als Strafantrag genügen kann, zumal davon auszugehen ist, dass sie im Regelfall
die Willensbekundung des Anzeigeerstatters auf eine Strafverfolgung des Täters
enthält und es nicht bloss um die Information an die Strafverfolgungsbehörden
geht. Der gesetzliche Vertreter der Privatklägerin 1, D._, hat am 6. Dezem-
ber 2016 – innert der dreimonatigen Strafantragsfrist – die Erklärung unterzeich-
net, sich am Verfahren zu beteiligen und als Privatklägerschaft Parteirechte ausü-
ben zu wollen, sowie als Strafkläger am Verfahren mitwirken zu wollen (Urk. 6/4).
Mit dieser Erklärung wird klar der Wille zum Ausdruck gebracht, dass der Täter
verfolgt werden soll. Betreffend die Privatklägerin 1 liegt somit ein gültiger Strafan-
trag vor. Demgegenüber erklärte der gesetzliche Vertreter der Privatklägerin 2 am
20. Dezember 2016 innerhalb der Strafantragsfrist, sich am Verfahren beteiligen
zu wollen und Parteirechte als Privatklägerschaft ausüben zu wollen, jedoch nicht
als Strafkläger am Verfahren mitwirken zu wollen (Urk. 6/8). Wie die Vorinstanz
zutreffend festhielt beinhaltet die Erklärung, sich am Verfahren beteiligen zu wol-
len auch den Willen, dass ein solches durchgeführt wird und führt ein Verzicht auf
Beteiligung am Verfahren als Strafkläger nicht automatisch zum Rückzug eines
Strafantrages. Demzufolge ist auch betreffend die Privatklägerin 2 von einem gül-
tigen Strafantrag auszugehen.
Da gültige Strafanträge vorliegen, sind die Prozessvoraussetzungen auch für eine
Beurteilung des Sachverhaltes unter dem Gesichtspunkt des Antragsdeliktes des
Exhibitionismus im Sinne von Art. 194 StGB erfüllt, nicht nur bezüglich des Offizi-
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aldeliktes der sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von Art. 187 Ziff. 1
StGB.
2. Wahrung des Anklagegrundsatzes
Vor Vorinstanz rügte die Verteidigung, die Zeitangaben in der Anklageschrift seien
zu ungenau und würden auf Rekonstruktionen der Eltern der Privatklägerin 1 auf-
grund deren Aussagen beruhen. Die Zeitangaben seien reine Annahmen und
Vermutungen der Eltern, welche von der Anklägerin ohne zu hinterfragen über-
nommen worden seien (Urk. 27 S. 4). Ob sich die Deliktszeitpunkte erstellen las-
sen, ist eine Frage der Sachverhaltserstellung. Auf die Vorbringen der Verteidi-
gung ist daher im Rahmen der Beweiswürdigung einzugehen. Dass in der Ankla-
geschrift nur ungenaue Angaben bezüglich der Deliktsdaten und Zeiten aufgeführt
sind, führt vorliegend nicht zu einer Verletzung des Anklageprinzips. Es können
(mit Ausnahme des Verhaftsdatums vom 14. November 2016) keine genaueren
Angaben gemacht werden, da die entsprechenden Daten und Zeiten auf den
Äusserungen der 5-jährigen Privatklägerin 1 beruhen, welche naturgemäss keine
Uhrzeiten oder Daten angeben konnte. Die Deliktsvorwürfe sind in zeitlicher Hin-
sicht jedoch so eng eingegrenzt (22. September 2016 ca. 11.55 Uhr, ca. 24. Ok-
tober 2016, ca. 26. Oktober 2016 sowie 14. November 2016 ca. 15.30 Uhr), dass
der Beschuldigte weiss, was ihm vorgeworfen wird und er sich gegen die Vorwür-
fe auch verteidigen kann, was sich darin zeigt, dass er sich bezüglich verschiede-
ner Daten auf ein Alibi beruft. Die Verteidigung machte denn auch zu Recht nicht
explizit eine Verletzung des Anklageprinzips geltend.
III. Sachverhalt
1. Anklagesachverhalt
In der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 25. Ja-
nuar 2017 wird dem Beschuldigten vorgeworfen, er habe zu nicht genau bekann-
ten Zeitpunkten am 22. September 2016 (ca. 11:55 Uhr), ca. am 24. Oktober
2016, ca. am 26. Oktober 2016 sowie am 14. November 2016 (ca. 15:30 Uhr)
nackt an seinem Badezimmerfenster gestanden und habe darauf gewartet, dass
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B._ auf dem Nachhauseweg vom Kindergarten an seiner Wohnung vorbei-
ging, habe ihr seinen Penis gezeigt und mit seiner Hand onaniert, wobei B._
am 22. September 2016 von C._ begleitet worden sei, welche ihn ebenfalls
nackt und onanierend wahrgenommen habe.
2. Standpunkt des Beschuldigten
Der Beschuldigte machte im Vorverfahren, vor Vorinstanz und im Berufungsver-
fahren konstant geltend, es sei nur zu einem Vorfall am 14. November 2016 ge-
kommen, bei welchem die Privatklägerin 1 ihn nackt am Badezimmerfenster ge-
sehen habe. Dies sei geschehen, weil er das Fenster habe kippen wollen, um den
Dampf aus dem Badezimmer abzuleiten, wobei das Fenster ausgehängt habe
und er dieses habe festhalten und wieder einhängen müssen. Der Sachverhalt
wird vom Beschuldigten somit vollumfänglich bestritten.
3. Beweismittel
Als Beweismittel stehen neben den Aussagen des Beschuldigten diejenigen der
beiden Privatklägerinnen, die Zeugenaussage der Polizistin F._ und der Ehe-
frau des Beschuldigten sowie die Aussagen der Mutter der Privatklägerin 1 als
Auskunftsperson zur Verfügung. Ferner liegen eine Fotodokumentation der Poli-
zei vom 14. November 2016 (Urk. 5/1), die von der Ehefrau des Beschuldigten er-
stellten Fotos des Badezimmers (Urk. 4/2 Beilagen 4 und 5), die Arbeitszeittabelle
des Beschuldigten für die Zeit vom 1. September 2016 bis 14. November 2016
(Urk. 7/4), die Arztbestätigung betreffend die Konsultation vom 26. Oktober 2016
(Urk. 22/1) sowie eine Kopie der Agenda der Ehefrau des Beschuldigten vor (Urk.
28).
Festzuhalten ist, dass die Aussagen des Beschuldigten und der beiden Privatklä-
gerinnen sowie die Zeugenaussage der Polizistin F._ die zentralen Beweis-
mittel darstellen. Nur diese Personen haben eigene Wahrnehmungen betreffend
die angeklagten Vorfälle gemacht. Die Mutter der Privatklägerin 1 konnte nur
Aussagen darüber machen, was ihr die Privatklägerin 1 erzählt hat. Die Aussagen
der Ehefrau des Beschuldigten beziehen sich auf Alibiangaben, Ausführungen
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zum Defekt am Badezimmerfenster und zur gesundheitlichen Situation des Be-
schuldigten. Die Fotodokumentationen zeigen die Sicht von aussen auf das Ba-
dezimmerfenster und beinhaltet Aufnahmen vom Innern des Badezimmers. Die
Arbeitszeittabelle des Beschuldigten und die Bestätigung betreffend Arztkonsulta-
tion können als Indizien für ein Alibi und als Hinweise für die Aussagenwürdigung
der verschiedenen Personen herangezogen werden.
4. Grundsätze der Beweiswürdigung
4.1. Allgemeines
Die Vorinstanz hat die allgemeinen Grundsätze der Beweiswürdigung umfassend
und zutreffend dargelegt. Es kann vollumfänglich darauf verwiesen werden
(Urk. 39 S. 9 ff.).
4.2. Aussagen von Kindern
Die Verteidigung machte geltend, Kinder seien per se weniger glaubwürdig als
Erwachsene. Sie würden oft Geschichten erfinden oder ausschmücken (Urk. 27
S. 7).
Festzuhalten ist vorab, dass nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung die
Prüfung der Glaubhaftigkeit von Beweisaussagen primär Sache der Gerichte ist
und sich der Beizug eines Sachverständigen für die Prüfung der Aussagen nur bei
besonderen Umständen aufdrängt, z.B. bei bruchstückhaften oder schwer inter-
pretierbaren Äusserungen eines Kleinkindes, bei konkreten Hinweisen auf eine
Beeinflussung durch eine Drittperson oder bei Vorliegen einer geistigen Störung,
die Einfluss auf die Aussageehrlichkeit haben könnte (BGer 6B_23/2017 Urteil
vom 14.11.2017 E 1.2. mit Hinweisen). Wie sogleich darzulegen ist, weisen die
Äusserungen der beiden Privatklägerinnen weder schwer interpretierbare Auffäl-
ligkeiten auf noch liegen Hinweise auf eine Beeinflussung durch eine Drittperson
vor. Eine Begutachtung der Privatklägerinnen ist nicht angezeigt. Es gelten für die
Würdigung ihrer Aussagen die gleichen Grundsätze wie für die Würdigung der
Aussagen Erwachsener, wobei den altersbedingten Besonderheiten bezüglich ih-
rer kognitiven Fähigkeiten Rechnung zu tragen ist. Jedenfalls kann der von der
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Verteidigung vertretenen Auffassung, dass Kinder per se weniger glaubwürdig
seien als Erwachsene, nicht gefolgt werden.
5. Beweiswürdigung
5.1. Aussagen des Beschuldigten
Betreffend den Beschuldigten liegen keine Anhaltspunkte vor, welche an seiner
Glaubwürdigkeit zweifeln liessen.
Bei der Würdigung seiner Aussagen ist jedoch mit zu berücksichtigen, dass er als
beschuldigte Person ein legitimes Interesse daran haben kann, die Geschehnisse
in einem für ihn günstigen Licht darzustellen.
Die Vorinstanz hat die Aussagen des Beschuldigten zutreffend zusammengefasst.
Es kann vorab darauf verwiesen werden (Urk. 39 S. 14 ff.). Der Beschuldigte be-
stritt die Anklagevorwürfe konstant. Er hat im Kerngehalt gleichbleibend ausge-
sagt, er habe am Verhaftstag (14. November 2016) duschen wollen und zur
Dampfableitung das Badezimmerfenster kippen wollen. Dabei sei das Fester aus
der Führung gefallen. Er habe nackt das Fenster festgehalten und dieses wieder
eingehängt. Die Privatklägerin 1 sei draussen gestanden und habe ihn nackt ge-
sehen. Er sei auf den Beckenrand gestiegen, um das Fenster festzuhalten und
einzurenken, er habe nicht onaniert, sondern habe sich geschützt (Urk. 2/1 S. 3
ff., Prot. II S. 15 ff.). Er habe sich geschützt, da er erschrocken sei als die Privat-
klägerin 1 plötzlich da gewesen sei (Urk. 2/1 S. 7). Er sei erschrocken, als er das
Mädchen gesehen habe, dann habe er schnell die Hand vorne hingehalten und
das Fenster wieder eingehängt (Urk. 2/2 S. 3). Er habe mit einem Fuss auf dem
Badewannenrand gestanden, habe mit der linken Hand das Fenster gehalten und
mit der rechten Hand seine Genitalien bedeckt, weil die Privatklägerin 1 draussen
gestanden sei und ihn gesehen habe (Urk. 2/4 S. 7; Prot. I S. 12 und S. 16,
Prot. II S. 16 f.).
Die Aussagen des Beschuldigten sind zwar eher pauschal und detailarm ausge-
fallen. In Bezug auf seine Erklärung, er habe das ausgehängte Fenster wieder
einhängen müssen, sagte er indessen konstant aus. Auch sonst sind keine be-
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deutenden Widersprüche in seinen Aussagen auszumachen, jedoch wirken sie
aufgrund ihrer Stereotypie nicht lebensnah. Seiner Darstellung ist zu entnehmen,
dass er selber bemerkte, dass die Privatklägerin 1 am 14. November 2016 sein
Geschlechtsteil sehen konnte, zumal er geltend machte, er sei erschrocken als er
sie gesehen habe und habe eine Hand vor seinen Penis gehalten und auch er-
klärte, er sei für das Befestigen des Fensters auf den Beckenrand gestiegen
(Urk. 2/1 S. 4 Randziffer 28 "Ich ging auf den Beckenrand, damit ich dort hinauf-
steigen konnte und es wieder einrenken").
Auffällig wirkt seine Erklärung, er habe am 14. November 2016 einen Fehler ge-
macht, wofür er sich bei der Mutter der Privatklägerin denn auch unter Tränen
entschuldigte (Urk 4/4 S. 1 Protokollnotiz). Hätte es sich bloss um einen "Unfall"
mit dem Fenster gehandelt, wäre nicht einzusehen, weshalb der Beschuldigte ei-
nen Fehler zugeben und sich entschuldigen müsste.
Ganz und gar nicht nachvollziehbar ist seine diffuse Erklärung für eine Falschbe-
lastung durch die Privatklägerin 1 und die Polizistin F._, wonach eventuell
ein Nachbar, der in der Attikawohnung vis à vis wohne, ihn belasten wolle, weil er
einen Hass auf ihn habe. Dieser sei der Big Boss der Siedlung. Der Beschuldigte
kann selber nicht erklären, was dieser Nachbar mit der Familie B._D._
zu tun haben soll (Urk. 2/3 S. 6). Ausserdem ist keine Verbindung zur Polizistin
F._ erkennbar.
Insgesamt erscheinen die Aussagen des Beschuldigten wenig glaubhaft. Daran
ändert auch nichts, dass seine Aussagen betreffend den Defekt am Badezimmer-
fenster sowie seine Motorradausfahrt am 22. September 2016 durch die Aussa-
gen seiner Ehefrau und deren Agendaeintrag gestützt werden.
5.2. Aussagen von F._
Die Polizistin F._ wurde am 21. Dezember 2016 als Zeugin unter der stren-
gen Strafandrohung von Art. 307 StGB einvernommen. Es ist bei ihr kein Motiv für
eine Falschbelastung des Beschuldigten erkennbar. Eine solche hätte für sie
denn auch schwerwiegende Konsequenzen in beruflicher Hinsicht.
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Die Verteidigung wendet ein, dass F._ nach der Anzeigeerstattung durch den
Vater der Privatklägerin 1 diese zu Hause aufgesucht und mit ihr ein Gespräch
geführt habe und die polizeiliche Einvernahme mit der Mutter der Privatklägerin 1
vom 1. November 2016 durchgeführt habe, weshalb sie stark vorbefasst gewesen
sei und im Zeitpunkt der Zeugeneinvernahme über zu viel Hintergrundwissen ver-
fügt habe (Urk. 27 S. 8). Mit diesem Vorbringen wird unterstellt, dass die Zeugin
nicht mehr in der Lage gewesen sein soll, zwischen eigenen Wahrnehmungen am
14. November 2016 und Informationen zu unterscheiden, die sie von der Privat-
klägerin 1 und deren Eltern erhalten hatte. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass
die Zeugin aufgrund ihrer beruflichen Ausbildung und Tätigkeit geschult ist, eige-
ne Wahrnehmungen und Drittinformationen zu trennen. Dass sie diese Trennung
in concreto auch vorgenommen hat, lässt sich daraus entnehmen, dass die Pri-
vatklägerin 1 der Zeugin gesagt haben soll, der Beschuldigte habe mit dem
"Pfiifeli gewackelt", wogegen die Zeugin in ihrer Einvernahme ausdrücklich erklär-
te, sie habe nicht gesehen, ob der Beschuldigte onaniert habe (Urk. 4/5 S. 7 und
S. 9). Aus dieser Klarstellung geht hervor, dass keine Tendenz der Zeugin er-
kennbar ist, Drittinformationen mit eigenen Wahrnehmungen zu vermischen und
den Beschuldigten unnötig zu belasten.
Die Zeugenaussagen von F._ wurden von der Vorinstanz zutreffend zusam-
mengefasst; um Wiederholungen zu vermeiden, kann darauf verwiesen werden
(Urk. 39 S. 22). Von zentraler Bedeutung ist die Aussage der Zeugin, dass der
Beschuldigte am 14. November 2016 vor dem Eintreffen der Privatklägerin 1
nackt am Badezimmerfenster gewesen sei, das Fenster mehrmals geöffnet habe
und nach rechts geschaut habe in die Richtung, aus der die Privatklägerin 1 spä-
ter gekommen sei, das Fenster ganz geöffnet habe, als sie eingetroffen sei und
sich ihr mit entblösstem Körper gezeigt habe, sie habe nicht den Eindruck gehabt,
dass er auf etwas draufgestanden sei (Urk. 4/5 S. 5). Sie sei der Meinung, dass
die Privatklägerin 1 seinen Penis gesehen habe (Urk. 4/5 S. 5). Zur Frage, ob die
Privatklägerin 1 das Geschlechtsteil des Beschuldigten sehen konnte, sagte die
Zeugin somit sehr unbestimmt aus, beschränkte sich auf eine blosse Einschät-
zung. Zu beachten ist auch, dass die Zeugin ihre Beobachtungen aus einer Dis-
tanz von ca. 40 Metern machte (Urk. 4/5 S: 5) und erklärte, sie habe Fotos ge-
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macht, auf welchen man aufgrund der Öffnungsrichtung des Fensters den Be-
schuldigten jedoch nicht so gut sehe (Urk. 4/5 S. 5). Gestützt auf diese Aussage
ist aber auch davon auszugehen, dass der Beschuldigte aufgrund der Öffnungs-
richtung des Fensters und der relativ grossen Entfernung von der Zeugin nicht
genau gesehen werden konnte. Sie räumte denn auch ein, sie habe nicht gese-
hen, ob er onaniert habe und könne nicht so genau sagen, wo bzw. auf welcher
Höhe er seine Hände gehabt habe (Urk. 4/5 S. 6). Da die Privatklägerin 1 stehen
blieb und zum Fenster hochschaute, was darauf hindeutet, dass sie etwas Be-
sonderes gesehen hat, der Beschuldigte unbestrittenermassen in diesem Zeit-
punkt nackt war und auch nach seiner eigenen Darstellung davon ausging, dass
die Privatklägerin 1 seinen Penis sehen konnte, zumal er erklärte, er sei auf dem
Beckenrand gestanden, habe die Hand vor seinen Penis gehalten als er die Pri-
vatklägerin gesehen habe, sowie die entsprechende Aussage der Privatklägerin
1, sie habe den nackten Mann mehr als ein Mal gesehen, einmal zusammen mit
C._, ist erstellt, dass die Privatklägerin 1 den Penis des Beschuldigten sehen
konnte. Von zentraler Bedeutung sind die glaubhaften Aussagen der Zeugin, dass
sie bereits vor dem Auftauchen der Privatklägerin 1 gesehen habe, dass der Be-
schuldigte komplett nackt aus dem offenen Fenster nach rechts geschaut habe.
Dann habe er das Fenster wieder geschlossen, wieder einen Spalt breit geöffnet
und nach rechts geschaut. Dies habe er ca. 3 bis 4 Mal wiederholt. Aufgrund der
von der Zeugin erstellten Fotos aus ihrer Beobachtungsposition (Anhänge zu
Urk. 4/5) bestehen keine Zweifel, dass sie diese Vorgänge von ihrer Position aus
wahrnehmen konnte. Ihre Darstellung erscheint als glaubhaft.
5.3. Zeugenaussagen von G._
Auch bezüglich der Aussagen der Ehefrau des Beschuldigten ist vorab auf die
Zusammenfassung durch die Vorinstanz zu verweisen (Urk. 39 S. 24 f.). G._
hat in ihrer Zeugeneinvernahmen bestätigt, dass das Badezimmerfenster zwi-
schendurch aushänge, das passiere nur 5-6 Mal pro Jahr (Urk. 4/2 S. 5). Ferner
erklärte sie, dass der Beschuldigte die Mittagspause jeweils am Arbeitsort ver-
bringe. Eigene Wahrnehmungen zu den Tatvorwürfen hat sie nicht gemacht. Ihre
Aussagen sind von Bedeutung für das vom Beschuldigten geltend gemachten Ali-
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bi für den 22. September 2016. Sie führte aus, sie sei an jenem Donnerstag erst
um 16.30 Uhr nach Hause gekommen und der Beschuldigte sei zu Hause gewe-
sen. Sie wisse nicht, ob er an diesem Tag Ferien gehabt habe (Urk. 4/2 S. 8). Be-
treffend Erektionsstörungen des Beschuldigten sagte sie aus, es sei möglich,
dass er ein steifes Glied bekomme, wenn er sich selbst befriedige, er brauche da-
zu aber Pornografie (Urk. 4/2 S. 11). Aufgrund dieser Aussage kann nicht ge-
schlossen werden, dass sich der Sachverhalt wegen Erektionsstörungen des Be-
schuldigten nicht wie in der Anklage umschrieben zugetragen haben kann.
5.4. Aussagen der Privatklägerinnen
Die Aussagen der beiden Privatklägerinnen wurden von der Vorinstanz korrekt
wiedergegeben (Urk. 39 S. 18 f. betreffend die Privatklägerin 1 und Urk. 39 S. 22
betreffend die Privatklägerin 2). Beide Kinder haben über das Vorgefallene in ei-
ner ihrem Alter entsprechenden Art und Weise ausgesagt. Bei keinem der beiden
Mädchen entstand der Eindruck einer von Dritten beeinflussten Aussage oder ei-
ner Absprache zwischen den beiden Mädchen. Sie haben sich in ihrer eigenen
Kindersprache ausgedrückt, was sich beispielhaft in ihren unterschiedlichen Be-
zeichnungen für das männliche Geschlechtsteil (Privatklägerin 1 "Pfiffeli" und Pri-
vatklägerin 2 "Schnäbi") zeigt. Die Privatklägerin 1 führte als Erklärung für die
Bewegungen, die der Beschuldigte an seinem Geschlechtsteil ausgeführt habe,
aus, sie glaube, er habe dies getan, weil er kalt gehabt habe. Auch dies deutet auf
eine authentische unbeeinflusste Aussage des Kindes hin, zumal die von der Pri-
vatklägerin 1 gezeigte Geste klar als Handlung des Onanierens gedeutet werden
muss. Beide Privatklägerinnen konnten das Gesehene offensichtlich nicht einord-
nen. Ihre nur sehr kurzen, über weite Strecken einsilbigen Antworten sind vor die-
sem Hintergrund zu sehen und erscheinen alters- und situationsadäquat. Ihr Aus-
sageverhalten zeigte gerade keine Tendenz, eine Geschichte zu erzählen oder
Erlebtes auszuschmücken, was die Verteidigung als Argument gegen die Glaub-
würdigkeit von Kindern anführte.
Gemäss übereinstimmenden glaubhaften Aussagen der beiden Privatklägerinnen
haben sie einmal auf dem Nachhauseweg vom Kindergarten einen vollkommen
nackten Mann am Fenster gesehen, dessen Geschlechtsteil auf nicht näher defi-
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nierbare Weise "useglueget hät". Während die Privatklägerin 2 keine Onanierbe-
wegungen gesehen hat, vielmehr aussagte, der Mann habe seine Hände auf dem
Fenstersims gehabt und nur kurz aus dem Fenster geschaut, sagte die Privatklä-
gerin 1 aus, der nackte Mann habe diese Bewegungen an seinem Geschlechtsteil
gemacht. Dieser Widerspruch zwischen den Aussagen der beiden Kinder lässt
sich damit erklären, dass die Privatklägerin 1 den Mann mehr als einmal gesehen
hat, die Privatklägerin 2 dagegen nur einmal und dass die Privatklägerin 1 das
einmal Gesehene auf beide Situationen überträgt.
Aufgrund der glaubhaften Aussagen der beiden Privatklägerinnen ist erstellt, dass
sie einmal gemeinsam einen nackten Mann am Fenster gesehen haben, sie auch
dessen Geschlechtsteil gesehen haben, welches irgendwie herausschaute. Die
Privatklägerin 1 hat mindestens bei einem weiteren Mal gesehen, dass dieser
Mann Onanierbewegungen gemacht hat. Gestützt auf die Beobachtungen der
Zeugin F._ vom 14. November 2016 bestehen keine Zweifel, dass es sich
beim fraglichen Fenster um das Badezimmerfenster der Wohnung des Beschul-
digten handelte und bei dem nackten Mann um den Beschuldigten. Dass die Pri-
vatklägerin 1 den Beschuldigten mehr als zwei Mal gesehen hat, lässt sich auf-
grund ihrer Aussagen nicht erstellen. Die Aussagen der Privatklägerin 1 werden
durch diejenigen der Zeugin F._ gestützt und geben zusammen ein stimmi-
ges Ganzes.
5.5. Aussagen H._
H._, die Mutter der Privatklägerin 1, wurde am 1. November 2016 polizeilich
und am 12. Dezember 2016 als Auskunftsperson durch die Staatsanwaltschaft
einvernommen. Sie hat ausser dem Schutzinstinkt gegenüber ihrer Tochter und
dem daraus fliessenden Strafverfolgungsinteresse kein persönliches und kein fi-
nanzielles Interesse am Ausgang des Verfahrens. Sie kennt den Beschuldigten
nicht und es ist kein Motiv für eine Falschbelastung erkennbar.
Die Vorinstanz hat ihre Aussagen korrekt wiedergegeben, es kann darauf verwie-
sen werden (Urk. 39 S. 19 ff.). H._ hat in beiden Einvernahmen gleichblei-
bend und widerspruchslos geschildert, was die Privatklägerin 1 ihr erzählt hat. Ih-
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re Aussagen zeigen keine Tendenz zur Dramatisierung. Sie sagte beispielsweise
aus, C._ und B._ seien an jenem Tag ganz fröhlich gewesen, an wel-
chem sie den nackten Mann gesehen haben müssen. Ferner erklärte sie, die Vor-
fälle hätten B._ zwar beschäftigt, sie habe aber nicht das Gefühl, dass sie
gross einen Schaden davongetragen habe. Sie hätten versucht, die Sache mög-
lichst klein zu halten zum Schutz von B._ und auch des Beschuldigten, sie
hätten nichts im Kindergarten erzählt (Urk. 4/4 S. 7 f.). Die Auskunftsperson hat
glaubhaft geschildert, dass die Privatklägerin 1 nach dem Vorfall vom 14. Novem-
ber 2016 der Empfehlung von F._ folgend nicht darauf angesprochen habe.
Die Privatklägerin 1 habe erst am nächsten Morgen beim Frühstück von sich aus
erzählt, sie habe gestern den "bluddi Maa" gesehen und habe einer Handbewe-
gung vor ihrem Genitalbereich gemacht, die für sie wie eine Handlung der Selbst-
befriedigung ausgesehen habe (Urk. 4/4 S. 7). Diese Beobachtungen der Mutter
der Privatklägerin 1 vom 15. November 2016 entsprechen den Handbewegungen,
welche die Privatklägerin 1 in ihrer Videobefragung vom 13. Dezember 2016 zeig-
te. Ausserdem sagte sie gegenüber ihrer Mutter, der Mann habe "gwagglet mit em
Pfiffeli", was eine altersgerechte Umschreibung eines Kindes im Alter der Privat-
klägerin 1 für einen Vorgang der Selbstbefriedigung darstellt und den Schluss na-
helegt, dass die Privatklägerin 1 am 14. November 2016 Selbstbefriedigungs-
handlungen gesehen hat als der Beschuldigte nackt im Fenster stand. H._
sagte auf die Frage, wie viele Male die Privatklägerin 1 den nackten Mann gese-
hen habe, aus, sie wisse es nicht, sie sei nicht so schlau geworden aus den Aus-
sagen der Privatklägerin 1, es sei sicher mehr als ein Mal gewesen (Urk. 4/4 S.
5). Ausser bezüglich des Vorfalls vom 14. November 2016, welcher auch von der
Zeugin F._ beobachtet wurde, konnte H._ nur noch bezüglich des Vor-
falls, bei welchem die Privatklägerin 1 von der Privatklägerin 2 begleitet wurde,
genauere Angaben machen. Sie führte nachvollziehbar aus, C._ habe
B._ nur ein Mal begleitet, dies sei an dem Tag gewesen, an welchem der El-
ternabend im Kindergarten gewesen sei, sie glaube es sei Donnerstag, der 22.
September 2016, gewesen vor dem Samstag, an welchem B._ das erste Mal
vom nackten Mann erzählt habe (Urk. 4/4 S. 3 und S. 4). An dieser Stelle ist fest-
zuhalten, dass der Einwand der Verteidigung nicht zutrifft, wonach H._ zuerst
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den 22. September erwähnt habe und dann den 25. September 2016 (Urk. 27 S.
4). Die Auskunftsperson hat vielmehr bereits in der ersten polizeilichen Einver-
nahme den 22. September 2016 erwähnt und das Datum des 25. September
2016 korrigiert, bei welchem es sich offensichtlich um einen Verschrieb der ein-
vernehmenden Person handelte, da die Auskunftsperson ausführte, C._ ha-
be B._ vor dem 24. September 2016, einmal nach Hause begleitet (Urk. 4/1
S. 2).
5.6. Fotodokumentation
Aus der Fotodokumentation des Badezimmers in der Wohnung des Beschuldig-
ten, welche von der Polizei erstellt wurde (Urk. 5/1 S. 3) und derjenigen, welche
die Ehefrau des Beschuldigten erstellte (Urk. 4/2 Beilagen 4 und 5), geht hervor,
dass die Fensteröffnung sich auf einer Höhe von ca. 107 cm ab Boden befindet
und dass sich auf der linken Seite des Fensters die Toilette und auf der rechten
Seite die Badewanne befindet. Es ist daher möglich, dass sich der Beschuldigte
auf die Toilette gestellt haben könnte oder – wie er selber betreffend den Vorfall
vom 14. November 2016 geltend machte – auf den Rand der Badewanne.
5.7. Urkunden
Aus der Arbeitszeittabelle des Beschuldigten (Urk. 7/4) geht hervor, dass er am
22. September 2016 Ferien hatte. Den Agendaeinträgen seiner Ehefrau ist zu
entnehmen, dass er am 22. September 2016 einen Töffausflug unternahm
(Urk. 28). Der Beschuldigte machte geltend, er sei am Morgen losgefahren nach-
dem seine Ehefrau zur Arbeit gegangen sei, auf den Klausen gefahren und um
ca. 15.50 Uhr wieder zu Hause gewesen (Prot. I S. 15). In der Anklageschrift wird
am 22. September 2016 als Tatzeitpunkt ca. 11:55 Uhr angeführt. Da die Privat-
klägerin 1 aufgrund ihres Alters keine konkreten Uhrzeiten nennen konnte, basie-
ren die Zeitangaben in der Anklage auf den Aussagen von H._. Sie sagte in
der polizeilichen Befragung aus, B._ habe am Anfang nicht klar sagen kön-
nen, wann sie den nackten Mann gesehen habe. Sie habe gesagt, sie sehe ihn
wenn sie aus dem Kindergarten heimkomme (Urk. 4/1 S. 2). Betreffend den Vor-
fall von Ende Oktober habe B._ gesagt, sie habe den Mann "vor dem Zmit-
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tag, nöd bim Zvieri esse" gesehen (Urk. 4/1 S. 3). In der untersuchungsrichterli-
chen Einvernahme erklärte H._ nochmals, B._ habe nicht sagen kön-
nen, wie oft und wann sie den Mann gesehen habe. Sie habe gesagt, es sei je-
weils gewesen, wenn sie nach Hause gekommen sei. Was sie mit Heimweg ge-
meint habe, sei nicht ganz klar, es könne Mittag oder Nachmittag bedeuten. Sie
habe es so verstanden, dass es eventuell auch mal am Mittag gewesen sei, kön-
ne es jedoch nicht genauer sagen (Urk. 4/4 S. 5). Den Aussagen von H._,
welche als einziges Beweismittel für den Zeitpunkt der Vorfälle vorliegen, ist ein-
deutig zu entnehmen, dass der Vorfall, bei welchem die Privatklägerin 1 in Beglei-
tung der Privatklägerin 2 war, sich am 22. September 2016 ereignet haben muss
auf dem Nachhauseweg der Privatklägerin 1 aus dem Kindergarten. Ob dies am
Mittag oder am Nachmittag war, lässt sich nicht ermitteln. Der Vorfall vom 14. No-
vember 2016 ereignete sich jedenfalls am Nachmittag. Mit der Vorinstanz ist zu-
dem festzuhalten, dass es aufgrund der Fahrzeit vom Wohnort des Beschuldigten
bis zum Klausenpass auch nicht ausgeschlossen ist, dass er am Mittag des
22. September 2016 bereits wieder zu Hause war (Urk. 39 S. 38). Die Ehefrau
des Beschuldigten hat als Zeugin ausgesagt, sie sei an diesem Tag ca. um 16.30
Uhr nach Hause gekommen und der Beschuldigte sei zu Hause gewesen. Da sie
den ganzen Tag auf der Arbeit war, ist es nicht möglich, dass sie aus eigener
Wahrnehmung sagen kann, wann der Beschuldigte wieder zu Hause eingetroffen
ist. Eine erneute Zeugenbefragung der Ehefrau des Beschuldigten ist nicht geeig-
net, verlässliche Erkenntnisse zu bringen, weshalb davon abzusehen ist.
6. Fazit Sachverhaltserstellung
Betreffend die angeklagten Vorfälle vom 24. Oktober 2016 und vom 26. Oktober
2016 liegen einzig die Aussagen von H._ vor, wonach die Privatklägerin 1
am Dienstag vor dem 1. November 2016 (das war der 25. Oktober 2016) gesagt
habe, der nackte Mann habe ihr gestern (das wäre der 24. Oktober 2016) gesagt,
er sei krank (Urk. 4/1 S. 3). In ihrer Befragung als Auskunftsperson vom 12. De-
zember 2016 sagte sie betreffend den 24. Oktober 2016 und den 26. Oktober
2016, sie wisse nur noch, dass B._ es jeweils erzählt habe, nicht jedoch, wie
die Situation genau gewesen sei (Urk. 4/4 S. 5). Aufgrund dieser Aussagen lässt
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sich jedenfalls betreffend den 24. Oktober 2016 und den 26. Oktober 2016 der
Sachverhalt gemäss Anklage nicht erstellen. Entsprechend erübrigen sich weitere
Ausführungen zum Vorbringen des Beschuldigten, wonach er am 26. Oktober
2016 nach der Arbeit einen Arzttermin gehabt habe und den dazu eingereichten
Unterlagen (Bestätigung des Arztes und Terminkarte [Urk. 22/1+2]).
Am 22. September 2016 wurde der Beschuldigte aufgrund der übereinstimmen-
den glaubhaften Aussagen der beiden Privatklägerinnen nackt im Fenster gese-
hen. Beide Kinder haben seinen Penis gesehen, welcher "useglueget hät". Aus
der Foto-Dokumentation ist ersichtlich, dass das Fenster nicht hoch genug ist, um
den Kopf und den Genitalbereich des Beschuldigten gleichzeitig sehen zu kön-
nen. Dass die Privatklägerin 2 seinen Kopf gesehen hat, deutet darauf hin, dass
der Beschuldigte im Badezimmer auf dem Boden stand und daher nicht zweifels-
frei erstellt werden kann, dass er sich wissentlich und willentlich nackt am Fenster
zeigte. Onanierbewegungen hat die Privatklägerin 2 sodann keine gesehen. Sie
sagte aus, der Mann habe die Hände auf dem Fenstersims gehabt. Obwohl die
Privatklägerin 1 am 24. September 2016 gemäss den glaubhaften Aussagen von
H._ Handbewegungen vor ihrem Schambereich machte, die wie Onanieren
aussahen (Urk. 4/1 S. 1, Urk. 4/4 S. 3), kann nicht mit rechtsgenüglicher Sicher-
heit ausgeschlossen werden, dass die Privatklägerin 1 diese Bewegungen ein
anderes Mal gesehen hat. Weder, dass der Beschuldigte den beiden Privatkläge-
rinnen am 22. September 2016 wissentlich und willentlich sein Geschlechtsteil zur
Schau stellte, noch dass er vor ihnen onanierte, lässt sich daher zweifelsfrei er-
stellen.
Betreffend den Vorfall vom 14. November 2016 ist aufgrund der Aussagen der
Zeugin F._ erstellt, dass der Beschuldigte vor dem Eintreffen der Privatkläge-
rin 1 nackt am Fenster stand, dieses mehrmals öffnete und wieder schloss und
dabei in die Richtung schaute, aus der die Privatklägerin 1 jeweils auf ihrem Kin-
dergartenweg auf das Haus zukam, in welchem der Beschuldigte wohnt. Dies
deutet darauf hin, dass der Beschuldigte nackt auf das Erscheinen der Privatklä-
gerin wartete, welche denn auch stehen blieb und zum Fenster emporschaute, in
welchem der Beschuldigte stand. Der Beschuldigte selber räumte ein, dass er
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nackt war (mindestens mit einem Fuss) auf dem Beckenrand stand, er die Privat-
klägerin 1 gesehen hat, erschrocken ist und sein Geschlechtsteil abgedeckt hat.
Daraus ist zu schliessen, dass er selber davon ausging, dass die Privatklägerin 1
sein Geschlechtsteil sehen konnte. Gestützt auf die Aussage von H._ ist fer-
ner erstellt, dass die Privatklägerin 1 am 15. November 2016 beim Frühstück er-
zählte, sie habe den nackten Mann gesehen und dabei eine Handbewegung vor
ihrem Genitalbereich machte, welche von ihrer Mutter als Selbstbefriedigungs-
handlung interpretiert wurde. Entsprechende Handbewegungen vor dem Genital-
bereich machte die Privatklägerin 1 auch in ihrer Videobefragung und erklärte, der
Mann habe dies gemacht, weil er kalt gehabt habe. Die von der Privatklägerin 1
vorgemachten Handbewegungen vor dem Gentalbereich sind eindeutig als Ona-
nierbewegungen zu interpretieren. Die Beobachtungen der Zeugin F._ vom
14. November 2016 deuten daraufhin, dass der Beschuldigte darauf wartete, dass
die Privatklägerin 1 auf ihrem Nachhauseweg vom Kindergarten an seiner Woh-
nung vorbeigehe. Die Erklärung des Beschuldigten, wonach er das verhedderte
Fenster habe einhängen müssen, und sich dabei eine Hand zum Schutz vor die
Genitalien hielt, weil die Privatklägerin 1 ihn sehen konnte, erscheint jedoch ins-
besondere aufgrund der konstanten Schilderung durch den Beschuldigten als
nachvollziehbare Möglichkeit des Ablaufs des Vorfalls. Dass die Zeugin F._
keine Onanierbewegungen gesehen hat, wurde bereits erwähnt. Ausserdem kann
nicht mit rechtsgenüglicher Sicherheit widerlegt werden, dass es sich bei den von
ihr beobachteten Vorgängen (Öffnen und Schliessen des Fensters) um Bemü-
hungen des Beschuldigten handelte, das Fenster wieder einzuhängen. Dass die
Privatklägerin 1 die Onanierbewegungen – obschon sie diese gemäss den glaub-
haften Aussagen von H._ am 15. November 2016 beim Frühstück nachahm-
te – an einem anderen Tag beobachtet hatte, kann ebenfalls nicht ausgeschlos-
sen werden, weshalb dem Grundsatz in dubio pro reo folgend ein Freispruch zu
ergehen hat.
V. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Im Berufungsverfahren obsiegt der Beschuldige. Ausgangsgemäss sind die Kos-
ten der Untersuchung und der gerichtlichen Verfahren beider Instanzen, ein-
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schliesslich derjenigen der amtlichen Verteidigung, auf die Gerichtskasse zu
nehmen (Art. 428 Abs. 1 StPO).
Der Beschuldigten macht für 29 Tage erstandene Haft eine Genugtuung von
Fr. 5'800.– geltend. Dieser Betrag scheint angemessen und ist ihm aus der Ge-
richtskasse zuzusprechen. Im Mehrbetrag ist die Genugtuungsforderung des Be-
schuldigten abzuweisen, da kein Kausalzusammenhang zwischen dem Strafver-
fahren und dem epileptischen Anfall, den er erlitten hat, nachgewiesen wurde.