# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 686bcf00-a0cd-5979-8817-32f3f02470d3
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1994,
meldete sich am 2
3.
Januar 2012 unter Hinweis auf
ein Geburtsgebrechen bei der Invalidenversicherung zum
Leistungsbezug
an (
Urk.
7/3).
Nach Eingang
einer Stellungnahme des
behandelnden Arztes (
Urk.
7/11) sowie eines psychiatrischen Untersuchungsberichts des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD,
Urk.
7/16) erteilte d
ie Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
Kostengutsprache für eine erstmalige berufliche Aus
bildung als Praktiker
PrA
Automobil
(
Urk.
7/25
, vgl.
auch
Urk.
7/22
).
Überdies
richtete sie dem Versicherten Taggelder aus (
Urk.
7/24, 7/32, 7/36 f. und 7/40).
Am 1
1.
August 2015 schloss dieser seine Ausbildung erfolgreich ab (
Urk.
7/44,
Urk.
7/48).
Mit Vorbescheid vom
6.
November 2015 (
Urk.
7/64)
teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, sie gedenke ihm ab August 2015 eine
Viertelsrente
auszurich
ten, stellte die Zusprechung der Rente aber infolge Gewährung weiterer beruf
licher Massnahmen zurück. Am
1
8.
Dezember 2015 (
Urk.
7/78) sprach sie dem Versicherten
für die Dauer vom 3
0.
November 2015 bis 2
8.
Februar 2016
einen Arbeitsversuch bei der
Y._
GmbH zu, wobei sie diesen mit Mitteilung vom
4.
März 2016 (
Urk.
7/89) bis zum
2
9.
Mai 2016 verlängerte.
Für den Zeitraum des Arbeitsversuches
richtete die IV-Stelle wiederum Taggel
der aus (
Urk.
7/83 f., 7/94 f.).
Mit Schreiben vom 2
7.
Mai 2016 (
Urk.
7/96) teilte sie dem Versicherten mit, dass die Arbeitsvermittlung abgeschlossen werde, da eine Integration in den Arbeitsmarkt innert angemessener Zeit nicht gelungen sei.
Nach erneut
em
Vorbescheid (
Urk.
7/114) sprach
die IV-Stelle dem Ver
sicherten
schliesslich mit Verfügung vom
6.
April 2017 ab Mai 2016 eine halbe Rente der Invalidenversicherung zu (
Urk.
7/125 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 2
2.
Mai 2017 Beschwerde (
Urk.
1) mit den Rechtsbegehren,
die angefochtene Verfügung sei insoweit aufzuheben, als ihm eine
höhere als eine halbe Rente verweigert werde. Es seien
ihm die gesetzlichen Leistungen -
insbesondere eine ganze
Invalidenrente -
zuzusprechen.
Mit Beschwerdeantwort vom 2
8.
Juni 2017 (
Urk.
6) schloss die IV-Stell
e auf Abwei
sung der Beschwerde, worüber der
Versicherte
mit Verfügung vom
5.
Juli 2017 (
Urk.
8) orientiert wurde. Gleichzeitig wurde dessen Gesuch um unentgeltliche Prozessführung
bewilligt
, und es wurde ihm Rechtsanwältin Melina
Tzikas
als unentgeltli
che Rechtsvertreterin bestellt, welche am 1
0.
Juli 2017 ihre Honorar
note einreichte (
Urk.
9).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach
te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
-
ren
te
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
1.3.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkom
men), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkom
mensvergleich hat in
der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkom
mensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.3.2
Konnte die versicherte Person wegen der Invalidität keine zureichenden beruf
lichen Kenntnisse erwerben, so entspricht gemäss
Art.
26 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) das Erwerbseinkommen, das sie als Nichtinva
lide erzielen könnte, den folgenden nach Alter abgestu
ften Prozentsätzen des jährlich
aktualisierten Medianwertes gemäss der Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik: Vor Vollendung von 21 Altersjahren: 70
%
, nach Vollendung von 21 Altersjahren, aber vor Vollendung von 25 Altersjahren: 80
%
, nach Vollendung von 25 Altersjahren, aber vor Vollendung von
30 Altersjahren: 90
%
, sowie nach Vollendung von 30 A
ltersjahren: 100
%
. Im Jahr 2016
, als über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers verfügt wurde, hat dieser jährliche Medianwert
Fr.
8
2
’500
betrage
n (vgl. IV-Rundschreiben
Nr. 354
vom
7.
Oktober 2016
des Bundesamtes für Sozialversicherung
en
[BSV]).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
2.
2.1
Zur Begründung ihrer Verfügung führte die Beschwerdegegnerin aus,
es sei von einer 50%igen
Leistungsfähigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt auszugehen
. Das
Valideneinkommen
belaufe sich bei Geburts- und Frühinvaliden ohne aus
reichende berufliche Kenntnisse für die Altersstufe 21-24 auf
Fr.
66'000.-- im Jahr 201
5.
Gemäss Erhebungen des Bundesamtes für Statistik betrage der
Lohn für Tätigkeiten im Bereich Handel und Reparatur von Motorfahrzeugen (Kompe
tenzniveau 1) für das Jahr 2015
Fr.
62’875.-- beziehungsweise
Fr.
31'437.50 bei einer 50%igen Leistungsfähigkeit. Ein weiterer Abzug von die
sem Invalideneinkommen sei nicht gerechtfertigt, weshalb ein Invaliditätsgrad von 52
%
resultiere. Der Beschwerdeführer habe daher ab
1.
Mai 2016 Anspruch auf eine halbe Rente der Invalidenversicherung
(
Urk.
7/116/1-2)
.
2.2
Der Versicherte brachte demgegenüber in seiner Beschwerdeschrift vom 2
2.
Mai 2017 (
Urk.
1) zusammengefasst vor,
mit Blick auf die medizinischen
Berichte sowie die
Ergebnisse der beruflichen Abklärungen sei davon auszugehen, dass seine Leistungsfähigkeit aufgrund der verminderten kognitiven Fähigkeiten stark eingeschränkt und daher eine Tätigkeit im geschützten Rahmen erforder
lich sei
. Auf dem ersten Arbeitsmarkt bestehe demnach keine wirtschaftlich verwertbare Arbeitsfähigkeit, weshalb eine vollständige Erwerbsunfähigkeit vor
liege. Ausgehend von einem Invaliditätsgrad von 100
%
bestehe Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente
(
Urk.
1 S. 7 f.).
3.
3.1
Der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers stellt sich anhand der Aktenlage im Wesentlichen wie folgt dar:
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte in seinem Bericht vom 3
1.
Mai 2012 aus, die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdefüh
rers
sei durch eine kognitive Behinderung mit Konzentrationsstörungen, Lern
schwierigkeiten und weit unterdurchschnittlicher Leistungsfähigkeit beeinträch
tigt (Geburtsgebrechen Ziffer 403 des Anhangs der Verordnung über Geburtsge
brechen [
GgV
],
Urk.
7/11/1 f.).
Der Versicherte werde auf dem freien Stellen
markt keine Chance haben, eine Berufslehre oder -
anlehre
antreten zu können
. Er
benötige die Unterstü
tzung der Invalidenver
sicherung, um
einen behindertengerechten Arbeitsplatz
zu finden
(
Urk.
7/11/3)
und könne nur einfach
e
Aufgaben bewältigen (
Urk.
7/11/5).
3.2
Med.
pract
.
A._
, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und
-
p
sychotherapie, diagnostizierte in ihrem RAD-
Untersuchungsbericht
vom 1
4.
August 2012 eine leichte Intelligenzminderung (ICD-10 F70). Im
Zuge
eines entsprechenden Tests habe ein Gesamt-Intelligenzquotient von 56 festgestellt werden können. Ein dauerhafter, gleichbleibender Gesundheitsschaden sei aus
gewiesen. Eine berufliche Abklärung wäre dienlich, um eine dem kognitiven Potential und den Fähigkeiten des Versicherten angepasste Tätigkeit zu finden.
Es sollte sich um einfache, routinierte Tätigkeiten mit einem klar strukturierten, wohlwollenden Rahmen sowie ohne Zeit- und Termindruck handeln. Im Weite
ren seien tiefe Erwartungen an die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit zu stel
len.
Es lägen Hinweise vor, die an einen geschützten Rahmen denken
liessen
(
Urk.
7/16/3 f.).
3.3
In seinem Bericht vom 1
7.
August 2015 wies
Dr.
Z._
darauf hin, dass die kognitiven Einschränkungen nicht therapierbar seien.
Der Beschwerdeführer könne problemlos acht Stunden täglich arbeiten. Die allenfalls bestehende Ver
minderung der Leistungsfähigkeit sei durch Nachfrage beim Lehrbetrieb abzu
klären (
Urk.
7/54).
3.4
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, vom RAD hielt in ihrer Stellungnahme vom
9.
Dezember 2016 fest, dass der Versicherte aus medizinischer Sicht eine sehr erfreuliche Entwicklung durchgemacht habe. Dessen Leistungsfähigkeit könne mit der Auswertung der praxiserprobten Aus
sagen des
C._
während der Ausbildung als gut angesehen werden. Eine fehlende praktische Leistungsfähigkeit allein aufgrund eines niedrigen Intelli
genzquotienten sei nicht nachvollziehbar.
Eine Arbeitsfähigkeit von circa 50
%
könne der Versicherte bei praktischen Aufgaben, die ihm bekannt seien und vorzugsweise im Automobilbereich l
äg
en, erreichen. An einer neuen Arbeits
stelle müsse anfangs vermutlich mit einer niedrigeren Leistung und einem er
höhten Einarbeitungsaufwand gerechnet werden. Eine Steigerung auf eine 60%ige Leistungsfähigkeit könne allenfalls nach mehreren Berufsjahren erhofft werden (
Urk.
7/113/
6 f.
).
4.
4.1
Aus den medizinischen Akten ergibt sich, dass beim Versicherten eine leichte Intelligenzminderung (ICD-10 F70) vorliegt, wodurch die Arbeitsfähigkeit unbe
strittenermassen eingeschränkt ist
(vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_108/2014 vom 2
4.
September 2014 E. 2.2)
. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin im Rahmen der Bemessung des Invaliditäts
-
grades zu Recht von einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
ausgegangen ist.
Die Einschät
zung von
Dr.
B._
vom
9.
Dezember 2016 (
Urk.
7/113/6 ff.)
- wel
che der Versicherte in
d
er Beschwerdeschrift ausser Acht lässt - erweist sich in diesem Zusammenhang als
schlüssig und
nachvollziehbar.
Sie überzeugt insbesondere
mit Blick auf den
Abschlussbericht des Lehrbetriebsverbunds Stif
tung
C._
vom 1
1.
Juni 201
5.
Diesem ist zu
entnehmen, dass eine Integra
tion in den ersten Arbeitsmarkt möglich sei, wobei die Leistungsfähigkeit bei voller zeitlicher Präsenz auf 56
%
geschätzt werde (
Urk.
7/44/1).
Entgegen den Vorbringen des Beschwerdeführers (
vgl.
Urk.
1 S. 6
Ziff.
18)
wurde somit aus
drücklich Stellung dazu genommen, mit welcher Arbeitsfähigkeit
bei einer Tätigkeit
in einem nicht geschützten Rahmen gerechnet werden kann.
Anzu
merken ist sodann, dass
sich das Fachpersonal der Stiftung
C._
bei dieser Beurteilung auf
E
rfahrungen stützen konnte, welche
e
s
während der zweijähri
gen Ausbildungszeit
des Versicherten
zum Praktiker
PrA
Automobil
gesammelt
hatte (vgl.
Urk.
7/
21, 7/38 und 7/41).
Nicht zuletzt vertrat denn auch
Dr.
Z._
die Auffassung, dass
zwecks Klärung der Leistungsfähigkeit beim Lehrbetrieb nachgefragt werden solle
, und er diese Frage
selbst
nicht beantworten könne
(
Urk.
7/54/1).
Die
Einschätzung
von
Dr.
B._
leuchtet
sodann
einerseits
auch in Anbe
tracht des Umstandes ein,
dass abgesehen von der leichten Intelligenzminde
rung keine weiteren psychischen oder somatischen Erkrankungen vorliegen (vgl. E. 3.1 ff.).
Zum
anderen
hat
eine leichte
Intelligenzminderung mit Blick auf die Beschreibung im ICD-
10-
Code typischerweise
keine
(
vollständige
)
Arbeits
unfähigkeit zur Folge
. Die Hauptschwierigkeiten treten vielmehr bei der Schul
ausbildung auf
(vgl.
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.], ICD-10,
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V (F), Klinisch-diagnostische Leitlinien, 1
0.
Auflage, S. 310).
Dies war auch beim Beschwerde
führer der Fall (vgl.
Urk.
7/11/2 f.
,
7/16/2). Die
auf praktische Arbeiten ausge
richtete
Ausbildung konnte er hingegen
erfolgreich
absolvieren
. Die Stiftung
C._
bestätigte, dass
er
wiederkehrende Arbeiten selbständig und zuverläs
sig erledigen könne.
Er verfüge ferner
über ein gutes theoretisches Fachwissen (
Urk.
7/44/2).
4.2
4.2.1
Zu prüfen bleibt die Rüge des
Beschwerdeführer
s, wonach er die
ihm
attestierte
Arbeitsfähigkeit
von 50
%
auf dem Arbeitsmarkt
nicht verwerten könne
(
vgl.
Urk.
1 S. 5 ff.)
.
4.2.2
E
ine Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit
ist
in denjenigen Fällen anzu
nehmen, in denen die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form mög
lich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt
(vgl.
Art.
16 ATSG)
praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer ent
sprechenden Stelle daher von vornherein als ausgeschlossen erschein
t (Urteil des Bundesgerichts 9C_
485/2014 vom 28.
November 2014 E.
3.3.1 mit Hinwei
sen)
.
Massgebend können
in diesem Zusammenhang
die Art und Beschaffenheit des Gesundheitsschadens und seiner Folgen, der absehbare Umstellungs- und Einarbeitungsaufwand und in diesem Zusammenhang auch
die
Persönlichkeits
struktur, vorhandene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung, beruflicher Werdegang oder Anwendbarkeit von Berufserfahrung aus dem angestammten Bereich sein (Urteil des Bundesgerichts 9C_734/2013 vom 13. März 2014 E. 2.1 mit Hinweisen).
Beim ausgeglichenen Arbeitsmarkt handelt es sich
um eine theoretische Grösse, so
dass nicht leichthin angenommen werden kann, die ver
bliebene Leistungsfähigkeit sei unverwertbar.
An der Massgeblichkeit des theo
retisch ausgeglichenen Arbeitsmarkt
s
vermag selbst der Umstand nichts zu ändern, dass es für die versicherte Person im Einzelfall schwierig oder gar unmöglich ist, im tatsächlichen Arbeitsmarkt eine entsprechende Stelle zu finden (vgl. Urteil
des Bundesgerichts
8C_237/2011 vom 1
9.
August 2011
E. 2.3).
4.
2.
3
Entgegen der Sichtweise des Versicherten
(vgl.
Urk.
1 S. 7 f.) ist somit nicht ent
scheidend,
ob es ihm möglich ist, auf dem
effektiven
Arbeitsmarkt eine Stelle zu finden
. Zu berücksichtigen ist vielmehr, dass der ausgeglichene Arbeitsmarkt auch sogenannte Nischenplätze umfasst, bei welchen Behinderte mit einem
so
zialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen können (Urteil des Bundesgerichts 8C_1050/2009 vom 2
8.
April 2010 E. 3.3).
Es
ist
zwar ein erhöhter Einarbeitungsaufwand zu erwarten (vgl.
Urk.
7/113/7), was
angesic
hts der übrigen Gegebenheiten
für sich allein jedoch nicht für eine Unverwertbar
keit der Arbeitsfähigkeit spricht.
So ist in Bezug auf die Persönlichkeitsstruktur anzumerken, dass der Versicherte stets sehr zuverlässig und motiviert
arbeitete
. Auch im persönlichen Kontakt mit Arbeitskollegen oder Kunden gab es keine Probleme (vgl.
Urk.
7/21/2 ff., 7/38/2
ff., 7/41/2 ff. und
7/44/1 f
.).
Erste Berufs
erfahrung konnte der Beschwerdeführer während
seiner
zweijährigen Ausbil
dung sowie dem sechsmonatigen Arbeitsversuch
sammeln
und dabei praktische Kompetenzen
erwerben
. Da die erlernte Tätigkeit
im Automobilbereich weiter
hin dem individuellen Belastungsprofil entspricht
(
Urk.
7/113/7)
, wird er
auch zukünftig auf
diese Fertigkeiten
zurückgreifen
können.
Hinsichtlich der Art und Beschaffenheit des Gesundheitsschadens ist
im Weiteren
nochmals zu betonen, dass nebst der leichten Intelligenzminderung keine Leiden psychischer oder körperlicher Art mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit festgestellt werden konnten.
Aus dem psychiatrischen Untersuchungsbericht des RAD vom 1
4.
August 2012 geht ausserdem hervor, dass
sich die kognitiven Einschrän
kungen überdurchschnittlich stark auf das Sprachverständnis auswirken, wäh
rend sich die übrigen Werte für das wahrnehmungsgebundene logische Denken, das Arbeitsgedächtnis sowie die Verarbeitungsgeschwindigkeit nur leicht unter dem Grenzwert
eines Intelligenzquotienten von 70
,
respektive gar im unteren Normbereich befinden (
Urk.
7/16/3).
Vor diesem Hintergrund ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht von einer Unverwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit auszugehen. Anzufügen bleibt, dass
die
konkrete Sach
lage
insbesondere
nicht mit de
r
jenig
en vergleichbar ist, welche dem
vom Beschwerdeführer angeführte
n Bundesgerichtsentscheid
9C_291/2013 vom 2
5.
Februar 2014
zugrunde lag.
D
ie versicherte
Person
litt in jenem Fall nicht nur
an einem kognitiven Leistungsniveau im unterdurch
schnittlichen Bereich, sondern auch unter diversen somatischen Beschwerden. Darüber hinaus hatte sie keine berufliche Ausbildung absolviert (vgl. E. 4.2 des zitierten Urteils).
Im Übrigen kann auch aus
gehend von
den Äusserungen des während des Arbeitsversuchs zuständigen Arbeitgebers nicht darauf geschlossen werden, dass die medizinisch und von Seiten des Lehrbetriebes
attestierte Arbeitsfähigkeit sozialpraktisch nicht verwertbar ist.
So finden sich in den Akten
deutliche
Hinweise darauf, dass
im Rahmen des Arbeitsversuches nur unzureichend Rücksicht auf die Defizite des Versicherten und den damit ver
bundenen Unterstützungsbedarf genommen wurde.
Namentlich
gestaltete sich die Zusammenarbeit
für den
ebenfalls involvierten Job-Coach sehr schwierig (vgl.
Urk.
7/78/1, 7/87/1
und 7/105
). B
eispielsweise wurden dessen Unterstüt
zungsvorschläge nicht akzeptiert
, da der Arbeitgeber beabsichtigte,
die Ein
schränkungen des Beschwerdeführers
vor den anderen Angestellten
möglichst geheim zu halten
(
Urk.
7/91).
D
ie Einschätzung
des Arbeitgebers, wonach
eine Eingliederung des Versicherten auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht realistisch sei (vgl.
Urk.
7/97/2 f.), vermag
daher die Beurteilung des RAD und des im Umgang mit kognitiv eingeschränkten Personen fachkundigen Lehrbetriebes nicht in
Zweifel zu ziehen
.
5.
5.1
Der von der Beschwerdegegnerin zur Bemessung des
Invaliditätsgrades
durch
geführte Einkommensvergleich wurde seitens des Versicherten nicht bean
standet.
Da jener aufgrund seiner kognitiven Einschränkungen keine zureichen
den beruflichen
Kenntnisse erwerben konnte
(vgl.
in diesem Kontext
Urteil des Bundesgerichts 9C_611/2014 vom 1
9.
Februar 2015 E. 4.3)
, stützte sich d
ie IV-Stelle
bei der Festlegung des
Valideneinkommens
auch grundsätzlich zu Recht auf den
jährlich aktualisierten Medianwert gemäss Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (vgl.
Art.
26
Abs.
1 IVV).
Für den Einkommensver
gleich sind
allerdings
die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypothetischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und Invalidenein
kommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfällige rentenwirk
same Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfügungserlass
zu berücksichtigen sind
(BGE 129 V 222 E.
4.1 und E. 4.2; BGE
128 V 174
;
Urteil
e
des Bundesgerichts
9C_526/2015 vom 11. September 2015 E. 3.2.1 und 9C_22/2014 vom 18. Februar 2014 E. 4.3
).
Die angefochtene Verfügung (
Urk.
2) datiert vom
6.
April 2017, weshalb das
Valideneinkommen
ausgehend vom damals
anwendbaren
Medianwert von
Fr.
81'500.-- in Anbetracht des Al
ters des Versicherten auf
Fr.
66
'
0
00.-- festzu
setzen ist
(vgl. IV-Rundschreiben Nr. 329
vom
1
8.
Dezember 2014
des Bundes
amtes für Sozialversicherungen)
.
5.2
Das Invalideneinkommen legte die Beschwerdegegnerin
mangels Vorliegens eines stabilen Arbeitsverhältnisses
ebenfalls prinzip
i
ell korrekt anhand der
vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstruktur
-
erhebung (LSE) fest.
Auch in diesem Zusammenhang sind jedoch
die im Verfü
gungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (Urteile des Bundesgerichts 9C_699/2015 vom 6. Juli 2016 E. 5.2, 8C_78/2015 vom 10. Juli 2015 E. 4 und 9C_526/2015 vom 11. September 2015 E. 3.2.2
).
Es ist folglich auf den monatlichen Bruttolohn für Tätigkeiten im Bereich Handel und Reparatur von Motorfahrzeugen
von
Fr.
4'995.-- abzustellen (LSE 2014, TA1_tirage_skill_level, Monatlicher Bruttolohn nach Wirtschaftszweigen, Kom
petenzniveau und Geschlecht, Privater Sektor, Kompetenzniveau 1, Männer).
Aufgerechnet auf die durchschnittliche betriebsübliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden pro Woche (vgl. Bundesamt für Statistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, A-S) und angepasst an die Entwicklung der Nominallöhne für männliche Arbeitskräfte von 2'220 Punkten im Jahr 2014 auf 2'239 Punkte im Jahr 2016 (vgl. www.bfs.admin.ch) ergibt dies bei einem zumutbaren Arbeitspensum von 50
%
ein Bruttoeinkommen von
Fr.
31'511.13 jährlich (
Fr.
4'995.-- / 40 * 41.7 *12 / 2'220 * 2'239 * 0.5).
Von diesem Invali
deneinkommen ist kein zusätzlicher leidensbedingter Abzug vorzunehmen
. Namentlich dürfen die bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeits
fähigkeit enthaltenen gesundheitlichen Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung eines leidensbedingten Abzuges einfliessen und so zu einer
doppel
ten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen
(Urteile des Bundesgerichts 9C_846/2014 vom 22. Januar 2015 E. 4.1.1 und
8C_805/2016 vom 22. März 2017 E.
3.1
mit Hinweisen),
was die Beschwerdegegnerin ebenfalls richtig erkannt hat (vgl.
Urk.
7/116/2).
5.3
Damit ist für den Einkommensvergleich von einem
Valideneinkommen
von
Fr.
66
'
0
00.-- und einem Invalideneinkommen von
Fr.
31'511.13 auszugehen.
Auf dieser Grundlage ergibt sich ein Invaliditätsgrad von
5
2
.
26
%
beziehungs
weise 52
%
([
Fr.
6
6
'
0
00.-- ./.
Fr.
31
’511.13] * 100 /
Fr.
6
6'0
00.--; zum Runden: BGE 130 V 121).
Die
Beschwerdegegnerin
hat
dem Versicherten
demnach
ausgehend von einem Invaliditätsgrad von 52
%
zu Recht eine halbe Rente der Invalidenversicherung zugesprochen
.
Mit Blick auf den Taggeldbezug bis und mit April 2016 (vgl.
Urk.
7/94, Urk. 7/121-122) ist der unbestritten gebliebene Anspruchsbeginn per
1.
Mai 2016 nicht zu beanstanden.
Die angefochtene Verfügung (
Urk.
2) erweist sich damit als rechtens, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
6
.
6
.1
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu prüfen war, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Ver
fahrensaufwand sowie unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Verfahrensaus
gang sind sie dem unterliegenden B
eschwerdeführer aufzuerlegen, zu
folge der ihm gewährten unentgeltlichen Prozessführung (vgl.
Urk.
8) jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
6
.2
Mit Verfügung vom
5.
Juli 2017 (
Urk.
8) wurde dem Beschwerdeführer Rechts
anwältin Melina
Tzikas
als unentgeltliche Rechtsvertreterin bestellt. Diese machte mit Honorarnote vom 1
0.
Juli 2017 (
Urk.
9) einen
Gesamtaufwand
von 11 Stunden und 50 Minuten à
Fr.
220.-- sowie Barauslagen von
Fr.
78.10
(3
%
-Pauschale
)
geltend.
Nach
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert.
Der von Rechtsanwältin Melina
Tzikas
geltend gemachte Aufwand von insge
samt 11 Stunden und 50 Minuten ist der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses nicht angemessen, insbesondere aufgrund der Tat
sache, dass sie den Versicherten bereits im V
erwaltungs
verfahren vert
reten hat
(vgl.
Urk.
7/92
), und ihr die Akten
folglich grundsätzlich
vertraut
waren. Hinzu kommt, dass Teile der Beschwerdeschrift bereits in früheren Eingaben an die Beschwerdegegnerin enthalten waren (vgl.
Urk.
7/112).
Vor diesem Hintergrund sowie i
n Anbetracht
der zu studierenden Aktenstücke und der
achtseitigen
Be
schwerdeschrift
erweist sich
in Anwendung des gerichtsüblichen Stundenan
satzes von
Fr.
220.--
gesamthaf
t eine Entschädigung von
Fr.
2’0
00.-- (inkl. 8
%
Mehrwertsteuer und Barauslagen)
als angemessen, welche
der unentgeltlichen Rechtsvertreterin zu Lasten der Gerichtskasse
zuzusprechen
ist
.
Der Beschwerdeführer ist auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
hinzuweisen, wonach er zur Nachzahlung der Gerichtskosten sowie der Entschädigung an die unentgeltliche Rechtsvertreterin verpflichtet ist, sobald er dazu in der Lage ist.