# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 1a382e95-a147-488a-bc90-bd6be5013352
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1983, schloss im Juli 2003 die Diplom
mittelschule ab und beabsichtigte im April 2004
,
den Vorkurs zur Aufnahme
prüfung
als
Primarlehrer an der Pädagogische
n
P._
(
P._
)
anzutreten (
Urk.
9/1).
Zwischenzeitlich
arbeitete er ab
1.
November 2003 als Druckereigehilfe bei der
Y._
AG auf Abruf (
Urk.
9/2,
Urk.
9/7) und war in dieser Eigenschaft bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen sowie Berufs
krankheiten versichert. Am 1
8.
Februar 2004 rutschte er in
Z._
auf dem Eis aus und schlug mit dem Hinterkopf auf (
Urk.
9/9). Hierbei erlitt er ein Schädelhirntrauma Grad II mit/bei Kontusionsblutung frontal beidseits, Subarachnoidalblutung im Interhämisphaerenspalt occipital, Subduralblutung frontal (links mehr als rechts) und Falx cerebri sowie sekundärem Hirnödem. Nach der
ersten notfallmässigen Behandlung im Spital
A._
wurde der Versi
cherte in das
S
pital
B._
überführt, wo er bis zum
1.
März 2004 neurologisch überwacht wurde (
Urk.
9/16). Anschliessend verbrachte er zwei Wochen in der Rehaklinik
C._
zur neuropsycholo
gischen Rehabilitation (
Urk.
9/14) und wurde zur Weiterbetreuung durch den Hausarzt am 2
3.
März 2004 nach Hause entlassen. In der Neurologischen Klinik und Poliklinik des
S
pitals
D._
erfolgten am 1
8.
Mai (
Urk.
9/33) und 2
7.
Juli 2004 (
Urk.
9/36) diagnostische und therapeutische Verlaufskontrollen. Die SUVA übernahm die He
ilkosten und richtete bis zum 26.
Juli 2004 aufgrund einer vollständigen, danach aufgrund einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit Taggelder aus. Mit Beginn des (wegen des Unfalles um ein Jahr verschobenen) Vorkurses an der P
._
am 2
3.
Februar 2005 stellte sie die Taggeldleistungen ein (
Urk.
9
/49).
Weiterhin erbrachte die SUVA die notwendigen
Behandlungen in
Form von
sporadisch
en Kontrollen und Craniosacraltherapien; ab Ende 2005 übernahm
sie
ausserdem eine psychologische Behandlung bei
Dr.
phil. E._
(
Urk.
9/52).
Der Versicherte bestand zwar die Aufnahmeprüfung für das Lehrerseminar, nicht jedoch das Eignungsassessment, weshalb er die Ausbildung als Kindergärtner an Hand nahm, diese jedoch nach kurzer Zeit wieder abbrach (
Urk.
9
/58)
,
und im Oktober 2006 eine Schreinerlehre mit verkürzter
Ausbildungszeit
antrat. Bereits nach kurzer Zeit traten jedoch Probleme
in der A
usbil
dung vor allem im praktischen Bereich auf, die einen erfolgreichen Lehrabschluss fraglich erscheinen liessen
,
weshalb
der Lehrbetrieb eine Kündigung des Lehrverhältnisses in Betracht zog (
Urk.
9/59-60,
Urk.
9/62,
Urk.
9/72,
Urk.
9/77). Es
erfolgte
n
am 1
9.
Juni 2007 im
Spital D._
eine neuropsychologische
und neurolo
gische
Unte
rsuchung (
Urk.
9/69,
Urk.
9/71) sowie am 1
4.
Januar 2008 eine ein
gehende Abklärung in der
O._
-Klinik (Bericht vom
2
2.
Januar 2008,
Urk.
9/91). Dort wurde auch die
Eignung
im
handwerklichen Berufsbereich in Frage gestellt und Berufsfindungsmassnahmen angeregt. Da die Auflösung des bisherigen Lehrvertrages absehbar war (effektiv wur
de er am 1
6.
Mai 2008 aufgelöst
,
Urk.
9/110, und
Urk.
9/116), suchte der Versicherte eine Anschlus
slehrstelle als Schreiner. Er
absolvierte
mit Unterstützung der Invalidenversicherung (Anmeldung im August 2007,
Urk.
9/73) eine Schnupperwoche beim Verein
F._
(
Urk.
9/104) und
berufliche Abklärungen
in der Rehaklinik
G._
(
Mai/Juni 2008 sowie vertieft
ein zweites Mal von Juni bis August
2008;
Urk.
9/111,
Urk.
9/122,
Urk.
9/142
). Die IV-Stelle hielt eine Fortführung der Ausbildung zum Schreiner aus unfallfremden Gründen (Hüft- und Rückenprobleme) für nicht geeignet, weshalb sie diese nicht unte
r
stützte (
Urk.
9/128-129,
Urk.
9/134). Am
8.
September 2008 schliesslich trat
X._
eine Lehre als Detailhandelsfachmann bei der
H._
GmbH an, wofür die Invaliden
versicherung Leistungen im Rahmen einer erstmaligen beruflichen Ausbildung (einschliesslich kleines Taggeld) ausrichtete (
Urk.
9/141
,
Urk.
9/151-154
). Nach erfolgreichem Abschluss der Lehre im August 2011
konnte
der Versicherte im Lehrbetrieb zu einem
aus betrieblichen Gründen reduzierten
Pensum von 60
%
weiterarbeiten (
Urk.
9/155,
Urk.
9/157,
Urk.
9/161). Aus wirtschaftlichen Grün
den wurde ihm diese Stelle per 3
0.
April 2012 gekündigt (
Urk.
9/173). Im Sep
tember 2012 trat er eine Vollzeitstelle bei der
I._
AG an
(
Urk.
1 S. 3 f.)
.
2.
Die SUVA sprach dem Versicherten vorerst mit Verfügung vom 1
5.
Juli 2008 (
Urk.
9/126) eine Integritätsentschädigung basierend auf eine
r Inte
gritätseinbusse
von 10
%
in Form von minimalen bis leichten neuropsychologischen Störungen
zu (
Urk.
9/126). Diese stützte sich auf die Aktenbeurteilung von
Dr.
med. J._
, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie/Psychotherapie, vom 2
7.
Februar 2008 (
Urk.
9/96). Nach Abschluss
der beruflichen Ausbildung prüfte die SUVA die Rentenfrage und beauftragte die Rehaklinik
G._
mit einer neuropsychologischen (einschliesslich psychiatrischen und neurologi
schen) Abklärung, die am 1
2.
April 2012 stattfand (Bericht von
Dr.
med.
K._
, Fachärztin für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie,
Dr.
med. L._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
,
sowie
Dr.
phil. M._
, Fachpsychologe Neuropsychologie FSP und MAS in Psychotraumatologie, vom 2
7.
April 2012,
Urk.
9/
170-
172). Nach Einwand des Versicherten, die neu
ropsychologischen Abklärungen hätten in einem zu kurzen Zeitraum statt
ge
funden, um relevant zu sein, und seien daher zu wiederholen (
Urk.
9/176), nahm
en die Fachleute der Rehaklinik
G._
am 3
0.
Oktober 2012 (
Urk.
9/181) Stellung. Mit Verfügung vom 1
2.
Juni 2013 verneinte die SUVA einen Renten
anspruch (
Urk.
9/185). Hiergegen erhob
X._
am 1
0.
Juli 2013 Ein
sprache (
Urk.
9/186). Die SUVA wies diese mit Entscheid vom 2
3.
September 2013 ab (
Urk.
2).
3.
Hiergegen liess
X._
am 2
4.
Oktober 2013
(
Urk.
1)
unter Beilage der neuropsychologischen Beurteilung durch
Dr.
phil.
N._
vom 1
4.
August 2013 (
Urk.
3/3)
Beschwerde erheben mit dem Rechtsbegehren
:
Der Einspracheentscheid vom 2
3.
September 2013 sei aufzuheben.
Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, allenfalls nach Durchfüh
rung gerichtlicher medizinischer Abklärungen, dem Beschwerdeführer die gesetzlichen Leistungen zu gewähren, insbesondere eine Rente aus
zurichten.
Die Beschwerdegegnerin
sei zu verpflichten, die Kosten der neuropsycholo
gischen Abklärung durch
Dr.
phil.
N._
zu übernehmen.
Es sei ein zweiter Schriftenwechsel durchzuführen.
Unter Entschädigungsfolge zulasten de
r Beschwerdegegnerin (inkl. 8
%
MWSt).
Die SUVA schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 2
6.
November 2013 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
8). Hierzu nahm der Beschwerdeführer am 2
9.
Januar 2014 Stellung (
Urk.
11), wozu die Beschwerdegegnerin ihrerseits mit Eingabe vom 1
8.
Februar 2014 (
Urk.
15) duplizieren konnte, was dem Beschwerdeführer am 2
0.
Februar 2014 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
16).
4.
Auf die Vorbringen der Parteien sowie die vorliegenden Akten wird, soweit erfor
derlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Vorab ist auf die Rüge
einzugehen, die Beschwerdegegnerin habe die
Begründungspflicht
verletzt
(
Urk.
1 S. 5 ff.
Ziff.
9.)
. Die Beschwerdegegnerin
hat die als wesentlich und erstellt erachteten Tatsachen und die daraus gezogenen rechtli
chen Schlüsse nachvollziehbar dargelegt. Auch wenn sie in der Begründung nicht auf jedes einzelne Vorbringen bzw.
jeden
einzelnen
Einwand gegen die in der Rehaklinik
G._
vorgenommene neuropsychologische Abklärung sowie die
vom Beschwerdeführer
daraus gezogenen Schlüsse eingegangen ist, kann darin keine Verletzung der aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör nach
Art.
29
Abs.
2
der Bundesverfassung (
BV
)
abgeleiteten und in
Art.
52
Abs.
2
des
Bundesg
esetzes über den Allgemeinen Teils des
Sozialversicherungsrechts (
ATSG
)
statuierten
Begründungspflicht erblickt werden. Entscheidend ist, dass es den Parteien wie auch der Rechtsmittelinstanz möglich ist, die Moti
ve und Überlegungen, von denen
sich
die Behörde
hat leiten lassen und auf die sie sich in ihrem Entscheid stützt, zu erkennen. Wesentlicher Gesichtspunkt hierbei ist, dass die Partei in die Lage versetzt wird, den Entscheid sachgerecht anzufechten
(BGE 134 I 83 E. 4.1 S. 88; 133 III 439 E. 3.3 S. 445; 124 V 180 E. 1a S. 181
mit Hinweisen
). Dies trifft hier zu.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründet ihren Entscheid in Wesentlichen damit, dass gestützt auf die Beurteilung von
Dr.
J._
minimale bis leichte neuropsy
chologische Einbussen bestü
nden
. Die subjektiven Beschwerden und die 2007 beschriebenen Auffälligkeiten am Arbeitsplatz
(Schreinerlehre)
stünden höchs
tens möglicherweise mit organischen neurologischen Unfallfolgen im Zusam
menhang. Für Berufe mit hohen kognitiven Ansprüchen erscheine die Funkti
onsfähigkeit des Versicherten vor dem Unfall vorbestehend und geringgradig verstärkt nach dem Unfall eingeschränkt. Die vollzeitliche Ausübung intellektu
ell nicht sehr anspruchsvoller Berufe
, wie des
jenige
n
des
Detai
l
handelsfachmann
s
, sei uneingeschränkt
möglich
. Die
Untersuchungen in
der Rehaklinik
G._
hätten nurmehr minimale neuropsychologische Störungen
ergeben
. Hinsichtlich der Einwände zur Dauer der dortigen Abklärungen verwiesen sie auf die Stellungnahme vom 3
0.
Oktober 201
2.
Es könne nicht mit überwiegen
der Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer ohne Unfall den Beruf als Primarlehrer ausüben würde. Der Beschwerdeführer habe die Eignungsprüfung nicht bestanden und die Ausbildung zum Kindergärtner aus unfallfremden Gründen abgebrochen. Eine unfallbedingte Erwerbseinbusse sei daher nicht ersichtlich (
Urk.
2).
2.2
Dem hält der Beschwerdeführer entgegen, die Abklärungen in der Rehaklinik
G._
seien ungenügend gewesen und könnten nicht Grundlage eines Leistungsentscheides bilden. Die neuropsychologische Testung sei mit nur drei Stunden zu kurz gewesen, um die volle Tragweite der Beeinträchtigung der Hirnfunktionen festzustellen. Eine Verbesserung der Aufmerksamkeitsfunktionen gegenüber der
letzten Untersuchung in der O._
-Klinik im Januar 2008, wel
che sechs Stunden gedauert habe, könne dadurch nicht nachgewiesen werden. Ferner hätten sich die Fachpersonen in der Rehaklinik
G._
nur zur Zumut
barkeit der Tätigkeit als Detailhandelskaufmann geäussert, nicht aber zur Arbeitsfähigkeit in einem anderen Beruf, insbesondere demjenigen als Lehrer. Damit habe die SUVA in medizinischer Hinsicht die
Unfallfolgen nicht ausrei
chend abgeklärt. Das
Gutachten
von Dr. N._
stelle unfallbedingte
neuropsy
chologisc
he
Einschränkungen, vor allem in der Daueraufmerksamkeit,
fest, die sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken würden. Diese seien auch Ursache dafür gewesen, dass der Beschwerdeführer das Assessment für die Aufnahmeprüfung als Primarlehrer nicht bestanden habe, und hätten zum Ausbildungsabbruch als
Kindergärtner
und schliesslich
auch zum Lehrabbruch als Schreiner geführt. Bis heute bestehe ein deutlicher Leistungsknick in der zweiten Hälfte des Nachmit
tags. Ohne den erlittenen Unfall würde der Beschwerdeführer heute den Beruf als Primarlehrer ausüben.
Die konkreten Schritte im Hinblick auf diese Ausbil
dung seien aktenkundig.
Das Gutachten
von Dr. N._
bestätige, dass erst nach einer Testung von über vier Stunden sich die massgeblichen
Einschrän
kungen aufzeig
en würden. Diese führten im Beruf als Detailhandelsfachmann zu einer Einschränkung von 10 bis 20
%
, als Lehrer
wegen der hohen Anforde
rungen an die kognitive Belastbarkeit
zu einer solchen von 30 bis 40
%
. Hierauf sei abzustellen
.
3.
3.1
Gemäss
Art.
6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) werden - soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt - die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (
Abs.
1). Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht.
Ursachen im Sin
ne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Um
stände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit einge
treten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kau
salzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 406 E. 4.3.1, 123 V 45 E. 2b, 119 V 335 E. 1, 118 V 289 E. 1b, je mit Hinwei
sen).
Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfol
ges zu gelten, wenn es
nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge
und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art
des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
3.2
Ist die versicherte Person infolge des Unfalles zu mindestens 10 Prozent invalid (
Art.
8 ATSG), so hat sie gemäss
Art.
18
Abs.
1 UVG Anspruch auf eine Invali
denrente. Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (
Art.
16 ATSG; vgl. BGE 130 V 121).
Nach
Art.
18
Abs.
2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung des Invaliditätsgrades in Sonderfällen. Er kann dabei auch von
Art.
16 ATSG abweichen.
3.3
Zur Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 129 V 222 E. 4.3.1 S. 224 mit Hinweisen).
Soll bei der Festsetzung des Valideneinkommens eine berufliche Weiterentwick
lung, welche die versicherte Person normalerweise vollzogen hätte, mitberück
sichtigt werden, so müssen praxisgemäss konkrete Anhaltspunkte dafür beste
hen, dass sie einen beruflichen Aufstieg und ein entsprechend höheres Einkom
men tatsächlich realisiert hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Sodann genügen blosse Absichtserklärungen der versicherten Person nicht. Vielmehr muss die Absicht, beruflich weiterzukommen, bereits im Zeitpunkt des Unfalls durch konkrete Schritte wie Kursbesuche, Aufnahme eines Studiums, Ablegung von Prüfungen usw. kundgetan worden sein (SVR 2010 UV Nr. 13 S. 51, 8C_550/2009 E. 4.1 mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Bei der Prüfung der mutmasslichen beruflichen Entwicklung können unter Umständen aus einer besonderen beruflichen Qualifizierung im Invaliditätsfall Rückschlüsse auf die hypothetische Entwicklung gezogen werden, zu der es ohne Eintritt des
(unfallbedingten) Gesundheitsschadens gekommen wäre. Nach der Rechtsprechung ist eine solche Annahme unter anderem dann zulässig, wenn die angestammte Tätigkeit auch nach dem Unfall weitergeführt werden kann. Indessen darf aus einer erfolgreichen Invalidenkarriere in einem neuen Tätigkeitsbereich nicht ohne Weiteres abgeleitet werden, die versicherte Person hätte ohne Invalidität eine vergleichbare Position auch im angestammten Tätigkeitsgebiet erreicht (RKUV 2005 Nr. U 554 S. 315, U 340/04; Urteil U 183/02 vom 2
6.
Mai 2003
E.
6.2
; Urteil des Bundesgerichts 8C_557/2010 vom 1
5.
Dezember 2010 E. 3.3.
).
3.4
Bei der Ermittlung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerb
lichen Situation auszugehen, in der die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der - kumula
tiv - besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll aus
schöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als ange
messen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Ver
dienst als Invalidenlohn. Ist kein solches Erwerbseinkommen gegeben, nament
lich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können entweder Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statis
tik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) oder die DAP-Zahlen herangezogen werden (BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301).
4.
4.1
Anlässlich des Sturzes auf den Hinterkopf am Abend des 1
8.
Februar 2004 erlitt der Beschwerdeführer ein Schädelhirntrauma Grad II. Die notfallmässige radio
logische Abklärung im
Spital
A._
ergab im kranialen Computertomogramm (CT) mehrere kleine Blutungsherde ohne Hinweis auf eine Schädelfrak
tur. Das CT der Halswirbelsäule war unauffällig.
Am darauffolgenden Morgen zeigte sich im Verlaufs-CT ein progredientes Hirnödem bei stagnierenden Blu
tungen.
Die
nachbehandelnden
Ärzte des
S
pitals
B._
berichteten am 1
6.
März 2004 (
Urk.
9/16), dass der Beschwerdeführer zu keiner Zeit unter Bewusstlosigkeit oder Amnesie gelitten habe
. Im neurolo
gischen Konsil vom 2
4.
Februar 2004
stellten sie nicht klar zuorden
bare Sensibilitätsstörungen an den oberen Extremitäten fest, wobei das MRI der HWS unauffällige Befunde zeigte und der weitere Verlauf sich komplikationslos mit deutlicher Regredienz der Beschwerden zeigte. Bei Eintritt in die Rehaklinik
C._
klagte der Beschwerdeführer über Kribbelparästhesien der Arme beidseits,
Spannungsgefühl im Schultergürtelbereich, starke Müdigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sowie verminderte Aufnahmefähigkeit, selten auch nicht lageabhängige Schwindelsensationen (
Urk.
9/28). Die dortigen Ärzte stellten erstmals den klinischen Verdacht auf
leichte
neuropsychologische Funktionsstörungen (
Urk.
9/15).
Sie hielten jedoch dafür, dass ein Teil der Symptomatik auch auf die antiepileptische Medikation zurückgeführt werden
könne
(
Urk.
9/47 S. 3).
Anlässlich der Konsilien im Spital D._
wurde vorerst auf wei
tere neuropsychologische Untersuchungen unter Hinweis auf die subjektiv nur leichten kognitiven Einschränkungen sowie
das Fehlen therapeutischer Konse
quenz
bei zu erwartendem Lerneffekts
verzichtet (
Urk.
9/33). In der neurologi
schen Sprechstunde am 3
1.
März 2005 stellten die Ärzte des
Spitals D._
eine Remis
sion der Hypästhesie beider Arme und keine Einschränkungen bezüglich Kraft fest. Im Mentalstatus sowie der neurologischen Untersuchung fanden
sie
auch keine fokalen Ausfälle. Aufgrund dieser Befunde sahen sie für die Zukunft
des Beschwerdeführers
keine Einschränkungen (
Urk.
9/47
S.
2).
4.2
Am 1
9.
Juni 2007 erfolgte in der Neurologischen Klinik und Poliklinik des
Spitals D._
eine neuropsychologische Untersuchung (
Urk.
9/69). Zu diesem Zeitpunkt – der Beschwerdeführer stand in der Berufslehre als Schreiner
-
klagte er über zunehmende Einbussen der Daueraufmerksamkeit, die durchgängig aber ver
stärkt bei Arbeiten unter Zeitdruck auftreten würden. Ferner
berichtete
er
über
Schwächen im Kurzzeitgedächtnis sowie sporadisch auftretende Wortfindungs
störungen, sporadisch auftretendes dumpfes Druckgefühl im Kopf frontal sowie diskrete Durchschlafschwierigkeiten. Während der knapp zweistündigen Explo
ration fanden die Neuropsychologen des
Spitals D._
einen durchwegs unauffälligen Mentalstatus und keinerlei Beeinträchtigung der Hirnfunktionen. Sie empfahlen eine Verlängerung des Nach
t
schlafes sowie Optimierung von Lern- und Arbeitstechniken (
Urk.
9/69).
4.3
Weil die Schwierigkeiten an der Lehrstelle als Schreiner persistierten, erfolgte am 1
4.
Januar 2008 eine umfassende neuropsycho
logische Untersuchung an der O._
-Klinik, welche insgesamt sechs Stunden dauerte, unterbrochen durch eine einstündige Mittagspause
(
Urk.
9/91)
. Subjektiv berichtete der Beschwerdeführer dannzumal
,
er
habe Mühe, Anweisungen mündlich aufzunehmen und dann umz
usetzen. Bei gleichbleibenden Arbeiten über eine längere Zeit hinweg komme es zu Ein
b
rüchen in der Konzentration und nehme das Arbeitstempo deutlich ab. Insbesondere vor dem Mittag oder gegen Abend bemerke er eine deutliche Leistungsverschlechterung. Daneben bereite ihm die Planung einzelner Aufgaben Mühe. Die untersu
chenden Neuropsychologen der O._
-Klinik kamen zusammenfassend zum Ergebnis, dass bei allgemeinem kognitiven
Leistungsniveau im durchsc
hnittlichen Bereich eine Asymme
trie zwischen sprach- und handlungsgebundenen Leistungen auffalle. Der Beschwerdeführer zeige bei sprachge
b
undenen Aufgaben eine deutlich bessere Leistung. Nur knapp im Normbereich läge die Leistung im Arbeitsgedächtnis, einen unterdurchschnittli
chen Wert habe er in der Arbeitsgeschwindigkeit erzielt. Neuropsychologisch würden sich bei einem ansonsten unauffälligen Profil Minderleistungen im Bereich der Aufmerksamkeit, des Antriebs und der Arbeitsgeschwindigkeit sowie des verbalen Arbeitsgedächtnisses finden. En
tsprechend dem Leistungsprofil sowie den anamnestischen Angaben seien die Schwierigkeiten vermutlich nicht allein auf den Unfall zurückzuführen, sondern
es sei
dadurch zu einer Akzentuierung vorbestehender Schwächen gekommen. Es schein
e
plausibel, dass der Beschwerdeführer vor dem Trauma partielle Schwächen im Bereich der Aufmerksamkeit und des Arbeitstempos durch seine Ressourcen habe ausrei
chend kompensieren könne, was jetzt nicht mehr möglich sei. In der Testung hätten sich keine Hinweise auf generelle exekutive Schwierigkeiten gezeigt, die Planungs- und Strukturierungsfähigkeiten seien mehrheitlich intakt und der Beschwerdeführer zeige eine gute Fehlerkontrolle. Einzig die mentale Flexibili
tät sei teilweise diskret vermindert gewesen. Das allgemeine kognitive Leistungsprofil würde hingegen den frontalen Verletzungen entsprechen. Möglich
erweise sei es auch in diesem Bereich zu einer Verhaltensregulation gekommen. Zur Klärung empfahlen sie eine weiterführende psychiatrische Differenzialdiagnostik, welch
e
auch die Frage nach einer allfälligen reaktiven depressiven Symptomatik
, inklusive damit einhergehenden
Einbrüchen im Antrieb und in der Konzentrationsfähigkeit beantworten könnte. Ferner finde sich beim Beschwerdeführer innerhalb seines allgemeinen kognitiven Profils schwächere Leistungen bei handlungs- als bei sprachgebundenen Aufgaben. Gerade diese Fertigkeiten
sei
e
n
aber für das handwerkliche Berufsfeld besonders wichtig. Sie empfahlen daher eine den Arbeitsprozess begleitende Ergotherapie bzw. – bei fehlender Aussicht, den Lehrabschluss zu schaffen – entsprechende Berufsfindungsmassnahmen.
4.4
Dr.
med. J._
, Facharzt für Neurologie FMH und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, nahm am 2
7.
Februar 2008 aufgrund der dannzumal vor
liegenden Akten Stellung. Er kam zum Schluss, dass als Folge der neuropsy
chologischen Einbussen unter starker beruflicher Belastung leichte Leistungseinschränkungen vorstellbar und auch festgestellt worden seien. Für Berufe mit hohen kognitiven Ansprüchen erscheine die Funktionsfähigkeit vor dem Unfall vorbestehend und geringgradig verstärkt nach dem Unfall eingeschränkt zu sein. Die subjektiven Beschwerde
n
und die im Jahre 2007 beschriebenen Auf
fälligkeiten am Arbeitsplatz (Schreinerlehre) stünden
höchstens möglicherweise mit organischen neurologischen Unfallfolgen in Zusammenhang. Mit Wahr
scheinlichkeit seien die genannten Auffälligkeiten und Probleme mit unfallunabhängigen psychosozialen Einflüssen zu erklären. Eine zeitliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers als Folge des Unfalls sei aus neuro
logischer Sicht nicht zu erkennen. Durch eine zumutbare Willensanstren
g
ung und eine den Anforderungen der Tätigkeit angemessene Lebensführung sei die vollzeitliche Ausübung intellektuell nicht sehr anspruchsvoller Berufe uneinge
schränkt gewährleistet (
Urk.
9/96).
4.5
Im Hinblick auf den Fallabschluss erfolgte schliesslich die
neurologische, psychi
atrische und
neuropsychologische Beurteilung in der Rehaklinik
G._
am 1
2.
April 2012 (
Urk.
9/170). Der Beschwerdeführer – dannzumal nach Abschluss der Lehre zum Detailhandelsfachmann auf Stellensuche – berichtete über leichte Konzentrationseinbussen bei monot
o
nen Aufgaben über einen län
geren Zeitraum, was beispielsweise während des Unterrichts zu kurzem Einni
cken geführt habe. Nachts benötige er gegenwärtig acht Stunden Schlaf. Die Wahrnehmung von vielen oder komplexen Eindrücken könne einen Kopfdruck im mittleren Stirnbereich auslösen. Die testpsychologischen Untersuchungen erfolgten von 13.00 bis 16.00 Uhr, mit einer Pause von 10 Minuten. In der zusammenfassenden Beurteilung hielten die
Abklärungspersonen der Rehaklinik
G._
fest, der Beschwerdeführer
habe
unterdurchschnittliche Ergebnisse in den Bereichen der Daueraufmerksamkeit und der verbalen Merkspanne
erzielt
. Bei einer Aufgabe zur Daueraufmerksamkeit
habe
sich eine Zunahme der Aus
lassungen im zeitlichen Verlauf bei insgesamt erhöhter Fehleranzahl gezeigt, welche nicht auf Einschränkungen im Bereich des Arbeitsgedächtnisses oder der geteilten Aufmerksamkeit habe zurückgeführt werden können. Das Arbeitstempo
sei
sowohl bei computerisierten als auch bei Papier-Bleistift-Aufgaben zur Prüfung der Aufmerksamkeitsfunktionen im Normbereich gelegen. Es hätten auch keine exekutiven Defizite festgestellt werden können, wie es bei Verlet
zungen des Frontalhirns häufig anzutreffen sei. Die verbalen und nonverbalen Lern- und Abrufleistungen seien normgerecht ausgefallen. Im Vergleich zur letzten neuropsychologischen Untersuchung vom 1
4.
Januar 2008 (vgl. E. 4.3) habe sich eine Verbesserung im Bereich der Aufmerksamkeitsfunktionen (Alertness, geteilte Aufmerksamkeit) und des Arbeitsgedächtnisses, bei nach wie vor objektivierbaren Einschränkungen der Daueraufmerksamkeit, gefunden. Die verbale Merkspanne sei in den früheren Untersuchungen unauffällig ausgefal
len, so dass dies möglicherweise vor dem Hintergrund natürlicher Leistungsschwankungen während der gut dreistündigen Untersuchung zu interpretieren sei. Es hätten ansonsten keine besonderen affektiven oder Verhaltensauffälligkeiten bestanden. Die vom Beschwerdeführer
beklagten Beschwerden seien gut mit den testpsychologischen Befunden vereinbar. Diese Befunde würden einer minimalen neuropsychologischen Störung mit diskreten kognitiven Einbussen im Bereich der Daueraufmerksamkeit nach einer Schädigung des
Gehirns (ICD-10: F07.8)
entsprechen
.
Es
bestünden nur minimale feststellbare Minderleistun
gen einzelner kognitiver Funktionen. Der Beschwerdeführer könne sich subjek
tiv gestört fühlen. Die beruflichen Leistungen sollten jedoch praktisch unver
mindert vollbracht werden können.
Aus psychiatrischer Sicht liess sich keine Störung von Krankheitswert feststellen (
Urk.
9/171).
In der neurologischen und interdisziplinären Zusammenfassung der Befunde gingen die Fachärzte der Rehaklinik
G._
davon aus, dass der Beschwerde
führer durch seine minimale neuropsychologische Störung in seinem Beruf (gemeint Detailhandelsfachmann im Musikalienhandel) ohne Leistungseinbussen bei vollem Arbeitspensum arbeitsfähig ist. Ein gegenüber der Zeit vor dem Unfall erhöhter Erholungsbedarf bzw. eine vermehrte Erschöpfbarkeit oder Ermüdbarkeit habe nicht klar herausgearbeitet werden können. Das vom Beschwerdeführer berichtete häufige Einnicken in der Berufsschule entspreche wahrscheinlich dem während der beruflichen Abklärung in der Rehaklinik
G_
ebenfalls häufig beobachtete
n
Einnicken bei Fleissarbeiten am PC. Zwar könne eine traumatische Hirnverletzung in der Art, wie der Beschwerde
führer sie erlitten habe, derartige Abfälle der Vigilanz erklären, jedoch sei in diesem Falle eher der zu kurze Nach
t
schlaf als Ursache zu sehen. Während der Arbeit als Musikalienverkäufer im Geschäft scheine es mit der Vigilanz keine Probleme gegeben zu haben (
Urk.
9/172).
4.6
Am 3
0.
Oktober 2012 nahmen die neurologisch/psychiatrische Fachärztin sowie
der Neuropsychologe
der Rehaklinik
G._
zu den kritischen Einwänden des Beschwerdeführers Stellung (
Urk.
9/181). Sie führten aus, die von
Dr.
J._
(vgl. E. 4.4) – in Kenntnis
und unter Berücksichtigung
der Abk
lärungsergebnisse der O._
-Klinik
(vgl. E. 4.3)
-
festgehaltene Zumutbarkeitsbeurteilung
s
timm
e mit ihrer aktuellen Beurteilung überein. Die anamnestischen Angaben des Beschwerdeführers anlässlich ihrer Untersuchung hätten keine Hinweise für eine Leistungseinbusse in seinem Beruf ergeben. Die Dauer ihrer neuropsychologi
schen Untersuchung genüge den in der einschlägigen Literatur vorgesehenen zeitlichen Vorgaben einer neuropsychologischen gutachterlichen Abklärung, zumal es sich nicht um eine gutachterliche Abklärung, sondern eine herkömm
liche testpsychologische Verlaufskontrolle gehandelt habe. Zudem seien unnöti
ger Zeit- und Prüfungsdruck während einer neuropsycho
logischen Untersu
chung zu vermei
den. Die Einschätzung der Belastbarkeit eines Patienten müsse in einer Gesamtschau unter Berücksichtigung aller vorliegenden polydisziplinären Befunde durch den f
allführenden Arzt erfolgen und sei nicht primäre Aufgabe der
neuropsychologische
n
Abklärung
.
Diese befasse sich mit der Über
prüfung von kognitiven Funktionseinbussen und allfälligen kognitiven Ausfallmustern in Verbindung mit den erlittenen hirnorganischen Läsionen. Die Belastbarkeit oder Ermüdbarkeit seien in dieser Begrifflichkeit demzufolge auch keine relevanten Kriterien bei der Beurteilung des Schweregrades einer neu
ropsychologischen Störung. Aus neurologischer/neuropsychologischer Sicht gebe es keinen Anlass, weitere Abklärungen in
die Wege zu leiten
.
4.7
Im Auftrag des Beschwerdeführers selbst untersuchte
Dr.
phil.
N._
den Beschwerdeführer am 2
3.
Juli 201
3.
Die von ihr durchgeführten Testverfahren zeigten
während einer vierstündigen Untersuchung
unauffällige
Leistungen (mnestische Funktion, visuell-räumliche Wahrnehmung und Verar
beitung) oder gar gute und rasche (Exekutivfunktionen) bzw. überdurchschnitt
liche Leistungen (konstruktive Praxis) bei gutdurchschnittlichem Testleistungsniveau, was dem au
f
grund der schulischen und beruflichen Ausbildung zu erwartenden Niveau entspreche.
Bei
dem komplexeren und berufsbezogenen numerischen Informationsverarbeitungstest arbeitete der Beschwerdeführer prä
zise
und fehlerfrei, ab
er verlangsamt, was bezogen auf eine Kaderpopulation einem unterdurchschnittlichen Gesamtresultat entsprechen würde. Erst nach einer mittleren Untersuchungsdauer von 4 Stunden
hätten
sich
eine
deutliche Ermüdu
ng mit kognitiver Verlangsamung und
etwas erschwerte Auffassung mit Leistungseinbrüchen gezeigt. Aufgrund der von ihr erhobenen Befunde schloss die Neuropsychologin auf eine auch heute noch bestehende leichte kognitive Funktionsstörung mit im Vordergrund stehender reduzierter kognitiver Belast
barkeit und erhöhter Ermüdbarkeit sowie Minderleistungen in spezifischen Aufmerksamkeitsaspekten. Ihre
Befunde seien mit den in der O._
-Klinik erhobe
nen kongruent, wobei sich heute keine allgemeine Verlangsamung und keine Reduktion des Arbeitsgedächtnisses mehr manifestiere.
Für eine ökologisch valide Beurteilung und für eine realistische Einschätzung etwaiger Beeinträchti
gungen im Arbeitsalltag sei es eben entscheidend, a
uch die Belastbarkeit zu überprüf
en, was nur in einer zeitlich wie inhaltlich umfassenden neuropsycho
logischen Untersuchung gelänge. Aus neurologischer Sicht betrage die theore
tische Einschränkung der beruflichen Leistungsfähigkeit in der Tätigkeit als Detailh
andels
fach
mann Musikinstru
mente ca. 10-20%. Da der Beschwerdeführer jedoch angegeben habe, keine Einschränkungen zu verspüren, sei davon auszu
gehen, dass die jetzige Arbeitsstelle, eventuell durch die Möglichkeit einer adä
quaten Pausengestaltung und der Möglichkeit einer
seriellen Abarbeitung von
Aufträgen (Vermeidu
ng von Multi-Tasking)
,
optimal sei. Die theoretische Ein
schränkung der Leistungsfähigkeit im Beruf als Lehrer wäre heute mit ca. 30-40
%
zu veranschlagen, da die Anforderungen an die kognitive Belastbarkeit und insbesondere die Multi-Tasking-Anforderungen in dieser Tätigkeit deutlich höher einzustufen seien (
Bericht vom 1
4.
August 2013,
Urk.
3/3).
5.
Aufgrund der vorliegenden medizinischen Aktenlage steht fest, dass der Beschwer
deführer an einer leichten neuropsychologischen Störung leidet
mit diskreten kognitiven Einbussen im Bereich der Daueraufmerksamkeit. Hierin bestehen grundsätzlich keine divergierenden Beurteilungen. Was der Beschwer
deführer gegen die Validität der in
der Rehaklinik G._
durchgeführten neuropsychologi
schen Untersuchungen vorbringt, sticht nicht. In
s
besondere ist darauf hinzuwei
sen, dass auch die von ihm beauftragte
Neuropsychologin
gegenüber den
Untersuchungsbefunden in der O._
-Klinik
eine
Verbesserung
feststellen konnte
und
ebenfalls nur leichte kognitive
Funktionsstörungen
diagnostizierte. Wesentlich unterscheidet sich die
Beurteilung
darin
, dass das interdisziplinäre Team in
der Rehaklinik G._
den
erhöhten Erholungsbedarf bzw.
die
vermehrte Ermüdbar
keit hinsichtlich der Leist
ungsfähigkeit anders gewichtete
und für die Abfälle der Vigilanz auch andere G
ründe als wahrscheinlich ansah
. Zur Leistungs- und Arbeitsfähigkeit im erlernte
n
Beruf als Detailhandelsfachmann im Musikalienbereich haben sich die Fachleute der Rehaklinik interdisziplinär
nachvollziehbar
und in allen Teilen schlüssig
auseinandergesetzt und es liegen diesbezüglich ebenfalls keine widersprüchliche
n
Beurteilungen
in den medizinischen
Akten
vor.
Es gibt
auch
aufgrund der
Ausführungen von
Dr.
phil.
N._
kei
nerlei Hinweise dafür,
dass es dem Beschwerdeführer nicht möglich
wäre
, sei
nen Beruf ganztags bei voller Leistungsfähigkeit auszuüben. Es
besteht kein
Grund anzunehmen,
der Arbeitsplatz des Beschwerdeführers wäre einzigartig optimal angepasst.
Ihre Behauptung, die Leistungseinschränkung betrage 10-20
%
entbehrt jeglicher Grundlage.
Hinweise für die lediglich behauptete, jedoch nicht substantiierte Soziallohnkomponente (
Urk.
1 S.
13)
,
bestehen nicht.
Weitere Abklärungen in neurologischer/neuropsychologischer Hinsicht sind
nicht notwendig, da keine neuen Erkenntnisse zu erwarten sind
. Es ist festzu
halten, dass der Beschwerdeführer unfallbedingt in seinem erlernten Beruf nicht eingeschränkt ist, jedenfalls keine mindestens 10%ige Erwerbseinbusse erleidet.
6.
6.1
Zu prüfen bleibt das
Vorbringen, der Beschwerdeführer hätte ohne den Unfall den Beruf eines Primarlehrers ergriffen und dessen Anforderungen auch genügt. Damit wird letztlich die Frage nach der Unfallkausalität der Berufswahl aufge
worfen, was hinsichtlich Invaliditätsbemessung zu einem anderen (höheren) Valideneinkommen führen würde.
6.2
Ohne Zweifel
beabsichtigte
der Beschwerdeführer vor seinem Unfall, die Ausbil
dung zum Pr
imarlehrer in Angriff zu nehmen, und hat diesen Plan nach dem Unfall – wenn auch mit zeitlicher Verzögerung - weiterverfolgt.
Fraglich ist einzig, ob sein Ungenügen in der
Eignungsprüfung
auf unfallbedingte Schädi
gungen zurückzuführen ist.
6.3
Die behandelnden Ärzte des
Spitals D._
erachteten den Beschwerdeführer anlässlich ihrer Kontrolle am 3
1.
März 2005 für voll arbeitsfähig (
Urk.
9/51
,
Urk.
9/47
). Der Beschwerdeführer besuchte vorgängig zur Überbrückung
und Tagesstrukturierung
verschiedene Sprach- bzw. Computerkurs
e
(
Urk.
9/34,
Urk.
9/36
)
und begann am 2
3.
Fe
bruar 2005 den Vorkurs für das Primarl
ehrerseminar (
Urk.
9/49)
, welchen
er ohne
aktenkundige
Schwierigkeit
en
abschloss
.
Alsdann bestand er zwar d
ie Aufnahmeprüfung, nicht jedoch den Eignungstest (Assessment)
. Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe den Anforderungen
wegen seiner Defizite
in der Langzeitaufmerksamkeit und der eingeschränkten Fähig
keiten im Bereich der sprachlichen auditiven Merkfähigkeit sowie der verlang
samten Reaktionszeit
nicht zu genügen vermocht
(
Urk.
1 S. 12).
Gemäss Promotionsentscheid der P
._
vom 1
8.
Juli 2005 (
Urk.
12/5) dauerte das Assessment einen Tag und diente der Erfassung überfachlicher Kompeten
zen, worunter Selbstkompetenz, Sozialkompetenz
und Lernen verschiedener Verhaltensmerkmale erfasst wurden. Dem Resultate-Blatt des Assessors ist zu entnehmen, dass in keiner der Kompetenzbereiche (Kommunikation, Koopera
tion, Überzeugungs- und Durchsetzungsvermögen, Leistungsmotiva
tion/Engagement, Umgang mit Informationen/Strukturierungsvermögen) die maximale Punktzahl erreicht wurde, sondern – mit Ausnahme des Merkmals „Kooperation“ - durchwegs nur die Hälfte
. Als Schwächen wurden genannt: „
spricht leise, unvollständige Sätze,
fällt selber keine Entscheidungen, über
nimmt keine Führung, wenig Initiative, eher abwartend, wenig Engagement sichtbar, bringt sich nicht ein, wirkt
planlos und wenig strukturiert“
(
Urk.
12/6).
A
uch A
ngesichts der noch in den
neuropsychologische
n
Abklärungen
in der Epiklinik vom 1
4.
Januar 2008
festgestellten
partiellen
Minderleistungen
(
Bereich Aufmerksamkeit, Antrieb und
Arbeitsgeschwindigkeit sowie verbales
Arbeitsge
dächtnis
;
vgl.
E. 4.3)
ist nicht nachvollziehbar,
dass
der Beschwerde
führer zwar die fachliche Prüfung, nicht jedoch
den Eignungstest
in sämtlichen überfachlichen Kompetenzen
zu bestehen vermochte.
Es scheint weitestgehend spekulativ, dass die vorhandenen neuropsychologischen Einschränkungen sich auf die Darstellung
der getesteten
soziale
n
Kompetenzen auswirkten, welche
weitestgehend auch persönlichkeitsbezogen scheinen
.
A
nlässlich der Bespre
chung vom 2
6.
April 2007 im Lehrbetrieb
wurde
auch darauf hingewiesen, dass der Beschwerdeführer seit jeher eher introvertiert gewesen sei und sich nie gut habe durchsetzen können (
Urk.
12/7 =
Urk.
9/62). Entgegen der Da
rstellung des Beschwerdeführers, das Assessment wegen mangelnder sprachlicher Aus
drucksfähigkeit nicht bestanden zu haben
(
Urk.
11 S. 7)
,
fanden sich anläs
slich der Abklärungen in der O._
-Klinik im Januar 2008 insgesamt unauffällige sprachliche Funktionen und intakte verbale und figural Lern- und Gedächtnisleistungen. In den sprachgebunden
en
Aufgaben zeigte der Beschwerdeführer eine deutlich bessere Leis
tung. Die Ausführungen von Fachpersonen der P
._
, wie sich die neuropsychologischen Einschränkungen ganz generell und im spe
ziellen Einzelfall auf die Ergebnisse des Assessments ausgewirkt hätten (
Urk.
1
1
S. 8), müssten sich – neuropsychologische Kenntnisse vorausgesetzt – daher ebenfalls auf Spekulationen beschränken und vermöchten dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht zu genügen.
6.4
Der Abbruch der begonnen
en
Ausbildung zum Kindergärtner erfolgte nach echtzeitlichen Angaben des Beschwerdeführers selbst bzw. seiner Mutter aus
schliesslich aus unfallfremden Gründen. Es zeigte sich, dass ihm der Beruf des Schreiner mehr
zusagte
(
Urk.
12/2 =
Urk.
9/55) bzw. Kindergärtner nicht der richtige Beruf für ihn war (
Urk.
9/58). Replicando räumt der Beschwerdeführer nunmehr
erneut
ein,
der Umgang mit Vorschulkindern
habe ihm
nicht entspro
chen
(
Urk.
11 S. 2)
. Weiterungen hierzu erübrigen sich daher.
6.5
Es ist fraglich, ob der erfolgreiche Abschluss der Schreinerlehre letztendlich zu einem höheren Erwerbseinkommen geführt hätte, und daher das Vorbringen, diesen Berufswunsch einzig aufgrund der leichten neuropsychologischen Stö
rungen aufgegeben zu haben
,
überhaupt zu prüfen ist.
Der Beschwerdeführer erzielt nac
h eigenen Angaben (
Urk.
1 S. 13)
bei der I._
AG monatlich
Fr.
4‘500.— (Basis 2013) und hätte als Jungschreiner nach A
ngaben des Geschäftsführers des Vereins F._
monatlich
Fr.
4‘000.—
(Basis 2008) zu erwarten gehabt (
Urk.
9/104).
Die Gründe für den Abbruch der Schreinerlehre können indes offen bleiben, weil nicht dargetan ist, dass der Beschwerdeführer ohne
den Unfall
den Beruf des Schreiners ergriffen hätte.
Festzuhalten bleibt
in diesem Zusammenhang auch
, dass die Fortsetzung der Schreinerlehre eingehend geprüft wurde (
Urk.
9/122,
Urk.
9/134
,
Urk.
9/142
)
– unter ander
em in geschütztem Rahmen im Verein F._
geschnuppert wurde – die Ausbildung als Schreiner jedoch letztlich aus unfallfremden Grün
den (Residuen des Morbus Perthes) nicht weiterverfolgt
werden konnte (
Urk.
9/128-129,
Urk.
9/134)
.
Ferner ist darauf hinzuweisen, dass die berufli
chen Neigungsabklärungen im Juni 2008 eindeutig eine Neigung zu einem handwerklichen Beruf, verbunden mit
dem Wunsche, kunsthandwerklich
und gestalterisch tätig
zu
sein
, zeigten. Aufgrund der Neigungen und Fähigkeiten konnte
die Berufsberaterin der Rehaklinik
G._
die
Schreinerlehre
daher
als Berufsgrundlage
empfehlen
.
Dies entgegen der anlässli
ch der Untersuchungen in der O._
-K
linik geäusserten Vermutung, der Beschwerdeführer wäre möglich
erweise in einem anderen, weniger handwerklichen Bereich, wo er ohne zeitli
chen Druck arbeiten könnte, besser aufgehoben.
Die Berufsberaterin
sah
das Problem nicht in der fehlenden Konzentrationsfähigkeit, sondern
erachtete
andere Faktoren für die verminderte Leistungsfähigkeit (
als Schreinerlehrling
)
als verantwortlich
, so die fehlende psychische Belastbarkeit (Leistungsdruck),
der fehlende
Antrieb und Ehrgeiz,
die
verlangsamte Auffassungsgabe und Schwächen im abstrakt-logischen Denken (
Urk.
9/122).
Aus neurops
ychologi
scher Sicht wurden vorbestehende partielle Schwächen vermutet, die durch den Unf
all akzentuiert worden seie
n (
Urk.
9/91).
Auch der G
eschäftsleiter des Vereins F._
erachtete nach der Schnupperlehre die notwendigen Ressourcen in den meisten Bereichen
als
gegeben.
Sofern die Erfahrungsl
ücken
(Arbeiten mit Massivholz) nachgeholt würden,
erachtete
er
den erfolgreichen Abschluss der Lehre
für
durchaus möglich. Es ist daher keineswegs dargetan, dass der Beschwerdeführer ohne die leichten neuropsychologischen Funktionsstörungen die Lehre als Schreiner im ursprünglichen Lehrbetrieb erfolgreich abgeschlossen hätte.
Immerhin absolvierte er die Lehre als Detailhandel
sfach
mann im Musikalienbereich ohne Verzögerungen.
6.
6
Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass nicht mit dem Beweisgrad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit dargetan ist, dass der Beschwerdeführer ohne den am
1
8.
Februar 2004 erlittenen Unfall seinen ursprünglichen Berufswunsch Primarlehrer erfolgreich hätte abschliessen können und – sei es in diesem Beruf oder in demjenigen eines Schreiners
oder Kunstschreiners
- ein wesentlich höheres Erwerbseinkommen erzielen würde. Eine durch den Unfall erlittene Erwerbseinbusse von mindestens 10
%
ist nicht dargetan. Damit bleibt es beim angefochtenen Einspracheentscheid vom 2
3.
September 2013 und ist die Beschwerde abzuweisen.
7.
Die Kosten eines von der versicherten Person veranlassten Gutachtens sind vom Versicherungsträger dann zu übernehmen, wenn sich der Sachverhalt erst auf
grund des neu beigebrachten Untersuchungsergebnisses schlüssig feststellen lässt und dem Unfallversicherer insoweit eine Verletzung der ihm im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes obliegenden Pflicht zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung vorzuwerfen ist (RKUV 2004 Nr. U 503 S. 186, U 282/00 E. 5.1). Dies ist vorliegend nicht der Fall, so dass dem Antrag auf Übernahme
der Kosten des
Berichtes
vom
1
4.
August
2013
durch die Beschwerdegegnerin nicht stattzugeben ist.