# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** e654b4f8-4e47-44cd-867f-17b5addd889e
**Court:** ZH_HG
**Chamber:** ZH_HG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Forderung
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Inhaltsverzeichnis
Rechtsbegehren ............................................................................................................... 4
Sachverhalt und Verfahren ........................................................................................... 5 a. Parteien und ihre Stellung..................................................................................... 5 b. Prozessgegenstand ............................................................................................... 5
Erwägungen ...................................................................................................................... 7
1. Formelles................................................................................................................ 7
2. Haftungsvoraussetzungen ................................................................................ 7 2.1. Rechtliche Grundlagen .......................................................................................... 7 2.2. Unbestrittener Sachverhalt ................................................................................... 8 2.3. Parteistandpunkte .................................................................................................. 8 2.4. Würdigung ............................................................................................................... 8
3. Gesundheitliche Beeinträchtigung ................................................................. 9 3.1. Rechtliche Grundlagen .......................................................................................... 9 3.2. Unbestrittener Sachverhalt ................................................................................... 9 3.3. Standpunkt der Klägerin......................................................................................10 3.4. Standpunkt des Beklagten ..................................................................................10 3.5. Beweismittel ..........................................................................................................11 3.6. Würdigung .............................................................................................................11 3.7. Fazit ........................................................................................................................17
4. Haushaltsschaden .............................................................................................18 4.1. Rechtliche Grundlagen ........................................................................................18 4.2. Unbestrittener Sachverhalt .................................................................................18 4.3. Hypothetischer Zeitaufwand für Haushaltsarbeit ohne Unfall .......................19 4.4. Beeinträchtigung in der Haushaltsführung .......................................................28 4.5. Stundenansatz ......................................................................................................43 4.6. Berechnung des Haushaltsschadens ...............................................................44 4.7. Fazit ........................................................................................................................45
5. Kausalität .............................................................................................................45 5.1. Rechtliche Grundlagen ........................................................................................45 5.2. Parteistandpunkte ................................................................................................46 5.3. Beweismittel ..........................................................................................................47 5.4. Würdigung .............................................................................................................47 5.5. Fazit ........................................................................................................................49
6. Schadenersatzbemessung ..............................................................................50 6.1. Schadenminderungspflicht .................................................................................50 6.2. Akontozahlung ......................................................................................................51
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7. Schadenszins ......................................................................................................51 7.1. Parteistandpunkte ................................................................................................51 7.2. Rechtliche Grundlagen ........................................................................................52 7.3. Würdigung .............................................................................................................52
8. Zusammenfassung ............................................................................................53
9. Kosten- und Entschädigungsfolgen .............................................................53
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Rechtsbegehren: (act. 1 S. 2)
" Es sei der beklagte B._ (B._) zu verpflichten, der Klägerin unter dem Titel "Haushaltsschaden ab Unfall vom 25. Juni 2004 bis Ende 2010" per Rechnungstag Ende 2012 inklusive Schadenszinse den Betrag von Fr. 169'892.– zu bezahlen;
alles unter ausgangsgemässer Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Beklagten."
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Sachverhalt und Verfahren
A. Sachverhaltsübersicht
a. Parteien und ihre Stellung
Die Klägerin wurde am 25. Juni 2004 von einem Personenwagen angefahren und
verletzt, dessen Lenker nicht ermittelt werden konnte. Beim Beklagten handelt es
sich um einen im Handelsregister eingetragenen Verein mit Sitz in Zürich. Zweck
dieses Vereins ist gemäss Art. 76 Abs. 2 SVG, Schäden zu decken, die durch un-
bekannte oder nicht versicherte Motorfahrzeuge verursacht wurden.
b. Prozessgegenstand
Die Klägerin macht auf den Unfall zurückzuführende gesundheitliche Beschwer-
den geltend, welche sie bei der Führung des Haushalts beeinträchtigen würden,
so dass ihr ein Haushaltsschaden entstanden sei. Dieser sei vom Beklagten zu
ersetzen. Der Beklagte beantragt die vollumfängliche Abweisung der Klage we-
gen fehlender Haftungsvoraussetzungen.
B. Prozessverlauf
Am 15. März 2012 (Datum Poststempel) reichte die Klägerin die Klage mit dem
eingangs genannten Rechtsbegehren ein (act. 1). Nachdem die Klägerin der ihr
auferlegten Pflicht zur Leistung eines Gerichtskostenvorschusses nachgekommen
war, erstattete der Beklagte mit Eingabe vom 20. Juni 2012 fristgerecht die Kla-
geantwort (act. 14). Mit Schreiben vom 13. Juli 2012 erklärte der Handelsrichter
R._ nach einem Ausstandsgesuch des Beklagten den Ausstand (act. 22),
weshalb der Handelsrichter Dr. Alexander Müller mit Verfügung vom 16. Juli 2012
als neuer Referent ernannt wurde (Prot. S. 10). Am 27. September 2012 fand eine
Vergleichsverhandlung statt (Prot. S. 11 f.). Da diese zu keiner Einigung führte,
wurde mit Verfügung vom 27. September 2012 die schriftliche Fortsetzung des
Verfahrens angeordnet (Prot. S. 13). Die fristgerechte Replikschrift der Klägerin
datiert vom 9. November 2012 (act. 27). Mit Eingabe vom 6. Februar 2013 reichte
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der Beklagte innert Frist die Duplikschrift ein (act. 34). Mit Datum vom 3. Oktober
2013 erging der Beweisbeschluss (act. 38). Nach Einholung entsprechender Stel-
lungnahmen der Parteien wurde mit Verfügung vom 28. Januar 2014 die Gutach-
tensstelle der Klinik für Neurologie des Universitätsspitals Zürich unter der Leitung
von Prof. Dr. med. C._ als Gutachterin ernannt (act. 53). Nachdem die Par-
teien Gelegenheit erhalten hatten, sich zum vorgesehenen Fragekatalog zu äus-
sern, wurde mit Schreiben vom 4. März 2014 die Experteninstruktion zugestellt
(act. 60). Das interdisziplinäre Gutachten datiert vom 16. Januar 2015 (act. 72),
das neuropsychologische Teilgutachten vom 23. Mai 2014 (act. 73). Mit Eingaben
vom 12. März 2015 nahmen die Parteien zum Gutachten Stellung (act. 79 und
80). Die prozessualen Anträge in den Stellungnahmen wurden mit Verfügung vom
18. März 2015 abgewiesen (act. 81). Nachdem die Parteien auf die Durchführung
einer Hauptverhandlung verzichtet hatten, wurde ihnen Frist zur Einreichung der
Schlussvorträge angesetzt (act. 83 und 84). Die Schlussvorträge datieren vom
12. und 15. Mai 2015 (act. 86 bis 89). Der Antrag der Beklagten auf Ansetzung
einer Frist zur weiteren Stellungnahme wurde mit Verfügung vom 22. Mai 2015
abgewiesen (act. 91 und 92). Mit Eingabe vom 27. Mai 2015 reichte die Beklagte
eine Stellungnahme ein, welche der Klägerin zugestellt wurde (act. 94 und
Prot. S. 34). Das Verfahren erweist sich als spruchreif.
Es ist an dieser Stelle auf personelle Veränderungen in der Bearbeitung des vor-
liegenden Prozesses hinzuweisen. An der Vergleichsverhandlung vom 27. Sep-
tember 2012 wirkten mit: Ersatzoberrichterin Flurina Schorta als Instruktionsrich-
terin, Handelsrichter Dr. Alexander Müller als Referent sowie Gerichtsschreiberin
Claudia Marti. In der Folge fanden personelle Veränderungen statt. Ersatzober-
richterin Flurina Schorta wurde Oberrichterin und verliess das Handelsgericht. Ge-
richtsschreiberin Claudia Marti ist beurlaubt. Beim massgeblichen Beweisbe-
schluss vom 3. Oktober 2013 wirkten sodann mit: Oberrichter Dr. Heinrich Andre-
as Müller, Vizepräsident, und Oberrichter Roland Schmid, die Handelsrichter Dr.
Alexander Müller und Patrick Lerch, die Handelsrichterin Nathalie Lang sowie neu
die Gerichtsschreiberin Claudia Feier. Oberrichter Dr. Heinrich Andreas Müller
verliess in der Folge das Handelsgericht. Entsprechend ist die Besetzung des Ur-
teils neu wie folgt: Oberrichter Dr. George Daetwyler, Präsident, und Oberrichter
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Roland Schmid, die Handelsrichter Dr. Alexander Müller und Patrick Lerch, die
Handelsrichterin Nathalie Lang sowie die Gerichtsschreiberin Claudia Feier. Eine
solche personelle Veränderung ist, weil begründet, zulässig (Urteil des Bundesge-
richts 4A_271/2015 vom 29. September 2015, Erw. 8.2).

## Considerations

Erwägungen
1. Formelles
Die örtliche und sachliche Zuständigkeit des Handelsgerichts des Kantons Zürich
ist gegeben und unbestritten (Art. 38 Abs. 1 ZPO und Art. 6 Abs. 3 ZPO; act. 14
Ziff. 2).
2. Haftungsvoraussetzungen
Rechtliche Grundlagen 2.1.
Wird durch den Betrieb eines Motorfahrzeugs ein Mensch getötet oder verletzt
oder Sachschaden verursacht, haftet der Halter für den Schaden (Art. 58 Abs. 1
SVG). Die Haftpflicht des Motorfahrzeughalters setzt einen Personen- oder , die Verursachung des Schadens durch den Betrieb eines Motorfahr-
zeugs, Widerrechtlichkeit sowie einen natürlichen und adäquaten Kausalzusam-
menhang zwischen dem Betrieb des Motorfahrzeugs und dem Schaden voraus
(REY, Ausservertragliches Haftpflichtrecht, 4. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2008,
N 1272 ff.). Die Haftpflicht des Halters wird durch dessen obligatorische Haft-
pflichtversicherung gedeckt (Art. 63 Abs. 1 und 2 SVG). Der Geschädigte hat im
Rahmen der vertraglichen Versicherungsdeckung ein unmittelbares Forderungs-
recht gegen den Versicherer (Art. 65 Abs. 1 SVG). Die Haftpflicht für einen Scha-
den, der durch ein nicht ermitteltes Motorfahrzeug in der Schweiz verursacht wur-
de, wird vom Nationalen Garantiefonds Schweiz (B._) gedeckt (Art. 76
Abs. 2 SVG).
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Unbestrittener Sachverhalt 2.2.
Es ist unbestritten, dass die Klägerin durch einen Unfall, welcher durch den Be-
trieb eines Motorfahrzeuges, dessen Lenker nicht ermittelt werden konnte, verur-
sacht wurde, verletzt wurde und der Beklagte für einen allfälligen daraus resultie-
renden Schaden grundsätzlich einzustehen hat (act. 1 Ziff. 3, act. 14 Rz. 3).
Parteistandpunkte 2.3.
Die Klägerin macht geltend, sie habe durch den Unfall ein Schädelhirntrauma er-
litten und leide seither an unfallkausalen gesundheitlichen Beschwerden. Diese
würden sie in der Haushaltsführung beeinträchtigten, weshalb ihr im Zeitraum
vom 25. Juni 2004 (Unfallzeitpunkt) bis Ende 2010 ein Haushaltsschaden ent-
standen sei (act. 1 S. 2 ff.). Die Geltendmachung weiteren Schadens sowie einer
Genugtuung behält sich die Klägerin ausdrücklich vor (act. 1 Ziff. 9).
Der Beklagte bestreitet einen Haushaltsschaden. Er macht geltend, im klagerele-
vanten Zeitraum hätten keine gesundheitlichen Beschwerden vorgelegen; even-
tualiter seien diese spätestens nach Erstellung des SIVM-Gutachtens vom
23. Januar 2008 gänzlich weggefallen (act. 34 Rz. 6). Ferner hätten allfällig be-
stehende Beschwerden nicht zu einer Beeinträchtigung der Klägerin in der Haus-
haltsführung geführt (act. 14 Rz. 23 ff.). Es fehle an einem Kausalzusammenhang
zwischen den Beschwerden und dem Unfall einerseits und den Beschwerden und
der Beeinträchtigung im Haushaltsbereich andererseits (act. 14 Rz. 46).
Würdigung 2.4.
Sollten die umstrittenen Haftungsvoraussetzungen (gesundheitliche Beeinträchti-
gung, Haushaltsschaden und Kausalität) vorliegen, wäre der Beklagte gestützt auf
Art. 76 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 58 Abs. 1 SVG ersatzpflichtig. Bei der
Prüfung der Haftungsvoraussetzungen ist auf die Vorbringen der Parteien – so-
weit für die Entscheidfindung erforderlich – näher einzugehen.
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3. Gesundheitliche Beeinträchtigung
Rechtliche Grundlagen 3.1.
Art. 62 SVG verweist für die Bestimmung von Art und Umfang des Schadenersat-
zes auf die entsprechenden Vorschriften des Obligationenrechts. Eine  im Sinne von Art. 46 OR ist die einen Schaden bewirkende Beeinträchti-
gung der körperlichen oder psychischen Integrität. Es handelt sich somit um Ein-
wirkungen, die im Körper anatomische Veränderungen oder auch psychische
oder nervöse Störungen hervorrufen (GIGER, Kommentar zum Strassenverkehrs-
gesetz, 2008, N 1 und N 12 zu Art. 58). Die Beweislast für das Vorliegen einer
gesundheitlichen Beeinträchtigung obliegt der geschädigten Person.
Unbestrittener Sachverhalt 3.2.
Am 25. Juni 2004, um ca. 22.50 Uhr wollte die Klägerin zusammen mit D._,
ihrem heutigen Ehemann, in Zürich 1 zu Fuss einen Fussgängerstreifen überque-
ren. Ein vor dem Fussgängerstreifen wartender Personenwagen nahm unvermit-
telt die Fahrt auf. Die Klägerin wurde erfasst und auf die Kühlerhaube des Fahr-
zeugs aufgeladen, von wo sie auf den Boden stürzte. Aufgrund der Kollision erlitt
die Klägerin eine Schädelfraktur, eine Hirnblutung, Beinverletzungen sowie diver-
se schwere Prellungen und blieb an der Unfallstelle bewusstlos liegen (act. 1
Ziff. 3). Die Klägerin wurde unmittelbar nach dem Unfall ins Universitätsspital Zü-
rich eingewiesen, wo ein Glasgow Coma Score von 14 registriert wurde (act. 1
Ziff. 4, act. 1 S. 25). Sie wurde dort bis zum 9. Juli 2004 stationär hospitalisiert.
Anschliessend folgte ein bis am 21. Juli 2004 dauernder Rehabilitationsaufenthalt
im E._, Medizinisches Zentrum, ... . Danach wurde sie ambulant weiterbe-
handelt. Mit Datum vom 23. Januar 2008 wurde im Auftrag der Basler Versiche-
rungsgesellschaft in deren Funktion als UVG-Versicherung ein interdisziplinäres
Gutachten des Schweizerischen Instituts für Versicherungsmedizin (SIVM) er-
stellt. Gestützt darauf wurde der Klägerin eine 50 prozentige UVG-Rente sowie
eine halbe IV-Rente zugesprochen (act. 1 Ziff. 4).
https://www.swisslex.ch/LawDetail.mvc/Show?normalizedReferences=CH%2F741.01%2F62&SP=22%7Cskijha
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Standpunkt der Klägerin 3.3.
In Bezug auf ihre gesundheitliche Beeinträchtigung gibt die Klägerin das interdis-
ziplinäre SIVM-Gutachten in ihrer Klageschrift wörtlich wieder und erklärt dessen
gesamten Inhalt zum klägerischen Vorbringen (act. 1 S. 9 ff.). Nachfolgend sind
aus dem Gutachten nur die für die Beurteilung der klägerischen Forderung we-
sentlichen Punkte zusammenzufassen:
Die Klägerin macht im Wesentlichen geltend, sie habe ein Schädelhirntrauma mit
einer Contusio cerebri (act. 1 S. 25 und 29) und einer Hirnschädigung erlitten. Als
Folge leide sie an kognitiven Störungen, namentlich einer dauerhaften Hirnfunkti-
onsstörung (act. 1 S. 29). Diese wirke sich in Beeinträchtigungen der Aufmerk-
samkeit, der Merkspanne und des Arbeitsgedächtnisses aus (act. 1 S. 28). Dane-
ben bestünden Nackenschmerzen und chronische posttraumatische Kopfschmer-
zen, welche konstant vorhanden seien und ein bis zwei Mal pro Monat in Form
von Kopfschmerzattacken aufträten. Sie leide ferner an erhöhter Ermüdbarkeit,
welche zusammen mit den Kopfschmerzen zu Schwankungen der kognitiven
Leistungsfähigkeit führe (act. 1 S. 28). Sodann habe sie ihren Geruchssinn verlo-
ren und leide an Schwindelanfällen (act. 1 S. 27 und 29). Seit Erstellung des Gut-
achtens vom 23. Januar 2008 sei in Bezug auf ihre Beschwerden keine Besse-
rung eingetreten (act. 1 S. 8). Eine wesentliche Besserung der Symptome im Sin-
ne einer Heilung sei im klagerelevanten Zeitraum auch nicht zu erwarten gewesen
(act. 1 S. 27).
Standpunkt des Beklagten 3.4.
Der Beklagte bestreitet die geltend gemachten gesundheitlichen Beschwerden
der Klägerin. Eventualiter – für den Fall, dass diese anfänglich tatsächlich vor-
handen gewesen sein sollten – macht er deren gänzlichen Wegfall spätestens
nach Erstellung des Interdisziplinären SIVM-Gutachtens vom 23. Januar 2008 in-
folge einer Besserung des Gesundheitszustandes geltend (act. 14 Rz. 7, act. 34
Rz. 6). Darüber hinaus macht der Beklagte geltend, dass bei der Klägerin eine
nicht unfallkausale Schmerzverarbeitungsstörung bzw. somatoforme Schmerzstö-
rung vorliege (act. 14 Rz. 46, act. 34 Rz. 23).
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Beweismittel 3.5.
Die Klägerin offeriert zu ihren Behauptungen folgende Beweismittel:
− Interdisziplinäres Gutachten des SIVM vom 23. Januar 2008 (act. 3/5)
− Psychiatrisches Gutachten vom 21. Januar 2008 von med. pract. F._ /
PD Dr. med. G._ (act. 3/11)
− ORL-Gutachten von Frau Dr. med. H._ vom 29. Oktober 2007
(act. 3/12)
− Schriftlich festgehaltene Beobachtungen von D._ vom 10. Januar 2006
zu den Unfallfolgen für das Privatleben der Klägerin (act. 1 Ziff. 28)
− Dr. med. I._, Dr. phil. J._, med. pract. F._, PD Dr. med.
G._, Dr. med H._ als Zeugen zu ihren Beobachtungen anlässlich
ihrer Untersuchung der Klägerin hinsichtlich deren Beschwerden (act. 1
Ziff. 8)
Der Beklagte offeriert zum Gegenbeweis ein polydisziplinäres medizinisches Gut-
achten (act. 14 Rz. 7).
Würdigung 3.6.
3.6.1. Rechtliche Grundlagen
In Bezug auf die Würdigung von medizinischen Unterlagen ist BGE 125 V 351
heranzuziehen, worin das Bundesgericht die Grundsätze der Beweiswürdigung im
Zusammenhang mit medizinischen Fragen festhielt. Der Entscheid erging zwar in
sozialversicherungsrechtlichem Zusammenhang, was das Bundesgericht im Urteil
4A_178/2015 vom 11. September 2015 zu einer Klarstellung bewog. Diese be-
zieht sich indessen nur auf Privatgutachten, welche vorliegend nicht relevant sind.
Die in BGE 125 V 351 enthaltenen Grundsätze beanspruchen nach wie vor Gel-
tung. Im erwähnten Entscheid ruft das Bundesgericht in Erinnerung, dass die Be-
weise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen sind. Bezüglich des Beweiswertes eines Arztberichtes
sei weniger die Herkunft und die Bezeichnung eines Berichts entscheidend, son-
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dern vielmehr, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend sei, auf allsei-
tigen Untersuchungen beruhe, auch die geklagten Beschwerden berücksichtige,
in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden sei, in der Beurteilung
der medizinischen Situation einleuchte und ob die Schlussfolgerungen der Exper-
ten begründet seien (BGE 125 V 351 E. 3a).
Sodann nennt das Bundesgericht Richtlinien, welche bei der Würdigung medizini-
scher Berichte und Gutachten zu beachten sind. In diesem Zusammenhang hält
es fest, dass bei Gerichtsgutachten nicht ohne zwingende Gründe von der Ein-
schätzung des medizinischen Experten abzuweichen sei. Ein Grund zum Abwei-
chen könne vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich sei oder wenn
ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu anderen
Schlussfolgerungen gelange. Abweichende Beurteilung könne ferner gerechtfer-
tigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachexperten dem
Richter als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in
Frage zu stellen (BGE 125 V 351 E. 3b und 3c).
3.6.2. Interdisziplinäres SIVM-Gutachten vom 23. Januar 2008
Im SIVM-Gutachten wird in neurologischer Hinsicht festgehalten, die Klägerin ha-
be ein Schädelhirntrauma, bestehend aus einer Schädelkalottenfraktur rechts, ei-
nem Epiduralhämatom temporoparietal rechts, einer paramedianen bifrontalen
Contusio cerebri und einer leichten diffusen axonalen Hirnschädigung, erlitten
(act. 3/5 S. 16 und 20). Zudem bestünden chronische posttraumatische Kopf-
schmerzen, die auf einer Skala von 1 bis 10 einen Grundpegel von ca. 2 bis 4
aufwiesen und unter körperlicher Anstrengung bis 8 oder noch mehr zunähmen.
Weiter träten ein bis zwei Mal pro Monat migräniforme Attacken auf. Die Kopf-
schmerzen seien wahrscheinlich zervikogen moduliert, was sich in den von der
Klägerin geschilderten belastungsabhängigen Schulter- und Nackenschmerzen
und den bei der Untersuchung gefundenen schmerzhaften Muskelverspannungen
des oberen Rückens und Nackens geäussert habe (act. 3/5 S. 18). Hinzu komme
eine erhöhte Ermüdbarkeit, was zusammen mit den Kopfschmerzen zu Schwan-
kungen der kognitiven Leistungsfähigkeit führe (act. 3/5 S. 19). Ferner leide die
Klägerin an einer Anosmie und posttraumatischem vestibulärem Schwindel, der
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insbesondere beim Aufsitzen aus Rückenlage und bei sagittalen Kopfbewegun-
gen stark auftrete (act. 3/5 S. 20).
Weiter wird im Gutachten festgehalten, die neuropsychologische Untersuchung
habe leichte bis mittelgradige Beeinträchtigungen der Aufmerksamkeit (Grundak-
tivierung, geteilte Aufmerksamkeit) und mittelschwere Einschränkungen der ver-
balen und visuellen Merkspanne sowie des verbalen und visuellen Arbeitsge-
dächtnisses ergeben. Unter den Exekutivfunktionen sei die semantische Flüssig-
keit deutlich und die nonverbale Flüssigkeit grenzwertig reduziert. Der Abruf aus
dem verbal-episodischen Gedächtnis habe eine erhöhte Perseverationsneigung
aufgewiesen. Hinzu komme eine erhöhte Ermüdbarkeit, welche im Verlauf der
Untersuchung zu beobachten gewesen sei und zusammen mit den Kopfschmer-
zen zu Schwankungen der kognitiven Leistungsfähigkeit geführt habe. Insgesamt
sei von einer leichten bis mittelschweren neuropsychologischen Funktionsstörung
auszugehen (act. 3/5 S. 19).
Neurootologisch wurde der Klägerin eine zentralvestibuläre Funktionsstörung nach Commotio labyrinthi diagnostiziert (act. 3/5 S. 20). Weiter gelangten die
Gutachter zum Schluss, dass eine psychiatrische Diagnose von Krankheitswert
nicht gestellt werden könne (act. 3/5 S. 20).
Das Gutachten hält ferner fest, der Verlauf der neuropsychologischen Störungen
habe eine Asymptote erreicht. Eine wesentliche spontane Besserung der Symp-
tome im Sinne einer Heilung sei demnach nicht mehr zu erwarten. Aufgrund des
jungen Alters der Klägerin und ihrer guten Bewältigungskapazität dürfte sich ihre
Hauptbeschwerde – die verminderte Leistungsfähigkeit im Alltag – durch Kom-
pensations- und gezielte Ausweichstrategien (strukturierter Alltag) noch verbes-
sern. Wahrscheinlich handle es sich dabei aber um langfristige Veränderungen,
die therapeutisch nicht bewirkt werden könnten, sondern dem natürlichen Verlauf
überlassen werden müssten (act. 3/5 S. 18). Die neuropsychologischen Störun-
gen, die belastungsabhängigen Kopf- und Nackenschmerzen, der Schwindel und
der Verlust des Geruchssinns werden im Gutachten als permanente Folgen der
Verletzungen durch den Unfall bezeichnet, welche einzeln und in ihrer Gesamtheit
von erheblichem Ausmass seien (act. 3/5 S. 18).
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Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens durch die Schweizerische Unfallver-
sicherungsanstalt (SUVA) und durch UVG-Privatversicherer eingeholten Gutach-
ten von externen Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen
und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei
der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Be-
weiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien
gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3 bb). Beim
vorliegenden Interdisziplinären SIVM-Gutachten handelt es sich um ein von einem
UVG-Privatversicherer eingeholtes Gutachten von Spezialärzten. Es basiert auf
eingehenden Untersuchungen und seine Ergebnisse sind schlüssig und nachvoll-
ziehbar. Umstände, die gegen die Zuverlässigkeit dieses Gutachtens sprechen,
liegen nicht vor. Solche werden auch nicht geltend gemacht. Das Interdisziplinäre
SIVM-Gutachten hat somit volle Beweiskraft. Der Umstand, dass die Klägerin das
Interdisziplinäre SIVM-Gutachten wörtlich in ihre Klageschrift integriert hat, ändert
– entgegen den Ausführungen der Beklagten – an dieser Beweiskraft nichts.
3.6.3. Psychiatrisches SIVM-Gutachten vom 21. Januar 2008
Im psychiatrischen SIVM-Gutachten wird festgehalten, dass die Klägerin an kei-
ner psychischen Störung leide und weder in den Akten, noch den Vorgutachten
oder in der Anamnese Hinweise auf eine vorbestehende psychische Erkrankung
bestünden. Eine solche könne daher sicher ausgeschlossen werden. Die von der
Klägerin beschriebene leichte Traurigkeit erfülle die diagnostischen Kriterien einer
psychiatrischen Störung nicht, sondern sei Ausdruck einer adäquaten Verarbei-
tungssituation (act. 3/11 S. 15). Weiter wird der Klägerin eine flexible und belast-
bare Primärpersönlichkeit attestiert (act. 3/11 S. 16).
Bezüglich der Beweiskraft des psychiatrischen SIVM-Gutachtens kann auf die
vorstehenden Ausführungen verwiesen werden. Auch diesem Gutachten kommt
volle Beweiskraft zu, zumal keine Umstände vorliegen die gegen seine Zuverläs-
sigkeit sprechen und solche auch nicht geltend gemacht werden.
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3.6.4. Oto-Rhino-Laryngologisches (ORL)-Gutachten vom 29. Oktober 2007
Dr. med. H._ stellte in ihrem ORL-Gutachten fest, dass sich bei der Klägerin
beidseitig eine Anosmie nachweisen lasse. Diese habe vor dem Unfall nicht be-
standen. Eine Erholung erscheine unwahrscheinlich. In Bezug auf die Schwindel-
beschwerden lasse sich eindeutig eine vestibuläre Unterfunktion auf der rechten
Seite nachweisen. Zusammen mit einer leichten Gehörsstörung ebenfalls rechts,
und dem fehlenden Seitenüberwiegen deute dies auf eine Commotio labyrinthi
hin. Diese solle bei der Gesamtbeurteilung einfliessen (act. 3/12 S. 2).
Dr. med. H._ wurde von Dr. med. I._ (SIVM) im Rahmen von dessen
Gutachtensauftrag mit der Teilbegutachtung im ORL-Bereich beauftragt. Ihr (Teil-
)Gutachten geniesst aus den bereits ausgeführten Gründen ebenfalls volle Be-
weiskraft, zumal keine Umstände vorliegen, die gegen dessen Zuverlässigkeit
sprechen und solche auch nicht geltend gemacht werden.
3.6.5. Die drei genannten Gutachten wurden von Fachexperten erstellt, und es
kommt ihnen volle Beweiskraft zu. Sie sind nachvollziehbar und enthalten keine
Widersprüchlichkeiten oder Unklarheiten. Sie stützen sich auf die Krankenakten
sowie auf die persönliche Wahrnehmung der Klägerin und deren Schilderungen.
Es liegen keine Gründe vor, die darin enthaltenen Erwägungen und Schlussfolge-
rungen in Frage zu stellen. Darüber hinaus stützen sich die Gutachten gegensei-
tig, soweit sie sich zu denselben Fragen äussern. Alle drei Gutachten bestätigen
die Behauptungen der Klägerin in Bezug auf ihren Gesundheitszustand im Zeit-
punkt der Begutachtung, namentlich ihr Verletzungsbild und ihre Beschwerden.
Es ist nicht ersichtlich, weshalb ein zweites Gutachten zu anderen Schlüssen
kommen sollte, zumal sich auch dieses nur auf die Krankengeschichte und die
Schilderungen der Klägerin stützen würde. Mit den drei genannten Gutachten hat
die Klägerin demnach den Beweis dafür erbracht, dass sie – zumindest – in den
jeweiligen Begutachtungszeitpunkten an den von ihr behaupteten Beschwerden
gelitten hat. Ebenfalls erstellt ist, dass die Klägerin an keiner psychiatrischen Stö-
rung gelitten hat. Diesbezüglich sind keine weiteren Beweisabnahmen nötig.
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3.6.6. Das Interdisziplinäre Gutachten und das ORL-Gutachten äussern sich nicht
nur zum Gesundheitszustand der Klägerin im Zeitpunkt der Begutachtung, son-
dern auch über die zu erwartende Entwicklung. Das psychiatrische Gutachten
äussert sich dazu naturgemäss nicht, da es zum Schluss gelangt, dass keine
psychiatrische Störung vorliegt. In diesem Zusammenhang hält das Interdiszipli-
näre SIVM-Gutachten fest, dass aufgrund des jungen Alters der Klägerin und ihrer
guten Bewältigungskapazität ihre Hauptbeschwerde – die verminderte Leistungs-
fähigkeit im Alltag – durch Kompensations- und gezielte Ausweichstrategien
(strukturierter Alltag) noch verbessert werden dürfte. Diese Bemerkung hat den
Beklagten zur Behauptung veranlasst, seit der Begutachtung habe sich der Ge-
sundheitszustand der Klägerin verbessert. Der Beklagte verkennt aber, dass da-
mit keine Verbesserung des Gesundheitszustandes gemeint war, sondern nur ei-
ne bessere Anpassung an die bestehenden Beschwerden. Eine solche wäre al-
lenfalls im Rahmen der Beurteilung des Ausmasses der Beeinträchtigung in der
Haushaltsführung zu berücksichtigen. Eine Verbesserung des Gesundheitszu-
standes wird im Interdisziplinären SIVM-Gutachten indessen gerade ausge-
schlossen, indem ausgeführt wird, dass mit einer spontanen Besserung der
Symptome im Sinne einer Heilung nicht mehr zu rechnen sei. Sämtliche Be-
schwerden werden denn auch als permanent bezeichnet (act. 3/5 S. 18). Diese
Prognose ist nicht aus der Luft gegriffen, vielmehr stützt sich das Interdisziplinäre
SIVM-Gutachten dabei auf den bisherigen Verlauf der Symptome, welchen es als
asymptotisch beurteilt (act. 3/5 S. 18). Die Frage, ob eine dauernde, erhebliche
Schädigung der körperlichen oder geistigen Integrität bestehe, beantwortet das
Gutachten sodann auch klar mit Ja (act. 3/5 S. 21 f.). Das ORL-Gutachten bestä-
tigt diese Einschätzung in Bezug auf die Anosmie (act. 3/12 S. 2). Nachdem bei-
den Gutachten volle Beweiskraft zukommt und keine Umstände ersichtlich sind,
die gegen die Zuverlässigkeit ihrer Beurteilung sprechen, gelingt der Klägerin der
Beweis, dass die Beschwerden dauerhaft sind und seit der Begutachtung im Ja-
nuar 2008 in den folgenden knapp drei Jahren (bis Ende 2010) keine relevante
Besserung eingetreten ist. Es ist nicht davon auszugehen, dass ein aktuelles
Gutachten an diesem Beweisergebnis etwas ändern würde. Deshalb waren auch
- 17 -
in Bezug auf die Frage, ob seit dem 23. Januar 2008 eine Besserung des Ge-
sundheitszustandes eingetreten ist, keine weiteren Beweisabnahmen nötig.
3.6.7. Dass ein aktuelles Gutachten nicht zu einem anderen Schluss führen wür-
de, zeigt das im vorliegenden Verfahren eingeholte gerichtliche Gutachten. Auch
dieses Gutachten – auch wenn es nicht explizit zu dieser Frage eingeholt wurde –
äussert sich zum Gesundheitszustand der Klägerin und diagnostiziert ihr eine
leichte bis mittelschwere kognitive Funktionsstörung, persistierende Kopfschmer-
zen, einen Belastungsschwindel bei dokumentierter peripher-vestibulärer Unter-
funktion rechts und eine beidseitige Anosmie. Damit bestätigt dieses Gutachten
die bereits vorliegenden Gutachten, insbesondere auch hinsichtlich der Persistenz
der Beschwerden (act. 72 S. 14). Das gerichtliche Gutachten wurde von unab-
hängigen Experten der Gebiete Neurologie und Neuropsychologie erarbeitet und
basiert auf eingehenden eigenen Befragungen und Untersuchungen der Klägerin,
einer umfassenden Anamnese und einer nachvollziehbaren und schlüssigen Be-
urteilung der Erkenntnisse. Es sind keine Gründe ersichtlich, welche die Begrün-
detheit und Verlässlichkeit ihrer Schlüsse in Zweifel ziehen würden.
Fazit 3.7.
Gestützt auf die vorliegenden Gutachten steht fest, dass die Klägerin im Sinne
von Art. 58 Abs. 1 SVG verletzt wurde. Namentlich erlitt sie ein Schädelhirntrau-
ma, welches zu den nachfolgenden Beeinträchtigungen ihrer körperlichen Integri-
tät führte, wobei die Beschwerden während des gesamten eingeklagten Zeitrau-
mes bestanden:
− Paramediane bifrontale Contusio cerebri mit leichter diffuser axonaler Hirn-
schädigung mit der Folge einer dauerhaften leichten bis mittelschweren
Hirnfunktionsstörung, namentlich mittelgradigen Beeinträchtigungen der
Aufmerksamkeit, der Merkspanne und des Arbeitsgedächtnisses
− Commotio labyrinthi mit der Folge einer vestibulären Unterfunktion, welche
Schwindelanfälle verursacht
− Anosmie
- 18 -
− Chronische posttraumatische Kopfschmerzen
Eine psychische Störung hingegen lag bei der Klägerin weder vor noch nach dem
Unfall vor.
4. Haushaltsschaden
Rechtliche Grundlagen 4.1.
Der Schaden aus eingeschränkter oder entfallener Arbeitsfähigkeit zur Führung
des Haushalts (Art. 46 Abs. 1 OR) wird nicht bloss ersetzt, wenn konkret Kosten
für Haushaltshilfen erwachsen, die wegen des Ausfalls der Haushalt führenden
Person beigezogen werden; auszugleichen ist vielmehr der wirtschaftliche Wert-
verlust, der durch die Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit im Haushalt entstan-
den ist, und zwar unabhängig davon, ob dieser Wertverlust zur Anstellung einer
Ersatzkraft, zu vermehrtem Aufwand der Teilinvaliden, zu zusätzlicher Beanspru-
chung der Angehörigen oder zur Hinnahme von Qualitätsverlusten führt. Der
"normativ", d.h. von Gesetzes wegen ohne Nachweis der daraus konkret entstan-
denen Vermögenseinbusse zu ersetzende Schaden ist am Aufwand zu messen,
den eine entgeltlich eingesetzte Ersatzkraft verursachen würde (BGE 132 III 321
E. 3.1, m.w.H.). Für die Berechnung des Haushaltsschadens sind drei Parameter
massgebend: Der Zeitaufwand an Haushaltsarbeit, den die geschädigte Person
ohne den Unfall und die daraus resultierende Gesundheitsschädigung betrieben
hätte, die Auswirkung der medizinisch-theoretischen Invalidität auf die Fähigkeit,
diese so bestimmten Haushaltsarbeiten auszuführen, und der Wert der Haus-
haltsarbeit, welche nicht mehr ausgeführt werden kann (JAN HERRMANN, Haft-
pflichtrechtliche Überlegungen zur Beeinträchtigung in der Haushaltsführung,
HAVE 2013, S. 134). Für das Vorliegen eines Haushaltsschadens und somit für
das Vorliegen aller schadensbegründenden Umstände trägt die Geschädigte die
Beweislast.
Unbestrittener Sachverhalt 4.2.
Die Klägerin war im Unfallzeitpunkt 31 Jahre alt, wohnte in einer 2 1⁄2 Zimmer-
Wohnung an der L._-strasse, ... [Ort] und arbeitete in einem Vollzeitpensum
- 19 -
von 100% als Pflegeassistentin im K._ (heute K'._). Nach dem Unfall
wurde die Klägerin ins Universitätsspital Zürich eingewiesen, wo so sie vom
25. Juni 2004 bis zum 9. Juli 2004 stationär hospitalisiert war. Anschliessend folg-
te ein Rehabilitationsaufenthalt bis am 21. Juli 2004 im E._, .... Die weitere
Behandlung erfolgte ambulant (act. 1 Ziff. 4). Die Klägerin war zunächst gänzlich
arbeitsunfähig. Ein kurzer Arbeitsversuch mit einem Arbeitspensum von 50 %
vom 16. bis 19. September 2004 scheiterte gänzlich. Am 8. November 2004 un-
ternahm sie einen zweiten Arbeitsversuch mit einem Pensum von 30 %. Ab
1. Februar 2005 steigerte sie ihr Arbeitspensum dauerhaft auf 50 %, was ihrer
nach dem Unfall verbleibenden Erwerbsfähigkeit entsprach (act. 1 Ziff. 23). Seit
dem 1. Juli 2005 wohnte sie mit D._, ihrem heutigen Ehemann, zusammen.
Das Paar wohnte zunächst in einer 3 1⁄2 Zimmer-Wohnung an der M._-
strasse in ... [Ort]. Am 1. September 2006 zogen sie in eine 2 1⁄2 Zimmer-
Wohnung an der L._-strasse in ... [Ort]. Seit 1. Mai 2008 wohnen sie in einer
4 1⁄2 Zimmer-Wohnung an der N._-strasse in ... [Ort]. Am 27. August 2008
wurde die Klägerin Mutter von Zwillingen. Nach dem Mutterschaftsurlaub nahm
sie ab Anfang 2009 ihre frühere Tätigkeit als Pflegeassistentin im K'._ wieder
auf, wobei sie ihr vorher unfallbedingt beschränktes Arbeitspensum familienbe-
dingt auf 20 % reduzierte (act. 1 Ziff. 14 ff.). Vom Beklagten explizit anerkannt
wurde sodann auch, dass die Klägerin stets Haushaltsarbeiten verrichtet hat
(act. 34 Rz. 12).
Hypothetischer Zeitaufwand für Haushaltsarbeit ohne Unfall 4.3.
4.3.1. Standpunkt der Klägerin
Die Klägerin berechnet gestützt auf die SAKE-Tabellen 2007 ihren hypothetischen
Zeitaufwand für Haushaltsarbeit ohne den Unfall wie folgt:
Von Bis Haushalts-
grösse Hyp. Arbeits-
pensum Alter
Hyp. Aufw and h./Woche
Statistische Grundlage
25.06.2004 31.01.2005 
0 % - 50 % 30-44 18 2007 - T2.1.1 (Allein  Frauen,  1)
01.02.2005 31.06.2005 
50 % 30-44 18 2007 - T2.1.1 (Allein  Frauen,  1)
- 20 -
01.07.2005 31.08.2008 Paarhaushalt 50 % 30-44 21.6 2007 - T2.2.1 (Frauen in Paarhaushalten,  2)
01.09.2008 31.12.2010 Paarhaushalt mit 2 Kindern (0-2 jährig)
20 % 30-44 61.2 2007 - T2.3.2 Mütter in Paarhaushalten mit 2 Kindern, Haushaltstyp 4)
Sie führt dazu aus, dass vorliegend von den Werten der SAKE-Tabellen ausge-
gangen werden könne, da keine konkreten Umstände vorlägen, welche ein Ab-
weichen von den statistischen Zahlen erfordern würden. Vielmehr habe die Kläge-
rin immer einen in jeder Hinsicht üblichen Haushalt geführt, wie er durch die
SAKE-Statistiken nach Geschlecht, Familiengrösse, Umfang der Berufstätigkeit
und Alter der haushaltsführenden Person und der Kinder differenziert erhoben
worden sei (act. 1 Ziff. 12). In Bezug auf den Erwerbsstatus geht die Klägerin von
ihrer unfallbedingt reduzierten Arbeitsfähigkeit aus und reduziert diese für die Zeit
ab Geburt ihrer Zwillinge um weitere 30 % (act. 1 Ziff. 16). Die SAKE-Zahlen 2007
seien anwendbar, weil die entsprechende statistische Erhebung ziemlich genau in
der Mitte der Zeitperiode liege, für welche ein Haushaltschaden geltend gemacht
werde. Im Sinne einer Vereinfachung sei es zweifellos zulässig, auf die SAKE-
Tabelle 2007 abzustellen, dies nachdem die SAKE-Tabelle 2004 eher höhere
Stundenzahlen ausweise als jene aus dem Jahr 2007 und die leicht tieferen Wer-
te der SAKE-Tabelle 2010 nur noch für ein Jahr zu berücksichtigen wären (act. 27
Ziff. 20). In ihrer Replik errechnete die Klägerin den hypothetischen Stundenauf-
wand sicherheitshalber dennoch anhand der jeweils aktuellen SAKE-Tabelle
(act. 27 Ziff. 18).
4.3.2. Standpunkt des Beklagten
Der Beklagte bestreitet die SAKE-Konformität des klägerischen Haushaltes. Die-
ser weiche in mehreren Punkten vom statistischen SAKE-Haushalt ab. Es könne
deshalb nicht nach der abstrakten Methode vorgegangen werden (act. 14 Rz. 12).
Vielmehr müsse die konkrete Methode zur Anwendung gelangen. Daraus ergebe
sich, dass im klägerischen Haushalt von einer hypothetischen wöchentlichen Va-
liden-Haushaltsarbeit von neun (für den Ein- und Zweipersonenhaushalt) bzw. 30
Stunden (für den Paarhaushalt mit zwei Kindern) auszugehen sei (act. 14 Rz. 14
- 21 -
ff.). Für den Fall, dass das Gericht dennoch die SAKE-Tabellen anwenden sollte,
sei als hypothetischer Validenhaushalt gerade nicht der Haushalt einer nur Teil-
zeit erwerbstätigen, sondern einer zu 100 % erwerbstätigen Frau von 30 bis 44
Jahren als Ausgangspunkt zu nehmen, weil davon auszugehen sei, dass die Klä-
gerin ohne den Unfall weiterhin in einem Vollpensum von 100 % erwerbstätig ge-
wesen wäre (act. 34 Rz. 14). In seiner Duplik macht der Beklagte sodann geltend,
für den Fall, dass auf die SAKE-Zahlen abgestellt werden sollte, könne nicht – wie
von der Klägerin vorgeschlagen – einfach auf die SAKE-Tabelle 2007 abgestellt
werden, sondern es seien die jeweils aktuellen statistischen Zahlen zu verwenden
(act. 34 Rz. 12).
4.3.3. Beweismittel
Die Klägerin offeriert zum Nachweis ihrer bestrittenen Behauptungen die SAKE-
Tabellen 2004 / 2007 / 2010 (act. 28/27) sowie ein gerichtliches Haushaltsgutach-
ten zur SAKE-Konformität des klägerischen Haushaltes (act. 1 Ziff. 14 und 17).
Der Beklagte beantragt zu seinen Behauptungen ein Haushaltsgutachten, d.h. ein
Gutachten zum hypothetischen Zeitaufwand der Klägerin in den jeweiligen Vali-
denhaushalten und zur SAKE-Konformität der klägerischen Validenhaushalte
(act. 34 Rz. 12 und 20).
4.3.4. Rechtliche Grundlagen und Würdigung
4.3.4.1. Anwendbarkeit der abstrakten Methode
Der hypothetische, d.h. ohne den Unfall erwartungsgemäss angefallene Aufwand
im Haushalt kann entweder konkret oder abstrakt berechnet werden. Das Bun-
desgericht hielt in einem Grundsatzentscheid fest, dass in Ermangelung genauer
Angaben über den Einzelfall, welche oft nur schwer gemacht und billigerweise
nicht gefordert werden könnten, soweit als möglich auf die durch die vorhandenen
Untersuchungen und Statistiken abgestützte Lebenserfahrung abgestellt werden
könne (BGE 108 II 434 E. 3.a = Pra 1983 Nr. 54). Seither hat das Bundesgericht
in mehreren Entscheiden bestätigt, dass sich das Gericht zur Ermittlung der Ar-
beitsstunden im Haushalt auf statistische Werte stützen kann (BGE 129 III 135 E.
- 22 -
4.2.1 = Pra 92 [2003] Nr. 69; Urteil des Bundesgerichts 4C.222/2004 vom
14. September 2004, E. 5.1 und 5.2.; Urteil des Bundesgerichts 4C.166/2006 vom
25. August 2006, E. 5.1 und 5.2 = Pra 96 [2007] Nr. 43; BGE 132 III 321 E. 3.6).
Im Urteil 4A_98/2008 bestätigte das Bundesgericht sodann ausdrücklich die
Wahlfreiheit des Richters zwischen den beiden gleichwertigen Methoden der abs-
trakten und konkreten Berechnung (HERRMANN, a.a.O., S. 136; Urteil des Bun-
desgerichts 4A_98/2008 vom 8. Mai 2008, E. 3.2). In BGE 129 III 135 E. 4.2.2.1 =
Pra 92 [2003] 69 hat das Bundesgericht sodann klargestellt, dass die SAKE eine
geeignete Grundlage zur Bestimmung des durchschnittlichen tatsächlichen Auf-
wands der schweizerischen Bevölkerung für den Haushalt und zur Festsetzung
der im individuellen Fall dem Haushalt gewidmeten Zeit biete.
Aufgrund dieser klaren Praxis steht fest, dass es grundsätzlich zulässig ist, zur
Berechnung des hypothetischen Haushaltsaufwandes auf die statistischen Werte
der SAKE abzustellen. Ein Vorgehen nach der abstrakten Methode ist auch im
Sinne der Verfahrensökonomie, denn die konkrete Berechnung würde zu einem
umfangreichen Beweisverfahren führen, ohne dass an dessen Ende präzisere
Resultate in Aussicht stünden als beim Vorgehen nach der abstrakten Methode.
Da der Haushaltsaufwand für den hypothetischen Fall, in dem der Unfall wegge-
dacht wird, zu errechnen ist und hypothetische Begebenheiten naturgemäss nicht
wie tatsächlich eingetretene Umstände bewiesen werden können, ist man auch
bei der Anwendung der konkreten Methode gezwungen, auf Erfahrungswerte ab-
zustellen. Es ist daher vorliegend der abstrakten Methode zu folgen.
4.3.4.2. Substantiierung des hypothetischen Haushaltsaufwandes
Das Bundesgericht verdeutlichte indessen aber auch, dass das Abstellen auf sta-
tistische Werte nur zulässig sei, soweit sich darin auch der in Frage stehende
Haushalt repräsentiert finde; gefordert sind deshalb genaue Angaben. Berufe sich
der Geschädigte deshalb auf statistische Werte, habe er seinen Haushalt und die
Rolle, die er darin spiele, mindestens so genau zu umschreiben, dass beurteilt
werden könne, ob die betreffende Statistik auf Erhebungen von Haushalten beru-
he, die nach ihren Eckdaten jenem des Geschädigten entsprächen (Urteil des
Bundesgerichts 4C.166/2006 vom 25. August 2006, E. 5.2 = Pra 96 [2007] Nr. 43;
- 23 -
bestätigt im Urteil des Bundesgerichts 4A_259/2012 vom 13. September 2012,
E. 3.1.2). Die SAKE-Tabellen zu den Haus- und Familienarbeiten, auf welche sich
die Klägerin stützt, beruhen auf Erhebungen in der Schweizerischen Bevölkerung
und enthalten Durchschnittswerte. Die Gesamtbevölkerung wird in den Tabellen
anhand der wichtigsten vier Einflussfaktoren Geschlecht, Alter, Familien- und Er-
werbssituation in mehrere Untergruppen aufgeteilt (JACQUELINE SCHÖN-BÜHLMANN,
in: HAVE 2013, Statistische Eckdaten zur Haus- und Familienarbeit: SAKE-
Tabellen 2010, S. 281 und 291). Als zentrale Parameter bezeichnete auch das
Bundesgericht Haushaltsgrösse, Erwerbsstatus und Geschlecht sowie das Alter
allfälliger Kinder (vgl. Urteil des Bundesgerichts 4C.222/2004 vom 14. September
2004, E. 5.1). Für die Substantiierung bedeutet dies, dass es genügen muss,
wenn der Geschädigte Behauptungen zu diesen vier Parametern bzw. Eckdaten
aufstellt. Weitere Parameter wurden bei der Erhebung nicht berücksichtigt (vgl.
auch HERRMANN, a.a.O., S. 140 f.) und müssen demnach vom Geschädigten, der
sich auf die SAKE-Tabelle stützt, auch nicht dargelegt werden.
Der Beklagte macht geltend, die von der Klägerin dargelegten Eckdaten zu ihren
jeweiligen Haushalten reichten nicht aus, um zu entscheiden, ob der zu beurtei-
lende Haushalt der betreffenden SAKE-Tabelle auch wirklich entspreche. Dafür
brauche es weitere Kriterien, wie z.B. Anzahl Zimmer und deren Grösse, Beschaf-
fenheit des Bodenbelags, Angaben zu allfälligen Haustieren, Pflanzen und zur
Grösse und Beschaffenheit eines allfälligen Gartens (act. 34 S. 6). Dieser Ansicht
kann nach dem Ausgeführten jedoch nicht gefolgt werden, da weitere Parameter
bei den Erhebungen nicht berücksichtigt wurden und somit auch nicht nötig sind,
um den Haushalt der Klägerin einem Haushaltstyp zuzuordnen. Soll es dem Ge-
schädigten erlaubt sein, bei der Bezifferung seines Zeitaufwandes für Haushalts-
arbeit ohne den Unfall von statistischen Werten auszugehen, so wird dabei in
Kauf genommen, dass diese Werte gerade nicht den konkreten Verhältnissen
entsprechen, sondern der Geschädigte in bestimmten Tätigkeitsbereichen allen-
falls mehr oder weniger (oder gar keine) Zeit aufwendet. Es wäre daher inkonse-
quent, nun von der Klägerin zu verlangen, die statistischen Werte im Detail an ih-
re konkreten Verhältnisse anzupassen. Zudem würde die Anpassung einzelner
Werte nur scheinbar zu präziseren Ergebnissen führen, da es sich bei den Zahlen
- 24 -
der SAKE-Tabellen wie gesagt um Durchschnittswerte handelt, deren stellenwei-
se Abänderung höchstens verfälschend wirken würde. Die von der Klägerin ge-
machten Angaben zu Geschlecht, Alter, Erwerbsstatus und Anzahl der Haus-
haltsmitglieder sowie zu der jeweils einschlägigen SAKE-Tabelle reichen vollends
aus, um ihren Haushalt einer SAKE-Untergruppe zuzuordnen; mehr ist nicht ge-
fordert. Nachdem die Klägerin Angaben zu den genannten erforderlichen Parame-
tern gemacht hat, sind ihre Behauptungen zum hypothetischen Haushaltsaufwand
hinreichend substantiiert.
4.3.4.3. Massgebliche SAKE-Tabelle
Die SAKE-Tabellen basieren auf Erhebungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten
und enthalten demnach auch unterschiedliche Zahlen. Nachdem sich die Zahlen
der SAKE-Tabellen durchaus verändern können, beispielsweise wegen gesell-
schaftlichen Veränderungen, und die Klägerin selber ausführt, dass die SAKE-
Tabellen 2004, 2007 und 2010 unterschiedliche Werte enthalten (act. 27 Ziff. 20),
ist dem Beklagten zuzustimmen, dass nicht für die gesamte Zeitspanne des ver-
langten Haushaltschadens vereinfachend auf die SAKE-Tabelle 2007 abgestellt
werden kann. Vielmehr sind die Zahlen der jeweils aktuellen Erhebung zu ver-
wenden. Dies gilt umso mehr, als sich die Klägerin in ihrer Replik für den Fall,
dass sich der Beklagte der Vereinfachung widersetzen sollte, selber auf die je-
weils aktuelle SAKE-Tabelle stützt.
4.3.4.4. Hypothetisches Arbeitspensum
Entgegen den Ausführungen der Klägerin ist zur Berechnung des hypothetischen
Haushaltsaufwandes nicht auf das tatsächliche Arbeitspensum nach dem Unfall,
sondern auf das hypothetische Arbeitspensum abzustellen, dem die Klägerin
nachgegangen wäre, wenn sich der Unfall nicht ereignet hätte. Diese Frage ist
hypothetischer Natur und kann nur anhand der Begleitumstände und der allge-
meinen Erfahrung beantwortet werden. Nachdem die Klägerin vor dem Unfall mit
einem Pensum von 100 % gearbeitet hatte und die Akten keine Anzeichen einer
Absicht zur Reduktion dieses Pensums enthalten und solche auch nicht geltend
gemacht werden, ist davon auszugehen, dass die Klägerin ohne den Unfall bis
- 25 -
zur Geburt ihrer Kinder weiterhin mit einem Arbeitspensum von 100 % gearbeitet
hätte. Bezüglich der Zeit nach der Geburt der Zwillinge ist zu beachten, dass sich
die Klägerin im Rahmen ihrer Begutachtung vom 23. Januar 2008 dahingehend
äusserte, dass sie ihre Arbeit gerne auch mit Kindern behalten wolle, da die Er-
werbstätigkeit ihr Unabhängigkeit verschaffe und gleichzeitig eine zu starke Fo-
kussierung auf die Kinder verhindern würde (act. 3/5 S. 14). Dieser Wille hat sich
darin manifestiert, dass sie ihre Arbeitstätigkeit nach der Geburt der Zwillinge (und
trotz ihrer gesundheitlichen Beschwerden) nicht gänzlich aufgegeben, sondern
auf 20 % reduziert hat. Aus diesen Umständen kann geschlossen werden, dass
die Klägerin auch ohne den Unfall nach der Geburt der Zwillinge weiterhin er-
werbstätig geblieben wäre. Es wäre jedoch nicht gerechtfertigt, davon auszuge-
hen, sie hätte ihr Arbeitspensum ohne den Unfall ebenfalls nur um 30 % reduziert.
Da die Klägerin nach dem Unfall nur einem Arbeitspensum von 50 % nachging,
konnte sie – auch wenn unfallbedingte Einschränkungen zu berücksichtigen sind
– die Zeit in welcher sie nicht arbeitete, massgeblich für die Kinderbetreuung auf-
wenden. Unter Berücksichtigung dieser Umstände und der allgemeinen Lebenser-
fahrung rechtfertigt sich die hypothetische Annahme, dass die Klägerin ihr Ar-
beitspensum ohne den Unfall nach der Geburt der Zwillinge um mehr als 50 %
reduziert hätte. Davon auszugehen, eine Mutter von Zwillingen könnte in den ers-
ten zwei Jahren nach deren Geburt mehr als 49 % arbeiten, würde der allgemei-
nen Lebenserfahrung widersprechen. Dies deckt sich auch mit den statistischen
Erhebungen, wonach Mütter in Paarhaushalten zwar mehrheitlich Teilzeit er-
werbstätig sind, oft jedoch mit tiefem Arbeitspensum. So arbeiten 31,1 % unter 50
% und nur 25,9 % von 50 bis 89 %. Einer Vollzeitarbeit gehen 14 % der Mütter in
Paarhaushalten nach (vgl. Bundesamt für Statistik, Familien in der Schweiz Sta-
tistischer Bericht 2008, S. 66). Eine genauere Bestimmung des hypothetischen
Arbeitspensums ist nicht nötig, da die SAKE-Tabellen ohnehin nur zwischen vier
Kategorien von Erwerbssituationen (0 %, 1 - 49 %, 50 - 89 % und 90 - 100%) un-
terscheiden und die Erwerbssituation der Klägerin nach dem Ausgeführten der
zweiten Kategorie (1 - 49 %) zugeordnet werden kann.
- 26 -
4.3.4.5. Haushaltsaufwand während des Klinikaufenthaltes
Hat ein Geschädigter einen Einpersonenhaushalt geführt, kann er für den Zeit-
raum, in dem er in einem Pflegeheim untergebracht ist, das alle Haushaltsleistun-
gen erbringt, keine zusätzliche Entschädigung des Haushaltsschadens mehr be-
anspruchen (FELLMANN/KOTTMANN, Schweizerisches Haftpflichtrecht, Bd. I, Bern
2012, N 1949; Urteil des Bundesgerichts 4C.276/2001 vom 26. März 2002, E. 5).
Vom 25. Juni 2004 bis zum 21. Juli 2004 befand sich die damals noch allein le-
bende und kinderlose Klägerin unbestrittenermassen im Spital bzw. in einer Re-
habilitationsklinik. Erfahrungsgemäss werden in einem Spital bzw. einer Rehabili-
tationsklinik alle Haushaltsarbeiten vom Spital bzw. der Klinik erbracht. Es ist nicht
ersichtlich, inwiefern im Einpersonenhaushalt der Klägerin während ihrer Klinikau-
fenthalte dennoch Haushaltsarbeit angefallen sein soll. Die Klägerin macht auch
keine konkreten Ausführungen hierzu (act. 1 Ziff. 23). Da im Zeitraum vom
25. Juni 2004 bis zum 21. Juli 2004 im Haushalt der Klägerin demnach keine
Haushaltsarbeit angefallen ist, an deren Verrichtung sie verhindert gewesen wäre,
ist ihr für diesen Zeitraum auch keine Entschädigung unter dem Titel Haushalts-
schaden zuzusprechen.
4.3.4.6. Berechnung des hypothetischen Haushaltsaufwandes
Der Beklagte bestreitet die Angaben der Klägerin bezüglich Geschlecht, Alter und
Anzahl der Haushaltsmitglieder nicht, weshalb diese tatsächlichen Umstände er-
stellt sind (vgl. Erw. 4.2.). Ebenso hat der Beklagte ausdrücklich anerkannt, dass
die Klägerin stets einen Haushalt geführt hat (act. act. 34 Rz. 12). Die hypotheti-
sche Erwerbssituation kann anhand der Umstände und der allgemeinen Le-
benserfahrung festgelegt werden (vgl. Erw. 4.3.4.4.). Damit sind alle zur Berech-
nung des hypothetischen Haushaltsaufwandes erforderlichen Parameter erstellt,
so dass dieser ohne Abnahme weiterer Beweismittel ermittelt werden kann.
Vom 22. Juli 2004 bis zum 30. Juni 2005 führte die Klägerin einen Einpersonen-
haushalt. Wie ausgeführt, ist davon auszugehen, dass die Klägerin ohne den Un-
fall in diesem Zeitraum noch immer mit einem Arbeitspensum von 100 % gearbei-
- 27 -
tet hätte. Anhand dieser Angaben kann der Haushalt der Klägerin in diesem Zeit-
raum dem Haushaltstyp 1 der einschlägigen SAKE-Tabelle T 3.6.2.3, 2004 zuge-
ordnet werden. In einem solchen Haushalt werden durchschnittlich 14.8 Stunden
pro Woche für Haushaltsarbeiten aufgewendet. Es ist daher davon auszugehen,
dass die Klägerin ohne den Unfall in dieser Periode 14.8 Stunden pro Woche für
Haushaltsarbeiten aufgewendet hätte.
Vom 1. Juli 2005 bis zum 31. August 2008 führte die Klägerin einen Paarhaushalt.
Auch für diesen Zeitraum ist aus den genannten Gründen davon auszugehen,
dass die Klägerin ohne den Unfall mit einem Arbeitspensum von 100 % gearbeitet
hätte. Ihr Haushalt ist für diese Periode demnach dem Haushaltstyp 2 zuzuord-
nen. Für den Zeitraum von 1. Juli 2005 bis 31. Dezember 2006 ist auf die SAKE-
Tabelle T 3.6.2.5, 2004 abzustellen, welche für diese Art von Haushalt einen
durchschnittlichen Aufwand für Haushaltsarbeiten von 17.7 Stunden pro Woche
ausweist. Für den Zeitraum von 1. Januar 2007 bis 31. August 2008 ist auf die
SAKE-Tabelle T 3.6.2.5, 2007 abzustellen. Diese weist einen durchschnittlichen
Aufwand für Haushaltsarbeiten von 18.2 Stunden pro Woche aus. Es ist davon
auszugehen, dass die Klägerin ohne den Unfall für diese Perioden die jeweils ge-
nannte Stundenzahl für Haushaltsarbeiten aufgewendet hätte.
Vom 1. September 2008 bis zum 31. Dezember 2010 führte die Klägerin einen
Paarhaushalt mit zwei Kindern im Alter von null bis zwei Jahren. Der klägerische
Haushalt ist somit für diese Periode dem Haushaltstyp 4 zuzuordnen. Nach dem
Ausgeführten ist nach der Geburt der Zwillinge von einem Arbeitspensum der
Klägerin von 1 bis 49 % auszugehen. Für den Zeitraum vom 1. September 2008
bis zum 31. Dezember 2009 ist auf die SAKE-Tabelle T 3.6.2.8, 2007 abzustellen,
welche für diese Art von Haushalt einen durchschnittlichen Aufwand für Haus-
haltsarbeiten von 61.2 Stunden pro Woche ausweist. Für die Periode von 1. Ja-
nuar 2010 bis 31. Dezember 2010 ist auf die SAKE-Tabelle T 3.6.2.8, 2010 abzu-
stellen. Diese weist einen durchschnittlichen Aufwand für Haushaltsarbeiten von
53.9 Stunden pro Woche aus. Es ist davon auszugehen, dass die Klägerin ohne
den Unfall diese Stundenzahl für Haushaltsarbeiten aufgewendet hätte.
- 28 -
4.3.4.7. Zusammenfassung hypothetischer Haushaltsaufwand
Aus dem Ausgeführten ergibt sich folgende zusammenfassende Aufstellung:
Von Bis 
Hyp.  Alter
Hyp. Aufwand Std./Woche
Statistische Grundlage: SAKE-Tabellen zu Haus- und Familienarbeiten
25.06.2004 21.07.2004 Alleinlebende Frau
100 % 30-44 Klinikaufenthalt
22.07.2004 30.06.2005 Alleinlebende Frau
100 % 30-44 14.8 Tabelle T 3.6.2.3, 2004
01.07.2005 31.12.2006 Paarhaushalt 100 % 30-44 17.7 Tabelle T 3.6.2.5, 2004
01.01.2007 31.08.2008 Paarhaushalt 100 % 30-44 18.2 Tabelle T 3.6.2.5, 2007
01.09.2008 31.12.2009 Paarhaushalt mit 2 Kindern (0-2 jährig)
1-49 % 30-44 61.2 Tabelle T 3.6.2.8, 2007
01.01.2010 31.12.2010 Paarhaushalt mit 2 Kindern (0-2 jährig)
1-49 % 30-44 53.9 Tabelle T 3.6.2.8, 2010
Beeinträchtigung in der Haushaltsführung 4.4.
4.4.1. Standpunkt der Klägerin
Die Klägerin macht geltend, ihre unfallbedingten Beschwerden würden ihr
Schwierigkeiten bei den häuslichen Arbeiten bereiten. So führe ihre Vergesslich-
keit dazu, dass sie beim Einkaufen anders als früher immer auf eine Einkaufsliste
angewiesen sei. Sie könne sich auch nicht mehr so schnell einen Überblick ver-
schaffen, z.B. über das Sortiment in einem Warenhaus. Das führe dazu, dass sie
beim Einkaufen viel langsamer sei als früher. Zudem verliere sie rasch die Über-
sicht und fühle sich überfordert. Das Schwindelgefühl trete vermehrt auf bei Tätig-
keiten, bei welchen sie sich bücken oder über Kopf arbeiten müsse, z.B. beim
Heben der Wäsche. Im Haushalt helfe ihr daher ihr Ehemann bei bestimmten Tä-
tigkeiten, beispielsweise habe er das Wäschewaschen übernommen. Wenn der
Schwindel intensiv sei, werde ihr übel. Einmal sei sie deswegen auch gestürzt.
Aus Angst vor Schwindel habe sie ihr Auto verkauft, obwohl sie früher eine gute
Autofahrerin gewesen sei. Auch Velofahren und zügiges Gehen gehe wegen
Schwindelanfällen und Kopfschmerzen nicht mehr. Ermüdbarkeit und Anfälligkeit
für Schwindel hätten dazu geführt, dass sie im Haushalt deutlich langsamer ge-
worden sei. Auch die Kopfschmerzen schränkten sie insbesondere bei anstren-
- 29 -
genden Tätigkeiten ein. Bei körperlicher Anstrengung nähmen die Kopfschmerzen
zu und mit zunehmenden Kopfschmerzen reduziere sich ihre Leistungsfähigkeit.
Wenn die Schmerzen zu stark würden, lege sie sich nach Möglichkeit hin, um sich
zu entspannen. Die ein bis zwei Mal pro Monat auftretenden Kopfschmerzatta-
cken zwängen sie zum Rückzug in ein ruhiges Umfeld, um einige Stunden zu
schlafen. Auch bei Hektik und wenn sie unter vielen Menschen sei, sei sie über-
anstrengt, müsse sich zurückziehen und brauche viel Schlaf, um sich vom Stress
zu erholen. Der Verlust des Geruchssinns wirke sich auch auf ihre Kochgewohn-
heiten aus, da sie Essen oder Getränke nicht rieche und die Würzung nicht richtig
wahrnehme (act. 1 S. 16 ff., act. 1 S. 51 f.).
Die prozentuale Beeinträchtigung im Haushalt beziffert die Klägerin für die Perio-
de vom 25. Juni 2004 bis zum 1. Februar 2005 mit 50%. Dies berechnet sie wie
folgt: Da das Arbeitspensum nach ihrer Hospitalisierung zunächst bis zur definiti-
ven Aufnahme eines 50%-Pensums ab 1. Februar 2005 geschwankt habe, sei für
die rund sechs Monate ab dem Unfallzeitpunkt (25. Juni 2004) bis zur dauerhaften
Wiederaufnahme eines 50 %-Pensums ab 1. Februar 2005 eine Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit der Klägerin in der Haushaltsführung von durchschnittlich
50 % ausgewiesen (act. 1 Ziff. 23).
Für den Zeitraum vom 1. Februar 2005 bis zum 31. August 2008 macht die Kläge-
rin eine Arbeitsunfähigkeit im Haushalt von 35 % geltend. Dem legt sie die ihr im
SIVM-Gutachten attestierte Arbeitsfähigkeit von 50 % zugrunde, wobei die Belas-
tung im Ein- resp. Zweipersonenhaushalt als leicht geringer zu bewerten sei als
jene im Pflegeberuf der Klägerin, woraus eine 35 prozentige Beeinträchtigung re-
sultiere (act. 1 Ziff. 25).
Ab Geburt der Zwillinge (Periode vom 1. September 2008 bis 31. Dezember
2010) hätten die von der Klägerin zu verrichtenden Haushalts- und Kinderbetreu-
ungsarbeiten weitgehend den Arbeiten entsprochen, welche sie als Betreue-
rin/Pflegeassistentin demenzkranker Menschen im K'._ zu verrichten gehabt
habe, weshalb von einer annähernd identischen Belastung auszugehen sei. Die
Beeinträchtigung im Haushalt betrage ab Geburt der Zwillinge demnach 45 %
(act. 1 Ziff. 26). Weiter gibt die Klägerin in ihrer Klageschrift ein Schreiben von
- 30 -
Dr. med. O._ vom 16. Mai 2011 vollständig wieder, worin sich dieser detail-
liert zu den prozentualen Einschränkungen bei konkreten Tätigkeiten im Haushalt
äussert (act. 1 S. 54 ff.). Die darin enthaltene Beurteilung ist als klägerische Be-
hauptung zu werten. Demnach macht die Klägerin für den Zeitraum vom 1. Sep-
tember 2008 bis zum 31. Dezember 2010 konkret folgende Einschränkungen im
Haushalt geltend:
Tätigkeit Grund der Einschränkung Prozentuale Be-einträchtigung
Mahlzeitenzubereitung Einschränkung durch Anosmie, kognitiv und Nacken-schmerzen 40%
Abwaschen/Tisch decken Einschränkungen hauptsächlich wegen Bücken, Tra-gen, verbunden mit Schwindel 20%
Einkaufen/Post/chem. 
Durch Verlangsamung und kognitiven Störungen,  physischer Minderbelastbarkeit 25%
Putzen/Aufräumen 40%
Waschen/Bügeln Behinderung durch Gewichte tragen, Schwindel,  Haltung (Maschine füllen, leeren, Wäsche aufhängen)
50%
Handwerkliche Tätigkeiten Einschränkungen bei monotonen Körperhaltungen, nur einfache Tätigkeiten auf Körperhöhe möglich 40%
/Pflanzenpflege/Garten
Schrebergarten, ca. 40m2: Einschränkungen durch Körperhaltungen, verbunden mit Schwindel beim . Zuhause wird eine kleine Giesskanne benützt
40%
Administrative Arbeiten Kognitive Einschränkungen, Verlangsamung 30%
Kind füttern/waschen Schwierigkeiten beim Waschen der Kinder durch Kör-perhaltung, Schmerzen und Schwindel 30%
Kind betreuen Lärmempfindlichkeit, wodurch auch Kopfschmerzen verstärkt werden. Störung der geteilten  bei der Kinderbetreuung erschwerend.
50%
Kind an einen Ort begleiten Schwierigkeiten wenn Kinder wild oder trotzig sind, dann schnell Überforderung mit Kopfschmerzen und Schwindel
30%
Darüber hinaus trete an ca. fünf Tagen pro Monat infolge Schmerzen und Er-
schöpfung eine vollständige Arbeitsunfähigkeit im Haushalt ein (act. 1 S. 55).
Ausgehend von einer generellen Arbeitsunfähigkeit im Haushalt von ca. 40 % und
unter Berücksichtigung der zeitweise zusätzlich auftretenden Schwindel- und
Schmerzattacken sei von einer durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeit der Klägerin
als Mutter in einem Paarhaushalt mit zwei Kleinkindern von 45 % im Minimum
auszugehen (act. 1 Ziff. 30).
- 31 -
4.4.2. Standpunkt des Beklagten
Der Beklagte bestreitet auf den Unfall zurückzuführende Einschränkungen der
Klägerin in der Haushaltsführung (act. 14 Rz. 23 ff.). Ferner könne nicht von der
Arbeitsunfähigkeit auf eine Beeinträchtigung in der Haushaltsführung geschlossen
werden, da die Haushaltstätigkeit eine deutlich geringere Belastung als die Be-
rufstätigkeit in der Pflege darstelle (act. 14 Rz. 26 f.). Es fehle daher an einem un-
fallkausalen Haushaltsschaden (act. 14 Rz. 33).
4.4.3. Beweismittel
4.4.3.1. Klägerische Beweismittel
Zur Ermittlung der Beeinträchtigung in der Haushaltsführung offeriert die Klägerin
folgende Beweismittel:
− Für den Zeitraum vom 25. Juni 2004 bis zum 31. August 2008:
Gerichtliches neurologisches Gutachten (act. 27 S. 24 und 33, act. 1 S. 46)
− Für den Zeitraum vom 1. September 2008 bis zum 31. Dezember 2010:
− Medizinisches Gerichtsgutachten zur Arbeitsunfähigkeit in der Haus-
haltsführung (act. 1 S. 58, act. 27 S. 24 und 33)
− Fragebogen der IV "Beschreibung der individuellen Tätigkeit" vom
11. Mai 2006 (act. 1 Ziff. 26, act. 3/19)
− P._ als Zeugin zur Richtigkeit ihrer Festhaltungen vom 11. Mai
2006 im Fragebogen der Invalidenversicherung sowie generell zur re-
duzierten Belastbarkeit der Klägerin nach dem Unfall (act. 1 Ziff. 27)
− Beurteilung von Dr. med. O._ 20. Mai 2011 (act. 1 Ziff. 30,
act. 3/21)
− Dr. med. O._ als Zeuge zur Richtigkeit seiner Festhaltungen und
Beurteilungen im Bericht vom 16. Mai 2011 sowie im Fragebogen vom
20. Mai 2011 (act. 1 Ziff. 31)
− Schwiegereltern und Schwager der Klägerin als Zeugen zur aktuellen
Arbeitsunfähigkeit bei der Haushaltsführung (act. 1 Ziff. 31)
- 32 -
− Parteibefragung der Klägerin zur Arbeitsunfähigkeit bei der Haushalts-
führung (act. 1 Ziff. 31)
4.4.3.2. Beklagtische Beweismittel
Der Beklagte offeriert zur Beeinträchtigung im Haushalt für die gesamte Beurtei-
lungsperiode ein polydisziplinäres medizinisches Gutachten mindestens in den
Teilbereichen Neurologie und Psychiatrie (insb. act. 34 Rz. 7).
4.4.4. Rechtliche Grundlagen
Zur Feststellung des Ausmasses der Beeinträchtigung in der Haushaltsführung
hat der Richter vom medizinischen (oder theoretischen) Invaliditätsgrad auszuge-
hen und dessen Auswirkungen auf die Fähigkeit des Geschädigten, Haushaltsar-
beiten auszuführen, zu prüfen. Es ist grundsätzlich möglich, dass die Behinderung
des Geschädigten eine Haushaltsarbeit nicht ausschliesst oder dass sie lediglich
gewisse Einschränkungen zur Folge hat. Umgekehrt ist es möglich, dass ein ge-
wisses Leiden auf den Haushaltsschaden Auswirkungen hat, die mit dem betref-
fenden medizinischen Invaliditätsgrad nicht vergleichbar sind (BGE 129 III 135
E. 4.2.1 = Pra 92 [2003] 69). Erwerbs- und Hausarbeitsunfähigkeit beziehen sich
auf unterschiedliche Arbeitsbereiche und sind deshalb klar voneinander zu unter-
scheiden (LANDOLT, a. a. O., N 970). Das eine aus dem anderen abzuleiten, ist
daher nicht möglich.
Ob und inwieweit eine Beeinträchtigung der Hausarbeitsfähigkeit vorliegt, ist eine
vom Geschädigten zu substantiierende und zu beweisende Tatfrage (LANDOLT, in:
Zürcher Kommentar zu Art. 46 OR, Zürich 2007, N 949). Dabei ist nicht erforder-
lich, dass eine Liste mit allen vom Geschädigten ausgeführten Haushaltsarbeiten
mit dem exakten Mass der jeweiligen Beeinträchtigung erstellt wird. Eine solche
Vorgehensweise wurde vom Bundesgericht als kaum praktikabel und nicht ver-
einbar mit der Festlegung des Stundenaufwandes nach statistischen Werten in
der abstrakten Methode beurteilt (Urteil des Bundesgerichts 4A.98/2008 vom
8. Mai 2008, E. 3.2.3). Bei der Ermittlung, welche Tätigkeiten im Haushalt auf-
grund der Verletzungsfolgen nicht mehr oder nur noch beschränkt möglich sind,
- 33 -
handelt es sich um eine Frage medizinischer Natur, die nicht vom Sachrichter und
Rechtsanwender zu beurteilen ist. Vielmehr bedarf es hierzu des Beizuges von
medizinischen Sachverständigen (LANDOLT, in: Zürcher Kommentar zu Art. 46
OR, Zürich 2007, N 951; KYBURZ, in: HAVE 2013, S. 181; HERRMANN, in: HAVE
2013, S. 150).
Mit Beweisbeschluss vom 3. Oktober 2013 wurde daher die Einholung des beid-
seits offerierten gerichtlichen medizinischen Gutachtens zur Frage des Umfanges
der Beeinträchtigung in der Haushaltsführung und der Kausalität beschlossen
(act. 38). Als Gutachterin wurde die Gutachtensstelle des Universitätsspitals Zü-
rich (Klinik für Neurologie) unter der Leitung von Prof. Dr. med. C._ ernannt
(act. 53). Auf dieses Gutachten ist im Folgenden soweit nötig einzugehen.
4.4.5. Würdigung
4.4.5.1. Einwände der Parteien gegen das gerichtliche Gutachten
4.4.5.1.1. Die Beklagte (und teilweise auch die Klägerin, act. 86 Ziff. 7) bean-
standet, dass im gerichtlichen Gutachten auf falsche SAKE-Tabellen abgestellt
worden sei (act. 80 S. 2). Es ist zutreffend, dass bei der Berechnung der Beein-
trächtigung im Anhang des Gutachtens Werte aus nicht zur Anwendung gelan-
genden SAKE-Tabellen verwendet wurden. Dies wirkt sich jedoch aus folgenden
Gründen nicht auf die Zuverlässigkeit des Gutachtens aus: Im Gutachten werden
Angaben zum prozentualen Umfang der Beeinträchtigung in den einzelnen Haus-
haltstätigkeiten (Mahlzeiten zubereiten, Abwaschen, Einkaufen etc.) gemacht. Die
teilweise den (falschen) Tabellen entnommenen Werte des hypothetischen Zeit-
aufwandes im Validenhaushalt haben auf die im Gutachten festgehaltenen pro-
zentualen Einschränkungen in den einzelnen Haushaltstätigkeiten keinen Ein-
fluss. Hingegen beeinflussen sie die Berechnung der gesamthaften prozentualen
Einschränkung im Haushalt, da sie genau zu diesem Zweck herangezogen wur-
den. Auf die im Gutachten erwähnte gesamthafte prozentuale Einschränkung
kann daher nicht abgestellt werden. Dies ist jedoch nicht von Bedeutung, da die
gesamthafte prozentuale Einschränkung in der Haushaltsführung anhand der im
Gutachten angegebenen Einschränkung in den einzelnen Haushaltstätigkeiten
- 34 -
und den richtigerweise zur Anwendung kommenden SAKE-Tabellen vom Gericht
selber für die relevanten Zeiträume errechnet werden kann. Hierfür sind auch kei-
ne medizinischen Fachkenntnisse nötig.
Überdies weichen die Zahlen nach Anwendung der richtigen SAKE-Tabellen –
wie in Erw. 4.6 noch zu zeigen ist – nur sehr geringfügig von den Ergebnissen des
gerichtlichen Gutachtens ab.
4.4.5.1.2. Die Klägerin bezeichnet die aus dem gerichtlichen Gutachten resultie-
rende Einschränkung in der Haushaltsführung als nicht nachvollziehbar. Zwischen
dem Gesamtgutachten und dem neuropsychologischen Teilgutachten bestehe ei-
ne Diskrepanz, welche nicht begründet werde. Prof. Dr. C._ sei bei der Beur-
teilung der Klägerin offensichtlich davon ausgegangen, dass diese rechtlich ver-
pflichtet sei, Haushaltsarbeiten, welche sie z.B. wegen Kopfschmerzen oder
Schwindel nicht wie an sich erforderlich am Morgen verrichten könne, am Abend
oder am nächsten Tag erledigen müsse. Damit gehe Prof. Dr. C._ von einer
Schadenminderungspflicht aus, welche gemäss Rechtsprechung nicht bestehe
(act. 79 S. 5 f., act. 86 Ziff. 3).
Es trifft zwar zu, dass das neuropsychologische Teilgutachten in Bezug auf die
gesamthafte prozentuale Einschränkung der Klägerin in der Haushaltsführung
höhere Werte ausweist als das Interdisziplinäre Gutachten (act. 73 S. 5, act. 72
Anhang S. 1-3). Dem Gutachten ist die von der Klägerin behauptete Begründung
dieser Differenz jedoch nicht zu entnehmen. Die vergleichsweise tiefen Werte
werden im Gutachten (insb. S. 15) vielmehr eingehend damit begründet, dass
sich namentlich die peripher-vestibuläre Unterfunktion nur punktuell und für kurze
Momente bemerkbar gemacht habe, was nur eine geringe Einschränkung in der
Haushaltsführung zu erklären vermöge, während die Anosmie nur für die Zuberei-
tung von Mahlzeiten relevant sei. Sodann wird die Einschränkung in administrati-
ven Aufgaben relativiert, da die Klägerin anlässlich der neurologischen Begutach-
tung erwähnt habe, dass sie die administrativen Aufgaben immer selbständig
durchgeführt habe. Bezüglich der Kopfschmerzen erachtet das interdisziplinäre
Gutachten eine Einschränkung für die Zeiträume mit Exazerbation der Kopf-
schmerzen für kognitiv oder körperlich anstrengende Arbeiten als gegeben. Die
- 35 -
Angabe der Klägerin, wonach sie bestimmte Aufgaben gar nicht ausführen könne,
erachtet das interdisziplinäre Gutachten als mit objektivierbaren neurologischen
und neuropsychologischen Defiziten als nicht erklärbar. Vor diesem Hintergrund
sind die Werte der prozentualen Einschränkung im gerichtlichen Gutachten
durchaus nachvollziehbar. Das Gesamtgutachten wurde denn auch von den bei-
den neuropsychologischen Gutachtern mitunterzeichnet, so dass davon auszuge-
hen ist, dass dessen Ergebnis die Folge einer gemeinsamen Beurteilung ist und
die neuropsychologischen Gutachter dieses Ergebnis mittragen und als richtig er-
achten.
4.4.5.2. Zeitraum vom 25. Juni 2004 bis 31. Januar 2005
Für den Zeitraum vom 25. Juni 2004 bis 31. Januar 2005 macht die Klägerin eine
Einschränkung in der Haushaltsführung von 50 % geltend. Die Klägerin hat dabei
nicht für jede einzelne Haushaltstätigkeit das Mass der Beeinträchtigung festge-
halten, was nach dem Ausgeführten aber auch nicht erforderlich ist. Sie hat in
groben Zügen geschildert, wie sich ihre Beschwerden auf die Haushaltstätigkeit
auswirken und die Beeinträchtigung mit 50 % beziffert. Damit ist sie ihren Sub-
stantiierungspflichten nachgekommen. Nachdem der Beklagte diese Beeinträchti-
gung bestreitet, ist sie von der Klägerin zu beweisen. Entgegen den diesbezügli-
chen Ausführungen der Klägerin kann ihre Arbeitsunfähigkeit im Haushalt aber
nicht aus dem Mass ihrer Erwerbsunfähigkeit abgeleitet werden, weshalb zu die-
ser Frage das von beiden Parteien als Beweis offerierte gerichtliche medizinische
Gutachten eingeholt wurde (vgl. Erw. 4.4.4.1). Da der Klägerin indessen für den
Zeitraum vom 25. Juni 2004 bis zum 21. Juli 2004 aufgrund ihres damaligen Klini-
kaufenthaltes ohnehin kein Ersatz für einen Haushaltsschaden zuzusprechen ist,
war das Gutachten auf den verbleibenden Zeitraum (22. Juli 2004 bis 31. Januar
2005) zu beschränken. Das vorgeschlagene medizinische Gutachten ist hierfür
geeignet. Nicht erforderlich ist hingegen ein polydisziplinäres Gutachten, welches
die Beeinträchtigung zusätzlich aus der Warte der Psychiatrie beurteilt. Wie in
Erw. 3.6.2 ff. bereits festgestellt, weisen die Beschwerden der Klägerin keine psy-
chiatrische Komponente auf, weshalb davon ausgegangen werden kann, dass ein
solches Gutachten ins Leere laufen würde.
- 36 -
Das gerichtliche Gutachten geht aufgrund der in der Anamnese glaubwürdig be-
richteten Schwierigkeiten bei der Bewältigung von alltäglichen Anforderungen wie
auch der im neuropsychologischen Bericht vom 5. Juli 2004 festgehaltenen neu-
ropsychologischen Minderleistungen, insbesondere der reduzierten attentionalen,
exekutiven und mnestischen Ressourcen davon aus, dass die Klägerin vom
22. Juli 2004 bis zum 31. Januar 2005 in der Führung ihres Haushaltes beein-
trächtigt war (act. 72 S. 15). Aufgrund der raschen Ermüdbarkeit, der reduzierten
Belastbarkeit und den Konzentrationsschwierigkeiten habe die Klägerin wiederholt
längere Erholungspausen gebraucht und sei nicht in der Lage gewesen, über eine
längere Zeit einer bestimmten Aktivität oder Tätigkeit nachzugehen. Sodann sei
davon auszugehen, dass sich die reduzierten attentionalen, mnestischen und
exekutiven Funktionen insbesondere negativ auf administrative Haushaltstätigkei-
ten, Mahlzeitenzubereitungen sowie die Erledigung von Einkäufen ausgewirkt ha-
ben, da diese ein höheres Mass dieser kognitiven Funktionen erforderten (act. 72
S. 15 f.). Die im Gutachten ermittelten Werte der Einschränkung für den Zeitraum
vom 22. Juli 2004 bis 31. Januar 2005 sind eingehend begründet, nachvollziehbar
und schlüssig. Es ist daher darauf abzustellen und gestützt darauf die gesamthaf-
te prozentuale Einschränkung in dieser Periode zu berechnen. Es ergibt sich fol-
gende tabellarische Darstellung:
22. Juli 2004 bis 31. Januar 2005
(T 3.6.2.3, 2004, Frau alleinlebend, 30-44 Jahre,
100% erwerbstätig)
Zeitaufwand
Validenhaushalt
(h)
Einschränkung
gemäss Gut-
achten (%)
Einschränkung
(h)
Mahlzeiten zubereiten 3.6 25 % 0.90
Abwaschen, Geschirr räumen, Tisch decken 1.7 20 % 0.34
Einkaufen 1.7 25 % 0.43
Putzen, aufräumen, betten usw. 3.1 20 % 0.62
Waschen, bügeln 1.4 20 % 0.28
Reparieren, renovieren, schneidern, stricken 0.7 20 % 0.14
Haustierversorgung, Pflanzenpflege, Gartenarbeit 1.8 20 % 0.36
Administrative Aufgaben 0.9 50 % 0.45
- 37 -
Total 14.8 23.78 % 3.52
Für den Zeitraum vom 22. Juli 2004 bis 31. Januar 2005 ist demnach von einer
Beeinträchtigung in der Haushaltsführung – unter Berücksichtigung der verschie-
denen Einschränkungen – von 23.78 % auszugehen.
4.4.5.3. Zeitraum vom 1. Februar 2005 bis 31. August 2008
Auch bezüglich dieses Zeitraumes sind die Ausführungen der Klägerin zur Beein-
trächtigung hinreichend substantiiert. Nachdem der Beklagte die behauptete 35-
prozentige Arbeitsunfähigkeit im Haushalt im Zeitraum vom 1. Februar 2005 bis
31. August 2008 bestritten hat, ist sie von der Klägerin zu beweisen. Eine Ablei-
tung der Beeinträchtigung im Haushalt aus der Erwerbsunfähigkeit ist auch hier
nicht möglich. Hingegen kann die Beeinträchtigung durch das vorgeschlagene
medizinische Gutachten ermittelt werden. Aus bereits erwähnten Gründen ist hin-
gegen ein polydisziplinäres Gutachten, welches die Beeinträchtigung zusätzlich
aus der Warte der Psychiatrie beurteilt, nicht nötig (Vgl. Erw. 4.4.4.2). Das Aus-
mass der Arbeitsunfähigkeit im Haushalt im Zeitraum vom 1. Februar 2005 bis
zum 31. August 2008 war durch ein gerichtliches medizinisches Gutachten fest-
zustellen.
Das gerichtliche interdisziplinäre Gutachten gelangt aufgrund der in der Anamne-
se glaubwürdig berichteten Schwierigkeiten bei der Bewältigung von alltäglichen
Anforderungen wie auch der im neuropsychologischen Bericht von Dr. Q._
vom 1. Februar 2006 sowie dem Bericht von Dr. J._ vom 23. Januar 2008
festgehaltenen neuropsychologischen Minderleistungen, insbesondere der redu-
zierten attentionalen, exekutiven und mnestischen Ressourcen zum Schluss,
dass die Klägerin in ihrer Haushaltsführung vom 1. Februar 2005 bis 31. August
2008 beeinträchtigt war (act. 72 S. 16). Für diesen Zeitraum stützt sich das Gut-
achten vor allem auf die neuropsychologischen Verlaufsbeurteilungen von Dr.
Q._ vom 1. Februar 2006 und das interdisziplinäre Gutachten des SIVM vom
23. Januar 2008. Die im Gutachten ermittelten Werte der Einschränkung sind ein-
gehend begründet, nachvollziehbar und schlüssig. Es ist daher darauf abzustellen
und gestützt darauf die gesamthafte prozentuale Einschränkung zu berechnen.
- 38 -
Zur Berechnung der gesamthaften Einschränkung ist die Periode vom 1. Februar
2005 bis 31. August 2008 aufgrund unterschiedlicher zur Anwendung gelangen-
der SAKE-Tabellen in drei Teilperioden aufzuteilen. Die Ermittlung der gesamthaf-
ten Einschränkung pro Periode ist nachfolgend tabellarisch dargestellt:
1. Februar 2005 bis 30. Juni 2005
(T3.6.2.3, 2004, Frau alleinlebend, 30-44 Jahre,
100% erwerbstätig)
Zeitaufwand
Validenhaushalt
(h)
Einschränkung
gemäss Gut-
achten
(%)
Einschränkung
(h)
Mahlzeiten zubereiten 3.6 10 % 0.36
Abwaschen, Geschirr räumen, Tisch decken 1.7 10 % 0.17
Einkaufen 1.7 20 % 0.34
Putzen, aufräumen, betten usw. 3.1 20 % 0.62
Waschen, bügeln 1.4 10 % 0.14
Reparieren, renovieren, schneidern, stricken 0.7 10 % 0.07
Haustierversorgung, Pflanzenpflege, Gartenarbeit 1.8 10 % 0.18
Administrative Aufgaben 0.9 50 % 0.45
Total 14.8 15.74 % 2.33
1. Juli 2005 bis 31. Dezember 2006
(T3.6.2.5, 2004, Frau in Paarhaushalt, 30-44 Jahre,
100 % erwerbstätig)
Zeitaufwand
Validenhaushalt
(h)
Einschränkung
gemäss Gut-
achten
(%)
Einschränkung
(h)
Mahlzeiten zubereiten 4.7 10 % 0.47
Abwaschen, Geschirr räumen, Tisch decken 1.8 10 % 0.18
Einkaufen 2.1 20 % 0.42
Putzen, aufräumen, betten usw. 3.3 20 % 0.66
Waschen, bügeln 2.0 10 % 0.20
Reparieren, renovieren, schneidern, stricken 0.6 10 % 0.06
Haustierversorgung, Pflanzenpflege, Gartenarbeit 2.1 10 % 0.21
Administrative Aufgaben 1.1 50 % 0.55
- 39 -
Total 17.1 16.08 % 2.75
1. Januar 2007 bis 31. August 2008
(T3.6.2.5, 2007, Frau in Paarhaushalt, 30-44 Jahre,
100 % erwerbstätig)
Zeitaufwand
Validenhaushalt
(h)
Einschränkung
gemäss Gut-
achten
(%)
Einschränkung
(h)
Mahlzeiten zubereiten 4.6 10 % 0.46
Abwaschen, Geschirr räumen, Tisch decken 2.0 10 % 0.2
Einkaufen 1.9 20 % 0.38
Putzen, aufräumen, betten usw. 3.2 20 % 0.64
Waschen, bügeln 2.3 10 % 0.23
Reparieren, renovieren, schneidern, stricken 0.4 10 % 0.04
Haustierversorgung, Pflanzenpflege, Gartenarbeit 3.1 10 % 0.31
Administrative Aufgaben 1.0 50 % 0.5
Total 18.2 15.16 % 2.76
4.4.5.4. Zeitraum vom 1. September 2008 bis zum 31. Dezember 2010
Bezüglich der Beeinträchtigung im Haushalt nach der Geburt der Zwillinge hat die
Klägerin detaillierte Angaben dazu gemacht, in welchen Bereichen sie in welchem
Umfang beeinträchtigt sei. Ihre Behauptungen sind hinsichtlich der Substantiie-
rung nicht zu beanstanden. Da der Beklagte die behauptete 45-prozentige Ar-
beitsunfähigkeit im Haushalt im geltend gemachten Zeitraum bestreitet, ist sie von
der Klägerin zu beweisen. Entgegen den Ausführungen der Klägerin kann ihre
Arbeitsunfähigkeit im Haushalt auch nach der Geburt der Zwillinge nicht aus dem
Mass ihrer Erwerbsunfähigkeit abgeleitet werden. Namentlich kann ihre Tätigkeit
in einem Heim für Demenzkranke auch nicht mit ihrer Tätigkeit als Mutter von
zwei Kleinkindern verglichen werden, da sich diese Tätigkeiten erfahrungsgemäss
zu sehr unterscheiden. Demnach kann darauf verzichtet werden, die diesbezüg-
lich eingereichten Beweismittel (IV-Fragebogen, act. 3/19) zu würdigen und die
beantragten Beweismittel abzunehmen (Zeugenaussage von P._ zur Rich-
tigkeit ihrer Festhaltungen im IV-Fragebogen und generell zu ihren Beobachtun-
- 40 -
gen hinsichtlich der reduzierten Belastbarkeit der Klägerin nach dem Unfall). Es
kann auch auf die Abnahme der Zeugenaussagen der Schwiegereltern und des
Schwagers verzichtet werden. Wie bereits ausgeführt, bedarf es zur Abklärung
des Ausmasses der Beeinträchtigung in der Haushaltsführung der Beurteilung ei-
nes medizinischen Sachverständigen. Die Zeugenaussage der Schwiegereltern
und des Schwagers der Klägerin zu ihren Wahrnehmungen wären daher von ver-
nachlässigbarem Beweiswert.
Die von der Klägerin weiter zu diesem Sachverhalt als Beweismittel eingereichte
Beurteilung von Dr. med. O._ bezeichnet die Beeinträchtigung der Klägerin
in den meisten Kategorien von Haushaltsarbeit als erheblich und beziffert sie mit
30 bis 50 %. Zudem gelangt Dr. med. O._ zum Schluss, dass die Klägerin
darüber hinaus an ca. 4 bis 6 Tagen im Monat zu 100 % unfähig sei, Haushalts-
arbeiten zu verrichten (act. 3/21). Insgesamt stützt der Bericht von Dr. med.
O._ die Behauptungen der Klägerin. Die Beurteilung hat jedoch aus ver-
schiedenen Gründen eher geringen Beweiswert. Nach eigenen Angaben der Klä-
gerin ist Dr. med. O._ ihr behandelnder Arzt und der Auftrag zur Beurteilung
wurde von der Klägerin allein gegeben. Dr. med. O._ hat demnach eine auf-
tragsrechtliche Vertrauensstellung, welche die Gefahr birgt, er könnte in Zweifels-
fällen eher zu Gunsten der Klägerin aussagen, was vom Gericht zu berücksichti-
gen wäre (vgl. BGE 125 V 351 E. 3cc). Sodann ist die Beurteilung sehr kurz (zwei
Seiten) und die Begründung der Ergebnisse ist knapp und teilweise nur stichwort-
artig. Ein alleiniges Abstellen auf die Beurteilung von Dr. med. O._ ist unter
diesen Umständen nicht möglich. Bei der als Beweis beantragten Zeugenaussage
von Dr. med. O._ zur Richtigkeit seiner Festhaltungen ist zu beachten, dass
es sich dabei um einen sachverständigen Zeugen handeln würde. In kontroversen
Fällen sind die Ausführungen einer sachverständigen Person zur Würdigung des
Sachverhalts kaum tragfähig und ersetzen ein eigentliches Gutachten grundsätz-
lich nicht (MÜLLER, in: Dike-Kommentar zur schweizerischen Zivilprozessordnung,
N 10 zu Art. 175). Auf eine Einvernahme von Dr. med. O._ als Zeuge ist
demnach einstweilen zu verzichten, zumal das beidseits beantragte medizinische
Gutachten zur Beurteilung der Beeinträchtigung geeignet ist und davon auszuge-
- 41 -
hen ist, dass damit das Ausmass der Beeinträchtigung hinreichend festgestellt
werden kann.
Das gerichtliche Gutachten hält fest, dass aufgrund der in der Anamnese glaub-
würdig berichteten Schwierigkeiten bei der Bewältigung von alltäglichen Anforde-
rungen wie auch der in den neuropsychologischen Berichten von Dr. Q._
vom 1. Februar 2006, sowie dem Bericht von Dr. J._ vom 23. Januar 2008
festgehaltenen neuropsychologischen Minderleistungen, insbesondere der redu-
zierten attentionalen, exekutiven und mnestischen Ressourcen, davon auszuge-
hen sei, dass die Klägerin vom 1. September 2008 bis zum 31. Dezember 2010 in
der Führung ihres Haushaltes beeinträchtigt war (act. 72 S. 16). Für diesen Zeit-
raum stützt sich das Gutachten insbesondere auf das neuropsychologische Teil-
gutachten und die Einschätzung von Dr. O._ vom 16. Mai 2011. Die im Gut-
achten ermittelten Werte der Einschränkung sind eingehend begründet, nachvoll-
ziehbar und schlüssig. Es ist daher darauf abzustellen und gestützt darauf die ge-
samthafte prozentuale Einschränkung zu berechnen. Zur Berechnung der ge-
samthaften Einschränkung und aufgrund unterschiedlicher zu Anwendung gelan-
gender SAKE-Tabellen ist die Periode vom 1. September 2008 bis 31. Dezember
2010 weiter aufzuteilen. Die Ermittlung der gesamthaften Einschränkung pro Pe-
riode ist nachfolgend tabellarisch dargestellt:
1. September 2008 bis 31. Dezember 2009
(T3.6.2.8, 2007, Mutter in Paarhaushalt, 30-44 Jahre,
1-49 % erwerbstätig, jüngstes Kind 0-2 Jahre)
Zeitaufwand
Validenhaushalt
(h)
Einschränkung
gemäss Gut-
achten
(%)
Einschränkung
(h)
Mahlzeiten zubereiten 9.4 10 % 0.94
Abwaschen, Geschirr räumen, Tisch decken 4.0 10 % 0.40
Einkaufen 3.4 20 % 0.68
Putzen, aufräumen, betten usw. 6.7 10 % 0.67
Waschen, bügeln 3.4 10 % 0.34
Reparieren, renovieren, schneidern, stricken 0.9 10 % 0.09
Haustierversorgung, Pflanzenpflege, Gartenarbeit 3.4 10 % 0.34
Administrative Aufgaben 1.6 25 % 0.40
- 42 -
Kinder Essen geben, waschen, ins Bett bringen 11.3 10 % 1.13
Mit Kindern spielen, Hausaufgaben machen 14.4 10 % 1.14
Kinder begleiten, transportieren 1.3 10 % 0.13
Total 61.2 10.23 % 6.26
1. Januar 2010 bis 31. Dezember 2010
(T3.6.2.8, 2010, Mutter in Paarhaushalt, 30-44 Jahre,
1-49 % erwerbstätig, jüngstes Kind 0-2 Jahre)
Zeitaufwand
Validenhaushalt
(h)
Einschränkung
gemäss Gut-
achten
(%)
Einschränkung
(h)
Mahlzeiten zubereiten 10.1 10 % 1.01
Abwaschen, Geschirr räumen, Tisch decken 4.1 10 % 0.41
Einkaufen 3.5 20 % 0.7
Putzen, aufräumen, betten usw. 6.3 10 % 0.63
Waschen, bügeln 3.1 10 % 0.31
Reparieren, renovieren, schneidern, stricken 0.5 10 % 0.05
Haustierversorgung, Pflanzenpflege, Gartenarbeit 1.5 10 % 0.15
Administrative Aufgaben 1.4 25 % 0.35
Kinder Essen geben, waschen, ins Bett bringen 10.9 10 % 1.09
Mit Kindern spielen, Hausaufgaben machen 12.9 10 % 1.29
Kinder begleiten, transportieren 1.3 10 % 0.13
Total 53.9 11.35 % 6.12
4.4.6. Fazit
Es ist für die einzelnen Perioden von folgenden – aufgrund verschiedener Ein-
schränkungen – rechnerisch ermittelten prozentualen Einschränkungen in der
Haushaltsführung auszugehen:
22. Juli 2004 bis 31. Januar 2005 23.78 %
1. Februar 2005 bis 30. Juni 2005 15.74 %
1. Juli 2005 bis 31. Dezember 2006 16.08 %
- 43 -
1. Januar 2007 bis 31. August 2008 15.16 %
1. September 2008 bis 31. Dezember 2009 10.23 %
1. Januar 2010 bis 31. Dezember 2010 11.35 %
Stundenansatz 4.5.
4.5.1. Parteistandpunkte
Die Klägerin stellt sich auf den Standpunkt, es sei von einem Stundenansatz von
CHF 30.– auszugehen, weil dies dem Stundenansatz für eine Haushaltshilfe in
der Region Zürich entspreche (act. 1 Ziff. 21 f.). Der Beklagte erachtet diesen
Stundenansatz als zu hoch, es seien maximal CHF 25.– anzunehmen (act. 14
Rz. 22).
4.5.2. Rechtliches und Würdigung
Der zu ersetzende Schaden ist am Aufwand zu messen, den eine entgeltlich ein-
gesetzte Ersatzkraft verursachen würde. Es ist der Stundenansatz zu ermitteln,
der in der Wohnregion des Geschädigten einer Ersatzkraft, die ihn so gut wie
möglich ersetzt, bezahlt werden müsste. Welches der "richtige" Stundenlohnan-
satz zur Berechnung des Haushaltsschadens ist, ist umstritten. Das Bundesge-
richt zieht als Vergleichsgrösse den Lohn heran, der einer Haushaltshilfe oder
Haushälterin bzw. für die Kinderbetreuung einem Kindermädchen in der Wohnge-
gend der geschädigten Person bezahlt werden müsste. Die jeweils angenomme-
nen Stundenansätze sind uneinheitlich und bewegten sich für die letzten Jahre
zwischen CHF 25.– und CHF 30.–. Das Bundesgericht gesteht dem kantonalen
Richter diesbezüglich einen grossen Ermessensspielraum zu. Festgehalten hat es
immerhin, dass in einer ländlichen Umgebung tiefere Lohnkosten angenommen
werden können als in städtischen Verhältnissen (FELLMANN/KOTTMANN, Schweize-
risches Haftpflichtrecht, Bd. I, Bern 2012, N 1990 ff.). Für den Kanton Waadt er-
wog das Bundesgericht, dass ein Stundenansatz von CHF 30.– angemessen sei.
- 44 -
In einem anderen Entscheid bezeichnete es auch einen Stundenansatz von
CHF 25.– als angemessen, hielt dazu jedoch fest, dass dieser Betrag im unteren
Bereich liege und nur dann gerechtfertigt sei, wenn der Geschädigte in einer länd-
lichen Umgebung wohne. In einem weiteren Entscheid, hat das Bundesgericht die
Annahme eines Stundentarifs von CHF 30.– für Genf als ermessenskonform be-
stätigt (BGE 131 III 360 E. 8.3 = Pra 2006 Nr. 18 E. 8.3, mit Hinweisen).
Die Klägerin wohnte nach dem Unfall in Schlieren, Zug und Birmensdorf. Wäh-
rend Schlieren und Zug städtische Regionen sind, ist Birmensdorf eher ländlich.
Insgesamt rechtfertigt es sich aber, das Lohnniveau an den Wohnorten der Kläge-
rin mit jenen in Waadt und Genf zu vergleichen. Der Umstand, dass Birmensdorf
eher ländlich ist, wird dadurch ausgeglichen, dass im Haushalt in Birmensdorf
auch Kleinkinder zu versorgen waren und die Stundenansätze für die Kleinkindbe-
treuung im Vergleich zu den übrigen Haushaltsarbeiten erfahrungsgemäss eher
etwas höher sein dürften.
Es rechtfertigt sich demnach, davon auszugehen, dass eine entgeltliche Ersatz-
kraft für Haushalt und Kinderbetreuung die Klägerin CHF 30.– pro Stunde kosten
würde.
Berechnung des Haushaltsschadens 4.6.
Zur Ermittlung des Haushaltsschadens ist vom hypothetischen, anhand der
SAKE-Tabellen eruierten Zeitaufwand für Haushaltsarbeiten in den jeweiligen
Zeitabschnitten auszugehen. Unter Verwendung dieses Wertes ist die gutachter-
lich festgestellte prozentuale Einschränkung in der Haushaltsführung in Stunden
pro Tag umzurechnen. Diese Stundenzahl pro Tag ist auf die Stundenanzahl pro
Periode umzurechnen und das Ergebnis multipliziert mit dem ermittelten Stun-
denansatz ergibt den Haushaltsschaden der Klägerin. Tabellarisch dargestellt
sieht diese Berechnung wie folgt aus:
- 45 -
Von Bis Anzahl Tage
Zeitaufwand Validenhaushalt (h pro Woche)
Beeinträchtigung (%)
Haushaltsschaden
25.06.2004 21.07.2004 26 - - - CHF 0.–
22.07.2004 31.01.2005 193 14.8 23.78 % CHF 30.– CHF 2'911.10
01.02.2005 30.06.2005 149 14.8 15.74 % CHF 30.– CHF 1'487.55
01.07.2005 31.12.2006 183 17.7 16.08 % CHF 30.– CHF 2'232.20
01.01.2007 31.08.2008 608 18.2 15.16 % CHF 30.– CHF 7'189.50
01.09.2008 31.12.2009 486 61.2 10.23 % CHF 30.– CHF 13'040.30
01.01.2010 31.12.2010 364 53.9 11.35 % CHF 30.– CHF 9'543.55
22.07.2004 31.12.2010 CHF 36'404.20
Fazit 4.7.
Der Klägerin hat in der Periode vom 25. Juni 2004 bis 31. Dezember 2010 einen
Haushaltsschaden von CHF 36'404.20 erlitten.
5. Kausalität
Rechtliche Grundlagen 5.1.
Die Leistungspflicht eines Unfallverursachers bzw. seiner Haftpflichtversicherung
setzt voraus, dass zwischen dem Unfall und dem eingetretenen Schaden ein na-
türlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kau-
salzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der Erfolg
nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen
Zeit eingetreten gedacht werden kann. Für die Bejahung des natürlichen Kausal-
zusammenhangs ist damit nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder
unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schä-
digende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis-
tige Integrität des Geschädigten beeinträchtigt hat, der Unfall also nicht wegge-
dacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung
- 46 -
entfiele oder anders ausgefallen wäre (BGE 131 III 12 ff. = Urteil des Bundesge-
richts 4C.222/2004 vom 14. September 2004, E. 2.1).
Der Geschädigte trägt die Beweislast für den natürlichen Kausalzusammenhang
(Art. 8 ZGB). Dabei genügt eine überwiegende Wahrscheinlichkeit eines bestimm-
ten Kausalverlaufs. Der Beweis gilt somit als erbracht, wenn für die Richtigkeit der
Sachbehauptung nach objektiven Gesichtspunkten derart gewichtige Gründe
sprechen, dass andere denkbare Möglichkeiten vernünftigerweise nicht massge-
blich in Betracht fallen (BGE 131 III 12 ff. = Urteil 4C.222/2004 vom 14. Septem-
ber 2004, E. 2.).
Nebst dem natürlichen Kausalzusammenhang muss ein adäquater Kausalzu-
sammenhang vorliegen. Dieser ist gegeben, wenn das pflichtwidrige Verhalten
nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung
geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen. Der Ein-
tritt dieses Erfolges muss durch das Verhalten allgemein begünstigt erscheinen.
Die Adäquanz des Kausalzusammenhangs ist eine Rechtsfrage (SCHNYDER, in:
BSK OR-I, N 16 zu Art. 41).
Parteistandpunkte 5.2.
Die Klägerin behauptet, ihre Invalidisierung und ihre dadurch bedingte Einschrän-
kung in der Haushaltsführung und Kinderbetreuung sei die alleinige Folge ihres
Unfalls. Vorzustände oder sonstige Drittursachen hätten nicht mitgewirkt. Der na-
türliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und der Invalidisierung wer-
de durch das SIVM-Gutachten vorbehaltlos bestätigt. Dieser Kausalzusammen-
hang gelte klarerweise auch für die Behinderung in der Haushaltsführung und
Kinderbetreuung. Zudem entspreche es der allgemeinen Lebenserfahrung, dass
Unfälle und Verletzungen, wie sie die Klägerin erlitten habe, regelmässig zu einer
bleibenden Invalidisierung, wie sie bei der Klägerin eingetreten sei, führen könn-
ten. Deshalb sei die Adäquanz ohne weiteres gegeben (act. 1 Rz. 46).
Der Beklagte bestreitet die Unfallkausalität allfälliger klägerischer Beschwerden
und allfälliger Einschränkungen im Haushalt und in der Kinderbetreuung. Entge-
- 47 -
gen der Beurteilung im interdisziplinären SIVM-Gutachten liege eine Schmerzver-
arbeitungsstörung bzw. somatoforme Schmerzstörung vor. Allfällige klägerische
Beschwerden und Einschränkungen seien zudem nicht adäquat kausal (act. 14
Rz. 46).
Beweismittel 5.3.
Die Klägerin offeriert zum Beweis ihrer Behauptungen das Gutachten des SIVM
vom 23. Januar 2008 (act. 3/5) sowie ein gerichtliches medizinisches Gutachten
(act. 1 Ziff. 46, act. 27 Ziff. 33).
Der Beklagte beantragt ein polydisziplinäres medizinisches Gutachten mindestens
in den Teilbereichen Neurologie und Psychiatrie (act. 14 Rz. 46, act. 34 Rz. 46).
Würdigung 5.4.
5.4.1. Natürlicher Kausalzusammenhang
Im SIVM-Gutachten wird festgestellt, dass die Beschwerden der Klägerin über-
wiegend wahrscheinliche Folgen des Unfalls vom 25. Juni 2004 seien. Die Mitwir-
kung anderer Krankheiten, krankhafter Vorzustände oder anderer unfallfremder
Zustände oder Folgen früherer Unfälle wird im Gutachten ausgeschlossen
(act. 3/5 S. 20). Das ORL-Gutachten hält fest, dass die diagnostizierte Anosmie in
eindeutigem Zusammenhang mit dem durchgemachten Schädel-Hirntrauma ste-
he, zumal die Geruchsempfindung vorher normal gewesen sei. Auch die Schwin-
delbeschwerden stünden eindeutig in Zusammenhang mit dem Unfall (act. 3/12
S. 2).
Wie in Erw. 3.6.1 ausgeführt, kommt dem Interdisziplinären SIVM-Gutachten und
dem ORL-Gutachten volle Beweiskraft zu. Sie sind in Bezug auf die Frage des
natürlichen Kausalzusammenhangs nachvollziehbar, klar und widerspruchsfrei.
Darüber hinaus stützen sich die Gutachten gegenseitig, soweit sie sich zu den-
selben Fragen äussern. Es liegen demnach keine Gründe vor, die Schlussfolge-
rungen dieser Gutachten in Frage zu stellen. Es ist nicht ersichtlich, weshalb ein
zweites Gutachten zu anderen Schlüssen kommen sollte. Daher wurde diese
- 48 -
Frage den Gutachtern des gerichtlichen Interdisziplinären Gutachtens auch nicht
vorgelegt. Sie äusserten sich dennoch dazu und gelangten ebenfalls zum
Schluss, dass die Beschwerden der Klägerin auf den Unfall zurückzuführen seien
(act. 72 S. 17). Die Gutachten bestätigen die Behauptungen der Klägerin. Die
Klägerin hat demnach den Beweis dafür erbracht, dass zwischen ihren gesund-
heitlichen Beschwerden und dem Unfall ein natürlicher Kausalzusammenhang
besteht.
Da sich weder das Interdisziplinäre SIVM-Gutachten noch das ORL-Gutachten
dazu äusserten, ob die unfallbedingten Beschwerden eine Beeinträchtigung der
Klägerin in der Haushaltsführung verursacht haben, war die Einholung des offe-
rierten gerichtlichen medizinischen Gutachtens notwendig. Darin wird ausgeführt,
dass sowohl durch die wiederholt im Rahmen neuropsychologischer Testungen
dokumentierten leichten bis mittelschweren kognitiven Funktionsstörungen als
auch durch den Belastungsschwindel bei anzunehmender Contusio labyrinthi und
der Exazerbation der posttraumatischen Kopfschmerzen relevante Einschränkun-
gen in der Haushaltsführung begründet seien (act. 72 S. 14). Etwas weiter hinten
im Gutachten wird sodann der Kausalzusammenhang zwischen den gesundheitli-
chen Beschwerden der Klägerin und ihrer Beeinträchtigung in der Haushaltsfüh-
rung explizit bejaht (act. 72 S. 17). Der Beklagte moniert indessen, die Kausali-
tätsbeurteilung durch die Gutachter sei offensichtlich allein aufgrund der nicht zu-
lässigen Maxime "post hoc ergo propter hoc" bzw. aufgrund der Angaben der
Klägerin getroffenen Annahme, dass die Klägerin im Unfallzeitpunkt beschwerde-
frei war, zustande gekommen. In diesem Zusammenhang macht der Beklagte er-
neut geltend, dass bei der Klägerin eine Schmerzverarbeitungsstörung bzw. eine
somatoforme Schmerzstörung vorliege und der nicht erfolgte Beizug eines Psy-
chiaters einen erheblichen Mangel des Gutachtens darstelle (act. 80 S. 2).
Der Beklagte macht keine näheren Ausführungen dazu, inwiefern sich die be-
hauptete Schmerzverarbeitungsstörung bzw. somatoforme Schmerzstörung auf
die Kausalität auswirken soll. Die entsprechende Argumentationslinie des Beklag-
ten kann höchstens erahnt werden. Mangels einer konkreten Behauptung, ist über
diese Frage auch kein Beweis abzunehmen. Darüber hinaus ist gestützt auf das
- 49 -
interdisziplinäre SIVM-Gutachten und das psychiatrische Gutachten davon aus-
zugehen ist, dass die Klägerin weder vor noch nach dem Unfall an einer psychi-
schen Störung litt, weshalb sich die Einholung eines psychiatrischen Gutachtens
erübrigte.
5.4.2. Adäquater Kausalzusammenhang
Beim Unfall vom 25. Juni 2004 wurde die Klägerin beim Überqueren des Fuss-
gängerstreifens von einem zunächst wartenden und dann unvermittelt losfahren-
den Personenwagen auf die Kühlerhaube aufgeladen, von wo sie auf den Boden
stürzte. Dabei erlitt sie eine Schädelfraktur, eine Hirnblutung, Beinverletzungen
sowie diverse schwere Prellungen und blieb an der Unfallstelle bewusstlos liegen.
Ein Unfall dieser Schwere ist nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der all-
gemeinen Lebenserfahrung geeignet, Beschwerden wie in Erw. 3.7. festgehalten
im dort beschriebenen Ausmass und für den erwähnten Zeitraum zu verursachen
oder deren Eintritt zumindest zu begünstigen. Die Beschwerden ihrerseits sind
geeignet, sich beeinträchtigend auf die Führung des Haushalts auszuwirken. Der
adäquate Kausalzusammenhang ist demnach zu bejahen.
Fazit 5.5.
Der natürliche Kausalzusammenhang zwischen Unfall und Beschwerden der Klä-
gerin ist gestützt auf das Interdisziplinäre SIVM-Gutachten und das ORL-
Gutachten zu bejahen, deren Schlussfolgerungen auch vom gerichtlichen Inter-
disziplinären Gutachten bestätigt werden. Auch der Kausalzusammenhang zwi-
schen den gesundheitlichen Beschwerden der Klägerin und ihrer Beeinträchti-
gung in der Haushaltsführung ist gestützt auf das gerichtliche Interdisziplinäre
Gutachten zu bejahen. Überdies liegt auch ein adäquater Kausalzusammenhang
vor.
- 50 -
6. Schadenersatzbemessung
Schadenminderungspflicht 6.1.
6.1.1. Der Beklagte macht geltend, die Schadenminderungspflicht gemäss Art. 2
ZGB und Art. 44 Abs. 1 OR führe dazu, dass die Klägerin mit ihrem Ehemann ei-
ne Arbeitsaufteilung vorzunehmen habe, welche zu einem möglichst geringen Ar-
beitsausfall bei ihr führe. Der Ehemann habe zwar keinen grösseren zeitlichen
Aufwand zu betreiben als er ohne den Unfall betrieben hätte, er habe aber mög-
lichst viele derjenigen Tätigkeiten zu übernehmen, welche die Klägerin nicht mehr
ausführen könne. Im Gegenzug habe die Klägerin im gleichen zeitlichen Umfang
jene Arbeiten von ihrem Ehemann zu übernehmen, die ihr weiterhin zumutbar
seien. Auf diese Weise könne erreicht werden, dass überhaupt kein Haushalts-
schaden entstehe (act. 14 Rz. 42, act. 34 Rz. 42). Eine weitere Folge der Scha-
denminderungspflicht der Klägerin bestehe darin, dass Optimierungen durch den
Einsatz von Hilfsmitteln soweit wie möglich vorzunehmen seien, was bei der Beur-
teilung der Arbeitsfähigkeit der Klägerin im Haushaltsbereich zu berücksichtigen
sei (act. 34 Rz. 42).
6.1.2. Die Klägerin wendet dagegen ein, der Beklagte verkenne, dass nach gel-
tender Rechtsprechung der wirtschaftliche Wertverlust zu entschädigen sei, der
durch die Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit im Haushalt entstehe. Dies gelte
unabhängig davon, ob dieser Verlust zur Anstellung einer Ersatzkraft, zu vermehr-
tem Aufwand des Verletzten, zu zusätzlicher Beanspruchung von Angehörigen
oder zur Hinnahme von Qualitätsverlusten führe. Die Klägerin sei demnach nicht
verpflichtet, mehr Zeit in den Haushalt zu investieren, als ihrer Arbeitsfähigkeit im
Haushalt entspreche (act. 27 Ziff. 28).
6.1.3. Aus der Beistands-, Unterhalts- und Unterstützungspflicht kann keine
Schadenminderungs- bzw. Schadenselbsttragungspflicht der Angehörigen des
Verletzten abgeleitet werden. Insbesondere aus dem Umstand, dass Angehörige
im Zusammenhang mit der verletzungsbedingt mitunter erforderlichen Umorgani-
sation des Haushalts gewisse Nachteile zu tragen haben, kann nicht gefolgert
- 51 -
werden, dass sie verpflichtet sind, den Schaden ihres Familienmitglieds zu tragen
und vermehrt im Haushalt mitzuarbeiten (LANDOLT, in: Jahrbuch zum Strassen-
verkehrsrecht 2012, N. 50 f.).
6.1.4. Mangels einer Schadenminderungspflicht des Ehemannes der Klägerin,
kann von diesem nicht verlangt werden, mehr Haushaltsarbeiten zu übernehmen
als vor dem Unfall. Selbst wenn er bereits vor dem Unfall Haushaltsarbeit verrich-
tet hätte, hätte sich eine neue Verteilung der Haushaltsarbeiten entgegen den
Ausführungen des Beklagten nicht auf den Schaden ausgewirkt. Die Klägerin
macht im Wesentlichen nämlich nicht geltend, dass sie gewisse Haushaltsarbei-
ten überhaupt nicht mehr verrichten könne, sondern vielmehr, dass sie bei der
gesamten Haushaltsarbeit langsamer sei als vor dem Unfall und die Qualität der
Arbeit abgenommen habe. Ein Abtausch von Arbeiten würde deshalb zu keiner
nennenswerten Entlastung der Klägerin führen. Auf die Behauptung, der Schaden
hätte durch geeignete Hilfsmittel reduziert werden können, ist nicht einzugehen,
zumal der Beklagte nicht ausführt, mit welchen Hilfsmitteln der hier im Vorder-
grund stehenden allgemeinen Verlangsamung bei der Verrichtung von Haushalts-
arbeiten hätte begegnet werden können. Abgesehen davon wären die Kosten für
die Anschaffung solcher Hilfsmittel ebenfalls vom Schädiger zu tragen.
Akontozahlung 6.2.
Nach den Ausführungen der Klägerin hat der Beklagte eine Akontozahlung von
CHF 5'000.– geleistet (act. 1 Ziff. 36). Der Beklagte bestätigt, dass er am 13. April
2005 eine Akontozahlung an den Haushaltsschaden in dieser Höhe geleistet hat
(act. 14 Rz. 36, act. 34 Rz. 33). Die Zahlung von CHF 5'000.– ist demnach von
der Schadenersatzforderung der Klägerin abzuziehen. Es resultiert ein zu erset-
zender Haushaltsschaden von CHF 31'404.20.
7. Schadenszins
Parteistandpunkte 7.1.
Die Klägerin verlangt in ihrem Rechtsbegehren "per Rechnungstag Ende 2012"
aufgerechnete Schadenszinsen (act. 1 S. 2). In der Klagebegründung verlangt
- 52 -
sie, dass der Schadenersatz zuzüglich der Schadenszinsen bis zum tatsächlichen
Urteilszeitpunkt zuzusprechen sei (act. 1 Ziff. 47). Der Beklagte beantragt die Ab-
weisung der gesamten Schadenersatzforderung. Zu den Zinsen im Besonderen
äussert er sich nicht.
Rechtliche Grundlagen 7.2.
Zum Schaden gehört nach konstanter Rechtsprechung der Zins vom Zeitpunkt
an, in dem das schädigende Ereignis sich finanziell ausgewirkt hat. Er läuft bis
zum Tag der Zahlung des Schadenersatzes. Dabei gilt der Grundsatz, dass Zin-
sen linear auf dem Kapital bis zur Bezahlung anwachsen. In Bezug auf die Scha-
densentstehung rechtfertigt es sich bei periodisch anfallendem Schaden aus
Praktikabilitätsgründen einen mittleren Verfall anzunehmen, soweit die Scha-
denshöhe konstant bleibt, oder den Verfalltag aufgrund der gewichteten Scha-
denshöhe festzulegen (BGE 131 III 12 E. 9).
Würdigung 7.3.
In ihrem Rechtsbegehren hat die Klägerin den Schadenszins ausgerechnet und
auf die Forderung geschlagen. Daher lässt sich dem Rechtsbegehren insbeson-
dere der behauptete Beginn des Zinsenlaufes nicht entnehmen. Auch aus der
Klagebegründung ergibt sich keine konkrete Behauptung, wann der Zinsenlauf
begonnen haben soll. Die Klägerin berechnet zwar Schadenszinsen (act. 1 Rz. 33
ff.), erläutert diese Berechnungen jedoch nicht, so dass sie nicht nachvollziehbar
sind. Anhand der vorliegenden klägerischen Behauptungen kann jedenfalls nicht
überprüft werden, ob sie eine der vorstehenden bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung entsprechende Berechnung der Schadenszinse vorgenommen hat. Hinzu
kommt, dass sich auch Unklarheiten bezüglich der Beendigung des Zinsenlaufes
ergeben. Während im Rechtsbegehren ein Schadenszins bis Ende 2012 verlangt
wird, beantragt die Klägerin in der Klagebegründung Schadenszins bis zum Ur-
teilszeitpunkt (act. 1 Rz. 47). Mangels schlüssiger und hinreichender Angaben
zum Zinsenlauf ist die Klage bezüglich der Schadenszinsen abzuweisen.
- 53 -
8. Zusammenfassung
Beim Unfall vom 25. Juni 2004 hat die Klägerin ein Schädelhirntrauma erlitten. Im
von der Klägerin geltend gemachten Zeitraum bis Ende 2010 litt sie an unfallbe-
dingten gesundheitlichen Beschwerden, welche ihre Fähigkeit, Haushaltsarbeiten
zu verrichten, beeinträchtigten. Hierfür hat der Beklagte Ersatz zu leisten. Die Hö-
he des Schadenersatzes ist anhand der von der Klägerin hypothetisch ohne Un-
fall geleisteten Haushaltsarbeit, dem Ausmass der Beeinträchtigung in der Haus-
haltsarbeit und dem Stundenansatz für eine Hilfskraft zu berechnen. Auf diese
Weise lässt sich ein Haushaltsschaden von CHF 36'404.20 errechnen, wovon die
am 13. April 2005 geleistete Akontozahlung von CHF 5'000.– in Abzug zu bringen
ist. Der Beklagte ist demnach zu verpflichten, der Klägerin Schadenersatz im Um-
fang von CHF 31'404.20 zu bezahlen.
9. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Die Prozesskosten, bestehend aus Gerichtskosten und Parteientschädi-9.1.
gung, werden der unterliegenden Partei auferlegt (Art. 106 Abs. 1 i.V.m. Art. 105
ZPO). Hat keine Partei vollständig obsiegt, so werden die Prozesskosten nach
dem Ausgang des Verfahrens verteilt (Art. 106 Abs. 2 ZPO). Das Gericht kann
von den Verteilungsgrundsätzen abweichen und die Prozesskosten nach Ermes-
sen verteilen, insbesondere wenn die Klage zwar grundsätzlich, aber nicht in der
Höhe der Forderung gutgeheissen wurde und diese Höhe vom gerichtlichen Er-
messen abhängig oder die Bezifferung des Anspruchs schwierig war (Art. 107
Abs. 1 lit. a ZPO). Häufiges Beispiel hierfür ist der Haftpflichtprozess, wenn so-
wohl die Haftung als auch das Quantitativ umstritten sind. Im Grundsatz – Haftung
wird bejaht – obsiegt die Klägerin, im Quantitativ und damit im Ergebnis unterliegt
sie aber zum grösseren Teil; das Obsiegen im Grundsatz muss gegenüber der
allgemeinen Verteilungsregel als massgebender Korrekturfaktor berücksichtigt
werden (SCHMID, Kurzkommentar zur ZPO, 2. Aufl., N 2 zu Art. 107).
Die Höhe der Gerichtsgebühr bestimmt sich nach der Gebührenverordnung des
Obergerichts (Art. 96 ZPO i.V.m. § 199 Abs. 1 GOG) und richtet sich in erster Li-
nie nach dem Streitwert bzw. nach dem tatsächlichen Streitinteresse (§ 2 Abs. 1
- 54 -
lit. a GebV OG). Da die Schadenszinsen nicht zum Streitwert hinzuzurechnen
sind (BGE 118 II 363) beträgt der Streitwert vorliegend CHF 143'777.– (act. 1
S. 61). Unter Berücksichtigung von § 4 Abs. 1 und 2 GebV OG und da ein auf-
wendiges Beweisverfahren durchgeführt wurde, ist die Gerichtsgebühr auf rund
CHF 21'000.– festzusetzen (die Herabsetzung auf Fr. 20'999.35 vereinfacht rech-
nerisch die Schlussabrechnung). Hinzu kommen die Kosten für das gerichtliche
Gutachten (CHF 19'000.65). Insgesamt ergeben sich damit Gerichtskosten von
gerundet CHF 40'000.–. Die Klägerin obsiegt zahlenmässig lediglich im Umfang
von CHF 31'404.20, jedoch obsiegt sie im Grundsatz, d.h. der Haftungsfrage,
vollumfänglich, was im Sinne von Art. 107 Abs. 1 lit. a ZPO zu berücksichtigen ist,
da die Bezifferung ihres Haushaltsschadens aufgrund des bei Klageanhebung
noch unklaren Ergebnisses der gerichtlichen Begutachtung schwierig war. Es
rechtfertigt sich daher, die Gerichtsgebühren zu einem Viertel der Klägerin und zu
drei Vierteln dem Beklagten aufzuerlegen. Die Klägerin leistete einen Vorschuss
für die Gerichtskosten und beide Parteien leisteten Vorschüsse für die Beweisfüh-
rung. Die Kosten sind aus diesen Vorschüssen zu beziehen. Ein Fehlbetrag wird
von der kostenpflichtigen Person nachgefordert (Art. 111 Abs. 1 ZPO). Die kos-
tenpflichtige Partei hat der anderen Partei die geleisteten Vorschüsse zu ersetzen
(Art. 111 Abs. 2 ZPO). Der Beklagte hat von den gesamthaften Kosten
[CHF 40'000.–] drei Viertel zu tragen, also CHF 30'000.–. Dies ist mit dem von
ihm bereits geleisteten Vorschuss von CHF 9'500.– zu verrechnen. Es resultiert
eine Restschuld des Beklagten von CHF 20'500.–. Die Klägerin hat von den ge-
samthaften Kosten einen Viertel zu tragen, also CHF 10'000.–. Sie hat bereits
Vorschüsse von insgesamt CHF 24'900.– geleistet. Die Restschuld des Beklagten
ist vorab ebenfalls aus dem (verbleibenden) Vorschuss der Klägerin zu beziehen.
Hierfür steht der Klägerin aber ein Rückgriffsrecht gegen den Beklagten im Um-
fang von CHF 14'900.– zu. Am Ende verbleibt ein Fehlbetrag von CHF 5'600.–,
welcher direkt von der Beklagten einzufordern ist.
Die Parteientschädigung ist nach der Verordnung über die Anwaltsgebüh-9.2.
ren zu bemessen (Art. 105 Abs. 2 ZPO). Grundlage ist auch hier der Streitwert
(§ 2 Abs. 1 lit. a AnwGebV). Die Grundgebühr ist mit der Begründung bzw. Be-
antwortung der Klage verdient; für jede weitere Rechtsschrift ist ein Zuschlag zu
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gewähren (§ 11 Abs. 1 und 2 AnwGebV). Vorliegend ist für die weiteren Rechts-
schriften nach der Klageantwort ein Zuschlag von 50 % zu gewähren. Der Beklag-
te hat die Klägerin im Umfang ihres Unterliegens zu entschädigen. Er ist daher zu
verpflichten, der Klägerin eine Parteientschädigung im Umfang von CHF 10'300.–
zu bezahlen.