# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 69aa3595-86c9-5a12-87f9-31cf170c677c
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Nach verschiedenen Abklärungen, Voranfragen und Besichtigungen vor Ort reichten
die Beschwerdegegner am 21. April 2015 bei der Gemeinde Riggisberg ein Baugesuch ein.
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Dieses wurde in der Folge mehrfach überarbeitet und bereinigt. Ersucht wurde um die
Bewilligung für diverse Bauvorhaben auf Parzelle Riggisberg Grundbuchblatt
Nr. E._ in der Landwirtschaftszone. So soll beim bestehenden Gebäude Nr. 2a
(Schopf/ehemalige Garage) der östliche Schopfteil abgebrochen und durch einen neuen
Anbau (2.9 m x 3.87 m) ersetzt werden. Im neuen Anbau ist der Einbau einer Kühlzelle
vorgesehen. Weiter sollen diverse Kleingebäude abgebrochen und ein alter Anbau auf der
Nordseite des Gebäudes Nr. 2a in ein Hühnerhaus umgenutzt werden. Schliesslich soll der
Hühnerhof mit einem 2 m hohen Maschendrahtzaun eingefriedet werden. Für diverse
weitere Umgebungsgestaltungen auf der Parzelle sowie die Nutzung des Grundstücks zum
bodenabhängigen Anbau von Gemüse, Kräuter und Früchten wurde um die nachträgliche
Bewilligung ersucht. Gegen das Bauvorhaben erhob der Beschwerdeführer Einsprache.
Das AGR erteilte dem Vorhaben mit Verfügung vom 9. Mai 2016 die Ausnahmebewilligung
nach Art. 24c RPG1 unter Auferlegung diverser Nebenbestimmungen. Gestützt darauf
erteilte die Gemeinde Riggisberg mit Gesamtentscheid vom 6. Juli 2016 die
Baubewilligung. Hinsichtlich der abzubrechenden Kleingebäude setzte sie eine Frist.
Zudem ordnete die Gemeinde mit dem Entscheid vom 6. Juli 2016 die Wiederherstellung
des rechtmässigen Zustands für den Bereich des Kiesplatzes an, indem dieser Bereich
innert Frist humusiert und begrünt werden muss. Hinsichtlich weiterer Gegenstände
(Blocksteinmauer, 20cm-Abgrenzungsmauer, Weglein) wurde auf die Wiederherstellung
des rechtmässigen Zustands verzichtet.
2. Dagegen reichte der Beschwerdeführer am 25. Juli 2016 Beschwerde bei der Bau-,
Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er beantragt sinngemäss die
Aufhebung des Gesamtentscheides vom 6. Juli 2016. Die ganze Parzelle sei in den
ursprünglichen Zustand des Jahres 2004 zurückzuführen.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Die Beschwerdegegner stellen mit
Beschwerdeantwort vom 15./16. August 2016 den Antrag, auf die Beschwerde sei nicht
1 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700). 2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191).
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einzutreten, eventuell sei sie abzuweisen. Das AGR beantragt mit Stellungnahme vom 17.
August 2016 die Abweisung der Beschwerde. Auch die Gemeinde verlangt mit
Stellungnahme vom 25. August 2016 die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung
des vorinstanzlichen Entscheids.
4. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Einsprache- und Beschwerdelegitimation
a) Mit dem angefochtenen Entscheid bewilligte die Gemeinde das Baugesuch der
Beschwerdegegner zu überwiegenden Teilen. Im Zusammenhang mit der
Umgebungsgestaltung erteilte sie diversen, bereits realisierten Vorhaben (implizit) den
Bauabschlag und verfügte hinsichtlich des Kiesplatzes die Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustands; hinsichtlich der weiteren Gegenstände (Blocksteinmauer,
Abgrenzungsmauer, Weglein) verzichtete sie auf die Wiederherstellung des rechtmässigen
Zustands. Bauentscheide – und mit ihnen zusammen die Verfügungen des AGR nach
Art. 24 ff. RPG – sowie baupolizeiliche Verfügungen können innert 30 Tagen seit Eröffnung
mit Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden (Art. 40 Abs. 1 und Art. 49 Abs. 1
BauG3). Die BVE ist somit zur Beurteilung der fristgerecht eingereichten Beschwerde
zuständig.
b) Die Beschwerdegegner bringen vor, die Beschwerde sei ungenügend begründet. Mit
der Argumentation der Gemeinde und des AGR setze sich der Beschwerdeführer in keiner
Weise auseinander.
Parteieingaben müssen gemäss Art. 32 Abs. 2 VRPG4 eine Begründung enthalten. An
diese werden praxisgemäss keine hohen Anforderungen gestellt. Es reicht aus, wenn aus
3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0). 4 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21).
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dem Rechtsmittel ersichtlich ist, in welchen Punkten und weshalb der angefochtene
Entscheid beanstandet wird. Die Rechtsmitteleingabe muss sich aber in minimaler Form
mit dem angefochtenen Entscheid auseinandersetzen und es muss sinngemäss erkennbar
sein, welche Rechtsnorm oder Grundsätze der Ermessungsausübung nach Auffassung der
Beschwerdeführenden Partei verletzt oder inwiefern Sachverhaltselemente unrichtig oder
unvollständig festgestellt worden sind.5
Der Beschwerdeführer bringt in seiner Beschwerde vor, wieso er mit dem vorinstanzlichen
Entscheid nicht einverstanden ist. Im Zusammenhang mit dem neuen Anbau an das
bestehende Gebäude F._ Nr. 2a (Schopf/ehemalige Garage) rügt er etwa, die
Beschwerdegegner könnten eine Vergrösserung von maximal 10 % in Anspruch nehmen.
Daraus lässt sich schliessen, dass er die Zulässigkeit der Erweiterung dieses Gebäudes im
bewilligten Umfang unter Art. 24c RPG in Frage stellt. Damit ist die Beschwerde genügend
begründet.
c) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen ihrer
Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 40 Abs. 2 BauG). Der
Beschwerdeführer, der sich als Einsprecher am vorinstanzlichen Verfahren beteiligt hat, ist
formell zur Beschwerdeführung legitimiert.
d) Neben der formellen Beschwer bedarf es auch der materiellen Beschwer: Nach
Art. 35 Abs. 2 Bst. a BauG sind nur Personen zur Einsprache befugt, welche durch das
Bauvorhaben unmittelbar in eigenen schutzwürdigen Interessen betroffen sind. Nach Lehre
und Rechtsprechung ist eine Person in schutzwürdigen Interessen berührt, wenn sie durch
ein Bauvorhaben in höherem Mass als die Allgemeinheit betroffen ist und zum
Streitgegenstand eine besondere Beziehungsnähe hat.6 Nach der Rechtsprechung des
Bundesgerichts muss die besondere Beziehungsnähe zum Streitgegenstand bei
Bauprojekten insbesondere in räumlicher Hinsicht gegeben sein. In einer besonders nahen
Beziehung zur Streitsache stehen naturgemäss die Nachbarn des Baugrundstücks. Unter
Nachbarn versteht die Verwaltungs- und Gerichtspraxis vorab die Eigentümer von
Nachbargrundstücken. Der Kreis der betroffenen Nachbarschaft kann nicht allgemein
festgelegt werden, sondern muss im Einzelfall nach den konkreten Verhältnissen bestimmt
5 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 32 N. 15. 6 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art.  N. 16.
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werden. Die Einsprachebefugnis des Nachbarn ist in der Regel zu bejahen, wenn dessen
Liegenschaft unmittelbar an das Baugrundstück angrenzt oder allenfalls nur durch einen
Verkehrsträger davon getrennt wird. Es wird darauf verzichtet, auf bestimmte feste Werte
abzustellen. Nach der bundesgerichtlichen Praxis sind Nachbarn bis im Abstand von etwa
100 m in der Regel zu Verwaltungsgerichtsbeschwerden gegen Bauvorhaben legitimiert.
Allerdings ergibt sich die Legitimation nicht schon allein aus der räumlichen Nähe, sondern
erst aus einer daraus herrührenden besonderen Betroffenheit. Ein schutzwürdiges
Interesse liegt vor, wenn die tatsächliche oder rechtliche Situation des Nachbarn durch den
Ausgang des Verfahrens beeinflusst werden kann.7 Eine weitere Umschreibung des
Kreises der beschwerdeberechtigten Nachbarschaft kann sich etwa dort rechtfertigen, wo
von einer Baute besonders starke Emissionen ausgehen.8
e) Der Beschwerdeführer ist Grundeigentümer der Parzelle Riggisberg Grundbuchblatt
Nr. G._. Sein Wohnhaus auf dieser Parzelle ist rund 450 m Luftlinie von der
Bauparzelle und vom Gebäude F._ 2a entfernt. Aufgrund der Topographie besteht
kein direkter Sichtkontakt zur Bauparzelle. Die nächstgelegene Parzellengrenze der
Parzelle Riggisberg Grundbuchblatt Nr. G._ ist rund 270 m Luftlinie von der
Bauparzelle entfernt.
Diese Distanzen liegen ausserhalb des Bereichs, in dem nach der erwähnten
bundesgerichtlichen Praxis von benachbarten Grundstücken ausgegangen werden kann.
Näher zu untersuchen ist aber, ob weitere Gründe bestehen, welche trotz dieser Distanz zu
einer besonderen Betroffenheit des Beschwerdeführers führen. Mit dem umstrittenen
Bauvorhaben sollen auf der Parzelle der Beschwerdegegner beim bestehenden Gebäude
F._ 2a ein bisheriger Anbau einem neuen Anbau mit etwas anderen Dimensionen
und integrierter Kühlzelle weichen sowie ein weiterer Anbau auf der Nordseite dieses
Gebäudes in ein Hühnerhaus umgenutzt werden. Zudem sollen diverse Nebengebäude
abgebrochen und eine Einfriedung im Bereich des Hühnerauslaufs erstellt werden. Die
Parzelle dient dem hobbymässigen Anbau von Gemüse, Kräutern und Früchten. Aufgrund
dieser diversen, kleineren Bauvorhaben ist nicht mit Mehrverkehr auf der angrenzenden
Erschliessungsstrasse zu rechnen. Die Parzelle des Beschwerdeführers mit seinem
Wohnhaus liegt zwar an derselben Strasse, befindet sich jedoch, vom Dorf Riggisberg her
gesehen, weiter dorfauswärts. Selbst wenn das Bauvorhaben einen leichten Mehrverkehr
7 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 65 N. 4, mit weiteren Hinweisen. 8 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 35-35c N. 17, mit Hinweisen auf die Rechtsprechung.
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generieren sollte, würde dieser zwischen dem Dorf Riggisberg und der Bauparzelle und
nicht beim dahinterliegenden Abschnitt dieser Strasse im Bereich der Parzelle des
Beschwerdeführers anfallen. Im Bezug auf das Bauvorhaben hebt sich der
Beschwerdeführer einzig dadurch von der Allgemeinheit ab, dass seine Parzelle über
dieselbe Strasse erschlossen ist und er auf dem Weg in das Dorf Riggisberg und zurück
beim Grundstück der Beschwerdegegner vorbei fährt. Analog zur Rechtsprechung bei
Strassenprojekten oder funktionellen Verkehrsbeschränkungen dürfte jedoch auch hier der
blosse Umstand, dass der Beschwerdeführer den betreffenden Strassenabschnitt
regelmässig benutzt, für die Legitimation nicht ausreichen; vielmehr muss zusätzlich
glaubhaft erscheinen, das Vorhaben habe für ihn bezüglich der Strassenbenützung unter
Würdigung der gesamten Umstände Beeinträchtigungen von einer gewissen Intensität zur
Folge.9 Ob vorliegend eine solche Intensität erreicht wird, ist zu bezweifeln, zumal der
Beschwerdeführer selber nicht vorbringt, die Durchfahrt werde für ihn aufgrund des
Bauvorhabens erschwert.
Letztlich kann jedoch die Einsprache- und Beschwerdelegitimation des Beschwerdeführers
offen bleiben. So kann die BVE einen Entscheid auf Beschwerde hin auch bei fehlender
Legitimation von Amtes wegen ändern oder aufheben, wenn er erhebliche Mängel aufweist
(Art. 40 Abs. 3 BauG). Vorausgesetzt ist in formeller Hinsicht einzig, dass das Rechtsmittel
rechtzeitig eingereicht worden ist.10 Vorliegend wurde die Beschwerde rechtzeitig
eingereicht. Wie die nachfolgenden Erwägungen zudem zeigen, ist es zweifelhaft, ob
einzelne Teile des Bauvorhabens gestützt auf Art. 24c RPG bewilligungsfähig sind. Für die
Prüfung dieser Vorhaben unter den Ausnahmebestimmungen von Art. 24 ff. RPG bedarf es
weiterer Abklärungen. Die Sache wird daher zur weiteren Behandlung an die Vorinstanz
zurückgeschickt. Das Bauvorhaben wurde damit im vorinstanzlichen Verfahren
ungenügend auf seine Vereinbarkeit mit Bundesrecht überprüft, weshalb der angefochtene
Entscheid (sowie die Verfügung des AGR) erhebliche Mängel aufweist. Auch bei fehlender
Beschwerdelegitimation des Beschwerdeführers wäre es daher gerechtfertigt, die
Beschwerdesache von Amtes wegen zu behandeln.
Bei dieser Ausgangslage wird vorliegend auf die Beschwerde eingetreten, auch wenn die
Einsprache- und Beschwerdelegitimation des Beschwerdeführers zweifelhaft ist. In einem
9 René Wiederkehr, Die materielle Beschwer von Nachbarinnen und Nachbarn sowie von Immissionsbetroffenen, in ZBl 7/2015, S. 360, mit Hinweis auf Urteil BGer 1C_43/2011 vom 8. April 2011, E. 7. 10 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 40-41 N. 11a.
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allfälligen späteren Beschwerdeverfahren wird der Beschwerdeführer allerdings näher
belegen müssen, wieso er sich als legitimiert erachtet.
2. Ausnahmebewilligung nach Art. 24 ff. RPG
a) Mit Verfügung vom 9. Mai 2016 erteilte das AGR den folgenden Bauvorhaben eine
Ausnahmebewilligung nach Art. 24c RPG: Abbruch östlicher Schopfteil an Gebäude Nr. 2a,
neuer Anbau 2.9 m x 3.87 m, Einbau Kühlzelle max. 9.45 m2, Abbruch nicht nummerierte
Kleingebäude (Nr. 2 und 3 gemäss Umgebungsplan), Umnutzung alter Anbau auf der
Nordseite in Hühnerhaus (Nr. 1 gemäss Umgebungsplan), Einfriedung für Hühnerhof mit
Maschendrahtzaun mit einer Höhe von 2.00 m. Dabei führte die Fachbehörde aus, man
beurteile das Bauvorhaben gesamthaft als massvolle Ergänzung / Erweiterung /
Umgestaltung / Umnutzung eines in der Landwirtschaftszone altrechtlich bestehenden
Gebäudes (Schopf/ehemalige Garage). Dem Vorhaben stünden zudem keine wesentlichen
raumplanerischen Interessen entgegen. Gestützt darauf erteilte die Gemeinde Riggisberg
mit Gesamtentscheid vom 6. Juli 2016 die Baubewilligung für diese Gegenstände.
b) Der Beschwerdeführer bringt in seiner Beschwerde vor, beim Neubau der Garage
könnten die Beschwerdegegner eine Vergrösserung von maximal 10 % in Anspruch
nehmen. Er rügt damit sinngemäss eine Verletzung von Art. 24c RPG bei der Erweiterung
des alten Gebäudes Nr. 2a (Schopf/ehemalige Garage).
c) Bestimmungsgemäss nutzbare Bauten und Anlagen ausserhalb der Bauzonen, die
nicht mehr zonenkonform sind, werden in ihrem Bestand grundsätzlich geschützt (Art. 24c
Abs. 1 RPG). Solche Bauten und Anlagen können mit Bewilligung der zuständigen
Behörde erneuert, teilweise geändert, massvoll erweitert oder wiederaufgebaut werden,
sofern sie rechtmässig erstellt oder geändert worden sind (Art. 24c Abs. 2 RPG). Eine
Änderung gilt als teilweise und eine Erweiterung als massvoll, wenn die Identität der Baute
einschliesslich ihrer Umgebung in den wesentlichen Zügen gewahrt bleibt (Art. 42 Abs. 2
RPV11). Gemäss Art. 41 Abs. 1 RPV ist Art. 24c RPG auf Bauten und Anlagen anwendbar,
die rechtmässig erstellt oder geändert worden sind, bevor das betreffende Grundstück
Bestandteil des Nichtbaugebiets im Sinne des Bundesrechts wurde (altrechtliche Bauten
und Anlagen). Dazu gehören in erster Linie Bauten und Anlagen, die vor dem 1. Juli 1972
11 Raumplanungsverordnung des Bundesrates vom 28. Juni 2000 (RPV; SR 700.1).
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erstellt wurden. Hingegen ist Art. 24c RPG nicht anwendbar auf alleinstehende,
unbewohnte landwirtschaftliche Bauten und Anlagen (Art. 41 Abs. 2 RPV). Veränderungen
am äusseren Erscheinungsbild müssen für eine zeitgemässe Wohnnutzung oder eine
energetische Sanierung nötig oder darauf ausgerichtet sein, die Einpassung in die
Landschaft zu verbessern (Art. 24c Abs. 4 RPG). In jedem Fall bleibt die Vereinbarkeit mit
den wichtigen Anliegen der Raumplanung vorbehalten (Art. 24c Abs. 5 RPG).
An Erweiterungen ausserhalb des bestehenden Gebäudevolumens sind mit Blick auf
Art. 24c Abs. 4 RPG hohe Anforderungen zu stellen.12 Die Frage, ob die Identität der Baute
bei äusseren Erweiterungen gewahrt ist, stellt sich somit erst, wenn das Bauvorhaben für
eine zeitgemässe Wohnnutzung oder für die energetische Sanierung notwendig ist, resp.
die bessere Einpassung der Baute in die Landschaft bezweckt.
Im Zusammenhang mit Erweiterungen ausserhalb des bestehenden Gebäudevolumens
hat das AGR Ende September 2016 aufgrund einer Intervention des Bundesamts für
Raumentwicklung (ARE) seine Praxis zu Art. 24c Abs. 4 RPG angepasst bzw. verschärft.13
d) Wie alle umstrittenen Bauvorhaben hat das AGR auch den neuen Anbau auf der
Ostseite des bestehenden, altrechtlichen Gebäudes F._ Nr. 2a mit integrierter
Kühlzelle unter Art. 24c RPG bewilligt. Die Voraussetzungen dieser Ausnahmebestimmung
(vgl. E. 2c) wurden von der Fachbehörde jedoch ungenügend bzw. unvollständig überprüft.
So ist unklar, ob es sich bei diesem unbewohnten Gebäude F._ Nr. 2a – in der
Verfügung des AGR vom 9. Mai 2016 als Schopf/ehemalige Garage bezeichnet – um eine
landwirtschaftliche Baute gehandelt hat oder nicht. Nur wenn dies nicht der Fall ist, kommt
Art. 24c RPG überhaupt zur Anwendung (vgl. Art. 41 Abs. 2 RPV). Diese Voraussetzung ist
daher näher zu überprüfen, was zusätzlicher Sachverhaltsabklärungen bedarf.
Weiter stellt dieser Anbau eine Erweiterung des Schopfes ausserhalb des bestehenden
Gebäudevolumens dar. Er fällt damit in den Anwendungsbereich von Art. 24c Abs. 4 RPG.
Diese Bestimmung, an deren Voraussetzungen nach dem Gesagten hohe Anforderungen
zu stellen sind, wird in der Verfügung des AGR vom 9. Mai 2016 mit keinem Wort erwähnt
bzw. geprüft. Es ist zu bezweifeln, ob die Voraussetzungen von Art. 24c Abs. 4 RPG erfüllt
sind. In Anbetracht der vom AGR kommunizierten Praxisänderung ist es angezeigt, dass
12 BGer 1C_247/2015 vom 14.1.2016, E. 4.2. 13 Vgl. Bernische Systematische Information Gemeinden BSIG Nr. 7/721.0/14.2 vom 26. September 2016.
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sich die Fachbehörde damit nochmals auseinandersetzt und das Vorhaben auf dessen
Vereinbarkeit mit Art. 24c Abs. 4 RPG überprüft.
e) Weiter ist auch die Bewilligungsfähigkeit der Umnutzung des bestehenden Anbaus
auf der Nordseite des Gebäudes F._ Nr. 2a zu einem Hühnerhaus sowie die neue
Einfriedung für den Hühnerhof ungenügend abgeklärt worden. Das AGR bewilligte auch
diese Teile des Bauvorhabens unter Art. 24c RPG, ohne sich näher dazu zu äussern. Es
ist fraglich, ob diese Umnutzung eines Schopfes bzw. einer Garage zu einem Hühnerhaus
noch als teilweise Zweckänderung im Sinne von Art. 24c Abs. 1 RPG gelten kann und ob
die neue Einfriedung für den Hühnerhof die Voraussetzungen des oben erwähnten Art. 24c
Abs. 4 RPG erfüllt.
Die Umnutzung eines bestehenden Gebäudes zu einem Hühnerhaus sowie die
Umzäunung des angrenzenden Hühnerhofs könnten jedoch in den Anwendungsbereich
von Art. 24e RPG fallen. Nach dieser Bestimmung werden in unbewohnten Gebäuden oder
Gebäudeteilen, die in ihrer Substanz erhalten sind, bauliche Massnahmen bewilligt, wenn
sie Bewohnern oder Bewohnerinnen einer nahe gelegenen Wohnbaute zur hobbymässigen
Tierhaltung dienen und eine tierfreundliche Haltung gewährleisten (Art. 24e Abs. 1 RPG).
Dabei können auch neue Aussenanlagen bewilligt werden, soweit sie für eine tiergerechte
Haltung notwendig sind (Art. 24e Abs. 2 RPG). Bewilligungen nach diesem Artikel dürfen
gemäss Absatz 5 dieser Bestimmung nur erteilt werden, wenn die Voraussetzungen von
Art. 24d Abs. 3 RPG erfüllt sind. Die hobbymässige Tierhaltung gilt zudem als Erweiterung
der Wohnnutzung der nahegelegenen Wohnbaute, wobei sie an allfällige Möglichkeiten zur
Erweiterung der Wohnbaute nach Art. 42 Abs. 3 RPV anzurechnen sind (Art. 42b Abs. 1
und 2 RPV).
Ob diese Voraussetzungen erfüllt sind, wurde vom AGR noch nicht geprüft und bedarf
noch weiterer Abklärungen. So ist insbesondere zu klären, ob beim geplanten Hühnerhaus
eine tierfreundliche Haltung gewährleistet werden kann und ob sowie in welchem Umfang
die nahegelegene Wohnbaute der Beschwerdegegnerin 2 noch Erweiterungsmöglichkeiten
zulässt.
f) Damit zeigt sich, dass für die Prüfung des Bauvorhabens unter den
Ausnahmetatbeständen von Art. 24c und 24e RPG noch weitere Sachverhaltsabklärungen
nötig sind. Das AGR als zuständige Bewilligungsbehörde für Bauten ausserhalb der
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Bauzone wird die verschiedenen Bauvorhaben nochmals beurteilen müssen. Die
Fachbehörde wird sich dabei – auch in Anbetracht ihrer nach Erlass der Verfügung vom 9.
Mai 2016 ergangenen Praxisänderung zu Art. 24c RPG – näher zu den Voraussetzungen
von Art. 24c Abs. 4 RPG zu äussern haben. Ebenso zu prüfen ist, ob es sich beim
betroffenen Gebäude F._ Nr. 2a um eine landwirtschaftliche Baute gehandelt hat
oder nicht. Hinsichtlich der Hühnerhaltung sind die Voraussetzungen von Art. 24e RPG und
Art. 42b RPV zu den baulichen Möglichkeiten bei hobbymässiger Tierhaltung näher zu
untersuchen. Die Fragen, ob die Voraussetzungen der tiergerechten Haltung erfüllt sind
sowie ob und in welchem Umfang die angrenzende Wohnbaute noch
Erweiterungsmöglichkeiten bietet, bedarf ebenfalls zusätzlicher Abklärungen.
Nach Art. 72 Abs. 1 VRPG entscheidet die Beschwerdeinstanz in der Sache oder weist die
Akten ausnahmsweise mit verbindlichen Anordnungen an die Vorinstanz zurück. Es
müssen besondere Gründe dafür sprechen, dass die Vorinstanz noch einmal zum
Entscheid über das streitige Rechtsverhältnis aufgerufen wird. Mangelnde Entscheidreife
der Angelegenheit kann einen solchen Grund abgeben.14
Nach dem Gesagten erweist sich die Angelegenheit als nicht entscheidreif. Es ist nicht
Aufgabe der BVE als Rechtsmittelinstanz, die erwähnten Abklärungen erstmals im
Baubeschwerdeverfahren vorzunehmen. Es rechtfertigt sich daher, die Akten gestützt auf
Art. 72 Abs. 1 VRPG zur Fortsetzung des Verfahrens im Sinne der Erwägungen an die
Vorinstanz zurückzuweisen.
g) Da die angefochtene Verfügung vom 6. Juli 2016 mit dem vorliegenden
Rückweisungsentscheid aufgehoben wird, wird die Gemeinde in ihrem neuen Entscheid
hinsichtlich der weiteren Gegenstände (Kiesplatz, Blocksteinmauer, Abgrenzungsmauer,
Weglein) nochmals über die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands zu befinden
haben. Sollte der neue Anbau auf der Ostseite des Gebäudes F._ Nr. 2a vom
AGR als nicht bewilligungsfähig eingestuft werden, so wird die Gemeinde zudem
hinsichtlich des derzeit bestehenden Anbaus auf dieser Seite des Gebäudes zu überprüfen
haben, ob dieser rechtmässig bewilligt wurde und – falls dies nicht der Fall ist – ein
Wiederherstellungsverfahren einleiten müssen.
14 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 72 N. 3.
RA Nr. 110/2016/107 11
Aufgrund der Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 6. Juli 2016 erübrigt es sich
schliesslich, auf die weiteren, vom Beschwerdeführer vorgebrachten Rügen einzugehen.
3. Kosten
a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdegegner. Sie haben
die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 800.00 (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1
GebV15).
b) Da der Beschwerdeführer nicht anwaltlich vertreten war, sind keine Parteikosten
angefallen (Art. 104 Abs. 1 VRPG).
c) Die amtlichen Kosten für das erstinstanzliche Baubewilligungsverfahren vor der Vor-
instanz müssen in diesem Entscheid nicht geregelt werden. Zwar werden der angefochtene
Entscheid und damit auch die entsprechende Kostenverfügung aufgehoben. Die Sache
geht jedoch zur Fortsetzung des Verfahrens zurück an die Gemeinde, so dass sie diese
Kosten im Rahmen des zu fällenden Entscheides liquidieren kann.