# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 4fda3b79-578f-5595-9c1f-712af63a4d34
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
K._, geboren 2008, besuchte im Schuljahr 2018/19 die 4. Klasse der Primarschule
X._. Bereits anfangs Juli 2018 teilten die Eltern der Schule mit, ihre Tochter werde
wegen einer Bronchitis nicht am für die Zeit vom 13.-17. August 2018 geplanten
Klassenlager teilnehmen können (act. 8/3a/2-9). Der Schulleiter bat die Eltern am 3. Juli
2018 um ein entsprechendes Arztzeugnis, sollte K._ nicht ins Lager mitkommen
können. Während dieser Zeit werde sie den Unterricht in der Klasse von R._ im
Schulhaus F._ besuchen. Er ersuchte sie zudem, dafür besorgt zu sein, dass sich K._
am Montag, 13. August 2018, um 7.55 Uhr bei R._ melde (act. 8/3a/2-10). Die Eltern
legten ein von Dr. med. Y._ am 2. Juli 2018 für K._ ausgestelltes
Schullagerunfähigkeitszeugnis wegen Krankheit vor (act. 8/3a/2-8).
Am Abend des 13. August 2018 informierte R._ den Schulleiter, K._ sei "nicht
aufgetaucht". Auf dessen telefonische Nachfrage am Dienstag, 14. August 2018, um
8.50 Uhr hin, brachte die Mutter vor, K._ habe ja ein Arztzeugnis. Darauf aufmerksam
gemacht, dieses gelte nur für das Lager und K._ müsse den Unterricht bei R._
besuchen, meinte die Mutter, K._ käme "in dem Fall" am Mittwoch zur Schule. Der
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Schulleiter machte der Mutter klar, K._ müsse sofort zur Schule. Nachdem K._ um
10.15 Uhr noch nicht in der Schule war, telefonierte der Schulleiter erneut mit der
Mutter. Sie vertrat die Auffassung, es sei abgemacht worden, dass K._ am
Nachmittag zur Schule gehe. Der Vater, der das Gespräch übernommen hatte, gab an,
K._ sei "jetzt am Baden". Sie werde am Nachmittag zur Schule gehen. Um 13.30 Uhr
erschien K._ in der Schule. Auf den Stundenplan der angestammten Klasse von K._
abstellend, erwartete die Mutter ihre Tochter um 15.10 Uhr vor dem Schulhaus. K._
wurde, weil sie weinte, um 15.20 Uhr springen gelassen, obwohl der Unterricht bis
16.00 Uhr gedauert hätte (vgl. die Schilderung des Schulleiters, act. 8/3a/2-13).
Am 17. August 2018 teilte der Schulrat den Eltern mit, ihre Tochter habe den Unterricht
entgegen der Aufforderung im Schreiben vom 3. Juli 2018 am Montag und am
Dienstagvormittag, 13./14. August 2018, nicht besucht. Der Schulrat gab ihnen
Gelegenheit, sich innert 14 Tagen zu äussern, bevor er über eine Verwarnung oder ein
Busse entscheide. – Am 21. August 2018 sprach der Vater beim Präsidenten des
Schulrats vor. Er machte geltend, vergessen zu haben, dass K._ ab 13. August 2018
bei R._ hätte zur Schule gehen müssen. Das könne jedem passieren. Auf die
Möglichkeit einer Busse hingewiesen, reklamierte er, alle anderen Kinder seien um
15.10 Uhr nach Hause gegangen, und der Schulleiter habe K._ allein in das
Schulzimmer eingeschlossen. Er könne auch ein Zeugnis beibringen, dass K._ krank
gewesen sei. Auf die Frage, ob K._ am Montag krank gewesen sei, äusserte der Vater,
sie sei "ein bisschen krank" gewesen und er habe die Kontrolle verloren. Der Vater
bestätigte die Zusammenfassung seiner Aussagen (vgl. das von der ebenfalls
anwesenden Schulsekretärin verfasste Protokoll, act. 8/3a/2-12). – In der Folge
reichten die Eltern ein von Dr. med. Y._ am 22. August 2018 "gemäss anamnestischen
Angaben" ausgestelltes Schulunfähigkeitszeugnis wegen Krankheit für den
13./14. August 2018 ein (act. 8/3a/2-14).
B.
Mit Beschluss vom 14. September 2018 büsste der Schulrat der Primarschulgemeinde
X._ die Eltern von K._ mit CHF 600, weil K._ den Unterricht während dreier halber
Tage unentschuldigt versäumt habe. Die Eltern erhoben dagegen beim Erziehungsrat
Rekurs und reichten unter anderem ein vom 2. Juli 2018 datiertes, auf Briefpapier von
Dr. med. Y._ ausgestelltes, nicht unterschriebenes, auf K._ lautendes
„Arbeitsunfähigkeitszeugnis“ ohne Angabe einer Ursache für die Zeit vom
13.-18. August 2018 ein.
Der Erziehungsrat wies den Rekurs am 28. Oktober 2019 ab. Die gegen Dr. med. Y._
und den Präsidenten des Schulrats geltend gemachten Ausstandsbegehren wies er ab.
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Er führte im Wesentlichen aus, ein Anspruch auf eine mündliche und parteiöffentliche
Verhandlung bestehe in verwaltungsinternen Verfahren und in Verfahren betreffend
Ordnungsbussen nicht. Im Verwaltungsverfahren werde das rechtliche Gehör im
Wesentlichen durch schriftliche Eingaben – vorliegend in einem doppelten
Schriftenwechsel – gewahrt. Weshalb persönliche Befragungen zur Abklärung der
Glaubwürdigkeit notwendig seien, sei nicht ersichtlich. Die Zusammensetzung des
Schulrats könne der Homepage der Schule X._ entnommen werden. Dass die Mutter
von K._ weder am Gespräch vom 21. August 2018 mit dem Präsidenten des Schulrats
teilgenommen noch schriftlich Stellung genommen habe, könne nicht dem Schulrat
vorgeworfen werden. Das Zeugnis vom 22. August 2018 habe keinen Beweiswert, weil
es nicht auf einer eingehenden ärztlichen Untersuchung beruhe und eine übermässige
"Rückdatierung" aufweise. Auch das für 13./14. August 2018 vorgelegte Zeugnis vom
2. Juli 2018 habe keinen Beweiswert. Weder sei es unterschrieben noch gebe es eine
Ursache an. Wie aus ärztlicher Sicht sechs Wochen im Voraus eine Schulunfähigkeit für
sechs Tage festgestellt werden könne, sei nicht nachvollziehbar. Wenn die Eltern im
zweiten Schriftenwechsel vorbringen, sie hätten das Schreiben vom 3. Juli 2018 nie
erhalten, sei dies eine reine Schutzbehauptung. Noch in der Rekursergänzung sei
geltend gemacht worden, der Vater habe nicht vergessen, dass K._ am 13. August
2018 hätte zur Schule gehen müssen, und die Mutter habe K._ aufgefordert, zur
Schule zu gehen. Unglaubwürdig erscheine deshalb auch die Behauptung, K._ sei am
13. August 2018 mit Schnupfen, Fieber, einem Schweissanfall und Kopfschmerzen
sowie einer Bronchitis krank gewesen. Damit seien die Unterrichtsabsenzen von K._
vom 13./14. August 2018 auch nachträglich nicht stichhaltig begründet. Sollte K._
tatsächlich krank gewesen sein, hätten die Eltern ihre Pflichten verletzt, wenn sie dies
am 13. August 2018 nicht vor Unterrichtsbeginn der Schule mitteilten. Auch wenn die
Eltern bisher nicht verwarnt worden seien, sei die Busse verhältnismässig. Es bestehe
keine strenge Stufenfolge. Zumal K._ zwischen sieben und neun Absenzen je
Semester aufweise, dürfe davon ausgegangen werden, dass ihren Eltern das
Absenzenwesen der Volksschule bekannt sei. Die Vorinstanz sei mit einer
Ordnungsbusse von CHF 200 je halben Schultag am untersten Rand des Rahmens
geblieben.
C.
A._ und B._ (Beschwerdeführer) erhoben gegen den am 28. Oktober 2019
versandten Entscheid des Erziehungsrates (Vorinstanz) durch ihren Rechtsvertreter mit
Eingabe vom 11. November 2019 und Ergänzung vom 16. Dezember 2019 Beschwerde
beim Verwaltungsgericht mit den Anträgen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge
seien die Entscheide der Vorinstanz und des Schulrats aufzuheben und die
Angelegenheit sei zur neuen Beschlussfassung an den Schulrat zurückzuweisen.
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Eventualiter seien der Entscheid der Vorinstanz und die Busse von CHF 600
aufzuheben und es sei von jeder Sanktion abzusehen. Die amtlichen Kosten des
Rekursverfahrens seien auf die Staatskasse zu nehmen und den Beschwerdeführern
sei für das Rekursverfahren eine Parteientschädigung von CHF 3‘500 zuzüglich
Mehrwertsteuer zuzusprechen.
Die Vorinstanz verwies mit Vernehmlassung vom 21. Januar 2020 auf die Begründung
ihres Entscheides und beantragte, die Beschwerde sei unter Kostenfolge abzuweisen.
Die Primarschulgemeinde X._ (Beschwerdegegnerin) liess sich am 11. März 2020
vernehmen und beantragte, die Beschwerde kostenfällig abzuweisen. Die
Beschwerdeführer nahmen dazu am 8. Mai 2020 Stellung.
Auf die – weiteren – Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Ausführungen
der Beschwerdeführer und der Beschwerdegegnerin zur Begründung ihrer Anträge
sowie die Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Eintreten
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Nicht einzutreten ist auf
den Antrag, der Beschluss der Beschwerdegegnerin vom 14. September 2018 sei
aufzuheben. Er wurde durch den angefochtenen Rekursentscheid ersetzt und gilt als
inhaltlich mitangefochten (Devolutiveffekt; vgl. BGer 1C_475/2016 vom 7. April 2017
E. 1.2 mit Hinweis auf BGE 134 II 142 E. 1.4). Im Übrigen sind die
Eintretensvoraussetzungen erfüllt: Die Beschwerdeführer, die im vorinstanzlichen
Verfahren mit ihren Anträgen, die ihnen gegenüber ausgesprochene Ordnungsbusse
sei aufzuheben, unterlegen sind, sind zur Erhebung der Beschwerde befugt (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde gegen den am 28. Oktober 2019
versandten Entscheid wurde mit Eingabe vom 11. November 2019 rechtzeitig erhoben
und erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 16. Dezember 2019 in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47
Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist dementsprechend unter
dem erwähnten Vorbehalt einzutreten.
bis
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2. Mündliche Verhandlung
In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragen die Beschwerdeführer, es sei in der
Angelegenheit eine mündliche parteiöffentliche Verhandlung durchzuführen.
Rechtsgrundlage
Gemäss Art. 55 Abs. 1 VRP wird eine mündliche Verhandlung angeordnet, wenn sie zur
Wahrung der Parteirechte notwendig ist oder zweckmässig erscheint (dazu
nachfolgend Erwägung 2.4). Nach Art. 6 Ziff. 1 der Europäischen Konvention zum
Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR 0.101, EMRK) hat jede Person
ein Recht darauf, dass über Streitigkeiten in Bezug auf ihre zivilrechtlichen Ansprüche
und Verpflichtungen (dazu nachfolgend Erwägung 2.3) oder über eine gegen sie
erhobene strafrechtliche Anklage (dazu nachfolgend Erwägung 2.2) vor einem
unabhängigen und unparteiischen auf Gesetz beruhenden Gericht in einem fairen
Verfahren, öffentlich und innerhalb angemessener Frist verhandelt wird.
2.1.
Strafrechtliche Anklage
Die Beschwerdeführer machen geltend, die umstrittene, gestützt auf Art. 97 des
Volksschulgesetzes (sGS 213.1, VSG) ausgesprochene Ordnungsbusse habe
strafrechtlichen Charakter. Die Vorinstanz spricht der Busse disziplinarrechtlichen
Charakter zu, weshalb keine strafrechtliche Anklage im Sinn von Art. 6 Ziff. 1 EMRK
vorliege. – Ob über eine strafrechtliche Anklage zu befinden ist, entscheidet sich
erstens nach der Zuordnung der Vorschrift im nationalen Recht, zweitens nach der
Natur des Vergehens sowie drittens nach der Art und Schwere der Sanktion (vgl. BGE
135 I 313 E. 2.2.1, 128 I 346 E. 2.1, 125 I 104 E. 2a). Nicht als strafrechtlich im Sinn von
Art. 6 EMRK gelten Disziplinarregelungen, welche Benutzern öffentlicher Institutionen
bestimmte Verhaltensregeln auferlegen (vgl. BGE 129 I 12 E. 10.6.4) und insbesondere
disziplinarrechtliche Bussen (vgl. BGE 135 I 313 E. 2.3 mit Hinweisen auf
Rechtsprechung und Schrifttum). Zu den gestützt auf Art. 97 VSG ausgefällten Bussen
hat das Bundesgericht ausdrücklich festgehalten, die Bestimmung stehe unter dem
Marginale "Ordnungsbusse" und sei im Gegensatz zu Art. 131 VSG mit dem Marginale
"Strafbestimmung" offensichtlich nicht als Strafbestimmung konzipiert, richte sich nur
an Eltern von Kindern, welche die st. gallische Volksschule besuchten, und die – nicht
in Haft umwandelbare – Ordnungsbusse betrage höchstens CHF 1‘000 (vgl. 1P.
102/2000 vom 11. August 2000 E. 1). Zumal sich an Inhalt und Bedeutung der
gesetzlichen Grundlagen im Volksschulgesetz nichts geändert hat, besteht kein Anlass,
von dieser bundesgerichtlichen Rechtsprechung abzuweichen.
2.2.
Zivilrechtlicher Anspruch
Liege keine strafrechtliche Anklage vor, ist nach Auffassung der Beschwerdeführer von
2.3.
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einer Streitigkeit in Bezug auf einen zivilrechtlichen Anspruch auszugehen, weil ihr
guter Ruf mit dem unzutreffenden Vorwurf, sie hätten unwahre Aussagen gegenüber
einem Arzt gemacht, beeinträchtigt werde. – Als zivilrechtlicher Anspruch im Sinn von
Art. 6 Ziff. 1 EMRK gilt die Klage wegen Verletzung der Persönlichkeit (vgl. BGer
5A_458/2018 vom 6. September 2018 E. 4.3.3 mit Hinweisen), zu der auch das
berufliche und gesellschaftliche Ansehen (vgl. BGer 5A_888/2011 vom 20. Juni 2012
E. 5.2 mit Hinweisen auf weitere Rechtsprechung) und der gute Ruf (BGE 134 I 229
E. 4.2 mit Hinweisen) gehören. Dies gilt auch, wenn eine widerrechtliche Verletzung der
Persönlichkeit mit öffentlich-rechtlicher Klage geltend gemacht wird (vgl. BGE 134 I
229 E. 4.2). Indessen ist Gegenstand des vorliegenden Verfahrens keine solche Klage
wegen Verletzung der Persönlichkeit. Im Übrigen hat das Bundesgericht einen aus
Art. 6 Ziff. 1 EMRK abgeleiteten Anspruch unter anderem in Verfahren betreffend
Promotionsstreitigkeiten (BGer 2P.202/2003 vom 29. Oktober 2003 E. 3), den Vorwurf,
eine „Ausländerrechtsehe“ eingegangen zu sein (BGer 2A.327/2001 vom 9. Oktober
2001 E.2b) und die Verweigerung einer Aufenthaltsbewilligung wegen strafrechtlicher
Verurteilungen (BGer 2C_108/2014 vom 15. September 2014 E. 2.1) verneint. Alle diese
Streitgegenstände wären – den Überlegungen der Beschwerdeführer folgend –
ebenfalls geeignet, den guten Ruf der Betroffenen zu beeinträchtigen.
Zur Wahrung der Parteirechte notwendig oder zweckmässig
Zumal die Beschwerdeführer aus Art. 6 Ziff. 1 EMRK keinen Anspruch auf eine
mündliche und öffentliche Verhandlung ableiten können und sie selbst auch nicht
davon ausgehen, ein solcher Anspruch komme ihnen kraft Bundesverfassung zu, ist
eine solche Verhandlung zur Wahrung völkerrechtlicher und verfassungsrechtlicher
Ansprüche nicht geboten.
Darüber hinaus ergeben sich Notwendigkeit und Zweckmässigkeit einer mündlichen
Verhandlung aus den Umständen des Einzelfalls. Sie können vorliegen, wenn vertiefte
oder umfangreiche Abklärungen nötig sind und zu erwarten ist, dass schriftliche
Eingaben nicht zu allen massgebenden Gesichtspunkten genügend Aufschluss geben.
Eine mündliche Verhandlung gestattet es überdies, durch Konfrontation verschiedener
Beteiligter zusätzliche Erkenntnisse zu erlangen, allenfalls eine Einigung zu erzielen
oder einen persönlichen Eindruck zu gewinnen (vgl. A. Fedi, in: Rizvi/Schindler/Cavelti
[Hrsg.], Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar, St. Gallen 2020, N
9 zu Art. 55 VRP). – Die Beschwerdegegnerin hat den Sachverhalt in zureichender
Klarheit ermittelt. In den Rechtsmittelverfahren bestreiten die Beschwerdeführer die
Grundlagen dieses Sachverhalts, indem sie nachträglich jedes Element – so
beispielsweise die Kenntnis der Schreiben vom 3. Juli 2018 und vom 17. August 2018,
2.4.
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3. Verfahrensrechtliche Rügen
Art und Ausmass einer allfälligen Erkrankung der Tochter am 13. August 2018, den
Zeitpunkt, in welchem der Beschwerdegegnerin das "Zeugnis" über die
"Arbeitsunfähigkeit" der Tochter vom 2. Juli 2018 vorlag, den Inhalt der
Telefongespräche vom 14. August 2019 mit dem Schulleiter, die protokollierten
Aussagen des Beschwerdeführers vom 21. August 2018 – in Zweifel ziehen. Die
Schilderung weiterer möglicher Sachverhaltsvarianten in einer mündlichen Verhandlung
wäre offensichtlich nicht geeignet, in diesen Fragen Klarheit zu schaffen. Die
Beschwerdeführer hatten die Möglichkeit, ihre Sicht der Dinge schriftlich vorzubringen.
Davon hat ihr Rechtsvertreter mit der Beschwerdeergänzung vom 16. Dezember 2019
und der Stellungnahme vom 8. Mai 2020 ausführlich Gebrauch gemacht. Einer
Einigung ist die Angelegenheit – die Beschwerdegegnerin erachtet im Gegensatz zu
den Beschwerdeführern eine Ordnungsbusse als gerechtfertigt – insbesondere auch
unter Berücksichtigung der Verfahrensführung durch die Beschwerdeführer – nicht
zugänglich. – Die Durchführung einer mündlichen Verhandlung in der Angelegenheit ist
deshalb weder zur Wahrung der Parteirechte notwendig noch erscheint sie
zweckmässig. Entsprechendes gilt auch für die beantragten Befragungen der
Beschwerdeführer und von Vertretern der Beschwerdegegnerin (vgl. dazu auch unten
Erwägung 3.1).
Mündliche Verhandlung / Befragungen
Die Beschwerdeführer rügen eine Verletzung von Art. 6 Ziff. 1 EMRK durch die
Vorinstanz mit der Begründung, die Bestimmung sei auch im verwaltungsinternen
Verfahren anwendbar. – Jedenfalls mit Blick auf die von den Beschwerdeführern
beantragte mündliche "parteiöffentliche" Verhandlung – die Verletzung anderer aus
Art. 6 EMRK abgeleiteter Ansprüche wird nicht geltend gemacht – ist die Rüge
unbegründet. Aus dem Wortlaut von Art. 6 Ziff. 1 Satz 1 EMRK geht klar und eindeutig
hervor, dass sich der Anspruch auf eine öffentliche Verhandlung auf das gerichtliche
Verfahren bezieht. Dass der Erziehungsrat die Anforderungen an ein unabhängiges,
unparteiisches und auf Gesetz beruhenden Gerichts im Sinn von Art. 6 Ziff. 1 EMRK
erfüllen würde, machen die Beschwerdeführer zu Recht nicht geltend. Dem
Gerichtsgesetz (sGS 941.1, GerG) unterstehen im Bereich der Verwaltungsrechtspflege
gemäss Art. 16 ff. die Verwaltungsrekurskommission, das Versicherungsgericht und
das Verwaltungsgericht (vgl. dazu auch BGer 2P.81/2002 vom 7. November 2002, in
BGE 129 I 35 nicht veröffentlichte E. 5, für die Rekursstellen Volksschule VerwGE B
2016/200 vom 20. Januar 2017 E. 3). Die Rüge erweist sich – abgesehen davon, dass
es sich bei der in Frage stehenden Ordnungsbusse ohnehin nicht um eine
3.1.
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„strafrechtliche Anklage“ im Sinn von Art. 6 Ziff. 1 EMRK handelt (dazu oben Erwägung
2.2) – deshalb als unbegründet.
Die Beschwerdeführer sind sodann der Auffassung, die Vorinstanz hätte gemäss
Art. 125 VSG in Verbindung mit Art. 55 VRP mündlich verhandeln müssen. Die
Vorinstanz hat das Begehren mit der Begründung abgewiesen, im verwaltungsinternen
Verfahren fänden mündliche Verhandlungen in der Regel im Rahmen von
Augenscheinen oder Einvernahmen zur Beweiserhebung statt. Das
Verwaltungsverfahren sei grundsätzlich schriftlich und das rechtliche Gehör werde im
Wesentlichen durch schriftliche Eingaben gewährt. Eine mündliche Verhandlung sei im
vorliegenden Fall zur Wahrung der Parteirechte nicht notwendig. Die Beteiligten hätten
im doppelten Schriftenwechsel ihre Vorbringen umfassend und ausführlich darlegen
können. Weshalb eine Befragung der Beschwerdeführer, ihrer Tochter, des Präsidenten
des Schulrates und von Dr. med. Y._ zur Abklärung der Glaubwürdigkeit oder der
Lehrpersonen zur Zusammensetzung des Schulrates notwendig sein sollte, sei nicht
ersichtlich. – Gemäss Art. 125 VSG richten sich Verwaltungsverfahren und
Rechtspflege nach dem Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege, soweit das
Volksschulgesetz nichts anderes bestimmt. Art. 55 VRP ist Teil der Bestimmungen über
den Rekurs, der gemäss Art. 43 VRP auch die Möglichkeit des verwaltungsinternen
Weiterzugs regelt. Zur Wahrung der Parteirechte – Mitwirkung am Beweisverfahren
(Art. 12 VRP) und zur Wahrung des Anspruchs auf rechtliches Gehör (Art. 15 ff. VRP) –
war eine mündliche Verhandlung nicht notwendig. Die Darstellung der
entscheidrelevanten Tatsachen war ohne weiteres einer schriftlichen Schilderung
zugänglich. Die Beschwerdeführer haben mit den Eingaben ihres Rechtsvertreters
diese Möglichkeit ausführlich und umfassend genutzt (act. 8/8 und 8/18). Die
Glaubwürdigkeit ihrer Vorbringen liess sich insbesondere anhand der Entwicklung der
vorgebrachten Begründungen, weshalb die Tochter der Beschwerdeführer die Schule
nicht besuchte, beurteilen. Schliesslich durfte die Vorinstanz in antizipierter
Beweiswürdigung (vgl. BGE 144 II 427 E. 3.1.3) davon ausgehen, dass das Befragen
der Beteiligten und weiterer Personen an ihrer Würdigung der vorliegenden Beweise
nichts zu ändern vermocht hätte. Weshalb eine mündliche Verhandlung in dieser
Angelegenheit zweckmässig hätte sein sollen, wird von den Beschwerdeführern nicht
weiter dargelegt und ist auch nicht ersichtlich (vgl. dazu auch oben Erwägung 2.4). –
Die Vorinstanz hat dementsprechend zu Recht weder mündlich verhandelt noch die
Beschwerdeführer und die von ihnen bezeichneten weiteren Personen befragt.
bis
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Ausstand von Dr. med. Y._ und des Präsidenten des Schulrates 3.2.
Dr. med. Y._
Die Beschwerdeführer sind der Auffassung, die Vorinstanz hätte den Beschluss des
Schulrates vom 14. September 2018 aufheben müssen, weil der am Entscheid
mitwirkende Präsident des Schulrates einerseits und Dr. med. Y._, dessen
Arztzeugnisse zu würdigen gewesen seien, anderseits, nicht unabhängig seien.
Die Ausstandsregeln gelten gemäss Art. 7 Ingress VRP für Behördemitglieder sowie
öffentliche Angestellte und amtlich bestellte Sachverständige, die Anordnungen treffen,
solche vorbereiten oder daran mitwirken. Personen ohne eigene Entscheidbefugnis
werden erfasst, wenn sie eine Anordnung vorbereiten. Damit wird dem faktischen
Einfluss jener Personen Rechnung getragen, die beratend oder instruierend auf den
Inhalt einer Anordnung Einfluss nehmen können (vgl. R. Kiener, in: A. Griffel [Hrsg.],
Kommentar VRG, 3. Aufl. 2014, N 10 zu § 5a mit Hinweis auf BGE 125 V 82 E. 3c). –
Die Beschwerdeführer haben die von Dr. med. Y._ ausgestellten Arztzeugnisse als
Beweismittel ins Recht gelegt. Zeugen und private Sachverständige wirken nicht am
Entscheid mit und unterstehen dementsprechend auch nicht den Ausstandsregeln von
Art. 7 f. VRP. Hingegen unterliegen die auf sie zurückzuführenden Beweismittel der
freien Würdigung, bei welcher die von den Beschwerdeführern geltend gemachten
Umstände mitberücksichtigt werden können. Soweit die Beschwerdeführer
Ausstandsgründe gegenüber Dr. med. Y._ geltend machen, erweist sich ihre
Beschwerde deshalb als unbegründet.
3.2.1.
Präsident des Schulrates
Die Beschwerdeführer machen geltend, der Präsident des Schulrates müsse in den
Ausstand treten, weil er mit Dr. med. Y._ verschwägert gewesen sei. – Nach Art. 7
Ingress und lit. a VRP treten Behördemitglieder in den Ausstand, wenn Verschwägerte
bis und mit dem dritten Grad an der Angelegenheit persönlich beteiligt sind (Satz 1);
der Ausstandsgrund der Verschwägerung besteht auch nach Auflösung der Ehe fort.
Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer ist Dr. med. Y._ an der vorliegenden
Angelegenheit nicht persönlich beteiligt im Sinn dieser Bestimmung. Der Beschluss des
Schulrates vom 14. September 2018, mit dem die Beschwerdeführer gebüsst wurden,
ist nicht geeignet, zwischen dem Gemeinwesen und Dr. med. Y._ gestützt auf
öffentliches Recht ein konkretes Rechtsverhältnis zu regeln oder festzustellen.
Dr. med. Y._ wurde denn auch nicht am Verfahren beteiligt. Er kann auch kein
schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung der Ordnungsbusse dartun, zumal weder
seine tatsächliche noch seine rechtliche Situation durch den Ausgang des Verfahrens
3.2.2.
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beeinflusst wird. Insbesondere ist nicht ersichtlich, worin sein praktischer Nutzen einer
Aufhebung der Ordnungsbusse bestünde. Er selbst hat denn auch keinen Anspruch auf
eine Beteiligung am Verfahren erhoben.
Der Präsident des Schulrats erscheint auch nicht aus anderen Gründen im Sinn von
Art. 7 Ingress und lit. c VRP befangen. Nach dieser Bestimmung ist die Pflicht, in den
Ausstand zu treten, bereits dann gegeben, wenn bei objektiver (vernünftiger)
Betrachtung der vorgebrachten oder offensichtlichen (konkreten) Umstände der
Anschein der Befangenheit entstehen kann. Nicht abzustellen ist auf den individuellen
Eindruck eines Verfahrensbeteiligten (vgl. C. Reiter, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.],
Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar, St. Gallen 2020, N 24 zu
Art. 7-7 VRP mit zahlreichen Hinweisen auf die verwaltungs- und die
bundesgerichtliche Rechtsprechung). Ist die Befangenheit von Mitgliedern einer
Verwaltungsbehörde zu beurteilen, ist immer zu berücksichtigen, dass die Behörde
zunächst hauptsächlich ihre Verwaltungsfunktionen und nicht
Rechtsprechungsfunktionen zu erfüllen hat (vgl. Reiter, a.a.O., N 26 zu Art. 7-7 VRP).
– Die Beschwerdeführer machen geltend, Dr. med. Y._ sei von der Schwester des
Präsidenten des Schulrates geschieden und letzterer nehme nicht mehr an familiären
Treffen teil. Dr. med. Y._ sei zudem der Hausarzt des Präsidenten des Schulrates.
Daraus leiten sie ab, der Präsident des Schulrates sei nicht in der Lage, die
Arztzeugnisse von Dr. med. Y._ objektiv zu würdigen. Abgesehen davon, dass nicht
die Beziehung zu einer Partei in Frage steht, sind die Vorbringen objektiv nicht
geeignet, den Anschein der Befangenheit entstehen zu lassen. Die Beschwerdeführer
wollen einerseits – aus der aufgelösten Ehe – ein Zerwürfnis, anderseits – aus der
ärztlichen Betreuung – wohl ein besonderes Näheverhältnis zwischen dem Präsidenten
des Schulrats und Dr. med. Y._ ableiten. Es werden also Tatsachen benannt, die
gleichzeitig für eine günstige und eine ungünstige Beurteilung der Glaubhaftigkeit der
Arztzeugnisse sprechen. Die Formulierungen, mit denen die Beschwerdegegnerin den
Ausführungen des Rechtsvertreters im Rekursverfahren entgegengetreten ist, sind
auch nicht geeignet, Rückschlüsse auf eine Befangenheit des Präsidenten des
Schulrates im Zeitpunkt der Fassung des Beschlusses vom 14. September 2018 zu
ziehen. Vielmehr trat der Präsident des Schulrates den Beschwerdeführern gegenüber
in den verschiedenen Schreiben und im Gespräch vom 21. August 2018 freundlich,
geduldig und verständnisvoll auf. Insgesamt verlangen die vorgebrachten Umstände
nicht den Ausstand des Präsidenten des Schulrates gestützt auf den
Auffangtatbestand von Art. 7 Ingress und lit. c VRP.
bis
bis
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Die Beschwerdeführer möchten den Präsidenten des Schulrates schliesslich mit der
Begründung in den Ausstand schicken, er habe möglicherweise einmal seine
Schwester, Dr. med. Y._ oder die Beschwerdegegnerin als Rechtsanwalt vertreten.
Zudem habe er in der Sache Dr. med. Y._ beauftragt, ein Arztzeugnis für die Tochter
der Beschwerdeführer zu erstellen. – Nach Art. 7 Ingress und lit. b VRP treten
Behördemitglieder in den Ausstand, wenn sie Vertreter, Beauftragte, Angestellte oder
Organe einer an der Angelegenheit beteiligten Person sind oder in der Sache Auftrag
erteilt haben. Der zur Abklärung des Sachverhalts erteilte Auftrag kann offensichtlich
nicht zum Anschein der Befangenheit führen, andernfalls müssten – was das Gesetz
nicht vorsieht – die Ermittlung des Sachverhalts von Amtes wegen einerseits und das
Fällen der Entscheidung anderseits personell getrennt sein. Weder Dr. med. Y._ noch
die frühere Ehefrau des Schulratspräsidenten sind im Sinn von Art. 7 Ingress und lit. b
VRP am Verfahren beteiligt. Die von den Beschwerdeführern behaupteten Sachverhalte
liegen mithin nicht im Anwendungsbereich von Art. 7 Ingress und lit. b VRP. Der
Schulrat ist im vorliegenden Verfahren erstverfügende Behörde. Inwieweit eine frühere
anwaltliche Vertretung der Beschwerdegegnerin durch deren jetzigen Präsidenten
geeignet sein sollte, objektiv den Anschein der Befangenheit zu erwecken, ist nicht
ersichtlich.
Rechtliches Gehör3.3.
Zusammensetzung des Schulrates
Die Beschwerdeführer machen geltend, es sei nicht dargetan, dass sie im Zeitpunkt
des Beschlusses über einen Computer mit Internetzugang verfügten und damit von der
elektronisch publizierten Zusammensetzung des Schulrates hätten Kenntnis nehmen
können. Selbst wenn ihnen aber bekannt gewesen wäre, wer Mitglied des Rates ist,
hätte die Orientierungspflicht verlangt, die konkrete Besetzung der Spruchbehörde
bekannt zu geben, da die Zusammensetzung von Fall zu Fall variieren könne. – Die
Rüge ist unbegründet. Zumal mittlerweile die ordentliche Veröffentlichung kantonaler
Gesetze und weiterer amtlicher Mitteilungen in elektronischer Form über das Internet
erfolgt (vgl. Art. 3 Abs. 1 des Publikationsgesetzes; sGS 140.3, PubG) und zudem die
Zusammensetzung des Schulrats auch in schriftlicher Form im Amtsbericht der
Schulen X._, der nach glaubwürdiger Angabe der Beschwerdegegnerin im
Schulsekretariat eingesehen werden kann, veröffentlicht ist, sind die Zweifel daran,
dass den Beschwerdeführern die Zusammensetzung des Schulrats bekannt war,
unbehelflich. Zwar wird aus der Eröffnung des Beschlusses nicht ersichtlich, ob alle
Mitglieder des Schulrats mitgewirkt haben. Dafür, dass der Rat nicht beschlussfähig
gewesen wäre, sind jedoch keinerlei konkrete Anhaltspunkte ersichtlich.
3.3.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/21
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4. Materielles
Rechtliches Gehör der Beschwerdeführerin
Die Beschwerdeführer rügen eine Verletzung des rechtlichen Gehörs, weil die Mutter
weder am Gespräch mit dem Präsidenten des Schulrats vom 21. August 2018 beteiligt
gewesen sei noch sich schriftlich habe äussern können. Das Schreiben vom 17. August
2018, mit welcher den Beschwerdeführern das rechtliche Gehör gewährt worden sei,
sei ihr nicht separat zugestellt worden. – Aus Art. 266n des Schweizerischen
Obligationenrechts (SR 220, OR), den die Beschwerdeführer beispielhaft für die Pflicht
zur separaten Zustellung an beide Ehegatten anführen, ist für den vorliegenden
Sachverhalt nichts Massgebendes abzuleiten, liegt der Bestimmung doch ein
besonderer Zweck zugrunde. Die Regelung soll verhindern, dass – insbesondere auch
bei Spannungen in der Ehe – der Ehegatte, der die dinglichen oder obligatorischen
Rechte an der Familienwohnung innehat, den anderen Ehegatten gegen dessen Willen
der für ihn lebenswichtigen Wohnung beraubt (BGE 139 III 7 E. 2.3.1, 114 II 396 E. 5a).
Damit lässt sich die vorliegende Situation nicht vergleichen: Das Volksschulgesetz
regelt die Rechte und insbesondere die Mitwirkungspflichten gemeinsam für die
"Eltern". Ebenso richtet sich die Ordnungsbusse gemäss Art. 97 VSG an die "Eltern".
Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführer die elterliche Sorge nicht gemeinsam
ausüben oder nicht im gleichen Haushalt leben, sind nicht ersichtlich. Die Rüge, das
rechtliche Gehör wäre der Beschwerdeführerin nur gewährt gewesen, wenn ihr das
Schreiben vom 17. August 2018 ebenfalls separat zugestellt worden wäre, ist deshalb
unbegründet. Abgesehen davon liegen keine konkreten Anhaltspunkte dafür vor, dass
die Beschwerdeführerin vom Schreiben vom 17. August 2018 und dessen Inhalt keine
Kenntnis erhalten hätte.
3.3.2.
Rechtsgrundlagen
In Erziehung und Ausbildung arbeiten die Eltern zusammen (Art. 92 Abs. 1 Satz 1 VSG).
Art. 96 VSG mit dem Randtitel "Verantwortung für den Schulbesuch" verpflichtet die
Eltern, das Kind zum regelmässigen Schulbesuch anzuhalten (Abs. 1); sie können das
Kind an höchstens zwei Halbtagen je Schuljahr durch schriftliche Mitteilung an die
Lehrperson vom Unterricht befreien (Abs. 2). Für weitere Abwesenheiten gilt Art. 16 der
Verordnung über den Volksschulunterricht (sGS 213.12, VUU). Eine voraussehbare
Abwesenheit bedarf der vorgängigen Bewilligung (Abs. 1 Satz 1); nicht voraussehbare
Abwesenheit ist durch die Eltern nachträglich zu begründen (Abs. 2). Im Weiteren
verpflichtet Art. 96 Abs. 1 VSG die Eltern zur Mitwirkung, indem sie insbesondere
Lehrperson und Schule für Gespräche und weitere Kontakte zur Verfügung stehen und
– soweit es der Erziehungs- und Bildungsauftrag erfordert – über Kind und Familie
4.1.
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/21
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informieren (lit. a). – Gemäss Art. 97 VSG werden die Missachtung der Verantwortung
für den Schulbesuch (Abs. 1 Sätze 1 und 2) und der Mitwirkungspflicht (Abs. 2) vom
Schulrat disziplinarisch mit Verwarnung oder Ordnungsbusse geahndet. Die
Ordnungsbusse beträgt je versäumter Schulhalbtag wenigstens CHF 200, insgesamt
höchstens CHF 1‘000, bei erheblicher Verletzung der Mitwirkungspflicht CHF 200 bis
1‘000.
Der Entscheid, ob das Kind in die Schule geht und an Schulanlässen teilnimmt, liegt
grundsätzlich nicht in der elterlichen Kompetenz. Der Schulbesuch des Kindes soll
lückenlos sein. Abwesenheiten müssen – abgesehen von den zwei Halbtagen gemäss
Art. 96 Abs. 2 VSG – mit stichhaltigen Gründen entschuldigt werden. Verwarnung und
Ordnungsbusse gemäss Art. 97 VSG sind – anders als die Busse nach Art. 131 VSG –
disziplinarrechtliche Massnahmen (vgl. oben Erwägung 2.2). Sie sollen nicht nur
repressiv wirken. Vielmehr dienen sie auch der Durchsetzung der obligatorischen
Schulpflicht und sollen der Schulbehörde ein Mittel an die Hand geben, in einfachen
Fällen der elterlichen Pflicht, das Kind zum regelmässigen Schulbesuch anzuhalten,
rasch und wirksam durch eine begrenzte, aber spürbare Sanktion Nachachtung zu
verschaffen und eine Besserung des Verhaltens für die Zukunft zu erwirken. Damit soll
in nicht schwerwiegenden Fällen im Interesse aller Beteiligter, insbesondere auch des
Kindes, auf welches Auseinandersetzungen und Verfahren zwischen Eltern und
Behörden unvermeidlich zurückwirken, unbürokratisch und rasch entschieden werden
können. Der Unschuldsvermutung kommt keine Bedeutung zu (vgl. VerwGE B
2015/314 vom 28. September 2017 E. 2.1 und 2.2 mit Hinweisen auf BGer 1P.
102/2000 vom 11. August 2000 E. 1c/bb, GVP 2000 Nr. 5 und VerwGE B 2010/240
vom 12. April 2011 E. 3.2).
Tatsachen und Würdigung4.2.
Verpflichtung zum Schulbesuch vom 13.-18. August 2018
Die Tochter der Beschwerdeführer war unbestrittenermassen verpflichtet, in der ersten
Schulwoche nach den Sommerferien anstelle der Teilnahme am Klassenlager – von der
sie aufgrund des ärztlichen Schullagerunfähigkeitszeugnisses vom 2. Juli 2018 befreit
war – ab Montag, 13. August 2018, 07.55 Uhr, den Unterricht in der Klasse von R._ im
Schulhaus F._ zu besuchen. Die Beschwerdeführer bringen erstmals im
Beschwerdeverfahren vor, es sei nicht bekannt, ob das Schreiben der
Beschwerdegegnerin vom 3. Juli 2018, in welchem diese Verpflichtung festgehalten
wurde (act. 8/3a/2-10), ihnen zugegangen sei. Die Adresse – "Fam. A._ und B._,
0000 X._" – sei unvollständig.
4.2.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/21
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Der Hinweis auf die unvollständige Adresse trifft zu. Ebenso wird aus dem – in nicht
unterzeichneter Kopie vorliegenden – Schreiben nicht ersichtlich, auf welchem Weg –
per Post oder durch direkten Einwurf in den Briefkasten der Beschwerdeführer – es
zugestellt wurde. Allerdings deuten sämtliche übrigen Umstände darauf hin, dass es
sich bei den aufgeworfenen Zweifeln an der Zustellung des Schreibens vom 3. Juli
2018 um eine Schutzbehauptung handelt. Aus den Protokollen zu den Telefonaten vom
14. August 2018 der Beschwerdeführer mit dem Schulleiter ergeben sich keine
Hinweise darauf, dass den Beschwerdeführern die Pflicht, ihre Tochter ab 13. August
2018 in den Unterricht bei R._ zu schicken, nicht bekannt gewesen wäre. Wären sie
am 14. August 2018 von dieser Pflicht überrascht worden, hätten sie dies wohl
geäussert und sich nicht auf ein Arztzeugnis berufen. Der Schulleiter, der den Brief vom
3. Juli 2018 verfasst hatte, hätte dies zweifellos auch protokolliert. Im vorinstanzlichen
Rekursverfahren war noch vorgebracht worden, der Beschwerdeführer habe nicht
vergessen, dass die Tochter am Montag zur Schule gehen musste (act. 8/8, Ziff. V/B/5).
Tatsächliche Abwesenheit am 13./14. August 2018
Unbestritten ist sodann, dass die Tochter der Beschwerdeführer am 13. August 2018
den ganzen Tag und am 14. August 2018 vormittags den Unterricht nicht besuchte.
Besucht das Kind die Schule nicht, ohne dass die Abwesenheit vorgängig bewilligt
oder nachträglich mit stichhaltigen Gründen entschuldigt wurde, darf jedenfalls bei
einem Kind im Alter der Tochter der Beschwerdeführer grundsätzlich davon
ausgegangen werden, dass die Eltern ihrer Verantwortung für den Schulbesuch des
Kindes nicht nachgekommen sind.
4.2.2.
Entschuldigung durch das Verhalten der Eltern
Die Beschwerdeführer machen geltend, wenn – was bei der Mehrheit der
heranwachsenden Jugendlichen vorkomme – die Motivation ihrer Tochter an einigen
Tagen aufgrund ihrer Pubertät eingeschränkt gewesen sei, hätten sie den Schulbesuch
nicht physisch erzwingen können. Da die Beschwerdeführer aber gleichzeitig
bestreiten, dass sich der Sachverhalt am 13./14. August 2018 so darstellte, ist darauf
nicht weiter einzugehen. Die Beschwerdeführer scheinen sodann der Auffassung, der
Schule die Absenz rechtzeitig mitgeteilt zu haben, und daraus auf eine Entschuldigung
der Abwesenheit ihrer Tochter zu schliessen. Dass die blosse Mitteilung einer Absenz –
die im Übrigen von den Eltern am Morgen des 14. August 2018 der Schule nicht
rechtzeitig mitgeteilt worden war, sondern eine telefonische Rückfrage durch den
Schulleiter ausgelöst hatte – die schulische Abwesenheit nicht stichhaltig zu begründen
vermag, versteht sich von selbst.
4.2.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/21
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Vorgängige Bewilligung durch Arztzeugnis vom 2. Juli 2018
Die Beschwerdeführer machen geltend, das Fernbleiben ihrer Tochter von der Schule
am 13./14. August 2018 sei mit einem vom 2. Juli 2018 datierten ärztlichen
"Arbeitsunfähigkeitszeugnis" vorgängig bewilligt worden.
Arztzeugnisse müssen formelle und inhaltliche Mindestanforderungen erfüllen. Die
Standesordnung des Berufsverbandes der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH,
https://www.fmh.ch) enthält konkrete Vorgaben zum Inhalt eines Arztzeugnisses. Ärzte
und Ärztinnen haben bei der Ausstellung alle Sorgfalt anzuwenden und nach bestem
Wissen und Gewissen ihre ärztliche Überzeugung auszudrücken. Die Ausstellung von
Gefälligkeitszeugnissen ist unzulässig. Zeugnisse müssen transparent sein; dazu
gehört, dass Zweck, Ausstelldatum und Empfänger angegeben werden (vgl. R. Müller,
Arztzeugnisse in arbeitsrechtlichen Streitigkeiten, in: AJP 19/2010, S. 167 ff., S. 168).
Arztzeugnisse haben Angaben zu Ursache (Unfall oder Krankheit), Beginn, Dauer und
Grad der Arbeitsunfähigkeit mit Bezug auf die vom Arbeitnehmer geschuldete Arbeit zu
machen und sollen Stempel und eigenhändige Unterschrift des Arztes enthalten (vgl. F.
Emmel, in: Huguenin/Müller-Chen [Hrsg.], Handkommentar zum Schweizer Privatrecht,
3. Aufl. 2016, N 3 zu Art. 324a OR). Die inhaltlichen und formellen
Mindestanforderungen gelten sinngemäss auch für Arztzeugnisse zur Schulfähigkeit
(vgl. VerwGE B 2015/314 vom 28. September 2017 E. 2.1 und 2.2).
Einem ärztlichen Zeugnis kommt sodann kein absoluter Beweiswert zu, und der Richter
darf (und muss) sich über den Befund in einem ärztlichen Zeugnis hinwegsetzen, wenn
sich aus den Umständen ergibt, dass die Arbeitsunfähigkeit nicht bestand (Streiff/Von
Kaenel/Rudolph, Der Arbeitsvertrag, Praxiskommentar zu Art. 319-362 OR,
7. Aufl. 2012, N 12 zu Art. 324a/b OR, S. 420). Von den Parteien eingereichte Berichte
von eigenen Ärzten oder Therapeuten dürfen unter Berücksichtigung der
Erfahrungstatsache interpretiert werden, dass diese wegen ihrer auftragsrechtlichen
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen
eher zu Gunsten ihres Patienten lauten. Für den Beweiswert eines solchen Berichts ist
jedenfalls entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben wurde, in der
Beurteilung der Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und die
Schlussfolgerungen begründet sind (vgl. VerwGE B 2015/314 vom 28. September 2017
E. 3.4 mit Hinweisen).
Dass bereits am 2. Juli 2018 eine "Arbeitsunfähigkeit" im Sinn einer Schulunfähigkeit
4.2.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/21
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für die Zeit vom 13.-18. August 2018 medizinisch attestiert werden konnte, ist in der
Tat unwahrscheinlich. Aus der nicht unterzeichneten Bescheinigung geht denn auch
kein Grund für die Schulunfähigkeit – Krankheit/Unfall – hervor. Ob die Bescheinigung
bereits am 2. Juli 2018 vorlag, ist unklar. Obwohl den Beschwerdeführern spätestens
seit 14. August 2018 klar sein musste, dass sie das Fernbleiben ihrer Tochter von der
Schule nicht mit dem Arztzeugnis für die Schullagerunfähigkeit vom 2. Juli 2018
entschuldigen konnten, sondern ein krankheits- oder unfallbegründetes
Schulunfähigkeitszeugnis beizubringen gewesen wäre, wurde die Bescheinigung der
nicht weiter begründeten "Arbeitsunfähigkeit" vom 2. Juli 2018 erst im Rekursverfahren
zusammen mit der Rekursergänzung vom 29. Oktober 2019 zu den Akten gereicht.
Wenn die Beschwerdeführer behaupten, das Zeugnis sei direkt der Schule zugestellt
worden, ist ihnen entgegenzuhalten, dass es – anders als die ärztliche Information vom
15. März 2018 – an sie adressiert war und sie offenkundig zumindest auch in deren
Besitz waren und es – anders als das vom gleichen Tag datierte
Schullagerunfähigkeitszeugnis – nicht Teil der Akten der Beschwerdegegnerin bildete.
Dass die Vorinstanz darin keine vorgängige Bewilligung der Absenz vom 13./14. August
2018 erblickte, stellt keine rechtswidrige Beweiswürdigung dar.
Nachträgliche Entschuldigung
Sodann sehen die Beschwerdeführer das Fernbleiben vom 13./14. August 2018
nachträglich mit einer akuten Erkrankung der Tochter in diesem Zeitraum entschuldigt,
die sie mit einem am 22. August 2018 ausgestellten Arztzeugnis belegen wollen.
Die Beschwerdeführer haben im Lauf des Verfahrens wechselnde Entschuldigungen –
Vergessen, dass die Tochter zur Schule müsse, bestehendes Arztzeugnis vom 2. Juli
2018, tatsächliche Erkrankung mit Erbrechen in der Nacht vom 12./13. August 2018,
Schnupfen, Fieber, "Schweissanfall", Kopfschmerzen und Bronchitis, nachträgliches
Arztzeugnis vom 22. August 2018 – vorgebracht. Dieses Vorgehen ist nicht geeignet,
die Behauptung, die Tochter der Beschwerdeführer sei am 13. und am Vormittag des
14. August 2018 krankheitsbedingt nicht in der Lage gewesen, die Schule zu
besuchen, glaubwürdig erscheinen zu lassen. Dass telefonisch über den Zeitpunkt
"verhandelt" – erst am Mittwoch, dann am Dienstagnachmittag – wurde, in welchem
die Tochter in der Schule erscheinen sollte, ohne dass von einer Erkrankung die Rede
war, lässt die entsprechenden nachträglichen Behauptungen – am 21. August 2018:
"ein bisschen krank"; im Rekursverfahren: Erbrechen in der Nacht vom 12./13. August
2018, Schnupfen, Fieber, "Schweissanfall", Kopfschmerzen und Bronchitis – als
Schutzbehauptungen erscheinen. Die ärztliche Beurteilung im Zeugnis vom 22. August
4.2.5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/21
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2018 stützt sich schliesslich ausdrücklich auf "anamnestische Angaben", setzt also
voraus, dass diese von den Beschwerdeführern und/oder ihrer Tochter für den
13. August 2018 gemachten Angaben den Tatsachen entsprechen. Hätte der Arzt aus
einer klinischen Untersuchung am 22. August 2018 Rückschlüsse auf den
Gesundheitszustand der Tochter der Beschwerdeführer am 13. August 2018 gezogen,
würde seine Beurteilung sich nicht auf die Grundlage der "anamnestischen Angaben"
beschränken.
Die vorinstanzliche Würdigung der Beweise – die protokollierten Aussagen der
Beschwerdeführer gegenüber dem Schulleiter anlässlich der Telefonate vom
14. August 2018 und im Gespräch mit dem Präsidenten des Schulrates vom 21. August
2018 zur Gewährung des rechtlichen Gehörs, die Arztzeugnisse vom 2. Juli 2018 und
vom 22. August 2018 – ist nicht zu beanstanden.
Begründung mit einer Verletzung der elterlichen Mitwirkungspflicht
Die Beschwerdegegnerin und die Vorinstanz haben die Ordnungsbusse damit
begründet, die Beschwerdeführer hätten ihre Verantwortung für den Schulbesuch der
Tochter gemäss Art. 96 VSG nicht wahrgenommen. Die Ordnungsbusse hätte sich
ohne weiteres auch mit einer Verletzung der elterlichen Pflicht zum Zusammenwirken
mit der Schule gemäss Art. 96 VSG begründen lassen.
Zwischen dem 27. Oktober 2017 und dem 8. Januar 2018 waren insgesamt Absenzen
der Tochter von 15 Halbtagen und zwei Abmeldungen vom Schwimmunterricht zu
verzeichnen (act. 8/20a/2). Mit Schreiben vom 26. Januar 2017 (richtig: 2018) wurden
die Eltern gebeten, die konkreten gesundheitlichen Einschränkungen der Tochter
bezüglich Schulveranstaltungen wie Sportunterricht, Schullager, Schulreisen etc. in den
Arztzeugnissen festhalten zu lassen, damit auf die konkreten gesundheitlichen
Einschränkungen der Tochter Rücksicht genommen werden könne (act. 8/3a/2-2). Am
19./20. Februar 2018 nahm die Tochter am Spieltag nicht teil. Der Vater begründete die
Absenz damit, es sei wegen ihrer „Atemaussetzer“ zu gefährlich. Ein Arztzeugnis
brachten die Eltern nicht bei (act. 8/3a/2-3). Am 26. Februar 2018 erneuerte der
Schulrat seine Aufforderung vom 26. Januar 2018 hinsichtlich der Anforderungen an
künftige Arztzeugnisse (act. 8/3a/2-4). Mit beiden Schreiben wurde auch Dr. med. Y._
bedient. Nachdem die Beschwerdeführer die Schulunfähigkeit ihrer Tochter vom
28. Februar bis 2. März 2018 (drei Halbtage) erneut mit einem nicht begründeten
Arztzeugnis vom 1. März 2018 – es fehlten sowohl ein Hinweis auf Krankheit/Unfall als
auch eine weitere Begründung (act. 8/3a/2-5) – entschuldigten, ersuchte der Schulrat
4.2.6.
bis
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5. Bemessung
Die Beschwerdegegnerin hat sich bei der Bemessung der Ordnungsbusse nach Art. 97
Abs. 1 VSG an den unteren Rand des gesetzlich je versäumten Schulhalbtag
vorgesehenen Rahmens zwischen CHF 200 und 1‘000 gehalten. Insoweit erscheint die
Ordnungsbusse von CHF 600 insgesamt nicht als unverhältnismässig. Dass bereits der
gesetzliche Rahmen übergeordnetem Recht widersprechen würde, machen die
Beschwerdeführer nicht geltend. Auch bei einer Bemessung der Ordnungsbusse nach
Art. 97 Abs. 2 VSG, der für erhebliche Verletzungen der Mitwirkungspflicht einen
Rahmen von CHF 200 bis 1‘000 vorsieht, könnte der Beschwerdegegnerin nicht
vorgehalten werden, sie habe das ihr zustehende Ermessen missbräuchlich
gehandhabt. Insbesondere lassen die von den Beschwerdeführern zur Begründung
ihrer Auffassung, die Ordnungsbusse sei unverhältnismässig, vorgebrachten
Argumente keinen solchen Missbrauch erkennen.
Die Beschwerdeführer bringen vor, sie hätten bisher weder verwarnt noch gebüsst
werden müssen. Die Tochter weise pro Semester "7-9 Absenzen" auf. Dem ist
entgegenzuhalten, dass allein zwischen Ende Oktober 2017 und Anfang Januar 2018
Absenzen von 15 Halbtagen und zwei Abmeldungen vom Schwimmunterricht zu
verzeichnen waren. Weiter führen die Beschwerdeführer aus, die Absenzen seien
Dr. med. Y._ am 13. März 2018 um Ausstellung eines entsprechenden Arztzeugnisses
zuhanden der Eltern, mit deren Zustimmung allenfalls direkt zuhanden der Schule
(act. 8/3a/2-6). Dr. med. Y._ teilte – adressiert an den Präsidenten des Schulrats und
die Schulsekretärin – am 15. März 2018 mit, K._ habe keine Krankheit, die
irgendwelche Rücksichtnahme verlange. Sie habe bisher nur wegen akuten
Erkrankungen kurzfristig ein Zeugnis gebraucht. Insgesamt erscheine eher die
Motivation für die genannten Schulveranstaltungen ein Problem (act. 3a/2-7).
Die Beschwerdeführer sind den zahlreichen Aufforderungen, der Schule Klarheit über
die konkreten gesundheitlichen Einschränkungen der Tochter zu verschaffen, nicht
nachgekommen. Ungeklärt ist letztlich auch, inwieweit die Gründe für die Abwesenheit
tatsächlich bei der Tochter liegen und inwieweit sie nicht vielmehr im übermässigen – in
der konkreten Ausprägung möglicherweise die Entwicklung der Tochter
erschwerenden – elterlichen Bedürfnis nach Behütung und Schutz ihrer Tochter
begründet liegen. Solche Fragestellungen können aber nur angegangen werden, wenn
die Eltern die Schule entsprechend ihrer Verpflichtung von Art. 96 Ingress und lit. a
VSG offen über Kind und Familie informieren. Wie die Darstellung der Verhältnisse
zeigt, sind die Beschwerdeführer dieser Verpflichtung in erheblichem Ausmass nicht
nachgekommen.
bis
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anerkannt und an den Schulunfähigkeitszeugnissen keine Zweifel geäussert worden.
Das Vorbringen ist zu relativieren, weil zwar die Absenzen nicht als unentschuldigt
behandelt wurden, gleichzeitig die Eltern aber wiederholt darauf hingewiesen wurden,
sie müssten die Schule über die Art der gesundheitlichen Einschränkungen ihrer
Tochter informieren. Sodann machen die Beschwerdeführer geltend, es sei zu
berücksichtigen, dass ihnen aufgrund sprachlicher Verständnisschwierigkeiten – die
sich im gebrochenen Deutsch der Abmeldung für das Klassenlager zeigten (act. 8/3a/
2-9) – die Regelungen zum Absenzenwesen in der St. Galler Volksschule nicht im Detail
bekannt gewesen seien. Dem ist entgegenzuhalten, dass sich die Beschwerdeführer
selbst schriftlich verständlich ausdrücken konnten und es den Beschwerdeführern
möglich ist, jedenfalls mündlich mit den Schulbehörden verständlich zu
kommunizieren. Sollten sie nicht in der Lage gewesen sein, die – klar und einfach –
formulierten Inhalte der schriftlichen Mitteilungen der Schulbehörden zu verstehen,
wäre es ihnen ohne weiteres möglich gewesen, um mündliche Erläuterung
nachzusuchen. Ihre Mitwirkungspflicht gemäss Art. 96 Ingress und lit. a VSG – bei
der es sich an sich um eine Selbstverständlichkeit handelt – hätte dies im Übrigen
geradezu geboten. Insoweit erweist sich auch die Sicht der Beschwerdeführer, sie
hätten mit der Schule kooperiert, nicht als zutreffend. Hinzu kommt, dass die
Ordnungsbusse – wie dargelegt (oben Erwägung 4.1) – nicht nur repressiv wirken,
sondern auch der Durchsetzung der obligatorischen Schulpflicht dienen soll.
6. Zusammenfassung
Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde als unbegründet. Sie ist abzuweisen,
soweit auf sie einzutreten ist.
7. Kosten
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens den Beschwerdeführern aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von CHF 1‘800 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung; sGS 941.12). Sie ist mit dem von den Beschwerdeführern
in der gleichen Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. – Ausseramtliche
Kosten sind für das Beschwerdeverfahren nicht zu entschädigen (Art. 98 Abs. 1 und
Art. 98 VRP): Die Beschwerdeführer haben zwar ihre Anträge unter
Entschädigungsfolge gestellt, unterliegen jedoch, und die obsiegende
Beschwerdegegnerin – die sich im Übrigen weder berufsmässig vertreten liess noch
einen entsprechenden Antrag gestellt hat – hat als verfügendes Gemeinwesen gemäss
der geltenden Rechtsprechung grundsätzlich keinen solchen Anspruch (vgl. A. Linder,
in: Rizvi/Schindler/Cavelti, Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar,
St. Gallen 2020, N 20 zu Art. 98 VRP mit Hinweisen).
bis
bis
bis
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