# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 102386d6-c0e8-49e7-ad96-1444537ad6da
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_004
**Year:** 2012
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege
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1. Ausgangslage
1.1. Mit Eingabe vom 16. September 2012 liess A._, gesetzlich vertreten
durch seine Mutter B._, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. X._, beim
Friedensrichteramt C._ ein Schlichtungsgesuch betreffend eine Klage auf
Abänderung des Kindesunterhaltes gegen seinen Vater D._ einreichen
(Urk. 2/7).
1.2. Mit Eingabe vom 1. Oktober 2012 übermittelte Rechtsanwalt lic. iur. X._
sodann ein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege von
B._ für das oberwähnte Schlichtungsverfahren an den Präsidenten des
Obergerichts des Kantons Zürich (Urk. 1 und Urk. 2/1). Da A._ und nicht sei-
ne Mutter B._ Partei im Schlichtungsverfahren ist, ist A._ im vorliegen-
den Verfahren als Gesuchsteller aufzunehmen.
1.3. Im Schlichtungsverfahren werden gemäss Art. 113 Abs. 1 ZPO keine Partei-
entschädigungen gesprochen, weshalb auch eine Sicherheit für die Parteient-
schädigung i.S.v. Art. 99 ZPO nicht zur Frage steht. Die Gegenpartei ist daher
gemäss Art. 119 Abs. 3 ZPO e contrario nicht zwingend anzuhören.
2. Beurteilung des Gesuchs
2.1. Für die Beurteilung von Gesuchen um unentgeltliche Rechtspflege vor Ein-
reichung der Klage bei Gericht ist gemäss § 128 GOG der Obergerichtspräsident
im summarischen Verfahren (Art. 119 Abs. 3 ZPO) zuständig. Die unentgeltliche
Rechtspflege ist gemäss Art. 119 Abs. 5 ZPO vor jeder Instanz neu zu beantra-
gen, weshalb der Obergerichtspräsident diese bei Vorliegen der Anspruchsvo-
raussetzungen nur bis zum Abschluss des Schlichtungsverfahrens bewilligen
kann.
2.2. Eine Person hat Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege, wenn sie einer-
seits nicht über die erforderlichen Mittel verfügt (sog. "Mittellosigkeit" oder "Be-
dürftigkeit") und andererseits ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint
(Art. 117 ZPO). Die Mittellosigkeit wird gemeinhin dann bejaht, wenn der Aufwand
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des notwendigen Lebensunterhalts (sog. "zivilprozessualer Notbedarf") das mass-
gebliche Einkommen übersteigt bzw. aus der Differenz nur ein kleiner Überschuss
resultiert, welcher es dem Gesuchsteller nicht erlauben würde, die Prozesskosten
innert nützlicher Frist zu bezahlen.
2.3. Bei der Beurteilung der Bedürftigkeit bei Gesuchen um unentgeltliche
Rechtspflege für das Schlichtungsverfahren sind sehr strenge Massstäbe anzule-
gen: Die in einem Schlichtungsverfahren entstehenden Kosten sind – anders als
vor einer Gerichtsinstanz – sehr beschränkt und können deshalb bereits bei ei-
nem relativ geringen Überschuss des Einkommens über den zivilprozessualen
Notbedarf bestritten werden.
2.4. Dem Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege gehen allfällige gesetzliche
Unterhaltspflichten wie bspw. die Unterhaltspflicht der Eltern für ihre Kinder ge-
mäss Art. 276 ff. ZGB vor (vgl. BGE 127 I 202), weshalb vorliegend insbesondere
zu prüfen ist, ob der Gesuchsteller nicht auf der Grundlage solcher Verpflichtun-
gen die nötigen finanziellen Mittel erhältlich machen kann. Konkret sind deshalb
die finanziellen Verhältnisse der Mutter des Gesuchstellers in die Beurteilung sei-
ner Mittellosigkeit einzubeziehen.
2.5. Vorab ist darauf hinzuweisen, dass die Mutter des Gesuchstellers gemäss
ihren Angaben im Gesuch über eine Rechtsschutzversicherung verfügt (Urk. 2/1
S. 1). Die Ansprüche eines Gesuchstellers gegenüber seiner Rechtsschutzversi-
cherung gehen den Ansprüchen gegenüber dem Staat auf unentgeltliche Rechts-
pflege vor. Die Bedürftigkeit müsste deshalb verneint und ein Anspruch auf un-
entgeltliche Rechtspflege verweigert werden, wenn der Gesuchsteller über eine
Rechtsschutzversicherung verfügt und diese für die Prozesskosten aufkommt
(Huber, in: Brunner/Gasser/Schwander [Hrsg.], DIKE-Komm-ZPO, Art. 117
N 168). Vorliegend kommt die Rechtsschutzversicherung jedoch nur für die An-
waltskosten auf, nicht für die Gerichtskosten (Urk. 2/1 S. 1). Entsprechend wird
auch die Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes nicht beantragt
(Urk. 2/1 S. 4). Das Bestehen einer Rechtsschutzversicherung steht vorliegend
der Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege somit nicht entgegen.
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2.6. Zu den finanziellen Verhältnissen des zwölfjährigen Gesuchstellers werden
im Gesuch keine Ausführungen gemacht, es ist jedoch aufgrund seines Alters da-
von auszugehen, dass er weder über Einkommen noch Vermögen verfügt. Die
Kindsmutter B._ erzielt gemäss eigenen Angaben monatliche Einkünfte von
ca. Fr. 3'738.- (Urk. 2/1 S. 2). Diesen Einkünften stehen - wiederum gemäss eige-
nen Angaben sowie unter Hinzurechnung der Grundbeträge gemäss Kreisschrei-
ben - ein monatlicher Bedarf von ca. Fr. 4'410.85 gegenüber (Urk. 2/1 S. 2). Wie
es sich mit den monatlichen Einnahmen und dem monatlichen Bedarf genau ver-
hält, kann indessen offen bleiben. Die Mutter des Gesuchstellers gab im Gesuch
zwar an, abgesehen von einem Fahrzeug mit einem Wert von ca. Fr. 2'000.- über
kein Vermögen zu verfügen (Urk. 2/1 S. 3), aus den eingereichten Kontoauszügen
ergibt sich aber, dass ihr Privatkonto bei der E._ per 24. September 2012 ei-
nen Saldo von Fr. 1'736.13 und ihr Sparkonto bei der E._ per 21. September
2012 einen Saldo von Fr. 23'973.76 aufwies (Urk. 2/2-3). Bei diesem Vermögens-
stand ist es der Mutter des Gesuchstellers ohne Weiteres möglich, aufgrund der
familienrechtlichen Unterhaltspflicht dem Gesuchsteller für die relativ geringfügi-
gen Kosten des Schlichtungsverfahrens einen Prozesskostenvorschuss zu leis-
ten. Dass die Anzehrung dieses Vermögens nicht möglich oder nicht zumutbar
sei, ist nicht ersichtlich und wird auch vom Gesuchsteller bzw. dessen Mutter nicht
geltend gemacht. Da der Gesuchsteller unter diesen Umständen nicht als mittel-
los bezeichnet werden kann, ist sein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege für das Schlichtungsverfahren abzuweisen.
3. Kosten und Rechtsmittel
3.1. Gemäss Art. 119 Abs. 6 ZPO ist das Verfahren um unentgeltliche Rechts-
pflege kostenlos.
3.2. Wird die unentgeltliche Rechtspflege ganz oder teilweise abgelehnt oder
entzogen, so kann der Gesuchsteller den Entscheid mit Beschwerde gemäss
Art. 121 ZPO beim Obergericht anfechten. Dass vorliegend der Obergerichtsprä-
sident über das Gesuch befindet, vermag daran nichts zu ändern. Der Oberge-
richtspräsident fällt in diesem Verfahren einen erstinstanzlichen Entscheid i.S.v.
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Art. 319 lit. b ZPO und fungiert nicht als obere kantonale Instanz gegen deren
Entscheide lediglich ein Rechtsmittel ans Bundesgericht gegeben wäre.

## Considerations