# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 9e24f081-02e1-4030-8335-4ecb9a3e80df
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_002
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt:
1. A._ ist B._ 1967 geboren. Am 1. Mai 2019 trat er bei der C._
GmbH (aktuell in Liquidation) eine Anstellung als Maler/Gipser an.
Nachdem A._ das Arbeitsverhältnis auf Ende Mai 2020 (pro forma)
gekündigt wurde, wurde es alsdann unmittelbar fortgesetzt. Das
Arbeitsverhältnis endete schliesslich am 31. August 2020.
2. Mit Entscheid des Kreisgerichts D._ vom 14. September 2021 wurde
die C._ GmbH, G._, verpflichtet, A._ einen Betrag für seit
Mai 2019 aufgelaufene Lohnausstände (13. Monatslöhne, nicht bezogene
Ferientage, Überstunden, Sonn- und Feiertagsarbeiten,
Kilometerpauschale für den Arbeitsweg und Verpflegungsspesen) von
insgesamt CHF 65'185.15 zuzüglich CHF 2'642.80 Zins zu bezahlen.
Dieser Entscheid ist in Rechtskraft erwachsen.
3. Gestützt auf den rechtskräftigen Entscheid des Kreisgerichts D._ vom
14. September 2021 leitete A._ im November 2021 im Betrag von
CHF 75'996.50 zuzüglich 5% Zins seit dem 24. Oktober 2021 die
Betreibung (Nr. 2213292) gegen die C._ GmbH ein. Gegen den am
6. Dezember 2021 zugestellten Zahlungsbefehl erhob die C._ GmbH
keinen Rechtsvorschlag.
4. Mit Entscheid vom 28. Januar 2022 eröffnete der Einzelrichter am
Regionalgericht E._ auf Begehren der Stiftung Auffangeinrichtung
BVG vom 18. November 2021 den Konkurs über die C._ GmbH.
5. Am 7. März 2022 stellte A._ bei der Arbeitslosenkasse des Kantons
Graubünden einen Antrag auf Insolvenzentschädigung. Zur Begründung
dieses Antrags wurde auf den rechtskräftigen Entscheid des Kreisgerichts
D._ vom 14. September 2021 sowie auf die Klage vom 4. Mai 2021
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verwiesen. Mit Verfügung vom 22. März 2022 wurde der Antrag auf
Insolvenzentschädigung abgewiesen. Die dagegen erhobene Einsprache
vom 26. April 2022 sowie die für das Einspracheverfahren beantragte
unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung wies das Amt für
Industrie, Gewerbe und Arbeit (nachfolgend KIGA) mit separaten
Entscheiden vom 17. Mai 2022 ebenfalls ab. Zur Begründung führte das
KIGA im Wesentlichen aus, A._ hätte die ihm obliegende
Schadenminderungspflicht verletzt. Die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung wurde mit der Begründung verweigert, dass der
Beizug eines Rechtsvertreters nicht notwendig gewesen sei.
6. Dagegen erhob A._ (nachfolgend Beschwerdeführer) am 17. Juni
2022 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden, mit
dem Antrag, der Einspracheentscheid des KIGA vom 17. Mai 2022 sei
aufzuheben und es sei sein Antrag auf Insolvenzentschädigung
gutzuheissen (Verfahren S 22 55). Im Weiteren ersuchte der
Beschwerdeführer gleichentags um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege und Rechtsverbeiständung. Materiell begründend wurde
geltend gemacht, dass der Beschwerdeführer die C._ GmbH bereits
während des laufenden Arbeitsverhältnisses unmissverständlich und in
Anwesenheit eines ehemaligen Mitarbeiters, namentlich F._, dazu
aufgefordert habe, ihm den Lohn zu bezahlen. Nachdem dieser
Aufforderung nicht nachgekommen worden sei, habe er seine Arbeit
niedergelegt, seine Forderung gerichtlich feststellen lassen, die
Zwangsvollstreckung eingeleitet und seine Forderung im Konkurs der
C._ GmbH angemeldet. Damit sei er seiner
Schadensminderungspflicht nachgekommen.
7. Am 17. Mai 2022 (recte 17. Juni 2022 [Datum Poststempel]) reichte der
Beschwerdeführer ebenfalls Beschwerde gegen den Entscheid des KIGA
vom 17. Mai 2022 bezüglich Abweisung des Gesuchs um unentgeltliche
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Rechtspflege ein und beantragte dessen Aufhebung sowie dass ihm für
das Einspracheverfahren mit Wirkung ab 7. März 2022 die unentgeltliche
Rechtspflege und Rechtsverbeiständung zu gewähren sei; eventualiter sei
die Angelegenheit zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen
(Verfahren S 22 56). Im Weiteren ersuchte der Beschwerdeführer ebenso
um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung für das Beschwerdeverfahren. Zur Begründung der
Beschwerde wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass das KIGA seine
Mittellosigkeit nicht geprüft habe, welche indes ohnehin gegeben sei. Dass
die Einsprache nicht aussichtslos gewesen sei, sei von der Vorinstanz
festgestellt worden. Das KIGA habe das Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung ausschliesslich
mit der Begründung abgewiesen, dass eine Rechtsvertretung nicht
notwendig sei. Dabei sei verkannt worden, dass er über keinen
Grundschulabschluss und schweizerische Rechtskenntnisse verfüge.
Auch bereite ihm die Kommunikation mit den Behörden grössere
Schwierigkeiten, was nicht nur auf die Sprachbarriere zurückzuführen sei.
Unter Berücksichtigung der Komplexität des Einspracheverfahrens sowie
der Schwere der Betroffenheit sei der Beizug eines Rechtsbeistandes
zwingend notwendig gewesen.
8. In den identischen Stellungnahmen vom 28. Juli 2022 beantragte das
KIGA (nachfolgend Beschwerdegegner) die Abweisung der Beschwerden.
Zur Begründung brachte der Beschwerdegegner im Wesentlichen vor,
dass aus dem ins Recht gelegten Entscheid des Kreisgerichts D._
vom 14. September 2021 nicht genau entnommen werden könne, wann
welcher Teil der zugesprochenen Forderung in der Höhe von insgesamt
CHF 65'185.15 entstanden sei. Allerdings sei diesem Entscheid zu
entnehmen, dass Lohnbestandteile, welche bereits im Jahr 2019 fällig
geworden seien, nicht bezahlt worden seien. Im Zeitpunkt, als der
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Beschwerdeführer das Arbeitsverhältnis mit der C._ GmbH im Juni
2020 weitergeführt habe, seien demnach Lohnforderungen seit
mindestens fünf Monaten offen gewesen. Vor diesem Hintergrund hätte
der Beschwerdeführer auf die Wiederaufnahme des Arbeitsverhältnisses
verzichten und bereits im Zeitraum zwischen Juni und August 2020 erste
prozessuale Schritte einleiten müssen. Indem der Beschwerdeführer trotz
diverser offener Lohnforderungen das Arbeitsverhältnis fortgesetzt habe,
habe er die Schadenminderungspflicht verletzt. Die beantragte
unentgeltliche Rechtsverbeiständung sei abzuweisen. Im
Sozialversicherungsverfahren sei eine solche nicht erforderlich. Hierfür
spreche auch, dass der vorliegende Fall weder in rechtlicher noch in
tatsächlicher Hinsicht komplex sei.
9. In seiner Replik vom 19. August 2022 stellte der Beschwerdeführer in
formeller Hinsicht den Antrag, dass die Stellungnahme des
Beschwerdegegners aus dem Recht zu weisen sei. Zur Begründung
wurde im Wesentlichen geltend gemacht, dass der Beschwerdegegner
sich darin nicht mit seinen Rügen auseinandergesetzt habe. Ansonsten
vertiefte der Beschwerdeführer die von ihm eingenommenen Standpunkte.
10. Mit Schreiben vom 29. August 2022 verzichtete der Beschwerdegegner
auf die Einreichung einer Duplik.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften sowie
in den angefochtenen Entscheiden wird, soweit erforderlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0)
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in Verbindung mit Art. 56 des Bundesgesetzes zum Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kann gegen
Einspracheentscheide oder Verfügungen aus dem Bereich der
Arbeitslosenversicherung Beschwerde erhoben werden. Bezieht sich die
Beschwerde auf eine Insolvenzentschädigung, so ist für die Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen einer kantonalen Amtsstelle das
Versicherungsgericht desselben Kantons zuständig (vgl. Art. 100 Abs. 3
AVIG i.V.m. Art. 128 Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung; AVIV; SR
837.02). Wird – wie hier – über den Arbeitgeber der Konkurs eröffnet, so
muss der Arbeitnehmer seinen Entschädigungsanspruch spätestens 60
Tage nach der Konkurseröffnung im Schweizerischen Handelsamtsblatt
bei der öffentlichen Kasse stellen, die am Ort des Betreibungs- und
Konkursamtes zuständig ist (vgl. Art. 53 Abs. 1 AVIG). Mit Entscheid vom
28. Januar 2022 hat der Einzelrichter am Regionalgericht E._ den
Konkurs über die C._ GmbH mit Sitz in G._ eröffnet. Demzufolge
hat der Beschwerdeführer seinen Entschädigungsanspruch zu Recht bei
der Arbeitslosenkasse Graubünden gestellt. Erweist sich die
Arbeitslosenkasse Graubünden zur Beurteilung des
Entschädigungsanspruchs als zuständig, so ergingen die angefochtenen
Entscheide zu Recht durch den Beschwerdegegner (Art. 5 des
Einführungsgesetzes zur Arbeitsvermittlung und
Arbeitslosenversicherung; EGzAVG/AVIG; BR 545.100 und Art. 1 der
Verordnung zum Einführungsgesetz zur Arbeitsvermittlung und
Arbeitslosenversicherung; VOzEGzAVG/AVIG; BR 545.270) und ist
gemäss Art. 100 Abs. 3 AVIG i.V.m. Art. 128 Abs. 2 AVIV auch die
Zuständigkeit des Versicherungsgerichts des Kantons Graubünden
gegeben. Hierbei handelt es sich laut Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) um das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden. Der Beschwerdeführer ist
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von den angefochtenen Entscheiden unmittelbar betroffen und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Überprüfung, womit seine
Beschwerdelegitimation zu bejahen ist (vgl. Art. 59 ATSG). Auf die vom
Beschwerdeführer frist- und formgerecht eingereichten Beschwerden ist
damit einzutreten (vgl. Art. 60 und 61 lit. b ATSG).
2. Gemäss Art. 6 Abs. 1 lit. a VRG können verschiedene Verfahren im
Interesse der zweckmässigen Erledigung vereinigt werden, wenn getrennt
eingereichte Eingaben den gleichen Gegenstand betreffen. Es dürfen den
einzelnen Beteiligten dadurch keine bedeutenden Nachteile erwachsen.
Ein solcher Nachteil wäre insbesondere in einer unzumutbaren
Verfahrensverzögerung zu erblicken (vgl. BERTSCH/PLÜSS, in: GRIFFEL
[Hrsg.], Kommentar Zürcher VRG, 3. Aufl., Zürich 2014, Vorbemerkungen
zu
§ 4-31 Rz 60). Die vom Beschwerdeführer am 17. Juni 2022 eingereichten
Beschwerden weisen einen engen Zusammenhang auf, indem damit
einerseits die mit Einspracheentscheid vom 17. Mai 2022 dem
Beschwerdeführer versagt gebliebene Insolvenzentschädigung und
andererseits die für dieses Einspracheverfahren nicht gewährte
unentgeltliche Rechtsverbeiständung beanstandet werden. Da überdies
keinerlei Nachteile für die Parteien, so insbesondere keine
Verfahrensverzögerung, ersichtlich sind, wurden die beiden
Beschwerdeverfahren (S 22 55 und S 22 56) mit verfahrensleitender
Verfügung der Instruktionsrichterin am 23. August 2022 vereinigt und
werden nunmehr mit einem Urteil entschieden.
2.2. In seiner Replik vom 19. August 2022 beantragt der Beschwerdeführer in
formeller Hinsicht, dass die Vernehmlassung des Beschwerdegegners aus
dem Recht zu weisen sei, weil sie den prozessualen Anforderungen nicht
genüge. Begründend wird im Wesentlichen vorgebracht, der
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Beschwerdegegner beschränke sich in seiner Vernehmlassung darauf, den
Wortlaut des Einspracheentscheids vom 17. Mai 2022 wiederzugeben.
Im Sozialversicherungsrecht kommt der Durchsetzung des materiellen
Rechts ein besonderes Gewicht zu und es besteht für das Gericht keine
Bindung an Parteibegehren (Art. 61 lit. d ATSG; vgl. KIESER, ATSG-
Kommentar, 4. Aufl., 2020, Art. 61 Rz. 156). Der Versicherungsträger und
das im Streitfall angerufene Gericht haben den rechtserheblichen
Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären (vgl. Art. 43 Abs. 1 und Art. 61
lit. c ATSG). Zweck des Untersuchungsgrundsatzes ist es, die «materielle
Wahrheit», d.h. die wirkliche Sachlage, zu erforschen. Er ist Ausdruck des
Grundsatzes der Gesetzmässigkeit der Verwaltung und dient der
Verwirklichung der betroffenen öffentlichen Interessen im Verfahren. Die
richtige Anwendung des objektiven Rechts setzt eine korrekte und
umfassende Feststellung des Sachverhalts voraus und steht damit einer
prozessrechtlichen Verfügungsmacht der Parteien über den relevanten
Sachverhalt entgegen. Darüber hinaus soll der Untersuchungsgrundsatz
aber auch den Schutz der schwächeren Partei sowie die Gleichbehandlung
der Parteien im Verfahren gewährleisten (Fürsorgefunktion; vgl.
BROMMER/V. BERTI, Verfahrensrecht am Beginn einer neuen Epoche, Band
53, Zürich 2011, S. 69).
Dem Beschwerdeführer ist dahingehend zuzustimmen, dass der
Beschwerdegegner in seiner Vernehmlassung die Ausführungen im
Einspracheentscheid vom 17. Mai 2022 weitestgehend übernommen hat,
ohne konkret auf die beschwerdeführerischen Argumente einzugehen.
Dennoch besteht aufgrund des geltenden Untersuchungsgrundsatzes
keine Veranlassung, die Vernehmlassung des Beschwerdegegners aus
dem Recht zu weisen. Der Beschwerdeführer rügt in seiner Beschwerde –
und insofern abweichend von seiner Einsprache vom 26. April 2022 – der
Beschwerdegegner habe den Sachverhalt insofern falsch festgestellt, als
dass das Arbeitsverhältnis nicht per Ende Mai 2020 geendet habe, sondern
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vielmehr nahtlos bis am 31. August 2020 weitergeführt worden sei. Falsch
sei auch die Feststellung, wonach die C._ GmbH im Juni 2020 bereits
konkursit gewesen sei. Diese Rügen sind korrekt. Entsprechend geht das
Verwaltungsgericht in tatsächlicher Hinsicht davon aus, dass das
Arbeitsverhältnis Ende Mai 2020 nahtlos weitergeführt und am 31. August
2020 beendet wurde und die C._ GmbH im Juni 2020 noch nicht im
Konkurs war. Vor diesem Hintergrund hat der Beschwerdeführer also
keinerlei Nachteile, wenn die Vernehmlassung des Beschwerdegegners
berücksichtigt wird. Mit anderen Worten vermag sie die materielle
Wahrheitsfindung nicht zu beeinträchtigen. Aus diesem Grund wird der
Antrag des Beschwerdeführers, die Vernehmlassung aus dem Recht zu
weisen, abgewiesen.
3. Im vorliegenden Verfahren S 22 55 ist strittig, ob der Beschwerdegegner
den Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Insolvenzentschädigung zu
Recht verneint hat.
3.1. Gemäss Art. 51 Abs. 1 lit. a AVIG haben beitragspflichtige Arbeitnehmer
von Arbeitgebern, die in der Schweiz der Zwangsvollstreckung unterliegen
oder in der Schweiz Arbeitnehmer beschäftigen, Anspruch auf
Insolvenzentschädigung, wenn gegen ihren Arbeitgeber der Konkurs
eröffnet wird und ihnen in diesem Zeitpunkt Lohnforderungen zustehen. Die
Insolvenzentschädigung deckt für das gleiche Arbeitsverhältnis
Lohnforderungen für höchstens die letzten vier Monate des
Arbeitsverhältnisses, für jeden Monat jedoch nur bis zum Höchstbetrag des
versicherten Verdiensts (Art. 3 Abs. 2 AVIG). Als Lohn gelten auch die
geschuldeten Zulagen (Art. 52 Abs. 1 AVIG). Die Insolvenzentschädigung
ist eine Lohnausfallversicherung bei Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers.
Sie setzt eine Lohnforderung der versicherten Person gegenüber dem
insolventen Arbeitgeber voraus. Unter Lohnforderung im Sinne von Art. 52
Abs. 1 AVIG ist grundsätzlich der massgebende Lohn gemäss Art. 5 Abs.
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2 des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung
(AHVG; 831.10) zu verstehen, einschliesslich der geschuldeten Zulagen.
Als zweiseitiger Vertrag verpflichtet der Arbeitsvertrag den Arbeitnehmer
zur Leistung von Arbeit und den Arbeitgeber zur Entrichtung eines Lohnes.
Die Rechtsfolge besteht aus arbeitslosenversicherungsrechtlicher Sicht
darin, dass die Lohnforderung grundsätzlich an die Leistung von Arbeit
gebunden ist. Der Schutzzweck der Insolvenzentschädigung erstreckt sich
daher nur auf tatsächlich geleistete, aber nicht entlöhnte Arbeit (BGE 132 V
82 E.3.1 mit Hinweis). Die Kasse darf eine Insolvenzentschädigung nur
ausrichten, wenn der Arbeitnehmer seine Lohnforderung glaubhaft macht
(Art. 74 AVIV). Gemäss Art. 55 Abs. 1 AVIG muss der Arbeitnehmer im
Konkurs- und Pfändungsverfahren alles unternehmen, um seine Ansprüche
gegenüber dem Arbeitgeber zu wahren, bis die Kasse ihnen mitteilt, dass
sie in ihrer Stelle in das Verfahren eingetreten ist. Diese Bestimmung
bezieht sich nach dem Wortlaut auf das Konkurs- und Pfändungsverfahren.
Sie bildet jedoch Ausdruck der allgemeinen Schadenminderungspflicht,
welche auch dann Platz greift, wenn das Arbeitsverhältnis vor der
Konkurseröffnung aufgelöst worden wird (BGE 114 V 56 E.3 mit
Hinweisen). Eine ursprüngliche Leistungsverweigerung infolge Verletzung
der Schadenminderungspflicht setzt voraus, dass der versicherten Person
ein schweres Verschulden, also vorsätzliches oder grobfahrlässiges
Handeln oder Unterlassen vorgeworfen werden kann. Dem Erfordernis der
Verhältnismässigkeit ist mit dem Ausmass der von den Arbeitnehmerinnen
und Arbeitnehmern zu erwartenden Vorkehrungen Rechnung zu tragen,
welches sich nach den jeweiligen Umständen des Einzelfalls richtet, wobei
die Anforderungen an die Schadenminderungspflicht
rechtsprechungsgemäss hoch sind (vgl. Urteile des Bundesgerichts
8C_814/2021 vom 21. April 2022 E.2.2, 8C_408/2020 vom 7. Oktober 2020
E.3 [SVR 2021 ALV Nr. 4 S. 11 ff.], 8C_374/2020 vom 6. August 2020 E.2
und 5.2 [SVR 2020 ALV Nr. 22 S. 69 f.], 8C_820/2019 vom 29. April 2020
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E.4.3.1, 8C_151/2018 vom 17. April 2018 E.5, 8C_641/2014 vom 27.
Januar 2015 E.4.1, 8C_211/2014 vom 17. Juli 2014 E.6.1 und 8C_66/2013
vom 18. November 2013 E.4.1). Nach ständiger Rechtsprechung wird eine
konsequente und kontinuierliche Weiterverfolgung der eingeleiteten
Schritte gefordert, welche in einem der vom Gesetz geforderten
zwangsvollstreckungsrechtlichen Stadien münden müssen, damit Anspruch
auf Insolvenzentschädigung besteht. Arbeitnehmende sollen sich
gegenüber dem Arbeitgeber nämlich so verhalten, als ob es das Institut der
Insolvenzentschädigung gar nicht gäbe. Dieses Erfordernis lässt ein
längeres Untätigsein nicht zu (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_814/2021
vom 21. April 2022 E.2.2, 8C_408/2020 vom 7. Oktober 2020 E.3,
8C_79/2019 vom 21. Mai 2019 E.3.2). Machen Arbeitnehmerinnen und
Arbeitnehmer gegenüber dem Arbeitgeber während längerer Zeit keine
Anstalten, ihrer Lohnforderung mit hinreichender Deutlichkeit Ausdruck zu
verleihen, signalisieren sie mangelndes Interesse. Dadurch verlieren sie
auch gegenüber der Arbeitslosenversicherung ihre Schutzbedürftigkeit und
Schutzwürdigkeit (Urteile des Bundesgerichts 8C_408/2020 vom 7. Oktober
2020 E.3, 8C_211/2014 vom 17. Juli 2014 E.6.1 und 8C_66/2013 vom 18.
November 2013 E.4.1). Auch ist es unter
arbeitslosenversicherungsrechtlichen Gesichtspunkten nicht Sache der
versicherten Person, darüber zu entscheiden, ob weitere Vorkehrungen zur
Realisierung der Lohnansprüche erfolgversprechend sind oder nicht,
sondern sie hat im Rahmen der ihr obliegenden Schadenminderungspflicht
grundsätzlich alles ihr Zumutbare zur Wahrung ihrer Lohnansprüche
vorzunehmen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_374/2020 vom 6. August
2020 E.5.2 mit Hinweisen).
3.2. Der Beschwerdeführer macht geltend, dass die C._ GmbH das
Arbeitsverhältnis auf Ende Mai 2020 lediglich "pro forma" gekündigt habe
und er im Anschluss daran, nahtlos weiterbeschäftigt worden sei. Mit
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diesem Vorgehen sei bezweckt worden, ihn weiterhin "schwarz" zu
beschäftigen. Selbst wenn von einer solchen pro forma-Kündigung
ausgegangen würde, hätte das Arbeitsverhältnis bei der C._ GmbH
anerkanntermassen Ende August 2020 geendet. Letzter Arbeitstag war
somit der 31. August 2020. Dies steht in Übereinstimmung mit den Angaben
des Beschwerdeführers in seinem Antrag auf Insolvenzentschädigung vom
7. März 2022, wonach sein letzter Arbeitstag der 31. August 2020 gewesen
sei (beschwerdeführerische Beilage [Bf-act.] 7). Dementsprechend ist
davon auszugehen, dass das Arbeitsverhältnis des Beschwerdeführers mit
der C._ GmbH bis am 31. August 2020 bestand. Mit Entscheid des
Kreisgerichts D._ vom 14. September 2021 wurden dem
Beschwerdeführer insgesamt CHF 65'185.15 nebst Zins von CHF 2'642.80
für Forderungen aus dem Arbeitsverhältnis mit der C._ GmbH
zugesprochen (Bf-act. 4). Nach eingetretener Rechtskraft dieses Urteils
leitete der Beschwerdeführer im November 2021 die Betreibung ein
(Zahlungsbefehl des Betreibungs- und Konkursamts der Region E._
Nr. 2213292 vom 15. November 2021; Bf-act. 5). Unter Verweis auf das
Urteil des Kreisgerichts D._ beantragte der Beschwerdeführer sodann
am 7. März 2022 (Bf-act. 7) eine Insolvenzentschädigung, weil gegen die
C._ GmbH am 28. Januar 2022 der Konkurs eröffnet worden war. Die
Insolvenzentschädigung deckt grundsätzlich nur solche, dafür aber alle
Lohnforderungen, die für vor dem massgebenden Stichtag des
eingetretenen Insolvenztatbestandes geleistete Arbeit geschuldet ist. Es
handelt sich um eine vom Stichtag betrachtet rückwärtsgerichtete Frist. Bei
der Konkurseröffnung ist es das Datum des Konkurserkenntnisses. Ist das
Arbeitsverhältnis vor dem Eintritt der Zahlungsunfähigkeit aufgelöst worden,
so ist die Rückrechnung vom letzten Tag des Arbeitsverhältnisses
vorzunehmen (vgl. NUSSBAUMER, Arbeitslosenversicherungsrecht, in:
Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht [SBVR], 3. Aufl., Basel 2015, S.
2455 Rz 625 f. mit zahlreichen Hinweisen auf die Rechtsprechung des
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Bundesgerichts unter anderem auf BGE 126 V 140 E.3.b und BGE 119 V
56). Dabei sind für eine Insolvenzentschädigung nicht die faktischen letzten
Monate eines Anstellungsverhältnisses, sondern diejenigen letzten Monate
des Arbeitsverhältnisses im rechtlichen Sinne zu verstehen. Entscheidend
dabei ist die Gültigkeit des Arbeitsvertrages (Urteil des
Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich AL.2020.00332 vom 28.
Dezember 2020 E.3.2). Nach dem Dargelegten kommt potentiell für eine
Insolvenzentschädigung bei einem bis am 31. August 2020 dauernden
rechtlichen Arbeitsverhältnis nach am 28. Januar 2022 eröffnetem Konkurs
nur die viermonatige Zeitspanne vom 1. Mai bis 31. August 2020 für eine
allfällige Insolvenzentschädigung in Frage. Dabei spielt es keine Rolle, dass
der Beschwerdeführer infolge Unfalls vom 9. bis 20. Juni 2020 nicht
gearbeitet hatte, dauerte das Arbeitsverhältnis – wie gesagt – bis am 31.
August 2020. Welchen Lohnausfall genau der Beschwerdeführer für die
Zeitspanne vom 1. Mai bis 31. August 2020 geltend macht, ergibt sich
weder aus seiner Einsprache vom 26. April 2022 noch aus der hier zur
beurteilenden Beschwerde. Auch in seinem Antrag auf
Insolvenzentschädigung vom 7. März 2022 machte er unter der dortigen
Ziffer 15 "Offene Lohnforderungen" keinerlei Angaben dazu, welche
Lohnforderungen für welche Monate offen waren. Insbesondere machte er
keine Angaben dazu, welche Lohnforderungen für die hier massgebende
Zeitspanne vom 1. Mai bis 31. August 2020 ausstehend waren. Vielmehr
liess es der Beschwerdeführer damit bewenden, auf den Entscheid des
Kreisgerichts D._ vom 14. September 2021 zu verweisen (Bf-act. 7).
Dabei verkennt der Beschwerdeführer, dass diesem Entscheid nicht
entnommen werden kann, welche Lohnforderungen für die Zeitspanne vom
1. Mai bis 31. August 2020 offen waren; dies umso weniger, als der darin
zugesprochene Betrag von insgesamt CHF 65'185.15 zuzüglich CHF
2'642.80 unter anderem auch Lohnforderungen aus dem Jahr 2019
beinhaltet (Bf-act. 4). Vor diesem Hintergrund muss gesagt werden, dass
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der Beschwerdeführer seine offene Lohnforderung für die Zeitspanne vom
1. Mai bis 31. August 2020 und somit einen möglichen Insolvenzanspruch
nicht glaubhaft gemacht respektive rechtsgenüglich substanziiert hat, was
zur Abweisung der Beschwerde führt.
3.3. Im Entscheid des Kreisgerichts D._ vom 14. September 2021 wurde
dem Beschwerdeführer eine Forderung von insgesamt CHF 65'185.15
zuzüglich CHF 2'642.80 zugesprochen (Bf-act. 4). Bemerkenswert ist nun,
dass in diesem Betrag insbesondere der 13. Monatslohn für das Jahr 2019
von CHF 3'066.65, welcher gemäss Arbeitsvertrag (Bf-act. 1) im Dezember
2019 fällig geworden wäre, enthalten ist. Auch ist darin eine Vergütung für
im Jahr 2019 nicht bezogene Ferientage enthalten. Ob respektive in
welchem Umfang die geltend gemachten und mit Entscheid des
Kreisgerichts D._ vom 14. September 2021 zugesprochenen
Überstunden von CHF 13'784.90, die Entschädigung für geleistete Sonn-
und Feiertagsarbeit von insgesamt CHF 9'838.30 sowie die Vergütung für
Fahr- und Verpflegungskosten von CHF 28'404.75 bzw. CHF 4'192.-- auch
das Jahr 2019 betreffen, kann aufgrund dieses Entscheids nicht
abschliessend festgestellt werden. Festgestellt werden kann indes, dass
der Beschwerdeführer bereits im Jahr 2019 offene Lohnforderungen
gegenüber der C._ GmbH hatte. Dennoch kann den Akten nicht
entnommen werden, dass der Beschwerdeführer bereits während des
bestehenden Arbeitsverhältnisses ausstehende Lohnforderungen eindeutig
und unmissverständlich gegenüber seiner Arbeitgeberin geltend gemacht
hat. Dabei ist zu berücksichtigen, dass zwar nach der Rechtsprechung dem
Arbeitnehmer vor Auflösung des Arbeitsverhältnisses nicht die gleiche
Schadenminderungspflicht obliegt wie danach. Das Ausmass der
vorausgesetzten Schadenminderungspflicht richtet sich nach den
jeweiligen Umständen des Einzelfalls. Von der arbeitnehmenden Person
wird in der Regel nicht verlangt, dass sie während des bestehenden
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Arbeitsverhältnisses gegen den Arbeitgeber eine Betreibung einleitet oder
eine Klage einreicht. Sie hat jedoch ihre Lohnforderung gegenüber dem
Arbeitgeber in eindeutiger und unmissverständlicher Weise geltend zu
machen. Zu weitergehenden Schritten sind Versicherte gehalten, wenn es
sich um erhebliche Lohnausstände handelt und sie konkret mit einem
Lohnverlust rechnen müssen. Denn es geht auch für die Zeit vor Auflösung
des Arbeitsverhältnisses unter arbeitslosenversicherungsrechtlichen
Gesichtspunkten nicht an, dass Versicherte ohne hinreichenden Grund
während längerer Zeit keine rechtlichen Schritte zur Realisierung
erheblicher Lohnausstände unternehmen, obschon sie konkret mit einem
Lohnverlust rechnen müssen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_820/2019
vom 29. April 2020 E.4.3.1 mit Hinweisen; Urteil des
Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich AL.2005.0007 vom 29.
Juni 2005 E.1.2). Es ist aktenkundig, dass bereits im Jahr 2019, also
während des Arbeitsverhältnisses, Löhne bzw. Lohnbestandteile unbezahlt
geblieben sind. Der Beschwerdeführer macht zwar geltend, er hätte die
Arbeitgeberin bereits während des Arbeitsverhältnisses mündlich
unmissverständlich aufgefordert, ihm den offenen Lohn auszurichten. Als
Beweis hierfür hat er eine schriftliche Bestätigung eines ehemaligen
Arbeitskollegen ins Recht gelegt (Bf-act. 3/1). Dabei verkennt der
Beschwerdeführer, dass gemäss der oben angeführten höchstrichterlichen
Rechtsprechung die versicherte Person im Rahmen ihrer
Schadenminderungspflicht alles ihr Zumutbare zu unternehmen hat, um
ihre Ansprüche gegenüber der Arbeitgeberin zu wahren. Dabei wird zwar
nicht vorausgesetzt, dass die versicherte Person unverzüglich
betreibungsrechtlich gegen sie vorgeht. Allerdings kann erwartet werden,
dass Mahnungen insbesondere aus beweisrechtlichen Gründen zumindest
schriftlich abgefasst werden. So gelten nämlich Mahnungen in Schriftform
bereits als "rechtliche Schritte" (Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts C 121/03 vom 2. September 2003 E.2.2). Auch wenn
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der Beschwerdeführer während des bestehenden Arbeitsverhältnisses von
Zwangsmassnahmen gegen die C._ GmbH absehen durfte, hätte er –
insbesondere unter Berücksichtigung der Tatsache, dass bereits im Jahr
2019 Lohnforderungen aufgelaufen sind – zumindest schriftlich mahnen
und auch eine Schuldanerkennung erwirken können. Beides hat er indes
unbestrittenermassen nicht getan. Des Weiteren ist zu beachten, dass
gemäss Entscheid des Kreisgerichts D._ vom 14. September 2021 seit
dem Jahr 2019 Ausstände von insgesamt CHF 65'185.15 aufgelaufen sind,
wobei erwiesen ist, dass ein Teil dieser Ausstände bereits im Jahr 2019
angefallen ist. Vor diesem Hintergrund erstaunt es, dass der
Beschwerdeführer nicht bereits während des laufenden
Arbeitsverhältnisses beispielsweise auf die Ausrichtung von
Akontozahlungen pochte. Damit hat der Beschwerdeführer während des
bestehenden Arbeitsverhältnisses dem Erfordernis der konsequenten und
kontinuierlichen Durchsetzung der offenen Lohnforderungen gegenüber der
C._ GmbH nicht Genüge getan. Er hat nicht, seiner
Schadenminderungspflicht nachkommend, alles ihm Zumutbare
unternommen, um seine Ansprüche gegenüber der damaligen
Arbeitgeberin zu wahren. Daran würde auch die angebliche mündliche
Mahnung des Beschwerdeführers nichts ändern, weshalb in antizipierter
Beweiswürdigung von der angebotenen Einvernahme des ehemaligen
Arbeitskollegen als Zeuge bzw. von einer Parteiaussage des anwaltlich
vertretenen Beschwerdeführers abgesehen werden kann. Hat der
Beschwerdeführer die ihm obliegende Schadenminderungspflicht nicht
erfüllt, besteht kein Anspruch auf Insolvenzentschädigung.
Dementsprechend ist die Beschwerde auch aus diesem Grund abzuweisen.
3.4. Des Weiteren ist zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer am 6.
November 2020, also rund zwei Monate nach Beendigung des
Arbeitsverhältnisses, ein Schlichtungsgesuch gegen seine ehemalige
- 17 -
Arbeitgeberin einreichte. Die Einreichung der Klage erfolgte am 4. Mai
2021, mithin rund acht Monate nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses.
Zwangsvollstreckungsrechtliche Massnahmen leitete der
Beschwerdeführer erst nach Rechtskraft des Urteils des Kreisgerichts
D._ vom 14. September 2021 ein, nämlich im November 2021. Daraus
erhellt, dass der Beschwerdeführer seit der Beendigung des
Arbeitsverhältnisses rund 14 1⁄2 Monate zuwartete, bis er im November 2021
die Betreibung gegen seine frühere Arbeitgeberin einleitete. In diesem
Zuwarten ist ein grosses Versäumnis des Beschwerdeführers zu erblicken
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_814/2021 vom 21. April 2022 E. 4.2.2.).
Damit hat der Beschwerdeführer auch nach Beendigung des
Arbeitsverhältnisses ab September 2020 dem Erfordernis der
konsequenten und kontinuierlichen Durchsetzung der offenen
Lohnforderungen gegenüber der C._ GmbH mit gerichtlichen Schritten
und auf dem Betreibungsweg nicht Genüge getan.
4.1. Es bleibt zu prüfen, ob die unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung im Einspracheverfahren zu Recht abgewiesen
wurde (Verfahren S 22 56).
4.2. In seiner Beschwerde vom 17. Mai 2022 (recte 17. Juni 2022 [Datum
Poststempel]) beantragt der Beschwerdeführer die Aufhebung des
vorinstanzlichen Entscheids vom 17. Mai 2022 und die Gewährung sowohl
der unentgeltlichen Rechtspflege als auch der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung für das Einspracheverfahren. Dabei ist zu
berücksichtigen, dass gemäss Art. 52 Abs. 3 ATSG das
Einspracheverfahren kostenlos ist. Gestützt auf diese Bestimmung hat der
Beschwerdegegner dem Beschwerdeführer zu Recht auch keine Kosten für
das Einspracheverfahren auferlegt. Vor diesem Hintergrund hat der
Beschwerdeführer kein Rechtsschutzinteresse an der von ihm für das
Einspracheverfahren beantragten unentgeltlichen Rechtspflege, weshalb
- 18 -
diesbezüglich auf die Beschwerde nicht einzutreten ist. Zu prüfen ist somit
ausschliesslich, ob dem Beschwerdeführer die Gewährung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung zu Recht verweigert worden ist.
4.3. Der Beschwerdegegner wies das Gesuch des Beschwerdeführers um
unentgeltliche Rechtsverbeiständung vom 26. April 2022 mit der
Begründung der fehlenden Notwendigkeit ab. Die Voraussetzung der
fehlenden Aussichtslosigkeit betrachtete der Beschwerdegegnern indes als
gegeben.
4.4. Nach Art. 29 Abs. 3 BV hat jede Person, die nicht über die erforderlichen
Mittel verfügt, Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege, wenn ihr
Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint. Soweit es zur Wahrung ihrer
Rechte notwendig ist, hat sie ausserdem Anspruch auf einen
unentgeltlichen Rechtsbeistand. Die Bejahung der unentgeltlichen
anwaltlichen Verbeiständung im sozialversicherungsrechtlichen
Verwaltungsverfahren setzt kumulativ voraus, dass diese erforderlich, das
Rechtsbegehren nicht aussichtslos und die Partei bedürftig ist (Art. 37 Abs.
4 ATSG; vgl. KIESER, a.a.O., Art. 37 Rz. 38 ff.; AVIG-Praxis ALE Rz. E40 f.).
Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist die Notwendigkeit der
anwaltlichen Verbeiständung im Verwaltungsverfahren, in welchem der
Untersuchungsgrundsatz gilt (Art. 43 ATSG), nur in Ausnahmefällen zu
bejahen. Es müssen sich schwierige Fragen rechtlicher oder tatsächlicher
Natur stellen. Zu berücksichtigen sind die konkreten Umstände des
Einzelfalls, Eigenheiten der anwendbaren Verfahrensvorschriften sowie
weitere Besonderheiten des jeweiligen Verfahrens. Neben der Komplexität
der Rechtsfragen und der Unübersichtlichkeit des Sachverhalts fallen auch
bei der versicherten Person liegende Gründe in Betracht, etwa ihre
Fähigkeit, sich im Verfahren zurechtzufinden. Des Weiteren muss eine
gehörige Interessenwahrung durch Verbandsvertreter, Fürsorgestellen
oder andere Fach- und Vertrauensleute sozialer Institutionen ausser
- 19 -
Betracht fallen. Grundsätzlich geboten ist die Verbeiständung auch, falls ein
besonders starker Eingriff in die Rechtsstellung des Bedürftigen droht;
andernfalls bloss, wenn zur relativen Schwere des Falls besondere
tatsächliche oder rechtliche Schwierigkeiten hinzukommen, denen der
Gesuchsteller auf sich alleine gestellt nicht gewachsen ist (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 9C_688/2019 vom 30. Juni 2020 E.3.2 mit Hinweisen).
Eine Partei verfügt dann nicht über die erforderlichen Mittel, wenn sie
ausser Stande ist, neben dem notwendigen Lebensunterhalt für sich und
ihre Familie für die Gerichts- und Anwaltskosten aufzukommen (vgl. BGE
144 III 531 E.4.1). Dabei liegt die Grenze der Bedürftigkeit höher als
diejenige des betreibungsrechtlichen Existenzminimums (SVR 2007 AHV
Nr. 7 S. 20). Ein Verfahren gilt als aussichtslos, wenn die Gewinnaussichten
kaum mehr als ernsthaft bezeichnet werden können und die Anhebung
eines Verfahrens geradezu rechtsmissbräuchlich wäre (vgl. BGE 98 V 119).
Angesichts der Komplexität der Fragestellungen im
Sozialversicherungsrecht wird eine solche Aussichtslosigkeit nur
zurückhaltend angenommen (vgl. KIESER, a.a.O., Art. 61 Rz. 192).
Massgebend ist, ob eine Partei, die über die nötigen Mittel verfügt, sich bei
vernünftiger Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde (BGE 142
III 138 E.5.1, 138 III 217 E.2.2.4, 129 I 129 E.2.3.1; KIESER, a.a.O., Art. 61
Rz. 192).
4.5. Gestützt auf die Rechtsbestimmung und sowie auf die Lehre und
Rechtsprechung ist das Verwaltungsgericht der Auffassung, dass der
Beschwerdegegner dem Beschwerdeführer im angefochtenen Entscheid
vom 17. Mai 2022 die unentgeltliche Rechtsverbeiständung in nicht zu
beanstandender Weise verweigert hat. Wie der Beschwerdegegner zu
Recht ausführt, ist die Verweigerung nicht mit der Aussichtslosigkeit
(Gewinnaussichten sind beträchtlich geringer als die Verlustgefahren und
können deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden; vgl. BGE 142 III 138
- 20 -
E.5.1) zu begründen, sondern insbesondere damit, dass es vorliegend nicht
um einen besonders starken Eingriff in die Rechtsstellung des
Beschwerdeführers ging und sich keine schwierigen Fragen rechtlicher
oder tatsächlicher Natur gestellt haben. Der Sachverhalt mit den
vorhandenen Akten war überschaubar und übersichtlich. (Verfahrens-
)rechtlich waren keine Schwierigkeiten zu bewältigen und aufgrund der
Abklärungspflicht bzw. des Untersuchungsgrundsatzes (Art. 43 ATSG) war
der Beschwerdegegner verpflichtet, auf Einsprache hin den Sachverhalt,
wie er von der Arbeitslosenkasse Graubünden in ihrem Entscheid vom 22.
März 2022 festgestellt wurde, nochmals umfassend zu prüfen und rechtlich
mit voller Kognition zu würdigen. Verfügungs- wie Einspracheverfahren
gehören zur verwaltungsinternen Rechtspflege (BGE 133 V 50 E.4.2.2). Die
sachliche Notwendigkeit wird nicht allein dadurch ausgeschlossen, dass
das in Frage stehende Verfahren von der Offizialmaxime oder dem
Untersuchungsgrundsatz beherrscht wird, die Behörde also gehalten ist, an
der Ermittlung des rechtserheblichen Sachverhaltes mitzuwirken. Die
Offizialmaxime rechtfertigt es jedoch, an die Voraussetzungen, unter denen
eine Verbeiständung durch einen Rechtsanwalt sachlich geboten ist, einen
strengen Massstab anzulegen (BGE 125 V 32 E.4.b mit Hinweisen). Die
vom Beschwerdeführer geltend gemachten Sprachprobleme reichen nicht
aus, um ohne Weiteres von der Notwendigkeit eines anwaltlichen
Rechtsvertreters ausgehen zu können. Einerseits hält sich der
Beschwerdeführer seit geraumer Zeit in der Schweiz auf. Gemäss der vom
Verwaltungsgericht vorgenommenen Abklärung beim Migrationsamt des
Kantons St. Gallen reiste er am 12. Januar 2018 in die Schweiz ein und
verfügt über eine Aufenthaltsbewilligung B. Vor diesem Hintergrund ist
davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer zumindest elementare
Deutschkenntnisse hat. Hierfür spricht auch, dass er augenscheinlich in der
Lage war, den von ihm unterzeichneten Arbeitsvertrag mit der C._
GmbH zu verstehen (vgl. Bf-act. 1). Hätten die Sprachkenntnisse nicht
- 21 -
ausgereicht oder hätte der Beschwerdeführer einer Rechtsberatung im
Hinblick auf die Einsprache bedurft, wäre es ihm möglich und zumutbar
gewesen, mit Beratung von privater oder institutioneller Seite Einsprache
zu erheben. Zu denken ist etwa an eine Beratung durch Verbandsvertreter
(z.B. Schweizerischer Maler- und Gipserverband [SMGV]) oder andere
Fach- und Vertrauensleute sozialer Institutionen (z.B. eines Sozialdiensts).
Gründe dafür, dass der Beschwerdeführer auf sich allein gestellt bzw. ohne
anwaltlichen Rechtsbeistand dem Einspracheverfahren nicht gewachsen
gewesen sein sollte, sind damit nicht rechtsgenüglich dargetan. Mangels
Erforderlichkeit einer anwaltlichen Rechtsvertretung ist die Beschwerde in
diesem Punkt abzuweisen.
5.1. Ebenfalls beantragt der Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege
und Rechtsverbeiständung für die vorliegenden Beschwerdeverfahren
S 22 55 und S 22 56.
5.2. Anders als im Einspracheverfahren (Art. 37 Abs. 4 ATSG), wo die
Verhältnisse es erfordern (Hervorhebung durch das Gericht) müssen, der
gesuchstellenden Person einen unentgeltlichen Rechtsbeistand zu
bewilligen, sind die Voraussetzungen im Beschwerdeverfahren weniger
streng. So besagt für das Beschwerdeverfahren Art. 61 lit. f Satz 2 ATSG,
dass, wo die Verhältnisse es rechtfertigen (Hervorhebung durch das
Gericht), der Beschwerde führenden Person ein unentgeltlicher
Rechtsbeistand bewilligt wird. Die unterschiedlichen Formulierungen lassen
vermuten, dass der Gesetzgeber die Anforderungen an die
anwaltschaftliche Verbeiständung im Sozialversicherungsverfahren etwas
strenger ausgestalten wollte als im Rechtspflegeverfahren (vgl. hierzu auch
den Bericht der Kommission des Nationalrates für soziale Sicherheit und
Gesundheit vom 26. März 1999, BBl 1999 4523 ff., 4595, wonach die
Rechtsprechung bezüglich der Voraussetzungen der unentgeltlichen
Verbeiständung im Sozialversicherungsverfahren streng sei und dies ihren
- 22 -
Niederschlag in der Formulierung der Bestimmung gefunden habe). Eine
Rechtsprechung, die darauf hinausliefe, in praktisch allen oder den meisten
Verwaltungsverfahren die Notwendigkeit der anwaltlichen Vertretung zu
bejahen oder diese unter den gleichen Voraussetzungen wie im
Beschwerdeverfahren zu gewähren, stünde im Widerspruch zur
gesetzlichen Regelung (Urteil des Bundesgerichts 8C_669/2016 vom 7.
April 2017 E.2.1 mit weiteren Hinweisen). Abzustellen ist somit im
Beschwerdeverfahren darauf, ob die finanzielle Bedürftigkeit gegeben ist,
das Verfahren nicht aussichtslos ist und ob die anwaltliche Vertretung
notwendig oder doch geboten ist (vgl. BGE 98 V 117; KIESER; a.a.O., Art.
61 Rz. 187).
5.3. Gemäss den eingereichten Lohnabrechnungen hat sich das
Nettoerwerbseinkommen des Beschwerdeführers im Zeitraum von Januar
bis März 2022 auf monatlich durchschnittlich CHF 3'300.-- (inkl.
Quellensteuerabzug) belaufen. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen,
dass der Beschwerdeführer per März 2022 seinen Arbeitgeber gewechselt
hat. Seither arbeitet er nicht mehr bei der H._ GmbH, sondern bei der
I._ GmbH. Gemäss der Lohnabrechnung März 2022 erwirtschaftet der
Beschwerdeführer bei der heutigen Arbeitgeberin ein
Nettoerwerbseinkommen von monatlich CHF 3'116.25 (inkl.
Quellensteuerabzug). Von diesem Einkommen ist hier auszugehen. Selbst
wenn beim Beschwerdeführer auf Bedarfsseite lediglich der Grundbetrag (=
CHF 1'200.--), der Zuschlag auf den Grundbetrag (= CHF 240.--), die
Wohnkosten (inkl. Nebenkosten; = CHF 1'296.--) und die Prämien für die
Krankenkasse (KVG: = CHF 358.--) berücksichtigt werden, resultiert ein
Existenzminimum von monatlich CHF 3'094.--. Wird dieser Betrag dem
Einkommen des Beschwerdeführers gegenübergestellt, resultiert ein
Überschuss von CHF 22.25. Damit ist es dem Beschwerdeführer nicht
möglich, seine Rechtsvertreter zu bezahlen. Ausserdem sind die
- 23 -
Gewinnchancen in der vorliegenden Angelegenheit nicht von vornherein
deutlich geringer als die hiermit verbundene Verlustgefahr. Die vorliegend
zu beurteilenden Rechtsstreitigkeiten sind folglich nicht als aussichtslos zu
bezeichnen. Zudem kann auch von einer gesteigerten Komplexität im
verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren ausgegangen werden,
bedurften doch die Beschwerdeschriften – im Gegensatz zur Einsprache
auf die eine Seite umfassende Verfügung vom 22. März 2022 hin – einer
vertieften Auseinandersetzung in Bezug auf die ausführlicher begründeten
und rechtsterminologisch anspruchsvolleren Entscheide vom 17. Mai 2022.
Um seine Interessen in den Beschwerdeverfahren wahren zu können, hat
der Beschwerdeführer gerechtfertigterweise einen anwaltlichen
Rechtsbeistand beigezogen, ist er doch nachvollziehbarerweise in den
vorliegend zu beurteilenden Rechtsgebieten nicht bewandert (vgl. KIESER,
a.a.O., Art. 61 Rz. 193). Demzufolge ist dem Beschwerdeführer
entsprechend seinem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege für das
vorliegende Beschwerdeverfahren ein unentgeltlicher Rechtsbeistand in
der Person von Rechtsanwalt Dr. Marco S. Marty und/oder Rechtsanwalt
MLaw Alessandro Bernasconi zu bewilligen.
6. Die Rechtsvertreter, welche bereits im Einspracheverfahren mit der
Angelegenheit befasst waren, haben dem Gericht mit Schreiben vom 12.
September 2022 eine Honorarnote für den Zeitraum vom 28. Februar 2022
bis 5. September 2022 über insgesamt CHF 14'186.15 (inkl. MWST und
Spesen) eingereicht. Angesichts der Tatsache, dass dem
Beschwerdeführer ausschliesslich die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung für die vorliegenden Beschwerdeverfahren gewährt
werden kann, können ihm grundsätzlich auch nur die Aufwendungen im
Zusammenhang mit diesen Rechtsmittelverfahren entschädigt werden, d.h.
ab dem 24. Mai 2022 ("Tel. mit Klient re. next Steps (+Tel. Notiz)") bis am
5. September 2022. Für diesen Zeitraum beläuft sich der anwaltliche
- 24 -
respektive juristische Aufwand auf insgesamt 24.2 Stunden. Dieser
Aufwand erweist sich als zu hoch, weshalb er wie folgt zu kürzen ist: Am
16. August 2022 wird für die Durchsicht der Vernehmlassungen der
Gegenpartei und das Erstellen eines Argumentariums für die Replik ein
Aufwand von 1.8 Stunden geltend gemacht. Dabei ist zu berücksichtigen,
dass diese Vernehmlassungen einerseits identisch sind und sich
andererseits im Wesentlichen mit den angefochtenen Entscheiden vom
17. Mai 2022 decken. Entsprechend erweist es sich als angemessen, den
Aufwand unter dieser Position von 1.8 Stunden um 1 Stunde auf 0.8
Stunden zu reduzieren. In seiner zehnseitigen Replik bringt der
Beschwerdeführer zudem nichts rechtsrelevantes Neues vor – weder in
tatsächlicher noch rechtlicher Hinsicht. Entsprechend ist der in diesem
Zusammenhang vom 17. bis 19. August 2022 erbrachte Aufwand von
insgesamt 9 Stunden um 4.5 Stunden auf 4.5 Stunden zu reduzieren. Für
die Redaktion der Beschwerden sowie der damit im Zusammenhang
stehenden Gesuche um unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung wird am 15. Juni 2022 (= 1 Stunde "IZE", insgesamt
1.1 Stunden), am 16. Juni 2022 (= 5 Stunden "IZE", insgesamt 5.3 Stunden)
und am 17. Juni 2022 (= 1.5 Stunden "IZE", insgesamt 5.8 Stunden) ein
Aufwand von insgesamt 12.2 Stunden geltend gemacht. Dabei ist zu
berücksichtigen, dass die Beschwerdeschrift vom 17. Juni 2022 in
materieller Hinsicht grundsätzlich identisch ist mit der Einsprache vom 26.
April 2022. Mit anderen Worten konnte diesbezüglich grösstenteils auf
bereits Geleistetes zurückgegriffen werden. Dasselbe hat auch für die im
vorliegenden Beschwerdeverfahren und im Einspracheverfahren
eingereichten Gesuche um unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung zu gelten. Vor diesem Hintergrund erweist es sich
als angemessen, den Aufwand von 12.2 Stunden um 4.2 Stunden auf 8
Stunden zu kürzen. Damit ergibt sich für den massgebenden Zeitraum vom
24. Mai 2022 bis 5. September 2022 ein um 9.7 Stunden gekürzter Aufwand
- 25 -
von insgesamt 14.5 Stunden (= 24.2 Stunden – 9.7 Stunden). Hiervon
entfällt ein Aufwand von 7.5 Stunden auf die Juristin bzw.
Rechtspraktikantin Ivana Zeko "IZE". Nach Art. 5 Abs. 1 und 2 der
kantonalen Verordnung über die Bemessung des Honorars der
Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte (Honorarverordnung [HV]; BR
310.250) ist für die unentgeltliche Vertretung für Rechtsanwälte von einem
Stundenansatz von CHF 200.-- und für Rechtspraktikantinnen von einem
Stundenansatz von CHF 150.-- (Art. 6 HV; 75 % des Ansatzes für
Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte) zuzüglich notwendige Barauslagen
und Mehrwertsteuer auszugehen. Unter Berücksichtigung dieser
Stundenansätze ergibt sich eine Entschädigung von insgesamt CHF 2'801.-
- (= [7.5 Stunden x CHF. 150.--] CHF 1'125.-- +
[7 Stunden x CHF 200.--] CHF 1'400.--; zuzüglich 3% Spesenpauschale
CHF 75.75 und 7.7% MWST CHF 200.25]), welche in Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege zunächst zu Lasten der Gerichtskasse geht.
Diese Kosten der anwaltlichen Rechtsvertretung hat der Beschwerdeführer
zu erstatten, wenn sich seine Einkommens- oder Vermögensverhältnisse
gebessert haben und er hierzu in der Lage ist (Art. 77 VRG).
7. Gemäss Art. 1 Abs. 1 AVIG i.V.m. Art. 61 lit. fbis ATSG ist das kantonale
Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über Leistungen kostenpflichtig,
wenn dies im jeweiligen Einzelgesetz vorgesehen ist; sieht das Einzelgesetz
keine Kostenpflicht bei solchen Streitigkeiten vor, so kann das Gericht einer
Partei, die sich mutwillig oder leichtsinnig verhält, Gerichtskosten auferlegen.
Da das AVIG keine Kostenpflicht statuiert und vorliegend Mutwilligkeit oder
Leichtsinn nicht vorliegen, sind dem Beschwerdeführer keine Kosten
aufzuerlegen. Dem obsiegenden Beschwerdegegner steht kein Anspruch
auf Ersatz der Parteikosten zu (vgl. Art. 61 lit. g ATSG).