# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 1bfcce5a-b655-5930-8dd2-991d9ac8d4e9
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdeführer reichte am 4. Mai 2017 bei der Gemeinde Diemerswil ein
Baugesuch ein für den Neubau eines Reitplatzes mit Beleuchtung auf Parzelle Diemerswil
Grundbuchblatt Nr. C._. Die Parzelle liegt in der ländlichen Dorfkernzone.
Mit Entscheid vom 10. Juli 2017 erteilte die Gemeinde Diemerswil die Baubewilligung mit
der Auflage, dass die Beleuchtungsdauer des Reitplatzes beschränkt wird auf die
Vorabendzeit bis 22.00 Uhr, jeweils im Zeitraum vom 1. November bis 31. März.
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2. Dagegen reichte der Beschwerdeführer am 10. August 2017 Beschwerde bei der
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er beantragt die
Abänderung des Bauentscheids vom 10. Juli 2017 in dem Sinn, dass die zulässige
Beleuchtungsdauer des Reitplatzes ganzjährig morgens ab 06.00 Uhr und abends bis
22.00 Uhr festgelegt werde.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, edierte die
Vorakten und holte die Stellungnahme der Gemeinde sowie ergänzend den Situationsplan
ein. Auf die Rechtsschriften und Stellungnahmen wird, soweit für den Entscheid wesentlich,
in den nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen. Das Rechtsamt der BVE teilte den
Parteien zudem mit, dass der Reitplatz, dessen Einschränkung der Beleuchtungsdauer
vorliegend umstritten ist, in einer Bauzone liegt und die vom Amt für Gemeinden und
Raumordnung (AGR) erwähnte Wegleitung "Pferd und Raumplanung" des Bundesamtes
für Raumentwicklung ARE zu Art. 34b Abs. 4 RPV daher nicht anwendbar sei. Aufgrund
einer summarischen Prüfung des Rechtsamtes führe eine Beleuchtung im gemäss der
Beschwerde beantragten Umfang nicht zu übermässigen Immissionen, zumal sich der
Reitplatz am Siedlungsrand befindet. Das Rechtsamt erwäge daher, den angefochtenen
Bauentscheid (Auflage Ziffer 3.g, Satz 4) entsprechend anzupassen und die
Beleuchtungsdauer einzig auf die Zeit zwischen 06.00 Uhr und 22.00 Uhr zu beschränken.
Die Gemeinde Diemerswil erhielt Gelegenheit, zu diesen Überlegungen Stellung zu
nehmen. Sie teilte mit Schreiben vom 19. Oktober 2017 mit, sie verzichte auf eine
Stellungnahme. Sie verweise nochmals auf die Auskunft des AGR, gestützt auf welche sie
die Beschränkung der Beleuchtungszeit verfügt habe.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Prozessvoraussetzungen
a) Bauentscheide können nach Art. 40 BauG2 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit für die Beurteilung
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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der Beschwerde zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen, die
Baugesuchsteller, die Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige
Gemeindebehörde (Art. 40 Abs. 2 BauG). Der Beschwerdeführer, dessen Baugesuch mit
einer Auflage zur zeitlichen Einschränkung der Beleuchtung versehen wurde, ist durch den
vorinstanzlichen Gesamtentscheid beschwert und daher zur Beschwerdeführung
legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
b) Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet einzig die auferlegte Beschränkung
der zulässigen Beleuchtungsdauer. Die Gemeinde Diemerswil hat die Baubewilligung für
den Neubau des Reitplatzes unter der Auflage erteilt, dass die Beleuchtung des
Reitplatzes nur ab der Vorabendzeit bis 22.00 Uhr erfolgen darf und dies nur im Zeitraum
vom 1. November bis 31. März. Der Beschwerdeführer beantragt, eine Beleuchtungsdauer
des Reitplatzes ganzjährig morgens ab 06.00 Uhr und abends bis 22.00 Uhr zuzulassen.
2. Lichtimmissionen
a) Der Beschwerdeführer rügt eine unrichtige Rechtsanwendung sowie
Unangemessenheit hinsichtlich der auferlegten Beschränkung der Beleuchtungsdauer des
Reitplatzes auf die Vorabendzeit bis 22.00 Uhr, jeweils im Zeitraum vom 1. November bis
31. März. Er bringt insbesondere vor, diese Auflage sei unangemessen, da von Gesetzes
wegen keine Beschränkung der zulässigen Beleuchtungsdauer vorgesehen und nur der
allgemeine Immissionsschutz nach der Umweltgesetzgebung massgeblich sei. Zudem
liege es im öffentlichen Interesse der Unfallprävention, eine gute Beleuchtung des
Reitplatzes in den Dämmerungszeiten oder bei wetterbedingter schlechter Sicht
sicherzustellen. Weiter werde der Reitsport häufig in den morgendlichen Stunden
ausgeübt, ohne Beleuchtung ab 06.00 Uhr werde eine wirtschaftliche Nutzung des
Reitplatzes verunmöglicht. Aus diesen Gründen sei die Auflage betrieblich nicht zumutbar
und wirtschaftlich nicht tragbar im Sinne von Art. 11 Abs. 2 USG3.
Die Gemeinde führt in ihrer Stellungnahme aus, sie habe zeitgleich ein anderes Baugesuch
für einen Reitplatz mit Beleuchtung behandelt. In diesem Verfahren habe das AGR in
seiner Verfügung betreffend Zonenkonformität für das Bauen ausserhalb der Bauzone den
3 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01)
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zulässigen Beleuchtungszeitraum und die Beleuchtungsdauer massgeblich eingeschränkt.
Auf Nachfrage der Gemeinde hin habe das AGR bestätigt, dass "diese Auflage für alle
Reitplätze gelte." Deshalb habe die Gemeinde aus Gründen der Rechtsgleichheit die
Beleuchtungsdauer im vorliegenden Verfahren ebenfalls eingeschränkt.
b) Die Einrichtungen der Reitplatzbeleuchtung erzeugen künstliches Licht in Form von
elektromagnetischen Strahlen. Bei diesen handelt es sich um Einwirkungen im Sinne von
Art. 7 Abs. 1 USG, die beim Austritt aus Anlagen als Emissionen, am Ort ihres Einwirkens
als Immissionen bezeichnet werden (Art. 7 Abs. 2 USG).4 Für Lichtimmissionen gibt es in
der Schweiz bis anhin keine Grenzwerte oder sonstige verbindliche Regelungen.5 Die
Beurteilung von Lichtimmissionen erfolgt daher, anders als z.B. bei Lärmimmissionen, nicht
mittels Mess- und Grenzwerten, sondern die rechtsanwendenden Behörden müssen diese
im Einzelfall unmittelbar gestützt auf Art. 11-14 USG sowie Art. 16-18 USG beurteilen.
Nach Art. 11 Abs. 1 USG werden Emissionen wie Strahlen mit Massnahmen an der Quelle
begrenzt. Dabei sind Emissionen, unabhängig von der bestehenden Umweltbelastung, im
Rahmen der Vorsorge so weit zu begrenzen, als dies technisch und betrieblich möglich
und wirtschaftlich tragbar ist (Art. 11 Abs. 2 USG). Nach diesem sogenannten
Vorsorgeprinzip sind Emissionsbegrenzungen nicht nur zum Schutz gegen schädliche oder
lästige Emissionen geboten, sondern auch zur Vermeidung unnötiger Emissionen.6 Dabei
muss analog Art. 14 Bst. a und b USG sichergestellt werden, dass die Immissionen nach
dem Stand der Wissenschaft oder der Erfahrung Menschen, Tiere und Pflanzen, ihre
Lebensgemeinschaften und Lebensräume nicht gefährden und die Bevölkerung in ihrem
Wohlbefinden nicht erheblich stören.7 Ein völlig ungestörtes, immissionsfreies Wohnen ist
hingegen nicht gefordert.
c) Zur Beurteilung von Lichtemissionen werden Richtlinien und Empfehlungen von
Fachstellen herangezogen. Dies gilt insbesondere für die "Empfehlungen zur Vermeidung
von Lichtemissionen" des BUWAL8 aus dem Jahr 2005, die Empfehlungen
"Lichtverschmutzung vermeiden" des Amtes für Berner Wirtschaft (beco)9 sowie die SIA-
4 BGE 140 II 33 E. 4 5 VGE 100.2010.2008 vom 24. Januar 2011, E. 2.4 6 BGE 140 II 33 E. 4.1 7 BGE 140 II 33 E. 4.2 8 Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, heute BAFU 9 <http://www.vol.be.ch/vol/de/index/direktion/organisation/beco/downloads_publikationen/luft_immissionen. assetref/dam/documents/VOL/BECO/de/Luft/Licht_Elektrosmog/beco-luft-licht-verschmutzung_DE.pdf>
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Norm 491 zur "Vermeidung unnötiger Lichtemissionen im Aussenraum"10. Gemäss diesen
Richtlinien sind Emissionen unnötig, soweit sie über das Mass hinausgehen, das zur
Erfüllung ihres Zwecks notwendig ist. Zu beleuchten ist nur, was beleuchtet werden muss,
wobei die notwendigen Bedürfnisse mit der geringstmöglichen Gesamtlichtmenge
abzudecken sind.11 Auch die kantonale Energiegesetzgebung (Art. 51 Abs. 1 KEnG12)
schreibt vor, dass Beleuchtungen energieeffizient und umweltschonend zu betreiben sind
und dass die Lichtstärke und die Dauer der Beleuchtung auf das Mass zu beschränken
sind, das aus Sicherheitsgründen erforderlich und für den Verwendungszweck geboten ist.
Die genannten Richtlinien und Empfehlungen fordern grundsätzlich keine zeitliche
Einschränkung, welche über ein Ausschalten für die Zeit von 22.00 Uhr bis 06.00 Uhr
hinausgeht: Die Empfehlungen des BUWAL zum Zeitmanagement streben eine
Synchronisation mit dem Nachtruhefenster von 22.00 Uhr bis 6.00 Uhr an (Ziffer 5.2.9) und
die SIA-Norm 491 hält insbesondere die ganznächtliche Beleuchtung von Aussensport-
und Freizeitanlagen wie Reitsportplätzen für mögliche unnötige Lichtemissionen (Ziffer
3.5.2).
d) Der Beschwerdeführer legt nachvollziehbar dar, dass eine Beleuchtung zur
Unfallprävention in den Dämmerungszeiten und bei wetterbedingter schlechter Sicht das
ganze Jahr über notwendig sein kann: Bekanntlich wird der Reitsport insbesondere von
berufstätigen Reitern häufig frühmorgens oder spätabends ausgeübt. Im Sommer drängen
sich diese Stunden zudem auf, um den Pferden die Hitze zu ersparen. Zudem kann es
auch im Zeitraum vom 1. April bis 31. Oktober, insbesondere im Frühling und Herbst,
wetterbedingt zu schlechten Lichtverhältnissen kommen. Damit besteht für den
Beschwerdeführer ein erhebliches Interesse, den Reitplatz auch dann zu benützten, wenn
das Tageslicht zur Beleuchtung nicht ausreicht. Aufgrund der Lage des Reitplatzes am
Dorfrand ist nicht ersichtlich, weshalb die beantragte Beleuchtungsdauer von 06.00 Uhr bis
22.00 Uhr nicht gestattet werden sollte. Auch die Gemeinde bringt keine Gründe vor. Das
Bundesgericht hatte die Rechtmässigkeit einer Beleuchtungsanlage eines Sportplatzes mit
sechs 18 m hohen Masten in der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen, welche sich
neben einer Wohnzone befindet, zu beurteilen. Es entschied, dass eine zeitliche
Beschränkung der Benützung der Beleuchtung auf den Zeitraum zwischen 06.00 Uhr und
22.00 Uhr den nachbar- und umweltrechtlichen Anforderungen an den Immissionsschutz
10 Schweizer Norm, SN 586 491 11 Vgl. Richtlinien beco S. 4 sowie BGer 1C_602/2012 vom 2.4.2014, E. 4.1 mit den entsprechenden Hinweisen 12 Kantonales Energiegesetz vom 15. Mai 2011 (KEnG; BSG 741.1)
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genügt.13 Gleiches muss im vorliegenden Fall für einen Reitplatz am Siedlungsrand gelten.
Der nicht beanstandete Teil der Auflage stellt zudem sicher, dass die Leistungen der
Leuchten nur 80 Watt betragen dürfen und die Abstrahlung so weit beschränkt wird, dass
die Lichtkegel sich nur innerhalb des Reitplatzes befinden. Damit ist gemäss dem
Vorsorgeprinzip sichergestellt, dass die Beleuchtung aufs Notwendige beschränkt ist. Für
die Einholung eines Fachberichts zur Zulässigkeit der beantragten Beleuchtungsdauer
besteht bei dieser Sachlage kein Bedarf.
Nicht massgebend ist hingegen Art. 34b Abs. 4 RPV14 und die dazugehörende Wegleitung
Pferd und Raumplanung, Version 2015, da diese in der Bauzone nicht gelten. Sie
bezwecken nicht nur den Immissions- und Nachbarschutz, sondern auch den Schutz der
Landwirtschaftszonen.
e) Die Einschränkung der Beleuchtung des Reitplatzes auf die Vorabendzeit bis
22.00 Uhr im Zeitraum vom 1. November bis 31. März ist demnach nicht gerechtfertigt.
Daher wird die Beleuchtung des Reitplatzes ganzjährig von 06.00 bis 22.00 zugelassen.
Die Beschwerde ist gutzuheissen und die Auflage in der Baubewilligung entsprechend
anzupassen.
3. Kosten
a) Die Grundsätze der Kostenverlegung sind in Art. 108 VRPG geregelt. Demnach
werden die Verfahrenskosten der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Die
unterliegende Partei hat der Gegenpartei zudem die Parteikosten zu ersetzen, sofern nicht
deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung oder
Wettschlagung gebietet oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG).
13 BGer 1C_105/2009 vom 13. Oktober 2009, E. 3 14 Raumplanungsverordnung des Bundesrates vom 28. Juni 2000 (RPV; SR 700.1)
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b) Die Verfahrenskosten werden bestimmt auf eine Pauschalgebühr von Fr. 800.--
(Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 GebV15). Der Beschwerdeführer ist
mit seinen Rügen durchgedrungen und gilt daher als obsiegend. Der Gemeinde können
keine Verfahrenskosten auferlegt werden (Art. 108 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 2
Abs. 1 Bst. b VRPG). Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- trägt daher der Kanton.
c) Der Beschwerdeführer hat zudem Anspruch auf den Ersatz seiner Parteikosten. Die
Parteikosten umfassen den durch die berufsmässige Parteivertretung anfallenden Aufwand
(Art. 104 Abs. 1 VRPG). Die eingereichte Kostennote der Anwälte des Beschwerdeführers
gibt zu keinen Bemerkungen Anlass. Die Gemeinde Diemerswil hat somit dem
Beschwerdeführer die Parteikosten von Fr. 2'167.25 zu ersetzen.