# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 7ebd60ef-a4b9-42df-87c6-ed9ed12c900a
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ X.Y.-Z., geb. 00. März 1963 und Bürgerin von W./SG, und D.Y., geboren am
00. Februar 1985, von Tunesien, heirateten am 20. März 2008 in G./SG. D.Y. war am
30. Januar 2008 zur Vorbereitung der Heirat erstmals in die Schweiz eingereist. Im
Rahmen des Familiennachzugs erhielt er eine Aufenthaltsbewilligung, die letztmals bis
19. März 2011 verlängert wurde.
B./ Gestützt auf eine Meldung von X.Y.-Z. intervenierte die Kantonspolizei St. Gallen
am 9. Januar 2010 wegen verbaler Streitigkeiten im häuslichen Bereich der Eheleute
Y.-Z. Wegen einer depressiven Entwicklung, Selbstverletzungen und Aggressivität
wurde D.Y. auf eigenen Wunsch am 18. Januar 2010 in der psychiatrischen Klinik Wil
hospitalisiert. Am folgenden Tag trat er wieder aus. Sein Zustand verbesserte sich
unter einer vom Hausarzt durchgeführten Therapie mit Antidepressiva deutlich, jedoch
setzte er die medikamentöse Behandlung im April 2010 entgegen dem ärztlichen Rat
frühzeitig ab. Am 27. April 2010 ersuchte X.Y.-Z. um Eheschutzmassnahmen mit der
Begründung, das weitere Zusammenleben mit ihrem Ehemann sei unzumutbar. Am
6. Juni 2010 war wegen einer handgreiflichen Auseinandersetzung zwischen den
Eheleuten Y.-Z. erneut eine polizeiliche Intervention im häuslichen Bereich erforderlich.
Am 25. August 2010 wurde D.Y. im Anschluss an eine weitere polizeiliche Intervention
im häuslichen Bereich wegen des Verdachts, seine Ehefrau vergewaltigt zu haben, in
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Untersuchungshaft genommen. Im Anschluss an die Untersuchungshaft trat er am
19. März 2011 den (vorzeitigen) Strafvollzug an. Die Familienrichterin des Kreisgerichts
St. Gallen genehmigte im Rahmen des Eheschutzverfahrens am 15. September 2010
eine Vereinbarung zwischen den Eheleuten Y.-Z., in welcher sie sich mit dem
Getrenntleben ab 25. August 2010 einverstanden erklärten und die eheliche Wohnung
in G./SG der Ehefrau zur alleinigen Benützung zuwiesen. Zudem wurde D.Y. verboten,
das Grundstück mit der ehelichen Wohnung zu betreten und seine Ehefrau an ihrem
Arbeitsort aufzusuchen. Das Migrationsamt des Kantons St. Gallen widerrief am
22. November 2010 die Aufenthaltsbewilligung von D.Y. Die Verfügung wurde ihm am
23. November 2010 gegen Empfangsbestätigung im Gefängnis G. eröffnet und
unangefochten rechtskräftig.
C./ X.Y.-Z. reichte am 17. Dezember 2010 beim Einwohneramt G. ein neues Gesuch
um Familiennachzug für ihren Ehemann ein. Das Migrationsamt sistierte das Verfahren
am 23. Dezember 2010 bis zum Abschluss des Strafverfahrens und wies das Gesuch –
nachdem D.Y. vom Kantonsgericht St. Gallen mit Urteil vom 2. November 2011 wegen
Vergewaltigung, mehrfacher sexueller Nötigung und Drohung sowie wegen mehrfacher
Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und
einer Busse von Fr. 300.— rechtskräftig verurteilt worden war – am 14. März 2012 ab.
Den von X.Y.-Z. gegen die Abweisung am 28. März 2012 erhobenen Rekurs wies das
Sicherheits- und Justizdepartement (nachfolgend Vorinstanz) am 27. Juli 2012 ab.
D./ Gegen den Entscheid vom 27. Juli 2012 erhob X.Y.-Z. (nachfolgend
Beschwerdeführerin) durch ihren Rechtsvertreter mit Eingabe vom 24. August 2012
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Rechtsbegehren, es sei der
angefochtene Entscheid unter Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
aufzuheben, das Gesuch um Familiennachzug für D.Y. gutzuheissen und die Sache zur
Erteilung der Aufenthaltsbewilligung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Mit Vernehmlassung vom 28. August 2012 beantragte die Vorinstanz, die Beschwerde
sei unter Kostenfolge abzuweisen. Die Beschwerdeführerin verzichtete am
4. September 2012 auf eine weitere Stellungnahme. Am 26. September 2012 wies die
Anklagekammer des Kantons St. Gallen die gegen die Verweigerung der bedingten
Entlassung von D.Y. aus dem Strafvollzug erhobene Beschwerde ab. Am 21. Januar
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2013 gingen zwei Disziplinarverfügungen des Zürcher Amts für Justizvollzug vom
15. Januar 2013 ein, wonach D.Y. wegen Verstosses gegen das Waffen- und
Drogenverbot in der Vollzugseinrichtung – er hatte einen Cutter aus dem Werkbereich
auf sich getragen und in seiner Zelle wiederholt Cannabis geraucht – mit einem
Zellenein- und (teilweise leichten) Gruppenausschluss während zusammen 14 Tagen
und einer Busse von Fr. 40.- belegt wurde. Die Verfügungen wurden dem
Rechtsvertreter gleichentags per Fax und mit dem Hinweis auf die für 24. Januar 2013
vorgesehene Behandlung der Beschwerdesache zur Kenntnis gebracht.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge wird,

## Considerations

soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
2. Das Migrationsamt hat die Aufenthaltsbewilligung des Ehemannes der
Beschwerdeführerin am 22. November 2010 während der strafrechtlichen
Untersuchung des Vorwurfs der Vergewaltigung und der sexuellen Nötigung
widerrufen. Dieser Widerruf wurde unangefochten rechtskräftig. Da die
Beschwerdeführerin einen in Art. 13 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (SR 101, abgekürzt BV) und Art. 8 der Europäischen Konvention
zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR 0.101, abgekürzt EMRK)
grundrechtlich geschützten Anspruch geltend macht, steht der rechtskräftige Widerruf
des Aufenthaltsrechts der erneuten Einreichung eines Gesuchs um Familiennachzug
am 17. Dezember 2010 nicht entgegen. Dies gilt umso mehr, als sich die Verhältnisse
seither insoweit geändert haben, als ihr Ehemann einerseits rechtskräftig strafrechtlich
verurteilt wurde und anderseits während des Strafvollzugs psychotherapeutisch
behandelt wird. Daran ändert auch die Befristung des Anspruchs in Art. 47 des
Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer (SR 142.20, abgekürzt AuG)
nichts, zumal nicht ein nachträglicher Familiennachzug, sondern im Ergebnis die
Weiterführung eines früheren Aufenthalts zu beurteilen und die Fünfjahresfrist seit dem
Eheschluss am 8. März 2008 ohnehin nicht abgelaufen ist (vgl. M. Caroni, in: Caroni/
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Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer,
Stämpflis Handkommentar, Bern 2010, N 25 zu Art. 47 AuG).
3. Zu prüfen ist, ob dem Ehemann der Beschwerdeführerin im Rahmen des
Familiennachzugs eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen ist. Dabei ist zunächst zu
klären, ob der gesetzliche Anspruch erloschen ist (vgl. dazu nachfolgend E. 3.1). Ist
dies der Fall, fragt sich, ob die Verweigerung der Bewilligung vor dem Grundsatz der
Verhältnismässigkeit standhält (vgl. dazu nachfolgend E. 3.2 und 3.3).
3.1. Gemäss Art. 42 Abs. 1 AuG haben ausländische Ehegatten von Schweizerinnen
Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit
diesen zusammenwohnen. Der Anspruch erlischt gemäss Art. 51 Abs. 1 Ingress und
lit. b AuG, wenn Widerrufsgründe nach Art. 63 vorliegen. Gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. a in
Verbindung mit Art. 62 Ingress und lit. b AuG kann die Bewilligung unter anderem
widerrufen werden, wenn ein Ausländer zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt
wurde. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist diese Voraussetzung erfüllt,
wenn gegenüber dem Ausländer eine Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr
ausgesprochen wurde (BGE 135 II 377 E. 4.1).
In der Beschwerde ist unbestritten, dass der Ehemann der Beschwerdeführerin wegen
Vergewaltigung, mehrfacher sexueller Nötigung und Drohung gegenüber der
Beschwerdeführerin mit Urteil des Kantonsgerichts vom 2. November 2011 zu einer
unbedingten Freiheitsstrafe von drei Jahren, mithin zu einer längerfristigen
Freiheitsstrafe im Sinn von Art. 62 Ingress und lit. b AuG verurteilt wurde (vgl. dazu
auch BGer 2C_932/2011 vom 7. Juni 2012 E. 4.1). Der Verurteilung liegen
Widerhandlungen gegen die Freiheit und gegen die sexuelle Integrität zugrunde. Der
Gesetzgeber hat mit der am 1. April 2004 in Kraft getretenen Revision sowohl die
sexuelle Nötigung als auch die Vergewaltigung in der Ehe und in der Partnerschaft als
Offizialdelikt ausgestaltet, indem er Art. 189 Abs. 2 und Art. 190 Abs. 2 des
Schweizerischen Strafgesetzbuches (SR 311.0, abgekürzt StGB), welche eine
Strafverfolgung nur auf Antrag vorsahen, aufhob (vgl. AS 2004, S. 1407). Im Gegensatz
zu den zwischen Ehegatten und Partnern begangenen weniger schweren Delikten sieht
das Gesetz bei Strafverfahren wegen sexueller Nötigung und Vergewaltigung auch
keine Einstellung mit dem Einverständnis des Opfers vor (vgl. Art. 55a StGB). Mit dieser
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Regelung wird dem Umstand Rechnung getragen, dass es Opfern von Gewalt im
sozialen Nahraum ausgesprochen schwer fällt, einen Strafantrag zu stellen oder einen
solchen aufrechtzuerhalten, da sie vom Täter oder von Angehörigen leicht unter Druck
gesetzt werden können (vgl. BBl 2003, S. 1912).
Angesichts dieses gesetzgeberischen Entscheides, Verbrechen gegen die sexuelle
Freiheit in Ehe und Partnerschaft gleich zu behandeln, wie wenn sie ausserhalb eines
sozialen Nahraumes begangen werden, erweisen sich die Vorbringen der
Beschwerdeführerin, sie sei die einzige Betroffene der Straftaten, habe ihrem Mann
verziehen und setze sich mit allen Mitteln dafür ein, mit ihm in der Schweiz
zusammenleben zu können, als unbehelflich. Vielmehr wiegt das vom Gesetzgeber in
den einschlägigen Rechtsnormen des Strafrechts zum Ausdruck gebrachte öffentliche
Interesse, Gewaltdelikte auch in partnerschaftlichen Beziehungen zu vermeiden, derart
schwer, dass der Anspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung für den
Ehemann der Beschwerdeführerin aufgrund der strafrechtlichen Verurteilung
grundsätzlich erloschen ist. Es stellt sich somit noch die Frage nach der
Verhältnismässigkeit dieser Massnahme.
3.2. Gemäss Art. 96 Abs. 1 AuG berücksichtigt die zuständige Behörde bei der
Ermessensausübung die öffentlichen Interessen und die persönlichen Verhältnisse
sowie den Grad der Integration der Ausländerinnen und Ausländer. Dabei sind
namentlich die Schwere des Verschuldens bei Straftaten, die Dauer der bisherigen
Anwesenheit sowie die dem Betroffenen und seiner Familie drohenden Nachteile zu
berücksichtigen. Die Notwendigkeit einer Verhältnismässigkeitsprüfung ergibt sich
auch aus Art. 8 Ziff. 2 EMRK. Danach ist ein Eingriff in das von Art. 8 Ziff. 1 EMRK
geschützte Familienleben dann statthaft, wenn er gesetzlich vorgesehen ist und eine
Massnahme darstellt, die in einer demokratischen Gesellschaft unter anderem zur
Verhinderung von strafbaren Handlungen sowie der Rechte und Freiheiten anderer
notwendig erscheint. Bei der Interessenabwägung sind die Schwere des begangenen
Delikts, der seit der Tat vergangene Zeitraum, das Verhalten des Ausländers während
dieser Periode, die Auswirkungen auf die primär betroffene Person sowie deren
familiäre Situation zu berücksichtigen. Zudem sind die Dauer der ehelichen Beziehung
und weitere Gesichtspunkte relevant, welche Rückschlüsse auf deren Intensität
zulassen. Von Bedeutung sind auch die Nachteile, welche der Ehepartnerin erwachsen
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würden, müsste sie dem Betroffenen in dessen Heimat folgen (vgl. BGE 135 II 377
E. 4.3 mit Hinweisen).
Neben dem strafrechtlichen Verschulden sind insbesondere die Art und Schwere der
Straftat(en), die durch die Straftat verletzten Rechtsgüter, die Art und Umstände der
Tatbegehung (einfache oder mehrfache Delinquenz) sowie das Verhalten nach der Tat
zu berücksichtigen. Dem strafrechtlichen Resozialisierungsgedanken ist zwar im
Rahmen der umfassenden Interessenabwägung Rechnung zu tragen. Die Prognose
über das Wohlverhalten ist jedoch nicht ausschlaggebend, weil aus der Sicht der
Ausländerbehörden das Interesse der öffentlichen Ordnung und Sicherheit im
Vordergrund steht. Aus ausländerrechtlicher Sicht ist das Risiko eines Rückfalls umso
weniger hinzunehmen, je schwerer die Tat wiegt, welche die ausländische Person
verübt hat. Im Zusammenhang mit Gewaltdelikten muss selbst ein geringes Restrisiko
nicht in Kauf genommen werden (vgl. S. Hunziker, in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.],
Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, Stämpflis Handkommentar,
Bern 2010, N 12 zu Art. 63 AuG mit Hinweisen auf die bundesgerichtliche
Rechtsprechung). Was das Interesse an der Fernhaltung betrifft, darf bei ausländischen
Personen, die nicht unter das Abkommen vom 21. Juni 1999 zwischen der
Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft
und ihren Mitgliedstaaten anderseits über die Freizügigkeit (SR 0.142.112.681) fallen,
im Rahmen der Interessenabwägung auch generalpräventiven Gesichtspunkten
Rechnung getragen werden (vgl. BGer 2C_932/2011 vom 7. Juni 2012 E. 3.2 mit
Hinweisen auf weitere Rechtsprechung).
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung impliziert die Verurteilung zu einer
Freiheitsstrafe von mehr als zwei Jahren in jedem Fall einen sehr schwerwiegenden
Verstoss gegen die schweizerische Rechtsordnung, weshalb sie den weiteren Verbleib
des ausländischen Straftäters in der Schweiz selbst dann ausschliessen kann, wenn
der schweizerischen Ehepartnerin die Ausreise nicht oder nur schwer zuzumuten ist.
Damit hat das Bundesgericht an der sogenannten "Reneja"-Praxis festgehalten, nach
welcher in einer solchen Konstellation aussergewöhnliche Umstände vonnöten sind,
um die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung dennoch zu rechtfertigen. Insbesondere
hat es der in der Literatur teilweise vertretenen Forderung, diese Grenze auf
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Freiheitsstrafen von drei Jahren zu erhöhen, nicht entsprochen (vgl. BGE 135 II 377
E. 4.4 mit Hinweisen auf weitere Rechtsprechung).
3.3. Im Lichte der bundesgerichtlichen "Reneja"-Praxis vermögen die privaten
Interessen der Beschwerdeführerin, die in der geltend gemachten Unzumutbarkeit ihrer
Ausreise nach Tunesien zur Aufrechterhaltung der Ehe – sie spreche kein Arabisch und
müsste ohne Perspektiven in einem fremden Land leben - bestehen, das öffentliche
Interesse an der Wegweisung ihres Ehemanns nicht zu überwiegen.
Aufgrund der Akten ist beim Ehemann der Beschwerdeführerin zudem von einer
beträchtlichen Rückfallgefahr auszugehen. Anlässlich der forensisch-psychologischen
Begutachtung (vgl. act. 6/310-341) im Rahmen der Strafuntersuchung gab er an, die
beängstigenden Wahrnehmungen, welche er in Bezug auf seinen Körper gehabt habe,
hätten ihren Ursprung in seiner Frau und nicht in ihm selbst. Von daher sehe er nicht
ein, Antidepressiva einzunehmen, um seine Probleme zu lösen (vgl. S. 13 des
Gutachtens). Diagnostisch wurden die erhobenen Befunde als mittelgradig depressive
Störung eingeordnet (S. 22 des Gutachtens). Die Gutachterin ging von einer
akzentuierten Persönlichkeit mit emotional-instabilen, histrionischen (d.h. zu
egozentrischem und theatralischem Verhalten neigenden) und schizotypischen Zügen
aus (S. 23 des Gutachtens). Im Therapiebericht vom 14. November 2011 wird diese
Diagnose – entgegen dem Vorbringen in der Beschwerde – nicht als falsch beurteilt.
Vielmehr wird beanstandet, dass im Strafurteil und in der Berichterstattung in der
Presse zu Unrecht der Begriff "schizophren", welcher weder mit "schizotypisch" noch
mit "schizoid" gleichgesetzt werden dürfe, verwendet worden war. Zutreffend ist
hingegen, dass im Therapiebericht davon ausgegangen wird, zur Präzisierung der
Persönlichkeitszüge des Ehemanns der Beschwerdeführerin sei wohl nicht der Begriff
"schizotypisch", sondern "schizoid" vorgesehen gewesen. Diese begriffliche
Ungenauigkeit ist indessen nicht geeignet, die Schlussfolgerungen im Gutachten
hinsichtlich der Rückfallprognose als unzutreffend zu beurteilen.
Ausgehend von einer Basisrate für Rückfälle bei Vergewaltigungen von 25% wird das
Rückfallrisiko beim Ehemann der Beschwerdeführerin ausserhalb von Beziehungen
zwar als geringer, jedoch vor dem Hintergrund der patriarchischen Denkmuster in einer
Partnerschaft als erhöht betrachtet, umso mehr als die Anlasstat auf eine "übermässige
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Gewaltanwendung" hingewiesen habe. Die Beschwerdeführerin habe zudem bereits in
Tunesien ein gewalttätiges Verhalten beobachtet, sodass eine gewisse Prädisposition
zu Gewaltanwendungen im Rahmen von Beziehungskonflikten durchaus angenommen
werden müsse. Die Gutachterin geht aufgrund der Persönlichkeitsauffälligkeiten, eines
regelmässigen, missbräuchlichen Cannabiskonsums, einer erheblichen
Beeinträchtigung der beruflichen und sozialen Leistungsfähigkeit mit überwiegend
instabilen Arbeitsverhältnissen, einer gestörten Wahrnehmung der sozialen Realität,
unrealistischen Erwartungshaltungen insbesondere bezüglich Sexualität und
Beziehungen und einem geringen Durchhaltevermögen von einer bereits chronifizierten
Problematik aus (vgl. S. 26 des Gutachtens). Bei den früheren Versuchen, sich Hilfe zu
holen, hätten sich jeweils eine geringe Compliance und wenig Eigeninitiative gezeigt.
Die Symptomatik habe sich zwar unter antidepressiver Medikation verbessert, jedoch
wird die Therapiebereitschaft als stark ambivalent beurteilt. Insbesondere ist nach der
Schlussfolgerung im Gutachten mit einer Wiederholung der spezifischen
Konfliktsituationen in der Beziehung zur Beschwerdeführerin und einer hohen
Wahrscheinlichkeit stereotypen delinquenten Verhaltens ihres Ehemannes zu rechnen.
Zusammenfassend überwiegen gerade bei der Fortsetzung der Partnerschaft mit der
Beschwerdeführerin die ungünstigen Faktoren, so dass die statistische
Rückfallprognose von 25% nach oben zu korrigieren und innerhalb von
partnerschaftlichen Beziehungen eine hohe Rückfallgefahr für Gewaltanwendungen
anzunehmen ist (vgl. S. 27 des Gutachtens).
In der Beschwerde werden der ungünstigen Beurteilung der Rückfallgefahr im
Gutachten vom 21. Dezember 2010 der Therapiebericht vom 14. November 2011 und
der Vollzugsbericht der Justizvollzugsanstalt Pöschwies vom 7. Mai 2012 entgegen
gehalten. Im Therapiebericht wird ausgeführt, es fänden sich vorwiegend prognostisch
günstige Kriterien. Diese Formulierung macht indessen klar, dass sich nach wie vor
ungünstige Kriterien finden. Die Anklagekammer des Kantons St. Gallen hat denn auch
in ihrem Entscheid vom 26. September 2012 in Würdigung von Gutachten und
Therapiebericht eine bedingte Entlassung als "zu riskant" eingeschätzt. Bisherige
Behandlungen seien bald abgebrochen worden, weil der Ehemann der
Beschwerdeführerin die Ursache seiner Probleme hauptsächlich auf seine Frau
"attribuiere". Zudem wirkt sich der wiederholte Cannabiskonsum im Strafvollzug
ungünstig auf die Prognose aus, zumal er sich – wie der Vorfall vom 14. Januar 2013
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zeigt (vgl. act. 13) – auf die (psychische) Befindlichkeit des Ehemanns der
Beschwerdeführerin ungünstig auswirkt.
Schliesslich kommt hinzu, dass der Ehemann der Beschwerdeführerin lediglich etwas
mehr als eineinhalb Jahre – vom 30. Januar 2008 bis 25. August 2010 - in der Schweiz
in Freiheit gelebt hat und seine Integration dementsprechend wenig vorangeschritten
ist. Vielmehr hat sie sich mit der Akzentuierung seiner psychischen Schwierigkeiten als
problembehaftet gezeigt.
4. Zusammenfassend ergibt sich deshalb insbesondere unter Berücksichtigung der Art
und Schwere der begangenen Straftaten und der ausgewiesenen Rückfallgefahr, dass
die Voraussetzungen für die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung für den Ehemann
der Beschwerdeführerin im Rahmen des Familiennachzugs – jedenfalls zurzeit – nicht
erfüllt sind. Die Beschwerde ist dementsprechend abzuweisen. Das Gesuch, dem
Ehemann der Beschwerdeführerin im Sinn einer vorsorglichen Massnahme zu
gestatten, den Entscheid in der Schweiz abzuwarten, ist mit der Verweigerung der
bedingten Entlassung aus dem Strafvollzug durch die Anklagekammer am
26. September 2012 hinfällig.
5. Die Beschwerdeführerin beantragt die unentgeltliche Prozessführung und die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung.
Die unentgeltliche Rechtspflege wird gewährt, wenn der Gesuchsteller bedürftig und
wenn das von ihm angestrebte Verfahren nicht aussichtslos ist (Art. 99 VRP in
Verbindung mit Art. 117 ZPO; Art. 29 Abs. 3 der Bundesverfassung, SR 101, abgekürzt
BV; BGE 128 I 232; 127 I 205). Eine Partei gilt als bedürftig, wenn ihr die Mittel fehlen,
um neben dem Lebensunterhalt für sich und die Familie die Prozesskosten
aufzubringen. Damit wird die Bedürftigkeit in gleicher Weise umschrieben wie in der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung (BGE 127 I 205). Zur Prüfung der Bedürftigkeit ist
auf die gesamte wirtschaftliche Situation der Gesuchstellerin im Zeitpunkt der
Gesuchseinreichung abzustellen; massgeblich ist dabei, welche Mittel sie innert
welcher Frist aufzubringen vermag. Neben den Einkommens- sind auch die
Vermögensverhältnisse miteinzubeziehen (R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st.
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gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, Diss. St. Gallen 2004, S. 232 f. mit
Hinweisen).
Grundsätzlich obliegt der Nachweis der Bedürftigkeit der Gesuchstellerin. Diese hat
ihre Einkommens- und Vermögensverhältnisse umfassend darzustellen und soweit
möglich auch zu belegen (Hirt, a.a.O., S. 234 mit Hinweisen auf die bundesgerichtliche
Rechtsprechung). Auch wenn die Gesuchstellerin ihre Mittellosigkeit nicht strikte
nachzuweisen braucht, sondern Glaubhaftmachen genügt, soll aus den eingereichten
Belegen der aktuelle Grundbedarf hervorgehen, und die Unterlagen sollen Aufschluss
über sämtliche finanziellen Verpflichtungen sowie über die Einkommens- und
Vermögensverhältnisse geben (Hirt, a.a.O., S. 226 f.).
Den monatlichen Nettoeinkünften der Beschwerdeführerin aus ihrer unselbständigen
Erwerbstätigkeit von Fr. 4'251.- (inkl. 13. Monatslohn) stehen der um 30% erhöhte
Grundbedarf von Fr. 1'600.-, Mietkosten für die Wohnung inkl. Nebenkosten von
Fr. 1'115.- und die Prämien für die obligatorische Krankenversicherung von Fr. 252.-
gegenüber. Für die Fahrt vom Wohnort der Beschwerdeführerin an der Q.-strasse 000
in G./SG zum Arbeitsort im Westcenter ist sie nicht auf ein privates Verkehrsmittel
angewiesen. Die Kosten des öffentlichen Verkehrsmittels (Ostwind, Zonen 10 und 12)
belaufen sich auf jährlich rund Fr. 1'200.--, d.h. monatlich rund Fr. 100.-. Die
Mehrkosten der auswärtigen Verpflegung sind als weitere unvermeidliche
Berufsauslagen mit monatlich Fr. 265.- zu veranschlagen. Glaubhaft ist zudem, dass
die Beschwerdeführerin für die Prämien der obligatorischen Krankenversicherung ihres
Ehemannes von monatlich Fr. 272.- und im Rahmen der Franchise und des
Selbstbehalts für die Therapiekosten ihres Ehemannes aufkommt. Belegt sind für das
Jahr 2012 Kosten von Fr. 1'241.35, d.h. monatlich rund Fr. 100.-. Weitere
Kostenbeteiligungen im Jahr 2012 sind nicht dargetan. Damit verbleibt der
Beschwerdeführerin ein monatlicher Überschuss vor Steuern von rund Fr. 500.-. Hinzu
kommt, dass die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann in der Steuererklärung für 2011
ein Reinvermögen von rund Fr. 35'000.- ausweisen. Dass insbesondere das Guthaben
auf dem Konto der St. Galler Kantonalbank über rund Fr. 34'000.- (auch) auf den
Namen des Ehemannes lautet ist nicht ersichtlich und wird auch nicht geltend
gemacht. Da im ordentlichen Güterstand der Errungenschaftsbeteiligung grundsätzlich
jeder Ehegatte für seine Schulden mit seinem Vermögen haftet (Art. 202 des
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Schweizerischen Zivilgesetzbuches, SR 210), können die Schulden des Ehemannes der
Beschwerdeführerin aus dem Strafverfahren nicht berücksichtigt werden.
Unter diesen Umständen ist die Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin nicht glaubhaft
dargetan, weshalb es (zumindest) an einer Voraussetzung für die Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege fehlt. Das Gesuch ist dementsprechend abzuweisen.
8. (...).