# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** aed64bb0-d6e1-4496-a8cf-b495b7e72bd2
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Die
O._
Bank AG gewährte den Eheleuten
Y._
(geboren am 2
5.
September 1950)
und
X._
(geboren am 2
8.
Juli 1954)
mit Vertrag vom 12./1
3.
Oktober 2005
ein
Hypothekardarlehen zur Finanzierung von selbstbewohntem
Wohneigentum
in der Höhe von
Fr.
1‘
202‘5
00
.-- (
Urk.
7/
14
). Als Sicherheit verpfändete
Y._
, mit Zustimmung seiner Ehefrau
X._
,
der
O._
Bank AG
den
Anspruch
aus seinem Freizügig
keitsguthaben
bei der Fre
izügigkeitsstiftung der
O._
Bank AG
bis zum Maximalbetrag von
Fr.
247‘000.-- (Pfandvertrag vom 1
3.
Oktober 2005,
Urk.
7/3). Da zu jenem Zeitpunkt die
Fre
izügigkeitsleistung
noch für eine Hypothek bei
der Q._
verpfändet gewesen wa
r (
Urk.
7/5-8
)
,
konnte die
definitive Verpfändung
erst im August 2006
nach Ablösung jener Hypothek
erfolgen
(
Urk.
7/9-10).
Effektiv war sodann
das Freizügigkeitsgut
haben nicht im maximal vereinbarten Betra
g, sondern in der Höhe
von
Fr.
200‘451.--
verpfändbar (
Urk.
7/10).
X._
leistete der
O._ B
ank A
G ebenfalls Sicherheit für das
gewährte Hypothek
ardarlehen
.
Mit V
ertrag vom 1
7.
November 2005 verpfändete sie, mit Zustimmung ihres Ehemannes
Y._
, den Anspruch auf ihre Freizü
gigkeitsleistung bei der Freizügigkeitsstiftung der
O._
Bank AG
bis zum maximalen Festbetrag
von
Fr.
168‘760.--
(
Urk.
7/11).
Der Verpfändungsbetrag
ent
sprach alsdann diesem Festbetrag
(
Urk.
7/13).
1.2
Am
4.
Mai 2006 kündigte die
O._
Bank AG
per Ende Mai 2006 das
H
ypothe
kardarlehen (
Urk.
7/14).
Da eine Rückzahlung ausblieb
,
verlangte die
O._
Bank AG - neben der
Verwertung des als Grundpfand haftenden
selbstbewohn
ten Wohneigentums - die Auszahlung der
von
Y._
und
X._
verpfändeten Freizügigkeitsguthaben. Die
Freizügigkeitsstiftung der
O._
Bank AG
zahlte
ihr
diese
(nach Abzug von Spesen) im Betrag von
Fr.
200‘201.-- resp.
Fr.
168‘510.--
per 3
0.
Oktober 2006
direkt - also ohne vorgäng
ige betrei
bungsrechtliche Zwangsverwertung
-
aus
(
Urk.
7/15- 20).
2.
Mit Eingabe vom 1
0.
Juli 2014 erhoben
X._
(Klägerin 1) und
Y._
(Kläger 2) Klage gegen die Freizügigkeitsstiftung der
O._
Bank AG und beantragten,
es sei die Beklagte zu verpfli
chten, der Klägerin 1
Fr.
168‘5
1
0
.-- und dem Kläger 2
Fr.
200‘201.-- zu bezahlen nebst Zins von 5
%
ab
1.
November 200
6.
Weiter sei die Beklagt
e
zu verpflichten
, den Klägern die b
ei der Auszahlung der Vorsorgebeiträge angefallene
n
Spese
n von insgesamt
Fr.
500
.--,
die
infolge des Vorbezu
gs der Freizügigkeitsguthaben angefallenen
kantonalen Steuern in der
Höhe von
Fr.
17‘184.95
und
Bundessteuern von
Fr.
7‘
568.50 sowie
die
F
riedensrichterkosten von
Fr.
686.--
zu ersetzen. Zudem verlangen die Kläger
eine Umtriebsentschädigung und eine Entschädigung auf
grund des Verhaltens der Beklagten (
Urk.
1/1 S. 1 f.). Die Freizügigkeitsstiftung der
O._
Bank AG schloss in der Klageantwort vom
3.
Oktober 2014 auf Ab
weisung der Klage (
Urk.
6 S. 1). Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels hielten die Parteien an ihren Anträgen fest (
Urk.
12,
Urk.
21).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien ist, soweit für die Entscheidfindung er
for
der
lich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
30b
des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge
(
BVG
)
kann der Versicherte den Anspruch auf Vorsorge
leistungen oder einen Betrag bis zur Höhe seiner Freizügigkeitsleistung nach
Art.
331d
des Obligationenrechts
(
OR
) verpfänden.
1.2
Der verwiesene
Art.
331d OR sieht insbesondere vor, dass der Arbeitnehmer den Anspruch auf Vorsorgeleistungen oder einen Betrag bis zur Höhe seiner Frei
zügigkeitsleistung für Wohneigentum zum eigenen Bedarf
bis drei Jahre vor Ent
stehung des Anspruchs auf Altersleistungen
verpfänden kann (
Abs.
1)
. Arbeit
nehmer, die das 5
0.
Altersjahr überschritten haben, dürfen höchstens die Freizügigkeitsleistung, auf die sie im 5
0.
Altersjahr Anspruch gehabt hätten, oder die Hälfte der Freizügigkeitsleistung im Zeitpunkt der Verpfändung als Pfand einsetzen (
Abs.
3). Bei einem
verheirateten Arbeitnehmer
ist
die Verpfän
dung nur mit schriftlicher Zusti
mmung des Ehegatten zulässig
(
Abs.
5)
.
Wird das Pfand vor dem Vorsorgefall oder vor der Barauszahlung verwertet, so fin
den
Art.
30d-f und 83a BVG
Anwendung (
Abs.
6).
Die
letzt
genannten Bestim
mungen betreffen die Sicherstellung, die Rückzahlung und die Besteuerung. Verpfändet die versicherte Person einen Betrag bis zur Höhe ihrer Freizügig
keitsleistung und werden die pfandvertraglichen Verpflichtungen für die Rück
zahlung der pfandgesicherten Forderung nicht eingehalten, kann der Pfand
gläubiger sein Pfandrecht an diesem Betrag jederzeit vor dem Vorsorgefall verwerten (
vgl.
Mitteilungen über die berufliche Vorsorge Nr. 31 vom
8.
Dezember 1994, Rz. 180 S. 2).
2.
Gemäss Ziffer 9 der Pfandverträge vom 1
3.
Oktober 2005
(
Urk.
7/3)
und
1
7.
November 2005
(
Urk.
7/11)
ermächtigt der
Verpfänder - also
die Klägerin 1 resp
. der Kläger 2 - die
O._
Bank AG
, nach vertragsmässiger Kündigung des Hypothekardarlehens bei nicht fristgemässer Rückzahlung den verpfändeten Betrag gegen ihre alleinige Unterschrift für den Verpfänder bzw. für allfällige andere Berechtigte von der Vorsorgeeinrichtung einzufordern, in Empfang zu nehmen und dafür rechtsgültig zu quittieren sowie mit ihrer ausstehenden For
derung zu verrechnen.
3.
Streitig und zu prüfen ist, ob
die gesetzlichen V
oraussetzungen für die Verpfän
dung der Freizügigkeitsleistungen gegeben waren
(E. 4)
und ob die Beklagte ermächtigt war, die verpfändeten Beträge direkt (auf dem Weg einer privaten Verwertung) an die
O._
Bank AG zu überweisen
(E. 5)
.
Die Rechtmässigkeit der Kündigung des Hypothekardarlehens war bereits Gegenstand vor den Zivil
gerichten und
ist
von diesen bejaht worden
(vgl.
Urk.
6
S. 6
f.)
.
Sie ist vorlie
gend denn auch nicht strittig.
Nich
t Geg
enstand dieses Verfahrens bilden
die Verpfändung und die
Pfandver
wertung des selbstbewohnten Eigentums der Klägerin 1 und des Klägers
2.
D
ie hierfür zuständigen Zivilgerichte
haben bereits darüber rechtskräftig entschie
den und deren Rechtmässigkeit bejaht
(
vgl.
Urk.
6 S. 6 f.). Soweit die
Kläger in die
sem Zusammenhang Einwände erheben
, wie etwa jene der Überbelehnung des selbstbewohnten Eigentums, ist daher nicht weiter darauf einzugehen. Die von den Klägern geltend gemachten
Kosten des Schlichtungsverfahrens
gegen die
O._
Bank AG
vor dem Friedensrichter
(
Urk.
2/5) betreffen
ebenfalls nicht
das vorliegende
Verfahren
.
Insoweit ist auf die Klage nicht einzutreten.
4.
Im Zeitpunkt der Verpfändung ihrer Freizügigkeitsguthaben waren sowohl die Klägerin 1 als auch der Kläger
2 über 50
Jahre alt. Die verpfändeten Guthaben in der Höhe von
Fr.
200‘451.-- und
Fr.
168‘760.-- entsprechen den Freizügig
keitsleistungen, auf die sie im 5
0.
Altersjahr
Anspruch gehabt hätten (
Urk.
7/7,
Urk.
7/13). Bevor die Klägerin
1
ihr Freizügigkeitsguthaben bei der Beklagten
deponiert hatte, lag dieses auf einem Freizügigkeitskonto bei der
Patria Stiftung und war im Umfang von
Fr.
150‘000.-- für eine Hypothek zur Finanzierung von Wohneigentum zum eigenen Bedarf verpfändet gewesen. Die Pfandgläubiger
i
n war bereits damals die
O._
Bank AG (
Urk.
7/21).
Der Pfandvertrag vom 1
7.
November 2005
hatte
keine Kumulation verpfändeter Freizügigkeitsleistun
gen zur Folge, sondern eine Novation in dem Sinne, dass nunmehr das beste
hende Freizügigkeitsguthaben im Umfang von
Fr.
168‘760.-- verpfändet war.
Die Höhe der verpfändeten Freizügigkeitsleistungen ist somit nicht zu bean
standen. Sodann lag die
für die
Gültigkeit der Verpfändung erforderliche schriftliche Zustimmung des anderen Ehegatten jeweils vor
(
Urk.
7/3,
Urk.
7/11)
, was unbestritten ist. Die Kläger machen jedoch
geltend, die aufgenommene Hypothek
se
i gar nicht zur Finanzierung von selbstbewohntem
Wohneigentum verwendet worden, sondern in die
zwei Unternehmen
des Klägers 2
Firma Z._
und
Firma A._
investiert wor
den, welche dann
in Konkurs gefallen
seien (
Urk.
1
S. 2
,
Urk.
12 S. 3
). Dazu ist festzuhalten, dass die beiden Klägern unterschriftlich bestätigten, dass die Ver
pfändung
der Ansprüche
aus der beruflichen Vorsorge
ausschliesslich zur Finanzierung von Wohneigentum
zum eigenen Bedarf resp. zum Aufschub der Amortisation auf Wohneigentum lastenden Hypothekardarlehen
erfolge (
Urk.
7/3,
Urk.
7/11). Darauf sind sie zu behaften.
Jedenfalls
können sie aus
einer allfällig vertrags
widrigen
Verwendung der Gelder
nichts zu ihren Gunsten ableiten.
Demzufolge
waren sämtliche
Voraussetzungen für eine gül
tige
Verpfändung
der Freizügigkeit
sleistungen
gegeben.
5.
5.1
Hinsichtlich der Pfandverwertung
räumten die Kläger der
O._
Bank AG in den
Pfandverträgen vom 1
3.
Oktober resp. 1
7.
November 2005
das Recht ein,
eine private Verwertung
des Pfandes vorzunehm
en.
Vereinbart war damit
, dass die
O._
Bank
von der Vorsorgeeinrichtung
direkt - ohne Umweg
über den betreibungsrecht
lich vorgezeichneten Weg - die Auszahlung des
Betrag
s
in der Höhe der verpfändeten Freizügigkeitsleistung oder des kapitalisierten Wertes des verpfändeten Anspruchs
auf Vo
rsorgeleistungen verlangen kann
(
Urk.
7/3,
Urk.
7/11
).
5.2
Die von den Parteien vereinbarte direkte Pfandverwertung ist gesetzeskonform.
Die Verordnung über die Wohneigentumsförderung mit Mitteln der beruflichen Vorsorge
(WEFV)
, welche auch im vom Obligationenrecht gestalteten Teil der Wohneigentumsförderung anwendbar ist (vgl. BBl 2003 S. 6414 f.; Streiff/von Kae
nel/Rudolph,
Praxiskommentar Arbeitsve
rtrag, 2012,
N.
12 zu
Art.
331d OR),
sieht die Möglichkeit der direkten Auszahlung des gemäss
Art.
30b BVG verpfändeten Guthabens vor.
Nach
Art.
6
Abs.
2
WEFV
z
ahlt die Vorsorgeeinrichtung bei einem Vorbezug
von M
itteln der beruflichen Vorsorge diesen
gegen Vorweis der entsprechenden Belege und im Einverständnis der versicherten Person direkt an den Verkäufer,
Ersteller, Darlehensgeber oder an die nach Artikel
1
Abs.
1 Buchstabe b Berech
tigten aus.
Nach
Art.
6 Absatz 3
WEFV
gilt diese Bestimmung sinngemäss für die Auszahlung aufgrund einer Verwertung der verpfändeten Freizügigkeits
leistung
(vgl.
auch
Mitteilungen übe
r die berufliche Vorsorge Nr. 56 vom 2
9.
Dezember 2000, S. 33 mit Hinweisen
;
Markus
Moser
, Die Anforderungen des neuen Wohneigentumsförderungsgesetzes, SZS 1995 S.
129)
. Das Gesetz ermög
licht also eine direkte Auszahlung anstelle des Pfandverwertungsverfahrens nach SchKG, sofern der Versicherte (resp. Pfandschuldner) sein Einverständnis
dazu gibt.
Ein Einverständnis der Kläger liegt vor. Abgegeben wurde es im Voraus in den Pfandverträgen. Eine nochmalige Zustimmung im Zeitpunkt der Pfandverwer
tung ist nicht erforderlich, was die Kläger zu verkennen scheinen. Ein solches Erfordernis würde eine private Verwertung illusorisch machen, würde
doch zu diesem Zeitpunkt
kaum
je
ein Pfandgläubiger
seine Zustimmung dazu geben. Abgesehen davon wurde
im konkreten Fall
den Klägern
nach erfolgter Verwer
tung je ein Kontoauszug zugestellt, der eine sog. Genehmigungsfiktion
der Transaktion infolge Pfandverwertung
enthielt
(
Urk.
7/17,
Urk.
7/20
,
vgl. dazu etwa Bundesgerichtsurteile 4C.194/200
5 vom 2
8.
September 2005 E. 3.2 und
4C.81/2002 v
om
1.
Juli 2002 E. 4.3
). In
nert der 30tägigen Frist
, innert welcher dagegen
opponiert werden konnte, erhoben
weder die Klägerin 1 noch
der Klä
ger 2 Einwände
.
6.
Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Beschwerde.
Soweit die Kläger monieren, ihnen sei die Akteneinsicht verwehrt worden (
Urk.
1 5), ist darauf hinzuweisen, dass das Recht auf Akteneinsicht und Aktenzugang sich auf die für den Entscheid wesentlichen Tatsachen beschränkt, d.h. auf jene Akten, die Grundlage einer Entscheidung bilden (BGE 129 V 472 E. 4.2.2). Dieser Anspruch war im Rahmen des vorliegenden Verfahrens
jederzeit
gewährleistet.
Eine all
fällige Auskunftspflicht Dritter, etwa der
O._
Bank AG, ist nicht Gegenstand dieses Verfahrens.
7.
Art.
73
Abs.
2 BVG schliesst einen Anspruch der obsiegenden Versicherungs-trägerinnen auf eine Prozessentschädigung zwar nicht aus. Indes werden den Trägern der beruflichen Vorsorge gemäss BVG beziehungsweise den mit öffent-lichrechtlichen Aufgaben betrauten Organisationen in Anlehnung an die Rechtsprechung zu
Art.
159
Abs.
2 des bis Ende 2006 in Kraft gestandenen Bundesgesetzes über die Organisation der Bundesrechtspflege (Bundesrechts-pflegegesetz/OG) praxisgemäss keine Parteientschädigungen zugesprochen. Es
besteht kein Grund, vorliegend - trotz des entsprechenden Antrags der Beklag-ten – anders zu verfahren (vgl. BGE 128 V 133 E. 5b, 126 V 150 E. 4a, 118 V 169 E. 7 und 117 V 349 E. 8, mit Hinweisen; vgl. auch BGE 122 V 125 E. 5b und 320 E. 1a und b sowie 112 V 356 E. 6).