# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 1138a533-9c3e-5bf7-b39e-baf50f48238d
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdegegner beabsichtigt, auf der Parzelle Grundbuchblatt Nr.
Z._ in der Kernzone der Gemeinde Grindelwald ein Wohnhaus mit Einstellhalle
und entsprechender Umgebungsgestaltung zu errichten. Weil die Baugesuchsteller nicht
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identisch sind, hat er für die Einstellhalle und das darüber vorgesehene Haus am 15. Juni
2012 zwei getrennte Baugesuche eingereicht. Bei demjenigen für das Wohnhaus handelt
es sich um ein Gesuch um Erteilung einer generellen Baubewilligung im Sinne von Art. 32d
BauG1. Am 4. Oktober 2012 vereinigte das Regierungsstatthalteramt Interlaken-Oberhasli
die beiden Verfahren im Einverständnis aller Beteiligten. Gegen das Bauvorhaben erhob
unter anderen die Helvetia Nostra Einsprache. Das Regierungsstatthalteramt Interlaken-
Oberhasli erteilte mit Gesamtbauentscheid vom 4. Dezember 2012 die generelle
Baubewilligung für das Wohnhaus sowie die Baubewilligung für die Einstellhalle.
2. Gegen die Baubewilligung führte Helvetia Nostra mit Eingabe vom 7. Januar 2013,
eingegangen bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) am
8. Januar 2013, Beschwerde. Helvetia Nostra stellte das Rechtsbegehren, der
angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die Baubewilligung nicht zu erteilen. Sie
macht geltend, das Bauvorhaben umfasse Zweitwohnungen, deren Bau mit der Annahme
der Zweitwohnungsinitiative durch das Stimmvolk am 11. März 2012 nicht mehr erlaubt sei.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, verzichtete auf
die Durchführung eines Schriftenwechsels und gab den Parteien bekannt, dass es
beabsichtige das Verfahren zu sistieren, bis ein rechtskräftiger Entscheid des
Verwaltungsgerichtes des Kantons Bern oder des Bundesgerichts zur Anwendung der
Zweitwohnungsinitiative auf hängige Beschwerdeverfahren vorliege. Im Einverständnis mit
den Verfahrensbeteiligten sistierte das Rechtsamt der BVE das Verfahren mit Verfügung
vom 8. Februar 2013. Nachdem das Bundesgericht im Rahmen der öffentlichen
Urteilsberatung vom 22. Mai 2013 drei Leitentscheide zur Zweitwohnungsinitiative gefällt
hat, gab der Beschwerdegegner mit Schreiben vom 28. Mai 2013 bekannt, er sei bereit,
das Haus nur mit Erstwohnungen zu erstellen. Auch sei er einverstanden, wenn die
Baubewilligung mit einer entsprechenden Auflage versehen werde und im Grundbuch ein
dahingehender Eintrag gemacht werde.
1 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0). 2 Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191).
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## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG3. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann er
nur mit dem Rechtsmittel angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist.
Das Leitverfahren ist im vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1
KoG). Bauentscheide können nach Art. 40 Abs. 1 BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der
Beschwerde gegen den Gesamtentscheid zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die
Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen ihrer Einsprachegründe und die zuständige
Gemeindebehörde (Art. 10 KoG in Verbindung mit Art. 40 Abs. 2 BauG). Die
Beschwerdeführerin ist als private Organisation nach Art. 35a BauG zur Einsprache
berechtigt. Ihre Einsprache wurde abgewiesen, sie ist deshalb durch den vorinstanzlichen
Gesamtentscheid beschwert und zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf die form- und
fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Zweitwohnung
a) Das Bundesgericht hat entschieden, dass die neuen Verfassungsbestimmungen
(Art. 75b BV4 und Art. 197 Ziffer 9 BV) zur Beschränkung von Zweitwohnungen in
Gemeinden mit einem Zweitwohnungsanteil von über 20% direkt anwendbar sind auf
Baubewilligungen, die seit Annahme der Zweitwohnungsinitiative am 11. März 2012 erteilt
wurden.5 Das vorliegend umstrittene Gesuch um Erteilung einer generellen Baubewilligung
für ein Wohnhaus mit Zweitwohnungsanteil hätte damit von der Vorinstanz nicht bewilligt
werden dürfen.
b) Mit Schreiben vom 28. Mai 2013 hält der Beschwerdegegner jedoch fest, er sei nach
dem Urteil des Bundesgerichts bereit, das Haus nur mit Erstwohnungen zu erstellen.
Zudem erklärt er sich mit einer entsprechenden Auflage in der Baubewilligung sowie einem
Eintrag im Grundbuch einverstanden. Indem der Beschwerdegegner auf den Bau von
3 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1). 4 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101). 5 Urteil BGer. 1C_646/2012 vom 22. Mai 2013, schriftliche Urteilsbegründung steht noch aus.
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Zweitwohnungen verzichtet, unterzieht er sich den Anliegen der Beschwerdeführerin
vollumfänglich.
c) Am 1. Januar 2013 ist die Ausführungsverordnung des Bundesrates zur
Zweitwohnungsinitiative (Zweitwohnungsverordnung6) in Kraft getreten. Ob diese
Verordnung auch auf hängige Baubeschwerdeverfahren anwendbar ist, kann hier offen
gelassen werden, da sich der Beschwerdegegner freiwillig mit einer Auflage in der
Baubewilligung und Anmerkung im Grundbuch im Sinne von Art. 6
Zweitwohnungsverordnung einverstanden erklärt. Zudem lässt sich eine solche Auflage mit
Anmerkung eines entsprechenden Zweckentfremdungsverbots im Grundbuch auch auf das
Baugesetz abstützen (Art. 38 Abs. 3 i. V. m. Art. 29 Abs. 2 und 3 BauG)7.
Der angefochtene Gesamtbauentscheid vom 4. Dezember 2012 wird deshalb mit der
Auflage ergänzt, wonach die Wohnungen nur als Erstwohnungen genutzt werden dürfen.
Da es sich vorliegend um eine generelle Baubewilligung im Sinne von Art. 32d BauG
handelt, wird die Baubewilligungsbehörde auch eine allfällige Baubewilligung für das
Ausführungsprojekt mit derselben Auflage zu versehen haben.
Das Regierungsstatthalteramt Interlaken-Oberhasli wird sodann beauftragt, gestützt auf
Art. 75b BV die Anmerkung „Erstwohnung“ im Sinne von Art. 6 Abs. 2
Zweitwohnungsverordnung auf dem vom Bauvorhaben betroffenen Grundstück beim
Grundbuchamt zu veranlassen. Schliesslich wird die Gemeinde angewiesen, den Vollzug
dieses Eintrages zu kontrollieren.
d) Der vorinstanzliche Entscheid sieht eine Auflage „Erstwohnungsanteil EWAP“ vor
(Ziffer 2.2). Danach müssen mindestens 30% der Wohnungen als Erstwohnung genutzt
werden. Dieses Zweckentfremdungsverbot ist durch die Gemeinde sofort nach Erteilung
der Baubewilligung im Grundbuch anzumerken. Da diese Auflage auf einer anderen
gesetzlichen Grundlage beruht, bleibt sie trotz der im vorliegenden Entscheid verfügten
Auflage und entgegen der in der Verfügung vom 30. Mai 2013 vom Rechtsamt der BVE
geäusserten Absicht weiter bestehen. Beide Auflagen gelten gleichermassen. Solange
jedoch die im vorliegenden Entscheid verfügte Auflage gilt, hat die Auflage
6 Verordnung des Bundesrats vom 22. August 2012 über Zweitwohnungen, SR 702 7 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 3. Aufl., Band I, Bern 2007, Art. 38/39 N. 15.
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„Erstwohnungsanteil EWAP“ in der Praxis keine Auswirkungen, weil aufgrund von Art. 75b
BV gar keine Zweitwohnungen zugelassen sind.
3. Kosten
Wegen des geringen Aufwands wird darauf verzichtet, Verfahrenskosten zu erheben
(Art. 108 Abs. 1 VRPG8). Da der Beschwerdegegner auf den Bau von Zweitwohnungen
verzichtet, unterzieht er sich den Anliegen der Beschwerdeführerin vollumfänglich und gilt
deshalb als unterliegend. Ihm werden daher keine Parteikosten zugesprochen (Art. 108
Abs. 3 VRPG). Die Beschwerdeführerin ist nicht anwaltlich vertreten und hat daher kein
Anrecht auf Parteikosten (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Die Voraussetzungen für eine
Parteientschädigung nach Art. 104 Abs. 2 VRPG sind hier nicht erfüllt, da das Verfahren
nicht besonders aufwändig war.