# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c4817c4d-754f-512a-8456-86b402aa9035
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1964, war
seit dem 21. November 2011
als
Sicherheits
mitarbeiter/
Revierdienstspezialist bei der
Y._
AG tätig (vgl. Urk. 9/A1) und aufgrund dieser Anstellung bei de
r
AXA Versicherungen AG (nachfolgend: AXA) für die Folgen von krankheitsbedingtem Erwerbsausfall im Rahmen einer Kollektivtaggeldversicherung nach dem Bundesgesetz über den Versicherungs
vertrag (VGG) taggeldversichert (
vgl.
Urk. 9/
A25).
Bei einem Sturz verletzte sich der Versicherte am 6. Februar 2012 am rechten Knie und war in der Folge vom 6. Februar bis 21. Mai 2012 arbeitsunfähig geschrieben (Urk.
9/M5
).
Mit Schadenanzeige Krankentaggeldversicherung vom 10. August 2012 meldete die Arbeitgeberin der AXA eine seit 30. Juli 2012 bestehende
,
vollständige krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit
ihres Versicherten (Urk. 9/A1).
Die AXA erbrachte Leistungen aus der Krankentaggeldversicherung, welche sie mit Schreiben vom 1. März 2013
und gestützt auf die Beurteilung ihres beratenden Arztes
, wonach der Versicherte in seiner angestammten Tätigkeit voll arbeitsfä
hig sei,
per 11. März 2013 einstellte (Urk. 9/A5).
Dagegen opponierte der Versi
cherte mit Schreiben vom 21. März 2013 und verlangte die erneute Prüfung und Anerkennung der Leistungspflicht (Urk. 9/A11).
Die Arbeitgeberin löste
am 2
0.
März 2013
den Arbeitsvertrag mit dem Versicherten
per 19. April 2013
ordentlich auf, da dieser aus gesundheitlichen Gründen seine Tätigkeit als Revierdienstspezialist nicht mehr habe aufnehmen können (Urk. 9/A13)
, woraufhin der Versicherte ab dem 25. März 2013 Taggelder der Arbeitslosen
versicherung bezog (vgl. Telefongesprächsnotiz vom 11. November 2013, Urk. 9/A19)
.
Die AXA ihrerseits hielt mit Schreiben vom 23. September 2013 an ihrem Einstellungsentscheid vom 1. März 2013 fest (Urk. 9/A15).
2.
Mit Eingabe vom 22. Januar 2014 erhob
X._
Klage gegen die AXA und stellte folgende Anträge (Urk. 1 S. 2 Ziff. I):
Es sei die Beklagte zu verpflichten, dem Kläger das Krankentaggeld vom 11. März 2013 bis zum 22. Januar 2014 in Höhe von total Fr. 28‘966.60 (318 Tage à CHF 91.09) zuzüglich Zins in Höhe 5 % ab Zugang des Mahnschreibens vom 22. Januar 2014 zu leisten.
Es sei festzustellen, dass die Taggelder auch nach dem 22. Januar 2014 weiterhin geschuldet sind.
Es seien die Akten der Krankentaggeldversicherung bei der Beklagten zu editieren.
Unter Kosten- und Entschädigung
sfolgen zulasten der Beklagten.
Mit Klageantwort vom 15. Mai 2014 schloss die AXA auf Abweisung der Klage (Urk. 8).
Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels hielten sowohl der Kläger (Replik vom
23. Juni 2014
mit Rückzug der Ziffer 2 seines Rechtsbegehrens
, Urk. 12
) als a
uch die Beklagte (Duplik vom 7. Oktober 2014, Urk. 17) an ihren Rechtsbegehren fest.
Mit Schreiben vom 2. Juli 2015 verzichtete der Kläger auf die Durchführung einer Hauptverhandlung (Urk. 20).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung nach dem Bundes
gesetz über die Krankenversicherung (KVG) unterstehen nach Art. 12 Abs. 3 KVG dem Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag (VVG). Die Kan
tone können gestützt auf Art. 7 der Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO) ein Gericht bezeichnen, welches als einzige kantonale Instanz für Streitigkeiten in diesem Gebiet sachlich zuständig ist. Im Kanton Zürich liegt die Zuständig
keit beim Sozialversicherungsgericht (§ 2 Abs. 2 lit. b des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Das Verfahren richtet sich nach der ZPO, wobei das einfache Verfahren zur Anwendung gelangt (Art. 243 Abs. 2 lit. f ZPO) und die Klage direkt beim Gericht anhängig zu machen ist (BGE 138 III 558 E. 3.2 und 4.6).
Die sachliche und örtliche Zuständigkeit des hiesigen Gerichts zur Beurteilung der eingereichten Klage ist gegeben.
1.2
Das Gericht stellt den Sachverhalt unabhängig vom Streitwert von Amtes wegen fest (Art. 247 Abs. 2 lit. a ZPO). Der Untersuchungsgrundsatz, wonach das Gericht alle rechtserheblichen Sachverhaltselemente zu berücksichtigen hat, die sich im Verlaufe des Verfahrens ergeben, auch wenn die Parteien diese nicht angeführt haben, gilt nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mit
wirkungspflichten der Parteien. Er entbindet die Parteien nicht davon, Beweise beizubringen und bei der Erstellung des Sachverhalts mitzuwirken (BGE 125 III 231 E. 4a; Mazan in: Basler Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozess
ordnung, 2. Auflage, 2013, N 9 und N 13 zu Art. 247). Ebenso schliesst er die antizipierte Beweiswürdigung nicht aus (Urteil des Bundesgerichts 5C.206/2006 vom 9. November 2006 E. 2.1) und verleiht den Parteien keinen Anspruch, dass alle möglichen Beweise abgenommen werden, und auch keinen Anspruch auf
ein bestimmtes Beweismittel (BGE 125 III 231; Urteil des Bundesgerichts 5C.34/2006 vom 27. Juni 2006 E. 2a).
1.3
Gemäss Art. 8 des Zivilgesetzbuches (ZGB) hat, wo es das Gesetz nicht anders bestimmt, derjenige das Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu bewei
sen, der aus ihr Rechte ableitet. Demgemäss hat die Partei, die einen Anspruch geltend macht, die rechtsbegründenden Tatsachen zu beweisen, während die Beweislast für die rechtsaufhebenden beziehungsweise rechtsvernichtenden oder rechtshindernden Tatsachen bei der Partei liegt, die den Untergang des Anspruchs behauptet oder dessen Entstehung oder Durchsetzbarkeit bestreitet. Nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung müssen im Privatversicherungs
recht die anspruchsbegründenden Tatsachen lediglich mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erwiesen sein (BGE 130 III 321 E. 3.1 und 3.5). Das gilt auch für den Beweis von anspruchshindernden Tatsachen (Praxis 80/1991, Nr. 230, S. 964 f. E. 3b [Urteil des Bundesgerichts vom 22. November 1990]).
1.4
Vorformulierte Vertragsbestimmungen sind grundsätzlich nach den gleichen Regeln wie individuell verfasste Vertragsklauseln auszulegen. Kann der wirkli
che übereinstimmende Parteiwille (Art. 18 Abs. 1 des Obligationenrechts, OR) nicht ergründet werden, ist auf den mutmasslichen Willen abzustellen. Letzterer ist nach dem Vertrauensgrundsatz aufgrund aller Umstände des Vertrags
schlusses zu ermitteln. Dabei hat der Richter vom Wortlaut auszugehen und die Klauseln im Zusammenhang so auszulegen wie sie nach den gesamten Umstän
den verstanden werden durften und mussten; er hat auch zu berücksichtigen, was sachgerecht erscheint. Der Richter orientiert sich dabei am dispositiven Recht, weil derjenige Vertragspartner, der dieses verdrängen will, das mit hin
reichender Deutlichkeit zum Ausdruck bringen muss (Urteil des Bundesgerichts 4A_39/2009 vom 7. April 2009, E. 3.4 mit Hinweisen). Bei juristischen Fachaus
drücken oder Begriffen, die in der Rechtssprache eine festumrissene Bedeutung haben, gilt vermutungsweise der fachtechnische Sinn (vgl. Stoessel, in: Basler Kommentar zum Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag, Basel 2001, Vor
bemerkungen zu Art. 1-3 Rz 24).
1.5
Art. 61 VVG bestimmt, dass der Anspruchsberechtigte verpflichtet ist, nach Ein
tritt des befürchteten Ereignisses tunlichst für Minderung des Schadens zu sor
gen, und dass er, wenn nicht Gefahr im Verzuge liegt, über die zu ergreifenden Massnahmen die Weisung des Versicherers einholen und zu befolgen hat (Abs. 1). Hat der Anspruchsberechtigte diese Pflichten in nicht zu entschuldi
gender Weise verletzt, so ist der Versicherer berechtigt, die Entschädigung um
den Betrag zu kürzen, um den sie sich bei Erfüllung jener Obliegenheiten ver
mindert hätte (Abs. 2).
Gemäss der Rechtsprechung (BGE 128 III 36; Urteil des Bundesgerichts 5C.89/2000 vom 5. November 2001 E. 3b) kommt der Rettungspflicht nach Art. 61 VVG, obwohl im Kapitel über die Schadensversicherung geregelt, auch in der Personenversicherung Geltung zu. Sodann ist gemäss der Rechtsprechung zu Art. 61 VVG (Urteil des Bundesgerichts 4A_111/2010 vom 12. Juli 2010) die Praxis der sozialrechtlichen Abteilungen des Bundesgerichts zur sozialversi
cherungsrechtlichen
Schadenminderungspflicht
nach Art. 21 Abs. 4 des Bun
desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) im Bereich der privaten Krankentaggeldversicherung analog anzuwenden. Nach dieser Bestimmung können einer versicherten Person, welche sich einer zumut
baren Behandlung oder Eingliederung ins Erwerbsleben, die eine wesentliche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder eine neue Erwerbsmöglichkeit ver
spricht, entzieht oder widersetzt oder nicht aus eigenem Antrieb das ihr Zumut
bare dazu beiträgt, die Leistungen vorübergehend oder dauernd gekürzt oder verweigert werden, wenn sie vorher schriftlich gemahnt und auf die Rechtsfol
gen hingewiesen und wenn ihr eine angemessene Bedenkzeit eingeräumt wurde. In der Regel wird eine Frist von drei bis fünf Monaten als angemessen betrach
tet. Die Anpassungszeit beginnt mit der Aufforderung des Taggeldversicherers zum Berufswechsel (Urteil des Bundes
gerichts K 224/05 vom 29. März 2007 E. 3.3; BGE 114 V 281 E. 5b; 111 V 235 E. 2a). Der Versicherer, der von der versicherten Person zur Erfüllung der Schadenminderungsobliegenheit einen Berufswechsel erwartet, hat dies der versicherten Person daher mitzuteilen und ihr eine angemessene Frist ansetzen, um sich anzupassen und eine Stelle zu fin
den (Urteil des Bundesgerichts 4A_79/2012 vom 27. August 2012 E. 5.1; BGE
133 III 527 E. 3.2.1; Marcel Süsskind, in: Heinrich Honsell/Nedim Peter Vogt/Anton K. Schnyder/Pascal Grolimund, Hrsg., Basler Kommentar VVG Nach
führungsband, Basel 2012, Art. 61 VVG ad N 14 und 16).
2.
2.1
Der Kläger stellte sich zur Begründung seiner Taggeldforderung im Wesentli
chen auf den Standpunkt, aufgrund der medizinischen Aktenlage sei die Aus
übung seiner angestammten Tätigkeit
nicht mehr möglich gewesen, weshalb ihm die Arbeitgeberin gekündigt habe. Damit sei der Einstellungsgrund der Beklagten, wonach im Zeitpunkt der Kündigung des Arbeitsverhältnisses eine vollständige Arbeitsfähigkeit bestanden
habe
, nicht korrekt und die Beklagte leistungspflichtig (Urk. 1 S. 4 ff.).
Daran hielt er
in
seiner Replik vom 23. Juni 2014 (Urk. 12) fest. Weiter
machte er geltend, dass zur Berücksichtigung einer angepassten Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit bei langandauernder Arbeitsunfähigkeit zwingend eine Übergangsfrist gewährt werden müsse (S. 3).
2.2
Dagegen vertrat die Beklagte die Ansicht (Urk.
8), die Ärzte hätten im März 2013 die Wiederaufnahme der angestammten Tätigkeit als möglich erachtet
. Selbst wenn von einer über den 11. März 2013 hinausgehende
n
Arbeitsunfähig
keit in der angestammten Tätigkeit ausgegangen werden müsste, sei der Kläger gemäss medizinsicher Sicht in einer leidensangepassten Tätigkeit im Zeitpunkt der Leistungseinstellung vollständig arbeitsfähig gewesen, weshalb gestützt auf die
Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB)
auch die Arbeitsfähigkeit des Klägers in einer leidensangepassten Funktion hätte berücksichtigt werden dür
fen. Ausserdem habe der Kläger ab dem 25. März 201
3
Arbeitslosentaggelder erhalten, weshalb auch keine Leistungspflicht mehr bestehe (S. 7-9).
Daran hielt die Beklagte in ihrer Duplik vom 7. Oktober 2014 (Urk. 17) fest.
3.
Unter den Parteien ist unbestritten, dass Ansprüche aus der Kollektiv
tag
geld
versi
cherung strittig sind. Vereinbart wurde gemäss Police
(Urk. 9/A25 S. 15) ein Krankentaggeld von 80 % des versicherten Lohnes mit einer Leistungsdauer von 730 Tagen und einer Wartefrist von sieben Tagen.
Gemäss Buchstabe A 4 Ziff. 1 AVB der Beklagten für die Krankentaggeldversi
cherung, Ausgabe 0.7.2010 (Urk. 9/A25 S. 1-12), gilt als Krankheit jede Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit, die nicht Folge eines Unfalles ist und die eine medizinische Untersuchung oder Behand
lung erfordert oder eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat.
Gemäss Buchstabe A 4 Ziff. 2 AVB ist die Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf berücksichtigt. Bei voller Arbeitsunfähigkeit wird das in der Police aufgeführte Taggeld bezahlt. Bei teilweiser Arbeitsunfähigkeit richtet sich die Höhe nach dem Ausmass der Arbeitsunfähigkeit. Eine Arbeitsunfähigkeit von weniger als 25 % gibt keinen Anspruch auf Leistungen (Buchstabe B 7 Ziff. 2 AVB).
4.
4
.1
Den medizinischen Akten ist Folgendes zum Gesundheitszustand des Klägers zu entnehmen:
4
.2
Bei
eine
m
Stolpersturz am 6. Februar 2012 zog sich der Kläger eine heftige Knie
kontusion mit
ausgedehnte
r
Knochen
kontusion
und kleiner Infektion am lateralen Tibiaplateau
zu (vgl. Urk. 9/M
5
).
Eine am 22. Februar 2012 durchge
führter bildgebende Untersuchung ergab ein postkontusionelles Knochen
mark
ödem im ventralen Anteil des lateralen Tibiauplateaus mit kleinster Infrak
tion, eine Chondropathia patellae Grad I sowie degenerative Veränderungen am Hinter
horn des Innenmeniskus (Urk. 9/M8).
4
.3
Ab dem 30. Juli 2012 machte der Kläger
erneut
Beschwerden im rechten Knie ge
ltend (vgl. Urk. 9
/M7). Ein
e
am 8. August 2012 im Zentrum für medizinische Radiologie durchgeführte Magnetresonanztomographie (MRI
; Urk. 8/M3)
ergab
eine Chondropathia patellae Grad II bis III
und
ossäre posttraumatische Kon
tusionsmarken beziehungsweise einen Status nach bone bruises des Tibiakopfes. Die Knochenläsion auf Höhe der Führungsleiste im Bereich der Patella sei mög
licherweise posttraumatisch zu erklären oder aber im Zusa
mmenhang mit der Chondropathie (S. 2).
4
.4
Aufgrund der persistierenden Beschwerden und der medialen Meniskusvorder
hornläsion sowie der posttraumatischen Chondromalazie erfolgte
auf Zuwei
sung durch den Hausarzt des Klägers, Dr. med.
Z._
, Facharzt
für Innere Medizin (vgl. Urk. 9
/M1)
,
eine
am 6. September 2012 im Operations
zentrum Wetzikon durch Dr. med.
A._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie,
durchgeführte
Kniegelenksarthroskopie (Urk. 9
/M9).
4
.5
Am vierten p
ostoperativen Tag
nannte
Dr.
A._
im Schreiben
vom 10. September 2012 (Urk
. 9/M4 S.
3)
reizlose trockene Arthroskopieportale, wenig Gelenk
s
erguss, kein femoropatelläres Krepitieren, kein Quadriceps-Lag. Der Kläger habe konsequent teilbelastet und d
ie
Analgetika bereits deutlich reduzieren können.
Nun folge
der
Übergang zum stockfreien Gehen
,
wobei belastete Kniebeugen für die ersten sechs Wochen
vermieden werden sollten
. Eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestehe bis 30. September 2012 (S. 1).
4
.6
Im Verlaufsberi
cht vom 23. Oktober 2012 (Urk. 9
/M10) berichtete Dr.
A._
von einem regelrechten Verlauf sechs Wochen postoperativ. Der Kläger sei stockfrei gut mobil und habe regelmässig Physiotherapie zum Aufbau der Quadrizepsmuskulatur durchgeführt. Die Wiederaufnahme der Arbeit sei in zwei Wochen geplant und gegenwärtig bestehe noch eine Arbeitsunfähigkeit bis zum 4. November 201
2.
Weiter führte er aus, das initiale Trauma habe sich gemäss dem Hausarzt Dr.
B._
bereits im Februar ereignet
. Die bisherigen Anga
ben der zwei Monate vor der Operation hätten sich auf einen Arbeitsversuch bezogen, der wieder
habe
abgebrochen werden
müssen
(S. 1).
4
.7
Am 13. November 2012 berichtete Dr.
A._
vom Abbruch des Arbeitsver
suchs des Klägers infolge vermehrter Schmerzen. Es handle sich um Schmerzen am Patellaunterpol, welche auf eine Ansatztendinopathie des Lig
amentum
patellae zurückzuführen seien. Die Arbeitsunfähigkeit werde daher nochmals bis zum 8. Dezember 2012 verlängert (
Urk. 9
/M12).
4
.8
Der beratende Arzt der Beklagten, Dr. med.
C._
, Facharzt für Allgemeinchirurgie und Traumatologie, verneinte
in seinem Bericht vom 27. November
2012 (Urk. 9
/M5) einen Kausalzusammenhang
zum Ereignis vom 6. Februar 2012 und beurteilte die Beschwerden als krankheitsbedingt
(S. 2).
4
.9
Am 12. Dezember 2012
(Urk. 9
/M13)
berichtete Dr.
A._
von deutlich besser gewordenen Beschwerden, jedoch sei längeres Gehen nach wie vor nicht möglich. Die vollständige Arbeitsunfähigkeit sei bis Ende Jahr verlängert wor
den
, danach sollte die Arbeit wieder aufgenommen werden können.
4
.10
Am 16. Januar 2013
(Urk. 9
/M6) erwähnte Dr.
A._
stetige Fortschritte im rechten Kniegelenk, sodass der Kläger zumindest in ebenem Gelände wieder grössere Spaziergänge durchführen könne. Jedoch habe er einen Arbeitsversuch infolge Schmerzexazerbation
beim
Treppensteigen abbrechen müssen. Das Knie
gelenk benötige noch eine gewisse Konditionierung, damit der Kläger den Job bei der
Y._
wieder aufnehmen könne. Bis zur nächsten Verlaufskon
trolle ein halbes Jahr postoperativ bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (S. 1).
4
.11
Dr.
med.
D._
, ber
atender Arzt der Beklagten, ging in seiner Beurteil
ung vom 27. Februar 2013 (Urk. 9
/M7) von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit des Klägers aus
und erachtete auch
Stehen und Gehen (nur auf der Ebene) als mög
lich. Einschränkungen bestünden hingegen für Treppenstei
gen sowie Gehen auf abschüssigem
oder unebenem Boden (S. 2).
4
.12
Dr.
A._
be
richtete am 6. März 2013 (Urk. 9
/M14) von einem unveränder
ten Befund und erwähnte im Bericht, dass Treppensteigen nach wie vor schmerz
haft sei, sodass der Kläger nicht mehr als zwei Stockwerke am Stück gehen könne. Eine Wiederaufnahme der Tätigkeit als
Y._
mit Gehen auf unebenem Gelände und Treppensteigen sei zum jetzigen Zeitpunkt sicher nicht indiziert. Es bestehe weiterhin eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (S. 1).
4
.13
Nach einer weiteren Verlaufskontrolle führte Dr.
A._
im Bericht
vom 27. März 2013 (Urk. 9
/M15) aus, die Beschwerden nähmen weiter ab, sodass der Kläger mittlerweile zwei Stockwerke gut hinauf- und mit leichten Schmerzen auch hinuntergehen könne.
Mittlerweile sei dem Kläger die Arbeit bei der
Y._
gekündigt worden. Die Umschulung zum Informatiker sei nicht beein
trächtigt. Bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses bei der
Y._
am 19. April 201
3
bestehe
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Anschliessend sei der Kläger wieder voll arbeitsfähig in seiner zukünftigen Tätigkeit als Informatiker (S. 1).
5
.
5
.1
Den erwähnten medizinischen Akten lässt
sich
entnehmen, dass der Kläger an einer Chondropathia
patellae im rechten Knie litt und dieses
am 6. September 2012 arthroskopi
ert
wurde (vgl. vorstehend E. 4.3-
4.
4). Der postoperative Ver
lauf
gestaltete sich gemäss dem behandelnden Arzt Dr.
A._
sechs Wochen nach der Operation gut und er ging in seinem Verlaufsbericht vom 23. Oktober 2012 gar von einer Wiederaufnahme der Arbeit des Klägers in zwei Woche
n aus (vgl. vorstehend E. 4.6). Diese Einschätzung relativierte er jedoch im Bericht vom 13. November 2012, in welchem er vom Abbruch des Arbeitsversuches des Klägers infolge vermehrter Schmerzen berichtete und di
e
Arbeitsunfähigkeit des Klägers bis zum 8. Dezember 2012 verlängerte (vgl. vorstehend E. 4.7).
Hernach stellte sich
eine
deutlich
e
Besserung
e
in, aus ärztlicher Sicht
war
jedoc
h noch längeres Gehen verunmöglicht (vgl. vorstehend E. 4.9)
.
Beschwerden
mani
festierten
sich schliesslich im Januar 2013
lediglich noch
in Einschränkungen beim Treppensteigen
, wohingegen beim Gehen im ebenen Gelän
d
e keine Beein
trächtigungen mehr vorlagen
(vgl. vorstehend E. 4.10). Dr.
A._
erhob sodann am 6. März 2013 einen unveränderten Befund und berichtete von fort
bestehenden Schmerzen beim Treppensteigen
und
verneinte eine Wiederauf
nahme der Tätigkeit als
Y._
(vgl. vorstehend E. 4.12). Schliesslich hielt er im Bericht vom 2
7.
März 2013 fest, dass die Beschwerden beim Kläger abge
nommen hätten, Treppensteigen (zwei Stockwerke) und die Umschulung des Klägers zum Informatiker möglich sei
en.
Er
attestierte eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bis 19. April 2013 und erachtete den Kläger hernach als Informatiker zu 100 % arbeitsfähig (vgl. vorstehend E. 4.13).
5.2
Die Beklagte
erachtete eine Arbeitsunfähigkeit bis 11. März 2013 als ausge
wiesen. Im Weiteren lehnte sie aber die Leistungspflicht ab 12. März 2013 ab
,
dies
aufgrund einer 100%igen Arbeitsfähigkeit, welche sie gestützt auf die Beurteilung ihres beratenden Arztes Dr.
D._
als ausgewiesen erachtete (vgl. Urk. 9/A5).
Aus der
überaus kurz gehaltene
n
und
nicht näher
begründete
n
Einschätzung
durch
Dr.
D._
vom 28. Februar 2013 ergibt sich allerdings nicht, dass der Kläger wieder eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit erlangt hat.
Zwar lag
beim Stehen und Gehen zu dieser Zeit eine vollständige Arbeitsfähigkeit vor. Der beratende Arzt wies aber darauf hin, dass beim Treppensteigen sowie beim Gehen auf abschüssigem Gelände oder auf unebenem Boden Restbeschwerden
bestehen könnten (vgl. vorstehend
E. 4.11), was einen Spielraum für Interpreta
tionen offen lässt. Denn im Umkehrschluss bedeutet
dies,
dass Treppensteigen nicht uneingeschränkt möglich ist, was auch der behandelnde Arzt Dr.
A._
in seinem Bericht vom 6. März 2013 bestätigte (vgl. vorstehend E. 4.12).
Zwar basiert dieser Bericht
,
wie von der Beklagten zu Recht bemängelt
,
auf de
m
bereits am 14. Januar 2013 durchgeführten Untersuch und stellt damit keinen zeitnahen Bericht dar, aber die darin ge
zogenen Schlussfolgerungen deck
en sich mit den
jenigen
von Dr.
D._
(Gehen nur im ebenen Gelände, Probleme beim Treppensteigen). Schliesslich persistierten gemäss Dr.
A._
am 27. März 2013 immer noch Schmerzen beim Treppensteigen von mehr als zwei Stock
werke
n (vgl. vorstehend E. 4.13)
.
Das
bedeutet
eine vollständige Arbeits
fähigkeit nur
soweit
, als
der Kläger in seiner angestammten Tätigkeit
gemäss Jobprofil
nicht mehr als zwei Stockwerke
bewältigen
muss
.
Ob dies so zutrifft
,
ist nicht ersichtlich. Aus den Akten geht
lediglich
hervor, dass die Arbeitgeberin des Klägers das Arbeitsverhältnis mit der Begründung, der Kläger könne aus gesund
heitlichen Gründen die Tätigkeit als Revierdienstspezialist nicht mehr aufnehmen, ordentlich auflöste (Urk. 9/A13) und im Schreiben vom 29. Oktober 2013 bestätigte, dass der Kläger die beruflichen Anforderungen, namentlich häufiges Treppensteigen
und über unebene Böden gehen
, nicht mehr erfüllen konnte (Urk. 9/A18).
Folglich
lässt sich
der
von der
Beklagten gezogene Schluss
, wonach das Knie wieder gut belastbar
war
sowie
Treppen
steigen und über unebene Böden
G
ehen
uneingeschränkt
möglich
waren
, mithin
der Kläger
in seiner angestammten Tätigkeit per 11. März 2013 wieder voll leistungsfähig war
,
nicht ziehen
.
Wie es sich
aber
mit der Arbeitsfähigkeit des Klägers
in seiner angestammten Tätigkeit als
Y._
zum Zeitpunkt der Leis
tungseinstellung effektiv verhält, kann
jedoch
mit nachstehender Begründung offen bleiben.
5.3
Gemäss Buchstabe
A
4
Abs. 2 AVB wird bei langer Dauer auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf berücksichtigt. Zwar wird diese lange Dauer in den AVB der Beklagten nicht bestimmt, die Lehre geht aber von einer Dauer von 6 Monaten aus (vgl. Kieser, ATSG-Kommentar
, 2. Aufl., Art. 6 Rz 20
). Seit Ende Juli 2012 bestand eine Arbeitsunfähigkeit des Klägers in seiner ange
stammten Tätigkeit, womit im fraglichen Zeitpunkt der Leistungseinstellung auch die Arbeitsfähigkeit des Klägers in einer leidensangepassten Tätigkeit berücksichtigt werden durfte. Dabei ist unbestritten
, dass de
r
Kläger in einer angepassten Tätigkeit zum Zeitpunkt der Leistungseinstellung uneingeschränkt
arbeitsfähig
war
. So hatte auch Dr.
A._
am 27. März 2013 explizit eine volle Arbeitsfähigkeit des Klägers als Informatiker erwähnt
(vgl. vorstehend E. 4.13)
und auch Dr.
D._
erachtete den Kläger am 28. Februar 2013 in einer angepassten Tätigkeit als voll arbeitsfähig (Urk. 9/M7 S. 2 Ziff. 1)
.
Der Kläger wendet aber ein, dass diesfalls die Bekla
gte
gemäss Rechtsprechung mitzuteilen habe, dass sie einen Berufswechsel erwarte und ihm darüber hinaus
eine angemessene Frist
anzusetzen habe
, um sich anzupassen und eine Stelle zu finden
. Dies habe die Beklagte nicht getan
(Urk. 1
S. 6 Ziff. 12; Urk. 12 S. 3 Ziff. 3).
5.4
Den Akten ist nicht zu entnehmen, dass die Beklagte dem Kläger eine Frist gemäss der Rechtsprechung (vgl. vorstehend E. 1.5) eingeräumt hat, um einen Berufswechsel vorzunehmen. Hingegen geht aus dem Kündigungsschreiben der
Y._
hervor, dass der Kläger am 8. April 2013 eine Umschulung zum Netz
werk-Supporter in Angriff
genommen
(Urk. 9/A13
S.
2)
und die Sozialversi
cherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
gemäss
Mitteilung vom 26. März 2014 die Arbeitsvermittlung
per
1.
März 2014
erfolgreich abschlossen hat (Urk. 18/3). Ebenfalls
ist
erstellt, dass der Kläger seit dem 25. März 2013
bei 100%iger Vermittlungsfähigkeit
Taggelder aus der Arbeitslosenversicherung
erhalten hat
(Urk. 9/A19).
Somit hat der Kläger de facto sich so verhalten, als wäre ihm die
se
Karenzfrist bereits früher eingeräumt worden, in dem er sich berufli
ch anderweitig orientiert hat
und sich zum Netzwerk-Supporter ausbilden liess.
Folglich
bestand
für die Beklagte keine Pflicht
mehr, den Kläger mittels einer Frist zur Anpassung an die veränderten Verhältnisse so
wie zur Stellen
s
uche
zu bewegen
, da der Kläger im Sinne dieser
Rechtsprechungs-Regelung
seiner Schadenminderungspflicht
bereits vorgängig
vollumfänglich nachge
kommen ist
.
5.5
Hingegen besteht für die
Zeit ab
dem
11. bis 24. März 2013
ein Taggeldan
spruch des Klägers, denn erst ab dem 25. März 2013 richtete die Arbeitslosen
versicherung Taggelder aus (vgl. Urk. 9/A19).
Die Beklagte hat
aber
nach Klage
einleitung Leistungen in diesem Umfang an die ehemalige Arbeitgeberin erbracht
(vgl. Ausführungen in der Duplik vom 7. Oktober
2014
[Urk. 17 S. 2] sowie das Schreiben vom 4. Juni 2014 [Urk. 18/1] und der Abrechnungsbeleg vom 3. Oktober 2014 [Urk. 18/2]).
5.6
Damit erweist sich die Klage in dem Umfang, in welchem sie gutzuheissen gewe
sen wäre, als gegenstandslos. Dementsprechend ist sie - im Ergebnis - ab
zuweisen.
6.
Gemäss Art. 114 lit. e ZPO ist das Verfahren kostenlos. Zu den Prozesskosten gehören die Gerichtskosten und die Parteientschädigung (Art. 95 Abs. 1 ZPO). Aus der Formulierung von Art. 114 ZPO ergibt sich, dass dessen lit. e nur die
Gerichtskosten betrifft, nicht aber die Prozessentschädigung an die Gegenpartei (Urteil des Bundesgerichtes 4A_194/2010 vom 17. November 2010, E. 2.1 nicht publiziert in: BGE 137 III 47).
Der nicht berufsmässig vertretenen Beklagten steht praxisgemäss keine Partei
ent
schädigung zu (vgl. Art. 68 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes über das Bun
des
gericht, BGG; BGE 133 III 439 E. 4).