# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** cb927fbe-d0fb-4e11-b3df-229b36eb2a0d
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. X.Y. (1970) stammt aus Brasilien, heiratete am 20. Oktober 2005 in Uznach
den Schweizer Bürger A.Y. (1968) und reiste am 18. März 2006 in die Schweiz ein, wo
sie im Rahmen des Familiennachzugs eine Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib beim
Ehemann erhielt (vgl. act. 1 und 4 des Migrationsamtes). Diese wurde mehrmals
verlängert, zuletzt bis 17. Mai 2011 (act. 9 des Migrationsamtes). Am 16. August 2010
reiste X.Y. ohne ihren Ehemann nach Brasilien aus (act. 13 des Migrationsamtes). Rund
acht Monate später, am 30. April 2011, kehrte sie in die Schweiz zurück. Weil ihre
bisherige Aufenthaltsbewilligung durch den Auslandaufenthalt erloschen war, stellte ihr
das Migrationsamt auf Ersuchen ihres Ehemannes hin eine neue Aufenthaltsbewilligung
aus (Familiennachzug; act. 15 f. des Migrationsamtes) und verlängerte diese im
Folgejahr bis 27. Juni 2014 (act. 19 des Migrationsamtes).
B. Unmittelbar nach der letzten Verlängerung – am 23. Juli 2012 – teilte das
Einwohneramt der Politischen Gemeinde W. dem Migrationsamt mit, X.Y. lebe seit
längerer Zeit nicht mehr bei ihrem Ehemann und halte sich an unbekannter Adresse in
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Zürich auf (act. 20 des Migrationsamtes). Die Nachforschungen des Migrationsamtes
bei A.Y. – X.Y. konnte wegen ihres unbekannten Aufenthaltsortes vorerst nicht befragt
werden – ergaben, dass das Paar entgegen der Angabe auf dem Verlängerungsgesuch
vom 4. Juni 2012 nicht mehr zusammenwohnte, sondern sich bereits im Frühjahr 2012
getrennt hatte. Die (gerichtliche) Trennung bzw. Scheidung sei aber noch kein Thema.
Seine Ehefrau beabsichtige, im November 2012 nach Brasilien zu reisen und erst im
kommenden Jahr wieder zurückzukehren (act. 18 und 25 des Migrationsamtes). Nach
Gewährung des rechtlichen Gehörs widerrief das Migrationsamt am 14. Dezember
2012 die Aufenthaltsbewilligung von X.Y. und forderte sie auf, die Schweiz bis
24. Februar 2013 zu verlassen. Sowohl die Aufforderung zur Stellungnahme als auch
die Verfügung wurden im Amtsblatt publiziert (ABl 2012 3509 bzw. 3922).
C. Auf den von X.Y. erst nach ihrer Rückkehr aus Brasilien am 14. Juni 2013
erhobenen Rekurs trat das Sicherheits- und Justizdepartement am 11. November 2013
wegen Eröffnungsmängeln ein und hiess ihn aus formellen Gründen gut
(schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs). Es wies die Angelegenheit zur
Abklärung des Sachverhalts, Gewährung des rechtlichen Gehörs und zu neuer
Entscheidung an das Migrationsamt zurück (act. 50 des Migrationsamtes).
D. In der Folge ergab die Befragung der Ehefrau, dass sie am 27. November
2012 ferienhalber nach Brasilien gereist und am 7. März 2013 zurückgekehrt war
(act. 51 - 61 des Migrationsamtes). Bei der Abreise sei das Ehepaar noch nicht getrennt
gewesen; während des Auslandaufenthaltes habe sich die schwelende Ehekrise jedoch
akzentuiert und Anfang 2013 sei die Trennung beschlossen worden. Seit der Rückkehr
am 7. März 2013 wohne sie bei ihrer Kollegin B.B. in K. Dass ihr Ehemann ihren
Aufenthaltsort zeitweise nicht gekannt habe, sei den ewigen Streitereien geschuldet.
Mit Schreiben vom 27. Januar 2014 stellte das Migrationsamt dem Rechtsvertreter von
X.Y., Rechtsanwalt Roger Müller, Zürich, den Widerruf deren Aufenthaltsbewilligung
erneut in Aussicht. Es hielt fest, sie erfülle keine der Voraussetzungen für den Anspruch
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auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung. Von einer während dreier Jahre in der
Schweiz gelebten Ehegemeinschaft sei nicht auszugehen. Selbst ohne
Berücksichtigung der Trennung im Jahr 2012 habe diese lediglich rund 21 Monate
gedauert; der frühere Aufenthalt sei unbeachtlich, weil diese Bewilligung wegen
Landesabwesenheit erloschen sei. Die Rückkehr nach Brasilien könne X.Y. ohne
weiteres zugemutet werden. Nachdem sich der Rechtsvertreter hatte vernehmen
lassen, widerrief das Migrationsamt am 14. Februar 2014 die Aufenthaltsbewilligung
(vgl. act. 62 - 64 des Migrationsamtes).
E. Den dagegen erhobenen Rekurs wies das Sicherheits- und
Justizdepartement mit Entscheid vom 23. September 2014 ab. Der Rechtsvertreter
hatte gerügt, das Migrationsamt handle treuwidrig, wenn es die früheren
(gemeinsamen) Aufenthalte des Ehepaares in der Schweiz nicht berücksichtige. Ferner
habe es unterlassen, die für den Entscheid wesentliche Integration der Ehefrau
abzuklären (vgl. Rekursdossier in act. 9).
F. Gegen den Rekursentscheid liess X.Y. (Beschwerdeführerin) mit Eingabe ihres
Rechtsvertreters vom 10. Oktober 2014 Beschwerde beim Verwaltungsgericht erheben
(act. 1). Sie beantragt, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und ihr sei der
weitere Aufenthalt in der Schweiz zu gestatten; eventualiter sei die Sache zur weiteren
Abklärung des Sachverhalts an das Migrationsamt zurückzuweisen; unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen. Das Sicherheits- und Justizdepartement (Vorinstanz) beantragte
in seiner Vernehmlassung vom 5. Dezember 2014 die Abweisung der Beschwerde
(act. 8).
Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten, den angefochtenen Entscheid und die

## Considerations

Akten ist – soweit wesentlich – in den nachstehenden Erwägungen einzugehen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
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1. (...).
2.
2.1. Die Beschwerdeführerin hatte gemäss Art. 42 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über die Ausländerinnen und Ausländer (SR 142.20, AuG) Anspruch auf Erteilung und
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, solange sie mit ihrem Ehemann
zusammenwohnte. Nach den unbestrittenen Feststellungen der Vorinstanzen lebten die
Eheleute vom 18. März 2006 (Datum der Einreise) bis zum 16. August 2010 (Datum der
Ausreise) in einem gemeinsamen Haushalt in W. Anschliessend reiste die
Beschwerdeführerin alleine nach Brasilien aus, was das Erlöschen ihres
Anwesenheitsrechts zur Folge hatte. Nach der Wiedereinreise am 30. April 2011
setzten die Eheleute das Zusammenleben zunächst fort, trennten sich jedoch im
Frühling 2012. Am 27. November 2012 reiste die Beschwerdeführerin wiederum alleine
nach Brasilien aus. Als sie am 7. März 2013 wieder in die Schweiz zurückkehrte, wurde
das Eheleben nicht wieder aufgenommen. Zu einer Wiedervereinigung kam es nicht
mehr. Die Beschwerdeführerin hat somit gestützt auf die Ehe keinen Anspruch (mehr)
darauf, dass die Bewilligung verlängert wird.
2.2. Der Anspruch besteht indessen nach Art. 50 Abs. 1 AuG auch nach Auflösung
der Ehe weiter, wenn die Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre bestanden hat und
eine erfolgreiche Integration besteht (lit. a) oder wichtige persönliche Gründe einen
weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen (lit. b). Der erste Aufenthalt von
2006 bis 2010 dauerte 53 Monate, die zweite Phase des ehelichen Zusammenlebens in
der Schweiz – je nachdem, ob die (faktische) Trennung per Frühjahr 2012 oder Ende
November 2012 angenommen wird – zwischen 12 und 19 Monate. Die Vorinstanz ist
der Auffassung, dass die erste (längere) Phase des Zusammenlebens in der Schweiz
wegen der Ausreise der Ehefrau nach Brasilien im Jahr 2010 und dem damit
einhergehenden Erlöschen der Aufenthaltsbewilligung unbeachtlich sei, die
Dreijahresfrist mit der Wiedereinreise Ende April 2011 neu zu laufen begonnen habe
und vorliegend nicht erfüllt sei. Demgegenüber macht die Beschwerdeführerin geltend,
die beiden Aufenthalte seien zusammenzurechnen. Streitig und zu entscheiden ist
somit in erster Linie, ob der erste Aufenthalt für die Berechnung der Dreijahresdauer im
konkreten Fall beachtlich ist.
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2.3. Dass der Aufenthaltsanspruch nach Beendigung der ehelichen Gemeinschaft
unter gewissen Voraussetzungen weiterbesteht, knüpft nach der gesetzgeberischen
Intention an die spezifische Lebenssituation nach dem Dahinfallen der aus der Ehe
abgeleiteten Anwesenheitsberechtigung an. Der Gesetzgeber wollte mit Art. 50 AuG in
erster Linie die nachgezogenen Ehegatten nicht vor das Dilemma stellen, entweder in
einer unzumutbaren ehelichen Gemeinschaft zu verbleiben oder alleine in ein
gesellschaftliches Umfeld zurückzukehren, wo sie wegen ihrer Trennung oder
Scheidung möglicherweise geächtet werden (BGE 140 II 289 E. 3.4.3 mit Hinweis auf
BGE 140 II 129 E. 3.1). Ausser in den Fällen wichtiger persönlicher Gründe soll dafür
aber eine kürzere als dreijährige Ehedauer nicht genügen. Diese Gründe werden nach
dem Willen des Gesetzgebers vielmehr als nacheheliche Härtefälle von Art. 50 Abs. 1
lit. b AuG erfasst, bei denen sämtliche Umstände des Einzelfalles mit zu
berücksichtigen sind (vgl. BGE 137 II 345 E. 3.2.1). Die Dreijahresdauer muss sodann
im Zusammenhang mit der zweiten Voraussetzung – der erfolgreichen Integration –
betrachtet werden. Die Ehegemeinschaft muss deshalb in der Schweiz geführt worden
sein (BGE 136 II 113 E. 3.3; 137 II 345 E. 3.1.3). Mehrere kürzere Ehedauern können
nicht zusammengerechnet werden (BGE 140 II 289 E. 3.7). Die Dreijahresdauer ist aber
erfüllt, wenn ein Ehepaar das insgesamt dreijährige Zusammenleben in der Schweiz
durch gemeinsame Auslandaufenthalte unterbrochen hat (BGer 2C_430/2011 vom 11.
Oktober 2011 E. 4.1.2; Spescha/Zünd/Thür/Bolzli, Kommentar Migrationsrecht, 4. Aufl.
2015, N 4 zu Art. 50 AuG). Nicht zusammenzurechnen sind solche Aufenthalte von
kurzer Dauer, unterbrochen durch längere Trennungszeiten, wenn dabei die ernsthafte
Führung eines Ehelebens nicht beabsichtigt war (BGer 2C_231/2011 vom 21. Juli 2011
E. 4.6). Ob – ausserhalb des Anwendungsbereichs von Art. 49 AuG, wonach vom
Erfordernis des Zusammenwohnens abgesehen wird, wenn für getrennte Wohnorte
wichtige Gründe geltend gemacht werden und die Familiengemeinschaft weiter besteht
– mehrere kürzere Phasen des Zusammenlebens, unterbrochen durch eine halbjährige
Trennung, zusammengerechnet werden können, hat das Bundesgericht offengelassen
(BGer 2C_830/2010 vom 10. Juni 2011 E. 2.2.2). Zu entscheiden war der Fall einer
Kroatin, die einen in der Schweiz niedergelassenen Landsmann geheiratet und sich
anschliessend von Oktober 2004 bis Juni 2007 ein erstes und von November 2007 bis
März 2009 ein zweites Mal in der Schweiz aufgehalten hatte, bevor die Ehe definitiv
scheiterte. Von Juni bis November 2007 hatte sie sich zusammen mit ihren Töchtern
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bei den Eltern in Kroatien aufgehalten; ihre Aufenthaltsbewilligung war deswegen
verfallen.
2.4. Art. 50 AuG steht systematisch im Zusammenhang mit Art. 42 und Art. 43
AuG. Der aus Art. 50 AuG fliessende Anwesenheitsanspruch schliesst an die
Anwesenheitsansprüche von Art. 42 Abs. 1 und Art. 43 Abs. 1 AuG an; der
Gesetzestext spricht folgerichtig von «Weiterbestehen». Wie erwähnt wollte der
Gesetzgeber mit Art. 50 AuG in erster Linie die Ehegatten nach Auflösung der Ehe
schützen. Ist der Zusammenhang unterbrochen und der Anspruch nach Art. 50 AuG
untergegangen, weil es am Zusammenwohnen fehlte (ohne dass im Sinn von Art. 49
AuG wichtige Gründe für das Getrenntleben gegeben gewesen wären), kann dieser
regelmässig nicht wieder aufleben (BGE 140 II 289 E. 3.4.3 und 3.6.1, je mit
Hinweisen).
3. Im vorliegenden Fall sind die beiden Aufenthalte nicht zusammenzurechnen.
3.1. Gemäss Art. 61 Abs. 2 AuG erlischt eine Aufenthaltsbewilligung nach sechs
Monaten, wenn die ausländische Person die Schweiz verlässt, ohne sich abzumelden
oder ein Gesuch um Aufrechterhaltung zu stellen. Gleiches gilt im übrigen auch für die
Niederlassungsbewilligung. Auf eine Wiederzulassung besteht kein Anspruch; das
Gesetz bestimmt bloss, dass diese zu erleichtern ist (Art. 30 Abs. 1 lit. k AuG). Nach
einem längeren Auslandaufenthalt bricht der Zusammenhang mit der bisherigen
Anwesenheitsgrundlage ab, was namentlich darin zum Ausdruck kommt, dass nach
sechs Monaten Landesabwesenheit selbst die mit der unbefristeten
Niederlassungsbewilligung verbundene gefestigte Rechtsposition dahinfällt. Art. 61
Abs. 2 AuG lässt auch eine zuvor gestützt auf Art. 50 AuG verlängerte
Aufenthaltsbewilligung erlöschen. Mit Art. 61 Abs. 2 AuG hat der Gesetzgeber einen
absoluten Erlöschensgrund geschaffen (vgl. BGer 2C_327/2013 vom 23. Oktober 2013
E. 2.1). Voraussetzung für einen Bewilligungsanspruch bei der Wiedereinreise ist, dass
in jenem Moment ein Anknüpfungspunkt zur früheren Bewilligung besteht; namentlich
können Art. 42 und 43 AuG angerufen werden, wenn die entsprechenden
Voraussetzungen, nämlich Zusammenleben oder aber wichtige Gründe für
Getrenntleben gemäss Art. 49 AuG, erfüllt scheinen. An einem Anknüpfungspunkt fehlt
es hingegen, wenn die seinerzeit anspruchsbegründende Ehegemeinschaft
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dahingefallen ist bzw. diese gar schon zum Zeitpunkt der Ausreise nicht mehr Bestand
hatte. Eine Berufung auf Art. 50 AuG scheitert in einem solchen Fall bereits am mit
dieser Norm verbundenen Erfordernis der Akzessorietät («weiterbestehen»; zum
Ganzen vgl. BGer 2C_483/2014 E. 2).
3.2. Die im Jahr 2006 im Familiennachzug erteilte und anschliessend mehrfach
verlängerte Aufenthaltsbewilligung erlosch nach der Ausreise der Beschwerdeführerin
im August 2010 absolut. Der weitere Aufenthalt ab April 2011 wurde der
Beschwerdeführerin erneut im Rahmen des Familiennachzuges bewilligt. Es ist
unbestritten, dass die Dreijahresfrist von Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG nur unter
Berücksichtigung des ersten Aufenthaltes eingehalten wäre. Da das erste
Aufenthaltsrecht indessen absolut erloschen ist, ist auch ausgeschlossen, dass dieses
im Rahmen der vom Gesetz geforderten Kontinuität von bewilligtem ehelichen und
nachehelichem weiteren Aufenthalt («Weiterbestehen») gewissermassen nachträglich
wieder auflebt. Nachdem es von Gesetzes wegen untergegangen ist, kann es
hinsichtlich des streitigen Bewilligungsanspruchs keinerlei Wirkungen mehr entfalten.
Der erste Aufenthalt hätte der Beschwerdeführerin im übrigen keinen Anspruch auf
Wiedereinreise verschafft, wenn die eheliche Beziehung vor oder während dem
Auslandaufenthalt beendet worden wäre. Die mehrmonatige Aufgabe des
Zusammenlebens wegen einer Ehekrise wäre sodann nicht geeignet gewesen, das
Aufenthaltsrecht trotz Trennung wegen wichtiger Gründe weiter bestehen zu lassen,
wenn die Beschwerdeführerin in der Schweiz geblieben wäre (vgl. Th. Hugi Yar, Von
Trennungen, Härtefällen und Delikten, in: Achermann/Caroni/ Uebersax, Jahrbuch für
Migrationsrecht 2012/13, Bern 2013, S. 31 ff., hier: S. 51 ff.; BGer 2C_231/2011 vom
21. Juli 2011 E. 4.6). Die Wiedererteilung der Aufenthaltsbewilligung im Jahr 2011
erscheint deshalb fragwürdig. Auch unter diesem Gesichtspunkt erscheint es geboten,
der ersten Aufenthaltsbewilligung nicht nachträglich Wirkungen zuzuschreiben, die sie
wegen der freiwilligen Landesabwesenheit bzw. mehrmonatigen Trennung ohne
erkennbaren wichtigen Grund selbständig gar nicht mehr entfalten konnte.
3.3. Die gegenteilige Auffassung der Beschwerdeführerin hätte zur Konsequenz,
dass eine kurzzeitige Wiederaufnahme des Zusammenlebens in der Schweiz sofort
erneut den Anspruch auf ein Verbleiberecht entstehen liesse, wenn ein Ehepaar früher
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bereits drei Jahre in der Schweiz zusammengelebt hat (vgl. BGer 2C_231/2011 vom 21.
Juli 2011 E. 4.6). Eine solche Betrachtungsweise hält (gerade im konkreten Fall) schon
vor dem Regelungszweck von Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG, der die Ehegatten bekanntlich
vor dem Dilemma bewahren wollte, entweder in einer unzumutbaren ehelichen
Gemeinschaft zu verbleiben oder alleine in ein mittlerweile fremd gewordenes
gesellschaftliches Umfeld zurückzukehren, nicht stand. Nach den Ausführungen im
Rekursverfahren konnte die Beschwerdeführerin während ihrer Brasilienaufenthalte bei
ihrer Mutter leben, hat dort zwei erwachsene und selbständige Kinder und wurde von
ihrer brasilianischen Verwandtschaft auch nach ihrer Rückkehr in die Schweiz weiter
finanziell unterstützt (act. 2, S. 5). Ihr weiterer Aufenthalt in der Schweiz entspricht
damit offensichtlich nicht dem vom Gesetzgeber gewollten Zweck, weil die
Beschwerdeführerin in ihrer Heimat nach wie vor stark verwurzelt ist und ihr die soziale
Wiedereingliederung keine grösseren Probleme bereiten dürfte. Sie ist deshalb nicht
schutzbedürftig im Sinne von Art. 50 AuG.
4. Das Gesetz verlangt als zusätzliche Voraussetzung für die Anerkennung eines
Anspruchs aus Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG eine «erfolgreiche Integration».
4.1. Die Integration soll längerfristig und rechtmässig anwesenden Ausländerinnen
und Ausländern ermöglichen, am wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben der
Gesellschaft teilzuhaben (Art. 4 Abs. 2 AuG; BGE 134 II 1 E. 4.1). Dazu ist erforderlich,
dass sich Ausländerinnen und Ausländer mit den gesellschaftlichen Verhältnissen und
Lebensbedingungen in der Schweiz auseinandersetzen und insbesondere eine
Landessprache erlernen (Art. 4 Abs. 4 AuG; vgl. auch die in Art. 77 Abs. 4 der
Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit [SR 142.201; VZAE] nicht
abschliessend genannten Indikatoren).
Bei einem Ausländer, der in der Schweiz beruflich integriert ist und eine feste
Anstellung hat, immer finanziell unabhängig war, sich korrekt verhält und die örtliche
Sprache beherrscht, bedarf es nach der Rechtsprechung ernsthafter besonderer
Umstände, um eine erfolgreiche Integration zu verneinen (BGer 2C_749/2011 vom 20.
Januar 2012 E. 3.3; 2C_839/2010 vom 25. Februar 2011 E. 7.1.2). Nicht erforderlich ist
eine besonders qualifizierte berufliche Karriere (BGer 2C_430/2011 vom 11. Oktober
2011 E. 4.2). Auch das Fehlen besonders enger sozialer Beziehungen schliesst für sich
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allein eine erfolgreiche Integration nicht aus (BGer 2C_839/2010 vom 25. Februar 2011
E. 7.1.2). Keine erfolgreiche Integration liegt vor, wenn eine Person kein
Erwerbseinkommen erwirtschaften kann, welches ihren Konsum zu decken vermag,
und während einer substanziellen Dauer von Sozialleistungen abhängig ist (vgl. z.B.
BGer 2C_857/2010 vom 22. August 2011 E. 2.3.1). Umgekehrt ergibt sich aus dem
Umstand, dass die ausländische Person sich strafrechtlich nichts zuschulden hat
kommen lassen und ihr Unterhalt ohne Sozialhilfe gewährleistet erscheint, für sich
allein noch keine erfolgreiche Integration (BGer 2C_830/2010 vom 10. Juli 2011 E.2.2.2;
zum Ganzen vgl. BGer 2C_930/2012 vom 10. Januar 2013 E. 3.1; 2C_602/2013 vom
10. Juni 2014 E. 5.2 sowie VerwGE B 2013/86 vom 11. Juni 2014 E. 2.1.3,
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4.2. In der (zutreffenden) Annahme, die Dauer des Zusammenlebens sei für das
Weiterbestehen des Anwesenheitsrechts zu kurz gewesen, haben die Vorinstanz und
das Migrationsamt offen gelassen, ob die Beschwerdeführerin das Kriterium der
erfolgreichen Integration erfüllt.
4.3. Im Verwaltungsverfahren gilt der Untersuchungsgrundsatz, wonach es Sache
der Behörde und nicht der Parteien ist, den Sachverhalt festzustellen und dazu soweit
nötig Beweise zu erheben (vgl. Art. 12 VRP). Die Parteien trifft allerdings in
ausländerrechtlichen Bewilligungsverfahren eine Mitwirkungspflicht (vgl. Art. 90 AuG).
Diese gilt grundsätzlich für alle Arten von Tatsachen, kommt aber vorab für jene
Umstände in Frage, die eine Partei besser kennt als die Behörden und welche diese
ohne Mitwirkung der Partei gar nicht oder nicht mit vernünftigem Aufwand erheben
können. Die Behörde muss die Verfahrensbeteiligten indes in geeigneter Form auf die
zu beweisenden Tatsachen hinweisen. Untersuchungsgrundsatz und
Mitwirkungspflicht ändern nichts an der objektiven Beweislast, wonach diejenige Partei
die Folgen der Beweislosigkeit eines Sachumstandes zu tragen hat, die daraus Vorteile
ableitet (zum Ganzen vgl. BGer 2C_2/2015 vom 13. August 2015 E. 2.3 mit Hinweisen).
Die anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin hat in Bezug auf das
Integrationskriterium vor der Vorinstanz eine mangelnde Sachverhaltsabklärung durch
das Migrationsamt gerügt (vgl. act. 9/1 Ziff. 8), woraus sich ergibt, dass sie um dessen
Relevanz gewusst hat. Vor diesem Hintergrund war sie nicht gesondert auf die zu
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beweisenden Tatsachen hinzuweisen. Sie hat in der Folge eine erfolgreiche Integration
weder behauptet noch Beweismittel eingereicht. In der Beschwerdeschrift hat sie nicht
einmal geltend gemacht, sie sei erfolgreich integriert, obwohl sie ihren
Bewilligungsanspruch auf Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG stützte. Bezüglich der Integration
besteht eine umfassende Mitwirkungspflicht, geht es doch um Umstände, die die Partei
nicht nur besser kennt als die Behörden, sondern die einer vollständigen Abklärung von
Amtes wegen in der Regel nicht zugänglich sind.
4.4. Trotz entsprechender Mitwirkungspflichten hat die Beschwerdeführerin ihre
erfolgreiche Integration weder behauptet noch belegt. Eine solche ist auch nicht
ersichtlich. Aus den Akten ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin bislang (zumindest
zeitweilig) nicht erwerbstätig war und von ihrer Familie in Brasilien finanziell unterstützt
wurde (vgl. z.B. act. 5 [Oktober 2014]; act. 59 des Migrationsamtes [Dezember 2013]).
An letzterer Stelle führte sie aus, dass sie einen Deutschkurs besuchen und hier Arbeit
finden wolle. Sie ist demnach trotz langjähriger Anwesenheit offenbar nicht in der Lage,
aktiv am Wirtschaftsleben teilzunehmen. Dass sie sich erst nach Beendigung ihrer Ehe
mit der deutschen Sprache vertraut machen wollte, lässt ebenfalls nicht auf eine
erfolgreiche Integration schliessen. Ferner legen die jeweils mehrmonatigen Aufenthalte
in Brasilien – ein solcher hat sogar zum Verlust der Aufenthaltsbewilligung geführt –
und das dortige familiäre Umfeld, das sie selbst in der Schweiz finanziell unterstützt,
nahe, dass sie nach wie vor in ihrem Heimatland verwurzelt ist (vgl. auch BGer
2C_830/2010 vom 10. Juli 2011 E. 2.2.2). Die Beschwerdeführerin erscheint mithin
aufgrund der Akten nicht erfolgreich integriert und hat im übrigen die Folgen der
Beweislosigkeit selbst zu tragen.
5. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde mangels dreijährigen
ehelichen Aufenthalts und mangels Integration abzuweisen ist. Besteht kein
Bewilligungsanspruch, so ist ein behördlicher Ermessensentscheid vonnöten, mit
welchem die Frage der Wegweisung bzw. der erneuten Bewilligungserteilung geklärt
werden muss (Bolzli, in: Spescha/Thür/Zünd/Bolzli/Hruschka, a.a.O., N 4 zu Art. 33
AuG). Die Ermessensausübung der Vorinstanzen wird vom Verwaltungsgericht nicht
überprüft, solange diese nicht rechtsfehlerhaft ist (Art. 61 Abs. 1 VRP). Die Vorinstanz
hat das öffentliche Interesse an einer restriktiven Migrationspolitik höher gewichtet als
die privaten Interessen der Beschwerdeführerin am weiteren Verbleib in der Schweiz.
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Sie hat insbesondere erwogen, die Beschwerdeführerin sei bei ihrer ersten Einreise in
die Schweiz 35 Jahre alt gewesen, habe den prägenden Teil ihres Lebens in Brasilien
zugebracht, wo sie nicht nur mit den Sitten und Gebräuchen vertraut sei, sondern auch
eine Familie in Form von zwei erwachsenen Kindern und ihren Eltern habe. Diese
Ausführungen lassen nicht auf fehlerhafte Ausübung des behördlichen Ermessens
schliessen; dies hat die Beschwerdeführerin auch nicht gerügt.
6. (...).