# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 851d7dd4-37b5-466a-85ca-0b3a431ac1c3
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1978, arbeitete zuletzt seit dem
1.
Juli 2014
in einem Vollzeitpensum
als Kassiererin bei der
Y._
(
Urk.
9/2 S. 4
Ziff.
5.4;
Urk.
9/31
S.
1 f.
Ziff.
2.1,
Ziff.
2.7
).
A
m
8.
März 2016
meldete sie sich
aufgrund von Beschwerden im Zusammenhang mit einer Nierenerkrankung bei der Invalidenversicher
ung zum Leistungsbezug an
(
Urk.
9/2
S. 5
Ziff.
6.2
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische s
owie erwerbliche Situation ab und erachtete m
it Mitteilung vom 2
0.
Mai 2016 (
Urk.
9/16) berufliche Eingliederungsmassnahmen als derzeit nicht möglich.
Das Arbeitsverhältnis wurde per 3
1.
Juli 2016 gekündigt (
Urk.
9/31 S. 1
Ziff.
2.1).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
9/53;
Urk.
9/55) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
1.
September 2017 (
Urk.
9/60 =
Urk.
2) einen Leistungsanspruch der Versicherten.
2.
Die Versicherte erhob am 1
0.
und
ergänzend am
3
0.
Oktober 2017 Beschwerde gegen die Verfügung vom 1
1.
September 2017 (
Urk.
2
) und beantragte sinngemäss der
en Aufhebung und eine
ganze Invalidenrente
(vgl. Urk.1;
Urk.
5
;
Urk.
6/1
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
4.
Dezember 2017 (
Urk.
8) die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am
2
7.
Dezember 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
10).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozia
lversicherungsrechts,
ATSG)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unt
erbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheitsschädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (
BGE
141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die gesamthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018 E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem
Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.4
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Ein Beweisverfahren bleibt daher entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1). Insbesondere in Fällen, in welchen nach der Aktenlage überwiegend wahrscheinlich von einer bloss leichtgradigen depressiven Störung auszugehen ist, die nicht schon als
chronifiziert
gelten kann und auch nicht mit Komorbiditäten einhergeht, bedarf es in aller Regel keines strukturierten Beweisverfahrens (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 1
6.
Januar 2018 E. 3.1).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte einen Leistungsanspruch
der Beschwerdeführerin
mit der Begründung, dass gemäss den ärztlichen Abklärungen kein dauerhafter und schwerer Gesundheitsschaden ausgewiesen sei. Die Nieren
erkrankung sei berücksichtigt worden. Bei der
durch den behandelnden Psychiater
diagnostizierten
mittelgradigen Depression handle es sich um eine andere Beurteilung des gleichen Sachverhaltes. Ausserdem wäre eine solche nicht austherapiert (vgl.
Urk.
2 S. 1 f.;
Urk.
8).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt, das Vorhandensein einer Depression sei nicht genügend untersucht und insbesondere
keine Expertise veranlasst worden. Eine weitergehende Arbeitsunfähigkeit liege
vor. Sie habe Anspruch auf eine ganze Invalidenrente
(
vgl.
Urk.
5
;
Urk.
6/1
).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin
und dabei insbesondere das Vorliegen eines relevanten psychischen Leidens
.
3.
3.1
Die
Ärzte des
Z._
, Klinik und Poliklinik für Innere Medizin,
nannten mit Bericht
vom 2
4.
Februar 2016 (
Urk.
9/33/8-10) folgende – hier gekürzt aufgeführte – Diagnosen (S. 1):
-
diffuse Beschwerdesymptomatik seit Dezember 2015 mit initial abendlichem Fieber bis 40° C, Gliederschmerzen und Leistungsminderung. Im Verlauf linksseitige Rippenschmerzen, Blähungen, vaginale B
lutung sowie einmalig Petechien
-
Verdacht auf Blockade des
Costovertebralgelenks
Costa XI links, Differentialdiagnose (DD):
Interkostalneuralgie
-
dishydrosiforme
Ekzeme, Erstdiagnose (ED) Januar 2016, DD: kontaktallergisch, toxisch-
irritativ
,
photoaggravierte
Dermatose (Lupus), im Rahmen eines
autoinflammatorischen
Fiebersyndroms
-
rezidivierende Nierensteine beidseits, ED 1999
-
Asthma bronchiale im Kindesalter
, aktuell nur Bedarfsmedikation
-
multiple Allergien
-
polyzystisches Ovarialsyndrom
-
Status nach Adipositas per magna
Es ergäben sich keine Hinweise für eine autoimmune oder
autoinflammatorische
Erkrankung. Eine
Vaskulitis
erscheine ebenso unwahrscheinlich (S. 2).
3.2
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Urologie,
erklärte mit Bericht vom 3
1.
März 2016 (
Urk.
9/9), dass er keine aktuelle Arbeitsunfähigkeit ausgestellt habe. Es sei ihm ebenfalls keine Diagnose bekannt, welche eine solche begründe (S. 1
Ziff.
1.1).
3.3
Dr.
med.
B._
, praktische Ärztin,
nannte in ihrem Bericht vom
4.
April 2016
(
Urk.
9/11)
folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1
Ziff.
1.1):
-
Verdacht auf Autoimmunerkrankung,
DD:
Vaskulitis
mit Fieber,
Extremitätenschmerzen
und Hautbeteiligung
Als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
erwähnte sie polyzy
stische Ovarien sowie Nierensteine (S. 1
Ziff.
1.1). Die Beschwerdeführerin sei
seit dem 1
0.
Dezember 2015
in der bisherigen Tätigkeit vollständig arbeitsunfähig (S. 2
Ziff.
1.6). Ausschlaggebend sei die Diagnosestellung durch das
Z._
, aufgrund welcher eine Therapie respektive Verbesserung zu erhoffen sei (S. 3
Ziff.
1.8).
3.4
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe,
Z._
, konnte mit Bericht vom 2
7.
April 2016 (
Urk.
9/15)
keine die Arbeitsfähigkeit ein
schränkende Diagnose nennen.
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit erwähnte sie eine
ovuläre
hypoechogene
Läsion
Mammen
rechts (DD:
Fibroadenom
), eine
Endometriose
sowie eine rezidivierende
Urolithiasis
und diverse Allergien (S. 1
Ziff.
1.1). Die Beschwerdeführerin sei aus gynäkologischer Sicht nicht eingeschränkt (S. 3
Ziff.
1.7).
3.5
Mit Bericht vom 1
9.
Juli 2016 (
Urk.
9/33/23-24) informierte
Dr.
A._
(vorstehend E. 3.2)
über die nochmalige fachurologische Beurteilung und erklärte, dass es aktuell aus urologischer Sicht keinen Hinweis gebe, dass die vorhandene
Nephrolithiasis
in einem Zusammenhang mit dem vielschichtigen Krankheitsbild stehe, zumal sich diese Beschwerden auch nach maximaler Steinsanierung im vergangenen Jahr nicht gebessert hätten (S. 2).
3.6
Der
zuhanden der Krankenversicherung erfolgten
internistischen Kurzbeurteilung vom 3
0.
September 2016 (
Urk.
9/42/3-8) durch
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, sind folgende – hier gekürzt aufgeführt
e - Diagnosen zu entnehmen (S. 4
):
-
syndromales
vages Beschwerdebild
bestehend aus rezidivierendem abendlichem Fieber beziehungsweise
subferilen
Temperaturen, psychophysischer Erschöpfung, Gliederschmerzen, nicht-
kolikartigen
linksseitigen Flankenschmerzen mitunter mit flüchtigen Petechien
ohne nachweisbares organisches Korrelat
, DD: psychosomatisch
-
rezidivierende Nierensteine beidseits
, Status nach mehreren operativen Steinextraktionen, aktuell Verdacht auf symptomatischen Nierenstein links
-
chronische
Zervikalgie
mit Schulter- und Nac
kenverspannung ohne Hinweis auf
eine
Zervikoradikulopathie
, DD: funktionell statisch bei Haltungsinsuffizienz und Wirbelgelenksblockaden in der unteren
Halswirbelsäule (
HWS
)
und Hypermobilität hochzervikal
-
allergisches Asthma bronchiale, persistierender Zigarettenkonsum
-
chronische Insomnie
-
polycystic
ovary
(
PCO
)
-Syndrom
-
Polyallergie
-
Status nach Adipositas per magna
-
primäre Laktoseintoleranz
-
kleiner Gallenblasenpolyp
Das diffuse Beschwerdebild sei für die Arbeitsfähigkeit nicht als relevant einzustufen. Das rezidivierende Nierensteinleiden sei hingegen bedeutsam, allerdings nur bei akuten Schüben beziehungsweise Infekten. Ausserhalb solcher Episoden sei die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit theoretisch davon nicht eingeschränkt, wobei das Leiden
als
psychisch belastend empfunden werde. Die chronischen Schulter- und Nackenverspannungen seien vorwiegend funktionell statisch. Diese Beschwerden könnten für eine sitzende Tätigkeit als Kassiererin relevant sein, würden sich aber in den meisten Fällen durch eine adäquate Therapie verbessern, so dass die Arbeitsfähigkeit in der Regel erhalten bleibe.
Alle übrigen aufgelisteten Diagnosen seien hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Kassiererin nicht relevant. Sofern die
Zervikalgie
nachweislich nicht besserungsfähig sei, wäre für eine angepasste Tätigkeit im negativen Leistungsbild diesbezüglich eine monotone Zwangs
-
haltung und hochrepetitive Tätigkeiten, welche die Schulter- und Nacken
-
mu
skulatur involviere,
zu vermerken. Weitere Einschränkungen seien gegenwärtig nicht angezeigt (S. 4 ff.).
3.7
Am 1
0.
November 2016 erfolgte
zuhanden der Krankenversicherung
eine psychiatrische Kurzbeurteilung durch
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Neurologie sowie für Psychiatrie und Psychotherapie. Mit Gutachten vom 1
7.
November 2016 (
Urk.
9/45/4-24) diagnostizierte dieser eine Anpassungsstörung, längere depressive Reaktion, bedingt durch die schwere Erkrankung (ICD-10 F43.21) als mit Auswi
rkung auf die Arbeitsfähigkeit. Als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit nannte er – nebst einigen somatischen
Diagnosen - psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen im Sinne von psychischen und Verhaltensstörungen durch Tabak, Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F17.24). Es bestünden mindestens mittelgradige Störungen der Aktivität und Partizipation, insbesondere im Bereich der Flexibilität sowie der Umstellungs- und Durchhaltefähigkeit. Ein ausgewiesener sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens könne nicht bestätigt werden. Von einem Scheitern der ambulanten oder stationären Therapie könne nicht gesprochen werden. Die Beschwerdeführerin habe erst vor kurzem eine psychiatrische Behandlung begonnen (S. 18 f.
Ziff.
4). Eine Intensivierung der Therapie werde dringend empfohlen. Die Prognose sei abhängig von der somatischen Erkrankung (S. 19
Ziff.
5). Gegenwärtig sei eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für alle Tätigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt ausgewiesen. Nach Anpassung der Therapie sei aus psychiatrischer Sicht
spätestens
innerhalb von sechs Wochen, dass heisse ab dem
1.
Januar 2017 von einer mindestens 50%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen, die innerhalb von 14 Tagen jeweils um 20
%
gesteigert werden könne. Eine
Anpassungsstörung begründe keine dauerhafte 100%ige Arbeitsunfähigkeit (S.
19 f.
Ziff.
7.1-7.3).
3.8
Mit Bericht vom 1
7.
November 2016 (
Urk.
9/51/9-10) informierte
Dr.
med.
F._
, praktischer Arzt, über die erfolgte Nierenfunktionsszintigraphie. Er empfehle eine mittelfristige Versorgung mit einem Stent auf der linken Seite mit oder ohne Sanierung der Steine. Die Niere habe immer noch genug Funktion, um zu schonen. Aktuell sei eine
Nephrektomie
eine aggressive, nicht empfohlene Lösung (S. 1 f.).
3.9
PD
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
gab
mit Bericht vom 1
0.
April 2017 (
Urk.
9/49/6-11)
an, dass er die Beschwerdeführerin seit dem 1
9.
Dezember 2016 behandle (S. 1
Ziff.
1.2) und
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
stellen könne
(S. 1
Ziff.
1.1):
-
Depression mittelschwerer bis schwerer Art (ICD-10 F32.1 beziehungsweise F32.2), bestehend seit zwei Jahren
-
schwere Erschöpfung durch chronische somatische Krankheit (ICD-10 F48.8), bestehend seit mindestens einem Jahr
-
rezidivierende Nierensteine mit sehr häufigen Nierenkoliken, resultierende Niereninsuffizienz bei bisher ungeklärter Ätiologie, bestehend seit Alter 18
-
DD: endokrin bedingte Depression und Erschöpfung infolge der Möglichkeit eines
Hyperparathyreoidismus
Die Beschwerdeführerin sei in der Stimmung düster, freudlos und ohne Energie. Sie wirke matt, apathisch und müsse sich anstrengen, um dem Gespräch zu folgen. So bestünden schwere Störungen der Konzentration. Auch die Gedächtnisleistungen bezüglich anamnestischen Angaben seien schlecht. A
usserdem
bestehe eine psychomotorische Verlangsamung. Gleichzeitig fühle sie sich sehr nervös. Der Schlaf und Appetit seien variabel. Die Gedanken seien konstant voll Sorge und Hoffnungslosigkeit. Suizidgedanken kämen vor. Für die nächsten Monate bestehe mit Sicherheit eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Dabei sei zwischen der Depression und der somatisch bedingten Schwächung schwer zu trennen (S. 3
Ziff.
1.4). Die psychotherapeutischen Sitzungen fänden ein- bis zweiwöchentlich statt. Die derzeit
niedrige
medikamentös
e
Dosis
könne wegen der beinahe schweren
Niereninsuffizienz nicht gesteigert werden
(S. 3 f.
Ziff.
1.5). Die Beschwerdeführer
in
sei seit dem 2
4.
Dezember 2015 für jegliche Tätigkeit vollständig arbeitsunfähig. Rehabilitative Schritte seien derzeit und in absehbarer Zeit ausgeschlossen (S. 4
Ziff.
1.6). Mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit könne nach erfolgreicher somatischer und psychiatrischer Behandlung wahrscheinlich gerechnet werden (S. 5
Ziff.
1.9).
3.10
Mit Stellungnahme vom
2
3.
April 2017 erkannte Dipl.-Med.
H._
, Fachärzti
n für Allgemeine Innere Medizin,
Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
erwähnte
sie eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F43.21) sowie eine
Nephrolithiasis
. In der bisherigen Tätigkeit als Kassiererin bestünden ausserhalb von Nierenkoliken keine wesentlichen Einschränkungen.
Z
usammenfassend
sei
der Argumentation des psychiatrischen Gutachters der Krankenversicherung zu folgen, wenngleich die durch
diesen
als Auslöser der Anpassungsstörung postulierte schwere somatische Erkrankung aus versicherungsmedizinischer Sicht nicht festgestellt werden könne. Die durch den behandelnden Psychiater attestierte schwere Depression sei nicht nachvollziehbar
. Aus somatischer Sicht habe nie eine Erkrankung vorgelegen, welche eine längerfristige Arbeitsunfähigkeit begründet hätte. Sollte sich ein
Hyperparathyreoidismus
als Ursache des Nierensteinle
idens herausstellen, wäre dieser
behandelbar
(vgl.
Urk.
9/52 S. 5 ff.).
3.11
In seinem
Einwand vom 1
6.
Juni 2017 (
Urk.
9/55) führte PD
Dr.
G._
aus, dass die Beschwerdeführerin seit vielen Jahren an rezidivierenden Nierenkoliken, Nierensteinabgängen und Harnwegsinfektionen bei einer chronischen schweren Erkrankung mit offensichtlich schlecht beeinf
lussbarer Komponente leide. Di
e Problematik
dauere
bei immer wieder n
otwendigen
urologisch-c
hirurgischen Interventionen an. Bereits
deswegen
sei
seit der Krankschreibung im Juli 2015
keine Arbeitsfähigkeit gegeben.
D
ie Beschwerdeführerin
leide weiterhin
an einer chronischen und mindestens mittelschweren Depression (ICD-10 F32.1),
welche
teilweise im ursächlichen Zusammenhang mit den rezidivierenden Schmerzen und Infektio
nen gesehen werden müsse. Eine Verb
esserung der
nephrologisch
-urologischen Situation sei nicht absehbar. Die antidepressive Medikation sei
prinzipiell
wirksam. Die niedrige Dosis könne
aufgrund
der Niereninsuffizienz nicht gesteigert werden.
Aus p
sychiatrisch
er Sicht
sei langfristig eine weitergehende Arbeitsunfähigkeit gegeben. Die gesamte Nierenproblematik sei
bei der Beurteilung
der Invalidität
nicht berücksichtigt
worden (S. 1 f.).
3.12
Hierzu nahm RAD-Ärztin Dipl.-Med.
H._
am
6.
September 2017 Stellung und hielt fest, dass der behandelnde Psychiater fachfremd Bezug auf eine somatische Erkrankung nehme. Die Nierenproblematik sei bekannt gewesen und berücksichtigt worden.
Hinsichtlich
der festgestellten mittelgradigen Depression handle es sich um eine andere Beurteilung des gleichen Sachverhalts. Selbst wenn eine mittelgradige Depression
vorläge, wäre
diese
derzeit
bei ausschliesslicher Behandlung mit
Cymbalta
nicht austherapiert und eine Verbesserung möglich (vgl.
Urk.
9/59 S. 2).
4.
4.1
Anhand der
vorhandenen medizinischen Akten
lässt sich erkennen
, dass aus somatischer Sicht sehr umfangreiche Abklärungen erfolgten, welche allerdings allesamt kein relevantes und die Arbeitsfähigkeit dauerhaft einschränkendes Korrelat
für die geklagten Beschwerden
belegen konnten. So ergaben sich
insbesondere
keine
Hinweise für eine chronische entzündliche Systemerkrankung oder ein
Infektgeschehen
.
Es fanden sich nie erhöhte Entzündungswerte im Blut und d
ie geklagten Fieberepisoden konnten
aus
ärztlich
er Sicht zu keinem Zeitpunkt
dokumentiert werden
. Eine
Vaskulitis
wurde
aufgrund der lediglich während
drei Tage
n
best
ehenden
Petechien als äusserst unwahrscheinlich betrachtet
(
vgl.
Urk.
9/33/8-10 S. 2;
Urk.
9/42
/3-11 S. 4
). Eine
beinahe schwere
Niereninsuffizienz – wie
dies
vom behandelnden Psychiater PD
Dr.
G._
erwähnt
wird (vgl.
Urk.
9/49/6-11 S. 4
Ziff.
1.5
)
– ist nicht aktenkundig.
So waren etwa die renalen Retentionsparameter, welche auf eine eingeschränkte Nierenfunktion hinweisen würde
n
, anlässlich der Begutachtung durch
Dr.
D._
nicht erhöht (vgl.
Urk.
9/42/3-8 S
.
5 Mitte). Auch
Dr.
F._
erkannte anlässlich der Nierenfunktionsszintigraphie, dass die Niere
zwar eingeschränkt, aber
immer noch genug Funktion habe, um zu schonen (vgl.
Urk.
9/
51/9-10 S. 2).
Die demgegenüber unbestrittenermassen vorhandenen Nierensteine führen nach überzeugender fachärztlicher Beurteilung zu keiner dauerhaften Arbeitsunfähigkeit, sondern einzig zu pu
nktuellen Ausfällen (vgl.
Urk.
9/42/3-8 S. 4
).
Solche sind
bei der Bestimmung
einer allfälligen Invalidität nicht von Bedeutung. D
ie übrigen somatischen Diagnosen
einschliesslich des diffusen Beschwerdebildes
wurden übereinstimmend als nicht relevant für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit angesehen (vgl.
Urk.
9/9 S. 1
Ziff.
1.1;
Urk.
9/15 S.
1. Ziff.
1.1, S. 3
Ziff.
1.7;
Urk.
9/42/3-8 S. 4 ff.).
Aus somatischer Sicht ist somit von keinem relevanten Gesundheitsschaden auszugehen
, welcher eine längerfristige Arbeitsunfähigkeit begründen
könnte
. Die Beschwerdeführerin ist demzufolge in der bisherigen Tätigkeit als Kassiererin vollständig arbeitsfähig
.
4.2
Zur Feststellung eines allfälligen psychischen Leidens erfolgte im Auftrag der Krankenversicherung eine psychiatrische Begutachtung durch
Dr.
E._
, welche in Kenntnis der
Vorakten
(vgl.
Urk.
9/45/4-24 S. 2 ff.)
und unter Berücksichtigung der geklagten Beschwerden
(vgl.
Urk.
9/45/4-24 S. 12 f.)
erfolgte
. Obwohl die
durch
Dr.
E._
als Auslöser der Anpassungsstörung postulierte
schwere somatische Erkrankung
gerade nicht festgestellt werden konnte (vorstehend E.
4.1), sind die ansonsten gezogenen Schlussfolgerungen einleuchtend und schlüssig begründet. Das Gutachten erweist sich daher als beweiskräftig
(vorstehend E. 1.5) und
es ist
für die nachfolgende Beurteilung
– der RAD-Stellungnahme folgend (vgl.
Urk.
9/52 S. 7) -
d
arauf abzustellen
.
Anlässlich der Begutachtung
zeigte sich ein weitestgehend
unauffälliger psychopathologischer Befund
. Einzig die
Affektivität war eingeschränkt,
wirkte die Beschwerdeführerin
doch
ratlos, deprimiert und hoffnungslos. Die Stimmung war phasenweise niedergestimmt und gedrückt. Eine durchgehende Depressivität konnte allerdings nicht objektiviert werden
, weshalb
Dr.
E._
lediglich eine Anpassungsstörung, längere depressive Reaktion (ICD-10 F43.21), diagnostizierte
(vgl.
Urk.
9/45/4-24 S. 14 f.
, S. 18 f.
)
.
Obwohl er gegenwärtig noch eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit als ausgewiesen erachtete, hielt er ausdrücklich fest, dass
eine Anpassungsstörung keine dauerhafte 100%ige Arbeitsunfähigkeit begründe und
nach
Optimierung
der Therapie – welche im Übrigen erst gerade begonnen hatte
–
spätestens
innerhalb von sechs Wochen von einer mindestens 50%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen sei, welche innerhalb von 14 Tagen um jeweils 20
%
gesteigert werden könne
(vgl.
Urk.
9/45/4-24 S.
19 f.
Ziff.
7.1-7.3).
Gestützt darauf
kann auf die Durchführung eines strukturierten Beweisverfahrens verzichtet werden (vorstehend E. 1.3-1.4)
sowie
ein
länger andauernder und somit
invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden bereits verneint werden.
4.3
Daran vermag die gegenteilige Beurteilung durch den behandelnden Psychiater PD
Dr.
G._
nichts zu ändern.
Obwohl dieser die Beschwerdeführerin bei Erstellung
seines
Berichts im April 2017 erst
seit vier Monaten behandelte
, diagnostizierte er eine seit zwei Jahren
bestehende mittelschwere bis schwere Depression
(vgl.
Urk.
9/49/6-11 S. 1
Ziff.
1.1
-1.2
).
Eine seit der im November 2016 erfolgten Be
gutachtung
durch
Dr.
E._
eingetretene Verschlechterung lässt sich nicht erkennen. Vielmehr handelt es sich um eine andere Beurteilung des
selben
Sachverhaltes. Ausserdem äusserte sich PD
Dr.
G._
fachfremd zu somatischen Beschwerden und konnte diese bei seiner Beurteilung der verbliebenen Arbeitsfähigkeit
auch
nicht vom psychischen Leiden trennen. In somatischer Hinsicht konnten die entsprechenden Fachärzte
indessen
gerade keine länger andauernde Arbeitsunfähigkeit erkennen (vorstehend E. 4.1). Schliesslich begründete PD
Dr.
G._
die zurückhaltende medikamentöse Therapie unter anderem mit einer beinahe schweren Niereninsuffizienz (vgl.
Urk.
9/49/6-11 S
. 4
Ziff.
1.5
), welche allerdings aus somatischer Sicht
so
nicht
festgestellt
wurde
(vorstehend E. 4.1). Zuletzt
erscheint fraglich, ob die zur Objektivität der Beurteilung erforderliche gewisse Distanz gegeben ist,
formulierte
PD
Dr.
G._
im Namen der Beschwerdeführerin
doch die
Einwände gegen den ablehnenden Vorbescheid
der Beschwerdegegnerin
(vgl.
Urk.
9/55).
4.4
Nach dem Gesagten ist
somit festzuhalten
, dass bei der Beschwerdeführerin
weder in somatischer noch in psychischer Hinsicht ein
Gesundheitsschaden im invalidenversicherungsrechtlichen Sinn vorliegt. Folglich hat die Beschwerde
-
gegnerin den Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung zu Recht verneint.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.