# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f60ad407-b1af-5c0d-9a22-9c5b87117989
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2008
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Der OIK II schrieb im Amtsblatt Nr. 51 vom 19. Dezember 2007 das Los 3 der
Baumeisterarbeiten für die Neugestaltung des Wankdorfplatzes einschliesslich
Tramverlängerung öffentlich aus. Einziges Zuschlagskriterium war der Preis.
Laut Öffnungsprotokoll vom 29. April 2008 gingen folgende Angebote ein (netto
einschliesslich Mehrwertsteuer):
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Angebot der Beschwerdegegnerinnen Fr. 54'233'844.60
Angebot der Beschwerdeführerinnen Fr. 55'992'269.95
Angebot der F._ Fr. 69'089'122.20
Das Los 3 zerfällt in eine Reihe von Teillosen, darunter das Teillos
«Werkleitungspassarelle». In der Position «NPK 321» R 719.106 hatten die Anbieter den
Einheitspreis und den Gesamtpreis (Einheitspreis multipliziert mit der Menge von 320 m2)
für den Holzboden dieser Passerelle anzugeben. Die Beschwerdegegnerinnen offerierten
einen Einheitspreis von Fr. 20.00, die Beschwerdeführerinnen einen solchen von Fr.
1'980.00. Multipliziert mit der Menge von 320 m2 ergab dies einen Preis von Fr. 6'400.00,
bzw. Fr. 633'600.00.
Die Beschwerdeführerinnen machen geltend, es sei ihnen bei dieser Position ein
Schreibfehler unterlaufen, bei dem «das Komma um zwei Dezimalstellen zu weit nach
rechts verschoben wurde». Sie hätten den Fehler nicht bemerkt. «Einer der vom Kanton
beauftragten involvierten Planer» habe den Fehler entdeckt, die Beschwerdeführerin 1
informiert und erklärt, die Berichtigung des Fehlers könne im Bereinigungsgespräch
erfolgen.
Im Namen des OIK II bat die Planergemeinschaft «BE3 Wankdorfplatz» mit Brief vom
6. Juni 2008 die Beschwerdeführerinnen, den Termin vom 9. Juli 2008 für das technische
Bereinigungsgespräch zu reservieren. In der Folge verzichtete der OIK II auf eine
Bereinigung des Angebots der Beschwerdeführerinnen.
Im Rahmen des technischen Bereinigungsgesprächs mit den Beschwerdegegnerinnen
erhöhte der OIK II das Angebot der Beschwerdegegnerinnen vorerst um ungefähr
Fr. 800'000.--, später um weitere Fr. 516’250.--. Die Differenz zum Angebot der
Beschwerdeführerinnen betrug nach dieser Bereinigung noch rund Fr. 500'000.--.
2. Der OIK II erteilte mit Verfügung vom 21. Juli 2008 dem Angebot der
Beschwerdegegnerinnen den Zuschlag. Mit der Zuschlagsverfügung stellte er den
Anbieterinnen eine Vergleichstabelle mit folgenden «bereinigten» Netto-Endsummen zu:
- Angebot der Beschwerdegegnerinnen Fr. 55'484'336.65
- Angebot der Beschwerdeführerinnen Fr. 55'992'269.95
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Gegen diese Verfügung haben die Beschwerdeführerinnen mit Eingabe vom 31. Juli 2008
Beschwerde erhoben. Sie stellen folgende Rechtsbegehren:
«Die Zuschlagsverfügung des Beschwerdegegners vom 21.7.2008 betreffend Baumeisterarbeiten Los 3
Wankdorfplatz inkl. Tramverlängerung Linie 9 sei aufzuheben und es sei in der Offerte der
Beschwerdeführer ein offensichtlicher Schreibfehler beim Quadratmeter-Preis und beim Betrag der
Montagearbeiten für den Holzboden der Werkleitungspassarelle im Sinne von Art. 25 Abs. 2 ÖBV und §
28 Abs. 2 VRöB zu berichtigen und gestützt darauf seien die Baumeisterarbeiten des Loses 3 des
vorerwähnten Projektes den Beschwerdeführern zuzuschlagen.
Der vorliegenden Beschwerde sei Suspensiveffekt zuzuerkennen und es sei dem Beschwerdegegner
und den Beizuladenden der Abschluss eines Werkvertrages über die in Ziffer 1 hievor erwähnten
Baumeisterarbeiten bis zu einem rechtskräftigen Entscheid im vorliegenden
Submissionsbeschwerdeverfahren zu verbieten.»
Die Beschwerdegegnerinnen beantragen in ihrer Eingabe vom 18. August 2008, die
Beschwerde abzuweisen und der Beschwerde keine aufschiebende Wirkung zu erteilen.
Mit Verfügung vom 14. August 2008 erstreckte das Rechtsamt dem OIK II die
Vernehmlassungsfrist bis 27. August 2008. In der Stellungnahme vom 27. August 2008
stellt der OIK II folgende Rechtsbegehren:
«Die Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann.
Eventuell:
Die Beschwerde sei im Sinne der nachfolgenden Erwägungen teilweise gutzuheissen und die Sache zur
weiteren Behandlung an den OIK II zurückzuweisen.
Der Beschwerde sei keine aufschiebende Wirkung zuzuerkennen.»
3. Das Rechtsamt verzichtet darauf, einen weiteren Schriftenwechsel anzuordnen. Die
Beschwerdeführerinnen äusserten sich mit Eingabe vom 5. September 2008 zur
Stellungnahme des OIK II.
4. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
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## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
Die Zuständigkeit der BVE zum Entscheid über die Beschwerde ergibt sich aus Art. 12
Abs. 1 ÖBG1. Das Angebot der Beschwerdeführerinnen ist beim Zuschlag nicht
berücksichtigt worden. Würde der Preis in Position R 719.106 berichtigt, ergäbe dies einen
Angebotspreis von Fr. 55'365'005.95, der Fr. 119'930.70 tiefer wäre als die «bereinigte
Endsumme» des Angebots der Beschwerdegegnerinnen. Im Fall der Gutheissung ihrer
Beschwerde haben die Beschwerdeführerinnen somit eine realistische Chance, mit ihrem
Angebot zum Zug zu kommen. Sie haben deshalb ein schutzwürdiges Interesse an der
Anfechtung der Zuschlagsverfügung. Die Beschwerde ist innert der zehntägigen
Rechtsmittelfrist eingereicht worden. Sie enthält einen Antrag und eine Begründung. Die
BVE tritt auf die Beschwerde ein.
Das Verfahren vor der BVE richtet sich nach den Bestimmungen des VRPG2, soweit das
ÖBG nichts anderes bestimmt. Mit der Beschwerde können Rechtsverletzungen,
einschliesslich Rechtsfehler bei der Ausübung des Ermessens, und die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 14
Abs. 2 ÖBG). Der Beschwerdegrund der Unangemessenheit gemäss Art. 66 Abs. 1 Bst. c
VRPG steht dagegen nicht offen.
2. Berichtigung von Fehlern von Amtes wegen
Die Beschwerdeführerinnen sind der Auffassung, dass es sich beim Einheitspreis von
Fr. 1'980.00 und dem Gesamtbetrag von Fr. 633'600.00 in der Position «NPK 321» R
719.106 um einen offensichtlichen Schreibfehler «durch irrtümliche Verschiebung des
Kommas um zwei Dezimalstellen nach rechts» handle. Der Fehler müsste im Sinne von
Art. 25 Abs. 2 ÖBV und § 28 Abs. 2 der Mustervorlage für Vergaberichtlinien (VRöB) von
Amtes wegen berichtigt werden.
1 Gesetz vom 11. Juni 2002 über das öffentliche Beschaffungswesen (ÖBG; BSG 731.2) 2 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
5
Nach Art. 19 ÖBV3 darf das Angebot nach seiner Einreichung nicht mehr geändert werden.
Die Vergabestelle prüft die Angebote nach der Öffnung nach einheitlichen Kriterien fachlich
und rechnerisch (Art. 25 Abs. 1 ÖBV). Sie kann offensichtliche Rechnungs- und
Schreibfehler berichtigen (Art. 25 Abs. 2 ÖBV). Nach der Prüfung erstellt sie eine
Vergleichstabelle über die Angebote (Art. 25 Abs. 3 ÖBV). Sie kann von den Anbietern
Erläuterungen in Bezug auf ihre Eignung und ihr Angebot verlangen (Art. 26 Abs. 1 ÖBV).
Verhandlungen über Preise, Preisnachlässe und Änderungen des Leistungsinhalts sind
unzulässig (Art. 27 ÖBV).
Bei den Bestimmungen von Art. 25 Abs. 2 und Art. 26 Abs. 1 ÖBV handelt es um «Kann-
Vorschriften», die der Vergabestelle ein Ermessen einräumen. Sie kann offensichtliche
Rechnungs- und Schreibfehler im Angebot der Beschwerdeführerinnen berichtigen und
kann von den Beschwerdeführerinnen Erläuterungen in Bezug auf ihr Angebot verlangen
(Art. 26 Abs. 1 ÖBV), sie ist aber dazu nicht verpflichtet. Sie verfügt über ein
Entschliessungs- oder Handlungsermessen. Da der Beschwerdegrund der
Unangemessenheit nicht offen steht, ist nicht zu prüfen, ob der OIK II nicht
zweckmässigerweise eine Berichtigung hätte vornehmen müssen.
Das Interkantonale Organ für das öffentliche Beschaffungswesen (InöB) hat gestützt auf
Art. 4 Abs. 2 Bst. b IVöB4 eine Mustervorlage für Vergaberichtlinien (VRöB) erlassen. Diese
sieht in § 28 vor, dass die Angebote nach einheitlichen Kriterien fachlich und rechnerisch
geprüft werden. Es können Dritte als Sachverständige beigezogen werden (Abs. 1).
Offensichtliche Rechnungs- und Schreibfehler werden berichtigt (Abs. 2). Danach wird eine
objektive Vergleichstabelle über die Angebote erstellt (Abs. 3). Entgegen der Auffassung
der Beschwerdeführerinnen handelt es sich bei der Mustervorlage für Vergaberichtlinien
nicht um Vorschriften, die im Kanton gelten. Aus § 28 Abs. 2 VRöB können die
Beschwerdeführerinnen deshalb nichts zu ihren Gunsten ableiten.
3 Verordnung vom 16. Oktober 2002 über das öffentliche Beschaffungswesen (ÖBV; 731.21) 4 Interkantonale Vereinbarung vom 25. November 1994/15. März 2001 über das öffentliche Beschaffungswesen (IVöB)
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3. Keine Rechnungsfehler
Rechnungsfehler sind fehlerhaft durchgeführte Operationen mit richtig aufgeführten
Grössen. Hubert Stöckli5 unterscheidet Rechnungsfehler, die in der Offerte selber liegen
und auf einer falschen Addition verschiedener Einzelpreise oder auf einer fehlerhaften
Multiplikation von Einheitspreis und voraussichtlicher Menge beruhen. Wenn sich aus
Bestimmungen der Auftraggeberin (z.B. «Die Einzelpreise sind bloss informativ.
Massgeblich ist allein der Totalbetrag.») oder aus der gewählten Preisart (z.B.
Einheitspreis) unzweifelhaft ergibt, welche der mehreren (sich widersprechenden)
Preisangaben verbindlich sein soll, darf der fehlerhafte Positionsbetrag korrigiert werden.
Diese Korrektur schlägt auf den Gesamtpreis (die Summe der Positionsbeträge) und damit
unter Umständen auf die Rangierung der Angebote durch.
Ein Rechnungsfehler liegt im vorliegenden Fall nicht vor: Die Beschwerdeführerinnen
offerierten einen Einheitspreis von Fr. 1'980.00. Multipliziert mit der Menge von 320 m2
ergibt dies einen Preis von Fr. 633'600.00. Der Einheitspreis und die voraussichtliche
Menge sind richtig multipliziert worden.
4. Berichtigung von Kalkulations- und Erklärungsirrtümern
a) Nach Hubert Stöckli6 liegt ein «Kalkulationsfehler» vor, wenn das Angebot in sich
fehlerfrei (ohne Rechnungsfehler) ist, doch vom «tatsächlichen Willen» des Anbieters
abweicht. Hierher gehört der Einheitspreis, den der Anbieter falsch übertragen oder den er
falsch kalkuliert hat, etwa indem er sich «um eine Zehnerpotenz verrechnet»7 hat. Während
das Bundesgericht die Korrektur solcher Fehler zulässt, sofern der Fehler offensichtlich ist
und der tatsächliche Wille des Anbieters «eindeutig feststeht», hält Hubert Stöckli analog
der Behandlung von Rechnungsfehlern eine Berichtigung nur dann für zulässig, wenn der
Anbieter ihr zustimmt und überdies die Berichtigung ohne Auswirkung auf die
Schlussrangierung der bewerteten Angebote bleibt. In den übrigen Fällen ist nach Hubert
Stöckli das Angebot auszuschliessen, sofern der Anbieter seinen (fehlerhaften) Preis -
5 Hubert Stöckli, Bundesgericht und Vergaberecht: Zur vergaberechtlichen Praxis des Bundesgerichts seit 1998, in BR/DC 2002 S. 3 ff. 6 Hubert Stöckli, a.a.O. 7 vgl. BGE 2P.151/1999 vom 30. Mai 2000 (E. 3b)
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allenfalls aufgrund von Erläuterungen, welche die Vergabestelle verlangt (Art. 26 Abs. 1
ÖBV) - ausdrücklich bestätigt. Sie tritt insoweit einem möglichen Irrtum (Art. 23 OR8)
entgegen. Hubert Stöckli begründet seine Rechtsauffassung damit, dass das
Gleichbehandlungsgebot verletzt wird, wenn einem Anbieter die Gelegenheit eingeräumt
wird, sein Angebot nachträglich rangwirksam zu modifizieren. Diese Lösung wahrt die
Verhältnismässigkeit, indem sie eine Alternative zum Ausschluss vom Verfahren schafft,
ohne das Gleichbehandlungsgebot preiszugeben. Im Übrigen drängt sie die
Manipulationsgefahr auf ein erträgliches Mass zurück, ohne diese Gefahr vollständig zu
bannen.
Auch nach Peter Rechsteiner9 sind bei der Berichtigung von Fehlern die
beschaffungsrechtlichen Grundsätze der Transparenz und der Gleichbehandlung zu
beachten. Eine Korrektur der Angebotspreise muss deshalb nachvollziehbar, d.h. auch
sachlich begründbar, sein und darf die übrigen Anbieter nicht benachteiligen, bzw. den
betroffenen Anbieter nicht bevorteilen. Mit Blick auf Art. 24 Abs. 3 OR, der bei gegebenen
Voraussetzungen beiden Parteien das Recht auf Korrektur des Vertragspreises gibt, kann
davon ausgegangen werden, dass eine Preisbereinigung, die diese allfällige Korrektur
vorwegnimmt, zulässig sein muss. Dabei ist zu beachten, dass unter diesem Gesichtspunkt
- wenn überhaupt - lediglich arithmetische Fehler zu korrigieren sind, die in den
(zukünftigen) Vertragsbestandteilen enthalten sind, nicht jedoch Kalkulationsfehler des
Anbieters10.
b) Bei andern «offensichtlichen Fehlern» stellt sich für Peter Rechsteiner die Frage, wie
die Vergabestelle zum «richtigen» Preis kommt. Eine einseitige Korrektur durch die
Vergabestelle ist nicht zulässig. Die Vergabestelle darf nicht anstelle des offerierten
Preises, den sie als «unrichtig» vermutet, einen Durchschnittspreis einsetzen, den sie
aufgrund der übrigen Offertpreise ermittelt. Eine Rücksprache mit dem betreffenden
Anbieter verletzt das Gleichbehandlungsgebot und öffnet diesem Anbieter häufig die
Möglichkeit, seine Zuschlagschance durch entsprechende Festlegung des «richtigen»
Preises zu erhöhen. Auch Peter Rechsteiner hält dafür, dass Kalkulationsfehler nicht
korrigierbar sein sollten, räumt aber ein, dass das Bundesgericht eine andere Auffassung
8 Bundesgesetz vom 30. März 1911 betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht) (OR; SR 220) 9 Peter Rechsteiner, Der Angebotspreis: Probleme und Lösungen, in BR/DE 2004 Sonderhet S. 7 ff. 10 Zum Kalkulationsfehler BGE 102 II 82 ff.
8
vertritt. Die BVE hält mit Hubert Stöckli und Peter Rechtsteiner eher dafür, dass
Kalkulationsfehler grundsätzlich nicht als Schreibfehler berichtigt werden dürfen.
Im vorliegenden Fall liegt nach Darstellung der Beschwerdeführerinnen kein
Kalkulationsfehler, sondern ein Fehler in der Preiserklärung vor. Die
Beschwerdeführerinnen erklärten in ihrem Angebot einen anderen Einheitspreis, als sie
eigentlich gewollt hätten. Sie wollten Fr. 19.80 schreiben, schrieben aber Fr. 1'980.00. Was
für Kalkulationsfehler gilt, muss auch für Erklärungsfehler gelten. Für die BVE ist es mit
Hubert Stöckli und Peter Rechtsteiner systemwidrig, einem Erklärungsirrtum dieselben
Rechtsfolgen angedeihen zu lassen wie einem offensichtlichen Rechnungsfehler. Während
nämlich obligationenrechtlich ein offensichtlicher Rechnungsfehler einen Vertrag nach der
Korrektur weiter bestehen lässt (vgl. Art. 24 Abs. 3 OR), bewirkt der wesentliche
Erklärungsirrtum dessen einseitige Unwirksamkeit (Art. 23 OR). Der Anbieter muss sich auf
Grund des Obligationenrechts weder binden noch eine Korrektur gefallen lassen. Unter
diesen Umständen wäre unverständlich, wenn man die Vergabestelle verpflichten würde,
Erklärungsfehler zu berichtigen. Hinzu kommt, dass es für die Vergabestelle schwierig ist
zu entscheiden, ob das Angebot einen Erklärungs- oder Kalkulationsirrtum aufweist.
Deshalb darf - wie der Kalkulationsfehler - auch der Erklärungsirrtum nicht als
Schreibfehler im Sinne Art. 25 Abs. 2 ÖBV qualifiziert werden.
c) Selbst wenn man im vorliegenden Fall den Erklärungsfehler der
Beschwerdeführerinnen als Schreibfehler im Sinne von Art. 25 Abs. 2 ÖBV qualifizieren
würde, ist zu beachten, dass sich die Korrektur nicht hätte transparent nach Massgabe des
«tatsächlichen Willens» der Beschwerdeführerinnen vollziehen lassen. Deshalb wäre das
Gleichbehandlungsgebot einer Korrektur entgegengestanden. Jedenfalls kann dem OIK II
keine Rechtsverletzung bei der Ausübung des Ermessens vorgeworfen werden, wenn er
darauf verzichtet hat, bei den Beschwerdeführerinnen Erläuterungen in Bezug auf ihr
Angebot zu verlangen.
5. Bundesgerichtsurteil 2P.151/199 vom 30. Mai 2000
Mit Urteil vom 30. Mai 2000 (2P.151/1999) hielt das Bundesgericht in E. 3 fest: «Wenn der
Auftraggeber nach ausdrücklicher Submissionsvorschrift von den Anbietern schon
Erläuterungen bezüglich ihres Angebots verlangen kann, so muss er dabei festgestellte
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offensichtliche Versehen auch korrigieren können, ansonsten diese Regelung in vielen
Fällen, insbesondere bei Preisanalysen, ihren Sinn und Zweck verfehlen würde. Eine
Berichtigung muss jedenfalls dann zulässig sein, wenn auf Grund der eingeholten
Erläuterung der tatsächliche Wille des Anbieters eindeutig feststeht.» Peter Rechsteiner
hält mit Hubert Stöckli diese Rechtsprechung als problematisch, weil sie dazu führt, dass
ausgerechnet ein Anbieter, der sich geirrt hat, eine zweite Offert-Chance erhält, was er als
Bevorteilung des irrenden Anbieters und Ungleichbehandlung der übrigen Offerenten
betrachtet und vor dem Hintergrund des kantonalen Verhandlungsverbots ohnehin als
unzulässig qualifiziert.
Die BVE ist der Auffassung, dass die Erwägungen des Bundesgerichts in diesem Urteil
nicht ohne Weiteres auf den vorliegenden Fall übertragen werden können. Wie dem Urteil
entnommen werden kann, lautete die Walliser Vorschrift über die Berichtigung von
offensichtlichen Rechnungs- und Schreibfehlern gleich wie die Mustervorlage für
Vergaberichtlinien: «Offensichtliche Fehler, wie Rechnungs- und Schreibfehler, werden
berichtigt.» Wie bereits oben ausgeführt, räumt die «Kann-Vorschrift» den bernischen
Vergabestellen ein Ermessen ein. Der Staatsrat des Kantons Wallis verfügte nicht über
dieses Ermessen. Aus dem Urteil können die Beschwerdeführerinnen nichts zu ihren
Gunsten ableiten.
6. Rechtsfehler bei der Ausübung des Ermessens
Nachdem fraglich ist, ob es überhaupt zulässig ist, einen Erklärungsirrtum der
Beschwerdeführerinnen als Schreibfehler zu korrigieren, können dem OIK II keine
Rechtsfehler vorgeworfen werden, wenn er auf eine Berichtigung und eine Erläuterung
verzichtet hat. Hinzu kommt, dass fraglich ist, ob der Fehler offensichtlich war. Allein der
Umstand, dass die Berichtigung einer Nachfrage bei den Beschwerdeführerinnen bedurft
hätte, zeigt, dass der Fehler nicht offensichtlich war.11 Es war Sache der vier
Beschwerdeführerinnen dafür zu sorgen, dass ihr Angebot frei von Erklärungsfehlern ist.
Eine Rechtsververletzung bei der Ausübung des Ermessens liegt nicht vor.
7. Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung
11 Urteil Verwaltungsgericht ZH VB 2005.00543 vom 22. März 2006
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Mit dem vorliegenden Entscheid in der Hauptsache wird das Gesuch der
Beschwerdeführerinnen um Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerden
gegenstandslos.
8. Oberinstanzliche Verfahrens- und Parteikosten
a) Die oberinstanzlichen Verfahrenskosten bestehen aus einer Pauschalgebühr. Für
besondere Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren
erhoben werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Gestützt auf Art. 19 GebV12 wird die Pauschale
auf 1'600 Franken festgelegt.
Die Beschwerdeführerinnen unterliegen. Ihnen werden deshalb die oberinstanzlichen
Verfahrenskosten zur Bezahlung auferlegt (Art. 108 Abs. 1 VRPG).
b) Die Beschwerdeführerinnen haben den Beschwerdegegnerinnen zudem die
Parteikosten zu ersetzen (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Keinen Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten hat der OIK II (Art. 104 Abs. 3 VRPG).
Nach Art. 41 KAG13 regelt der Regierungsrat durch Verordnung die Tarifordnung für die
Bemessung des Parteikostenersatzes durch die Gerichte und Verwaltungsjustizbehörden.
Die Tarifordnung besteht aus Rahmentarifen für Zivilrechts-, Verwaltungsrechts- und
Strafrechtssachen. In Zivilrechtssachen und verwaltungsrechtlichen Klageverfahren ist der
Streitwert massgebend. Innerhalb des Rahmentarifs bemisst sich der Parteikostenersatz
nach dem in der Sache gebotenen Zeitaufwand und der Bedeutung der Streitsache sowie
der Schwierigkeit des Prozesses. Als geboten gilt der Zeitaufwand, den ein fachlich
ausgewiesener und gewissenhafter Anwalt unter Berücksichtigung der Bedeutung der
Sache und des Schwierigkeitsgrads der tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse für die
korrekte Erledigung des Geschäfts benötigt14.
12 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung; GebV, BSG 154.21) 13 Kantonales Anwaltsgesetz vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11) 14 VGE 22659 vom 28.8.2007 i.S. B., E. 5.3 mit Hinweisen
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In Verwaltungsrechtssachen beträgt das Honorar 400 bis 11 800 Franken pro Instanz. Sind
bedeutende vermögensrechtliche Interessen zu wahren, wird auf dem Honorar ein
Zuschlag von bis zu 200 Prozent gewährt (Art. 11 PKV15). Bei der Beurteilung, ob
bedeutende vermögensrechtliche Interessen zu wahren sind, ist der Streitgegenstand zu
betrachten. Zielt das Verfahren auf das Feststellen oder Zusprechen einer bestimmten
Geldsumme ab, sind Vermögensinteressen zu wahren (z.B. Verfahren betreffend
Gebühren- und Abgabenerhebung, Verfahren betreffend Bemessung der Parteikosten,
Verfahren betreffend Abgeltung von Überzeit und Ferien, Verfahren betreffend
Entschädigung aus materieller Enteignung und Verfahren betreffend Staatshaftung).
Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens ist ein Zuschlag im öffentlichen
Beschaffungsrecht. Dieses Verfahren zielt nicht auf das Feststellen oder Zusprechen einer
bestimmten Geldsumme ab. Die neue Parteikostenverordnung hat nichts daran geändert,
dass bei submissionsrechtlichen Streitigkeiten keine vermögensrechtlichen Interessen zu
wahren sind. Es kann diesbezüglich auf die Praxis zum alten Dekret über die
Anwaltsgebühren16 verwiesen werden.17 Die Parteikosten der Beschwerdegegnerinnen
werden ohne Zuschlag auf Fr. 5'930.90 festgelegt. Darin sind die Auslagen und die
Mehrwertsteuer eingeschlossen.