# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 67a4dc28-48fc-5b86-aea2-73cd0fc4015e
**Court:** AR_OG
**Chamber:** AR_OG_004
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** AR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt
A. Die am XX.XX.1981 geborene B_ (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) ist seit längerer
Zeit in A_ angemeldet und hat ihre Schriften dort deponiert. Bis September 2014
unterzog sich die suchtkranke Beschwerdegegnerin einer stationären Therapie in der
Institution D_ in E_, welche die Begleitung von Drogenabhängigen anbietet, die in
einem ambulanten Opioidverschreibungsprogramm eingebunden sind. Die Gemeinde A_
kam für die Kosten im Rahmen der Sozialhilfe auf.
B. Am 18. August 2014 stellte die Beschwerdeführerin bei der Gemeinde A_ bzw. deren
Sozialhilfekommission ein Kostengutsprachegesuch für das im Anschluss an die stationäre
Therapie ab 1. Oktober 2014 für sechs Monate geplante Wohn- und Werkstattexternat in
der Institution D_. Die dort angebotene Nachbetreuung richtet sich an Klienten, die nach
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dem stationären Aufenthalt einer weiterführenden ambulanten Betreuung und Begleitung in
der Alltagsbewältigung bedürfen.
C. Das Gesuch der Beschwerdegegnerin wurde von der Beschwerdeführerin in der Sitzung
vom 23. September 2014 behandelt. Die Sozialhilfekommission erwog, dass ein Aufenthalt
in einem Heim, einer Anstalt oder anderen stationären Einrichtung keinen
Unterstützungswohnsitz begründe, weshalb die bisherige Finanzierungszuständigkeit nie in
Frage gestellt worden und die Langzeittherapiekosten der Beschwerdegegnerin bisher
übernommen worden seien. Da nun aber die Beschwerdegegnerin eine eigene Wohnung
gemietet habe, ende die örtliche Zuständigkeit der Gemeinde A_ für die
Kostenübernahme per 30. September 2014. Die Nachbetreuung durch die Stiftung D_ ab
Oktober 2014 sei insofern nicht relevant, als die Beschwerdegegnerin die Wohnung
persönlich gemietet habe und somit autonom in der Gestaltung ihrer Wohn- und
Lebenssituation sei. Die Beschwerdegegnerin habe ein Gesuch beim voraussichtlich
zuständigen Sozialamt E_ einzureichen. Auf das Gesuch um Kostenübernahme für ein
Wohn- und Arbeitsexternat der Stiftung D_ sowie das Kostenübernahmegesuch für die
Möblierung der gemieteten Wohnung ab 1. Oktober 2014 werde aufgrund der fehlenden
örtlichen Zuständigkeit nicht eingetreten.
D. Am 6. Oktober 2014 erhob die Beschwerdegegnerin gegen diesen Nichteintretensentscheid
Rekurs bei der Vorinstanz und beantragte die Gutheissung des Kostengutsprachegesuchs
vom 18. August 2014. Die blosse Unterzeichnung des Mietvertrags durch die
Beschwerdegegnerin begründe keinen neuen Unterstützungswohnsitz, weshalb die
Gemeinde A_ weiterhin zur Deckung der Kosten der ambulanten Nachsorge zuständig
sei. Nach einem weiteren Schriftenwechsel, in dem beide Parteien ausführlich darlegten,
weshalb sie einen Unterstützungswohnsitz in A_ bejahten bzw. verneinten, hiess die
Vorinstanz den Rekurs der Beschwerdegegnerin mit Entscheid vom 19. Oktober 2016
teilweise gut und bejahte die Unterstützungspflicht der Gemeinde A_ für den
sechsmonatigen Aufenthalt der Beschwerdegegnerin im Wohn- und Werkstattexternat
D_. Der zusätzliche Antrag der Beschwerdegegnerin auf Kostenübernahme für die
Möblierung der Wohnung wurde abgewiesen.
E. Gegen diesen Rekursentscheid richtet sich die von der Beschwerdeführerin am 14.
November 2016 erhobene Beschwerde ans Obergericht, mit welcher die
Beschwerdeführerin verlangt, der vorinstanzliche Entscheid sei aufzuheben und ihre
Verfügung vom 23. September 2014 zu bestätigen. Mit Vernehmlassung vom 15.
Dezember 2016 (act. 4) verlangte die Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde. Diesem
Antrag schloss sich die Beschwerdegegnerin mit Eingabe vom 24. Januar 2017 an. Die
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Beschwerdeführerin verzichtete auf die Einreichung einer weiteren Stellungnahme. Am 29.
Juni 2017 wurde die Sache in der vierten Abteilung des Obergerichts in Abwesenheit der
Parteien abschliessend beraten und darüber entschieden. Die Beschwerde wurde
abgewiesen und der vorinstanzliche Entscheid bestätigt. Dem Begehren der
Beschwerdeführerin gemäss Schreiben vom 10. Juli 2017 entsprechend, wird das Urteil mit
schriftlicher Begründung eröffnet.
F. Auf weitere Einzelheiten im Sachverhalt und in den vorinstanzlichen Akten sowie die
Vorbringen der Parteien in den Rechtschriften wird, soweit entscheidrelevant, in den
nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen.

## Considerations

Erwägungen
1. Formelles
Der angefochtene Rekursentscheid der Vorinstanz erging gestützt auf Art. 33 Abs. 1 des
Gesetzes über die öffentliche Sozialhilfe (SHG, bGS 851.1). Gegen letztinstanzliche
Entscheide der Verwaltungsbehörden, wozu auch der Rekursentscheid der Vorinstanz
gehört, kann Beschwerde ans Obergericht geführt werden (Art. 54 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRPG, bGS 143.1]). Demnach ist die Beschwerde zulässig. Die
von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der weiteren Prozessvoraussetzungen
(namentlich Art. 55 und 56 Abs. 1 VRPG) ergibt, dass auch diese sowohl hinsichtlich der
Beschwerdeberechtigung auf Seiten der Beschwerdeführerin als auch hinsichtlich der
Form- und Fristerfordernisse mit Bezug auf die Beschwerdeschrift erfüllt sind.
Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
2. Materielles
2.1
a. Bedürftige werden von ihrem Wohnkanton unterstützt. Der Bund regelt die Ausnahmen
und Zuständigkeiten (Art. 115 der Schweizerischen Bundesverfassung [BV, SR 101]). Der
Bundesgesetzgeber hat im Bundesgesetz über die Zuständigkeit für die Unterstützung
Bedürftiger (Zuständigkeitsgesetz [ZUG, SR 851.1]) in dem durch die Verfassung
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vorgegebenen Rahmen genauer präzisiert, welcher Kanton für die Fürsorge zuständig ist.
Das im innerkantonalen Verhältnis anwendbare SHG verweist für die Bestimmung des
Unterstützungswohnsitzes und damit die Abgrenzung der Zuständigkeiten der
verschiedenen Gemeinden im Kanton Appenzell Ausserrhoden ebenfalls auf das
Bundesrecht (Art. 3 Abs. 3 SHG).
b. Art. 5 ZUG sieht vor, dass der Aufenthalt in einem Heim, einem Spital oder einer
anderen Einrichtung und die behördliche Unterbringung einer volljährigen Person in
Familienpflege keinen Unterstützungswohnsitz begründet; der Eintritt eines solchen
Sachverhaltes beendigt denn auch einen bestehenden Unterstützungswohnsitz nicht (Art. 9
Abs. 3 ZUG). Diese Regelung dient namentlich dem Schutz der Standortkantone. Der
Unterstützungswohnsitz kann sich damit insbesondere bei Heiminsassen vom Ort der
tatsächlichen Anwesenheit unterscheiden (Urteil des Bundesgerichts 8C_530/2014 vom
7. November 2014, E. 3.2, m.w.H.).
2.2
a. Im vorliegenden Fall ist aktenkundig und unbestritten, dass die Beschwerdeführerin den
Unterstützungswohnsitz der Beschwerdegegnerin in der Gemeinde A_ bis Ende
September 2014 anerkannt hatte und namentlich auch für die bis zu jenem Zeitpunkt
entstandenen Kosten der Langzeittherapie der Beschwerdegegnerin in der Stiftung D_ in
E_ aufkam. Dass die Beschwerdegegnerin auch nach dem 1. Oktober 2014 jedenfalls
während der Dauer des sechsmonatigen Wohn- und Werkstattexternats offensichtlich
bedürftig war (vgl. Art. 2 Abs. 1 ZUG), wird von den Verfahrensbeteiligten nicht in Frage
gestellt. Der Abschluss der Langzeittherapie und der damit einhergehende Übertritt in eine
eigene Wohnung führte seitens der Beschwerdeführerin aber zum Schluss, den
Unterstützungswohnsitz in A_ ab Oktober 2014 zu verneinen.
b. Die Vorinstanz gelangte im angefochtenen Rekursentscheid vom 19. Oktober 2016 mit
eingehender Begründung zum Schluss, die Beschwerdegegnerin verfüge zwar während
des Wohn- und Werkstattexternats D_ über ein gewisses Mass an Selbständigkeit, die
Selbständigkeit werde aber durch die konkrete Betreuungsstruktur wiederum
eingeschränkt. Die Art und das Mass der angebotenen Dienstleistungen sowie der Grad
der Fremdbestimmung seien insgesamt nicht als gering einzustufen. Aufgrund dessen sei
das Wohn- und Werkstattexternat als Heim im Sinn von Art. 5 ZUG zu qualifizieren, was zur
Folge habe, dass der Unterstützungswohnsitz weiterhin bei der Gemeinde A_ liege.
Auch im vorliegenden Beschwerdeverfahren hält die Vorinstanz an dieser Auffassung fest
und verweist insbesondere auf die eingehende Begründung im Rekursentscheid.
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c. Die Beschwerdegegnerin schliesst sich der Argumentation der Vorinstanz im
angefochtenen Rekursentscheid vollumfänglich an. Bereits in der Rekursschrift an die
Vorinstanz hatte die Beschwerdegegnerin im Zusammenhang mit der Wohnungsmiete
ausführlich dargelegt, dass sie eigentlich in ein Studio der Stiftung D_ ziehen wollte, dies
aber nicht möglich gewesen sei, weil im Zeitpunkt der Beendigung der stationären
Massnahme keines frei gewesen war. Um eine drohende Obdachlosigkeit zu vermeiden,
habe sie daher die 1-Zimmer-Wohnung gemietet, wobei sie den Mietvertrag persönlich
unterzeichnet habe, weil der Vermieter sie kaum akzeptiert hätte, wenn er - hätte die
Stiftung D_ die Wohnung an ihrer Stelle gemietet - von ihrer Suchtmittelabhängigkeit
erfahren hätte.
d. Die Beschwerdeführerin hält dem angefochtenen Rekursentscheid entgegen,
Fremdbestimmung sei im sozialhilferechtlichen Alltag ständig präsent. Im vorinstanzlichen
Entscheid werde das Arbeitstraining im Rahmen des Betreuungsangebots als nicht
geringer Eingriff in die Unabhängigkeit der Beschwerdegegnerin eingestuft. Es dürfe aber
der Faktor Fremdbestimmung nur in Korrelation mit anderen Massnahmen betrachtet
werden, die Miete einer eigenen Wohnung bilde dabei mehr als ein Indiz. Im vorliegenden
Fall werde mit der vertraglichen Miete einer Wohnung die Absicht des dauernden Verbleibs
unmissverständlich nach aussen angezeigt. Der Heimbegriff von Art. 5 ZUG sei aufgrund
der konkreten konzeptionellen Gestaltung des Betreuungsangebots nicht als erfüllt zu
betrachten, weil durch die Miete einer eigenen Wohnung ein geringer Abhängigkeitsgrad
der betroffenen Person von der Institution bestehe. Insgesamt ordne sich die Vorinstanz bei
der Feststellung und Bewertung des Sachverhalts einseitig der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung aus dem Jahr 1999 zur Übertragung des Heimbegriffs auf ambulante
Massnahmen unter. Die weite Fassung des Heimbegriffs im Zusammenhang mit der
Unterstützung Bedürftiger dürfe nicht dazu führen, dass daraus eine unverhältnismässige
Dehnung und Verwässerung des Begriffs erfolge.
2.3
Strittig und zu prüfen ist somit im vorliegenden Beschwerdeverfahren, ob die
Beschwerdegegnerin während des sechsmonatigen Wohn- und Werkstattexternats
weiterhin ihren Unterstützungswohnsitz im Sinn des ZUG in A_ hatte oder nicht, was von
der Auslegung von Art. 5 ZUG abhängt. Die Vorinstanz nahm im angefochtenen
Rekursentscheid bei der Auslegung dieser Bestimmung namentlich auf den Entscheid des
Bundesgerichts 2A.603/1999 vom 7. Juni 2000 Bezug. In diesem Urteil konkretisierte das
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Bundesgericht, dass bei der Beurteilung des Heimbegriffs im Sinn von Art. 5 ZUG
folgenden Kriterien grosse Bedeutung zukommt (vgl. E. 3a):
• Art und Mass der angebotenen Dienstleistungen;
• Grad der feststellbaren Fremdbestimmung;
• Abhängigkeitsgrad der betroffenen Person.
Die Anwendung von Art. 5 ZUG ist immer hinsichtlich des konkret zur Diskussion
stehenden Sachverhalts zu prüfen, um einer zeitgemässen Interpretation des Heimbegriffs
gerecht zu werden. Als Heim, Spital oder andere Anstalt im Sinn von Art. 5 ZUG sind
grundsätzlich alle möglichen Versorgungseinrichtungen zu verstehen, in welche
erwachsene Personen zur persönlichen Betreuung oder Pflege, zur ärztlichen oder
therapeutischen Behandlung, zur Ausbildung oder Rehabilitation untergebracht werden
oder freiwillig eintreten. Nur eine einzelfallweise Prüfung anhand der von der
Rechtsprechung entwickelten Kriterien stellt angesichts der Vielfältigkeit an unterschiedlich
ausgestalteten Therapieformen sicher, dass eine zeitgemässe Interpretation stets
gewährleistet bleibt. Angesichts des Willens des Gesetzgebers, den Heimbegriff gerade
wegen der sich wandelnden Verhältnisse und wegen trotz gleicher Bezeichnung
unterschiedlich ausgestalteter Therapieformen nicht zu definieren, hat sich die Auslegung
des Heimbegriffs im konkreten Einzelfall namentlich an den vom Bundesgericht definierten
Kriterien zu orientieren (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2A.603/1999 vom 7. Juni 2000, E.
3c und 8C_530/2014 vom 7. November 2014, E. 3.2.1; BGE 141 V 255, E. 4.2).
2.4
a. Das Dienstleistungskonzept D_ sieht ausdrücklich vor, dass den betreuten Personen
entweder eine von der Stiftung Sucht gemietete Wohnung oder ein stiftungseigenes Studio
zur Verfügung gestellt wird oder aber die betreute Person selber eine Wohnung auf dem
freien Markt mietet (vgl. act. 5/2, Dienstleistungskonzept, S. 6). Es leuchtet ein, dass es im
Hinblick auf die Chancen auf einen Mietvertragsabschluss angezeigt sein kann, dass die
betreute Person selbst als Mieterin auftritt. Dass das Motiv zur Miete einer eigenen
Wohnung im konkreten Fall nicht primär in einer dadurch von der Beschwerdegegnerin
angestrebten Selbständigkeit lag, sondern vielmehr entscheidend durch den äusseren
Umstand bedingt war, dass im erforderlichen Zeitraum gar keine Möglichkeit bestand, in
der Stiftung D_ ein Studio zu beziehen, ist glaubhaft und nachvollziehbar.
b. Zwar trifft es zu, dass die Miete einer eigenen Wohnung der Beschwerdegegnerin
grundsätzlich mehr Selbständigkeit erlaubt, als dies der Fall wäre bei einer Unterkunft, die
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von einer Heimeinrichtung selbst zur Verfügung gestellt wird. Im konkreten Fall ist
allerdings zu berücksichtigen, dass sich die Beschwerdegegnerin für die Dauer des Wohn-
und Werkstattexternats unabhängig davon, dass sie kein stiftungseigenes Studio
bewohnte, sondern eine eigene Wohnung gemietet hatte, ebenso wie Personen, die in
einem stiftungseigenen Studio wohnen, der üblichen Betreuung durch Mitarbeiter der
Stiftung D_ unterworfen hat (vgl. dazu auch die Unterlagen und Ausführungen in den
vorinstanzlichen Akten, insbesondere act. 8/5 und 8/11):
• Gemäss Aufenthaltsvereinbarung zwischen der Beschwerdegegnerin und dem D_
sowie gemäss zusätzlichen Erklärungen und Ausführungen in den vorinstanzlichen
Akten beinhaltet das Wohn- und Werkstattexternat einen Lebensunterhalt von Fr.
1‘000.--, welcher durch das D_ ausbezahlt und verwaltet wird.
• Die Beschwerdegegnerin erhält eine Bezugsperson, welche für die Betreuung zuständig
ist. Während des Wohn- und Werkstattexternats sind pro Woche mindestens ein
Einzelgespräch (häufig in der Wohnung) und ein Gruppengespräch teilnahmepflichtig.
Sowohl werktags als auch am Wochenende wird eine telefonische Erreichbarkeit
während eines Grossteil des Tages verlangt. Die betreuten Personen müssen zudem
täglich Kontakt zur Bezugsperson aufnehmen; spätestens nach 24 Stunden ohne
Meldung werden sie zu Hause aufgesucht. Nichteinhalten dieser Verpflichtungen
werden mit Kürzungen des Lebensunterhaltgeldes, im Wiederholungsfall mit einer
Beendigung des Wohn- und Werkstattexternats sanktioniert.
• Der tägliche Besuch der Werkstatt ist Pflicht (im konkreten Fall: Arbeitstraining von 3.5
Stunden täglich). Anfangs Monat werden pro Arbeitstag Fr. 10.-- auf ein Sperrkonto
gebucht; wird die Werkstatt nicht besucht, unterbleibt eine Auszahlung.
• Um sicherzustellen, dass adäquat und fristgerecht mit Ämtern und Behörden
korrespondiert wird, wird die Post von der Bezugsperson geöffnet (ausgenommen Brief-
und Paketpostsendungen von Privatpersonen).
c. Unabhängig davon, ob die betreute Person in einem stiftungseigenen Studio wohnt oder
eine eigene Wohnung gemietet hat, besteht somit im Rahmen des Wohn- und
Werkstattexternats Haus D_ ein umfangreiches Dienstleistungskonzept, wobei die
Teilnahme und Mitwirkung der betreuten Personen in weiten Teilen obligatorisch sind. Zwar
ist im Fall einer eigenen Wohnung die betreute Person formell gesehen unabhängig,
allerdings unterscheidet sich im hier zu beurteilenden Fall der Grad der Fremdbestimmung
der Beschwerdegegnerin letztlich nicht entscheidend von anderen betreuten Personen, die
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ein stiftungseigenes Studio bewohnen. Der besonderen Situation der eigenen Wohnung
wurde im vorliegenden Fall nämlich insofern Rechnung getragen, als die
Beschwerdegegnerin sich verpflichtete, einen Zweitschlüssel der Mietwohnung im Haus
D_ zu hinterlegen unter Erteilung der Zustimmung, dass sie jederzeit in ihrer Wohnung
aufgesucht werden könne, wenn dies aus Sicht der Mitarbeitenden im Haus D_
notwendig sei. Damit ist während des Wohn- und Werkstattexternats eine Kontrolle der
Beschwerdegegnerin durch die Mitarbeiter des Hauses D_ auch in der eigenen
Wohnung jederzeit gewährleistet. Unter Berücksichtigung all dieser konkreten Umstände im
Einzelfall ist dem Schluss der Vorinstanz, das sechsmonatige Wohn- und Werkstattexternat
erfülle den Heimbegriff von Art. 5 ZUG, zuzustimmen.
d. Das Argument der Beschwerdeführerin, dieser Schluss sei auf eine einseitige Auslegung
der Rechtsprechung des Bundesgerichts aus dem Jahr 1999 zurückzuführen, ist nicht
nachvollziehbar:
Die Rechtsprechung hat sich mit der Frage, was unter den Heimbegriff von Art. 5 ZUG fällt,
in verschiedenen Entscheiden eingehend auseinandergesetzt. Im Entscheid 2A.300/1999
vom 17. Januar 2000 führte das Bundesgericht aus, dass aufgrund der weiten Auslegung
des Heimbegriffs in Art. 5 ZUG auch therapeutische Wohngemeinschaften unter den
Heimbegriff fallen können, wobei die angebotenen und teils obligatorischen
Dienstleistungen sowie der Grad der Fremdbestimmung der Bewohner berücksichtigt
wurde (E. 3b). Im Bundesgerichtsurteil 2A.603/1999 vom 7. Juni 2000 wurde diese
Rechtsprechung bestätigt und unter Verweis auf bereits ergangene Rechtsprechung dafür
gehalten, dass selbst dann, wenn der Fremdbestimmungsgrad bei einer begleiteten
Wohnform relativ gering ausfalle (in jenem Fall beschränkte sich die obligatorische
Betreuung auf einen wöchentlichen Hausbesuch, was deutlich weniger ist als beim Wohn-
und Werkstattexternat Haus D_, werden doch dort, wie unter E. 2.4.b im Detail
aufgezeigt, viel weitergehende obligatorische Dienstleistungen angeboten), auch solche
Formen begleiteten Wohnens unter den Heimbegriff von Art. 5 ZUG zu subsumieren sind,
wenn das Dienstleistungsangebot insgesamt über das blosse Wohnen hinaus gehe und
den Abhängigkeitsgrad der betroffenen Personen tangiere. Diese bewusst weite Auslegung
von Art. 5 ZUG soll gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht zuletzt den Anreiz
nach kantonsexterner Unterbringung unterstützungsbedürftiger Personen verringern, indem
für den Unterstützungswohnsitz entscheidend ist, wo eine freiwillig in ein Heim eintretende
Person ihren Lebensmittelpunkt vor dem Heimeintritt hatte (BGE 138 V 23, E. 3.1.3).
Im Einklang mit diesen vom Bundesgericht aufgestellten Kriterien, die bei der Auslegung
von Art. 5 ZUG zu berücksichtigen sind, wird auch in der kantonalen Rechtsprechung
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durchwegs eine weite Auslegung des Heimbegriffs bejaht. So hat etwa das
Verwaltungsgericht des Kantons Zürich in seinem Entscheid VB.2014.00673 vom 19.
Februar 2015 erwogen, in Bezug auf begleitetes Wohnen ergebe sich, dass weder der
Abhängigkeits- noch der Fremdbestimmungsgrad besonders hoch sein müssten; sobald
aber Personen im begleiteten Wohnen sich über das bei einem normalen Mietverhältnis
Übliche hinaus an Regeln halten müssten, könne auch eine begleitete Wohnform unter den
Heimbegriff fallen. Selbst bei einem niederschwelligen Betreuungsangebot sei der
Heimbegriff zu bejahen, solange eine intensive Nutzung gegeben sei. Auch das
Verwaltungsgericht Graubünden betonte im Entscheid U 13 73 vom 15. April 2014, dass
die Art und das Ausmass des Dienstleistungsangebots im konkreten Fall zu prüfen sei, um
zu beurteilen, ob der Heimbegriff im Sinn von Art. 5 ZUG erfüllt werde. Wenn ein
offenkundig über das reine Wohnen hinausgehender Zweck einer Institution und seiner
Dienstleistungen gegeben und zudem das Dienstleistungsangebot befristet sei, spreche
dies für den Heimcharakter. In jenem Fall wurde sogar ausdrücklich angeführt, dass selbst
die polizeiliche Anmeldung am Heimort dieser Qualifikation nicht entgegen stehe, da das
Gesetz es bewusst in Kauf nehme, dass eine Person, die freiwillig in ein Heim eintrete, am
Ort des Heimes zivilrechtlichen Wohnsitz oder allenfalls weitere Wohnsitze begründe, ihr
Unterstützungswohnsitz jedoch nach wie vor dort sei, wo sie vor dem Heimeintritt ihren
Lebensmittelpunkt hatte.
Die Vorinstanz hat im angefochtenen Rekursentscheid die ständige Rechtsprechung zur
Auslegung von Art. 5 ZUG zutreffend dargelegt und im konkreten Fall den Sachverhalt
umfassend nach den in der bundesgerichtlichen und kantonalen Rechtsprechung
einheitlich angewendeten Kriterien geprüft. Dass dabei auf das Kriterium der
Fremdbestimmung besonderes Gewicht gelegt wurde, hängt mit dem konkreten
Dienstleistungskonzept im vorliegenden Fall und dem daraus resultierenden Grad der
Abhängigkeit der Beschwerdegegnerin während der Dauer des Wohn- und
Werkstattexternats Haus D_ zusammen. Die Rüge der Beschwerdeführerin, die
Beurteilung des Sachverhalts sei auf das Mass der Fremdbestimmung reduziert worden, ist
nicht nachvollziehbar. Wie bereits die Vorinstanz im angefochtenen Rekursentscheid
erwogen hat, ergibt die Überprüfung der Rahmenbedingungen des Wohn- und
Werkstattexternats im konkreten Fall, dass die Fremdbestimmung nicht als gering
einzustufen ist und die Beschwerdegegnerin weiterhin in einem nicht unerheblichen
Abhängigkeitsgrad zum Haus D_ steht.
e. Offenbar wurde das Wohn- und Werkstattexternat wie geplant durchgeführt, jedenfalls
wurde seitens der Verfahrensbeteiligten nicht geltend gemacht, dass dieses mangels
Mitwirkung der Beschwerdegegnerin vorzeitig beendigt worden wäre. Während der
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Teilnahme am sechsmonatigen Wohn- und Werkstattexternat ist der Heimbegriff von Art. 5
ZUG klar zu bejahen. Gestützt auf Art. 9 Abs. 3 i.V.m. Art. 5 ZUG ist somit mit der
Vorinstanz davon auszugehen, dass der Unterstützungswohnsitz der Beschwerdegegnerin
sich weiterhin in A_ befand.
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2.5
Im Rahmen des vorinstanzlichen Rekursverfahrens hatte die Beschwerdeführerin mehrfach
darauf hingewiesen, dass die Beschwerdegegnerin gar keinen Bezug mehr zu A_ habe
und auch nicht dorthin zurückkehren wolle. Da ein Fehlen gefestigter sozialer und
ökonomischer Beziehungen insbesondere bei suchtkranken Personen typisch ist, kann dies
jedoch für die Beurteilung des Unterstützungswohnsitzes im vorliegenden Fall nicht
entscheidend sein. Die Beschwerdegegnerin hatte sich jedenfalls im hier zu beurteilenden
Zeitraum bis zur Beendigung des sechsmonatigen Wohn- und Werkstattexternats nicht in
A_ abgemeldet. Zwar führt die Unterbringung in einem Heim nicht automatisch dazu,
dass der Unterstützungswohnsitz nicht mehr ändern kann. Ein Wechsel des
Unterstützungswohnsitzes während einem Heimaufenthalt im Sinn von Art. 5 ZUG kommt
aber nur dann in Frage, wenn eine unterstützungsbedürftige Person ihre Beziehungen zum
bisherigen Kanton abbricht und in subjektiver sowie in objektiver Hinsicht ein neues
Verhältnis zu einem anderen Kanton begründet (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts
2A.714/2006 vom 10. Juli 2007, E. 3.3). Davon ist im vorliegenden Fall nicht auszugehen.
2.6
Zusammengefasst ist dem Rekursentscheid der Vorinstanz vollumfänglich zuzustimmen.
Art und Ausmass der angebotenen Dienstleistungen im Wohn- und Werkstattexternat Haus
D_ sprechen insgesamt für eine Bejahung des Heimbegriffs im Sinn von Art. 5 ZUG. Die
Beschwerdegegnerin war während des Wohn- und Werkstattexternats zahlreichen Regeln
und Verpflichtungen unterworfen. Die entsprechende Fremdbestimmung und der damit
einhergehende Eingriff in die Persönlichkeit der Beschwerdegegnerin ist nicht als gering
einzustufen. Somit ist, im Einklang mit der Rechtsprechung in vergleichbaren Fällen, davon
auszugehen, dass während der Dauer des in Frage stehenden sechsmonatigen Wohn- und
Werkstattexternats kein neuer Unterstützungswohnsitz begründet wurde. Daran ändert
auch die Tatsache nichts, dass die Beschwerdegegnerin unter den gegebenen Umständen
eine eigene Wohnung gemietet und bezogen hat.
Die Beschwerde ist abzuweisen.
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3. Kosten und Entschädigung
In Anwendung von Art. 22 Abs. 1 und Art. 22 Abs. 2 lit. b VRPG ist auf die Erhebung einer
Entscheidgebühr für das vorliegende Gerichtsverfahren zu verzichten. Entschädigungen
sind keine zuzusprechen.