# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 717294af-f190-4cea-9192-52a0a634e0d2
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Der Gemeinderat Degersheim schrieb am 25. August 2014 im selektiven
Verfahren auf der Basis einer Machbarkeitsstudie vom 23. September 2013 (act. 3.2)
die Architekturleistungen (Vorprojekt, Bauprojekt und Ausführung; SIA 102) für die
Sanierung des Oberstufenschulhauses aus (ABl 2014 S. 2095/2096). Ausdrücklich zur
Teilnahme zugelassen wurden auch die Architekturbüros Trunz & Wirth AG und Bayer
Partner AG, die an der Ausarbeitung der Machbarkeitsstudie beteiligt waren (act. 3.2,
insbesondere Seiten 11 ff. und 26 ff.). Mit der Präqualifikation sollten vier bis sieben
Architekturbüros und/oder Bietergemeinschaften für die Offerteingabe ausgewählt
werden. In den Ausschreibungsunterlagen und im Präqualifikationsformular waren für
die Präqualifikation neben den Muss-Kriterien (Vollständigkeit des
Bewerbungsdossiers, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit [Versicherung,
Termineinhaltung, keine Betreibungen]) die mit maximal 600 Punkten bewerteten Soll-
Kriterien genannt, nämlich Qualität der Referenzobjekte (45 Prozent, maximal 270
Punkte; Unterkriterien Erfahrung mit vergleichbaren Bauten [zwei der drei
Referenzobjekte], Vergleichbarkeit der Bausumme, Qualität der nicht mehr als zehn
Jahre alten Referenzen), Schlüsselperson (30 Prozent, maximal 180 Punkte;
Unterkriterien Fachausbildung und Praxiserfahrung, Kompetenz, Erfahrung),
Leistungsfähigkeit (20 Prozent, maximal 120 Punkte; Unterkriterien Personalbestand,
Fachwissen, Grundausbildung des eingesetzten Personals, Organisationsstruktur und
Angaben zur Firma) und Lernendenausbildung (5 Prozent, maximal 30 Punkte; Anzahl
Lernende). Gleichzeitig wurden für den Architekturvertrag auch die Kriterien und deren
Gewichtung für den Zuschlag bekannt gegeben, nämlich Preis/Eingabesumme (40
Prozent), Analyse der Bauaufgabe (30 Prozent), Bauablauf/Bauorganisation (20
Prozent) und Präsentation der Offerte/Fragenbeantwortung (zehn Prozent; act. 10/01
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Seiten 11 und 12, act. 10/02 Seite 13). Die Ausschreibung wurde unangefochten
rechtskräftig.
B. Am 12. September 2014 lagen die Bewerbungen von 13 Anbietern vor. Das
Angebot der Bayer Partner AG, die federführend für die zusammen mit der Gruner
Wepf AG, St. Gallen, gebildete Bietergemeinschaft auftrat, erreichte mit 360 der
maximal erzielbaren 600 Punkte den zwölften Rang. Mit Verfügung vom 22. September
2014 legte der Gemeinderat Degersheim fest, welche sechs Anbieter – darunter auch
das Architekturbüro Trunz & Wirth AG – nach Ablauf der Beschwerdefrist
beziehungsweise "unter Vorbehalt einer Beschwerde" zur Abgabe eines Angebots
eingeladen werden sollten und teilte den übrigen sieben Anbietern – darunter auch der
Bietergemeinschaft mit der Bayer Partner AG – die Nichtberücksichtigung ihrer
Bewerbung im weiteren Verfahren mit.
C. Die Bayer Partner AG (Beschwerdeführerin) erhob gegen die vom
Gemeinderat der Politischen Gemeinde (Vorinstanz) am 22. September 2014 verfügte
Nichtberücksichtigung im weiteren Verfahren mit Eingabe vom 26. September 2014
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem – sinngemässen – Begehren, nach einer
Neubeurteilung, die alle eingereichten Kriterien berücksichtige, sei auch sie zur
Einreichung eines Angebots einzuladen. Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung
vom 15. Oktober 2014, die Beschwerde sei abzuweisen. Die Beschwerdeführerin nahm
dazu am 30. Oktober 2014 Stellung. Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten
zur Begründung ihrer Anträge und die Akten wird, soweit wesentlich, in den

## Considerations

Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 5 Abs.
2 des Einführungsgesetzes zur Gesetzgebung über das öffentliche
Beschaffungswesen; sGS 841.1, EGöB). Die Beschwerdeführerin ist als federführendes
Mitglied der von ihr zusammen mit der Gruner Wepf AG, St. Gallen, gebildeten
Bietergemeinschaft, die von der Vorinstanz im weiteren Vergabeverfahren nicht
berücksichtigt werden soll, zur Beschwerde legitimiert (vgl. Art. 64 in Verbindung mit
Art. 45 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP; Art.
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535 Abs. 1 und Art. 543 Abs. 3 des Schweizerischen Obligationenrechts, SR 220, OR;
zur Wirkung für die einfache Gesellschaft oder allein für die Beschwerdeführerin
Fellmann/Müller, in: Berner Kommentar zum schweizerischen Privatrecht, Band VI/2/8,
Bern 2006, N 207 zu Art. 543 OR). Die Beschwerde gegen die Verfügung vom 22.
September 2014 wurde mit Eingabe vom 26. September 2014 rechtzeitig erhoben und
erfüllt die formellen und inhaltlichen Anforderungen (Art. 15 Abs. 3 der Interkantonalen
Vereinbarung über das öffentliche Beschaffungswesen, sGS 841.32, IVöB). Auf die
Beschwerde ist dementsprechend einzutreten.
2. Die Beschwerdeführerin beanstandet die Bewertung ihrer Bewerbung nach
den Eignungskriterien in der Präqualifikation.
2.1. Art. 12 Abs. 1 Ingress und lit. b IVöB regelt die Grundzüge des selektiven
Verfahrens: Öffentlich ausgeschrieben wird der geplante Auftrag. Alle Anbieterinnen
und Anbieter können einen Antrag auf Teilnahme einreichen. Die Auftraggeberin oder
der Auftraggeber bestimmt aufgrund von Eignungskriterien die Anbieterinnen und
Anbieter, die ein Angebot einreichen dürfen. Die Auftraggeberin oder der Auftraggeber
kann in der Ausschreibung die Zahl der zur Angebotsabgabe eingeladenen
Anbieterinnen und Anbieter beschränken, wenn sonst die Auftragsvergabe nicht
effizient abgewickelt werden kann. Dabei muss ein wirksamer Wettbewerb
gewährleistet sein. Art. 24 Abs. 1 und 2 der Verordnung über das öffentliche
Beschaffungswesen (sGS 841.11, VöB) übernimmt diese Regelungen, konkretisiert den
Begriff "effizient" mit "wirtschaftlich" und verlangt, dass die Zahl der Anbieter, die ein
Angebot einreichen können, nicht kleiner als drei sein darf, soweit es nicht weniger
geeignete Anbieter gibt.
Die Vergaberegeln sollen gemäss Art. 1 Abs. 3 IVöB insbesondere den wirksamen
Wettbewerb unter den Anbieterinnen und Anbietern fördern (lit. a), die
Gleichbehandlung aller Anbieterinnen und Anbieter sowie eine unparteiische Vergabe
gewährleisten (lit. b) und die Transparenz der Vergabeverfahren sicherstellen (lit. c). Die
Auswahl der einzuladenden Offerenten aus allen geeigneten Bewerbern hat
dementsprechend transparent und gleichbehandelnd zu geschehen. Auszuwählen sind
jene, von denen eine wirtschaftlichere Offerte als von den anderen erwartet werden
kann. Das heisst, dass die Selektionskriterien bei der zahlenmässig beschränkten
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Präqualifikation graduell messbare Eignungskriterien sein müssen, welche indirekte
Aussagen über die vom betreffenden Bieter zu erwartende Leistungsqualität zulassen.
Eine Mehreignung dagegen, die für den in Frage stehenden Auftrag nutzlos bleiben
wird, darf keine Rolle spielen. Im Bundesrecht hat die Vergabebehörde die Selektion
auf gewichtete Eignungskriterien abzustellen (Ziffer 6 Anhang 5 der Verordnung über
das öffentliche Beschaffungswesen, SR 172.056.11; vgl. M. Beyeler, Vergaberechtliche
Urteile 2012-2013, in: Stöckli/Beyeler, Das Vergaberecht der Schweiz, 9. Aufl. 2014, S.
465 ff., S. 495, Bemerkung zu Entscheid 39).
2.2. Die Beschwerdeführerin wendet sich nicht gegen die konkrete Ausgestaltung
des selektiven Verfahrens durch die Vorinstanz. Insbesondere macht sie nicht geltend,
im Verfahren der Präqualifikation seien die Angebote nach Kriterien bewertet worden,
welche erst im Rahmen des Zuschlags hätten berücksichtigt werden dürfen. Diese