# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** a5a46e7d-77b2-5e67-aae3-955095f7a191
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1979 geborene
X._
, ohne Ausbildung,
fuhr am 27. März 2004 auf eine vor ihm stehende Fahrzeugkolonne auf (Urk. 11/7/261-269)
, wobei er sich
unter anderem
eine Distorsion der Halswi
rbelsäule
(HWS)
zuzog (Urk. 11/
7/
159 S. 1
). Am
14. März 2006
meldete er sich
unter Hinweis auf
den
Autounfall bei der Invalidenversicherung
zum Leistungsbezug an (Urk. 11/3
). Mit Verfügung vom 17. September 2007 (Urk. 11/4
1
) wies die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
, das Leistungsbegehren unter Hinweis auf einen Inva
liditätsgrad von 0 % ab.
1.2
Am 10. Februar 2014 meldete sich der Versicherte mit Verweis auf Prellungen am Kopf und an der Hand und
auf
Kopf- und Rückenschmerzen infolge eines Unfalls sowie auf Depressionen, eine psychische Störung und eine Alkohol- und Drogen
abhängigkeit erneut bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 11/55).
Die IV-Stelle nahm erwerbliche und medizinische Abklärungen vor und zog unter anderem die Akten des Krankentaggeldversicherers (Urk. 11/61)
bei
.
Mit Mitteilungen vom 19. März und 22.
Mai 2014
(Urk. 11/58, Urk. 11/
60)
auferlegte
die IV-Stelle de
m
Versicherten
eine
Mitwirkungspflicht betreffend eine mindestens
sechs
monat
ige
fachärztlich kontrollierte Totalabstinenz von Alkohol
respektive
Stabilisierung der übrigen Substanzen
und forderte ihn zur Be
kanntgabe des behandelnden Psychiaters auf
.
Mit Vorbescheid vom 24. Juni 2014 (Urk. 11/62) stellte die IV-Stelle die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aus
sicht, nachdem der Versicherte
im Zusammenhang mit der ihm auferlegten Mit
wirkungspflicht
keine Angaben zum behandelnden Arzt gemacht hat
te.
Da
gegen
erhob
der Versicherte am 4. Juli 201
4
Einwand (Urk. 11/63
)
und
informierte
die IV-Stelle am 26. Juli 2014 über den am 22. Juli 2014 in die Klinik
der
Y._
AG
erfolgten Eintritt (Urk. 11/66). In der Folge holte die
IV-Stelle weitere medizinische
Bericht
e
ein und wies am
3
0. März 2015
das Leis
tungsbegehren ab
,
da
die beiden letzten stationären Behandlungen des
Versicher
ten
nicht zur geforderten Totalabstinenz
von allen Substanzen
geführt hätten und zudem auch keine fachärztlich-psychiatrischen Gründe für eine allfällige Unzu
mutbarkeit der auferlegten Schadenminderungs
- und Mitwirkungs
pflicht vorlä
gen (Urk. 11/82 S. 2).
Mit Verfügung vom 6. Mai 2015 (Urk. 11/85) hob die IV-Stelle
unter Verweis auf ein Schreiben der
Y._
vom 29. April 2015 (Urk. 11/83)
die Verfügung vom 30. März 2015 (Urk. 11/82) wiedererwägungsweise auf und führte weitere
medi
zinische Abklärungen durch, wobei sie insbesondere eine polydisziplinäre
Begut
achtung
(Allgemeine Innere Medizin, Neurologie, Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates sowie Psychiatrie und Psychotherapie) bei der
Z._
AG veran
lasste (Expertise vom
14. September 2016, Urk. 11/122/1-7
6
). Am 29. November 2016 beantworteten die
Z._
-Gutachter die von der IV-Stelle am 5. Oktober 2016 gestellten Rückfragen (Urk. 11/124, Urk. 11/126).
Im Mai 2017 veranlasste
die IV-Stelle eine monodisziplinäre Begutachtung durch
Dr.
med.
A._
, FMH P
sychiatrie und Psychotherapie
(Expertise vom 11. Juli 2017, Urk. 11/145/1-47). Mit Vorbescheid vom 14. August 2017 (Urk. 11/147) stellte die IV-Stelle die Ab
weisung des Leistungsbegehrens in Aussicht, wogegen der Versicherte am
13. September 2017 Einwand (Urk. 11/150, Urk. 11/154) erhob und den Bericht von
Dr.
med.
B._
, FMH Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 25. September 2017 (Urk. 11/153) vorlegte. Am
7. November 2017 beantworte
te
Dr.
A._
die ihm von der IV-Stelle am
31.
Oktober 2017 gestellten Rückfragen (Urk. 11/157/1, Urk. 11/158)
, wozu der
Versicherte
am 2
2.
Januar 2018 Stellung nahm (
Urk.
11/165).
Mit Verfügung vom 1
3
. Februar 2018 (Urk. 2)
ver
neinte
die IV-Stelle unter Hinweis auf eine fehlende Erwerbseinbusse
den An
spruch auf eine Invalidenrente
.
2.
Dagegen erhob der Versicherte
unter Beilage des
Y._
-
Berichts vom 23. Januar 2018 (Urk. 3/4)
am 15. März 2018 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, es sei die Verfügung vom 13. Februar 2018 aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihm ab 1. August 2014 eine ganze Invalidenrente auszurichten. In prozessualer Hinsicht stellte er das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung (S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 7. Mai 2018 (Urk. 10) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde, was dem Be
schwerdeführer am 8. Mai 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 12).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
, ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über
die
Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsscha
den mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbie
tung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbsein
kommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015
E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und
E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.
3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
4
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3 der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den An
spruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmel
dung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invalidi
tätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegrün
dende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.5
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.
6
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestell
ten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen be
ruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychi
schen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Aus
einandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfol
gerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deut
lich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Verfügung vom 13. Februar 2018
(Urk. 2) damit, dass dem Beschwerdeführer
gemäss beweiswertiger gutachterli
cher Einschätzung
die Verrichtung von Hilfsarbeitertätigkeiten zu 100 % zumut
bar sei. Für die angestammte Tätigkeit als Servicemitarbeiter sei zwar eine 20%ige Einschränkung erkennbar, es entstehe jedoch keine Erwerbseinbusse. Entspre
chend sei keine Invalidität ausgewiesen und es bestehe kein Anspruch auf Leis
tungen der Invalidenversicherung (S. 1 f.).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüb
er (Urk. 1) auf den Standpunkt, die gutachterliche Beurteilung von Dr.
A._
, welche
r
für eine angepasste Tätigkeit
eine 100%ige Arbeitsfähigkeit attestiere,
stehe betreffend die erhobenen Diagno
sen sowie
die
Auswirkungen der gesundheitlichen Probleme auf die Arbeitsfähig
keit in grossem Gegensatz zu den übrigen ärztlichen Feststellungen
. Dr.
A._
verneine insbesondere das Vorliegen einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS)
und
einer Depression auf ungenügende Weise, weshalb das entsprechende Gutachten nicht den vom Bundesgericht aufgestellten Anforderungen entspreche (S. 11
f.
Ziff. 4)
.
Im Weiteren
sei bei der Begutachtung kein Dolmetscher beige
zogen worden, obwohl sich der Beschwerdeführer hinsichtlich seiner psychischen Befindlichkeit in seiner
türkischen
Muttersprache
besser
ausdrücken könne (
Urk. 1
S. 13). Die beim Beschwerdeführer
im Jahre
2013/2014 eingetretene ge
sundheitliche Verschlechterung habe seither immer wieder zu längeren stationä
ren
Hospitalisationen
geführt, wobei dieser Verlauf von der Beschwerdegegnerin nicht berücksichtigt worden sei. Bereits in den Austrittsberichten der
Y._
seien jeweils schwere posttraumatische Befunde festgestellt worden,
so dass
diese nicht erst durch Dr.
B._
erhoben worden seien. Entsprechend könne das Gutachten von Dr.
A._
nicht als massgebend gelten und es sei auf die übereinstimmen
den Beurteilungen der Klinikärzte und Dr.
B._
abzustellen und dem Beschwer
deführer ab 1. August 201
4
eine ganze Invalidenrente zuzusprechen (S. 14).
2.3
Zu prüfen ist, ob sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit Erlass der anspruchsverneinenden Verfügung vom 17. September 2007 (Urk. 11/41) bis zum Zeitpunkt des angefochtenen Entscheids vom 13. Februar 2018 (Urk. 2) in einem rentenbegründenden Ausmass verschlechtert hat. Die
Eintretensfrage
bil
det nicht Streitgegenstand, da die Beschwerdegegnerin auf die Neuanmeldung vom 10. Februar 2014 (Urk. 11/55) eingetreten ist.
3.
3.1
Die leistungsverneinende Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 17. September 2007 (Urk. 11/41) beruhte auf der
Einschätzung ihres Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 18. Juni 2017 (Urk. 11/40 S. 5), welcher seinerseits
im We
sentlichen
auf
die Berichte von
Dr.
med.
D._
, FMH
für
Allgemeinmedizin
, vom
21
. April
und 7. September 2006 (Urk. 11/9
/5-6
, Urk. 11/16
/3
) sowie
das psy
chiatrische Gutachten von
Dr.
med.
E._
, FMH für Psychiatrie und Psycho
therapie, vom 23. Mai 2007 (Urk. 11/24
, Urk. 11/40 S.
2 ff.
)
abstellte.
3.2
3.2.1
Dr.
D._
, der Hausarzt des Beschwerdeführers, führte in seinem Bericht vom
21
. April
2006 (Urk. 11/9/5-6
)
folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Ar
beitsfähigkeit au
f
(S. 1):
-
HWS-Distorsion/HWS-Beschleunigungstraum
a
nach Auffahrkollision am 27.03.04 mit
-
chronischem
cervikocephalem
Schmerzsyndrom rechts mehr als links
-
depressiver Entwicklung
-
PTBS
Der Hausarzt hielt fest, dass beim Beschwerdeführer zwei grosse Problemkreise bestünden. Erstens sei der Beschwerdeführer als kurdischer Flüchtling mit ver
schiedenen grausamen Kriegserlebnissen konfrontiert worden, was zu einer PTBS geführt habe, welche diverse, äusserst schwerwiegende Konsequenzen für sein Leben habe. Es komme immer wieder zu schweren depressiven Episoden und der Beschwerdeführer habe Mühe, seine Emotionen adäquat zu kontrollieren. Zwei
tens sei es im Nachgang zur Auffahrkollision mit einem HWS-Distorsionstraum
a
zu einem äusserst ungünstigen Verlauf mit einem
chronifizierten
cervikocephalen
Schmerzsyndrom
gekommen, welches durch die immer wiederkehrenden depres
siven Episoden begünstigt werde. Der Beschwerdeführer leide aktuell an belas
tungsabhängigen, vor allem rechts
seitigen
,
cervikozephalen
Beschwerden, an
Dysästhesien
und einem Brennen mit Ausstrahlung in beide Arme und in den Kopf, an ausgeprägten Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen und an rascher Ermüdbarkeit. Bei der Untersuchung zeige sich eine HWS in Streckhaltung mit allseits eingeschränkter Beweglichkeit (mehr rechts als links), neurologische Aus
fälle lägen keine vor (S. 2).
Aktuell bestehe beim Beschwerdeführer eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in sei
nen bisher ausgeübten Berufen (Hilfsarbeiter, Baustelle, Lüftungsmonteur). Bei einer weniger belastenden Arbeit sei hingegen eine Restarbeitsfähigkeit (bei
spielsweise in Berufen mit Kontakt zu Menschen [Service, Verkauf]) durchaus denkbar (S. 2).
3.2.2
In seinem Bericht vom
7. September 200
6 (Urk. 11/16/3) wies der Hausarzt auf die unveränderten Beschwerden des Besch
werdeführers hin. Letzterer habe be
gonnen,
im
Geschäft
des Schwagers
für Lüftungsinstallationen etwas mitzuhel
fen. Dabei handle es sich um einfache handwerkliche Verrichtungen, wobei der Beschwerdeführer zwischenzeitlich ein bis zwei Stunden pro Tag leichte Arbeiten ausführen könne. Wenn der Beschwerdeführer zu viel gemacht habe, so seien die Beschwerden wieder stärker und er benötige jeweils einige Tage Ruhezeit.
Insgesamt bestehe bei der doch etwas verbesserten Situation nach wie vor eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Da es dem Beschwerdeführer von psychischer Seite
besser
gehe
und
somit
die Motivation grösser sei, könne eventuell mittelfristig mit einer gewissen Arbeitsfähigkeit gerechnet werden.
3.3
Dr.
E._
stellte in seinem Gutachten vom 23. Mai 2007 (Urk. 11/24) folgende Diagnosen (S. 5):
-
Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0); Differentialdiagnose: leichte depres
sive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.01)
-
Status nach HWS
-Distorsionstrauma
am 27.03.2004 mit diversen Verletzun
gen
Dr.
E._
führte aus, der Beschwerdeführer wirke im Gespräch stimmungsmäs
sig leicht
gradig
b
edrückt und
sei in seinen Äusserungen
gelegentlich aggressiv, jedoch nie ausfällig. Der affektive Rapport sei mässig herstellbar, bei knapp ge
nügender affektiver Modulationsfähigkeit. Das formale Denken sei nur
gering
gradig
verlangsamt, jedoch logisch kohärent, wobei die Schmerzsymptomatik in
haltlich im Vordergrund stehe (S. 4).
Das Gespräch gestalte sich durchaus flüssig, wobei sich zu keiner Zeit depressive Hemmungen gezeigt hätten. Die leichten psychischen Symptome seien am ehes
ten mit einer Somatisierungsstörung zu vereinbaren, wobei auch die persistie
rende körperliche Symptomatik dazu passen würde. Trotz diverser therapeutischer Interventionen im ambulanten und stationären Bereich habe sich insbesondere die körperliche Symptomatik nicht sonderlich gebe
ssert. Differentialdiagnostisch sei eine leichte depressive Episode denkbar, wobei für diese Diagnose allerdings die Lust- und Energielosigkeit, der Verlust der Hoffnung sowie eine depressive Hemmung fehlten (S. 6).
Dr.
E._
hielt schliesslich
fest, dass der Beschwerdeführer aus rein psychiat
rischer Sicht für körperlich leichte sowie geistig und seelisch nicht allzu komplexe Tätigkeiten arbeitsfähig sei (S. 6).
4.
4.1
Im Zeitpunkt des Erlasses
der angefochtenen Verfügung vom 13. Februar 2018 (Urk. 2) präsentierte sich die medizinische Sachlage wie folgt:
4.2
Die
Z._
-Gutachter
Dr.
med.
F._
, Allgemeine Innere Medizin,
Dr.
med.
G._
, Neurologie FMH,
Dr.
med.
H._
, Orthopädische Chirurgie und Traumato
logie des Bewegungsapparates FMH,
Dr.
med.
I._
, Psychiatrie und Psychothe
rapie FMH, und Prof.
Dr.
med.
J._
gingen im Rahmen der zusammenfassenden
Konsensbeurteilung vom 14. September 2016 (Urk. 11/122/1-76 S. 62 ff.)
mit er
gänzender Stellungnahme vom 2
9.
November 2016 (
Urk.
11/126)
von folgenden Diagnosen aus (S. 69 f
.
):
-
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
keine
-
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Polytoxikomanie
mit Konsum von Kokain,
Cannabinoiden
, Alkohol sowie
Beikonsum
von Stimulanzien und Halluzinogenen (ICD-10 F19.2)
-
m
ögliche PTBS unklarer Ausprägung (ICD-10 F43.1)
Die Gutachte
r
hielten fest, dass die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in der zuletzt ausgeübten sowie
in
je
glicher vergleichbaren oder
einer anderen Tätigkeit des allgemeinen Arbeitsmarkts nicht als von einer instabil abstinenten Sucht hin
reichend abgrenzbaren Gesundheitsstörung gemindert anzusehen sei. Die derzeit angelaufene stationäre Behandlung sei in ihrem Ergebnis abzuwarten und eine zunächst für den Verlauf von weiteren sechs Monaten engmaschige Abstinenz-Kontrolle durchzuführen. Eine nochmalige psychiatrische Begutachtung sei in zirka sechs Monaten sinnvoll (S. 62).
Die Erwägung einer Sucht im Rahmen einer zugrundeliegenden PTBS (oder auch einer Persönlichkeitsstörung) sei aus Sicht der Gutachter grundsätzlich möglich, überwiegend wahrscheinliche Gründe hie
rfür seien jedoch kaum zu beleg
en, zu
mal für nahezu alle Suchterkrankungen auch eine externalisierende
Alibisierung
wesentlich sei. Immerhin sei der Beschwerdeführer jahrelang arbeitstätig und zu
letzt auch selbständig tätig gewesen, sodass eine schwerwiegende chronische De
pressivität oder eine namhafte, beeinträchtigende PTBS mit gravierendem Ein
fluss auf die Arbeitsfähigkeit nicht durchgehend habe
bestehen
können (S. 63).
Die
Z._
-Gutachter wiesen sodann darauf hin, dass die
angegebenen
Unfälle
des Beschwerdeführers
ohne eine belegte gravierende strukturelle Verletzung ein
hergegangen
seien
und somit für eine plausible Begründung einer anhaltenden Gesundheitsstörung und konsekutiver Arbeitsunfähigkeit nicht schlüssig aus
reichten
. Es sei weder eine zervikale strukturelle noch eine namhafte zerebrale Verletzung aktenkundig belegt (S. 63).
4.
3
Dr.
A._
ging in seinem psychiatrisch-psychotherapeutischen Gutachten vom 11. Juli 2017 (Urk. 11/145/1-47) von f
olgenden Diagnosen aus (
S. 42
):
-
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F61
.0
) mit
-
dissozialen, somatoformen, narzisstischen, impulsiven und
histrioni
schen
Anteilen
-
gegenwärtigem Konsum von Alkohol, Tabak,
Cannabinoiden
und Ko
kain bei
multiplem Substanzgebrauch (
A
lkohol, Tabak,
Cannabinoiden
,
Kokain
, Amphetamine, E
c
stasy, Thai-Pillen, Tabak
;
ICD-10 F19)
-
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F32.4/F33.4)
-
Verdacht auf PTBS (ICD-
10
F43.1)
Der psychiatrische Gutachter führte aus, dass als
Ausdruck der Persönlichkeits
störung speziell der langjährige (
un
-)regelmässige Gebrauch multipler
Substan
zen zu beachten sei, wobei der Konsum versicherungspsychiatrisch als sekundär einzuordnen sei. Dieser habe sich parallel zu anderen Zeichen der Persönlich
keitsstörung (verminderte Kritik-, Anpassungs- und Durchhaltefähigkeit, Miss
trauen, manipulatives Verhalten, geringes Engagement, geringe Motivation) ent
wickelt. Spezifische therapeutische Massnahmen seien in Form von Entzugsthe
rapien ab 2013 (zumindest teilweise) erfolgreich unternommen worden, wobei die Motivation des Beschwerdeführers zur dauerhaften Abstinenz von nicht ärztlich verordneten psychotropen Substanzen nur eingeschränkt vorhanden sei.
M
edizi
nisch
sei die Abstinenz hi
n
gegen
zumutbar und tatsächlich möglich (S. 27 f.).
Die ICD-10 Kriterien (F32.4/F33.4
)
einer eigenständigen depressiven Episode seien nicht (mehr) erfüllt
und könnten auch nicht (mehr) aufgrund der Angaben in den Akten bestätigt werden. Der Schweregrad erreiche nicht das notwendige Ausmass und es bestünden auch keine der Symptome in ausreichender Schwere beziehungsweise Dauer. Die in den Akten postulierte depressive Störung sei re
mittiert und könne nicht als eigenständige Störung mit Krankheitswert bestätigt werden. Depressive Symptome seien im Fall des Beschwerdeführers Ausdruck sei
ner Überforderung aufgrund der Persönlichkeitsmerkmale (beispielsweise narziss
tisches Selbstverständnis, geringe Frustrationstoleranz; S. 28).
Im Weiteren führte Dr.
A._
aus, dass der Verdacht auf eine PTBS (ICD-10 F43.
1) nicht bestätigt werden könne.
E
ntsprechende objektive psychopathologi
sche Befunde (beispielsweise andauerndes Gefühl von
Betäubtsein
, emotionale Stumpfheit, Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen, Teilnahmelosigkeit der Umgebung gegenüber, vegetative Über
er
regtheit mit
Vigilanzsteigerung
, übermässige Schreckhaftigkeit)
seien
nie beschrieben worden und aktuell auch nicht vorhanden.
Mit Bezug auf
das
eine
PTBS auslösende belastende
Ereignis mit aussergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophalem Ausmass lägen nur spe
kulative Informationen aufgrund der Selbstauskünfte des Beschwerdeführers vor
und auch in den Akten würden nur Formulierungen ohne konkreten substanziel
len Bezug zur tatsächlichen Lebensgeschichte des Beschwerdeführers verwendet
. Die in diesem Zusammenhang
vom Beschwerdeführer benannten (subjektiven)
Beschwerden könnten nicht hinreichend von den (objektiven) Befunden einer Persönlichkeitsstörung
(narzisstische und
histrionische
Anteile)
abgegrenzt wer
den
(S. 28 ff.)
.
Dr.
A._
hielt weiter fest, eine allfällige somatoforme Störung (ICD-10 F45) respektive eine Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0) könne ebenso nicht (mehr) angenommen werden. Das bei einer somatoformen Störung erforderliche Charak
teristikum von hartnäckigen Forderungen nach medizinischen Untersuchungen trotz wiederholter negativer Erlebnisse und ärztlicher Versicherung, dass die Symptome nicht körperlich begründbar seien, liege beim Beschwerdeführer nicht vor. Das Schmerzsyndrom stehe sodann weder subjektiv noch objektiv im Zent
rum der Beschwerden und die körperlichen Missempfindungen würden vom Be
schwerdeführer regelmässig bewältigt. Im Weiteren seien Hinweise auf dauerhafte quälende Schmerzen und/oder schmerzbedingte Beeinträchtigungen der Bewe
gung in der aktuellen Untersuchung nicht vorhanden und seien in den Akten
auch
nicht beschrieben worden. Die
diesbezüglich vom Beschwerdeführer be
nannten (subjektiven) Beschwerden seien nicht hinreichend von den (objektiven) Befunden einer Persönlichkeitsstörung (somatoforme Anteile) abgrenzbar (S. 30 f.).
Die Gesundheitsschädigung des Beschwerdeführers erscheine konkret als eine kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F61.0), wobei die damit verbundenen objektiven psychopathologischen Befunde aus psychiatrisch-psychotherapeuti
scher Sicht gegenwärtig nicht ausgeprägt seien. Beim Beschwerdeführer stünden leichte Einschränkungen in den Bereichen Anpassung an Regeln/Routinen, Fle
xibilität/Umstellungsfähigkeit, Gruppenfähigkeit inklusive Konfliktlösungskom
petenz und Durchhaltefähigkeit im Vordergrund, wobei eine Willensanstrengung zur Bewältigung dieser Defizite aus psychiatrisch-psychotherapeutischer Sicht zumutbar und tatsächlich möglich sei (S. 31).
Von dieser Einschätzung könne medizin
isch-
theoretisch ab Jugendzeit respektive Einreise in der Schweiz im Jahr 1995 ausgegangen werden.
Die als Folge eines Auffahrunfalls zwischen 2004 und 2007 aufgetretene Somatisierungsstörung sei remittiert. Zur aktuellen Dekompensation in Form von Suchtverhalten mit an
schliessendem depressive
m
Syndrom sei es im September 2013 gekommen, aller
dings in einem nicht kritisch differenziert nachvollziehbaren Ausmass während eines unklaren Zeitraums. Gegenwärtig sei eine wesentliche Verbesserung des Gesundheitszustands festzustellen, da das depressive Syndrom remittiert sei, sich das Suchtverhalten verbessert habe und eine subjektiv erlebte verminderte Be
lastbarkeit im
Vordergrund des klinischen Bild
s
stehe (S. 32).
Dr.
A._
hielt weiter fest, dass die Persönlichkeitsstörung des Beschwerdefüh
r
ers nicht mit einer mittelschweren oder schweren psychischen Störung gleich
zusetzen sei, welche die Handlungs- und Willensfreiheit und/oder den Realitäts
bezug (fast) vollständig verunmögliche. Der Beschwerdeführer erfülle die Krite
rien der Kategorie vor allem durch seine erschwerte berufliche (Re-)Integration unter anderem aufgrund interaktioneller Defizite mit nachfolgenden depressiven Syndromen, Suchtverhalten und ve
rmindert erlebter Belastbarkeit
(S. 32).
Beim Beschwerdeführer
stehe
zudem
eine Verdeutlichungstendenz im Vorder
grund, wobei eine erhebliche, nicht krankheitsbedingte Diskrepanz zwischen sub
jektiver Schilderung der emotionalen und kör
perlichen Beschwerden einerseits und
dem beobachtbaren Verhalten und objektivierbaren psychopathologischen Befunden andererseits festzustellen sei (S. 34).
Im Weiteren hielt
Dr.
A._
fest
, dass eine wie beim Beschwerdeführer vorlie
gende maximal leicht ausgeprägte Persönlichkeitsstörung einen relevanten (krankheitsbedingten) Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit von 20 % Minderung (von 100 %) auf dem 1. Arbeitsmarkt habe. Für angepasste Tätigkeiten (Toleranz betreffend die interaktionelle
n Defizite) und für Tätigkeiten im Haushalt könne aus rein psychiatrisch-psychotherapeutischer Sicht keine Arbeitsunfähigkeit an
genommen werden. Die (gemäss beruflichem Werdegang bekannte) tatsächliche Leistungsfähigkeit von über 80 % (von 100 %) erkläre sich deshalb auch mit überwiegender Wahrscheinlich
keit
durch eine entsprechende Anpassung (und Toleranz) des Arbeitsumfelds. Von dieser E
inschätzung könne
medizinisch-theo
retisch ab Jugendzeit respektive Einreise in die Schweiz im Jahre 1995 ausgegan
gen werden. Eine Arbeitsunfähigkeit könne aus formalen Gründen während der vier vollstationären
Hospitalisationen
des Beschwerdeführers bestätigt werden (S. 34).
4.
4
In seinem Bericht vom 25. September 201
7 (Urk. 11/153/1-24) führte Dr.
B._
, der behandelnde Psychiater des Beschwerdeführers, folgende Diagnosen auf
(S. 23)
:
-
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
schwergradige
depre
ssive Episode ohne psychotische
Symptome (ICD-10 F33.2)
-
chronische schwere PTBS (ICD-10 F43.1)
-
gemischte dissoziative Störung (ICD-10 F44.7)
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F61.0)
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.40)
-
sekundäre Krankheiten:
-
Konsum von Alkohol, Tabak,
Cannabinoide
und Kokain (ICD-10 F19)
A
ufgrund der Resultate von mehreren beim Beschwerdeführer durchgeführten psychologischen Tests (Beck-Depressions-Inventar, SKID-II für DSM IV, PTSS 10
, Impact-
of
-Event-
Scale
)
ging der behandelnde Psychiater
von einer schweren de
pressiven Störung, einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit selbstunsiche
ren, zwangshaften, depressiven, paranoiden,
schizoiden, emotional instabilen
und antisozialen Anteilen, einem klinisch signifikanten Trauma sowie von ei
ner schweren PTBS aus
(S. 7
, S. 18,
S.
20,
S. 23
)
.
Dr.
B._
wies sodann
darauf hin
, dass die Suchtleiden als Gefühlsregulation respektive Bewältigung der Traumatisierungen zu betrachten seien (S. 24).
Aufgrund der vorliegenden Symptome (depressive Stimmungslage, Antriebsmin
derung und gesteigerte Ermüdbarkeit, vermindertes Denk-/Konzentrationsvermö
gen, vermindertes Selbstvertrauen/Selbstwertgefühl, Wertlosigkeitsgefühl, psychomotorische Hemmung, negative Zukunftsperspektiven, Ein-/Durchschlaf
störungen, Früherwachen, Morgenstimmungstief, gehemmte Psychomotorik,
Li
bidoverlust
, Leibgefühlsstörungen, Gefühl der Kraftlosigkeit, Flashback, Vermei
dungsverhalten, gemischte dissoziative Störungen, unterschiedliche Schmerzen) wirkten sich d
ie
Gesundheitsstörungen
des Beschwerdeführers
erheblich negativ auf
dessen
Leistungsvermögen
im Erwerbsleben aus
.
Dabei liege d
ie Arbeitsunfä
higkeit bei 100 %, wobei
d
er
Beschwerdeführer
auch nicht in der Lage sei, eine leichte Tätigkeit auszuüben (S. 24).
4.
5
Am 7. November 2017 nahm der psychiatrische Gutachter
Dr.
A._
Stellung zu den von der Beschwerdegegnerin im Schreiben vom 31. Oktober 2017 (Urk. 11/157/1) gestellten Fragen
. Dabei
wies er darauf hin
, dass der Beschwer
deführer im Rahmen eines Telefongesprächs mit einem Praxismitarbeiter am 21. Juni 2017 das Angebot für einen Dolmetscher eindeutig abgelehnt habe. Diese Ablehnung habe der Beschwerdeführer zu Beginn und im Verlauf der psychiatri
schen Exploration am 3. Juli 2017 nochmals ausdrücklich und mehrfach bestä
tigt. Die deutsche Sprachkompetenz des Beschwerdeführers sei zum Zweck der Untersuchung zudem auch objektiv ausreichend gewesen, weshalb ein ungestör
tes Gespräch geführt worden sei und differenzierte Angaben zur Vorgeschichte, den subjektiven Beschwerden und den objektiven Befunden hätten erhoben wer
den können
(Urk. 11/158 S. 2)
.
Im Zusammenhang mit dem Bericht
von Dr.
B._
vom 25. September 2017
(Urk. 11/153/1-24) führte Dr.
A._
aus, es bleibe bezüglich des Psychostatus unklar, von welchem Zeitpunkt oder aus welchem Zeitraum die genannten Symp
tome stammten; ob sie alle als regelmässig gleichzeitig
auftretend postuliert wor
den seien
und
ob insbesondere die für eine PTBS typischen Symptome (Flash
backs, Vermeidungsverhalten, Dissoziation) tatsächlich beobachtet oder aus den Akten übernommen respektive vom
Beschwerdeführer
genannt worden seien. Im Weiteren würden subjektive
Beschwerden
(Schlafstörungen, Früherwachen, Appetitlosigkeit, Morgenstimmungstief,
Libidoverlust
, Gefühl der Kraftlosigkeit, Schmerzen, Alpträume) und objektive Beschwerden nicht differenziert, sondern
lediglich
summarisch aufgeführt
(S.
3
)
.
Des Weiteren habe Dr.
B._
die von ihm gestellten Diagnosen weder mit noch ohne Bezug zum Klassifikationssystem beschrieben oder diskutiert. Die im Bericht zur Verfügung gestellten Informationen seien unklar und nicht hinreichend, um die formulierten Diagnosen aus fachärztlich psychiatrisch-psychotherapeutischer Sicht kritisch differenziert nachvollziehen zu können. Dr.
B._
habe d
er
im Gutachten vom 11. Juli 2017 festge
stellten
ICD-10-Kategorie F61.0
und de
m
Konsum von Alkohol, Tabak,
Cannabinoiden
und Kokain zugestimmt und die Einordnung diese
s
Konsums ebenfalls als sekundär bestätigt. Die
von der Exper
tise
abweichenden Einschätzungen (
namentlich
Diagnosen und Arbeitsfähigkeit) seien als persönliche Meinung der Fachperson zur Kenntnis zu nehmen, könnten aber aufgrund des Berichts nicht nachvollzogen und bestätigt werden (S.
3
f.).
4.
6
Am 23. Januar 2018 berichteten
Dr.
med.
K._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
,
und M. S
c
.
L._
,
Y._
, über den stationären Aufenthalt des Beschwerdeführers vom 14. Dezember 2017 bis 4. Januar 2018, wobei sie fol
gende Diagnosen nannten (Urk. 3/4 S. 1):
-
komplexe PTBS (ICD-10 F43.1)
-
emotional instabile Persönlichkeitsstörung: impulsiver Typ (ICD-10 F60.30)
-
Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F10.24)
-
p
sychische
und
Verhaltensstörungen durch Kokain: schädlicher Gebrauch, in geschütztem Rahmen abstinent (ICD-10 F14.1)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, in ängstlich agitierter Ausformung (ICD-10 F33.1)
-
Zielscheibe feindlicher Diskriminierung und Verfolgung (ICD-10 F60.5)
-
mehrfache ängstigende Erlebnisse in der Kindheit
(ICD-10 Z61.7)
-
Betroffensein
von Krieg und
sonstigen Feindseligkeiten in der Kindheit und Jugend (ICD-10 Z65.5)
-
Status nach
Pol
y
toxikomanie
, vor allem Kokain, Thai-Pillen und Ampheta
mine
Die
Y._
-Fachpersonen hielten fest, dass der Beschwerdeführer zu einem drit
ten Intervall stationär störungsspezifischer und
ätiologieorientierter
Traumathe
rapie
eingetreten sei
,
mit dem Ziel der stationären Entzugsbehandlung bei beste
hender Alkoholabhängigkeit (S. 4). Neben einer bisher schwer behandelbaren Suchtproblematik vor dem Hintergrund einer komplexen PTBS
bestehe
eine strukturelle Schwäche im Bereich der Selbststeu
erung und Affektregulation
, wel
che sich
a
ls Impulskontrollstörung
bislang besonders
in interpersonellen Situa
tion
en
negativ ausgewirkt habe. Der Beschwerdeführer habe im stationären Auf
enthalt eine durchgängige Abstinenz im geschützten Rahmen sowie an den Wo
chenenden gezeigt. In gegenseitiger Absprache sei kein weiteres Therapieintervall
geplant und der Beschwerdeführer trete in stabilem psychischen Zustand in die angestammten Verhältnisse nach Hause aus (S. 5 f.).
5.
5.1
Es ist
unbestritten
und aufgrund der vorhandenen Akten ausgewiesen
, dass in somatischer Hinsicht keine invalidenversicherungsrechtlich relevante Gesund
heitsstörung mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit vorliegt (vgl.
E. 4.2
hie
vor
). Strittig und zu prüfen ist jedoch, ob ein psychischer Gesundheitsschaden
besteht
, welche
r
eine rentenbegründende Beeinträchtigung der
Arbeits- und Er
werbsfähigkeit
nach sich zieht.
5.2
Das
psychiatrische
Gutachten
von Dr.
A._
vom
11. Juli 2017 (Urk. 11/145/
1-47)
mit ergänzender Stellungnahme vom
7.
November 2017 (
Urk.
11/158)
ent
spricht den praxisgemässen Anforderungen an den Beweiswert einer Expertise. So ist es für die streitigen Belange umfassend, gibt es doch Antwort auf die Frage nach dem Gesundheitszustand des Beschwerdeführers und der verbleibenden Ar
beitsfähigkeit. Es beruht sodann auf den notwendigen Untersuchungen in psy
chiatrischer Fachrichtung. D
er
Gutachter berücksichtigte detailliert die geklagten Beschwe
rden und setzte
sich damit auseinander (
S. 8 ff.
). Die Expertise wurde
alsdann
in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben, wobei sich d
er
Gut
achter zur
Krankheitsentwicklung äusserte
und Bezug auf die medizinischen
Vorakten
nahm
(
S. 2-17
).
Er setzte
sich insbesondere mit abweichenden Diagno
sen in Arztberichten auseinander und würdigte diese in nachvollziehbarer Weise (
S. 23 ff.
). Schliesslich leuchtet das Gutachten in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und die Schlussfolgerun
gen in der Expertise sind begründet.
In diesem Sinne ging
Dr.
A._
schlüssig von
einer kombinierten Persönlich
keitsstörung mit dissozialen, somatoformen, narzisstischen, impulsiven und
his
trionischen
Anteilen sowie Konsum
von
div
ersen
Suchtmittel
n
aus (S.
42
), wobei in der angestammten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 80 % respektive in einer
angepassten Tätigkeit eine solche von 100 % vorliegt (S. 46).
Die Expertise erfüllt demnach die praxisgemässen Kriterien an den Beweiswert eines ärztlichen Gut
achtens (BGE 125 V 351 E. 3a und BGE 122 V 157 E. 1c), weshalb für die
Ent
scheidfindung
darauf abzustellen ist.
5.3
5.3.1
An dieser Beurteilung vermag der Einwand des Beschwerdeführers, wonach bei der Begutachtung
durch Dr.
A._
kein
Dolmetscher beigezogen
worden sei
(Urk. 1 S. 13 f.)
, nichts zu ändern. Dr.
A._
wies in seinem Gutachten vom 11. Juli 2017 (Urk. 11/145/1-47) auf die kurdische Muttersprache des Beschwer
deführers hin und hielt fest, dass dessen Sprachkompetenz zum Zweck der
Ex
ploration
objektiv und subjektiv ausreichend sei. Die gesamte Untersuchung sei deshalb sowie auf den ausdrücklichen Wunsch und
mit
dem Einverständnis des Beschwerdeführers ohne Übersetzungshilfe durchgeführt worden (S. 1 f.
; vgl. auch Urk. 11/158 S. 2
).
In seiner Stellungnahme vom 7. November 2017
(Urk. 11/158)
wies
Dr.
A._
zudem
auf die
(unbestritten gebliebene
)
telefoni
sch
e
Ab
lehnung
des Beschwerdeführers betreffend das
Dolmetscherangebot
hin
(S. 2).
Abgesehen davon
finden sich
auch
in den Gutachten von Dr.
E._
vom 23. Mai 2007 (Urk. 11/24) und der
Z._
vom 14. September 2016 (Urk. 11/122/1-76) keine Hinweise auf den
Beizug
eines Dolmetschers
.
Vor die
sem Hintergrund
vermag der
Beschwerdeführer
aus dem Hinweis
, dass die seit Januar 2014 stattfindende Psychotherapie stets bei einem türkisch sprechenden Psychotherapeuten durchgeführt
und er anlässlich der
Y._
-
Hospitalisationen
von einem türkisch sprechenden Arzt
– was im
übrigen
den Berichten der
Y._
nicht zu entnehmen ist (
Urk.
11/70 S. 3,
Urk.
314 S. 2-4) -
betreut
worden sei (Urk. 1 S. 13),
nichts zu seinen Gunsten ableiten.
5.3.2
Betreffend das Vorbringen des Beschwerdeführers,
wonach
die von Dr.
A._
gestellten Diagnosen und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit in gros
sem Gegensatz zur Beurteilung der
behandelnden Ärzte der
Y._
und der Klinik
M._
stünden, welche
vo
n einer komplexen
und für die Suchtproblematik hauptverantwortliche
n
PTBS
ausgingen
(Urk. 1
S. 11
)
,
is
t Folgendes
zu bemerken
:
Die vom Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang angeführten Arztberichte (Urk. 11/83, Urk. 11/86/4-7, Urk. 11/98, Urk. 11/123/1-7, Urk. 11/133/1-4,
Urk. 11/15
3
)
wurden von
Dr.
A._
im Rahmen der Begutachtung respektive
der
Beantwortung der Rückfragen am 7. November 2017
berücksich
tigt (Urk. 11/145/1-47 S. 2-6,
S. 11-17
und S. 21-26
, Urk. 11/
158 S. 2-4), wobei der Gutachter
über mehrere Seiten hinweg
insbesondere
nachvollziehbar darlegte, weshalb
sich der Verdacht einer PTBS
nicht erhärtet
habe
und auch die Kriterien einer eigenständigen depressiven Episoden nicht (mehr) erfüllt seien
(Urk. 11/145/1-47 S.
26-30)
.
Bezüglich des Berichts von Dr.
B._
vom 25. Sep
tember 2017 (Urk. 11/153) ist zudem darauf hinzuweisen, dass
dieser nur gerade
21⁄2
Monate nach der gutachterlichen Untersuch
ung vom 3. Juli 2017
verfasst wurde und
darin
hauptsächlich
die
Resultate von mehreren vom Beschwerdefüh
rer
durchgeführten
Selbstbeurteilungstest
s
wiedergegeben w
e
rden (S. 3-
23
) und somit im Wesentlichen auf
die
subjektive
n
Angaben des Beschwerdeführers abgestellt
wird
.
Die von Dr.
B._
postulierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit
in jeglicher Tätigkeit (S. 24)
wird zudem nicht (substantiiert
) begründet.
Im Übrigen ist die Erfahrungstatsache
zu berücksichtigen, dass behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE
135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E.
3b/cc).
Des
Weiteren vermag auch der
Y._
-
Bericht vom 23. Januar 2018 (Urk.
3/4
)
an der gutachterlichen Beurteilung
von Dr.
A._
nichts zu ändern.
Die
Y._
-Fachpersonen
nannten im Wesentlichen die bereits aus der
4.
Hospi
talisation
des Beschwerdeführers bekannten Diagnosen (vgl.
Urk.
11/123/1), wo
bei sie neu bezüglich der rezidivierenden depressiven Episode von einer mittel- statt einer leichtgradigen Episode ausgingen, ohne allerdings
die Diagnose mit Befunden herzuleiten. Ferner
wiesen
sie
im Zusammenhang mit der PTBS
in pau
schaler Weise auf
Hyperarousal
, Angst, Schlafstörungen mit Albträumen sowie
Hypervigilanz
hin und legten nicht dar
, in welcher Weise und in welchem Um
fang der Beschwerdeführer dadurch konkret
im Alltag
beeinträchtigt
sei
(S. 3
). Sie
machten zudem keine Angaben betreffend die Arbeitsfähigkeit, sondern
erwähnten
lediglich
die Notwendigkeit
eine
r
Anmeldung zur IV-Rentenprüfung mit dem Ziel einer Unterstützung
bei der
beruflichen Eingliederung
(S. 5).
D
i
e stationäre Behandlung vom 14.
Dezember 2017 bis 4. Januar 2018
stellte
das dritte Intervall einer stationären
ätiologieorientierten
und störungsspezifischen Traumatherapie dar, wobei bei Austritt im Januar 2018 in gegenseitiger Abspra
che mit dem Beschwerdeführer kein weiteres diesbezügliches Therapieintervall geplant war
(S. 1, S. 5).
Bezüglich der im
Y._
-Bericht gestellten Diagnose
n
der Z-Kategori
e ist
alsdann
festzuhalten, dass solche
Belastungen
– auch wenn sie
rechtsprechungsgemäss nicht unter den Begriff des rechtserheblichen Gesund
heitsschadens fallen (
Urteil des Bundesgerichtes 9C_894/2015 vom 25. April 2016 E. 5.1 mit Hinweis auf 9C_537/2011 vom 28. Juni 2012 E. 3.1 mit weiteren Hin
weisen
)
-
als Faktoren
den Gesundheitszustand und das Leistungsvermögen eben
falls beeinflussen können
(Urteil des Bundesgerichts 8C_300/2017 vom
1.
Februar 2018 E. 5.3 unter Hinweis auf BGE 141 V 281 E. 4.3.2). Indessen finden sich
im
Y._
-Bericht keine näheren Angaben
dazu, inwiefern sich diese Faktoren res
sourcenhemmend auswirken würden.
6.
6.1
Mit
BGE 143 V 409 und
BGE 143 V 418 änderte das Bundesgericht se
ine bisherige Praxis insofern
, als es er
kannte, dass die für somato
forme Schmerzstörungen ent
wickelte Rechts
prechung, wonach in einem struk
turierten Beweisverfahren an
hand von Indikatoren die tatsächliche Arbeits- und Leistungsfähigkeit der be
troffenen Person zu ermitteln ist, künftig auf sämtliche psychischen Erkrankun
gen Anwendung findet.
Die aus ärztlicher Sicht aus psychiatrischen Gründen be
scheinigte
80
%
ige
Arbeits
fähigkeit in
angestammter
Tätigkeit respektive 100%ige Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit
ist daher anhand der Indikatoren
zu überprüfen (BGE 143 V 418 E.
6).
6.2
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei Vorliegen einer anhaltenden soma
toformen Schmerzstörung oder eines damit vergleichbaren psychosomatischen Leidens (BGE 141 V 281 E. 4.2) sind Indikatoren beachtlich, die das Bundesgericht wie folgt systematisiert hat (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad»
-
Komplex «Gesundheitsschädigung»
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen)
-
Komplex «Sozialer Kontext»
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Lei
dens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshindern
der äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Res
sourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschät
zen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2.1).
Beweisrechtlich entscheidend ist der Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4):
Der Indikator einer gleichmässigen Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen zielt auf die Frage ab, ob die diskutierte Ein
schränkung in Beruf und Erwerb (bzw. bei Nichterwerbstätigen im Aufgabenbe
reich) einerseits und in den sonstigen Lebensbereichen (z.B. Freizeitgestaltung) anderseits gleich ausgeprägt ist. Dabei ist das bisherige Kriterium des sozialen Rückzugs (wiederum) so zu fassen, dass neben Hinweisen auf Einschränkungen auch Ressourcen erschlossen werden; umgekehrt kann ein krankheitsbedingter Rückzug aber auch Ressourcen zusätzlich vermindern. Soweit
erhebbar
, empfiehlt sich auch ein Vergleich mit dem Niveau sozialer Aktivität vor Eintritt der Ge
sundheitsschädigung. Das Aktivitätsniveau der versicherten Person ist stets im Verhältnis zur geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit zu sehen (BGE 141 V 281 E. 4.4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1).
Die Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen, das heisst das Ausmass, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben vernachlässigt werden, weist (ergänzend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz unter dem Komplex «Gesundheitsschädigung») auf den tatsächlichen Leidensdruck hin. Dies gilt allerdings nur, solange das betreffende Verhalten nicht durch das laufende Versicherungsverfahren beeinflusst ist. Nicht auf fehlenden Leidensdruck zu schliessen ist, wenn die Nichtinanspruchnahme einer empfohle
nen und zugänglichen Therapie oder die schlechte Compliance klarerweise auf eine (unabwendbare) Unfähigkeit zur Krankheitseinsicht zurückzuführen ist. In ähnlicher Weise zu berücksichtigen ist das Verhalten der versicherten Person im Rahmen der beruflichen (Selbst-) Eingliederung. Inkonsistentes Verhalten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend gemachte Einschränkung sei anders begründet als durch eine versicherte Gesundheitsbeeinträchtigung (BGE 141 V 281 E. 4.4.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.2).
6.3
Mit Bezug auf den funktionellen Schweregrad erweist sich der Komplex Gesund
heitsschädigung in psychiatrischer Hinsicht als leichtgradig, da Gutachter Dr.
A._
die mit der kombinierten Persönlichkeitsstörung verbundenen objek
tiven psychopathologischen Befunde als nicht ausgeprägt qualifizierte
und beim Beschwerdeführer von leichten Einschränkungen in den Bereichen Anpassung an Regeln/Routinen, Flexibilität/Umstellungsfähigkeit, Gruppen- und Durchhaltefä
higkeit ausging
(
Urk. 11/145/1-47 S.
38 f.)
.
Was den Alkoholkonsum angeht, so ist dieser laut
Dr.
A._
als sekundär in Bezug auf die Persönlichkeitsstörung zu werten, indessen ist eine Abstinenz sowohl medizinisch zumutbar als auch mög
lich und für eine iv-rechtliche Relevanz fehlt es zudem am erforderlichen Schwe
regrad der Persönlichkeitsstörung als Grunderkrankung (vgl. Urteile des Bundes
gerichts 8C_906/2013 vom 23. Mai 2014 E. 2.2 und 9C_701/2012 vom 10. April 2013 E. 2 mit Hinweisen).
Hinsichtlich des
Indikators «Behandlungs- und Eingliederungserfolg» ist zu be
merken, dass
der Beschwerdeführer in der Zeit zwischen Juli 2014 und
Januar 2018
sechs
Mal in der
Y._
-Klinik respektive in der Klinik
M._
stationär behandelt
wurde
.
Eine ambulante psychologische Psychotherapie nahm
er
seit Januar 20
14
in Anspruch,
eine
Psychopharmakotherapie fand
im Zeitpunkt der Begutachtung
im Juli 2017
nicht statt
(
Urk. 11/70, Urk. 11/98, Urk. 11/1
3
3,
Urk. 11/142,
Urk. 3/4)
. Dr.
A._
wies darauf hin, dass die Persönlichkeitsstö
rung grundsätzlich
weiterhin
eine Indikation für eine regelmässige strukturierte fachärztliche psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung darstelle (
Urk. 11/145/1-47 S.
43).
Die seit Jahren wiederholt beanspruchten Behandlun
gen sprechen für einen mittelgradigen Lei
dens
druck.
Mit Bezug auf die
Wechselwirkungen der Diagnosen hielt Dr.
A._
fest, dass abgesehen von der kombinierten Persönlichkeitsstöru
ng keine weiteren eigen
ständige
n
(
versicherungsmedizinisch relevante
n
)
Störungen gemäss ICD-10 F be
gründet werden könnten (S. 42).
Was den Komplex «Persönlichkeit» betrifft,
so wies Dr.
A._
darauf hin, dass die Persönlichkeitsstörung im Fall des Beschwerdeführers nicht mit einer mittel
schweren oder gar schweren psychiatrischen Störung gleichzusetzen sei, welche die Handlungs- und Willensfreiheit und/oder den Realitätsbezug (fast) vollständig verunmögliche. Der Beschwerdeführer erfülle die Kriterien der Kategorie vor allem durch seine erschwerte berufliche (Re-)Integration unter anderem aufgrund interaktioneller Defizite. Eine soziale Verwahrlosung sei nicht vo
rhanden, viel
mehr sei der soziale Kontext objektiv geordnet und der Beschwerdeführer zeige soziales Interesse, pflege soziale Kontakte, nehme Termine wahr und engagiere sich in der Freiwilligenarbeit. Er beschreibe sodann die tatsächlichen Möglichkei
ten, seine Beschwerden mit entsprechendem Aufwand überwinden zu können und es seien persönliche Ressourcen (insbesondere gute Kommunikationsfähigkeit, angepasste soziale Kompetenzen, Haushaltsführung) genannt worden (
S.
32).
Beim sozialen Kontakt ist zu berücksichtigen
, dass der Beschwerdeführer zusam
men mit seinem Bruder lebt, von welchem er auch finanziell unterstützt w
ird
(S. 8)
. Den Tag verbring
t
der Beschwerdeführer
gemäss eigenen Angaben
unter
schiedlich
.
Er tr
ifft
sich mit Kollegen in einem Restaurant und trink
t
dabei Alko
hol. Manchmal schau
t
er fern, l
iest Zeitung oder spielt
Karten mit
Freunden
. Sel
ten geh
t
er fischen, wobei ihm für aufwändige Aktivitäten das Geld fehl
t
. Für das
N._
f
ährt
er freiwillig unregelmässig das
O._
-Taxi und beteilig
t
sich ab und zu an kurdischen Demonstrationen. Den Haushalt besorg
t
er zusammen mit seinem Bruder (S. 11
, S. 42
).
Im Zusammenhang mit der Kategorie «Konsistenz» ist zu bemerken, dass keine gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in Beruf und Erwerb einer
seits und in den sonstigen Lebensbereich
en
andererseits vorliegt. Der Beschwer
deführer trifft sich mit Kollegen ausserhalb d
er Wohnung, nimmt an Demonstra
tionen teil, engagiert sich in der Freiwilligenarbeit und beteiligt sich an der Haus
haltsführung (S. 11
, S. 45
).
Gemäss Dr.
A._
steht beim Beschwerdeführer so
dann eine Verdeutlichungstendenz im Vordergrund und es ist eine erhebliche, nicht krankheitsbedingte Diskrepanz zwischen subjektiver Schilderung der emo
tionalen (und körperlichen) Beschwerden einerseits,
und d
em beobachtbaren Ver
halten
und
den objektivierbaren psychopathologischen Befu
nden andererseits festzustellen
(S. 44).
6.4
Im Lichte der obigen Erwägungen überzeugt unter Berücksichtigung der Stan
dardindikatoren die gutachterliche Einschätzung einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in angestammte
r
Tätigkeit respektive einer
solchen von 100 %
in einer angepass
ten Tätigkeit.
7.
7.1
Zu prüfen bleibt, wie sich die festgestellte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in erwerblicher Hinsicht auswirkt.
7.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog
. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
7.3
Bei der Invaliditätsbemessung kommt der allgemeinen Methode des Einkom
mensvergleichs gemäss
Art.
28a
Abs.
1 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG grundsätzlich Vorrang zu. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffern
mässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie indes nach Massgabe der
im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annähe
rungswerte miteinander zu vergleichen. Wird eine Schätzung vorgenommen, so muss diese nicht unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annähe
rungswerten bestehen. Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser Pro
zentzahlen genügen. Das ohne eine Invalidität erzielbare hypothetische Erwerbs
einkommen ist alsdann mit 100 % zu bewerten, während das Invalideneinkom
men auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt (sog. Prozentvergleich; Urteil des Bundesgerichts 8C_131/2011 vom 5. Juli 2011 E. 10.2.1 mit Hinweis auf BGE 114 V 310 E. 3a).
Diese Berechnungsweise ist insbesondere anwendbar, wenn die konkreten Ver
hältnisse so liegen, dass die Differenz zwischen Validen- und Invalideneinkom
men die für den Umfang des Rentenanspruchs massgebenden Grenzwerte von 70, 60, 50 und 40 % (Art. 28 Abs. 2 IVG) eindeutig über- oder unterschreitet (Urteil des Bundesgerichts 8C_333/2013 vom 11. Dezember 2013 E. 5.3 mit Hinweisen).
7.
4
Gemäss IK-Auszug vom 2. März 2017 (Urk. 11/134) erzielte der Beschwerdeführer
bei Baba S in Winterthur
zwischen August 2011 und Juni 2014 ein
Validene
in
kommen
von Fr. 80'620.--, was einem durchschnittlichen Monatseinkommen von Fr.
2'601.
--
entspricht
.
Gemäss
Angaben des Beschwerdeführers vom 10. Februar 2014
erzielte
er bei
P._
GmbH
als Servicemitarbeiter einen Monatslohn von Fr. 3'683.-- (Urk. 11/55 S. 4 Ziff. 5.4)
.
Dem Beschwerdeführer ist laut gut
achterlicher Feststellung die angestammte Tätigkeit als Servicemitarbeiter in einem Pensum von 80
%
weiterhin zumutbar. Ein Prozentvergleich (E. 7.3) - un
abhängig vom zugrunde gelegten Einkommen - ergibt daher einen rentenaus
schliessenden Invaliditätsgrad von 20
%
. Auch ausgehend von der gutachterlich festgestellten vollen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit ergibt sich kein Rentenanspruch. Denn selbst bei einer Gegenüberstellung
eines
zugunsten des Be
schwerdeführers höchstmöglichen
Valideneinkommens
als Servicemit
-
arbeiter
ge
mäss Tabellenlohn von
Fr.
4‘035.-- mit dem Invalideneinkommen für eine Hilfs
tätigkeit im Dienstleistungssektor von
Fr.
4'971.-- (LSE 2014, Monatlicher Bruttolohn [Zentralwert] nach Wirtschaftszweigen, Kompetenz
-
niveau
und Ge
schlecht, Privater Sektor, Tabelle TA1_tirage_skill_level, Sektor 3 Dienstleistun
gen,
Ziff.
45-96, Kompetenzniveau 1, Männer) resultierte keine Erwerbseinbusse.
Demnach ist die Beschwerde abzuweisen.
8
.
8.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streit
wert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entspre
chend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem unterliegenden Beschwerdefüh
rer aufzuerlegen.
8.2
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche
Verbeistän
dung
notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Da der vorliegende Prozess nicht als von vornherein aussichtslos bezeichnet wer
den kann und der Beschwerdeführer bedürftig ist (Urk.
9
), ist ih
m
antragsgemäss (Urk. 1 S. 2) die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen. Die d
em
Beschwer
deführer auferlegten Gerichtskosten sind demnach einstweilen auf die Gerichts
kasse zu nehmen.
Da zudem die anwaltliche
Verbeiständung
notwendig ist, ist Rechtsanwältin
Ur
sula Reger-
Wyttenbach
, Horgen
, als unentgeltliche Rechtsvertreterin de
s
Be
schwerdeführer
s
zu bestellen
und nach Einsicht in die Kostennote vom 28. Mai 2019 (Urk. 14) mit Fr. 2'131.60 (inkl. Barauslagen und
MWSt
) aus der Gerichts
kasse zu entschädigen.
D
er
Beschwerdeführer wird auf § 16 Abs. 4 des Gesetzes über das Sozialversiche
rungsgericht (
GSVGer
) aufmerksam gemacht.