# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** a25c149b-6628-482a-bd13-671f2d24a4e8
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Die im Handelsregister des Kantons Zürich eingetragen gewesene
A._
AG war der Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, Aus
gleichskasse, als beitragspflichtige Arbeitgeberin angeschlossen
(vgl.
Urk.
9/2-3)
und fiel am 30. September 2011 in Konkurs
(
Urk.
3/6 S. 1)
. Das Konkursverfahren wurde am 16. Januar 2012 mangels Aktiven eingestellt (
Urk.
3/6 S. 1
).
Z._
war vom 29. Juni 1999 bis 13. März 2006 als Mitglied des Ver
waltungsrates mit Kollektivunterschrift zu
zweien der
Konkursitin
eingetra
gen. Am 5. Juli 2006 erfolgte der Eintrag von
Z._ als Verwal
tungs
rats
mitglied mit Einzelunterschrift.
Alsdann
amtete
er
von 11. Juli 2007 bis 20. September 2011 als Verwaltungsratspräsident.
X._
war vom 11. Juli 2007 bis 18. April 2011 als Mitglied des Verwaltungsrates im Han
delsregister einge
tragen. Ihr folgte am selben Tag
Y._
. Dessen Ein
trag als Ver
waltungsratsmitglied wurde am 20. September 2011 wieder gelöscht (
Urk.
3/6 S. 2
).
Mit Verfügungen vom 27. Februar 2013 forderte die Ausgleichskasse von
X._
und
Y._
in solidarischer Haftung untereinander und zusammen mit
Z._
Schadenersat
z für entgangene Sozialversiche
rungsbeiträge sowie Verwaltungskosten, Verzugszinsen und Gebühren in der Höhe von total Fr. 87‘109.25 (Urk.
9/316, Urk. 9/320,
Urk.
9/323), wogegen diese am 1
5.
April 2013 jeweils Einsprache
erhoben
(
Urk.
9/327-3
29
).
Die Einsprache von
Z._
wies die Ausgleichskasse mit Entscheid vom 8. April 2015 ab (
Urk.
9/353). Mit
Einspracheentscheiden
vom selben Tag hiess sie die Einsprache von
X._
und
Y._
teilweise gut und stellte fest, dass
X._
Schadenersatz in der Höhe von
Fr. 75‘000.--
und
Y._
Schadenersatz in der Höhe von
Fr. 87‘089.25
zu leisten habe (Urk. 2, Urk. 2 im Prozess AK.2015.00021)
.
2.
Gegen die sie betreffenden
Einspracheentscheide
erhoben
Y._
und
X._
mit Eingaben vom 9. beziehungsweise 11. Mai 2015 jeweils Beschwerde und beantra
gten deren ersatzlose Aufhebung
.
Y._
liess zudem beantragen, dass
seine
Schadenersatzverpflichtung
eventualiter auf den Betrag von
Fr.
9‘128.35 (Beitragsperiode Mai 2011 bi
s Ende August 2011) zu beschrän
ken sei (Urk. 1,
Urk.
1 im Prozess AK.2015.00021).
Mit Gerichts
verfügung vom 26. Mai 2015 (Urk. 6) wurde der Prozess AK.2015.00021 in Sachen
Y._
mit dem vorliegenden Prozess AK.2015.00020 in Sachen
X._
vereinigt und unter dieser Pro
zessnummer weitergeführt. Das Ver
fahren AK.2015.00021 wurde als dadurch erledigt abgeschrieben. Dessen Akten wurden als Urk. 5/0-5 zu d
en Akten dieses Prozesses genom
men.
Am 26. Juni 2015 erstattete die Besch
werdegegnerin die Beschwerdeant
wort und beantragte Abweisung der Beschwerden (Urk. 8, unter Beilage ihrer Akten, Urk. 9/1-359).
Mit Gerichtsverfügung vom
6.
Juli 2015 wurde
Z._
zum Prozess beigeladen. Zudem wurde den Beschwerdefü
hrenden das Doppel der Beschwer
deantwort vom 2
6.
Juni 2015 (
Urk.
8) zur Kenntnisnahm
e zugestellt (
Urk.
10
).
Der Beigeladene nahm am
5.
September 201
5
Stellung (
Urk.
12), wovon die
übrigen Verfahrensbeteiligten in Kenntnis gesetzt wurden (
Urk.
13).
3.
Auf die Vorbringen der
Verfahrensbeteiligten
und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 52 Abs. 1
des
Bundesgesetzes üb
er die Alters- und
Hinterlassen
en
versicherung
(AHVG)
hat ein Arbeitgeber, der durch absichtliche oder
grob
fahrlässige
Missachtung von Vorschriften der Versicherung einen Schaden zufügt, diesen zu ersetzen. Handelt es sich beim Arbeitgeber um eine juristische Person, so haften subsidiär die Mitglieder der Verwal
tung und alle mit der Geschäfts
führung oder Liquidation befassten Personen. Sind mehrere Personen für den gleichen Schaden verantwortlich, so haften sie für den ganzen Schaden solidarisch (Art. 52 Abs. 2 AHVG).
1.2
Die Vorschriften über die Arbeitgeberhaftung nach
Art.
52 AHVG sowie die dazu entwickelte Rechtsprechung des Bundesgerichts finden mangels eigener Bestimmungen sinngemäss Anwendung auf die Invalidenversicherungs- (
Art.
66 des Bundesgesetzes über die Invalidenvers
icherung), Er
werbsersatz
- (
Art.
21
Abs.
2 des Bundesgesetzes über
den Erwerbsersatz für Dienstleistende und bei Mutterschaft) und Arbeitslosenversicherungsbeiträge
(
Art.
6 des Bun
desgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolven
z
entschädigung
)
sowie auf jene
an die Familienausgleichskassen (FAK) gemäss dem Bundesgesetz über die Familienzulagen (
Art.
25
lit
. c).
2.
2.1
2.1.1
Voraussetzung für eine Haftung nach Art. 52 AHVG ist zunächst das Vorliegen eines Schadens. Dieser besteht darin, dass der AHV ein ihr gesetzlich geschul
deter Beitrag entgeht. Die Höhe des Schadens entspricht dabei dem Betrag, dessen die Kasse verlustig geht (Thomas Nussbaumer, Die Ausgleichskasse als Partei im Schadenersatzprozess nach Artikel 52 AHVG, ZAK 1991 S. 383 ff. und 433 ff.). Verwaltungs- und Betreibungskosten, Veranlagungs- und Mahnge
bühren sowie die Verzugszinsen bilden Bestandteil des Schadens, welcher der Ausgleichskasse zu ersetzen ist (BGE 121 III 382 E. 3bb; vgl. auch BGE 109 V 95 oben, 108 V 189 E. 5). Im Hinblick auf die in Art. 14 Abs. 1 AHVG normierte Beitrags- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers gehören auch die
Arbeitge
berbeiträge
zum massgeblichen Schaden (BGE 98 V 26 E. 5).
2.
1.
2
Der Schaden gilt als eingetreten, sobald anzunehmen ist, dass die geschuldeten Beiträge aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen nicht mehr erhoben wer
den können (BGE 126 V 443 E. 3a, 121 III 382 E. 3bb, 388 E. 3a, je mit Hin
weisen). Dies trifft dann zu, wenn die Beiträge im Sinne von Art. 16 Abs. 1 AHVG verwirkt sind (vgl. beispielsweise BGE 112 V 156, 98 V 26) oder wenn ihre Entrichtung wegen Z
ahlungsunfähigkeit des beitrags
pflichtigen Arbeitge
bers nicht mehr möglich ist (vgl. beispielsweise BGE 121 V 234, 240). Im ersten Fall gilt der Schaden als eingetreten, sobald die Beiträge verwirkt sind (BGE 123 V 12 E. 5b, 170 E. 2a, 112 V 156 E. 2, 108 V 189 E. 2d, je mit Hinweisen)
. Im zweiten Fall gilt der Scha
denseintritt als erfolgt, sobald di
e Beiträge wegen der Zahlungsun
fähigkeit des Arbeitgebers nicht mehr im ordentlichen Verfahren nach Art.
14 ff. AHVG erhoben werden kön
nen (BGE 123 V 12 E. 5b, 170 E. 2a, 121 III 382 E. 3bb, 113 V 256, 112 V 156 E. 2).
2.
2
2.
2
.1
Die
Schadenersa
tzforderung
wurde anhand der Kassenakten (Urk. 9/1-359) in Verbindung mit dem Konto-Auszug und der Beitragsübersicht der
Beschwerde
gegnerin
vom 3
0.
März 2015 (
Urk.
3/2,
Urk.
5/3/2)
substantiiert dargelegt.
Der Schaden von total
Fr.
87‘109.25 setzt sich aus den unbezahlt gebliebenen
Akontobeiträgen
Oktober 2010 (inkl. Nebenkosten) von Fr.
2‘787.70, November 2010 von
Fr.
5‘268.35, Dezember 2010 von Fr.
5‘248.35, Januar 2011 von Fr.
5‘434.15, Februar 2011 von Fr.
5‘434.15, April 2011
(inkl. Nebenkosten)
von
Fr.
2‘975.90
, Mai 2011 (inkl. Nebenkosten) von
Fr.
2‘965.90, Juni 2011 (inkl. Nebenkosten) von 2‘423.85, Juli 2011 (inkl. Nebenkosten) von
Fr.
2‘887.90 und August 2011 von
Fr.
855.70 sowie der un
bezahlt gebliebenen Ausgleichsrech
nung für das Jahr
2010 (inkl. Verzugs
zinsen) von
Fr.
50‘827.30 zusammen (vgl. Pos. 2010 0016 bis Pos. 2012 0002 des Konto-Auszugs [
Urk.
3/2,
Urk.
5/3/2]).
2.
2
.2
In
masslicher
Hinsicht blieb die Schadenersatzforderung unbestritten. Dies gilt auch für
die Verrechnung der
aus de
m
Ausgleich der Lohnbeiträge
Januar bis September 2011
mit den für das ganze Jahr 2011 in Rechnung gestellten
Lohn
beiträge
n
resultierende
n
Gutschrift
(
Urk.
2,
Urk.
5/2, jeweils
Ziff.
3b
;
vgl.
Pos. 2012 0002
des Konto-Auszugs vom
30. März 2015 [
Urk.
3/2,
Urk.
5/3/2]
; vgl. Urteile des Bundesgerichts H 100/01 vom
5.
April 2002 E. 4d und H 326/03 vom 31.
August 2004 E. 3.3.2 mit weiteren Hinweisen).
Hierbei ist auch zu be
rücksichtigen, dass die im Konto-Auszug
vom 30.
März 2015
auf
geführten Lohnbeiträge September bis Dezember 2011 (Pos.
2011 0011 bis 0014 des Konto-Auszugs
[
Urk.
3/2, Urk. 5/3/2]
) erst nach der Konkurseröffnung über die
A._
AG vom
3
0.
September 2011 (
Urk.
3/6
S. 1
) zur Zahlung fällig gewesen wären (Art.
34
Abs.
3 Satz 1
der Verordnung über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
[AHVV]
). Mit der Verrechnung gemäss den angefochtenen
Einspracheentscheiden
vom 8.
April 2015 (
Urk.
2,
Urk.
5/2, jeweils
Ziff.
3b) sind diese Beitragsrechnungen ausgeglichen
(Pos. 2011 0011 bis 0014 des Konto-Auszugs [Urk.
3/2, Urk. 5/3/2])
.
2.
2
.3
Hinsichtlich Beschwerdeführerin 1 reduzierte die Beschwerdegegnerin die Scha
denersatzforderung m
it angefochtenem
Einspracheentscheid
vom
8.
April 2015
, weil
diese
per 1
8.
April 2011 aus dem Ver
waltungsrat der
Konkursitin
ausge
treten sei
und damit
in der Folge
nicht mehr über deren Ver
mögen habe verfü
gen können
, auf
Fr.
75‘000.-- (
Urk.
2 S. 3).
Sie verneint damit eine Haftung der Beschwerdeführerin 1 für die unbezahlt gebliebenen
Akontobeiträge
April bis August
2011
(inkl. Nebenkosten)
von total Fr. 12‘109.25 (vgl. E.
2.2.1 vorste
hend).
Betreffend
Beschwerdeführer 2 reduzierte
die Beschwerdegegnerin
ihre Scha
denersatzforderung
mit angefochtenem
Einspracheentscheid
vom
8.
April 2015
um die am 2
7.
September 2011 in Rechnung gestellten Betreibungskosten von total Fr. 20.-- (Pos. 2011 0005 f. des Konto-Auszugs [Urk. 5/3/2]) auf Fr. 87‘089.25, da dieser per 2
0.
September 2011 aus dem Verwaltungsrat der
Konkursitin
ausgetreten sei, weshalb er
danach
nicht mehr über deren Ver
mö
gen habe verfügen können (
Urk.
5/2 S. 3).
3.
3.1
Art. 14 Abs. 1 AHVG und die Art. 34 ff.
AHVV
schreiben vor, dass der Arbeitgeber bei jeder Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträg
e in Abzug zu bringen und zusam
men mit den Arbeitgeberbeiträgen der Ausgleichskasse zu entrichten hat. Die Arbeitgeber haben den Ausgleichskassen periodisch Abrechnungsunterlagen über die von ihnen an ihre Arbeitnehmer ausbezahlten Löhne zuzustellen, damit die entsprechenden paritätischen Beiträge ermittelt und verfügt werden können. Die Beitragszahlungs- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers ist eine gesetzlich vorgeschriebene
öffentlichrechtliche
Aufgabe. Die Nichterfüllung dieser
öffentlichrechtlichen
Aufgabe bedeutet eine Missachtung von Vorschriften im Sinne von Art. 52 Abs. 1 AHVG und zieht die volle Schadendeckung nach sich (BGE 118 V 193 E. 2a; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
3.2
Dem
Konto-Auszug der Beschwerdegegnerin
vom 3
0.
März 2015
(
Urk.
3/2, Urk. 5/3/2)
ist
insbesondere
zu entnehmen, dass die
Konkursitin
seit ihrem Anschluss bei der Beschwerdegegnerin i
m Jahr 1999 die Sozialversiche
rungs
beiträge - soweit ersichtlich - nur
vereinzelt
fristgerecht bezahlt hat und
wiederholt
gemahnt
und betrieben
werden musste
sowie
Verzugszinsen
zu bezahlen hatte
.
Es blieben
Sozialversicherungsbeiträge (inkl. Nebenkosten) im Umfang von total Fr. 87‘109.25
unbezahlt
. Hinsichtlich der Nichteinhaltung von Abrechnungspflichten ist namentlich darauf hinzuweisen, dass die
Jahresab
rechnung
2010
vom
8.
Februar 2011 datiert und
be
i der Beschwerdegegnerin erst
2
8.
Februar
2011 eingegangen ist (
Urk.
9/259, Aktenverzeichnis zu Urk. 9/1-359)
und damit verspätet
erstellt wurde
(vgl.
Art.
36
Abs.
2 und 3 AHVV).
Damit ist die
Konkursitin
ihre
n Pflichten als Arbeit
geberin nicht nachgekom
men und hat
öffentlichrechtliche
Vorschrif
ten missachtet.
Zu prüfen bleibt, ob und inwieweit der dadurch entstandene Schaden auf quali
fiziert schuld
haftes Verhalten der Beschwerde
führenden zurückzuführen ist.
4.
4.
1
4.1.1
Die wesentliche Vorau
ssetzung für die Schadenersatz
pflicht besteht nach dem Wortlaut des Art.
52 AHVG darin, dass der Arbeit
geber absichtlich oder
grob
fahrlässig
Vorschriften verletzt hat und dass durch diese Missachtung ein Scha
den verursacht worden ist (BGE 108 V 183 E. 1a). Absicht beziehungsweise Vorsatz und Fahrlässigkeit sind verschiedene Formen des Verschuldens. Art. 52 AHVG statuiert demnach eine Verschuldenshaftung, und zwar handelt es sich um eine Verschuldenshaftung aus öffentlichem Recht. Die Schadenersatzpflicht ist im konkreten Fall nur dann begründet, wenn nicht Umstände gegeben sind, welche das fehlerhafte Verhalten des Arbeitgebers als gerechtfertigt erscheinen lassen oder sein Verschulden im Sinne von Absicht oder grober Fahrlässigkeit ausschliessen. In diesem Sinne ist es denkbar, dass ein Arbeitgeber zwar in vorsätzlicher Missachtung der AHV-Vorschriften der Ausgleichskasse einen Schaden zufügt, aber trotzdem nicht schadenersatzpflichtig wird, wenn beson
dere Umstände die Nichtbefolgung der einschlägigen Vorschriften als erlaubt oder nicht schuldhaft erscheinen lassen (BGE 108 V 183 E. 1b; ZAK 1985 S. 576 E. 2 und S. 619 E. 3a).
4.1.2
Nicht jedes einem Unternehm
en als solchem anzulastende Ver
schulden muss auch ein solches seiner sämtlichen Organe sein. Vielmehr hat man abzuwägen, ob und inwieweit eine Handlung der Firma einem bestimmten Organ im Hin
blick auf dessen rechtliche und faktische Stellung innerhalb des Unternehmens zuzurechnen ist. Ob ein Organ schuldhaft gehandelt hat, hängt demnach ent
scheidend von der Verantwortung und den Kompetenzen ab, die ihm von der juristischen Person übertragen wurden (BGE 108 V 199 E. 3a; ZAK 1985 S. 620 E. 3b; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.5). Gehören dem Verwaltungsrat mehrere Per
sonen an, so ist für jede von ihnen einzeln zu prüfen, ob sie am Schaden der Ausgleichskasse ein Ver
schulden trifft. Obliegt die Ge
schäftsführung einem Mit
gl
ied des Verwaltungsrats, so han
deln weitere Mitglieder schuldhaft, wenn sie die nach den Umständen gebotene Aufsicht nicht ausüben. Setzt sich der Ver
waltungsrat aus nur zwei Mitgliedern zusammen, so beurteilen sich
insbeson
dere, wenn sie lediglich kollektiv unterschriftsberechtigt sind,
die Anforderun
gen an die gegenseitige Kontrolle nach einem strengen Massstab (in BGE 119 V 86 nicht publizierte E. 2c des Urteils des Bundesgerichts H 94/91 vom 4. März 1993, nicht veröffentlichte Urteile H 171/87 vom 7. Dezember 1987 und H
25/87 vom 4. August 1987).
4.1.3
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts
ist b
ei den nicht geschäftsführen
den Verwaltungsratsmitgliedern von Aktiengesellschaften entscheidend, ob sie
den ihnen obliegenden Kontroll- und Aufsichtspflichten nachgekommen sind. Nach Art. 716
a
Abs. 1 Ziff. 5
des Obligationenrechts (OR)
obliegt dem Verwal
tungsrat die Oberaufsicht über die mit der Geschäftsführung betrauten Perso
nen, namentlich im Hinblick auf die Befolgung d
er Gesetze, Statuten, Regle
mente und Weisungen. Gemäss dieser Bestimmung hat das Verwaltungsratsmitglied nicht nur die Pflicht, an den Verwaltungsratssitzungen teilzu
nehmen, sondern sich perio
disch über den Geschäftsgang zu informieren und bei Unrege
lmässig
keiten ein
zuschreiten (Urteil des Bundes
gerichts 9C_651/2012 vom 15. Mai 2013 E. 6.2 mit weiteren Hinweisen).
Zwar ist der nicht geschäftsführende Ver
waltungsrat nicht verpflichtet, jedes e
inzelne Geschäft der mit der Ge
schäfts
führung und Vertretung Beauftragten zu über
wachen, sondern darf sich auf die Überprüfung der Tätigkeit der Geschäftsleitung und des Geschäftsganges be
schränken. Dazu gehört, dass er sich laufend über den Geschäft
sgang infor
miert, Rapporte verlangt, sie sorg
fältig studiert, nötigenfalls ergänzende Aus
künfte einzieht und Irrtümer abzuklären vers
ucht. Ergibt sich aus diesen Infor
mationen der Ver
dacht falscher oder unsorgfältiger Ausübung der delegierten Geschäftsführungs- und Vertretungsbefugnisse, ist der Verwaltungsrat ver
pflichtet, sogleich die erforderlichen Abklärungen
und
Massnahmen
zu treffen (nötigenfalls durch
Beizug
von Sach
ver
ständigen) und eine genaue und strenge Kon
trolle hinsicht
lich der Beobach
tung gesetzlicher Vor
schriften auszuüben (BGE 114 V 219 E.
4a; Urteil des Bundesgerichts 9C_461/2009 vom 31. Dezem
ber 2
010 E. 5.3, je mit weiteren Hin
weisen).
4.1.4
Grobe Fahrlässigkeit liegt praxisgemäss vor, wenn ein Arbeitgeber das ausser Acht lässt, was jedem verständigen Menschen in gleicher Lage und unter glei
chen Umständen als beachtlich hätte einleuchten müssen. Das Mass der zu ver
langenden Sorgfalt ist abzustufen entsprechend der Sorgfaltspflicht, die in den kaufmännischen Belangen jener Arbeitgeberkategorie, welcher die betreffende Person angehört, üblicherweise erwartet werden kann und muss. Dabei sind an die Sorgfaltspflicht einer Aktiengesellschaft hinsichtlich der Einhaltung gesetz
licher Vorschriften grundsätzlich strenge Anforderungen zu stellen. Ähnlich ist zu differenzieren, wenn es darum geht, die subsidiäre Haftung der Organe eines Arbeitgebers zu ermitteln (BGE 108 V 199 E. 3a; ZAK 1985 S. 51 E. 2a, S. 620 E. 3b; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
4.2
4.2.1
Die Beschwerdeführerin 1
war vom 11. Juli 2007 bis 18. April 2011 als Mitglied des Verwaltungsr
ates der
Konkursitin
im Handelsregister einge
tragen (Sachver
halt,
Ziff.
1) und damit formelles Organ dieser Gesellschaft.
Sie macht im Wesentlichen geltend, dass ihr im Verwaltungsrat die Ressorts „Administration“,
„Personal“ (ohne Lohnwesen) sowie „Koordina
tion Mitarbeiter“ übertragen ge
wesen seien. Das Ressort „Finanzen“ sei Sache des Beigeladenen gewesen, welcher zur Abwicklung der Lohnbuchhaltun
g und Abrechnung der Sozialver
si
cherungsbeiträge ein Treuhandunternehmen beauftragt habe (
Urk.
1 S. 4).
Jedoch war die Beschwerdeführerin 1 auch bei einer solchen Aufgab
enteilung im Verwaltungsrat ver
pflichtet, mittels Kontrollen festzustellen, ob die
Konkur
sitin ihren Pflichten im Beitragswesen nachkommt
.
Nach der Recht
sprechung des Bundesgericht
s
trifft
einen
Verwaltungsrat
bei einer Aufgabenverteilung im Verwaltungsrat
dieselben Pflichten, wie
sie
einem nichtgeschäftsführenden Ver
waltungsrat
obliegen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts H
228/98 vom 2
5.
Juli 2000 E. 5b/
aa
; E.
4.1.3 vorstehend). Dazu gehört namentlich, dass sich das
Ver
waltungsratsmitglied
periodisch über den Geschäftsgang und über wichtige Geschäfte auch ausserhalb des ihm
zugewiesenen Ressorts informiert
(Urteil des Bundesgerichts H 228/98 vom 25.
Juli 2000 E. 5b/
aa
)
.
Die Beschwerdeführerin
1
kann sich mithin nicht
mit der Behauptung
entlasten, dass sie vom
Beigelade
nen
nie über
die konkrete Höhe der Beitragsausstände informiert worden
sei
(
Urk.
1 S. 4).
Eine
periodische Kontrolle
der Tätigkeit des Beigeladenen
hat nicht stattgefunden
.
Die Zahlungsschwi
erigkeiten und der schlechte Ge
schäftsgang der
Konkursitin
waren ihr auch ohne die Informationen durch den Beigeladenen bekann
t. Sodann wusste die Beschwerde
führerin 1
auch von
frühere
n
Schwie
rigkeiten der
Konkursi
tin
, die So
zialversicherungs
beiträge frist
gerecht zu bezahlen,
hat
te
sie doch
für diese
am 2
4.
April und 27.
Mai 2009 Zahlungsbe
fehle betreffend
in Betreibung gesetzte Sozialversicherungsbeiträge und Neben
kosten
in Empfang genommen (
Urk.
9/134-136
,
Urk.
9/142
).
Auch hatte
die Beschwerdeführerin
1
vom erheblichen Umsatzrückgang
im Jahr 2011
Kenntnis, zumal dies auch
die
von ihr
im Verwaltungsrat
geführten Ressorts betraf
(vgl. die Stellungnahme des Be
igeladenen vom
5.
September 2015
, Urk.
12 S. 1)
.
Daher hätte sich die
Beschwerdeführer
in 1
selbst Kenntnis über den
Ausstand zu bezahlender So
zialversicherungsbeiträge ver
sc
haffen und die notwendigen Mass
nahmen ergreifen müssen.
Bei einfachen und überschau
baren Verhältnis
sen
,
wie sie bei der
Konkursitin
bestanden - bei diese
r
waren, neben den Beschwer
deführe
nden und dem Beigeladenen, in den Jahren 2009 bis 2011 maximal 20 Mitarbeiter beschäftigt (
Urk.
9/193,
Urk.
9/259,
Urk.
9/301)
und vom 11. Juli 2007 bis 18. April 2011 waren die Beschwerdeführerin 1 und der Beigeladene die einzigen Verwaltungsräte
-, sind
zudem
praxisgemäss erhöhte Anforderungen an die Überwachung
zu
stellen
(Urteile des Bundesgerichts H
228/98 vom 25. Juli 2000 E. 5b/
aa
und H 112/03 vom 2. Novem
ber 2004 E.
3.5.2, je mit weiteren Hinweisen)
.
Bei fehlende
n
Fachkenntnissen betreffend Prüfung von Geschäftsbüchern und Beitragswesen hätte die Beschwerdeführerin
1 einen Fachma
nn beiziehen müssen. Die ihr ob
liegenden Pflichten durfte
die Beschwerdeführerin
1
nicht deswegen vernachlässigen, weil der Beigeladene ihr Ehemann
ist
(vgl. Urteil des Bundesgerichts H 228/98 vom 25. Juli 2000 E.
5b/
aa
).
Schliesslich vermag sich die Beschwerdeführerin 1 auch mit der
ange
blich
fehlen
den Kompetenz zur Auslösung von Zahlungen (
Urk.
1 S. 5) nicht zu entlasten (
vgl. Urteil des Bundesgerichts
H 112/03 vom 2. Novem
ber 2004 E.
3.5.2 mit Hinweis).
Nach dem Gesagten hat die Beschwerdeführerin 1 das ni
cht beachtet, was jedem verstän
digen Menschen in gleicher Lage und unter gleichen Umständen als beachtlich hätte einleuchten müssen, weshalb sie sich grobfahrlässig verhalten hat (E. 4.1.4 vorstehend).
4.2.2
Der Beschwerdeführer 2
, welcher vom
18. April
bis
20. September 2011 a
ls Ver
waltungsrat
formelles Organ der
Konkursitin
war,
bringt vor,
dass
bei der
Geschäfts
leitungssitzung vom 1
5.
Juli 2009 eine Zuteilung von Ressorts und Ve
rant
wortlichkeiten beschlossen worden
sei
, welche auch nach
seiner
Au
fnahme in den Verwaltungsrat unverändert geblieben sei (
Urk.
5/1 S. 3). Wie die Beschwerdeführerin 1 vermag sich allerdings auch de
r Beschwerdeführer 2
nicht mit der Aufgabenverteilung im Verwaltungsrat zu entlasten (E. 4.2.1 vor
ste
hend), denn auch bezüglich Beschwerdeführer 2 ist nicht ersichtlich, dass er sich über die Beitragsausstände informiert und Massnahmen zu deren Begleichung ergriffen hätte. Als ihn der Beigeladenen
da
rüber informierte
, dass im Jahr 2011 der Geschäftsgang rückläufig gewesen sei (
Urk.
5/1 S. 4), hätte er tätig werden müssen.
Alsdann sind weder die angeblich fehlende Kompetenz zur Auslösung von Zahlungen (E. 4.1.4) noch der Umstand
, dass der Beigelade
ne
der Vater des Beschwerdeführers 2 ist
(vgl.
Urteil des Bundesgericht vom H
382/00
vom 31. Juli 2001
E. 4)
, Entlastungsgründe.
Anzufügen
bleibt
, dass ein
Verwaltungs
ratsmitglied
mit der Mandatsübernahme in die Verantwortung sowohl für laufende als auch für die
bestehende Beitrags
schulden eintritt und für deren Bezahlung zu sorgen hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts H 228/98 vom 25. Juli 2000 E.
6
b
). Dies gilt auch im vorliegenden Fall, zumal der Beschwerdeführer 2 nicht vorbringt, dass die
Konkursitin
bereits bei seinem Amtsantritt im April 2011 ill
iquide
gewesen sei (vgl.
Urk.
5/1 S. 5; Urteil des Bundesgerichts H 63/04 vom 2
5.
Mai 2007 E. 6.5.1). Auch
der
Beschwerde
führer
2
handelte
somit
grobfahrlässig.
5.
5.1
Schliesslich setzt die Schadenersatzpflicht des Arbeitgebers nach Art. 52 Abs. 1 AHVG voraus, dass zwischen der absichtlichen oder grobfahrlässigen Missach
tung von Vorschriften und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausal
zusammenhang gegeben ist (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hinweisen auf die Lehre, 103 V 120 E. 4).
Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, e
inen Erfolg von der Art des ein
getretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolge
s also durch das Ereignis allge
mein als begünstigt erschei
nt (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hin
wei
sen; vgl. auch BGE 122 V 189 sowie 119
Ib
334 E. 3c).
5.2
Das vorwerfbare Verhalten führte zum Schaden der Beschwerdegegnerin. Wäre die
Konkursitin
unter der
Mitv
erantwortung de
r
Beschwerdeführenden
ihren
Zahlungs- und Abrechnungs
pflichten rechtzeitig
und vollständig
nachgekommen u
nd wären nur so
weit Löhne ausbezahlt worden, als die darauf geschuldeten Abgaben bei Fällig
keit hätten beglichen werden können, wäre der Schaden nicht eingetreten.
6.
Nach de
m
Gesagten sind die angefochtenen
Einspracheentscheide
, mit welchen die
Beschwerdeführenden zur
Leistung
von Schadenersatz verpflichtet worden sind, nicht zu beanstanden. Ihre Beschwerden sind daher abzuweisen.