# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 92c1d5f8-95da-5ccc-b4a5-d7802cf69c46
**Court:** AR_OG
**Chamber:** AR_OG_003
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** AR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt
A. Der am XX.XX.1958 geborene A. _ (nachfolgend: Beschwerdeführer) meldete sich
am 24. Mai 2007 erstmals wegen Burnout und Depression bei der Invalidenversicherung
zum Leistungsbezug an. Die damals zuständige Sozialversicherungsanstalt St. Gallen
gewährte ihm daraufhin berufliche Massnahmen, welche sie schliesslich mit Verfügung vom
6. Oktober 2011 erfolgreich abschliessen konnte (IV-act. 10.6).
B. Im August 2013 trat der Beschwerdeführer eine neue Vollzeitstelle als Facility Manager /
Bausekretär bei B. _ an. Sein Hausarzt Dr. C. _ überwies den Beschwer-
deführer nach Krankschreibung im Dezember 2015 für einen stationären Aufenthalt vom 7.
Januar bis 2. März 2016 in die Klinik D. _, wo eine rezidivierende depressive Stö-
rung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome sowie ein Erschöpf-
ungssyndrom diagnostiziert wurden. Der Beschwerdeführer berichtete den behandelnden
Ärzten, er leide seit dem Stellenantritt bei der B. _ unter einem ständigen Gefühl der
Überlastung und der Angst vor Nichterfüllung der Anforderungen. Er habe viel Überzeit an-
gehäuft, Ferien nicht bezogen und bis zu 14 Stunden täglich und teilweise 7 Tage die Wo-
che gearbeitet. Rückblickend habe er das Gefühl, die letzten zwei Jahre überhaupt nicht
gelebt zu haben. Im Verlauf des vom Beschwerdeführer absolvierten Behandlungs-
programms konnte eine befriedigende Stabilisierung des psychischen / physischen Zu-
standsbildes erzielt werden. Dem Beschwerdeführer wurde beim Austritt aus der Klinik ins-
besondere die Weiterbehandlung in einem teilstationären Setting zur alltagsnahen Belas-
tungserprobung empfohlen (IV-act. 5).
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C. Am 14. April 2016 reichte der Beschwerdeführer zum zweiten Mal eine Anmeldung wegen
Depression und Burnout bei der Invalidenversicherung ein (IV-act. 1). Die für den Be-
schwerdeführer inzwischen zuständige IV-Stelle Appenzell Ausserroden (nachfolgend: Vor-
instanz) holte daraufhin diverse Unterlagen bei behandelnden Ärzten sowie die Vorakten
bei der IV-Stelle St. Gallen ein. Im Juni 2016 kündigte die B. _ das Arbeitsverhältnis
mit dem Beschwerdeführer per Ende September 2016 (IV-act. 16). Beim Assessmentge-
spräch vom 23. Juni 2016 berichtete der Beschwerdeführer, es bestehe eine seit Mitte
Dezember 2015 andauernde Arbeitsunfähigkeit infolge Burnouts und Depression. Er habe
bereits zu Beginn der Anstellung bei B. _ mit den ihm übertragenen Aufgaben und
einem überladenen Jobprofil zu kämpfen gehabt, habe aber weder auf Unterstützung in
fachlicher Hinsicht noch auf Entlastung des Arbeitspensums zählen können. Nach dem sta-
tionären Aufenthalt in der Klinik D. _ habe sich sein psychischer Zustand inzwischen
deutlich gebessert, es werde aber wohl noch einige Zeit dauern, bis er wieder zu 100% ein-
satzfähig sei. Er sei an einer fachlichen Unterstützung im Hinblick auf seine berufliche Wie-
dereingliederung interessiert, auch wenn er sich im Moment noch nicht als arbeits- und be-
lastungsfähig ansehe (IV-act. 17).
D. Dr. E. _ vom RAD erachtete im Bericht vom 27. Juli 2016 die
Anspruchsvoraussetzungen für berufliche Massnahmen gestützt auf die medizinischen
Unterlagen als erfüllt und schlug eine schrittweise Eingliederung vor, allenfalls zunächst im
2. Arbeitsmarkt (IV-act. 21). Nach der Einholung weiterer Unterlagen empfahl Dr. E. _
im Bericht vom 28. September 2016 der Vorinstanz, bei Dr. C. _ nachzufragen, wie
hoch die aktuelle Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers sei und welche Empfehlungen er
allenfalls im Zusammenhang mit der Wiedereingliederung habe, nachdem aus
versicherungsmedizinischer Sicht nun der Zeitpunkt gekommen sei, mit Eingliederungs-
massnahmen nicht weiter zuzuwarten (IV-act. 31). Dr. C. _ berichtete am 29. Januar
2017, der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers habe sich verschlechtert, trotzdem
bestehe aber eine Arbeitsfähigkeit von 50% und der Beschwerdeführer sei auch weiterhin
aktiv auf Stellensuche, wobei er sich durch den Case Manager und Coach des RAV gut
betreut fühle. Durch das aktuelle therapeutische Programm sei der Beschwerdeführer
inzwischen in eine gute Struktur eingebunden, seine Aktivitäten würden aber seine der-
zeitige Leistungsfähigkeit ausschöpfen und er sehe deshalb nicht, in welcher Form zusätz-
liche Massnahmen der IV sinnvoll sein könnten, da solche eher die Gefahr erneuter Über-
forderung mit sich bringen würden (IV-act. 43). Auf Empfehlung des RAD hin (IV-act. 44)
führte die Vorinstanz mit dem Beschwerdeführer im Februar 2017 ein weiteres Gespräch,
um erneut seine Selbsteinschätzung und sein Interesse an beruflicher Eingliederung zu
klären. Der Beschwerdeführer erklärte nun, er fühle sich teilarbeitsfähig und sei gewillt, den
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Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess anzugehen. Er habe aber bereits vom RAV einen
Jobcoach zugeteilt bekommen, weshalb er im Moment keinen zusätzlichen Support durch
die IV-Stelle benötige (IV-act. 47).
E. Mit Schreiben vom 3. März 2017 teilte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer mit, sie ge-
währe ihm Beratung bei der Arbeitssuche im Rahmen der Frühintervention (IV-act. 48), auf
konkrete aktive Unterstützung wurde aber vorläufig verzichtet. Bei einer telefonischen
Nachfrage der Vorinstanz zum aktuellen Stand erklärte der Beschwerdeführer anfangs Mai
2017, er fühle sich weiterhin beim RAV gut aufgehoben, dort sei gerade die zweite Coach-
ingserie abgeschlossen worden und nun stehe ein Standortgespräch an. Eine zusätzliche
Unterstützung durch die IV-Stelle erübrige sich weiterhin (IV-act. 49). Nachdem die Vorin-
stanz sich in rund monatlichen Abständen wiederholt beim Beschwerdeführer nach dem ak-
tuellen Stand erkundigte (IV-act. 50, 51, 52, 53), informierte eine Mitarbeiterin des Kranken-
versicherers des Beschwerdeführers die Vorinstanz anfangs Januar 2018, dass in Rück-
sprache mit dem Beschwerdeführer, dessen Psychiater und dem RAV erneut ein Klinikauf-
enthalt des Beschwerdeführers in Erwägung gezogen worden sei (IV-act. 55).
Der Beschwerdeführer hielt sich schliesslich vom 12. Februar bis 7. April 2018 stationär in
der Klinik F. _ auf, wo bei ihm eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
schwere Episode ohne psychotische Symptome diagnostiziert wurde. Die behandelnden
Ärzte stellten im Verlauf der Behandlung eine leichte Besserung und Stabilisierung der
Symptomatik fest, die Belastbarkeit des Beschwerdeführers sei jedoch weiterhin reduziert.
Beim Austritt wurde zur Sicherstellung einer Tagesstruktur die Wiederaufnahme des Be-
schäftigungsprogramms beim RAV sowie die Fortführung der ambulanten Therapie
empfohlen (IV-act. 63).
Die Vorinstanz holte in der Folge erneut eine Stellungnahme beim RAD ein. Dr. E. _
wies im RAD-Bericht vom 27. Mai 2018 darauf hin, dass aufmerken lasse, dass die behan-
delnden Ärzte allfällige IV-Massnahmen in erster Linie im Sinn von aktivierenden bzw.
therapeutischen Massnahmen sehen würden, was allerdings gar nicht Leistungsauftrag der
IV-gestützten beruflichen Massnahmen sei. Trotzdem empfahl sie der Vorinstanz eine
nochmalige Kontaktaufnahme mit dem Beschwerdeführer, um ihm nicht eine Chance zu
verbauen, falls er motiviert wäre für berufliche Eingliederungsmassnahmen (IV-act. 65).
Beim Standortgespräch vom 14. Juni 2018 ergab sich, dass der Beschwerdeführer noch bis
Ende August 2018 in ein laufendes halbtägiges Einsatzprogramm des RAV eingebunden
sei; das Programm sei allerdings als therapeutischer Arbeitsversuch zu betrachten, eine
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marktübliche Arbeitsfähigkeit von 50% sei aus medizinischer Sicht nicht gegeben, weshalb
auch die Voraussetzungen für berufliche Massnahmen nicht erfüllt seien (IV-act. 67). Der
Eingliederungsberater empfahl der Vorinstanz entsprechend, die Beratung und Unterstütz-
ung bei der Arbeitssuche einzustellen, da die gesundheitlichen Voraussetzungen für eine
Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt nicht stabil seien (IV-act. 68).
Gleichentags teilte die IV-Stelle dem Beschwerdeführer mit, dass sie die Wiedereingliede-
rungsbemühungen abschliesse und die Rentenprüfung einleite (IV-act. 69).
F. Am 16. August 2018 holte die Sachbearbeitung der Vorinstanz beim RAD nochmals eine
Stellungnahme ein zu diversen medizinischen Fragen, so insbesondere, ob der Gesund-
heitszustand des Beschwerdeführers als stabil zu beurteilen und wie hoch die medizinisch
zumutbare Arbeitsfähigkeit angestammt und adaptiert zu beurteilen sei. Dr. G. _ vom
RAD erklärte daraufhin zunächst in einem ebenfalls vom 16. August 2018 datierten Bericht,
der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers sei nicht stabil, medizintheoretisch sei die
Arbeitsfähigkeit im bisher ausgeübten Umfang in der bisherigen Tätigkeit nach Beendigung
der Therapie nicht eingeschränkt und zumutbar, sie empfehle einen Einstieg mit 50% in der
angestammten adaptierten Tätigkeit mit dem Ziel einer raschen Steigerung (IV-act. 76).
Am 29. August 2018 schickte die Vorinstanz dem RAD dieselbe Anfrage erneut zu. Ge-
mäss dem daraufhin abgegebenen, auf den 29. August 2018 datierten Bericht dazu gelang-
te Dr. G. _ diesmal zum Schluss, der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
sei überwiegend wahrscheinlich stabil. Seit 2011 sei er in adaptierter Tätigkeit beschäftigt
gewesen. Ein Einstieg mit 100% Präsenz und 100% Rendement sei ihm zumutbar (IV-act.
75).
Am 19. September 2018 teilte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer mittels Vorbescheid
mit, er habe keinen Anspruch auf Rentenleistungen (IV-act. 78).
G. Der Beschwerdeführer erhob hierauf, vertreten durch die AAA. _, Einwand gegen
den Vorbescheid und verlangte, es sei ein unabhängiges psychiatrisches Gutachten
einzuholen, um die Arbeitsfähigkeit neu zu beurteilen und anschliessend den IV-Grad neu
zu berechnen und über die Rentenfrage zu entscheiden. Dem Einwand wurde innert
erstreckter Frist eine Stellungnahme des behandelnden Psychiaters Dr. C. _ vom 14.
November 2018 beigelegt, in welcher dieser ausführlich darlegte, weshalb es aus seiner
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Sicht in keiner Weise nachvollziehbar sei, dass der RAD bzw. die Vorinstanz die ausgewie-
sene Leistungseinschränkung bei seinem Patienten einfach in Abrede stelle (IV-act. 83).
Die Vorinstanz legte den Einwand dem RAD zur medizinischen Beurteilung vor, worauf Dr.
G. _ im Bericht vom 21. Dezember 2018 festhielt, das medizinische Dossier sei noch
nicht vollständig und mit noch fehlenden Unterlagen zu ergänzen sowie im Januar 2019 ein
Verlaufsbericht bei Dr. C. _ einzuholen. Wenn die Vorinstanz ein Gutachten in
Auftrag geben wolle, empfehle sie ein psychiatrisches Gutachten bei Dr. H. _
inklusive neuropsychologischer Begutachtung; alternativ sei auch eine bidisziplinäre
Untersuchung in der IV-Stelle durch den RAD möglich (IV-act. 84). Die Vorinstanz holte in
der Folge weitere Unterlagen ein (IV-act. 86) und legte diese erneut dem RAD vor,
woraufhin Dr. G. _ im Bericht vom 11. März 2019 festhielt, die Dokumente würden
keinen neuen medizinischen Sachverhalt enthalten, die die bereits abgegebene Einschätz-
ung des RAD verändern würden (IV-act. 88).
Nachdem Dr. C. _ anfangs April 2019 bei der Vorinstanz um Auskunft über den
Verfahrensstand ersucht hatte (IV-act. 89), verfügte die Vorinstanz am 16. April 2019 die
Abweisung des Leistungsbegehrens mit der Begründung, der Beschwerdeführer könne in
der angestammten Tätigkeit als Facility Manager / Saalwirt / Mitarbeiter Bausekretariat
weiterhin ein Jahreseinkommen von mindestens Fr. 96‘000.-- erzielen. Aus medizinischer
Sicht sei ihm die Ausübung einer solchen Tätigkeit uneingeschränkt zumutbar, weshalb
kein Anspruch auf Rentenleistungen bestehe (IV-act. 91).
H. Gegen diese Verfügung richtet sich die vom inzwischen durch den AA._ vertretenen
Beschwerdeführer am 24. Mai 2019 erhobene Beschwerde ans Obergericht (act. 1). Mit
Verfügung ERV 19 35 vom 14. Juni 2019 gewährte der Einzelrichter dem Be-
schwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung. Mit Vernehmlassung
vom 17. Juni 2019 (act. 5) verlangte die Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde und
fügte an, dass für den Fall, dass das Gericht zum Schluss kommen sollte, dass eine Begut-
achtung des Beschwerdeführers angezeigt sei, darum ersucht werde, die Gutachterstelle
gerichtlich festzulegen. Mit Replik vom 6. August 2019 hielt der Beschwerdeführer an
seinen Anträgen fest und stellte für den Fall, dass das Gericht nicht auf die Berichte der
behandelnden Ärzte abstelle, einen zusätzlichen Eventualantrag, wonach zur Feststellung
der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ein Gerichtsgutachten anzuordnen und
hernach über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers zu entscheiden sei. Die Vor-
instanz verzichtete stillschweigend auf die Einreichung einer Duplik. Da keine der Parteien
die Durchführung einer mündlichen Verhandlung verlangt hatte, wurde die Sache an der
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Sitzung der dritten Abteilung des Obergerichts vom 17. März 2020 in Abwesenheit der
Parteien abschliessend beraten und darüber entschieden.
Das Gericht hiess die Beschwerde gut und wies die Sache unter Aufhebung der angefoch-
tenen Verfügung an die Vorinstanz zurück zu ergänzenden Abklärungen und anschliessen-
der Neuverfügung über den Leistungsanspruch.
Die Begründung für diesen Entscheid ergibt sich aus den nachfolgenden Erwägungen.

## Considerations

Erwägungen
1. Formelles
a. Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversicherungsrecht ergangen. Ge-
mäss Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs-
rechts (ATSG, SR 830.1) i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. b des Justizgesetzes (JG, bGS 145.31)
beurteilt das Obergericht Beschwerden gegen solche Entscheide. Da eine Verfügung der
IV-Stelle Appenzell Ausserrhoden angefochten ist, ist die örtliche Zuständigkeit gegeben
(Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG, SR 831.20]).
b. Das Gesamtgericht hat Beschwerden in Sozialversicherungssachen mit medizinischen Fra-
gestellungen (unter Vorbehalt der hier nicht betroffenen Zuständigkeiten des Einzelrichters)
der 3. Abteilung zur Beurteilung zugewiesen (so publiziert im aktuellen Staatskalender Ap-
penzell Ausserrhoden, abrufbar unter https://staatskalender.ar.ch/organizations/pdf, Ziff.
2.6.1.2), weshalb diese zur Beurteilung der Beschwerde zuständig ist.
c. Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der weiteren Prozessvoraussetzungen er-
gibt, dass diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung auf Seiten des Beschwer-
deführers als auch hinsichtlich der Form- und Fristerfordernisse mit Bezug auf die Be-
schwerdeschrift erfüllt sind (insbesondere Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59, Art. 60 Abs. 1
und Art. 61 lit. b ATSG).
d. Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
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2. Materielles
2.1 Zum Vorwurf der Gehörsverletzung
Der Beschwerdeführer macht vorweg geltend, die Vorinstanz habe sein rechtliches Gehör
verletzt, indem sie die nach seinem Einwand eingeholten medizinischen Unterlagen gar
nicht geprüft bzw. jedenfalls nicht dazu Stellung genommen habe. Insbesondere fehle auch
eine konkrete Auseinandersetzung mit den von Dr. C. _ in dessen Schreiben vom 14.
November 2018 angeführten Argumenten.
a. Der Anspruch auf rechtliches Gehör gründet auf Art. 29 Abs. 2 der Schweizerischen Bun-
desverfassung (BV, SR 101). Im Bereich des Sozialversicherungsrechts verweist Art. 42
ATSG zusätzlich auf diesen bereits in der Verfassung vorgesehenen Anspruch. Es handelt
sich dabei um einen Anspruch formeller Natur. Seine Verletzung führt ungeachtet der mate-
riellen Begründetheit eines Rechtsmittels zur Gutheissung der Beschwerde und zur Aufhe-
bung des angefochtenen Entscheids. Nach der Rechtsprechung kann eine nicht besonders
schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs ausnahmsweise als geheilt gelten,
wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu
äussern, die sowohl den Sachverhalt als auch die Rechtslage frei überprüfen kann. Von ei-
ner Rückweisung der Sache ist aber bei einer schwerwiegenderen Verletzung des rechtli-
chen Gehörs nur dann abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalisti-
schen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem Interesse
der betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren
wären (vgl. dazu anstelle vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_446/2018 vom 18. Dezem-
ber 2018, E. 4, m.w.H.).
b. Gemäss Art. 57a Abs. 1 IVG teilt die IV-Stelle der versicherten Person den vorgesehenen
Endentscheid über ein Leistungsbegehren mittels Vorbescheid mit; die versicherte Person
hat Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinne von Art. 42 ATSG. Die Parteien können innert
Frist Einwände zum Vorbescheid vorbringen (vgl. Art. 73ter Abs. 1 der Verordnung über die
Invalidenversicherung [IVV, SR 831.201]). Das Vorbescheidverfahren geht über den verfas-
sungsrechtlichen Mindestanspruch auf rechtliches Gehör hinaus, indem es Gelegenheit
gibt, sich nicht nur zur Sache, sondern auch zum vorgesehenen Endentscheid zu äussern
(vgl. dazu auch BGE 134 V 97). Der Sinn und Zweck des Vorbescheidverfahrens besteht
darin, eine unkomplizierte Diskussion des Sachverhalts zu ermöglichen und dadurch die
Akzeptanz des Entscheids bei den Versicherten zu verbessern. Ein bloss pauschaler Hin-
weis in der Verfügung, es seien keine weiteren relevanten Unterlagen eingegangen, spricht
für eine undifferenzierte Behandlung der Vorbringen in standardisierter Form ohne sich
damit auch materiell auseinandergesetzt zu haben. Die IV-Stelle darf sich aber gerade nicht
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darauf beschränken, die von der versicherten Person vorgebrachten Einwände lediglich zur
Kenntnis zu nehmen. Sie hat ihre Überlegungen dem Betroffenen gegenüber darzulegen
und sich dabei insbesondere mit den entscheidwesentlichen Einwänden auseinanderzu-
setzen, was bedeutet, dass zumindest die Gründe anzugeben sind, weshalb sie gewisse
Gesichtspunkte nicht berücksichtigen kann (Urteil des Bundesgerichts 8C_668/2018 vom
13. Februar 2019, E. 4.1 f.)
c. Der Beschwerdeführer bemängelt nicht, dass ihm eine Stellungnahme verwehrt worden wä-
re, aber er weist zu Recht darauf hin, dass sich weder die Vorinstanz noch der RAD im
Rahmen des Vorbescheidverfahrens zu den von seinem Psychiater ausführlich dargelegten
Argumenten konkret geäussert haben. Im Schreiben vom 14. November 2018 (IV-act. 83)
nahm Dr. C. _ eingehend zum RAD-Bericht vom 16. August 2018 Stellung und
begründete ausführlich, weshalb er den einzelnen Aussagen von Dr. G. _ nicht fol-
gen könne (siehe dazu auch nachfolgend, E. 2.2). Dr. G. _ hielt es, nachdem ihr
dieses Schreiben vorgelegt worden war, im RAD-Bericht vom 21. Dezember 2018 für nötig,
das medizinische Dossier noch zu ergänzen (IV-act. 84). Dementsprechend holte die Vorin-
stanz im Anschluss weitere medizinische Unterlagen ein und legte diese dem RAD erneut
zur Beurteilung vor, welcher daraufhin den Bericht vom 11. März 2019 (IV-act. 88)
verfasste. Die Vorinstanz erliess in der Folge die angefochtene leistungsabweisende
Verfügung unter ausdrücklichem Verweis auf diesen RAD-Bericht (vgl. IV-act. 91, S. 2:
„Aufgrund der medizinischen Einwände erfolgte eine Stellungnahme durch den Regional
Ärztlichen Dienst Ostschweiz [RAD] am 21.12.2018. Dabei wurde um Ergänzung des Dos-
siers mittels Anforderung der Unterlagen hinsichtlich der Anpassung der Medikation an die
Ergebnisse einer genetischen Untersuchung, sowie die Einholung eines Verlaufsberichts
bei Herr Dr. C. _ im Januar 2019 ersucht. Die Unterlagen haben wir am 15.02.2019
erhalten. Daraufhin hat am 11.03.2019 eine weitere Stellungnahme durch den RAD, Dr. G.
_, stattgefunden, worin diese zu den Einwendungen Stellung nimmt“). Dr. G. _
vermerkte allerdings im Bericht vom 11. März 2019 lediglich pauschal, die eingeholten
Dokumente enthielten keine neuen medizinischen Sachverhalte, die die Einschätzung des
RAD verändern würden, ohne sich aber auch nur ansatzweise konkret mit den neuen
Unterlagen oder den medizinischen Argumenten von Dr. C. _ auseinanderzusetzen
(IV-act. 88). Auch in der weiteren Begründung der angefochtenen Verfügung fehlt eine
konkrete Stellungnahme dazu, obwohl die Ausführungen von Dr. C. _ sowohl im
Schreiben vom 14. November 2018 (IV-act. 83) als auch in dem vom RAD explizit
angeforderten späteren Verlaufsbericht vom 10. Februar 2019 (IV-act. 87, S. 1 ff.) durchaus
schlüssig und nachvollziehbar erscheinen.
Seite 10
d. Dem Gehörsanspruch wird nicht Genüge getan, wenn die IV-Stelle eine Stellungnahme der
Partei lediglich pro forma zur Kenntnis nimmt. Vielmehr ist sie, dies schon im Rahmen der
sie treffenden allgemeinen Untersuchungspflicht, verpflichtet, sich mit schlüssig begründe-
ten Vorbringen einer Partei inhaltlich auseinanderzusetzen. Das schliesst aus, dass die IV-
Stelle in der Verfügung über den Leistungsanspruch über nicht zum Vornherein klar unbe-
rechtigte Einwände einfach stillschweigend hinweggehen kann. Unter den gegebenen Um-
ständen wäre eine zumindest summarische Auseinandersetzung mit den vom Beschwerde-
führer mit seinem Einwand vorgebrachten Argumenten angezeigt gewesen, insbesondere,
nachdem der RAD noch im Bericht vom 21. Dezember 2018 selber die Ergänzung des me-
dizinischen Dossiers gefordert und sogar Empfehlungen für einen geeigneten Gutachter im
Falle weiterer Abklärungen abgegeben bzw. den Vorschlag einer bidisziplinären Untersu-
chung durch den RAD in den Raum gestellt hat. Bei dieser Ausgangslage wäre zu erwarten
gewesen, dass die Vorinstanz spätestens in der angefochtenen Verfügung die konkreten
Gründe angibt, weshalb sie den vom Versicherten vorgetragenen Argumenten nicht folgt
bzw. weshalb diese aus Sicht der IV-Stelle keinen Einfluss auf die Beurteilung der Leis-
tungspflicht haben (vgl. dazu auch BGE 124 V 180). Unter den gegebenen Umständen ist
somit die vom Beschwerdeführer gerügte Verletzung des rechtlichen Gehörs zu bejahen.
e. Die Verletzung des rechtlichen Gehörs führt im konkreten Fall zur Aufhebung der angefoch-
tenen Verfügung und Rückweisung der Angelegenheit an die Vorinstanz. Eine unnötige
Verzögerung ergibt sich daraus nicht, nachdem gestützt auf die vorhandenen Unterlagen
ohnehin noch nicht direkt über den Rentenanspruch entschieden werden könnte (siehe da-
zu E. 2.3 nachfolgend).
2.2 Zum Beweiswert der RAD-Berichte
Der Beschwerdeführer macht geltend, die in den Akten enthaltenen RAD-Einschätzungen,
auf welche die Vorinstanz ihre abweisende Leistungsverfügung stützt, seien ohnehin gar
nicht beweiskräftig und es könne, da die Berichte widersprüchlich und nicht nachvollziehbar
seien, auch nicht darauf abgestellt werden. Die Vorinstanz bringt dagegen vor, es sei abso-
lut legitim, dass sie sich auf die Beurteilung der RAD-Ärztin abstütze, die medizinische Ak-
tenlage sei eindeutig, so dass auch keine weiteren Untersuchungen mehr angezeigt seien.
a. Bei der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit stützt sich die Verwaltung und im Beschwerdefall
das Gericht auf Unterlagen, welche von ärztlichen und gegebenenfalls auch anderen Fach-
leuten zur Verfügung zu stellen sind. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Ge-
sundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und be-
züglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die
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ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeits-
leistungen der Person noch zugemutet werden können. Die Annahme eines invalidisieren-
den Gesundheitsschadens setzt grundsätzlich eine fachärztliche, lege artis auf die Vorga-
ben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (Urteil des
Bundesgerichts 9C_788/2019 vom 30. Januar 2020, E. 3.1.1; BGE 136 V 279, E. 3.2.1).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streiti-
gen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Be-
schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in
der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen Situation ein-
leuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (anstelle vieler: Urteil
des Bundesgerichts 9C_601/2019 vom 7. Januar 2020, E. 3.1, m.w.H.).
b. Die regionalärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizini-
schen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die In-
validenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der
Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich aus-
zuüben und sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59
Abs. 2bis IVG). Die regionalen ärztlichen Dienste beurteilen somit die medizinischen Voraus-
setzungen des Leistungsanspruchs (Urteil des Bundesgerichts 9C_858/2014 vom 3. Sep-
tember 2015, E. 3.3). Der RAD-Bericht ist aber, anders als eine externe Expertise oder ein
externes Gutachten, grundsätzlich ein rein versicherungsinternes Dokument. Auch wenn
dem RAD unstrittig in den meisten Fällen eine grosse Bedeutung zukommt für die Beur-
teilung der Anspruchsvoraussetzungen aus medizinischer Sicht, liegt der abschliessende
Entscheid darüber bei der IV-Stelle, wie sich bereits aus Satz 1 von Art. 59 Abs. 2bis IVG
ergibt. Zu den Aufgaben des RAD gehört insbesondere, aus medizinischer Sicht - gewis-
sermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in der Verwaltung und auch an den
Gerichten, die im Streitfall über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben - den medizi-
nischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen sowie sich zur Notwendigkeit zu-
sätzlicher Abklärungen zu äussern (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_858/2014 vom
3. September 2015, E. 3.3.3, m.w.H.).
c. Aus dem Sachverhalt ergibt sich, dass Dr. G. _ in ihren beiden Berichten vom 16.
und 29. August 2018 sich widersprechende Aussagen machte, indem sie auf die genau
gleiche Anfrage der Sachbearbeitung der Vorinstanz im ersten Bericht ausdrücklich angab,
der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers sei „nicht stabil“ (IV-act. 76, S. 6), medi-
zintheoretisch sei die Arbeitsfähigkeit im bisher ausgeübten Umfang in der bisherigen Tätig-
keit aber nach Beendigung der Therapie nicht eingeschränkt und zumutbar und sie empfeh-
le einen Einstieg mit 50% in der angestammten adaptierten Tätigkeit mit dem Ziel einer
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raschen Steigerung. Im zweiten Bericht gelangte sie hingegen zum Schluss, der Gesund-
heitszustand des Beschwerdeführers sei „mit überwiegender Wahrscheinlichkeit stabil“ (IV-
act. 75, S. 5) und es sei ihm ein sofortiger Einstieg mit 100%-iger Präsenz ohne Einschrän-
kungen zumutbar (vgl. dazu auch Sachverhalt, lit. F). Schon allein der Umstand, dass vom
RAD gestützt auf die identischen Grundlagen in kurzem Abstand zwei derart verschiedene
Einschätzungen abgegeben wurden, ist für das Gericht nicht nachvollziehbar.
d. Letztlich ist aber auch unter Berücksichtigung der weiteren RAD-Stellungnahmen in den
vorinstanzlichen Akten nicht abschliessend nachvollziehbar, weshalb der Beschwerdeführer
in der zuletzt ausgeübten, angeblich adaptierten Tätigkeit, mit oder ohne gesundheitliche
Einschränkung dasselbe Einkommen erzielen können soll: Der eigene Eingliederungsbe-
rater der Vorinstanz hatte gestützt auf den RAD-Bericht vom 27. Mai 2018 (IV-act. 65) noch
empfohlen, die Eingliederungsbemühungen einzustellen, da die gesundheitlichen Voraus-
setzungen für eine Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt gerade nicht stabil seien (IV-
act. 68, S. 2 unten). Damals wurde im RAD-Bericht ausgeführt, es entstehe der Eindruck,
dass sich die gesamte Situation des Beschwerdeführers seit der Anmeldung nicht wesent-
lich gebessert habe und es wurde eine „abschliessende Abklärung der Leistungsfähigkeit“
angeraten, allerdings ohne zu konkretisieren, was es für diese abschliessende Klärung ge-
nau braucht. Im früheren RAD-Bericht vom 28. September 2016 (IV-act. 31) war die Ein-
schätzung des behandelnden Psychiaters Dr. C. _ noch als nachvollziehbar
bezeichnet worden, wobei dieser dem Beschwerdeführer damals notabene eine deutlich
verminderte Arbeitsfähigkeit von lediglich 50% attestierte. Dr. C. _ wies in seinem
späteren Bericht vom 21. November 2018 darauf hin, dass auch aktuell von verschiedener
Stelle unabhängig voneinander eine massiv geminderte Leistungsfähigkeit des Be-
schwerdeführers festgestellt worden sei.
e. Der Beschwerdeführer kritisiert in diesem Zusammenhang auch zu Recht, dass die Vor-
instanz den Schlussbericht FAU bei der Überprüfung des Leistungsanspruchs überhaupt
nicht miteinbezogen habe. In diesem mit der Beschwerde eingereichten Schlussbericht
vom 8. November 2018 ist festgehalten, dass der Beschwerdeführer seine Arbeitsfähigkeit
während der Massnahme bis Ende August lediglich von ca. 20% auf 30% habe steigern
können; durch seine Antriebslosigkeit und seinen im Moment beeinträchtigten Selbstwert
sei die Vermittelbarkeit im ersten Arbeitsmarkt in einer Position, welche dem vorherigen
Funktionsniveau einer Bauleitung entsprechen würde, nicht gegeben. Zum Abschlusszeit-
punkt der FAU-Zeit wurde die dem Beschwerdeführer mögliche Arbeitspräsenzzeit von den
Eingliederungsfachleuten mit 50% angegeben, dies bei einer in diesem Rahmen möglichen
Arbeitsleistung von 30% (act. 2.3, in fine). Der FAU-Bericht war dem RAD allerdings soweit
ersichtlich bei seinen Stellungnahmen gar nicht bekannt. Die vom RAD stattdessen ange-
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nommene Einschätzung einer 100%-igen Arbeitsfähigkeit adaptiert kann aber ohne konkre-
te schlüssige Stellungnahme weder zur abweichenden Einschätzung im FAU-Bericht noch
zur abweichenden Ansicht des behandelnden Psychiaters nicht ohne weiteres nachvollzo-
gen werden.
f. Auf den Einwand des Beschwerdeführers hin hatte es der RAD ausdrücklich für nötig ge-
halten, weitere medizinische Unterlagen bei den Behandlern einzuholen (IV-act. 84). Nach-
dem die Vorinstanz die verlangten Unterlagen eingeholt und diese dem RAD erneut zur Be-
urteilung vorgelegt hatte, erklärte Dr. G. _ im Bericht vom 11. März 2019 schliesslich
lediglich: „Die neuen Dokumente enthalten keine neuen medizinischen Sachverhalte, die
die Einschätzung des RAD verändern“ (IV-act. 88). Auch diesem Vorgehen fehlt es an
Nachvollziehbarkeit: Nachdem die zuvor ausdrücklich verlangten Unterlagen nun vorlagen,
wäre es am RAD gelegen, nun auch konkret dazu Stellung zu nehmen anstatt lediglich
pauschal anzugeben, es würden keine neuen medizinischen Sachverhalte vorliegen. Dr. C.
_ hatte bereits in seiner ausführlichen Stellungnahme vom 14. November 2018 (IV-
act. 83) grundsätzlich schlüssig und nachvollziehbar dargelegt, aus welchen Gründen er
der RAD-Einschätzung nicht folgen könne, wonach beim Beschwerdeführer wenig Verän-
derungsbereitschaft und Mitarbeit erkennbar sein und der Beschwerdeführer gar nicht aus-
therapiert sein soll. Selbst unter Berücksichtigung sämtlicher seither ergangenen RAD-
Stellungnahmen bleibt unklar, weshalb die von Dr. C. _ vorgebrachten Argumente
aus Sicht des RAD allesamt unbeachtlich sein sollen, da eine konkrete
Auseinandersetzung mit den von Dr. C. _ angeführten Argumenten (weitgehend)
fehlt.
g. Bei einer Gesamtwürdigung sind die in den vorinstanzlichen Unterlagen enthaltenden RAD-
Berichte somit (zumindest nicht in allen Teilen) schlüssig nachvollziehbar und genügen da-
mit nicht, um gestützt darauf einen allfälligen Leistungsanspruch des Beschwerdeführers
abschliessend zu beurteilen.
2.3 Zur Notwendigkeit eines Gutachtens
a. Die von der Vorinstanz mit Bezug auf die von den Behandlern abgegebenen Einschätzung-
en angebrachten Vorbehalte, wonach bei Berichten von Hausärzten bzw. behandelnden
Ärzten auch der Erfahrungstatsache Rechnung tragen sei, dass diese mitunter im Hinblick
auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung und unter Berücksichtigung der unterschiedli-
chen Natur von Behandlungs- und Begutachtungsauftrag in Zweifelsfällen eher zugunsten
ihrer Patienten aussagen (vgl. dazu auch anstelle vieler: Urteile des Bundesgerichts
8C_653/2019 vom 8. Januar 2020, E. 4.2 und 8C_563/2019 vom 23. Dezember 2019, E.
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5.1; BGE 125 V 351, E. 3b/cc), sind zwar berechtigt, bedeuten aber nicht, dass aus diesem
Grund ohne schlüssige Begründung von deren Einschätzung abgewichen werden kann.
Die vorliegenden RAD-Einschätzung genügen aus den dargelegten Gründen nicht für eine
abschliessende beweiskräftige Beurteilung des medizinischen Sachverhalts. Dies gilt insbe-
sondere, nachdem auch die Eingliederungsfachleute eine Eingliederung in der ange-
stammten Arbeit entgegen der Einschätzung des RAD klar als nicht mehr möglich erachte-
ten und den Beschwerdeführer lediglich in deutlich reduziertem Pensum als einsatzfähig
sahen. Ab welchem Zeitpunkt der Beschwerdeführer inwieweit sowohl angestammt als
auch adaptiert aus medizinischer Sicht als arbeitsfähig zu betrachten ist und welche kon-
kreten Anforderungen dabei eine adaptierte Arbeit erfüllen muss, ergibt sich aus den vor-
handenen Unterlagen nicht abschliessend. Dass die Vorinstanz im Rahmen ihrer Abklä-
rungen zum Gesundheitszustand auf die vom RAD im Bericht vom 21. Dezember 2018 (IV-
act. 84) selber noch angedachte medizinische Begutachtung oder zumindest eine bidiszipli-
näre Untersuchung durch den RAD verzichtet hat, ist unter den gegebenen Umständen
nicht nachvollziehbar. Eine vertiefte Untersuchung hätte sich in der vorliegenden Situation
geradezu aufgedrängt.
b. Unter den gegebenen Umständen erscheint es klar angezeigt, den medizinischen Sachver-
halt mittels einer unabhängigen Expertise abschliessend zu klären, bevor über den Leis-
tungsanspruch des Beschwerdeführers abschliessend entschieden werden kann. Damit
stellt sich automatisch die Frage, ob diese noch nötigen Abklärungen nun direkt durch das
Gericht im Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfahrens vorzunehmen sind oder ob
diese Abklärungen zunächst durch die Vorinstanz zu erfolgen haben. Mit folgenden Überle-
gungen weist das Gericht die Angelegenheit im konkreten Fall an die Vorinstanz zurück mit
der Aufforderung, den Sachverhalt zunächst abschliessend zu klären, bevor sie erneut über
den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers verfügt: Kann gestützt auf die üblicherwei-
se als erstes vorgenommenen verwaltungsinternen Abklärungen wie die Einholung von me-
dizinischen Berichten bei den behandelnden Ärzten sowie Stellungnahmen des RAD dazu
der Leistungsanspruch eines Versicherten noch gar nicht abschliessend beurteilt werden,
so ist die Vorinstanz bereits im Rahmen der sie treffenden Untersuchungspflicht gemäss
Art. 43 Abs. 1 ATSG gehalten, die medizinischen Entscheidgrundlagen wenn nötig auch
durch Einholung von externen Expertisen zu ergänzen. Es steht ihr nicht frei, dies einfach
zu unterlassen und im Fall eines Beschwerdeverfahrens mit dem Antrag auf ein Gerichts-
gutachten zu erreichen, dass die Sachverhaltsabklärung so letztlich ins Beschwerde-
verfahren verschoben wird. Da unter den gegebenen Umständen bereits im Rahmen der
vorinstanzlichen Sachverhaltsabklärungen die Einholung eines Gutachtens angezeigt
gewesen wäre, hat die Vorinstanz dies entsprechend nachzuholen.
Seite 15
c. Die in der Vernehmlassung geäusserten Bedenken, wonach „eine durch die IV-Stelle ge-
wählte Gutachterstelle keine Akzeptanz finden würde“, können nicht nachvollzogen werden:
Art. 44 ATSG sieht vor, dass ein Gutachter allenfalls „aus triftigen Gründen“ abgelehnt wer-
den kann. Sollte der Beschwerdeführer gegenüber der Vorinstanz solche triftigen Gründe
vorbringen, wäre eine andere Gutachterstelle zu wählen; sollten hingegen keine triftigen
Gründe für eine allfällige Ablehnung einer von der Vorinstanz in Aussicht gestellten Gutach-
terstelle (bzw. einer einzelnen Gutachterperson) bestehen, so kann die Vorinstanz den Be-
schwerdeführer unter Hinweis auf seine Mitwirkungspflichten gemäss Art. 43 Abs. 3 ATSG
ermahnen und darauf hinweisen, dass bei ungerechtfertigter Verweigerung der Mitwirkung
aufgrund der Akten verfügt wird. Unter den gegebenen Umständen sieht das Gericht keinen
Anlass dafür, selber eine Gutachterstelle festzulegen, da auch dies zu den Aufgaben der
Vorinstanz im Rahmen ihrer Untersuchungspflicht gehört, solange der Sachverhalt noch
gar nicht vollständig geklärt ist.
3. Kosten und Entschädigung
a. Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung
oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung kostenpflichtig. In IV-Verfah-
ren vor Obergericht betragen diese praxisgemäss Fr. 800.--, sofern keine besonderen Um-
stände vorliegen, die ein Abweichen nach oben oder unten erfordern. Solche Umstände
sind im konkreten Fall nicht ersichtlich, so dass die Gerichtskosten im vorliegenden Fall auf
den üblichen Betrag von Fr. 800.-- festgesetzt werden.
Weil die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zwecks ergänzender Abklärungen
rechtsprechungsgemäss als Obsiegen gilt (anstelle vieler: Urteil des Bundesgerichts
8C_509/2019 vom 8. November 2019, E. 6), sind dem Verfahrensausgang entsprechend
beim obsiegenden Beschwerdeführer keine Kosten zu erheben (Art. 19 Abs. 3 e contrario
i.V.m. Art. 53 Abs. 1 VRPG). Da der Vorinstanz gestützt auf Art. 22 Abs. 1 VRPG keine
Verfahrenskosten auferlegt werden, sind die Gerichtskosten auf die Staatskasse zu neh-
men.
b. Die IV-Stelle Appenzell Ausserrhoden hat dem Beschwerdeführer dem Verfahrensausgang
entsprechend eine Parteientschädigung auszurichten (Art. 61 lit. g ATSG), womit sich die
ihm gewährte unentgeltliche Verbeiständung erübrigt. Im vorliegenden Fall erscheint das in
vergleichbaren Fällen üblicherweise zugesprochene Honorar von pauschal Fr. 2‘500.-- als
angemessen. Zuzüglich der praxisgemäss üblichen Barauslagenpauschale von 4% sowie
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der Mehrwertsteuer von 7.7% ergibt sich somit eine Entschädigung im Gesamtbetrag von
Fr. 2‘800.20, welche dem Beschwerdeführer zulasten der Vorinstanz zuzusprechen ist.