# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 0df7beec-e68a-506f-af33-d6d0e267c52b
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2011
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ a) Die Politische Gemeinde Altstätten strebt im Rahmen des
Stadtentwicklungsprojekts Freihof-Rathaus eine neue Zentrumsüberbauung für die
Stadtverwaltung und weitere Dienstleistungsbetriebe sowie Wohnungen und
Parkierungsmöglichkeiten an. Gleichzeitig sollen das städtische Verkehrsregime
geändert, die Strassenräume umgestaltet und damit die Sicherheit der
Verkehrsteilnehmer und des Verkehrssystems verbessert werden.
b) Das Entwicklungsgebiet schliesst direkt an die östliche Altstadt an. Es umfasst eine
Fläche von knapp 10'000 m . Drei der insgesamt vierzehn betroffenen Grundstücke
(Nrn. 442, 443 und 444, Grundbuch Altstätten) bzw. 1'692 m gehören der Brauerei
Schützengarten AG, St. Gallen, elf bzw. 7'770 m sind im Eigentum der Stadt. Ausser
dem Rathaus und der Bushaltestelle (Grundstücke Nrn. 316 und 334), die sich im
Verwaltungsvermögen befinden, wurden die Grundstücke im Hinblick auf das Projekt
gekauft. Diese befinden sich im Finanzvermögen der Stadt und sollen nach Erteilung
der Baubewilligungen für die Bauprojekte verkauft werden. Für das Teilgebiet Rathaus
bestehen zwei Optionen. Entweder werden diese Grundstücke ebenfalls verkauft,
worauf die privaten Investoren das neue Rathaus samt Tiefgarage mit 48 Plätzen bauen
und der Stadt vermieten - für die Tiefgarage wäre in diesem Fall eine
Leistungsvereinbarung vorgesehen -, oder die Gemeinde wird den Rathausneubau
2
2
2
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
selbst realisieren. In diesem Fall würden die Investitionen über die Spezialfinanzierung
der Parkplatzbewirtschaftung finanziert.
c) Für das Überbauungskonzept wurde im Jahr 2007 ein Wettbewerb durchgeführt.
Nach dem Siegerprojekt sollen das in den Jahren 1959/60 erbaute Rathaus und die
gesamte Freihof-Überbauung abgebrochen und mit einem unterirdisch
zusammenhängenden Gebäudekomplex ersetzt werden. Im fünfeckigen Gebäude am
Rathausplatz ist neben der Verwaltung ein Restaurant geplant. Zwischen dem Rathaus
und der Kirche soll ein grosser, offener Platz entstehen. Auch der Grundriss des neuen
Freihof-Gebäudekomplexes ist polygonal geplant, wo unter anderem der Grossverteiler
Coop Ostschweiz Ticino und die Raiffeisenbank Oberes Rheintal einziehen sollen. Die
Gebäude östlich davon sollen ebenfalls abgebrochen und mit neuen Wohn- und
Geschäftshäusern ersetzt werden. Gleichzeitig soll die Churer Strasse (Kantonsstrasse
2. Klasse) um rund 50 m nach Osten verschoben werden. Für die Einmündung in die
Rorschacher Strasse (Kantonsstrasse 2. Klasse) ist ein Kreisel geplant. Im Bereich der
heutigen Churer Strasse sollen die heutigen Bushaltestellen an der Trogener Strasse
(Kantonsstrasse 2. Klasse) und beim Rathaus in einem Bushof zusammengefasst
werden. Dabei ist vorgesehen, die beiden Gebäudekomplexe des Rathauses und des
Freihofs mit der katholischen Kirche und dem Bushof in einen Kontext zu stellen bzw.
den Zwischenraum mit einem neuen, grossen Rathaus- und Kirchplatz als
Begegnungszone aufzuwerten.
d) Für diese Gesamterneuerung beschloss der Stadtrat am 6. August 2008 den
Teilzonenplan "Freihof". Ein dagegen geführtes Rechtsmittelverfahren wurde mit Urteil
des Verwaltungsgerichtes vom 17. Dezember 2009 rechtskräftig abgeschlossen. Das
Gericht bestätigte, dass die Beschwerdeführerin E. K., Altstätten, mangels eigenem
schutzwürdigem Interesse zur Einsprache nicht legitimiert sei.
B./ a) An der Bürgerversammlung vom 11. Mai 2009 genehmigten die Stimmbürger von
Altstätten für die Infrastrukturanlagen des Stadtentwicklungsprojekts (Verkehrsanlagen
Kanton und Stadt/Energieversorgung und Gemeinschaftsantennenanlagen/
Wasserversorgung/
Fernwärmeversorgung/Schmutzwasserleitung) von insgesamt Fr. 7,638 Mio. einen
Netto-Anteil Bereiche Stadt von insgesamt Fr. 1,937 Mio.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
b) Gegen diesen Beschluss liess E. K. am 20. Mai bzw. 10. Juni 2009 zusammen mit
einer Mitstreiterin beim Departement des Innern des Kantons St. Gallen Kassations-
bzw. Abstimmungsbeschwerde erheben, wobei sie die kostenpflichtige Aufhebung des
Bürgerschaftsbeschlusses verlangte. Das Departement wies die Beschwerde mit
Entscheid vom 6. November 2009 ab, wobei es festhielt, dass die von der Stadt
Altstätten vorgenommene Aufteilung des Gesamtprojekts in drei Teilprojekte nicht
gegen das Prinzip der Einheit der Materie verstosse. Die Kostenschätzung sei sorgfältig
und insofern richtig erfolgt, als die Stadt berechtigt gewesen sei, von den
Bruttoaufwendungen die Drittbeiträge sowie die Investitionen in die Grundstücke im
Finanzvermögen in Abzug zu bringen.
c) Gegen diesen Entscheid erhoben die Beschwerdeführerinnen mit Eingaben ihres
Rechtsvertreters vom 23. November und 10. Dezember 2009 beim Verwaltungsgericht
Beschwerde, wobei sie die kostenpflichtige Aufhebung des Rechtsmittelentscheids
und der Beschlüsse der Bürgerschaft betreffend Genehmigung und Tilgung des
Nettokredites für die Erschliessung der Teilgebiete Freihof/Müller und Rathaus mit
Infrastrukturanlagen von Fr. 1,937 Mio. verlangten. Zur Begründung brachten sie im
wesentlichen vor, das Stadtentwicklungsprojekt Freihof-Rathaus bilde eine Einheit, das
nicht in einzelne Teilbereiche aufgeteilt werden könne. Dazu komme, dass der effektive
Anteil der Stadt nicht knapp Fr. 2 Mio., sondern ein Vielfaches betrage. Eine
Urnenabstimmung habe nur deshalb vermieden werden können, weil fälschlicherweise
57 Prozent der Kosten als Perimeterkosten den gemeindeeigenen Liegenschaften im
Finanzvermögen belastet worden seien.
d) Das Verwaltungsgericht hiess die Beschwerde mit Urteil vom 16. September 2010
gut und hob den angefochtenen Entscheid bzw. den Beschluss der
Bürgerversammlung mit der Begründung auf, dass die Anlagekosten für die
Infrastrukturanlagen des Stadtentwicklungsprojekts Freihof-Rathaus den Stimmbürgern
zwar unabhängig von den Kosten für die Hochbauten der geplanten
Zentrumsüberbauung und des Rathausneubaus zur Abstimmung hätten vorgelegt
werden dürfen, dass aber nicht nachvollziehbar sei, weshalb die Infrastrukturanlagen
bei den betroffenen gemeindeeigenen Grundstücken im Finanzvermögen einen
Sondervorteil auslösen und wieso die entsprechende Aufwertung Fr. 2,639 Mio. bzw.
über 57 Prozent des Anteils der Stadt an die Infrastrukturanlagen betragen soll.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
C./ a) In Nachachtung dieses Urteils beantragte der Stadtrat am 18. Oktober 2010 den
Stimmbürgern, den gesamten Nettokredit für die Infrastruktur- und Verkehrsanlagen
des Stadtentwicklungsprojekts von Fr. 4,576 Mio. zu genehmigen. Die entsprechende
Urnenabstimmung sollte am 28. November 2010 stattfinden.
b) Mit Eingabe vom 8. November 2010 erhob E. K. beim Departement des Innern
Abstimmungsbeschwerde gegen die entsprechenden Vorbereitungshandlungen, wobei
sie geltend machte, der in der zugestellten Informationsbroschüre wiedergegebene
Antrag des Stadtrats leide an Verfahrensmängeln. Die Vorinstanz wies die Beschwerde
mit Entscheid vom 25. November 2010 ab, soweit sie auf die Beschwerde eintrat.
Weiter entschied sie, dass die Urnenabstimmung wie geplant durchgeführt werden
könne. Damit der Abstimmungstermin eingehalten werden konnte, entzog sie einer
allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung.
c) Am 28. November 2010 stimmte die Bürgerschaft der Vorlage betreffend
Infrastruktur- und Verkehrsanlagen Stadtentwicklungsprojekt Freihof-Rathaus bei einer
Stimmbeteiligung von 54,1 Prozent mit 2'791 Ja- zu 837 Neinstimmen zu.
d) Gegen diesen Bürgerbeschluss erhob E. K. am 10. Dezember 2010 beim
Departement des Innern Beschwerde mit dem Antrag, der angefochtene Beschluss sei
kostenpflichtig aufzuheben. Dabei machte sie geltend, der gesprochene Nettokredit
von Fr. 4,576 Mio. Franken enthalte Positionen, welche die noch nicht beschlossenen
Projekte Zentrumsüberbauung und Rathaus präjudizieren würden. Wenn schon müsse
über das gesamte Stadtentwicklungsprojekt abgestimmt werden.
e) Die Vorinstanz wies die Abstimmungsbeschwerde mit Entscheid vom 4. Februar
2011 mit der Begründung ab, dass die Kosten für die Infrastruktur- und
Verkehrsanlagen des Stadtentwicklungsprojekts unabhängig von den in
Zusammenhang mit der Zentrumsüberbauung und dem Rathausneubau anfallenden
Kosten zur Abstimmung hätten vorgelegt werden können. Einer allfälligen Beschwerde
gegen diesen Entscheid entzog sie wiederum die aufschiebende Wirkung.
f) Gegen diesen Entscheid erhob E. K. am 21. Februar 2011 beim Verwaltungsgericht
mit den Anträgen Beschwerde, dass die aufschiebende Wirkung der Beschwerde
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
umgehend wieder zu erteilen sei und dass der Entscheid der Vorinstanz und der
Beschluss der Bürgerschaft Altstätten bzw. die Urnenabstimmung vom 28. November
2010 betreffend Genehmigung des Nettokredits für den Bau der Infrastruktur- und
Verkehrsanlagen kostenpflichtig aufzuheben seien, unter Umständen sei die
Streitsache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Zur Begründung
bringt sie vor, das Gesamtprojekt Stadtentwicklungsprojekt Freihof-Rathaus bilde eine
untrennbare Einheit, bzw. das Teilprojekt Infrastruktur- und Verkehrsanlagen, das
Gegenstand der angefochtenen Abstimmung sei, präjudiziere die nachfolgenden
Hochbauprojekte, über die aber erst später zu befinden sei. Ohne diese Folgeprojekte
müsse zum Beispiel die Trogener Strasse gar nicht saniert werden, weil sie für das
heutige wie auch künftige Verkehrsaufkommen ausreichend ausgebaut sei. Auch die
Ausgabenposten Energieversorgung, Gemeinschaftsantennenanlage,
Wasserversorgung, Schmutzwasserleitung sowie Fernwärmeversorgung zielten einzig
auf die Realisierung der erst vorgesehenen, aber höchst unsicheren und von einer
weiteren Abstimmung abhängigen Projekte Zentrumsüberbauung und Rathausneubau.
g) Zur beantragten Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde
nahm die Vorinstanz am 23. Februar 2011 Stellung. Die Stadt Altstätten liess sich am
28. Februar 2011 durch ihren Rechtsvertreter vernehmen, wobei sie die Abweisung der
Abstimmungsbeschwerde und des Antrags auf Wiederherstellung der aufschiebenden
Wirkung beantragte. Der Verwaltungsgerichtspräsident hiess das Begehren um
Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung mit Entscheid vom 8. März 2011 gut
und forderte die Verfahrensbeteiligten auf, zur Beschwerde inhaltlich Stellung zu
nehmen. Die Vorinstanz beantragte mit Eingabe vom 10. März 2011, die Beschwerde
abzuweisen, während die Stadt Altstätten gleichentags auf ihre Vernehmlassung vom
28. Februar 2011 verwies. Die Beschwerdeführerin verzichtete mit Schreiben vom
21. März 2011 auf eine weitere Stellungnahme.

## Considerations

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichtes ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdeführerin ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Ihre Beschwerdeeingabe vom 21. Februar 2011
entspricht zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1
in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist daher
einzutreten.
2. Die Wahl- und Abstimmungsfreiheit stellt einen Teilgehalt der umfassenden Garantie
der politischen Rechte nach Art. 34 der Bundesverfassung (SR 101, abgekürzt BV) und
Art. 2 lit. x der Kantonsverfassung (sGS 111.1) dar.
2.1. Art. 34 Abs. 2 BV garantiert unter anderem den Anspruch auf Respektierung der
Einheit der Materie der Abstimmungsvorlage (Müller/Schefer, Grundrechte in der
Schweiz, 4. Aufl. Bern 2008, S. 616). Demnach muss zwischen den einzelnen Teilen
eines Antrags ein sachlicher Zusammenhang bestehen (Art. 72 Abs. 2 des
Gemeindegesetzes, sGS 151.2, abgekürzt GG), ansonsten in einer einzigen Vorlage
nicht über mehrere Fragen ohne inneren Zusammenhang abgestimmt werden darf
(Häfelin/Haller/Keller, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 7. Aufl., Zürich 2008,
Rz. 1388). Mit dem Kriterium des sachlichen Zusammenhangs soll man grosszügig
umgehen, ansonsten die Gefahr besteht, dass die politische Gestaltungsfreiheit
verloren geht (BGE 129 I 366 E. 2.3). Im Vordergrund steht dabei der Gesichtspunkt,
die freie, unverfälschte Kundgabe des politischen Willens des Stimmbürgers zu
garantieren (P. Tschannen, Staatsrecht der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Bern
2004, § 52 Rz. 44).
2.2. Umgekehrt müssen Gegenstände, die zwingend zusammengehören, in einem
Antrag zusammengefasst werden (Art. 72 Abs. 3 GG). Bei Finanzvorlagen ist für die
Berechnung der massgeblichen Ausgabenhöhe auf das Gesamtprojekt und damit auf
die nach dem Nettoprinzip zusammengestellten Gesamtkosten des Projekts
abzustellen. Das sogenannte Zerstückelungsverbot verbietet insbesondere, das
Ausgabenreferendum dadurch zu umgehen, dass einzelne Teile einer
zusammengehörenden Vorlage gesondert behandelt werden (Tschannen, a.a.O., § 52
Rz. 52).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.3. Das Verbot, eine einheitliche Vorlage sachwidrig aufzuteilen, schliesst nicht aus,
dass grosse Vorhaben etappenweise verwirklicht werden. Für die Unterteilung sind
aber sachliche Gründe erforderlich. Da der Entscheid über die einzelnen
Ausbauetappen stark von der Feststellung und der Bewertung tatsächlicher
Verhältnisse abhängt, muss der zuständigen Behörde im Interesse einer sachgerechten
und wirtschaftlichen Lösung auch in diesem Bereich ein erhebliches Ermessen
zugestanden werden (BGE 118 Ia 184 E. 3c). Zulässig sind beispielsweise einzelne
besondere Vorlagen für den Ausbau eines Kantonsspitals oder zur Verwirklichung eines
Strassenbauprogramms, wenn die Ausführung der einzelnen Teile für sich allein
gesehen einen vernünftigen Sinn ergibt. Dies trifft immer dann zu, wenn eine Etappe
auch dann zweckmässig ist, wenn die andere allenfalls nicht ausgeführt werden kann,
die nächste Etappe sich also nicht rechtlich oder faktisch zwingend aus der
vorhergehenden ergibt (Hangartner/Kley, Die demokratischen Rechte in Bund und
Kantonen der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Zürich 2000, Rz. 1891 f.).
3. Das Stadtentwicklungsprojekt Freihof-Rathaus hat folgende Ziele zum Inhalt:
Zentrumsüberbauung für Einkaufen, Gastronomie, Dienstleistungen, Wohnen und
Parkieren;
–
Revitalisierung und Aktivierung der Altstadt;–
Aufwertung Altstadt mit Schaffen eines neuen, grossen Rathausplatzes/
Kirchplatzes als Begegnungszone;
–
Attraktive Zugänge zur Altstadt;–
Lösung Parkplatzproblem Altstadt Ost;–
Optimierung Verkehrsführung Altstadt Ost;–
Verlegung RTB-Bushaltestellen Rathaus und Trogener Strasse;–
Rathausneubau mit Neuorganisation der Verwaltungsstruktur;–
Reduktion Energieverbrauch Rathaus;–
Verbesserung der Kundenfreundlichkeit durch ein attraktives Rathaus;–
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.1. Ein wesentliches Anliegen des Projekts liegt folglich darin, das bestehende
Verkehrsproblem im Altstadtbereich zu lösen. Dieses zeigt sich besonders an der
Churer Strasse Nr. 1 bis 13, wo die Strassenführung unübersichtlich, die Strassenbreite
gefährlich schmal und damit die Verkehrssicherheit für alle Verkehrsteilnehmer stark
eingeschränkt ist. Trottoirs fehlen gänzlich. Zudem verursachen die Busse der RTB
Rheintal Bus AG täglich prekäre Situationen. Dementsprechend soll der Verkehr neu
um die Altstadt geführt werden. Der Stadtrat formuliert die Ziele der vorliegend
umstrittenen Vorlage dementsprechend wie folgt:
3.2. Die neue Verkehrsführung beruht auf einem Gesamtkonzept rund um die Altstadt,
das sowohl den öffentlichen Verkehr als auch den Individualverkehr neu regelt. Die
dafür notwendigen Anpassungen der Strassenführung sind mit der neuen Zonierung
(Teilzonenplan Freihof) und dem entsprechenden Teilstrassenplan bereits rechtskräftig
festgelegt. Konkret sollen die Churer Strasse 40 m bis 60 m nach Osten ins Gebiet
Freihof verlegt, ein neuer Kreisel gebaut und die bisherige Rorschacher und Trogener
Strasse angepasst, die Ringgasse (Gemeindestrasse 2. Klasse) umgebaut und
verlängert sowie ein neuer Bushof realisiert werden.
Umsetzung der Vorwärtsstrategie der Stadt;–
Positionierung von Altstätten in der Region.–
Lösung der prekären Verkehrssituation an der Churer Strasse;–
Optimierung der Verkehrsführung Altstadt;–
Verlegung der RTB-Bushaltestellen Rathaus und Trogener Strasse mit Bau eines
zentralen Bushofs an der heutigen Churer Strasse;
–
Gezielte und intensive Weiterentwicklung der Infrastruktur;–
Neuerschliessung der Grundstücke.–
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.2.1. Die namentlich angesprochene Trogener Strasse ist vom Verkehrskonzept
insofern betroffen, als sie über den Kreisel neu an die verlegte Churer- und die
Rorschacher Strassen angeschlossen werden soll. Zudem werden die beiden RTB-
Haltestellen an der Trogener Strasse und beim Rathaus aufgehoben und in den
zentralen Bushof im Bereich der heutigen Churer Strasse verlegt, der ebenfalls neu an
die Trogener Strasse angeschlossen werden soll. Die angesprochene Kantonsstrasse
ist somit Teil des neuen Verkehrskonzept und damit von der insgesamt zu ändernden
Verkehrsführung direkt betroffen. Aus diesem Grund ist es unerheblich, ob die
Trogener Strasse für sich allein dem heutigen und künftigen Verkehrsaufkommen zu
genügen vermöchte, weshalb auf den dafür beantragten Augenschein verzichtet
werden kann.
3.2.2. Das neue Verkehrskonzept und die damit verbundenen Änderungen der
Strassenführung bedingen weiter, dass zahlreiche Gebäude abgebrochen werden. Die
Zwischenräume zwischen den zum Teil neuen Strassen können bzw. müssen
dementsprechend unabhängig von einem konkreten Hochbauprojekt neu überbaut
werden. Vernünftigerweise hat die Stadt diese Überbauungen mit der Neuregelung des
Verkehrs koordiniert, wobei die erforderlichen Werkleitungen bzw. Leerrohre wie üblich
in den angrenzenden - vorliegend ohnehin zu erneuernden - Strassen verlegt werden.
Die Hauptstränge der verschiedenen Zu- und Ableitungen werden mit anderen Worten
unabhängig von der konkret geplanten Zentrumsüberbauung samt Tiefgaragen und
dem allfälligen Rathausneubau nötig, weil mit Blick auf die Zonenordnung und die
zentrale und städtebaulich bedeutsame Lage ohnehin klar ist, dass dieses Gebiet
wieder mit einer hohen Ausnützung überbaut werden soll. Nach 19 Abs. 2 des
Raumplanungsgesetzes (SR 700) und Art. 50 Abs. 1 des Baugesetzes (sGS 731.1) ist
die politische Gemeinde daher sogar verpflichtet, das Baugebiet mitten im
Stadtzentrum unabhängig von einem konkreten Projekt (wieder) zu erschliessen. Dabei
sind die einzelnen Erschliessungsprojekte wie die Zu- und Ableitungen für das Frisch-
und Abwasser sowie die Energie- und Fernwärmeversorgung kreditmässig in einer
Vorlage zusammenzufassen (GVP 1977 Nr. 44), was vorliegend der Fall ist.
3.3. Nicht umstritten sind die von der Beschwerdeführerin erhobenen Einwände, die
beiden Hochbauprojekte Zentrumsüberbauung und Rathaus würden unterirdisch
zusammenhängen und die Überbauungen könnten nur verwirklicht werden, wenn die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Infrastruktur- und Verkehrsanlagen vorgängig erstellt und auf den geläufigen Standard
gebracht worden sind. Der Umkehrschluss, das vorliegende Erschliessungsprojekt sei
ausschliesslich auf die vom Stadtrat in den letzten Jahren angedachten bzw. mit dem
bisherigen Investor ausgearbeiteten und im Anhang 1 der Informationsbroschüre zur
Urnenabstimmung vom 28. November 2010 erneut der Öffentlichkeit vorgestellten
Neuüberbauung zugeschnitten, trifft jedoch nicht zu. Die neue
Werkleitungserschliessung, die - wie bereits gesagt - wegen dem Strassenprojekt
ohnehin erneuert werden muss, ist im Gegenteil auf eine unbestimmte, in den
betroffenen Zonen (Kernzone und Zone für öffentliche Bauten und Anlagen)
zweckmässige Überbauung ausgelegt.
3.4. Aus dem Gesagten folgt somit wie bereits im Urteil B 2009/205 vom
16. September 2010 E. 3.4. (www.gerichte.sg.ch) ausgeführt, dass zwischen dem
vorliegenden Kreditbeschluss und den weiteren Teilbereichen des
Stadtenwicklungsprojekts kein zwingender Sachzusammenhang besteht. Die
Stimmbürger werden in einem späteren Zeitpunkt unabhängig von den Infrastruktur-
und Verkehrsanlagen darüber beschliessen können, ob anstelle des heutigen
Rathauses ein Neubau errichtet und dieser von einem Investor erstellt oder durch die
Stadt selbst realisiert bzw. ob das Teilgebiet Freihof/Müller für die vorgesehene
Zentrumsüberbauung freigegeben werden soll. Im Übrigen ist in der Zwischenzeit der
langjährige Investor wegen der langen Verfahrensdauer abgesprungen, weshalb heute
ohnehin noch nicht feststeht, wie das betroffene Gebiet dereinst konkret genutzt und
überbaut werden soll. Gemäss Mitteilung vom 1. März 2011 wird der Stadtrat seine
Grundstücke erneut zum Verkauf ausschreiben. Mit Blick auf die ungünstige
Verkehrssituation und die gesetzliche Erschliessungspflicht der Gemeinde macht es
aber Sinn, die Infrastruktur- und Verkehrsanlagen vorzuziehen und erst in einem
zweiten Schritt darüber zu entscheiden, ob, wann und wie die Gebiete Rathaus und
Freihof/Müller neu überbaut werden sollen.
4. Zusammenfassend ergibt sich, dass den Stimmbürgern das vorliegende Projekt in
einer separaten Vorlage zur Beschlussfassung unterbreitet werden durfte und dass
damit die Einheit der Materie nicht verletzt wurde. Die Beschwerde ist demzufolge
abzuweisen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
5. Dem Verfahrensausgang entsprechend gehen die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens zulasten der Beschwerdeführerin (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. xy.-- ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Sie wird mit dem geleisteten
Kostenvorschuss in gleicher Höhe verrechnet.
Ausseramtliche Entschädigungen sind nicht zuzusprechen (Art. 98 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 98bis VRP).
Demnach hat das Verwaltungsgericht