# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 083561b7-11ab-44cc-a720-6bfddf969fda
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der 1964 geborene X._
meldete der Suva zwei Schadenereignisse, eines vom
1. Januar 2016 (richtig: 1.
Dezember 2016)
sowie eines vom
1.
November 2017 (richtig: 20.
Oktober 2017).
Die Suva erbrachte in der Fol
ge sowohl für das Ereignis
vom 1.
Dezember 2016 wie auch
vom 20.
Oktober 2017 die gesetzlichen Leistungen. Hinsichtlich des ersten Ereignisses stellte
sie diese mit Verfügung vom 22.
Oktober 2018 – unter Hinweis darauf, dass die heute bestehenden Knie
beschwerden nicht mehr unfallbedingt seien – rückwirkend per
12. Januar 2017 ein
. Betreffend den zweiten Unfall stellte sie diese mit gleicher
Begründung mit Verfügung vom 7. Februar 2019 rückwirkend per 1.
Deze
mber 2017 ei
n
. An den Leistungseinstellungen hielt sie auf Einsprache des Versicherten hin
mit
Einspracheentscheid
vom
14.
Dezember 2018
(Unfall vom
1.
Dezember 2016
)
und 3.
Mai 2019 (
Unfall vom 2
0.
Oktober 2017) fest.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 1
4.
Dezember 2018 erhob der Versicherte am 3
1.
Januar 2019 Beschwerde beim hiesigen Sozialversicherungsgericht
(Prozess UV.2019.00029)
. Sodann erhob er mit Eingabe vom 5. Juni 2019 Beschwerde gegen den
Einspracheent
scheid
vom
3.
Mai 2019
(Prozess UV.2019.00151)
.
Das hiesige Gericht vereinigte beiden Verfahren unter der Prozessnummer UV.2019.00029 und schrieb den Prozess Nr. UV.2019.00151 als dadurch erledigt ab. Mit Urteil vom 19. Mai 2020 (UV
.2019.00029
) wurde die Beschwerde vom 31. Januar 2019 in dem Sinne gutgeheissen, dass der
Einspracheentscheid
vom 14. Dezember 2018 (Unfall vom 1. Dezember 2016) aufgehoben und die Sache zur weiteren Abklärung an die Suva zurückgewiesen wurde, damit sie über ihre Leistungen ab 12. Januar 2017 neu verfüge. Die Beschwerde vom 5. Juni 2019 (Unfall vom 20. Oktober 2017) wurde abgewiesen (Urk. 2).
2.
Mit Eingabe vom 5. Juli 2021 stellte der Versicherte beim hiesigen Gericht ein R
evisionsbegehren
und beantragte,
das Urteil vom 19. Mai 2020 sei hinsichtlich der Abweisung der Beschwerde vom 5. Juni 2019 (UV.2019.00151) in Revision zu ziehen und es sei die Suva zu verpflichten, die gesetzlichen Leistungen für das Unfallereignis vom 20. Oktober 2017 zu erbringen. Eventuell sei die Sache zur Klärung des Leistungsanspruchs aus dem Ereignis vom 20. Oktober 2017 an die Suva zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2).
Mit Eingabe vom 14. September 2021 beantragte die Suva, auf das Revisionsgesuch des Versicherten sei nicht einzutre
ten, eventuell sei es abzuweisen (Urk. 7). Dies wurde dem Gesuchsteller mit Verfügung vom 17. September 2021 zur Kenntnis gebracht (Urk. 10).
Mit Eingabe vom 30. September 2021 reichte der Gesuchsteller eine Stellungnahme ein (Urk. 11).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gegen rechtskräftige Entscheide des Gerichts kann von den am Verfahren Betei
ligten unter anderem Revision verlangt werden, wenn sie neue erhebliche Tatsachen erfahren oder Beweismittel auffinden, die sie im früheren Verfahren nicht beibringen konnten (§ 29
lit
. a
des Gesetzes über das Soz
ialversicherungs
gericht,
GSVGer
;
vgl. Art. 61
lit
. i
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Der Begriff «neue Tatsachen oder Beweismittel» ist bei der Revision eines kanto
nalen Gerichtsentscheides gleich auszulegen wie bei der Revision formell rechtskräftiger Verfügungen und
Einspracheentscheide
nach Art. 53 Abs. 1 ATSG und der Revision eines Bundesgerichtsurteils nach Art. 123 Abs. 2
lit
. a
des Bundesgeset
zes über das Bundesgericht (BGG;
vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_323/2016 vom 11. August 2016 E. 2 mit Hinweisen).
Neu sind demnach Tatsachen, die sich bis zum Zeitpunkt, da im Hauptverfahren noch tatsächliche Vorbringen prozessual zulässig waren, verwirklicht haben, jedoch dem Revisionsgesuchsteller trotz hinreichender Sorgfalt nicht bekannt waren. Die neuen Tatsachen müssen ferner erheblich sein, das heisst sie müssen geeignet sein, die
tatbeständliche
Grundlage des angefochtenen Urteils zu verändern und bei zutreffender rechtlicher Würdigung zu einer anderen Entschei
dung zu führen. Neue Beweismittel haben entweder dem Beweis der die Revision begründenden neuen erheblichen Tatsachen oder dem Beweis von Tatsachen zu dienen, die zwar im früheren Verfahren bekannt gewesen, aber zum Nachteil des Gesuchstellers unbewiesen geblieben sind. Erheblich ist ein Beweismittel, wenn anzunehmen ist, es hätte zu einem anderen Urteil geführt, falls das Gericht im Hauptverfahren davon Kenntnis gehabt hätte. Ausschlaggebend ist, dass das Beweismittel nicht bloss der Sachverhaltswürdigung, sondern der Sachverhalts
feststellung dient. Es bedarf dazu neuer Elemente tatsächlicher Natur, welche die Entscheidungsgrundlagen als objektiv mangelhaft erscheinen lassen (BGE 143 V 105 E. 2.3, 138 V 324 E. 3.2 mit Hinweisen; vgl. Urteil des Bundes
gerichts 8C_210/2017 vom 22. August 2017 E. 7.1).
1.2
Gemäss §
30
GSVGer
ist das Revisionsgesuch innert 90 Tagen, von der Ent
deckung des Revisionsgrundes
an gerechnet
, beim Gericht schriftlich einzu
reichen (
Abs.
1). Nach Ablauf von zehn Jahren seit der Mitteilung des Entscheids ist ein Revisionsgesuch nur noch aus den in
§
29
lit
. b und c
GSVGer
genannten Gründen zulässig (
Abs.
2).
2.
2.1
Der Gesuchsteller mach
t
einen Revisionsgrund gemäss § 29
lit
. a
GSVGer
geltend
(S. 3 Ziff. 2). Im Gutachten vom 1. April 2021, welches die
Gesuchsgegnerin
bei Prof.
Dr.
med.
Y._
, Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bew
egungsapparates FMH, in Auftrag
gegeben habe, sei letzter
er
zum eindeuti
gen Schluss gelangt, dass das zweite Unfallereignis vom 20. Oktober 2017 - entgegen der Ansicht des hiesigen Gerichts - überwiegend wahrscheinlich kausal für den Gesundheitsschaden am linken Knie gewesen sei. Dieses habe das vorge
schädigte Knie komplett zur Dekompensation gebracht. Der Unfall vom 20. Oktober 2017 stelle somit eine richtungsgebende Verschlimmerung eines Vorzustandes dar. Dementsprechend erweise sich das Urteil des hiesigen Gerichts vom 19. Mai 2020 hinsichtlich des Unfallereignisses vom 20. Oktober 2017 als falsch und dem Gesuchsteller seien die gesetzlichen Leistungen zu erbringen
(S. 4 f. Ziff. 9).
2.2
Demgegenüber stellte sich die
Gesuchsgegnerin
auf den Standpunkt (Urk.
7)
, mit dem Gutachten vom 1. April 2021 liege kein Revisionsgrund vor. Dadurch werde keine neue, erhebliche Tatsache bewiesen. Es handle sich lediglich um eine neue Würdigung beziehungsweise Beurteilung eines medizinischen Sachverhalts, namentlich der Frage des natürlichen Kausalzusammenhangs (S. 5 Ziff. 9).
3.
3.1
Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung hat im (prozessualen) Revisionsver
fahren der Gesuchsteller die erhebliche neue Tatsache nachzuweisen (BGE 127 V 353 E. 5b; statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_291/2015 vom 12. Juni 2015 E. 3.2 mit Hinweisen).
Betrifft der Revisionsgrund eine materielle Anspruchsvoraussetzung, deren Beur
teilung massgeblich auf Schätzung oder Beweiswürdigung beruht, auf Elementen also, die notwendigerweise Ermessenszüge aufweisen, so ist eine vorgebrachte neue Tatsache als solche in der Regel nicht erheblich. Ein (prozessrechtlicher) Revisionsgrund fällt demnach überhaupt nur in Betracht, wenn bereits im
ursprünglichen Verfahren der untersuchende Arzt und die entscheidende Behörde das Ermessen wegen eines neu erhobenen Befundes zwingend anders hätten ausüben und infolgedessen zu einem anderen Ergebnis hätten gelangen müssen. An diesem
prozessualrevisionsrechtlich
verlangten Erfordernis fehlt es, wenn sich das Neue im Wesentlichen in (differenzial-)diagnostischen Überlegungen erschöpft, also auf der Ebene der medizinischen Beurteilung anzusiedeln ist (BGE 144 V 245 E. 5.3 mit Hinweisen).
3.2
Auf dieser Ebene der medizinischen Beurteilung sind die Ausführungen und Einschätzungen von Prof.
Dr.
Y._
einzuordnen: Er bringt keine neuen Tatsachen
hinsichtlich de
s
Ereignis
ses
vom 20. Oktober 2017
hervor, sondern
beurteilt dessen Einfluss auf
das
vorgeschädigte Kniegelenk anders.
Im Urteil vom 19. Mai 2020 war streitig und wurde geprüft, ob die Beschwerden im Zusammen
hang mit der Kreuzbandruptur links auf das Ereignis vom 1. Dezember 2016 oder auf jenes vom 20. Oktober 2017 zurückzuführen war
en
. Nach Würdigung der Akten kam das hiesige Gericht zum Schluss, die Kreuzbandruptur sei nicht kausal zum Ereignis vom 20. Oktober 2017 (Urk. 2 S. 11 E. 5.2.1). Auch Prof.
Dr.
Y._
hielt fest, dass im MRI-Befund vom 26. Oktober 2017 keine Zeichen einer akuten K
reuzbandruptur zu sehen seien
. Seine Analyse habe gezeigt, dass die Kreuzbandruptur früheren Ursprungs sein könne
(Urk. 3 S. 11 oben).
Die Vorschädigung ist gemäss Prof.
Dr.
Y._
auf das Ereignis vom 1. Dezember 2016 zurückzuführen (Urk. 3 S. 11 unten). Eine neue, erhebliche Tatsache, welche einen Revisionsgrund betreffend die Abweisung der Beschwerde vom 5. Juni 2019 hinsichtlich de
s
Unfallereignis
ses
vom 20. Oktober 2017
darstellt, ist aus dem Gutachten von Prof.
Dr.
Y._
nicht ersichtlich.
Seine Beurteilung, dass am 20. Oktober 2017 ein Unfallereignis das
(unfallbedingt)
vorgeschädigte Knie
gelenk komplett zur Dekompensation gebracht habe,
ist im Rahmen des laufen
den Verwaltungsverfahren
s
zu würdigen.
Dabei genügt eine Teilkausalität des ersten Unfalles für eine Haftung der Beschwerdegegnerin, weshalb sich überdies die Frage des Rechtsschutzinteresses stellt; angesichts des klaren Ergebnisses braucht hierauf nicht weiter eingegangen zu werden.
3.3
Nach dem Gesagten ist kein Revisionsgrund ersichtlich, womit das Revisions
gesuch abzuweisen ist.