# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 6cf6c8f2-7a27-57e5-88a0-046fcad84c98
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Mit Gesamtentscheid vom 6. August 2014 erteilte das Regierungsstatthalteramt
Bern-Mittelland der Beschwerdeführerin die Baubewilligung für den Neubau einer
Maschinenhalle mit Werkstatt inklusive Zufahrten und Vorplätzen, eine Waschanlage für
landwirtschaftliche Maschinen sowie eine Photovoltaikanlage auf Parzelle Schwarzenburg
Grundbuchblatt Nr. C._. Die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons
Bern (BVE) hiess eine dagegen erhobene Beschwerde am 20. November 2014 gut und
hob die vorinstanzliche Baubewilligung wieder auf (RA Nr. 110/2014/99). Dagegen wurde
keine Beschwerde erhoben.
RA Nr. 120/2018/81 2
Mit Gesamtentscheid vom 7. September 2016 erteilte das Regierungsstatthalteramt Bern-
Mittelland der Beschwerdeführerin die Baubewilligung für den Neubau eines Lagerplatzes
für Landmaschinen, Motorfahrzeuge und Futtermittel, für das Erstellen einer
Entwässerungsanlage und für die Einkofferung der neuen Zufahrtsstrasse. Der Lagerplatz
befindet sich auf dem südlichen Teil der Parzelle Schwarzenburg 2 Grundbuchblatt
Nr. C._, welche als Baurechtsparzelle zugunsten der Beschwerdeführerin
ausgeschieden ist (Baurechtsparzelle Schwarzenburg 2 Grundbuchblatt Nr. D._).
Die Zufahrt führt über die Parzelle Schwarzenburg 2 Grundbuchblatt Nr. E._ im
Eigentum der Gemeinde. Die Parzellen liegen in der Arbeitszone A3 und im
Gewässerschutzbereich B. Eine gegen den Entscheid des Regierungsstatthalteramts
erhobene Beschwerde wies die BVE am 9. März 2017 ab, soweit sie darauf eintrat (RA Nr.
110/2016/148). Dieser Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
2. Nach diversen Anzeigen eines Nachbarn erliess die Gemeinde Schwarzenburg am
22. November 2018 folgende Verfügung: "1. Der A._ wird untersagt, die öffentliche Strasse Parzelle Schwarzenburg 2 Gbbl.-Nr.
E._ und den Strassenabstandsstreifen nach Ziff. 1 hiervor als Lagerplatz zu benützen.
2. Die A._ wird verpflichtet, sämtliche auf der Baurechtsparzelle Schwarzenburg 2 Gbbl.-
Nrn. D._ in einem Abstand von 3,60 m zur Strassenparzelle Schwarzenburg 2 Gbbl.-Nr.
E._ (Strassenabstandsstreifen) abgelagerten Gegenstände innert 30 Tagen ab
Rechtskraft der vorliegenden Verfügung zu räumen.
3. Der A._ wird untersagt, auf Flächen, deren Regenabwasser versickert, insbesondere auf
dem Lagerplatz auf der Baurechtsparzelle Schwarzenburg 2 Gbbl.-Nrn. D._ sowie der
Zugangsstrasse (Strassenparzelle Schwarzenburg 2 Gbbl.-Nr. E._), Unterhalts-, Wasch-
und Reparaturarbeiten irgendwelcher Art durchzuführen. Zudem darf sie dort keine Unfall- und
Pannenfahrzeuge, Altfahrzeuge, Fahrzeugteile oder ausgedienten Sachen abstellen oder
wassergefährdende Stoffe verwenden, lagern oder umschlagen. Schliesslich wird ihr untersagt,
Dritten die genannten Verhaltensweisen zu erlauben."
4. [Androhung der Ersatzvornahme]
5. [Hinweis auf Möglichkeit eines nachträglichen Baugesuchs innert Rechtsmittelfrist]
6. [Androhung Busse]
7. Im Übrigen werden keine weiteren baupolizeilichen Massnahmen angeordnet.
8. [Verfahrenskosten]
9. [Parteikosten]
10.[Rechtsmittelbelehrung]
11.[Eröffnung]"
RA Nr. 120/2018/81 3
3. Die Beschwerdeführerin verzichtete auf die Einreichung eines nachträglichen
Baugesuchs. Stattdessen reichte sie gegen die Verfügung vom 22. November am
18. Dezember 2018 Beschwerde bei der BVE ein. Sie beantragt die Aufhebung der
Verfügung.
4. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Dem Anzeiger wurde Gelegenheit
gegeben, sich am Beschwerdeverfahren zu beteiligen und eine Beschwerdeantwort
einzureichen. Mit Eingabe vom 18. Januar 2019 verzichtete die Gemeinde unter Verweis
auf die Vorakten auf das Einreichen einer förmlichen Vernehmlassungseingabe. Vom
Anzeiger ging keine Eingabe ein, so dass dieser stillschweigend auf eine Beteiligung am
weiteren Verfahren verzichtete. Das Rechtsamt edierte in der Folge beim
Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland die Vorakten der Baubewilligungsverfahren bbew
528/2012 (Maschinenhalle mit Werkstatt; Entscheid des Regierungsstatthalteramts vom
6. August 2014) und bbew 319/2015 (Lagerplatz, Entwässerungsanlage und Einkofferung
der neuen Zufahrtsstrasse; Entscheid des Regierungsstatthalteramts vom 7. September
2016). Die Gemeinde reichte sodann auf Wunsch des Rechtsamts eine Kopie der Pläne
des Entscheids vom 7. September 2016 ein.
5. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintretensvoraussetzungen
Gemäss Art. 49 Abs. 1 BauG2 können baupolizeiliche Verfügungen nach Art. 45 bis 48
BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (Organisationsverordnung BVE, OrV BVE; BSG 152.221.191) 2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0)
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Die Beschwerdeführerin ist als Adressatin durch die angefochtene Verfügung beschwert
und daher zur Beschwerde legitimiert. Auf ihre form- und fristgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten.
2. Zufahrtsstrasse
a) Die Beschwerdeführerin verfügt auf der Parzelle Schwarzenburg 2 Grundbuchblatt
Nr. C._ über ein selbständiges und dauerndes Baurecht. Auf dieser
Baurechtsparzelle Schwarzenburg 2 Grundbuchblatt Nr. D._ erteilte das
Regierungsstatthalteramt der Beschwerdeführerin mit Gesamtentscheid vom 7. September
2016 die Baubewilligung für den Neubau eines Lagerplatzes. Gleichzeitig wurde ihr mit
diesem Entscheid auf der angrenzenden Parzelle Schwarzenburg 2 Grundbuchblatt Nr.
E._ – mit Zustimmung der Gemeinde als Grundeigentümerin – die Einkofferung
der neuen Zufahrtsstrasse bewilligt. Die BVE bestätigte diese Baubewilligung mit Entscheid
vom 9. März 2017 (RA Nr. 110/2016/148). Dabei kam die BVE zum Schluss, dass der
Lagerplatz genügend erschlossen ist. Sie führte u.a. aus: - "Die Erschliessung erfolgt von der F._strasse im Norden über das neu abparzellierte
Grundstück Schwarzenburg 2 Grundbuchblatt Nr. E._, welches im Eigentum der
Einwohnergemeinde Schwarzenburg steht.[...] Ein Teil der Zufahrt über die Parzelle
Schwarzenburg 2 Grundbuchblatt Nr. E._ ist bewilligt und besteht bereits. Im südlichen
Bereich muss ein kurzes Stück der Zufahrt noch erstellt werden. Dieses Stück ist Gegenstand
des vorliegenden Baugesuchs ("Einkofferung der neuen Zufahrtsstrasse")." (E. 2c)
- Die Gemeinde hat das Baugesuch der Beschwerdegegnerin als Grundeigentümerin der
Parzellen Schwarzenburg 2 Grundbuchblatt Nrn. E._ und C._ mitunterzeichnet
und dem Bauvorhaben inklusive der Einkofferung der Zufahrt damit zugestimmt. [...] Die
Beschwerdegegnerin ist auch dazu berechtigt, die Zufahrt auf dem Boden der
Einwohnergemeinde Schwarzenburg zu nutzen. Gemäss Parzellierungsurkunde vom 7. April
2016 (Urschrift Nr. G._) erklärt die Einwohnergemeinde Schwarzenburg mit Ziffer III.2.bb
allfällige Leitungen irgendwelcher Art sowie die Wegrechte, welche das abgetrennte Teilstück
betreffen könnten, ohne Grundbucheintrag zu dulden. Die Einwohnergemeinde Schwarzenburg
widmet diese Strasse dauernd dem öffentlichen Gebrauch. Die Beschwerdegegnerin darf die
Zufahrt damit auch nutzen. Im Übrigen ergibt sich das Recht zur Erstellung der
Erschliessungsanlagen, die für den Bau und die Benützung der auf dem Baurechtsareal
erstellten Bauten notwendig sind, bereits aus Ziffer 7 des Baurechtsvertrags vom 6. September
2012 (Urschrift Nr. 9012)." (E. 2d)
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- "Im bewilligten Plan "Grundriss" vom 17. Juni 2015 ist der Strassenabstand gegenüber der
Parzelle Schwarzenburg 2 Grundbuchblatt Nr. E._ mit 3,60 m eingetragen. Die
Baubewilligung sieht damit keine Nutzung dieses Streifens als Abstellfläche vor. Sollte die
Beschwerdegegnerin diesen entgegen der Baubewilligung und damit unzulässigerweise für das
Abstellen von Fahrzeugen oder Futtermitteln nutzen, so wäre es an der Gemeinde als
Baupolizeibehörde, einzuschreiten." (E. 3d)
b) Die Beschwerdeführerin bringt in ihrer Beschwerde vom 18. Dezember 2018 vor,
entgegen der Annahme der Gemeinde sei auf der Parzelle Nr. E._ noch keine
Strasse gebaut worden. Sie habe auf der abparzellierten Fläche auf eigene Kosten eine
Einkoffer-ung erstellt. Durch diese Einkofferung alleine stelle die betreffende Fläche noch
keine Strasse dar. Sie diene zudem momentan einzig ihr als Zufahrt der Baurechtsparzelle
Nr. D._. Die fragliche Parzelle sei daher von der Gemeinde zu Unrecht als
öffentliche Strasse qualifiziert worden. Wäre die eingekofferte Parzelle wider Erwarten als
öffentliche Strasse zu qualifizieren, so müsste die Gemeinde ihr die Kosten der
Einkofferung zurückerstatten und wäre für den Unterhalt der Strasse zuständig. Mangels
Einstufung als öffentliche Strasse sei kein Strassenabstand von 3.60 m einzuhalten.
c) Im Grundrissplan vom 17. Juni 2015 mit Anpassung vom 22. April 2016 und
Bewilligungsstempel des Regierungsstatthalteramts Bern-Mittelland vom 7. September
20163 ist nicht nur die neue Zufahrtsstrasse auf der Parzelle Schwarzenburg 2
Grundbuchblatt Nr. E._ eingetragen, sondern auch der Strassenabstand von 3.60
m gegenüber dieser Parzelle. Wie bereits im Entscheid der BVE vom 9. März 2017
festgehalten (vgl. E. 2a), ist damit auf diesem Streifen keine Nutzung als Abstellfläche
vorgesehen. Weder für den Bereich der Zufahrtsstrasse noch für den eingetragenen
Strassenabstandsstreifen von 3.60 m wurde damit ein Lagerplatz bzw. eine Abstellfläche
bewilligt. Nicht nachvollziehbar ist der Einwand der Beschwerdeführerin, wonach sich aus
dem Vermerk "Strassenabstand Lagerfläche" auf diesem Plan eindeutig ergebe, dass der
Strassenabstand von 3.60 m von ihr als Lagerfläche benutzt werden dürfe. Dieser Vermerk
macht vielmehr deutlich, dass die Lagerfläche diesen Strassenabstand einzuhalten hat.
Unabhängig von der Frage, ob es sich um eine öffentliche Strasse handelt oder nicht, ist
daher das Verbot der Benutzung dieser Bereiche als Lagerplatz (Ziff. 1 der angefochtenen
3 Als Kopie eingereicht von der Beschwerdeführerin, vgl. Beschwerdebeilage Nr. 7, vgl. auch Vorakten des Baubewilligungsverfahrens bbew 319/2015, pag. 239.
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Verfügung) und das Entfernen der abgelagerten Gegenstände in diesen Bereichen (Ziff. 2
der angefochtenen Verfügung) nicht zu beanstanden.
d) Dazu kommt, dass es sich bei der vorliegenden Zufahrt auf der Parzelle
Schwarzenburg 2 Grundbuchblatt Nr. E._ entgegen der Ansicht des
Beschwerdeführers um eine öffentliche Strasse handelt. Als öffentliche Strassen gelten
nach Art. 4 Abs. 1 SG4 die dem Gemeingebrauch offenstehenden Strassen, Wege und
Plätze. Gemäss Parzellierungsurkunde vom 7. April 2016 (Urschrift Nr. G._)5
widmet die Gemeinde als Grundeigentümerin die Strasse auf der Parzelle Schwarzenburg
2 Grundbuchblatt Nr. E._ dauernd dem öffentlichen Gebrauch.6 Diese Strasse
steht damit dem Gemeingebrauch offen, auch wenn diese auf Höhe der Baurechtsparzelle
Schwarzenburg 2 Grundbuchblatt Nr. D._ erst als ausgekofferter Zugang
ausgestaltet ist und derzeit primär der Beschwerdeführerin als Erschliessung dieser
Baurechtsparzelle dient. Dass die Beschwerdeführerin die Einkofferung selber finanziert
hat, ändert daran nichts.
Auch aus diesem Grund ist der Strassenabstand von 3.60 m gemäss Art. 80 Abs. 1 Bst. b
SG einzuhalten und sind die Ziffern 1 und 2 der angefochtenen Verfügung rechtens.
e) Die Beschwerdeführerin argumentiert weiter, der Baurechtsvertrag vom 6. September
2012, der für die Parzelle Schwarzenburg 2 Grundbuchblatt Nr. C._
abgeschlossen worden sei, gelte auch für die davon später abparzellierte Parzelle
Schwarzenburg 2 Grundbuchblatt Nr. E._. Es sei ihr daher gestattet, auch diese
Parzelle zu nutzen. Vor der Abparzellierung sei vereinbart worden, dass dieser Bereich zur
späteren Erschliessung der südlich angrenzenden Fläche vorgesehen sei. In der
Baubewilligung des Regierungsstatthalteramts vom 6. August 2014 sei aber die Auflage
aufgenommen worden, dass Bauten und Anlagen sowie Materialdepots auf der
vorgesehenen Erschliessung als kleine, leicht entfernbare Bauten und Anlagen toleriert
würden. Die Parteien seien sich weiterhin einig, dass sie die Fläche nutzen dürfe, mit der
Verpflichtung, im Zeitpunkt der Ausführung des Projekts Ringstrasse die Einkofferung
4 Strassengesetz vom 4. Juni 2008 (SG; BSG 732.11). 5 Vorakten des Baubewilligungsverfahrens bbew 319/2015 (Lagerplatz, Entwässerungsanlage und Einkofferung der neuen Zufahrtsstrasse), pag. 225. 6 Vgl. auch Entscheid BVE RA Nr. 110/2016/148, E. 2d.
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zurückzubauen und die Fläche freizugeben, damit die beabsichtigte öffentliche Strasse
erstellt werden könne.
Der Inhalt bzw. Umfang eines Baurechtsvertrags und damit einer zivilrechtlichen
Vereinbarung ist nicht im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens zu prüfen, weshalb auf
die diesbezüglichen Vorbringen vorliegend grundsätzlich nicht einzutreten ist. Hier
erscheint es trotzdem angebracht, darauf einzugehen, da der Argumentation der
Beschwerdeführerin offensichtlich nicht gefolgt werden kann. Entgegen ihren Vorbringen
umfasst die Baurechtsparzelle gemäss Baurechtsvertrag vom 6. September 20127 die
nachträglich abparzellierte Parzelle Schwarzenburg 2 Grundbuchblatt Nr. E._
nicht. Gemäss diesem Baurechtsvertrag wurde der Beschwerdeführerin das Baurecht
Nr. D._ auf einem Teilstück von 2'296 m2 an der Parzelle Schwarzenburg 2
Grundbuchblatt Nr. C._ erteilt. Dieses Teilstück von 2'296 m2 entspricht exakt der
im Grundbuch angegebenen Grösse der heutigen Baurechtsparzelle Schwarzenburg 2
Grundbuchblatt Nr. D._, welche die abparzellierte Parzelle Schwarzenburg 2
Grundbuchblatt Nr. E._ nicht umfasst. Die BVE führte bereits im Entscheid vom
20. November 2014 aus, dass das Baurecht diesen Teil nicht umfasse (RA Nr.
110/2014/99, E. 3e). In diesem Verfahren kam im Übrigen die Beschwerdeführerin selber
zum Schluss, dass die heutige Parzelle Schwarzenburg 2 Grundbuchblatt Nr. E._
nicht Teil des damaligen Baurechtsvertrags war.8 Im Plan der Baubewilligung vom 7.
September 2016 hat die Beschwerdeführerin schliesslich die Grenze des Baurechts
ebenfalls so eingetragen, dass dieses den Bereich der Zufahrtsstrasse nicht umfasst.9
Ebenso wenig hilft ihr der Einwand, dass die Gemeinde gemäss Auflage im Entscheid des
Regierungsstatthalteramts vom 6. August 2014 Materialdepots als kleine, leicht entfernbare
Bauten und Anlagen auf dieser Fläche tolerierte. Erstens hob die BVE diesen Entscheid im
Beschwerdeverfahren auf, so dass auch diese Auflage keine Gültigkeit mehr hat. Zweitens
tolerierte die Gemeinde die Nutzung dieser Fläche zu einem Zeitpunkt, als diese noch nicht
abparzelliert war und von ihr noch nicht ausdrücklich als Strasse dem öffentlichen
Gebrauch gewidmet wurde (vgl. E. 2d). Die angefochtene Wiederherstellungsverfügung
zeigt, dass die Gemeinde eine solche Nutzung auf der Parzelle Schwarzenburg 2
7 Vorakten des Baubewilligungsverfahrens bbew 319/2015 (Lagerplatz, Entwässerungsanlage und Einkofferung der neuen Zufahrtsstrasse), pag. 31 bis 57. 8 Vgl. Beschwerdeantwort vom 2. Oktober 2014, S. 4, im Verfahren RA Nr. 110/2014/99, zu finden in den Vorakten des Baubewilligungsverfahrens bbew 528/2012 (Maschinenhalle mit Werkstatt), pag. 525. 9 Vgl. Plan Beschwerdebeilage Nr. 7.
RA Nr. 120/2018/81 8
Grundbuchblatt Nr. E._ (und im Strassenabstand) inzwischen nicht mehr toleriert.
Entsprechend kann keine Rede davon sein, dass sich die Parteien – wie dies die
Beschwerdeführerin moniert – weiterhin einig seien, dass sie diese Fläche nutzen dürfe.
f) Zusammenfassend handelt es sich bei der vorliegenden Zufahrt auf der Parzelle
Schwarzenburg 2 Grundbuchblatt Nr. E._ – der Ansicht der Gemeinde folgend –
um eine öffentliche Strasse. Der Beschwerdeführerin wurde sodann auf dieser Parzelle
und im Strassenabstand von 3.6 m nie eine Nutzung als Lagerfläche bewilligt. Schliesslich
ist diese Parzelle auch nicht Teil des Baurechtsgrundstückes der Beschwerdeführerin
gemäss dem Baurechtsvertrag zwischen der Gemeinde und der Beschwerdeführerin aus
dem Jahr 2012. Damit erweisen sich die Ziffer 1 und 2 der angefochtenen Verfügung als
rechtens.
3. Ziffer 3 der Wiederherstellungsverfügung
a) Im Gesamtentscheid des Regierungsstatthalteramts vom 7. September 2016 erklärte
dieses die Auflagen des Amtsberichts des Amtes für Wasser und Abfall (AWA) vom
10. September 2015 zum integrierenden Bestandteil. Dieser Amtsbericht10 enthielt folgende
Auflage (Ziff. 3.7): "Auf Flächen, deren Regenabwasser versickert wird, dürfen keinerlei Unterhalts-, Wasch- und
Reparaturarbeiten durchgeführt werden. Zudem dürfen keine Unfall- und Pannenfahrzeuge sowie
Altfahrzeuge, Fahrzeugteile oder ausgediente Sachen abgestellt werden. Desgleichen dürfen keine
wassergefährdenden Stoffe verwendet, gelagert oder umgeschlagen werden."
b) Im vorliegend angefochtenen Entscheid (S. 6) führte die Gemeinde u.a. aus, dass es
aufgrund der vom Anzeiger eingereichten Fotos als wahrscheinlich erscheine, dass im
August 2017 auf dem Lagerplatz an Maschinen nicht zugelassene Unterhalts-, Wasch- und
Reparaturarbeiten durchgeführt wurden. Dies könne aber offen bleiben, da diese Arbeiten
längst beendet seien, sich die Fahrzeuge nicht mehr dort befänden und insofern der
rechtmässige Zustand bereits wiederhergestellt worden sei. Es erscheine aber trotzdem
angezeigt, das Verbot gemäss Ziffer 3.7 des Amtsberichts des AWA vom 10. September
2015 auch baupolizeilich anzuordnen. Da es sich bei Wiederherstellungsverfügungen um
10 Vorakten des Baubewilligungsverfahrens bbew 319/2015 (Lagerplatz, Entwässerungsanlage und Einkofferung der neuen Zufahrtsstrasse), pag. 111.
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Dauerverfügungen handle, könne damit bei unveränderter Sach- und Rechtslage bei einem
erneuten Abweichen vom bewilligten Zustand ohne erneute Wiederherstellungsverfügung
die Wiederherstellung vollstreckt werden. In Ziffer 3 des angefochtenen Entscheids
verfügte die Gemeinde daher Folgendes: "Der A._ wird untersagt, auf Flächen, deren Regenabwasser versickert, insbesondere auf
dem Lagerplatz auf der Baurechtsparzelle Schwarzenburg 2 Gbbl.-Nrn. D._ sowie der
Zugangsstrasse (Strassenparzelle Schwarzenburg 2 Gbbl.-Nr. E._), Unterhalts-, Wasch-
und Reparaturarbeiten irgendwelcher Art durchzuführen. Zudem darf sie dort keine Unfall- und
Pannenfahrzeuge, Altfahrzeuge, Fahrzeugteile oder ausgedienten Sachen abstellen oder
wassergefährdende Stoffe verwenden, lagern oder umschlagen. Schliesslich wird ihr untersagt,
Dritten die genannten Verhaltensweisen zu erlauben."
c) Die Beschwerdeführerin rügt, eine Wiederherstellung könne nur verfügt werden,
wenn tatsächlich ein unrechtmässiger Zustand vorliege. Eine Wiederherstellungsverfügung
sei aber nicht dazu da, um ein Verbot baurechtlich anzuordnen, ohne dass überhaupt ein
widerrechtlicher Zustand vorliege. Die Behauptung des Anzeigers, dass sie im August
2017 die vom AWA verbotenen Unterhalts-, Wasch- und Reparaturarbeiten vorgenommen
habe, werde bestritten. Die Gemeinde schreibe bezüglich Ziffer 3 selber, dass kein
rechtswidriger Zustand vorliege und es um die Verhinderung zukünftiger Verstösse gehe.
In dem sie dennoch die Unterlassung bestimmter Handlungen anordnet, verletze sie
kantonales Recht.
d) Die vom Anzeiger eingereichten Fotos vom August 201711 belegen in eindeutiger
Weise, dass die Beschwerdeführerin auf nicht versiegelten Flächen Wascharbeiten an
Fahrzeugen vornahm. Die Beschwerdeführerin bestreitet dies zwar, führt dabei aber nicht
aus, wie die eindeutigen Bilder anders interpretiert werden könnten. Sie verstiess damit
gegen die Auflage des AWA im Gesamtentscheid des Regierungsstatthalteramts vom
7. September 2016. Es mag zwar zutreffen, dass sich diese Fahrzeuge im Moment des
Erlasses der Wiederherstellungsverfügung nicht mehr auf dem Gelände befanden und
damit in diesem Zeitpunkt kein widerrechtlicher Zustand mehr bestand. Es bestand daher
kein Bedarf mehr für die Anordnung einer Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands.
Wird eine bestimmte Tätigkeit verboten, so stellt das Andauern des unrechtmässigen
Zustands jedoch keine Voraussetzung für eine behördliche Intervention dar. Vielmehr
reicht es aus, wenn – wie vorliegend – nachweislich schon gegen dieses Verbot verstossen
11 Vorakten pag. 41.
RA Nr. 120/2018/81 10
wurde. Es ist daher aufgrund des Verstosses der Beschwerdeführerin gegen diese Auflage
nicht zu beanstanden, dass die Gemeinde das bereits verfügte Verbot mit identischem
Inhalt nochmals verfügt und bei einem erneuten Verstoss direkte Konsequenzen androht
(Ersatzvornahme, Busse).
4. Ergebnis und Kosten
a) Zusammenfassend ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf eingetreten
werden kann. Die Verfügung der Gemeinde wird bestätigt.
b) Die massgeblichen Sachverhaltselemente konnten anhand der zur Verfügung
stehenden Akten genügend überprüft bzw. festgestellt werden. Auf den von der
Beschwerdeführerin verlangten Augenschein konnte daher verzichtet werden, da von
diesem Beweismittel keine neuen relevanten Erkenntnisse zu erwarten waren.
c) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt die Beschwerdeführerin. Sie hat die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG12). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 1'600.00 (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV13). Als
unterliegende Partei hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf Parteikostenersatz
(Art. 108 Abs. 3 VRPG). Parteikosten werden daher keine gesprochen.