# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 3583d300-e3d1-5c09-a979-df8adf30011a
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit der Totalrevision
ihres Organisationsreglements und der Perimeterpläne. Unter anderem soll damit die
Entflechtung der Wasserbauaufgaben und der historisch gewachsenen, selbst gewählten
Aufgaben und Vermögenswerte vorgenommen werden. Der Entwurf wurde dem
Tiefbauamt (TBA) zur Vorprüfung eingereicht. Anschliessend wurde er vom 25. August
2017 bis 29. September 2017 öffentlich aufgelegt. Während der Auflagefrist erhob der
Beschwerdeführer Einsprache. Anlässlich der Einspracheverhandlung vom 17. Oktober
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2017 zog er seine Einsprache grösstenteils zurück und hielt einzig am Einwand bezüglich
Einhaltung des Gleichbehandlungsprinzips fest. An der Versammlung vom 19. Oktober
2017 beschlossen die Stimmberechtigten der Beschwerdegegnerin das neue Reglement
samt Anhängen und neuen Perimeterplänen. Mit Verfügung vom 30. Januar 2018
genehmigte das Tiefbauamt dieses Reglement nach Anhörung des Amts für Gemeinden
und Raumordnung (AGR) ohne Vorbehalt und wies die Einsprache des Beschwerdeführers
als öffentlich-rechtlich unbegründet ab.
2. Gegen diese Genehmigungsverfügung hat der Beschwerdeführer mit Eingabe vom
2. März 2018 Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern
(BVE) erhoben. Er macht geltend, das Gleichbehandlungsprinzip sei gegenüber einigen
Mitgliedern missachtet worden. Solange Gleichbehandlung nicht stattgefunden habe, sei er
nicht bereit, gemäss Gleichbehandlungsprinzip im Wasserbau zu bezahlen. Deshalb
beantrage er, dass rückwirkend auch für die letzten Jahre das Gleichbehandlungsprinzip
seine Gültigkeit gegenüber allen Mitgliedern haben solle.
3. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. In ihrer Beschwerdeantwort vom 30.
April 2018 beantragt die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, soweit
darauf eingetreten werde. Sie macht insbesondere geltend, mit der Beschwerde gegen die
Genehmigung eines Erlasses könnten keine Leistungen erwirkt werden. Es sei nicht
ansatzweise zu sehen, inwiefern das Reglement der Beschwerdegegnerin dem
Gleichbehandlungsgebot widersprechen solle. Vielmehr werde mit der damit
einhergehenden, konsequenten Entflechtung der gesetzlichen Wasserbauaufgaben und
der historisch gewachsenen, selbstgewählten Aufgaben gerade die Gleichbehandlung
ermöglicht. In seiner Vernehmlassung vom 30. April 2018 beantragt das Tiefbauamt die
Abweisung der Beschwerde, soweit darauf eingetreten werden könne. Es macht
insbesondere geltend, die Anträge würden unspezifisch und ausserhalb des
Verfahrensgegenstands gelegen erscheinen, die Rügen seien unsubstantiiert.

## Considerations

II. Erwägungen
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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1. Zuständigkeit, Beschwerdelegitimation und Frist
a) Schwellenkorporationen sind öffentlich-rechtliche Körperschaften, die grundsätzlich
dem Gemeindegesetz unterstehen (Art. 12 Abs. 2 WBG2 i.V.m. Art. 2 GG3). Ihr
Organisationsreglement bedarf deshalb zu seiner Gültigkeit der Genehmigung durch das
TBA (Art. 56 Abs. 1 GG i.V.m. Art. 12 Abs. 3 WBG und Art. 2a Abs. 2 Bst. c WBV4). Die
Genehmigungsverfügung des TBA kann bei der BVE angefochten werden (Art. 51 Abs. 3
WBG i.V.m. Art. 62 Abs. 1 Bst. a VRPG5). Die BVE ist somit zur Beurteilung der
Beschwerde zuständig.
b) Zur Beschwerde ist befugt, wer vor der Vorinstanz am Verfahren teilgenommen hat
oder keine Möglichkeit zur Teilnahme erhalten hat, durch die angefochtene Verfügung oder
den angefochtenen Entscheid besonders berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an
der Aufhebung oder Änderung der Verfügung oder des Entscheids hat (Art. 65 Abs. 1
VRPG). Der Beschwerdeführer hat als Einsprecher am vorinstanzlichen Verfahren
teilgenommen. Als Mitglied der Schwellenkorporation ist er vom neuen Reglement samt
Perimeterplänen besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an der
Aufhebung oder Änderung der Genehmigungsverfügung. Er ist deshalb zur Beschwerde
berechtigt.
c) Die Beschwerdefrist beträgt 30 Tage (Art. 67 VRPG). Die Beschwerdefrist beginnt
am Tag nach der Zustellung des Entscheides bzw. der Verfügung zu laufen (Art. 41 Abs. 1
VRPG). Zur Wahrung der Frist muss die Beschwerde vor Fristablauf der Behörde, der
schweizerischen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen
Vertretung übergeben werden (Art. 42 Abs. 1 und 2 VRPG). Die Verfügung wurde dem
Beschwerdeführer am 31. Januar 2018 zugestellt. Die 30-tägige Frist endete daher am
2. März 2018. Die Beschwerde wurde rechtzeitig am letzten Tag der Beschwerdefrist der
Post übergeben. Die Beschwerdefrist ist somit gewahrt.
2 Gesetz vom 14. Februar 1989 über Gewässerunterhalt und Wasserbau (Wasserbaugesetz, WBG; BSG 751.11) 3 Gemeindegesetz vom 16. März 1998 (GG; BSG 170.11) 4 Wasserbauverordnung vom 15. November 1989 (WBV; BSG 751.111.1) 5 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
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2. Streitgegenstand
a) Anfechtungsobjekt ist die Verfügung der Vorinstanz. Der Streitgegenstand braucht
sich nicht mit dem Anfechtungsobjekt zu decken, kann aber auch nicht über dieses
hinausgehen. Innerhalb dieses Rahmens bestimmen die Parteien den Streitgegenstand.
Sowohl für das Einleiten eines Beschwerdeverfahrens als auch für dessen Umfang und
eine allfällige vorzeitige Beendigung gelten somit die Verfügungs- oder Dispositionsmaxime
sowie das Rügeprinzip. Die Parteien können den Streitgegenstand im Verlauf des
Verfahrens nicht erweitern, sondern nur einschränken.6
b) Anfechtungsobjekt ist die Genehmigungsverfügung vom 30. Januar 2018.
Streitgegenstand kann deshalb einzig sein, ob die Vorinstanz das neue
Organisationsreglement der Beschwerdegegnerin zu Recht genehmigt hat.
c) Der Beschwerdeführer macht hauptsächlich geltend, der Vorstand der
Beschwerdegegnerin verwalte deren Grundstücke und könne über Näherbaurechte,
bestehende Zufahrten, Wald und Rodungsbewilligungen befinden. Das
Gleichbehandlungsprinzip sei gegenüber einigen Mitgliedern missachtet worden.
Näherbaurechte und Rodungsbewilligungen seien anderen Mitgliedern gewährt worden.
Dem Beschwerdeführer habe der Vorstand Sachen verwehrt, die andere beanspruchen
konnten. Solange die Gleichbehandlung bei ihm nicht stattgefunden habe, sei er nicht
bereit, gemäss dem Gleichbehandlungsprinzip im Wasserbau zu bezahlen. Der
Beschwerdeführer beantragt deshalb, dass rückwirkend auch für die letzten Jahre das
Gleichbehandlungsprinzip seine Gültigkeit haben soll gegenüber allen Mitgliedern,
namentlich in den Bereichen Näherbaurecht, bestehende Zufahrt, Rodungsbewilligung.
Damit wirft er Fragen auf, die in der angefochtenen Verfügung nicht geregelt werden.
Dieser Antrag überschreitet den Streitgegenstand und ist deshalb unzulässig. Insoweit
kann nicht auf die Beschwerde eingetreten werden.
3. Formvorschriften
6 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, Bern 1997, Art. 72 N. 6 bis 8
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a) Parteieingaben müssen gemäss Art. 32 Abs. 2 VRPG bestimmten
Mindestanforderungen an die Form genügen. Antrag, Begründung und Unterschrift
gehören zu den eigentlichen Gültigkeits- und Prozessvoraussetzungen. Das
Rechtsbegehren sollte so präzis gefasst sein, dass es unverändert ins Entscheiddispositiv
übernommen werden kann. Die Praxis ist jedoch vorab bei Laieneingaben nicht streng.
Dem Antragserfordernis ist bereits Genüge getan, wenn sich aus dem Zusammenhang und
unter Zuhilfenahme der Begründung sinngemäss ergibt, was verlangt wird.7 An die
Begründung einer Laienbeschwerde werden praxisgemäss ebenfalls keine hohen
Anforderungen gestellt. Jedoch muss aus einem Rechtsmittel ersichtlich sein, inwiefern
und weshalb der angefochtene Entscheid beanstandet wird. Die Begründung braucht nicht
zuzutreffen, sie muss aber sachbezogen sein. Es genügt nicht, bloss zu behaupten, der
angefochtene Entscheid sei falsch. Die Begründung muss sich wenigstens in minimaler
Form mit der angefochtenen Erkenntnis auseinandersetzen und sinngemäss darauf
schliessen lassen, welche Rechtsnormen oder Grundsätze der Ermessensausübung nach
Auffassung der opponierenden Partei verletzt oder inwiefern Sachverhaltselemente
unrichtig oder unvollständig festgestellt worden sind.8
b) Die Vorinstanz hat sich mit der aufrechterhaltenen Einsprache des
Beschwerdeführers betreffend Einhaltung des Gleichbehandlungsprinzips ausführlich und
nachvollziehbar auseinandergesetzt. Sie hat erläutert, nach welchen Kriterien die
Beschwerdegegnerin die Grundstücke den Beitragsklassen I und II zugewiesen hat, dass
es sich um sachliche Kriterien handle, die das Gleichbehandlungsprinzip nicht verletzten
würden, und dass die Zuweisung der Grundstücke des Beschwerdeführers in die
Beitragsklasse I (unmittelbare Gefährdung) gestützt darauf zu Recht erfolgt sei. Soweit der
Beschwerdeführer eine Ungleichbehandlung in der Entflechtung der Grundstücke für den
Wasserbau und die Spezialfinanzierung sehe, entspreche dies nicht einer freien Wahl der
Eigentümer. Massgebend sei das Kriterium der Aufgabenerfüllung (Wasserbau oder frei
gewählte Aufgaben ausserhalb des Wasserbaus). Die von den kantonalen Stellen
verlangte Entflechtung diene dem Schutz der Wasserbaugelder vor einer gesetzlich nicht
zulässigen Verwendung für nicht wasserbauliche Zwecke. Die Grundstücke des
7 vgl. BVR 2011 S. 391 E. 3.3; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 32 N. 13 8 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 32 N. 15; BVR 2006 S. 470 E. 2.4; BGE 131 II 470 E. 1.3
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Beschwerdeführers seien auch in diesem Punkt nicht anders behandelt worden als
vergleichbare Grundstücke.
c) Der Beschwerdeführer setzt sich mit den entsprechenden Erwägungen in der
angefochtenen Genehmigungsverfügung nicht auseinander. Er macht insbesondere nicht
geltend, das Organisationsreglement samt Perimeterplänen verletze das
Gleichbehandlungsgebot im Wasserbau. Vielmehr macht er Ausführungen zum
Gleichbehandlungsprinzip, das in der Vergangenheit gegenüber einigen Mitgliedern
missachtet worden sei. Diese Vorbringen gehen offensichtlich an der Sache vorbei. Aus
der Beschwerde wird somit nicht verständlich, inwiefern die angefochtene
Genehmigungsverfügung rechtsfehlerhaft sein soll. Gleichzeitig lässt sich aus den
Begehren, die der Beschwerdeführer in seiner Beschwerdeschrift formuliert hat, kein klarer
Antrag herauslesen. Zwar ist ersichtlich, dass er Gleichbehandlung verlangt. Es wird
jedoch nicht hinreichend verständlich, inwiefern die Genehmigungsverfügung konkret
abzuändern wäre. Da sich der Beschwerdeführer inhaltlich überhaupt nicht mit der
angefochtenen Genehmigungsverfügung auseinandersetzt, ist nicht erkennbar, was er
daran zu beanstanden hat. Die Beschwerde genügt deshalb weder bezüglich der Anträge
noch der Begründung den gesetzlichen Anforderungen. Es kann deshalb nicht darauf
eingetreten werden.
4. Kosten
a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt der Beschwerdeführer. Er hat deshalb
die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 400.00 (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV9).
b) Gemeinden und gemeinderechtliche Körperschaften haben in der Regel keinen
Anspruch auf Ersatz ihrer Parteikosten (Art. 104 Abs. 4 i.V.m. Art. 2 Abs. 1 Bst. b VRPG).
Die Voraussetzungen, um zugunsten der obsiegenden Beschwerdegegnerin
ausnahmsweise von diesem Grundsatz abzuweichen, sind hier nicht erfüllt.10 Parteikosten
werden deshalb keine gesprochen.
9 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21) 10 vgl. dazu allgemein BVR 2015 S. 581 E. 7.3
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