# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 33f0417e-1041-4807-a4e4-81d51d96f7ad
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der 1981 geborene
X._
war
seit 2005
bei der
Y._
tätig
(Urk. 3/11)
und in diesem Rahm
en bei der Basler Versicherung
AG
(fortan: Basler)
gegen di
e Folgen von Unfällen versichert
. Am 1
1.
Juli 2010 zog er sich
als Mit
fahrer
bei einem Autounfall in Kroatien
eine
Brustwirbelkörper
(
BWK
)
-12-Fraktur und ein Schädel-Hirn-Trauma mit
commotio
cerebri zu
(Unfallmeldung vom 1
2.
Juli 2010,
Urk.
16/2.1)
.
Noch gleichentags
wurde die Fraktur
in der
Z._
operativ versorgt
(
Urk.
16/3.1-3.2)
. Vom 1
7.
bis zum 2
9.
Juli 2010 befand sich der Versicherte zur
weiteren
medizinischen Versorgung im
A._
(
Urk.
16/3.4)
. Zwecks stationärer Rehabilitation
erfolgte so
dann
vom 2
9.
Juli bis zum 2
6.
Oktober 2010
(
Urk.
16/3.8)
sowie vom 14.
Februar bis zum 1
2.
Mai 2011
ein Aufenthalt
in der
B._
(Ur
k.
16/3.14)
. Nach weiteren
Hospitalisationen
in der
C._
und der Einholung einer
medizinischen Standortbestimmung im
D._
(Assess
men
tbericht der
E._
vom 23.
August 2011
Urk.
16/4.1
)
veranlasste
der Unfal
lversicherer bei der
F._
ein
e
Be
gutachtung (Orthopädie, Neurologie, Psychiatrie) des Versicherten
(Expertise vom
2
9.
November 2012,
Urk.
16/4.20
).
Die im Nachgang hierzu
ergriffenen
beruf
lichen
I
ntegrationsmassnahmen (
Casemanagement
durch den Unfallversicherer,
Belastbarkeitstrainings
seitens der Invalidenversicherung
,
Urk.
16/3.45, 16/4.78 S.
15-16
)
vermochten ihr Ziel nicht zu erreichen
.
Weil sich der Beschwerdeführer
in der Folge
weder mit einer erneuten Begutachtung noch mit der in Aussicht genommenen Abklärungsstelle (Urk.
16/4.33) einverstanden erklären konnte
(
Urk.
16/4.37)
,
liess die Basler ein psychiatrisches Aktengutachten erstellen
(
Urk.
16/4.38)
.
Der
damit
beauftragte psychiatrische Gutachter
,
Dr.
med. G._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
sprach sich
für die Anord
nung einer versicherungspsychiatrischen Einschätzung im Rahmen einer Explo
ratio
n aus (Aktenbeurteilung vom 23.
November 2015, Urk. 16/4.39),
weshalb
die Basler
nach einem ausgedehnten Schriftenwechsel betreffend die Wahl der Ab
klärungsstelle (
Urk.
16/4.44-
49, 16/4.56
, 4.64
)
eine polydisziplinäre Begutach
tung des Versicherten
bei der
H._
an
ordnete (
Urk.
16/4.54). Daran hielt der Unfallversicherer auf entspre
chenden
Einwand des Versicherten gegen die in Aussich
t genommene Begutachtungsstelle
hin
mit Verfügung vom
9.
Juni
2016
fest (
Urk.
16/5.6). Die hiergegen erhobene Beschwerde von
X._
vom 1
1.
Juli 2016 (
Urk.
16/5.6) hiess das Sozial
versicherungsgericht
des Kantons Zürich teilweise gut und änderte die ange
foch
tene Verfügung dahingehend ab,
als
für die Begutachtung zusätzlich ein Facharzt oder eine Fachärztin der Urologie mit Schwerpunkt Neuro-Urologie beizuziehen sei; im Übrigen
wies das Gericht
die Beschw
erde ab (Urteil vom 22.
Mai 2017, Urk.
16/5.16).
Am 1
0.
April 2018 erstattete die
H._
das interdisziplinäre Gutachten (Neuro
urologie,
Psychiatrie, Neurologie,
Orthopädie-Traumatologie, Urk.
16/4.78).
Mit Eingabe vom 2
0.
August 2018 (
Urk.
16/4.86) legte der Versicherte eine ärztliche Stellungnahme zum Gutachten der
H._
(
Stellungnahme des
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Neurochirurgie
,
vom 1
0.
August 2018,
Urk.
16/4.85) auf und schlug die Durchführung einer erneuten (unabhängigen) psychiatrischen Abklärung vor
.
Durch die Basler hierzu aufgefordert, äusserten sich die
Gutachter des
H._
am
6.
September
2018 zur Stellungnahme des Dr.
I._
(
Urk.
16/4.91)
.
Mit
Verfügung vom 24.
Oktober 2018
(Urk.
16/5.26) sprach
der Unfallversicherer
X._
ab
1.
Mai 2018
eine Rente bei einem Invalidi
tätsgrad von 29
%
(mon
atlicher Rentenanspruch von Fr.
1'320.75 bei einem
ver
sicherten Verdienst von Fr.
68'315.--)
, eine Integritätsentschädigung
bei einem Integritätsschaden
von 70
%
in Höhe von Fr.
88'200.--
sowie Heilungskosten nach
Art.
21 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) zu
(
Urk.
16/5.26
).
Dagegen erhob der Versicherte am 2
6.
November 2018 Einsprache
(
Urk.
16/5.27)
und legte am 1
1.
Juni 2019 das durch
Dr.
med. J._
,
Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie, am 2
6.
April 2019
erstellte psychiatrische Gutachten
(Urk.
16/4.92)
auf. Nachdem die Basler die Gutachter des
H._
auch
dazu hatten Stellung nehmen lassen (Stellungn
ahme vom 2
4.
Oktober 2019, Urk.
16/4.94
) und der Krankenversicherer von
X._
die am 7.
November 2019
(vorsorglich)
erhobene Einsprache
(
Urk.
16/5.36) zu
rückgezogen hatte (
Urk.
16/5.38
), wies der Unfallversicherer die Einsprache des
X._
mit Entscheid vom 1
7.
Dezember 2019 ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen liess
X._
am
3.
Februar 2020 Beschwerde erheben und be
antragen, es sei ihm in Aufhebung des angefochtenen Entscheids eine Invaliden
rente von 65
%
zuzusprechen. Nach mehrmals erstreckter Frist schloss die Beschwer
degegnerin mit Beschwerdeantwort vom 2
6.
Juni
2020 (
Urk.
13) auf Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerd
eführer mit Verfügung vom 8.
Juli 2020 angezeigt wurde (
Urk.
17).
Mit Eingabe vom 2
5.
August 2020 nahm der Beschwerdeführer Stellung zur Beschwerdeantwort (
Urk.
18 und 19) und erkundigte sich am 2
2.
Oktober (
Urk.
20) sowie am 3
0.
November 2020 (
Urk.
21) nach
dem
Verfahrensstand.
Mit Beschluss vom
4.
Januar 2021 zeigte das hiesige Gericht dem Beschwerdeführer eine mögliche
reformatio
in
peius
(Invaliditäts
grad
21 anstelle von
29
%
) an (
Urk.
22), wozu er sich i
nnert hierfür gewährter Frist
vernehmen und an seiner Beschwerde festhalten liess
(
Stellungnahme vom 2
5.
Januar 20
21,
Urk.
24)
.
3.
Mit Urteil IV.2019.
00
238 von heute wurde die Beschwerde des
Beschwerdeführer
s
gegen die Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, vom
20.
Februar 2019, wonach ihm eine vom
1.
Juli 2011 bis zum
3
0.
November 2012
befri
stete
ganze Rente zusteht
, abgewiesen.
4.
Auf
die Vorbringen
der Parteien sowie die eingereichten
Unterlagen
wird, soweit
für die
Entscheidfindung
erforderlich, nachfolgend eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversic
herung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausge
brochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu be
urteilende Unfall hat sich am 1
1.
Juli 2010
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall An
wendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Wird die versicherte Person infolge eines Unfalles zu mindestens 10
%
invalid (Art. 8
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs
rechts,
ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des Inva
liditätsgrades wird da
s Erwerbseinkommen, das die ver
sicherte Person nach Ein
tritt der unfallbedingten Invalidität und nach Durchführung allfälliger Einglie
derungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt im angefochtenen Entscheid dafür, bestritten sei einzig die Rente beziehungsweise der Invaliditätsgrad und dabei insbesondere die Höhe des
Valideneinkommens
. Für die Behauptung des Beschwerdeführers, er hätte
im Jahr 2018 ein Einkommen von
Fr.
84'500.-- erzielt,
fänden
sich in den
Akten keinerlei Hinweise
. Es seien keine konkreten Anhaltspunkte dafür ersichtlich
, dass
er
einen Karrieresprung gemacht hätte, welcher auf eine Lohnerhöhung von 30
%
innert 8 Jahren schliessen lassen würde. Mithin sei auf den Lohn gemäss der Unfallmeldung aus dem Jahr 2010 abzustellen (
Urk.
2).
2.2
Dem lässt der Beschwerdeführer im Wesentlichen entgegenhalten,
eine berufliche Entwicklung
werde gar nicht
geltend
gemacht
. Die von der ehemaligen Arbeit
geberin gemachten Lohnangaben würden sich
vielmehr
auf den Lohn als Stand
leiter, mithin die Tätigkeit die er vor dem Unfallereignis ausgeübt habe, beziehen, weshalb dieser Lohn als
Valideneinkommen
zugrunde zu legen sei.
Was das Gutachten der
H._
anbelange, so sei dieses mit schweren Mängel
n
behaftet. Zum einen enthalte das Gutachten faktisch keinen psychiatrischen Teil
und die darin gezogenen Schlüsse seien widersprüchlich
. Z
um andern
habe Dr.
phil.
K._
, welcher nicht als Gutachter bestellt gewesen sei, an der Anamnese und Befundung mitgewirkt und
es bestehe Grund zur Annahme, dass er
Einfluss auf die Konsensbeurteilung genommen
habe
.
Sodann ergäben sich aus dem Gut
achten zahlreiche Hinweise dafür, dass die Gutachter die Beurteilung z
ielgerichtet und nicht ergebnis
offen vorgenommen hätten.
Endlich hätte ihm die Gelegenheit eingeräumt werden müssen,
z
u vermuteten Inkonsistenzen Stellung zu nehmen. Dass die im Gutachten angeführten Beobachtungen tatsächlich inkonsistent mit dem objektivierbaren Befund seien, treffe nicht zu.
Zumindest genügten solche nicht zum Nachweis für ein bewusstseinsnahes und zielgerichtetes Handeln.
Dem
gegenüber sei ges
tützt auf das Gutachten von Dr.
J._
erstellt, dass der Unfall neben den somatisch objektivierten funktionellen Einschränkungen auch zu funktionellen Einschränkungen durch eine leichte bis mittelschwere psy
chische
Krankheit geführt habe, was eine Leistungsfähigkeit von
(bloss)
4 bis 5
Stunden täglich
zur Folge habe
(
Urk.
1).
3.
Vorab ist festzuhalten, dass weder der Fallabschluss
per Ende April 2018
noch
die von der Beschwerdegegnerin zugesprochene Integritätsentschädigung in Frage
gestellt wurden.
Ebenso wenig beanstandet der Beschwerdeführer den versi
cher
ten Verdienst sowie die gestützt auf
Art.
21 UVG in Aussicht gestellte Kosten
übernahme für Heilbehandlungen.
Strittig ist demgegenüber, ob
die Beschwerde
gegnerin
den
Invaliditätsgrad
mit
29
%
korrekt
festgesetzt
hat
.
4.
4.1
4.1.1
Am 17.
, 2
2.
und 2
8.
November 2017 wurde der Beschwerdeführer
in der
H._
polydisziplinär (Neurourologie, Psychiatrie, Neurologie, Orthopädie-Traumato
lo
gie) begutachtet (Gutachten vom 1
0.
April 2018,
Urk.
16/4.78). Im Rahmen dieser Exploration
stellten
die Gutachter die folgenden
- überwiegend mit (teil-)kau
sa
lem Bezug zum Unfallereignis vom 1
1.
Juli 2010 -
Diagnosen
(S. 37)
:
-
Residuelle
partielle vorwiegend linksbetonte Paraparese mit sensiblen Defiziten
sub
Th12 Grad ASIA D
-
posttraumatische Myelopathie mit inkomplettem Querschnittsyndrom
sub
Th12
-
neurogene Blasenspeicher- und -
entleerungsstörung
mit Unmöglich
keit
der Spontanmiktion
-
mittelschwere erektile Dysfunktion, am ehesten multifaktoriell
-
Status nach
Laminektomie
, offener Reposition,
Spondyloplastik
und
Spondylodese
BWK10-LWK2 von dorsal am 12.07.2010
-
Status nach Berstungsfraktur B
W
K
12
-
Status nach leicht dislozierter Fraktur der
anterioren
und
posterolateralen
Wand des Sinus
maxillaris
rechts mit
Hämatosinus
, minimal disloz
ierter Fraktur des Os
z
ygomaticum
rechts sowie Frakturen
der Orbita
an Boden und lateraler Wand (Tripod-Fraktur)
-
Status nach leichter traumatischer Hirnverletzung ohne dauerhaft nachweisbare organisch-strukturelle Verletzungen oder nachweisbare klinisch-neurologische Ausfälle
-
Status nach beidseitiger leichter Lungenkontusion
Als überwiegend wahrscheinlich ohne kausalen Bezug zum genannten Ereignis diagnostizierten die Gutachter
:
-
Schmerzverarbeitungsstörung mit Symptomausweitung und Selbstlimi
tation
-
Kongenitale autosomal rezessive polyzystische Nierenerkrankung
4.
1.2
Der orthopädische Gutachter hielt fest, es hätten pathologische Befunde an der thorakalen Wirbelsäule im Sinne eines postoperativen Zustandes aufgrund
der
beim Autounfall erlittenen Berstungsfraktur von BWK12 erhoben werden könn
en. Der rein orthopädische Befund habe sich dabei mit einer bildgebend und klinisch stabil wirkenden
osteoartikulären
Situation als korrekt gezeigt; die Hauptprob
le
matik liege auf neurologischem Fachgebiet. Im Rahmen der orthopädischen Untersuchung hätten sich indes wiederholt Inkonsistenzen vor allem in Bezug auf die Funktionalität des linken Beins präsentiert, die vom Explorand
en
als hoch
gradig eingeschränkt bezeichnet werde.
Spontan seien aber immer wieder Be
we
gungen und Belastungen, deutlich über das aufgrund der anamnestischen An
ga
ben zu erwartende Ausmass hinausgehend, gelungen, weshalb von einer Symp
tomverdeutlichung auszugehen sei.
Unabhängig davon sei der Beschwerdeführer unter Berücksichtigung der erlitte
nen
Verletzungen aber in jedem Fall
in seiner Gehfähigkeit
als deutlich einge
schränkt zu betrachten, sodass er vor allem für mehrheitlich im Sitzen durch
zuführende Aktivitäten einsatzfähig sei. Dafür ergäben sich aus rein orthopä
discher Si
cht indes keine Einschränkungen (S. 32
f.).
4.1.3
Anlässlich der neurologischen Untersuchung habe der Versicherte Schmerzen in den Vordergrund seiner Beschwerden gerückt. Ferner bestünden seit dem Unfall Gang- und Bewegungsstörungen mit Beton
ung im linken Bein. Er
habe ge
schil
dert, keine Erinnerungen an den erlittenen Verkehrsunfall zu haben. Die Erinne
rung habe erst wieder am zweiten Tag nach dem Unfallereignis in der
Z._
eingesetzt.
Im Zeitpunkt des Unfalls
hätten
er und seine Ehefrau hinten im Auto gesessen, sein Vater habe das Auto gelenkt und seine Mutter habe als Beifahrerin vorne rechts gesessen. Alle vier Insassen hätten schwere Verletzungen davongetragen, seine damals schwangere Ehefrau habe ihr ungeborenes Kind verloren.
Der Gutachter notierte, der Explorand habe ausgeführt, es bestünden Funktionsbeeinträchtigungen an den Beinen, vor allem am linken Bein. Das linke Bein gehorche ihm nicht. Es sei schwächer al
s das
rechte, es komme zu Bewe
gungsstörungen, zum Stolpern und er trage eine Spezialbandage am linken Fuss, damit er mit der linken Fussspitze nicht über kleine Wegunebenheiten stürze. Seine Muskulatur im linken Unterschenkel könne er nicht aktiv bewegen (S. 33).
Neben der Gangstörung sei jedoch hauptsächlich die anhaltende Schmerzprob
le
matik für seine fortbestehende Arbeitsunfähigkeit verantwortlich. Zusätzlich be
stehe eine Blasenentleerungsstörung, so dass er sich selber katheterisieren müsse. Störungen der Defäkation bestünden nicht, die Vita sexualis sei leicht beein
trächtigt.
Der Gutachter führte aus, die eingehende Untersuchung des Versicherten habe korrespondierend zur kernspintomografisch nachgewiesenen Myelopathie eine inkomplette Schädigung im unteren
Thorakalmarkbereich
, links betont, gezeigt, wobei die im klinisch-neurologischen Befund gezeigten Defizite und Ausfälle nur unzureichend durch neurologische Befunde erklärbar seien.
Das gezeigte Defizit
bild gehe deutlich über das Ausmass
der
objektiv
i
erbaren
Schädigung hinaus. Das vom Versicherten dargebotene Gangbild lasse sich durch neurologische Schäden am Rückenmark weiterhin nicht erklären, das Gangbild sei in grotesker Weise verändert und lasse sich nicht durch das inkomplette Querschnittsyndrom in dieser Form erklären.
Es liege weder eine peripher-neurologisch noch eine zen
tral-neurologisch erklärbare Gangstörung vor. Ferner hätten sich nicht erklärbare Inkonsistenzen zwischen in der Untersuchungssituation gezeigter Gang
störung, demonstriertem Lähmungsausmass und dem ausserhalb des Untersuchungs
zim
mers dargebotenen Gangbild ergeben. Auch die vom Versicherten in der klinisch-neurologischen Untersuchung demonstrierte Fussheber- und
Fusssenkerplegie
links sei aufgrund der bekannten neurologischen Befunde nicht plausibel, zumal bereits anlässlich einer Vorbegutachtung elek
t
rophysiologisch die vom M.
tibialis
anterior
(Fussheber-Gruppe) abgeleiteten MEP eine normale Latenz gezeigt hät
ten, zum M.
soleus
(Waden-/
Fusssenkermuskulatur
) hingegen eine eindeutige Verlän
gerung linksseitig bei nur knapper Verlängerung rechtsseitig zu erheben gewesen sei.
Ein solcher Befund spreche, besonders auch weil elektromyographisch unter Willküraktivität schmerz- und kooperationsbedingte Ableitung von Einzelpoten
zialen gelungen sei, gegen die vom Versicherten dargestellte
Plegie
der Fuss
heber- und
Fusssenkermuskulatur
links. Auch Zeichen der
Antagonistenan
spannung
widerlegten den demonstrierten
Paresegrad
.
Gleichwohl sei festzuhalten, dass die vom Beschwerdeführer geklagten Sensibili
tätsstörungen überwiegend durch die Schädigung des Rückenmarks verursacht
würden, die gezeigten und anamnestisch geklagten Bewegungsstörungen im linken
Bein aber nur teilweise neurologisch erklärbar seien.
Gestützt auf den aktuellen Untersuchungsbefund sei die bereits früher beschriebene Entwicklung des Läh
mungsgrades, welcher nach dem Unfall offenbar einer vollständigen Paraplegie entsprochen habe (ASIA A), zu einer mittlerweile inkompletten Paraparese Grad ASIA D, wie sie auch im neurologischen Vorgutachten aus dem Jahre 2012 fest
gehalten werde, zu bestätigen (S. 34).
Im Hinblick auf die geklagten Schmer
zen schildere der Beschwerdeführer durchaus plastisch und plausibel neuro
pathische Schmerzen im Innervationsgebiet kaudal des Schädigungsniveaus sowie
eher statische, dumpf drückende
Schmerzen in Höhe der Schädigung. Die von ihm
geklagten Schmerzen seien daher nachvollziehbar, auch wenn die geringe Beein
flussbarkeit unter der angegebenen Einnahme von
Gabapentin
,
Novalgin
und
Dafalgan
etwas erstaune und auch hier wie bei den klinischen Befunden eine Beschwerdeverdeutli
chung in Betracht zu ziehen sei.
Unter Berücksichtigung der vom
Exploranden
geklagten Schmerzsymptomatik sowie der vorliegenden sensomotorischen Defizite, links betont kaudal Th12, sowie auch der beschriebenen neurourologischen Funktionsdefizite sei aus neuro
logischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit für optimal adaptierte Tätigkeiten in der Grössenordnung von 20
%
zu begründen. Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als ge
werblicher Mitarbeite
r
in einem Grosshandel für Gemüse, Obst und Früchte sei demgegenüber aus neurologischer Sicht nicht mehr möglich; hier bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
. In Anlehnung an die Suva-Tabelle 21 sei die Integritätsschädigung auf 70
%
zu schätzen.
Zusammenfassend sei festzuhalten, dass der Beschwerdeführer beim Ereignis vom 1
1.
Juli 2010 ein Polytrauma erlitten habe. Dabei habe er sich eine Schädelver
letzung mit Commotio cerebri, welche ohne dauerhafte Folgen verblieben sei,
sowie eine Wirbelsäulenverletzung mit Wirbelköperfraktur und bleibenden Schäd
en am Rückenmark zugezogen. Trotz der stabilisierenden
Spondylodese
thorakolumbal
seien anhaltende Schmerzen mit zum Teil auch neuropathischem Charakter verblieben. Die vom Beschwerdeführer gezeigten Funktionsdefizite seien aus klinisch-neurologischer Sicht jedoch nicht vollumfänglich
durch neuro
logische Befunde und das bei dem Verkehrsunfall erlittene Schädigungsmuster erkl
är
bar
(S. 35).
4.1.4
Die psychiatrische Gutachterin führte aus, eine eigenständige psychische Erkran
kung, wie sie in der Vergangenheit im Sinne einer depressiven Störung fest
ge
stellt worden sei, lasse sich aktuell nicht mehr diagnostizieren.
Die diagnos
tischen Kriterien einer depressiven Störung seien aufgrund der subjektiven
An
gaben des Versicherten und des
erhobenen psychopathologischen Befund
s
ein
deutig nicht erfüllt. Sodann seien auch die diagnostischen Kriterien einer post
trau
matischen Belastungsstörung nicht
gegeben
. Aufgrund der subjektiven Angaben des Explo
randen, seiner Soziobiographie und den Angaben in den medizinischen Akten fänden sich zudem auch keine Hinweise auf eine vorbestehende Persönlich
keits
störung (S. 35). Soweit in der Vergangenheit aus psychiatrischer Sicht ein
e disso
ziative Störung als Mitu
rsache der neurologisch unklaren subjektiven Funktions
defizite postuliert worden sei, könne diese Meinung nicht geteilt werden. Eine dissoziative Störung beinhalte gemäss ICD-10 als wesentliche Eigenschaft, dass sich die Symptome der bewussten Kontrolle w
eitgehend entziehen würden,
also
dass die Symptome nicht willkürlich, absichtlich und gezielt herbeigeführt würden
,
sondern lediglich Ausdruck einer zugrundeliegenden Konfliktsituation oder einer anderen psychischen Störung sei. Vorliegend ergäben sich aber im Gesamt
spek
trum der durchgeführten körperlichen Untersuchungen und der von den Gutach
tern angestellten Beobachtungen in den Untersuchungen eindrückliche Belege dafür, dass der Versicherte sehr wohl in der Lage sei, sein Verhalten in der Untersuchung und die in der Untersuchung gezeigten Funktionsausfälle willkür
lich und damit zielgerichtet zu steuern.
Dieses Verhalten schliesse das Vorliegen einer dissoziativen Störung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit aus. Trotz anderslautend
er subjektiver Angaben habe der Beschwerdeführer
in den Unter
suchungen durch spontane Bewegungen und/oder Inkonsistenzen in den Be
fun
den wiederholt
bewiesen
, dass die von ihm geltend gemachten Funktions
ausfälle
im Bereich der Beine geringer seien, als von ihm geltend gemacht. Letztlich handle
es sich diagnostisch um eine Schmerzfehlverarbeitung mit Symptomausweitung
und Selbstlimitation, wobei einer solchen Diagnose kein Krankheitswert erwachse
, da es sich nicht um eine psychische Störung im engeren Sinn handle, sondern vielmehr um eine bewusstseinsnahe Form der Wahrnehmung und Bewertung von
Beschwerden, die letztlich normalpsychologisch erklärbar
sei
. Damit bestehe weder
ein unfallbedingtes noch ein unfallfremdes psychiatrisches Störungsbild, weshalb aus psychiatrischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit nicht zu begründen sei (S. 36).
4.1.5
Im neurourologischen Gutachten wurde eine Blasenspeicher- und
–
entlee
rungs
störung
mit einer hyperkapazitiven,
asensitiven
und
akontraktilen
Harnblase diag
nostiziert, wobei aufgrund der Anamnese mit Erstsymptombeginn seit dem
Trauma überwiegend wahrscheinlich von einer Unfallfolge auszugehen s
ei, welche
aktuell als irreversibel zu betrachten sei. Der Beschwerdeführer sei daher auf eine Harnblasenentleerung mittels intermittierendem sterilen Einm
alkathet
e
rismus angewiesen, dessen
Handhabung vom Beschwerdeführer problemlos selber drei- bis viermal täglich durchgeführt werde. Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aufgrund der Blasenfunktionsstörung sei aus urologischer Sicht nicht gegeben. Grundvoraussetzung sei eine
viermal tägliche Gewährleistung,
wofür
eine aus
reichend grosse, abschliessbare und hygienische Toilette zur Durchführung des
Einmalkatheterimus
zur Verfügung steh
en müsse
.
Auch aus der Sexualfunktions
störung ergebe sich keine Einschr
änkung de
r Arbeitsfähigkeit (
Urk.
16/4.76-4.77
).
4.1.6
Zusammenfassend hielten die Gutachter fest, seit der Begutachtung des Be
schwerdeführers in der
F._
Ende 2012 sei es zu einer objek
tivier
baren Verbesserung der somatischen Situation gekommen, indem der Versicherte mittlerweile nur noch auf der linken Seite einen Gehstock einsetze und auch wieder selber ein Auto lenke. Mithin sei es insgesamt zu einer deutlichen Ver
besserung der Mobilität gekommen.
Dass der Beschwerdeführer von sich aus das
Opio
i
d
Targin
habe absetzen können, dürfe als Angewöhnung/Anpassung an die Schmerzen interpretiert werden.
Ebenso sei es auf der psychiatrischen Ebene zu einer Verbesserung gekommen, als sich keine Zeichen einer wesentlichen depres
siven Störung, wie sie 2012 noch feststellbar gewesen seien, mehr zeigen würden. Auch innerfamiliäre Konflikte würden aus Sicht des Versicherten keine Rolle mehr spielen, nachdem er sich von der Ehefrau habe scheiden lassen und gemäss eigenen Angaben wiederholte Beziehungen zu anderen Frauen habe aufbauen können (S. 37
f.
).
Hinsichtlich Arbeitsfähigkeit erklärten die Gutachter, die ursprüngliche Tätigkeit des Beschwerdeführers in Verkauf und Logistik sei als ungeeignet zu betrachten, weshalb dafür wahrscheinlich dauerhaft eine vollständige Arbeitsunfähigkeit be
stehe.
Körperlich leichte Aktivitäten, die mehrheitlich im Sitzen, aber mit der Möglichkeit für gelegentliche Positionswechsel durchgeführt würden, seien dem Versicherten ganztags möglich. Dabei bestehe im Vergleich zu körperlich gesun
den Durchschnittspersonen ein vermehrter Pausenbedarf, unter anderem auch zur Durchführung der
Selbstkatheterisierung
, allenfalls auch für kürzere Liegepausen, was insgesamt zu einer Leist
ungsreduktion um 20
%
führe (S. 39).
4.2
4.2.1
Am 2
6.
April
2019 erstattete
Dr.
J._
zu Händen
der Rechtschutz
versicherung
des Beschwerdeführers ein psychiatrisches Gutachten (
Urk.
16/4.93).
Gestützt auf die am
9.
April 2019 durchgeführte Exploration des Beschwerde
führers diagnostizierte sie eine dissoziative Bewegungsstörung (ICD-10
:
F44.4), eine Anpassungsstörung (ICD-10: F43.21) sowie eine akzentuierte Persönlichkeit mit vorwiegend
dependenten
und misstrauischen Zügen (ICD-10: Z73.1, S. 49). Sie erklärte, die Antworttendenz in den von ihr angewendeten Selbst- und Fremd
beurteilungsinstrumente
n
spreche klar dafür, dass der Beschwerdeführer sich selbst und anderen demonstrieren wolle, ausschliesslich körperlich beeinträchtigt und nicht psychisch belastet zu sein. Diese Selbst- und Fremdtäuschung müsse auch als limitierender Faktor im Hinblick auf eine allfällige berufliche Wieder
eingliederung und die Selbsteinschätzung der Leistungsfähigkeit berücksichtigt werden.
Selbsttäuschungsanteile könnten sowohl im Rahmen einer dissoziativen Störung als auch im Rahmen einer Anpassungsstörung auftreten. Fremdtäu
schungsanteile könnten demgegenüber nicht ausschliesslich als unbewusst bezie
hungsweise bewusstseinsfern angenommen werden.
Hier würden die über viele Jahre übereinstimmende
n
Beschreibungen und Interpretationen wie die aktuellen Angaben des Beschwerdeführers für eine partielle Zuordnung zur Anpassungs
störung (Kränkung durch die körperlichen Einschränkungen) und eine partielle Zuordnung zu einer Erwartung an Entschädigung für das erlittene Leid, nicht im
Sinne einer gezielten Täuschung, sondern im Sinne einer Anerkennung
sprechen
.
Unter Abzug der bewusstseinsnahen Anteile sei von einer gesamthaft leicht bis mittelschweren psychischen Symptomatik auszugehen, welche nach einer Einar
beitungszeit eine Leistungsfähigkeit von etwa vier bis fünf Stunden täglich in einer körperlich angepassten Tätigkeit erlaube (S. 50 f.).
Ergänzend führte
Dr.
J._
mit Schreiben an die Rechtschutz
versi
cherung vom 1
1.
Juni 2019 (
Urk.
16/4.93)
aus,
im Hinblick auf die Leistungs
fähig
k
eit sei keine klare Trennung von
neuropathischen und
arthrotischen
Schmerzen
, also somatisch erklärbaren Schmerzen, und psychisch bedingten
Schmerzen
möglich. Die Einschätzung von 4-5 Stunden schliesse deshalb die ge
schätzte Leistungsreduktion aufgrund des neuropathischen Schmerzanteils mit ein.
4.2.2
Stellungnehmend zum von
Dr.
J._
angefertigten
psychiatrischen Gutachten
hielten die Gutachter des
H._
(Stellungnahme vom 24. Oktober 2019, Urk. 16/4.94)
fest, das entscheidende Problem in der Beurteilung des vor
liegenden Falles liege ihrer Auffassung nach darin, dass der Versicherte auf der einen Seite subjektiv erhebliche gesundheitliche Einschränkungen geltend mache, auf der anderen Seit
e
aber die subjektiven Beschwerden sowohl organisch-struk
turell als auch psychiatrisch nicht vollumfänglich erklärt werden könnten. Hinzu komme, dass der Beschwerdeführer sowohl in seinen subjektiven Beschwerdean
gaben wie auch in den durchgeführten medizinischen Untersuchungen erhebliche Inkonsistenzen (wie etwa fehlende
Beschwielung
an der linken Hand
bei behaup
tetem konstantem Stockeinsatz links
, fehlende Umfangdifferenz der Oberarme bei gleichzeitiger Angabe
von weniger Kraft im linken Arm, stark reduzierte Kraft
entfaltung im linken Bein, während die Kraftentfaltung bei Ab
lenkung deutlich besser ausfalle
, Belastung der linken Seite bei An- und Auskleiden, etc
.
)
produ
ziert habe. Eine vergleichbare Problematik mit Inkonsistenzen sei nun von
Dr.
J._
beschrieben worden; sodann habe
auch
sie von «bewussten Anteilen» gesprochen, was sie damit erklärt habe, dass der Versicherte anerkannt werden wolle. Schliesslich habe die psychiatrische Gutachterin der
H._
sich sehr wohl mit der Diagnose einer dissoziativen Störung auseinandergesetzt, diese in der Folge indes verworfen.
Damit bestätige sich - auf dem Boden der objektiven Fakten - das Vorliegen von Inkonsistenzen und bewusstseinsnahen Verhaltens
weisen mit
aggravierendem
Inhalt in guter Übereinstimmung zwischen den Feststellungen von
Dr.
J._
und dem Gutachten des
H._
. Da in Fällen von erheblichen Inkonsistenzen und Selbstlimitierung die subjektiven An
gaben zu Beschwerden und Funktionseinschränkungen nicht als valide beurteilt werden könnten, sei die Zumutbarkeit nur abgestützt auf objektivierbare medi
zinische Befunde festzulegen. Genau dies
es Vorgehen
hätten die Gutachter des
H._
gewählt, während dessen sich
Dr.
J._
hauptsächlich auf die - durch Inkonsistenzen gekennzeichneten - subjektiven Angaben des Versi
cher
ten abgestützt habe. Mithin sei an den gutachterlichen Überlegungen fest
zuhalten.
5.
5.1
Anlässlich des Unfallereignisses vom 1
1.
Juli 2010 erlitt der Beschwerdeführer
durch die
Berstungsfraktur eines Brustwirbelkörpers eine ernsthafte Verletzung am Rückenmark, an deren Folgen er noch immer leidet. Das ist aktenkundig und wird auch von der Beschwerdegegnerin nicht in Frage gestellt. Nach anfänglich vollständiger Parese gelang es, den Versicherten an Unterarmgehstützen zu mobilisieren (Zusammenfassung Krankengeschichte,
A._
, vom 2
9.
Juli 2010,
Urk.
16/3.4) und es trat im Verlauf eine Verbesserung der ne
urologischen Ausfälle von ASIA A
zu ASIA D ein (E. 4.1.1
; E. 4.1.3
), sodass dem Beschwerdeführer nunmehr das Gehen a
n
nur
einem Stock möglich ist (vgl.
etwa
Urk.
16/4.78 S. 19 und 25). Die schon wenige Monate nach dem Unfall
ereignis
gezeigte Gangstörung (
Austrittsbericht der
B._
vom 16. Ma
i 2011,
Urk.
16/3.14) liess sich trotz umfangreicher Abklärungen und mehrmaliger Rehabilitation
weder verbessern noch
einem somatischen Korrelat zuschreiben; vielmehr wurde das Bestehen einer funktionellen Komponente ver
mutet (Berichte der
C._
vom
8.
März 2013,
Urk.
16/3.39 und vom 1
5.
April 2014,
Urk.
16/3.57). Demgegenüber führten
die behandelnden Ärzte und
involvierten Gutachter die vom Beschwerdeführer im Bereich des linken Beines geklagten neuropathischen Schmerzen und sensorischen Defizite
vornehmlich
auf die durch die Wirb
elkörperfraktur verursachte Mye
lopathie zu
rück (
Bericht der
B._
vom 1
6.
Mai 2011,
Urk.
16/3.15,
Gutachten der
F._
vom 2
9.
November 2012,
Urk.
16/4.20 S. 42).
5.2
5.2.1
In Übereinstimmung mit dieser Aktenlage kamen die Gutachter des
H._
zum
Schluss, die vom Beschwerdeführer geklagten Sensibilitätsstörungen und Schmer
zen
seien nachvollziehbar auf die Schädigung des Rückenmarks zurückzuführen, wenn auch das Ausmass der gezeigten Funktionsdefizite nicht vollumfänglich mit den neurolo
gischen Befunden erklärbar sei
. Ihre Einschätzung, wonach unter Berücksichtigung der Schmerzsymptomatik sowie der sensomotorischen Defizite eine Leistungseinschränkung von 20
%
für optimal angepasste Tätigkeiten be
stehe (E.
4.1.3
, 4.1.6
), beruht auf umfassenden Untersuchungen und wurde in Auseinandersetzung mit der medizinischen Aktenlage (
Urk.
16/4.78 S. 34, 38f.)
, den vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden
und unter Bezugnahme auf die anlässlich der Exploration erhobenen Inkonsistenzen (E. 4.1.3,
Urk.
16/4.78 S. 34) abgegeben. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers vermag di
ese Einschätzung zu überzeugen.
5.2.2
Soweit er gestützt auf den von ihm aufgelegten Bericht des
Dr.
I._
vom
1
0.
August 2018 (Urk. 16/4.85)
auf eine höhere Einschränkung der Arbeitsfähig
keit schliessen will, vermag er nicht durchzudringen.
Sowohl den von
Dr.
I._
statuierten Anforderungen an eine angepasste Tätigkeit als auch d
er
Notwendigkeit von Pausen zur Durchführung der
Selbstkathet
e
risierung
(Urk.
16/4.85 S. 6) wurde im
gutachterlich
formulierten Anforderungsprofil
und mit der anerkannten Leistungsreduktion
Rechnung getragen (E. 4.1.6; vgl. auch
Urk.
16/4.91).
Gründe, welche darauf schliessen lassen würden, dass die Arbeits
fähigkeit des Beschwerdeführers darüber hinaus eingeschränkt wäre, ergeben sich nicht aus der Stellungnahme von
Dr.
I._
. Vielmehr bestätigte
Dr.
I._
die von den Gutachtern erhobenen somatischen Diagnosen und
bezeichnete den mit 70
%
bemessenen Integritätsschaden als korrekt (
Urk.
16/4
.85
S.
1 und
5). Übereinstimmend mit den Gutachtern hielt er
zudem
fest, die Geh
fähigkeit des Beschwerdeführers habe sich verbessert und das Selbstkathe
t
e
ri
sie
ren gelinge ihm offenbar sehr ordentlich, während sich in der Untersuchung Auf
fälligkeiten
(fehlendes elektrophysiologisches Korrelat, keine Muskelatrophie)
gezeigt hätten (S. 5).
Seine Einschätzung, es bestehe eine Leistungseinschränkung von drei Stunden täglich (S. 6), vermag mithin mangels nachvollziehbarer Be
grün
dung die gutachterliche
Beurteilung
nicht in Frage zu stellen.
Hieran ändert auch der unter anderem auf die Ausführungen von Dr.
I._
abgestützte
Vorwurf, die Gutachter hätten die Lebenswirklichkeit des Beschwerdeführers bloss
unzureichend abgebildet, nichts. Wenn Dr.
I._
in seiner vom Beschwer
deführer in Auftrag gegebenen Stellungnahme zum Gutachten festhielt, dass der Beschwerdeführer mit seiner Lebensgefährtin zusammenlebe und im Januar 2018 Vater geworden
sei, womit eine relevante Sexualfunktionsstörung nicht vorliegen könne und er danach weiter ausführte, dass die anstehende Geburt des Kindes und die Vaterschaft im Rahmen der gutachterlichen Untersuchung Ende Novem
ber 2017 Erwähnung hätten finden sollen (Urk. 16/4.85 S. 5), versteht sich von selbst, dass die Gutachter davon ausgehen mussten, dass der Beschwerdeführer ihnen gegenüber relevante Umstände bewusst verschwiegen hatte und dies mit einem Streben nach einem sekundärem Krankheitsgewinn und einer ausgespro
chen bewusstseinsnahen und zielgerichteten Symptomverdeutlichungstendenz erklärten (Urk. 16/4.91: Stellungnahme der
H._
vom 6. September 2018). Soweit der Beschwerdeführer im Beschwerdeverfahren nun geltend macht, er habe den Gutachtern gegenüber nichts verschwiegen, da er in keiner gefestigten Beziehung zur Kindsmutter gestanden habe und die Vaterschaft erst nach der Geburt des Kindes festgestellt worden sei (Urk. 1 S. 26), geht seine Rüge fehl. Wie bereits Dr.
I._
ausführte, besteht vor diesem Hintergrund keine relevante Sexualfunktionsstörung. Indem der Beschwerdeführer gegenüber den Gutachtern allerdings Angaben machte, woraus diese auf eine mittelschwere erektile Dys
funktion schlossen (Urk. 16/4.77 S. 4), handelt es sich klarerweise um eine be
wusstseinsnahe Verdeutlichung von Symptomen. Von einer zielgerichteten Beur
teilung kann angesichts dieser Gegebenheiten keine Rede sein.
5.2.3
Hervorzuheben ist
sodann
,
dass
es
nicht nur
zu den
Aufgabe
n
des Gutachters gehört, den Befund anhand der Klinik zu überprüfen
, sondern auch
dessen Aus
wirkungen bei der Untersuchung und im Alltag substantiiert darzulegen
sind
. Daz
u gehören insbesondere ebenfalls Angaben zum beobachteten Verhalten, Feststel
lungen über die Konsistenz der gemachten Angaben wie auch Hinweise, die zur
Annahme von Aggravation führen könnten (Urteil des Bundesgerichts 8C_390
/2017 vom 9. November 2017 E. 4.1 mit Hinweisen
).
Dass die Gutachter die im Rahmen der Exploration festgestellten Inkonsistenzen benannten und ge
stützt hierauf darlegten, inwieweit die gezeigten Funktionsdefizite nicht erklärbar seien
(E.
4.1.3, 4.1.4), ist entgegen dem Dafürhalten des Beschwerdeführers
(E.
2.2)
nicht als Mangel des Gutachtens zu werten, sondern gründet
gegenteils
in der sorgfältigen Auseinandersetzung
mit den
geklagten Beschwerden
und
den erhobenen Befunden
.
So legte der neurologische Gutachter zwar dar, dass sich das vom Beschwerdeführer dargebotene Gangbild in dieser Form nicht mit dem inkompletten Querschnittsyndrom erklären lasse und sich darüber hinaus in der Untersuchungssituation nicht erklärbare Inkonsistenzen
ergeben hätten
.
Gleich
wohl
hielt er dafür, die geklagten Sensibilitätsstörungen seien durch die Schä
digung des Rückenmarks verursacht und die geschilderten Schmerzen nachvoll
ziehbar als neuropathische Schmerzen im In
n
ervationsgebiet kaudal des Schä
digungsniveaus zu qualifizieren
. Seine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit begrün
dete denn der neurologische Gutachter mit der geklagten Schmerzsymptomatik und den vorliegenden sensomotorischen Defiziten (E.
4.1.3).
Damit trug er - unter Berücksichtigung der genannten Inkonsistenzen - den vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden nachvollziehbar R
echnung. Im Übrigen stehen die vor
genannten Beobachtungen mit der Aktenlage in Einklang.
Bereits
im Bericht der
F._
, Wirbelsäulenchirurgie und Neurochirurgie, vom 2
4.
April 2012 (
Urk.
16/3.87) war festgehalten worden, die
residuellen
Beschwerden stünden in Diskrepanz zur elektrophysiologischen Messung
. D
ie Ärzte des
L._
,
C._
, n
otierten sodann, der Befund sei in seinem Aus
mass nicht ausreichend für das klinisch auffallende Störungsbild (Bericht vom
8.
März 2013,
Urk.
16/3.3
) und berichteten am 1
4.
März 2014,
die Schwere der durch Schmerz und Spastik bedingt angegebenen E
inschränkungen sei
zu den objektiven Untersuchungsergebnissen diskrepant (
Urk.
16/3.54).
Was der Beschwerdeführer dagegen einwendet, rechtfertigt keine andere Be
trach
tungsweise
, zumal ihm
im Verwaltungsverfahren
Gelegenheit gegeben worden war, zum Gutachten der
H._
Stellung zu nehmen (
Urk.
16/4.80)
. Die
Beurtei
lung, was als Inkonsistenz zu werten ist,
bedarf sodann
klarerweise mediz
inischen
Wissen
s
. D
er medizinische Experte
war
nicht gehalten, die
beschwerdeführer
ische
n
Angaben vorbehaltlos als richtig zu akzeptieren. Vielmehr war es seine gutach
terliche Pflicht, im Rahmen seiner Fachkenntnisse Diskrepanzen zu den eigenen Wahrnehmungen darzulegen und zu würdigen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_699/2019
vom 1
7.
Februar 2020
E. 3.2).
5.2.4
Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, auch mit Blick auf die
Einschätzung
der Gutachter des
H._
, wonach seit der Begutachtung des Beschwerdeführers im Jahr 2012 an der
F._
eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit von 70 auf 80
%
eingetreten sei, ergäben sich an einer ergebnisoffenen Beurteilung durch die Gutachter Zweife
l (Ur
k.1 S. 21 f.), kann ihm nicht gefolgt werden.
Unbestrittenermassen attestierten die Gutachter der
F._
- aus somatischer Sicht - eine Arbeitsfähigkeit von (mindestens) 70
%
.
Zur Prognose hielten sie fest, eine Anpassung beziehungsweise Angewöhnung habe bei durch
aus vorhandenen Voraussetzung
en
bislang ni
cht stattgefunden (Urk.
16/4.20 S.
50)
.
Im Zeitpunkt jener Begutachtung war die Fahreignung nicht gegeben (S.
52), bewegte sich der Beschwerdefüh
rer an zwei Gehstöcken fort (S.
43) und wurde er unter anderem mit dem
Medikament
Targin
behandelt (S.
42).
Zwi
schen
zeitlich setzte der Beschwerdeführer das
Opioid
-Analgetikum selbständig ab
- was auf eine Reduktion der Schmerzsymptomatik schliessen lässt -
(
Urk.
16/3.73)
und
geht
bloss noch an einem Gehstock
, was
- aus objektiver Sicht -
ebenfalls
R
ückschlüsse auf seine Leistungsfähigkeit zulässt. Schliesslich
ist
der Beschwerdeführer
seinen Angaben zufolge
nunmehr wieder in der Lage
,
ein Auto zu lenken
(
Urk.
16/4.78 S. 19).
Dass mithin eine Angewöhnung stattgefunden hat, ist nicht von der Hand zu weisen. Hinzu kommt, dass sich d
ie
Diagnose einer dissoziativen Bewegungsstörung nicht erhärten
liess
(vgl. nachstehend)
.
5.2.5
Die Rüge des Beschwerdeführers,
Dr.
phil.
K._
sei weder Gutachter der
H._
,
noch sei er zum Gutachter bestellt worden (
Urk.
1 S. 25 f.),
zielt ins Leere, wenn sie überhaupt als rechtzeitig zu betrachten wäre:
Bereits mit
Verfügung vom
9.
Juni 2016
, mit welcher
die Beschwerdegegnerin an der Begutachtung des Beschwerdeführers durch die
H._
festgehalten
hatte, war ausgeführt worden
, das Erstgespräch werde durch
Dr.
K._
erfolgen
(
Urk.
16/5.6).
Die gegen die Begutachtung an sich sowie die in Aussicht genommenen Fachpersonen erhobene Beschwerde wurde vom hiesigen Gericht einzig insofern gutgeheissen, als zusätz
lich der
Beizug
eines Facharztes oder einer Fachärztin der Urologie mit Schwer
punkt Neuro-Urologie
für erforderlich erachtet wurde.
Zu den beschwerdeweise erh
obenen Einwänden gegen
Dr.
phil.
K._
,
Dr.
med.
M._
und
Dr.
med.
N._
hielt das Gericht fest,
sofern die Gutachterpersonen über die ent
sprechende Facharztausbildung verfügten, was vorliegend der Fall sei,
sei grund
sätzlich von einer ausreichenden Kompetenz zur Gutachtenserstellung auszu
gehen (
Urk.
16/5.16 S. 15).
Dem ist nichts beizufügen. Die weitere Behauptung des Beschwerdeführers,
Dr.
phil.
K._
habe (massgeblichen) Einfluss auf die Gutachtenserstellung genommen (E. 2.2), blieb
gänzlich
unsubstantiiert
. Hinweise
auf Unregelmässigkeiten bei der Erstellung des Gutachtens sind
nicht
akten
kundig.
5.3
5.3.1
Der Beschwerdeführer vertritt ferner die Ansicht, das Gutachten der
H._
enthalte faktisch kei
n psychiatrisches Gutachten, da
sich die psychiatrische Gut
achterin damit begnügt habe, die früheren Diagno
sen zu verwerfen und angeb
liche
Inkonsistenzen aufzulisten
(E. 2.2)
. Dieser Vorhalt ist
nicht zutreffend
.
Die
psychiatrische Gutachterin
explorierte
den Beschwerdeführer während einer Stunde
und 25 Minuten und
hielt
den dabei
umfassend
erhobenen Befund
detail
liert
fest (
Urk.
16/4.78 S. 29). Gestützt auf diese
n Befund
legte
sie dar, dass
sich
eine eigenständige psychiatrische Erkrankung, wie sie in der Vergangenheit im Sinne einer depressive
n
Störung festgestellt worden sei, nicht mehr diagnos
ti
zieren lasse
. Ebenso seien die diagnostischen Kriterien für eine posttraumatische Störung oder für eine Persönlichkeitsstörung nicht erfüllt
.
Eine dissoziative Störung schloss sie angesichts der - wie vorstehend schon dargelegt - bereits
früher aktenkundig gemachten Inkonsistenzen nachvollziehbar aus (E. 4.1.4). Weshalb dieses Vorgehen gegen das Vorliegen eines beweiskräftigen psychia
trischen Gutachtens sprechen sollte, bleibt unklar.
In pflichtgemässer Ausübung des Begutachtungsauftrags hat die
Gutachter
in
im Rahmen
ihrer
Fachkenntnisse Diskrepanzen zu den
anlässlich der Exploration gemachten
Wahrnehmungen dar
gelegt
und
gewürdigt
sowie unter Berücksichtigung der früheren medizinischen Aktenlage ihre Schlüsse plausibel dargelegt
.
Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers haftete dem psychiatrischen Gutachten damit kein Mangel an. Vielmehr ist darauf hinzuweisen, dass
auch die vom Beschwerdeführer
beauf
tragte
Gutachterin Inkonsistenzen
benannte
und bewusstseinsnahe Anteile be
schrieb. Unerheblich bleibt dabei, ob die von
Dr.
J._
beschriebene Fremdtäuschung als gezielte Täuschung oder - wie von
ihr
formuliert (E. 4.2.1) -
als
im Sinne einer Anerkennung
bezeichnet wird
, können mithin die Funk
tions
einschränkungen so oder anders nicht
als
valide beurteilt werden
. Damit
scheidet
nicht nur
die Diagnose einer dissoziativen Störung gemäss nachvollziehbarer Begründung der Gutachter
des
H._
(E. 4.1.4, E
. 4.2.2) aus
, sondern ist die Zumutbarkeit nur abgestützt auf die objektivierbaren medizinischen Befunde festzulegen (E. 4.2.2). Schliesslich
räumte
Dr.
J._
ein, eine klare Trennung der somatischen und psychischen Schmerzen sei nicht möglich, wes
halb die von ihr geschätzte Leistungsreduktion den neuropathischen Schmerz
an
teil miteinschliesse (E. 4.2.1). Solchermassen fachübergreifende Einschät
zungen sind indes
der
gutachterlichen Konse
n
s
beurteilung
im Rahmen
einer polydiszi
plinären
Exploration
vorbehalten
. Eine psychiatrische Beurteilung allein würde hier
denn auch
das Bild nicht ausreichend zu erklären vermögen (vgl. hierzu auch die Stellungnahme des vom Beschwerdeführer angerufenen
Dr.
I._
, wo
nach nur im interdisziplinären Konsens die Fragen nach den Unfal
lfolgen beant
wortet werden könnten, Urk.
16/4.88 S. 4)
.
Soweit sie sodann festhielt, die Gut
achter hätten zwar frustrierte, resignierte Anteile in der Verhaltensbeobachtung beschrieben, bei der Beurteilung der Leistungsfähigkeit aber nicht berücksichtigt (
Urk.
16/4.92 S. 51), mag dies zutreffen, indes ein relevantes, psychiatrisches Störungsbild mit Leistungseinschränkung nicht zu begründen: Die Gutachterin des
H._
führte aus,
diagnostisch sei von einer Schmerzfehlverarbeitung mit Symptomausweitung und Selbstlimitation auszugehen, welcher aber kein Krank
heitswert zuzumessen sei, da es sich um eine bewusstseinsnahe Form der Wahr
nehmung und Bewertung von Beschwerden handle, die letztlich normalpsycho
logisch erklärbar sei (E. 4.1.4). Dies vermag zu überzeugen.
Aus den dargelegten
Gründen
kann
das Gutachten von
Dr.
Hofmann-Richter das Gutachten der
H._
nicht erschüttern.
5.3.2
Ebenso wenig vermag das Gutachten der
F._
in psychiatrischer Hinsicht Zweifel an der Einschätzung der
H._
zu begründen. Zum einen liess sich - wie schon dargelegt - die Diagnose einer dissoziativen Störung nicht erhär
ten (E. 5.3), zum andern fehlte es gemäss
Dr.
G._
an einem schlüssigen Bild aus psychiatrischer Sicht sowie an einer aktuellen Einschätzung einer allfälligen depressiven Störung (
Urk.
16/4.3.9 S. 67).
Es kommt hinzu, dass sich anlässlich der Begutachtung im Jahr 2012 der Psychostatus weitgehend unauffällig gezeigt hatte (
Urk.
16/4.20 S. 31), dafür aber offensichtlich psychosoziale Faktoren impo
nierten (S. 48 f.). Letztere sind nunmehr - zumindest teilweise - weggefallen, was sich nicht nur aus d
em psychiatrischen Gutachten der
H._
ableiten
(
Urk.
16/4.78 S. 23, 29), sondern aufgrund der Aufzeichnungen von
Dr.
J._
bestätigen lässt (vgl. etwa
Urk.
16/4.92 S. 29, wonach es den Aus
füh
rungen des Beschwerdeführers über seine Trennung von der Ehefrau zufolge für ihn schwer war, mit einem Menschen zu leben, den er gar nicht kannte; S. 26, wo der Beschwerdeführer die Beziehung zu seinen Eltern als gut beschrieb; S. 23, wonach er mit seiner neuen Lebenspartnerin zusammenwohnt und ihm sein kleiner Sohn viel bedeutet). Beschwerdeweise führte der Beschwerdeführer gar selber aus, sein Kind, die feste Beziehung und der Auszug aus dem Elternhaus habe erneut subjektiv zu einer Verbesserung seiner Gesundheitssituation geführt, was mit dem langjährigen Verlauf konsistent sei (
Urk.
1 S. 32). Damit ist auch der Vorwurf, die psychiatrische Gutachterin des
H._
habe sich nicht mit den diesbezüglichen Diskrepanzen auseinandergesetzt (
Urk.
1 S. 25), aus dem Weg geräumt.
5.4
Zusammenfassend
ist
somit vollumfänglich auf das Gutachten der
H._
abzu
stellen, das
umfassend, sorgfältig und schlüssig begründet wurde. Weder wird dessen Beweiswert durch
Widersprüche geschmälert, noch fördert das Gutachten von
Dr.
J._
eine zuverlässig begründete psychiatrische Pathologie zu Tage
,
noch vermochte die vom Beschwerdeführer
beauftrag
te
Privatg
ut
ach
terin relevante,
im Gutachten übersehene Aspekte darzutun.
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bunde
s
gericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7; ferner BGE 143 V 409 E. 4.5.2). Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem solchen abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Daher bleibt es entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fach
ärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine Arb
eitsunfähigkeit in nachvollzieh
bar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen Einschät
zun
gen mangels fachärztlicher Qualifikation oder
aus anderen Gründen kein Beweis
wert beigemessen werden kann (BGE 143 V 418 E. 7.1
; Urteil des Bundesgerichts
8C_597/2019 vom 1
2.
Dezember 2019 E. 7.2.3
).
Wie dargelegt, kann dem Gut
achten von
Dr.
J._
kein Beweiswert zugemessen werden, weshalb eine Befassung mit den massgeblichen Indikatoren entfallen kann.
6.
6.1
6.1.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad aufgrund eines Ein
kom
mensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die ver
sicherte Person nach Ein
tritt der Invalidität und nach Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgegliche
ner Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbsein
kommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (
Art.
16 ATSG). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau er
mittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommens
differenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt. Insoweit die fraglichen Erwerbs
einkommen ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie nach Massgabe der im Ein
zelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so ge
wonne
nen Annäherungswerte miteinander zu vergleichen
.
Bei der Festsetzung des
Valideneinkommens
ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung auch ein beruflicher Aufstieg im Gesundheitsfall zu berück
sichtigen, den eine versicherte Person normalerweise vollzogen hätte; dazu ist allerdings erforderlich, dass konkrete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ein beruflicher Aufstieg und ein entsprechend höheres Einkommen tatsächlich realisiert worden wären.
Blosse Absichtser
klä
rungen genügen nicht.
Die Absicht, beruflich weiterzukommen, muss durch kon
krete Schritte wie Kursbesuche,
Aufnahme eines Studiums,
Ablegung von Prü
fungen usw. kundgetan worden sein. Die theoretisch vorhandenen beruflichen Entwicklungs- oder Aufstiegsmöglichkeiten sind nur dann zu berücksichtigen, wenn sie mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eingetreten wären (BGE
145 V 141 E. 5.2.1,
96 V 29;
Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenver
sicherung, 3. Auflage 2014,
Rn
63 f. zu Art. 28a
).
6.1.2
Während die Beschwerdegegnerin dem
Valideneinkommen
das vor dem Unfall
ereignis erzielte Einkommen von monatlich
Fr.
5'000.-- zugrunde legte, was unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung
bis ins
Jahr 2018 einem Einkommen von
Fr.
68'705.--
entspreche
(
Urk.
2), macht
e
der Beschwerdeführer geltend, er hätte im Jahr 2018 in der im Zeitpunkt des Unfalles ausgeübten
Tätigkeit als Standleiter bei der
O._
gemäss Angaben des ehemaligen Arbeitgebers
Fr.
84'500.-- erzielt (
Urk.
1 S. 16 ff.).
6.1.3
Der Beschwerdeführer
erklärte
anlässlich
der Begutachtung, er habe die beiden ersten Schulklassen in Mazedonien
absolviert
. Nach der Einreise in die Schweiz habe er zuerst einen intensiven Deutschkurs gemacht, dann die Primar- und Oberschule besucht.
Mangels im Zeitpunkt des Schulabschlusses verfügbarer Lehrstelle habe er keinen Beruf erlernt. Nach
einer ersten Anstellung bei
P._
habe er
als Lagerist in einer Parfümerie und danach als Pizzakurier gearbeitet.
Danach habe er eine Anstellung als Verkäufer bei einem Früchte- und Gemüsegrossisten gefunden, wo er sich nach fünf Jahren als Verkäufer
zum Ge
schäftsführer hochgearbeitet habe
und ab Anfang 2010 als Geschäftsführer in einer anderen Filiale eingesetzt worden
sei
(
Urk.
16/4.78 S. 21-23). Gegenüber
Dr.
J._
erklärte der Beschwerdeführer, er sei bei der
O._
, der Filiale des Herrn
Q._
,
ab 2010
als Geschäftsführer tätig gewesen
(
Urk.
16/4.92 S.
27,
38).
I
n der Beschwerdeschrift
wurde
vorgebracht,
der Be
schwer
deführer
sei
seit 2010 als «Standleiter» bei der
O._
angestellt gewesen.
Weil
er
infolge des
Unfallereignis
ses ausgefallen sei,
habe man die
O._
indes wieder stilllegen müssen (
Urk.
1 S. 16 f.).
Schliesslich erklärte
R._
von der
Y._
mit
E-
Mail vom 2
5.
September 2019
auf ausdrückliche Nachfrage der Beschwerdegegnerin, in welcher Funktion der Beschwerdeführer angestellt gewesen sei (
Urk.
16/5.31)
, der Beschwerdeführer sei im Zeitpunkt des Unfalles Geschäftsführer der Fir
ma
O._
gewesen (
Urk.
16/5.32).
D
er Arbeitgeberfragebogen vom 30. September 2010 (
Urk.
10/14 im Verfahren IV.2019.00238)
wurde
demgegenüber
von der
Y._
ausgefüllt und unterzeichnet.
Auch die Unfallmeldung vom 1
2.
Juli 2010
erfolgte durch die
Y._
(
Urk.
16/2.1).
Ebenso stammen die
Lohnblätter von der
Y._
(
Urk.
16/5.2) und im IK-Auszug wird
- auch für die Jahre 2010 und 2011 -
als Arbeitgeber die
Y._
genannt (
Urk.
16/2.149).
Sodann zeigt ein Blick ins Handelsregister, dass der Beschwerdeführer nie als Geschäftsführer der
O._
eingetragen war (
Urk.
14
).
Angesichts dieser Gegebenheiten scheint
die Angabe der
Y._
zur Lohnentwicklung und insbesondere ihre Aussage
, wonach der Beschwerdeführer
im Jahr 2018 einen Lohn von Fr.
8
7’100.-- (
Fr.
6'700.-- x 13,
Urk.
16/5.32
) erzielt hätte,
nicht den tatsächlichen Gegebenheiten zu entsprechen, sondern
a
uf falscher Grundlage zu beruhen, wurde doch ausdrücklich erklärt, der Beschwerdeführer sei Geschäftsführer der
O._
gewesen.
Dass der Beschwerdeführer im Jahr 2018
Fr.
87'100.--
erzielt hätte
- mit E-Mail-Nachricht vom 2
0.
November 2017 war noch ein Lohn von
Fr.
84'500.-- (
Fr.
6'500.-- x 13) für das
Jahr 2018 genannt worden (Urk.
16/5.18) -
ist damit nicht als
überwiegend wahrscheinlich
,
sondern vielmehr
mit erheblichen Unsicherheiten behaftet und
als Gefälligkeit
sangabe
zu qua
li
fizieren.
Der Beschwerdeführer lässt denn
im Rahmen seiner Stellungnahme zur vom Gericht angedrohten
reformatio
in
peius
nunmehr vortragen, er habe nicht behauptet, Geschäftsführer der
O._
gewesen zu sein; er sei als Leiter eines Standes in der
S._
für die
Y._
tätig gewesen. Ein Arbeitsverhältnis zwischen ihm und der
O._
habe nie existiert (
Urk.
24). Damit sind
nicht bloss die Angaben des
vormaligen Arbeitgebers wider
spr
üchlich, sondern setzt sich auch der Beschwerdeführer zu seinen bisherigen
Angaben
in Widerspruch (vgl. vorstehend).
Infolgedessen
bilden die Angaben des vormaligen Arbeitgebers keine verlässliche Grundlage zur Festsetzung des
Vali
den
einkommens
des Beschwerdeführers.
Auch
unter der Annahme, der
Beschwerdeführer sei als «Standleiter» tätig ge
wesen (
Urk.
24), lässt sich gestützt auf die Akten ein über
Fr.
65'000.-- liegendes
Validen
einkommen
nicht mit dem nötigen Beweisgrad erstellen.
Eine Einkom
menssteigerung aufgrund eines Funktionswechsels auf das Jahr 2010 hin
–
ge
mäss Beschwerdeführer war er ab Anfang 2010 als Geschäftsführer
(vgl. vor
ste
hend)
beziehungsweise
als «Standleiter» tätig
- ergibt sich nicht aus den Akten. Im
Gegenteil verharrte das Einkommen bei
Fr.
5'000.-- monatlich, was sich für das
Jahr 2009 aus dem IK-Auszug (
Urk.
16/2.149;
Fr.
65'000.--) und für das Jahr 2010 aus der Unfallmeldung (
Urk.
16/2.1; jährliches Einkommen von
Fr.
65'000.--
) ergibt.
Ebenso wenig sind konkrete Anhaltspunkte dafür aktenkundig, dass eine Beförderung bereits angekündigt, aber noch nicht vollzogen worden wäre, oder dass eine Umschulung oder Weiterbildung, welche den Beschwerdeführer be
fähigt hätte, eine anspruchsvolle Tätigkeit mit entsprechender
Entlöhnung
aus
zuüben
, vereinbart und anhand genommen word
en wäre.
Auch mit Blick auf das Lohnniveau in der betreffenden Branche lässt sich nichts für das Vorbringen des Beschwerdeführers gewinnen: Gemäss LSE 2016 erzielten Männer im
Gross
handel,
Sektor 45-46, Kompetenzniveau 2 (praktische T
ätigkeiten wie Verkauf/
Pflege/Datenverarbeitung und Administration etc.)
,
- der Beschwerdeführer war mit dem Ein- und Verkauf von Waren und der Administration befasst
(
Urk.
16/5.32; gemäss Arbeitgeberbericht im Verfahren IV.2019.00238,
Urk.
10
/14 war er mit dem Verkauf und dem Rüsten von Bestellungen beschäftigt) - einen Medianlohn von
Fr.
5’530
.--
monatlich respektive einen Jahreslohn von
Fr.
66’840.--. Alleine die Tatsache, dass
der vormalige Arbeitgeber mit der Arbeit des
Beschwerdeführer
s sehr zufrieden gewesen sei (
Urk.
1 S. 16), vermag ein über dem branchenüblichen Lohn liegendes Einkommen nicht zu begründen, zumal eine mehrjährige Berufserfahrung zwar nicht ausser Acht zu lassen ist, für die Einstufung in ein höheres Kompetenzniveau heutzutage indessen in den meisten
Berufssparten ein Abschluss oder zumindest (formalisierte) Aus- und Weiterbil
dungen verlangt werden (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_728/2016 vom 2
1.
Dezember 2016 E. 3.3 und 8C_807/2012 vom 2
1.
Februar 2013 E. 5.1.3).
Für die Anwendung des Kompetenzniveaus 3
im Grosshandel
der LSE 2016
(kom
plexe praktische Tätigkeiten, welche ein grosses Wissen in einem Spezialgebiet voraussetzen)
, welches zu einem monatlichen Einkommen von
Fr.
7'021.-- un
d einem Jahreseinkommen von Fr.
84'252.-- führte, fehlt es dem Beschwerdeführer angesichts der schulischen Laufbahn
und der damit verbundenen
bescheidene
n
Bildung
offenkundig an den hierfür notwendigen Fähigkeiten
und
der
Ausbil
dung
.
Anhaltspunkt
e
dafür, dass sich die
Y._
mit anderem als vor
nehmlich mit dem Handel mit Gemüse und Früchte
n
(vgl. Zweck der Gesellschaft,
Urk.
14) beschäftigt hätte, sind jedenfalls nicht aktenkundig. Mithin sind keine
rlei
Gründe
ersichtlich
, weshalb die
Y._
für einen un
qualifizierten Mit
arbeiter ein dermassen hohes, weit über den branchenüblichen
Lohn
hinaus
gehendes
Salär
ausrichten sollte
.
Vielmehr erhellt aus der Aktennotiz zum Tele
fon
gespräch der Beschwerdegegnerin mit dem Arbeitgeber vom 1
7.
Oktober 2011 (
Urk.
16/2.69), wonach aufgrund der Eurokrise bereits drei Mitarbeiter hätten entlassen werden müssen und nun auch dem Beschwerdeführer gekündigt werde, dass sich auch die
Y._
den (normal)wirtschaftlichen Regeln nicht zu entziehen vermag. Zusammenfassend liegen keine konkreten Anhaltspunkte
vor
, die auf ein höheres
Valideneinkommen
schliessen lassen würden.
Das Vorbringen des
Beschwerdeführer
s
, bei den vom früheren Arbeitgeber genannten Einkom
mensangaben handle es sich um marktkonforme Löhne, welche die
Y._
ihren Standleitern ausrichte (
Urk.
1 S. 17,
Urk.
24),
vermag - wie dargelegt - nicht zu überzeugen, zumal es an substantiierten Angaben zur Berufsausbildung der
für den Vergleich
ins Auge gefassten Mitarbeiter mangelt. Aus der Formu
lierung der
Y._
, im Jahr 2018 habe ein Mitarbeiter, der gleichwertige Aufgaben ausgeführt habe, «z.B.» Fr.
6'700.-- x 13 verdient (Urk.
16/5.32), ist vielmehr auf unterschiedliche Lohneinreihungen und mit Blick auf das Vorge
nannte auf eine bessere berufliche Qualifikation, als sie der Beschwerdeführer besitzt, zu schliessen.
Da
sich die - auf ausdrückliche Nachfrage der Beschwerdegegnerin - getätigten Angaben der vormaligen Arbeitgeberin widersprüchlich erweisen, sind weder von der Einholung weiterer schriftlicher Auskünfte noch von einer Zeugenbefragung, wie sie der Beschwerdeführer beantragt (
Urk.
24),
wesentliche neue Erkenntnisse zu erwarten, weshalb in antizipierender Beweiswürdigung
(BGE 136 I 229)
davon abgesehen werden kann.
Ergänzend ist der Beschwerdeführer darauf hinzu
wei
sen, dass die Aktenstücke
Urk.
16/5.31 und 5.32 bereits im Zeitpunkt der Be
schwerdeerhebung vorlagen und überdies mit Beschwerdeantwort vom 2
6.
Juni 2020 darauf ausdrücklich Bezug genommen wurde (
Urk.
13 S. 10). Mithin wäre es dem Beschwerdeführer bereits anlässlich der Beschwerdeerhebung, spätestens indes mit seiner Eingabe vom 2
5.
August 2020 (
Urk.
18) möglich gewesen, zu den fraglichen Aktenstücke
n
Stellung zu nehmen.
E
ine
weitere
Fristeinräumung
,
wie sie der Beschwerdeführer nunmehr beantragt (
Urk.
24),
rechtfertigt sich damit nicht
, zumal es sich vorliegend um ein rasches und einfaches Verfahren handelt und sich der Beschwerdeführer denn
auch
bereits zweimalig nach dem Verfah
rensstand erkundigte (vgl. Sachverhalt).
6.1.4
Nachdem die Berücksichtigung einer mutmasslichen überproportionalen Einkom
mens
steigerung nach konkreten Anhaltspunkten für Lebensgeschehnisse, welche schon in der Zeit vor Eintritt des versicherten Ereignisses ihren Anfang
ge
-
nommen
haben, verlangt (E. 6.1.1) - was auch für junge Versicherte gilt (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_550/2009 vom 1
2.
November 2009 E. 4.2) - und auch gute Arbeitszeugnisse (vgl.
Urk.
1 S. 16) sowie Berufserfahrung für eine mutmassliche Lohn
erhöhung
nicht ausreichen,
ist am zuletzt erzielten, der Teue
rung angepassten Verdienst anzuknüpfen.
Demzufolge ist das
Valideneinkommen
ausgehend von
dem vom Beschwer
de
führer
zuletzt vor Eintritt des Gesundheitsschadens erziel
ten und der Nominal
lohnentwicklung angepassten Verdienst zu ermitteln. Mithin beläuft sich das
Va
lideneinkommen
für das Jahr 2018
auf
Fr.
68'250
.-- (2010:
Fr.
65'000.-- [
Urk.
16/2.1
]:100 x
105.0
[
T1.1.10,
Nominallohnindex
,
Männer, 2011-2018, G 45-47, Grosshandel und Reparatur von Motorfahrzeugen
, 2018
, Index-Basis 2010 = 100])
.
6.2
6.2.1
Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die ver
sicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbs
tätigkeit aus, bei der – kumulativ – besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zu
mutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein
solches tatsächlich erzielte Erwerbseinkommen
gegeben
namentlich,
weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zu
mut
bare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Recht
spre
chun
g
entweder Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik perio
disch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) oder die DAP-Zahlen heran
gezogen werden (BGE
139 V 592 E. 2.3 mit Hinweisen), wobei grundsätzlich die im Zeitpunkt des angefochtenen Entscheids aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden sind (BGE 143 V
295
E. 4.1.3).
6.2.2
Da der Beschwerdeführer seine Restarbeitsfähigkeit nicht verwertet, ihm aber eine angepasste Tätigkeit
mit einem Pensum von 80
%
zumutbar ist
(E. 5.4, 4.1.6)
, sind zur Bemessung des Invalideneinkommens die Tabellenlöhne der Schweize
rischen
Lohnstrukturerhebung (LSE) 201
6
heranzuziehen
. Dabei ist auf
das stan
dar
disierte monatliche Einkommen für
männliche Hilfskräfte (LSE 2016
, TOTAL in der Tabelle TA1, Kompete
nzniveau 1, Männer) von Fr. 5'34
0.--
abzustellen
. Dieses monatliche Einkommen ist unter Berücksichtigung der durchschnit
tlichen Arbeitszeit im Jahr 2018
von 41,7 Stunden pro Woche (vgl. Bundesamt für Statistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen [NOGA 2008], in Stunden pro Woche, 2004-2018, TOTAL)
und an die Nominallohnentwicklung angepasst (Bundesamt für Statistik, Entwicklung der Nominallöhne, 2010-2019, Männer, 2016: 2239, 2018: 2260)
auf
ein Jahreseinkommen für eine 8
0%ige Tätigkeit hochzurechnen, wa
s Fr. 53’944.-- ergibt (Fr. 5'34
0.-- x 12 : 40 x 41,7
: 2239 x 2260 x 0.8
).
Mit Bezug auf den behinderungs- beziehungsweise leidensbedingten Abzug ist zu beachten, dass das medizinische Anforderungs- und Belastungsprofil eine zum zeitlich zumutbaren Arbeitspensum tretende qualitative oder quantitative Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit darstellt, wodurch in erster Linie das Spektrum der erwerblichen Tätigkeiten (weiter) eingegrenzt wird, welche unter Berück
sichtigung der Fähigkeiten, Ausbildung und Berufserfahrung der versicherten Person
realistischerweise
noch in Frage kommen. Davon zu unterscheiden ist die Gegenstand des Abzugs vom Tabellenlohn bildende Frage, ob mit Bezug auf eine konkret in Betracht fallende Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage ver
glichen mit einem gesunden Mitbewerber nur bei Inkaufnahme einer Lohnein
busse reale Chancen für eine Anstellung bestehen (Urteil des Bundesgerichts 9C_796/2013 vom 28. Januar 2014 E.
3.1.1 mit Hinweisen).
Ist von einem ge
nü
gend breiten Spektrum an zumutbaren Verweisungstätigkeiten auszugehen, könne
n unter dem Titel leidensbedingter Abzug grundsätzlich nur Umstände berücksichtigt werden, die auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG) als ausserordentlich zu bezeichnen sind (
Urteil des Bundesgerichts 8C_297/2018 vom 6. Juli 2018 E. 3.5).
Den gesundheitlichen Einschränkungen des Beschwerdeführers ist mit dem Anforderungsprofil einer körperlich leichten,
mehrheitlich
im Sitzen
, aber mit der
Möglichkeit für gelegentliche Positionswechsel,
auszuführende
n
Arbeit
und der Beschränkun
g der Arbeitsfähigkeit auf ein 8
0
%
-Pensum bereits hinreichend Rechnung getragen, weshalb sie im Rahmen eines Abzuges nicht erneut zu be
rücksichtigen sind. Angesichts des Zumutbarkeitsprofils ist von einem genügend breiten Spektrum an zumutbaren Verweisungstätigkeiten auszugehen, umfasst doch der Tabellenlohn im hier zugrunde gelegten Kompetenzniveau 1 bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten (Urteil des Bundesgerichts 9C_447/2019 vom 8. Oktober 2019 E. 4.3.2). Folglich können unter dem Titel leidensbedingter Abzug grundsätzlich nur Umstände berücksichtigt werden, die auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt als ausserordentlich zu bezeichnen sind. Weder das Alter noch die Nationalität -
der Beschwerdeführer ist Schweizer (
Urk.
16/4.78
S. 22)
-
rechtfertigen
einen Abzug vom Tabellenlohn. Ebenso wenig sind mangelnde Sprachkenntnisse oder ungenügende Ausbildung abzugsrele
vant, da diesen Aspekten bei der Wahl des Kompetenzniveaus Rechnung zu tragen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_549/2019 vom 26. November 2019 E. 7.7), welche V
orgabe mit dem Kompetenzniveau 1
erfüllt ist. Soweit der Be
schwerdeführer vortragen lässt, es brauche ein besonderes Entgegenkommen der Arbeitgeberin, damit er vermehrt Pausen machen und sich auch hinlegen könn
e (
Urk.
1 S. 33
), vermag dies keinen Abzug zu begründen, beinhaltet der aus
geglichene Arbeitsmarkt doch auch Nischenarbeitsplätze und Arbeitsplätze, bei welchen mit dem sozialen Entgegenkommen des Arbeitgebers gerechnet werden kann (Urteil des Bundesgerichts 9C_277/2016 vom 1
5.
März 2017 E. 4.1). Der Umstand schliesslich, dass dem Beschwerdeführer eine ganztägige Beschäftigung (mit Abzug
von 20
%
) zumutbar ist (E. 4.1.6
), rechtfertigt ebenfalls keinen Abzug (Urteil des Bundesgerichts 9C_421/2017 vom 19. September 2017 E. 2.1.1 unter Hinweis auf Urteil 9C_581/2016 vom 24. Januar 2017 E. 3). Angesichts dessen
, dass aus neurourologischer Sicht eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nicht gegeben, sondern einzig die Gewährleistung der
Selbstkatheterisierung
voraus
gesetzt ist (
Urk.
16/4.77 S. 3), die Gutachter in Kenntnis dieses Umstandes - nebst der Beschränkung auf eine körperlich leichte Tätigkeit - wegen der Notwendigkeit des Selbstkatheterisierens aber dennoch eine Leistungseinschränkung attestierten (E. 4.1.6), verbietet sich diesbezüglich die Berücksichtigung
eines leidens
be
dingten Abzuges
, würde der Notwendigkeit des
Selbstkatheterisierens andernfalls
doppelt Rechnung getragen, was nicht statthaft ist.
Mithin hat es bei einem
Invalideneinkommen
von
Fr.
53’944
.--
sein Bewenden.
6.3
Bei einem
Valideneinkommen
von
Fr.
68'250
.-- und einem Invalideneinkommen von Fr.
53’944.--
ergibt sich eine E
inkommenseinbusse von Fr. 14’306
.-- und d
amit ein
Invaliditätsgrad von gerundet 21
%
(Fr.
14’306
.
-- :
Fr.
68'250
.-- x 100)
.
Der angefochtene
Einspracheentscheid
ist
daher
im Sinne einer
reformatio
in
peius
insoweit abzuändern, als
festzustellen
ist
, dass
der Beschwerdeführer
ab
1.
Mai 2018 Anspruch auf eine Invalidenrente der Unfallversicherung bei einem Invaliditätsgrad von 21
%
hat.