# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c4bd0e69-2ca5-467a-b617-0a7327e1d2b3
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. A.A. ist Volksschullehrer in der Stadt St. Gallen. Am 1. August 2013 ersuchte
er um bezahlten Urlaub für die Zeit vom 12.-14. August 2013 – die ersten drei Tage
nach Ende der Sommerferien – mit der Begründung, er betreue die Leichtathletin B.B.
als „Headcoach“ an den Weltmeisterschaften (act. 2/3 und 2/4). Der Chef
Leistungssport des Schweizerischen Leichtathletikverbandes bestätigte am 10.
September 2013, A.A. habe als offizieller Coach die Mehrkämpferin B.B. vom 7.-14.
August 2013 an den Leichtathletik Weltmeisterschaften in Moskau betreut; der Verband
sei für Reise, Verpflegung und Unterkunft aufgekommen und habe ihn mit einer
Pauschale von CHF 200 pro Tag, insgesamt mit CHF 1‘600 entschädigt (act. 2/5).
Die zur Behandlung des Gesuchs zuständige Abteilungsleiterin Schulen des
Schulamtes der Stadt St. Gallen teilte A.A. am 19. September 2013 sinngemäss mit,
nach dem geltenden Urlaubsreglement könne ihm kein bezahlter Urlaub bewilligt
werden. Bei Vorwirkung der künftigen Regelung fahre er bei unbezahltem Urlaub
finanziell besser, da die Lohneinbusse mit CHF 1‘464.05 geringer sei als die vom
Leichtathletikverband ausgerichtete Entschädigung von CHF 1‘600, die bei bezahltem
Urlaub an den Arbeitgeber falle (act. 2/6). Nach einer Besprechung mit der
Abteilungsleiterin am 6. November 2013 ersuchte A.A. am 5. Januar 2014 um Erlass
einer anfechtbaren Verfügung (act. 2/10). Die Abteilungsleiterin wies das Gesuch um
Bewilligung eines bezahlten Urlaubs am 23. Januar 2014 gestützt auf die bis 31. Januar
2014 geltende Regelung im Urlaubsreglement ab mit der Begründung, die Teilnahme
an der Weltmeisterschaft habe nicht auf der besonderen Qualifikation des Trainers,
sondern auf jener der Athletin beruht (act. 2/11). Im Schlichtungsverfahren machte das
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Schulamt zudem geltend, das Urlaubsgesuch müsste sich auch auf den 9. August
2013 beziehen, da der letzte Freitag vor dem Beginn des neuen Schuljahres im
Schulhaus X. zum Teamtag erklärt worden und A.A. bereits dem Teamanlass
ferngeblieben sei. Am 27. März 2014 konnten sich die Parteien vor der
Schlichtungsstelle in Personalsachen nicht einigen. Das Verhandlungsprotokoll wurde
am 13. Mai 2014 ausgefertigt und den Beteiligten gleichentags zugestellt (act. 2/2).
B. A.A. (Kläger) erhob durch seinen Rechtsvertreter mit Eingabe vom 13.
November 2014 gegen die Politische Gemeinde St. Gallen (Beklagte) beim
Verwaltungsgericht Klage mit dem Rechtsbegehren, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge sei ihm für die Zeit vom 12.-14. August 2013 für die Betreuung
der Athletin B.B. an den Leichtathletik Weltmeisterschaften 2013 in Moskau ein
bezahlter Urlaub zu bewilligen. Die Beklagte beantragte mit Klageantwort des
Schulamtes vom 11. Dezember 2014, die Klage sei unter Kosten- und
Entschädigungsfolge abzuweisen. Am 4. Februar 2015 äusserte sich der Kläger zur
Klageantwort. Am 25. Februar 2015 nahm die Beklagte dazu Stellung.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die

## Considerations

Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Die Klagevoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Der Kläger
unterrichtet an einer von der Beklagten geführten öffentlichen Volksschule; das
Arbeitsverhältnis unterliegt deshalb vorab den Regeln des kantonalen
Volksschulgesetzes (sGS 213.1, VSG; Art. 1 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 2 Abs. 1
[Realschule] sowie Art. 9 Abs. 1 [Kleinklassen] und Art. 56 ff. VSG). Die Streiterledigung
richtet sich nach Art. 86bis ff. VSG, wobei gemäss Art. 86bis VSG vorbehältlich
besonderer Vorschriften das Personalgesetz (sGS 143.1, PersG) sachgemäss
angewendet wird. Da Art. 86ter und 86quater VSG einzig besondere Regelungen zum
Schlichtungsverfahren betreffen, sind auf das Klageverfahren die Art. 78 ff. PersG
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
anwendbar. Gemäss Art. 78 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 79 Abs. 1 Ingress lit. b
Ingress und Ziffer 1 PersG kann beim Verwaltungsgericht personalrechtliche Klage zur
Geltendmachung von vermögensrechtlichen Ansprüchen aus dem Arbeitsverhältnis
erhoben werden. Da sich die Parteien uneinig sind, ob der Kläger Anspruch auf
Lohnzahlung für die Arbeitstage hat, während denen er als Trainer eine Sportlerin an
den Leichtathletik Weltmeisterschaften in Moskau betreute, liegt ein
vermögensrechtlicher Anspruch im Streit. Das Verwaltungsgericht ist
dementsprechend zur Beurteilung der Klage zuständig.
Am 27. März 2014 konnten sich der Kläger und die Beklagte – vertreten durch das zur
Bewilligung von Urlaub gemäss Urlaubsreglement zuständige Schulamt (Art. 3 Abs. 1
des Reglements über die städtischen Schulen [Schulordnung, sRS 211.1] in
Verbindung mit Art. 3 Abs. 2 Ingress Ziff. 6 Ingress und lit. e des Reglements über die
Zuständigkeit von Verwaltung und Schulleitungen im Bereich der Schule [sRS 211.13])
– vor der Schlichtungsstelle in Personalsachen nicht einigen. Die Erhebung der Klage
ist deshalb zulässig (Art. 78 Abs. 2 PersG).
Das Protokoll über die Schlichtungsverhandlung wurde am 13. Mai 2014 ausgefertigt
und gleichentags versandt. Die Klage wurde mit Eingabe vom 13. November 2014
rechtzeitig innerhalb der Frist von sechs Monaten seit Abschluss des
Schlichtungsverfahrens erhoben und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 81 PersG, Art. 80 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 64
und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Klage ist einzutreten.
2. Der Kläger macht einen Anspruch auf Gewährung bezahlten Urlaubs für die
Zeit vom 12.-14. August 2013 geltend. Die arbeitsrechtlichen Vorschriften des
Volksschulgesetzes enthalten keine Regeln zur Urlaubsgewährung. Damit fällt der
Erlass entsprechender Vorschriften in die Zuständigkeit des Trägers der öffentlichen
Volksschulen (vgl. Art. 33 VSG). Nach den bis 31. Januar 2014 gültig gewesenen
Regelungen des Urlaubsreglements für Lehrpersonen der Beklagten (cRS 2007 S. 143
ff.) bestand ein Anspruch auf bezahlten Urlaub bis fünf Tage für „Dienste“ bei
Teilnahme an eidgenössischen und kantonalen Anlässen (Art. 4 Abs. 1 Ingress Ziffer 1
Ingress lit. h Ingress und Alinea 2, dazu nachfolgend Erwägung 2.1). Sodann konnte
bezahlter Urlaub bis zu fünf Tagen pro Jahr für die mit einer aussergewöhnlichen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Qualifikation des Gesuchstellers zusammenhängende Teilnahme an einem
bedeutenden überregionalen oder nationalen Sportanlass bewilligt werden (Art. 5, dazu
nachfolgend Erwägung 2.2).
2.1. Anders als im Gesuch vom 1. August 2013 begründet der Beschwerdeführer
den Anspruch nicht mehr mit Art. 4 des Urlaubsreglements (in der bis 31. Januar 2014
geltenden Fassung). Insbesondere macht er nicht geltend, mit seiner Teilnahme an den
Leichtathletik Weltmeisterschaften in Moskau habe er einen „Dienst“ im Sinn von Art. 4
Abs. 1 Ziff. 1 Ingress des Urlaubsreglements an einem eidgenössischen oder
kantonalen Anlass erfüllt.
2.2. Hinsichtlich der Auslegung und Anwendung von Art. 5 des Urlaubsreglements
sind sich die Verfahrensbeteiligten einig, dass es sich – über den Wortlaut, der einzig
überregionale und nationale Anlässe nennt, hinausgehend – bei den Leichtathletik
Weltmeisterschaften um einen bedeutenden sportlichen Anlass im Sinn der
Bestimmung handelt. Umstritten ist, ob nicht nur die Athletin, sondern auch der Kläger
als deren Betreuer aufgrund einer ihm zuzuschreibenden aussergewöhnlichen
Qualifikation am Anlass teilnahm.
2.2.1. Der Kläger bringt vor, die aussergewöhnliche Qualifikation könne nicht nur dem
Sportler selbst zukommen, sondern auch darin bestehen, dass ein Gesuchsteller
besonders geeignet sei, eine andere Person zu trainieren. Um eine solche Qualifikation
handle es sich beim „höchsten Schweizer Trainerdiplom in der Leichtathletik“, über
welches er verfüge. Nur aufgrund seiner aussergewöhnlichen Fähigkeiten als Trainer für
B.B. sei er vom Verband für diese Funktion ausgewählt worden. Es sei ihm denn auch
im Jahr 2007 ein bezahlter Urlaub für die Teilnahme in der gleichen Funktion an den
Leichtathletik Weltmeisterschaften in Osaka bewilligt worden. Die Praxis beruhe
deshalb nicht bloss auf einem als Irrtum deklarierten einzelnen Präjudiz, mit welchem
einem vermeintlich noch aktiven Sportler bezahlter Urlaub für die Teilnahme als
Delegationsleiter an einer Junioren Weltmeisterschaft im Curling gewährt worden war.
Zudem bestehe keine Rechtssicherheit, zumal Gesuche je nach Person der
Abteilungsleitung unterschiedlich behandelt worden seien. Auch das neue
Urlaubsreglement werde von verschiedenen Entscheidungsträgern unterschiedlich
ausgelegt.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Die Beklagte macht geltend, sie habe das Ermessen pflichtgemäss gehandhabt, wenn
sie die Qualifikation nur auf Sportler, nicht aber auf Trainer beziehe, oder aber davon
ausgehe, die Qualifikation des Trainers, der sich nicht selbst für die Teilnahme an den
Weltmeisterschaften qualifiziert habe, erreiche die Schwelle der Aussergewöhnlichkeit
nicht. Die davon abweichenden Urlaubsbewilligungen hätten auf einem Irrtum – die
Lehrperson nahm anders als angenommen nicht mehr als aktiver Sportler sondern als
Delegationsleiter teil – beziehungsweise einer fehlerhaften Rechtsanwendung beim
Gesuch des Klägers im Jahr 2007 – die Urlaubsregelung war erst seit wenigen Tagen
anwendbar – beruht.
2.2.2. Bei den Begriffen der „Teilnahme“ und der „aussergewöhnlichen Qualifikation“
gemäss Art. 5 des Urlaubsreglements in der bis 31. Januar 2014 gültig gewesenen
Fassung handelt es sich um – unbestimmte – Rechtsbegriffe. Deren Handhabung
durch die rechtsanwendende Behörde unterliegt als Rechtsfrage der freien
Überprüfung durch das Verwaltungsgericht (Art. 80 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 61
Abs. 1 VRP). Hat der Kläger nicht aufgrund einer ihm zuzuschreibenden
aussergewöhnlichen Qualifikation an den Leichtathletik Weltmeisterschaften 2013 in
Moskau teilgenommen, erübrigt sich die Prüfung, ob die Beklagte das ihr aufgrund der
Kann-Bestimmung zustehende Ermessen rechtsfehlerhaft ausgeübt hat.
Der Wortlaut von Art. 5 des Urlaubsreglements für Lehrpersonen verlangte keine aktive
Teilnahme des Gesuchstellers als Sportler am Anlass. Sollte auch eine „passive“
Teilnahme zur Bewilligung bezahlten Urlaubs führen, musste sie aber ebenfalls im
Zusammenhang mit einer aussergewöhnlichen Qualifikation des Gesuchstellers selbst
stehen. Das Urlaubsreglement konkretisierte die Begriffe der „Teilnahme“ und der
„aussergewöhnlichen Qualifikation“ nicht. Bei der Auslegung und Anwendung sind
deshalb vorab allgemeine personalrechtliche Überlegungen zu berücksichtigen.
Gemäss Art. 68 Abs. 1 des Personalreglements (sRS 191.1) in Verbindung mit Art. 65
des Reglements zum Vollzug des Personalreglements (sRS 191.11, VZP, in Kraft
getreten am 1. Mai 2013; Art. 5 des Urlaubsreglements für Lehrpersonen in der seit 1.
Februar 2014 gültigen Fassung [cRS 2014 S. 1 f.] ist gleich formuliert) kann für
ausserordentliche Anlässe, die sich nicht in die arbeitsfreie Zeit verlegen lassen, bei
triftigen Gründen im Einvernehmen mit dem Personalamt bezahlter Urlaub gewährt
werden. Unbezahlter Urlaub kann gemäss Art. 66 Abs. 1 VZP gewährt werden, wenn
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
die gute Erfüllung der Verwaltungsaufgaben nicht beeinträchtigt wird. Personalrechtlich
ist davon auszugehen, dass einerseits der Zeitaufwand für Freizeitbeschäftigungen
nicht an die Arbeitszeit angerechnet wird, anderseits jedoch die Arbeitszeit und
insbesondere der Bezug von Ferien im Rahmen der zulässigen Flexibilität auch nach
der Ausübung einer Freizeitbeschäftigung ausgerichtet werden dürfen. Damit entfällt
grundsätzlich aber ein Anspruch auf Lohn während der Dauer der Ausübung einer
Freizeitbeschäftigung.
Die Flexibilität bei der Festlegung der Arbeitszeit ist für Lehrpersonen während der
Schulwochen durch den Vorrang des stundenplanmässigen Unterrichts eingeschränkt
und damit geringer als bei anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im öffentlichen
Dienst (vgl. XVI. Nachtrag zum Volksschulgesetz und Gesetz über den Lohn der
Volksschul-Lehrpersonen, Botschaft und Entwurf der Regierung vom 17. Dezember
2013, in: ABl 2014 S. 127 ff., S. 137). Damit auch ihnen Beschäftigungen möglich sind,
denen andere Mitarbeiter dank der weiterreichenden Flexibilität in der Festlegung der
Arbeitszeit ohne weiteres in der Freizeit nachgehen können, ist für Lehrpersonen eine
Urlaubsregelung gerechtfertigt, welche die privaten und gegebenenfalls auch
öffentlichen Interessen an der Ausübung der Freizeitbeschäftigung im Verhältnis zum
öffentlichen Interesse an der Einhaltung des Stundenplans gebührend berücksichtigt.
Daraus ergibt sich aber noch nicht, dass Lehrpersonen generell für Beschäftigungen,
für welche den anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unbezahlter Urlaub gewährt
werden kann, ein bezahlter Urlaub zu bewilligen ist, mithin die Beschäftigung als
bezahlte Arbeit behandelt werden kann. Der geringeren Flexibilität wird viel mehr mit
den Begriffen der „Teilnahme“ und der „aussergewöhnlichen Qualifikation“ gemäss Art.
5 des Urlaubsreglements für Lehrpersonen in der bis 31. Januar 2014 gültig
gewesenen Fassung und deren Auslegung und Anwendung Rechnung getragen.
Wie ein unbestimmter Rechtsbegriff zu verstehen ist, kann sich schliesslich aus der
Praxis der rechtsanwendenden Behörde ergeben. Die von den Beteiligten angeführten
Beispiele lassen die Praxis der Beklagten zur Urlaubsregelung, wie sie bis am 31.
Januar 2014 galt, nicht als kohärent erscheinen. Selbst dem Kläger gegenüber war die
Praxis bei vergleichbarer Sach- und Rechtslage nicht einheitlich. So wurde ihm am 7.
August 2007 ein bezahlter Urlaub für die Teilnahme als Betreuer des Hürdenläufers
Andreas Kundert an den Leichtathletik Weltmeisterschaften in Osaka, die vom 25.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
August bis 2. September 2007 ausgetragen wurden, gewährt mit der Begründung, „die
Erfüllung der Limite für die Teilnahme an der WM in einer Leichtathletikdisziplin“ dürfe
„sicher als aussergewöhnliches Ereignis, wenn nicht gar als Sensation bewertet
werden“. Es sei selbstverständlich, dass „für diese ausserordentliche Situation“ die
„Unterstützungsmöglichkeiten maximal“ genutzt würden (act. 7/12). Am 3. November
2011 wurde dem Kläger demgegenüber für die Zeit vom 24.-29. August 2011 kein
bezahlter Urlaub zur Teilnahme in derselben Funktion an den Leichtathletik
Weltmeisterschaften in Daegu/Südkorea gewährt. Dass seiner Auffassung nach „in der
Leichtathletik die Leistung eines Athleten von seinem Umfeld, insbesondere von
seinem Trainer“ abhängt, vermochte nichts daran zu ändern, dass der Umstand als
entscheidend beurteilt wurde, dass nicht er, sondern der von ihm betreute Sportler die
Limite für die Teilnahme an der Weltmeisterschaft geschafft hatte. Die Teilnahme als
Trainer oder als offizieller Coach erreiche die Schwelle der Aussergewöhnlichkeit im
Sinn von Art. 5 des Urlaubsreglements nicht. Der Arbeitgeber sei deshalb nicht
verpflichtet, den Verdienstausfall – zumal der Kläger nebst Spesen für Reise und
Unterkunft für sechs Tage mit CHF 1‘200 entschädigt wurde – zu ersetzen (act. 7/13).
Am 19. Februar 2014 gewährte das Schulamt einer Lehrperson für die Teilnahme an
der Junioren Weltmeisterschaft der Curler in Flims für die Zeit vom 24. Februar bis 5.
März 2014 gestützt auf die seit 1. Februar 2014 geltende Regelung, welche einen
„ausserordentlichen Anlass“ und „triftige Gründe“ für die Gewährung bezahlten Urlaubs
voraussetzt, lediglich unbezahlten Urlaub. Die Gewährung bezahlten Urlaubs im Vorjahr
für den gleichen Anlass wurde als Fehler bezeichnet, weil – unter der Geltung der
früheren Regelung – davon ausgegangen worden sei, die Lehrperson habe als Sportler
und nicht als Delegationsleiter des Schweizer Nationalteams teilgenommen (act. 7/14).
2.2.3. Vorliegend war es dem Kläger nicht möglich, die Wahrnehmung seiner
Funktion an den Leichtathletik Weltmeisterschaften in Moskau in die unterrichtsfreie
Zeit zu verlegen. Nachdem er unbestrittenermassen für eine gleichwertige
Stellvertretung während seiner Abwesenheit gesorgt hatte, stellt sich die Beklagte zu
Recht nicht dagegen, ihm für die Zeit vom 12.-14. August 2013 für die Teilnahme an
den Leichtathletik Weltmeisterschaften zumindest unbezahlten Urlaub zu gewähren.
2.2.4. Aus der von den Verfahrensbeteiligten angeführten Praxis zur Gewährung von
bezahltem Urlaub lässt sich ableiten, dass der Begriff der „Teilnahme“ an einem
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
internationalen Sportanlass zufolge „aussergewöhnlicher Qualifikation“ grundsätzlich
die aktive Beteiligung als Wettkämpfer voraussetzte. Daran vermögen die zwei von
dieser Betrachtungsweise abweichenden Bewilligungen nichts zu ändern. Die
grosszügigere Auslegung zugunsten des Klägers im Jahr 2007 unmittelbar nach
Inkrafttreten der bis 31. Januar 2014 geltenden Regelung schliesst eine Praxisänderung
– wie sie sich in der Verweigerung des bezahlten Urlaubs gegenüber dem Kläger im
Jahr 2011 niederschlug – nicht aus, wenn sich – wie vorliegend – erweist, dass das
Recht bisher unrichtig angewendet worden ist oder eine andere Rechtsanwendung
dem Sinn der Vorschrift oder veränderten Verhältnissen besser entspricht (vgl. anstelle
vieler BGE 136 II 5 E. 3.7). Sodann beruhte die abweichende Behandlung eines
Gesuchs im Jahr 2013 unbestrittenermassen auf einer fehlerhaften Vorstellung der
rechtsanwendenden Behörde über den massgebenden Sachverhalt. Die vom Kläger
angeführten, seiner Auffassung nach nicht einheitlichen Äusserungen zur Frage, was
als „ausserordentlicher Anlass“– nämlich die Leichtathletik Weltmeisterschaften, nicht
aber die Junioren Weltmeisterschaft im Curling – gelten soll, beziehen sich nicht auf die
bis 31. Januar 2014 gültig gewesene Urlaubsregelung und sind deshalb im
vorliegenden Fall nicht von Belang. Im Übrigen ist die rechtsanwendende Behörde bei
der Abweisung jenes Gesuchs auch davon ausgegangen, die Teilnahme als
Delegationsleiter stelle im konkreten Fall keinen „triftigen Grund“ im Sinn der seit 1.
Februar 2014 anwendbaren Regelung dar. Diese Auffassung führt im Ergebnis den
unter dem früheren Recht geltenden Grundsatz fort, dass als „aussergewöhnliche
Qualifikation“ vorab die Erfüllung der Voraussetzungen für die aktive Teilnahme an
einem Sportanlass galt.
Die Bewilligung von bezahltem Urlaub in grundsätzlicher Beschränkung auf aktive
Teilnehmer ist auch deshalb gerechtfertigt, weil nach dem personalrechtlichen
Grundsatz Freizeitbeschäftigungen ausserhalb der flexibel gestaltbaren Arbeitszeit
nachzugehen ist. Vorab ist nicht offenkundig, dass ein der allgemeinen
Urlaubsregelung des Personalreglements unterliegender aktiver Teilnehmer an einem
Sportanlass in jedem Fall Anspruch auf bezahlten Urlaub hat oder er nicht viel mehr
gehalten wäre, seine Abwesenheit mit seinem Ferien- oder Arbeitszeitguthaben zu
verrechnen. Hier lassen die Begriffe der „Teilnahme“ und der „aussergewöhnlichen
Qualifikation“, wie sie Art. 5 des Urlaubsreglements für Lehrpersonen in der bis 31.
Januar 2014 gültig gewesenen Fassung verwendet wurden, wegen der herabgesetzten
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Flexibilität während der Schulwochen für Lehrpersonen eine im Vergleich mit den
übrigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern grosszügigere Gewährung bezahlten Urlaubs
zu. Die herabgesetzte Flexibilität verlangt aber nicht, dass auch dem nicht aktiven
Teilnehmer an einem solchen Anlass bezahlter Urlaub zu gewähren ist. Von einem nicht
als Lehrperson angestellten Mitarbeiter der Beklagten wäre in der gleichen Situation
des Klägers wohl zu verlangen, dass er seine Abwesenheit mit seinem Ferien- oder
Arbeitszeitguthaben verrechnet. Dass für Lehrpersonen die Ausübung der gleichen
Tätigkeit mit einer Lohneinbusse verbunden ist, weil sie wegen der Pflicht, sich an den
Stundenplan zu halten, nicht während der Freizeit möglich ist, rechtfertigt grundsätzlich
keine Abweichung vom Erfordernis der aktiven Teilnahme.
Selbst wenn Sinn und Zweck von Art. 5 des Urlaubsreglements in der bis 31. Januar
2014 gültig gewesenen Fassung die ausnahmsweise Bewilligung bezahlten Urlaubs
auch für die Teilnahme als Nichtwettkämpfer bei einer aussergewöhnlichen
Qualifikation des Gesuchstellers zur Gewährung eines bezahlten Urlaubs hätte führen
können, wären die Voraussetzungen beim Kläger nicht erfüllt gewesen. Generell gegen
Ausnahmen sprechen die damit verbundenen Abgrenzungsschwierigkeiten, weil die
Delegationen an internationalen Sportanlässen nicht nur aus Sportlern, sondern auch
aus Funktionären bestehen, die ganz unterschiedliche Aufgaben, wie Repräsentation,
Organisation, Kommunikation, medizinische, sportliche und technische Betreuung,
erfüllen und für deren Erfüllung sie selbstredend ebenfalls über besondere Fähigkeiten
oder Qualifikationen verfügen müssen. Diese Fähigkeiten sind aber in der Regel nicht
bloss einzelnen besonders talentierten Personen zuzuschreiben und erscheinen
deshalb jedenfalls grundsätzlich nicht als „aussergewöhnliche Qualifikation“ im Sinn
von Art. 5 des Urlaubsreglements in der bis 31. Januar 2014 gültig gewesenen
Fassung. Dies gilt insbesondere für das Diplom „Trainer Spitzensport“, über welches
der Kläger verfügt. Auch wenn eine solche Qualifikation nicht allgemein verbreitet ist,
ist sie doch nicht so aussergewöhnlich, dass sie nur einige wenige Personen mit ganz
besonderem Talent erlangen könnten. Im Übrigen kann nicht davon ausgegangen
werden, dass seine Teilnahme im Jahr 2013 mit diesem, von ihm als
aussergewöhnliche Qualifikation bezeichneten Ausbildungsnachweis zusammenhing,
zumal er erst seit 2010 „diplomierter Trainer Spitzensport“ ist, aber bereits im Jahr
2007 einen Leichtathleten an einer Weltmeisterschaft betreute. Gleiches gilt auch für
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
das Diplom „Trainer Spitzensport Swiss Olympic“, welches der Kläger ebenfalls erst im
Jahr 2010 erlangte.
3. Zusammenfassend erweist sich die Klage als unbegründet. Das Schulamt der
Beklagten hat den unbestimmten Rechtsbegriff der „Teilnahme“ an einem sportlichen
Anlass im Sinn der bis 31. Januar 2014 anwendbaren Urlaubsregelung im
„Zusammenhang mit dieser besonderen Qualifikation“ weder willkürlich noch in
rechtsungleicher Weise gehandhabt, wenn sie das Gesuch des Klägers um Bewilligung
bezahlten Urlaubs für die Betreuung einer Leichtathletin als Trainer an den
Weltmeisterschaften mit der Begründung abwies, seine Teilnahme sei nicht auf eine
ihm zuzuschreibende „aussergewöhnliche Qualifikation“ zurück zu führen gewesen. Die
Klage ist dementsprechend abzuweisen.
Selbst wenn aber das Gesuch des Klägers die Anforderungen hinsichtlich der
Teilnahme aufgrund seiner eigenen aussergewöhnlichen Qualifikation erfüllen würde,
hätte dies nicht ohne Weiteres die Gewährung eines bezahlten Urlaubs zur Folge, weil
es sich bei Art. 5 des Urlaubsreglements für Lehrpersonen in der bis 31. Januar 2014
gültig gewesenen Fassung um eine Kann-Bestimmung handelte. Bei der Ausübung des
pflichtgemässen Ermessens hätte die Beklagte beispielsweise berücksichtigen dürfen,
ob die Verweigerung eines bezahlten Urlaubs mit einer erheblichen finanziellen
Einbusse verbunden gewesen wäre. Von einer erheblichen finanziellen Einbusse hätte
beim Kläger nicht gesprochen werden können, da der Lohneinbusse von CHF 1‘464.05
– für drei Unterrichtstage – eine pauschale Entschädigung durch den
Leichtathletikverband von CHF 1‘600 – für acht Tage – gegenüber stand.
Der Vollständigkeit halber ist anzumerken, dass weder das Urlaubsgesuch noch das
Klagebegehren den 9. August 2013 umfasste, der als letzter Tag vor dem Beginn des
neuen Schuljahres im Schulhaus X. zum Teamanlass erklärt wurde und welchem der
Kläger ebenfalls fernblieb (vgl. act. 7/11). Es ist davon auszugehen, dass sich dieser
Tag in der Berechnung der Lohnreduktion, die mit CHF 1‘464.05 beziffert wurde (act.
7/5), nicht niederschlägt.
4. Im personalrechtlichen Klageverfahren werden gemäss Art. 82 Abs. 2 PersG
keine amtlichen Kosten erhoben, wobei Art. 114 lit. c der Schweizerischen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Zivilprozessordnung (SR 272, ZPO) sachgemäss angewendet wird. Nach dieser
Bestimmung gilt die Kostenfreiheit bei Streitigkeiten aus dem Arbeitsverhältnis bis zu
einem Streitwert von CHF 30‘000, der im vorliegenden Verfahren offenkundig nicht
erreicht wird. Der unterliegende Kläger kann deshalb nicht zur Bezahlung amtlicher
Kosten verpflichtet werden.
Die Beklagte stellte den Antrag auf Abweisung der Klage unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zu Lasten des Klägers. Nach der verwaltungsgerichtlichen
Rechtsprechung ist im öffentlich-rechtlichen Klageverfahren ein Ausnahmefall vom
Grundsatz des generellen Ausschlusses eines Kostenersatzes für das Gemeinwesen
anerkannt (vgl. VerwGE K 2011/7 vom 23. August 2012 E. 6.2, www.gerichte.sg.ch).
Gemäss Art. 98ter VRP finden die Vorschriften der Schweizerischen
Zivilprozessordnung über die Parteientschädigung sachgemäss Anwendung. Nach Art.
95 Abs. 3 ZPO gelten als Parteientschädigung der Ersatz notwendiger Auslagen (lit. a),
die Kosten einer berufsmässigen Vertretung (lit. b) sowie in begründeten Fällen eine
angemessene Umtriebsentschädigung, wenn eine Partei nicht berufsmässig vertreten
ist (lit. c). Die Beklagte war weder berufsmässig vertreten noch belegt und begründet
sie zu entschädigende Auslagen. Dementsprechend kann ihr weder eine Partei- noch
eine Umtriebsentschädigung (vgl. VerwGE B 2013/178 vom 12. Februar 2014 E. 4 und
5, www.gerichte.sg.ch) zugesprochen werden.