# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 8393589d-9d3b-4f1c-b46a-2a847eb670dd
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt
A. Am 7. Februar 2019 ordnete die Klinik A._ die Behandlung ohne Zustimmung von X._, geboren am _ 1944, an.
B. Gegen die Behandlung ohne Zustimmung erhob X._ mit Eingabe vom 11. Februar 2019 Beschwerde beim Verwaltungsgericht Glarus, welche dem Kantonsgericht von Graubünden zuständigkeitshalber weitergeleitet wurde und hieramts am 12. Februar 2019 einging.
C. Die Klinik A._ führte in ihrer Stellungnahme vom 13. Februar 2019 unter anderem aus, dass die verordnete Medikation aufgrund der unklaren somatischen Krankheitssituation von X._ vorübergehend abgesetzt worden sei, da aufgrund jüngster Untersuchungen der Verdacht auf einen Hirntumor bestehe.
D. Mit Verfügung vom 6. Februar 2019 wurde die Beschwerde gegen die Behandlung ohne Zustimmung vom Kantonsgericht von Graubünden infolge Gegenstandslosigkeit abgeschrieben.
E. Am 22. Februar 2019 wurde X._ wegen eines Hirntumors operiert (Kraniotomie) und zur erneuten Hospitalisation vom 26. Februar bis zum 22. März 2019 in die Klinik A._ gebracht. Am 22. März 2019 wurde sie ins Kantonsspital Graubünden zur Wundversorgung zurückverlegt.
E. Mit Verfügung vom 27. März 2019 wurde X._ vom Kantonsspital Graubünden, Departement Chirurgie D01, gestützt auf Art. 429 ZGB in der Klinik A._,, in O.1_ fürsorgerisch untergebracht. Als Gründe für die Einweisung wurden angegeben: "Eigengefährdung und Verzögerung des Heilungserfolges der bestehenden Therapie wegen fehlender Krankheitseinsicht. Patientin leidet an einer paranoiden Schizophrenie."
B. Gegen die fürsorgerische Unterbringung erhob X._ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) mit Eingabe vom 27. März 2019 (Datum Poststempel) Beschwerde beim Kantonsgericht von Graubünden, in welcher sie die Aufhebung der fürsorgerischen Unterbringung verlangte.
C. Mit Schreiben vom 29. März 2019 ersuchte der Vorsitzende der I. Zivilkammer des Kantonsgerichts von Graubünden die Klinik A._ unter Fristansetzung bis zum 1. April 2019 um einen kurzen Bericht zum Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin, zur Art der Behandlung und insbesondere darüber, ob die Voraussetzungen für eine fürsorgerische
3 / 12
Unterbringung weiterhin gegeben seien, und forderte gleichzeitig die Einweisungsverfügung sowie die wesentlichen Klinikakten an.
D. Am 1. April 2019 reichte die Klinik A._ den angeforderten Bericht ein. Im Bericht wird u.a. ausgeführt, die Beschwerdeführerin sei in die fürsorgerische Unterbringung (FU) eingetreten, weil sie an einer langjährigen paranoiden Schizophrenie leide und deutliche Wahnideen (Verfolgungswahn und Ideen, unter anderem, dass sie vom Strom beeinflusst werde) entwickle. Wegen diesen Wahnideen habe die Beschwerdeführerin die Selbstpflege und die Ernährung vernachlässigt. Zudem sei die eigene Wohnung aufgelöst worden, da sie Schäden an elektrischen Einrichtungen verursacht habe.
E. Mit prozessleitender Verfügung des Vorsitzenden der I. Zivilkammer des Kantonsgerichts von Graubünden vom 1. April 2019 wurde pract. med. B._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, gestützt auf Art. 439 Abs. 3 i.V.m. Art. 450e Abs. 3 ZGB mit der Begutachtung von X._ betraut. Die Gutachterin wurde ersucht darzulegen, ob und inwiefern ein Bedarf an der Behandlung einer festgestellten psychischen Erkrankung bzw. an der Betreuung der betroffenen Person bestehe und mit welcher konkreten Gefahr für die Gesundheit oder das Leben der betroffenen Person bzw. von Dritten zu rechnen sei, wenn die Behandlung der gutachterlich festgestellten Krankheit bzw. die Betreuung unterbleibe. Im Gutachten sei des Weiteren die Frage zu beantworten, ob aufgrund des festgestellten Handlungsbedarfs eine stationäre Behandlung bzw. Betreuung unerlässlich sei oder allfällige ambulante Alternativen bestünden, wobei die Expertin auch darüber Auskunft zu geben habe, ob die betroffene Person über glaubwürdige Krankheits- und Behandlungseinsicht verfüge.
F. Im Gutachten von pract. med. B._, datiert vom 3. April 2019, attestiert die Gutachterin, dass bei der Beschwerdeführerin eine paranoide Schizophrenie vorliege, was im Sinne des Gesetzes einer Geisteskrankheit entspreche. Aufgrund der aktuellen Schwere der Erkrankung und der damit verbundenen Selbstgefährdung sei eine fürsorgerische Unterbringung nötig. Es bedürfe einer ärztlichen Behandlung in geschützten Rahmen. Bei psychischer Stabilisierung sei eine Unterbringung in ein Altersheim geplant.
G. Am 5. April 2019 fand die mündliche Hauptverhandlung vor der I. Zivilkammer des Kantonsgerichts von Graubünden statt, an welcher X._ in Begleitung einer Mitarbeiterin der Klinik A._ persönlich teilnahm. Bezüglich der richterlichen Befragung wird auf das separat angefertigte Protokoll vom 5. April
4 / 12
2019 (nachfolgend: Protokoll Hauptverhandlung) verwiesen. Nach durchgeführter Urteilsberatung wurde der Beschwerdeführerin sowie der ärztlichen Leitung der Psychiatrischen Klinik A._ noch gleichentags das vorzeitige Entscheiddispositiv zugestellt.
H. Auf die Aussagen von X._ anlässlich der richterlichen Befragung sowie die weiteren Ausführungen im Gutachten und in den beigezogenen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
II. Erwägungen
1.1. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist eine fürsorgerische Unterbringung gemäss Art. 426 ff. ZGB. Das Kantonsgericht von Graubünden ist hierfür einzige kantonale Beschwerdeinstanz (Art. 439 Abs. 1 Ziff. 1 und 4 ZGB i.V.m. Art. 60 Abs. 1 des Einführungsgesetzes zum Zivilgesetzbuch [EGzZGB; BR 210.100]) und dementsprechend zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig.
1.2. Vorliegend handelt es sich um eine ärztlich angeordnete fürsorgerische Unterbringung nach Art. 429 Abs. 1 ZGB. Dagegen kann die betroffene oder eine ihr nahestehende Person innert zehn Tagen schriftlich beim zuständigen Gericht Beschwerde erheben (Art. 439 Abs. 1 und 2 ZGB). Eine Begründung ist nicht notwendig (Art. 439 Abs. 3 ZGB i.V.m. Art. 450e Abs. 1 ZGB). Vorliegend richtet sich die Beschwerde gegen die am 27. März 2019 verfügte fürsorgerische Unterbringung. Die Beschwerdefrist wurde mit der Eingabe vom 27. März 2019 (Datum Poststempel) somit gewahrt. Da keine Begründungspflicht besteht und aus besagter Eingabe mit hinreichender Klarheit geschlossen werden kann, dass die Beschwerdeführerin mit der fürsorgerischen Unterbringung in der Klinik A._ nicht einverstanden ist und deren sofortige Aufhebung beantragt, ist auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten.
2.1. Art. 439 Abs. 3 ZGB sieht für die gerichtliche Überprüfung einer ärztlich angeordneten fürsorgerischen Unterbringung eine sinngemässe Anwendung der Bestimmungen über das Verfahren vor der gerichtlichen Beschwerdeinstanz vor (Art. 450a ff. ZGB). Von besonderer Bedeutung ist dabei Art. 450e ZGB, der an sich das Verfahren für die gerichtliche Beurteilung eines durch die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde gefällten Unterbringungsentscheids behandelt. Vom Verweis nicht erfasst wird dagegen Art. 450 ZGB, weil die Vorinstanzen, die Legitimation und die Form der Beschwerde in Art. 439 ZGB selbständig und abschliessend geregelt sind (vgl. dazu Thomas Geiser/Mario Etzensberger, in:
5 / 12
Geiser/Reusser [Hrsg.], Basler Kommentar, Erwachsenenschutz, Basel 2012, N 38 zu Art. 439 ZGB). Weil es sich hier um einen besonders sensiblen Bereich mit schweren Eingriffen in die persönliche Freiheit der betroffenen Person handelt, sind ergänzende (teilweise abweichende) Bestimmungen unentbehrlich (vgl. Daniel Steck, in: Büchler, Jakob [Hrsg.], Kurzkommentar ZGB, N 1 zu Art. 450e). Zu beachten sind sodann die allgemeinen Verfahrensgrundsätze des erstinstanzlichen Verfahrens (Art. 443 ff. ZGB), die auch im Verfahren vor der gerichtlichen Beschwerdeinstanz anwendbar sind, soweit das Gesetz in den Art. 450 ff. ZGB keine abweichenden Vorschriften enthält (vgl. Daniel Steck, in: Geiser/Reusser [Hrsg.], Basler Kommentar, Erwachsenenschutz, Basel 2012, N 13 zu Art. 450 ZGB). Dies gilt namentlich für die in Art. 446 ZGB verankerte uneingeschränkte Untersuchungs- und Offizialmaxime und das an gleicher Stelle festgeschriebene Prinzip der Rechtsanwendung von Amtes wegen. Der Anwendungsbereich dieser zentralen Verfahrensgrundsätze bezieht sich auf sämtliche Verfahren vor der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde und erstreckt sich - wenn auch teilweise in abgeschwächter Form - nach dem Grundsatz der Einheit des Prozesses auch auf die Verfahren vor der gerichtlichen Beschwerdeinstanz (vgl. Christoph Auer/Michèle Marti, in: Geiser/Reusser [Hrsg.], Basler Kommentar, Erwachsenenschutz, Basel 2012, N 1 zu Art. 446 ZGB m.w.H.). Aus Art. 450a ZGB wie auch aus Art. 5 Ziff. 4 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK; SR 0.101) ergibt sich schliesslich, dass das Gericht Tat- und Rechtsfragen wie auch die Angemessenheit frei überprüft und ihm von Bundesrechts wegen volle Kognition zukommt. Weil die Vorinstanz jeweils keine Behörde, sondern entweder ein Arzt oder eine Einrichtung ist, hat das Gericht die Sache endgültig zu entscheiden und diese nicht an die Vorinstanz zu neuer Entscheidung zurückzuweisen. Das Urteil lautet entweder auf Aufhebung oder Aufrechterhaltung der Massnahme (vgl. Geiser/Etzensberger, a.a.O., N 39 und 41 zu Art. 439 ZGB).
2.2. Gemäss Art. 450e Abs. 3 ZGB, welcher aufgrund von Art. 439 Abs. 3 ZGB sinngemäss anwendbar ist, muss bei psychischen Störungen für den Entscheid über eine ärztlich angeordnete fürsorgerische Unterbringung zwingend ein Gutachten eingeholt werden. Dieses muss von einer unabhängigen, im laufenden Verfahren noch nicht involvierten sachverständigen Person erstellt werden und in dem Sinne aktuell sein, dass es sich zu den sich im gerichtlichen Verfahren stellenden Fragen äussern muss (BGE 143 III 189 E. 3.2 f.; Geiser/Etzensberger, a.a.O., N 48 ff. zu Art. 439 ZGB; Thomas Geiser, in: Geiser/Reusser [Hrsg.], Basler Kommentar zum Erwachsenenschutz, Basel 2012, N 19 zu Art. 450e ZGB). Mit dem Kurzgutachten vom 3. April 2019 von pract. med. B._, Fachärztin für
6 / 12
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, welche die Beschwerdeführerin am 2. April 2019 persönlich untersucht hat, wurde dieser Vorschrift Genüge getan.
2.3. Gemäss Art. 450e Abs. 4 Satz 1 ZGB muss die gerichtliche Beschwerdeinstanz die betroffene Person in der Regel als Kollegium anhören, was faktisch zwingend zur Durchführung einer mündlichen Hauptverhandlung führt (vgl. Christof Bernhart, Handbuch der fürsorgerischen Unterbringung, Basel 2011, N 848 f.). Mit der Durchführung der mündlichen Hauptverhandlung am 5. April 2019 wurde diese Vorgabe umgesetzt.

## Considerations