# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** a76fdd89-9e66-5ec4-953f-3471561f27d7
**Court:** AR_OG
**Chamber:** AR_OG_003
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** AR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt
A. Die am XX.XX.1966 geborene A_ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) meldete sich am 2.
November 2010 wegen Rückenproblemen und psychischer Nichtbelastbarkeit bei der
Ausgleichskasse und IV-Stelle Appenzell Ausserrhoden (nachfolgend: Vorinstanz) zum
Leistungsbezug an (IV-act. 11).
B. Ihr Hausarzt Dr. B_ diagnostizierte im Bericht vom 19. November 2010 ein reaktiv-
depressives Zustandsbild, St. n. Magenband wegen Adipositas per magna, Astigmatismus,
chronisches Spannungskopfweh, chronische Lumbago und Asthma bronchiale. Die
Beschwerdeführerin sei vom 21. Januar bis 21. Oktober 2010 zu 50% und seit 22. Oktober
2010 bis auf weiteres zu 100% arbeitsunfähig (IV-act. 17, S. 1 f.). Hierauf holte die
Vorinstanz beim die Beschwerdeführerin seit dem 22. November 2010 ambulant
behandelnden Psychiater, Dr. C_, ebenfalls einen Arztbericht ein, in welchem dieser
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellte (IV-act. 20): Leichte bis
mittelschwere depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD10 F32.11); soziale
Phobie (ICD10 F40.1); sonstige spezifische Angststörung (ICD10 F41.8); selbstunsichere
Persönlichkeitsstörung (ICD10 F60.6).
C. Dr. C_ teilte der Vorinstanz am 5. April 2011 mit, er halte die Beschwerdeführerin bis auf
weiteres zu 100% arbeitsunfähig und auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht als vermittelbar (IV-
act. 24). Im Arztbericht spezifische Eingliederungsfragen vom 29. Juli 2011 machte Dr.
C_ zur Frage, welche Funktionsausfälle die Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten
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Tätigkeit einschränken, folgende Angabe: „Hierzu können keine Angaben gemacht werden,
weil die Patientin schon seit längerer Zeit und vor Behandlungsbeginn hier stellenlos
gewesen ist. Zur medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit kann daher keine ausreichend
genaue Angabe gemacht werden. M.E. müsste als erster Schritt eine Abklärung der
tatsächlichen Arbeits- und Leistungsfähigkeit im geschützten Rahmen erfolgen“. Allgemeine
Haushaltsarbeiten und die Betreuung ihrer behinderten Tochter als allein erziehende Mutter
könne die Beschwerdeführerin trotz der gesundheitlichen Defizite ausüben (IV-act. 31, S.
3).
D. Die Vorinstanz veranlasste zur vertieften Abklärung des medizinischen Sachverhalts zudem
eine rheumatologisch-psychiatrische Begutachtung der Beschwerdeführerin bei Dr. D_
und Dr. E_.
Dr. D_ untersuchte die Beschwerdeführerin am 28. November 2011 internistisch/rheu-
matolotisch und diagnostizierte mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine „anamnestisch
chronische Lumbalgie, nicht radikulär, seit 2006, aktuell nicht ausgeprägt, radiologisch
leichte Chondrose L4/5, L5/S1 (Dr. B_ 23.09.02), auf neuer Aufnahme 28.11.11
Chondrose L4/5 mittelgradig bei leichter Torsionsskoliose 10 Grad proximal LWK 5,
leichtem Rück- und Seitgleiten 1-2mm LWK 4 auf LWK 5. Möglicherweise lokale leichte
Instabilität (ICD-10: M51.3, M41.8). Adipositas per magna [...] (ICD-10: E66.9). Status nach
wahrscheinlichem Geburtsgebrechen mit seit Jugend leichter Halbseitenschwäche rechts
M-1/6, leichtem Spitzfuss rechts, hausärztlich keine näheren Angaben erhältlich [...]. Status
nach Kniekontusion rechts 07/2011, klinisch ausgeheilt, radiologisch 21.07.2011 unauffällig
[...].“ Er beurteilte die Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht mindestens zu 80%
arbeitsfähig in einer adaptierten Tätigkeit (IV-act. 48).
Dr. E_, der die Beschwerdeführerin ebenfalls am 28. November 2011 untersuchte,
diagnostizierte bei der Beschwerdeführerin mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
„leichte depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.01), DD Dysthymia
(ICD-10: F34.1), soziale Phobie (ICD-10: F40.1), anamn. auch sonstige spezifische
Angststörung F41.8, Persönlichkeitsstörung mit selbstunsicheren und ängstlichen Anteilen
(ICD-10: F60.6)“. Aus psychiatrischer Sicht schätzte er die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin „derzeit noch mit rund 70% eingeschränkt“ ein; es sollte zuerst ein
Arbeitstraining zu 50% (bei einer vermuteten 30%-igen Leistungsfähigkeit) auf dem 2.
Arbeitsmarkt erfolgen, wobei die Leistungsfähigkeit langsam gesteigert werden sollte, um
das effektive Ausmass der Einschränkung zu ermitteln (IV-act. 47).
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E. Im RAD-Bericht vom 8. März 2012 (IV-act. 49) empfahl Dr. F_ gestützt auf diesen
gutachterlichen Vorschlag einen Eingliederungsversuch im geschützten Rahmen. Im
Verlaufsbericht vom 29. Oktober 2012 hielt Dr. C_ jedoch die Teilnahme an einem
Arbeitsprogramm im geschützten Rahmen mit einer Präsenzzeit von 50% nicht mehr für
zumutbar (IV-act. 69). In der Folge erachtete Dr. F_ eine Weiterführung der
Arbeitsvermittlung nicht als erfolgsversprechend und schloss in ihrem Bericht vom 15.
November 2012 auf eine 30%-ige Arbeitsfähigkeit adaptiert anhaltend seit 21. Januar 2010
(IV-act. 70).
F. Mit einem ersten Vorbescheid vom 3. Januar 2013 teilte die Vorinstanz der
Beschwerdeführerin daraufhin mit, sie habe bei einem Invaliditätsgrad von 31% keinen
Rentenanspruch (IV-act. 74). Dagegen liess die Beschwerdeführerin durch ihren
Rechtsvertreter Einwand erheben (IV-act. 80) und beantragte, es sei ihr eine ganze
Invalidenrente zuzusprechen. In der Folge erging seitens der Vorinstanz am 24. April 2013
ein korrigierter Beschluss, wonach bei der Beschwerdeführerin aufgrund eines
Invaliditätsgrads von 61% eine Dreiviertelsrente ab 1. Januar 2011 auszurichten wäre (IV-
act. 81 und 83). Am 12. September 2013 informierte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin die Vorinstanz, seine Mandantin habe kürzlich eine Streifung erlitten
und bat darum, einen aktuellen Verlaufsbericht beim Hausarzt anzufordern (IV-act. 85). Die
Vorinstanz teilte daraufhin mit, ob eine hinzugekommene Diagnose eine Veränderung des
IV-Grads begründen würde, werde im Rahmen einer Rentenrevision geprüft (IV-act. 89).
Mit Mitteilung vom 25. März 2014 korrigierte sich die Vorinstanz dahingehend, sie habe
aufgrund neuer medizinischer Unterlagen den Auftrag zur Rentenberechnung sistiert; da
der Rentenanspruch infolge fehlender Dokumente fürs Splitting bis heute nicht habe
berechnet werden können, befinde sich die Vorinstanz derzeit noch im Verfahren der
Prüfung von Rentenleistungen und somit könne auch keine Rentenrevision eingeleitet
werden. Stattdessen würden die neuen Tatsachen in einem neuen Vorbescheid
berücksichtigt (IV-act. 104).
G. Nachdem der Vorinstanz weitere Arztberichte vorlagen, nahm Dr. F_ vom RAD erneut
Stellung und hielt fest, dass die neuen medizinischen Unterlagen an der vorherigen RAD-
Beurteilung vom 15. November 2012, wo sie der Beschwerdeführerin eine 30%-ige
Arbeitsfähigkeit adaptiert attestiert hatte, nichts ändern würden (IV-act. 106). In der Folge
frage die Vorinstanz bei Dr. E_ nach, welche Diagnose genau die 70%-ige
Arbeitsunfähigkeit, die er in seinem Gutachten ermittelt hatte, begründete (IV-act. 107),
woraufhin Dr. E_ präzisierte, bei der Beschwerdeführerin liege eine ängstlich-
vermeidende Persönlichkeitsstörung vor. Diese Persönlichkeitsstruktur sei ausschlag-
gebend zur Begründung der Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 108). Bei Dr. C_ holte die
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Vorinstanz einen weiteren Verlaufsbericht ein, in welchem dieser am 27. Oktober 2014
erneut festhielt, der Gesundheitszustand sei stationär und die Beschwerdeführerin sei auf
dem 1. Arbeitsmarkt nicht mehr einsatzfähig (IV-act. 113).
H. Am 6. Januar 2015 teilte die Vorinstanz der Beschwerdeführerin mittels zweitem
Vorbescheid mit, dass sie aus IV-rechtlicher Sicht von einer 80%-igen Arbeitsfähigkeit
adaptiert ausgehe. Bei einem Invaliditätsgrad von insgesamt 11% habe die
Beschwerdeführerin keinen Rentenanspruch (IV-act. 115). Dagegen liess die
Beschwerdeführerin Einwand erheben (IV-act. 119). Mit Verfügung vom 2. März 2015 hielt
die Vorinstanz an der Abweisung des Leistungsanspruchs fest (IV-act. 120).
I. Gegen diese Verfügung richtet sich die von der Beschwerdeführerin am 16. April 2015
erhobene Beschwerde ans Obergericht (act. 1), mit welcher sie rückwirkend ab 2. Mai 2011
die Ausrichtung einer vollen IV-Rente beantragte. Das von der Beschwerdeführerin
gleichzeitig gestellte Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung
wurde im Einzelrichterverfahren ERV 15 16 gutgeheissen und RA AA_ mit der
Rechtsverbeiständung beauftragt (act. 3). Mit Vernehmlassung vom 16. Juni 2015 (act. 6)
verlangte die Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde. Mit Replik vom 4. September
2015 (act. 11) hielt die Beschwerdeführerin an ihrem Antrag fest. Die Vorinstanz verzichtete
auf die Einreichung einer Duplik. Keine Partei verlangte die Durchführung einer mündlichen
Verhandlung. Am 16. Februar 2016 wurde die Sache in der dritten Abteilung des
Obergerichts in Abwesenheit der Parteien abschliessend beraten und darüber entschieden.
Das Urteil wird hiermit mit schriftlicher Begründung eröffnet.
J. Auf weitere Einzelheiten im Sachverhalt und in den vorinstanzlichen Akten sowie die
Vorbringen der Parteien in den Rechtschriften wird, soweit entscheidrelevant, in den
nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen.
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## Considerations

Erwägungen
1. Formelles
Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversicherungsrecht ergangen.
Gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialver-
sicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. b des Justizgesetzes (JG, bGS
145.31) beurteilt das Obergericht Beschwerden gegen solche Entscheide. Die örtliche
Zuständigkeit ist gegeben (Art. 58 Abs. 1 ATSG).
Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der weiteren Prozessvoraussetzungen
ergibt, dass diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der
Form- und Fristerfordernisse erfüllt sind (insbesondere Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung [IVG, SR 831.20] i.V.m. Art. 59, Art. 60 Abs. 1 und Art. 61 lit.
b ATSG sowie Art. 54, Art. 56 und Art. 59 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
[VRPG, bGS 143.1]).
Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
2. Materielles
2.1
Der Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung setzt voraus, dass die versicherte
Person invalid oder von Invalidität unmittelbar bedroht ist. Als Invalidität gilt gemäss Art. 4
IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG die durch einen körperlichen oder geistigen
Gesundheitsschaden als Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall verursachte,
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit andauernde Erwerbsunfähigkeit.
Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG haben versicherte Personen Anspruch auf eine ganze Rente,
wenn sie mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelrente, wenn sie mindestens zu 60%, auf
eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50% und auf eine Viertelrente, wenn sie
mindestens zu 40% invalid sind.
Zwischen den Parteien umstritten ist der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin. Während
die Vorinstanz der Beschwerdeführerin in der angefochtenen Verfügung einen
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Invaliditätsgrad von insgesamt 11% zuerkannt hat, geht die Beschwerdeführerin von einem
Invaliditätsgrad von 78% aus.
2.2
Zur Bestimmung des Invaliditätsgrades wird gemäss Art. 16 ATSG das Erwerbs-
einkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der unfallbedingten Invalidität und
nach Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine zumutbare Tätigkeit
bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in
Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig
sind, wird für diesen Teil die Invalidität nach Artikel 16 ATSG festgelegt. Waren sie
daneben auch im Aufgabenbereich, namentlich im Haushalt, tätig, so wird für die
Bemessung der Invalidität in dieser Tätigkeit darauf abgestellt, in welchem Masse sie
unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (vgl. Art. 28a Abs. 3 IVG).
2.3
In der angefochtenen Verfügung sprach sich die Vorinstanz dafür aus, die
Beschwerdeführerin könnte IV-rechtlich auch voll als Hausfrau qualifiziert werden,
verwendete aber für die Berechnung des IV-Grads schliesslich die von der
Beschwerdeführerin verlangte Qualifikation 50% Erwerb / 50% Aufgabengebiet, weil im
Endeffekt ohnehin kein Rentenanspruch resultieren würde. Da die Qualifikation der
Beschwerdeführerin entscheidende Auswirkungen hat auf die Ermittlung des
Invaliditätsgrads, wird vorweg geprüft, wie es sich mit dieser zwischen den Parteien
umstrittenen Frage tatsächlich verhält.
Die vor Eintritt des Gesundheitsschadens zu 100% als Hausfrau tätig gewesene
Beschwerdeführerin hatte der Vorinstanz auf Nachfrage hin angegeben, sie wäre heute
ohne gesundheitliche Einschränkungen nebst der Tätigkeit im Haushalt zu 50%
ausserhäuslich erwerbstätig (IV-act. 23). Ist dies unter den gegebenen Umständen als
überwiegend wahrscheinlich anzunehmen, so wäre richtigerweise die Qualifikation 50%
Erwerb / 50% Haushalt für die Festlegung des Invaliditätsgrads entscheidend und es wäre
falsch, von einer 100% Haushaltstätigkeit auszugehen.
Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als
nichterwerbstätig einzustufen ist, ergibt sich stets aus einer Prüfung, was die versicherte
Person (bei sonst unveränderten Umständen) täte, wenn keine gesundheitliche
Beeinträchtigung bestünde. Für die Beantwortung der entscheidenden Statusfrage und zur
Bestimmung der im konkreten Fall anwendbaren Invaliditätsbemessungsmethode ist somit
Seite 8
durchgehend die hypothetische Betrachtungsweise massgebend (vgl. auch Art. 27bis IVV;
MEIER/REICHMUTH, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 3. Auflage,
Zürich/Basel/Genf 2014, N 5 ff. zu Art. 28a). Entscheidend ist somit nicht, welches
Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet
werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre. Bei im
Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen sind die persönlichen, familiären und
erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben
gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und Ausbildung sowie die
persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die
Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben,
wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-
)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (Urteil des Bundesgerichts 9C_645/2015 vom 3. Februar
2016, E. 2.3, m.w.H.). Es ist somit auf die gesamte persönliche, familiäre, berufliche und
soziale Situation abzustellen. Der inzwischen geschiedenen Beschwerdeführerin wurde
bereits mit Entscheid vom 17. November 2011 die 2001 geborene Tochter unter elterliche
Obhut gestellt, als die Eltern den gemeinsamen Haushalt aufhoben (IV-act. 59) und sie ist
für sich und ihre Tochter seit Januar 2011 auf Sozialhilfe angewiesen (IV-act. 105, S. 4).
Auf Nachfrage der Vorinstanz hin hat die Beschwerdeführerin bereits im März 2011
angegeben, sie wäre aus finanziellen Gründen ohne die gesundheitlichen Einschränkungen
zu 50% ausserhäuslich erwerbstätig (IV-act. 23), was bei einer Gesamtbetrachtung der
Situation der Beschwerdeführerin einleuchtet und nachvollziehbar ist. Die Qualifikation der
Beschwerdeführerin als 50% im Haushalt tätig und 50% ausserhäuslich erwerbstätig ist vor
diesem Hintergrund richtig. Die von der Vorinstanz vertretene Ansicht, die
Beschwerdeführerin könnte ebenso gut auch als zu 100% im Haushalt tätig eingestuft
werden, ist falsch.
2.4
Bei der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit stützt sich die Verwaltung und im Beschwerdefall
das Gericht auf Unterlagen, welche von ärztlichen und gegebenenfalls auch anderen
Fachleuten zur Verfügung zu stellen sind. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und
bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind
die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (anstelle vieler: Urteil des
Bundesgerichts 8C_347/2015 vom 20. August 2015, E. 4.1, m.w.H.). Die Annahme eines
invalidisierenden Gesundheitsschadens setzt grundsätzlich eine fachärztliche, lege artis auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus
Seite 9
(Urteil des Bundesgerichts 9C_687/2013 vom 24. Juni 2014, E. 3.1.1, m.w.H.). Hinsichtlich
des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (anstelle vieler: Urteil des Bundesgerichts
9C_780/2015 vom 7. Januar 2016, E. 3.1.1, m.w.H.).
2.5
Die Vorinstanz ging in der angefochtenen Verfügung davon aus, es sei aus IV-rechtlicher
Sicht insgesamt von einer 80%-igen Arbeitsfähigkeit adaptiert auszugehen und ermittelte
gestützt darauf im Erwerbsbereich einen IV-Grad von 0%.
Dabei stützte sie sich, was die somatischen Einschränkungen der Beschwerdeführerin
betrifft, im Wesentlichen auf die Ausführungen von Dr. D_ im Gutachten vom 15. Februar
2012 (IV-act. 48). Dieser führte dort an, der Beschwerdeführerin seien „leichte,
grösstenteils sitzend ausübbare Tätigkeiten (sitzender Anteil mindestens 75%), in
Wechselhaltung, mit vermindertem Gewicht heben Boden/Tisch repetitiv 4 bis 6 kg,
Tisch/Kopfhöhe repetitiv 3 kg bis einmalig 6 kg unter Gewährung vermehrter Pausen mit
einem Leistungspensum von 80% weiterhin zuzumuten“ (IV-act. 48, S. 9). Gemäss Dr.
D_ müsste die Beschwerdeführerin „aus rein somatischer Sicht ganztags fähig sein in
einer vorwiegend sitzenden Tätigkeit mit eingeschränktem Lastenheben [...] verrichtbar in
Wechselhaltung mit Möglichkeit vorwiegend wegen ihren [R]ückenbeschwerden und ihrer
leichten Kniearthrose sitzend mit vermehrten Kurzpausen zu arbeiten und damit ein
Leistungspensum von mindestens 80% adaptiert zu erreichen“ (IV-act. 48, S. 12).
Präzisierend wird sie zusammengefasst als „zeitlich 100% arbeitsfähig“ mit der Möglichkeit,
ein „Leistungspensum von mindestens 80% adaptiert zu erreichen“, bezeichnet (IV-act. 48,
S. 13). Gestützt auf diese Beurteilung von Dr. D_ wäre die Beschwerdeführerin folglich
im Erwerbsbereich, der mit 50% zu gewichten ist, bis zu 10% eingeschränkt (bei einer
Leistungsfähigkeit von mindestens 40% bei zeitlich 50%, dies infolge der vermehrten
Kurzpausen). Die Vorinstanz ging in der angefochtenen Verfügung jedoch (sinngemäss)
davon aus, dass im Erwerbsbereich gar keine Einschränkung vorliege und ermittelte somit
dort einen Invaliditätsgrad von 0% (IV-act. 120), ohne sich damit auseinanderzusetzen,
dass im Gutachten von Dr. D_ auch gewisse physische Einschränkungen festgestellt
worden waren. Es ist unklar, inwieweit diese physischen Einschränkungen im
Verfügungszeitpunkt noch bestanden. Wohl auch deswegen, weil nicht die physischen,
sondern die psychischen Einschränkungen der Beschwerdeführerin im vorliegenden Fall
Seite 10
klar im Vordergrund stehen, haben sich weder die Beschwerdeführerin noch die Vorinstanz
näher dazu geäussert.
2.6
Dr. E_, der die Beschwerdeführerin ebenfalls am 28. November 2011 untersuchte,
schätzte die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin im psychiatrischen Gutachten „derzeit
noch mit rund 70% eingeschränkt“ ein. Dies gelte für jede ausserhäusliche Tätigkeit. Er
schlug vor, es sollte zuerst ein Arbeitstraining zu 50% (bei einer vermuteten 30%-igen
Leistungsfähigkeit) auf dem 2. Arbeitsmarkt erfolgen, wobei die Leistungsfähigkeit langsam
gesteigert werden sollte, um das effektive Ausmass der Einschränkung zu ermitteln (IV-act.
47, S. 7).
Dr. E_ hat in seinem Gutachten nicht genauer beschrieben, was er unter einer für die
Beschwerdeführerin adaptierten Tätigkeit versteht, sondern für eine Abklärung der
tatsächlichen Arbeits- und Leistungsfähigkeit eine reduzierte Tätigkeit (30%
Leistungsfähigkeit bei zeitlich 50%) im geschützten Rahmen empfohlen. Eine definitive
Einschätzung und Beschreibung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer
adaptierten Tätigkeit aus psychiatrischer Sicht fehlt damit im Gutachten.
2.7
Erst rund 2.5 Jahre nach der Begutachtung, nämlich am 20. Mai 2014, fragte die Vorinstanz
bei Dr. E_ nach, welche Diagnose genau die von ihm im Gutachten geschätzte 70%-ige
Arbeitsunfähigkeit begründet habe (IV-act. 107). Dr. E_ präzisierte hierauf: „Wie im
Gutachten unter «Beurteilung» dargelegt, liegt bei der Versicherten eine ängstlich-
vermeidende Persönlichkeitsstörung vor. Dabei handelt es sich um ein überdauerndes
Verhaltensmuster, was durch andauernde Gefühle der Anspannung und Besorgtheit
gekennzeichnet ist. Diese Persönlichkeitsstruktur ist ausschlaggebend zur Begründung der
AUF. Die Soziale Phobie und auch die eventuell bestehende Depression sind Folgen der
zugrunde liegenden Persönlichkeitsstörung“ (IV-act. 108). Eine erneute Begutachtung der
Beschwerdeführerin erfolgte allerdings nicht und offenbar wurden Dr. E_ auch keine
aktuellen Arztberichte des behandelnden Psychiaters vorgelegt.
2.8
Während der die Beschwerdeführerin regelmässig behandelnde Psychiater, Dr. C_, noch
am 29. Juli 2011 selber eine Abklärung der tatsächlichen Arbeits- und Leistungsfähigkeit im
geschützten Rahmen vorschlug, weil ohne eine solche Abklärung keine Angaben zur
medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit gemacht werden könnten (IV-act. 31, S. 3), hielt
er am 29. Oktober 2012 die von Dr. E_ vorgeschlagene Teilnahme an einem
Seite 11
Arbeitsprogramm im geschützten Rahmen für unzumutbar, was naheliegenderweise damit
zu erklären ist, dass er gleichzeitig auch angab, der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin habe sich seit August 2011 - also nicht nur seit seinem eigenen
Vorschlag, die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zunächst im geschützten Rahmen
zu ermitteln, sondern auch seit der Begutachtung durch Dr. E_ - verschlechtert (IV-act.
69). Dr. F_ vom RAD folgerte hierauf am 15. November 2012, die gutachterlich erwartete
Arbeitsfähigkeitssteigerung mittels beruflicher Massnahmen sei „zu hoffnungsvoll“ gewesen
und könne nicht realisiert werden und schloss auf eine 30%-ige Arbeitsfähigkeit adaptiert,
anhaltend seit 21. Januar 2010 (IV-act. 70). Dieser Schluss lässt sich aber weder direkt auf
das Gutachten von Dr. E_ noch auf die Berichte des behandelnden Psychiaters, Dr.
C_, abstützen. Dr. E_ hatte im Gutachten keine definitive Einschätzung einer 30%-
igen Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt abgegeben (siehe oben, E. 2.6); Dr. C_, der
die Beschwerdeführerin im Oktober 2012 nicht einmal mehr im geschützten Rahmen als
teilweise arbeitsfähig einschätzte, attestierte der Beschwerdeführerin bereits am 5. April
2011 und später am 27. Oktober 2014 erneut eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit auf dem
ersten Arbeitsmarkt (IV-act. 24, IV-act. 113).
2.9
Am 16. Juli 2013 trat die Beschwerdeführerin aufgrund des Verdachts auf eine transitorisch
ischämische Attacke notfallmässig für drei Tage ins Kantonsspital St. Gallen ein (IV-act.
96). Am 3. Februar 2014 wies Dr. B_ in einem weiteren Verlaufsbericht auf eine
Verschlechterung des Gesundheitszustands hin; zwar habe sich die Beschwerdeführerin
von Seiten der transitorisch ischämischen Attacke ordentlich erholt, sie sei aber „in eine
recht schwere Depression gefallen“ (IV-act. 99, S. 1). In seinen weiteren Verlaufsberichten
ging Dr. C_ von einem stationären Gesundheitszustand aus (Verlaufsbericht vom
21. März 2014, IV-act. 101; Verlaufsbericht vom 27. Oktober 2014, IV-act. 113). Die
Vorinstanz fragte beim behandelnden Psychiater nicht genauer nach, inwieweit die von ihm
bereits im Oktober 2012 festgestellte Verschlechterung des Gesundheitszustandes mit
ungünstiger Prognose (IV-act. 69) angesichts der vom Hausarzt festgestellten erneuten
Verschlechterung des Gesundheitszustandes genau einzuordnen sei. Dr. C_ hielt aber
klar fest, dass er die Beschwerdeführerin im ersten Arbeitsmarkt nicht für arbeitsfähig hält
(IV-act. 113).
2.10
In der Folge ging die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung davon aus, die
Beschwerdeführerin sei somatisch zumindest zu 80% arbeitsfähig und damit im
Erwerbsbereich nicht eingeschränkt. Da zudem aus psychiatrischer Sicht keine Diagnosen
genannt würden, welche unter dem Gesichtspunkt der bundesrichterlichen Rechtsprechung
Seite 12
eine Invalidität zu begründen vermögen (IV-act. 120), verneinte die Vorinstanz jegliche
Einschränkung der Beschwerdeführerin bedingt durch den psychischen
Gesundheitszustand. Diese Ansicht überzeugt gleich in zweifacher Hinsicht nicht:
2.11
Zum einen lässt das Gutachten von Dr. D_ gerade nicht den Schluss zu, dass die
Beschwerdeführerin bei einem hypothetisch anzunehmenden Teilzeiterwerb von 50%
überhaupt nicht eingeschränkt ist, da sie nach der Einschätzung von Dr. D_ vollzeitig
tätig lediglich ein Leistungspensum von 80% zu erfüllen vermöchte. Umgerechnet auf ein
50%-Pensum bedeutet dies eine Einschränkung von bis zu 10%. Aktuelle medizinische
Angaben zu allfällig beim Verfügungserlass vorhandenen somatischen Einschränkungen
der Beschwerdeführerin sind allerdings nicht vorhanden, so dass nicht abschliessend
beurteilt werden kann, ob im Verfügungszeitpunkt tatsächlich gar keine somatischen
Einschränkungen der Beschwerdeführerin in einem hypothetisch anzunehmenden 50%-
Pensum vorliegen würden, wovon die Vorinstanz ausging. Die Vorinstanz wird daher
angewiesen, den Sachverhalt mit Blick auf die physischen Einschränkungen der
Beschwerdeführerin genauer abzuklären.
2.12
Ebenfalls nicht zu überzeugen vermag der Schluss der Vorinstanz, in psychiatrischer
Hinsicht sei von einer vollen Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auszugehen. Zwar
trifft es zu, dass gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung eine leichte depressive
Episode grundsätzlich keine Komorbidität von erheblicher Schwere und Ausprägung
darstellt (vgl. das von der Vorinstanz zitierte Urteil des Bundesgerichts 9C_1040/2010 vom
6. Juni 2011, E. 3.4.2.1); der Sachverhalt in dem von der Vorinstanz zitierten
Bundesgerichtsentscheid ist aber nicht ohne weiteres vergleichbar mit dem vorliegend
gegebenen Sachverhalt: So unterzieht sich im vorliegenden Fall die Beschwerdeführerin
bereits seit längerer Zeit sowohl einer Psychotherapie und nimmt regelmässig
Psychopharmaka ein, während im zitierten Bundesgerichtsentscheid der
Leistungsansprecher weder bereit war, an einer adäquaten Behandlung seiner (leichten)
Depression mitzuwirken noch regelmässig die ihm verordneten Antidepressiva einnahm.
Zudem ist überhaupt fraglich, ob im vorliegenden Fall die Diagnose einer leichten
Depression im Verfügungszeitpunkt überhaupt noch aktuell war: Dr. E_ hatte die
Beschwerdeführerin am 28. November 2011 untersucht und dannzumal die entsprechende
Diagnose gestellt (IV-act. 47). Während Dr. C_ schon zuvor im Juli 2011 als Diagnosen
aufführte: „leichte bis mittelschwere depressive Episode mit somatischem Syndrom, soziale
Phobie, sonstige spezifische Angststörung, selbstunsichere Persönlichkeitsstörung“ (IV-act.
31, S. 3), ging er im Oktober 2012 von einem verschlechterten Gesundheitszustand bei
Seite 13
grundsätzlich unveränderten Diagnosen aus, so dass er nun eine Teilnahme der
Beschwerdeführerin an einem Arbeitsprogramm im geschützten Rahmen mit einer
Präsenzzeit von 50% als unzumutbar betrachtete (IV-act. 69). Dr. B_ diagnostizierte am
2. Oktober 2013 bei der Beschwerdeführerin eine mittelschwere bis schwere Depression
(IV-act. 87). Im Verlaufsbericht vom 3. Februar 2014 berichtete er erneut von der
mittelschweren bis schweren Depression und erwähnte ein zunehmend depressives
Zustandsbild (IV-act. 99, S. 1). Auch im Sprechstundenbericht des Adipositaszentrums des
Kantonsspitals St. Gallens (KSSG) vom 22. Januar 2014 war unter anderem eine
„mittelschwere bis schwere Depression“ als Diagnose angeführt (IV-act. 99, S. 7); so
ebenfalls im Bericht von Dr. G_ vom 23. September 2013 (IV-act. 97) sowie im Bericht
des KSSG vom 22. Juli 2013 (IV-act. 96). Ob unter diesen Umständen im
Verfügungszeitpunkt überhaupt tatsächlich von einer lediglich leichten Depression bei der
Beschwerdeführerin auszugehen war, ist fraglich. Auch Dr. F_ vom RAD erkannte, dass
Dr. B_ auf eine Verschlechterung des psychischen Zustandes hinwies (vgl. IV-act. 106,
S. 4), verwies aber gleichzeitig auf Dr. C_, der als Facharzt einen stationären
Gesundheitszustand seit Oktober 2012 bestätigt hatte, ohne aber genauer bei ihm
nachzufragen, inwiefern allenfalls die von ihm im Oktober 2012 erwähnte Verschlechterung
des Gesundheitszustands zu einer Präzisierung der ursprünglichen Diagnose einer leichten
bis mittelschweren depressiven Episode führe. Zu Recht verlangt die Beschwerdeführerin
in diesem Zusammenhang eine aktuelle Abklärung durch Einholung eines aktualisierten
Arztberichts bei Dr. C_ (Replik, S. 2). Allein schon der Medikamentenspiegel (vgl. z.B.
IV-act. 99, S. 6) und die bereits jahrelang regelmässig absolvierte Psychotherapie der
Beschwerdeführerin sprechen dagegen, ihre psychischen Einschränkungen ohne weitere
fachärztliche Beurteilung mit der Begründung ausser Acht zu lassen, diese seien zum
Vornherein nicht als invalidisierend anzusehen.
Auch weitere Hinweise der Vorinstanz auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung
überzeugen bei einer Gesamtbetrachtung des vorliegend gegebenen Sachverhalts nicht,
um gestützt auf diese Rechtsprechung im vorliegenden Fall ohne weitere
Sachverhaltsabklärungen darauf zu schliessen, es liege in psychischer Hinsicht keine
rentenbegründende Invalidität vor. So wurde nämlich bei der Beschwerdeführerin sowohl
vom behandelnden Psychiater als auch vom Gutachter die Diagnose einer
Persönlichkeitsstörung gestellt (vgl. im Gegensatz dazu das von der Vorinstanz angeführte
Urteil des Bundesgerichts 9C_687/2013 vom 24. Juni 2014, E. 4.2, wo festgehalten ist, es
sei weder eine Persönlichkeitsstörung noch eine Persönlichkeitsveränderung bei der
dortigen Leistungsansprecherin diagnostiziert worden); Dr. E_ führte sogar ausdrücklich
präzisierend an, die diagnostizierte Persönlichkeitsstörung begründe die von ihm
geschätzte 70% Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 109), weshalb der Schluss der Vorinstanz in der
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angefochtenen Verfügung, die IV-fremde, freiwillige, langjährige Abwesenheit vom
Arbeitsmarkt erschwere der Beschwerdeführerin den Wiedereinstieg in die Arbeitswelt und
die Persönlichkeitsstruktur verstärke die Schwierigkeit lediglich zusätzlich, jedenfalls nicht
auf Dr. E_ abgestützt werden kann. Selbst wenn psychosoziale Faktoren ebenfalls einen
gewissen Einfluss auf den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin haben dürften, so
kann gestützt auf die medizinischen Unterlagen nicht ohne weiteres davon ausgegangen
werden, letztlich sei die Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin allein auf diese
Faktoren zurückzuführen, nachdem sowohl der behandelnde Psychiater als auch der
Gutachter übereinstimmende konkrete medizinische Diagnosen mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin gestellt haben (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts
9C_470/2015 vom 7. Januar 2016, E. 4.3).
Angesichts der aufgezeigten Ungereimtheiten beruht die angefochtene Verfügung auch mit
Blick auf den psychischen Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin auf ungenügenden
medizinischen Sachverhaltsabklärungen. Hinzu kommt der lange Zeitablauf seit der
Begutachtung durch Dr. E_, welcher nicht einfach übergangen werden kann, zumal
deutliche Anhaltspunkte für eine seitherige Verschlechterung des Gesundheitszustands
bestehen. Die Vorinstanz hat in Nachachtung ihrer Abklärungspflicht aktuelle Arztberichte
sowohl beim behandelnden Psychiater als auch ein neues psychiatrisches Gutachten
einzuholen.
2.13
Um feststellen zu können, in welchem Ausmass eine versicherte Person im Haushalt
zufolge ihrer gesundheitlichen Beschwerden eingeschränkt ist, bedarf es im Regelfall einer
Abklärung vor Ort (vgl. Art. 69 Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV,
SR 831.201]; Urteil des Bundesgerichts 8C_671/2007 vom 13. Juni 2008, E. 3.2.1, m.w.H.).
Entscheidend ist im Haushaltsbereich nicht in erster Linie die medizinisch-theoretische
Arbeitsunfähigkeit, sondern vielmehr, wie sich der Gesundheitsschaden in der
nichterwerblichen Betätigung konkret auswirkt (vgl. Urteil des Bundesgerichts I 418/05 vom
9. August 2005, E. 3.2; Urteil des Bundesgerichts 9C_121/2011 vom 31. März 2011, E.
3.1.1, je m.w.H.). Für den Beweiswert eines Haushaltsberichts ist wesentlich, dass er von
einer qualifizierten Person verfasst wird, die Kenntnis der örtlichen und räumlichen
Verhältnisse sowie der aus den medizinischen Diagnosen sich ergebenden
Beeinträchtigungen und Behinderungen hat. Weiter sind die Angaben der versicherten
Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht
aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und angemessen
detailliert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein sowie in Übereinstimmung mit den
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an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen (Urteil des Bundesgerichts 9C_921/2011
vom 22. Februar 2012, E. 3.3.1, m.w.H.).
2.14
Am 1. November 2011 führte die Vorinstanz eine Haushaltsabklärung bei der
Beschwerdeführerin durch und ermittelte eine Einschränkung in der Haushaltstätigkeit von
22% (IV-act. 36). Es fällt auf, dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der
Haushaltsabklärung in einer 3.5 Zimmer Wohnung „zentral in H_“ (an der Adresse 1_)
wohnte, während noch vor Erlass der angefochtenen Verfügung die Adresse der
Beschwerdeführerin zweimal geändert hat (zunächst Adresse 2_, erstmals ersichtlich
aus IV-act. 87; später Adresse 3_, vgl. IV-act. 90, von der Vorinstanz als neue Adresse
erst erfasst im Januar 2015, VI-act. 118). Die Vorinstanz hat nicht überprüft, inwieweit sich
durch stattgefundene Wohnungswechsel allenfalls auch die Wohnverhältnisse geändert
haben, obwohl dies für das Ergebnis der Haushaltsabklärung entscheidend ist. Weiter fällt
auf, dass im Zeitpunkt der Haushaltsabklärung die damals 10jährige Tochter der
Beschwerdeführerin drei Mahlzeiten pro Tag zu Hause einnahm; inwieweit sich die
Betreuungsaufgaben der Beschwerdeführerin mit dem zunehmenden Alter der Tochter
allenfalls verändert haben, ist ebenfalls nicht bekannt. Die 3,5 Jahre vor Erlass der
angefochtenen Verfügung ermittelte Einschränkung im Haushaltsbereich von 22% beruht
damit offensichtlich nicht mehr auf im Verfügungszeitpunkt aktuellen Grundlagen, so dass
darauf nicht abgestellt werden kann. Die Beschwerdeführerin verlangt zu Recht eine neue
Haushaltsabklärung; bei dieser Gelegenheit wird auch auf die von der Beschwerdeführerin
konkret vorgebrachten Vorbehalte gegenüber der Gewichtung der einzelnen Bereiche
einzugehen sein (vgl. Beschwerde, S. 9). Die aktuellen gesundheitlichen Beschwerden,
insbesondere auch in psychischer Hinsicht, sind bei der neuen Haushaltsabklärung
mitzuberücksichtigen. Zwar ist der Abklärungsbericht seiner Natur nach in erster Linie auf
die Ermittlung des Ausmasses physisch bedingter Beeinträchtigungen zugeschnitten,
weshalb seine grundsätzliche Massgeblichkeit unter Umständen Einschränkungen erfahren
kann, wenn die versicherte Person an psychischen Beschwerden leidet. Prinzipiell jedoch
stellt er auch dann eine beweistaugliche Grundlage dar, wenn es um die Bemessung einer
psychisch bedingten Invalidität geht, d.h. wenn die Beurteilung psychischer Erkrankungen
im Vordergrund steht. Widersprechen sich die Ergebnisse der Abklärung vor Ort und die
fachmedizinischen Feststellungen zur Fähigkeit der versicherten Person, ihre gewohnten
Aufgaben zu erfüllen, ist in der Regel den ärztlichen Stellungnahmen mehr Gewicht
einzuräumen als dem Bericht über die Haushaltsabklärung, weil es der Abklärungsperson
regelmässig nur beschränkt möglich ist, das Ausmass des psychischen Leidens und der
damit verbundenen Einschränkungen zu erkennen (Urteil des Bundesgerichts
8C_620/2011 vom 8. Februar 2012, E. 4; Urteil des Bundesgerichts 8C_817/2013 vom
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28. Mai 2014, E. 5.1, je m.w.H.). In diesem Zusammenhang wird sich die Vorinstanz somit
gegebenenfalls auch mit der Einschätzung von Dr. C_, der die Einschränkungen der
Beschwerdeführerin im Haushalt anhand eines Fragebogens mit genauer Zeiterfassung im
Zeitraum vom 15. März 2013 bis 14. April 2013 untersucht hat, auseinanderzusetzen haben
(IV-act. 84).
2.15
Die Vorinstanz wird zusammenfassend angewiesen, einerseits den aktuellen Sachverhalt in
medizinischer Hinsicht weiter abzuklären sowie andererseits die Haushaltsabklärung zur
Ermittlung der Einschränkungen der Beschwerdeführerin im Haushaltsbereich zu
wiederholen.
In medizinischer Hinsicht sind in einem ersten Schritt aktuelle Arztberichte bei den
behandelnden Ärzten einzufordern.
Was die psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen, welche bei der Beschwerdeführerin
im Vordergrund stehen, betrifft, so wird die Vorinstanz angewiesen, in einem zweiten Schritt
erneut eine aktuelle Begutachtung der Beschwerdeführerin - möglicherweise, aber nicht
zwingend, bei Dr. E_, der die Beschwerdeführerin schon zuvor begutachtet hat - zu
veranlassen. Eine blosse Nachfrage bei Dr. E_ genügt angesichts des Zeitablaufs seit
der Begutachtung im November 2011 nicht, um eine abschliessende Beurteilung des
psychischen Gesundheitszustands vornehmen zu können. Bei einer erneuten
Begutachtung werden insbesondere auch die vom Bundesgericht in BGE 141 V 281
formulierten Indikatoren zu berücksichtigen sein.
Was die physischen Einschränkungen der Beschwerdeführerin betrifft, welche Dr. D_ in
seinem Gutachten festgestellt hat, so wird im Rahmen der weiteren
Sachverhaltsabklärungen zu prüfen sein, ob sich aktuell noch Anhaltspunkte für eine
physische Beeinträchtigung ergeben; falls nein, wäre genau zu begründen, gestützt auf
welche medizinische Einschätzung davon auszugehen ist, dass heute keine solchen
Einschränkungen mehr vorhanden sind. Im Zweifelsfall wäre aufgrund des Zeitablaufs seit
der Begutachtung durch Dr. D_ eine erneute, aktuelle Begutachtung in somatischer
Hinsicht erforderlich.
Im Anschluss an diese ergänzenden Sachverhaltsabklärungen wird die Vorinstanz einen
allfälligen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin erneut zu prüfen und darüber neu zu
verfügen haben. Die angefochtene Verfügung ist entsprechend aufzuheben und die Sache
an die Vorinstanz zurückzuweisen.
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3. Kosten und Entschädigung
Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung
oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung kostenpflichtig. Weil die
Rückweisung der Sache an die Verwaltung zwecks ergänzender Abklärungen
rechtsprechungsgemäss als Obsiegen gilt (anstelle vieler: Urteil des Bundesgerichts
9C_874/2014 vom 2. September 2015, E. 5; BGE 137 V 57, E. 2.1), sind dem
Verfahrensausgang entsprechend bei der obsiegenden Beschwerdeführerin keine Kosten
zu erheben (Art. 19 Abs. 3 e contrario i.V.m. Art. 53 Abs. VRPG).
Die IV-Stelle Appenzell Ausserrhoden hat der Beschwerdeführerin dem Verfahrensausgang
entsprechend eine Parteientschädigung auszurichten (Art. 61 lit. g ATSG), womit sich die
der Beschwerdeführerin gewährte unentgeltliche Verbeiständung erübrigt. Im vorliegenden
Fall erscheint eine Entschädigung von pauschal Fr. 2‘500.-- (inkl. Barauslagen und
Mehrwertsteuer) als angemessen.
Der Invalidenversicherung werden grundsätzlich keine Verfahrenskosten auferlegt und
keine Parteientschädigungen zugesprochen (Art. 61 lit. g ATSG e contrario, KIESER, ATSG-
Kommentar, 3. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2015, N 58 und 199 f. zu Art. 61 ATSG, Art. 22
Abs. 1 VRPG).
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