# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** e59bc97a-56e0-4c68-bf3b-5c2b6f343870
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_004
**Year:** 2012
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

aufgeführte Begründung entspreche nicht dem effektiven Sachverhalt.
4. In ihrer Vernehmlassung vom 21. Mai 2012 beantragte die kantonale
Steuerverwaltung die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde unter
gesetzlicher Kostenfolge zu Lasten des Beschwerdeführers.
Die Steuerverwaltung machte geltend, es habe eine mündliche Verhandlung
stattgefunden, obwohl Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (BV; SR 101) kein
Anspruch auf eine mündliche Verhandlung einschliesse. Während der
mündlichen Besprechung habe die Steuerverwaltung den Beschwerdeführer
darauf hingewiesen, dass die gesamte wirtschaftliche Situation im Zeitpunkt der
Gesuchsbehandlung bzw. im Zeitpunkt des Entscheids massgebend sei. Sie sei
demzufolge auf die aktuellen Unterlagen der finanziellen Situation des
Beschwerdeführers angewiesen. Dieser sei dieser Aufforderung trotz mehreren
Fristerstreckungen jedoch nicht nachgekommen. Das rechtliche Gehör sei
demnach nicht verletzt worden.
Die Steuerverwaltung machte geltend, dass der Nachweis einer Notlage dem
Steuerpflichtigen obliege. Sie habe lediglich - gestützt auf die Unterlagen,
welche der Steuerpflichtige in Erfüllung seiner Mitwirkungspflicht beibringe - zu
entscheiden, ob der Beweis geglückt sei oder nicht. Weil der Beschwerdeführer
im vorliegenden Fall weder zum Erlassgesuch noch nach Aufforderung und
ebenfalls nicht bei Einreichung der Beschwerde beim Verwaltungsgericht seine
finanzielle Situation vorgelegt habe, sei die Beschwerde abzuweisen.
5. Mit Replik vom 29. Juni 2012 hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen
und an seiner Begründung, welche er bereits in der Beschwerdeschrift geltend
gemacht hatte, fest.
6. Aus der Duplik der Steuerverwaltung vom 11. Juli 2011 ergaben sich keine
wesentlichen neuen Erkenntnisse für das Gericht.
7. Auf die weiteren Ausführungen im angefochtenen Entscheid und in den
Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.

## Considerations

Der Einzelrichter zieht in Erwägung:
1. Gemäss Art. 43 Abs. 3 des Gesetzes über die Verwaltungspflege (VRG; BR
370.100) entscheidet das Verwaltungsgericht in einzelrichterlicher Kompetenz,
wenn der Streitwert Fr. 5'000.-- nicht überschreitet und keine Fünferbesetzung
vorgeschrieben ist. Das vorliegende Verfahren betrifft die Steuerjahre 2009 und
2010, für welches der Beschwerdeführer mit dem Steuererlass-Entscheid vom
23. März 2012 zur Zahlung von Fr. 1‘796.-- an Kantonssteuern (Fr. 945.-- + Fr.
851.--) und Fr. 232.55 an Bundessteuern (Fr. 118.60 + Fr. 113.95) verpflichtet
wurde. Da der Streitwert somit maximal Fr. 2‘028.55 betragen kann und die
vorliegende Streitsache nicht in Fünferbesetzung zu entscheiden ist, ist die
Zuständigkeit des Einzelrichters offensichtlich gegeben.
2. Anfechtungsobjekt im vorliegenden Beschwerdeverfahren bildet der
Steuererlass-Entscheid der kantonalen Steuerverwaltung für die Jahre 2009
und 2010 vom 23. März 2012. Streitig und zu prüfen ist, ob dem
Beschwerdeführer zu Recht kein Steuererlass gewährt wurde. Unter
Berücksichtigung der 14-tägigen Ostergerichtsferien ist die
Beschwerdeerhebung vom 9. Mai 2012 rechtzeitig erfolgt und auf die
Beschwerde ist einzutreten.
3. Der vom Beschwerdeführer gerügte verfassungsrechtliche Anspruch auf
rechtliches Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV gibt dem Betroffenen als
persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht das Recht, sich vor Erlass eines in
seine Rechtsstellung eingreifenden Entscheides zu äussern, erhebliche
Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen
Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise
entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern,
wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Dem
Mitwirkungsrecht entspricht die Pflicht der Behörde, die Argumente und
Verfahrensanträge der Partei entgegenzunehmen und zu prüfen sowie die ihr
rechtzeitig und formrichtig angebotenen Beweismittel abzunehmen, es sei
denn, diese beträfen eine nicht erhebliche Tatsache oder seien offensichtlich
untauglich, über die streitige Tatsache Beweis zu erbringen (BGE 124 I 242 E.
2). Der Anspruch auf rechtliches Gehör räumt keinen grundsätzlichen Anspruch auf
eine mündliche Anhörung ein (BGE I 140 E. 5.3). Trotzdem wurde dem
Beschwerdeführer ein mündlicher Vortritt gewährt, obwohl weder das kantonale
Verfahrensrecht noch das Steuergesetz einen über Art. 29 Abs. 2 BV
hinausgehenden Anspruch auf mündliche Anhörung garantieren. Die
Steuerverwaltung bringt vor, sie habe während dieser mündlichen Anhörung
darauf hingewiesen, dass sie die nötigen Unterlagen zu seiner aktuellen
wirtschaftlichen Situation benötige, um über das Erlassgesuch zu entscheiden.
Aus den Akten lässt sich dies nicht nachweisen. Nachgewiesen ist aber, dass
der Beschwerdeführer mit Schreiben vom 20. Februar und 2. März 2012
ausdrücklich darauf hingewiesen wurde, dass für die Beurteilung des
Erlassgesuches die gesamte wirtschaftliche Situation der steuerpflichtigen
Person im Zeitpunkt der Gesuchsbehandlung massgebend sei und er deshalb
die nötigen Unterlagen einzureichen habe. Diese Unterlagen wurden jedoch
vom Beschwerdeführer nicht eingereicht. Ihm wurde folglich mehrfach die
Gelegenheit eingeräumt, sich zur Angelegenheit zu äussern, was er versäumte.
Demnach wurde das rechtliche Gehör nicht verletzt.
4. a) Gemäss Art. 156 Abs. 1 des Steuergesetzes für den Kanton Graubünden (StG;
BR 720.000) bzw. Art. 167 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die direkte
Bundessteuer (DBG; SR 642.11) können Steuern, Kosten oder Bussen ganz
oder teilweise erlassen werden, wenn der Steuerpflichtige in Not geraten ist
oder wenn aus anderen Gründen die Bezahlung des geschuldeten Betrages für
ihn eine grosse Härte bedeuten würde. Eine Notlage liegt insbesondere bei
Einkommens- und Vermögenslosigkeit vor oder bei Deckung der
Lebenshaltungskosten durch die öffentliche Hand (vgl. zum
betreibungsrechtlichen Existenzminimum AJP 2002, S. 645). Der Nachweis
einer Notlage obliegt, den allgemeinen Regeln über die Beweislast folgend, der
steuerpflichtigen Person. Die Verwaltung hat lediglich – gestützt auf die
Unterlagen, welche die steuerpflichtige Person in Erfüllung ihrer
Mitwirkungspflicht beibringt – zu entscheiden, ob der Beweis geglückt ist (VGU
A 08 71 E. 2b und A 08 28 E. 2b; vgl. auch VGU A 05 26 E. 2). Eine grosse
Härte wird bejaht, wenn der geschuldete Betrag in einem Missverhältnis zur
finanziellen Leistungsfähigkeit der steuerpflichtigen Person steht und ihr die
Bezahlung billigerweise nicht zugemutet werden kann. Den Behörden steht bei
der Beurteilung des Erlassgesuches ein weites Ermessen zu, wobei sie aber
stets die Grundsätze der Rechtsgleichheit und Steuergerechtigkeit zu beachten
haben. Sinn und Zweck eines Steuererlasses ist es, die langfristige und
dauernde Sanierung der wirtschaftlichen Lage der steuerpflichtigen Person
sicherzustellen. Der Erlass soll ihr selbst und nicht ihren Gläubigern zugute-
kommen. Dies hat zur Folge, dass ein Steuererlass nur in demjenigen Rahmen
gewährt wird, in welchem auch die allfälligen privaten Gläubiger auf ihre
Forderungen verzichten. Nur so ist die erforderliche Gleichstellung der
Gläubiger (Opfersymmetrie) gewährleistet. Massgebend für die Beurteilung des
Erlassgesuches ist aufgrund der vorstehenden Ausführungen die gesamte
wirtschaftliche Situation der steuerpflichtigen Person im Zeitpunkt der
Gesuchsbehandlung (VGU A 09 15 E. 2a).
b) Der Beschwerdeführer bringt vor, dass er momentan kein Geld habe, um die
betreffenden Steuern zu bezahlen. Da er keine Unterlagen eingereicht hat,
kann nicht genau festgestellt werden, wie es um seine Einkommens- und
Vermögensverhältnisse sowie um allfällige andere Gläubiger bestellt ist. Er ist
damit der ihm als steuerpflichtigen Person obliegenden Mitwirkungspflicht nicht
nachgekommen. Eine Notlage oder eine unzumutbare Härte wurden vom
Beschwerdeführer nicht nachgewiesen. Die Folgen der Beweislosigkeit hat
demnach er selbst zu tragen. Der Beschwerdeführer wurde mit Schreiben vom
20. Februar und 2. März 2012 ausdrücklich darauf hingewiesen, dass für die
Beurteilung des Erlassgesuches die gesamte wirtschaftliche Situation der
steuerpflichtigen Person im Zeitpunkt der Gesuchsbehandlung massgebend sei
und er deshalb die nötigen Unterlagen einzureichen habe. Trotz dieser
Aufforderungen ist er seiner Mitwirkungspflicht nicht nachgekommen und er hat
es ebenfalls versäumt, wenigstens im Verfahren vor dem Verwaltungsgericht
seine finanzielle Situation genauer zu beleuchten. Schon allein wegen der nicht
nachgewiesenen Notlage bzw. grossen Härte ist die Beschwerde somit
abzuweisen.
5. Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege. Gemäss Art. 76 Abs. 1 VRG kann die Behörde durch
verfahrensleitende Verfügung oder mit dem Entscheid in der Hauptsache einer
Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, auf Antrag die
unentgeltliche Prozessführung bewilligen, sofern ihr Rechtsstreit nicht
offensichtlich mutwillig oder von vornherein aussichtslos ist. Da der
Beschwerdeführer die erforderlichen Belege betreffend seines Einkommens
und seines Vermögens nicht eingereicht hat, kann das Gericht ihm die
unentgeltliche Rechtspflege nicht zusprechen, weil es nicht wissen kann, wie es
um die wirtschaftliche Situation des Beschwerdeführers steht.
6. Zusammengefasst ergibt sich, dass die kantonale Steuerverwaltung zu Recht
das Steuererlass-Gesuch des Beschwerdeführers abgewiesen hat. Dabei
verletzte sie das rechtliche Gehör nicht. Mangels Nachweises der
wirtschaftlichen Situation kann die unentgeltliche Prozessführung nicht bewilligt
werden. Somit ist die Beschwerde insgesamt abzuweisen.
7. Bei diesem Ausgang gehen die Verfahrenskosten gestützt auf Art. 73 VRG
zulasten des Beschwerdeführers. Bund, Kanton und Gemeinden sowie mit
öffentlich-rechtlichen Aufgaben betrauten Organisationen wird gemäss Art. 78
Abs. 2 VRG in der Regel keine Parteientschädigung zugesprochen, wenn sie in
ihrem amtlichen Wirkungskreis obsiegen. Davon abzuweichen besteht
vorliegend kein Anlass.