# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b249447f-6b9d-43a4-b1ab-23b6f89c13f2
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1978,
war s
eit Januar 2012
als Mitarbeiterin für die Küche
bei der
Y._
AG
angestellt
(Urk. 10/12/1 Ziff. 2.1 und 2.2
, Urk. 10/10 S. 2 Ziff. 2 oben
). Die Arbeitgeberin kündigte das Arbeitsverhältnis
mit der Versicherten
am 30. Oktober 2017 schriftlich per 31.
Dezember 2017 (Urk. 10/12/8).
Am
4. September 2017
meldete sich die Versicherte
unter Hinweis auf Schmerzen
am Arm bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 10/2 Ziff. 6
.1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle,
teilte der
Versicher
ten am 23. November 2017 mit, dass aufgrund
ihres
Gesundheitszustandes keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien (Urk. 10/11).
In der Folge tätigte sie
erwerbliche
(Urk. 10/8, Urk. 10/12) und medizinische
(
Urk. 10/14
, Urk. 10/16/7-10,
Urk. 10/18
)
Abklärungen
, holte
ein polydisziplinäres Gutachten (Urk. 10/32)
ein und zog Akten des Krankentaggeldversicherers (Urk. 10/4) zum Verfahren bei.
Die IV-Stelle
er
liess am 16. Juli 201
9 (Urk. 10/35) den Vorbescheid, wogegen die
Versicherte Einwände (Urk. 10/42, Urk. 10/47) vor
brachte
. Mit Verfügung vom 11. Februar 2020 (Urk. 10/49 = Urk. 2) verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung.
2.
Die Versicherte erhob am
13. März 2020 Beschwerde gegen die Verfügung vom 11. Februar 2020 (Urk. 2) und
beantragte, diese
sei aufzuheben und es sei ihr eine Rente zuzusprechen. Eventuell sei die Sache zwecks weiterer Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2 Ziff. 1-2 oben).
Die Versicherte reichte dem Gerich
t am 24. März 2020 (Urk. 6)
eine
ärztliche Stellungnahme (Urk. 7) ein.
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 23. April 2020 (Urk. 9) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am 4. Mai 2020 zur Kenntnis gebracht (Urk. 11).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt im angefochtenen Entscheid (Urk. 2) unter Hinweis auf die medizinischen Abklärungen fest,
gemäss dem
von ihr
eingeholten Gut
achten bestehe
aus internistischer Sicht keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
. Aus psychiatrischer Sicht
lägen keine
relevanten Symptome
vor
,
die eine Erkrankung begründen würden.
Insofern
bestehe
daher eine volle Arbeits
fähigkeit
. Die rheumatologische
n
Diagnose
n
wirkten sich
sodann
nicht auf die Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin
als Produktionsmitarbeiterin aus (S. 1 unten).
Neue Befunde oder Diagnosen lägen nicht vor. Zur Trauerreaktion
der Beschwerdeführerin
sei zu sagen, dass solche Reaktionen, so belastend und nach
vollziehbar
sie
auch seien, vorübergehender Natur seien (S. 2 oben).
2.2
Die
Beschwerdeführerin brachte vor,
die behandelnden Ärzte und Fachärzte
be
stätigten
, dass sie seit
2017 zu 100 % arbeitsunfähig
sei
. Sie leide an starken Kopfschmerzen und die Mobilität der linken Körperhälfte sei eingeschränkt. Wenn sie versuche, etwas in die Hände zu nehmen, fall
e
es ihr runter (S.
2
Ziff.
1-2 unten).
Sie habe sich immer kooperativ g
ezeigt und alles in ihrer Macht
S
tehende unternommen, um ihren gesundheitlichen Zustand zu verbessern (S. 3 Ziff. 4 Mitte).
Gemäss den Ärzten des Zentrums
Z._
habe sie bereits 2016 an Panikattacken, plötzlicher Atemnot und Herzrasen gelitten. Eine Depression sei ebenfalls stark präsent. Sie leide an Lust- und Interesselosigkeit, Rückzug, Antriebs- und Kraftlosigkeit, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Ver
gesslichkeit, Gedankenkreisen und Sinnlosigkeitsgedanken (S. 3 Ziff. 4 unten). Weiter sei es zu einer deutlichen Verschlechterung gekommen, nachdem sich ihr Sohn im Juni 2019 das Leben genommen habe. Seither leide sie an einer schweren Depression, einem vollständi
gen Rückzug, ständigem
Gedankenkreisen, Schlaf
störungen, Sinnlosigkeitsgedanken, Müdigkeit, Verwirrtheit, einer vollständigen Blockade, Konzentrationsstörungen und Vergesslichkeit (S. 3 Ziff. 5).
2.3
Streitig ist, ob ein Rentenanspruch besteht.
Nachfolgend ist namentlich zu prüfen, ob auf das von der Beschwerdegegnerin eingeholte Gutachten des Zentrums
A._
vom 23. April 2019 abgestellt werden kann.
3.
3.1
Dr. med.
B._
, Fachärztin für Neurologie und für Psychiatrie und Psy
chotherapie, berichtete am 30. November 2016 (Urk. 10/14/9-12) über die Unter
suchung der Beschwerdeführerin vom 28. November 2016. Sie stellte folgende Diagnosen (S. 1):
-
Verdacht auf Epikondylitis humeri lateralis rechts
-
kein Anhalt für
ein
Karpaltunnelsyndrom
-
Verdacht auf Morton-Metatarsalgie Dig. III links
Dr.
B._
führte weiter aus, klinisch neurologisch finde
sich keine Ausfallsymp
tomatik im Bereich des N. medianus rechts. Auch elektrophysiologisch sei der
Befund völlig unauffällig. Hinweise auf ein Karpaltunnelsyndrom bestünden nicht
. Die Beschwerden seien am ehesten im Rahmen einer Epikondylitis humeri radialis rechts
zu interpretieren
. Die starken Schmerzen in der dritten Zehe links seien mit einer Morton-Metatarsalgie vereinbar (S. 1 unten).
3.2
Dr. med.
C._
, Fachärztin für
Rheumatologie
und für Allge
meine Innere Medizin
, nannte im Bericht vom 29. März 2017 (Urk. 10/4/4) als
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronifiziertes Schulter-/
Armsyndrom rechts bei im Vordergrund ste
hender chronischer Epikondylopathia
humeri radialis rechts (Ziff. 5 a). Als objektive Einschränkung bestehe eine ver
minderte Belastbarkeit
des rechten Armes für körperlich schwere Tätigkeiten. Für stereotype Bewegungsabläufe bestehe eine leichte Einschränkung (Ziff. 5 b).
Der Hausarzt der Beschwerdeführerin habe für die Zeit vom 5. Oktober bis
27.
November 2016 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % attestiert. Vom 28.
Novem
ber 2016 bis 31. März 2017 sei
zum Teil
durch sie und
zum Teil
durch den Haus
arzt
eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % attestiert worden. Ab dem 1. April 2017 sei eine Arbeitsunfähigkeit von 0 % vorgesehen (Ziff. 8).
3.3
Dr.
C._
gab im Bericht vom 10. Februar 2018 (Urk. 10/14/7-8) zur Krankengeschichte an,
zirka Anfang 2016 seien
Schmerzen im Bereich des rechten Ell
enbogens und des Unterarmes
aufgetreten. Im Verlauf sei
es
auch zu Schmerzen im Bereich der rechten Schulter, des Nackens und im rechten Hand
gelenk gekommen. Trotz medikamentöser Behandlung
mit NSAR und wieder
hol
ten
physio- u
nd ergotherapeutischen
Behandlungen persistierten die Schmerzen im rechten
Arm
. Unter Mehrbelastungen komme es
immer wieder
zu
Exa
rzerba
tionen
(
S. 1
Ziff. 2.1). Die Patientin klage unverändert über chronische Schmer
zen
, vor allem im rechten Arm, weniger
links
. Im Haushalt mache sie praktisch nichts (
S. 1
Ziff. 2.2).
An
der Halswirbelsäule
(HWS)
und an den Gelenken der ober
en Extremitäten
liege
keine rele
vante
Bewegungseinschränkung
vor
.
Eine diffuse Druckdolenz der Muskulatur bestehe im
Bereich des Nackens, des Schultergürtels und des rechten Armes. Neurologische Ausfälle b
estünden nicht (
S. 1
Ziff. 2.4). Dr.
C._
nannte als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronifiziertes, überwiegend myofaszial bedingtes Nacken-/Schulter-/Armsyndrom rechts
. Die Diagnose sei 2016 gestellt worden
. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit nannte sie Adipositas (
S. 1 f.
Ziff. 2.5 und 2.6). Die physio
therapeutische und ergotherapeutische Behandlung werde
vorderhand pausiert und zurzeit
stehe
eine psychiatrische Evaluation und Behandlung im Vordergrund (
S 2
Ziff. 2.8).
Es bestehe eine verminderte Belastbarkeit des rechten Armes. Stereotype Bewegungsabläufe seien ungünstig. Ebenso das repetitive Hantieren mit Gewichten von mehr als 7.5 kg (S. 2 Ziff. 3.4).
Dr.
C._
attestierte für die bisherige Tätigkeit
seit dem 26
.
Mai 2017
wieder eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Es handle sich um eine leichte Tätig
keit, jedoch mit stereotypen Bewegungsabläufen, die überwiegend stehend aus
zuführen seien (
S. 1
Ziff. 1.3).
3.4
Die Ärzte des
Z._
gaben im Bericht vom 17. März 2018 (Urk. 10/16/7-10) an, die Beschwerdeführerin sei seit November 2017 im
Z._
in Behandlung (S. 1
Ziff.
1.1).
Eine
psychiatrisch-medikamentöse, psychotherapeutische Einzelbe
hand
lung
erfolge zirka zwei
-
bis dreimal pro Monat
. Seit dem 15. Februar 2018
finde
zudem eine i
nterdisziplinäre
Schmerzbehandlung
statt
(S. 1 Ziff. 1.2).
Die Be
schwerdeführerin habe seit 2012 zu 100 % als Produktionsmitarbeiter
in
gear
bei
tet (S. 2 Ziff. 2.1).
Seit
November 2016
beklage sie
zunehmende
Ängste und Panikattacken (Anspannung, Unruhe, Schlafstörung
en
, Gedankenkreisen, Herz
klop
fen, Kopfschmerzen, Nervosität, Druck im Thorax, Schwindel). Körperlich klage sie über Gelenkschmerzen, Kopfweh, geschwollene Hände, Anspannung, Schwindel und eine Pollenallergie (S. 2 Ziff. 2.2).
Die Ärzte des
Z._
nannten als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit
eine
Panikstörung (ICD-10 F41.0) seit November 2017, und eine anhal
tende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F54.4) seit November 2016 (S.
2 Ziff.
2.5)
. Aufgrund der momentanen Ausprägung der Panikstörung und der Schmerzen sei die Patientin für sämtliche Tätigkeiten in der fr
eien Marktwirt
schaft
sowie für
angepasste
Tätigkeiten zu 100 % arbeitsunfähig (S. 2 oben).
Hin
sichtlich einer Eingliederung könne sie
maximal ein bis zwei Stunden pro Tag einer
angepassten
leichten Tätigkeit nachgehen (S. 3 Ziff. 4.2). Es bestünden
zu
neh
mend
Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit, Rückzug, Antriebslosigkeit,
Müdigkeit, Gedankenkreisen und Sinnlosigkeitsgedanken. Weiter komme es immer
öfter zu Panikattacken und
die Beschwerdeführerin
habe Angst,
allein auf
die Strasse zu gehen
,
sowie
vor Krankheiten (S. 4 Ziff. 4.4).
3.5
Die Ärzte des
Z._
erstatteten am 28. August 2018
(Urk. 10/18) einen Bericht zur i
nterdisziplinären Schmerzbehandlung.
Sie
stellten folgende Diagnosen (S. 1):
-
Panikstörung (ICD-10 F41.0)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
Adipositas per magna (BMI
=
40)
-
chronif
i
ziertes Schulter-Armsyndrom rechts mit/bei
-
im Vordergrund stehender chronisch
er Epikondylopathia
humeri radialis, rechts mehr als links
-
l
umbovertrebrales
Syndrom mit/bei
-
vermehrter Lordose, Irreg
ularitäten der Deckenplatte LWK
2,
Diffe
ren
tialdiagnose:
Schmorl’sches
Knötchen,
leichte degenerative Verände
rungen im Sinne von Spondylose b
etont im Segment LWK
3/4, nach
kaudal hin zunehmende Spondy
larthrose betont im Segment LWK
5/SWK
1 links
-
Verdacht auf Morton-Metatarsalgie Dig. III links
Zu den Beschwerden wurde ausgeführt, zirka 2016 seien chronische Schulte
r
beschwerden
beidseits
aufgetreten im Sinne einer Periarthritis humeroscapularis rechts betont
sowie
eine
Epikondylitits
humeri
radialis
rechts. Die
diesbezüglichen bildgebenden Abklärungen
hätten keine Anhaltspunkte für schwer
e
patholo
gi
sche Veränderungen ergeben
. Parallel zu den somatischen Schmerzen bestehe seit Jahren eine progrediente depressive Entwicklung
(S. 1 unten).
Schmerztherapeutische Interventionen seien nicht erfolgt (S. 7 oben). Die medikamentöse Analgesie sei ungenügen
d
(S. 7 Mitte).
Die Patientin habe durch die Dauerbelastung bei der Arbeit Panikattacken entwickelt, welche mit der Zeit gehäuft aufgetreten seien. Obwohl
sie
seit Juni 2017 nicht
mehr
arbeite und diverse Behandlungen hinter sich habe,
seien die Schmerzen nicht zurückge
gan
gen
. Basierend auf einer depressiven Störung bestünden eine Antriebslosigkeit sowie deutliche Schlafstörungen, welche zu einer erhöhten Ermüdbarkeit tags
über
führten. Neuropsychologisch seien
eine reduzierte Belastbarkeit sowie eine verringerte Konzentrationsfähigkeit bestätigt worden (S. 7 unten).
Aufgrund der chronischen Schmerzen, der Panikstörungen und der depressiven Symptome bestehe auf für eine leichte, angepasste Tätigkeit
eine Arbeitsunfähigkeit von 100
% (S. 8 Mitte).
Hinweise auf Aggravation o
der Simulation bestünden nicht (S. 9 oben).
3.6
Dr. med.
D._
, Facharzt für Chirurgie und für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin
,
nahm am
19. September 2018 (Urk. 10/34 S. 3 f.)
Stel
lung zu den medizinischen Akten. Er führte aus
, die Beurteilung durch die Ärzte des
Z._
sei unter Berücksichtigung der rheumatologischen und neurologischen Berichte
von
November 2016 und Februar 2018 mit Blick auf die dokumentierten Befunde nicht nachvollziehbar. Eine langjährige
und
gar rezidivierende depres
sive Störung sei nicht erkennbar. Für die behaupteten somatischen Diagnosen bestünden keine überzeugenden klinischen oder bildgebenden Belege. Weiter sei nicht plausibel, warum nach halbjähriger, multimodaler Behandlung im
Z._
trotz angeblich starker Ganzkörperschmerzen die Schmerztherapie in lediglich zwei Tabletten Dafalgan pro Woche bestehe (S. 4 unten).
3.7
3.
7
.1
Die Gutachter des
A._
erstatteten am 23. April 2019 (Urk. 10/32) im Auftrag der Beschwerdegegnerin ein polydisziplinäres Gutachten.
Es
ist von Dr. med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie, Dr. med.
F._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation und für Rheumatologie, und Dr. med.
G._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, unterzeichnet (S. 11) und beruht auf
den fachärztlichen Untersuchungen vom 11. und 18. Februar 2019 und den
den
Gutachtern zur Verfügung gestellten Akten (S. 1).
Im internistischen Teilgutachten wurde ausgeführt, die Beschwerdeführerin sei 1996 zusammen mit ihrem Ehemann in die Schweiz immigriert. Zuletzt habe sie mit einem Pensum zwischen 80 und 90 % als Mitarbeiterin in der Küche der
Y._
AG gearbeitet. Es handle sich um eine leichte, stehende Tätigkeit mit stereotypen Bewegungen. Ab dem 26. Mai 2017 sei
von ärztlicher Seite
eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % attestiert worden (S. 19 Ziff. 1.2).
Aufgrund der repetitiven Arbeit habe
sie immer mehr Schmerzen im Bereich der rechten Hand, des Ellenbogens und der rechten Schulter entwickelt
.
Mit der Zeit seien auch Schmerzen im Nacken, im Kreuz und auch in den Füssen aufgetreten (S. 21 Ziff. 3.2).
Dr.
G._
nannte als internistische Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit
eine
Adipositas Grad II nach WHO. Eine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellte er nicht (S. 27 Ziff. 6.1 und 6.2). Der bisherige Therapieverlauf sei aktenkundig offenbar unbefriedigend. Es bestehe eine chro
nische psychische Problematik mit Ängsten und Schmerzen, für die sich kein
eindeutig
es
organisches Korrelat objektivieren liesse, weder rheumatologisch noch
neurologisch (S. 29 Ziff. 7.2 oben). Die Angaben der Beschwerdeführerin seien in sich häufig inkonsistent gewesen und wenig plausibel mit den klinisch erhobenen Befunden. Bei der klinischen
Untersuchung
imponiere
sodann
ei
ne gewisse Selbstlimitierung
. Zudem sei es zu häufigen Widersprüchen gekommen. Die Be
schwerdeführerin habe zuerst berichtet, dass sie das Haus kaum je verlasse. Dann habe sie doch angegeben, dass sie regelmässig in den Coop
oder zu Arztterminen gehe
. Die Schilderung der Beschwerden sei weiter sehr vage und diffus
gewesen
(S. 29 Ziff. 7.3).
3.
7
.2
Dr.
E._
führte im psychiatrischen Teilgutachten aus,
die Beschwerde
führerin habe berichtet, dass sie unter Schlafstörungen, Ängsten und Antriebs
losigkeit leide. Sie fühle sich nicht mehr in der Lage, irgendetwas zu
tun
und sei
«
zu nichts mehr zu gebrauchen
»
. Schmerzen bestünden in den Armen, im Fuss, in der Zehe, im Rücken und im rechten Arm. Sie könne nicht schlafen und leide unter grossen Ängsten. Sie habe Angst vor Menschen und gehe nicht mehr aus dem Haus (S. 35 Ziff. 3.2).
Es geht ihr
überhaupt nicht gut.
Sie sei immer müde, kraftlos, ziehe sich sozial zurück und könne mit niemandem reden. Ferner leide sie unter Panikattacken (S. 36 oben). Die Schmerztherapie
im
Z._
erfolge
einmal im Monat
. Zu einer türkisch sprechenden Psychotherapeutin gehe sie all
e
drei Wochen
(S. 37 oben).
Die Beschwerdeführerin habe nur zirka drei oder vier Jahre die Grundschule
in der Türkei
besucht (S. 37 unten).
3.
7
.3
Bei der
Beschwerdeführerin seien eine Vielzahl von Kriterien erfüllt, die auf eine nicht authentische Beschwerdeschilderung hinwiesen (S. 40 oben).
Sie
mache
auf den Gutachter
einen demonstrativ klagsa
men Eindruck und wirke gecoacht.
Der Beizug eines Dolmetschers sei notwendig gewesen (S. 41 Ziff.
4.1 und
4.2). Das
Konzentrationsvermögen sei nicht reduziert gewesen.
Die Beschwerdeführerin
ha
be sich ausdauernd der Exploration widmen können. Das Gedächtnis habe keine Denk- oder Merkfähigkeitsstörungen aufgewiesen
und es bestünden keine
Pho
bien oder Zwänge mit Krankheitswert
(S. 41 Ziff. 4.3 Mitte).
Der Antrieb
sei
als erheblich herabgesetzt geschildert
worden
, was aufgrund der Verhaltensbeob
achtung in dem geschilderten Ausmass nicht nachvollziehbar sei (S. 41 Ziff. 4.3 unten).
Der psychiatrische Gutachter stellte keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Als
psychiatrische
Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit nannte er die Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen Gründen (ICD-10 F68.0, S. 46 Ziff. 6.1 und 6.2).
Die Beschwerdeführerin habe sich psychisch nicht wesentlich beeinträchtigt präsentiert. Relevante Symptome, die eine wesentliche depressive Störung oder eine Panikstörung rechtfertigen würden, s
eien nicht festgestellt worden (S. 46 Ziff. 6.3 oben).
Dem psycho
pa
tho
logischen Befund könne kein relevanter depressiver Zustand von grösserem Aus
mass entnomme
n werden. Eine Störung der Affektivität verbunden mit Freud
losigke
it sei nicht ausgemacht worden und die
Konzentration sei nicht reduziert
gewesen. D
er formale Gedankengang
sei
weder verlangsamt noch umständlich und nur im inhaltlichen Umfang etwas eingeengt
auf die Schmerzsymptomatik
gewesen. Die Hauptsymptome einer depressiven Störung lägen
damit nicht vor
(S. 46 Ziff. 6.3 Mitte).
Zusatzsymptome wie zum Beispiel eine verminderte Konzentration und Aufmerk
samkeit
,
ein vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, Schuldgefühle, Gefühle von Wertlosigkeit oder eine pessimistische Zukunftsperspektive lägen ebenfalls nicht vor. Eine depressive Episode könne
daher
ebenso wie eine Panik
störung ausgeschlossen werden
.
Klinische Symptome einer Panikstörung, wie von den behandelnden Ärzten des
Z._
diagnostiziert, seien während der Unter
su
chung nicht zu sehen gewesen
, obwohl es sich bei
der
Begutachtung um eine wichtige «Prüfungssituation» gehandelt habe
(S. 46 Ziff. 6.3 unten).
Für die zuvor diagnostizierte chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren müsse eine Symptomausweitung beziehungsweise Aggravation ausge
schlossen werden. Vorliegend sei jedoch von einer Symptomausweitung, wenn nicht sogar von einer Aggravation auszugehen. Es stehe der Bezug von Renten
leistungen im Vordergrund und eine berufliche Wiedereingliederung dürfte durch invaliditätsfremde Faktoren
limitiert sein
(S. 46 f. Ziff. 6.3). Eine tiefgreifende
Funktions- und Leistungsbeschränkung im psychiatrischen Bereich lasse sich nicht erkennen (S. 47 oben).
Die Beschwerdeführerin habe bei den Selbstbeurteilungsfragebögen sehr hohe Wert
e
erzielt. Auch sonst habe sie eine Vielzahl von Beschwerden an
gegeben. Dabei habe zwischen der
sub
jektiven
Schilderung von häufig massiven Be
schwerden
und dem gezeigten Verhalten in der Untersuchungssituation eine auffällige Diskrepanz bestanden
. Ferner habe die geschilderte Intensität der Be
schwerden in einem Missverhältnis
zur Vagheit der Schilderung einzelner Symp
tome gestanden
(S. 51 oben). E
s bestünden erhebliche Bedenken, dass die Be
schwerdeführerin ein so geringes Funktionsniveau bei der Alltagsbewältigung habe, wie sie es schildere. Es bestünden Inkonsistenzen innerhalb der Beschwer
de
schilderung und zwischen den Schilderungen und fremdanamnestischen Infor
mationen einschliesslich der Aktenlage sowie zwischen der Schilderung der Beschwerden und den objektiven Untersuchungsbefunden (S. 51 f.).
Aus psychiatrischer Sicht bestehe für die bisherige Tätigkeit in der Kältepro
duktion von Menüs keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (S. 53 Ziff. 8.1 oben). Auch im retrospektiven Längsschnitt lasse sich aus psychiatrischer Sicht keine längere Arbeitsunfähigkeit begründen. Den Ausführungen der Ärzte des
Z._
könne nicht gefolgt werden (S. 53 Ziff. 8.1 unten). In einer angepassten Tätigkeit bestehe ebenfalls eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit von 100 % (S.
53 Ziff. 8.2).
3.
7
.4
Dr.
F._
führte im rheumatologischen Teilgutachten aus, die Schmerzen
im Bereich Schulter-Arm
seien
gemäss den Schilderungen der Beschwerdeführerin
Tag und Nacht in gleicher Intensität vorhanden. Zu Kreuzschmerzen komme es vorwiegend beim Stehen oder beim Aufstehen vom Sitzen. Nackenschmerzen träten eb
enfalls täglich auf und
strahlten in den Hinterkopf und gelegentlich in den rechten Arm aus
. Gehen könne sie 10 Minuten, aber nicht länger
. Sitzen gehe eine halbe bis eine ganze Stunde
(S. 58 Ziff. 3.2 unten). Die Beschwerdeführerin habe beide Schultergelenke frei bewegen können, schmerzlos mit negativem Jobe-Test. Beide Handgelenke und alle Fingergelenke zeigten eine freie und schmerzlose Beweglichkeit mit kräftigem, vollständigem Faustschluss (S.
60 Ziff.
4.3 oben).
Rheumatologisch-pathologisch seien Befunde erhoben worden im Bereich des Nacken-Schulter-Gürtels und des rechten Armes sowie lumbal und im Bere
ich des linken Vorfusses. Zervi
kal bestehe bei Fehlhaltung ohne degenerative Verän
derungen ein chronisches
zervikozephales
und
zerviko
-occipitales Schmerzsyn
drom ohne
spondylogene
oder gar radikuläre Ausstrahlung (S. 6
3
oben).
Die Schmerzen im rechten Arm seien als myofasziales Schulter-Arm-Syndrom rechts bei Epikondylitis lateralis zu deuten. Die gelegentlichen Kreuzschmerzen hätten ihren Grund in leichten degenerativen Veränderungen der Lendenwirbelsäule (LWS), wobei MR-mässig keine Neurokompression nachgewiesen worden sei. Die Vorfussschmerzen würden aktuell als Morton II/III gedeutet. Die rheumatolo
gi
schen Probleme seien behandelbar und führten bei Weitem nicht zu einer
andau
ernden
Invalidität (S. 63 Mitte).
Während der Anamneseerhebung und der rheumatologischen Untersuchung seien
keine Inkonsistenzen beobachtet worden. Die angegebenen somatischen Beschwe
r
den erschienen plausibel (S. 64 Ziff. 7.3 oben).
Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit sei geradezu ideal, könne sie doch stehend und gehend arbeiten ohne schwere Gewichte zu tragen und ohne den rechten Arm repetitiv zu belasten.
Für
diese
Tätigkeit bestehe aus rheumatologischer Sicht eine A
rbeitsfähigkeit von 100 % (S. 64 f.
Ziff. 8.1).
Optimal angepasst sei eine Tätigkeit ohne repetitives Heben schwerer Lasten mit dem rechten Arm von über 5 kg und ohne repetitive Bewegungen unter Krafteinwirkung mit dem rechten Arm. In einer solchen Tätig
keit bestehe ebenfalls eine volle Arbeitsfähigkeit von 8.5 Stunden pro Tag an fünf Tagen die Woche (S. 65 Ziff. 8.2).
3.
7
.
5
Die Gutachter nannten gesamthaft als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 6 Ziff. 4.2 oben):
-
Schulter-Armsyndrom rechts, myofaszial bedingt mit/bei
-
Epikondylitis lateralis rechts
-
chronisches
Lumbovertrebralsyndrom
mit/bei
-
degenerativen Veränderungen der LWS ohne Neuroko
m
pression im MRI vom 30. Mai 2018
-
chronisches
zervikozephales
und
zerviko
-occipitales Schmerzsyndrom mit/bei
-
Fehlhaltung
HWS
im Sinne einer Streckhaltung
-
Morton-Metatarsalgie links Dig. II/III
-
massive Dekonditionierung mit/bei
-
Haltungsinsuffizienz und muskulärer Dysbalance
-
Adipositas Grad II nach WHO mit/bei
-
BMI von 38.6
-
Fehlenden Hinweisen für ein metabolisches Syndrom
-
Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen Gründen
Eine
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
stellten die Gutachter nicht
(S. 5 Ziff. 4.2).
Zusammenfassend sei die Beschwerdeführerin weder aus somatischer noch aus psychiatrischer Sicht dauerhaft in ihrer Arbeitsfähigk
eit eingeschränkt (S. 8 Ziff. 4.4 Mitte).
Die Adipositas per se legitimiere aus internis
tischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Aus rheumatologischer Sicht bestünden wenige Störungen der Funktionsfähigkeit. Trotz Schmerzen im Bereich des rechten Armes und der Schulter-Nackenpartie sei die HWS frei beweglich und alle Gelenke der oberen Extremitäten zeigten eine vollumfängliche Funktion. Auch die Schmerzen in der LWS stünden in Diskrepanz
zur frei beweglichen
LWS, ohne eine spondylogene oder radikuläre Symptomatik. Die diffusen Schmerzen könnten schwer nachvollzogen werden. Aus psychiatrischer Sicht könne keine Diagnose gestellt werden, welche die zumutbare Arbeits
fähig
keit limitieren würde. Entgegen der Beurteilung durch die Ä
rzte des
Z._
sei der Beschwerdeführerin aus interdisziplinärer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 100 % zumutbar (S. 8 Ziff. 4.4 unten).
Es bestünden wenige bis keine Ressourcen. Die Beschwerdeführerin habe nur drei Jahre die Schule absolviert und spreche kaum ein Wort Deutsch. Es handle sich um eine sehr einfach strukturierte Persönlichkeit mit sehr bescheidenen Coping-Strategien. Als wichtigste Ressource sei
die
Familie zu bezeichnen, insbesondere der Ehemann und die jüngste Tochter, die die Beschwerdeführerin in den Ver
richtungen des Alltags unterstützten (S. 9 Ziff. 4.5). Zwischen den subjektiven Schilderungen von häufig massiven Beschwerden und dem in der Untersu
chungs
situation gezeigten Verhalten habe eine auffällige Diskrepanz bestanden.
Die geschilderte Intensität der Beschwerden habe zudem in einem Missverhältnis zur Vagheit der Schilderung der einzelnen Symptome gestanden. Bei einem nicht authentischen Verhalten würden oftmals verschiedene Beschwerden vorgetragen, die allesamt durch nichts zu beeinflussen seien. Dies sei vorliegend der Fall. Die Beschwerdeführerin habe angegeben, dass alle bisherigen Behandlungs
massnah
men keine Besserung bewirkt hätten. Darüber hinaus bestünden Inkonsistenzen (S. 9 Ziff. 4.6 Mitte).
Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Mitarbeiterin in einem Catering-Unter
nehmen sei aus interdisziplinärer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 100 % zumutbar (S. 9 Ziff. 4.7). In einer angepassten Tätigkeit bestehe ebenfalls eine nicht ein
geschränkte Arbeitsfähigkeit von 100 % (S. 10 Ziff. 4.8). Im introspektiven Lang
schnitt lasse sich aus interdisziplinärer Sicht ebenfalls keine längere Arbeits
unfähigkeit begründen. Dabei könne den Ausführungen der Ärzte des
Z._
nicht
gefolgt werden. Diese würden zum einen den vorangegangen medizinischen Be
richten im psychiatrischen Bereich, z
um anderen den Erkenntnissen der Gutachter widersprechen, die durch die aktuelle Untersuchung gewonnen
worden seien (S.
10 Ziff. 4.9).
3.8
RAD-Arzt Dr.
D._
gab
in der Stellungnahme vom 6.
Mai
2019 (Urk. 10/34 S.
4
ff.)
zum Gutachten
des
A._
vom 23. April 2019
an,
in Bezug auf die bis
herige Tätigkeit
bestehe
als funktionelle Einschränkung eine reduzierte körper
liche Belastbarkeit, insbesondere des rechten Arm
es
(S. 6 Mitte).
Im Sinne des möglichen
Belastungsprofil
s
seien repetitive Bewegungen unter Krafteinwir
kung
en zu vermeiden
sowie
repetitives Heben
von Lasten von über 5 kg
mit dem rechten Arm
(S. 6 unten).
Die Diskrepanzen in der Aktenlage würden mit dem Gutachten des
A._
nach
vollziehbar aufgeklärt. Gravierende Diagnosen oder Befunde mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien nicht festgestellt worden, während deutliche Hinweise auf Aggravation beschrieben worden seien. Der Gesundheitszustand werde
im Wesentlichen ähnlich beurteilt wie in den Berichten von Dr.
B._
und Dr.
C._
. Aus dem Rahmen fielen die Berichte der Ärzte des
Z._
. Das dysfunktionale Verhalten der Beschwerdeführerin sei dort übersehen worden
und die Inkonsistenzen seien in der eigenen Berichterstattung
nicht
wahrgenommen worden
. Der gleiche Gesundheitszustand werde daher anders beurteilt
(S. 6 f.).
3.9
Dr. med.
H._
, Fachärztin für Psychiatrie und P
sychotherapie, und Dr. phil. I._
, Klinischer Psychologe,
Z._
, nahmen am 12. Oktober 2019 (
Urk. 3 =
Urk. 10/46) Stellung zum
psychiatrischen Teilgutachten des
A._
und
w
iesen auf eine im Juli 2019 eingetretene Verschlechterung aufgrund des
Suizid
s
des Sohnes der
Beschwerdeführerin
hin
(S. 1 unten).
Dr.
H._
und Dr.
I._
führten aus, eine Widersprüchlichkeit sei im Verlauf von bisher 54 Sitzungen im
Z._
nicht beobachtet worden. Dies im Gegensatz zu den Behauptungen des psychiatrischen Gutachters. Die angebliche
n
Wider
sprüchlichkeit
en
lösten
sich auf, wenn die Patientin genau gefragt werde. Der Coop sei weniger als fünf Minuten entfernt und sie gehe alleine dorthin. Weiter könne s
ie
zehn Min
uten alleine zum Hausarzt gehen.
Termine an weiter ent
fernten Orten könne sie nicht alleine wahrnehmen
(S. 1 Ziff. 2).
Hohe Werte bei neuropsychologischen Beschwerdeinstrumenten
würden
im Gegensatz zur Ein
schätzung durch Dr.
E._
nicht auf eine Inkonsistenz hin
wiesen
. Das Empfinden der Patientin sei
im Verlauf
hoffnungslos. Weiter bestünden
ein
deut
liches Gedankenkreisen
mit einer Vielzah
l von Beschwerden, welche sich bisher weitgehend nicht hätten beeinflussen lassen
. Der Ehemann der Beschwerde
füh
rerin
habe diese im Verlauf
fremdanamnestisch
immer wieder bestätigt. Sie sei von Ängsten geplagt, die Arbeit zu verlieren und die Verantwortung in der Familie nicht wahrnehmen zu können
sowie den Anforderungen ausserhalb
(zum Beispiel sprachlich und anforderungsgemäss)
nicht zu genügen
(S. 2 Ziff. 2 oben). Die Beschwerden seien
im Teilgutachten
obe
rflächlich aufgenommen worden. Aufgrund einer rudimentären Beschwerdeaufnahme sei der Gutachter zum Schluss gekommen, dass die Patientin an keiner klinisch relev
anten psychischen Störung leide
. Dies sei falsch und nicht nachvollziehbar (S. 2 Ziff. 3).
Bis zum Suizid des 23-jährigen Sohnes hätten im Verlauf folgende Sym
ptome vorgelegen:
Ab dem Jahr 2016 hätten effektiv Panikattacken bestanden in Zu
sammenhang mit dem steigenden Druck bei der Arbeit und der Angst, die Arbeit zu verlieren. Zu Hause komme es bei Tag oder Nacht bei kleinsten Auslösern plötzlich zu Atemnot und Herzrasen
während einer
Dauer von über 20 Minuten. Dazu komme es zirka dreimal pro Woche. Hinsichtlich der Depression seien Lust- und Interesselosigkeit,
ein
Rückzug, Antriebslosigkeit, Kraftlosigkeit, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit, Gedankenkreisen und Sinnlosigkeits
ge
danken vorhanden. Durch den Suizid des Sohnes sei es zusätzlich zu einer deutlichen Verschlechterung gekommen. Seither bestehe verständlicherweise eine schwere Depression mit vollständigem Rückzug und ständigem Gedankenkreisen. Nachts
finde sie
kaum Schlaf. Weiter bestünden Sinnlosigkeitsgedanken, Müdig
keit, Verwirrtheit, eine vollständige Blockade, Konzentrationsstörungen und Ver
gesslichkeit (S. 2 Ziff. 4
und 5
).
Aktuell
sei
die Stimmung
deutlich depressiv-resigniert mit einer deutlichen Störung des Vitalgefühls
. Verständlic
herweise weine sie immer wieder.
Die Gestik und Mimik sei gespannt
. Verbal
sei
sie wortkarg. Sie schildere das Symp
tome
rleben und -verhalten zuerst in
Zusammenhang mit dem Arbeitsdruck und jetzt mit dem Suizid des Sohnes. Kognitiv seien die Aufmerksamkeit,
die
Kon
zentration,
die
Merkfähigkeit und das Gedächtnis verlangsamt beziehungsweise deutlich eingeschränkt. Eine Verlangsamung des Denkens, eine
Denkeinengung
, Gedankendrängen oder eine Denkhemmung bestünden nicht. Die Schmerzen seien während 24 Stunden vorhanden
(S. 2 Ziff. 6).
Dr.
H._
und Dr.
I._
nannten als Diagnosen eine Panikstörung (ICD-10 F41.0) und eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2, S. 3 Ziff. 7). Die Arbeitsfähigkeit sei bereits vor dem Suizid des Sohnes vollständig aufgehoben gewesen. Die Patientin sei auch für angepasste Tätigkeiten zu 100 % arbeitsunfähig. Sie sei nicht mehr reisefähig und nicht in der Lage, den Alltag zu bewältigen (S. 3 Ziff. 8).
3.10
Dr.
D._
führte in einer weiteren Stellungnahme vom 9. Dezember 2019 (Urk.
10/48 S. 2 f.) aus,
nach dem Bericht der Ärzte des
Z._
vom 12. Oktober 2019 habe sich der Zustand der Beschwerdeführerin mit einer schweren depres
siven Symptomatik und kognitiven Defiziten durch den Suizid ihres Sohnes noch verstärkt. Die Feststellung
einer «Verschlechterung» von kognitiven Defiziten und des depressiven Zustandes sei nicht verwertbar. Die behandelnden Ärzte seien bereits in den Vorberichten
von schweren kognitiven Einschränkungen und aus
geprägten affektiven Störungen ausgegangen mit einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % selbst in einfachsten Tätigkeiten. Zudem hätten sie jegliche Hinweise auf Aggravation ignoriert. Eine Trauerreaktion oder gegebenenfalls eine Anpas
sungs
störung nach dem Suizid des Sohnes sei nachvollziehbar. Bei fehlender psychiatrischer Komorbidität könne aber eine Stabilisierung erwartet werden. Ein dauerhafter Gesundheitsschaden sei nicht zu erwarten (S. 3 unten).
3.11
Dr.
H._
und Dr.
I._
,
Z._
, reichte
n
am 13. März 2020 (Urk. 7) eine weitere Stellungnahme ein.
Sie führten aus, in
der Verfügung der Beschwerdegegnerin
vom 11. Februar 2020 werde eine vorübergehende Trauerreaktion
genannt
, die
neun
Monate
nach dem Suizid des Sohnes der Beschwerdeführerin längst hätte
abgeklungen sein müssen
. Dies sei nicht der Fall.
Es liege
ein
ständiges Ge
dan
kenkreisen Tag und Nach
t
vor
um Schuld am Suizid des Sohnes. Sämtliche Symp
tome seien in der Stellungnahme vom 5. (richtig: 12.) Oktober 2019 erwähnt
worden
,
wie ständiges Weinen, Rückzug und eine
Antriebs- und Motivations
losigkeit. Die Tage würden zur Qual. Suizidideen seien vorhanden. Es handle sich um eine pathologische Trauerreaktion im Rahmen der vorbestehenden rezidi
vie
renden depressiven Störung. Nach wie vor bestehe eine schwere depressive Epi
sode, ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2). Eine Reduktion der Depres
sion habe nicht stattgefunden, was nachvollziehbar sei (Ziff. 1).
Die Arbeitsfähigkeit sei bis heute vollständig aufgehoben. Der Suizid des Sohnes habe klar zu einer weiteren Verschlechterung des Zustandes im Rahmen der heute pathologischen Trauerreaktion geführt (Ziff. 2).
4.
4.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob
die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
4.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
li
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
4.3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
li
di
tätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
4.4
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
5.
5.1
Die Gutachter des
A._
nannten
als
Diagnosen
ohne Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit
ein
Schulter-Armsyndrom rechts, myofaszial bedingt,
ein
chronisches
Lumbovertebralsyndrom
,
ein
chronisches
zervikozephales
und
zerviko
-occipi
tales Schmerzsyndrom, Morton-
Metatarsalgie
links
Dig
. II/III, eine massive De
konditionierung, Adipositas Grad II und die Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen Gründen. Eine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
stellten die Gutachter nicht
.
Sie verneinte
n
eine dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Für die
zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Produktionsmitarbeiterin
in einem Catering-Unternehmen
und für
eine
andere
angepasste Tätigkeit
atte
stierten sie daher eine zumutbare Arbeitsfähigkeit von 100 %
(vorstehend E.
3.7.5).
Die
behandelnden
Ärzte des
Z._
nannten
dagegen im Bericht vom 17. März 2018 als Diagnosen eine Panikstörung sowie eine anhaltende somatoforme Schmerz
störung. I
m Bericht vom 28. August 2018
nannten sie als
psychiatrische Diag
nosen eine Panikstörung und eine rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
.
Die Ärzte des
Z._
attestierten für
die zuletzt ausgeübte und eine behinderungsangepasste Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % (E. 3.4 und 3.5).
Nach dem Suizid des Sohnes der Beschwerdeführerin
im Juni
2019
beschrieben
sie
eine deutliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes, wobei sie an einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % für jegliche Tätigkeit festhielten (E. 3.
9
hiervor).
5.2
Das Gutachten des
A._
erfüllt die Anforderungen an den Beweiswert eines medizinischen Gutachtens
(vgl. E. 4.1)
.
Es
basiert auf den erforderlichen polydis
ziplinären Untersuchungen
und erweist sich für die streitigen Belange als um
fassend. Den geklagten körperlichen und psychischen Beschwerden wurde aus
reichend Rechnung getragen.
Dem Vorwurf der Ärzte des
Z._
, wonach der psy
chiatrische Gutachter
die
Beschwerden oberflächlich aufgenommen hätte (E. 3.9 hiervor), kann
mit Blick auf das ausführliche psychiatrische Teilgutachten (E.
3.7.2 und 3.7.3) nicht gefolgt werden.
Die Beurteilung der Gutachter erfolgte sodann in
Kenntnis und
Auseinandersetzung mit den Vorakten.
Aus
internistischer und psychiatrischer Sicht
wurde
n
bei der Begutachtung
keine
schwerwiegenden
Befunde fest
gestellt
, die
eine Einschränkung der Arbeitsfähig
keit rechtfertigen würden.
Der psychiatrische Gutachter legte
dabei
dar,
dass die
Diagnosekriterien einer
depressiven Störung
,
einer Panikstörung
, und einer an
haltendenden somatoformen Schmerzstörung
nicht erfüllt
seien
(E. 3.7.1 und 3.7.3).
Gutachter Dr.
F._
kam zur Einschätzung
, dass trotz
leichter
funktioneller rheumatologischer Einschränkungen
die zuletzt ausgeübte und eine angepasste Tätigkeit zu 100 % zumutbar sei
en
(E. 3.7.4)
.
Das
Gutachten vermag
somit
auch
in der medizinischen Beurteilung und in den Schlussfolgerung
en der Gutachter zu überzeugen, weshalb darauf abgestellt werden kann.
Bei dieser Ausgangslage ist auf weitere medizinische Abklärungen (vgl. Urk. 1 S. 2
Ziff. 2 oben) zu verzichten.
5.3
Es ist
der
Beurteilung
durch die
Gutachter des
A._
und RAD-Arzt Dr.
D._
zu folgen
.
Die abweichende Einschätzung
durch die Ärzte des
Z._
ist
dagegen
zurückhaltend zu bewerten. Diese hatten bereits vor dem Suizid des Sohnes der Beschwerdeführerin für jede Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt
konstant
eine Arbeitsunfähigkeit von 100
% attestiert
(E. 3.4 und 3.5 hiervor)
.
Gemäss
Dr.
D._
ist davon auszugehen, dass
sie
den bei der psychiatrischen Begutachtung fest
ge
stellten Inkonsistenzen
nicht ausreichend Rechnung
trugen
(vorstehend E. 3.10).
Im Vergl
e
ich mit den
Berichten
der Ärzte des
Z._
vom März und August 2018 kann
mit
deren
Stellungnahme vom 12. Oktober 201
9
aufgrund
einer konstant
hohen Arbeitsunfähigkeit
von 100 % nicht auf eine
längere Zeit dauernde über
eine
Trauerreaktion hinausgehende
gesundheitliche Verschlechterung geschlo
ssen werden.
In diesem Zusammenhang ist zudem auf den Grundsatz hinzuweisen, wonach Berichte der
behandelnden Ärzte aufgrund ihrer auftragsrechtlichen Ver
trauensstelle zum Patienten mit Vorbehalt zu würdigen sind (BGE 125 V 313 E.
3b/cc). Dies gilt für einen allgemein praktizierenden Hausarzt wie auch für einen behandelnden Spezialarzt (Urteil des Bundesgerichts I 803/05 vom 6. April 2005 E.
5.5). Der abweichenden Beurteilung durch die Ärzte des
Z._
kann daher nicht gefolgt werden.
5.4
Ausgehend vom Gutachten
des
A._
vom 23. April 2019 ist
eine
Prüfung der sogenannten Standardindikatoren möglich.
Dr.
E._
verneinte im psy
chiatrischen Teilgutachten,
dass bei der Begutachtung relevante Symptome vor
gelegen hätten, die eine wesentliche depressive Störung oder eine Panikstörung rechtfertigen würden (vorstehend E. 3.7.3).
Die
bei
der Begutachtung
erhobenen
diagnoserelevanten Befunde erweisen sich
somit
als nicht
s
chwerwiegend aus
geprägt. Dies umso mehr ein Grossteil der bei der Begutachtung vorgebrachten
massiven
Beschwerden auf Inkonsistenzen und Diskrepanzen zurückgeführt werden
müssen (E. 3.7.3).
Gemäss den Angaben der Ärzte des
Z._
erfolgte die ambulante psychiatrische Behandlung im
Z._
lediglich zwei- bis dreimal pro Monat (E. 3.4). Soweit ersichtlich,
begab sich die Beschwerdeführerin bislang auch nicht in stationäre Behandlung
.
Nachdem die Ärzte
des
Z._
bereits im März und August 2018
eine volle
Arbeitsunfähigkeit
attestierten,
wäre
an
sich
eine Intensivierung der
psy
chia
trischen Behandlung
zu erwarten gewesen.
Der Komplex «Gesundheits
schä
digung
» erweist sich somit als nicht derart ausgeprägt, dass der Beschwerde
führerin die zuletzt ausgeübte und eine angepasste Tätigkeit nicht
vollumfänglich
zugemutet werden könnte.
Zu Gunsten der Beschwerdeführerin ist
zu berücksichtigen
, das
s sie
aufgrund von
schlechten
Deutschkenntnisse
n
und
einer geringen
Bildung über wenige Res
sourcen verfügt
, wobei die Gutachter die Unterstützung durch Familienmitglieder
immerhin
als Ressource bezeichneten
(E. 3.7.5).
Bei der Prüfung der «Konsistenz» ist
erneut
auf die
von den Gutachtern be
schriebenen Inkonsistenzen und Diskrepanzen hinzuweisen.
Der psychiatrische Gutachter bezweifelte
namentlich
, dass das Aktivitätsniveau der Beschwerde
führerin derart eingeschränkt sei, wie von ihr
dargestellt
(vorstehend E. 3.7.3)
.
Nach Prüfung der Standardindikatoren
besteht, wie von den Gutachtern attestiert, für die
zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Produktionsmitarbeiterin und eine
andere
angepasste
Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 100 %. Weiter ist der Einschätzung durch RAD-Arzt Dr.
D._
zu folgen, wonach im Hinblick auf den Suizid des Sohnes der Beschwerdeführerin von einer vorübergehenden
, aber nicht invalidi
sie
renden Trauerreaktion auszugehen ist (E. 3.10).
5.5
Zusammenfassend besteht im Hinblick auf die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Produktionsmitarbeiterin in einem Catering-Unternehmen und eine
andere
angepasste Tätigkeit eine zumutbare Arbeitsfähigkeit von 100 %.
Auch nach
dem
Suizid des Sohnes
der Beschwerdeführerin
ist nicht von einer länger dauernden gesundheitlichen Einschränkung auszugehen. Die Beschwerdegegnerin hat einen Leistungsanspruch daher zu Recht verneint.
Die angefochtene Verfügung vom 11. Februar 2020 erweist sich nach dem Ge
sagten als rechtens. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Ver
fahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Vorliegend sind die Kosten auf Fr. 800.-- festzulegen. Ausgangsgemäss sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.