# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 79e9422d-690c-4ef6-a70d-d59690370611
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1962, meldete sich am 1
3.
Juni 2012 u
nter Hinweis auf
eine posttraumatische Belastungsstörung sowie einen Status nach
Mikro
diskektomie
L4/5 links bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an
(
Urk.
6/3). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte
die medizinische und erwerbliche Situation ab und holte bei der Klinik
Y._
ein psychiatrisches Gutachten ein, das am 1
5.
März 2013 erstattet wurde (
Urk.
6/19).
Nach ergangenem Vorbescheid (
Urk.
6/21-22)
verneinte die IV-Stelle mit Ver
fügung vom
2
7.
Mai 2013
einen Rentenanspruch (
Urk.
6/23).
Am 1
1.
Juni 2013 erhob der Versicherte bei der IV-Stelle „Rekurs“ gegen die ablehnende Rentenverfügung (
Urk.
6/24), woraufhin diese mit Schreiben vom 2
7.
Juni 2013 (
Urk.
6/25) beim Versicherten nachfragte, ob der „Rekurs“ als Beschwerde ans hiesige Gericht weiterzuleiten
oder als
Verschlechte
rungs
gesuch
zu werten
sei.
Eine Reaktion seitens des Versicherten blieb daraufhin aus.
1.2
Am
7.
Mai 2014 (Eingang bei der IV-Stelle am
5.
März 2015) meldete sich der Versicherte erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an
und machte
eine Verschlechterung seines Gesundheitszustandes seit 2013 geltend
(
Urk.
6/39
).
Die IV-Stelle klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab
und verneinte n
ach
durchgeführtem
V
orbescheid
verfahren
(
Urk.
6/52-63
)
mit Verfügung vom
2
9.
Februar 2016
einen Rentenanspruch (
Urk.
6/
64 =
Urk.
2
).
2.
Die
Z._
, Sozialabteilung,
erhob am
1
3.
April 2016
Beschwerde (
Urk.
1)
gegen die Verfügung vom
2
9.
Februar 2016
(
Urk.
2) und b
eantragte, diese sei aufzuheben und
es sei
en dem Versicherten die gesetzlichen Leis
tungen, insbesondere eine Rente zuzusprechen (S. 2
Ziff.
1 und 2).
Die IV-Stelle beant
ragte mit Beschwerdeantwort vom 1
2.
Mai 2016 (
Urk.
5
) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Verfügung vom 2
7.
Juli 2016 (
Urk.
7) wurde die Beschwerdeführerin auf
gefordert, ihre Beschwerdelegitimation zu begründen. Mit Schreiben vom
1
9.
August
2016
(
Urk.
9)
reichte die Beschwerdeführerin eine
Unterstüt
zung
s
be
stätigung
betreffend den Versicherten zu den Akten (
Urk.
10).
Mit Verfügung vom
7.
September 2016 (
Urk.
11) wurde sodann der Versi
cherte zum Prozess beigeladen. Er liess sich nicht vernehmen (
Urk.
13).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliess
lich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wi
e körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psychischen Beein
träch
ti
gungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krankheitswert besteht, welches die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundes
ge
richts 8C_616/2014 vom 25. Februar 2015 E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer
Restarbeits
fähigkeit
auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl.
Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18. April 2016 E. 4.1).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1
IVG
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.
4
Wurde eine Rente
wegen eine
s zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so
wird nach Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV
)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache mate
riell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich ein
ge
treten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall ob
liegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter
suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt
nis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begrün
det sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2
.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung vom 29. Febru
ar
2016
(Urk. 2) davon aus,
dass gemäss den
neu eingegangenen Unterlagen kein erheblicher beziehungsweise langandauernder Gesundheitsschaden vorliege. Es handle sich um behandelbare Leiden. Die Abklärungen hätten zudem ergeben, dass die vorliegenden Beschwerden massgeblich durch ein Suchtgeschehen verursacht und verstärkt würden. Dies sei invaliditätsfremd
und begründe keinen erheblichen Gesundheitsschaden. Eine Invalidität im Sinne
des Gesetzes liege nicht vor.
2.2
Die Beschw
e
rdeführerin machte demgegenüber geltend (
Urk.
1), dass
die Auffassung des RAD-Arztes, wonach sich die medizinischen Verhältnisse seit
der letzten Anmeldung beziehungsweise Begutachtung durch
Dr.
me
d.
A._
nicht verä
ndert hätten
, nicht zutreffe. So habe der Beigeladene zeitlich nach der Begutachtung ein weiteres traumatisches Erlebnis gehabt, indem er ge
sehen habe, wie eine Person von einem Zug erfasst worden sei. Danach sei er erneut in die
B._
zur stationären Behandlung eingeliefert worden
(S. 7)
.
Gemäss Bericht der
B._
liege seitdem eine deutliche Zustandsverschlechterung seit Einreichen des Antrages im Jahre 2012 vor. Der Beigeladene sei aus ärztlicher Sicht zu 100
%
arbeits
unfähig (S. 8).
2.3
Strittig und zu prüfen ist somit, ob seit der anspruchsverneinenden Ver
fügung vom Mai 2013 (
Urk.
6/23) eine erhebliche Verände
rung des Gesund
heits
zu
standes des Beigeladenen eingetreten ist und ihm infol
ge
dessen ein A
n
spruch auf eine Rente zusteht
.
D
iesbezüglich
ist
anzumerken, dass aufgrund der Akten, insbesondere des
Schreibens des
Versicherten
vom 1
1.
Juni 2013 (
Urk.
6/24), fraglich erscheint
, ob die Verfügung vom Mai 2013 (
Urk.
6/23) in Rechtskraft erwachsen ist.
Der Versicherte hat einen klaren
Beschwerdewillen kund
getan, weshalb
ihm
die Zustellung an die falsche Stelle
grundsätzlich
nicht zum Nachteil erwachsen darf.
Wie es sich damit letztlich verhält, kann aber ausgangsgemäss offen gelassen werden.
3.
3.1
Der
Verfügung vom 27. Mai 2013 (Urk. 6/23) lagen im Wesent
li
chen die nach
folgenden medizinischen Berichte zu Grunde.
3.2
Die Ärzte der
C._
berichteten mit Austrittsbericht vom 2
0.
August 2012 (
Urk.
6/8/5-9) über die
Hospitalisation
des Beigela
de
nen vom
4.
Juli bis
7.
August 2012 und nannten folgende Diagnosen (S. 1):
-
Anpassungsstörung (
ICD-10
F43.23) mit Dunkelangst
-
m
ittelgradige rezidivierende depressive Störung mit somatische
m
Syndrom
(ICD-10
F33.11
)
-
v
olar
lip
fracture
PIP
Dig
IV Hand rechts
-
bei Sportunfall am 2
3.
Juli
2012
-
Methadonprogramm mit/bei
-
St
atus nach
Drogenabusus
(
inhalativ
)
-
s
elbständige
r
Methadonreduktion von 120
mg
Mai 2012
auf nun 80
mg pro Tag mit Ziel Ende des Jahres die Substitution zu beenden, bei Austritt 40 mg täglich
-
o
hne Suchtvertrag
-
c
hronische Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Fakto
ren (
ICD-10 F
45.41)
-
linksseitig in der unteren Extremität mit
Parästh
esien
links nach Wirbelsäulen-Operation
-
Kraftminderung links allgemein mindestens M4/5
-
l
okales pustulöses Exanthem am linken Unterarm (1
2.
Juli
2012)
-
anbehandelt
mit
Triderm
-
G
i
ngivitis
-
Bradykardie (
Differentialdiagnose
unter Methadon
)
Sie führten aus, dass
der Beigeladene mit den The
rapieziele
n gekommen sei
,
Schmerzcoping
-Strategien
zu erlernen und anzuwenden
,
sich
psychisch
zu s
tabilisier
en
, Entspannungstechniken
zu erlernen
,
die
körperliche Leistungs
fähig
keit
zu steigern sowie ein
An
s
ch
l
usspr
ogramm zu organisieren
.
Der Beigeladene habe
im Rahmen des stationären Aufenthalts mehrere psy
chologische Einzelgespräche
gehabt
. Da
s
Angebot an Gesprächen der
Themen
zentrierten
Gruppe ha
be er
aufgrund von
Überl
astungsgefühl und sozialen Ängsten nicht wahrgenommen.
Die
Hauptthemen in den
Ein
zelgesprächen
seien
eine allgemeine psychische Stabilisierung, das Erarbeiten und Anwen
den er
weiterter
Strategien im Umgang mit den Schmerzen, sowie mit neg
ativen Gefühlen wie Angst, und die
Verarbeitung von Trauer bezüglich
des Tods der Stiefmutter
gewesen
.
Der Beigeladene habe
die Verarbeitung vo
n
tra
u
matischen
Erl
ebnissen angefangen.
Die
Erzählung vom Geschehen
bereite
ihm Angst, die Differenzierung
und
Neubewertung von den Situa
tio
nen be
ruhig
e
ihn wieder.
Der
Beigeladene sei
am
U
m
sortieren, was er in seinem Leben weiter mitnehmen möchte und was er in der Vergangenheit las
se.
Er
habe
gelernt
,
dass er
sich physisch mehr belasten dürfe
und dabei die Angst aushalten oder reduzieren k
önne
und ha
be
Vertrauen, dass
sich
bei seiner Weiterentwick
lung seine psychosomatischen Beschwerden
weiter reduzieren
werden. Nä
here Zukunftsperspektiven seien ebenfalls
besprochen
worden.
D
er
Beigeladene
habe
sehr motiviert
gewirkt
,
habe
viel Eigenverantwortung
übernommen
und aktiv nach Lösungen
gesucht. Er verlasse
die letzte
Sitzung in stabilem Zustand. Am
bulante psychothe
rapeutische Gespräche we
rd
e er
wie bisher bei
Dr.
D._
weiterführen
(S. 2)
.
Im
stationären Kontext habe der Beigeladene
zunächst sehr angepasst und zurückhaltend
gewirkt
, obschon es ihm
gelungen sei,
seine Bedürfnisse adä
quat zu äussern. In den ärztlichen Gesprächen
sei
gemeinsam mit
ihm
die Methadonreduktion besprochen und geplant
worden.
Die Gestaltungstherapie
habe
beim
Beigeladenen
Ressourcen
geweckt
, di
e es ihm erlaubt hätten,
sich zu entspannen und Energie zu tanken
(S. 3)
.
Der Beigeladene habe
sich durch den stationären Aufenthalt psychophysisch
rekonditionieren
, psychophysische Zusammenhänge erkennen sowie neue Ver
haltens- und Denkweisen erarbeiten und üben
können
. Ausserdem
sei es ihm gelungen
, seine körperliche Leistungsfähigkeit zu steigern und die erlernten
Schmerzcoping
- und Entspannungstechniken vorwiegend selbständi
g anzu
wen
den. Er sei
hochmotiviert
gewesen
und
sehe
der
Zukunft wieder mit Hoffnung entgegen
(S. 3)
.
3.3
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
I._
, berichtete am 2
7.
September
2012
(
Urk.
6/8/1-4) und nannte folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (S. 1
Ziff.
1.1):
-
rezidivierende depressive Störung, leichte bis mittelgradige Episoden mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.01, ICD-10 F33.11), bestehend seit zirka 1993
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er ein
Opio
id
abhängigkeitssyndrom
, momentan substituiert durch Methadon (ICD-10 F11.22), bestehend seit 199
7.
Er führte aus, dass er den Beigeladenen seit September 2009 ambulant behandle (S. 1
Ziff.
1.2). Der Beigeladene sei 1993 im Zusammenhang mit einer Ehekrise erstmals kurz in Kontakt mit Heroin gekommen, danach habe er wieder bis 1997 drogenfrei gelebt. Im Rahmen der Scheidung sei es nun wieder zum Heroinkonsum gekommen. Er habe
verschiedene Entzugsversuche unternommen, welche jedoch misslungen seien
. Im Oktober 2010 sei das zweimonatige Baby seines älteren Sohnes an einem Herzfehler gestorben, im Dezember 2011 sein zweijähriger Enkelsohn an einer Kinderkrankheit und im Februar 2012 sodann sein zwölfjähriger Enkel
sohn. Sein Sohn habe daraufhin zwei Suizidversuche unternommen und sei ins Koma gefallen. Im Zusammenhang mit diesen Ereignissen habe sich die
depressive Symptomatik verstärkt. Der Beigeladene sei arbeitsunfähig gewor
den. Die Prognose sei aus psychiatrischer Sicht besserungsfähig (S.
2
Ziff.
1.4).
Die Behandlung sei im zeitlichen Rahmen eingeschränkt durch die unregel
mässigen Arbeitszeiten des Beigeladenen (S. 2
Ziff.
1.5). In der zuletzt aus
ge
übten Tätigkeit als Servicemitarbeiter sei der Beigeladene seit März 2011 bis auf weiteres zu 100
%
arbeitsunfähig (S. 2
Ziff.
1.6). Es bestünden Ein
schränkungen der körperlichen Leistungsfähigkeit in Bezug auf das Heben, das Stehen und das Gehen sowie Einschränkungen aufgrund des Erschöp
fungszustandes, der Müdigkeit und der Verlangsamung (S. 3
Ziff.
1.7). Die bisherige Tätigkeit sei dem Beigeladenen aus psychiatrischer Sicht seit zirka November 2012 zu 50
%
zumutbar (S. 3
Ziff.
1.7).
3.4
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Klinik
Y._
, erstattete sein psychiatrisches Gutachten am 1
5.
März
2013 (
Urk.
6/19
) gestützt auf die Untersuchungsbefunde anlässlich der Exploration sowie der testpsychologischen Untersuchung vom 2
7.
Februar 2013 und die Akten.
Er nannte folgende Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 8
Ziff.
5.2):
-
Polytoxikomanie
, ständiger Substanzgebrauch (gegenwär
tig Benzo
dia
zepine, Kokain, Hero
in, M
ethadon, Sedativa und Hypnotika;
ICD-10
F19.25)
Er führte aus,
gemäss Angaben des Beigeladenen hätten seine Probleme n
ach dem Tod seines Vaters 1998 zugenommen und
die Selbstmordversuche seines j
üngeren Sohn
es Anfang 2012 hät
ten ihn zusätzlich beschäftigt. Vor einem Monat habe er gesehen, wie eine Person im Bahnhof
E._
vom Zug überfahren worden
sei und seitdem gehe es ihm psy
chisch noch schlechter
(S. 6
oben
)
.
Zur Suchtanamnese w
u
rd
e
ausgeführt, dass d
er Beigeladene früher Alkohol konsumiert
habe
,
teilweise
sogar täglich, seit
zirka
10 Jahren trinke er
jedoch
nicht mehr. Er rauche seit der frühen Jugend Zigaretten, gegenwärtig ein Paket in zwei Tagen. Vor 20 Jahren
habe er zum ersten Mal von einem guten Kollegen Heroin bekommen un
d dann 15 Jahre regelmässig kon
sumiert. Er habe aber nie gespritzt. Seit 2 Jahren nehme er kein Heroin mehr. Er habe gleichzeitig 10 Jahre Kokain konsumiert (auch nicht gesprit
z
t). Seit
zirka
2
Jahren nehme er kein Kokain mehr, weil er es sich nicht mehr leisten könne. Andere Drogen habe er nie probiert. Er nehme gegenwärtig 200 mg Methadon täglich ein. Bis v
or dem Vorfall im Bahnhof
E._
vor einem Mon
at habe er 120 mg Methadon täg
lich eingenommen, gegenwärtig nehme er 200 mg täglich ein. Er nehme seit einem Monat auch
Rivotril
2 bis 3 Tabletten täglich und
3
Dormicum
-Tabletten abends ein (S. 6
Ziff.
3.4
).
Er schlafe sehr wenig und schaue abends sehr lang fern, wenn er Glück habe, schlafe er ein, aber nach ein bis zwei Stunden erwache er, was sich nachts mehrmals wiederhole. Morgens stehe er unterschiedlich auf, frühestens zwischen 05.00 und 06.00 Uhr, wenn er aber 5-6
Dormicum
und
Rivotril
eingenommen habe, stehe er erst um 18.00 Uhr auf. Er habe zwei bis drei Kollegen, manchmal treffe er sie, jetzt sei er aber am liebsten alleine. Zu Hause beschäftige er sich meistens mit TV-Sendungen oder mit dem Internet, wobei er meist Nachrichten von der schrecklichen Welt, in der wir leben, lese. Er koche und sonst mache er sehr wenig. Seit seiner Kindheit habe er Angst vor der Dunkelheit. Er sei vom Vater häufig ins Dunkle gesperrt worden, wenn er etwas Verbotenes gemacht habe. Deswegen brenne bei ihm immer Licht, auch nachts.
Er
fühle sich sehr schlecht und müde und könne sich nicht vorstellen, einer
Arbeit nachzugehen (S. 6 f.
Ziff.
3.5
).
Obwohl der
Beigeladene während der Untersuchung
vermehrt sediert b
ezieh
ungsweise
schläfrig
ge
wirkt
habe
,
habe
er klare und präzise Antworten auf die gestellten Fragen
gegeben
, was auf grob unauffällige
mnestische
Funk
tionen hindeute. Im formalen Denken
sei
er leicht verlangsamt, weitschweifig und sprunghaft
gewesen
, inhaltlich
hätten
sich keine Hin-weise auf Wahn
ideen, Halluzinationen oder Ich-Störungen
ergeben
. Im Affekt
habe der Bei
geladene
parathym
, affektlabil, intermittierend deutlich affektiv verflacht
gewirkt, die affektive Schwingungsfähigkeit sei reduziert, affektiv sei der Bei
ge
ladene
knapp modulierbar, ein affektiver Rapport
sei
knapp herstellbar
ge
wesen
.
I
m Antrieb
sei
er vermindert, motorisch wenig lebhaft
gewesen
(S.
7
Ziff.
4.1
)
.
Aufgrund d
er anamnestischen Angaben leide
eine Schwester des
Beigela
denen
unter
behandlungsbedürftigen
psychischen Problemen, wobei ein
iso
lier
ter Fall
einer psychi
schen Erkrankung in einer so grossen Familie (eines von zehn Geschwistern) bei sonst unauffälliger Familienanamnese nicht auf eine genetische Vulnerabilität für die Entwicklung psychischer Erkrankungen hindeute.
Der Beigeladene habe
eine belastende Kindheit
gehabt
, die aber ohne gravierende traumatische Ereignisse verlaufen
sei und damit ergä
ben sich keine Hinweise auf die Bildung einer Persönlichkeitsstörung. Bis zum 2
2.
oder 2
3.
Lebensjahr ha
be
er nie unter psychischen Problemen mit
Krank
heitswert
gelitten. Im Rahmen der belastenden Ehesituation ha
be der Beige
ladene gemäss
ei
genen
Angaben die Flucht im Hero
in- bzw. Kokai
nkonsum
gefunden und seitdem sei
es zur Entwicklung einer
Polytoxikomanie
ge
kommen
(S. 8 Ziff. 6)
.
Bei fehlenden Hinweisen auf prämorbid vorbestehende psychische Probleme mit Krankheitswert k
önne
bei
m Beigeladenen
damit in sozial-medizinischer Hinsicht von einer primären Sucht ausgegangen werden.
Der Beigeladene habe zwar
berichte
t
, seit der Kindheit unter Angst im Dunkeln zu leiden, was isoliert nach ICD-10 höchstens einer isolierten Phobie ohne Einfluss auf die Leistun
gsfähigkeit zugeordnet werden kö
nn
e
. Es
sei
gleichzeitig zu betonen, dass der
Beigeladene
nach der Ausweisung aus der Schweiz im Heimatland über einige Jahre drogenab
stinent geblieben sei.
Er habe im Heimatland nur Alkohol konsumiert (S.
6
Ziff.
3.5).
Dies spreche für
Persönlichkeits
resso
urcen
des
Beigeladenen beziehungsweise
zusätzlich gegen das Vorliegen prämorbid (vor der Suchtentwic
k
lung) bestehender gravierender psychischer Probleme mit Krankheitswert.
Anlässlich
der
Exploration
vom 2
7.
Februar 2013 hätten
sich aufgrund des Ver
haltens des
Beigeladenen
Hinweise auf den Gebrauch verschiedener psy
chotroper Substanzen
ergeben
, was anlässlich der
Urinanalyse vom
1.
März
2013 bestätigt w
orden sei
. Deswegen
sei
die Anamneseerhebung erschwert
gewesen
, die allerdings aus den vorhandenen medizinischen Berich
ten
ergänzt
werden könne
. Es
sei dabei zu ent
nehmen, dass verschiedene Entzugsver
suche aufgrund der
depressiven Symptomatik und einer
zunehmenden
Schmerz
problematik
misslungen seien. Dies
widerspreche
aber der Tatsa
c
he, dass der
Beigeladene
nach der Ausweisung aus der Schweiz drogenfrei und ohne
psychotherapeutische
Behandlung im Heimatland gelebt ha
be
.
Weiter sei
den Akten zu entnehmen, dass
der Beigeladene
seit Oktober 2010 mehrere Schicksalsschläge in seiner Familie erlebt ha
be.
Es
sei
damit nachvollziehbar, dass sich die psychische Verfassung des
Beigeladenen
, insbesondere nach dem zwei
ten Suizidversuch seines Sohnes
,
zusätzlich ver
schlechtert ha
be. Beim Beigeladenen
sei
es aber in belastenden Situationen vorwiegend zum ver
mehrten Konsum von psychotropen Substanzen gekommen, was seine
sucht
bedingte
Störung der Impuls- und Affektkontrolle verstärkt ha
be
, aber nicht als
depressive Sym
ptomatik an-genommen werden könne
. Gemäss Be
richt des Zentrums für
Abhängigkeitserkrankungen stehe
der
Beigeladene
dort
seit
September
2009 in ambulanter Behandlung.
Der Beigeladene solle auf
grund der anamnestischen Angaben
im Jahre
2000 eine 2-jährige stationäre Suchtbehandlung ab
geschlo
ssen und nach eigenen Angaben
drei bis vier
Jahre drogenabstinent gewesen sein. Zu dieser Zeit
habe er
keine psychia
trische Behandlung
besucht, was auch gegen das Vor
liegen einer depressiven Störung
beziehungsweise
Störung der Affektkontrol
le ohne
Suchtmittelein
fluss
spre
ch
e
,
und damit k
önne
definitiv keine depressive Störung attestier
t werden
.
Seit dem Suizidversuch seines Sohnes Anfang 2012
sei
nicht auszuschliessen, dass es auch zur Entwicklung einer depressiven Anpassungsstörung ge
kommen
sei
, die auch im Austrittsbericht der
C._
anläss
lich der stationären Behandlung a
uf der Diagnoseliste an erster Stelle
aufgeführt
worden sei.
Auch der beschriebene Verlauf der stationären Behand
lung spr
eche
für eine Anpassungsstörung, weshalb die an zweiter Stelle auf
geführte Diagnose einer mittelgradigen rezidivierenden depressiven Störung mit somatischem Syndrom nicht nachvollz
ogen werden könne
. Insbesondere der Satz im Verlauf: „Der Patient wirkte sehr motiviert, übernahm viel Eigenverantwortung und suchte aktiv nach Lösungen, er verlässt die Klinik in stabilem Zustand" spr
eche
g
egen das Vorliegen einer rezidi
vierenden de
pressiven Störung. Vielmehr hätten
die gesicherte Tagesstruktur sowie der Verzi
c
ht auf psychotrope Substanzen (abgesehen vom Methadon
) zur Stabili
sierung des psychi
s
c
hen Zustandes des
Beigeladenen
geführt und zusätzlich gegen das Vorliegen der rezidivierenden depressiven Störung
gesprochen
.
Zusammenfassend k
önne
beim Beigeladenen
aufgrund der anamnestischen Angaben, vorhandenen Akten sowie gegenwärtigen psychopathologischen Be
funde und Ergebnisse der Urinuntersuchung ein
e
Polytoxikomanie
diag
nos
tiziert werden
. Bei gleichzeitig prämorbid fehlenden Hinweisen auf psy
chische Probleme mit Krankheitswert k
önne
von einer primären Sucht aus
gegangen werden, die sozialmedizinisch
die
Arbeitsfähigkeit
des Beigela
de
nen
nicht
nachhaltig einschränke
(S. 8 f.
Ziff.
6)
.
Der
Beigeladene
sei
unter den vielen psychotropen Substanzen nicht leis
tungsfähig. Unter der Substitutionstherapie mit Methadon
sei
allerdings von einer vollen Arbeitsfähigkeit für jegliche Tätigkeiten seinem Bildungsniveau entsprechend
auszugeh
en.
Der
Beigeladene
sei
aus sozialmedizinischer Sicht nie über längere Zeit arbeitsunfähig
gewesen (S. 9
Ziff.
7).
Der Beigeladene
brauch
e
primär eine Suchtbehandlung. Falls er täglich wie anlässlich der Urinanalyse mehrere Drogen ein
nehme
, soll
te
dringen
d eine
stationäre Entzugsbehand
lung und Anpassu
ng der Methadon-Dosis erfolgen.
Die berufliche Eingliederung
könne
jederzeit, allerdin
gs spätestens nach dem stationä
ren körperlichen Entzug (falls notwendig) auf übliche Art erfolgen.
Es
seien beim Beigeladenen
keine Tatbestände fest
zustellen, welche
für
eine un
günstige Prognose bezügl
ich seiner Arbeitsfähigkeit sprä
chen. Die Voraus
setzung
sei
allerdings der Verzicht auf Suchtmittel und Optimierung der Methadon-Dosis.
Unter Optimierung der Methadon-Dosis und Verzicht auf weitere Drogen k
önne
dem
Beigeladenen
objektiv eine volle Arbeitsfähigkeit attestiert werden.
Beim
Beigeladenen
liege
nicht eine
Opioidabhängigkeit
, sondern
ei
ne
Poly
toxi
komanie
vor
. Eine Anpassungsstöru
ng nach Suizid
(richtig wohl: Suizid
versuch)
seines Sohnes von
Anfang bis Mitte 2012
könne
bestätigt werden. Gemäss Austrittsbericht der Reha-Klinik
F._
sei
davon auszugeben, dass sich die Anpassungsstörung während der stationären Behandlung deutlich zurückgebildet ha
be
. Eine rezidivierende depressive Störung k
önne
nicht bestätigt werden
. Vielmehr leide
der
Beigeladene
unter einer suchtbedingten Störung der Affekt- und Impulskontrolle
(S. 10
Ziff.
8)
.
4.
4.1
Für die Zeit nach der Verfügung vom
Mai 2013 (Urk. 6/23)
finden sich in den Akten die folgenden medizinischen Berichte:
4.2
Die Ärzte der
B._
berichteten
über die diversen stationären Aufenthalte des Beigeladenen in ihrer Klinik. So
berichteten sie
am 1
5.
August 2013
über den Aufenthalt des Beigeladenen
vom
1
6.
Mai
bis
1
7.
Juli
201
3
(
Urk.
6/47/
1-
4) und nannten folgende Diag
nosen
(S. 1):
-
posttraumatische Belastungsstö
rung
(ICD-10
F43.1
)
-
m
ittelgradige depressive Episode
(ICD-10
F32.1
)
-
p
sychische und Ve
rhaltensstörungen durch Opioide:
Abhängig
keits
syndrom
(ICD-10
F11.2
)
-
p
sychische und
Verhaltensstörungen durch Kokain: s
chädlicher Ge
brauch
(ICD-10
F14.1
)
-
p
sychische und Verhaltensstörungen durch Sedativ
a oder Hypnotika: Abhängigkeits
syndrom
(ICD-10
F13.2
)
-
St
atus nach
Virushepatitis B (E
rstdiagnose
2005)
-
Monoparese und Monoplegie einer unteren Extrem
i
tät:
r
esiduelle
Be
i
n
parese
links nach mehreren W
irbelsäulen
-Operationen L4-S1 (zuletzt 2010)
Am 2
1.
November 2013 berichteten die Ärzte der
B._
über den
erneuten
Aufenthalt des Beigeladenen vom 1
7.
bis 2
9.
Oktober 2013 (
Urk.
6/47/5-8)
, am
4.
April 2014 über den Aufenthalt vom 1
0.
Februar bis 2
1.
März 2014 (
Urk.
6/47/9-13) sowie am 2
2.
Januar 2015 über den Aufenthalt vom 2
1.
März bis 3
0.
Juli 2014 (
Urk.
6/47/14-19)
und nannten
jeweils
im Wesent
lichen
die bereits bekannten Diagnosen.
Der erste Klinikeintritt Mitte Mai 2013 (rund drei Monate nach der Begutachtung durch Dr.
A._
) sei auf
grund von Ängsten, Unruhe und Schlaflosigkeit vor dem Hintergrund einer posttraumatischen Belastungsstörung erfolgt (Urk. 6/47/1-19, S. 1). Der Ver
sicherte sei im Winter 2012/2013 Zeuge eines tödlichen Unfalls am Bahnhof
E._
geworden. Seither habe er ausgeprägte Durchschlafstörungen, leide unter Alpträumen, Nachtschweiss, Angstattacken und Herzrasen. Die Erinnerungen daran drängten sich ihm auf und er müsse dadurch die Situa
tion immer wieder erleben, was bei ihm Angst hervorrufe. Er sei schreck
hafter geworden. Es lägen eine mittelschwere Störung der Konzentration und Merkfähigkeit, schweres Gedankendrängen und Grübeln, generalisierte, un
spe
zi
fi
sche Ängste und
attackenartige
Angstzustände mit Flashbacks vor.
For
mal
gedanklich
sei er verlangsamt und eingeengt auf das stattgehabte Trauma, im Affekt niedergestimmt, hoffnungslos, affektarm. Es bestünden eine Antriebsminderung und Hemmung, ein sozialer Rückzug, Durchschlaf
störungen und Alpträume; psychomotorisch sei er unruhig (S. 2). Der Ver
sicherte sei nach einer Stabilisierung nach Hause ausgetreten zur Vorbe
rei
tung der aufgegleisten stationären PTBS-Behandlung ab Juli
2013 in der Klini
k
G._
(S. 3 und S. 6).
Nach Austritt aus der Klinik
G._
im September 2013 erfolgte der Wiedereintritt bei der
B._
im Oktober 2013 bei Aggravation der Ängste und Schlaflosigkeit (S. 5 f.). Hinsichtlich der bekannten Abhängigkeitserkrankung habe während des letzten Aufenthalts und auch gegenwärtig ein eher spora
discher Konsum von Opioiden mit allerdings deutlicher Gefährdung von Rückfällen bestanden, da bezüglich der PTBS ein erheblicher Leidensdruck vorliege (S. 6). Der übrige psychische Befund war vergleichbar mit demje
ni
gen im Mai/Juni 2013.
Der dritte Aufenthalt in der
B._
im Februar/März 2014 erfolgte aufgrund einer Zustandsverschlechterung mit suizidaler Einengung bei zunehmenden Flashbacks und neu aufgetretenem Stimmenhören im Rahmen der bekannten PTBS (S.
9 f.). Nebst den bereits bekannten Befunden wurden inhaltliche Denkstörungen, Verfolgungsgefühl, Wahnwahrnehmung,
Beeinträchtigungs
wahn
durch Verstorbenen erhoben sowie Sinnestäuschungen im Sinne von imperativen Stimmen, die den Versicherten zum Suizid drängten (S. 11). Der Versicherte sei in der Behandlung
compliant
, es bestehe jedoch ein schwer
durchbrechbares Vermeidungsverhalten und eine deutlich eingeschränkte Fähig
keit zur Affektregulation und im Zusammenhang damit ein rezidivie
render Suchtdruck (S. 12). Von der Station A2 für Akutpsychiatrie wurde der Versicherte im März 2014 an das Zentrum für Integrative Psychiatrie, Impulskontrollstörungen, überwiesen, wo er bis 30. Juli 2014 blieb (S. 14).
4.3
Die Ärzte der
B._
berichteten
am 1
6.
März
201
5
sodann
über den Aufenthalt des Beigeladenen vom
3
0.
Januar
bis
1
7.
Februar
201
5
(
Urk.
6/47/
20-24)
und nannten folgende Diagnosen (S. 1):
-
m
ittelgradige depressive Episode
(ICD-10
F32.1
)
-
posttraumatische Belastungsstö
rung
(ICD-10
F43.1
)
-
p
sychische und
Verhaltensstörungen durch Kokain: s
chädlicher Ge
brauch
(ICD-10
F14.1
)
-
p
sychische und Verhaltensstörungen durch Sedativ
a oder Hypnotika: Abhängigkeits
syndrom
(ICD-10
F13.2
)
-
p
sychische und Ve
rhaltensstörungen durch Opioide:
Abhängigkeits
syn
drom
(ICD-10
F11.2
)
-
St
atus nach
Virushepatitis B (E
rstdiagnose
2005)
-
Schlafapnoe-Syndrom
-
Monoparese und Monoplegie einer unteren Extrem
i
tät:
r
esiduelle
Be
i
n
parese
links nach mehreren W
irbelsäulen
-Operationen L4-S1 (zuletzt 2010)
Sie führten aus, dass
der
Eintritt
des Beigeladenen
in
die
Klinik freiwillig aufgrund von zunehmenden Suizidgedan
k
en mit begleitenden Angst- und Panikatta
cken vor dem Hintergrund einer p
osttraumatischen
Belastungs
störung
mit langjähriger Opiatabhängigkeit
erfolgt sei.
Seit November ver
gangenen Jahres sei es dem
Beigeladenen
zunehmend schlechter gegangen, er habe damals und im Dezember jeweils einen Suizidversuch in Form von Tablettenintoxikation unternommen. Ein Kollege habe ihn jeweils gefunden und ihm Salzwasser zu trinken gegeben, woraufhin er den Mageninhalt erbrochen habe. Seine Medikamente habe er in letzter Zeit nur unregelmässig eingenommen, stattdessen habe er wieder vermehrt Heroin geraucht, welches seine schlechten Gedanken kurzzeitig verdrängt habe.
Der
Beigeladene
berichte
,
seit 2010 psychisch erkrankt zu sein, damals habe er begonnen Heroin zu konsumieren, sei aber alsbald mit Methadon sub
stitu
i
ert worden. In letzter Zeit habe er wieder vermehrt Heroin geraucht, er nehme keine anderen Drogen und trinke keinen Alkohol
.
Seit einem tödli
chen Zugunfall, den
er
beobachtet habe, leide er unter einer posttrau
ma
tischen Belastungsstörung mit Intrusionen, Schlafstörungen und
Vermei
dungs
verhalten
(S. 2)
.
B
ei Eintritt
sei der Beigeladene
w
ach und voll orientiert
gewesen
,
formal
ge
danklich
eingeengt
mit starker Tendenz zum Grübeln. Die
Konzentrations- und Merkfähigkeit
sei
stark eingeschränkt, gelegentlich
bestünden paranoide Gedanken. Es bestehe zudem ein
Hören von kommentierend
en, weniger im
pe
rativen Stimmen. A
ffektiv
sei er niedergestimmt und depressiv. Es bestün
den
diffuse Ä
ngste, teilweise Panikattacken sowie ein
Aufräumzwang zu
hause
. D
er Schlaf sei sehr schle
cht und durch Ein- und Durchschl
afstörungen gestört, sonst
bestünden
keine vegetativen Störungen
(S. 3 oben)
.
Zu
Beginn der Behandlung sei
die zuvor etablierte Fixmedikation mit
Seroquel
,
Invega
und
Remeron
verordnet und die
zuvor ambulant verordnete Substitutionstherapie mit Methadon fort
geführt worden
. Bei Bedarf
habe der Beigeladene
auf
Seroquel
und
Truxal
zur Schlafförderung zurückgreifen
können
.
Der Beigeladene habe
sich problemlos in das stationäre Setting integrieren
und schon bald ein Vertrauens
v
erhältnis zum Behandlungsteam aufbauen
können
. Der Eintritt
habe
bei
m Beigeladenen
für Sicherheit und alsbal
d zur psychopathologischen Stabi
lisierung
geführt
. Die Stimmung
habe sich
in der Gesamtschau unter anhaltenden geringen Schwankungen deutlich
verbessert
.
Der Beigeladene habe
im Verlauf zunehmend aufgehellter und schwingungsfähiger
gewirkt
, wobei eine gewisse affektive Verflachung be
stehen
ge
blieb
en sei
. Rückfälle in vorherige Konsummuster
seien
während der Behandlung nicht beobachtet
worden
. Am 1
7.
Februar 2015 sei
bei fehlen
der Selbst- und Fremdgefährdung der Austritt in die gewohnten Ver
hältnisse
erfolgt (S. 4)
.
Der Beigeladene schreibe die posttraumatische Belastungsstörung
einem
von ihm
beobachteten Zugunglück 2010
(richtig wohl: 2013)
zu
. Der
Leistungs
knick
sei
jedoch lange vorher
erfolgt
, so dass die Symptomatik hierdurch nicht a
usreichend erklärt erscheine
.
Es bestehe zudem eine
k
omorbide
Opiat
a
b
hängigk
eit
und
Benzodiazepinabhängigkeit
so
wie
ein
schädlicher Gebrauch
von Kokain.
Es werde
dringend eine betreute Wohnform
empfohlen
, da der
Beigeladene
im vergangenen Jahr immer wieder vor allem mit dem alleine Leben überfordert
gewesen sei
und in der Folge
habe
hospitalisiert werden m
üssen (S. 4 unten)
.
4.
4
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin, nahm am 1
8.
Mai 2015 Stellung (
Urk.
6/51) und führte aus, dass
die vorliegend eingereichten medi
zinischen Unterlagen keine Veränderung des Gesundheitszustandes zu be
gründen vermöchten. Mit mehreren Austrittsberichten der
B._
sei
im Wes
ent
lichen
weiterhin
Kenntnis von psychischen Verhaltensstörungen durch multiple
Substanzen, einer mittelgradigen depressiven Episode sowie einer posttraumatischen Belastungsstörung zu nehmen.
Damit könne weiterhin kein relevanter Gesundheitsschaden ausgewiesen werden.
4.
5
Die Ärzte der
B._
berichteten am 1
0.
August 2015 (
Urk.
6/60) und führten aus, dass der Beigeladene seit dem
1.
Januar 2010
(richtig wohl: 2015)
im
I._
in ambulanter Behandlung sei. Sie nannten
nebst den bereits bekannten Diagnosen
neu eine rezidivierende de
pr
essive Störung mit gegenwärtig
schwerer Episode mit psychotischen Symp
to
men
und führten aus, dass
,
seitdem der Beigeladene 2013 Zeuge eines
Per
sonenunfalls
geworden sei, eine Verschlechterung des Zustandsbildes mit Flashbacks, Al
bträumen und Vermeidung von auslö
senden Situationen ent
spre
ch
end einer posttraumatischen Belastungsstörung beobachtet werde.
Eine
traumafokussierte
Therapie in der Klinik
G._
habe anfangs Entlastung gebracht, längerfristig habe der Beigeladene keine ausreichende Stabilität erreichen können.
Zusätzlich seien im Beurteilungszeitraum intermittierend
deutliche Stimmungstiefs mit sozialem Rückzug, Antriebslosigkeit, Hoffnungs
losigkeit bis hin zu Suizidgedanken und suizidalen Handlungen aufgetreten. Erschwerend seien akustische Halluzinationen hinzugekommen, unter denen der Beigeladene einen hohen Leidensdruck entwickelt habe.
Aufgrund der vorliegenden Beschwerden und des bisherigen Verlaufs mit mehrfachen
Lang
zeithospitalisationen
liege eine deutliche Zustandsverschlechterung seit Einreichen des IV-Antrages 2012
mit einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit
vor.
5.
5.1
G
estützt
auf die
angeführten ärztlichen Berichte lassen sich der Gesundheits
zustand des Beigeladenen
und insbeson
dere
seine
Arbeitsfähigkeit nur unge
nügend beurteilen.
So ging
Dr.
A._
in seinem Gutachten (vgl. vorstehend E. 3.4)
einerseits
davon aus, dass keine Belege für die Bildung einer Persönlichkeitsstörung und auch sonst keine Hinweise auf prämorbid vorbestehende psychische Prob
leme mit Krankheitswert gegeben seien.
Relevante psychische Erkran
kungen fehlten und das Suchtleiden müsse deshalb als primär betrachtet werden.
Andererseits führte
Dr.
A._
bei der Anamnese und
Krankheits
ent
wicklung
aus, dass
die psychischen Probleme beim Beigeladenen
wegen Schwierigkeiten mit den Schwiegereltern angefangen hätten und er mit 22
Jahren – während der Trennung der Ehefrau und Wegnahme des Kindes durch die Behörden
- das erste Mal Heroin konsumiert habe (
Urk.
6/19 S. 6).
Dies ist in sich widersprüchlich und zumindest erklärungsbedürftig.
Weiter ging
Dr.
A._
davon aus, dass der Beigeladene nach der Auswei
sung aus der Schweiz im Heimatland über einige Jahre drogenabstinent geblieben sei und ohne
therapeutische
Behandlung gelebt habe, was für Persönlichkeitsressourcen spreche. Diesbezüglich bleibt anzumerken, dass der Beigeladene anlässlich der Untersuchung explizit a
n
gab, im Heimatland „nur“ Alkohol konsumiert zu haben.
Dass es sich beim Konsum von Alkohol – je nach Menge – auch um eine Droge mit bewusstseinsbeeinträchtigender Wirkung handeln kann, muss nicht weiter ausgeführt werden. Zudem
ist nicht
auszuschliessen
, dass die Durchführung
eine
r
professionelle
n
psych
ia
trische
n
Therapie
in
J._
allenfalls mit erheblichen Schwierigkeiten ver
bunden ist
.
Das Gutachten von
Dr.
A._
vermag
bereits
nach dem Gesag
ten aufgrund der Widersprüchlichkeiten in sich nicht zu überzeugen. Zudem
würdigte
Dr.
A._
den vom Beigeladenen erwähnten Zugunfall am Bahn
hof
E._
nicht
näher
und machte
auch
keine
diesbezüglichen
Ausfü
h
r
ungen
.
Obwohl dieser Unfall
gemäss
den Einschätzungen der
B._
rund drei Monate nach der Begutachtung durch Dr.
A._
zu einem ersten
Klinikauf
ent
halt
führte (vgl. E. 4.2).
5.2
Angesichts der
vielen stationären Aufenthalte des Beigeladenen in der
B._
(vgl. vorstehend E. 4.2-4.3 und E. 4.5)
sowie den
in den Berichten erwähnten
attackenartigen
Angstzustände
n
mit Flashbacks (
Urk.
6/47 S. 2)
, der Schlaf
losigkeit, des
Herzrasen
s, der
Schweissausbrüche
,
der
Alpträume (S. 6),
des
Hören
s
der Stimme
des Unfallopfers (S.
7)
und der
Suizidversuche
des Beige
ladenen ersch
eint
die Einschätzung der Ärzte der
B._
, wonach eine post
traumatische Belastungsstörung
sowie eine
rezidivierende depressive Störung mit gegenwärtiger mittelgradiger/schwerer Episode
attestiert wurde
n
,
auch unter Berücksichtigung
des Suchtgeschehens und
der Rechtsprechung
nicht als derart abwegig, als dass sie nicht näher geprüft werden müss
t
e
.
So
finden sich in den Akten
neben dem Auftreten der soeben genannten Beschwerden
durchaus
auch einige belastende Ereignisse des Beigeladenen (Tod mehrerer Enkel, Suizidversuche der Söhne)
, welche die
Kriterien
gemäss
ICD
10 F43.1
zu erfüllen vermögen. So
wird e
ine posttrauma
tische
Belastungsstö
rung
aner
kannt, wenn sie
als eine ver
zögerte oder pro
tra
hierte Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situa
tion ausserge
wöhnlicher Bedrohung oder katastro
phenartigen Ausmasses ent
steht, die in fast jedem eine tiefe Verzwei
flung hervorrufen würde
(vgl. Internationale Klassifi
kation psy
chischer Stö
rungen, ICD-10 Kapitel V (F), 9. Auflage 2014, F43.1).
Anzufügen bleibt, dass d
ie Ärzte der
B._
jedoch
auch erwähnten
,
der Leistungs
knick
des Beigeladenen sei
bereits
lange vor
2013
erfolgt
, so dass die Symptomatik hierdurch nicht a
usreichend erklärt erscheine
(vgl. vorsteh
end
E.
4.3
).
Jedenfalls lieg
en
gemäss der
B._
neben dem weiterhin besteh
enden Suchtgeschehen auch nennenswerte
psychiatrische Diagnosen vor.
5.3
Nach der Rechtsprechung führt Drogensucht (wie auch Alkoholismus und Medikamentenmissbrauch) als solche nicht zu einer Invalidität im Sinne des Gesetzes. Dagegen wird sie im Rahmen der Invalidenversicherung relevant, wenn sie eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher oder geistiger, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender
Gesund
heits
schaden
eingetreten ist, oder wenn sie selber Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens ist, dem Krankheitswert zukommt (BGE 124 V 265 E. 3c). Aus letzterem Leitsatz folgt nicht, dass die Auswirkungen einer Drogensucht, die ihrerseits auf einen Gesundheitsschaden zurückgeht, per se invaliditätsbegründend sind. Die zitierte Praxis setzt vielmehr den Grundsatz um, dass funktionelle Einschränkungen nur anspruchsbegründend sein können, wenn sie sich als Folgen selbständiger
Gesundheitsschä
di
gungen
darstellen (Art. 6 ff. ATSG und Art. 4 Abs. 1 IVG). Insofern verhält es sich ähnlich wie im Verhältnis zwischen psychosozialen oder soziokul
tu
rellen Umständen und fachärztlich festgestellten psychischen Störungen von Krankheitswert (BGE 127 V 294 E. 5a): Wo die Gutachter im Wesentlichen nur Befunde erheben, welche in der Drogensucht ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in dieser aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben. Dies trifft zu, wenn davon auszugehen ist, dass sich beispielsweise ein depressives Zustandsbild bei einer (angenommenen)
positiven Veränderung der suchtbedingten psychosozialen Problematik wes
ent
lich bessern (und die damit verbundene Beeinträchtigung des Leistungs
vermögens sich entsprechend verringern) würde (Urteil des Bundesgerichts 8C_582/2015 vom 8. Oktober 2015 E. 2.2.1 unter Hinweis auf 8C_580/2014
vom 11. März
2015 E. 2.2.1 und 9C_856/2012 vom 19. August
2013 E. 2.2.1).
Angesichts der insoweit finalen Natur der Invalidenversicherung (BGE 120 V 95 E. 4c; Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Aufl. 2014,
Rz
51 zu Art. 4 IVG) ist nicht entscheidend, ob die Drogen
sucht Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens ist oder ob die Sucht ausserhalb eines Kausalzusammenhangs mit dem versicherten Gesundheitsschaden steht. In beiden Konstellationen sind reine Suchtfolgen IV-rechtlich irrelevant, soweit sie als solche allein leistungsmindernd wirken. Hingegen sind sie gleichermassen IV-rechtlich relevant, soweit sie in einem engen Zusammenhang mit einem eigenständigen Gesundheitsschaden stehen. Dies kann der Fall sein, wenn die Drogensucht – einem Symptom gleich – Teil eines Gesundheitsschadens bildet (BGE 99 V 28 E. 3b); dies unter der Voraussetzung, dass nicht allein die unmittelbaren Folgen des
Rauschmittel
konsums
, sondern wesentlich auch der psychiatrische Befund selber zu Arbeitsunfähigkeit führt. Sodann können selbst reine Suchtfolgen invalidi
sierend sein, wenn daneben ein psychischer Gesundheitsschaden besteht, welcher die Betäubungsmittelabhängigkeit aufrecht erhält oder deren Folgen
massgeblich verstärkt. Umgekehrt können die Auswirkungen der Sucht (unab
hängig von ihrer Genese) wie andere psychosoziale Faktoren auch mittelbar zur Invalidität beitragen, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der Folgen
eines Gesundheitsschadens beeinflussen (Urteil des Bundesgerichts 8C_582/2015
vom 8. Oktober 2015 E. 2.2.2 unter Hinweis auf 8C_580/2014
vom 11. März
2015 E. 2.2.2 und 9C_856/2012 vom 19. August
2013 E. 2.2.2).
Im
erwähnten Urteil 8C_582/2015
vom 8. Oktober 2015
E. 4
hat das Bundes
gericht entschieden, dass die Rechtsprechung
gemäss
BGE 141 V 281 psy
cho
somatische Leiden betrifft und auf Suchtproblematiken nicht anwendbar ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_6/2016 vom 3. Februar 2016 E. 4.2.3 mit Hinweis auf die Kritik
von
Liebrenz
/
Uttinger
/Ebner, Sind
Abhängig
keitserkrankungen
aus höchstrichterlicher Sicht [weiterhin] nicht mit anderen psychischen Störungen [z.B.
somatoformen
Störungen] vergleichbar? - Eine Urteilsbesprechung von BGE 8C_582/2015 im Lichte der theoretischen An
wendbarkeit des ergebnisoffenen, strukturierten Beweisverfahrens, in: SZS 2016
S. 96; ferner:
Liebrenz
et
alii
, Das Suchtleiden bzw. die
Abhängigkeits
er
krankungen
- Möglichkeiten der Begutachtung nach
BGE 141 V 281
[= 9C_492/2014]
, in: SZS 2016 S.
12).
5.4
Es ist nach dem Gesagten zu prüfen, ob
das
Suchtgeschehen
auch unter Berücksichtigung der weiteren psychiatrischen Diagnosen in Sinne der er
wähnten Rechtsprechung invalidenversicherungsrechtlich relevant ist
. Diese Frage kann
jedoch
weder durch das Gutachten von Dr.
A._
(vgl. vorsteh
end E.
3.4) noch
durch
die restlichen medizinischen Akten beantwortet werde
n.
Zusammenfassend erweist sich das psychiatrische Gutachten von Dr.
A._
als zumindest erklärungsbedürftig
vor allem
in Bezug auf die Einschätzungen der Arbeitsfä
higkeit sowie
d
i
e Auswirkungen des Substanzgebrauchs
.
Dessen Verwendung als Vergleichsbasis im Rahmen einer Neuanmeldung - würde die Rechtskraft der Verfügung vom 27. Mai 2013 bejaht - ist daher bereits mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden.
Aus den Berichten der Ärzte und Therapeuten der
B._
können
ebenfalls
keine
genügenden
Rück
schlüsse auf den aktuellen Gesundheitszustand des B
eigeladenen
gezogen w
erden, da der letzte Bericht von August 2015 datiert
und insbesondere keine vertiefte Aus
einandersetzung mit dem Suchtmittelkonsum erfolgte
(E. 4
.
5
). Des Weiteren ist auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen,
dass
behandelnde Ärzte und
The
ra
pie
personen
mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertra
uens
stellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V
465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc). Die Berichte der Ärzte der
B._
bilden entsprechend
ebenfalls
keine genügende
Beurteilungs
grund
lage
.
5.5
M
it Blick auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung
ist
darauf hinzuweisen, dass eine
Rückweisung an den Versicherungsträger möglich
ist
,
um eine voll
ständig ungeklärte Frage zu erheben oder wenn
eine Klarstellung, Präzisie
rung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist
- was in
casu
der Fall ist (vgl. E.
5
.1
-5.4
).
Die Sache ist daher in Aufhebung der angefochtenen Verfügung an die
Be
schwer
degegnerin
zurückzuweisen, damit sie
die
bestehende
n
Unklarheit
en und Lücken
in Bezug auf den psychiatrischen und somatischen
(erwähnt werden beispielsweise in den Berichten der
B._
(vgl. E. 4.2-4.3) eine
Mono
parese
und Monoplegie einer unteren Extremität:
residuelle
Beinparese links nach mehreren Wirbelsäulen-Operationen L4-S1 zuletzt 2010, aber auch eine chronische Schmerzstörung (vgl. E. 3.2), zu deren Folgen sich in den Akten keine medizinischen Einschätzungen finden)
Gesundheitszustand
in Form eines
polidisziplinäres
Gutachtens
abkläre und danach erneut über das
Leis
tungsbegehren
des
Beigeladenen
entscheidet.
Dabei ist allenfalls auch – bei Bestätigung der Diagnosen einer PTBS – eine Indikationsprüfung vorzuneh
men (BGE 142 V 342).
In diesem Sinne ist die Beschwerde
gutzuheissen
.
6
.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von
IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
9
00.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Im Verfahren der Verwaltungsgerichtsbeschwerde darf obsiegenden Behörden
oder mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben betrauten Organisationen in der Regel
keine Parteientschädigung zugesprochen werden. In Anwendung dieser Be
stimmung ist der Beschwerdeführerin praxisgemäss keine
Prozessent
schä
di
gung
zuzusprechen.