# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f725093c-3fac-4c90-8825-3a7bcfcb7e1e
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
,
geboren 1981,
meldete der
Schweizerische
n
Mobiliar Versicherungsgesellschaft AG
(in der Folge: Mobiliar)
einen
Treppensturz vom 3
1.
Mai 2014 als Unfall (Urk. 9/3/UM1).
Nachdem die Mobiliar dem Versicherten am 1
0.
September 2014 die verfügungsweise Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht gestellt hatte (Urk. 9/1/005-006), äusserte sich letzterer mit
der per E-Mail sowie per Post versandten
Eingabe vom 18. September 2014 dazu (Urk. 9/1/009).
Mit Verfügung vom
2
3.
September 201
4
verneinte
die
Mobiliar
den Anspruch des Versicherten auf Leistungen aus der Unfallversicherung nach
dem
Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG). Dies begründete sie damit, dass nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Treppensturz vom 3
1.
Mai 2014 und dem am 1
0.
Juni 2014 diagnostizierten Rezidiv der Diskushernie L4/5 bestehe (Urk. 9/1/012-014)
.
Mit Eingabe vom 2.
Oktober 2014 gab die Orion Rechtsschutz-Versicherung AG
(in der Folge: Orion)
der Mobiliar unter Beilage einer Vollmacht bekannt, dass
si
e
X._
vertrete und verlangte Akteneinsicht (Urk. 9/1/016-017).
Die
Aktenzu
stellung
erfolgte am 7
.
Oktober 2014 unter Hinweis auf die gesetzliche Frist (Urk. 9/
1/018). Am 24.
Oktober 2014 sandte
X._
selber
seine Ein
sprache per E-Mail an die Mobiliar, wobei er angab, das Original sei auf dem Postweg unterwegs (Urk. 9/1/021).
Am 30. Oktober 2014 versandte er die vom 2
4.
Oktober 2014 datierende Einsprache tatsächlich (Urk. 9/1/022-023).
Mit Eingabe vom 31.
Oktober 2014 ersuchte der gleichentags mandatierte Rechts
anwalt David Husmann, Zürich, um Akteneinsicht sowie um Erteilung einer Nachfrist zur ausführlicheren Begr
ündung des Widerspruchs vom 18.
September 2014 (Urk. 9/1/024-025).
Mit
Einspracheentscheid
vom
10. November 2014
trat die
Mobiliar
auf die von
X._
erhobene Einsprache nicht ein (
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob
X._
am
1
1.
Dezember 2014
Beschwerde und bean
tragte,
der
Nichteintretensentscheid
vom 1
0.
November 2014 sei aufzuheben und
die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, auf
die
Einsprache
vom 2
4.
Oktober 2014
einzutreten
und diese materiell zu behandeln sowie eine angemessene Nachfrist zur zusätzlichen Einsprache zu gewähren
(
Urk.
1
S. 2
). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom
1
4.
Januar 2015
auf Abweisung der Beschwerde
. Eventualiter beantragte sie, es sei von einer Parteientschädigung abzusehen, da
sie
weder
vom Beschwerdeführer
noch von
seiner vorangehenden Vertreterin darüber informiert worden sei, dass
d
er
Beschwerdeführer
keinen juristischen Beistand mehr genoss
en habe
, ehe er
den
jetzigen Anwalt mandatiert
habe
(
Urk.
7).
Die Beschwerdeantwort wurde dem Beschwerdeführer am 1
5.
Januar 2015 zur Kenntnis gebracht (Urk. 10).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den
nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Richtet sich die Beschwerde gegen einen
Nichteintretensentscheid
, hat das Gericht, ungeachtet
der Vorbringen
der
beschwerdeführenden
Partei, zu prüfen und darüber zu entscheiden, ob die Verwaltung zu Recht nicht auf das
Leis
tungs
- oder Feststellungsbegehren eingetreten ist. Der richterliche Entscheid in der Sache (Sachentscheid) hat in dieser besonderen verfahrensmässigen Situa
tion den formellen Gesichtspunkt des Nichteintretens durch die untere Instanz zum Gegenstand. Dagegen hat sich das Gericht mit den materiellen Anträgen nicht zu befassen (BGE 121 V 157 E. 2b, 116 V 265 E. 2a, SVR 1997, UV Nr. 66 S. 225 E. 1a).
1.2
Gegen Verfügungen kann innerhalb von 30 Tagen bei der verfügenden Stelle Einsprache erhoben werden; davon ausgenommen sind prozess- und
verfah
rensleitende
Verfügungen (
Art.
52 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Tei
l des Sozialversicherungsrechts;
ATSG).
1.3
Nach
Art.
39 Abs. 1 in Verbindung mit
Art.
52 Abs. 1 ATSG ist die dreissigtä
gige Frist zur Einsprache nur gewahrt, wenn die Einsprache spätestens am letzten Tag der Frist bei der verfügenden Stelle eingereicht oder zu deren
Han
den
der Schweizerischen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung übergeben wird. Läuft die Frist unbenützt ab, so erwächst die Verfügung in (formelle) Rechtskraft mit der Wirkung, dass die verfügende Stelle auf eine verspätet eingereichte Einsprache nicht eintreten darf (vgl. BGE 124 V 401 E. 1a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
führte
in ihrem
Einspracheentscheid
aus, ihre Verfü
gung vom 2
3.
September 2014 sei vom Versicherten am 2
6.
September 2014 in Empfang genommen worden, weshalb die 30-tägige
Einsprachefrist
am 2
4.
Oktober 2014 abgelaufen sei. Die Eingabe per E-Mail vom 2
4.
September (richtig: Oktober)
2014 habe den formellen Anforderungen nicht genügt und die am 3
0.
Oktober 2014 per Post aufgegebene
Einsprache
sei verspätet erfolgt
. Gesetzliche Fristen könnten zudem - insbesondere nach deren Ablauf - nicht erstreckt werden (Urk. 2 S. 4)
.
Die Beschwerdegegnerin stellte
sich
auf den Standpunkt,
es sei keine Nachfrist anzusetzen gewesen, da der Beschwerdefüh
rer rechtskundig vertreten gewesen sei und ihm auch selber bewusst gewesen sei, dass er die Einsprache gleichzeitig per Post hätte versenden müssen (Urk. 2 S. 5-6).
Ferner nahm sie zur
Sach
- und Rechtslage
in materieller Hinsicht
Stel
lung (Urk. 2 S. 1-3).
In der Beschwerdeantwort
führte sie ergänzend aus,
die Mandatsniederlegung durch
die
Orion sei ihr nie mitgeteilt worden. Des Weiteren betonte sie, dass der Beschwerdeführer in seinem E-Mail angegeben habe, das unterzeichnete Origi
nal - dessen Erforderlichkeit er sich bewusst gewesen sei - sei bereits auf dem Postweg unterwegs (Urk. 7 S. 3
f.
).
Eine Nachfrist sei nur anzusetzen, wenn jemand weder von rechtskundiger Seite vertreten
werde
noch selbst über die nötigen Kenn
tnisse verfüg
e. Der Beschwerdeführer habe indes Besche
id gewusst
(Urk. 7 S. 5).
2.2
Der Beschwerdeführer wendet hiergegen ein, mit dem Versand der E-Mail am 2
4.
Oktober 2014 sei die Einsprache fristgerecht erhoben worden. Denn die for
mellen Anforderungen an eine Einsprache seien minimal. Es genüge, dass der Wille des Versicherten ersichtlich sei
;
dies
insbesondere, da eine Einsprache sogar mündlich
erfolgen
könne (Urk. 1 S. 4).
Genüge die Einsprache den gesetz
lichen Anforderungen nicht, sei die Beschwerdegegnerin gemäss
Art.
10 Abs. 4
(richtig: 5)
der
Verordnung über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungs
rechts
(ATSV)
dazu verpflichtet, eine angemessen
e
Nachfrist zur Behebung des Fehlers anzusetzen.
Die
Orion habe seine Vertretung abgelehnt, weswegen er im Zeitpunkt des Versand
s
der E-Mail nicht vertreten gewesen sei und ihm das Wissen der Orion auch nicht zuzurechnen gewesen sei. Der Beschwerdeführer vertritt den Standpunkt, selbst in letzterem Fall wäre eine Nachfrist zur
Man
gelbehebung
anzusetzen gewesen
.
Die Beschwerdegegnerin habe dadurch, dass sie die Einsprache des Versicherten erst am letzten Tag der Frist an die Orion weitergeleitet habe
,
gegen Treu und Glauben verstossen
. Er habe darauf ver
trauen dürfen, dass ihm im Falle des Vorliegens eines Mangels eine Nachfrist
angesetzt würde. Gehe man davon aus, eine 10-tägige Nachfrist sei angemessen, sei mit der unterschriebenen Einsprache
vom 3
0.
Oktober 2014 die Nachfrist gewahrt worden. Zur Wahrung des rechtlichen Gehörs sei ihm nach Gutheis
sung der Beschwerde eine Nachfrist zur zusätzlichen Begründung zu gewähren
(Urk. 1 S. 5
f.
)
.
3.
3.1
Nachdem der Beschwerdeführer die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom
23. September 2014
am 2
6.
September 2014 entgegen genommen hatte
(Urk. 9/1/
047
)
, sowie unter Berücksichtigung des Fristenlaufs gemäss
Art.
38
Abs. 1 und 3
ATSG
,
lief die 30-tägige
Einsprache
frist
am
2
7.
Oktober 2014 ab.
Innert dieser Frist wurde einzig per E-Mail am 2
4.
Oktober 2014 Einsprache erhoben. Die schriftliche Einsprache wurde erst am 3
0.
Oktober 2014 der Schweizerischen Post übergeben
(Urk. 9/1/022).
Entscheidend ist somit, ob die
Einsprachefrist
mit dem E-Mail vom 2
4.
Oktober 2014 gewahrt wurde.
3.2
Laut
Art.
10 Abs. 3 ATSV
kann die Einsprache wahlweise schriftlich oder bei persönlicher Vorsprache mündlich erhoben werden
.
Im Falle der mündlich erhobenen Einsprache hat der Versicherungsträger ein schriftliches Protokoll auszufertigen, welches vom Einsprecher zu unterzeichnen ist, was insbesondere eine beweisrechtliche Bedeutung hat (
Kieser
, ATSG-Kommentar,
2.
Aufl. 2009,
N.
20 zu
Art.
52 ATSG).
Bei
diesem Ablauf anlässlich einer mündlichen
Ein
spracheerhebung
ist dem Einwand des Beschwerdeführers, wonach eine E-Mail mit angehängter Datei weit formeller sei
(Urk. 1 S. 4
Ziff.
13), nicht zu folgen.
Eine Einsprache per E-Mail ist aus Beweisgründen nicht vorgesehen
(Urteile des Bundesverwaltungsgerichts C-70
78/2007 vom 1
3.
Januar 2010, E.
5.2;
C-1097/2014 vom
9.
Oktober 2014, E. 6.3)
. Da im vorliegenden Fall eine persönli
che Vorsprache nicht erfolgt ist, war die Einsprache schriftlich zu erheben. Die schriftlich erhobene Einsprache muss die Unterschrift der Einsprache
führenden Person oder ihres Rechtsbeistands enthalten
(
Art.
10 Abs.
4 ATSV).
F
ehlt die Unterschrift, so setzt der Versicherer eine angemessene Frist zur Behebung der Mängel an und verbindet damit die Androhung, dass sonst auf die Einsprache nicht eingetreten w
erde
(
Art.
10 Abs. 5 ATSV)
.
3.3
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts zu
Art.
42 Abs. 5 des
Bundesge
richtsgesetzes
(BGG), welche eine im V
ergleich zu derjenigen von Art.
10 Abs. 5 ATSV insofern gleichlautende Regelung enthält, wonach bei einem Fehlen der Unterschrift eine angemessene Frist zur Behebung des Mangels anzusetzen ist, ist zu unterscheiden, ob es sich beim Fehlen der Unterschrift um ein freiwilliges, bewusstes Unterlassen oder um ein unfreiwilliges, versehentliches Unterlassen
ge
handelt ha
t
(BGE 121 II 252 E.
4b; Urteil des Bundesgerichts 9C_739/2007 vom 2
8.
November 2007, E. 1.2). Beschwerdeschriften, deren Unterschrift fehlt, können nach dieser Rechtsprechung nur innert Nachfrist verbessert werden, wenn die Unterlassung unfreiwillig erfolgt ist, nicht aber, wenn diese bewusst geschieht.
3.4
Um ein solches bewusstes Fehlen der Unterschrift handelt es sich nach der Recht
sprechung insbesondere bei einer Übermittlung einer Beschwerde per Telefax. Denn eine mittels Telefax eingereichte Rechtsschrift enthält keine Ori
ginal-Unterschrift, da sie nur eine Kopie ist. Eine versicherte Person, die in voller Kenntnis des Mangels (Fehlen der Unterschrift) beim Bundesgericht eine Rechtsschrift mittels Telefax einreicht, indem sie sich auf die Gewährung einer Nachfrist zur Behebung des anfänglichen Mangels verlässt, rechne
t
in Wirklich
keit mit einer Verlängerung der Beschwerdef
rist. Ein solches Vorgehen kommt
einem Rechtsmissbrauch gleich und k
a
nn nicht geschützt werden (Urteil des Bundesgerichts 9C_739/2007 vom 2
8.
November 2007
,
E.
1.2
; vgl.
zum Beispiel
auch
die
Urteil
e
des Bundesgerichts
9C_221/2013
vom
26. März 2013
und 1B_556/2012 vom
2.
Oktober 2012
, E. 3, je mit Hinweisen
).
3.5
Der Beschwerdeführer reichte seine Einsprache mittels eines (keine Unterschrift aufweisenden)
E-
Mails ein (Urk. 9/1/018-021), obwohl die Beschwerdegegnerin
in der Rechtsmittelbelehrung ihrer Verfügung vom 2
3.
September 2014 explizit darauf hingewiesen hatte, dass die Einsprache auf dem Postweg zu erfolgen habe (Urk. 9/1/013).
Der Beschwerdeführer war sich des Formerfordernisses der schrift
lichen Eingabe auf dem Postweg offensichtlich bewusst. In seinem E
-M
ail an die Beschwerdegegnerin vom 2
4.
Oktober 2014, dem die Einsprache ange
hängt war, wies der Beschwerdeführer darauf hin, das Original der Einsprache sei auf dem Postweg unterwegs (Urk. 9/1/21). Das eigenhändig unterzeichnete Original der Einsprache traf in der Folge auch bei der Beschwerdegegnerin ein, jedoch erst nach Ablauf der
Einsprachefrist
am 3
1.
Oktober 201
4.
Der Beschwerdeführer hatte die Eingabe nicht am letzten Tag der Frist, dem 27. Oktober 2014, der Post übergeben, sondern erst am 3
0.
Oktober 2014 und damit verspätet (Urk. 9/1/23). Da der Beschwerdeführer den Sinn der Rechts
mittelbelehrung in der Verfügung vom 2
3.
September 2014 (Urk. 9/1/14) ver
standen und in seinem E
-M
ail vom 24. Oktober 2014 darauf hingewiesen hatte, das Original seiner Einsprache sei auf dem Postweg unter
wegs, bestand für die Beschwerdegegnerin kein Anlass, eine Nachfrist im Sinne von
Art.
10
Abs.
5 ATSV zur Behebung eines Formmangels anzusetzen. Dazu bestand auch deswe
gen kein Anlass, weil der Beschwerdegegnerin zum damaligen Zeitpunkt nicht bekannt war, dass der Beschwerdeführer nicht mehr durch seine Rechtsschutz
versicherung beraten und vertreten war. Soweit aktenkundig orientierte der
Beschwerdeführer die Beschwerdegegnerin nicht über den diesbezüglichen Ent
scheid der Orion vom 1
3.
Oktober 2014 (vgl.
Urk.
3). Die Beschwerdegegnerin verhielt sich somit korrekt, indem sie nach Erhalt des E
-M
ails des Beschwerde
führers vom 24. Oktober 2014 die angekün
digte Zusendung der schriftlichen Einsprache per Post abwartete. Da die
form
gültige
Einsprache indessen verspä
tet erfolgte, ist der
Nichteintretensentscheid
der Beschwerdegegnerin nicht zu beanstanden u
nd die hiergegen erhobene Beschwer
de
ist
abzuweisen.