# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b440d7e2-2acc-472a-a36a-eae7fc521bdd
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
1.
Die 1971 ge
borene
X._
, verheiratet und Mutter dreier schul
pflich
tiger Kinder, war
ab
1.
November 2005
mit einem Beschäftigungsgrad von 70 %
als Pfle
gehelferin im
Z._
angestellt
, als ihr
am 4. Ap
ril 2011
nach wie
derholten Arbeitsausfällen und Niederlegung der Arbeit
wegen mangelnder Belastungsfähigkeit per 30. Juni 2011 gekündigt wurde (Urk. 8/12)
.
A
m 28.
Februar 2011
meldete
sie
sich unter Hinweis auf
Genickschmerzen
, be
stehend
seit fünf Jahren,
zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung
an
(Urk.
8/1).
Nach Abklärung der medizinischen
(Urk. 8/6-8)
und erwerblich-b
e
ruflichen
(Urk.
8/9,
Urk.
8/12
)
Verhältnisse sowie Durchführung des
Vorbe
scheidverfahrens
(Vorbescheid vom 3. Januar 2012 [Urk. 8/17]) verneinte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, mit Verfügung vom 20. Juli 2012 (Urk. 2) einen Rentenanspruch der Versicherten.
2.
Dagegen erhob
X._
mit Eingabe vom 4.
September 2012
(Urk. 1)
Beschwerde und beantragte, die Verfügung vom 20.
Juli 2012 betref
fend Invalidenr
ente sei aufzuheben und ihr sei rückwirkend ab dem frühest
möglichen Zeitpunkt eine ganze Invalidenrente auszurichten. Eventualiter sei die IV-Stelle zu verpflichten, die gesetzlich vorgeschriebenen notwendigen me
dizinischen Abklärungen über ihren Gesundheitszustand beziehungsweise über ihre Arbeits- und Erwerbsfähigkeit
vorzunehmen oder zu veranlassen
. In ihrer Beschwerde
antw
ort vom 10.
Oktober 2012 (Urk.
7) schloss die IV-Stelle auf Ab
weisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 16.
Oktober 2012 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
9).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs.
1 des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu be
tä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.
4
Nach der Rechtsprechung
vermögen
s
omatoforme
Schmerzstörungen und
ande
re
pathogenetisch
-ätiologisch unklare
syndromale
Beschwerdebilder
ohne nach
weisbare organi
sche Gr
undlage
in der Regel keine lang dauernde, zu einer Inva
li
dität im Sinne von Art.
4 Abs.
1 IVG führende Einschränkung der Arbeitsfä
higkeit zu bew
irken (BGE 136 V 279 E. 3; 130 V 352 E. 2.2.2 und 2.2.3
; 132 V
65; 131 V 49; 130 V 396). Die
–
nur
in Ausnahmefällen anzunehmende –
Unzu
mutbarkeit eines Wiedereinstiegs in den Arbeitsprozess setzt das Vorliegen einer mitwirkenden, psychisch ausgewiesenen
Komorbidität
von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer oder aber das Vorhandensein anderer qualifi
zierter, mit gewisser Intensität und Konstanz erfüllter Kriterien voraus wie chro
nische körperliche Begleiterkrankungen
mit
mehrjährige
m
Krankheitsverlauf bei unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne längerfristige Remission, ein ausgewiesener sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens, ein verfestig
ter, therapeutisch nicht mehr angehbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer
Krank
heitsgewinn
) oder schliesslich unbefriedigende Behandlungsergebnisse trotz konsequent durchgeführter Behandlungsbemühungen (auch mit unter
schiedlichem therapeutischem Ansatz) und gescheiterte
Rehabilitationsmass
nahmen
bei vorhandener Motivation und Eigenanstrengung der versicherten Person
voraus (BGE 130 V 352 E. 2.2.3
). Je mehr dieser Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die entsprechenden Befunde darstellen, desto eher sind die Voraussetzungen für eine zumutbare Willensanstrengung zu
verneinen (BGE 137 V 64 E. 4.1
; 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.
5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Streitig und zu prüfen ist,
ob die Beschwerdeführerin eine Rente der Invaliden
versicherung beanspruchen kann.
2.2
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der angefochtenen Verfügung
(Urk. 2)
gestützt auf die Einschätzung ihres Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD)
im We
sent
lichen
auf den Standpunkt,
ein invalidisierender Gesundheitsschaden sei a
ufgrund
ihre
r
Abklärungen
nicht ausgewiesen. An dieser Auffassung hielt sie mit Beschwerdeantwort vom 10. Oktober 2012 (Urk. 7) fest.
2.
3
Dagegen brachte
die Beschwerdeführerin
zur Hauptsache
vor
,
gemäss
den Fest
stel
lungen der
behandelnden Ärzte
sei sie
für längere Zeit zu 100
%
arbeitsun
fähig. Auch der Krankentaggeldversicherer habe bisher eine Arbeitsunfähigkeit als begründet angesehen und Leistungen ausgerichtet.
Die Beschwerdegegnerin habe im Rahmen ihrer leistungsverweigernden Verfügung zu Unrecht auf die
Aktenbeurteilung
des RAD abgestellt
,
welche mangels einer persönlichen Unter
suchung keine differenzierte Auseinandersetzung mit ihren gesundheitlichen Beschwerden beinhalte und eine blosse Behauptung darstelle
. Damit erfülle sie die
bundesgerichtlichen Anforderun
gen
an einen beweiskräftigen
ärztlichen Be
richt nicht und
sei
recht
lich nicht verwertbar
(Urk. 1 S. 2-4)
.
3.
3.1
Die medizinische Aktenlage präsentiert sich wie folgt:
3.2
Vom 7. Dezember 2010 bis 31. Januar 2011 nahm die Beschwerdeführerin am Ambulanten Interdisziplinären Schmerz-P
rogramm (AISP) des
A._
, Rheumaklinik und Institut für Phy
sikalische Medizin, teil. Die Diagnosestellung im Abschlussb
ericht
vom 15. März 2011 (Urk.
8/6/11-13)
lautete
folgendermassen
(S. 1)
:
Chronisches
zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom beidseits
linksbe
tont
(EM 2006) mit/bei
Haltungsinsuffizienz, Kopf- und
Schulterprotraktion
a
usgeprägte
n
myofasziale
n
Befunde
n
occipital
und
Trapezius
beid
seits rechtsbetont
m
uskuläre
r
Dekonditionierung
Tendenz zur Schmerzausweitung in ein panvertebrales
Schmerzsyn
drom
Status nach HWS-Distorsionstrauma (Auffahrunfall) am
31.08.10 mit passagerer Schmerz
verstärkung
MRI HWS 14.09.2010: mediane
Diskusprotrusion
C4/5 ohne Kompres
sion
My
elon
/Wurzeln,
leichtgradige
Unkarthrose
C3/4 linksbetont und C4/5 rechtsbetont
Mittelgradige depressive Episode (F32.1)
Schwerer Vitamin D-Mangel (25-OH-Vitamin D 9.9ug/l)
Normozytäre
normochrome
Anämie
Anamnestisch Migräne ca. 1x/Monat
(
Ponstan
bei Bedarf)
Es wurde festgehalten
,
dass
die Beschwerdeführerin nicht regelmässig am Pro
gramm
zur Steigerung
der
Schmerz- und Belastungstoleranz
teilgenommen
ha
be
und teilweise
aus Müdigkeit einge
schlafen
sei
. Die Überforderung und das Dilemma mit der Doppelrolle Beruf und Haushalt hätten sie durch das ganze Programm begleitet und seien
das Hauptthema
in den psychologischen Gesprä
chen gewesen.
Im Verlauf hätten sich zu
nehmende
depressive Symptome,
eine
Erschöpfung und Schlafstörungen gezeigt.
In einer psychiatrischen Konsultation sei
eine mittelschwere depressive Episode diagnostiziert und eine daraus resul
tierende Arbeitsunfähigkeit attestiert worden
.
Die psychische Situation habe sicherlich einen wesentlichen Einfluss auf die Schmerzverarbeitung. Erschwe
rend komme eine Perspektivenlosigkeit dazu, wobei die Beschwerde
führerin
ange
ge
ben
habe,
sie könne sich
eine Wiederaufna
hme der Arbeit nicht vorstellen
(S. 2)
.
Im abschliessenden Gespräch sei der Beschwerdeführerin empfohlen worden, nach Programm
abbruch
weiterhin die Sitzungen
mit ihrem
türkischsprachi
g
en Psychiater wahrzunehmen und ein Abonnement für ein Fitness
c
enter zu lösen,
da auf eine aktive Therapie Wert gelegt werden sollte.
Sie
sei
erneut
auf den Teufelskreis Stress - vermehrte Muskelanspannung - Schmerz - Depression und
auf
die Notwendigkeit eines biopsychosozialen Ansatzes aufmerksam ge
macht worden
(S. 3)
.
3.
3
Der ab 15. Februar 2011 behandelnde
Dr. med.
B._
, Spezialarzt für Neurologie,
schloss
im
Bericht vom 13.
September 2011 (Urk.
8/6/6-7) an di
e
Be
schwerde
gegnerin
diagnostisch auf eine l
angdauernde
depressive Episode, aktuell
mittel
gradig und Angst ge
mischt, sowie ein g
eneralisiertes Schmerzsyndrom,
welches
seit Jahren
bestehe und in
letzter Zeit zugenommen
habe.
Er
erklärte
, die Beschwerdeführerin
lebe
seit Jahren in ungünstigen finanziel
len und
sozio
kultu
rellen Verhältnissen
. Die psychischen Beschwerden und die emotional-instabile Persönlichkeit ihres Ehemannes belaste sie täglich enorm
, wobei e
ine Scheidung nicht in Frage
komme
. Unter den ungünstigen Verhältnissen habe sich
der psy
chische
Gesundheitszustand
der Beschwerdeführerin
allmählich ver
schlechtert, sodass sie zuerst ein generalisiertes Schmerzsyndrom entwickelt habe
. Später
–
vor allem nach der Abtreibung von Zwillingen im Februar 2011
–
seien
auch de
pressive Symptome hinzugekommen
.
Er führe stützende Gespräche in türki
scher Sprache und eine medikamentöse Therapie durch. In letzter Zeit gehe es der Beschwerdeführerin etwas besser als
zu Beginn der Behandlung.
Jedoch
sei diese Besserung noch nicht genügend, damit sie alleine nach einer geeigneten Tätigkeit suchen
könnte. Sie sei gewillt, wieder zu arbeiten, falls sie sich wieder dazu in der Lage fühl
e
.
S
eit
7.
Februar 2011 bis aktuell
und
möglicherweise noch w
ährend einiger Monate bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 1
00
%
. Er könne sich gut vorstellen, dass
die Beschwerdeführerin
mit Hilfe der I
nvaliden
versicherung
in den nächsten Monaten
zunächst im Umfang von 50
% wieder in den Arbeitsp
rozess integriert werden könne
.
Die Prognose sei günstig.
3.
4
Ebenfalls vom 13.
September 2011 datiert
der
Bericht der ab 22.
September 2010 behandelnden
pract
. med.
C._
, Praktische Ärztin
,
zuhanden
der
Be
schwerde
gegnerin
(Urk.
8/7/1-
5
).
Darin nannte sie
folgende Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
Chronische Nacken-Schulter-
Myogelosen
mit Schmerzen (seit 2005)
Chronisches
z
ervikospondylogenes
Schmerzsyndrom (seit 2007)
Depressives Syndrom mit generalisiertem Schmerzsyndrom (seit
3/
2011)
Schwerer Vitamin D-Mangel (9.9
ug
/l; seit
3/
2011)
Ausgeprägte Anämie bei
Hypermenorrhoe
Haltungsinsuffizienz mit Tendenz zur Schmerzausweitung (seit
3/
2011)
Überlastungssyndrom
Pract
. med.
C._
befand
,
eine Arbeitstätigkeit sei der Beschwerdeführerin
d
er
zeit
nicht
zumutbar. Durch eine stationäre Kur mit Herausho
len aus der Belas
tungssituation, intensive Physio- und Psychotherapie sowie Konditionstraining könnten die Einschränkungen vermindert werden. Bei günstiger Prognose sei mit einer Wiederauf
nahme der beruflichen Tätigkeit zu rechnen
, wobei
jedoch
deren
Zeitpunkt und Umfang noch nicht festgelegt werden könnten.
3.
5
In der
RAD-
Stellungnahme
vom 10.
November 2011
(Urk. 8/16 S. 3 f.)
konsta
tierte
pract
. med.
D._
, Facharzt für Arbeitsmedizin,
versicherungsmedizi
nisch
gehörten die vorliegenden Diagnosen zu den ätiologisch-
pathogenetisch
unklaren
syndromale
n
Zustandsbildern ohne nachweis
bare organische Grund
lage. Eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit sei nicht ausgewie
sen.
Den Akten seien keine objektivierbaren anatomischen Befunde zu entnehmen, welche aus
versi
cherungsmedizinischer
Sicht eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit
zu
begründen
vermöchten
. Es lägen keine Anhaltspunkte für eine psychiatrische
Komorbidität
oder sonstige schwere Fun
ktionseinschränkun
gen vor.
3.
6
Z
uhanden des Krankentaggeldversicherers
berichtete Dr. med.
E._
, Fach
arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, am 20. Januar 2012 (Urk. 8/24), dia
gnostisch sei von einer
depress
iven Episode respektive
einer
Anpassungsstörung mit som
atisch-funktionellem Syndrom (Differenzialdiagnose
:
Schmerzproble
matik
auch als larvierte depressive Störung) auszugehen, wobei deren
Krank
heitswert
ausgewiesen sei. Aufgrund der Art, des Ausmasses und des
Schwere
grades
der Störung ohne Besserungstendenz sei eine stationär-psychiatrische Behandlung (mit ergotherapeutischer Aktivierung und Tagesstrukturierung) zu diskutieren. Er empfehle eine
Reevaluation
in
zwei bis drei Monaten
.
3.
7
In der Folge hielt der RAD
-Arzt
pract
. med.
D._
mit Stellungnahmen vom
6. März und 26. April 2012
(Urk. 8/27 S. 2 f.) an seiner Beurteilung fest
.
4.
4.
1
Aus der dargelegten medizinischen Aktenlage sowie den ü
brigen
ärztlichen
Unterlagen
geht hervor
,
dass die von der Beschwerdeführerin geklagten
gesund
heitlichen Beeinträchtigungen
im Wesentlichen
im Rahmen eines
Schmerzge
schehens
und
einer
mittelgradigen
depressiven Episode
beziehungsweise
einer
Anpassungsstörung
interpretiert wurden. Ein somatisches Korrelat,
welches
die geklagten Schmerzen zu erklären vermöchte, konnte im Rahmen der medizini
schen Abklärungen unbestrittenermassen nicht gefunden werden.
Folglich
ist in somatischer Hinsicht nicht von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auszu
gehen.
Dies gilt umso mehr, als die Ärzte eine
durch entsprechendes Training behebbare
muskuläre
Dekonditionierung
–
welche für die
Fra
ge einer invaliden
versicherungsrechtlich relevanten Arbeitsunfähigkeit ausser Acht zu lassen
ist –
als mitursächlich für die Be
schwerden betrachteten und eine aktive Therapie
befürworteten
(vgl. E. 3.2 und E. 3.4 hiervor)
.
4.
2
4.
2
.1
Die Frage, inwieweit b
eim vorliegenden
Krankheitsbild
eine allfällige Arbeitsun
fähigkeit aus medizinisch-psychiatrischer
Sicht
auch von
versicherungsrechtli
cher
Relevanz ist (Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG), be
urteilt sich nach
Massgabe
der
so genannten
Überwindbarkeitsr
echtsprechung
(vgl. E. 1.
4
hiervor)
.
4.
2
.2
Nach Lage der Akten ist d
as bei der Beschwerdeführerin diagnostizierte depres
sive Leiden
zum einen als Begleiterscheinung des Schmerz
geschehens
(vgl. ins
besondere E. 3.
3
hiervor)
,
zum anderen als Folge erhebliche
r
psychosoziale
r
und soziokulturelle
r
Belastung
en
(
Doppelrolle Beruf/
Haushalt,
Per
spektivenlosigkeit, finanzielle
Situation
,
schwierige
Beziehung zum
Ehe
gatten
ohne
Option
einer Scheidung,
Abtreibung von Zwillingen)
–
welche
vom
invaliden
versicherungs
rechtlichen
Standpunkt aus grundsätzlich unbeachtlich
sind
(
BGE 127 V 294 E.
5a
) –
zu verstehen.
Demzufolge
kann aus
sozialversicherungsrechtlicher Sicht nicht von einem selbstständigen, vom Schmerzsyndrom
respektive
von den psy
chosozialen
und soziokulturellen
Umständen losgelösten Leiden im Sinne einer
psychischen
Komorbidität
von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer
gesprochen
werden. Vielmehr ist
von
eine
r
(reaktive
n
) Begleiterscheinung des
syndromalen
Zustand
e
s
sowie
der
belastenden
psychosozialen
und
sozio
kulturellen Faktoren
auszugehen
.
Praxisgemäss stellen denn auch
mittelgradige depressive Episoden
in der Regel
keine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andau
ernde Depression im Sinne eines verselbständigten Gesundheitsschadens dar,
welche
es der be
troffenen Person verunmöglichte
, die Folgen der
Schmerzstö
rung
zu überwin
den
. Leichte bis höchstens mittelschwere psychische Störungen aus dem depressiven Formenkreis gelten grundsätzlich als therapeutisch
angeh
bar
(
Urteil des Bundesgericht
s
9C_266/2012
vom 29.
August 2012 E. 4.3.2). Alsdann ist e
ine
Anpassungsstörung im Grenzbereich dessen zu situieren, was überhaupt noch als krankheitswertig im Sinne des Gesetzes und potenziell in
validisierendes Leiden gelten kann (Urteil
des Bundesgerichts
9C_636/200
7 vom 28.
Juli 2008
E.
3.3.2).
Es
kommt
hinzu
, dass
die Beschwerdeführerin b
islang keine adäquate fachärzt
liche psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung wahrgenommen
hat, ver
füg
en doch weder
Dr.
B._
noch
pract
. med.
C._
über ein
en entsprechenden Fach
arzt
titel.
Demgemäss
sind die thera
peutischen Möglichkeiten noch
nicht ausge
schöpft.
Damit
kann
auch
v
on einem Sc
hei
tern einer konsequent durch
geführten am
bulan
ten oder stationären Behandlung (auch mit unterschiedli
chem therapeuti
schem An
satz) trotz kooperative
r Haltung der versicherten Per
son
nicht die Re
de sein
.
Ebenso wenig liegen eine erhebliche chronische körperliche
Begleiter
krankung
und ein mehrjähriger,
chronifizierter
Krankheitsverlauf mit unverän
derter oder progredienter Symptomatik ohne längerdauernde Rückbildung vor. Für einen sozialen Rückzug in allen Belangen des Lebens
sind in den Akten ebenfalls
keine Anhaltspunkte
auszumachen
.
Schliesslich gibt es a
uch keine Hinweise auf einen verfestigten, therapeutisch nicht mehr beeinflussbaren
in
nerseelischen
Verlauf, welcher die Schmerzsymptomatik als Ausdruck einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn) erscheinen liesse, wogegen ein aus der Krankenrolle gezoge
ner Nutzen (sekundärer Krankheitsgewinn) nicht auszu
schliessen ist.
Damit
ist keines der
massge
benden Morbiditätskriterien
(vgl. E.
1.
4 hiervor
)
erfüllt.
Folglich
besteht in rechtlicher Hinsicht kein Raum für die Annahme einer
psy
chisch bedingten Arbeitsunfähigkeit. Mit anderen Worten
bestehen aus juristi
scher Sicht keine hinreichenden Gründe dafür, dass die psychischen Ressourcen es der relativ jungen
Beschwerdeführerin
nicht erlaubten, trotz ihrer Schmerzen
eine Erwerbstätigkeit
–
wie sie bis
2010/2011
aus
geübt wurde
–
weiter
hin in vollem Umfang auszuüben.
4.2.
3
Vor diesem Hintergrund gibt es zu keiner Kritik Anlass, wenn die
Beschwerde
gegnerin
gestützt auf die Einschätzung ihres RAD-Arztes
pract
. med.
D._
das Vorliegen einer Invalidität im Rechtssinne verneinte.
Der
beschwerdeweise erhobenen
Rüge der fehlenden persönlichen Untersuchung
durch den
RAD
(Urk. 1 S. 3 f. Ziff. 10 und
Ziff.
15) ist nichts abzugewinnen
. Eine solche Vorkehr ist – wie in der Beschwerdeantwort
(
Urk. 7)
zutreffend fest
gehalten wurde – nicht zwingend
erforderlich.
N
ach Art. 49 Abs.
2
der Verord
nung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
führt der RAD für die Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs nur
"
bei Bedarf
"
selber
ärztliche Untersuchungen durch.
In den übrigen Fällen stützt er seine Be
urteilung auf die vorhandenen ärztlichen Unte
rlagen ab, weshalb
d
as Absehen von eigenen Untersuchungen
für sich alleine nicht
ein Grund
ist
, um eine
Ein
schätzung des RAD
in Frage zu stellen. Dies gilt insbesondere, wenn es
– wie
vorliegend
–
im Wesentlichen um die Beurteilung eines feststehenden medizini
schen Sachverhalts geht und die direkte ärztliche Befassung mit der versicher
ten Person in den Hintergrund rückt (Urteil
des Bundesgerichts 9C_323/2009 vom
14.
Juli 2009 E. 4.3.1 mit Hinweisen).
Ebenso wenig verfängt
das Argument
der Beschwerdeführerin
, der
Krankentag
geldversicherer
habe die von den behandelnden Ärzten
bescheinigte
Arbeitsun
fähigkeit anerkannt und Leistungen ausgerichtet (Urk. 1 S. 3 Ziff. 9). Der An
er
kennung der Leistungspflicht durch den Krankentaggeldversicherer kommt für die Invalidenversicherung keine Bindungswirkung zu.
4.3
Die vorhandene medizinische Aktenlage erlaubt eine verlässliche Beurteilung des Leistungsanspruches der Beschwerdeführerin.
Beweismässige Weiterun
gen
versprechen keine zusätzlichen Erkenntnisse, weshalb darauf
und insbesondere auf die eventualiter (Urk. 1 S. 2 und S. 4 Ziff. 16) beantragte polydisziplinäre Begutachtung am
F._
zu verzichten ist (an
tizipierte Beweiswürdigung; BGE 122 V 157 E.
1d).
4.4
Zusammenfassend steht nach dem Ausgeführten fest, dass bei
der Beschwerde
führerin in psychischer Hinsicht keine Invalidität im Rechtssinne vorliegt
.
Folg
lich erweist sich die angefochtene Verfügung vom 20. Juli 2012 (Urk. 2)
, mit welcher der Rentenanspruch der Beschwerdegegnerin verneint wurde, als rech
tens. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG), ermessensweise auf Fr. 600.-- an
zusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der unterliegenden Beschwerdeführe
rin aufzuerlegen.