# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 4f36e7ea-22e1-4a88-9cff-180f626ad039
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. A._, geboren am _2009, ist der Sohn von Y._ und X._. Die Eltern sind unverheiratet. Die Mutter Y._ ist alleinige Inhaberin der elterlichen Sorge. Der Vater X._ anerkannte das Kind vorgeburtlich am 16. November 2009.
B. Mit Entscheid vom 24. November 2010 wurde der Unterhalts- und Betreuungsvertrag zwischen X._ und A._ (vertreten durch seine Mutter) von der Vormundschaftsbehörde des Kreises Chur genehmigt. Darin einigten sich die Parteien über Betreuung und Unterhalt des Kindes für die Dauer des gemeinsamen Haushalts, regelten jedoch auch die elterliche Sorge, den Unterhalt sowie ein Besuchs- und Ferienrecht für den Fall der Auflösung des gemeinsamen Haushalts.
C. Nach verschiedenen Differenzen kam es zum Bruch der Beziehung und am 1. September 2012 zum Auszug von Y._ mit dem Sohn A._ aus der Liegenschaft von X._ in Chur. Da es bei der Ausübung des Besuchsrechts zu Unstimmigkeiten kam, erstattete X._ am 15. September 2012 bei der Vormundschaftsbehörde des Kreises Chur Meldung. In der Folge versuchten die Parteien unter Mithilfe der Vormundschaftsbehörde eine schriftliche Vereinbarung zu schliessen, worin neben den Besuchskontakten auch allgemeine Fragen betreffend Erziehung und Kommunikation unter den Eltern geregelt werden sollten. Eine Einigung kam jedoch vorderhand nicht zustande.
D. Am 17. Dezember 2012 liess X._ bei der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) Nordbünden Meldung erstatten, wonach er über das zögerliche Verhalten der KESB Nordbünden hinsichtlich der Mithilfe und Durchsetzung seiner Rechte ausserordentlich besorgt sei. Es seien teilweise krass falsche Auskünfte gegeben und Äusserungen gemacht worden, welche ein umgehendes Handeln und Eingreifen erfordern würden. Die Mutter habe A._ „hinterrücks“ auf den islamischen Namen „B._“ getauft und trage sich zudem mit dem Gedanken, den Knaben beschneiden zu lassen. Dagegen wolle er sich mit Entschiedenheit und Vehemenz zur Wehr setzen. Er liess die KESB Nordbünden auffordern, umgehend die notwendigen und erforderlichen Massnahmen zu treffen, um zu garantieren, dass die körperliche Unversehrtheit von A._ bestehen bleibe.
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E. Y._ führte im Rahmen einer Anhörung aus, ihr Sohn sei Muslim und so bei der Einwohnerkontrolle registriert. Sie erziehe ihn nach muslimischen Grundsätzen, wie dies in ihrer Familie gemacht werde. Sie wolle A._ aus Überzeugung beschneiden lassen und nicht, um den Vater zu verletzen. Die Beschneidung wolle sie in der Schweiz und nicht in Bosnien durchführen lassen. Seitens der KESB Nordbünden wurde sie schliesslich darauf hingewiesen, dass eine Beschneidung des Kindes gegen den Willen des Vaters die Elternkonflikte erheblich verschärfen und dadurch die persönliche Entwicklung des Kindes durch andauernde Loyalitätskonflikte gefährdet werden könnte. Y._ bestätigte daraufhin gegenüber der KESB Nordbünden schriftlich, dass sie mit einer Beschneidung bis im Frühling 2013 zuwarten werde.
F. Am 3. Januar 2013 liess X._ einen Teilentzug der elterlichen Sorge hinsichtlich des Entscheids der Beschneidung und die Anordnung von dringlichen vorsorglichen Massnahmen sowie die Errichtung einer Beistandschaft für A._ beantragen. Der Erziehungsbeistand habe die Ausübung der elterlichen Gewalt durch Y._ zu überwachen und zudem dafür zu sorgen, dass die angeordneten Massnahmen von ihr beachtet würden.
G. Nachdem beiden Parteien die Möglichkeit eingeräumt wurde, sich mündlich und schriftlich zur Sache zu äussern, erliess die KESB Nordbünden am 12. März 2013, mitgeteilt am 21. März 2013, den folgenden Entscheid:
„1. Die Eltern werden angewiesen:
a. an mindestens fünf Mediationsgesprächen (exkl. Erstgespräch) unter fachlicher Leitung von Rechtsanwältin lic. iur. Patrizia Parolini (Mediatorin SVM/SDM, Chur) und von lic. iur. Raymund Solèr (Mediator SDM, Chur) teilzunehmen und an der gemeinsamen Erarbeitung der Themen Verbesserung der elterlichen Kommunikation und Beschneidung von A._ aktiv mitzuwirken.
b. die von den Mediatoren festgelegten Termine wahrzunehmen.
2. Das Gesuch um Erlass superprovisorischer Massnahmen vom 3. Januar 2013 wird abgewiesen.
3. Für A._ wird eine Beistandschaft errichtet.
4. Die Beiständin erhält im Rahmen der Beistandschaft in Besuchsangelegenheiten (Art. 308 Abs.2 ZGB) folgende Aufgaben und Kompetenzen:
a. die Eltern von A._ im Bereich des Besuchsrechts angemessen zu beraten und nötigenfalls tatkräftig zu unterstützen; insbesondere:
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 die Kontakte zwischen A._ und dem Vater soweit nötig zu organisieren und zu überwachen (Beratung, Vermittlung, Vor- und Nachbetreuung);
 im Konfliktfall konkrete Regelungen festzulegen;
 mit den Eltern eine erweiterte schriftliche Besuchsregelung auszuarbeiten und der Behörde zur Genehmigung zu unterbreiten, wobei der KESB Nordbünden die Festlegung zu beantragen ist, wenn keine einvernehmliche Regelung ausgearbeitet werden kann;
b. dem Vater von A._ auf sein Verlangen Auskunft über dessen Entwicklung zu geben;
c. sämtlichen Beteiligten in Kinderbelangen als Ansprechperson zur Verfügung zu stehen.
5. Die Beiständin wird aufgefordert:
a. der KESB Nordbünden alle zwei Jahre einen schriftlichen Rechenschaftsbericht (Ausführungen über die Entwicklung von A._ sowie die Ausübung der Beistandschaft) einzureichen;
b. bei Hinweisen auf massgebliche Veränderungen der Lebensumstände von A._ während der Berichtsperiode die KESB Nordbünden mit einem Bericht zu informieren und allenfalls eine geeignete Anpassung oder die Aufhebung der Massnahme zu beantragen.
7. Als Beiständin für A._ wird C._ (Berufsbeistandschaft Rhäzüns-Trins) ernannt.
8. Die Verfahrenskosten werden auf Fr. 1‘365.-- festgesetzt.
9. Die Verfahrenskosten für diesen Entscheid (Ziff. 8) im Totalbetrag von Fr. 1‘365.-- werden den Eltern je zur Hälfte auferlegt (Y._ Fr. 682.50 und X._ Fr. 682.50).
10. Gegen die Ziffern 1 und 3 bis 9 dieses Entscheids kann innert 30 Tagen seit Mitteilung schriftlich und begründet Beschwerde beim Kantonsgericht von Graubünden, Poststrasse 14, 7002 Chur, erhoben werden (Art. 314 Abs. 1 i.V.m. Art. 450 ff. ZGB, Art. 60 Abs. 1 EGzZGB). Die Beschwerde hat aufschiebende Wirkung (Art. 450c ZGB).
11. Gegen Ziffer 2 dieses Entscheids kann innert 10 Tagen seit Mitteilung schriftlich und begründet Beschwerde beim Kantonsgericht von Graubünden, Poststrasse 14, 7002 Chur, erhoben werden (Art. 314 Abs. 1 i.V.m. Art. 445 Abs. 3 i.V.m. Art. 450 ff. ZGB, Art. 60 Abs. 1 EGzZGB). Die Beschwerde hat aufschiebende Wirkung.
12. (Eröffnung).
13. (Mitteilung).“
H. Gegen die Abweisung des Gesuchs um Erlass superprovisorischer Massnahmen vom 3. Januar 2013 liess X._ mit Eingabe vom 2. April 2013
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beim Kantonsgericht von Graubünden Beschwerde erheben. Der Vorsitzende der I. Zivilkammer trat jedoch mit Entscheid vom 9. April 2013 auf die Beschwerde nicht ein.
I. Mit Eingabe vom 23. April 2013 liess X._ in der Hauptsache Beschwerde gemäss Art. 450 ff. ZGB an das Kantonsgericht von Graubünden erheben, wobei er das folgende Rechtsbegehren stellte:
„1. Es seien die Dispositiv-Ziff. 1.a und 2. des angefochtenen Entscheides der Kollegialbehörde der KESB Nordbünden aufzuheben und durch folgende Neuregelung zu ersetzen:
1.1 Die Eltern werden angewiesen:
a. an mindestens fünf Mediationsgesprächen (exkl. Erstgespräch) unter fachlicher Leitung von Rechtsanwältin lic. iur. Patrizia Parolini (Mediatorin SVM/SWM, Chur) und von lic. iur. Raymond Solèr (Mediator SDM, Chur) teilzunehmen und an der gemeinsamen Erarbeitung des Themas „Verbesserung der elterlichen Kommunikation“ aktiv mitzuwirken.
1.2 Es wird Y._ die elterliche Sorge über A._ teilweise, nämlich mit Bezug auf einen allfälligen Entscheid, A._ einer Zirkumzision (Beschneidung) zu unterziehen, entzogen.
1.3 Y._ wird unter der ausformulierten Strafandrohung von Art. 292 StGB, wonach der, der von einer zuständigen Behörde oder einem zuständigen Beamten unter Hinweis auf die Strafdrohung dieses Artikels an ihn erlassenen Verfügung nicht Folge leistet mit Busse bestraft wird, verboten, den Sohn A._ einer Zirkumzision (Beschneidung) zu unterziehen.
2. Eventualiter sei die Dispositiv-Ziffer 1.a des angefochtenen Entscheides aufzuheben und durch die im vorstehenden Rechtsbegehren unter Ziff. 1.1 vorgesehene Neuregelung zu ersetzen und die Sache sei im Übrigen der KESB Nordbünden mit der Anweisung zurückzuweisen, das Gesuch des Beschwerdeführers vom 3. Januar 2013 um Teilentzug der elterlichen Sorge sowie den Antrag des Beschwerdeführers vom 12. März 2013 um Untersagung der Beschneidung zu behandeln und hierzu einen anfechtbaren Entscheid zu erlassen.
3. Unter voller Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin.“
J. In ihrer Stellungnahme vom 23. Mai 2013 beantragte die KESB Nordbünden, die Beschwerde sei, soweit darauf eingetreten werden könne, abzuweisen und die Kosten- und Entschädigungsfolgen seien nach Gesetz zu verlegen.
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K. Y._ liess mit Beschwerdeantwort vom 5. Juni 2013 das Rechtsbegehren stellen, auf die Beschwerde sei, unter Kosten- und Entschädigungsfolge, nicht einzutreten; eventualiter sei sie abzuweisen.
Auf die weiteren Ausführungen im angefochtenen Entscheid und in den Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
II. Erwägungen
1. Am 1. Januar 2013 ist das neue Kindes- und Erwachsenenschutzrecht in Kraft getreten. Gemäss Art. 14 Abs. 1 des Schlusstitels zum Schweizerischen Zivilgesetzbuch [ZGB, SR 210] gilt das neue Recht, sobald es in Kraft getreten ist. Vorliegend wurde das Abklärungsverfahren der KESB Nordbünden betreffend Beistandschaft für Anordnung vorsorglicher Massnahmen und Errichtung einer Bestandschaft mit Gesuch vom 3. Januar 2013 eröffnet, womit das neue Erwachsenenschutzrecht Anwendung findet.
2.a) Gemäss Art. 450 Abs. 1 ZGB kann gegen Entscheide der Erwachsenenschutzbehörde beim zuständigen Gericht Beschwerde erhoben werden. Diese Bestimmung ist entgegen dem Wortlaut des Gesetzes nicht nur auf das Verfahren vor der Erwachsenenschutzbehörde, sondern grundsätzlich ebenso im Kindesschutzverfahren anwendbar. Dies lässt sich aus Art. 440 Abs. 3 ZGB ableiten, wonach die Erwachsenenschutzbehörde auch die Aufgaben der Kindesschutzbehörde hat (vgl. Steck in: Handkommentar zum Schweizer Privatrecht, Personen- und Familienrecht, 2. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2012, N. 6 zu Vorb. ZGB 443 ff.). Nach Art. 60 Abs. 1 des Einführungsgesetzes zum Schweizerischen Zivilgesetzbuch [EGzZGB, BR 210.100] ist das Kantonsgericht von Graubünden die einzige kantonale Beschwerdeinstanz. Mit dem Terminus „Beschwerde“ knüpft der Gesetzgeber an die bisherige Vormundschaftsbeschwerde an (Art. 420 aZGB; Botschaft Erwachsenenschutz, 7083). Die Bestimmungen über die Zivilprozessordnung sind gemäss Art. 450f ZGB sinngemäss anwendbar, ein direkter Zusammenhang mit der Beschwerde nach Art. 319 ff. ZPO besteht jedoch nicht. Zur Beschwerde legitimiert sind nach Art. 450 Abs. 2 ZGB neben der am Verfahren beteiligten und damit von der Anordnung der KESB direkt betroffenen Person auch ihr nahestehende Personen. Die Beschwerdefrist beträgt gemäss Art. 450b Abs. 1 ZGB dreissig Tage seit
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Mitteilung des Entscheids der KESB. Die Beschwerde ist beim Gericht schriftlich und begründet einzureichen, wobei in formeller Hinsicht keine hohen Anforderungen gestellt werden dürfen (Steck, a.a.O., N 42 zu Art. 450a ZGB).

## Considerations