# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 966d5d98-6880-439f-addb-2d87c6ba2d5a
**Court:** CH_EDÖB
**Chamber:** CH_EDÖB_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** CH / Federation
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte stellt fest:
1. Der Bund gewährt seit 1959 im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen1 Bürgschaften an
Reedereien in der Hochsee-Schifffahrt. Bei Vorliegen der entsprechenden Voraussetzungen
kann der Bund Bürgschaften zur Finanzierung des Kaufs von Hochseeschiffen gewähren.
Damit schafft er Anreize, Hochseeschiffe unter Schweizer Flagge zu bereedern, um im
Bedarfsfall nötige Transportkapazitäten für die Schweiz zu sichern. Im Mai 2016 beauftragte der
Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung WBF die
Eidgenössische Finanzkontrolle EFK, im Rahmen einer Administrativuntersuchung die
Vergabepraxis für Bürgschaften im dafür zuständigen Bundesamt für wirtschaftliche
Landesversorgung BWL zu untersuchen. Ebenfalls untersucht wurden die Vorbereitungen für
die Erhöhung des Bürgschafts-Rahmenkredits im Jahr 2008 und der Umgang mit den
gestiegenen Risiken des Bundes seit Beginn der Krise in der Hochseeschifffahrt Ende 2008,
inklusive allfälliger Hinweise auf strafrechtlich relevante Tatbestände. Zudem wurde das BWL
auf Mängel in der Organisation geprüft.2
1 Bundesgesetz über die wirtschaftliche Landesversorgung (Landesversorgungsgesetz, LVG; SR 531); Verordnung über die
Verbürgung von Darlehen zur Finanzierung schweizerischer Hochseeschiffe (SR 531.44). 2 Medienmitteilung des WBF vom 27. Januar 2017: Massnahmen zur Sicherung der Bürgschaften des Bundes in der
Hochsee-Schifffahrt.
https://www.wbf.admin.ch/wbf/de/home/dokumentation/nsb-news_list.msg-id-65434.html https://www.wbf.admin.ch/wbf/de/home/dokumentation/nsb-news_list.msg-id-65434.html
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2. Nach Abschluss dieser Untersuchung gelangten mehrere Personen – darunter auch der
Antragsteller 1 (Journalist) – mit einem Zugangsgesuch gestützt auf das Bundesgesetz über
das Öffentlichkeitsprinzip der Verwaltung (Öffentlichkeitsgesetz, BGÖ; SR 152.3) an das WBF
und ersuchten um Offenlegung des Abschlussberichts der EFK zur besagten
Administrativuntersuchung „Gewährung und Begleitung von Bürgschaften für die Schweizer
Hochseeflotte“.
3. In Absprache mit der EFK erklärte sich das WBF für die Bearbeitung dieser Zugangsgesuche
zuständig. Es erachtete die Voraussetzungen für eine Zugangsgewährung grundsätzlich als
erfüllt. Die im Bericht enthaltenen Personendaten – insbesondere die Namen – beabsichtigte
das WBF soweit möglich zu anonymisieren. Mit Schreiben vom 8. Februar 2017 führte es bei
vier Personen, deren Daten im Bericht enthalten sind, eine Anhörung gemäss Art. 11 Abs. 1
BGÖ durch. Einer weiteren betroffenen Person war im Rahmen der Administrativuntersuchung
durch die EFK das rechtliche Gehör gewährt worden. Dabei hatte sie sich aus Gründen des
Persönlichkeitsschutzes gegen eine Veröffentlichung des Berichts ausgesprochen.
4. Von den vier nach Art. 11 Abs. 1 BGÖ angehörten Personen liessen sich drei vernehmen
(Antragstellende 2–4). Sie verlangten nebst einer vollständigen Zugangsverweigerung auch
eine umfassende Berichtigung des Berichts gemäss Art. 25 Abs. 3 Bst. a i.V.m. Art. 25bis des
Bundesgesetzes über den Datenschutz (DSG; SR 235.1). Die ihrer Ansicht nach über weite
Strecken fehlerhaften Inhalte des Berichts resultierten wesentlich aus dem Umstand, dass
ihnen in der Administrativuntersuchung zu keinem Zeitpunkt das rechtliche Gehör (Art. 29
Abs. 2 BV) gewährt worden sei. Eine Offenlegung dieses fehlerhaften und unter Verletzung
ihrer verfassungsmässigen Rechte zustande gekommenen Berichts würde ihre
Persönlichkeitsrechte in schwerwiegender Weise verletzen, weshalb der Zugang vollständig
verweigert werden müsse. Trotz der vom WBF vorgenommenen teilweisen Schwärzungen ihrer
Personendaten bleibe eine Identifizierung insbesondere aufgrund der bereits erfolgten
Medienberichterstattung ohne weiteres möglich.
5. In der Folge nahm die EFK einige Ergänzungen und Anpassungen am Bericht vor, welche laut
EFK aber keinen Einfluss auf ihre Einschätzungen und Schlussfolgerungen haben. Zu dieser
„neuen finalen Version“ des Berichts führte das WBF mit Schreiben vom 12. April 2017
abermals eine Anhörung nach Art. 11 Abs. 1 BGÖ bei den drei angehörten Personen durch, da
es die Voraussetzungen für eine teilweise Zugangsgewährung im ursprünglich vorgesehenen
Umfang nach wie vor als erfüllt erachtete.
6. Auch in den Stellungnahmen zur zweiten Anhörung sprachen sich die drei Personen weiterhin
gegen die beabsichtigte teilweise Zugangsgewährung aus und machten sinngemäss erneut
datenschutzrechtliche Ansprüche gemäss Art. 25 Abs. 3 DSG geltend. Im Wesentlichen
wiederholten sie ihre bereits anlässlich der ersten Anhörung vorgebrachten Einwände.
Zusätzlich machte der Antragsteller 2 geltend, dass auch die Ausnahmebestimmungen von
Art. 7 Abs. 1 Bst. a und b sowie Art. 8 Abs. 2 BGÖ einem Zugang entgegenstünden.
7. Diese Stellungnahmen liess das WBF auch der EFK zur Prüfung und Stellungnahme
zukommen. Am 23. Juni 2017 nahm die EFK gegenüber dem WBF zu den Eingaben der
angehörten Personen (insbesondere den Berichtigungsbegehren) je einzeln Stellung.
8. Mit Schreiben vom 28. Juni 2017 liess das WBF den Antragstellenden 2–4 je eine
abschliessende Stellungnahme gemäss Art. 11 Abs. 2 BGÖ zukommen. Unter Hinweis auf die
rechtlichen Vorgaben von Art. 9 BGÖ i.V.m. Art. 19 Abs. 1bis DSG teilte das WBF ihnen mit, es
halte in Bezug auf die Personendaten an seiner bisherigen Einschätzung fest. Sie hätten in
ihren Stellungnahmen nicht darzulegen vermocht, dass ein überwiegendes privates Interesse
am Schutz ihrer Personendaten bestehe bzw. überwiegende Nachteile zusätzliche
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Einschwärzungen nötig machen würden. In Bezug auf die Berichtigungsbegehren verwies das
WBF auf die beigefügte Stellungnahme der EFK vom 23. Juni 2017 (vgl. Ziff. 7), welche
integraler Bestandteil seiner eigenen Stellungnahme bilde. Demnach würde jedes über die
überarbeitete Fassung des Berichts der EFK hinausgehende Berichtigungsbegehren abgelehnt.
Dem Antragsteller 2 teilte das WBF zudem mit, die weiteren von ihm vorgebrachten
Ausnahmegründe (Art. 7 Abs. 1 Bst. a und b sowie Art. 8 Abs. 2 BGÖ) könnten keinesfalls eine
komplette Zugangsverweigerung rechtfertigen. Mit Blick auf das Verhältnismässigkeitsprinzip
habe das WBF lediglich die Empfehlung Nr. 5 im Bericht eingeschwärzt, da deren Bekanntgabe
die zielkonforme Durchführung konkreter behördlicher Massnahmen beeinträchtigen könnte
(Art. 7 Abs. 1 Bst. b BGÖ).
9. Mit E-Mail vom 29. Juni 2017 nahm das WBF auch gegenüber den Zugangsgesuchstellenden
abschliessend Stellung (Art. 12 Abs. 4 BGÖ) und stellte ihnen einen teilweisen Zugang zum
Bericht in Aussicht. Das WBF erklärte, dass es zum Schutz der Privatsphäre der betroffenen
Personen deren Namen einschwärze. Soweit im Bericht aber Funktionen erwähnt würden, habe
es diese grundsätzlich nicht geschwärzt. Solche Textstellen mit Bezug zu Personendaten
beabsichtige es nur dann abzudecken, wenn deren Bekanntmachung überwiegende Nachteile
für die betroffenen Personen zur Folge haben könnte. In diesem Zusammenhang sei
berücksichtigt worden, dass Verwaltungsangestellte in höherer Führungsfunktion sowie
Personen, denen bedeutende Vorteile aufgrund einer rechtlichen oder faktischen Beziehung zu
einer Behörde erwachsen, sich weitergehende Eingriffe in die Privatsphäre gefallen lassen
müssten. Zudem werde gestützt auf Art. 7 Abs. 1 Bst. b BGÖ eine im Bericht enthaltene
Empfehlung der EFK geschwärzt.
10. In der Folge reichten ein Zugangsgesuchsteller sowie die drei angehörten Personen zwischen
dem 7. und dem 22. Juli 2017 je einen Schlichtungsantrag beim Eidgenössischen Datenschutz-
und Öffentlichkeitsbeauftragten (Beauftragter) ein. Die Antragstellenden 2–4 (angehörte
Drittpersonen) beantragen eine vollständige Zugangsverweigerung und begründen dies im
Wesentlichen erneut damit, dass der Bericht auf einem widerrechtlichen Verfahren beruhe und
insbesondere unter Verletzung des rechtlichen Gehörs zustande gekommen sei. Zudem seien
der Bericht bzw. die darin enthaltenen Personendaten nach wie vor fehlerhaft und folglich zu
berichtigen. Der Antragsteller 2 befürchtet im Fall einer Offenlegung des Dokuments zudem
eine Beeinträchtigung wichtiger politischer Entscheide und Prozesse. Demgegenüber hält der
Antragsteller 1 (Zugangsgesuchsteller) angesichts der Vorkommnisse einen vollständigen,
ungeschwärzten Zugang für angezeigt.
Nach Eingang der Schlichtungsanträge bestätigte der Beauftragte jeweils sogleich deren Erhalt
und teilte den Antragstellenden gleichzeitig mit, dass er die Frist für das Schlichtungsverfahren
gestützt auf Art. 12a Abs. 2 der Verordnung über das Öffentlichkeitsprinzip der Verwaltung
(VBGÖ; SR 152.31) angemessen verlängert.
11. Da der Beauftragte aus prozessökonomischen Gründen auf mündliche
Schlichtungsverhandlungen verzichtete, gab er den Antragstellenden mit Schreiben vom
3. August 2017 Gelegenheit zur schriftlichen Stellungnahme (Art. 12 Abs. 2 VBGÖ). In der
Folge reichten die Antragstellenden 2–4 dem Beauftragten je eine ergänzende Stellungnahme
ein. In ihren Schreiben führten die drei Personen sinngemäss aus, dass ein öffentliches
Interesse am Zugang nur hinsichtlich korrekten und rechtmässig erhobenen Informationen
bestehen könne, was vorliegend mangels Richtigkeit der Personendaten und des rechtswidrig
zustande gekommenen Untersuchungsergebnisses nicht der Fall sei. Folglich überwiege der
Privatsphärenschutz und der Zugang sei zu verweigern.
12. Auf Aufforderung des Beauftragten reichte das WBF (in Kenntnis und nach Absprache mit der
EFK) am 7. August 2017 die relevanten Vorakten sowie den zur Diskussion stehenden
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Administrativuntersuchungsbericht der EFK ein. Zur Begründung der beabsichtigten teilweisen
Zugangsgewährung verwies es vollumfänglich auf seine Ausführungen in den Stellungnahmen
an die Antragstellenden.
13. Auf die weiteren Ausführungen der Antragstellenden und des WBF bzw. der EFK sowie auf die

## Considerations

eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den folgenden Erwägungen eingegangen.
II. Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte zieht in Erwägung:
14. Der Antragsteller 1 reichte ein Zugangsgesuch nach Art. 10 BGÖ beim WBF ein. Dieses
verweigerte den Zugang zu dem verlangten Dokument teilweise. Der Antragsteller 1 ist als
Teilnehmer an einem vorangegangenen Gesuchsverfahren zur Einreichung eines
Schlichtungsantrags berechtigt (Art. 13 Abs. 1 Bst. a BGÖ).
15. Die Antragstellenden 2–4 wurden nach Art. 11 Abs. 1 BGÖ angehört. Als betroffene Dritte
nahmen sie ebenfalls an dem vorangegangenen Gesuchsverfahren teil und sind somit ebenfalls
zur Einreichung eines Schlichtungsantrags berechtigt (Art. 13 Abs. 1 Bst. c BGÖ).
16. Die Schlichtungsanträge wurde formgerecht (einfache Schriftlichkeit) und fristgerecht (innert 20
Tagen nach Empfang der Stellungnahme der Behörde) beim Beauftragten eingereicht (Art. 13
Abs. 2 BGÖ). Die Schlichtungsanträge betreffen alle dasselbe Dokument. Deshalb rechtfertigt
es sich, die Schlichtungsverfahren zu vereinigen und mit einer Empfehlung zu erledigen.
17. Das Schlichtungsverfahren findet auf schriftlichem Weg oder konferenziell (mit einzelnen oder
allen Beteiligten) unter Leitung des Beauftragten statt, der das Verfahren im Detail festlegt.3
Kommt keine Einigung zustande oder besteht keine Aussicht auf eine einvernehmliche Lösung,
ist der Beauftragte gemäss Art. 14 BGÖ gehalten, aufgrund seiner Beurteilung der
Angelegenheit eine Empfehlung abzugeben.
Zuständigkeit der Behörde
18. Gemäss Art. 10 Abs. 1 BGÖ ist das Zugangsgesuch an die Behörde zu richten, die das
Dokument erstellt oder von Dritten, die nicht diesem Gesetz unterstehen, als Hauptadressatin
erhalten hat. Sowohl das WBF wie auch die EFK fallen in den persönlichen Geltungsbereich
des Öffentlichkeitsgesetzes (Art. 2 Abs. 1 Bst. a BGÖ). Als Erstellerin des Dokuments ist die
EFK grundsätzlich nach Art. 10 Abs. 1 BGÖ als zuständige Behörde zu betrachten. Auch
gemäss Bundesverwaltungsgericht ist in einer Konstellation, in welcher eine Behörde ein
Dokument von einer anderen dem BGÖ ebenfalls unterstehenden Behörde (als
Hauptadressatin) erhalten hat, Letztere – im konkreten Fall also die EFK – zuständig.4 Um den
Interessen der ersuchenden Behörde Rechnung zu tragen, sieht Art. 11 Abs. 4 VBGÖ in
solchen Fällen vor, dass diese von der erstellenden Behörde vor der Stellungnahme anzuhören
ist. Gemäss den öffentlichkeitsgesetzlichen Vorgaben wäre demnach die EFK für die
Durchführung des Zugangsverfahrens zuständig gewesen.
19. Vorliegend hat sich aber das Generalsekretariat des WBF (in Absprache mit der EFK) für die
Bearbeitung des Zugangsgesuchs zuständig erklärt. Dieses Vorgehen wurde den beteiligten
Personen kommuniziert und von diesen soweit erkennbar akzeptiert. Begründet wurde diese
Zuständigkeitsregelung damit, dass die EFK die Administrativuntersuchung nicht aus eigener
Initiative gestützt auf ihre aufsichtsrechtlichen Aufgaben gemäss Finanzkontrollgesetz (SR
3 Botschaft zum Bundesgesetz über die Öffentlichkeit der Verwaltung (Öffentlichkeitsgesetz, BGÖ) vom 12. Februar 2003,
BBl 2003 2024. 4 Urteil des BVGer A-931/2014 vom 9. Dezember 2014 E. 5.2.1.
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614.0), sondern im Auftrag des WBF erstellt habe. Demnach vertreten das WBF und die EFK
offenbar die Auffassung, dass die EFK die Administrativuntersuchung gewissermassen als
private Dritte und nicht in ihrer Funktion als Bundesbehörde durchgeführt hat.
20. Ob dieser Umstand zutrifft, und deshalb von der öffentlichkeitsgesetzlichen
Zuständigkeitsregelung abgewichen werden kann, kann der Beauftragte gestützt auf die ihm
vorliegenden Informationen nicht abschliessend beurteilen. Sollten das WBF und die EFK an
ihrer Sichtweise festhalten wollen, empfiehlt er dem WBF, dies in der allenfalls im Nachgang zu
diesem Schlichtungsverfahren erforderlichen Verfügung detaillierter zu begründen.
21. Der Beauftragte prüft nach Art. 12 Abs. 1 VBGÖ die Rechtmässigkeit und die Angemessenheit
der Beurteilung des Zugangsgesuches durch die Behörde. Er prüft damit im
Schlichtungsverfahren einerseits beispielsweise, ob die Behörde den Begriff des amtlichen
Dokumentes (Art. 5 BGÖ) sowie die in Art. 7 f. BGÖ vorgesehenen Ausnahmeklauseln oder die
Bestimmungen in Bezug auf den Schutz der Personendaten (Art. 9 BGÖ) rechtmässig
angewendet hat.5 Die von den Antragstellenden 2–4 aufgeworfenen Fragen zur
Rechtmässigkeit der Administrativuntersuchung sowie damit zusammenhängende Fragen des
rechtlichen Gehörs können demgegenüber nicht in einem Schlichtungsverfahren nach
Öffentlichkeitsgesetz beurteilt werden.6 Im Schlichtungsverfahren hat der EDÖB nur über den
Zugang zu einem amtlichen Dokument gemäss den Vorgaben des Öffentlichkeitsgesetzes zu
befinden (Art. 12 VBGÖ). Was die im Schlichtungsverfahren erneut gestellten
datenschutzrechtlichen Begehren (insb. Berichtigungen) gemäss Art. 25 Abs. 3 DSG anbelangt,
so verweist der Beauftragte auf Art. 25 Abs. 4 DSG, wonach sich das Verfahren bei
Rechtsbegehren nach Art. 25 Abs. 1-3 DSG nach dem Bundesgesetz über das
Verwaltungsverfahren (VwVG; SR 172.021) richtet. Demnach hat die zuständige Behörde
darüber mittels Verfügung zu entscheiden.7
22. Gegenstand des Zugangsgesuchs ist der Administrativuntersuchungsbericht „Gewährung und
Begleitung von Bürgschaften für die Schweizer Hochseeflotte“. Massgebend ist dabei die „neue
finale Fassung“ vom 4. April 2017. Es ist vorliegend unbestritten, dass es sich dabei um ein
amtliches Dokument im Sinne von Art. 5 Abs. 1 BGÖ handelt, für welches die gesetzliche
Vermutung des Zugangs gilt. Nachfolgend gilt es zu prüfen, ob dem Zugang
Ausnahmebestimmungen des Öffentlichkeitsgesetzes entgegenstehen.
Art. 7 Abs. 1 Bst. a und b / Art. 8 Abs. 2 BGÖ
23. Der Antragsteller 2 ist der Ansicht, dass eine Offenlegung des Berichts zu einer
Beeinträchtigung der freien Meinungs- und Willensbildung der Behörden gemäss Art. 7 Abs. 1
Bst. a BGÖ führen sowie die zielkonforme Durchführung von konkreten behördlichen
Massnahmen i.S.v. Art. 7 Abs. 1 Bst. b BGÖ beeinträchtigen könnte. So sei momentan weder
der Verkauf der Schiffe noch die Liquidation der Gesellschaften gesichert. In dieser Situation
würde eine erneute mediale Aufmerksamkeit den mit grossem Aufwand vorangetriebenen
Prozess in klarer Weise stören. Überdies sei der politische bzw. administrative Entscheid, für
dessen Zweck die Administrativuntersuchung unter anderem angeordnet worden sei, im
heutigen Zeitpunkt noch nicht gefällt, da insbesondere noch nicht alle von der EFK
abgegebenen Empfehlungen umgesetzt seien (Art. 8 Abs. 2 BGÖ).
24. Dem entgegnet das WBF in seiner abschliessenden Stellungnahme an den Antragsteller 2,
5 GUY-ECABERT, in: Brunner/Mader [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum BGÖ, Bern 2008 (zit. Handkommentar BGÖ),
Art. 13, Rz 8. 6 Vgl. Empfehlung EDÖB vom 14. Oktober 2015: GS-EDI / Administrativuntersuchung, Ziff. 31; Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts A-8073/2015 vom 13. Juli 2016 E. 6.2.4. 7 JÖHRI, Handkommentar DSG, Zürich 2008, Art. 25, N 37.
https://www.edoeb.admin.ch/oeffentlichkeitsprinzip/00889/01238/index.html?lang=de&download=NHzLpZeg7t,lnp6I0NTU042l2Z6ln1acy4Zn4Z2qZpnO2Yuq2Z6gpJCDdoR6g2ym162epYbg2c_JjKbNoKSn6A--
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dass eine Veröffentlichung des Berichts keinen massgeblichen Einfluss auf den Verkauf der
Schiffe und die Liquidation der Gesellschaften sowie auf die Meinungs- und Willensbildung des
Bundes in dieser Hinsicht habe. Zudem seien die von der EFK abgegebenen Empfehlungen
grösstenteils bereits umgesetzt, weshalb die Meinungsbildung diesbezüglich nicht (mehr)
beeinträchtigt werden könne. Auch hinsichtlich den noch nicht umgesetzten Empfehlungen
werde die freie Meinungsbildung durch eine Offenlegung nicht beeinträchtigt. Lediglich bei der
Empfehlung Nr. 5 sei von einem beträchtlichen materiellen Gewicht für einen allfällig noch zu
treffenden Entscheid auszugehen, weshalb dieser auch gestützt auf Art. 8 Abs. 2 BGÖ
eingeschwärzt werde. In erster Linie erfolge diese Schwärzung der Empfehlung Nr. 5 aber
gestützt auf Art. 7 Abs. 1 Bst. b BGÖ, da ihre Bekanntgabe die zielkonforme Durchführung
konkreter behördlicher Massnahmen beeinträchtigen könnte.
25. Soweit sich das WBF und die EFK bei einer Offenlegung des Berichts nicht in ihrer freien
Meinungs- und Willensbildung beeinträchtigt fühlen und auch die Umsetzung von allenfalls noch
ausstehenden Massnahmen nicht gefährdet sehen, besteht nach Auffassung des Beauftragten
kein Raum für die Anwendung der vom Antragsteller 2 vorgebrachten Ausnahmegründe. Es
wäre kaum haltbar, ein behördliches Interesse an einer Zugangsverweigerung zu schützen,
welches diese Behörde für sich selbst gar nicht in Anspruch nehmen will. Was die vom WBF
vorgenommene Schwärzung der Empfehlung Nr. 5 anbelangt, auf deren Inhalt der Beauftragte
in dieser Empfehlung nicht näher eingehen darf (Art. 13 Abs. 2 VBGÖ), erachtet er diese mit
Blick auf Art. 7 Abs. 1 Bst. b BGÖ zum jetzigen Zeitpunkt als recht- und verhältnismässig.
Schutz von Personendaten
26. Ein bedeutender Teil der im Bericht enthaltenen Informationen können den antragstellenden
Drittpersonen zugeordnet werden. Zum Schutz der Privatsphäre der Antragstellenden 2–4 und
weiteren erwähnten Personen hat das WBF deren Namen – nicht aber ihre Funktion –
geschwärzt. Weitere mit diesen Personendaten in Zusammenhang stehende Passagen hat das
WBF nach eigener Aussage nur dann geschwärzt, wenn deren Offenlegung überwiegende
Nachteile für die betroffene Person zur Folge haben könnte. Aufgrund der nicht geschwärzten
Funktionsbezeichnungen, der übrigen Inhalte des Berichts sowie der bereits erfolgten
Medienberichterstattung lassen sich namentlich die Antragstellenden 2–4 jedoch weitgehend
identifizieren. Es handelt sich folglich trotz Schwärzung der Namen um nicht anonymisierbare
Personendaten.8 Gemäss Art. 7 Abs. 2 BGÖ kann der Zugang ausnahmsweise trotz möglicher
Beeinträchtigung der Privatsphäre Dritter gewährt werden, wenn das öffentliche Interesse am
Zugang überwiegt.
27. Zugangsgesuche, die sich – wie vorliegend – auf amtliche Dokumente beziehen, welche nicht
anonymisiert werden können, sind nach Art. 19 DSG zu beurteilen (Art. 9 Abs. 2 BGÖ). Gemäss
Art. 19 Abs. 1bis DSG dürfen Behörden im Rahmen ihrer Informationstätigkeit von Amtes
wegen oder gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz Personendaten bekannt geben, wenn die
betreffenden Personendaten im Zusammenhang mit der Erfüllung öffentlicher Aufgaben stehen
(Bst. a) und an deren Bekanntgabe ein überwiegendes öffentliches Interesse besteht (Bst. b).
Im Rahmen dieser Interessenabwägung werden die konkret auf dem Spiel stehenden
Interessen gegeneinander abgewogen. Die Gewichtung hat insbesondere anhand der in Frage
stehenden Daten, der Funktion bzw. Stellung der betroffenen Personen sowie möglicher
Konsequenzen der Bekanntgabe zu erfolgen.9
8 Auch wenn durch die vorgenommenen Schwärzungen keine Anonymisierung im eigentlichen Sinne resultiert, kann sie mit
Blick auf das Verhältnismässigkeitsprinzip gemäss Bundesverwaltungsgericht dennoch angezeigt sein (A-8073/2015 vom
13. Juli 2016 E. 6.3). 9 Urteil des BVGer A-8073/2015 vom 13. Juli 2016 E. 6.1.3.
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28. Hinsichtlich der Funktion und Stellung der betroffenen Person ist zu unterscheiden zwischen
Personen des öffentlichen Lebens bzw. Verwaltungsangestellte in höheren Führungsfunktionen,
hierarchisch nachgeordneten Verwaltungsangestellte und privaten Dritten.
Verwaltungsangestellte können im Zusammenhang mit ihrer öffentlichen Funktion ihren
Privatsphärenschutz nicht im gleichen Masse geltend machen wie private Dritte. Es ist jedoch
auch innerhalb der Verwaltungsangestellten zwischen höheren Führungspersonen und
hierarchisch nachrangigem Behördenpersonal zu unterscheiden. Verwaltungsangestellte in
höheren Führungsfunktionen müssen sich unter Umständen auch die Bekanntgabe von
besonders schützenswerten Personendaten gefallen lassen. Hierarchisch nachgeordnete
Verwaltungsangestellte müssen sich zumindest gefallen lassen, dass bekannt wird, wer ein
bestimmtes Dokument verfasst hat oder für ein bestimmtes Geschäft zuständig war.
Unabhängig von der Stellung der Person dürfen Personendaten nur bekannt gegeben werden,
wenn dies keine überwiegenden Nachteile für den Betroffenen zur Folge hat.10
29. Auf der anderen Seite ist das öffentliche Interesse am Zugang zu amtlichen Dokumenten zu
berücksichtigen. Zum (allgemeinen) Interesse an der Öffentlichkeit der Verwaltung (Art. 1 BGÖ)
können weitere besondere Informationsinteressen der Öffentlichkeit treten.11 Gemäss Art. 6
Abs. 2 VBGÖ kann das öffentliche Interesse am Zugang namentlich dann überwiegen, wenn
die Zugänglichmachung einem besonderen Informationsinteresse aufgrund wichtiger
Vorkommnisse dient (Bst. a) oder wenn die betroffene Person zu einer dem
Öffentlichkeitsgesetz unterstehenden Behörde in einer rechtlichen oder faktischen Beziehung
steht, aus der ihr bedeutende Vorteile erwachsen (Bst. c).
30. Das Bundesverwaltungsgericht hat in einem vergleichbaren Fall festgehalten, dass der
Verdacht auf verwaltungsinterne Missstände dem Interesse nach Transparenz besonderes
Gewicht verleiht. Das öffentliche Interesse richte sich hierbei nicht lediglich auf den Gegenstand
der Administrativuntersuchung, sondern auch auf die Untersuchung selbst als
Verwaltungstätigkeit. Beides schlage sich im Schlussbericht der Untersuchung nieder und
erreiche die Qualität von wichtigen Vorkommnissen i.S.v. Art. 6 Abs. 2 Bst. a VBGÖ.12
31. Vorliegend lässt bereits der Umstand, dass sich das WBF veranlasst sah, eine
Administrativuntersuchung durchführen zu lassen, auf die Bedeutung der Ereignisse rund um
die Bürgschaftsvergabe für die Schweizer Hochseeflotte schliessen. Darüber hinaus sprechen
die darauf folgende und immer noch anhaltende intensive mediale Berichterstattung und die
mittlerweile begonnene politische Aufarbeitung dieser Angelegenheit für ein überaus
gewichtiges öffentliches Interesse am Zugang zu entsprechenden Informationen. Auch mit Blick
auf die drohenden bzw. bereits feststehenden finanziellen Verluste für den Bund bzw. den
Steuerzahler erscheint die Schaffung von Transparenz vorliegend als in höchstem Masse von
öffentlichem Interesse.
32. Die im Bericht enthaltenen Personendaten beziehen sich auf aktuelle und ehemalige
Verwaltungsangestellte in höheren Führungsfunktionen, die zudem direkt oder zumindest
mittelbar aufgrund ihrer Funktion an der Gewährung von Bürgschaften beteiligt waren, und auf
eine private Drittperson. Letztere stand in einer rechtlichen oder faktischen Beziehung zum
Bund, aus der ihr bedeutende Vorteile erwachsen sind (Art. 6 Abs. 2 Bst. c VBGÖ). Folglich
haben diese Personen es grundsätzlich eher hinzunehmen, dass Informationen über sie bzw.
ihre berufliche Tätigkeit und ihre Verbindungen zur Verwaltung offengelegt werden.
10 Urteil des BVGer A-6054/2013 vom 18. Mai 2015 E. 4.2.2; Urteil des BVGer A-6738/2014 vom 23. September 2015
E. 5.1.3.1. 11 Urteil des BVGer A-8073/2015 vom 13. Juli 2016 E. 6.1.5. 12 Urteil des BVGer A-8073/2015 vom 13. Juli 2016 E. 6.2.3.1.
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33. Die Vorbringen der antragstellenden Drittpersonen zielen primär auf allfällige (formelle) Fehler
bei der Administrativuntersuchung sowie angebliche inhaltliche Mängel im Bericht. Wie bereits
erwähnt, ist dies jedoch nicht Gegenstand des Schlichtungsverfahrens (vgl. Ziff. 21). Losgelöst
von diesen Argumenten der Antragstellenden ist aber davon auszugehen, dass die Inhalte des
Berichts deren Persönlichkeit berühren. Der Bericht weist auf eine Reihe von Mängeln bei der
Vergabe der Bürgschaften und der Erhöhung des Bürgschaft-Rahmenkredits hin13 und gibt
folglich unter Umständen auch Aufschluss über mögliches individuelles Fehlverhalten, was bei
Bekanntgabe durchaus negative Auswirkungen für die Betroffenen haben dürfte. Angesichts
des überaus gewichtigen öffentlichen Interesses am Zugang zum Bericht bzw. den Ergebnissen
der Untersuchung vermögen diese privaten Interessen jedoch nicht zu überwiegen. Das WBF
hat den Bedenken der Antragstellenden 2–4 insoweit Rechnung getragen, als es gewisse
Passagen eingeschwärzt hat (vgl. Ziff. 26). Dieses Vorgehen der Behörde erscheint dem
Beauftragten angemessen und verhältnismässig und im Einklang mit der einschlägigen
Rechtsprechung über die Bekanntgabe von Personendaten.
34. Die geschwärzten Personendaten betreffen jedoch nicht nur die antragstellenden Dritten,
sondern auch eine weitere Person, der zwar im Rahmen der Administrativuntersuchung das
rechtliche Gehör gewährt wurde, die aber im Zugangsgesuchsverfahren nicht nach Art. 11 BGÖ
angehört worden ist und demnach auch keinen Schlichtungsantrag eingereicht hat.
Insbesondere was die im Zusammenhang mit diesen Personendaten geschwärzten Passagen
in den Ziffern 1.4, 2.2, 2.4, 2.6, 4.6.2 und 4.10.2 (und die entsprechenden Schwärzungen im
Inhaltsverzeichnis) anbelangt, ist für den Beauftragten nicht ersichtlich, ob diese Abdeckungen
aus datenschutzrechtlichen oder aus anderen Gründen erfolgten. Da in den Akten nichts auf
eine Anhörung nach Art. 11 BGÖ namentlich zur vorliegend massgebenden „finalen Fassung“
hindeutet, ist für den Beauftragten nicht ersichtlich, ob – zumindest in Bezug auf die oben
erwähnten Passagen – tatsächlich private Geheimhaltungsinteressen geltend gemacht werden.
Folglich empfiehlt der Beauftragte, diese Schwärzungen nach Anhörung der betroffenen Person
nochmals zu überprüfen.