# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 77d8d56a-51ec-436e-b6c0-cc74b84ee1cc
**Court:** ZH_HG
**Chamber:** ZH_HG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Forderung
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Inhaltsverzeichnis:
I. Sachverhalt und Verfahren ................................................................................ 3 A. Parteien ...................................................................................................... 3 B. Kontext und Prozessgegenstand ................................................................ 3 C. Prozessverlauf ............................................................................................ 4 D. Beweisvorbringen der Parteien ................................................................... 6
II. Erwägungen ..................................................................................................... 6 1. Formelles ........................................................................................................ 6
1.1. Zuständigkeit ........................................................................................... 6 1.2. Anwendbares Recht ................................................................................ 7 1.3. Noveneingaben ....................................................................................... 7
2. Die klägerische Forderung im Überblick ......................................................... 7 2.1. Zusammensetzung .................................................................................. 7 2.2. In Abzug gebrachter Rückbehalt und Strafverfahren im Iran ................... 8 2.3. Eingeklagte Forderung ............................................................................ 8 2.4. Verrechnungserklärung der Beklagten .................................................... 8
3. Service Contract vom 1. Februar 2013 ........................................................... 9 3.1. Zustandekommen ................................................................................... 9 3.2. Gültigkeit ............................................................................................... 11 3.3. Qualifikation .......................................................................................... 11
4. Anspruch auf Retainer Fee ........................................................................... 12 4.1. Qualifikation der Retainer Fee ............................................................... 12 4.2. (Teilweiser) Wegfall der Retainer Fee zufolge Unmöglichkeit ............... 15 4.3. Fazit (Retainer Fee) .............................................................................. 20
5. Anspruch auf Fee for Services (Honorar) ..................................................... 21 5.1. Unbestrittenes ....................................................................................... 21 5.2. Parteistandpunkte ................................................................................. 21 5.3. Rechtliches ............................................................................................ 23 5.4. Würdigung ............................................................................................. 23 5.5. Fazit (Fee for Services) ......................................................................... 41
6. Anspruch auf "Fees of H._ & Associates" (Auslagenersatz) ................. 42 6.1. Unbestrittenes ....................................................................................... 42 6.2. Wesentliche Parteivorbringen ............................................................... 42 6.3. Würdigung ............................................................................................. 44 6.4. Fazit (Fees of H._) ......................................................................... 46
7. Anspruch auf Bonus Payment ...................................................................... 46 7.1. Parteistandpunkte ................................................................................. 46 7.2. Würdigung ............................................................................................. 47 7.3. Fazit (Bonus Payment) .......................................................................... 49
8. Gesamtfazit .................................................................................................. 49 9. Kosten- und Entschädigungsfolgen .............................................................. 50
9.1. Streitwert ............................................................................................... 50 9.2. Gerichtskosten ...................................................................................... 50 9.3. Parteientschädigung.............................................................................. 51
Das Handelsgericht erkennt: ............................................................................... 52
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Rechtsbegehren: (act. 1 S. 2 und act. 31 S. 2)
"1. Die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin AED 83'286'913, zuzüglich 5% Zins seit dem 1. August 2014, zu bezahlen.
2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der ."
I. Sachverhalt und Verfahren
A. Parteien
Die Klägerin (vormals A'._) ist eine Gesellschaft in der Freihandelszone
C._ mit Sitz in den D._ (act. 12/1c). Die Beklagte ist eine im ...-Handel
tätige Public Joint Stock Company nach iranischem Recht mit Sitz in E._
(Iran) (act. 23/1).
B. Kontext und Prozessgegenstand
a. Die Beklagte hatte mit F._ AG (mit Sitz in der Schweiz; act. 3/7a) Han-
del mit ... aus dem Iran betrieben. Am 23. Dezember 2006 und 24. März 2007
verabschiedete der UN-Sicherheitsrat die Resolutionen 1737 und 1747, mit denen
Sanktionen gegen den Iran verhängt wurden. Die Schweiz setzte die Sanktions-
beschlüsse des UN-Sicherheitsrats gegenüber dem Iran per 15. Februar 2007
um. Diese blieben bis zur weitgehenden Aufhebung per 17. Januar 2016 in Kraft
(vgl. die Medienmitteilungen des SECO vom 14. Februar 2007 und vom 18. Mai
2016).
b. Nach übereinstimmender Darstellung der Parteien sahen die D._
(D._) von der Inkraftsetzung der internationalen Sanktionen gegen den Iran
lange Zeit ab. Vor diesem Hintergrund schloss die Beklagte mit der in den
D._ domizilierten Klägerin am 1. Februar 2013 den aktenkundigen "Service
Contract" (act. 3/2) ab, womit die Klägerin unter anderem beauftragt wurde, als
sog. "pay/financial agent" für die Kunden der Beklagten, darunter F._, zu
fungieren und auftrags der Beklagten Zahlungen von F._ für ...-Käufe von
der Beklagten entgegen zu nehmen und an die Beklagte weiterzuleiten.
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c. Im Sommer 2013 beschlossen auch die D._, die internationalen Sankti-
onen gegen den Iran in Kraft zu setzen. Ab resp. nach August 2013 verrichtete
die Klägerin unstreitig keinerlei Tätigkeiten mehr unter dem Vertrag.
d. Die Klägerin stellte am 15. Juli 2013 Rechnung über ihre Honorar- und Aus-
lagenersatzforderungen und behielt von den entgegengenommenen Geldern rund
AED 60 Mio. zur Deckung ihrer (behaupteten) Ansprüche zurück. Zwischen den
Parteien entbrannte in der Folge ein Honorarstreit, in dessen Verlauf es zu einer
Strafanzeige der Beklagten gegen einen der Direktoren der Klägerin wegen der
zurückbehaltenen Gelder, der Einleitung eines Strafverfahrens und der Inhaftie-
rung des Direktors der Klägerin (G._) während eines Besuchs im Iran kam.
e. Mit der vorliegenden Klage macht die Klägerin Ansprüche auf Vergütung von
Dienstleistungen und Erstattung von Auslagen im Rahmen des "Service Contract"
geltend. Die Beklagte schliesst auf Abweisung der Klage wegen ungenügender
Substantiierung, fehlender Einigung über die Höhe des Honorars für erbrachte
Dienstleistungen als "pay/financial agent" sowie fehlender Rechenschaftsablage
für Vorschüsse.
C. Prozessverlauf
Am 24. August 2018 (Datum Poststempel) reichte die Klägerin die Klage mit dem
eingangs wiedergegebenen Rechtsbegehren ein (act. 1, 2 und 3/2-18). Mit Verfü-
gung vom 28. August 2018 wurde der Klägerin unter anderem Frist angesetzt, um
für die Gerichtskosten einen Vorschuss von CHF 365'000.– zu leisten (act. 4). Mit
Eingabe vom 5. September 2018 ersuchte die Beklagte um Sicherstellung der
Parteientschädigung sowie um Ansetzung der Frist zur Erstattung der Klageant-
wort erst nach Eingang einer allfälligen Sicherheitsleistung der Klägerin (act. 6).
Nachdem die Klägerin zur beantragten Sicherstellung der Parteientschädigung
sowie zur Höhe des sicherzustellenden Betrags Stellung genommen und den ihr
auferlegten Gerichtskostenvorschuss geleistet hatte (act. 8, 13 und 14), wurde ihr
mit Verfügung vom 3. Oktober 2018 Frist angesetzt, um für die Parteientschädi-
gung der Beklagten eine Sicherheit von CHF 215'200.– zu leisten (act. 16). Die
Sicherheitsleistung ging innert Frist bei der Obergerichtskasse ein (act. 18). Mit
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Verfügung vom 25. Oktober 2018 wurde der Beklagten Frist zur Erstattung der
Klageantwort angesetzt (act. 19). Nach fristgerechtem Eingang der Klageantwort
(act. 21, 22 und 23/1) wurde die Prozessleitung mit Verfügung vom 17. Januar
2019 zunächst an die damalige Ersatzoberrichterin Nicole Klausner und mit Ver-
fügung vom 13. Juni 2019 alsdann an Ersatzoberrichterin Franziska Egloff als In-
struktionsrichterin delegiert (act. 24 und 27).
Am 4. Juli 2019 fand eine Vergleichsverhandlung statt, die zu keiner Einigung
zwischen den Parteien führte (Prot. S. 12 f.). Mit Verfügung vom 5. Juli 2019 wur-
de ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet und der Klägerin Frist zur Erstattung
der Replik angesetzt (act. 29). Nach fristgerechtem Eingang der Replik (act. 31
und 32/19-47) wurde der Beklagten Frist zur Erstattung der Duplik angesetzt
(act. 33). Die Duplik, datierend vom 7. Januar 2020, ging innert Frist ein (act. 35
und 36/2-3). Am 20. Januar 2020 wurde der Klägerin die Duplik zugestellt und der
Aktenschluss verfügt (act. 37). Ein darauffolgendes Gesuch der Klägerin um An-
setzung einer formellen Frist zur Einreichung einer Stellungnahme zu allfälligen
Noven in der Duplik (act. 39) wurde mit Verfügung vom 7. Februar 2020 abgewie-
sen (act. 40). Am 6. März 2020 reichte die Klägerin eine als "Stellungnahme zu
den Noven der Duplik (Triplik)" bezeichnete Eingabe ein (act. 42). Nachdem diese
der Beklagten mit Verfügung vom 11. März 2020 zugestellt worden war (act. 44),
nahm die Beklagte hierzu mit Eingabe vom 18. März 2020 Stellung (act. 46).
Am 7. Dezember 2020 reichte die Klägerin eine als Noveneingabe bezeichnete
Eingabe ein und legte zugleich neue Urkunden ins Recht (act. 47 und act. 48/55-
56). Mit Verfügung vom 9. Dezember 2020 wurde die klägerische Noveneingabe
samt Beilagen der Beklagten zugestellt (act. 49). In der Folge ergingen weitere
Stellungnahmen, sowohl vonseiten der Beklagten als auch vonseiten der Klägerin
(act. 51, act. 52/4, act. 55, act. 56/57-59 und act. 57). Am 22. März 2021 reichte
die Beklagte eine als Noveneingabe bezeichnete Eingabe samt Urteil eines irani-
schen Strafgerichts vom 9. Februar 2021 ein (act. 58 und act. 59/5). Hierzu nahm
die Klägerin mit Eingabe vom 19. April 2021 Stellung und reichte abermals neue
Beilagen ein (act. 60 und act. 61/60-61). Am 20. April 2021 wurde die genannte
Eingabe der Beklagten zugestellt (Prot. S. 25). Diese liess sich in der Folge nicht
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mehr vernehmen. Mit Verfügung vom 30. Juli 2021 wurde den Parteien Frist an-
gesetzt, um zu erklären, ob sie – unter Vorbehalt eines allfällig durchzuführenden
Beweisverfahrens – auf die Hauptverhandlung verzichten (act. 62). Mit Eingabe
vom 23. August 2021 (act. 64) erklärte die Beklagte ihren Verzicht auf Durchfüh-
rung einer Hauptverhandlung (act. 64). Die Klägerin liess sich innert Frist nicht
vernehmen, weshalb androhungsgemäss Verzicht auf Hauptverhandlung anzu-
nehmen ist.
Das Verfahren ist spruchreif, weshalb ein Urteil zu fällen ist (Art. 236 Abs. 1 ZPO).
Auf die Parteivorbringen wird nachfolgend insoweit eingegangen, als für die Ent-
scheidfindung relevant.
D. Beweisvorbringen der Parteien
Die Klägerin offeriert zum Nachweis ihrer Behauptungen diverse Urkunden, Par-
tei- und Zeugenbefragungen, die Edition der Protokolle der Anhörung des Ge-
richtsexperten im Iran sowie ein gerichtliches Gutachten (act. 1 S. 10, act. 31 S.
31 ff.), die Beklagte ihrerseits diverse Urkunden sowie eine Partei- und Zeugenbe-
fragung (act. 23/1, act. 36).
II. Erwägungen
1. Formelles
1.1. Zuständigkeit
Die Klägerin hat ihren Sitz in den D._, die Beklagte den ihrigen im Iran, wo-
mit ein internationales Verhältnis vorliegt. In Ziffer 14 des Service Contract haben
die Parteien die Gerichte in Zürich als zuständig vereinbart ("any competent
courts of justice in Zurich, Switzerland", act. 3/2 Ziff. 14). Damit liegt eine zulässi-
ge Vereinbarung der internationalen und örtlichen Zuständigkeit vor (Art. 1 Abs. 2
IPRG e contrario i.V.m. Art. 5 Abs. 1 und 3 IPRG). Die Beklagte hat sich zudem
vorbehaltlos auf das Verfahren eingelassen (act. 21 Rz. 3; Art. 1 Abs. 2 IPRG e
contrario i.V.m. Art. 6 IPRG i.V.m. Art. 5 Abs. 3 lit. b IPRG). Die sachliche Zustän-
digkeit ergibt sich aus Art. 6 Abs. 2 ZPO i.V.m. § 44 lit. b GOG.
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1.2. Anwendbares Recht
Die Frage nach dem auf den Streit anwendbaren Recht ist von Amtes wegen
nach der lex fori zu prüfen (BGE 133 III 323 E. 2.1 = Pra 97 [2008] Nr. 7). Die Be-
urteilung von vertraglichen Ansprüchen wie den streitgegenständlichen richtet
sich nach dem von den Parteien gewählten Recht (Art. 116 Abs. 1 IPRG). In Ziffer
14 des Service Contract haben die Parteien schweizerisches Recht für anwend-
bar erklärt (act. 3/2 Ziff. 14; act. 13 Rz. 6; act. 35 Rz. 30, 33). Dieses ist auch der
Beurteilung des Anspruchs auf Auslagenersatz ("Fees of H._ & Associates")
zugrunde zu legen, der sich auf die Freizeichnungs- und Schadloshaltungserklä-
rung ("Indemnity Letter", act. 3/14) der Beklagten vom 14. Juli 2013 stützt, mittels
der der Vertrag der Parteien (Service Contract) in Bezug auf die Erstattung von
Auslagen modifiziert resp. ergänzt wurde.
1.3. Noveneingaben
Auf die Noveneingaben der Parteien und deren Zulässigkeit wird nachfolgend –
soweit entscheidrelevant – bei der jeweiligen Anspruchsbeurteilung eingegangen.
2. Die klägerische Forderung im Überblick
2.1. Zusammensetzung
Die Klägerin beziffert ihre Forderung gegenüber der Beklagten aus dem Vertrag
vom 1. Februar 2013 auf gesamthaft AED 144'216'881 (act. 1 Rz. 10, Rz. 21, 24).
Sie setzt sich wie folgt zusammen:
- Retainer Fee von AED 11'270'000
- Bonus Payment to A'._ Executives von AED 150'077
- Fee for Services (Honorar der Klägerin) von AED 100'219'441
- Fees of H._ & Associates (Auslagenersatz: Honorar der beigezogenen
Kanzlei H._ & Associates, D'._, D._) von AED 32'577'363.
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2.2. In Abzug gebrachter Rückbehalt und Strafverfahren im Iran
Von ihrer Gesamtforderung bringt die Klägerin AED 60'929'968 in Abzug. In die-
sem Umfang hat sie von F._ entgegen genommene Gelder nicht an die Be-
klagte weitergeleitet, sondern zur Deckung von geltend gemachten Honorar- und
Auslagenersatzansprüchen einbehalten (act. 1 Rz. 19, 24; act. 21 Rz. 13). Der
Rückbehalt dieser Gelder im Sommer 2013 war Auslöser des vorerwähnten Straf-
verfahrens im Iran gegen die Direktoren der Klägerin. Im Rahmen dieses Straf-
prozesses wurde zu den Fragen der Mittelflüsse, des angemessenen Honorars
und der Einhaltung der Sanktionen ein gerichtliches Gutachten eingeholt, auf das
sich die Klägerin zur Begründung der Höhe des beanspruchten Prozenthonorars
(Fee for Services) und weiterer Ansprüche massgeblich stützt (vgl. act. 1 Rz. 24).
2.3. Eingeklagte Forderung
Aus der Gesamtforderung abzüglich des unbestrittenen Rückbehalts resultiert die
eingeklagte Forderung von AED 83'286'913 gemäss Rechtsbegehren (act. 1
Rz. 24):
Retainer Fee: AED 11'270'000
Bonus A'._ Executives: AED 150'077
Fee for Services: AED 100'219'441
Fees of H._ & Associates: AED 32'577'363
Gesamtforderung: AED 144'216'881
./. Rückbehalt: ./. AED 60'929'968
Eingeklagte Forderung: AED 83'286'913
2.4. Verrechnungserklärung der Beklagten
Die Beklagte hat eventualiter – für den Fall der (teilweisen) Gutheissung von An-
sprüchen der Klägerin – Verrechnung mit der von der Klägerin zurückbehaltenen
Summe von AED 60'929'968 erklärt (act. 21 Rz. 14).
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3. Service Contract vom 1. Februar 2013
3.1. Zustandekommen
3.1.1. Am 1. Februar 2013 schlossen die Parteien den als act. 3/2 im Recht lie-
genden Dienstleistungsvertrag (Service Contract, fortan Vertrag) ab (act. 1 Rz. 8;
act. 21 Rz. 4; act. 3/2). Darin verpflichtete sich die Klägerin unter anderem, als
"pay/financial agent" für Kunden der Beklagten tätig zu sein (act. 3/2 zweite
Ziff. 2.6).
3.1.2. Die Beklagte weist auf offensichtlich bestehende formale Mängel oder Ei-
genheiten des Vertrags hin, darunter zwei verschiedene Ziffern 2.6, die fehlenden
Ziffern 5, 11 und 13 sowie fehlende Seitenzahlen (act. 21 Rz. 4).
3.1.3. Ungeachtet der in allgemeiner Form geäusserten Einwände geht die Be-
klagte ihrerseits offenkundig vom gültigen Zustandekommen des Vertrags in der
vorliegenden Form aus: So bestätigt sie, dass die Klägerin in ihrem (der Beklag-
ten) Auftrag Gelder von Kunden entgegenzunehmen und weiterzuleiten hatte und
auch weitergeleitet hat (act. 35 Rz. 22). Sie beruft sich für ihren Standpunkt wie-
derholt auf den streitgegenständlichen Vertrag und die "vertraglich vereinbarten
Dienstleistungen" (vgl. etwa act. 21 Rz. 6, 8, 12, 16.2 und 19; act. 35 Rz. 4, 6, 12,
14, 15, 16, 20, 22, 26, 29, 31, 33, 35 und 37). Die Parteien haben den Vertrag
mithin unstreitig gelebt. Weiter blieben die Vorbringen der Klägerin, wonach der
Vertrag in der im Recht liegenden Fassung von der Beklagten aufgesetzt und der
Klägerin als "hard copy" zur Unterschrift präsentiert worden sei, sowie das weitere
Vorbringen, wonach die Beklagte eine ihr von der Klägerin zugestellte, im Recht
liegende überarbeitete Version des Vertrags (act. 32/19) nicht unterzeichnet resp.
unbeantwortet gelassen habe, unbestritten (act. 31 Rz. 5, act. 35 Rz. 4). Vor die-
sem Hintergrund steht das Vorbringen der Beklagten in diesem Verfahren, womit
sie den von ihr selbst verfassten Vertrag in pauschaler Weise aus formalen Män-
geln anzweifelt (so etwa in act. 21 Rz. 4), im Widerspruch zu ihrem eigenen frühe-
ren Handeln und ist nicht zu hören. Es fehlen zudem konkrete Vorbringen der Be-
klagten dazu, inwiefern der als act. 3/2 ins Recht gelegte Vertrag nicht vollständig
sei, ebenso wie dazu, was sie aus dem vermeintlichen Fehlen welcher Teile für
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ihren Standpunkt ableiten wollte. Als Vertragspartei und überdies Verfasserin des
Dokuments wäre es ihr möglich und zumutbar gewesen, sich konkret zu äussern
und den aus ihrer Sicht "vollständigen" Vertrag einzureichen. Beides ist unterblie-
ben, weshalb vom Zustandekommen des Vertrags in der im Recht liegenden
Form (act. 3/2) auszugehen ist.
3.1.4. Die für das vorliegende Verfahren relevanten Ziff. 2 (Aufgaben der Beauf-
tragten), 3 (Vergütung) und 4 (Bestätigung) des Vertrags lauten wie folgt, wobei
mit "EP" die Klägerin (entsprechend ihrer früheren Firma "A'._") und mit
"B._" die Beklagte bezeichnet wird (act. 3/2):
"ARTICLE 2. SCOPE OF SERVICES B._ engages in the extraction and production of copper concentrates. It also  copper products, including Cathodes, Slabs, Billets, Wire Rods, and Molybdenum.
A'._ is a Business Development and Commodities Trading Company highly  in the Mining and Commodity Sector.
A'._ will provide the following services to the best of its ability to promote and expand B._'s business activities:
2.1 To proactively pursue adding new clients and business opportunities for B._ [] in Asia, Africa, Latin America and Europe
2.2 To look for suppliers of Copper scrap
2.3 To look for suppliers of all kind of machineries for Copper related business
2.4 To source and arrange funding and finance for projects
2.5 To provide qualified manpower in the field of Marketing and sales for B._'s  expansion plans
2.6 To carry out B._'s business activities including:
- International Mine acquisition
- Conduct feasibility study in relation to financial viability and technicality of the mining projects
- Marketing and Sales of commodities
2.6 To act as pay/financial agent to clients/suppliers of B._
ARTICLE 3. CONTRACT COMPENSATION/PRICE AND TERMS OF PAYMENT A'._ agrees to accept as full compensation for services, in accordance with the , the rates and prices quoted herein.
3.1 A'._'s service retainer fee referring to articles 2 is 490'000 AED Derhams per month paid quarterly or deducted from B._'s [Beklagte] funds available in A'._'s account with B._'s prior written approval. This fee includes traveling expenses, office and staff cost.
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3.2 A'._'s Executives are eligible and entitled to receive a bonus equal to [%) of the net profit generated from the projects carried out with B._.
3.3 The fee for articles 2.2, 2.3, 2.4 and 2.6 will be determined case by case.
ARTICLE 4. A'._ AFFIRMATIONS By signing of the Contract, A'._ affirms that he has thoroughly considered and studied the Contract requirements and is fully conversant with the purpose and contents thereof and he has fully considered, in his calculations, all expenses subject to this Contract."
3.2. Gültigkeit
Der zwischen den Parteien geschlossene Vertrag vom 1. Februar 2013 (act. 3/2)
ist gültig zustande gekommen, wovon auch die Parteien selber ausgehen (act. 31
Rz. 7 ff.; act. 35 Rz. 6). Da die D._ (D._) die Sanktionen gegen den Iran
bis zum Sommer 2013 unstreitig nicht in Kraft setzten, war die Tätigkeit der Klä-
gerin als "pay/financial agent" mit Sitz in den D._ bis zu diesem Zeitpunkt
nicht von diesen betroffen.
3.3. Qualifikation
Gemäss Ziff. 2 des Vertrags (act. 3/2) wurde die Klägerin mit der Erbringung ver-
schiedener Dienstleistungen betraut, darunter der Suche nach neuen Kunden und
Geschäftsmöglichkeiten für die Beklagte (2.1), nach Lieferanten von ...-Produkten
und Maschinen für die ...-Industrie (2.2 und 2.3), der Erschliessung von Finanzie-
rungsmöglichkeiten (2.4), der Unterstützung von internationalen Marketing- und
Vertriebsaktivitäten der Beklagten (2.5) sowie insbesondere damit, als
"pay/financial agent" gegenüber Kunden der Beklagten tätig zu sein (zweite Ziff.
2.6). Es liegt somit ein Auftragsverhältnis vor (Art. 394 Abs. 1 OR). Die Klägerin
macht mit ihrer Klage im Wesentlichen Honoraransprüche für ihre Dienste als
"pay/financial agent" (Ausstellen von Rechnungen, Entgegenahme und Weiterlei-
tung von Geldern) gemäss der zweiten Ziff. 2.6 des Vertrags (act. 3/2) sowie den
Ersatz von Auslagen geltend. Damit kann offenbleiben, ob daneben noch Elemen-
te eines anderen oder mehrerer anderer Vertragstypen vorliegen.
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4. Anspruch auf Retainer Fee
4.1. Qualifikation der Retainer Fee
4.1.1. Parteistandpunkte
Die Klägerin macht gestützt auf Ziffer 3.1 des Vertrags eine Retainer Fee für
23 Monate, entsprechend der Vertragsdauer von Februar 2013 bis Dezem-
ber 2014, von monatlich AED 490'000, somit total AED 11'270'000, geltend. Mit
der Retainer Fee hätten die Parteien eine fixe monatliche Pauschale für Unkosten
vereinbart (act. 1 Rz. 12 f., 24; act. 31 Rz. 23 ff.).
Die Beklagte behauptet die Vereinbarung eines Vorschusses, über den abzu-
rechnen gewesen sei. Eine solche Abrechnung sei unterblieben (act. 21 Rz. 7 f.
und 19).
4.1.2. Rechtliches
Ob die Parteien hinsichtlich der Retainer Fee eine monatliche Pauschale oder ei-
nen Vorschuss vereinbart haben, ist Auslegungsfrage. Diese richtet sich in erster
Linie nach dem übereinstimmenden wirklichen Wille der Parteien (subjektive Aus-
legung, Art. 18 Abs. 1 OR). Bleibt eine tatsächliche Willensübereinstimmung un-
bewiesen, sind die Erklärungen der Parteien zur Ermittlung des mutmasslichen
Parteiwillens aufgrund des Vertrauensprinzips so auszulegen, wie sie nach ihrem
Wortlaut und Vertragskontext sowie den gesamten Umständen verstanden wer-
den durften und mussten (objektivierende oder normative Auslegung; BGE 144 III
93 E. 5.2.2 = Pra 108 [2019] Nr. 40; 143 III 157 E. 1.2.2; 140 III 391 E. 2.3
S. 398). Dabei ist vom Wortlaut der Erklärungen auszugehen, die jedoch nicht iso-
liert, sondern aus ihrem konkreten Sinngefüge heraus zu beurteilen sind (BGE
144 III 93 E. 5.2.2; 140 III 391 E. 2.3 S. 398; 138 III 659 E. 4.2.1; 132 III 626 E.
3.1; 123 III 165 E. 3a). Massgebend ist der Zeitpunkt des Vertragsschlusses,
weshalb bei der Auslegung nach dem Vertrauensprinzip nachträgliches Parteiver-
halten nicht von Bedeutung ist (BGE 144 III 93 E. 5.2.1 S. 98; 140 III 391 E. 2.3 S.
398; 132 III 626 E. 3.1; 129 III 675 E. 2.3).
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4.1.3. Würdigung
4.1.3.1. Weder die Klägerin noch die Beklagte behaupten ein übereinstimmendes
tatsächliches Verständnis der Parteien in Bezug auf die Retainer Fee. Die Klausel
ist daher normativ auszulegen.
4.1.3.2. Die betreffende Ziffer 3.1 des Vertrags (act. 3/2) lautet wie folgt:
"A'._'s service retainer fee referring to articles 2 is 490'000 AED Derhams per month
paid quarterly or deducted from B._'s funds available in A'._'s account with
B._'s prior written approval. This fee includes traveling expenses, office and staff
cost."
Gemäss Wortlaut der Klausel beträgt die der Klägerin zustehende Retainer Fee
für die Dienstleistungen gemäss Ziff. 2 des Vertrags AED 490'000 pro Monat. Der
Betrag ist vierteljährlich zu bezahlen oder mit vorgängiger schriftlicher Zustim-
mung der Beklagten von deren auf dem Konto bei der Klägerin verfügbaren Mit-
teln abzuziehen. In der Retainer Fee eingeschlossen sind Reise-, Büro- und Per-
sonalkosten.
Die wörtliche Auslegung resp. die Übersetzung des Begriffs "service retainer fee"
allein führt zu keinem eindeutigen Ergebnis. Ausgehend von den gängigen Wör-
terbüchern und unter Berücksichtigung des Umstands, dass der Begriff "retainer
fee" vorliegend nicht im Zusammenhang mit der Mandatierung eines Anwalts
verwendet wird, ist festzustellen, dass unter dem Begriff sowohl eine Pauschale
als auch ein Vorschuss verstanden werden kann:
Langenscheidt (online abrufbar unter: de.langenscheidt.com/englisch-deutsch/retainer): retainer [flat rate fee] = Pauschalhonorar oder retainer [advance paid to lawyer] = []Vorschuss;
Romain Wörterbuch der Rechts- und Wirtschaftssprache, 5. Auflage, München 2000: retainer = Gebührenvorschuss oder laufendes Festhonorar;
Webster's Collegiate Dictionary (online abrufbar unter: www..com/dictionary/retainer): "A retainer is a fee paid to a lawyer or professional  for advice or services or for a claim on services when needed.";
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Peter Collin Dictionary of Law, 4. Auflage, 2004: "money paid in advance to someone when they are not actively working for you so that they will work for you on the occasions when they are needed";
Barron's Law Dictionary, 7. Auflage 2016: "compensation paid in advance to a , such as an attorney, for services to be performed in a specific case. A "retainer" may also include fees not only for the rendition of professional services when requested, but also for the attorney taking the case, making himself available to handle it, and refusing employment by the client's adversary. A retainer may represent the whole sum to be charged (plus expenses) but more often is in the nature of a deposit with the attorney, rendering a statement of amounts owed by the client for services rendered.".
4.1.3.3. Die Regelung im zweiten Satz von Ziffer 3.1 des Vertrags, wonach in der
Retainer Fee auch die Reise-, Büro- und Personalkosten enthalten sind ("This fee
includes traveling expenses, office and staff cost."), lässt – wie die Klägerin zutref-
fend ausführt (act. 31 Rz. 24) – auf die Vereinbarung einer Pauschale schliessen:
Wäre über die genannten Kosten ohnehin im Einzelnen abzurechnen gewesen,
so hätte es der Vereinbarung, wonach die genannten Kosten in der "service retai-
ner fee" mit eingeschlossen sind und als dadurch abgegolten gelten, nicht bedurft.
Betrachtet man die Klausel im Gefüge des Vertrags, so ergibt sich aus Ziff. 4 des
Vertrags weiter die Bestätigung der Klägerin, wonach sie in ihren Berechnungen
sämtliche unter dem Vertrag anfallenden Auslagen berücksichtigt habe (Kursiv-
schrift angefügt):
"By signing of the Contract, A'._ affirms that he has thoroughly considered and stu-
died the Contract requirements and is fully conversant with the purpose and contents
thereof and he has fully considered, in his calculations, all expenses subject to this
Contract."
Auch diese Klausel, mit der die Klägerin ausdrücklich bestätigt, in ihren Kalkulati-
onen alle Auslagen unter dem Vertrag bedacht zu haben, ergäbe keinen Sinn
bzw. wäre hinfällig, wenn ohnehin detailliert abzurechnen gewesen wäre. Aus
Ziff. 10.1 des Vertrags ergibt sich sodann, dass die Klägerin ihre Büroinfrastruktur
auf eigene Kosten aufzusetzen habe (A'._ shall at its own cost set up an
office [...].", vgl. act. 31 Rz. 24), was sich mit einer Pflicht zur Abrechnung über die in Ziff. 3.1 genannten "office and staff costs" wiederum nicht in Einklang bringen
liesse.
- 15 -
4.1.3.4. Die in Ziffer 3.1 des Vertrags alternativ aufgeführten Zahlungsmodalitäten
– vierteljährliche Zahlung oder Abzug von den auf dem Konto bei der Klägerin
verfügbaren Mitteln der Beklagten mit deren vorgängigen schriftlichen Zustim-
mung – stehen einer Auslegung der Retainer Fee als Pauschale nicht entgegen.
Mit der Klägerin ist davon auszugehen, dass sich das Zustimmungserfordernis
der Beklagten einzig auf die zweite Variante der Zahlung – die Tilgung der Forde-
rung durch Abbuchung von den von ihr (der Klägerin) gehaltenen Mitteln – be-
zieht, nicht aber auf die Periodizität der Zahlung und auch nicht auf einen von der
Klägerin vorgängig nachzuweisenden Aufwand (act. 31 Rz. 26; act. 21 Rz. 7).
4.1.3.5. Schliesslich wurde das Vorbringen der Klägerin, wonach sich die Beklag-
te mit aktenkundigem Schreiben vom 31. Juli 2013 (act. 32/28) an die Klägerin
selber auf den Standpunkt gestellt habe, dass sämtliche Kosten und Auslagen
durch die Retainer Fee abgedeckt seien (act. 31 Rz. 25), dieser demnach der
Charakter einer Pauschale zukommt, duplicando nicht bestritten (act. 35 Rz. 16).
4.1.3.6. Damit ergibt die Auslegung von Ziffer 3.1 nach dem Vertrauensprinzip,
dass die Parteien mit der "service retainer fee" eine in der Höhe fixe monatliche
Pauschale zur Deckung der Generalunkosten der Klägerin, einschliesslich Reise-,
Büro- und Personalkosten, vereinbart haben. Der Vollständigkeit halber ist festzu-
halten, dass der Vertrag, wie erwogen, unbestrittenermassen von der Beklagten
verfasst wurde (act. 31 Rz. 5, act. 35 Rz. 4), womit sich eine allfällige Unklarheit
ohnehin zu Ungunsten der Beklagten auswirken würde (Urteil des Bundesgerichts
vom 6. Februar 2017 [4A_502/2016] E. 4.3 m.w.H.).
4.2. (Teilweiser) Wegfall der Retainer Fee zufolge Unmöglichkeit
4.2.1. Unbestrittenes
Der Vertrag ist befristet mit einer Laufzeit von 23 Monaten (1. Februar 2013 bis
31. Dezember 2014) und wurde nicht gekündigt (act. 1 Rz. 13; act. 31 Rz. 22;
act. 35 Rz. 15). Damit ist die fixe monatliche Generalunkostenpauschale grund-
sätzlich bis zum Vertragsende geschuldet. Die Parteien tragen übereinstimmend
vor, dass F._ ab Mitte Juli 2013 aufgrund der bevorstehenden Inkraftsetzung
der Sanktionen in den D._, welche eine Abwicklung der Zahlungen über die
- 16 -
Klägerin verunmöglicht habe, keine weiteren ...transaktionen mit der Beklagten
mehr getätigt habe und Letztere dementsprechend der Dienste der Klägerin als
"pay/financial agent" nicht mehr bedurft habe (act. 1 Rz. 19 f.; act. 21 Rz. 8). Die
Klägerin erbrachte nach August 2013 unstreitig keinerlei Dienstleistungen mehr
für die Beklagte (act. 31 Rz. 21; act. 35 Rz. 14).
4.2.2. Parteistandpunkte
4.2.2.1. Die Beklagte bringt vor, dass es der Klägerin spätestens ab August
(act. 21 Rz. 19; act. 35 Rz. 16) resp. ab September 2013 (act. 35 Rz. 6) nicht
mehr möglich gewesen sei, die vertraglich vereinbarten Dienstleistungen zu er-
bringen, nachdem die D._ die Sanktionen gegen den Iran im Sommer 2013
doch noch durchzusetzen begonnen hätten. Daher entfalle eine Entschädigung
ab diesem Zeitpunkt resp. sei eine solche, wenn überhaupt, nur bis zur Einstel-
lung sämtlicher Dienstleistungen durch die Klägerin, mithin bis August 2013 ge-
schuldet (act. 21 Rz. 8, 19; act. 35 Rz. 6, 14, 16). Aus dem Schweigen der Be-
klagten auf die schriftliche Anfrage der Klägerin vom 28. Oktober 2013 (act.
32/27), ob die Beklagte den Vertrag kündigen wolle, da die Klägerin andernfalls
von dessen Weiterführung ausgehe, habe die Klägerin angesichts der Umstände
(Honorarstreit, Strafanzeige im Iran usf.) nach Treu und Glauben nicht schliessen
dürfen, dass der Vertrag fortgesetzt werde (act. 35 Rz. 14).
4.2.2.2. Die Klägerin hält dem entgegen, dass die Inkraftsetzung der Sanktionen
in den D._ die Erbringung resp. die Beanspruchung der Palette an Dienstlei-
tungen gemäss den Ziffern 2.1 bis (erste Ziff.) 2.6 des Vertrags nicht habe un-
möglich werden lassen. Unmöglich geworden seien allenfalls die Leistungen nach
der zweiten Ziffer 2.6 als "pay/financial agent". Vielmehr habe die Beklagte von
sich aus aufgehört, die vertraglichen Dienstleistungen der Klägerin nachzufragen,
nachdem keine Einigung über das Honorar zustande gekommen und die Beklagte
in der Folge Strafanzeige gegen einen der Direktoren der Klägerin (G._) er-
stattet habe. Dies habe die Klägerin zur Nachfrage gemäss Schreiben vom 28.
Oktober 2013 an die Beklagte veranlasst, ob Letztere den Vertrag nun kündigen
wolle, andernfalls von der Fortführung des Vertragsverhältnisses ausgegangen
werde (act. 31 Rz. 21; act. 32/27). Die Beklagte habe den Vertrag in der Folge
- 17 -
weder gekündigt, noch sich auf eine Unmöglichkeit oder Unzumutbarkeit der Leis-
tungserbringung unter dem Vertrag berufen. Da der Vertrag damit weder gekün-
digt noch die Leistungserbringung durch die Klägerin gemäss den Ziffern 2.1 bis
(erste Ziff.) 2.6 des Vertrags unmöglich geworden sei, sei die Retainer Fee bis
zum Ablauf des befristeten Vertrags geschuldet (act. 31 Rz. 21 f., 29). Das Ver-
halten der Beklagten, auf ausdrückliche Anfrage der Klägerin hin den Vertrag we-
der zu kündigen noch Unzumutbarkeit geltend zu machen, in der Folge aber keine
Leistungen mehr nachzufragen und sich fünf Jahre später auf angebliche Unmög-
lichkeit zu berufen, erscheine vielmehr als treuwidrig (act. 31 Rz. 21, 29).
4.2.3. Würdigung
4.2.3.1. Ob die Klägerin aus dem Schweigen der Beklagten auf ihre Anfrage vom
Oktober 2013, ob diese den Vertrag kündigen wolle, nach Treu und Glauben
schliessen durfte, dass der Vertrag trotz der geschilderten Umstände (Honorar-
streit, Strafanzeige usf.) fortgesetzt werde, ist ohne Belang: Zwar trifft zu, dass
das Auftragsverhältnis der Parteien, das die Förderung und Ausweitung der Ge-
schäftstätigkeiten der Beklagten (act. 3/2, Art. 2 Abs. 3 Ingress) zum Gegenstand
hat, ein gewisses Mass an Vertrauen zwischen Auftraggeberin und Beauftragter
voraussetzt. Dessen Wegfall führt indes nicht ohne Weiteres zu einer Auflösung
des Auftragsverhältnisses und dem Dahinfallen der vertraglichen Pflichten. Eine
Kündigung wegen Unzumutbarkeit des Festhaltens am Vertrag angesichts der
vorerwähnten Vorkommnisse in Zusammenhang mit dem Honorarstreit wurde von
der Beklagten gerade nicht geltend gemacht.
4.2.3.2. Der befristete Vertrag sieht in Ziff. 6 verschiedene Kündigungsrechte der
Auftraggeberin vor. Gemäss Ziff. 6.1 kann sie aus den dort aufgezählten Gründen
– so bei Verzug der Beauftragten gegenüber dem vertraglichen Zeitplan, bei Ein-
stellen der Dienste durch die Beauftragte aus einem nicht von der Auftraggeberin
zu vertretenden Grund und ohne Vorliegen von höherer Gewalt, bei mangelnder
Sorgfalt bei der Auftragserfüllung – unter Ansetzung einer Frist von 30 Tagen zur
Behebung des eingetretenen Grundes und Ausbleiben der Behebung den Vertrag
auflösen. Ziff. 6.2 räumt der Auftraggeberin zudem ein voraussetzungsloses Kün-
digungsrecht unter Einhaltung einer Frist von 30 Tagen und gegen vorgängige
- 18 -
Bezahlung einer angemessenen Vergütung der Beauftragten für deren Dienstleis-
tungen bis zur Vertragsbeendigung ein. Im einen wie im anderen Fall setzt die
vorzeitige Beendigung des befristeten Vertrags eine Kündigung unter Einhaltung
einer Frist von einem Monat voraus (vgl. im Übrigen Art. 404 Abs. 1 OR). Wie von
der Beklagten vorgetragen, ist eine Kündigung des Vertrags, ebenso wie eine Be-
rufung auf Unzumutbarkeit der Fortführung des Vertrags, indes unterblieben (act.
35 Rz. 19) und liegt damit – entgegen der Klägerin (act. 31 Rz. 30) – kein von Ziff.
6 des Vertrags erfasster Sachverhalt vor.
4.2.3.3. Wird die Leistung des Schuldners durch Umstände, die er nicht zu ver-
antworten hat, nachträglich – rechtlich oder tatsächlich, teilweise oder vollkom-
men – dauerhaft unmöglich, so gilt die Forderung als erloschen. Bei zweiseitigen
Verträgen verliert er die noch nicht erfüllte Gegenforderung (Art. 119 Abs. 1 und 2
OR). Die Befreiung von der eigenen Leistungspflicht führt zum (anteilsmässigen)
Verlust des Anspruchs auf die Gegenleistung.
4.2.3.4. Die Klägerin räumt ein bzw. bestreitet nicht rechtsgenüglich, dass nach
August 2013 eine Leistungserbringung ihrerseits als "pay/financial agent" der Be-
klagten infolge der Umsetzung der Sanktionen in den D._, die Geldflüsse
vom und in den Iran unterbanden, nicht mehr möglich gewesen sei (vgl. act. 31
Rz. 29: "Höchstens die Leistungen nach Artikel 2.6 [zweiter Artikel 2.6] als Pay-
ment/Financial Agent [...] allenfalls unmöglich geworden"). Damit ist erstellt, dass
ab dem von der Beklagten behaupteten Zeitpunkt (September 2013) zumindest
eine teilweise Unmöglichkeit der Leistungserbringung durch die Klägerin auf un-
absehbare Dauer unter dem befristeten Vertrag vorlag, an der sich bis Vertrags-
ende unstreitig nichts änderte. Dies führt gemäss den vorzitierten Bestimmungen
zu einem anteilsmässigen Erlöschen der Leistungspflicht ab September 2013 und
einer entsprechenden Reduktion der Gegenleistung in Form der monatlichen
Retainer Fee (Art. 119 Abs. 1 und 2 OR analog; BSK OR I-WIEGAND, 7. Auflage,
Basel 2019, N 13 zu Art. 119 OR).
4.2.3.5. Zur Höhe dieses Anteils an der Gegenleistung resp. zum Anteil der Leis-
tungen als "pay/financial agent" an der Gesamtheit der von der Klägerin seit Ver-
tragsbeginn am 1. Februar 2013 bis August 2013 erbrachten Dienste äussern sich
- 19 -
die Parteien nicht. Im vorliegenden Verfahren stützt die Klägerin ihre eigentliche
Honorarforderung (Fee for Services) gemäss Ziff. 3.3 des Vertrags ausschliess-
lich auf erbrachte Dienstleistungen als "pay/financial agent" gemäss der zweiten
Ziff. 2.6 des Vertrags (act. 3/2), obwohl sich Ziff. 3.3 gemäss deren Wortlaut auch
auf die Erbringung der weiteren Dienstleistungen gemäss den Ziff. 2.2 bis 2.4 so-
wie (der ersten) Ziff. 2.6 des Vertrags bezieht. Aufgrund der zu den Akten gereich-
ten Urkunden (act. 32/26/1-5) und den klägerischen Vorbringen dazu ist zudem
nicht von der Hand zu weisen, dass die Klägerin auch ausserhalb ihres Aufga-
benbereichs als "pay/financial agent" für die Beklagte tätig geworden sein mag
(vgl. act. 31 Rz. 19); dafür spricht nicht zuletzt das Vorbringen der Beklagten, wo-
nach die Klägerin noch mit Schreiben vom 9. Mai 2013 (act. 3/12) zu ihrer Vertre-
terin für Business Development sowie für Marketing & Sales ernannt worden sei
(act. 21 Rz. 12). Aus der Begründung der Honorarforderung durch die Klägerin ist
dennoch zu schliessen, dass deren Tätigkeit als "pay/financial agent" zwischen
Februar und August 2013 offenkundig den gewichtigsten Teil ihrer Leistungser-
bringung unter dem Vertrag darstellte. Ein Honorar für die weiteren erbrachten
Leistungen unter den Ziff. 2.2 bis 2.4 sowie (der ersten) Ziff. 2.6 des Vertrags wird
mit vorliegender Klage nicht gefordert, obschon die Honorierung des Beauftragten
für dessen vertragsgemässe Dienste nicht erfolgsabhängig, somit – entgegen der
Beklagten (act. 35 Rz. 12) – nicht abhängig von einem Zustandekommen der auf-
gegleisten Geschäfte zwischen Drittfirmen und der Beklagten ist. Aufgrund dieser
unbestrittenen Umstände rechtfertigt der Wegfall der gewichtigsten Leistung der
Klägerin unter dem Vertrag ("to act als pay/financial agent") infolge Unmöglichkeit
eine weitgehende Reduktion der monatlich anfallenden Gegenleistung in Form
der Retainer Fee, die sich, wie erwogen, gemäss Wortlaut von Ziff. 3.1 des Ver-
trags auf "articles 2", somit auf sämtliche vertraglichen Dienstleistungen ein-
schliesslich jener als "pay/financial agent" bezieht (act. 3/2). Der dadurch entfal-
lende Anteil an der Retainer Fee ist ermessensweise auf drei Viertel der monatli-
chen Pauschale von AED 490'000 zu veranschlagen.
4.2.3.6. Zur Frage, ob angesichts der Umsetzung der Sanktionen in den D._
und der damit verbundenen Unterbindung von Geldflüssen via die D._ in den
Iran die weiteren Tätigkeiten gemäss den Ziffern 2.1 bis (erste) 2.6 faktisch ver-
- 20 -
unmöglicht wurden, wie von der Beklagten in pauschaler Form behauptet, ergibt
sich das Folgende: Die Behauptungs- und Beweislast für den Eintritt der Unmög-
lichkeit der weiteren Leistungen obliegt der Beklagten, die sich zur Begründung
des gänzlichen Wegfalls ihrer Pflicht zur Zahlung der Retainer Fee darauf beruft.
Sie führt in diesem Zusammenhang aus, dass ...lieferungen aus dem Iran durch
die kurz nach Vertragsschluss auch in den D._ durchgesetzten Sanktionen
selbst als Tauschgeschäfte erheblich erschwert gewesen seien (act. 35 Rz. 12);
demnach waren diese nicht unmöglich. Ausführungen zu den weiteren vertragli-
chen Leistungen gemäss Ziff. 2 des Vertrags, die durchwegs die Förderung und
Ausweitung der Geschäftstätigkeiten der Beklagten ("to promote and expand
B._'s business activities", act. 3/2, Art. 2 Abs. 3 Ingress) zum Zweck hatten,
und Vorbringen dazu, inwiefern welche dieser Dienstleistungen ab September
2013 unmöglich geworden sein sollten, sind unterblieben. Insbesondere macht
die Beklagte auch nicht geltend, dass ihr die Annahme der weiteren Leistungen
unzumutbar gewesen wäre. Unbestritten blieb, dass die Beklagte keinerlei Leis-
tungen der Klägerin mehr nachfragte (act. 35 Rz. 15). Dies führt indes, wie erwo-
gen, nicht ohne Weiteres zum Wegfall der vertraglichen Pflichten; es gilt das zu
den Kündigungsmöglichkeiten der Beklagten mit und ohne Kündigungsgrund
Ausgeführte. Damit kann auch dahingestellt bleiben, ob die Klägerin trotz Aus-
bleibens der Nachfrage seitens der Beklagten weiterhin hätte tätig sein müssen:
Auch für diesen Fall (Säumnis in der Auftragserbringung) haben die Parteien ein
Kündigungsrecht der Beklagten mit den ausgeführten Modalitäten vereinbart (vgl.
act. 3/2 Ziff. 6).
4.2.3.7. Damit ist davon auszugehen, dass ab September 2013 nicht sämtliche
Tätigkeiten gemäss Ziff. 2 des Vertrags unmöglich geworden waren, die nach wie
vor möglichen Tätigkeiten allerdings einen geringen und während der gelebten
Vertragsdauer nicht honorarwirksamen Anteil an den Dienstleistungen der Kläge-
rin ausmachten. Somit schuldet die Beklagte der Klägerin den vorgenannten An-
teil an der monatlichen Retainer Fee für die restliche Vertragsdauer von 16 Mona-
ten (September 2013 bis Vertragsende Dezember 2014).
4.3. Fazit (Retainer Fee)
- 21 -
Der Anspruch der Klägerin auf Bezahlung der monatlichen Generalunkostenpau-
schale (Retainer Fee) von AED 490'000 pro Monat ist im Umfang von A-
ED 3'430'000 (Februar bis August 2013, 7 Monate à AED 490'000/Monat) und im
weiteren Umfang von AED 1'960'000 (September 2013 bis Dezember 2014,16
Monate à AED 122'500, Restlaufzeit des Vertrags, entsprechend einer um drei
Viertel reduzierten Pauschale) gutzuheissen, was einem Total von AED 5'390'000
entspricht.
5. Anspruch auf Fee for Services (Honorar)
5.1. Unbestrittenes
Zwischen 1. Februar und Juli 2013 nahm die Klägerin Zahlungen von F._ für
...lieferungen der Beklagten entgegen und leitete solche Gelder in der Folge an
die Beklagte weiter (act. 31 Rz. 12; act. 35 Rz. 20, 22). In Ziff. 3.3 des Vertrags
behielten sich die Parteien vor, die Vergütung für Dienstleistungen der Klägerin
als "pay/financial agent" von Fall zu Fall festzusetzen (vgl. act. 3/2: "The fee for
articles 2.2, 2.3, 2.4 and 2.6 will be determined case by case."). Eine solche ein-
vernehmliche Festsetzung der Vergütung ist unstreitig unterblieben (act. 21 Rz.
15; act. 31 Rz. 47 und 52).
5.2. Parteistandpunkte
5.2.1. Klägerin
5.2.1.1. Die Klägerin beansprucht ein Honorar (Fee for Services) von 5.7% auf
den von F._ für ...käufe – resp. an anderer Stelle: auf von F._ sowie ei-
ner weiteren Firma L._ (act. 31 Rz. 12) – empfangenen Zahlungen in Höhe
von gesamthaft AED 1'758'235'818 (act. 1 Rz. 10, 24, act. 31 Rz. 12).
5.2.1.2. Den zur Berechnung des beanspruchten Prozenthonorars in Anschlag
gebrachten Ansatz von 5.7% begründet die Klägerin primär mit den Erwägungen
im aktenkundigen Gerichtsgutachten, das im seit 2013 gegen ihren Geschäftsfüh-
rer geführten Strafverfahren im Iran erstattet wurde. Aufgabe des Gutachters sei
es gewesen, abzuklären, ob der Rückbehalt von rund AED 60 Mio. durch die Klä-
gerin zur Deckung von berechtigten vertraglichen Ansprüchen erfolgt sei. Dem
- 22 -
Gutachten zufolge habe die Klägerin ihre Ansprüche in geschäftsüblicher Höhe in
Rechnung gestellt resp. sei ein Honorar von 5.7% angemessen (act. 1 Rz. 12, 21,
23; act. 31 Rz. 42). Der Gutachter habe sich mit von der Klägerin eingeholten Ex-
pertisen verschiedener Drittfirmen (I._, J._ usf.) zu den marktüblichen
Gebühren kritisch auseinandergesetzt, habe weitere vergleichbare Fälle geprüft
und eine Prozentvergütung von 5.7% als üblich bezeichnet (act. 31 Rz. 45 ff.). Die
Klägerin habe am 15. Juli 2013 Rechnung gestellt und diese Rechnung mit
Schreiben ihrer Anwaltskanzlei H._ & Associates (fortan: H._) vom 21.
Juli 2013 an die Beklagte übermitteln lassen. Es habe ein Anspruch der Klägerin
von insgesamt AED 143'598'865.36 resultiert (act. 1 Rz. 19).
5.2.2. Beklagte
5.2.2.1. Die Beklagte bestreitet sowohl die von der Klägerin geltend gemachte
Höhe der eingenommenen und der weitergeleiteten F._-Gelder als auch die
Angemessenheit eines Ansatzes von 5.7% (act. 21 Rz. 5; act. 35 Rz. 23, 27, 32).
5.2.2.2. Die Rechnung der Klägerin vom 15. Juli 2013 sei nicht nachvollziehbar
und die veranschlagten Ansätze vollkommen überhöht: Auf den eingenommenen
Geldern werde ein Ansatz von 3% in Anschlag gebracht, der keinerlei Usanz ent-
spreche, und auf der Weiterleitung von Geldern ein solcher von 2% (act. 21 Rz.
14; act. 3/15). Weshalb für die Entgegennahme von Zahlungen einer Schweizer
Firma mit 3% mehr verlangt werde als für die Auszahlung (2%), obwohl der Ein-
nahmevorgang mangels Umsetzung der Sanktionen in den D._ zum relevan-
ten Zeitpunkt risiko- und zudem praktisch aufwandlos gewesen sei, während sich
die Weiterleitung der Gelder gemäss eigener Darstellung der Klägerin komplexer
gestaltet habe, sei nicht nachvollziehbar (act. 35 Rz. 27).
5.2.2.3. Dem im Strafverfahren im Iran erstatteten Gutachten, das die Abklärung
der geflossenen Gelder, die Höhe der Kommission sowie die Frage der Einhal-
tung der Sanktionen zum Gegenstand gehabt habe, komme im vorliegenden Ver-
fahren keinerlei Relevanz zu, noch habe es im iranischen Strafverfahren Wirkun-
gen zugunsten der Klägerin bzw. ihres Direktors entfaltet (act. 21 Rz. 16, 24 ff.,
act. 35 Rz. 27 ff. und 34).
- 23 -
5.2.2.4. Gemäss den damals von der Beklagten getätigten Abklärungen bei der im
Iran domizilierten Bank K._ sei eine Vergütung von 0.5% zur Abgeltung der
Zahlungsdienstleistungen der Klägerin angemessen (act. 35/29; act. 36/3).
5.3. Rechtliches
Besteht über das Mass und die Berechnung eines Honorars weder eine gesetzli-
che Regel noch eine Vereinbarung oder eine Verkehrssitte (vgl. Art. 394 Abs. 3
OR), so hat das Gericht diese im Streitfall nach allgemeinen Grundsätzen festzu-
setzen. Zu prüfen ist damit zunächst, ob sich die Vergütungshöhe nach einer be-
stehenden Übung (Verkehrssitte) richtet (BGE 117 II 282; 101 II 111, 82 IV 147).
Diese kann gegebenenfalls nicht nur den Grundsatz, sondern auch das Mass des
Vergütungsanspruchs des Beauftragten bestimmen (BGE 135 III 259 E. 2.2 = Pra
98 [2009] Nr. 87 E. 2.2, Urteil des Bundesgerichts vom 26. März 2014
[4A_481/2013] E. 3.1 und BGE 1201 II 109 E. 3 [Anwaltstarife], BGE 117 II 282
[SIA-Normen]).
Der Beauftragten obliegt der Nachweis, dass die Höhe des geforderten Honorars
einer Verkehrsübung entspricht; ist ihr dies nicht möglich, so hat sie nachzuwei-
sen, dass die Vergütung den geleisteten Diensten entspricht, ihnen somit objektiv
angemessen ist (BGE 101 II 109 E. 2; Urteil des Bundesgerichts vom 26. März
2014 [4A_481/2013] E. 3.1; BGE 135 III 259 E. 2.2; BSK OR I-OSER/WEBER,
a.a.O., N 39 zu Art. 394 OR m.w.H.). Dazu hat sie die massgeblichen Umstände,
die die Höhe des geforderten Honorars rechtfertigen, darzutun und nachzuwei-
sen. Bei der Beurteilung, ob das vom Beauftragten geforderte Honorar sich mit
der Rechtsordnung verträgt, bzw. bei der Festsetzung der Höhe des angemesse-
nen Entgelts handelt es sich im Wesentlichen um Tat- und Ermessensfragen ( des Bundesgerichts vom 31. März 2008 [4A_496/2007] E. 3.3; BGE 117 II
282, 283 E. 4a).
5.4. Würdigung
5.4.1. Entgeltlichkeit des Auftrags
- 24 -
Die Parteien haben in Ziff. 3.3 des Vertrags für Leistungen der Klägerin als
"pay/financial agent" die Entgeltlichkeit an sich, nicht aber Vergütungsart und -
höhe vereinbart. Gemäss Wortlaut von Ziff. 3.3 ist das Honorar für Dienstleistun-
gen gemäss Ziff. 2.6 des Vertrags ("pay/financial agent") zusätzlich zu der in Ziff.
3.1 des Vertrags geregelten Pauschale (Retainer Fee) geschuldet. Hiervon geht
auch die Beklagte aus, die ihrerseits eine von ihr ermittelte angemessene Fee for
Services von 0.5% anführt (vgl. act. 35 Rz. 29). Damit gehen die Parteien über-
einstimmend von einem Prozenthonorar als der anwendbaren Vergütungsart aus.
5.4.2. Summe der entgegengenommenen und weitergeleiteten Gelder
5.4.2.1. Die Klägerin bezeichnet ein Prozenthonorar von 5.7%, wie erwogen, ei-
nerseits als markt- oder verkehrsüblich und andererseits als den erbrachten Leis-
tungen angemessen. Das eine wie das andere setzt den Nachweis der Summe
voraus, auf die der beanspruchte Ansatz in Anschlag zu bringen wäre. Die be-
hauptete Summe von total AED 1'758'235'817 hat die Beklagte im vorliegenden
Verfahren bestritten (act. 35 Rz. 23).
5.4.2.2. Die Behauptungs- und Beweislast hinsichtlich der Höhe der empfangenen
und der übermittelten Gelder obliegt der Klägerin. Diesen Nachweis zu führen ist
ihr möglich und zumutbar: Eigenem Vorbringen zufolge verfügt sie über die Ein-
zelbelege für die Transaktionen, die sie im Strafverfahren im Iran eingereicht habe
(act. 31 Rz. 42). Im vorliegenden Verfahren ist die Einreichung von Transaktions-
belegen unterblieben.
5.4.2.3. Die Vorbringen der Klägerin zur Höhe der entgegen genommenen Gelder
weisen verschiedene Widersprüche auf: So bezeichnet sie mit Klageschrift den
Betrag von AED 1'758'235'817 als die Summe der Kaufpreiszahlungen von
F._ im "Zeitraum 2013/2014" (act. 1 Rz. 10). Demgegenüber beziffert die
Klägerin die nämliche Summe (F._-Zahlungen) mit Replik auf A-
ED 1'451'512'818; dazu seien Zahlungen einer Drittfirma L._ in Höhe von
AED 306'723'000 gekommen (act. 31 Rz. 12).
5.4.2.4. Weder mit dem einen noch mit dem anderen Betrag lassen sich die Aus-
führungen der Klägerin zur Rechnungsstellung an F._ und zum Gesamtvo-
- 25 -
lumen an ...käufen von F._ bei der Beklagten in Einklang bringen: Ihre bis
und mit 21. Juli 2013 an F._ ausgestellten Rechnungen hätten sich auf A-
ED 1'634'513'423.99 belaufen (act. 1 Rz. 15), das Gesamtvolumen an ...käufen
von F._ bei der Beklagten im Zeitraum "2013/2014" sodann auf A-
ED 1'758'235'817 (act. 1 Rz. 10). Beide Beträge entsprechen nicht dem mit Replik
auf AED 1'451'512'818 bezifferten Total an entgegen genommenen F._-
Zahlungen (act. 31 Rz. 12). Im Übrigen sind beide Beträge (Total Rechnungsstel-
lung, Total Käufe F._) gleichermassen unbehelflich für die Substantiierung
der dem Prozenthonorar zugrunde zu legenden Transaktionssummen; das Hono-
rar richtet sich offenkundig einzig nach der Summe der tatsächlich von der Kläge-
rin entgegengenommenen und weitergeleiteten Gelder, bezüglich derer die Kläge-
rin als "pay/financial agent" handelte. Weder aus der Rechnungsstellung als sol-
cher noch dem (bestrittenen) Umfang der von F._ angeblich insgesamt getä-
tigten ...käufe bei der Beklagten während der nicht näher substantiierten Zeitperi-
ode "2013/2014" lässt sich auf diesen Wert (tatsächliche Mittelflüsse via die Klä-
gerin) schliessen. Die genannte Zeitperiode steht zudem im Widerspruch zum ei-
genen Vorbringen der Klägerin, wonach sie ab September 2013 keinerlei Leistun-
gen mehr unter dem Vertrag erbracht habe, demnach auch keine Leistungen als
"pay/financial agent" (vgl. act. 31 Rz. 21; act. 35 Rz. 14 sowie Ziff. 4 hiervor zur
Retainer Fee).
5.4.2.5. Hinzu kommt, dass das behauptete Total der an F._ ausgestellten
Rechnungen (AED 1'634'513'423.99, act. 1 Rz. 15), wie von der Beklagten bereits
mit Klageantwortschrift vorgetragen (act. 21 Rz. 10), auch nicht dem Total der ak-
tenkundigen Rechnungskopien der Klägerin an F._ (act. 3/9) entspricht: Un-
ter Weglassung von offensichtlichen Doppeln (identische Rechnungsnummern
und Beträge) belaufen sich die Beträge gemäss diesen Urkunden (act. 3/9) weder
auf AED 1'634'513'423.99 (act. 1 Rz. 15) noch auf den replicando korrigierten Be-
trag von AED 1'451'512'818 (act. 31 Rz. 12), sondern auf einen wiederum ande-
ren Totalbetrag (AED 1'491'781'359.19). Schliesslich werden die betreffenden
Rechnungen (act. 3/9) teils als provisorisch ("provisional invoice") und teils als de-
finitiv ("final invoice") bezeichnet, sodass deren Ausstellung durch die Klägerin
auch aus diesem Grund – und mangels Erläuterungen dazu – keinerlei Schlüsse
- 26 -
auf die Summe der tatsächlich empfangenen oder gar der weitergeleiteten Gelder
zulassen. Damit fehlt es an einer hinreichend substantiierten, nachvollziehbaren
und widerspruchsfreien Darlegung der Mittelflüsse an die Klägerin und von der
Klägerin an die Beklagte.
5.4.2.6. Im Übrigen gelänge der Klägerin der Nachweis der Mittelflüsse mit den
angerufenen Beweismitteln nicht: Wie erwogen, stützt sie ihre Vorbringen nicht
auf die ihr nach eigenem Bekunden vorliegenden Transaktionsbelege (vgl. act. 31
Rz. 42), sondern beruft sich zum Nachweis der entgegen genommenen Gelder
mit Replikschrift auf ein vom Leiter Finanzen der Beklagten erstelltes, internes
Schreiben an deren CEO vom 24. Dezember 2013, dessen Aushändigung an die
Klägerin anlässlich einer Sitzung unbestritten blieb (act. 31 Rz. 12; act. 35 Rz. 8).
Die Parteien messen dem Inhalt dieses Schreibens (act. 32/24) unterschiedliche
Bedeutungen zu: Die Klägerin versteht das Schreiben der Beklagten als die von
der Beklagten erstellte und ihr überreichte Aufstellung der Mittelflüsse, in der die
F._-Gutschriften mit AED 1'451'512'818 und L._-Gutschriften mit A-
ED 306'723'000 beziffert würden (act. 31 Rz. 12 f.), und erklärt replicando die An-
erkennung dieser Zahlen der Beklagten in Bezug auf die Mittelflüsse (act. 31
Rz. 17). Nach Darstellung der Beklagten ist das Schreiben ihres Leiters Finanzen
an den CEO eine ausschliesslich für interne Zwecke der Beklagten verfasste Zu-
sammenfassung der Mittelflüsse gemäss klägerischer Darstellung. Eine Anerken-
nung der aufgeführten Zahlen durch die Beklagte sei darin nicht zu erblicken; zu
einer solchen sei der Verfasser des Schreibens mangels Einzelzeichnungsbe-
rechtigung im massgeblichen Zeitpunkt ohnehin nicht befugt gewesen (act. 35 Rz.
8, 10 f. und 18).
5.4.2.7. Das Schreiben vom 24. Dezember 2013 (act. 32/24), das die Klägerin
zum Nachweis der Mittelflüsse anruft, wurde vom Leiter Finanzen und Wirtschaft
der Beklagten (M._) verfasst und unterzeichnet und richtet sich an deren Ge-
schäftsführer (N._). Es stellt damit als solches keine Wissenserklärung (Hö-
he Mittelflüsse) an die Adresse der Klägerin dar. Eine solche Kundgabe könnte
gegebenenfalls in der Aushändigung des Schreibens an die Klägerin erblickt wer-
den, sofern diese durch einen dazu Ermächtigten erfolgt wäre. Mit Stellungnahme
- 27 -
vom 6. März 2020 anerkannte die Klägerin das neue Vorbringen der Beklagten in
der Duplik, wonach der Aussteller des Schreibens mangels Einzelzeichnungsbe-
rechtigung zum damaligen Zeitpunkt nicht zur alleinigen Vertretung der Beklagten
befugt gewesen sei (act. 35 Rz. 8; act. 42 Rz. 9). Sie berief sich zum Nachweis
einer internen Bevollmächtigung des Leiters Finanzen zur (alleinigen) Vertretung
der Beklagten im Honorarstreit mit der Klägerin auf dessen Schreiben vom 7. Au-
gust 2013 an die Rechtsanwälte der Klägerin (H._) und hielt dafür, dass sich
die Beklagte zumindest einen entsprechenden Rechtsschein anrechnen lassen
müsse (act. 42 Rz. 10).
5.4.2.8. Zwar trifft zu, dass sich das aktenkundige Schreiben des Leiters Finanzen
der Beklagten vom 7. August 2013 (act. 43/50) in Beantwortung eines Schreibens
der Rechtsanwälte der Klägerin zur Frage des geschuldeten Honorars und Ausla-
genersatzes äussert. Dies ist vorliegend indes nicht massgeblich: Selbst wenn
man aus dem genannten Schreiben (act. 43/50) schliessen wollte, dass dessen
Verfasser als zur (alleinigen) Vertretung der Beklagten im Rahmen des Honorar-
streits mit der Klägerin ermächtigt erscheint, so liesse sich hieraus dennoch nicht
auf eine gegenüber der Klägerin geäusserte, der Beklagten zurechenbare Aner-
kennung der im internen Schreiben der Beklagten vom 23. Dezember 2013 (act.
32/24) dargestellten Mittelflüsse schliessen. Dies würde voraussetzen, dass der
Klägerin das an den eigenen CEO gerichtete Schreiben der Beklagten durch ei-
nen dazu Ermächtigten übergeben worden wäre. Den Vorbringen der Klägerin
lässt sich indes weder entnehmen, wer ihr das interne Schreiben der Beklagten
übergab, noch unter welchen Umständen dies erfolgte. Mangels entsprechender
Ausführungen lässt sich daher nicht beurteilen, durch wen eine allfällige Wissens-
kundgabe betreffend die Mittelflüsse an die Klägerin zu einem nicht näher be-
zeichneten Zeitpunkt erfolgte und damit, ob eine solche Wissenskundgabe der
Beklagten zurechenbar wäre oder ob darin gar eine Anerkennung der darin ent-
haltenen Mittelflüsse erblickt werden könnte. Aus dem von der Klägerin einge-
reichten Schreiben der Beklagten vom 7. August 2013 an die Anwaltskanzlei
H._ (act. 43/50) geht jedenfalls ein gegenteiliger Standpunkt der Beklagten –
wonach der Klägerin ausser der Retainer Fee keinerlei weitere Ansprüche zu-
stehen – hervor.
- 28 -
5.4.2.9. Im Übrigen vermöchte das Schreiben vom 23. Dezember 2013 (act.
32/24) selbst dann, wenn von einer Vertretungswirkung kraft Gutglaubensschutz
auszugehen wäre (Art. 33 Abs. 3 OR), den Nachweis der Mittelflüsse nicht zu er-
bringen. Hierzu wäre erforderlich, dass aus dem Schreiben mit hinreichender
Klarheit hervorgeht, dass darin die tatsächlichen Mittelflüsse via die Klägerin aus
Sicht der Beklagten festgehalten wurden.
5.4.2.10. Ein tatsächlich übereinstimmendes Verständnis des Inhalts des Schrei-
bens wird von keiner Partei behauptet. Dieses ist somit normativ auszulegen.
Das Schreiben (act. 32/24) nimmt eingangs Bezug auf die Verhandlungen der
Parteien zum letzten Forderungsstand gegenüber der Klägerin und dient gemäss
Einleitung dazu, dem Geschäftsführer der Beklagten eine "ausführliche Darstel-
lung der Rechnungssituation" zur Kenntnisnahme vorzulegen. Es folgt eine Auf-
stellung der Vorgänge und der jeweiligen Beträge: Aufgeführt werden zunächst
Überweisungsgutschriften von F._ sowie von L._ sowie das Total der
vereinnahmten Zinsen auf den Bankguthaben. Von der Summe dieser drei Ein-
nahmen ("Summe Überweisungsgutschriften auf das Konto der Klägerin") werden
die "auf Zahlungsanweisung [der Beklagten] geleistete[n] Zahlungen" in Abzug
gebracht, woraus der noch ausstehende Anteil der von der Klägerin entgegenge-
nommenen Gelder (einschliesslich aufgelaufener Zinsen auf Bankguthaben) re-
sultiert. Dieser Betrag, bezeichnet als "Abrechnung geltend gemachter Kosten
(unbestritten)" wurde als einzige Position in der Aufstellung mit dem Vermerk "un-
bestritten" bezeichnet. Hiervon wird ein weiterer Betrag von AED 4'601'780 – in
Abzug gebracht, woraus ein Saldo zugunsten der Beklagten von AED 54'371'153
resultiert (act. 32/24):
"[...] Bezug nehmend auf die persönlichen Verhandlungen hinsichtlich des letzten Forderungs-
stands gegenüber der Gesellschaft A'._ wird im Folgenden eine ausführliche Darstellung der
Rechnungssituation zur Kenntnis vorgelegt. Die Gesellschaft A'._ macht geltend, dass mit der
Rechtsberatungsgesellschaft O._ ein Vertrag über 32 527 363 Dirham zur Abwicklung der
Angelegenheiten mit der ...gesellschaft[...] geschlossen wurde und dass die Hälfte des Betrags,
16 263 681 Dirham, bereits bezahlt wurde.
- 29 -
Vorgang Betrag - D._-Dirham
Überweisungsgutschriften von Firma L._ 306'723'000
Überweisungsgutschriften für Verkauf von Exporten durch F._ 1 451 512 818
Zinsen auf Bankguthaben 750 385
Summe Überweisungsgutschriften auf das Konto der A'._ 1 758 986 203
Auf Zahlungsanweisung von B._ geleistete Zahlungen (1 700 013 270)
Abrechnung geltend gemachter Kosten (unbestritten) 58 972 933
(4 601 780)
Saldo 54 371 153 [Grussformel]"
Für den Standpunkt der Beklagten, wonach das Schreiben eine interne Zusam-
menfassung der Mittelflüsse gemäss klägerischer Darstellung enthalte, spricht
sowohl die Bezugnahme auf die "Rechnungssituation", die dargestellt werde, als
auch die anschliessenden Ausführungen zu den von der Klägerin geltend ge-
machten Auslagen für Rechtsberatungskosten H._, somit eine Information
der Klägerin, die allerdings, da nicht den Mittelfluss betreffend, nicht Eingang in
die tabellarische Aufstellung fand. In der Auflistung der Vorgänge und jeweiligen
Beträge wird, wie erwogen, lediglich eine Position, jene betreffend "Abrechnung
geltend gemachter Kosten" in Höhe von rund AED 58 Mio., als "unbestritten" be-
zeichnet. Dazu, seitens welcher Partei dieser Betrag anerkannt worden war, lässt
sich den Parteivorbringen nichts entnehmen. Wollte man mit der Klägerin – und
entgegen dem Wortlaut, wonach die Rechnungssituation dargestellt werde – da-
von ausgehen, dass die Beklagte ihre eigene Darstellung der Mittelflüsse zuhan-
den ihres CEO festhielt, so wäre der Betrag von rund AED 58 Mio. demnach von
der Klägerin als "unbestritten" anerkannt worden. Dieser Betrag entspricht, wie
erwogen, keiner in diesem Verfahren vorgetragenen Summe und insbesondere
auch nicht dem von der Klägerin im vorliegenden Verfahren anerkannten Rück-
behalt von AED 60'929'968 (act. 1 Rz. 19). Damit vermag das interne Schreiben
der Beklagten vom 23. Dezember 2013 (act. 32/24) die Höhe der Mittelflüsse via
die Klägerin nicht rechtsgenüglich zu belegen.
5.4.2.11. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorbringen der Klägerin
zur Höhe der entgegengenommenen und der weitergeleiteten Mittel nicht hinrei-
- 30 -
chend substantiiert und widersprüchlich sind. Die Klägerin hat es sodann unter-
lassen, die ihr nach eigener Darstellung vorliegenden Transaktionsbelege zu den
Zahlungsflüssen ins Recht zu legen, und hat sich stattdessen auf ein internes Do-
kument der Beklagten berufen, mittels dessen sie den Nachweis der Anerken-
nung der Höhe der entgegen genommenen und der weitergeleiteten Mittel durch
die Beklagte nicht zu erbringen vermag.
5.4.2.12. Mit Noveneingabe vom 22. März 2021 (act. 58) reichte die Beklagte das
gegen die Direktoren der Klägerin im Iran ergangene Strafurteil vom 9. Februar
2021 zu den Akten (act. 59/5). Mit der Klägerin (act. 60 Rz. 2 ff.) ist festzuhalten,
dass die Einreichung am 22. März 2021, somit nach rund sechs Wochen, nicht
"ohne Verzug" und somit verspätet erfolgte (Art. 229 Abs. 1 lit. a ZPO), zumal der
Klägerin das Urteil samt englischer Übersetzung bereits wenige Tage nach des-
sen Ergehen vorlag (act. 60 S. 2, act. 61). Das strafrechtliche Erkenntnis wäre
ohnehin nicht nur bezüglich der Beurteilung der Schuld und der Bestimmung des
Schadens für das Zivilgericht nicht verbindlich (Art. 53 Abs. 2 OR); dieses ent-
scheidet in allen Punkten, einschliesslich Sachverhalts- und Ermessensfragen,
frei (BSK OR I-KESSLER, a.a.O., N 4 zu Art. 53 OR). Vor diesem Hintergrund
kommt dem Strafurteil gegen die Direktoren der Klägerin im vorliegenden Verfah-
ren der Klägerin keine Bedeutung zu.
5.4.3. Höhe des Prozenthonorars
5.4.3.1. Im Übrigen gelänge der Klägerin auch der Nachweis der Marktüblichkeit
oder Angemessenheit des beanspruchten Prozenthonorars von 5.7% nicht. Die
Klägerin verortet die Marktpraxis bei 5 bis 8%, in speziellen Fällen bei 10% (act.
32 Rz. 47).
5.4.3.2. Als Übung oder Verkehrssitte im Sinne von Art. 394 OR gilt die den Ge-
schäftsverkehr beherrschende tatsächliche Übung. Die Übung kann sich auch nur
auf ein beschränktes Gebiet beziehen (Ortsgebrauch) oder auf einen bestimmten
Personenkreis oder Berufs- oder Gewerbezweig beschränken (Branchenüblich-
keit) (BK OR-FELLMANN, Bern 1992, N 375, 378 und 409 zu Art. 394 OR). Der Be-
- 31 -
auftragten obliegt der Nachweis, dass die Höhe des geforderten Honorars einer
Verkehrsübung im genannten Sinn entspricht.
5.4.3.3. Die Klägerin stützt sich zum Nachweis der Marktüblichkeit (Verkehrs-
übung) auf das im iranischen Strafverfahren erstattete Gutachten (act. 1 Rz. 23).
Die Beweiskraft eines in einem anderen Verfahren erstatteten Gerichtsgutachtens
richtet sich nach dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 157 ZPO; Urteil
des Bundesgerichts vom 25. April 2014 [4A_604/2013] E. 2.2 m.H. auf BGE 140
III 24 E. 3.3.1.3). Kriterien der Würdigung sind die Vollständigkeit, Schlüssigkeit
und Nachvollziehbarkeit; ein Gutachten ist vollständig, wenn alle Fragen beant-
wortet und die Anknüpfungstatsachen sowie allfällige Befundtatsachen vollständig
offen gelegt sind, schlüssig, wenn die Folgerungen logisch und widerspruchsfrei
sind, und nachvollziehbar, wenn das Gericht das Gutachten, seine Grundlagen
sowie seine Schlussfolgerungen zumindest in groben Zügen verstehen kann
(BSK ZPO-GUYAN, 3. Auflage, Basel 2017, N 6b zu Art. 157 ZPO). Beide Parteien
haben sich ausführlich zu Inhalt und Beweiswert des Gutachtens (act. 3/18) ge-
äussert.
Aufgabe des Gutachters im Strafprozess im Iran war es, die tatsächlich geflosse-
nen Summen, die Höhe einer allfälligen marktüblichen Kommission und die Ein-
haltung der Sanktionen abzuklären (act. 21 Rz. 16; act. 3/18 S. 1). Das Gutachten
gibt die Meinungen (Legal Opinions) von fünf Drittgesellschaften wieder, die sich
zu den als marktüblich bezeichneten Verhältnissen für Transaktionen äussern,
namentlich die Meinungen der D'._ [Ortschaft] Kanzlei H._ & Associa-
tes, der spanischen Kanzlei I._ von J._ Corporate Finance & Strategy,
von P._ Company sowie einer Q._ Company (Iran – Turkey). Die Mei-
nungen der genannten Drittgesellschaften werden im Gutachten wiedergegeben,
ohne dass sich der Gutachter mit diesen kritisch auseinandersetzen würde; die
einzelnen Drittmeinungen sind nicht bzw. nur mit Mühe nachvollziehbar und ihrer-
seits nicht schlüssig begründet. Dasselbe gilt für die vom Gutachter daraus gezo-
genen Schlüsse: Der Gutachter äussert in seiner "Conclusion and Final Opinion"
keine nachvollziehbare Meinung dazu, welcher Honoraransatz marktüblich sei,
sondern hält in allgemeiner Form fest, dass grundsätzlich ein Anspruch auf ein
- 32 -
Honorar der Klägerin für die Entgegennahme und Weiterleitung von Geldern be-
stehe, dass Einschätzungen (von Drittgesellschaften) vorlägen und der Entscheid
(über das zu zahlende Honorar) dem Gericht überlassen werde (act. 3/18 S. 19).
Dem Gerichtsgutachten lässt sich mithin nicht entnehmen, dass der Gutachter ein
Honorar von 5.7% als angemessen erachtet (so auch die Beklagte, act. 35 Rz.
34).
5.4.3.4. Die Klägerin bringt replicando vor, der Gutachter habe einen Ansatz von
5.7% im Rahmen seiner mündlichen Anhörung als angemessen bezeichnet und
sich dabei auf den Fall der türkischen Finanzdienstleisterin – die im Gutachten
angeführte Q._ Company Iran – Turkey (act. 3/18 S. 12 Ziff. 3.3.3,) – bezo-
gen, die als Verkäuferin der Produkte fungiert, Rechnung gestellt und Mittel treu-
händerisch für die iranische Lieferantin entgegen genommen habe. Die Klägerin
reichte den betreffenden Vertrag der türkischen Dienstleisterin vom 24. März 2012
zu den Akten (act. 32/45).
Selbst wenn man eine solche mündliche Aussage des Gutachters annehmen
wollte (vgl. das Editionsbegehren betreffend das Anhörungsprotokoll, act. 31 Rz.
47), wäre damit nicht nachvollziehbar und schlüssig dargetan, weshalb just dieser
Ansatz aus der im Gutachten wiedergegebenen Palette von Ansätzen gemäss
den Meinungen der genannten Drittfirmen in der vorliegenden Konstellation zur
Anwendung gelangen sollte (vgl. act. 3/18: 3% bis 7% gemäss J._, S. 11, 5%
bis 8% gemäss H._ & Associates, S. 11, 3.7% für Entgegennahme und 2%
für Weiterleitung gemäss Q._ Company, S. 12 oben, nicht unter 5% gemäss
P._ Company, S. 16; vgl. auch act. 35 Rz. 34). Insbesondere ist aber entge-
gen der Klägerin (act. 31 Rz. 47) und mit der Beklagten (act. 35 Rz. 34) festzu-
stellen, dass weder ersichtlich noch dargetan ist, inwiefern die Funktion der ge-
nannten türkischen Dienstleisterin (Q._ Company) mit jener der Klägerin als
"pay/financial agent" der Beklagten vergleichbar wäre: Zutreffend trägt die Beklag-
te vor, dass die türkische Dienstleisterin im Gegensatz zur Klägerin, die als reine
Zahlstelle für F._ fungierte, als Einkäuferin einer iranischen Gesellschaft auf-
trat und damit klarerweise eine andere Funktion innehatte, die Transaktionen in
umgekehrter Richtung als die streitgegenständlichen nach sich zog. Inwiefern die
- 33 -
Sachverhalte dennoch vergleichbar sind und weshalb sich daraus eine Verkehrs-
übung im vorgenannten Sinn ableiten liesse, ist nicht dargetan. Die diesbezügli-
chen Vorbringen der Beklagten werden durch den aktenkundigen Vertrag der tür-
kischen Dienstleisterin vom 24. März 2012 (act. 32/45) gestützt. Damit kann die
Edition des Protokolls der zeitlich nicht verorteten Anhörung des Gerichtsexperten
im Iran unterbleiben.
5.4.3.5. Massgeblich ins Gewicht fällt weiter, dass die vom Gutachter lediglich
wiedergegebenen Drittexpertisen zum überwiegenden Teil von Gesellschaften er-
stattet wurden, die in einem Naheverhältnis zur Klägerin stehen oder standen und
daher nicht als unabhängig bezeichnet werden können, wie von der Beklagten zu-
treffend vorgebracht (act. 21 Rz. 16.5 ff.). So handelt es sich bei H._ &
Associates um die aktenkundigen Rechtsvertreter der Klägerin im Juli 2013
(act. 3/18 S. 6 Ziff. 4.10 und S. 11 Ziff. 3.3.2), bei I._ um die Vertreter der
Klägerin bzw. von deren Direktor (G._) in einem anderen Verfahren in Zu-
sammenhang mit der Beendigung eines weiteren Vertrags mit der Beklagten (act.
21 Rz. 16.5; act. 31 Rz. 19 S. 8; act. 35 Rz. 29; act. 3/18 S. 12 Ziff. 3.3.4) und bei
der P._ Company um die Revisorin der Klägerin (act. 21 Rz. 16.7; unbestrit-
ten in act. 31 Rz. 37 ff.; act. 3/18 S. 15 Ziff. 4.24). Dies wird von der Klägerin denn
auch nicht bestritten (act. 31 Rz. 47). Die Expertisen von I._ wie auch von
J._ wurden eigener Darstellung der Klägerin zufolge von ihr eingeholt und
dem Gutachter vorgelegt (act. 31 Rz. 42). Zutreffend und durch die Akten gestützt
ist schliesslich das weitere Vorbringen der Beklagten, wonach der Bericht von
J._ auf einer unzutreffenden Grundlage, nämlich einer Tätigkeit als "asset
manager", fusse, wohingegen für die auf Entgegennahme und Weiterleitung von
Geldern beschränkte Funktion der Klägerin weder eine treasury fee noch eine exit
fee, wie von J._ veranschlagt, anfalle (act. 35 Rz. 29; unbestritten in act. 42
Rz. 12 ff.; act. 3/18 S. 11).
Da eine kritische Auseinandersetzung des Gutachters mit den Drittmeinungen
bzw. Parteigutachten, soweit diese überhaupt vergleichbare Sachverhalte zum
Gegenstand haben, unterblieb, kann aus deren unkritischen Wiedergabe und den
sachlich nicht nachvollziehbar begründeten Schlussfolgerungen des Gutachters
- 34 -
nicht auf eine Geschäftsüblichkeit oder gar eine Angemessenheit der geltend ge-
machten Prozentvergütung geschlossen werden. Damit erweist sich das im irani-
schen Strafverfahren erstattete Gutachten (act. 3/18) als weder schlüssig noch
nachvollziehbar und zum Nachweis einer den Geschäftsverkehr beherrschenden
tatsächlichen Übung oder der Angemessenheit eines Prozenthonorars von 5.7%
nicht tauglich.
5.4.3.6. Nicht in Einklang mit ihren Vorbringen zur Marktüblichkeit und Angemes-
senheit eines Ansatzes von 5.7% bringen liessen sich sodann folgende aktenkun-
digen Umstände: Die Klägerin veranschlagte mit Rechnung vom 15. Juli 2013
(act. 3/15) unstreitig 5%, wovon 3% auf die entgegengenommenen und 2% auf
die weitergeleiteten Zahlungen entfallen (act. 31 Rz. 40, 47). Insbesondere aber
ist auch das weitere Vorbringen der Beklagten durch die Akten belegt, wonach die
Klägerin der Beklagten im Mai 2013 mitgeteilt habe, eine Gebühr von 3% für ihre
Dienstleistungen in Rechnung zu stellen (act. 35 Rz. 29). Dieses Vorbringen wird
gestützt durch den zu den Akten gereichten, an die Klägerin adressierten Bericht
der Kanzlei I._ vom 16. Januar 2014 (act. 32/39 S. 7 Rz. 20), die belegter-
massen in anderem Zusammenhang für die Klägerin tätig war (vgl. act. 36/2).
5.4.3.7. Zu den weiteren, von der Klägerin angerufenen Urkunden im Zusammen-
hang mit der Üblichkeit einer Prozentvergütung von 5.7% auf den eingenomme-
nen und weitergeleiteten Geldern ist sodann festzuhalten:
Bezüglich des mit Stellungnahme zur Duplik (act. 42) eingereichten Berichts der
R._ [Bank] 2019 (act. 43/52) und den diesbezüglichen Ausführungen ist we-
der ersichtlich, dass Ausführungen zu durchschnittlichen Kosten weltweiter
Transaktionen nicht bereits im Rahmen der Ausführungen zur Marktüblichkeit o-
der Angemessenheit des Prozenthonorars im ordentlichen Schriftenwechsel hätte
erfolgen können, noch wurde dies dargetan. Ohne Belang ist, ob der Bericht der
R._ 2019 erst nach Erstattung der Replik erschien: Der Beklagten ist beizu-
pflichten (act. 46 Rz. 8), dass ein früherer – und damit in grösserer zeitlicher Nähe
zum zu beurteilenden Sachverhalt von 2013 publizierter – Bericht der R._ im
Rahmen des ordentlichen Schriftenwechsels hätte thematisiert werden können.
Das vermeintlich neue Vorbringen der Beklagten mit Duplik, wonach "jedwelche
- 35 -
Bank" diese Transaktionen (annähernd) kostenfrei erbracht hätte (act. 42 Rz. 18),
stellt im Übrigen kein neues Vorbringen dar, sondern eine (weitere) Bestreitung
der von der Klägerin nachzuweisenden Marktüblichkeit und Angemessenheit des
beanspruchten Prozenthonorars im Rahmen des ordentlichen Schriftenwechsels.
Schliesslich liesse sich aus dem Bericht der R._ 2019 zu (gewichteten oder
ungewichteten) "remittance costs" im globalen Durchschnitt und deren Entwick-
lung in den vorangegangenen fünf Jahren ohnehin nichts für die Frage der Markt-
üblichkeit oder Angemessenheit eines Prozenthonorars im vorliegenden konkre-
ten Streitfall ableiten. Etwas anderes wurde jedenfalls nicht (substantiiert) darge-
tan. Die Voraussetzungen von Art. 229 Abs. 1 ZPO sind damit nicht erfüllt.
5.4.3.8. Nicht geeignet zum Nachweis einer den Geschäftsverkehr beherrschen-
den tatsächlichen Übung oder der Angemessenheit des beanspruchten Ansatzes
sind ferner die allgemein gehaltenen, in den 1980er Jahren publizierten Erwägun-
gen gemäss act. 32/41 (Buch Khomeini) zur Zulässigkeit von Kommissionen an
sich. Ebenso wenig lässt sich aus dem Bericht des Wall Street Journal vom 26.
Februar 2015 (act. 32/42), der das Handeln von "Mittelsmännern" in einem
"Graubereich" vor dem Hintergrund der Sanktionen thematisiert, auf Marktüblich-
keit oder gar Angemessenheit des Ansatzes von 5.7% schliessen, nicht zuletzt
auch deshalb, weil der Bericht gemäss den zutreffenden Vorbringen der Beklag-
ten wiederum umgekehrte Vorgänge (Einkäufe durch iranische Gesellschaften,
Handeln der Mittelsmänner in einem Graubereich) beschreibt (act. 35 Rz. 31).
Das Handeln von "Mittelsmännern" in einem "Graubereich" ist zur Darlegung ei-
ner Verkehrsübung im Sinne der Rechtsprechung ohnehin nicht geeignet. Nichts
ableiten lässt sich schliesslich aus der von der – nicht beweisbelasteten – Beklag-
ten eingeholten Meinung der im Iran domizilierten Bank K._ vom 16. April
2014 (act. 36/3), die ohne jegliche Begründung eine Drittmeinung (S._ Bank
Company) zur "commission for providing brokerage services" gegenüber der Be-
klagten wiedergibt. Schliesslich erweisen sich das mit Eingabe der Klägerin vom
7. Dezember 2020 (act. 47) als Novum eingereichte Protokoll der Sitzung der Par-
teien vom 9. Juli 2013 (act. 48/55) und die diesbezüglichen Vorbringen als nicht
zulässig: Selbst wenn die Klägerin erst nach Abschluss des Schriftenwechsels ei-
ne Abschrift des Protokolls hätte beibringen können, so ergibt sich doch aus ihren
- 36 -
Ausführungen, dass die Klägerin (bzw. deren Direktor G._) an jener Sitzung
teilgenommen hat. Der betreffende Sachverhalt hätte damit bereits im Rahmen
des ordentlichen Schriftenwechsels dargelegt werden können. Die Voraussetzun-
gen von Art. 229 Abs. 1 ZPO sind damit weder rechtsgenüglich dargelegt noch
wären sie erfüllt.
5.4.4. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Klägerin mit den von ihr ange-
rufenen Dokumenten auch der Nachweis, wonach der Ansatz von 5.7% einer
Verkehrsübung im Sinne einer den Geschäftsverkehr beherrschenden tatsächli-
chen Übung entspricht, nicht gelänge.
5.4.5. Die Klägerin beantragt weiter die Einholung einer gerichtlichen Expertise
zur Bestimmung einer marktüblichen Vergütung für Dienstleistungen, wie sie die
Klägerin gegenüber der Beklagten erbracht hat.
Voraussetzung für die Einholung eines Gutachtens wäre, wie erwogen, eine sub-
stantiierte Darlegung und der Nachweis der tatsächlichen Mittelflüsse via die Klä-
gerin gewesen (vgl. das unter Ziff. 5.4.2 zur Höhe der Mittelflüsse Ausgeführte).
So äussert sich die Klägerin beispielsweise dazu, worin die mit Replik neu geltend
gemachten Mittelflüsse von L._ über AED 306'723'000, immerhin rund einem
Fünftel der Mittelflüsse insgesamt, bestanden, nicht. Es fehlt mithin an Vorbringen
dazu, ob es sich um Überweisungen innerhalb der D._ oder aber aus dem
Ausland und wenn ja, aus welchem Land und gegebenenfalls unter Überwindung
welcher Schwierigkeiten handelte, ob es sich um eine einzige oder aber eine Viel-
zahl von Überweisungen handelte, ob die Mittel entgegen genommen und im
Rahmen einer einzigen oder aber einer Vielzahl von Transaktionen weitergeleitet
wurden. In Ermangelung dieser Angaben könnte hinsichtlich dieser Mittel auch
aus diesem Grund von vornherein nicht beurteilt werden, ob ein behauptetes Pro-
zenthonorar von 5.7% marktüblich wäre.
5.4.6. Doch selbst wenn man auf eine allgemeine oder zumindest eine gewisse
tatsächliche Verbreitung einer Praxis in den einschlägigen Kreisen in Zusammen-
hang mit Mittelflüssen vor dem Sanktionshintergrund schliessen könnte, so liesse
sich daraus nicht auf eine übliche Vergütung nach Handels- oder Ortsgebrauch im
- 37 -
Sinne von Art. 394 Abs. 3 OR schliessen (BGE 132 III 466 f. E. 4.3). Die in einer
Branche tatsächlich verbreiteten Praktiken und Ansätze bieten nicht immer Ge-
währ dafür, dass sie nicht übersetzt sind. Dies macht die Beklagte, wie erwogen,
vorliegend denn auch geltend (act. 35 Rz. 27). An übersetzte Ansätze ist das Ge-
richt, auch wenn in einer Branche üblich, nicht gebunden. Gemäss Rechtspre-
chung des Bundesgerichts ist deshalb stets zu prüfen, ob die geforderte Vergü-
tung den geleisteten Diensten auch entspricht, sie ihnen also objektiv angemes-
sen ist (Urteil des Bundesgerichts vom 26. März 2014 [4A_481/2013] E. 3.1; BGE
135 III 259, 262; BGE 117 II 284; 101 II 111; BK OR-FELLMANN, a.a.O., N 411 und
419 f. zu Art. 394 OR).
5.4.7. Objektive Angemessenheit des beanspruchten Honoraransatzes
5.4.7.1. Die Prüfung der objektiven Angemessenheit der Vergütung für die geleis-
teten Dienste würde voraussetzen, dass die Beauftragte die massgeblichen Um-
stände dartut und nachweist, die die Höhe des geforderten Honorars rechtferti-
gen. Die Beauftragte hat bei der Honorarfestlegung einen gewissen Ermessens-
spielraum; ein richterliches Eingreifen ist geboten, wenn ein Missverhältnis zwi-
schen dem Wert der Leistung und dem Honorar besteht (BK OR-FELLMANN,
a.a.O., N 423 ff. zu Art. 394 OR; BSK OR I-OSER/WEBER, a.a.O., N 39 und 41 zu
Art. 394 OR m.w.H.; Urteile des Bundesgerichts vom 6. März 2006 [4C.380/2006]
E. 9 und vom 26. März 2014 [4A_481/2013] E. 3.1; BGE 101 II 109 E. 2; BGE 135
III 259 E. 2.2). Haben die Parteien den Ansatz des Prozenthonorars nicht , so ist dieser im Streitfall vom Gericht so zu bestimmen, dass die Vergütung
den geleisteten Diensten entspricht, ihnen also objektiv angemessen ist (BK OR-
FELLMANN, a.a.O., N 449 zu Art. 394 OR).
5.4.7.2. Als Faktoren der Honorarberechnung bzw. als Beurteilungsfaktoren bei
der Prüfung der Angemessenheit des Honorars fallen namentlich die Art und
Dauer des Vertrags, der Zeitaufwand, die Schwierigkeit der Tätigkeit, die zu tra-
genden Risiken und die übernommene Verantwortung der Beauftragten, der Inte-
ressenwert des Auftrags sowie die Generalunkosten der Beauftragten in Betracht
(BSK OR I-
OSER/WEBER, a.a.O., N 39 zu Art. 394 OR m.w.H.; vgl. Urteil des Bundesgerichts
- 38 -
vom 6. März 2006 [4C.380/2006] E. 9). Grundlage der Entschädigung nach Auf-
wand bildet der bei sorgfältigem Vorgehen objektiv notwendige Aufwand. Damit
ist der geltend gemachte Aufwand so darzulegen, dass dessen Notwendigkeit und
Angemessenheit überprüft werden kann (Urteil des Bundesgerichts vom 26. Sep-
tember 2013 [4A_271/2013] E. 6.2; BSK OR I-OSER/WEBER, a.a.O., N 39 zu Art.
394 OR m.w.H.).
5.4.7.3. Vorliegend bestanden die der Fee for Services zugrunde liegenden
Dienstleistungen der Beauftragten in der Rechnungstellung und Entgegennahme
von Zahlungen von F._ sowie (anscheinend) der weiteren Gesellschaft
L._ sowie der Weiterleitung von Geldern an die Beklagte oder von dieser be-
zeichnete Empfänger (act. 31 Rz. 35). Das Vorbringen der Klägerin, wonach dies
über "komplexe Strukturen" erfolgt sei, wurde – mit Ausnahme der Ausführungen
zu den Bemühungen der beigezogenen Kanzlei H._ ab 10. Juli 2013 ange-
sichts der bevorstehenden Inkraftsetzung der Sanktionen in den D._ – nicht
weiter ausgeführt. Der Aufwand von H._ (Transaktionen via komplexe Struk-
turen unter Zeitdruck) wird allerdings unter anderem Titel als Auslagenersatz ge-
sondert geltend gemacht und fiele als Berechnungsfaktor des Honorars ausser
Betracht.
Nach Darstellung der Klägerin im Rahmen des ordentlichen Schriftenwechsels er-
folgte die Entgegennahme der Gelder in der behaupteten Höhe (rund AED 1.758
Mia.) ebenso wie die Weiterleitung eines Grossteils der Gelder (rund AED 1.1 Mi-
a.) vor Ankündigung der Inkraftsetzung der Sanktionen in den D._ und damit
weder unter besonderem Zeitdruck noch unter anderweitig erschwerten Bedin-
gungen: Gemäss Klägerin waren AED 570 Mio. (act. 31 Rz. 15) resp. an anderer
Stelle AED 600 Mio. (act. 31 Rz. 39, 45) ab oder nach dem 10. Juli 2013 innert
kurzer Zeit an die Beklagte zu überweisen, ansonsten diese Mittel in den D._
"für unbestimmte Zeit blockiert" gewesen wären (act. 31 Rz. 45; act. 35 Rz. 32).
Demnach wäre die Entgegennahme von rund AED 1.758 Mia. sowie die Weiterlei-
tung von rund AED 1.1 Mia. (Differenz zwischen Total der Einnahmen von rund
AED 1.758 Mia. abzüglich der ab 10. Juli 2013 übermittelten rund AED 570 bzw.
AED 600 Mio. sowie abzüglich der von der Klägerin einbehaltenen, somit gar
- 39 -
nicht weitergeleiteten rund AED 60 Mio.) vor Ankündigung der Sanktionsumset-
zung ohne besondere Schwierigkeiten oder Zeitdruck erfolgt.
Der befristete Vertrag wurde, wie erwogen, am 1. Februar 2013 abgeschlossen
mit einer Laufzeit bis 31. Dezember 2014. Gelebt wurde er zufolge Umsetzung
der Sanktionen in den D._ im Sommer 2013 seitens beider Parteien unstrei-
tig nur bis August 2013, somit während rund sieben Monaten. Die effektive Tätig-
keitsdauer als "pay/financial agent" dürfte allerdings kürzer gewesen sein bzw.
rund vier Monate betragen haben: So legt die Klägerin selber dar, dass sie (erst)
mit Schreiben der Beklagten vom 18. März 2013 an F._ als "pay/financial
agent" und Empfängerin der Zahlungen der Kundin bestellt (act. 1 Rz. 13 f.; act.
31 Rz. 32) und mit E-Mail von F._ D'._ [Ortschaft] vom 18. April 2013
instruiert worden sei, Rechnungen gegenüber F._ auszustellen und entspre-
chende Zahlungen entgegenzunehmen (act. 1 Rz. 14, korrigiert in act. 31 Rz. 35).
Bezüglich des Zeitaufwands der Beauftragten für die Rechnungstellung lassen die
act. 3/9 ins Recht gelegten Urkunden darauf schliessen, dass die Klägerin rund
30 provisorische und definitive, jeweils eine Seite umfassende Rechnungen (unter
Weglassung von offensichtlichen Doppeln) an F._ für ...käufe ausgestellt ha-
ben dürfte, deren Inhalt sich als kurz und standardisiert präsentiert und die
durchwegs auf sehr hohe Summen in unterschiedlicher Höhe in der Landeswäh-
rung der Klägerin lauten. Eine besondere Schwierigkeit der Aufgabe der Beauf-
tragten als in den D._ domizilierter "pay/financial agent" (vgl. act. 31 Rz. 35)
bis zur Ankündigung der Umsetzung der Sanktionen in deren Sitzstaat wäre vor
diesem Hintergrund weder rechtsgenüglich dargetan worden noch ersichtlich:
Weder die Ausstellung von rund 30 standardisierten Rechnungen (act. 3/9) noch
die Entgegennahme von demnach rund 30 Zahlungen, noch die nicht näher sub-
stantiierte(n) Transaktion(en) der Gesellschaft L._ sind geeignet, besondere
Schwierigkeiten zu begründen. Vielmehr scheint es sich um einfache Standard-
dienstleistungen der Beauftragten als Zahlstelle gehandelt zu haben. Besondere
Risiken sind zufolge der bis zum Sommer 2013 nicht erfolgten Umsetzung der in-
ternationalen Sanktionen in den D._ für die tatsächlich gelebte Vertragsdauer
- 40 -
bis zu diesem Zeitpunkt (Ankündigung der bevorstehenden Umsetzung der Sank-
tionen) nicht ersichtlich.
Der Interessenwert der Auftraggeberin als einer Gesellschaft mit Domizil in einem
von Sanktionen betroffenen Staat an der reibungslosen und rechtzeitigen Ausfüh-
rung der Transaktion hoher Summen wäre zweifelsohne als hoch zu bezeichnen.
Nicht in Betracht für die die Bemessung eines angemessenen Honorars fielen
demgegenüber die Generalunkosten der Beauftragten, die, wie erwogen, mittels
separater Pauschale abgegolten wurden (vgl. hiervor Ziff. 4 zur Retainer Fee).
Im Übrigen blieb das Vorbringen der Beklagten mit Duplikschrift, wonach es sich
lediglich um Transfers zwischen Banken innerhalb der D._, somit inländische
Transaktionen, gehandelt habe, und weder die Währung gewechselt habe, noch
Grenzen zwischen unterschiedlichen Rechts- oder Banksystemen hätten über-
wunden werden müssen (act. 35 Rz. 27), in der ausführlichen Stellungnahme der
Klägerin zur Duplik (act. 42 Rz. 14 ff.) soweit ersichtlich unbestritten. Zuzustim-
men ist der Beklagten darin, dass die beträchtliche Höhe der Transaktionen unter
dem Titel der Angemessenheit eines nach Prozenten der Transaktionssumme
bemessenen Honorars als solches keine Erhöhung, sondern vielmehr eine Re-
duktion des Ansatzes rechtfertigt (act. 35 Rz. 32).
5.4.7.4. Aufgrund der dargelegten Faktoren bestünde damit ein offenkundiges
Missverhältnis zwischen den erbrachten Leistungen – Tätigkeit als Zahlstelle wäh-
rend rund vier Monaten, Ausstellung von rund 30 standardisierten Rechnungen,
Entgegennahme und Weiterleitung von Zahlungen, mit zusätzlicher Pauschale für
Generalunkosten und separater Geltendmachung von Auslagenersatz für den
Beizug der Kanzlei H._, keine besondere Schwierigkeit der Auftragsausfüh-
rung – und dem beanspruchten Prozenthonorar von 5.7% in Höhe von AED
100'219'441 (entsprechend rund CHF 25.8 Mio. per Rechnungsstellung
15.07.2013 resp. rund CHF 26.7 Mio. im Zeitpunkt der Klageeinleitung). Der von
der Klägerin in Anschlag gebrachte Ansatz erschiene angesichts der sehr hohen
transferierten Summen, die diesem zugrunde gelegt werden, als klarerweise
überhöht. Somit wäre er – hätte die Klägerin die Höhe der Mittelflüsse substanti-
iert dargelegt und nachgewiesen –ermessensweise stark zu reduzieren auf 1%
- 41 -
auf den entgegengenommenen (rund AED 1.758 Mia.) sowie 1% auf den von der
Klägerin vor dem Beizug der Kanzlei H._ gemäss den Instruktionen der Be-
klagten weitergeleiteten Geldern (rund AED 1.1 Mia.) festzusetzen gewesen.
Nicht in Betracht fiele ein Honorar der Klägerin für die ab dem 10. Juli 2013 unter
Beizug der Kanzlei H._ als Erfüllungsgehilfin unter Zeitdruck über spezielle
("komplexe") Strukturen in den Iran transferierten Gelder (rund AED 570 Mio.
resp. AED 600 Mio., vgl. oben), bezüglich derer die Klägerin als Auslagenersatz
ein separates Prozenthonorar für H._ von 1.85% – mithin keine aufwandba-
sierten Auslagen – geltend macht (vgl. nachfolgend 6.). Jedenfalls fehlte es auch
diesbezüglich an rechtsgenüglichen Vorbringen dazu, inwiefern der Klägerin zu-
sätzlich zur Tätigkeit ihrer Erfüllungsgehilfin ein Aufwand erwachsen wäre.
5.5. Fazit (Fee for Services)
Die Vorbringen der Klägerin zur Höhe der entgegengenommenen und der weiter-
geleiteten Mittel erweisen sich als nicht hinreichend substantiiert und in mehrerer
Hinsicht widersprüchlich. Die beweisbelastete Klägerin hat es sodann unterlas-
sen, die ihr nach eigener Darstellung vorliegenden Transaktionsbelege zu den
Zahlungsflüssen ins Recht zu legen, und hat sich stattdessen auf ein internes Do-
kument der Beklagten berufen, womit sie den Nachweis der Anerkennung der
Höhe der von ihr entgegen genommenen sowie der weitergeleiteten Mittel durch
die Beklagte nicht zu erbringen vermöchte.
Im Übrigen wäre der Klägerin auch der Nachweis der Marktüblichkeit eines Pro-
zenthonorars von 5.7% im Sinne einer Verkehrsübung mit den von ihr angerufe-
nen Urkunden nicht gelungen. Selbst wenn ein gerichtliches Gutachten eine ge-
wisse tatsächliche Verbreitung einer entsprechenden Praxis in den einschlägigen
Kreisen ergeben hätte, so wäre das Gericht an eine solche tatsächliche Praxis
nicht gebunden, zumal diese keine Gewähr gegen überhöhte, objektiv nicht an-
gemessene Ansätze bietet. Vorliegend erschiene ein Ansatz von 5.7% angesichts
der tatsächlichen Tätigkeit der Klägerin und dem zu den Bemessungskriterien
Ausgeführten jedenfalls als massiv überhöht und wäre ermessensweise auf einen
der Tätigkeit der Beauftragten objektiv angemessenen Ansatz zu reduzieren ge-
wesen.
- 42 -
Der Anspruch der Klägerin unter dem Titel "Fee for Services" ist damit abzuwei-
sen.
6. Anspruch auf "Fees of H._ & Associates" (Auslagenersatz)
6.1. Unbestrittenes
Im Sommer 2013 wurde die Klägerin von der Beklagten angesichts der bevorste-
henden Inkraftsetzung der Sanktionen in den D._ unstreitig angewiesen, in-
nert kürzester Zeit einen beträchtlichen Betrag (die exakte Höhe ist umstritten)
durch eine dafür nicht vorbereitete Struktur zu schleusen. Zur Bewältigung der
damit verbundenen rechtlichen Probleme zog die Klägerin die Anwaltskanzlei
H._ als Erfüllungsgehilfin bei (act. 31 Rz. 15, 46; act. 35 Rz. 32) und ersuch-
te die Beklagte um Ausstellung der im Recht liegenden Freizeichnungs- und
Schadloshaltungserklärung vom 14. Juli 2013 ("Indemnity Letter", act. 3/14; act.
1 Rz. 18; act. 21 Rz. 13; act. 31 Rz. 37; act. 35 Rz. 24).
6.1.1. Die Klägerin schloss mit der Kanzlei H._ am 15. Juli 2013 ein Service
Agreement ab (act. 32/43), mit dessen Ziffer 4.1 die Klägerin sich zur Zahlung ei-
nes noch zu vereinbarenden Honorars verpflichtete, welches in jedem Fall nicht
weniger als 1.85% der Mittel betrage, bei welchen H._ die Klägerin bei der
Erbringung ihrer Leistungen direkt oder indirekt unterstützt (act. 32/43, Fettdruck
angefügt):
"In return for the provision of the Services, the Client [die Klägerin] shall pay to O._ a fee
which shall be agreed between the Parties (the "Fee") but shall in any event not be less than one
point eighty five percent (1.85%) of the funds they assisted, either directly or indirectly, to facilitate in the provision of the Services."
6.1.2. Die Klägerin macht einen Anspruch auf Auslagenersatz von A-
ED 32'577'363.– (recte: AED 32'527'363.–) für den Beizug von H._ geltend,
entsprechend einem Prozenthonorar für H._ von 1.85% auf A-
ED 1'758'235'817.– (act. 1 Rz. 24).
6.2. Wesentliche Parteivorbringen
- 43 -
6.2.1. Die Klägerin bringt vor, ohne Beizug von H._ hätten die auf ihren Konti
gelegenen Mittel nicht mehr rechtzeitig vor Inkraftsetzung der Sanktionen in den
D._ weitergeleitet werden können. Die Kosten für H._ sei sie gestützt
auf die Schadloshaltungserklärung vom 14. Juli 2013 eingegangen; der Beizug
der Kanzlei sei aufgrund der Instruktion der Beklagten, innert kürzester Frist – und
entgegen der Empfehlung der Klägerin, die aus diesem Grund eine Schadloshal-
tungserklärung verlangt habe – enorme Summen durch eine dafür nicht vorberei-
tete Struktur zu schleusen, notwendig geworden (act. 31 Rz. 46). Zu diesen In-
struktionen bringt die Klägerin vor, sie sei am 10. Juli 2013 von der Beklagten in-
struiert worden, AED 600 Mio. innert kürzester Frist zu überweisen (act. 31 Rz.
39); an anderer Stelle beruft sich die Klägerin demgegenüber auf die Weisung der
Beklagten, AED 570 Mio. auf einmal zu überweisen, was ihr Kosten von rund
AED 32 Mio. verursacht und erhebliche Probleme beschert habe (act. 31 Rz. 15).
Sie beruft sich weiter auf ein mündliches Einverständnis des CEO der Beklagten
(T._ ) mit einem Honorar für H._ von maximal 2% (act. 31 Rz. 46). Ein
Honorar für H._ von 1.85% auf den transferierten Mitteln sei angesichts des
grossen finanziellen und zeitlichen Drucks, die Transaktionen rechtzeitig abzu-
schliessen, angemessen, andernfalls AED 600 Mio. in den D._ blockiert ge-
wesen wären (act. 31 Rz. 45 f.).
6.2.2. Die Beklagte bestreitet ein mündlich erteiltes Einverständnis ihres CEO mit
einer Entschädigung von 1.85% bzw. von AED 32'577'363 für die Tätigkeiten von
H._. Dieser hätte, da lediglich kollektivzeichnungsberechtigt, die Beklagte
durch die (bestrittene) Erklärung ohnehin nicht im Alleingang verpflichten können
(act. 35 Rz. 33). Das Honorar sei exorbitant und unter dem Vertrag der Parteien,
der schweizerischem materiellem Recht unterstehe, nicht zu schützen. Die Kläge-
rin lege weder dar, worin das Wirken von H._ bestanden habe, noch inwie-
fern dieses für die Abwicklung der Zahlungen kausal und notwendig gewesen wä-
re. Ebenso wenig sei belegt, dass diese Auslagen der Klägerin tatsächlich ange-
fallen seien. Schliesslich liesse sich selbst bei Anwendung des überhöhten Ansat-
zes von 1.85% die von der Klägerin berechnete Honorarsumme für H._ nicht
nachvollziehen: Das Honorar von H._ falle gemäss Ziff. 4.1 des Service Ag-
reements der Klägerin mit H._ vom 15.7.2013 (act. 32/43) einzig auf jener
- 44 -
Summe an, bei welcher H._ die Überweisung tatsächlich erleichtert habe.
Nach eigenem Vorbringen der Klägerin hätten die Schwierigkeiten, die sie zum
Beizug von H._ veranlasst hätten, in der Instruktion der Beklagten bestan-
den, die Summe von AED 600 Mio. resp. an anderer Stelle von AED 570 Mio. in-
nert kürzester Frist zu überweisen. Demnach seien die restlichen Beträge bei Ab-
schluss des Service Agreements bereits überwiesen gewesen oder hätten offen-
bar ohne Beanspruchung von H._ überwiesen werden können. Damit seien
diese bei der Berechnung des Honorars von H._ auch nicht zu berücksichti-
gen (act. 21 Rz. 19; act. 35 Rz. 33).
6.3. Würdigung
6.3.1. Zum behaupteten mündlichen Einverständnis der Beklagten mit einem Pro-
zenthonorar für H._ von 1.85% bzw. AED 32'577'363 ist Folgendes festzu-
halten: Die Klägerin hat die Behauptung in der Duplik, wonach der CEO der Be-
klagten (T._ ) lediglich kollektivzeichnungsberechtigt und nicht befugt gewe-
sen sei, die Beklagte alleine zu verpflichten, mit ausführlicher Stellungnahme zur
Duplik (act. 42) nicht bestritten. Dass Umstände vorgelegen hätten, die den
Schluss auf eine Anscheins- oder Duldungsvollmacht zuliessen, trägt die Klägerin
nicht vor. Eine der Beklagten zurechenbare, im Übrigen ohnehin nicht weiter sub-
stantiierte mündliche Zustimmung zur geltend gemachten Entschädigung lässt
sich folglich nicht erstellen.
6.3.2. Die Schadloshaltungserklärung (act. 3/14) enthält die Verpflichtung der Be-
klagten zur Schadloshaltung der Klägerin für Kosten und Verbindlichkeiten, die ihr
aus den darin nicht abschliessend aufgeführten Tatbeständen (sog. "triggering
events") erwachsen (auszugsweise sinngemässe Übersetzung, Fettdruck ange-
fügt):
Als Gegenleistung [...] entschädigt der Unterzeichnete hiermit A'._ und hält A'._ schadlos in Bezug auf alle Ansprüche, Kosten, Gebühren, Ausgaben, Schäden und , die A'._ erleidet, zahlt oder eingeht und die sich ergeben aus, aber nicht beschränkt sind auf
(I) die Einbehaltung, das Einfrieren und/oder das Embargo von Geldern von B._, die entweder
(A) auf ein Bankkonto von A'._ eingezahlt wurden
- 45 -
(B) von A'._ im Namen von B._ entgegengenommen werden sollen; oder
C) an B._ oder einen Dritten im Namen von B._ überwiesen werden sollen;
[...]
(Jede der in diesem Absatz beschriebenen Situationen wird als "auslösendes Ereignis" ).
Aus der Ausstellung der Schadloshaltungserklärung für Kosten und Auslagen in
Zusammenhang mit dem Eintritt eines darin genannten auslösenden Ereignisses
kann nicht auf eine Blankoverpflichtung der Auftraggeberin zur Zahlung von Aus-
lagen für beigezogene Erfüllungsgehilfen in beliebiger Höhe geschlossen werden.
Der Auftrag an den Beauftragten umfasst nur die Zustimmung zu notwendigen
Aufwendungen, die durch ein auslösendes Ereignis bedingt sind. Unberechtigte
Auslagen und Verwendungen sind durch den Mandatskonsens nicht gedeckt,
weshalb der Auftraggeber den Ersatz unnötiger oder überhöhter Auslagen ableh-
nen darf (Urteile des Bundesgerichts vom 11. Januar 2005 [4C.199/2004] E.
10.3.2.1, und vom 1. Juli 2011 [4A_128/2011] E. 3.2). Grund für die Ausstellung
der Schadloshaltungserklärung war nach eigenem Vorbringen der Klägerin (act.
31 Rz. 24) der Umstand, dass gemäss Vertrag jegliche Auslagen und Unkosten
im Zusammenhang mit der Auftragsausführung als durch die Pauschale gemäss
Ziff. 3.1 (Retainer Fee) abgegolten galten, weshalb es einer gesonderten Grund-
lage für die zusätzlich anfallenden Auslagen für den Beizug der Kanzlei H._
angesichts der drohenden Inkraftsetzung der Sanktionen im Juli 2013 bedurft ha-
be.
6.3.3. Weshalb für die Tätigkeiten der Anwaltskanzlei H._ ein Prozenthonorar
– und nicht ein Honorar nach Aufwand – die angemessene Vergütungsart sein
sollte, wurde von der Klägerin nicht dargetan.
6.3.4. Zutreffend führt die Beklagte aus, dass selbst bei Zugrundelegung eines
Ansatzes von 1.85% lediglich ein bedeutend geringeres Honorar für H._ als
Auslagenersatz in Betracht käme (act. 35 Rz. 33): Gemäss Ziffer 4.1 des zwi-
schen der Klägerin und H._ abgeschlossenen und zu den Akten gereichten
Service Agreements (act. 32/43) fällt das Honorar auf der Summe an, bei welcher
H._ die Überweisung ermöglicht hat ("assisted to facilitate"). Diese Summe
beziffert die Klägerin, wie hiervor wiedergegeben, an einer Stelle mit AED 600 Mi-
- 46 -
o. (act. 31 Rz. 39 und 45; act. 32/37), an anderer Stelle mit AED 570 Mio. (act. 31
Rz. 15; act. 32/38). Soweit die Klägerin nach Aktenschluss weitere Zahlen zu den
nach der angekündigten Inkraftsetzung der Sanktionen zu tätigenden Transaktio-
nen vorbringt, ist nicht dargetan und nicht ersichtlich, inwiefern diese Vorbringen
im Lichte von Art. 229 Abs. 1 ZPO zulässig wären.
6.3.5. Aus dem Gesagten folgt, dass selbst bei Zugrundelegung eines Ansatzes
von 1.85% und der mit keinem Wort erläuterten Angemessenheit eines solchen
Prozenthonorars für ebenfalls nicht substantiiert dargelegte anwaltliche Dienstleis-
tungen von vornherein ein Betrag von maximal AED 10'545'000 überhaupt in Be-
tracht gekommen wäre (1.85% von AED 570 Mio.).
6.4. Fazit (Fees of H._)
Der Klägerin hat ihren Anspruch auf Ersatz von Auslagen ("Fees of H._ &
Associates") für anwaltliche Leistungen nicht rechtsgenügend dargetan (Höhe
und Notwendigkeit der Auslagen, Angemessenheit eines solchen Prozenthono-
rars), weshalb die Forderung abzuweisen ist.
7. Anspruch auf Bonus Payment
7.1. Parteistandpunkte
7.1.1. Die Klägerin macht einen Anspruch auf "Bonus Payment for Executives"
von AED 750'385, entsprechend 20% auf dem erzielten Zins auf den Bankgutha-
ben für entgegengenommene Kaufpreiszahlungen, geltend. Zur Begründung
stützt sie sich auf Ziffer 3.2 des Vertrags sowie – hinsichtlich des Prozentsatzes –
auf das im vorerwähnten iranischen Strafverfahren erstattete Gutachten (act. 1
Rz. 24; act. 3/18). Da ihre "Executives" den Betrag nicht selber eingefordert hät-
ten, sei sie zur Geltendmachung berechtigt (act. 31 Rz. 50).
7.1.2. Die Beklagte verneint einen Anspruch auf einen Bonus für Zinserträge aus
der kurzfristigen Anlage der über das Konto der Klägerin geleiteten Gelder. Nach
Ziff. 3.2. des Vertrags seien die "Executives" der Klägerin bonusberechtigt am
Gewinn von mit der Beklagten ausgeführten Projekten; dies möge im Einzelfall für
Geschäfte gemäss den Ziffern 2.1 bis 2.6 zutreffen, doch habe es solche nicht
- 47 -
gegeben. Auf die Tätigkeiten im Bereich der Zahlungsabwicklung (zweite Ziff. 2.6
des Vertrags) beziehe sich Ziff. 3.2 nicht, da das Betreuen des Zahlungsverkehrs
kein Projekt darstelle (act. 35 Rz. 37). Zudem fehle der Klägerin die Aktivlegitima-
tion und sei die Festlegung eines Prozentsatzes von 20% willkürlich und ohne
rechtliche Grundlage (act. 21 Rz. 19).
7.2. Würdigung
7.2.1. Aktivlegitimation
Bei einem Vertrag zugunsten eines Dritten kann der Promissar (Vertragsgläubi-
ger) verlangen, dass an den Dritten geleistet werde (Art. 112 Abs. 1 OR). Beim
unechten Vertrag zugunsten eines Dritten kann der Promissar die Drittbegünsti-
gungsklausel – vorbehältlich einer anderen Abrede – jederzeit und unabhängig
vom Einverständnis des Promittenten widerrufen, beim echten Vertrag zugunsten
eines Dritten solange, als der Dritte dem Promittenten noch nicht erklärt hat, dass
er von seinem Recht Gebrauch machen wolle (Art. 112 Abs. 3 OR). Beim Wider-
rufsrecht handelt es sich um ein grundsätzlich formfreies und empfangsbedürfti-
ges Gestaltungsrecht, das durch private Willenserklärung ausgeübt wird (PATRICK
KRAUSKOPF, Der Vertrag zugunsten Dritter, Freiburg, Diss. 2000, Rz. 630; MO-
HASSEB/VON DER CRONE, Widerrufbarkeit von Gestaltungsrechten, SZW/RSDA
4/2019, S. 430). Auch ein konkludenter Widerruf ist möglich, indem der Promissar
Leistung an sich selbst verlangt. Die Widerrufserklärung ist grundsätzlich an den
Promittenten zu richten (PATRICK KRAUSKOPF, a.a.O., Rz. 633).
Ob die in Ziffer 3.2 des Vertrags enthaltene Klausel
"A'._'s Executives are eligible and entitled to receive a bonus equal to [%) of the net profit ge-
nerated from the projects carried out with B._."
als echter oder als unechter Vertrag zugunsten eines Dritten zu qualifizieren ist,
kann offen bleiben, da vorliegend die strengeren Voraussetzungen des Widerrufs-
rechts des Promissars beim echten Vertrag zugunsten eines Dritten erfüllt sind:
Vorliegend wurde nicht bestritten, dass die "Executives" der Klägerin keine An-
sprüche auf ein Bonus Payment gegenüber der Beklagten geltend gemacht ha-
- 48 -
ben. Damit liegt keine Erklärung der Dritten im Sinne von Art. 112 Abs. 3 OR vor
und ist in der Geltendmachung des Bonus Payment mit vorliegender Klage ein
Widerruf der Drittbegünstigungsklausel gemäss Ziffer 3.2 des Vertrags gegenüber
der Beklagten zu sehen. Die Klägerin ist damit aktivlegitimiert.
- 49 -
7.2.2. Art und Höhe der Vergütung
7.2.2.1. In Ziffer 3.2 des Vertrags haben die Parteien einen Bonus für die Ge-
schäftsführer der Klägerin (Executives) auf dem Nettogewinn aus Projekten mit
der Beklagten vereinbart und dessen Höhe offengelassen. Dem Vorbringen der
Beklagten, wonach im Anfallen von Zins auf den von der Klägerin als
"pay/financial agent" entgegengenommenen und zur Weiterleitung bestimmten
Geldern kein Gewinn aus einem Projekt zu sehen ist, ist aufgrund des Wortlauts
der Bestimmung ("projects carried out with [Beklagte]") ohne Weiteres zuzustim-
men.
7.2.2.2. Die Klägerin substantiiert im Übrigen nicht, wie sich der Betrag von A-
ED 750'385 berechnet, noch weshalb ein Prozentsatz von 20% geschuldet sein
sollte. Mit dem Verweis auf das Gutachten aus dem Strafverfahren im Iran ("20%
of AED 750'385 as established by the court expert", act. 1 Rz. 24), tut die Klägerin
der ihr obliegenden Substantiierungslast, der im Rahmen der Rechtsschriften
nachzukommen ist (Urteil des Bundesgerichts vom 30. April 2018 [4A_443/2017]
E. 2.2.1), nicht Genüge. Zu verweisen ist im Übrigen auf die Erwägungen zum
Beweiswert des Gutachtens.
7.3. Fazit (Bonus Payment)
Der Anspruch der Klägerin auf ein "Bonus Payment" von AED 750'385 ist abzu-
weisen.
8. Gesamtfazit
Die Klägerin hat von den von F._ an sie geleisteten Zahlungen unbestritte-
nermassen einen Betrag von AED 60'929'968 zur Deckung eigener Ansprüche
zurückbehalten, welchen sie grundsätzlich der Beklagten weiterzuleiten gehabt
hätte (act. 1 Rz. 10, 19; act. 21 Rz. 14). In diesem Umfang hat die Beklagte für
den Fall, dass der Klägerin ihr gegenüber Ansprüche zustünden, Verrechnung er-
klärt (act. 21 Rz. 14).
- 50 -
Gemäss den obigen Erwägungen hat die Klägerin Anspruch auf eine Retainer
Fee (Generalunkostenpauschale) im Betrag von AED 5'390'000. Die weiteren gel-
tend gemachten Ansprüche – Fee for Services, Fees of H._, Bonus Payment
– sind abzuweisen.
Für eine zumindest teilweise Klagegutheissung hätte die Klägerin mit einer den
Betrag von AED 60'929'968 übersteigenden Forderung durchdringen müssen.
Dies ist ihr mit dem ausgewiesenen Anspruch auf AED 5'390'000 unter dem Ver-
trag nicht gelungen. Die Klage ist daher abzuweisen.
9. Kosten- und Entschädigungsfolgen
9.1. Streitwert
Der Streitwert wird durch das Rechtsbegehren bestimmt (Art. 91 Abs. 1 ZPO). Auf
eine Fremdwährung lautende Rechtsbegehren sind zum Umrechnungskurs am
Tag der Rechtshängigkeit umzurechnen (BGE 63 II 34 S. 35; Urteil des Bundes-
gerichts vom 3. November 2011 [4A_274/2011] E. 1). Die Klagesumme von A-
ED 83'286'913 entspricht per 24. August 2018 einem Streitwert von rund
CHF 22'308'400 (Kurs AED 1 = CHF 0.26785 [www.oanda.com]).
9.2. Gerichtskosten
Die Höhe der Gerichtsgebühr bestimmt sich nach der Gebührenverordnung des
Obergerichts vom 8. September 2010 (GebV OG; Art. 96 ZPO i.V.m. § 199 Abs. 1
GOG) und richtet sich in erster Linie nach dem Streitwert bzw. nach dem tatsäch-
lichen Streitinteresse (§ 2 Abs. 1 lit. a GebV OG). Zu berücksichtigen sind zudem
der Zeitaufwand des Gerichts sowie die Schwierigkeit des Falls (§ 2 Abs. 1 lit. c
und d GebV OG). In Anwendung von § 2 Abs. 1 lit. a, c und d GebV OG i.V.m. § 4
Abs. 1 und 2 GebV OG sowie unter Berücksichtigung des Äquivalenzprinzips ist
die Gerichtsgebühr auf CHF 180'000.– festzusetzen und ausgangsgemäss der
Klägerin aufzuerlegen (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Die Kosten sind aus dem von der
Klägerin geleisteten Vorschuss zu beziehen (Art. 111 Abs. 1 ZPO).
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9.3. Parteientschädigung
Ausgangsgemäss hat die Klägerin der Beklagten sodann eine Parteientschädi-
gung zu bezahlen (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Deren Höhe richtet sich nach der An-
waltsgebührenverordnung vom 8. September 2010 (AnwGebV; Art. 105 Abs. 2
und Art. 96 ZPO). Grundlage ist in erster Linie der Streitwert. Zu berücksichtigen
sind die Verantwortung und der Zeitaufwand des Anwalts sowie die Schwierigkeit
des Falls (§ 2 Abs. 1 AnwGebV). Der Anspruch auf die Gebühr entsteht mit der
Erarbeitung einer Rechtsschrift und deckt auch den Aufwand für die Teilnahme an
der Hauptverhandlung ab (§ 11 Abs. 1 AnwGebV). Für die Teilnahme an zusätzli-
chen Verhandlungen und für weitere notwendige Rechtsschriften wird ein Einzel-
zuschlag von je höchstens der Hälfte der Grundgebühr oder ein Pauschalzu-
schlag berechnet (§ 11 Abs. 2 AnwGebV). Bei einem offensichtlichen Missver-
hältnis zwischen dem Streitwert und dem notwendigen Zeitaufwand der Vertre-
tung wird die gemäss Verordnung berechnete Gebühr entsprechend erhöht oder
herabgesetzt (§ 2 Abs. 2 AnwGebV). Die Rechtsschriften der Beklagten umfassen
10 (Klageantwortschrift, 1 Beilage), 14 (Duplik, 2 Beilagen) und 3 Seiten (Noven-
eingabe, act. 58, 1 Beilage). Die Vergleichsverhandlung vom 4. Juli 2019 dauerte
rund sechs Stunden (Prot. S. 12 f.). Die nach verfügtem Aktenschluss erfolgten
Schriftsätze der Beklagten waren mit Ausnahme der erwähnten Noveneingabe
vom 22. März 2021 (1 Beilage) nicht notwendig im Sinne von § 11 Abs. 2 Anw-
GebV und sind daher nicht zusätzlich zu entschädigen. In Anwendung von § 2
Abs. 1 lit. a, c, d, e sowie Abs. 2 AnwGebV i.V.m. § 4 Abs. 1 und 2 AnwGebV er-
scheint eine Gebühr in der Höhe von CHF 130'000.– als angemessen und ge-
rechtfertigt. Ein Mehrwertsteuerzuschlag entfällt, da ein solcher nicht beantragt
wurde und die Beklagte im Übrigen im Ausland domiziliert ist, weshalb die anwalt-
lichen Leistungen ihres Rechtsvertreters nicht mehrwertsteuerpflichtig sind.
Die Klägerin ist demnach zu verpflichten, der Beklagten eine Parteientschädigung
von CHF 130'000.– zu bezahlen. Diese ist der Beklagten nach Ablauf der
Rechtsmittelfrist direkt von der Obergerichtskasse aus der von der Klägerin dafür
geleisteten Sicherheit auszubezahlen, vorbehältlich der Erteilung der aufschie-
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benden Wirkung der Beschwerde durch das Bundesgericht (Art. 103 Abs. 2 lit. a
und Abs. 3 BGG).
Das Handelsgericht erkennt:
1. Die Klage wird abgewiesen.
2. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf CHF 180'000.–.
3. Die Kosten werden der Klägerin auferlegt und aus dem von ihr geleisteten
Kostenvorschuss gedeckt.
4. Die Klägerin wird verpflichtet, der Beklagten eine Parteientschädigung in der
Höhe von CHF 130'000.– zu bezahlen.
Die von der Klägerin geschuldete Parteientschädigung wird der Beklagten
direkt von der Obergerichtskasse aus der von der Klägerin dafür geleisteten
Sicherheit ausbezahlt, vorbehältlich der Erteilung der aufschiebenden Wir-
kung der Beschwerde durch das Bundesgericht (Art. 103 Abs. 2 lit. a und
Abs. 3 BGG).
5. Schriftliche Mitteilung an die Parteien.
6. Eine bundesrechtliche Beschwerde gegen diesen Entscheid ist innerhalb
von 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht,
1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Be-
schwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder
Art. 113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42
und 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). Der Streit-
wert beträgt CHF 22'308'400.–.
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## Considerations