# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 591804c0-4171-4c19-9b42-8914c310a15d
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2005
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ R.S., geboren 1964, ist türkischer Staatsangehöriger. Er lebte zwischen 1989 und
2000 mehrheitlich als Asylbewerber in Deutschland und in Oesterreich. Am 3.
September 2000 reiste er illegal in die Schweiz ein und beantragte unter falschem
Namen Asyl. In der Folge wurde seine richtige Identität ermittelt, und er wurde am 7.
März 2001 nach Deutschland zurückgeführt.
Am 10. April 2001 reichte R.S. auf der Schweizer Vertretung in Stuttgart ein
Einreisegesuch zwecks Vorbereitung der Ehe ein. Am 26. Juli 2001 heiratete er in St.
Gallen die Schweizer Bürgerin P.E., geboren 1956. Aufgrund der Heirat mit einer
Schweizerin erteilte das Ausländeramt des Kantons St. Gallen R.S. eine ordentliche
Jahresaufenthaltsbewilligung im Rahmen des Familiennachzugs.
Anfangs 2004 zog R.S. aus der ehelichen Wohnung aus.
Mit Verfügung vom 18. Januar 2005 wies das Ausländeramt das Gesuch von R.S. um
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung ab. Zur Begründung wurde angeführt, die
Berufung des Gesuchstellers auf die bestehende Ehe sei rechtsmissbräuchlich.
B./ Gegen die Verweigerung der Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung erhob der
Gesuchsteller Rekurs, der vom Justiz- und Polizeidepartement mit Entscheid vom 11.
April 2005 abgewiesen wurde.
C./ Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 26. April 2005 erhob R.S. Beschwerde
beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der Rekursentscheid sei aufzuheben und es
sei ihm die Jahresaufenthaltsbewilligung zu verlängern, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zulasten des Staates. Zur Begründung wird im wesentlichen
vorgebracht, die Vorinstanz habe die Berufung auf die bestehende Ehe zu Unrecht als
rechtsmissbräuchlich qualifiziert. Auf die weiteren Vorbringen wird, soweit wesentlich,

## Considerations

in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 24. Mai 2005 unter Hinweis auf
die Erwägungen des angefochtenen Entscheides auf Abweisung der Beschwerde.
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Darüber wird in Erwägung gezogen:
1./ Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeschrift vom 26. April 2005
entspricht zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1
in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2./ Strittig ist die Frage, ob die Vorinstanz und das Ausländeramt die Berufung auf die
Ehe zu Recht als rechtsmissbräuchlich qualifizierten.
Nach Art. 7 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer (SR
142.20, abgekürzt ANAG) hat der ausländische Ehegatte einer Schweizer Bürgerin
Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung. Nach einem
ordnungsgemässen und ununterbrochenen Aufenthalt von fünf Jahren hat er Anspruch
auf die Niederlassungsbewilligung. Der Anspruch erlischt, wenn ein Ausweisungsgrund
vorliegt. Kein Anspruch besteht nach Absatz 2 dieser Vorschrift, wenn die Ehe
eingegangen worden ist, um die Vorschriften über Aufenthalt und Niederlassung von
Ausländern und namentlich jene über die Begrenzung der Zahl der Ausländer zu
umgehen. Erfasst wird davon die sogenannte Scheinehe bzw. Ausländerrechtsehe, bei
der die Ehegatten von vornherein keine echte eheliche Gemeinschaft beabsichtigten
(BGE 128 II 151, 127 II 55 mit Hinweisen). Auch wenn die Ehe nicht bloss zum Schein
eingegangen worden ist, heisst dies jedoch nicht zwingend, dass dem ausländischen
Ehepartner der Aufenthalt ungeachtet der weiteren Entwicklung gestattet werden
muss. Zu prüfen ist insbesondere, ob sich die Berufung auf die Ehe nicht anderweitig
als rechtsmissbräuchlich erweist (BGE 128 II 151 mit Hinweis).
a) Rechtsmissbrauch liegt vor, wenn ein Rechtsinstitut zweckwidrig zur Verwirklichung
von Interessen verwendet wird, die dieses Rechtsinstitut nicht schützen will (BGE 128 II
151, 127 II 56 je mit Hinweisen). Im Zusammenhang mit Art. 7 ANAG ist dies dann der
Fall, wenn sich der Ausländer in einem fremdenpolizeilichen Verfahren auf eine Ehe
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beruft, welche nur noch formell und ohne Aussicht auf Aufnahme bzw.
Wiederaufnahme einer ehelichen Gemeinschaft besteht (BGE 128 II 151 mit Hinweis
auf BGE 127 II 56, 123 II 50 f.). Ein Rechtsmissbrauch darf nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht leichthin angenommen werden, namentlich
nicht schon deshalb, weil die Ehegatten nicht mehr zusammenleben oder ein
Eheschutz- oder Scheidungsverfahren eingeleitet worden ist (BGE 128 II 151).
Erforderlich sind konkrete Hinweise darauf, dass die Führung einer
Lebensgemeinschaft nicht mehr beabsichtigt und nicht mehr zu erwarten ist (BGE 128
II 151, 127 II 57). Wie es sich damit verhält, entzieht sich in der Regel dem direkten
Beweis und ist oft nur durch Indizien zu ermitteln (BGE 128 II 152, 127 II 57).
b) Zwar ist nach dem Gesagten aufgrund der Trennung der Eheleute allein nicht ohne
weiteres auf eine rechtsmissbräuchliche Berufung auf den formalen Bestand der Ehe
zu schliessen. Aufgrund des Schreibens der Ehefrau vom 31. Juli 2004 an das
Ausländeramt (act. 156 der Akten des Ausländeramts) kann es jedoch keinem
vernünftigen Zweifel unterliegen, dass sich die Ehefrau definitiv und unwiderruflich
dazu entschlossen hat, die eheliche Gemeinschaft nicht wieder aufzunehmen. Daran
vermag die Tatsache, dass derzeit kein Scheidungsverfahren anhängig ist, nichts zu
ändern. Die Ehefrau verwies am Schluss ihres Schreibens ausdrücklich auf die
gesetzliche Trennungsfrist. Auch aus dem Rückzug des gemeinsamen
Scheidungsbegehrens lässt sich nichts zugunsten des Beschwerdeführers ableiten,
zumal der Beschwerdeführer erst nach dem Rückzug des Scheidungsbegehrens aus
der ehelichen Wohnung auszog. Eine Befragung der Ehegatten erscheint aufgrund der
klaren Aeusserungen der Ehefrau nicht geeignet, neue und wesentliche Erkenntnisse zu
liefern, zumal der Ehewille ohnehin eine innere Tatsache ist, die nach ihrem Wesen
einem strikten Beweis nicht zugänglich ist und Aussagen der direkt beteiligten Eheleute
in der Regel keine weitere Klärung der Sachlage bringen, weshalb auf objektive
Anhaltspunkte abzustellen ist.
Aus dem Gesagten ergibt sich, dass Ausländeramt und Vorinstanz zu Recht davon
ausgegangen sind, der Beschwerdeführer berufe sich rechtsmissbräuchlich auf den
Bestand der Ehe.
c) Zu prüfen bleibt, ob die Behörde das ihr in Art. 4 ANAG eingeräumte Ermessen
pflichtgemäss wahrgenommen hat.
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Das Verwaltungsgericht übt lediglich eine Rechtskontrolle aus (Art. 61 Abs. 1 und 2
VRP). Im Streitfall kann somit nur geprüft werden, ob die Verwaltung ihr Ermessen
überschritten oder missbraucht hat und damit rechts-widrig handelte, als sie die
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung verweigerte. Das Verwaltungsgericht hat den
Ermessensspielraum der Verwaltung zu respektieren, wenn diese bei ihrem Entscheid
von sachlichen und vernünftigen Ueberlegungen ausging, die im Einklang mit Sinn und
Zweck des Gesetzes stehen (GVP 1996 Nr. 9 und 1998 Nr. 71).
Nach der Praxis des Ausländeramts wird die Aufenthaltsbewilligung in gewissen Fällen
zwar auch nach der Auflösung der Ehe bzw. der ehelichen Gemeinschaft verlängert. Als
massgebend werden dabei nach den Weisungen des Bundesamts für Migration (Ziff.
654) unter anderem die Dauer der Anwesenheit in der Schweiz, insbesondere wenn
Kinder vorhanden sind, die berufliche Situation, die Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage
sowie das Verhalten und der Integrationsgrad betrachtet. Zu berücksichtigen sind
ferner die Umstände, die zur Auflösung der Ehe geführt haben. Nach der ständigen
Praxis des Ausländeramts wird bei einer Dauer der ehelichen Gemeinschaft von fünf
Jahren und mehr in der Regel eine Jahresaufenthaltsbewilligung nicht mehr widerrufen
(ABl 2001, S. 32).
Inwiefern die Ausführungen in der Beschwerde überhaupt eine Rechtswidrigkeit
darzutun vermögen oder lediglich die Ermessensbetätigung des Ausländeramts bzw.
der Vorinstanz kritisieren, was im Beschwerdeverfahren wie erwähnt nicht zulässig
wäre, erscheint fraglich, kann aber offen bleiben. Ein Ermessensmissbrauch liegt
offensichtlich nicht vor. Die eheliche Gemeinschaft dauerte lediglich knapp zweieinhalb
Jahre. Der Beschwerdeführer hält sich sodann erst seit August 2001 und damit seit
weniger als vier Jahren dauernd mit einer Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz auf.
Ausserdem blieb die Ehe kinderlos. Schliesslich ist der Beschwerdeführer arbeitslos,
weshalb auch im Lichte der Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage keine Gründe bestehen,
die eine Verlängerung der Bewilligung rechtfertigen. Im weiteren sprechen die geltend
gemachten Umstände der Trennung nicht zugunsten einer Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung. Unter diesen Umständen ist es nicht zu beanstanden, dass die
Aufenthaltsbewilligung nach der Trennung der Eheleute nicht mehr verlängert wurde.
Der Beschwerdeführer kann im übrigen seine Rechte im Ehescheidungsverfahren auch
vom Ausland aus wahrnehmen. Schliesslich war die Frage der Erteilung einer
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Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 13 lit. f der Verordnung über die Begrenzung
der Zahl der Ausländer (SR 823.21) nicht Gegenstand des angefochtenen
Rekursentscheids, weshalb auf die entsprechenden Ausführungen in der Beschwerde
nicht weiter einzugehen ist. Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer Ende 2003 zu
Ferienzwecken in die Türkei reiste, was darauf schliessen lässt, dass er mit seinem
Herkunftsstaat trotz des jahrelangen Aufenthalts in Westeuropa noch Verbindungen
pflegt und eine Rückkehr nicht mit überdurchschnittlichen Problemen verbunden ist.
d) Zusammenfassend ergibt sich aus den vorstehenden Erwägungen, dass die
Beschwerde als unbegründet abzuweisen ist, soweit darauf eingetreten werden kann.
3./ Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif, sGS
941.12). Sie ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechnen.
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98bis VRP).