# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 38035db5-d5bb-4be9-af7d-57e0e1fe673a
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1961 geborene
X._
, ohne Berufsausbildung und Mutter zweier 1980
und 1982 geborener Kinder,
reiste 1982 aus Kroatien in die Schweiz ein und
arbei
tete zuletzt vom
2.
April 2001 bis 2
3.
April 2012
teilzeitlich
als
Kioskver
käuferin (
Urk.
7/139/6)
.
Aufgrund einer
im
Juni
2007 erfolgten Erstanmeldung
zum Leis
tungsbe
zug
(
Urk.
7/1)
sprach ihr die Sozialversicherungsanstalt des
Kan
tons Zürich, IV-Stelle,
bei einem nach der gemischten Methode ermittelten IV-Grad von
43 %
rückwirkend ab 1.
Januar 2007 eine Viertelsrente der Invaliden
versi
cherung zu (vgl. Verfüg
ung vom
3.
Juli 2008,
Urk.
7/33
f.
; vgl. auch Abklä
rungs
bericht vom 2
8.
April 2008,
Urk.
7/27
). Im Zuge der 2009 eröffnete
n amt
lichen
Revision (Urk. 7/38
ff.) und nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
7
/54,
Urk.
7/56) hob die IV-Stelle die bisherige Rente mit Verfügung vom
5.
Juli 2010
auf das Ende des nach Zustellung der Verfügung folgenden Monats auf (
Urk.
7/
66).
1.2
Im November 2012 meldete sich die Versicherte erneut bei der IV-Stelle zum Leis
tungsbezug (Berufliche Integration/Rente) an (
Urk.
7/68). Nach entsprechen
den Abklärungen teilte ihr die IV-Stelle am 2
3.
Juli 2013 mit, aus gesundheitlichen
Gründen seien derzeit keine beruflichen Massnahmen möglich (
Urk.
7/88). Im Hin
blick auf die Rent
enprüfung veranlasste die IV-Stelle
das polydisziplinäre
(Allge
meine Medizin/Psychiatrie/Orthopädie)
Gutachten
der Mediz
i
nischen Abklä
rungs
stelle
(MEDAS) Y._
vom
8.
Mai 2014 (Eingangsdatum,
Urk.
7/10
0/2-43
;
mit
Ergänz
ung vom 1
2.
November 2014, Urk.
7/115
).
Gestützt darauf und n
ach durch
geführtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
7/103,
Urk.
7/109 f.) verneinte die IV-Stel
le mit Verfügung vom 1
9.
Januar 2015 einen Rentenanspruch der Versicherten (
Urk.
7/122).
Dieser Entscheid verblieb unangefochten.
1.3
Auf die Neuanmeldung vom
April 2016 (
Urk.
7/125)
trat die IV-Stelle m
it Ver
fü
gung vom 2
7.
September 2016 nicht ein (
Urk.
7/133; vgl. auch Vorbesch
eid vom 1
1.
August 2016,
Urk.
7/
132).
1.4
Am
1
8.
November 2019 (Eingangsdatum
) meldete sich die Versicherte unter Hin
weis auf eine/n Hirnschlag, Herzinfarkt
,
Überforderung im Beruf (stressbedingt), Depression, Erschöpfungszustand sowie Hirntumor abermals bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug (Berufliche Integration/Rente) an (
Urk.
7/139)
.
Mit Schreiben vom 2
1.
November 2019
forderte die IV-Stelle die Ver
sicherte zwecks Glaubhaft
machens einer wesentlic
hen Veränderung auf, bis am 31.
Dezember 2019 Be
weis
mittel einzureichen (
Urk.
7/140).
Gestützt auf die i
nnert Frist
eingereichten
Arzt
berichte (
Urk.
7/141
/1-20) zeigte
die
IV-Stelle mit Vorbescheid vom 1
7.
Jan
uar 2020
zunächst
Nichteintreten
an
(Urk.
7/143
)
. Auf
de
n
Ein
wand
der Versicherten
hin (
Urk.
7/144,
Urk.
7/148)
holte sie
die
Verlaufsbericht
e
von
Dr.
med.
Z._
, Fa
chärztin FMH für Innere Medizin,
vom 2
9.
April 2020 (
Urk.
7/151)
und
Dr.
med.
A._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
B._
,
vom 2
0.
Oktober 2020
ein
(
Urk.
7/155). Nach durchgefüh
rtem Vorbescheidverfahren (Urk.
7/160, Urk.
7/165) wies die IV-Stelle das L
eistungsbegehren
mit Verfügung vom 1
9.
Juli 2021 ab (
Urk.
2)
.
2.
Dagegen erhob
X._
am
9.
September 2021 (Eingangsdatum) Beschwerde und beantragte, es sei ihr in Aufhebung der
angefochtenen Verfügung vom 19.
Juli 2021 spätestens ab
1.
Mai 2020 eine ganze Rente zuzusprechen. Even
tualiter sei ein neutrales, umfassendes, polydisziplinäres G
utachten unter Be
rücksichtigung
der Schmerzrechtsprechung gemäss BGE 141 V 281 in Auftrag zu geben (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwo
rt vom 1
8.
Oktober 2021
schloss die Beschwerde
gegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), was der Beschwer
deführer
in
am 1
9.
Oktober 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen Einspracheentscheids eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
fol
gend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der
durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
G
emäss der mit
BGE 130 V 352
begründeten und seither stetig weiter entwick
el
ten Rechtsprechung vermochten eine fachärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte somatoforme Schmerzstörung und vergleichbare psychosomatische Leiden (
BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3, 142 V 342
) in der Regel keine lang dauernde, zu einer Inva
li
dität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG führende Arbeitsunfähigkeit zu bewirken. Vielmehr bestand die Vermutung, dass solche Beschwerdebilder oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar seien und nur bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machten, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorlag, entschied sich im Ein
zelfall anhand verschiedener Kriterien (so genannte «Foerster-Kriterien», vgl. BGE 130 V 352, BGE 131 V 49 E. 1.2, je wiedergegeben BGE 139 V 547 E. 5 mit weiteren Hinweisen).
Mit BGE 141 V 281 hat das Bundesgericht die Überwindbarkeitsvermutung auf
ge
geben und das bisherige Regel-/Ausnahme-Modell durch einen strukturierten normativen Prüfungsraster ersetzt. In dessen Rahmen wird im Regelfall anhand von auf den funktionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren das tat
sächlich erreichbare Leistungsvermögen ergebnisoffen und symmetrisch beurteilt, indem gleichermassen den äusseren Belastungsfaktoren wie den vorhandenen Ressourcen Rechnung getragen wird (BGE 141 V 574 E. 4.1; Urteil des Bun
des
gerichts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2). Gemäss BGE 143 V 418 (E. 7) sind neu sämtliche psychischen Leiden, laut BGE 143 V 409 (E. 4.5.2) namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, einem strukturierten Beweisver
fah
ren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung
; vgl. auch zur Publikation vorgesehenes Urteil des Bundesgerichts 8C_280/2021 vom 1
7.
November 2021 E. 6.2.2
).
1.4
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3 IVV eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraus
set
zungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revi
sions
gesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der ver
sicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass die Vorbringen der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versi
cherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tat
sächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revi
sionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festge
stellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Inva
lidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (
Urteil des Bundesgerichts 9C_351/2020 vom 21. September 2020 E. 3.1, insbesondere mit Hinweis auf
BGE
117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.5
Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung ist von Amtes wegen zu prüfen, ob seit der ersten Rentenverfügung zwischenzeitlich eine erneute materielle Prüfung des Rentenanspruchs stattgefunden hat. War dies nicht der Fall, so ist auf die Entwicklung der Verhältnisse seit der ersten Ablehnungsverfügung abzustellen; wie im Revisionsverfahren bleiben allfällige, vorangehende Nichteintretensver
fü
gungen aufgrund des fehlenden Abklärungs- und bloss summarischen Begrün
dungs
aufwandes der Verwaltung unbeachtlich. Erfolgte dagegen nach einer ers
ten Leistungsverweigerung eine erneute materielle Prüfung des geltend gemachten Rentenanspruchs und wurde dieser nach rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhalts
punkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheits
zustands) abermals rechtskräftig verneint, muss sich die leistungsansprechende Person dieses Ergebnis – vorbehältlich der Rechtsprechung zur Wiedererwägung oder prozessualen Revision (vgl. BGE 127 V 466 E. 2c mit Hinweisen) – bei einer weiteren Neuanmeldung entgegenhalten lassen (BGE 130 V 71 E. 3.2.3; vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.3 f.).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung erwog die Beschwerdegegnerin, seit dem ab
schlägigen Rentenentscheid vom 1
9.
Januar 2015 habe sich keine Veränderung in der gesundheitlichen Situation der Beschwerdeführerin ergeben.
Es bestehe weiterhin kein Anspruch auf eine Rente.
Weitere Abklä
rungen seien nicht not
wendig
(
Urk.
2).
2.2
Dagegen wandte die Beschwerdeführer
in
ein,
seit der Ablehnung des Renten
be
gehrens am 1
9.
Januar 2015 habe sich sowohl ihr Gesundheitszustand massiv verändert
als auch
die Rechtsprec
hung mit BGE 141 V 28
1.
Zur Neurasthenie seien eine rezidivierende depressive Störung, mindestens leichte Episode
,
sowie ein Status nach dissoziativer Bewegungsstörung hinzugekomme
n. Zudem
sei sie auf dem linken Auge erblindet,
bestehe ein rezidivier
endes Schleiersehen rechts und
eine
zunehmende Belastungsi
n
kontinenz
.
D
er Beschwerdeführerin
sei
s
eitens der Behandler eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden.
Obwohl die Beschwerdegegnerin auf die Neuanmeldung eingetreten sei, habe sie lediglich zwei Arztberichte eingeholt. Die polymorbide Beschwerdeführerin könne ihre an
ge
stammte Tätigkeit als Kioskverkäuferin seit Jahren nicht mehr ausüben und
sei
bereits über 61 Jahre alt. Die
«Resteins
atzzeit» bis zur Pensionierung wäre nur
noch sehr beschränkt wirtschaftlich verwertbar und die Beschwerdeführerin daher
nicht vermittelbar. Zudem habe die
Beschwerdegegnerin
Eingliederungsmass
nah
men bis dato verweigert.
Aufgrund d
er 100%igen
Arbeitsunfähigkeit bestehe
ab dem
1.
Mai 2020 ein
Anspruch auf eine ganze Rente. Eventualiter sei ein poly
disziplinäres Gutachten zu veranlassen (
Urk.
1).
3.
Strittig und zu prüfen ist, ob
bei der Beschwerdeführerin
eine anspruchsrelevan
te Veränderung
eingetreten ist; zeitlicher Referenzpunkt bildet
die
rechtskräftige
Verfügung
vom 1
9.
Januar 2015
(
Urk.
7/122
, vgl. E.
1.2
), welche sich in medi
zi
nischer Hinsicht
auf das
polydisziplinäre
MEDAS-Gutachten
vom 8.
Mai 2014 (Eing
angsdatum,
Urk.
7/100
/1
-43)
abstützte.
3.1
Darin diagnostizierten die begutachtenden Fachärzte eine Neurasthenie (ICD-10: F48.0) mit/bei akzentuierten dissoziativen Persönlichkeitszügen (ICD-10: Z 73.1)
und zum Teil erfüllten Foersterkriterien. Ohne wesentliche Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hielten sie folgende Diagnosen fest (
Urk.
7/100/30):
-
Hypertonie (ICD-10: I10), Februar 2012
-
behandelt seit Februar 2012
-
cRF: positive Familienanamnese, Hypertonie, Adipositas (BMI 37.5), Hyperlipidämie
-
Metabolisches Syndrom
-
Diabetes mellitus Typ II (Erstdiagnose Februar 2012, ICD-10: E12.9)
-
Adipositas Grad II, BMI 37.5 (ICD-10: E 66.0)
-
Hyperlipidämie (ICD-10: E 66.0)
-
Chronisches cervi
kospondylogenes
Schmerzsyndrom ohne Funktions
defi
zite mit/bei
-
Facettengelenksarthrose C3-C4 hypertroph und diskrete Atlantodental
gelenksarthrose
-
Lumbosakralgie mit muskulärer Dysbalance, Beckenbodenschwäche und Hyperlordose
-
Status nach Trapezium-Resektionsplastik links
nach Epping (April
2013) wegen Rhizarthrose und geringer Schwäche des linken Daumens beim Spitzgriff
-
Fersenschmerzen beidseits bei Verdacht auf Plantarfasziitis und muskulä
rer Dysbalance
-
Knick-Senkfuss
-
Hallux valgus links mehr als rechts
-
Hypovitaminose D
-
Belastende Lebensumstände durch kranke Person in der Familie (ICD-10: Z63.7)
In der Vorgeschichte habe die Beschwerdeführerin
1995 in Kroatien ein Schleu
dertrau
ma erlitten. Sie sei diesbezüglich in Behandlung gewesen und die
akuten Beschwerden
seien
abgeklungen. Später habe sie immer wieder an Nacken
be
schwerden rechtsbetont gelitten. 2009 seien Fersenschmerzen beidseits aufge
tre
ten. Die Behandlung habe zu einem Rückgang der Schmerzen geführt.
Nach einer Schnittverletzung im Bereich der linken Hohlhand sei
die Beschwerde
führerin
wiederholt zur Narbenkorrektur in handchirurgischer Behandlung gewesen.
Als
dann sei 2009 eine Ringbandspal
tung Dig I links d
urchgeführt worden. 2013 sei sie
infolge
einer Rhizarthrose links operiert worden
.
In somatischer Hinsicht habe die Beschwerdeführerin rechtsbetonte
Kopf- und Nackenschmerzen, die sich nur kurzfristig unter phys
ikalischen Massnahmen besserten, berichtet.
Zudem habe sie s
eit ca. acht Jahren vermehrt Beschwer
den
im Steissbeinbereich und träten
lumbago
ähnliche Schmerzen auf.
Sie könne des
wegen nicht länger sitzen oder stehen.
Weiter bestehe
eine Kraftminderung und Kraftlosi
gkeit in der linken Hand
.
Im Zusammenhang mit der Hypertonie und Diabetes mellitus sei die Beschwerdeführerin derzeit beschwerdefrei
(
Urk.
7/100/23)
.
Radiologisch hätten
sich – näher bezeichnete - diskrete degene
rative HWS- und LWS-Veränderungen in den cranialen cervikalen Bewegungs
segmenten, auf Höhe C3/C4 sowie im Facettengelenk
gezeigt. Die klinisch fest
ge
stellten
Klopf- und Druckdolenzen sowie schmerzbedingten Bewegungsein
schrä
n
kungen seien damit erklärbar; e
ine myofaciale bzw. facettogene Genese sei anzunehmen.
Zudem sei die körperliche Belastbar
keit zumindest teilweise infolge der
deutlich progredien
te
n
Adipositas eingeschränkt.
Zudem
bestehe eine
musku
läre Dysbalance
, welche ebenfalls
im Zusammenhang mit der Dekonditionierung der Beschwerdeführerin
stehe
.
Für die beklagten Fersenschmerzen bestünden radiologisch keine Hinweise auf einen Fersensporn.
Das Gangbild sei unauffällig und der Spitzen- und Fersengang intakt.
Bei regelrechten Weichteil- und knöch
ernen Verhältnissen sei eine Plantarfasziitis anzunehmen
(
Urk.
7/100/14 ff.,
Urk.
7/100/24 f.
)
.
In psychiatrischer Hinsicht leide
d
ie Beschwerdeführerin nach eigenen Angaben
seit
fünf bis sechs Jahren
an einer Depression. Aktuell bestehe eine w
öchentliche Psychotherapie. Die
Tochter
der Beschwerdeführerin
leide an Epilepsie und Schizophrenie und habe immer wieder Selbstmordversuche unternommen. Als
dann sei sie (die Beschwerdeführerin) v
or ca. acht Jahren
am Kreuzplatz Zeug
i
n eines Überfalls geworden; die vermummten Täter seien geflüchtet. Das Ereignis habe sie derart schockiert, dass sie daraufhin dreieinhalb Monate im Sanatorium
C._
stationär habe behandelt werden müssen. Bei einem weiteren Ereignis, e
benfalls am Kreuzplatz, habe die Beschwerdeführerin
gesehen, wie sich eine Stammkundin vor ihren Augen vor das fahrende Tram geworfen habe. Die
s
habe bei ihr einen Schockzustand ausgelöst und zu einer dreimonatigen Arbeits
un
fähigkeit geführt. Sie leide seither an starken Depressionen. Als
schliesslich
ihre Chefin und gute Arbeitskollegin am
8.
April 2012
an Krebs gestorben sei, sei die
Beschwerdeführerin
derart belastet
gewesen, dass sie seit dem 22.
April 2012 nicht
mehr habe arbeiten können
. Zudem habe sie vor ca. 12 Jahren
durch einen Spon
tanabort
Zwillinge
verloren. Daraufhin habe sie Lähmungen in beiden Beinen und Armen gehabt, im Rollstuhl gesessen und sei stationär psychiatrisch behandelt
worden
(
Urk.
7/100/
17 ff.
,
Urk.
7/100/32).
In o
bjektiv
er Hinsicht
habe sich die bewusstseinsklare und allseits orientierte Beschwerdeführerin in einem guten All
gemein- und Ernährungszustand gezeigt. Sie habe Traumatisierungen berich
tet, dabei aber emotional wenig beteiligt gewirkt.
Die Beschwerdeführerin wirke
gleichgültig und emotionslos.
Gedächtnis-, Konzentrations- oder Aufmerksam
keitsstörungen bestünden nicht
. Dasselbe gel
te für inhaltliche Denk-
und/oder Sinnes
störungen. Die Stimmung sei zeitweise gedrückt und die Modulations
fähig
keit etwas reduziert. Der affektive Rapport sei distanziert. Mimik, Gestik, Antrieb und Psychomotorik seien unauffällig.
Demgegenüber
bestünden eine vielfältige Klagsamkeit, Versagens- und Erschöpfungsgefühle, mangelhaftes Durchsetzungsvermögen bei einer generellen Ich-Schwäche mit Selbstun
sicher
heit und Bedrücktheit. Dies komme eine
r
Neurasthenie gleich. Bei mangelhafter allgemeiner Belastbarkeit
und akzentuierten dissoziativen Persönlichkeitszügen
habe die Beschwerdeführerin nach belastenden Ereignissen
im Rahmen einer Anpassungsstörung jeweils
eine leichte bis mittelschwere depressive Reaktion entwickelt. Dies führe dazu, da
ss die Beschwerdeführerin
auch dissoziative Symp
tome wie Lähmungserscheinungen und Somatisierungen zeige.
Andererseits könnten diffuse Missempfindungen und vegetative Labilität ebenso zum Krank
heitsbild der Neurasthenie gehören. Jedenfalls handle es sich um ein syndromales Geschehen, dass jeweils Krankheitswert erreiche, wenn die Beschwerdeführerin
psychosozialen Belastungsfaktoren ausgesetzt sei. Neben dem syndromalen Leiden
bestehe bei der Beschwerdeführerin keine psychische Störung von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägun
g und Dauer
(
Urk.
7/100/18 f.).
Aus polydisziplinärer Sicht sei die Beschwerdeführerin
seit April 2012
aufgrun
d der Neurasthenie und
teilweise erfüllten Foersterkriterien
für sämtliche Tätig
kei
ten zu 30
%
eingeschränkt, welche Einschätzung die Gutachter in den ergän
zen
den Ausführungen vom 1
2.
November 2014
(
Urk.
7/115)
bestätigten.
Das Selbst
einschätzungspotential der Beschwerdeführerin sei mit 70 bis 200 möglichen Punkten demgegenüber
tief
(
Urk.
7/100/
33 f
f.
;
Urk.
7/100/115
).
3
.
2
Im Rahmen der Neuanmeldung liegen im Wesentlichen die nachfolgenden
Be
richte
bei den Akten.
3.2.
1
Die seit Mai 2015 behandelnde
Dr.
Z._
hielt
im Bericht vom 10.
Mai 2016 (1)
eine
arterielle Hypertoni
e, (2) Diabetes mellitus Typ II,
intermittierend unter OAD, Diät, (3) Adipositas, Dyslipidämie, (4) Depression, (5)
Amotio links (Juli
2014
)
bei akuter Netzhautablösung, (6)
eine
Ritzarthrose links, (7) ein r
e-betontes ver
tebro
genes Schmerzsyndrom, (8) c
hronische
s
Schmerzsyndro
m
,
DD Fibro
my
algie sowie (9)
D
ranginkontine
nz
, TVT März 2007
fest
. Die Beschwerdeführerin leide neben den körperlichen Beschwerden
mit Status nach Erblindung auf dem linken Auge durch Netzhautablösung im Juli 2014
unter einer mittelgradigen bis schwe
ren Depression im Sinne eines chronischen und anhaltenden Erschöpfungs
zu
standes. Diese sei mitverursacht durch die sehr schwierigen sozialen Verhält
nisse
(schizophrene Tochter, die kontinuierlich Betreuung brauche und bei den Eltern wohne
,
sowie der schwer kranke Ehemann,
Urk.
7/141/3).
3
.2
.2
Im Bericht v
om 1
7.
Mai 2016 diagnostizierte
Dr.
med.
D._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie und Oberärztin,
B._
, (1) eine
rezi
di
vierende depress
ive Störung, gegenwärtig mittelgradige
Episode (
ICD-10: F33.1
), (2) Status nach dissoziative
n
Bewegungsstörungen: Gesichts- und Halbseitenläh
mung nach akuter Belastungssituation vom 3
1.
Oktober bis
2.
November 2012 und 1
8.
Februar 2016 (ICD-10: F 44.4)
, (3) eine akzentuierte abhängige Persön
lichkeit
(ICD-10: Z73.1)
sowie (4) Neurasthenie (
ICD-10: F48.0,
Urk.
7/130/1). Die Beschwerdeführerin
sei
seit dem 1
6.
Februar 2015 in regelmässiger ambulanter Behandlung.
Sie wirke gehetzt, klagsam und affektlabil. Zudem bestünden Ver
sagens- und Erschöpfungsgefühle, mangelhaftes Durchsetzungsvermögen bei einer generellen Ich-Schwäche, Selbstunsicherheit und Bedrücktheit. Auch sei die Beschwerdeführerin antriebsgehemmt. Im Denken fielen häufiges Danebenreden und sprunghafte Gedankengänge auf. Es bestünden ausgeprägte Befürchtungen, ihr oder der Familie könnte etwas Schlimmes zustossen, Ein- und Durch
schlaf
störungen und eine geringe Belastbarkeit.
Im Zusammenhang mit einer Wohnungsveränderung (die Wohnung sei um ein Zimmer verkleinert worden)
sowie
der
schweren Erkrankung des Ehemannes sei bei der Beschwerdeführerin eine Zustandsverschlechterung eingetreten mit häufigen Arztterminen, Schlafstö
rungen, Gereiztheit und Todesängsten. Aufgrund der chronischen Depression und multiplen somatischen Beschwerden sei die Beschwerdeführerin zu 100
%
arbeitsunfähig (
Urk.
7/130).
3.2.3
Im
Bericht
vom 25. April 2018 hielten die beurteilenden Fachärzte
der Klinik fü
r Neurologie,
Universitätsspital E._
,
fest,
die Beschwerdeführerin
sei
bei rezidi
vierenden Schleiersehen monokulär rechts und in Frage kommender ischä
mi
scher Genese
neuro
angiologisch
untersucht
worden
.
Diese
habe berichtet, vor ca. 2-3 Wochen habe sie auf dem rechten Auge ein intermittierendes Schleier
sehen gehabt, was nun vollständig regredient sei. Sonst seien keine schlagan
fallver
dächtigen Ereignisse aufgetreten.
In der Zusammenschau der Befunde
sei die Ätiologie der okulären Beschwerden unklar (v.a. bei rezidivierendem Auf
treten), wobei eine ischämische Genese u. a. bei ausgeprägtem Risikoprofil nicht ausge
schlossen werden könne. In der bereits veranlassten TTE-Untersuchung seien soweit beurteilbar keine Hinweise auf kardiale Emboliequellen detektiert worden.
Die geplante TEE-Untersuchung habe bei Agitiertheit trotz Propol-Gabe unter
brochen werden müssen. Die Untersuchung
sei daher von Seiten der Kardio
logie unter Anästhesiebegleitung
zu wiederholen (
Urk.
7/147
).
3
.
2.
4
D
ie beurteilenden Fachärzte des Herzzentrums
,
E._
,
hielten
im Bericht vom 17.
August 2018
als n
eue Hauptdiagnosen (1) kein
e
Hinweis
e
auf eine kardiale Emboliequelle,
(2)
den
Verdacht auf
eine
Amaurosis Fugax rechts am 1
4.
Mai 2018
und
(3)
ein
i
nzidentelles, unregelmässig
konfiguriertes Aneurysma, 5 x 4 mm gross, an der Mediabifurkation rechts mit einer Basis von ca. 3 mm
fest (
Urk.
7/141/4).
D
ie Beschwerdeführerin
habe
momentan keine
[kardiologischen]
Beschwerden
beklagt
; einzig das Treppensteigen mach
e
ihr sehr viel Mühe wegen D
ispnoe, ebenerdig könne sie
problemlos längere Strecken zurücklegen. Sie gehe regel
mässig mit dem
H
und spazieren. Belastungsabhängige
T
horaxschmerzen, Palpi
ta
tionen, Herzrasen und Synkopen habe sie verneint.
Zusammenfassend habe sich die
Beschwerdeführerin kardial kompensiert präsen
tiert. Aus der Heimmessung ergäben sich grenzwertig erhöhte Blutdruckwerte. Der durchgeführte R-Test habe keine Rhythmusstörungen oder Vorläufer davon aufgezeichnet.
Nach
nun zweimaliger Langzeit-EKG-Aufzeichnung und unauf
fälligem EKG
hätten sich keine Hinweise für eine kardiale Emboliequelle ergeben. Zudem habe die Beschwerdeführerin ein erhebliches kardiovaskuläres Risikoprofil mit Hypertonie, Diabetes mellitus und positiver Familienanamnese. Dies mache eine arteriosklerotische Ursache der
[verdachtsweise]
erlittenen Amaurosis fugax wahrscheinlich (
Urk.
7/141/6).
3
.
2.
5
Im Verlaufsb
ericht vom
2
9.
April 2020
gab
Dr.
Z._
an
, d
ie Beschwerde
füh
rerin sei sehr oft müde, schnell erschöpft und habe oft Kopfschmerzen. Das Familien
gefüge sei sehr schwierig. Sie sei körperlich krank und sehr angeschlagen und habe keine Ressourcen. Alsdann nehme die Beschwerdeführerin diverse – im
Bericht näher bezeichnete – Medikamente gegen ihre somatischen und psy
chi
schen
Leiden ein
und komme zu regelmässigen
somatischen
Kontrollen
. Es bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit und gebe keine Hoffnung auf eine Rückkehr in den Arbeitsprozess
. Im
Haus
halt helfe die Beschwerdeführerin, wenn sie könne, etwas mit; die Tochter erledige das Meiste
(
Urk.
7/151).
3
.
2.
6
Dr.
A._
,
B._
,
diagnostizierte
i
m Verlaufsb
ericht vom 2
0.
Oktober 2020
eine
seit 2012 bestehend
e,
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (
ICD-10: F33.0,
Urk.
7/155/5).
Die Beschwerdeführerin werde seit dem
9.
März 2018 unregelmässig ca. alle 1-2 Monate ambulant behandelt, die letzte Konsultation sei am 2
9.
September 2020 erfolgt. Sie beklage allerlei somatische Einschränkungen und Beschwerden, eben
so über sehr grosse Erschöpfung. Nach eigenen Angaben möge die Beschwerde
führerin das H
aus kaum
verlassen, allein schon gar nicht, weil sie Angst habe,
dass ihr etwas passiere oder sie in der Öffentlichkeit inkontinent sei. Zu anderer Zeit habe sie berichtet, dass sie täglich über
Stunden mit dem H
und spazieren gehe
.
Offensichtlich sei eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit und Belast
bar
keit durch die Adipositas und fehlende Bewegung. Weiter habe sie berichtet, dass sie sich als einzige um den gesamten Haushalt kümmere. Andererseits habe sie
angegeben, dass sie zu schwach sei, um auch nur aufzustehen. Sie könne auch oft nicht kochen. Das Rühren im Topf sei dann schon schmerzhaft und führe zu grosser Erschöpfung. Den Haushalt würden dann der Ehemann und die Tochter erledigen. Im Frühsommer 2020 sei der Ehemann an «Knochenkrebs» erkrankt; die Leukämie habe er vor wenigen Jahren erfolgreich bekämpft. Seither leide sie (die Beschwerdeführerin) an grosser Angst, dass ihr Mann sterbe. Die Angst be
schäftige sie auch nachts, so dass sie oft schlecht schlafen könne. Zudem leide sie unter Konzentrationsstörungen. Sie beschäftige sich viel mit Spielen auf dem Smartphone
. Zudem dekoriere sie gern ihren Balkon
(
Urk.
7/155/2
f.
).
In objektiver Hinsicht sei die
wache, bewusstseinsklare und allseits orientierte
Be
schwerdeführer
in
sprunghaft in ihren Gedankengängen, vorbeiredend und h
äufig inkohärent. Sie neige zu
Dramatisierung und präsentiere sich
histrionisch,
oberflächlich und undifferenziert.
Sie strahle viel Bedürftigkeit aus, ohne dass spürbare Nähe hergestellt werden könnte. Weiter bestehe ein überausge
prägtes Anpassungsverhalten im G
espräch und eine scheinbar grosse Selbstunsicherheit. Die
Konzentration und Mnestik seien leicht eingeschränkt. Zudem sei die Be
schwerdeführerin im Affekt eingeschränkt schwingungsfähig. Ihr Antrieb sei un
klar eingeschränkt. Es bestehe eine grosse Lustlosigkeit
und die Beschwer
de
füh
rerin habe Freudlosigkeit berichtet
.
Ihre Stimmung im Alltag sei indes nicht eruierbar.
Alsdann habe die
adipöse Be
schwerdeführerin angegeben, sehr redu
zierten Appetit zu haben
und kaum etwas zu essen. Eine Krankheitseinsicht sei nicht spürbar vorhanden.
Im gemeinsamen Gespräch mit dem Ehemann und der Beschwerdeführerin habe sich eine harmonische Ehe ergeben. Es komme nie zu
grösseren Konflikten oder Streit. Die Beschwerdeführerin sei schwach und können
oft
nicht aus dem Bett aufstehen. S
ie schlafe viel und gut und sei vergesslich. Zudem sei sie gepräg
t von
Lustlosigkeit. Die Familie achte sehr aufeinander und unterstützte sich gegenseitig. Der Haushalt, die Administration etc. werde vom Ehemann und der Tochter besorgt. Alsdann hätten der Ehemann und die Be
schwerdeführerin von der ausgeprägten Unfähigkeit der letzteren, den Alltag und Haushalt zu bewältigen
,
berichtet. Jedoch sei eine explizit depressive Sympto
ma
tik weder klinisch zu beobachten noch beric
htet worden (
Urk.
7/155/3
f.
).
Aus psychiatrischer Sicht sei die Beschwerdeführerin eingeschränkt arbeitsfähig. Von einer Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeits
markt sei nicht auszugehen. Aufgrund der anamnestisch sehr grossen und schnel
len Erschöpfbarkeit, dem vermeintlich schlechten Nachtschlaf, der geringen Auf
fassungsgabe, Konzentrationsfähigkeit und somatischen Einschränkungen sei die Beschwerdeführerin möglicherweise nur vermindert belastbar. Zudem habe sie nur wenig R
ess
ourcen für Teamarbeit oder komplexe Arbeitszusammenhänge. Die ausgeprägte Lustlosigkeit, die Scheu, ihre Wohnung zu verlassen
,
sowie Über
zeu
gung, nicht arbeitsfähig zu sein, liessen einen Arbeitsversuch ebenfalls nicht zu. Darüber hinaus könne die Arbeitsfähigke
it in der angestammten oder gegebe
nen
falls
angepassten Tätigkeit nicht beurt
eilt werden (Urk.
7/155/5 ff.).
4
.
4
.1
Beim Vergleich
des
polydisziplinäre
n
MEDAS-Gutachten
s
vom
8.
Mai 2014
einer
seits (vgl. Urk.
7/100/1-43
)
mit
den im Rahmen der N
euanmeldung bei den Akte
n
liegenden Arztberichte
n
anderer
seits lässt sich
zusammen mit der Beschwerde
gegnerin
keine wesentliche Veränderung des Gesundheitszustandes seit der rechts
kräftigen Rentenverfügung vom
1
9.
Januar 2015
erblicke
n
.
Daran ändert
auch
nichts, wenn Dres.
D._
und
A._
2016 resp. 2020
neu
eine
rezidi
vierende depressive Störung, mittelgradige
resp. leichte
Episode (ICD-10: F33.0, ICD-10:
F33.
1
,
vgl.
Urk.
7/130
,
Urk.
7/155
)
diagnostizierten
.
Insbesondere
hielt Dr.
A._
dazu diskrepant
fest, eine explizit depressive Symptomatik
sei
weder klinisch zu beobachten noch benannt worden (
Urk.
7/155/3).
Zudem be
steht
die
rezidivie
rende Störung
laut
Dr.
A._
seit 2012 (
Urk.
7/155/5
), was auch mit der übrigen Aktenlage im Einklang steht (
vgl.
etwa
den Austrittsbericht der
F._
vom 2
0.
September 2012 sowie die
Berichte
von
Dr.
med.
G._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom
3.
Juni und 1
9.
August 2013, worin
jeweils
eine rezidivierende depressive E
pi
sode,
mittelgradige Episode resp. Status nach mittelgradiger Epi
sode
f
estgehalten wurde
,
Urk.
7/67/1,
Urk.
7/86,
Urk.
7/91)
.
Auf die seitens
Dr.
Z._
in psychia
trischer Hinsicht festgehaltenen Diagnosen kann bereits deshalb nicht abgestellt werden, weil es sich bei ihr nicht um eine psychi
atrische Fachärztin handelt. Kommt hinzu, dass ihre Bericht
e
objektive
B
efunde vermissen lassen (
Urk.
7/129,
Urk.
7/151)
.
Alsdann standen
sowohl
2
014
als auch im Rahmen der Neuan
meldung
unverändert
IV-fremde
Belastungsfaktoren
im Vordergrund
(
vgl.
Urk.
7/100/19
f.
,
Urk.
7/129,
Urk.
7/130/2
,
Urk.
7/151/4
,
Urk.
7/155/5
)
.
Erwäh
nens
wert
sind auch
die durchgängigen
Hinweise auf die vielfältige Klagsamkeit,
Dra
matisierung und
histrionisch
en Präsentationen der Beschwerdeführerin (
Urk.
7/100/19,
Urk.
7/130/2,
Urk.
7/155/4).
Weiter fällt auf
,
dass
die Be
schwer
deführerin im Zeitpunkt der Neuanmeldung
lediglich
alle 1-2 Monate
supportive Kontrolltermine in der
B._
wahrnahm
(
Urk.
7/151/3,
Urk.
7/155/2 f.), wohinge
gen
sie
anno 2014
drei Mal wöchentlich in der Akut-Tagesklinik der
B._
und darüber hinaus ein Mal pro Woche ambulant
behandelt wo
rde
n war
(
Urk.
7/91/7
,
Urk.
7/100/16
f.
);
auch dies spricht gegen die beschwer
deweise behauptete
Zu
standsverschlechterung
.
Im Übrigen vermöchten
weder
eine allfällige Chronifi
zierung der beklagten Leiden (Urteil des Bundesgerichts 9C_288/2008 vom 16. Ma
i 2008 E. 5)
noch
eine höhere Einschätzung der Arbeits
unfähigkeit per s
e eine rele
vante Gesundheitsver
schlechterung darzustellen (Urteil des Bundesgerichts 9C_955/2012 vom 1
3.
Februar 2013 E. 3.3.4).
D
er
beschwerdeweise
H
inweis
(Urk.
1
S. 10
)
auf die
seitens der Behandler 2016 postulierte
100%ige Arbeitsun
fähigkeit (vgl.
Urk.
7/129,
Urk.
7/
130
, vgl. auch den
Bericht vom 29.
April 2020
,
Urk.
7/151/3
)
geht
damit ins Leere
.
Kommt hinzu, dass
Dres.
D._
und
Z._
eine hinreichende Begründung
hierfür
vermis
sen
liessen
und
Dr.
A._
im Bericht vom 20.
Oktober 2020 keine konkreten Angaben zur Arbei
ts
fähigkeit zu machen
vermochte
(
Urk.
7/155/7).
Ferner fallen
zahlreiche
Inkonsi
stenzen
auf
.
So
gab die Beschwerdeführerin
e
inerseits
an, sie sei schwach und gehe kaum aus dem Haus. Anderseits führte sie aus, sie gehe über Stunden mit dem Hund spazieren. Alsdann
gab die Beschwerdeführerin an,
bereits das Rühren im Kochtopf
führe
zu grosser Erschöpfung. Demgegenüber war
sie
offenbar in der Lage, über Stunden die Wäsche zu sortieren und akkurat in den Schrank zu räumen. Weiter berichtete sie Freud- und Lustlosigkeit, jedoch würde sie den Garten gern dekorieren und auf dem Smartphone spielen. Letzteres spricht im Übrigen auch gegen signifikante Konzentrationsstörungen.
Schliess
lich
impliziert
eine «Status nach»-Diagnose begriffsnotwendigerweise die vollstän
dige Remis
sion
. Mithin ist mit dem im Bericht vom 2
0.
Oktober 2020 festgehal
tenen Status nach dissoziativer Bewegungsstörung
k
eine wesentliche Verschlech
terung ausgewie
sen (
Urk.
7/155/5).
In somatischer Hinsicht steht d
ie einzig im Bericht vom 1
0.
Mai 2016 von
Dr.
Z._
behauptete
Erblindung auf dem linken Auge durch Netzhaut
ab
lösung im Juli 2014
(vgl.
Urk.
7/129
;
im
Verlaufsbericht vom 2
9.
A
pril 2020
hat
Dr.
Z._
eine Erblindung des linken
Auges nicht mehr erwähnt, Urk.
7/151
)
im Widerspruch zu den Berichte
n des
E._
vom 2
5.
April und 17.
August 2018, worin
eine starke Kurzsichtigkeit sowie Schwachsichtigkeit im Sinne
eine
r
m
yope
n
Makulopathie
sowie Amblyopie
des linken Auges festgehalten wurde
n
(
Urk.
7/141/4,
Urk.
7/141/13).
Zudem war
die im Juli 2014 operierte Netzhaut
ab
lösung links laut Operationsbericht bereits damals «alt»
und
konnte der
zentrale Defekt
bei
Atrophie der Makula und Substanzverlust der Netzhaut
nicht behoben
werden
; eine V
isusbesserung war
fraglich
(
Urk.
7/105/1
)
.
Die vom
behandelnde
n
Urologe
n
und Chefarzt der urologischen Klinik des Spitals
F._
im Bericht vom 1
2.
März 2020
aufgrund der subjektiven Schilderungen
der Beschwerde
füh
rerin
dokumentierte
Zunahme der berei
ts 2014
vorbestehenden (vgl.
Urk.
7/100/
13)
Belastungsinkontinenz
, aktuell
Grad
I-II (
Urk.
7/163/1)
,
ist behandelbar und stellt keine
andauernd
e V
erschlechterung dar;
2007 wurde
bereits
ein
e Belastungsin
kontinenz Grad II
diagnostiziert und
– soweit
aufgrund der Aktenlage
ersichtlich
– jedenfalls
über einen längeren Z
eitraum
hinweg
erfolgreich
operativ saniert (
Urk.
7/10/8).
Offensichtlich
ist auch, dass das
zwischenzeitlich
im April 2018
aufgetretene
und danach vollständig remittierte
Schleiersehen
rechts
k
eine
dauer
hafte und
damit
wesentlic
he Veränderung
darstellt
(vgl.
Urk.
7/141/12).
Alsdann
hat die Beschwerdeführerin
zu Recht
nicht geltend gemacht, es sei aus kardio
lo
gischer Sicht eine
Verschlechterung eingetreten
(
vgl.
Urk.
7/141/4)
.
Der Voll
stän
digkeit halber ist
schliesslich zu vermerken, dass
sog. Z-Diagnosen
u.a. zur Klas
sifizierung von Umständen vorgesehen
sind
, die den Gesundheitszustand einer Person beeinflussen, an sich aber keine Krankheit oder Schädigung im IV-rechtlichen Sinne darstellen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_894/2015 vom 25. April 2016 E. 5.1 mit Hinweis).
4
.2
Z
usammenfassend ist aufgrund der
aufschlussre
ichen und beweiskräftigen Aktenlage
hinreichend erstellt, dass sich die
gesund
heitlichen Verhältnisse der Besch
werdeführerin seit der rechtskräftigen V
erfügung vom
1
9.
Januar 2015
(Urk. 7
/
122
) bis zum Erlass der vorliegend angefochtenen Verfügung vom
1
9.
Juli 2021
(Urk. 2)
nicht anspruchs
relevant verändert haben. Damit besteht – entgegen der Beschwerdeführerin – auch kein weiterer Abklärungsbedarf (antizipierte Beweiswürdigung; vgl.
BGE 144 V 361 E
. 6.5, 136
I 229 E. 5.3 je
mit Hinweisen).
Alsdann
stellt die Praxisänderung nach Massgabe von
BGE 143 V 409
und BGE
143 V 418, wonach grund
sätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen ei
nem strukturierten Beweisverfah
ren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind,
für sich allein keinen Neuanmel
dung
s- oder Revisionsgrund dar
(Urteil des Bundes
ge
richts 8C_587/2017 vom 14. Mai 2018 E. 5.3 mit Hinweis auf BGE 141 V 585 E. 5.3)
.
Weil es vorliegend
an einem Revisionsgrund fehlt, bleibt
auch
kein Raum für eine in rechtlicher und tatsächlicher Hinsic
ht umfassende Prüfung des Leistungs
an
spruchs.
Die angefochtene Ver
fügung erweist sich als rechtens und die Be
schwerde ist entsprechend abzuweisen.
5
.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 700.-- festzulegen und ausgangsgemäss von der Beschwerdeführerin zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).