# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 604510f5-07bf-4ca5-bd9b-ee85197b9b25
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der 1978 geborene
X._
war als Bauarbeiter bei der
Y._
angestellt und über die Arbeitgeberin bei der Suva obli
ga
torisch unfallversichert, als er am 2
3.
April 2014 bei der Arbeit in einem Graben von rutschendem Lehm eingeklemmt wurde. Die Erstdiagnose lautete auf ein Ver
schüttungstrauma mit Schmerzen im Bereich des linken Unterschenkels und des basalen ventralen Rippenbereichs. Die Suva erbrachte die gesetzlichen Leistung
en. Mit Verfügung vom 2
2.
September 2014 und diese bestätigendem
Einsprache
entscheid
vom 1
4.
November 2014 stellte der Unfallversicherer
seine Leistungen
per
8.
September 2014 ein. Die dagegen gerichtete Beschwerde vom 2
2.
Dezemb
er 2014 wies das Sozialversich
erungsgericht des Kantons Zürich mit unangefochten in Rechtskraft erwachsenem Urteil UV.2015.00002 vom 3
1.
Mai 2016 ab (
vgl. zum Ganzen:
Urk.
2).
2.
Mit Eingabe vom 3
0.
Januar 2020 liess
X._
um Revision des Urteils UV.2015.00002 vom 3
1.
Mai 2016 ersuchen und beantragen,
d
ie
Gesuchsgeg
ne
rin
sei zu verpflichten, den Leistungsanspruch des Gesuchstellers neu zu über
prüfen und ihm ab wann rechtens die vollen gesetzlichen Leistungen zu erbrin
gen
. Prozessual liess er beantragen, das Verfahren sei bis zur
rechtsgenüglichen
Er
mittlung des straf- und des haftpflichtrechtlichen Tatbestandes zu sistieren
(
Urk.
1)
.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 61
lit
. i des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialver
sicherungsrechts (ATSG) muss die Revision von Entscheiden wegen Entdeckung neuer Tatsachen oder Beweismittel oder wegen Einwirkung durch Verbrechen oder Vergehen gewährleistet sein. Art. 61
lit
. i ATSG legt die für das kantonale Gerichtsverfahren massgebenden Revisionsgründe fest, überlässt aber die Ausgestaltung des Revisionsverfahrens im Übrigen dem kantonalen Recht (
Kieser
, ATSG-Kommentar, 3. Auflage, Art. 61 N 239).
1.2
Nach § 29 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) kann gegen rechtskräftige Entscheide des hiesigen Gerichts von den am Verfahren Beteiligten Revision verlangt werden, wenn sie neue erhebliche Tatsachen erfahren oder
Beweismittel auffinden, die sie im früheren Verfahren nicht beibringen konnten (
lit
. a), wegen Einwirkung durch Verbrechen oder Vergehen (
lit
. b) oder wenn der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte oder das Ministerkomitee des Europa
rates eine Individualbeschwerde wegen Verletzung der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK) und deren Protokoll
e gutheisst und eine Wiedergut
machung nur durch eine Revision möglich ist (
lit
. c).
1.3
Beim Revisionsgrund der Einwirkung durch ein Verbrechen oder Vergehen geht es um nachträgliche Entdeckungen, nämlich die Beeinflussung des Entscheids durch ein Verbrechen oder Vergehen. Der Beweis dafür, dass durch ein Verbre
chen oder Vergehen auf den Entscheid eingewirkt wurde, dürfte am ehesten durch die Durchführung eines Strafverfahrens zu erbringen sein, wobei die V
erurteilung durch ein Strafgericht nicht erforderlich ist. Ist das Strafverfahren nicht durch
führbar, kann der Beweis ausnahmsweise auf andere Weise erbracht werden. Zwischen dem Verbrechen und Vergehen – allfällige Einwirkungen durch Über
tre
tungen scheiden als Revisionsgründe aus –
und dem Entscheid
muss ein mass
geblicher Zusammenhang bestehen. Die Straftat muss sich auf das Dispositiv ausgewirkt haben; eine Beeinflussung bloss der Erwägungen reicht als Revisions
grund nicht aus (Spross, in: Gesetz über das Sozialversicherungsgericht des
Kan
tons Zürich,
2.
Auflage, 2009
N
9 zu
§
29 mit Hinweisen;
Mächler
, in: Kommen
tar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, 2008, N 14 zu
Art.
66).
1.4
Ein Revisionsverfahren hat subsidiären Charakter und gelangt nicht zur Anwen
dung, wenn die Revisionsgründe bereits im Beschwerdeverfahren oder im ordent
lichen Rechtsmittelverfahren hätten geltend gemacht werden können. Das Revi
sionsverfahren dient nicht dazu, eine Unterlassung nachzuholen, welche auf eine
vermeidbare Nachlässigkeit zurückzuführen ist. Hatte eine gesuchstellende Per
s
on die Revisionsgründe aus mangelnder, ihr zumutbarer Sorgfalt im Beschwerde
ver
fahren nicht geltend gemacht, so ist das Revisionsgesuch abzuweisen. Auch Ab
klä
rungsmassnahmen, auf die im früheren Verfahren verzichtet wurde, können im Revisionsverfahren nicht nachgeholt wer
den (BGE 103
I
b
87 E. 3; Urteil
des Bundesgerichts
U 295/00 vom 1
2.
Dezember 2000 E. 3b mit Hinweisen
).
1.5
Gemäss § 30
GSVGer
ist das Revisionsgesuch innert 90 Tagen, von der Entde
ckung des Revisionsgrundes
an gerechnet
, beim Gericht schriftlich einzureichen (Abs. 1). Nach Ablauf von zehn Jahren seit der Mitteilung des Entscheids ist ein
Revisionsgesuch nur noch aus den in § 29
lit
. b und c
GSVGer
gena
nnten Gründen zulässig (Abs. 2)
.
2.
Der Gesuchsteller liess sein Revisionsgesuch damit begründen, dass bei dem von ihm am 2
9.
November 2019 mandatierten Rechtsanwalt
MLaw
Michael
Keiser
nach Zustellung der Akten der SUVA mit Schreiben vom 1
0.
Dezember 2019 der Verdacht aufgekommen sei, dass die Arbeitgeberin im Rahmen der ursprüng
li
chen Schadenmeldung UVG durch falsche Angaben
zum
Unfallhergang gegen
über der
Gesuchsgegnerin
einen strafrechtlich relevanten Tatbestand begangen habe und damit ein Revisionsgrund erfüllt sein könnte. So stehe nach Sichtung der Akten der Vorwurf im Raum, dass von den involvierten Personen falsche An
gaben bezüglich der Tiefe des Grabens, in welchem der Gesuchsteller ver
schüttet worden sei, gemacht worden seien. Aufgrund der zugezogenen Verletz
ungen des Gesuchstellers und der am Unfalltag erstellten fotografischen Unfall
do
kumentierung
, erscheine es als äusserst fragwürdig und geradezu
unplausibel
, dass der Graben, in welchem sich der Gesuchsteller zum Zeitpunkt des Unfalls befunden habe, lediglich 1.10 bis 1.20 m tief gewesen sei. All dies deute darauf hin, dass nach dem Unfall falsche Angaben bezüglich der Grabentiefe gemacht worden seien. Sollte sich der Verdacht bezüglich Einwirkung durch ein Ver
bre
chen oder Vergehen nach Abschluss der straf- und haftpflichtrechtlichen Unter
suchungen nicht erhärten, werde das Revisionsgesuch zurückgezogen. Bis dahin werde das Gericht gebeten, das Verfahren einstweilen zu sistieren (
Urk.
1 S. 3 f.).
3.
3.1
Das hiesige Gericht gelangte im Urteil UV.2015.00002 vom 3
1.
Mai 2016 zum Schluss, dass der Unfall vom 2
3.
April 2014 keine nachweisbaren organischen Unfallfolgen nach sich gezogen hat und im Zeitpunkt der Leistungseinstellung durch die Suva per
8.
Septem
ber 2014 die noch vorhandenen körperlichen Be
schwerden nicht (mehr) auf den Unfall zurückgeführt
werden könnten
(E. 4.1)
. Im Zusammenhang
mit einer diagnostizierten posttraumatischen Belastungsstörung und der Adäquanzprüfung gemäss BGE 115 V 133 wurde unter E. 5.2.1 aus
ge
führt, dass den Akten über den Unfallhergang vom 2
3.
April 2014 zu entnehmen sei, dass der Beschwerdeführer
(hier: Gesuchsteller)
in einen Graben gestiegen sei, um nach einer Wasserleitung zu suchen. Die Grabentiefe habe er gegenüber der Pol
izei mit zirka 1.50 m angegeben;
gegenüber der
Casemanagerin
der
Z._
habe der Beschwerdeführer
erklärt,
der Graben sei 1.
95
m
tief gewesen. Unbestritten sei jedenfalls, dass kurz nachdem der Beschwerdeführer in den Graben gestiegen sei, die hangseitige Grabenwand eingebrochen sei und den Bes
chwerdeführer verschü
ttet habe, wobei von einer Verschüttungshöhe bis zur Hüfte, maximal bis zum
unteren
Thorax auszugehen sei (
Urk.
2 S. 13).
Die von der Arbeitgeberin in der Unfallmeldung vom 2
5.
April 2014 erwähnte Grabentiefe von lediglich 1.10 bis 1.20 m (vgl.
Urk.
3/6/1) fand im Urteil UV.2015.00002 vom 3
1.
Mai 2016 weder im Rahmen der Schilderung des Sach
ver
haltes noch bei der Feststellung des Unfallhergangs Eingang (
Urk.
2 S. 2 und S. 11 f.).
3.2
3.2.1
Die Berufung des Gesuchstel
lers auf den Revisionsgrund der
Einwirkung durch ein Verbrechen oder Vergehen gemäss
§
29
lit
. b
GSVGer
scheitert aus mehr
fachen Gründen.
3.2.2
Zunächst steht der subsidiäre Charakter der Revision einer erfolgreichen Berufung entgegen, hätte der Gesuchsteller doch bei Anwendung der zumutbaren Sorgfalt bereits im ursprünglichen Verfahren oder einem anschliessenden Rechts
mittel
verfahren den Widerspruch zwischen seinen Angaben zur Grabentiefe und den dies
bezüglichen Angaben seiner Arbeitgeb
erin erkennen können. Sowohl die Schadenmeldung
UVG
der Arbeitgeberin vom 2
5.
April 2014 als auch eine Tele
fonnotiz der SUVA zur Frage der Grabentiefe
vom
5.
August 201
4
und
der Be
sprechungsrapport der
Casemanagerin
der
Z._
vom
6.
August 2014
mit der Sac
hverhaltsschilderung des Gesuch
stellers
als auch
der Polizeirapport mit Bildern zum Unfallort
(
Urk.
3/6/1, 3/6/36, 3
/6/38, 3
/6/41-42) lagen
bereits dannzumal in den Akten
. Der im Verfahren UV.2015.00002 anwaltlich vertretene Gesuchsteller hätte den nunmehrigen Verdacht einer falschen Angabe durch die Arbeitgeberin
zumutbarerweise
bereits dannzumal geltend machen
und, sofern als strafrechtlich
relevant erachtet, eine
r
Strafanzeige
zuführen
können
.
3.2.3
Sodann macht der Gesuchsteller
lediglich einen
Verdacht auf das Vorliegen eines Revisionsgrundes im Sinne von
§
29
lit
. b
GSVGer
geltend
und
gesteht
selber ein, dass
dieser
erst noch im Rahmen eines Strafverfahrens zu erhärten
sei
(
Urk.
1
S.
3 f.)
, dass mithin zum jetzigen Zeitpunkt noch kein Revisionsgrund beweisbar ist
. Wird ein Revisionsgrund lediglich vermutet, beginnt die Frist gemäss
§
30
Abs.
1
GSVGer
entgegen der Annahme des Gesuchstellers
(vgl. dazu:
Urk.
1 S. 3)
nicht zu
laufen;
diese
beginnt vielmehr erst zu laufen, wenn hinreichende Kenntnis vom Revisionsgrund gegeben ist
, das heisst
vom Zeitpunkt an, seit dem der Ge
suchsteller
den Revisionsgrund sicher genug kennt, u
m ihn geltend machen zu können (Urteil des Bundesgerichts 4P.120/2002 vom
3.
September 2002 E
. 1.2)
. D
er Gesuchsteller hatte damit keine Veranlassung, das Revisionsgesuch bereits vor Abschluss eines
strafrechtlichen Verfahrens (ob er dasselbe veranlasst hat, ergibt sich nicht aus
Urk.
1) ein
zu
reichen.
3.2
.
4
Letztlich müsste eine
allfällige
Straftat
in einem
massgeblichen
Zusammenhang zum Entscheid stehen, dessen Revision verlangt wird (vgl. obig
e E. 1.3).
Da
der
von der Arbeitgeberin in der Unfallmeldung vom 2
5.
April 2014 erwähnte
n
Grabentiefe von
lediglich 1.10 bis 1.20 m (
Urk.
3/6/1) im Urteil UV.2015.00002 vom 3
1.
Mai 2016
keine Bedeutung beigemessen w
urde
, sondern vielmehr die Angaben des
Gesuchstellers zur Grabentiefe berücksichtigt
wur
den
(vgl. E. 3.1
), stände eine in diesem Zusammenhang begangene Falschangabe der Arbeitgeberin
offensichtlich in keinem Zusammenhang mit dem Entscheid.
Letztlich müsste es sich dabei zumindest um ein Vergehen im Sinne von
Art.
10
Abs.
3 des Straf
gesetzbuches handeln, was doch mehr als fraglich erscheint.
3.3
Ein Revisionsgrund ist nach dem Gesagten nicht erstellt.
Das Revisions
gesuch ist
abzuweisen.
Ein Entscheid über das gestellte Sistierungsgesuch wird damit hinfällig.
4.
Angesichts der offensichtlichen Aussichtslosigkeit des Revisionsgesuchs ist auf die Einholung einer Stellungnahme der
Gesuchsgegnerin
zu verzichten und sofort zu entscheiden (
§
19
Abs.
2
GSVGer
).