# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 10babb85-c537-4ff8-9489-aa025081e27d
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_003
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt:
1. Der B._ geborene Schweizer Bürger A._ besuchte die Primar-,
Sekundar-, Kantons- und Handelsmittelschule in Chur, bevor er eine
Bank- und Finanzausbildung bei der C._ mit Diplom abschloss.
Danach war er in verschiedenen Funktionen für die C._ tätig und
bildete sich zum diplomierten Betriebswirtschafter HF an der ibW Höhere
Fachschule Südostschweiz weiter. Ab dem 1. März 2015 arbeitete er für
die D._ des Kantons Graubünden als E._ in einem 100%-
Pensum. A._ ist verheiratet und Vater zweier Töchter (geboren
F._ und G._).
2. Nach mehreren Erkrankungen, der Diagnose einer mittelschweren bis
schweren obstruktiven Schlafapnoe sowie zahlreichen bildgebenden und
klinischen Untersuchungen wies Dr. med. H._ in ihren Berichten vom
4. März 2019 und vom 1. Juli 2019 anlässlich der Chronic Fatigue-
Sprechstunde des Kantonsspitals Graubünden einen (hochgradigen)
Verdacht auf eine myalgische Enzephalomyelitis (ME) bzw. ein Chronic
Fatigue Syndrom (CFS) aus. Sie befand, dass die kanadischen
Konsensus-Kriterien für ein CFS bei namentlich deutlicher Erschöpfung,
fehlender Erholung durch Schlaf, deutlichen Arthralgien von wanderndem
Charakter sowie deutlicher Verschlechterung der Symptomatik bei zu viel
körperlicher und kognitiver Belastung erfüllt seien. Sie schrieb A._ ab
dem 13. März 2019 zu 100 % und ab dem 1. Juli 2019 zu 80 %
arbeitsunfähig. Die Diagnose eines CFS wurde später von ihrem
Nachfolger, Dr. med. I._, genauso wie von der behandelnden
Psychiaterin, Dr. med. J._, bestätigt.
3. Im Oktober 2019 meldete sich A._ unter Hinweis auf eine ME bzw.
ein CFS bei der IV-Stelle des Kantons Graubünden (nachfolgend IV-
Stelle) zum Leistungsbezug an. Diese tätigte erwerbliche und
medizinische Abklärungen. Nach dem Evaluationsgespräch betreffend
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Eingliederung teilte die IV-Stelle A._ am 14. Januar 2020 mit, dass
die Eingliederungsmassnahmen abgeschlossen würden, da er sich zurzeit
gesundheitlich nicht in der Lage fühle, im wesentlichen Umfang einer
Erwerbstätigkeit nachzugehen. Aktuell würde er bei seinem Arbeitgeber
zu 20 % arbeiten; eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit sei in den nächsten
zwei bis drei Monaten nicht zu erwarten.
4. In der Folge liess die IV-Stelle A._ polydisziplinär in den
Fachdisziplinen Allgemeine Innere Medizin, Pneumologie, Rheumatologie
sowie Psychiatrie und Psychotherapie begutachten, wobei der Auftrag der
MEDAS Zürich GmbH zugeteilt wurde (nachfolgend MEDAS-Gutachten).
Zudem wurde eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL)
in Auftrag gegeben, von der jedoch abgesehen wurde, nachdem A._
dagegen Einsprache erhoben hatte mit der Bitte, wegen des aufgrund der
körperlichen Belastungen zu befürchtenden Zusammenbruchs mit
folgender Verschlechterung des Zustands darauf zu verzichten.
Ausserdem fand am 10. Februar 2021 eine neuropsychologische
Abklärung bei Dr. phil. K._ statt, die im Vergleich zu vor dem Eintritt
des Gesundheitsschadens verminderte allgemeine neurokognitive
Fähigkeiten ergab.
5. In dem am 18. Juni 2021 erstatteten MEDAS-Gutachten stellten die
Expertinnen und Experten ein Fatigue-Syndrom mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit fest. Die Gutachterinnen und Gutachter erachteten
A._ in seiner angestammten Tätigkeit als E._ im Homeoffice seit
der Anmeldung bei der IV-Stelle zu 60 % arbeitsfähig. In einer
leidensangepassten, einfachen Homeoffice-Tätigkeit wiesen sie eine
Arbeitsfähigkeit von 100 % aus, wobei diese seit der Begutachtung im
März 2021 bestehe.
6. Nach Einholung der Abschlussbeurteilung von RAD-Arzt Dr. med. L._
vom 1. Juli 2021 stellte die IV-Stelle A._ mit Vorbescheid vom 27. Juli
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2021 eine rückwirkend befristete Invalidenrente in Aussicht. Dazu führte
sie unter anderem aus, aufgrund des ausführlichen MEDAS-Gutachtens
werde davon ausgegangen, dass die angestammte Tätigkeit als E._
nicht mehr vollumfänglich zumutbar sei. Dies insbesondere deshalb, weil
diese Tätigkeit hohe Anforderungen an die Kommunikations- und
Durchhaltefähigkeit, das Verantwortungsbewusstsein sowie an eine
unbeeinträchtigte Konzentrationsfähigkeit stelle. Die Gutachter gingen
davon aus, dass seit der Anmeldung im Oktober 2019 eine Einschränkung
von 40 % vorliege. In angepassten Tätigkeiten attestierten sie jedoch eine
volle Leistungsfähigkeit ganztags. Die diesbezüglichen Abklärungen
hätten ergeben, dass hierzu insbesondere einfache, repetitive Tätigkeiten
ohne Zeitdruck (z.B. das Schreiben von Berichten ab Diktaphone) oder
Arbeiten mit einfachen Abläufen gehörten. Die IV-Stelle errechnete
sodann anhand des Einkommensvergleichs bei einer 60%igen
Arbeitsfähigkeit ab Ablauf der Wartezeit bis März 2021 einen
Invaliditätsgrad von 40 % bzw. bei einer 100%igen Arbeitsfähigkeit ab
März (recte: April) 2021 einen rentenausschliessenden Invaliditätsgrad
von 24.37 %.
7. Dagegen liess A._ am 30. August 2021 vorsorglich und am
28. September 2021 einen begründeten Einwand erheben, wobei er
Berichte der Dres. med. I._ und J._ vom 2. und 13. September
2021 einreichte. Mit Verfügung vom 24. Februar 2022 entschied die IV-
Stelle wie vorbeschieden: Sie sprach A._ ab dem 1. April 2020 bis
zum 30. Juni 2021 eine Viertelsrente zu und verneinte für die Zeit ab dem
1. Juli 2021 einen Rentenanspruch.
8. Gegen diese Verfügung liess A._ (nachfolgend Beschwerdeführer)
am 22. März 2022 beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden
Beschwerde erheben. Er beantragte die Aufhebung der Verfügung vom
24. Februar 2022 sowie, mit Wirkung ab dem 15. Oktober 2019 (unter
Berücksichtigung allfälliger Wartefristen), die Zusprechung einer ganzen
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Invalidenrente. Eventuell sei die Angelegenheit im Sinne der Erwägungen
an die IV-Stelle zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und -verbeiständung. In
materieller Hinsicht kritisierte er insbesondere das MEDAS-Gutachten
sowohl in Bezug auf die Beurteilung der medizinischen Situation als auch
hinsichtlich der funktionellen Folgeabschätzung. Zudem bestritt er die ihm
vorgeworfene Verletzung der Mitwirkungspflicht bei den medizinischen
Abklärungen sowie die im Gutachten angenommene Selbstlimitierung.
Weiter wies er darauf hin, dass die bisherigen Versuche, das
Arbeitspensum zu steigern, am Umstand gescheitert seien, dass jeweils
eine Verschlechterung des Gesundheitszustands eingetreten sei. Es sei
daher von vornherein unzulässig, ihm im Rahmen der
Invaliditätsbemessung ein höheres als das tatsächlich erzielte
Erwerbseinkommen in der 20%igen Homeoffice-Tätigkeit für den
bisherigen Arbeitgeber anzurechnen. Selbst bei einer Heranziehung eines
hypothetischen Erwerbseinkommens wäre es nicht gerechtfertigt, auf den
Tabellenlohn im Kompetenzniveau 2 abzustellen. Dieser entspreche nicht
dem durchschnittlichen, in einer einfachen Homeoffice-Tätigkeit
erzielbaren Lohn. Zudem machte der Beschwerdeführer geltend, er sei
hinsichtlich einer allfälligen Verwertung der Restarbeitsfähigkeit auf dem
konkreten Arbeitsmarkt nachhaltig eingeschränkt. Ein realistischer
Arbeitgeber würde ihn ablehnen bzw. mit Gewissheit nicht in gleicher
Weise entlöhnen, wie einen gesunden Arbeitnehmer. Folglich hätte ihm
ein angemessener Leidensabzug gewährt und eine ganze Invalidenrente
zugesprochen werden müssen.
9. Die IV-Stelle (nachfolgend Beschwerdegegnerin) schloss in ihrer
Vernehmlassung vom 31. März 2022 auf Abweisung der Beschwerde und
verzichtete unter Hinweis auf die in der angefochtenen Verfügung
enthaltene Begründung auf eine Stellungnahme.
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Auf die Begründung in der angefochtenen Verfügung sowie auf die
weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften wird, soweit
entscheidrelevant, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Nach Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen
IV-Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle
anfechtbar. Vorliegend stellt die angefochtene Verfügung der IV-Stelle des
Kantons Graubünden vom 24. Februar 2022 (Akten des
Beschwerdeführers [Bf-act.] 2, Akten der IV-Stelle [IV-act.] 96) ein
taugliches Anfechtungsobjekt für ein Verfahren vor dem
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden dar. Die sachliche
Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ergibt sich aus Art. 57 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) zusammen mit Art. 49
Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG;
BR 370.100). Als Adressat der strittigen Verfügung ist der
Beschwerdeführer von dieser berührt und weist ein schutzwürdiges
Interesse an deren Aufhebung oder Änderung auf (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m.
Art. 59 ATSG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht (Art. 60 und
Art. 61 ATSG) eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten.
2. Streitgegenstand bildet die Frage des Rentenanspruchs des
Beschwerdeführers, der angesichts der Anmeldung im Oktober 2019
gestützt auf Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens ab dem 1. April 2020 (d.h. sechs
Monate nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs) entsteht, sofern
bis dahin das Wartejahr erfüllt ist (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG), was vorliegend
unbestrittenermassen zutrifft (vgl. IV-act. 101 S. 24, Case Report). Uneins
sind sich die Parteien hinsichtlich des Invalideneinkommens und dabei
hinsichtlich der (Rest-)Arbeitsfähigkeit in der bisherigen und in einer
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leidensangepassten Tätigkeit, der Ausschöpfung und Verwertbarkeit der
(Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt, der
Anwendung des Kompetenzniveaus 2 zur Bemessung des
Invalideneinkommens sowie der Vornahme eines Leidensabzugs.
3. In Bezug auf das anwendbare Recht ist festzuhalten, dass seit dem
1. Januar 2022 die revidierten Bestimmungen des IVG (sowie des ATSG)
und der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in
Kraft sind (Weiterentwicklung der IV). Da der Rentenanspruch vorliegend
noch unter der Geltung des alten Rechts entstanden ist, finden die bis zum
31. Dezember 2021 gültigen Bestimmungen des IVG und der IVV
Anwendung (vgl. Übergangsbestimmungen des IVG zur Änderung vom
19. Juli 2020 und Kreisschreiben über Invalidität und Rente in der
Invalidenversicherung [KSIR], Stand 1. Juli 2022, Rz. 9101).
4. Im Nachfolgenden ist die Frage des Rentenanspruchs zu prüfen, wobei
der Sachverhalt bis zum 24. Februar 2022 (Erlass der angefochtenen
Verfügung) massgeblich ist.
4.1. Nach Art. 8 Abs. 1 ATSG gilt als Invalidität die voraussichtlich bleibende
oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Ein
Anspruch auf eine Rente ist gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG gegeben, wenn
eine versicherte Person ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern
kann (lit. a), während mindestens eines Jahres ohne wesentlichen
Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % im bisherigen Beruf oder
Aufgabenbereich eingeschränkt gewesen ist (lit. b) und nach Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid ist (lit. c). Sind diese
Voraussetzungen erfüllt, so steht der versicherten Person bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40 % eine Viertelsrente, bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 50 % eine halbe Rente, bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 60 % eine Dreiviertelsrente und bei einem
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Invaliditätsgrad von mindestens 70 % eine ganze Rente zu (aArt. 28
Abs. 2 IVG).
4.2. Gemäss Art. 16 ATSG i.V.m. Art. 28a Abs. 1 IVG wird für die Bestimmung
des Invaliditätsgrades (bei erwerbstätigen Versicherten) das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität
und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen),
in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen) (allgemeine
Methode des Einkommensvergleichs; vgl. BGE 144 I 21 E.2.1, BGE 142
V 290 E.4, BGE 130 V 343 E.3.4.2).
4.3. Um beurteilen zu können, in welchem Umfang und bezüglich welcher
Tätigkeiten einem Versicherten noch eine Erwerbstätigkeit zugemutet
werden kann, sind die Verwaltung und das im Beschwerdefall angerufene
Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls
andere Fachleute zur Verfügung stellen (BGE 132 V 93 E.4). Dabei
können sich die IV-Stellen und im Streitfall die
Sozialversicherungsgerichte auf die Regionalen Ärztlichen Dienste (RAD;
aArt. 59 Abs. 2bis Satz 1 IVG), auf die Berichte der behandelnden
Ärztinnen und Ärzte oder auf externe medizinische Sachverständige
abstützen (aArt. 59 Abs. 3 IVG). Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie
die einzelnen Beweismittel zu würdigen sind. Vielmehr gilt für das gesamte
Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (BGE 143 V 124 E.2.2.2, BGE 134
V 231 E.5.1, BGE 125 V 351 E.3). Danach haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an
förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen.
Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Gericht alle
Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu
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prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen
eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten.
Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen
Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial
zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht
auf die andere medizinische These abstellt (vgl. zum Ganzen BGE 143 V
124 E.2.2.2 und BGE 125 V 351 E.3a).
4.4. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob
der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt,
in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der
Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 134 V 231 E.5.1, BGE 125 V 351 E.3a).
Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die
Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten
oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten
(BGE 143 V 124 E.2.2.2, BGE 125 V 351 E.3a). Dennoch hat es die
Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als
vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer
Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen
(BGE 125 V 351 E.3b). Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten, die aufgrund
eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in
die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu
schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle
Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E.1.3.4, BGE 125
V 351 E.3b/bb). In Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten
darf und soll das Gericht auch der Erfahrungstatsache Rechnung tragen,
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dass Hausärztinnen und Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre
auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten
ihrer Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E.4.5, BGE 125 V 351 E.3a und
3b). Sodann kommt auch den Berichten und Gutachten
versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als
schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich
widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit
bestehen (vgl. BGE 139 V 225 E.5.2, BGE 135 V 465 E.4.4, BGE 125 V
351 E.3b/ee; Urteile des Bundesgerichts 8C_246/2020 vom
10. September 2020 E.2.3 und 8C_161/2012 vom 5. Juni 2012 E.3.2).
4.5. Die Feststellung einer invalidisierenden Gesundheitsbeeinträchtigung
erfolgt bei somatoformen Schmerzstörungen (BGE 141 V 281) wie auch
bei sämtlichen psychischen Störungen (BGE 143 V 409 und 418) nach
Vorliegen einer ärztlichen Diagnosestellung anhand eines strukturierten
Beweisverfahrens anhand der sogenannten Standardindikatoren. Mit
BGE 145 V 215 hat das Bundesgericht diese Rechtsprechung auf
fachärztlich diagnostizierte primäre Abhängigkeitssyndrome ausgedehnt,
mit Urteil 9C_106/2019 vom 6. August 2019 auch auf das Chronic Fatigue
Syndrom, sofern die Fatigue und weitere Symptome nicht auf einen
somatischen Gesundheitsschaden (ZNS-Erkrankung [Anm. Gericht =
entzündliche Erkrankungen des zentralen Nervensystems])
zurückzuführen sind (E.2.3.3; mit Hinweis auf SVR 2018 IV Nr. 31 S. 99,
Urteil des Bundesgerichts 8C_350/2017 vom 30. November 2017 E.5.3
und BGE 139 V 346 E.2 und E.3.4). Im strukturierten Beweisverfahren ist
der Nachweis des funktionellen Schweregrades und der Konsistenz der
Gesundheitsschädigung unter Verwendung sogenannter Indikatoren zu
erbringen (Kreisschreiben über die Invalidität und Hilflosigkeit in der
Invalidenversicherung [KSIH], Stand 1. Januar 2021, Rz. 1006). Die
Kategorie "funktioneller Schweregrad" umfasst den Komplex
"Gesundheitsschädigung" (mit den Indikatoren "Ausprägung der
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diagnoserelevanten Befunde", "Behandlungserfolg oder -resistenz",
"Eingliederungserfolg oder -resistenz" und "Komorbiditäten"), den
Komplex "Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche
Ressourcen) und den Komplex "Sozialer Kontext". Die Kategorie
"Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens) umfasst die Komplexe
"Gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen
vergleichbaren Lebensbereichen" und "Behandlungs- und
eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck" (BGE 141 V
281 E.4.1.3; KSHI, Rz. 1006).
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten
Beweisverfahren abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht
geeignet ist (BGE 145 V 215 E.7, BGE 143 V 418 E.7.1; vgl. dazu auch
Urteile des Bundesgerichts 9C_38/2022 vom 24. Mai 2022 E.4.6,
9C_587/2021 vom 31. Januar 2022 E.4.1 und 9C_197/2018 vom 5. Juni
2018 E.7). Die Frage der Notwendigkeit in diesem Sinne beurteilt sich
nach dem konkreten Beweisbedarf. Ein strukturiertes Beweisverfahren
bleibt etwa dann entbehrlich, wenn für eine – länger dauernde (Art. 28
Abs. 1 lit. b IVG) – Arbeitsunfähigkeit nach bestehender Aktenlage keine
Hinweise bestehen oder eine solche im Rahmen beweiswertiger
fachärztlicher Berichte in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird
und allfälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher
Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen
werden kann (BGE 145 V 215 E.7, BGE 143 V 409 E.4.5.3).
4.6. Von einer lege artis erfolgten medizinischen Schätzung kann nur aus
triftigen Gründen abgewichen werden. Solche liegen vor, wenn die
medizinisch-psychiatrische Annahme einer Arbeitsunfähigkeit letztlich, im
Ergebnis, unter dem entscheidenden Gesichtswinkel von Konsistenz und
materieller Beweislast der versicherten, rentenansprechenden Person zu
wenig gesichert ist und insofern nicht überzeugt. Dabei ist in Erinnerung
zu rufen und es gilt als Leitschnur, dass die ärztliche Beurteilung – von der
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2022&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=143+V+418+Verh%E4ltnism%E4ssigkeit+&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-V-409%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page409
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Natur der Sache her unausweichlich – Ermessenszüge aufweist, die auch
den Rechtsanwender begrenzen. Demnach besteht einerseits das
rechtsprechungsgemässe Verbot unzulässiger juristischer Parallelprüfung
im Vergleich zur Arbeitsunfähigkeitsfestlegung durch die Gutachter.
Andererseits umschreibt BGE 141 V 281 die Befugnis, im Rahmen der
(freien) Überprüfung durch den Rechtsanwender von der ärztlichen
Folgenabschätzung abzuweichen bzw. ihr im Hinblick auf Art. 8 ATSG
nicht zu folgen. Diese beiden Argumentationslinien sind wie folgt
abzugrenzen: In allen Fällen ist durch den Versicherungsträger und im
Beschwerdefall durch das Gericht zu prüfen, ob und inwieweit die
ärztlichen Experten ihre Arbeitsunfähigkeitsschätzung unter Beachtung
der massgebenden Indikatoren (Beweisthemen) hinreichend und
nachvollziehbar begründet haben. Dazu ist erforderlich, dass die
Sachverständigen den Bogen schlagen zum vorausgehenden
medizinisch-psychiatrischen Gutachtensteil (mit Aktenauszug, Anamnese,
Befunden, Diagnosen usw.), d.h. sie haben im Einzelnen Bezug zu
nehmen auf die in ihre Kompetenz fallenden erhobenen medizinisch-
psychiatrischen Ergebnisse fachgerechter klinischer Prüfung und
Exploration. Ärztlicherseits ist also substanziiert darzulegen, aus welchen
medizinisch-psychiatrischen Gründen die erhobenen Befunde das
funktionelle Leistungsvermögen und die psychischen Ressourcen in
qualitativer, quantitativer und zeitlicher Hinsicht zu schmälern vermögen
(BGE 148 V 49 E.6.2.1 mit Hinweis auf BGE 143 V 418 E.6). Am Beispiel
rezidivierender depressiver Entwicklungen leichten bis mittleren Grades
veranschaulicht, wie sie in der IV-rechtlichen Invaliditätsprüfung sehr oft
im Vordergrund stehen, bedeutet dies: Es genügt nicht, dass der
medizinisch-psychiatrische Sachverständige vom diagnostizierten
depressiven Geschehen direkt auf eine Arbeitsunfähigkeit, welchen
Grades auch immer, schliesst. Vielmehr hat er darzutun, dass, inwiefern
und inwieweit wegen der von ihm erhobenen Befunde (Traurigkeit,
Hoffnungslosigkeit, Antriebsschwäche, Müdigkeit, Konzentrations- und
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Aufmerksamkeitsstörungen, verminderte Anpassungsfähigkeit usw.) die
beruflich-erwerbliche Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist, und zwar – zu
Vergleichs-, Plausibilisierungs- und Kontrollzwecken – unter Miteinbezug
der sonstigen persönlichen, familiären und sozialen Aktivitäten der
rentenansprechenden Person. Kommen die Experten dieser Aufgabe
unter Berücksichtigung der durch BGE 141 V 281 normierten
Beweisthemen überzeugend nach, wird die medizinisch-psychiatrische
Folgenabschätzung auch aus der juristischen Sicht des Rechtsanwenders
– Durchführungsstelle oder Gericht – Bestand haben. Andernfalls liegt ein
triftiger Grund vor, der rechtlich ein Abweichen davon gebietet (vgl. zum
Ganzen: BGE 148 V 49 E.6.2.1, BGE 145 V 361 E.4.3, BGE 144 V 50
E.4.3 und E.6.1).
5. Vorliegend ist zunächst zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht
auf das MEDAS-Gutachten vom 18. Juni 2021 (IV-act. 71) abgestellt hat
oder ob konkrete Indizien gegen dessen Zuverlässigkeit sprechen bzw.
dieses von den übrigen medizinischen Akten derart in Zweifel gezogen
wird, dass von der darin ausgewiesenen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
abzuweichen wäre (vgl. dazu Erwägung 4.4 und 4.6).
5.1. Während die Beschwerdegegnerin das Gutachten im Ergebnis für
schlüssig, nachvollziehbar und widerspruchsfrei erachtet (vgl.
angefochtene Verfügung vom 24. Februar 2020, S. 4, [Bf-act. 2, IV-
act. 96]), spricht der Beschwerdeführer diesem den Beweiswert ab. Er
kritisiert dabei neben der ungenügenden Erfahrung der Expertinnen und
Experten hinsichtlich des Krankheitsbilds ME/CFS und der fehlenden
Auseinandersetzung mit der Beurteilung durch die Fachspezialisten,
insbesondere mit jener von Dr. med. I._, die darin ausgewiesene
Arbeitsfähigkeit von 60 % in der bisherigen und von 100 % in einer
adaptierten, einfachen Tätigkeit.
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5.2. Die MEDAS-Expertinnen und Experten diagnostizierten in der
Konsensbeurteilung des Gutachtens vom 18. Juni 2021 ein Fatigue-
Syndrom (ICD-10 G93.3) mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (IV-
act. 71 S. 138). Als ohne Einfluss darauf wiesen sie ein
Mastzellenaktivierungssyndrom (MCAS; Anm. Gericht = krankhafte
Anreicherung von daueraktiven Mastzellen, d.h. Zellen des
Immunsystems), eine Steatose hepatis (Anm. Gericht = Fettleber) sowie
eine diffuse, ausgedehnte Schmerzproblematik vorwiegend der
myofascialen Weichteile ohne organisches Korrelat unklarer Ursache mit
verminderter körperlicher Belastungsfähigkeit, chronischer Müdigkeit und
chronischen Konzentrationsstörungen bei temporomandibulärer (Anm.
Gericht = das Kiefergelenk betreffend) Dys- und Parafunktion mit
cervicocephalen Kopfschmerzen, DD Migräne mit Aura, aus. Dazu führten
sie in internistischer Hinsicht namentlich aus (IV-act. 71 S. 131 f.),
bezüglich des CFS berichte der Beschwerdeführer über die für die
Diagnose definierten Symptome, jedoch könnten diese im Rahmen des
Gutachtens aufgrund der Nichtmitwirkung nicht objektiviert werden
(Verweigerung der Spiroergometrie sowie Absage der EFL). Die
internistische Diagnostik sei durch den Beschwerdeführer selbst
verunmöglicht worden. Es liege eine massive bzw. entscheidende
Verletzung der Mitwirkungspflicht vor. Somit könnten die erwähnten
Symptome in keiner Weise nachgewiesen werden, sondern basierten
allein auf den Schilderungen des Beschwerdeführers, was folglich nicht
als Krankheit mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit überwiegend
wahrscheinlich bestätigt werden könne. Aus pneumologischer Sicht
könnten keine pathologischen Diagnosen gestellt werden (IV-act. 71
S. 133). In rheumatologischer Hinsicht wurde ausgeführt (IV-act. 71
S. 133 ff.), die Ursache der subjektiv im Vordergrund stehenden Rücken-
und Gelenkschmerzen samt der damit verbundenen Leistungsintoleranz
und chronischen Müdigkeit seien bis heute trotz ausgedehnten
Abklärungen im Dunkeln geblieben. Ein entzündliches oder auch
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autoimmunes Leiden sei weitgehend, aber nicht ganz vollständig
ausgeschlossen. Dagegen sei die neuste Diagnose einer
Mastzellüberaktivierung weitgehend gesichert, habe aber keinen klaren
Bezug zur Schmerzproblematik und der diesbezüglichen eingeschränkten
Leistungsfähigkeit. Der Beschwerdeführer beschreibe sein
Beschwerdebild sehr präzise, kohärent und ohne Widersprüche, so dass
sein Leiden glaubwürdig erscheine. Es erfülle die kanadischen Kriterien
zur Diagnose eines CFS vollständig, wobei zu bemerken sei, dass die
Diagnose eine rein deskriptive sei, über die Pathogenese kein gesichertes
Wissen bestehe und entsprechend auch keine messtechnisch fassbaren
Kriterien existierten. Aus rein rheumatologischer Sicht seien anlässlich der
Untersuchung keine Befunde mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
festgestellt worden. Diese seien allesamt myofascialer Natur. Das
gesamte komplexe Beschwerdebild müsse als leicht eingestuft werden.
Die körperlich eingeschränkte Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers
im Alltag, die als hochgradig geschildert werde, entspreche nicht den
objektiven Befunden und die von ihm postulierten Einschränkungen in der
angestammten Tätigkeit im Homeoffice könnten selbst bei myofascialen
Beschwerden nicht nachvollzogen werden.
Zu dem aus psychiatrischer Sicht diagnostizierten Fatigue-Syndrom wurde
in der Konsensbeurteilung schliesslich ausgeführt, im Zweifelsfall
existierten beim Beschwerdeführer verschiedene Beschwerden, die nicht
psychischer Natur seien (IV-act. 71 S. 135 ff.). Sein Psychostatus sei ohne
relevante psychopathologische Befunde, abgesehen von seinen
Schlafstörungen. Solche Schlafstörungen träten bei Menschen mit einem
chronischen Schmerzsyndrom, zu dem das CFS gehöre, gewöhnlich auf.
Das Ausmass der Schlafstörungen werde im Tagesablauf kompensiert, so
dass keine zusätzliche Diagnose gestellt werde. Das CFS könne als
höchstens mittelschwer beschrieben werden.
- 16 -
5.3. Mit Blick auf die allgemeinen Beweisanforderungen (BGE 134 V 231
E.5.1, BGE 125 V 351 E.3a, BGE 122 V 157 E.1c mit Hinweisen, vgl. auch
Erwägung 4.4 und 4.6 hiervor; vgl. auch BGE 144 V 50 E.4.3 betreffend
die ärztliche Arbeitsfähigkeitseinschätzung im strukturierten
Beweisverfahren gemäss BGE 141 V 281 für die Prüfung der funktionellen
Auswirkungen einer psychischen Erkrankung) ist festzustellen, dass das
MEDAS-Gutachten vom 18. Juni 2021 in Kenntnis der Vorakten und der
Anamnese verfasst wurde (vgl. IV-act. 71 S. 3 ff., S. 16 ff., S. 114 ff.) und
dass es die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden und deren
Entwicklung aufführt (IV-act. 71 S. 126 ff., S. 42 f., S. 57 f., S. 68 ff.,
S. 85 f.). Ferner basiert das MEDAS-Gutachten auf eigenen klinischen
Untersuchungen und Befunderhebungen (IV-act. 71 S. 46 ff., S. 60 f.,
S. 73 ff., S. 92 ff.). Die Gutachterinnen und Gutachter nahmen zu den
streitigen Belangen Stellung, indem sie die festgestellten Diagnosen
auswiesen und eine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit abgaben (IV-
act. 71 S. 138 ff.). Die gutachterlichen Ausführungen zur Beurteilung der
medizinischen Situation und die gezogenen Schlussfolgerungen zum
Gesundheitszustand sind aber nicht in allen Teilen nachvollziehbar.
Insbesondere kann entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin
der Beurteilung der fallführenden Internistin, Dr. med. M._, nicht
gefolgt werden, wenn sie dem Beschwerdeführer – wie oben dargelegt –
vorwirft, dass die Kriterien für die Diagnose eines CFS nicht hätten
objektiviert werden können, weil er gewisse Abklärungen – insbesondere
EFL und Spiroergometrie – verweigert habe (IV-act. 71 S. 50 f.). Wenn sie
dies als massive bzw. entscheidende Verletzung der Mitwirkungspflicht
und als kapitale Inkonsistenz einstufte und daraus folgerte, das CFS sei
überwiegend wahrscheinlich keine Krankheit mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit, da die Symptome in keiner Weise hätten nachgewiesen
werden können, sondern nur auf den Schilderungen des
Beschwerdeführers beruhten (IV-act. 71 S. 50 und S. 52), verkennt sie
nicht nur die entsprechenden diagnoserelevanten Befunderhebungen in
- 17 -
den aktenkundigen fachärztlichen Berichten (vgl. IV-act. 17 S. 3 f., IV-
act. 20 S. 2, IV-act. 21, IV-act. 33 S. 4, IV-act. 33 S. 8, IV-act.62 S. 49, IV-
act. 62 S. 57), sondern setzt sich auch in Widerspruch zu ihrer
psychiatrischen Co-Gutachterin und ihrem rheumatologischen Co-
Gutachter, welche die Kriterien für die Diagnose eines CFS als erfüllt
erachten und diesem funktionelle Auswirkungen zuschreiben (IV-act. 71
S. 77 und S. 98 ff.). Die Co-Gutachter zweifelten denn auch nicht an der
Glaubwürdigkeit der Angaben und Schilderungen des Beschwerdeführers.
Vielmehr attestierten sie ihm, ehrlich Auskunft zu geben und das
Beschwerdebild sehr präzise, kohärent und plausibel zu beschreiben, so
dass sein Leiden glaubwürdig erscheine, was sich auch aus den
Vorberichten bei praktisch allen Ärztinnen und Ärzten, die ihn jemals
betreut hätten, ergebe (IV-act. 71 S. 77, S. 80 und S. 100). Auch ergaben
sich anlässlich der Begutachtung keine Hinweise auf Aggravation oder
Simulation (IV-act. 71 S. 143 f. sowie S. 80 und S. 100) und bereits bei der
neuropsychologischen Abklärung durch Dr. med. K._ konnten in den
durchgeführten Symptomvalidierungstests weder Hinweise auf eine
Antwortverzerrung noch leistungseinschränkende Verhaltensweisen
festgestellt werden (Bericht zur neuropsychologischen Beurteilung vom
15. Februar 2021 [IV-act. 57 S. 16 f.]). Die mitunter auf die Aktenlage
abgestützte Beurteilung der psychiatrischen Expertin und des
rheumatologischen Experten mit einer Bestätigung der Diagnose eines
CFS mit funktionellen Auswirkungen fand letztlich denn auch Einzug in das
interdisziplinäre Gesamtgutachten (Konsensbeurteilung) (IV-act. 71
S. 138 ff.).
Zudem leuchtet nicht ein, weshalb die vorgenannten Abklärungsverfahren
für die Diagnose eines CFS überhaupt relevant sein könnten. So führte
Dr. med. M._ in ihrem internistischen Teilgutachten gestützt auf die
Diagnosekriterien des Institute of Medicine (IOM) aus dem Jahr 2015
- 18 -
selbst an, dass die Patienten zur Diagnosestellung eines CFS an
folgenden drei Symptomen leiden müssten (IV-act. 71 S. 49):
1. Erhebliche Beeinträchtigung der Fähigkeiten, beruflichen, schulischen
und sozialen Tätigkeiten nachzugehen (im Vergleich zurzeit vor der
Erkrankung), die länger als sechs Monate anhält und von
Erschöpfungszuständen begleitet wird, die sehr stark ausgeprägt und
neuartig sind oder plötzlich auftreten. Die Erschöpfung ist nicht auf
eine starke Anstrengung zurückzuführen und verbessert sich nicht
durch Ausruhen.
2. Der Ermüdungszustand verschlechtert sich nach Belastung.
3. Es besteht ein nicht erholsamer Schlaf.
Zusätzlich muss mindestens eines der beiden folgenden
Beschwerdebilder vorliegen:
- Kognitive Beeinträchtigung und/oder
- Orthostatische Intoleranz
Angesichts dieser Diagnosekriterien ist nicht nachvollziehbar, inwiefern
eine Spiroergometrie, bei der Herz-Kreislauf-Parameter (EKG,
Herzfrequenz, Blutdruck) sowie Atemvolumina (Spirometrie),
Gasaustausch (Sauerstoffaufnahme und Kohlendioxidabgabe) und häufig
arterielle Blutgase während dosierter körperlicher Belastung (Ergometrie)
gemessen werden (vgl.
https://www.pschyrembel.de/Spiroergometrie/K075M/doc, zuletzt besucht
am 2. Mai 2022), zur Diagnostik eines CFS beitragen kann. Dem
pneumologischen MEDAS-Teilgutachten ist denn auch zu entnehmen,
dass die Spiroergometrie der Abklärung von pulmonalen bzw.
respiratorischen Einschränkungen unter Belastung gedient hätte, mit
denen allerdings bereits aufgrund der normalen Lungenfunktionsmessung
nicht zu rechnen gewesen sei (IV-act. 71 S. 62 f.). Insoweit wäre die
- 19 -
Durchführung einer Spiroergometrie weder zwingend notwendig gewesen
noch hätte sie sich angesichts der einschneidenden Konsequenzen für
den Beschwerdeführer, der ausweislich der Akten bereits auf kleine
Belastungen mit Erschöpfung und verlängerter Erholungszeit sowie einer
Exazerbation der Schmerzen und Schlafstörungen reagiert (vgl. [Verlaufs-
]Berichte von Dr. med. J._ vom 5. November 2019 [IV-act. 17 S. 4 f.]
und vom 2. September 2021 [IV-act. 86]; vgl. ferner Bericht von Dr. med.
H._ vom 4. März 2019 [IV-act. 62 S. 51]), als verhältnismässig
erwiesen. Angesichts der auch von der psychiatrischen Teilgutachterin,
Dr. med. N._, geteilten Ansicht, dass die Erholungszeiten erhöht sind,
so dass es für den Beschwerdeführer eine gute Strategie sei, immer unter
einer gewissen Grenze der Aktivierung zu bleiben (IV-act. 71 S. 101),
erscheint es denn auch plausibel, dass der Beschwerdeführer darum
gebeten hat, auf die Durchführung einer EFL zu verzichten (vgl. als
Einsprache bezeichnetes Schreiben vom 12. Februar 2021 [IV-act. 55 S. 1
f.]). Denn in einem solchen ergonomischen EFL-Assessment wird anhand
von Arbeitssimulationstests (wie Heben und Tragen, Arbeit über Kopfhöhe
oder Leitersteigen) das arbeitsbezogene Leistungsvermögen generell und
mit Blick auf die angestammte berufliche Tätigkeit konkret beurteilt, wobei
auch relevante Aussagen zum Leistungsverhalten und zur Konsistenz der
versicherten Person gemacht werden (Urteil des Bundesgerichts
9C_168/2018 vom 8. Mai 2018 E.4.2.2). Entsprechend verzichtete der
RAD-Arzt auf diese Abklärung unter Vorbehalt, dass ein oder mehrere
Gutachterinnen und Gutachter für ihre Stellungnahmen zum
Gutachtensauftrag auf eine EFL angewiesen sein sollten (Bf-act. 5, IV-
act. 60). Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer in angestammter
Tätigkeit als E._ eine körperlich leichte, sitzende Tätigkeit am
Computer ausübt (vgl. Fragebogen für Arbeitgebende vom 30. Oktober
2019 [IV-act. 13]) und aus gutachterlicher Sicht aufgrund des CFS als
leidensangepasste Tätigkeiten nur noch einfachere Arbeiten im
Homeoffice für zumutbar erachtet wurden (IV-act. 71 S. 145), weshalb
- 20 -
nicht einleuchtet, warum zur Evaluation der arbeitsbezogenen
Leistungsfähigkeit notwendigerweise physische Belastungstests
vorgenommen werden müssten. Rechtsprechungsgemäss ist die EFL –
neben den medizinischen Befunden und Diagnosen – geeignet für eine
valide Beurteilung der Arbeitsfähigkeit und Zumutbarkeit bei Erkrankungen
des Bewegungsapparates; damit wird die Fähigkeit eines Individuums
gemessen, manuelle Tätigkeiten zu verrichten, und der Zeitraum
geschätzt, während dessen die Klientin oder der Klient diese im Verlaufe
eines ganzen Tages auszuüben imstande ist (Urteil des Bundesgerichts
8C_606/2012 vom 3. Dezember 2012 E.3.4). Ein EFL-Testverfahren ist
folglich nicht in jedem Fall durchzuführen, sondern allenfalls in Betracht zu
ziehen, wenn sich die beteiligten Fachärzte ausser Stande sehen, eine
zuverlässige Einschätzung des leistungsmässig Machbaren
vorzunehmen, und deshalb eine konkrete leistungsorientierte berufliche
Abklärung als zweckmässigste Massnahme ausdrücklich empfehlen
(Urteil des Bundesgerichts 9C_768/2011 vom 8. Februar 2012 E.2.4; vgl.
auch IV-act. 71 S. 3). Dies ist vorliegend nicht geschehen (vgl. IV-act. 71
S. 79).
Soweit die internistische MEDAS-Teilgutachterin dem Beschwerdeführer
schliesslich vorhält, stationäre Rehabilitationsmassnahmen abgelehnt zu
haben (vgl. IV-act. 71 S. 52), übersieht sie, dass es die medizinische und
therapeutische Empfehlung der behandelnden Psychiaterin Dr. med.
J._ war, mangels Erfolgsaussichten keinen Klinikaufenthalt
durchzuführen (vgl. Nachricht des Personalamts Graubünden vom
4. Dezember 2020 [IV-act. 34]; vgl. ferner Schreiben zur Auftragserteilung
betreffend neuropsychologische Abklärung vom 4. Februar 2021 [IV-
act. 43]). Insofern ist dem Beschwerdeführer darin beizupflichten, dass
ihm von gutachterlicher Seite zu Unrecht eine Verletzung der
Mitwirkungspflicht vorgeworfen wurde (vgl. zu deren Voraussetzungen
KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2020, Art. 43
- 21 -
Rz. 18 ff., Rz. 91 f., Rz 96 ff.; Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons
Graubünden [VGU] S 19 80 vom 27. Oktober 2020 E.4). Soweit gestützt
darauf in der Konsistenzprüfung von einer stark reduzierten
Anstrengungsbereitschaft, einer massiven Malcompliance oder
Selbstlimitierung ausgegangen wird (vgl. hierzu zusammenfassend IV-
act. 71 S. 143 f.), vermögen die Konsensbeurteilung und die einzelnen
Teilgutachten nicht zu überzeugen. Diesem Umstand ist denn auch bei der
Beurteilung der gutachterlichen Folgenabschätzung der festgestellten
Gesundheitsschäden Rechnung zu tragen.
5.4. Zu den funktionellen Auswirkungen der Befunde hielten die MEDAS-
Expertinnen und Experten fest, dass auf dem internistischen,
pneumologischen und rheumatologischen Gebiet mangels Diagnose mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit keine Einschränkungen bestünden.
In psychiatrischer Hinsicht führten sie gestützt auf die anhand der Mini-
ICF-APP evaluierte Leistungsfähigkeit aus, gesamthaft könne der
Beschwerdeführer seine angestammte Tätigkeit nur zu einem reduzierten
Pensum ausüben. Er solle ohne Zeitdruck und nach einem jeden Tag
selbst geschaffenen Plan funktionieren, da die Einbussen durch das CFS
unvorhersehbar seien. Trotz der wesentlichen Hindernisse und einer
leichten kognitiven Verschlechterung seit Ausbruch der Erkrankung sei die
bis anhin attestierte Arbeitsunfähigkeit (recte: Arbeitsfähigkeit) in
reduziertem Pensum (aktuell 20 %) gemäss den im Gutachten geprüften
Einschränkungen eindeutig zu tief. Eine Einschränkung (der
Arbeitsfähigkeit) von 40 % sei vielmehr plausibel. Das Homeoffice-Regime
komme dem Beschwerdeführer entgegen und sei weiter zu empfehlen (IV-
act. 71 S. 141 f.). Nach Diskussion von Belastungsfaktoren und
Ressourcen sowie einer Konsistenzprüfung kamen die Gutachterinnen
und Gutachter zum Schluss, der Beschwerdeführer sei in seiner
angestammten Tätigkeit als E._ im Homeoffice seit der Anmeldung
bei der IV-Stelle zu 60 % arbeitsfähig. In einer leidensangepassten,
- 22 -
einfachen Homeoffice-Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100 %,
wobei diese seit der Begutachtung im März 2021 gelte (IV-act. 71 S. 145).
Auch diese medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeits-Einschätzung
vermag nicht zu überzeugen. Bei der Folgenabschätzung der erhobenen
gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit kommt der
Arztperson denn auch keine abschliessende Beurteilungskompetenz zu
(BGE 140 V 193 E.3.1; vgl. Erwägung 4.6 hiervor). Vielmehr nimmt die
Arztperson zur Arbeitsunfähigkeit Stellung, d.h. sie gibt eine Schätzung
ab, die sie aus ihrer Sicht so substanziell wie möglich begründet.
Schliesslich sind die ärztlichen Angaben eine wichtige Grundlage für die
juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person
noch zugemutet werden können (so die mit BGE 105 V 156 E.1 in fine
begründete und in zahllosen Urteilen bestätigte Rechtsprechung, vgl. z.B.
BGE 140 V 193 E.3.2, BGE 132 V 93 E.4). Nötigenfalls sind, in Ergänzung
der medizinischen Unterlagen, für die Ermittlung des erwerblich nutzbaren
Leistungsvermögens die Fachpersonen der beruflichen Integration und
Berufsberatung einzubeziehen (seit BGE 107 V 17 E.2b geltende
Rechtsprechung, vgl. BGE 140 V 193 E.3.2 und Urteil des Bundesgerichts
8C_545/2012 vom 25. Januar 2013 E.3.2.1, nicht publiziert in: BGE 139 V
28).
Die psychiatrische Teilgutachterin Dr. med. N._ diagnostizierte ein
Fatigue-Syndrom (ICD-10 G93.3) mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit. Auf dieses Beschwerdebild ist, sofern – wie vorliegend –
die Fatigue nicht im Rahmen eines somatischen Gesundheitsschadens
(ZNS-Erkrankung) zu sehen ist, die Rechtsprechung gemäss BGE 141 V
218 anwendbar (vgl. Erwägung 4.5 hiervor). Damit ist die Frage, ob das
CFS zu einer Arbeitsunfähigkeit führt, die rechtlich bedeutsam ist, in
Nachachtung von Art. 7 Abs. 2 ATSG grundsätzlich auf der Grundlage
eines strukturierten Beweisverfahrens zu beurteilen (vgl. Erwägung 4.5
oben). Dass ein solches entbehrlich gewesen wäre, ist nicht ersichtlich,
- 23 -
wies doch selbst Dr. med. N._ gestützt auf das CFS eine länger
dauernde Arbeitsunfähigkeit in angestammter Tätigkeit bzw. zumindest
funktionelle Auswirkungen in qualitativer Hinsicht aus. Insofern durfte sie
sich im Wesentlichen nicht damit begnügen, die dem Beschwerdeführer
noch verbliebene Leistungsfähigkeit anhand des Mini-ICF-APP Ratings zu
beurteilen (vgl. IV-act. 71 S. 102 ff.). Abgesehen davon, dass dieses
ohnehin nicht auf die Erfassung von CFS-bedingten
Funktionseinschränkungen zugeschnitten ist, kann die Mini-ICF-APP
rechtsprechungsgemäss bloss eine Ergänzung darstellen und sind die
funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten
gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand von
Standardindikatoren zu prüfen (vgl. BGE 148 V 49 E.6.3; Urteile des
Bundesgerichts 8C_664/2019 vom 8. April 2020 E.4.3.1 und 9C_157/2019
vom 28. Oktober 2019 E.4.3). Daran hat sich Dr. med. N._ – wie
nachfolgend aufzuzeigen sein wird – nur unvollständig gehalten.
5.5. Zwar hat die psychiatrische MEDAS-Teilgutachterin in Übereinstimmung
mit den behandelnden Fachärztinnen und -ärzten ein CFS diagnostiziert
und dieses den Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
zugewiesen (IV-act. 71 S. 98). Mit dem Indikator "Ausprägung der
diagnoserelevanten Befunde" des Komplexes "Gesundheitsschädigung"
in der Kategorie "Funktioneller Schweregrad" setzte sie sich insoweit
auseinander, als sie dem Beschwerdeführer attestierte, ehrlich zu seinem
psychischen Befinden Auskunft gegeben zu haben, wobei sie mangels
Diskrepanz zwischen den subjektiven Angaben und objektiven Befunden
eine Aggravationstendenz verneinte (IV-act. 71 S. 100; vgl.
gleichermassen Konsensbeurteilung [IV-act. 71 S. 143 f.], wonach keine
Hinweise auf Aggravation
oder Simulation hätten eruiert werden können). Mit Blick auf den
Schweregrad des CFS hielt sie indes pauschal fest, dieser sei als
höchstens mittelschwer bzw. aktuell als mittelgradig zu bezeichnen (IV-
- 24 -
act. 71 S. 100), ohne dies nachvollziehbar herzuleiten oder z.B. anhand
der Skala der Schweregrade nach David S. Bell (vgl.
https://www.pschyrembel.de/Chronic%20Fatigue-Syndrom/K0772/doc,
zuletzt besucht am 2. Mai 2022) zu plausibilisieren. Vielmehr beliess sie
es bei der Bemerkung, es scheine, als würde sich der Verlauf insgesamt
stabilisieren mit Milderung bzw. besserer Ertragbarkeit der
Gesamtsymptomatik und der Belastbarkeit (IV-act. 71 S. 100). Eine
eigentliche auf die konkreten Erscheinungsformen des CFS gerichtete
Befunderhebung lässt sich dem psychiatrischen Teilgutachten indes nicht
entnehmen (vgl. IV-act. 71 S. 93 f.).
Im Rahmen der versicherungsmedizinischen Beurteilung führt Dr. med.
N._ zwar aus, dass der 35-jährige Beschwerdeführer seit ca. F._
an den Folgen eines CFS leide. Dies manifestiere sich mit schneller
Erschöpfung, Schlafstörungen, vermehrten Infekten, sich wandelnden
Schmerzen wie Arthralgien, Verstimmungen usw. Auslöser seien
physische aber auch emotionale Belastungen, auch von geringer
Relevanz. Die Erholungszeiten seien erhöht (IV-act. 71 S. 101). Diesen
Symptomen spricht sie aber sogleich insoweit deren Relevanz ab, als sie
festhält, der Zustand persistiere leider grösstenteils wegen Schonung
sowie Vermeidung von Anstrengung und Stress, was die Prognose
erschwere. Psychopathologisch würden diese Symptome die
angestammte Tätigkeit grundsätzlich nicht sehr beeinträchtigen, obwohl
leichte kognitive Einschränkungen durchaus vorhanden seien und im
neuropsychologischen Gutachten vom 15. Februar 2021 auch bestätigt
würden (IV-act. 71 S. 101). Damit widerspricht sie indes nicht nur den
aktenkundigen, von den behandelnden Fachpersonen übereinstimmend
vertretenen Beurteilungen (vgl. Erwägung 5.5.1 hernach), sondern auch
sich selbst. Denn in ihrer weiteren Beurteilung führt sie wiederum aus, der
Beschwerdeführer leide seit einigen Jahren am ehesten an den Folgen
eines CFS. Bei diesem Syndrom seien Erschöpfung nach jeglichen
- 25 -
Belastungen, seien sie körperlicher oder emotionaler Natur, erhöht.
Unerwartete, minimale Belastungen könnten Symptome der Erschöpfung,
Krämpfe oder Schmerzen auslösen, auch nicht in unmittelbarem
Zusammenhang mit den Triggern. Die Erholungszeiten seien erhöht, so
dass es für den Beschwerdeführer eine gute Strategie sei, immer unter
einer gewissen Grenze der Aktivierung zu bleiben. So habe er gelernt, eine
gewisse Stabilität zu erlangen, die es ihm seit Sommer 2019 bis heute
erlaubt habe, zu 20 % seinen Beruf im Homeoffice auszuüben. Die
längerfristige Prognose in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit sei, trotz
zahlreichen durchgeführten Therapien, eher ungünstig. Im Arztbericht der
behandelnden Psychiaterin Dr. med. J._ vom 5. November 2019
werde als Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit das CFS
angegeben. Dem könne zugestimmt werden. Arbeitsversuche und
Eingliederungsmassnahmen seien wegen des Auftretens von CFS-
Symptomen gescheitert. Aus psychiatrischer Sicht sei das Risiko für das
Auftreten depressiver Episoden im Rahmen des CFS erhöht, deswegen
mache es Sinn, dass der Beschwerdeführer regelmässig weiter die
Psychotherapie besuche (IV-act. 71 S. 101).
5.5.1. Diese Ausführungen zu den Funktionseinschränkungen des
diagnostizierten CFS stimmen mit jenen der behandelnden Fachpersonen
überein. Nachdem bereits ein mittelschweres bis schweres Schlafapnoe-
Syndrom festgestellt (IV-act. 62 S. 39 f.) und verschiedene bildgebende,
laborchemische und klinische Untersuchungen durchgeführt worden
waren, die in den Diagnosen einer Tendomyopathie der Kau- und
Nackenmuskulatur sowie rezidivierender Arthralgien und eines
chronischen Panvertebralsyndroms unklarer Ätiologie mündeten (IV-
act. 62 S. 44 ff.), erachtete Dr. med. H._, Fachärztin für Allgemeine
Innere Medizin, in ihrem Bericht vom 4. März 2019 zur Sprechstunde für
CFS am Kantonsspital Graubünden (KSGR) erstmals die kanadischen
Konsensus-Kriterien für ein CFS beim Beschwerdeführer als erfüllt. Dabei
- 26 -
stellte sie folgende Symptome fest: deutliche Erschöpfung, fehlende
Erholung durch Schlaf, deutliche Verschlechterung der Symptomatik bei
zu viel körperlicher und kognitiver Belastung, deutliches Ausmass an
Arthralgien von wanderndem Charakter, Muskelzuckungen und -krämpfe,
verstärkte Kälte- und Wärmeintoleranz, rezidivierende Halsschmerzen
und geschwollene Lymphknoten im Bereich des Halses sowie chronische
Übelkeit mit Verschlechterung nach Nahrungsaufnahme. In
anamnestischer Hinsicht ist dem Bericht ferner zu entnehmen, dass der
Beschwerdeführer seit 2015 vermehrt Mühe habe, am Morgen
aufzustehen, wofür er eine Stunde brauche, wobei die Müdigkeit noch bis
zu zwei Stunden anhalte. Er sei aber auch tagsüber nie erholt. Der
Beschwerdeführer habe auch seine sozialen und sportlichen Aktivitäten
deutlich abgebaut. Aufgrund der Müdigkeit müsse er jeweils am
Wochenende praktisch nur im Bett liegen. Ohne diese Erholung am
Wochenende könne er die Arbeit unter der Woche nicht leisten.
Gleichzeitig leide der Beschwerdeführer neben einem Schlafapnoe-
Syndrom an rezidivierenden Arthralgien an verschiedenen Lokalisationen
(linkes Handgelenk, rechtes OSG und im Bereich der Fingergelenke) und
an Rückenschmerzen. Dr. med. H._ merkte zum CFS ausserdem an,
bei Chronic Fatigue-Patienten sei es wichtig, dass sie nicht über ihre
Leistungsgrenze hinausgingen und lernten, ihre Grenzen zu erkennen,
denn durch deren Übertretung verschlechtere sich ihr Zustand zunehmend
(IV-act. 62 S. 49 ff.).
Auch die behandelnde Psychiaterin Dr. med. J._ bestätigte in ihrem
Bericht vom 17. Juni 2019, dass beim Beschwerdeführer eine
ausgeprägte chronische Erschöpfung im Sinne eines CFS vorliege, das
durch die vorhandenen Schlafstörungen bei einem schweren
Schlafapnoe-Syndrom verstärkt werde. Sie verordnete daher eine
Behandlung mit Ritalin, um beim Beschwerdeführer eine verbesserte
Wachheit im Laufe des Tages zu erreichen. Eine behandlungsbedürftige
- 27 -
Depression schloss sie aus (IV-act. 62 S. 56). Mit Bericht vom
5. November 2019 führte sie ferner aus, aufgrund des CFS sei die
Erschöpfung nach körperlichen, aber auch geistigen oder emotionalen
Belastungen erhöht. Bereits minimale Belastungen könnten eine
Erschöpfung auslösen. Die Erschöpfung könne sofort oder verzögert nach
Stunden oder Tagen auftreten. Die Zeit, die zur Erholung benötigt werde,
sei verlängert. Vorliegend sei in prognostischer Hinsicht ungünstig, dass
trotz der bisher durchgeführten Therapien (kognitive Verhaltenstherapie,
Ergotherapie, medikamentöse Behandlung mit Ritalin), an denen der
Beschwerdeführer zuverlässig und motiviert teilnehme und auf die er
grundsätzlich gut anspreche, bereits ein Arbeitspensum von 20 % zu einer
zunehmenden Erschöpfung geführt habe. Zu den bestehenden
Funktionseinschränkungen hielt Dr. med. J._ erneut fest, dass beim
Beschwerdeführer bereits kleine Belastungen zu rascher Erschöpfung und
verlängerter Erholungszeit führten, in deren Rahmen auch die Schmerzen
und Schlafstörungen zunähmen (IV-act. 17 S. 4 f.). Gleichermassen führte
Dr. med. J._ in ihrem Bericht vom 2. September 2021 aus, an
Symptomen bestünden vor allem eine neuroimmune Entkräftung nach
Belastung, die sogenannte "post-exertional neuroimmune exhaustion",
abgekürzt PENE. Während einer solchen erlebe der Patient einen
Zusammenbruch mit Verschlechterung aller anderen Symptome und ziehe
sich zurück (IV-act. 86). Zudem wies Dr. med. I._ in seinen Berichten
vom 17. November 2020 eine neurokognitive Ermüdung,
Muskelschmerzen, eine Energielosigkeit und massive myalgische
Schmerzen im Bereich paravertebral/thorakal sowie in den Armen als
funktionelle Leistungseinschränkungen aus (IV-act. 33 S. 4 und S. 9).
Überdies ist dem MEDAS-Gutachten vom 18. Juni 2021 in
anamnestischer Hinsicht zu entnehmen, dass die Beschwerden
insbesondere abends, in der Nacht und am Morgen stark ausgeprägt
seien, wobei der Beschwerdeführer Mühe beim Aufstehen bekunde (IV-
act. 71 S. 44). Auch beim Schlafen habe er aufgrund der Schmerzen und
- 28 -
Krämpfe Mühe (IV-act. 91 S. 71). Ca. eine halbe Stunde vor dem
Aufstehen bringe ihm seine Frau das Ritalin ans Bett, das er zum
Aufstehen benötige (IV-act. 71 S. 44 f.). Zudem verlasse er das Haus
praktisch nie (IV-act. 71 S. 45). Des Weiteren schloss Dr. med. H._
in ihrem Bericht vom 1. Juli 2019 einen Zusammenhang mit dem CFS bei
den anlässlich einer Verschlechterung des Gesundheitszustands
aufgetretenen Beschwerden, wie geschwollene Augen, Nasenlaufen,
Schwellungsgefühle in den Händen und Füssen sowie einer erneuten
Rötung am Unterschenkel nicht aus (allenfalls auch stärkere Reaktion auf
Allergien). Sie berichtete zudem, dass eine Wiederaufnahme der Arbeit im
Juli im Umfang von 20 % geplant war (IV-act. 62 S. 57 f.), nachdem der
Beschwerdeführer ab dem 13. März 2019 zu 100 % krankgeschrieben war
(IV-act. 62 S. 51 und IV-act. 6 S. 2 ff.). Nach dem Wiedereinstieg traten
beim Beschwerdeführer zunächst eine grössere Müdigkeit und vermehrte
Schmerzen ein; die Situation stabilisierte sich aber sodann, weshalb keine
Änderung der Arbeitsfähigkeit vorgenommen wurde (vgl. Bericht von
Dr. med. H._ vom 17. September 2019 [IV-act. 21 S. 1 f.]). Das
Pensum von 20 % sei jedoch nur knapp geschafft worden, wobei sich der
Beschwerdeführer am Wochenende habe erholen müssen und praktisch
nur noch im Bett gewesen sei (vgl. Zwischenanamnese im Bericht von
Dr. med. H._ vom 11. November 2019 [IV-act. 21 S. 4]). Auch
Dr. med. J._ berichtete mit Verlaufsbericht vom 5. November 2019,
dass der Beschwerdeführer nach dem beruflichen Wiedereinstieg wieder
an vermehrten Beschwerden litt, insbesondere an einer Zunahme der
Erschöpfung und Schmerzen (IV-act. 17 S. 3). Mit Bericht vom
2. September 2021 führte sie zudem aus, der Beschwerdeführer sei in
seiner Arbeitsfähigkeit stark eingeschränkt. Die 20%ige Arbeitsfähigkeits-
Attestierung beruhe vor allem auf der Beobachtung des Verlaufs und der
Tatsache, dass ein höheres Pensum beim Beschwerdeführer mehr
Symptome hervorrufe. Seine aktuelle Tätigkeit sei ideal leidensadaptiert,
da er überwiegend im Homeoffice arbeiten und seine Arbeitszeit sowie
- 29 -
Aufgaben seinen gesundheitlichen Einschränkungen anpassen könne.
Seine Leistungsfähigkeit sei dabei nicht konstant. Verschiedene
Belastungen – unter anderem auch geistiger oder emotionaler Natur –
könnten eine PENE hervorrufen, wobei diese nicht vorhersehbar sei (IV-
act. 86). Schliesslich hielt auch Dr. med. I._ in seinem Bericht vom
13. September 2021 fest, der Beschwerdeführer habe alles daran gesetzt,
seinen jetzigen Zustand zu stabilisieren, und es gelinge ihm mit einem
ausserordentlichen Engagement seinerseits, seine angestammte Tätigkeit
zu 20 % im Homeoffice durchzuführen. Aus medizinischer Sicht sei der
Beschwerdeführer genau zu diesem Arbeitspensum befähigt; mehr liege
nicht drin, ansonsten das ganze System kollabiere (IV-act. 84).
5.5.2. Aus diesen Ausführungen ergibt sich insgesamt, dass der
Beschwerdeführer auch in Ruhe an wesentlichen Symptomen, wie
namentlich Energielosigkeit, chronische Müdigkeit, Schwierigkeiten beim
Aufstehen, Schmerzen am Bewegungsapparat und Arthralgien,
Muskelverkrampfungen, Hautreaktionen und weiteren
(allergieassoziierten) Symptomen leidet. Diese Symptomatik verstärkt sich
bereits bei kleinen Belastungen körperlicher, geistiger oder emotionaler
Natur, die zu rascher Erschöpfung und verlängerter Erholungszeit führen
und in deren Rahmen auch die Schmerzen und Schlafstörungen
zunehmen. Geht der Beschwerdeführer über seine Leistungsgrenze
hinaus, erleidet er einen Zusammenbruch und wird bettlägerig. Aufgrund
seiner Beschwerden ist er überwiegend an das Haus gebunden und
verlässt dieses praktisch nie. Der Beschwerdeführer ist daher unfähig,
anstrengende Tätigkeiten auszuüben. Leichte Arbeiten, wie namentlich
solche im Homeoffice vornehmlich am Computer oder Telefon, sind zwar
möglich, jedoch nur in stark reduziertem Umfang, wobei Ruhepausen
benötigt werden. Insgesamt ist daher von einer bedeutenden Ausprägung
der diagnoserelevanten Befunde auszugehen.
- 30 -
Angesichts dieser konkreten Erscheinungsformen des CFS, die mit
erheblichen Funktionseinschränkungen einhergehen, ist nicht
nachvollziehbar, wenn die psychiatrische MEDAS-Teilgutachterin Dr.
med. N._ trotz der auch von ihr übereinstimmend beschriebenen
Symptome festhält, diese würden psychopathologisch die angestammte
berufliche Tätigkeit nicht sehr beeinträchtigen (IV-act. 71 S. 101). Dies gilt
umso mehr, wenn die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen
Verfügung die bisherige Tätigkeit des Beschwerdeführers als E._
infolge des damit einhergehenden Zeitdrucks, der teils stressigen
Arbeitssituation sowie der verlangten Fähigkeiten (hohe
Kommunikationsfähigkeit, Durchhaltefähigkeit,
Verantwortungsbewusstsein und unbeeinträchtigte
Konzentrationsfähigkeit) als psychisch mittelschwer beschreibt (IV-act. 90
S. 5). Aufgrund der Aufgabenkomplexität erfordert diese Tätigkeit ein
hohes Ausmass an Aufmerksamkeit, eine ausgeprägte
Gedächtnisfähigkeit und ein ausgedehntes Durchhalte- und
Auffassungsvermögen (vgl. neuropsychologischer Abklärungsbericht von
Dr. phil. K._ vom 15. Februar 2021 [IV-act. 57 S. 24]). Dabei liegt auf
der Hand, dass sich die vorgenannten CFS-bedingten
Funktionseinschränkungen stark leistungsmindernd auswirken. So
erkannte denn auch die psychiatrische MEDAS-Teilgutachterin an, dass
sich der Beschwerdeführer wegen des CFS nicht an (fremdbestimmte)
Routinen anpassen könne (IV-act. 71 S. 102). Weshalb sie sodann aber
die Flexibilität und Umstellungsfähigkeit als uneingeschränkt betrachtet,
leuchtet nicht ein, wenn sie dem Beschwerdeführer neben der fehlenden
Anpassungsfähigkeit an (fremdbestimmte) Routinen selbst zubilligt, er
müsse ohne Zeitdruck nach einem jeden Tag selbst geschaffenen Plan
funktionieren, da die Einbussen durch das CFS unvorhersehbar seien (IV-
act. 71 S. 105). Vor allem aber vermag nicht zu überzeugen, wenn
Dr. med. N._ die Widerstands- und Durchhaltefähigkeit, d.h. die
Fähigkeit, hinreichend ausdauernd und während der üblicherweise
- 31 -
erwarteten Zeit an einer Tätigkeit zu bleiben und ein durchgehendes
Leistungsniveau aufrechtzuerhalten, bei den hohen Anforderungen in der
angestammten Tätigkeit als E._ bloss als mässig bis mittelgradig
eingeschränkt erachtet (IV-act. 71 S. 104). Dabei verkennt sie, dass sie
selbst in Übereinstimmung mit den behandelnden Fachpersonen
zugesteht, beim Beschwerdeführer trete nach jeglichen Belastungen, ob
körperlicher, emotionaler oder intellektueller Art, eine erhöhte Erschöpfung
ein, wobei bereits minimale Belastungen die Symptome auslösen bzw.
verstärken könnten und mit erhöhten Erholungszeiten einhergingen. Es
sei daher für den Beschwerdeführer eine gute Strategie, immer unter einer
gewissen Grenze der Aktivierung zu bleiben. So habe er gelernt, eine
gewisse Stabilität zu erlangen, die es ihm seit Sommer 2019 bis heute
erlaubt habe, zu 20 % seinen Beruf im Homeoffice auszuüben. Die
längerfristige Prognose in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit sei, trotz
zahlreichen durchgeführten Therapien, eher ungünstig. Arbeitsversuche
und Eingliederungsmassnahmen seien wegen des Auftretens von CFS-
Symptomen gescheitert (vgl. IV-act. 71 S. 101).
5.5.3. Diese erheblichen krankheitsbedingten Funktionseinschränkungen wirken
sich aber auch auf eine adaptierte Tätigkeit aus, welche die
Beschwerdegegnerin als physisch und psychisch leicht beschreibt (IV-
act. 90 S. 5). Wie bereits dem Vorbescheid vom 27. Juli 2021 entnommen
werden kann, erachtet sie insbesondere einfache repetitive Tätigkeiten
ohne Zeitdruck, wie z.B. das Schreiben von Berichten ab Diktaphone,
sowie mit einfachen Arbeitsabläufen als leidensangepasst (IV-act. 73
S. 2). Wie das angeführte Beispiel indes zeigt, handelt es sich dabei
durchaus auch um intellektuell fordernde und ermüdende Tätigkeiten: Das
Schreiben von Berichten ab Diktaphone über einen ganzen Arbeitstag
erfordert namentlich ein hohes Mass an Konzentration, Ausdauer,
Auffassungsvermögen, verbaler Merkfähigkeit, geteilter Aufmerksamkeit
und kognitiver Flexibilität. Abgesehen davon, dass Dr. phil. K._ in
- 32 -
seinem Bericht vom 15. Februar 2021 zur neuropsychologischen
Abklärung gerade in diesen Bereichen beim Beschwerdeführer
Schwächen festgestellt hat, die sich einschränkend auf die neurokognitive
Funktionstüchtigkeit auswirken (vgl. IV-act. 57 S. 12 und S. 24), wirken
sich auch die vorgenannten CFS-spezifischen Erscheinungsformen
leistungsmindernd aus: Auch wenn das intellektuelle Anforderungsniveau
in Verweisungstätigkeiten leicht tiefer sein sollte als in der angestammten,
dem Leiden des Beschwerdeführers bereits weitgehend angepassten
Tätigkeit (vgl. dazu IV-act. 21 S. 2 und IV-act. 86, sowie Erwägung 5.13
hernach), fällt dabei nach wie vor besonders ins Gewicht, dass der
Beschwerdeführer bereits in Ruhe energielos, chronisch müde und
erschöpft ist sowie Schwierigkeiten beim Aufstehen, Schmerzen am
Bewegungsapparat und Arthralgien, Muskelverkrampfungen sowie
weitere Symptome hat, die sich bereits bei kleinen Belastungen auch
intellektueller Natur stark verschlechtern und zu rascher Erschöpfung
sowie einer Exazerbation der Schmerzen und Schlafstörungen mit
verlängerter Erholungszeit führen. Insofern erweist sich die im MEDAS-
Gutachten ausgewiesene 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten,
einfachen Homeoffice-Arbeit (vgl. IV-act. 71 S. 107 und S. 145) als nicht
nachvollziehbar, fehlt darin doch auch eine eigentliche
Auseinandersetzung mit den funktionellen Auswirkungen der
festgestellten Einschränkungen mit Blick auf eine Verweistätigkeit. Dass
Dr. phil. K._ in seinem Abklärungsbericht vom 15. Februar 2021 aus
rein neuropsychologischer Sicht keine Verminderung der
Leistungsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit feststellen konnte
(IV-act. 57 S. 26), vermag daran nichts zu ändern. Denn zum einen geht
aus dem Bericht hervor, dass die neuropsychologische Untersuchung am
10. Februar 2021 nach dreieinhalb Stunden abgebrochen werden musste,
da die eingetretene Müdigkeit eine kognitive Leistungserbringung
verhinderte, wobei Dr. phil. K._ beim Beschwerdeführer eine
schwankende Bewegungsweise feststellen konnte (IV-act. 57 S. 8 und
- 33 -
S. 16). Zum anderen merkte Dr. phil. K._ zur raschen Ermüdbarkeit
selbst an, dass deren Auswirkungen auf die tatsächliche
Leistungsfähigkeit über einen längeren Zeitraum durch entsprechende
Untersuchungen und Plausibilisierungen in verschiedenen Kontexten
festgestellt werden könnten, wobei dies in der durch ihn durchgeführten
Evaluierung der neurokognitiven Funktionstüchtigkeit ausdrücklich nicht
einbezogen worden sei (IV-act. 57 S. 16). Eine solche
Auseinandersetzung erfolgte in der psychiatrischen MEDAS-
Begutachtung indes nicht.
5.6. Ferner äusserte sich die psychiatrische MEDAS-Teilgutachterin auch zu
den weiteren Beweisthemen – wenn überhaupt – nur oberflächlich. Zum
Indikator "Behandlungserfolg oder -resistenz" bemerkte sie zwar, dass der
Beschwerdeführer seit der Diagnose im Jahr 2019 etliche Therapien
vorgenommen habe, um seinen Zustand zu bessern, wobei er einige
Coping-Strategien erlernt habe. Dies relativierte sie aber sogleich
insoweit, als der Zustand grösstenteils wegen Schonung und Vermeidung
von Anstrengung und Stress persistiere, was die Prognose erschwere (IV-
act. 71 S. 101). Damit verkennt sie, dass bereits RAD-Arzt Dr. med.
L._ in seiner Beurteilung vom 1. Dezember 2020 von einer
ungünstigen Prognose hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit ausging, weil trotz
der bisher durchgeführten Therapien (kognitive Verhaltenstherapie,
Ergotherapie, medikamentöse Behandlung mit Ritalin, LDN-Therapie), an
denen der Beschwerdeführer zuverlässig und motiviert teilgenommen
habe, keine durchschlagende Verbesserung der Arbeits- und
Leistungsfähigkeit habe erreicht werden können (IV-act. 101 S. 18). Dies
stimmt mit dem Bericht von Dr. med. J._ vom 5. November 2019
überein, in dem diese ebenfalls eine ungünstige Prognose stellte, weil trotz
der der bisher durchgeführten Therapien (kognitive Verhaltenstherapie,
Ergotherapie, medikamentöse Behandlung mit Ritalin), an denen der
Beschwerdeführer zuverlässig und motiviert teilnehme und auf die er
- 34 -
grundsätzlich gut anspreche, bereits ein Arbeitspensum von 20 % zu einer
zunehmenden Erschöpfung geführt habe (IV-act. 17 S. 4). Zudem wurden
nachweislich weitere Therapieformen erprobt (Methylphendiat bzw.
Ritalin, Mefenacid und CBG/CBD [vgl. Evaluationsgespräch Eingliederung
vom 5. November 2019 {IV-act. 19/2}, Berichte von Dr. med. H._ vom
17. September 2019 und 11. November 2019 {IV-act. 21/1 und 2, IV-
act. 20/2 und 3}, Bericht von Dr. med. J._ vom 5. November 2019 {IV-
act. 17/3}] sowie Chiropraktik und Physiotherapie [vgl. Bericht von
Dr. med. I._ vom 17. November 2020 {IV-act. 33/9}]). Schliesslich
bestätigte auch Dr. med. I._ in seinem Bericht vom 13. September
2021, dass der Beschwerdeführer alle möglichen Therapieverfahren nach
dem Wissen der heutigen Grundkenntnisse des CFS erhalten habe und
medizinisch aktuell keine Verbesserung der Symptomatik absehbar sei
(IV-act. 84). Insoweit ist vorliegend von einer Behandlungsresistenz
auszugehen.
5.7. Mit Blick auf den Indikator "Eingliederungserfolg oder -resistenz" lässt sich
dem psychiatrischen MEDAS-Teilgutachten einzig entnehmen, dass
Arbeitsversuche und Eingliederungsmassnahmen wegen des Auftretens
von CFS-Symptomen gescheitert seien (IV-act. 71 S. 101). Dass dies
letztlich in die gutachterliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit eingeflossen
ist, liegt nicht nahe, mangelt es doch an einer diesbezüglichen
Auseinandersetzung im Rahmen der Evaluation der verbliebenen
Leistungsfähigkeit (vgl. Mini-ICF-APP Rating [IV-act. 71 S. 102 ff.]). Dabei
wäre jedoch zu würdigen gewesen, dass sich nach der Wiederaufnahme
der beruflichen Tätigkeit im Juli 2019 in einem Pensum von 20 % die
Situation des Beschwerdeführers stabilisierte, nachdem bei ihm zunächst
eine grössere Müdigkeit und vermehrte Schmerzen aufgetreten waren
(vgl. Bericht von Dr. med. H._ vom 17. September 2019 [IV-act. 21
S. 1 f.]). Dem Bericht von Dr. med. H._ vom 11. November 2019 ist
in anamenstischer Hinsicht ferner zu entnehmen, dass das Pensum von
- 35 -
20 % nur knapp geschafft worden sei, wobei sich der Beschwerdeführer
am Wochenende habe erholen müssen und praktisch nur noch im Bett
gewesen sei (IV-act. 21 S. 4). Auch Dr. med. J._ berichtete mit
Verlaufsbericht vom 5. November 2019, dass der Beschwerdeführer nach
dem beruflichen Wiedereinstieg wieder an vermehrten Beschwerden litt,
insbesondere an einer Zunahme der Erschöpfung und Schmerzen (IV-
act. 17 S. 3). Insofern ging sie von einer ungünstigen Prognose aus, weil
beim Beschwerdeführer trotz der bisher durchgeführten Therapien bereits
ein Arbeitspensum von 20 % zu einer zunehmenden Erschöpfung geführt
habe (IV-act. 17 S. 4). Mit Bericht vom 2. September 2021 führte sie
zudem aus, der Beschwerdeführer sei in seiner Arbeitsfähigkeit stark
eingeschränkt. Die 20%ige Arbeitsfähigkeits-Attestierung beruhe vor
allem auf der Beobachtung des Verlaufs und der Tatsache, dass ein
höheres Pensum beim Beschwerdeführer mehr Symptome hervorrufe.
Seine aktuelle Tätigkeit sei ideal leidensadaptiert, da er überwiegend im
Homeoffice arbeiten und seine Arbeitszeit sowie Aufgaben seinen
gesundheitlichen Einschränkungen anpassen könne. Seine
Leistungsfähigkeit sei dabei nicht konstant (IV-act. 86). Schliesslich hielt
auch Dr. med. I._ in seinem Bericht vom 13. September 2021 fest,
der Beschwerdeführer habe alles daran gesetzt, seinen jetzigen Zustand
zu stabilisieren, und es gelinge ihm mit ausserordentlichem Engagement,
seine angestammte Tätigkeit zu 20 % im Homeoffice durchzuführen. Aus
medizinischer Sicht sei der Beschwerdeführer genau zu diesem
Arbeitspensum befähigt; mehr liege nicht drin, ansonsten das ganze
System kollabiere (IV-act. 84).
Im gleichen Sinn führte der Arbeitgeber des Beschwerdeführers im
Fragebogen vom 30. Oktober 2019 aus, dessen Leistungsfähigkeit sei
sehr gering und liege bei ca. 20 %. Die täglichen Anforderungen und
Belastungen als E._ seien hoch. Aufgrund des CFS werde befürchtet,
dass der Beschwerdeführer diesen Anforderungen leider nicht mehr
- 36 -
gewachsen sei. Aufgrund der Komplexität der Aufgaben stellte der
Arbeitgeber letztlich die Frage, ob die heutige Arbeitsfähigkeit von 20 %
den Beschwerdeführer überfordere (IV-act. 13 S. 4). In ähnlicher Weise ist
dem Eintrag im Verlaufsprotokoll Eingliederung vom 10. Dezember 2019
zu entnehmen, aus dem Gespräch des RAD-Arztes Dr. med. L._ mit
dem Beschwerdeführer sei zu schliessen, dass die Arbeitsfähigkeit zurzeit
nicht ausgebaut werden könne (IV-act. 22 S. 3; vgl. auch Mitteilung
betreffend Abschluss der Eingliederungsmassnahmen vom 14. Januar
2020 [IV-act. 24]). Aus einer weiteren Nachricht des Arbeitgebers vom
11. Dezember 2020 geht hervor, dass die Leistungsfähigkeit des
Beschwerdeführers gemäss dessen Vorgesetzten bei 20 % liege. Der
Beschwerdeführer habe Tage bzw. Wochen, während denen er diese
Leistung erbringe. Es gebe jedoch auch Tage bzw. Wochen, während
denen die Leistungen nicht den 20 % entsprächen. Der Vorgesetzte des
Beschwerdeführers sei im wöchentlichen Austausch mit ihm und könne
die tägliche Arbeitsleistung sehr gut beurteilen. Aufgrund dieser Situation
beurteile der Vorgesetzte eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit als nicht
realistisch (IV-act. 35).
Damit im Einklang hielten die behandelnden Fachpersonen
übereinstimmend fest, dass der Beschwerdeführer sowohl in der
bisherigen Tätigkeit als E._ als auch in einer leidensadaptierten
Verweistätigkeit zu 20 % arbeitsfähig sei. In prognostischer Hinsicht
gingen sie von einem Arbeitspensum zwischen 20 % und 40 % aus (vgl.
Bericht von Dr. med. J._ vom 5. November 2019 [IV-act. 17 S. 7] und
Berichte von Dr. med. I._ vom 17. November 2020 [IV-act. 33 S. 2 ff.]
und vom 13. September 2021 [IV-act. 84]). Auch der RAD-Arzt Dr. med.
L._ attestierte dem Beschwerdeführer noch vor der Einholung des
polydisziplinären MEDAS-Gutachten eine Arbeitsfähigkeit von 30 % in
adaptierter Tätigkeit (vgl Abschlussbericht vom 14. Dezember 2020 [IV-
act. 101 S. 20]). In allgemeiner Weise ist dabei zu berücksichtigen, dass
- 37 -
von einer hohen Arbeitsmotivation auszugehen ist, gab der
Beschwerdeführer anlässlich des Evaluationsgesprächs betreffend
Eingliederung vom 5. November 2019 doch an, er möchte unbedingt
arbeitstätig bleiben, soweit es in seinen Möglichkeiten liege (IV-act. 19
S. 5; vgl. ferner Bericht von Dr. med. H._ vom 17. September 2019
[IV-act. 21 S. 2]). Gleichermassen attestierte auch die psychiatrische
MEDAS-Teilgutachterin dem Beschwerdeführer, eine gute Motivation zu
haben, die Arbeitsfähigkeit zu erhöhen (IV-act. 71 S. 106). Insofern
erweisen sich die Ergebnisse der berufspraktischen Eingliederung, bei der
keine Steigerung des in Homeoffice-Arbeit ausgeübten Arbeitspensums
von 20 % erreicht werden konnte, für die Beurteilung der
Restarbeitsfähigkeit als bedeutsam (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_329/2021 vom 27. Oktober 2021 E.6.2.1 [zur Aussagekraft einer
beruflichen Abklärung für die Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit]).
5.8. Zum ebenfalls zum Komplex "Gesundheitsschädigung" gehörenden
Indikator "Komorbiditäten" äusserte sich Dr. med. N._ gar nicht,
obwohl den zahlreichen aktenkundigen somatischen
Gesundheitsschäden nicht von vornherein eine ressourcenhemmende
Wirkung abgesprochen werden kann (vgl. BGE 143 V 418 E.8.1). So
wurde beim Beschwerdeführer namentlich nach rezidivierenden
Halsschmerzen und Bronchitiden (IV-act. 62 S. 7 ff., IV-act. 17 S. 2) und
einer Tonsillektomie (IV-act. 62 S. 6) mit Bericht vom 21. November
F._ eine aktivierte Chondrocalzinose am linken Handgelenk mit
Beugedefizit festgestellt (Anm. Gericht = Pseudogicht; IV-act. 62 S. 12).
Hinzu traten die Diagnosen einer Steatose unklarer Ursache (Anm.
Gericht = Fettleber) sowie eine symptomatische Cholezystolithiasis (Anm.
Bericht = Gallensteine), wobei am 16. Februar 2015 eine laparoskopische
Cholezystektomie durchgeführt wurde (IV-act. 62 S. 17). Die in der Folge
veranlasste Leberbiopsie ergab den eindrücklichen Befund einer
vorwiegend makrovesikulären Steatose (ca. 50 %) sowie einer diskreten
- 38 -
perivenulären und sinusoidalen septenbildenden Fibrose (IV-act. 62
S. 21). Mit Bericht vom 20. April 2015 wies Dr. med. Werth eine Steatose
hepatis im Rahmen einer nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung
(NAFLD) aus (IV-act. 62 S. 22 f.). Dr. med. Harder stellte in seinem Bericht
vom 14. September G._ neben einer Xerostomie und Xerophthalmie
namentlich rezidivierende Arthralgien im Bereich der OSG und der
Handgelenke sowie eine chronische Müdigkeit fest (IV-act. 62 S. 26 f.).
Wie dem Bericht von Dr. med. O._ vom 5. November 2018
entnommen werden kann, wurde sodann im Juli 2018 eine mittelschwere
bis schwere Rückenlage-assoziierte obstruktive Schlafapnoe
diagnostiziert bei persistierender Tagesschläfrigkeit und CPAP-
Maskenintoleranz (IV-act. 62 S. 39), weshalb das Tragen einer
nächtlichen Orthese in die Wege geleitet wurde (vgl. Bericht von Dr. med.
O._ vom 29. März 2019 [IV-act. 62 S. 52 f.]). Hinzu kamen eine
Tendomyopathie der Kau- und Nackenmuskulatur beidseits bei Verdacht
auf eine inaktive Kiefergelenksarthrose rechts, rezidivierende Arthralgien
(OSG, Hand- und Fingergelenke), ein chronisches Panvertebralsyndrom
unklarer Ätiologie, rezidivierende enorale Aphten und eine Sicca-
Symptomatik sowie rezidivierende Kribbelparästhesien,
Abdominalschmerzen (intermittierend Hämatochezie) und papulöse
Hautveränderungen (vgl. Berichte der Dres. med. Kohout und Ettlin vom
18. Dezember 2018 [IV-act. 62 S. 44 f.] und von Dr. med. Wick vom
12. Februar 2019 [IV-act. 62 S. 46 ff.]). Mit Bericht vom 8. Oktober 2019
stellte Dr. med. Harder sodann eine spontane Urtikaria (Anm. Gericht =
Nesselsucht = Hautkrankheit mit starkem Juckreiz) und angioödem-
Episoden bei möglicher atopischer Disposition fest (IV-act. 62 S. 59).
Dazu wurde im MEDAS-Gutachten vom 18. Juni 2021 ein
Mastzellenaktivierungssyndrom ausgewiesen und zur diagnostizierten
Steatosis hepatis angemerkt, diese könne allenfalls assoziiert sein mit
chronischer Müdigkeit, Stimmungsschwankungen, einem chronischen
Schmerzsyndrom sowie einem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom, was
- 39 -
alles beim Beschwerdeführer vorliege (IV-act. 71 S. 50 f.). Zudem
ordneten die Expertinnen und Experten die festgestellte diffuse,
ausgedehnte Schmerzproblematik vorwiegend der myofascialen
Weichteile ohne organisches Korrelat unklarer Ursache den Diagnosen
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu, was indes bereits insoweit
nicht schlüssig erscheint, als sie selbst ausweisen, dass damit eine
verminderte körperliche Belastungsfähigkeit, chronische Müdigkeit und
chronische Konzentrationsschwierigkeiten verbunden sind (vgl. IV-act. 71
S. 138 und IV-act. 71 S. 75 ff.). Ebenfalls nicht zu überzeugen vermag die
in der Konsensbeurteilung enthaltene Beurteilung aus pneumologischer
Sicht, wonach das diagnostizierte Schlafapnoe-Syndrom mit dem Tragen
der Kieferprotrusionsschiene kompensiert sei (IV-act. 71 S. 133). Dies
widerspricht den anamnestischen Angaben des Beschwerdeführers
anlässlich der pneumologischen Begutachtung, gab dieser dort doch an,
die Maskentherapie nicht toleriert und auch die Kieferprotrusionsschiene
aufgrund von Kieferschmerzen nur selten zu benutzen (IV-act. 71 S. 57).
Insofern sprach der rheumatologische Teilgutachter zu Recht von einem
schweren, therapieresistenten Schlafapnoe-Syndrom (IV-act. 71 S. 76).
Dies deckt sich denn auch mit dem Bericht von Dr. med. H._ vom
17. September 2019, wonach die Spange zur Behandlung des
Schlafapnoe-Syndroms die Symptomatik mit der Müdigkeit verstärke und
der Beschwerdeführer vermehrt Schmerzen am Kiefer habe (IV-act. 21
S. 2; vgl. ferner Evaluationsgespräch Eingliederung vom 5. November
2019 [IV-act. 19 S. 1]). Dazu wies Dr. phil. K._ in seinem
neuropsychologischen Abklärungsbericht vom 15. Februar 2021 darauf
hin, dass eine unbehandelte Schlafapnoe gemäss aktueller Literatur und
seiner langjährigen klinischen Erfahrung eine nicht zu unterschätzende
Wirkung auf die Schlafqualität, die neurokognitive Funktionstüchtigkeit und
die Müdigkeit habe (IV-act. 57 S. 27). Insofern liegen verschiedene
somatische Gesundheitsschäden vor, die insgesamt eine
ressourcenhemmende Wirkung zu entfalten vermögen.
- 40 -
5.9. Zum Komplex "Persönlichkeit" ist dem psychiatrischen MEDAS-
Teilgutachten zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer geschäftig sei
(nach individualpsychologischem Ansatz von P._). Er wäre
vermutlich ein Arbeitstier geworden, wenn er nicht erkrankt wäre (IV-
act. 71 S. 93). Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass der
Beschwerdeführer anlässlich der Exploration angab, er sei nicht
depressiv, sondern werde schubartig dünnhäutig und verstimmt, wobei er
nicht wolle, dass die Depressivität sein Leben beeinträchtige (IV-act. 71
S. 100).
5.10. Mit Blick auf den Komplex "Sozialer Kontext" lässt sich dem
psychiatrischen MEDAS-Teilgutachten in Übereinstimmung mit den
Aussagen des Beschwerdeführers anlässlich der Begutachtung
entnehmen, dass dieser einen guten Kontakt zu seiner Familie pflege und
sich von seinem Umfeld gut getragen sowie verstanden fühle (IV-act. 71
S. 105; vgl. ferner Verlaufsbericht der Hausärztin Dr. med. Q._ vom
24. Oktober 2019 [IV-act. 15 S. 4]).
5.11. Hinsichtlich des auch mit Blick auf den Indikator "Gleichmässige
Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren
Lebensbereichen" der Kategorie "Konsistenz" massgebenden Kriteriums
des sozialen Rückzugs oder der sozialen Aktivität vor Eintritt der
Gesundheitsschädigung finden sich keine Hinweise im psychiatrischen
Teilgutachten. Insoweit wird verkannt, dass bereits aus dem Bericht von
Dr. med. H._ vom 4. März 2019 hervorgeht, dass der
Beschwerdeführer aufgrund der Erkrankung seine sozialen und
sportlichen Aktivitäten abgebaut habe. Früher habe er Leichtathletik
ausgeübt und sei viel geschwommen (IV-act. 62 S. 50). Dies deckt sich
mit den anamnestischen Angaben anlässlich der internistischen MEDAS-
Begutachtung, wonach der Beschwerdeführer früher im Leichtathletik- und
Schwimmclub gewesen sei, nun aber auf Sport verzichte, da ihm dies
mehr schade als nütze (IV-act. 71 S. 45; vgl. ferner IV-act. 71 S. 60,
- 41 -
Evaluationsgespräch Eingliederung vom 5. November 2019 [IV-act. 19
S. 4] und Bericht vom 15. Februar 2021 [IV-act. 57 S. 5]). Daraus geht
ferner hervor, dass der Beschwerdeführer seine Töchter nicht den ganzen
Tag betreue (diese würden an drei Tagen die Woche bei den Grosseltern
sein), sondern nur stundenweise Zeit mit ihnen verbringe (IV-act. 71 S. 44;
vgl. ferner IV-act. 71 S. 72). In diesem Sinne hielt auch Dr. med. I._
in seinem Bericht vom 17. November 2020 fest, dass der
Beschwerdeführer sich ca. eine Stunde mit den Töchtern beschäftigen
könne, mehr jedoch nicht drin liege, ansonsten die Schmerzen massiv
zunähmen und sich eine Energielosigkeit einstelle (IV-act. 33 S. 2; so
auch Bericht von Dr. med. J._ vom 5. November 2019 [IV-act. 17
S. 7]; vgl. ferner IV-act. 71 S. 89 und Evaluationsgespräch Eingliederung
vom 5. November 2019 [IV-act. 19 S. 3]). Dem neuropsychologischen
Abklärungsbericht vom 15. Februar 2021 ist zur Anamnese zudem zu
entnehmen, dass der Beschwerdeführer kein Kino und keine Konzerte
oder Sportveranstaltungen besuche. Seit 2018 verbringe seine Familie
alleine Urlaub, da die jeweilige Anreise zum Urlaubsort zu viel Kraft koste
und er sich nicht genügend von den Reisestrapazen erholen könne (IV-
act. 57 S. 5). Ferner ist der internistischen und rheumatologischen
Anamneseerhebung anlässlich der MEDAS-Begutachtung zu entnehmen,
dass die Frau des Beschwerdeführers zu Hause den Haushalt führe und
er manchmal beim Staubsaugen, beim Aus- und Einräumen des
Geschirrspülers oder bei anderen leichten Tätigkeiten, wie den Tisch
decken, helfe, wobei mehr aktuell nicht drin liege (IV-act. 71 S. 44).
Sodann benutze er keine öffentlichen Verkehrsmittel und fahre seit ca.
zwei Jahren kein Auto mehr (IV-act. 71 S. 45). Dies wertete die
psychiatrische Teilgutachterin bloss als leichte Einschränkung, obwohl sie
ebenfalls anmerkte, dass der Beschwerdeführer nur bedingt in der Lage
sei, Auto zu fahren und die Benutzung des ÖV vermeide, weil er dabei
erschöpfe (IV-act. 71 S. 105). Soweit Dr. med. N._ ferner zwar
zugesteht, dass der Beschwerdeführer im Bereich Proaktivität und
- 42 -
Spontanaktivitäten stark eingeschränkt sei, relativiert sie dies jedoch
sogleich insoweit, als er diesbezüglich in der angestammten Tätigkeit nur
mittelgradig beeinträchtigt sei (IV-act. 71 S. 103), obschon der berufliche
Kontext dabei gerade ausgeklammert gehört. Ferner bleibt durch sie
ungewürdigt, dass der Beschwerdeführer – wie auch aus den anderen
Teilgutachten hervorgeht – das Haus praktisch nie verlasse (IV-act. 71
S. 45) und nie einkaufen oder mit seiner Familie ausser Haus gehe (IV-
act. 71 S. 72). Er habe all seine Hobbies aufgegeben (IV-act. 71 S. 72 und
S. 91). Der rheumatologische MEDAS-Teilgutachter beurteilte die
Angaben des Beschwerdeführers anlässlich der Exploration als klar,
präzise, in sich logisch, kohärent und glaubhaft (IV-act. 71 S. 73). Insofern
sind auch in den ausserberuflichen Lebensbereichen neben einem
ausgeprägten sozialen Rückzug erhebliche Einschränkungen
festzustellen, die früher nicht bestanden und mit jenen im erwerblichen
Bereich vergleichbar sind.
5.12. Schliesslich weist Dr. med. N._ hinsichtlich des Indikators
"Behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener
Leidensdruck" zwar aus, dass die Therapiemotivation gegeben ist und der
Beschwerdeführer seine Psychiaterin regelmässig besuche (IV-act. 71
S. 93), was aufgrund des Risikos für das Auftreten depressiver Episoden
im Rahmen des CFS sinnvoll sei (IV-act. 71 S. 101). Zudem attestiert sie
ihm trotz etwas reduzierter Ressourcenlage eine gute Motivation, den
Gesundheitszustand zu verbessern und die Arbeitsfähigkeit zu erhöhen
(IV-act. 71 S. 106). Abweichend davon führt sie sodann jedoch aus, es
bestehe eine Diskrepanz zwischen der Selbstlimitierung und den
objektiven Befunden, wobei die massive Malcompliance hinsichtlich der
Diagnostik des CFS bei den Co-Gutachtern die Glaubwürdigkeit der
subjektiven Selbstlimitierung noch weiter in Frage stelle (IV-act. 71
S. 102). Abgesehen davon, dass die psychiatrische Teilgutachterin in ihrer
Untersuchung ohnehin keine CFS-spezifischen Befunde erhoben hat (vgl.
- 43 -
IV-act. 71 S. 92 ff.), womit diesbezüglich auch keine Inkonsistenzen
festgestellt werden können, widerspricht sie sich denn auch selbst. So hält
sie in der versicherungsmedizinischen Beurteilung in Übereinstimmung
mit den behandelnden Fachpersonen aufgrund der beim
Beschwerdeführer eintretenden Erschöpfung nach jeglichen Belastungen
mit erhöhter Erholungszeit dafür, es sei für ihn eine gute Strategie, immer
unter einer gewissen Grenze der Aktivierung zu bleiben. Er habe gelernt,
eine gewisse Stabilität zu erlangen, die es ihm seit Sommer 2019 bis heute
erlaubt habe, zu 20 % seinen Beruf im Homeoffice auszuüben.
Arbeitsversuche und Eingliederungsmassnahmen seien wegen des
Auftretens von CFS-Symptomen gescheitert (IV-act. 71 S. 101). Insofern
kann nicht von einer Diskrepanz zwischen der subjektiven
Selbstlimitierung und den objektiven Befunden gesprochen werden.
Vielmehr gebieten die Symptome des CFS nicht über die Leistungsgrenze
hinauszugehen. Soweit Dr. med. N._ ferner auf die in den anderen
Teilgutachten festgestellte Malcompliance bzw. Verletzung der
Mitwirkungspflicht hinweist, vermag dies ebenfalls nicht zu überzeugen,
wobei hierfür auf das bereits Ausgeführte verwiesen werden kann (vgl.
Erwägung 5.3 hiervor).
Zudem ist zu berücksichtigen, dass bereits Dr. med. L._ in seiner
RAD-Beurteilung vom 1. Dezember 2020 von einer ungünstigen Prognose
hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit ausging, weil trotz der bisher
durchgeführten Therapien (kognitive Verhaltenstherapie, Ergotherapie,
medikamentöse Behandlung mit Ritalin, LDN-Therapie), an denen der
Beschwerdeführer zuverlässig und motiviert teilgenommen habe, keine
durchschlagende Verbesserung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit habe
erreicht werden können (IV-act. 101 S. 18). Gleichermassen führte zuvor
Dr. med. J._ in ihrem Bericht vom 5. November 2019 aus, vorliegend
sei in prognostischer Hinsicht ungünstig, dass trotz der bisher
durchgeführten Therapien (kognitive Verhaltenstherapie, Ergotherapie,
- 44 -
medikamentöse Behandlung mit Ritalin), an denen der Beschwerdeführer
zuverlässig und motiviert teilnehme und auf die er grundsätzlich gut
anspreche, bereits ein Arbeitspensum von 20 % zu einer zunehmenden
Erschöpfung geführt habe (IV-act. 17 S. 4). RAD-Arzt Dr. med. L._
merkte zu seinem Gespräch mit dem Beschwerdeführer am 10. Dezember
2019 ferner an, dass dieser sich bezüglich seines Hinweises auf eine
weitere Therapiemethode (orthomolekulare Medizin) sehr dankbar gezeigt
und angegeben habe, sich weiter damit zu beschäftigen sowie sich nach
entsprechenden Therapeuten zu erkundigen (IV-act. 101 S. 16). Zudem
bestätigte letztlich auch Dr. med. I._ in seinem Bericht vom
13. September 2021, dass der Beschwerdeführer alle möglichen
Therapieverfahren nach dem Wissen der heutigen Grundkenntnisse des
CFS erhalten habe (IV-act. 84). Aufgrund der Inanspruchnahme aller
therapeutischen Optionen ist somit von einem hohen Leidensdruck
auszugehen.
5.13. Insgesamt ergibt sich somit, dass insbesondere mangels vollständiger,
schlüssiger und widerspruchsfreier Beachtung der normativen Vorgaben
nicht auf das MEDAS-Gutachten vom 18. Juni 2021 abgestellt werden
kann. Vielmehr vermögen die Vorbringen des Beschwerdeführers und die
übrige medizinische Aktenlage dessen Beweiswert zu schmälern. Daher
hat die Beschwerdegegerin zu Unrecht die darin ausgewiesene 60%ige
Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als E._ ab Anmeldung
zum Leistungsbezug bzw. die 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer
angepassten Tätigkeit ab Begutachtungszeitpunkt als massgeblich
betrachtet. Wie die obige Abhandlung der massgeblichen Beweisthemen
anhand der Indikatoren im Rahmen einer umfassenden
Betrachtungsweise nachweist, stimmen die gutachterlichen Darlegungen
nicht bzw. nur unvollständig mit den normativen Vorgaben überein, so
dass sich eine davon losgelöste funktionelle Folgenabschätzung
aufdrängt (vgl. BGE 145 V 361 E.4.1.1; Urteil des Bundesgerichts
- 45 -
9C_293/2021 vom 23. Dezember 2021 E.2.3). Dabei bestehen in
Gesamtwürdigung der hier massgeblichen Beweisthemen neben
gewissen Gegebenheiten, die als Ressourcen des Beschwerdeführers zu
werten sind (insbesondere familiäres Umfeld und Persönlichkeit), im
vorliegenden Fall deutlich überwiegend Faktoren, die auf eine erhebliche
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit hinweisen. Aus funktioneller Sicht
besonders ins Gewicht fallen dabei die konkreten Erscheinungsformen
des CFS mit gesundheitsbedingten Einschränkungen wie auch in Ruhe
bestehender Energielosigkeit, chronischer Müdigkeit, morgendlichen
Schwierigkeiten aufzustehen, Schmerzen am Bewegungsapparat und
Arthralgien, Muskelverkrampfungen sowie weiteren Symptomen, die sich
bereits bei kleinen Belastungen, seien sie körperlicher, intellektueller oder
emotionaler Art, stark verschlechtern und zu rascher Erschöpfung sowie
zu einer Exazerbation der Schmerzen und Schlafstörungen mit
verlängerter Erholungszeit führen. Geht der Beschwerdeführer mit
anderen Worten über seine Leistungsgrenze hinaus, erleidet er einen
Zusammenbruch und wird bettlägerig. Dieser Gesundheitsschaden
erweist sich als therapierefraktär, wobei dem Beschwerdeführer
anzurechnen ist, dass er an den verschiedenen Therapieformen
zuverlässig und motiviert teilgenommen und alle möglichen lege artis
Therapieverfahren in Anspruch genommen hat, was auf einen erheblichen
Leidensdruck hinweist. Die CFS-bedingten Einschränkungen äussern sich
darüber hinaus in allen Lebensbereichen gleichmässig, wobei ein
ausgeprägter sozialer Rückzug festzustellen ist. Mit Blick auf die
Folgeabschätzung relevant sind zudem die vorliegend bestehenden,
ressourcenhemmenden Komorbiditäten und der Umstand, dass eine
Steigerung des in Homeoffice-Arbeit ausgeübten Arbeitspensums von
20 % in der angestammten Tätigkeit gesundheitsbedingt nicht möglich
war. In Berücksichtigung der Angaben des Beschwerdeführers, wonach er
meistens ca. zwei Stunden täglich arbeitet (vgl. neuropsychologischer
Abklärungsbericht vom 15. Februar 2021 [IV-act. 57 S. 7] und MEDAS-
- 46 -
Gutachten vom 18. Juni 2021 [IV-act. 71 S. 45, S. 59 und S. 91]), was
angesichts der betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit von 43 Stunden
(vgl. dazu Fragebogen für Arbeitgebende vom 30. Oktober 2019 [IV-
act. 13 S. 2]) einem Pensum von etwas über 20 % (5 Tage à ca. 2 Stunden
= 10 Stunden = 23.25 %) entspricht, und angesichts des Umstands, dass
er manchmal bei gutem Wohlbefinden noch einen kurzen zweiten Block
arbeiten kann (vgl. MEDAS-Gutachten vom 18. Juni 2021 [IV-act. 71 S. 45
und S. 59], ist von einer Arbeitsfähigkeit von 20-30 % (43 Stunden x 30 %
= 12.9 Stunden : 5 Tage = 2.58 Stunden) in der angestammten Tätigkeit
auszugehen. Diese orientiert sich denn auch in etwa am Mittelwert, der
von den behandelnden Fachpersonen in prognostischer Hinsicht
ausgewiesen wurde (vgl. Bericht von Dr. med. J._ vom 5. November
2019 [IV-act. 17 S. 7] und Berichte von Dr. med. I._ vom
17. November 2020 [IV-act. 33 S. 2 ff.] und vom 13. September 2021 [IV-
act. 84]). In Berücksichtigung des Umstands, dass die angestammte
Tätigkeit beim bisherigen Arbeitgeber bereits weitgehend dem Leiden des
Beschwerdeführers angepasst wurde (vgl. Fragebogen für Arbeitgebende
vom 30. Oktober 2019 [IV-act. 13 S. 3], Evaluationsgespräch
Eingliederung vom 21. November 2019 [IV-act. 19 S. 4]), zeitigten die
konkreten Erscheinungsformen des CFS zusammen mit den weiteren
vorgenannten Faktoren auch in einer anderen angepassten Tätigkeit mit
einem leicht niedrigeren Anforderungsniveau wesentliche
Funktionseinschränkungen, weshalb angesichts dessen, dass bereits
kleine Belastungen zu einer raschen Erschöpfung und
Schmerzexazerbation mit verlängerter Erholungszeit führen, die
Leistungsgrenze auch in einer Verweistätigkeit, die es dem
Beschwerdeführer erlaubt, dauerhaft einer Arbeitstätigkeit nachzugehen,
ohne dabei zu dekompensieren, bei 30 % zu verorten ist. Da im
Krankheitsverlauf keine wesentlichen Änderungen des
Gesundheitszustands auszumachen sind, ist davon auszugehen, dass
diese seit dem Wiedereinstieg in die berufliche Tätigkeit im Juli 2019
- 47 -
besteht, jedenfalls spätestens ab dem Zeitpunkt des frühestmöglichen
Rentenbeginns ab dem 1. April 2020.
6. Damit ist nachfolgend der Invaliditätsgrad nach der allgemeinen Methode
des Einkommensvergleichs zu bestimmen (vgl. Erwägung 4.2 hiervor).
6.1. Dabei resultiert, selbst wenn – wie die Beschwerdegegnerin geltend macht
und vom Beschwerdeführer bestritten wird – von einem gestützt auf die
LSE-Tabelle im Kompetenzniveau 2 bemessenen Invalideneinkommen
ausgegangen wird (vgl. hierzu IV-act. 74 [Invaliditätsbemessung]), was bei
einer Arbeitsfähigkeit von 30 % einen Betrag von CHF 21'824.00 ergibt
(LSE 2018 TA 1, Totalwert aller Wirtschaftszweige, Männer, umgerechnet
auf die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden,
aufindexiert, ohne Leidensabzug = CHF 5'649.-- x 12 : 40 x 41.7 x
1.009117 x 1.01 x 1.01 x 0.3, in Gegenüberstellung zum unbestritten
gebliebenen und aktenkundigen Valideneinkommen von CHF 96'200.--
(vgl. IV-act. 72) ein Invaliditätsgrad von 77.31 %, der dem
Beschwerdeführer einen Anspruch auf eine ganze Invalidenrente verleiht.
6.2. Die Beschwerde erweist sich somit als begründet und ist in Aufhebung der
angefochtenen Verfügung vom 24. Februar 2022 gutzuheissen. Dem
Beschwerdeführer steht für den Zeitraum ab dem 1. April 2020 eine ganze
Invalidenrente zu. Bei diesem Verfahrensausgang erübrigt es sich, auf die
weiteren Vorbringen und Anträge (namentlich Einholung eines
Gerichtsgutachtens, Eventualbegehren auf Rückweisung im Sinne der
Erwägungen usw.) des Beschwerdeführers einzugehen.
7. Laut Art. 69 Abs. 1bis IVG i.V.m. Art. 61 lit. fbis ATSG (beide in Kraft seit
dem 1. Januar 2021; vgl. auch Art. 82a ATSG) ist das
Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über Leistungen aus der
Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und
- 48 -
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von CHF 200.-- bis CHF 1'000.--
festgelegt. Im vorliegenden Fall werden die Kosten in Berücksichtigung
des bundesrechtlichen Kostenrahmens auf CHF 700.-- festgelegt. Infolge
des Ausgangs des Beschwerdeverfahrens sind diese der
Beschwerdegegnerin zu überbinden (vgl. Art. 73 Abs. 1 VRG).
8. Der Beschwerdeführer hat gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG Anspruch auf
Ersatz der Parteikosten zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Die
Bemessung der Entschädigung erfolgt ohne Rücksicht auf den Streitwert
nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses, wobei der zeitliche Aufwand der Rechtsvertretung regelmässig
durch die Schwierigkeit des Prozesses mitbestimmt wird. Im Übrigen wird
die Bemessung der Parteientschädigung gemäss Art. 61 Ingress ATSG
nach dem kantonalen Recht bestimmt (vgl. Urteile des Bundesgerichts
9C_714/2018 vom 18. Dezember 2018 [in BGE 144 V 381 nicht
publizierte] E.9.2, 9C_321/2018 vom 16. Oktober 2018 E.6.1 und
9C_688/2009 vom 19. November 2009 E.3.1.1 f.). Gemäss Art. 78 VRG
i.V.m. Art. 2 der Verordnung über die Bemessung des Honorars der
Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte (Honorarverordnung, HV;
BR 310.250) wird die Parteientschädigung nach Ermessen des Gerichts
festgesetzt, wobei es grundsätzlich von dem in der Honorarnote geltend
gemachten (und als angemessen zu betrachtenden) Aufwand sowie
(üblichen) Stundenansatz ausgeht. Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers machte in seiner Eingabe vom 4. April 2022
insgesamt einen Aufwand von 3.8333 Stunden zuzüglich Auslagen in der
Höhe von CHF 14.-- und MWST geltend, wobei er darauf verzichtete, eine
eigentliche Honorarnote zu erstellen. Da vorliegend keine
Honorarvereinbarung im Recht liegt, ist der Stundenansatz praxisgemäss
auf CHF 240.-- festzulegen (vgl. statt vieler Urteil des Verwaltungsgerichts
des Kantons Graubünden R 17 86 vom 17. April 2018 E.5.2). Insgesamt
ist somit eine Entschädigung von CHF 1'005.90 (3.8333 Stunden à
- 49 -
CHF 240.-- [CHF 920.--] zzgl. geltend gemachte Auslagen [CHF 14.--
pauschal] und 7.7 % MWST [CHF 71.90]) angemessen. In diesem Umfang
hat die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer aussergerichtlich zu
entschädigen.
9. Bei diesem Verfahrensausgang wird das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege und Verbeiständung gegenstandslos.