# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b4287612-80e7-51c8-a5e3-e6eb9c997611
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1957, war von Mai 2012 bis August 2014 als
Personalfachfrau
beim
Gemeindekassieramt
des
Y._
in einem 100%-Pensum angestellt (vgl.
Urk.
7/5
,
Urk.
7/43 S. 3
). Im September 2014 wanderte die Versicherte nach Costa Rica aus (vgl.
Urk.
7/1), meldete sich am
1.
September 2016 jedoch wieder in der Gemeinde
Z._
an der Wohnadresse ihrer Tochter
in der Schweiz an (vgl.
Urk.
3/6
,
Urk.
7/13
). Bei einem
Unfall
in Costa Rica am 1
2.
Januar 2017 zog sich die Versicherte
Verbrennungen
II.-III. Grades
zu (vgl.
Urk.
7/
8
/28
). In der Folge unt
erzog sie sich zwischen dem 19.
Januar und 2
7.
Februar 2017 mehreren operativen Ein
griffen in der Klinik für Plastische Chi
rur
gie und Handchirurgie des
A._ (
vgl.
Urk.
7/8/8-21).
Am 1
5.
März 2017 (
Eingangsdatum
) meldete sich
X._
bei der Sozial
ver
sicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, unter Hinweis auf den
Unfall vom 1
2.
Januar 2017 zum Bezug von Leistungen der Invalidenversiche
r
ung an (Urk. 7/1). Die IV
Stelle klärte die erwerblichen und medizinischen Verhält
nisse ab
und
holte die Berichte der
behandelnden
Ärzte
(
Urk.
7/
8,
Urk.
7/12,
Urk.
7/22, Urk. 7/2
3
,
Urk.
7/32,
Urk.
7/37,
Urk.
7/38
)
sowie einen Auszug aus dem Indi
vi
duellen Konto der Versicherten (IK-Auszug, Urk. 7/5) ein
.
In der Folge gewährte die IV-Stelle der Versicherten vom 1
5.
September 2017 bis 3
0.
Sep
tember 2022 Kostengutsprache für orthopädische Serienschuhe (vgl. Mit
teilung
vom 2
5.
Ok
to
ber 2017,
Urk.
7/26). Im Weiteren
ver
anlasste die IV-Stelle eine akte
n
basierte Einschätzung des Regionalen Ärztliche
n Dienstes (RAD). Dr. med.
B._
, Facharzt für Chirurgie, Orthopädische Chirurgie und Traumatolo
gie, nahm am 7
.
Juni 2018
Stellung
(vgl.
Urk.
7/41 S. 5-7)
.
Nach einem Wohn
ort
wechsel in die Gemeinde
C._
in Luzern (
Urk.
7/9)
ersuchte
die IV-Stelle
die
IV-Stelle des Kantons Luzern
um Abklärung der Beeinträchtigungen im Haushalt (Bericht
vom 1
6.
Juli 2018
,
Urk.
7/43)
. Ausgehend von einer Einschränkung im Haushalt von 2,7
%
stellte die IV
-Stelle mit Vorbescheid vom 27.
September 2018 die Abweisung des Leistu
ngs
begehrens in Aussicht (Urk.
7/48). Dagegen erhob die Versicherte am 3
0.
Oktober 2018
Ein
wand
(Urk. 7/50). Daraufhin holte die IV-Stelle eine Stellung
nahme des Abklärungs
dienstes der IV-Stelle des Kantons Luzern ein (
Stellungnahme vom 1
7.
Dezember 2018,
Urk. 7/59).
Ferner
legte die Versicherte eine Einschätzung der
D._
,
E._
,
betreffend
Eingliederungsfähigkeit
zu den Akten (
vgl.
Urk.
7/62) und nahm am 17.
Ja
nuar 2019 zu
sämtlichen Akten Stellung (Urk. 7/65). Mit Verfügung vom 1.
April 2019 bestätigte die IV-Stelle ihren Vorbescheid weitestgehend und ver
neinte aus
gehend von einer Ein
schrän
kung im Bereich der
Wohnungspflege von 5,95 % einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (
Urk.
7/68 =
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte unter Beilage diverser Arztberichte (
Urk.
3/3a-5,
Urk.
3/7) mit Eingabe vom 1
3.
Mai 2019 Beschwerde und beantragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Beschwerde
gegnerin sei zu ver
pflichten, ihr ab 1. Januar 2018 eine ganze Invalidenrente aus
zurichten. Ferner sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, berufliche Mass
nahmen durch
zu
führen sowie die Kosten für die fachmedizinische Stellung
nahme der Psycho
therapeutin ASP
F._
zu übernehmen (
Urk.
1).
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom
2
4.
Juni
2019 (U
rk. 6
) auf Abweisung der Beschwerde. Mit Verfügung vom 2
6
.
Juni
201
9 wurde der
Beschwerdeführer
in
die Beschwerdeantwort zugestellt (Urk.
8
).
Auf Nachfrage des hiesigen Gerichts reichte die Beschwerdeführerin ihre Arbeitsbemühungen zu den Akten (
Urk.
11,
Urk.
12/1-31), welche der Beschwerdegegnerin mit Verfü
gung vom 1
9.
Mai 2020 zur Stellungnahme zugestellt wurden (
Urk.
13).
Mit Schreiben vom
4.
Juni 2020 (
Urk.
14) teilte die Beschwerdegegnerin ihren Ver
zicht auf das Einreichen einer weiteren Stellungnahme mit, was der Beschwerde
führerin am 9. Juni 2020 mitgeteilt wurde (
Urk.
15).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Versicherte mit vollendetem 20. Altersjahr, die vor der Beeinträchtigung ihrer körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit nicht erwerbstätig waren und denen eine Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, gelten nach Art. 5 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 Abs. 3 ATSG als invalid, wenn eine Unmög
lichkeit vorliegt, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen. Art. 7 Abs. 2 ATSG ist sinngemäss anwendbar. Demnach sind für die Beurteilung des Vorlie
gens einer Erwerbsunfähigkeit ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist.
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Ren
tenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode der Invaliditätsbe
messung (
Art.
28a IVG) zu bestimmen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betä
ti
gungsvergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Um
stän
den täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall
zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypo
thetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Nei
gung
en und Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Er
werbs
tätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Beurteilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom
1.
April 2019 (Urk. 2) hielt d
ie Beschwerde
gegnerin
fest
,
es sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin weiterhin in Costa Rica leben würde, hätte sie keinen Unfall gehabt. Entsprechend sei sie als Privatier, und nicht als Erwerbstätige, zu qualifizieren.
2.2
Demgegenüber machte
die
Beschwerdeführer
in
in
ihrer
Beschwerde vom
13. Mai 2019
(
Urk.
1) zusammengefasst geltend,
sie habe sich bereits vor dem Unfall im Januar 2017 dazu entschlossen, wieder in die Schweiz zurückzukehren. Ange
sichts ihrer finanziellen Verhältnisse wäre sie gezwungen, einer vollen Erwerbs
tätigkeit nachzugehen.
Die allgemeine Methode des Einkommensvergleichs finde auch auf Versicherte Anwendung, die zwar bei Eintritt ihres Gesundheitsschadens keine Erwerbstätigkeit ausübten, denen aber die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit zugemutet werden könne. Dies sei vorliegend der Fall. Im Übrigen sei die Prüfung der beruflichen Massnahmen nachzuholen.
3.
3.1
Bei einem Verbrennungsunfall in Costa Rica am 1
2.
Januar 2017 zog sich die Be
schwerdeführeri
n 22
% KOF Grad II-III Verbrennungen an der linken Körper
hälfte zu. Die Erstversorgung erfolgte im Spital in Costa Rica
,
bevor sie am 18. Ja
nuar 2017 in die Schweiz repatriiert und auf der Intensivstation für Brandver
letzte im
A._
hospitalisiert wurde.
Es folgten mehrere operative Eingriffe (
Débri
de
ments
mittels Exzision und Spalthauttrans
plan
tationen; vgl.
Urk.
7/8/
6-21),
woraufhin
die Beschwerdeführerin am
8.
Februar 2017 auf die periphere Station ver
legt werden konnte (vgl.
Urk.
7/8/22-27). Im Rahmen der psychiatrischen Grund
er
krankung mit rezidivierenden depressiven Episo
den und einer Low-Dose Ben
zodia
zepin
-A
bhängigkeit
sei die Beschwerde
führerin
im
A._
mehrmals psychia
trisch be
urteilt worden, wobei sie sich stets affektiv kompensiert präsen
tiert habe. Die Beschwerdeführerin wurde am
1.
März 2017 in die
G._
entlassen, wobei eine weitere psychiatrische An
bindung beim psychia
trischen Dienst
G._
empfohlen wurde (vgl. Austritt
s
bericht vom
7.
März 2017, Urk.
7/8/28ff.).
3.2
Während
der stationären Rehabilitation in
G._
lagen die Therapie
schwer
punkte auf
der
Förderung der Wundheilung, Verbesserung des Hand
einsatzes links, der Handgelenksbeweglichkeit links, der Selbständigkeit im Alltag sowie allge
meiner
Rekonditionierung
. Bis auf einen inter
kurrenten grippalen Infekt sowie eine zunehmende Schwanenhalsdeformität der Langfinger links und Sub
luxation im Daumengrundgelenk links sei die Rehabilitation komplika
tions
los ver
laufen, so
dass die Beschwerdeführerin am 1
5.
Mai 2017 bei bestehender 100%iger Ar
beits
unfähigkeit nach Hause habe entlassen werden können
(vgl. Aus
tritts
bericht vom 17. Mai 2017, Urk. 7/23/4-10).
Am 2
2.
Mai 2017 wurde im
A._
eine opera
tive Korrektur der Schwanenhalsdeformitäten der linken Hand durchgeführt und die Beschwerdeführerin zur stationären Rehabilitation erneut in
die
G._
überwiesen, welche b
is auf eine Wundheilungsstörung im Bereich der
3.
und
4.
Kommissur der linken Hand, welche auf Wunsch der Be
schwer
deführerin und in Absprache mit dem Operateur vorläufig konservativ be
handelt werde und vor Klinik
austritt gebessert gewesen sei, komplikationslos ver
laufen
sei
, sodass die Beschwerdeführerin am
7.
Juli 2017 in gutem Allgemein
be
finden nach Hause
habe
entlassen werden können (vgl. Austrittsbericht vom 13. Juli 2017, Urk. 7/23/11-15).
3.3
Im Rahmen einer Verlaufskontrolle am
2.
August 2017 im
A._
wurden funk
tio
nel
le Einschränkungen der
Digiti
III bis V sowie ein unvollständiger Faustschluss der linken Hand festgehalten.
Bei anhaltender Rehabilitation
sei eine berufliche Tätigkeit derzeit nicht durchführbar. Nach Ver
besserung des Narbenbildes
und
der Handfunktion
unter
einer Kompressionstherapie mittels massgefertigtem Handschuh
und Ergo
therapie
sei eine
«
Wiederaufnahme der Arbeitsfähigkeit
»
Anfang 2018 möglich (vgl. Verlaufs
be
richt vom 2
2.
Sep
tem
ber
2017 [
Urk.
7/22
]
).
Im Dezember 2017 musste sich die Beschwerdeführerin einer operativen Narben
korrektur sowie Amputationen einzelner Fingerglieder der linken Hand unter
ziehen (
Urk.
7/38/2).
Im späteren Verlaufsbericht vom
9.
April 2018
(
Urk.
7/37
)
wird von einer grundsätzlichen Verbesserung berichtet; aktuell sei die Beschwer
de
führerin ihres Wissens nach schmerzfrei. Prognostische Angaben seien schwie
rig, da die Narbenbildung 6-12 Monate postoperativ zu beurteilen seien. Hin
sichtlich Arbeitsfähigkeit verwiesen sie auf den Hausarzt.
3.4
Seit Oktober 2017 war die Beschwerdeführerin
im
H._
in psychiatrischer Behandlung
(2x/Monat)
.
Die behandelnde Psychiaterin
führte aus, im Denken sei die Beschwerdeführerin stark auf ihre aktuelle Proble
ma
tik eingeengt, insbesondere ihre soziale Situation, die Arbeitslosigkeit und
den
finanzielle
n
Engpass. Sie habe starke Existenzängste geäussert. Gestützt darauf diagnostizierte die Psychiaterin unter anderem
eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1) sowie eine An
passungsstörung (im Rahmen des Verbren
nungs
unfalls im Januar 2017) mit einer längeren depressiven Reaktion (ICD-10: F43.21
)
. Aus ärztlich-psychiatrischer Sicht sei di
e Beschwerdeführerin maximal 50
% arbeitsunfähig (vgl. Arztbericht vom 2
7.
Februar 2017 [recte: 2018], Urk.
7/32).
Auch im Rahmen der Abschlussuntersuchung im
A._
am 4. Mai 2018 (
Urk.
7/38) habe die Beschwerdeführerin über eine zunehmende post
trauma
tische
Stresssituation mit psychischer Belastung nach dem Verbren
nungs
unfall berich
tet
. Zudem sei ihre Mutter kürzlich verstorben. Von Seiten der Hand sei die Be
weg
lich
keit mittlerweile gut. Die Ärzte
des
A._
äusserten einen Verdacht auf eine Post
trau
matische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1) und diagnostizier
ten eine re
zi
divie
rende depressive Störung sowie eine Benzodiazepin-Abhängig
keit (ICD-10:
F33.9).
3.
5
Dr.
B._
hielt im Rahmen seiner aktenbasierten Einschätzung am
7.
Juni 2018 fest, die somatischen Folgen der Verbrennung hätten einen Endzustand erreicht. Die Funktion der linken Hand sei dauerhaft
geringgradig
eingeschränkt. Deshalb seien Tätigkeiten mit hoher Anforderung an die Greiffunktion der linken Hand nicht zumutbar. Die angestammte und viele andere Tätigkeiten ohne derartige Ansprüche seien hingegen zumutbar. Aus psychiatrischer Sicht bestehe noch eine Einschränkung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 50
%
. Eine Steigerung
könne in den kommenden sechs Monaten erwartet werden (vgl. Feststellungs
blatt
,
Urk.
7/41 S. 6f.).
3.
6
Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens legte die Beschwerdeführerin weitere Arzt
berichte zu den Akten. Daraus ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin nach einem
vermeintlichen
Treppensturz in der Nacht am
5.
Mai 2018 im
I._
vorstellig
wurde. Sie gab an, nachts im Schlaf zu wandeln. Sie sei am Fuss einer Treppe aufgewacht und habe Schmerzen in der linken Schulter verspürt. Die Ärzte stellten eine proximale
Humerusfraktur
links fest, welche kon
servativ durch Ruhig
stellung behandelt wurde (vgl.
Urk.
3/3a). Der posttrauma
tische Verlauf zeig
t
e sich regelrecht (vgl. Arztbericht vom 1
8.
Mai 2018,
Urk.
3/
3b). Die in der Folge aufgrund extremer Müdigkeit und nicht erhol
samen Schlaf mit häufigem Erwachen in der Nacht veranlasste
P
olysomno
graphie
(PSG) habe ein
mittel
schweres, lageabhängiges obstruktives Schlafapnoe-Syn
drom (OSAS) er
geben, wobei die berichteten
parasomnischen
Ereignisse nicht hätten nachge
wiesen werden können (vgl.
B
ericht
der
J._
, Luzern,
vom
4.
Januar 2019, Urk. 3/5).
3.7
Im Oktober 2018 wies die Hausärztin die Beschwerdeführerin wegen einer de
pressiven Entwicklung zur psychotherapeutischen Behandlung ins
D._
in
E._
. Ziel der Behandlung sei die Reduktion von Flash
backs und Intrusionen, der Auf
bau der Stresstoleranz sowie die Antriebs
stei
ge
rung und Neuorientierung (vgl. Stellun
gnahme vom 2
3.
April 2019, Urk.
3/7).
F._
, eidgenössisch an
erkannte Psychotherapeu
tin ASP, beurteilte die Belastbarkeit der Beschwerde
führerin in ihrem Bericht vom 2
9.
Oktober 2018 (
Urk.
7/62) wie folgend:
-
Anpassung an Regeln und Routinen sei mittelschwer beeinträchtigt;
-
Planung und Strukturierung von Aufgaben seien mässig vorhanden;
-
Flexibilität und Umstellungsfähigkeit seien stark beeinträchtigt;
-
Anwendung fachlicher Kompetenzen sei momentan nur begrenzt möglich
;
-
Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit seien mässig beeinträchtigt;
-
Durchhaltefähigkeit sei stark beeinträchtigt;
-
Selbstbehauptungsfähigkeit sei aktuell stark eingeschränkt, vor allem auf
grund der vorhandenen depressiv-ängstlichen Symptomatik;
-
Kontaktfähigkeit zu Dritten sei ebenfalls stark eingeschränkt. Die Be
schwer
de
führerin könne sich maximal eine Stunde mit anderen unter
halten, danach müsse sie sich zurückziehen;
-
Gruppenfähigkeit sei nicht vorhanden, weil Menschenmengen Panik
attacken auslösen würden, was die Reisefähigkeit extrem beeinträchtige;
-
Verkehrsfähigkeit sei durch die mangelnde Gruppenfähigkeit massiv redu
ziert, was bedeute, dass sie öffentliche Verkehrsmittel nicht benutzen könne.
Aus diesen Gründen sei eine maximale Arbeitsbelastung von 20
%
als Einstieg in den Arbeitsprozess zu empfehlen, was nach sechs Monaten erneut evaluiert wer
den könne. Bei einem höheren Belastungsgrad sei das Risiko eines körperlichen sowie eines psychischen Zusammenbruchs sehr hoch, was die Wiederein
glie
de
rung der Beschwerdefüh
rerin unnötig erschweren würde.
4.
4.1
Am 1
6.
Juli 2018 wurde eine Haushaltsabklärung vor Ort in
C._
durch
geführt
(vgl.
Urk.
7/43)
. Dabei habe die Beschwerdeführerin berichtet, drei der Finger an der linken Hand seien teilamputiert. Mit dem Daumen und dem Zeige
finger (beide teilamputiert) könne sie noch etwas Leichtes, beispielsweise ein Bla
tt, halten. Schmerzen habe sie keine. Sie könne gut sitzen und laufe am besten in offenen Schuhe
n
, wobei es im Sommer besser gehe als im Winter, da sich die Narbe
n
bei Kälte eher zusammenziehen würden. Sie gehe nach wie vor in die Physiotherapie. Nachdem sie
sich eine proximale
Humerusfraktur
auf der linken Seite zugezogen habe
, seien Belastungen im linken Arm zu vermeiden.
Ferner sei sie auch psychisch belastet
. Sie sei an ihrem letzten Arbeitsplatz gemobbt worden
und habe deshalb die Stelle nach 2,5 Jahren gekündigt. Sie habe sich das Pen
sion
s
kassengeld auszahlen lassen und sei nach Costa Rica ausge
wandert.
Mit dem Geld hätte sie das Leben bis zur Pensionierung in Costa Rica gut finanzieren können. In der Schweiz reiche das Pensionskassengeld jedoch nicht mehr aus. Hier müss
t
e sie aus finanziellen Gründe
arbeiten, mindestens 80
%. Die Be
schwer
deführerin habe angegeben seit ihrer Rückkehr in die Schweiz ca. 60 Stellen-Bewerbungen versandt zu haben, bislang ohne Erfolg.
Den Hund müsste sie an die Arbeitsstelle mitnehmen kö
nnen. Das Arbeitspensum wäre 80
%, sie habe eigentlich immer 80 % gearbeitet, einzig ihre letzte Stelle - zuge
wiesen vom RAV -
sei
ein volles Pensum gewesen.
Was die Haus
haltsführung betrifft, habe die Beschwerdeführerin geäussert, an
fangs sei die Spitex alle zwei Wochen gekommen, um im Haushalt zu helfen. Aus Kosten
gründen komme diese nun aber nicht mehr. Ihre Tochter
- Mutter eines Kindes, wohnhaft und erwerbstätig in Zürich -
helfe jetzt unregelmässig im Haus
halt mit. Einkaufen sei ihr zu Fuss nicht möglich. Es seien jedoch Zug
ver
bin
dungen vorhanden und ihr stehe ausserdem ein Auto (Automat) zur Verfügung. Die Abklärungsperson hielt fest, in der Haushaltführung sei die Be
schwer
de
führerin nicht eingeschränkt. So plane sie die Haushaltarbeiten, teile diese ein, schreibe den Einkaufszettel (sie sei Rechtshänderin) und übernehme die Kontrolle selbständig.
In Bezug auf die Ernährung wurde im Abklärungsbericht festgehalten,
die Be
schwerdeführerin könne sich selbständig die Nahrung zubereiten und auch leichte
Reinigungsarbeiten durchführen. Die gründliche Küchenreinigung könne sie all
er
dings nicht selbständig erledigen. Eine Einschränkung wurde nicht ange
rechnet.
Die Wohnungspflege betreffend hielt die Abklärungsperson fest, die Abfallent
sorgung könne die Beschwerdeführerin nicht selbständig erledigen, da sie die Kehr
richts
äcke nicht zubinden könne. Bei der gründlichen Reinigung benötige sie Hilfe. Einmal pro Jahr übernehme die Tochter die gründliche Badreinigung sowie Fensterreinigung. Staubsaugen könne sie mit einem Stielstaubsauger hingegen selbständig und auch leichte Reinigungs- und Aufräumarbeiten erledige die Be
schwer
deführerin selbständig. Die Abklärungsperson berücksichtigte eine Ein
schrän
kung von 6.75 % im Bereich der Wohnungspflege.
Die Einkäufe erledige die Beschwerdeführerin selbständig mit dem Auto. Sie habe jedoch angegeben, nicht viel Gewicht tragen zu können und bei den Getränken und dem Katzensand Hilfe zu benötigen. Diesbezüglich verwies die Abklärungs
person auf die Schadenminderungspflicht und konstatierte, Getränke und Katzen
sand könne die Beschwerdeführerin auch im Internet bestellen. Eine Einschrän
kung sei nicht ausgewiesen.
Was die Wäsche- und Kleiderpflege betrifft, wurde im Abklärungsbericht festge
halten, die Wäsche sortiere die Beschwerdeführerin selber und könne diese auch selbständig in die Waschmaschine füllen. Der Wäschetransport bereite ihr jedoch Mühe, da sie keinen Korb tragen könne.
Alternativ könne sie die Wäsche in ein
Duvet
einwickeln und so in die Waschküche transportieren.
Die nasse Wäsche hänge sie am Windel
ständer auf, den Tumbler benutze sie für die Bettwäsche, da sie diese nicht selber aufhängen könne. Für das Zusammenlegen der Bettwäsche benötige sie die Hilfe der Tochter. Die restliche Wäsche könne sie hingegen selb
ständig zusammenlegen und versorgen. Gebügelt werde aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr, auch nicht durch Dritthilfe. Eine Einschränkung wurde nicht berücksichtigt.
Schliesslich gab die Beschwerdeführerin an, mit dem Hund könne sie selber spazieren gehen und auch die Katzen pflege sie selbständig. Einzig bei der Reini
gung der Katzenkisten benötige sie Hilfe. Entsprechend berücksichtigte die Ab
klä
rungs
person eine Einschränkung von 9
%
im Bereich Verschiedenes.
Schliesslich führte die Abklärungsperson aus, die Beschwerdeführerin
lebe allein und ha
be sich schadenmindernd diverse Hilfsmittel für den Haushalt gekauft.
Unter
Berücksichtigung der Gewichtung ergebe sich im Aufgabenbereich Haus
halt eine Einschränkung von 2.7 % bis 3
1.
Dezember 2017 respektive 2.54 % unter Berücksichtigung der neuen Gewichtung ab 1. Januar 201
8.
Abschliessend hielt die Abklärungsperson fest, die Beschwerdeführerin habe angegeben, sie wäre in Costa Rica geblieben und hätte von ihren Pensionskassen
gelder gelebt, wenn sie gesund geblieben wäre. Entsprechend sei sie
als Privatier zu qualifi
zieren.
4.2
Im Rahmen der ergänzenden Stellungnahme hielt die Abklärungsperson am 17. De
zember 2018 (
Urk.
7/59) fest, die Beschwerdeführerin habe im Ab
klä
rungs
bericht diverse Korrekturen von Hand vorgenommen und beispiels
weise geschrie
ben, dass sie sich mit der AHV-Rente das Leben in Costa Rica gut hätte finan
zie
ren können. Weiter habe sie dazugeschrieben, sie hätte bei der Pensionierung eine Standortbestimmung vorgenommen. Bei der Angabe, dass die Beschwerde
führerin noch immer in Costa Rica leben würde, wäre sie gesund geblieben, habe sie jedoch keine Korrektur vorgenommen. Mithin habe die Beschwerdeführerin mit ihrer Unterschrift bestätigt, dass sie weiterhin in Costa Rica leben würde, wäre der Unfall nicht gewesen. Somit gelte sie als Privatier.
Zu den Einschränkungen im Haushalt führte die Abklärungsperson aus, im Bereich der Wohnungspflege könnten weitere Einschränkungen berücksichtigt werden, sei die Beschwerdeführerin doch nicht in der Lage, den Boden feucht aufzunehmen (Einschränkung 20
%
) oder die Bettwäsche selbständig anzuziehen (Einschränkung 3
%
). Unter Berücksichtigung
dieser
zusätzlichen Einschränkun
g
en
sowie der Gewichtung im Bereich Wohnungspflege resultiere eine Einschrän
kung von 5.95 %.
Den Sonnenschirm öffnen und schliessen oder Fensterstoren hoch- und runterkurbeln seien hingegen nicht als regelmässige Einschränkungen im Haushalt anzusehen.
5.
5.
1
Streitig und zu prüfen ist
vorab
, ob
die
Beschwerdeführer
in
ohne gesundheitliche Beeinträchtigung einer erwerblichen Beschäftigung nachginge oder als nicht erwerbstätig zu gelten hat, was je zur Anwendung einer anderen Methode der Invaliditätsbemessung führt.
5.2
Die Beschwerdeführerin bringt hierzu (vgl. auch Einwand vom 3
0.
Oktober 2018;
Urk.
7/50) vor, sie beziehe keine Rentenleistungen der
2.
Säule, sondern habe mit der Freizügigkeitsleistung ein Haus in Costa Rica gekauft und ursprünglich beabsichtigt, in Costa Rica zu leben. Leider
sei
es
ihr
nicht gelungen, sich in Costa Rica sozial zu
integrieren.
I
hr
damaliger Nachbar habe
sie auf
s
schwerste dran
g
saliert
und auch ihre Hunde
bedroht. Besonders in der Regenzeit sei der Weg ins nächste Dorf beschwerlich bzw. unmöglich geworden, so dass sie manchmal bis zu zwei Wochen ohne norma
len menschlichen Kontakt verblie
ben sei
und
zum Einkaufen einen langen Umweg von 50 Minuten habe fahren müssen. Sie sei daher zur Einsicht gelangt, dass es nicht möglich sei, allein an diesem Ort zu leben, und
habe
sich
Anfang September 2016
entschieden, definitiv in die Schweiz zurückzukehren.
Im Januar 2017 habe sie sich nach Costa Rica begeben, um einem Kaufinteressenten das Haus zu zeigen. Bei den Vorbereitungsarbeiten habe sich der Unfall ereignet.
Ihr Pensionskassenguthaben habe sie inzwischen aufgebraucht, von ihrer im September 2018 aufgelösten Lebensversicherung mit
einem
Rückkaufswert von rund Fr. 59'000.-- liege
nurmehr
ein Restkapital von
Fr.
40'000.-- vor und der Verkaufserlös für die Liegenschaft in Costa Rica
betrage
USD 123'000.--. Sie wäre daher gezwungen
,
eine
r
volle
n
Erwerbstätigkeit
nach
zu
gehen
.
Angesichts ihres Alters seien aber zahlreiche Bewerbungen erfolglos geblieben.
Ergänzend lässt sie am 1
2.
Mai 2020 (
Urk.
11) vorbringen, sie sei im Rahmen der Verkaufsverhandlungen Ende 2016 nochmals nach Costa Rica zu
rückgereist, wo sie dann am 1
1.
Januar 2017 den Verbrennungsunfall erlitten habe.
Aufgrund dieses Sachverhaltes habe sie vor ihrer IV-Anmeldung vom 2
6.
Februar 2017 noch keinen Anlass bzw. keine Möglichkeit gehabt, eine Arbeitsstelle in der Schweiz zu suchen.
5.3
Die früheren Darstellungen des Sachverhalts weichen hiervon teilweise ab: So erklärte sie der Sachbearbeiterin der Beschwerdegegnerin am 3
0.
Mai 2018 ge
gen
über, sie sei aufgrund des Unfalles wieder in die Schweiz zurückgekehrt. Ohne Gesundheitsschaden lebte sie weiterhin in Costa Rica und würde keiner Erwerbs
tätigkeit nachgehen (vgl. Gesprächsprotokoll
Urk.
7/40).
Gegenüber der Abklä
rungsperson
Haushalt gab
die Beschwerdeführerin anlässlich der Er
hebungen am 1
6.
Juli 2018 ebenfalls an
, dass sie weiterhin in Costa Rica leben würde, wäre der Unfall (Januar 2017) nicht gewesen. Mit dem Geld der Pensions
kasse hätte sie bis zur Pensionierung gut in Costa Rica leben können und auch nachher wäre das Leben mit der AHV-Rente bestens zu meistern gewesen. In der Schweiz reiche das Pensionskassengeld allerdings nicht weit. Hier müss
t
e sie aus finanziellen Grün
den arbeiten (vgl. E. 4 hiervor;
Urk.
7/43).
5.4
Den Akten kann hierzu im Wesentlichen Folgendes entnommen werden:
Gemäss
IK-Auszug
war
die
Beschwerdeführer
in von August 1999 bis März 2011 in der Gemeinde
K._
angestellt. Nach einjähriger Arbeits
losigkeit
arbeitete
die Beschwerdeführerin von Mai 2012 bis August 2014 im
Gemein
de
kassieramt
des
Y._
.
S
ie
führte
Beiträge auf Erwerbs
einkommen aus
unselbständiger Tätigkeit (ganzjährig zuletzt
2013
in der Höhe von
Fr.
118'680.--
) ab und
bezahlte
seit
Januar 2015
bis August 2016
Beiträge der freiwilligen Ver
sicherung für Auslandschweizer (
Urk.
7/5).
Laut Anmeldebestätigung der Gemeinde
Z._
zog sie mit Datum vom
1.
September 2016 zu (
Urk.
3/6). Die Schweizerische Bot
schaft in Costa Rica
retournierte
ihr am
4.
August 2016, adressiert an ihre Toch
ter, den Heimatschein (
Urk.
3/6). Bis Juli 2017 wohnte
die Beschwerde
führerin
an der Adresse ihrer Tochter, danach bezog sie eine eigene Wohnung an der jetzigen Adresse (vgl.
Urk.
7/9). Den Auftrag zum Verkauf ihrer Liegenschaft in Costa Rica soll laut Immobilienagentur von Oktober 2015 datieren (
Urk.
7/51). Ihre Haustiere (mehrere Katzen und Hund
e
) repatriierte sie im Juli 2017 (vgl.
Urk.
7/12/2).
Am
1.
September 2017 meldete sich die Beschwerdeführerin beim zuständigen Amt ihres Wohnorts zur Arbeitsvermittlung und zum Bezug von Arbeitslosen
ent
schädigung an. Mir Verfügung vom 1
3.
September 2017 verneinte die Arbeits
losen
kasse einen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung mangels Erfüllung der Beitragszeit bzw. Befreiungsgrundes (
Urk.
12/30). Die dagegen von der Beschwer
de
führerin erhobene Einsprache wies die Arbeits
losenkasse mit Entscheid vom 4.
De
zember 2017 ab (
Urk.
12/29). In der Zeit
vom
3.
September bis und mit 4.
De
zember 2017 wies die Beschwerdeführerin 21 Bewerbungen nach (
Urk.
12/1,
Urk.
12/3-
28). Eine Bewerbung für eine
Sachbearbeiterstelle
zu 40
%
datiert vom 2
7.
September 2018 (
Urk.
12/2).
5.5
Angesichts der bereits im Oktober 2015 (Ausschreibung der Liegenschaft in Costa Rica) und August/September 2016 getätigten Dispositionen (Anmeldung in der Schweiz an der Adresse ihrer Tochter) ist davon auszugehen, dass die Be
schwer
de
führer
in
jedenfalls
bereits vor dem Unfall
beabsichtigte,
ihr Haus zu verkaufen und
ihren
offiziellen Wohnsitz
wieder in die Schweiz zurückzuführen. Hieraus ergibt sich jedoch nicht zwingend, dass sie beabsichtigte, in der Schweiz erneut eine wesentliche Erwerbsarbeit aufzunehmen. Wie sie
gegenüber der behandeln
den Psychiaterin vermerkte (vgl.
Urk.
7/32/2)
, war es
für sie
nicht über
raschend, dass ihre Bemühungen um eine Stelle erfolglos waren
.
S
o
hat si
e sich weder von Costa Rica aus
noch in der restlichen Zeit im Jahre 2016 bis zum Unfall um eine solche bemüht
und stellte die Arbeitssuche - mit einer Ausnahme
- nach dem Entscheid der Arbeitslosenversicherung gänzlich ein
.
Der Hausverkauf gestaltete sich
offenbar
schwierig.
Angesichts
dieser Umstände und des in der Liegenschaft gebundenen Vorsorgevermögens
ist daher durchaus denkbar, dass sie ihren effek
tiven Aufenthalt
in Costa Rica - wenn auch nicht
zwingend
in ihrem offenbar
abgelegene
n
Eigenheim -
für einen wesentlichen Teil des Jahres beibehalten h
ätte, um so ihre Lebenshaltungskosten bis zum Fliessen der AHV-Rente niedrig zu halten. Dafür spricht auch, dass sie ihre Haustiere erst nach dem Bezug der eigenen Wohnung im Juli 2017 in die Schweiz zurückholte.
Unter dieser Annahme liessen sich ihre teilweise widersprüchlichen Angaben zur beabsich
tigten Lebensführung auch zwanglos miteinander vereinbaren.
Schliess
lich ist ange
sichts des von ihr in der Beschwerdeschrift dargetanen Vermögens (
USD
123'000.-- und das Restkapital aus einer priv
aten Lebensversicherung von
Fr.
40'000.--)
und
de
s
im Kanton Luzern
geltenden
Grundbetrags
von Fr.
1'200.--
monatlich bei der Berechnung des betreibungsrechtlichen Notbedarfs (vgl. LGVE 2009 I Nr. 42)
zuzüglich der Wohnungsmiete
, Nebenkosten, Sozial
versiche
rungs
beiträge, Krankenkassenprämien einschliesslich Selbstbehalt sowie der Steuern mutmasslich
auch in der Schweiz ein (bescheidener) Lebensunterhalt bis April 2021 (Vollendung des 6
4.
Altersjahres) zu bestreiten.
Damit ist
jedoch
nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lich
keit ausgewiesen, dass die Beschwerdeführerin ohne ihren Unfall vom
Januar 2017 in der Schweiz eine
Erwerbstätigkeit
aufgenommen hätte
bzw.
einer solchen
nachgehen würde.
6.
Zu prüfen bleiben die Folgen
der Qualifikation
der Beschwerdeführerin
als Nicht
erwerbstätige ohne Aufgabenbereich.
6.1
Laut dem Kreisschreiben des Bundesamtes für Sozialversicherungen (BSV) über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung (KSIH [in der ab
1.
Ja
nuar 2015 gültigen Fassung, Stand am
1.
Januar 2018]) kommt die allgemeine Methode des Einkommensvergleichs auch zur Anwendung bei Versicherten, die zwar bei Eintritt ihres Gesundheitsschadens keine Erwerbstätigkeit ausübten, denen aber die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit zugemutet werden könnte. Die Frage könne sich auch bei Privatiers und Pensionierten stellen (
Rz
3012 mit Hinweis auf Urteil des Bundesgerichts 9C_9/2013 vom 2
7.
März 2013 E. 2.4).
6.2
Im erwähnten Urteil 9C_9/2013 vom 2
7.
März 2013 hatte das Bundesgericht zu beurteilen, ob auch bei Privatiers und vorzeitig Pensionierten zu prüfen sei, was die versicherte Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine
gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde, um die anwendbare Invaliditäts
be
messungsmethode zu bestimmen. Das Bundesgericht stützte sich insbesondere auf das zwar nirgends publizierte, jedoch in Fünferbesetzung ergangene Urteil des Bundesgerichts I 59/75 vom 1
7.
September 1975 und führte dazu aus, das «als grundsätzliches Erkenntnis zu verstehende Präjudiz» sei gestützt auf die Materia
lien zum IVG davon ausgegangen, dass auch einem nicht aus invaliditäts
be
dingten Gründen vorzeitig pensionierten Versicherten (wegen einer nach der Pen
sionierung eingetretenen Arbeitsunfähigkeit) eine Invalidenrente zustehen könne. Massgebend sei nach diesem Urteil, ob der versicherten Person vor Eintritt der Invalidität theoretisch eine Erwerbstätigkeit zumutbar gewesen wäre. Diese Rechtsprechung sei mit Urteil des Bundesgerichts I 246/02 vom
7.
November 2003 aus
drücklich bestätigt worden (Urteil des B
undesgerichts 9C_9/2013 vom 27.
März 2013 E. 2.2). Weiter hielt das Bundesgericht fest, es bestehe kein hin
reichen
der Grund, die hypothetische Betrachtungsweise (wie bei der sonstigen Beurteilung der Statusfrage) auch auf die Versichertengruppe der Privatiers und vorzeitig Pensionierten auszudehnen, weil hier doch besondere Verhältnisse (be
züg
lich Lebensbiografie) vorlägen. Zu einer Änderung beziehungsweise An
gleichung der Rechtsprechung bestehe aber auch mit Blick auf die einschlägige Verwaltungspraxis (KSIH
Rz
3012) kein Anlass. Da keine Anhaltspunkte dafür vorlägen, dass dem Versicherten ohne Gesundheitsbeeinträchtigung die Auf
nahme einer Erwerbstätigkeit – iv-rechtlich gesehen – nicht zumutbar gewesen wäre, sei der Invaliditätsgrad daher nach der allgemeinen Methode des Einkom
mens
vergleichs zu bemessen (Urteil des Bundesgerichts 9C_9/2013 vom 2
7.
März 2013 E. 2.4). Für die Bestimmung des
Valideneinkommens
stützte sich die Praxis auf den früher erzielten Verdienst oder (subsidiär) auf statistische Durchschnitts
werte (vgl. Urteil des Bundesgerichts I 246/02 vom
7.
November 2003 E. 8.2).
6.3
Mit BGE 142 V 290 hat das Bundesgericht seine Rechtsprechung gemäss BGE 131 V 51 betreffend Einkommensvergleich bei teilerwerbstätigen Versicherten ohne Aufgabenbereich präzisiert. Es hat namentlich erwogen, das versicherte Risiko in der Invalidenversicherung sei die Erwerbsinvalidität, die von der effektiven, ge
sundheitlich bedingten Erwerbseinbusse abhänge. Dies entspreche der Ziel
set
zung der Invalidenversicherung, die wirtschaftlichen Folgen der Invalidität zu mildern. Eine versicherte Person, welche im Gesundheitsfall ihr wirtschaftliches Poten
z
ial nicht voll ausnütze, indem sie zwar in der Lage wäre, voll erwerbstätig zu sein, sich aber für eine Teilzeitstelle entscheide, um mehr Freizeit zu haben, begnüge sich mit einem Teilzeitlohn und verzichte damit freiwillig auf einen Teil des Lohnes, den sie erzielen
könnte, wenn sie vollerwerbstätig wäre. Dass ihr Erwerbseinkommen vermindert sei, stelle die Folge ihrer Wahl dar. Der nicht ver
wertete Teil ihrer Erwerbsfähigkeit sei damit nicht versichert. Aus diesen Über
legungen ergebe sich, dass eine teilerwerbstätige versicherte Person ohne Auf
gabenbereich eine gesundheitlich bedingte Erwerbseinbusse lediglich im Rahmen des versicherten Bereiches, welcher dem (hypothetischen) Beschäfti
gungs
grad entspreche, erleide und deshalb auch nur in diesem Umfang ein Ausgleich statt
finden könne (BGE 142 V 290 E. 7.1 mit Hinweisen).
Nach der mit BGE 142 V 290 präzisierten Rechtsprechung ist bei teilerwerbs
tä
tigen Versicherten ohne Aufgabenbereich die anhand der Einkommens
ver
gleichs
methode (
Art.
16 ATSG) zu ermittelnde Einschränkung im allein ver
sicherten erwerblichen Bereich proportional – im Umfang der hypothetischen Teil
erwerbs
tätigkeit – zu berücksichtigen. Der Invaliditätsgrad entspricht der proportionalen Einschränkung im erwerblichen Bereich und kann damit den versicherten Bereich, welcher durch das hypothetische Teilzeitpensum definiert wird, nicht über
steigen. Denn andernfalls könnte ein das hypothetische er
werbliche Pensum übersteigender Invaliditätsgrad resultieren, womit indirekt
un
zu
lässigerweise
eine Einschränkung in den weder Erwerbs- noch Aufgaben
bereich darstellenden, nicht versicherten Freizeitaktivitäten mitabgegolten würde (BGE 142 V 290 E. 7.3).
6.4
Die Rechtsprechung gemäss BGE 142 V 290 hat zur Folge, dass bei Privatiers und vorzeitig Pensionierten das
Valideneinkommen
– im Unterschied zur bisherigen Praxis – nicht mehr aufgrund des früher erzielten Verdienstes (oder gestützt auf statistische Durchschnittswerte; vgl. Urteil des
Bundesgerichts I 246/02 vom 7.
No
vember 2003 E. 8.2) festzulegen ist. Zwar hat das Bundesgericht in BGE 142 V 290 nicht auf die mit Urteil 9C_9/2013 vom 2
7.
März 2013 bestätigte Recht
sprechung betreffend Privatiers und vorzeitig Pensionierte Bezug genommen. Die neue Rechtsprechung muss aber zweifellos auch für Personen gelten, die sich nicht nur teilweise, sondern vollständig aus dem Erwerbsleben zurückziehen, um ihren Hobbys nachzugehen. Thomas
Gächter
und Michael E. Meier bezeichnen
BGE 142 V 290 denn auch als «Änderung der Privatier-Rechtsprechung» (
Gächter
/
Meier, Rechtsprechung des Bundesgerichts im Bereich der Invaliden
versicherung, in: SZS 3/2017, S. 289 ff., S. 311). Die Autoren stellen ein proble
matisches Ver
hältnis zum Grundsatz der Volksversicherung fest, welcher der Invalidenver
si
cherung inhärent ist. Eine nichterwerbstätige Person, die zu 100
% ihren Hobbys nachgehen möchte und ausschliesslich von ihrem Vermögen oder Dritteinkünften lebe, verliere sämtliche
Ansprüche gegenüber der Invaliden
versicherung, obwohl sie beitragspflichtig sei (
Gächter
/Meier, a.a.O., S. 315). Obwohl auch das Ver
sicherungsgericht St. Gallen in seinem Entscheid IV 2014/37 vom 1
9.
Juli 2016 E. 3.2.5 auf diese Problematik hinwies und Kritik übte an BGE 142 V 290, bekräftigte das Bundesgericht mit Urteil 9C_552/2016 vom
9.
März 2017 erneut, dass es nicht Sache der Invalidenversicherung sei, die Einbusse in einer Tätigkeit auszugleichen, welche im hypothetischen Gesundheitsfall nicht aus
geübt würde (E. 4.2). Diese Rechtsprechung behielt das Bundesgericht auch in der Folge bei (vgl. beispielsweise Urteile des Bundesgerichts 9C_823/2017 vom 18
.
September 2018 E. 3.2 und 8C_820/2018 vom 1
7.
April 2019 E. 3.2 mit Hinweisen).
6.5
Bei
der
Beschwerdeführer
in
,
die
im Gesundheitsfall mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit weder eine Erwerbtätigkeit noch eine Tätigkeit im Aufgabenbereich ausüben würde (vgl. vorstehende
E.
5.3
), kann nach dem Gesagten keine renten
anspruchserhebliche Invalidität bestehen. Bei diesem Ergebnis muss nicht geprüft werden, ob die übrigen Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind. Die IV-Stelle hat den Anspruch auf eine Invalidenrente demnach zu Recht verneint, was zur
Abweisung der Beschwerde führt
.
7.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerde
führerin
aufzuerlegen.