# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 3323bb03-7e41-4bec-b4bc-509c9d1d9919
**Court:** ZH_HG
**Chamber:** ZH_HG_001
**Year:** 2011
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Forderung
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Rechtsbegehren der Hauptklage: (act. 1 S. 2)
"Es sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin USD 568'400 samt 5% Zins seit 16. September 2009 sowie USD 8'326.77 und EUR 251.52 zu bezahlen. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beklagten."
Rechtsbegehren der Widerklage: (act. 9 S. 2 f.)
"1. Es sei die Klägerin zu verpflichten, die nachfolgend aufgeführten Akten der Beklagten im Original und in Kopie zur Einsichtnahme zur Verfügung zu stellen und schriftlich zu erklären, dass es sich um die vollständigen Akten handelt, unter der Androhung, dass im Weigerungsfall das Gericht das Verhalten der Klägerin gemäss § 148 ZPO/ZH würdigt:
- Desktop Review Bericht der C._ AG vom März 2009  aller zugehöriger Dokumente, Unterlagen und  zwischen C._ AG und der Klägerin bzw. deren Vertreter; und
- Vertrag der Klägerin aus dem Jahr 2009 betreffend die  der Rechte aus der Vereinbarung mit dem  D._ sowie sämtliche hierzu erhaltenen Offerten, Dokumente, Korrespondenz und Unterlagen, erhaltene  sowie Kontoauszüge betreffend Überweisung des Kaufpreises.
2. Es sei die Klägerin zu verpflichten, den aufgrund des Ergebnisses der Aktenedition von der Beklagten zu spezifizierenden  an die Beklagte zu bezahlen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Klägerin."
Geändertes Rechtsbegehren der Widerklage: (act. 33 S. 2; sinngemäss)
1. Es sei die Klägerin und Widerbeklagte zu verpflichten, der  und Widerklägerin den Betrag von USD 324'127 und EUR 100'000 samt Zins von 5% seit 28. März 2011 zu bezahlen.
2. Eventualiter: Es sei die Klägerin und Widerbeklagte zu , der Beklagten und Widerklägerin den Betrag von CHF 500'567 samt Zins von 5% seit 28. März 2011 zu bezahlen.
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3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Klägerin und Widerbeklagten.

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Prozessgeschichte
Am 25. November 2009 reichte die Klägerin Klage und Weisung ein (act. 1;
act. 3), worauf ihr mit Verfügung vom 27. November 2009 Frist angesetzt wurde,
um eine Prozesskaution (im Sinne von § 73 Ziff. 1 ZPO/ZH) zu leisten (Prot. S. 2).
Nachdem die Kaution rechtzeitig geleistet worden war (act. 6), wurde der Beklag-
ten mit Verfügung vom 4. Dezember 2009 Frist zur Einreichung der Klageantwort
angesetzt (Prot. S. 4). Mit Eingabe vom 22. März 2010 ersuchte die Beklagte um
Abnahme der Frist, eventualiter um Ansetzung einer Notfrist (und beantragte sub-
eventualiter, die Klage vollumfänglich abzuweisen) und erhob die Widerklage mit
obgenanntem Rechtsbegehren (act. 9). Mit Verfügung vom 24. März 2010 wurde
– unter anderem – das Ersuchen der Beklagten abgelehnt und ihre Eingabe als
Klageantwort/Widerklagebegründung entgegengenommen (Prot. S. 5 f.). In der
Folge wurde der Beklagten mit Verfügung vom 26. April 2010 Frist angesetzt, um
für die Widerklage eine Prozesskaution (im Sinne von § 76 ZPO/ZH) zu leisten
(Prot. S. 8 f.), und – nach Eingang der Kaution (act. 23) – der Klägerin mit Verfü-
gung vom 4. Juni 2010 Frist zur Einreichung der Hauptklagereplik/Widerklageant-
wort (Prot. S. 10). Nach Eingang der Hauptklagereplik/Widerklageantwort vom
19. August 2010 (act. 26) fand am 2. Dezember 2010 eine Referentenaudienz
und Vergleichsverhandlung statt, an welcher die Parteien einen Vergleich mit Wi-
derrufsvorbehalt schlossen (Prot. S. 12 ff.). Mit Eingabe vom 13. Dezember 2010
widerrief die Beklagte den Vergleich (act. 30), worauf ihr mit Verfügung vom
15. Dezember 2010 Frist zur Einreichung der Duplik/Widerklagereplik angesetzt
wurde (Prot. S. 16). Nach Eingang der Duplik/Widerklagereplik vom 28. März
2011 (act. 33) wurde der Klägerin mit Verfügung vom 31. März 2011 Frist ange-
setzt, um die Widerklageduplik einzureichen und sich zu allfälligen neuen Be-
hauptungen bzw. Beilagen der Hauptklageduplik zu äussern (Prot. S. 17). Die Wi-
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derklageduplik datiert vom 10. Mai 2011 (act. 37). In der Folge wurde der Beklag-
ten mit Verfügung vom 11. Mai 2011 Frist angesetzt, eine zusätzliche Prozess-
kaution zu leisten (Prot. S. 18), was sie rechtzeitig tat (act. 39).
Der Prozess erweist sich als spruchreif.
2. Parteien/Sachverhalt
2.1. Bei der Klägerin handelt es sich um eine in E._ domizilierte Gesell-
schaft (..., vgl. act. 17), bei der Beklagten um eine Aktiengesellschaft des schwei-
zerischen Rechts mit Sitz in F._. Beide Parteien betätigen sich in der Ver-
marktung von Rechten im Zusammenhang mit Fussballspielen (act. 1 S. 4; act.
4/1).
2.2. Die vorliegende Streitsache dreht sich um die Beendigung von zwei Zu-
sammenarbeitsverträgen über die Vermarktung von Rechten im Zusammenhang
mit Fussballspielen der Nationalmannschaften von D1._ und G1._, wo-
bei die Klägerin die Rechte an den Freundschaftsspielen von D1._ (im Fol-
genden D._-Spiele genannt) und die Beklagte diejenigen an den Freund-
schaftsspielen von G1._ (im Folgenden G._-Spiele genannt) in die Zu-
sammenarbeit einbrachten. Dadurch konnten die erworbenen Vermarktungsrech-
te an den Spielen beider Fussballmannschaften auf dem Weltmarkt als Gesamt-
paket angeboten werden (sog. H._-...; im Folgenden H._genannt). Ge-
stützt auf die Aufhebungsvereinbarung vom 17. Juni 2009 fordert die Klägerin die
Bezahlung von USD 568'400.00 samt 5% Verzugszins sowie USD 8'326.77 und
EUR 251.52 Verzugszinsen (für die verspätete Bezahlung der übrigen gemäss
Aufhebungsvereinbarung geschuldeten Beträge). Die Beklagte bestreitet diese
Forderungen; sie sieht den Aufhebungsvertrag durch die Klägerin verletzt und
verlangt – widerklageweise – die Bezahlung von USD 324'127.00 und
EUR 100'000.00 (eventualiter CHF 500'567.00) Schadenersatz.
3. Formelles
3.1. Die örtliche Zuständigkeit des Handelsgerichts ergibt sich aus einer zwi-
schen den Parteien in Ziff. 10 der Aufhebungsvereinbarung vom 17. Juni 2009
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geschlossenen Gerichtsstandsklausel zugunsten der Zürcher Gerichte (act. 4/2
S. 2; Art. 5 i.V.m. Art. 116 IPRG), die sachliche aus § 63 Ziff. 1 GVG.
3.2. Da die Beklagte diesbezüglich Zweifel geäussert hatte (vgl. act. 9 S. 3),
wurde die Klägerin mit Verfügung vom 24. März 2010 dazu angehalten, die
Zeichnungsberechtigung des Vollmachtgebers für ihren Rechtsvertreter nachzu-
weisen (Prot. S. 5 f.). Aus dem von der Klägerin – in der Folge – eingereichten
(beglaubigten und überbeglaubigten) Certificate of Incumbency vom 29. März
2010 (act. 16-17) geht hervor, dass der Unterzeichner der Vollmacht vom 15. Juli
2009, I._, über die erforderliche Zeichnungsberechtigung verfügt (vgl. auch
die Verfügung vom 26. April 2010, Prot. S. 8).
3.3. Der Umstand, dass die zwei Verzugszinsforderungen über USD 8'326.77
und EUR 251.52 nicht Gegenstand des Sühnverfahrens gewesen waren (act. 1
S. 3 f.), ist nicht von Bedeutung, da die entsprechende Klageänderung – mit Aus-
stellung der Weisung wurde das Rechtsbegehren fixiert, welches durch Einrei-
chung der Weisung rechtshängig wurde (§ 102 Abs. 1 ZPO/ZH) – ohne Weiteres
zulässig ist (§ 61 Abs. 1 ZPO/ZH).
3.4. Ursprünglich stellte die Beklagte mit der Widerklage ein Editionsbegehren
hinsichtlich des Desktop Review Berichts der C._ AG (im Folgenden
C._ genannt) vom 19. März 2009 "inklusive aller zugehöriger Dokumente,
Unterlagen und Korrespondenz zwischen C._ AG und der Klägerin bzw. de-
ren Vertreter" und des Vertrags der Klägerin "aus dem Jahr 2009 betreffend die
Veräusserung der Rechte aus der Vereinbarung mit dem Verband D._ sowie
sämtliche hierzu erhaltenen Offerten, Dokumente, Korrespondenz und Unterla-
gen, erhaltene Garantien sowie Kontoauszüge betreffend Überweisung des Kauf-
preises" und wollte den von der Klägerin zu bezahlenden Schadenersatz erst auf-
grund des Ergebnisses der Aktenedition spezifizieren (act. 9 S. 2 f.). Nachdem die
Klägerin mit der Replik/Widerklageantwort den genannten C._-Bericht sowie
ein "Cancellation Agreement" zwischen ihr und dem Verband D._ (im Fol-
genden D._ genannt) vom 5. Oktober 2009 ins Recht gelegt hatte (act. 27/1;
act. 27/21), hielt die Beklagte in der Widerklagereplik am Editionsbegehren nicht
mehr fest.
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Damit ist das Editionsbegehren gemäss Rechtsbegehren Ziff. 1 der Widerklage
vom 22. März 2010 gegenstandslos geworden (C._-Bericht, Cancellation Ag-
reement) bzw. von der Beklagten zurückgezogen worden (Dokumente, Korres-
pondenz, Unterlagen etc.), weshalb das Verfahren insoweit als gegenstandslos
geworden bzw. durch Rückzug erledigt abzuschreiben ist.
4. Materielles
A. Hauptklage
4.1. Die Klägerin stützt – wie erwähnt – ihre Forderungen auf die Aufhebungs-
vereinbarung vom 17. Juni 2009: Damit hätten die Parteien die beiden Zusam-
menarbeitsverträge aufgehoben. Gemäss Ziff. 2 der Aufhebungsvereinbarung ha-
be sich die Beklagte verpflichtet, ihr per Saldo aller Ansprüche aus den Zusam-
menarbeitsverträgen diverse Beträge zu bezahlen. Die Zahlung von USD
350'000.00 und USD 218'400.00, welche am 15. September 2009 zu erfolgen ge-
habt hätte, sei – trotz Zahlungsaufforderung – ausgeblieben. Die übrigen gemäss
Aufhebungsvereinbarung geschuldeten Beträge von insgesamt USD 2'762'975.00
und EUR 83'459.00, welche am 30. Juni 2009 fällig geworden seien, habe die
Beklagte verspätet am 23. Juli 2009 überwiesen, weshalb sie – die Klägerin – die
Zahlung der entsprechenden Verzugszinsansprüche (USD 8'326.77 und EUR
251.52) verlange. Dass diese Verzugszinsen geschuldet seien, habe die Beklagte
mit E-Mail vom 4. August 2009 anerkannt (act. 1 S. 4).
4.2. Dem hält die Beklagte entgegen, dass sich die Parteien einig gewesen sei-
en, dass alle bis zur Unterzeichnung der Trennungsvereinbarungen [recte: Tren-
nungsvereinbarung] eingegangenen Verpflichtungen seitens der Beklagten zu er-
füllen seien (zumal die Klägerin in vielen Fällen bereits mit 70% an den voll be-
zahlten Senderechten partizipiert gehabt habe, obwohl noch nicht alle D._-
Spiele geliefert worden seien). Nach der Unterzeichnung hätten hingegen neue
Verpflichtungen zur Gewährung von Senderechten nur noch bei gegenseitiger
Zustimmung möglich sein sollen. Diese Regelung sei auch im Interesse der Klä-
gerin gewesen, da sie so Verpflichtungen zur anteiligen Rückzahlung von zuviel
bezahlten Senderechten und Schadenersatzforderungen habe vermeiden kön-
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nen. Im Gegenzug für den tieferen Verkaufspreis für den D._-
Vermarktungsvertrag habe auch die Klägerin von den noch zu erwartenden Ge-
winnen vertragsgemäss weiterhin profitieren sollen. Als Sachkundigere habe sie –
in Absprache mit der Klägerin – die H._-Vermarktungsrechte auf dem Welt-
markt angeboten und nicht weniger als 23 Verträge mit Drittparteien abgeschlos-
sen, mit denen die Senderechte an bis zu 15 D._-Spielen (und G._-
Spielen) eingeräumt worden seien. Vor diesem Hintergrund seien sich die Partei-
en einig geworden, dass die Klägerin den D._-Vermarktungsvertrag unter
zwei Bedingungen an einen Dritten weiterverkaufen könne: Die Klägerin habe ers-
tens dem Käufer jene Verpflichtungen aus H._-Verträgen überbinden müs-
sen, bei welchen bereits die Spiele fest vermarktet gewesen seien. Mit anderen
Worten habe von der Klägerin sichergestellt werden müssen, dass der neue
Rechteinhaber ihr die Senderechte für diese Spiele unentgeltlich zur Verfügung
stelle. Zweitens sei ihr – in Ziff. 3 der Aufhebungsvereinbarung – von der Klägerin
ein Optionsrecht für den Erwerb des D._-Vermarktungsvertrags eingeräumt
worden. Diese Bedingungen seien die Voraussetzungen für den fortgesetzten ver-
traglichen Gewinnanspruch der Klägerin an den D._-Spielen bis zur Erfüllung
aller Verpflichtungen aus dem H._gewesen. Beide Voraussetzungen (Über-
bindung von Verpflichtungen auf den Erwerber des D._-
Vermarktungsvertrags und vertragsgemässe Gewährung des Optionsrechts) habe
die Klägerin nicht erfüllt (act. 9 S. 11 f.).
4.3. Vorab ist festzuhalten, dass die Parteien in Ziff. 10 der streitgegenständli-
chen Aufhebungsvereinbarung die Anwendbarkeit schweizerischen Rechts ver-
einbarten (act. 4/2 S. 2).
4.4. Gemäss Art. 82 OR muss, wer bei einem zweiseitigen Vertrage den andern
zur Erfüllung anhalten will, entweder bereits erfüllt haben oder die Erfüllung anbie-
ten, es sei denn, dass er nach dem Inhalte oder der Natur des Vertrages erst spä-
ter zu erfüllen hat.
4.5. Art. 82 OR bezieht sich auf vollkommen zweiseitige (synallagmatische)
Verträge. Diesen ist gemeinsam, dass jede Partei zugleich Gläubiger und Schuld-
ner der anderen Partei ist. Dabei sind die Leistungen so voneinander abhängig,
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dass die eine das Entgelt für die andere ist. Die zwei Pflichten, die ihre Grundlage
in einem einheitlichen Rechtsverhältnis haben, müssen in einem Austauschver-
hältnis zueinander stehen (BSK OR I-LEU, Art. 82 N 2 ff.; BGE 107 II 413 = Pra
1982, 235; BGE 84 II 149 = Pra 1958, 231).
4.6. Die in Ziff. 2 der Aufhebungsvereinbarung festgelegten Zahlungen von
USD 350'000.00 und USD 218'400.00 sind – unbestrittenermassen – kein Entgelt
für die in Ziff. 3, 5 und 6 statuierten Pflichten der Klägerin (act. 26 S. 9; act. 36
S. 22). Mit anderen Worten: Die Zahlungspflichten der Beklagten und die von der
Klägerin (behauptungsweise) verletzten Pflichten stehen nicht in einem Aus-
tauschverhältnis zueinander. Demzufolge kann sich die Beklagte nicht auf ein aus
Art. 82 OR fliessendes Leistungsverweigerungsrecht berufen.
4.7. Jedoch räumt die vorherrschende Lehre und die bundesgerichtliche Recht-
sprechung bei unwesentlich zweiseitigen Verträgen dem einen Vertragspartner
ein als "obligatorisches Retentionsrecht" bezeichnetes Leistungsverweigerungs-
recht ein, bis die Gegenleistung erbracht wird (GAUCH/SCHLUEP/SCHMID/REY,
Schweizerisches Obligationenrecht, Allgemeiner Teil, 9. Aufl., Zürich 2008,
N 2236, mit Hinweisen). Das obligatorische Retentionsrecht ist nach Ansicht der
Rechtsprechung Ausfluss des Prinzips von Treu und Glauben gemäss Art. 2 Abs.
1 ZGB. Das Gebot des Handelns nach Treu und Glauben verpflichtet sämtliche
Rechtsgenossen, im Rechtsverkehr nach den Werten der Redlichkeit, Loyalität
und Korrektheit zu verfahren. Eine Gläubigerin verhält sich somit unredlich und
verstösst gegen Art. 2 Abs. 1 ZGB, wenn sie ihren Anspruch durchzusetzen ver-
sucht, ohne Rücksicht darauf zu nehmen, dass sie im Gegenzug auch Verpflichte-
te einer fälligen und konnexen Gegenforderung ihres Schuldners ist. Der Verstoss
besteht namentlich darin, dass die Gläubigerin als Klägerin gegen die begründete
Erwartung und das Interesse des Schuldners ihre Hauptforderung einseitig ver-
folgt und die konnexe Gegenforderung des Schuldners, deren Schuldnerin sie ist,
ignoriert (WEY, Das obligatorische Retentionsrecht, Luzern 2007, Rn. 110 ff.).
4.8. Das obligatorische Retentionsrecht besteht, sobald und solange die positi-
ven und negativen Voraussetzungen erfüllt sind. Diese müssen kumulativ und
gleichzeitig vorliegen (WEY, a.a.O., Rn. 104).
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4.9. Selbstverständliche Voraussetzung des obligatorischen Retentionsrechts
ist zunächst, dass eine Gegenforderung existiert, die der Schuldner der Hauptfor-
derung der Gläubigerin entgegenstellen kann bzw. auf die der Schuldner das ob-
ligatorische Retentionsrecht stützen kann. Fehlt es auf Seiten des Schuldners
(bereits) an der Voraussetzung einer bestehenden Gegenforderung, kann ein ob-
ligatorisches Retentionsrecht nicht entstehen. Der Schuldner kann eine Gegen-
forderung, die ohne Verschulden der Gläubigerin (nachträglich) unmöglich gewor-
den ist (vgl. Art. 119 Abs. 1 und 2 OR), nicht mehr mittels obligatorischen Retenti-
onsrechts durchsetzen. Anders zeigt sich die Rechtslage, wenn die Gläubigerin
die Unmöglichkeit verschuldet hat: In diesem Fall ist Art. 97 ff. OR anwendbar.
Der Schuldner hat Anspruch auf Ersatz für die unmöglich gewordene Primärleis-
tung. Mit diesem Ersatzanspruch verbleibt dem Schuldner eine Gegenforderung,
worauf er das obligatorische Retentionsrecht stützen kann (WEY, a.a.O., Rn. 197
ff.).
4.10. Demnach kann sich die Beklagte dann auf ein obligatorisches Retentions-
recht berufen, wenn die Klägerin ihren Pflichten aus der Aufhebungsvereinbarung
(noch) nicht nachgekommen ist und/oder die Beklagte einen Anspruch auf Ersatz
für eine aufgrund eines Verschuldens der Klägerin unmöglich gewordene Primär-
leistung hat.
4.11. Pflichten der Klägerin ergeben sich aus den Ziff. 3, 5 und 6 der Aufhe-
bungsvereinbarungen, nämlich, der Beklagten im Falle eines Verkaufs der aus
dem Vertrag vom 30. Mai 2006 mit dem Fussballverband aus D1._ erwach-
senden Rechte das Recht einzuräumen, eine Konkurrenz-Offerte abzugeben
("A._ grants to B._ the right to match a competing offert to purchase the
rights from the agreement between A._ and D._ [...]", Ziff. 3) sowie in
guten Treuen zu handeln, um die von der Beklagten gegenüber Dritten eingegan-
genen Verbindlichkeiten im Zusammenhang mit der Verwertung zukünftiger
D._-Spiele, insbesondere aus abzuschliessenden und/oder abgeschlosse-
nen TV-Senderechtsverträgen, zu respektieren ("B._ provides A._ with
all details with respect to the exploitation of any future matches o the national
team of D1._ that are in preparation or already concluded with any third party
https://swisslex.ch/LawDetail.mvc/Show?normalizedReference=CH%2F220 https://swisslex.ch/LawDetail.mvc/Show?normalizedReference=CH%2F220%2F97
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(i.e. J._). A._ declares to act in good faith to respect these obligations
with third parties", Ziff. 5, und "B._ provides A._ with all information with
respect to any TV rights contracts entered into in connection with the exploitation
of rights of the national team of D1._ that are in preparation or already con-
cluded with any third party. A._ expressly declares to act in good faith to
respect these obligations entered into", Ziff. 6).
4.12. Ziff. 3 der Aufhebungsvereinbarung ist nach erfolgter Rückübertragung der
Rechte aus dem D._-Vermarktungsvertrag auf den Fussballverband aus
D1._ hinfällig. Allerdings soll – so die Sachverhaltsdarstellung der Beklagten
– die Klägerin diese Pflicht mehrfach verletzt haben, weshalb zu prüfen ist, ob der
Beklagten eine (Schaden-)Ersatzforderung zusteht.
4.13. Gemäss der Beklagten habe der Rechtsvertreter der Klägerin, Dr. K._,
mit E-Mail vom 17. Juni 2009 die wichtigen Vertragsbestimmungen der verbindli-
chen Offerte für den D._-Vermarktungsvertrag mitgeteilt und ihr eine Frist bis
7. August 2009 eingeräumt, um eine identische Offerte zu unterbreiten. Mit E-Mail
vom 7. August 2009 habe RA Dr. L._ – in ihrem Auftrag – der Klägerin mitge-
teilt, dass sie der Klägerin formell eine identische Offerte unterbreite und wie all-
gemein üblich um die Zustellung des entsprechenden Kaufvertrags in Entwurfs-
form ersucht. Zudem habe sie in der Zwischenzeit dank zeitintensiven Verhand-
lungen die (verschwiegene) vertraglich notwendige Zustimmung des .... TV-
Senders (von Land D1._) zum Erwerb des D._-Vermarktungsvertrags
eingeholt gehabt. Gemäss D._-Vermarktungsvertrag habe der TV-Sender ...
der Übertragung vorgängig zustimmen müssen. Diesen Zustimmungsvorbehalt
habe die Klägerin ihr bewusst verschwiegen. Mit E-Mail vom 11. August 2009 ha-
be Dr. K._ ihr mitgeteilt, dass sie – die Beklagte – die Bedingungen gemäss
Aufhebungsvereinbarung nicht erfüllt habe, weshalb die Klägerin nun den Vertrag
zu den kommunizierten Bedingungen mit der Drittpartei abschliessen werde. Erst
am 21. Oktober 2009, d.h. mehr als zwei Monate später, habe der D._-
Verband auf seiner Webseite mitgeteilt, dass er den D._-
Vermarktungsvertrag mit der Klägerin aufgelöst und die Rechte wieder erworben
habe. Diese Mitteilung habe ihren Verdacht bestärkt, dass die Rechte von der
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D._ nicht zu den am 17. August 2009 von Dr. K._ kommunizierten Kon-
ditionen erworben worden seien, sondern diese unzutreffenden Konditionen sie –
die Beklagte – von der Ausübung ihres Optionsrechts hätten abhalten bzw. ihren
Erwerb der Rechte hätten sabotieren sollen. Dass die Klägerin das genaue Datum
des Kaufvertrags [mit der Drittpartei] nicht erwähne und ihn nicht – allenfalls ge-
schwärzt – ins Recht lege, deute darauf hin, dass sie ihn entweder bereits vor
dem 7. August 2009 unterzeichnet oder mit anderen Konditionen als den ihr
kommunizierten abgeschlossen habe. Damit habe die Klägerin Ziff. 3 der Aufhe-
bungsvereinbarung mehrfach verletzt: Zum einen habe sie ihr die wichtigsten Ver-
tragsbestimmungen nicht – wie vertraglich vereinbart – mitgeteilt und der Drittpar-
tei offensichtlich bessere Vertragskonditionen als ihr kommuniziert zugestanden.
Zum anderen hätte die Klägerin ihr vor dem Vertragsabschluss mit der D._
erneut die Ausübung des vertraglich vereinbarten Optionsrechts anbieten müs-
sen. Ziff. 3 des Aufhebungsvertrags decke jede verbindliche Drittofferte ab, nicht
nur die erstmalig vorgebrachte. D.h. die Klägerin hätte ihr einerseits das Nichtzu-
standekommen des Kaufvertrags mit der Drittpartei anzeigen und andererseits
auch die von der D._ vorgebrachte Offerte von USD 5 Mio. mitteilen und ihr
die Möglichkeit einräumen müssen, wiederum ein gleichlautendes Angebot abzu-
geben (act. 9 S. 15 f.; act. 33 S. 6 ff.).
4.14. Die Klägerin verweist darauf, dass die mit E-Mail vom 7. August 2009 ab-
gegebene Erklärung der Beklagten den vertraglich festgelegten Anforderungen of-
fensichtlich nicht genügt habe. Insbesondere hätten die erforderliche (schriftliche)
Zustimmung des D._-Verbandes und die Bankgarantie gefehlt. Weil vertrag-
lich vorgesehene Bedingungen nicht eingetreten seien, sei die Veräusserung En-
de August 2009 rückgängig gemacht worden und die Rechte aus dem D._-
Vermarktungsvertrag seien bei ihr verblieben. Im Oktober 2009 habe sie sich mit
dem D._-Verband dahingehend geeinigt, dass der D._-Ver-
marktungsvertrag aufgehoben werde. Im Rahmen dieser Vereinbarung habe sie
auf ihre Rechte in Bezug auf die damals noch ausstehenden D._-Spiele ver-
zichtet und einen Teil der erfolgten Anzahlungen zurückerhalten, was im "Cancel-
lation Agreement" vom 5. Oktober 2009 schriftlich festgehalten worden sei. Sie
habe Ziff. 3 der Aufhebungsvereinbarung nicht verletzt, da sie auf einen Verkauf
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der Rechte an einen Dritten ausgelegt sei; ein Verzicht auf die Rechte gegenüber
dem D._-Verband– dem Schuldner der Rechte – sei von der Bestimmung
nicht erfasst. Dies zeige sich auch im Zustimmungserfordernis des D._-
Verbandes: Fielen die Rechte an ihn zurück, stehe es der Beklagten frei, die
Rechte von ihm zu erwerben. Wäre der D._-Verband nicht bereit, ihr die
Rechte einzuräumen, hätte er sicher auch nicht die gemäss Ziff. 3 der Aufhe-
bungsvereinbarung erforderliche Zustimmung erteilt (act. 26 S. 10 und 19 f.; act.
37 S. 10).
4.15. Welchen Verpflichtungen die Klägerin unter Ziff. 3 der Aufhebungsverein-
barung im Einzelnen nachzukommen hatte und ob sie diesen Verpflichtungen im
Rahmen des "Verkaufs" der D._-Vermarktungsrechte tatsächlich nachkam,
kann offen bleiben. Denn für das Bestehen eines Ersatzanspruchs wäre ein adä-
quat kausal auf die Verletzung von Ziff. 3 der Aufhebungsvereinbarung zurückzu-
führender Schaden notwendig. Zwar ist denkbar, dass die Beklagte für den Er-
werb der zukünftigen TV-Senderechte nun einen höheren Betrag zahlen muss,
als wenn sie die D._-Vermarktungsrechte von der Klägerin übernommen hät-
te (act. 9 S. 19). Indessen: Dass dieses Szenario tatsächlich eingetreten und/oder
um wie viel höher der Preis ausgefallen sei, wurde von der Beklagten nicht darge-
tan. Die bisher (für die beiden Spiele der D1._-Nationalmannschaft gegen
M._ und N._) bei der Beklagten tatsächlich angefallenen Kosten von
USD 324'127.00 sind "alleine dadurch entstanden, weil die Klägerin mit der Rück-
übertragung der Rechte auf die D._ und den Verzicht auf die Überbindung
der Verpflichtungen der Beklagten die Beklagte dazu zwang, dieselben Rechte
nochmals von der Agentur der D._ zu erwerben und den Gewinn aus den
beiden Spielen zu teilen" (act. 33 S. 15).
4.16. Hinsichtlich Ziff. 5 und 6 der Aufhebungsvereinbarung ist die Beklagte –
wie erwähnt – der Ansicht, dass der Klägerin daraus die Pflicht erwachsen wäre,
sicherzustellen, dass der Käufer der D._-Vermarktungsrechte ihr die Sen-
derechte für die bereits fest vermarkteten Spiele weiterhin unentgeltlich zur Verfü-
gung stellt. Nichts anderes könne die Wortwahl "respect the obligations entered
into" bedeuten. Die Klägerin habe mithin nur die tatsächlich bei ihr – der Klägerin
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– verbleibenden Rechte an den D._-Spielen mit dem D._-
Vermarktungsvertrag weiterveräussern können. Sie habe mit einer Vielzahl von
Verträgen mit Drittparteien abgeschlossen, unter welchen sie diesen die Sender-
echte von (bis zu 15) D._-Spielen (und G._-Spielen) für einzelne oder
mehrere Länder schulde, welche sie infolge des vertragswidrigen Verhaltens der
Klägerin nicht mehr zu liefern vermöge. Die Aufrechnung der Lizenzgebühren,
welche sie den Drittparteien zurückzuerstatten habe, falls sie die geschuldeten
D._-Spiele nicht liefern könne, ergäben ein Total von EUR 508'907. Mit an-
deren Worten: Sie sei gezwungen, die benötigten Senderechte für die D._-
Spiele maximal zu diesem Preis von der Agentur der D._, O._ S.A., zu
erwerben, um ihren Verpflichtungen gegenüber den Drittparteien nachkommen zu
können. Die Rechte an zwei D._-Spielen (gegen M._ am tt. Mai 2010
und gegen N._ am tt. Mai 2010) habe sie bereits erworben und dafür der
O._ S.A. den Gesamtbetrag von USD 324'127.00 zukommen lassen. Diese
Kosten seien ihr alleine deswegen entstanden, weil die Klägerin mit der Rück-
übertragung der Rechte auf die D._ und den Verzicht auf die Überbindung ih-
rer Verpflichtungen sie dazu gezwungen habe, dieselben Rechte nochmals von
der Agentur der D._ zu erwerben und den Gewinn aus den beiden Spielen
zu teilen (act. 33 S. 3 ff.).
4.17. Demgegenüber sieht die Klägerin die Aufhebungsvereinbarung nicht ver-
letzt: In Ziff. 5 und 6 habe sie sich verpflichtet, in guten Treuen zu agieren, um be-
stehende Verbindlichkeiten zu respektieren (und keineswegs, dafür zu sorgen,
dass der neue Rechteinhaber der Beklagten die Senderechte für diese Spiele un-
entgeltlich zur Verfügung stelle). Ihre in Ziff. 5 und 6 statuierten Pflichten seien na-
turgemäss unbestimmt. Die konkrete Ausgestaltung sei von der Art der bestehen-
den Verbindlichkeiten abhängig gewesen. Dabei sei durchaus denkbar gewesen,
dass sie sich bemühen würde, bestehende Verbindlichkeiten (und die damit ein-
hergehenden Gegenleistungen) an einen Erwerber der Rechte zu überbinden. Es
wären aber auch andere Bemühungen und Lösungen denkbar gewesen, welche
bereits eingegangene Verbindlichkeiten respektiert hätten. Finanzielle und andere
Konsequenzen einer Respektierung bestehender Verbindlichkeiten hätten unter
allen Beteiligten verhandelt werden müssen. Diese Unbestimmtheit habe – unter
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anderem – dazu geführt, dass die Parteien in Ziff. 7 der Aufhebungsvereinbarung
nochmals ausdrücklich festgehalten hätten, dass sie sich in guten Treuen bemü-
hen würden, offene Punkte in Bezug auf die Vermarktung der Rechte zu regeln.
Indessen: Ziff. 5 und 6 der Aufhebungsvereinbarung statuierten primär eine In-
formationspflicht der Beklagten, nämlich, sie über sämtliche Details bestehender
Verbindlichkeiten in Bezug auf die Rechte an D._-Spielen zu informieren. Die
Beklagte habe gewusst, dass sie – die Klägerin – von solchen Verbindlichkeiten
noch keine Kenntnis gehabt habe, auch nicht aus der im Januar/Februar 2009 er-
folgten Prüfung der C._. Bereits mit E-Mail vom 30. Juni 2009, d.h. rund zwei
Wochen nach Unterzeichnung der Aufhebungsvereinbarung, habe sie erstmals
um Auskunft betreffend bestehende Verbindlichkeiten gemäss Ziff. 5 und 6 der
Aufhebungsvereinbarung ersucht. Die Beklagte habe darauf nicht reagiert. Mit E-
Mail vom 3. September 2009 habe sie die Beklagte – unter anderem – darauf hin-
gewiesen, dass sie noch immer keine Kenntnis allenfalls bestehender Verbind-
lichkeiten in Bezug auf ihre Rechte habe. Auch auf diese E-Mail habe die Beklag-
te nicht reagiert. Mit E-Mail vom 15. September 2009 sei sie erneut an die Beklag-
te gelangt und habe um eine Bestätigung gebeten, dass sie – die Beklagte – kei-
ne Verbindlichkeiten in Bezug auf ihre Rechte eingegangen sei. Darauf habe die
Beklagte reagiert, allerdings nicht wie erwartet (und vertraglich vereinbart). Mit E-
Mail vom 18. September 2009 habe sich die Beklagte nämlich geweigert, über al-
lenfalls bestehende Verbindlichkeiten zu informieren, und behauptet, sie – die
Klägerin – habe durch die Prüfung der C._ bereits Kenntnis bestehender
Verbindlichkeiten in Bezug auf die Rechte. Sie habe mit E-Mail vom 22. Septem-
ber 2009 jegliche Kenntnisse bestehender Verbindlichkeiten verneint und – in
Übereinstimmung mit der Aufhebungsvereinbarung – erneut Auskunft über sämt-
liche bestehenden Verbindlichkeiten in Bezug auf ihre Rechte verlangt. Habe sie
nicht gewusst, dass und welche Verbindlichkeiten bestanden, habe sie auch nicht
dafür sorgen können, dass allenfalls bestehende Verbindlichkeiten respektiert
würden. Nachdem die Beklagte ihrer Informationspflicht nicht nachgekommen sei,
habe sie gegenüber dem D._-Verband die Zusicherung abgeben können,
dass keine Verbindlichkeiten bestünden (act. 26 S. 9 ff.; act. 37 S. 4 ff.).
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4.18. Auch hinsichtlich Ziff. 5 und 6 der Aufhebungsvereinbarung kann offen
bleiben, welche Pflichten der Klägerin daraus im Einzelnen erwachsen und/oder
ob eine Erfüllung dieser Pflichten nach der Aufhebung des Vertrags mit dem
D._-Verband für die Klägerin noch möglich ist (wie die Beklagte behauptet,
act. 33 S. 27) oder nicht (wie die Klägerin geltend macht, act. 26 S. 13; act. 33 S.
25), und zwar aus folgenden Gründen:
4.18.1. Unbestreitbar sollte die Beklagte – gemäss denselben Ziffern – der Kläge-
rin alle Details / Informationen hinsichtlich von der Beklagten gegenüber Dritten
eingegangenen Verbindlichkeiten im Zusammenhang mit der Verwertung zukünf-
tiger D._-Spiele, insbesondere aus abzuschliessenden und/oder abge-
schlossenen TV-Senderechtsverträge, liefern ("B._ provides A._ with all
details ...", Ziff. 5, und "B._ provides A._ with all information ...", Ziff. 6).
Dass sie dieser Obliegenheit nachgekommen wäre, wird von der Beklagten nicht
behauptet (act. 33 S. 22, 24 f. und 28).
4.18.2. Indessen: Eine Pflichtverletzung (oder -erfüllung) der Klägerin setzt vo-
raus, dass sie über die von der Beklagten gegenüber Dritten eingegangenen Ver-
bindlichkeiten informiert war.
4.18.3. Die Beklagte hält dafür, dass der Klägerin die Verbindlichkeiten aus dem
C._-Bericht bereits bestens bekannt gewesen seien (und die Auskunftsbe-
gehren der Klägerin einzig dazu gedient hätten, von ihr sorgsam gehütete zusätz-
liche Interna in Erfahrung zu bringen). Der Klägerin seien die Verpflichtungen dem
Grundsatz nach und zudem auch einige der ihr gegenüberstehenden Vertragspar-
teien bekannt gewesen. Unter dem Titel "Reconciliation TV Distribution Rights"
sei auf S. 10 f. des Berichts ausführlich die Rede davon, dass sie gegenüber
"broadcast partners regarding TV distribution rights" in der Pflicht gewesen sei.
Dabei seien auch konkret die involvierten Agenturen wie "P._" genannt wor-
den. Vor diesem Hintergrund könne die Klägerin nicht behaupten, sie habe keine
Kenntnis gehabt, dass sie – die Beklagte – Verpflichtungen gegenüber Drittpartei-
en eingegangen sei. Dass die Klägerin von den relevanten Verträgen und Ver-
pflichtungen sehr wohl Kenntnis gehabt habe, belegten die Ausführungen von Dr.
K._ in der E-Mail vom 17. Juli 2009, wonach sie beim Weiterverkauf des
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D._-Vermarktungsvertrags 3 - 5 Spiele als "verkauft" überbinden müsse.
Auch bei Unterlassung der Mitteilung der bestehenden Rechte durch sie habe die
Klägerin bei der Veräusserung des D._-Vermarktungsvertrags keinen Frei-
pass gehabt. Zumindest ein Vorbehalt gegenüber dem Käufer, dass die Sender-
echte an den Spielen bereits veräussert seien, habe auch aus Treu und Glauben
erfolgen müssen, habe sich die Klägerin nicht selbst haftbar machen wollen. Aus
Ziff. 3 des von der Klägerin ins Recht gelegten "Cancellation Agreements" vom
5. Oktober 2009 gehe hervor, dass die Klägerin mit der Unterzeichnung nicht auf
Ziff. 6 der Aufhebungsvereinbarung hingewiesen habe, d.h. keinen Vorbehalt an-
gebracht habe, dass die D._-Spiele bereits mit Vermarktungsrechten Dritter
belastet seien, sondern – offensichtlich wider besseren Wissens – eine explizite
Zusicherung abgegeben habe, dass die Spiele frei von irgendwelchen Rechten
Dritter an den D._-Verband zurückgingen (act. 33 S. 19 f. und 22 ff.).
4.18.4. Der C._-Bericht vom 19. März 2009 setzt sich vornehmlich mit 4 in-
ternationalen Freundschaftsspielen auseinander ("Our review covered the follo-
wing four international friendly football matches [...]"); die beiden Spiele der
D1._ Nationalmannschaft gegen M._ und N._ befinden sich nicht
darunter (act. 27/2 S. 4). Details / Informationen hinsichtlich von der Beklagten
gegenüber Dritten eingegangenen Verbindlichkeiten im Zusammenhang mit der
Verwertung zukünftiger D._-Spiele lassen sich dem C._-Bericht nicht
entnehmen; aus den von der Beklagten angerufenen Passagen ("Some license
agreements between B._ (or "P._" as a subcontractor, see below) and
broadcast partners regarding TV-distribution rights were not yet provided [...].
Therefore, the allocation of royalty revenues derived from the TV distribution
rights could not be properly examined in some cases. In the absence of written
and valid contracts it remains unclear [...] " und/oder "Q._ SA (see above)
and P._ (see below) are the most important partners for B._. Their rela-
tionships are based on trust and respect. [...]. R._ was not prepared to disc-
lose the agreements between Q._ SA and the TV distributors in .....", act.
27/2 S. 10 f.) ergibt sich solches ganz bestimmt nicht. Im Gegenteil, der Bericht
lässt nicht einmal "dem Grundsatz nach" darauf schliessen, dass die Beklagte die
Aufhebung der Zusammenarbeitsverträge überdauernde Verpflichtungen – wie
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sie die Klägerin gemäss Ziff. 5 und 6 der Aufhebungsvereinbarung zu respektie-
ren verhiess – eingegangen war. Geschweige denn gehen daraus alle Details ("all
details", Ziff. 5) und/oder alle Informationen ("all information, Ziff. 6) hervor.
Allfällige Kenntnisse von Mitarbeitern der C._, welche während der Auf-
tragserfüllung durch Befragung von Vertretern der Beklagten und/oder Einsicht in
(Vertrags-)Dokumente erlangt wurden, jedoch keinen Eingang in den Bericht fan-
den, sind der Klägerin nicht (wie von der Beklagten insinuiert, act. 33 S. 25) anzu-
rechnen.
Auch aus den von der Beklagten angerufenen E-Mails ihres Rechtsvertreters vom
1. und 10. Juni 2009 ergibt sich kein hinsichtlich Ziff. 5 und 6 der Aufhebungsver-
einbarung genügendes Wissen der Klägerin; die entsprechenden Ausführungen –
"[...] that A._ may also breach the current TV-rights sales agreements, ac-
cording to which [...] also make it impossible for B._ to fulfil its contractual
obligations towards these broadcasters [...]" und "However, B._ has already
entered into numerous contracts concerning the exploitation of the rights of the
National team D1._ [...]" – sind viel zu unbestimmt (act. 33 S. 20).
Ebenso wenig lässt sich aus der E-Mail des damaligen klägerischen Rechtsvertre-
ters vom 17. Juli 2009 etwas zu Gunsten der Beklagten ableiten. Zwar ist die Re-
de davon, die Klägerin habe realisiert, dass für ein Total von 3 - 5 Spielen die
(Fernseh-)Übertragung zu liefern sei, jedoch hält Dr. K._ ausdrücklich fest,
dass "[...] that is not limited to D._ friendly matches, we consider it would be
more appropriate when B._ fulfills that (soft) requirement with G1._
friendly matches or others"; mit anderen Worten ging er – aufgrund der (unbestrit-
tenen) Ausführungen des beklagtischen Rechtsvertreters "[...] we will have a
certain flexibility in case A._ is not able to obtain the worldwide third party
rights from the host Federation" (act. 26 S. 23) zu Recht – nicht davon aus, dass
die 3 - 5 Spiele die Verwertung zukünftiger D._-Spiele beschlug. Dass dem
widersprochen worden wäre, wurde von der Beklagten nicht behauptet.
4.18.5. Somit wurde von der Beklagten nicht – auch nicht durch den Verweis auf
obgenannte Dokumente – konkret dargetan, was die Klägerin – oder genauer:
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welche der ihr angehörenden natürlichen Personen – zum Zeitpunkt des "Cancel-
lation Agreements" im Detail und/oder mit allen Informationen wusste (wie es ihre
Aufgabe gewesen wäre, vgl. WEY, a.a.O., § 5 N 170).
Demzufolge ist davon auszugehen, dass die Klägerin keine Kenntnis von irgend-
welchen die Verwertung zukünftiger D._-Spiele beschlagenden Verbindlich-
keiten der Beklagten hatte.
4.18.6. Die Klägerin musste auch nicht "aus Treu und Glauben" gegenüber dem
D._-Verband einen Vorbehalt hinsichtlich von der Beklagten möglicherweise
eingegangener Verbindlichkeiten anbringen. Umso weniger, als sie vor Unter-
zeichnung des "Cancellation Agreements" die Beklagte wiederholt darauf auf-
merksam gemacht hatte, dass sie weder durch den C._-Bericht noch sonst
wie Kenntnisse von Verbindlichkeiten im Zusammenhang mit der Verwertung zu-
künftiger D._-Spiele habe, die Beklagte an ihre Obliegenheit gemäss Ziff. 5
und 6 der Aufhebungsvereinbarung erinnert und auch kundgetan hatte, dass sie
ausbleibende Informationen "as an indication that no relevant obligations have to
be observed with respect to any future exploitation of the outstanding D._
matches" verstehen würde (act. 26 S. 11 ff.; act. 27/14-20; act. 37 S. 6 ff.), und
sich die Beklagte trotzdem (ausdrücklich) geweigert hatte, den Ziff. 5 und 6 der
Aufhebungsvereinbarung nachzuleben. Vielmehr war es bei einem solchen Ver-
halten der Beklagten sie – die Klägerin –, die "in guten Treuen" davon ausgehen
durfte, dass eben keine bei der Veräusserung / Rückübertragung der D._-
Vermarktungsrechte zu berücksichtigenden Verbindlichkeiten der Beklagten be-
standen.
4.19. Im Ergebnis ist festzuhalten, dass der Klägerin mangels genügender Infor-
mation durch die Beklagte keine Verletzung von Ziff. 5 und 6 der Aufhebungsver-
einbarung vorgeworfen werden kann, womit auch eine diesbezügliche (Schaden-)
Ersatzforderung ausser Betracht fällt.
4.20. Damit verfügt die Beklagte über keine Gegenforderung, welche es ihr er-
lauben würde, sich auf ein obligatorisches Retentionsrecht zu berufen. Andere
Einreden / Einwendungen gegen die Forderung der Klägerin wurden von der Be-
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klagten nicht vorgebracht. Insbesondere widersprach die Beklagte der Sachver-
haltsdarstellung der Klägerin nicht, wonach sie – die Beklagte – mit E-Mail vom
4. August 2009 die zwei Verzugszinsforderungen über USD 8'326.77 und EUR
251.52 anerkannt habe. Ebenso wenig wurde der Zinsenlauf auf USD 568'400.00
von der Beklagten bestritten, weshalb – im Ergebnis – die Hauptklage vollumfäng-
lich gutzuheissen und die Beklagte zu verpflichten ist, der Klägerin USD
568'400.00 samt 5% Zins seit 16. September 2009 sowie USD 8'326.77 und EUR
251.52 zu bezahlen.
B. Widerklage
4.21. Auch die Beklagte stützt ihre (Wider-)Klage auf die Aufhebungsvereinba-
rung, deren Ziff. 3, 5 und 6 die Klägerin verletzt und dadurch bei ihr einen Scha-
den von USD 324'127.00 und EUR 100'000.00 verursacht haben soll (act. 33 S. 3
f.).
4.22. Diese Forderung deckt sich mit der von der Beklagten für die Begründung
des Leistungsverweigerungsrechts (in Bezug auf die Hauptklage) herangezoge-
nen. Indessen: Wie unter Ziff. 4.10 ff. gezeigt, ist der Klägerin keine Verletzung
der Aufhebungsvereinbarung vorzuwerfen, weshalb die Widerklage ohne Weite-
res abzuweisen ist.
5. Prozesskosten
5.1. Der Streitwert richtet sich nach dem Rechtsbegehren des Klägers zur Zeit
des Eintritts der Rechtshängigkeit (§ 18 Abs. 1 ZPO/ZH). Der Streitwert der Wi-
derklage wird mit demjenigen der Hauptklage zusammengerechnet, soweit sich
Haupt- und Widerklage nicht gegenseitig ausschliessen (§ 19 Abs. 2 ZPO/ZH).
Dies ist vorliegend nicht der Fall (vgl. Ziff. 4.6 oben), weshalb der Streitwert ins-
gesamt CHF 1'080'297.57 beträgt.
5.2. Gemäss § 64 Abs. 2 ZPO/ZH werden die Gerichtskosten der unterliegen-
den Partei auferlegt.
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5.3. Gemäss § 68 Abs. 1 ZPO/ZH hat jede Partei in der Regel die Gegenpartei
im gleichen Verhältnis für aussergerichtliche Kosten und Umtriebe, einschliesslich
Weisungskosten, zu entschädigen, wie ihr Kosten auferlegt werden; festgesetzt
wird die Prozessentschädigung nach Ermessen (§ 69 Satz 1 ZPO).
Demgemäss ist die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin eine Prozessentschädi-
gung zu bezahlen, welche in Anwendung von § 3 Abs. 1 und § 6 der Verordnung
des Obergerichts über die Anwaltsgebühren vom 21. Juni 2006 (AnwGebV) auf
150% der Grundgebühr festzusetzen ist.