# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 3314cb32-46b8-58be-a0a2-b21719c873d6
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. X._ (Jg. 2000) besucht die Kantonsschule A._. Am 21. August 2018 sprach der
Rektor gegen ihn eine bis 31. Januar 2019 befristete Androhung des Ausschlusses von
der Schule aus (Ultimatum gemäss Art. 47 Abs. 2 Ziff. 1 des Mittelschulgesetzes,
sGS 215.1, MSG). Als Grund für das Ultimatum wurde angeführt, X._ habe einen
Porno- und IS-Propagandafilm in den Klassenchat gestellt, worauf die Kriminalpolizei
am 5. Juni 2018 in die Schule gekommen sei und sein Handy beschlagnahmt habe. Die
Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
B. Vom 11. Juni bis 27. Juli 2018 hielt sich X._ im Rahmen eines siebenwöchigen
Arbeitsaufenthalts in B._ auf. Bei dem von ihm in diesem Zusammenhang
abgegebenen Bericht vom 31. August 2018 erhob der zuständige Französischlehrer
den Vorwurf einer plagiierten Arbeit. Er stellte in seiner Stellungnahme vom
25. September 2018 im Wesentlichen fest, X._ habe sich für die Erstellung des
Berichts auf denjenigen eines anderen Schülers abgestützt, welcher ein Jahr zuvor in
derselben Jugendherberge in B._ sein Praktikum absolviert habe. Dabei habe er nicht
nur die Formatierung jenes Berichts übernommen, sondern auch den Wortschatzteil.
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Überdies gab X._ die bis 13. August 2018 abzugebende Bestätigung des Romandie-
Praktikums erst am 5. September 2018 – und damit über drei Wochen später als
verlangt – ab. Schliesslich wurde am 19. September 2018 gegen X._ wegen Störung
des Unterrichts (Lachen, Schwatzen) und wegen seines Verhaltens ("Unruheherd")
während des Besuchs einer Gerichtsverhandlung in Rorschach die
Disziplinarmassnahme "zusätzliche Arbeit" ausgesprochen.
Nachdem das Rektorat am 25. bzw. 27. September 2018 wegen dieser Vorkommnisse
die Rektoratskommission und die Klassenkonferenz angehört hatte, beantragte es
beim Bildungsdepartement des Kantons St. Gallen mit Schreiben vom 1. Oktober 2018
den Ausschluss von X._ von der Schule. Mit Schreiben vom 16. Oktober 2018 reichte
eine Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, bei welcher sich X._ seit
13. Oktober 2018 in Behandlung befindet, zwei Berichte ein. X._ nahm am 19. Oktober
2018 zum Antrag des Rektors Stellung. Mit Verfügung vom 8. Januar 2019 schloss der
Vorsteher des Bildungsdepartements X._ von der Kantonsschule A._ aus.
C. Mit einer von seiner behandelnden Ärztin verfassten Eingabe vom 17. Januar 2019
(Datum der Postaufgabe) erhob X._ (Beschwerdeführer) gegen die Verfügung des
Departementsvorstehers (Vorinstanz) Beschwerde beim Amt für Mittelschulen, welches
die Eingabe am 5. März 2019 zuständigkeitshalber an das Verwaltungsgericht
überwies. Mit Schreiben vom 7. März 2019 forderte der Abteilungspräsident den
Beschwerdeführer auf, einerseits seine Beschwerde zu ergänzen und andererseits
einen Kostenvorschuss zu leisten oder ein entsprechendes Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege (uRP) einzureichen. Mit Schreiben vom 25., 27. und 28. März 2019 wurde
der Beschwerdeführer jeweils unter Androhung der Säumnisfolgen darauf hingewiesen,
dass sowohl das uRP-Gesuch als auch die Beschwerdeergänzung nicht den
Anforderungen entsprechen würden, verbunden mit der Möglichkeit, die nötigen
Angaben (insbesondere auch bezüglich den finanziellen Verhältnissen der Eltern) innert
Frist zu ergänzen. Mit Beschwerdeergänzung vom 7. April 2019 nahm der
Beschwerdeführer zum Antrag auf Ausschluss von der Schule materiell Stellung und
beantragte sinngemäss, von einem Schulausschluss sei abzusehen. Gleichzeitig
reichte er Unterlagen zur finanziellen Situation seiner Eltern ein.
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Die Vorinstanz und die Kantonsschule A._ (Beschwerdegegnerin) beantragten in ihren
Vernehmlassungen vom 2. und 8. Mai 2019, die Beschwerde sei abzuweisen, wobei sie
auf weitere Ausführungen verzichteten und zur Begründung auf den angefochtenen
Entscheid verwiesen. Der Beschwerdeführer wandte sich am 25. Mai 2019 mit einer
weiteren Eingabe an das Verwaltungsgericht.
Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten, den angefochtenen Entscheid und die
Akten ist – soweit notwendig – in den nachstehenden Erwägungen einzugehen.

## Considerations

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. (...)
2. Art. 47 MSG ist die gesetzliche Grundlage der Disziplinarordnung an staatlichen
Mittelschulen. Disziplinarfehler sind nach Art. 47 Abs. 1 MSG die Vernachlässigung von
Schülerpflichten (lit. a), die Verletzung der Schulordnung (lit. b) und Verhalten in Schule
und Öffentlichkeit, welches mit der Zugehörigkeit zur Mittelschule nicht vereinbar ist
(lit. c). Für derartige Regelverstösse können gemäss Art. 47 Abs. 2 MSG als schwerste
Disziplinarmassnahmen die befristete Androhung des Schulausschlusses (durch die
Rektoratskommission; Ziff. 1) und der Ausschluss aus der Schule (durch das
Bildungsdepartement; Ziff. 2) verfügt werden. Die Disziplinarordnung wird durch
Art. 30 ff. der Mittelschulverordnung (sGS 215.11, MSV) näher bestimmt und ergänzt.
Nach Art. 33 MSV richtet sich die Disziplinarsanktion nach den Beweggründen, dem
Mass des Verschuldens, dem bisherigen Verhalten an der Schule sowie nach Umfang
und Bedeutung der gestörten oder gefährdeten Interessen.
2.1. Fest steht, dass gegen den Beschwerdeführer am 21. August 2018 als
Disziplinarmassnahme die befristete Androhung des Schulausschlusses im Sinn von
Art. 47 Abs. 2 lit. a MSG (Ultimatum) verfügt wurde. Das Ultimatum wurde bis
31. Januar 2019 befristet. Diese Massnahme erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
Daher ist auf die Gründe, welche zum Ultimatum geführt haben, im vorliegenden
Verfahren nicht weiter einzutreten (VerwGE B 2013/117 vom 9. Oktober 2013 E. 2.1 mit
Hinweis auf BGE 134 I 153 E. 3.3, www.gerichte.sg.ch).
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2.2. Ein Ultimatum bedeutet regelmässig nicht nur einen schweren Tadel für bisher
begangenes Fehlverhalten, sondern hat zugleich die rechtliche Wirkung, dass während
der festgelegten Frist schon an sich geringfügige neue Disziplinarfehler den
Schulausschluss nach sich ziehen können (BGE 134 I 153 E. 3.3 mit Hinweis). Das
Ultimatum war bis 31. Januar 2019 befristet. Grundsätzlich ist das Verhalten des
Schülers während der gesamten Zeitdauer, in der ihm der Ausschluss angedroht ist, zu
berücksichtigen und zu würdigen. Nach der verwaltungsgerichtlichen Praxis darf ein
Schulausschluss nur bei groben und schwerwiegenden Verstössen vor dessen Ablauf
verfügt werden (vgl. VerwGE B 2013/117 vom 9. Oktober 2013 E. 2.2.3 mit weiteren
Hinweisen, www.gerichte.sg.ch).
2.3. Der Ausschluss wurde mit drei Vorfällen begründet. So habe sich der
Beschwerdeführer trotz bestehenden Ultimatums der Verletzung mehrerer
Schülerverpflichtungen schuldig gemacht, indem er eine plagiierte Arbeit (Romandie-
Arbeit vom 31. August 2018) verfasst (nachfolgend E. 2.3.1), eine
Praktikumsbestätigung verspätet (am 5. September statt am 13. August 2018)
abgegeben (nachfolgend E. 2.3.2) und sich während des Unterrichts bzw. einer
Gerichtsverhandlung störend verhalten habe (nachfolgend E. 2.3.3).
2.3.1. Der Beschwerdeführer bringt hinsichtlich des Vorwurfs einer plagiierten Arbeit im
Wesentlichen vor, das damals drohende Ultimatum habe seine volle Konzentration am
Arbeitsplatz und die Ausübung der Tätigkeiten erheblich beeinträchtigt. Er habe sich
daher bei einem Kollegen informiert, der seinen Aufenthalt im Vorjahr an der gleichen
Stelle absolviert habe. Er habe sich damit einen Überblick verschaffen wollen, wie der
Bericht Layout-technisch etwa aussehen sollte. Die mehrheitliche Übereinstimmung sei
darauf zurückzuführen, dass der Kollege die gleiche Arbeit wie er verrichtet habe. Da
sein Vorgänger und er vor dem Aufenthalt einen ungefähr gleichen Französisch-
Wortschatz besessen hätten, habe dies zu einem übereinstimmenden Wortlaut des
Berichts bzw. des Wortschatzteils geführt. Die Vorinstanz führt in der angefochtenen
Verfügung dagegen aus, die Analyse des Textes habe ergeben, dass ein grosser Teil
davon – teilweise gar mit den gleichen Fehlern – kopiert worden sei. Dabei handle es
sich um ein Plagiat gemäss Art. 50 der Schulordnung. Danach habe es disziplinarische
Konsequenzen oder führe zu einer Notenherabsetzung, wenn sich Schüler unerlaubter
Hilfsmittel bedienten oder sich einer anderen Unredlichkeit schuldig machten (z.B.
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Abschreiben von Lösungen von Kolleginnen und Kollegen oder Ausgabe eines fremden
Textes [auch in Auszügen] als eigenen [Plagiat]).
Als Plagiat bezeichnet man den "Diebstahl geistigen Eigentums" bzw. das unbefugte
Benutzen urheberrechtlich geschützter Werke einschliesslich der Zitate ohne
Quellenangabe. Ein Plagiat schreibt mit andern Worten, wer sich in Täuschungsabsicht
als Urheber einer geistigen Arbeit ausgibt, die er widerrechtlich von einem anderen
Autor übernommen hat. Stets dann, wenn ein fremder Text oder anderes fremdes
Gedankengut in die eigene Arbeit Aufnahme findet, muss unmissverständlich auf die
Quelle hingewiesen werden. Auch andere Formen der Verwendung fremden
Gedankenguts – etwa die getreue Übernahme eines fremden Aufbaus – unterliegen der
Zitierpflicht. Schlichtes Abkupfern ohne Quellenangabe ist daher grundsätzlich als
Plagiat zu werten (GVP 2005 Nr. 94 mit Hinweisen).
Vorliegend ist nicht von der Hand zu weisen, dass der Bericht des Beschwerdeführers
in weiten Teilen demjenigen seines Vorgängers entspricht. Der Aufbau der Arbeit ist bis
auf ein Kapitel ("L'article de presse") sowohl inhaltlich wie auch gestalterisch identisch.
Auffallend ist insbesondere, dass für die Titel die gleiche Farbgebung gewählt und die
gleichen Schreibfehler gemacht wurden. Auch die Formatierung stimmt überein,
obwohl von der Lehrperson eine andere Schriftgrösse und -art verlangt worden war.
Textstellen wurden überdies teilweise weitgehend übernommen. Schliesslich wählte
der Beschwerdeführer wie bereits der Schüler im Vorjahr im Wortschatzteil denselben
Bereich ("Mots de la cuisine") und listete ausnahmslos dieselben Worte inklusive
Beispielssätze auf. Ob es sich dabei um ein Plagiat im wissenschaftlichen Sinn handelt
– zumindest erscheint fraglich, ob es sich beim vorliegenden Bericht um eine geistige
Arbeit handelt – kann offenbleiben. Ebenso ist unbedeutend, dass die Arbeit
möglicherweise im Einverständnis des Kollegen verwendet wurde. Denn der Vorwurf
einer Unredlichkeit im Sinn von Art. 50 der Schulordnung ist bereits deshalb ohne
Weiteres gerechtfertigt, weil der Beschwerdeführer offensichtlich einen fremden Text in
Auszügen seinem Romandie-Bericht zugrunde gelegt und als eigenen ausgegeben hat.
Damit liegt ein Disziplinarfehler nach Art. 47 Abs. 1 lit. b MSG vor.
2.3.2. Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, dass der Abgabetermin für die
Praktikumsbestätigung von der Lehrperson auf den 13. August 2018 festgelegt worden
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sei. Der Einwand, er habe den Termin in seinem Kalender falsch eingetragen, vermag
ihm nicht zu helfen. Dies umso weniger, als unbestritten blieb, dass er mehrmals
mündlich aufgefordert wurde, die Bestätigung einzureichen. Da sich das Versäumnis
während eines Ultimatums abgespielt hat, ist dieses nicht gleich zu beurteilen wie ein
entsprechender Verstoss eines bislang unbescholtenen Schülers. Der
Beschwerdeführer hat damit eine Pflicht im Sinn von Art. 47 Abs. 1 lit. a MSG
vernachlässigt.
2.3.3. Dem Beschwerdeführer wird schliesslich vorgeworfen, den Unterricht durch
Lachen und Schwatzen zu stören sowie bei einer Gerichtsverhandlung zusammen mit
anderen Schülern als Unruheherd aufgefallen zu sein. Die Lehrkraft ordnete deshalb am
19. September 2018 die in ihre Kompetenz fallende Disziplinarmassnahme "zusätzliche
Arbeit" an (act. 15/1; vgl. Art. 31 Abs. 1 lit. a und Art. 34 lit. a MSV). Soweit ersichtlich
befolgte der Beschwerdeführer die Massnahme. Die Frage, ob dasselbe Verhalten
zusätzlich auch für die Begründung des Schulausschlusses herangezogen werden darf,
kann im vorliegenden Verfahren offenbleiben: Nachdem der Beschwerdeführer in der
Zeit des laufenden Ultimatums wie dargelegt einen fremden Text in Auszügen als
eigenen ausgegeben (Romandie-Bericht vom 31. August 2018) und zudem die
Praktikumsbestätigung verspätet abgegeben (5. September statt 13. August 2018) hat,
ist bereits aus diesen Gründen von einem mehrfach pflichtwidrigen Verhalten
auszugehen.
2.4. Nach der Verfügung des Ultimatums vom 21. August 2018 war der
Ermessensspielraum der Vorinstanz insofern begrenzt, als für allfällige weitere
Verstösse bereits eine konkrete Massnahme bzw. Sanktion (Ausschluss) angedroht
war. Der streitige Ausschluss hat aber gleichwohl dem Grundsatz der
Verhältnismässigkeit im Sinn von Art. 5 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (SR 101, BV) zu genügen.
Gegen den Beschwerdeführer lief ab dem 21. August 2018 ein Ultimatum, welches bis
zum 31. Januar 2019 befristet war. In der entsprechenden mit einer