# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 51f45b36-b6d1-4854-9bb0-c097389f7588
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1957,
war
von
2003
bis 2012
bei
der
Y._
AG als
Isoleur
tätig (Urk. 6/
29
,
Urk. 6/19/51
).
Unter Hinweis auf Nacken- und Rückenschmerzen meldete er sich am 29. März 2012 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 6/8). Die
Sozialversi
cherungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab
und
zog Akten der Schweizerischen
Unfallversi
cherungs
anstalt
(SUVA) bei (Urk. 6/19
, Urk. 6/44
). Am 1. November 2012 wurde eine Arbeitsvermittlung
ergebnislos
abgeschlossen (Urk. 6/31).
Die IV-Stelle
veranlasste bei der MEDAS
Z._
ein polydisziplinäres Gutachten, welches am 27. März 2014 erstattet wurde (Urk. 6/76).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverf
ahren
(Urk. 6/86-89, Urk. 6/93)
ver
neinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 21. Juli 2015 (Urk. 6/97 = Urk. 2) ei
ne
n Rentenanspruch.
2.
Der Versicherte
erhob am 9. September 2015 Beschwerde gegen die Verfü
gung vom 21. Juli 2015 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm ab Januar 2012 eine angemessene Rente zuzusprechen. Eventuell sei die Sache
zur weiteren Abklärung, zur Berufserprobung oder zur Durchfüh
rung von Eingliederungsmassnahmen zurückzuweisen. Die IV-Stelle
bean
tragte mit Beschwerdeantwort vom 13. Oktober 2015 (Urk. 5) die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 19. Oktober 2015 zur Kennt
nis gebracht wurde (Urk. 7).
Mit Verfügung vom 3. November 2015 wurde antragsgemäss (Urk. 1 S. 2) die unentgeltliche Prozessführung und
Rechts
vertretung
bewilligt (Urk. 8).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliess
lich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbin
dung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krankheitswert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesge
richts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer
Restarbeits
fähigkeit
auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.
3
Mit
BGE 141 V 281
hat das Bundesgericht seine bisherige Rechtsprechung
zur Invaliditätsbemessung bei Schmerzstörungen ohne erkennbare organi
sche
Ursache und vergleichbaren psychosomatischen Leiden (BGE 130 V 352 u
nd anschliessende Urteile) ange
passt und festgehalten, dass die
Invaliditätsbe
messung
stärker als bisher den Aspekt der funktionellen Auswirkungen zu berücksichtigen hat, was sich schon in den diagnostischen Anforderungen
niederschlagen muss. Auf der Ebene der Arbeitsunfähigkeit bezweckte die durch BGE
130 V 352 begründete Rechtspre
chung die Sicherstellung eines gesetzmässigen Versicherungsvollzuges mittels der Regel/Ausnahme-Vorgabe
beziehungsweise (seit E. 7.3 von BGE 130 V 396 und BGE 131 V 49) der
Über
windbarkeitsvermutung
. Deren Rechtsnatur kann offen bleiben. Denn an diese
r Rechtsprechung ist nicht festzuh
alten. Das bishe
rige Regel/Ausnahme-Modell wird durch ein st
rukturiertes Beweisverfahren er
setzt. An der Recht
sprechung zu Art. 7 Abs. 2 ATSG – ausschliessliche Berücksichtigung der Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung und objektivierte Zumutbarkeitsprüfung bei materieller Beweisl
ast der rentenansprechenden Per
son (Art. 7 Abs. 2 ATSG) – ändert sich dadurch
nichts. An die Stelle des bishe
ri
gen Kriterien
katalogs (bei anhaltender
somatoformer
Schmerzstörung und vergleichbaren psychosomatischen Leiden) trete
n im Regelfall beachtliche
Stan
dardindika
toren
. Diese lassen sich in die Ka
tegorien Schweregrad und Konsis
tenz der funktionellen Auswirkungen einteilen. Auf den Begriff des primären
Krank
heitsgewinnes
und die
Präponderanz
der psychiatrischen Komorbidität ist zu
verzichten. Der Prüfungsraster ist rechtlicher Natur. Recht und Medizin wirken
sowohl bei der Formulierung der Standardindikatoren wie auch bei deren –
rechtlich gebotener – Anwendung im Einzelfall zusammen. Im Grunde kon
kre
tisieren die in E. 4 und 5 formulierten Beweisthemen und Vorgehens
wei
sen für die Invaliditätsbemessung bei psychosomatischen Leiden die gesetz
gebe
rischen Anordnungen nach Art. 7 Abs. 2 ATSG. Die
Anerkennung eines rentenbegrün
denden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, w
enn die funktio
nellen Auswirkun
gen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen
An
spruchsgrundlage
im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt e
s da
ran, hat die Folgen der Beweislosigkeit nach wi
e vor die materiell beweisbelas
tete versicherte Person zu tragen (E. 6).
1.
4
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei Vorliegen einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung oder eines damit vergleichbaren psychosoma
tischen Leidens (BGE 141 V 281 E. 4.2) sind Indikatoren beachtlich, die das Bundesgericht wie folgt systematisiert hat
(
BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
Kategorie „funktioneller Schweregrad"
Komplex „Gesundheitsschädigung"
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
Komorbiditäten
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen)
Komplex „Sozialer Kontext"
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens)
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen
behandlungs- und eingliederungsanam
nestisch ausgewiesener
Lei
dens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung
leistungshin
dernder
äusserer
Belastungsfaktoren einerseits und
Kompensationspotenzia
len
(Ressourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; Urteil des Bundesge
richts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2.1).
Beweisrechtlich entscheidend ist der Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4):
Der Indikator einer
gleichmässigen
Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen zielt auf die Frage ab, ob die disku
tierte Einschränkung in Beruf und Erwerb (bzw. bei Nichterwerbstätigen im Aufgabenbereich) einerseits und in den sonstigen Lebensbereichen (z.B. Frei
zeitgestaltung) anderseits gleich ausgeprägt ist. Dabei ist das bisherige Krite
rium des sozialen Rückzugs (wiederum) so zu fassen, dass neben Hinweisen auf Einschränkungen auch Ressourcen erschlossen werden; umgekehrt kann
ein krankheitsbedingter Rückzug aber auch Ressourcen zusätzlich vermindern
. Soweit
erhebbar
, empfiehlt sich auch ein Vergleich mit dem Niveau sozialer Aktivität vor Eintritt der Gesundheitsschädigung. Das Aktivitätsniveau der versicherten Person ist stets im Verhältnis zur geltend gemachten Arbeits
unfähigkeit zu sehen (BGE 141 V 281 E. 4.4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1).
Die Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen, das
heisst
das
Ausmass
, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben vernachlässigt werden, weist (ergänzend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz unter dem Komplex "Gesundheitsschädigung") auf den tat
sächlichen Leidensdruck hin. Dies gilt allerdings nur, solange das betreffende Verhalten nicht durch das laufende Versicherungsverfahren beeinflusst ist. Nicht auf fehlenden Leidensdruck zu
schliessen
ist, wenn die Nichtinan
spruchnahme einer empfohlenen und zugänglichen Therapie oder die schlecht
e Compliance klarerweise auf eine (unabwendbare) Unfähigkeit zur
Krankheits
einsicht
zurückzuführen ist. In ähnlicher Weise zu berücksichtigen ist das Verhalten der versicherten Person im Rahmen der beruflichen (Selbst-) Ein
gliederung. Inkonsistentes Verhalten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend
gemachte Einschränkung sei anders begründet als durch eine versi
cherte
Ge
sundheitsbeeinträchtigung
(BGE 141 V 281 E. 4.4.2; vgl. Urteil des Bundes
gerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.2).
1.
5
In Bezug auf mögliche psychische
Komorbiditäten
verliert eine depressive
Problematik nicht bereits wegen einer medizinischen
Konnexität
zum Schmerz
leiden ihre Bedeutung als potentiell ressourcenhemmender Faktor
(BGE 141 V 281 E. 4.3.1.3). Bei Störungen im mittelgradigen Bereich ist indes die
invalidisierende Wirkung - weiterhin - besonders sorgfältig zu prüfen. Es darf nicht unbesehen darauf geschlossen werden, eine solche Störung vermöchte eine voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde (teil
weise) Erwerbsunfähigkeit zu bewirken und wäre damit eine relevante Komorbidität
(
BGE 141 V 281
E. 4.3.1.3;
vgl. Urteile des Bundesgerichtes
9C_125/2015 vom 18. November
2015 E. 7.2.1 mit Hinweis und 9C_168/
2015 vom 1
3.
April 2016 E. 4.2). Auch nach der Praxis
änderung vom 3.
Juni 2015
(BGE 141 V 281)
gelten psychische Störungen der hier interessierenden Art nur als invalidisierend, wenn sie schwer und therapeutisch nicht (mehr)
angehbar
sind, was namentlich bei noch nicht lange
chronifizierten
Krank
heitsgeschehen
voraussetzt, dass keine therapeutische Option mehr und somit eine Behandlungsresistenz besteht
(
BGE 141 V 281
E. 4.3.1.2; v
gl. Urteile des
Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember
2015 E. 5 und 9C_125
/2015
vom 18. November
2015 E. 7.2.1). An der bundesgerichtlichen Praxis, wonach
leichte bis höchstens mittelschwere Störungen aus dem depressiven
Formen
kreis
in der Regel therapierbar sind und invalidenversicherungsrechtlich zu keiner Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führen (vgl. Urteile des Bund
esgerichtes 9C_836/2014 vom 23. März
2015 E. 3.1, 9C_474/2013 vom
20.
Februar
2014 E. 5.4, 9C_696/2012 vom 19. Juni
2013 E. 4.3.2.1, 9C_250/2012
vom 29. November 2012 E.
5, 9C_736/2011 vom 7.
Februar 2012 E. 4.2.2.1 sowie 9C_917/2012 E. 3.2 vom 14.
August 2013) hat
BGE 141 V 281
nichts geändert (vgl. Urteile des Bundesgerichtes 9C_125/2015
vom 1
8.
November 2015 E. 7.2.1 und 9C_168/2015 vom 13. April 2016 E. 4
.2 mit Hinweis).
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes fallen leichte bis mittelgradige depressive Störungen, seien sie im Auftreten rezidivierend oder episodisch, einzig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht, wenn sie
erwiese
nermassen
therapieresistent sind (statt vieler:
BGE 140 V 193
E.
3.3 mit Hin
weis). Nur in einer solchen - seltenen, da nach gesicherter psychiatrischer Erfahrung Depressionen im Allgemeinen therapeutisch gut
angehbar
sind - gesetzlich verlangten Konstellation ist den no
rmativen Anforderungen des
Art. 7 Abs.
2 zweiter Satz ATSG für eine objektivierende Betrachtungs- und Prüfungsweise Genüge getan (
BGE 141 V 281
E. 3.7.1 bis 3.7.3
). Ein solcher Sachverhalt muss überwiegend wahrscheinlich und darf nicht lediglich nicht
auszuschliessen
sein. Es kommt dazu, dass die Therapie in dem Sinne konse
quent gewesen sein muss, dass die aus fachärztlicher Sicht indizierten zumu
t
baren (ambulanten und stationären) Behandlungsmöglichkeiten in koopera
tiver Weise optimal und nachhaltig ausgeschöpft wurden (
BGE 140 V 193
E. 3.3
;
BGE
137 V 64
E.
5.2 mit Hinweis; vgl. Urteile des Bun
desgerichts 9C_13/2016 vom 14. April 2016 E. 4.2 und 9C_89/2016 vom 12. Mai 2016 E.
4.1).
1.
6
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
IVG
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu be
täti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreivier
telsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
7
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines
Einkommensver
gleichs
zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizini
schen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine
ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog
. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn
sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Validen
einkommen
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu er
folgen, dass die b
eiden hypothetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.
8
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medi
zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung
vom 21. Juli 2015
(Urk. 2) gestützt auf die medizinischen Abklärungen - insbesondere ge
stützt auf das polydisziplinäre Gutachten der MEDAS
Z._
(Urk. 6/76) - davon aus, dass dem Beschwerdeführer seit Ablauf der einjährigen Warte
zeit im Januar 2012 eine - näher umschriebene - behinderungsangepasste Tätigkeit zu 100 % zumutbar sei. Gestützt darauf ermittelte sie einen nicht rentenbegründe
nden Invaliditätsgrad von 12 %.
2.2
Demgegenüber vertrat der Beschwerdeführer
aus näher genannten Gründen (Urk. 1 Ziff. 23 ff.)
den Standpunkt, dass
nicht auf das Gutachten abgestellt
werden könne. Seit dem Unfallereignis am 28. Januar 2011 bestehe aus ortho
pädischer Sicht eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als
Isoleur
und spätestens ab November 2011 zusätzlich eine 50%ige und ab Anfang 2014 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit aus psychia
trischer Sicht in jeder erdenklichen Tätigkeit.
Ihm sei eine volle Rente der Invalidenversicherung (mindestens befristet) zu gewähren, eventuell seien weitergehende Abklärungen, insbesondere seitens der Psychiatrie, eventuell
bidisziplinär
anzuordnen und subeventuell sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, Eingliederungsmassnahmen durchzuführen.
2.3
Strittig und zu prüfen
ist somit, wie es sich mit der Arbeitsfähigkeit de
s
Be
schwerdeführer
s
verhält und ob zur Beantwortung dieser Frage auf das
Gut
achten der
MEDAS
vom 27. März 2014
(
Urk.
6/
76
) abgestellt werden kann.
3.
3.1
Dr.
med.
A._
, Facharzt für
Physikalische Medizin und Rehabilitation
, und
Dr.
med.
B._
, Praktische Ärztin,
C._
, nannten mit Bericht vom 24. März
2011 (Urk. 6/14
/6-14
=
Urk. 6/19/228
-236)
die folgenden
, hier gekürzt angeführten,
Diagnosen
(S. 1)
:
Unfall vom 28. Januar 2011: PW-Heckkollision
Halswirbelsäule
n
(HWS) - Distorsion
zervikales Syndrom
Adipositas Grad I, BMI 31 kg/m
2
Es sei insgesamt eine erhebliche Symptomausweitung beobachtet worden (S. 3 Mitte).
Beim heutigen Assessment habe leider weder für aktive noch für passive Therapiemassnahmen ein Zugang gefunden werden können. Der Patient habe eine schlechte Leistungsbereitschaft gezeigt. Die
m
inimale Belastbarkeit sei nicht erreicht worden. Aus diesen Beobachtungen lasse sich ableiten, dass kein
Rehapotential
vorhanden sei. Sie würden noch für weitere zwei Monate ambulante Physiotherapie 2-3 Mal pro Woche empfehlen. Zusätzlich würden sie eine ambulante psychotherapeutische Unterstützung empfehlen
(S. 3 unten, S. 4 oben)
.
3.2
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Chirurgie, nannte mit Bericht vom 3
1
. Oktober 2011 (Urk. 6/19/85-87 = 6/44/7-9) die Diagnose
zervikozephales
Schmerzsyndrom mit Begleitschwindel und Verdacht auf neuropsychologi
sche Defizite bei
einem
Status nach Beschleunigungstrauma der
Halswirbel
säule
(S. 1)
.
Aufgrund der massiven Beschwerden könne dem
Patienten zur
zeit und bis auf
W
eiteres
keine Tätigkeit zugemutet werden
(S. 3)
.
3.3
Am 1
1.
Januar 2012 erfolgte eine kreisärztliche Untersuchung durch Dr. med.
E._
, Facharzt für Chirurgie (Urk. 6/19/44-49).
Als Diagnosen nannte er die folgenden (S. 4 f. Ziff. 5):
Auffahrunfall am 2
8.
Januar 2011 mit:
Halswirbelsäule
nz
errung, QTF
(
Québec Task-Force
)
II
Verdacht auf Schädelprellung
erhebliche Symptomausweitung mit ausgeprägtem Schmerz
ver
meid
ungs
- und Schonverhalten
Tinnitus beidseits
deutliche
Osteochondrose
C6/7, weniger ausgeprägt C5/
6
Der Versicherte habe bei einem Auffahrunfall eine Verletzung der
Hals
wirbelsäule
erlitten. Zu bemerken sei hierbei, dass das Delta-V bei maximal 10-15 km/h, also im ungefährlichen Bereich anzusetzen sei.
Bei der heutigen Untersuchung habe der Versicherte zum Teil ein groteskes Beschwerdebild, das sehr inkonstant demonstriert worden sei, gezeigt.
Die Kopfdrehung sei kaum möglich, was sich jedoch bei Ablenkung deutlich verbessert habe. Auch werde ein nicht nachvollziehbarer Druckschmerz über den Dornfortsät
zen der Wirbelsäule angegeben.
Mittel
s MRI sowie neurologische
r
Untersu
chung
hätten
keine strukturelle Schädigung im Bereich der Halswirbelsäule
fest
gestellt werden
können. Es bestehe unfallbedingt ab dem 2
9.
Januar 2012 wieder eine 100%ige Arbeitsfähigkeit ohne jegliche Einschränkung (S. 5).
3.4
Dr.
D._
nannte mit
Bericht vom 2. April 2012 (Urk. 6/18)
dieselben Diag
nosen wie mit Bericht vom 31. Oktober 2011 (vgl. vorstehend E. 3.2; S. 1 Ziff. 1) und führte aus, der Beschwerdeführer sei seit 1
2.
April 2011 als Bauarbeiter zu 100 % arbeitsunfähig. Eine leichte, andersartige berufliche Tätigkeit könne ihm nicht zugemutet werden (S. 2 Ziff. 4 und
6
).
3.5
Dr. med.
F._
, Facharzt
für
Psychiatrie und Psychotherapie
und praktischer Arzt,
führte
mit
Bericht vom 9. Mai 2012 (Urk. 6/21)
aus, den Beschwerdeführer seit 28. November 2011 zu behandeln und nannte
die fol
genden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 1
f.
)
:
mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11)
generalisierte Angststörung (ICD-10 F43.1)
posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
Tinnitus
Aktuell fi
nde alle drei Wochen eine Konsultation statt (S. 5 unten).
Aus isolierter psychiatrischer Sicht bestehe seit 1
8.
November 2011 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (S. 6).
3.6
Dr.
D._
nannte mit Bericht vom 24. Mai 2012 (Urk. 6/25) dieselben Diag
nosen wie mit Berichten vom 31. Oktober 2011 und 2. April 2012 (vgl.
vorstehend E. 3.2 und E. 3.4) und führte aus, in der angestammten Tätigkeit als Bauarbeiter sei der Beschwerdeführer zurzeit und bis auf Weiteres auf Grund der vor allem belastungsabhängigen Beschwerden 100 % arbeitsunfähig. In einer, näher umschriebenen, behinderungsangepassten Tätigkeit sei der Beschwerdeführer aus somatischer Sicht versuchsweise voll arbeitsfähig
(S. 5 Ziff. 1.7)
.
3.7
Dr.
D._
nannte mit
Bericht vom 28. November 2012 (Urk. 6/35)
dieselben Diagnosen wie in vorangegangen (vgl. vorstehend E. 3.2, E. 3.4, E. 3.6) und führte aus, aufgrund der massiven Beschwerden mit
zervikozephalem
Schmerzsyndrom, Begleitschwindel und stark verminderter Belastbarkeit, könne dem Beschwerdeführer zurzeit und bis auf
W
eiteres keine Tätigkeit zugemutet werden (S. 3.)
3.8
Dr.
F._
nannte mit
Bericht vom 31. Januar 2013 (Urk. 6/40)
dieselben Diagnosen wie mit Bericht vom 9. Mai 2012 (
vgl.
vorstehend E. 3.5) und führte aus, aus isolierter psychiatrischer Sicht bestehe eine 50%ige Arbeits
unfähigkeit (S. 5).
3.9
Dr.
F._
nannte m
it B
ericht vom 18. April 2013 (Urk. 6/46)
die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1 f.):
mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11)
generalisierte Angststörung (ICD-10 F43.1)
Zustand nach posttraumatische
r
Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
Tinnitus
Die Symptome der posttraumatischen Belastungsstörung hätten sich zurück
gebildet (S. 4 Mitte). Aus isolierter psychiatrischer Sicht bestehe wei
terhin eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (S. 6).
3.
10
Dr.
D._
nannte mit
Bericht vom
7.
Juni 2013 (Urk. 6/50)
dieselben
Diag
nosen wie in vorangegangen (vgl. vorstehend E. 3.2, E. 3.4, E. 3.
6.
E. 3.7) und führte aus, seit dem letzten Bericht vom 2
8.
November 2012 hätten sich die objektiven und subjektiven Befunde nicht wesentlich geändert (S. 1).
3.1
1
Dr.
med.
G._
, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie
, und Dr. phil.
H._
,
I._
, nannten mit Bericht vom 7.
August 2013 (Urk. 6/53/6-7
= Urk. 6/55/1-2
)
als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) und eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) mit/bei einem Status nach
einer
Halswirbelsäulend
istorsion
(S. 1 Ziff. 1.1)
.
Da ein bereits deutlich
chronifizierter
Zustand vorliege, sei wohl auch auf längere Sicht nicht mit einer Arbeitsfähigkeit zu rechnen (S. 1). Der Beschwerdeführer sei mit der Depression nicht in der Lage, einem geordneten Arbeitsprozess nachzugehen (S. 2 Ziff. 1.7).
3.1
2
Die
Fachpersonen
des
J._
erstatteten am 21. Januar 2014 einen Bericht über eine interdisziplinäre Schmerzbehandlung (Urk. 6/70). Sie nannten
folgende, hier gekürzt angeführten, Diagnosen (S. 1):
Status nach einem Auffahrunfall am 28. Januar 2011
Cataracta
präsenilis
rechts, wohl auch links
Tinnitus beidseits
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
gastroesophageal
reflux
disease
(GERD)
Hyperlipidämie
Verdacht auf arterielle Hypertonie
Nierenzyste links
Glukosurie
Zur somatischen und psychiatrischen Konsensbeurteilung führten die Ärzte aus, dass d
er Beschwerdeführer aus wirbelsäulenchirurgischer und aus psy
chiatrischer Sicht
zu
100 % arbeitsunfähig
sei
(S. 7).
3.1
3
Die Ärzte der
MEDAS
Z._
erstatteten ihr polydisziplinäres Gutachten
vom
27.
März 2014 (Urk. 6/76)
nach Berücksichtigung der
Akten
, Erhebung der Anamnese
und Durchführung einer internistischen
,
psychiatrischen,
neuro
psychologischen,
orthopädischen und neurologischen
Untersuchung.
Die Ärzte nannten in der polydisziplinären Zusammenfassung die folgenden Hauptd
iagnosen mit Einschränkung
der zumutbaren
Arbeitsfähigkeit (S. 45 Ziff. 8.1.1.):
chronische
Cervicocephalgie
bei Kopfgelenksstörungen
Arthrose des
Atlanto
-Axial-Gelenkes
Sta
tus nach einer Halswirbelsäulend
istorsion
Status nach einer Schädelprellung
Status nach einer Thrombose II.
Unterschenkel/Oberschenkel
/Becken 1
1.
S
eptember 2013 mit/bei
unter
Xarelto
20mg einmal pro Tag
aktuell Verdacht auf postthrombotisches Syndrom links
Sodann führten sie die folgenden Nebendiagnosen ohne wesentliche Ein
schrän
kung der
Arbeitsfähigkeit
auf
(S.
45 Ziff. 8.1.2.
):
Osteochondrose
C4 bis C7
Unkarthrose
C4 bis C5
Status nach einem Auffahrunfall am 2
8.
Januar
2011
mit/bei
HWS-Distorsionstrauma
cervicocephales
Schmerzsyndrom mit begleitendem
Schwank
schwindel
und Ausstrahlung in die linke obere Extremität sowie Ohrenrauschen beidseits
DSM-IV: 309.9:
chronische Anpassungsstörung
ICD-10 F45.41: chronische Schmerzstörung mit somatischen und psy
chischen Faktoren
cataracta
präsenilis
rechts, wohl auch links
Status nach Clear Cornea
Phacoemulsification
rechts, mit Implan
tation einer faltbaren Acryl-
Hinterkammerlinse
und
Kapselspann
ring
am 2
6.
Februar 2013 (
K._
2
6.
Februar 2013)
Auge links Sehstörungen (unklare Sicht, Operation aus finanziellen Gründen nicht möglich)
GERD
(
gastroesophageal
reflux
disease
)
Verdacht auf arterielle Hypertonie
Nierenzyste links
Aus orthopädischer Sicht sei der Beschwerdeführer für die Arbeit als
Isoleur
, die man als mittelschwer bis schwer bezeichnen könne, nicht voll einsetzbar. Ihm seien keine Tätigkeiten, die ein
Reklinieren
der Halswirbelsäule oder ständige Drehbewegungen
sowie schweres Heben oder Tragen von Lasten über 15kg erfordern, zumutbar.
A
us neurologischer Sicht
zeige sich
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit. Aus allgemein-internistischer Sicht sei der Beschwerdeführer in der zuletzt aus
geübten Tätigkeit nicht arbeitsfähig. Dies aufgrund der chronischen
Bein
schmerzen
links bei hochgradigem Verdacht auf postthrombotisches Syn
drom bei Status nach tiefer 4-Etagenbeinvenenthrombose links mit Ver
schluss der gesamten tiefen Bein- und Beckenvenen links bis zur
Cavabifur
kation
. Aus psychiatrischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit in der zuletzt aus
geübten Tätigkeit uneing
e
schränkt.
Polydisziplinär sei damit die orthopädi
sche und allgemein-internistische Beurteilung führend. Es bestehe keine Ar
beitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit (S. 48 f. Ziff. 9.1.1.).
Aus orthopädischer und allgemein-internistischer Sicht bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bezogen auf ein 100%-Pensum in einer vollständig adap
tierten Tätigkeit ab Gutachtenzeitpunkt (1
3.
Februar 2014). Die Leistungsfä
higkeit sei in einer adaptierten Tätigkeit weder aus neurologischer noch psy
chiatrischer Sicht beeinträchtigt. Polydisziplinär sei damit in einer adaptier
ten Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bezogen auf ein 100%-Pensum gegeben, dies ab Gutachtenzeitpunkt (1
3.
Februar 2014; S. 49 Ziff. 9.2.1.).
Der psychiat
rische Gutachter führte aus, Symptome einer posttraumatischen Störung hätten sich keine gefunden. Bei der Suche nach depressiven Symp
tomen hätten sich nur milde Symptome einer leichten Depression, haupt
sächlich
dysphorische
Stimmung, etwas diffuse Schuldgefühle, manchmal Suizidgedanken und Schlafstörungen gefunden. Insgesamt habe der Be
schwerdeführer während des Untersuchungsgespräches mehr eine vorwurfs
volle, fordernde und verbitterte Haltung als eine depressive, resignative oder ängstliche Haltung gezeigt
(S. 24 Ziff. 5.3.1
.
)
.
Die neuropsychologische Gutachterin
führte aus, es bestünde eine deutliche Diskrepanz zwischen der testpsychologisch erhobenen Leistungsfähigkeit und dem Fähigkeitsniveau im Alltag.
Der Beschwerdeführer habe angegeben, alleine zu wohnen sowie kleinere Fahrten mit dem Auto zu machen. Würde das gezeigte Leistungsbild die tatsächliche geistige Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers widerspiegeln, würde eine unabhängige Lebensführung schwer
lich möglich und die Fahreignung nicht gegeben sein.
Aus neuropsy
chologischer Sicht würden sich aus der Zusammenschau der
Verhaltensbeob
achtung
, des Testprofils und der Ergebnisse der Symptomvalidierung Hin
weise für vor allem nicht authentische neuropsychologische Störungen und ein Überbetonen der Schmerz- und depressiven Symptomatik ergeben.
Dabei könne nicht geschlossen werden, dass keine kognitive
n
Einbussen vorl
ägen
. D
ie Abschätzung eventuell tatsächlich vorhandener Leistungseinbussen sei auf der Grundlage der vorliegenden Testergebnisse jedoch nicht möglich. Weder könnten Art und Ausmass
kognitiver Defizite angegeben noch Ein
schränkungen der Arbeitsfähigkeit oder
die
Fahreignung aus neuropsycholo
gischer Sicht beurteilt werden. Mit den in den Akten beschriebenen D
iag
nosen einer Halswirbelsäulend
istorsion und einer mittelgradigen Depression seien die erhobenen IV Minderleistungen nicht zu vereinbaren. Unter Berück
sichtigung des Gutachtenskontextes weise das neuropsychologische Profil mit
Ergebnissen auf oder sogar unter Zufallsniveau und extrem verlangsamten Reaktionszeiten auf eine bewusstseinsnahe Aggravation oder Simulation kognitiver Beeinträchtigungen hin. Die Ergebnisse der aktuellen neuropsy
cho
logischen Untersuchung seien daher insgesamt als nicht valide einzu
schätzen und würden auf eine nicht ausreichende Anstrengungsbereitschaft hindeuten
(S. 24 f. Ziff. 5.3.2
).
Im Mai 2012 habe der Psychiater, Herr
F._
, eine mittelgradige depressive Störung mit somatischem Syndrom sowie eine generalisierte Angststörung und posttraumatische Belastungsstörung beschrieben. Die Symptome, die im Bericht beschrieben worden
seien
, seien mit einer mittelgradigen
depressiven Störung vereinbar. Ob zusätzlich eine generalisierte Angststörung
vorhanden gewesen sei, sei aus den Akten nicht ersichtlich. Eine posttraumatische Belastungsstörung trete gemäss ICD nur nach einem „Ereignis oder Situation aussergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophalen Ausmasses, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde“, auf. Der Auffahr
unfall, den der Beschwerdeführer erlebt habe, falle nicht darunter, weshalb im
Zusammenhang mit diesem Unfall auch nicht von einer posttraumatischen Belastungsstörung zu sprechen sei.
Im Bericht des
I._
vom
7.
August 2013
werde erneut die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode sowie neu die einer
somatoformen
Schmerzstörung
gestellt
. Diese Diagnose werde im Bericht nicht diskutiert. Aus heutiger Sicht scheine diese Diagnose jedoch hinsichtlich der Diskrepanz zwischen den subjektiv
empfundenen Beschwerden und dem
nachweisbaren somatischen Korrelat und anhand der psychischen Reaktion auf den Unfall und der Unfallfolgen berechtigt zu sein (S. 26 Ziff. 5.4.2
.
).
Eine Angststörung sei bei der aktuellen Untersuchung nicht mehr nachweis
bar gewesen. Die depressive Störung sowie die auffällige Verbitterung und Vorwurfshaltung hätten sich im Anschluss an den Unfall und
die daraufhin
empfundenen somatischen Beschwerden entwickelt. Am ehesten könnten diese
Symptome als eine chronische Anpassungsstörung im Sinne von DSM-IV 309.0 diagnostiziert werden.
Im Rahmen dieser chronischen
Anpassungsstö
rung
könnten sowohl die depressive Reaktion als auch die anderen Sympto
me gut verstanden werden (S. 26 Ziff. 5.4.3
.
).
Eine mitwirkende, psychisch ausgewiesene Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer sei nicht vorhanden. Ein ausge
wiesener sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens sei nicht erwiesen. Von einem verfestigten, therapeutisch nicht mehr angehbaren
innerseeli
schen
Verlauf könne zwar ausgegangen werden, ein primärer
Krankheitsge
winn
beziehungsweise Flucht in die Krankheit sei jedoch nicht eindeutig
eruierbar
. Die Behandlungsergebnisse
bezüglich
der depressiven Störung seien befriedigend,
hinsichtlich der Schmerzempfind
ung jedoch unbefriedi
gend. Insgesamt seien die Foerster-Kriterien nicht
erfüllt
. Aus psychiatrisch-versicherungsmedizinischer Sicht sei die
leistbare
Willensanstrengung des
halb nicht wesentlich herabgesetzt (S. 27 Ziff. 5.4.5).
Die Arbeitsunfähigkeit von 100 %, welche am 2
1.
Januar 2014 dur
ch
das
J._
,
N._
, attestiert worden sei, sei aufgrund einer angeblich vorhandenen mittelgradigen depressiven Episode atte
stiert worden. Zusätzlich seien mehrere kognitive Defizite beschrieben
worde
n
. Bei der aktuellen Untersuchung wenige Wochen nach der Untersuchung durch das
J._
s
eien weder eine mittelgradige de
pressive Episode noch irgendwelche relevanten kognitiven Defizite festgestellt worden. Deshalb sei aus heutiger Sicht die 100%ige Arbeitsunfähigkeit, die vor wenigen Wochen attestiert worden sei, absolut nicht nachvollziehbar
(S. 28 Ziff. 5.10)
.
3.14
Mit Stellungnahme vom 17. April 2014 (Urk. 6/79) führten die Gutachter der MEDAS
Z._
aus, dass die 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten
Tätigkeit ab Gutachtenszeitpunkt datiert worden sei, da eine seriöse Ein
schätzung aufgrund der Aktenlage in der Zeit davo
r
nicht möglich sei.
3.1
5
Dr.
med.
L._
, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Trau
matologie des Bewegungsapparates, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), empfahl mit Stellungnahme vom
2.
Mai 2014
(Urk. 6/85/7), auf das Gutachten der MEDAS
abzustellen. Folglich solle ab 28.
Januar 2011 von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit und ab
Gut
achtenszeitpunkt
vom
13.
Februar 2014 von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit ausgegangen werden. Für die Zeit ab 28.
Januar 2011 bis 13.
Februar 2014 könne den Akten keine schlüssigen Angaben für die Arbeitsfähigkeit in angepas
ster Tätigkeit entnommen werden
.
3.1
6
Die
Fachpersonen
des
J._
nannten mit
Bericht vom 20. Oktober 2014 (Urk. 6/87)
bis auf eine
Glukosurie
dieselben Diagnosen wie im letzten Be
richt vom
21. Januar 2014
(vgl. vorstehend E. 3.12)
und führten aus, das Gutachten der MEDAS
vom 27. März 2014 sei fehlerhaft. So sei unter ande
rem d
as Unfalldatum nicht richtig wi
dergegeben worden. Der Unfall sei am 2
8.
Januar 2011 und nicht wie auf S. 19 des Gutachtens behauptet, am 28. Juni 2011 gewesen. Zudem fehle eine aktuelle Anamnese aus psychiatri
scher Sicht. Auch jegliche Beschwerdeaufnahme fehle. Da
der
psychiatrische Gutachter die Symptome gar nicht erfragt habe, würden sich auch keine entsprechenden Diagnosen ergeben. Die ICD-10 Kriterien für eine mittelgra
dige depressive Episode (ICD-10 F32.1) seien vollständig erfüllt. Weiter
sei
der Tagesablauf deutlich beschönigend und offenbar auch wieder nicht vom Psychiater aufgenommen worden.
4.
4.
1
Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers stellte die Beschwerdegegnerin - der Stellungnahme des RAD folgend
(vorstehend E. 3.15) - auf das polydisziplinäre Gutachten der MEDAS
vom 27. März 2014
(vorstehend E. 3.1
3
) ab.
Das Gutachten berücksichtigte die
vom Beschwerde
führer
geklagten Beschwerden in angemessener Weise, wurde in Kenntnis und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
erstattet und trägt der konkre
ten medizinischen Situation Rechnung. Die Beurteilung leuchtet in der Dar
legung der medizinischen Zusammenhänge ein und die Schlussfolgerungen zu Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit werden ausführlich begründet. Die Beur
teilung durch die Gutachter der MEDAS
ist nach dem Gesagten für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend. Das Gutachten erfüllt
damit die praxisgemässen Kriterien für beweiskräftige ärztliche
Entscheidungs
grundlagen
(vorstehend E.
1.
8
) vollumfänglich, so dass für die
Entscheidfin
dung
darauf abgestellt werden kann.
4.2
Was den
somatisch
en
Zustand betriff
t, wurde im Gutachten
nachvollziehbar ausgeführt, dass
der Beschwerdeführer
an einer chronischen
Cervicocephalgie
bei Kopfgelenksstörungen und einer Arthrose des
Atlanto
-Axial-Gelenkes
leidet und
seit
dem
Auffahrunfall
am 28. Januar 2011
in
s
einer
angestamm
t
en Tätigkeit als
Isoleur
vollständig arbeitsunfähig ist.
Soweit die
behandelnde
n
Ärzte
in somatischer Hinsicht
eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit
auch in angepasster Tätigkeit
diagnostizierten,
vermögen
sie das Gutachten
nicht in Frage zu stellen.
Es
gilt zu berücksichtigen, dass das Ge
richt nach der Rechtsprechung Gutachten externer Spezialärzte, welche von Versicherungsträgern im Verfahren nach
Art.
44 ATSG eingeholt wurden und den einschlägigen Anforderungen entsprechen, vollen Beweiswert zuerkennt, solange - wie vorliegend - keine konkreten Indizien gegen die Zuverlässig
keit der Expertise sprechen. Demgegenüber stehen die behandelnden Ärztin
nen und Ärzte in einem auftragsrechtlichen Verhältnis zur versicherten Per
son und haben sich zudem in erster Linie auf die Behandlung zu konzentrie
ren. Ihre Berichte verfolgen daher nicht den Zweck einer den
abschliessenden
Entscheid über die Versicherungsansprüche erlaubenden objektiven Beurtei
lung des Gesundheitszustandes und erfüllen deshalb kaum je die materiellen Anforderungen an ein Gutachten
gemäss
BGE 125 V 351 E. 3a. Aus diesen Gründen und aufgrund der Erfahrungstatsache, dass Hausärzte - beziehungs
weise
regelmässig
behandelnde Spezialärzte (vgl. Urteil des
Bundesgerichts I 551/06 vom 2.
April
2007 E.
4.2) - mitunter im Hinblick auf ihre
auftrags
rechtliche
Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen, kommt im Streitfall ein direktes Abstellen einzig gestützt auf die Angaben der behandelnden Ärztinnen und Ärzte nur selten in Frage (vgl. das Urteil des Bundesgerichts 8C_1055/2010 vom 1
7.
Februar 2011 E. 4.1).
Der orthopädische Gutachter kam in Kenntnis und in Auseinandersetzung mit den vorhandenen Akten
und Aufnahme des orthopädischen Status
nach
vollziehbar zum Schluss, dass
zwar die Einsatzfähigkeit des Beschwerdefüh
rers aufgrund des
chronifizierten
Schmerzzustandes in einem handwerklichen Beruf, wo auch Trittsicherheit, Klettern und Besteigen von Gerüsten erforder
lich sei
en
, nicht möglich erscheint, ihm jedoch
Tätigkeiten, die
k
ein
Reklinie
ren
der Halswirbelsäule, oder ständige Drehbewegungen, sowie schweres Heben oder Tragen von Lasten über 15
kg erfordern, zumutbar sind
(Urk. 6/
76
S. 34 Ziff. 6.4.4.)
.
Es liegen keine konkreten Indizien vor, welche gegen die Zuverlässigkeit dieser Expertise sprechen.
Die Beurteilungen der behandelnden Ärzte vermögen das Gutachten umso weniger in Frage zu stellen, als bei der Aufnahme der subjektiven Angaben des Versicherten Auffälligkeiten festgestellt wurden. So drehte der Beschwer
deführer den Kopf zu Beginn nur um 10°, im weiteren Verlauf des Gesprächs, insbesondere bei emotionalen Inhalten, die nichts mit den körperlichen Beschwerden zu tun haben, hat er ein praktisch unauffälliges Drehen des Kopfes um mindestens 30 bis 40°, sehr häufig nach rechts, da der Übersetzer auf seiner rechten Seite sass, gezeigt. Diese natürliche Beweglichkeit blieb
bestehen bis praktisch zum Ende der Untersuchung. Als er aufgefordert wurde
, den Kopf aktiv zu drehen, konnte er den Kopf erneut nur um 10° nach rechts drehen, unter massivster Schmerzbekundung (
Urk. 6/76
S. 18 Ziff. 3). Auch der orthopädische Gutachter stellte eine gewisse Verdeutlichungstendenz der beklagten Nacken- und Beinschmerzen fest
(vorstehend E. 3.13)
.
Selbst der behandelnde Rheumatologe des
I._
stellt
e
Auffälligkeiten fest. So führte er aus,
bei der Prüfung der Halswirbelsäulenb
eweglichkeit werde bei kleinsten Rotationsbewe
gungen direkt gegen
gespannt. Ausserhalb der
Untersuchungs
situation
sei
jedoch ohne Schmerzgrimassieren eine un
eingeschränkte
Hals
wirbelsäulenb
eweglichkeit
flüssig möglich (Urk. 6/70 S. 5 Mitte).
Im Sinne eines Zwischenfazits ist festzuhal
ten, dass der Beschwerdeführer
aus somatischer Sicht in einer behinderungsangepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig ist.
4.
3
Der Beschwerdeführer macht geltend,
auch
aufgrund seiner psychischen Be
schwerden nicht mehr arbeitsfähig zu sein
(vorstehend E. 2.2)
. Die
Beschwer
degegnerin
erachtet i
h
n indes gestützt auf das MEDAS-Gutachten in einer angepassten Tätigkeit
als
vollständig arbeitsfähig
(vorstehend E. 2.1)
.
4.
4
Dr.
F._
nannte im
Mai 2012 sowie im
Januar
und April
2013 als Diag
nose eine
mittelgradige depressive
Episode
mit soma
tischem Syndrom
.
Die
Fachpersonen
de
s
I._
und
J._
diagnostizierten
im August 2013 bezie
hungsweise im Januar 2014
ebenfalls eine mittelgradige depressive Episode
.
Hingegen konnte d
er psychiatrische MEDAS-Gutachter im Februar 2014 nur milde Symptome einer leichten Depression finden. Typische Symptome einer depressiven Kognition oder Affektivität
fand er
keine
. Vielmehr legte er schlüssig dar, dass sich die depressive Störung sowie die auffällige Verbitte
rung und Vorwurfshaltung im Anschluss an den Unfall und
die daraufhin
empfundenen somatischen Beschwerden entwickelt haben und diese Symp
tome am ehesten
unter der Diagnose einer
chronische
n
Anpassungsstörung
subsum
iert werden können.
Wiederum zu berücksichtigen gilt es die
auftrags
rechtliche
Stellung der behandelnden Ärzte
und den Umstand, dass das Ge
richt Gutachten externer Spezialärzte vollen Beweiswert zuerkennt, solange keine konkreten Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen
(vorstehend E. 4.2).
Solche Indizien bestehen vorliegend nicht.
Daran vermag auch die vom Beschwerdeführer und von den Fachpersonen des
J._
geäusserte Kritik am psychiatrischen Teil des MEDAS-Gutachten
s
(vorstehend E. 2.2 und E. 3.14), insbesondere zum Negieren einer mittelgra
digen depressiven Episode, nichts zu ändern.
Der Aussagegehalt des Gutach
tens wird weder durch einen Schreibfehler noch dadurch geschmälert, dass bei der Anamnese grundsätzlich auf die eines anderen Gutachters verwiesen wurde. Der psychiatrische Gutachter der MEDAS kam nach sorgfältiger Erhe
bung des Psychostatus und unter Würdigung der vorhandenen Akten und der neuropsychologischen Untersuchung nachvollziehbar zum Schluss, dass keine mittelgradige depressive Episode vorliegt.
In Bezug auf die gerügte Dauer
der psychiatrischen Begutachtung
(Urk.1 S. 8 Ziff. 23) ist festzuhalten,
dass es für den Aussagegehalt einer ärztlichen Stellungnahme rechtsprechungsgemäss nicht auf die Dauer der Untersuchung ankommt. Massgeblich ist vielmehr, ob der Bericht inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist (Urteil des Bundesgerichts 9C_252/2012 vom
7.
September 2012 E. 8.2).
Trifft dies - wie hier - zu, ist die
Untersuchungs
dauer
grundsätzlich nicht entscheidend.
Selbst wenn
davon
aus
zugehen wäre
, dass von den behandelnden Ärzte
n
für die Zeit vor der Begutachtung zu Recht eine mittelgradige depressive Episode diagnostiziert wurde, würde es sich nicht um ein therapieresistentes Leiden handeln und wäre somit invalidenversicherungsrechtlich nicht relevant (vgl. vorstehend E. 1.
5
), da der psychiatrische Gutachter eine solche nicht mehr feststellen konnte.
S
oweit
der Beschwerdeführer
geltend macht
,
dass
er
aufgrund einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit aus psychiatrischer Sicht
zumindest
Anspruch auf eine befristete
Rente
hat
(Urk. 1 S. 8 Ziff. 22)
, steht
dies
im Übrigen
in Diskrepanz zu seiner Angabe gegenüber der Arbeitslosenkasse
des Kantons Zürich
, vermittelbar zu sein
, woraufhin ihm ab 1. Februar 2012 Taggelder der Arbeitslosenkasse ausbezahlt worden sind (vgl. Urk. 6/24)
.
Damit
ist aus psychiatrischer
Sicht
auch in der
Vergangenheit
keine
länger andauernde
Arbeitsunfähigkeit
ausgewiesen
.
4.5
Die von Dr.
F._
diagnostizierte generalisierte Angststörung (ICD-10 F43.
1)
konnte
vom
p
sychiatrischen Gutachter
eb
enfalls nicht bestätigt werden.
Auch die von Dr.
F._
diagnostizierte
posttraumatische Belastungs
störung (ICD-10 F43.1)
negierte
der psychiatrischen Gutachter
klar und nach
vollziehbar
(vorstehend E. 3.12)
.
4.
6
Der psychiatrische Gutachter nannte keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Als solche ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
stellte
er
eine chronische Anpassungsstörung (DSM-IV: 309.9) und
– in Überein
stimmung mit den
Fachpersonen
des
I._
und
J._
-
eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
fest
(vorstehend E. 3.1
2.
Die Anpassungsstörung stellt definitionsgemäss ein lediglich vorübergehen
des Leiden dar beziehungsweise bildet keine hinreichend ausgeprägte Psy
chopathologie. Vielmehr liegt sie im Grenzbereich dessen, was überhaupt noch
als krankheitswertig im Sinne des Gesetzes und potenziell invalidisie
rendes Leiden gelten kann (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_76/2014 vom 3
0.
April 2014 E.
3.2 mit Hinweis auf das Urteil 9C_153/2012 vom 1
5.
Okto
ber 2012 E. 4.3).
4.
7
Nachfolgend zu
p
rüfen ist, ob die diagnostizierte chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren invalidisierenden Charakter hat.
Wie erwähnt (vorstehend E.
1.3
),
hat das Bundesgericht
m
it BGE 141 V 281 seine bisherige Rechtsprechung zur Invaliditätsbemessung bei Schmerzstö
rungen ohne erkennbare organische Ursache und vergleichbaren psychoso
matischen Leiden
angepasst.
Der Beschwerdeführer machte geltend, dass auf das MEDAS-Gutachten aufgrund
dieser
Änderung der Rechtsprechung nicht mehr abgestellt werden könne (vgl. vorstehend E.
2.2).
Das MEDAS-Gutachten
wurde im
März
2014 und demnach vor der Recht
sprechungsänderung von BGE 141 V 281 verfasst. Damit verliert es seinen Beweiswert indes nicht per se. Zu prüfen ist vielmehr, ob das Gutachten – gegebenenfalls im Kontext mit weiteren fachärztlichen Berichten – eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgeblichen Indikatoren erlaubt oder nicht (vgl. BGE 141 V 281 E. 8).
Zur Kategorie „funktioneller Schweregrad“ ist festzuhalten, dass de
r Be
schwerdeführer
sowohl am Morgen als auch am Nachmittag
Zeit
draussen
verbringt
. Am Morgen
geht er in die Migros, ins Restaurant und
trifft sich
mit Kollegen im Café.
Sein Cousin sowie dessen Frau besuchen ihn ab und zu, um ihm im Haushalt zu helfen
(Urk. 6/76 S. 19)
.
Zudem hat er ein sehr gutes Verhältnis zu seiner getrennt lebenden Ehefrau und sieht sie regel
mässig (S. 46 Ziff. 8.2.1).
Schliesslich sind Ferien im
M._
mit dem Auto
dokumentiert (S. 19 Ziff. 3.2).
Von einem ausgewiesenen sozialen Rückzug in allen Belangen des Lebens kann damit kei
ne Rede sein
.
Auffällig
sind
zudem
das Überbetonen der Schmerz- und depressiven Symp
tomatik, welche im Rahmen der neuropsychologischen Untersuchung festge
stellt worden
sind
.
So stellte die Gutachterin fest, d
er Beschwerdeführer habe
angegeben, alleine zu wohnen sowie kleinere Fahrten mit dem Auto zu mache
n. Würde das gezeigte Leistungsbild die tatsächliche geistige Leis
tungs
fähigkeit des Beschwerdeführers widerspiegeln, würde eine unabhängige
Lebensführung schwerlich möglich und die Fahreignung nicht gegeben sein
(vorstehend E. 3.12)
.
Der Beschwerdeführer liess sich bisher nur einmal stationär behandeln. Aus dem damaligen Bericht der Ärzte der
C._
ergeben sich Hinweise auf eine eingeschränkte Behandlungsmotivation
(vorstehend E. 3.1)
.
Eine Ko
morbidität wurde
vom psychiatrischen Gutachter
nicht
festgestellt (vo
rstehend E. 3.12).
Wie zuvor erwähnt, stellt die diagnostizierte
Anpas
sungsstörung
nur ein vorübergehendes Leiden dar.
Der Beschwerdeführer verfügt über diverse Ressourcen (S. 27 Ziff. 5.4.4
.
). Einzig die Flexibilität/Umstellfähigkeit und die Durchhaltefähigkeit sind leicht herabgesetzt. Eventuell leicht herabgesetzt sind die Kontaktfähigkeit zu Dritten und
die
Gruppenfähigkeit.
In Bezug auf den Indikator des sozialen Kontextes (BGE 141 V 281 E. 4.3.3) fällt ins Gewicht, dass
sich der Beschwerdeführer zwar
als reizbar und ag
gressiv beschreibt und den Eindruck hat, dass die Leut
e Abstand von ihm nehmen würden, er aber dennoch
über ein soziales Netz
verfügt
.
Zusammenfassend spricht der funktionelle Schweregrad des
Gesundheits
schadens
gegen eine invalidisierende Einschränkung.
Zu prüfen gilt es s
odann die Kategorie Konsistenz
(BGE 141 V 281 E. 4.4 und 4.4.1).
Angesichts dessen, dass der Beschwerdeführer über ein soziales Netz verfügt, kein ausgewiesener sozialer Rückzug besteht,
er
über diverse
Ressourcen verfügt,
die
neuropsychologische Gutachterin
ein Überbetonen der Schmerz- und depressiven Symptomatik festgestellt hat,
liegt ein sehr inkonsistentes Verhalten vor.
Inkonsistentes
Verhalten ist
,
wie erwähnt (vor
stehend E. 1.4)
,
ein Indiz dafür, dass die geltend gemachte Einschränkung anders begründet
ist
als durch eine versicherte Gesundheitsbeeinträchtigung.
Bei dieser Sachlage ergeben sich auch unter Berücksichtigung der
zu beach
tenden
Standardindikatoren keine erheblichen funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten Diagnosen, weshalb
der psychiatrische Gutach
ter
zu Recht
keine psychische Störung mit
Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit zugestanden hat.
Angesichts dessen,
dass
sich die Indikatoren anhand der gutachterlichen Beurteilung genügend beurteilen lassen, drängen sich keine Zusatzfragen auf.
4.
8
Nach dem Gesagten ist mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit ausgewiesen, dass der Beschwerdeführer
seit 2012
in einer ange
passten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig ist.
5.
5.1
Zu prüfen bleibt damit die Ermittlung des Invaliditätsgrades anhand eines Einkommensver
g
leiches.
5.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Valideneinkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegen
den Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen
Ein
kommensentwicklung
angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit erstellt sein (BG
E 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis
).
Der bei der Bemessung des Invalideneinkommens zu berücksichtigenden ausgeglichenen Arbeitsmarktlage (Art. 16 ATSG) ist grundsätzlich auch bei der Festsetzung des
Validenlohnes
Rechnung zu tragen, wobei auf die Ergeb
nisse der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) abgestellt werden kann (Urteil des Bundesge
richts 9C_192/2014 vom 23. Septem
ber 2014 E. 3.2 mit Hinweisen).
Die Beschwerdegegnerin ermittelte das
Valideneinkommen
gestützt auf den
Auszug aus dem individuellen Konto
(Urk. 6/15)
,
wonach
der Beschwerde
führer im Jahr 20
10
ein Jahreseinkommen von Fr. 69‘225.--
erzielt
hat
(Urk. 6/84, Urk. 2)
. Dies wurde weder bestritten noch gibt es zu Beanstan
dungen Anlass
.
Unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung
(2010: 2151 Punkte, 2012: 2188 Punkte;
www.bfs.admin.ch
, Entwicklung der Nomi
nallöhne, der Konsumentenpreise und der Reallöhne)
führt d
ies zu einem
Valideneinkommen
von rund Fr.
70‘416
.--
(Fr. 69‘225.
-- :
2151 x 2188)
.
5.
3
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, nament
lich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit auf
genommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstruktur
erhebungen
(LSE) herangezogen werden (BGE 126 V 75 E. 3b/
aa
und
bb
, vgl. auch BGE 129 V 472 E. 4.2.1). Für die Invaliditätsbemessung wird
praxis
gemäss
auf die standardisierten Bruttolöhne (Tabellengruppe A) abgestellt (BGE 129 V 472 E.
4.2.1 mit Hinweis), wobei jeweils vom sogenannten
Zen
tral
wert
(Median) auszugehen ist. Bei der Anwendung der Tabellengruppe A gilt es ausserdem zu berücksichtigen, dass ihr generell eine Arbeitszeit von 40 Wochenstunden zugrunde liegt, weshalb der massgebliche Tabellenlohn auf die entsprechende betriebsübliche Wochenarbeitszeit aufzurechnen ist (BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 75 E. 3b/
bb
, 124 V 321 E. 3b/
aa
; AHI 2000 S. 81 E. 2a).
Das Invalideneinkommen ermittelte die Beschwerdegegnerin auf der Grund
lage der Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE 2010) und stützte sich dabei auf die Tabelle TA1, alle Branchen, Stufe 4, ab (Urk.
6
/
84
). Dies ist nicht strittig und gibt zu keinen Beanstandungen Anlass.
Damit ergibt sich für das Jahr 2010 ein Einkommen von
Fr.
58‘812.-- (Fr. 4‘901.-- x 12).
Unter Be
rücksichtigung der Nominallohnentwicklung
(2010: 2151 Punkte, 2012: 2188 Punkte; www.bfs.admin.ch, Entwicklung der Nominallöhne, der
Konsumen
tenpreise
und der Reallöhne)
sowie der betriebsüblichen wöchentlichen Arbeits
zeit von 41,7 Stunden (
www.bfs.admin.ch
; Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen) resultiert für das Jahr
2012 ein
Invalidene
in
kommen
von rund Fr. 62‘366.-- (Fr. 58‘812.-- : 40 x 41.7 : 2151 x 2188).
5.4
Der Vergleich des
Valideneinkommens
von
rund
Fr. 70‘416.-- mit dem
Inva
li
deneinkommen
von
rund
Fr. 62‘366.-- ergibt eine Einkommenseinbusse von
Fr. 8‘050.-- und damit einen nicht rentenbegründenden Invaliditätsgrad von rund 11 %. Bei diesem Ergebnis steht dem Beschwerdeführer keine Rente der Invalidenversicherung zu.
6.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass
der Beschwerdeführer in somatischer Hinsicht in der angestammten Tätigkeit als
Isoleur
seit dem 28. Januar 2011 vollständig arbeitsunfähig ist. In einer behinderungsangepassten Tätigkeit ist er hingegen
spätestens seit Ablauf des Wartejahres zu 100 % arbeitsfähig. Bei einem Invaliditätsgrad von rund 11 % steht dem Beschwerdeführer keine Rente der Invalidenversicherung zu.
D
ie angefochtene Verfügung erweist sich damit als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
7.
Der Beschwerdeführer beantragte subeventuell, die Beschwerdegegnerin zu
verpflichten, Eingliederungsmassnahmen durchzuführen (Urk. 1 S. 10 f. Ziff. 30
ff.).
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechtsverhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen
die zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Ve
r
fügung beziehungsweise eines
Einspracheentscheids
– Stellung genom
men hat. Insoweit bestimmt die Verfügung beziehungsweise der
Einsprache
entscheid
den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung beziehungs
weise kein
Einspracheentscheid
ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413
E. 1a).
Der Anspruch auf berufliche Massnahmen bildet vorliegend nicht
Anfech
tungsgegenstand
der Verfügung vo
m
21. Juli 201
5.
Insbesondere wurden be
rufliche Massnahmen im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
nicht beantragt, sondern gar vom Beschwerdeführer selber verneint
(vgl. Urk. 88 S. 4)
. Soweit der Beschwerdeführer berufliche Massnahmen (Eingliederungsmassnahmen) verlangt, ist auf die Beschwerde somit nicht einzutreten. Dem Beschwerde
führer steht es frei, bei der Beschwerdegegnerin
Eingliederungsmassnahmen zu beantragen.
8
.
8
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
9
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie de
m
unterliegenden
Beschwerdeführer
auf
zuerlegen, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf d
ie Gerichtskasse zu nehmen. Der Beschwerdeführer ist auf §
16 Ab. 4 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hin
zuweisen.
8
.2
Mit
Gerichtsv
erfügung vom
3.
November 2015
(Urk. 8) wurde
unter anderem auf die Möglichkeit hingewiesen, dem Gericht vor Fällung des
En
dent
scheides
eine detaillierte Zusammenstellung über den bisherigen Zeitaufwand und die bisher angefallenen Barauslagen ein
zureichen, und dass im
Unter
las
sungsfall
das Gericht die Entschädigung nach Ermessen festsetzt.
Bis dato wurde keine entsprechende Honorarnote eingereicht, weshalb
Recht
s
an
walt
Martin Hablützel
beim
praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer)
ermess
en
sweise
mit Fr.
2‘000
.--
(inkl. Barauslagen und Mehr
wertsteuer) aus der Gerichtskasse zu entschädigen
ist
.