# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** df143d91-a830-4449-9992-82c97b5c705f
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV
Stelle, sprach dem 1964 geborenen
Z._
mit Verfügung vom 10. Dezember 2015 mit Wir
kung ab 1. Juni 2012 eine halbe Rente der Invalidenversicherun
g
samt zweier Kinderrenten zu, wobei die Kinderrenten zufolge Überversicherung gekürzt w
urden
(Urk. 8/
240
= 9/
111
)
. Die Gesamthöhe der bis Ende November 2015 aufgelaufenen
Rentenbetreffnisse
(inklusive
Kinderrentenbetreffnisse
)
betrug Fr. 66'315.--. Gestützt auf Verrechnungs
anträge
wurden von dieser
Nachzah
lungsumme
Fr. 42'928.-- an den Sozialdienst der Stadt
O._
, welcher den Versicherten
von 1. Juni 2012 bis Ende Mai
2015 mit wirtschaftlicher Hilfe
im Gesamtbetrag von Fr. 51'510.65
unterstützt hatte (Urk. 8/
233
= 9/1
37
), und Fr. 13'886.-- an die
Alimentenstelle
der Sozialen Dienste der Stadt Zürich, wel
che die Alimente bevorschusst hatte, die der Versicherte an seine 2004 geborene Tochter
A._
zu leisten gehabt hätte (Urk. 8/
235
=
9/133), ausbezahlt (Urk. 8/
240
= 9/111).
1.2
In der Folge wurde festgestellt, dass der Versicherte als Einzelperson vom Sozialdienst der Stadt
O._
unterstützt worden war und demzufolge
in den ausbezahlten Nachzahlungsbetrag
zu Unrecht
Kinderrentenbetreffnisse
einbezo
gen worden waren.
Mit Vorbescheid vom 6. Oktober 2016 wurde in Aussicht gestellt, dass der zu Unrecht ausbezahlte Betrag in Höhe von Fr. 10'953.-- zu
rückgefordert werde (Urk. 8/
268 S. 2-5
= Urk. 9/47 S. 2-5).
Gleichentags wurde verfügt, dass die Kinderrenten an die sorgeberechtigten Mütter nachbezahlt würden (Urk. 8/265 = 9/48 und 8/266 = 9/50), wobei ein Teil der für
X._
bestimmten Nachzahlung zufolge Vorschussleistungen an die Sozialen Dienste der Stadt Zürich ausgerichtet wurde (Urk. 8/265 = 9/48).
Mit Schreiben vom 10. Oktober 2016 wandte der Sozialdienst der Stadt
O._
gegen die Rückerstattungsverpflichtung
sinngemäss ein, die
Kinderrentenbetreffnisse
seien an die Mütter der beiden Kinder weitergeleitet worden, nämlich Fr. 4'150.-- an
X._
und Fr. 6'803.-- an
Y._
, weshalb man nicht bereit sei, den zu Unrecht ausbezahlten Betrag zurückzuerstatten (Urk. 8/
268 S. 1
= 9/47 S. 1). Mit Verfügung
vom
29. November 2016
wurde der Sozialdienst der Stadt
O._
verpflichtet, den zu Unrecht ausbezahlten Betrag in Höhe von Fr. 10'953.-- zurückzuerstatten
; einer dagegen gerichteten allfälligen Beschwer
de wurde ausserdem die aufschiebende Wirkung entzogen
(Urk. 2 [= 8/
274
= 9/33]).
2.
2.1
Gegen die Verfügung vom 29. November 2016 richtet sich die Beschwerde der Sozialbehörde der Stadt
O._
vom 9. Januar 2017
, mit welcher die Aufhe
bung der Rückerstattungsverpflichtung beantragt wird
(U
rk. 1).
2.2
Mit Beschwerdeantwort vom 8. Mai 2017 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7 und 9/311) und legte die Verfahrensakten auf (Urk. 8/1-281 und 9/1-310).
2.3
Mit Verfügung vom 12. Mai 2017 wurde die der Beschwerde entzogene auf
schiebende Wirkung wiederhergestellt und ein zweiter Schriftenwechsel ange
ordnet (Urk. 10). Mit Eingabe vom 22. Mai 2017 verzichtete die Beschwerdefüh
rerin sinngemäss auf Erstattung einer Replik (Urk. 11). Mit Verfügung vom 29. Mai 2017
wurden
X._
und
Y._
zum Prozess beigela
den (Urk. 12).
Während
Y._
mit Eingabe vom 21. Juni 2017 sinnge
mäss erklärte, sie habe den von der Stadt
O._
erhaltenen Betrag gutgläu
big entgegengenommen und im Interesse ihres Sohnes ausgegeben (Urk. 14), liess sich
X._
innert angesetzter Frist nicht vernehmen. Mit Verfü
gung vom 18. Juli 2017 wurde die Eingabe der Beigeladenen
Y._
den anderen Verfahrensbeteiligten zur Kenntnisnahme zugestellt (Urk. 15).
2.4
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Der Einzelrichter

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Da der Streitwert Fr. 20'000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der Be
schwerde in die einzelrichterliche Zuständigkeit (§ 11 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht [
GSVGer
]).
2.
2.1
Männer und Frauen, denen eine Invalidenrente zusteht, haben für jedes Kind, das im Falle ihres Todes eine Waisenrente der AHV beanspruchen könnte, An
spruch auf eine Kinderrente (Art. 35 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invali
denversicherung [IVG]).
Gemäss Art. 35 Abs. 4
erster Satz
IVG wird die Kinderrente wie die Rente aus
bezahlt, zu der sie gehört, mithin grundsätzlich an den rentenberechtigten Elternteil. Vorbehalten bleiben die Bestimmungen über die zweckgemässe Ver
wendung (Art. 20
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialver
sicherungsrechts [
ATSG
]
) und abweichende zivilrichterliche Anordnungen (Art. 35 Abs. 4
zweiter Satz
IVG). Der Bundesrat kann die Auszahlung für Son
derfälle in Abweichung von Art. 20 ATSG regeln, namentlich für Kinder aus ge
trennter oder geschiedener Ehe (Art. 35 Abs. 4
dritter Satz
IVG). Gestützt auf diese Delegationsnorm hat der Bundesrat in Art. 82 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) festgelegt, dass für die Auszahlung der Renten und der Hilflosenentschädigungen für Volljährige unter anderem Art. 71
ter
der Ver
ordnung über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHVV) sinngemäss gilt. Diese Bestimmung sieht vor, dass die Kinderrente, falls die Eltern des Kin
des nicht oder nicht mehr miteinander verheiratet sind oder getrennt leben, auf Antrag dem nicht rentenberechtigten Elternteil auszuzahlen ist, sofern letzterem die elterliche Sorge über das Kind zusteht und es bei ihm wohnt (Art. 71
ter
Abs. 1 AHVV). Dies gilt auch für eine allfällige Nachzahlung von Kinderrenten; falls der rentenberechtigte Elternteil seine Unterhaltspflicht gegenüber dem Kind erfüllt hat, steht ihm allerdings die Nachzahlung im Umfang der monatlich er
brachten Leistungen zu (Art. 71
ter
Abs. 2 AHVV).
2.2
Der Anspruch auf Sozialversicherungsleistungen ist weder abtretbar noch
ver
pfändbar
(Art. 22 Abs. 1 ATSG); Nachzahlungen von Leistungen können jedoch unter anderem der öffentlichen Fürsorge abgetreten werden, soweit sie Vor
schusszahlungen leistet (Art. 22 Abs. 2 ATSG).
Die Nachzahlung darf der bevor
schussenden Stelle höchstens im Betrag der Vorschussleistung und für den Zeit
raum, in welchem diese erbracht worden ist, ausbezahlt werden (Art. 85
bis
Abs. 3 IVV).
2.3
Unrechtmässig bezogene Leistungen sind zurückzuerstatten (Art. 25 Abs. 1 er
ster Satz ATSG), wobei nebst dem Be
züger auch Dritte oder Behörden
, denen Geldleistungen zur Gewährleistung zweckgemässer Verwendung nach Art. 20 ATSG oder den Bestimmungen der Einzelgesetze ausbezahlt respektive an wel
che die Leistungen nachbezahlt wurden, rückerstattungspflichtig sind (Art. 2 Abs. 1 und 2 der Verordnung über den allgemeinen Teil des Sozialversiche
rungsrechts [ATSV]).
Wenn allerdings ein Inkasso- beziehungsweise Zahlstel
lenverhältnis vorliegt, ergeben sich für den Dritten keine eigenen Rechte und Pflichten aus dem Leistungsverhältnis; entsprechend ist
er
in einem solchen Fall nicht zur Rückerstattung verpflichtet (
Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Auflage, Zü
rich/Basel/Genf 2015, N 35 zu Art. 25).
3.
3.1
Der Sozialdienst der Stadt
O._
unterstützte den Versicherten als Einzelper
son mit wirtschaftlicher Hilfe. Entsprechend hätten die
Kinderrentenbetreffnisse
nicht in den an die Stadt
O._
auszurichtenden Nachzahlungsbetrag einbe
zogen werden dürfen.
Ab Beginn des Anspruchs auf eine halbe Invalidenrente am 1. Juni 2012 bis Ende Mai 2015
sind
ohne Kinderrentenansprüche
Renten
betreffnisse
in Höhe von
Fr.
31'975.-- (7 x Fr. 882.-- + 24 x Fr. 889.-- und 5 x Fr. 893.--) aufgelaufen
(
Urk.
8/240 S. 2 =
Urk.
9/111 S. 2)
. Der Stadt
O._
, welche den Versicherten bis Ende Mai 2015 mit wirtschaftlicher Hilfe unter
stützt hatte, hätte
daher
bloss diese Summe ausbezahlt werden dürfen. Beim darüber hinaus ausgerichteten Betrag handelt es sich somit um eine Leistung, welche
an eine nichtberechtigte Stelle ausbezahlt worden war
.
Die verfügte Nachzahlung der Kinderrenten an die Stadt
O._
erweist sich
bei dieser Sachlage
als zweifellos unrichtig. Da es um zwei Kinderrenten für einen Zeit
raum von 36 Monaten geht, ist die Berich
tigung von erheblicher Bedeutung. Die Verwaltung durfte
demzufolge
wieder
erwägungsweise auf die Verfügung zurückkommen (Art. 53 Abs. 2 ATSG) und die zu Unrecht ausgerichteten Leis
tungen von der Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 25 ATSG
grundsätzlich
zurückfordern (vgl. dazu Kieser,
a.a.O.
, N 38 zu Art. 25).
3.2
Die Beschwerdeführerin
anerkennt
, dass der ausbezahlte Betrag im Umfang der einbezogenen
Kinderrentenbetreffnisse
nicht mit der an den Versicherten im fraglichen Zeitraum ausgerichteten wirtschaftlichen Hilfe verrechnet werden durfte, sondern den sorgeberechtigten Elternteilen der Kinder zustand.
D
ie
ent
sprechende
Summe
in Höhe von Fr. 10'953.-- zahlte sie daher im März respek
tive Juni 2016 an die Mütter der betroffenen Kinder aus
, nämlich Fr. 4
'150.-- an
X._
und Fr. 6'803.-- an
Y._
(vgl. Urk. 3/4 und 3/5).
3.3
Gegen die Rückforderung
wendet
die Beschwerdeführerin
nun ein, dass sie als Inkasso- respektive Zahlstelle zu
betrachten sei (Urk. 1 S. 3 f.)
.
Als Zahlstelle wird ein Dritter bezeichnet, an welchen ein Schuldner mit Ermächtigung des Gläubigers
mit
befreiender Wirkung
leisten kann; die Ermächtigung kann bei Begründung der Forderung oder nachträglich, ausdrücklich oder stillschweigend sowie durch vertragliche Abrede oder einseitiges Rechtsgeschäft erteilt werden (Gauch/
Schluep
/Schmid/Emmenegger, Schweizerisches Obligationenrecht, All
gemeiner Teil, 10. Auflage, Z
ürich/Basel/Genf 2014, N 2086). Mangels einer ausdrücklichen Ermächtigung der Beschwerdeführerin zur Entgegennahme von Zahlungen der Beschwerdegegnerin zugunsten der Kindsmütter stellt sich die Frage, ob die Ermächtigung konkludent erteilt wurde.
Nach den Aussagen von
X._
wurde sie von der Beschwerdeführe
rin informiert, dass dem Kindsvater zufolge eingetretener Invalidität eine akzessorische Kinderrente für ihre Tochter zugesprochen worden sei. Ein Teil der
Kinderrentenbetreffnisse
sei ihr
daraufhin von der Beschwerdeführerin
mit dem Vermerk
überwiesen worden
, die anderen
Betreffnisse
seien dem Kinds
vater ausgerichtet worden
. Vom Kindsvater habe sie allerdings weder etwas er
halten, noch sei sie von jenem orientiert worden (Urk. 9/97).
Auch die Beigela
dene
Y._
erklärte, dass sie von der Beschwerdeführerin kontaktiert
und ihr mitgeteilt worden sei,
dass eine Kinderrente zur Invalidenrente des Va
ters fällig geworden sei. Daraufhin sei ihr das Geld ohne weitere Formalitäten auf ihr Konto überwiesen worden (Urk. 14). Wenn die Berechtigten die als
Kin
derrentenbetreffnisse
deklarierten Zahlungen ohne Widerspruch entgegennah
men, haben sie die Beschwerdeführerin
aber nachträglich
zur Entgegennahme der
Rentenbetreffnisse
mit befreiender Wirkung in konkludenter Weise ermäch
tigt. Daran ändert nichts, dass
zwischen der Beschwerdeführerin und
beide
n
sorgeberechtigten Mütter
n zuvor keine Rechtsbeziehung bestand, da letztere
weder in der Stadt
O._
wohnhaft waren
noch dort
Sozialhilfeleistungen bezogen haben. Irrelevant ist schliesslich, dass die Stadt
O._
Beträge in unterschiedlicher Höhe an die Beigeladenen ausbezahlt hatte; dieser Umstand wirkt sich bloss auf die
Höhe der
jeweiligen
Restschuld aus.
Wenn die Beschwerdeführerin aber als Zahlstelle für die beiden sorgeberechtig
ten Mütter fungierte, kann sie nicht zur Rückerstattung de
s
zunächst fälsch
lich
erweise
ausbezah
lten Betrages angehalten werden.
3.
4
Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass d
ie Beschwerdegegnerin
in Kenntnis des Umstandes, dass mindestens ein Teil des fälschlicherweise an die Beschwerdeführerin ausbezahlten Betrages bereits an
X._
überwie
sen worden war (vgl. Urk. 9/97),
die Nachzahlung der Kinderrenten an die sor
geberechtigten
Mütter angeordnet
hat
(Verfügungen vom 6. Oktober 2016, Urk. 8/265 = 9/4
8
und 8/266 = 9/50
, wobei ein Teil der für
X._
be
stimmten Nachzahlung zufolge Vorschussleistungen an die Sozialen Dienste der Stadt
P._
ausgerichtet wurde).
4.
Nach dem Gesagten
kann die Beschwerdeführerin nicht dazu verpflichtet wer
den, der Beschwerdegegnerin
denjenigen Betrag zurückzuerstatten, welcher den ihr ausbezahlten
Kinderrentenbetreffnissen
in Höhe von Fr. 10'953.-- entspricht.
Die Rückforderungsverfügung vom 29. November 2016 ist
daher in Gutheissung der Beschwerde ersatzlos aufzuheben.
5.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr.
6
00.-- festzulegen und ausgangsgemäss von der Beschwerde
gegnerin
zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).