# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 62ac75ef-389a-441f-a574-904deabfb751
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt
A. Am A._ 2005 wurde A._ als Tochter von C._ und F._ geboren. Die Eltern sind nicht miteinander verheiratet und die Mutter hat das alleinige Sorgerecht über A._ inne. Zum Vater bestehe keinen Kontakt.
B. Seit dem 9. April 2013 besteht für A._ eine Beistandschaft mit besonderen Befugnissen im Bereich persönlicher Verkehr (Art. 308 Abs. 2 ZGB), die mit Entscheid vom 4. November 2014 um die Unterstützung in erzieherischen Belangen erweitert wurde. Mit der Mandatsführung ist G._ betraut.
C. Am 5. Mai 2020 ging eine Meldung einer Oberärztin und einer Psychologin der Kinder- und Jugendpsychiatrie Graubünden (nachfolgend kjp) bei der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (nachfolgend KESB) Nordbünden ein. A._ befinde sich laut Meldung seit dem 20. Februar 2020 auf H._. Die Einweisung sei auf Wunsch von A._ und in Zusammenarbeit mit der Mutter erfolgt. Laut der Meldung sei A._ in der Zeit zwischen dem 1. April und dem 8. April 2020 in eine geschlossene Station der I._ verlegt worden, nachdem sie suizidale Äusserungen gemacht habe und nicht mehr absprachefähig und kooperativ gewesen sei. Sie sei dort freiwillig eingetreten, sei dann aber von der I._ für die Maximaldauer von drei Tagen zurückbehalten worden (vorinstanzliches act. 112). Am 8. April 2020 sei A._ wieder in die jugendpsychiatrische Station zurückgekehrt. Nun, im Mai 2020, wolle A._ die Station verlassen. Sowohl die Oberärztin als auch die Psychologin sei aber der Ansicht, dass A._ auf eine enge Begleitung im Alltag angewiesen sei, beispielsweise durch enge Familienbegleitung.
D. Mit Schreiben vom 12. Mai 2020 teilte die KESB Nordbünden der Mutter von A._ mit, dass ein Abklärungsverfahren eröffnet worden sei.
E. Am 1. Juni 2020 informierte die Kantonspolizei Graubünden die KESB Nordbünden darüber, dass A._ durch die Polizei in eine geschlossene Station der J._, überführt worden sei. Dies, nachdem Dr. med. K._ eine fürsorgerische Unterbringung ausgestellt habe. Gemäss Aktennotiz der KESB Nordbünden sei die fürsorgerische Unterbringung ausgesprochen worden, nachdem A._ auf einer Brücke suizidale Absichten geäussert habe.
F. Am 2. Juni 2020 teilte Dr. med. L._ der KESB Nordbünden mit, dass die fürsorgerische Unterbringung von A._ aufgehoben werde und sie
3 / 9
aus der Klinik entlassen werde. In Gesprächen mit A._ sei deutlich geworden, dass sie nicht tatsächliche Suizidabsichten habe. Sie sei aber mit einer geplanten Verlegung in das Schulheim M._ nicht einverstanden. Am 4. Juni 2020 ging der Entlassungsentscheid der psychiatrischen Dienste Graubünden (nachfolgend PDGR) bei der KESB Nordbünden ein. In diesem Entscheid der PDGR wurde betont, dass es wichtig sei, eine verbindliche Nachbetreuung für A._ sicherzustellen. Zu diesem Zweck schlug Dr. med. L._ eine Unterbringung A._ im Schulheim M._ weiterhin vor.
G. Am 8. Juni 2020 fand ein Gespräch mit der Mutter von A._, C._, in den Räumlichkeiten der KESB Nordbünden statt. C._ schilderte während des Gesprächs mit N._, fallführendes Behördenmitglied, dass A._ unter grossem Druck gestanden habe, sich jetzt aber besser fühle. Sie, C._, sei mit einer Einweisung A._ in eine geeignete Einrichtung einverstanden, solange dies auf freiwilliger Basis geschehe.
H. Am 8. Juni 2020 meldete der Beistand von A._, G._, dass sich A._ ihm gegenüber damit einverstanden erklärt habe, eine Therapie in der I._ zu machen. Andere Heime und Einrichtungen würde sie hingegen ablehnen.
I. In der Zeit zwischen dem 8. Juni 2020 und dem 11. Juni 2020 traf der Beistand G._ Abklärungen betreffend eine Anschlusslösung für A._.
J. Am 10. Juni 2020 ging der Austrittsbericht der kjp Chur bei der KESB Nordbünden ein.
K. Mit Mail vom 12. Juni 2020 informierte O._, Psychotherapeutin der kjp, nach einem Gespräch mit A._, dass sie der Ansicht sei, dass ein ambulantes Setting für eine zielführende Betreuung A._ nicht ausreichen würde.
L. Mit superprovisorischem Entscheid vom 16. Juni 2020 entzog die KESB Nordbünden C._ das Aufenthaltsbestimmungsrecht über A._ und brachte diese in der Akutpsychiatrie der PDGR unter. Dies, nachdem A._ ihrer Therapeutin am selben Tag mitgeteilt habe, dass sie am Sonntag in suizidaler Absicht 6 – 8 Tabletten Truxal eingenommen hätte. Sie habe diese dann auf telefonische Anweisung einer Freundin wieder erbrochen. Dr. med. L._ sei daraufhin zum Gespräch hinzugeholt worden. A._ habe
4 / 9
aber in der Zwischenzeit den Raum verlassen. A._ sei dann von ihrer Mutter in die Klinik gebracht worden. Nach Einschätzungen von Dr. med. L._ sei eine vorzeitige Entlassung zu vermeiden, womit die KESB Nordbünden ihren Entscheid begründet.
M. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 18. Juni 2020 setzte die KESB Nordbünden eine Kindesvertretung gemäss Art. 314abis Abs. 1 und 3 ZGB für A._ betreffend das laufende Verfahren ein. Dies nach Absprache mit A._ und ihrer Mutter. Mit der Mandatsführung wurde Rechtsanwältin Dr. iur. B._ betraut.
N. Am 22. Juni 2020 besucht Rechtsanwältin B._ A._ auf der Notfallstation D21 der J._.
O. Am 25. Juni 2020 hörte die KESB in Dreierbesetzung A._ in Anwesenheit ihrer Mutter, ihrer Rechtsvertreterin sowie ihres behandelnden Arztes, Dr. med. L._, in der J._ an. A._ wurde darüber informiert, dass sie in die I._ AG eingewiesen werden könne, was diese positiv aufgenommen habe. C._ wurde darüber informiert, dass ihr Aufenthaltsbestimmungsrecht über A._ weiterhin eigeschränkt bleibe.
P. Mit Entscheid vom 25. Juni 2020, mitgeteilt am 9. Juli 2020, beschloss die Kollegialbehörde der KESB Nordbünden, was folgt:
1. Es wird festgestellt, dass mit Vollstreckbarkeit der Ziff. 2 dieses Entscheides die vom 16. Juni 2020 verfügte superprovisorische Anordnung (Unterbringung in der Psychiatrischen J._) von Gesetzes wegen dahinfällt.
2. Im Zusammenhang mit dem Aufenthalt von A._ wird gestützt auf Art. 310 ZGB in Verbindung mit Art. 314b Abs. 1 ZGB:
a. das Aufenthaltsbestimmungsrecht von C._ (Mutter) über A._ aufgehoben;
b. A._ zur Behandlung und persönlichen Betreuung in die I._ AG (Privatklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, I._) umfassend alle Behandlungsstationen untergebracht.
3. Betreffend Entlassungskompetenz wird verfügt:
a. Zuständig für die Entlassung ist die KESB.
b. Die Leitung der I._ AG wird angewiesen, die KESB mit einem Verlaufsbericht zu benachrichtigen, sobald sich
5 / 9
abzeichnet, dass die Voraussetzungen für die Unterbringung demnächst nicht mehr erfüllt sein werden bzw. spätestens per 15. November 2020.
4. Betreffend Verfahrenskosten wird verfügt:
a. Die Kosten im Verfahren Entzug Aufenthaltsbestimmungsrecht und behördliche Unterbringung werden auf Fr. 500.00 festgesetzt.
b. Auf die Erhebung der Verfahrenskosten wird aufgrund der wirtschaftlichen Verhältnisse der Mutter verzichtet.

## Considerations