# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** bdb21624-72c6-5148-8d58-7ce6354d314a
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1969, war als Medizinische Praxisassistentin in der Arztpraxis ihres Vaters tätig
und dadurch bei der AXA Versicherungen AG
(nach
folgend AXA
) unfallversichert
, als sie am 1
2.
Juli 1993 bei einem Verkehrsun
fall ein
e HWS-Distorsion erlitt (
Urk.
11
/A1,
Urk.
12/M1). Die AXA
kam für die Heil
behandlung auf und richtete Taggelder aus
(vgl.
Urk.
11
/A2). Gestützt auf ein Gutachten von
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Neurologie, vom 2
0.
Oktober 1997 (
Urk.
12/M38) sprach die AXA der Versicherten mit Verfügung vom 1
0.
Juni 1998
mit Wirkung
ab
1.
April 1998
eine Invalidenrente ausgehend von
einer Erwerbs
unfähigkeit von 50
%
im Betrag von
Fr.
1'432.--
pro Monat
(
ohne Teuerungs
zulage
)
sowie eine Integritätsentschädigung entsprechend einer I
ntegritätsein
busse von 22,5
%
zu
. Dabei wies sie darauf hin, dass nach Vorliegen einer Rente der Invalidenversicherung geprüft werde, ob eine Komplementärrente zuzuspre
chen sei
(
Urk.
11
/A61)
. Mit
Einspracheentscheid
vom
3.
November 1998 bestä
tigte
sie die Verfügung vom 1
0.
Juni 1998
(
Urk.
11
/A69).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach der Versi
cherten mit Verfügung vom 1
2.
März 1999 rückwirkend ab
1.
Juli
1994 befristet bis 3
1.
Mai 1997 eine halbe Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 61
%
und ab
1.
Juni 1997 - die Versicherte nunmehr infolge der Geburt ihres Sohnes als teilerwerbstätig qualifizierend - eine
Viertelsrente
basierend auf einem Invaliditätsgrad von 41
%
zu (
Urk.
26/46
, Urk. 26/
49-50
)
.
In der Folge berechnete die AXA am
5.
Januar 1999
eine Komplementärrente von
Fr.
2'996.-- pro Monat
.
D
a diese höher lag als die Normalrente, bestätigte sie
den unveränderten An
spruch
auf die
Normalrente von
Fr.
1'432.-- pro Mona
t (ohne Teuerungszulage;
Urk.
11
/A70).
Mit Revisionsverfügung vom
6. März
2002 qualifizierte die IV-Stelle die Versi
cherte wieder als Vollerwerbstätige und
erhöhte mit Wirkung ab
1.
Mai 2001 - basierend auf einem neu errechneten Invalidi
tätsgrad von 60
%
- die Viertels-
auf eine halbe
Rente
(
Urk.
26/65, Urk. 26/73
).
Diesen Anspruch bestätigte die IV-Stelle mit Mitteilung vom 2
2.
März 2003
(
Urk.
26/84).
1.2
Am
9.
Januar 2004 war die Versicherte erneut in einen Verkehrsunfall verwickelt, zu w
elchem Zeitpunkt sie
nicht unfall
versichert war. Dabei erlitt sie wiederum eine HWS-Distorsion
(vgl.
Urk.
26/89).
Die IV-Stelle holte einen Bericht beim Hausarzt,
Dr.
med.
Z._
,
Facharzt für Allgemeine Medizin,
ein
(
Urk.
26/89)
und sprach der Versicherten mit Verfügung vom
5.
Juli 2004 nunmehr eine ganze
Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 100
%
mit Wirkung ab
1.
Januar 2004 zu
(
Urk.
26/93, Urk. 26/
95).
Infolge der
revisionsweisen Erhöhung der Invalidenrente
durch die IV-Stelle
führte die AXA eine Überprüfung der unfallversicherungsrechtlichen Invaliden
rente durch. Sie berec
hnete mit Schreiben vom 1
4.
Juli 2004 die Komplementär
rente
mit
Fr.
1'518.-- pro Monat (ohne Teuerungszulage) und die Normalrente mit
Fr.
1'718.-- pro Monat (ohne Teuerungszulage), wobei sie bei der Festlegung der Normalrente von einem Invaliditätsgrad von 60
%
ausging. Da die Kom
ple
mentärrente
mit
Fr.
1'518.--
neu tiefer war
, kam
diese (rückwirkend) ab
1.
April 2004
zur Auszahlung (
Urk.
11
/A76).
1.3
Im März 2008 leitete die IV-Stelle ein Rentenrevisionsverfahren
ein (
Urk.
26/104)
und liess die Versicherte durch die Begutachtungsstelle
A._
polydisziplinär begutachten (Gutachten vom 1
9.
April 2009,
Urk.
12/M43). Mit Verfügung vom 1
9.
Juli 2010 hob die IV-Stelle die von ihr ausgerichtete Invalidenrente
auf End
e August 2010 auf, wogegen die Versicherte
Beschwerde an das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich erhob
(
Urk.
26
/134,
Urk.
26/138/3-22)
.
Die AXA ihrerseits unterbreitete das
A._
-Gutachten ihrem beratenden Arzt
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation, speziell Rheumaerkrankungen (Stellungnahme vom
2.
September 2010,
Urk.
12/M44). Mit Schreiben vom 1
2.
Oktober 2010 bestätigte sie der Versicherten, dass ihr die bisherige Rente von
Fr.
1'518.-- pro Monat (zuzüglich Teuerungszulage von aktuell
Fr.
178.--) bei einem Invaliditätsgrad von 60
%
weiter ausgerichtet werde. Gleichzeitig hielt sie fest, dass sie die
R
ente ebenfalls revidieren werde, falls sich nach Vorliegen des rechtskräftigen Urteils herausstellen sollte, dass die Invaliden
versicherung die Rente zu Recht einge
stellt habe (
Urk.
11
/A82, vgl. auch
Urk.
11
/A77)
.
Das Sozialversicherungsgericht wies mit Urteil vom 3
1.
Juli 2012 die gegen die Verfügung vom 1
9.
Juli 2010 erhobene Beschwerde ab (Verfahren IV.2010.00873,
Urk.
10/5
[=
Urk.
26/151]
). Das Bundesgericht schützte diesen Entscheid mit Urteil
9C_742/2012
vom 2
9.
Oktober 2012 (
Urk.
10/7
[=
Urk.
26/155]
).
1.4
Nachdem d
i
e AXA
vom
Urteil des Bundesgerichts am 1
4.
Ju
li 2014
Kenntnis erhielt
(vgl.
Urk.
11
/A92
sowie ferner
Urk.
11/
A89
), stellte sie der Versicherten mit Schreiben vom 3
0.
Juli 2014 die Einstellung ihrer Rentenleistungen per
1.
September 2014 in Aussicht (
Urk.
11
/A91). In diesem Sinne verfügte sie am 2
5.
August 2014 (
Urk.
11
/A92). Diese Verfügung nahm sie am 2
6.
August 2014
zur Wahrung des rechtlichen Gehörs
wieder zurück (
Urk.
11
/
A
93
, vgl. auch
Urk.
11
/A96
).
Mit Schreiben vom 2
9.
Juli 2015 stellte die AXA
unter Hinw
eis darauf, dass der Entscheid vom 1
4.
Juli 2004
zweifellos unrichtig gewesen und daher in Wiederer
wägung zu ziehen sei,
die Einstellung der Rentenleistungen und der Heilbe
hand
lungskosten per 3
1.
August 2015 in Aussicht (
Urk.
11
/A97). Am 2
1.
November 2017 erliess sie eine entsprechende Verfügung (
Urk.
1
1
/A101).
Daran hielt sie mit
Einspracheentscheid
vom 2
0.
Dezember 2019 fest (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am
3.
Februar 2020 Beschwerde und beantragte, die AXA sei zu verpflichten, ihr - allenfalls nach einem rechtskonformen Abklä
rungsverfahren - die gesetzlich geschuldeten Leistungen nach 3
1.
August 2015 weiterhin auszurichten (
Urk.
1 S. 2). Die AXA schloss in der Beschwerdeantwort vom 2
2.
April 2020
auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
9 S. 3). Mit Replik vom
6.
Juli 2020 respektive mit Duplik vom 1
1.
September 2020 hielten die Parteien an ihren Anträgen fest (
Urk.
16,
Urk.
22). Mit Verfügung vom 1
1.
Februar 2021
(Urk. 24)
wurden die Akten der Invalidenversicherung in Sachen der Beschwerde
f
ührerin beigezogen (
Urk.
26/1-167
). Die Parteien verzichteten auf
weitere Aus
führungen
(vgl.
Urk.
30,
Urk.
31).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
53
Abs.
2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG) kann der Versicherungsträger auf formell rechts
kräf
tige Verfügungen oder
Einspracheentscheide
zurückkommen, wenn diese zweifel
los unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. Vorausgesetzt ist, dass kein vernünftiger Zweifel an der (von Beginn weg be
ste
henden) Unrichtigkeit der Verfügung möglich, also einzig dieser Schluss denk
bar ist. Das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit ist in der Regel erfüllt, wenn eine Leistungszusprechung aufgrund falsch oder unzutreffend verstandener Rechtsregeln erfolgt war
oder
wenn massgebliche Bestimmungen nicht oder unrichtig angewandt wurden (BGE 140 V 77 E. 3.1 S. 79 mit Hinweis, Urteil des Bundesgerichts 8C_680/2017 vom
7.
Mai 2018 E. 2.2). Anders verhält es sich,
wenn der Wiedererwägungsgrund im Bereich materieller Anspruchsvoraus
setzun
gen liegt, deren Beurteilung notwendigerweise Ermessenszüge aufweist. Erscheint
die Beurteilung einzelner Schritte bei der Feststellung solcher Anspruchs
voraus
setzungen (Invaliditätsbemessung, Arbeitsunfähigkeitsschätzung, Beweiswürdi
gung, Zumutbarkeitsfragen) vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung darbot, als ver
tretbar, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus (in BGE 140 V 15 nicht, aber in SVR 2014 IV Nr. 10 S. 39 [9C_125/2013] publizierte E. 4.1 mit Hinweisen).
Auch mehr als zehn Jahren nach Erlass einer zweifellos unrichtigen Verfügung ist die Verwaltung befugt
,
auf diese wiedererwägungsweise zurückzukommen
(
BGE 140 V 514 E. 3
).
1.2
Eine Revisionsverfügung tritt an die Stelle der zu revidierenden Verfügung. Dies gilt unabhängig davon, ob eine Rente revisionsweise (
Art.
17
Abs.
1 ATSG) herauf- oder herabgesetzt wird oder die bisherige Rente nach materieller Prüfung des Rentenanspruchs bestätigt wird (vgl. BGE 133 V 108). Wenn nachträglich
durch Wiedererwägung oder (neue) Revision auf diese Revisionsverfügung zu
rück
gekommen wird, lebt die ursprüngliche Verfügung nicht wieder auf. Vorbehalten bleibt die Nichtigkeit der Revisionsverfügung (BGE 140 V 51
4 E. 5.2
; Urteil des Bundesgerichts 8C_117/2019 vom 2
1.
Mai 2019 E. 5.1
).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin
führte im angefoc
htenen
Einspracheentscheid
(
Urk.
2) aus, der Entscheid vom 1
4.
Juli 2004, mit welchem die
UV-
Rente per
1.
April 2004 erhöht worden sei, sei zwei
fellos unrichtig gewesen. D
abei habe
sie
den von der IV-Stelle festgelegten Invaliditätsgrad von 60
%
übernommen. Die IV-Stelle ihrerseits habe bei dessen Festsetzung unkritisch auf den Bericht von
Dr.
med.
Z._
vom 1
7.
August 2001 abgestellt, in welchem dieser eine Ver
schlechterung und deshalb nunmehr eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 60
%
bescheinigt habe (S. 2 f.).
Eine Rechtsfrage, die im IV- und im UV-Verfahren nach den gleichen Kriterien zu beurteilen sei, sei gemäss Rechtsprechung in beiden
Verfahren
auch gleich zu beantworten. Das im invalidenver
sicherungs
rechtlichen Verfahren eingeholte
A._
-Gutachten vom 1
9.
April 2009
sei voll beweiskräftig, womit von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit der Beschwerde
füh
rerin in der bisherigen Tätigkeit und mithin von einer fehlenden Invalidität aus
zugehen sei. Eine Verbesserung des Gesundheitszustandes ergebe sich aus dem
A._
-Gutachten nicht. Indessen sei die IV-Revisionsverfügung vom
5.
Juli 2004 einzig auf der Grundlage des nicht beweiskräftigen Berichts von
Dr.
Z._
vom 1
9.
März 2004 erfolgt. Sie sei deshalb zweifellos unrichtig gewesen, wie auch das
Sozialversicherungsgericht festgestellt habe. Aufgrund der
invalidenversiche
rungsrechtlichen
Revisionsverfügung vom
5.
Juli 2004 sei die
Beschwerdegeg
nerin
nach
Art.
34
Abs.
1 der Verordnung über die Unfallversicherung
(UVV) gesetzlich verpflichtet gewesen, eine Revision der UV-Rente vorzunehmen. Auf
grund der zweifellos unrichtigen
IV-
Verfügung sei es zur zweifellos unrichtigen Erhöhung (statt zu einer Aufhebung) der UV-Rente gekommen. Der anspruchs
ändernde Entscheid vom 1
4.
Juli 2004 sei daher in Wiedererwägung zu ziehen (S. 5 f.).
Die Rentenaufhebung könne dabei rückwirken
d erfolgen. Vorliegend sei dies
per 3
1.
August 2015 erfolgt. Eine Abklärung der seitherigen Entwicklung des Gesundheitszustands sei nicht erforderlich (S. 8 f.).
2.2
Die Beschwerdeführerin
rügt beschwerdeweise
vorweg eine Verletzung der Akten
führungspflicht. Die Akten müssten jederzeit systematisch und chronologisch
ge
ordnet sein und ein vollständiges Aktenverzeichnis enthalten. Das sei vorliegend nicht der Fall. Insbesondere fehlten Akten. Konsequenz der Verletzung der Akten
führungspflicht sei eine Beweisvereitelung, was zur Umkehr der Beweislast führe
. Das Fehlen von Akten ha
be mit dem Regress zu tun. Die fehlenden Akten
lägen bei den Regressakten oder seien aus prozesstaktischen Gründen eventuell aus den UVG-Akten entfernt worden
.
Es sei wahrscheinlich, dass bei Regressgesprächen
auch die Kontroverse um attestierte oder unklare Arbeitsunfähigkeiten vergleich
s
weise zu Sprache gekommen und
im Sinne eines Vergleichspakets auch erledigt worden seien
(
Urk.
1
S.
5 f.).
Weiter macht die Beschwerdeführerin
geltend, von eine
r
Parallelität
des IV- und UV-Verfahrens
könne konkret
nicht ausgegangen werden. Die Umstände seien nicht vergleichbar, zumal der Unfall vom
9.
Januar 2004
nicht
bei der
Beschwerdegegnerin
versichert gewesen sei (
Urk.
1
S. 7).
Mass
gebend sei der Zeitraum ab
Zusprechung der UV-Rente
mit Verfügung vom 1
0.
Juni 199
8.
Aber nicht nur hinsichtlich
des
Beginn
s, sondern
vor allem
auch hinsichtlich
des
Ende
s
des Zeitraums
unterscheide sich der zu beurteilende Fall vom invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren. Dort sei
die Verfüg
ung vom 1
9.
Juli 2010 zu überprüfen gewesen, während es vorliegend um die Verfügung vom 2
1.
November 2017 respektive den
Einspracheentscheid
vom 2
0.
Dezember 2019 gehe, mit welchem die Rentenleistungen per Ende August 2015 eingestellt worden seien (
Urk.
1
S. 8). Die Verfügung der
Beschwerdegegnerin
vom 1
0.
Juni 1998 sei nicht offensichtlich unrichtig gewesen (
Urk.
1
S. 8).
Der Erhöhung der Rente mit Entscheid vom 1
4.
Juli 2004 von
Fr.
1'432.-- auf
Fr.
1'518.-- komme keine erhebliche Bedeutung zu (
Urk.
1
S. 10). Zudem sei bei einer Wiederer
wägung der Anspruch pro
futuro
zu prüfen. Der
Einspracheentscheid
datiere vom 2
0.
Dezember 201
9.
Grundlage der beabsichtigten Rentenaufhebung sei die Beur
teilung des
A._
vom 1
9.
April
200
9.
Es sei
höchst unwahrscheinlich, dass der
Gesundheitszustand gleichgeblieben sei (
Urk.
1
S. 11).
Davon abgesehen erweise sich das
A._
-Gut
achten als nicht beweiskräftig, und zwar insbesondere auch deshalb
nicht
, weil darin keine neurologische Beurteilung erfolgt sei
.
Dazu komme, dass sich die Rechtsprechung inzwischen weiterentwickelt
habe. Das
A._
-Gutachten genüge
den heutigen Anforderungen nicht. Das Bundesgericht habe in der Zwischenzeit die ergebnisorientierte Förster-Rechtsprechung durch
eine ergebnisoffene
Indikatorenrechtsprechung
ersetzt.
Das
A._
-Gutachten tauge
nicht für eine ergebnisoffene Prüfung im Sinne dieser Rechtsprechung (
Urk.
1
S.
13
ff.
,
Urk.
16 S.
3 u. 10
). Ferner habe die
Beschwerdegegnerin
vor der Renten
einstellung nicht geprüft, ob ihr, der Beschwerdeführerin, nach einem Renten
bezug von über 15 Jahren eine Selbsteingliederung überhaupt zumutbar sei (
Urk.
1
S. 16).
2.3
Streitig
und zu prüfen ist, ob die
Beschwerdegegnerin
zu Recht die laufende
Invalidenrente per 3
1.
August 2015 aufhob (
Einspracheentscheid
vom 2
8.
Dezem
ber 2019
); dabei ist namentlich zu prüfen, ob die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung gemäss
Art.
53
Abs.
2 ATSG gegeben sind. Unbestritten ist, dass ein Revisionsgrund gemäss
Art.
17 ATSG nicht vorliegt.
3.
In formeller Hinsicht ist vorweg festzuhalten, dass
nach
Art.
46 ATSG für jedes Sozialversicherungsverfahren alle Unterlagen, die massgeblich sein könnten, vom Versicherungsträger systematisch zu erfassen sind.
Diesem Erfordernis kam die
Beschwerdegegnerin
hinreichend nach. Die Akten sind unterteilt in allgemeine (
Urk.
11/
A
1-102) und in medizinische Akten (
Urk.
12/
M
1-44). Innerhalb dieser Unterteilung sind die Akten chronologisch geordnet und nummeriert.
Art.
8
Abs.
2 der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche
rungs
rechts (ATSV) sieht darüber hinaus vor, dass ein vollständiges Aktenverzeichnis zu führen ist, das klare und eindeutige Hinweise auf den Inhalt der einzelnen Unterlagen liefert. Diese Bestimmung trat indessen erst am
1.
Oktober 2019 in Kraft. Es besteht für die Versicherungsträger eine Übergangsfrist von drei Jahren, um
die Akten nach Artikel 8 Absatz 2 führen
(
Art.
18b
Abs.
2 ATSV). Gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts zur Rechtslage vor Inkrafttreten von
Art.
8 ATSV bestand für die Versicherungsträger keine Verpflichtung zur Führung eines Aktenverzeichnisses (Urteil des Bundesgerichts 9C_788/2010 vom
3.
Februar 2011 E. 3.3). Es ist daher nicht zu beanstanden, dass die Akten kein detailliertes Aktenverzeichnis beinhalten.
Es bestehen sodann keine Anhaltspunkte dafür
, dass die
Beschwerdegegnerin
Akten unterschlagen hätte. Die von der Beschwerdeführerin zur Untermauerung
dieses Vorwurfs eingereichten Berichte von
Dr.
Z._
vom 1
2.
April
2004 (
Urk.
3/4), 1
8.
Mai 2004 (
Urk.
3/3) und
7.
Dezember 2004
(
Urk.
3/5)
enthalten die Referenznumm
er «...
». Daraus
(vgl. auch den Adressaten in Urk. 3/3 und Urk. 3/5)
ergibt sich, dass sie
an die damalige Winterthur Versicherung
, welche als Motorfahrzeug-Haftpflichtversicherung für den zweiten Unfall vom
9.
Januar 2004 zuständig war
, gerichtet waren
, denn diese wickelte den Haftpflichtfall unter der erwähnten Referenznummer ab
(vgl. dazu auch
Urk.
9 S. 13 und
Urk.
11/A74).
Dass
Dr.
Z._
seine Berichte an die Haftpflichtv
ersicherung u
nd nicht an die
Beschwerdegegnerin
als Unfallversicherung
adressierte,
ergibt einen
Sinn
, da die Beschwerdeführerin für den zweiten U
nfall bei der Beschwerdegegnerin
gar nicht
unfall
versichert war.
Abgesehen davon war die
beim ersten Unfall vom 1
2.
Juli 1993 involvierte Haftpflichtversicherung nicht die Winterthur Versicherung, son
dern die Altstadt Versicherung respektive die Zürich
Versicherung (vgl.
Urk.
11
/A8
[V
ollmacht]
sowie ferner
Urk.
9 S. 13).
Das Wissen des jeweiligen
Haftp
f
licht
ver
sicherers bra
ucht sich die Beschwerdegegnerin
nicht anrechnen zu lassen, handelt es sich doch um recht
lich
voneinander unabhängige Unternehmen, die beim Datenaustausch die Regeln des Datenschutzes zu beachten haben.
D
ie Beschwer
deführerin erhebt den
Vorwurf der ungenügenden Aktenführung insbesondere im Zusammenhang mit dem Entscheid vom 1
4.
Juli 2004
, weil sie dessen Zustande
kommen aufgrund der vorliegenden Akten nicht für nachvollziehbar hält
. Darauf ist in den nachfolgenden Erwägungen näher einzugehen.
4
4
.1
Die
Beschwerdegegnerin
zog den Entscheid vom 1
4.
Juli 2004 in Wiederer
wä
gung (
Urk.
2). Die Beschwerdeführerin
hält demgegenüber die rentenzuspre
chen
de Verfügung vom
3.
November 1998 für den massgebenden zeitlichen Referenz
zeitpunkt
(
Urk.
1 S. 10)
.
Die rentenzusprechende Verfügung vom 1
0.
Juni
1998 respektive der
dieser ersetzende
Einspracheentscheid
vom
3.
November 1998
basierte auf dem Gutach
ten von
Dr.
Y._
, in welchem der Beschwerdeführerin eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
in der bisherigen Tätigkeit attestiert wurde (
Urk.
12/M38).
Gestützt darauf errechnete die
Beschwerdegegnerin
einen Invaliditätsgrad von 50
%
, indem sie
Arbeitsunfähigkeits- und Invaliditätsgrad gleichsetzte
(
Urk.
11/A61). Im Entscheid
vom 1
4.
Juli 2004 ging die
Beschwerdegegnerin
jedoch von einem Invaliditäts
grad von 60
%
aus (
Urk.
11/A76). Der höhere Invaliditätsgrad hatte zur Folge,
dass
die Normalrente nun
Fr.
1'718.-- (
Fr.
34
'348
x
0,
6
:
12) betrug, weshalb nunmehr die tiefere Komplementärrente von
Fr.
1'518.-- zur Auszahlung ge
langte. Hätte der Invaliditätsgrad nach wie vor 50
%
bestanden, hätte sich die Normalrente auf
Fr.
1'431.-- (
Fr.
34'348 x 0,
6
:
12) belaufen und wäre daher nicht durch die Komplementärrente abgelöst worden. Mit Entscheid vom 1
4.
Juli 2004 wurde somit die Rente heraufgesetzt. Damit konsumierte er
den
Einspracheent
scheid
vom
3.
November 199
8.
Zwar erfolgte er in Form
eines Schreibens, jedoch kommt ihm, was soweit unbestritten zu sein scheint, Verfügungscharakter zu (vgl. BGE 134 V 145).
4.2
Im Entscheid vom 1
4.
Juli 2004 wird nicht erläutert, worauf sich die Annahme des Invaliditätsgrads von 60
%
stützt (
Urk.
11/A76). Jedoch ist aus den weiteren Akten zu schliessen, dass Grundlage dafür der Bericht von
Dr.
Z._
vom 1
7.
A
ugust 2001
(
Urk.
10/2
[=
Urk.
26
/54]
)
bildete
:
Mit Revisionsverfügung vom
6.
März
2002
(Urk. 26/73
)
erhöhte die IV-Stelle
ab
1.
Mai 2001
die Viertels- auf eine halbe Rente. Dabei qualifizierte sie die Be
schwerdeführerin als Voll
erwerbstätige. Während sie in der Verfügung vom 1
2.
März 1999 (
bei A
nwendung der gemischten Methode)
gestützt auf das Gut
achten von
Dr.
Y._
im Erwerbsbereich
noch von einem Invaliditätsgrad v
on 50
%
ausgegangen war
,
legte sie ihn nunmehr auf 60
%
fest. Dabei stellte sie auf den Bericht von
Dr.
Z._
vom 1
7.
August 200
1 ab
, worin der Beschwerde
füh
rerin eine Arbeitsunfähigkeit von 60
%
attestiert worden war (
vgl.
Urk.
26/58)
.
Mit Mitteilung vom 2
2.
März 2003 bestätigte sie den Anspruch auf eine halbe Invalidenrente
bei unverändertem Invaliditätsgrad
,
wobei sie zuvor einen Ver
laufsbericht von
Dr.
Z._
(Bericht vom
6.
März 2003,
Urk.
26/82) eingeholt hatte (
Urk.
26/83
-84).
Die
Beschwerdegegnerin
respektive der zuständige Sachbearbeiter
nahm am 2
2.
Mai 2003 in einer internen Anfrage
nach dem weiteren Vorgehen
an den beratenden Arzt
Dr.
med.
C._
, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie, auf die Verfügung vom
6
.
März
2002 Bezug, indem
er anmerkte
, die Invalidenver
siche
rung habe ab Darum der Rev
ision (Mai 2001) eine 60%ige Erwerbsun
fähig
keit/
Rente festgelegt und habe für die berufliche Tätigkeit eine 60%ige Invalidität verfügt (
Urk.
12/M41).
Dr.
C._
hielt in seiner Antwort vom
3.
Juni 2003 die Einholung eines neurologischen Gutachtens notwendig (
Urk.
12/M41). Daraufhin gelangte der zuständige Sachbearbeiter am 1
2.
Juni 2003 an
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Neurologie und ebenfalls beratender Arzt der
Beschwerdegegnerin
,
wobei er wiederum auf die Rentenrevision «per Mai 2001»
sowie den Bericht von
Dr.
Z._
vom 1
7.
August 2001
Bezug nahm und
um eine Beurteilung der Arbei
ts
fähigkeit bat (
Urk.
12/M42). D
r
.
D._
hielt fest, dass er eine Arbeits
un
fähigkeit
von 50
%
nicht als ausgewiesen erachte, eine Erhöhung der Arbeits
fähigkeit von 50 auf 60
%
offen sei und er aufgrund der Akten keine ab
schliessende Beurteilung vornehmen wolle (
Urk.
12/M42).
Daraus, dass der zuständige Sachbearbeiter
seinen Anfragen
stets die Verfügu
ng vom 6
.
März
2002 zu Grunde legte und er dabei auf den Invaliditätsgrad von 60
%
hinwies, die beratenden Ärzte sich jedoch nicht abschliessend über die Arbeitsfähigkeit äusserten, ist zu schliessen, dass sich die
Beschwerdegegnerin
bei ihrem Entscheid vom 1
4.
Juli 2004 auf die
IV-
Verfügung vom
6
.
März
2002 stützte. Dieser lag der Bericht von
Dr.
Z._
vom 1
7.
August 2001 zu Grunde
(vgl.
Urk.
26/58,
Urk.
26/65)
. Die Akten sind
somit
in sich stimmig. Es bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass irgendwelche Akten entfernt wurden.
Vor allem aber steht fest, dass die
Beschwerdegegnerin
bei ihrem Entscheid vom 1
4.
Juli 2002 keine eigene materielle
Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung
vornahm. Vom beantragten
Beizug
(
Urk.
16 S. 5) der Regressakten sind daher keine weiteren Erkenntnisse zu erwarten (antizipierte Beweiswürdigung, BGE
134 I 140 E. 5.3
).
4.3
4.3.1
Dr.
Z._
hielt im Bericht vom 1
7.
August 2001 fest, der Gesundheitszustand verschlechtere sich seit einem Jahr.
Es bestünden Schmerzen in Nacken und Schulter
n
ausstrahlend in beide Arme, zum Teil Parästhesien, vermehrt auch Migräneanfälle, eine eingeschränkte Beweglichkeit der Halswirbelsäule
in allen Richtun
gen zu einem Viertel, Endstellschmerzen, eine verspannte Nackenmus
kulatur,
druckdolente
Dornfortsätze 3 und 4, eine
dolente
Paravertebral
mus
ku
latur
auf gleicher Höhe sowie entsprechende
dolente
Triggerpunkte
. Da der Sohn nun
i
m Kindergartenalter sei, stehe die berufliche S
ituation im Vordergrund. Für den Erwerbsbereich
attestier
t
e er eine Arbeitsunfähigkeit von 60
%
(
Urk.
10/2
[=
Urk.
26/54]
).
4.3.2
Die Verfügung
der IV-Stelle
vom
5.
Juli 2004
(Urk. 26/95, vgl. auch Urk. 26/92)
basierte auf dem Bericht von
Dr.
Z._
vom 1
9.
März 2004. Darin hielt er einen Status nach HWS-Distorsionen vom 1
2.
Juli 1993 und
9.
Januar 2004 mit Ver
schlimmerung der Symptomatik nach dem erneuten Auffahrunfall sowie ein
reaktives d
epressives Zustandsbild mit diskre
tem psychoorganischem Syndrom fes
t. Unter den Befunden beschrieb er im Wesentlichen eine eingeschränkte Be
weglichke
it der Halswirbelsäule,
Druckschmerzen
, Schmerzen
und Funktionsein
schrän
kun
gen
am
thorako-lumalen
Übergang
sowie eine depressive Verstim
mungs
lage. Er atte
stierte eine vollständige Arbeitsunfähigkeit ab
9.
Januar 200
4.
Weiter führte er aus, spezialärztliche Untersuchungen würden
zur Zeit
nicht ein
geleitet, weil sich das Beschwerdebild schlichtweg in allen Belangen verschlim
mert habe. Mit dem erneuten Beschleunigungstrauma sei die Prognose noch schlechter, eine Heilung sei zu verneinen
(
Urk.
26/89).
Das Sozialversicherungsgericht hielt
im
Urteil vom 3
1.
Juli 2012
(E. 3.4
)
dazu im Wesentlichen
fest,
dass dem Bericht von
Dr.
Z._
vom 1
9.
März 2004
kein
hinreichender Beweiswert zukomme
.
Für die darin vorgenommene Beur
tei
lung der Arbeitsfähigkeit fänden
sich keine stützenden Befunde. Die erwähnte ein
geschränkte Beweglichkeit der Halswirbelsäule, die verspannte Muskulatur sowie eine depr
essive Verstimmungslage vermöchten die attestierte volle Arbeits
un
fähigkeit nicht zu begründen. Gerade die Komplexität des Falles hätte eine nach
haltige medizinische
Abklärung erfordert. Hinzu komme
, dass es sich beim be
handelnden Arzt um den Vater der Ve
rsicherten handle
, was umso mehr eine unabhängige spezialärztliche Abklärung nahegelegt hätte. Die Revisionsverfü
gung vom
5.
Ju
li 2004 sei
somit auf de
r Grundlage eine
r
unvollständige
n
Sach
verhaltsabklärung
erfolgt. Sie sei aufgrund einer klaren Ver
letzung des Untersu
chungsgrundsatzes
ergangen und sei
deshalb zweifellos unrichtig
(
Urk.
10/5).
4.3.3
Die Qualität des Berichts vom 1
7.
August 2001 entspricht in etwa jenem des
Be
richt
s
v
om 1
9.
März 200
4.
Einer
umfassende
n
Sachverhaltsabklärung kann
diese
r Bericht
nicht genügen.
Die Feststellungen des Sozialversicherungsgerichts gelten
deshalb
auch in Bezug auf den Bericht vom 1
7.
August 200
1.
Die auf diesem Bericht beruhende Verfügung
der IV-Stelle
vom
6
.
März
2002 und damit auch der Entschei
d der
Beschwerdegegnerin
vom 1
4.
Juli 2004 sind demnach
als
zwei
fellos unrichtig zu qualifizieren.
Einzig gestützt auf den Bericht vom 1
7.
August
2001 hätte die Rente
nicht erhöht werden dürfen.
Damit steht
mit Blick auf die nachfolgenden Erwägungen
auch
fest, dass eine korrekte Invalidi
tätsbemessung hinsichtlich des Leistungsanspruchs zu einem anderen Ergebnis geführt hätte (vgl. Urteil des Bundesgericht 8C_ 680/2017 vom
7.
Mai 2018 E.
4.2.1), was die Beschwerde
führerin übersieht (
Urk.
16 S. 10
).
5.
5.1
Steht die zweifellose Unrichtigkeit der ursprünglichen Rentenverfügung fest und ist die Berichtigung von erheblicher Bedeutung, was auf periodische Dauerleis
tungen regelmässig zutrifft (vgl. BGE 119 V 475 E. 1c), sind die Anspruchs
be
rechtigung und allenfalls der Umfang des Anspruchs zu prüfen. Anders als im Bereich der Invalidenversicherung, wo die wiedererwägungsweise Rentenaufhe
bung oder -herabsetzung nicht rückwirkend, sondern
(mit Ausnahme der Melde
pflichtverletzung)
mit Wirkung für die Zukunft möglich ist, kann im Bereich der sozialen Unfallversicherung die Rentenaufhebung rückwirkend («ex
tunc
») erfol
gen (BGE 142 V 259 E. 3.2.3).
5.2
Die
Beschwerdegegnerin
stützt s
ich im
Einspracheentscheid
vom 2
0.
Dezember 2019 auf
das polydisziplinäre (internistische, rheumatologische, neuropsycho
logische und psychiatrische)
A._
-Gutachten vom 19. April 200
9.
Darin wurden ein chronisches
zervikozephales
und
zervikobrachiales
Schmerzsyndrom (bei Fehlhaltung, ausgeprägter
myostatischer
Insuffizienz und einem anamnestischen Status nach rezidivierenden segmentalen Funktionsstörungen zervikal), ein chro
nisches rezidivierendes
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom (bei Fehlhaltung und ausgeprägter
myostatischer
Insuffizienz), Kopfschmer
zen vom Spannungstyp und
migräni
form
(differenzialdiagnostisch medikamenteninduziert), eine Hyper
-
cholesterinämie
und eine Psoriasis
vulgaris
diagnostiziert. Ein Einfluss dieser Dia
gnosen auf die Arbeitsfähigkeit wurde verneint. In der Beurteilung wurde ausge
führt, die internistische Untersuchung habe das Bild einer 40-jährigen, überge
wich
tigen und kardiopulmonal kompensierten Versicherten in einem unauf
fälli
gen Allgemeinzustand ergeben. Der kli
nische Status sei altersentspre
chend normal. Bei der rheumatologischen Untersuchung habe die Versicherte zum Teil durch eine erhebliche Selbstlimitation und Inkonsistenz imponiert. Auffällig sei die hochgradige
myostatische
Insuffizienz insbesondere der wirbel
säulenstabili
sie
renden Muskulatur mit erheblichem Hartspann der Schulter-/Nackenmuskulatur. In den aktuell durchgeführten Röntgendarstellungen seien keine strukturellen Läsionen sichtbar. Die neurologische Untersuchung habe keinerlei Hinweise auf eine
neuroradikuläre
Symptomatik ergeben, sämtliche Nervenkompressions- und Dehnungszeichen seien negativ gewesen. Im Rahmen der psychiatrischen Explo
ration hätten sich keine psychosoziale
n
B
elastungssitu
ationen oder emotionale Konflikte eruieren lassen. Bei den neuropsychologischen Testung
en
seien die als massiv geschilderten kognitiven Einbussen des Gedächtnisses und der Konzen
tration im Gesp
räch nicht nachvollziehbar gewe
sen. Insgesamt hätten die Tests auf ein Aggravationsverhalten hingedeutet. Aus interdisziplinärer Sicht bestehe ab Gutachtensze
itpunkt eine volle Arbeitsfähig
keit, so auch in der bisherigen Tätigkeit als Medizinische Praxisassistentin. Eine retrospektive Einschätzung der Arbeitsfähigkeit sei schwierig, weil die Versicherte wegen ähnlicher Beschwerden seit Jahren als 100 % arbeitsunfähig beurteilt worden sei, was aus interdis
zi
plinärer, versicherungsmedizinischer Sicht überhaupt nicht nachvollziehbar sei (
Urk.
12
/M43
).
5.3
Das Sozialversicherungsgericht hat im Urteil vom
3
1.
Juli 2012 erkannt, dass das
A._
-Gutachten vom
1
9.
Juli 2010 in allen Teilen die Anforderungen an beweis
kräftige medizinische Gutachten erfüllt (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1;
Urk.
10/5).
Davon ist auch das Bundesgericht im Urteil vom 2
9.
Oktober 2012 nicht abge
wichen (
Urk.
10/7).
Soweit die Beschwerdeführerin im vorliegenden Verfahren wiederum bemängelt, es habe keine neurologisch
e Abklärung stattge
funden, ist
festzuhalten, dass sich das Sozialversicherungsgericht bereits im Urteil
vom 31.
Juli 2010
mit diesem Argument auseinandergesetzt hat. Es hielt dazu fest, dass sich im Rahmen der von den Gutachtern vorgenommenen Untersu
chun
gen keine Hinweise auf neurologische Auffälligkeiten ergeben hätten. Es sei daher nicht zu beanstanden, dass die
A._
-Ärzte keine Indikation für eine Begutach
tung durch einen Neurologen gesehen hätten (E. 4.3.2
des Urteils,
Urk.
10/5
; vgl. hierzu
E. 4.3.1 des Bundesgerichtsurteils,
Urk.
10/7).
Zudem ist darauf hinzu
weisen, dass bereits
Dr.
Y._
im Gutachten vom 2
0.
Oktober 1997 einen norma
len neurologisch
en Untersuchungsbefund festgehalten hatte
(
Urk.
12/M38 S. 3).
Soweit die Beschwerdeführerin grundsätzliche Bedenken gegen das
A._
und ins
besondere
gegen
dessen ehemaligen C
hefarzt
Dr.
med.
E._
äussert
(
Urk.
1 S. 14),
ist anzumerken,
dass durch
MEDAS - also auch durch das
A._
-
erstellte Gut
achten grundsätzlich den Anforderungen an Unabhängigkeit, Verfahrens
fair
ness und Waffengleichheit genügen (BGE 137 V 210 E. 2.1-2.3
). Die Beschwer
de
führerin bringt denn auch keine konkreten Anhaltspunkte vor, die auf eine Be
fangenheit der am Gutachten involvierten Fachärzte schliessen liessen. Der pau
schale Hinweis auf
die
angebliche Versicherungsfreundlichkeit des
A._
ver
mag eine solche jedenfalls nic
ht zu begründen. Im Übrigen
war
Dr.
E._
an der der Begutachtung der Beschwerdeführerin nicht beteiligt, worauf das Sozial
ver
siche
rungsgericht bereits im Urteil vom 3
1.
Juli 2012 hingewiesen hatte (E.
4.2.5 des Urteils).
5.4
Alleine der Umstand, dass die
A._
-Expertise nicht neueren Datums ist, genügt nicht, um Zweifel an der Verlässlichkeit zu begründen (unveröffentl
ichte E. 3.1.2 von
BGE 142 V 259
[Bundesgerichtsurteil 8C_792/2015]).
Zwar behauptete die
Beschwerdeführerin
im vorliegenden Beschwerdeverfahren
eine Verschlechte
rung
des Gesundheitszustands (
Urk.
16 S. 9
). Sie begründete dies aber i
n keiner Weise. Aus der
mit der Beschwerde eingereichten, von ihr verfassten Zusammenstellung der Behandlungen sowie aus dem Bericht vo
n
Dr.
Z._
vom 2
8.
Januar 2020
geht gegenteilig hervor, dass ihr Gesundheitszustand stabil geblieben ist (
Urk.
3/6,
Urk.
3/
7). Davon ist somit
auszugehen.
5.5
5.5.1
Die
Beschwerdefü
hrerin bemerkt jedoch zu Recht
, dass
sich die Rechtsprechung seit der Erstattung des
A._
-Gutachtens in einigen Bereichen weiterentwickelt hat (
Urk.
1 S. 14 ff.
).
Insbesondere wurde
mit BGE 141 V 281
die sog.
Überwind
barkeitsvermutung
im Zusammenhang mit somatoformen Schmerzstörung
auf
ge
geben.
Das Bundesgericht kam dabei zum Schluss, dass das bisherige Regel/
Ausnahme-Modell (Überwindbarkeitsvermutung) durch einen strukturierten, nor
mativen Prüfungsraster zu ersetzen sei. Diese Rechtsprechungsänderung erklärte es auch im Bereich der Unfallversicherung für anwendbar (BGE 141 V 574).
Mit BGE
143 V 409 und BGE 143 V 418
erkannte das Bundesgericht sodann
, d
ass die
für somatoforme Schmerzstörungen entwickelte Rechtsprechung, wonach in einem
strukturierten Beweis
verfahren anhand von Indikatoren die tats
ächliche Arbeits- und Leistungsfähig
keit der betroffenen
Person zu ermitteln ist,
auf sämtliche psychisch
en Erkrankungen Anwendung finde
.
In Bezug auf Leiden, die in den Anwendungsbereich von BGE 141 V 281 fallen, hat das Bund
esgericht festgehalten, dass in
intert
emporalrechtlicher Hinsicht
sinngemäss wie in BGE 137 V 210 (betreffend die rechtsstaatlichen Anforde
rungen an die medizinische Begutachtung) vorzugehen
sei
. Nach diesem Ent
sche
id verlieren gemäss altem Verfahrensstandard eingeholte Gutachten nicht per se ihren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Ein
zelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen ent
scheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrund
lagen vor Bundesrecht standhält (BGE
137 V 210 E. 6 in
initio
). In sinngemässer Anwendung auf die nunmehr materiell-beweisrechtlich geänderten Anforde
run
gen ist in jedem einzelnen Fall zu prüfen, ob die beigezogenen administrativen und/oder gerichtlichen Sachverständigengutachten - gegebenenfalls im Kontext mit weiteren fachärztlichen Berichten - eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgeblichen Indikatoren erlauben oder nicht. Je nach Abklärungstiefe und -dichte kann zudem unter Umständen ei
ne punktuelle Ergänzung genügen (BGE 141 V 281 E. 8).
5.5.2
In BGE 141 V 281
hat das Bundesgericht
unter anderem
festgehalten, dass
recht
sprechungsgemäss regelmässig keine versicherte Gesundheitsschädigung vor
liege
, soweit die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder ei
ner ähnlichen Erschei
nung beruhe
.
Ni
cht per se auf Aggravation weise
blosses verdeutlichendes Ver
hal
ten hin
(E. 2.2.1)
.
Die Beschwerde
führerin macht dazu geltend, im
A._
-Gut
achten vom 1
9.
April 2009 sei keine Abgrenzung zwischen
bewusstseinsnaher oder
bewusstseinsferne
r
Verdeutlichungstendenz
und
Aggravation
vorgenommen
worden
. Das Sozialversicherungsgericht habe die Notwendigkeit einer ne
urolo
gischen Abklärung
hauptsächlich mit Überlegungen zur Aggravation verneint (
Urk.
1 S. 12 f.
, vgl. auch S. 15
). Es trifft zu, dass die
A._
-Gutachter wiederholt und unabhängig voneinander ein
aggravatorisches
Verhalten der Beschwerde
führerin festgestellt hatten. Massgebend für die
Beurteilung, wonach eine rele
vante
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
zu verneinen sei,
war hingegen das Fehlen von relevanten pathologischen Befunden (
Urk.
10/
M43 S. 45 f., vgl. auch
Urk.
10/5 E. 4.3.3). Die Behauptung, dass das Sozialversicherungsgericht die Not
wendigkeit einer neurologischen Abklärung mit Hinweis auf die Aggravation verneint habe, ist falsch. Vielmehr hielt es, wie ausgeführt, angesichts der feh
len
den
neurologischen
Auffälligkeiten eine solche für nicht angezeigt.
Im Weiteren wurde im
A._
-Gutacht
en keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
gestellt (
Urk.
12/M43 S. 40), weshalb das
strukturierte Beweis
verfahren nach BGE 141 V 281
nicht zum Tragen kommt
(vgl. Urteil des Bundes
gerichts 8C_170/2018 vom 1
2.
September 2018 E. 4.2.3)
, was die Beschwerde
führerin verkennt.
5.5.3
Den
A._
-Gutachtern war bekannt, dass die Beschwerdeführerin unter Kopf
schmerzen leidet. Sie beurteilten diese als eine Mischform aus Kopfschm
erz vom Spannungstyp und
migräni
form
.
Eine Auswirkung der geklagten Kopfschmerzen auf die Arbeitsfähigkeit
verneinten sie
(
Urk.
12/M43 S. 41 u. 43
).
Dabei stützten sie sich auf den von ihnen erhobene
n
Befund
und
nicht,
wie von der Be
schwer
deführerin
in der Beschwerde behauptet,
auf eine
günstige Prognose infolge The
rapierbarkeit der Kopfschmerzen (
Urk.
1 S. 15,
Urk.
12/M43 S. 46).
Vor diesem Hintergrund ist auch der Hinweis der Beschwerdeführerin auf den nach Erstattung des Gutachtens ergangenen Entscheid BGE 140 V 290
unbehelflich
(
Urk.
1 S. 15)
. In diesem Leitentscheid liess das Bundesgericht offen, ob eine Migräne zu den objektivierbaren Krankheitsb
ildern zählt. Es führte aber aus
, dass
der Beweis für die Anspruchsgrundlage nicht g
e
leistet und nicht zu erbringen sei, wenn die Aus
wirkungen eines objektivierbaren oder eines nicht (bildgebend) fassbaren Leidens auf die Arbeitsfähigkeit trotz sorgfältiger und umfassender Abklärungen vage und unbestimmt
blieben
und die Einschränkungen nicht anders als mit den sub
jektiven Angaben der versicherten Person begründet werden könnten. So verhält es sich auch im Falle der Beschwerdeführerin.
5.6
Nach dem Gesagten kann auf das
A._
-Gutachten (nach wie vor) abgestellt werden
. Es ist damit von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit und mithin von einer f
ehlenden Invalidität auszugehen.
Dies gilt insbesondere auch für die Verhältnisse zum Zeitpunkt der Leistungseinstellung per 3
1.
August 2015.
5.7
Soweit die Beschwerdeführerin darauf hinweist, das
s sie seit mehr als 15 Jahre
n
eine
Rente bezogen habe (
Urk.
1 S. 16), nimmt sie Bezug auf die im Bereich der
Invalidenversicherung geltende Rechtsprechung
, wonach
bei der
wiedererwä
gungs
-
oder revisionsweisen Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente
bei zurückgelegtem 5
5.
Altersjahr oder mehr als 15 Jahre dauerndem Renten
be
zug
grundsätzlich Eingliederun
gsmassnahmen durchzuführen sind
.
Die Aufhe
bung
der bisherigen Rente im Rahmen einer Rentenrevision oder Wiedererwä
gung kann
in Fällen der nicht zumutbaren Selbsteingliederung erst nach Durch
führung von Eingliederungsmassnahmen erfolgen. Mithin ist in solchen Fällen die Prü
fung und allfällige Durchführung von Eingliederungsmassnahmen Voraus
setzung
der Rentenaufhebung (
Urteil des Bundesgerichts 8C_80/2020 vom 1
9.
Mai
2020 E.
2.3.1 und 2.3.2 mit Hinweisen).
Die Unfallversicherung kennt hingegen keine
Bestimmungen, die als Grundlage
für eine Übergangsfrist zwecks Eingliederung der versicherten Person ins Erwerbs
leben in Frage kämen. Weder enthält das
Bundesgesetzes ü
ber die Unfallver
sicherung (UVG)
eine Leistungskategorie "Eingliederungsmassnahmen", noch sind
ihm (vorbehältlich
Art.
22
Abs.
1 UVG) spezifische Vorgaben zu entnehmen, die namentlich im Falle der revisionsweisen Rentenaufhebung mit Blick auf deren zeitliche Wirkung zu beachten wäre
n
.
Ebenso
wenig
hat sich im Bereich der Unfallversicherung eine Rechtsprechung etabliert, wonach die Unverwertbarkeit einer verbleibenden medizinisch-theoretischen Restarbeitsfähigkeit wegen des fortgeschrittenen Alters zu berücksichtigen wäre (
Urteil
e
des Bundesgerichts
8C_573/2020 vom
6.
Januar 2021 E. 5.2.2
,
8C_603/2013 vom
9.
April 2014 E. 4.3
)
, wobei hier
auch
auf Art. 28 Abs. 4 UVV zu verweisen ist.
Gleiches gilt in Bezug auf einen langjährigen Rente
nbezug.
Für eine allfällige Erschwernis der Arbeits
eingliederung der Beschwerdeführerin hat die
Beschwerdegegnerin
somit nicht ein
zustehen. Zu erwähnen ist aber, dass
im invalidenversicherungsrechtlichen Ver
fahren
bezie
hungsweise im Urteil vom 3
1.
Juli 2012
angesichts der langen Ren
tendauer von über 15 Jahren
die Zumutbarkeit der Selbsteingliederung
ge
prüft und angesichts
der konkreten
Ums
tände ausnahmsweise bejaht
wurde
(
E.
4.3.5 des Urteils,
Urk.
10/5).
5.8
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich die wiedererwägungsweise Aufhe
bung der Invalidenrente per
3
1.
August 2015
als rechtens erweist. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.