# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 951625ce-1f7a-4661-8d3f-870f0e453726
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend qualifizierte grobe Verletzung der Verkehrsregeln und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, II. Abteilung, vom 14. Mai 2019 (DG190021)
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Anklage: (Urk. 52)
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 22. März 2019 ist
diesem Urteil angeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 80 S. 40 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der qualifizierten groben Verletzung der Verkehrsregeln im
Sinne von Art. 90 Abs. 3 SVG in Verbindung mit Art. 4a Abs. 1 lit. b VRV.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 18 Monaten Freiheitsstrafe.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre festge-
setzt.
4. Die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 4. März 2014 angesetzte
Probezeit von 2 Jahren wird um 1 Jahr verlängert.
5. Der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 23. November 2015
beschlagnahmte Personenwagen, Nissan J, GT-R, weiss,
Fahrgestell-Nr. ..., Stamm-Nr. ..., wird dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft des
Urteiles auf erstes Verlangen hin herausgegeben.
Wird der Personenwagen nicht innerhalb von 60 Tagen herausverlangt, so wird der end-
gültige Verzicht angenommen.
6. Der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 23. November 2015
beschlagnahmte Personenwagen VW D, Golf 1.4 TSI,
Fahrgestell-Nr. ..., Stamm-Nr. ..., wird der anderen Unfallteilnehmerin, B._, nach Ein-
tritt der Rechtskraft des Urteiles auf erstes Verlangen hin herausgegeben.
Wird der Personenwagen nicht innerhalb von 60 Tagen herausverlangt, so wird der end-
gültige Verzicht angenommen.
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7. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 10'000.– Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 15'466.25 Auslagen (Gutachten)
Fr. 25'243.60 Auslagen
Fr. 4'315.41 Zeugenentschädigung
Fr. 12'297.30 amtl. Verteidigungskosten (Vorverfahren; bereits geleisteter Vorschuss)
Fr. 9'800.– amtl. Verteidigungskosten
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert sich die
Entscheidgebühr um einen Drittel.
8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Beschuldigten
auferlegt; davon ausgenommen sind die Kosten der amtlichen Verteidigung, welche
einstweilen und unter dem Vorbehalt von Art. 135 Abs. 4 StPO von der Gerichtskasse
übernommen werden.
9. (Mitteilungen.)
10. (Rechtsmittel.)"
Berufungsanträge: (Prot. II S. 4)
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 99 S. 1 f.)
1. Der Berufungskläger sei vom Vorwurf der qualifizierten groben Verletzung
der Verkehrsregeln freizusprechen;
2. Von der Verlängerung der Probezeit betreffend den Strafbefehl der Staats-
anwaltschaft Basel-Landschaft vom 4. März 2014 sei abzusehen;
3. Die Kosten der Untersuchung sowie des erstinstanzlichen Verfahrens
(inkl. der Kosten für die amtliche Verteidigung) seien vollumfänglich auf die
Staatskasse zu nehmen;
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4. Die Kosten des Berufungsverfahrens (inkl. der Kosten für die amtliche Ver-
teidigung) seien vollumfänglich auf die Staatskasse zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Prot. II S. 6)
Es sei das vorinstanzliche Urteil zu bestätigen.

## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessuales / Prozessgeschichte
1. Verfahrensgang
1.1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Ver-
meidung von unnötigen Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen im an-
gefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 80 S. 3).
1.2. Mit eingangs wiedergegebenem Urteil vom 14. Mai 2019 wurde der Be-
schuldigte der qualifizierten groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von
Art. 90 Abs. 3 SVG in Verbindung mit Art. 4a Abs. 1 lit. b VRV schuldig ge-
sprochen und mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten bestraft, unter
Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren. Zudem wurde die mit Strafbefehl der
Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 4. März 2014 angesetzte Probezeit von
zwei Jahren um ein Jahr verlängert. Im Weiteren wurde über die Herausgabe der
beschlagnahmten Personenwagen, Nissan J, GT-R, und VW D, Golf 1.4. TSI,
entschieden (Urk. 80 S. 40 f.).
1.3. Mit Schreiben vom 15. Mai 2019 liess der Beschuldigte gegen das Urteil
Berufung anmelden (Urk. 67). Das begründete Urteil wurde der Verteidigung des
Beschuldigten am 14. August 2019 zugestellt (Urk. 74). Mit Eingabe vom
2. September 2019 erstattete die Verteidigung fristgerecht die Berufungserklärung
(Urk. 83). Die Staatsanwaltschaft teilte mit Eingabe vom 24. September 2019 mit,
auf Anschlussberufung zu verzichten und die Bestätigung des vorinstanzlichen
Urteils zu beantragen (Urk. 87). Am 8. Oktober 2019 reichte der Verteidigung das
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Datenerfassungsblatt und weitere Unterlagen zu den finanziellen Verhältnissen
des Beschuldigten ins Recht (Urk. 91; Urk. 93/1-8).
1.4. Zur Berufungsverhandlung vom 9. Januar 2020 erschien der Beschuldigte
in Begleitung seiner Verteidigung Rechtsanwalt lic. iur. X._, Staatsanwältin
lic. iur. S. Leu sowie Assistenzstaatsanwalt mbA Dr. J. Boll (Prot. II S. 4). Vorfra-
gen waren keine zu entscheiden. Das Urteil wurde mündlich eröffnet, erläutert
und im Dispositiv übergeben (Prot. II S. 12).
2. Umfang der Berufung
Der Beschuldigte ficht Dispositivziffern 1 bis 4 und 8 des vorinstanzlichen Urteils
an (Urk. 83 S. 3). Demnach ist vorab mit Beschuss festzustellen, dass die Dispo-
sitivziffern 5, 6 und 7 des vorinstanzlichen Urteils in Rechtskraft erwachsen sind.
In den übrigen Punkten ist im Rahmen des Berufungsverfahrens unter Vorbehalt
des Verschlechterungsverbotes zu entscheiden (Art. 391 Abs. 2 und Art. 404
Abs. 1 StPO).
3. Formelles
Die Berufungsinstanz muss sich nicht mit jedem einzelnen Vorbringen der Partei-
en auseinandersetzen. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesent-
lichen Punkte beschränken. Es müssen wenigstens kurz die Überlegungen ge-
nannt werden, von denen sich das Gericht hat leiten lassen und auf die sich sein
Entscheid stützt (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1 mit Hinweisen).
II. Schuldpunkt - Sachverhalt
1. Anklagevorwurf
Dem Beschuldigten wird zusammengefasst vorgeworfen, am tt. Oktober 2015, um
cirka 13.15 Uhr mit dem Personenwagen der Marke Nissan GT-R, Kontrollschild
..., auf der ...-Strasse in C._ in Richtung D._ mit einer Geschwindigkeit
von 140 km/h nahe an der Haftgrenze der Reifen in die Linkskurve vor der Ver-
zweigung mit dem ...-Weg gefahren zu sein. B._ sei mit ihrem Personenwa-
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gen der Marke VW Golf, Kontrollschild ..., auf der Gegenrichtung gefahren und
habe nach links in den ...-Weg abbiegen wollen. Vor der Verzweigung habe sie
angehalten und mit dem Linksabbiegen begonnen, als sie gesehen habe, dass ihr
kein Fahrzeug mehr entgegen gekommen sei. Der Beschuldigte habe aus einer
Geschwindigkeit von 140 km/h während 3.5 Sekunden mit einer durchschnittli-
chen Verzögerung von 2.8 m/s2 gebremst und sei mit einer Geschwindigkeit von
105 km/h mit der linken Ecke seines Fahrzeugs mit dem mit 9 bis 11 km/h abbie-
genden Fahrzeug von B._ kollidiert, welche dabei eine Verbrennung an der
rechten Hand erlitten habe. B._ sei mit einer unterdurchschnittlichen Be-
schleunigung von 1.5 bis 2.0 m/s2 angefahren. Hätte sie das Linkabbiegemänover
zügiger ausgeführt, wäre der Beschuldigte mit der Front gegen die rechte Seite
des Fahrzeugs von B._ kollidiert, wodurch B._ mit sehr grosser Wahr-
scheinlichkeit schwer verletzt oder getötet worden wäre.
Der Beschuldigte habe freie Sicht auf die Verzweigung erhalten, als er noch
90 Meter vom Kollisionsort entfernt gewesen sei. Wäre er an diesem Ort 80 km/h
gefahren, wäre er 4.05 Sekunden später am Kollisionsort eingetroffen und
das Abbiegemanöver bereits seit 0.42 Sekunden abgeschlossen gewesen. Der
Beschuldigte wäre wegen der gefährlichen Situation verpflichtet gewesen, die
Geschwindigkeit zu reduzieren. Ein rechtzeitiges Anhalten vor dem Kollisions-
punkt wäre bei einer Verzögerung mit 4m/s2 möglich gewesen (Urk. 52 S. 2 ff.).
2. Vorinstanzliche Erwägungen
Die Vorinstanz stellte zusammengefasst auf die Erkenntnisse im technischen
Fahrzeugprüfbericht der Kantonspolizei Zürich vom 26. November 2015, auf die
Gutachten des Sachverständigen Dr. E._ vom 14. August 2016 und 24. Ok-
tober 2018 sowie die Zeugenaussage des Nissan Experten F._ ab und sah
es als erstellt an, dass der Beschuldigte mit einer krass übersetzten Geschwin-
digkeit von mindestens 135 km/h und einer Querbeschleunigung von 10 m/s2 aus
der Linkskurve gefahren sei und dann 4 Sekunden gebremst habe und schliess-
lich mit einer Kollisionsgeschwindigkeit zwischen 105 und 117 km/h mit dem
Fahrzeug von B._ kollidiert sei (Urk. 80 S. 23 ff.).
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3. Standpunkt des Beschuldigten bzw. der amtlichen Verteidigung
3.1. Der Beschuldigte zeigte sich von Beginn an geständig, zum inkriminierten
Zeitpunkt auf der ...-Strasse gefahren und mit B._ kollidiert zu sein (Urk. 6
Frage 3; Urk. 18, Prot. I S. 11). Er sei indessen nur ungefähr 80 km/h, allerhöchs-
tens 90 km/h gefahren, wobei er möglicherweise noch beschleunigt habe, um
besser ausweichen zu können (Urk. 6 Frage 12; Urk. 18 S. 5; Prot. I S. 10 f.). Die
Schuld für den Unfall trage B._, welche ihn vermutlich übersehen habe (Urk.
6 Fragen 14 ff.; Prot. I S. 13 f.). Die von der Polizei bzw. der Garage Nissan
M._ ausgelesenen Daten aus der Flickerbox, welche auch der Gutachter be-
rücksichtigt habe, seien nicht vom Unfallzeitpunkt, da beim Unfall eine andere Box
angeschlossen gewesen sei (Urk. 35a Fragen 6 ff.; Prot. I S. 12 f.).
An der Berufungsverhandlung hielt der Beschuldigte an seinem bisherigen Stand-
punkt fest. Frau B._ habe keinen Blickkontakt zu ihm gehabt, sondern sei
einfach losgefahren, ohne zu schauen. Er [der Beschuldigte] habe noch auswei-
chen können, aber Frau B._ habe sein Fahrzeug hinten auf der linken Seite
erwischt. Die Schätzung seiner gefahrenen Geschwindigkeit vor der Kollision auf
100 oder mehr km/h durch den Unfallbeobachter G._ sei eine Mutmassung.
Es könne sein, dass er [der Beschuldigte] 90 km/h gefahren sei. Das Fahrzeug
habe kein Originalsteuergerät und es könnten daher keine Daten ausgelesen
werden (Urk. 98 S. 6 ff.).
3.2. Die Verteidigung monierte in der Berufungserklärung die Beweiswürdigung
der Vorinstanz und brachte zusammengefasst vor, die Aussagen der Beteiligten,
der Unfallbeobachter sowie des Zeugen H._ seien zu wenig bzw. ungenü-
gend berücksichtigt worden. Die Geschädigte B._ habe eine Teilschuld am
Unfall eingeräumt und die beiden Zeugen [recte: Auskunftspersonen] I._ und
G._ hätten die Geschwindigkeit des Beschuldigten auf rund 100 km/h ge-
schätzt (Urk. 83 S. 4). Der Zeuge H._, ein ausgewiesener Experte im Bereich
Autotuning, habe ausgesagt, dass das neue Steuergerät nicht mit dem VSDR-
Gerät kommuniziere. Dennoch stelle der Gutachter – im Widerspruch zum ersten
Gutachten – auf die ausgelesenen Daten ab (Urk. 83 S. 5 f.). Das zweite Gutach-
ten stehe zudem in krassem Widerspruch zum von der Kantonspolizei tabellarisch
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festgehaltenen Geschwindigkeitsverlauf (Urk. 83 S. 5). Auf die Aussagen des
Zeugen F._, welcher aus den Ladedrucken ablesen wolle, dass das VSDR-
Gerät mit dem neuen Steuergerät kommuniziere, könne nicht abgestellt werden
(Urk. 83 S. 7).
3.3. An der Berufungsverhandlung rügte die Verteidigung im Weiteren die Art
und Weise der Datenerhebung aus dem Fahrzeug des Beschuldigten. Es sei na-
mentlich nicht auszuschliessen, dass jemand am Fahrzeug Manipulationen vor-
genommen habe (Urk. 99 Rz. 12 ff.). Es dränge sich der Verdacht auf, dass bei
der Erstellung des ersten Gutachtens die Flickerbox wieder mit Strom und/oder
mit der neuen ECU verbunden worden sei (Urk. 99 Rz. 26). Zudem bestehe ein
Widerspruch zwischen dem ersten und zweiten Gutachten, da sich der Gutachten
im Erstgutachten der Berechnungsmethode der Rückwärtsberechnung bediente
und im Zweitgutachten auf ausgelesene – angeblich massgebliche – Daten ab-
stellte, obschon gar kein neues Datenmaterial vorgelegen habe (Urk. 99 Rz. 27
und 34). Es könne im Übrigen nicht ausgeschlossen werden, dass das VSDR-
Gerät beim Wiedereinstecken bzw. Wiederherstellen einer Verbindung anhand
anderer im Fahrzeug vorhandener Geräte automatisch aktualisiert werde, wes-
halb das VSDR-Geräte denselben Kilometerstand aufwies wie bei der Untersu-
chung durch die Kantonspolizei Zürich am 13. Oktober 2015 abgelesen worden
sei (Urk. 99 Rz. 39). Da zusammengefasst kein ausreichendes Datenmaterial vor-
liege, die Auswertung der Daten unsorgfältig erfolgt sei und im Widerspruch zu
Aussagen der vor Ort anwesend gewesenen Personen stehe, Fremdeinflüsse
nicht ausgeschlossen werden könnten und auch auf die beiden Gutachten nicht
abgestellt werden könne, habe ein Freispruch zu erfolgen (Urk. 99 Rz. 80 f.).
4. Sachverhaltserstellung
4.1. Allgemeines
Die Vorinstanz hat die allgemeinen Grundsätze zur Sachverhaltserstellung und
Beweiswürdigung in ihren Erwägungen zutreffend aufgeführt. Darauf kann ver-
wiesen werden (Urk. 86 S. 4 f.). Ergänzend das Folgende:
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Das Gericht darf in Fachfragen nicht ohne triftige Gründe von Gutachten abwei-
chen und muss Abweichungen begründen. Erscheint ihm die Schlüssigkeit eines
Gutachtens in wesentlichen Punkten zweifelhaft, hat es nötigenfalls ergänzende
Beweise zur Klärung dieser Zweifel zu erheben. Das Abstellen auf eine nicht
schlüssige Expertise bzw. der Verzicht auf die gebotenen zusätzlichen Beweiser-
hebungen kann gegen das Verbot der Willkür verstossen (vgl. BGE 142 IV 49
E. 2.1.3; 138 III 193 E. 4.3.1 mit Hinweisen). Dies trifft etwa zu, wenn das Gericht
auf das Gutachten abstellt, obwohl der Sachverständige die an ihn gestellten Fra-
gen nicht beantwortet, seine Erkenntnisse und Schlussfolgerungen nicht be-
gründet oder diese in sich widersprüchlich sind oder die Expertise sonst wie an
Mängeln krankt, die derart offensichtlich und auch ohne spezielles Fachwissen
erkennbar sind, dass sie das Gericht nicht hätte übersehen dürfen (vgl. Urteil
6B_604/2016 vom 29. November 2016 E. 1.2.2 m. H.).
4.2. Beweislage
4.2.1. Vorliegend liegen zur Erstellung des Anklagevorwurfs als Beweismittel
die Aussagen des Beschuldigten (Urk. 6, 18 und 35a und Prot. I S. 10 ff.), die
Aussagen der Unfallbeteiligten B._ (Urk. 8 und 18), die Aussagen
der Unfallbeobachter G._ (Urk. 2) und I._ (Urk. 4), die Zeugenaussagen
von H._ (Urk. 26) und F._ (Urk. 28), der Fahrzeugprüfbericht der Kan-
tonspolizei Zürich vom 26. November 2015 (Urk. 10) und das Gutachten von Dr.
E._ vom 14. August 2016 (Urk. 11) sowie das dazugehörige Ergänzungsgut-
achten vom 24. Oktober 2018 (Urk. 34) vor. Die Vorinstanz hat den Inhalt der be-
treffenden Beweismittel zutreffend wiedergegeben. Darauf kann verwiesen wer-
den (Urk. 86 S. 3 ff.). Ergänzend das Folgende:
4.2.2. Die Verteidigung kritisiert die Auffassung der Vorinstanz, wonach die
Kantonspolizei Zürich in der tabellarischen Auflistung des Geschwindigkeits-
verlaufs im Beiblatt 2 zum Fahrzeugprüfbericht vom 26. November 2015 um eine
Zeile verrutscht sei und die entsprechend vorgenommene Berichtigung der Tabel-
le durch die Vorinstanz. Dafür habe weder die Vorinstanz noch die Staatsan-
waltschaft einen Nachweis erbracht (Urk. 83 Rz. 17). Mit diesem Einwand ist die
Verteidigung nicht zu hören. Dem Fahrzeugprüfbericht vom 26. November 2015
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lässt sich sachdienlich entnehmen, dass am 20. Oktober 2015 ein Herr J._
von der Nissan Vertretung M._ im Auftrag der Staatsanwaltschaft die VSDR
Daten am Fahrzeug des Beschuldigten gesichert habe, wobei die letzten
38.15 Stunden vor dem Ereignis (bei 137'360 Sekunden) [Kollisionszeitpunkt]
aufgezeichnet worden seien. Bei 137'325 Sekunden habe die Geschwindigkeit
cirka 60 km/h, bei 137'330 Sekunden 50 km/h betragen. Aus der Tabelle auf dem
Beiblatt Nr. 2 sei die Zeit (137'325 bis 137'360 Sekunden), die jeweilige Ge-
schwindigkeit gemäss Beiblatt Nr. 1 in km/h und in m/s sowie der in 5 Sekunden
zurückgelegte Weg in Metern aufgeführt (Urk. 10 S. 4; Urk. 12/1+2). Bei 137'360
Sekunden sei eine rapide Abnahme der Geschwindigkeit um ca. 40 km/h erfolgt
(Urk. 10 S. 4). Konsultiert man das Beiblatt Nr. 2 ergibt sich ohne Weiteres, dass
bei 137'325 Sekunden bei der Datenübertragung eine Zeile ausgelassen wurde
(Urk. 12/2). Dies wird bestätigt durch die Aussagen des Zeugen B._, der
nochmals auf die von Herrn J._ ausgelesenen Daten zugriff, und dabei zu
Protokoll gab, dass die Geschwindigkeit bei 137'350 Sekunden 80 km/h, bei
137'355 Sekunden etwa 150 km/h und bei 137'360 Sekunden bei 102 km/h ge-
wesen sei (Urk. 28 Fragen 16 ff., 25 und 38). Der Vorinstanz ist daher beizupflich-
ten, dass die Geschwindigkeitswerte im Beiblatt Nr. 2 entsprechend um eine Zeile
nach oben zu verschieben sind und die ausgelesene Geschwindigkeit bei
137'355 Sekunden mindestens 135 km/h (Minimalwert) betrug. Demnach ist bei
der Beweiswürdigung auf die berichtigte Tabelle der Vorinstanz abzustellen
(vgl. zur Tabelle der Vorinstanz in Urk. 80 S. 19 f.).
4.3. Konkrete Beweiswürdigung
4.3.1. Der Beschuldigte sagte konstant und im Kerngeschehen widerspruchsfrei
aus, er sei kurz vor der Unfalleinmündung ungefähr 80 km/h, allerhöchstens
90 km/h gefahren, wobei er noch versucht habe, auszuweichen. Er habe
mit Sicherheit aber nicht gebremst, sondern vielleicht noch beschleunigt, um die
Kollision zu verhindern (Urk. 6 Fragen 3, 12; Urk. 18 S. 4 f.; Urk. 35a Frage 19;
Prot. I S. 10). B._ trage die Schuld für den Unfall. Sie habe ihn vermutlich
einfach übersehen und auf den vor ihm fahrenden SUV geschaut und sei danach
direkt losgefahren (Urk. 6 Fragen 14 f.; Urk. 18 S. 4; Prot. I S. 13 f.). Der Beschul-
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digte bestritt, dass die auf der Flickerbox aufgezeichneten Daten vom Unfallzeit-
punkt seien. Die Box sei laut seines Tuners [H._] ohne Funktion, wenn sie
ausgesteckt sei. Im Unfallzeitpunkt sei die Box ausgesteckt gewesen (Urk. 35a
Fragen 6 ff. und Frage 25). Die Daten müssten von vorher gewesen sein (Prot. I
S. 12 f.).
4.3.2. B._, welche ebenfalls als beschuldigte Person einvernommen wurde,
gab in ihrer ersten Befragung vom 14. Oktober 2015 zusammengefasst an, sie
habe eingespurt und ein zweites entgegenkommendes Auto am Ende der Kurve
wahrgenommen. Sie habe die Distanz zu diesem Auto so eingeschätzt, dass sie
problemlos und rechtzeitig hätte abbiegen können (Urk. 8 Fragen 3 f., 16). Er [der
Beschuldigte] sei sicher schneller gewesen, als sie erwartet habe (Urk. 8 Frage
17). Sie denke, sie sei ganz langsam abgebogen und der Beschuldigte zu schnell
gekommen, weshalb beide einen Teilschuld am Unfall hätten (Urk. 8 Fragen 20
f.). In der Konfrontationseinvernahme vom 7. November 2016 gab B._ an, sie
habe nur ein weisses Auto aus der Kurve kommend gesehen und sei, als es vor-
beigefahren sei, nach links losgefahren. Das andere Auto [des Beschuldigten] ha-
be sie nicht wahrgenommen (Urk. 18 S. 3).
Es gilt in diesem Zusammenhang der Vollständigkeit halber darauf hinzuweisen,
dass das Strafverfahren gegen B._ mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zü-
rich-Limmat vom 22. März 2019 eingestellt wurde, da sie gemäss Staatsanwalt-
schaft gestützt auf die Erkenntnisse des Gutachters mit dem Linksabbiegemanö-
ver, welches mindestens 3.1 Sekunden dauere, begonnen habe, bevor der Per-
sonenwagen des Beschuldigten 2.53 Sekunden vor der Kollision in ihrem Sichtbe-
reich aufgetaucht sei und der Beschuldigte mit einer Geschwindigkeit von 140 bis
150 km/h gefahren sei. Diese Einstellungsverfügung wurde von der Vorinstanz
versehentlich gemeinsam mit der Einstellungsverfügung gegenüber des Beschul-
digten hinsichtlich der Widerhandlung gegen das Ausländergesetz akturiert (vgl.
Urk. 53 [recte: wohl Urk. 55]).
4.3.3. G._ stand mit seinem Fahrzeug hinter dem Fahrzeug von B._. Er
ist somit unmittelbarer Unfallbeobachter. G._ gab als Auskunftsperson zu-
sammengefasst und sachdienlich zu Protokoll, B._ habe gewartet bis ein von
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K._ kommendes Fahrzeug vorbei gewesen sei und habe dann ganz langsam
nach links abgebogen. Es habe für ihn so ausgesehen, als wäre sich B._
nicht sicher, ob sie abbiegen soll oder nicht. Der Beschuldigte sei "megaschnell"
von K._ her gekommen und habe noch nach rechts ausweichen wollen (Urk.
2 Frage 4). Er könne es nicht schätzen, wie schnell der Beschuldigte gewesen
sei. Er [der Beschuldigte] sei extrem schnell unterwegs gewesen. Auch wenn er
[G._] dort abgebogen wäre, hätte er eine Kollision nicht verhindern können.
Der Beschuldigte sei sicher 100 km/h gefahren (Urk. 2 Frage 5). Es habe viel-
leicht zwei bis drei Sekunden gedauert vom Moment an, als er [G._] das
Fahrzeug des Beschuldigten nach der Kurve zum ersten Mal gesehen habe und
der Zusammenstoss erfolgt sei. Er habe sofort gewusst, dass der Beschuldigte zu
schnell sei. Der Beschuldigte sei seiner Meinung nach fast ungebremst auf das
Fahrzeug von B._ zugefahren (Urk. 2 Fragen 9 und 15). Wenn der Beschul-
digte weniger schnell gefahren wäre, hätte nach seiner Sicht der Unfall verhindert
werden können. Für ihn sei der Beschuldigte schuld am Unfall (Urk. 2 Fragen 20
und 21).
4.3.4. Die Auskunftsperson I._ wurde etwa 200 Meter vor dem Unfallereignis,
wo der Beschuldigte mit dem VW Golf kollidierte, vom Beschuldigten überholt,
wobei er [I._] im Zeitpunkt des Überholmanövers 76 km/h gefahren sei. Er
könne nicht genau sagen, wie schnell der Beschuldigte gefahren sei. Er [der Be-
schuldigte] sei ziemlich schnell gewesen. Er denke, er sei schneller als 100 km/h
gewesen (Urk. 4 Frage 5 ff.). Er denke schon, dass die Geschwindigkeit des Be-
schuldigten zur Kollision beigetragen habe. Wenn er mit 80 km/h gekommen wä-
re, hätte es keinen Unfall geben. Da hätte die andere Lenkerin [B._] mehr
Zeit gehabt, um reagieren zu können (Urk. 4 Frage 18). I._ achtete den Be-
schuldigten als Unfallverursacher (Urk. 4 Frage 20).
4.3.5. H._ wurde am 24. Januar 2018 als Zeuge zum Fahrzeugzustand des
Beschuldigten befragt. H._ gab sachdienlich zu Protokoll, das Fahrzeug des
Beschuldigten im Sommer 2013 oder 2014 nach England gefahren und dort ge-
tunt zu haben, um eine Leistung von ungefähr 836 oder 846 PS zu erreichen (Urk.
26 S. 2 Frage 7 und S. 8 Frage 8). Dabei sei der Motor und die Schaltbox "up-
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graded" und auch die elektronische Steuereinheit verändert worden (Urk. 26 Fra-
ge 9). H._ gab an, dass dabei der Originalmotorcomputer raus genommen
und ein neuer Motorcomputer installiert werde. Er könne sich nicht mehr erinnern,
ob der Motorcomputer jedes Mal rausgenommen werde, oder einfach ausgesteckt
werde. In jedem Fall funktioniere der Originalmotorcomputer nicht mehr (Urk. 26
Frage 21).
Auf Vorhalt der ausgelesenen Daten durch die Nissan Garage gab H._ an,
dass dies nur mit dem Originalsteuergerät funktioniere. Diese Daten würden von
der Zeit stammen, bevor das Auto getunt bzw. der neue ECU installiert worden
sei (Urk. 26 Frage 45). Der Hauptcomputer sei nicht angeschlossen, weshalb die-
se Daten nicht vom Unfall stammen könnten (Urk. 26 Frage 46).
4.3.6. F._, Systemtechniker der Nissan Garage L._ (vormals Garage
Nissan M._) sagte als Zeuge am 8. März 2018 zusammengefasst und sach-
dienlich aus, sein ehemaliger Vorgesetzter, Herr J._, habe die Daten aus
dem Fahrzeug des Beschuldigten ausgelesen. Auf Nachfrage, weshalb er zum
Schluss gekommen sei, dass Daten bis zum Unfall aufgezeichnet worden seien,
gab F._ an, ansonsten wären keine Daten vorhanden. Wenn Daten von frü-
her aufgezeichnet worden wären, hätten sie einen leeren Strich (Urk. 28 Fragen
17 f.). Die letzte Geschwindigkeitsaufzeichnung liege bei 102 oder 103 km/h auf
der Zeitspanne von 137360 bis 137365 Sekunden (Urk. 28 Fragen 31 und 37).
Die angegebenen Geschwindigkeiten seien der Durchschnitt der Geschwindigkeit
der Vorder- und Hinterachse, wobei die Werte über eine fünf Sekunden Spanne
gemittelt würden (Urk. 28 Frage 39). Bei 137350 Sekunden habe man eine An-
fangsgeschwindigkeit von 80 km/h, bei 137355 Sekunden etwa 150 km/h und bei
137360 Sekunden eine von 102 km/h. Bei 137365 Sekunden sei das Fahrzeug
bei 0 km/h (Urk. 28 Frage 38). F._ hielt zudem anschaulich fest, dass keine
Daten zu der ausgelesenen Kilometerleistung vorhanden wären, wenn das VDSR
mit dem neuen Steuergerät nicht funktionieren würde (Urk. 28 Frage 71). Zu Be-
ginn der aufgezeichneten Daten habe der Kilometerstand 35'683 und am Schluss
beim Stillstand des Fahrzeugs 38'157 betragen (Urk. 28 Frage 29 und 32).
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4.3.7. Dem Fahrzeugprüfbericht der Kantonspolizei Zürich vom 26. November
2015 lässt sich, wie bereits ausgeführt, sachdienlich entnehmen, dass ein Herr
J._ (oder J1._) von der Nissan M._ die VSDR-Daten des Fahr-
zeugs des Beschuldigten am 20. Oktober 2015 ausgelesen habe, wobei die letz-
ten 38.15 Stunden vor dem Unfallereignis aufgezeichnet worden seien. Aufgrund
der rapiden Abnahme der Geschwindigkeit von ca. 40 km/h sei davon auszuge-
hen, dass sich der Unfall bei 137'360 Sekunden ereignet habe. Bei 137'330 Se-
kunden habe sich der Beschuldigte im Scheitelpunkt der Rechtskurve befunden.
Bei 137'355 Sekunden habe die Geschwindigkeit cirka 135 km/h betragen (Urk.
10 S. 4 f.; Urk. 12/1-6).
4.4. Gutachten von Dr. E._
4.4.1. Dr. E._ wurde am 16. Juni 2016 als Sachverständiger für den Fall bei-
gezogen, um namentlich Angaben zur Ausgangsgeschwindigkeit und Kollisions-
geschwindigkeit der Fahrzeuge sowie zur Vermeidbarkeit des Unfalls zu machen
(Urk. 15). Dr. E._ erstattete am 14. August 2016 das entsprechende Gutach-
ten, wobei er sich dabei der klassischen Rückwärtsberechnung bediente, bei der
die Geschwindigkeit vom Endstand des Fahrzeugs bis zur Kollisionsstelle (zu-
rück-)gerechnet werde (vgl. Urk. 17 S. 6). Die Kollisionsgeschwindigkeit des
Fahrzeugs des Beschuldigten habe zwischen 105 bis 117 km/h und diejenige des
Fahrzeugs von B._ 9 bis 11 km/h betragen (Urk. 17 S. 6 f.). Dr. E._ hielt
im Gutachten fest, dass die Aufzeichnungsfrequenz des Nissan-Dataloggers nur
alle 5 Sekunden aktualisiert werde, weshalb diese Werte für Unfallrekonstrukti-
onszwecke nur sehr begrenzt verwertbar seien. Über die Genauigkeit der Werte
sei ihm nichts bekannt und er könne für die Daten aus dem Datenlogger keine
Verantwortung übernehmen (Urk. 17 S. 11). Die Ausgangsgeschwindigkeit
des Fahrzeugs des Beschuldigten habe 105 bis 117 km/h betragen. Eine höhere
Geschwindigkeit sei nicht nachweisbar (Urk. 17 S. 16 Antwort zu Frage 2). Der
Beschuldigte hätte den Unfall vermeiden können, wenn er nicht schneller als
60 bis 66 km/h gefahren wäre oder sich generell an das Geschwindigkeitslimit
gehalten hätte, weil er den Abbiegeversuch von B._ dann deutlich früher er-
kennen und die Kollision hätte vermeiden können (Urk. 17 S. 17 Antwort zu Frage
- 15 -
5). Dr. E._ hielt schliesslich fest, dass die Daten, die auf den Aufzeichnungs-
geräten in dem Personenwagen Nissan seien, nach seiner Auffassung nicht veri-
fizierbar und deshalb auch nicht gerichtsverwertbar seien (Urk. 17 S. 17).
4.4.2. Dr. E._ war bei den später erfolgten Zeugeneinvernahmen von
H._ und F._ und am Augenschein vom 22. September 2017 ebenfalls
anwesend (Urk. 23, 26 und 28). Am 27. Juni 2018 wurde Dr. E._ in der Folge
mit der Ausfertigung eines Ergänzungs- bzw. Nachtragsgutachtens beauftragt
(Urk. 33). Am 24. Oktober 2018 erstattete Dr. E._ das Gutachten (Urk. 34).
Dem Ergänzungsgutachten lässt sich zusammengefasst und sachdienlich ent-
nehmen, dass Dr E._ die Aussage von H._, wonach die Flickerbox aus-
ser Betrieb gewesen sei, als nicht zutreffend erachtet. Dies habe der Zeuge
F._ am 8. März 2018 illustriert, indem er einen Computer mit dem Flicker-
Programm an das Fahrzeug des Beschuldigten angeschlossen habe. Dies bedeu-
te, dass die Datenübertragung während des Unfalls funktioniert habe. Im ersten 5
s-Datenintervall vom Stillstand zeitlich zurück, sei eine mittlere Geschwindigkeit
von rund 10 km/h, davor (10 s bis 5 s vor dem Stillstand) eine mittlere Geschwin-
digkeit von rund 100 km/h und davor (15 s bis 10 s vor dem Stillstand) eine mittle-
re Geschwindigkeit von 138.5 km/h aufgezeichnet worden (Urk. 34 S. 4). Der
Gutachter kommt im Weiteren aufgrund der Datenanalyse zum Schluss, dass der
Beschuldigte vor der Kollision stark gebremst habe, d.h. über etwa 4 Sekunden.
Gestützt auf die vorhandenen Daten berechnete der Gutachter die Geschwindig-
keiten des Beschuldigten wenige Sekunden vor der Kollision, wobei der Gutachter
stets von unteren Grenzwerten zugunsten des Beschuldigten ausging (Urk. 34 S.
6). Im Bereich von 20 bis 15 Sekunden vor der Kollision habe der Beschuldigte
beschleunigt und ungefähr 150 km/h erreicht. Die Geschwindigkeit des Beschul-
digten habe 3 Sekunden vor der Kollision mindestens 135 km/h betragen und er
sei mit mindestens 105 km/h mit dem Fahrzeug von B._ kollidiert (Urk. 34 S.
7 f.).
4.5. Fazit
- 16 -
4.5.1. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass entgegen der Aussage des
Beschuldigten Daten aus dem VSDR Gerät seines Fahrzeugs ausgelesen werden
konnten, die mit dem Kilometerstand übereinstimmten. Der Zeuge F._ legte
schlüssig und überzeugend dar, dass ansonsten keine Daten bei dem entspre-
chenden Kilometerstand vorhanden wären. Der Gutachter Dr. E._ hielt dazu
fest, dass nach den Aussagen des Zeugen F._ und der anschliessenden Un-
tersuchung am Fahrzeug des Beschuldigten nach seiner Überzeugung feststehe,
dass die Daten aus der Flickerbox vor und während des Unfalls gespeichert wor-
den seien (Urk. 34 S. 6). Der Beschuldigte beruft sich in der Hauptsache auf die
Zeugenaussagen seines Tuners H._. Gemäss H._ hat er (oder einer
seiner Mitarbeiter) das Fahrzeug des Beschuldigten ein oder zwei Jahre vor dem
Unfall getunt. Dabei hielt H._ in allgemeiner Weise fest, dass beim Tuning
ein anderer ECU eingebaut werde und der alte ECU entweder entfernt oder min-
destens der Stecker gezogen werde, wodurch er keinen Strom mehr habe. Die
Vorinstanz hielt daher zutreffend fest, dass demnach die Praxis bei der Einset-
zung eines neues ECU nicht immer dieselbe sei (Urk. 80 S. 17). H._ konnte
zudem nur (allgemeine) Angaben zum Fahrzeug des Beschuldigten im Zeitpunkt
des Tunings machen. Es ist nicht auszuschliessen, dass sich das Fahrzeug nicht
mehr in dem Zustand befand, als es H._ das letzte Mal sah.
F._ hingegen schloss seinen Computer an die Flickerbox an und konnte da-
mit die von Herrn J._ bereits im Oktober 2015 ausgelesenen Daten bestäti-
gen. F._ hielt auch fest, dass es sich aufgrund des Ladedrucks des Fahr-
zeugs, 2.5 bis 2.8 bar, um ein getuntes Fahrzeug handle und beim Kilometerstand
34'988 eine neue Software für das Getriebesteuergerät aufgespielt worden sei
(Urk. 28 Fragen 51 ff.). Dem Fahrzeugprüfbericht der Kantonspolizei Zürich vom
26. November 2015 lässt sich ebenfalls entnehmen, dass der maximale Lade-
druck beim geprüften Fahrzeug im Originalzustand 180 kPa betrage und beim Un-
fallgeschehen der Ladedruck bei 230 kPa gelegen habe (Urk. 10 S. 3). Insofern
ist der Einwand der Verteidigung, es handle sich bei den Angaben der Ladedru-
cke lediglich um eine Behauptung des Zeugen F._, nicht stichhaltig (Urk. 99
Rz. 64). Dass F._ den erhöhten Ladedruck feststellen konnte, spricht eben-
falls dafür, dass das Originalsteuergerät Daten aufzeichnete (so auch die Vo-
- 17 -
rinstanz in Urk. 80 S. 18). F._ gab zudem überzeugend an, dass es beim
Fahrzeug des Beschuldigten möglich war, die VSDR Daten auszulesen, da bei
fehlender Aufzeichnung keine Daten vorhanden gewesen wären (Urk. 28 Fragen
68 ff.). Der Gutachter Dr. E._ kam in seinem Ergänzungsgutachten daher
ebenfalls zum Schluss, dass die ausgewerteten Daten vom Unfallzeitpunkt
stammten und damit die Aussage von H._ nicht stimme. Dr. E._ zog die
Daten aus der Flickerbox in seine Berechnung aus der klassischen Rückrech-
nungsmethode mit ein und zeigte schlüssig und überzeugend auf, dass der Be-
schuldigte vor der Kollision mit mindestens 135 km/h gefahren sei, dann während
rund 4 Sekunden stark abbremste und mit einer Geschwindigkeit von mindestens
105 km/h mit B._ kollidierte.
4.5.2. Die Behauptung des Beschuldigten, die Daten würden von einem früheren
Zeitpunkt stammen, würde überdies ohnehin voraussetzen, dass schon einmal
ein identisches Manöver wie in der inkriminierten Art durchgeführt wurde. Dies er-
scheint höchst unwahrscheinlich und wird so auch nicht vorgebracht. Zudem wäre
in einem solchen Fall immer noch unklar, weshalb der Kilometerstand des
VSDR-Gerätes derselbe ist wie bei der Untersuchung des Fahrzeuges durch die
Kantonspolizei Zürich am 13. Oktober 2015 vom Tacho abgelesen wurde. Die
Verteidigung behauptet zwar, es sei nicht auszuschliessen, dass das VSDR-Gerät
bei der Wiederherstellung der Verbindung anhand anderer im Fahrzeug vorhan-
dener Geräte automatisch aktualisiert worden sei (Urk. 99 Rz. 39 ff.). Dagegen
spricht jedoch, dass dann nicht nur Kilometerstand, sondern auch die Zeitachse
aktualisiert worden wäre. Die ausgelesene Sekundenzahl ist aber fortlaufend
ohne einen Unterbruch.
4.5.3. Zur Kritik der Verteidigung, der Gutachter habe im Erstgutachten festge-
stellt, dass keine Geschwindigkeiten über 105 bis 117 km/h nachweisbar seien,
wohingegen er bei der Erstellung des zweiten Gutachtens Geschwindigkeiten von
rund 140 km/h feststelle, gilt Folgendes festzuhalten: Das erste Gutachten beruht
auf einer klassischen Rückwärtsberechnung vom Kollisionszeitpunkt aus. Der
Gutachter erwähnt denn auch, dass die ausgelesenen Daten für eine solche
Rückwärtsrechnung nur sehr begrenzt verwertbar seien (Urk. 17 S. 11). In diesem
- 18 -
Zusammenhang ist auch darauf hinzuweisen, dass der Gutachtensauftrag auf der
Behauptung der Verteidigung beruhte, dass die ausgelesenen Daten aus einem
Zeitraum stammten, bevor das ursprüngliche Steuerungsgerät abgehängt worden
sei (Urk. 13; 15). Es erstaunt daher nicht, dass der Gutachter in einem ersten
Schritt nicht die ausgelesenen Daten berücksichtigte, sondern sich der klassi-
schen Rückwärtsberechnungsmethode bediente, um Angaben zur gefahrenen
Geschwindigkeit zu machen.
Bei der Erstellung des Ergänzungsgutachtens berücksichtigte der Gutachter so-
dann zusätzlich die Daten aus der Flickerbox. Dr. E._ war, wie bereits er-
wähnt, bei den nach Erstattung des Erstgutachtens erfolgten Zeugeneinvernahme
von F._ und H._ und auch beim Augenschein am Unfallort dabei.
F._ legte dar, wie die Datenauswertung in den 5 Sekunden Sequenzen er-
folgt und Dr. E._ stellte als Sachverständiger Ergänzungsfragen an den Zeu-
gen. Dr. E._ hält im Ergänzungsgutachten sodann fest, dass er – offensicht-
lich aufgrund der ergänzenden Beweiserhebung – davon überzeugt sei, dass die
Daten vom Unfallzeitpunkt stammten und der Beschuldigte vor dem Unfallzeit-
punkt noch gebremst habe. Entsprechend zog er die Daten in seine Berechnun-
gen mit ein und legte schlüssig dar, mit welcher Geschwindigkeit der Beschuldigte
wenige Sekunden vor der Kollision fuhr, wobei er zugunsten des Beschuldigten
stets mit unteren Werten rechnete. Es ist demnach entgegen der Auffassung der
Verteidigung auf die Erkenntnisse des Gutachters abzustellen.
4.5.4. Im Weiteren besteht für die Behauptung der Verteidigung, eine am Fahr-
zeug hantierende Person habe vor der Erstellung des zweiten Gutachtens den
Computer wieder eingesteckt, keinerlei Anhaltspunkte. Das Fahrzeug des Be-
schuldigten wurde beschlagnahmt und in der Garage Nissan M._ wurden die
Daten durch Herrn J._ bereits am 20. Oktober 2015 ausgelesen. Die von
Herrn J._ ausgelesenen Daten wurden zudem durch den Zeugen F._
bestätigt. Es ist entgegen der Auffassung der Verteidigung als lebensfremd zu er-
achten, dass jemand Drittes ein Interesse daran hat, an der Elektronik des Fahr-
zeugs Manipulationen vorzunehmen.
- 19 -
4.5.5. Zur Behauptung der Verteidigung, das neue Steuergerät hätte die Ge-
schwindigkeit aufgezeichnet und sei durch die "Fachpersonen" versehentlich ge-
löscht worden (Urk. 99 Rz. 10), gilt Folgendes anzumerken: Der Zeuge H._
sagte dazu sachdienlich aus, dass der Motorcomputer zwar Parameter wie die
Geschwindigkeit für etwa 15 bis 20 Minuten aufzeichnen könne. Wenn das Auto
bzw. die Zündung weiterhin an sei, würden die Daten allerdings überschrieben.
Auf Nachfrage gab er an, der Parameter "Geschwindigkeit" sei nur aktiviert, wenn
Rennen gemacht würden. Ob der Parameter auch beim Fahrzeug des Be-
schuldigten aktiviert war, konnte er hingegen nicht sagen (Urk. 26 Frage 37). Eine
Löschung der Daten auf dem neuen Steuergerät durch am Fahrzeug hantierende
Personen ist mithin eine blosse Mutmassung der Verteidigung.
4.5.6. I._ und G._ sagten übereinstimmend aus, dass der Beschuldigte
zu schnell unterwegs gewesen sei. Dass die Geschwindigkeit des Beschuldigten
von ihnen auf etwa 100 km/h oder darüber geschätzt wurde, kommt vor dem Hin-
tergrund, dass der Beschuldigte mit keiner konstanten Geschwindigkeit fuhr und
es sich dabei nur um eine subjektive Wahrnehmung der Unfallbeobachter handelt,
selbstredend weniger Gewicht zu als sogenannten objektiven Beweismitteln. Im-
merhin lassen die Aussagen der Genannten den klaren Schluss zu, dass der Be-
schuldigte nach ihren subjektiven Wahrnehmungen sehr deutlich zu schnell fuhr
(z.B. die Aussage von G._: "megaschnell").
4.5.7. Schliesslich ist entgegen der Auffassung der Verteidigung unerheblich, mit
welcher Geschwindigkeit der vor dem Beschuldigten fahrende weisse SUV unter-
wegs war (Urk. 83 Rz. 12). Einerseits hatte der Beschuldigte eigenen Angaben
zufolge einen Abstand von 60 Metern zum SUV (Urk. 6 Frage 4) und andererseits
kann nicht ausgeschlossen werden, dass auch der SUV Fahrer zu schnell fuhr.
4.6. Nach dem Gesagten ist erstellt, dass sich der Beschuldigte noch in der
Linkskurve mit einer Geschwindigkeit von mindestens 135 km/h der Abbiegung
näherte, dann während 4 Sekunden stark abbremste und dann mit einer Ge-
schwindigkeit von mindestens 105 km/h mit dem Fahrzeug von B._ in der in-
kriminierten Art kollidierte.
- 20 -
III. Schuldpunkt - Rechtliche Würdigung
1. Ausgangslage
Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten der qualifizierten groben Verletzung der
Verkehrsregeln nach Art. 90 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 4a Abs. 1 lit. b
VRV schuldig (Urk. 80 S. 28 ff.).
2. Qualifizierte grobe Verkehrsregelverletzung
2.1. Vorab kann bezüglich der rechtlichen Grundlagen auf die Erwägungen der
Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 88 S. 25 ff.). Wer durch vorsätzliche Ver-
letzung elementarer Verkehrsregeln das hohe Risiko eines Unfalls mit Schwer-
verletzten oder Todesopfern eingeht, namentlich durch besonders krasse Miss-
achtung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit, waghalsiges Überholen oder
Teilnahme an einem nicht bewilligten Rennen mit Motorfahrzeugen, macht sich
der qualifizierten groben Verkehrsregelverletzung i.S.v. Art. 90 Abs. 3 SVG straf-
bar. Die besonders krasse Missachtung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit
umschreibt das Gesetz mit den in Art. 90 Abs. 4 verbindlich festgehaltenen
Schwellenwerten, wobei Abs. 3 auch erfüllt werden kann, ohne dass diese
Schwellenwerte erreicht werden (ORF Kommentar StGB/JStGB, Hans Mauer,
20. Aufl. 2018, Art. 90 SVG Rz. 29). Die Raser-Strafnorm kann mithin auch bei
geringeren Geschwindigkeitsüberschreitungen als den in Absatz 4 der Norm ge-
nannten Schwellen erfüllt sei, wobei die Verfehlung aufgrund der Umstände in
vergleichbarer Schwere wie die in Art. 90 Abs. 4 SVG genannten Fälle von Ge-
schwindigkeitsexzessen sein muss (Kommentar zum Strassenverkehrsgesetz und
Ordnungsbussengesetz, Philippe Weissenberger, 2015, Art. 90 Rz. 138 ff.). Dem-
gegenüber kann die grobe Verkehrsregelverletzung i.S.v. Art. 90 Abs. 2 SVG
auch fahrlässig begangen werden (ORF Kommentar SVG, Hans Geiger, 8. Aufl.,
Art. 90 Rz. 11).
2.2. Gemäss Art. 12 Abs. 2 StGB handelt vorsätzlich, wer die Tat mit Wissen
und Willen ausführt. Vorsätzlich handelt auch bereits, wer die Verwirklichung der
Tat für möglich hält und in Kauf nimmt. Die Abgrenzung zwischen Eventualvorsatz
und bewusster Fahrlässigkeit kann im Einzelfall schwierig sein. Sowohl der even-
- 21 -
tualvorsätzlich als auch der bewusst fahrlässig handelnde Täter wissen um die
Möglichkeit des Erfolgseintritts beziehungsweise um das Risiko der Tatbestands-
verwirklichung. Hinsichtlich der Wissensseite stimmen somit beide Erscheinungs-
formen des subjektiven Tatbestands überein. Unterschiede bestehen jedoch beim
Willensmoment. Der bewusst fahrlässig handelnde Täter vertraut (aus pflicht-
widriger Unvorsichtigkeit) darauf, dass der von ihm als möglich vorausgesehene
Erfolg nicht eintreten, das Risiko der Tatbestandserfüllung sich mithin nicht ver-
wirklichen werde. Demgegenüber nimmt der eventualvorsätzlich handelnde Täter
den Eintritt des als möglich erkannten Erfolgs ernst, rechnet mit ihm und findet
sich mit ihm ab. Wer den Erfolg dergestalt in Kauf nimmt, "will" ihn im Sinne von
Art. 18 Abs. 2 aStGB. Nicht erforderlich ist, dass der Täter den Erfolg "billigt"
(BGE 133 IV 9 E. 4.1, eingehend BGE 96 IV 99 S. 101; BGE 130 IV 58 E. 8.3
m.w.H.).
Ob der Täter die Tatbestandsverwirklichung in diesem Sinne in Kauf genommen
hat, muss der Richter – bei Fehlen eines Geständnisses des Beschuldigten –
aufgrund der Umstände entscheiden. Dazu gehören die Grösse des dem Täter
bekannten Risikos der Tatbestandsverwirklichung, die Schwere der Sorgfalts-
pflichtverletzung, die Beweggründe des Täters und die Art der Tathandlung. Je
grösser die Wahrscheinlichkeit der Tatbestandsverwirklichung ist und je schwerer
die Sorgfaltspflichtverletzung wiegt, desto näher liegt die Schlussfolgerung, der
Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen. Der Richter darf
vom Wissen des Täters auf den Willen schliessen, wenn sich dem Täter der Ein-
tritt des Erfolgs als so wahrscheinlich aufdrängte, dass die Bereitschaft, ihn als
Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des Erfolgs ausge-
legt werden kann (BGE 130 IV 58 E. 8.4; BGE 125 IV 242 E. 3c mit Hinweisen).
Eventualvorsatz kann indessen auch vorliegen, wenn der Eintritt des tatbe-
standsmässigen Erfolgs nicht in diesem Sinne sehr wahrscheinlich, sondern bloss
möglich war. Doch darf nicht allein aus dem Wissen des Täters um die Möglich-
keit des Erfolgseintritts auf dessen Inkaufnahme geschlossen werden. Vielmehr
müssen weitere Umstände hinzukommen (BGE 131 IV 1 E. 2.2; BGE 125
IV 242 E. 3 f).
- 22 -
Was der Täter wusste, wollte und in Kauf nahm, betrifft sog. innere Tatsachen
und ist damit eine Tatfrage. Eine Rechtsfrage ist hingegen, ob im Lichte der fest-
gestellten Tatsachen der Schluss auf Eventualvorsatz begründet ist. Es ist aller-
dings nicht zu übersehen, dass sich insoweit Tat- und Rechtsfragen teilweise
überschneiden. Der Sachrichter hat daher die in diesem Zusammenhang relevan-
ten Tatsachen möglichst erschöpfend darzustellen, damit erkennbar wird, aus
welchen Umständen er auf Eventualvorsatz geschlossen hat (BGE 130 IV 58
E. 8.5; BGE 125 IV 242 E. 3c, je mit Hinweisen). Zu diesen Faktoren gehören das
geschaffene Ausmass sowie die Zeitspanne der Gefährdung, die Intensität der
Sorgfaltspflichtverletzung, das Handlungsziel und die Motivation, die sich aus der
Tat herauslesen lässt, die Handlungsmacht in der konkreten Situation, die Mög-
lichkeit, die Situation einzuschätzen, die Selbstgefährdung, die Einstellung zur
Tatbestandsverwirklichung und Massnahmen zur Erfolgsverhinderung (Bürgi, Der
Raser im Strafrecht, Zürich/Basel/Genf 2014, S. 84 m.w.H.).
Bei Unfällen im Strassenverkehr kann nach der bundesgerichtlichen Recht-
sprechung nicht ohne Weiteres aus der hohen Wahrscheinlichkeit des Eintritts
des tatbestandsmässigen Erfolgs auf dessen Inkaufnahme geschlossen werden.
In BGE 133 IV 9 erwog das Bundesgericht, erfahrungsgemäss neigten Fahr-
zeuglenker dazu, einerseits die Gefahren zu unterschätzen und andererseits ihre
Fähigkeiten zu überschätzen, weshalb ihnen unter Umständen das Ausmass des
Risikos der Tatbestandsverwirklichung nicht bewusst sei. Einen unbewussten
Eventualdolus aber gebe es nicht. Eventualvorsatz in Bezug auf Verletzungs- und
Todesfolgen sei bei Unfällen im Strassenverkehr daher nur mit Zurückhaltung in
krassen Fällen anzunehmen, in denen sich aus dem gesamten Geschehen ergibt,
dass der Fahrzeuglenker sich gegen das geschützte Rechtsgut entschieden habe
(a.a.O. E. 4.4).
2.3. Der Beschuldigte fuhr vorliegend mit einer Geschwindigkeit von min-
destens 135 km/h aus der Linkskurve heraus und hatte keine Chance, vor der
Kollision noch rechtzeitig zu bremsen. Dabei überschritt er die erlaubte Höchst-
geschwindigkeit von 80 km/h um 55 km/h, weshalb ohne Weiteres eine grobe
Verletzung einer elementaren Verkehrsregel (Art. 32 Abs. 2 SVG, Art. 4a Abs. 1
- 23 -
lit. b VRV) vorliegt (BGE 121 IV 230 E. 2c; Urteil des Bundesgerichts
6B_1349/2017 vom 2. Oktober 2018 E. 2.1. und 2.2.). Hätte der Beschuldigte sich
generell an das Geschwindigkeitslimit gehalten, hätte er das begonnene korrekte
Abbiegemanöver von B._ deutlich früher erkennen können und die Kollision
hätte vermieden werden können (Urk. 17 S. 17). Gemäss überzeugender
Schlussfolgerung im Gutachten bremste der Beschuldigte noch während
4 Sekunden stark ab und kollidierte dann mit einer Geschwindigkeit von mindes-
tens 105 km/h mit dem Fahrzeug von B._. B._ erlitt durch die Kollision
Verbrennungen an ihrer rechten Hand (Urk. 1 S. 1). Es handelt sich um eine Stre-
cke, bei der Fahrzeuge von der Gegenfahrbahn nach links Richtung C._ ab-
biegen. Die Vorinstanz wies daher zu Recht darauf hin, dass aufgrund dieser Ver-
kehrssituation, d.h. dem Herausfahren aus einer Linkskurve und der Konfrontation
mit einer Abbiegemöglichkeit in einer Querstrasse wenige Sekunden danach, die
massive Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit ein hohes Risiko eines Un-
falls mit Schwerverletzten oder Todesopfern beinhalte. Der Beschuldigte kannte
diese Strecke und "die Problematik" der Einmündung sehr gut (vgl. Urk. 6 Frage
5). Nach der Linkskurve war mit abbiegenden Fahrzeuglenkern zu rechnen. Es
handelt sich mithin um ein qualifiziert rücksichtsloses und gefährliches Fahrver-
halten des Beschuldigten, dass er dennoch mit einer Geschwindigkeit von min-
destens 135 km/h aus der Kurve fuhr und damit die zulässige Höchstgeschwin-
digkeit um 55 km/h überschritt. B._ wurde einem Unfallrisiko konkret ausge-
setzt. Die konkrete Gefährdung verwirklichte sich denn auch, indem es zu einer
Kollision kam. Es ist nur äusseren Umständen bzw. dem Zufall zuzuschreiben,
dass sie oder Dritte nicht schwerer verletzt wurden. Die vom Beschuldigten be-
gangene Verfehlung ist nach dem Dargelegten in ihrer Schwere vergleichbar mit
den Geschwindigkeitsexzessen in Art. 90 Abs. 4 SVG.
2.4. In subjektiver Hinsicht ist festzuhalten, dass der Beschuldigte mit einer
stark überhöhten Geschwindigkeit aus der Linkskurve fuhr, obwohl ihm diese
problematische Strecke bestens bekannt war, d.h. er die Abbiegemöglichkeit
kannte, und selbst darauf hinwies, dass es dort immer wieder zu Unfällen komme
(Urk. 6 S. 2; Urk. 35a S. 5 und Prot. I S. 10). Er wusste, dass die Höchst-
geschwindigkeit 80 km/h beträgt und fuhr dennoch mit mindestens 135 km/h aus
- 24 -
der Linkskurve heraus. Dabei musste er sich im Klaren sein, dass es ihm nicht
möglich sein würde, innerhalb weniger Sekunden bei einem auftretenden Hinder-
nis adäquat zu reagieren und so stark abzubremsen, um eine Kollision verhindern
zu können. Der Beschuldigte wusste mithin, dass er durch seine krasse Über-
schreitung der Höchstgeschwindigkeit eine elementare Verkehrsregel verletzt und
dadurch in dieser Verkehrssituation das hohe Risiko eines Unfalls mit Schwer-
verletzten oder Todesopfern eingeht. Es entspricht der allgemeinen Lebenserfah-
rung, dass bei derart hohen Geschwindigkeiten und kurzer Reaktionsmöglichkeit
aufgrund des Herausfahrens aus einer Linkskurve bei einer Kollision mit einem
abbiegenden Fahrzeug nicht nur mit einem Sachschaden zu rechnen ist, sondern
andere Fahrzeuglenker mindestens schwere Verletzungen davon tragen könnten.
Der Beschuldigte kannte die Örtlichkeit und bezeichnete sie selber als den "Un-
fallschwerpunkt". Durch sein Handeln nahm er das hohe Risiko eines Unfalls mit
Schwerverletzen oder gar Todesopfern demnach auch in Kauf. Der subjektive
Tatbestand von Art. 90 Abs. 3 SVG ist nach dem Gesagten ebenfalls erfüllt.
IV. Strafzumessung
1. Allgemeines
Die Vorinstanz hat die allgemeinen Grundsätze zur Strafzumessung in ihrem Ent-
scheid richtig wiedergegeben und zutreffend darauf hingewiesen, dass zwischen
Tat- und Täterkomponente zu unterscheiden ist. Darauf kann verwiesen werden
(Urk. 86 S. 32 ff.).
2. Konkrete Strafzumessung
2.1. Tatschwere
2.1.1. Bezüglich der objektiven Tatschwere ist festzuhalten, dass der Beschuldig-
te die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h um mindestens 55 km/h über-
schritt und mit einer Geschwindigkeit von mindestens 135 km/h aus der Links-
kurve heraus fuhr, obwohl ihm diese Strecke als Unfallschwerpunkt bestens be-
kannt war. Durch dieses qualifiziert rücksichtslose Fahrverhalten war es ihm un-
möglich, auf ein Hindernis, wie namentlich einen abbiegenden Fahrzeuglenker,
- 25 -
adäquat zu reagieren. Der Beschuldigte bremste zwar noch wenige Sekunden vor
der Kollision stark abzubremsen, kollidierte aber immer noch mit einer Ge-
schwindigkeit von mindestens 105 km/h mit dem abbiegenden Fahrzeug von
B._. Das hohe Risiko eines Unfalls mit Schwerverletzen oder Todesopfern
war durch die massive Überschreitung der Geschwindigkeit und die Verkehrs-
situation (Abbiegemöglichkeit von der Gegenfahrbahn nach der Linkskurve) im-
manent. Dass sich B._ "nur" leichte Verletzungen zuzog und nicht noch wei-
tere Dritte zu Schaden gekommen sind, kann dem Beschuldigten nicht zugute
gehalten werden, da er darauf keinen Einfluss hatte. Die objektive Tatschwere ist
innerhalb des strengen Strafrahmens als knapp noch leicht zu erachten.
2.1.2. Zur subjektiven Tatschwere ist anzuführen, dass der Beschuldigte wusste,
dass auf der Strecke höchstens mit 80 km/h gefahren werden darf. Dennoch fuhr
er mit mindestens 135 km/h, weshalb er um die Geschwindigkeitsüberschreitung
wusste und dies auch wollte. Das hohe Risiko von Schwerverletzten oder Todes-
opfern nahm er billigend in Kauf. Wenn der Beschuldigte sich an die maximal er-
laubte Geschwindigkeit gehalten hätte, hätte er adäquat reagieren können. Das
gezeigte Verhalten des Beschuldigten ist egoistisch, rücksichtslos und verwerflich.
Dass der Beschuldigte vor der Kollision noch stark abbremste, ist leicht zu seinen
Gunsten zu berücksichtigen. Die subjektive Tatschwere ist ebenfalls knapp noch
als leicht zu erachten.
2.1.3. Die von der Vorinstanz festgelegte Einsatzstrafe von 17 Monaten Freiheits-
strafe ist sicher nicht zu hoch.
2.2. Täterkomponente
2.2.1. Bezüglich der persönlichen Verhältnisse und dem Vorleben des Beschul-
digten kann auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 80
S. 35). Daraus lässt sich nichts Strafzumessungsrelevantes ableiten.
2.2.2. Der Beschuldigte hat eine Vorstrafe aus dem Jahr 2014. Er wurde mit
Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 4. März 2014 wegen
einer Widerhandlung gegen das Ausländergesetz mit einer Geldstrafe von
- 26 -
60 Tagessätzen zu Fr. 30.–, unter Ansetzung einer zweijährigen Probezeit, sowie
einer Busse von Fr. 600.– bestraft (Urk. 82). Da es sich um keine einschlägige
Vorstrafe handelt und sie schon ein paar Jahre zurückliegt, ist die Einsatzstrafe
nur sehr leicht zu erhöhen.
2.2.3. Der Beschuldigte stellte sich konstant auf den Standpunkt, nur ungefähr
80 bis 90 km/h gefahren zu sein und sah die Schuld für den Unfall bei B._.
Sein Nachtatverhalten kann ihm nicht zugute gehalten werden.
2.3. Fazit
In Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils ist der Beschuldigte mit einer Frei-
heitsstrafe von 18 Monaten zu bestrafen.
V. Strafvollzug / Widerruf
1. Strafvollzug
Bezüglich der Voraussetzungen für eine bedingte Freiheitsstrafe kann auf die Er-
wägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 86 S. 37). Der Beschuldigte
verfügt zwar über eine Vorstrafe, welche indessen nicht einschlägig ist. Es ist da-
von auszugehen, dass der Beschuldigte durch die Ausfällung einer bedingten
Freiheitsstrafe genügend beeindruckt sein wird, um nicht erneut strafrechtlich in
Erscheinung zu treten. Da der Beschuldigte jedoch innerhalb der mit Strafbefehl
der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 4. März 2014 delinquierte, er-
scheint es in Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils angemessen, die Probezeit
auf 3 Jahre, anstatt minimal 2 Jahre, festzusetzen (vgl. Art. 44 Abs. 1 StGB).
2. Widerruf
2.1. Die Vorinstanz sah vom Widerruf der mit Strafbefehl der Staatsanwalt-
schaft Basel-Landschaft vom 4. März 2014 bedingt ausgefällten Geldstrafe ab
und verlängerte indessen die Probezeit um ein Jahr (Urk. 86 S. 38 f.).
2.2. Nach Art. 46 Abs. 5 StGB darf ein Widerruf nicht mehr angeordnet werden,
wenn seit dem Ablauf der Probezeit drei Jahre vergangen sind. Mit Strafbefehl der
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Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 4. März 2014 wurde eine Probezeit
von 2 Jahren festgelegt (Urk. 82). Bereits zum Zeitpunkt des erstinstanzlichen
Entscheides waren demnach mehr als 3 Jahre seit dem Ablauf der Probezeit ver-
gangen. Ein Widerruf bzw. eine Verlängerung der Probezeit ist daher von Ge-
setzes wegen nicht mehr möglich.
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Der Beschuldigte unterliegt mit seiner Berufung vollumfänglich, weshalb ihm
ausgangsgemäss die Kosten der Untersuchung sowie des erst- und zweitinstanz-
lichen Verfahrens aufzuerlegen sind. Die Kosten der amtlichen Verteidigung wer-
den unter Vorbehalt der Nachzahlungspflicht nach Art. 135 Abs. 4 StPO auf die
Gerichtskasse genommen.
2. Die amtliche Verteidigung macht für ihre Aufwendungen und Auslagen für
das Berufungsverfahren ein Honorar von Fr. 5'983.50 (inkl. MwSt.) geltend
(Urk. 96). Da die Berufungsverhandlung nur etwa drei Stunden dauerte
(vgl. Prot. II S. 4 und 12) erscheint es angemessen, die amtliche Verteidigung mit
Fr. 5'300.– (inkl. MwSt.) pauschal zu entschädigen.