# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** afd1339b-3c65-4518-a06d-71aae043b123
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt
A. Am 23. März 2021 stellte B._ beim Regionalgericht Plessur ein Gesuch um (superprovisorischen) Erlass und Abänderung vorsorglicher Massnahmen hinsichtlich eines unbegleiteten Besuchs- und Ferienrechts (Proz. Nr. 135-2021-207) in dem seit 10. Oktober 2018 zwischen ihm und A._ hängigen Scheidungsverfahren (Proz. Nr. 135-2018-826).
B. Das Gesuch erfolgte im Nachgang und aus Anlass des mit Urteil des Regionalgerichts Plessur vom 9. November 2020 (Proz. Nr. 515-2019-20) gegenüber B._ ergangenen Freispruchs vom Vorwurf der mehrfachen sexuellen Handlungen mit der Halbschwester (C._) der Tochter der Parteien (D._) und des im Scheidungsverfahren eingeholten Gutachtens E._ vom 10. März 2021 zur Erziehungs- und Betreuungsfähigkeit der Parteien.
C. Nach Abweisung des Gesuchs um superprovisorische Anordnung der beantragten Massnahmen erkannte der Einzelrichter für Zivilsachen am Regionalgericht Plessur mit Entscheid vom 12. Mai 2021, im Dispositiv mitgeteilt am 2. Juni 2021, begründet mitgeteilt am 25. August 2021, wie folgt:
1. Zugunsten von D._, geb._2011, werden – bis zur Vollstreckbarkeit des Entscheids in der Hauptsache – folgende Kindesschutzmassnahmen angeordnet:
a. A._ und B._ wird das Aufenthaltsbestimmungsrecht über D._ entzogen (Art. 310 Abs. 1 ZGB).
b. D._ wird in angemessener Weise ausserhalb der Familie bei Dritten untergebracht, d.h. fremdplatziert (Art. 310 Abs. 1 ZGB).
c. Für D._ wird eine therapeutische Begleitung durch eine neue, unabhängige psychiatrische Fachperson mit folgenden Aufgaben angeordnet:
i. Der Inhalt der Einzelpsychotherapie richtet sich nach den Empfehlungen im Gutachten der E._ vom 10.03.2021 (S. 77 mit entsprechender Begründung).
ii. Dem Therapeuten/Der Therapeutin kommt die Aufgabe zu, die Besuchstage von B._ mit D._ zur Klärung der Befindlichkeiten zeitnah nachzubereiten und den Beistand bei Besonderheiten, mindestens alle sechs Monate, zu informieren.
iii. Dem Therapeuten/Der Therapeutin kommt die Aufgabe zu, den Beistand zu informieren, sobald das Wohl von D._ eine Erweiterung des Besuchsrechts von B._ mit Übernachtung gemäss Ziffer 2/c zulässt.
iv. Dem Therapeuten/Der Therapeutin kommt die Aufgabe zu, den Beistand zu informieren, sobald das Wohl von D._
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eine Erweiterung des Besuchsrechts von A._ gemäss Ziffer 2/b zulässt.
d. Für A._ wird gestützt auf Art. 307 ZGB eine Sozialpädagogische Familienbegleitung (SPF) angeordnet.
i. Die SPF soll A._ dabei unterstützen, die im Gutachten der E._ vom 10.03.2021 (insbesondere S. 66-68) aufgezeigten Defizite im Umgang mit und in der Erziehung von D._ aufzuarbeiten.
ii. Die SPF begleitet die Ausübung des Besuchsrechts durch A._ und erstattet dem Therapeuten/der Therapeutin von D._ periodisch – mindestens zweimonatlich – Bericht über den Verlauf des Besuchsrechts.
e. A._ wird im Sinne einer Weisung nach Art. 307 ZGB verpflichtet, an einer Sucht- sowie Gewaltberatung teilzunehmen.
f. B._ und A._ werden im Sinne einer Weisung nach Art. 307 ZGB verpflichtet, den Kurs "Kinder im Blick" der E._ zu besuchen.
g. Die von der KESB Nordbünden mit Entscheid vom 13.07.2017 für D._ errichtete Beistandschaft wird fortgeführt.
Die dem Beistand übertragenen Aufgaben und Kompetenzen im Rahmen der Erziehungsbeistandschaft (Art. 308 Abs. 1 ZGB) sowie der Beistandschaft mit besonderen Befugnissen (Art. 308 Abs. 2 ZGB) werden wie folgt konkretisiert bzw. ergänzt:
i. B._ in erzieherischen Belangen zur Seite stehen, ihn angemessen beraten und unterstützen;
ii. Die Tätigkeiten des Beistands und der SPF bezüglich der Unterstützung von A._ in erzieherischen Belangen koordinieren;
iii. Die Ausübung des persönlichen Verkehrs mit D._ durch die Eltern koordinieren, sie beraten und unterstützen.
Zur Koordination gehört auch, den Zeitpunkt für die Erweiterungen des Besuchsrechts (vgl. Ziffern 1/c/iii und 1/c/iv) zu bestimmen und allen Beteiligten zu kommunizieren.
iv. Im Konfliktfall im Rahmen der gerichtlichen Regelung über den persönlichen Verkehr konkrete Modalitäten zur Umsetzung festlegen;
v. Unterstützung der Schule, um D._ adäquat zu fördern;
vi. Bestimmung des Therapeuten/der Therapeutin gemäss Ziffer 1/c;
vii. Sämtlichen an der Betreuung und Förderung von D._ beteiligten Dritten (SPF, Therapeuten, Schule etc.) als Ansprechperson zur Verfügung stehen und ihre Tätigkeiten koordinieren;
viii. Entgegennahme der von B._ zu leistenden Unterhaltsbeiträge (vgl. Ziffer 4) und Verwendung zugunsten des Unterhalts von D._.
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2. A._ und B._ wird das Recht eingeräumt, D._ – nach erfolgter Fremdplatzierung bis zur Vollstreckbarkeit des Entscheids in der Hauptsache – gemäss den nachfolgenden Regelungen zu sich zu Besuch zu nehmen:
a. Das Besuchsrecht besteht abwechslungsweise an den Wochenenden mit gerader Wochenzahl. An den Wochenenden mit ungerader Wochenzahl wird kein Besuchsrecht eingeräumt. Das erste Besuchsrecht der Eltern nimmt B._ wahr.
b. In Bezug auf A._ gilt was folgt:
i. Die Übergabe und Besuche erfolgen zuerst im Rahmen der SPF mit einem zeitlichen Umfang von zwei bis vier Stunden – je nach Verfügbarkeit der Begleitperson – an einem Tag pro Wochenende;
ii. In diesem zeitlichen Rahmen können zunehmende Belastungserprobungen stattfinden, indem A._ mit D._ Aktivitäten organisiert und unter- nimmt;
iii. Bei guter Entwicklung der Besuchskontakte (insbesondere guter Kooperation durch A._) können diese – auch ohne SPF-Begleitung – stufenweise wie folgt weiter ausgedehnt werden:
1. bis zu einem Tag von 9.00 Uhr bis 19.00 Uhr;
2. ein ganzes Wochenende mit Übernachtung von Samstag, 9.00 Uhr, bis Sonntag, 19.00 Uhr;
3. einwöchige Ferien und mehrwöchige Ferien.
c. In Bezug auf B._ gilt was folgt:
i. In einer ersten Phase ist B._ berechtigt, D._ für jeweils einen Tag (Samstag oder Sonntag), von 9.00 Uhr bis 19.00 Uhr, ohne Begleitung zu sich zu Besuch zu nehmen.
ii. In einer zweiten Phase kann das Besuchsrecht auf zwei Tage mit Übernachtung, von Samstag, 9.00 Uhr, bis Sonntag, 19.00 Uhr, ausgedehnt werden.
d. Bis zur erfolgten Fremdplatzierung gilt bezüglich des Besuchsrechts von B._ das Regime gemäss Entscheid des Regionalgerichts Plessur vom 23.07.2019 (Proz. Nr. 135-).
3. Die zuständige Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) wird mit dem Vollzug betraut, verbunden mit dem höflichen Ersuchen, die Kindesschutzmassnahmen möglichst schnell – einzelne allenfalls vorweg – umzusetzen.
4. a) B._ wird verpflichtet, an den Unterhalt von D._ – nach erfolgter Fremdplatzierung bis zur Vollstreckbarkeit des Entscheids in der Hauptsache – einen monatlich im Voraus zahlbaren Barunterhalt von CHF 1'370.00, zuzüglich allfällig vertraglich geregelter und gesetzlicher Kinder- und Ausbildungszulagen, zu bezahlen. Der Unterhaltsbeitrag ist an den Beistand zu leisten. Die elterliche Sorge von B._ und A._ wird im entsprechenden Umfang eingeschränkt.
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b) Bis zur erfolgten Fremdplatzierung gilt die Unterhaltspflicht gemäss Entscheid des Kantonsgerichts von Graubünden vom 12.06.2018 (ZK1 16 82).
c) A._ wird mangels Leistungsfähigkeit nicht zur Bezahlung von Unterhalt für D._ verpflichtet.
5. Im Übrigen werden die Rechtsbegehren abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann.
6.a) Die Gerichtskosten von CHF 4'000.00 gehen je zur Hälfte (CHF 2'000.00) zu Lasten von B._ und A._.
b) Jede Partei trägt ihre Parteikosten selber.

## Considerations