# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** e1017e1e-f4c6-5274-9d16-9753131a4eb2
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1966, arbeitete ab dem
1.
Dezember 2008 vollzeitlich als diplomierter Augenoptiker bei der
Y._
AG und war durch
die Arbeitgeberin
bei der Helsana Zusatzversicherungen AG (Helsana)
gegen krank
heitsbedingten Erwerbsausfall kollektivversi
chert; vereinbart war
ein Kranken
taggeld von 80 % des effektiven Lohnes, das - unter Anrechnung an eine Wartefrist von 30 Tagen - für eine Leistungsdauer von maximal 730 Tagen pro Fall geschuldet war (Police vom 2
7.
November 2013
, Urk.
12/3; Allgemeine Versicherungs
bedingungen
[AVB]
für die Helsana Business
Salary
Kollektiv-Taggeldversicherung nach VVG, Ausgabe 2014,
Urk.
12/4).
1.2
Ab dem 2
9.
April 2015 war der Versicherte aufgrund der Diagnose einer bipolaren affektiven Störung ganz oder teilweise arbeitsunfähig (vgl. die Krankmeldung vom 1
2.
Mai 2015,
Urk.
12/8, sowie den Bericht von
Dr.
med. Z._
, Spezial
ärztin für Psychiatrie und Psychother
apie, vom 2
0.
August 2015, Urk.
12/16, und den Bericht der Klinik
A._
vom 1
6.
November 2015
über die stationäre Behandlung von Ende Juli bis Mitte September 2015
, Urk.
12/32).
Die Helsana er
brachte
nach Ablauf der
30tägigen Wartefrist
Taggelder (vgl. die Aufstellung in
Urk.
12/5) und leitete ein Case-Management in die Wege (vgl. die Kurz-Situationsanalyse der
B._
AG vom 2
2.
Oktober 2015,
Urk.
12/28).
Im Januar/Februar 2016 nahm der Versicherte eine Behandlung in der Ta
ges
klinik des Psychiatrie-Zentr
ums
C._
auf (Bericht des Psychiatrie-Zentrums vom 1
7.
März 2016,
Urk.
12/51)
, und am 2
9.
April 2016 trat er einen nochmaligen stationären Aufenthalt in der Klinik
A._
an
, der bis zum 2
1.
Juli 2016 dauerte (Bericht der Klinik vom
1.
August 2016,
Urk.
12/72). Das
Case-Management lief während dieser Behandlung
zunächst
weiter und wurde
Anfang Juni 2016
beendet, nachdem die
Y._
AG die Kündigung des
Arbeitsverhältnis
ses
mit dem Versicherten pe
r Ende Juli 2016 ausgesprochen hatte
(vgl. den
Schlussbericht der
B._
AG vom 1
0.
Juni 2016,
Urk.
12/62 S. 10 und S. 17).
Mit Schreiben vom 1
5.
Juli 2016 informierte die Helsana den Versicherten über dessen Möglichkeiten, in die Einzelversicherung überzutreten (
Urk.
12/66).
Dieser ersuchte am 2
6.
Juli 2016 (Eingangsdatum) mit dem einschlägigen Talon um Zustellung einer Offerte für diesen Übertritt (
Urk.
12/69); der Übertritt kam in der Folge jedoch nicht zustande
, nachdem der Versicherte sich
nicht dazu hatte entschliessen
können
(vgl. die E-Mail-Kor
r
espondenz
vom 5./
6.
September 2016,
Urk.
12/78 und
Urk.
12/80).
1.3
Am
1.
September 2016 nahm der Versicherte
die Tätigkeit
bei der
Y._
AG
in einem reduzierten Pensum von 30
%
wieder auf und steigerte dieses Pensum bis zum 3
0.
Juni 2017 sukzessive auf 80
%
.
In diesem gesamten Zeitraum erhielt der Versicherte Taggelder der Invalidenversicherung unter dem Titel der Eingliederungsmassnahme «Support am Arbeitsplatz» (vgl. die Verfügungen der Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, IV-Stelle, vom
5.
September und vom
1.
Dezember 2016 sowie vom 2
4.
Februar und vom
8.
Juni 2017
,
Urk.
12/79,
Urk.
12/87,
Urk.
12/89 und
Urk.
12/91).
Mit Vertrag vom 2
6.
Juni 2017 stellte die
Y._
AG den Versicherten per
1.
Juli 2017 zum Pensum v
on 80
%
regulär ein (
Urk.
2/5).
Die IV-Stelle eröffnete ihm daraufhin m
it Mitteilung vom 1
1.
August 2017, dass er keinen Anspruch mehr auf be
rufliche Massnahmen habe
(
Urk.
12/94
); des
Weiteren verneinte
sie
mit Verfügung vom 3
1.
Oktober 2017 den Anspruch des Versicher
ten auf eine Invalidenrente (
Urk.
12/95).
In der Folge meldete die
Y._
AG der Helsana
, bei welcher der Versicherte im Rahmen seiner Anstellung erneut kollektivversichert war
(vgl. die
neue
Police vom 1
0.
November 2016,
Urk.
12/
86),
am
1
4.
November 2018 eine Arbeitsunfähigkeit des Versicherten ab dem
2
8.
Oktober 2018 (
Urk.
12/97; ä
rztliches Zeugnis in
Urk.
12/96)
.
A
m
3.
Dezember 2018 teilte die Arbeitgeberin der Helsana sodann mit, dass der Versicherte die Arbeit an diesem Tag wieder vollumfänglich aufgenommen habe (
Urk.
12/101).
1.4
Per 3
1.
Januar 2019 wurde das Arbeitsverhältnis zwischen der
Y._
AG und
dem Versicherten durch
Kündigung
des
Letzteren
beendet (vgl. das Arbeitszeugnis
vom 3
1.
Januar 2019,
Urk.
2/8). Die Arbeitgeberin mel
dete der Helsana diese Beendigung
mit Formula
r vom 2
7.
Februar 2019, und der Versicherte bestätigte mit Erklärung vom
1.
März 2019 auf demselben Formular,
dass er über sein Recht zum Übertritt in die
Einzelversicherung orientiert sei, und
ersuchte
gleichzeitig um eine Offer
te für diesen Übertritt
(
Urk.
12/104). Zuvor hatte er sich bei der Helsana bereits telefonisch nach der
Übertrittsmöglichkeit
erkundigt und dabei mitgeteilt, dass er ab dem 1
3.
Februar 2019 wieder zu 100
%
arbeitsunfähig sei (E-Mail der Helsana vom 2
6.
Februar 2019,
Urk.
12/103; Arbeitsunfä
higkeitszeugnis von
Dr.
med. D._
, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 1
3.
Februar 2019,
Urk.
12/102).
Die Helsana stellte dem Versicherten daraufhin
mit Schreiben vom
3.
April 2019 (
Urk.
2/6)
die Offerte vom
3.
April 2019 zu, die den Abschluss der Einzelversiche
rung SALARIA Taggeld-Versicherung (
VVG) per
1.
Februar 2019 vorsah. Nachdem der Versicherte die Offerte am 1
1.
April 2019 unterzeichnet hatte
(
Urk.
2/9),
fertigte
die Helsana am
9.
Mai 2019 die Versicherungspolice
aus (
Urk.
2/2; Allgemeine Versicherungsbedingungen
[AVB] für die Kranken
zusatz
versicherungen [KZV], Ausgabe
1.
Januar 2014,
Urk.
2/4; Zusätzliche Versich
erungsbedingungen [ZVB] SALARIA
Taggeld-Versicherung, Ausgabe 2008,
Urk.
2/20).
Mit Meldung vom
7.
Mai 2019 hatte der Versicherte der Helsana seine Arbeits
unfähigkeit ab dem 1
3.
Februar 2019 förmlich mitgeteilt (
Urk.
12/109). Die Helsana beschied ihm daraufhin am 1
2.
Juni 2019, dass er für diese Arbeitsun
fähigkeit keinen Anspruch auf Taggeld
er
habe, da er bereits vor dem Übertritt in die Einzelversicherung
arbeitsunfähig gewesen sei (
Urk.
12/115
; vgl. auch
das E-Mail der Helsana vom 2
8.
Juni 2019,
Urk.
2/22
). Der Versicherte, vertreten durch die Fortuna Rechtsschutz-Versicherungs-Gesellschaft AG, liess am
1
1.
Juli 2019 Einwendungen vorbringen (
Urk.
12/116). Mit Schreiben vom 2
0.
September 2019 hielt die Helsana an ihrem Bescheid fest, bot dem Versicherten jed
och an, die Taggeldversicherung
ab dem
1.
Februar 2019 aufzuheben und ihm die bezahlten Prämien zurückzuerstatten (
Urk.
12/120).
Ausserdem teilte sie ihm mit Schreiben vom 1
9.
November 2019 mit, dass
sie für die Arbeitsunfähigkeit in der Zeit vom 2
8.
Oktober bis zum
3.
Dezember 2018
ebenfalls keine Taggelder erbringe, da er wegen des
ihr
zugrunde liegenden
Leidens bereits vom 2
9.
April 2015 bis zum 3
0.
April 2017 Taggeldleistungen bezogen habe und die maximale Leistungs
dauer per 3
0.
April 2017 errei
cht worden sei, sodass für die ent
sprechende
Diagnose kein Anspruch mehr auf Taggelder bestehe (
Urk.
12/126).
2.
Mit Eingabe vom 2
1.
Februar 2020 liess
X._
, vertreten durch Rechts
anwältin
Evalotta
Samuelsson, gegen die Helsana Klage erheben (
Urk.
1
und die damit eingereichten Unterlagen,
Urk.
2/2-23
) mit den Anträgen (
Urk.
1 S. 2):
«1.
Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger CHF 28'380.-- zu bezahlen, zuzüglich Verzugszins von 5
%
seit dem 12.06.2019;
2.
Eventualiter sei die Beklagte
zu verpflichten, dem Kläger CHF
4'112.80
,
zuzüglich 5
%
Zins seit dem 1.02.2019 zu bezahlen;
3.
Die vorliegende Klage sei als Teilklage zu behandeln, wovon
Vormerk
zu nehmen sei;
4.
Das Verfahren sei zunächst auf die Frage der Nichtigkeit oder Teilnichtigkeit der vorliegenden Versicherungspolice zu beschränken;
alles unter Entschädigungsfolgen zulasten der
Beklagten.»
Die Helsana erstattete am 1
0.
Juni 2020 die Klageantwort (
Urk.
8) und beantragte (
Urk.
8 S. 2):
«1.
Die Klage vom 2
1.
Februar 2020 sei im Hauptbegehren (Antrag Ziffer 1) abzuweisen;
2.
Auf das Eventualbegehren (Antrag
Ziffer 2) sei nicht einzutre
ten;
3.
Eventualiter sei das Eventualbegehren (Antrag Ziffer 2 abzuwei
sen;
4.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des
Klägers.»
Mit Verfügung vom 2
9.
Juni 2020 (
Urk.
9) forderte das Gericht die Beklagte dazu auf, die vollständigen Akten zur strittigen Angelegenheit einzureichen. Ausser
dem wies das Gericht darauf hin, dass eine vorläufige Beschränkung des Verfah
rens auf die Frage der Gültigkeit des Ve
r
sicherungsvertrag
e
s beziehungsweise auf die Frage der grundsätzlichen Versicherungsdeckung nur subsidiär, bei Fehlen der Möglichkeit einer Leistungsklage, in Betracht
komme und gab der Beklagten
Gelegenheit, die Klageantwort in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit und die Taggeldhöhe zu ergänzen. Di
e Beklagte reagierte darauf mit Eingabe vom 2
7.
Juli 2020 (
Urk.
11) und den damit eingereichten Unterlagen (
Urk.
12/1-138).
Mit Verfügung vom 1
3.
August 2020 wurden die Parteien angefragt, ob sie eine Hauptverhandlung wünschten (
Urk.
12A). Der K
läger liess mit Eingabe vom 21.
August 2020 den Verzicht auf eine Hauptverhandlung erklären (
Urk.
14); die Beklagte liess die ihr angesetzte Frist unbenützt verstreichen. Mit Verfügung vom 1
5.
September 2020 wurde daraufhin ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (
Urk.
15). In der Replik vom
1.
Februar 2021 (
Urk.
20) und in der Duplik vom 26.
Februar 2021 (
Urk.
24) hielten die Parteien an ihren Anträgen und ihren Standpunkten fest. Mit Verfügung vom
9.
März 2021 wurde die Duplik der Gegenpartei zur Kenntnis gebracht (
Urk.
25).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Bei der
Helsana Business
Salary
Kollektiv-Taggeldversicherung, in welcher der Versicherte im Rahmen seiner Anstellung bei der
Y._
AG versichert war, und bei der Einzelversicherung SALARIA Taggeld-Versicherung,
in welche der Kläger
nach seinem Austritt aus der
Y._
AG aufgenommen wurde, handelt es sich um
Zusatzversicherungen im Sinne von Art. 2 Abs. 2 des Bundesgesetzes betreffend die Aufsicht über die soziale Krankenversicherung (Krankenversicherungsaufsichtsgesetz [KVAG]; bis Ende 2015 Art. 12 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung [KVG]), die dem
Bundesgesetz
über den Versicherungsvertrag (VVG)
unterstehen.
Neben dem VVG sind auf die Kollektivversicherung die Allgemeinen Versiche
rungsbedingungen
(
AVB
)
für die Helsana Business
Salary
Kollektiv-Taggeldver
sicherung nach VVG in der Ausgabe 2014
anwendbar
(nachfolgend AVB Kollektiv
versicherung
;
Urk.
12/4)
,
und
für
die Einzelversicherung
massgebend sind
die Allgemeine
n
Versicherungsbedingungen
(AVB)
für die K
rankenzusatz
versicherungen (KZV) in der Ausgabe vom
1.
Januar 2014 (nachfolgend AVB Einzelversicherung;
Urk.
2/4
) und die
Zusätzliche
n
Versicherungsbedingungen
(ZVB) SALARIA
Taggeld-Versicherun
g
in der
Ausgabe 2008
(nachfolgend ZVB Einzelversicherung;
Urk.
2/20).
Die Anwendbarkeit der AVB und der
ZVB
in den genannten Fassungen
ergibt sich aus den
Versicherungspolicen (für die Kollektivversicherung:
Police
n
vom 2
7.
November 2013
und
vom 1
0.
November 2016,
Urk.
12/3 und
Urk.
12/
86; für die Einzelversicherung:
Police vom
9.
Mai 2019,
Urk.
2/2);
sie ist unter den Parteien nicht strittig.
2.
2.1
Streitigkeiten nach VVG sind
privatrechtlicher Natur (BGE 138 III 2 E. 1.1)
, womit die Verfahrensvorschriften der S
chweizerische
n
Zivilprozessordnung (ZPO)
massgebend sind.
2.2
Art. 10 Abs. 1 ZPO legt die örtliche Zuständigkeit fest, die in denjenigen Fällen gilt, wo die ZPO nichts
anderes
vorsieht und wo die Parteien, soweit zulässig, nichts Abweichendes vereinbart haben (vgl. Art.
9 ZPO).
Nach der allgemeinen Regelung in Art. 10 Abs. 1
lit
. b ZPO ist für Klagen gegen eine juristische Person das Gericht an deren Sitz örtlich zuständig. Das Bundesgericht hat Versicherungs
verträge allerdings unter der Herrschaft des Bundesgesetzes über den Gerichts
stand in Zivilsachen (
Gerichtsstandsgesetz
[
GestG
]), das bis Ende 2010 in Kraft gewesen und mit dem Inkrafttreten der ZPO per Anfang 2011 aufgehoben worden ist, grundsätzlich als Konsumentenverträge im Sinne von Art. 22 Abs. 2
GestG
qualifiziert (vgl. für den Fall einer Krankentaggeldversicherung das Urteil des Bundesgerichts 4A_695/2011 vom 18. Januar 2012 E. 3.1 mit Hinweisen), und nach Art. 22 Abs. 1
lit
. a
GestG
standen der Konsumentin oder dem Konsumenten
im Sinne einer Spezialregelung wahlweise das Gericht am Wohnsitz beziehungs
weise Sitz einer der Parteien offen. In Art. 32 Abs. 2 ZPO sind die Konsumenten
verträge gleich definiert, wie sie es in Art. 22 A
bs. 2
GestG
gewesen sind, und nach
Art. 32 Abs. 1
lit
. a ZPO haben die Konsumentinnen und Konsumenten ebenfalls die Wahl, am Wohnsitz oder Sitz einer der beiden Parteien zu klagen.
Haben damit sowohl der zur Diskussion stehende Kollektiv-Taggeldversiche
rungsvertrag als auch der nachfolgende Vertrag über die Einzel-Taggeldversiche
rung den Charakter von Konsumentenverträgen, so erlaubt die Regelung in
Art.
32 Abs. 1
lit
. a ZPO dem Kläger, seine Klage
auf Taggeldleistungen im Betrag von
Fr.
28'380.--
im Sinne des
Hauptbegehrens (Urk. 1 S. 2 Ziffer 1 und
S. 4)
entweder im Kanton St. Gallen, wo er Wohnsitz hat, oder im Kanton Zürich, wo sich der Sitz der Beklagten befindet, einzureichen.
In
Art.
31
AVB Einzelver
sicherung ist dies denn auch so vorgesehen (
Urk.
2/4
). Und i
n
Art.
38
AVB Kollektivversicherung ist zwar nur die örtliche Zuständigkeit der Gerichte am schweizerischen Wohnort des Versicherungsnehmers beziehungsweise des
Anspruchsberechtigten genannt, die alternative örtliche Zuständigkeit des Gerichts am Sitz des Versicherungsträgers ergibt sich jedoch aus
Art.
35
Abs.
1
lit
. a ZPO, wonach Konsumentinnen und Konsumenten nicht im Voraus auf die Gerichtsstände nach
Art.
32
Abs.
1
lit
. a ZPO verzichten können.
Damit ist die örtliche Zuständigkeit der Gerichte im Kanton Zürich in Bezug auf den einge
klagten Taggeldbetrag gegeben.
Das Eventualbegehren auf Erstattung eines Betrages von
Fr.
4'112.80 betrifft die Rückerstattung geleisteter Prämien für die Einzelversicherung (
Urk.
1 S. 2 Ziffer
2 und
S. 4).
Eingeklagt ist hier demnach nicht eine «Leistung
des üblichen Verbrauchs»
im Sinne der Definition des Vertragsgegenstandes bei Konsumen
tenverträgen, sondern vielmehr die Rückzahlung der Gegenleistung dafür. Die örtliche Zuständigkeit der Gerichte im Kanton Zürich leitet sich jedoch unmittel
bar aus
Art.
31
AVB Einzelversicherung ab, ungeachtet dessen, ob für die Prämienrückerstattung ebenfalls die
Gerichtsstandsregeln
für Konsumentenver
träge anwendbar sind.
2.3
Die sachliche Zuständigkeit des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich
ergibt
sich aus
§
2
Abs.
2
lit
. b
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
in Verbindung mit
Art.
7 ZPO
.
Dies gilt entsprechend dem zutreffenden Dafürhalten des Klägers (
Urk.
1 S. 4 ff.,
Urk.
20 S. 3 f.) und entgegen der Sicht
weise der Beklagten (
Urk.
8 S. 2
und S. 4) auch für das Eventualbegehren der Prämienrückforderung, da auch diesbezüglich eine Streitigkeit aus einer Zusatz
versicherung im Sinne der zitierten Gesetzesbestimmungen vorliegt.
2.4
Damit ist hinsichtlich beider Klagebegehren
auf die Klage
einzutreten.
3.
3.1
Die Hauptforderung, welche bestimmend für den St
reitwert ist (vgl.
Art.
91 Abs.
1 ZPO), beläuft sich auf
Fr.
28'380.--. Damit i
st die Streitwertgrenze von Fr.
20'000.-- überschritten, die bis Ende Mai 2020 für die einzelrichterliche Zuständigkeit galt (
§
11
Abs.
1
GSVGer
in der bis Ende Mai 2020 gültig gewesenen Fassung) und auf alle bis zu diesem Zeitpunkt anhängig gemachten Fälle anwendbar ist. Die
Beurteilung der
Klage
fällt daher in die Zuständigkeit des Kollegialgerichts
.
3.2
Der eingeklagte Betrag von
Fr.
28'380.-- umfasst gemäss den Vorbringen in
der Klageschrift den Taggeldanspruch für
die Zeit
vom 1
3.
Februar bis zum 1.
Sep
tember 2019 (
Urk.
1 S. 4). Die vorläufige Begrenzung der Klage auf diesen (Teil-)Anspruch unter Vorbehalt der Einklagung weiterer Taggelder für nach
folgende Zeiträume ist prozessrechtlich ohne Weiteres zulässig; es handelt sich dabei um eine sogenannte unechte Teilklage (vgl. Mohs in:
G
ehri
/
Jent-Sørensen
/
Sarbach
[Hrsg.],
Kommentar ZPO,
Zürich
2015
,
Art.
86
N
1 und
N
5).
4.
4.1
Nach
Ziff.
5.2 AVB Kollektivversicherung (
Urk.
2/4) sind
Arbeitnehmende
versichert, wenn zwischen ihnen und dem Versicherungsnehmer
ein Arbeitsver
hältnis besteht.
Für neu eintretende
Arbeitnehmende
beginnt die Versicherung
nach
Ziff.
8.4 AVB Kollektivversicherung
mit dem Tag der Arbeitsaufnahme
(Satz 1);
Personen, welche bei Beginn der Versicherung wegen einer Krankheit, eines Unfalles oder eines Gebrechens nicht oder nur teilweise arbeitsfähig sind, sind erst versichert, wenn sie im Rahmen ihres Arbeitsvertrages wieder voll arbeitsfähig s
ind (Satz 2); d
ie Aufnahme in die Versicherung erfolgt für die vereinbarte Deckung ohne Gesundheitsprüfung, und es bestehen keine Ausschlüsse für wiederauftretende, vorbestandene Gesundheitsschäden (Volldeckung; Satz 3).
Nach
Ziff.
8.5 AVB Kollektivversicherung müssen Teilinvalide oder
Arbeitnehmende
, die infolge ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigung im versicherten Betrieb nur eine Teilzeit
beschäftigung ausüben, am Tag ihrer Arbeitsaufnahme beziehungsweise bei Beginn der Versicherung für die vereinbarte Teilzeitbeschäftigung voll arbeits
fähig sein (Satz 1); für eine vorübergehende oder dauernde Verschlimmerung des
Leidens, das zur Teilinvalidität führte, ist die Leistungsdauer auf maximal 90 Tage begrenzt (Satz 2).
Der Versic
herungsschutz erlischt nach
Ziff.
9.1 AVB Kollektivversicherung für alle Personen mit der Beendigung des Kollektiv
vertrages. Für die einzelne versicherte Person erlischt der Versicher
ungsschutz gestützt auf
Ziff.
9.3
lit
. a
unter anderem mit ihrem Ausscheiden aus dem versicherten Personenkreis beziehungsweise aus dem Dienst des Versicherungsnehmers. Für versicherte Personen, die bei Ende der Versicherung arbeitsunfähig beziehungsweise erwerbsunfähig sind
,
bleibt gemäss
Ziff.
9.4 der Leistungsanspruch für den laufenden Fall im Rahmen der Vertragsbestimmungen gewahrt (Nachleistung; Satz 1); der Anspruch auf Nachleistung erlischt mit Wiedererlangen der vollstän
digen Arbeitsfähigkeit (Satz 2). Die Nachleistung kommt gemäss
Ziff.
9.5
lit
. d
unter anderem dort nicht zur Anwendung, wo ein Rückfall im Sinne von
Ziff.
17.2 vorliegt.
4.2
Personen, die aus dem versich
erten Personenkrei
s ausscheiden, haben nach Ziff.
11.1 AVB Kollektivversicherung das Recht, innert 3 Monaten nach Austritt ohne Überprüfung des Gesundheitszustandes in die Einzel-Taggeldversicher
u
ng nach VVG des Versicherers überzutreten (Satz 1). Gemäss
Ziff.
11.2 hat der Versicherungsnehmer die versicherten Personen, die aus dem Kreis der Kollektiv
versicherung ausscheiden, bei Auflösung des Arbeitsverhältnisses über das
Übertrittsrecht
in die Einzelversicherung und die Frist von 3 Monaten aufzuklären (Satz 1). Erhält die versicherte Person
eine Nachleistung gemäss Ziff.
9.4, beginnt die Frist gestützt auf
Ziff.
11.3 nach Ende der Leistungspflicht
(Satz 1), und die Aufklärung erfolgt in diesem F
all durch den Versicherer (Satz
2). Die Übertreten
den haben nach
Ziff.
11.4 Anspruch auf Versicherungsschutz im Rahmen der bisher versicherten Leistungen (Satz 1), wobei sich die Höhe des Taggeldes auf das maximal versicherbare Taggeld der Einzelversicherung beschränkt
(Satz 2).
Massgebend für den neuen Vertrag sind die Bestimmungen und Tarife der Einzelversicherung (
Ziff.
11.4
Satz 3
AVB Kollektivversicherung
); für Arbeitslose im Sinne von
Art.
10
des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosen
versicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG)
gelten zudem die Bestimmungen von
Art.
100
Abs.
2 VVG
(Satz 4)
.
Art.
100
Abs.
2 VVG erklärt für Versicherte, die nach
Art.
10 AV
I
G als arbeitslos gelten,
Art.
71
Abs.
1 und 2 und sowie
Art.
73
KVG
als sinngemäss anwendbar.
Bei Rückfällen, welche im Rahmen der Einzelversicherung abgerechnet werden, wird gemäss
Ziff.
11.5 AVB Kollektivversicherung die bisherige Bezugsdauer aus dem Kollektivvertrag angerechnet. Keine Freizügigkeit beziehungsweise kein
Übertrittsrecht
besteht nach
Ziff.
11.6
lit
. e
unter anderem dann, wenn die Leistungen im Kollektivvertrag ausgeschöpft sind und keine Erwerbsfähigkeit mehr besteht.
4.3
Nach
Ziff.
17.1
AVB Kollektivversicherung
leistet der Versicherer das Taggeld pro Leistungsfall längstens während der in der Police aufgeführten Leistungsdauer, abzüglich der vereinbarten Wartefrist
(Satz 1)
, wobei Tage mit teilweiser Arbeits
unfähigkeit als ganze Tage zählen
(Satz 2)
. Das erneute Auftreten einer Krankheit oder von Folge
n eines Unfalles gilt nach
Ziff.
17.2
Abs.
1
hinsichtlich Leistungs
dauer und Wartefrist
dann als neuer Leistungsfall, wenn die versicherte Person vor dem Rückfall während mindestens 365 aufeinanderfolgenden Tagen wegen dieser Krankheit oder den Folgen dieses Unfalles nicht arbeitsunfähig oder in ärztlicher Behandlung war.
Bei einem Rückfall innerhalb 365 Tagen entfällt nach
Ziff.
17.2
Abs.
2 die bereits bestandene Wartefrist und bereits erbrachte Taggelder werden zur Berechnung der maximalen Leistungsdauer angerechnet.
Gemäss
Art.
17.3
Abs.
1 ist die versicherte Person nach Erschöpfung der maximalen Leistungsdauer für einen Leistungsfall für diesen Fall ausgesteuert
(Satz 1)
; eine allfällige Restarbeitsfähigkeit bleibt versichert
(Satz 2)
.
Art.
17.5 untersagt es der versicherten Person, die Erschöpfung der Leistungsdauer dadurch aufzuhalten, dass sie vor Beendigung der Arbeitsunfähigkeit auf Leistungen verzichtet.
4.4
Ziff.
9.1 AVB Ein
z
elversicherung statuiert, dass die Versicherungsdeckung beginnt, sobald der Versicherer dem Antragssteller die Annahme des Antrages mitgeteilt hat, frühestens jedoch ab dem in der Police aufgeführten Tag.
Keine Versicherungsdeckung besteht nach
Ziff.
21.1
lit
. a AVB Einzelversiche
rung unter anderem für Krankheiten, Unfälle und deren Folgen, die bei Abschluss der Versicherung schon bestanden haben.
Nach
Ziff.
8.3
ZVB Einzelversicherung
gilt das erneute Auftret
en einer Krankheit
oder von Folgen eines Unfalles
hinsichtlich
Leistungsdauer und Wartefrist
(vgl.
Ziff.
7 AVB Einzelversicherung)
als neuer Fall, wenn die versicherte Person vo
r
dem
Rückfall während mindestens 12
Monaten wegen dieser Krankheit
oder den Folgen dieses Unfalles
nicht arbeitsunfähig war (Satz 1); bei einem Rückfall innerhalb von 12 Monaten entfällt die Wartefrist und bereits erbrachte Leistun
gen werden zur Berechnung der maxim
alen Leistungsdauer angerechnet (Satz 2).
Nach
Ziff.
4.2 ZVB Einzelversicherung erlischt die Taggeld-Versicherung automatisch, wenn die maximale Leistungsdauer erreicht ist oder bei Aufgabe der Erwerbstätigkeit.
5.
5.1
Fest steht, dass der Kläger mit der erstmaligen Auflösung des Arbeitsverhältnisses mit der
Y._
AG per Ende Juli 201
6 (vgl.
Urk.
12/62 S. 10 und S.
17)
aufgrund der Regelung in
Ziff.
9.3
lit
. a
AVB Kollektivversicherung aus dem Kreis der versicherten Personen ausgeschieden war.
Als erstellt muss
weiter
auch gelten
, dass der Kläger dannzumal von seinem Recht
zum Übertritt in die Einzelversicherung
nach
Ziff.
11.1 AVB Kollektivver
sicherung keinen Gebrauch gemacht hatte.
Gemäss der versicherungsinternen E-Mail-Korrespondenz vom 5./
6.
September 2016 (
Urk.
12/78 und
Urk.
12/80)
hatte sich d
er Kläger zwar nach der massgebenden Frist für die Erklärung des
Übertritts
erkundigt
, nachdem die Beklagte ihn mit dem Schreiben vom 1
5.
Juli 2016 auf das
Übertrittsrecht
aufmerksam gemacht hatte (vgl.
Urk.
12/66).
Es
bestehen jedoch keine Hinweise darauf
, dass er nachfolgend eine solche Erklärung tatsächlich abgegeben hätte
. Namentlich findet sich keine Police einer abgeschlossenen Einzelversicherung in den Akten, und die Existenz einer
entsprechenden
Police wurde weder vom Kläger noch von de
r Beklagten behauptet.
Erwiesen und durch eine Aufstellung der Beklagten belegt (
Urk.
12/5)
ist hinge
gen, dass die Beklagte dem Kläger
über den 3
1.
Juli 2016 hinaus Taggelder ausrichtete, dies auf der Grundlage der
Nachleistung aus der Kollektivversiche
rung im Sinne von
Ziff.
9.4 AVB Kollektivversicherung. Unbestritten ist sodann
auch, dass mit dem 2
9.
April 2017 die Maximaldauer der vereinbarten 730 Taggelder abzüglich der 30 Tage der Wartefris
t (vgl.
Urk.
12/3) erreicht war;
d
ie entsprechende Mitteilung der
Beklagten an den Kläger vom 4.
Juli 2017 (
Urk.
12/93) lässt sich verifizieren dur
ch die Aufstellung
über die erbrachten Leistungen
(
Urk.
12/5). Vertragskonform ist dabei insbesondere, dass die Beklagte dem Kläger ab dem
1.
September 2016 keine Taggelder meh
r auszahlte
, die Krankheitstage jedoch weiterhin als Bezugstage anrechnete. Die Rechtmässigkeit dieses Vorgehens ergibt sich daraus, dass der Kläger in der Zeit ab
dem
1.
September 2016 Taggelder der Invalidenversicherung bezog (vgl. die Verfü
gungen in
Urk.
12/82,
Urk.
12/88,
Urk.
12/90 und
Urk.
12/92)
und das Invaliden
versicherungstaggeld von
Fr.
211.20
höher war als das Krankentaggeld von
Fr.
210.85
(vgl.
Urk.
12/5)
. Denn nach
Ziff.
23.1
Abs.
2 Satz 2
AVB Kollektiv
versicherung werden die Taggeldleistungen im Nachgang zu den Leistungen von Sozialversicherungen erbracht, und nach
Ziff.
23.3
Satz 2
AVB Kollektivver
sicherung werden die Tage, an denen die Leistungen der Invalidenversicherung diejenigen
der Krankentaggeldversicherung übersteigen, als ganze Tage an die Leistungsdauer angerechnet.
N
icht in Frage steht auch
, dass die 730 Krankheits
tage, welche die Beklagte in die Leistungsausrichtung beziehungsweise
Anspruchsberechnung einbezog, auf ein und dasselbe Leiden der bipolaren affektiven Störung zur
ückzuführen waren. Dies ergibt sich
für die Zeit bis Mitte 2016 aus
dem Bericht von
Dr.
Z._
vom 2
0.
August 2015 (Urk.
12/16), dem Bericht des Psychiatrie-Zentrums
C._
vom 1
7.
März 2016 (
Urk.
12/51), den Berichten der Klinik
A._
vom 1
6.
November 2015 und vom
1.
August 2016 (
Urk.
12/32 und
Urk.
12/72) und dem Schlussbericht der
B._
AG
vom 1
0.
Juni 2016 (
Urk.
12/62), und für die Zeit danach ist nichts Abweichendes dokumentiert.
5.2
Der Bezug von Taggeldern der Invalidenversicherung
ab dem
1.
September 2016
gründete darauf, dass der Kläger
an diesem Tag
wieder in die Dienste der
Y._
AG
eintrat
und seine Tätigkeit dort zunächst unter dem Titel einer Eingliederungsmassnahme der Invalidenversicherung mit sukzessiver Steigerung des Arbeit
spensums ausübte
, bis er per Ende Juni 2017 bei einem P
ensum von
80
% angelangte
(vgl.
Urk.
12/79,
Urk.
12/87,
Urk.
12/89 und
Urk.
12/91).
In dieser
Zeit gehörte er offenbar noch nicht wieder zum Kreis der Personen, die in die Kollektivversicherung der Arbeitgeberin bei der Beklagten einbezogen waren, denn
in der Krankmeldung vom 1
4.
November 2018 nannte die
Y._
AG als Datum der Anstellung
den
1.
Juli 2017, also das Datum der
regulären Anstellung
im 80%-Pensum (
Urk.
12/97).
Der Kläger wurde denn vor dem
1.
Juli 2017 auch nicht von der
Y._
AG
entlöhnt
, sondern erhielt Taggelder der Invalidenversicherung und konnte dementsprechend keinen versicherbaren Erwerbsausfall (vgl.
Ziff.
6 AVB Kollektivversicherung) erleiden. Damit ist von einem
Wiedere
intritt in die Kollektivversicherung der Beklagten per
1.
Juli 2017 auszugehen.
Bei diesem
Wieder
eintritt
war der Kläger als Person zu qualifizieren, die im Sinne von
Ziff.
8.5 AVB Kollektivversicherung infolge einer gesundheitlichen Beein
trächtigung nur eine Teilzeitbeschäftigung ausübte. Es ist hierfür auf
die V
erfügung
en
der IV-Stelle
vom
1
1.
August 2017 (berufliche Massnahmen) und vom 3
1.
Oktober 2017 (Rentenabweisung) hinzuweisen, in der die fortbestehende gesundheitsbedingte Einschränkung in d
er Arbeitsfähigkeit erwähnt
und das Pensum von 80
%
als angepasstes Pensum bezeichnet wird (
Urk.
12/94
und Urk.
12/95
).
Diese Qualifikation als gesundheitlich beeinträchtigte teilzeit
beschäftigte Person beim Neueintritt
beziehungsweise Wiedereintritt
hatte gemäss
Ziff.
8.5 Satz 2 AVB Kollektivversicherung
zur Folge
, dass
der Kläger bei einer Zunahme der Arbeitsunfähigkeit aufgrund des
vorbestandenen
Leidens nur - aber immerhin - noch maximal 90 Taggelder aus der Kollektivversicherung beanspruchen konnte, in die er neu
beziehungsweise
wieder
eingetreten war. Ein Anspruch auf eine höhere Taggeldzahl wird durch die Regelung in
Ziff.
8.5 Satz 2 AVB Kollektivvers
icherung ausgeschlossen;
diese Regelung
steht aber
auch der
Auffassung der Beklagten im Schreiben vom
4.
Juli 2017 (
Urk.
12/93)
entgegen, wonach der Kläger
im Rahmen der neuen Anstellung ab dem
1.
Juli 2017
weiter
hin
als ausgesteuert im Sinne von
Ziff.
17.3 AVB Kollektivversicherung gelte und keine weiteren Taggelder mehr beanspruchen könne.
Eine solche Auslegung lässt sich weder unmittelbar aus
Ziff.
17.3 AVB Kollektivversicherung ableiten, wo der Fall des Wiedereintritts
in den versicherten Betrieb nicht geregelt ist, und sie ist auch nicht gedeckt durch die Sonderregelung für gesundheitlich beeinträchtigte Teilzeitangestellte in
Ziff.
8.5 Satz 2 AVB Kollektivversicherung.
Zudem
würde die Auslegung der Beklagten z
u einer Besserstellung von beeinträchtigten Perso
nen führen, die vor dem Eintritt in den versicherten Betrieb von einem anderen Kollektivversicherer die Höchstzahl an Taggeldern erhalten hätten. Eine solche Besserstellung erscheint indessen zumindest dann nicht
als gerechtfertigt, wenn der Austritt aus dem versicherten Betrieb und der spätere Wiedereintritt nicht in missbräuchlicher Weise den Erhalt
zusätzlicher Taggelder bezweck
en. Ein solcher Missbrauch
ist
vorliegendenfalls
nicht erkennbar. Überdies
reduziert bereits
die Begrenzung der Maximalzahl auf 90 Taggelder
das Missbrauchspotential.
5.3
Damit hätte der Kläger
während der
100%igen
Arbeitsunfähigkeit
vom 28.
O
k
to
ber bis zum
2.
Dezember 2018
(vgl.
Urk.
12/96)
entgegen dem Bescheid der Beklagten vom 1
9.
November 2019 (
Urk.
12/126) Anspru
ch auf weitere Taggelder
gehabt
, ungeachtet dessen, dass diese Arbeitsunfähigkeit gemäss der Bescheini
gung von
Dr.
med. E._, F._
,
vom
8.
Oktober 2019
(
Urk.
12/125)
wiederum auf die bipolare affektive Störung zurückzuführen war.
Zu prüfen ist weiter, was sich daraus für den geltend gemachten Taggeldanspruch ab
dem 1
3.
Februar 2019
ableiten lässt.
5.4
5.4.1
Unbestrittenermassen machte der Kläger bei seinem erneuten Ausscheiden aus den Diensten der
Y._
AG
nunmehr
von seinem Recht zum Übertritt in die Einzelversicherung nach
Ziff.
11.1 AVB Kollektivversicherung Gebrauch; die Beklagte bescheinigte diesen Übertritt in der Versicherungspolice vom
9.
Mai 2019, gemäss welcher der Kläger ab dem
1.
Februar 2019 in der SALARIA Taggeld-Versicherung nach VVG versichert war (
Urk.
2/2). Dass die Beklagte ihre Pflicht zur Bezahlung von Taggeldern für di
e Arbeitsunfähigkeit ab dem 13.
Februar 2019 dennoch verneinte, gründet gemäss
ihren Darlegungen im Schreiben vom 1
2.
Juni 2019
auf der Auffassung, der Versicherungsbeitritt sei erst nach dem Eintritt dieser Arbeitsunfähigkeit erfolgt (
Urk.
12/115), und diese Auffassung wiederum stützt sich auf den Umstand, dass der Kläger die Offerte der Beklagten erst am 1
1.
April 2019 unterzeichnet hatte (vgl.
Urk.
2/9).
5.4.2
Die Rechtsgrundlage, die unter diesen Umständen nach der Ansicht der Beklagten eine Leistungspflicht entfallen lässt und auf di
e sie sich im Schreiben vom 20.
Se
ptember 2019 berief (
Urk.
12/120
)
, findet sich in
Art.
9 VVG.
Diese Bestim
mung erklärt den
Versicherungsvertrag unter
Vorbehalt der Fälle nach Art.
100
Abs.
2
VVG für
nichtig, wenn im Ze
itpunkt des Abschlusses der Ver
sicherung die Gefahr bereits weggefa
llen oder das befürchtete Ereig
nis schon eingetreten war
.
Diese Nichtigkeit besteht auch bei einem Vertragsabschluss mi
t zeitlich zurück
bezogener
Wirkung
, wenn das befürchtete Ereignis
im Zeitraum zwischen dem festgelegten
Versicherungsbeginn und
dem
Vertragsabschluss
eingetreten ist (
Nef/von
Zedtwitz
in:
Honsell
et al. [Hrsg.]
,
Nachführungsband zum
Kommentar zum schweizerischen Privatrecht
[VVG-Kommentar Nachführungsband]
,
Basel 2012
,
Art.
9
ad
N 14/15 S. 75
).
Als versichertes Ereignis gilt im Falle einer Krankentaggeldversicherung nach VVG nach der mittlerweile gefestigten bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht
(mehr)
die Krankheit als solche, sondern erst der Eintritt der krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit
(BGE 142 III 671 E. 3)
.
Würde es
sich be
im Eintritt
in die Einzelversicherung der Beklagten per
1.
Februar 2019 somit um einen Neueintritt
handeln
, ohne dass der Kläger bei ihr vorher kollektivversichert gewesen wäre,
so wäre dieser
in de
r vorliegenden Konstellation -
Vertragsa
bschluss durch
Unterzeichnung der Offert
e der Beklagten
am 1
1.
April 2019
-
gestützt auf
Art.
9 VVG nicht für die Arbeitsunfähigkeit versichert, die
bereits
am 1
3.
Februar 2019 eingetreten war. Dies anerkannte auch der Kläger grundsätzlich, er stellte sich jedoch auf den Standpunkt, bei einem Übertritt von der Kollektivversicherung in die Einzelversicherung verhalte es sich anders (
Urk.
1 S.
9 ff.
und S. 13 f., Urk.
20 S.
4 ff.).
5.4.3
In
Art.
100
Abs.
2 VVG
w
erden mit der Erklärung der Anwendbarkeit von Art.
71 und
Art.
73 KVG
Tatbestände geschaffen, die von der Lehre als Ausnahmen zum
Gru
ndsatz der Nichtigkeit
nach
Art.
9 VVG
gewertet werden
(vgl. Nef
in:
Honsell
et al. [Hrsg.],
VVG-Kommentar, Basel 2001
,
Art.
9
N 11-12). Dabei statuiert
Art.
71
Abs.
1 KVG das Recht einer kollektivversicherten Person, die aus der Kollektivversicherung ausscheidet, weil sie nicht mehr zu dem im Vertrag umschriebenen Kreis der Versicherten zählt, in die Einzelversicherung des Versicherers überzutreten (Satz 1). Des Weiteren wird festgelegt, dass keine neuen Versicherungsvorbehalte angebracht werden dürfen, soweit die versicherte Person in der Einzelversicherung nicht höhere Leistungen versichert (Satz 2).
Die
Anwendbarkeit von
Art.
100
Abs.
2 VVG
un
d der Verweisungsnormen in Art.
71 und
Art.
73 KVG ist
allerdings auf Personen beschränkt, die arbeitslos nach den Kriterien nach 10 AVIG
sind (Nef
in:
VVG-Kommentar,
Art.
100
Abs.
2
N 3
).
Diese Kriterien erfüllte der Kläger
im unmittelbaren Anschluss an die Been
digung des
Arbeitsverhältnisses mit der
Y._
AG nicht,
d
enn gemäss den Taggeldabrechnungen der Arbeitslosenkasse des Kantons St. Gallen für die Monate Februa
r und März 2019 wurde ihm
die Rahmenfrist für den Leistungsbezug erst am 1
4.
Februar 2019 eröffnet (
Urk.
12/106 und
Urk.
12/108)
; er war somit am
1.
Februar 2019
, auf den rückwirkend der Übertritt in die Einzelversicherung vollzogen wurde,
noch nicht im Sinne von
Art.
10
Abs.
3 AVIG beim Arbeitsamt seines Wohnort
e
s zur Arbeitsvermittlung gemeldet
.
Damit gelangt die Regelung nach
Art.
71
Abs.
1 KVG
in Verbindung mit
Art.
100 Abs.
2 VVG entgegen den Vorbringen in der Replik (vgl.
Urk.
20 S. 5) nicht zur Anwen
dung; der Beklagten ist in dieser Hinsicht zuzustimmen (vgl.
Urk.
24 S. 3).
5.4
.4
Die
Übertrittsregelung
in
Ziff.
11.
1
AVB Kollektivversicherung, auf welche sich der Kläger berief, ist allerdings der
Vorschrift in
Art.
71
Abs.
1 KVG nachgebildet.
Soweit di
ese reglementar
ische Nachbildung das Rückwärtsversicherungsverbot nach
Art.
9 VVG tangierte, wäre sie
zwar
nicht anwendbar, da das
Rückwärts
versicherungsverbot vertraglich nicht weg
bedungen werden
kann
(vgl.
das
Urteil des Bundesgerichts 4A_39/2009
vom
7.
April 2009 E. 3.5.2)
.
Es ist jedoch
fraglich, ob mit der
Übertrittsregelung
in
Ziff.
11.
1
AVB Kollektivversicherung
über
haupt
eine solche
unzulässige
Wegbedingu
ng des Rückwärtsversicherungs
verbots statuiert worden is
t, da ein Teil der Lehre nur die Vorschriften in
Art.
73 KVG als Ausnahmen vom Rückwärtsversicherungsverbot einstuft, die Vorschrif
ten in
Art.
71 KVG hingegen als vereinbar mit diesem Verbot beurteilt (vgl. Nef
in:
VVG-Kommentar
,
Art.
9 N 12
;
Urteil des Bundesgerichts 4A_39/2009 vom
7.
April 2009 E. 3.5.2 mit weiteren Hinweisen
). Bei dieser Sichtweise
würde die rückwirkende Aufnahme des Klägers in die Einzelversicherung per
1.
Februar 2019 aufgrund seiner Zustimmungserklärung vom 1
1.
April 2019 den Tatbe
s
tand einer unzulässigen Rückwärtsversicherung nach
Art.
9 VVG nicht
ohne Weiteres
erfüllen, sondern
es wäre zu überlegen, ob
diese E
rklärung
nicht
lediglich eine Art Schwebezustand beendet
hätte
, in dem sich das Einzelversicherungsverhältnis während der dreimonatigen
Erklärungsfrist nach
Ziff.
11.1
AVB Kollektivver
sicherung befunden hätte.
Die Frage nach der Vereinbarkeit von
Ziff.
11.1
AVB Kollektivversicherung
mit dem Rückwärtsversicherungsverbot kann indessen
offen bleiben
.
Das Bundesge
richt hat nämlich im bereits zitierten Urteil festgehalten, dass diejenige
n
Krankheiten, die während der Vertragsdauer der Kollektivversicherung einge
treten seien oder die darauf beruhenden Rückfälle mit einem Abschluss des Einzelversicherungsvertrag
e
s nicht rückwärts versichert würden, da sie bereits in der Kollektivversicherung versichert gewesen seien (
Urteil des Bundesge
richts
4A_39/2009
vom
7.
April 2019
E. 3.5.2).
Diese Voraussetzungen sind hier
mit der folgenden Begründung
g
egeben.
Wie dargelegt (E. 5.4.2), gilt im Falle einer Taggeldversicherung
nach der unter
dessen präzisierten Rechtsprechung des Bundesgerichts
die Arbeitsunfähigkeit und nicht die Krankheit als solche als ve
rsichertes Ereignis. Demgemäss
wäre eine Rückwärtsversicherung
vorliegendenfalls
dann
im Sinne des Urteil
s
des Bundes
gerichts 4A_39/2009 vom
7.
April 2019
zu verneinen
, wenn der Kläger bereits während der Dauer des Kollek
tivversicherungsvertrag
e
s vom 1.
Juli 2017 bis zum 3
1.
Januar 2019
wegen desselben Leidens
- über das vorbestandene Ausmass von 20
%
hinaus -
arbeitsunfähig
geworden wäre
. Diese Voraussetzung ist mit der Arbeitsunfähigkeit
vom 2
8.
Oktober bis zum 2.
Dezember
2018 gegeben.
Die Arbeitsunfähigkeit ab dem 1
3.
Februar 2019 ist
somit
als Rückfall innerhalb von 365 Tagen im Sinne der Definitionen in
Ziff.
17
.2
Abs. 2
AVB Kollektivversiche
rung und in
Ziff.
8.3 ZVB Einzelversicherung zu qualifiziere
n;
sie
war wiederum auf die bekannte Diagnose der bipolaren affektiven Störung zurückzuführen, wie a
us einem Bericht der Klinik
A._
vom 10.
September 2019
(
Urk.
2/19)
hervorgeht.
Aufgrund der dargelegten bundesgerichtlichen Rechtsprechung hat die
Beklagte
dem Kläger
deshalb aus der Einze
lversicherung, in die dieser
per
1.
Februar 2019
übergetreten ist, im Sinne von
Ziff.
11.4 AVB Kollektivversiche
rung Taggelder im Rahmen der bisher versicherten Leistungen
zu erbringen und kann sich entgegen ihrer Betrachtungsweise (
Urk.
8 S. 3 f.,
Urk.
11 S. 2,
Urk.
24 S. 3) nicht auf das Rückwärtsversicherungsverbot nach
Art.
9 VVG berufen.
5.4.5
Diese bisher versichert
en Leistungen umfassen nach dem vorstehend
Ausgeführ
ten (E. 5.2) maximal
90 Taggelder.
An diese Maximaldauer ist für den Taggeld
anspruch aus der Einzelversicherung
die Bezugsdauer in der Zeit des Kollektivversicherungsvertrag
e
s einschliesslich der bestandenen Wartefrist (vgl.
Ziff.
17.1 AVB Kollektiv
v
ersicherung
)
anzurechnen, wie sich aus
Ziff.
11.5 AVB Kollektivversicherung ergibt (vgl. auch
Ziff.
8.1 und 8.3 ZVB Einzelversicherung)
.
Der Kläger hatte zwar für die Arbeitsunfähigkeit in der Zeit vom 2
8.
Oktober bis zum
2.
Dezember 2018 keine Taggelder erhalten, nachdem die Beklagte den Anspruch mit dem Schreiben vom 1
9.
Nov
ember 2019 verneint hatte (Urk.
12/126). Die Regelung in
Ziff.
17.5 AVB Kollektivversicherung, wonach die versicherte Person die Erschöpfung der Leistungsdauer nicht durch Verzicht auf Leistungen aufhalten
kann
, ist
jedoch
hier sinngemäss anz
u
wenden, da die Arbeitsunfähigkeit
und damit grundsätzlich auch der Taggeldbezug während der Dauer der Kollektivversicherung Voraussetzung für den Anspruch auf weitere Taggelder aus der Einzelversicherung ist.
Nachdem der Kläger vom 2
8.
Oktober bis zum 2
6.
November 2018 die 30tägi
g
e Wartezeit
(vgl.
Urk.
12/86 S. 2) d
urchlaufen hatte, verblieben
somit
bis und mit dem
2.
Dezember 2018
noch
sechs Tage der Arbeitsunfähigkeit,
für welche die Beklagte Taggelder hätte erbringen müssen.
Eine Zusprechung dieser Taggelder im vorliegenden Verfahren kommt nicht in Betracht
, da das Gericht einer Partei
nach
Art.
58
Abs.
1 ZPO
nichts
anderes
zusprechen
darf
, als sie
verlangt, und der Kläger den geltend gemachten Taggeldanspruch ausdrücklich auf den Zeitraum zwischen dem 1
3.
Februar und dem
1.
September 2019 bezogen hat (
Urk.
1
S. 4; vgl. hierzu einen vergleichbaren Sachverhalt im
Urteil des Bundesgerichts 4A_572/2010 vom 2
0.
Dezember 2010 E. 4.2 und E. 4.3). Den Parteien ist es jedoch unbenommen, sich gestützt auf die Ausführungen im vorliegenden Urteil aussergerichtlich über den Taggeldanspruch während der Dauer der Kollektivver
sicherung zu einigen.
F
ür die Arbeitsunfähigkeit im geltend gemachten Zeitraum ab dem 1
3.
Februar 2019
hat der Kläger hingegen
noch Anspruch auf 54 Taggelder (90
Tage
minus 30 Wartetage minus sechs Tage für die Arbeitsunfähigkeit
im Jahr 2018), die ihm im vorliegenden Verfahren zuzusprechen sind.
5.4.6
Für die Zeit zwischen dem 1
3.
Februar und dem
1.
September 2019 ist eine durchgehende, 100%ige Arbeitsunfähigkeit belegt; es liegen Bescheinigungen von
Dr.
D._
und der Klinik
A._
vor (
Urk.
2/16-19), auf die ohne Weiteres abgestellt werden kann. Der Anspruch des Klägers auf die verbleibenden 54 Taggelder fällt somit auf die Tage vom 1
3.
Februar bis und mit dem
7.
April 2019.
D
ie Höhe des versicherten Taggeldes ist in der Police zur Einzelversicherung vom
9.
Mai 2019 auf
Fr.
144.-- beziffert (
Urk.
2/2).
Demgegenüber war in der Offerte der Beklagten vom
3.
April 2019, die der Kläger am 1
1.
April 2019 unterzeichnet hatte (
Urk.
2/9)
,
ein Taggeld in der Höhe von Fr.
165.-- aufgeführt
, und der Kläger liess geltend machen, es sei dieses höhere Taggeld
massgebend
, das verbindlich vereinbart worden sei (
Urk.
1 S. 13).
Für den
Fall, dass der
Inhalt der Police
mit den ge
troffenen Vereinbarungen nicht überein
stimmt
,
ist in
Art.
12
Abs.
1 VVG jedoch
festgelegt, dass der Versicherungs
nehmer binnen vier Wochen nach Empfang der Urkunde deren Berichtigung zu verlangen
hat
, widrigenfalls ihr Inhalt als von
ihm geneh
migt gilt.
Diese Bestimmung wurde vorschriftsgemäss (
Art.
12
Abs.
2 VVG) in die Police vom
9.
Mai 2019 aufgenommen, und der Kläger liess nicht vorbringen, er habe eine Berichtigung verlangt. Dement
sprechend bezahlte er auch lediglich die Monatsprämie von
Fr.
514.10 gemäss Police (vgl.
Urk.
2/12-15) und nicht die höhere Prämie von
Fr.
589.05 gemäss Offerte.
Den 54 Taggeldern, auf die der Kläger Anspruch hat, entspricht somit eine Summe von
Fr.
7'776.--
(54 x
Fr.
144.--)
, die dem Kläger zuzusprechen ist. Damit ist das Hauptbegehren des Klägers teilweise gutzuheissen.
6.
6.1
Zu prüfen ist
sodann
, wie sich diese nur teilweise Gutheissung auf das Eventual
begehren der Rückerstattung der geleisteten Versicherungsprämien auswirkt.
6.2
Nach dem Ausgeführten ist der Einzelversicherungsvertrag nicht nichtig im Sinne von
Art.
9 VVG. Aus dieser Bestimmung lässt sich daher auch keine partielle Prämienrückerstattungspflicht ableiten.
Es fragt sich hingegen, ob sich eine partielle Prämienrückerstattungspflicht aus der Regelung in
Ziff.
4.2 ZVB Einzelversicherung ergibt,
wonach die Taggeld-Versicherung automatisch erlischt, wenn die maximale Leistungsdauer erreicht ist oder bei Aufgabe der Erwerbstätigkeit.
6.3
Dies ist indessen zu verneinen. Denn die
Begrenzung
des Maximalanspruchs
auf 90 Tage gemäss
Ziff.
8.5 AVB Kollektivversicherung, die im Rahmen der Einzel
versicherung weiterhin massgebend war, betrifft nur dasjenige Leiden, das zur Teilinvalidität beziehungsweise zur nur teilweisen Arbeitsfähigkeit bei Eintritt in die Kollektivversicherung geführt hat,
vorliegendenfalls
also nur Arbeitsunfähig
keiten wegen der bipolaren affektiven Störung. Für Arbeitsunfähigkeiten aus anderen Gründen gilt jedoch die maximale Leistungsdauer von 730 Tagen, wie sie in der Police vom
9.
Mai 2019 aufgeführt ist (
Urk.
2/2). Die Taggeldversiche
rung
hatte so
mit nach der Ausschöpfung des Maximalanspruchs von 90 Taggel
dern für die Arbeitsunfähigkeit wegen de
r vorbestandenen Erkrankung weiterhin einen Anwendungsbereich
. Des Weiteren kann
auch nicht gesagt werden, der Kläger habe seine Erwerbstätigkeit im Sinne von
Ziff.
4.2 ZVB Einzelversicherung aufgegeben, denn er
suchte
nach der Auflösung des Arbeitsverhältnisses mit der
Y._
AG eine neue Stelle und wurde daran lediglich durch die
an
dauernde Arbeitsunfähigkeit gehindert. Bestand somit das Versicherungsverhältnis im gesamten Beurteilungszeitraum vom 1
3.
Februar bis zum
1.
September 2019 weiter, so waren die Versicherungsprämien für diesen gesamten Zeitraum geschuldet und
es
besteht kein Anspruch auf deren partielle Rückerstattung.
7.
Damit ist die Beklagte in teilweiser Guthei
s
sung des Hauptbegehrens der
Klage zu verpflichten
, dem
Kläger
Fr.
7'776.-- zu bezahlen, wogegen das Eventualbe
gehren der Klage abzuweisen ist.
8.
8.1
Der Kläger verlangt die Verzinsung des eingeklagten Betrages zu 5
%
seit dem 1
2.
Juni 2019, als die Beklagte ihre Leistungspflicht für die Arbeitsunfähigkeit ab dem 1
3.
Februar 2019 verneint hatte (
Urk.
1 S. 14; vgl.
Urk.
12/115).
8.2
Nach
Art.
41
Abs.
1 VVG wird die Forderung aus dem Versicherungsvertrag mit dem Ablauf von vier Wochen von dem Zeitpunkt an gerechnet fällig, in dem der Versicherer Angaben erhalten hat, aus denen er sich von der Richtigkeit des Anspruchs überzeugen kann. Nach der herrschenden Lehre wird mit dieser Regelung allein kein Verfalltag statuiert, der eine Mahnung entbehrlich macht, da es eine Auslegungsfrage ist, wann der Versicherer alle notwendigen Auskünfte und Belege erhalten hat, wogegen
Verfalltagsgeschäfte
eines genauen Erfüllungs
datums bedürfen (Nef
, in: VVG-Kommentar,
Art.
41 N 20).
Da d
ie AVB Einzel
versicherung und die
ZVB Einzelversicherung
keine Verzugs
zinsregelung
enthalten, i
st auch vertraglich kein Verfalltag vereinbart. Die Beklagte musste demnach zur Zahlu
ng gemahnt werden, damit sie in Verzug geriet und ein Verzugs
zins geschuldet war.
8.3
Die Leistungsablehnung vom 1
2.
Juni 2019 konnte
mithin
noch keinen Verzug in Gang setzen. Hingegen ist das Schreiben vom 1
1.
Juli 2019, mit dem der Kläger Einwendungen gegen die Leistungsablehnung erhob (
Urk.
12/116), als Mahnung im Sinne der rechtlichen Anforderungen zu qualifizieren.
Der
weiter zurück
liegende
Zeitraum vom 1
3.
Februar bis zum
7.
April 2019
wird von dies
e
r Mahnung erfasst, und die Mahnung konnte
die Beklagte
daher
hinsichtlich des Taggeldanspruchs für d
iesen Zeitraum in Verzug setzen angesichts dessen, dass die Arbeitsunfähigkeit medizinisch unumstritten war. Die Beklagte schuldet dem Kläger somit ab dem 1
1.
Juli 2019 auf der Summe von
Fr.
7'776.-- Verzugszinsen zu 5
%
(
Art.
100 V
VG in Verbindung mit
Art.
104 des Schweizerischen Obliga
tionenrechts [OR]
; vgl.
Hasenböhler
, in: VVG-Kommentar,
Art.
20 N
81).
9.
9.1
Beide Parteien beantragen
schliesslich
die Zusprechu
ng einer Prozessentschädi
gung.
9.2
Stellt die obsiegende Partei einen entsprechenden Antrag oder ist dies von
andern Gesetzen so vorgesehen, verpflichtet das Gericht gemäss § 34 Abs. 1
GSVGer
die unterliegende Partei zum Ersatz der Parteikosten. Die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung bemisst sich gemäss § 34 Abs. 3
GSVGer
nach
der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert.
9.3
Der Kläger obsiegt gemessen am Betrag
des Hauptbegehrens
von
Fr.
28'380.-- im Umfang von knapp 30
%
und unterliegt in Bezug
auf das Eventualbegehren.
Unter Berücksichtigung der dargelegten Kriterien rechtfertigt es sich daher, ihm eine reduzierte Prozes
sentschädigung von
Fr.
800.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen.
9.4
Demgegenüber ist der Beklagten keine Prozessentschädigung zuzusprechen.
Zwar ist die Prozessentschädigung an die Par
teien nicht Gegenstand von
Art.
114
lit
. e ZPO, wonach bei Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung keine Gerichtskosten gesprochen werden (vgl.
das
Urteil des Bundesgerichtes 4A_194/2010 vom 17. November 2010 E. 2.2.1, nicht publiziert in
: BGE 137 III 47). Es gilt aber
nach wie vor die Praxis des Bundesgerichts, dass dem nicht anwaltlich vertretenen Versicherungsträger grundsätzlich keine Parteientschädigung zusteht (vgl.
das
Urteil des Bundesgerichts 4A_109/2013 vom 27. August 2013 E. 5).
Die Beklagte ist nicht durch
einen
externen Anwalt vertreten und hat
somit für ihr
teilweises
Obsiegen keinen Anspruch auf eine Prozessentschäd
igung.