# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d7369816-e821-542d-bf73-a331a3f030be
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2010
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ R. und E. sind Eigentümerinnen des Grundstücks Nr. x, Grundbuch J., in B.. Die
638 m2 grosse Liegenschaft liegt nach dem Zonenplan der Stadt Y. vom x. in der
Dorfkernzone 2 (DK2) sowie in einem landschaftlich empfindlichen Siedlungsgebiet
(LEMS) gemäss Art. 6 des Baureglementes der Gemeinde Y. vom x. bzw. x. Nördlich
wird das Grundstück von der Dorfstrasse, Gemeindestrasse 2. Klasse, begrenzt,
südlich stösst es an den Zürich- bzw. Obersee. Die Liegenschaft ist mit einem
zweigeschossigen Wohnhaus (Vers.-Nr. x) und einem Bootshaus (Vers.-Nr. x) überbaut.
Das Wohnhaus steht in einer Entfernung von rund 10 m zum Ufer. Das Gebiet
dazwischen ist gemäss Naturgefahrenkarte des Tiefbauamtes des Kantons St. Gallen
mittel bis geringfügig überschwemmungsgefährdet.
Auf der östlichen, 138 m2 grossen Seeliegenschaft Nr. 1932 steht ein nach Süden
offener Unterstand, auf dem westlichen, 384 m2 grossen Nachbargrundstück Nr. x ein
zweigeschossiges Wohnhaus.
Gegenüber dem See wird der Baubereich auf dem Grundstück Nr. x und auf weiteren
acht Seegrundstücken durch eine Baulinie begrenzt (Baulinienplan B.,
Gewässerabstand, vom Gemeinderat am x bzw. x erlassen, vom Baudepartement des
Kantons St. Gallen am x genehmigt). Die Baulinie verläuft im wesentlichen entlang der
bestehenden Südfassaden der Wohnhäuser.
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B./ Im Jahr 2003 errichtete R. auf der Westseite ihres Wohnhauses einen Anbau, ohne
dafür vorgängig eine Baubewilligung eingeholt zu haben. Der Gemeinderat Y. verfügte
am 6. November 2003 einen Baustopp. Im März 2004 bewilligte er den Anbau
nachträglich als offenen Geräteraum, verlangte aber, dass der Unterstand südseitig auf
die Seeabstandslinie zurückgebaut werde. Statt den Gebäudeteil zurückzuversetzen,
führte R. die Bauarbeiten eigenmächtig fort, ergänzte die Südseite mit einer
geschlossenen Fensterfront und baute den Anbau vollständig zu Wohnzwecken aus.
Nachdem der Gemeinderat davon Kenntnis erhalten hatte, verlangte er am 29. Mai
2006 die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands und erstattete Strafanzeige
gegen die Bauherrin. Das Untersuchungsamt Uznach sprach R. mit Bussenverfügung
vom 24. Oktober 2006 der vorsätzlichen Übertretung des Baugesetzes schuldig und
büsste sie dafür mit Fr. 800.--.
Gegen die Wiederherstellungsverfügung erhob R. im Juli 2006 Rekurs beim
Baudepartement. Nachdem das Rekursverfahren sistiert worden war, passte die Bau-
und Umweltkommission Y. die Rückbauverfügung am 16. Juli 2007 an, wogegen die
Bauherrin wiederum Rekurs erhob. Nachdem sie darauf verzichtet hatte, den
Kostenvorschuss und die Rekursbegründung nachzureichen und auch den seit einem
Jahr hängigen Rekurs zurückgezogen hatte, erwuchs die Rückbauvariante gemäss
Beschluss vom 16. Juli 2007 in Rechtskraft. Die Rekurrentin war damit gehalten, den
Anbau innert 30 Tagen auf die Seeabstandslinie zurückzubauen. Für die
Unterschreitung des westlichen Grenzabstands wurde eine "Ausnahmebewilligung"
erteilt.
C./ Obwohl die Bauherrin den Rückbaubefehl akzeptiert hatte, kam sie diesem nicht
nach. Die Bau- und Umweltkommission forderte sie deshalb am 5. November 2007
erneut auf, den Anbau zurückzubauen. Statt der behördlichen Aufforderung
termingerecht Folge zu leisten, ersuchte sie ein halbes Jahr nach Ablauf der Frist durch
ihren Rechtsvertreter darum, dass auf die Vollstreckung der
Wiederherstellungsverfügung verzichtet werde. Diesem Antrag gab die Bau- und
Umweltkommission nicht statt, verlängerte aber die Frist für den Rückbau bis
31. August 2008.
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D./ Am 15. August 2008 liess R. bei der Bau- und Umweltkommission ein Begehren um
Überprüfung und Änderung des Baulinienplans B. einreichen und beantragen, dass der
Verlauf der Baulinie auf ihrem und dem östlich angrenzenden Grundstück Richtung See
verschoben werde. Der Stadtrat Y. wies das Gesuch am 14. April 2009 ab, wogegen
die Gesuchstellerin beim Baudepartement Rekurs erhob. Dieses wies den Rekurs am
27. August 2009 mit der Begründung ab, dass sich die Verhältnisse seit der
Plangenehmigung nicht verändert hätten. Mit Blick auf die Nachbarn sei auch der
Grundsatz der Rechtsgleichheit nicht verletzt. Private Interessen genügten von
vornherein nicht, den Sondernutzungsplan zu ändern.
E./ Gegen den Entscheid des Baudepartementes liess R. am 10. September 2009
Beschwerde beim Verwaltungsgericht erheben. Mit Beschwerdebegründung vom
5. Oktober 2009 beantragte sie:
"1. Es sei das Beschwerdeverfahren einstweilen bis zum Vorliegen eines Entscheids
der Erstinstanz über die Rechtmässigkeit des auf dem Grundstück Nr. x im Jahre
2003/2004 erstellten Gartenhauses und über eine Wiederherstellung eines
rechtmässigen Zustands auf Parzelle Nr. x zu sistieren.
2. Es sei der angefochtene Entscheid aufzuheben.
3. Es sei die Streitsache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Unter Kosten und Entschädigungsfolge."
Zur Begründung bringt sie im wesentlichen vor, die Behörde toleriere auf dem östlichen
Nachbargrundstück - anders als auf ihrer Liegenschaft - eine rechtswidrige Baute. Mit
dem vorliegenden Gesuch, die Seeabstandslinie den tatsächlichen Verhältnissen
anzupassen, würden zum einen die rechtswidrigen Zustände auf den beiden
Grundstücken beseitigt und zum andern die rechtsungleiche Behandlung gegenüber
dem Nachbarn behoben.
Der Präsident des Verwaltungsgerichtes wies das Sistierungsbegehren mit Verfügung
vom 8. Oktober 2009 ab, wobei er erwog, dass die Bau- und Umweltkommission Y.
gehalten sei, auch die Rechtmässigkeit der Baute auf dem Nachbargrundstück Nr. x zu
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prüfen, ansonsten die Vorinstanz als Aufsichtsbehörde die erforderlichen Massnahmen
treffen werde. Davon abgesehen könne aus einem einzelnen Fall einer vom Gesetz
abweichenden Behandlung kein Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht geltend
gemacht werden.
Die Vorinstanz und die Beschwerdegegnerin beantragten am 21. Oktober 2009 und 10.
November 2009 die Abweisung der Beschwerde. Nachdem die Beschwerdeführerin
eingeladen worden war, zu den Vernehmlassungen Stellung zu nehmen, beantragte sie
am 1. Dezember 2009, die Beschwerde "in Erwartung eines baldigen Entscheids des
Baudepartementes über die daselbst erhobene Rechtsverweigerungs- und
Aufsichtsbeschwerde nicht vordringlich zu behandeln, allenfalls unter Rückkommen auf
den ablehnenden Präsidialentscheid vom 8. Oktober 2009 doch noch bis zu einem
Entscheid des Baudepartements zu sistieren".
Der Gerichtspräsident wies auch das erneute Sistierungsgesuch mit Verfügung vom
2. Dezember 2009 ab. Den Zwischenentscheid begründete er damit, dass zum einen
die Dauer des Verfahrens bezüglich der Rechtsverweigerung und Aufsichtsbeschwerde
ungewiss sei und die Baute auf der Nachbarliegenschaft zum anderen - wie am
8. Oktober 2009 bereits ausgeführt - für das vorliegende Verfahren nicht präjudizierend
sei.
Das Baudepartement informierte mit Schreiben vom 9. Februar 2010, dass für den
Unterstand auf dem Grundstück Nr. 1932 zwischenzeitlich ein nachträgliches
Baugesuch eingereicht worden sei, das nun im ordentlichen Verfahren behandelt
werde. Die Beschwerdeführerin ihrerseits teilte am 22. Februar 2010 mit, dass sie
gegen das Baugesuch des Nachbarn am 10. Februar 2010 Einsprache erhoben habe.
F./ Auf die weiteren Vorbringen der Beteiligten wird, soweit wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Darüber wird in Erwägung gezogen:
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1. Das Verwaltungsgericht ist gemäss Art. 59bis Abs. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1, abgekürzt VRP) zur Behandlung der gegen einen
Entscheid des Baudepartementes erhobenen Beschwerde zuständig. Die
Beschwerdeführerin ist Adressatin des abschlägigen Entscheids und somit zur
Beschwerdeerhebung legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP).
Die Beschwerdeeingabe vom 10. September 2009 und ihre Ergänzung vom 5. Oktober
2009 entsprechen zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Voraussetzungen
(Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
2. Die Beschwerdeführerin beantragt die Durchführung eines Augenscheins. Damit soll
festgestellt werden, dass sich die Verhältnisse seit Erlass des Sondernutzungsplans
derart geändert hätten, dass kein öffentliches Interesse mehr an seiner unveränderten
Beibehaltung bestehe.
2.1. Der Augenschein ist die unmittelbare sinnliche Wahrnehmung von Tatsachen
durch die entscheidende Instanz. Er dient dem besseren Verständnis des Sachverhalts.
Ob ein Augenschein durchzuführen ist, liegt im pflichtgemässen Ermessen der
urteilenden Instanz. Unbestrittene Tatsachen brauchen nicht durch einen Augenschein
überprüft zu werden, sofern eine Nachprüfung nicht durch öffentliche Interessen
geboten erscheint (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St.
Gallen 2003, Rz. 966).
2.2. Die tatsächlichen Verhältnisse ergeben sich vorliegend aus den Plänen und
übrigen Verfahrensakten, insbesondere der unbestrittene Umstand, dass die
Beschwerdeführerin und ihr Nachbar ohne Baubewilligung eine Anbaute bzw. einen
gegen den See offenen Unterstand erstellt haben. Andere neue Tatsachen, die eine
Änderung des Baulinienplans nötig machten, stehen nicht zur Diskussion. Bezüglich
der illegalen Anbaute der Beschwerdeführerin liegt ein Rückbaubefehl vor, der seit
knapp drei Jahren rechtskräftig ist. Sobald dieser vollstreckt sein wird, wird auf dem
Grundstück der Beschwerdeführerin keine Abweichung zwischen dem Plan und der
Realität mehr bestehen, deretwegen der Sondernutzungsplan aufgehoben werden
müsste. Der private, halboffene Unterstand auf dem Nachbargrundstück ist noch
Gegenstand eines nachträgliches Bewilligungs- bzw. Wiederherstellungsverfahrens. Er
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ist auf zahlreichen Fotos abgebildet, die sich in den Unterlagen befinden. Auf die
beantragte Durchführung eines Augenscheins ist folglich zu verzichten.
3. Die Beschwerdeführerin verlangt, dass die Baulinie auf ihrem und der
Nachbarliegenschaft in Richtung See verschoben werde.
3.1. Die Baulinie bezeichnet den Mindestabstand von Bauten und Anlagen gegenüber
Strassen, Wegen, Plätzen und anderen öffentlichen Verkehrsanlagen sowie gegenüber
Gewässern, Wäldern und schützenswerten Landschaften (Art. 24 Abs. 1 des
Baugesetzes, sGS 731.1, abgekürzt BauG). Baulinien wirken sich als Bauverbote aus.
Land, das innerhalb der Baulinie liegt, darf nicht überbaut werden (P. Hänni, Planungs-,
Bau- und besonderes Umweltschutzrecht, Bern 2008, 5. Auflage, S. 240). Die Baulinie
gilt für künftige Bauten und Anlagen. An bestehenden dürfen grundsätzlich die zum
Unterhalt und zu einer zeitgemässen Erneuerung erforderlichen Arbeiten vorgenommen
werden (Art. 24 Abs. 2 BauG).
Die Baulinie wird im Überbauungsplan festgelegt, der zu den Sondernutzungsplänen
zählt (Art. 23 lit. a BauG). Diese sind wie alle Nutzungspläne für jedermann verbindlich
(Art. 21 Abs. 1 des Raumplanungsgesetzes, SR 700, abgekürzt RPG).
3.2. Haben sich die Verhältnisse wesentlich verändert, werden die Nutzungspläne
überprüft und nötigenfalls angepasst (Art. 21 Abs. 2 RPG).
3.2.1. Das RPG überlässt es den Kantonen, das Verfahren der Planrevision zu regeln.
Es stellt ihnen namentlich frei, wie dieses Verfahren ausgelöst werden soll (B. Heer, St.
Gallisches Bau- und Planungsrecht, Bern 2003, Rz. 190). Art. 32 Abs. 1 BauG
konkretisiert, dass Baureglement, Zonen-, Überbauungs-, Gestaltungs-, Deponie- und
Abbaupläne sowie Schutzverordnungen geändert oder aufgehoben werden, wenn es
aus wichtigen öffentlichen Gründen geboten ist, insbesondere wenn sich die
Grundlagen ihres Erlasses wesentlich geändert haben oder wenn wesentliche neue
Bedürfnisse nachgewiesen sind. Die Anpassung eines Nutzungs- oder
Sondernutzungsplans an veränderte Verhältnisse erfolgt auf dem Weg der Planung und
setzt eine umfassende Interessenabwägung voraus. Die Planänderung hat unter
Einbezug aller raum- und umweltrelevanten Gesichtspunkte und unter
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Berücksichtigung der Planungsgrundsätze des RPG und der Ziele und Festlegungen
des Richtplans zu erfolgen (Waldmann/Hänni, Handkommentar zum
Raumplanungsgesetz, Bern 2006, Rz. 3 und Rz. 24 zu Art. 21 RPG). Eine Planung, die
nicht mehr zeitgerecht ist, widerspricht nicht nur den Planungsgrundsätzen, sondern im
Fall von Nutzungseinschränkungen auch der Eigentumsgarantie nach Art. 26 der
Bundesverfassung (SR 101, Waldmann/Hänni, a.a.O., Rz. 11 zu Art. 21 RPG).
3.2.2. Die Verhältnisse haben sich dann wesentlich geändert, wenn die tatsächlichen
(wie z.B. Bevölkerungswachstum, Wirtschaftsentwicklung) oder rechtlichen Umstände,
die der Planfestsetzung zu Grunde gelegen haben, zu wesentlichen Teilen
dahingefallen sind, oder wenn seither neue bedeutende Bedürfnisse entstanden sind
und eine Plananpassung nötig erscheint. Die Verhältnisse müssen sich mit anderen
Worten in einer Weise geändert haben, dass kein öffentliches Interesse mehr an der
Beibehaltung der bisherigen Nutzungsordnung besteht (Waldmann/Hänni, a.a.O.,
Rz. 15f. zu Art. 21 RPG). Der Anpassung von Nutzungsplänen können öffentliche oder
private Interessen entgegenstehen. Unter dem Gesichtspunkt der Rechtssicherheit ist
zudem zu beachten, dass Nutzungspläne ihren Zweck der Schaffung einer
grundeigentümerverbindlichen und grundstücksscharfen Nutzungsordnung nur erfüllen
können, wenn sie eine gewisse Beständigkeit aufweisen (Waldmann/Hänni, a.a.O.,
Rz. 12 zu Art. 21 RPG).
3.3. Die Grundstücke Nrn. 2806 und 1932 liegen vollständig innerhalb des
Gewässerabstands von 25 m (Art. 59 Abs. 1 BauG; Heer, a.a.O., Rz. 642).
3.3.1. Der Gewässerabstand ist eine bedeutende Vorschrift des Baugesetzes, die aus
wasserpolizeilichen Motiven und aus Gründen des Naturschutzes - Bäche, Flüsse,
Seen und ihre Ufer sind Schutzgegenstände nach Art. 98 Abs. 1 lit. a BauG - erlassen
wurde. Die Freihaltung der Ufer dient nicht nur wasserbaulichen, biologischen und
ökologischen Interessen, sondern auch dem Schutz der Bauwerke vor Hochwasser
und Überschwemmungen (Heer, a.a.O., Rz. 641; BR 1/2010 S. 30 f.). An der Einhaltung
des Gewässerabstands besteht somit grundsätzlich ein erhebliches öffentliches
Interesse (GVP 2000 Nr. 75). Dies gilt im besonderen Mass für das Grundstück der
Beschwerdeführerin, wo entlang des Ufers ein Streifen von sechs bis sieben Metern als
gefährdet (Überflutung) ausgeschieden ist.
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3.3.2. Soweit die Bauten und Anlagen entlang des Obersees formell und materiell
rechtmässig unter altem Recht erstellt wurden, bleiben sie in ihrem Bestand geschützt
(Heer, a.a.O., Rz. 744). Darüber hinaus ist eine bauliche Entwicklung nur möglich,
soweit die Gemeinden den Gewässerabstand abweichend vom Gesetz festlegen
(Art. 59 Abs. 5 BauG, Heer, a.a.O., Rz. 648). Einen solchen Fall hat die
Beschwerdegegnerin mit dem Baulinienplan B. für das Grundstück der
Beschwerdeführerin und acht weitere Seeliegenschaften geschaffen, indem sie auf
diesen Grundstücken entlang der zum See ausgerichteten Fassaden der bestehenden
Wohnhäuser eine Gewässerabstandslinie gezogen hat. Damit wird rückseitig zur
Strasse hin eine bauliche Entwicklung ermöglicht, obwohl sich die Seegrundstücke -
wie gesagt - vollständig innerhalb des Gewässerabstands befinden. Im Gegenzug
bleibt der restliche Uferstreifen, soweit er noch nicht überbaut ist, vor weiteren
baulichen Eingriffen geschützt.
3.3.3. Beim Erlass und bei der Änderung eines Sondernutzungsplans hat sich die
Behörde von den raumplanerischen Zielen und den Planungsgrundsätzen leiten zu
lassen, vorliegend insbesondere vom Grundsatz, dass See- und Flussufer freizuhalten
sind (Art. 3 Abs. 2 lit. c RPG). Dafür stehen verschiedene Instrumente zur Verfügung, im
Siedlungsgebiet beispielsweise die Baulinie (Waldmann/Hänni, a.a.O., Rz. 29 zu Art. 3
RPG mit Hinweisen). Konkret sind keine Gründe ersichtlich, weshalb der ohnehin
reduzierte Uferschutz am Obersee noch weiter gelockert werden soll. Der Wunsch der
privaten Grundeigentümer, ihre Seegrundstücke nach Gutdünken und gemäss ihren
individuellen Bedürfnissen bis ans Ufer zu nutzen und insbesondere überbauen zu
können, ist ein altbekanntes Anliegen, das mit dem im Streit liegenden
Sondernutzungsplan gerade im sensibelsten vordersten Teil verhindert werden soll.
Das eigenmächtige Vorgehen der Beschwerdeführerin und ihres Nachbarn
veranschaulicht zudem, dass der reduzierte Uferstreifen bei B. tatsächlich bedroht ist,
vollends überbaut zu werden. Das öffentliche Interesse, den Uferstreifen am Obersee
so weit als noch möglich frei zu halten, ist seit Inkrafttreten des Baulinienplans
unverändert geblieben, und zwar unabhängig von der Tatsache, dass der illegale
Anbau hinter dem altrechtlichen Bootshaus der Beschwerdeführerin liegt und deshalb
vom See aus nicht sichtbar ist. Zwar steht dieses ebenfalls im Bauverbotsgebiet, im
Gegensatz zur illegalen Anbaute geniesst das Bootshaus aber Bestandesschutz. Auch
nicht massgebend in diesem Zusammenhang ist der Umstand, dass der Erlass bzw.
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die Auflage des Baulinienplans und die Plangenehmigung desselben mehrere Jahre
auseinanderliegen. Sinn und Zweck des Sondernutzungsplans haben sich in der
Zwischenzeit nicht geändert.
3.3.4. Die Beschwerdeführerin sieht ihren Änderungsanspruch darin begründet, dass
sie selbst und ihr Nachbar im Bauverbotsbereich einen Gebäudeteil bzw. eine Baute
errichtet haben. Allerdings steht bezüglich der Anbaute der Beschwerdeführerin bereits
seit langem fest, dass es sich dabei - zumindest soweit diese die Baulinie verletzt - um
eine rechtswidrige Baute handelt, die abgebrochen werden muss. An der Durchsetzung
der rechtskräftigen Wiederherstellung besteht - genauso wie am Festhalten der
aktuellen Gewässerabstandslinie - insbesondere aus präjudiziellen Gründen ein
erhebliches öffentliches Interesse. Zwar können sich auch Grundeigentümer, die nicht
gutgläubig gehandelt haben, auf den Grundsatz der Verhältnismässigkeit berufen. Sie
müssen indessen in Kauf nehmen, dass aus grundsätzlichen Erwägungen, nämlich zum
Schutz der Rechtsgleichheit und der baurechtlichen Ordnung, dem Interesse an der
Wiederherstellung des gesetzmässigen Zustands erhöhtes Gewicht beigemessen und
die ihnen erwachsenden Nachteile nicht oder nur in verringertem Mass berücksichtigt
werden (BGE 123 II 248 E. 4a, BGE 1P.708/2006 / 1P.710/2006 vom 13. April 2007 E.
5.1). Grundeigentümer, die sich über geltende Vorschriften und Bewilligungen
hinwegsetzen, sollen nämlich nicht besser gestellt werden als diejenigen, die den
vorgeschriebenen Verfahrensweg einschlagen und sich an die entsprechenden
Vorschriften halten (BGE 1P.708/2006 / 1P.710/2006 vom 13. April 2007 E. 5.4 und
5.5.1). Allein der Wunsch, die beiden rechtswidrig erstellten privaten Bauten
nachträglich zu legalisieren, rechtfertigt die Planänderung nicht.
Ob und in welchem Umfang das private Gartenhaus auf dem Nachbargrundstück
wiederaufgebaut werden durfte, muss im nachträglichen Bewilligungsverfahren geklärt
werden, das noch anhängig ist. Selbst wenn die Baubehörde dabei zum Schluss
kommen sollte, dass der Ersatzbau wiederaufgebaut werden durfte und im heutigen
Umfang bestehen bleiben darf, würde an der Bedeutung der bestehenden Baulinie
nichts ändern. Allein das Gartenhaus rechtfertigt es nicht, den schon heute
eingeschränkten Gewässerabstand und Uferschutz noch weiter zu beschneiden.
Bereits im Zeitpunkt der Plangenehmigung waren zahlreiche altrechtliche Bauten und
Anlagen in der Bauverbotszone vorhanden.
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3.3.5. Nachdem sich die Beschwerdegegnerin - wenn auch erst nach mehreren
Aufforderungen - dazu entschliessen konnte, auch bezüglich des Gartenhauses auf
dem Nachbargrundstück Nr. 1932 das ordentliche Baubewilligungs- bzw.
Wiederherstellungsverfahren einzuleiten, kann nicht mehr gesagt werden, dass die
Beschwerdeführerin gegenüber dem Nachbarn rechtsungleich behandelt werde. Davon
abgesehen gäbe es - wie die Vorinstanz zu Recht ausgeführt hat - ohnehin keinen
Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht. Dies gilt zumindest dann, wenn wie hier
die abweichende Behandlung lediglich in einem einzigen oder in einigen wenigen Fällen
erfolgt ist, keine eigentliche gesetzwidrige Praxis besteht und die Behörde es nicht
ablehnt, diese aufzugeben. Nur in einem solchen Ausnahmefall können Private
überhaupt verlangen, dass die widerrechtliche Begünstigung auch ihnen gewährt
werde (Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsgericht, 5. Auflage, Zürich
2006, Rz. 518).
4. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beibehaltung des Baulinienplans B. nach
wie vor im öffentlichen Interesse liegt und vor der Eigentumsgarantie der
Beschwerdeführerin standhält. Weder Ausgangslage noch Zielsetzung für den
Überbauungsplan haben sich seit dessen Erlass wesentlich geändert, weshalb eine
Planänderung nicht angezeigt ist. Seine Aufhebung ist weder aus öffentlichen
Interessen noch aus Gründen der Rechtsgleichheit geboten. Die Beschwerde erweist
sich daher als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist.
5. Dem Verfahrensausgang entsprechend hat die Beschwerdeführerin die amtlichen
Kosten des Beschwerdeverfahrens zu bezahlen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 6'000.-- ist angemessen (inkl. Kosten der Verfügungen vom 8.
Oktober 2009 und 2. Dezember 2009 von gesamthaft Fr. 1'500.--, Art. 13 Ziff. 611 und
622 Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 3'000.--
ist anzurechnen.
Ausseramtliche Entschädigungen sind nicht zuzusprechen (Art. 98 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 98bis VRP).
Demnach hat das Verwaltungsgericht
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