# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 1a1ac3ec-b92a-4be0-833e-2efaa76617c0
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1968, ist Mutter der vier Kinder
W._
, geboren 1984, Y._, geboren 1985, Z._, geboren 2000, gestorben 2013, und A._, geboren 2006 (Urk. 7/3/1-5, Urk. 7/15/1-11). Vom Vater der drei erstgeborenen Kinder, B._, wurde sie mit Entscheid des Gemeindegerichtes C._ (Serbien) vom 13. Februar 2002 nach zweiter gemeinsamer Ehe geschie
den (Urk. 7/6). Am 30. März 2004 ist B._ verstorben (Urk. 7/4). X._ be
zog deshalb mit Wirkung ab dem 1. April 2004 eine Witwen
rente (Urk. 7/9, Urk. 7/11), bis sie am 8. April 2008 erneut heiratete (Urk. 7/12). Bis zu diesem Zeitpunkt war die Versicherte letztmals im Januar 2003 er
werbs
tätig (vgl. Auszug aus dem individu
ellen Konto, Urk. 7/20). Wegen eines depressiven Zustandes, starker Angst, in
nerer Spannung, Müdigkeit, Schlaflo
sigkeit, Lustlosigkeit, Konzentrationsproblemen sowie andauernden Schmerzen meldete sie sich am 18. April 2008 bei der Invalidenversicherung zum Leis
tungsbezug an (Urk. 7/13). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte den Arztbericht des Hausarztes Dr. med. D._, FMH Allge
mein
medizin, vom 18. August 2008 ein (Urk. 7/21). Am 21. Oktober 2008 teilte sie X._ mit, die Abklärungen hätten ergeben, dass derzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen notwendig seien (Urk. 7/22). Nachdem vom behandelnden Psychiater Dr. med. E._, Facharzt FMH Psychiatrie und Psychotherapie trotz Er
mah
nung (Urk. 7/23) kein Arztbericht eingegan
gen war, liess die IV-Stelle das
psychiatrische Gut
achten von Dr. med. F._
, Facharzt FMH
für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 16. Mai 2009 (Urk. 7/25/5-24) erstellen. Dr. med. G._, Facharzt für Arbeitsmedizin FMH, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der IV-Stelle gelangte in seiner Stellungnahme vom 27. Mai 2009 zum Ergebnis, dass die Beurteilung von
Dr. F._ hinsichtlich der Arbeitsfähig
keit nicht konsistent sei, wes
halb die Versicherte am 25. November 2009 bei RAD-Arzt Prof. Dr. med. H._ einer zusätzlichen psy
chiatrischen Standortbestimmung un
terzogen wurde (Urk. 7/28/4). Am 5. Januar 2010 führte die IV-Stelle eine Ab
klärung im Haushalt der Versicher
ten durch (vgl. Abklä
rungsbericht vom
21. Januar 2010, Urk.
7
/27). Mit Vorbe
scheid vom 28. Januar 2010 teilte die IV-Stelle
X._ mit, dass sie kei
nen Anspruch auf eine Invalidenrente habe (Urk. 7/30). Dagegen liess die Ver
sicherte am 1. März 2010 (Urk. 7/37) unter Beilage des von ihrem Rechtsvertre
ter eingeholten Berichtes von Dr. E._ vom 19. Februar 2010 (Urk. 7/36/1-2) Einwand erheben. In der Folge reichte sie weitere Berichte von Dr. E._ vom 19. März 2010 (Urk. 7/39), des Sanatoriums I._, Privatklinik für Psychi
atrie und Psychotherapie, vom 12. Mai 2010 (Urk. 7/41) und von Dr. D._ vom 19. September 2010 (Urk. 7/49) zu den Akten. Die IV-Stelle holte den Bericht des Sanatoriums I._ vom 26. August 2010 ein (Urk. 7/44). Sodann führte RAD-Arzt Dr. med. J._, Facharzt FMH Psychiatrie und Psycho
therapie, am 5. Oktober 2010 eine weitere Unter
suchung durch (Urk. 7/52/4-5). Die Versi
cherte liess zu deren Resultat mit Ein
gabe vom 26. Januar 2011 Stel
lung neh
men (Urk. 7/51). Mit Verfügung vom 4. Februar 2011 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab (Urk. 7/53). Die gegen diese Verfügung am 7. März 2011 (Urk. 7/54) erhobene Beschwerde wies das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich mit Urteil vom 26. September 2012 ab (Urk. 7/56). Auf die gegen dieses Urteil erhobene Beschwerde trat das Bundesgericht mit Urteil vom 6. Dezember 2012 nicht ein (Urk. 7/58).
1.2
Mit Schreiben vom 28. Juli 2014 ersuchte Dr. E._ die IV-Stelle um erneute Prüfung des Rentenanspruches der Versicherten (Urk. 7/59). Die IV-Stelle teilte in der Folge X._ mit, es könne nur von ihr selbst oder ihrem Rechts
vertreter ein Gesuch eingereicht werden. Ohne die Einreichung weiterer Unter
lagen bis zum 12. September
2014 würde das Schreiben von Dr. E._ abgelegt (Urk. 7/60).
1.3
Am 16. September 2015 (Datum des Posteingangs) meldete sich X._ erneut zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung an (Urk. 7/66). Mit Schreiben vom 23. September 2015 ersuchte die IV-Stelle sie um Einreichung von Beweismitteln zur Glaubhaftmachung einer wesentlichen Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse (Urk. 7/71). Dieser Aufforderung kam die Versicherte am 23. Dezember 2015 durch Rechtsanwalt Luca Barmettler nach (Urk. 7/80, Urk. 7/81/1-10). Mit Vorbescheid vom 13. Januar 2016 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, auf ihr Leistungsbegehren werde nicht eingetreten, da sie nicht habe glaubhaft machen können, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse seit der Verfügung vom 4. Februar 2011 wesentlich verändert hätten (Urk. 7/83). Gegen diesen Vorbescheid liess X._ am 21. Januar 2016 Einwand erheben (Urk. 7/85). Die IV-Stelle gelangte in der Folge zum Ergebnis, dass doch auf das Leistungsgesuch einzutreten sei, da von einer Statusänderung auszugehen sei (Urk. 7/88). Sie erliess den neuen Vorbescheid vom 27. Mai 2016, mit welchem sie der Versicherten die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht stellte (Urk. 7/89). Gegen diesen Vorbescheid liess die Versicherte am 30. Juni 2016 Einwand erheben (Urk. 7/90). Mit Verfügung vom 14. Juli 2016 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab (Urk. 2).
2.
Gegen diese Verfügung erhob X._ durch Rechtsanwalt Luca Barmettler am 21. Juli 2016 Beschwerde mit folgenden Anträgen (Urk. 1 S. 2):
„1.
Die Verfügung der IV-Stelle Zürich vom 14. Juli 2016 sei aufzuheben.
2.
Der Beschwerdeführerin sei mit Wirkung ab September 2015 fortdauernd eine ganze Invalidenrente auszurichten.
3.
Der Beschwerdeführerin sei im Verfahren vor Sozialversicherungsgericht Zürich die unentgeltliche
Prozessführung und
Rechtsverbeiständung
zu bewilligen.
4.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge.“
Die Beschwerdegegnerin ersuchte am 26. August 2016 um Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was der Beschwerdeführerin am 19. September 2016 mit
geteilt wurde (Urk. 11).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgeset
zes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreivier
tels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Wurde eine Rente
wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3 IVV eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität
der ver
sicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geän
dert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaub
haft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsäch
lich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisi
onsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräfti
gen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst
noch zu prüfen, ob die fest
gestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invali
dität
zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117
V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.5
Sowohl im Rahmen einer erstmaligen Prüfung des Rentenanspruches als auch anlässlich einer Rentenrevision (
Art.
17
Abs.
1 ATSG) stellt sich unter dem Gesichtspunkt des
Art.
28a
Abs.
3 IVG in Verbindung mit
Art.
16 und 7
Abs.
2 ATSG die Frage nach der anwendbaren Invaliditätsbemessungsmethode.
Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, führt je zur Anwendung einer anderen Methode der Invaliditätsbemessung (Einkommensvergleich, Betätigungsver
gleich, gemischte Methode) und ergibt sich aus der Prüfung, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beein
trächtigung bestünde. Entscheidend ist nicht, welches Ausmass der Erwerbs
tätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch, das heisst ohne Gesundheitsscha
den, aber bei sonst gleichen Verhältnissen, erwerbstätig wäre (
Art.
27
bis
IVV). Die gemischte Methode bezweckt damit eine möglichst wirklichkeitsgerechte Bemessung des Invaliditätsgrades (BGE 133 V 504 E. 3.3 mit Hinweisen).
Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben. Dabei sind die kon
krete Situation und die Vorbringen der versicherten Person nach Massgabe der allgemeinen Lebenserfahrung zu würdigen. Für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit ist der im Sozial
versicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich (
BGE 137 V
334
E. 3.2,
130 V 393
E. 3.3,
125 V 146
E. 2c, je mit Hinweisen).
Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen (vgl.
Art.
27 IVV) sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigun
gen und Begabungen zu berücksichtigen (Urteil des Bundesgerichts 9C_915/2012 vom 1
5.
Mai 2013 mit Hinweisen auf BGE 133 V 504 E. 3.3).
Bei der Bestimmung der im konkreten Fall anwendbaren Invaliditätsbe
messungs
methode und damit der Beantwortung der entscheiden
den Statusfrage handelt es sich um eine hypothetische Beurteilung, die auch hypothetische Willensentscheidungen der versicherten Person berücksichtigen muss. Dies gilt auch für die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person ohne gesund
heitliche Beeinträchtigung erwerbstätig wäre. Diese inneren Tat
sachen sind indessen einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müs
sen in aller Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden. Die Beurteilung hypothetischer Geschehensabläufe ist eine Tatfrage, soweit sie auf Beweiswür
digung beruht, selbst wenn darin auch Schlussfolgerungen aus der allgemeinen Lebens
erfahrung mitberücksichtigt werden. Rechtsfragen sind hingegen Folge
rungen, die ausschliesslich – losgelöst vom konkreten Sachverhalt – auf die all
gemeine Lebenserfahrung gestützt werden oder die Frage, ob aus festgestellten Indizien mit Recht auf bestimmte Rechtsfolgen geschlossen worden ist (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_287/2013 vom
8.
November 2013 E.
3.5
und 8C_511/2013 vom 3
0.
Dezember 2013, je
mit Hinweisen).
1.6
Diese Grundsätze gelten auch bei der Rentenrevision und im Neuanmeldungs
ver
fahren. Hier führen sie gegebenenfalls dazu, dass ein Ren
tenanspruch neu
entstehen kann, nicht nur bei wesentlicher Veränderung des Gesundheits
zustandes, der erwerblichen Auswirkungen (oder der Auswirkungen in Bezug auf die Betätigung im üblichen Aufgabenbereich) und bei Wandlung des Aufgaben
bereichs (BGE 113 V 273 E. 1a, 105 V 29 mit Hinweisen), sondern auch dadurch, dass in dem für die Methodenwahl massgeblichen hypothetischen Sachverhalt wesentliche Änderungen eingetreten sind. Die in einem bestimmten Zeitpunkt massgebende Methode der Invaliditätsschätzung präjudiziert die künftige Rechtsstellung der versicherten Person somit nicht. Vielmehr können die alternativen Kriterien der Erwerbsunfähigkeit (
Art.
28a
Abs.
1 IVG in Ver
bindung mit
Art.
7 ATSG) einerseits und der Unmöglichkeit der Betätigung im nicht erwerblichen Aufgabenbereich (
Art.
5
Abs.
1 und 28a
Abs.
3 IVG in Ver
bindung mit
Art.
8
Abs.
3 ATSG) anderseits einander ablösen (BGE 117 V 198 E. 3b, 113 V 273 E. 1a, 110 V 284 E. 1a, 104 V 148 E. 2 mit Hinweisen).
2.
Der rentenabweisende Entscheid der Beschwerdegegnerin vom 4. Februar 2011 (Urk. 7/53) basierte auf folgenden Arztberichten:
2.1
2.1.1
Gemäss dem Arztbericht von Dr. D._ vom 18. August 2008 (Urk. 8/21) leidet die Beschwerdeführerin unter einer Depression sowie unter einem chronisch rezidi
vierenden
cerviko
- und
lumbovertebralen
Schmerzsyndrom. Sie sei bei ihm seit Februar 2008 in unregelmässigen Abständen in Behandlung wegen Bagatellen. Zuvor habe die Beschwerdeführerin seinen Vorgänger wegen
cervikalen
und lum
balen Schmerzen aufgesucht, welche jeweils gut hätten behandelt werden können. Diesbezüglich bestünden eine gute Prognose und keine Arbeitsunfähig
keit. Eine signifikante körperliche Einschränkung sei nicht vorhanden. Betref
f
end psychi
atrische Beurteilung habe man sich an Dr. E._ zu wenden.
2.1.2
Im Bericht vom 19. September 2010 (Urk. 8/49) diagnostizierte Dr. D._ ein chro
nisch rezidivierendes
cerviko
- und
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom mit Spa
nn
ungs
kopfschmerzen, eine Transaminasenerhöhung unter antidepressiver medi
ka
mentöser Therapie, eine rezidivierende chronische depressive Störung, einen
Sta
tus nach Varizen-OP an den Beinen beidseits 2008 sowie eine arterielle Hyper
tonie. Seit 2008 sei es zu einer Zunahme der zervikalen und lumbalen Schmer
zen, meist belastungsabhängig ohne neurologische Ausfälle, gekommen. Stehen, Ge
hen und Sitzen seien jedoch jeweils für knapp 2 Stunden möglich.
2.2
Dr. F._ stellte in seinem Gutachten vom 16. Mai 2009 folgende Diagnosen (Urk. 8/25/16-17):
1. Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
Achse I: Klinische Störungen
Generalisierte Angststörung (ICD-10, F41.1), seit ca. 2002 mit zeitweilig sich paroxysmal entladender Angst und sozialphobischen Komponenten.
Rezidivierende depressive Störung (ICD-10, F33.9) mit nicht näher zu bezeichnen
den depressiven "Episoden", seit den 1980iger Jahren.
Essstörung mit (vermutlich) psychogenem Appetitverlust, Einsparung von Kalo
rien und vor allem induziertem Erbrechen, der Beginn ist nicht genau datierbar (ICD-10, F50.8).
Zwangsgedanken und –
handlungen
, gemischt (ICD-10, F42.2), der Beginn ist nicht genau datierbar.
Achse II: Persönlichkeitsstörungen
Die Diagnose einer eigentlichen Persönlichkeitsstörung lässt sich auf der Grund
lage der vorhandenen klinischen und anamnestischen Daten derzeit nicht stel
len, auf jeden Fall aber liegt
eine akzentuierte Persönlichkeit
vor mit ängstlich-vermeidenden und abhängigen Zügen, die seit der Jugendzeit bestehen sowie einer massiven Selbstwertproblematik (ICD-10, Z73.1), das Strukturniveau pen
delt zwischen einer niederen und einer mittleren Organisationsform (nach der OPD-II), die in engem und auch kausalem Zusammenhang steht mit den Achse-I-Störungen.
2. Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
Achse I: Klinische Störungen
Störungen durch Sedativa/Benzodiazepine, schädlicher Gebrauch (ICD-10, F13.1), seit einigen Jahren (DD:
Benzodiazepinabhängigkeit
).
Störungen durch Tabak, Abhängigkeitssyndrom, ständiger Substanzgebrauch: eine Packung Zigaretten pro Tag, seit 1987 (ICD-10, F17.25).
Vor allem schädlicher Gebrauch von nicht psychotropen Analgetika (ICD-10, F.55.2).
Achse III: Medizinische Krankheitsfaktoren
Rezidivierende chronische Rückenschmerzen, seit Jahren mit mehreren Lokalisati
onen der Wirbelsäule:
cervico
- und
lumbovertebrale
Region (ICD-10, M54.00).
Achse IV: Psychosoziale und umgebungsbedingte Probleme
Auf der Achse IV werden die bestehenden psychosozialen und umgebungs
beding
ten Belastungen aufgeführt: Bei der Beschwerdeführerin bestehen schwere Belastungen ihrer Hauptbezugsgruppe (krebskranker Sohn, 8 Jahre alt, erheblich belastete Beziehung zum [zweiten] Ehemann), im sozialen Umfeld (durch Rückzugs- und Vermeidungsverhalten) sowie wirtschaftliche Probleme (Schulden, die ihr vom ersten Ehemann verblieben sind bei einem fehlenden ei
genen Einkommen und relativ geringer materieller Unterstützung durch den zweiten Ehemann).
Achse V: Globale Erfassung des Funktionsniveaus
Es bestehen ernstere Beeinträchtigungen der sozialen und beruflichen Lei
s
tungsfä
higkeit.
Die genannten psychosozialen Störungsgrössen beeinflussen die Persistenz der Symptomatik und damit die Fortdauer des Leidens, was jedwede künftige The
rapie zu berücksichtigen hat; auch haben sie
ätiopathogenetisch
zur Entstehung des komplexen und nun chronifizierten Krankheitsbildes mit beigetragen, obschon die primär psychogenen Anteile, neben den biologischen, an diesem Geschehen überwiegen. Einige Faktoren, vor allem die Situation, die durch den krebskranken 8-jährigen Sohn entstanden ist, tragen allerdings auch zur relati
ven Stabilisierung der Beschwerdeführerin bei, da sie durch die Hinfälligkeit des Sohnes motiviert wird, selbst "funktionstüchtig" zu bleiben.
Zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin hielt Dr. F._ fest,
die Beschwerdeführerin sei zuletzt ab den 1990er-Jahren bis zu ihrer Schwanger
schaft im Jahre
2000 als angelernte Arbeiterin in der Fabrikation eines kleinen Textil
herstellers zu einem 100%-Pensum erwerbstätig gewesen. Weil sie darauf be
standen habe, dass sie während der Schwangerschaft Anspruch auf zusätz
liche Pausen habe, sei ihr die Stelle gekündigt worden. Die Beschwerdeführerin habe in diesem Betrieb eine nicht ungefährliche und hohe Konzentration erfor
dernde Arbeit (Stanzen von Stoffmustern) im Sitzen und Stehen unter Zeit
druck ver
richten müssen. Nach der Kündigung des Arbeitsverhältnisses habe sich in
der Folgezeit der psychische Gesundheitszustand verschlechtert. Zu den schon vor
bekannten rezidivierenden depressiven Stimmungen seien ab 2002 wie
der
keh
rende Angstzustände und etwa ab 2006 dann auch noch eine Essstörung mit
induziertem Erbrechen bei morgendlicher Übelkeit dazu gekommen. Im Jahre 2002
sei deshalb bei Dr. E._ eine ambulante psychiatrische Behandlung be
gon
nen worden, und die Beschwerde
führerin sei auch in einem stationären Auf
ent
halt in der Klinik K._ gewesen. Die mehr oder weniger früher schon un
ter
schwellig bis offen vorhandenen psychosoziale
n Probleme hätten sich nun ver
stärkt bzw. es seien zum Beispiel durch die Krebserkrankung des Sohnes neue
hinzuge
treten. Zwischen 2006 und 2008 habe sich der psychische Zustand der Be
schwerdeführerin noch einmal deutlich verschlechtert (Urk. 8/25/18). In Ver
bindung mit
die
ser Entwicklung der ge
samten Symptomatik sei es ab 2002, in relevanter Weise
mehr ab 2006 bis zum Frühjahr 2008, auch zu einer Abnahme
der Arbeits
fähigkeit in der Haushaltstä
tigkeit, welche die Beschwerdeführerin bis
zum ge
gen
wärtigen Zeitpunkt aus
übe, gekommen.
Es bestehe eine theoretisch anzunehmende Arbeitsunfähigkeit von 60 % in der zu
letzt ausgeübten Tätigkeit als angelernte Arbeiterin in einer Textilfabrik und eine Arbeitsunfähigkeit von 40 % in der eigenen Haushaltstätigkeit. Diese Ar
beitsunfähigkeit könne nicht als dauerhaft angesehen werden, da sie durch ge
eignete medizinische Massnahmen verbesserbar sei.
Die Beschwerdeführerin sei in der Lage, körperlich leichtere bis allenfalls zeit
wei
lig auch mittelschwere Arbeiten zwischen 3 und 6 Stunden täglich in wechs
eln
den Arbeitshaltungen zu verrichten. Da ein völlig kontinuierliches Ar
beiten ein
geschränkt sei (im Haushalt betreffe dies Abläufe wie Bügeln und Boden
wischen), müsse die Beschwerdeführerin kleinere Pausen einschalten kön
nen. Eingeschränkt seien das psychophysische Durchhaltevermögen, die Konzentra
tion, die Aufmerksamkeit, die Reaktion sowie das Anpassungs- und das Umstellungs
vermögen (
Urk. 8/
25/
19
). Unter solchermassen limitierenden Rah
men
beding
ungen bestehe für eine angepasste Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit
von 60 %. Gar nicht in Frage
kämen
Schichtdienst, Arbeiten mit Verantwortung
für Personen, Pu
b
li
kumsverkehr sowie das Bedienen von gefährlichen Maschi
nen. Auch diese Ar
beitsfähigkeit sei durch medizinische Massnahmen prinzipiell verbesser
bar
(
Urk.
8/25/20
)
. Wie die Kran
kengeschichte zeige, spielten auch psy
cho
soziale Para
meter eine gewichtige Rolle – und zwar als Auslöser und Ver
stärker, nicht je
doch als Verursacher des psychiatrischen Krankheitsbildes, aus welchem primär die quantifizierten Ein
schränkungen des Arbeitsvermögens mit den entsprech
en
den Fähigkeitsstörun
gen resultierten (Urk. 8/25/24).
2.3
RAD-Arzt Prof. Dr. H._ gelangte in der mit der Beschwerdeführerin durchge
führ
ten Standortbestimmung vom 25. November 2009 (Urk. 8/28/4) zum Ergeb
nis,
dass ein seit 2002 festgestellter chronischer Gesundheitsschaden mit Krank
heitswert seit April 2008 die volle Ausschöpfung der funktionellen Leis
tungs
fähigkeit für berufliche Tätigkeiten verhindere. Das vorwiegend angst- und de
press
iv-
betonte Beschwerdebild, das inzwischen chronifiziert und weit
gehend the
ra
pieresistent erscheine, werde deutlich durch eine innerfamiliäre Konflikt
konstellation überlagert. Aus versicherungsmedizinischer Warte bestehe medizi
nisch-theoretisch eine Arbeitsfähigkeit von 50 % bei einer
behinderungs
ange
passten Arbeitsplatzgestaltung, die unter störungsspezifisch orientierten, koordi
niert durchgeführten therapeutischen und beruflichen Integrations
mass
nahmen praktisch umgesetzt werden könne.
2.4
Laut dem Bericht von Dr. E._ vom 19. Februar 2010 (Urk. 8/36) leidet die Be
schwerdeführerin unter einer mittel- bis
schwergradigen
rezidivierenden de
pressiven Störung (ICD-10: F33.11, F33.2) auf dem Boden einer selbst
unsiche
ren Persönlichkeit (ICD-10: F60.6) sowie einer generalisierten Angst
störung (ICD-10: F41.1). Die Beschwerdeführerin stehe seit 2002 bei ihm wegen psychi
scher Beschwerden in Behandlung. Sie sei damals zu ihm gekommen, weil sie sich in einem tiefen depressiven Zustand befunden habe und auch ihre soziale Lage
sehr schwierig gewesen sei. Die Beschwerden seien die ganze Zeit so stark
ge
wesen, dass die Arbeitsfähigkeit dadurch sehr intensiv beeinträchtigt worden sei.
Die Beschwerdeführerin könne auch heute keiner Arbeit nachgehen. Ihren Wunsch, auswärts zu arbeiten, habe sie nicht verwirklichen können. Besonders nach der Ablehnung des Gesuches durch die Beschwerdegegnerin habe sich der Gesundheitszustand weiter verschlechtert. Die Beschwerdeführerin müsse nun hospitalisiert werden.
2.5
Die Ärzte des Sanatoriums I._ hielten in ihrem Bericht an die Beschwer
degegnerin vom 26. August 2010 (Urk. 8/44) fest, dass die Beschwer
de
führerin
unter einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittel
gradige Epi
so
de
mit somatischem Syn
drom (F33.11) sowie Angstzu
ständen leide (Urk.
8/44/1).
In der zuletzt vor 2002 ausge
übten Tätigkeit sei von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen (Urk. 8/44/3).
2.6
RAD-Arzt Dr. J._ führte am 5. Oktober 2010 eine psychiatrische Unter
suchung durch (Urk. 8/52/4-5). Die Beschwerdeführerin habe dabei angegeben, ihre Schwierigkeiten hätten begonnen, als sie an ihrem geschätzten Arbeitsplatz ei
nen neuen Chef erhalten habe, der sie nur schikaniert habe. Dann sei ihr erster Ehe
mann verstorben, kurz darauf auch ihr Vater und später ihre Mutter. Ihr 9-jähriger Sohn habe einen Tumor an der Niere gehabt, weshalb ihm eine Niere habe ent
fernt werden müssen. Es seien in der Folge Metastasen an der Lunge entdeckt worden, weshalb auch noch eine starke Chemotherapie durchgeführt
worden sei. Jetzt funktioniere die noch vorhandene Niere nicht mehr gut und der
Sohn brauche bald Dialyse. Aufgrund all dieser Sachen gehe es der Beschwer
de
führe
rin seit Jahren schlecht und wegen der Nachricht betreffend ihres Sohnes jetzt noch schlechter. Die Beschwerdeführerin ziehe sich gerne zurück, und ohne die Hilfe der Schwiegermutter könnte sie den Haushalt nicht führen. Einzig das Rauchen bereite ihr noch Freude.
Bei Durchsicht der gesamten Akten falle ihm, Dr. J._, auf, dass von den be
han
deln
den Ärzten klar ein Gesundheitsschaden postuliert werde, der eine seit
gut 8 Jahren anhaltende Arbeitsunfähigkeit begründe. Dabei belegten aber die bis
her und zuletzt vom Sanatorium I._ ge
stellten Diagnosen keine eigen
ständige psychische Erkrankung, sondern seien eine eindeutige Reaktion auf be
last
ende psychosoziale Faktoren (Todes
fälle in der Familie, Erkrankung des Soh
nes). Diese Probleme gälten nach der Rechtsprechung als überwindbar.
2.7
Laut dem Abklärungsbericht Haushalt der Beschwerdegegnerin vom 21. Januar 2010 (Urk. 8/27) ist die Beschwerdeführerin seit der Geburt des Sohnes Z._ im Jahre 2000 zu 100 % als Hausfrau tätig und keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgegangen. Der Sohn sei an Krebs erkrankt und da habe sie sich voll
um
fänglich auf ihn und seine Krankheit konzentriert. Sie habe während dieser Zeit keine Kraft gehabt, um zusätzlich einer Arbeitstätigkeit nachgehen zu können, und auch nicht in
tensiv nach einer Stelle gesucht. Im Jahre 2006 sei dann der zweite Sohn zur Welt gekommen. Spontan gebe die Beschwerdeführerin an, dass sie heute ohne Behinderung wieder arbeiten gehen würde, um ihren Ehe
mann zu unterstützen. Dies sei jedoch nicht ganz nachvollziehbar
und plausi
bel, hätte die Beschwer
deführerin doch schon vor der Erkrankung des Sohnes die Möglichkeit gehabt, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Es erscheine insge
samt nicht als überwie
gend wahrscheinlich, dass die Beschwerdeführerin tat
sächlich einer Erwerbstä
tigkeit nachgehen würde. Es sei deshalb bei der Quali
fi
kation von einer 100%igen Tätigkeit im Haushalt auszugehen. Insgesamt ermit
t
elte
die Abklä
rungsperson der Beschwerdegegnerin im Haushalt eine Einschrän
kung von 19 % (Haushaltführung: Anteil 5 %, Einschränkung 0 %; Ernährung:
Anteil 30 %, Einschränkung 20 %; Wohnungspflege: Anteil 20 %, Einschrän
kung
30 %; Einkauf und weitere Besorgungen: Anteil 10 %, Einschränkung
10 %; Wäsche und Kleiderpflege: Anteil 20 %; Einschränkung 30 %; Betreuung von Kindern und anderen Familienangehörigen: Anteil 15 %, Einschränkung 0 %).
3.
Zur Glaubhaftung einer wesentlichen Verschlechterung des Gesundheits
zustan
des reichte die Beschwerdeführerin der Beschwerdegegnerin am 23. Dezember 2015 (Urk. 7/80) folgende Arztberichte ein:
3.1
Laut dem Austrittsbericht der Klinik für Neuroradiologie des L._ vom 4. April 2013 (Urk. 7/81/1-2) bestehen bei der Beschwerdeführerin (1.) ein
unrupturiertes
asymptomatisches
Basilarisspitzenaneurysma
, (2.) ein unspezifischer Schwindel, (3.) ein Nikotinabusus und (4.) eine arterielle Hyper
tonie. Es sei bei der Beschwerdeführerin im Rahmen einer bildgebenden Ab
klä
rung eines unspezifischen Schwindels ein inzidentelles, ca. 6 mm grosses,
breit
basiges
Aneurysma festgestellt worden. Dieses sei am 14. Februar 2013 operativ bearbeitet worden. Der postinterventionelle stationäre Verlauf habe sich kom
plikationslos gestaltet, analgetisch sei die Beschwerdeführerin mit Dafalgan/
Per
falgan
behandelt worden. Sie habe am 16. Februar 2013 nach Hause entlassen werden können.
3.2
3.2.1
Gemäss dem Schreiben von Dr. E._ vom 28. Juli 2014 (Urk. 7/81/4-5) - mit welchem dieser bei der Beschwerdegegnerin eine Neuüberprüfung des Renten
anspruches beantragte – leidet die Beschwerdeführerin an einer rezidivierenden Depression, die sich häufig in schweren Phasen mit zeitweise vorhandenen psy
chotischen Symptomen manifestiert habe. Das Leiden liege auf dem Boden einer Persönlichkeitsstörung (infantil/paranoid) und werde von zahlreichen psycho
somatischen Leiden begleitet. Trotz der durchgeführten Behandlung sei es bei der Beschwerdeführerin zu keiner namhaften Besserung des Zustandes gekom
men. Die Störung zeige vielmehr eine Tendenz zur Chronifizierung. Seit letztem Spätherbst sei es zu starkem Ausbruch der Depression gekommen. Der schon vor vielen Jahren erkrankte Sohn sei im Dezember 2013 verstorben, was zu einer vollen psychischen Dekompensation der Beschwerdeführerin geführt habe. Sie sei sehr niedergeschlagen, innerlich angespannt, enorm ängstlich, lustlos, ganz erschöpft. In ihrem Denken sei sie eingeengt, ausschliesslich mit dem Tod ihres Kindes beschäftigt. Sie äussere intensive Schuldgefühle, meine als Mutter versagt zu haben und sich nicht genügend um ihr Kind gekümmert zu haben. Die Beschwerdeführerin werde geplagt von Schlafproblemen, Albträumen und Panikattacken. Sie habe auch starke Schuldgefühle ihrem jüngeren Sohn gegenüber, weil sie sich nicht genügend um ihn kümmern könne. Diagnostisch handle es sich um eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittel
gradige bis schwere Episode (ICD-10 F33.11, F33.2), eine Panikstörung (ICD-10 F41.0), eine Persönlichkeitsstörung (paranoide/infantile Persönlichkeit, ICD-10 F60.0/60.4) sowie eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4). Durch die bestehende psychische Problematik sei die Beschwerdeführerin in ihrer Arbeitsfähigkeit schwer beeinträchtigt. Sie sei für ihre bisherige sowie für eine andere Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig.
3.2.2
Im an den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin gerichteten Schreiben vom 14. Dezember 2015 (Urk. 7/81/6-7) hielt Dr. E._ an seinen Ausführungen fest. Der Zustand sei unverändert geblieben. Die Beschwerdeführerin sei sehr nieder
geschlagen, innerlich angespannt, im Antrieb vermindert, äusserst lustlos, im Denken eingeengt, ausschliesslich mit ihrer Situation und ihren Beschwerden beschäftigt. Sie lebe sozial ganz isoliert. Die psychische Belastung sei so stark, dass sie gar nicht imstande sei, eine auswärtige Arbeit aufzu
nehmen. Sie sei zu 100 % arbeitsunfähig.
3.3
Laut Schreiben des Hausarztes Dr. med. M._, Arzt für Allgemein-me
dizin, vom 20. Dezember 2015 (Urk. 7/8-10) entspricht die aktuelle Situation der Beschwerdeführerin derjenigen im Jahre 2009, mit Ausnahme der Per
sönlichkeitsstörung. Eine direkte Persönlichkeitsstörung sei bereits damals als Möglichkeit ins Auge gefasst worden. Zwischenzeitlich seien zwei gravie
rende Ereignisse aufgetreten, einerseits eine Operation und andererseits der Krebstod des ältesten Sohnes im Dezember 2013. Daraus lasse sich nach
voll
ziehen, dass sich aus der akzentuierten Persönlichkeitsstörung eine Persön
lich
keitsstörung im Sinne einer paranoid infantilen Persönlichkeitsstörung ent
wickelt habe. Dies sei eine gravierende Veränderung der Diagnose und der Situ
ation. Mit einer akzentuierten Persönlichkeit sei prinzipiell der erste Arbeits
markt noch offen, bei einer Persönlichkeitsstörung sei zumindest im wesent
lichen Bereich der erste Arbeitsmarkt verschlossen. Es bedürfe hier dringend eines neuen psychiatri
schen Gutachtens, um diese Frage zu klären. Darüber hinaus fehle bisher auch ein Gutachten zur neuropsychologischen Leistungs
fähigkeit der Beschwerde
führerin, welche bereits im Gutachten von 16. September 2009 als einge
schränkt bezeichnet worden sei und die sich in der Zwischenzeit erheblich verschlechtert habe.
3.4
Laut der Stellungnahme von RAD-Ärztin N._, Fachärztin für Allge
meine Innere Medizin, vom 11. Januar 2016
(Urk. 7/82/2) wurde das
Basiliaris
-Bifurkationsaneurysma im Februar 2013 erfolgreich operativ beseitigt. Neurologische Defizite seien postoperativ verneint worden. Vorbeschrieben sei eine seit 2001 behandelte Depression auf dem Boden einer fraglichen Persön
lichkeitsstörung (infantil/paranoid), welche sich durch den Tod eines Kindes im Dezember 2013 verschlechtert habe. Zu erwähnen sei auch weiterhin ein Part
nerschaftskonflikt, welcher 2015 zur Ehescheidung geführt habe. Aus versiche
rungsmedizinischer Sicht sei eine wesentliche Änderung des Gesund
heitszu
standes gegenüber dem Gutachten von Dr. F._ nicht erkennbar, die beschriebene Symptomatik sei als reaktiv bei Tod eines Kindes und Part
nerschaftskonflikt einzuschätzen. Die Entstehung einer Persönlichkeits
störung auf der Grundlage eines biografischen Ereignisses, hier der Tod des Sohnes, sei medizinisch nicht nachvollziehbar. Bereits im Vorgutachten sei ausführlich dis
kutiert worden, dass es sich um eine akzentuierte Persönlichkeit und nicht um eine Persönlichkeitsstörung handle. Zusammenfassend sei damit keine Ände
rung des Gesundheitszustandes ausgewiesen.
4.
4.1
Die Beschwerdeführerin lässt zur Begründung ihrer Beschwerde geltend machen, sie sei im Revisionsverfahren nie danach gefragt worden, ob und falls ja in welchem Pensum sie im Gesundheitsfall einer ausserhäuslichen Erwerbs
tätigkeit nachgehen würde. Der rechtserhebliche Sachverhalt sei in dieser Hin
sicht von der Beschwerdegegnerin ungenügend festgestellt worden. Aufgrund des Wegfalls der zeitintensiven Betreuung des schwerkranken Sohnes Z._ und der ganztägigen schulischen Abwesenheit des Sohnes A._ würde die Beschwerdeführerin heute im Gesundheitsfall einer ausserhäuslichen Tätigkeit nachgehen. Es sei die zeitliche Disponibilität für eine ganztägige Erwerbs
tätig
keit vorhanden. Einzig mit der Begründung, die Beschwerde
führerin sei wäh
rend ihrer Zeit als Mutter keiner Berufstätigkeit mehr nachgegangen, dürfe nicht geschlossen werden, dass sie dies für den Rest des Lebens so halten werde. Die Beschwerdeführerin würde ohne Behinderung auch aus finanziellen Grün
den einer ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit nachgehen, da sie sich anfangs 2015 von ihrem Ehemann getrennt habe und nun für sich selber sorgen müsse. Die Tatsache dass dieser für den Sohn A._ unterhalts
pflichtig sei, ändere nichts daran, dass die Beschwerdeführerin aus finanziellen Gründen einer Erwerbstätigkeit im Vollzeitpensum nachgehen müsste. Die Invalidität sei von der Beschwerdegegnerin zu Unrecht anhand der gemischten Methode ermittelt worden. Sie sei nach der Einkommensvergleichsmethode für (Voll-)Erwerbs
tätige vorzunehmen. Abgesehen vom Statuswechsel habe sich in der Zwischen
zeit auch der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin verschlech
tert. Es lägen offenkundig neue Elemente tatsächlicher Natur vor, welche nach der ursprünglichen Rentenverfügung eingetreten seien und den damals gegebenen Sachverhalt wesentlich verändert hätten. Die Wiederaufnahme einer Erwerbs
tätigkeit sei
ausgeschlossen. Nachdem die Beschwerdeführerin das Revisions
gesuch am 16. September 2015 gestellt habe und sie gemäss ärztlicher Beschei
nigung ohne Unterbruch fortdauernd zu 100 % erwerbsunfähig sei, sei ihr rückwirkend ab dem 1. September 2015 eine ganze Invalidenrente zuzu
sprechen (Urk. 1).
4.2
Demgegenüber führte die Beschwerdegegnerin zur Begründung der angefoch
tenen Verfügung aus, die Beschwerdeführerin habe keine neuen medizinischen Tatsachen dargelegt und es sei aus versicherungsmedizinischer Sicht keine wesentliche Änderung des Gesundheitszustands gegenüber dem Gutachten vom 16. Mai 2009 erkennbar. Die Entstehung einer Persönlichkeitsstörung wegen des Todes des Sohnes sei medizinisch nicht nachvollziehbar. Es könne aufgrund der aktuellen familiären Situation auch nicht von einer hypothetischen Erwerbs
tätigkeit von 100 % ausgegangen werden. Es sei vielmehr von einer 50%igen Erwerbstätigkeit auszugehen. Das hiesige Gericht habe im Urteil vom 26. September 2012 bereits festgehalten, dass die Beschwerdeführerin unter An
wendung der gemischten Berechnungsmethode bei einer hypothetischen Erwerbstätigkeit von 50 % keinen rentenbegründenden Invaliditätsgrad er
reiche. Angesichts des unveränderten Gesundheitszustandes der Beschwerde
führerin sei das Leistungsbegehren somit abzuweisen.
5.
5.1
Im vorliegenden Verfahren zu prüfen ist die Frage, ob sich der Gesundheits
zu
stand der Beschwerdeführerin oder die erwerblichen Verhältnisse
im Zeitraum zwischen
der Verfügung vom
4. Februar 2011 (Urk. 7/53)
, mit welchem die Beschwerdegegnerin den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin verneint hat,
u
n
d der angefochtenen Verfügung vom 14. Juli 2016 (Urk. 2) in an
spruchs
rele
van
ter Weise verändert haben.
Dabei wird von der Beschwerdegegnerin anerkannt, dass nicht länger davon auszugehen ist, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der veränderten Lebens
situation (Tod des krebskranken Sohnes, Scheidung, Alter des jüngsten Sohnes) sich ohne Eintritt des Gesundheitsschadens zu 100 % dem Aufgaben
bereich Haushalt widmen würde, womit grundsätzlich ein Revisionsgrund gegeben ist. Strittig und zu prüfen ist jedoch die Frage, ob die Beschwerde
führerin nunmehr einer Erwerbstätigkeit von 50 % oder einer solchen von 100 % nachgehen würde.
5.2
Gemäss Stellungnahme des internen Abklärungsdienstes der Beschwerde
gegne
rin vom 23. März 2016 (Urk. 7/88/2-3) ist aus dem IK-Auszug ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin auch in jungen Jahren über keinen längeren Zeitraum und in einem erhöhten Pensum erwerbstätig gewesen sei. Nach der Geburt des Sohnes Z._ sei sie keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgegangen und als Hausfrau und Mutter tätig gewesen. Sie habe sich auch um keine Arbeitsstelle mehr bemüht. Es sei zu beachten, dass die Beschwerdeführerin, bevor sie Mutter geworden sei, jeweils in diversen Teilzeitstellen einer Erwerbs
tätigkeit nachge
gangen sei. Aufgrund der aktuellen familiären Situation könne nicht von einer hypothetisch ausgeübten 100%igen Erwerbstätigkeit ausge
gangen werden. Die Beschwerdeführerin lebe von ihrem Ehemann getrennt und bekomme demnach Unterhalt für ihren Sohn. Es könne nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin neben den Unter
haltszahlungen ihres Ehemannes wirklich einer 100%igen Erwerbstätigkeit nachgehen würde. Vielmehr würde sie ohne Gesundheits
schaden und nebst der alleinigen Betreuung ihres 9jährigen Sohnes einer Teilzeiterwerbstätigkeit von maximal 50 % (Erfahrungswert) nachgehen, da sie nebst den Unterhaltszahlun
gen ihres Ehemannes auf keine 100%ige Erwerbs
tätigkeit angewiesen sei. Dem
entsprechend
sei der Umfang der Erwerbstätigkeit auf maximal 50 % festzu
legen.
5.3
Es trifft zwar zu, dass die Beschwerdeführerin gegenüber ihrem geschiedenen Ehemann einen Unterhaltsanspruch hat, es ist aber nicht ersichtlich, aufgrund welcher Berechnungen die Beschwerdegegnerin zum Ergebnis gelangt ist, die Beschwerdeführerin sei
dank
dieser Unterhaltszahlungen nicht auf die Aus
übung einer 100%igen bzw. zumindest auf mehr als einer 50%igen Er
werbs
tätigkeit angewiesen. Gemäss dem Scheidungsurteil des Amtsgerichtes Belgrad vom 15. Mai 2015 (Urk. 7/65) ist der geschiedene Ehemann verpflichtet, der Beschwerdeführerin für den Lebensunterhalt des gemeinsamen Sohnes A._ 20 % von seinem monatlichen Einkommen zu bezahlen. Laut Ab
klärungsbericht der Beschwerdegegnerin vom 21. Januar 2010 (Urk. 7/27/2) erzielte der Ehe
mann der Beschwerdeführerin in jenem Zeitpunkt ein Ein
kommen von Fr. 4‘400.-- pro Monat. Wenn zwischenzeitlich keine erhebliche Ein
kommens
steigerung
statt gefunden
hat, beliefe sich damit der Unterhalts
anspruch der Beschwerdeführerin auf rund Fr. 900.-- pro Monat. Im Budget der Sozialbe
hörde der Stadt O._ vom 13. September 2016 (Urk. 10/2) wird sodann gar kein Unterhaltsanspruch angerechnet, aus welchem Grund ist nicht bekannt. Es scheint damit als äusserst fraglich, ob die Beschwerdeführerin einen Unterhalts
anspruch gegenüber ihrem geschiedenen Ehemann hat, welcher es ihr ermög
lichen würde, zusammen mit einer eigenen 50%igen Erwerbstätigkeit das Exis
tenzminimum von ihr und ihrem Sohn zu decken. Dies gilt umso mehr, als die Beschwerdeführerin auch ohne Gesundheitsschaden lediglich Erwerbstätig
keiten auf unterem Lohnniveau ausüben könnte.
5.4
Die Beschwerdegegnerin wird demnach weitere Abklärungen darüber vorzu
nehmen haben, in welchem Umfang die Beschwerdeführerin ohne Gesundheits
schaden in ihren aktuellen Lebensverhältnissen erwerbstätig wäre.
5.5
Soweit die Beschwerdegegnerin sodann die Glaubhaftmachung einer wesent
lichen Veränderung des Gesundheitszustandes verneint und deshalb keine neuen medizinischen Abklärungen vorgenommen hat, so übersieht sie, dass bei Vor
liegen eines Revisionsgrundes der Rentenanspruch in rechtlicher und tat
sächlicher Hinsicht umfassend ("allseitig") zu prüfen ist, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2 mit diversen Hinweisen). Nachdem aufgrund des Statuswechsels vorliegend unstrittig ein Revisionsgrund besteht, wird die Beschwerdegegnerin demnach neue Abklärungen über den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin - im Vordergrund steht die Ein
ho
lung eines aktuellen psychiatrischen Gutachtens - zu tätigen und anschliessend auf dieser Basis den Invaliditätsgrad neu festzulegen haben. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen und die Sache in Aufhebung der angefochtenen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung erweist sich damit als gegenstandslos.
6.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
dievertretene
Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
6.3
D
ie
Prozessentschädigung ist
gemäss
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Pro
zesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen zu bemessen und unter Berück
sichtigung dieser Grundsätze
auf Fr. 2‘000.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen. Das Gesuch um Gewährung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes erweist sich damit als gegenstandslos.