# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 8b84f049-c350-5847-b1c3-86da13982cb1
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2011
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
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1. Die Beschwerdegegnerinnen reichten am 5. Juli 2010 bei der Gemeinde Hilterfingen
ein Baugesuch ein für den Neubau einer Mobilfunkanlage mit UMTS-Antennen und
Richtfunkantennen sowie Technikschränken beim Mastfuss auf Parzelle Hilterfingen
Grundbuchblatt Nr. H._. Die Parzelle liegt in der Zone E2 (Bauzone für Ein-, Zwei-
und Dreifamilienhäuser). Die Gemeinde leitete das Baugesuch an das
Regierungsstatthalteramt Thun weiter. Gegen das Bauvorhaben erhoben unter anderen die
Beschwerdeführenden Einsprache. Mit Gesamtentscheid vom 26. Mai 2011 erteilte das
Regierungsstatthalteramt Thun die Baubewilligung.
2. Dagegen reichte die Gemeinde (Beschwerdeführerin 1) am 21. Juni 2011
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie
beantragt die Aufhebung des Gesamtentscheides vom 26. Mai 2011 und die Erteilung des
Bauabschlags. Eventualiter sei der Entscheid aufzuheben und die Akten zum neuen
Entscheid an die Baubewilligungsbehörde zurückzuweisen. Mit Beschwerde vom 17. Juni
2011 wehren sich zudem die Beschwerdeführenden 2 bis 4 gegen den Gesamtentscheid
vom 26. Mai 2011. Auch sie beantragen die Aufhebung dieses Entscheides. Weiter ging
am 24. Juni 2011 eine Beschwerde von den Beschwerdeführenden 5 und 6 ein, mit
welcher diese ebenfalls den Bauabschlag beantragen. Schliesslich reichten die
Beschwerdeführenden 7 bis 104 am 27. Juni 2011 eine Beschwerde ein. Sie beantragen
die Aufhebung des Gesamtentscheides und die Erteilung des Bauabschlags. Zudem sei
ihnen der Amtsbericht der Baupolizeibehörde Hilterfingen vom 25. Januar 2011 zuzustellen
und Möglichkeit zur Stellungnahme einzuräumen. Die Beschwerdeführenden machen alle
vorab eine Verletzung von Vorschriften des Denkmal- und des Ortsbildschutzes geltend
und bemängeln zudem, dass die Vorinstanz die kantonale Kommission zur Pflege der Orts-
und Landschaftsbilder (OLK) nicht miteinbezogen hat.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Das Regierungsstatthalteramt
beantragt in seiner Beschwerdevernehmlassung vom 30. Juni 2011, die Beschwerden
seien abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden könne. Der Beweisantrag auf Beizug
der OLK sei abzuweisen und dem Antrag auf weitere Akteneinsicht sei im Rahmen des
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191).
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Beschwerdeverfahrens zu entsprechen. Das beco hält in seiner Stellungnahme vom 13.
Juli 2011 fest, im Bereich des Schutzes vor nichtionisierender Strahlung würden sich aus
der Beschwerde keine neuen Erkenntnisse ergeben, die zu einer anderen Beurteilung
führen als im Amtsbericht vom 20. Januar 2011. In ihrer Beschwerdeantwort vom 22. Juli
2011 beantragen die Beschwerdegegnerinnen, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit
darauf einzutreten sei.
4. Die OLK nahm mit Bericht vom 13. September 2011 zum Bauprojekt Stellung.
Danach führte das Rechtsamt im Beisein der Parteien sowie einer Vertretung der
Gemeinde, der OLK und der kantonalen Denkmalpflege am 17. November 2011 einen
Augenschein mit Instruktionsverhandlung durch.
Die Parteien erhielten Gelegenheit, sich zum Protokoll des Augenscheins zu äussern und
Schlussbemerkungen einzureichen.
5. Auf die Rechtsschriften, den Bericht der OLK und das Protokoll des Augenscheins
wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG2. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig.
2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1). 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721).
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b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen ihrer
Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG in Verbindung mit
Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführenden haben sich alle am Einspracheverfahren
beteiligt und sind mit ihren Einsprachen im Baubewilligungsverfahren nicht
durchgedrungen. Die Liegenschaften der Beschwerdeführenden 2-6 befinden sich zudem
innerhalb des Perimeters für die Einsprache- und Beschwerdelegitimation (571.55 Meter4).
Neben der Gemeinde haben somit auch sie ein schutzwürdiges Interesse an der
Aufhebung des angefochtenen Entscheids und sind zur Beschwerdeführung legitimiert.
Auch die Liegenschaften der Kollektiveinsprecher 7 bis 104 befinden sich grösstenteils in
diesem Perimeter. Somit muss sich der Entscheid auf jeden Fall mit den einzelnen Rügen
auseinandersetzen. Bei dieser Ausgangslage kann darauf verzichtet werden, die
Beschwerdebefugnis jedes einzelnen Einsprechers abzuklären. Es ist jedoch darauf
hinzuweisen, dass die Legitimation in einem allfälligen
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren nachgewiesen werden müsste.
Die Beschwerden sind innert der Rechtsmittelfrist eingereicht worden (Art. 40 Abs. 1
BauG). Sie enthalten einen Antrag und eine Begründung (Art. 32 Abs. 2 VRPG5). Die
Begründungen sind dabei – entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerinnen –
genügend substantiiert. Auf die Beschwerden ist somit einzutreten.
2. Rechtliches Gehör
a) Die Beschwerdeführenden 5 und 6 führen aus, die Kürze der Ausführungen und das
grosszügige Übergehen von Argumenten der Einsprecher stelle eine Verletzung des
Anspruchs auf Begründung eines Entscheides dar. Verlangt sei eine überzeugende
Argumentation, die sich mit den verschiedenen, rechtlich relevanten Gesichtspunkten
auseinandersetze und dartue, aus welchen Gründen das konkrete Ergebnis anderen,
ebenfalls möglichen Lösungsvarianten vorzuziehen sei. Auch die Beschwerdeführenden 7
bis 104 machen eine mangelhafte Begründung des vorinstanzlichen Entscheides geltend.
4 Standortdatenblatt vom 15. Januar 2010, Vorakten pag. 23. 5 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21).
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Eine Verfügung muss die Tatsachen, Rechtssätze und Gründe enthalten, auf die sie sich
stützt.6 Die Begründung muss so abgefasst sein, dass die Betroffenen den Entscheid
sachgerecht anfechten können. Deshalb muss die Behörde mindestens kurz die
Überlegungen nennen, von denen sie sich hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid
stützt. Sie muss sich dabei nicht ausdrücklich mit jeder Behauptung zum Sachverhalt und
jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen. Vielmehr kann sie sich auf die für den
Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken.7
Die Vorinstanz erläutert im angefochtenen Entscheid auf gut sieben Seiten, wieso das
umstrittene Vorhaben aus ihrer Sicht zu bewilligen ist. Dabei geht sie auf die
verschiedenen Rügen der Einsprecher ein und begründet dabei, weshalb diese
abzuweisen sind. Aus diesen Ausführungen ergeben sich die Überlegungen, von denen
sich die Vorinstanz hat leiten lassen. Somit waren die Beschwerdeführenden in der Lage,
die Baubewilligung sachgerecht anzufechten. Die Vorinstanz ist deshalb ihrer
Begründungspflicht nachgekommen und es liegt diesbezüglich keine Verletzung des
Anspruchs auf rechtliches Gehör vor.
b) Die Beschwerdeführenden 7 bis 104 beanstanden zudem, die Vorinstanz habe die
Abweichung vom negativen Amtsbericht der Gemeinde vom 25. Januar 2011 nicht
begründet. Damit habe sie Art. 35 Abs. 2 BewD8 verletzt, wonach Abweichungen von
Amts- und Fachberichten zu begründen sind.
Gemäss Art. 35 Abs. 2 BewD kann die Baubewilligungsbehörde von den Amts- und
Fachberichten der Fachstellen abweichen, sie muss jedoch die Abweichung im
Bauentscheid begründen. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführenden 7 bis 104 erfüllt
der Entscheid der Vorinstanz die Anforderungen an die Begründungspflicht (vgl. E. 2a).
Aus den Erwägungen der Vorinstanz9 geht auch klar hervor, weshalb die Antenne –
entgegen der Auffassung der Gemeinde – aus ihrer Sicht nicht gegen Art. 24 Abs. 1
GBR10 und Art. 9 Abs. 1 BauG verstösst und damit als bewilligungsfähig erachtet wurde.
Damit wurde die Vorinstanz den Anforderungen von Art. 35 Abs. 2 BewD gerecht.
6 Art. 52 Abs. 1 Bst. b des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21). 7 BGE 134 I 83 E. 4.1; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 52 N. 6 ff. 8 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1). 9 Vgl. vorab S. 6 des Gesamtbauentscheides des Regierungsstatthalteramtes vom 26. Mai 2011. 10 Baureglement der Gemeinde Hilterfingen vom 25. Februar 1998, genehmigt durch das AGR am 20. November 1998.
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c) Die Beschwerdeführenden 7 bis 104 bemängeln weiter, dass ihnen sowie den
anderen Verfahrensbeteiligten der Amtsbericht der Baupolizeibehörde Hilterfingen vom 25.
Januar 2011 nicht zugestellt worden sei. Dies stelle eine Verletzung des rechtlichen
Gehörs dar.
Die Beschwerdegegnerinnen halten fest, es sei den Beschwerdeführenden
offengestanden, Einsicht in den entsprechenden Fachbericht zu verlangen. Eine
Verletzung des rechtlichen Gehörs sei vor diesem Hintergrund ausgeschlossen. Auch das
Regierungstatthalter-amt verneint eine Verletzung des rechtlichen Gehörs. Der Bericht sei
der Bauherrschaft am 11. Februar 2011 zugestellt worden; gleichzeitig habe man den
Parteien von der negativen Beurteilung der Baupolizeibehörde Kenntnis gegeben. Dem
Antrag auf Akteneinsicht könne überdies im Beschwerdeverfahren entsprochen werden.
Gestützt auf Art. 26 KV11 und Art. 23 Abs. 1 VRPG haben die Parteien Anspruch auf
Einsicht in die Verfahrensakten, soweit nicht überwiegende öffentliche oder private
Interessen deren Geheimhaltung erfordern. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst
insbesondere auch das Recht der Parteien, von jedem eingereichten Aktenstück bzw. jeder
Stellungnahme Kenntnis zu nehmen und sich dazu äussern zu können.12 Dies bedeutet,
dass den Beteiligten jede eingereichte Stellungnahme zur Kenntnis zu bringen ist.13 Nach
der neueren bundesgerichtlichen Rechtsprechung gilt dies unabhängig davon, ob die
Stellungnahmen neue Tatsachen oder Argumente enthalten und ob sie das Gericht
tatsächlich zu beeinflussen vermögen.14 Demnach sind den Parteien im
Baubewilligungsverfahren die Amts- und Fachberichte zuzustellen, so dass diese
Gelegenheit haben, sich dazu zu äussern, sofern sie dies als erforderlich erachten.15
Die Vorinstanz hat den Einsprechenden den erwähnten Amtsbericht der Gemeinde weder
vor noch mit dem Gesamtbauentscheid vom 26. Mai 2011 zugestellt. Sie wurden aber mit
Anweisung vom 11. Februar 2011 über dessen Eingang informiert, so dass sie bereits
11 Verfassung des Kantons Bern vom 6. Juni 1993 (KV; BSG 101.1). 12 BGer 5P.385/2005 E. 2.1 f. vom 17. Januar 2006. 13 BGer 5A_151/2007 E. 3.2 vom 22. Januar 2008. 14 BGE 133 I 98 E. 4.3 ff. 15 VGE 100.2008.23254 vom 26. Februar 2009 in BVR 2009 S. 328 ff. E. 2.4; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 3. Aufl., Band I, Bern 2007, Art. 38/39 N. 9b; Urs Eymann, Das rechtliche Gehör im erstinstanzlichen Baubewilligungsverfahren, KPG-Bulletin 2006 S. 47 ff.
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damals Gelegenheit gehabt hätten, Einsicht zu verlangen. Trotzdem hat die Vorinstanz
durch die unterlassene Zustellung das rechtliche Gehör der Beschwerdeführenden verletzt.
Es handelt sich jedoch um eine sehr geringfügige Verletzung. Eine Gehörsverletzung kann
zudem im Rechtsmittelverfahren „geheilt“ werden, sofern die obere Instanz dieselbe
Überprüfungsbefugnis hat wie die verfügende Behörde, den Beschwerdeführenden daraus
kein Nachteil erwächst und es sich nicht um eine besonders schwere Verletzung der
Parteirechte handelt.16 Gemäss Art. 40 Abs. 3 BauG kommt der BVE als
Beschwerdeinstanz die volle Überprüfungsbefugnis zu. Indem das Rechtsamt diesen
Fachbericht den Parteien mit Verfügung vom 3. August 2011 zustellte und ihnen dadurch
Gelegenheit gab, dazu Stellung zu nehmen, konnte dieser Mangel „geheilt“ werden. Die
Beschwerdeführenden konnten ihre Rechte im Beschwerdeverfahren vollumfänglich
wahrnehmen; ihnen ist durch die Verfahrensmängel kein materieller Nachteil entstanden.
Die im Baubewilligungsverfahren begangene Gehörsverletzung ist so geringfügig, dass sie
bei der Kostenverlegung nicht zu berücksichtigen ist.17
3. Auswirkungen auf schützens- und erhaltenswerte Bauten, Denkmalschutz
a) Die Beschwerdeführerin 1 rügt, die geplante Antenne beeinträchtige das gemäss
kantonalem Bauinventar erhaltenswerte Gebäude an der N._Strasse. Die mit über
26 m sehr hohe Antenne „halbiere“ beim Blick von der A._ Strasse und vom
K._weg Richtung Südosten dieses Baudenkmal und störe den Blick darauf
wesentlich. Die Störung wiege umso schwerer, weil das betroffene Gebäude gemäss
kantonalem Bauinventar vor allem wegen seines Daches und seiner Lauben als
erhaltenswert gelte. Weiter liege die geplante Antenne auch im Blickfeld des gemäss
kantonalem Bauinventar schützenswert eingestuften Gebäudes an der
N._Strasse. Die Beschwerdeführerin 1 bemängelt, dass sich die kantonale
Denkmalpflege (KDP) in ihrem Fachbericht nicht zu diesen Gebäuden in der Baugruppe D
geäussert habe und verlangt eine Ergänzung des Fachberichts. Auch die
Beschwerdeführenden 7 bis 104 erachten die Begutachtung der Denkmalpflege als
ungenügend. Die Antenne sei von zahlreichen öffentlichen Orten, von öffentlichen
Wanderwegen und von öffentlichen Aussichtspunkten zusammen mit den Objekten der
Baugruppe E sichtbar. Die KDP habe sich zudem widersprüchlich verhalten, indem sie den
16 BGE 129 I 129 E. 2.2.3, 126 I 68 E. 2; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 21 N. 16. 17 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 21 N. 16 mit Hinweisen.
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Standort inmitten der Gebäudegruppe in einer Mail-Antwort an ein Mitglied des
Quartiervereins L._ als untauglich einstufte und als massive Beeinträchtigung des
Orts- und Landschaftsbildes bezeichnete. Auch sie verlangen eine Ergänzung des
Fachberichts.
Die Beschwerdegegnerinnen erachten den Fachbericht der KDP als vollständig und
korrekt. Die Antenne trete beim Blick auf die denkmalgeschützten Bauten an der
N._Strasse nicht stärker als eine gewöhnliche Strassenlaterne in Erscheinung.
Bereits aufgrund der grossen Distanz sei eine optische Beeinträchtigung ausgeschlossen.
Die betreffenden Gebäude seien zudem kaum sichtbar. Die blosse gemeinsame
Sichtbarkeit eines denkmalgeschützten Objekts und einer Mobilfunkanlage könne keine
Grundlage für eine Bauverweigerung sein, vielmehr bedürfe es einer sichtbaren Störung
des geschützten Objekts. Dies sei vorliegend zu verneinen. Der von den
Beschwerdeführenden 7 bis 104 vorgebrachte Mail-Verkehr mit der KDP sei für die
Beurteilung der vorliegenden Angelegenheit nicht relevant. Es sei einzig auf den
Fachbericht der KDP abzustellen.
b) Gemäss Art. 10b Abs. 1 BauG dürfen schützens- und erhaltenswerte Baudenkmäler
durch Veränderungen in ihrer Umgebung nicht beeinträchtigt werden. Dies heisst nicht,
dass die Umgebung überhaupt nicht verändert werden darf. Eine Veränderung soll aber
auf das Baudenkmal Rücksicht nehmen und dieses nicht beeinträchtigen.18 Die KDP
äussert sich grundsätzlich nur zu den Schutzobjekten und den Baugruppen des kantonalen
Bauinventars, nicht jedoch zu Fragen des Ortsbildschutzes.19
c) Der Standort der geplanten Mobilfunkanlage befindet sich in unmittelbarer Nähe zur
Baugruppe E. Diese umfasst gemäss kantonalem Bauinventar den Schlosspark
M._ und beinhaltet verschiedene schützenswerte Baudenkmäler (vorab Schloss
M._, Aussichtspavillon, Gärtnerhaus). Eine weitere Baugruppe (Baugruppe D)
befindet sich in der weiteren Umgebung des vorgesehenen Standorts. Die
nächstgelegenen Baudenkmäler (erhaltenswertes Wohnhaus an der N._Strasse
und schützenswertes Wohnhaus an der N._Strasse) dieser Baugruppe befinden
sich in südlicher Richtung in rund 170 Meter Entfernung zur geplanten Mobilfunkantenne.
18 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 10a-10f N. 7. 19 Vgl. auch Protokoll des Augenscheins vom 17. November 2011, S. 14, Votum Herr X.
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Die kantonale Denkmalpflege äusserte sich in ihrem Fachbericht vom 28. Februar 201120
wie folgt zum Vorhaben: „Schützens- und erhaltenswerte Bauten gemäss Bauinventar der
Gemeinde Hilterfingen befinden sich keine in unmittelbarer Nähe zum geplanten Standort
der Antenne. Auch die Objekte in der Baugruppe E und die Baugruppe als solches sind
vom Vorhaben nicht direkt betroffen und werden aus unserer Sicht nicht beeinträchtigt. Das
Errichten dieser Mobilfunkantenne ist aus unserer Sicht daher nicht von
denkmalpflegerischem Belang, sondern grundsätzlich eine Gestaltungsfrage gemäss Art.
24 GBR Hilterfingen“. Anlässlich des Augenscheins vom 17. November 2011 bestätigte der
Vertreter der KDP den Fachbericht und hielt fest, die Baugruppe E sei ein in sich
geschlossener Bereich, welcher durch die geplante Anlage nicht beeinträchtigt werde. In
Ergänzung des Fachberichts führte er zudem aus, bezüglich der geschützten Wohnhäuser
an der N._Strasse der Baugruppe D sehe er aufgrund der Distanz und der
räumlichen Trennung ebenfalls keine Beeinträchtigung. Weder die Baugruppe E, noch die
Baugruppe D werde somit aus denkmalpflegerischer Sicht durch die Mobilfunkanlage
beeinträchtigt.21
d) Die Ausführungen im Fachbericht der KDP sowie die Aussagen dessen Vertreters
anlässlich des Augenscheins überzeugen. In unmittelbarer Nähe, d.h. angrenzend zum
geplanten Antennenstandort, befinden sich keine schützens- oder erhaltenswerten
Gebäude. Der Augenschein hat gezeigt, dass das Schloss M._ und die weiteren
Baudenkmäler der Baugruppe E aufgrund des Baumbestandes des leicht erhöhten
M._parks von keinem Standort aus gemeinsam mit der geplanten Antenne
sichtbar sind. Die Baugruppe E stellt einen in sich geschlossenen Bereich dar, weshalb
deren Baudenkmäler durch das geplante Vorhaben nicht tangiert werden. Die geschützten
Wohnhäuser an der N._Strasse, welche zur Baugruppe D gehören, sind zwar von
der Verzweigung A._strasse/K._weg mit Blick Richtung Süden
gemeinsam mit dem Profil der vorgesehenen Antennenanlage sichtbar22. Bereits aufgrund
der Entfernung von ca. 170 Meter ist jedoch eine Beeinträchtigung dieser Wohnhäuser zu
verneinen. Das erhaltenswerte Gebäude an der N._Strasse, welches deutlicher
sichtbar ist als das schützenswerte Haus an der N._Strasse, orientiert sich – wie
der Vertreter der KDP anlässlich des Augenscheins richtig feststellte23 – zudem gegen das
20 Vorakten, pag. 122. 21 Protokoll des Augenscheins vom 17. November 2011, S. 14 f., Voten XY. 22 Vgl. Fotodokumentation zum Augenschein vom 17. November 2011, Fotos Nrn. 5-7. 23 Protokoll des Augenscheins vom 17. November 2011, S. 15., Votum Herr XY.
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Dorfzentrum zu, so dass aus Sicht des Antennenprofils nur die Rückseite des Hauses
erkennbar ist24. Eine Beeinträchtigung dieses Hauses durch die geplante Antenne ist auch
aus diesem Grund nicht gegeben.
Die BVE sieht damit keinen Grund, von der Fachmeinung der KDP abzuweichen.
Entscheidrelevant ist dabei einzig die im Fachbericht vom 28. Februar 2011 sowie
anlässlich des Augenscheins vom 17. November 2011 geäusserte „offizielle“ Ansicht der
KDP. Das von den Beschwerdeführenden 7 bis 104 ins Feld geführte Mail des Kreisleiters
Oberland der KDP an den Beschwerdeführer 44 (Beschwerdebeilage 4) ist dagegen
unbeachtlich. Wie erwähnt äussert sich die KDP zudem grundsätzlich nicht zu Fragen des
Ortsbildschutzes; auch deshalb hat die im erwähnten Mail gemachte Einschätzung, es
handle sich um eine massive Beeinträchtigung des Orts- und Landschaftsbildes, kein
entscheidendes Gewicht. Die Frage der Einfügung eines Vorhabens in ästhetischer
Hinsicht in das umliegende Orts- und Landschaftsbild fällt vielmehr in den Aufgabenbereich
der OLK (vgl. E. 4).
Eine Beeinträchtigung der schützens- und erhaltenswerten Denkmäler der Baugruppen D
und E durch das geplante Vorhaben im Sinne von Art. 10b Abs. 1 BauG ist damit zu
verneinen. Die Rügen der Beschwerdeführerin 1 sowie der Beschwerdeführenden 7 bis
104 sind in diesem Punkt abzuweisen. Da ein Vertreter der KDP am Augenschein vom 17.
November 2011 teilnahm und sich dabei auch noch zur Baugruppe D äusserte, konnte auf
eine Ergänzung des Fachberichts verzichtet werden. Die diesbezüglichen Beweisanträge
der Beschwerdeführerin 1 sowie der Beschwerdeführenden 7 bis 104 sind daher ebenfalls
abzuweisen.
4. Ortsbildschutz
a) Die Beschwerdeführenden rügen allesamt, das Vorhaben widerspreche dem
Ortsbild- und Landschaftsschutz. Die geplante Anlage überrage mit 26 m die umliegenden
Gebäude massiv, komme an exponierter Stelle zu stehen und befinde sich in unmittelbarer
Nähe des M._parks sowie der Baugruppen mit schützens- und erhaltenswerten
Gebäuden. Die Antenne verletze Art. 24 GBR, wonach Bauten und Anlagen so anzuordnen
24 Vgl. Fotodokumentation zum Augenschein vom 17. November 2011, Fotos Nrn. 20 und 22.
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und zu gestalten sind, dass in der Gesamterscheinung wie in den Einzelheiten zusammen
mit der bestehenden Umgebung eine gute Gesamtwirkung entsteht.
Die Vorinstanz entgegnet in ihrer Stellungnahme, beim geplanten Standort handle es sich
um ein „normales“ Wohnquartier von durchschnittlicher Qualität bzw. ohne schützenswerte
Bauten in der näheren Umgebung. Das Schloss M._ samt Park und Nebenbauten
seien vom Bauvorhaben überhaupt nicht betroffen.
Die Beschwerdegegnerinnen führen aus, eine gewisse Beeinträchtigung der Umgebung
und der Aussicht gehöre zu den typischen Folgen einer solchen technischen
Infrastrukturbaute. Die ästhetische Zumutbarkeit einer Mobilfunkantennenanlage könne
daher erst dann verneint werden, wenn die bestehende Umgebung ein bestimmtes Mass
an Schutzwürdigkeit aufweise. Dies sei vorliegend nicht der Fall. Einzig die Höhe von 26 m
lasse nicht den Schluss zu, dass von einer Gefährdung des Orts- und Landschaftsbildes
auszugehen sei. Es sei zu beachten, dass die Antenne in einer Senke zu stehen kommen
solle. Die Antenne überrage die umliegenden Häuser nur unwesentlich mehr als eine
durchschnittlich dimensionierte Mobilfunkanlage. Die Antenne ordne sich rechtsgenüglich
in das in diesem Bereich heterogene und optisch unsensible Umgebungsbild ein. Im
Rahmen der Schlussbemerkungen betonten die Beschwerdegegnerinnen die
topographische Lage der geplanten Antennenanlage, welche zu einer Relativierung des
Erscheinungsbilds führe. Die Massstäblichkeit des Standortquartiers werde nicht
gesprengt, zumal sich der geplante Standort gerade nicht im Quartier selber, sondern an
dessen Rand befinde.25
b) Gemäss Art. 9 Abs. 1 BauG dürfen Bauten, Anlagen, Reklamen, Anschriften und
Bemalungen Landschaften, Orts- und Strassenbilder nicht beeinträchtigen. Diese Vorschrift
stellt die „ästhetische Generalklausel“ im Sinn eines allgemeinen Beeinträchtigungsverbots
dar. Art. 17 Abs. 1 BauV26 konkretisiert diese Vorschrift, indem er bestimmt, dass
Aussenanlagen für Radio- und Fernsehempfang sowie für Funkzwecke und dergleichen
möglichst unauffällig zu gestalten und anzubringen sind. Sie dürfen die Landschaft und das
Ortsbild nicht beeinträchtigen. Schutzobjekt des Ortsbild- und Landschaftsschutzes ist der
Aussenraum, soweit er von einem allgemein begangenen Standort aus als Einheit wirkt
und als solche erfassbar ist. Eine Beeinträchtigung liegt vor, wenn ein Bauvorhaben einen
25 Schlussbemerkungen Beschwerdegegnerinnen vom 7. Dezember 2011, S. 6. 26 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1)
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Gegensatz zur bestehenden Überbauung schafft, der erheblich stört.27 Die Gemeinden
dürfen gemäss Art. 9 Abs. 3 BauG und Art. 17. Abs. 1 BauV eigene nähere
Ästhetikvorschriften erlassen, die über die kantonalen Vorschriften des allgemeinen
Ortsbild- und Landschaftsschutzes hinausgehen können. Derartige Vorschriften müssen,
um selbständige Bedeutung zu erlangen, konkreter gefasst sein als die Anordnungen des
kantonalen Rechts, sie dürfen Letztere nicht bloss allgemein anders formulieren.28
Von dieser Möglichkeit hat die Gemeinde Hilterfingen in ihrem Baureglement Gebrauch
gemacht: Nach Art. 24 Abs. 1 GBR sind „Bauten und Anlagen so anzuordnen und zu
gestalten, dass in der Gesamterscheinung wie in den Einzelheiten zusammen mit der
bestehenden Umgebung eine gute Gesamtwirkung entsteht. Die Beurteilung dieser
Gesamtwirkung richtet sich nach der bestehenden, bei Vorliegen einer genügend
detaillierten Nutzungsplanung nach der zukünftigen Umgebung. Insbesondere sind
glänzende, grelle oder sonst wie auffallende Materialien und Farbtöne untersagt.“ Bei der
Beurteilung, ob eine gute Gesamtwirkung entsteht, sind nach Abs. 3 von Art. 24 GBR
besonders auf die folgenden Elemente einzugehen: - Standort, Stellung, Form, Proportionen und Dimensionen eines Gebäudes - Gestaltung inkl. Farbgebung von Fassaden und Dach - Eingänge, Ein- und Ausfahrten - Aussenräume, insbesondere das Vorland, die Begrenzung gegen den öffentlichen Raum und die
Bepflanzung, soweit sie für den Charakter des Aussenraumes bestimmend ist - Abstellplätze für Motorfahrzeuge - Terrainveränderungen
Diese Bestimmung geht weiter als Art. 9 Abs. 1 BauG; ihr kommt daher selbständige
Bedeutung zu. Der Begriff „gute Gesamtwirkung“ stellt einen unbestimmten kommunalen
Gesetzesbegriff dar, bei dessen Auslegung die kommunalen Behörden einen gewissen
Beurteilungsspielraum haben. Wird die Anwendung einer von der Gemeinde erlassenen
Bestimmung Gegenstand eines Beschwerdeverfahrens, haben die Rechtsmittelinstanzen
zu prüfen, ob die von der Gemeinde geltend gemachte Auslegung rechtlich haltbar ist. Sie
auferlegen sich bei der Auslegung von unbestimmten Rechtsbegriffen in eigenständigen
kommunalen Vorschriften eine gewisse Zurückhaltung gegenüber der Auffassung der
Gemeinde, indem sie sich der Prüfung enthalten, ob eine andere Bedeutung der
umstrittenen Bestimmung ebenfalls möglich und rechtlich vertretbar wäre. Sie sind nicht
befugt, die kommunale Auslegung der Norm durch ihr eigenes Verständnis zu ersetzen,
27 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a. a. O., Art. 9/10 N. 13 f 28 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 9/10 N. 4 und 13; BVR 2009 S. 328 E. 5.2 mit Hinweisen.
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wenn die Rechtsauffassung der Gemeinde betreffend den Inhalt, den Sinn und die
Tragweite der interessierenden Vorschrift rechtlich vertretbar erscheint. Dies gilt
insbesondere dann, wenn die Würdigung örtlicher Verhältnisse in Frage steht.29 Jedoch
dürfen auch an das Erfordernis der guten Gesamtwirkung nicht unverhältnismässig hohe
Ansprüche gestellt werden. Die gute Gesamtwirkung ist weder an geringen noch an
besonders hohen architektonischen Qualitäten zu messen. Das bedeutet bei
durchschnittlichen örtlichen Gegebenheiten, dass das Mittelmass der Umgebung nicht
gestört werden darf und sich eine neue Baute oder Anlage an den qualitativ
hochwertigeren Bauten und Anlagen der Umgebung zu orientieren hat.30
c) Gemäss der verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung lässt sich das Erstellen einer
Mobilfunkanlage unter ästhetischen Gesichtspunkten nicht ohne weiteres mit Gebäuden,
auf welche die Gestaltungsnormen in erster Linie zugeschnitten sind, vergleichen. Zum
einen ist das Erscheinungsbild einer Mobilfunkanlage – namentlich Durchmesser und Höhe
des Masts sowie die Anzahl und optische Erscheinung der Antennen – vorwiegend durch
die technischen Gegebenheiten bedingt. Die Gestaltungsmöglichkeiten der
Mobilfunkbetreiberinnen sind daher gering. Ausserdem besteht die Besonderheit, dass
Mobilfunkanlagen aufgrund ihrer Funktion in der Regel gut sichtbar sind, womit ihnen
praktisch an jedem Standort von vornherein etwas Störendes anhaftet. Dies allein vermag
jedoch nicht ohne weiteres einen Bauabschlag zu rechtfertigen, ansonsten würde aus den
kommunalen Ästhetiknormen ein flächendeckendes Mobilfunkantennenverbot resultieren,
was nicht der Absicht des Gesetzgebers entsprechen kann und raumplanungs- bzw.
fernmelderechtlich problematisch wäre.31 Auch ist zu beachten, dass Mobilfunkantennen
aufgrund der betrieblich bedingten Höhe regelmässig geeignet sind, Silhouetten zu
brechen und Horizonte zu teilen. Soweit der Silhouette bzw. dem Horizont nicht eine
erhöhte Schutzwürdigkeit zukommt, vermag diese Wirkung den Bauabschlag nicht zu
rechtfertigen.32 Diesen Umständen ist bei der Beurteilung gebührend Rechnung zu tragen.
29 VGE 22887 vom 21.08.2007, E. 4.3, mit Hinweisen. 30 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 9/10 N. 5; BVR 2009 S. 329 E. 5.3, BVR 2006 S. 491 E. 6.3.1. 31 VGE 100.2010.66 vom 16. August 2010, E. 2.3, VGE 233330 vom 31. März 2009, E. 3.3, VGE 22852 vom 8. November 2007, E. 7.4. 32 VGE 233330 vom 31. März 2009, E. 4.4.3, VGE 22299 vom 17. November 2006, E. 5.7.2, VGE 22095/22101/22102 vom 24. Oktober 2006 E. 4.7.3.
14
d) Gemäss Baueingabeplan33 soll die geplante, freistehende Mobilfunkanlage direkt
neben dem bestehenden Technikgebäude auf dessen nordöstlichen Seite zu stehen
kommen. Sie weist eine Höhe von 26.18 m auf und überragt das angrenzende
Technikgebäude um rund 15.5 m. Auf einer Höhe von 21 m sind zwei UMTS-
Antennenpanels der Beschwerdegegnerin 1 (1.32 x 0.26 x 0.14 m, Sendeleistung von 1000
W), auf einer Höhe von 23.8 m zwei UMTS-Antennenpanels der Beschwerdegegnerin 2
(1.37 x 0.15 x 0.07 m, Sendeleistung von 1400 W) geplant. Zusätzlich sollen auf einer
Höhe von 26 m zwei Richtfunkantennen der Beschwerdegegnerin 1 installiert werden.34 Am
Mastfuss ist schliesslich ein Technikschrank vorgesehen.
Der Standort des Bauvorhabens auf Parzelle Nr. H._ befindet sich in der
zweigeschossigen Wohnzone E2, welche Ein-, Zwei- und Dreifamilienhäuser als
Einzelbauten zulässt (Art. 40 GBR) und eine maximale Gebäudehöhe von 5.5 m vorsieht.
Der Standort befindet sich in einer leichten Senke und ist gegen die A._ Strasse
orientiert, welche nordöstlich oberhalb des Standorts durchführt. Unterhalb der Parzelle,
befindet sich die P._strasse, welche direkt an den etwas erhöhten
M._park mit geschütztem Baumbestand angrenzt. Letzterer bildet auch die
Grenze der benachbarten Baugruppe E des kantonalen Bauinventars. Die A._
Strasse bildet die Grenze zwischen zwei unterschiedlichen Quartierstrukturen.
Währenddem unterhalb der Strasse (um die streitbetroffene Parzelle herum) eine lockere
Bebauungsweise mit viel Grünraum und vorab älteren Gebäuden vorherrscht, beginnt
oberhalb der Strasse die etwas dichtere Quartierstruktur mit neueren, zweigeschossigen
Wohnbauten und Vorgärten.
e) Die BVE hat für die ästhetische Beurteilung des Vorhabens die OLK beigezogen.
Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerinnen35 steht Art. 2 Abs. 2 OLKV36 diesem
Vorgehen nicht entgegen. Wenn das Vorhaben bereits durch die KDP begutachtet wurde,
nimmt die OLK nach dieser Bestimmung zur gleichen Frage nicht nochmals Stellung. Wie
bereits erwähnt (E. 3b und d) äusserte sich die KDP einzig zu den Schutzobjekten und den
Baugruppen des kantonalen Bauinventars, nicht jedoch zu Fragen des Ortsbildschutzes.
33 Baueingabeplan Hilterfingen TZ, Plan Nr. 3-85760D vom 17./20.09.2010, Vorakten pag. 36. 34 Angaben aus Standortdatenblatt vom 15.1.2010, Vorakten pag. 21 ff. 35 Schlussbemerkungen der Beschwerdegegnerinnen vom 7. Dezember 2011, S. 4. 36 Verordnung über die Kommission zur Pflege der Orts- und Landschaftsbilder vom 27. Oktober 2010 (OLKV; BSG 426.221).
15
Die Frage der Einfügung eines Vorhabens in ästhetischer Hinsicht in das umliegende Orts-
und Landschaftsbild wurde dagegen von der OLK beurteilt. Die beiden Fachbehörden
äusserten sich damit nicht zur gleichen Frage. Den Ausführungen der
Beschwerdegegnerinnen, wonach die Ausführungen der OLK für die vorliegende
Beurteilung grundsätzlich unbeachtlich sind, kann daher nicht gefolgt werden.
In ihrem Fachbericht vom 13. September 2011 umschreibt die OLK das Orts-, Strassen-
und Landschaftsbild in der Umgebung der geplanten Mobilfunkanlage wie folgt: Das
Vorhaben befinde sich in einem Gebiet, welches durch ältere solitäre Holzwohnbauten
geprägt sei. Das Orts- und Landschaftsbild werde zudem stark durch den
M._park, die eher kleinen Wohnbauten der Bauzone E2 sowie den um das
Vorhaben liegenden Hochstammobstgarten geprägt. Charakteristisch für diesen Dorfteil
von Hilterfingen seien zudem die Gasse beim Schönbühl sowie der Strassenraum mit den
Vorgartensituationen bis zum Feuerwehrmagazin. Heute seien der Strassenraum und das
Ortsbild intakt, das Quartier weise einen hohen Wohnwert auf. Die bestehende technische
Zentrale habe die Grösse und Gestaltung eines Einfamilienhauses und werde heute nicht
als störender technischer Bau im intakten Wohnquartier wahrgenommen. Die oberhalb der
A._ Strasse aufgereihten zweigeschossigen Einfamilienhäuser hätten ihre
Wohnräume auf den grünen Hochstammobstgarten unterhalb der Strasse ausgerichtet. Die
gesamte Situation wirke sehr massstäblich und qualitätsvoll.
Die Antennenanlage mit einer Höhe von 26 m ist nach Ansicht der OLK in Kombination mit
dem Betriebsgebäude in der vorgefundenen Situation für das Orts- und Landschaftsbild
sehr störend. Die Lage einer Antenne in der direkten Nachbarschaft zu einer
Einfamilienhaus-Bebauung sei planerisch unglücklich. Insbesondere sei auch das
technische Gebäude heute zonenfremd; durch die Realisierung der Antenne werde dieser
Umstand auch räumlich wahrgenommen und unterstreiche die nicht zonentypische
Nutzung. Eine bessere Integration der Antenne können auch nicht über eine unauffällige
Oberflächengestaltung erreicht werden.
Anlässlich des Augenscheins vom 17. November 2011 ergänzten die Vertreter der OLK,
die geplante Mobilfunkanlage sprenge ihrer Ansicht nach den Rahmen des
Einfamilienhausquartiers und verstärke die fremde Funktionalität des Technikgebäudes.
Sie bestimme das Quartier, sei auch für die weitere Umgebung prägend und wirke solitär
und isoliert. Ingesamt führe die Anlage zu einem Bruch im kleinmassstäblichen Kontext.
16
Der Bereich um das Technikgebäude mit den Obstbäumen stelle die grüne Lunge im
Quartier dar. Diesem Grünbereich komme eine Trennfunktion zwischen dem
M._park und dem neuen Einfamilienhausquartier zu. Diese Grünzone werde durch
die Anlage fremd akzentuiert. Bei der A._ Strasse handle es sich zudem um die
historische Verbindung zwischen Hünibach und Hilterfingen. Es werde in einem sensiblen
Bereich eine zonenfremde Anlage gebaut. Problematisch sei vorab die Lokalwirkung. In
der näheren Umgebung präge sie das ganze Landschaftsbild und überrage die
Gebirgskette. Je weiter man von oben auf die Anlage schaue, desto weniger trete sie in
Erscheinung.
f) Das Rechtsamt der BVE konnte sich anlässlich des Augenscheins vom 17.
November 2011 ein eigenes Bild der geplanten Antennenanlage, des Standortes und der
Umgebung machen. Die von der OLK erwähnten unterschiedlichen Quartierstrukturen
oberhalb und unterhalb der A._ Strasse sind zwar klar erkennbar und
charakterisieren das Umgebungsbild in diesem Quartier. Allerdings ist das Ortsbild in der
näheren Umgebung des geplanten Standortes aus Sicht der BVE nicht besonders wertvoll
oder sensibel. Vielmehr befindet sich oberhalb der A._ Strasse ein für diese Lage
typisches Wohnquartier mit gegen den See orientierten Ein- bis Dreifamilienhäusern mit
Vorgärten. Unterhalb der A._ Strasse ist das Gebiet deutlich lockerer besiedelt
und weist, vorab um das bestehende Technikgebäude, viel Grünraum auf. Der
angrenzende M._park mit dem Schloss M._ und weiteren wertvollen
Bauten begrenzt die betreffende Wohnzone auf südwestlicher Seite, wird jedoch – da
umgeben von grösserem Baumbestand – durch das Vorhaben nicht beeinträchtigt. In
unmittelbarer Nähe der geplanten Antennenanlage befinden sich keine schützens- oder
erhaltenswerten Bauten, welche durch das Vorhaben unzulässig beeinträchtigt würden
(vgl. E. 3). Auch nicht überzeugen konnte die BVE die Ausführungen der OLK-Vertreter,
wonach dem Raum um das bestehende Technikgebäude als Grünraum eine wichtige
Trennfunktion zwischen Wohnquartier und M._park zukomme. Die lockerere
Bebauungsweise in diesem Bereich unterhalb der A._ Strasse ist vielmehr auf die
topographische Lage (Senke, davor leicht erhöhter M._park) zurückzuführen,
welcher diesen Teil der Wohnzone für neue Wohnhäuser eher unattraktiv macht. Eine
bewusste Trennfunktion kommt diesem Gebiet nicht zu. Die bestehenden, älteren Bauten
in diesem Bereich (inkl. dem Technikgebäude auf der streitbetroffenen Parzelle) sind im
Unterschied zu den Wohnhäusern oberhalb der A._ Strasse eher zufällig
angeordnet, so dass keine klare Struktur oder geordnete Siedlungsgrenze erkennbar wäre.
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Das Luftbild37 zeigt auch, dass sich der Standort der Mobilfunkanlage inmitten dieses
locker überbauten Bereichs befindet und nicht an einer klaren Grenze zwischen
besiedeltem und unbesiedeltem Gebiet, welche durch den Bau einer Antenne akzentuiert
würde.
g) Allerdings bestätigte der Augenschein die Ansicht der OLK, wonach die geplante
Anlage mit ihrer Höhe von gut 26 m im näheren Umfeld sehr dominant in Erscheinung tritt
und insgesamt zu einem Bruch im kleinmassstäblichen Kontext führt. Sie überragt die
umliegenden zweigeschossigen Wohnbauten, aber auch das angrenzende
Technikgebäude, massiv. Dazu kommt, dass in unmittelbarer Umgebung des geplanten
Standorts keine Infrastrukturanlagen (Telefonmästen, Leitungen oder dergleichen) oder
höheren Bauten vorhanden sind38. Die geplante Antennenanlage übernimmt damit keine
gegebenen Gestaltungselemente, sondern würde in ihrer Konstruktion und Dimension als
freistehendes Element einen erheblich störenden Fremdkörper darstellen. Daran ändert
auch der Umstand nichts, dass die Anlage in unmittelbarer Nähe des bestehenden
Technikgebäudes zu stehen kommen soll. Ins Blickfeld gerät die Antenne vorab von der
A._ Strasse als wichtiger Verbindungsstrasse zwischen dem Ortsteil Hünibach
und dem Dorfzentrum von Hilterfingen (vgl. Fotostandort 2-4) sowie von der darüber
liegenden Q._strasse (Fotostandorte 5 und 6). In dieser näheren Umgebung
überragt das Profil der Antenne die gesamte Dächerlandschaft und die durch den
Baumbestand des M._parks gezeichnete nähere Silhouette deutlich. Selbst die
Alpenkette wird von diesen Standorten aus vom Vorhaben grösstenteils überragt.39 Auch
wenn dieser Silhouette keine erhöhte Schutzwürdigkeit zukommt und deren Bruch alleine
keinen Bauabschlag zu rechtfertigen vermag (vgl. E. 4c), so macht dies doch deutlich, wie
exponiert und dominant die Anlage in der Umgebung wirken würde. Ebenfalls markant in
Erscheinung tritt das Antennenprofil vom Verbindungsweg zwischen R._strasse
und A._ Strasse (Fotostandort 7) und von der Verzweigung
P._strasse/A._ Strasse (Fotostandort 10/11).40 Dabei ist zu beachten,
dass die geplante Anlage mit insgesamt vier Antennen und zwei Richtfunkantennen
deutlich voluminöser in Erscheinung treten würde als die Profilierung. Verstärkt wird dieses
37 Vgl. Fotodokumentation zum Augenschein vom 17. November 2011, Luftbild mit den Fotostandorten auf der ersten Seite. 38 Vgl. Fotodokumentation zum Augenschein vom 17. November 2011, Foto Nrn. 6 und 7. 39 Vgl. Fotodokumentation zum Augenschein vom 17. November 2011, Foto Nrn. 5-11. 40 Vgl. Fotodokumentation zum Augenschein vom 17. November 2011, Foto Nrn. 12, 13 sowie 17-19.
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dominante Erscheinungsbild durch die topographische Lage des Standorts und die
Quartierstruktur. So orientieren sich die Wohnhäuser oberhalb der A._ Strasse
allesamt gegen den See und damit in Richtung der geplanten Antenne. Durch deren Lage
in der Senke und aufgrund der lockeren Bebauungsstruktur mit viel Grünraum unterhalb
der A._ Strasse stellt die Antennenanlage ein solitäres Element in ihrem Umfeld
dar und wirkt damit noch exponierter.
h) Zwar sind Mobilfunkanlagen als Infrastrukturbauten in der Bauzone grundsätzlich
zonenkonform, sofern sie die massgebenden Grenzwerte einhalten und im Wesentlichen
der Abdeckung der Wohnzone dienen, in welcher ihre Errichtung geplant ist41, was von den
Beschwerdeführenden hier nicht in Abrede gestellt wird. Auch ist unbestritten, dass
Mobilfunkantennen aufgrund ihrer Funktion immer eine gewisse Höhe aufweisen müssen
und ihnen damit stets etwas Störendes anhaftet. Entsprechend können die
Ästhetikbestimmungen, welche primär auf Gebäude zugeschnitten sind, nicht
uneingeschränkt zur Anwendung gelangen (vgl. E. 4c). Allerdings bedeutet dies nicht, dass
solche grundsätzlich zonenkonformen Antennenanlagen unbesehen der bestehenden
Umgebung und ohne jegliche Berücksichtigung der Ästhetikvorgaben realisiert werden
können. So muss auch für die Höhe von Mobilfunkanlagen aus ästhetischer Sicht irgendwo
eine Grenze bestehen, solange daraus kein flächendeckendes Mobilfunkantennenverbot
resultiert. Mobilfunkanlagen haben sich damit ebenfalls – wenn auch in reduziertem
Umfang – an die bestehenden Ästhetikbestimmungen zu halten. Dies gilt, entgegen der
Ansicht der Vorinstanz und der Beschwerdegegnerinnen, selbst dann, wenn der
Umgebung keine besondere Schutzwürdigkeit zukommt und kein geschütztes Ortsbild oder
historisches Gebäude betroffen ist. So hat das Verwaltungsgericht einer 30 m hohen
Mobilfunkanlage in einer typischen Gewerbezone ohne besondere Schutzwürdigkeit allein
aufgrund der Höhe, der dadurch markanten Erscheinung und der massiven Überragung
der umliegenden Bauten und des angrenzenden Hügelzugs die Baubewilligung
verweigert.42
Die vorliegend geplante, freistehende Anlage ist mit gut 26 m für eine reine Wohnzone mit
zweigeschossiger Bauweise ungewöhnlich hoch. Ihr dominantes Erscheinungsbild in der
unbelasteten Umgebung (vgl. E. 4g) wird zusätzlich verstärkt, indem insgesamt vier
Antennenpanels sowie zwei Richtfunkantennen auf drei Niveaus realisiert werden sollen.
41 Urteil BGer. 1C_490/2010 vom 14. März 2011, E. 2.3. 42 VGE 21806 vom 27.05.2004, E. 4.
19
Damit wird die Grenze des aus ästhetischer Sicht Zulässigen in einer reinen Wohnzone mit
einer maximal zulässigen Gebäudehöhe von 5.5 m überschritten. Insbesondere mit Blick
auf die das fast fünffache der reglementarischen Gebäudehöhe betragende Masthöhe
sowie die kleinmassstäbliche Umgebung kann nicht mehr gesagt werden, die
Mobilfunkanlage füge sich gut in das Bild des Wohnquartiers ein und wahre zusammen mit
der bestehenden Umgebung eine gute Gesamtwirkung. Vielmehr handelt es sich in dieser
Umgebung um einen markant in Erscheinung tretenden Fremdkörper, der erheblich stört.
Diese Dimensionen führen daher zu einer unzulässigen Beeinträchtigung des
kleinmassstäblichen Wohnquartiers, auch wenn sich der geplante Standort am Rande der
neueren Wohnhäuser befindet und es sich aus ästhetischer Sicht nicht um eine sehr
sensible Umgebung handelt (vgl. E. 4f). Die hier anwendbaren Ästhetikbestimmungen (Art.
9 Abs. 1 BauG sowie Art. 24 GBR) werden durch das Vorhaben verletzt. Dabei gilt es zu
berücksichtigen, dass die UMTS-Technologie nicht zwingend auf freistehende Antennen
dieser Höhe angewiesen ist und solche Wohnzonen damit auch mit kleineren oder besser
integrierten Antennen versorgt werden können.43 Der vorliegende Entscheid führt damit
nicht zu einem grundsätzlichen Mobilfunkantennenverbot für UMTS-Technologie in
Wohnzonen der vorliegenden Art. Schliesslich ist festzuhalten, dass sich aus der
Mobilfunkkonzession grundsätzlich kein Rechtsanspruch auf Erstellung einer
Mobilfunkanlage an einem bestimmten Standort ableiten lässt.44
i) Ingesamt ist der Fachmeinung der OLK, wonach die geplante Antennenanlage in
diesen Dimensionen in der vorgefundenen Situation für das Orts- und Landschaftsbild sehr
störend wirkt, zu folgen. Die Antenne verstösst gegen die anwendbaren
Ästhetikbestimmungen. Damit sind die Beschwerden gutzuheissen, die Baubewilligung der
Vorinstanz aufzuheben und dem Vorhaben der Bauabschlag zu erteilen. Bei diesem
Ausgang erübrigt es sich, auf die weiteren Rügen der Beschwerdeführenden einzugehen.
5. Kosten
a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdegegnerinnen. Sie
haben die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG).
43 Vg. Protokoll des Augenscheins vom 17. November 2011, S. 12., Votum Herr von Mandach, wonach auch die Erstellung von zwei bis drei kleineren Antennen grundsätzlich möglich sei. 44 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 9/10 N. 29
20
Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr. Für
besondere Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren
erhoben werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Für Entscheide in einer Verwaltungsjustizsache
wird eine Pauschalgebühr von Fr. 200.-- bis Fr. 4'000.-- je Beschwerde erhoben (Art. 19
Abs. 1 i.V.m. Art. 4 Abs. 2 GebV45). Werden in einem einzigen Entscheid mehrere
Beschwerden beurteilt, so kann die Pauschalgebühr für die einzelnen Beschwerden
angemessen reduziert werden (Art. 21 Abs. 3 GebV). Die Pauschale wird insgesamt
festgelegt auf Fr. 4'000.--. Darin ist der Fachbericht der OLK angemessen berücksichtigt.
Für den Augenschein vom 17. November 2011 wird in Anwendung von Art. 20
Abs. 1 GebV eine zusätzliche Gebühr von Fr. 500.-- erhoben. Die Kosten des
Beschwerdeverfahrens betragen somit Fr. 4’500.--.
b) Die amtlichen Kosten für das erstinstanzliche Baubewilligungsverfahren von
Fr. 10'958.05 haben in jedem Fall die Beschwerdegegnerinnen als Baugesuchsteller zu
tragen (Art. 52 Abs. 1 BewD).
c) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG).
Bei diesem Ausgang des Verfahrens haben die Beschwerdegegnerinnen die Parteikosten
der Beschwerdeführenden 2 bis 4, der Beschwerdeführenden 5 und 6 sowie der
Beschwerdeführenden 7 bis 104 zu ersetzen. Die Beschwerdeführerin 1 hat als
Verwaltungsbehörde im Sinne von Artikel 2 Abs. 1 Bst. b VRPG im Beschwerdeverfahren
in der Regel keinen Anspruch auf Parteikostenersatz (Art. 104 Abs. 4 VRPG). Da sie nicht
wie eine Privatperson betroffen ist, sondern in erster Linie hoheitliche Interessen wahrt,
wird ihr kein Parteikostenersatz zugesprochen.
Die Parteikosten umfassen den durch die berufsmässige Parteivertretung anfallenden
Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Nach Art. 11 Abs. 1 PKV46 beträgt das Honorar in
45 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21). 46 Verordnung vom 17. Mai 2006 über die Bemessung des Parteikostenersatzes (Parteikostenverordnung; PKV; BSG 168.811).
21
verwaltungsrechtlichen Beschwerdeverfahren Fr. 400.- bis Fr. 11'800.- pro Instanz.
Innerhalb dieses Rahmens bemisst sich der Parteikostenersatz nach Art. 41 Abs. 3 KAG47.
Demnach wird der Parteikostenersatz für den Anwalt der Beschwerdeführenden 5 und 6
und für den Anwalt der Beschwerdeführenden 7 bis 104 jeweils festgesetzt auf Fr. 6’500.--.
Die Kostennote des Anwalts der Beschwerdeführenden 2 bis 4 über Fr. 5'197.-- gibt zu
keinen Bemerkungen Anlass.