# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 92d6ea32-6d5d-54a9-aea2-12caafa80955
**Court:** AR_OG
**Chamber:** AR_OG_003
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** AR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt
A. Der am XX.XX.1960 geborene A. _ erlitt 2007 einen Herzinfarkt. 2011 musste ihm
ein Hautmelanom entfernt werden. Per 31. Dezember 2014 löste A. _ sein seit 1992
bestehendes Arbeitsverhältnis mit der B. _, auf (IV-act. 15-2/13). Am 9. November
2015 meldete sich A. _ wegen Depressionen, Angst und Müdigkeit – bestehend seit
dem im Jahr 2007 erlittenen Herzinfarkt – bei der IV-Stelle des Kantons Appenzell
Ausserrhoden an und beanspruchte Leistungen der Invaliden-versicherung (IV-act. 1). Die
IV-Stelle klärte in der Folge den erwerblichen und medi-zinischen – unter anderem holte sie
bei der Swiss Medical Assessment- and Business-Center (SMAB AG) ein bidisziplinäres
Gutachten ein (IV-act. 64) – Sachverhalt ab. Mit Vorbescheid vom 2. August 2018 kündigte
die IV-Stelle A. _ die Abweisung des Leistungsbegehrens an (IV-act. 102). Dagegen
liess A. _ am 11. September 2018 Einwand erheben (IV-act. 106). In der Verfügung
vom 4. Januar 2019 hielt die IV-Stelle an ihrem Vorbescheid fest und wies das
Leistungsbegehren von A. _ ab (IV-act. 108).
B. Gegen die Verfügung vom 4. Januar 2019 liess A. _ am 21. Januar 2019 mit den
eingangs erwähnten Anträgen Beschwerde beim Obergericht des Kantons Appenzell
Ausserrhoden erheben (act. 1). Mit Verfügung vom 5. Februar 2019 schrieb der
Einzelrichter des Obergerichts das Gesuch von A. _ im Verfahren ERV 19 6 um
unentgeltliche Rechtspflege und unentgeltliche Verbeiständung zufolge Rückzugs des
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Gesuchs ab (act. 5). Die IV-Stelle beantragte mit Vernehmlassung vom 11. Februar 2019
die Abweisung der Beschwerde (act. 8).
C. Am 13. März 2019 liess A. _ die Replik einreichen (act. 11). Die IV-Stelle verzichtete
stillschweigend auf eine Duplik.

## Considerations

Erwägungen
1. Formelles
1.1
Gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. b des Justizgesetzes
vom 13. September 2010 (JG, bGS 145.31) beurteilt das Obergericht als kantonales Ver-
sicherungsgericht Beschwerden aus dem Bereich der Sozialversicherungen. Die örtliche
Zuständigkeit ist nach Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die
Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20) gegeben.
Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der weiteren Prozessvoraussetzungen
ergibt, dass diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der
Form- und Fristerfordernisse erfüllt sind (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59, Art. 60 Abs. 1 und
Art. 61 lit. b ATSG sowie Art. 54, Art. 56 und Art. 59 des Gesetzes vom 9. September 2002
über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG, bGS 143.1)).
Auf die Beschwerde ist einzutreten.
1.2
Der Beschwerdeführer liess in formeller Hinsicht zum einen beantragen, es seien die
Mediziner der Klinik C. _ als sachverständige Zeugen zu ihren Feststellungen und
Beobachtungen im Zusammenhang mit der Behandlung 2017 zu befragen (act. 1-4/6).
Zuhanden des behandelnden Psychiaters des Beschwerdeführers, Dr. D. _, liegt ein
Bericht der Klinik C. _ über die integrative tagesklinische Behandlung vom
6. November 2017 bis zum 15. Dezember 2017 vor, welcher nebst der Anamnese, dem
Psychostatus bei Eintritt auch den Verlauf der Therapien, die Medikation bei Austritt, die
Arbeitsfähigkeit bei Austritt sowie das weitere Procedere beinhaltet (IV-act. 88). Da die
wesentlichen Feststellungen und Beobachtungen hinsichtlich der Behandlung bereits im
erwähnten Bericht festgehalten wurden, ist eine (zusätzliche) Befragung der in der Klinik C.
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_ behandelnden Ärzte nicht notwendig (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 136 I 229
E. 5.3). Dies gilt auch für die vom Beschwerdeführer beantragte Einvernahme der
Berichterstatter der Kliniken E._, G. _ und F. _ zur Situation, dass er
während Jahren in psychiatrischer Behandlung stehe und sich keine Verbesserung
eingestellt habe (act. 1-4/6). Die Dauer der psychiatrischen Behandlung, die von den Ärzten
gestellten Diagnosen und Feststellungen zum Verlauf der Beschwerden ergeben sich aus
den Berichten der genannten Kliniken und es bedarf hierzu keiner weiteren Einvernahmen.
Der Antrag des Beschwerdeführers auf eine Gerichtsexpertise ist abzuweisen, da entgegen
seiner Ansicht im Gutachten der SMAB AG die Krebserkrankung berücksichtigt, mangels
Hinweisen auf aktuell bestehende Probleme aber als nicht relevant für die Arbeitsfähigkeit
beurteilt wird (IV-act. 64-36ff/49). Auch der Beschwerdeführer bringt keine Belege bezüglich
aktuell bestehender Beschwerden bei, weshalb hierzu keine weiteren Abklärungen
notwendig sind (Art. 43 Abs. 1 ATSG).
Zusammenfassend sind somit keine weiteren Beweisabnahmen erforderlich.
2. Materielles
2.1
2.1.1
Nach Art. 8 Abs. 1 ATSG ist Invalidität die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit
dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Die Invalidität kann nach Art. 4 Abs. 1
IVG Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein. Erwerbsunfähigkeit ist der
durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur-
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil-
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsun-
fähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück-
sichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die unter anderem
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens
40% invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% besteht ein Anspruch auf eine Viertels-
rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% auf eine halbe Rente, bei einem In-
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validitätsgrad von mindestens 60% auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 70% auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
2.1.2
Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen
angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu
stellen haben. Aufgabe der Ärztin oder des Arztes ist es, den Gesundheitszustand zu
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher
Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen
Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen
der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4).
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und Sozialver-
sicherungsgerichte die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie
umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies,
dass das Sozialversicherungsgericht die Beweismittel unabhängig davon, von wem sie
stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unter-
lagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbeson-
dere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht
erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben,
warum es auf die eine und nicht die andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 351
E. 3a). Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für
die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die ge-
klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung
der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten be-
gründet sind (134 V 231 E. 5.1).
2.2
Die IV-Stelle erachtet das Gutachten der SMAB AG grundsätzlich als regelrecht erstellt,
vollständig und als verwertbar. Aufgrund der Feststellungen im Gutachten – d.h. aufgrund
der vorhandenen Ressourcen, dem fehlenden Leidensdruck und der nicht erheblichen
Komorbiditäten – geht jedoch die IV-Stelle von einer Arbeitsfähigkeit von 100% für
adaptierte Tätigkeiten aus. Nach Ansicht der IV-Stelle liegt keine Invalidität im Sinne der
Rechtsprechung vor.
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Der Beschwerdeführer erhebt verschiedene formelle Einwände gegen das Gutachten der
SMAB AG, stützt sich im Wesentlichen aber dennoch darauf ab und beantragt, dass die
Vorinstanz auf das von ihr in Auftrag gegebene Gutachten zu behaften und ihm mindestens
eine halbe Invalidenrente zu gewähren sei.
2.3
Aus den vorhandenen Akten geht in Bezug auf die somatischen und psychischen
Beschwerden der folgende Sachverhalt hervor:
2.3.1
Der Beschwerdeführer erlitt im September 2007 einen Herzinfarkt (IV-act. 12-3/9).
Im Bericht vom 18. Juli 2013 über die erfolgte Jahreskontrolle berichtete Dr. H. _,
Facharzt FMH Kardiologie und Allgemeine Innere Medizin, Klinik I. _, über einen
erfreulichen und stabilen Verlauf. Der Beschwerdeführer sei kardial weitgehend
beschwerdefrei und im Alltag normal belastbar (IV-act. 12-7/9).
Im Kurzaustrittsbericht vom 10. Februar 2016 der Klinik G. _ über die Hospitalisation
des Beschwerdeführers vom 9. Februar 2016 bis 10. Februar 2016 wurde unter anderem
ein paroxysmales typisches Vorhofflattern, muskuloskeletale thorakale Schmerzen und eine
koronare Eingefässerkrankung diagnostiziert. Der Beschwerdeführer sei notfallmässig
wegen bereits seit dem Vorabend bestehenden thorakalen Schmerzen zugewiesen
worden. Bei zunächst unauffälligem EKG sowie auch im Verlauf negativen kardialen
Biomarkern habe ein akutes kardiales Ereignis im Sinne eines akuten Koronarsyndroms
ausgeschlossen werden können. Am Morgen des 10. Februar 2016 habe sich im Verlaufs-
EKG ein typisches Vorhofflattern gezeigt. Sie hätten eine therapeutische Antikoagulation
mit Fragmin begonnen und es werde eine Echokardiographie Ende der Woche empfohlen.
Der Beschwerdeführer habe weitgehend beschwerdefrei entlassen werden können (IV-act.
24).
Im Kontrollbericht vom 18. Februar 2016 erklärte Dr. H. _, dass sich von Seiten der
koronaren Herzkrankheit ein stabiler Verlauf zeige, ohne Hinweise auf eine relevante
Progression. Die letzte Woche verspürten Beschwerden seien koronartypisch gewesen und
am ehesten muskuloskeletal bedingt. Diese seien in der Zwischenzeit wieder
verschwunden. Während der Hospitalisation im Klinik G. _ habe erstmalig ein
paroxysmales Vorhofflattern dokumentiert werden können (IV-act. 52-12f/16).
Dr. H. _ gab im Arztbericht vom 8. Januar 2017 an, von kardiologischer Seite her
zeige sich ein stabiler Verlauf. Die jährlichen Kontrollen hätten keine Hinweise auf eine
Seite 7
Progression der koronaren Herzkrankheit ergeben. Das am 10. Februar 2016
erstdiagnostizierte rechtsatriale Vorhofflattern sei am 24. März 2016 im Kantonsspital
elektrophysiologisch erfolgreich behandelt worden. Seither keine Hinweise auf ein Rezidiv.
Am 17. Februar 2016 sei eine ambulante kardiologische Kontrolle im Klinik I. _
erfolgt und im September 2016 habe das 24h-EKG keinen Nachweis von relevanten
Rhythmusstörungen erbracht. Subjektiv gehe es dem Beschwerdeführer aber nicht gut, er
sei sehr ängstlich (IV-act. 52-1ff/16).
Im Gutachten der SMAB AG vom 1. Juni 2017 wurde in den Akten ein weiterer Bericht von
Dr. H. _ vom 2. Februar 2017 zitiert, wonach sich beim Beschwerdeführer
Thoraxwandschmerzen vor allem linksseitig auslösen liessen. Dies mache die Beurteilung
der kardialen Situation schwierig. Eine Progression der koronaren Herzkrankheit könne
nicht ausgeschlossen werden und zur Klärung der Situation werde eine erneute
Koronarangiographie empfohlen (IV-act. 64-8/49).
Im internistischen Teilgutachten von Dr. J. _ , Facharzt FMH Allgemeine Innere
Medizin und Kardiologie, führte er aus, dass die kardiovaskuläre Situation von organischer
Seite her im Moment als sehr wahrscheinlich stabil und günstig betrachtet werden dürfe.
Wahrscheinlich, weil extrakardiale Beschwerden vorlägen, eine zusätzliche leichte
Belastungsischämie dagegen nicht mit letzter Sicherheit auszuschliessen sei. Die
Arbeitsfähigkeit werde durch die koronare Herzkrankheit nicht grundsätzlich beeinträchtigt,
jedoch spreche die erwähnte leichte Unsicherheit bezüglich einer möglichen
Belastungsischämie, der aktuell mässige Trainingszustand als auch die koronare
Herzkrankheit an sich gegen die künftige Ausübung einer körperlich schweren Arbeit.
Gegen eine körperlich leichte bis gegen mittelschwere Tätigkeit sei von kardiovaskulärer
Seite nichts einzuwenden (IV-act. 38f/49).
2.3.2
Gemäss dem Beschwerdeführer musste ihm 2012 ein bösartiger Hauttumor an der Stirn
operativ entfernt werden (IV-act. 18-5/7).
Der internistische Teilgutachter Dr. J. _ diagnostizierte ein Status nach
Melanomexzision frontoparietal links, Kantonsspital K. _, 2011. Gemäss dem
Gutachter weist der Beschwerdeführer eine auffallende Narbe frontal am Kopf nach
Exzision des Melanoms auf. Hinweise für ein Rezidiv des Hautmelanoms wie auch
Hinweise auf andere relevante internistische Leiden lägen nicht vor (IV-act. 64-36ff/49).
Seite 8
2.3.3
Dr. L. _, Facharzt FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Klinik C. _, stellte im
Bericht vom 13. März 2013 eine Anpassungsstörung mit Angst und Depression gemischt
einhergehend mit einer generalisierten Angststörung im Rahmen der Störung der
Stressmodulationsfähigkeit (ICD-10: F42.22, F41.1) fest (IV-act. 12-8f/9). Im Bericht vom
12. Januar 2016 diagnostizierte er eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
mittelgradige bis schwere Episode mit somatischen Symptomen (ICD-10: F33.11/2) seit
2010 und eine generalisierte Angststörung (ICD-10: F41.1) seit 2007. Unter therapeu-
tischen Massnahmen sei mit der Erhaltung einer 50%-igen verwertbaren Arbeitsfähigkeit zu
rechnen (IV-act. 19).
Im Austrittsbericht des Psychiatrischen Zentrums Appenzell Ausserrhoden vom 23. Februar
2016 über den stationären Aufenthalt des Beschwerdeführers vom 4. Februar 2016 bis
9. Februar 2016 wurde die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung,
gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10: F33.2) und gene-
ralisierte Angststörung (ICD-10: F41.1) gestellt.
Im Verlaufsbericht vom 16. April 2016 stellte Dr. L. _ eine leichte Rückbildung der
depressiven Symptomatik bei im Übrigen gleichbleibenden Diagnosen fest (IV-act. 33).
Dr. D. _, diagnostizierte im Bericht vom 20. Juni 2016 eine rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig mittelgradige bis schwere Episode (ICD-10: F33.11, F33.2), eine
generalisierte Angststörung (ICD-10: F41.1) sowie eine koronare Krankheit. Der
Beschwerdeführer sei momentan nicht in der Lage, die Ansprüche einer beruflichen
Eingliederung zu erfüllen. Er könne zu therapeutischen Zwecken in einem geschützten
Rahmen unter fachlicher Leitung eine 50%-ige Tätigkeit ausführen (IV-act. 41).
Im psychiatrischen Teilgutachten von Dr. M. _, Facharzt Psychiatrie und
Psychotherapie, wurde die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegen-
wärtig mittelgradige Episode (ICD-10: F32.1) sowie einer generalisierten Angststörung
(ICD-10: F41.1) gestellt. Weiter wurde ausgeführt, dass Fähigkeitsstörungen in den
Bereichen Durchhaltefähigkeit, Flexibiliät und Umstellungsfähigkeit, Kontaktfähigkeit zu
Dritten und Selbstbehauptungsfähigkeit beständen. Ab 1. Dezember 2015 sei die Arbeits-
fähigkeit in der bisherigen Tätigkeit aufgehoben. In einer optimal adaptierten Tätigkeit
bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50%. Durch eine Therapieintensivierung könne die
Arbeitsfähigkeit und auch die längerfristige Prognose relevant verbessert werden (IV-act.
64-26ff/49).
Seite 9
Im Arztbericht vom 18. Dezember 2017 hielt Dr. D. _ an seiner früher gestellten
Diagnose fest und erklärte, der Beschwerdeführer sei aus der Hospitalisation in der Klinik
C. _ in etwas gebessertem Zustand entlassen worden. Seit Beginn seiner
Behandlung am 16. April 2016 sei er zu 100% arbeitsunfähig (IV-act. 85).
Im Bericht der Klinik C. _ vom 19. Dezember 2017 über die ambulante integrative
psychosomatische Behandlung vom 6. November 2017 bis 15. Dezember 2017 des
Beschwerdeführers wurde über eine minime Verbesserung des psychopathologischen
Zustandsbilds während der Behandlung berichtet (IV-act. 88).
Dr. D. _ wies im Verlaufsbericht vom 4. Mai 2018 auf einen stationären
Gesundheitszustand und eine unveränderte Diagnose hin (IV-act. 98).
2.4
Zu prüfen sind zunächst die vom Beschwerdeführer erhobenen diversen formellen
Einwände gegen das Gutachten der SMAB AG.
2.4.1
Die Behauptung des Beschwerdeführers, das von der IV-Stelle in Auftrag gegebene
Gutachten nenne sich polydisziplinär, sei aber nur bidisziplinär durchgeführt worden, geht
ins Leere. Bereits die Empfehlung des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) lautete auf
eine bidisziplinäre Begutachtung (IV-act. 53-2/2) und auch die Anfrage für ein Gutachten an
die SMAB AG (IV-act. 54), die jeweiligen Mitteilungen der IV-Stelle an den
Beschwerdeführer (IV-act. 56 und IV-act. 60) und das Aufgebot der SMAB AG an den
Beschwerdeführer (IV-act. 62) weisen deutlich auf eine bidisziplinäre Begutachtung hin.
Soweit der Beschwerdeführer mit seinen Vorbringen rügen möchte, es hätte ein
polydisziplinäres Gutachten gebraucht, ist ihm entgegenzuhalten, dass er das Schreiben
der IV-Stelle vom 17. Februar 2017, in welcher ihm die Begutachtungsstelle, der Ort sowie
der Inhalt der Abklärungen mitgeteilt wurde, nicht beanstandet hat (IV-act. 60).
Ebensowenig sind Beanstandungen irgendwelcher Art während der Untersuchungen
seitens des Beschwerdeführers belegt. Da verfahrensrechtliche Einwendungen so früh wie
möglich, d.h. nach Kenntnisnahme eines Mangels bei erster Gelegenheit vorzubringen
sind, wäre diese Rüge somit ohnehin verwirkt (Urteil des Bundesgerichts 8C_635/2018 vom
21. Dezember 2018 E. 5.3.2 mit Hinweis auf BGE 143 V 66 E. 4.3).
2.4.2
Seite 10
Der Beschwerdeführer rügt weiter, die ablehnende Verfügung der IV-Stelle beschränke sich
nur auf die psychiatrische Problematik. Dabei bestehe auch eine somatische Komorbidität,
was in der angefochtenen Verfügung fehle. Daher müsse sie aufgehoben und die
Streitsache zur Neubeurteilung zurückgewiesen werden.
2.4.2.1
In diesem Zusammenhang behauptet der Beschwerdeführer zum einen, die
Krebsproblematik sei nicht ins Gutachten einbezogen oder gewichtet worden. Er stehe
diesbezüglich immer noch in Behandlung, zuletzt bei Dr. N. _ im Dezember 2018.
Dieser Behauptung kann nicht gefolgt werden. Im Gutachten wird die Diagnose – Status
nach Melanomexzision frontoparietal links – als ohne Relevanz für die Arbeitsfähigkeit
bezeichnet und hierzu vom internistischen Teilgutachter ausgeführt, dass nach Exzision
des Melanoms eine auffallende Narbe frontal am Kopf bestehe, die Haut ansonsten im
Wesentlichen unauffällig sei (IV-act. 64-37/49 und IV-act. 64-36/49). Der Beschwerdeführer
berichte von gelegentlichen Kontrollen beim Hautarzt (IV-act. 64-33/49). Es lägen keine
Hinweise für ein Rezidiv des Hautmelanoms vor (IV-act. 64-38/49). Aus dem Leistungs-
auszug der Krankenkasse O. _, welche den Behandlungszeitraum Februar 2012 bis
März 2018 umfasst, ergibt sich, dass der Beschwerdeführer in der Regel zwei- bis dreimal
pro Jahr Dr. N. _ aufsuchte (IV-act. 99-3ff/16). Die im Gutachten erwähnten
gelegentlichen Kontrollen beim Hautarzt sind somit ausgewiesen. Die vom Beschwerde-
führer geltend gemachte Behandlung vom Dezember 2018 bei Dr. N. _ ist
aktenmässig nicht nachgewiesen und der Beschwerdeführer hat hierzu auch keinen
Arztbericht vorgelegt. Daher darf davon ausgegangen werden, dass sie präventiv und damit
im Rahmen der gelegentlichen Kontrolluntersuchungen erfolgt ist (act. 1/2).
2.4.2.2
Zum anderen bringt der Beschwerdeführer vor, er habe einen Herzinfarkt erlitten und sei
diesbezüglich noch nicht ganz gesund.
Dem ist entgegenzuhalten, dass der behandelnde Kardiologe Dr. H. _ von einem
stabilen Verlauf ausgeht (IV-act. 52-3/16). Auch Dr. J. _ bezeichnet im Gutachten die
kardiovaskuläre Situation als sehr wahrscheinlich stabil und günstig mit einem Vorbehalt
bezüglich einer leichten Belastungsischämie. Er befürwortete daher, um letztere
ausschliessen zu können, eine invasive Kontrolle (IV-act. 64-38f/49). Weiter führte er aus,
dass die koronare Herzkrankheit die Arbeitsfähigkeit an sich nicht grundsätzlich
beeinträchtige, jedoch lägen Umstände vor, die gegen die Ausübung einer körperlich
Seite 11
schweren Arbeit sprächen. Gegen eine körperlich leichte bis gegen mittelschwere Tätigkeit
sei hingegen aus kardiovaskulärer Sicht nichts einzuwenden (IV-act. 64-39/49).
2.4.2.3
Zusammenfassend wird somit im Gutachten SMAB AG in somatischer Hinsicht sowohl die
kardiologische Erkrankung als auch die Krebserkrankung berücksichtigt. Die IV-Stelle stützt
sich, wie bereits erwähnt, grundsätzlich auf das Gutachten ab und erachtet sowohl das
psychiatrische als auch das internistische Teilgutachten hinsichtlich der Diagnosen als
schlüssig. In Bezug auf das internistische Teilgutachten, welches dem Beschwerdeführer in
der bisherigen, körperlich als nicht schwer zu taxierenden, und adaptierten Tätigkeit eine
Arbeitsfähigkeit von 100% attestiert, geht die IV-Stelle sogar mit der Arbeitsfähigkeits-
schätzung des Gutachtens konform. Insofern geht die Rüge des Beschwerdeführers,
wonach die somatische Komponente in der Verfügung fehle, ins Leere.
2.4.3
Der Beschwerdeführer rügt sodann, die angefochtene Verfügung sei auch in
psychiatrischer Hinsicht unbegründet, weil sie von falschen Annahmen beziehungsweise
Fakten ausgehe (act. 1/3).
Was die Anzahl der teil- oder stationären Aufenthalte des Beschwerdeführers in einer Klinik
betrifft, wird die integrative tagesklinische Behandlung vom 9. Februar 2015 bis 6. März
2015 in der Klinik C. _ in den dem SMAB AG Gutachten zugrundeliegenden Akten
nicht erwähnt (act. 2.3; IV-act. 64-3ff/49 und IV-act. 64-26/49). Lediglich in den Angaben
des Beschwerdeführers findet sich der Hinweis, er habe 2012 (?) bei Dr. L. _ eine
tagesklinische Behandlung absolviert und danach die ambulante psychiatrische
Behandlung weitergeführt (IV-act. 64-23/49). Somit hat der Beschwerdeführer im 2015 eine
tagesklinische Behandlung von rund einem Monat absolviert. Im Februar 2016 befand er
sich während 5 Tagen stationär im Psychiatrischen Zentrum Appenzell Ausserrhoden (IV-
act. 31). In der Klinik E. _ war er im Juni 2017 lediglich zu einem Vorgespräch (IV-
act. 77-2/8). Ende 2017 war er in der Klinik C. _während 1 1⁄2 Monaten in einer
ambulanten integrativen psychosomatischen halbtagesklinischem Behandlungsprogramm
(IV-act. 88). Die RAD-Ärztin Dr. P. _, Fachärztin FMH Psychiatrie und
Psychotherapie, erklärte hierzu im Bericht vom 17. Januar 2018, dass der
Beschwerdeführer ihrer Ansicht nach mit dem halbstationären Aufenthalt in der Klinik C.
_ die Therapie-Auflage erfüllt habe und zusätzliche medizinische Massnahmen nicht
notwendig seien. Auch wenn sich die tagesklinische Behandlung des Beschwerdeführers
von rund einem Monat im 2015 lediglich aus den Selbstangaben des Beschwerdeführers
ergibt, ist somit von einem stationären Aufenthalt von 5 Tagen 2016 und teilstationären
Seite 12
Aufenthalten von gesamthaft rund 2 1⁄2 Monaten im 2015 und 2017 auszugehen. Eine
Neuprüfung durch die IV-Stelle erübrigt sich damit.
Was den in der angefochtenen Verfügung angesprochenen Leidensdruck betrifft, ergibt
sich aus den Akten, dass der ehemalige behandelnde Psychiater Dr. L. _ einen
stationären Aufenthalt des Beschwerdeführers für unverzichtbar hielt (IV-act. 27), der
Beschwerdeführer den geplanten stationären Aufenthalt im Psychiatrischen Zentrum
Appenzell Ausserrhoden aber vorzeitig abbrach (IV-act. 31) und einen neuen be-
handelnden Psychiater, Dr. D. _, aufsuchte (IV-act. 37). Letzterer schloss im
Arztbericht vom 20. Juni 2016 eine erneute stationäre Behandlung nicht aus (IV-act. 40-
3/6). Im psychiatrischen Teilgutachten wies Dr. M. _ darauf hin, dass die erforderliche
Therapieintensivierung – möglichst stationäre, mindestens aber teilstationäre
psychiatrische Behandlung, ausreichend lange – noch nicht zustande gekommen sei (IV-
act. 64-28f/49). Im Mai/Juni 2017 meldete Dr. D. _ den Beschwerdeführer für eine
stationäre Therapie in der Klinik E. _ an, der Beschwerdeführer lehnte in der Folge
aber einen stationären Aufenthalt ab (IV-act. 69-2/14; IV-act. 75 und IV-act. 77-3/8). Ende
2017 trat der Beschwerdeführer dann doch in der Klinik C. _ ein ambulantes
integratives psychosomatisches halbtagesklinisches Behandlungsprogramm während 1 1⁄2
Monaten an (IV-act. 88). Insofern erweist sich die vom Beschwerdeführer kritisierte
Aussage der IV-Stelle, wonach er erst auf Druck hin eine teilstationäre psychiatrische
Therapie wahrgenommen habe, nicht als offensichtlich falsch (act. 2.1 und act. 1/3).
Auch die von der IV-Stelle in Zweifel gezogene Regelmässigkeit der psychiatrischen
Behandlung bei Dr. D. _ erweist sich mit Blick auf die Akten nicht per se als
unzutreffend, da sich die Angaben im Verlaufsbericht von Dr. D. _ betreffend Anzahl
der ambulanten Behandlungen im Jahr 2017 und 2018 mit dem Leistungsauszug der
Krankenkasse O. _ nur teilweise decken (IV-act.1/4; IV-act. 98 und IV-act. 99-3f/16).
2.4.4
Zusammenfassend ist in Bezug auf die formellen Einwände festzuhalten, dass den vom
Beschwerdeführer erhobenen Rügen gegen das SMAB AG Gutachten nicht zu folgen ist.
2.5
Das bidisziplinäre Gutachten der SMAB AG vom 1. Juni 2017 ist grundsätzlich – mit
Ausnahme der Arbeitsfähigkeitsschätzung – unbestritten (IV-act. 64). Sowohl die IV-Stelle
als auch der Beschwerdeführer stützen sich in ihren Ausführungen auf das Gutachten als
massgebliche Beweisgrundlage. Nachdem das Gutachten für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
Seite 13
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen
Situation einleuchtet und hinsichtlich der Schlussfolgerungen schlüssig erscheint, kommt
dem SMAB AG Gutachten voller Beweiswert zu.
Streitig und zu prüfen ist jedoch, ob die IV-Stelle von der medizinischen Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit des psychiatrischen Gutachters, welche nach interdisziplinärer Konsensbe-
sprechung Eingang in die Gesamtbeurteilung fand und eine 50%-ige Arbeitsunfähigkeit
bejahte, abweichen und eine Invalidität verneinen durfte.
2.5.1
Im bidisziplinären Konsens kamen die Gutachter der SMAB AG unter Berücksichtigung
beider Fachgebiete zum Ergebnis, dass die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit
aufgehoben sei und in einer leidensadaptierten Tätigkeit 50% betrage. Geeignet seien
überwiegend sachbetonte, gut strukturierte, kognitiv einfache, regelmässige Tätigkeiten
ohne besonderen Zeitdruck und ohne erhöhte Anforderungen an die emotionale
Belastbarkeit. Nicht geeignet seien unregelmässige Arbeitszeiten sowie Schichtdienst. In
somatischer Hinsicht seien körperlich leichte bis gegen mittelschwere Tätigkeiten
wechselbelastend möglich (IV-act. 64-10ff/49).
In der angefochtenen Verfügung vom 4. Januar 2019 kam die IV-Stelle – entgegen der
Beurteilung ihres RAD, welcher das Gutachten als plausibel und den Gesundheitszustand
psychiatrisch und kardiologisch als ausgewiesen erachtete (IV-act. 67) – zum Schluss,
dass aufgrund der vorhandenen Ressourcen, dem fehlenden Leidensdruck und der nicht
erheblichen Komorbiditäten von einer Arbeitsfähigkeit von 100% für adaptierte Tätigkeiten
auszugehen sei. Ferner fügte die IV-Stelle als weiteren Punkt hinzu, dass die Gutachter
eine deutliche Beschwerdebetonung wahrgenommen hätten, insbesondere sei der
Eindruck einer Übertreibung der mit der Depression verbundenen Einschränkungen
entstanden. Gesamthaft sei die invalidisierende Wirkung einer mittelgradig rezidivierenden
depressiven Störung auszuschliessen (act. 2.1).
2.5.2
Gemäss BGE 141 V 281 ergibt sich hinsichtlich der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit, dass
sich sowohl die medizinischen Sachverständigen als auch die Organe der Rechtsanwen-
dung bei ihrer Einschätzung des Leistungsvermögens an den normativen Vorgaben zu
orientieren haben; die Gutachter im Idealfall gemäss der entsprechend formulierten
Fragestellung. Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere
daraufhin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen
Seite 14
gehalten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der
rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen. Im Rahmen der
Beweiswürdigung obliegt es den Rechtsanwendern zu überprüfen, ob in concreto
ausschliesslich funktionelle Ausfälle bei der medizinischen Einschätzung berücksichtigt
wurden und ob die Zumutbarkeitsbeurteilung auf einer objektivierten Grundlage erfolgte.
Die rechtsanwendenden Behörden haben mit besonderer Sorgfalt zu prüfen, ob die
ärztliche Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit auch invaliditätsfremde Gesichtspunkte
(insbesondere psychosoziale und soziokulturelle Belastungsfaktoren) mitberücksichtigt, die
vom sozialversicherungsrechtlichen Standpunkt aus unbeachtlich sind. Wo psychosoziale
Einflüsse das Bild prägen, ist bei der Annahme einer rentenbegründenden Invalidität
Zurückhaltung geboten. Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach
Massgabe des strukturierten Beweisverfahrens stattfinden, sondern überprüft werden, ob
die funktionellen Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und
widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen Vorgaben Rechnung tragen.
Entscheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer
Störung, welche im Rahmen des Sozialversicherungsrechts abschliessend nur aus
juristischer Sicht beantwortet werden kann. Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis
für eine lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur dann
als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im
Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in
allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt. Fehlt
es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln
über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenansprechenden Person auswirkt
(Urteil des Bundesgerichts 8C_635/2018 vom 21. Dezember 2018 E. 6.1 mit zahlreichen
Hinweisen).
2.5.3
2.5.3.1
Hinsichtlich der Kategorie „funktioneller Schweregrad“, dem Komplex „Gesundheitsschädi-
gung“ und dem Indikator „Komorbiditäten“ brachte die IV-Stelle vor, es lägen keine
erheblichen Komorbiditäten vor (act. 2.1). Im psychiatrischen Teilgutachten wies Dr. M.
_ darauf hin, dass neben der rezidivierenden depressiven Störung zusätzlich eine
generalisierte Angststörung vorliege (IV-act. 64-28/49). Im bidisziplinären Gutachten wird
unter dem Titel „Diagnosen“ ausgeführt, dass keine wesentlichen Wechselwirkungen der
Diagnosen beständen (IV-act. 64-16/49).
Seite 15
Es ist somit festzustellen, dass das Gutachten in diesem Punkt mit der IV-Stelle konform
geht, weshalb die IV-Stelle ihre vom Gutachten abweichende Einschätzung der Arbeits-
fähigkeit nicht mit dem Indikator „Komorbiditäten“ zu begründen vermag.
2.5.3.2
Die IV-Stelle brachte hinsichtlich der Kategorie „funktioneller Schweregrad“, Komplex
„Persönlichkeit“ und Komplex „Sozialer Kontext“ vor, gemäss Gutachten seien dem
Beschwerdeführer gute Ressourcen zuzuschreiben. Er habe eine gute Beziehung zu den
Kindern wie auch zur Ehefrau, einen relativ aktiven Tagesablauf und pflege Kontakte mit
Freunden sowohl innerhalb als auch ausserhalb seines Zuhauses (act. 2.1). Im
psychiatrischen Teilgutachten wird ausgeführt, dass sich von der Persönlichkeit her selbst-
unsichere und abhängige Persönlichkeitszüge zeigen, im Sinne einer Persönlichkeits-
variante. Die soziale Situation – Wohnsituation, finanzielle Situation – sei bislang noch
stabil, wobei der Beschwerdeführer Zukunftsängste in finanzieller Hinsicht habe. Ressource
sei die stabile Beziehung zu den erwachsenen Kindern und auch eine gute emotionale
Unterstützung durch die Ehefrau (IV-act. 64-28/49). In der bidisziplinären Beantwortung der
Fragen wird zusätzlich ausgeführt, dass direkte negative funktionelle Folgen sozialer
Belastungen nicht vorlägen (IV-act. 64-15/49).
Somit ist erneut festzustellen, dass die IV-Stelle mit dem Gutachten in diesem Punkt
übereinstimmt, weshalb die IV-Stelle ihre vom Gutachten abweichende Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit nicht mit dem Komplex „Persönlichkeit“ und Komplex „Sozialer Kontext“ zu
begründen vermag.
2.5.3.3
Hinsichtlich der Kategorie „Konsistenz“, brachte die IV-Stelle vor, unter Berücksichtigung
der Akten sei der Leidensdruck zu hinterfragen. Der Beschwerdeführer habe erst auf Druck
der Invalidenversicherung hin im November und Dezember 2017 eine teilstationäre
psychiatrische Therapie – und damit die minimalste Form der geforderten Therapie –
wahrgenommen. Hinzu komme die passive Verhaltensweise während der Eingliederung.
Entgegen der medizinischen Einschätzung sei eine fünfwöchige teilstationäre Therapie
nach zwei Jahren des Leidens nicht ausreichend lange. Zudem finde die Therapie bei Dr.
D. _ nicht mehr in der angegebenen Regelmässigkeit statt (act. 2.1). Dr. M. _
führte im psychiatrischen Teilgutachten vor, ein behandlungsanamnestisch ausgewiesener
Leidensdruck liege nicht in ausreichender Weise vor. Die erforderliche
Therapieintensivierung, durch welche die Arbeitsfähigkeit und auch die längerfristige
Prognose relevant verbessert werden könne, sei bislang noch nicht zustande gekommen
(IV-act. 64-28f/49). In der bidisziplinären Beantwortung der Fragen wurde darauf hinge-
Seite 16
wiesen, dass der Beschwerdeführer in den bisherigen Therapien keine ausreichende
Kooperation gezeigt habe (IV-act. 64-16/49). Der Umstand, dass er sich zu keinerlei
beruflicher Tätigkeit in der Lage sehe, sei diskrepant zu den Aktivitätenniveaus in den
Bereichen Freizeit und Haushalt (IV-act. 64-18/49).
Auch in diesem Punkt ist festzustellen, dass die IV-Stelle mit dem Gutachten überein-
stimmt, weshalb die IV-Stelle ihre vom Gutachten abweichende Einschätzung der Arbeits-
fähigkeit nicht mit Kategorie „Konsistenz“ zu begründen vermag.
Die Vorbringen der IV-Stelle bezüglich der von den Gutachtern festgestellten deutlichen
Beschwerdebetonung beim Beschwerdeführer sind zutreffend und insofern liegen Hinweise
für eine Aggravation vor (IV-act. 64-17/49 und IV-act. 64-14/49). Die Ausführungen des
psychiatrischen Teilgutachters, wonach insbesondere stark der Eindruck einer
Übertreibung der mit der beim Beschwerdeführer zweifelsohne vorliegenden relativ
ausgeprägten depressiven Symptomatik verbundenen Einschränkungen bestände, lassen
jedoch nicht auf eine klar als solche ausgewiesene Aggravation schliessen (IV-act. 64-
27/49; Urteile des Bundesgerichts 9C_154/2016 vom 19. Oktober 2016 E. 4.3 und
9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 3.1). Damit reicht das Ausmass der von fachärztlicher
Seite her festgestellten deutlichen Beschwerdebetonung nicht zur Verneinung einer
rentenbegründenden Invalidität aus.
2.5.4
Zusammenfassend werden im Gutachten sämtliche von der IV-Stelle vorgebrachten
Gründe, mit welchen sie ihr Abweichen von der im Gutachten getätigten Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit begründet, übereinstimmend mit der IV-Stelle beurteilt. Insofern liegt für die
IV-Stelle kein triftiger Grund vor, der rechtlich ein Abweichen vom Gutachten gebietet.
Vielmehr ist auf das psychiatrische Teilgutachten abzustellen, in welchem schlüssig und
nachvollziehbar erklärt wird, dass beim Beschwerdeführer Fähigkeitsstörungen in den
Bereichen Durchhaltefähigkeit, Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, Kontaktfähigkeit zu
Dritten und Selbstbehauptungsfähigkeit beständen. Die Arbeitsfähigkeit hinsichtlich der
zuletzt ausgeübten Tätigkeit, die unter anderem mit Zeitdruck und Schichtarbeit verbunden
gewesen sei, sei daher aufgehoben. In einer optimal adaptierten Tätigkeit bestehe eine
50%-ige Arbeitsfähigkeit (IV-act. 64-29/49).
2.6
Somit ist vollumfänglich auf das Gutachten abzustellen und beim Beschwerdeführer von
einer 50%-igen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit auszugehen.
Seite 17
2.7
Weder von Seiten des Beschwerdeführers noch von der IV-Stelle wird der in der
angefochtenen Verfügung vorgenommene Einkommensvergleich beanstandet (act. 2.1). Er
ist daher mangels einer entsprechenden Rüge nicht näher zu prüfen, dies umso weniger,
als hierzu auch aufgrund der Akten kein Anlass besteht (BGE 125 V 413 E. 1b und E. 2c).
Ausgehend von einem Valideneinkommen von Fr. 80‘600.-- und einem – unter
Berücksichtigung der 50%-igen Arbeitsfähigkeit – Invalideneinkommen von Fr. 31‘872.--
resultiert eine Erwerbseinbusse von Fr. 48‘728.-- beziehungsweise ein Invaliditätsgrad von
60% (zum Runden: BGE 130 V 121). Bei einem solchen Invaliditätsgrad kann eine
Dreiviertelsrente zugesprochen werden (Art. 28 Abs. 2 IVG).
2.8
Die Beschwerde ist damit gutzuheissen und dem Beschwerdeführer mit Wirkung ab
1. Dezember 2016 eine drei Viertel Invalidenrente zuzusprechen (Art. 28 Abs. 1 i.V.m.
Art. 29 IVG; IV-act. 19).
3. Kosten und Entschädigung
3.1
Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung
oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung kostenpflichtig. Die Vorin-
stanz unterliegt im vorliegenden Verfahren. Da der Vorinstanz gemäss Art. 22 Abs. 1 VRPG
keine Verfahrenskosten auferlegt werden können, werden die Gerichtskosten in der Höhe
von Fr. 800.-- auf die Staatskasse genommen. Die Gerichtskasse wird angewiesen, den
vom Beschwerdeführer geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 800.-- zurückzuerstatten.
3.2
Gemäss Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerde-
führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Versicherungs-
gericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit-
sache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen.
Die Bemessung der Entschädigung richtet sich im Rahmen von Art. 61 lit. g ATSG nach
kantonalem Recht, mithin nach Art. 16 Abs. 1 der Verordnung vom 14. März 1995 über den
Anwaltstarif (AT, bGS 145.53; UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, N. 208 ff zu
Art. 61 ATSG; Urteil des Bundesgerichts 8C_11/2016 vom 22. Februar 2016 E. 3.1).
Vorliegend handelt es sich um einen durchschnittlichen leichten Fall mit durchschnittlicher
Menge an Akten sowie keinen besonders aufwändig zu beantwortenden Sachverhalts- und
Seite 18
Rechtsfragen. Unter diesen Umständen ist der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers mit
Fr. 2‘800.20 (Pauschalhonorar Fr. 2‘500.-- + 4% Barauslagen (= Fr. 100.--) + 7.7% Mehr-
wertsteuer (= Fr. 200.20)) zulasten der Vorinstanz zu entschädigen.