# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 55e15cb2-6f22-4b1c-9438-db2470535698
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. Gemäss der Einvernahme zur Person (act. 2.5) wuchs X._ in der L.1_ auf und kam im Jahre 1989 als Asylant nach L.2_, wo er später in einer Fabrik arbeitete. Im Jahre 2005 reiste er in die L.3_ ein und arbeitete hier bis 2007 in einem Baugeschäft. Im Jahre 2008 begann er als Taxichauffeur bei der Firma A._ in O.1_ zu arbeiten, bis er im Jahre 2010 zusammen mit einem Kollegen die Firma A._, O.2_ kaufte; seither ist er als Selbstständigerwerbender tätig. Laut dem Beschuldigten befindet sich sein Hauptwohnsitz in L.2_, wo auch seine Partnerin und zwei gemeinsame Kinder leben. Er hat eine Wohnung in O.2_, wo er sich unter der Woche aufhält. An Sonntagen hält er sich in der Regel in L.2_ auf. Sein monatliches Einkommen veranschlagt X._ mit CHF 2‘500.00 bis 3‘000.00 netto pro Monat. Vermögen hat er keines, jedoch Schulden aus einem Autoleasing in der Höhe von CHF 15‘000.00. Im Schweizerischen Zentralstrafregister ist der Beschuldigte bis anhin nicht verzeichnet, jedoch bestehen zwei Einträge im Administrativen Massnahmeregister. Am 21. April 2010 wurde eine Verwarnung wegen Missachtung des Vortrittsrechts ausgesprochen und vom 14. Februar 2011 bis 13. März 2011 wurde ihm wegen übersetzter Geschwindigkeit der Führerausweis entzogen (act. 2.2).
B. Am 11. Juni 2012, gleichentags mitgeteilt, erliess die Staatsanwaltschaft Graubünden einen Strafbefehl gegen X._, worin dieser wegen fahrlässiger Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 1 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB; SR 311.0) und der Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 32 Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes (SVG; SR 741.01) und Art. 35 Abs. 5 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG schuldig gesprochen wurde. Hierfür wurde er mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je CHF 60.00, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von 2 Jahren, und mit einer Busse von CHF 800.00, bei schuldhafter Nichtbezahlung ersatzweise mit einer Freiheitsstrafe von 13 Tagen, bestraft. Die Kosten des Verfahrens wurden X._ auferlegt (act. 1.15).
C. Gegen diesen Strafbefehl liess X._ mit Eingabe vom 15. Juni 2012 Einsprache erheben.
D. Mit Verfügung vom 18. September 2012 eröffnete die Staatsanwaltschaft Graubünden eine Strafuntersuchung gegen X._ wegen fahrlässiger Körperverletzung und der Verletzung von Verkehrsregeln.
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E. Mit Parteimitteilung vom 17. Januar 2013 teilte die Staatsanwaltschaft Graubünden den Parteien den Abschluss der Strafuntersuchung gegen X._ mit und stellte eine Anklageerhebung bei Gericht wegen fahrlässiger Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 1 StGB und der Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 32 Abs. 1 SVG und Art. 35 Abs. 5 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG in Aussicht.
F. Daraufhin erhob die Staatsanwaltschaft Graubünden mit Anklageschrift vom 2. April 2013, mitgeteilt am 4. April 2013, wie folgt Anklage gegen X._:
„1. Der Beschuldigte sei der fahrlässigen Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 1 StGB und der Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 32 Abs. 1 SVG und Art. 35 Abs. 5 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG schuldig zu sprechen.
2. Dafür sei er mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je CHF 50.00, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von 2 Jahren, und einer Busse von CHF 800.00, ersatzweise mit einer Freiheitsstrafe von 16 Tagen, zu bestrafen.
3. Die Verfahrenskosten seien dem Beschuldigten aufzuerlegen.“
Die Staatsanwaltschaft Graubünden legte diesen Anträgen folgenden Sachverhalt zugrunde:
„ 1. Sachverhalt
Fahrlässige Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 1 StGB und Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 32 Abs. 1 SVG und Art. 35 Abs. 5 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG
Am 3. September 2011, um ca. 22.40 Uhr, lenkte der Beschuldigte den Personenwagen B._, Kontrollschild _, auf der Verbindungsstrasse von O.3_ kommend in Richtung O.4_. Er fuhr dabei mit einer den Umständen - es war dunkel und die Fahrbahn war nass - nicht angepassten Geschwindigkeit. Er übersah deshalb, dass die vor ihm fahrende Y._ links blinkte und beabsichtigte, in eine Nebenstrasse abzubiegen, worauf es zur Kollision zwischen dem Fahrzeug des Beschuldigten und demjenigen von Y._ kam.
Y._ erlitt aufgrund der Kollision ein cervicocephales Beschleunigungstrauma, welches eine 16-tägige mindestens teilweise Arbeitsunfähigkeit, eine dreimonatige medizinische Behandlung und eine physiotherapeutische Behandlung bis im Sommer 2012 nötig machte. Zudem wurden die Mitfahrer des Beschuldigten und die Beifahrerin von Y._ durch das Verhalten des Beschuldigten gefährdet.
Y._ liess am 14. Oktober 2011 durch ihren Rechtsvertreter Strafantrag wegen Körperverletzung stellen.“
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Die Staatsanwaltschaft Graubünden fügte ihrer Anklage einen Schlussbericht im Sinne von Art. 326 Abs. 2 der Schweizerischen Strafprozessordnung (StPO; SR 312.0) bei.
G. Mit Verfügung vom 10. April 2013 wurden die Parteien auf den Mittwoch, 29. Mai 2013, 9.00 Uhr zur Hauptverhandlung vor dem Bezirksgericht O.2_ vorgeladen. Auf Gesuch vom 28. Mai 2013 hin, wurde Y._ mit Verfügung gleichen Datums von der Teilnahme an der Hauptverhandlung dispensiert. Gleichzeitig wurde der damalige Rechtsvertreter von Y._ darauf hingewiesen, Letztere habe am 8. Oktober 2012 eine Privatklage eingereicht und Schadenersatz in der Höhe von CHF 2‘000.00 geltend gemacht (act. 3.11 und 12); im entsprechenden Formular habe sie angegeben, dass sie diese Forderung spätestens im Parteivortrag vor Gericht beziffern und begründen würde. Sollte bis zur Hauptverhandlung keine schriftliche Begründung dieses Antrags eingehen, müsse die Klage auf den Zivilweg verwiesen werden.
H. Anlässlich der Hauptverhandlung wurden die Anträge der Staatsanwaltschaft bekannt gegeben. Y._ war aufgrund der vorgenannten Dispensation nicht zugegen und begründete ihre Zivilforderung von CHF 2‘000.00 entsprechend nicht. X._ beantragte, der Strafbefehl vom 11. Juni 2012 sei aufzuheben und er sei vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 1 StGB sowie der Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 32 Abs. 1 SVG und Art. 35 Abs. 5 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG frei zu sprechen; unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge.
I. Im Anschluss an die Verhandlung wurde der Entscheid des Bezirksgerichts O.2_ mit einer kurzen Begründung mündlich eröffnet. Das schriftliche Urteilsdispositiv wurde den Parteien gleichentags mitgeteilt. Das Gericht erkannte wie folgt:
„1. X._ ist schuldig der fahrlässigen Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 1 StGB und der Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 32 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG. Vom Vorwurf der Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 35 Abs. 5 SVG wird er freigesprochen.
2. Dafür wird er mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je CHF 50.00, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von 2 Jahren, und einer Busse von CHF 600.00, ersatzweise mit einer Freiheitsstrafe von 12 Tagen, bestraft.
3. Die Adhäsionsklage von Y._ wird auf den Zivilweg verwiesen.
4. Die Verfahrenskosten, bestehend aus:
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- der Untersuchungsgebühr der Staatsanwaltschaft Graubünden CHF 2‘400.00
- den Auslagen der Staatsanwaltschaft Graubünden CHF 476.00
- der Gerichtsgebühr des Bezirksgerichts O.2_ (ohne Begründung)
CHF 2‘000.00
total somit CHF 4‘876.00
werden vollumfänglich dem Verurteilten auferlegt, welchem keine Prozessentschädigung ausgerichtet wird.
Die Voraussetzungen von Art. 82 Abs. 1 StPO sind erfüllt und das Gericht verzichtet auf eine schriftliche Begründung des Urteils. Wird innert 10 Tagen nach Zustellung des Dispositivs ein begründetes Urteil verlangt oder ein Rechtsmittel erhoben (vgl. Art. 82 Abs. 2 StPO), wird die Gerichtsgebühr um CHF 1‘000.00 erhöht (vgl. Art. 6 VGS; BR 350.210). Die Verfahrenskosten zu Lasten des Verurteilten belaufen sich in diesem Fall auf CHF 5‘876.00.

## Considerations