# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d512faaa-655b-46cd-9faf-534e700ed112
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2009
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
I. Sachverhalt
Seite 2 — 14
A. Y. und X. sind Miteigentümer je zur Hälfte der Parzelle Nr. A., Z. ist Eigentümer der Parzelle Nr. B. und W. und V. sind Miteigentümer je zur Hälfte der Parzelle Nr. C., alle Grundstücke eingetragen im Grundbuch der Gemeinde G.. Der I. steht ein Grundpfand zu Lasten der Parzelle Nr. C. zu. Die Parzellen Nrn. B. und A. grenzen südlich an die Parzelle Nr. C. von W. und V. Die Grenze zwischen den Parzellen befindet sich auf einem gemeinsamen Weg. Diese Zufahrtsstrasse führt von der N., welche unmittelbar westlich an den Parzellen Nrn. C. und B. vorbeiführt, zur Parzelle Nr. E., auf welcher sich das Weingut H. befindet. Zugunsten der Parzellen Nrn. A., B., C. und E. besteht jeweils ein Fuss- und Fahrwegrecht auf dieser Zufahrtsstrasse.
B.1. Im Jahr 1955 fand in G. im Rahmen der Einführung des eidgenössischen Grundbuchs die Servitutenbereinigung statt. Zu diesem Zeitpunkt stellten sich die Eigentumsverhältnisse an den fraglichen Grundstücken wie folgt dar:
Die heutige Parzelle Nr. C. war damals in zwei Parzellen aufgeteilt (Nr. C. und Nr. D.). Die Parzelle Nr. C. gehörte zu diesem Zeitpunkt J.. Auf diesem Grundstück befanden sich ein Wohnhaus sowie ein Stall mit Schopf. Die Parzelle Nr. D. stand im Eigentum von M., dem Ehemann von J. Zum Zeitpunkt der Servitutenbereinigung war M. gemäss Darstellung von Y. und X. sowie Z. (Replik, S. 2) bereits verstorben. Auf der Parzelle Nr. D. befand sich ein Baumgarten. Im Wohnhaus Vers.-Nr. 214 auf der Parzelle Nr. C. lebte damals gemäss den Angaben in der Prozesseingabe (S. 4) die betagte Mutter von J., welche über ein lebenslanges Wohnrecht verfügt habe. Wie damals üblich, habe diese einige Kleintiere gehalten und auf der Ostseite einen Gemüse- und Obstgarten unterhalten. W. und V. bestritten sowohl in der Prozessantwort (S. 10) als auch in der Duplik (S. 3) diese Ausführungen zur damaligen Bewohnerin und ihrer Art der Bewirtschaftung. Wie den Akten entnommen werden kann, war auf Parzelle Nr. C. erst ab 1973 ein Wohnrecht zugunsten von J. eingetragen, nach der Abtretung der Grundstücke an ihre Tochter (bB 2). Wer die beiden berechtigten Parzellen wie bewirtschaftet hat, ist damit unbekannt. Von W. und V. zugestanden ist aber, dass es sich bei der Fläche, welche Gegenstand von Grundstück Nr. D. bildete, bereits vor 1955 und bis zum heutigen Tag um den Garten zum Wohnhaus auf Parzelle Nr. C. handelte. Ebenfalls ergibt sich aus den Akten (bB 3), dass es sich bei Parzelle Nr. D. um einen Baumgarten mit 476 m2 Fläche handelte.
Die Parzellen Nrn. C. und D. wurden im Jahr 1973 vereinigt und unter der Parzellennummer C. weitergeführt. Das alte Wohnhaus sowie der Stall mit Schopf wurden abgebrochen und das heute noch bestehende Mehrfamilienhaus gebaut.
Seite 3 — 14
Die heutigen Parzellen Nrn. B. (Z.) und A. (Y. und X.) bildeten ursprünglich eine einzige Parzelle, welche im Jahr 1955 im Eigentum der K. AG befand. Letztere betrieb auf diesem Grundstück eine Eisenbauwerkstätte. Nebst den später abgebrochenen Gewerberäumlichkeiten (Vers.-Nr. 215-A) befand sich auf dem Grundstück auch das heute noch bestehende Wohnhaus mit der Vers.-Nr. 215. Dieses Wohnhaus steht im Eigentum von Z. Vom damaligen Grundstück Nr. B. wurde im Jahr 2000 die heutige Parzelle Nr. A. abgetrennt. Y. und X. erwarben dieses Grundstück noch im gleichen Jahr und liessen darauf ein Einfamilienhaus mit Doppelgarage erstellen.
2. Im Rahmen der besagten Servitutenbereinigung im Jahre 1955 wurden die bis anhin ausgeübten Fuss- und Fahrwegrechte bereinigt und ins Grundbuch eingetragen. Den Akten lässt sich entnehmen, dass einzig in Bezug auf die Parzellen Nrn. B. und C. eine gegenseitige Ausstattung mit Fuss- und Fahrwegrechten erfolgte. Entgegen der Ausführungen der Vorinstanz erfuhr die Parzelle Nr. D. einzig eine Berechtigung, und zwar sowohl zulasten der Parzelle Nr. B. als auch zulasten der Parzelle Nr. C. (vgl. bB 3). Ebenso wurde die Parzelle Nr. E. ausschliesslich mit einem Recht ausgestattet, ebenfalls zulasten der Parzellen Nr. B. und C.; weder zugunsten der Parzelle Nr. B. (vgl. kB 3) noch zugunsten der Parzellen Nrn. C. und D. (bB 2 und 3) wurde ein Wegrecht über die Parzelle Nr. E. eingetragen.
Im Protokoll der Bereinigungskommission vom 23. Februar 1954 wird die Dienstbarkeit zugunsten der damaligen Grundstücke Nrn. C. und D. und zulasten des Grundstücks Nr. B. wie folgt beschrieben (kB 10): “Zugangs- u. Zufahrtsrecht zu Hof u. Garten hinterm Haus über gemeinsamen Weg mit Parz. B. zur Bewirtschaftung“. Die Anmeldung der damaligen Eigentümerin J. (kB 10) vom 16. September 1953 betraf nur die Parzelle Nr. C. J. beschrieb die fragliche Dienstbarkeit (zugunsten der Parzelle Nr. C.) folgendermassen: “Zugangs- u. Zufahrtsrecht zu Hof u. Garten hinterm Haus über gemeinsamen Weg mit Parz. B.“. Für die Parzelle Nr. D. liegt keine Erklärung des berechtigten Eigentümers im Recht.
C. Sowohl bei der Vereinigung der Parzellen Nrn. C. und D. zu der Parzellennummer C. wie auch bei der Aufteilung des Grundstücks Nr. B. blieben die erwähnten Dienstbarkeiten auf den bisherigen Parzellen bestehen beziehungsweise wurden auch auf die neu entstandenen Grundstücke übertragen.
D. V. und W. beabsichtigen, das bestehende Gebäude auf der Parzelle Nr. C. abzubrechen und durch einen Neubau mit Einstellhalle und Autounterstand zu
Seite 4 — 14
ersetzen. Das erste Baugesuch datiert vom 20. Dezember 2006 und wurde im Februar 2007 vorläufig sistiert. Ein neues Baugesuch wurde im Mai 2007 eingereicht und sodann wieder zurückgezogen. Am 29. Januar 2008 reichten V. und W. ein überarbeitetes Baugesuch ein. Gegen dieses Baugesuch liessen Y. und X. Baueinsprache erheben. Mit Entscheid vom 17. April 2008 wies die Baukommission G. die Einsprache ab. Gleichzeitig wurde der Baubescheid erlassen. Gegen den Einspracheentscheid und Baubescheid Nr. L. der Baukommission G. liessen Y. und X. Einsprache beim Gemeindevorstand G. erheben. Unter anderem liessen die Einsprecher eine Sistierung des Einspracheverfahrens bis zum Vorliegen des privatrechtlichen Entscheids betreffend Löschung der Dienstbarkeit beantragen. Mit Entscheid vom 26. Juni 2008 wies der Gemeindevorstand G. die Einsprache ab und hielt fest, dass aus Sicht des Gemeindevorstands die Voraussetzungen für eine Sistierung des Verfahrens nicht gegeben seien (kB 12).
E. Y. und X. sowie Z. vertreten die Auffassung, dass es sich beim Fuss- und Fahrwegrecht zugunsten der Parzelle Nr. C. um eine Dienstbarkeit mit rein landwirtschaftlichem Zweck handle, welche seit Bestehen der heutigen Überbauung – abgesehen von einer geringfügigen Belastung der Parzelle Nr. B. für die Einfahrt zu den drei Garagen - nicht mehr ausgeübt worden sei. Mit dieser Begründung liessen sie im vorliegenden Verfahren die Löschung der besagten Dienstbarkeit beantragen.
F. Y. und X. sowie Z. instanzierten das Verfahren gegen V. und W. sowie gegen die I. am 9. Mai 2008 beim Kreispräsidenten Maienfeld. Nach erfolglos verlaufener Sühneverhandlung vom 9. Juni 2008 wurde am 20. Juni 2008 der Leitschein mit folgenden Rechtsbegehren ausgestellt:
„1. Die Fuss- und Fahrwegrechte zugunsten des Grundstücks Nr. C. und zulasten der Grundstücke Nrn. B. und A. im Grundbuch der Gemeinde G. seien aufzuheben.
2. Das Grundbuchamt Landquart sei anzuweisen, die Fuss- und Fahrwegrechte zugunsten des Grundstücks Nr. C. und zulasten der Grundstücke Nrn. B. und A. im Grundbuch der Gemeinde G. zu löschen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beklagten.“
W. und V. und die I. liessen die kostenfällige Abweisung der Klage beantragen.
G. Mit Prozesseingabe vom 18. August 2008 prosequierten Y. und X. sowie Z. den Leitschein mit unveränderten Rechtsbegehren an das Bezirksgericht Landquart. W. und V. liessen mit Prozessantwort vom 29. September 2008 die kostenfällige Abweisung der Klage beantragen. Die I. beantragte mit
Seite 5 — 14
Prozessantwort vom 9. September 2008 ebenfalls die kostenfällige Abweisung der Klage. Unter anderem führte sie aus, das Kreisamt Maienfeld habe am 14. Mai 2008 zur Sühneverhandlung vom 9. Juni 2008 betreffend Grundbuchberichtigungsklage/Löschung einer Dienstbarkeit geladen. An der Sühneverhandlung hätten Y. und X. sowie Z. ihre Rechtsbegehren jedoch auf die Aufhebung und Löschung der fraglichen Fuss- und Fahrwegrechte beschränkt. Die I. bilde bezüglich der Aufhebung der in Frage stehenden Dienstbarkeiten keine Streitgenossenschaft mit W. und V., so dass sich die Klage gegen die falsche Partei richte. Wegen fehlender Passivlegitimation sei die Klage gegen die I. abzuweisen.
In ihrer Replik vom 17. November 2008 hielten Y. und X. sowie Z. unverändert an ihren Anträgen gemäss Prozesseingabe vom 18. August 2008 fest. Ebenso bestätigten W. und V. in ihrer Duplik vom 10. Dezember 2008 ihre Anträge gemäss Prozessantwort vom 29. September 2008. Am 19. Januar 2009 reichten Y. und X. sowie Z. dem Bezirksgericht Landquart eine Stellungnahme im Sinne von Art. 87 Abs. 2 ZPO ein.
H. Die Hauptverhandlung vor Bezirksgericht Landquart wurde auf den 25. März 2009 einberufen. Im Anschluss an die Plädoyers fand ein Augenschein an der N. in G. in Anwesenheit des Gerichts, der Parteienvertreter sowie Y. und V. statt. Anlässlich dieses Augenscheins konnten sich die Parteien zu den örtlichen Gegebenheiten äussern.
I. Mit Urteil vom 25. März 2009, mitgeteilt am 7. Mai 2009, erkannte das Bezirksgericht Landquart:
„1. Die Klage gegen die I. wird infolge Rückzuges als gegenstandslos vom Geschäftsverzeichnis des Bezirksgerichts Landquart abgeschrieben.
2. Die Klage gegen V. und W. wird vollumfänglich abgewiesen.
3. Die Kosten des Kreisamtes Maienfeld in Höhe von Fr. 250.-- sowie die Kosten des Verfahrens vor Bezirksgericht Landquart, bestehend aus:
- einer Gerichtsgebühr von Fr. 3'465.00 - einer Schreibgebühr von Fr. 639.00 - den Barauslagen von Fr. 396.00 - einem Streitwertzuschlag von Fr. 2'000.00 total somit Fr. 6'500.00
werden unter solidarischer Haftung den Klägern auferlegt.
Die Kläger werden darüber hinaus gerichtlich und unter solidarischer Haftung verpflichtet, an V. und W. eine ausseramtliche Entschädigung in Höhe von Fr. 6'000.-- zu bezahlen (gesetzliche Mehrwertsteuer darin enthalten).
Seite 6 — 14
4. (Mitteilung)“
J. Dagegen liessen Y. und X. sowie Z. am 25. Mai 2009 Berufung an das Kantonsgericht von Graubünden erklären. Sie beantragen:
„1. Die Ziff. 2. und 3. des Dispositivs des angefochtenen Urteils des Bezirksgerichts Landquart vom 25. Mai 2009 (recte: 25. März 2009), eingegangen am 7. Mai 2009 (Proz.-Nr. 110-2008-21) seien aufzuheben.
4. Die Fuss- und Fahrwegrechte zugunsten des Grundstücks Nr. C. und zulasten der Grundstücke Nrn. B. und A. im Grundbuch der Gemeinde G. seien aufzuheben.
5. Das Grundbuchamt Landquart sei anzuweisen, die Fuss- und Fahrwegrechte zugunsten des Grundstücks Nr. C. und zulasten der Grundstücke Nr. B. und A. im Grundbuch der Gemeinde G. zu löschen.
6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge (zuzüglich 7.6% MWST) zulasten der Beklagten und Berufungsbeklagten für beide Instanzen.“
Das Bezirksgericht Landquart hatte mit Schreiben vom 26. Mai 2009 auf eine Stellungnahme verzichtet.
K. Am 2. Juni 2009 liessen sodann W. und V. Anschlussberufung gegen das Urteil des Bezirksgerichts Landquart vom 25. März 2009, mitgeteilt am 8. Mai 2009, erheben, mit folgenden Anträgen:
„1. Ziff. 3 des angefochtenen Entscheides sei dahingehend abzuändern, als die Kläger W. und V. mit Fr. 12'984.65 zu entschädigen haben.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Kläger und Berufungskläger.“
Die Vorinstanz liess sich am 5. Juni 2009 dazu vernehmen.
L. Am 1. September 2009 fand die mündliche Berufungsverhandlung vor dem Kantonsgericht statt. Einleitend verlas die Vorsitzende die Anträge der Berufung beziehungsweise Anschlussberufung. Sodann befragte die Vorsitzende der I. Zivilkammer die Parteien zur Höhe des Streitwertes. Während die Kläger die Meinung vertraten, dass der Streitwert höchstens zwischen Fr. 10'000.-- und Fr. 15'000.-- liege, da das Grundstück auch ohne die fragliche Dienstbarkeit erschlossen werden könne, erklärten die Beklagten, der Streitwert betrage über Fr. 100'000.--, es sei zu bedenken, dass bereits der Planungsaufwand mehrere Fr. 10'000.-- in Anspruch genommen habe.
Im Anschluss nahmen die Rechtsvertreter der Parteien in ihren Plädoyers zu der Berufung beziehungsweise Anschlussberufung Stellung. Rechtsanwalt Janett hielt in seinem Parteivortrag an den Anträgen gemäss Berufungserklärung vom 25. Mai
Seite 7 — 14
2009 fest. Rechtsanwalt Buchli bestätigte ebenfalls seine in der Anschlussberufungserklärung vom 2. Juni 2009 gestellten Anträge. Rechtsanwalt Janett und Rechtsanwalt Buchli gaben von ihren Vorträgen eine schriftliche Ausfertigung zu den Akten.
Auf die Begründungen der Berufungsanträge und die Erwägungen im angefochtenen Urteil ist, soweit sachdienlich, in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen.
II. Erwägungen
1. a) Nach Art. 218 Abs. 1 ZPO kann die Berufung an das Kantonsgericht ergriffen werden gegen Urteile der Bezirksgerichte im Sinne von Art. 19 ZPO. Die Zulässigkeit der Berufung in vermögensrechtlichen Streitigkeiten ist über die Verweisung auf Art. 19 ZPO demnach an die Voraussetzung der sachlichen Zuständigkeit des Bezirksgerichts und diese wiederum an das Vorhandensein eines Mindeststreitwerts von 8'000 Franken geknüpft (Art. 19 Ziff. 1 ZPO). Das im  Urteilszeitpunkt noch im Streit liegende Interesse muss diesen Wert übersteigen. Das ist vorliegend unstreitig der Fall, bezifferten doch sowohl die Kläger als auch die Beklagten den Streitwert anlässlich der mündlichen Hauptverhandlung vor Kantonsgericht auf einen Betrag von über Fr. 8'000.--. Von einem solchen ist auch das Bezirksgericht Landquart ausgegangen (vgl. Urteil S. 7). Der Berufungsstreitwert ist im vorliegenden Fall zweifellos erreicht. Die Zuständigkeit des Kantonsgerichts von Graubünden zur Beurteilung der vorliegenden Streitsache als Berufungsinstanz ist damit gegeben.

## Considerations