# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** a18f30a4-3f48-4d2c-8278-b366d4a390e4
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1984, hat in den Jahren 2001 bis 2005 eine Ausbildung zum Koch absolviert und arbeitete danach in diese
m Beruf an verschiedenen Stellen
(vgl.
Urk.
2/18-24,
Urk.
19/3/1-3+9-16,
Urk.
19/6,
Urk.
19/7/2-3).
Zwi
-
schenzeitlich
bezog er Leistungen der Arbeitslosenversicherung, zuletzt ab dem
4.
Februar 2009 bei einer Vermittlungsfähigkeit von 100
%
(
Urk.
19/14/3-4)
.
Wegen einer psychischen Beeinträchtigung, welcher er sich seit 2007 bewusst sei, meldete
d
er
Versicherte
sich am
7.
Mai 2010 (Eingangsdatum) bei der Inva
liden
versicherung zum Leistungsbezug an
(
Urk.
19/4)
.
Die
Sozialversi
cherungs
-
anstalt des
Kan
tons Zürich, IV-Stelle, nahm diverse Abklärungen
vor und führte
Integrations
massnahmen
durch. Mit Verfügu
ngen vom
7.
November 2013 (Urk.
19/154) bzw. 13. Dezember 2013 (
Urk.
19/174) sprach sie
X._
basierend auf einem Invaliditätsgrad
von 100
%
mit Wirkung ab dem 1.
November 2010 eine ganze Invalidenrente und basierend auf einem
Invalidi
tätsgrad
von 60
%
mit Wirkung ab dem
1.
September 2013 eine
Dreiviertels
rente
zu
. Den Beginn der einjährigen Wartezeit legte die IV-Stelle auf Januar 2009 fest (vgl.
Urk.
19/151).
Die Verfügungen eröffnete sie unter anderem auch der
GastroSocial
Pensionskasse. Sie wuchsen unangefochten in Rechtskraft.
2.
Am
6.
Juni 2014 erhob
X._
durch Rechtsanwältin Pia Dennler gegen die
GastroSocial
Pensionskasse
(Beklagte 1)
, eventualiter gegen die Stiftung
Auffang
einrichtung
BVG
(Beklagte 2)
Klage
mit folgendem Rechtsbegehren (
Urk.
1 S. 3):
„Die Beklagte 1,
evt
. die Beklagte 2 sei dazu zu verpflichten, dem Kläger die statutarischen Leistungen der beruflichen Vorsorge zufolge Invalidität zu erbringen.“
und den einzelnen Anträgen (
Urk.
1 S. 3 f.):
„1.
Es sei die Beklagte 1 zu verpflichten, dem Kläger rückwirkend per 1. November 2009 bis 3
1.
August 2013 die versicherte jährliche Invaliden
rente im Betrag von
Fr.
12‘040.00 (
Fr.
1‘003.00 monatlich) zuzüglich 5
%
Verzugszins ab Klageeinleitung zu bezahlen.
2.
Es sei die Beklagte 1 zu verpflichten, dem Kläger rückwirkend ab 1. September 2013 die versicherte jährliche Invalidenrente von
Fr.
8‘483.06 (
Fr.
706.92 pro Monat) bei einem Invaliditätsgrad von 75
%
zu bezahlen, zuzüglich 5
%
Zins ab Klageeinleitung.
3.
Im Sinne einer Vorleistung sei die Beklagte 1 zu verpflichten, während der Dauer des Verfahrens Vorleistungen zufolge Teilinvalidität bei einem
Inva
liditätsgrad
von 75
%
(mindestens
Fr.
9‘376.75 jährlich bzw.
Fr.
781.40 pro Monat) ab Klageeinleitung an die Stadt
Y._
, Amt für Zusatzleistun
gen, zu Gunsten der laufenden Rechnung des Klägers zu überweisen. Diese Zahlung sei auf die Verpflichtung gemäss
Ziff.
2 anzurechnen.
4.
Eventuell
Es sei die Beklagte 2 zu verpflichten, dem Kläger rückwirkend ab 1. November 2009 bis 3
1.
August 2013 die versicherte jährliche Invaliden
rente in anhand der vorhandenen Altersguthaben zu ermittelnden Betrag einer
vollen
Invalidenrente zuzüglich 5
%
Verzugszins ab Klageeinleitung zu bezahlen.
Die Beklagte 2 sei ferner zu verpflichten, dem Kläger rückwirkend ab 1. September 2013 die versicherte jährliche Dreiviertels-Invalidenrente zu bezahlen, zuzüglich
5
%
Zins ab Klageeinleitung.
Bei unklarer Anspruchszuständigkeit sei die Beklagte 2 zumindest ins vorlie
gende Verfahren beizuladen.
5.
Subeventuell
Es sei über den Gesundheitszustand des Klägers ein gerichtliches
Obergutach
ten
einzuholen und hernach über den Rentenanspruch ab 1. September 2013 nach Anhörung des Klägers gerichtlich zu entscheiden.
6.
Es sei ein
zweiter Schriftenwechsel durchzuführen.
7.
Eventuell
Es sei dem Kläger unter Vorbehalt von Antrag
Ziff.
8 die unentgeltliche
Pro
zessführung
zu bewilligen, und ihm in der Person der Unterzeichneten eine unentgeltliche Rechtsvertreterin zu bestellen, soweit die Beklagte nicht zur Übernahme der Gerichtskosten und zu
r
Bezahlung einer
Prozess
ent
schädigung
verpflichtet wird.
8.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beklagten.“
Die Beklagte 1 beantragte mit Klageantwort vom 2
8.
Juli 2014 die vollum
fängli
che Abweisung der Klage (
Urk.
9). Die Beklagte 2 ersuchte mit
Klage
ant
wort
vom 1
1.
September 2014 um Abweisung der Klage, sofern sie gegen sie gerichtet sei (
Urk.
14). Mit Verfügung vom 1
5.
September 2014 (Urk. 16) zog das Gericht die Akten der Invalidenversicherung bei (
Urk.
19/1-199). Mit Verfü
gung vom 2
3.
Oktober 201
4
wurde dem Kläger Rechtsanwältin Dennler als unentgeltliche Rechtsvertreterin für das vorliegende Verfahren bestellt (
Urk.
20). Mit Replik vom 1
5.
Januar 2015 stellte der Kläg
er folgende
neue Anträge (Urk.
25 S.
2):
„
1.
Es sei die Beklagte 1 zu verpflichten, dem Kläger rückwirkend ab 1. November 2010 bis 3
1.
August 2013 eine Invalidenrente auf einen
Inva
liditätsgrad
von 100
%
zu bezahlen, zuzüglich 5
%
Zins ab Klageeinleitung.
2.
Es sei die Beklagte 1 zu verpflichten, dem Kläger rückwirkend ab 1. September 2013 eine Invalidenrente gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 60
%
zu bezahlen, zuzüglich 5
%
Zins ab Klageeinleitung.
3.
wird zurückgezogen.
4.
Eventuell
Es sei die Beklagte 2 zu verpflichten, dem Kläger rückwirkend ab 1. November 2010 bis 3
1.
August 2013 die versicherte
jährliche Invaliden
rente auf Basis eines Invaliditätsgrads von 100
%
, ab 1. September 2013 eine solche auf Basis eines Invaliditätsgrads von 60
%
zu bezahlen, zuzüg
lich dem statutarischen Verzugszins.
5.
Subeventuell
Es sei über den Gesundheitszustand des Klägers ein gerichtliches
Ober
gutach
ten
einzuholen und hernach über den Anspruch des Klägers auf eine Invalidenrente der beruflichen
Vorsorgung
durch die Beklagte 1 oder die Beklagte 2 nach Anhörung des Klägers gerichtlich zu entscheiden.
6.
Bewilligt.
7.
Bewilligt.
“
Die Beklagte 1 mit Duplik vom 1
3.
Februar 2013 (
Urk.
30) sowie die Beklagte 2 mit Duplik vom 1
8.
Mai 2015 (
Urk.
36) hielten an ihren Anträgen auf Ab
wei
sung der Klage fest, was dem Kläger am 2
0.
Mai 2015
(Urk. 37) mitgeteilt wurde
. Dieser reichte unaufgefordert unter der Bezeichnung „Rekapitulation“ am 1
0.
Juni 2015 eine weitere Eingabe ein (
Urk.
38). Neue Anträge stellte er zwar nicht, in seinen Ausführungen ersuchte er aber nunmehr um den Erlass von vorsorglichen Massnahmen betreffend Vorleistungspflicht zu Lasten der Beklagten 2 gestützt auf
Art.
22
Abs.
4 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Invaliden- und
Hinterlassenenvorsorge
(BVG), mithin also um Vor
leis
tung von
Hinterlassenenleistungen
(Urk.
38 S. 2).
Diese Eingabe wurde den Beklagten am 1
5.
Juni 2015 zugestellt (
Urk.
39).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Der Kläger stellte in der Klageschrift vom
6.
Juni 2014 den Antrag, i
m Sinne einer Vorleistung sei die Beklagte 1 zu verpflichten, während der Dauer des Verfahrens Vorleistungen zufolge Teilinvalidität bei einem Invaliditätsgrad von 75
%
(mindestens
Fr.
9‘376.75 jährlich bzw.
Fr.
781.40 pro Monat) ab
Klage
einleitung
an die Stadt
Y._
, Amt für Zusatzleistungen, zu Gunsten der laufenden Rechnung des Klägers zu überweisen. Diese Zahlung sei auf die Ver
pflicht
ung gemäss
Ziff.
2 anzurechnen (
Urk.
1 S. 3).
Diesen Antrag zog
er
in der Replik vom 1
5.
Januar 2015 (
Urk.
1 S. 2) zurück. Die Beklagte 1 wäre denn
auch nicht vorleistungspflichtig im S
inne von
Art.
26
Abs.
4 BVG, da
es sich bei ihr nicht um jene Vorsorgeeinrichtung handelt, welcher der Kläger zuletzt angehört hat, sondern dies ist die Beklagte
2.
1.2
Gege
n die Beklagte 2 hat der Kläger
weder in der Klageschrift noch in der Rep
lik einen Antrag auf die Erbringung von Vorleistungen
gestellt
.
Er hat jedoch
in der Eingabe vom 1
0.
Juni 2015 (
Urk.
38
S. 2
) darum ersucht, die Beklagte 2 zur Erbringung von
Vorleistungen zu verpflichten.
Es ist dabei aber nicht
klar
, in welchem Umfang der Kläger Vorleistungen von der Beklagten
2
verlangt. Ebenso wenig ist ersichtlich, ob er - wie im ursprünglich gegenüber der Be
klagten 1 gestellten Antrag - die Bezahlung an die Stadt
Y._
oder an sich selbst fordert. Soweit er sodann Vorleistungen gestützt auf
Art.
22
Abs.
4 BVG verlangt, ist festzuhalten, dass es sich dabei um
Hinterlassenenleistungen
handelt, welche vorliegend offensichtlich nicht geschuldet sind. Insgesamt ist damit festzuhalten, dass der Kläger bezüglich der
vorsorglichen Massnahmen keinen
klaren Antrag gestellt
hat, weshalb darauf nicht einzutreten ist.
Für die Anordnung vorsorglicher Massnahmen von Amtes wegen (vgl.
Art.
17
Abs.
2 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht [
GSVGer
]) besteht kein Anlass.
Zu beachten ist dabei, dass die Vorleistungspflicht voraussetzt, dass grund
sätz
lich ein Leistungsanspruch gegeben und lediglich unge
wiss ist, welchen Versi
cherer eine Leistungspflicht trifft (BGE 136 V 131 E. 1.1.3 und 1.3.2).
Vorlie
gend stellt sich die Beklagte 1 aber auf den Standpunkt, dass
der Kläger schon vor Antritt des bei ihr versicherten Arbeitsverhältnisses zu mindestens 20 % in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt gewesen ist
und es sich bei den
bei ihr versicherten
Arbeits
verhältnissen lediglich um Arbeitsversuche gehandelt hat. Mithin ist vorliegend
gerade
die Frage strittig, ob der Kläger überhaupt einen Anspruch auf Invalidenleistung
en aus beruflicher Vorsorge hat und es lässt sich keine eindeutige Prognose stellen, wie diesbezüglich in der Hauptsache zu ent
scheiden ist.
Es besteht damit die Gefahr, dass die Beklagte 2 zu Unrecht Leis
tungen ausrichten müsste, welche sie vom Kläger nicht mehr zurückfordern könnte. Da der Kläger eine Rente der Invaliden
versicherung sowie
Ergänzungs
leistungen
erhält, ist ausserdem sein Existenzbedarf gesichert, weshalb sein In
teresse
an der Zusprechung
von Vorleistungen geringer zu gewichten ist als das Interesse de
r Beklagten 2, keine Vorleistungen erbringen zu müssen, welche bei Verneinung des Anspruchs vom Kläger mangels Leistungsfähigkeit nicht mehr
rückforderbar
sind. Wäre auf den Antrag betreffend vorsorgliche Massnahmen einzutreten, müsste er
somit
abgewiesen werden.
2.
2.1
Invalidenleistungen der obligatorischen beruflichen Vorsorge werden von der
jenigen Vorsorgeeinrichtung geschuldet, welcher der Ansprecher bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, angeschlossen war (Art. 23
lit
. a BVG). Die Leistungspflicht setzt einen engen sachlichen und zeitli
chen Zusammenhang zwischen der während der Dauer des
Vorsorge
verhältnis
ses
(einschliesslich der Nachdeckungsfrist nach Art. 10 Abs. 3 BVG) bestande
nen Arbeitsunfähigkeit (Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bis
he
rigen Beruf von zumindest 20 Prozent; BGE 136 V 65 E. 3.1 S. 68; 134 V 20 E. 3.2.2 S. 23; SVR 2008 BVG Nr. 34 S. 143 E. 2.3 mit Hinweisen, 9C_127/2008) und der allenfalls erst später eingetretenen Invalidität voraus (BGE 130 V 270 E. 4.1 S. 275).
2.2
Der sachliche Konnex ist gegeben, wenn der Gesundheitsschaden, der zur Ar
beitsunfähigkeit geführt hat, im Wesentlichen der gleiche ist wie derjenige, auf welchem die Erwerbsunfähigkeit beruht (BGE 134 V 20 E. 3.2 S. 22).
2.3
Die Annahme eines engen zeitlichen Zusammenhangs setzt voraus, dass die ver
sicherte Person nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Inva
lidität geführt hat, nicht während längerer Zeit wieder arbeitsfähig war. Bei der Prüfung dieser Frage sind die gesamten Umstände des konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen, namentlich die Art des Gesundheitsschadens, dessen prognos
ti
sche Beurteilung durch den Arzt sowie die Beweggründe, welche die versi
cherte Person zur Wiederaufnahme oder Nichtwiederaufnahme der Arbeit ver
anlasst haben. Zu den für die Beurteilung des zeitlichen Konnexes relevanten Umstän
den zählen auch die in der Arbeitswelt nach aussen in Erscheinung tre
tenden Verhältnisse, wie etwa die Tatsache, dass ein Versicherter über längere Zeit
hinweg als voll vermittlungsfähiger Stellensuchender Taggelder der Ar
beitslo
sen
versicherung bezieht. Allerdings kann solchen Zeiten nicht die gleiche Bedeu
tung beigemessen werden wie Zeiten effektiver Erwerbstätigkeit. Mit Be
zug auf die Dauer der den zeitlichen Konnex unterbrechenden Arbeitsfähigkeit kann die Regel von Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversi
cherung (IVV) als Richtschnur gelten. Nach dieser Bestimmung ist eine
an
spruchsbeein
flus
s
ende
Verbesserung der Erwerbs
fähigkeit in jedem Fall zu be
rücksichtigen, wenn sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussicht
lich weiterhin an
dauern wird. Bestand während mindestens drei Monaten wieder
volle Arbeits
fähigkeit und erschien gestützt darauf eine dauerhafte Wiederer
langung der Erwerbsfähigkeit als objektiv wahrscheinlich, stellt dies ein gewich
tiges Indiz für eine Unterbrechung des zeitlichen Zusam
menhangs dar. Anders verhält es sich, wenn die fragliche, allenfalls mehr als dreimonatige Tätigkeit als
Ein
gliederungsversuch
zu werten ist oder massge
blich auf sozialen Erwägungen
des Arbeitgebers beruhte und eine dauerhafte Wiedereingliederung unwahr
schein
lich war (BGE 134 V 20 E. 3.2.1 S. 22 mit Hinweisen).
Diese Grundsätze gelten sinngemäss auch, wenn eine Vorsorgeeinrichtung ihre
Leistungspflicht mit der Begründung verneinen will, eine
berufsvorsorge
recht
lic
h
bedeutsame Arbeitsunfähigkeit habe bereits vor Beginn des
Vorsorgever
hält
nis
s
es
bestanden und ohne wesentliche Unterbrechung bis zum Beginn der
Ver
si
cherungsdeckung
angedauert (Urteil 9C_273/2012 vom 20. November 2012 E.
4.1.2
mit Hinweis).
2.4
Es wird zwar in der Regel, aber nicht in jedem Fall zwingend eine echtzeitlich ärztlich attestierte Arbeitsunfähigkeit zum
rechtsgenüglichen
Nachweis einer
berufsvorsorgerechtlich relevanten Einbusse an funktionellem Leistungs
vermö
gen
verlangt (vgl. Bundesgerichtsurteile 8C_195/2009 vom 2. September 2009 E. 5 und
9C_96/2008 vom 1
1.
Juni 2008 E.
3.2.2). Immerhin reichen nachträgliche Annahmen und spekulative Überlegungen, wie etwa eine erst nach Jahren rück
wirkend festgelegte medizinisch-theoret
ische Arbeitsunfähig
keit nicht aus (Bun
des
gerichtsurteil 9C_368/2008 vom 11. September 2008 E. 2 mit Hinwei
sen). Die
gesundheitliche Beeinträchtigung muss sich auf das Arbeitsverhältnis sinnfällig auswirken oder ausgewirkt haben; die Einbusse an funktionellem Leistungs
ver
mögen muss mit anderen Worten arbeitsrechtlich in Erscheinung getreten sein, etwa durch einen Abfall der Leistungen mit entsprechender Fest
stellung oder gar Ermahnung des Arbeitgebers oder durch gehäufte aus dem Rahmen fallende
gesundheitlich bedingte Arbeitsausfälle (SVR 2008 BVG Nr. 34 S.
143 [9C_127/200
8 E.
2.3]; SVR 2008 IV Nr. 11 S.
32 [I 687/06 E.
5.1];
Bun
des
ge
richtsurteil
9C_362/2012 vom
6.
Juni 2012 E. 5.2.1 mit Hinweis).
2.5
Aus der engen Verbindung zwischen dem Recht auf eine Rente der Invalidenversi
cherung und demjenigen auf eine Invalidenleistung nach BVG er
gibt sich, dass der Invaliditätsbegriff im obligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge und in der Invalidenversicherung grundsätzlich der gleiche ist (BGE 123 V 271 E. 2a, 120 V 108 E. 3c, je mit Hinweisen).
Praxisgemäss sind daher die Vorsorgeeinrichtungen im Bereich der gesetzlichen Mindestvorsorge (Art. 6 BVG) an die Feststellungen der IV-Organe (Eintritt der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit, Eröffnung der Wartezeit, Festsetzung des Invaliditätsgrades) gebunden, soweit die IV-rechtliche Betrachtung aufgrund ei
ner gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhaltbar erscheint (BGE 126 V 311 E. 1 in
fine
). Diese Konzeption fusst auf der Überlegung, die Organe der (obligatorischen) beruflichen Vorsorge von eigenen aufwändigen Abklärungen freizustellen, und gilt nur bezüglich Feststellungen und Beurtei
lungen der IV-Organe, welche im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren
für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend waren (BGE 132 V 4 E. 3.2). So hat beispielsweise eine verspätete Anmeldung zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung rechtsprechungsgemäss die freie Überprüfbarkeit des leistungserheblichen Sachverhaltes durch die
Vorsorgeein
richtung
bzw. das Berufsvorsorgegericht zur Folge (Urteil des Bundesgerichts in Sachen R. vom 23. Februar 2010, 9C_49/2010 E. 2.1).
Diese Bindungswirkung setzt voraus, dass die Vorsorgeeinrichtung (spätestens) ins
Vorbescheidverfahren
(Art. 73
ter
IVV) ein
bezogen und ihr die
Rentenverfü
gung
formgültig eröffnet wurde (Urteil des Bundesgerichts in Sachen S. vom 16. Juni 2010, 9C_81/2010, E. 3.1, mit Hin
weisen). Dem BVG-Versicherer steht ein selbständiges Beschwerderecht im Verfahren nach IVG zu. Unterbleibt ein solches Einbeziehen der
Vorsorgeein
richtungen
, ist die IV-rechtliche Festset
zung des Invaliditätsgrades (grundsätz
lich,
masslich
und zeitlich)
berufsvorsor
gerechtlich
nicht verbindlich (BGE 130 V 273 E. 3.1).
Stellt die Vorsorgeeinrichtung auf die invalidenversicherungsrechtliche Betrachtungsweise ab, muss sich die versicherte Person diese entgegenhalten lassen, soweit diese für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend war, und zwar ungeachtet dessen, ob der Vorsorgeversicherer im Verfahren der Invalidenversicherung beteiligt war oder nicht. Vorbehalten sind jene Fälle, in denen eine gesamthafte Prüfung der Aktenlage ergibt, dass die Invaliditätsbemessung der Invalidenversicherung offensichtlich unhaltbar war (BGE 130 V 270 E. 3.1).
3.
3.1
3.1.1
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
führte im für die Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich ausgestellten
Arzt
zeug
nis
vom 4. Dezember 2008 (
Urk.
31/2) aus, der Kläge
r sei
seit dem 5.
Dezember 2007 bei ihm in
Behandlung wegen wiederholten depressiven Störungen. Seit Behandlungsbeginn habe er im Rahmen von depressiven Ent
wicklungsphasen Probleme bei der Arbeit gehabt und aus demselben Grund schon im März 2008 eine Stelle verloren. Auch im Vorfeld der Kündigung vom 1
6.
September 2008 sei er wieder depressiv gewesen. In solchen Zuständen bestünden
krankheitsbe
d
ingt
erhebliche Schlafstörungen und d
er
Kläger wirke
auf seine Umgebung abweisend und mürrisch bzw. arbeitsunwillig. Unter adäquater Behandlung mit Medikamenten gehe es ihm aber jeweils rasch wieder besser. Es sei sinnvoll, diese Aspekte bei der Beurteilung der Kündigung einfliessen zu lassen.
3.1.2
I
m Arztzeugnis vom 2
6.
Februar 2009 (
Urk.
26/1)
hielt
Dr.
Z._
fest,
i
m Verlauf der Silvesterfeier (2008) sei beim Kläger an seinem Arbeitsplatz (Hotel
A._
) kurz nach 23 Uhr ziemlich akut ein schwerer Erregungs
zustand aufgetreten. Es sei zu äusserlich unbegründeten, massiven und wahllo
sen Tätlichkeiten gegenüber Mitarbeitern und Vorgesetzten gekommen, so dass er schliesslich polizeilich habe festge
nommen werden müssen. Wegen erhebli
cher Selbstverletzungen habe er not
fallmässig chirurgisch versorgt
werden müssen. Für d
en mehrstündigen Vorfall liege
eine praktisch vollständige Erin
nerungslücke (Amnesie)
vor
. Es bestehe eine beträchtliche Wahrscheinlich
keit, dass dieser Erregungszustand im Rahmen einer akuten psychischen Störung aufgetreten sei. Bei der Unter
suchung am 29. Januar 2009 habe
Dr.
Z._
feststellen können, dass sich der Kläger wieder im
Habitualzustand
befunden habe.
Er habe keinerlei Verwirrung, aggressive St
immung oder gesteigerten motorischen
Antrieb mehr gezeigt.
3.1.3
Im Bericht an die Arbeitslosenkasse vom 2
2.
A
pril 2009 (
Urk.
26/2) hielt Dr.
Z._
fest, schon vor Behandlungsbeginn am
5.
Dezember 2007 seien in unmittelbarem Zusammenhang mit der psychischen Störung des Klägers Probleme am Arbeitsplatz bzw. Stellenverlust aufgetreten. Kurz nach
Behand
lungsbeginn
im Dezember 2007 habe er sodann ein sehr ähnliches Verhalten gezeigt, wie es in der Silvesternacht 2008 erneut aufgetreten sei. Im Rahmen eines krankheitsbedingten emotionalen Kontrollverlustes sei es Mitte Dezember 2007 zu einem „Ausraster“ gekommen, in dem der Kläger in „blinder Wut“ mit der Hand auf den Tisch geschlagen und sich dabei einen Knochenriss am rech
ten Vorderarm zugezogen habe, welcher chirurgisch habe versorgt werden müssen.
Eine neue Stelle ab Februar 2008 habe der Kläger bereits nach sechs Wochen wegen einer erneuten depressiven Phase wieder verloren. Er habe sich bei der Arbeit nicht mehr konzentrieren können und habe unverständliche Feh
ler gemacht. Unter antidepressiver Behandlung habe der Zustand deutlich gebessert. Im September 2008 sei es zu einem erneuten depressiven Zustand gekommen, welcher eine medikamentöse Behandlung erforderlich gemacht habe. Daraufhin habe der Zustand bis zum Zeitpunkt des erneuten Einbruchs in der Silvesternacht 2008 gebessert. Die Beurteilung der Arbeitslosenkasse, dass dieser Vorfall nicht ausschliesslich mit der Krankheit des Klägers begründet werden könne,
werde von dieser nicht stichhaltig belegt und beruhe auf reiner Behauptung und mangelnder Information. Es bestünden aus ärztlicher Sicht nicht die geringsten Zweifel, dass der Vorfall im Rahmen der bereits bekannten psychischen Erkrankung aufgetreten sei. Er passe nahtlos in den
Krankheits
verlauf
. Als Facharzt für Psychiatrie müsse er -
Dr.
Z._
- darauf hin
weisen, dass es einem Laien kaum möglich sei, das Verhalten des Klägers als
unmittelbaren Ausdruck einer akuten psychischen Störung zu beurteilen und verstehen zu können. Es bestehe vielmehr die Tendenz, sich rein auf den äusse
ren Eindruck zu verlassen. So sei es an mehreren Arbeitsstellen geschehen, die der Kläger wegen angeblicher
Unmotiviertheit
und Unkon
zentriertheit (als Krankheitssymptom der depressiven Störung) oder wegen „Ausrasten und Gewalttätigkeit“ (als Symptom einer dissoziativen Störung) verloren habe.
3.1.4
Am
6.
Mai 2009 (
Urk.
26/3) teilte
Dr.
Z._
der
Groupe
mutuel
mit, man könne beim Vorfall in der Silvesternacht 2008 nicht von einer „Rauferei“ oder „Schlägerei“ sprechen, deren Teilnahme der Kläger ohne Weiteres hätte vermei
den können. Vielmehr sei der Kläger in einem dissoziativen Zustand „Amok gelaufen“ und habe wahllos und äusserlich grundlos Menschen aus seinem Arbeitsumfeld attackiert.
3.1.5
Am 3
1.
August 2009 (
Urk.
2/29) führte
Dr.
Z._
zu Händen der
Rechtsver
treterin
des Klägers aus,
a
usgeprägte Stim
mungsschwankungen wür
den beim Kläger
schon seit dem 1
9.
Lebensjahr auftreten. Die bei
Behandlungs
beginn
am
5.
Dezember 2007
bestehende depressive Phase habe bereits im Herbst 2007 begonnen. Wegen seiner emotional-instabilen Persönlichkeit sei es beim Kläger wiederholt zu Wutausbrüchen, Verlust der
Selbstkontrolle und
selbstdestruktivem Verhalten gekommen. Schon in der erste
n
Behandlungs
woche
habe er
im Rahmen einer heftigen Eifersuchts
szene aus Ärger und Ver
zweiflung mit der Faust gegen die Zimmerwand geschlagen, wobei er sich einen Knochenanriss zugezogen habe und längere Zeit arbeitsunfähig gewesen sei. Unter antidepressiver Behandlung sei es zu deutlichen Stimmungsauf
hellungen gekommen. Kurz vor Antritt der S
telle im Hotel
A._
am 1.
November 2008 habe er -
Dr.
Z._
- den Kläger in zuversichtlicher Stimmung in seiner Praxis gesehen. Die abrupte Veränderung des Verhaltens mit unerwarte
tem und inadäquatem Umschlag in heftige Aggressivität in der Silvesternacht 2008 sei in diesem Ausmass zuvor nie aufgetreten. Bekannt sei beim Kläger allerdings seit langem, dass er auf starken emotionalen Druck, wenn er sich beruflich oder privat in die Enge getrieben fühle oder wenn
man ungerechtfer
tigte
Anschuldigungen gegen ihn erhebe
, ausrasten und/oder sich mit Schlägen selber verletzen könne. Über das Geschehen in der Silvesternacht sei der Kläger anhaltend erschüttert. Das hochaggressive und völlig enthemmte Verhalten entspreche überhaupt nicht seinem normalen Verhalten. Er sei nie als Schläger in der Öffentlichkeit aufgetreten und verabscheue körperliche Gewalt grund
sätzlich. Seine Scham darüber sei echt. Zur Zeit befinde er sich in einer leicht depressiven Phase. Er habe vor wenigen Tagen eine neue Stelle als Koch ange
treten und bemühe sich, trotz der Störung seine Arbeit soweit als möglich nor
mal zu verrichten.
3.
1.
6
Laut dem
für die IV-Stelle erstellten
Arztberi
cht von
Dr.
Z._
vom 18.
März 2013 (
Urk.
19/122) besteht beim Kläger eine rezidivierende mittel
schwere Depression auf dem Hintergrund einer ausgeprägten narzisstischen Persönlichkeitsstörung (DD:
Borderline
-Störung) mit Impulsivität und Tendenz zu Verlust der
Affekt
kontrolle
. Auf dem freien Arbeitsmarkt generell und im erlernten Beruf als Koch im speziellen bestehe weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
auf unbe
stimmte Zeit. Die aktuelle Beurteilung einer langfristigen Prognose sei schwierig. Der Kläger sei aber erst 29jährig und habe trotz aller Schwierigkeiten ausreichend
Entwicklungs
potential
. Es müsse deshalb alles daran gesetzt werden, dass mit der beruflichen Wiederein
gliederung fortgefah
ren werde. Die Ausrichtung einer Invalidenrente wäre zwar aufgrund der psy
chiatrischen Problematik aktuell vertretbar, würde aber die Gesamtprognose negativ
beeinträchtigen. Der Kläger sei
auch motiviert und wolle unbedingt, dass aus ihm noch etwas werde.
3.
2
Gemäss dem Arztbericht der
B._
vom 3. Juli 2010 (
Urk.
19/20) bestehen beim Kläger
1
)
eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) seit Ende 2008,
2
)
eine emotional instabile
Persönlich
keitsstörung
,
Borderline
Typ, mit narzisstischen Zügen (IC
D-10 F60.31), seit Adoleszenz, 3
)
eine Dyskalkulie sowie
4
)
ein Verdacht auf ADHS (muss weiter abgeklärt werden). D
ie Arbeitsfähigkeit
sei
von 2002 (Beginn der Lehre) bis Ende 2008 nicht eingeschränkt
gewesen
. Von Januar 2009 bis März 2010 (
Hos
pitalisation
) habe eine Einschränkung von mindestens 75
%
bestanden. Auf längere Sicht sei, entsprechende günstige Bedingungen vorausgesetzt, eine teil
weise bis vollständige Arbeitsfähigkeit zu erwarten.
Die Lehrabschlussprüfung habe der Kläger erst beim zweiten Mal bestanden, nach
seinen Angaben
sei er wegen Dyskalkulie beim ersten Mal gescheitert. Seit Lehrabschluss habe er wie
derholt unter depressiven Verstimmunge
n gelitten. Ausserdem sei es immer wieder
zu zwischenmenschlichen Problemen am Arbeitsplatz gekommen. Wegen ungenügender Impuls- und Emotionskontrolle seien jeweils Konflikte mit den Vorgesetzen entstanden. Deswegen sei es zu häufigen Stellenwechseln ge
kommen (3 bis 4 verschiedene Stellen pro Jahr), wobei die Kündigung
en
zum Teil durch den Kläger selber und zum Teil durch den Arbeitgeber erfolgt seien. Während der meisten Zeit sei der Beschwerdeführer aber arbeitstätig gewesen. Seit Dezember 2007 sei er in ambulanter psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung bei
Dr.
Z._
.
An Sylvester 2008/09 habe der Kläger an sei
nem damaligen Arbeitsplatz ohne ersichtlichen Grund mehrere Personen (Arbeitskollegen) tätlich angegriffen. Er habe für diesen Vorfall eine voll
stän
dige Amnesie. Wegen Gewalt gegen Beamte sei es zu einem Strafver
fahren gekommen, in dessen Verlauf ein forensisch-psychiatrisches Gutachten erstellt
worden sei.
Wenn auch mit Problemen habe er seit seiner Lehre als Koch bis Ende 2008 den grössten Teil der Zeit gearbeitet. Offensichtlich als psychische Reaktion auf das Ereignis Ende 2008, das ihn danach stark belastet habe,
hät
-
ten
seine Bewältigungsmechanismen
dekompensiert
, so dass er seit Anfang 2009 - mit Ausnahme eines gescheiterten Arbeitsversuches von wenigen
W
o
-
chen
im Herbst 2009 - nicht mehr arbeitsfähig sei. Die Anfang 2010 begonnene Hotel
fachschule habe er wegen der psychischen Symptomatik nach wenigen Tagen abbrechen müssen.
3.
3
3.
3
.1
Laut dem Arztbericht der
C._
, wo sich der Kläger vom 2
5.
Mai 2010 bis zum 1
6.
Juli 2010 in stationärer Behandlung befand (
Urk.
19/22), bestehen beim Kläger eine rezidivierende depressive Störung, aktuell
leichte Episode (ICD-10 F33.0),
eine Cannabisabhängigkeit (ICD-1
0 F12.2), soziale Pho
bien (ICD-10 F40.1) sowie
eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit narziss
tischen und impulsiven Anteilen (ICD-10 F61.0).
Für die Zeit des
Klinikaufent
halts
vom 2
5.
Mai 2010 bis zum 1
6.
Juli 2010 sei der Kläger zu 100 % arbeits
unfähig gew
esen. Es sei die Wiederaufnahme
der beruflichen Tätigkeit im Umfang von 50
%
ab sofort möglich.
3.3.2
Am 1
0.
Januar 2010 (richtig: 2011) berichteten die Ärzte der
C._
über eine zweite
Hospitalisation
des Klägers vom
1.
November bis zum
23.
Dezember 2010
(
Urk.
19/32)
.
Nach dem ersten Klinikaufenthalt sei der Klä
ger nicht in ein Beschäftigungsprogramm eingestiegen, sondern sei zuhause geblieben, was depressionsverstärkend gewirkt habe. Der Kläger fühle sich schnell in seinem Stolz verletzt, was bei mangelhafter Impulskontrolle vor allem unter Alkohol- und Drogeneinfluss zu fremdaggressivem Verhalten führe.
Er
habe die Absicht gehabt, sicher während des stationären Aufenthalts kein Can
nabis und Alkohol mehr
zu
konsumieren. Bis einen Tag vor Eintritt habe er bis zu 6 Joints täglich geraucht. Es sei jedoch während des Klinikaufenthalts regel
mässig zu
Rückfall
ereignissen
gekommen. Der Kläger habe erarbeitete
Lösungs
strategien
nicht einsetzen können. Gegen die hohe Depressivität habe pharma
kologisch eine gute Wirkung erzielt werden können, aufgrund von Nebenwir
kungen habe der Kläger
die Medikamente jedoch selbständig abgesetzt. Auf
grund des wieder
holten Nichteinhaltens von Therapievereinbarungen durch den Kläger habe die Therapie frühzeitig beendet werden müssen. Es werde eine Weiter
führung der Therapie im ambulanten Rahmen empfohlen. Ein wichtiger Fokus sei dabei auf den anhaltenden Konsum von THC und Alkohol zu legen. Unter dessen Einfluss würde
n
sich Depressivität und Impulsivität deutlich ver
stärken, wodurch eine wirkungsvolle Psychotherapie nicht möglich sei. Zu
r
Ver
besserung der
Selbstwirksamkeit und dem Aufbau einer Tagestruktur werde empfohlen, den beruflichen Wiedereinstieg voranzutreiben.
3
.
4
Gemäss dem im Rahmen des gegen den Kläger geführten Strafverfahrens erstell
ten psychiatrischen Gutachten von Dr. med.
D._
, Leitender Arzt des forensischen Dienstes der Klinik
E._
, vom 7. April 2010 (Urk. 19/34) bestehen beim Kläger Symptome einer narzis
s
tischen
Persönlichkeitsstö
rung
(ICD-10 F60.8). Er habe im Laufe der
Jahre nur mit zunehmender Mühe seine Persönlichkeitsstruktur aufrecht erhal
ten können.
Zunehmend sei er in Überforderungssituationen geraten, die dann zu so genannten narzisstischen Krisen geführt hätten, welche in der Dekom
pensation der S
törung eine depressiv anmutende
Symptomatik ausgelöst hätten.
Zu Beginn habe er sich immer wie
der auffangen und aufgrund seines Berufes auch schn
ell neue Stellen finden können, wobei er auch da rasch an seine Grenzen gestossen sei, da z.B. seine Fähigkeiten aus seiner Sicht nicht genügend gewürdigt worden seien.
Die zunehmende Diskrepanz zwischen innerem Ich-Ideal
und der Realität habe ver
mehrt
zu Unlustgefühlen, Unwohlsein und inne
rer Aggressivi
tät geführt. Dies habe dann einen
immer wiederkehre
nden depressiven Rückzug zur Folge gehabt
. Zunehmend habe der Kläger versucht, diese unangenehmen Zustände
mittels Cannabis oder später Alkohol zumindest vorübergehend zu bekämpfen.
3
.5
Gemäss dem von der Beklagte
n
1 eingeholten psychiatrischen Gutachten von Dr. med.
F._
, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom
5.
Juni 2013 (
Urk.
19/
138
) besteh
en
beim Kläger mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive
Störung, derzeit in Remission und eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung (impulsiv) (ICD-10 F33.4; F60.30) sowie ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein
Cannabis
miss
brauch
(ICD-10 F12.24).
Aufgrund der psychischen Beschwerden bestehe seit der Adoleszenz eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20
%
. Dass der Kläger trotzdem eine Kochlehre abgeschlossen habe, spreche nicht dagegen. Er sei seit der Adoleszenz immer mehr oder weniger auffällig gewesen, sei es wegen seiner Persönlichkeitsstörung, sei es wegen der rezidivierenden depressiven Episoden. Es bestehe sowohl zeitlich als auch sachlich ein Zusammenhang zwischen der früher eingetretenen Arbeitsunfähigkeit und
d
er heutigen Invalidität. Beim Stellenantritt im Hotel
A._
am 1.
November 2008 sei der Kläger nicht voll arbeitsfähig gewesen, ergebe sich doch aus seinen eigenen Angaben, dass er damals eine Trennung hinter sich gehabt habe und depressiv gewesen sei. Die Prognose sei eher ungünstig. Es bestünden Anzeichen, dass der Kläger regelmässig Cannabis in recht hoher Dosierung konsumiere. Dies beein
trächtige die Arbeitsfähigkeit und insbesondere s
eine unkontrollierten Emotio
nen
.
Der
Kläger sei aus psychischen Gründen zu mindestens 60
%
arbeitsunfä
hig. Massgebliche psychosoziale Faktoren seien nicht vorhanden.
4.
4.1
Die IV-Stelle ging in ihren Verfügungen vom
7.
November 2013 bzw. 13. Dezember 2013 davon aus, dass die Wartezeit mit Beendigung des Arbeits
verhältnisses des Klägers mit d
em Hotel
A._
Anfang Janua
r 2009 zu eröffnen sei. Nach Ablauf des Wartejahres im Januar 2010 sei dem Kläger keine Erwerbstätigkeit mehr zumutbar gewesen. Vom 2
3.
Dezember 2010 bis zum 2
8.
Februar 2011 sei er zu 50
%
arbeitsfähig geschrieben gewesen. Diese Ver
besserung der Arbeitsfähigkeit habe keine Auswirkungen auf den Rentenan
spruch des Klägers, da sie weniger als drei Monate gedauert habe.
Das
Invali
deneinkommen
sei somit auf
Fr.
0.-- festzusetzen. Ab dem Zeitpunkt der Begut
achtung durch
Dr.
F._
per
5.
Juni 2013 sei dem Kläger eine angepasste Tätigkeit
(körperlich leicht bis mittelschwer, ohne erhöhte Anforderung an Kon
zentration und ohne erhöhten Zeitdruck)
zu 40
%
zumutbar, wogegen er in der angestammten Tätigkeit als Koch weiterhin nicht arbeiten könne.
Der
Einkom
mensvergleich
ergebe eine Einkommenseinbusse bzw. einen Invaliditätsgrad von 60
%
.
Die Verbesserung des Gesundheits
zustandes sei nach drei Monaten und somit ab September 2013 zu berück
sichtigen.
Da die Anmeldung des Klä
ger
s zum Leistungsbezug erst am 7.
Mai 2010 erfolgt sei
und der Rentenan
spruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geldendmachung ent
stehe, würden die Leistungen ab 1. November 2010 ausgerichtet. Ab
1.
Novem
-
ber
2010 habe der Kläger damit Anspruch auf eine ganze Invaliden
rente und ab
1.
September 2013 auf eine
Dreiviertelsrente
(
Urk.
19/151).
Die IV-Stelle ging demnach
von einer ver
späteten Anmeldung aus, was
rechtspre
chungsgemäss
d
ie freie Überprüfbarkeit des leistungserheblichen Sachverhaltes durch die Vor
-
sorgeeinrichtung
beziehungs
weise das Berufsvorsorgegericht zur Folge
hat
(Urteil des Bundesgerichts 9C_49/2010 vom 2
3.
Februar 2010 E. 2.1
).
4.2
Aus den Akten ist zu schliessen, dass der Kläger seit Eintritt in die Adoleszenz an einer Persönlichkeitsstörung und damit verbundenen depressiven Störungen leidet, welche ihm sein berufliches Fortkommen erschwert haben, insbesondere ist es wiederholt zu Konflikten mit Vorgesetzten und Mitarbeitern gekommen, weil der Kläger sich durch Kritik angegriffen fühlte und impulsiv
in aus objekti
ver Sicht unangemessener Weise
darauf reagierte. Es ist ihm aber trotzdem gelungen, seine Lehre als Koch erfolgreich abzuschliessen
(Urk. 19/3/15)
. Dass dies erst im zweiten Anlauf gelang, mag mit seinen
Beeinträchtigungen zu tun haben, zeigt aber gerade auch, dass der Kläger durchaus in der Lage war,
Rückschläge wegzustecken und berufliche Ziele zu erreichen.
Gemäss Auszug aus dem individuell
en Konto vom 1
2.
Mai 2010 (Urk.
19/
6) arbeitete der Kläger von Januar 2002 bis August 2004 beim
G._
(Lehrzeit)
, von Januar bis Juni 200
5
bei der Stadt
Y._
(Abschluss der Lehre)
, von Sep
tember 2005 bis Juli 2006 bei der
H._
, von Juli bis Septembe
r 2006 beim Hotel
I._
, von Oktober bis Dezember 2006 beim Restaurant
J._
, von Januar bis Juli 2007 bei der
K._
, von Juli
2007
bis
Januar 2008
bei der
L._
,
von Februar bis April 2008 beim Res
taurant
M._
, von Juni bis September 2008 bei der
N._
, von November 2008 bis Januar 2009 beim Hotel
A._
, im April 2009 bei der
O._
und von August bis Oktober 2009 beim Restaurant
P._
. Ausserdem bezog er von Oktober bis Dezember 20
04, von Juli bis September 2005,
von November bis Dezember 200
6, von April bis Juni 2008 und von September bis Oktober 2009
Arbeitslosenentschädigung.
Die Arbeits
zeugnisse
des
G._
vom 3
1.
August 2004 (Urk.
19/3/14), der Stadt
Y._
vom 3
0.
Juni 2005 (
Urk.
19/3/11-12), der
H._
vom 2
0.
Juni 2006 (Urk. 19/3/10),
des
K._
vom 1
2.
Juli 2007 (
Urk.
19/3/9)
sowie der
L._
vom
1.
August 2008 (Urk.
19/3/16) bescheini
gen dem Kläger durchwegs gute bis sehr gute Leistungen und ein einwandfreies persön
liches Verhalten.
4.3
Insgesamt liegen weder echtzeitliche Arztberichte noch andere Aufzeichnungen vor, aus denen zu schliessen wäre, dass der Kläger bereits vor dem Stellenantritt beim Hotel
A._
in erheblicher Weise in seiner Arbeitsfähigkeit einge
schränkt gewesen wäre. Es ist wohl zu häufigen Stellenwechseln ge
kommen, der Beschwerdeführer ist aber bis zu seinem Stellenantritt beim Hotel
A._
über ein paar Jahre hinweg während der meisten Zeit
zu 100
%
arbeitstätig gewesen und hat eine volle Arbeitsleistung erbracht.
Es ist beim Kläger sodann bereits im Dezember 2007 zu einem grösseren
Ausraster
gekommen
und
von
Dr.
Z._
werden zwischen diesem und dem Vorfall in der Silvesternacht 2008/09 Parallelen gezogen
,
es
besteht aber doch ein erheblicher Unterschied zwischen einem „blindwütigen die Faust auf den Tisch
bzw. an die Wand
schla
gen“ und einem tätlichen Angriff auf
Arbeitskollegen und Vorgesetzte ohne ersichtlichen Anlass, mithin scheint es nicht dasselbe, ob der Kläger seine Wut „bloss“ an einer Sache
bzw. letztlich an sich selber
oder
wahllos an anderen Menschen aus
lässt.
Im Unterschied zu früheren Vorfällen war denn auch jener in der Silvesternacht 2008/09 derart gravierend, dass die bis zu diesem Zeit
punkt noch funktionierenden Bewältigungsmechanismen versagten und der Kläger
dekompensierte
.
Seit diesem Zeitpunkt gelang
es ihm nicht mehr, dauer
haft im Arbeitsmarkt Fuss zu fassen.
Es ergibt sich demnach, dass der Eintritt der massgeblichen Arbeitsunfähigkeit auf Januar 2009 festzulegen ist. Da der
Kläger zu diesem Zeitpunkt bei der Beklagten 1 vorsorgeversich
ert war, ist diese zu verpflichten
, entsprechende
Invaliden
leistungen
zu erbringen.
5.
5.1
Die IV-Stelle ist gestützt auf die medizinische Aktenlage zu Recht davon ausge
gangen und es ist vorliegend unstrittig, dass der Kläger mit Wirkung ab dem
1.
November 2010 Anspruch auf Invalidenleistungen basierend auf einem
Inva
liditätsgrad
von 100
%
und mit Wirkung ab dem
1.
September 2013 basierend auf einem Invaliditätsgrad von 60
%
hat.
5.2
Mit Blick darauf, dass sich der Kläger in seinem
zuletzt in der Replik gestellten
Rechtsbegehren eines (ziffernmässig) konkreten Antrags betreffend
des zahlen
mässigen Leistungsumfang
enthalten hat, ist die Beklagte
1
in Gutheis
sung der Klage zu verpflichten, dem Kläger mit Wirkung ab dem 1. November 2010 bis 3
1.
August 2013 basierend auf einem Invaliditätsgrad von 100
%
und mit Wir
kung ab dem
1.
September 2013 basierend auf einem Invaliditätsgrad von 60
%
die gesetzlichen und reglementarischen Invalidenleistungen auszurichten.
Mit
hin bleibt die Festsetzung des Leistungsanspruchs in
masslicher
Hinsicht einst
weilen der Beklagten
1
überlassen; in einem allfällig diesbezüglich sich erge
benden Streitfall stünde dem Kläger erneut der Klageweg offen (vgl. BGE 129
V
450).
Es ist in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass n
ach der Rechtspre
chung der Anspruch auf Invalidenleistungen der obligatorischen beruflichen Vorsorge so lange nicht
entsteht
, als noch Eingliederungsmassnahmen durch
geführt werden und der Versicherte deshalb in den Genuss von Taggeldern der Invalidenversicherung gelangt (BGE 123 V 2
6
9). Ob dies auch gilt, wenn eine Invalidenrente zu Gunsten eines IV-Taggeldes bei nachträglichen Eingliede
rungsmassnahmen temporär ausge
se
tzt wird, hat das Bundesgericht bisher offen gelassen (Urteil des Bundesgerichts B 114/06 vom 1
1.
Mai 2007 E. 5 mit Hin
weis). Bei temporärer Aussetzung von IV-Renten zu Gunsten von IV-Taggeld
zahlungen - soweit damit kein Ende der Leistungspflicht aus beruflicher Vor
sorge resultiert - ist jedenfalls die Frage der Überentschädigung zu prüfen (Stauffer, Berufliche Vorsorge, Zürich 2005,
Rz
773 S. 287 f).
6.
Auf Invalidenleistungen sind Verzugszinsen geschuldet, wobei grundsätzlich
Art.
105
Abs.
1 des Obligationenrechts anwendbar ist (BGE 119 V 131 E. 4). Danach ist der Verzugszins vom Tag der Anhebung der Betreibung oder der gerichtlichen Klage an geschuldet. Der Zinssatz beträgt 5
%
, sofern das Regle
ment der Vorsorgeeinrichtung keine andere Regelung kennt (BGE 119 V 131 E. 4c). Demzufolge hat die Beklagte
1
ab
1
1.
Juni 2014
(Einreichun
g der Klage) Verzugszinsen von
5
%
entrichten.
7.
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat
die obsiegende Partei Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwie
rig
keit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
). Die Beklagte 1 ist demzufolge zu verpflichten, der unentgeltlichen
Rechts
ver
treterin
des Klägers
eine Prozessentschädi
gung in der Höhe von Fr.
3‘300
.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.