# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** e7a35d14-9281-4e98-89a8-c66f22e5ed11
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Die
Y._
GmbH
war der Sozialversicherungsan
stalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, als beitragspflichtige Arbeitgeberin angeschlossen und rechnete mit ihr die paritätischen
und FAK-Beiträge ab. Mit
Urteil
vom
2
8.
Juni 2017
eröffnete
der Konkursrichter des Bezirksgerichts Bülach über die Gesellschaft den Konkurs
(Urk.
8/
360/21
).
Am 2
1.
September 2017
meldete die Ausgleichskasse eine Forderung für geschul
dete Bei
träge an die AHV/IV/EO, FAK und ALV in der Höhe von Fr.
29'218.65
zur Kollo
kat
ion an (Urk. 8/343
).
Am 24. Januar 2018 wurde ihr vom Konkursamt Bülach – nach Auflage des Kollokationsplans und des Inventars zur Einsicht ab 5. Januar 2018 (Urk. 8/351) – mitgeteilt, dass sie im Konkursverfahren der
Y._
GmbH vermutlich voll zu Schaden kommen werde (Urk. 8/350).
Am 2
8.
Juni 2019 stellte ihr das Konkursamt Bülach einen Verlustschein infolge Konkurses über
Fr.
29'218.65 aus (
Urk.
8/352).
Das Konkursverfahren wurde mit
Urteil
des Konkurs
richters vom
3.
Juli
2019
als geschlossen erklärt (vgl.
Urk. 8/360/21
).
1.2
Mit Verfügung vom
1
6.
Juli 2019
(Urk.
8/360/2-4
) verpflichtete die Ausgleichs
kasse
den ehemaligen Gesellschafter und Geschäftsführer der
Y._
GmbH
,
den 1962 geborenen
X._
,
zur Bezahlung von Scha
den
ersatz in der Höhe von Fr.
29'585.55
. Die gegen diesen Ent
scheid erhobene Einsprache vom 1
5.
September 2019
(
Urk.
8/363/1-2
)
hiess
die Ausgleichskas
se mit Einspracheentscheid vom
6.
Februar 2020 in dem Sinne teilweise gut, als dass sie
X._
verpflichtete, Schadenersatz in der Höhe von
Fr.
24'605.85 zu leisten
(
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am
1
1.
Februar 2020 bei der Aus
gleichskasse Beschwerde (
Urk.
1), welche diese
zuständigkeitshalber
an das hiesige
Gericht überwies (Urk. 4
)
. Der Beschwerdeführer
beantragte, der angefochtene Einspracheentscheid sei aufzuheben und es sei
auf eine Schadenersatzforderung zu verzichten.
Am
2.
April 2020
beantragte die
Ausgleichskasse
, die Beschwerde
sei abzuweisen (Urk.
7
), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
8.
April 2020
zur
Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9
).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 52 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenver
sicherung
(
AHVG
) hat ein Arbeitgeber, der durch absichtliche oder grobfahr
lässige Missachtung von Vorschriften der Versicherung einen Schaden zufügt, diesen zu ersetzen. Handelt es sich beim Arbeitgeber um eine juristische Person, so haften subsidiär die Mitglieder der Verwaltung und alle mit der Geschäfts
füh
rung oder Liquidation befassten Personen. Sind mehrere Personen für den gle
ichen Schaden verantwortlich, so haften sie für den ganzen Schaden solida
risch (Art. 52 Abs. 2 AHVG).
Die Vorschriften über die Arbeitgeberhaftung nach Art. 52 AHVG sowie die dazu entwickelte Rechtsprechung des Bundesgerichts finden mangels eigener Bestim
mungen sinngemäss Anwendung auf die Invalidenversicherungs- (Art. 66 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung), Erwerbsersatz- (Art. 21 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Erwerbsersatz für Dienstleistende und bei Mutter
schaft) und Arbeitslosenversicherungsbeiträge (Art. 6 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung) so
wie auf jene an die Familienausgleichskassen (FAK) gemäss dem Bundesgesetz über die Familienzulagen (Art. 25 lit. c).
1.2
1.2.1
Der Schaden gilt als eingetreten, sobald anzunehmen ist, dass die geschuldeten Beiträge aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen nicht mehr erhoben werden können (BGE 126 V 443 E. 3a, 121 III 382 E. 3bb, 388 E. 3a, je mit Hinweisen).
1.2.2
Der Schadenersatzanspruch verjährt zwei Jahre, nachdem die zuständige Aus
gleichskasse vom Schaden Kenntnis erhalten hat, jedenfalls fünf Jahre nach Eintritt des Schadens. Diese Fristen können unterbrochen werden. Der Arbeit
geber kann auf die Einrede der Verjährung verzichten (Art. 52 Abs. 3 AHVG
in der vorliegend anwendbaren, bis 31. Dezember 2019 gültig gewesenen Fassung
; vgl. auch BGE 131 V 4 oben).
1.2.3
Kenntnis des Schadens im Sinne von Art. 52 Abs. 3 AHVG ist in der Regel von dem Zeitpunkt an gegeben, in welchem die Ausgleichskasse unter Beachtung der ihr zumutbaren Aufmerksamkeit erkennen muss, dass die tatsächlichen Gege
benheiten nicht mehr erlauben, die Beiträge einzufordern, wohl aber eine Scha
denersatzpflicht begründen können (BGE 131 V 425 E. 3.1, 129 V 193 E. 2.1, 128 V 15 E. 2a, 126 V 443 E. 3a, 452 E. 2a, 121 III 386 E. 3b, je mit Hinweisen).
Im Falle eines Konkurses oder Nachlassvertrages mit Vermögensabtretung hat die Kasse nicht notwendigerweise erst Kenntnis des Schadens im Sinne von Art. 52 Abs. 3 AHVG, wenn sie in die Verteilungsliste und Schlussrechnung des Kon
kursamtes oder Liquidators Einsicht nehmen kann oder einen Verlustschein erhäl
t; denn wer im Rahmen solcher Verfahren einen Verlust erleidet und auf Ersatz klagen will, hat praxisgemäss in der Regel bereits dann ausreichende Kenntnis des Schadens, wenn die Kollokation der Forderungen eröffnet beziehungsweise der Kollokationsplan (und das Inventar) zur Einsicht aufgelegt wird. In diesem Zeitpunkt ist oder wäre der Gläubiger im Allgemeinen in der Lage, den Stand der Aktiven, die Kollokation seiner Forderung und die voraussichtliche Dividende zu kennen (BGE 126 V 443 E. 3a, 119 V 89 E. 3, je mit Hinweisen).
1.3
Im Konkurs der
Y._
GmbH
wurden am
5.
Januar 2018
der Kollo
kationsplan und das Inventar zur Einsicht aufgelegt (Urk.
8/351
). Nach Ablauf der zwanzigtägigen Auflagefrist des Kollokationsplans wurde die zweijährige Verjährungsfrist von Art. 52 Abs. 3 AHVG
ausgelöst
. Mit Erlass der Scha
dener
satzverfügung vom
1
6.
Juli 2019
(Urk.
8/360/2-4
) wahrte die
Beschwerdegeg
nerin
die genannte Frist. Die streitgegenständliche Forderung ist demnach nicht verjährt.
2.
2.1
Voraussetzung für eine Haftung nach Art. 52 AHVG ist zunächst das Vorliegen eines Schadens. Dieser besteht darin, dass der AHV ein ihr gesetzlich geschuldeter Beitrag entgeht. Die Höhe des Schadens entspricht dabei dem Betrag, dessen die
Kasse verlustig geht (Thomas Nussbaumer, Die Ausgleichskasse als Partei im Scha
denersatzprozess nach Artikel 52 AHVG, ZAK 1991 S. 383 ff. und 433 ff.).
Ver
waltungs
- und Betreibungskosten, Veranlagungs- und Mahngebühren sowie die Verzugszinsen bilden Bestandteil des Schadens, welcher der Ausgleichskasse zu
ersetzen ist (BGE 121 III 382 E. 3bb; vgl. auch BGE 109 V 95 oben, 108 V 189 E.
5).
Im Hinblick auf die in Art. 14 Abs. 1 AHVG normierte Beitrags- und Abrech
nungspflicht des Arbeitgebers gehören auch die Arbeitgeberbeiträge zum mass
geb
lichen Schaden (BGE 98 V 26 E. 5).
2.2
Die Beschwerdegegnerin stützte ihre Forderung gegenüber dem Beschwerdeführer
im Wesentlichen auf den Kontoauszug vom 1
6.
Juli 2019, die Jahresabrechnung
2015 vom 1
0.
Juni 2016, die Jahresabrechnung 2016 vom
9.
Dezember 2016, die Jahresabrechnung 2017 vom
4.
August 2017, die N
achzahlungsverfügung 2016
vom
4.
August 2017
sowie die korrigierte Jahresabrechnung für Januar bis Juni 20
17
vom 1
3.
Oktober 2017
(
Urk.
8/360/6-20)
.
Im Weiteren liegen zahlreiche
Mah
nungen, Betreibungsbe
gehren und Verzugszinsabrechnungen bei den Akten.
D
e
n
genannten
Unterlagen
ist zu entnehmen
, dass die Gesellschaft von Januar 2015 bis Juni 2017 Lohnzahlungen von insgesamt Fr. 616'425.-- ausgerichtet hat. Der
Aus
stand
der
Y._
GmbH
resultiert aus der Gegen
über
stellung der gemäss Kontoaus
zug der Beschwerdegegnerin vom
1
6.
Juli 2019
für die Zeit vom
1.
Januar 201
5
bis
3
0.
Juni 2017 (Urk. 8/360/6-14
)
geschuldeten
Sozialversicherungsbeiträge (inklusive Nebenkosten, Gebühren, Verzugszinse so
wie Mahn- und Betreibungs
kosten) und der von der Gesellschaft geleisteten Zahlungen.
Davon wurden die erst nach der Konkurseröffnung
in Rechnung ge
stellten Mahnkosten, Verzugszinsen und Betreibungskosten in Abzug gebracht, woraus
sich
der geltend gemachte Schadenersatz von Fr.
24'605.85
ergibt
.
2.3
Die Schadensberechnung der Beschwerdegegnerin erweist sich aufgrund der Rechts- und Aktenlage als korrekt. Die Schadenshöhe ist auch im Übrigen auf
grund der Akten ausgewie
sen. Das Quantitativ der streitgegenständlichen Forde
rung wurde beschwerde
weise zu Recht nicht in Zweifel gezogen. Mangels offen
kundiger Anhaltspunkte für Berechnungsfehler ist
diese somit
zu bestätigen und von einem vorliegend relevanten Schadensbetrag von
Fr.
24'605.85
auszugehen.
3.
3.1
Art. 14 Abs. 1 AHVG und die Art. 34 ff. der Verordnung über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(
AHVV
) schreiben vor, dass der Arbeitgeber bei jeder Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen und zusammen mit den Arbeitgeberbeiträgen der Ausgleichskasse zu entrichten hat. Die Arbeitgeber
haben den Ausgleichskassen periodisch Abrechnungsunterlagen über die von ih
nen an ihre Arbeitnehmer ausbezahlten Löhne zuzustellen, damit die entspre
chenden paritätischen Beiträge ermittelt und verfügt werden können. Die
Bei
trags
zahlungs
- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers ist eine gesetzlich vor
ge
schriebene
öffentlichrechtliche
Aufgabe. Die Nichterfüllung dieser
öffentlich
recht
lichen
Aufgabe bedeutet eine Missachtung von Vorschriften im Sinne von Art. 52 Abs. 1 AHVG und zieht die volle Schadendeckung nach sich (BGE 118 V
193 E. 2a; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
3.2
Aus den Akten ist ersichtlich, dass die
Y._
GmbH
den ihr als Arbeitgeberin obliegenden Zahlungsverpflichtungen in den Jahren
2015 bis 2017
nur unvoll
ständig nachkam. Die Gesellschaft richtete
von Januar 2015 bis Juni 2017
Lohnzahlungen von insgesamt Fr.
616'425.--
aus, blieb der Beschwerde
gegnerin aber Sozialversicherungsbeiträge (inklusive Nebenkosten) in der Höhe von
Fr.
24'605.85
schuldig (vgl. E. 2.2 und 2.3 hievor). Die
Y._
GmbH
hat damit
Vorschriften im Sinne von Art. 52 Abs. 1 AHVG verletzt, wes
halb der von ihr verursachte Schaden grundsätzlich voll zu decken ist.
Zu prüfen bleibt, inwieweit diese Missachtung
öffentlichrechtlicher
Arbeitgeber
pflichten auf grobfahrlässiges oder vorsätzliches Verhalten des Beschwerdefüh
rers zurückzuführen ist.
4.
4.1
Die wesentliche Voraussetzung für die Schadenersatz
pflicht besteht nach dem Wort
laut des Art. 52 AHVG darin, dass der Arbeitgeber absichtlich oder grob
fahrlässig Vor
schriften verletzt hat und dass durch diese Missachtung ein Scha
den verursacht worden ist (BGE 108 V 183 E. 1a). Absicht beziehungsweise Vor
satz und Fahrlässigkeit sind verschiedene Formen des Verschuldens. Art. 52 AHVG statuiert demnach eine Verschuldenshaftung, und zwar handelt es sich um eine Verschuldenshaftung aus öffentlichem Recht. Die Schadenersatzpflicht ist
im konkreten Fall nur dann begründet, wenn nicht Umstände gegeben sind, welche
das fehlerhafte Verhalten des Arbeitgebers als gerechtfertigt erscheinen lassen oder sein Verschulden im Sinne von Ab
sicht oder grober Fahrlässigkeit aus
schlies
sen. In diesem Sinne ist es denkbar, dass ein Arbeitgeber zwar in vorsätz
licher Missachtung der AHV
Vorschriften der Ausgleichskasse einen Schaden
zufügt, aber trotzdem nicht schadenersatz
pflichtig wird, wenn besondere Umstände
die Nichtbefolgung der einschlägigen Vorschriften als erlaubt oder nicht schuld
haft erscheinen lassen (BGE 108 V 183 E. 1b; ZAK 1985 S. 576 E. 2).
So kann es sein, dass es einem Arbeit
geber, der sich in schwieriger finanzieller Lage befindet, durch das Nichtbezahlen der Beiträge gelingt, die Existenz seines Unternehmens zu retten. Ein solches Vorgehen führt allerdings nur dann nicht zu einer Haftung gemäss Art. 52 Abs. 1 AHVG, wenn der Arbeitgeber im Zeitpunkt seiner Entscheidung aufgrund der objektiven Umstände und einer seriösen Beur
teilung der Lage damit rechnen durfte, dass er die Forde
rung der Ausgleichskasse innert nützlicher Frist würde befriedigen können (BGE 108 V 183; ZAK 1992 S. 248 E. 4b; vgl. BGE 132 III 523).
4.2
4.2.1
Grobe Fahrlässigkeit liegt praxisgemäss vor, wenn ein Arbeitgeber das ausser Acht lässt, was jedem verständigen Menschen in gleicher Lage und unter gleichen Umständen als beachtlich hätte einleuchten müssen. Das Mass der zu verlan
gen
den Sorgfalt ist abzustufen entsprechend der Sorgfaltspflicht, die in den kauf
män
nischen Belangen jener Arbeitgeberkategorie, welcher die betreffende Per
son
angehört, üblicherweise erwartet werden kann und muss. Dabei sind an die Sorgfaltspflicht einer Aktiengesellschaft hinsichtlich der Einhaltung gesetzlicher Vor
schriften grundsätzlich strenge Anforderungen zu stellen. Ähnlich ist zu diffe
renzieren, wenn es darum geht, die subsidiäre Haftung der Organe eines Arbeit
gebers zu ermitteln (BGE 108 V 199 E. 3a; ZAK 1985 S. 51 E. 2a, S. 620 E. 3b; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
4.2.2
Nicht jedes einer Firma als solcher anzulastende Ver
schulden muss auch ein solches ihrer sämtlichen Organe sein. Vielmehr hat man abzuwägen, ob und in
wieweit eine Handlung der Firma einem bestimmten Organ im Hinblick auf dessen rechtliche und faktische Stellung innerhalb der Firma zuzurechnen ist. Ob ein Organ schuldhaft gehandelt hat, hängt demnach entscheidend von der Ver
ant
wortung und den Kompetenzen ab, die ihm von der juristischen Person über
tragen wurden (BGE 108 V 199 E. 3a; ZAK 1985 S. 620 E. 3b). Bei einfachen Verhältnissen muss vom einzigen Verwaltungsrat einer Aktiengesellschaft, der als solcher die Verwaltung der Gesellschaft als einzige Person in Organstellung zu besorgen hat, in der Regel der Überblick über alle wesentlichen Belange der Firma verlangt werden, und dies selbst dann, wenn er seine Befugnisse weitge
hend an einen Geschäftsführer delegiert hat. Er kann mit der Delegation der Geschäftsführung nicht zugleich auch seine Verantwortung als einziges Verwal
tungsorgan an den Ge
schäftsführer delegieren (BGE 108 V 199 E. 3b).
4.2.3
Formell eingesetzte Geschäftsführer einer GmbH wie auch Personen, die faktisch die Funktion eines Geschäftsführers ausüben, haften für den der Ausgleichskasse
zufolge nicht bezahlter Bundessozialversicherungsbeiträge entstandenen Scha
d
en nach den gleichen Grundsätzen wie Organe einer Aktiengesellschaft. Dagegen besteht für den blossen Gesellschafter einer GmbH vorbehältlich einer abwei
chen
den statutarischen Regelung keine Pflicht zur Kontrolle oder Überwachung der Geschäftsführung, weshalb ihm das Fehlverhalten der Gesellschaft auch nicht angerechnet werden darf (BGE 126 V 237 ff.).
5.
5.1
Der Beschwerdeführer brachte zu seiner Entlastung im Wesentlichen vor,
er sei vom 1
4.
November 2015 bis 2
7.
Oktober 2016 auf Grund eines Burnouts zu 40 - 75
%
krankgeschrieben gewesen. Aus gesundheitlichen Gründen sei es ihm in dieser Zeit nicht möglich gewesen, sich so um die Geschicke der Gesellschaft zu kümmern, wie in den 20 Jahren davor. Der Schaden der Beschwerdegegnerin sei nicht auf ein grobfahrlässiges Verhalten seinerseits, sondern auf seine schwere
Erkrankung zurückzuführen. Zudem habe er versucht, die offene Handwerker
rechnung gerichtlich zu erstreiten, den über einjährigen Prozess jedoch ohne Erfolg geführt (
Urk.
1 S. 1-2).
5.2
Vorweg ist festzuhalten, dass in diesem Prozess nicht zu untersuchen ist, ob der Konkurs der
Y._
GmbH
allenfalls hätte vermieden werden können oder ob am vorliegenden Verfahren nicht beteiligten Drittpersonen diesbezüglich irgend
ein Schuldvorwurf gemacht werden könnte. Insbesondere ist nicht zu prü
fen,
was es mit den von
der
Y._
GmbH
für die
ehemalige Lebens
partnerin des Beschwerdeführers angeblich erbrachte
n
Gartenbauarb
eiten auf sich hat, für welche diese der
Gesellschaft
Fr.
70'470.20
schuldig geblieben sei
. Denn mit Blick auf den Umstand, dass im Konku
rsverfahren Forderungen von Fr.
163'934.57 kolloziert wurden, wären auch bei Begleichen der geltend gemach
ten Forderung Ausstände über Fr. 93'464.37 verblieben und es früher oder später zum Konkurs der Gesellschaft gekommen
(vgl. dazu
Urk.
8/351/1-2). Dies umso mehr,
nachdem die
Y._
GmbH
seit mindestens 2012 jedes Jahr Verluste zwischen
Fr.
15'466.-- und
Fr.
47'780.-- schrieb
, ab dem Jahr 2014 permanent gemahnt und betrieben werden musste
und per Ende 2015 noch
über
ein Eigenkapital von Fr. 12'668.--
verfügte
(
vgl.
Urk.
8/331/2).
Vorliegend ist vielmehr einzig zu entscheiden, ob die
Y._
GmbH
die ihr als Arbeitgeberin obliegenden Pflichten verletzt hat und ob gegebenenfalls ein qua
lifiziertes Verschulden des Beschwerdeführers zu bejahen ist.
5.3
5.3.1
Der Beschwerdeführer amtete
seit deren Gründung im Dezember 1994 als
Ge
sell
schafter und einzelzeichnungsberechtigter
Geschäftsführer der
Y._
GmbH
(Urk.
8/360/21
). Bei der
Y._
GmbH
handelte es sich um ein Kleinunternehmen mit einfacher Verwaltungsstruktur und nur wenigen Ange
stellten (vgl. Urk.
8/187/2,
Urk.
8/239/2 und
Urk.
8/331/2
). Bei derart leicht über
schaubaren Ver
hältnissen muss vom einzigen Geschäftsführer einer
GmbH
praxis
gemäss verlangt werden, dass er den Überblick über alle we
sentlichen Belange des Unternehmens hat.
5.3.2
Ein Betrieb darf praxis- und rechtsprechungsgemäss nur so viel Lohn auszahlen, als auch die darauf entfallenden Sozialversicherungsbeiträge noch gedeckt sind (siehe etwa Urteile des Bundesgerichts 9C_311/2015 vom 9. Juli 2015 E. 4.2.2 mit Hinweis und H 90/00 vom 20. Juni 2001 E. 4d mit Hinweis auf SVR 1995 AHV Nr. 70), was bei der
Y._
GmbH
gerade nicht der Fall war. Wenn die Liquidi
tätssituation die Begleichung der vollen Bruttolöhne zuzüg
lich des An
teils des Arbeitgeberbeitrages nicht zulässt, sind die Lohn
zah
lungen auf ein Mass zu
reduzieren, welches die Entrichtung der darauf
entfal
lenden Sozialversiche
rungs
beiträge erlaub
t
(
Urteil des Bundesgerichts
H 69/05
vom 15. März 2006 E. 5.3.3 mit Hinweis).
Das
verantwortliche Organ
hat gerade in wirtschaftlich schwierigen Ver
hältnissen darauf zu achten, dass die von Gesetzes wegen ge
schuldeten Beiträge entrichtet werden können (Urteile des Bundesge
richts 9C_311/201
5 vom 9. Juli 2015 E. 4.2.
2, 9C_38/2015 vom 15. Mai 2015 E. 3.3, 9C_328/2012 vom 11. De
zember 2012 E. 5.1 und H 63/05 vom 25. Mai 2007 E. 6.4, je mit Hinweisen).
5.3.3
Der Beschwerdeführer muss sich demnach den Vorhalt gefallen lassen, dass die
Y._
GmbH
der Beschwerdegegnerin für die Jahre
2015-2017
vorliegend relevante Sozialversicherungsbeiträge (inklusive Nebenkosten) in der Höhe von Fr.
24'605.85
schuldig blieb, im selben Zeitraum aber Lohnzah
lungen von insgesamt
Fr.
616'425.--
ausrichtete (vgl. E. 2.2 und 2.3 hievor). Mit anderen Worten wurde den Lohnzahlungen Priorität vor der Beitragsentrichtung einge
räumt, wodurch die Beschwerdegegnerin zu Schaden kam. Indem der Beschwer
deführer nicht gegen das pflichtwidrige Handeln der
Y._
GmbH
einschritt beziehungsweise selbst diese Vorgehensweise (prioritäre Behandlung der Lohn
zahlungen vor der Beitragsentrichtung) wählte, verletzte er seine
öffent
lichrechtlichen
Pflichten
,
welche ihm
als
Geschäftsführer
und einzige
m
Gesell
schafter
der
GmbH oblagen.
5.3.4
Der Beschwerdeführer kann sich zur Rechtfertigung dieses Verstosses gegen die gesetzliche Beitragszahlungspflicht vorliegend nicht auf die in E. 4.1 hie
r
vor wie
dergegebene höchstrichterliche Praxis berufen, wonach es in schwierigen finan
ziellen Situationen unter Umständen gerechtfertigt sein kann, die Beiträge nicht zu bezahlen, um die Existenz des Unternehmens zu retten. Es ist zu betonen, dass ein solches Vorgehen nur dann nicht zu einer Haftung nach Art. 52 AHVG führt, wenn der Arbeitgeber im Zeitpunkt seiner Entscheidung aufgrund der objektiven Umstände und einer seriösen Beurteilung der Lage damit rechnen durfte, dass er die Forderung der
Beschwerdegegnerin
binnen nützlicher Frist werde befriedigen kön
nen. Es muss demzufolge sowohl ein materielles, inhaltliches Element (die seriö
sen Sanierungsaussichten) als auch ein zeitliches Element (binnen nützlicher Frist) erfüllt sein. Nach der klaren Praxis genügt hingegen die Aussicht auf eine Befriedigung in fernerer Zukunft (oder gar erst nach Durchführung eines schuld
betreibungsrechtlichen Verfahrens) nicht zur Entlastung.
5.3.5
Dass
im vorliegenden Fall ein eigentlicher Sanierungsplan im Sinne der darge
legten Rechtsprechung vorgelegen hat,
wurde vom Beschwerdeführer nicht gel
tend gemacht und ist auch nicht ersichtlich. So hätte wie bereits dargelegt auch die Begleichung der offenen Forderung aus Gartenbauarbeiten nichts an der miss
lichen finanziellen Lage der
Y._
GmbH geändert (E. 5.2 hievor)
.
Nachdem die
Gesellschaft zudem seit dem Jahr 2014 nahezu permanent betrieben werden musste,
erscheint zweifelhaft, ob
sie
beziehungsweise der Beschwer
de
führer über einen konkreten Zeitplan verfügte, der vorgegeben hätte, bis zu welchem Zeitpunkt die Beitragsausstände beglichen werden sollten.
D
er
von der
Beschwerdegegnerin am
3.
November 2015 gewährten
Ratenzahlung
(
Urk.
8/155)
wurde denn auch
bereits im September 2016 nicht mehr nachgekommen.
Auf
grund der objektiven Umstände konnte der Beschwerdeführer nicht annehmen, dass die Nichtbezahlung der sozialversicherungsrechtlichen Beitragsschuld nur eine vorüber
gehende Zurückbehaltung von Sozialversicherungs
beiträgen darge
stellt hat, wel
che die Rettung
seiner
Gesellschaft ermöglicht hätte.
Das inhaltliche Element (die seriösen Sanierungsaussichten)
ist
damit nicht als gegeben zu betrachten.
5.3.6
Ebenso wenig ist das zeitliche Element (die Aussicht der Bezahlung der Beitrags
ausstände binnen nützlicher Frist) erfüllt.
So
reichen die Beitragsausstände bis ins Jahr
2015
zurück.
Von einem kurz
fristigen Verstoss gegen die Beitrags
vor
schriften im Sinne von BGE 121 V 243 kann
somit
nicht gespro
chen werden. Der Ex
kulpations
grund der kurzen Dauer des Beitragsausstandes ist denn auch nur auf Fälle anzuwenden, in denen die Zahlungsmoral der Ge
sell
schaft mit Aus
nahme der letzten zwei, drei Monate vor dem Konkurs immer klaglos war (vgl. etwa
Urteil des Bundesgerichts H 141/01 vom 8. Juli 2003 E. 3.3
). Dies war vor
liegend offenkundig nicht der Fall.
5.3.7
Soweit der Beschwerdeführer geltend machte, er sei vom 1
4.
November 2015 bis 2
7.
Oktober 2016 auf Grund eines Burnouts zu 40 - 75
%
krankgeschrieben ge
wesen, vermag ihn dies nicht zu entlasten. Zum einen steckt
e
die
Y._
GmbH
seit vielen Jahren in finanziellen Schwierigkeiten und musste seit Januar 2014 und damit s
chon
lange vor der teilweisen Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers für nahezu jede Rechnung gemahnt
und
betrieben werden. Zum anderen war der Beschwerdeführer stets
mindestens zu 25
%
arbeitsfähig,
nie vollum
fänglich handlungsunfähig
und auch in seiner Urteilsfähigkeit nicht ein
geschränkt. Es war ihm entsprechend stets möglich, den Geschäftsgang der Gesellschaft zumindest teilweise zu beeinflussen. Zudem h
ätte von ihm erwartet werden können, vorübergehend eine Drittperson zu beauftragen, sich um die Buchhaltung und die administrativen
Belange
der Gesellschaft zu kümmern
, soweit er sich dazu aufgrund seiner gesundheitlichen Beschwerden nicht mehr in der Lage sah.
5.3.
8
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die prioritäre Behandlun
g der Lohn
zahlungen durch die
Y._
GmbH
nicht gerechtfertigt war
und ein haf
tungs
begründendes Verschulden seitens des Beschwerdeführers ausgewiesen ist.
6.
Unter den gegebenen Umständen ist das Verhalten beziehungsweise die Passivität des Beschwerdeführers ohne Weiteres auch als adäquat kausal (BGE 119 V 406 E. 4a) für den bei der Beschwerdegegnerin eingetretenen beziehungsweise vorlie
gend relevanten Schaden von
Fr.
24'605.85
zu betrachten, weshalb er zu Recht verpflichtet wurde, dafür Ersatz zu leisten. Demzufolge ist die Beschwerde abzu
weisen.