# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** bd8bd2e2-06a7-43a0-82b5-66f48cb8a044
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2011
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. X. wurde am _ in A. geboren. Zusammen mit einem Bruder wuchs er bei seinen Eltern hauptsächlich in B. auf. Dort besuchte er sechs Jahre die Primar- und drei Jahre die Sekundarschule. Anschliessend absolvierte er in A. während vier Jahren die Kantonsschule, welche er im Jahr 1962 mit der Matura Typus B abschloss. In der Folge studierte er bis im Jahr 1968 an der Universität Zürich Rechtswissenschaften (Abschluss mit Doktorat). Danach arbeitete er ein Jahr als Gerichtsschreiber beim C. und ein weiteres Jahr als Jurist bei der D. in E.. Im Jahr 1971 erlangte er im Kanton Zürich das Anwaltspatent. Von 1972 bis 1974 führte X. in B. sein eigenes Anwaltsbüro. Während dieser Zeit erlangte er auch das Notariatspatent des Kantons Graubünden. Seit dem Jahr 1975 ist er in F. als selbständiger Rechtsanwalt und Notar tätig. Eigenen Angaben zufolge erzielt er ein monatliches Einkommen von Fr. 30'000.-- und verfügt über ein Vermögen (inklusive Liegenschaften) von ca. 2 Mio.; diesem Vermögen stünden Hypothekarschulden in Höhe von ca. Fr. 780'000.-- gegenüber. Die Steuerverwaltung des Kantons Graubünden beziffert sein jährliches Einkommen für das Steuerjahr 2007 auf rund Fr. 750'000.--, sein Vermögen auf rund Fr 4'420'000.--. X. ist mit G. verheiratet. Aus dieser Ehe ging eine Tochter hervor.
Im schweizerischen Strafregister ist X. nicht verzeichnet. Gemäss den Angaben der Kantonspolizei Graubünden geniesst er an seinem Wohnort einen guten Leumund.
B. Mit Anklageverfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 21. Juli 2010 wurde X. wegen Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung gemäss Art. 164 Ziff. 1 StGB in Anklagezustand versetzt. Die Staatsanwaltschaft legte der Anklageschrift vom 21. Juli 2010 folgenden Sachverhalt zu Grunde:
„Am 20. Dezember 1999 wurde die H. mit einem liberierten Aktienkapital von CHF 100'000.-- und dem Angeklagten als Mitglied des Verwaltungsrates mit Einzelunterschrift ins Handelregister des Kantons Graubünden eingetragen (act. 3.12). Zweck der Gesellschaft war der Vertrieb und die Vermarktung von Patenten und Erfindungen. Im Vordergrund stand dabei die Verwertung von Patenten für ein von I. – einem Gründungsaktionär – entwickeltes Gerät zur Messung des Reifendrucks bei Personenwagen (act. 4.3, S. 2).
Im Januar 2001 gewährte J. der H. ein Darlehen in Höhe von CHF 100'000.-- (act. 3.16; 3.46; 4.4, S. 2). Weitere Darlehensgewährungen von J. an die H. erfolgten am 8. Juni 2001 (CHF 40'000.--) und am 2. Juli 2001 (CHF 10'000; act. 3.1, S. 4;
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act. 3.32; act. 4.4, S. 2). Das gesamte Darlehen in Höhe von CHF 150'000.-- kündigte J. am 17. März 2003 unter Einhaltung der vereinbarten Kündigungsfrist von drei Monaten per 30. Juni 2003 (act. 3.10.5).
Gemäss der Bilanz per 31. Dezember 2004 bestanden die Aktiven der H. zu diesem Zeitpunkt fast ausschliesslich aus Patententwicklungs- und Registrierungskosten in Höhe von CHF 721'112.25 (act. 3.24, 3.32). Am 20. Juni 2005 übertrug der Angeklagte in seiner Funktion als einziger Verwaltungsrat und Geschäftsführer der H. diese Vermögenswerte auf I., ohne dass die H. dafür einen Gegenwert erhalten hätte (act. 3.14). Am 17. Januar 2007 eröffnete das Bezirksgerichtspräsidium R. über die H. den Konkurs, um diesen am 25. Januar 2007 mangels Aktiven wieder einzustellen (act. 3.9). Das in der Folge auf Gesuch (und gegen Leistung eines entsprechenden Kostenvorschusses) des Gesellschaftsgläubigers J. durchgeführte summarische Konkursverfahren wurde am 15. Juni 2007 abgeschlossen. J. erhielt einen Verlustschein in Höhe von CHF 194'778.85 (act. 3.7).
[...]
Am 14. Mai 2010 reichte RA Stefan Metzger namens von J. gegen X. eine Adhäsionsklage in Höhe von Fr. 194'778.85 (zuzüglich fünf Prozent Zins seit dem 15. Juni 2007) ein.“
C. In der Ergänzung der Anklageschrift vom 21. Juli 2010 stellte die Staatsanwaltschaft folgende Anträge:
1. X. sei der Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung gemäss Art. 164 Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen.
2. Dafür sei er mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je Fr. 800.--, bedingt bei einer Probezeit von zwei Jahren, und einer Busse in Höhe von Fr. 5'000.--, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 5 Tagen, zu bestrafen.
3. Kostenfolge sei die gesetzliche.
Es wurde begründet, gemäss der Bilanz per 31. Dezember 2004 sei der Posten „Patententwicklungen + Registrierungen“ mit Fr. 721'112.25 bewertet worden (act. 3.32). Der Angeklagte habe diesen Vermögenswert seinen eigenen Aussagen zufolge am 20. Juni 2005 in seiner Funktion als einziger Verwaltungsrat und Geschäftsführer der H. an I. übertragen (act. 3.14). Dieser habe ihn in der Folge der von ihm, K. und einer weiteren Person gegründeten L. weiter übertragen (act.
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3.26; 4.3, S. 4). Der Angeklagte habe auch bei dieser Gesellschaft als einziger Verwaltungsrat geamtet (act. 3.13; 4.3, S. 4). Die erwähnte Übertragung von der H. an I. sei zu einem Übernahmepreis von Null erfolgt (act. 4.3, S. 5). Die Ausführungen des Münchner Patentanwalts M. (act. 1.13, S. 2), von I. (act. 4.10, S. 4), K. (act. 4.11, S. 3) und N. deuteten nun zwar darauf hin, dass der Übernahmepreis Null nicht unrealistisch gewesen sein dürfte. Diese Annahmen hätten aber auf dem Umstand beruht, dass die H. den Unterhalt der Patente nicht mehr finanzieren habe können oder wollen und diese daher Gefahr gelaufen seien, zu verfallen. Davon zu unterscheiden sei der buchhalterische Wert der entsprechenden Patente, welcher vorab auf den darin investierten Entwicklungsarbeiten gründe. Da die Patente letzten Endes ins Eigentum der L. gelangt seien, seien sie im Machtbereich der Hauptaktionäre der ehemaligen Schuldnerin H. geblieben. Der wirtschaftliche Status dieser Aktionärsgruppe habe sich damit nicht verändert, währenddem die anderen Aktionäre und Gläubiger der liquidierten H., insbesondere J., geschädigt worden seien. In subjektiver Hinsicht habe der Angeklagte zwar verneint, dass er bestimmte Gläubiger habe bevorzugen beziehungsweise andere habe schädigen wollen (act. 4.7, S. 4). Diese Ausführungen seien jedoch als Schutzbehauptung zu werten. Es habe dem Angeklagten klar sein müssen, dass die Darlehensforderung von J. gegenüber der H. nicht mehr einbringbar gewesen sei, da diese Gesellschaft über keine anderen nennenswerten Aktiven mehr verfügt habe und J. offensichtlich nicht zum Aktionärskreis der zu gründenden L. gehört habe. Letzteren Umstand habe er im Übrigen in seinem Schreiben an K., I. und O. vom 12. September 2005 auch ausdrücklich bestätigt (act. 1.31, S. 6). Damit habe er in Kauf genommen, den Gläubiger J. zu schädigen. Eine Überprüfung der Tatbestände der Misswirtschaft gemäss Art. 165 Ziff. 1 StGB und der Bevorzugung eines Gläubigers gemäss Art. 167 StGB erübrige sich, da Art. 164 Ziff. 1 StGB diesen Bestimmungen vorgehe.
D. An der Hauptverhandlung vor dem Bezirksgerichtsausschuss R. vom 16. November 2010 nahmen der Angeklagte persönlich sowie der Vertreter des Adhäsionsklägers teil. Der Angeklagte stellte dabei folgende Anträge:
1. Ergänzung des Beweismaterials gemäss separatem Antrag.
2. Freispruch von jedem strafrechtlichen Vorwurf.
3. Abweisung der Adhäsionsklage, eventuell Verweisung an den Zivilrichter.
4. Anerkennung einer Entschädigung zu Lasten des Staates.
Hinsichtlich der Ergänzung des Beweismaterials stellte der Angeklagte den Antrag, die dem Plädoyer angehängten Dokumente zu den Akten zu nehmen. I.
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und K. seien sodann erneut als Zeugen zu verschiedenen Fragen einzuvernehmen. Weiter sei einem anerkannten Bücherexperten die Frage vorzulegen, ob im vorliegenden Fall die Patententwicklungskosten nicht aktiviert hätten werden müssen und ob eine Erwähnung derselben „pro memoria“ in der Bilanz zu Fr. 1.-- möglich und ausreichend gewesen wäre. Zudem sei die Frage zu stellen, ob es aus diesem Grunde schwierig sei, immaterielle Anlagen zu bewerten und im vorliegenden Fall einer Patententwicklungsgesellschaft in frühem Stadium eine Werthaltigkeit (Nutzwert) eher zu verneinen sei.
E. Mit Urteil vom 16. November 2010, mitgeteilt am 25. März 2011, erkannte der Bezirksgerichtsausschuss R. wie folgt:
„1. X. ist schuldig der Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung gemäss Art. 164 Ziff. 1 StGB.
2. Dafür wird er zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je CHF 800.-- sowie zur Bezahlung einer Busse von CHF 5'000.--, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 5 Tagen, verurteilt.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird bedingt aufgeschoben; die Probezeit beträgt 2 Jahre.
4. Die Adhäsionsklage von J. wird gutgeheissen und der Angeklagte verpflichtet, dem Adhäsionskläger den Betrag von CHF 194'778.85, zuzüglich 5% Zins seit dem 15. Juni 2007, zu bezahlen.
Dem Adhäsionskläger wird in der Betreibung Nr. 2105264 des Betrebungsamtes Q. vom 3. Mai 2010 für den Betrag von CHF 194'778.85, zuzüglich 5 % Zins seit dem 15. Juni 2007, zuzüglich Zahlungsbefehlskosten, die definitive Rechtsöffnung erteilt.
Es wird davon Vormerk genommen, dass sich der Adhäsionskläger weitere Ansprüche gegenüber dem Angeklagten und Dritten ausdrücklich vorbehält.
Der Angeklagte hat den Adhäsionskläger mit pauschal CHF 5'000.-- ausseramtlich zu entschädigen.
5. Die Kosten des Verfahrens, bestehend aus:
- der Untersuchungsgebühr der Staatsanwaltschaft CHF 2'610.00 - den Barauslagen der Staatsanwaltschaft CHF 336.00 - der Busse CHF 5'000.00 - den Gerichtskosten CHF 1'500.00 Total CHF 9'446.00
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werden X. auferlegt. Die Gesamtkosten, zuzüglich der Busse von CHF 5'000.--, belaufen sich auf CHF 9'446.--.

## Considerations