# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 92585ee4-75f1-41c7-a1f0-a7605bce27af
**Court:** BE_SRK
**Chamber:** BE_SRK_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Tax

## Facts

hat die Steuerrekurskommission den Akten entnommen:
A. Der in C._ wohnhaft gewesene B._ (Erblasser) verstarb am _ 2016. Er hinterliess als gesetzliche Erben seine zweite Ehefrau und seine zwei Enkel. Um sich
über die Vermögenssituation des Erblassers ein Bild machen zu können, verlangten die Enkel
um Anordnung eines öffentlichen Inventars. Das Regierungsstatthalteramt _ hiess ihr
Gesuch gut und ordnete die Aufnahme eines öffentlichen Inventars an. Die Steuerverwaltung
des Kantons Bern leitete, nachdem die zweite Ehefrau des Erblassers (bzw. ihr Rechtsvertreter)
Selbstanzeige erhoben hatte, am 5. Januar 2017 ein verkürztes Nachsteuerverfahren (drei statt
zehn Jahre) für die Steuerjahre 2013 bis 2015 ein.
B. Mit Schreiben vom 25. Juli 2017 ersuchte einer der Enkel, A._ (Rekurrent), bei der Steuerverwaltung des Kantons Bern (erneut) um vollständige Einsicht in die Steuerakten
des Erblassers der letzten zehn Jahre (inkl. Informationen über den im "Nachtrag zum
öffentlichen Inventar vom 20.2.2017" vermerkten Trusts und über ein allfälliges
Nachsteuerverfahren). Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, dass er und sein Bruder
pflichtteilsgeschützte Erben ihres Grossvaters bzw. des Erblassers seien. Es sei für sie wichtig,
sämtliche Aktiven und Passiven zu kennen, die den Nachlass des Erblassers beträfen, weil sie
nur dann eine Entscheidungsgrundlage dafür hätten, die Erbschaft anzunehmen. Mit Schreiben
vom 4. August 2017 teilte die Steuerverwaltung des Kantons Bern, Geschäftsbereich Recht und
Koordination (Steuerverwaltung) dem Rekurrenten mit, dass die Voraussetzungen für die
Steuernachfolge nicht erfüllt seien, da er bis Mitte August 2017 die Möglichkeit habe, die
Erbschaft auszuschlagen und während der laufenden Ausschlagungsfrist bloss provisorischer
Erbe sei. Mit Schreiben vom 18. September 2017 ersuchte der Rekurrent um vollständige
Einsicht in die Steuerakten des Erblassers und im abschlägigen Fall um eine anfechtbare
Verfügung. Hierbei begründete er sein Gesuch um Einsicht in die Steuerakten sinngemäss
damit, dass er als pflichtteilsberechtigter Erbe, unabhängig, ob als provisorischer oder definitiver
Erbe, ein Akteneinsichtsrecht habe. Als provisorischer Erbe sei die Akteneinsicht wichtig, um
über die Annahme oder Ausschlagung der Erbschaft entscheiden zu können. Mit Verfügung
vom 19. Oktober 2017 wies die Steuerverwaltung das Gesuch ab. Dies mit der Begründung,
dass der Rekurrent die Erbschaft noch nicht angenommen habe, weshalb er während der
Dauer der Ausschlagungsfrist bloss provisorischer Erbe sei und ihm keine Einsicht in die
Steuerakten des Erblassers zu gewähren sei. Dagegen erhob der Rekurrent mit Schreiben vom
14. November 2017 Einsprache und beantragte darin sinngemäss, die Verfügung vom
19. Oktober 2017 sei aufzuheben und das Gesuch um vollständige Einsicht in die Steuerakten
des Erblassers gutzuheissen. Mit Einspracheentscheid vom 8. Januar 2018 wies die
Steuerverwaltung die Einsprache ab.
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C. Gegen den Einspracheentscheid hat der Rekurrent mit Eingabe vom 2. Februar 2018 bei der Steuerrekurskommission des Kantons Bern (Steuerrekurskommission) Rekurs und
Beschwerde erhoben. Darin beantragt er, der Einspracheentscheid sei aufzuheben und die
Steuerverwaltung anzuweisen, dem Rekurrenten vollständige Akteneinsicht in das
Steuerdossier betreffend Erblasser zu gewähren; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Zur Begründung bringt er im Wesentlichen vor, dass ein provisorischer Erbe die Erbschaft
resolutivbedingt erwerbe, solange die Möglichkeit der Ausschlagung bestehe. Ein provisorischer
Erbe sei jedoch bis zum allfälligen Eintritt der Resolutivbedingung einem definitiven Erben
gleichgestellt. Schlügen die Erben die Erbschaft aus, verlören sie ihre Erbenstellung, nähmen
sie die Erbschaft dagegen an, verbleibe ihnen ihre Erbenstellung. Das Akteneinsichtsrecht der
Erben könne entgegen der Ansicht der Steuerverwaltung jedenfalls nicht erst nach Ablauf der
Ausschlagungsfrist bzw. nach Verwirkung der Ausschlagungsbefugnis wahrgenommen werden.
Letztlich gehe es darum, überprüfen zu können, ob und welche Steuerforderungen gegenüber
dem Nachlass beständen. Des Weiteren dränge sich eine Akteneinsicht auch bezüglich der im
Nachtrag zum öffentlichen Inventar aufgetauchten Trusts und den in diesem Zusammenhang
eingeleiteten Nachsteuerverfahren auf.
D. Die Steuerverwaltung beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 5. März 2018 die kostenfällige Abweisung von Rekurs und Beschwerde. Zur Begründung verweist sie auf ihre
bisherigen Ausführungen in der Verfügung vom 19. Oktober 2017 und im Einspracheentscheid
vom 8. Januar 2018. Sie verzichtet daher auf eine ausführliche Rekurs- und
Beschwerdeantwort. Ergänzend weist sie darauf hin, dass der vom Rekurrenten zitierte
Entscheid des Steuerrekursgerichts des Kantons Zürich als erstinstanzliches und
ausserkantonales Urteil kein Präjudiz verschaffen vermöge.
E. Der Rekurrent hat Gelegenheit erhalten, dazu Stellung zu nehmen, wovon er mit Eingabe vom 22. März 2018 Gebrauch gemacht hat.
F. Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat sich nicht vernehmen lassen.
G. Mit Schreiben vom 24. August 2018 hat der Rekurrent die Steuerrekurskommission darüber informiert, dass die Erklärungsfrist zum öffentlichen Inventar abgelaufen sei, ohne dass
er und sein Bruder eine Erklärung abgegeben hätten. Demzufolge gelte die Erbschaft als unter
öffentlichem Inventar angenommen.
Auf den Inhalt der einzelnen Rechtsschriften ist, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
Erwägungen näher einzugehen.
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## Considerations

Die Steuerrekurskommission zieht in Erwägung:
1. Einspracheentscheide der Steuerverwaltung betreffend die Verweigerung der Akteneinsicht können bei der Steuerrekurskommission durch Rekurs bzw. Beschwerde
angefochten werden (Art. 157 Abs. 4 des Steuergesetztes vom 21. Mai 2000 [StG; BSG 661.11]
i.V.m. Art. 189 ff. StG i.V.m. Art. 195 ff. StG und Art. 114 Abs. 4 des Bundesgesetzes vom 14.
Dezember 1990 über die direkte Bundessteuer [DBG; SR 642.11] i.V.m. Art. 140 Abs. 1 DBG
i.V.m. Art. 9 der Verordnung vom 18. Oktober 2000 über den Vollzug der direkten Bundessteuer
[BStV; BSG 668.11]). Die Steuerrekurskommission ist deshalb sachlich und örtlich zuständig.
Der Rekurrent ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträgen nicht durchgedrungen und
macht geltend, er sei von der Steuerverwaltung zu Unrecht an der Wahrnehmung seines
Akteneinsichtsrechts gehindert worden. Er hat somit ein rechtlich geschütztes Interesse an der
Aufhebung des angefochtenen Entscheids und ist daher beschwert und zur Anfechtung befugt.
Auf die form- und fristgerecht eingereichte Eingabe ist deshalb einzutreten.
Die Steuerrekurskommission beurteilt die vorliegende Streitsache in Dreierbesetzung, da eine
Streitsache mit unbestimmtem Streitwert vorliegt (vgl. Art. 70 Abs. 3 und Abs. 4 Bst. c des
Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der
Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1] und VGE 100 2010 191 vom 9.5.2011, E. 2.2, nicht
publiziert).
2. Streitig ist, ob der Rekurrent Anspruch auf Einsicht in die Steuerakten des Erblassers hat.
3. Steuerpflichtige Personen sind berechtigt, in die von ihnen eingereichten oder von ihnen unterzeichneten Akten Einsicht zu nehmen (Art. 157 Abs. 1 erster Satz StG; Art. 114 Abs. 1
erster Satz DBG). Die übrigen Akten stehen dem Steuerpflichtigen zur Einsicht offen, sofern die
Ermittlung des Sachverhalts abgeschlossen ist und soweit nicht öffentliche oder private
Interessen entgegenstehen (Art. 157 Abs. 2 StG; Art. 114 Abs. 2 DBG). Das Recht der
steuerpflichtigen Personen, in die von ihnen eingereichten oder von ihnen unterzeichneten
Akten Einsicht zu nehmen, ist demnach grundsätzlich an keine weiteren Voraussetzungen
geknüpft. Insbesondere hat in diesem Fall keine Interessenabwägung stattzufinden.
Andererseits hat ausser der steuerpflichtigen Person grundsätzlich kein Dritter ein Recht auf
Einsicht in dessen Akten (BGer 2A.276/1998 vom 10.2.1999, in ASA 69 S. 291 E. 2; Peter
Locher, Kommentar zum Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, III. Teil, 2015, N. 22 zu
Art. 114 DBG mit
Hinweisen). Da die Erben der steuerpflichtigen Person auch im Steuerrecht als Gesamtnach-
folger in dessen Rechte und Pflichten eintreten (sog. Steuernachfolge; Art. 14 Abs. 1 StG;
Art. 12 Abs. 1 DBG), steht ihnen dieses voraussetzungslose Akteneinsichtsrecht grundsätzlich
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ebenfalls zu – da die Geheimnisherrschaft bezüglich des Steuergeheimnisses als vererblich zu
betrachten ist –, auch wenn sie die betreffenden Aktenstücke nicht selber eingereicht bzw.
unterzeichnet haben. Indessen geht das Akteneinsichtsrecht der Erben als Rechtsnachfolger
dennoch weniger weit. So darf den Erben die Einsicht in die Steuerakten des Erblassers unter
besonderen Umständen mit Rücksicht auf die Geheimsphäre des Erblassers verweigert
werden. Zudem könnte der Kontrollzweck des amtlichen Inventars während der Dauer eines
Inventarisationsverfahrens durch eine vorzeitige Gewährung der Akteneinsicht vereitelt werden
(BGer 2A.276/1998 vom 10.2.1999, in ASA 69 S. 291 E. 2; Peter Locher, a.a.O., N. 27 zu
Art. 114 DBG, mit Hinweisen; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG,
3. Aufl., 2016, N. 27 zu Art. 114 DBG).
3.1 Das Recht auf Akteneinsicht bildet ein Teilgehalt des Anspruchs auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung [BV; SR 101]; Art. 26 Abs. 2 der Verfassung des
Kantons Bern [KV; BSG 101.1]) und stellt eine selbstständige, allgemeine Verfahrensgarantie
dar (BGer 2C_387/2013 vom 17.1.2014, E. 4.2.1, mit Hinweisen). Zweck des
Akteneinsichtsrechts ist es, der steuerpflichtigen Person (oder anderen berechtigten Personen,
wie dem gesetzlichen Vertreter oder den Steuernachfolgern der steuerpflichtigen Person) zu
ermöglichen, sich über sämtliche für das Verfahren wesentlichen Unterlagen zu orientieren.
Dadurch soll dieser in die Lage versetzt werden, seine Interessen insbesondere bei der
Ausübung von Äusserungs- und Mitwirkungsrechten, Erhebung von Rechtsmitteln und Erfüllung
von Verfahrenspflichten zu wahren. Das Akteneinsichtsrecht wird grundsätzlich nur in hängigen
Verfahren und, wenn auch modifiziert, "ausserhalb" eines rechtshängigen Verfahrens gewährt.
Dies ist der Fall, wenn noch kein Verfahren rechtshängig ist, ein solches aber zumindest
beabsichtigt wird ("zuvor") und die gesuchstellende Person im anhängig zu machenden
Verfahren Parteistellung beanspruchen kann. Denkbar ist ferner, dass das Verfahren bereits
rechtskräftig abgeschlossen ist ("danach"). Ausserhalb eines hängigen Verfahrens ist der
Anspruch auf Akteneinsicht indessen davon abhängig, dass die gesuchstellende Person ein
besonders schutzwürdiges Interesse an der Einsichtnahme glaubhaft machen kann
(z.B. Revisionsgesuch, Übertrag von Angaben auf die neue Steuererklärung oder
Rechtsmittelverfahren). Der Anspruch ausserhalb eines hängigen Verfahrens gilt mithin nicht
voraussetzungslos (vgl. Zweifel/Hunziker in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht,
Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer [DBG], 3. Aufl., 2017, N. 12 f. zu Art. 114 DBG;
Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N. 41 zu Art. 114 DBG; BGer 2C_387/2013 vom
17.1.2014, E. 4.2.2). Die blosse Berufung auf Art. 16 Abs. 3 der Bundesverfassung (BV; SR
101; "Informationsfreiheit") oder auf das Bundesgesetz über das
Öffentlichkeitsprinzip der Verwaltung (Öffentlichkeitsgesetz, BGÖ; SR 152.3) reicht dabei nicht
aus, da die Steuerverwaltung nicht dem Öffentlichkeitsprinzip unterstellt ist. Nach
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rechtskräftigem Abschluss des Veranlagungsverfahrens steht auch den Erben deshalb
grundsätzlich kein uneingeschränktes Akteneinsichtsrecht mehr zu. Es werden den Erben
jedoch auch die Akten rechtskräftig abgeschlossener Verfahren geöffnet, wenn und soweit sie
ein rechtlich erhebliches Interesse am Einsichtsrecht (z.B. Klärung von Erbansprüchen)
nachweisen und die Gewährung des Akteneinsichtsrechts zumutbar erscheint. Ob
Akteneinsicht zu gewähren ist, hängt u.a. auch davon ab, ob das dadurch zu befriedigende
Interesse nicht auf andere Weise gedeckt ist bzw. gedeckt werden kann
(Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N. 41 f. zu Art. 114 DBG).
Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass die Durchbrechung des
Steuergeheimnisses gemäss Art. 110 Abs. 2 DBG (bzw. Art. 153 Abs. 2 Bst. b StG) sich auf
eine reine Auskunftserteilung beschränkt. Nur in den Fällen von Art. 111 DBG (bzw. Art. 154
StG; Amtshilfe unter Steuerbehörden) darf eine Akteneinsicht gewährt werden
(Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N. 17 zu Art. 110 DBG; Regina Schlup Guignard in:
Praxiskommentar zum Berner Steuergesetz, Band 2, Artikel 126 bis 293, 2011, N. 11 zu
Art. 153 StG).
3.2 Die Steuernachfolge ist keine Folge der erbrechtlichen Universalsukzession (vgl. Art. 560 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs [ZGB; SR 210]), sondern das eigenständige
steuerrechtliche Institut der Nachfolge (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N. 2 zu Art. 12
DBG). Nebst dem Übergang der rechtskräftig festgesetzten Steuerschulden können dank dem
Eintritt der Erben in die Rechte und Pflichten des Erblassers auch im Todeszeitpunkt noch nicht
rechtskräftig festgesetzte Steuern erhoben werden. Die Steuernachfolge umfasst nämlich
nicht nur die Zahlungspflichten (sog. Zahlungsnachfolge), sondern auch die Verfahrensrechte
und -pflichten (sog. Verfahrensnachfolge) des Erblassers (Peter Locher, Kommentar zum DBG,
Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, I. Teil, 2001, N. 1 zu Art. 12 DBG). Die
zivilrechtliche Universalsukzession dient – für die steuerrechtlichen Bedürfnisse umgebildet –
aber als Vorbild. Die Steuernachfolge knüpft an die zivilrechtliche Erbenstellung an. Der Erbe ist
Steuernachfolger (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N. 2 f. zu Art. 12 DBG). Wer
erbunwürdig ist (Art. 540 ZGB) oder vom Erblasser enterbt wurde (Art. 477 ff. ZGB), wer auf das
Erbe verzichtet (Art. 495 ff. ZGB) oder die Erbschaft nach dem Tod des Erblassers
ausgeschlagen hat (Art. 566 ff. ZGB), kann auch nicht als Steuernachfolger in Betracht kommen
(Hunziker/Mayer-Knobel in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über
die direkte Bundessteuer [DBG], 3. Aufl., 2017, N. 1 zu Art. 12 DBG).
3.3 Die gesetzlichen und die eingesetzten Erben haben die Befugnis, die Erbschaft, die ihnen zugefallen ist, auszuschlagen (Art. 566 Abs. 1 ZGB). Die Frist zur Ausschlagung beträgt
drei Monate (Art. 567 Abs. 1 ZGB). Sie beginnt für die gesetzlichen Erben, soweit sie nicht
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nachweisbar erst später von dem Erbfall Kenntnis erhalten haben, mit dem Zeitpunkt, da ihnen
der Tod des Erblassers bekannt geworden, und für die eingesetzten Erben mit dem Zeitpunkt,
da ihnen die amtliche Mitteilung von der Verfügung des Erblassers zugekommen ist (Art. 567
Abs. 2 ZGB). Aus wichtigen Gründen kann die zuständige Behörde den gesetzlichen und den
eingesetzten Erben eine Fristverlängerung gewähren oder eine neue Frist ansetzen (Art. 576
ZGB). Die Ausschlagungsmöglichkeit macht für ihre Dauer jeden Erbschaftserwerb vorerst zu
einem resolutivbedingten Erwerb. Der Erbe ist während der noch laufenden Ausschlagungsfrist
vorläufiger oder provisorischer Erbe (Ivo Schwander in: Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch II,
5. Aufl., 2015, N. 7 zu Art. 560 ZGB).
3.4 Jeder Erbe, der die Befugnis hat, die Erbschaft auszuschlagen, ist berechtigt, ein öffentliches Inventar zu verlangen (Art. 580 Abs. 1 ZGB). Das öffentliche Inventar bezweckt die
genaue Ermittlung der Aktiven und Passiven der Erbschaft als Grundlage für den Entscheid
über deren Annahme oder Ausschlagung (BGer 5P.155/2001 vom 24.7.2001, E. 2a). Das
Begehren muss binnen Monatsfrist in der gleichen Form wie die Ausschlagung bei der
zuständigen Behörde angebracht werden (Art. 580 Abs. 2 ZGB). Nach Abschluss des Inventars
wird jeder Erbe aufgefordert, sich binnen Monatsfrist über den Erwerb der Erbschaft zu erklären
(Art. 587 Abs. 1 ZGB). Wo die Umstände es rechtfertigen, kann die zuständige Behörde zur
Einholung von Schätzungen, zur Erledigung von streitigen Ansprüchen und dergleichen eine
weitere Frist einräumen (Art. 587 Abs. 2 ZGB). Der Erbe kann während der angesetzten Frist
ausschlagen oder die amtliche Liquidation verlangen oder die Erbschaft unter öffentlichem
Inventar oder vorbehaltlos annehmen (Art. 588 Abs. 1 ZGB). Gibt er keine Erklärung ab, so hat
er die Erbschaft unter öffentlichem Inventar angenommen (Art. 588 Abs. 2 ZGB). Übernimmt ein
Erbe die Erbschaft unter öffentlichem Inventar, so gehen die Schulden des Erblassers, die im
Inventar verzeichnet sind, und die Vermögenswerte auf ihn über (Art. 589 Abs. 1 ZGB). Der
Erwerb der Erbschaft mit Rechten und Pflichten wird auf den Zeitpunkt der Eröffnung des
Erbganges zurückbezogen (Art. 589 Abs. 2 ZGB). Für die Schulden, die im Inventar verzeichnet
sind, haftet der Erbe sowohl mit der Erbschaft als mit seinem eigenen Vermögen (Art. 589 Abs.
3 ZGB).
3.5 Vorliegend ist der Rekurrent unstreitig (Mit-)Erbe des Erblassers. Während der Ausschlagungsfrist hat die Steuerverwaltung dem Rekurrenten keine Einsicht in die
Steuerakten des Erblassers gewährt. Dies mit der Begründung, dass er während der Dauer der
Ausschlagungsfrist bloss provisorischer Erbe sei, weshalb ihm keine Einsicht in die Steuerakten
des Erblassers zu gewähren sei. Mit Schreiben vom 24. August 2018 hat der Rekurrent der
Steuerrekurskommission mitgeteilt, dass er (und sein Bruder) während der Erklärungsfrist keine
Erklärung abgegeben hätten, weshalb er (und sein Bruder) die Erbschaft unter öffentlichem
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Inventar gemäss Art. 588 Abs. 2 ZGB angenommen hätten. Dies ist von der zuständigen
Behörde, dem Regierungsstatthalteramt _, bestätigt worden (vgl. E-Mail vom
17.9.2018). Aus dem Gesagten folgt, dass der Rekurrent nicht mehr provisorischer, sondern
definitiver Erbe ist. Ob ihm als provisorischer Erbe zu Recht keine Einsicht in die Steuerakten
des Erblassers gewährt worden ist, kann daher offen bleiben, da ihm unstreitig als definitiver
Erbe grundsätzlich das
voraussetzungslose Akteneinsichtsrecht (in einem laufenden Verfahren) zusteht. Der Rekurrent
ist somit berechtigt, in die Steuerakten des Erblassers Einsicht zu nehmen.
3.6 Wieweit dem Rekurrenten die Akteneinsicht gemäss Art. 157 StG bzw. Art. 114 DBG konkret zusteht, kann von der Steuerrekurskommission indes nicht abschliessend beurteilt
werden. Es kann bloss festgestellt werden, dass der Rekurrent ursprünglich als Grund für die
Akteneinsicht den noch ausstehenden Entscheid über Annahme oder Ausschlagung der
Erbschaft angegeben hat. Mit der Annahme der Erbschaft unter öffentlichem Inventar fällt
dieser Grund entsprechend weg. Als weiterer Grund hat der Rekurrent ein (laufendes)
Nachsteuerverfahren angegeben. In Zusammenhang mit diesem laufenden
Nachsteuerverfahren pro 2013 bis 2015 bezüglich der vom Erblasser errichteten Trusts steht
dem Rekurrenten ein voraussetzungsloses Akteneinsichtsrecht zu. Wie unter E. 3.1 ausgeführt,
soll die Akteneinsicht dem Rekurrenten in einem laufenden Verfahren ermöglichen, sich über
sämtliche für das Verfahren wesentlichen Unterlagen zu orientieren. Dadurch soll er in die Lage
versetzt werden, seine Interessen insbesondere bei der Ausübung von Äusserungs- und
Mitwirkungsrechten, Erhebung von Rechtsmitteln und Erfüllung von Verfahrenspflichten zu
wahren. Ausserhalb eines hängigen Verfahrens setzt das Akteneinsichtsrecht dagegen noch
ein schutzwürdiges Interesse voraus. Es wird somit letztlich Sache der Steuerverwaltung sein,
das Akteneinsichtsrecht im gebotenen Umfang zu gewähren. Sie wird zu entscheiden haben,
welche Steuerakten des Erblassers im Zusammenhang mit dem laufenden
Nachsteuerverfahren stehen und, ob allenfalls darüber hinaus ein schutzwürdiges Interesse für
ein Akteneinsichtsrecht ausserhalb eines rechtshängigen Verfahrens besteht und die
Gewährung eines solchen zumutbar ist. Der Rekurs und die Beschwerde sind deshalb
gutzuheissen, der angefochtene Einspracheentscheid ist aufzuheben und die Steuerverwaltung
anzuweisen, dem Rekurrenten im Sinn der Erwägungen Akteneinsicht zu gewähren.
4. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Rekurrent keine Verfahrenskosten zu tragen (Art. 144 Abs. 1 DBG sowie Art. 200 Abs. 1 StG). Weil der Rekurrent im vorliegenden Verfahren
nicht vertreten ist, werden keine Parteikosten gesprochen (Art. 200 Abs. 4 StG sowie Art. 144
Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das
Verwaltungsverfahren [VwVG; SR 172.021]).
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