# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 23310557-d391-4fff-8645-1729171cc0eb
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Die 1986 geborene
X._
war
nach einer abgeschlossenen Ausbildung zur Köchin
zuletzt vom
1.
Oktober 20
1
0 bis 2
2.
August 2012 als Betriebs
arbei
terin bei der
Y._ AG
a
ngestellt.
Am 2
2.
April 2012 wurde ihre Tochter geboren.
Am
1
4.
Mai 2016
meldete sie sich unter Hinweis auf
einen
Borderline
-Typ und Depressionen
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
7/1-2
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizini
sche und erwerbliche A
bklärungen
und
veranlasste
am
6.
Dezember 2016 und am 6. Juni 2019 jeweils eine
Abklärung im Haushalt (Bericht
e
vom
8.
Dezember 2016
,
Urk. 7/18
, und
7.
Juni 2019,
Urk.
7/110
). Zudem sprach sie d
er Versicherten
verschiedene berufliche Massnahmen zu
(vgl. etwa
Urk.
7/53
,
Urk.
7/66,
Urk.
7
/83 und Urk. 7/96), in deren Folge die Versicherte am
1.
Februar 2019 in der
Genossenschaft
Z._
eine Anstellung als Verkäuferin in einem 50
%
-Pen
sum antreten konnte (
Urk.
7/104).
Nach durchgeführtem
Vorbescheid
ver
fahren
(
Urk.
7/118
) sprach sie
ihr
mit Verfügung
en
vom 17.
Oktober 2019
gestützt auf eine 61.5%ige Einschränkung im Erwerbsbereich (hypothetische Erwerbstätigkeit 60
%
) und eine Einschränkung von 8
%
im Haushalt (Anteil 40
%
)
ab
1.
Februar 2019 eine
Viertelsrente
der Invalidenversicherung (
Gesamtinvaliditätsgrad 40
%
,
Urk. 2
/1
)
samt Kinderrente (
Urk.
2/2) zu
.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 1
8.
November 2019 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, die angefochtene
n
Verfügung
en
sei
en
aufzuheben und es sei
ihr ab dem 1.
Februar 2019 eine Rente der Invalidenversicherung gestützt auf einen In
validitätsgrad von mindestens 50
%
zuzusprechen. Zudem sei ihr die unent
gelt
liche Prozessführung unter Bestellung einer unentgeltlichen Rechtsvertretung zu bewilligen. Am
7.
Januar 2020
(Urk.
6
) beantragte die IV-Stelle, die Beschwerde sei abzuweisen.
Mit Verfügung vom 1
7.
Januar 2020 (Urk. 12)
gewährte das hiesige Gericht der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung und bestellte ihr Rechtsanwalt
Dr.
Massimo
Aliotta
als unentgeltlichen Rechtsvertreter für das vorliegende Verfahren.
Mit Replik vom
1
9.
Februar 2020
(
Urk.
13
) hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest. Mit Eingabe vom
3.
März 2020
teilte die Beschwerdegegnerin mit, dass sie auf das Einreichen einer Duplik ver
zichte (
Urk.
16). Mit Eingabe vom 1
5.
September 2020 reichte die Beschwerde
führerin weitere Unterlagen ein (
Urk.
18-20/1-3), welche ihrem Rechtsvertreter und der Beschwerdegegnerin am
2.
Oktober 2020
zur Kenntnis gebracht wurde
n
(Urk.
21
).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburtsge
brechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
).
1.4
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität nach
Art.
16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgaben
bereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach
Art.
28a
Abs.
2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der unent
geltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entspre
chend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (
Art.
28a
Abs.
3 IVG); dies ist die gemischte Methode der Invaliditätsbemessung (vgl. BGE 141 V 15 E. 3.2 mit
Hinweisen).
Gemäss dem in Art. 27
bis
Abs. 2–4
der
Verordnung über die Invalidenversi
che
rung (IVV)
per 1. Januar 2018 eingeführten neuen Berechnungsmodell für die Festlegung des Invaliditätsgrads von teilerwerbstätigen Versicherten nach der gemischten Methode (Art. 28a Abs. 3 IVG) werden der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Erwerbstätigkeit und der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich – weiterhin – summiert (
Art.
27
bis
Abs. 2 IVV). Die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Erwerbstätigkeit richtet sich nach
Art.
16 ATSG, wobei das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person durch die Teilerwerbstätigkeit erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, auf eine Vollerwerbstätigkeit hochgerechnet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. a IVV) und die prozentuale Erwerbseinbusse anhand des Beschäftigungsgrads, den die versi
cherte Person hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, gewichtet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. b IVV). Für die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich wird der prozentuale Anteil der Ein
schränkungen bei der Betätigung im Aufgabenbereich im Vergleich zur Situation, wenn die versicherte Person nicht invalid geworden wäre, ermittelt. Der Anteil wird anhand der Differenz zwischen dem Beschäftigungsgrad nach Absatz 3
lit
. b und einer Vollerwerbstätigkeit gewichtet (
Art.
27
bis
Abs. 4 IVV).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung vom
17. Okto
ber 2019
(Urk. 2
/1
) damit, dass
die Beschwerdeführerin bei guter Gesundheit zu 60
%
im Erwerb und zu 40
%
im Haushalt tätig wäre. Die Einschränkung im Haushalt betrage 8
%
. Seit dem
1.
Februar 2019 bestehe in jeglicher Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
. Unter Berücksichtigung des derzeitigen Lohnes in ihrer 50
%
-Tätigkeit bei der Berechnung des Invalideneinkommens ergebe sich
ein
Gesamti
nvaliditätsgrad von 40
%
.
Ein Rentenanspruch könne erst nach Ab
schluss der beruflichen Massnahmen mit Taggeld entstehen, weshalb sie ab
1.
Februar 2019 Anspruch auf eine
Viertelsrente
habe (S. 3).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgege
nüber auf den Standpunkt
,
die von der Beschwerdegegnerin
an
genommene Qualifikation von 60
%
im Erwerbsbe
reich und 40
%
im Haushalt treffe nicht zu. Vielmehr sei - aus näher dargelegten Gründen -
im Gesundheitsfall
von einer mindestens 80%igen Erwerbstätigkeit auszugehen (
Urk.
13
S. 2-5).
Eine lediglich 8%ige Einschränkung im Haushalt könne zudem nicht nachvollzogen werden. Für die Abklärung der Einschrän
kun
gen der Beschwerdeführerin bei der Führung des Haushaltes hätte eine Fach
per
son aus dem Bereich Psychiatrie beigezogen werden müssen (S. 5). Beim
Validen
einkommen
habe die Beschwerdegegnerin die ordentlichen Lohnerhöhungen, mit welchen die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall hätte rechnen können, nicht berücksichtigt. Ihr sei eine Rente der Invalidenversicherung gestützt auf einen Invaliditätsgrad von mindestens 50
%
zuzusprechen (S. 6).
3.
Der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
A._
vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) hielt in seiner Stellungnahme vom 2
5.
April 2019 (Urk. 7/116/9-10) keine Diagnose ohne und folgende
Diagnose mit Auswirkung auf die Arb
eitsfähigkeit
fest
:
-
Borderline
-Typ Persönlichkeitsstörung
(F60.31)
Dazu führte er aus, seit dem
1.
Februar 2019 bestehe eine Arbeitsfähigkeit für jede Tätigkeit zu 50
%
. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit liege ein dauerhaft
die Arbeitsfähigkeit einschränkender Gesundheitsschaden vor. Es liege ein Arbei
ts
vertrag als Verkäuferin in Teilzeit zu 50
%
ab
1.
Februar 2019 vor. In Anbetracht der Anamnese, der geklagten Beschwerden, des instabilen Verlaufes bisher mit
Hospitalisationen
und tagesklinischen Aufenthalten könne die Integration in den
1.
Arbeitsmarkt mit einem Pensum/einer Arbeitsfähigkeit zu 50
%
nachvollzieh
bar
als bestmögliche Integration betrachtet werden.
4.
4.1
Vorliegend ist unbestritten und ausgewiesen, dass die Beschwerdeführerin auf
grund ihrer psychischen Beschwerden in jeglicher Tätigkeit zu 50
%
arbeits
un
fähig ist.
Umstritten
sind
hingegen
ihre
Qualifikation sowie der Umfang ihrer Einschränkung im Haushalt.
4.2
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Ren
tenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode der Invaliditäts
bemessung (
Art.
28a IVG) zu bestimmen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betäti
gungs
vergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Um
ständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entschei
dend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Per
son
im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypo
thetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Be
son
deren sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhält
nisse
ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen
Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhält
nisse
, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Er
werbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwie
genden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Be
urteilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4).
4.3
4.3.1
Die Beschwerdegegnerin qualifizierte die Beschwerdeführerin als zu 60 % Erwerbs- und zu 40 % im Haushaltbereich Tätige. Dabei stützte sie sich auf deren Angaben anlässlich der Haushaltabklärung vom 6. Juni 2019 (Urk. 7/110). Die Beschwerdeführerin führte dabei aus, die familiäre Situation habe sich ab Januar
2017 vollständig geändert. Sie lebe seither getrennt. Wenn sie gesund wäre, würde
aber die Tochter bei ihr leben und sie würde sich um sie kümmern. Ihre Eltern wohnten in unmittelbarer Nähe und die Tochter könnte dort das Mittagessen einnehmen. Zudem gebe es einen Hort, wo sie vor der Schule hingehen könnte. Wieviel Geld sie vom Ehemann erhalten hätte, könne sie nicht sagen, er verdiene aber gut. Sie würde maximal einer 60%igen Erwerbstätigkeit nachgehen wollen (S. 4).
Die Beschwerdeführerin brachte dagegen vor (Urk. 13), es sei davon auszugehen, dass sie ohne die eingetretene Krankheit zusammen mit ihrem Ehemann, ihrer Tochter und den Schwiegereltern im gleichen Hause weiter gewohnt hätte. Unter diesen Umständen sei es willkürlich anzunehmen, dass sie lediglich zu 60 % im Erwerb tätig wäre und 40 % im Haushalt. Es sei mithin lebensfremd, dass sie im Gesundheitsfall geschieden worden wäre und zwingend alleinerziehend gewesen wäre. Im Gegenteil sei davon auszugehen, dass sie im Gesundheitsfall mindestens 80 % im Erwerb tätig gewesen wäre und lediglich 20 % im Haushalt. Während der Woche hätte problemlos die Schwiegermutter zur Tochter schauen können, da sie ja im gleichen Haus wohne und im Gesundheitsfall sie mit Ehemann und Tochter weiterhin im gleichen Hause gelebt hätte (S. 4 f.).
4.3.2
Mit ihren jeweiligen Vorbringen zielen beide Parteien an der Sache vorbei. Zutreffend ist, dass die Beschwerdeführerin seit kurz nach ihrer Hochzeit im Jahre 2011 an psychischen Beschwerden
leidet. Seither war sie wiederholt in stationärer Behandlung und verübte mehrere Suizidversuche (vgl. etwa Urk. 7/2 und Urk.
7/10). Dass ihre Erkrankung ihre Ehe stark belastet hat, ist offenkundig. Ob dies schliesslich auch zur Scheidung geführt hat, ist indes nicht relevant. Die Beschwerdeführerin ging - im Gesundheitsfall - davon aus, dass sie noch im Familienverbund leben würde und die Beschwerdegegnerin, dass sie alleiner
zie
hend wäre. Beide Ansichten werden der Fragestellung nicht gerecht.
4.3.3
Nach der Rechtsprechung zielt die Qualifikationsfrage darauf ab, wie eine ver
sicherte Person
hypothetisch, d.h. ohne Gesundheitsschaden, aber bei sonst gleichen Verhältnissen,
tätig wäre (
BGE 133 V 477
E. 6.3
).
Das Vorbringen etwa, sich nur aufgrund eines Reitunfalls und der beruflichen und privaten Neu
orien
tierung für ein Kind entschieden zu haben, verwarf das Bundesgericht und hielt fest, dass
derlei konkrete Lebenssituationen im Rahmen der Statusfrage als gege
ben zu betrachten sind
(
Urteil des Bundesgerichts 9C_129/2019 vom 5. Juni 2019
E.
6.2 mit Hinweisen). Im gleichen Sinne entschied es im Urteil 9C_915
/2012 Urteil vom 15.
Mai 2013, dass ein Unfallereignis -
gemäss
der Versicherten im Sinne eines «Ersatzprogrammes» (statt vollzeitlich erwerbstätig zu bleiben) -
die Grün
dung einer Familie
wohl
begünstigt
haben mochte. Indessen könne
nach der all
gemeinen Lebenserfahrung und dem gewöhnlichen Lauf der Dinge unter Berück
sichtigung der menschlichen Natur nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, die Versicherte würde heute ohne die erlittenen Unfälle nicht in einer Partnerschaft leben oder jedenfalls keine Kinder haben
(
Urteil
des Bundesgerichts
9C_915/2012 vom 15. Mai 2013 E. 4.2.1
).
4.3.4
Bei dieser Ausgangslage ist zur Beantwortung der Qualifikationsfrage von den konkreten Verhältnissen auszugehen. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass die Beschwerdeführerin in Trennung lebt respektive die Scheidung bevorsteht, dass der Ehemann die Obhut über die Tochter ausübt, diese nur einen Nachmittag pro Woche sowie jedes zweite Wochenende bei ihr verbringt und dass die Beschwer
deführerin keinerlei Zahlungen vom Ehemann empfängt (Urk. 7/110 S. 3 f. und
Urk.
7/106/2). Ob die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall bei der Familie leben
oder auch im Scheidungsverfahren stehen und ob
diesfalls
ihr das
Obhutsrecht
zugesprochen würde, ist nicht relevant.
4.3.5
Angesichts der geschilderten Umstände ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall in einem hohen Pensum erwerbstätig wäre. Sie bekommt keine Unterhaltszahlungen und hat die Tochter lediglich an einem Nachmittag sowie jedes zweite Wochenende zu betreuen. Vor der Geburt der Tochter war die Beschwerdeführerin vollzeitlich erwerbstätig und gab die Arbeit wegen des Fami
lienzuwachses auf. Diese Umstände deuten darauf hin, dass die Beschwer
deführerin - wie sie beantragt (Urk. 13 S. 5) - jedenfalls zu 80 % arbeitstätig wäre
respektive sein müsste, um überhaupt ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können
. So hätte sie auch Zeit für die Betreuung der Tochter.
Die Beschwerdeführerin ist demgemäss als zu 80 % im Erwerbs- und 20 % im Haushaltsbereich tätig zu qualifizieren.
5.
5.1
Zu prüfen bleibt, wie sich das Leistungsvermögen de
r
Beschwerdeführer
in
in wirt
schaftlicher Hinsicht auswirkt.
Der für die Invaliditätsbemessung und damit den Rentenanspruch massge
bende Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (BGE 130 V 343 E. 3.4.2).
5.2
Die Beschwerdegegnerin hat das
Valideneinkommen
gestützt auf die Tabellen
löhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohn
strukturerhebungen (LSE) 2016
(TA1)
festgelegt und dabei den monatlichen Brutto
lohn (Zentralwert) für Frauen in praktischen Tätigkeiten im Sektor Land
verkehr, Schifffahrt, Luftfahrt,
Lagerei
(
Ziff.
49-52) herang
ezogen (
Fr.
5'327.--) und diesen unter Berücksichtigung einer betriebsüblichen durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden auf das Jahr 2019 aufgerechnet. Daraus ergibt sich
ein
Valideneinkommen
von
Fr.
67'578.10 (vgl.
Urk.
7/115/1), was nicht zu bean
standen ist. Soweit die Beschwerdeführerin geltend machte, es sei stattdessen ihr letztes Einkommen
samt Lohnerhöhungen zu berücksichtigen,
ist festzuhalten, dass nicht erstellt ist, dass sie ihre letzte Stelle gesundheitsbedingt aufgegeben
hat
, diese also ohne Erkrankung und trotz der Geburt ihrer Tochter mit über
wie
gender Wahrscheinlichkeit weiterhin ausüben würde
(vgl. dazu auch
Urk.
7/1/8)
. Ohnehin
würde sich bei Aufrechnung ihres letzten Ein
kommens (Fr.
62'536.50 per 2012,
Urk.
7/7/2) auf das Jahr 2019 (vgl. Indices 2012: 2630 und 2019: 2759, Entwicklung der Nominallöhne, Bundesamt für Statistik, T39, Frauen)
ein ti
eferes
Valideneinkommen
ergeben, weshalb darauf nicht weiter einzugehen ist.
5.3
Das Invalideneinkommen ist unbestritten auf
Fr.
26'000.-- festzulegen, nachdem die Beschwerdeführerin mit ihrer 50
%
-Tätigkeit in der
Ge
nossenschaft
Z._
ihre Restarbeitsfähigkeit bestmöglich ausschöpft.
5.4
Aus dem Vergleich des Validen- mit dem Invalideneinkommen
ergibt sich ein
e Einschränkung von 61.5
%
im Erwerbsbereich,
woraus
bei einer Gewichtung zu
8
0
% ein
Teilinvaliditätsgrad von
49
.
2
%
resultiert
.
6.
Die Beschwerdegegnerin ging von einer Einschränkung im Haushalt von 8 % aus, was gewichtet zu 20 % zu einem Teilinvaliditätsgrad von 1.6 % und einem Gesamtinvaliditätsgrad von 51 % und einem Anspruch auf eine halbe Rente führt.
Um Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
der Invalidenversicherung zu haben, müsste
die Beschwerdeführerin in ihrem Aufgabenbereich mindestens zu 51.5 % eingeschränkt sein ([59.5 - 49.2] / 20 %).
Anlässlich der Haushaltsabklärung vom
6.
Juni 2019 stellte die Beschwerdegegnerin eine Einschränkung von 8
%
fest.
Entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin (
Urk.
13 S. 5) war b
eim Ge
spräch eine Fachperson
aus dem Bereich Psychiatrie
anwesend
.
Diese bestätigte ebenso wie die Beschwerdeführerin, dass sie in den
Aufgabenbereichen Ernäh
rung, Wohnungs- und Hauspflege sowie Haustierhaltung nicht eingeschränkt ist
(Gewichtung der Bereiche: 60
%
). Auch aus den Ausführungen der Abklä
rungs
person ist nachvollziehbar, dass in diesen Bereichen keine Einschränkung besteht
und es ist darauf abzustellen
.
Bei dieser Ausgangslage könnte selbst bei einer vollständigen Einschränkung in den anderen Bereichen (Einkauf sowie weitere Besorgungen, Wäsche und Kleiderpflege sowie Betreuung von Kindern und/oder Angehörigen) gar keine Gesamteinschränkung von 51.5 % resultieren. Aus den Akten ergeben sich zudem keine Anhaltspunkte für eine Einschränkung in hohem Ausmass.
Der exakte Umfang der Einschränkung im Aufgabenbereich kann unter diesen Umständen offenbleiben. Von weiteren medizini
schen Abklärungen zu
den Einschränkungen der Beschwerdeführerin bei der Führung des Haushaltes sind keine zusätzlichen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf in antizipierter Beweiswürdigung (
vgl. BGE 122 V 157 E. 1d mit Hinweisen) zu
verzichten ist.
Dies führt zur
Gutheissung d
er Beschwerde.
7
.
7
.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig und sind die Gerichtskosten gemäss Art. 69
Abs. 1
bis
IVG ermessensweise auf Fr.
7
00.-- festzusetzen
.
Ausgangs
gemäss sind die Gerichtskosten der Beschwerde
gegnerin aufzuerlegen.
7
.2
Bei diesem Ausgang des Verfahrens
hat die Beschwerdegegnerin
dem
unentgelt
liche
n
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin,
Rechtsanwalt
Dr.
Massimo
Aliotta
,
Winterthur,
eine Entschädigung
zu entrichten
. Nachdem er keine Honorarnote eingereicht hat (vgl.
Urk.
17
Ziff.
2), ist
diese
vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeu
tung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitauf
wand und den Barauslagen (§ 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht,
GSVGer
) auf Fr. 2‘200.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen.