# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 6e10e16e-6b3c-4af3-9855-3d44846a2417
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1966, ausgebildeter Hochsee-Kapitän, zog 1993 in die Schweiz
und arbeitete hier vorwiegend in der Reinigungsbranche
und als Haus
wart
(vgl.
Urk.
9/22,
Urk.
9/
129)
, seit Dezember 2009
als Gesellschafter und Ge
schäftsführer
der von ihm gegründeten
Y._
GmbH (
Urk.
9/63/77). Im Oktober 2009 meldete er sich
unter Hinweis auf Muskel-, Herz-, Nieren- und
p
sychische Probleme zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
9/7). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte bei den behandelnden Ärzten Auskünfte ein
(
Urk.
9/15 ff.,
Urk.
9/25)
und wies sein Leistungsbegehren mit Verfügung vom
1
2.
Februar 2014 ab (
Urk.
9/56
). Diese Verfügung wurde mit Urteil IV.2014.00290 vom 3
1.
August 2015 aufgehoben und die Sache zur weiteren medizinischen Abklärung zurückgewiesen (
Urk.
9/71).
In der Folge
gab die IV-Stelle bei Prof.
Dr.
Z._
, Facharzt
FMH für Neuro
logie, Psychiatrie und Psychotherapie,
ein psychiatrisches Gutach
t
en in Auftrag, welches dieser mit Datum vom 2
6.
August 2016 erstattete (
Urk.
9/97). Gestützt hierauf verneinte die IV-Stelle
mit Verfügung vom
3.
Januar
2017 erneut
einen Leistungsanspruch
des Versicherten
(
Urk.
9/1
04). Mit Urteil IV.2017.00636 vom 2
9.
Mai 2018 hob das hiesige Gericht auch diese Verfügung auf und wies die IV-Stelle an, den weiterhin ungeklärten bzw. durch das psychiatrische Gutachten nicht beantworteten Fragen nachzugehen (
Urk.
9/127).
In Nachachtung diese
s
Urteils zog die IV-Stelle bei den behandelnden Ärzten Verlaufsberichte (
Urk.
9/152,
Urk.
9/159 [wiederholte Abmahnung],
9/163
f.,
Urk.
9/170)
ein, zog die Akten der Krankenkasse hinsichtlich der in Anspruch genommenen Behandlungen und
des
Bezug
s
von Medikamenten bei (
Urk.
9/156,
Urk.
9/175,
Urk.
9/178) und beauftragte Prof.
Dr.
Z._
sowie
Dr.
med.
A._
, FMH
Orthopädische C
hirurgie
& Traumatologie des Bewegungsapparates, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, mit der
bidisziplinären
(Verlaufs)
Begutachtung des Versicherten (
Urk.
9/168 ff.). Nach Eingang des Gutachtens vom
7.
Januar 2020 (
Urk.
9/183)
nahm
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Psychi
a
trie und Psychotherapie, Mitglied des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD),
aktenbasiert eine versicherungsmedizinische Beurteilung vor
(
Urk.
9/187/10
).
Gestützt hierauf
sprach die
IV-Stelle X._
mit Verfügung vom 2
8.
Mai 2020
und
mit Wirkung ab
1.
Juli 2014
wie vorbeschieden
(Vorbescheid vom
9.
März 2020 [
Urk.
9/188])
eine halbe Invalidenrente samt akzessorischer Kinder
rente für die Periode bis 3
1.
August 2017 zu
(
Urk.
9/200 =
Urk.
2)
. Auf dem Nachzahlungsbetrag bis Ende April 2020 von insgesamt
Fr.
53'080.-- bezahlte sie Verzugszinsen. Ferner verrechne
te sie diesen im Umfang von Fr.
14'978.45 mit einer Forderung der
Krankentaggeldversicherung des Rentenbezügers.
2.
Gegen dies
e Verfügung erhob X._
mit Eingabe vom
2.
Juli 2020 (Urk. 1) Beschwerde mit folgendem Rechtsbegehren:
1.
«
Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 2
8.
Mai 2020 sei insofern abzuändern, als dass dem Beschwerdeführer IV-Nachzahlungen in Höhe von CHF 60'926.55 zzgl. Verzugszins auszuzahlen seien.
2.
Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 2
8.
Mai 2020 sei auch insofern abzu
ändern, als dass
dem Beschwerdeführer vom
1.
Jun
i 20
1
7 bis zum 3
1.
August 2019 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen sei. Ab dem
1.
September 2019 sei ihm wieder eine halbe Rente zuzusprechen.
3.
Eventualiter: Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 2
8.
Mai 2020 sei insofern abzuändern, als dass keine Verrechnung zugunsten der Schweizerischen Mobiliar in der Höhe von
Fr.
14'978.45 vorzunehmen sei.
4.
Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 2
8.
Mai 2020 sei insofern abzuändern, als dass dem Beschwerdeführer die Invalidenrente bereits ab dem
1.
April 2013, even
tualiter ab dem
1.
April 2014 auszuzahlen sei.
5.
Eventualiter: das Verfahren sei zur Korrektur der oben genannten Punkte (1.-4.) an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
»
Mit Beschwerdeantwort vom
9.
Oktober 2020 (
Urk.
8, unter Hinweis auf
Urk.
10) beantragte die Beschwerdegegnerin, es sei i
m Sinne einer
reformatio
in
pei
us
die angefochtene Verfügung aufzuheben und festzustellen, dass der Beschwerde
füh
rer keinen Rentenanspruch habe, eventuell sei die Sache zur weiteren Abklärung und Neuverfügung zurückzuweisen. Gegebenenfalls sei die V
errechnung mit der Forderung der
Schweizerischen Mobiliar zu schützen (vgl.
Urk.
10). Im Rahmen des angeordneten zweiten Schriftenwechsels (
Urk.
11) hielten die Parteien mit
Replik vom 1
7.
November 2020 (
Urk.
13) und Duplik vom
5.
Januar 2021 (
Urk.
17
) an ihren Anträge
n
fest, worauf der Schriftenwechsel mit Verfügung vom
6.
Janu
ar 2021 (
Urk.
18) geschlossen wurde.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Strittig und zu prüfen ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführers für den Zeit
raum bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung (2
8.
Mai 2020).
In den vor
an
gegangenen Urteilen IV.2014.00290 vom 3
1.
August 2015 und IV.2017.00636
vom 2
9.
Mai 2018 legte das Gericht die
Begriff
e
der Invalidität (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG)
und
der Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG), die Voraussetzungen eines Rentenan
spruchs
und
dessen Abstufungen (
Art.
28
des Bundesgesetzes über die Invali
den
versicherung,
IVG)
sowie
die Rechtsprechung zu den Beeinträchtigung
en
der psy
chischen Gesundheit (BGE 141 V 281)
, insbesondere der für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit anzuwendenden Indikatoren, ausführlich dar, weshalb - um Wiederholungen zu vermeiden - darauf verwiesen wird (Urteil IV.2014.00290 E.
1.
1.
bis E.
1.3; Urteil IV.2017.00636 E. 1.2 bis E. 1.3). Zu ergänzen bleibt Fol
gendes:
1.2
Der Rent
enanspruch entsteht gemäss Art.
29 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistung
sanspruchs nach Artikel 29 Abs.
1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung d
es 18. Alters
jahres folgt (Abs.
1). Der Anspruch entsteht nicht, solange die versicherte Person ein Taggeld nach Art. 22 IVG beanspruchen kann (Abs. 2). Die Rente wird vom Beginn des Monats an ausbezahlt, in dem de
r Rentenanspruch entsteht (Abs.
3). Beträgt der Invaliditätsgrad weniger als 50 %, so werden die entsprechenden Ren
ten nur an Versicherte ausbezahlt, die ihren Wohnsitz und ihren gewöhn
lichen Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der Schweiz haben. Diese Voraussetzung ist auch von Angehörigen zu erfüllen, für die eine Leistung beansprucht wird (Abs. 4).
1.3
Die Wartezeit im Sinne von
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG gilt in jenem Zeitpunkt als eröffnet, in welchem eine deutliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit einge
treten ist. Als erheblich in diesem Sinne gilt bereits eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % (AHI 1998 S. 124 E. 3c; Urteil des Bundesgerichts I 10/05 vom 14. Juni 2005 E. 2.1.1 in
fine
mit Hinweisen). Unter relevanter Arbeitsunfähigkeit im Sinne dieser Bestimmung ist eine Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zu verstehen. Das heisst, es muss arbeits
rechtlich in Erscheinung treten, dass die versicherte Person an Leistungs
vermögen eingebüsst hat, so etwa durch einen Abfall der Leistungen mit entsprechender Feststellung oder gar Ermahnung des Arbeitsgebers oder durch gehäufte, aus dem Rahmen fallende gesundheitlich bedingte Arbeitsausfälle. Mit anderen Worten: Die Leistungseinbusse muss in aller Regel dem seinerzeitigen Arbeitgeber aufgefallen sein. Eine erst nach Jahren rückwirkend festgelegte medi
zinisch-theoretische Arbeitsunfähigkeit genügt nicht. Umgekehrt ist eine in der beruflichen Tätigkeit im Vergleich zu einer gesunden Person tatsächlich nur redu
ziert erbrachte Leistung für sich allein gesehen in aller Regel ebenso wenig aus
reichend für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit im Sinne des Gesetzes. Viel
mehr bedarf es dazu regelmässig zusätzlich einer (überzeugenden) medizinischen
Einschätzung, die
ordentlicherweise
echtzeitlicher Natur ist. Der Zeitpunkt des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit muss mit dem im Sozialversicherungsrecht übli
chen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Dieser
Nachweis darf nicht durch nachträgliche erwerbliche oder medizinische Annah
men und spekulative Überlegungen ersetzt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_204/2012 vom 19. Juli 2012 E. 3.2 mit weiteren Hinweisen).
Ein wesentlicher Unterbruch der Arbeitsunfähigkeit im Sinne von Artikel 28 Abs. 1
lit
. b IVG liegt gemäss Art. 29
ter
der Verordnung über die Invalidenver
si
cherung (
IVV
)
vor, wenn die versicherte Person an mindestens 30 aufeinander
folgenden Tagen voll arbeitsfähig war
.
1.4
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfe
n sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische Th
ese ab
stellen (BGE 125 V 351 E.
3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
Den von Versicherung
strägern im Verfahren nach Art.
44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (sogenannte Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper
tise sprechen (BGE 135 V 465 E.
4.4; Urteil des Bundesgerichts 9C_823/2018 vom
11. Juni 2019 E.
2 mit Hinweisen).
1.5
Über das Zusammenwirken von Recht und Medizin bei der konkreten Rechts
anwendung hat sich das Bundesgericht verschiedentlich geäussert. Danach ist es sowohl den begutachtenden Ärzten als auch den Organen der Rechtsanwendung aufgegeben, die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall mit Blick auf die normativ vorge
gebenen Kriterien zu beurteilen. Die medizinischen Fachpersonen und die Organe der Rechtsanwendung prüfen die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht. Bei der Ab
schätzung der Folgen aus den diagnostizierten gesundheitlichen Beeinträchti
gungen nimmt zuerst der Arzt Stellung zur Arbeitsfähigkeit. Seine Einschätzung ist eine wichtige Grundlage für die anschliessende juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 141 V 281 E. 5.2.1).
Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere darauf
hin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen
anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen
. Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des struk
turierten Beweisverfahrens stattfinden, sondern im Rahmen der Beweiswürdigung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen Vorgaben Rechnung tragen. Entscheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im Rahmen des Sozialversicherungsrechts abschliessend nur aus juristischer Sicht beantwortet werden kann. Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis für eine lang andau
ernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur dann als geleis
tet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Ein
schränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeits
unfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenansprechenden Person auswirkt (BGE 144 V 50 E. 4.3
).
2
.
2
.1
Die Gutachter Prof.
Dr.
Z._
und
Dr.
A._
untersuchten
den Beschwer
deführer im Rahmen des
bidisziplinären
Gutachtens vom
7.
Januar
2020 (
Urk.
9/183) am 2
6.
November 2019 persönlich
, hielten die dabei - klinisch, bild
gebend und labortechnisch - erhobenen Befunde fest und leiteten daraus - unter Beachtung der geklagten Beschwerden sowie der vollständigen medizinischen Vor
akten -
ihre Diagnosen und Einschätzung der Arbeitsfähigkeit, auch im Krankheitsverlauf und in Auseinandersetzung mit anderslautenden ärztlichen Bescheinigungen, begründet ab. Die gesamtmedizinische Beurteilung erfolgte im Rahmen eines
bidisziplinären
Konsenses. Damit erfüllt das Gutachten vom
7.
Janu
ar
2020
grundsätzlich die an ein Administrativgutachten
gestellten
Beweis
anforderungen
(E. 1.4)
.
2.2
In somatischer (
orthopädischer) Hinsicht erhob
Dr.
A._
ein chronisches
lumbo
spondylogenes
Schmerzsyndrom ohne
Radikulopathie
(ICD-10: M54.97) bei mus
kulärer
Dysbalance
und Haltungsinsuffizienz, Kyphose des
thorakolumbalen
Übergangs Th12 bis L3 mit einem Cobb-Winkel von 8°,
iliosakraler
Dysfunktion mit begleitender Facettengelenksdysfunktion L5 bis S1 un
d mit näher um
schriebener, multiseg
mentaler
,
mittelgradig ausgeprägter Bandscheibende
genera
tion, vorwiegend in den oberen und mittleren Abschnitten der Lendenwirbelsäule (LWS
;
Urk.
9/183/7)
.
Unter Beachtung des näher ausgeführten (
Urk.
9/183/165) positiven wie negativen Leistungsbildes erachtete
Dr.
A._
die Arbeitsfähigkeit für Hauswart- und Reinigungsarbeiten weiterhin als gegeben an. Aus ortho
pädisch-versicherungsmedizinischer Sicht hätten zu keinem Zeitpunkt gesicherte orthopädisch-chirurgische Störungsbilder mit
handicapierenden
Auswirkungen vorgelegen, welche die mittel- und langfristige Arbeitsfähigkeit des Beschwerde
führers in dieser zuletzt ausgeübten sowie in einer allfällig adaptierten Tätigkeit um mehr als 20
%
eingeschränkt hätten. Unter Wahrung der Schonkriterien
(keine Schwerst- und Schwerarbeiten, keine ständige mittelschwere Arbeiten, kein Heben und Trage
n von Lasten körperfern über 10
kg und Heben und Tragen von Lasten körpernah über 15 kg ohne technische Hilfsmittel, keine repetitive
n
stereotype
n
Bewegungsabläufe,
kein
mehr als gelegentliche
s
Heben von Lasten über die Horizontale, keine Tätigkeiten mit Rotation der BWS/LWS im Sitzen/
Stehen mit Gewichtsbelastung über 5 kg,
keine
mehr als gelegentliche Tätigkeiten [über drei Stunden täglich] in nach vorne geneigter, stehender Haltung und ohne Tätigkeiten mit länger währender Einnahme nur einer Körperposition)
bestehe für eine rückenadaptierte Tätigkeit mit intermittierender stehender, gehender und
sitzender Körperposition aus orthopädisch-versicherungsmedizinischer Sicht bezo
gen auf ein volles Pensum eine quantitativ unlimitierte Arbeitsfähigkeit von 100
%
(
Urk.
9/183/11
,
Urk.
9/183/167
).
2.3
2.3
.1
Prof.
Dr.
Z._
erhob als relevante Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit (1) eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F 45.41), (2) eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung (
disorders
of
extreme stress not
otherwise
specified
; DESNOS) mit leichtgradiger
Symptomatik und (3) eine rezidivierende depressive Störung
(
chronifiziert
), im Verlauf mittelgradig und gegenwärtig (November 2019) leichtgradig bei Schwan
kungen in der Ausprägung (ICD-10 F 33.8)
. Zur Herleitu
ng der Diagnosen verwies er einerseits auf sein Vorgutachten vom 2
6.
August 2016 und ergänzte, dass die Umstände, wonach die Schmerzen im Zusammenhang einer psychosozialen Be
lastung aufgetreten seien und die subjektive Schmerzintensität hierdurch beein
flusst werde, gerade die aus medizinischer Sicht geforderten Kriterien einer chro
nischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren darstellten. Die
Traumafolgestörung
sei im
C._
(In
tegrierte Psychiatrie C._
)
, von der psychiatrischen
Behandlerin
sowie von den Gutachtern
unabhängig voneinander
diagnostiziert worden. Der Ausprägungsgrad der
Traumafolgestörung
sei aller
dings
aktuell
nur noch leichtgradig, dies sei bereits im Vorgutachten so be
schrieben worden. Jedoch interferiere die Diagnose mit der somatoformen Schmerz
störung
des Beschwerdeführers als ein wesentlicher unterhaltender Faktor des chroni
schen
Schmerzsyndroms und gewinne daher eine ausserordentliche Relevanz für das gesamte Störungsbild (
Urk.
9/183/99).
2.3
.2
Im Zusammenhang mit dem Ausprägungsgrad führte
Prof.
Dr.
Z._
aus, dass im Vordergrund der Symptomatik die chronischen Schmerzen stünden, die sic
h
als quasi-Ganzkörperschmerzen äussern würden. Bishe
rige Behandlungsmass
nahmen (Infi
ltrationen und
Ketamin
/
Lidocain
-Infusionen
)
seien ohne nachhalti
gen
Erfolg geblieben. Die behandelnde Psychiaterin spreche von einer
Therapie
re
frakt
ä
rität
. Als Folge der vorbenannten Störungen (PTBS und Schmerzsymp
to
matik) sei eine rezidivierende depressive Störung zu benennen, die in wech
seln
dem Ausprägungsgrad bis mittelgradig
bestehen würde und beim hiesigen Quer
schnittsuntersuch leichtgradig vorzufinden gewesen sei. Die
Behandlerin
halte die Suizidgefährdung für erhöht (
Urk.
9/183/102). In der ergebnisoffenen Beurteilung der Standardindikatoren müssten die traumatischen Erlebnisse als Resilienz-aufweichende Belastungsfaktoren der ICH-Strukturen angesehen werden. Der Beschwerdeführer habe es durch intensive Arbeit und «kämpferische» Einstellung im Leben geschafft, zunächst die Symptome einer PTBS auf der Grundlage der Persönlichkeitsstruktur mit Werte- und Leistungsorientiertheit erfolgreich zu verdrängen.
Mit seinem äusseren Erfolg im Leben (Familie und Beruf) habe der Beschwerdeführer eine interne Lebensberechtigung erlangt, die ihm Kraft verlie
hen habe, die psychische Resilienz über lange Zeit aufrechtzuerhalten.
Diese bisherig ausreichende Resilienz sei gebrochen worden durch die jahrelang anhal
tenden psychosozialen Belastungen, insbesondere die «Kampfscheidung» von seiner ersten Ehefrau, die de
n
Beschwerdeführer viel Kraft gekostet habe und die
psychische Widerstandsfähigkeit habe dahinschmelzen lassen. Nach jahrzehnte
langer Verdrängung der Erinnerungen an die traumatisierenden Ereignisse sei es schliesslich durch
das Erlebnis der aufgetretenen chronischen Schmerzen zu einer Aktivierung der traumatisierenden Ereignisse und zum Zusammenbruch der phy
sischen Widerstandsfähigkeit gekommen. Es liege aktuell ein inzwischen
chroni
fiziertes
psychisches Zustandsbild vor, wobei der Versicherte ein somatoformes, therapierefraktäres Schmerzsyndrom biete, welches auf dem Boden einer
Trau
mafolgestörung
sich entwickelt habe und durch dieses Störungsbild bei gemin
derter psychischer Resilienz inzwischen auch unterhalten werde. Trotz psychiatri
scher und schmerztherapeutischer Behandlung sei es nicht gelungen, eine anhal
tende Besserung des Störungsbildes hervorzurufen. Das chronische Schmerzsyn
drom stelle inzwischen ein
chronifiziertes
, verselbständigtes, verfestigtes, psychi
sches Störungsbild dar. Aufgrund der benannten Störungen der ICH-Strukturen bei unzureichender psychischer Resilienz sei es dem Beschwerdeführer verun
möglicht, per willentlicher Anstrengung seine Schmerzen zu überwinden. Durch die Schmerzen und die Auseinandersetzung des Beschwerdeführers mit seinem Selbstwert komme es zu einer anhaltenden Störung der Affektsteuerung mit depressiven Einbrüchen mit einer
dysphorischen
Stimmung. Auch die Impuls
steuerung sei betroffen mit erhöhter
Hässigkeit
(
Urk.
8/183/103).
2.3
.3
Zu den im Urteil
UV.2017.00636 vom 2
9.
Mai 2018
aufgeworfenen
(vgl. E. 6) und von der Beschwerdegegnerin unterbreiteten Fragen
führte Prof.
Dr.
Z._
aus
, er teile die Interpretation, dass die objektiv erhobenen Befunde nicht besonders ausgeprägt seien, nicht. Als
handicapierende
Fähigkeitsstörungen bestünden eine Störung des Selbstwertempfindens und
der Selbstwirksamkeitserwartung.
Betrof
fen seien die Belastbarkeit und das Durchhaltevermögen des Beschwerdeführers sowie seine Flexibilität und Umstellfähigkeit. Er weise Störungen in der Planung und Strukturierung von Aufgaben sowie in der Selbstbehauptungsfähigkeit auf. Durch diese
handicapierende
n
Fähigkeitsstörungen werde seine mittel- und lang
fristige Arbeitsfähigkeit nachhaltig beeinflusst.
Die Frage nach den Wechsel
wir
kungen und sonstigen Bezüge
n
der diagnostizierten psychischen Störungen be
ant
wortete der Gutachter sinngemäss unter den oben dargelegten Ausführungen
(E. 2.3.2
)
.
Die Oberschenkelschmerzen seien Teil des beklagten somatoformen Schmerzsyndroms
(
Urk.
9/183/104)
. Zum Einklang des beschriebenen Aktivitäts
ni
veaus mit den geltend gemachten beruflichen Einschränkungen und der atte
stierten 50%igen Arbeitsunfähigkeit führte Prof.
Dr.
Z._
aus, das private Aktivitätsniveau des Beschwerdeführers sei zwar nicht aufgehoben, jedoch einge
schränkt. Habe er sich vor drei Jahren noch regelmässig an der Hausarbeit beteiligt, so sei er aktuell nur noch zu leicht
eren Aufgaben in der Lage.
Seine
sozialen Aktivitäten seien zwar nicht aufgehoben, jedoch ebenso vermindert. Aus gutachterlicher Sicht ergebe sich keine wesentliche Diskrepanz zwischen den beruflich geltend gemachten Einschränkungen und dem privaten Aktivitäts
niv
eau. Ein Leidensdruck sei ausgewiesen. Bei der Antwort zur Frage nach der Be
handlungsfrequenz der psychotherapeutischen Sitzungen verwies er zunächst auf
die behandelnde Psychiaterin und gab die Auskunft des Beschwerdeführers wieder
. Selber hielt er fest, der Beschwerdeführer sei aus gutachterlicher Sicht
compliant
gewesen. Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50
%
ergebe sich durch die Belastbarkeitsminderung und die Reduktion der Durchhaltefähigkeit (
Urk.
9/183/105). Das Scheitern des im März 2017 angetretenen Arbeitsversuchs würdigte der Gutachter als Überforderung
nach längerer Abwesenheit vom Arbeitsmarkt (
Urk.
9/183/106).
2.3
.4
Zu den weiteren Indikatoren hielt Prof.
Dr.
Z._
fest, dass keine Hinweise auf
Verdeutlichungen
, Aggravation oder bewusstseinsnahe Simulation festzustellen gewesen seien.
Auch hätten sich keine Hinweise auf einen sekundären Krank
heitsgewinn oder eine Selbstlimitierung des Beschwerdeführers ergeben (
Urk.
9/83/106). Der Beschwerdeführer habe sich seit der Vorbegutachtung 2016 in regelmässiger Behandlung befunden und eine
Therapiecom
p
liance
bewiesen. Bei der hiesigen Kontrolle der Blutserumspiegelkonzentration der verordneten Medikamente hätten sich diese in bzw. oberhalb des therapeutischen Levels gefunden, was eine regelmässige Einnahme widerspiegle (
Urk.
7/183/9).
A
us rein psychiatrisch gutachterlicher Sicht liege ein
mässiggradiger
Gesundheitsschaden vor. Die
handicapierenden
Fähigkeitsstörungen mit einer Störung des Selbstwert
empfindens und der Selbstwirksamkeitserwartung, jedoch insbesondere der Belastbarkeit und des Durchhaltevermögens sowie der Flexibilität und Umstell
fähigkeit und in der Planung und Strukturierung von Aufgaben sowie in der Selbstbehauptungsfähigkeit seien
handicapierende
Fähigkeitsstörungen des Be
schwerdeführers, die seine mittel- und langfristige Arbeitsfähigkeit nachhaltig beeinflussen würden. Psychosoziale Faktoren würden das psychopathologische Störungsbild nicht dominieren. Als wesentliche Ressource des Beschwerdeführers könne seine Ehefrau benannt werden, die ihn stütze. Krankheitsbedingt sei es dem Beschwerdeführer jedoch derzeit nicht möglich, auf persönliche Ressourcen zuzugreifen
, wie die gute Vorbildung, die Berufsabschlüsse und die Berufserfah
rungen (
Urk.
9/183/10,
Urk.
9/183/106).
Die im Vorgutachten getätigte positive Prognose, wonach eine multimodale Schmerztherapie dazu beitragen könnte, die Schmerzen innerpsychisch besser zu überwinden, sodass die vorhandenen Resso
urcen wieder die Oberhand gewinnen könnten, wie vor Ausbruch der
Traumafol
gestörung
, habe sich leider nicht bestätigt (
Urk.
9/183/107).
2.3
.5
Aus rein psychiatrisch gutachterlicher Sicht (ohne Beurteilung von Störungen des Stütz- und Bewegungsapparates) hielt Prof.
Dr.
Z._
abschliessend
–
unver
än
dert zu seinem Vorgutachten vom 2
6.
August 2016 - aufgrund der genannten psychischen Störungen an der von
Dr.
med.
D._
vom RAD am 1
8.
Juli 2013 getroffenen Einschätzung einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit in zuletzt ausgeübter und adaptierter Tätigkeit fest, welche seither anhaltend bestehe. Während den stationären Hospitalisierungen habe definitionsgemäss eine volle Arbeitsun
fähig
keit bestanden (
Urk.
9/183/11 und
Urk.
9/183/107).
2.4
In der
bidisziplinären
Gesamtbeurteilung hielten die Gutachter fest, dass die
Arbeits
unfähigkeit bzw. Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers rein psychia
trisch
determiniert werde (
Urk.
9/183/12).
3.
3.1
Aus den
Darlegung
en
des Verlaufsgutachtens vom
7.
Januar 2020 ergibt sich ohne Weiteres, dass hinsichtlich der Einschätzung der verbliebenen Leistungs
fähig
keit das psychiatrische Störungsbild dominiert. Dass in somatischer Hinsicht keine, jedenfalls keine langandauernden Perioden einer wesentlichen Arbeitsun
fähigkeit, sowohl in angepasster
und
wie
auch in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit in der eigenen Reinigungsfirma, bestand
en haben
,
stimmt auch mit den vorlie
genden
Einschätzungen
der behandelnden Ärzte überein (so beispielhaft der Bericht des Universitätsspital
s
E._
vom
2
6.
Februar 2013,
Urk.
9/15; vgl. auch E.
3.1 im Urteil IV.2014.00290 vom 3
1.
August 2015). Daran hat sich gemäss
aktueller
gutachterlicher Feststellung nichts geändert
(E. 2.2)
.
3.2
Das hiesige Gericht erwog bereits in seinem Urteil IV.2017.00636 vom 2
9.
Mai 2018
(E. 5.
2.2)
, dass die Frage, weshalb trotz langer zeitlicher Latenz und hohem Funktionsniveau die Diagnose einer PTBS gemäss ICD-10 zu stellen sei, mit dem Gutachten vom 2
6.
August 2016 nachvollziehbar beantwortet sei
. An den von Prof.
Dr.
Z._
gestellten Diagnosen
(E. 2.3.1)
ist
unter Hinweis auf diese Erwägung erneut
nicht zu zweifeln. Zu prüfen und strittig ist die Nachvoll
zieh
barkeit seiner Einschätzung der Einschränkung auf die Arbeitsfähigkeit des Be
schwerdeführers.
3
.3
Die Schlussfolgerung von Prof.
Dr.
Z._
hinsichtlich der Einschränkung der
Leistungsfähigkeit
vermögen mit Blick auf die von ihm dargelegten sympto
ma
tischen
Fähigkeitsstörungen und
seine
Auseinandersetzung mit
den praxisgemäss massgeblichen Standardi
ndikatoren
in
Korrelation
zum Ausmass der von ihm attestierten Arbeitsunfähigkeit zu überzeugen.
Namentlich legte er eingehend dar, weshalb - trotz der derzeit leichten Aus
prä
gung der krankheitswertigen Befunde einer PTBS bzw. der DESNOS und der depres
siven Episode - infolge der Wechselwirkungen mit der anhaltenden soma
to
formen Schmerzstörung und der, wegen der
Traumafolgestörung
, geringen Resso
urcen psychische Funktionsstörungen vorliegen, die losgelöst von den
sie
allen
falls auslösenden psychosozialen Belastungsfaktoren die Arbeitsfähigkeit anhal
tend einzuschränken vermögen.
Hierbei zeigt
e
er
plausibel
auf, dass die funktio
nellen
Einschränkungen
der psychischen Störungen entsprechend dem
attestierten
Ausmass
einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit
sich
auch auf das Akti
vitätsniveau in
allen
anderen, nicht erwerblichen Lebensbereichen
erkennbar
auswirken
.
Leistungsa
usschliessende
Indikatoren
, wie Aggravation oder gar Sim
u
lation, verneinte er explizit
.
Er
schätzte begründet
die
Compliance
als
für
durch
gehend
gegeben ein
, was auf einen erheblichen Leidensdruck hinweist,
dies
unter Darlegung
des Krankheitsverlaufs und
der verschiedenen Behandlungsversuche
, deren Stetigkeit auch nicht mit Blick auf die Behandlungsfrequenz herabge
min
dert wird.
Was die Beschwerdegegnerin dagegen in ihrer Beschwerdeantwort vom
9.
Oktober 2020 (
Urk.
8) vorbringt, sticht nicht.
Wohl ist ihr darin beizupflichten, dass das der DESNOS zugrundeliegende Trauma nicht
oder nicht im Detail
erzählt
wird. Der psychiatrische Gutachter
hielt
jedoch fest, dass die Symptome in Zu
sam
menhang mit der Schilderung
des Themas
bzw. der Konfrontation
damit
fest
stellbar seien, im Übrigen auch von der Ehefrau als nächtliche
Verhaltensweisen
berichtet
werden (
Urk.
9/183/103)
, und es besteht kein Anlass, an seiner Beur
teilung einer glaubhaften Symptomatik zu zweifeln. Kommt hinzu, dass - wie Prof.
Dr.
Z._
zu Recht hinwies - die la
ngjährig behandelnde Psychia
terin sowie die stationär b
ehandelnden Fachpersonen des C._
eine
Traumafolge
stö
rung
erheben konnten.
Letztlich beruhen
die vom Gutachter festgestellten
psy
chischen
Einschränkungen
ausserdem
in erster Linie auf den Auswirkungen der
chronischen Schmerzstörung
,
die
infolge der durch die
Traumafolgestörung
erheb
lich reduzierten oder aufgehobenen
Resilienz
nachvollziehbar
als unüberwindbar
betrachtet wurde.
Schliesslich bleibt
darauf hinzuweisen, dass
obwohl die funktionellen Auswir
kungen einer Störung abschliessend nur aus juristischer Sicht beantwortet wer
den
könne
n
, keine von den ärztlichen Feststellungen losgelöste juristische Paral
lel
prüfung stattfinden soll (
vgl. E. 1.5)
.
Es stellt sich aus rechtlicher Sicht die Frage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtser
heblichen Indikatoren auf eine Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen, wie sie vom medizinisch-psychiatrischen Experten abschliessend eingeschätzt worden ist (BGE 145 V 361 E.
3.2.2 S.
364 mit Hinweisen
; Urteil des Bundesgerichts
8C_407/2020 vom
3.
März 2021 E. 5.1
)
. Dabei darf nicht unerwähnt bleiben,
dass
die medizinische Folgenabschätzung notgedrungen eine hohe Variabilität auf
weist
und unausweichlich Ermessenszüge trägt (BGE 140 V 193 E. 3.1 S. 195; 137 V 210 E. 3.4.2.3 S. 253). Die psychiatrische Exploration eröffnet dem begutach
tenden Psychiater daher praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb
dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zu
lässig
und zu respektieren sind, sofern der Experte - wie hier - lege
artis
vorgegangen ist (Urteile 8C_629/2017 vom 2
9.
Dezember 2017 E. 4.3 und 9C_77/2015 vom 2
7.
März
2015 E. 5.4, je mit Hinweisen)
.
Im Rahmen der Beweiswürdigung ist
lediglich
zu beurteilen, ob das Gutachten in Beachtung der normativen Vorgaben die funktionellen Auswirkungen einer Störung schlüssig und widerspruchsfrei dargelegt hat (BGE 141 V 281 E.
5.2.3).
Diesen Anforderungen ist Prof.
Dr.
Z._
mit dem psychiatrischen Gutachten vom
7.
Januar 2020 nachge
kommen, weshalb darauf abzustellen ist. Zu diesem Schluss ist denn auch RAD-Ärztin
Dr.
B._
gelangt (
Urk.
9/187/10).
3.4
Der Beschwerdeführer
moniert den Zeitpunkt des Rentenbeginns bzw. damit zusammenhängend den Beginn des sogenannten Wartejahres (vgl. E. 1.3).
Wie sich aus dem Feststellungsblatt (
Urk.
9/187/10 f.) ergibt, leitete die Be
schwerdegegnerin aus dem gutachterlichen Verweis auf die Stellungnahme
ihres RAD-Arztes vom 1
8.
Juli 2013 ab, die Wartezeit habe im
Zeitpunkt dieser Stellungnahme, also im
Juli 2013 begonnen. Der Gutachter
Prof.
Dr.
Z._
nimmt bezü
glich Beginns der
einzig aus psychiatrischer Sicht relevant einge
schränkten Arbeitsunfähigkeit
explizit tatsächlich
keine eigene Zeitangabe vor, sondern verweist auf die von ihm bekräftig
te
Einschätzung von RAD-Arzt
Dr.
D._
vom 1
8.
Juli 2013 (
Urk.
9/183/11). Mit Stellungnahme vom 1
8.
Juli 2013 nahm
Dr.
D._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Rheumatologie und Hämatologie, abschliessend zur Aktenlage Stellung und hielt fest, aus somatischer Sicht lasse sich lediglich eine Arbeitsunfähigkeit von 10
%
in bis
heriger Tätigkeit nachvollziehen; aus geistig-seelischer Sicht attestiere die Psy
chia
terin
Dr.
F._
eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
, welche seit 1
5.
April 2013 (Datum des Arztzeugnisses [AZ]
Dr.
F._
) anzunehmen sei. Die Attestierung einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit sei angesichts der Diagnose (rezi
divierende depressive Störung, aktuell mittelgradige Episode) und der funktio
nel
len Einschränkungen (Ermüdbarkeit, kognitive Leistungsminderung, Schlaf
stö
rungen) nachvollziehbar (
Urk.
9/33/7).
Aus dem expliziten Verweis des Gut
ach
ters
Prof.
Dr.
Z._
ist demnach der einzig zulässige Schluss zu ziehen, dass die von ihm als gegeben erachtete Arbeitsunfähigkeit (ununterbrochen)
seit dem
in dieser Stellungnahme genannten Zeitpunkt besteht und nicht im Zeitpunkt der
Stellungnahme des RAD-Arztes.
Dr.
D._
bezieht sich auf den Arztbericht von
Dr.
F._
vom 1
5.
April 2013 (
Urk.
9/21), welche den Beschwerde
führer seit 2004 «sehr sporadisch» (in neun Jahren nur 36 Sitzungen) betreute und gestützt auf die letzte Kontrolle vom 1
5.
April 2013 «aktuell» eine 50%igen Arbeitsunfähigkeit bescheinigte infolge Erschöpfung mit dem begleitenden, derzeit ausgeprägten Schmerzbild.
Entgegen den Vorbringen des Beschwerde
füh
rers ist nicht von einer
seit März 2012 ununterbrochen bestehenden
wes
ent
lichen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auszugehen. Die in den Akten ver
schiedent
lich genannten
Daten des Beginns einer Arbeitsunfähigkeit
beziehen
sich auf somatisch begründete
Beschwerden, denen
letztlich
keinen
anhaltenden
Einfluss auf die
medizinisch-theoretische
Leistungsfähigkeit eingeräumt wurde.
3
.5
Der Beschwerdeführer bringt vor, in der Zeit vom
8.
März 2017 bis zum 3
0.
Mai 2019 zu 100
%
arbeitsunfähig und demzufolge auch vollständig erwerbsunfähig gewesen zu sein. Hierbei stützt er sich einerseits auf die Taggeldzahlungen
der Krankentaggeldversicherung (vgl. auch nachfolgende E. 4)
, andererseits auf das Attest der behandelnden Psychiaterin (
Urk.
1 S. 6 f.).
Der Beschwerdeführer trat am
1.
März 2017 eine Teilzeitstelle (50%-Pensum) als Mitarbeiter/Allrounder in einem
Gastrobetrieb
an (
Urk.
9/116/32 f.). Diese Arbeit legte er wegen der eintretenden Beschwerden am
8.
März
2017 nieder und wurde zu 100
%
arbeitsunfähig geschrieben (
Urk.
9/116/35).
Prof.
Dr.
Z._
wurde zum Scheitern dieses Arbeitsversuches befragt und führte aus (
Urk.
9/183/106), der Beschwerdeführer habe eine Interferenzanfälligkeit und eine Überforderung beschrieben. Er (der Gutachter) gehe davon aus, dass ein beruflicher Wiederein
stieg mit 50
%
nach längerer Abwesenheit vom Arbeitsmarkt den Beschwerde
führer überfordert habe. Ein Einstieg im Sinne eines Belastbarkeitstrainings wäre indiziert gewesen. Damit hielt der Gutachter keine längerdauernde höhere Arbeitsunfähigkeit
aus
psychiatrischer Sicht fest, sondern
knüpfte das Scheitern des Arbeitsversuches an die
faktische Überforderung infolge längerer Arbeits
absenz. Entgegen den Vorbringen des Beschwerdeführers ist die ab
8.
März 2017 anhaltend attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit daher unbeachtlich, diese Ein
schränkung ist nicht
mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
ausgewiesen
.
A
bzustellen ist auf die gutachterliche Einschätzung.
Die stationären Aufenthalte, während welchen der Beschwerdeführer gemäss Gut
achter vollständig arbeitsunfähig gewesen war, erreichten eine Dauer von maxi
mal 89 Tagen (vgl. Auflistung in
Urk.
9/187/11), demzufolge eine vorüberge
hende Anpassung
der
Rente in Anwendung von
Art.
88a
Abs.
2 IVV nicht Platz greift.
3.6
Nach dem Gesagten ist gestützt auf das schlüssige und in allen Teilen beweis
kräftige
bidisziplinäre
Gutachten vom
7.
Januar 2020 davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer seit 1
5.
April 2013 ununterbrochen zu 50
%
arbeitsunfähig gewesen ist; dies bezogen sowohl auf die angestammte Tätigkeit als Inhaber eines Reinigungs- und Haus
w
artinstituts wie auch jeder anderen, somatisch in quali
tativer Hinsicht näher umsch
riebenen angepassten Tätigkeit
. Die Invaliditäts
bemessung blieb unbestritten und ist angesichts der Aktenlage nicht zu bean
stan
den. Angesichts der nach wie vor rechtswahrenden Anmeldung vom
5.
Okto
be
r 2012 (
Urk.
9/4) erwarb der Beschwerdeführer demnach nach Ablauf des Warte
jahres im April 2014 Anspruch auf eine halbe Invalidenrente samt akzes
so
rischer
Kinderrente, letztere soweit die AHV-rechtlichen Voraussetzungen gegeben waren
.
4.
Zu prüfen verbleibt die strittig
e
Verrechnung
des Rentennachzahlungsbetrages mit der Forderung der Krankentaggeldversicherung, der Schweizerischen Mobi
liar
Versicherungsgesellschaft
AG
, nachfolgend kurz Mobiliar
.
4.1
4.1
.1
Gemäss
Art.
22
Abs.
1 ATSG ist d
er Anspruch auf Sozialversicherungsleistungen
weder abtretbar noch
ver
pfändbar
(
Abs.
1
). Nachzahlungen von Leistungen
des Sozialversicherers
können jedoch
dem Arbeitgeber oder der öffentlichen oder privaten Fürsorge, soweit diese Vorschusszahlungen leisten (
lit
. a) oder einer Versicherung, die Vorleistungen erbringt
,
(
lit
.
b) abgetreten werden (
Abs.
2).
4.1.2
Gemäss
Art.
70
Abs.
2
lit
. a ATSG ist die Krankenversicherung für Sachleistungen und Taggelder gegenüber der Unfall-, Militär- und Invalidenversicherung vorleis
tungspflichtig. Der vorleistungspflichtige Versicherungsträger erbringt die Leis
tun
gen nach den für ihn geltenden Bestimmungen. Wird der Fall von einem anderen Träger übernommen, so hat dieser die Vorleistungen im Rahmen seiner Leistungspflicht zurückzuerstatten (
Art.
71 ATSG), wobei sich der Anspruch des Versicherers auf Rückerstattung gegen den nachzahlungspflichtigen Versicherer richtet (
Art.
2
Abs.
3 der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozial
ver
sicherungsrechts [ATSV]).
Bei den hier genannten Taggeldern der Krankenversi
cherung handelt es sich um die in
Art.
67 ff. des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG) geordnete freiwillige Taggeldversicherung.
Diese Bestimmung setzt voraus, dass die nachträglich zu erbringende Leistung zur Vorleistung in sachlicher, zeitlicher und personeller Hinsicht kongruent ist (Ueli
Kieser
, Kommentar zum ATSG,
4.
Aufl., Zürich 2020, Rz.15 zu
Art.
71 ATSG).
4.1.
3
Art.
50
Abs.
2 IVG
erklärt für die Verrechnung
Art.
20
Abs.
2 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AH
VG)
als sinngemäss anwend
bar. Nach dieser Bestimmung können unter anderem die Rückforderung von Renten und Taggeldern der obligatorischen Unfallversicherung, der Militärver
si
cherung, der Arbeitslosenversicherung und der Krankenversicherung mit fälligen Leistungen verrechnet werden (
Art.
20
Abs.
2
lit
. c AHVG;
vgl.
hierzu auch
BGE 141 V 139 E. 6.1).
Gemäss
Art.
85
bis
IVV
können unter anderem Krankenversicherungen mit Sitz in der Schweiz, welche im Hinblick auf eine Rente der Invalidenversicherung Vor
schussleistungen erbracht haben, verlangen, dass die Nachzahlung dieser Rente bis zur Höhe ihrer Vorschussleistung verrechnet und an sie ausbezahlt wird. Vor
behalten bleibt die Verrechnung nach
Art.
20 AHVG. Die bevorschussenden Stellen
haben ihren Anspruch mit besonderem Formular frühestens bei der Renten
an
mel
dung und spätestens im Zeitpunkt der Verfügung der IV-Stelle geltend zu machen (
Abs.
1). Als Vorschussleistungen gelten (a) freiwillige Leistungen, sofern die ver
sicherte Person zu deren Rückerstattung verpflichtet ist und sie der Aus
zah
lung der Rentennachzahlung an die bevorschussende Stelle schriftlich zuge
stimmt hat, und (b) vertraglich oder aufgrund eines Gesetzes erbrachte Leis
tun
gen, soweit aus dem Vertrag oder dem Gesetz ein eindeutiges Rückforde
rungs
recht infolge der Rentennachzahlung abgeleitet werden kann (
Abs.
2). Die Nach
zahlung darf der bevorschussenden Stelle höchstens im Betrag der Vorschuss
leistung und für den Zeitraum, in welchem diese erbracht worden ist, ausbezahlt werden (
Abs.
3).
Die rein grammatikalische Auslegung dieser Bestimmung beschränkt den Begriff des Krankenversicherers nicht auf den sozialen Krankentaggeldversicherer nach
Art.
67 ff. KVG
,
sondern umfasst auch Krankenversicherungsleistungen nach
dem Gesetz über
den Versicherungsvertrag (VVG).
Das Bundesgericht erachtete die Verrechnung mit einer
(extrasystemischen)
Rückforderung eines Krankentaggeld-Versicherers nach VVG
gestützt auf diese Bestimmungen denn auch ohne Wei
teres für rechtmässig (BGE 141 V 139 E. 6.3.3; vgl. auch BGE 142 V 448 E. 5.2
; vgl. auch die vom Bundesamt für Sozialversicherungen [BSV] herausgegebene Wegleitung über die Renten [RWL], gültig ab
1.
Januar 2003,
Rz
. 10063 ff.
).
4.2
Die
G._
GmbH schloss zugunsten ihrer Arbeitnehmer bei
der
Mobiliar
eine Kollektiv-Kranken
taggeld
versicherung
nach
VVG
ab, welche dem Beschwer
deführer vom
1.
Mai 2017 bis 3
0.
Mai 2019
gestützt auf eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit
Taggelder im Umfang von
Fr.
37'522.-- ausbezahlte
bei einem Tag
geld
ansatz von
Fr.
51.40
bemessen am Teilzeitpensum von 50
%
(
Urk.
9/198/4 f.),
was unbestritten blieb. Gemäss den Allgemeinen Vertragsbestimmung
(AVB
;
Urk.
9/198/7 f.
,
Urk.
9/214/65)
der Kollektiv-Krankenversicherung besteht unter
dem Titel «Q Leistungen Dritter» ein Kürzungsrecht
der Mobiliar
,
soweit ihre Leis
tungen mit Leistungen unter anderem der Invalidenversicherung zusammen das versicherte Taggeld übersteigen.
Entsteht eine Überentschädigung, insbesondere durch die von
der Mobiliar
erbrachte
n
Vorleistungen, kann die Mobiliar die zu viel erbrachten Leistungen zurückfordern oder mit den Leistungen der oben ge
nannten Versicherer
, darunter der Invalidenversicherung,
direkt verrechnen.
Da
mit
wurde auf vertraglicher Basis
von der
Möglichkeit, Nachzahlungen von Leis
tun
gen der Sozialversicherungen
im Sinne von
Art.
20
Abs.
2
lit
. c AHVG
und
Art.
85
bis
Abs.
2
lit
. b IVV
abzutreten
, Gebrauch gemacht.
4.3
Der Beschwerdeführer wendet gegen die Verrechnung unter anderem ein, dass er lediglich zu einem 50%igen Pensum angestellt gewesen sei und das dadurch erzielte Erwerbseinkommen von jährlich
Fr.
24'049.80 zu keiner «Kürzung» der Invalidenrente geführt hätte (
Urk.
1 S. 8). Das infolge seiner Erkrankung während 780 Tagen ausbezahlte Krankentaggeld im Umfang von 80
%
des versicherten Verdienstes dürfe daher genauso
wenig gekürzt werden, wie d
er Lohn, weil der Lohnersatz dem
arbeitsfähigen, gesunden Teil zuzurechnen sei; die Taggelder würden 50
%
des
Valideneinkommens
bzw. das Invalideneinkommen nicht über
steigen, weshalb sie nicht gekürzt werden dürften bzw. nicht mit der halben IV-Rente verrechnet werden dürften (
Urk.
1 S. 9).
Damit moniert der Beschwerdeführer sinngemäss,
Bestand und Umfang der aus einer Überentschädigung resultierenden Rückforderung
der Mobiliar
.
4.4
Gemäss Rechtsprechung des Bundesgerichts haben versicherte Personen, die den Bestand oder die Höhe der von ihrem Rentenguthaben verrechnungsweise in Abzug gebrachten Rückforderung der Krankenkasse bestreiten wollen, dies direkt gegenüber der Krankenkasse geltend zu machen, die nötigenfalls eine beschwer
deweise Verfügung zu erlassen hat
(
BGE 136 V 381 E. 3.2 S. 384). Zwar können beim Zusammenfallen von gemäss
Art.
67 ff. KVG ausgerichteten Taggeldern mit von anderen Sozialversicherern ausgerichteten Leistungen Überentschädigungen entstehen, dabei ist für deren Ermittlung jedoch grundsätzlich die Taggeld
ver
sicherung zuständig. Bei aus einem Vertrag nach VVG ausgerichteten Taggeldern sind, wie im vorliegenden Fall, die
Art.
68 f. ATSG ohnehin nicht anwendbar, we
il es sich um eine extrasystem
ische Koordination handelt
(Urteil des Bundes
gerichts 8C_115/2013 vom 3
0.
September 2013 E. 5.2).
Dem bevorschussenden Dritten nach
Art.
85
bis
IVV obliegt es de
mnach nachzuweisen, dass er ein
aus Gesetz oder Vertrag sich ergebendes Rückforderungsrecht hat
. Es ist jedoch nicht Sache der Invalidenversicherung, die Höhe der Verrechnungsforderung zu überprüfen (Urteile des Bundesgerichts 9C_255/2014 vom 1
0.
Juli 2014 E. 3.3.1, 9C_287/2014 vom 1
6.
Juli 2014 E. 2.2).
4.5
D
en Vorbringen des Beschwerdeführers
ist
daher
entgegen
zuhalten, dass sich das Kürzungs- bzw. Rückforderungsrecht der Mobiliar
aus Überentschädigung
in
masslicher
Hinsicht auf das versicherte Taggeld bezieht und nicht auf das arbeitsvertragliche Pensum, weshalb die Beschwerdegegnerin zu Recht von einem Überentschädigungstatbestand bzw. von der Kürz
ungsmöglichkeit ausgegangen ist, da das ausgerichtete Taggeld zusammen mit der nachzuzahlenden IV-Rente den versicherten Verdienst bzw. das versicherte Taggeld übersteigt.
Nach dem Gesagten ist
es dem Beschwerdeführer
jedoch
verwehrt, den
Umfang der Über
versicherung, das heisst die Rückforderung
der Mobiliar
im
Betrag von Fr.
14'978.45 in
masslicher
Hinsicht
im Beschwerdeverfahren gegen die Renten
verfügung
zu bestreiten; hierfür ist nicht das Beschwerdeverfahren nach
Art.
61 ATSG vorgesehen,
weshalb insoweit auf die Be
schwerde nicht einzutreten ist
(vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_115/2013 vom 3
0.
September 2013 E. 5.2
mit Hinweisen).
5
.
Diese Erwägungen führen zur teilweisen Gutheissung der Beschwer
de.
Die ange
fochtene Verfügung vom 2
8.
Mai 2020 ist insoweit aufzuheben als festzu
stellen ist, dass der Beschwerdeführer bereits ab
1.
April
2014
, das heisst drei Monate früher,
Anspruch auf eine halbe Invalidenrente samt akzessorischer Kinder
rente hat
. Im Übrige
n ist die Beschwerde abzuweisen, soweit auf sie einzutreten ist.
6.
6.1
Nach
§
34
Abs.
1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kos
ten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
6.2
Der Beschwerdeführer obsiegt nur teilweise, in einem geringfügigen Umfang, wo
bei der Aufwand hinsichtlich des Rentenbeginns sich klar vom übrigen Auf
wand abgrenzen lässt, so dass keine sogenannte
Überkla
gung
vorliegt. Aus diesem Grund
rechtfertig es sich, die Prozessentschädigung um zwei Drittel zu kürzen und auf
Fr.
700.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzulegen.
6
.3
Gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen das Verfahren vor dem kantonalen Versiche
rungsgericht in Abweichung von
Art.
61
lit
. a ATSG, in der hier anwendbaren, bis Ende 2020 gültig gewesenen Fassung, kostenpflichtig, wobei die Kosten nach
dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.-- festzulegen sind.
Vorliegend sind die Gerichtsko
sten auf
Fr.
900.-- festzusetzen
und aus genanntem Grund (E. 6.2) zu zwei Dritteln (
Fr.
600.--) dem Beschwerdeführer und zu einem Drittel (
Fr.
300.--) der Beschwer
degegnerin aufzuerlegen.