# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 21770ecb-b252-42f4-b6ea-8a05550a57e1
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2010
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ F., geboren am 20. Juni 1977 in V., ehemals Jugoslawien, ist mazedonischer
Staatsangehöriger. Er wuchs in seinem Heimatland auf, obwohl seine Mutter am
13. März 1992 in die Schweiz gezogen war und seither hier lebt. Die Fremdenpolizei
(heute Ausländeramt) wies am 4. Januar 1995 ihr Gesuch um Einreise- und
Aufenthaltsbewilligungen für F. und seine drei Geschwister ab, weil die älteren kurz vor
ihrer Volljährigkeit standen und für die jüngeren keine geeignete Betreuung
nachgewiesen werden konnte. Mit 22 Jahren heiratete F. eine Landsfrau, zeugte mit ihr
drei Kinder (geboren am 15. März 1999 und 25. Oktober 2002) und liess sich am
22. April 2003 wieder scheiden.
Am 13. September 2003 heiratete er in C., Bosnien-Herzegowina, die zwanzig Jahre
ältere, seit dem Jahr 1991 in der Schweiz niedergelassene Bosnierien N., die ihrerseits
drei Söhne hat (geboren in den Jahren 1978, 1982 und 1992). Diese wurden allesamt
wegen wiederholter Straffälligkeit aus der Schweiz ausgewiesen. Das Ausländeramt
wies das Nachzugsgesuch von N. für ihren zweiten Ehemann auf Grund ungenügender
finanzieller Mittel vorerst ab. Sie bezog damals wegen einer langjährigen psychischen
Krankheit eine IV-Rente und Ergänzungsleistungen. Davor war sie lange Zeit arbeitslos
und musste während längerem von der Sozialhilfe unterstützt werden. Überdies lagen
gegen sie knapp 60 Verlustscheine vor. Nachdem F. eine Anstellung als
Serviceangestellter in einem Restaurant nachweisen konnte, bewilligte das
Ausländeramt den Familiennachzug am 17. August 2004, worauf er am 2. September
2004 in die Schweiz einreiste. In der Folge arbeitete er als Serviceangestellter in S., als
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Reinigungsmitarbeiter in St. Gallen, als Hilfsmonteur (Fassadenbau) in O. und als
Aushilfe (Oberflächenveredelung) in F.
Seine Aufenthaltsbewilligung wurde letztmals bis 1. September 2008 verlängert. Eine
Erhebung der Kantonspolizei St. Gallen vom 1. April 2008 ergab nämlich den Verdacht
auf eine Scheinehe, da F. nicht bei seiner Ehefrau in R. wohnte. Nachdem das
Ausländeramt Abklärungen betreffend ihre Ehe traf, zog N. am 26. Mai 2008 das beim
Kreisgericht R. am 23. April 2008 eingereichte Gesuch betreffend
Eheschutzmassnahmen wieder zurück, wobei der Eheschutzrichter ausdrücklich
feststellte, dass die Wohnsituation des Ehemanns unklar sei und sich dieser seine Post
an die Adresse seiner Schwester umleiten lasse. Die polizeilichen Befragungen der
Eheleute fanden am 30. Mai 2008 statt. Dabei bestätigte F., dass er bei seiner
Schwester in U. wohne, auch wenn er sich mit seiner Frau in der Zwischenzeit versöhnt
habe. Auf zahlreiche Fragen verweigerte er die Antwort. Am 3. bzw. 16. September
2008 stellte das Ausländeramt in Aussicht, die Aufenthaltsbewilligung von F. nicht mehr
zu verlängern bzw. die Niederlassungsbewilligung seiner Frau zu widerrufen. Die
entsprechenden Verfügungen datieren vom 22. Oktober bzw. 5. November 2008.
B./ Am 6. bzw. 19. November 2008 erhoben F. bzw. seine Ehefrau mit Eingaben ihres
Rechtsvertreters beim Sicherheits- und Justizdepartement des Kantons St. Gallen
(abgekürzt SJD) mit dem Antrag Rekurs, die Aufenthaltserlaubnis der Eheleute sei im
bisherigen Rahmen beizubehalten. Das SJD wies den Rekurs von F. am 18. November
2009 ab, während es jenen seiner Frau am gleichen Tag im wesentlichen mit der
Begründung guthiess, dass ihre Wegweisung unverhältnismässig wäre. Nebst ihrer
nahezu 30-jährigen Aufenthaltsdauer in der Schweiz fiel namentlich ihre psychische
Krankheit ins Gewicht. Bezüglich des Rekurrenten erwog die Rekursinstanz, dass
anders als bei der Rekurrentin klar sei, dass er eine Scheinehe eingegangen sei. Dazu
komme, dass er die ersten 27 Jahre seines Lebens in seinem Heimatland verbracht
habe und seine Beziehungen dorthin noch intakt seien. Namentlich reise er regelmässig
in seine Heimat, wo unter anderem seine drei Kinder lebten. In der Schweiz halte er
sich erst seit rund fünf Jahren auf, wo er keine besonders qualifizierte Tätigkeit ausübe.
C./ Mit Eingaben seines Rechtsvertreters vom 4. Dezember 2009 erhob F. beim
Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen mit folgendem Antrag Beschwerde:
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"1. Der Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartementes des Kantons St. Gallen
vom 18. Dezember 2009 sei aufzuheben.
2. Dem Beschwerdeführer sei die Aufenthaltsbewilligung zu verlängern.
3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Staates."
Zur Begründung macht er im wesentlichen geltend, eine Scheinehe liege nicht schon
dann vor, wenn ausländerrechtliche Motive für den Eheschluss mitentscheidend
gewesen seien. Grund für das Getrenntleben sei einzig die Krankheit seiner Ehefrau.
Bei der Heirat habe er nicht gewusst, dass sie psychisch krank sei. Zahlreiche Zeugen
könnten bestätigen, dass sie die Ehe anfangs tatsächlich gelebt hätten. Die Vorinstanz
habe sodann unberücksichtigt gelassen, dass sie wieder zusammenwohnen würden.
Die unterschiedlichen Aussagen seien im wesentlichen in der Krankheit seiner Frau
begründet.
Die Vorinstanz beantragte am 11. Januar 2010 unter Hinweis auf die Erwägungen im
angefochtenen Entscheid die kostenpflichtige Abweisung der Beschwerde.
D./ Auf die weiteren von den Verfahrensbeteiligten vorgebrachten Ausführungen wird,
soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichtes ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 4. Dezember 2009
entspricht zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1
in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist daher
einzutreten.
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2. Der Beschwerdeführer rügt, dass die Vorinstanz ihren Entscheid einzig auf die
polizeilichen Befragungen abgestützt und darauf verzichtet hat, die angebotenen
Zeugen aus seinem privaten Umfeld zu befragen. Die Aussagen seiner Frau seien
wegen ihrer psychischen Krankheit zu relativieren.
2.1. Wird das Ergebnis weiterer Beweiserhebung vorweggenommen, indem festgestellt
wird, dass wegen des bereits vorliegenden Beweisergebnisses auszuschliessen sei,
dass weitere Beweiserhebungen daran etwas ändern könnten, spricht man von einer
antizipierten Beweiswürdigung. Das Bundesgericht erachtet eine solche
Beweiswürdigung als zulässig, wenn auf Grund der bereits abgenommenen Beweise
der rechtlich erhebliche Sachverhalt für genügend geklärt erachtet wird und ohne
Willkür vorweg die Annahme getroffen werden kann, die rechtliche Überzeugung würde
durch weitere Beweiserhebungen nicht geändert (Cavelti/Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 622; BGE
2C_799/2009 vom 21. Juni 2010 E. 3.1).
2.2. Die Befragung des Beschwerdeführers und seiner Ehefrau - diese wurde durch
eine erfahrene Polizeibeamtin anhand eines detaillierten Fragenkatalogs des
Ausländeramtes durchgeführt - ergab ein klares Bild ihrer Ehe. Der Beschwerdeführer
macht zu Recht nicht geltend, seine Frau sei auf Grund ihrer krankheitsbedingten
Konzentrations- und Merkfähigkeitsstörungen zurechnungsunfähig oder nicht
vernehmungsfähig gewesen. Gemäss Befund des psychiatrischen Zentrums vom
7. Januar 2009 liegen auch keine Anhaltspunkte dafür vor, dass sie an
Sinnestäuschungen oder Störungen des Ich-Erlebens leiden würde. N. war in der Lage,
vernünftige Angaben zu ihrer Person, ihrem Ehemann und ihrer Ehe zu machen.
Anhaltspunkte dafür, dass ihre Aussagen unglaubwürdiger sein sollen als jene des
Beschwerdeführers, liegen keine vor. Ihre Aussagen fielen im Gegenteil insofern
übereinstimmend aus, als aus beiden Befragungen geschlossen werden muss, dass
sich beide für den anderen nicht wirklich interessieren und dass sie von wesentlichen
Belangen des Partners keine Ahnung haben. Es war deshalb unnötig, auch noch Dritte
über ihre eheliche Gemeinschaft zu befragen, zumal bei der entscheidenden Frage, ob
ein echter Ehewille vorliege, nebst äusseren, hauptsächlich innere, gefühlsmässige
Vorgänge bei den Ehegatten massgebend sind. Über solche höchstpersönliche
Angelegenheiten können nur die Betroffenen selbst Auskunft geben. Aus diesem Grund
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kann darauf verzichtet werden, über die Tatsache, dass die Ehegattin an
"Geschäftsessen" des Rekurrenten teilgenommen habe, Beweis abzunehmen. Dieser
Umstand allein ist noch kein Indiz dafür, dass eine echte Ehegemeinschaft gewollt war.
Auch ergibt sich das Vorhandensein einer tatsächlich gelebten Ehe nicht allein aus der
Tatsache, dass die Eheleute während einer gewissen Zeit zusammengelebt und
allenfalls intime Beziehungen unterhalten haben. Ein derartiges Verhalten kann auch
nur vorgespiegelt sein, um die Behörden zu täuschen (BGE 2C_717/2009 vom 15. April
2010 E. 2.2, BGE 2C_703/2007 vom 19. März 2008 E. 2.2, BGE 122 II 295 E. 2b mit
Hinweisen). Die Vorinstanz hat damit auf die Befragung der angebotenen Zeugen,
namentlich seiner Mutter und seiner Geschwister, seiner Freunde und Bekannten, zu
Recht verzichtet. Aus dem gleichen Grund kann auf die Befragung der im
Beschwerdeverfahren wiederum angebotenen Zeugen verzichtet werden.
3. Nach Art. 43 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer
(SR 142.20, abgekürzt AuG) haben ausländische Ehegatten von Personen mit
Niederlassungsbewilligung Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit diesen zusammenwohnen.
3.1. Der Anspruch auf Familiennachzug erlischt namentlich dann, wenn er
rechtsmissbräuchlich geltend gemacht wird, insbesondere um Vorschriften dieses
Gesetzes und seiner Ausführungsbestimmungen über die Zulassung und den
Aufenthalt zu umgehen (vgl. Art. 51 Abs. 1 lit. a AuG). Davon erfasst wird die
sogenannte Scheinehe oder Ausländerrechtsehe, bei der die Ehe nur zum Zweck der
Umgehung fremdenpolizeilicher Vorschriften eingegangen worden ist oder an ihr mit
diesem Ziel festgehalten wird. Für die Anwendbarkeit von Art. 51 Abs. 1 lit. a AuG
genügt es nicht, dass die Ehe (auch) eingegangen wurde, um dem ausländischen
Ehegatten den Aufenthalt in der Schweiz zu ermöglichen; erforderlich ist, dass die
eheliche Gemeinschaft nicht wirklich beabsichtigt war. Auf die Motive der
Eheschliessung kommt es nicht an (BGE 2C.742/2007 vom 7. Januar 2008 E.2.2; BGE
130 II 117 E. 4.2; BGE 128 II 115 E. 2.1 f. mit Hinweisen).
3.2. Der Nachweis, dass die Ehe zur Umgehung der Vorschriften über Aufenthalt und
Niederlassung der Ausländer geschlossen wurde und nicht der Begründung einer
Lebensgemeinschaft dient, kann in der Regel nur indirekt durch Indizien geführt
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werden. Feststellungen über das Bestehen solcher Verdachtsgründe können äussere
Gegebenheiten, aber auch innere, psychische Vorgänge betreffen (BGE 2C_152/2009
vom 20. Juli 2009 E. 2.2). Indizien für das Vorliegen einer Scheinehe sind etwa die
drohende Wegweisung, weil ohne Heirat eine Aufenthaltsbewilligung nicht erteilt bzw.
verlängert wird, ferner die Dauer und die Umstände der Bekanntschaft vor der
Eheschliessung, ein grosser, eher unüblicher Altersunterschied, die fehlende
Wohngemeinschaft oder die Bezahlung einer Geldsumme für die Heirat. Umgekehrt
kann - wie bereits ausgeführt - aus dem blossen Umstand, dass die Ehegatten
während einer gewissen Zeit zusammenleben und intime Beziehungen unterhalten,
noch keine wirkliche Lebensgemeinschaft abgeleitet werden. Wenn aber nicht
genügend Anhaltspunkte bestehen, die auf eine Scheinehe hindeuten, darf nicht einzig
auf Grund dieser ungenügenden Anhaltspunkte die Berufung auf eine bestehende Ehe
als rechtsmissbräuchlich qualifiziert werden (BGE 123 II 52 E. 5c). Abzustellen ist stets
auf eine gesamthafte Würdigung des konkreten Sachverhalts. Dabei kann eine Vielzahl
einzelner Umstände, die für sich allein den Bestand einer Ehe nicht in Frage zu stellen
vermöchten, die Schlussfolgerung rechtfertigen, eine Ehe sei geschlossen worden,
ohne dass der Wille zu einer echten Lebensgemeinschaft bestanden hat.
3.3. Während die Eheleute T. nach den Aussagen der Ehefrau bloss während der
ersten Zeit ein bis zwei Monate zusammengewohnt haben, will der Beschwerdeführer
auch noch an weiteren Adressen mit seiner Frau zusammengelebt haben, auch wenn
jene Mietverträge immer nur auf seine Frau gelautet haben. Auf Grund dieser
widersprüchlichen Aussagen sowie mit Blick auf die Feststellungen der Polizei vor Ort
und des Eheschutzrichters muss aber gefolgert werden, dass die Eheleute T. nur
während kurzer Zeit tatsächlich in der gleichen Wohnung gelebt haben. Auch konnten
in der angeblichen Familienwohnung keinerlei persönliche Gegenstände des
Beschwerdeführers entdeckt werden. Zur Zeit ihrer Befragung hatte er nicht einmal
einen Wohnungsschlüssel zur angeblich gemeinsamen Wohnung, obwohl die Eheleute
das Eheschutzverfahren zwischenzeitlich zurückgezogen und sich ihren Ausführungen
zufolge wieder versöhnt hatten. Mithin ist unbeachtlich, dass sie mittlerweile in F.
wieder zusammenwohnen. Es liegt vielmehr - wie die Vorinstanz zu Recht ausführt -
der Verdacht nahe, dass sie nur unter dem Druck des ausländerrechtlichen Verfahrens
und des nachfolgenden Rechtsmittelverfahrens eine neue Wohnung gemietet haben.
Bezeichnenderweise musste die Polizei seit dem erneuten Zusammenzug mehrmals
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wegen häuslicher Gewalt zwischen den Eheleuten ausrücken. Anlass der
Auseinandersetzungen waren regelmässig Streitereien wegen des Geldes, das vor
allem deshalb so knapp war, weil sie beide trotz ihrer beengten finanziellen
Verhältnisse ihre jeweiligen Familien in Mazedonien bzw. Bosnien-Herzegowina mit
wesentlichen Beträgen unterstützen.
3.3.1. Das Kriterium der gemeinsamen Wohnung steht bei der
Missbrauchsbekämpfung im Vordergrund, weil die fehlende Hausgemeinschaft ohne
sachliche Gründe regelmässig ein gewichtiges Indiz für eine Scheinehe darstellt (M.
Spescha, in: Spescha/Thür/Zünd/Bolzli, Migrationsrecht, Zürich 2008, Rz. 2 zu Art. 42
AuG). Auf das Erfordernis des Zusammenwohnens kann deshalb nur verzichtet werden,
wenn für die getrennten Wohnorte wichtige Gründe vorliegen und die
Familiengemeinschaft trotzdem weiterbesteht (Art. 49 AuG). Wichtige Gründe
entstehen insbesondere durch berufliche Verpflichtungen oder durch eine
vorübergehende Trennung wegen erheblicher familiärer Probleme (Art. 76 der
Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit, SR 142.201).
3.3.2. Berufliche Gründe sprachen nicht für zwei getrennte Wohnorte. Während N. seit
Jahren nicht mehr erwerbstätig war und somit ohne weiteres an den Arbeitsort ihres
Mannes hätte umziehen können, arbeitete der Beschwerdeführer ausnahmslos in der
Region, weshalb auch er ohne weiteres jeden Abend zu seiner Ehefrau hätte
zurückkehren können. Einziger Grund, weshalb die Eheleute T. nur am Anfang ihrer Ehe
kurze Zeit zusammengewohnt haben, soll die psychische Erkrankung der Gattin
gewesen sein. Diese will der Beschwerdeführer erst nach seiner Einreise in die Schweiz
bemerkt haben. Dies ist aber völlig unglaubwürdig, zumindest wenn es sich bei der
Beziehung um eine echte Liebesbeziehung gehandelt haben sollte, wie sie geltend
machen. N. litt nämlich schon beim Kennenlernen seit Jahren unter psychischen
Beschwerden und war mindestens seit Anfang des Jahres 1998 in psychiatrischer
Behandlung. Als ihre Wegweisung drohte, war die Krankheit aber plötzlich kein
Hinderungsgrund mehr zusammenzuwohnen, obwohl sich ihr Gesundheitszustand in
der Zwischenzeit nicht gebessert hatte. Im Anschluss an die polizeiliche Intervention
vom 29. Oktober 2009 musste sie erneut in die psychiatrische Klinik in Wil überführt
werden.
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3.3.3. Für einen getrennten Wohnsitz wäre an sich auch ein alternatives Lebensmodell
als wichtiger und nachvollziehbarer Grund denkbar, solange der Ehewille trotzdem
vorhanden ist (Spescha, a.a.O., Rz. 2 zu Art. 49 AuG). Davon abgesehen, dass diese
Lebensform bei Muslims aus Mazedonien bzw. Bosnien-Herzegowina wenig verbreitet
ist, würde ein glaubhaft begründetes "living apart together" voraussetzen, dass die
getrennt lebenden Ehepartner die wenige Zeit, die sie miteinander verbringen, bewusst
gestalten und erleben und für gemeinsame Erlebnisse sorgen. Der Beschwerdeführer
und seine Frau konnten anlässlich ihrer Befragungen jedoch weder gemeinsame
Interessen noch gemeinsame Aktivitäten aufzeigen. Vielmehr mussten sie einräumen,
nie etwas zusammen zu unternehmen, keinen gemeinsamen Freundeskreis zu pflegen
und noch nie gemeinsame Ferien verbracht zu haben. So reisten sie auch im
vergangenen Jahr wiederum getrennt in ihre Heimat.
3.3.4. Auch sonst zeigten der Beschwerdeführer und seine Ehefrau aussergewöhnlich
wenig Interesse aneinander und hatten auffallend wenig Ahnung vom vergangenen und
aktuellen Leben des anderen Ehepartners. Der Beschwerdeführer wusste weder den
Namen ihrer Schwester, die als einzige ihrer Verwandten an der Vermählung
teilgenommen hatte, noch die Namen ihrer Kinder. Weitergehende Antworten konnte
oder wollte er nicht beantworten, was zu seinen Lasten ausgelegt werden muss. Darauf
wurde er ausdrücklich aufmerksam gemacht (zur Mitwirkungspflicht bei Verdacht auf
eine Ausländerrechtsehe: statt vieler BGE 2C_717/2009 vom 15. April 2010 E. 2.3). Das
Geburtstagsdatum des anderen Ehepartners wussten beide nicht. Der
Beschwerdeführer erriet nicht einmal das korrekte Geburtsjahr seiner Frau.
Im Gegensatz zum Beschwerdeführer kooperierte N. bei der Befragung. Dabei stellte
sich aber heraus, dass auch sie kaum etwas über ihren Mann wusste. Weder war ihr
bekannt, wie seine geschiedene Ehefrau heisst oder weshalb seine erste Ehe
gescheitert war, noch kannte sie die Namen seiner drei Kinder oder konnte sagen, wie
alt diese sind, obwohl ihr Mann mit diesen nach wie vor Kontakt hat. Als Grund dafür
gab sie an, dass es sie nie interessiert habe. Sie konnte aber auch nichts zu seinen
derzeitigen Kollegen oder seinen aktuellen Hobbys sagen, bzw. wo genau er arbeitet,
was für Musik er hört oder welche Zigarettenmarke er raucht. Sie wusste nicht einmal,
wo er während der Woche erreichbar war. Zu seiner Vergangenheit in Mazedonien
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befragt konnte sie wiederum nur antworten, dass sie das ebenfalls nie interessiert
habe.
3.3.5. Auch zum Kennenlernen und zur Hochzeit konnten der Beschwerdeführer und
seine Ehefrau nichts Konkretes bzw. bloss widersprüchliche Angaben machen, wobei
sich auch diese Widersprüche nicht allein auf Grund der psychischen Einschränkungen
der Ehefrau erklären lassen. Die Unvereinbarkeiten der gemeinsamen Aussagen sind
vielmehr grundsätzlicher Natur, was ebenfalls erhebliche Zweifel an der Ernsthaftigkeit
ihrer Ehe und der Bedeutung der Vermählung und der damit zusammenhängenden
Feier aufkommen lässt. So behauptete der Beschwerdeführer, er habe seine Frau per
Zufall an einer Tankstelle getroffen, an der er gearbeitet habe. Nach ihren
Schilderungen hat er einen Kollegen gebeten, sie zu verkuppeln. In der Folge hat er sie
ihren Schilderungen zufolge zur Heirat förmlich gedrängt ("Er hat immer gedrückt, dass
ich heirate"), was sie eigentlich nicht gewollt habe. Diese Haltung ist insofern
verständlich, als sie zu Recht befürchten musste, wegen der Heirat die
Ergänzungsleistungen zu verlieren. Weiter führte sie aus, dass sie sich noch gefragt
habe, was er von einer alten Frau wolle, die selber Kinder habe und seit dreizehn
Jahren krank sei. Schliesslich willigte sie in die Heirat ein, weil er ihr versichert habe, für
sie aufzukommen. Dies habe er während der ersten Zeit auch tatsächlich getan. Eine
Hochzeitsfeier hat es ihren Schilderungen zufolge nicht gegeben, weil sie sich
geschämt habe, überhaupt geheiratet zu haben. Bei der Trauung habe es geregnet und
sie habe eine schwarze Hose getragen. Die Ringe habe sie in C. gekauft, er habe ja
kein Geld gehabt.
Der Beschwerdeführer demgegenüber sagte aus, es sei seine Frau gewesen, die ihn
wiederholt gefragt habe, ob er sie heirate. Er habe nicht sofort ja gesagt, weil er es
komisch gefunden habe, eine 20 Jahre ältere Frau zu heiraten. Das Wetter am Tag der
Eheschliessung sei schön und sonnig gewesen. Seine Frau habe einen weissen Rock
getragen. Die Ringe hätten die Trauzeugen gekauft. Das anschliessende Fest
(Mittagessen) habe in einem Restaurant stattgefunden, wo auch Musik gespielt habe.
Danach seien sie spazieren und in ein weiteres Restaurant gegangen.
3.3.6. Die aufgezeigten Widersprüche, die getrennten Wohnungen und das mangelnde
Wissen über den anderen Ehepartner machen deutlich, dass der Beschwerdeführer die
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Ehe einzig zum Zweck eingegangen ist, die Vorschriften des Ausländerrechts zu
umgehen. Der ungewöhnlich grosse Altersunterschied - der Beschwerdeführer ist
gleich alt wie der Sohn seiner Frau - und die schwere, langjährige psychische
Erkrankung der Gattin sowie das offensichtliche gegenseitige Desinteresse sprechen
klar gegen das Vorliegen einer partnerschaftlichen Ehegemeinschaft. Dazu kommt,
dass die Ehegattin massiv überschuldet ist, und der Beschwerdeführer, der bereits
früher erfolglos versucht hatte, in der Schweiz Wohnsitz zu nehmen, als
Staatsangehöriger von Mazedonien und ohne Berufsausbildung keine andere
Möglichkeit gehabt hatte, eine Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz zu erlangen, wenn
er nicht eine Schweizerin bzw. eine in der Schweiz niedergelassene Ausländerin
geheiratet hätte. Die Behauptung, sie hätten aus Liebe geheiratet, muss unter diesen
Umständen als reine Schutzbehauptung gewertet werden. Immerhin räumte N. selber
ein, dass ihr Mann sie nicht mehr geliebt habe, sobald er für sie habe bezahlen
müssen. Auf Grund dieser klaren Indizien gelangt das Verwaltungsgericht zur
Überzeugung, dass der formell-rechtlichen Ehe - zumindest seitens des
Beschwerdeführers - von Anfang an kein Ehewille zugrunde gelegen ist und dass keine
tatsächlich gelebte Ehebeziehung bestanden hat. Die Vorinstanz hat die Ehe der
Beschwerdeführer daher zu Recht als Scheinehe bzw. den Familiennachzug als
rechtsmissbräuchlich beurteilt.
4. Ein Widerruf bzw. die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung rechtfertigt sich
nur, wenn die jeweils
im Einzelfall vorzunehmende Interessenabwägung die entsprechende Massnahme als
verhältnismässig erscheinen lässt. Die zuständigen Behörden berücksichtigen bei der
Ermessensausübung die öffentlichen Interessen und die persönlichen Verhältnisse
sowie den Grad der Integration des Ausländers (Art. 96 Abs. 1 AuG).
4.1. Der Beschwerdeführer reiste im September 2004 als 27-Jähriger in die Schweiz ein
und verfügt seit August 2004 über eine Aufenthaltsbewilligung. Mithin verbrachte der
Beschwerdeführer den überwiegenden Teil seines Lebens in Mazedonien, wo seine
drei Kinder, Verwandte und Bekannte noch immer leben. Den mittlerweile knapp
sechsjährigen Aufenthalt in der Schweiz hat er mit einer Ausländerrechtsehe
erschlichen. Dieses Verhalten ist nach Art. 118 AuG strafbar. Den Kontakt zu seinem
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Heimatland hat er nie abgebrochen, sondern dort regelmässig seine Ferien verbracht.
Auch wenn die Lebens- und Arbeitsbedingungen dort gegenüber der Schweiz teilweise
ungünstiger sein mögen, ist weder ersichtlich noch geltend gemacht worden, dass er
bei einer Rückkehr überdurchschnittliche Schwierigkeiten zu gewärtigen hätte. Einer
Rückkehr des heute 33 Jahre alten Beschwerdeführers steht somit nichts im Wege und
stellt insbesondere auch keine grosse Härte dar, selbst wenn seine Mutter, bei der er
allerdings nicht aufgewachsen ist, und Geschwister in der Schweiz leben. Zudem übt
er als Hilfsmonteur keine besonders qualifizierte Tätigkeit aus, die aus wirtschaftlichen
oder arbeitsmarktlichen Gründen eine Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung
gebieten würde. Auch sein Integrationsgrad spricht nicht grundsätzlich gegen eine
Wegweisung. Der deutschen Sprache ist er kaum mächtig. Bei der polizeilichen
Einvernahme und im Eheschutzverfahren brauchte er einen Dolmetscher. Auf Grund
der angebotenen Zeugen muss angenommen werden, dass er hauptsächlich unter
Landsleuten verkehrt. Aber auch sonst ist nicht ersichtlich, dass nennenswerte
Integrationsschritte stattgefunden hätten.
4.2. Aus dem Gesagten folgt, dass mit Blick auf das Vorliegen einer Scheinehe das
öffentliche Interesse an der Wegweisung des Beschwerdeführers seine privaten
Interessen an einem Verbleib in der Schweiz überwiegt. Die Nichtverlängerung der
Aufenthaltsbewilligung erweist sich damit als verhältnismässig.
5. Insgesamt ergibt sich auf Grund der aufgezeigten Indizien, dass der
Beschwerdeführer die Ehe mit N. einzig zur Umgehung der Bestimmungen des
Ausländergesetzes abgeschlossen hat, weshalb die Vorinstanz zu Recht eine
Scheinehe angenommen und die Aufenthaltsbewilligung nicht verlängert hat. Seine
Rückkehr liegt unter den gegebenen Umständen im öffentlichen Interesse und ist
verhältnismässig sowie zumutbar, so dass die Beschwerde abzuweisen ist.
6. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten vom
Beschwerdeführer zu bezahlen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von
Fr. 2'000.-- ist angemessen (Art. 13 Ziff. 622 Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Sie ist
mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechnen.
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98bis VRP).
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Demnach hat das Verwaltungsgericht