# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 585c7d71-88b4-5d9b-bc47-b77077a382b1
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Der Oberingenieurkreis II (OIK II) liess im Jahr 2013 das Lärmsanierungsprojekt
Nr. 180 für die Kantonsstrasse Nr. 229 Grosshöchstetten-Walkringen erstellen. Dabei
wurde die Lärmbelastung im Ausgangszustand mit einer jährlichen Verkehrszunahme von
1.5 % auf das Jahr 2029 hochgerechnet. Da im Sanierungsperimeter keine
Lärmschutzwände erstellt werden können, wurden Erleichterungen für insgesamt 50
Gebäude beantragt, insbesondere auch für die Liegenschaft des Beschwerdeführers
(Walkringen Grundbuchblatt Nr. Y._). Im Fachbericht vom 3. Dezember 2013
stimmte der Fachausschuss Lärm den beantragten Erleichterungen zu mit den Auflagen,
die gewährten Erleichterungen seien den betroffenen Grundeigentümern mit einem
Rechtsmittel zu eröffnen und künftige Belagssanierungen seien mit der Fachstelle
Lärmschutz des Tiefbauamts des Kantons Bern (TBA) abzusprechen. Mit Schreiben vom
15. Januar 2015 sandte der OIK II dem Beschwerdeführer den Verfügungsentwurf und gab
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ihm Gelegenheit zur Stellungnahme. Davon machte dieser Gebrauch. Mit Verfügung vom
4. August 2015 befreite der OIK II den Kanton Bern von der Pflicht, an der Kantonsstrasse
Nr. 229, Strassenzug Kiesen-Grosshöchstetten-Metzgerhüsi-Walkringen,
Lärmschutzmassnahmen zum Schutz der Liegenschaft Z._strasse zu ergreifen.
Zur Begründung führte er insbesondere aus, eine Lärmschutzwand würde die Sicht
beeinträchtigen. Zudem hielt er fest, der Grenzwert für Schallschutzfenster werde nicht
erreicht. Es fehle daher an den rechtlichen Voraussetzungen, bei der fraglichen
Liegenschaft Schallschutzfenster auf Kosten des Strasseneigentümers einzubauen oder
die Kosten dafür zurückzuerstatten.
2. Gegen diese Verfügung reichte der Beschwerdeführer am 5. August 2015
Beschwerde bei der Bau- Verkehrs- und Energiedirektion (BVE) ein. Er beantragt die
Finanzierung von Türen und Fenstern im näheren Bereich der Kantonsstrasse (total acht
Fenster und zwei Türen), die Erneuerung des Belags entlang der ganzen Länge des
Grundstücks bzw. des ganzen Dorfes und die Herabsetzung der Geschwindigkeit innerorts
auf 30 km/h.
3. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, holte die Vorakten
ein und führte den Schriftenwechsel durch. In seiner Vernehmlassung vom 17. August
2015 beantragt der OIK II, die Beschwerde sei vollumfänglich abzuweisen. Der
Fenstergrenzwert werde nicht erreicht, die Strasse befinde sich im Bereich der
Liegenschaft Z._strasse noch nicht in einem sanierungsbedürftigen Zustand und
eine Geschwindigkeitsreduktion auf 30 km/h sei nicht verhältnismässig. Der
Beschwerdeführer machte von der Möglichkeit, Schlussbemerkungen einzureichen, mit
Eingabe vom 21. August 2015 Gebrauch.
4. Auf die Rechtsschriften und Vorakten wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in
den Erwägungen eingegangen.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Angefochten ist eine Verfügung des OIK II betreffend Lärmsanierung eines
Kantonsstrassenabschnitts. Für die Beurteilung von Beschwerden gegen solche
Verfügungen ist gemäss Art. 62 Abs. 1 Bst. a VRPG2 die BVE zuständig.
b) Der Beschwerdeführer ist als Eigentümer der betroffenen Liegenschaft durch die
Verfügung besonders berührt. Er hat deshalb ein schutzwürdiges Interesse an deren
Aufhebung oder Änderung (Art. 65 Abs. 1 VRPG). Somit ist er zur Beschwerdeführung
legitimiert.
c) Die Beschwerde ist innert der Rechtsmittelfrist eingereicht worden (Art. 67 VRPG).
Sie enthält einen Antrag und eine Begründung (Art. 32 Abs. 2 VRPG). Die BVE tritt deshalb
auf die Beschwerde ein.
2. Sanierungspflicht
a) Gemäss Art. 16 Abs. 1 USG3 müssen Anlagen, die den Vorschriften des USG oder
den Umweltvorschriften anderer Bundesgesetze nicht genügen, saniert werden. Gestützt
auf Art. 16 Abs. 2 USG hat der Bundesrat mit der LSV4 Vorschriften über die Sanierung
bestehender ortsfester Anlagen erlassen (Art. 13 – 20 LSV). Zweck der Sanierung ist der
Schutz vor schädlichem und lästigem Lärm (Art. 1 USG, Art. 1 Abs. 1 LSV). Bestehende
ortsfeste Anlagen, die wesentlich zur Überschreitung der Immissionsgrenzwerte (IGW)
beitragen, sind zu sanieren (Art. 13 LSV). Sie müssen grundsätzlich so weit saniert
werden, als dies technisch und betrieblich möglich sowie wirtschaftlich tragbar ist und dass
die IGW nicht überschritten werden (Art. 13 Abs. 2 LSV). Die Pflicht zur Sanierung von
ortsfesten Anlagen besteht nur dann, wenn die Immissionen lärmempfindliche Gebäude
oder Zonen betreffen.5
2 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 3 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01) 4 Lärmschutz-Verordnung des Bundesrates vom 15. Dezember 1986 (LSV; SR 814.41) 5 Schrade/Wiestner, in Kommentar USG, 2001, Art. 16 N 42
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b) Die Liegenschaft des Beschwerdeführers liegt in einer Zone mit Empfindlichkeitsstufe
(ES) III. In dieser Zone gelten gemäss Anhang der LSV folgende Belastungswerte für den
Strassenverkehrslärm: ein Immissionsgrenzwert (IGW) von 65 dB(A) tags bzw. 55 dB(A)
nachts und ein Alarmwert von 70 dB(A) tags bzw. 65 dB(A) nachts. Bei der Liegenschaft
Z._strasse wurde für das Jahr 2029 beim lärmexponiertesten Fenster im
Erdgeschoss eine Lärmbelastung von 66 dB(A) tags und 55 dB(A) nachts ermittelt.
Gemäss dieser Prognose werden die IGW somit am Tag überschritten sein. Es besteht
daher grundsätzlich eine Sanierungspflicht.
3. Massnahmen an der Quelle
a) Der Beschwerdeführer beantragt eine Belagserneuerung entlang seines Grundstücks
bzw. im ganzen Dorf sowie die Herabsetzung der Geschwindigkeit innerorts auf 30 km/h.
Infraschall und Vibrationen, die beim Befahren der schadhaften Stelle des Strassenbelags
durch den Schwerverkehr entstünden, könnten extrem ausfallen. In seinen
Schlussbemerkungen bemängelt er, dass im Falle des Belagsflicks der "schwarze Peter"
an die Gemeinde weitergereicht werde. Das Füllmaterial weise die falsche Körnung auf
und entspreche nicht dem Standard. In Köniz seien eine überregionale Durchgangsstrasse
verlegt, die Geschwindigkeit reduziert und verkehrsberuhigende Massnahmen gemacht
worden. In Walkringen sei die Situation vergleichbar. Trotzdem stünden Abklärungen
bezüglich Tempo 30 nicht zur Diskussion, obwohl auch andere Gründe dafür sprechen
würden.
b) Stehen keine überwiegenden Interessen entgegen, so gibt die Vollzugsbehörde den
Massnahmen, welche die Lärmerzeugung verhindern oder verringern, den Vorzug
gegenüber Massnahmen, die lediglich die Lärmausbreitung verhindern oder verringern
(Art. 13 Abs. 3 LSV). In einem ersten Schritt sind somit Massnahmen an der Quelle
vorzusehen. Führen diese zu unverhältnismässigen Betriebseinschränkungen oder Kosten,
sind Massnahmen im Ausbreitungsbereich des Lärms anzuordnen. Erst wenn solche
Massnahmen finanziell nicht zumutbar sind oder ihnen überwiegende öffentliche
Interessen des Ortsbild-, Natur- und Landschaftschutzes, der Verkehrs- und
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Betriebssicherheit usw. entgegenstehen, gewährt die Behörde Erleichterungen (Art. 14
Abs. 1 LSV).6
c) Strassenlärm lässt sich vor allem durch Geschwindigkeitsbegrenzungen, den Einbau
von lärmarmen Strassenbelägen, den Einsatz leiser Reifen sowie durch eine angepasste
Fahrweise an der Quelle reduzieren. Im Rahmen des vorliegenden Sanierungsprojekts
wurden Massnahmen zur Emissionsbegrenzung an der Quelle geprüft. Im Ergebnis wurde
sowohl auf den Einbau eines lärmmindernden Belages als auch auf
Geschwindigkeitsreduktionen verzichtet. Der OIK II führt dazu aus, der Strassenzustand
sei im Jahr 2014 erhoben worden. Die Messung habe ergeben, dass sich die Strasse im
Bereich der Liegenschaft Z._strasse noch nicht in einem sanierungsbedürftigen
Zustand befinde. Der Belagsflick stamme von einem Wasserrohrleitungsbruch. Gemäss
Bewilligung hätte der Deckbelag bei der Flickstelle bis Ende 2014 eingebaut werden
müssen. Dieser Einbau sei bis heute noch ausstehend. Auf Kantonsstrassen würden
Geschwindigkeitsreduktionen aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen und der Funktion
der Strasse im übergeordneten Strassennetz geprüft. Seien die entsprechenden
Voraussetzungen erfüllt und eine Temporeduktion aufgrund des Strassenbildes
(Strassenquerschnitt, Gestaltung, Geometrie, Bebauung, Topografie usw.) sinnvoll, könne
eine Geschwindigkeitsreduktion in Betracht gezogen werden. Vor der Festlegung von
abweichenden Höchstgeschwindigkeiten müsse durch ein Gutachten abgeklärt werden, ob
die Massnahme nötig, zweckmässig und verhältnismässig sei. In Anbetracht der heutigen
Strassenlage (Hauptverkehrsstrasse, guter Ausbaustandard) sei eine
Geschwindigkeitsreduktion auf der Kantonsstrasse in Walkringen von 50 km/h auf 30 km/h
im Zusammenhang mit Lärmsanierungen nicht verhältnismässig.
d) Die Strassenbeläge werden mit Unterstützung modernster Hilfsmittel alle vier Jahre
inspiziert und auf Schäden hin untersucht. Die Resultate werden systematisch
ausgewertet, so dass die erforderlichen Sanierungsmassnahmen zeitgerecht geplant und
ausgeführt werden können. Damit wird sichergestellt, dass die Substanzerhaltung im
Einklang mit der nachhaltigen Entwicklung erfolgt und die vorhandenen finanziellen Mittel
möglichst effektiv eingesetzt werden. Gemäss Messungen aus dem Jahr 2014 besteht
aufgrund des Strassenzustands kein unmittelbarer Handlungsbedarf, die Strasse ganz
oder teilweise zu erneuern. Ein Belagsersatz ist deshalb aus wirtschaftlichen Gründen im
Rahmen des vorliegenden Sanierungsprojekts nicht vorgesehen. Dieses Vorgehen ist nicht
6 Schrade/Wiestner, in Kommentar USG, 2001, Art. 17 N 24
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zu beanstanden. Ein vorzeitiger Belagsersatz würden dem Grundsatz von Art. 3 Bst. c SG7
widersprechen, wonach Strassen so geplant, gebaut, betrieben und unterhalten werden,
dass sie wirtschaftlich tragbar sind. Eine Belagserneuerung ausserhalb der Reihe wäre mit
unverhältnismässigen Kosten verbunden. Im Übrigen können gemäss aktuellem Stand des
Forschungsprojekts zur Untersuchung von lärmmindernden Strassenbelägen8 neue Beläge
zwar zu einer Lärmpegelreduktion von 3 bis 6 dB(A) führen. Dieser Wert nimmt allerdings
bei allen bisher untersuchten Belägen sehr rasch ab. Bereits fünf Jahre nach dem Einbau
erfüllt die Hälfte der Beläge die minimal geforderte Pegelreduktion von 1 dB(A) nicht mehr.9
Der Einbau eines neuen, lärmmindernden Belags führt somit höchstens kurzfristig zu einer
Verbesserung. Der Belagsflick vor der Liegenschaft des Beschwerdeführers stammt von
einem Wasserrohrleitungsbruch. Die Gemeinde als Leitungseigentümerin und Adressatin
der Verfügung vom 8. Oktober 2013 betreffend die Benützung der Kantonsstrasse für
Leitungsanlagen ist verpflichtet, für den fachgerechten Einbau des Deckbelags zu sorgen.
Die Behebung dieser schadhaften Stelle ist somit nicht Gegenstand des vorliegenden
Verfahrens. Das zuständige Strasseninspektorat hat die Gemeinde gebeten, die fraglichen
Arbeiten bis 31. August 2015 ausführen zu lassen. Sobald der Deckbelag fachgerecht
eingebaut ist, sollten beim Überfahren der Stelle keine wahrnehmbaren zusätzlichen
Immissionen mehr entstehen.
e) Die allgemeine Höchstgeschwindigkeit in Ortschaften beträgt grundsätzlich 50 km/h
(Art. 4a Abs. 1 Bst. a VRV10). Die zuständige kantonale Behörde kann sie für bestimmte
Strassenstrecken herab- oder hinaufsetzen (Art. 32 Abs. 3 SVG11). Die
Höchstgeschwindigkeit kann herabgesetzt werden, wenn eine Gefahr nur schwer oder
nicht rechtzeitig erkennbar und anders nicht zu beheben ist, bestimmte Strassenbenützer
eines besonderen, nicht anders zu erreichenden Schutzes bedürfen, auf Strecken mit
grosser Verkehrsbelastung der Verkehrsablauf verbessert werden kann, oder dadurch eine
im Sinne der Umweltschutzgesetzgebung übermässige Umweltbelastung (Lärm,
Schadstoffe) vermindert werden kann, wobei der Grundsatz der Verhältnismässigkeit zu
wahren ist (Art. 108 Abs. 2 SSV). Die Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit darf nur
aufgrund eines Gutachtens angeordnet werden (Art. 32 Abs. 3 SVG). Das Gutachten klärt
7 Strassengesetz vom 4. Juni 2008 (SG; BSG 732.11) 8 Vgl. dazu Jahresbericht 2010, "Lärmarme Strassenbeläge innerorts" vom 14. Juni 2011 (Jahresbericht 2010), einsehbar unter <http://www.bafu.admin.ch>, Rubriken «Lärm, Fachinformationen, Massnahmen, Strassenlärm, Lärmarme Beläge» 9 Jahresbericht 2010, S. 15 f. 10 Verkehrsregelnverordnung des Bundesrats vom 13. November 1962 (VRV; SR 741.11) 11 Strassenverkehrsgesetz des Bundes vom 19. Dezember 1958 (SVG; SR 741.01)
http://www.bafu.admin.ch
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ab, ob die Massnahme nötig und zweck- und verhältnismässig ist, oder ob andere
Massnahmen vorzuziehen sind (Art. 108 Abs. 4 SSV). Kantonsstrassen dienen dem
überregionalen und dem regionalen Verkehr (Art. 7 Abs. 1 SG). Eine Reduktion der
zulässigen Höchstgeschwindigkeit muss im Licht dieser Funktion, aber auch im
Zusammenhang mit den angrenzenden und einmündenden Gemeinde- und
Quartierstrassen beurteilt werden. Aufgrund des Ausbaustandards und der Funktion der
Kantonsstrasse, die durch Walkringen führt, muss erfahrungsgemäss davon ausgegangen
werden, dass eine blosse signalisierte Temporeduktion ohne flankierende bauliche und
gestalterische Massnahmen im Strassenraum keine Verbesserung der Lärmbelastung
bringen würde. Zudem wäre es wenig sinnvoll, die Höchstgeschwindigkeit allein auf der
Kantonsstrasse zu beschränken, nicht aber auf den Zubringerstrassen. Solange in
Walkringen keine Tempo 30-Zone besteht, ist die Beschränkung der Geschwindigkeit nur
auf der Kantonsstrasse nicht sachgerecht. Bei den Strassenumgestaltungen nach dem
sogenannten "Berner Modell" handelt es sich nicht um Lärmsanierungs-, sondern um
Verkehrssanierungsprojekte.12 Zudem weist die Schwarzenburgstrasse in Köniz, auf die
sich der Beschwerdeführer offenbar bezieht, mit täglich 17'000 Autos, intensivem
Busverkehr und starken Fussgängerströmen ein hohes Verkehrsaufkommen auf.13
Demgegenüber beträgt der durchschnittliche tägliche Verkehr auf der Kantonsstrasse in
Walkringen zwischen 5'160 und 6'640 Fahrzeuge (Stand 2009).14 Auch die
Bebauungsstruktur im Zentrum von Köniz ist anders als diejenige in Walkringen. Die
beiden Standorte sind deshalb nicht vergleichbar.
f) Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass im Rahmen des vorliegenden
Lärmsanierungsprojekts zu Recht auf den Einbau eines neuen Belags verzichtet wurde.
Eine Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit wäre aufgrund des guten Ausbaustandards
und der Funktion der Kantonsstrasse weder zweck- noch verhältnismässig. Die Vorinstanz
hat daher zu Recht auf Massnahmen an der Quelle verzichtet. Unbestritten ist, dass
Massnahmen im Ausbreitungsbereich (insbesondere eine Lärmschutzwand) im
vorliegenden Fall nicht möglich sind, da sie die Verkehrssicherheit beeinträchtigen würden.
Aus diesem Grund wurden die Erleichterungen im Sinn von Art. 14 Abs. 1 LSV zu Recht
gewährt.
12 Vgl. dazu http://www.bve.be.ch/bve/de/index/strassen/strassen/berner_modell.html 13 Vgl. dazu Führer zum "Berner Modell", S. 3, einsehbar unter <http://www.bve.be.ch/bve>, Rubriken «Strassen, Berner Modell» 14 Vgl. Lärmsanierungsprojekt Nr. 180, Beilage 2.1
http://www.bve.be.ch/bve
RA Nr. 140/2015/73 8
4. Lärmermittlung
a) Der Beschwerdeführer macht geltend, bei der Lärmermittlung seien möglicherweise
ein paar Berechnungsfaktoren übersehen worden. Der Strassenabstand betrage 5 m bis
zur Fassade. Dahinter befänden sich die Schlafzimmer. Da das Haus nach einem geraden
Teilstück in einer leichten Krümmung der Strasse stehe, seien direkte Schalleinwirkungen
und Reflexionen von Süden her über circa 450 m Länge vorhanden. Der Schall eines
Fahrzeugs sei während 30 Sekunden in zunehmendem oder abschwellendem Pegel
präsent. Seine Messwerte seien Istwerte und nicht Schätzungen. Danach würde die
Lärmbelastungsspitze des Schwerverkehrs schon heute den Pegel von 72 dB im Inneren
der strassenseitigen Räume bzw. von 86 dB bei offenem Fenster überschreiten. Diese
Lärmbelastung bestehe morgens und abends jeweils circa zwei Stunden konstant.
Während der Hauptverkehrszeiten sei das Schlafen nur mit Ohrenstöpseln möglich. Auch
wenn das Tiefbauamt von Gesetzes wegen dazu legitimiert, Schätzungen als Tatsachen zu
interpretieren, sei eine solche Berechnung eine reine Hypothese und kein
wissenschaftliches Beweismittel.
b) Der Schall, der von einer Anlage ausgeht oder auf einen Ort einwirkt, kann durch
Messungen oder Berechnungen ermittelt werden (Art. 38 Abs. 1 LSV). Die beiden
Methoden gelten grundsätzlich als gleichwertig. Zur Beurteilung bestehender
Lärmbelastungen wird sehr oft eine Kombination von Mess- und Berechnungsverfahren
angewandt. Es ist möglich, die voraussichtliche Belastung durch typische Lärmquellen
relativ genau zu berechnen. Dabei werden insbesondere das durchschnittliche
Verkehrsaufkommen, der Anteil an Schwerverkehr, eine allfällige Steigung der Fahrbahn
und die gefahrene Geschwindigkeit berücksichtigt. Zudem werden bei der Berechnung
Umstände beachtet, welche die Schallausbreitung beeinflussen, wie der Abstand des
Empfangspunktes von der Lärmquelle und die vorhandene Überbauung (Abschirmungen,
Reflexionen).15 Mit den heutigen Lärmberechnungsmodellen können sowohl
Einzellärmsituationen als auch ganze Lärmbelastungskataster berechnet werden.
Lärmmessungen haben deshalb an Bedeutung verloren.16 Sind künftige Auswirkungen
einer Anlage zu beurteilen, sind Berechnungen unverzichtbar.17 Solche
15 Wolf, in Kommentar USG, 2000, Vorbemerkungen zu Art. 19-25 N. 11 f. 16 Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL), Lärmbekämpfung in der Schweiz – Stand und Perspektiven, Schriftenreihe Umwelt Nr. 329, S. 91 17 Wolf, in Kommentar USG, 2000, Vorbemerkungen zu Art. 19-25 N. 11 f.
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Modellberechnungen werden in der Regel mit Immissionsmessungen überprüft und
kalibriert. Das kann sowohl durch Kurz- oder Langzeitmessungen erfolgen.18 Im Kanton
Bern werden für die Beurteilung des Strassenlärms ausschliesslich Kurzzeitmessungen
durchgeführt. Diese dienen auch der Eichung von Modellberechnungen. Dabei werden die
Immissionen während rund 30 Minuten gemessen und gleichzeitig die Anzahl und Art der
vorbeifahrenden Fahrzeuge ermittelt. Mit einem vorgegebenen Verfahren werden
anschliessend die ermittelten Mess- und Zählwerte auf die jahresdurchschnittlichen
Verkehrsverhältnisse umgerechnet, damit die Messergebnisse mit den Prognosen des
Berechnungsmodells STL-86+ verglichen werden können. Mittels einer Kurzzeitmessung
können ortspezifische Schallausbreitungsverhältnisse erfasst werden.
Im Rahmen des Sanierungsprojekts Nr. 180 Grosshöchstetten-Walkringen wurden bei drei
Liegenschaften Kurzzeitmessungen durchgeführt und anschliessend die gemessenen und
auf den Verkehr im Jahr 2030 normalisierten Werte mit den berechneten Werten
verglichen. Bei zwei Liegenschaften lagen die berechneten Werte 0.2 dB(A) bzw. 0.6 dB(A)
über den gemessenen Werten, bei einer Liegenschaft lag der berechnete Wert 0.3 dB(A)
unter dem gemessenen Wert. So beträgt beispielsweise der bei der Liegenschaft
A._ in Walkringen gemessene, auf 2029 normalisierte Immissionswert 68.3 dB(A),
der berechnete Wert 68.9 dB(A). Messungen und Berechnungen liegen somit sehr nahe
beieinander. Bei der Liegenschaft des Beschwerdeführers wurde die Lärmbelastung für
das Jahr 2029 mittels Berechnung ermittelt. Das entspricht den gesetzlichen
Bestimmungen und ist nicht zu beanstanden. Dabei wurde insbesondere der Abstand der
Liegenschaft zur Strasse mitberücksichtigt (vgl. dazu Ziff. 1 Abs. 1 Bst. b Anhang 2 LSV).
Die messtechnischen Überprüfungen in den anderen Fällen haben gezeigt, dass diese gut
mit den berechneten Werten übereinstimmen. Es sind keine Anhaltspunkte vorhanden,
dass eine messtechnische Überprüfung bei der Liegenschaft des Beschwerdeführers ein
wesentlich anderes Resultat ergeben würde. Aus diesem Grund wurde im Rahmen dieses
Beschwerdeverfahrens keine messtechnische Prüfung der berechneten Lärmpegel
angeordnet.
c) Die Lärmimmissionen ortsfester Anlagen sind grundsätzlich anhand der vom
Bundesrat festgelegten Belastungsgrenzwerte (Anhänge 3-8 LSV) zu beurteilen (Art. 40
Abs. 1 LSV). Bei der Beurteilung des Strassenverkehrslärms (vgl. dazu Anhang 3 LSV)
wird als Mass für die Störungswirkung der Beurteilungspegel Lr verwendet. Basis bildet
18 Leitfaden Strassenlärm, Ziff. 4.1, S. 27
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dabei der Mittelungspegel Leq. Dazu wird über längere Zeit der Durchschnitt der
Schallintensitäten an einem Immissionsort gebildet und dann der Pegel berechnet. Dieser
wird durch einen von der Lärmart abhängigen Korrekturfaktor ergänzt.19 Bei der Beurteilung
des Strassenlärms wird somit auf einen Mittelwert über eine bestimmte Zeitperiode
abgestellt. Einzelne Spitzen, die beispielsweise vom vorbeifahrenden Schwerverkehr
verursacht werden, mögen zwar als Einzelereignisse störend sein, das ändert aber nichts
daran, dass letztlich der Mittelungspegel massgeblich für die Beurteilung ist. Wenn
Messungen durchgeführt werden, so haben diese nach den Vorgaben der LSV (Anhang 2
und 3) zu erfolgen. Dies bedingt insbesondere die Messung an den vorgeschriebenen
Punkten und die Durchführung einer gleichzeitigen Verkehrszählung, damit der gemessene
Wert auf den Jahresdurchschnitt normalisiert werden kann. Massgeblich sind somit nicht
punktuell gemessene Lärmimmissionen, sondern der jährliche Durchschnittswert. Die
Lärmbelastungsspitzen, die der Beschwerdeführer gemessen hat, zeigen zwar eine
(unbestritten) hohe Lärmbelastung, sie entsprechen aber nicht dem massgebenden
Beurteilungspegel Lr.
Laut Ziff. 32 Anhang 3 LSV werden bei der Beurteilung des Strassenlärms auch der
durchschnittliche Tages- und Nachtverkehr von 06.00 bis 22.00 Uhr und von 22.00 bis
06.00 Uhr im Jahresmittel sowie der Anteil Schwerverkehr miteinbezogen. Das vom
Beschwerdeführer als besonders störend empfundene Verkehrsaufkommen (Lastwagen)
wurde daher bei der Berechnung der Lärmbelastung berücksichtigt.
d) Zusammenfassend steht fest, dass bezüglich der Lärmprognose für die Liegenschaft
des Beschwerdeführers keine Hinweise auf Fehler in der Berechnung oder auf falsche
Berechnungsgrundlagen vorhanden sind. Mit dem Entscheid über die Sanierung einer
Strasse wird das zulässige Mass an Lärmbelastung, das die Anlage in ihrer Umgebung
verursachen darf, festgelegt (vgl. dazu Art. 37a Abs. 1 LSV). Sollte dieses Mass in Zukunft
überschritten werden, würde dies eine Abweichung von der bewilligten Nutzung der Anlage
darstellen.20 Steht fest oder ist zu erwarten, dass die Lärmimmissionen einer Anlage von
den im Sanierungsentscheid festgehaltenen Immissionen auf Dauer wesentlich abweichen,
19 Wolf, in Kommentar USG, 2000, Vorbemerkungen zu Art. 19-25 N. 18; Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) (Hrsg.), Lärmbekämpfung in der Schweiz – Stand und Perspektiven, 2002, S. 92; Kurt Eggenschwiler, Dezibel & Co. – Zu den Grundlagen der Akustik, in: URP 1994 S. 396 ff., S. 404 20 Wolf, in Kommentar USG, 2000, Art. 25 N. 49
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so trifft die Vollzugsbehörde die notwendigen Massnahmen (Art. 37a Abs. 2 LSV). In
diesem Fall müsste die Angelegenheit also neu beurteilt werden.21
5. Schallschutzfenster
a) Der Beschwerdeführer beantragt die Finanzierung der Sanierung von Türen und
Fenstern im näheren Bereich der Kantonsstrasse (total acht Fenster und zwei Türen). Es
sei befremdend, dass es nicht für eine Fenstersanierung, aber für eine wesentlich
kostspieligere Lärmschutzwand gereicht hätte.
b) Lassen sich die Lärmimmissionen auf bestehende Gebäude in der Umgebung von
bestehenden Strassen durch Massnahmen bei der Quelle nicht unter die Alarmwerte
herabsetzen, so werden die Eigentümer der betroffenen Gebäude verpflichtet, Räume, die
dem längeren Aufenthalt von Personen dienen, mit Schallschutzfenstern zu versehen oder
durch ähnliche bauliche Massnahmen zu schützen (Art. 20 Abs. 1 USG). Der Eigentümer
der lärmigen ortsfesten Anlage trägt grundsätzlich die Kosten für die notwendigen
Schallschutzmassnahmen (Art. 20 Abs. 2 USG). Bei der Sanierung von öffentlichen oder
konzessionierten ortsfesten Anlagen entsteht der Anspruch auf Schallschutzmassnahmen
am betroffenen Gebäude also erst bei Überschreitung der Alarmwerte22. Im Rahmen der
parlamentarischen Beratung wurde der Antrag, für die Pflicht, Schallschutzmassnahmen zu
treffen, seien anstelle der Alarmwerte bereits die Immissionsgrenzwerte massgebend, nach
längerer Diskussion abgelehnt23. Es handelt sich bei dieser Regelung also nicht um ein
gesetzgeberisches Versehen, sondern um eine bewusste Entscheidung des Gesetzgebers.
Im vorliegenden Fall werden die Alarmwerte bei der Liegenschaft des Beschwerdeführers
im Jahr 2030 voraussichtlich nicht überschritten sein. Gestützt auf das Bundesumweltrecht
ist der Kanton Bern als Strasseninhaber daher nicht verpflichtet, die Kosten der
Schallschutzmassnahmen an der Liegenschaft B._ zu tragen.
c) Der Kanton Bern hat die Grenze für den Einbau von Lärmschutzfenstern tiefer
angesetzt als das Bundesrecht. Gestützt auf die BUWAL-Mitteilung Nr. 2 und den
Regierungsratsbeschluss Nr. 1207 vom 27. Mai 1998 wurden die Werte auf 68 dB(A) am
Tag bzw. 58 dB(A) in der Nacht festgelegt. Dieser Praxis liegt folgende Überlegung
21 Wolf, a.a.O., Art. 25 N. 50 22 Schrade/Wiestner, in Kommentar USG, 2001, Art. 16 N. 58 23 Zäch/Wolf, in Kommentar USG, 2001, Art. 20 N. 4
RA Nr. 140/2015/73 12
zugrunde: Eine strikte Anwendung der LSV hätte zur Folge, dass der Strasseneigentümer,
der gestützt auf Art. 14 Abs. 1 Bst. b LSV Erleichterungen erhält, nicht nur keine Kosten für
Schallschutzmassnahmen tragen müsste, sondern zusätzlich die Kosten sparen könnte,
die er für finanziell durchaus zumutbare Sanierungen (bspw. Lärmschutzwände) hätte
aufwenden müssen. Eine solche doppelte Privilegierung entspricht nicht dem Willen des
Gesetzgebers24.Vorliegend werden die Immissionen bei der Liegenschaft des
Beschwerdeführers im Jahr 2029 66 dB(A) tags und 55 dB(A) nachts betragen. Damit
liegen die berechneten Immissionen 2 dB(A) am Tag und 3 dB(A) in der Nacht unter den
Fenstergrenzwerten.
d) Da es sich bei dem für die Beschreibung der Lärmbelastung verwendeten
Schalldruckpegel, der in Dezibel (dB) angegeben wird, nicht um ein lineares, sondern um
ein logarithmisches Mass handelt, ist die Differenz gross. Eine Zunahme der
Lärmimmissionen um 2 dB(A) entspricht einer Verkehrszunahme um 50%.25 Im Bereich der
Liegenschaft des Beschwerdeführers müsste es also gegenüber der Prognose zu einer
wesentlichen Zunahme des Verkehrs kommen, damit die Fenstergrenzwerte im
massgeblichen Prognosezeitpunkt (2029) erreicht würden. Damit steht fest, dass
vorliegend kein Anspruch auf Sanierung der Liegenschaft mittels Schallschutzfenstern
besteht. Die Beschwerde erweist sich deshalb als unbegründet und ist abzuweisen.
6. Kosten
a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt der Beschwerdeführer. Er hat deshalb
die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 800.00 (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1
GebV26).
b) Parteikosten sind keine zu sprechen (Art. 108 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 104
Abs. 1 und 3 VRPG).
24 BUWAL, Mitteilungen zur Lärmschutz-Verordnung (LSV) Nr. 2 (1990), S. 3 25 Leitfaden Strassenlärm, S. 16 26 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
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