# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 9554e46f-ecf7-4b3a-9acb-4a40a8b0831b
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Tierquälerei
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, Einzelgericht, vom 14. November 2019 (GG180044)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 8. August
2018 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 19).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der Tierquälerei im Sinne von Art. 26 Abs. 1
Bst. a TSchG in Verbindung mit Art. 3 Bst. a TSchG und Art. 4 Abs. 2
TSchG.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu
Fr. 450.–.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt.
4. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 1'400.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 1'100.– Gebühr für die Strafuntersuchung
Fr. 1'120.– Gutachten/Expertise
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
5. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 89 S. 2; Urk. 102 S. 2)
1. Es sei der Schuldspruch gegen den Beschuldigten des Urteils des Be-
zirksgerichtes Bülach vom 14. November 2019 vollumfänglich aufzu-
heben.
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2. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der vorsätzlichen Tierquälerei i.S.v.
Art. 26 Abs. 1 lit. a TSchG i.V.m. Art. 3 lit. a TSchG und Art. 4 Abs. 2
TSchG freizusprechen, auch von einer allfälligen fahrlässigen Tatbe-
gehung.
3. Die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens seien dem Staat zu über-
binden. Dem Beschuldigten sei für das erstinstanzliche Verfahren eine
Parteientschädigung von Fr. 34'456.– inkl. MwSt. von 7,7 % zuzuspre-
chen.
4. Eventualiter sei das Urteil des Bezirksgerichtes Bülach vom
14. November 2019 vollumfänglich aufzuheben und zur Neubeurteilung
an die Vorinstanz zurückzuweisen.
5. Unter vollumfänglichen Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. 7,7 %
MwSt.) zu Lasten der Staatskasse.
b) Der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland:
(Urk. 94, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
c) Der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich, Veterinäramt:
(Urk. 93 S. 2, Urk. 105 S. 2)
1. Der Beschuldigte sei in Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils der
Tierquälerei im Sinne von Art. 26 Abs. 1 lit. a TSchG in Verbindung mit
Art. 3 lit. a TSchG und Art. 4 Abs. 2 TSchG schuldig zu sprechen.
2. Der Beschuldigte sei in Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils mit ei-
ner Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu bestrafen.
3. Dem Beschuldigten seien die Kosten aufzuerlegen.
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## Considerations

Erwägungen:
I. Verfahrensverlauf
1. Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene mündlich eröffnete
Urteil des Bezirksgerichtes Bülach vom 14. November 2019 liess der Beschuldig-
te mit Eingabe vom 21. November 2019 Berufung anmelden (Urk. 74; Prot. I
S. 80 ff.; Art. 399 Abs. 1 StPO). Nach Erhalt des begründeten Urteils am
26. Februar 2020 liess er mit Eingabe vom 17. März 2020 fristwahrend eine Beru-
fungserklärung im Sinne von Art. 399 Abs. 3 StPO einreichen (Urk. 85; Urk. 89).
Mit Präsidialverfügung vom 19. März 2020 wurde die Berufungserklärung des Be-
schuldigten der Staatsanwaltschaft sowie der Gesundheitsdirektion des Kantons
Zürich, Veterinäramt (nachfolgend: Veterinäramt), zugestellt und Frist zur Erklä-
rung einer Anschlussberufung oder zum Stellen eines Nichteintretensantrags an-
gesetzt. Mit derselben Verfügung wurde der Beschuldigte unter Hinweis auf sein
Aussageverweigerungsrecht aufgefordert, ein Datenerfassungsblatt auszufüllen
und seine finanziellen Verhältnisse zu belegen (Urk. 91). Sowohl das Veteri-
näramt als auch die Staatsanwaltschaft verzichteten mit Eingaben vom 31. März
2020 und vom 2. April 2020 auf eine Anschlussberufung (Urk. 93; Urk. 94). Das
Veterinäramt stellte mit Eingabe vom 31. März 2020 den Antrag auf teilweises
Nichteintreten auf die Berufung des Beschuldigten und begründete diesen
(Urk. 93). Unter Hinweis darauf, dass die vom Veterinäramt angeführten Argu-
mente keine Nichteintretensgründe im Sinne von Art. 403 StPO darstellen, wurde
mit Präsidialverfügung vom 16. April 2020 auf die Berufung des Beschuldigten
vollumfänglich eingetreten. Mit derselben Verfügung wurden dem Beschuldigten
die Eingabe des Veterinäramtes vom 31. März 2020 sowie diejenige der Staats-
anwaltschaft vom 2. April 2020 zugestellt (Urk. 97). In der Folge liess der Be-
schuldigte am 24. April 2020 eine Stellungnahme zu einigen Aussagen des Vete-
rinäramtes einreichen (Urk. 99). Unterlagen zu seinen finanziellen Verhältnissen
liess er mit Eingabe vom 2. April 2020 einreichen (Urk. 95; Urk. 96/1-8).
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2. Die Berufungsverhandlung fand in Anwesenheit des Beschuldigten, seiner
erbetenen Verteidigung sowie der Vertreterin des Veterinäramtes statt (Prot. II
S. 5). Das Verfahren erweist sich als spruchreif.
II. Prozessuales
Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechtskraft
des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Der Beschuldig-
te verlangt mit seiner Berufung einen Freispruch und ficht das vorinstanzliche Ur-
teil demnach vollumfänglich an (Urk. 89 S. 2; Urk. 102 S. 2). Es erwächst daher
keine Dispositivziffer in Rechtskraft.
III. Schuldpunkt
1. Sowohl der Haupt- als auch der Eventualanklage liegt der Ausgangssach-
verhalt zugrunde, dass der Beschuldigte am Vormittag des 22. Dezembers 2017
vom Tierhalter B._ als Bestandestierarzt beigezogen worden sei, da ein
hochträchtiges Rind schwer verletzt und festliegend gewesen sei. Der Beschuldig-
te habe das Tier untersucht und festgestellt, dass dieses nicht mehr von sich aus
habe aufstehen respektive hinten nicht mehr habe stehen können, schwer verletzt
gewesen sei und ein mangelhaftes Allgemeinbefinden sowie einen mangelhaften
Zustand von Haut/Gliedmassen/Klauen/Euter aufgewiesen habe. Aus diesem
Grund habe der Beschuldigte die Verdachtsdiagnose einer Becken- oder Ober-
schenkelfraktur gestellt. All dies habe er im "Zeugnis über die Schlachttierunter-
suchung" vom 22. Dezember 2017 schriftlich festgehalten.
1.1 In der Hauptanklage wird dem Beschuldigten zusammengefasst vorge-
worfen, dass er das hochträchtige und schwer verletzte Rind trotz der klaren, vom
Tier offensichtlich gezeigten und vom Beschuldigten auch wahrgenommenen und
festgestellten Symptome der Verletzungen und des von ihm diagnostizierten Ver-
dachts auf Becken- oder Oberschenkelfraktur als transportfähig eingeschätzt ha-
be. Dadurch soll er zugelassen haben, dass das Tier mittels eines Krans und He-
begurten in den Transportwagen/Viehanhänger von B._ gehievt und ohne
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jegliche Fixation der Fraktur zur Krankschlachtung lebend bei einer Transportzeit
von ca. 25 Minuten ins Schlachthaus in C._ gebracht worden sei. Demge-
genüber wäre es gemäss dem Anklagevorwurf unter den geschilderten Umstän-
den die Pflicht des Beschuldigten als verantwortlicher Bestandestierarzt gewesen,
das Rind so schnell wie möglich vor Ort (im Stall) betäuben und entbluten zu las-
sen (unter gleichzeitigem konservativem Kaiserschnitt).
Durch sein Handeln soll der Beschuldigte das schwer verletzte Rind erhebli-
chen, zusätzlichen und unnötigen Belastungen, mithin Ängsten, Schmerzen, Lei-
den und Schäden ausgesetzt haben. So seien bei der anschliessenden Fleisch-
untersuchung als Anzeichen für die vom Rind zusätzlich erlittenen Ängste,
Schmerzen, Leiden und Schäden massive Einblutungen im Bereich des linken
Beckens und der Oberschenkelmuskulatur, das Ausrenken des Hüftgelenkes, die
Anwesenheit von Knochensplittern in der Hüftgelenkspfanne und die Unauffind-
barkeit des Oberschenkelkopfes festgestellt worden.
Dem Beschuldigten wird schliesslich in subjektiver Hinsicht zur Last gelegt,
dass er dadurch, dass er das schwer verletzte Rind wider besseres Wissen, mit-
hin obwohl er davon ausgegangen sei bzw. davon habe ausgehen müssen, dass
das schwer verletzte Tier sicher nicht mehr transportfähig gewesen sei, dennoch
auf die beschriebene Art und Weise ins Schlachthaus habe transportieren lassen,
zumindest in Kauf genommen habe, dass er dem schwer verletzten Tier erhebli-
che, zusätzliche und unnötige Schmerzen, Leiden und Schäden zugefügt habe,
obwohl dies durch nichts gerechtfertigt gewesen sei.
Ausserdem wurde in der Hauptanklage festgehalten, dass dem Beschuldig-
ten auch vor dem Hintergrund, dass das Rind hochträchtig gewesen sei und er
deshalb das Leben des Kalbes habe retten und die Verwertung des Fleisches ha-
be gewährleisten wollen, hierzu andere tierärztliche Massnahmen zur Verfügung
gestanden hätten, welche ohne die unnötigen zusätzlichen Belastungen, Ängste,
Schmerzen, Leiden und Schäden für das schwer verletzte Rind zum selben Ziel
geführt hätten, namentlich das sofortige fachgerechte Betäuben und Entbluten-
lassen des Rindes an Ort und Stelle und das Durchführen eines konservativen
Kaiserschnittes (Kaiserschnitt im Rahmen der Schlachtung nach der Betäubung),
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um das Kalb zu bergen, sowie das Verbringen des Schlachttierkörpers innert 45
Minuten zur Ausschlachtung ins nächste Schlachtlokal. Was diese alternative
Handlungsmöglichkeit betrifft, wird dem Beschuldigten vorgeworfen, dass er als
erfahrener Bestandestierarzt um diese gewusst haben müsse, zumal er per
Newsletter vom 23. September 2015 durch das Veterinäramt des Kantons Zürich
als Aufsichtsbehörde über die im Kanton Zürich tätigen Tierärztinnen und Tierärz-
te persönlich über diese Vorgehensweise und Massnahmen bei nicht transportfä-
higen Tieren wie auch über die Fachinformationen des Bundesamtes für Lebens-
mittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) informiert worden sei.
1.2 Gemäss der Eventualanklage wird dem Beschuldigten im Unterschied
zur Hauptanklage zur Last gelegt, verkannt zu haben, dass das Tier in Tat und
Wahrheit derartig starke Schmerzen gehabt habe und in einem solchen physi-
schen Zustand gewesen sei, dass das Rind sicher nicht mehr transportfähig ge-
wesen sei. Er soll vielmehr aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit und irrtümlicher-
weise darauf vertraut haben, dass das Tier trotzdem ohne zusätzliche Belastun-
gen zur Krankschlachtung in den Schlachtbetrieb habe transportiert werden kön-
nen. Durch den Transport in das Schlachthaus ohne jegliche Fixation der Fraktur
soll der Beschuldigte das schwer verletzte Rind erheblichen, zusätzlichen und un-
nötigen Belastungen, sprich Ängsten, Schmerzen, Leiden und Schäden ausge-
setzt haben. Dies soll er getan haben, weil er die ihm als verantwortlichem Be-
standestierarzt obliegende und in diversen Normen der Tierschutzgesetzgebung
(Art. 3 TSchG, Art. 4 TSchG, Art. 155 TSchV) wie auch in den einschlägigen
Fachinformationen des BLV sowie des Veterinäramtes des Kantons Zürich als
Aufsichtsbehörde über die im Kanton Zürich tätigen Tierärztinnen und Tierärzte
(namentlich im Newsletter für Tierärztinnen und Tierärzte 05/2015 vom 23. Sep-
tember 2015) verankerte (tierärztliche) Sorgfaltspflicht und die entsprechenden
Regeln der tierärztlichen Kunst ("Good Veterinary Practice") missachtet habe,
wonach – unter anderem – Tiere nur transportiert werden dürfen, wenn sie den
Transport ohne erhebliche, zusätzliche und unnötige Belastungen, sprich Ängste,
Schmerzen, Leiden und Schäden überstehen, und nicht transportfähige Tiere (wie
gerade festliegende Tiere, nicht gehfähige Tiere, Tiere mit starken Schmerzen
durch Brüche etc.) an Ort und Stelle fachkundig zu betäuben und zu entbluten
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seien. Gemäss der Anklageschrift dürften diese anschliessend – wenn Aussicht
auf Verwertung als Lebensmittel besteht – in den naheliegenden Schlachtbetrieb
transportiert und dort innerhalb von 45 Minuten fertig ausgeschlachtet werden.
Gemäss dem Vorwurf der Eventualanklage hätte der Beschuldigte dem Rind
die unnötigen zusätzlichen Belastungen, Ängste, Schmerzen, Leiden und Schä-
den mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erspart, wenn er sich pflicht-
gemäss verhalten hätte, indem er das Rind so schnell wie möglich vor Ort (im
Stall) hätte betäuben und entbluten lassen (unter gleichzeitigem konservativem
Kaiserschnitt), wie es gemäss der Anklage in dieser Situation und unter den ge-
gebenen, geschilderten Umständen seine Pflicht als verantwortlicher Bestan-
destierarzt gewesen wäre. Es wird dem Beschuldigten schliesslich vorgeworfen,
dass sein Verhalten in grober Weise pflichtwidrig unvorsichtig gewesen sei, indem
er auf die Folgenlosigkeit seines Tuns vertraut habe. So wären die unnötigen zu-
sätzlichen Belastungen, Ängste, Schmerzen, Leiden und Schäden beim schwer
verletzten und hochträchtigen Rind als Folge des pflichtwidrigen Verhaltens des
Beschuldigten nach den konkreten Umständen für diesen voraussehbar und bei
pflichtgemässer Vorsicht vermeidbar gewesen.
2. Der Beschuldigte räumte stets ein, dass er am 22. Dezember 2017 von
B._ auf dessen Hof gerufen worden sei und dieser ihm damals gesagt habe,
dass er ein Problem mit einem hochträchtigen Rind habe, welches festliegend sei
(Urk. 3/1 S. 3). Ausserdem bestätigte er jeweils, dass er das festliegende Rind
dann in der Abkalberbox angetroffen habe und er in Anbetracht dessen, dass das
Rind hinten nicht mehr habe stehen können sowie aufgrund der Symptome die
Verdachtsdiagnose einer Fraktur im Beckenbereich gestellt habe (Urk. 3/1 S. 3 f.;
Urk. 3/2 S. 5 f., 13; Prot. I S. 8). Auch dass er dieses Rind schliesslich als trans-
portfähig eingeschätzt habe, stellte der Beschuldigte nicht in Abrede (Urk. 3/1
S. 8; Prot. II S. 13, 15). Er macht demgegenüber aber geltend, dass es sich um
eine Güterabwägung gehandelt habe, und es in seinen Augen entgegen dem An-
klagevorwurf vertretbar gewesen sei, das Tier zu transportieren, weil bei den
Überlegungen das Leben des Kalbes im Vordergrund gestanden sei und das Mut-
tertier so oder so habe geschlachtet werden müssen (Urk. 3/1 S. 8 ff.; Urk. 3/2
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S. 4, 13, 15). Er stellt mithin in Abrede, dass er dem Rind ungerechtfertigterweise
Schmerzen zugemutet habe. Angesichts dieser Bestreitungen des Beschuldigten
ist der Anklagesachverhalt aufgrund der Akten und der vor Gericht vorgebrachten
Argumente nach den allgemeingültigen Beweisregeln zu erstellen.
2.1 Was die Situation betrifft, die er am Morgen des 22. Dezember 2017 bei
seinem Eintreffen auf dem Hof des Bauers B._ vorgefunden hatte, erklärte
der Beschuldigte in seiner ersten polizeilichen Einvernahme vom 1. März 2018,
dass er das Rind festliegend und kurz vor dem Gebären angetroffen habe. Er er-
klärte weiter, dass es so, wie es dagelegen sei, nicht mehr habe aufstehen kön-
nen. Ausserdem gab er an, dass für ihn klar gewesen sei, dass es geschlachtet
werden müsse. Eine Ausnahme hätte für ihn nur dann bestanden, wenn der Bau-
er gesagt hätte, dass das Rind nicht geschlachtet werden solle. Dann wäre es
seiner Ansicht nach wohl ins Tierspital gebracht worden. Weiter erklärte er da-
mals, dass das Tier nicht mehr gehfähig gewesen sei und hinten nicht mehr habe
stehen und daher auch nicht mehr habe gebären können. Eine offene Fraktur ha-
be er aber nicht gesehen (Urk. 3/1 S. 4). Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen
Einvernahme vom 2. August 2018 erklärte der Beschuldigte präzisierend, dass er
aus der Stellung der Hinterbeine gesehen habe, dass das Tier wahrscheinlich dort
eine Fraktur gehabt habe. Für ihn sei rein anhand der Stellung der Gliedmassen
und der Tatsache, dass das Tier nicht mehr habe aufstehen können, klar gewe-
sen, dass es eine Becken- oder Oberschenkelfraktur habe sein müssen. Zudem
habe ihm der Bauer gesagt, dass das Tier ausgerutscht sei (Urk. 3/2 S. 6). Dass
er die Verdachtsdiagnose einer Becken- oder Oberschenkelfraktur gestellt habe
und dass das Rind nicht mehr von sich aus habe aufstehen respektive hinten
nicht mehr habe stehen können, als er damals im Stall eingetroffen sei, bestätigte
der Beschuldigte auch vor Vorinstanz (Prot. I S. 8). Im Laufe des Verfahrens gab
er überdies mehrmals an, dass für ihn damals sofort klar gewesen sei, dass man
das Tier aus den Schmerzen bzw. seiner misslichen Lage habe erlösen müssen
(Urk. 3/2 S. 6; Prot. I S. 9). Der Beschuldigte wandte im Rahmen der Berufungs-
verhandlung ein, dass er damals nicht eine schwer verletzte Kuh angetroffen ha-
be, sondern ein festliegendes Tier (Prot. II S. 10), und brachte betreffend die von
ihm gestellte Verdachtsdiagnose vor, dass eine Fraktur nur einen von verschie-
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denen möglichen Gründen für das Festliegen eines Tieres darstelle (Prot. II S. 11,
13). In Anbetracht dessen, dass er seine am 22. Dezember 2017 gestellte Ver-
dachtsdiagnose zuvor aber nie in Frage gestellt hatte und er deren Herleitung zu-
dem überzeugend unter anderem mit der damaligen Stellung der Hinterbeine des
Tieres begründete, erweisen sich seine neuen Angaben aus der Berufungsver-
handlung als Versuch, den Schweregrad der Verletzungen des angetroffenen
Rindes zu relativieren. Angesichts seiner bisherigen Angaben erweist es sich als
erstellt, dass das Rind zum Zeitpunkt der Untersuchung durch den Beschuldigten
– wie in der Anklageschrift umschrieben – schwer verletzt war und nicht mehr von
sich aus aufstehen respektive hinten nicht mehr stehen konnte. Ausserdem steht
fest, dass der Beschuldigte diesen Zustand des Tieres wahrgenommen und auf
dieser Wahrnehmung basierend die Verdachtsdiagnose einer Becken- oder
Oberschenkelfraktur gestellt hatte.
2.2 Weiter bleibt zu prüfen, ob der vom Beschuldigten letztlich zugelassene
Transport des Rindes in den Schlachtbetrieb ohne Fixation der Fraktur und das
dem Transport vorausgehende Hieven des Rindes mittels Kran und Hebegurten
für das Tier entsprechend dem Anklagevorwurf zu erheblichen zusätzlichen Be-
lastungen mithin zu zusätzlichen Schmerzen, Leiden und Schäden geführt haben.
2.2.1 Was diese Frage betrifft, ist zunächst darauf hinzuweisen, dass eine
veterinärpathologische Untersuchung des Schlachtkörpers nicht vorgenommen
wurde (Urk. 1 S. 7). Entsprechend kann nicht mit rechtsgenügender Sicherheit
beurteilt werden, ob gewisse der im Rahmen der von der zuständigen amtlichen
Tierärztin am 22. Dezember 2017 durchgeführten Fleischuntersuchung festge-
stellten Verletzungen beim Rind tatsächlich erst durch das Hieven oder den
Transport des Rindes entstanden sind. Mithin kann auch nicht ausgeschlossen
werden, dass diese Verletzungen schon entstanden waren, bevor der Beschuldig-
te überhaupt auf dem Hof eintraf. Ob es sich bei den anlässlich der Fleischunter-
suchung festgestellten massiven Einblutungen im Bereich des linken Beckens
und der Oberschenkelmuskulatur, dem ausgerenkten Hüftgelenk, der Knochen-
splitter in der Hüftgelenkspfanne und dabei, dass der Oberschenkelkopf nicht
mehr aufzufinden war, tatsächlich um Anzeichen für die vom Rind infolge des
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Transportvorganges zusätzlich erlittenen Ängste, Schmerzen, Leiden und Schä-
den gehandelt hat, wie dies in der Anklageschrift umschrieben ist, lässt sich daher
nicht erstellen.
2.2.2 Dass das Rind aufgrund seiner Verletzungen Schmerzen gehabt habe,
als er dieses auf dem Hof von B._ angetroffen habe, räumte der Beschuldig-
te im Vorverfahren sowie vor Vorinstanz ein. So gab er zwar jeweils an, dass es
keine optischen oder akustischen Anzeichen dafür gegeben habe (Urk. 3/1 S. 4;
Urk. 3/2 S. 7). Er anerkannte aber, dass das Rind damals dennoch Schmerzen
gehabt habe und diese sicher massiv gewesen seien (Urk. 3/2 S. 6; Prot. I S. 8 f.).
Im Rahmen der Berufungsverhandlung relativierte er seine diesbezüglichen An-
gaben. Er machte geltend, dass man ihn bei der Polizei und bei der Staatsanwalt-
schaft mit einer Diagnose konfrontiert habe, die für ihn schockierend getönt habe
und von welcher er angenommen habe, dass diese im Rahmen einer pathologi-
schen Untersuchung bestätigt worden sei. Was die von ihm erwähnte Diagnose
betrifft, bezog er sich unter anderem darauf, dass gemäss der Anzeige des Vete-
rinäramtes der Oberschenkelkopf nicht mehr habe aufgefunden werden können.
Weiter erklärte er, dass er nach dem Vorhalt dieser Diagnose immer gestaunt ha-
be, ein Tier angetroffen zu haben, das überhaupt nichts in diese Richtung gezeigt
habe. Er habe in der Folge denn auch nur aufgrund dieser ihm vorgehaltenen Di-
agnose seine Antworten formuliert (Prot. II S. 12). Ausserdem machte er geltend,
dass es ein Tier zeigen würde, wenn es massive Schmerzen hätte. Es in jener
Zeit, in welcher er das Rind gesehen habe, aber nichts Derartiges gegeben habe
(Prot. II S. 22 f.). In Anbetracht dessen, dass er seine Angaben im Vorverfahren
und vor Vorinstanz entgegen diesen neuen Vorbringen nicht so formuliert hatte,
dass ein Tier mit der ihm vorgehaltenen Diagnose Schmerzen haben würde, son-
dern davon berichtete, dass er damals beim Eintreffen im Stall erkannt habe, dass
das Tier Schmerzen gehabt habe, vermögen diese Relativierungsversuche des
Beschuldigten nicht zu überzeugen. So gab er beispielsweise in der staatsanwalt-
schaftlichen Einvernahme an, dass für ihn der Fall sofort klar gewesen sei, dass
man das Tier aus den Schmerzen habe erlösen müssen (Urk. 3/2 S. 5). Auch an-
lässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung erklärte er, dass er damals ge-
sagt habe, dass das Rind sofort von seinen Schmerzen erlöst werden müsse
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(Prot. I S. 9). Entgegen seinen Angaben im Rahmen der Berufungsverhandlung,
mit welchen er in den Raum stellte, dass das Rind mit akustischen oder optischen
Signalen auf seine Schmerzen aufmerksam gemacht hätte, wenn es denn solche
gehabt hätte, gab er in seiner staatsanwaltschaftlichen Einvernahme an, dass Tie-
re auch still leiden könnten. Auf die ihm damals gestellte Frage, woran er gemerkt
habe, dass das Tier feste Schmerzen gehabt habe, antwortete er entsprechend,
dass er dies aufgrund seines Fachwissens vermutet habe, man äusserlich aber
nichts gemerkt habe (Urk. 3/2 S. 6). Vor diesem Hintergrund ist der Beschuldigte
auf seinen anfänglichen Zugeständnissen, wonach das Tier bei seinem Eintreffen
vermutlich Schmerzen gehabt habe, zu behaften.
2.2.3 Zur wesentlichen Frage, ob das Verbringen in den Viehanhänger und
der Transport zu erheblichen zusätzlichen Belastungen geführt hat, äusserte sich
der Gutachter Dr. med. vet. D._ des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit
und Veterinärwesen, ... Abteilung Tierschutz. Er erstattete einerseits ein von der
Vorinstanz in Auftrag gegebenes schriftliches Gutachten und wurde im Rahmen
der Fortsetzung der erstinstanzlichen Hauptverhandlung als sachverständiger
Zeuge einvernommen (Urk. 49; Urk. 54; Prot. I S. 62 ff.). Er bejahte in seinem
Gutachten vom 16. April 2019 die Frage danach, ob ein Transport in einem mit
einer Strohschicht gepolsterten Vieh-Anhänger für ein Rind mit den ihm vorgege-
benen Eckwerten (u.a. hochträchtig, weder in der Lage, auf den Hinterbeinen zu
stehen noch selbständig aufzustehen, Verdachtsdiagnose des Bestandestierarz-
tes auf Oberschenkel- oder Beckenfraktur; Urk. 49 S. 5) mit zusätzlichen Schmer-
zen und / oder Ängsten verbunden sei. Weiter legte er dar, dass ein Tierarzt auch
dann, wenn das Tier gegebenenfalls keine zusätzlichen Anzeichen von Schmerz
und / oder Angst zeige, wisse, dass jede Manipulation im Bereich einer Fraktur
äusserst schmerzhaft sei. Solche Manipulationen hätten sich sodann beim Ver-
bringen des Tieres in den Transporter mit Sicherheit ereignet. Was die Fahrt be-
trifft, wies er darauf hin, dass das festliegende Tier komplett den Bewegungen /
Erschütterungen des Transporters ausgesetzt gewesen sei, was mit grosser
Wahrscheinlichkeit zusätzliche schmerzhafte Bewegungen der gebrochenen Kno-
chen mit sich gebracht habe (Urk. 54 S. 2).
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2.2.4 Dieses Gutachten wird seitens der Verteidigung unter anderem als un-
vollständig und widersprüchlich kritisiert (Urk. 89 S. 47 ff.; Urk. 102 S. 21 ff.). Was
die in formeller Hinsicht am Gutachten geübte Kritik betrifft, wonach sich dieses
auf Eckwerte stütze, welche gar nicht belegt seien (Urk. 89 S. 47 ff.; Urk. 102
S. 21 f.), kann dieser jedoch nicht gefolgt werden. Bei diesen Eckwerten, welche
die Verteidigung anspricht und welche dem Gutachter seitens der Vorinstanz in
der Anordnungsverfügung des Gutachtens vom 23. Januar 2019 als Grundlage
der Begutachtung vorgegeben wurden, handelt es sich um die nachfolgenden
Angaben: Einerseits wurde vorgegeben, dass es sich beim Rind um ein 2 Jahre
und 113 Tage altes Tier mit der Tier-Nr.: CH ... gehandelt habe, welches hoch-
trächtig und weder in der Lage gewesen sei, auf den Hinterbeinen zu stehen noch
selbständig aufzustehen. Ausserdem wurde vorgegeben, dass der Bestandestier-
arzt bei diesem Rind die Verdachtsdiagnose einer Oberschenkel- oder Becken-
fraktur gestellt habe. Überdies wurden dem Gutachter Angaben zum zeitlichen
Ablauf des Geschehens am 22. Dezember 2017 von ca. 05:30 Uhr, zu welchem
Zeitpunkt das Rind vom Bauer am Boden liegend entdeckt worden sei, bis um
14.00 Uhr, als das geschlachtete Rind durch das Veterinäramt anlässlich der
Fleischschau untersucht worden sei, vorgegeben (Urk. 49 S. 5 f.). Sämtliche die-
ser Angaben wurden vom Beschuldigten selbst nicht bestritten. Vor diesem Hin-
tergrund ist weder zu beanstanden, dass die Vorinstanz dem Gutachter diese
Eckwerte für die Begutachtung vorgegeben hatte noch dass sich der Gutachter
bei der Begutachtung letztlich auf diese stützte. Weiter macht die Verteidigung
geltend, dass das Gutachten einerseits in sich selbst widersprüchlich sei und an-
dererseits die Aussagen des Gutachters, welche er in seinem Gutachten gemacht
habe, jenen widersprechen würden, welche er im Rahmen der vorinstanzlichen
Hauptverhandlung zu Protokoll gegeben habe (Urk. 89 S. 48 ff.; Urk. 102 S. 23).
Was diese Einwände betrifft, kann nicht ausser Acht gelassen werden, dass aus
den Aussagen des Gutachters, welche dieser im Rahmen seiner Befragung an-
lässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung tätigte, hervorgeht, dass er es für
möglich hält, dass die Schmerzen angesichts der Ausschüttung von Endorphinen
nicht weiter zugenommen hatten (Prot. I S. 64). Angesichts dieser Angabe wer-
den die im schriftlich erstatteten Gutachten dargelegten Einschätzungen relati-
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viert. Vor diesem Hintergrund, dass es der Gutachter als möglich erachtet, dass
die Schmerzen aufgrund einer Endorphinausschüttung nicht weiter zugenommen
hatten, lässt sich rechtsgenügend erstellen, dass das Tier während des Transpor-
tes zusätzliche Schmerzen erlitt.
2.2.5 Die Vertreterin des Veterinäramtes brachte im Rahmen der Berufungs-
verhandlung vor, dass selbst wenn die Schmerzen des Rindes durch den Trans-
port nicht zugenommen hätten, diese durch die weiteren Manipulationen aber
immerhin verlängert worden seien (Urk. 105 S. 6). Dieses Argument ist jedoch
nicht stichhaltig, zumal dem Beschuldigten in der Anklageschrift nicht zum Vor-
wurf gemacht wird, durch sein Verhalten beim Rind die Verlängerung eines
Schmerzleidens bewirkt zu haben. Würde auf dieser Grundlage ein Schuldspruch
resultieren, käme dies einer Verletzung des Anklageprinzips gleich. Demnach hat
bereits aufgrund des fehlenden Nachweises zusätzlicher Schmerzen auf dem
durch den Beschuldigten zugelassenen Transport ein Freispruch zu erfolgen.
2.3 Wie nachfolgend im Rahmen rechtlicher Erwägungen aufzuzeigen sein
wird, hätte jedoch selbst dann ein Freispruch zu erfolgen, wenn der im schriftli-
chen Gutachten vertretenen Auffassung des Gutachters gefolgt würde, wonach
jede Manipulation im Bereich einer Fraktur äusserst schmerzhaft sei und sich sol-
che Manipulationen beim Verbringen des Tieres in den Transporter mit Sicherheit
ereignet hätten und der Umstand, dass das festliegende Tier während der Fahrt
den Erschütterungen des Transportes ausgesetzt gewesen sei, bei diesem mit
grosser Wahrscheinlich zusätzliche Schmerzen verursacht habe.
3. Der Tierquälerei im Sinne von Art. 26 Abs. 1 lit. a TSchG macht sich
strafbar, wer ein Tier misshandelt, vernachlässigt oder dessen Würde in anderer
Weise missachtet. Dabei handelt es sich um ein Erfolgsdelikt, d.h. es müssen
durch die Tathandlung Schmerzen, Leiden, Schäden oder Ängste verursacht
werden (Reut, Gedanken zum Transport von Schlachtvieh im Lichte des Tier-
schutzstrafrechts, ZStrR 134/2016 S. 246 ff., S. 253 f., 257; Bolliger/Richner/
Rüttimann/Stohner, Schweizer Tierschutzstrafrecht in Theorie und Praxis, 2. Aufl.
2019, S. 120). Ein tatbestandsmässiges Verhalten muss jedoch nicht zwingend in
einer aktiven Handlung vorliegen, sondern ist auch durch Unterlassung möglich.
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So können Straftaten nach Art. 11 StGB auch durch pflichtwidriges Untätigbleiben
begangen werden, wenn der Täter eine sogenannte Garantenstellung innehat und
aufgrund dieser verpflichtet ist, die Gefährdung oder Verletzung des betroffenen
Rechtsguts zu verhindern. Eine Garantenpflicht für ein Tier trifft letztlich neben
dessen Halter auch einen mit der Behandlung eines Tieres beauftragten Tierarzt
(Bolliger/Richner/Rüttimann/Stohner, a.a.O., S. 123 f.).
3.1 Dafür, dass das Rind misshandelt oder vernachlässigt worden wäre, lie-
gen keine Hinweise vor. Weiter steht auch fest, dass der Beschuldigte dem Rind
nicht durch aktives Tun Leid zugefügt hat. Zu prüfen bliebe daher, ob er mit dem
ihm in der Anklageschrift vorgeworfenen Verhalten die Würde des Tieres in ande-
rer Weise missachtet haben könnte.
3.2 Die Würde eines Tieres wird in Art. 3 lit. a TSchG als Eigenwert des Tie-
res, der im Umgang mit ihm geachtet werden muss, umschrieben. Zudem wird in
jener Bestimmung festgehalten, dass dessen Würde missachtet wird, wenn eine
Belastung des Tieres nicht durch überwiegende Interessen gerechtfertigt werden
kann. Eine Belastung im Sinne jenes Gesetzes liegt sodann vor, wenn dem Tier
insbesondere Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt werden, es in Angst
versetzt oder erniedrigt wird, wenn tiefgreifend in sein Erscheinungsbild eingegrif-
fen wird oder es übermässig instrumentalisiert wird. Aus Abs. 2 der in Art. 4
TSchG umschriebenen Grundsätzen geht sodann hervor, dass niemand einem
Tier ungerechtfertigt Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen, es in Angst ver-
setzen oder in anderer Weise seine Würde missachten darf.
3.3 Dass die Belastung eines Tieres gemäss diesen Bestimmungen erst
dann einer Missachtung der Würde des Tieres gleichkommt, wenn diese nicht
durch überwiegende Interessen gerechtfertigt werden kann, hat zur Folge, dass
bereits innerhalb der Prüfung der Tatbestandsvoraussetzungen der Tierquälerei
im Sinne von Art. 26 Abs. 1 lit. a TSchG eine Interessensabwägung vorzunehmen
ist. Wie bereits die Vorinstanz zu Recht anmerkte, sind bei dieser Prüfung der
Frage, ob eine bestimmte Belastung gerechtfertigt war, die Interessen, die mit der
fraglichen Handlung verfolgt werden, und jene des betroffenen Tieres einander
gegenüberzustellen und von einem objektiven Standpunkt aus zu gewichten und
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zu werten. Diese Abwägung hat nach dem von Rechtsprechung und Lehre aner-
kannten sog. Verhältnismässigkeitsgrundsatz zu erfolgen, der sich aus den drei
Elementen Eignung, Erforderlichkeit und Verhältnismässigkeit im engeren Sinn
zusammensetzt (Urk. 86 S. 17; Bolliger/Richner/Rüttimann/Stohner, a.a.O.,
S. 95 f., 98).
3.3.1 Der Beschuldigte machte stets geltend, dass er am Tattag eine Güter-
abwägung getroffen und versucht habe, möglichst allen Parteien gerecht zu wer-
den. Seine Angaben zeigen denn auch, dass er sich damals mit den Interessen
aller Beteiligter auseinandergesetzt hatte. Das heisst, er umschrieb, dass es im
Interesse des Rindes gelegen sei, dass dieses aus seiner misslichen Lage befreit
werde, dass das ungeborene Kalb ein Interesse gehabt habe, dass dessen Leben
gerettet werde, und dass der Bauer daran interessiert gewesen sei, nun, da er
sein Nutztier schon habe schlachten müssen, wenigstens dessen Fleisch und das
ungeborene Kalb zu retten (Urk. 3/1 S. 4, 8 ff.; Urk. 3/2 S. 4, 13, 15; Prot. I
S. 27 f.). Ob die vom Beschuldigten verfolgten Ziele letztlich als überwiegende In-
teressen im Sinne der Tierschutzgesetzgebung gewertet werden können, ist zu
prüfen.
3.3.2 Was die Eignung des Vorgehens des Beschuldigten in Bezug auf die
gemäss seinen Angaben verfolgten Ziele betrifft, dass möglichst allen Parteien
gerecht und sowohl das Kalb gerettet als auch das Fleisch verwertet werden
kann, ist zu berücksichtigen, dass letztlich sowohl das Kalb lebend zur Welt ge-
bracht wurde und zumindest die Verwertbarkeit eines Teils des Fleisches erhalten
werden konnte. Das Vorgehen des Beschuldigten erweist sich mithin hinsichtlich
seiner verfolgten Ziele als geeignet.
3.3.3 Weiter ist zu prüfen, ob das Vorgehen des Beschuldigten zur Erfüllung
des verfolgten Zwecks auch erforderlich war. Gemäss dem Anklagevorwurf hätten
ihm andere tierärztliche Massnahmen zur Verfügung gestanden, welche zum glei-
chen Ziel geführt hätten, namentlich das sofortige fachgerechte Betäuben und
Entblutenlassen des Rindes an Ort und Stelle, das Durchführen eines konservati-
ven Kaiserschnitts im Stall sowie das Verbringen des Schlachttierkörpers innert
45 Minuten zur Ausschlachtung ins nächste Schlachtlokal. Seitens der Verteidi-
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gung wurde hinsichtlich dieser in der Anklageschrift umschriebenen Handlungsal-
ternativen unter anderem vorgebracht, dass die Ausführung einer Bolzenschuss-
betäubung mit sofortigem anschliessendem Kaiserschnitt für den Beschuldigten
schlicht nicht realisierbar gewesen sei. So sei fraglich, ob der Beschuldigte, wel-
cher kein Bolzenschussgerät besessen und demnach auch nicht regelmässig mit-
tels Bolzenschuss Tiere betäubt habe, überhaupt dazu berechtigt gewesen wäre,
das entsprechende Vorgehen auszuführen. Weiter wird als irrsinnig kritisiert, dass
vom Beschuldigten verlangt werde, dass er innert 60 Sekunden nach dem Setzen
des Bolzenschusses bei einem Tier mit starken Zuckungen aufgrund der Wirkun-
gen des Bolzenschusses hätte ein Kalb zur Welt bringen müssen und dies ohne
fachmännische Unterstützung (Urk. 89 S. 32 ff.; Urk. 102 S. 9 ff.). Diesen Vorbrin-
gen ist entgegenzuhalten, dass vom Beschuldigten gemäss dem Anklagevorwurf
nicht verlangt wurde, dass er die Betäubung und das Entblutenlassen des Rindes
sowie den konservativen Kaiserschnitt vor Ort selber hätte durchführen, sondern
dass er das Rind so schnell wie möglich vor Ort hätte betäuben und unter gleich-
zeitigem konservativem Kaiserschnitt entbluten lassen sollen (Urk. 19 S. 3). Mithin
hätte er diese Vorgänge durch eine fachkundige Drittperson vornehmen lassen
sollen. Gleichwohl lässt sich nicht nachweisen, dass das Betäuben, Entblutenlas-
sen und das Durchführen eines Kaiserschnitts durch einen Metzger auf dem Hof
möglich gewesen wäre. In Anbetracht dessen, dass der Beschuldigte noch vor
Vorinstanz ausdrücklich verneint hatte, am Tattag überhaupt nach einem Metzger
gesucht zu haben, der bereit gewesen wäre, diese Aufgaben vor Ort auszuführen
(Prot. I S. 16), vermögen seine gegenteiligen Beteuerungen im Rahmen der Beru-
fungsverhandlung, wonach er entsprechende Bemühungen getätigt habe, diese
jedoch erfolglos geblieben seien (Prot. II S. 15 f., 18), kaum zu überzeugen. Un-
abhängig davon, ob er damals konkrete Anfragen getätigt hatte oder nicht, wäre
aber jedenfalls mit einer erheblichen zeitlichen Verzögerung zu rechnen gewesen,
bis ein Metzger hätte gefunden werden können, der diese Massnahmen trotz Feh-
lens jeglicher Infrastruktur auf dem Hof und im Stall fachgerecht hätte durchführen
können. Vor diesem Hintergrund erweist es sich als nachvollziehbar, dass der
Beschuldigte diese Option mangels erfolgversprechender Realisierbarkeit verwor-
fen hat. Im Hinblick auf die Rettung des ungeborenen Kalbes und der Verwertung
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des Fleisches erweist sich die vom Beschuldigten gewählte Lösung somit als er-
forderlich.
3.3.4 Bei der Interessenabwägung hinsichtlich der Verhältnismässigkeit im
engeren Sinne fällt entscheidend ins Gewicht, dass dem Beschuldigten zur Ret-
tung des ungeborenen Kalbes keine andere Handlungsmöglichkeit zur Verfügung
stand. Vor diesem Hintergrund ist das Interesse an der Rettung des Lebens des
ungeborenen Kalbes und der Verwertbarkeit des Fleisches gegen das Interesse
des Rindes, vor zusätzlichen Belastungen bewahrt zu werden, abzuwägen. Die
Vertreterin des Veterinäramtes stellte sich hinsichtlich dieser Frage im Rahmen
der Berufungsverhandlung unter Verweisung auf eine Lehrmeinung auf den
Standpunkt, dass selbst die Rettung des ungeborenen Kalbes keine Belastung
des Rindes durch den Transport zu rechtfertigen vermocht habe. So sei es zwar
ethisch nachvollziehbar und aus Mitgefühl verständlich, dass ein ungeborenes
Kalb möglichst gerettet und geschützt werden solle. Dies entspreche jedoch nicht
der geltenden Rechtslage, gemäss welcher einem Kalb innerhalb des Mutterlei-
bes als Teil des Muttertieres rechtlich keine selbständige Bedeutung zukomme
(Urk. 105 S. 8). Im Gegensatz dazu vertritt die Verteidigung unter anderem unter
Hinweis darauf, dass in Art. 120 Abs. 2 BV die "Würde der Kreatur" geschützt
werde, die Auffassung, dass auch das ungeborene lebensfähige Kalb Schutzträ-
ger der Tierwürde sei (Urk. 102 S. 33 ff.).
3.3.5 Hinsichtlich der vorzunehmenden Interessenabwägung ist jedoch zu
berücksichtigen, dass der Begriff der "überwiegenden Interessen" gemäss Art. 3
lit. a TSchG in der Tierschutzgesetzgebung nicht näher definiert wird. Entspre-
chend ist der Ausgang der vorzunehmenden Interessenabwägung auch nicht
zwingend von der Frage abhängig zu machen, ob dem ungeborenen Kalb eine
rechtlich selbständige Bedeutung zukommt oder nicht. Entscheidend ist vielmehr,
dass sich der Beschuldigte damals in einem grossen Dilemma befand und er die
Interessenabwägung, welche sich ihm stellte, unter Zeitdruck vorzunehmen hatte.
Unter diesen Voraussetzungen gelangte er zum Schluss, dass die Rettung des
ungeborenen Kalbes und die Verwertbarkeit des Fleisches höher zu gewichten
seien, als die vorübergehende Verlängerung des Leidens des Muttertieres. Dem-
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nach waren es ethisch nachvollziehbare Gründe, die den Beschuldigten zu sei-
nem Entscheid veranlassten und seiner Überzeugung entsprachen. Vor diesem
Hintergrund lässt sich weder vorsätzliches noch fahrlässiges Handeln begründen.
4. Der Beschuldigte ist demnach vom Vorwurf der Tierquälerei im Sinne von
Art. 26 Abs. 1 lit. a TSchG in Verbindung mit Art. 3 lit. a TSchG und Art. 4 Abs. 2
TSchG freizusprechen.
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Ausgangsgemäss sind die Kosten des Vorverfahrens sowie des gerichtli-
chen Verfahrens beider Instanzen auf die Gerichtskasse zu nehmen und dem Be-
schuldigten ist eine angemessene Entschädigung für seine Aufwendungen im
Verfahren auszurichten (Art. 426 Abs. 2; Art. 428 StPO und Art. 429 StPO).
2. Als Entschädigung für die im erstinstanzlichen Verfahren angefallenen
Verteidigungskosten verlangt der Beschuldigte die Zusprechung von Fr. 34'456.–
(inkl. MwSt.). Für seine Aufwendungen im Berufungsverfahren macht er zusätzli-
che Fr. 37'603.90 (inkl. MwSt.) geltend (Urk. 102 S. 2, 42 f.; Urk. 104; Urk. 90/20;
Urk. 90/21).
2.1 Wird die beschuldigte Person ganz oder teilweise freigesprochen oder
wird das Verfahren gegen sie eingestellt, so hat sie gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. a
StPO Anspruch auf Entschädigung ihrer Aufwendungen für die angemessene
Ausübung ihrer Verfahrensrechte. Die gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO zu er-
setzenden Aufwendungen sind primär die Kosten der frei gewählten Verteidigung
(Griesser, in: Donatsch/Lieber/Summers/Wohlers [Hrsg.], StPO Kommentar,
3. Aufl. 2020, Art. 429 N 4). Laut der Botschaft des Bundesrates setzt Art. 429
Abs. 1 lit. a StPO die bisherige Rechtsprechung um, nach welcher der Staat die
Kosten der Rechtsvertretung nur übernimmt, wenn der Beizug des Vertreters an-
gesichts der tatsächlichen oder rechtlichen Komplexität notwendig war und soweit
der Arbeitsaufwand und somit das Honorar gerechtfertigt sind (Botschaft vom
21. Dezember 2005 zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts, BBl 2006 1329
Ziff. 2.10.3.1). Während sich die Gebühr der Vertretung im Vorverfahren gemäss
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§ 16 AnwGebV nach Zeitaufwand bemisst, wird die Führung eines Strafprozesses
nach Anklageerhebung gemäss § 17 AnwGebV durch eine pauschale Grundge-
bühr und Zuschläge abgegolten. Die Summe der Zuschläge beträgt dabei in der
Regel höchstens die Grundgebühr (§ 17 Abs. 3 AnwGebV i.V.m. § 11 Abs. 3 An-
wGebV). Für die Vertretung im gerichtlichen Verfahren vor Einzelgericht beträgt
die Grundgebühr gemäss § 17 Abs. 1 lit. a AnwGebV Fr. 600.– bis Fr. 8'000.–. Im
Berufungsverfahren wird die Gebühr grundsätzlich nach den für die Vorinstanz
geltenden Regeln bemessen (§ 18 Abs. 1 AnwGebV).
2.2 Dass sich der Beschuldigte anwaltlich verteidigen liess, erweist sich an-
gesichts des Umfanges und insbesondere der rechtlichen Komplexität des Falles
als nachvollziehbar. Auch der Umstand, dass er im Hinblick auf das Berufungs-
verfahren einen Verteidigerwechsel vornahm, was zwangsläufig zu höheren Auf-
wendungen führte, ist in Anbetracht dessen, dass der erstinstanzliche Schuld-
spruch aus seiner Sicht unerwartet erfolgte, nicht per se zu beanstanden. Gleich-
wohl ist zu berücksichtigen, dass Rechtsanwalt Dr. iur. X2._, welcher zu-
nächst vom Beschuldigten als Verteidiger mandatiert worden war, einzig an der
Fortsetzung der vorinstanzlichen Hauptverhandlung – mithin nur an einem Ver-
handlungstermin – teilgenommen hatte. Vor diesem Hintergrund sowie in Anbe-
tracht dessen, dass die jeweils für das erstinstanzliche Gerichtsverfahren sowie
für das Berufungsverfahren geltend gemachten Entschädigungen die für ein Ver-
fahren vor Einzelgericht vorgesehene maximale Pauschale von Fr. 8'000.– um ein
Vielfaches übersteigen, drängt sich eine Kürzung der geltend gemachten Ent-
schädigungen auf. Zwar erweist es sich angesichts der komplexen Rechtsfragen,
welche sich in diesem Verfahren stellten, als angemessen, ausnahmsweise gar
einen den grundsätzlich für die Pauschale sowie die Zuschläge vorgesehenen
Höchstbetrag von Fr. 16'000.– übersteigenden Entschädigungsbetrag festzuset-
zen. Nach pflichtgemässem Ermessen erweist sich jedoch höchstens je ein Be-
trag von Fr. 25'000.– (inkl. MwSt.) – mithin ein die für Kollegialstraffälle vorgese-
hene Maximalpauschale von Fr. 28'000.– nur leicht unterschreitender Betrag
(§ 17 Abs. 1 lit. b AnwGebV) – als Entschädigung für die Verteidigungsaufwen-
dungen des Beschuldigten im erstinstanzlichen Verfahren sowie im Berufungsver-
fahren als angemessen. Dem Beschuldigten ist demnach für das gesamte Verfah-
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ren eine Prozessentschädigung von Fr. 50'000.– (inkl. MwSt.) aus der Gerichts-
kasse zuzusprechen.