# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 6f87bef6-2180-4318-8b6d-046c55a59632
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt
A. Die am 10. Januar 2014 geborene A._ ist die Tochter der X._ und des Y._, welche nicht miteinander verheiratet sind und auch nicht im gleichen Haushalt wohnen. Antragsgemäss steht A._ unter der gemeinsamen elterlichen Sorge von Vater und Mutter.
B. Am 14. April 2014 wurde zwischen Y._ und A._ (vertreten durch ihre Mutter) ein Betreuungs- und Unterhaltsvertrag abgeschlossen, welcher vorsieht, dass der Kindsvater A._ bis zu deren 5. Lebensjahr wahlweise wöchentlich während eines halben Tages oder zweiwöchentlich während eines Tages besucht.
C. Infolge Kommunikationsschwierigkeiten zwischen den Eltern betreffend die Besuchsrechtsausübung errichtete die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (nachfolgend: KESB) Nordbünden mit Entscheid vom 26. Januar 2017 eine Beistandschaft gemäss Art. 308 Abs. 2 ZGB mit besonderen Befugnissen im Bereich des persönlichen Verkehrs und ernannte B._ von der Berufsbeistandschaft Plessur als Beistand von A._.
D. Am 20. Februar 2017 stellte Y._ einen Abänderungsantrag betreffend Ausweitung der Besuchszeiten, welchen die KESB Nordbünden mit Entscheid vom 26. April 2017 abwies.
E. Eine von Y._ dagegen erhobene Beschwerde wies das Kantonsgericht von Graubünden mit Entscheid vom 11. September 2017 ab. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass es nicht im Interesse des Kindswohls sei, das Besuchsrecht auszudehnen, solange nicht einmal die Umsetzung der minimal vereinbarten Besuchszeiten ohne Auseinandersetzungen, Spannungen und Streitereien der Eltern erfolgen könne. Y._ bestreite indes nicht, dass die Kommunikation mit der Kindsmutter "gestört" und diese "zunehmend gewalttätig" geworden sei. Jedoch schiebe der Kindsvater die Schuld für die Verhaltensweise einseitig der Kindsmutter und der KESB Nordbünden zu. Einer Ausdehnung der Besuchszeiten – auch mit Hilfe des Beistandes – könne erst entsprochen werden, wenn es den Eltern gelinge, die Spannungen zwischen ihnen von A._ fernzuhalten.
D. Mit Urteil 5A_826/2017 vom 7. November 2017 trat das Bundesgericht auf die Beschwerde von Y._ nicht ein.
3 / 15
E. Mit Beschluss der KESB Nordbünden vom 21. Dezember 2017 wurde B._ infolge Pensionierung als Mandatsträger entlassen. Als neue Beiständin für A._ wurde per 1. Januar 2018 C._ von der Berufsbeistandschaft Plessur ernannt.
F. Aus dem Zwischenbericht der Beiständin C._ vom 23. April 2018 geht hervor, dass im Zeitraum von April bis November 2017 zwischen dem Kindsvater und A._ vier begleitete Besuchstage (BBT) mit positiven Rückmeldungen der KESB stattgefunden haben. Seit November 2017 habe jedoch kein weiterer Kontakt mehr stattgefunden, was auf die anhaltend ablehnende Haltung der Eltern zueinander zurückzuführen sei und sich negativ auf den Beziehungsaufbau zwischen dem Kindsvater und A._ auswirke. Aus diesem Grund beantragte die Beiständin die Neubeurteilung der Besuchsregelung bzw. empfahl die behördliche Anordnung von begleiteten Besuchstagen.
G. Mit Schreiben vom 3. Mai 2018 lud die KESB Nordbünden auf Empfehlung der Beiständin beide Elternteile zu einer Besprechung ein, um die von der Beiständin empfohlene Neubeurteilung der Besuchsregelung zu besprechen, damit eine (weitere) Entfremdung zwischen dem Kindsvater und A._ verhindert werde.
H. Am 4. Juni 2018 fand zwischen Y._, D._, Behördenmitglied der KESB Nordbünden, sowie E._, Leiter der KESB Nordbünden, eine Besprechung bezüglich den Empfehlungen der Beiständin statt. Auf Wunsch von Y._ fand am 6. Juli 2018 eine weitere Besprechung zwischen ihm und E._ statt, anlässlich welcher der Kindsvater seine Unzufriedenheit in Bezug auf die Dauer und den Verlauf des Verfahrens mitteilte.
I. Am 11. Juli 2018 nahm X._ in Begleitung ihrer Rechtsvertreterin Dr. iur. HSG Monika Brenner Stellung zum Antrag der Beiständin und beantragte ihrerseits die Sistierung der Besuchskontakte. Sie begründete den Antrag mit der Verweigerungshaltung A._s gegenüber den Kontakten mit dem Vater. Nach Angaben der Mutter habe A._ jeweils schon fünf Tage vor den Besuchen mit "Trauer, Geschrei, Angst, Bauchschmerzen und Alpträumen" reagiert. Am Besuchstag habe sie "geschrien, sich am Bett festgehalten und sei zur (Halb- )Schwester gerannt und habe um Hilfe angefleht". Die Mutter habe alles für eine gute Vater-Kind-Beziehung unternommen. Sie interpretiere das Verhalten von A._ als deren Angst auf den Vater als Reaktion auf frühere negative Erlebnisse und dessen "kaltes" Verhalten gegenüber der Mutter. In einer von der Kindsmutter mitgebrachten Bestätigung hält A._s Hausarzt, Dr. med.
4 / 15
F._, fest, dass A._ nach dessen Befragung spontan und vehement angegeben habe, die Besuche beim Vater abzulehnen. Der Hausarzt vermerkte weiter, dass die Antworten jedoch bei einem vierjährigen Kind nicht leicht zu objektivieren seien. Trotzdem empfehle er aus ärztlicher Sicht, auf die Besuche beim Vater zu verzichten und erst wieder zum Zeitpunkt des Schuleintrittes aufzunehmen, da die Besuche aktuell dem Kindswohl abträglich seien.
J. Mit E-Mail vom 14. August 2018 an E._ und D._ von der KESB schilderte Y._ erneut die Situation aus seiner Sichtweise und betonte sein Recht auf Kontakt mit seiner Tochter A._.
K. Mit Schreiben vom 21. August 2018 forderte die KESB Nordbünden die Eltern auf, schriftlich zu der in Erwägung gezogenen Anordnung einer interventionsorientierten Therapie durch die Kinder- und Jugendpsychiatrie Graubünden (kjp) Stellung zu nehmen.
L. Mit Antwortschreiben vom 27. August 2018 zeigte sich Y._ in Bezug auf eine allfällige Therapie skeptisch und hielt weiterhin an seinem Kontaktrecht im Rahmen von begleiteten Besuchstagen fest.
M. Mit Schreiben vom gleichen Tag hielt Rechtsanwältin Dr. iur. HSG Monika Brenner fest, dass die von der KESB vorgeschlagene Therapie weder geeignet noch zumutbar sei und deshalb weiterhin an der Sistierung des Kontaktrechtes festgehalten werde.
N. Am 22. August 2018 fand um 13.30 Uhr in den Räumlichkeiten der Berufsbeistandschaft ein Treffen zwecks Übergabe von Geschenken des Kindsvaters an A._ statt, an welchem die beiden Eltern, A._ und die Beiständin teilnahmen. Gemäss der Beiständin weinte A._ bereits beim Eintreten in das Gebäude, so dass die Beiständin sie im dritten Stock hörte und ihnen in den ersten Stock entgegenkam. Gemäss Aussagen der Beiständin klammerte sich A._ am Bein der Mutter. Trotz Bedenken der Mutter hielt die Beiständin an der Geschenkübergabe fest. Im dritten Stock begrüsste der Kindsvater A._. Mittels einer Handplüschpuppe übergab die Beiständin A._ ein Büchlein und erwähnte, dass dies ein Geschenk ihres Vaters sei. Gemäss Angaben der Beiständin blickte A._ während der Geschenkübergabe nur kurz zu ihrem Vater und konnte sich auch nicht von der Handplüschpuppe oder dem Buch ablenken lassen. Anschliessend kam es zur Verabschiedung. Auch nach dem Treffen konnte sich A._ gemäss Schreiben der Rechtsanwältin Dr. iur. HSG Monika Brenner nicht beruhigen, weinte auf dem
5 / 15
Nachhauseweg und machte sich unterwegs ins Höschen. Zu Hause klagte A._ über Bauchschmerzen.
O. Mit Schreiben vom 29. August 2018 hielt Rechtsanwältin Dr. iur. HSG Monika Brenner fest, dass die Beiständin es nicht für nötig gehalten habe, sich nach dem Treffen vom 22. August 2018 bei der Mutter nach A._s Befinden zu erkundigen. Die Beiständin habe weder bei der Mutter nachgefragt, ob es A._ besser gehe, noch das besagte Treffen im letzten Schreiben erwähnt, weshalb eine auf das Kindswohl ausgerichtete, adäquate Mandatsführung von der Beiständin in Frage zu stellen sei.
P. Mit Entscheid der Kollegialbehörde vom 30. August 2018 erkannte die KESB Nordbünden, was folgt:
1. Betreffend persönlichen Verkehr zwischen A._ und Y._ wird folgendes verfügt:
a. X._ und Y._ wird die Weisung erteilt (Art. 273 Abs. 2 und 3 ZGB) sich zusammen mit ihrer Tochter A._ im Sinne der Erwägung aktiv und nach Vorgabe des Therapeuten an einer Familientherapie durch lic. phil. G._ (Kinder- und Jugendpsychiatrie Graubünden) zu beteiligen;
b. lic. phil. G._ ist aufgefordert, der KESB umgehend zu melden, wenn eine Anpassung der Weisung aus seiner Sicht angezeigt ist;
c. lic. phil. G._ wird ersucht, der KESB einen Bericht mit Empfehlungen zur weiteren Ausgestaltung des persönlichen Verkehrs zwischen Y._ und A._ einzureichen, sobald die Grundlagen hierzu erarbeitet wurden, spätestens jedoch per Ende Juni 2019.
2. Betreffend Verfahrenskosten wird verfügt:
a. Die Kosten im Verfahren Regelung persönlicher Verkehr werden auf Fr. 500.— festgesetzt und den Eltern von A._ je zur Hälfte auferlegt.
b. Diese Kosten werden vorläufig beim Verfahren belassen.

## Considerations