# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 71fe0d87-5d52-460b-a705-e56c03efb441
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1974, meldete sich am 4. Januar 2017 (Eingangs
datum) unter Hinweis auf
ein
ADHS
seit dem
Kin
des- und Jugendalter sowie eine
aktuell mittelgradige rezidivierende
Depression bei der
Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zum Leistungsbezug an (Urk. 10/6).
Mit Entscheid vom 4. Januar 2017 ordnete die Kindes- und Erwachsenen
schutzbe
hörde
Y._
für den Versicherten eine Vertretungsbeistandschaft mit Einkom
mens-
und Vermögensverwaltung
an
(Urk. 10/14).
Die IV-Stelle tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen und führte am 2. Februar 2017 ein Standortgespräch durch (Urk. 10/10).
Mit Mitteilung vom 31. August 2017
teilte
die IV-Stelle dem
Versicherten
mit
, dass zurzeit keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien (Urk. 10/34).
Mit Vorbescheid vom 11. Oktober 2018 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Abweisung seines Rentenbegehrens in Aussicht (Urk. 10/51).
Dagegen erhob der Versicherte am 8. November 2018 Einwand (Urk. 10/53)
und
ergänzte diesen mit Eingabe
n
vom 1
3.
und 17.
Dezember 2018 (Urk. 10/58
, Urk. 10/63
).
Mit Verfügung vom 11. Februar 2019 verneinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch des Versicherten (Urk. 2 = Urk. 10/66).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 14. März 2019 Beschwerde und beantragte, es sei ihm in Gutheissung der Beschwerde
ab dem 1. September 2017
eine ganze
Invalidenrente auszurichten. Eventualiter beantragte er die Rückweisung der
Sache
an die IV-Stelle zur Durchführung von zusätzlichen Abklärungen, insbesondere einer psychiatrischen Begutachtung. In prozessualer Hinsicht beantragte der Ver
sicherte die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und die Bestel
lung von Rechtsanwältin Ursula Reger-
Wyttenbach
als unentgeltliche Rechtsver
tre
te
rin (Urk. 1 S. 2).
Mit Verfügung vom 19. März 2019 wurde dem
Beschwer
deführer
eine Frist angesetzt, um zu erklären, ob er über eine Rechtsschutz
versicherung verfüge (Urk. 5
).
Mit Beschwerdeantwort vom 2. Mai 2019 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 9, unter Beilage ihrer Akten Urk.
10/1-74), worüber der
Beschwerdeführer
mit Verfügung vom 17. Mai 2019 in Kenntnis gesetzt wurde. Das Gesuch des
Beschwerdeführer
s um
Gewährung der
unentgelt
liche
n
Prozessführung und
Bestellung einer
unentgeltliche
n
Rechtsvertretung wurde mit eben dieser Verfügung abgewiesen (Urk. 11).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
1.3
.1
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich
erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medi
zinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) über
wie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_
580/2017 vom 16. Januar 2018 E.
3.1 mit Hinweisen).
1.3.2
Mit BGE 145 V 215 liess das Bundesgericht die bisherige Rechtsprechung fallen, wonach primäre Abhängigkeitssyndrome beziehungsweise Substanzkonsum
stö
rungen zum vornherein keine invalidenversicherungsrechtlich relevanten Ge
sund
heitsschäden darstellen können, und ihre funktionellen Auswirkungen des
halb
keiner näheren Abklärung bedürfen. Fortan ist - gleich wie bei allen anderen psy
chischen Erkrankungen - nach dem strukturierten Beweisverfahren zu
ermitt
eln
,
ob und gegebenenfalls inwieweit sich ein fachärztlich diagnostiziertes Abhängig
keitssyndrom im Einzelfall auf die Arbeitsfähigkeit der versicherten Person aus
wirkt. Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann immerhin dort von einem strukturierten Beweisverfahren abgesehen werden, wo es nicht nötig oder geeig
net ist. Es bleibt daher etwa d
ann entbehrlich, wenn für eine –
länger dauern
de (Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG) –
Arbeitsunfähigkeit nach bestehender Aktenlage keine Hinweise bestehen oder eine solche im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (E. 7).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Die Funktion interner Berichte
des regionalen ärztlichen Dienstes (RAD)
besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medi
zinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zu
sam
menzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei wider
sprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin
führte zur Begründung ihrer Verfügung an, die Abklä
rungen hätten ergeben, dass die Therapieoptionen noch nicht ausgeschöpft seien. Der
Beschwerdeführer
nehme niederschwellig an einer Therapie teil. Auch scheine keine vollständige Abstinenz vorhanden zu sein. Unter weiterer psychiatrisch-psychothera
peutischer Behandlung und Einha
l
t
ung von Alkoholabstinenz sei eine langsame Stabilisierung und Besserung des Gesundheitszustandes möglich
.
Zudem habe der
Beschwerdeführer
zwölf Jahre gearbeitet, ohne
sich
in dieser Zeit eine
r
adäquate
n
Behandlung
unterzogen
zu haben.
Aus medizinischer Sicht würden die gestellten Diagnosen nicht zu einer dauerhaften und erheblichen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führen. Somit seien die Voraussetzungen für
einen
Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung nicht erfüllt (Urk. 2).
2.2
Dagegen
wendet der
Beschwerdeführer
ein
,
v
orliegend
habe die
Beschwerde
geg
nerin
eine
unzulässige Parallelüberprüfung vorgenommen.
Die Ressourcen
prü
fung durch die Kundenberaterin stehe in krassem Widerspruch sowohl zur Beur
teilung der eigenen RAD-Ärztin, der Ärzte der
Z._
sowie des behandelnden Spezialisten als auch zu der sich aufgrund der vorliegenden Akten ergebenden Sachlage, weshalb ihr nicht gefolgt werden könne. Die RAD-Ärztin
habe in ihrer
Beurteilung
vom 20. Juli 2018 die besteh
enden Fakten erkannt und
diesen Rechnung
getragen. Folglich sei darauf abzu
stellen und ihm eine ganze Rente der Invalidenversicherung ab dem 1. September 2017 zuzusprechen (Urk
. 1 S. 8
ff.).
3.
3.1
Dr. med.
A._
Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin
,
stellte in seinem Bericht vom 28
. März 2017
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 10/19/6):
-
ADHS im Erwachsenenalter
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (seit
zirka
20. Lebensjahr)
-
Alkoholabhängigkeit
Als Akkordarbeiter auf dem Bau sei der
Beschwerdeführer
sicherlich zu 100 % arbeitsunfähig seit dem 22. September 2016 bis auf Weiteres. Konzentriertes Arbeiten an allein verantwortlicher Stelle sei ausgeschlossen, die Teamfähigkeit fraglich. Die verminderte Leistungsfähigkeit bestehe im Rahmen der Diagnose ADHS. Eine behinderungsangepasste Tätigkeit sei halbtags in gut integrierendem Umfeld mit straffer Führung sicherlich möglich.
Diese Angaben würden wahr
scheinlich seit gut 2-3 Jahren gelten (Urk. 10/19/6-9).
3.2
Im Bericht der
Z._
vom 4. Mai 2017 wurden folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt (Urk. 10/29/3):
-
Einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung, ADHS im Erwachs
e
nenalter (ICD-10 F90.0)
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
Alkohol: Abhängigkeitssyndrom (in beschützender Umgebung abstinent; ICD-10 F10.2)
Aufgrund der ausgeprägten ADHS im Erwachsenenalter sei
d
er
Beschwerdeführer
mit jeglicher Art Administration und planerischen Aufgaben überfordert und potentiell gefährdet, erneut depressiv zu kompensieren und/oder zurück in die Alkoholabhängigkeit zu verfallen. Um den
Beschwerdeführer
davor zu schützen und ihm ein geeignetes Lernumfeld für das ADHS Coaching/De
pressions
behand
lung zu ermöglichen, sei eine Beistandschaft zur Unterstützung in der Admini
stration sowie eine engmaschige
tagesklinische
Weiterbehandlung in der
B._
aufgegleist worden
(Urk. 10/29/4).
Betreffend den psychischen Befund hielten die Ärzte fest, es
würden schwere
Aufmerksamkeitsstörungen bestehen,
so dass
der Beschwerdeführer dem Gespräch
nur erschwert folgen
könne
. Gedächtnisstörungen würden keine vorliegen, im formalen
Denken sei er mittelgradig sprunghaft und mittelgradig vorbeiredend. Der
Beschwerdeführer
sei ängstlich und es liege eine mittelgradige motorische Unruhe vor. Er sei mittelgradig
logorrhoisch
. Es werde vorsichtig von einer günstigen Prognose in Bezug auf die Depression, das ADHS und die Abstinenz ausgegangen. Die ADHS-Behandlung, durch Coaching und
Methylphenidat
-Medikation habe im stationären Rahmen zu einer Teilremission der depressiven Symptomatik geführt und die Abstinenz habe aufrechterhalten werden können. Die Überforderung durch ADHS werde als Auslöser und aufrechterhaltender Faktor der Alkoholabhängigkeit und rezidivierenden Depression erachtet. Inso
weit werde die Remission der
Depression
und die Aufrechterhaltung der Absti
nenz von Alkohol vom Behandlungserfolg des ADHS abhängen. Es werde
emp
fohlen,
eine ADHS
-
Behandlung, Coaching und Unterstützung in administrativen
Angelegenheiten
langfristig anzusetzen. Bei Exazerbation der Depression und/oder
Rückfall in die Alkoholabhängigkeit werde empfohlen, primär diese beiden Er
krankungen zu behandeln und im Anschluss die ADHS-Behandlung wieder
auf
zunehmen, wenn die vorangegangenen beiden Störungen ausreichend behandelt
seien
(Urk. 10/29/4-5).
Aufgrund des ADHS bestehe eine ausgeprägte Aufmerksamkeitsproblematik, Beei
nträchtigung der Konzentration, Schwierigkeiten bei vorausschauender Planung, im Zeitmanagement.
Es würden ausreichend Ausdauer und Präzision fehlen. Es würden Probleme in der Impulskontrolle sowie eine Affektlabilität und verminderte Frustrationstoleranz bestehen. Diese Beschwerden könnten sich auf alle Aspekte in der Arbeit als Fugenmonteur auswirken, beispielsweise zu spät kommen zur Arbeit, Probleme beim Einhalten von Terminen, Probleme beim Planen und Ausführen von Aufgaben (z.B. vermehrte Flüchtigkeitsfehler), Prob
leme im Team, z.B. mit Vorgesetzten oder Kunden bei verminderter Konflikt
fähigkeit. Aufgrund der depressiven Symptomatik komme es zu vermindertem Antrieb, erhöhter Ermüdbarkeit und deutlichem sozialen Rückzug. Der
Beschwer
deführer
habe letztlich die Wohnung nicht mehr verlassen. Verminderte Konzen
tration und Aufmerksamkeit seien noch ausgeprägter geworden, der Selbstwert und das Selbstvertrauen seien eingeschränkt. Bei Überforderung steige das Rückfallrisiko einer Alkoholabhängigkeit (Urk. 10/29/6
).
In der
bisherige
n
Tätigkeit
bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 22. September 2016 bis am 20. J
anuar 201
7.
Die
weitere Arbeitsunfähigkeit, auch diejenige in einer angepassten Tätigkeit
,
sei beim
Nachbehandler
zu erfragen
.
Im Rahmen der stationären Behandlung habe
d
er
Beschwerdeführer
zirka
2 x 2 Stunden in stark angepasstem therapeutischem Setting wahrnehmen können (Urk. 10/29/
6-
7).
Es werde davon ausgegangen, dass bei primärer Behandlung der Depression und Coaching des ADHS sowie weiterführender Behandlung eine Arbeitsfähigkeit niederschwellig im 1. Arbeitsmarkt mit einer beruflichen Wie
dereingliederung möglich sein sollte (Urk. 10/29/1).
3.3
Dr.
med. C._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
stellte
in seinem Bericht vom 1
1.
Juli 2018
folgende
D
iagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 10/49/9):
-
ADHS bei Erwachsenen (ICD-10 F90.0)
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte bis mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
Persönlichkeitsstörung, nicht näher bezeichnet (ICD-10 F6)
-
Alkoholabhängigkeitssyndrom (ICD-10 F10)
-
Chronische Schmerzen (Rücken, Schulter, Nacken, Fuss)
Von April 2003 bis Februar 2015 habe
d
er
Beschwerdeführer
als Fugenmonteur gearbeitet
, bis ihm schliesslich definitiv gekündigt worden sei
, nachdem ihm der Arbeitgeber schon einmal gekündigt
,
dies
aber
rückgängig gemacht habe
. Er (Dr.
C._
) könne nicht genau nachvollziehen, warum
der
Beschwerdeführer
die Stelle solange – immerhin 12 Jahre – habe behalten können. Es gebe dafür sicher mehrere Gründe, die er im Einzelnen bisher nicht klar habe nachvollziehen können
.
Ein mögliches Motiv
sei
, dass
d
er
Beschwerdeführer
gewusst habe, er werde keine andere Stelle bekommen, wenn er diese verliesse und deswegen sich gezwungen gesehen habe, irgendwie ausharren zu müssen. Danach habe er diverse kurze
Temporärstellen
ausgeübt
(Urk. 10/49/7)
.
Anlässlich der Untersuchung habe der
Beschwerdeführer
sympathisch-chaotisch gewirkt. Es bestehe eine vordergründige Ungeduld und eine motorische Unruhe,
vorallem
dann beobachtbar, wenn er sich besser, das heisst weniger depressiv fühle. Er habe Mühe, sich auf ein längeres
Gespräch einzulassen und scheine
es nicht lange aushalten zu können. Termine sage er häufig ab, weil er zum Beispiel keinen Antrieb und/oder Schmerzen habe. Ein Setting mit regelmässigen Ge
sprächen aufzubauen sei momentan nicht möglich. Es falle ihm schwer
,
diffe
renziert über Ereignisse, insbesondere soziale Interaktionen zu reden
. Die Re
flexionsfähigkeit sei reduziert.
De
r
Beschwerdeführer
gebe vage Antworten mit latent leicht
dysphorischem
Unterton. Es sei schwer
,
sich
aufgrund der knapp gefassten Ereignisformulierungen, Berichte usw. ein kohärentes Bild zu machen. Die Informationen würden portionsweise ankommen,
ohne Einbezug von sozia
len Interaktionen. Bei einigen Fragen weiche
der
Beschwerdeführer
aus, rede vor
bei oder «
somatisiere
» (Urk. 10/49/9).
Der Arzt erklär
t
e, d
as ADHS-Syndrom habe sich beim
Beschwerdeführer
bereits in der Kindheit mit klinischem Krankheitswert manifestiert. Die ausgeprägte Symp
tomatologie habe sich bisher auf sein ganzes Leben ausgewirkt. Ausgeprägte psychosoziale Beeinträchtigungen sowohl im Privaten als auch im beruflichen Bereich würden sich wie ein roter Faden durch sein Leben ziehen. Aufgrund der Grundstörung (ADHS) mit der ausgeprägten Symptomatik und einer
komorbiden
zusätzlichen strukturellen Problematik im Sinne einer Persönlichkeitsstörung
, habe er wichtige Ressourcen beziehungsweise Anpassungsstrategien (unter ande
rem sozio-kognitive Ressourcen) nicht erwerben können.
E
s würden ihm unter anderem die sozialen Kernkompetenzen
fehlen, die für die Bewältigung des sozial beruflichen Alltages nötig wären. Zudem zeige
d
er
Beschwerdeführer
ausgeprägte Störungen im Zeitmanagement, und in der Organisation von administrativen Pflichten, weswegen er auf eine Vertretungsbeistandschaft angewiesen sei. Er habe immer am Limit seiner Möglichkeiten und Energiereserven gearbeitet, der grosse Zusammenbruch sei zirka Ende August 2017 erfolgt. Hinweise auf Res
sourcen seien durchaus vorhanden: Er habe sich im stationären therapeutischen Milieu-Kontext deutlich psychisch stabilisieren können. Die medikamentöse Ersteinstellung mit
Methylphenidat
(
Concerta
) und Antidepressiva sei erfolgreich gewesen. Auch habe er alkoholabstinent bleiben können. Sei der
Beschwer
de
führer
einmal auf sich alleine angewiesen, ohne den strukturellen Schutz des stationären beziehungsweise halbstationären Rahmens, würden sich seine Res
sourcen kaum weiter entfalten und entwickeln können. Es sei momentan nicht nachvollziehbar, wie er zwölf Jahre lang als Fugenmonteur bei
m
ehemaligen Arbeitgeber
habe durchhalten können. So gesehen müssten Ressourcen vor
han
den sein, die er aber nur unter «Schutz-Bedingungen» habe aufrechterhalten könne
n. Das Gesamtbild und die erwähnten Diagnosen würden schon eine aktu
elle weiterbestehende 100%ige Arbeitsunfähigkeit untermauern
. Es werde eine
nieder
schwellige Therapie durchgeführt. Eine stationäre medikamentöse Einstel
lung wäre eine Option, die
der
Beschwerdeführer
momentan ablehne
(Urk. 10/49/10-11).
3.4
Dr. med.
D._
, Fachär
z
t
in FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, nahm am 20. Juli 2018 für den RAD Stellung.
Es
würden
eine verminderte Aus
dauer, Affektlabilität, Probleme beim Einhalten von Terminen, Probleme beim Planen und Ausführen von Aufgaben, Probleme mit der Teamfähigkeit und eine verminderte Konfliktfähigkeit, reduzierte Konzentration und Aufmerksamkeit
bestehen
. Dr.
D._
definierte
folgendes Belastungsprofil: Die Aufmerksam
keit und Konzentrationsspanne sei vermindert und führe zu reduzierten Lern- und
Anpassungsleistungen. Tätigkeiten und Aufgaben mit Verantwortungsüber
nahme
für Personen und Überwachung von Maschinen sowie Tätigkeiten und Aufgaben mit hohen Anforderungen an das Konzentrationsvermögen sowie an die
An
passungs
- und Umstellungsfähigkeit sollten vermieden werden. Genau struktu
rierte Tätigkeiten und Aufgaben in ruhiger und reizarmer Atmosphäre seien zumutbar.
In der bisherigen Tätigkeit als Fugenmonteur bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für den ersten Arbeitsmarkt. Langfristig sei bei nieder
schwel
liger Wiedereingliederung eine Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt möglich. In einer angepassten Tätigkeit gemäss Belastungsprofil
bestehe
medizinisch
theore
tisch
eine Arbeitsfähigkeit von maximal 80 % bei 4 Stunden täglich. Die
Arbeits
fähigkeit werde
mit
40 % eingeschätzt. Eine langsame Steigerung erscheine
möglich. Unter weiterer psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung und Ein
haltung von Alkoholabstinenz sei eine langsame Stabilisierung und Besserung des Gesundheitszustandes möglich, so dass eine Arbeitsfähigkeit von über 50 % errei
cht werden könne (Urk. 10/50/4-6
).
4.
4.1
4.1
.1
Dr.
D._
hat in ihrer Aktenbeurteilung für den RAD vom
20
. Juli 2018
die
Vorakten
zusammengefasst und
beurteilt
. Bei ihrer
Einschätz
ung der Arbeits
fähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
stellte
sie
im Wesentlichen auf
den Bericht
von Dr
.
A._
vom 28. März 2017 ab, welche
r
eine angepasste Tätigkeit halbtags als möglich erachtete (vgl. Urk. 10/50/5
; E. 3.1
).
Ferner scheint sie be
rücksichtigt zu haben, dass im Bericht der
Z._
vom 4. Mai 2017 fest
gehalten wurde, der
Beschwerdeführer
habe anlässlich des stationären Aufent
haltes zirka 2 x 2 Stunden in stark angepasstem therapeutischem Setting wahr
nehmen können
(E. 3.2)
. Dr.
D._
attestierte eine
Leistungslimitierung auf 80 %
bei 4 Stunden täglich
und schätzte die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit auf insgesamt 40 %,
steigerbar
auf über 50 %
(E. 3.4).
4.1
.2
Bei Dr.
A._
handelt es sich um einen Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, weshalb seine
r
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
in psychiatrischer
Hinsicht
bereits aufgrund der fehlenden Fachkenntnisse
keine abschliessende Bedeutung zukommen kann
. Anlässlich der Untersuchung vom 16. März 2017 erhob er denn auch einen rein somatischen
ärztlichen
Befund
(vgl. Urk. 10/19/7),
womit die aus psychi
schen
Gründen attestierte Arbeitsunfähigkeit nicht nachzuvollziehen ist
(Urk. 10/19/7).
D
ie Ärzte der
Z._
gingen
in ihrem Beri
cht vom 4. Mai 2017
von einer
100%ige
n
Arbeitsunfähigkeit
in der bisherigen Tätigkeit
für den
Zeitraum der stationären Behandlung
vom 22. September 2016 bis am 20. Januar 2017
aus
(E. 3.2)
. Darüber
hinaus
– insbesondere auch
hinsichtlich
der Arbeits
fähigkeit in eine
r angepassten Tätigkeit –
legten
sie
sich nicht fest und verwiesen
auf die nachbehandelnden Ärzte
der
B._
(
Urk. 10/29/4, Urk. 10/29
/6-7).
Von der darauffolgenden tagesklinischen Behandlung
vom 24. Januar bis am 31. Juli 2017
(vgl.
Urk. 10/28,
Urk. 10/38)
liegen
indes
keine Unterlagen vor
.
In medizinischer Hinsicht ist
ferner
darauf hinzuweisen, dass im Bericht der
Z._
d
ie Wechselwirkungen zwischen den einzelnen psy
chischen Leiden
und die Therapierbarkeit
teils widersprüchlich erörtert
wurden
.
So wurde einerseits angegeben, bei der durch das ADHS ausgelösten Überfor
derung handle es sich um den Auslöser und um den aufrechterhaltenden Faktor der Alkoholabhängigkeit und der rezidivierenden Depression. Insoweit werde die Remission der Depression und die Aufrechterhaltung der Abstinenz von Alkohol vom Behandlungserfolg des ADHS abhängen. Andererseits wurde bei Exazer
ba
tion der Depression und/oder Rückfall in die Alkoholabhängigkeit empfohlen,
primär diese beiden Erkrankungen zu behandeln und erst im Anschluss die ADH
S-Behandlung wiederaufzunehmen, wenn die vorangegangenen beiden Störungen ausreichend behandelt
seien
(E. 3.2
).
4.1
.3
Nach der tagesklinischen Behandlung an der
B._
vom 24. Januar bis am 31. Juli 2017
nahm der
Beschwerdeführer
erst am 24. Januar 2018
wieder
eine regelmässige fachpsychiatrische Behandlung in Anspruch (Urk. 10/49/2, vgl. Urk. 10
/43/3
).
A
ngesichts des im Bericht der
Z._
enthaltenen Verweises
zur
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auf den
Nachbehandler
wäre die
Beschwer
degegnerin
gehalten gewesen, einen Bericht über die tagesklinische Behandlung in der
B._
einzuholen.
Dies insbesondere auch unter Berücksi
ch
tigung
dessen
, dass sich auch
Dr.
C._
in seinem Bericht vom 11. Juli 2018 ausser Stande sah, die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführer
s
in einer angepassten Tätigkeit zu beurteilen (Urk. 10/49/5)
und somit bis zur RAD-Stellungnahme keine fachpsychiatrische Einschätzung der Arbeitsfähigkeit des
Beschwerde
füh
rer
s in einer angepassten Tätigkeit vorgelegen hat
.
4.
1
.4
Dr.
C._
führte
in seinem Bericht vom 11. Juli 2018
aus, es sei für ihn nicht nachvollziehbar, wie der
Beschwerdeführer
zwölf Jahre als Fugenmonteur (2003 bis 2015) habe durchhalten können. Zudem gab er zu bedenken, dass er den
Beschwerdeführer
erst seit
Anfang
2018 kenne und ihm die Etablierung einer
therapeutischen Beziehung
bislang
nicht möglich gewesen sei. Seine Arbeits
fähigkeitsbeurteilung stützt
e
er sodann auf das «Gesamtbild» und die erwähnten Diagnosen (Urk. 10/49/
10-
11). Dies spricht insgesamt dafür, dass Dr.
C._
die im Bericht offengelegten Unsicherheiten zugunsten des
Beschwerdeführer
s ausgelegt und
auf
eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit ge
schlossen hat. Dies steht
sodann auch
mit de
r Erfahrungstatsache in Einklang
, wonach behandelnde Ärzte im Zweifelsfall eher zugunsten ihrer Patien
tinnen und Patienten aussagen
(BGE 135 V 465
E. 4.5, BGE 125 V 351 E. 3b/cc
).
Zudem wies Dr.
C._
in seinem Bericht vom 11. Juli 2018 auf ausgeprägte psychosoziale Beeinträchtigungen hin (E
. 3.3).
Ob er deren Einfluss bei der Einschätzung der funktionellen Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers korrekt Rechnung getragen hat, lässt sich mangels Angaben zu den massgeblichen Indi
katoren (E.
1.3.1) nicht feststellen.
Mit der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
hat sich Dr.
C._
– w
ie bereits erwähnt (E. 4.1
.3) –
nicht befasst
.
4.
1
.5
Dies führt zum Schluss, dass
sich
die RAD-Stellungnahme
vom 20
. Juli 2018 ausschliesslich auf
Vorberichte stützt
, welche
keine fachärztliche Stellungnahme zur Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit enthalten
und sich nach dem Gesagten auch im Weiteren nicht als verlässlich
e medizinische
Entscheid
grund
lage
erweisen
. Damit
kann auf die
RAD-Stellungnahme vom 20
. Juli 2018 nicht abgestellt werden
(vgl. E. 1.4
).
4.
2
I
n seinen beiden Stellungnahmen
vom 6. November und vom 12. Dezember 2018
,
bestätigte Dr.
C._
seine Darlegungen aus dem
Vorbericht
vom
11. Juli 2018
,
vermochte
aber
die erwähnten Unklarheiten
(vgl. E. 4.1.4)
nicht zu beseitigen.
Auch äusserte er sich nach wie vor nicht
zur
Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
(Urk. 10/56, Urk. 10/62
).
Soweit Dr.
C._
in seiner Stellungnahme vom 6. November 2018
zur Begründung eines geringen Ressourcenbestandes
aus
führt
e
, der
Beschwerdeführer
habe sich im Laufe seiner beruflichen Laufbahn konsequenterweise nie richtig beruflich etablieren können (Urk. 10/56/2), erweist sich dies als aktendwidrig,
zumal
der
Beschwerdeführer
in den Jahren 2003 bis 2015 – soweit ersichtlich ununterbrochen – als Fugenmonteur
bei demselben Arbeitgeber
angestellt war (Urk. 10/10/3, Urk. 10/12).
Wie auch aus dem Ber
icht von Dr.
C._
vom 4. Mai 2017
hervorgeht,
sind
Informationen über
die konkrete Ausgestaltung dieses
Arbeitsverhältnis
ses
zur
Beurteilung des funktionellen Leis
tungsvermögens
relevant
(vgl. E. 3.3) und
ein
Beizug
unabdingbar.
Darauf zu verzichten, lässt sich weder mit der Untersuchungspflicht der Beschwerde
geg
nerin noch mit der Mitwirkungspflicht
des Beschwerdeführers vereinbaren (vgl. Urk. 10/6/8, wonach der Beschwerdeführer die Beschwerdegegnerin ermächtigt hat, alle Auskünfte einzufordern, welche für die Abklärung der Leistungsan
sprüche erforderlich sind).
4.
3
Aus dem Gesagten ergibt sich, dass der Sachverhalt
in
verschiedener Hinsicht unzureichend abgeklärt
ist,
was einer abschliessenden Beurteilung der Leistungs
fähigkeit des Beschwerdeführers entgegensteht.
B
ei der RAD
-Aktenbeurteilung vom 20
. Juli 2018
handelt es sich
um die einzige
fachpsychiatrische Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
. Aus erläuterten Gründen kann darauf
jedoch nicht abgestellt werden.
Es kommt hinzu, dass es auch an
eine
r
Arbeitsunfähigkeitsschätzung unter Beachtung der massgebenden Indikatoren (Beweisthemen)
mangelt
, was rechtsprechungsgemäss zwingend erforderlich ist (vgl. BGE 145 V 361 E. 4.3
; vgl. E. 1.4
).
Die Sache ist deshalb an die
Be
schwer
degegnerin
zurückzuweisen, damit sie den
Beschwerdeführer
im Rahmen einer psychiatrischen Begutachtung unter Berücksichtigung der normativen Vorgaben abklärt. Vorab wird sie einen Bericht über die tagesklinische Behandlung des
Beschwerdeführer
s
in der
B._
vom
24. Januar bis am 31. Juli 2017
und einen Arbeitgeberbericht
hinsichtlich der
Anstellung des
Beschwerdeführer
s in den Jahren 2003 bis 2015 einzuholen haben.
Mit Blick auf die von der
Beschwerdegegnerin
durchgeführte Ressourcenprüfung
(Urk. 10/50/6) ist darauf hinzuweisen, dass d
ie Unterscheidung zwischen primä
ren
und sekundären Abhängigkeits
syndromen im Rahmen der mit BGE
145
V 215
begründeten Rechtsprechun
g hinfällig geworden ist (E. 1.3
.
2
). Damit kann
ihrer
Klassifikation des diagnostizierten Alkoholabhängigkeitssyndroms als «eher sekun
där» (vgl. Urk. 10/50/6) von vornherein keine massgebliche Bedeutung in Bezug auf die invalidenvers
icherungsrechtliche Relevanz des
Suchtleidens
zukommen. Vielmehr
ist
im Rahmen der durchzuführenden ergänzenden Abklärungen
–
gleich wie bei allen anderen p
sychischen Erkrankungen –
nach dem strukturierten Beweisverfahren zu ermitteln, ob und gegebenenfalls inwieweit sich ein fach
ärzt
lich diagnostiziertes Abhängigkeitssyndrom im Einzelfall auf die Arbeitsfähigkeit de
r versicherten Person auswirkt (E.1.
3.2
).
Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 11. Februar 2019 (Urk.
2) aufzuheben. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Da es im
v
orliegenden
Ve
rfahren um die Bewilligung oder
V
erweigerung
v
on
Versic
herungsleistungen geht, ist das
Verfahren kostenpflichtig. D
ie Gerichts
kosten sind nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig
vom Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 6
00.-- anzusetze
n. Entsprechend dem Ausgang des
V
erfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
5.2
Nach
§
34
Abs.
1
des
Gesetz
es
über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
In Anwendung obiger Kriterien ist die Parteientschädigung vorliegend auf Fr.
1'8
00.--
(inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen und ausgangs
gemäss der
Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.