# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 87205741-a3d2-4ec7-80ca-d5a4a83c41be
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Die aus der Türkei stammende
und 1981 geborene
X._
reiste 1998 in die Schweiz ein und erhielt eine Aufenthaltsbewilligung B (Urk. 13/6). Sie hat keinen Beruf erlernt, war seit ihrer Einreise
bei verschiedenen
Arbeitgebern
als Serviceangestellte
angestellt
und
arbeitete schliesslich
von 2009 bis 2011
als
selbständig
e
Masseurin und Prostituierte (
Urk.
13/5/1,
13
/13/4,
13/10,
13
/70/5).
Daneben wurde sie durch die Sozialhilfe finanziell unterstützt (Urk. 13/8).
Am 8.
November 2012 meldete sie sich wegen
Depressionen mit psychotischen Symp
tomen bei der Eidgenössischen Invalidenversicheru
ng zum Leistungsbezug an (Urk. 13
/5).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte nebst dem Auszug aus dem indivi
duellen Konto (IK-Auszug, Urk. 13
/10)
B
erichte der
behandelnden
Ärzte
lic
. phil. Z._
, Psychologe,
und Dr. med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
von der psychiatrisch-psycholo
gischen K
linik
B._
ein (Urk. 13/13, 13
/14
).
In der Folge liess sie die Ver
sicherte
von
med.
pract
.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psy
cho
therapie
,
vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD)
untersuchen (Urk. 13
/20)
. Gestützt auf dessen Ansicht einer gänzlichen Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit und nach
Durchführung des
Vorbescheidverfahrens
(Urk. 13
/23
, 13/24
) sprach
die IV-Stelle
der Versicherten mit Verfügung vom 14. Januar 2014 mit Wirkung ab 1. Mai 2013 eine ganze
Invalidenrente zu (Urk. 13
/28).
1.2
Nachdem die IV-Stelle am 6. Juli 2015 von der Versicherten
telefonisch
über die Aufnahme eines Arbeitsversuch
es
in der Erotikbranche
informiert worden war (Urk. 13
/39), holte
sie im Zuge eines Rentenrevisionsverfahrens
nebst einem von der Versicherten ausg
efüllten Fragebogen (Urk. 13
/45)
insbesondere
einen a
ktu
ellen IK-Auszug (Urk. 13
/46) sowie ei
nen Arztbericht
der
Klinik B._
ein (Urk. 13
/47).
Nachdem der RAD am 14. März
2016 dazu Stellung
genommen hatte
(Urk. 13
/72/3)
,
gab die IV-Stelle
bei Frau Dr. med.
D._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
ein
Gutachten in Auftrag, welches am 2. J
uli 2017 erstattet wurde (Urk. 13
/70)
.
Sodann nahm der RAD am
8. August 2017
zur Sache Stellung (Urk. 13
/72/6).
Mit Vorbescheid vom 9. August
2017 stellte
die IV-Stelle
der Versicherten die Aufhebung der Rente auf Ende des der Zustellung der Verfügung folg
enden Monats in Aussicht (Urk. 13
/73), wo
gegen
jene Einwand
erhob (Urk. 13/74, 13/76, 13
/82).
Am
16. Oktober 2017
verfügte
die IV-Stelle
im angekündigten Sinne (Urk. 13
/86 = Urk. 2).
2.
Dagegen
erhob
X._
am 16. November 2017 beziehungsweise am 30. November 2017 Beschwerde und beantragt
e
, die angefochtene Verfügung vom 16. Oktober 2017 sei aufzuheben und es sei
ihr
weiterhin eine Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache an die IV-Stelle zu weiteren Abklä
rungen zurückzuweisen.
Subeventualiter
seien berufliche Massnahmen zuzu
spre
chen
. Zudem ersuchte die Versicherte um Gewährung der unentgeltlichen
Rechts
pflege
(Urk. 1, 6).
Der Beschwerde legte sie einen Bericht ihrer behandel
nden Ärzte bei (Urk. 3)
.
Mit Beschwerdeantwort vom 12. Januar 2018 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 12), worüber die Versicherte mit Ver
fügung vom 22. Januar 2018 (Urk. 16) in Kenntnis gesetzt wurde. Gleichzeitig wurde ihr Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege bewilligt.
Auf
die Vorbringen
der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten
an
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Ände
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs-
oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner
kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachver
halts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
-
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
zog in der angefochtenen Verfügung vom 16. Oktober 2017 (Urk. 2) zusammengefasst in Erwägung,
die durchgeführte Begutachtung lasse auf eine deutliche Verbesserung des Gesundheitszustandes der Versicherten schliessen.
Die Krankheit sei abgeklungen und
die Versicherte
sei symptomfrei. Ausserdem hätten die Medikamente abgebaut werden können und es bestehe nur noch Bedarf auf eine unregelmässige Psychotherapie. Spätestens seit der Wieder
aufnahme der selbständigen Erwerbstätigkeit im Juli 2015 sei die Beschwerde
führerin wieder uneingeschränkt arbeitsfähig, weshalb kein Anspruch mehr auf eine Invalidenrente bestehe (S. 2).
2.2
Dieser Beurteilung hielt die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerdeschrift vom 30. November 2017 (Urk.
6) im Wesentlichen entgegen, die Beschwerdegegnerin sei ihrer Abklärungspflicht nicht
nachgekommen. Sie habe ohne beim
behandeln
den Psychotherapeuten
der Klinik B._
aktuelle Auskünfte über den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit 2015 ein
zuholen, ein Gutachten erstellen lassen.
Der behandelnde Psychotherapeut
lic
.
phil.
Z._
sei mit den im Gutachten gestellten Diagnosen nicht einverstanden, da
die festgehaltenen Auffälligkeiten nicht mit den Diagnosen übereinstimmen würden
. Er halte an den gestellten Diagnosen
im Arztbericht
vom 17. November 2015 fest.
Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit stütze sich die IV-Stelle auf eine ange
stammte Tätigkeit i
m Sex-Gewerbe ab. Die Beschwerdeführerin habe allerdings erst ab 2009 im Sex-Gewerbe gearbeitet, zuvor sei sie in anderen Bereichen tätig gewesen. Die Arbeit im Sex-Gewerbe könne für die Beschwerdeführerin nicht einer nachhaltigen Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt gleichgestellt werden
, da sie Teil der psychopathologischen Entwicklung darstelle
. Diese Art von Arbeit sei nach Auffassung
von
lic
. phil.
Z._
und
dem RAD-Arzt
med.
pract
.
C._
Teil der
psychopathologischen Entwicklung. Gestützt auf
die Beurtei
lung der behandelnden Ärzte
lic
. phil.
Z._
und Dr.
med.
A._
, Facharzt für
Psychiatrie
,
sei
deshalb weiterhin von keiner verwertbaren Arbeitsfähigkeit für den
ersten Arbeitsmarkt auszugehen
(S. 2 f.).
Wenn nicht auf die Einschätzung der behandelnden Ärzte abzustellen sei, sei die Sache ergänzend abzuklären, da das eingeholte Gutachten lückenhaft und nicht überzeugend sei.
Sodann bemängelte die Versicherte den Umstand, dass die Beschwerdegegnerin noch nie b
erufliche Massnahmen geprüft habe
.
Diese seien notwendig, denn die Tätigkeit im Sex-Gewerbe stelle keine Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt dar, weil sie die Pathologie der Versicherten zeige und damit Teil der Krankheit sei (S. 2 f.).
3.
3.1
Als Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob bis zum Abschluss des
aktu
ellen Verwaltungsverfahrens
durch die angefochtene Verfügung vom 16. Okto
ber
2017
eine anspruchserhebliche Änderung des Invaliditätsgrades ein
getreten ist, dient die
Verfügung vom 14. Januar 2014
, mit welcher
der
Beschwerdeführerin erstmal
s rechtskräftig eine ganze Rente der
Invalidenversicheru
ng zugesprochen wurde (Urk. 13
/28
).
Die damals zugesprochene Rente
wurde gemäss den Ausfüh
rungen
im
Vorbescheid
vom 8.
November 2013 (Urk. 13/23) hauptsächlich ge
stützt auf den Untersuchungsbericht
des RAD-Arztes
med.
pract
.
C._
vom 28. August 2013 (Urk. 13/20) zugesprochen.
Dieser
stellte der Beschwerdeführerin
damals als
Diagnose mit Auswirkun
g auf die Arbeitsfähigkeit eine andauernde
Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung
in der Schweiz
(ICD-10: F62.0)
und
als Folge einer
leichte
n
posttraumatischen Stressstörung sowie
als
Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit Panikattacken mit Hyperventilation (ICD-10: F41.0).
Ab 2009
sei die Beschwerdeführerin nicht mehr arbeitsfähig gewesen
, da
ihre
damalige
Tätigkeit
in
Sexclubs
, die sie ausgeübt habe, als
Teil der psychopatho
logischen Entwicklung
anzusehen
sei. Es bestehe demnach i
n der angestammten und in einer
angepassten Tätigkeit eine v
ollständige Arbeitsun
fähigkeit (Urk. 13/20/6-7).
3.2
3.2
.1
Im Rahmen des aktuellen Rentenrevisionsverfahrens holte die IV-Ste
lle bei den behandelnden Ärzten
lic
. p
hil.
Z._
und Dr.
A._
d
en Bericht
vom 20. Novem
ber 2015
(Urk. 13/47)
ein,
in welchem folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt wurden:
-
s
onstige gemischte Angststörung (ICD-10: F41.3), mindestens seit April 2011
-
r
ezidivierende depressive Störung mit psychotischen Symptomen (ICD-10: F33.3), mindestens seit April 2011, gegenwärtig unter Medikation schwan
kend zwischen leicht
-
und mittelgradig
-
p
osttraumatische Belastungsstörung (ICD-10:
F43.1), teilremittiert, seit Ende 2000
-
schädlicher Gebrauch von Kokain (ICD-10: F14.1), episodisch, unregel
mässig
-
Status nach Suizidversuch am 12. März 2001
.
Insgesamt seien die Befunde unverändert respektive nur leicht verändert. Die Beschwerdeführerin arbeite gelegentlich im
Sexsalon
, um der Einsamkeit zu ent
gehen. Dort konsumiere sie Kokain,
wodurch sich ihr Gesundheitszustand regel
mässig verschlechtere
(Wiederauftauchen psychotischer Symptomatik).
Bei Absti
nenz remittiere der Zustand. Die Beschwerdeführerin halte ihre Konsulta
tions
termine regelmässig ein und zeige bezüglich Medikamenteneinnahme eine gute Compliance. Allein der Gebrauch von
Temesta
sei schwankend und habe trotz verschiedener Interventionen lediglich reduziert werden können.
Die Beschwer
de
führerin sei im geschützten Rahmen zu 50 % arbeitsfähig. Seit September 2015 habe eine psychiatrische Spitex installiert werden können, um für die Beschwer
de
führerin eine geschützte Arbeitsstelle zu finden. Eine Arbeit im geschützten Rahmen soll ihr helfen, die selbständige Arbeit im
Sexsalon
– welche auch mit Kokain
-
und
Temestakonsum
ver
bunden sei – ganz einzustellen (Urk. 13/47/1 ff.).
3.2.2
Nachdem der RAD am 14. März
2016 zum Bericht von
lic
. phil.
Z._
und Dr.
A._
(Urk. 13/47) Stellung genommen hatte (Urk. 13/72/3), holte die IV-Stelle bei Dr.
D._
ein psychiatrisches
Gutachten
(Urk. 13/70)
ein, in welchem folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt wurden:
-
Status nach rezidivierender depressiver Störung, schwere Episode mit psychotischen Symptomen, gegenwärtig remittiert (ICD-10: F.33.4)
-
Status nach posttraumatischer
Belastungsstörung, gegenwärtig s
ymptom
frei (ICD-10: F43.1).
Anlässlich der psychiatrischen Begutachtung habe die Beschwerdeführerin be
rich
tet, sie stamme aus der Türkei und habe
eine Schwester und zwei Brüder
. Als sie fünf Jahre alt gewesen sei, hätten sich ihre Eltern scheiden lassen und sie sei mit ihren Geschwistern bei ihrem Vater sowie dessen neuer
Ehefrau
aufgewachsen
. Ihr Vater sei Alkoholiker gewesen und habe sie und ihre Ge
schwister misshandelt
. Nachdem ihr Vater jemanden ermordet habe und verhaftet worden sei, s
ei sie
als 16-Jährige
in die Schweiz eingereist. Hier habe sie sich unter Druck ihrer leiblichen Mutter mit einem ebenfalls aus
der Türkei
stammenden Mann verlobt und sei von diesem
von Anfang an
geschlagen und vergewaltigt worden. Im
September 2000 habe
ihr Verlobter
sie
mit einem Messer niederge
stochen, worauf sie habe operiert werden müssen. Ihren Verlobten habe man
verhaftet und in die Türkei abgeschoben. In der Folge habe sie sich für längere Zeit im Frauenhaus
E._
aufgehalten. Nach einem Suizidversuch 2001 sei sie psychiatrisch hospitalisiert worden und sei schliesslich 2002 nach Zürich gezo
gen.
Ab 2003 habe sie sechs Jahre als Serviertochter und anschliessend als selbständige Masseurin und Prostituierte gearbeitet. 2011 habe sie einen Brief ihres Ex-Verlobten
erhalten, durch welchen
sie sich bedroht gefühlt habe.
Wegen ihrer Angst habe sie damals nicht mehr arbeiten können, habe unter Schlafstö
rungen gelitten und habe ihren Haushalt nur knapp erledigen können. Seit 2016
arbeite sie wieder
als Prostituierte
und habe ihre Stammkunden. Um arbeiten zu können
,
konsumiere sie weiterhin ungefähr vier Gramm Kokain pro Woche und trinke regelmässig Bier oder Weisswein.
Freunde oder Kollegen habe sie kein
e
, was sie aber auch nicht störe. Derzeit fühle sie sich wieder stabil und leide weder unter Depressionen noch Ängsten. Sie wolle weder vom Sozialamt noch von der Invalidenversicherung Unterstützung un
d möchte ihrer
Arbeit nachgehen (Urk. 13/70/4 ff.
).
Objektiv sei die Beschwerdeführerin bewusstseinsklar und allseits orientiert. Es hätten sich keine auffälligen Auffassungs- oder Gedächtnisstörungen ausmachen lassen, die Konzentration sei aber leicht beeinträchtigt.
Das formale Denken sei stark auf den Wunsch eingeengt, wieder im Sex
-G
ewerbe arbeiten zu können
. Ansonsten sei das formale Denken jedoch kohärent und von normalem Tempo. Anzeichen für Wahn, Sinnestäuschungen oder Ich-Störungen hätten sich nicht
ergeben. Im Affekt wirke sie oberflächlich, innerlich etwas unruhig und jamm
ernd
. Der Affekt sei aber schwingungsfähig und nicht deprimiert. Der Antrieb sei derzeit normal.
Nachdrücklich komme
sie immer wieder auf das Thema, dass sie keinerlei Unterstützung mehr möchte u
nd sich im Stande fühle, im Sex-G
ewerbe zu arbeiten und Geld zu verdienen
(Urk. 13/70/6 f.
).
Die Jugend und das frühe Erwachsenwerden der B
eschwerdeführerin seien von fehlender Bildung, Gewalt, Misshandlung und Bedrohung
geprägt
. 2011 sei es nach einer Bedrohung ihres Ex-Verlobten, welcher sie jahrelang gepeinigt ha
be
, zum psychischen Zusammenbruch mit einer schweren depressiven Episode mit psychotischen Symptomen gekommen.
Diese hätten zur Arbeitsunfähigkeit und zur Anmeldung bei der Invalidenversicherung geführt.
Ursprünglich hätten Inte
gra
tionsmassnahmen durchgeführt werden sollen, gemäss Bericht des behandeln
den Psychiaters sei dies jedoch aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich ge
wesen.
Es sei nachvollziehbar, dass eine Integration in ein normales Arbeitsum
feld nach vielen Jahren im Erotikclub nur mit entsprechender Vorbereitung und Motivierung möglich gewesen wäre. Die im letzten Verlaufsbericht des behan
delnden Psychiaters
vom 20. November 2015
gestellten Diagnosen würden durch keine Befunde belegt werden
. Die Beschwerdeführerin werde zwar noch medika
mentös behandelt,
psychiatrische
Termine würde
n
jedoch nur noch selten und unregelmässig stattfinden. Weder habe sie von Beschwerden berichtet noch seien bei der Untersuchung schwerwiegende psychiatrische Befunde erhoben worden. Es würden psychosoziale Probleme im Vordergrund stehen, vor allem aber die Fr
age der Aufenthaltsbewilligung (Urk. 13/70/7).
Zum Zeitpunkt der Begutachtung, wahrscheinlich bereits seit 2016, könne keine
schwerwiegende psychiatrische Diagnose mehr gestellt werden, welche die Arbeits
fähigkeit nachhaltig beeinträchtige. Es müsse allerdings festgehalten werden, dass die Versicherte
als in der Erotikbranche
Selbständigerwerbende
in einem Gewerbe arbeite, das angesichts ihrer Biographie mit sexueller und sonstiger Gewalt und
einer posttraumatischen Belastungsstörung nicht unbedingt einer gesunden Arbeit
s
tätigkeit entspreche. Die Tätigkeit b
er
ge das Risiko eines Rückfalls sowohl der depressiven Störung durch Überforderung, Einfluss von Drogen, sozialer Iso
lation als auch einer erneuten Traumatisierung. Das Rückfallrisiko müsse deshalb relativ hoch eingeschätzt werden.
Inwiefern diese Tätigkeit gesundheitsschädlich
sei, wie durch
ihren
behandelnden
Psychiater befürchtet
, müsse sich im Verlauf zeigen. In der bisherigen Tätigkeit im Erotikclub sei die Beschwerdeführerin jedoch zum Zeitpunkt der Begutachtung voll arbeitsfähig
(Urk. 13/70/
8
f.
).
3.2.3
Schliesslich legte die Beschwerdeführerin ihrer Beschwerde einen Bericht ihrer behandelnden
Ärzte
lic
. phil.
Z._
und Dr.
A._
vom 27. Oktober 2017 bei (Urk. 3)
, in welchem
diese
an ihren im Bericht vom
20. November 2015 (
Urk. 13/47) gestellten Diagnosen festhielten. Mit den im Gutachten von Dr.
D._
gestellten Diagnosen seien
sie
nicht einverstanden.
Weder Dr.
D._
noch die IV-Stelle habe bei ihnen Auskünfte über den Verlauf
des Gesundheitszustandes und die aktuelle Situation der Beschwerdeführerin
seit dem 20. November 2015 ein
geholt.
Aufgrund langjähriger Verlaufsberichte könne aufgrund der Symptome eine posttraumatische Belastungsstörung – wenn auch in remittierter Form –
diagnostiziert werden.
Dr.
D._
habe die Beschwerdeführerin in einer Phase gesehen, in welcher sie sich in einer relativ guten Gesundheitsverfassung befun
den habe. Diese Gesundheitsverfassung schwanke allerdings relativ rasch.
Dass die Beschwerdeführerin den Gutachtertermin mehrfach nicht eingehalten bezieh
ungsweise verschoben habe, hätte Hinweis genug darüber geben dürfen. Der Ge
sundheitszustand der Beschwerdeführerin habe sich zwar durch die Behandlung deutlich gebessert, dies
be
deute aber noch
keine Arbeitsfähigkeit im 1. Arbeits
markt.
Ausserdem sei es fragwürdig, bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
von der
Arbeit im
Erotik-Studio
als
angestammte Tätigkeit
auszugehen. Einerseits
habe
bereits RAD-Arzt
C._
festgestellt, dass die Arbeit im
Sexclub
Teil der psychopathologischen Entwicklung gewesen sei und schon Ende 2008
, das
heisst
vor der Aufnahme der
Arbeit im Sex-G
ewerbe im Jahr 2009,
keine Arbeits
fähi
g
keit mehr bestanden habe
(Urk. 3 S. 1 ff.).
Bei der Arbeit als Sexarbeiterin spiele die Motivation, die Einsamkeit durch den sozialen Rückzug zu durchbrechen, eine gewichtige Rolle. Ein weiteres Motiv sei die allgemeine Unsicherheit der Beschwerdeführerin im Hinblick auf die jährliche Erneuerung ihrer Aufenthaltsbewilligung B und damit die Angst vor einer Aus
weisung. In der Hoffnung auf eine Niederlassungsbewilligung C habe die Be
schwer
deführerin ihre Schulden bei der Sozialhilfe abbezahlt, was ihr aber nur möglich gewesen sei, indem sie wiederholt in
Sexclubs
gearbeitet habe. Auch
wenn sie sich
störungsbedingt
ein Stück weit mit dieser Arbeit identifiziere
n könne
, sei diese Arbeit doch hauptsächlich durch Angst, Depression und Einsamkeit bedingt und nicht durch frei
e
Selbstbestimmung motiviert.
Dies sei auch im Frühling 2017 der Fall gewesen. Sie sei von einer leicht hypoma
n
ischen Unruhe erfasst gewesen, habe Zukunftspläne geschmiedet und sei gedanklich auf Geld
verdienen, das Erreichen einer ständigen Niederlassungsbewilligung und Sex
arbeit (als Weg dahin) eingeschränkt. In einer solchen Verfassung wirke sie nicht depressiv oder deprimiert (Urk. 3 S. 3 f.).
Ausserdem
habe die Gutachterin keine (psycho-)somatische Anamnese erhoben. Die Beschwerdeführerin habe von Mai bis Juni 2016 erstmals an einer Gürtelrose gelitten, im Februar 2017 ein zweites Mal. Beide Male sei die Gürtelrose im Zusammenhang mit einem Arbeitsintegrationsversuch im geschützten Rahmen aufgetreten. Soziale Kontakte würden bei ihr Stress auslösen und Stress sei ein bekannter Faktor bei der Aktivierung beziehungsweise Auslösung von Gürtelrose (Urk. 3 S. 4).
4.
4.1
Zwischen den Parteien ist strittig, ob die Beschwerdeführerin weiterhin Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung hat. Uneinigkeit besteht namentlich dahingehend, ob das psychiatrische Gutachten
von Dr.
D._
vom 2. Juli 2017 (Urk. 7/70) als Grundlage für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Versicher
ten herangezogen werden kann und ob ein Revisionsgrund
im Sinne von Art. 17 Abs.
1 ATSG vorliegt.
4.2
Zum Zeitpunkt der
erstmalige
n
Rentenzusprechung
im Jahr 2014
lagen
im Wesentlichen
die Berichte
der behandelnden Ärzte
lic
. phil.
Z._
und Dr.
A._
(Urk.
13/13,
13/14) sowie
der
Untersuchungsbericht
des RAD-Arztes
C._
vom 28. A
ugust 2013
(Urk. 13/20)
vor
. Während
lic
. phil.
Z._
und Dr.
A._
als Diagnose
eine
sonstige gemischte Angststörung (ICD-10: F41.3), eine
besteh
ende
rezidivierende depressive Störung mit psychotischen Symptomen (ICD-10: F33.3), gegenwärtig unter Medikation schwankend zwischen leicht und mittel
gradig, eine
seit Ende 2000 teilremittierte
posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10:
F43.1)
und ein
episodi
sch und unregelmässig
schädlicher Gebra
uch von Kokain (ICD-10: F14.1)
,
bei Status nach Suizidversuch am 12. März 2001
diag
nos
tizierten, stellte RAD-Arzt
C._
der Beschwerdeführerin
die
Diagnose
n
eine
r
andauernde
n
Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung in der Schweiz
(ICD-10: F62.0) und als Folge einer leichter posttraumatischen Stressstörung
und
Panikattacken mit Hyperventilation (ICD-10: F41.0).
Trotz unterschiedlicher
Diag
nosestellungen hielten sämtliche Berichte die gleichen
subjektiven wie auch objektiven
Befunde fest. So
führte
die Beschwerdeführerin
immer wieder
aus
, dass sie seit der Bedrohung ihres Ex-
Verlobten
im Jahr
2011
unter
Angst
leide
,
und berichtete von
Schlafst
örungen, Kontrollzwang sowie von
akustischen und visu
ellen
Halluzinationen
(Urk. 13/13/3, 13/14/
3, 13/20/1, 13/20/
4).
Sie
erzählte
von Schlangen in der Wohnung, die sie gesehen habe (Urk. 13/13/3) und von
Stimmen
, die sie höre
, welche ihr sagen würden,
d
ass sie in einen Club gehen
oder prüfen soll, ob die Schlösser ihrer Wohnung richtig abge
schlossen seien (Urk. 13/20/4).
Obwohl sich ihr Gesundheitszus
tand im Januar 2012 stabilisierte
und ein Arbeitsversuch in einem Integrationsprogramm der Sozialhilfe möglich schien,
begann sie erneut
in Sexsalons zu arbeiten
(Urk. 13/13/4
, 13/20/4
).
Sie klagte über fast gefängnisartige Zustände in den Salons und die Drohungen, den Salon nicht verlassen zu dürfen (Urk. 13/14/3). Zwischen
der Sexarbeit und ihrem Gesundheitszustand
stellte sie schliesslich einen Zusammenhang
fest
und äussert
e
den Willen, von dieser Arbeit
wegzukommen, weshalb als erster Schritt ein Ein
satz von 30 % in einem Projekt der Sozialhilfe geplant war (Urk. 13/13/4, 13/14/3).
Auch o
bjektiv b
erichteten
sowohl
lic
. phil.
Z._
und Dr.
A._
als auch
RAD-Arzt
C._
von durchaus gleichen Symptomen
(
a
kustisch und visuelle
Halluzinationen
,
Ängste
,
sozialer Rückzug, Kontrollzwang,
Schlafstörungen
und Alpträume; Urk. 13/13/4, 13/14/3, 13/20/4)
.
Die Ärzte
waren
sich auch
darin
einig
,
dass sich die Arbeit im
Sexsalon
schädigend auf den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin auswirkt. So berichteten
lic
. phil.
Z._
und Dr.
A._
von einer raschen Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Beschwerde
führerin, nachdem diese – entgegen ihrer Empfehlung – erneut im
Sexsalon
arbeitete (Urk. 13/14/3). Auch aus der Beurteilung von RAD-Arzt
C._
geht hervor, dass die von der Beschwerdeführerin ausgeführte Tätigkeit in Clubs Teil der psychopathologischen Entwicklung sei und nicht mehr stattfinden soll, da sie Krankheitswert au
fweise (Urk. 13/20/5, 13/20/7).
Somit bewerteten
sowohl
lic
. phil.
Z._
und Dr.
A._
als auch RAD-Arzt
C._
die Sachlage in relevanter Weise gleich
und attestierten der Beschwerdeführerin schliesslich eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen und in einer angepassten Tätig
keit (Urk. 13/13/5, 13/14/4, 13/20/7).
4.3
4.3.1
Zu klären bleibt, ob
mit Blick auf die Schlussfolgerungen
des im Rahmen des Revisionsverfahrens eingeholten Gutachtens
von Dr.
D._
ein Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG ausgewiesen ist. Die Beschwerdegegnerin vertritt den Standpunkt, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerde
füh
rerin seit der Rentenzusprechung deutlich verbessert habe und sie spätestens seit der Wiederaufnahme der selbständigen Erwerbstätigkeit in der Erotikbranche im Juli 2015 wieder uneingeschränkt arbeitsfähig sei (Urk. 2 S. 2).
4.3.2
Die Beschwerdeführerin bestreitet grundsätzlich nicht, dass sich ihr psychischer Gesundheitszustand seit der erstmaligen Rentenzuspre
c
hung im Jahr 2013 ge
bessert hat
. So
bericht
et
en ihre behandelnden Ärzte
lic
. phil.
Z._
und Dr.
A._
bereits
im
Bericht vom 20. November 2015 von leicht veränderten Befunden.
Zwar konsumiere sie während der gelegentlichen Arbeit im
Sexclub
Kokain
und
Temesta
, was regelmässig zu einer Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes führe, doch remittiere ihr Zustand
bei Abstinenz
und sei insgesamt stationär
und sie
a
ttestiert
en
ihr eine Arbeitsfähigkeit von 50 % im geschützten Rahmen
(Urk. 13/47/1
ff.
). Dem Bericht
dieser Ärzte
vom 27. Oktober 2017 kann schliesslich
entnommen werden,
dass sich
der
Gesundheitszustand
der Beschwerdeführerin
durch die Behandlung deutlich
gebessert habe
und die psychotische Symptomatik seit längerem nicht me
hr bestehe.
Dennoch hielten sie die
von Dr.
D._
attestierte 100%ige
Arbeitsfähigkeit
auf dem ersten
Arbeitsmarkt für fraglich, ohne selber eine Arbeitsfähigkeit festzulegen
(Urk. 3 S. 2).
4.3.3
Dr.
D._
stellte der Beschwerdeführerin in ihrem psychiatrischen Gutachten keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit und qualifizierte sie in
einer
Tätigkeit im Erotikclub als voll arbeitsfähig (Urk. 13/70/9). Bei der Erhebung der Beschwerden
durch Dr.
D._
fällt auf, dass diese sehr oberflächlich und vage geblieben ist. Zwar erzählte die Beschwerdeführerin detailliert von ihrer gewalt
beherrschten Kindheit und
Jugend sowie von ihrer jetzigen Arbeitssituation als Masseurin und Prostituierte, doch geht kein Versuch der Gutachterin hervor,
kon
kreter nachzufragen
und die Auswirkungen des von ihr beschriebenen Zustandes zu ermit
teln.
Das Gutachten vermittelt schliesslich ein Bild einer selbstbe
stimmten freiwilligen 100%igen Sexarbeiterin.
Die Argumentation
beispielsweise
, die Beschwerdef
ührerin habe zwar einen L
ebenssti
l, der nach gewohnten Mass
stäben nicht gesundheitsfördernd sei, vor allem der fortgesetzte Konsum von Kokain und Alkohol sei nicht empfehlenswert, andererseits habe sie ihre eigene Wiedereingliederung in ihren bisherigen Beruf erfolgreich durchgeführt (Urk. 13/70/9 f.),
überzeugt nicht und lässt eine Auseinandersetzung mit den
früheren Berichten
der anderen Fachärzte
vermissen.
Wie Dr.
D._
von einer erfolgreich durchgeführten Wiedereingliederung sprechen kann, nachdem die Beschwerdeführerin ihr
davon
berichtete, dass sie wöchentlich ungefähr vier Gramm Kokain und regelmässi
g Bier oder Weisswein konsumiert
, um ihrer Arbeit nachgehen zu können (Urk. 13/70/5), ist nicht nachvollziehbar.
Dies gilt umso mehr, als Dr.
D._
selber
ausführte,
dass es sich bei der Arbeit in diesem Gewerbe um eine
Tätigkeit handle
, welche angesichts der Biographie der Beschwerde
füh
rerin mit sexueller und sonstiger Gewalt und einer posttraumatischen Belas
tungs
störung nicht unbedingt einer gesunden Arbeitstätigkeit en
tspr
eche
und das Risiko
eines Rückfalls relativ hoch
eingeschätzt werde
(Urk. 13/70/8).
Des Weiteren stehen die von Dr.
D._
festgehaltenen objektiven Befunde (Mühe mit dem Ein
halten von Terminen, Konzentration leicht beeinträchtigt, leicht kindlich wirkend, formales Denken stark eingeschränkt auf den Wunsch, wieder im Sex-Gewebe zu
arbeiten, im Affekt oberflächlich wirkend, innerlich unruhig,
jammrig
, Minder
wer
tigkeitsgefühle, keine sozialen Kontakte bis auf die Kontakte zu Kunden; vgl. Urk. 13/70/5 f.) mit den gestellten Diagnosen nicht im Einklang und lassen daran zweifeln, dass eine ausführliche und kritische Würdigung der bisherigen Arztbe
richte stattfand
. Diese Mängel lassen ihr Gutachten als
nicht umfassend und i
hr
Schluss der 100%iger Arbeitsfähigkeit als nicht überzeugend erscheinen,
so dass auf dieses nicht abgestellt werden
kann.
4.3.4
Dennoch kann bei vorliegender Aktenlage nicht ausgeschlossen werden, dass bei der Beschwerdeführerin seit der rentenzusprechenden Verfügung vom 14. Januar 2014 (Urk. 13/28) ein Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG, mithin eine anspruchsrelevante Verbesserung des Gesundheitszustandes mit Auswirkung auf die Arbeits- und E
rwerbsfähigkeit eingetreten ist, denn wie gezeigt sprechen die behandelnden Ärzte von einer Verbesserung
.
Es
bestehen zwar Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführerin in einer angepassten Tätigkeit Arbeiten ver
richten könnte, aufgrund der Akten kann aber nicht mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit festgelegt werden, in welchem Umfang die Beschwerdeführerin
und für welche Tätigkeiten sie
arbeitsfähig ist.
Dafür braucht es eine neue Begut
achtung.
Das
Gutachten
hat
dabei
Aufschluss über den Verlauf
des
psychischen und des somatischen Gesundheitszustandes
der Beschwerdeführerin zu geben
und ist in detaillierter Kenntnis der
Vorakten
zu erstellen
. Vor dem Hintergrund der gestellten Diagnosen ist
eine aus objektiver Sicht
nachvollziehbare Analyse der erhobenen Befunde und gestützt auf diese Erkenntnisse eine schlüssige Beurtei
lung der
Auswirkung des Leidens auf die Arbeitsfähigkeit in der angestammten und einer leidensangepassten Tätigkeit erforderlich.
An dieser
Stelle
ist darauf hinzuweisen
, dass
– wie die Beschwerdeführerin richtig geltend macht (vgl. Urk. 6 S. 2) – nicht von einer angestammten Tätigkeit im Sex-Gewerbe
auszugehen ist
.
Die Beschwerdeführerin war
seit ihrer Einreise in die Schweiz im Jahr 1998 bei verschiedenen Arbeitgebern als Serviceangestellte tätig und arbeitete erst ab
dem Jahr
2009 als selbständige Masseurin und Prostituierte (Urk. 13/5/1, 13/13/4, 13/10, 13/70/5). Vor diesem Hintergrund
ist bei der Begutachtung von einer ange
stammten Tätigkeit in der Gastronomie beziehungsweise einer
anderen Hilfs
arbeit auszugehen.
Und bei der Frage einer angepassten Tätigkeit steht im Fokus, ob die Versicherte auf dem ersten Arbeitsmarkt eingegliedert werden kann.
In diesem Kontext stellt sich weiter die Frage, ob die Beschwerdeführerin zumut
baren Eingliederungsmassnahmen zuzuführen ist, weil sie aufgrund ihres Gesund
heits
zustandes in der Lage ist, an Massnahmen im Sinne von Art. 14a Abs. 2 IVG
teilzunehmen, die eine Verbesserung ihrer Erwerbsfähigkeit dienen (Art. 8a Abs. 1
IVG). Dass sie hierauf ein Recht hat, jedoch auch zur Teilnahme an zumutbaren
und weiterführenden Massnahmen verpflichtet werden kann, hat das Bundesge
richt in einem neusten Entscheid klar festgestellt (BGE 145 V 2). Zur medi
zinischen Zumutbarkeit zur Teilnahme an solchen Massnahmen – die seitens der IV-Stelle vorzuschlagen sind - hat sich die ärztliche Begutachtung ebenfalls zu äussern.
Sollte sich ärztlicherseits ergeben, dass die Tätigkeit der Beschwerdeführerin im Sexgewerbe als Teil ihres pathologischen Zustandes anzusehen ist und sie sich für ihre Gesundheit und Erwerbsfähigkeit massgebend schädlich auswirkt, so ist für den Fall des weiterhin gegebenen Anspruchs auf eine Invalidenrente allenfalls die Frage der Auferlegung einer Schadenminderungspflicht an die Versicherte zu klären und gegebenenfalls zu verfügen (Art. 21 Abs. 4 ATSG).
4.4
Die Beschwerde ist gestützt auf die dargelegten Gründe in dem Sinne gutzu
heissen, dass die
angefochtene Verfügung vom 16. Oktober 2017 (Urk. 2) aufzu
heben und die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
ist
, damit diese nach ergänzender Abklärung im Sinne der obigen Erwägungen eine neue Beurteilung vornehme und sodann über den Leistungsanspruch der Versicherten neu verfüge.
5.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist
das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rens
aufwand unabhängig vom St
reitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--
festzulegen (
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.--
anzusetzen. Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiter
e
n Abklärung und neuen Verfügung als vollstän
di
ges Obsiegen der
beschwerde
führenden
Partei (BGE 137 V 57 E. 2.1 mit Hinweisen). Ent
sp
rechend sind die Kosten der unterli
egenden
B
eschwerdegegnerin aufzuerlegen.