# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f9245b80-ad21-40d9-987b-1c0e66937aaf
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Die 1997 geborene
X._
meldete sich am 27. Februar 2013 (Eingangsdatum) unter Hinweis auf ein Geburtsgebrechen bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 5/4). Diese holte Berichte der Lehrpersonen (Urk. 5/11, 5/19) sowie medizinische Unterlagen (Urk. 5/16) ein und führte am 10. Juli 2013 ein Standortgespräch durch (Urk. 5/24). Nachdem mit Schreiben vom 23. September 2014 um Übernahme der Kosten für ein seh
behindertentechnisches Assessment ersucht worden war (Urk. 5/23),
er
teilte die IV-Stelle
am
30. September 2014
dafür Kostengutsprache
(Urk.
5/25). Daraufhin holte sie weitere Berichte der behandelnden Fachpersonen ein (Urk.
5/28-30). Mit Schreiben vom 2. Dezember 2014 teilte sie der Versicherten mit, die Berufsbera
tung werde abgeschlossen (Urk. 5/35). Mit Verfügung
en
vom 22. Juli
2016,
6.
September 2016 sowie 2
0.
Januar 2017
wurde der Versicherten
ein Taggeld für die Teilnahme an beruflichen Eingliederungsmassnahmen für de
n Zeitraum vom 27. April 2016 bis 2
2.
Juni 2017
in der Höhe von Fr. 40.70
pro Tag
zuge
sprochen (Urk. 5/47
, 5/64, 5/111
).
Mit Verfügung
en
vom 20. Januar 2017
sowie 10. Januar 2018
wurde
n
ihr sodann
Taggelder
in der Höhe von Fr. 122.10
pro Tag
für den Zeitraum vom 2
3.
Juni bis 31. Dezember
2018
zugesprochen (Urk. 5/113
, 5/144). Nachdem die Versicherte am 1. August 2018 ein Praktikum angetreten hatte (Urk. 5/161), wurde die Verfügung vom 10. Januar 2018 in Wie
dererwägung gezogen und das Taggeld mit Verfügung vom 19. Oktober 2018 für den Zeitraum vom 1. August bis 3
1.
August 2018 auf Fr. 72.10 festgesetzt (Urk. 5/170).
Diese Verfügung wurde am 4. Dezember 2018 wiederum in Wieder
erwägung gezogen und die Taggelder wurden für den Zeitraum vom 1. November bis 31. Dezember 2018 gestrichen (Urk. 5/177). Mit Verfügung
en
vom 24. Dezember 2018 wurde
n
sodann die Verfügung
en
vom 20. Januar 2017
, 10. Januar 2018
sowie 19. Oktober 2018
in Wiedererwägung gezogen und das Taggeld
vom
23. Juni 2017
bis 31. Juli 2018
auf Fr. 40.70 festgesetzt
. Zudem wurde festgehalten, dass der Versicherten ab dem
1.
August 2018 kein Taggeld mehr zustehe
(Urk. 5/187
, 5/189, 5/191). Mit Verfügung vom 2
8.
Februar 2019 wurde die Versicherte sodann
dazu verpflichtet, die vom 23.
Juni 2017 bis 31. Oktober 2018 zu viel ausbezahlten Taggelder in der Höhe von
insgesamt
Fr. 36'142.80 zurückzuerstatten (Urk. 5/194).
2.
Dagegen erhob diese mit Eingabe vom 3. April 2019 Beschwerde beim hiesigen Sozialversicherungsgericht und beantragte, die Verfügung der IV-Stelle vom
28.
Februar 2019 sei aufzuheben
. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie darum, der Beschwerde
die
aufschiebende Wirkung zu erteilen,
ihr die unentgeltliche
Prozessführung
zu gewähren
sowie
einen
unentgeltlichen Rechtsvertreter
in der Person von Rechtsanwalt Robert
P.
Gehring
zu bestellen
(Urk. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 2
8.
Mai 2019 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 4), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 19. Juni 2019 angezeigt wurde (Urk. 10).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
49
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil de
s Sozial
versicherungsrechts (ATS
G) hat der Versicherungsträger über Leistungen, Forde
rungen und Anordnungen, die erheblich sind oder mit denen die betroffene Per
son nicht einverstanden ist, schriftlich Verfügungen zu erlassen. Gegen Verfü
gungen
–
ausgenommen gegen
prozess- und verfahrensleitende
–
kann innerhalb von 30 Tagen bei der verfügenden Stelle Einsprache erhoben werden (
Art.
52
Abs.
1 ATSG).
1.2
In Abweichung von
Art.
52
Abs.
1 ATSG teilt die IV-Stelle der versicherten Per
son den vorgesehenen Endentscheid über ein Leistungsbegehren oder den Entzug oder die Herabsetzung einer bisher gewährten Leistung mittels Vorbescheid mit. Die versicherte Person hat Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinne von
Art.
42 ATSG (
Art.
57a
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]). Sie kann innerhalb einer Frist von 30 Tagen Einwände gegen den Vorbescheid vorbringen (
Art.
73
ter
Abs.
1 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV]).
Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung handelt es sich bei Streitigkeiten über Rückforderungen um Leistungsstreitigkeiten (Urteil des Eidgenössischen Versi
cherungsgerichts I 721/05 vom 1
2.
Mai 2006 E. 4), weshalb vor Erlass einer Rück
forderungsverfügung das
Vorbescheidverfahren
durchzuführen ist.
1.3
Das Recht, angehört zu werden, ist formeller Natur. Die Verletzung des rechtli
chen Gehörs führt ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Es kommt mit anderen Wor
ten nicht darauf an, ob die Anhörung im konkreten Fall für den Ausgang der materi
el
len Streitentscheidung von Bedeutung ist, das heisst die Behörde zu einer Änderung ihres Entscheides veranlasst wird oder nicht (BGE 132 V 387 E. 5.1; 127 V 431 E. 3d/
aa
).
2.
2.1
Die Beschwerdeführerin führte in ihrer Eingabe vom
3.
April
2019
aus, in
d
er angefochtenen Verfügung werde nicht erläutert, gestützt auf welche Grundlagen die IV-Stelle die Rückforderung von Fr. 36'142.80 verlange. Auch der Vorbe
scheid gebe darüber keine Auskunft. Dieser sei ihr zudem nie
eröffnet
worden, weshalb sie erst mit
Zustellung
der Verfügung vom 2
8.
Februar 2019 Kenntnis von der Rückforderung erhalten habe. Daher erweise sich die Ve
rfügung als unhaltbar (Urk. 1). In ihrer Beschwerdeantwort vom 2
8.
Mai 2019 schloss die
IV-Stelle zwar auf Abweisung der Beschwerde. Indes bestätigte sie gleichzeitig, dass weder die Beschwerdeführerin noch deren Rechtsvertreter über den Vorbescheid vom 21. Dezember 2018, welcher in den Akten liegt (Urk. 5/179), in Kenntnis gesetzt worden seien (Urk. 4). Der Versicherten blieb es damit unbestrittenermas
sen verwehrt, zum Vorbescheid Stellung zu nehmen.
Der Erlass einer Rückforderungsverfügung ohne
rechtsgenügliche
Anhörung des Verpflichteten im Rahmen eines
Vorbescheidverfahrens
stellt eine schwerwie
gende Verletzung des rechtlichen Gehörs dar, welche einer Heilung grundsätzlich nicht zugänglich ist. Nach der Rechtsprechung kann die Verletzung der Anhö
rungspflicht schon dann schwerwiegend sein, wenn ein nach Erlass des Vorbe
scheids ergangenes Begehren um Aktenedition oder eine Stellungnahme zum Vorbescheid unberücksichtigt geblieben ist, indem auf die vorgebrachten Ein
wendungen nicht eingegangen wurde (BGE 124 V 180 E. 2). Umso schwerwie
gender ist es, wenn
–
wie im vorliegenden Fall
–
überhaupt kein
Vorbescheidver
fahren
durchgeführt und ohne Gewährung des rechtlichen Gehörs eine Verfügung erlassen wird (vgl. Urteile des
Bundesgerichts I 584/01 vom 24.
Juli 2002 E. 2 und 9C_356/2011 vom
3.
Februar 2012 E. 3.4, jeweils mit Hinweisen). Neben der zwingend vorgeschriebenen Anhörungspflicht stehen auch die Entlastung der Verwaltungsrechtspflegeorgane sowie die Kostenlosigkeit des
Vorbescheidverfah
rens
–
im Gegensatz zur Kostenpflicht
im Gerichtsverfahren
–
einem Verzicht auf dasselbe entgegen. Bei dieser Ausgangslage ist es dem Gericht verwehrt, die Sache
materiellrechtlich
zu beurteilen.
2.2
Die Beschwerde ist demnach
–
ungeachtet ihrer
materiellrechtlichen
Erfolgsaus
sichten – in dem Sinne gutzuheissen, dass die angefochtene Verfügung vom
28. Februar 2019
(
Urk.
2) aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit diese ein
Vorbescheidverfahren
durchführe und her
nach über eine allfällige Rückforderung neu verfüge.
Der von der Beschwerdeführerin gestellte Antrag um Erteilung der aufschieben
den Wirkung erweist sich im Übrigen als gegenstandslos, da der Beschwerde gemäss
§
17
GSVGer
von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zukommt.
3.
3.1
Mit ihrer Beschwerde vom 3. April 2019 ersuchte die Beschwerdeführerin um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsvertreters in der Person von Rechtsanwalt Robert
P.
Geh
ring (Urk. 1).
Vorliegend sind die Voraussetzungen zur Bewilligung der unent
geltlichen Prozessführung und unentgeltl
ichen Rechtsvertretung gemäss §
16
Abs.
1
GSVGer
erfüllt
, wes
halb dem Gesuch stattzugeben ist.
3.2
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskos
ten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
400.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen
.
3.
3
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2)
. Die Beschwerdegegnerin ist daher zu verpflichten, den unentgeltlichen Rechtsvertreter, Rechtsanwalt Robert
P.
Gehring, zu entschädi
gen, wobei die Entschädigung in Anwendung obiger Kriterien auf
Fr.
1'
2
00.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen
ist.