# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 6ec4a5a2-09c5-47bf-be4b-a89791e0ade4
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1974, war seit Januar 2015 als A
lleinsekretärin bei der Y._
AG angestellt (Urk. 8/1 Ziff. 1 und 3), als sie am 4. Oktober 2019 beim Pilates von einer Rolle fiel und sich dabei Verletzungen an der rechten Schulter sowie am rechten Oberarm zuzog (vgl. Bagatellunfall-Meldung vom 8. Oktober 2019, Urk. 8/1 Ziff. 4, 6 und 9, sowie Schadenmeldung vom 16. November 2020, Urk.
8
/11).
Die Suva erbrachte in der Folge die gesetzlichen Leistungen.
Mit Verfügung vom 7. April 2021 hielt die Suva fest, die noch bestehenden Beschwerden an der rechten Schulter seien nicht mehr unfallbedingt, und stellte die bisherigen Leistungen per 16. November 2020 ein (Urk. 8/68). Die dagegen am 6. Mai 2021 erhobene und am 10. Mai 2021 weiter begründete Einsprache (Urk. 8/79-80) wies die Suva mit
Einspracheentscheid
vom 28. Juni 2021 ab (Urk. 8/86 = Urk. 2). Der zuständige Krankenversicherer zog seine am 28. April 2021 vorsorglich erhobene Einsprache (Urk. 8/77) mit Schreiben vom 9. Juli 2021 zurück (Urk. 8/88).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 28. Juni 2021 (Urk. 2) erhob die Versicherte am 20. Juli 2021 Beschwerde und beantragte die weitere Ausrichtung der gesetz
lichen Leistungen, insbesondere weitere Heilungskosten und Taggelder, eventuell die Rückweisung an die Suva zur erneuten Abklärung (Urk. 1 S. 2 Ziff. I.1-2). Mit Beschwerdeantwort vom 6. September 2021 schloss die Suva auf
Abweisung der Beschwerde (Urk. 7), was der Beschwerdeführerin am 30. September 2021 mitge
teilt wurde (Urk. 9).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) werden
– soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Die Versicherung erbringt ihre Leistungen auch bei den im Einzelnen in Abs. 2 aufgeführten Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind. Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen für Schädigungen, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweck
mässige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss
Art.
16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 Prozent invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente, sofern sich der Unfall vor Erreichen des ordentlichen Rentenalters ereignet hat (
Art.
18 Abs. 1 UVG). Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat sie Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG).
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invali
dität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhanden
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.3
Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit nachge
wiesen, entfällt die deswegen anerkannte Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht die natürliche und adäquate Ursache des Gesundheits
schadens darstellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfall
fremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der leistungsbegrün
dende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatsache handelt, liegt die entsprechende Beweislast
anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausal
zusammenhang gegeben ist
nicht beim Versicherten, sondern beim Unfallver
sicherer. Diese Beweisgrundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten massgebend (Urteil des Bundesgerichts 8C_669/2019 vom 25. März 2020 E. 2.2 mit Hinwei
sen).
Mit dem Erreichen des Status quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch dieser Zustand noch nicht wieder
erreicht
ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG Leistungen zu erbringen (Urteil des Bundesgerichts 8C_589/2017 vom 21. Februar 2018 E. 3.2.3 mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das
Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versiche
rungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungs
fall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzuneh
men (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Entscheid (Urk. 2) insbesondere gestützt auf die Beurteilung durch den Kreisarzt
Dr.
med. univ. Z._
davon
aus, dass die von der Beschwerdeführerin
g
eklagten Beschwerden sowie die im MRI und intraoperativ vorgefundenen Befunde ausschliesslich degenerativer beziehungsweise überlastungsbedingter Natur und nicht Folge oder Teilfolge des geltend gemachten Ereignisses seien (S. 7 Ziff. 2.1). Ein Kausalzusammenhang zwischen dem Ereignis vom 4. Oktober 2019 und der am 1. Dezember 2020 operierten Labrumläsion könne nicht als mindestens mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen gelten. Es bestehe daher keine Leistungspflicht für diesen Gesundheitsschaden und diese Operation (S. 8 Ziff. 2.3).
Von weiteren medizinischen Abklärungen sei abzusehen (S. 8 Ziff. 2.2.2).
In der Beschwerdeantwort vom 6. September 2021 (Urk. 7) wies die Beschwerde
gegnerin ergänzend darauf hin, dass Dr.
A._
seine Annahme einer Unfall
kausalität primär mit dem Unfallhergang begründe. Ein Sturz auf den nach hinten ausgestreckten Arm lasse sich jedoch nicht mindestens mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit beweisen,
weshalb die Beurteilung durch Dr.
A._
auf nicht bewiesenen Prämissen
beruhe. Angesichts der Tatsache, dass der genaue Unfall
mechanismus nicht mindestens mit überwiegender Wahrscheinlichkeit rekonstru
iert werden könne, werde dieser
Beurteilung
der Unfallkausalität
eine entscheidende Grundlage entzogen (S. 3 Ziff. 4.3).
Wenn eine Labrumläsion häufig übersehen werde, könne aus dem Fehlen einer entsprechenden initialen Diagnose nicht mindestens mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Vorliegen einer solchen Verletzung geschlossen werden. Die Annahme einer verspäteten Diagnose sei lediglich eine zwar nicht unrealistische, aber doch nicht bewiesene Hypothese. Auf den Umstand, dass die von Dr.
B._
vorgenomme
nen SLAP-Tests negativ ausgefallen seien, gehe Dr.
A._
nicht ein (S. 3 f. Ziff. 4.4). Ebenso setze er sich nicht mit den
im Januar sowie November 2020 festgestellten
degenerativen Befunde auseinander, weshalb seine Beurteilung nicht einer medizinischen Bewertung des Gesamtbildes entspreche (S. 4 Ziff. 4.5).
Die Beurteilung
durch
PD
C._
scheine
sodann
auf einer unzulässigen «
post
hoc ergo
propter
hoc»-Argumentation zu beruhen. Echtzeitlich sei keine Schulterluxation diagnostiziert worden, weshalb die im Bericht vom 23. Februar 2021 gestellte Diagnose einer Luxation des Schultergelenkes wenig überzeugend wirke (S. 4 Ziff. 4.6).
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin geltend (Urk. 1),
Dr.
A._
vermöge die kreisärztliche Beurteilung in mehreren Punkten in Zweifel zu ziehen, schildere eine verspätete, nicht korrekt erkannte Diagnose und damit eine mona
telang verpasste und falsche Behandlung. Dass der ausgestreckte Arm vorgängig nicht erwähnt worden sei, reiche nicht aus, um den gesamten Unfallmechanismus als unwirksam für die vorliegende Verletzung zu beurteilen. Aufgrund des Berichtes von Dr.
A._
könne nicht auf die kreisärztliche Beurteilung abgestellt werden. Die Kausalität zwischen dem Unfallereignis vom 4. Oktober 2019 und den Einschränkungen auch nach dem 16. November 2020 sowie insbesondere der Operation vom 1. Dezember 2020 mit entsprechender Arbeitsunfähigkeit und Heilbehandlung sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit gegeben. Damit bestehe eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin auch nach dem 16. November 2020 (S. 6 Ziff. 5).
2.3
Strittig und zu prüfen ist demnach die Frage, ob die Beschwerdegegnerin für die Beschwerden der rechten Schulter auch über den 16. November 2020 hinaus leistungspflichtig ist.
3.
3.
1
Die Erstuntersuchung nach dem Unfall vom 4. Oktober 2019 fand bei
Dr.
med. D._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin sowie für Rheumatolo
gie, statt. Dieser diagnostizierte am 7. Oktober 2019 eine Zerrung des
Mus
c
ulus
pectoralis
rechts und hielt fest, die Beschwerdeführerin sei beim Pilates ausge
rutscht und habe sich die rechte Schulter verdreht
. Seither klage sie
über Schmerzen
(Urk. 8/59/2).
3.
2
Nach einer Ultraschalluntersuchung am 11. Oktober 2019
befundete
PD
Dr.
med. E._
, Facharzt für Radiologie,
eine regelrechte Darstellung des
Musculus
pectoralis
major
und minor rechts ohne Nachweis einer Kontinuitäts
unterbrechung der Faserstruktur oder eine
s
intra-, inter- oder
perimuskulären
Hämatoms (Urk. 8/38).
3.
3
Der Hausarzt
Dr.
med. F._
,
praktischer Arzt,
beschrieb in seinem Versicherungsbericht vom 25. November 2020 einen Status nach Überdehnung des Muskels beziehungsweise der Sehne
pectoral
(Urk. 8/21 S. 1). Aus der Krankengeschichte ergibt sich sodann
, dass Dr.
F._
am 10. Oktober 2019 nach einer Sonographie zunächst einen Muskelfaserriss diagnostiziert hatte (Urk. 8/22 S. 3). In den Einträgen vom 11. Oktober 2019,
8.
sowie 14. November 2019 hielt Dr.
F._
eine Überdehnung des Muskels beziehungsweise der Sehne
pectoral
fest (Urk. 8/22 S. 2 f.), bis er am 20. Dezember 2019 zusätzlich unklare Schulter
schmerzen rechts diagnostizierte.
Dr.
F._
führte dazu diverse Tests
des Schultergelenkes
durch, wobei
die Lift
off, Neer/Hawkins sowie Body
cross
Tests negativ und die Palm
up
, Speed, Bear
hug
und O’Brien Tests positiv ausfielen. Den
Jobe
Test bezeichnete Dr.
F._
als fraglich positiv.
Gemäss der Meinung der Physiotherapeutin kämen die Schulterschmerzen nicht alleine von einer Brust
muskelzerrung, diese vermute eher eine (Sub-)Luxation (Urk. 8/22 S. 3). Nach einer MRI-Untersuchung diagnostizierte Dr.
F._
sodann am 14. Januar 2020 eine AC-Gelenksarthrose rechts (Urk. 8/22 S. 1).
3.
4
Nach einer MRI
Arthrographie
der rechten Schulter
befundeten
die Ärzte
des Röntgeninstituts G._
eine AC-Arthrose inklusive einer
mässiggradigen
Bursitis
subacromialis
,
Akromiontyp
II/III. Sie beschrieben sodann ein
aspektmässiges
subacromiales
Impingement
im Liegen, kein definitiv
es
bildgebendes Korrelat für eine
Frozen
Shoulder
sowie eine Ansatz-
Enthesiopathie
der Sehne des ISP/SSP bei Zerrung oder/und beginnenden Einriss des SSP ansatznahe sowie im mittleren Anteil (Urk. 8/24).
3.
5
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie,
diagnostizierte in seinem Bericht vom 10. Februar 2020 ein posttraumatisches
Impingement
der rechten Schulter mit diskreten Einrissen an der
Supraspinatus
- und
Infraspinatus
sehne
ohne
transmurale
Ruptur nach einer Distorsion am 4. Oktober 201
9.
Die Beschwerdeführerin
sei
am 4. Oktober 2019 beim Pilates auf der Rolle ausge
rutscht und habe sich mit dem rechten gestreckten Arm aufgefangen. Dabei habe sie plötzlich einen stechenden, reissenden Schmerz verspürt.
Die Schulter rechts sei ohne
Muskelathrophie
, es bestehe ein Druckschmerz ventral des
Acromion
.
Die AC Provokationstests seien negativ ausgefallen.
Die
Impingementzeichen
seien mässig positiv, die
Rotatorenmanschettentests
wie auch die SLAP Tests seien negativ. Insgesamt zeige sich ein untypisch stark ventrales
Impingement
, klinisch eher wie eine
Pul
l
ey
Läsion (Urk. 8/29).
3.
6
Am 17. September 2020 führte Dr.
B._
bei unveränderter Diagnose wie auch im Wesentlichen unveränderten Befunden aus, nach den ACP Injektionen habe sich die Situation um 50 % gebessert, sportliche Belastungen würden jedoch noch
nicht gehen. Im Alltag bestünden wenig Beschwerden, Liegen auf der Schulter gehe jedoch nicht.
Die
Impingementzeichen
seien gering positiv, die übrigen Tests alle negativ.
Die Entzündung sei gut zurückgegangen, Belastungen, welche ausgeprägt
Impingement
verursachten, seien jedoch weiterhin schmerzhaft. Ohne operative Therapie werde die Beschwerdeführerin aller Wahrscheinlichkeit nach sportliche Belastungen mit der Schulter nicht mehr machen können (Urk. 8/30).
3.
7
Nach eine
r
MRI
Arthrographie
der rechten Schulter diagnostizierte
Dr.
med. H._
, Facharzt für Radiologie,
am 9. November 2020 zunächst eine mässige AC-Gelenksarthrose mit bei leichter
acromialer
Dor
s
alneigung engem Bezug zur
bursaseitig
gering
aufgefiederten
, aber insgesamt intakten degenerativ veränderter
Supraspinatussehne
. Bei genannten Befunden und leicht bis mässiger Bursitis
subacromialis
/
subdeltoidea
könne differentialdiagnostisch
ein
suba
c
ro
miales
Impingement
bildmorphologisch nicht ausgeschlossen werden. Zudem bestehe eine leichte und dorsal akzentuierte
Chondropathie
. Differentialdiagnos
tisch sei eine geringe Mikroinstabi
l
ität der Schulter bildmorphologisch möglich, zusätzlich liege eine sehr diskrete
labrale
Irreg
u
larität bei kleiner Einziehung im oberen hinteren Quadranten vor, welche bis an den
Bizepsanker
reiche. Die Anlagevariante sei nicht von einer kleinsten Rissbildung differenzierbar
(Urk. 8/31 S. 1)
.
3.
8
PD
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Orthopädie und Traumatologie, attes
tierte
am 16. November 2020
respektive 11. Januar 2021
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit vom 1. Dezember 2020 bis
15. Februar
2021 (Urk. 8/25/2
; Urk. 8/34
).
3.
9
Gemäss seiner Zusammenstellung der Krankengeschichte
vom 18. Januar 2021
(Urk. 8/37)
führte
Dr.
C._
am 20. Oktober 2020
aus, die Beschwerdeführerin sei im Oktober 2019 gestürzt und habe Schulterschmerzen entwickelt. Bei der klinischen Befundaufnahme zeige die rechte Schulter eine Auffälligkeit im Load-
and
-
Shift
-Test und bei Apprehension über 90°. Der
Subscapularis
sei kraftredu
ziert im Lift-off und im Bear-Hug-Test, der Bizeps sei schmerzhaft und reizbar, ebenso das
posterolaterale
Labrum und der Memory-Test. Flexor sei nicht schmerzhaft, das
Coracoid
habe keine Druckschmerzen und das AC-Gelenk sei weitgehend unauffällig. Dr.
C._
äusserte
den Verdacht auf eine
Pulley
-Läsion, differentialdiagnostisch eine SLAP-Läsion des rechten Schultergelenkes, und ordnete eine aktuelle
Arthro
-MRI-Untersuchung an
(S. 1 f.).
Nachdem in der Folge
mittels MRI
eine Ruptur im Bereich des Labrums an der rechten Schulter festgestellt worden war, führte Dr.
C._
am 9. November 2020
aus, dies passe gut zu den Problemen wie auch zum Unfallmechanismus. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit sei die Verletzung kausal mit dem Ereignis vom Oktober 2019
in Verbindung zu bringen.
Nach einer Schulterarthroskopie rechts mit Labrum
naht am 1. Dezember 2020
(vgl. Operationsbericht vom 1. Dezember 2020; Urk. 8/41)
stellte Dr.
C._
am 11. Januar 2021 fest, es habe
sich eine adhäsive
Kapsulitis
entwickelt. Die Beschwerdeführerin werde nun mit Cortison behandelt und mache mit Physiotherapie weiter. Die Arbeitsunfähigkeit werde verlängert (S. 2).
3.
10
Kreisarzt
Dr.
med. univ.
Z._
, Facharzt für Allgemeinmedizin, hielt am 22. Januar 2021 (Urk. 8/40) fest, der Unfall habe mit überwiegender Wahrschein
lichkeit nicht zu zusätzlichen strukturellen Läsionen geführt, welche objektivier
bar seien (Ziff. 1.1). Der Schaden an der rechten Schulter, welcher am 1. Dezember 2020 operiert worden sei, sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht auf den Unfall vom 4. Oktober 2019 zurückzuführen. Nach diesem Ereignis sei lediglich eine Zerrung der Brustmuskulatur festgestellt worden (Ziff. 1.2). Der Unfall habe für das aktuelle Beschwerdebild nie eine Rolle gespielt (Ziff. 2).
3.
11
Anlässlich der Dreimonatskontrolle diagnostizierte Dr.
C._
am
23. Februar 2021 eine Luxation des Schultergelenkes und stellte eine fast freie Beweglichkeit in Flexion und Abduktion sowie eine sehr gute Rotation fest.
Er halte nach wie vor daran fest, dass die Gesundheitsschädigung mit überwiegender Wahrschein
lichkeit am Unfall aufzuhängen sei. Die Beschwerdeführerin besuche Physiothe
rapie sowie eine Medizinische Trainingstherapie. Sie starte mit einem 50%igen Arbeitsversuch für zwei Wochen und kehre danach zur normalen Arbeitsfähigkeit zurück (Urk. 8/53).
3.
12
In seiner ärztlichen Beurteilung vom 1
9
. März 2021
führte
Dr.
Z._
aus
, sowohl anlässlich der Erstuntersuchung als auch in den folgenden Untersuchungen seien von der Beschwerdeführerin ausschliesslich Beschwerden ventral im Bereich des
Mus
c
ulus
pectoralis
und des
Sulcus
bicipitalis
angegeben worden. Insbesondere seien auch die SLAP-Tests, welche von Dr.
B._
erhoben worden seien, negativ gewesen. Dabei habe er ein insgesamt untypisches, stark ventrales
Impingement
, eher im Sinne einer
Pulley
-Läsion, festgehalten. Auch in den Folgeuntersuchungen seien die Tests hinsichtlich einer SLAP-Läsion negativ ausgefallen.
D
er von der Beschwerdeführerin angegebene
Pathomechanismus
als Auslöser der Beschwerden sei nicht geeignet, eine
posterosuperiore
Labrumläsion zu verursachen. Zusammenfassend sei festzuhalten, dass sich weder vom
Pathomechanismus
noch der klinischen Untersuchung oder der Beschwerde
symptomatik
her Hinweise auf eine hintere obere Labrumläsion ergeben hätten. Der intraoperativ vorgefundene Befund sei als Zufallsbefund im Rahmen der Operation als Folge degenerativer Veränderungen, möglicherweise auch durch sportliche Aktivitäten bedingt, zu beurteilen. Eine Unfallkausalität der Befunde
und Beschwerden sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht gegeben (Urk. 8/62 S. 3).
3.
13
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Chirurgie und für Handchirurgie,
hielt
in seiner Stellungnahme vom 28. April 2021 (Urk. 8/80)
aus zunächst medizinisch-theoretischer Sicht
fest
, dass ein Riss im Bereich der knorpeligen Gelenkflächen
begrenzung (Labrum) der Schultergelenkspfanne in der Regel durch repetitive Traumatisierungen entstehe, wie sie bei sämtlichen Wurfsportarten regelhaft vorkämen. Oder aber er entstehe durch einen abrupten Druckimpuls
durch den Oberarmkopf auf die Gelenkflächenbegrenzung, wie er bei Stauchung des nach hinten gestreckten Armes mit vollem oder Teilkörpergewicht vorkomme. Dies
könne
zu einer kurzfristigen Subluxation nach hinten oben führen, die sich in der Regel spontan wieder reponiere. Die Diagnose sei schwierig, jedoch stünden spezielle klinische Tests zur Verfügung, die bei positivem Ausfall den dringenden Verdacht
auf eine Labrumläsion stellen liessen. Kernspintomographisch seien solche Läsionen nicht immer leicht zu identifizieren und würden nicht selten übersehen. Klinisch zeigten Betroffene typische Ausweichbewegungen bei Abduktion über 90°, wobei hier der Druck auf die hintere obere Gelenkflächen
begrenzung durch den Oberarmkopf steige. Wegen der grenzwertigen Durch
blutungssituation im Labrumbereich sei die Heilung unter konservativen Massnahmen in aller Regel nicht möglich, hi
er seien regelhaft operative
Ref
ixierungen
notwendig, was in der Regel
arthroskopisch
erfolge. Derartige Risse könnten, müssten jedoch nicht den Ansatzbereich der langen
Bizepssehne
betreffen
(S. 5)
.
Die Beschwerdeführerin habe am
3.
[richtig: 4.]
Oktober 2019
einen Sturz von einer Therapierolle nach rückwärts mit dem nach hinten gerichteten, gestreckten Arm abzufangen versucht. Bei einem solchen Abfangversuch entstehe kurzfristig ein sehr hoher Druck durch den Oberarmkopf auf den hinteren oberen Labrum
anteil, was als typischer Auslöser für einen Riss in diesem Bereich anzusehen sei. Nicht selten komme es hierbei kurzfristig zu einer Subluxation des Kopfes nach oben - hinten, die sich normalerweise sofort nach Beendigung des Überdrucks selbst reponiere. Diesbezüglich müsse den Ausführungen des Kreisarztes wider
sprochen werden, dass ein solcher Unfallmechanismus eine Labrumläsion nicht auslösen könne. Gleichzeitig könne bei einer solchen Biomechanik eine Zerrung im Bereich des
Mus
c
ulus
pectoralis
sowie der
Bizepssehne
ausgelöst werden. Die Beschwerden nach einem solchen Trauma seien häufig primär nicht allein auf den hinteren oberen Gelenkanteil, sondern diffus auf das gesamte Schultergelenk sowie auf die gezerrten Muskelanteile verteilt. Im Rahmen einer klinischen Untersuchung am 20. Dezember 2019 hätten sich sowohl die typischen
Ausweichbewegungen als auch ein positiver Ausfall der für diese Verletzung spezifischen Tests (Palm-
up
/Speed sowie Bear-Hug/O’Brien)
gezeigt
. Allerdings habe der Untersucher aus dem positiven Ausfall dieser Tests nicht die entsprechenden diagnostischen Schlüsse gezogen. Im ersten MRI im Januar 2020 seien die entsprechenden Veränderungen nicht dargestellt oder nicht gesehen worden, jedoch im zweiten
Arthro
-MRI vom 9. November 2020 mit Darstellung einer Labrumirregularität mit Einziehungen im oberen hinteren Quadranten bis an den
Bizepsansatz
reichend. Somit sei der dringende Verdacht auf eine Labrum
läsion bildgebend bestätigt gewesen und habe folgerichtig zur Indikationsstellung für eine Arthroskopie mit Re-Fixation des gerissenen Labrums geführt. Der Verlauf der Beweglichkeit, des Kraftaufbaus und des Rückgangs der Beschwerden anlässlich der Dreimonatskontrolle nach besagter Operation spreche für eine korrekte Indikationsstellung und Durchführung des
arthroskopischen
Eingriffs. Im Bericht vom 18. März 2021 würden die im Rahmen der Untersuchung am 20. Oktober 2019 vorgefundenen positiven Tests nicht erwähnt und somit in die Beurteilung der Unfallkausalität nicht einbezogen. Die in diesem Fall vorliegende Verschleppung der Diagnose sowie das Nicht-Ansprechen auf die physiothera
peutischen Massnahmen sei typisch für diese Verletzung, die bei den jeweiligen Untersuchungen vorgefundene milde AC-Gelenksarthrose sowie degenerative Veränderungen im Bereich der
Rotatorenmanschette
seien unf
allunabhängig und vorbestehend (S. 6).
Zusammenfassend sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die intraoperativ vorgefundene Labrumläsion als unfallkausal anzusehen sei, ebenso die durchgeführte
arthroskopische
Re-Fixation des gerissenen Labrums (S. 7).
4.
4.1
Der Umfang der Leistungspflicht beziehungsweise die Frage, bis zu welchem Zeit
punkt die Beschwerdegegnerin leistungspflichtig ist, beurteilt sich insbesondere danach, ob die anhaltenden Beschwerden
in der rechten Schulter sowie die Operation vom 1. Dezember 2020 nach wie vor in einem Kausalzusammenhang zum Unfallereignis vom 4. Oktober 2019 stehen.
Die Beschwerdeführerin machte insbesondere gestützt auf die Beurteilung durch Dr.
A._
geltend,
die Diagnose einer Labrumläsion sei nicht korrekt erkannt und verspätet gestellt worden
(E. 2.2)
.
Dr.
A._
wies zutreffend darauf hin, dass anlässlich der Untersuchung vom
20. Dezember 2019
die für eine Labrumläsion spezifischen Tests positiv ausge
fallen sind (vgl. E. 3.3). Zu beachten ist jedoch
, dass dieselben SLAP-Tests am 10. Februar 2020
wie auch 17. September 2020
ein negatives Resultat zeigten (E. 3.5
-6
). Hinzu kommt, dass
die ersten Tests durch den Allgemeinpraktiker und Hausarzt Dr.
F._
durchgeführt worden waren (E. 3.3), die
späteren
Unter
suchung
en
im Februar
und September
2020 hingegen durch den Orthopädischen Chirurgen Dr.
B._
(E. 3.5
-6
).
Zu berücksichtigen ist
sodann
auch
, dass
sowohl am 7. Januar 2020 als auch am 9. November 2020 eine MRI
Arthrographie
der rechten Schulter durchgeführt wurde, wobei bei der ersten Untersuchung ausschliesslich degenerative Verände
rungen im Rahmen einer AC Gelenksarthrose festgestellt werden konnten (E. 3.4). Erst im November 2020 wurde zusätzlich eine sehr diskrete
labrale
Irregularität
festgestellt, wobei die Ärzte ausdrücklich darauf hinwiesen, dass die Anlage
variante von einer kleinsten Rissbildung nicht unterschieden werden könne. Mit anderen Worten blieb unklar, ob diese sehr diskrete
labrale
Irregularität tatsäch
lich auf einen Riss zur
ückzuführen war (E. 3.7).
Damit fielen die für eine Labrumläsion spezifischen Tests einmalig im Dezember 2019 positiv aus (E. 3.3), wohingegen sowohl spätere, durch einen orthopä
dischen Chirurgen durchgeführte Tests als auch eine erste MRI
Arthrographie
im Januar 2020 keine positiven Resultate zeigten (E. 3.4-3.7).
4.
2
Was die Beurteilung durch Dr.
A._
betrifft
(E. 3.13)
, stützte sich dieser insbe
sondere auf die
am 20. Oktober 2019 positiv ausgefallenen Tests. Auf die Unter
suchungen durch Dr.
B._
, welcher dieselben Tests mit negativem Resultat durchführte, ging Dr.
A._
hingegen nicht ein und erwähnte sie in seiner Beurteilung nicht. Ebenso wenig ging er auf die festgestellten degenerativen Veränderungen ein. Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht festgestellt hat,
verfasste
Dr.
A._
seine Beurteilung damit nicht unter Einbezug des gesamten medizinischen Sachverhaltes, weshalb nicht darauf abgestellt werden kann.
Dr.
C._
sodann legte seiner Beurteilung, wonach die Labrumläsion kausal mit dem Unfallereignis in Verbindung stehe, keine nachvollziehbar und plausible Begründung zugrunde (E. 3.9, E. 3.11). Seine Berichte vermögen daher nicht zu überzeugen.
4.
3
Zusammenfassend
kann
damit gestützt auf die nachvollziehbar und plausibel begründete Beurteilung durch den Kreisarzt Dr.
Z._
und
aufgrund der Tatsache, dass die für eine Labrumläsion spezifischen Tests lediglich einmal positiv ausfielen und sowohl die späteren Tests als auch eine erste MRI
Arthrographie
keine Hinweise für das Bestehen einer solchen ergaben, nicht mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen B
e
weisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit
von einem Kausalzusammenhang
zwischen dem Unfall vom 4. Oktober 2019 sowie der Labrumläsion
ausgegangen werden
. Selbst wenn gemäss den medizinisch-theoretischen Ausführungen von Dr.
A._
die Diagnose einer Labrum
läsion schwierig zu stellen ist und nicht selten übersehen wird, genügt dies im vorliegenden Fall nicht, um einen Kausalzusammenhang zu beweisen.
Damit kann offenbleiben, wie sich der Unfall genau ereignet hat und ob die Beschwerdeführerin seitlich rückwärts oder auf den nach hinten ausgestreckten Arm gestürzt ist.
Der angefochtene
Einspracheentscheid
vom 28. Juni 2021 erweist sich als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.