# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 260b8b8b-df0f-41ba-afeb-9e6ace699bac
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
A._
,
geboren am 24. November 1970 (Urk. 2/8) und verstorben am 2. März 2010 hatte
seit dem 1. Oktober 2008 bei der
B._
gearbeitet und war
bei der
Pensionskasse der
Z._
vorsorgev
ersichert. A
m 10. Oktober 2008
war
bei
A._
eine schwer
e Krankheit diagnostiziert worden
, welche seine
sofortige
vollständige Arbeitsunfähigkeit und seinen Tod am 2. März 2010 zur Folge hatte
. Das feste Jahresgehalt
A._
per 1. Juli 2009 betrug Fr. 236‘655.
(Urk. 10 S. 4).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach
A._
am 18. August 2011 mit Wirkung ab 1. Oktober 2009 bis 31. März 2010 basierend auf einem Invaliditätsgrad von 100 % eine ganze Rente der Invalidenversicherung zu (Urk. 11/5).
2.
Am
3. September 2012
erhoben
die Eltern von
A._
Klage gegen die
Pensionskasse der
Z._
mit dem Rechtsbegehren, die Beklagte sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu verpflichten, den Klägern das reglementarisch gegenüber ihrem am
2.
März 2012 verstorbenen Sohn zugesi
cherte Todesfallkapital an Hinterbliebene in der Höhe von Fr. 313‘943.-- nebst Zins zu 5 % seit
2.
März 2012 auszubezahlen (Urk. 1 S. 2).
In der Klageantwortschrift vom 22. Januar 2013 beantragte die Beklagte, es sei die Klage vollumfänglich abzuweisen (Urk. 10).
Im Rahmen des vom Gericht am 23. Januar 2013 angeordneten zweiten
Schrif
tenwechsels
(Urk. 12)
berichtigten die Klagenden mit
Replik vom 13. März 2013
das
Klagebegehren dahingehend
,
dass der Tod des Versicherten am 2. März 2010 eingetreten und ab ebendiesem Zeitpunkt Verzugsfolgen geschuldet seien (Urk. 15)
.
Die Beklagte ersuchte nach dem Ablauf der ihr mit Verfügung vom 14. März
2013
(Urk. 17) angesetzten Frist zur Duplik am 6. Mai 2013 um deren Wieder
herstellung (Urk. 19) und reichte am 10. Mai 2013 eine
Duplikschrift
nach (Urk. 20). Am 14. Mai 2013 wurde das Fristwiederherstellungsgesuch abgewie
sen und die
Duplikschrift
aus dem Recht gewiesen (Urk. 21)
.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
6 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen und Invalidenvorsorge (BVG) enthält der zweite Teil dieses Gesetzes
Mindestvor
schriften
. Dazu gehören die im
3.
Kapitel (
Art.
13 ff.) enthaltenen Bestimmun
gen über die Versicherungsleistungen. Mit diesen Bestimmungen hat der Gesetzgeber insbesondere auch die Leistungsarten und die
hiefür
geltenden Anspruchsvoraussetzungen geregelt, woran die Vorsorgeeinrichtungen im Sinne von Mindestvorschriften gebunden sind (BGE 121 V 104 E. 4a mit Hinweis).
1.2
Im Bereich der weitergehenden Vorsorge wird das Rechtsverhältnis zwischen der Vorsorgeeinrichtung und dem Vorsorgenehmer durch einen privatrechtli
chen Vorsorgevertrag begründet, der rechtsdogmatisch den
Innominatverträgen
(eigener Art) zuzuordnen ist (BGE 130 V 103 E. 3.3, 129 III 305 E. 2.2). Als sol
cher untersteht er in erster Linie den allgemeinen Bestimmungen des Obligatio
nenrechts. Das Reglement stellt den vorformulierten Inhalt des
Vorsorgevertra
ges
beziehungsweise dessen Allgemeine Versicherungsbedingungen (AVB) dar, denen sich der Versicherte ausdrücklich oder durch konkludentes Verhalten unterzieht (BGE 132 V 149 E. 5, 129 V 145 E. 3.1, 127 V 301 E. 3a). Dies schliesst nicht aus, dass im Einzelfall auch vom Reglement abweichende Abre
den getroffen werden können. Allerdings bedarf es
hiefür
einer entsprechenden Vereinbarung zwischen der Vorsorgeeinrichtung und dem versicherten Arbeit
nehmer (BGE 131 V 27 E. 2.1, 122 V 142 E. 4b).
1.3
Das Prinzip der Gleichbehandlung der Destinatäre bildet neben den Grundsätzen der Angemessenheit, Kollektivität und Planmässigkeit ein Strukturprinzip der weitergehenden beruflichen Vorsorge. Der Gleichbehandlungsgrundsatz findet auch bei reinen Ermessensleistungen Anwendung und schliesst nicht aus, dass unter den Destinatären nach objektiven Kriterien Kategorien gebildet werden
dürfen. Innerhalb der gebildeten Gruppen (beispielsweise im Rahmen verschie
dener Vorsorgepläne) sind die Destinatäre jedoch einander gleichzustellen. Dies gebietet auch der Grundsatz der Kollektivität, wonach jeweils alle Angestellten einer Kategorie einzubeziehen sind, was Einzellösungen oder Sonderregelungen entgegensteht. Planmässigkeit schliesslich bedeutet, dass sowohl die Finanzie
rung wie auch die Ausgestaltung der Leistungsseite in Statuten oder Reglement im Voraus nach schematischen Kriterien festzulegen sind (BGE 132 V 149 E. 5.2.5 mit Hinweisen).
1.4
Nach ständiger Rechtsprechung erfolgt die Auslegung der Vorsorgeverträge nach dem Vertrauensprinzip. Es ist darauf abzustellen, wie die zur Streitigkeit Anlass gebende Willenserklärung vom Empfänger in guten Treuen verstanden werden durfte und musste. Dabei ist nicht auf den inneren Willen des Erklären
den abzustellen, sondern auf den objektiven Sinn seines Erklärungsverhaltens. Der Erklärende hat gegen sich gelten zu lassen, was ein vernünftiger und kor
rekter Mensch unter der Erklärung verstehen durfte. Weiter sind die besonderen Auslegungsregeln bei Allgemeinen Geschäfts- oder Versicherungsbedingungen zu beachten, insbesondere die Unklarheits- und die Ungewöhnlichkeitsregel (BGE 132 V 149 E. 5, 130 V 80 E. 3.2.2, 122 V 142 E.
4c).
2.
2.1
Das Reglement der Pensionskasse der
Z._
, vom 1. Januar 2008 (Urk. 2/2, nachfolgend: Reglement) enthält unter dem Titel „einmaliges
Todes
fallkapital
“ (Ziffer 30) folgende Bestimmungen:
„
B
ei Ableben
eines
aktiven Versicherten
wird
ein Todesfallkapital fällig.
An
spru
ch auf d
a
s
Todesfallkapital haben die Hinterlassenen unabhängig vom Erb
recht nach
folgender Rangordnung:
a.
der überlebende Ehepartner
;
b.
bei dessen Fehlen die Kinder, die Anspruch auf eine Waisenrente haben;
c.
bei deren Fehlen diejenigen Personen, die vom verstorbenen Versicherten vor seinem Tode in erheblichem Masse unterstützt worden sind;
d.
bei deren Fehlen die Kinder des verstorbenen Versicherten, die die Voraus
setzungen nach
lit
. b nicht erfüllen, bei deren Fehlen die Eltern, bei deren Fehlen die Geschwister;
e.
bei deren Fehlen die gesetzlichen Erben, unter Ausschluss des Gemeinwe
sens.
“(Ziffer 30.1).
„
Die Höhe
des Todesfallkapitals
entspricht dem Wert des Alterskontos zum Zeit
punkt des Todes, vermindert um den Barwert der allfälligen Ehepa
rtner
rente bzw. Partnerrente, jedoch mindestens 150 % des versicherten Lohnes
“
(Ziffer 30.2).
„
Der Versicherte kann zuhanden der Stiftungsverwaltung
in einer schriftlichen
Erklärung festlegen, welche Personen innerhalb der
bezugsberechtigten
Gruppe gemäss Ziffern 30.1 b. - e. zu welchen Teilen Anspruch auf das Todesfallkapital haben. Liegt keine derartige Erklärung vor, so erfolgt die Aufteilung
innerhalb
der
bezugsberechtigten
Gruppe zu gleichen Teilen“ (Ziffer 30.3).
„Gelangt aus der Unfallversicherung des Arbeitgebers ein höheres
Todesfall
kapital
zur Auszahlung, so entfällt das Todesfallkapital; andernfalls wird es auf die angegebene Höhe ergänzt“ (Ziffer 30.4)
.
2.2
2.2.1
Die Aktivlegitimation der Klagenden zur
Geltendmachung
eines reglementa
rischen Todesfallkapitals
im Sinne der
Ziffer
n
30.1
und 30.3
des Reglements
sowie das Quantitativ des geltend gemachten Anspruchs
im Sinne von Ziffer 30.2
des Reglements
sind
aktenmässig belegt und
unbestritten. Strittig ist ein
zig, ob der Tod von
A._
als „Ableben eines aktiven Versicherten“ im Sinne
von Ziffer 30.1 des Reglements
zu qualifizieren ist.
2.
2.
2
Die Klagenden bringen vor, Ziffer 30 des massgebenden Vorsorgereglements der Beklagten (Reglement der Pensionskasse der
Z._
, vom 1. Januar 2008, Urk. 2/2) sehe bei Ableben eines aktiven Versicherten die Aus
richtung eines
Todesfallkapitals vor. Der Verstorbene habe bis zu seinem Able
ben Beiträge in vollem Umfang bezahlt, weshalb er im Zeitpunkt des Todes als noch aktiver Versicher
ter zu qualifizieren
sei
(Urk. 1 S. 6)
.
2.
2.
3
Dem hält die Beklagte entgegen, „aktiv“ sei grundsätzlich das Gegenteil von „verrentet“. Sobald das versicherte Ereignis eingetreten sei und der Versicherte Anspruch auf Leistungen habe, sei er nicht mehr „aktiv“. Der Status als
aktiver Versicherter werde mit
Entstehung
des Rentenanspruchs beendet (Urk. 10 S. 7)
3.
3.1
3.1.1
In seinem U
rteil 9C_767/2012 vom 2
2.
Mai 2013
beurteilte das Bundesgericht den Anspruch auf ein Todesfallkapital von Eltern einer bei der
Pensionskasse des Bundes PUBLIC
A versichert
gewesenen
Tochter. Die Verstorbene hatte sich
nachdem bei ihr am 26. November 2009 ein operativer Eingriff
in Form einer Tumorexzision durchgeführt worden war
am 31. März 2010 bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug angemeldet.
Am 30. Dezember 2010 verstarb die Versicherte infolge ihres Krebsleidens. Mit Verfügung vom 19. April 2011 sprach die IV-Stelle eine befristete ganze Invalidenrente für den Zeitraum zwi
schen 1. Oktober und 31. Dezember 2010 zu (vgl. Sachverhalt
lit
. A).
3.1.2
Der im vorliegenden Fall massgebliche Sachverhalt präsentiert sich insoweit gleich als:
der Verstorbene im Zeit des Eintritts der bis zum Tod
andauernden
vollstän
digen Arbeitsunfähigkeit bei der Beklagten vorsorgeversichert war und
die zuständige IV-Stelle der Invalidenversicherung dem Verstorbenen nach dessen Tod rückwirkend eine befristete ganze Rente für die Zeit
ab Ablauf des Wartejahrs (
Art.
28
Abs.
1
lit
. b des Bundesgesetzes über die Invaliden
versicherung, IVG) zusprach.
3.2
3.2.1
I
m Urteil 9C_767/2012
prüfte
das Bundesgericht
die Frage, ob die Verstorbene noch vor ihrem Tod als „rentenbeziehend“ im Sinne des Vorsorgereglements zu qualifizieren sei (E. 3 Ingress) und bejahte sie wegen der rückwirkenden
Renten
zusprache
der Invalidenversicherung für die Zeit zwischen Ablauf der Wartezeit und Eintritt des Todes (E. 3.9).
3.2.2
Im vorliegenden Fall macht
die Beklagte geltend, dass der Verstorbene wegen der rückwirkenden
Rentenzusprache
der Invalidenversicherung für die Zeit zwischen Ablauf der Wartezeit und Eintritt des Todes im Zeitpunkt des Todes
als
rentenbeziehend
zu qualifizieren sei (vgl. E. 2.3.3).
3.3
3.3.1
Entscheidend für den Anspruch auf das Todesfallkapital war die rückwirkende
Rentenzusprache
im Urteil 9C_767/2012 deshalb, weil das massgebliche
Vorsor
gereglement
(Vorsorgereglement für die Angestellten und die
Rentenbeziehen
den
des Vorsorgewerks Bund, VRAB, SR 172.220.141.1) zwischen
Hinterlasse
n
en
leistungen
unterscheide, welche
nach dem Tod einer versicherten oder rentenbeziehenden Person entstehen und
solchen
, die beim Tod einer versicherten (und nicht rentenbeziehenden
) Person entstehen. Erstere seien
Ehe
gatten-,
Lebenspartner- und Waisenrenten
, letztere
die
Todesfallkapitalien für
bestimmte
hinterbliebene
Personen, u.a. die Eltern
. Es we
rd
e
somit differenziert, je nach
dem, ob ein Vorsorgefall eingetreten
sei oder nicht (vgl. E. 3.3)
.
3.3.2
Im hier massgeblichen Reglement erfolgt eine Differenzierung zwischen
Hinter
lassen
en
leistungen
beim Tod von Altersrentenbezügern (Ziffer 24
),
beim Tod von Versicherten
im
Allgemeinen
(Ziffer 28 und 29)
und beim Tod von aktiven Versicherten (Ziffer 30). In diesem Kontext ist es naheliegend, dass auch die Differenzierung zwischen
Versicherten im Allgemeinen und aktiven Versicher
ten davon abhängt,
ob ein Vorsorgefall eingetreten
ist
oder nicht
. D
ies umso mehr
,
als
der
Begriff
des
aktive
n
Versicherte
n im
übrigen
nur noch im Zusam
menhang
der Wohneigentumsförderung
(Ziffer 20.1)
verwendet
wird
, und ein Anspruch auf eine Freizügigkeitsleistung
im Sinne von
Art.
2
Abs.
1 des
Bundesgesetz
es
über die Freizügigkeit in der beruflichen Alters-, Hinterl
asse
nen- und Invalidenvorsorge (
FZG)
und
Art.
30b
und 30c BVG
, welche hi
erfür ein
gesetzt werden könnte,
nur so lange
besteht
, als noch kein Vorsorgefall ein
getreten ist.
3.4
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die tatsächlichen und reglementari
schen Gegebenheiten im vorliegenden Fall - soweit
entscheidwesentlich
- den
jenigen im Bundesgerichtsurteil 9C_767/2012 entsprechen, wes
halb auch die
Frage, ob
der Verstorbene, welcher
im Zeitpunkt seines Todes
Anspruch auf eine Invalidenrente hatte, noch als aktiver Versicherter im Sinne von Ziffer 30 des Reglements zu qualifizieren ist, im Sinne der höchstrichterlichen Rechtspre
chung verneint werden muss.
Demzufolge ist die Klage abzuweisen.
4.
Eine Minderheit des Gerichts hat ihre abweichende Meinung zum Ausgang des Verfahrens zu Protokoll gegeben (vgl. Prot.
S.
5 in Verbindung mit Urk. 26
)
.