# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** ab1231b8-8278-5cf2-96cc-9335a68fb521
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin mietet in Hinterkappelen das Gebäude U._strasse 3
für den Betrieb einer Telefonzentrale. Es befindet sich auf der Parzelle Wohlen bei Bern
Grundbuchblatt Nr. V._. An der südöstlichen Ecke des Gebäudes steht ein rund
28 m hoher freistehender Antennenmast. Er ist Teil der seit 2004 bestehenden
Mobilfunksendeanlage der Beschwerdegegnerin. Die Eigentümerin der Parzelle
Nr. V._, die W._ AG, beabsichtigt, das Gebäude U._strasse 3 zu
RA Nr. 110/2017/154 2
Wohnzwecken aufzustocken und an das angrenzende AD._ "X._" an der
U._strasse 1 anzubauen. Das AD._ Z._ wird von der ZZ._
AG betrieben. Es liegt auf dem Grundstück Nr. Y._, das ebenfalls im Eigentum der
W._ AG steht. Im Vorfeld des Aufstockungsprojekts passte die Gemeinde im Jahr
2016 im geringfügigen Verfahren nach Art. 122 Abs. 7 BauV1 das Nutzungsmass der
Überbauungsordnung "Z._ Hinterkappelen" sowie das GBR2 zur ZPP Nr. 4
"AA._ / AB._ / AC._, Hinterkappelen", an.3 Das
Aufstockungsprojekt des Gebäudes U._strasse 3 ist Gegenstand eines separaten
Baubewilligungsverfahrens.
2. Am 11. April 2017 reichte die Beschwerdegegnerin bei der Gemeinde Wohlen bei Bern
ein Baugesuch ein. Sie plant, den bestehenden Antennenmast an der südöstlichen
Gebäudeecke abzubrechen und weiter nordwestlich auf dem Flachdach des
aufzustockenden Gebäudes U._strasse 3 auf der Parzelle Nr. V._ wieder
aufzustellen. An der Mastspitze sollen drei neue Antennenmodule des Typs
Kathrein 80010867 montiert werden.4 Der Anlagestandort befindet sich in der Zone mit
Planungspflicht (ZPP) Nr. 4, für welche die Überbauungsordnung "Z._,
Hinterkappelen" gilt. Gegen das Bauvorhaben erhoben unter anderen die
Beschwerdeführenden Einsprache. Mit Gesamtentscheid vom 15. November 2017 erteilte
die Gemeinde Wohlen bei Bern für das Vorhaben die Baubewilligung.
3. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 10. Dezember 2017 Beschwerde bei
der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragen die
Aufhebung des Gesamtbauentscheides vom 15. November 2017 und die Verweigerung der
Baubewilligung. Sie erheben einerseits formelle Rügen und machen andererseits geltend,
die Anlage verstosse gegen Gestaltungsvorschriften. In den Schlussbemerkungen vom
5. April 2018 machen die Beschwerdeführenden zudem geltend, der Fachbericht
1 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1) 2 Baureglement der Gemeinde Wohlen vom 24. März 2010, genehmigt durch das Amt für Gemeinden und Raumordnung am 11. März 2011 3 Vgl. Genehmigungsverfügungen des Amts für Gemeinden und Raumordnung (AGR) vom 26. Oktober 2016 4 Vgl. Ziffer 5.5 der Vorakten der Gemeinde Wohlen, Standortdatenblatt vom 23. Dezember 2016, Revision 1.12, Zusatzblatt 2: Technische Angaben zu den Sendeantennen für Mobilfunk und drahtlose Teilnehmeranschlüsse der Anlage
RA Nr. 110/2017/154 3
Immissionsschutz des beco vom 26. Juni 2017 sei fehlerhaft und könne nicht als
Entscheidungsgrundlage herangezogen werden.
4. Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 15. Januar 2018
die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf eingetreten werden könne. An diesem
Rechtsbegehren hält sie in den Stellungnahmen vom 19. März 2018 und 9. April 2018 fest.
Auch die Gemeinde Wohlen schliesst in ihren Stellungnahmen vom 11. Januar 2018, 6. März
2018 und 6. April 2018 auf Abweisung der Beschwerde.
5. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet5, führte den
Schriftenwechsel durch und holte bei der Gemeinde die Vorakten ein. Zudem holte es einen
Fachbericht der kantonalen Kommission zur Pflege der Orts- und Landschaftsbilder (OLK)
ein. Die Parteien erhielten Gelegenheit, sich zum Verfahren zu äussern und
Schlussbemerkungen einzureichen. Auf die Rechtsschriften, die vorliegenden Akten sowie
den Fachbericht der OLK vom 20. Februar 2018 wird, soweit für den Entscheid relevant, in
den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG6. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide können
nach Art. 40 Abs. 1 BauG7 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei der BVE
angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen den
Gesamtentscheid zuständig.
5 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 6 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 7 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen, die Baugesuchsteller, die
Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG i.V.m.
Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführenden, deren Einsprachen abgewiesen wurden,
sind durch den vorinstanzlichen Gesamtentscheid beschwert. Der Perimeter der Einsprache-
und Beschwerdelegitimation wird vorliegend durch einen Kreisradius von rund 703 m um die
geplante Mobilfunkanlage gebildet.8 Laut dem angefochtenen Entscheid befinden sich alle
Einsprechenden innerhalb dieses Kreises. Als unterlegene Einsprechende haben sie ein
schutzwürdiges Interesse im Sinne von Art. 65 Abs. Bst. c VRPG9 an der Aufhebung oder
Änderung der angefochtenen Verfügung. Die Beschwerdeführenden sind daher zur
Beschwerde legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten.
2. Befangenheit
a) Die Beschwerdeführenden rügen unter dem Titel "rechtliches Gehör" zunächst, die
Gemeinde sei befangen. Dies komme einerseits im angefochtenen Entscheid zum Ausdruck.
Darin seien wörtlich die Argumente der Beschwerdegegnerin übernommen worden. Das
zeige, dass sich die Gemeinde Wohlen durch die Grösse der Beschwerdegegnerin habe
einschüchtern lassen. Andererseits bestehe zwischen dem Aufstockungsprojekt des
Gebäudes U._strasse 3 und der geplanten Versetzung der Mobilfunkanlage ein
direkter Zusammenhang. Die Gemeinde Wohlen habe die Baubewilligung für die Versetzung
der Antennenanlage erteilen müssen, damit sie das von ihr angestossene Projekt
(Komplettierung der ZPP Nr. 4 und Schaffung zusätzlicher Pflegeplätze, Alterswohnungen
und Wohneinheiten) umsetzen könne.
b) Die Gemeinde argumentiert, sie habe weder ein ideelles noch ein finanzielles Interesse
an der Versetzung der Antenne oder der Aufstockung des Gebäudes. Sie sei weder
Baurechtsgeberin noch Grundeigentümerin noch verlaufe ein Wegrecht oder dergleichen
über die Bauparzelle. Auch sei sie nicht Teilhaberin oder Aktionärin bei den beiden
Bauherrschaften. Die Erteilung der Baubewilligung sei auch nicht auf eine angebliche
8 Vgl. Ziffer 5.5 der Vorakten der Gemeinde Wohlen, Standortdatenblatt vom 23. Dezember 2016, Revision 1.12, S. 5, Ziffer 6 9 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
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Übermacht der Beschwerdegegnerin zurückzuführen. Die Aufstockung des Gebäudes
U._strasse 3 könne unabhängig von der Mobilfunkanlage realisiert werden.
c) Bei der Rüge der Befangenheit handelt es sich um ein Verfahrensthema, das losgelöst
vom Gehörsanspruch behandelt werden kann. Mit der Rüge der Befangenheit machen die
Beschwerdeführenden sinngemäss eine Verletzung von Art. 9 VRPG geltend. Art. 9 VRPG
regelt, wann eine Person wegen Befangenheit in den Ausstand treten muss.
Ausstandgründe müssen nach der Rechtsprechung sofort, d.h. ab Kenntnis der
Befangenheit, gerügt werden.10 Da die Beschwerdeführenden den Akten zufolge von der
angeblichen Befangenheit der Gemeinde bereits im vorinstanzlichen Verfahren Kenntnis
hatten, ist ihre Rüge verspätet; darauf kann nicht eingetreten werden. Selbst wenn auf die
Rügen eingetreten werden könnte, wäre sie unbegründet. Ausstands- und
Ablehnungsgründe können bloss gegen einzelne Mitglieder einer Behörde und gegen
Personen, die eine Verfügung oder einen Entscheid zu treffen haben, gerichtet werden, nicht
aber gegen eine Behörde als solche.11 Das Gleiche ergibt sich aus Art. 47 GG12, der die
Ausstandspflicht für die Mitglieder und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommunaler
Behörden umschreibt. Die Gemeinde als solche kann somit von vornherein nicht
Gegenstand eines Ablehnungsbegehrens sein. Eine Befangenheit einzelner
Behördemitglieder machen die Beschwerdeführenden nicht geltend und ist auch nicht
ersichtlich.
d) Weiter ist der Aspekt der Befangenheit im Zusammenhang mit der Regelung von
Art. 8 Abs. 2 Bst. d BewD13 relevant. Danach ist die Zuständigkeit der Gemeinde für die
Erteilung der Baubewilligung ausgeschlossen für Bauvorhaben, die für Zwecke der
Gemeinde bestimmt sind. Dabei geht es darum, den Anschein zu vermeiden, die
Bewilligungsbehörde entscheide in eigener Sache. Die Bestimmung ist daher nicht nur
anwendbar, wenn es um Bauvorhaben wie Schulhäuser, Verwaltungsgebäude für die
Gemeinde und dergleichen geht, sondern stets dann, wenn die Gemeinde am Vorhaben ein
so starkes Interesse hat, dass ihre Unbefangenheit als gefährdet erscheint.14 Das ist
10 BVR 2005 S. 561 E. 4.1; BGE 141 III 210 E. 5.2, 136 I 207 E. 3.4 11 BVR 2002 S. 426 E. 1b/bb; VGE 2012/283 vom 15.5.2013, E. 1.2; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 9 N. 7 12 Gemeindegesetz vom 16. März 1998 (GG; BSG 170.11) 13 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 14 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 33 N. 3 mit weiteren Hinweisen
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beispielsweise der Fall bei Bauvorhaben Dritter auf gemeindeeigenem Boden oder wenn die
Gemeinde sonst wie aus der Bewilligung direkte finanzielle Vorteile zieht. Eine derartige
Konstellation liegt hier aber nicht vor: Die Gemeinde zieht weder aus der Baubewilligung für
das Aufstockungsprojekt noch aus der Baubewilligung für das Versetzen der
Mobilfunkanlage direkte finanzielle Vorteile. Sie ist weder Eigentümerin der Bauparzelle Nr.
V._ noch Baurechtsgeberin. Auch hält die Gemeinde keine Beteiligungen an der
Bauherrschaft oder an der Eigentümerin des Baugrundstücks. Zudem kann hier auch der
Umstand, dass die Gemeinde im Jahr 2016 eine geringfügige Anpassung der
Überbauungsordnung "Z._, Hinterkappelen" sowie des GBR vornahm, die
Zuständigkeit der Gemeinde nicht ausschliessen. Wäre dem so, könnte sie für alle
Bauprojekte, die sich in geringfügig angepassten Überbauungsordnungen befänden, keine
Baubewilligungen mehr erteilen. Das entspricht nicht dem Sinn und Zweck der Regelung von
Art. 8 Abs. 2 Bst. d BewD. Bloss indirekte Vorteile an einem Bauprojekt, wie etwa der Erhalt
oder die Schaffung von zusätzlichen Arbeitsplätzen oder zusätzlichen Pflegeplätzen in der
Gemeinde, können nicht zu einer Verschiebung der Zuständigkeit führen. Ein Verstoss
gegen die Regelung von Art. 8 Abs. 2 Bst. d BewD liegt somit nicht vor.
e) Nicht gefolgt werden kann schliesslich der Auffassung der Beschwerdeführenden, die
Gemeinde habe die Baubewilligung für das Versetzen der Mobilfunkanlage erteilen müssen,
damit das Aufstockungsprojekt umgesetzt werden kann. Vorliegend kann das
Aufstockungsprojekt unabhängig vom Ausgang des Baubewilligungsverfahrens betreffend
die Versetzung der Mobilfunkanlage beurteilt werden. Denn die Beschwerdegegnerin ist als
Betreiberin der bestehenden Mobilfunksendeanlage nach Anhang 1 Ziffer 65 NISV15
verpflichtet, die Anlagegrenzwerte auch in neuen Gebäuden einzuhalten. Das bedeutet, dass
die Beschwerdegegnerin die Sendeleistung der bestehenden Antennen reduzieren oder
deren Senderichtungen verändern muss, wenn der Anlagegrenzwert in den neu
aufgestockten Wohneinheiten nicht eingehalten ist. Dazu braucht die Mobilfunksendeanlage
nicht versetzt zu werden. Es steht der Beschwerdegegnerin indessen frei, in solchen Fällen
eine Versetzung des Anlagestandorts aus funktechnischen Gründen zu prüfen, so wie sie
das mit dem vorliegenden Baugesuch getan hat. Für eine Versetzung der Anlage aufgrund
der Aufstockung des Gebäudes U._strasse 3 besteht jedoch weder ein rechtlicher
noch tatsächlicher Zwang. Es liegen somit keine Umstände vor, die objektiv den Anschein
15 Verordnung des Bundesrats vom 23. Dezember 1999 über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NISV; SR 814.710)
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der Befangenheit der Gemeinde erwecken könnten. Die Beschwerde erweist sich in diesem
Punkt als unbegründet, soweit darauf eingetreten werden kann.
3. Rechtliches Gehör
a) Die Beschwerdeführenden kritisieren weiter, ihnen sei der Fachbericht des beco, auch
auf Anfrage hin, nicht zugestellt worden. Zudem bringen sie pauschal vor, die Gemeinde
habe die Argumentation der Beschwerdegegnerin übernommen, ohne auf ihre
Einsprachepunkte einzugehen. Auch sei die Gemeinde auf die geforderte Sistierung des
Verfahrens, da die Aufstockung des Gebäudes U._strasse 3 weder bewilligt noch
gebaut sei, nicht eingegangen.
b) Die Gemeinde bemerkt, die Beschwerdeführenden hätten ihr Recht auf Akteneinsicht
gemäss Art. 23 VRPG wahrnehmen und so Kenntnis vom Inhalt des Fachberichts des beco
vom 26. Juni 2017 erhalten können. Es sei zudem ein Schriftenwechsel durchgeführt
worden. Eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör liege nicht vor.
c) Die Kritikpunkte der Beschwerdeführenden, d.h. die fehlende Aktenzustellung, die
fehlende Behandlung von Einsprachepunkten sowie die fehlende Behandlung der
Verfahrenssistierung, betreffen die Thematik des Gehörsanspruchs (Art. 21 ff. VRPG).
Dieser verleiht den Parteien das Recht, sich zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise
beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu
werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich
zumindest zum Beweisergebnis zu äussern. Er umfasst insbesondere auch das Recht der
Parteien, von jedem eingereichten Aktenstück Kenntnis zu nehmen und sich dazu äussern
zu können, und zwar unabhängig davon, ob dieses Aktenstück neue Tatsachen oder
Argumente enthält.16 Den Parteien im Baubewilligungsverfahren sind die verfahrensleitenden
Verfügungen, die Amts- und Fachberichte sowie die Stellungnahmen der Gegenpartei
zuzustellen, so dass diese Gelegenheit haben, sich dazu zu äussern, sofern sie dies als
16 BGE 133 I 100, Regeste und E. 4.3 ff.
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erforderlich erachten.17 Der Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt zudem eine sorgfältige
Prüfung und Berücksichtigung der Vorbringen der in ihrer Rechtsstellung Betroffenen durch
die Behörde. Die Vorbringen müssen bei der Entscheidfindung berücksichtigt werden.
Daraus folgt die Verpflichtung der Behörde, ihre Verfügung zu begründen (Art. 52 Abs. 1
Bst. b VRPG). Eine Begründung muss so abgefasst sein, dass die Betroffenen die
Verfügung sachgerecht anfechten können. Es müssen wenigstens kurz die Überlegungen
genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid
stützt. Die Behörde muss jedoch nicht auf jedes Argument der Parteien eingehen; es genügt,
wenn sie sich mit den wesentlichen Gesichtspunkten auseinandergesetzt hat.18 Der
Anspruch auf rechtliches Gehör ist ein formeller Anspruch; die Verletzung des rechtlichen
Gehörs führt deshalb grundsätzlich zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids. Eine
Gehörsverletzung kann aber dann geheilt werden, wenn die Rechtsmittelinstanz dieselbe
Kognition hat wie die Vorinstanz und der beschwerdeführenden Person aus der Heilung kein
Nachteil erwächst. Bei besonders schwerwiegenden Gehörsverletzungen schliesst die
Rechtsprechung jedoch eine Heilung grundsätzlich aus.19 Die Heilung des rechtlichen
Gehörs ist allenfalls bei der Kostenverlegung zu berücksichtigen.20
d) Nachdem das Vorhaben in der Ausgabe vom 9. und 14. Juni 2017 des Anzeigers
Region Bern publiziert wurde, verfasste das beco den Fachbericht Immissionsschutz. Dieser
datiert vom 26. Juni 2017 und ging nach den Akten am 29. Juni 2017 bei der Gemeinde
Wohlen ein. In der Folge teilte die Gemeinde der Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom
17. Juli 2017 mit, dass gegen das Bauvorhaben Einsprachen und Rechtsverwahrungen
eingereicht worden sind und der Fachbericht des beco vom 26. Juni 2017 sowie der
Fachbericht Brandschutz der GVB vorlägen. Die Einsprachen, Rechtsverwahrungen sowie
die Amts- und Fachberichte stellte die Gemeinde Wohlen nur der Beschwerdegegnerin zu.
Gleichzeitig erteilte die Gemeinde wiederum nur der Beschwerdegegnerin ausdrücklich die
Möglichkeit, zu den Amts- und Fachberichten Stellung zu nehmen. Die
Beschwerdeführenden, die sich zwischenzeitlich als Einsprechende am
Baubewilligungsverfahren beteiligten, erhielten demgegenüber bloss Kenntnis von den Fach-
und Amtsberichten. Weder wurde ihnen der Fachbericht des beco zugestellt, noch erhielten
17 BVR 2009 S. 328 E. 2.4; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 38/39 N. 9b; Urs Eymann, Das rechtliche Gehör im erstinstanzlichen Baubewilligungsverfahren, KPG-Bulletin 2/2006 S. 47 ff. 18 BVR 2013 S. 443 E. 3.1.1; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 52 N. 5 f. 19 BVR 2012 S. 28 E. 2.3.5; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 21 N. 16 20 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 108 N. 9
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sie die Möglichkeit – im Gegensatz zur Beschwerdegegnerin –, sich zum Fachbericht des
beco zu äussern, obwohl sie in ihrer Einsprache besonders Rügen betreffend die
nichtionisierende Strahlung vorbrachten. Dieses Vorgehen der Gemeinde widerspricht dem
Gebot der Fairness und dem Grundsatz der Gleichbehandlung der Verfahrensbeteiligten
gemäss Art. 29 Abs. 1 BV21. Da die Gemeinde den Beschwerdeführenden den Fachbericht
des beco vom 26. Juni 2017 nicht zustellte und ihnen auch die Möglichkeit zur Anhörung
nicht gewährte, verletzte sie auch den Anspruch der Beschwerdeführenden auf rechtliches
Gehör. Das Rechtsamt der BVE hat den Beschwerdeführenden mit Instruktionsverfügung
vom 21. März 2018 sowohl den Fachbericht Immissionsschutz des beco vom 26. Juni 2017
als auch das Schreiben des beco vom 10. Oktober 2017 zur Einsicht und Stellungnahme
zugestellt. Die Verletzung der erwähnten Verfahrensgarantien (Recht auf ein faires
Verfahren und Gehörsverletzung) wurde damit im Beschwerdeverfahren geheilt. Die Heilung
ist allerdings bei der Kostenverlegung zu berücksichtigen (vgl. Erwägung 7).
e) Nicht gefolgt werden kann der Kritik der Beschwerdeführenden, die Gemeinde sei auf
die Einsprachepunkte nicht oder nur ungenügend eingegangen. Vorliegend geht aus dem
angefochtenen Entscheid hervor, dass die Gemeinde die einzelnen Rügepunkte detailliert
prüfte. Damit ist die Gemeinde ihrer Begründungspflicht genügend nachgekommen. Es ist
nicht erforderlich, dass sich die entscheidende Behörde ausdrücklich mit jedem rechtlichen
Einwand auseinandersetzt; sie kann sich vielmehr auf die für den Entscheid wesentlichen
Gesichtspunkte beschränken.22 Dass die Gemeinde im Ergebnis der Auffassung der
Beschwerdegegnerin folgte, ist nicht ungewöhnlich, sondern entspricht der Natur eines
Mehrparteienverfahrens.
Nicht vertieft behandelt werden muss schliesslich der Einwand, die Gemeinde sei auf die
Sistierung des Verfahrens im angefochtenen Entscheid nicht eingegangen. Den Akten kann
nirgends entnommen werden, dass die Beschwerdeführenden einen förmlichen Antrag auf
Sistierung des Verfahrens stellten. Fehlt ein Antrag, kann darüber auch nicht entschieden
werden. Überdies stellten die Beschwerdeführenden auch im Beschwerdeverfahren keinen
Antrag auf Sistierung des Verfahrens. Eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör
liegt somit nicht vor.
21 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) 22 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 52 N. 6
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4. Einigungsverhandlung
a) Zudem monieren die Beschwerdeführenden, die Gemeinde habe kein
Bereinigungsgespräch organisiert, obwohl sie dies verlangt hätten. Demgegenüber führt die
Gemeinde aus, die Beschwerdeführenden hätten erstens gar kein Bereinigungsgespräch
beantragt. Und zweitens sei sie gemäss Art. 34 BewD nicht verpflichtet gewesen, ein
Bereinigungsgespräch zu organisieren, sogar wenn dies von den Beschwerdeführenden
beantragt worden wäre.
b) Nach Art. 34 Abs. 1 BewD kann die Baubewilligungsbehörde eine
Einigungsverhandlung durchführen, sofern die Beteiligten nicht darauf verzichten. Dies
bedeutet, dass die Baubewilligungsbehörde nicht zu einer Verhandlung einladen muss, wenn
sie es nicht für notwendig erachtet. Die Verfahrensbeteiligten haben somit keinen Anspruch
auf die Durchführung einer Einigungsverhandlung, da das Baubewilligungsdekret das
Abhalten einer solchen ins Ermessen der Bewilligungsbehörde stellt. Der Verzicht auf die
Einigungsverhandlung kann vorab dann sinnvoll sein, wenn die Aussicht auf eine Einigung
äusserst gering ist. Beurteilt die Bewilligungsbehörde eine Einigungsverhandlung als
aussichtslos, darf sie selbst dann auf die Durchführung verzichten, wenn sowohl
Bauherrschaft als auch Einsprechende eine Verhandlung wünschen.
c) Im vorliegenden Fall erachtete die Gemeinde den Verhandlungsspielraum zwischen
den Parteien offenbar als gering und verzichtete darauf, eine Einigungsverhandlung durch-
zuführen. Sie hat damit von ihrem rechtlich vorgesehenen Ermessensspielraum Gebrauch
gemacht. Eine Verletzung von Art. 34 Abs. 1 BewD oder des Gehörsanspruchs (Art. 26 Abs.
2 KV und Art. 21 ff. VRPG) liegt nicht vor. Die Beschwerde erweist sich auch in diesem
Punkt als unbegründet.
5. Immissionsschutz / Abnahmemessungen
a) Die Beschwerdeführenden rügen in den Schlussbemerkungen vom 5. April 2018, der
Fachbericht Immissionsschutz des beco vom 26. Juni 2017 sei fehlerhaft. Darin verlange das
beco mit einer Auflage am OMEN Nr. 6 (Ort mitempfindlicher Nutzung) nach Inbetriebnahme
der Mobilfunkanlage die Durchführung einer Abnahmemessung. Gemäss dem
Standortdatenblatt vom 23. Dezember 2016, Revision 1.12, betrage dort die berechnete
RA Nr. 110/2017/154 11
elektrische Feldstärke bloss 3.55 V/m, womit es sich um keinen abnahmerelevanten OMEN
handle. Hingegen müssten an den OMEN Nr. 3 und 8 Abnahmemessungen durchgeführt
werden, weil dort der Anlagegrenzwert von 5 V/m zu 80% ausgeschöpft sei. Dort betrage die
elektrische Feldstärke 4.77 V/m (OMEN Nr. 3) und 4.94 V/m (OMEN Nr. 8). Die
Beschwerdeführenden stellen aufgrund dieses Fehlers den Fachbericht des beco vom 26.
Juni 2017 als Ganzes infrage. Sie betrachten zudem den angefochtenen Gesamtentscheid
als nichtig. Mit diesem sei der Fachbericht des beco zum integrierenden Bestandteil der
Baubewilligung erklärt worden. Sie beantragen, den Fachbericht Immissionsschutz vom
26. Juni 2016 nicht als Entscheidgrundlage zu akzeptieren.
Bezugnehmend auf die Stellungnahme des beco vom 10. Oktober 2017 weisen die
Beschwerdeführenden darauf hin, dass der OMEN Nr. 6 gemäss dem Standortdatenblatt
vom 20. September 2013, Revision 1.38, als "geplantes Bauprojekt westlich" beschrieben
worden sei. Diese Beschreibung sei falsch, weil im Zeitpunkt der Erstellung des
Standortdatenblatts das "geplante Bauprojekt westlich" bereits realisiert worden sei. Es
könne demzufolge nicht von einem geplanten Projekt und einer unbekannten Bauweise der
Gebäudehülle, wie das im Zusatzblatt 4a des Standortdatenblattes vom 20. September
2013, Revision 1.38, beschrieben sei, gesprochen werden. Unter diesen Umständen stelle
sich die Frage, ob beim OMEN Nr. 6 gemäss dem Standortdatenblatt vom 20. September
2013, Revision 1.38, eine Messung angeordnet werden müsse, zumal die letzte Messung
laut beco am 25. Oktober 2007 stattgefunden haben soll. Zwecks Vergleichbarkeit verlangen
die Beschwerdeführenden zudem, dass die OMEN im Standortdatenblatt vom 23. Dezember
2016, Revision 1.12, gleich nummeriert werden wie die OMEN im Standortdatenblatt vom
20. September 2013, Revision 1.38. Ausserdem verlangen sie, es sei für die geplante
Mobilfunkanlage ein neues Standortdatenblatt sowie ein neuer Situationsplan mit den OMEN
zu erstellen.
b) Vorliegend ist zwischen der bestehenden und der neu geplanten Mobilfunkanlage zu
unterscheiden. Für die bestehende und sich heute in Betrieb befindende Mobilfunkanlage ist
das Standortdatenblatt vom 20. September 2013, Revision 1.38, massgeblich. Diese
Mobilfunkanlage ist nicht Gegenstand des vorliegenden Baubewilligungs- bzw.
Baubeschwerdeverfahrens. Soweit die Beschwerdeführenden die in Betrieb stehende
Mobilfunkanlage und deren Standortdatenblatt vom 20. September 2013, Revision 1.38,
kritisierten, kann auf ihre Beschwerde nicht eingetreten werden. Dennoch ist zur Bauweise
der Gebäudehülle Folgendes anzumerken: Diese ist relevant im Zusammenhang mit der
RA Nr. 110/2017/154 12
Abschirmung der Strahlung bei den OMEN. Denn beim Durchtritt durch die Gebäudehülle
wird die Strahlung je nach Art des Baustoffs mehr oder weniger stark abgeschirmt.23 Beim
OMEN Nr. 6 im Standortdatenblatt vom 20. September 2013, Revision 1.38, wurde für die
Gebäudedämpfung (in dB) ein Wert von "0" eingesetzt, weil von einer unbekannten
Gebäudehülle ausgegangen wurde. Die Berechnung des OMEN Nr. 6 erfolgte somit für den
schlechtest möglichen Fall, d.h. ohne Berücksichtigung einer Abschirmung. Selbst in diesen
Fall war der Anlagegrenzwert beim OMEN Nr. 6 eingehalten. Im Übrigen steht es den
Beschwerdeführenden frei, ihre Einwände oder Bedenken gegen die bestehende
Mobilfunkanlage auf der Parzelle Nr. V._ auf dem baupolizeilichen Weg zur Anzeige
zu bringen. Die Baupolizei ist Sache der zuständigen Gemeindebehörde (Art. 45 Abs. 1
BauG).
c) Thema des Beschwerdeverfahrens ist die geplante Mobilfunkanlage, die weiter
nordwestlich auf dem Flachdach des aufzustockenden Gebäudes U._strasse 3
platziert werden soll. Bevor eine Mobilfunkanlage neu erstellt, an einen andern Standort
verlegt oder am bestehenden Standort ersetzt wird, muss die Anlagebetreiberin der für die
Bewilligung zuständigen Behörde ein Standortdatenblatt einreichen (Art. 11 NISV). Mit dem
Standortdatenblatt gibt die Mobilfunkbetreiberin die technischen Daten einer geplanten
Anlage und die in der Umgebung zu erwartende Strahlung bekannt (Art. 11 NISV). Die
Strahlung kann in diesem Stadium des Verfahrens jedoch erst berechnet, nicht aber
gemessen werden, da die Anlage noch gar nicht existiert. Die Prognoserechnung kann daher
nicht alle Feinheiten der Strahlenausbreitung berücksichtigen. Aus diesem Grund muss nach
der Inbetriebnahme der Anlage eine Abnahmemessung durchgeführt werden, wenn gemäss
rechnerischer Prognose der Anlagegrenzwert an einem OMEN zu 80 % erreicht wird. In
begründeten Fällen kann die Behörde diese Schwelle auch niedriger ansetzen.24
d) Im vorliegenden Fall hat die Beschwerdegegnerin der Gemeinde das
Standortdatenblatt vom 23. Dezember 2016, Revision 1.12, eingereicht. Gestützt darauf kam
das beco im Fachbericht Immissionsschutz vom 26. Juni 2017 zum Ergebnis, dass die
23 Siehe dazu S. 25 der Vollzugsempfehlung zur NISV des Bundesamtes für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL; heute Bundesamt für Umwelt, BAFU) abrufbar unter: https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/elektrosmog/publikationen-studien/publikationen/mobilfunk--basisstationen.html 24 Siehe dazu Ziff. 2.1.8 Vollzugsempfehlung zur NISV des Bundesamtes für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL; heute Bundesamt für Umwelt, BAFU) abrufbar unter: https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/elektrosmog/publikationen-studien/publikationen/mobilfunk--basisstationen.html
https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/elektrosmog/publikationen-studien/publikationen/mobilfunk-und-wll-basisstationen.html https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/elektrosmog/publikationen-studien/publikationen/mobilfunk-und-wll-basisstationen.html https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/elektrosmog/publikationen-studien/publikationen/mobilfunk-und-wll-basisstationen.html https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/elektrosmog/publikationen-studien/publikationen/mobilfunk-und-wll-basisstationen.html
RA Nr. 110/2017/154 13
geplante Mobilfunkanlage die gesetzlichen Anforderungen erfüllt, der Anlagegrenzwert
rechnerisch bei sämtlichen OMEN eingehalten ist und das Vorhaben unter Auflagen bewilligt
werden kann. Unter dem Titel E, Auflagen, ordnete das beco im Fachbericht
Immissionsschutz vom 26. Juni 2017 – soweit hier von Interesse – Folgendes an: "Nach der Bauabnahme / Inbetriebnahme
1. Am folgenden OMEN gemäss Standortdatenblatt ist eine Abnahmemessung durchzuführen: 6
Werden die massgebenden Grenzwerte überschritten, ist die Mobilfunk-Basisstation innert einem
Monat in den rechtmässigen Zustand zu bringen. Dies muss messtechnisch belegt sein.
2. (...)"
Diese Auflage in Ziffer 1 des Fachberichts vom 26. Juni 2017, wonach beim OMEN Nr. 6
nach Inbetriebnahme der geplanten Anlage eine Abnahmemessung zur Kontrolle der
rechnerischen Prognose durchzuführen ist, beruht auf einem Irrtum. Nach dem
Standortdatenblatt vom 20. September 2013, Revision 1.38, das für die in Betrieb stehende
Mobilfunkanlage gilt, ist die Strahlung am OMEN Nr. 6 zwar am höchsten. Dieses
Standortdatenblatt ist für die geplante Anlage aber nicht relevant. Massgebend für die
geplante Anlage ist das Standortdatenblatt vom 23. Dezember 2016, Revision 1.12. Danach
ist der Anlagegrenzwert von 5 V/m aber bei den OMEN Nr. 3 und 8 zu mehr als 80 %
ausgeschöpft, wie das die Beschwerdeführenden zu Recht vorbringen.25 Die Ziff. 2.3 der
Nebenbestimmung des Gesamtentscheids der Gemeinde vom 15. November 2017 wird
deshalb angepasst. Es wird angeordnet, dass nach Inbetriebnahme der geplanten
Mobilfunkanlage an den OMEN Nr. 3 und 8 eine Abnahmemessung durchgeführt werden
muss. Diese Auflage ersetzt die Anordnung im Fachbericht Immissionsschutz des beco vom
26. Juni 2017 (vgl. Buchstabe E, Auflage, Ziffer 1 erster Satz). Der Mangel im Fachbericht
des beco vom 26. Juni 2017 ist somit korrigiert.
e) Der Irrtum des beco betrifft die Abnahmemessung und nicht die Frage, ob die geplante
Mobilfunkanlage nach der Prognoserechnung im Standortdatenblatt die Grenzwerte einhält.
Im vorliegenden Fall besichtigte das beco am 26. Juni 2017 die Umgebung des
Anlagestandorts26. Es kam zum Schluss, dass der Anlagegrenzwert bei sämtlichen OMEN
rechnerisch eingehalten ist. Es besteht keine Veranlassung, diese technische Beurteilung
des beco in Zweifel zu ziehen, zumal auch die Beschwerdeführenden nicht vorbringen, dass
die Anlage die Grenzwerte nicht einhält. Bei der Frage, ob die geplante Mobilfunkanlage
nach der rechnerischen Prognose die Grenzwerte einhält, kann somit auf die Beurteilung des
25 Vgl. Ziffer 5.5 der Vorakten der Gemeinde Wohlen, Standortdatenblatt vom 23. Dezember 2016, Revision 1.12, S. 4, Ziffer 5, Strahlung an den höchstbelasteten Orten mit empfindlicher Nutzung (OMEN) 26 Vgl. Ziffer 3.2 der Vorakten der Gemeinde Wohlen
RA Nr. 110/2017/154 14
beco abgestellt werden. Der Antrag der Beschwerdeführenden, es sei der Fachbericht des
beco vom 26. Juni 2017 nicht als Entscheidgrundlage heranzuziehen, ist unbegründet und
abzuweisen. Aufgrund der angeordneten Abnahmemessung nach Inbetriebnahme der
Anlage an den OMEN Nr. 3 und 8 ist sichergestellt, dass der Anlagegrenzwert von 5 V/m an
den höchstbelasteten OMEN eingehalten ist. Hinzu kommt, dass die Mobilfunkanlage die
Anforderungen an die Qualitätssicherung gemäss dem Rundschreiben des Bundesamts für
Umwelt vom 16. Januar 2006 erfüllt.27 Vor diesem Hintergrund sind die Befürchtungen und
Bedenken der Beschwerdeführenden, die Anlage entspreche den gesetzlichen
Anforderungen der NISV nicht, unbegründet. Es ist auch nicht nötig, die OMEN im
Standortdatenblatt vom 23. Dezember 2016, Revision 1.12, und im Situationsplan gleich zu
nummerieren wie im Standortdatenblatt vom 20. September 2013. Dafür besteht zum einen
keine rechtliche Grundlage. Zum anderen lassen sich die bestehende und die geplante
Anlage nicht ohne Weiteres miteinander vergleichen. Denn mit der geplanten Versetzung
des Anlagestandorts verändert sich die Lage der OMEN. Nach dem Gesagten ist die
geplante Mobilfunkanlage somit unter dem Gesichtspunkt des Immissionsschutzes
bewilligungsfähig.
6. Ortsbild- und Denkmalschutz
a) Die Beschwerdeführenden bringen schliesslich vor, die geplante Mobilfunkanlage führe
zu keiner guten Gesamtwirkung. Sie wirke sich negativ auf das Ortsbild und auf das
unmittelbar angrenzende Ortsbildschongebiet aus. Das Projekt sei die günstigste und
einfachste Lösung der Beschwerdegegnerin und widerspreche Art. 9 Abs. 1 BauG, Art. 17
Abs. 1 BauV28, Art. 14 und Art. 17 GBR. Es bestünden andere Standorte, die ebenfalls
geeignet wären und an denen das Ortsbild weniger beeinträchtigt würde. In ihren
Schlussbemerkungen halten die Beschwerdeführenden fest, von einer guten Gesamtwirkung
könne auch gestützt auf den Bericht der OLK nicht gesprochen werden. Um eine gute
Gesamtwirkung zu erreichen, müsse der Antennenmast mindestens um 1 m bis 4 m
reduziert werden. Dadurch könne die Anlage von den öffentlichen Zonen und von den
Wohnquartieren her als Dachinstallation gelesen werden.
27 Vgl. Ziffer 5.5 der Vorakten der Gemeinde Wohlen, Standortdatenblatt vom 23. Dezember 2016, Revision 1.12, S. 5, Bemerkungen 28 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1)
RA Nr. 110/2017/154 15
b) Die Gemeinde hält demgegenüber fest, die Vorschriften der Überbauungsordnung
würden eingehalten und das Vorhaben betreffe weder das Ortsbild- oder
Landschaftsschutzgebiet noch ein denkmalgeschütztes Objekt. Ausserdem würde sich die
Höhe von technischen Anlagen, worunter auch die Mobilfunkantenne falle, nach der
technischen Betriebsnotwendigkeit richten. Mobilfunkanlagen seine immer gut sichtbar,
womit sie sich an beinahe allen Standorten störend auswirken können. Würde daher immer
gestützt auf Ästhetikvorschriften der Bauabschlag erteilt, würde daraus ein
flächendeckendes Mobilfunkantennenverbot resultieren. Schliesslich sei festzuhalten, dass
der neue Antennenmast allseitig zurückversetzt werde und die neuen Antennenkörper
kleiner seien, als dies bei der bestehenden Anlage der Fall sei. Aus diesen Gründen
entstehe in Bezug auf das Ortsbild eine günstigere Situation als die bisherige.
c) Die Beschwerdegegnerin kritisiert, die Beschwerdeführenden würden nicht aufzeigen,
inwiefern das Ortsbild beeinträchtigt werde. Der Einfluss der geplanten Anlage auf das
Ortsbild sei mit dem jetzigen Einfluss vergleichbar, da die geplante Mobilfunkantenne nur
einen Meter höher sei als die bestehende. Da es rund um die geplante Anlage viele hohe
Häuser habe, werde die Sicht auf die Mobilfunkantenne von verschiedenen Seiten verhindert
oder zumindest beeinträchtigt. Auch Bäume würden die Einsehbarkeit der Mobilfunkantenne
teilweise beeinträchtigen. Für die direkten Nachbarn werde der Einfluss sogar geschmälert,
da die neue Anlage eine integrierte und nicht mehr eine freistehende sei. Eine
Mobilfunkanlage lasse sich wegen ihrer technischen Form und Funktion gestalterisch nur
schwer einordnen und müsse die Dächer und nähere Umgebung zwingend überragen. Sie
sei als Mobilfunkanbieterin schliesslich verpflichtet, ein Netz von bestimmter Qualität und
Dichte aufzubauen und zu betreiben. Eine Reduktion der Höhe würde besonders die
Senderichtung 3, d.h. das Versorgungsgebiet westlich der Antenne betreffen. Berechnungen
würden zeigen, dass die Reduktion der Höhe um 1 m Leistungseinbussen von mindestens
15 % und die Reduktion des Mastes um 2.66 m Leistungseinbussen von 27.5 % bewirken
würden. Damit könne die notwendige Abdeckung in Bezug auf Qualität und Kapazität nicht
erreicht werden.
d) Gemäss Art. 9 Abs. 1 BauG dürfen Bauten, Anlagen, Reklamen, Anschriften und
Bemalungen Landschaften, Orts- und Strassenbilder nicht beeinträchtigen. Diese Vorschrift
stellt die "ästhetische Generalklausel" im Sinn eines allgemeinen Beeinträchtigungsverbots
RA Nr. 110/2017/154 16
dar. Art. 17 Abs. 1 BauV29 konkretisiert diese Vorschrift: Aussenanlagen für Radio- und
Fernsehempfang sowie für Funkzwecke und dergleichen sind möglichst unauffällig zu
gestalten und anzubringen; sie dürfen die Landschaft und das Ortsbild nicht beeinträchtigen.
Schutzobjekt des Ortsbild- und Landschaftsschutzes ist der Aussenraum, soweit er von
einem allgemein begangenen Standort aus als Einheit wirkt und als solche erfassbar ist.
Eine Beeinträchtigung liegt vor, wenn ein Bauvorhaben einen Gegensatz zur bestehenden
Überbauung schafft, der erheblich stört.30
Darüber hinaus sind die Gemeinden befugt, eigene Ästhetikvorschriften zu erlassen, die über
die kantonalen Vorschriften hinausgehen können (Art. 9 Abs. 3 BauG und Art. 17 Abs. 1
letzter Satz BauV). Solche müssen aber, um eine selbständige Bedeutung zu haben,
konkreter gefasst sein als die kantonalen.31 Die Gemeinde Wohlen hat unter dem Titel
"Weiterentwicklung von Orts- und Landschaftsbild" in Art. 14 GBR geregelt, dass Bauten und
Anlagen so zu gestalten sind, dass das Objekt als Einzelbau und mit Bezug zur Umgebung
eine gute Lösung ergibt. Bei der Beurteilung der guten Gesamtwirkung sind insbesondere zu
berücksichtigen:
"- die prägenden Elemente und Merkmale des Strassen-, Orts- und Landschaftsbildes,
- die bestehende Gestaltung der benachbarten Bebauung,
- Standort, Stellung, Form, Proportionen und Dimensionen der Bauten und Anlagen,
- die Fassaden- und Dachgestaltung sowie die Materialisierung und Farbgebung,
- die Gestaltung der Aussenräume, insbesondere des Vorlandes und der Begrenzungen
gegen den öffentlichen Raum,
- die Gestaltung und Einordnung der Erschliessungsanlagen, Abstellplätze und Eingänge."
Art. 17 GBR enthält zudem Vorschriften zur Dachgestaltung. Danach sind Lukarnen,
Schleppgauben, Quergiebel, Dachflächenfenster, Firstoblichter, Dacheinschnitte mit
Überdachung zulässig, wenn sie den Gesamteindruck des Gebäudes nicht beeinträchtigen
(Art. 17 Abs. 2 GBR). Der Begriff "gute Gesamtwirkung" in Art. 14 Abs. 2 GBR stellt einen
unbestimmten kommunalen Gesetzesbegriff dar, bei dessen Auslegung die kommunalen
Behörden einen gewissen Beurteilungsspielraum haben. Jedoch dürfen auch an das
Erfordernis der guten Gesamtwirkung nicht unverhältnismässig hohe Ansprüche gestellt
werden. Die gute Gesamtwirkung ist weder an geringen noch an besonders hohen
29 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1) 30 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 9/10 N. 13 f. 31 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 9/10 N. 4
RA Nr. 110/2017/154 17
architektonischen Qualitäten zu messen. Das bedeutet bei durchschnittlichen örtlichen
Gegebenheiten, dass das Mittelmass der Umgebung nicht gestört werden darf und sich eine
neue Baute oder Anlage an den qualitativ hochwertigeren Bauten und Anlagen der
Umgebung zu orientieren hat.32
Im Gemeindebaureglement finden sich zudem Gestaltungsgrundsätze für die ZPP Nr. 4
"AA._ / AB._ / AC._". Danach hat die Überbauung des Gebietes
aufgrund einer städtebaulichen Gesamtlösung zu erfolgen (Art. 11 Abs. 5 Ziffer 1 GBR).
Gestaltungsvorschriften finden sich schliesslich auch in Art. 7 der Überbauungsvorschriften
der Überbauungsordnung "Z._, Hinterkappelen".33 Danach sind neu zu erstellende
Anlagen als Gesamtkonzept und als bauliche Einheit zu gestalten. Die Bauten und Anlagen
sind hinsichtlich Gesamtwirkung, Massstäblichkeit, Dach- und Fassadengestaltung, Material
und Farbgebung, Terrainveränderungen, Gestaltung der Aussenräume sowie anderer,
wichtiger Einzelheiten, sorgfältig konzeptionell zu entwickeln, zu detaillieren und aufeinander
abzustimmen.
e) Gemäss der verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung lässt sich das Erstellen einer
Mobilfunkanlage unter ästhetischen Gesichtspunkten nicht ohne Weiteres mit Gebäuden, auf
welche die Gestaltungsnormen in erster Linie zugeschnitten sind, vergleichen. Zum einen ist
das Erscheinungsbild einer Mobilfunkanlage – namentlich Durchmesser und Höhe des Masts
sowie die Anzahl und optische Erscheinung der Antennen – vorwiegend durch die
technischen Gegebenheiten bedingt. Die Gestaltungsmöglichkeiten der
Mobilfunkbetreiberinnen sind daher gering. Ausserdem besteht die Besonderheit, dass
Mobilfunkanlagen aufgrund ihrer Funktion in der Regel gut sichtbar sind, womit ihnen
praktisch an jedem Standort von vornherein etwas Störendes anhaftet. Dies allein vermag
jedoch nicht ohne Weiteres einen Bauabschlag zu rechtfertigen, ansonsten würde aus den
kommunalen Ästhetiknormen ein flächendeckendes Mobilfunkantennenverbot resultieren,
was nicht der Absicht des Gesetzgebers entsprechen kann und raumplanungs- bzw.
fernmelderechtlich problematisch wäre.34 Auch ist zu beachten, dass Mobilfunkantennen
aufgrund der betrieblich bedingten Höhe regelmässig geeignet sind, Silhouetten zu brechen
und Horizonte zu teilen. Soweit der Silhouette bzw. dem Horizont nicht eine erhöhte
32 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O,, Art. 9/10 N. 4a; BVR 2009 S. 329 E. 5.3, BVR 2006 S. 491 E. 6.3.1 33 Überbauungsvorschriften der Überbauungsordnung "Z._, Hinterkappelen" vom 5. März 2000, genehmigt durch das Amt für Gemeinden und Raumordnung am 13. Juli 2001 34 VGE 2011/303 vom 1.6.2012, E. 4.3 mit weiteren Hinweisen
RA Nr. 110/2017/154 18
Schutzwürdigkeit zukommt, vermag diese Wirkung den Bauabschlag nicht zu rechtfertigen.35
Diesen Umständen ist bei der Beurteilung gebührend Rechnung zu tragen. Auch das
Bundesgericht betont, dass die Anwendung einer Ästhetikbestimmung bundesrechtwidrig
sein kann, wenn damit jeglicher Bau von Mobilfunkantennen in einem Dorf verhindert wird.36
f) Das Gebäude U._strasse 3, auf dem die Antennenanlage geplant ist, befindet
sich im Perimeter der Überbauungsordnung "Z._, Hinterkappelen". Diese grenzt
ostseitig unmittelbar an die Baugruppe A (Hinterkappelen, U._strasse) und an das
kommunale Ortsbildschongebiet, in dem sich diverse denkmalgeschützte Gebäude befinden.
Zur Frage, wie sich die geplante Antenne auf das Ortsbild und die Baudenkmäler auswirkt,
hat die BVE die OLK beigezogen. Diese führt in ihrem Bericht vom 20. Februar 2018 aus,
der lange Zeit ländlich geprägte Weiler Hinterkappelen sei 1920 mit der Eröffnung der
Kappelenbrücke und der damit neu trassierten Staatsstrasse nach Aarberg
verkehrstechnisch in Stadtnähe gerückt. Dies habe sich jedoch bis nach dem Zweiten
Weltkrieg kaum auf die Bebauung vor Ort ausgewirkt. Einen ersten Wachstumsschub habe
das Dorf mit der Wohnüberbauung auf dem Plateau im Bereich des östlichen Dorfeingangs
(oberhalb der Stägmatt) um 1960 erlebt. Mit der grossflächigen Überbauung des westlich
des Weilers gelegenen Chappelenfelds habe dann ab den späten 1960er-Jahren ein
Bauboom eingesetzt, der sich Mitte der Siebzigerjahre aareseitig an der Weinhalde und
insbesondere hangseitig zum Bergfeld hinauf in Etappen fortgesetzt habe. Faktisch sei das
kleine Dorf damit ringsum von Neubauten umzingelt worden, was sich auf das äussere
Ortsbild nachteilig ausgewirkt habe. Die Bernstrassen-Kreuzung wirke bis heute als
Kristallisationspunkt dieser Entwicklung. Der ursprüngliche Dorfeingang von Westen her sei
mit dem Bau der AE._ (erbauen um 1975 anstelle eines Bauernhofs) nachhaltig
verändert worden, zu einer Zeit, als die bauliche Verdichtung der Südseite der
U._strasse bereits im Gang war. Beides sei aus der Grenzziehung der Perimeter im
Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung
(ISOS), Bauinventar und Ortsbildschongebiet klar ersichtlich. Mit besagtem strukturellen
Eingriff sei das Bauernhaus U._strasse 5 und der vis-à-vis platzierte Wohnstock
(U._strasse 10, erbauen um 1900) zu einer neuen Torsituation zum alten
Hinterkappelen geworden. Indessen habe die weitere bauliche Entwicklung wenig Rücksicht
auf diese ortsräumlich entscheidende Situation genommen, seien doch die beiden
35 VGE 2008/23330 vom 31.3.2009, E. 4.4.3; siehe dazu auch Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 9/10 N. 17 und 29b mit weiteren Hinweisen 36 BGer 1C_49/2015 vom 9.12.2015, E. 4.3
RA Nr. 110/2017/154 19
volumenbetonten Gebäude U._strasse 1 (AD._ "X._', erbauen um
2008) und U._strasse 2 (AE._), die beide eine für
Agglomerationsgemeinden charakteristische Typologie verkörpern würden, eindeutig zu
nahe an die zwei schützens– beziehungsweise erhaltenswerten Altbauten gerückt worden.
Sie würden damit einen gebührenden Respektabstand zum ehemaligen Dorf missachten,
der allein schon aufgrund des Massstabssprungs zwischen den genannten Gebäuden
gegeben sei. Diese den Kreisel begleitenden Baukörper seien überdimensioniert und würden
schon rein gestalterisch die Existenz der östlich benachbarten Vorgängersiedlung negieren.
Der um 2000 gefällte Entscheid zur Platzierung einer Mobilfunkantenne auf dem Haus
U._strasse 3 – also an der Schnittstelle dieser beiden gegensätzlichen baulichen
Strukturen – sei in diesem Kontext zu sehen. In dieser Hinsicht zementiere die geplante
Aufstockung mit ihrem zusätzlichen Volumen gesamthaft einen ortshistorisch falschen und
kleinräumig unbefriedigenden, durch die jeweils geltende Zonenplanung aber möglich
gemachten Zustand. Eine neue, versetzt platzierte und nur geringfügig höhere
Mobilfunkantenne würde im Gesamtzusammenhang an der Situation vor Ort nur wenig
ändern. Aber auch ein völliges Weglassen einer Antenne würde am inneren Ortsbild des
alten Weilers, der sich in den letzten Jahrzehnten nachhaltig verändert habe, wenig
verbessern. Der alte Dorfkern sei strukturell zwar noch zu grossen Teilen in seiner bis um
1900 organisch gewachsenen Form vorhanden, wirkt aber heute zunehmend heterogen.
Dies einerseits aufgrund der zahlreichen Umnutzungen und der teilweise problematischen,
weil tiefgreifenden Gesamtsanierungen, welche die Substanz der einzelnen Objekte oft stark
tangiert haben, andererseits aber auch wegen der vielen ungeschickten Veränderungen der
für den inneren optischen Zusammenhalt wichtigen Zwischenräume und
strassenbegleitenden Vorzonen. Asphaltierte Abstellflächen, Parkplätze anstelle von
Hofstätten, aufgerissene Vorgärten sowie vorstädtisch wirkende Infrastrukturen und
Möblierungen des öffentlichen Raums würden heute im alten Kern von Hinterkappelen
immer mehr das Bild eines typischen Agglomerationsdorfes vermitteln und nicht mehr jenes
einer intakten bäuerlichen Siedlung. Solche Orte gäbe es allein in der Gemeinde Wohlen
noch mehrere und es sei nachvollziehbar, dass zum Beispiel das nahe gelegene
Oberdettigen oder Möriswil als noch weitgehend intakte Ensembles im ISOS einen höheren
Stellenwert hätten.
Aufgrund der oben geschilderten lokalen Entwicklung nach 1960 mit ihren zahlreichen
Veränderungen in und um das alte Hinterkappelen erachtet die OLK heute jedoch aus der
Perspektive des inneren Ortsbildes die ästhetischen Auswirkungen der neuen Antenne als
RA Nr. 110/2017/154 20
marginal. Dies gelte erst recht aus Sicht des äusseren Ortsbildes, das aus den meisten
Blickrichtungen im Konglomerat aus Ein- und Mehrfamilienhäusern kaum mehr
auszumachen sei. Aus dem letzten verbliebenen offenen Bereich mit einer grösseren
Hofstatt (im Südosten, auf dem unüberbauten Rest des Plateaus oberhalb der Weinhalde,
Parzelle Nr. AF._) sei die besagte Antenne ohnehin nicht sichtbar. Aus Sicht der
jüngeren Wohnbebauungen an Breitenrain und Bergfeldstrasse könne die neue, näher
gerückte Antenne zwar durchaus als Störfaktor wahrgenommen werden. Aber auch hier
gelte es, diesen Eingriff in Relation zur äusserst heterogenen baulichen Gesamtsituation vor
Ort zu setzen, weshalb die OLK die Auswirkungen ebenfalls als vernachlässigbar erachtet.
Die vorgängig gemachte Feststellung sei analog auf die Baugruppe A als Ganzes
beziehungsweise auf das ehemalige Bauernhaus U._strasse 5 als Einzelobjekt
übertragbar. Aus dem einen oder andern Standpunkt im historischen Gassenraum (mit
Blickrichtung gegen Westen) erscheine der neue Standort teilweise sogar besser, da die
Antennenstange nicht mehr direkt über dem eindrücklichen Dachbereich am strassenseitigen
Wohnteil des schützenswerten Gebäudes sichtbar sein werde. Die OLK erachtet die
geplante Mobilfunkanlage deshalb als bewilligungsfähig.
g) Die Beurteilung der OLK ist nachvollziehbar und überzeugt. Es besteht für die BVE
kein Anlass, von dieser Fachmeinung abzuweichen. Das innere und äussere Ortsbild von
Hinterkappelen wird von der OLK aufgrund der lokalen baulichen Entwicklung seit 1960 als
äusserst heterogen charakterisiert. Das bringt die Fotodokumentation zum OLK-Bericht vom
20. Februar 2018 gut zum Ausdruck. Es kann somit beim alten Kern von Hinterkappelen
nicht mehr von einer intakten bäuerlichen Siedlung gesprochen werden. Die zahlreichen
baulichen Eingriffe sowie vorstädtisch wirkende Infrastrukturbauten und Möblierungen des
öffentlichen Raums vermitteln ein Bild eines typischen Agglomerationsdorfes. In dieser
Umgebung stört die geplante Mobilfunkanlage nicht, zumal der Anlagestandort weder im
kommunalen Ortsbildschongebiet noch innerhalb der Baugruppe A (Hinterkappelen,
U._strasse) liegt. Vielmehr befinden sich in der unmittelbaren Umgebung des
Antennenstandorts die beiden voluminösen Gebäude U._strasse 1 (AD._
"X._") und U._strasse 2 (AE._). Diese mehrstöckigen und bis zu
17 m hohen Baukörper prägen das Erscheinungsbild rund um den Antennenstandort massiv.
Die Beschwerdeführenden halten zwar zu Recht fest, die geplante Mobilfunkanlage überrage
die umliegenden Gebäude. Dem ist aber entgegenzuhalten, dass die OLK die Wirkung der
projektierten Antennenanlage von mehreren öffentlichen Standorten aus (diverse Standorte
entlang der U._strasse sowie von der Bergfeldstrasse aus) prüfte und die
RA Nr. 110/2017/154 21
ästhetischen Auswirkungen der nur geringfügig höheren Antennenanlage auf das Ortsbild als
marginal einstufte. Das gilt auch aus der Perspektive der Wohnbebauungen am Breitenrain
und der Bergfeldstrasse.
h) Nach dem Gesagten steht fest, dass die Vorinstanz die Ortsbildverträglichkeit vom
öffentlichen Raum aus zusammen mit verschiedenen Baudenkmälern zutreffend beurteilte.
Die Auswirkungen der geplanten Anlage sind im Kontext der Gesamtsituation marginal. Der
Antennenstandort befindet sich weder im kommunalen Ortsbildschongebiet noch innerhalb
der Baugruppe A (Hinterkappelen, U._strasse). Aufgrund der bestehenden
vorstädtisch wirkenden Infrastrukturbauten und Möblierungen des öffentlichen Raums tritt die
geplante Antennenanlage von den relevanten Standorten aus nicht als Fremdkörper in
Erscheinung. Von einer Beeinträchtigung des Ortsbildes und den denkmalgeschützten
Bauten kann nicht gesprochen werden. Von gewissen Standorten aus verbessert sich die
Situation durch die geplante Versetzung der Antennenanlage sogar. Zudem sind an der
Mastspitze kleinere Antennenkörper vorgesehen. Das wirkt sich im Vergleich zur heutigen
Situation ebenfalls positiv auf das Ortsbild aus. Denn durch diese Gestaltung kann die
Weitenwirkung der geplanten Antenne gebrochen werden. Unter diesen Umständen kann
nicht gesagt werden, die Anlage ergebe mit Bezug zur Umgebung keine gute Lösung im
Sinn von Art. 14 Abs. 1 GBR. Ansonsten würde aus dieser kommunalen Ästhetiknorm ein
flächendeckendes Mobilfunk-Antennenverbot auf dem Gemeindegebiet von Wohlen
resultieren, das fernmelderechtlich problematisch wäre. Die Sichtbarkeit der neuen und
näher gerückten Antenne mag sich von den privaten Standorten aus, beispielsweise von
Fenstern und Balkonen oder Gärten, für die Anwohner der Wohnbebauung am Breitenrain
und der Bergstrasse zwar störend auswirken. Die Aussicht, die man von einem privaten
Gebäude oder Garten aus geniesst, ist aber kein Gut, das durch Ästhetikvorschriften
geschützt wird. Schutzobjekt des Ortsbildschutzes ist der Aussenraum, soweit er von einem
allgemein begangenen Standort aus als Einheit wirkt und als solcher erfassbar ist.
Massgebend ist also nur die Beurteilung vom öffentlichen Raum aus. Unter Berücksichtigung
der gesamten Umstände kann der ästhetischen Beurteilung der Vorinstanz und der OLK
gefolgt werden. Nicht zielführend wäre im vorliegenden Fall eine Reduktion des geplanten
Antennenmastes, wie dies die Beschwerdeführenden anregen. Dies hätte zum einen auf das
Ortsbild keinen Einfluss, zumal nach der Einschätzung der OLK sogar ein völliges
Weglassen der Antenne am Ortsbild nur wenig verändern würde. Zum anderen ist der leicht
erhöhte Antennenmast funktechnischen begründet, wie sich aus der Stellungnahme der
Beschwerdegegnerin vom 9. April 2018 ergibt. Entgegen der Auffassung der
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Beschwerdeführenden ist die geplante Antenne somit mit den kantonalen (Art. 9 BauG und
Art. 17 BauG) und kommunalen Ästhetikvorschriften (Art. 11 Abs. 5, Art. 14 und Art. 17 GBR
sowie Art. 7 der Überbauungsvorschriften) vereinbar. Die geplante Antenne stellt zudem eine
zonenkonforme Nutzung dar, da sie eine Infrastrukturanlage des Siedlungsgebietes ist.
Innerhalb der Bauzone besteht grundsätzlich Anspruch auf Erteilung der Baubewilligung,
wenn dem Bauvorhaben keine Hindernisse des geltenden Rechts entgegenstehen. Dies
bedeutet, dass die Prüfung von Standortalternativen und die Koordination mit bereits
bestehenden Antennenstandorten innerhalb der Bauzone nur verlangt werden kann, wenn
das anwendbare kommunale oder kantonale Recht dies vorsieht.37 Vorliegend sind dem
GBR im Hinblick auf Mobilfunkanlagen keine spezifischen bzw. einschränkenden
Zonenvorschriften zu entnehmen. Von der Beschwerdegegnerin kann deshalb keine
Standortevaluation oder Standortkoordination verlangt werden. Unter dem Aspekt des
Ortsbild- und Denkmalschutzes ist die projektierte Antennenanlage nicht zu beanstanden.
Die Beschwerde ist in diesem Punkt unbegründet.
7. Kosten
a) Die Verfahrenskosten werden bestimmt auf eine Pauschalgebühr von Fr. 1'500.–
(Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV38). Für besondere Untersuchungen,
Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren erhoben werden (Art. 103 Abs. 1
VRPG). Die Kosten der OLK (Fr. 1'000.– gemäss Rechnung vom 28. Februar 2018) werden
gestützt auf Art. 11 GebV zusätzlich erhoben. Die Verfahrenskosten im
Beschwerdeverfahren betragen somit Fr. 2'500.–.
b) Nach Art. 108 Abs. 1 VRPG werden die Verfahrenskosten der unterliegenden Partei
auferlegt, es sei denn, das prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere
37 BGE 133 II 353 E. 4.2; BGer 1C_328/2007 vom 18.12.2007, E, 3.2; siehe auch BVR 2009 S. 129 E. 9.4 mit Hinweisen 38 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
RA Nr. 110/2017/154 23
Verlegung oder die besonderen Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu
erheben. Behördliche Fehlleistungen wie die Verletzung des rechtlichen Gehörs stellen
besondere Umstände im Sinn von Art. 108 Abs. 1 VRPG dar.39
Im vorliegenden Verfahren sind die Beschwerdeführenden mit dem Antrag, der Fachbericht
des beco vom 26. Juni 2017 sei fehlerhaft und müsse korrigiert werden, durchgedrungen.
Die Beschwerdegegnerin ist in diesem Punkt unterlegen. Es rechtfertigt sich daher, den
Beschwerdeführenden drei Viertel, d.h. Fr. 1'875.–, und der Beschwerdegegnerin einen
Viertel, d.h. Fr. 625.–, der Verfahrenskosten, aufzuerlegen. Zudem ist zu berücksichtigen,
dass auch ein Verfahrensmangel, nämlich die Verletzung des Anspruchs der
Beschwerdeführenden auf rechtliches Gehör durch die Gemeinde Wohlen, geheilt werden
musste. Dieser Verfahrensfehler stellt einen besonderen Umstand im Sinne von Art. 108
Abs. 1 VRPG dar, der es rechtfertigt, auf die Erhebung eines Fünftels der Verfahrenskosten
von Fr. 2'500.– (ausmachend Fr. 500.–) zu verzichten. Gemäss Rechtsprechung des
Verwaltungsgerichts ist dieser Betrag einzig den von der Gehörsverletzung betroffenen
Beschwerdeführenden zugute zu halten bzw. von den auf sie entfallenden Verfahrenskosten
in Abzug zu bringen.40 Im Ergebnis sind damit den Beschwerdeführenden Verfahrenskosten
in der Höhe von Fr. 1'375.– (Fr. 1'875.– minus Fr. 500.–) und der Beschwerdegegnerin von
Fr. 625.– aufzuerlegen.
c) Die Parteien waren nicht anwaltlich vertreten; Parteikosten werden deshalb keine
gesprochen (Art. 104 Abs. 1 VRPG).