# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 3872c671-8cd8-4cd8-aad3-497ea75eb3fa
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2004
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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A. X. wurde am 17. September 1949 in A. geboren und wuchs gleichenorts zusammen mit einem Bruder bei den Eltern in geordneten Familienverhältnissen auf. Nach dem Besuch von sechs Jahren Primar- und drei Jahren Sekundarschule begann er eine Lehre als Kunststeinmacher, die er jedoch nach einem Jahr aus gesundheitlichen Gründen abbrechen musste. Anschliessend absolvierte er bei der Garage S. mit Erfolg eine dreijährige kaufmännische Lehre. Von 1970 bis 1976 war er bei der damaligen Schweizerischen Bankgesellschaft tätig, wo er sich zum Gruppenchef aufarbeitete. 1976 wurde X. zum Hauptagenturleiter der C.-Bank in B. gewählt. Bis 1990 war er in B. und anschliessend bis 1993 am Hauptsitz in D. tätig. Anfangs 1993 gründete er mit Partnern die Garage E. AG in B. und war Geschäftsführer dieser Garage. Im November 1994 gab er diese Tätigkeit wieder auf und nahm in Q. eine Stelle bei der I.-Bank an, wo er bis 1996 blieb. Danach war X. arbeitslos. Im Jahre 1998 erlitt er einen Unfall, bei welchem er drei Lendenwirbel brach. Die Rekonvaleszenz dauerte bis Ende Oktober 1999. Von November 1999 bis April 2001 war er als kaufmännischer Leiter der Schreinerei F. in A. angestellt. Im April 2001 brannte die Schreinerei nieder. Seither ist X. arbeitslos.
X. ist ausgesteuert und empfängt pro Monat Fr. 1'820.-- Sozialhilfe. Vermögen ist keines vorhanden, hingegen Schulden von ca. Fr. 140'000.--.
Im Jahre 1974 verheiratete sich X. mit N.. Diese Ehe, welche kinderlos blieb, wurde im Jahre 1990 geschieden. Im Jahre 1994 verheiratete er sich mit R.. Auch diese Ehe blieb kinderlos und wurde im Jahre 2000 geschieden.
Im Schweizerischen Zentralstrafregister ist X. nicht verzeichnet. Am 14. März 1988 wurde er vom Kreispräsidenten P. wegen vorsätzlichen Fahrens in angetrunkenem Zustand mit 30 Tagen Gefängnis, Probezeit zwei Jahre, und Fr. 500.-- Busse bestraft. Am 18. September 1990 wurde er vom Kreisgerichtsausschuss M. wegen vorsätzlichen Fahrens in angetrunkenem Zustand mit 60 Tagen Gefängnis bestraft. Schliesslich wurde er am 25. Februar 1997 vom Bezirksgericht Q. wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand mit 75 Tagen Gefängnis bestraft. Gemäss Auszug aus dem SVG-Massnahmenregister musste ihm drei Mal der Führerausweis wegen Angetrunkenheit (1988 für zwei Monate; 1990 für 14 Monate; 1996 für unbestimmte Zeit) entzogen werden.
Gemäss Leumundsbericht der Kantonspolizei Graubünden geniesst X. in A. einen guten Leumund.
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B. Im Rahmen des vorliegenden Verfahrens wurde X. psychiatrisch begutachtet. Dr. med. K., Assistenzarzt der Psychiatrischen Klinik L., kam in seinem Gutachten vom 31. Oktober 2003 zu folgender Beurteilung:
„1. Diagnostische Einordnung:
Die vorliegenden Informationen sprechen dafür, dass der Expl. seit mindestens 13 Jahren regelmässig Alkohol konsumiert und diesen seit mindestens 7 Jahren nicht kontrollieren kann. Nachfolgend wird die postulierte Alkoholabhängigkeit für den Zeitraum der aktuellen Tat anhand der WHO-Internationalen Klassifikation psychischer Störungen ICD-10 diskutiert. Die sichere Diagnose “Abhängigkeit“ sollte nur gestellt werden, wenn irgendwann während des letzten Jahres drei oder mehr Kriterien aus einem Katalog von sechs erfüllt sind. Beim Expl. trifft dies für folgende Kriterien zu: Ein starker Wunsch oder eine Art Zwang zu konsumieren (der Expl. hat wiederholt und zuletzt trotz aversiver Medikation Bier konsumiert.). Kontrollverlust bezüglich Beendigung und Menge des Konsums (dokumentiert für mindestens das letzte FiaZ-Ereignis im Jahre 2003). Toleranz (der Expl. ist wiederholt mit hohen Promillengehalten von der Polizei angehalten worden und hatte jeweils das sichere Gefühl das Fahrzeug noch lenken zu können). Fortschreitende Vernachlässigung anderer Vergnügen oder Interessen (der Expl. beschreibt eine zunehmende Rückzugstendenz und Isolierung). Anhaltender Konsum trotz Nachweis eindeutiger schädlicher Folgen (der Patient hat trotzdem er seinen Führerschein wieder haben wollte beinahe sieben Jahre gebraucht um die geforderte Abstinenz nachzuweisen. Geichzeitig immer wieder erhöhte Leberwerte). Somit erfüllt der Expl. zum Zeitpunkt der Tat fünf von sechs Kriterien, sodass die Diagnose gestellt wird: Störungen durch Alkohol, Alkoholabhängigkeit ICD-10: F10.2. Die Abhängigkeit entspricht einer Trunksucht im Sinne des Gesetzes.
Das vom Expl. beschriebene Stimmungstief in der Zeit vor der Tat gibt Anlass zur Untersuchung auf das Vorliegen einer depressiven Störung. Zur Diagnose einer depressiven Störung muss eine mindestens zwei Wochen anhaltende depressive Stimmung vorliegen mit einem deutlichen Verlust von Interesse oder Freude an Aktivitäten die normalerweise angenehm sind. Im Weiteren wird zwischen einer leichten, mittelgradigen und schweren depressiven Episode unterschieden. Beim Expl. lassen sich neben der schon länger anhaltenden depressiven Stimmung und dem Verlust von Freude und Interesse an Aktivitäten, auch ein verminderter Antrieb, ein deutlicher Verlust von Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl, sowie Anzeichen von Unentschlossenheit, Unschlüssigkeit und Schlafstörungen feststellen. Ähnliche Episoden waren auch schon nach der ersten Scheidung und seinem Unfall aufgetreten, sodass die Kriterien der Diagnose: Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelschwer (ICD-10: F.33.1) erfüllt sind.“
Zur Frage der Zurechnungsfähigkeit äusserte sich der Gutachter wie folgt:
„Aufgrund der leichten Bewusstseinsbeeinträchtigung (Alkoholisierung unter Berücksichtigung der Toleranz) und der Beeinträchtigung der geistigen Gesundheit (Alkoholabhängigkeit) zum Tatzeitpunkt, war der Expl. fähig das
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Unrecht seiner Tat einzusehen, jedoch vermindert fähig gemäss dieser Einsicht in das Unrecht der Tat zu handeln. Die Zurechnungsfähigkeit war leicht vermindert (Art. 11 StGB). Diese verminderte Zurechnungsfähigkeit kommt einerseits dadurch zustande, dass der Expl. aufgrund des krankheitsbedingten Kontrollverlustes mehr trinkt als er sich eigentlich vornimmt und andererseits, dass er durch die Toleranzentwicklung die konsumierte Trinkmenge nur vermindert wahrnehmen kann. Die depressive Episode erhöht im aktuellen Fall noch die Bereitschaft trotz Antabus und damit verbundener aversiven Reaktionen (erbrechen) Alkohol zu trinken.“
Der Gutachter führte ferner aus:
„4. Prognose
Da beim Expl. eine jahrzehntelange Alkoholabhängigkeit bestehend (recte: besteht) und er zum wiederholten Male den Alkoholkonsum und das Führen von Motorfahrzeugen nicht konsequent voneinander trennen konnte, ist seine Legalprognose von seiner Einsicht in die Problematik abhängig. Anlässlich der Exploration, welche am Ende eines zweimonatigen Klinikaufenthaltes stand, zeigte sich eine gewisse Einsicht in die Alkoholabhängigkeit und eine leichte Motivation eine spezifische Langzeitentwöhnungstherapie zu machen. Die Erkenntnis, dass eine Entwöhnungstherapie bei ihm etwas positives verändern könnte ist durch den ersten Klinikaufenthalt entstanden.
Die Schwierigkeiten jedoch die der Expl. nach dem 3. FiaZ hatte, eine geforderte Totalabstinenz nachzuweisen, um den von ihm stark gewünschten Führerausweis wieder zu erlangen, zeigen aber, dass die Legalprognose als unsicher einzustufen ist. Diese könnte jedoch durch eine mehrmonatige intensive Entwöhnungstherapie verbessert werden.
5. Therapie, sonstige Massnahmen
Die ausgeprägte Alkoholabhängigkeit wie sie beim Expl. besteht, macht eine langfristige spezifische medizinische Entwöhnungstherapie notwendig. Eine solche sollte mindestens sechs Monate dauern und unter stationären Bedingungen erfolgen. Da die Tat im Zusammenhang mit der Alkoholabhängigkeit steht, würde besonders eine stationäre Behandlung die Verhaltensänderung im Alltag einleiten und damit zur Rückfallprävention beitragen. Daher empfehlen wir eine Einweisung in eine Trinkerheilanstalt gemäss Art. 44 Ziff. 1 Abs. 1 StGB. Anschliessend wäre eine weiterführende ambulante Behandlung nötig. Der sofortige Vollzug einer Strafe wäre mit einer ambulanten Behandlung grundsätzlich vereinbar. Aus psychiatrischer Sicht ist die Anordnung einer Schutzaufsicht im Moment nicht nötig, könnte aber eine gewisse Hilfestellung bedeuten.“
C. Mit Verfügung vom 15. Dezember 2003 wurde X. wegen vorsätzlichen Fahrens in angetrunkenem Zustand gemäss Art. 91 Abs. 1 SVG in Anklagezustand versetzt und der Fall gestützt auf Art. 346 StGB und Art. 48 StPO dem Bezirksgerichtsausschuss Plessur zur Beurteilung überwiesen. Der Anklageschrift wurde folgender Sachverhalt zugrunde gelegt:
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„Am 15. Juni 2003 fuhr X. mit dem Fahrzeug BMW U., GR T., nach Chur und begab sich um 20.15 Uhr ins Bahnhofbuffett, wo er eine Verabredung hatte. Da dieser Termin nicht zustande kam, fuhr der Angeklagte mit dem Fahrzeug ins Parkhaus Arcas und begab sich anschliessend zu Fuss ins Restaurant J., wo er einen Café konsumierte. Anschliessend mietete sich X. im Restaurant/Hotel J. ein Zimmer, bestellte 2 Flaschen Rotwein und konsumierte diese in seinem Zimmer. Gegen Mittag des folgenden Tages trank er im Restaurant J. noch 6 dl Bier und 2 cl Cognac. In der Folge rief er seine Freundin H. an und bat sie, ihn und den Wagen abzuholen. Um seiner Freundin die Probleme beim Bedienen der Parkhausschranke abzunehmen fuhr er anschliessend mit dem erwähnten BMW U., GR T. vom Parkhaus über dessen Zufahrtsrampe auf den . Dort wurde er von der Stadtpolizei Chur angehalten und kontrolliert. Die in der Folge durchgeführte Blutprobe ergab gemäss Bericht des Institutes für Rechtsmedizin St. Gallen einen Mindestblutalkoholgehalt von 2,51 Gewichtspromille.
Der Führerausweis wurde dem Angeklagten von der Polizei auf der Stelle abgenommen. Mit Verfügung vom 20. August 2003 entzog ihm das Strassenverkehrsamt Graubünden den Führerausweis auf unbestimmte Zeit, mindestens 24 Monate, mit Wirkung ab 16. Juni 2003.“
D. Die Staatsanwaltschaft Graubünden stellte in der Ergänzung der Anklageschrift vom 15. Dezember 2003 folgenden Antrag:
„1. X. sei des vorsätzlichen Fahrens in angetrunkenem Zustand gemäss Art. 91 Abs. 1 SVG schuldig zu sprechen.
2. Dafür sei er mit fünf Monaten Gefängnis zu bestrafen.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei zugunsten einer stationären Massnahme gemäss Art. 44 Ziff. 1 Abs. 1 StGB aufzuschieben.
4. Kostenfolge sei die gesetzliche.“
E. Mit Entscheid vom 25. März 2004, mitgeteilt am 22. Juni 2004, erkannte der Bezirksgerichtsausschuss Plessur:
„1. X. ist schuldig des vorsätzlichen Fahrens in angetrunkenem Zustand nach Art. 91 Abs. 1 SVG.
2. Dafür wird X. mit 5 Monaten Gefängnis bestraft.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird zugunsten einer stationären Massnahme nach Art. 44 Ziff. 1 Abs. 1 StGB aufgeschoben.
4. Die Kosten des Verfahrens von Fr. 6'689.90 (Untersuchungskosten der Staatsanwaltschaft Graubünden Fr. 2'495.--, Gerichtsgebühr von Fr. 3'000.-- und Honorar der
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amtlichen Verteidigung von Fr. 1'194.90) gehen zu Lasten des Verurteilten. Die Kosten des Strafvollzuges/Massnahmevollzugs gehen zu Lasten des Kantons Graubünden.

## Considerations