# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f9e851dd-66be-4c57-8215-8a8e8b133553
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1985, bezieht eine ganze Rente der Invalidenversiche
rung
(Urk. 7/23). Seit Januar 2008 erhält sie zu dieser Rente Zusatzleistungen aus
ge
richtet (
Urk.
7/25
-26,
Urk.
7/37-38
,
Urk.
7/46,
Urk.
7/59-60,
Urk.
7/66,
Urk.
7/72
).
Im April 2014 leitete die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, Zusatzleistungen zur AHV/IV
(nachfolgend: Durchführungsstelle)
eine Über
prüfung
der Zusatzleistungen ein (Urk. 7/77). Sie liess
X._
einen Fragebogen ausfüllen und verschiedene Unterlagen zu ihren finanziellen Ver
hältnissen einreichen (Urk. 7/78 ff.). Gestützt auf die ein
ge
reichten
Dokumente
nahm die Durchführungsstelle für die Jahre 2011 bis 2014 eine Neuberechnung des Leistungsanspruchs vor (Urk.
7/88-95) und forderte von
X._
mit Verfügung vom
4.
Juni 2014 zu Unrecht bezogene Zusatzleistungen im Betrag von
Fr.
4‘788.-- zurück (Urk. 7/96).
Gegen diese Verfügung erhob
X._
am 1
9.
Juni 2014 Einsprache mit dem Antrag, es sei von einer Rückforderung abzusehen (Urk. 7/99). Diese Ein
sprache wies die Durchführungsstelle mit
Einspracheentscheid
vom 25. August 2014 ab (Urk. 7/100
=
Urk.
2
).
2.
Am 1
9.
September 2014 erhob
X._
Beschwerde gegen den
Ein
spra
che
entscheid
. Sie beantragte dessen Aufhebung (Urk. 1). Die
Durchfüh
rungsstelle
be
antragte
demgegenüber
in der Beschwerdeantwort vom 2
9.
Oktober 2014 die Abweisung der Beschwerde (Urk. 6).
Auf die Ausführungen der Parteien und die Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Der Einzelrichter

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Die jährliche Ergänzungsleistung entspricht dem Betrag, um den die anerkann
ten Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen (
Art.
9
Abs.
1 des Bun
desgesetzes über die Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlasse
nen- und In
validenversicherung;
ELG). Zeitlich massgebend für die Berechnung der jähr
lichen Ergänzungsleistung sind in der Regel die während des vorausgegangenen Kalenderjahres erzielten anrechenbaren Einnahmen sowie das am
1.
Januar des Bezugsjahres vorhandene Vermögen (
Art.
23
Abs.
1 der Verordnung über die Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlass
enen- und Invalidenversicherung;
ELV).
Von jeder Änderung der persönlichen und von jeder ins Gewicht fallen
den Änderung der wirtschaftlichen Verhältnisse des Anspruchsberechtigten hat
die Leistungsbezügerin
oder der Leistungsbezüger
,
der
gesetzli
che
Vertreter oder gegebenenfalls die Drittperson oder die Behörde,
der
eine Ergänzungsleistung ausbezahlt wird, der kantonalen Durchführungsstelle unv
erzüglich Mitteilung zu machen
(
Art.
24 ELV
; Art. 31 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
).
Unrechtmässig bezogene Leistungen sind zurückzuerstatten. Wer Leistungen in
gutem Glauben empfangen hat, muss sie nicht zurückerstatten, wenn eine grosse
Härte vorliegt. Der Rückforderungsanspruch erlischt mit dem Ablauf ei
nes Jahres,
nachdem die Versicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat, spätestens aber mit dem Ablauf von fünf Jahren nach der Entrichtung der ein
zelnen Leis
tung (
Art.
25
Abs.
1 und 2 ATSG).
Die Beschwerdegegnerin hat sich zu den anwendbaren Gesetzesbestimmungen und den beachtlichen rechtlichen Grundsätzen ebenfalls korrekt geäussert. Da
rauf ist ergänzend zu verweisen (Urk. 2 S. 2
Ziff.
2
lit
. a und b).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte im angefochtenen
Einspracheentscheid
aus,
f
ür das Jahr 2010 habe die Beschwerdeführerin ein jährliches Erwerbseinkommen in der Höhe von
Fr.
3‘380.-- gemeldet. Mangel
s
späterer
ergänzender
Angaben sei auch in den Folgejahren von einem Einkommen in dieser Höhe ausgegangen worden. Anlässlich der
im April 2014 eingeleiteten Überprüfung
habe die Be
schwerdeführerin die Lohnausweise für die Jahre 2011 bis 2013 sowie eine
Lohn
zusammenstellung
für die Monate Januar bis Mai 2014 eingereicht. Dabei habe sich herausgestellt, dass sie in dieser Zeit ein höheres Einkommen erzielt habe. Da dieses höhere Einkommen nicht früher gemeldet worden sei, habe eine rück
wirkende Neuberechnung vorgenommen werden müssen. Dabei habe sich her
ausgestellt, dass Zusatzleistungen in der Höhe von
Fr.
4‘788.--
zuviel
bezo
gen worden seien. Diesen Betr
ag, auf den die Beschwerdeführerin keinen Rechtsan
spruch habe, müsse
sie zurückerstatten
(Urk.
2 S. 2 f. Ziff.
2
lit
. c bis e).
Diese Standpunkte wiederholte
die Beschwerdegegnerin
in der
Beschwerdeant
wort
(Urk. 6).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte geltend,
ihre Urteilsfähigkeit
lasse sich
mit der
jenigen einer zehnjährigen Person vergleichen. Sie sei nicht in der Lage abzu
schätzen, in welchem Umfang sie Anspruch auf Ergänzungsleistungen habe. Dies setze ein gewisses Fachwissen voraus, das ihr abgehe. Sie arbeite nicht als normale Arbeitnehmerin, sondern in einem Arbeitsprogramm. Diese Tätigkeit sei ihr von der IV-Stelle vermittelt wor
den. Sie verdiene monatlich Fr.
2‘200.--. Sie lebe bei ihren Eltern
. Diese kümmerten sich auch um ihre finanziellen Ver
pflichtungen
. Sie hab
e die ihr zugesprochenen L
eistun
gen in gutem Glauben empfangen und sie sei nicht in der Lage, d
en geforderten Betrag zurückzube
zahlen (Urk. 1 S. 3 f.).
3.
Die Beschwerdeführerin ist seit 2005 bei der
Z._
als
Mitarbeiterin in der Werkstatt A._
angestellt (Urk. 7/86/1).
Zunächst
legte die Beschwerdegegnerin der Berechnung der Zusatzleistungen für die Jahre ab 2011 ein jährliches Erwerbseinkommen von
Fr.
3‘380.-- zu Grunde (7/59/4,
Urk.
7/61/1,
Urk.
7/64/1,
Urk.
7/68/1,
Urk.
7/74/1).
Die Rückforderungssumme
berechnete die Beschwerdegegnerin
aufgrund der ihr von der Beschwerdeführerin anlässlich der Überprüfung im Jahr 2014 einge
reichten Unterlagen (Urk. 7/78 ff.), insbesondere basierend auf den Lohnbe
scheinigungen für die Jahre 2011 bis 2013 und für die Monate Januar bis und mit Mai 2014 (Urk. 7/79,
Urk.
7/85/1-3).
Gemäss Lohnausweis 2011 betrug der jährliche Bruttolohn
Fr.
4‘481.-- (Urk. 7/85/2).
Für das Jahr 2012 wies die Arbeitgeberin einen Bruttolohn von
Fr.
5‘488.-- (Urk. 7/85/1) und für das Jahr 2013 einen solchen von
Fr.
5‘824.-- aus (Urk. 7/79/1). Die
se
Jahreslöhne legte die Beschwerdegegnerin der
Neube
rechnung
für die jeweiligen Jahre zu Grunde (
Urk.
7/90-95).
Das für 2014 massgebende Einkommen in der Höhe von
Fr.
5‘769.--
(
Urk.
7/88)
ermittelte
die Beschwerdegegnerin anhand der
bereits erfolgten
Lohnzahlungen für die Monate Januar bis Mai 2014 (Urk. 7/85/3) und rechnete diese auf ei
n Jahr hoc
h
; einschliesslich 1
3.
Monatslohn
gemäss
Anstellungsvertrag
(Fr.
448.-- +
Fr.
448.-- +
Fr.
441.-- +
Fr.
441.-- +
Fr.
441.-- : 5 x 13).
Diese
Berechnung, die
auf den erst nachträglich bekannt gewordenen
Bemes
sungsfaktoren
beruht, ist korrekt
respektive gerechtfertigt
und daher nicht zu beanstanden (vgl.
Art.
25
Abs.
1
lit
. c ELV).
Korrekt ist ferner
die
gestützt auf die Neuberechnung
errechnete
Differenz
von
Fr.
4‘788.-- zwischen den ausbe
zahlten Leistungen und den
jenig
en, auf die die Beschwerdeführerin effektiv
An
spruch hat (vgl.
Urk.
7/96).
4.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie sei gesundheitsbedingt
nicht in der Lage gewesen, den Umfang der ihr zustehenden Zusatzleistungen abzuschätzen.
Zwar obliegt es den Leistungsbezüger und
–
bezügerinnen
,
an der Abklärung des Leistungsanspruchs mitzuwirken (vgl.
Art.
28 und
Art.
43
Abs.
2 ATSG).
D
ie Bemessung
und Festsetzung
des Leistungsanspruchs fallen
jedoch
in den Zu
ständigkeitsbereich der Durchführungsstelle
(
Art.
21 ELG
,
Art.
49 ff. ATSG
).
Aus der Mitwirkungspflicht bei der Abklärung folgt die Pflicht, die
Durchführungs
stellen
über veränderte Verhältnisse bei den Anspruchsgrundlagen zu informie
ren (
Art.
31 ATSG,
Art.
24 ELV).
Das Erwerbseinkommen der Beschwerdeführerin hat sich in den in Frage stehen
den Jahren im die
Erheblichkeitsschwelle
von
Fr.
120.-- pro Jahr (vgl.
Art.
25
Abs.
1
lit
. c und d ELV) übersteigenden Umfang geändert.
Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Einkommen aus einer Tätigkeit
auf
dem
ersten Arbeits
markt oder im geschützten Bereich handelt.
Dass die Beschwerdeführerin auf
grund ihres Geisteszustandes
zur Meldung der Einkommensänderung
objek
tiv gesehen nicht in der Lage gewesen wäre
,
ist nur behauptet, jedoch nicht be
legt
worden
und ergibt sich auch nicht aus den Akten
.
Ebenfalls nur behauptet ist der Umstand, dass ein Teil des
Erwerbsein
kommens
gar nicht an die Be
schwerdeführerin, sondern direkt an die IV-Stelle ausbezahlt werde. Die von der Beschwerdeführerin eingereichten und an sie persönlich adressierten
Lohnaus
weise
belegen, dass sie über das
gesamte
von ihr erzielte Einkommen tatsächlich im Bilde war (Urk. 7/
79/1,
Urk.
7/85/1-2).
Aus zivilrechtlicher Sicht muss die volljährige Beschwerdeführerin als
hand
lungsfähig
eingestuft werden
. Es liegen keine Hinweise für
erwachsenenschutz
rechtliche
Massnahmen vor.
S
ie stellte selber das Leistungsbegehren (Urk.
7/9
), die
Korrespondenz und
Renten- und Zusatzleistungsentscheide wurden stets an sie direkt adressiert (vgl.
u. a.
Urk.
7/23,
Urk.
7/25-26,
Urk.
7/29,
Urk.
7/96
) und
sie unterzeichnete auch die Vollmacht für ihren Rechtsvertreter
(
Urk.
3)
.
Dass die
Beschwerdeführerin zusammen mit ihren Eltern lebt und diese ihr bei der Erledigung der finanziellen Angelegenheiten beistehen, ändert an der Sachlage nichts.
Sie
selber ist in den an sie adressierten Verfügungen stets klar, ausführ
lich und detailliert auf die Meldepflicht hingewiesen worden (Urk. 7/24/4; 7/25/2; 7/26/2). Soweit die mit ihr in Hausgemeinschaft
wohnenden
Eltern
für
die Versicherte
handelten
, ist ihr deren Wissen
und Handeln sowie Unterlassen insoweit
anzurechnen
, als
sie
sich nicht darauf berufen
kann
, die Eltern hätten
sie
regelmässig
in finanzieller Hinsicht beraten und faktisch
für sie gehandelt, seien aber
im Rahmen dieser Handlungen
nicht dazu verpflichtet gewesen, für
sie als volljährige Tochter
auch
die Meldepflicht zu
beachten oder sie auf diese aufmerksam zu machen
, zumal
den
Eltern die Meldepflicht
ebenfalls nicht ent
gangen sein kann
, wenn sie sich um die finanziellen Belange der
Beschwer
deführerin
ge
kümmert
hab
en
, wie in der Beschwerdeschrift geltend gemacht
worden ist. Im Übrigen hätte aber auch der Beschwerdeführerin selber die Pflicht
zur Meldung
eines höheren
Einkommens klar sein müssen, denn selbst
falls
sie nur über die intellektuellen Fähigkeiten einer 10jährigen Person verfügt, wie sie in der Beschwerdeschrift geltend machen
liess
, hätte ihr aufgrund der deut
lichen Hinweise auf die Meldepflicht klar sein müssen, dass jede Änderung der Einkommenshöhe zu melden gewesen wäre.
Dies wäre für sie auch mit der
Ein
sichtsfähigkeit
einer 10jährigen erkennbar und die entsprechend notwendige Reak
tion wäre ihr zumutbar gewesen.
Entgegen der in der Beschwerdeschrift vertretenen Ansicht
ist
es
nämlich
zur
Bejahung
der ausreichenden Urteils
fähig
keit
keineswegs
erforderlich
, dass sie
sogar
hätte berechnen können,
ob und wie sich ihr Anspruch
mit dem höheren Einkommen
verändert hätte
(Urk. 1 S. 2)
.
Die unterlassene Meldung der Einkommensänderung muss sich die Beschwerde
führerin somit entgegen halten lassen.
Damit steht fest, dass die Beschwerde
führerin die ihr obliegende Meldepflicht mindestens in leicht fahrlässiger Weise verletzt hat.
5.
Zusammengefasst steht fest, dass die Korrektur des Anspruchs für die Jahre 2011
bis 2014 korrekt und zu Recht erfolgte. Die
zuviel
ausbezahlten Zusatz
leis
tung
en im Betrag von
Fr.
4‘788.-- hat die Beschwerdeführerin zurückzuer
statten. Die gegen diesen Entscheid erhobene Beschwerde ist unbegründet, wes
wegen
sie
abzu
weisen ist.
Die Frage des guten Glaubens beim Empfang und der grossen Härte
bezüglich
der Rückzahlung sind nicht in diesem Verfahren, sondern
auf Gesuch hin
im Erlassverfahren zu prüfen, sobald
die
Rückerstattungspflicht rechtskräftig fest
steht
(vgl.
Art.
4 der Verordnung über den Allgemeinen Teil des
Sozialversi
che
rungsrechts
; ATSV)
.
Diesbezüglich ist auf die Beschwerde nicht einzutreten.