# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 5e1c07f5-ca4c-59a4-b6eb-ba220380b1ba
**Court:** AR_OG
**Chamber:** AR_OG_003
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** AR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt
A. A.1
A_, geb. am XX.XX.1961, ledig und kinderlos, meldete sich am 5. Dezember 2008
erstmals bei der Invalidenversicherung an, da sie u.a. an rezidivierenden mittleren bis
schweren Depressionen und an Schmerzen an Nacken, Schultern, Extremitäten, Rücken,
Gelenken und Muskeln leide (IV-act. 3.2 und 3.3). Gegenüber der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen (SVA-SG) meinte sie gemäss
Aktennotiz vom 25. März 2009 (IV 3.14, 4/4), sie sei immer zu 100% erwerbstätig gewesen
und wäre dies im Gesundheitsfall auch geblieben.
A.2
Am 11. August 2009 wurde die Versicherte von Psychiater Dr. C_ vom regionalärztlichen
Dienst der Invalidenversicherung (RAD) untersucht. Gemäss dessen undatiertem Bericht
(IV-act. 3.22, 8/23) sei das Projekt einer selbständigen Erwerbstätigkeit als
Naturheilpraktikerin mit dem Lebenspartner, von dem sie ihren 1992 diagnostizierten
Hypophysentumor auf diese alternative Weise habe behandeln lassen, aufgrund
ungünstiger äusserer Einflüsse schief gegangen, woraufhin sie während ca. fünf Jahren an
verschiedenen Orten im Ausland gelebt hätten. Vor kurzem sei dem Lebenspartner eine
Invalidenrente zugesprochen worden.
Zwar sei von einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit insbesondere narzisstischen
sowie paranoiden Zügen seit Kindestagen und von einer leichten depressive Episode
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auszugehen, doch bestehe in jeder, auch der bisherigen rund 22jährigen Tätigkeit im
Reisedienst der SBB eine vollständige Arbeitsfähigkeit, sofern die Arbeit nicht in einem
Grossraumbüro und in ruhiger Umgebung verrichtet werden könne und die
Personalführung verständnisvoll sowie mit klaren Ansagen erfolge.
A.3
Gemäss Bericht von Rheumatologe und Internist Dr. D_ vom RAD vom 26. Oktober 2009
(IV 3.22, 1/23) bestehe in jeder Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit trotz eines
chronischen generalisierten Schmerzsyndroms des Bewegungsapparats, das allerdings
weder klinisch noch radiologisch objektivierbar sei und mit einer vegetativen Symptomatik
wie Kopfschmerz, Schwindel, Erbrechen, Ohnmacht und Reizdarm einhergehe.
A.4
Nach einer zusammenfassenden Aktennotiz des RAD vom 4. November 2009 (IV-
act. 3.23), wonach in angepasster Umgebung in jeder Tätigkeit von einer vollständigen
Arbeitsfähigkeit auszugehen und eine möglichst wöchentliche Psychotherapie zu
empfehlen sei, wies die SVA-SG das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 4. Januar
2010 (IV-act. 3.26) mangels Invalidität ab.
B. B.1
Die Versicherte meldete sich bei der Invalidenversicherung am 24. Juni 2014 (IV-act. 5) ein
zweites Mal an und begründete dies mit Ängsten und Panikattacken seit früher Jugend,
Depressionen und einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Seit einiger Zeit
werde sie durch Dr. E_ behandelt. Mit Schreiben vom 30. Juni 2014 (IV-act. 12) ersuchte
die Versicherte die Verwaltung darum, nach einem Mordversuch ihres langjährigen Ex-
Partners am 22. Februar 2014, der danach mit einem Kontakt- und Hausverbot belegt
worden sei, ihre Wohnadresse geheim zu halten. Das Untersuchungsamt Uznach teilte der
IV-Stelle auf Anfrage mit Schreiben vom 30. März 2015 (IV-act. 35.1, 1/14) mit, von einer
Gefährdung des Lebens (mit dem Auto) könne nicht einmal ansatzweise die Rede sein. Mit
Strafbefehl vom 10. April 2014 (IV-act. 35.1, 2/14) war der Lebenspartner mit einer
bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen à Fr. 40.-- und mit einer Busse von Fr. 300.--
belegt worden, u.a. wegen mehrfacher Tätlichkeit, geringfügiger Sachbeschädigung und
mehrfacher Beschimpfung.
B.2
Mit Bericht vom 23. November 2014 (IV-act. 20) meinte Dr. E_, Allgemeinmediziner FMH
und Facharzt für delegierte Psychotherapie, er habe die generalisierte Angststörung und
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die PTBS seit 8. November 2011 bis heute mindestens einmal pro Monat mit
Telefongesprächen und - wegen Unverträglichkeit allopathischer Medikamente - mit
Homöopathie behandelt. Seit dem 11. September 2012 bestehe bis auf weiteres eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit wegen Aufmerksamkeits- sowie Konzentrationsstörungen
und wegen Angst vor dem Verlassen der Wohnung. Ohne weitere traumatische Erlebnisse
sei durch Zeitablauf und durch die Zusprechung einer Invalidenrente eine Besserung zu
erwarten.
B.3
Gemäss Bericht der Berufsberatung der Invalidenversicherung vom 16. Januar 2015 (IV-
act. 25) habe die Versicherte die Tätigkeit bei der SBB nur noch als Geldquelle gesehen
und sich deshalb wie schon ihr Lebenspartner als Naturheilpraktikerin selbständig machen
wollen. Aufgrund von Belastungen durch diesen und durch Amtsstellen fühle sie sich seit
2008 arbeitsunfähig.
B.4
Mit Aktennotiz vom 19. Februar 2015 (IV-act. 33) meinte der RAD, der Leidensdruck sei
offenbar nicht gross genug, um alles für eine Besserung zu tun. Die Angaben Dr. E_
basierten nur auf telefonischen Konsultationen und kontrastierten mit dem von der
Versicherten aus dem Schriftverkehr gewonnenen Eindruck, der weder mit einer
Angststörung noch einer PTBS, sehr wohl aber mit einer im ersten IV-Verfahren nicht als
invalidisierend anerkannten Persönlichkeitsstörung vereinbar sei.
B.5
Gemäss Aktennotiz der IV-Stelle vom 23. Februar 2015 (IV-act. 34) habe die Versicherte
gemeldet, dass sie seit dem 19. Februar 2015 bei Internist FMH med. pract. F_ in
Behandlung stehe. Dieser praktiziert gemäss Telefonbucheintrag als Erfahrungsmediziner.
B.6
Auf Empfehlung des RAD vom 9. April 2015 (IV-act. 37) liess die IV-Stelle die Versicherte
bei Psychiater FMH Dr. G_ abklären. Dessen Gutachten vom 17. August 2015 (IV-act.
49) ist zu entnehmen, dass von einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit
insbesondere narzisstischen und paranoiden Zügen sowie von Angst und Depression
gemischt auszugehen sei. Gegenüber früher habe sich zwar nichts Grundlegendes
geändert, doch wäre eine Bürotätigkeit zu 100% aufgrund der mehrjährigen Absenz vom
Arbeitsmarkt kaum möglich, da Angst und Abneigung zu gross wären und sich ein Gefühl
der Überforderung mit einer ausgeprägten körperlichen Symptomatik einstellen würde.
Deshalb wären ein mit 50% bzw. während 4h/Tag einsetzendes Arbeitstraining - seit
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Januar 2015 bestehe angestammt eine 50%ige Arbeitsfähigkeit - und die Unterstützung bei
der Wiedereingliederung, eventuell aber auch eine Berufsabklärung sinnvoll. Im Laufe der
Zeit sollte eine 80-100%ige Arbeitsfähigkeit in jeder Tätigkeit wieder erreichbar sein.
Darüber hinaus sei eine ambulante, zu Beginn möglichst engmaschige wöchentliche
psychotherapeutische Behandlung zu empfehlen.
B.7
Nach einer Aktennotiz des RAD vom 2. September 2015 (IV- act. 50) erging seitens der IV-
Stelle am 21. September 2015 ein Vorbescheid (IV-act. 51), wonach das
Leistungsbegehren mangels wesentlicher neuer Umstände abgewiesen werde.
B.8
Nach einem Einwand der Versicherten vom 27. September 2015 (IV-act. 52), dass seit
einem Schlaganfall des Lebenspartners im Jahr 2010 noch zusätzliche Belastungen
bestünden, die Arbeitsfähigkeit deshalb erneut abzuklären und eine ganze Invalidenrente
zuzusprechen sei, erging seitens der IV-Stelle am 4. November 2015 eine gegenüber dem
Vorbescheid unveränderte Verfügung (IV-act. 53).
C. C.1
Gegen diese liess die Versicherte mit Schreiben vom 3. Dezember 2015 Beschwerde mit
den eingangs wiedergegebenen Anträgen erheben. Dabei machte sie im Wesentlichen
geltend, dass in Anbetracht der von Gutachter Dr. G_ ab Anfang 2015 attestierten nur
noch 50%igen Arbeitsunfähigkeit gegenüber früher eine wesentliche Veränderung vorliege.
C.2
Mit Beschwerdeantwort vom 22. Dezember 2015 machte die IV-Stelle geltend, mangels
Kenntnis vom ersten Berentungsverfahren im Kanton St. Gallen auf die erneute Anmeldung
eingetreten zu sein. Gemäss Dr. G_ bestehe im Vergleich zum früheren Verfahren keine
grundlegende Änderung, und die zunächst 50%ige Arbeitsfähigkeit in jeder Tätigkeit sei auf
80-100% steigerbar. Sowohl der Arbeitsausstieg Ende 2000 als auch die dadurch bedingte
berufliche Dekonditionierung seien IV-fremd.
C.3
Mit Replik vom 10. Februar 2016 entgegnete die Beschwerdeführerin, falls der Ausstieg
aus dem Beruf, der dem Wunsch nach einer beruflichen Neuorientierung entsprungen sei,
wirklich freiwillig erfolgt wäre, hätte die IV-Stelle eine Haushaltabklärung machen müssen.
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## Considerations

Erwägungen
1. 1.1
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird eine
neue Anmeldung nur geprüft, wenn der Gesuchsteller glaubhaft macht, dass sich der Grad
der Invalidität in anspruchserheblicher Weise geändert hat (Art. 87 Abs. 2 und 3 der
Verordnung über die Invalidenversicherung vom 17. Januar 1961 [IVV; SR 831.201]). Tritt
die Verwaltung auf die Neuanmeldung zum Leistungsbezug ein, so hat sie in analoger
Weise wie bei einem Revisionsfall zu prüfen, ob die Veränderung überwiegend
wahrscheinlich eingetreten ist. Als Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob sich
der Invaliditätsgrad bis zum Abschluss des aktuellen Verwaltungsverfahrens
anspruchserheblich verändert hat, dient die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf
einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer
Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs
beruht (BGE 130 V 71 Erw. 3, 133 V 108 Erw. 5.2). Die bloss auf einer anderen Wertung
beruhende medizinische oder rechtliche Einschätzung von im Wesentlichen unveränderten
tatsächlichen Verhältnissen führt nicht zu einer materiellen Revision resp. zu einer
Zusprechung von Leistungen nach Neuanmeldung. Ist eine anspruchserhebliche Änderung
des Sachverhalts nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, bleibt es nach dem
Grundsatz der materiellen Beweislast beim bisherigen Rechtszustand (Urteil des
Bundesgerichts 9C_478/2012 vom 14. Dezem-ber 2012 Erw. 2). Andernfalls ist zusätzlich
noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine
rentenbegründende Invalidität zu bejahen (Urteil des Bundesgerichts 9C_801/2008 vom
6. Januar 2009 Erw. 2.1).
1.2
Ist die Verwaltung wie vorliegend auf eine Neuanmeldung bzw. eine erneute Anmeldung
eingetreten - dies erfolgte nach Angaben der IV-Stelle offenbar nur, weil sie keine Kenntnis
vom früheren ersten und von der SVA-SG mit einer das Leistungsbegehren abweisenden
Verfügung vom 4. Januar 2010 abgeschlossenen Verfahren hatte -, hat eine richterliche
Beurteilung der Eintretensfrage zu unterbleiben (BGE 109 V 108 Erw. 2b, 133 V 450
Erw. 3.2; Urteil des Bundesgerichts I 888/05 vom 7. Juni 2006 Erw. 2). Die von Amtes
wegen vorzunehmende Prüfung der Prozessvoraussetzungen ergibt im Übrigen, dass
diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der Form- und
Fristerfordernisse erfüllt sind. Auf die Beschwerde ist deshalb einzutreten.
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2. Hinsichtlich des anwendbaren Rechts gilt, dass in zeitlicher Hinsicht diejenigen
Rechtssätze massgebend sind, die bei der Verwirklichung des zu Rechtsfolgen führenden
Sachverhalts galten. Deshalb sind im vorliegenden Verfahren, das auf eine (erneute)
Anmeldung der Versicherten vom 24. Juni 2014 aufgrund seit früher Jugend und seit 2008
bzw. 2010 bestehenden Beschwerden zurückgeht, die seither eingetretenen
Rechtsänderungen ab deren Inkrafttreten zu berücksichtigen, so die am 1. Januar 2008 in
Kraft getretene 5. IV-Revision (AS 2007 5129 ff.), das am 1. Januar 2012 in Kraft getretene
erste Massnahmenpaket der 6. IV-Revision gemäss Bundesgesetz vom 18. März 2011
(AS 2011 5659) und das am 1. Januar 2013 wirksam gewordene zweite Massnahmenpaket
der 6. IV-Revision gemäss Bundesgesetz vom 15. Juni 2012 (AS 2012 5559). Mit dem
ersten Massnahmenpaket der 6. IV-Revision wurde der Grundsatz "Eingliederung vor
Rente" - dieser gilt an sich seit jeher (vgl. die ursprüngliche, ab 1. Januar 1960 geltende
Fassung von Art. 28 Abs. 2 IVV; Ulrich Meyer/Marco Reichmuth, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die
Invalidenversicherung, 3. Auflage, Zürich 2014, Art. 7-7b N 23 [S. 88]) - vertieft.
3. Als Invalidität gilt gemäss Art. 4 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung vom
19. Juni 1959 (IVG; SR 831.20) in Verbindung mit Art. 8 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 (ATSG; SR 830.1)
die durch einen körperlichen oder geistigen Gesundheitsschaden als Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall verursachte, voraussichtlich bleibende oder
längere Zeit andauernde Erwerbsunfähigkeit. Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG haben versicherte
Personen Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70 Prozent, auf eine
Dreiviertelrente, wenn sie mindestens zu 60 Prozent, auf eine halbe Rente, wenn sie
mindestens zu 50 Prozent und auf eine Viertelrente, wenn sie mindestens zu 40 Prozent
invalid sind.
4. Bei der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit stützt sich die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen, welche von ärztlichen und gegebenenfalls
auch anderen Fachleuten zur Verfügung zu stellen sind (Urteil des Bundesgerichts
9C_285/2009 vom 16. März 2010 Erw. 2.2, 9C_636/2013 vom 25. Februar 2014 Erw. 4.2.1
und 4.2.2, 9C_922/2013 vom 19. Mai 2014 Erw. 3.2.1). Aufgabe des Arztes oder der Ärztin
ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem
Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im
Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der
Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V
Seite 8
93 Erw. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob dieser für
die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben
worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind
(BGE 125 V 351 Erw. 3a, 134 V 231 Erw. 5.1, 137 V 210 Erw. 6.1.2). Den im Rahmen des
Verwaltungsverfahrens eingeholten Berichten von externen Spezialärzten ist bei der
Beweiswürdigung
volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien dagegen sprechen. In
Bezug auf Berichte von Hausärzten bzw. behandelnden Ärzten darf und soll der Richter der
Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass deren Angaben mitunter im Hinblick auf ihre
auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer Patienten
ausfallen (BGE 125 V 351 Erw. 3, 135 V 465 Erw. 4.5; Urteile des Bundesgerichts
8C_641/2013 vom 23. Dezember 2013 Erw. 5.4, 8C_637/2013 vom 11. März 2014
Erw. 2.2.2), was auch mit der unterschiedlichen Natur von Behandlungs- und
Begutachtungsauftrag zusammenhängen mag (Urteile des Bundesgerichts 8C_768/2012
vom 24. Januar 2013 Erw. 3, 8C_107/2013 vom 23. April 2013 Erw. 3). Gleichwohl hat der
Richter zu prüfen, ob eine von einer Partei eingeholte ärztliche Stellungnahme in
rechtserheblichen Fragen die Auffassungen und Schlussfolgerungen des von der
Verwaltung oder vom Gericht bestellten medizinischen Sachverständigen derart zu
erschüttern vermag, dass davon abzuweichen ist.
5. 5.1
Die Beschwerdeführerin kündigte die langjährige Arbeitsstelle bei der SBB, die sie nur noch
als Geldquelle betrachtet habe, nachdem sie im Rahmen einer Hypophysengeschwulst mit
Kopfschmerzen, Unwohlsein und Amenorrhö einen Naturheilpraktiker konsultiert hatte und
mit diesem allmählich zu einem Paar wurde, wobei sie Kurse in Naturheilpraktik belegte
und sich auch für Esoterik interessierte, um zusammen eine selbständige Erwerbstätigkeit
in diesem Bereich aufzubauen. Deshalb bezog sie auch einen Teil ihres Guthabens bei der
Pensionskasse der SBB in Höhe von Fr. 150'000.--. Als das Projekt scheiterte, reiste das
Paar während etwa fünf Jahren im Ausland und bezog nach der Rückkehr in die Schweiz
Sozialhilfe, welche im Falle des Lebenspartners der Beschwerdeführerin ab 2007 durch
eine Invalidenrente der Invalidenversicherung abgelöst wurde. Die Versicherte selber
meldete sich Ende 2008 ein erstes Mal erfolglos an, u.a. auch wegen finanziellen
Problemen und der Mühe, beruflich Fuss zu fassen. Die zweite Anmeldung erfolgte Ende
Juni 2014 und damit nur rund vier Monate nach dem tätlichem Zwischenfall mit dem
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Lebenspartner, der zur Trennung des Paars und damit zum Entzug der bisherigen
finanziellen Unterstützung durch ihn führte.
5.2
Im ersten Abklärungsverfahren hatte Psychiater Dr. C_ eine kombinierte
Persönlichkeitsstörung seit Kindheit und eine leichte depressive Episode attestiert, ferner -
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit - eine Reihe von Diagnosen, u.a. einen Verdacht
auf eine somatoforme Funktionsstörung des unteren Gastrointestinaltrakts und des
Urogenitalsystems. Rheumatologe und Internist Dr. D_ hatte auf ein weder klinisch noch
radiologisch objektivierbares Schmerzsyndrom des Bewegungsapparates und auf
verschiedene vegetative Beschwerden sowie auf eine rechtsseitige Periarthropathia
humeroscapularis erkannt, wodurch die Arbeitsfähigkeit jedoch nicht beeinträchtigt werde.
Im zusammenfassenden Bericht von Anfang November 2009 wurde - wie schon im Bericht
von Psychiater Dr. C_ - trotzdem zu einer regelmässigen, möglichst wöchentlichen
Psychotherapie geraten.
5.3
Eine wirksame Therapie unterblieb in der Folge jedoch, wie aus dem zweiten, auf die
Anmeldung vom Juni 2014 zurückgehenden Abklärungsverfahren hervorgeht. So
behandelte Internist und Psychotherapeut Dr. E_ gemäss Bericht von Ende November
2014 die Beschwerdeführerin wegen Ängsten vor dem Verlassen des Hauses sowie
Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen im Rahmen telefonischer Konsultationen
und mit Homöopathie seit Anfang November 2011, um ihr dann aber trotz seiner
jahrelangen Bemühungen eine vollständige Arbeitsunfähigkeit seit 11. September 2012 zu
attestieren. Daran dürfte auch die Mitte Februar 2015 beim Erfahrungsmediziner med.
pract. F_ aufgenommene Therapie voraussichtlich nicht viel ändern, da auch diese
Behandlung eher alternativmedizinisch orientiert zu sein scheint.
5.4
Vor diesem Hintergrund erstaunt es wenig, dass Gutachter Dr. G_ die Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin seit Anfang 2015 wegen Ängsten und Depressionen sowie einer
Persönlichkeitsstörung immer noch zu 50% eingeschränkt sah, wobei er gegenüber der
Voreinschätzung durch Dr. C_ eine zwischenzeitliche grundlegende Änderung verneinte.
Immerhin meinte er aber unter Hinweis auf die berufliche Dekonditionierung zufolge langer
Abwesenheit von einer Erwerbstätigkeit, die diesbezügliche Wiederangewöhnung sollte
vorteilhafterweise stufenweise vor sich gehen, ausgehend von einem Pensum von 50%,
das auf 80-100% steigerbar erscheine. Wenngleich die Aufgabe der Erwerbstätigkeit in
erster Linie aus invaliditätsfremden Gründen erfolgte - entgegen der von der
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Beschwerdeführerin in der Replik geäusserten Auffassung drängt sich keine
Haushaltabklärung auf, da sie nach eigenen Angaben im beruflichen Assessment durch die
IV-Stelle meinte, im Gesundheitsfall wie schon früher zu 100% erwerbstätig sein zu wollen -
, ist in den folgenden Jahren ein gewisser Einfluss der gesundheitlichen Beschwerden auf
die berufliche Wiedereingliederung nicht von der Hand zu weisen. Die wiederholten
fehlerfreien und in gutem Deutsch verfassten schriftlichen Eingaben der
Beschwerdeführerin an die IV-Stelle lassen auf eine auch ärztlich attestierte
überdurchschnittliche Intelligenz und eine Vertrautheit mit den modernen elektronischen
Kommunikationsformen schliessen, sodass - nach geeigneter medizinischer Therapie der
psychischen Beschwerden der Versicherten - eine berufliche Reintegration als realistisch
erscheint.
5.5
Möglicherweise könnte der Beschwerdeführerin, die eher dazu neigt, andere Menschen für
ihre Situation verantwortlich zu machen und negative Erlebnisse wie den Zwischenfall mit
dem früheren Lebenspartner vom Februar 2014 zu übertreiben, ein Perspektivenwechsel
helfen. In diesem Zusammenhang ist sie an die jeder versicherten Person obliegende
Schadenminderungspflicht (s. z.B. Urteil des Bundesgerichts 9C_916/2010 vom
20. Juni 2011 Erw. 3.3) zu erinnern. So muss eine Versicherte nach Art. 7 Abs. 1 IVG alles
ihr Zumutbare unternehmen, um Dauer und Ausmass der Arbeitsunfähigkeit zu verringern
und den Eintritt einer Invalidität zu verhindern. Sie muss an allen zumutbaren
Massnahmen, die zur Erhaltung des bestehenden Arbeitsplatzes oder zu ihrer
Eingliederung ins Erwerbsleben oder in einen dem Erwerbsleben gleichgestellten
Aufgabenbereich (Aufgabenbereich) dienen, aktiv teilnehmen. Dies sind insbesondere auch
medizinische Behandlungen (Art. 7 Abs. 2 lit. d IVG). Bei einem Verstoss gegen diese
Schadenminderungspflicht können die Leistungen gekürzt oder verweigert werden (Art. 7b
Abs. 1 IVG), wobei es keines strikten Beweises bedarf, dass die verweigerte Massnahme
zum erwarteten Erfolg geführt hätte, sondern es genügt, wenn die Vorkehr mit einer
gewissen Wahrscheinlichkeit erfolgreich gewesen wäre, wobei der erforderliche Grad an
Wahrscheinlichkeit unter Berücksichtigung der Schwere des mit der Massnahme
verbundenen Eingriffs in Persönlichkeitsrechte zu beurteilen ist (Urteil des Bundesgerichts
9C_82/2013 vom 20. März 2013 Erw. 3).
5.6
Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung in teilweiser Gutheissung der
Beschwerde aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit diese die
Beschwerdeführerin unter Hinweis auf die Folgen mangelnder Kooperation zu einer
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adäquaten psychiatrischen Therapie anhalte, im Anschluss daran einen entsprechenden
(Verlaufs-)Bericht einhole und schliesslich neu verfüge.
6. 6.1
Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung
oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung kostenpflichtig. Die
Rückweisung mit noch offenem Ausgang gilt für die Frage der Auferlegung der
Gerichtskosten wie auch der Parteientschädigung als vollständiges Obsiegen, und dies
unabhängig davon, ob sie beantragt oder ob das entsprechende Begehren im Haupt- oder
im Eventualantrag gestellt wurde (Urteil des Bundesgerichts 8C_851/2012 vom
16. April 2013 Erw. 4). Dem Verfahrensausgang entsprechend sind vorliegend deshalb
keine Kosten zu erheben.
6.2
Der Beschwerdeführerin ist eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 2'500.-- (inklusiv
Barauslagen und Mehrwertsteuer) zulasten der IV-Stelle zuzusprechen.
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