# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f0d8d800-1b89-4919-bbc6-64c484b41dcc
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1984, begann im Sommer 2002 eine Lehre zum Informatiker, die er nach drei Jahren ohne Abschluss beendete (Urk. 7/70/5).
A
m 27. April 2010 (Urk. 7/3)
meldete er sich
wegen Alkoholproblemen
bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an
.
Mit Verfügung vom 6. Juni 2012
(Urk. 7/63) verneinte
die
Sozialversicherungs
anstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle,
nach den nötigen Abklärungen
einen Leistungsa
nspruch
, da kein invalidisierender Gesundheitsschaden vorliege
.
2.
Am 23. November 2012 (Urk. 7/69) mel
dete sich
der Versicherte
erneut bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an.
Auf Rückfrage der IV-Stelle, es sei eine Verschlechterung des Gesundheits
zustands glaubhaft zu machen (
Urk.
7/72), liess der Versicherte ein Zeugnis des
Y._
vom 15. Feb
ruar 2013 (
Urk.
7/76) einreichen. Mit Vorbescheid vom 16. Mai 2013 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie voraussichtlich nicht auf die Neuanmeldung eintreten werde (
Urk.
7/79). Dagegen liess der Versicherte Einwand erheben (
Urk.
7/80 und 7/91) und einen Bericht der
Z._
vom 1
2.
Juli 2013 (
Urk.
7/90) sowie einen
Assessment
bericht
der
A._
vom 3. Juli 2013 (
Urk.
7/93) ein
reichen. In der Folge gab die
IV-Stelle bei
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
von der
C._
, ein Gutachten in Auftrag,
welches am 6. Dezember 2013 (Urk. 7/98) erstattet wurde. Am 23. September 2014 wurde dem Versicherten
von der IV-Stelle
eine
Mitwir
kungspflicht
in Form einer suchtspezifischen Behandlung und Betreuung, eine
r
absoluten Suchtmittelabstinenz sowie eine
r
psychiatrischen Therapie auferlegt (Urk. 7/104).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 27. August 2015 einen Leistungsanspruch des Versicherten, da kein invalidisierender Gesundheitsschaden vorliege. Die psychotischen Störungen, unter denen der Versicherte aufgrund des wegen der diagnostizierten ADHS-Störung verordneten
Ritalins
gelitten habe, stell
ten keinen invalidenversicherungsrechtlich relevanten langdauernden Gesundheitsschaden dar (
Urk.
2).
3.
Mit Beschwerde vom
25. September 2015 (Urk. 1) beantragte der
Beschwerde
führer
die
Zusprache
einer ganzen Invalidenrente für den Zeit
raum
von
Mai 2013
bis
Juli 2014
. In prozessualer Hinsicht beantragte er die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung.
Mit Beschwerdeantwort vom 27. Oktober 2015 (Urk. 6) beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde.
Mit Verfügung vom 3. November 2015 (Urk. 8) wurde dem
Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung gewährt und die Beschwerdeantwort zugestellt
.
Auf
die
einzelnen Vorbringen in den Rechtsschriften wird, soweit erforder
lich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesge
setzes über die Invalidenversicherung, IVG)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundes
gerichts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein.
1.3
D
ie Behandelbarkeit einer psychischen Störung
sagt
, für sich allein betrach
tet, nichts über deren invalidisierenden Charakter aus.
Für die Entstehung des Anspruchs auf eine Invalidenrente im Besonderen ist immer und einzig vorausgesetzt, dass während eines Jahres (ohne wesentlichen Unterbruch) eine mindestens 40%ige Arbeitsunfähigkeit nach
Art.
2
8
Abs.
1
lit
. b IVG bestanden hat und eine anspruchsbegründende Erwerbsunfähigkeit gemäss
Art.
28
Abs.
2 IVG sowie
Art.
28a
Abs.
1 bis 3 IVG
oder
Art.
5
Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
28
a
Abs.
2
IVG und
Art.
27 f.
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
weiterhin besteht. Dies bedeutet keineswegs, dass eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität ist. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diag
nose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und
in ihrem Ausmass bestimmt sein
. Entscheidend ist die nach einem weit gehend objek
tivierten Massstab zu erfolgende Beurteilung, ob und inwiefern dem Ver
sicherten trotz seines Leidens die Verwertung seiner Restarbeitsfähigkeit auf dem ihm nach seinen Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeits
markt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar ist
(BGE 127 V 294 E. 4
lit
. c mit Hinweisen auf BGE 99 V 29 E. 2 und BGE 102 V 165).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreivier
telsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG
)
.
1.5
Wurde eine Rente
wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3 IVV eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geän
dert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tat
sächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
2.
Aufgrund einer
glaubhaft gemachten
Verschlechterung des Gesundheits
-
zustan
des
durch die psychotischen Störungen
trat die IV-Stelle
zu Recht
auf die Neuanmeldung
des Beschwerdeführers
vom 23. November 2012 (Urk. 7/71) ein
und prüfte
nach Vornahme der erforderlichen Abklä
rungen
den Rentenanspruch
.
D
ie gerichtliche Überprüfungsbefugnis
beschränkt sich damit
auf die materielle Prüfung des Rentenanspruchs.
3
.
Zwischen den Parteien unbestritten ist
, dass das
Suchtgeschehen
(Alkohol, Kokain, Cannabis)
keinen Einfluss
auf den Rentenanspruch
hat
. Dies steht im Einklang mit der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
, wonach Befunde, wel
che in der Sucht ihre hinreichende Erklärung finden, keinen psychischen Gesundheitsschaden zu begründen vermögen
(Urteil 8C_582/2015 vom 8. Oktober 2015 E. 2.2.1 mit Hinweis
en
auf die Urteile 8C_580/2014 vom 11. März 2015 E. 2.2.1 und 9C_856/2012 vom 19. August 2013 E. 2.2.1)
. Damit erübrigen sich weitere Ausführungen
bezüglich der
Suchterkrankun
gen
,
und medizinische Behandlungen, welche einzig auf
das Ziel eines
Suchtentzug
es
gerichtet waren, sind für die Beurteilung des Rentenanspruchs nicht relevant
.
4.
4.1
Bereits vor Erlass der ersten rentenverweigernden Verfügung vom 6. Juni 2012 hatte die
D._
im Bericht vom 2
2.
Dezember 2011 ein Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS; ICD-10 F90.0) diagnostiziert und
eine Behandlung mit Ritalin begonnen, die sie als positiv beurteilte (
Urk.
7/35). Das
Y._
berichtete am 15. Februar 2013, der Beschwerdeführer leide unter einem ausgeprägten ADHS, er sei kaum fähig, den Alltag zu strukturieren, und komme im Arbeitsumfeld nur schwer zurecht (
Urk.
7/76).
4.2
Vom 11. April bis 29. Mai 2013 war der Beschwerdeführer wegen alkohol- und kokainbedingten psychischen und Verhaltensstörungen in der
Z._
hospitalisiert. Dabei stellten die Ärzte mas
sive psychotische Symptome in Form von Stimmenhören, Verfolgungs- und Beeinträchtigungserleben sowie von starken Ängsten fest und schlossen die Entwicklung einer paranoiden Schizophrenie nicht aus (Bericht vom 1
2.
Juli 2013;
Urk.
7/90). Sodann berichteten sie über zwei frühere
Hospitalisationen
des Beschwerdeführers in der
Z._
: 2009 sei er wegen einer
Alkoholintoxika
tion
behandelt worden, psychotische Symptome seien damals keine fest
gestellt worden. Die zweite
Hospitalisation
sei im Januar 2012 ebenfalls wegen einer Alkoholintoxikation erfolgt; damals habe der Beschwerdeführer leichte psychotische Symptome im Sinne einer formalgedanklichen Zerfah
renheit, aber ohne Stimmenhören oder Ich-Störungen gezeigt. Dabei habe er angegeben, wegen des ADHS
Fokalin
einzunehmen. Deutliche psychotische Symptome mit Stimmenhören und Bedrohungswahn seien erst jetzt, anläss
lich der dritten
Hospitalisation
festgestellt worden.
4.3
Im Anschluss an die
Hospitalisation
in der
Z._
trat der Beschwerdeführer am 29. Mai 2013 in die Entzugsabteilung der
A._
ein. Dem Bericht vom 3. Juli 2013 über das dort durchgeführte Assessment ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer angab, er habe das wegen des ADHS verschriebene Ritalin missbraucht, was dazu beigetragen habe, dass er begonnen habe, Stimmen zu hören (
Urk.
7/93/9). Diese Stimmen seien seit dem Eintritt in die Suchtbehandlung und dem Beginn der Medikation mit
Zypralex
in den Hintergrund getreten und hätten an Bedrohlichkeit verloren (
Urk.
7/93/11). Als Diagnosen wurden unter anderem psychotische, vorwie
gend
halluzinatorische
Störungen, bedingt durch Alkohol und Kokain, und der Verdacht auf eine paranoide Schizophrenie erhoben;
ritalinbedingte
psy
chotische Störungen wurden nicht als Diagnosen erwähnt (
Urk.
7/93/13).
4.4
Dr.
B._
untersuchte den Beschwerdeführer für das Gutachten vom
6. Dezember 2013 am 29. November 2013 (
Urk.
7/98). Gestützt darauf berichtete er, der Beschwerdeführer habe unter der Einnahme von Ritalin eine psychotische Störung entwickelt, die nach dem Absetzen des Medika
ments und unter
neuroleptischer
Behandlung zurückgegangen sei. Im heuti
gen Zeitpunkt weise er keine psychotischen Symptome mehr auf. Es bestehe indes immer noch eine erhebliche Reduktion der psychischen Belastbarkeit und deshalb immer noch eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Aus seiner Sicht lasse sich weder die Diagnose eines ADHS noch die Verdachtsdiagnose einer Schizophrenie bestätigen. Die seit 2011 bestehende 100%ige Arbeits
unfähigkeit sei einzig auf die
ritalinbedingte
psychotische Störung und damit auf ein Leiden mit Krankheitswert zurückzuführen.
4
.5
Dipl. med.
E._
, Facharzt für Neurologie,
für Psychiatrie und
für
Psycho
-
the
rapie
und
Arzt des
Regionalen Ärztlichen Dienst
es
(RAD) der Beschwerde
-
gegnerin
, nahm am 23. Dezember 2013 (Urk. 7/103/2) Stellung zum
Assessment-
Bericht vom
3. Juli
2013
(Urk. 7/93)
und
zum psychiat
rischen Gutachten von
Dr.
B._
vom 6. Dezember 2013
(Urk. 7/98)
.
Dazu führte er aus, die
ritalinbedingte
psychotische Störung, einschliesslich
hallu
zinatorischer
Symptome (ICD-10: F15.52),
stelle
nicht eine andauernde psy
chisch
e
Erkrankung
dar
, sondern eine medikamenteninduzierte psychische Störung, welche unter Absetzen des Medikamentes und
unter
neuroleptischer
Behandlung fast vollständig
verschwunden
sei
. Damit sei keine invaliden
versicherungsrechtlich relevante Störung vorhanden, welche die funktionelle Leistungsfähigkeit einschränke. Dass der Versicherte weiterhin in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei, sei Folge der langen Suchterkrankung und bedürfe weiterhin einer umfassenden suchtspezifischen Betreuung und Behandlung.
5.
5.1
Zwischen den Parteien herrscht grundsätzlich Einigkeit darüber, dass zur Beurteilung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers auf
das psychi
atrische Gutachten von
Dr.
B._
vom 6. Dezember 2013
(Urk. 7/98) abge
stellt werden kann
, was nicht zu beanstanden ist
.
Dr.
B._
attestierte
dem Beschwerdeführer aufgrund einer psychotischen Störung eine
anhaltende
vollständige Arbeitsunfähigkeit
seit
dem 1. August 2011 und
prognostizierte
die Wiedererlangung einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit
bis
Sommer
2014
(Urk. 7/98/10)
.
Während sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt stellt,
Dr.
B._
habe der psychotischen Störung ausdrücklich
Krankheits
wert
zugemessen, womit ein die Erwerbsfähigkeit längere Zeit beeinträch
tigender Gesundheitsschaden vorliege, der Anspruch auf eine befristete Rente begründe, leitet die IV-Stelle aus dem Gutachten von
Dr.
B._
ab, es habe
sich ausschliesslich um eine medikamenten-induzierte psychische Störung gehandelt. Die Diagnose eines ADHS sei vom Gutachter verneint worden, weshalb die Einnahme von Ritalin medizinisch nicht notwendig gewesen sei. Die Arbeitsunfähigkeit lasse sich vor allem mit dem Abhängigkeitsverhalten des Beschwerdeführers begründen.
5.2
Wie in Erwägung 1.2 hiervor ausgeführt, verlangt die bundesgerichtliche Rechtsprechung für das Vorliegen eines invalidenversicherungsrechtlich rele
vanten psychischen Gesundheitsschadens grundsätzlich eine auf ein aner
kanntes Klassifikationssystem abgestützte psychiatrische Diagnose. Eine solche wurde hinsichtlich der beschriebenen psychotischen Störungen nur soweit erhoben, als sie auf Alkohol und Kokain zurückzuführen waren (Assessmentbericht vom 3. Juli 2013 S. 13;
Urk.
7/93/13), nicht jedoch hin
sichtlich der
ritalinbedingten
Störungen. Trotzdem ergibt sich sowohl aus dem Bericht der
Z._
vom 1
2.
Juli 2013 (
Urk.
7/90), als auch aus dem Assessmentbericht vom 3. Juli 2013 (
Urk.
7/93) und dem Gutachten von
Dr.
B._
vom 6. Dezember 2013 (
Urk.
7/98) übereinstimmend und unzweifelhaft, dass der Beschwerdeführer aufgrund der Einnahme von Ritalin schwerste psychotische Störungen entwickelte mit Hören von Stimmen, die er einzelnen ihm bekannten Personen zuordnen konnte, mit Wahnideen und mit massiven Ängsten, bedroht oder verfolgt zu werden. Ein die Arbeitsfä
higkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden kann deshalb ohne
Weiteres
bejaht werden, was im Übrigen zu Recht auch von der Beschwerdegegnerin nicht in Abrede gestellt wird. Entgegen ihrer Auffassung ist es dabei uner
heblich, dass sich die Diagnose eines ADHS als Fehldiagnose herausstellte und die Behandlung mit Ritalin als Falschbehandlung qualifiziert werden muss. Denn auch ein durch eine Falschbehandlung ausgelöster
Gesundheits
schaden
kann invalidenversicherungsrechtlich von Bedeutung sein, wenn er zu einer länger andauernden Leistungsbeeinträchtigung führt. Dies ist dann
der Fall, wenn
n
a
ch Ablauf der Wartezeit nach
Art.
28
Abs.
2
lit
. b IVG wei
terhin eine mindestens 40%ige Erwerbsunfähigkeit besteht (
Art.
28
Abs.
1
lit
. c IVG). Keine Rolle spielt - wie in Erwägung 1.
3.
unter Hinweis auf BGE 127 V 294 ausgeführt - die grundsätzliche Behandelbarkeit der psychischen Stö
rung.
5.3
Gemäss den Ausführungen im Gutachten von
Dr.
B._
war dem Beschwer
deführer trotz der seit Jahren bekannten Alkohol- und
Kokainab
hängigkeit
im Jahr 2011 Ritalin in der Dosis von 60 mg pro Tag verschrieben worden (
Urk.
7/98/9). Von einem darüber hinausgehenden missbräuchlichen Konsum ist im Gutachten nicht die Rede. Kam es durch die Medikation im
verordneten Rahmen zu den beschriebenen psychotischen Störungen und der dadurch bewirkten Arbeitsunfähigkeit, so steht einem - befristeten - Renten
anspruch nichts im Weg.
Allerdings gab der Beschwerdeführer im Assessment der
A._
an, er habe das Ritalin über die verschriebene Dosis hinaus kon
sumiert (
Urk.
7/93/9) und habe zusätzlich zum Ritalin auch Alkohol getrun
ken (
Urk.
7/93/11), was zum Stimmenhören geführt beziehungsweise bewirkt habe, dass die Stimmen lauter und deutlicher zu hören gewesen seien. Durch einen solchen Überkonsum von Ritalin hervorgerufene psychotische Störun
gen würden, analog psychischer Störungen, die durch Alkohol- oder
Kokain
konsum
entstehen, keinen invalidenversicherungsrechtlich relevanten Gesundheitsschaden darstellen und keinen Rentenanspruch begründen.
5.4
Ritalin ist ein betäubungsmittelrezeptpflichtiges Medikament. Es kann daher ohne
Weiteres
festgestellt werden, welcher Arzt dem Beschwerdeführer Rita
lin in welcher Dosis verschrieb. Sodann wird die IV-Stelle, an welche die Sache zurückzuweisen ist, abzuklären haben, ob Ritalin in der verordneten Dosis allein, allenfalls auch zusammen mit Alkohol oder Kokain, die beschriebenen psychotischen Symptome hervorrufen kann oder ob diese auf einen während mehreren Monaten betriebenen Überkonsum zurückzuführen sind. Trifft ersteres zu, steht der Zusprechung einer befristeten Invalidenrente nichts im Wege, wobei allerdings noch das Ende der Befristung zu klären ist, da auf die prognostische Beurteilung von
Dr.
B._
, im Sommer 2014
sollte der Beschwerdeführer wieder uneingeschränkt arbeitsfähig sein (
Urk.
7/98/10), nicht abgestellt werden kann. Sind die psychotischen Störun
gen hingegen auf einen missbräuchlichen Überkonsum von Ritalin und allenfalls weiteren Substanzen zurückzuführen, können sie keinen Renten
anspruch bewirken.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen, die angefochtene Verfü
gung vom 2
7.
August 2015 ist aufzuheben und die Sache ist zur Abklärung im Sinne der Erwägungen an die IV-Stelle zurückzuweisen
.
Zwar
hat
sich die
Ritalin
einnahme
,
welche
gemäss
Dr.
B._
die psycho
tische Störung verursach
t hat
t
e
, im Nac
hhinein als unnötig erwies
en
(Urk. 7/98/9)
,
diese
erfolgte jedoch
auf fachärztliche
Verschreibung hin
(Urk. 7/35/3)
.
Wie in der Beschwerde ausgeführt wird (Urk. 1 S. 7), ist der Beschwerdeführer d
urch
die
Inanspruchnahme einer psychiatrisch-psycho
therapeutischen Suchtbehandlung
und
die Einnahme der verschriebenen Medikation
seiner Schad
enminderungspflicht gemäss Art.
7 Abs.
1 IVG nachgekommen.
Auch
ist zu berücksichtigen, dass
die Behandelbarkeit einer psychischen Störung für sich allein betrachtet nichts über deren invalidisie
renden Charakter aussagt
, sondern entscheidend ist, ob und inwiefern dem Versicherten auf dem
ihm
unter Berücksichtigung seiner Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt
noch eine
Verwertung der
Restar
beitsfähigkeit
zuzumuten ist
(BGE 127 V 294 E. 4
lit
. c, vgl. E. 1.3).
Da
Dr.
B._
als Folge der diagnostizierten psychotischen Störung eine seit 1. August 2011 bestehende
,
den Zeitpunkt der Begutachtung im November 2013 überdauernde
,
100%ige
Erwerbs
un
fähigkeit
attestierte
, ist
das Vorliegen eines invalidisierenden
Gesundheitsschaden
s
zu
bejahen
.
5.
2
Dr.
B._
stellte die Prognose, dass die konsequente Weiterführung der Gesprächspsychotherapie, der medikamentösen Therapie sowie der sozial
therapeutischen Massnahmen in Verbindung mit einem Arbeitstraining in geschütztem
Rahmen zur Wiederherstellung der vollen Arbeits- beziehungs
weise Ausbildungsfähigkeit
bis im Sommer 2014
führen würde
(Urk. 7/98/10)
.
In Einklang damit steht der in der Beschwerde vom 25. Sep
-
tember
2015 gestellte Antrag auf
Zusprache
einer ganzen Invaliden
rente
für den Zeitraum
vom
1. Mai 2013
bis zum
31. Juli 2014
(Urk. 1 S. 2).
Das beantragte Rentenende wird mit
der
im
August
2014
begonnenen
kauf
männische
n
Lehre
begründet
(
Urk.
1
S.
4
, Urk. 3/4
)
.
Aus den bestehenden medizinischen Akten ergibt sich eine von August 2011 bis Dezember 2013 attestierte vollständige Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit (Urk. 7/98/10). Hingegen
fehlen
ärztliche Berichte betreffend den Zeitraum zwischen der Begutachtung und dem Erlass der angefochtenen Verfügung im August 2015 (Urk. 2).
Damit kann insbesondere nicht beurteilt werden
, ob
sich
die
im Dezember 2013
von
Dr.
B._
gestellte
Prognose
, wonach der Beschwerdeführer im Sommer 2014 wieder eine uneingeschränkte Arbeits
fähigkeit erlangt haben werde,
verwirklicht
e
(Urk. 7/98/10)
.
Insbesondere u
nter Berücksichtigung von
Art. 88a Abs. 1 IVV,
wonach eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit erst zu berücksichtigen ist, wenn sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussichtlich weiter andau
ern wird,
ist eine Beurteilung des Rentenanspruchs bis zum Erlass der ange
fochtenen Verfügung nicht möglich. Es sind
zusätzliche
medizinische Abklärungen in Form einer ergänzenden psychiatrischen Begutachtung not
wendig
.
Da diese eine vollständig ungeklärte Frage betreffen, ist die Sache zu deren Vornahme an die IV-Stelle zurückzuweisen (BGE 139 V 99 E. 1.1 mit Hinweis auf
BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4
).
5.
3
Aufgrund der seit 1. August 2011 attestierten Arbeitsunfähigkeit war d
as
Wartejahr gemäss Art. 6 ATSG in Verbindung mit Art. 28
Abs.
1
lit
. b IVG
am 1
.
August 2012
abgelaufen
.
Da die
Anmeldung zum Leistungsbezug
erst am 23
.
November 2012
(Urk.
7
/
7
1)
erfolgte, endete
die kumulativ zu beach
tende Frist von sechs Monaten zwischen Anmeldung und Entstehung des Rentenanspruchs erst nach Ablauf des Wartejahrs.
Da
mit
ergibt sich ein Rentenbeginn am
1.
Mai 2013 (Art. 29 Abs. 1 und 2 IVG,
BGE 138 V 475 E.
2.1.2)
.
Unter Berücksichtigung der Dreimonatsfrist gemäss
Art. 88a Abs. 1 IVV
besteht damit
aufgrund der
bis Dezember 2013 attestierten vollständigen Erwerbsunfähigkeit
zwischen dem 1. Mai 2013 und dem 31. März 2014 ein
Anspruch auf eine ganze
Invalidenr
ente
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_994/2010 vom 12. April 2011 E. 3.2.3 mit Hinweisen auf die Urteile I 315/02 vom 9. Dezember 2003 E. 4.2 und I 685/03 vom 20. Oktober 2004 E. 4.1)
.
5.4
D
ie Beschwerde
ist damit
in dem Sinne gutzuheissen, dass festgestellt wird, dass
der Beschwerdeführer
zwischen dem 1. Mai 2013 und dem 31. März 2014 Anspruch auf eine ganze Rente
hat
und die Sache
zur ergänzenden psychiatrischen Begutachtung des Beschwerdeführers betreffend den Zeit
raum
ab Dezember 201
3
der
an die IV-Stelle zurückgewiesen wird.
6.
Der Streitgegenstand des Verfahrens betrifft die Bewilligung oder Verweige
rung von Leistungen der Invalidenversicherung. Das Verfahren ist daher kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
I
VG) und
ermes
sensweise
auf
Fr.
7
00.-- anzusetzen.
Bei diesem Verfahrensausgang sind die Kosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.