# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** cea994cb-7cdc-4db7-9a01-d3456d4f371b
**Court:** ZH_HG
**Chamber:** ZH_HG_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Forderung
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Rechtsbegehren: (act. 1 S. 2 ff.)
"1. Es sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin 1 den Betrag von USD 2'033'711.50 zuzüglich 5 % Zins seit 9. November 2007 zu bezahlen;
2. es sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin 1 die zwischen dem 31. August 2010 und dem Zeitpunkt der Bezahlung des  Rechtsbegehren 1 eingeklagten Betrages anfallenden Schuldzinsen von 4 % von USD 1'469'382.54 zu bezahlen;
3. es sei der Rechtsvorschlag in der Betreibung Nr. 1 des  Zürich 1 (Zahlungsbefehl vom 1. November 2001) vollumfänglich, eventualiter zumindest im Umfang der  der Rechtsbegehren 1 und 2 aufzuheben;
4. es sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin 2 den Betrag von USD 1'442'748.50 zuzüglich 5 % Zins seit 13. August 2008 zu bezahlen;
5. es sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin 2 die zwischen dem 31. August 2010 und dem Zeitpunkt der Bezahlung des  Rechtsbegehren 4 eingeklagten Betrages anfallenden Schuldzinsen von 4 % von USD 1'284'900.53 und von 4 % von CHF 92.55 zu bezahlen;
6. es sei der Rechtsvorschlag in der Betreibung Nr. 2 des  Zürich 1 (Zahlungsbefehl vom 1. November 2001) vollumfänglich, eventualiter zumindest im Umfang der  der Rechtsbegehren 4 und 5 aufzuheben;
7. es sei die Beklagte unter Strafandrohung von Art. 292 StGB im Unterlassungsfall zu verpflichten, sämtliche Unterlagen betreffend die Kundenbeziehungen der Klägerinnen seit deren Bestehen und insbesondere aber nicht abschliessend folgende Unterlagen zu edieren:
- den von ihrem ehemaligen Mitarbeiter D._ im Herbst 2008 erstellten Bericht zu seiner Tätigkeit im Zusammenhang mit der Betreuung der Klägerinnen als Kundinnen der Beklagten;
- den Bericht der in den E-Mails der Mitarbeiter der Beklagten vom 26. und 27. November 2008 erwähnten, bankinternen  über die Kundenbeziehungen der Klägerinnen;
- sämtliche weiteren bankinternen Akten und Notizen betreffend die Kundenbeziehung der Klägerinnen zur Beklagten,  Besprechungsnotizen der Kundenberater der ;
- sämtliche schriftlichen Transaktionsaufträge oder Notizen  erteilter Aufträge der Klägerinnen sowie die entspre-
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chenden internen Einträge über die Entgegennahme der  Aufträge;
- sämtliche Transaktions- und Kontoübertragungsbelege,  aber nicht abschliessend die Transaktionsbelege für die zulasten der Klägerinnen getätigten Optionsgeschäfte  die zulasten der Klägerin 1 getätigten Investitionen in den "... Fund", den "... Fund ..." und den "... Fund ...";
- sämtliche Vermögensverzeichnisse der Klägerinnen;
- eine detaillierte Auflistung der den Klägerinnen belasteten  und Gebühren;
- eine detaillierte Auflistung sämtlicher Retrozessionen, welche die Beklagte für die zulasten der Klägerinnen getätigten  bezogen hat; sowie
- einen ausführlichen Bericht zum Risikomanagement betreffend die Kundenbeziehungen der Klägerinnen, insbesondere unter Offenlegung der konkreten Margenerfordernisse für  und der entsprechenden Berechnungsgrundlagen;
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich ) zulasten der Beklagten."
Geändertes Rechtsbegehren: (act. 41 S. 2 f.)
"1. Es sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin 1 den Betrag von
USD 2'033'711.50 zuzüglich 5 % Zins seit 9. November 2007 zu bezahlen;
2. es sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin 1 einen nach  der Kontobeziehung zu quantifizierenden Betrag,  aber USD 250'000, für bezahlte Schuldzinsen und  zu bezahlen;
3. es sei der Rechtsvorschlag in der Betreibung Nr. 1 des  Zürich 1 (Zahlungsbefehl vom 1. November 2010) vollumfänglich, zumindest im Umfang der Gutheissung der Rechtsbegehren 1 und 2, aufzuheben;
4. es sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin 2 den Betrag von USD 1'442'748.50 zuzüglich 5 % Zins seit 13. August 2008 zu bezahlen;
5. es sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin 2 den Betrag von USD 254'293.87 für die von ihr zwischen dem 1. Oktober 2008 und dem 8. August 2012 erhobenen Schuldzinsen und  zu bezahlen;
6. es sei der Rechtsvorschlag in der Betreibung Nr. 2 des  Zürich 1 (Zahlungsbefehl vom 1. November 2010)
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vollumfänglich, zumindest im Umfang der Gutheissung der Rechtsbegehren 4 und 5, aufzuheben;
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beklagten."
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Inhaltsverzeichnis
A. Sachverhaltsübersicht.............................................................................................. 6
a. Parteien und ihre Stellung......................................................................... 6 b. Prozessgegenstand ................................................................................... 6
B. Prozessverlauf .......................................................................................................... 8 a. Klageeinleitung ........................................................................................... 8 b. Weitere Verfahrensschritte ....................................................................... 8
1. Formelles .................................................................................................................. 9 1.1. Anwendbares Prozessrecht...................................................................... 9 1.2. Zuständigkeit ............................................................................................... 9 1.2.1. Örtliche Zuständigkeit ................................................................................ 9 1.2.2. Sachliche Zuständigkeit ..........................................................................10 1.3. Zu den Rechtsbegehren 2, 5 und 7 .......................................................10 1.4. Anwendbares materielles Recht ............................................................12
2. Aktivlegitimation der Klägerin 1 .......................................................................12 3. Qualifikation des Vertragsverhältnisses........................................................14
3.1. Unbestrittener Sachverhalt .....................................................................15 3.1.1. Grundlagen; schriftliche Dokumentation...............................................15 3.1.2. Relevante Konti- und Depotverbindungen ...........................................16 3.1.3. Zusammensetzung und Höhe der Depots zu Beginn der
vertraglichen Beziehung und Ende Jahr 2007.....................................17 3.1.4. Käufe und Verkäufe im Zeitraum von November 2007 bis
Oktober 2008 ............................................................................................17 3.2. Streitpunkte ...............................................................................................18 3.2.1. Klägerische Vorbringen ...........................................................................18 3.2.2. Beklagtische Vorbringen .........................................................................21 3.3. Rechtliches ................................................................................................24 3.4. Würdigung .................................................................................................27 3.5. Fazit ............................................................................................................34
4. Genehmigung ........................................................................................................34 4.1. Vorbemerkung ..........................................................................................34 4.2. Unbestrittener Sachverhalt .....................................................................35 4.3. Parteivorbringen .......................................................................................36 4.3.1. Klägerische Vorbringen ...........................................................................36 4.3.2. Beklagtische Vorbringen .........................................................................38 4.4. Rechtliches ................................................................................................39 4.5. Würdigung .................................................................................................41 4.5.1. Zur Zustellung ...........................................................................................41 4.5.2. Zur Genehmigung in Bezug auf die Klägerin 1 im Speziellen...........42 4.5.3. Zur Genehmigung in Bezug auf die Klägerin 2 im Speziellen...........45 4.6. Fazit ............................................................................................................49
5. Zusammenfassung ..............................................................................................49 6. Kosten- und Entschädigungsfolgen ...............................................................49
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Sachverhalt und Verfahren
A. Sachverhaltsübersicht
a. Parteien und ihre Stellung
Die Klägerin 1 ist eine auf den britischen Jungferninseln domizilierte Gesellschaft,
deren Gesellschaftszweck die Gründung und Verwaltung von Trusts beinhaltet.
Sie ist Trustee des E._ Trusts. F._ ist Settlor des E._ Trusts und
deren Begünstigter.
Die Klägerin 2 ist eine ebenfalls auf den britischen Jungferninseln inkorporierte
Gesellschaft, deren Zweck das Halten von Vermögen umfasst (act. 1 Rz. 15).
Einziger wirtschaftlicher Berechtigter am Gesellschaftsvermögen der Klägerin 2 ist
F._ (vgl. act. 3/11). Die Klägerin 2 gehört zur weltweit operierenden G._
-Gruppe (act. 9 Rz. 115).
Bei der Beklagten handelte es sich ursprünglich um die H._ AG, eine Aktien-
gesellschaft mit Sitz in I._, deren Zweck der Betrieb einer Bank war, insbe-
sondere für das Private Banking im In- und Ausland (act. 1 S. 13 Rz. 18; act. 3/5;
act. 9 S. 10 Rz. 25). Aufgrund der Fusion der H._ AG mit der C._ AG
wurde erstere vollständig in die Organisation der C._ AG integriert. Deshalb
ist nun die C._ AG die Beklagte in diesem Verfahren. Bei ihr handelt es sich
um eine Aktiengesellschaft mit Sitz in I._, deren Zweck der Betrieb einer
Bank ist.
b. Prozessgegenstand
Beide Klägerinnen sind Kundinnen bei der Beklagten und verfügen bei ihr über
Konti und Wertschriftendepots (vgl. act. 3/6 und 3/7). Im Jahre 2008 erlitten die
Klägerinnen aufgrund der getätigten Börsentransaktionen, insbesondere aufgrund
von Optionsgeschäften, beträchtliche Verluste. Diese Verluste machen die Kläge-
rinnen als Schaden gegenüber der Beklagten geltend. Sie behaupten, dass sie
mit der Beklagten einen Vermögensverwaltungsvertrag eingegangen seien und
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diese den Vertrag aufgrund der risikoreichen Transaktionen verletzt hätte; sie hät-
ten lediglich eine konservative Anlagestrategie verfolgen und namentlich lediglich
einen Grossteil des Vermögens in Festgeld oder in einen Geldmarktfonds inves-
tieren wollen. D._, der für sie zuständige Kundenberater, habe selbständig
und ohne Ermächtigung riskante Börsengeschäfte getätigt. Eventualiter stützen
die Klägerinnen ihren Schadenersatzanspruch auf einen Anlageberatungsvertrag.
Die Beklagte beantragt Abweisung der Klage. Sie macht geltend, dass zwischen
ihr und den Klägerinnen schriftlich vereinbart worden sei, dass sie lediglich
Transaktionen im Auftrag der Klägerinnen ausführe. Demnach würden zwischen
den Parteien einfache Konto- und Depotverträge, mithin betreffend die fraglichen
Transaktionen ein sogenanntes "execution only"-Verhältnis, vorliegen. Vermö-
gensverwaltungsverträge seien jedoch ausgeschlossen. Die Transaktionen seien
von den Klägerinnen beziehungsweise deren Vertreter F._ in Auftrag gege-
ben worden und von diesen gewollt gewesen. Zusätzlich habe die Beklagte die
Klägerinnen beziehungsweise F._ korrekt – sofern sie überhaupt eine dies-
bezügliche Pflicht treffe – über die Risiken im Effektenhandel aufgeklärt. Schliess-
lich hätten die Klägerinnen während längerer Zeit nicht gegen die angeblich wei-
sungswidrigen Transaktionen opponiert, obwohl ihnen monatlich die Konto- und
Depotauszüge zugestellt worden seien. Selbst wenn das Vertragsverhältnis als
Anlageberatungsvertrag oder gar als Vermögensverwaltungsvertrag qualifiziert
werden sollte, würde keine Pflichtverletzung durch die Beklagte vorliegen (act. 9
S. 48 ff., act. 46 Rz. 93 ff.). Schliesslich wären nicht von den Klägerinnen in Auf-
trag gegebene Transaktionen – sollte die Beklagte solche vorgenommen haben –
ohnehin nachträglich durch diese genehmigt worden (act. 9 S. 51 ff.; act. 46 Rz. 8
ff.). Im Übrigen seien die geltend gemachten Ansprüche verjährt (act. 9 S. 7 f. und
S. 43 ff.; act. 46 Rz. 115 ff.).
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B. Prozessverlauf
a. Klageeinleitung
Mit Eingabe vom 9. Dezember 2010 (Datum Poststempel) machten die Klägerin-
nen die Klage anhängig (act. 1).
b. Weitere Verfahrensschritte
Die mit Verfügung vom 13. Dezember 2010 (Prot. S. 2 f.) in Anwendung von § 73
Ziff. 1 ZPO/ZH verlangten Prozesskautionen für die Gerichtskosten und die Pro-
zessentschädigung leisteten die Klägerinnen fristgerecht (act. 6). In der Folge
wurde mit Verfügung vom 21. Januar 2011 (Prot. S. 4 f.) das als prozessualen An-
trag formulierte Editionsbegehren (act. 1 S. 4) der Klägerinnen abgewiesen und
der Beklagten Frist zur Klageantwort angesetzt. Diese ging mit Eingabe vom
15. April 2011 ein (act. 9). Am 25. Mai 2011 wurden die Parteien zur Referenten-
audienz und Vergleichsverhandlung am 16. September 2011 vorgeladen (act. 11),
welche auf Antrag der Klägerinnen auf den 13. Dezember 2011 verschoben wur-
de (act. 13/1). Anlässlich derselben konnten die Parteien keine Einigung finden,
kamen jedoch überein, aussergerichtliche Vergleichsgespräche zu führen
(Prot. S. 7 ff.), welche indes ebenfalls scheiterten (Prot. S. 10).
Mit Verfügung vom 25. Januar 2012 (Prot. S. 11) wurde die schriftliche Fortset-
zung des Verfahrens angeordnet und den Klägerinnen Frist zur Replik angesetzt.
Mit Eingabe vom 15. Februar 2012 (act. 16; act. 17 S. 2 ff.) stellten die Klägerin-
nen ein Begehren betreffend Edition und Zeugeneinvernahme vor dem zweiten
Schriftenwechsel und beantragten die Abnahme der Frist zur Einreichung der
Replik bis zum betreffenden Entscheid. Mit Verfügung vom 17. Februar 2012
(Prot. S. 12) wurde den Klägerinnen die Frist zur Erstattung der Replik einstweilen
abgenommen und der Beklagten Frist zu Stellungnahme zu den klägerischen An-
trägen angesetzt. Diese erfolgte mit Eingabe vom 2. April 2012 (act. 21). Mit Ein-
gabe vom 18. April 2012 (act. 23) erfolgte eine unaufgeforderte Stellungnahme
der Klägerinnen, mit welcher sie ihre Begehren präzisierten. Die Beklagte nahm
hiezu mit Eingabe vom 16. Mai 2012 (act. 27) ebenfalls unaufgefordert Stellung.
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Die Klägerinnen reagierten wiederum unaufgefordert mit Eingabe vom 5. Juni
2012 (act. 29). Alle Eingaben wurden der jeweiligen Gegenseite zugestellt
(Prot. S. 13 ff.). Mit Beschluss vom 27. Juli 2012 wurden die Anträge der Kläge-
rinnen betreffend Edition und Zeugeneinvernahme abgewiesen (act. 31). Gegen
diesen Beschluss haben die Klägerinnen am 12. September 2012 Beschwerde
am Bundesgericht eingereicht (act. 33). Das Bundesgericht trat mit Urteil vom
7. Februar 2013 auf die Beschwerde nicht ein (act. 37).
Die den Klägerinnen mit Verfügung vom 17. Februar 2012 abgenommene Frist
zur Einreichung der Replik wurde sodann mit Verfügung vom 12. März 2013 wie-
der aufgenommen und letztmals bis 7. Mai 2013 erstreckt (act. 39). Nach recht-
zeitigem Eingang der Replik wurde schliesslich der Beklagten mit Verfügung vom
13. Mai 2013 Frist bis 5. Juni 2013 zur Erstattung der Duplik angesetzt. Nach
mehrmals erstreckter Frist (Prot. S. 20) reichte die Beklagte die Duplik fristgerecht
am 16. September 2013 (Poststempel) dem hiesigen Gericht ein (act. 46). Diese
wurde den Klägerinnen mitsamt Beilagen zugestellt (act. 48). Den Parteien wurde
die heutige Beratung mit Schreiben vom 10. September 2014 (act. 51) angezeigt.

## Considerations

Erwägungen
1. Formelles
1.1. Anwendbares Prozessrecht
Die Klage wurde am 9. Dezember 2010 (Poststempel) eingereicht, mithin vor In-
krafttreten der Schweizerischen Zivilprozessordnung. Nach Art. 404 Abs. 1 ZPO
gelten für das vorliegende Verfahren somit die früheren Verfahrensbestimmungen
des Kantons Zürich (ZPO/ZH und GVG/ZH).
1.2. Zuständigkeit
1.2.1. Örtliche Zuständigkeit
Nach Art. 404 Abs. 2 ZPO bestimmt sich die örtliche Zuständigkeit nach dem
neuen Recht (ZPO), wobei jedoch eine bereits bestehende Zuständigkeit nach al-
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tem Recht erhalten bleibt. Das revidierte Übereinkommen über die gerichtliche
Zuständigkeit und die Anerkennung und Vollstreckung von Entscheidungen in Zi-
vil- und Handelssachen (LugÜ, SR 0.275.12) trat per 1. Januar 2011 in Kraft.
Gemäss Art. 63 Ziff. 1 LugÜ gilt für vor dem Inkrafttreten des revidierten LugÜ an-
gehobene Klagen das bisherige LugÜ (aLugÜ).
Die örtliche Zuständigkeit stützt sich auf die in den die Bankbeziehung begrün-
denden Unterlagen enthaltenen Gerichtsstandsklauseln (act. 3/6 Ziff. 8 und 3/7
Ziff. 14), mittels derer Zürich als Gerichtsstand prorogiert wurde (für die Klägerin
1: "Zurich 2 is the place of execution and collection (...) and represents the exclu-
sive place of jurisdiction for all proceedings."; für die Klägerin 2: "The exclusive
venue for any kind of legal proceedings is Zurich. (...)."). Gegenstand der Klage
sind Schadenersatzansprüche aus Vertragsverletzung. Dabei handelt es sich um
eine Zivilsache im Sinne von Art. 1 aLugÜ.
Auch wenn das Vereinigte Königreich einen Vorbehalt in Bezug auf die britischen
Jungferninseln angebracht hat, ist vorliegend das LugÜ anwendbar. So genügt es
für die Anwendbarkeit von Art. 17 LugÜ, wenn nur die Beklagte ihren Sitz in ei-
nem Vertragsstaat hat (BSK-BERGER, Art. 23 LugÜ N 10). Die vereinbarten Ge-
richtsstandsklauseln genügen den Anforderungen von Art. 17 aLugÜ, wonach in
örtlicher Hinsicht die Zuständigkeit der Zürcher Gerichte begründet wird.
1.2.2. Sachliche Zuständigkeit
Die Beklagte ist im Handelsregister eingetragen. Der vorliegende Streit bezieht
sich auf das von der Beklagten betriebene Gewerbe. Der Streitwert beträgt mehr
als CHF 30'000.--. Somit ist das Handelsgericht auch sachlich zuständig (§ 63
Abs. 1 i.V.m. § 62 GVG/ZH).
1.3. Zu den Rechtsbegehren 2, 5 und 7
Gemäss § 107 Abs. 1 ZPO/ZH besteht eine Folge der Rechtshängigkeit darin,
dass eine Klageänderung nur noch gemäss § 61 ZPO/ZH sowie zur Verdeutli-
chung des Rechtsbegehrens, zum Nachbringen von Nebenpunkten und zur Be-
richtigung von Rechnungsirrtümern zulässig ist. Die Beschränkung des Rechts-
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begehrens kommt einem teilweisen Klagerückzug gleich und ist jederzeit zulässig
(RICHARD FRANK/HANS STRÄULI/GEORG MESSMER, Kommentar zur zürcherischen
Zivilprozessordnung, 3. Aufl., Zürich 1997, § 107 N 7 m.w.H.). Ein weiterer An-
spruch oder aber auch eine höhere Klagesumme als zunächst eingeklagt können
geltend gemacht werden, sofern der Anspruch dem gleichen Rechtsverhältnis
entstammt (RICHARD FRANK/HANS STRÄULI/GEORG MESSMER, a.a.O., § 61 N 5 f.).
a) Die Klägerin 1 verlangt zunächst mit ihrer Klageschrift in ihrem Rechtsbe-
gehren 2 einen Betrag, welcher abhängig ist vom Urteilszeitpunkt. In ihrer Replik
sodann fordert sie einen Betrag, welcher vom Zeitpunkt der Beendigung der (wohl
heute auch) noch offenen Kontobeziehung abhängt bzw. einen Mindestbetrag.
Dieser Mindestbetrag würde etwa demjenigen Betrag entsprechen, welcher bei
einer Beendigung der Kontobeziehung per August 2005 anfallen würde. Dieses
geänderte Rechtsbegehren ist zu unbestimmt und müsste grundsätzlich von der
Klägerin 1 noch spezifiziert werden. Doch angesichts der Klageabweisung kann
davon abgesehen werden. Bei heutigem Urteilszeitpunkt erweist sich das geän-
derte Rechtsbegehren (Mindestbetrag) als höher als das ursprüngliche, womit ei-
ne Klageänderung vorliegt.
b) Mit dem Rechtsbegehren 5 verlangt die Klägerin 2 in ihrer Klageschrift
wie die Klägerin 1 einen vom Urteilszeitpunkt abhängigen Betrag. In ihrer Replik
macht sie sodann aber einen genau bezifferten Betrag geltend. Mit heutigem Ur-
teil würde der ursprünglich geltend gemachte Betrag kleiner ausfallen als der mit
dem geänderten Rechtsbegehren 5 geforderte Betrag. Mit anderen Worten: Beim
geänderten Rechtsbegehren handelt es sich um eine Klageänderung; die einge-
klagte Klagesumme wurde erhöht.
c) In der Klageschrift stellten die Klägerinnen in ihrem Rechtsbegehren 7
zahlreiche Editionsbegehren, welche sie in act. 23 S. 2 ff. präzisierten. Mit Einga-
be vom 15. Februar 2012 (act. 17) stellten die Klägerinnen alsdann ein weiteres
Begehren betreffend Edition und Zeugeneinvernahme vor dem zweiten Schriften-
wechsel. Mit Beschluss vom 27. Juli 2012 wurden ihre Anträge - soweit gestützt
auf § 183 Abs. 1 ZPO/ZH - abgewiesen (act. 31). In E. 4.2 dieses Beschlusses
wurde sodann ausgeführt, dass der Entscheid über den materiell-rechtlichen An-
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spruch auf Auskunfts- und Herausgabepflicht gemäss Art. 400 Abs. 1 OR nach
zweifachem Schriftenwechsel sowie allenfalls nach einem daran anschliessenden
Beweisverfahren ergehen würde.
Da die Klägerinnen nun aber mit der Replik diese Editionsbegehren nicht mehr
stellen, ziehen sie ihren ursprünglich noch geltend gemachten materiellen An-
spruch auf Auskunfts- und Herausgabepflicht zurück. Es handelt sich dabei um
einen Klagerückzug.
1.4. Anwendbares materielles Recht
Die zu Beginn der jeweiligen Bankbeziehung von den Parteien unterzeichneten
Unterlagen zur Eröffnung der verschiedenen Konti und Wertschriftendepots ent-
halten je eine Rechtswahl zu Gunsten des Schweizer Rechts:
Für die Klägerin 1: "All legal relations between the Client and
the Bank are governed by Swiss law." (act. 3/6 Ziff. 8)
Für die Klägerin 2: "(...) All legal relations between the Client
and the Bank are governed by Swiss law. (...)" (act. 3/7
Ziff. 14)
Dies stellt eine gültige Rechtswahl im Sinne von Art. 116 Abs. 1 IPRG dar, wes-
halb auf die vorliegende Streitigkeit grundsätzlich Schweizer Recht anzuwenden
ist.
2. Aktivlegitimation der Klägerin 1
a) Die Sachlegitimation (Aktiv- und Passivlegitimation) stellt keine Prozess-
voraussetzung dar. Sie ist vielmehr eine Frage des materiellen Rechts. Aktiv- und
Passivlegitimation als materielle Voraussetzungen des eingeklagten Anspruchs
sind spätestens am Ende des Prozesses von Amtes wegen zu prüfen. Fehlt es an
der Sachlegitimation, ist die Klage schon alleine aus diesem Grund abzuweisen,
auch wenn die Sachlegitimation von keiner Seite bestritten wird (ZR 86/1987
Nr. 68; FRANK RICHARD/STRÄULI HANS/MESSMER GEORG, a.a.O., § 27/28 N 65 ff.).
Die Aktivlegitimation ist die Berechtigung der klagenden Partei, das eingeklagte
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Recht oder Rechtsverhältnis geltend zu machen. Diese fehlt, wenn der Anspruch
der klagenden Partei nicht zusteht (KARL SPÜHLER/ANNETTE DOLGE/MYRIAM GEHRI,
Schweizerisches Zivilprozessrecht, 9. Aufl., Bern 2010, S. 108).
b) Die Klägerin 1 begründet ihre Legitimation zur Anhebung der Klage damit,
dass sich die Klage auf den von ihr verwalteten E._ Trust bezieht und dass
entsprechend Art. 2 lit. b des Haager Übereinkommens über das auf Trusts an-
zuwendende Recht und über ihre Anerkennung [HTÜ, SR 0.221.371] die Rechte
in Bezug auf das Vermögen des Trusts auf den Namen des Trustee oder auf den
Namen einer anderen Person in Vertretung des Trusts lauten. Die Klägerin 1 sei
Trustee des E._ Trusts (act. 1 S. 89; act. 41 Rz. 7 f.). Der Trustee sei Eigen-
tümer des Trustvermögens, weshalb beispielsweise zum Trust gehörende Na-
menaktien oder Grundstücke auf den Namen des Trustees registriert würden. Als
Trustee sei die Klägerin aktivlegitimiert (act. 41 Rz. 9). Entgegen der Ansicht der
Beklagten könne diese mit befreiender Wirkung an die Klägerin 1 leisten. So be-
schlage die interne Zuordnung der Leistungen zum Sondervermögens des
E._ Trusts nur das interne Verhältnis sowie die Verantwortlichkeit des Trus-
tees (act. 41 Rz. 10).
c) Die Beklagte bestreitet die Aktivlegitimation der Klägerin 1. Zur Begrün-
dung bringt sie im Wesentlichen vor, dass das Vermögen des Trusts ein vom
Vermögen des Trustees getrenntes Sondervermögen darstelle und dass, wenn
die Klägerin 1 Ansprüche des E._ Trusts vor Gericht in ihrer Funktion als
Trustee geltend mache, sie als solcher auftreten müsse, zumal die Prozessfüh-
rungskompetenz des Trustees nicht an die Person, sondern an die Funktion als
Trustee geknüpft sei. Gerade da die Klägerin 1 mutmasslich Trustee zahlloser
Trusts sei, müsse sie Ansprüche für einen bestimmten von ihr verwalteten Trust in
ihrer Funktion als Trustee genau dieses Trusts wahrnehmen. Der Klägerin 1
selbst stünden die Ansprüche des Trusts nicht zu, weshalb im Falle des Obsie-
gens der Klägerin 1 keine Gutsprache an diese erfolgen könne, sondern nur an
den durch sie repräsentierten Trust (act. 9 S. 5 ff.).
d) Die Parteien sind sich zu Recht darüber einig, dass auf Trusts in interna-
tionalen Sachverhalten gemäss Art. 149c IPRG das Haager Übereinkommen über
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das auf Trusts anzuwendende Recht und über ihre Anerkennung [HTÜ,
SR 0.221.371] anwendbar ist. Art. 2 Abs. 2 HTÜ hält fest, dass das Vermögen
des Trusts ein vom Vermögen des Trustees getrenntes Sondervermögen darstellt
(lit. a) und die Rechte in Bezug auf das Vermögen des Trusts auf den Namen des
Trustees oder auf den Namen einer anderen Person in Vertretung des Trustees
lauten (lit. b). In Art. 11 Abs. 2 HTÜ heisst es ferner, dass der Trustee in seiner
Eigenschaft als Trustee klagen oder verklagt werden kann. Angesichts des Um-
standes, dass es sich beim Vermögen des Trusts um ein vom Vermögen des
Trustees strikte getrenntes Sondervermögen handelt, erscheint es naheliegend,
dass die Prozessführungskompetenz des Trustees nicht an die Person, sondern
lediglich an die Funktion anknüpft. Demgemäss enthält Art. 11 Abs. 3 HTÜ auch
diverse Bestimmungen, die darauf ausgerichtet sind, das Vermögen des Trusts
gegenüber dem Trustee klar abzugrenzen und zu schützen. Somit kann die Klä-
gerin 1 (im Aussenverhältnis) in eigenem Namen klagen und entsprechend Pro-
zesse führen (vgl. dazu auch PETER MAX GUTZWILLER, Schweizerisches Internati-
onales Trustrecht, Kommentar, Basel 2007, N 11-16 f.). Da dies jedoch funkti-
onsmässig als Trustee des E._ Trusts geschieht, ist die Klägerin 1 (im In-
nenverhältnis) aber selbstverständlich verpflichtet, allfällige Zahlungen aus die-
sem Verfahren dem Trust zukommen zu lassen und (unter Beachtung von Art. 11
Abs. 3 lit. d HTÜ) Vermischungen (zwischen ihrem eigenen Vermögen und dem-
jenigen des Trusts) vollständig zu verhindern.
Zusammenfassend ist vorliegend die Aktivlegitimation der Klägerin 1 zu bejahen,
und zwar unabhängig davon, ob die Klägerin 1 auch noch bezüglich weiterer
Trusts Trustee ist.
3. Qualifikation des Vertragsverhältnisses
Die Klägerinnen machen Schadenersatz aus Vertragsverletzung geltend. Zu-
nächst ist zu prüfen, wie das Vertragsverhältnis zwischen den Parteien rechtlich
zu qualifizieren ist. Die Parteien sind sich diesbezüglich uneinig. Während sich die
Klägerinnen auf den Standpunkt stellen, dass ein Vermögensverwaltungsvertrag,
eventualiter ein Anlageberatungsvertrag, vorliege (act. 1 Rz. 282 ff., 289), argu-
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mentiert die Beklagte, dass es sich um eine reine Konto-/Depotbeziehung (exe-
cution-only) handle (act. 9 Rz. 156 ff.).
3.1. Unbestrittener Sachverhalt
3.1.1. Grundlagen; schriftliche Dokumentation
Die Klägerin 1 als Trustee des E._ Trusts eröffnete bei der Beklagten im
Februar 2006 ein Konto sowie ein Wertschriftendepot in der Referenzwährung
USD. Die G._ SA in K._ ("G._") wurde als Zustelladresse bezeich-
net; die Zustellung der Konto- und Depotauszüge wurde auf jedes Monatsende
vereinbart (act. 3/6 Ziff. 1.4.1; act. 3/16 S. 2). Ein schriftlicher Vermögensverwal-
tungsauftrag wurde nicht abgeschlossen. Die von der Beklagten zu erbringende
Leistung wurde mit "Custody & Execution Services" bezeichnet (act. 3/17 S. 1),
bei der Anlagestrategie "no strategy" angekreuzt (act. 3/17 S. 1) und die voraus-
sichtliche Anlageaktivität mit "mittel" eingestuft (act. 3/17 S. 4). Am 12. April 2007
wurde für die Klägerin 1 ein weiteres Wertschriftendepot eingerichtet ("Subportfo-
lio", act. 10/2). Auch bezüglich dieses Depots wurde als Zustelladresse für die
Bankkorrespondenz die G._ und die monatliche Zustellung der Konto- und
Wertschriftenauszüge vereinbart (act. 10/2 S. 2).
Die Klägerin 2 begann ihre Bankbeziehung mit der Beklagten im Mai 2008
(act. 3/7). Die Parteien vereinbarten, dass die Korrespondenz banklagernd erfol-
gen sollte (act. 3/7 Ziff. 7.2). Ein schriftlicher Vermögensverwaltungsauftrag wurde
ebenfalls nicht abgeschlossen (act. 1 Rz. 40).
Sodann ermächtigten die beiden Klägerinnen die Beklagte, per Telefon oder Tele-
fax erteilte Aufträge anzunehmen (act. 3/16; act. 3/22). Als Bevollmächtigter für
die Klägerin 1 wurde F._ eingesetzt (act. 3/18) und dieser wurde dadurch be-
rechtigt, für die Klägerin 1 selbständig Anlageentscheide zu treffen. Gewisse
Handlungen waren jedoch von dieser Vollmacht nicht gedeckt, wie z.B. Geschäfte
mit Optionen oder Futures (act. 3/18 S. 2). F._ wurde mit einer Generalvoll-
macht der Klägerin 2 (act. 3/21) als einzelzeichnungsberechtigter Vertreter der
- 16 -
Klägerin 2 eingesetzt. Er war berechtigt, über die Anlagestrategie der Klägerin 2
zu entscheiden.
Mit einer weiteren Vollmacht erteilten die Klägerinnen jeweils F._ die Berech-
tigung, per Internet Zugang zu ihren Konti und Depots zu haben (act. 3/19;
act. 3/23). Zudem unterzeichneten die Klägerinnen und die Beklagte je ein "Ag-
reement Regarding Option and Forward Transactions", wonach sich die Beklagte
unter anderem verpflichtete, den Klägerinnen jede Transaktion schriftlich anzu-
zeigen (act. 3/20 Ziff. 3; act. 3/25). Mit der Unterzeichnung dieses Agreements
bestätigten die Klägerinnen, dass sie über die Mechanismen und Risiken in Be-
zug auf Options- und Forward-Geschäfte Bescheid wüssten und dass sie eine
Kopie der Broschüre "Special Risks in Securities Trading" erhalten hätten und de-
ren Inhalt akzeptierten.
Am 25. September 2008 schliesslich unterzeichneten die Klägerin 2 und F._
jeweils eine Verpfändungserklärung für die Verbindlichkeiten der Klägerin 1 ge-
genüber der Beklagten (General deed of pledge) (act. 3/141 und 142).
Der auf Seite der Beklagten für die Betreuung der klägerischen Bankbeziehungen
zuständige Kundenbetreuer war bis 2008 D._. Dieser war seitens der Be-
klagten zuständig, die Börsentransaktionen auf Rechnung der Klägerinnen zu
veranlassen.
Ab Januar 2008 ergaben sich aufgrund der getätigten Börsentransaktionen be-
trächtliche Verluste auf den Konti und Depots der Klägerinnen.
3.1.2. Relevante Konti- und Depotverbindungen
Für das vorliegende Verfahren sind zwei Konti und zwei Depots der Klägerin 1 re-
levant: Depot Nr. 3 ("Hauptportfolio"), verknüpft mit Konto-Nr. 4 (USD-Konto;
"Hauptkonto") und Depot-Nr. 5 ("Subportfolio"), verknüpft mit Konto-Nr. 6 (USD-
Konto; "Subkonto").
- 17 -
In Bezug auf die Klägerin 2 sind fünf Konti und ein Depot für das vorliegende Ver-
fahren relevant: Konto-Nr. 7 und Nr. 8 (je CHF-Konto); Konto-Nr. 9 (EUR-Konto);
Konto-Nr. 10 und Nr. 11 (beide USD-Konti) sowie Depot-Nr. 12.
3.1.3. Zusammensetzung und Höhe der Depots zu Beginn der vertraglichen
Beziehung und Ende Jahr 2007
Am 31. Oktober 2007 waren die Vermögenswerte (USD 1'180'650.--) im Haupt-
portfolio der Klägerin 1 zu 57.2% in Festgeld, zu 33.04% in alternative Anlagen
und zu 9.76% in Aktien investiert (act. 3/29). Dieses Depot setzte sich per 31. De-
zember 2007 aus 53.72% Festgeld, 37.19% alternativen Anlagen, 9.02% Aktien
und aus 0.07% liquiden Mitteln zusammen (act. 3/30). Die Höhe des Depots be-
trug zu diesem Zeitpunkt USD 1'057'330.--.
Im Subportfolio befanden sich per 31. Oktober 2007 Vermögenswerte in Höhe
von USD 186'446.-- (89.31% Aktien, 5.51% Festgeld, 4.64% Optionen und 0.54%
liquide Mittel) (act. 3/31). Per 31. Dezember 2007 setzte sich das Depot aus
36.48% Aktien, 34.71% Optionen, 29.27% Festgeld und 1.06% liquiden Mitteln
zusammen (act. 3/32). Die Höhe des Depots betrug zu diesem Zeitpunkt
USD 229'889.--.
Die Vermögenswerte der Klägerin 2 waren per 23. Juli 2008 fast ausschliesslich
in Festgeld investiert und betrugen USD 2'477'487.-- (act. 3/33).
3.1.4. Käufe und Verkäufe im Zeitraum von November 2007 bis Oktober 2008
Die Klägerinnen listen in ihrer Klageschrift Transaktionen auf, die im Zeitraum von
November 2007 bis Oktober 2008 auf ihren Konti und Depots getätigt wurden
(act. 1 Rz. 92-239). Die Beklagte bestreitet diese Transaktionen (Höhe, Daten
etc.) als solche nicht, macht aber geltend, dass die Transaktionen auf Anweisung
der Klägerinnen bzw. deren Vertreter vorgenommen worden seien (act. 9 Rz. 51).
- 18 -
3.2. Streitpunkte
3.2.1. Klägerische Vorbringen
Die Klägerinnen bringen zur Begründung ihres behaupteten Schadenersatzan-
spruchs im Wesentlichen vor, dass sie mit der Beklagten zwar keinen schriftlichen
Vermögensverwaltungsvertrag abgeschlossen hätten, sich jedoch aus der Tätig-
keit von D._ ergäbe, dass zwischen den Parteien Vermögensverwaltungsver-
träge vorliegen würden. Sie machen einerseits geltend, dass zwischen F._
und D._ eine Vertrauensbeziehung bestanden habe (act. 1 Rz. 62). Anderer-
seits behaupten sie, dass es gelegentliche Treffen und sporadische Kontakte per
Telefon zwischen F._ und D._ gegeben habe (act. 1 Rz. 19, 63, 282).
Bei diesen Gelegenheiten habe man lediglich über die Anlagestrategie und die
Gesamtentwicklung der Portfolios gesprochen. Konkrete Anlagemöglichkeiten
seien bei diesen Kontakten genauso wenig diskutiert wie konkrete Anlageaufträge
erteilt worden. Vielmehr habe D._ die Depots selbständig verwaltet und die
Transaktionen nach eigenem Gutdünken ohne vorgängige Rücksprache mit den
Klägerinnen oder nachträgliche Genehmigung durch diese getätigt, mit Ausnahme
des Subportfolios der Klägerin 1 (act. 1 Rz. 282).
Die Klägerinnen machen weiter geltend, dass mündlich eine konservative Anlage-
strategie vereinbart worden sei. Zu einer solchen Anlagestrategie würden nur si-
chere Anlagen wie Festgeld, Geldmarktfonds oder Obligationen gehören. In Ak-
tien, strukturierte Produkte oder Derivate hätte nur im Subportfolio der Klägerin 1
investiert werden dürfen, doch nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen: a)
gesamthaft max. USD 400'000.-- ohne vorgängige Zustimmung von F._ in-
vestieren; b) max. USD 50'000.-- in dieselbe Anlage investieren und c) Genehmi-
gung durch F._ innerhalb von 48 Stunden seit Durchführung (act. 1 Rz. 56
ff.). In diesem Umfang hätte D._ selbständig investieren dürfen. Somit hätten
für die Klägerin 1 gestützt auf den Vermögensstand Ende Oktober 2007 USD
400'000.-- in riskantere Anlagen und USD 800'000.-- in konservative Anlagen in-
vestiert werden dürfen (act. 41 Rz. 280). Das Vermögen der Klägerin 2 sei per 23.
Juli 2008 zu fast 90% in Festgeld investiert gewesen. Auch dieses Vermögen hät-
te nur konservativ verwaltet werden dürfen (act. 1 Rz. 324).
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In Bezug auf Hedge-Funds und Funds of Funds behaupten die Klägerinnen, dass
diese im damaligen Zeitpunkt (Ende Oktober 2007) relativ sichere alternative An-
lagen gewesen seien (act. 1 Rz. 50). Auf eine agressive Anlagestrategie könne
nicht geschlossen werden, nur weil die von der Klägerin 1 gehaltenen L._-
Anlagen bzw. L._ nahe-Anlagen heute wertlos bzw. fast wertlos seien. Mas-
sgebend für die Beurteilung der Anlagequalität seien die Markterwartungen im
Zeitpunkt der Investition und nicht die rückblickende Entwicklung (act. 41
Rz. 281).
Die Klägerinnen behaupten zudem, dass D._ im Jahre 2008 begonnen habe,
entgegen den Vereinbarungen und ohne ihre Zustimmung Transaktionen mit er-
heblichem Risikopotential vorzunehmen, mithin sei die Vermögensverwaltung in
unsorgfältiger und weisungswidriger Weise ausgeführt worden. Insbesondere ha-
be D._ Optionsgeschäfte, Investitionen in strukturierte Produkte und andere
nicht bankübliche Anlageinstrumente getätigt. Durch dieses weisungswidrige, ei-
genmächtige Handeln seien den Klägerinnen massive Verluste entstanden, für
welche die Beklagte einzustehen habe (act. 1 S. 13 ff., S. 27 ff. und S. 91 ff.).
Selbst wenn nur von einem Anlageberatungsvertrag ausgegangen würde, hätte
die Beklagte mit ihrem Handeln ihre Kompetenzen und Sorgfaltspflichten verletzt,
weswegen sie zu Schadenersatz verpflichtet wäre (act. 1 S. 98).
Weiter bringen die Klägerinnen vor, dass D._ nicht nur für sie, sondern auch
für andere geschädigte Kunden, und zwar zeitgleich und identisch, eigenmächtig
bzw. jeweils ohne entsprechenden Auftrag gehandelt habe (act. 41 Rz. 15 ff., 23).
Die Klägerinnen führen in ihrer Replik zahlreiche angeblich identische Transaktio-
nen auf, die D._ am gleichen Tag für mehrere Kunden der Beklagten veran-
lasst haben soll (act. 41 Rz. 33 ff.). Dies zeige, dass ein Vermögensverwaltungs-
vertrag vorliege (act. 41 Rz. 23).
Die Klägerinnen bestreiten, dass sie über Mechanismen und Risiken betreffend
Optionsgeschäfte Bescheid wüssten bzw. durch die Beklagte aufgeklärt worden
seien, auch wenn sie die entsprechende Erklärung unterzeichnet hätten (act. 1
Rz. 62, act. 3/20 und 3/25). Im Allgemeinen machen sie in Bezug auf die Abklä-
rung ihrer Risikofähigkeit und Risikobereitschaft geltend, dass F._ als Vertre-
- 20 -
ter der Klägerinnen die ihm vorgelegten Unterlagen (so etwa Agreement Regar-
ding Option and Forward Transactions und General Deed of Pledge) lediglich un-
terzeichnet, aber nicht gelesen habe; erläutert worden seien sie ihm auch nicht
(act. 1 Rz. 62, 228, act. 41 Rz. 368). Es entspreche der allgemeinen Lebenserfah-
rung, dass jemand die ihm von einer Vertrauensperson (wie vorliegend D._
dies für F._ gewesen sei) vorgelegten, standardisierten Bankdokumente un-
besehen unterzeichne (act. 41 Rz. 368).
Weiter bestreiten die Klägerinnen in der Replik, dass sie die Transaktionen für die
zahlreichen Optionsgeschäfte in Auftrag gegeben haben sollen (act. 41 Rz. 47,
53, 77, 98, 112, 128, 163, 176, 188, 234). Auch bestreiten sie den Inhalt und die
Authentizität der von der Beklagten vorgelegten internen E-Mails und Dokumente
im Zusammenhang mit der internen Verarbeitung der von D._ angeblich er-
teilten Transaktionsaufträge (act. 41 Rz. 220 ff.).
Ausserdem führen die Klägerinnen aus, dass D._ die Transaktionskosten für
die einzelnen Börsengeschäfte nach eigenem Ermessen festgelegt habe. Er habe
entweder einen Pauschal-, einen Stückpreis oder einen bestimmten Prozentsatz
der Transaktionssumme für einzelne Transaktionen oder auch gar keine Kosten
berechnet (act. 41 Rz. 213). Dies, insbesondere die Pauschalpreise (flat fees),
würde belegen, dass sie in den Genuss von Sonderkonditionen gekommen seien,
was typisch sei für das Vorliegen eines Vermögensverwaltungsmandats (act. 41
Rz. 215, 254, 273). Die Klägerinnen und F._ hätten zudem Depotgebühren in
Höhe von USD 18'967.15 allein auf den USD-Konten zwischen dem 1. Oktober
2007 und dem 31. Dezember 2008 bezahlt, wobei die Bezeichnung dieser Kosten
in den eingereichten Unterlagen mit "custodian and execution service" das Vorlie-
gen eines Vermögensverwaltungsvertrags nicht ausschliessen würde (act. 41
Rz. 267). Sie rechtfertigen den Einbezug der Depotgebühren von F._ in ihre
Rechnung damit, dass D._ die gemeinsame Verwaltung der Anlagen von
F._ und den Klägerinnen übernommen habe (act. 41 Rz. 268). Ihre eigenen
Depotgebühren für den relevanten Zeitraum beziffern sie auf insgesamt USD
13'482.04 (act. 41 Rz. 267).
- 21 -
In Bezug auf das Schreiben ihres früheren Rechtsvertreters, RA X3._, an die
Beklagte machen die Klägerinnen geltend, dass die Beklagte daraus nichts zu ih-
ren Gunsten ableiten könne. RA X3._ habe lediglich nach Zustellung und
Einsicht in die Bankunterlagen festgestellt, dass kein [schriftlicher] Vermögens-
verwaltungsvertrag erteilt worden sei. Eine falsche rechtliche Würdigung könne
nicht als Sachverhaltsanerkennung ausgelegt werden (act. 41 Rz. 258).
Die Klägerinnen behaupten schliesslich, dass D._ weit umfassendere Befug-
nisse gehabt habe, als die Beklagte bereit sei zuzugeben (Veranlassung von Bör-
senaufträgen, Festlegung von Transaktionsgebühren, persönlicher Zugriff auf
Konti und Depots der Klägerin 2) (act. 41 Rz. 261). Es habe eine Anscheinsvoll-
macht vorgelegen; eine Duldungsvollmacht ohnehin (act. 41 Rz. 263). Die Kläge-
rinnen hätten davon ausgehen dürfen, dass D._ zum Abschluss eines Ver-
mögensverwaltungsvertrags ermächtigt gewesen wäre (act. 41 Rz. 264).
Eventualiter behaupten die Klägerinnen, dass ein Anlageberatungsvertrag abge-
schlossen worden sei (act. 1 Rz. 289 und 308 ff.).
3.2.2. Beklagtische Vorbringen
Die Beklagte bestreitet, dass ein (konkludenter) Vermögensverwaltungsvertrag
abgeschlossen worden sei (act. 9 Rz. 62 ff., 304, 307). Aus den schriftlichen Un-
terlagen ergebe sich, dass die Parteien ein "execution only"-Verhältnis vereinbart
hätten (act. 9 Rz. 156). Auch gehe jedem Vermögensverwaltungsvertrag bekannt-
lich eine sorgfältige und umfassende Prüfung und Profilerfassung durch speziali-
sierte Abteilungen der Bank voraus. Aus diesem Grund würden in der Praxis
Vermögensverwaltungsverträge stets schriftlich abgeschlossen. Doch dies alles
sei vorliegend nicht erfolgt (act. 9 Rz. 179; act. 46 Rz. 65 f.).
Nur wenn F._ einen entsprechenden Auftrag erteilt habe, habe die Beklagte
für die Klägerinnen eine Transaktion vorgenommen (act. 9 Rz. 50 f., 157).
D._ habe nur mit Zustimmung der Klägerinnen Transaktionen tätigen dürfen
(act. 9 Rz. 57). Auch wenn D._ das Portfolio mit F._ besprochen und ihn
- 22 -
bei der Entscheidfindung unterstützt haben sollte, würde dies nichts an der recht-
lichen Qualifikation des Vertrages ändern (act. 9 Rz. 157).
Auch wenn es drei Kunden der Beklagten geben würde, die zum Teil identische
oder ähnliche Transaktionen wie die Klägerin 1 vorgenommen haben sollten, be-
deute dies nicht, dass ein Vermögensverwaltungsvertrag vorliege (act. 46 Rz. 34).
Es würde aber auch nicht erstaunen, wenn andere Kunden teilweise identische
oder ähnliche Transaktionen vorgenommen hätten. So sei es bei execution only-
Kunden im klassischen Private Banking üblich, dass ein Kundenberater mit den
Kunden in regelmässigem Kontakt stehe und dieser seinen Kunden dieselben An-
lagemöglichkeiten aufzeige (act. 46 Rz. 36). So fänden gewisse Kunden Anlage-
möglichkeiten attraktiv und würden Aufträge erteilen, andere nicht. Dies erkläre
auch, weshalb zwischen den Transaktionen der Klägerin 1 und den drei anderen
angeblichen Bankkunden kein Muster auszumachen sei (act. 46 Rz. 38).
Die Beklagte macht weiter geltend, dass die Klägerinnen selbst der Auffassung
gewesen seien, dass nur eine execution only-Beziehung vorgelegen und kein
Vermögensverwaltungsvertrag bestanden habe (act. 9 Rz. 55 ff.). Diesbezüglich
zitiert sie den früheren Vertreter der Klägerinnen, RA X3._, welcher schrei-
ben würde, dass "ein Vermögensverwaltungsauftrag hingegen ganz bewusst nicht
erteilt" worden wäre (act. 9 Rz. 56, 160; act. 10/4; act. 46 Rz. 55).
Weiter widerspricht die Beklagte den Klägerinnen insofern, als sie keinen Ver-
trauenstatbestand geschaffen habe, gestützt auf den diese hätten annehmen dür-
fen, D._ sei zum Abschluss von Vermögensverwaltungsverträgen bevoll-
mächtigt. D._ sei nicht im Handelsregister eingetragen gewesen und habe
somit für die Beklagte nicht rechtsgültig unterzeichnen können. Verträge mit den
Klägerinnen seien zudem immer seitens der Beklagten von zwei Personen unter-
schrieben worden (act. 9 Rz. 62 f.; act. 46 Rz. 58). Auch intern sei D._ nicht
bevollmächtigt gewesen, Vermögensverwaltungsverträge für die Beklagte abzu-
schliessen (act. 9 Rz. 66). Zudem macht sie sinngemäss geltend, dass trotz re-
gelmässigen Telefongesprächen kein besonderes Vertrauensverhältnis bestan-
den habe (act. 9 Rz. 314). Keine Bank gehe leichthin einen Vermögensverwal-
tungsvertrag ein (act. 46 Rz. 59). Dies entspreche der allgemeinen Lebenserfah-
- 23 -
rung. Gestützt auf den Titel von D._ könne nicht geschlossen werden, dass
dieser einzelzeichnungsberechtigt gewesen sei. Die Klägerin 1 wisse bestens,
dass der Titel "Senior Vice President" oder "Director" keinesfalls berechtigten
würde, alleine einen Vermögensverwaltungsvertrag abzuschliessen (act. 46 Rz.
60). Auch ein von F._ gegenüber D._ eingeräumter persönlicher Inter-
netzugriff auf das Konto und Wertschriftendepot der Klägerin 2 bedeute nicht,
dass D._ einzelzeichnungsberechtigt sei (act. 46 Rz. 62). Eine Anscheins-
und/oder Duldungsvollmacht habe nicht vorgelegen. Die Klägerinnen könnten auf
kein einziges Verhalten der Beklagten verweisen, dass das Bestehen einer sol-
chen Vollmacht beweisen könne (act. 46 Rz. 63 f.).
Zudem bringt die Beklagte vor, dass die Klägerinnen riskante Geschäfte hätten tä-
tigen und nicht eine konservative Anlagestrategie verfolgen wollen. So hätten die
Klägerin 2 und F._ auch die Verpfändungserklärung unterzeichnet. Dies be-
weise, dass die Klägerin 2 und F._ ermöglichen wollten, dass die Klägerin 1
weiterhin Optionsgeschäfte habe tätigen können (act. 9 Rz. 61).
Schliesslich liege auch kein Vermögensverwaltungsvertrag vor, weil keine Ver-
mögensverwaltungsgebühren erhoben worden seien. Unentgeltliche Vermögens-
verwaltungsverträge würde es nicht geben (act. 9 Rz. 71; act. 46 Rz. 73). Die De-
potgebühren der Klägerinnen seien im relevanten Zeitraum viel zu tief gewesen,
als dass diese ein Argument für das Vorliegen eines Vermögensverwaltungsver-
trages sein könnten. So hätten denn die Klägerinnen auch noch zu ihren Depot-
gebühren diejenigen von F._ hinzugezählt, um die Zahlung etwas aufzupolie-
ren (act. 46 Rz. 69 f.). Die Klägerin 1 habe für Q4 2007 bis Q4 2008
USD 8'376.30 an execution and custodian Gebühren, inkl. Courtagen, bezahlt
(act. 46 Rz. 71, act. 3/37 und 38) und die Klägerin 2 USD 5'105.74 für die Zeit-
spanne von Q3 bis Q4 2008 (act. 46 Rz. 71; act. 3/27). Wenn man nun von einer
üblichen Gebühr für Vermögensverwaltungsverträge von 1-2% des verwalteten
Vermögens ausgehe - wobei zu dieser Gebühr noch die Depotgebühren und die
Courtagen hinzukommen würden -, und vom Vermögen der Klägerin 1, dann wäre
eine Vermögensverwaltungsgebühr von USD 10'000.-- bis 20'000.-- üblich gewe-
sen, zuzüglich Depotgebühren und Courtagen. Doch die Klägerin 1 habe lediglich
- 24 -
USD 8'517.79 bezahlen müssen. Dies zeige, dass kein Vermögensverwaltungs-
vertrag vorliege (act. 46 Rz. 72 f.).
Den Eventualstandpunkt der Klägerinnen, dass ein Anlageberatungsvertrag vor-
liege, bestreitet die Beklagte. So sei nicht einmal behauptet worden, dass die Be-
klagte verpflichtet gewesen sei, auf regelmässiger Basis Anlageempfehlungen zu
unterbreiten. Eine solche Pflicht habe denn auch nicht bestanden (act. 9 Rz. 174).
Auch sei D._ intern nicht ermächtigt gewesen, alleine einen Anlagebera-
tungsvertrag abzuschliessen. Zudem hätten die Klägerinnen nicht annehmen dür-
fen, dass für einen Anlageberatungsvertrag keine Gebühr verlangt werden dürfe
(act. 9 Rz. 174).
3.3. Rechtliches
a) Wer bei einer Bank ein Konto eröffnet, Gelder darauf überträgt und Anla-
gen sowie Investitionen tätigt, knüpft mit dieser Bank eine komplexe vertragliche
Beziehung, in der Regel bestehend aus den charakteristischen Elementen eines
Kontokorrents, eines irregulären Depots, eines Auftrags und einer Kommission
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 4C.387/2000 vom 15. März 2001 E. 2a; Urteil des
Bundesgerichts 4A_90/2011 vom 22. Juni 2011 E. 2.2.1; P. CHRISTOPH GUTZWIL-
LER, Rechtsfragen der Vermögensverwaltung, Zürich 2008, S. 11). Gemäss bun-
desgerichtlicher Rechtsprechung wird im Hinblick auf Vermögensanlagen grund-
sätzlich zwischen drei verschiedenen juristischen Konstruktionen differenziert: die
einfache Konto-/Depotbeziehung mit Kundenauftrag (sog. "execution only"-
Beziehung), die Anlageberatung und die Vermögensverwaltung (BGE 133 III 97
E. 7.1; siehe auch THOMAS GROSS, Fehlerhafte Vermögensverwaltung - Klage des
Anlegers auf Schadenersatz, in: AJP 2006 S. 162). Entsprechend unterschiedlich
sind die jeweils daraus resultierenden Pflichten.
aa) Vermögensverwaltung bedeutet die Einräumung von Verfügungsmacht
über Vermögenswerte an eine Person oder Gesellschaft (Bank, Vermögensver-
walter etc.), deren besondere Kenntnisse und Ressourcen der Eigentümer nutzen
will, um damit bestimmte persönliche Anlageziele zu erreichen. Die Bank muss
- 25 -
sodann das Vermögen dauernd überwachen und trifft die geeignet erscheinenden
Anlageentscheide und führt diese aus (GUTZWILLER, a.a.O., S. 23, 27).
Zum Kerngehalt eines Vermögensverwaltungsauftrags gehört insbesondere auch
die Festlegung des Anlegerprofils, der Anlagestrategie und der Anlageziele, die
erreicht werden sollen (URS EMCH/HUGO RENZ/RETO ARPAGAUS, Das Schweizeri-
sche Bankgeschäft, 7. Aufl., Zürich 2011, N 1683). Für ihre Dienstleistung ver-
langt die Bank ein Entgelt. In der Regel wird dieses auf dem Volumen des verwal-
teten Vermögens berechnet; zudem sind auch die Depotgebühren und grundsätz-
lich ebenfalls die Courtagen geschuldet (EMCH/RENZ/ARPAGAUS, a.a.O., N 1685
f.).
bb) Bei der Anlageberatung wirkt die Bank ebenfalls bei der Planung einer In-
vestition oder der Umdisposition von Vermögenswerten mit, jedoch unterbreitet
die Bank als Anlageberaterin dem Kunden lediglich Anlagevorschläge, während
der Anlageentscheid letztlich durch den Kunden selbst erfolgt. Die Nicht-
Delegation der Entscheidungsbefugnis an die Bank ist denn auch ein wesentli-
ches Abgrenzungsmerkmal zur Vermögensverwaltung (Urteil des Handelsgerichts
HG110039 vom 14. April 2014 E. 3; Urteil des Handelsgerichts des Kantons Zü-
rich vom 27. Juni 2006 E. 2 [ZR 2007 Nr. 1]; GUTZWILLER, a.a.O., S. 27). Zudem
fehlt bei der Anlageberatung grundsätzlich eine umfassende Überwachungspflicht
über die Vermögenswerte des Kunden. Gemäss der bundesgerichtlichen Recht-
sprechung liegt ein konkludenter Anlageberatungsvertrag dann vor, "wenn sich
wegen einer andauernden Geschäftsbeziehung zwischen der Bank und dem
Kunden ein besonderes Vertrauensverhältnis entwickelt hat, aus welchem der
Kunde nach Treu und Glauben auch unaufgefordert Beratung und Abmahnung
erwarten darf" (BGE 133 III 97 E. 7.2. S. 103). Ein Beratungsverhältnis kann nach
dem Willen der Parteien auf Dauer angelegt sein oder es kann auf punktueller Be-
ratung beruhen. Weiter ist zu unterscheiden, ob die Beratung nur auf Anfrage des
Kunden erfolgt oder ob der Berater verpflichtet ist, von sich aus Ratschläge zu er-
teilen (GUTZWILLER, a.a.O., S. 28). Neben der Abgabe von Anlageempfehlungen
an den Kunden umfasst die Anlageberatung unter anderem auch die Abklärung
- 26 -
der Vermögensverhältnisse, der Risikofähigkeit sowie der Zielsetzungen des
Kunden.
cc) Sofern vom Kunden keine Dienstleistungen seitens der Bank betreffend
Vermögensverwaltung oder Anlageberatung in Anspruch genommen werden, be-
schränkt sich die Kundenbeziehung auf die blosse Konto- bzw. Depotführung. In
gleicher Weise wie bei der Anlageberatung werden die Anlageentscheide auch
beim Vorliegen dieser Vertragsbeziehung vom Kunden getroffen, jedoch erfolgt
keine Beratungsdienstleistung seitens der Bank, sondern dieser wird lediglich ein
Anlageauftrag erteilt ("execution only") (GROSS, a.a.O., S. 162).
c)aa) Der Inhalt eines Vertrags bestimmt sich in erster Linie nach dem überein-
stimmenden wirklichen Willen der Parteien (sog. subjektive oder empirische Aus-
legung). Kann eine tatsächliche Willensübereinstimmung nicht festgestellt wer-
den, ist auf den durch objektivierte Auslegung ermittelten mutmasslichen Partei-
willen abzustellen. Als Vertragswille ist hierbei anzusehen, was vernünftig und
redlich handelnde Parteien unter den gegebenen Umständen durch die Verwen-
dung der auszulegenden Worte oder ihr sonstiges Verhalten ausgedrückt und
folglich gewollt haben würden. Die Parteierklärungen sind so auszulegen, wie sie
nach ihrem Wortlaut und Zusammenhang sowie nach den gesamten Umständen
verstanden werden durften und mussten (PETER GAUCH/WALTER R. SCHLUEP/JÖRG
SCHMID/SUSAN EMMENEGGER, Schweizerisches Obligationenrecht, 9. Aufl., Zürich
2008, N 1200 f.). Behauptet eine Partei das Vorliegen eines vom objektiven Aus-
legungsergebnis abweichenden tatsächlichen Vertragswillens, trägt sie hierfür die
Beweislast (BGE 121 III 118 E. 4.b.aa.; ZK-JÄGGI/GAUCH, Art. 18 OR N 33 und
42).
Vorliegend hätten demnach die Klägerinnen das Vorliegen eines von ihnen be-
haupteten Vermögensverwaltungsvertrages zu beweisen, sofern die objektive
Auslegung zu einem anderen Ergebnis führen sollte (vgl. Urteil des Bundesge-
richts 4C.18/2001 vom 25. Oktober 2001 E. 2).
bb) Das primäre Auslegungsmittel bildet der Wortlaut der von den Parteien
abgegebenen Erklärungen beziehungsweise des Vertragstextes. Eine eigentliche
- 27 -
Hierarchie der Auslegungsmittel besteht zwar nicht, jedoch kommt dem Wortlaut
im Verhältnis zu den übrigen Auslegungsmitteln ein Vorrang zu, wenn letztere
keinen sicheren Schluss auf einen anderen Sinn erlauben (PETER GAUCH/WALTER
R. SCHLUEP/JÖRG SCHMID/SUSAN EMMENEGGER, a.a.O., N 1220; ZK-JÄGGI/GAUCH,
Art. 18 OR N 369; BSK OR I-WIEGAND, Art. 18 N 18). Insoweit wird also vermutet,
dass der Wortlaut einer Vertragsurkunde den Willen der Parteien richtig wieder-
gibt (BK-KRAMER, Art. 18 OR N 13 und 102).
d) Unbestritten ist, dass zwischen den Klägerinnen 1 und 2 und der Beklag-
ten keine schriftlichen Vermögensverwaltungsverträge bestehen (act. 1 Rz. 34, 40
und act. 9 Rz. 68 ff.). Ein Vermögensverwaltungsauftrag kann grundsätzlich auch
mündlich erteilt werden, da das Gesetz hierfür keine besondere Form vorschreibt
(Art. 11 Abs. 1 OR). Angesichts der Wichtigkeit solcher Vereinbarungen werden
jedoch solche Verträge in der Praxis regelmässig schriftlich abgefasst (GUTZWIL-
LER, a.a.O., S. 77; MATTHIAS KUSTER, Zum Schriftformerfordernis des Vermögens-
verwaltungsvertrages, in: AJP 2010, S. 900). Es entspricht denn auch der Usanz
im Bankgeschäft und wird seit jeher in den einschlägigen Richtlinien für Vermö-
gensverwaltungsaufträge der Schweizerischen Bankiervereinigung vorgeschrie-
ben, dass der Vermögensverwaltungsauftrag in schriftlicher Form nach dem von
der Bank festgelegten Text erteilt und vom Kunden unterzeichnet wird (Ziffer 2
SwissBanking, Richtlinien für Vermögensverwaltungsaufträge, 2010; Artikel 2
SwissBanking, Richtlinien für Vermögensverwaltungsaufträge, 2013).
In der Literatur wird daher davon ausgegangen, dass es sich um eine faktische,
jedoch widerlegbare Vermutung handle, dass ein Verwaltungsauftrag nur dann
gewollt sei, wenn ein schriftlicher Vertrag unterzeichnet worden sei (vgl. z.B.
GUTZWILLER, a.a.O., S. 77).
3.4. Würdigung
a) Aus den im Recht liegenden Kontounterlagen ist klar zu entnehmen, dass
zwischen der Klägerin 1 und der Beklagten als Bankdienstleistung lediglich Auf-
bewahrungs- und Ausführungsleistungen ("custody & execution services") verein-
bart wurden (act. 3/17). Ebenfalls aus act. 3/17 geht sodann hervor, dass betref-
- 28 -
fend Anlagestrategie ("investment strategy") explizit das Feld keine Strategie ("no
strategy") angekreuzt wurde (act. 3/17 S. 1). Schliesslich ist aus diesem Doku-
ment ebenfalls ersichtlich, dass keinerlei Vermögensverwaltungs- ("Portfolio Ma-
nagement-") Dienstleistungen vereinbart wurden und die Dokumente von der hier-
für zuständigen Abteilung bei der Beklagten entsprechend nicht signiert wurden
(act. 3/17 S. 5). Mit Bezug auf die Bankbeziehung der Klägerin 2 finden sich in
den Eröffnungsdokumenten weder eine explizite Vereinbarung zu einer bestimm-
ten Anlagedienstleistung noch Angaben zu einer vereinbarten Anlagestrategie
(act. 3/7). Es ist daher vorab einmal festzuhalten, dass die Parteien zumindest im
Zeitpunkt des Beginns der jeweiligen Bankbeziehungen lediglich ein execution on-
ly-Verhältnis eingegangen sind. Davon gehen auch die Klägerinnen aus. Sie ma-
chen jedoch sinngemäss geltend, dass diese execution only-Verhältnisse in der
Folge (konkludent) in Vermögensverwaltungsverträge umgewandelt worden sei-
en. Dies ist zu prüfen.
b) Die Klägerinnen behaupten, dass F._ mit D._ für die klägeri-
schen Anlagen mündlich eine konservative Anlagestrategie vereinbart habe (act.
1 Rz. 47, act. 41 Rz. 250) bzw. dass F._ lediglich die Anlagestrategie für die
Anlagen der Klägerinnen vorgegeben habe (act. 1 Rz. 54) bzw. dass sich die Klä-
gerinnen und die Beklagte auf eine konservative Anlagestrategie geeinigt hätten
(act. 1 Rz. 60). Damit wollen sie hinreichend behaupten, dass die mündlichen
Vermögensverwaltungsverträge abgeschlossen worden seien. Mit diesen unspe-
zifischen und nicht konkreten Behauptungen legen sie aber insbesondere nicht
dar, wann sie eine konservative Anlagestrategie welchen exakten Inhalts verein-
bart und damit eine Änderung der execution only-Verhältnisse in Vermögensver-
waltungsmandate tatsächlich vorgenommen haben. Die Klägerinnen behaupten
zwar, dass sie eine "konservative Anlagestrategie" vereinbart hätten und nur für
die Klägerin 1 im Subportfolio strukturierte Produkte oder Derivate, und dies auch
nur unter bestimmten Voraussetzungen, hätten gekauft werden dürfen. Entspre-
chend dieser vereinbarten Anlagestrategie sei daher das Vermögen der Klägerin
1 im Hauptportfolio vorwiegend in Festgeld und in einen Geldmarktfonds der Be-
klagten (act. 1 Rz. 47, 54 ff., 95) und das Vermögen der Klägerin 2 zu 90% in
Festgeld investiert gewesen (act. 1 Rz. 47, 53). Weitere Angaben, insbesondere
- 29 -
spezifische Angaben z.B. zu Währungen, Laufzeit der Festgelder, Zeithorizont der
geplanten Anlagen, Einschränkungen bezüglich Herkunftsländern der Titel etc.
machen sie nicht. Mit anderen Worten: Die Klägerinnen substantiieren trotz des
Vorliegens schriftlicher Verträge über execution only-Verhältnisse und trotz der
beklagtischen Bestreitung des Abschlusses von konkludenten Vermögensverwal-
tungsverträgen in keiner Weise, wann und unter welchen Umständen die Parteien
welche spezifische und grundlegende Neuregelung ihrer Geschäftsbeziehungen
getroffen haben. Die lapidare Behauptung, dass anlässlich der gelegentlichen
Treffen und Kontakte zwischen F._ und D._ die Anlagestrategie bespro-
chen worden sei (act. 41 Rz. 250), kann den Klägerinnen unter diesen Umstän-
den nicht weiterhelfen. Denn sie führen nicht aus, wann diese Treffen bzw. Kon-
takte stattgefunden haben und was die Beteiligten konkret besprochen haben. Die
Klägerinnen genügen ihrer Substantiierungsobliegenheit mit ihren Ausführungen
daher insgesamt nicht. Bereits aus diesem Grund muss das Vorliegen je eines
Vermögensverwaltungsvertrages zwischen der Klägerin 1 und der Beklagten so-
wie zwischen der Klägerin 2 und der Beklagten verneint werden.
Zudem sprechen folgende Gründe ebenfalls gegen das Vorliegen eines gültigen
Vermögensverwaltungsvertrages:
c) D._ war unbestrittenermassen nicht im Handelsregister eingetragen.
Vor allem aber hatte er die im Recht liegenden Vereinbarungen zwischen den
Klägerinnen und der Beklagten nicht unterzeichnet; seitens der Beklagten unter-
schrieben jeweils zwei andere Personen (act. 3/7, 3/10, 3/20 und 3/25). Auch
wenn die Klägerinnen geltend machen, dass D._ für die Beklagte mit ihnen
einen Vermögensverwaltungsvertrag abgeschlossen habe, überzeugt dies ange-
sichts dieser Vorgeschichte nicht. Sie konnten nicht leichthin davon ausgehen,
dass D._ nun allein dazu ermächtigt gewesen sein soll, mit ihnen mündliche
Verträge abzuschliessen. Daran ändert der von D._ geführte Titel "Senior
Vice President" bzw. "Director" nichts. Auch ist damit eine angebliche Bevoll-
mächtigung nicht geklärt. Dies hätten die Klägerinnen jedoch, insbesondere die
Klägerin 1, die zu einer weltweit operierenden Bankengruppe gehört, bzw. auch
der Vertreter der beiden Klägerinnen, F._, ein versierter Geschäftsmann,
- 30 -
wissen müssen. Auch liegen keine hinreichend konkreten Behauptungen seitens
der Klägerinnen vor, inwiefern eine Anscheins- und/oder eine Duldungsvollmacht
vorliegen sollte. Die Tatsache, dass D._ unbestrittenermassen selber Aufträ-
ge ausführen konnte und einen gewissen Ermessensspielraum bei der Festle-
gung der Gebühren hatte (act. 46 Rz. 61), bedeutet noch nicht, dass er für die
Beklagte Vermögensverwaltungsverträge abschliessen durfte. Auch eine Voll-
macht, ausgestellt auf D._, für einen persönlichen Zugriff auf Konti/Depots
eines Kunden genügt nicht, dass die Klägerinnen davon ausgehen konnten, dass
D._ ermächtigt war, Vermögensverwaltungsverträge abzuschliessen. Mehr
bringen die Klägerinnen in diesem Zusammenhang nicht vor. Da D._ also
nicht über die für den Abschluss eines Vermögensverwaltungsvertrages nötige
Vertretungsmacht verfügt hat und eine nachträgliche Genehmigung des Vertrags-
schlusses nicht einmal behauptet wird, kamen keine Vermögensverwaltungsver-
träge zwischen den Klägerinnen und der Beklagten zustande.
d) Auch die klägerischen Argumente in Bezug auf die Gebühren (vgl. oben
E. 3.2.a) helfen nicht weiter. Unbestrittenermassen mussten die Klägerinnen für
den relevanten Zeitraum, d.h. von Q4 2007 bis Ende Q4 2008, USD 13'482.04
Gebühren für "custodian and execution service" bezahlen, wovon USD 8'376.30
auf die Klägerin 1 und USD 5'105.74 auf die Klägerin 2 entfielen. F._ ist nicht
Partei dieses Verfahrens. Aus diesem Grund können die ihm verrechneten Ge-
bühren nicht miteinbezogen werden, wie dies von den Klägerinnen geltend ge-
macht wird.
Unbestritten blieb, dass die Gebühr für die Vermögensverwaltung üblicherweise
zwischen 1-2% des verwalteten Vermögens beträgt und somit für die Klägerin 1
für das Jahr USD 10'000.-- bis UDS 20'000.-- geschuldet gewesen wären (act. 46
Rz. 72). Der Klägerin 1 wurde aber - auch dies blieb unbestritten - wesentlich we-
niger für mehr als ein Jahr verrechnet (USD 8'376.30). Dies spricht wiederum
nicht für einen Vermögensverwaltungsvertrag, bei welchem sowohl eine Vermö-
gensverwaltungsgebühr als auch Depotgebühren sowie (unter Umständen) Cour-
tagen geschuldet sind (vgl. oben E. 3.3.a)aa).
- 31 -
Die Klägerinnen machen geltend, dass die Bezeichnung der von der Beklagten
verrechneten Kosten als "custodian and execution service" das Vorliegen eines
Vermögensverwaltungsvertrages nicht ausschliessen würde (act. 41 Rz. 168).
Aus act. 3/17 Ziff. 1.2 geht aber klar hervor, dass mit "custody and execution ser-
vices" ein Depotverhältnis gemeint ist (act. 9 Rz. 37). Damit steht "custodian and
execution service" (zumindest) für Depotgebühren und nicht für Vermögensver-
waltungsgebühren, wie die Klägerinnen argumentieren. Eine Vermögensverwal-
tungsgebühr wurde folglich nie verrechnet, was gegen das Vorliegen eines Ver-
mögensverwaltungsvertrages spricht.
e) Wenn für mehrere Bankkunden identische Transaktionen gleichzeitig
durchgeführt werden, bedeutet dies nicht automatisch, dass sämtliche Kunden mit
der Bank einen Vermögensverwaltungsauftrag abgeschlossen haben. Denn iden-
tische Transaktionen sagen nichts über den Rechtsgrund dieser Geschäfte aus.
Wie die Beklagte zurecht geltend macht und von den Klägerinnen unbestritten
blieb, ist kein Muster zwischen den Transaktionen der Klägerinnen und den drei
anderen angeblichen Bankkunden auszumachen. Einmal tätigte nur die Klägerin
1 eine Transaktion, dann ein anderes Mal nur die Klägerin 1 und ein weiterer
Kunde oder dann die Klägerin 1 und die drei anderen erwähnten Bankkunden
(act. 46 Rz. 38). Dies spricht für die unbestritten gebliebene Argumentation der
Beklagten, dass es im Private Banking üblich sei, verschiedenen Kunden diesel-
ben Anlagemöglichkeiten aufzuzeigen. Somit hilft den Klägerinnen auch das Ar-
gument, dass für andere Kunden gleiche Aufträge abgeschlossen wurden, nicht
weiter.
f) Sodann geht aus einem Schreiben des ehemaligen Rechtsvertreters der
Klägerinnen, Rechtsanwalt X3._, vom 9. März 2009 (act. 10/4) hervor, dass
die Klägerinnen selbst der Ansicht waren, dass kein Vermögensverwaltungsauf-
trag erteilt worden sei. Wie die Beklagte richtig feststellt, kann die schriftliche Er-
klärung von Rechtsanwalt X3._ kaum als eine falsche rechtliche Würdigung
aufgefasst werden (act. 46 Rz. 57; act. 41 Rz. 258). Wenn die Klägerinnen da-
mals selbst der Ansicht waren, dass bewusst kein Vermögensauftrag erteilt wor-
den ist, und ihren Rechtsvertreter entsprechend instruiert haben, ist der damalige
- 32 -
Wille der Klägerinnen offensichtlich: Sie wollten keinen Vermögensverwaltungs-
auftrag erteilen. Somit spricht auch dieses Argument gegen das Vorliegen eines
Vermögensverwaltungsauftrages.
g) Nicht einsichtig erscheint im Weiteren die Argumentation der Klägerinnen,
dass D._ bzw. die Beklagte zwar Entscheidungsbefugnis über das Vermögen
der Klägerinnen gehabt hätten, beim Subportfolio der Klägerin 1 aber eine Ge-
nehmigung innert 48 Stunden habe eingeholt werden müssen (act. 1 Rz. 56). Bei
einem Vermögensverwaltungsvertrag wird die Bank eigenständig tätig und muss
sich die Transaktionen nicht durch den Kunden genehmigen lassen. Insofern
überzeugt es nicht, dass ein Vermögensverwaltungsvertrag - zumindest auch für
das Subportfolio - vorliegen sollte.
h) Schliesslich hat die Klägerin 2 erst im Mai 2008 eine vertragliche Bezie-
hung mit der Beklagten begonnen. Die Klägerinnen behaupten, dass bereits zu
Vertragsbeginn ohne ihre Zustimmung in Optionen investiert worden sei. Wenn
nun zu Vertragsbeginn im Mai 2008 lediglich eine Konto-/Depotvereinbarung un-
terzeichnet wurde (act. 3/7), die Parteien aber sodann einen Vermögensverwal-
tungsvertrag "gelebt" haben sollen, macht dies keinen Sinn, denn die ersten Opti-
onsgeschäfte wurden für die Klägerin 2 bereits kurze Zeit nach Vertragsbeginn,
im August 2008 (act. 1 Rz. 216 f.), getätigt. Wenn ein Vermögensverwaltungsver-
trag gewollt gewesen wäre, hätte ein solcher ja bereits drei Monate früher, im Mai
2008, schriftlich abgeschlossen werden können. Dies geschah aber unbestritte-
nermassen nicht, was nicht nachvollziehbar ist bei der klägerischen Behauptung,
es liege ein Vermögensverwaltungsvertrag vor.
i) Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass es unstrittig und durch Ur-
kunden belegt ist, dass die Klägerinnen jeweils mit der Beklagten - zumindest zu
Beginn ihrer vertraglichen Beziehungen - lediglich ein gewöhnliches Konto-
/Depotverhältnis und keinen Vermögensverwaltungsvertrag vereinbart haben.
Es gelingt den Klägerinnen mit den von ihnen nur sehr lückenhaft vorgetragenen
Sachverhaltselementen somit nicht, die faktische Vermutung, dass ein Vermö-
gensverwaltungsvertrag nur gewollt ist, wenn ein schriftlicher Vertrag unterzeich-
- 33 -
net ist, zu widerlegen. Die Klägerinnen können nicht rechtsgenügend darlegen,
unter welchen Umständen und wann die jeweiligen execution only-Verhältnisse
auf eine völlig neue rechtliche Grundlage, auf einen Vermögensverwaltungsver-
trag, gestellt worden sind. Im Gegenteil; die verschiedenen - von den Parteien
vorgebrachten Argumente - und auch die Urkunden sprechen gegen Vermögens-
verwaltungsverträge. Daher ist davon auszugehen, dass die Beklagte weder mit
der Klägerin 1 noch mit der Klägerin 2 einen Vermögensverwaltungsvertrag abge-
schlossen hat.
j) Sodann ist zu prüfen, ob das Vertragsverhältnis zwischen den Parteien
als Anlageberatungsvertrag zu qualifizieren ist.
Die Klägerinnen machen sinngemäss geltend, dass D._ bzw. die Bank für sie
Transaktionen getätigt haben soll, die sie nicht in Auftrag gegeben hätten. Sie be-
haupten somit gerade nicht, dass sie überhaupt bzw. falsch beraten worden sei-
en. Weiter führen die Klägerinnen aus, dass sie nur gelegentliche Kontakte mit
D._ gehabt hätten. Die von der Beklagten behaupteten Telefonate zwischen
F._ und D._ bestreiten sie. Anlässlich der gelegentlichen Treffen und
bei sporadischen Kontakten per Telefon oder E-Mail sei vorwiegend über die Ge-
samtentwicklung der klägerischen Portfolios gesprochen worden (act. 1 Rz. 63).
Die Klägerinnen behaupten zwar, dass ein Anlageberatungsvertrag vorliegen
würde, sofern das Gericht wider Erwarten einen Vermögensverwaltungsvertrag
verneine. Doch auch für das Vorliegen eines Anlageberatungsvertrages müssten
sie dessen tatsächliche Voraussetzungen rechtsgenügend behaupten und bewei-
sen (BSK OR-SCHMID, Art. 8 N 42 ff.). Zunächst gilt das im Zusammenhang mit
dem konkludenten Abschluss eines Vermögensverwaltungsvertrages zur Sub-
stantiierung Gesagte auch hier. Die Klägerinnen unterlassen es, konkrete Hand-
lungen in einem gewissen Zeitpunkt im Hinblick auf die Umgestaltung der Ge-
schäftsbeziehung darzutun. Wann und wie welche konkrete Anlagestrategie ver-
einbart worden sein soll, bleibt im Dunkeln. Die Dokumente belegen aber wie ge-
zeigt nur ein execution only-Verhältnis. Dass D._ bzw. die Beklagte zu irgend
einem Zeitpunkt eine aktive Beratungstätigkeit ausgeübt hätte, behaupten sie
ebenfalls nicht. Auch aus den Akten ergibt sich diesbezüglich nichts. Ebenso le-
- 34 -
gen sie nicht hinreichend dar, inwiefern sich ein besonderes Vertrauensverhältnis
zwischen ihnen und D._ bzw. der Beklagten entwickelt haben soll. Nach ihrer
Darstellung gab es nur gelegentliche Treffen und sporadische Kontakte per Tele-
fon oder E-Mail. Die ins Recht gelegten E-Mails (act. 3/104, 3/118, 3/125, 3/133)
und der "Tonfall" in diesen E-Mails genügen mit Bestimmtheit nicht, um ein Ver-
trauensverhältnis darzulegen und zu beweisen, aufgrund dessen sodann auf ei-
nen (konkludenten) Anlageberatungsvertrag geschlossen werden könnte. Eine
mehrjährige Geschäftsbeziehung lag im streitgegenständlichen Zeitraum - zumin-
dest zwischen der Klägerin 2 und der Beklagten - ebenfalls noch nicht vor. Zu-
sammenfassend ist festzuhalten, dass das nur sehr lückenhaft geschilderte Ver-
tragsverhältnis nicht als Anlageberatungsvertrag qualifiziert werden kann.
3.5. Fazit
Die obige Vertragsauslegung ergibt, dass das Vertragsverhältnis zwischen der
Klägerin 1 und der Beklagten bzw. der Klägerin 2 und der Beklagten als ein ge-
wöhnliches Konto-/Depotverhältnis (execution only-Verhältnis) zu qualifizieren ist.
Die von der Beklagten getätigten Transaktionen sind somit nicht im Rahmen eines
Vermögensverwaltungs- oder eines Anlageberatungsvertrages erfolgt.
4. Genehmigung
4.1. Vorbemerkung
Auch in einem execution only-Verhältnis sind unautorisierte Transaktionen selbst-
verständlich vertragswidrig. Vertragswidrige Transaktionen können aber gegebe-
nenfalls nachträglich genehmigt werden. Vorgängig zur Prüfung, ob die Klägerin-
nen die Transaktionsaufträge tatsächlich erteilt haben, ist daher zu untersuchen,
ob sie die angeblich weisungswidrigen Transaktionen nachträglich genehmigt ha-
ben.
- 35 -
4.2. Unbestrittener Sachverhalt
Art. 7 AGB lautet wie folgt (act. 3/173):
"(...) If the Bank fails to send a communication which the client expects, the
client must nevertheless lodge his complaint as if he had received the commu-
nication by ordinary mail. (...)
Objections concerning account or safekeeping account statements must be
submitted within one month of receipt. Upon expiry of this period the statement
is deemed to have been approved."
Ein Kunde muss sich gemäss dieser Bestimmung beschweren, wie wenn er die
Korrespondenz per Post erhalten hätte, auch wenn die Bank die Zustellung der
Korrespondenz unterlassen hat, welche der Kunde erwartet hat. Weiter muss der
Kunde innerhalb eines Monats seit Erhalt der Bankauszüge allfällige Beanstan-
dungen anbringen, ansonsten sie als genehmigt betrachtet werden.
Ebenfalls ist unbestritten, dass jeweils auf der letzten Seite auf den von der Be-
klagten ausgestellten Vermögensausweisen ein Hinweis angebracht ist, dass der
Kunde seine Beanstandungen innerhalb von vier Wochen seit Zustellung des
Bankauszugs mitzuteilen hat (act. 3/39 S. 6).
Unbestritten blieb, dass die Klägerinnen die AGB erhielten und zur Kenntnis nah-
men.
In Bezug auf die banklagernde Korrespondenz für die Klägerin 2 wurde im Ag-
reement for the Opening of a Client Relationship vom 9. Mai 2008 in Ziff. 7.3 Fol-
gendes vereinbart (act. 3/3, S. 4):
"Correspondence retained on instructions of the Client is deemed to have been
received once it has been filed electronically or physically, regardless of whe-
ther it is dispatched or collected at a later date. The Client therefore accepts lia-
bility for all consequences and any loss that may arise from the retention of the
correspondence."
Danach gilt banklagernde Korrespondenz als zugestellt, sobald sie elektronisch
oder physisch abgelegt wurde. Es spielt dabei keine Rolle, ob sie zu einem späte-
- 36 -
ren Zeitpunkt zugeschickt oder abgeholt wird. Der Kunde trägt diesbezüglich für
sämtliche Folgen und Verluste, die aus der Zurückbehaltung der Korrespondenz
entstehen können, die Verantwortung.
4.3. Parteivorbringen
4.3.1. Klägerische Vorbringen
Die Klägerinnen anerkennen grundsätzlich die Zulässigkeit der in den AGB vor-
gesehenen Zustell- und Genehmigungsfiktionen; sie stellen sich jedoch auf den
Standpunkt, dass diese Fiktionen im vorliegenden Fall nicht anwendbar seien.
Zum einen habe ausschliesslich F._ über die Anlagestrategie entschieden,
weshalb die Klägerinnen nicht hätten wissen können, welche Anlagen F._
habe tätigen wollen. Sie hätten demnach die aus den ihnen zugestellten Konto-
und Depotauszügen ersichtlichen Transaktionen gar nicht genehmigen können
(act. 1 Rz. 339 ff.). Für die Klägerin 1 seien ohnehin nur die Zustellungen an
F._ massgebend, da dieser stets die einzige Ansprechperson im Hinblick auf
die streitgegenständlichen Anlagen gewesen sei (act. 1 Rz. 252 ff., 339). Der Klä-
gerin 2 seien aufgrund der Abrede betreffend banklagernde Korrespondenz nie ir-
gendwelche Bankauszüge zugestellt worden (act. 1 Rz. 255). Zum anderen seien
die Voraussetzungen für die Anwendbarkeit der Genehmigungsfiktion nicht gege-
ben. Hierzu führen die Klägerinnen aus, dass die F._ nur teilweise zugestell-
ten Dokumente über die zu genehmigenden Transaktionen lediglich ungenügend
Aufschluss geben würden (d.h. es sei nur eine Bestandsaufnahme, aber es seien
nicht sämtliche Transaktionen ersichtlich, act. 1 Rz. 258 ff.), weshalb diese gar
keine Genehmigung zulassen würden. Zudem habe F._ nicht damit rechnen
müssen, dass die Beklagte in krasser Weise gegen die vereinbarte Anlagestrate-
gie und die entsprechend erteilten Weisungen verstossen würde. Schliesslich sei
die Berufung auf die Zustellungs- und Genehmigungsfiktion aber auch deshalb
nicht statthaft, weil die Beklagte spätestens beim Rückkauf der noch ausstehen-
den Put-Optionen [vom 8. Oktober 2008, act. 1 Rz. 344 und 232] gewusst habe,
dass diese sowie die früheren Transaktionen ohne die Zustimmung der ahnungs-
losen Klägerinnen erfolgt seien (act. 1 Rz. 343 f.).
- 37 -
Sollte wider Erwarten davon ausgegangen werden, dass nicht die Zustellung an
F._, sondern an die G._-Adresse entscheidend sei, bestreiten die Klä-
gerinnen in Bezug auf Klägerin 1 die Vollständigkeit der zugestellten Bankunterla-
gen, namentlich per 31. März 2008 und per 30. April 2008 sowie betreffend das
Hauptportfolio per 30. November 2008. Die Belege betreffend Optionsgeschäfte
seien zudem erst für die Transaktionen ab Mai 2008 zugestellt worden (act. 1 Rz.
254).
Die Klägerinnen machen sodann weiter geltend, dass sich F._ nach Erhalt
der Vermögensausweise der Klägerinnen per 25. Juni 2008 bzw. per 27. Juni
2008 umgehend telefonisch bei D._ beschwert habe. Er habe D._ weite-
re Optionsgeschäfte untersagt (act. 1 Rz. 179). Mit Faxschreiben vom 4. Dezem-
ber 2008 habe sich sodann F._ in eigenem Namen wie auch namens der
Klägerinnen an die Beklagte gewandt und ihr mitgeteilt, dass er "die hochriskan-
ten, spekulativen Transaktionen, die in meinem Namen, mit meinen Mitteln vor-
genommen wurden, weder je autorisiert noch Kenntnis davon [gehabt habe]" (act.
1 Rz. 251, act. 3/160).
Weiter sei gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung die Genehmigungs-
fiktion ganz allgemein bei einem ungetreuen Bankmitarbeiter unwirksam, weil
dessen Wissen der Bank zugerechnet werde. Vorliegend habe D._ nach ei-
genem Gutdünken und ohne Instruktion von F._ gehandelt; das Wissen von
D._ sei der Beklagten zuzurechnen (act. 41 Rz. 299 ff.).
Schliesslich behaupten die Klägerinnen, dass D._ und die Beklagte um die
behauptete Nichtgenehmigung der Transaktionen gewusst hätten (act. 41 Rz.
300). Auch habe die Beklagte vermutlich ab September 2008, spätestens aber im
Oktober 2008, von den angeblichen Machenschaften von D._ gewusst,
F._ jedoch erst im Dezember 2008 darüber informiert (act. 1 Rz. 238 f., 344;
act. 41 Rz. 301). Sie begründen dies damit, dass D._ F._ noch am 25.
September 2008 eine Verpfändungsvereinbarung zur Unterzeichnung unterge-
schoben habe. Zudem machen sie geltend, dass die Beklagte in ihrer Eingabe
vom 16. Mai 2012 (act. 27) die Nichtgenehmigung der eigenmächtigen Transakti-
onen von D._ anerkannt habe. Dies zeige sich auch dadurch, dass die Be-
- 38 -
klagte diesen Sachverhalt bankintern aufgearbeitet habe (act. 41 Rz. 303). Wenn
etwas aufgearbeitet werde, bedeute dies, dass etwas vorgefallen sei, was es auf-
zuarbeiten gäbe (act. 41 Rz. 304).
4.3.2. Beklagtische Vorbringen
Die Beklagte entgegnet, dass die Transaktionen nachträglich genehmigt worden
seien (act. 9 Rz. 182 ff.). Die Genehmigungsfiktionen in Ziff. 7 der AGB, gemäss
Hinweis auf den jeweils zugestellten Vermögensausweisen und in Ziff. 7.3 des
Agreements for the Opening of a Client Relationship seien zulässig (act. 9
Rz. 194 ff.).
Sie führt im Zusammenhang mit der Zustellung und Genehmigung aus, dass sie
der Klägerin 1 sämtliche Kontoauszüge und Vermögensausweise monatlich zu-
gestellt habe. Auch die Transaktionsbelege habe sie ihr bereits vor Mai 2008 zeit-
nah zugestellt (act. 9 Rz. 83). Sie habe die Vermögensausweise jeweils maximal
drei Arbeitstage nach dem Erstelldatum der Klägerin 1 zugestellt (act. 9 Rz. 84
ff.). Die Klägerin 1 habe zu keinem Zeitpunkt moniert, dass die Dokumente nicht
termingerecht eingetroffen seien (act. 9 Rz. 93). Gemäss den AGB und auch dem
Agreement Regarding Option and Forward Transactions hätte die Klägerin 1 die
Beklagte darüber informieren müssen, dass sie die Unterlagen nicht erhalten ha-
be. Mangels entsprechender Information müsse die Klägerin 1 für die Versäum-
nisse einstehen (act. 9 Rz. 99 ff.). Es sei dermassen absurd, dass die Beklagte
ein ganzes Jahr lang weisungswidrige Transaktionen vorgenommen haben solle
und die Klägerin 1, ein professioneller Trustee, und deren Vertreter F._,
Gründer und späterer CEO einer der grössten Werbeagenturen ...s [Staat], davon
nichts bemerkt hätten (act. 9 Rz. 103).
In Bezug auf die angebliche telefonische Beschwerde antwortet die Beklagte,
dass es eine solche nicht gegeben habe; die Optionstransaktionen seien auf Auf-
trag der Klägerinnen hin erfolgt. F._ als erfahrener Geschäftsmann hätte sich
nicht mit einer telefonische Rüge begnügen, sondern hätte auch schriftlich rekla-
mieren sollen. Zudem sei auf dem Vermögensausweis betreffend das Subportfolio
der Klägerin 1 ersichtlich, dass die Klägerin 1 per 23. Juli 2008 in bedeutend
- 39 -
grösserem Umfang als noch vor einem Monat in Optionen investiert gehabt habe.
Doch nun habe die Klägerin 1 nicht reklamiert, sondern F._ habe gemäss
den klägerischen Vorbringen D._ lediglich wegen der Vermögensausweise
angerufen, um sich diese erklären zu lassen. Dies zeige ebenfalls, dass keine te-
lefonische Reklamation betreffend Vermögensausweise per Juni 2008 erfolgt sei.
Auch der betont freundliche Tonfall späterer Emails an D._ zeige, dass
F._ die Optionsgeschäfte gewollt und dagegen nie reklamiert habe (act. 9
Rz. 104 ff., 212).
Zudem macht die Beklagte geltend, dass aufgrund der Lebenserfahrung ange-
nommen werden könne, dass F._ zumindest den Jahresendauszug studiert
habe, weil dies ja zu Steuerzwecken erforderlich sei (act. 9 Rz. 142).
Weiter behauptet die Beklagte in Bezug auf die Klägerin 2, dass nur ausnahms-
weise keine Genehmigung bejaht werden könnte, und zwar wenn eine Genehmi-
gungsfiktion Treu und Glauben verletzen würde (act. 9 Rz. 204 ff.). Sinngemäss
macht die Beklagte aber geltend, dass dies vorliegend nicht der Fall sei.
Schliesslich bestreitet die Beklagte die Behauptungen der Klägerinnen in Bezug
auf das angebliche Wissen um die Nichtgenehmigung und die "Machenschaften"
von D._; sie bezeichnet diese Behauptungen als "absurde Verschwörungs-
theorie" (act. 9 Rz. 207 ff. und 403).
4.4. Rechtliches
Art. 7 AGB und Ziff. 7.3 des Agreements for the Opening of a Client Relationship
enthalten jeweils eine Zustellungs- und Genehmigungsfiktion. Diese beiden Be-
stimmungen sind jeweils Vertragsbestandteil. Solche Bestimmungen tragen den
Besonderheiten des Bankgeschäfts Rechnung. Sie dienen nebst der Rationalisie-
rung und Spezialisierung auch der Schaffung klarer Verhältnisse zwischen Bank
und Kunde. Es liegt im berechtigten Interesse einer Bank, eine klare Regelung
der gegenseitigen Beziehungen zwischen ihr und dem Kunden zu schaffen. Die-
ser Klarheit dient unter anderem, dass der Kunde, wenn er mit der Ausführung ei-
nes Auftrages nicht einverstanden ist, nach Treu und Glauben sofort bzw. innert
- 40 -
vereinbarter Frist zu reklamieren hat. Damit wird keine Regelung über die Haf-
tungsbeschränkung getroffen, sondern es handelt sich vielmehr um eine Konkre-
tisierung und einen Anwendungsfall der Schadenminderungspflicht (Urteil des
Handelsgerichts Zürich vom 27. Juni 2006 [ZR 2007 Nr. 1]). Bleibt eine Reklama-
tion aus, gilt die entsprechende Transaktion als genehmigt.
Bei einer Banklagernderklärung soll die banklagernd zugestellte Korrespondenz
als dem Kunden zugestellt gelten und entsprechend fristauslösend wirken. Auch
hier muss der Kunde sofort bzw. innert der vereinbarten Frist reklamieren, an-
sonsten die Transaktion als genehmigt gilt. Banklagernderklärungen dienen in
überwiegender Weise den Interessen des Kunden. Der Bank muss es daher mög-
lich sein, durch entsprechende vertragliche Vereinbarungen verbindlich festzule-
gen, dass sie nicht gewillt ist, wegen dieser unentgeltlichen Erbringung einer be-
sonderen Dienstleistung schlechter gestellt zu werden, als wenn die Zustellung
auf dem üblichen (Post-)Weg erfolgt wäre (Urteil des Handelsgerichts Zürich vom
27. Juni 2006 [ZR 2007 Nr. 1]).
Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung gilt jedoch bei banklagernder
Korrespondenz die Zustellungs- und Genehmigungsfiktion ausnahmsweise nicht,
wenn sie nach den Umständen des Falles zu einem unbilligen Ergebnis führt bzw.
als rechtsmissbräuchlich erscheint. Als rechtsmissbräuchlich werden grundsätz-
lich drei Tatbestände angesehen: a) bei absichtlicher (oder grob fahrlässiger)
Schädigung des Kunden; b) wenn die Bank um die Nichtgenehmigung wusste
oder c) wenn nach mehrjähriger Verwaltung entsprechend den mündlich erteilten
Weisungen des Kunden hiervon ohne vorhersehbaren Grund abgewichen wird
(Urteil des Bundesgerichts 4C.387/2004 vom 30. Mai 2005 E. 2.2 m.w.H.; vgl. da-
zu auch ERIC SIBBERN/HANS CASPAR VON DER CRONE, Genehmigungsfiktion und
Nebenpflichten der Bankkunden, in: SZW 1/2006, S. 74).
Wenn sich ein Kunde zwar mehrmals telefonisch bei seinem Kundenberater über
getätigte Transaktionen beschwert, sich aber erst zweieinhalb Monate nach Erhalt
des dritten Quartalsauszugs schriftlich an den Vorgesetzten des Kundesberaters
wendet, in diesem Schreiben aber die beanstandeten Geschäfte nicht bezeichnet,
dann erfolgt seine Reklamation nicht in "tunlicher Weise", wie eine vom Bundes-
- 41 -
gericht zu beurteilende AGB-Klausel vorschrieb. Daraus folgerte das Bundesge-
richt, dass der Kunde die getätigten Transaktionen nicht "tunlich" im Sinne der
vereinbarten AGB-Klausel vor Eintritt der Genehmigungsfiktion gerügt hat. Es
wies daher die Klage ab. Das Bundesgericht wirft in diesem Entscheid noch die
Frage auf, ob der Kunde nicht gegen Treu und Glauben verstossen hat, weil er
erst dann an die Direktion der Beklagten gelangt ist, nachdem die Verluste aus
den beanstandeten Geschäften feststanden, und hält dazu fest, dass auch die
Vorinstanz zutreffend festgehalten habe, dass das Unterlassen weiterer Schritte,
nach der Feststellung, dass ersten Reklamationen nicht nachgekommen worden
sei, insbesondere bei Optionsgeschäften, bei denen es naturgemäss um Spekula-
tion gehe, darauf schliessen lassen könne, dass der Kunde die - eventuell günsti-
ge - Entwicklung abwarten wolle, bevor er auf der Rückabwicklung der Geschäfte
beharre (Urteil des Bundesgerichts 4C.194/2005 vom 28. September 2005,
E. 3.2.3; vgl. auch dazu ERIC SIBBERN/HANS CASPAR VON DER CRONE, a.a.O., S. 70
ff.). Dem ist zuzustimmen: Ein Kunde verhält sich gegen Treu und Glauben, wenn
er darauf spekuliert, ob Gewinne oder Verluste eintreten und sich je nach dem
beschwert oder nicht. Er muss die vertragswidrig getätigten Transaktionen umge-
hend monieren, auch wenn noch keine Verluste entstanden sind. Ansonsten
verstösst er regelmässig gegen den Grundsatz von Treu und Glauben (Art. 2
ZGB).
4.5. Würdigung
4.5.1. Zur Zustellung
Zur Zustellung der Vermögensausweise ist zunächst festzuhalten, dass die Par-
teien abgemacht haben, dass die Korrespondenz für die Klägerin 1 der G._
in K._ (vgl. vorne E. 3.1.a; act. 3/6 Ziff. 1.4.1.) zugestellt wird. In Bezug auf
die Klägerin 2 wurde die banklagernde Korrespondenz vereinbart (vgl. vorne E.
3.1.b; act. 3/7 Ziff. 7.2). F._ ist jeweils nicht Vertragspartei (vgl. act. 3/6 und
3/7). Daran kann auch die Stellung von F._ als Begünstigter bzw. als wirt-
schaftlich Berechtigter an den Vermögenswerten der Klägerinnen nichts ändern.
Dementsprechend gehen die Vorbringen der Klägerinnen, dass die Zustellungen
der Bankdokumente an F._ massgeblich sein sollen und dieser nicht in ge-
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nügendem Masse informiert worden sei, von vornherein fehl. Zu keinem anderen
Ergebnis gelangt man unter Berücksichtigung der Stellung von F._ als Be-
vollmächtigter bzw. Vertreter der Klägerinnen (act. 3/18 und 3/21). Die Klägerin-
nen können auch nicht erfolgreich geltend machen, nicht gewusst zu haben, was
F._ in ihrem Namen unternommen habe. Sollten die Klägerinnen tatsächlich
nicht gewusst haben, was ihr Bevollmächtigter bzw. Vertreter (act. 3/18 und 3/21)
durchführen oder veranlassen liess, ist dies eine hier nicht relevante Frage, weil
sie sich auf das Innenverhältnis, d.h. zwischen Klägerinnen und ihrem Vertreter,
bezieht. Vorliegend massgebend sind lediglich die Zustellungen an die Klägerin-
nen selbst bzw. an die von ihnen bezeichneten Zustelladressen. Dabei handelt es
sich um die G._ in K._ für die Klägerin 1 und die banklagernde Zustel-
lung für die Klägerin 2.
Da von den Klägerinnen nicht bestritten wird, dass eine banklagernde Zustellung
betreffend die Klägerin 2 erfolgte, ist die Zustellung an die Klägerin 2 als erstellt
zu betrachten.
Die Klägerin 1 und die Beklagte haben in Bezug auf die Zustellung in Art. 7 AGB
vereinbart, dass die Klägerin 1 reklamieren müsste, wenn sie eine Korrespondenz
erwartet, diese aber nicht erhält. Die Klägerin 1 hat nur behauptet, dass sie teil-
weise die Vermögensausweise, Kontoauszüge und Belege betreffend Optionsge-
schäfte nicht erhalten habe, nicht aber, dass sie während der vorliegend betref-
fenden Periode irgendeinmal bei der Beklagten reklamiert hätte, dass sie die er-
warteten Unterlagen nicht erhalten habe. Die Unterlagen gelten damit als zuge-
stellt.
Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass die Bankunterlagen sowohl ge-
genüber der Klägerin 1 als auch der Klägerin 2 als monatlich zugestellt gelten.
4.5.2. Zur Genehmigung in Bezug auf die Klägerin 1 im Speziellen
a) Da der Klägerin 1 die Korrespondenz jeweils per Post an die G._ in
K._ zugestellt wurde (vgl. dazu vorne E. 3.1.a), gilt hier grundsätzlich die
Genehmigungsfiktion.
- 43 -
Die Klägerinnen bringen jedoch vor, dass sich F._ nach Erhalt der Vermö-
gensausweise für die Klägerinnen per 25. Juni 2008 (Klägerin 1) bzw. per 27. Juni
2008 (Klägerin 2), welche D._ F._ mit E-Mail vom 30. Juni 2008 ge-
schickt habe, "umgehend" telefonisch bei D._ beschwert habe. Sie substanti-
ieren jedoch nicht weiter, wann genau und worüber er sich beschwert haben soll.
In der Folge, aber auch früher, haben die Klägerinnen nie reklamiert, dass Trans-
aktionen getätigt wurden, die sie gemäss ihren Behauptungen nicht in Auftrag ge-
geben hätten. Auch wenn es diese telefonische Beschwerde irgendwann am oder
nach dem 30. Juni 2008 tatsächlich gegeben haben sollte, haben es die Klägerin-
nen unterlassen, nach Erhalt der per Ende Juli 2008 ausgestellten Kontounterla-
gen zu reklamieren, aber auch nach Erhalt der per Ende August, September und
Oktober 2008 ausgestellten Kontounterlagen. Überhaupt haben sie gemäss ihrer
eigenen Darstellung (sonst) nie reklamiert. So legten die Klägerinnen lediglich ei-
nen E-Mail-Austausch vom 13. August 2008 mit früheren E-Mails ins Recht (act.
3/125), aus denen hervorgeht, dass F._ einmal nach einem "vereinbarten
Auszug" nachgefragt und sich einmal "überrascht" gezeigt hatte von der "ereigne-
ten negativen Abweichung" im Hauptportfolio der Klägerin 1. Eine Reklamation
war dies aber unbestrittenermassen nicht. Insbesondere nach Zustellung des
Vermögensweises per Juli 2008 erfolgte keine Reklamation, auch wenn daraus
ersichtlich ist, dass im Subportfolio der Klägerin 1 in bedeutend grösserem Um-
fang als noch vor einem Monat in Optionen investiert wurde (act. 10/37). Eine
Rückabwicklung der Transaktionen forderten sie unbestrittenermassen ebenfalls
nicht (act. 46 Rz. 22 ff.). Dies hätte sie aber verlangen müssen, um sich nicht wi-
dersprüchlich bzw. treuwidrig zu verhalten.
Obwohl ja aus den Bankunterlagen hervorgeht (act. 1 Rz. 97 ff.), dass bereits ab
Herbst 2007 Optionsgeschäfte getätigt wurden, reklamierten die Klägerinnen
(bzw. die Klägerin 1) angeblich erst nach Erhalt der Vermögensausweise per En-
de Juni 2008 und dies bestenfalls einmal, telefonisch und mit unklarem Inhalt. Ein
solches Verhalten verstösst nach dem Gesagten gegen Treu und Glauben. So
erwirtschaftete die Klägerin 1 nach ihren Angaben mit den Optionsgeschäften von
November 2007 bis Januar 2008 nur Gewinne, in den nachfolgenden Monate
Gewinne und Verluste (act. 1 Rz. 91 ff.). Reklamiert hat sie aber angeblich erst ir-
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gendwann nach Erhalt der Vermögensausweise per 25. bzw. 27. Juni 2008. In der
Folge reklamierte sie nicht mehr, auch wenn - gemäss ihren Behauptungen wei-
sungswidrig - weitere Optionsgeschäfte getätigt wurden.
Mit Faxschreiben vom 4. Dezember 2008 hat dann zwar F._ der Beklagten
Folgendes mitgeteilt: "(...) Ich habe die hochriskanten, spekulativen Transaktio-
nen, die in meinem Namen, mit meinen Mitteln vorgenommen wurden, weder je
autorisiert noch hatte ich Kenntnis davon." (act. 3/160). Doch erstens ist diese
Beschwerde anfangs Dezember 2008 nicht während der dafür vertraglich vorge-
sehenen Frist (Art. 7 AGB) erhoben worden und damit verspätet - die Transaktio-
nen zu Lasten der Klägerin 1 erfolgten ab Oktober 2007 bis Oktober 2008. Und
zweitens geht aus dem Wortlaut des Faxschreibens nur hervor, dass F._ in
Bezug auf Transaktionen reklamierte, die in seinem Namen erfolgt sind. Dazu ge-
hören jedoch die Transaktionen zu Lasten der Klägerin 1 nicht. Schliesslich er-
folgte dieses Schreiben erst, nachdem insbesondere mit den Optionsgeschäften
nach anfänglichen Gewinnen seit längerem nur noch Verluste eingetreten waren.
Dies ist aber auch unter dem Aspekt von Treu und Glauben zu spät. Denn es ist
allgemein bekannt, dass sich die Ereignisse auf den Finanzmärkten im Septem-
ber 2008 überstürzten und auf den Aktienmärkten massive Verluste eintraten, die
sich auch in den darauf folgenden Monaten stark negativ entwickelten. Und es ist
aufgrund der deutlich verzögerten Reaktion zu vermuten, dass die Klägerin 1 zu-
nächst die eventuell günstige Entwicklung bzw. später die Erholung der Märkte
abwarten wollte.
b) Weiter geht auch das Argument der Klägerinnen fehl, dass das Ausmass
der Transaktionen aus den Unterlagen nicht hervorgehe. Den Klägerinnen wurden
sämtliche Kontounterlagen, d.h. Vermögensausweise, Kontoauszüge und Belege
betreffend Optionsgeschäfte, zugestellt (vgl. vorne E. 4.5.a). Aus diesen geht her-
vor, welche Transaktionen getätigt wurden. Im Übrigen unterzeichneten die Klä-
gerinnen Erklärungen (Agreement regarding Option and Forward Transactions,
act. 3/20 und 3/25), wonach sie über die Risiken von Options-Geschäften aufge-
klärt worden sind und daher mit ihren Risiken als vertraut gelten würden. Aber das
Argument geht primär und im Grundsatz daher fehl, weil bei einem execution on-
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ly-Verhältnis keine Aufklärungspflicht seitens der Bank besteht. Diese muss den
Kunden nicht über mögliche Folgen der gewählten Anlagen aufklären, sondern
lediglich die in Auftrag gegebenen Transaktionen ausführen.
c) Die von den Klägerinnen zu guter Letzt angeführten Urteile des Bundes-
gerichts 6B_199/2011 und 6B_215/2011 vom 10. April 2012, E. 5.3.5.2, können
am bisher Gesagten nichts ändern.
d) Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass die vereinbarten Geneh-
migungsklauseln wirksam sind und die Klägerin 1 die getätigten Transaktionen
genehmigt hat.
4.5.3. Zur Genehmigung in Bezug auf die Klägerin 2 im Speziellen
a) Da die Klägerin 2 banklagernde Korrespondenz wünschte (vgl. dazu vor-
ne E. 3.1.a), gilt hier ebenfalls grundsätzlich die Genehmigungsfiktion.
b) Es bleibt noch zu prüfen, ob es seitens der Beklagten rechtsmissbräuch-
lich ist, sich auf die Genehmigungsfiktionsklausel gemäss Ziff. 3 des Agreement
for the Opening of a Client Relationship in Bezug auf die Klägerin 2 zu berufen.
Bei banklagernder Korrespondenz - wie sie die Klägerin 2 mit der Beklagten ver-
einbart hat - kommt die Genehmigungsfiktion bei drei verschiedenen Tatbestän-
den nicht zur Anwendung: a) bei absichtlicher (oder grob fahrlässiger) Schädi-
gung des Kunden; b) wenn die Bank um die Nichtgenehmigung wusste oder c)
wenn nach mehrjähriger Verwaltung entsprechend den mündlich erteilten Wei-
sungen des Kunden hiervon ohne vorhersehbaren Grund abgewichen wird (vgl.
vorne in E. 4.4).
aa) Die Klägerinnen legen nicht dar, dass bzw. wie die Beklagte die Kläge-
rin 2 absichtlich oder grob fahrlässig geschädigt haben sollte. Sie behaupten dies
nicht einmal. Aber es ist auch nicht ersichtlich, welche Vorteile das Verhalten der
Beklagten gehabt haben sollte und insbesondere weshalb sie ein Interesse daran
gehabt haben könnte, die Klägerin 2 absichtlich zu schädigen. Auch wenn der ab-
sichtlichen Schädigung eine Nachlässigkeit im Sinne einer groben Fahrlässigkeit
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gleichgestellt wird, kann der Beklagten nicht vorgeworfen werden, grob fahrlässig
gehandelt zu haben, indem sie z.B. die Transaktionen ohne schriftliche Bestäti-
gung durch die Klägerin 2 ausgeführt hat. So hat die Klägerin 2 die Beklagte zur
Entgegennahme von Aufträgen per Telefon oder Fax ermächtigt und ausdrücklich
auf eine solche Bestätigung verzichtet (act. 3/16 und 3/22).
bb) Vorliegend ist sodann ein bewusstes Abweichen von den während mehre-
ren Jahren erteilten Weisungen der Klägerin 2 nicht ersichtlich. Die Klägerin 2 hat
erst im Mai 2008 ihre Bankbeziehung mit der Beklagten aufgenommen (vgl. vorne
E. 3.1.a; act. 3/7). Es bestand mit anderen Worten keine langjährige Vertragsbe-
ziehung.
cc) Weiter behaupten die Klägerinnen pauschal, dass die Beklagte um die
Nichtgenehmigung gewusst habe (act. 41 Rz. 300). Aus den bisher eingereichten
Unterlagen kann aber nicht geschlossen werden, dass die Beklagte wusste, dass
die Klägerin 2 die Transaktionen nicht genehmigt hatte. Dass die Beklagte in ihrer
Eingabe vom 16. Mai 2012 geschrieben hat, dass sie ab Herbst 2008 Analysen im
Hinblick auf einen drohenden Prozess erstellt habe (act. 27 Rz. 15), belegt nicht,
dass sie von den Transaktionen im Hinblick auf die Klägerin 2 im fraglichen Zeit-
raum tatsächlich gewusst hat. Aber die Klägerinnen legen nicht einmal dar, inwie-
fern sich die Untersuchung der Beklagten überhaupt auf die Klägerin 2 bzw. auf
die in Frage gestellten Transaktionen beziehen soll.
Auch wenn die Beklagte im Herbst 2008 erfahren hätte, dass D._ ohne Ge-
nehmigung Transaktionen getätigt hatte, kann dies irgendwann ab Herbstbeginn
2008 geschehen sein. Wann dies aber genau war, führen die Klägerinnen nicht
aus. Vielmehr behaupten sie in Bezug auf den Zeitpunkt immer wieder etwas An-
deres: Zunächst führen sie in der Klageschrift aus, dass die Beklagte die Ma-
chenschaften - aber nur in Bezug auf die Klägerin 1 - im September 2008 aufge-
deckt habe (act. 1 Rz. 239). Sodann behaupten sie in Bezug auf die Klägerin 2,
dass D._ "offenbar später als bei der Klägerin 1" von der Beklagten von wei-
teren riskanten Investitionen abgehalten worden sei. Dieser habe noch zwischen
dem 24. September 2008 und dem 9. Oktober 2008 wenige Transaktionen mit
Put-Optionen getätigt und so für die Klägerin 2 über USD 700'000.-- verloren.
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Doch dann sei ihm das Handwerk gelegt worden, sodass ab 23. Oktober 2008
keine weiteren Engagements eingegangen worden seien (act. 1 Rz. 268). Wann
genau jedoch die Beklagte in Bezug auf die Klägerin 2 erfahren bzw. gewusst ha-
ben sollte, dass die Klägerin 2 die Transaktionen nicht genehmigte, führen sie
nicht aus. Schliesslich behaupten die Klägerinnen in der Replik, dass am 9. Okto-
ber 2008 gekaufte Optionen mit Valuta 24. Oktober 2008 zurückgekauft worden
seien, "wohl nachdem die Machenschaften von D._ auf dem heimlich errich-
teten Subkonto der Klägerin 2 in I._ endlich bemerkt" worden seien (act. 41
Rz. 200). Auch in der Replik führen sie aus, dass das zeitliche Zusammenfallen
der Verpfändungsverpflichtungen zugunsten der Klägerin 1, die unbefugte Errich-
tung des Subkontos zulasten der Klägerin 2 sowie die anschliessende Verschie-
bung der unautorisiert ausgeführten Optionsgeschäfte zulasten der Bankbezie-
hung der Klägerin 1 auf die Bankbeziehung der Klägerin 2 die Vermutung stützen
würden, dass die Beklagte Ende September 2008 auf die Machenschaften von
D._ aufmerksam geworden sei (act. 41 Rz. 422). Einiges bleibt unklar nach
diesen Ausführungen. Auch sind diese weder schlüssig noch hinreichend konkret
in Bezug auf die Behauptung, dass die Beklagte um die Nichtgenehmigung der
Transaktionen gewusst habe. Zudem sind sie widersprüchlich. Die Klägerinnen
müssten aber zumindest einmal ganz konkret behaupten, dass, unter welchen
Umständen und wann die Beklagte von der Nichtgenehmigung erfahren haben
soll.
Die Klägerinnen müssten z.B. konkret behaupten, dass sich die Klägerin 2 bei der
Beklagten über die Transaktionen beschwert hat. Gemäss ihrer eigenen Darstel-
lung hat sich F._ erst mit Faxschreiben vom 4. Dezember 2008 bei der Be-
klagten in Bezug auf die Klägerin 2 beschwert. Doch wie bereits vorne ausgeführt
(E. 4.5.2), erfolgte diese Beschwerde verspätet - die Transaktionen zu Lasten der
Klägerin 2 erfolgten zwischen August 2008 und Oktober 2008 und alle Verluste
waren bereits eingetreten - und zweitens geht aus dem Wortlaut des Faxschrei-
bens nur hervor, dass F._ in Bezug auf Transaktionen reklamierte, die in sei-
nem Namen erfolgt sind. Dazu gehören jedoch die Transaktionen zu Lasten der
Klägerin 2 nicht.
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Auch gehört es zu einem normalen Geschäftsverlauf, dass ein geltend gemachter
Schadensfall bankintern bzw. mit externen Anwälten aufgearbeitet wird, um die
Sach- und Rechtslage zu analysieren, sei es, um vorzeitig eine Lösung zu finden,
sei es, um für den drohenden Prozess gerüstet zu sein. Mit anderen Worten, auch
damit können die Klägerinnen nicht beweisen, dass die Beklagte um die Nichtge-
nehmigung seitens der Klägerin 2 wusste. Aber insbesondere müsste die Beklag-
te um die Nichtgenehmigung im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
bereits während sämtlicher Transaktionen gewusst haben. Bei dieser Argumenta-
tion hätte sie aber - wenn überhaupt - erst gegen Ende der angeblich weisungs-
widrigen Transaktionen von der Nichtgenehmigung erfahren. Dies genügt nicht.
Die Klägerinnen müssten weiter konkret darlegen, aufgrund welcher Handlungen
seitens der Klägerin 2 die Beklagte um die Nichtgenehmigung der Transaktionen
wusste. Solche Ausführungen fehlen jedoch gänzlich. Wie ausgeführt, hat die
Klägerin 2 nicht einmal gegen die getätigten Transaktionen moniert.
Inwiefern sich der angebliche interne Bericht, aber auch die angebliche schriftli-
che "Stellungnahme von D._ an die bankinterne Expertengruppe" mit den
Transaktionen zulasten der Klägerin 2 beschäftigen soll, führen die Klägerinnen
ebenfalls überhaupt nicht aus.
c) Auch deutet das Unterzeichnen einer Verpfändungserklärung (General
deed of pledge, act. 3/142) darauf hin, dass die - zumindest bis zur Unterzeich-
nung des General deed of pledge am 25. September 2008 - getätigten Transakti-
onen von der Klägerin 2 genehmigt waren. Die Klägerin 2 hat sich weder zu die-
sem noch zu einem späteren Zeitpunkt gegen die Verpfändung gestellt.
d) Schliesslich hat sich die Klägerin 2 auch nie über die getätigten Transak-
tionen beschwert. Die angebliche Beschwerde nach Erhalt der Vermögensaus-
weise per 27. Juni 2008 (act. 1 Rz. 179) könnte sich - wenn überhaupt - nur auf
die Klägerin 1 beziehen, da bis zu diesem Zeitpunkt keine Transaktionen zu Las-
ten der Klägerin 2 getätigt wurden, die zu einem behaupteten Schaden geführt
haben. Zudem wäre das Faxschreiben vom 4. Dezember 2008 mit angeblicher
Reklamation (act. 3/160) nicht nur zeitlich zu spät, sondern auch unter dem As-
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pekt von Treu und Glauben zu spät erfolgt. Doch ohnehin bezog sich dieses
Schreiben nur auf Transaktionen im Namen von F._ und nicht auf die Kläge-
rin 2 (vgl. dazu vorne E. 4.5.2).
e) Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass die vereinbarten Geneh-
migungsklauseln wirksam sind und die Klägerin 2 die getätigten Transaktionen
genehmigt hat.
4.6. Fazit
Somit ist festzuhalten, dass den beiden Klägerinnen die Bankunterlagen zuge-
stellt wurden. Weiter haben sowohl die Klägerin 1 als auch die Klägerin 2 die an-
geblich weisungswidrigen Transaktionen gestützt auf Art. 7 AGB bzw. Ziff. 7.3 des
Agreements for the Opening of a Client Relationship genehmigt. Daher kann offen
bleiben, ob die Transaktionen tatsächlich in Auftrag gegeben worden sind und ob
eine Vertragsverletzung, ein Schaden, ein adäquater Kausalzusammenhang und
ein Verschulden vorliegen.
5. Zusammenfassung
Zwischen der Klägerin 1 und der Beklagten sowie zwischen der Klägerin 2 und
der Beklagten besteht ein gewöhnliches Konto-/Depotverhältnis und somit weder
ein Vermögensverwaltungs- noch ein Anlageberatungsvertrag. Die zwischen den
Parteien vereinbarte Genehmigungsfiktionsklausel ist sowohl in Bezug auf die
Klägerin 1 als auch die Klägerin 2 wirksam. Sämtliche Transaktionen gelten somit
als genehmigt. Die Klägerin 1 hat daher keine Ansprüche gegenüber der Beklag-
ten. Ihre Klage (Rechtsbegehren 1 bis 3) ist abzuweisen. Auch die Ansprüche der
Klägerin 2 gegenüber der Beklagten bestehen nicht. Auch ihre Klage (Rechtsbe-
gehren 4 bis 6) ist abzuweisen.
6. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Bei diesem Prozessausgang werden die Klägerinnen vollumfänglich kosten- und
entschädigungspflichtig. Vor dem Hintergrund, dass es sich vorliegend um zwei
Klägerinnen handelt, eine Referentenaudienz / Vergleichsverhandlung durchge-
- 50 -
führt wurde, ein komplexer Zwischenentscheid gefällt werden musste, die Frage-
stellung komplex und die Akten umfangreich sind, rechtfertigt sich eine Erhöhung
der Grundgebühr um rund einen Drittel (§ 4 Abs. 2 i.V.m. § 23 aGebV OG). Die
Prozessentschädigung ist ebenfalls mit gleicher Begründung zu erhöhen.
Entsprechend den Klagebegehren (geändertes Rechtsbegehren) ist von einem
Streitwert von CHF 3'903'208.80 auszugehen (USD 3'980'753.87
[USD 2'033'711.50 + USD 250'000 + USD 1'442'748.50 + USD 254'293.87] bei
einem Wechselkurs von CHF 1 = USD 0.98052 am 9. Dezember 2010).