# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** cda3e8a3-8248-44f2-bcc5-9e0d10d8c9e1
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1962
, bezieht
von
der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Zusatzleistungen zur AHV/IV (nachfolgend:
Durchführungsstelle
),
Zusatz
leistungen zur Rente der Invalidenversicherung (IV;
Urk. 6/2, Urk. 6/26, Urk. 6/30
).
Im Rahmen einer periodischen Überprüfung (Urk. 6/38) stellte die
Durchführungsstelle
insbesondere
fest, dass
die Ehefrau des Beschwerdeführers
unter Berücksichtigung von Arbeitslosentaggeldern
ein höheres Einkommen als das berücksichtigte erzielt hatte (Urk. 6/55 S. 3)
.
Mit
Verfügung vom
5. Oktober 2011
setzte
die
Durchführungsstelle
die Höhe der Zusatzleistun
gen rückwirkend ab Februar 2010 neu fest und
verpflichtete den Versicherten
zur Rück
erstattung
von in der Zeit von Februar 2010 bis
September
2011
zu viel ausge
richtete
n
Zusatz
leistungen in
der
Höhe von
insgesamt
Fr.
30‘
460
.--
(Urk.
6/55
). Die dagegen erhobene Ein
sprache vom
6. Oktober 2011
(Urk.
6/62
)
hies
s
sie mit
Einspracheentscheid
vom
16. November 2011 teilweise gut
(Urk.
6/71
).
Dieser Entscheid wuchs unangefochten in Rechtskraft.
Das a
m
6. Oktober 2011 (
Urk.
6/62, Urk. 6/71 S. 5)
gestellte
und am
25. Januar 2012
erneuerte
Gesuch des Versicherten um Erlass der Rückerstattung
sschuld
(Urk. 6/
84
)
wies die
Durchführungsstelle
mit Verfügung vom 16. Juli 2012 ab (Urk. 6/106). Dagegen erhob der Versicherte am 20. August 2012 (Urk. 6/107),
ergänzt mit Schreiben vom 31. August 2012 (Urk. 6/110),
Einsprache,
welche die
Durchführungsstelle
mit
Einspracheentscheid
vom
3. Oktober 2012 abwies (Urk. 2).
2.
Mit Eingabe vom
29. Oktober 2012 erhob der
Versicherte Beschwerde
gegen den
Einspracheentscheid
und beantragte, die Rückerstattungsschuld sei
ihm
ganz o
der teilweise zu erlassen (Urk.
1 S. 1).
Die Beschwerdegegnerin
schloss in der Beschwerdeantwort vom 3. Oktober 2012 auf Abweisung
der Beschwerde (Urk. 2
S. 1
).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 25
Abs.
1
des Bundes
gesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG)
sind unrechtmässig bezogene Leistungen zurückzu
erstatten (Satz 1).
Wer Leistungen in gutem Glauben empfangen hat, muss sie
nicht zurück
erstatten, wenn eine grosse Härte vorliegt (Art. 25 Abs. 1 Satz 2
ATSG
;
vgl. auch Art. 2 ff. der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozial
ver
sicherungsrechts, ATSV). Der Erlass setzt somit einerseits den gut
gläu
bigen Leistungsbezug und andererseits das Vorliegen einer grossen Härte voraus.
2.2
Der gute Glaube als Erlassvoraussetzung ist nicht schon mit der Unkenntnis des Rechtsmangels gegeben. Es ist zu unterscheiden zwischen dem guten
Glauben als fehlendem Unrechts
bewusstsein und
der Frage, ob sich jemand unter den gegebenen Umständen auf den guten Glauben berufen kann und ob er bei zu
mutbarer Aufmerksamkeit den bestehenden Rechtsmangel hätte erkennen sol
len. Der Leistungsempfänger darf sich nicht nur
keiner böswilligen Absicht, sondern auch keiner groben Nachlässigkeit schuldig gemacht haben. Der gute Glaube entfällt somit einerseits von vorn
herein, wenn die zu Unrecht erfolgte Leistungsausrichtun
g auf eine arglistige oder grobfahr
lässige Melde- oder Auskunftspflichtverletzung zurückzuführen ist
. Anderseits kann sich die rück
erstattungspflichtige Person auf den guten Glau
ben berufen, wenn ihr fehlerhaftes Verhalten nur leicht fahrlässig war (BGE 112 V
97
E. 2c).
Von einer grobfahrlässigen
Ver
letzung der Meldepflicht ist auszugehen, wenn die rückerstattungspflichtige Person nicht das Mindestmass an Aufmerksamkeit aufgewendet hat, welches von einem ver
ständigen Menschen in gleicher Lage und unter den gleichen Umständen verlangt werden muss. Wie in anderen Be
reichen beurteilt sich das Mass der erforderlichen Sorgfalt nach einem objekti
ven Massstab, wobei aber das den Betroffenen in ihrer Subjektivität Mögliche und Zumutbare (Urteilsfähigkeit, Gesund
heits
zustand, Bildungsgrad usw.) nicht ausgeblendet werden darf (SVR 2007 IV Nr. 13 S. 49, I 622/05, E. 3.1; zum Ganzen: Urteil
e
des Bundesgerichts
8C_759/2008
vom 26. Novem
ber 2008
E. 3.1-3.5
und
8C_556/2008 vom 10. März 2009 E. 2.2 mit Hinweis
).
2.3
Gemäss Art. 31 ATSG
ist
jede wesentliche Änderung in den für eine Leistung massgebenden Verhältnissen von den Bezügern, ihren Angehörigen oder Drit
ten, denen die Leistung zukommt, dem Versicherungsträger oder dem je
weils zuständigen Durchführungsorgan zu melden.
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich im angefochtenen
Einspracheentscheid
auf den Standpunkt, es sei jeweils in d
en verschiedenen Verfügungen auf die Mel
depflicht
gemäss Art. 31
Abs.
1 ATSG hingewiesen worden
.
Dennoch habe es der Beschwerdeführer unterlassen, den Bezug von Arbeitslosengeldern seiner Ehefrau
seit September 2010
zu melden
, was ihr, der Beschwerdegegnerin, erst im Zusammenhang mit der periodischen Überprüfung der Zusatzleistungen im Mai 2011 zur Kenntnis gebracht worden sei
.
Es hätte dem Beschwerdeführer unter Anwendung der zumutbaren Aufmerksamkeit auffallen müssen, dass die Arbeitslosentaggelder
bei der Berechnung der Zusatzleistungen nicht berück
sichtigt worden seien, vor allem weil seine Ehefrau rund
Fr.
3‘500.-- pro Monat erhalten habe. Wenn es ihm wegen mangelnder Deutschkenntnisse nicht mög
lich gewesen sei, die Verfügungen und Schreiben zu verstehen, wäre es seine Pflicht gewesen, sich über den Inhalt genauer zu informieren, etwa mittels der Hilfe der Mitarbeiter der SVA. Zudem habe die Kommunikation bisher immer funktioniert und gemäss dem Bericht des
S
pitals
Y._
vom 7. Februar 2012 sei sein Sprachverständ
nis genügend. Damit sei die Vor
aussetzung des guten Glaubens nicht erfüllt
.
Die
Voraussetzung der grossen Härte
müsse daher nicht mehr geprüft werden
(Urk. 2 S. 2 f.).
3.2
Der Beschwerdeführer wendet dagegen ein, er verfüge über keine Mittel, um die Rückforderung zu leisten. Zudem sei er überzeugt von seiner Gutgläubigkeit in dieser Sache. Er habe die Unterlagen der Sozialberaterin jeden Monat gebracht. Diese habe ihn aufgefordert, die Unterlagen nicht monatlich
einzureichen
, son
dern erst wenn die Steuererklärung vorliege
, weil
dann sowieso ein Ge
spräch nötig
sei
.
Er sei daher davon ausgegangen, dass es ausreichend sei, ihr die Un
terlagen einmal gesammelt im Mai 2011 zu bringen. Da er die deutsche Sprache nicht genügend beherrsche, um einen Entscheid, geschweige denn das Kleinge
druckte richtig zu verstehe, habe
sich das Missverständnis einge
schlichen, was er sehr bedauere (
Urk.
1 S. 1).
3.3
Strittig
und zu prüfen ist, ob de
m Beschwerdeführer
die rechtskräftig fest
ge
stellte Rückerstattungsschuld über
Fr. 30‘460.-- (Urk. 6/55, Urk. 6/71 S.
5
)
er
lassen werden kann.
4
.
4
.1
Die Beschwerdegegnerin ging h
insichtlich der Erlassvoraussetzun
g des guten Glaubens
sinngemäss davon aus
, der innere Tatbestand des fehlenden Un
rechts
bewusstseins sei erfüllt (Urk. 2 S.
2
). Dass mithin ein absichtliches Ver
halten
nicht erkennbar ist, steht der Aktenlage nicht entgegen. Der gute Glaube hängt
daher
davon ab, ob eine grobfahrlässige Verle
tzung der Meldepflicht vorliegt. Mit anderen Worten ist zu prüfen,
ob
der Be
schwerde
führer
die Aus
richtung der unrechtmässig bezogenen Lei
stungen bewirkte, indem
er
die ge
botene Auf
merksamkeit vermissen liess.
4.2
4.2.1
Es ist unstrittig, dass der Beschwerdeführer die Leistungen der Arbeits
losen
ver
sicherung an seine Ehefrau
der Beschwerdegegnerin nicht vor Mai 2011
im Rahmen der periodischen Überprüfung (Urk. 6/38 S. 4)
zur Kenntnis
brachte
.
Ebenfalls unstrittig und zutreffend ist, dass der Beschwerdeführer jeweils in ver
schiedenen früheren
an ihn gerichteten
Verfügungen
auf seine Meldepflicht bei veränderten persönlichen und finanziellen Verhältnissen aufmerksam gemach
t
worden war
(Urk. 7/2 S. 2, Urk. 7/
26 S. 2, S. 5 und S. 9, Urk. 7/30 S. 2, Urk. 7/31 S. 2
).
Auch war der Beschwerdeführer im Zusammenhang mit frühe
ren Abklä
rungen zu
seinen
finanziellen Verhältnissen
explizit dazu
aufgefordert worden, Auskunft über die Erwerbseinkommen und allfällige Taggeldabrechnungen der Arbeitslos
enversicherung betreffend seine
Ehefrau einzureichen (Urk. 6/12
S. 1
ff.). Daher
durfte dem Beschwerdeführer die Bedeutung der
Ein
nahmen seiner Ehefrau, und zwar auch solche von Versicherungen, namentlich
von
der Arbeits
losenversicherung
,
nicht entgehen.
Dies gilt umso mehr, als es sich bei den von seiner Ehefrau bezogenen
Taggeldern
und Kinderzulagen
um
namhafte Beträge zwischen monatlich rund
Fr.
3'800.-- und Fr. 3‘200.-- (Januar bis Juli 2011, Urk. 6/53) und insgesamt Fr. 11‘645.-- im Jahr 2010 (
Urk.
6/44) handelte.
4.2.2
Sofern
der Beschwerdeführer
Gehalt und Tragweite der
Meldepflicht
nicht
verstanden
hat
,
wäre
er
aufgrund
seiner
Sorgfaltspflicht verpflichtet gewesen, sich Gewissheit darüber zu verschaffen.
Er
hätte beispielsweise eine Fachperson um Rat fragen oder sich bei der Durchführungsstelle erkundigen können. Was die sprachlichen S
chwierigkeiten anbelangt, hätte
sich
der
Beschwerde
führe
r
durch eine sprachkundige Person unterstützen lassen müssen.
Dasselbe gilt be
züglich der kognitiven Einschränkungen zufolge der depressiven Symp
tomatik, welche gemäss dem Bericht des
S
pitals
Y._
vom
7. Feb
ruar 2012 mittelgradig ausgeprägt sind (Urk. 6/108 S.
1
f.)
.
Es bestand somit jedenfalls keine schwere depressive Symptomatik und Einschränkung.
Es ist daher davon auszugehen, dass
beim Beschwerdeführer
die
Fähigkeit vorhanden war
zu er
kennen
,
dass er
- gegebenenfalls -
die Behördenschreiben
nicht verstand
und
dazu
Hilfe
benötigte
. Insbesondere hätte
auch
die Ehefrau des Beschwerdeführers die sprach- und fachkundige Hilfe einfordern können. Wie sich aus den Akten
ergibt, war der Beschwerdeführer jedoch durchaus
selbst
in der Lage, den Kontakt zu den Behörden herzustellen
und
sogar
eine Reise ins Ausland anzu
treten
(
Urk. 11/39,
Urk.
11/62).
Im Übrigen kann
dazu
auf die zu
treffenden Er
wägungen im angefochtenen Entscheid
(Urk. 2 S. 2 f.)
verwiesen wer
den.
4.2.3
Aus dem
Vorbringen
des Beschwerdeführers, er habe auf Aufforderung der Sozial
beraterin
hin
(gemeint wohl: der Sachbearbeiterin der Beschwerdegegnerin) die Unterlagen nicht mehr monatlich
,
sondern gesammelt zusammen mit der Steuer
erklärung erst im Mai 2011 abgegeben,
kann dieser
ebenfalls
nichts zu seinen Gunsten ableiten. Denn selbst wenn diese Behauptung, für welche es keine weiteren Hinweise und keine Belege gibt, zutreffen würde, hätte
er
ange
sichts der über mehrere Monate
von der Arbeitslosenkasse ausbezahlten
Mehr
einnahmen
(Urk. 6/44 S. 2, Urk. 6/53)
bei gebotener Auf
merksamkeit
nachfra
gen
müssen,
ob
dies
auch
bei wesentlichen finanziellen Veränderungen gilt.
Denn wäre umgekehrt der Fall eingetreten, dass ein bis
heriges Einkommen ent
fallen wäre, wäre es
für einen ver
ständigen Menschen in gleicher Lage ohne
Weiteres
erkennbar, dass die Meldung nicht erst nach mehreren Monaten son
dern sogleich erfolgen soll und darf. Dasselbe muss auch für
die hier bestehende Sachlage gelten.
4.3
Nach dem Gesagten
ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin
im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom
3.
Oktober 2012 (Urk. 2)
von einer Verletzung der gebotenen Sorgfaltspflicht
ausgegangen ist,
welche einer erfolg
reichen Berufung auf den guten Glauben entgegensteht.
Unter diesen Um
stän
den kann dahinge
stellt bleibt, ob die zweite, kumulativ zu erfüllende Erlass
-
voraussetzung der grossen Härte gegeben ist.
Die am 5. Oktober 2011 von der Beschwerdegegnerin verfügte und mit
Ein
spracheentscheid
vom
3.
Oktober 2012 bestätigte Rückerstattungsschuld von Fr. 30‘
460.--
(Urk. 6/55, Urk. 6/71 S. 5)
wurde dem Beschwerdeführer somit zu Recht nicht erlassen. Die Be
schwerde ist folglich abzuweisen.