# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 4f7f761d-fd01-4c2a-83f7-d8b479cee7b5
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 19
61
,
war vom 1. Juli 1981
an
vollzeitlich als
Reini
gungsangestellte
im
Y._
tätig (Urk. 8/5)
,
bis sie am 7. Januar 2002 als Beifahrerin des vorderen Fahrzeugs in einen Auffahrunfall verwickelt wurde (Urk. 8/7/3)
.
Am
14. Februar 2003
meldete
sie
sich
unter Hinweis auf ein
Be
schleunigungstrauma
der Halswirbelsäule und der Brustwirbelsäule
bei der
Eid
genössischen Invalidenversicherung
zum
Leistungsbezug
(berufliche
Eingliede
rungsm
assnahmen, Rente)
an (Urk.
8/1-2
).
Die
Sozialversicherungs
anstalt
des
Kan
tons Zürich, IV-Stelle, sprach
ihr
ausgehend von einem Invaliditätsgrad von 100 % mit Verfügungen vom 4. August 2004 und
vom 26.
November 2004 mit
Wirkung ab 1. Januar 2003 eine ganze Invalidenrente zu (Urk. 8/22 und 8/26). Dies insbesondere g
estützt auf
das neurologische Gutachten des
Z._
vom 18. Februar 2004
,
in welchem
ein Status nach
HWS-Distor
sionstrauma
infolge Heckauffahrkollision am 7. Januar 2002 mit chronischem
cervicocephalem
Schmerzsyndrom mit
chronifizierter
Migräne, mit Verdacht auf Aggravation der chronischen Schmerzen infolge massiven
Schmerzmittelüber
gebrauchs
, mit reaktiver Depression und Angststörung sowie mit sekundär mit
tel
schweren bis schweren neuropsychologischen Defiziten
diagnostizier
t wurde
(Urk.
8
/16/5
)
.
1.2
Mit Mitteilung vom
7. Februar 2006
bestätigte die IV-Stelle
revisionsweise
die
bisherige Invalidenrente
bei einem Invaliditätsgrad von 100
%
mangels Ände
run
g
(Urk.
8/33
).
1.3
Auch im Rahmen des 200
9
durchgeführten Revisionsverfahrens (Urk.
8/40 ff.
)
wurde keine Veränderung
festgestell
t und die bisherige Rente mit Mitteilung vom
27. März 2009
bestätigt (
8/44
).
1.
4
Anlässlich eines im April 2012 eingeleiteten Revisionsverfahrens (Urk. 8/47-48)
holte die IV-Stelle beim
Hausa
rzt der Versicherten,
Dr.
med.
A._
, Fach
arzt
für Allgemeinmedizin
, den Arztbericht vom
4. Januar 2013
(
Urk.
8/51
) ein und hob nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
8/53-
65
) die Rente
ge
stützt auf die Schlussbestimmung a. der Änderung des Bundesgesetzes über die
Invalidenversi
cherung (IVG) vom 18. März 2011
auf
(Verfügung vom 16. April 2013,
Urk.
2)
.
2.
Dagegen
erhob
X._
am
21. Mai 2013
Beschwerde und
beantragte
die Aufhebung der
angefochtenen
Verfügung und die Weiterausrichtung der
bis
herigen
ganzen
Rente. Eventualiter
beantragte sie, die angefochtene Verfü
gung sei aufzuheben und es sei eine polydisziplinäre Abklärung in Auftrag zu geben
(Urk.
1 S.
2)
. Als neuen Beleg
reichte
sie einen Bericht der
B._
vom
6. Mai 2013 ein
(Urk. 3
/3
). In pro
zessualer Hin
sicht beantragte sie
die
Gewährung der unentgeltlichen
Prozess
führung
sowie der
unentgeltlichen
Rechtsv
erbeiständung
(Urk. 1 S.
2). Mit
Be
schwerdeantwort
vom
1.
Juli 2013
beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (Urk.
7). Am
3.
Juli 2013 reichte die Beschwerdeführerin das For
mular zur Abklärung der pro
zessualen Bedürftigkeit
samt Belegen
ein (Urk. 10
bis 12
).
Mit gerichtlicher Ver
fügung vom 10. Juli 2013 wurde das Gesuch der Beschwerdeführerin um unent
geltliche Prozessführung und unentgeltliche Rechtsvertretung abgewiesen und der Beschwerdeführerin wurde die
Beschwer
deantwort
zur Kenntnisnahme zu
ge
stellt (Urk. 13).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit
erforderlich, in den
nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Die Invalidität kann Folge
von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs.
1 IVG). Erwerbs
un
fähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psy
chischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Einglie
derung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmög
lichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich
die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück
sichtigen. Eine Er
werbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über
windbar ist (Art. 7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Die am 1. Januar 2012 in Kraft getretene IVG-Revision hat zum Ziel, die Invali
den
versicherung (IV) zu sanieren. Dabei steht der Eingliederungsgedanke im Zen
trum. Insbesondere durch sogenannte „eingliederungsorientierte
Rentenre
visio
nen
“
sollen laufende Renten erheblich reduziert oder gar aufgehoben wer
den
können, indem systematisch überprüft wird, ob bei den
Rentenbezügerin
nen
und
-bezügern Potential zur Wiedereingliederung vorhanden ist (Thomas
Gächter
/Eva
Siki
, Sparen um jeden Preis?, in:
Jusletter
29. November 2010, S. 2).
1.3
Gemäss Schlussbestimmung a. der Änderung des IVG vom 18. März 2011 wer
de
n Renten, die bei
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Be
schwer
de
bildern
ohne nachweisbare organische Grundlage gesprochen wur
den, innerhalb von
drei Jahren nach Inkrafttreten dieser Änderung überprüft. Sind die Voraus
setzungen nach Art. 7 ATSG nicht erfüllt, so wird die Rente herab
gesetzt oder
auf
gehoben, auch wenn die Voraussetzungen von Art. 17 Abs. 1 ATSG nicht er
füllt
sind.
Mithin finden auf diese IV-Rentnerinnen und -rentner nicht die geplanten Be
stimmungen über die eingliederungsorientierte Rentenrevision Anwendung, die
mit flankierenden und begleitenden Massnahmen abgerundet werden. Vielmehr sind die Rentenansprüche, die etwa gestützt auf die Diagnose eines organisch nicht erklärbaren Schmerzzustandes gesprochen wurden, zu überprüfen und unter
dem Gesichtspunkt der seit BGE 130 V 352 verschärften Praxis neu zu beur
tei
len
(
Gächter
/
Siki
, a.a.O., S. 2).
1.4
Das Bundesgericht erachtete es aus Gründen der Rechtsgleichheit als geboten,
sämtliche
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebilder
ohne nachweisbare organische Grundlage den gleichen Anforderungen zu un
ter
stellen, und hat in der Folge die im Bereich der anhaltenden
somatoformen
Schmerz
störungen entwickelte „Schmerz-Rechtsprechung“ bei verschiedenen ver
wandten Diagnosen, so bei der Würdigung des invalidisierenden Charakters von
Fibromyalgie
,
Chronic
Fatigue
Syndrome oder Neurasthenie, dissoziativen
Sensi
bi
li
täts
-
und Empfindungsstörungen, der dissoziativen Bewegungsstörung sowie einer spezifischen HWS-Verletzung ohne organisch nachweisbare
Funk
ti
ons
aus
fälle
(HWS- oder Schleudertrauma) zur Anwendung gebracht (
Gäch
ter
/
Siki
,
a.a.O., S. 4, mit zahlreichen Hinweisen auf die Rechtsprechung des Bundes
ge
richts).
Das gemeinsame Merkmal dieser Beschwerdebilder, welche die einheitliche An
wendung der „Schmerz-Rechtsprechung“ des Bundesgerichts rechtfertigt, be
steht
darin, dass die Betroffenen unter körperlichen Symptomen – wie Rücken
schmer
zen, Müdigkeit oder Magen-Darmproblemen – leiden, die sich nicht durc
h or
ga
nische Befunde erklären lassen. Weder fallen unter die Anwendung der „Schmerz-
Rechtsprechung“ somit sämtliche psychiatrischen Diagnosen noch ist ausschlaggebend, ob ein bestimmtes Leiden organischen oder psychischen Cha
rakter hat. So hat die Rechtsprechung die zu vorwiegend psychisch begrün
deten
Schmerzstörungen (ICD-10: F45.4) entwickelten Regeln unter anderem bereits auf
die als organisches Leiden qualifizierte
Fibromyalgie
(ICD-10: M79.0) über
tragen
(
Gächter
/
Siki
, a.a.O., S. 4, mit zahlreichen Hinweisen auf die Recht
sprech
ung des Bundesgerichts).
1.5
Ausgangspunkt für die Bemessung der Invalidität bildet die Frage, ob und in welchem Ausmass es einer versicherten Person zumutbar ist, trotz ihres
Ge
sundheitsschadens
ein Erwerbseinkommen zu erzielen. In Art. 7 Abs. 2 ATSG, der mit der 5. IVG-Revision am 1. Januar 2008 in Kraft getreten ist, wird fest
ge
legt, dass eine Erwerbsunfähigkeit nur vorliegt, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist. Damit wurde gesetzlich verankert, dass die Zumutbarkeit nicht nach dem subjektiven Empfinden der versicherten Person, sondern nach
objektiven Gesichtspunkten zu beurteilen ist. Art. 7 Abs. 2 ATSG schreibt somit auf Gesetzesstufe das Erfordernis der Objektivierbarkeit fest, was nach der
bun
des
gerichtlichen
Rechtsprechung (BGE 135 V 215 E. 7.3) seit jeher gilt (
Gäch
ter
/
Siki
, a.a.O., S. 3).
Bei der Beantwortung der Frage, welche Tätigkeiten einer versicherten Person trotz
ihres Gesundheitsschadens zumutbar sind, ist der Rechtsanwender mass
geb
lich auf die Informationen angewiesen, die ihm ärztliche und andere
Fach
per
sonen
liefern. Diese haben sich darauf zu beziehen, ob und inwieweit eine ver
sicherte Person trotz gesundheitlicher Beeinträchtigung noch über Fähigkeiten verfügt, welche für die bisherigen Arbeitsmöglichkeiten wesentlich sind, und in welchen anderen Arbeitsbereichen das verbliebene Leistungsvermögen unter Berücksichtigung ihrer Kenntnisse verwertet werden könnte. Im Rahmen des das
Sozialversicherungsverfahren beherrschenden Untersuchungsgrundsatzes
(Art. 43 Abs. 1 ATSG) ist es die Pflicht der rechtsanwendenden Behörden, alle diesbe
züglich erforderlichen Auskünfte einzuholen und die notwendigen Abklärungen vorzunehmen.
Insbesondere wenn es bei den genannten Diagnosen (
vorstehende
E. 1.4) darum
geht zu beurteilen, welche (Willens-)Anstrengung von der versicherten Person nach
objektiven Gesichtspunkten erwartet werden darf, mit ihren Beschwerden umzugehen und eine erwerbliche Tätigkeit zu verrichten, muss sich der
Rechts
anwender
auf nachvollziehbare medizinische – in der Regel fachärztlich-psy
chiatrische – Stellungnahmen stützen können. Die ärztliche Fachperson hat die Beurteilung der zumutbaren Willensanstrengung und der dem Betroffenen zur Verfügung stehenden Ressourcen mit Blick auf die mit BGE 130 V 352 erstmals eingeführten („Foerster“-)Kriterien vorzunehmen, wobei sich die psychiatrische Expertise nicht in jedem Fall über jedes einzelne dieser Foerster-Kriterien aus
sprechen muss, sich aber immer dann zur Gesamtheit der Kriterien äussern sollte,
wenn die zu beurteilende Einschränkung vorwiegend auf psychischen Gründen be
ruht (vgl. Urs Müller,
Das Verwaltungsverfahren in der Invaliden
versicherung,
Rz
.
1693
).
Entscheidmassgeblich
ist in jedem Fall eine
Gesamt
würdigung
der Si
tua
tion, die Aufschluss gibt über die noch vorhandenen Res
sourcen.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hat mit der angefochtenen Verfügung vom 16. April 2013 (
Urk.
2) die laufende ganze Rente der Beschwerdeführerin gestützt auf die Schlussbestimmung a. der Änderung des IVG vom 18. März 2011 aufgehoben.
2.2
Die Beschwerdeführerin stellt sich auf den Standpunkt, dass ihre Beschwerden nicht
pathogenetisch
-ätiologisch unklar seien. Bei der Begutachtung
vor sechs
einhalb Jahren sei die persistierende Rückenproblematik nicht untersucht wor
den
und die schlimmer gewordenen Schulterbeschwerden links
sowie die bereits bei der
Rentenzusprache
eine Arbeitstätigkeit verunmöglichenden neurologi
schen Defi
zite
seien ebenfalls unberücksichtigt geblieben bei der
Rentenaufhe
bung
(Urk. 1
, Urk. 3/4
).
Im Übrigen habe sie sich sozial zurückgezogen (Urk. 3/4).
3.
3.1
Bei der ursprünglichen
Rentenzusprache
stützte sich die Beschwerdegegnerin
ins
besondere auf das neurologische Gutachten mit neuropsychologischem
Teil
gutachten
des
Z._
vom 18. Februar 2004 (Urk. 8/16/1-9).
Die Beschwerdeführerin klagte über Schmerzen am ganzen Körper (maximal im Nacken und Kopf) mit Begleiterscheinungen wie Kribbeln in den Händen,
unge
richtetem
Schwindel, Licht-, Lärm- und Bewegungsempfindlichkeit, Übelkeit und gelegentlichem Erbrechen, sowie über neuropsychologische (Vergesslichkeit
und Konzentrationsstörungen) sowie psychische Probleme (Schlafstörung, Ap
pe
titlosigkeit, Verlust der Lebensfreude; Urk. 8/16/3).
Als
Diagnose
wurde ein Statu
s nach HWS-Distorsionstrauma infolge Heckauffahrkollision am 7. Januar 2002 mit chronischem
cervicocephalem
Schmerzsyndrom mit
chronifizierter
Migräne,
mit Verdacht auf Aggravation der chronischen Schmerzen infolge massiven Schmerz
mittelübergebrauchs, mit reaktiver Depression und
Angststö
rung
sowie mit sekundär mittelschweren bis schweren neuropsychologischen Defiziten auf
geführt. Die Arbeitsunfähigkeit wurde mit 100
%
angegeben (Urk. 8/16/5).
Der neu
ropsychologischen Beurteilung vom 17. November 2003 ist zu entnehmen, dass sich bei der Beschwerdeführerin bei ausgeprägt langsa
mem Tempo
modali
tätsunabhängig
eingeschränkte Lern- und
Gedächtnisleis
tungen
,
Minderfunk
tio
nen
der kognitiven Flexibilität (Ideenproduktion,
Inter
ferenzunterdrückung
) sowi
e
verminderte Leistungen in der gerichteten Auf
merksamkeit (Konzentrations
schwäch
e im Sinne von inkonstanter, langsamer Arbeitsweise mit reduzierter
Fehlerkontrolle) zeigten.
All d
ies bei guter
Koope
rationsfähigkeit
.
Insgesamt wurden
die kognitiven Beeinträchtigungen als mit
telschwer bis schwer einge
stuft und als zum Teil mit den Spätfolgen eines HWS-Distorsionstraumas mit ver
zögertem Erholungsverlauf und chronischer Schmerzsymptomatik vereinbar beurteilt. Das subjektive Beschwerdebild sei aber stark beeinflusst von Schmerz, depressiver Verstimmung und einer ausge
prägten Hoffnungslosigkeit
. Aus neu
ropsychologischer Sicht sei die Beschwer
deführerin zurzeit nicht arbeitsfähig
(Urk. 8/16/9).
Des Weiteren wurde im neurologischen Gutachten festgehalten, das
HWS-Dis
torsionstrauma
sei minimal bis leicht. Falls nach einem solchen Trauma über
haupt Beschwerden auftreten
würden
, seien diese in der Regel nur vorüberge
hender Natur. Bei einer
Chronifizierung
und wie im vorliegenden Fall sogar Symptomausweitung sei deshalb nach Risikofaktoren zu suchen, die eine ent
sprechende negative Entwicklung begünstigen können. Im vorliegenden Fall liessen sich folgende Faktoren eruieren: Erstens ein fortgesetzter hoher
Schmerz
mittelkonsum
, der zu einer
Chronifizierung
von (Kopfschmerz-)Syn
dromen führen
könne. Zweitens bestehe eine erhebliche psychosoziale Belas
tungs
situ
a
tion, da der Ehemann gleichzeitig mit dem Autounfall arbeitsunfähig geworden sei und die gesundheitlichen Probleme der Beschwerdeführerin zu er
heblichen ehelichen Spannungen geführt h
ätten
. Allerdings sei davon auszuge
hen, dass diese Faktoren alleine nicht zum aktuellen Beschwerdebild geführt hätten. Als
dritter Risikofaktor liege eine reaktive Depression vor, welche für sich ge
nommen
schon zu schweren neuropsychologischen Defiziten führen könne, ohne dass ein
e strukturelle Läsion vorliege (Urk. 8/16/5).
Des Weiteren wurde angemerkt, die
aktuellen Beschwerden könnten apparativ nicht objekti
viert werden. Beschwer
den
wie Schmerzen, psychische und neuropsychologi
sche Defizite könnten aber nach
einen HWS-Distorsionstrauma auch ohne nachgewiesenen somatischen Schaden auftreten (Urk. 8/16/6-7).
3.2
Die in diesem Bericht genannten Diagnosen bilden den Anknüpfungspunkt für die Beantwortung der Frage, ob die der Beschwerdeführerin zugesprochene Rente
überhaupt in den Anwendungsbereich der Schlussbestimmung fällt. Dies ist in
Bezug auf die Diagnose
des
HWS-Distorsionstrauma
s
zu bejahen
(vgl. vorsteh
ende
E. 1.4)
.
Die geklagten Beschwerden wurden als apparativ nicht ob
jek
tivier
bar bezeichnet.
Zwar
wurde
n
damals auch eine
reaktive
Depression und
Angst
störung
sowie sekundär
e mittelschwere bis schwere neuropsychologische Defi
zite
diagnostiziert,
dies
jedoch
als
Reaktion auf den Unfall und dessen Fol
gen. Im Vordergrund stand demnach bei der
Rentenzusprache
das
HWS-Distor
sions
trauma
.
Selbst wenn möglicherweise noch weitere nicht untersuchte soma
tische Einschränkungen vorlagen,
erfolgte die ursprüngliche
Rentenzusprache
gestützt auf eine Diagnose, welche in den Anwendungsbereich der
Schlussbe
s
timmung
a. der Änderung des IVG vom 18.
März 2011 fällt, weshalb die
Be
schwerde
geg
ne
rin
die laufende Rente zu Recht unter diesem Titel einer
Neube
urteilung
unterzogen hat.
4.
4.1
Bei der Überprüfung und Neubeurteilung von laufenden Renten gestützt auf
Abs.
1 der Schlussbestimmung a ist gleich vorzugehen wie dort, wo ein erstma
liges Leistungsgesuch zu beurteilen ist. Die Frage, ob die bestehende Rente her
abzusetzen oder aufzuheben ist, beurteilt sich nach dem Sachverhalt, wie er sich bis zum Zeitpunkt der Neubeurteilung beziehungsweise des Erlasses der daraus resultierenden Verfügung entwickelt hat. Es sind also auch Veränderungen im Sachverhalt zu berücksichtigen, die seit der ursprünglichen Rentenzusprechung beziehungsweise seit der letzten Rentenrevision eingetreten sind. Denn daraus,
dass eine Rente unabhängig vom Vorliegen einer Sachverhaltsänderung im Sinne
von Art. 17
Abs.
1 ATSG revidierbar ist, kann nicht geschlossen werden, dass vorhandene Sachverhaltsänderungen umgekehrt unberücksichtigt zu blei
ben hätten.
4.2
4.2.1
Anlässlich der im Jahr 2006 durchgeführten Rentenrevision
hielt der Hausarzt
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Allgemeinmedizin, am 24. Januar 2006 fest,
der Gesundheitszustand sei stationär (Urk. 8/31).
Als Diagnosen führte er einen
Status nach HWS-Distorsionstrauma infolge Heckauffahrkollision am 7. Januar 2002
mit chronischem
cervicocephalem
Schmerzsyndrom mit
chroni
fizierter
Migräne, mit Verdacht auf Aggravation der chronischen Schmerzen infolge massiven Schmerzmittelübergebrauchs, mit reaktiver Depression und Angststörung sowie mit sekundär mittelschweren bis schweren neuropsycholo
gischen Defiziten auf
(Urk. 8/31/4).
4.
2.2
Am 15. Mai 2007 erstattete das
C._
ein neurologisch-psychiatrisches Gutachten (Urk. 8/39).
Aus psychiatrischer Sicht wurden darin ein
chronifiziertes
Schmerzsyndrom mit
Schwindelsymptomatik bei Status nach
cervicocephalem
Beschleunigungs
trauma
,
psychische Faktoren und Verhaltenseinflüsse bei andernorts klassifi
zierten Krank
heiten (ICD-10: F54) sowie eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
leichte Episode (ICD-10: F33.0)
,
diagnostiziert (Urk. 8/39/33).
Auf der körper
lichen
Seite sei es eher zu einer Symptomausweitung und keinesfalls zu einer Besserung der Beschwerden gekommen,
psychischerseits
sei hingegen eine ge
wisse Stabilisierung zu beobachten (Urk. 8/39/35). Aus rein psychiatri
scher Sicht
ergebe sich aus der Kombination von Schmerzsymptomatik in Ver
bindung mit der rezidivierenden
depressiven Störung eine maximale Einschrän
kung der Ar
beitsfähigkeit von 30 % (Urk. 8/39/36).
Angemerkt wurde
von den Gutachtern
, dass
ihr
Gutachten auf einer dürftigen und unvollständigen Akten
lage basiere (Urk. 8/39/38).
4.
2.3
In seinem Bericht vom 1
2.
März 2009 gab
Dr.
A._
wiederum dieselben Diag
nosen an und attestierte der Beschwerdeführerin weiterhin („für immer“) eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit sowohl in der bisherigen als auch in einer ange
passten Tätigkeit (Urk. 8/42/7-8). Unverändert beurteilte er die gesundheitliche Situation der Beschwerdeführerin auch am 4. Januar 2013 (Urk. 8/51/5-6).
4.
2.4
Dem Bericht der
B._
, vom 6. Mai 2013 ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin circa zwei Wochen zuvor ge
stürzt war und sich dabei eine Verletzung an der
Rotatorenmanschette
links zu
gezogen hatte. Beim
Arthro
-MR der linken Schulter sei
en
ein intaktes AC-Gelenk,
Akromiontyp
II nach
Bigliani
, Zeichen eines
höhergradigen
subakromi
alen
Impingements
, zurzeit mit geringfügiger Bursitis
subdelto
idea
/
sub
acromialis
,
eine fortgeschrittene chronische
Ansatztendino
pathie
der
Supraspin
atussehne
mit
beginnende
n
humeralseitigen
Ausfransungen, eine chronische longitudinale Rup
tur
der langen
Bizepssehne
i
m
intraartikulären Verlauf, eine chronische
Ansatz
ten
dinopathie
des kranialen Abschnittes der
Subscapularissehne
und eine mässige
Chondropathie
des
Humeruskopfes
zu se
hen gewesen (Urk. 3/3).
4.3
Das
Arthro
-MR der linken Schulter vom 6. Mai 2013 wurde zwar wegen eines Sturzes circa zwei Wochen
zu
vor, also wahrscheinlich nach dem Erlass der Ver
fügung vom 16. April 2013, durchgeführt. Es machte jedoch auch degenera
tive
Veränderungen und chronische Problematiken ersichtlich, welche
mit überwie
gen
der Wahrscheinlichkeit
bereits zum Zeitpunkt des Erlasses der Ver
fügung bestanden. Hingegen kann dem Bericht nicht entnommen werden, ob den ge
nannten Diagnosen
hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdefüh
rerin eine eigenständige Bedeutung zukommt
.
Dr.
A._
diagnostizierte weiterhin eine reaktive Depression und Angststörung (ICD-10: F41.2) und sekundär mittelschwere bis schwere neuropsycho
logische Defekte (ICD-10: F43.1;
Bericht vom 4. Januar 2013, Urk. 8/51/5).
Er attestierte der Beschwerdeführerin eine
vollumfänglich
e
Arbeitsunfähigkeit
, auch in ange
passter Tätigkeit (Urk. 8/51/6).
Auf den Bericht von
Dr.
A._
kann jedoch nicht abgestellt werden, da er nicht Psychiater ist und sich im Übrigen auch nicht ausreichend mit der Frage der Überwindbarkeit der geklagten Beschwer
den auseinandergesetzt hat.
E
ine fachärztliche
Stellungnahme zur Frage, ob die Beschwerden der Beschwer
deführerin überwindbar seien
, liegt nicht vor
. Die Beschwerdeführerin
erwähnte diesbezüglich, sie habe sich sozial zurückgezogen.
D
ie Ärzte de
s
C._
gingen
im Jahr 2007 von einer psychisch stabilisierten Situation aus und führten a
us
, aus
rein psychiatrischer Sicht ergebe sich aus der Kombination von
Schmerzsymp
tomatik
in Verbindung mit der rezidivierenden depressiven Störung eine maxi
male Einschränk
ung der Arbeitsfähigkeit von 30
% (
Urk.
8/39/36).
Das entspre
chende Gutachten basierte jedoch nicht auf den vollständigen
Vorakten
(Urk. 8/
39/38)
. Selbst wenn
man dieses Gutachten zum Anlass
nehmen
wollte
, um die Rente der Beschwerdeführerin aufzuheben, wäre nicht auszuschliessen, dass d
ie
Beschwerdeführerin bei einer 30%igen Arbeitsunfähigkeit aus psychi
a
tri
scher Sicht zusammen mit den zusätzlichen somatischen Beschwerden
eine rentenrelevante Erwerbsunfähigkeit a
ufweist.
4.4
Zusammenfassend erlaub
en
die vorliegende
n
Akten keine schlüssige Beurtei
lung des
Rentenanspruchs
.
Die neueren Arztberichte weisen darauf hin, dass in
zwischen eigenständige, das heisst von den Folgen eines HWS-Traumas unter
scheidbare Leiden gegeben sind, ohne dass gestützt auf diese die Frage schlüssig beantwortet werden könnte.
Dr.
med.
D._
, praktischer Arzt des
Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD)
, hielt nachvollziehbar fest, dass anhand der Aktenlage nicht beurteilt werden könne, ob es sich um ein unspezifisches Leiden handle (Urk. 8/52/6).
Einzig der Rechtsdienst vertrat den Standpunkt, es lägen noch immer die klassischen Folgen eines nicht objektivierbaren Leidens vor
, ohne dies aber näher zu begründen
(Urk. 8/52/6).
Die Beschwerdegegnerin ist bei der Neubeur
teilung des Ren
tenanspruchs unter dem Blickwinkel von
Art.
7
Abs.
1 und 2 ATSG ihren sich aus dem Untersuchungsgrundsatz nach
Art.
43
Abs.
1 ATSG ergebenden Pflichten (vgl.
vorstehende
E. 1.5) ungenügend nachgekommen.
Angesichts dessen, dass
bei einer HWS-Verletzung (
Schleuder
t
rauma
) ohne organisch nachweisbare Funktionsfälle entscheidend sein kann, ob
eine psychische
Komorbidität
von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer
vorliegt und es zur Beantwortung dieser Frage
einer nachvollziehbaren fach
ärzt
lich
e
n Stellung
nahme bedarf, kann auf eine aktuelle Erhebung des psychischen Zustandes der Beschwerdeführerin nicht verzichtet werden. Diese wird sich
über
die
versiche
rungsmedizinisch
relevante Frage der Erwerbsfähigkeit im Sinne von
Art.
7
Abs.
1 und 2 ATSG
auszusprechen haben
, i
nsbesondere
darüber, welche Res
sourcen der Beschwerdeführerin zur Überwindung der
B
eschwerde
sympto
ma
tik
verbleiben, aber
a
uch in somatischer Hinsicht ist die Aktenlage derart zu ver
vollständigen, dass aus heutiger Optik beurteilt werden kann,
ob die Voraus
set
zungen für einen weiteren Rentenbezug erfüllt sind.
In diesem Sinne ist die Beschwerde
insofern gutzuheissen,
das
s
die ange
foch
tene Verfügung aufzuheben und die Sache
an die Beschwe
rdegegnerin zurück
zu
weisen ist, damit diese
die für die Beurteilung des Rentenanspruchs erfor
der
li
chen Abklärungen treffe und neu darüber befinde.
In diesem Zusammen
hang
hat die Beschwerdegegnerin Folgendes zu beachten: Bei der Überprüfung und Neubeurteilung von la
ufenden Renten, wel
che gestützt auf eine in der
Schluss
bestimmung a. der Änderung des IVG vom 18. März 2011
genannten Diagnosen gesproche
n wurden, stellen sich die glei
chen Fragen, wie wenn ein erstmaliges Leistungsgesuch zu beurteilen ist. Es geht somit darum, aus heutiger Sicht zu be
urteilen, ob die Voraussetzungen für einen Rentenbezug nach Art. 28 f. IVG
i.V.m
. Art. 7, 8 und 16 ATSG im Zeit
punkt der Überprüfung - und nicht zum Zei
tpunkt der erstmaligen
Rentenzu
sprache
- erfüllt sind oder nicht, was ins
besondere eine vollständige Abklärung des medizinischen -
das heisst
psychiat
rischen und
bei entsprechenden Anhaltspunk
ten auch somatischen - Sachver
halts erfordert
. Die der ursprünglichen
Renten
zusprache
zugrundeliegende Di
agnose dient lediglich dazu festzustellen, ob ein Sachverhalt überhaupt in den Anwendungsbereich der Schlussbestimmung fällt und somit gestützt darauf eine Neubeurteilung des laufenden Rentenanspruchs erfolgen kann oder ob nur eine revisionsweise Überprüfung unter den (restrikti
veren) Voraussetzungen von Art. 17 Abs. 1 ATSG möglich ist.
5
.
5
.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Ausgangsgemäss sind die Gerichtskosten in der Höhe von Fr.
7
00.-- der unterliegenden
Beschwerde
gegnerin
aufzuerlegen.
5
.2
Bei diesem Verfahrensausgang hat die vertretene Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Prozessentschädigung. Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung
der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (§ 34 Abs. 3
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht
) auf Fr. 1’
5
00.-- (inkl. Barauslagen und
MWS
t
)
festzulegen.