# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 95e1020c-85a4-466a-8886-a0bc18a75e3d
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2012
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
Seite 2 — 22
I. Sachverhalt
A. X., geboren am 1. September 1990, wohnhaft in A., ist Mutter der beiden Mädchen Y., geboren am 13. Juli 2009, und Z., geboren am 25. Mai 2010. Vom Vater der Kinder, I., hat sich X. kurz nach der Geburt des ersten Mädchens im Herbst 2009 getrennt. Für Y. wurde X. auf eigenes Begehren die elterliche Sorge entzogen. Y. ist bevormundet, als Vormundin amtet Amtsvormundin J.. Das Mädchen lebt seit Oktober 2009 bei der Pflegefamilie K. in B.. Bereits vor der Geburt der zweiten Tochter Z. prüfte die Vormundschaftsbehörde C. vormundschaftliche Massnahmen für X. und das ungeborene Kind. Vom 11. Februar 2010 bis zum 10. März 2010 hielt sich X. zur stationären Begutachtung in der Mutter- und Kind-Abteilung der Klinik D. in E. auf. Im Anschluss an die Geburt der Tochter Z. trat X. im Juni 2010 zwecks abschliessender Beurteilung ihrer Erziehungsfähigkeit gemeinsam mit ihrer Tochter erneut in die Mutter- und  der Klinik D. ein. Dort blieb sie bis zu ihrem Übertritt ins Heim für Mutter und Kind in F./NW, welcher am 15. Dezember 2010 gestützt auf die entsprechende Empfehlung im Zusatzgutachten von Dr. med. Q., Chefärztin der R., vom 8. Oktober 2010 erfolgte.
B. Mit Beschluss der Vormundschaftsbehörde C. vom 9. März 2011, mitgeteilt am 29. März 2011, wurde für X. auf eigenes Begehren eine Beistandschaft gestützt auf Art. 394 in Verbindung mit Art. 372 ZGB errichtet. Zur Beiständin wurde L. ernannt. Sie wurde insbesondere mit der persönlichen Fürsorge und der Planung der beruflichen Ausbildung der Verbeiständeten betraut.
C. Am 28. März 2011 wurde die Vormundschaftsbehörde C. von der Hausleiterin des Mutter- und Kind-Hauses in F., M., sowohl mündlich als auch schriftlich darüber in Kenntnis gesetzt, dass X. aufgrund ihres äusserst provokativen Verhaltens der Aufenthalt im Heim gekündigt werde und sie dieses binnen zweier Tage verlassen sollte. Die Hausleiterin empfahl für die Mutter einen sicheren Aufenthaltsort, eventuell in der Klinik D.. Mit Präsidialverfügung vom 30. März 2011 entzog daher der Vormundschaftspräsident C. X. die Obhut über die Tochter Z. und brachte diese in der Folge wie ihre Schwester Y. ebenfalls bei der Pflegefamilie K. in B. unter.
D. Dagegen liess X. am 9. April 2011 bei der Vormundschaftsbehörde Einsprache erheben mit dem Antrag, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben; eventuell, für den Fall, dass die Vormundschaftsbehörde zum Schluss gelangen sollte, dass X. keine elterliche Sorge und Obhut für Z. haben
Seite 3 — 22
sollte, wurde beantragt, es sei der Entzug der elterlichen Sorge zu überprüfen und X. die elterliche Sorge und Obhut zu erteilen. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass die Wegnahme des Kindes nach dem Subsidiaritätsprinzip nur zulässig sei, wenn das Kind in seiner Entwicklung nicht anders geschützt werden könne, und unter Beachtung dieses Prinzips liessen sich gegenwärtig mehrere Unterstützungsmöglichkeiten finden, die es X. ermöglichen würden, selber gut für Z. zu sorgen.
E. Mit am 21. April 2011 mitgeteiltem und nach eigener Darstellung an der Sitzung vom 6. April 2011 gefasstem Beschluss trat die Vormundschaftsbehörde C. auf die Einsprache von X. nicht ein, soweit die Aufhebung der Präsidialverfügung vom 30. März 2011 betreffend Entzug der elterlichen Sorge und Obhut verlangt wurde. Die Vormundschaftsbehörde war zum Schluss gelangt, dass die entsprechende Verfügung nichtig und damit rechtsunwirksam sei, da X. – gestützt auf Art. 311 Abs. 3 ZGB – gar nie Inhaberin der elterlichen Sorge und Obhut bezüglich Z. gewesen sei. Im Übrigen lehnte die Vormundschaftsbehörde C. den gestellten Eventualantrag auf Rückübertragung der elterlichen Sorge und Obhut für Z. ab. Die Bemühungen, X. soweit zu begleiten, dass sie Z. selbst versorgen und erziehen könne, seien gescheitert. Nach der Ausweisung aus dem Mutter- und Kind-Heim sollte X. ihre Tochter selber versorgen, wozu sie jedoch offensichtlich nicht im Stande sei, weshalb das Wohl von Z. in höchstem Masse gefährdet sei. Ohne eine Fremdplatzierung sei die richtige Versorgung und Erziehung nicht sichergestellt. Im Weiteren bestätigte die Vormundschaftsbehörde in ihren Erwägungen die Fremdplatzierung bei den Pflegeeltern K. in B., was jedoch im Dispositiv keine Erwähnung fand.
F. Dagegen liess X. mit Eingabe vom 6. Mai 2011 Beschwerde beim Bezirksgericht C. mit folgenden Anträgen erheben:
„1. Ziff. 2 des angefochtenen Entscheides sei aufzuheben und es sei X. die elterliche Sorge und Obhut für ihre Tochter Z., geboren am 25. Mai 2010, wieder zu erteilen, allenfalls unter Erteilung von Weisungen gemäss Art. 307 Abs. 3 ZGB.
2. Eventuell sei die Sache zur näheren Abklärung milderer Massnahmen an die Vormundschaftsbehörde C. zurückzuweisen.
3. Für den Fall, dass das Bezirksgericht zum Schluss kommen sollte, dass X. elterliche Sorge und Obhut über Z. hat, sei die Präsidialverfügung der Vormundschaftsbehörde C. vom 30. März 2011 vollumfänglich aufzuheben.
Seite 4 — 22
4. Unter gesetzlicher Kostenfolge.“
Die Auffassung der Vormundschaftsbehörde zu Art. 311 Abs. 3 ZGB werde nicht beanstandet. Gerügt werde jedoch die Ablehnung des Eventualantrages ohne Prüfung der veränderten Umstände und der vorgeschlagenen Unterstützungsmöglichkeiten. So habe die Beschwerdeführerin zu Z., im Gegensatz zu ihrer ersten Tochter, von Anfang an eine enge Bindung aufgebaut. Sie sei auch bereit, Hilfe in Anspruch zu nehmen, um ihre Tochter selbst betreuen zu können, und habe sich auch insofern weiterentwickelt. Als professionelle Unterstützung kämen die Mütterberatung und der Kinderarzt in Frage. Die Beschwerdeführerin würde sich auch mit einer sozialpädagogischen Familienbegleitung einverstanden erklären. Sodann habe sich die Grosstante, N., welche Rentnerin sei und in G. lebe, bereit erklärt, jeweils das Wochenende mit der Beschwerdeführerin und ihrem Kind zu verbringen. Schliesslich sei X. auch damit einverstanden, die empfohlene ambulante Psychotherapie weiterzuführen. Auch die eingesetzte Beiständin würde X. unterstützen. Während einer allfälligen Ausbildung könne das Kind in der „H.“ in A. untergebracht werden. Eventuell sei zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin Z. wenigstens an den Wochenenden zu sich nehmen könne. Schliesslich wäre zu prüfen, ob sie gemeinsam mit Z. erneut in die Klinik D. eintreten und ihre Kompetenzen im Umgang mit ihrer Tochter erweitern könnte.
G. In ihrer Vernehmlassung vom 13. Mai 2011 stellte die Vormundschaftsbehörde C. Antrag auf Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung wurde im Wesentlichen auf die Erwägungen im angefochtenen Beschluss verwiesen. Ergänzend führte die Vormundschaftsbehörde aus, dass lediglich ein Heimaufenthalt als mildere Massnahme in Frage gekommen sei. Diese Massnahme sei jedoch trotz intensiver Bemühungen seitens der Behörde und der involvierten Fachpersonen am Verhalten von X. gescheitert. Eine noch mildere Massnahme müsse daher als von Vornherein aussichtslos qualifiziert werden, weshalb sich die Fremdplatzierung als notwendig erwiesen habe.
H. Während hängigem Beschwerdeverfahren erliess die Vormundschaftsbehörde C. am 10. Mai 2011, mitgeteilt am 10. Juni 2011, betreffend Z. sodann den folgenden Beschluss:
„1. Es wird festgestellt, dass die Entziehung der elterlichen Sorge über Y., geb. am 13. Juli 2009, im Sinne von Art. 311 Abs. 3 ZGB auch für Z., geb. am 25. Mai 2010, wirksam ist.
Seite 5 — 22
2. Die in Unkenntnis dieser Rechtslage für Z. am 4./23. August 2010 errichtete Erziehungsbeistandschaft wird durch eine Vormundschaft für Unmündige im Sinne von Art. 368 Abs. 1 ZGB ersetzt.
3. Zur Vormundin wird die bisherige Erziehungsbeiständin, J., Amtsvormundin, _, ernannt. Gleichzeitig wird sie aufgefordert, die Ernennungsurkunde zur Erziehungsbeiständin vom 23. August 2010 an die Vormundschaftsbehörde zur Verwahrung zurückzusenden.
4. Die Vormundin hat sobald als nötig, ordentlicherweise aber jährlich, der Vormundschaftsbehörde über ihre Bemühungen Bericht zu erstatten. Dies erstmals per 31. Dezember 2011.
5. Der Vormundin ist es ausdrücklich untersagt, Z. ohne vorherige Zustimmung der Vormundschaftsbehörde C., von der Pflegefamilie weg zu nehmen oder anderswo unterzubringen. Über eine allfällige Entlassung entscheidet die zuständige Vormundschaftsbehörde.
6. Auf die Erhebung einer Genehmigungsgebühr gemäss Art. 26 Abs. 1 lit. b der Verordnung über die Geschäftsführung und Entschädigung vormundschaftlicher Organe, wird verzichtet.

## Considerations