# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** a6637b88-bb57-4432-9d75-257199472c09
**Court:** BL_SG
**Chamber:** BL_SG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** BL / Northwestern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Tax

## Facts

Sachverhalt:
1. Mit Verfügung Nachsteuern und Bussen zur Staats- und Gemeindesteuer sowie direkten
Bundessteuer 2006 bis 2008 vom 26. September 2013 wurden den Pflichtigen Nachsteuern
und Bussen in Höhe von insgesamt Fr. 924‘681.95 auferlegt.
2. Mit Gesuch vom 15. Dezember 2015 beantragte der Vertreter der Pflichtigen einen
Steuererlass und den Verzicht auf die Erhebung von weiteren Zinsen. Zur Begründung führte er
aus, die in Rechnung gestellte Steuerforderung stelle für die Pflichtigen eine extreme Härte dar
und könne aufgrund der fehlenden finanziellen Mittel nicht bezahlt werden. Sie gefährde sogar
die Existenz der Familie. Die Familie habe ausser den Steuerschulden keine weiteren Schul-
den. Leider würden manche Menschen von unseriösen Treuhändern in solche Situationen ge-
bracht. Mit dem aktuellen Einkommen sei die Bezahlung des ausstehenden Steuerbetrags un-
möglich. Ein Beharren auf der Steuerforderung würde die Familie in einen finanziellen Kollaps
mit gesundheitlichen Folgen führen. Das Inkasso der Steuerforderungen würde ebenfalls weite-
re Kosten verursachen. Da die Ehegatten nicht in der Lage seien die Steuerforderungen zu be-
gleichen, bitte man um einen einmaligen Steuererlass, um eine sowohl finanzielle als auch
menschliche Katastrophe zu verhindern.
3. Mit Entscheid vom 6. Dezember 2016 wies die Taxations- und Erlasskommission das
Gesuch um Erlass der verfügten Nach- und Strafsteuern betr. die Jahre 2006-2008 ab. Zur Be-
gründung führte sie aus, wie der Nach- und Strafsteuerverfügung zu entnehmen sei, wiege das
Verschulden der Steuerpflichtigen sehr schwer und zeuge von einer erheblichen kriminellen
Energie. Im Weiteren würden sich das schwere Verschulden und der Taterfolg straferhöhend
auswirken. Gemäss Auskunft der Steuerverwaltung sei infolge Teilnahme an Steuerhinterzie-
hung ein weiteres Nach- und Strafsteuerverfahren hängig. Aufgrund des qualifizierten Straftat-
bestandes und der Tatsache, dass mit einem Erlass der Bussencharakter ausgehöhlt würde,
sei ein besonders begründeter Ausnahmefall, welcher einen Erlass rechtfertigen würde nicht zu
erkennen. Zu berücksichtigen sei auch, dass anlässlich eines allfälligen Pfändungsverfahrens
die wirtschaftliche Existenz nicht gefährdet werde und dass betreffend die ausstehenden or-
dentlichen Steuern 2010 bereits ein Pfändungsverfahren hängig sei.
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4. Mit Schreiben vom 4. Januar 2017 erhob der Vertreter der Pflichtigen Rekurs und be-
gehrte, 1. Der Entscheid der kantonalen Taxations- und Erlasskommission des Kantons Basel-
Landschaft vom 6. Dezember 2016 sei aufzuheben. 2. Es sei ein einmaliger Steuererlass zu
gewähren. 3. Auf die Erhebung weiterer Zinsen sei zu verzichten. Zur Begründung führte er u.a.
aus, der Entscheid der Taxations- und Erlasskommission setze sich mit den eingereichten Un-
terlagen nicht auseinander, sondern verweise pauschal auf frühere Entscheide der Steuerver-
waltung. Sie seien gegenüber der Steuerverwaltung kooperativ gewesen. Sie hätten einzig ihre
Unterschriften auf die Steuererklärungen gesetzt und müssten nun die Konsequenzen tragen.
Der Ehemann sei von der Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Landschaft verhört und es sei
weder ein schweres Verschulden noch ein qualifizierter Tatbestand festgestellt worden. Das
Verfahren sei eingestellt worden. Die Steuerforderung gefährde die Existenz der Familie, wobei
diese mit dem vorhandenen Einkommen nur knapp bestritten werden könne. Die Familie befin-
de sich seit Jahren in einer verzweifelten Lage, sei psychisch angeschlagen und lebe unter dem
Existenzminimum, was zu Lasten der Kinder gehe. Gemäss dem Pfändungsprotokoll vom 3.
Oktober 2016 sei ein Fehlbetrag von Fr. 376.-- festgestellt worden. Sie würden aber keine Un-
terstützungsleistungen in Anspruch nehmen. Schon die Tatsache, dass die Taxationskommissi-
on ein ganzes Jahr dafür gebraucht habe einen eineinhalb seitigen Entscheid zu fällen, der sich
überhaupt nicht mit der Notlage auseinandersetze, stelle eine finanzielle und psychische Härte
dar. Falls es so weiter gehe, würden dem Staat medizinische Behandlungskosten entstehen
und es müssten Unterstützungsleistungen in Anspruch genommen werden.
5. Mit Vernehmlassung vom 20. Februar 2017 beantragte die Taxations- und Erlasskom-
mission die Abweisung des Gesuchs. Zur Begründung führte sie aus, ein Steuererlass beinhalte
den Verzicht eines Gemeinwesens auf einen ihm zustehenden steuerlichen Anspruch und be-
zwecke die dauerhafte Sanierung der wirtschaftlichen Lage eines Steuerpflichtigen. Bussen und
Nachsteuern würden nur in besonders begründeten Ausnahmefällen erlassen. Es rechtfertige
sich daher, bei solchen Fällen einen strengeren Massstab anzusetzen. Die Gründe, welche zu
einem Nach- und Strafsteuerverfahren der Jahre 2006 - 2008 geführt hätten, seien den Verfah-
rensakten zu entnehmen. Die sich daraus ergebende Steuerschuld von rund 1 Million Franken
(inkl. Zinsen) könne mit der derzeitigen Einkommenssituation und dem berechneten Monats-
budget klarerweise nicht bzw. gemäss Praxis nicht innert einem vernünftigen Zeitraum bewältigt
werden. Hingegen sei diese finanzielle Notlage allein durch ein vorsätzliches Selbstverschulden
(Nach- und Strafsteuern) verursacht worden. Zudem würden noch andere Gläubiger (Hypothek)
bestehen. Ferner habe mit den durch die damals geringere Steuerlast vorhandenen Mitteln im
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September 2010 der Erwerb eines Eigenheims mitfinanziert werden können. Aus den gesamten
Umständen sei deshalb zu schliessen, dass ein Erlass hier nicht sachgerecht wäre.
6. An der heutigen Verhandlung hielten die Parteien an ihren Anträgen fest.
Das Steuergericht zieht in Erwägung :
1. Das Steuergericht ist gemäss § 139b Abs. 2 des Gesetzes über die Staats- und Ge-
meindesteuern (Steuergesetz) vom 7. Februar 1974 (StG) sowie § 11 Abs. 2 der Vollzugsver-
ordnung zum Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer vom 13. Dezember 1994 (Voll-
zugsverordnung) zur Beurteilung des vorliegenden Rekurses zuständig. Im Übrigen gelten die
Bestimmungen gemäss den §§ 124 - 132 StG. Gemäss § 129 Abs. 3 StG werden Rekurse, de-
ren umstrittener Steuerbetrag wie im vorliegenden Fall Fr. 8'000.-- pro Steuerjahr übersteigt,
vom Präsidenten und vier Richterinnen und Richtern des Steuergerichts beurteilt.
Da die in formeller Hinsicht an einen Rekurs zu stellenden Anforderungen erfüllt sind, ist
ohne weitere Ausführungen darauf einzutreten.
2. Zu beurteilen ist, ob die Taxations- und Erlasskommission das Gesuch um Erlass der
Nach- und Strafsteuern Staats-, Gemeinde- und direkte Bundessteuer betreffend die Steuerjah-
re 2006-2008 zu Recht abgewiesen hat.
a) Gemäss Art. 167 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer
(DBG) vom 14. Dezember 1990 können steuerpflichtigen Personen, für die infolge einer Not-
lage die Bezahlung der Steuer, eines Zinses oder einer Busse wegen Übertretung eine grosse
Härte bedeuten würde, die geschuldeten Beträge ganz oder teilweise erlassen werden. Ein ent-
sprechendes Gesuch ist nach Art. 167b Abs. 1 und Art. 167c DBG i.V.m. Art. 5 ff. der Verord-
nung des EFD über die Behandlung von Gesuchen um Erlass der direkten Bundessteuer vom
12. Juni 2015 (Steuererlassverordnung) bei der zuständigen kantonalen Verwaltung für die di-
rekte Bundessteuer einzureichen. Ebenfalls bestimmt § 139b Abs. 1 StG, dass steuerpflichtigen
Personen, für die infolge einer Notlage die Bezahlung der Steuern, Zinsen, Bussen und Gebüh-
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ren eine grosse Härte bedeuten würde, die geschuldeten Beträge ganz oder teilweise erlassen
werden können. Über ein entsprechendes Gesuch entscheidet die Taxations- und Erlasskom-
mission nach Anhörung des zuständigen Gemeinderates (§ 139b Abs. 2 StG). Ein Erlass oder
Teilerlass der Staatssteuer hat auch die entsprechende Herabsetzung der Gemeindesteuer zur
Folge (§ 139b Abs. 3 StG).
Bussen und Nachsteuern werden nach Art. 167 Abs. 3 DBG nur in besonders
begründeten Ausnahmefällen erlassen.
Der Steuererlass kann gemäss Art. 167a DBG insbesondere dann ganz oder
teilweise abgelehnt werden, wenn die steuerpflichtige Person: (a) ihre Pflichten im Veranla-
gungsverfahren schwerwiegend oder wiederholt verletzt hat, sodass eine Beurteilung der finan-
ziellen Situation in der betreffenden Steuerperiode nicht mehr möglich ist; (b) ab der Steuerpe-
riode, auf die sich das Erlassgesuch bezieht, trotz verfügbarer Mittel keine Rücklagen vorge-
nommen hat; (c) im Zeitpunkt der Fälligkeit der Steuerforderung trotz verfügbarer Mittel keine
Zahlungen geleistet hat; (d) die mangelnde Leistungsfähigkeit durch freiwilligen Verzicht auf
Einkommen oder Vermögen ohne wichtigen Grund, durch übersetzte Lebenshaltung oder der-
gleichen leichtsinnig oder grobfahrlässig herbeigeführt hat; (e) während des Beurteilungszeit-
raums andere Gläubigerinnen oder Gläubiger bevorzugt behandelt hat.
b) Seinem Wesen nach bedeutet Steuererlass den nachträglichen, endgültigen
Verzicht des Gemeinwesens auf einen ihm zustehenden steuerrechtlichen Anspruch, mit wel-
chem das öffentliche Vermögen verringert wird. Ein solcher erfolgt letztlich jeweils mit Rücksicht
auf die "Person" der Steuerschuldnerin oder des Steuerschuldners, welche bzw. welcher aus
humanitären, sozialpolitischen oder volkswirtschaftlichen Gründen nicht in ihrer bzw. seiner
wirtschaftlichen Existenz gefährdet werden soll. Daneben kann ein Erlass der Steuern auch im
Rahmen einer Unternehmenssanierung in Betracht fallen (Blumenstein/Locher, System des
schweizerischen Steuerrechts, 7. A., Zürich 2016, S. 421 f.). Der Steuererlass hat indessen
infolge der verfassungsrechtlichen Grundsätze der Allgemeinheit und Gleichmässigkeit der Be-
steuerung sowie der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit (Art. 127 Abs. 2
der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV]) die
seltene Ausnahme zu bleiben. Eine grosszügigere Erlasspraxis würde nämlich diejenigen Steu-
erpflichtigen benachteiligen, die ihre Leistungen trotz spürbarer finanzieller Belastung jeweils
anstandslos erbringen (vgl. Beusch/Raas, in: Zweifel/Beusch [Hrsg.], Kommentar zum Schwei-
zerischen Steuerrecht, Vor Art. 167-167g, N 8). Anstelle eines Erlasses der Steuern ist jeweils
auch die Möglichkeit einer Stundung oder anderer Zahlungserleichterungen vorgesehen (Art.
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166 DBG i.V.m. Art. 13 Abs. 3 Steuererlassverordnung sowie § 139a StG) (vgl. zum Ganzen:
Entscheid des Steuergerichts [StGE] vom 22. April 2016, 510 15 92, E. 2b, m.w.H.).
c) Der Entscheid über einen Steuererlass stellt nach allgemeiner Auffassung in Leh-
re und Rechtsprechung weitgehend einen Ermessensentscheid dar (Richner/Frei/Kaufmann/
Meuter, Kommentar zum Zürcher Steuergesetz, 3. A., Zürich 2013, § 183 N 5). Entsprechend
gewähren sowohl Art. 167 Abs. 1 DBG als auch § 139b Abs. 1 StG den zu-ständigen Erlassbe-
hörden - neben der Verwendung der unbestimmten Rechtsbegriffe der "Notlage" bzw. der
"grossen Härte" - durch die Verwendung von "Kann"-Formulierungen einen gewissen Entschei-
dungsspielraum. Die Erlassbehörden sind in ihrer Entscheidung indessen nicht völlig frei. Viel-
mehr haben sie von dem ihnen eingeräumten Ermessen pflichtgemäss und nach einheitlichen
Kriterien Gebrauch zu machen (vgl. Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7.
A., Zürich 2016, N 409) (vgl. zum Ganzen: StGE vom 22. April 2016, 510 15 92, E. 2c, m.w.H.;
StGE vom 25. Mai 2016, 510 16 22, E. 2b; StGE vom 12. August 2016, 510 16 50, E. 2b; StGE
vom 23. September 2016, 510 16 39, E. 2b; StGE vom 23. September 2016, 510 16 48, E. 2b).
d) In dem bis zum 31. Dezember 2015 geltenden Recht war in Art. 2 Abs. 1 der
Verordnung des EFD über die Behandlung von Erlassgesuchen für die direkte Bundessteuer
vom 19. Dezember 1994 (aSteuererlassverordnung) ein eigentlicher öffentlich-rechtlicher An-
spruch auf Gewährung des Steuererlasses, sofern die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt
waren, normiert. Das Bundesgericht sprach sich jedoch in zwei neueren, noch vor der Geset-
zesrevision ergangenen Entscheiden grundsätzlich gegen einen solchen Anspruch aus (vgl.
Entscheide des Bundesgerichts [BGE] 2D_42/2014 und 2D_43/2014 vom 11. Mai 2014). In der
neuen Steuererlassverordnung ist - dies nachvollziehend - kein Anspruch auf Steuererlass
mehr normiert (vgl. dazu auch die Erläuterungen zur Revision der Verordnung des EFD über
die Behandlung von Gesuchen um Erlass der direkten Bundessteuer [Steuererlassverordnung]
vom 29. Mai 2015, Art. 10). Das Bundesgericht hat in älteren Entscheiden für die Staatssteuer
einen Rechtsanspruch auf Erlass bejaht, wenn die kantonalen Steuergesetze genau um-
schreiben, unter welchen Voraussetzungen der gesuchstellenden Person der Erlass der Steu-
ern zu gewähren ist. Umschreiben die kantonalen Steuergesetze - wie vorliegend § 139b Abs. 1
StG - die Erlassvoraussetzungen lediglich offen und unbestimmt, verneint die bundesgerichtli-
che Rechtsprechung einen Anspruch auf Steuererlass (vgl. BGE 122 I 374 ff., E. 1; 112 Ia 94 f.,
E. 2c). Der basellandschaftliche Gesetzgeber gewährt der Erlassbehörde mithin ein Rechtsfol-
geermessen; diese ist bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen nicht verpflichtet, son-
dern lediglich ermächtigt, die Steuern zu erlassen (vgl. Klöti-Weber/Siegrist/Weber, Kommentar
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zum Aargauer Steuergesetz, 4. A., Muri-Bern 2015, § 230 N 6) (vgl. zum Ganzen: StGE vom
22. April 2016, 510 15 92, E. 2d, m.w.H.).
3. a) Materielle Voraussetzung des Steuererlasses ist in objektiver Hinsicht zunächst,
dass die Steuerveranlagung abgeschlossen ist und eine rechtskräftig veranlagte Steuer vor-
liegt (Art. 7 Abs. 1 Steuererlassverordnung). Erst wenn die genaue Höhe der geschuldeten Be-
träge im Veranlagungsverfahren festgesetzt worden ist, kann im Rahmen des Erlassverfahrens
auch über einen allfälligen Erlass derselben entschieden werden. Das Erlassverfahren ersetzt
mithin weder das Rechtsmittelverfahren noch soll damit die Revision rechtskräftiger Steuerver-
anlagungen bezweckt werden (vgl. ausdrücklich Art. 7 Abs. 1 Steuererlassverordnung;
Beusch/Raas, a.a.O., Vor Art. 167-167g, N 9). Weiter ist vorausgesetzt, dass die Steuer noch
überhaupt nicht oder nur unter Vorbehalt bezahlt worden ist. Wurde eine Steuer (vorbehaltlos)
bezahlt, so ist die Steuerforderung durch Erfüllung untergegangen und ein Erlass derselben
naturgemäss nicht mehr möglich. Der betreffende Steuerbetrag ist mithin nicht mehr "geschul-
det" im Sinne von Art. 167 Abs. 1 DBG bzw. § 139b Abs. 1 StG (vgl. im Zusammenhang mit der
direkten Bundessteuer ausdrücklich Art. 5 Abs. 2 bzw. Abs. 3 lit. b Steuererlassverordnung).
b) In subjektiver Hinsicht wird die Gewährung des Steuererlasses sodann vom Vor-
liegen einer Notlage bzw. einer grossen Härte für die gesuchstellende Person abhängig ge-
macht (Art. 167 Abs. 1 DBG und § 139b Abs. 1 StG). Eine Notlage im Sinne von Art. 167 Abs. 1
DBG liegt für das Recht der direkten Bundessteuern bei natürlichen Personen vor, wenn der
ganze geschuldete Betrag in einem Missverhältnis zur finanziellen Leistungsfähigkeit der steu-
erpflichtigen Person steht (Art. 2 Abs. 1 Steuererlassverordnung) und bei juristischen Personen,
wenn diese sanierungsbedürftig sind (Art. 4 Abs. 1 Steuererlassverordnung). Bei natürlichen
Personen ist ein solches Missverhältnis insbesondere dann gegeben, wenn die Steuerschuld
trotz Einschränkung der Lebenshaltungskosten auf das Existenzminimum in absehbarer Zeit
nicht vollumfänglich beglichen werden kann (Art. 2 Abs. 2 Steuererlassverordnung). Dabei ist
ein Zeitraum von zwei bis drei Jahren als absehbar zu betrachten (zum Zeitraum mit weiteren
Hinweisen vgl. Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts [BVGE] vom 11. Juni 2009, Abteilung
I, A-3663/2007, E. 4.2). Aus welchem Grund die steuerpflichtige Person in eine solche Notlage
geraten ist, ist für den Erlassentscheid grundsätzlich unerheblich. Nicht berücksichtigt wird in-
dessen eine selbstverschuldete Notlage, wie dies etwa bei einer freiwilligen Entäusserung von
Einkommensquellen oder Vermögenswerten der Fall ist (Art. 167a DBG). Anerkannte Ursachen

## Considerations

für eine Notlage im Sinne der vorstehenden Erwägungen sind demnach vorwiegend ausseror-
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dentliche Umstände wie eine aussergewöhnliche Belastung durch den Unterhalt der Familie,
andauernde Arbeitslosigkeit oder Krankheit sowie Unglücksfälle etc. (vgl. Art. 3 Abs. 1 lit. a und
b Steuererlassverordnung). Für die Voraussetzungen im Hinblick auf einen Erlass der Staats-
und Gemeindesteuern nach § 139b Abs. 1 StG kann nichts anderes gelten. Dabei ist insbeson-
dere darauf zu verweisen, dass nach der langjährigen konstanten Praxis hinsichtlich § 139b
Abs. 1 StG eine Notlage vorlag, wenn die steuerpflichtige Person nicht in der Lage war, mit dem
zur Verfügung stehenden Einkommen ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Eine unbillige Härte
war sodann zu bejahen, wenn die Bezahlung des geschuldeten Betrags für den Schuldner ein
Opfer bedeutet hätte, das in einem Missverhältnis zu seiner finanziellen Leistungsfähigkeit
stand und ihm nicht zugemutet werden konnte (vgl. zum Ganzen: StGE vom 22. April 2016, 510
15 92, E. 3b, m.w.H.).
c) Die Erlassbehörde berücksichtigt bei ihrer Einschätzung der subjektiven Erlass-
voraussetzungen die gesamten wirtschaftlichen Verhältnisse der steuerpflichtigen Person. Mas-
sgebend ist dabei in erster Linie die Situation im Zeitpunkt des Entscheides, daneben auch die
Entwicklung seit der Veranlagung, auf die sich das Erlassbegehren bezieht, sowie die Aussich-
ten für die Zukunft (vgl. für die direkte Bundessteuer Art. 10 Steuererlassverordnung). Insbe-
sondere prüft die Behörde, ob für die steuerpflichtige Person Einschränkungen in der Lebens-
haltung geboten und zumutbar sind oder gewesen wären. Einschränkungen gelten grundsätz-
lich als zumutbar, wenn die Auslagen die nach den Ansätzen für die Berechnung des betrei-
bungsrechtlichen Existenzminimums (Art. 93 des Bundesgesetzes über Schuldbetreibung und
Konkurs [SchKG] vom 11. April 1889) sich ergebenden Lebenshaltungskosten übersteigen (vgl.
in Konkretisierung des DBG Art. 2 Abs. 3 Steuererlassverordnung). Berücksichtigt werden darf
auch, ob der gesuchstellenden Person die fristgerechte Bezahlung der Steuern im Zeitpunkt der
Fälligkeit möglich gewesen wäre (Art. 167a lit. c DBG) (vgl. zum Ganzen: StGE vom 22. April
2016, 510 15 92, E. 3c, m.w.H.).
d) Vorhandenes Vermögen schliesst einen Steuererlass nur aus, wenn und soweit
eine Belastung oder Verwertung desselben als zumutbar erscheint (Art. 12 Abs. 1 Steuerer-
lassverordnung). Ein Steuerlass kann somit gewährt werden, bevor die letzten Ersparnisse der
gesuchstellenden Person aufgezehrt sind. Einer steuerpflichtigen Person soll ein Notgroschen
belassen bleiben (vgl. Schorno, in: Klöti-Weber/Siegrist/Weber [Hrsg.], Kommentar zum Aar-
gauer Steuergesetz, 4. A., Muri-Bern 2015, § 230 N 12, mit weiteren Hinweisen, insb. auf BVGE
vom 11. Juni 2009, a.a.O.; Entscheid des Steuergerichts [StGE] vom 4. Dezember 2015, 510
15 40, E 4d; StGE vom 22. April 2016, 510 15 92 E. 3d, www.bl.ch/steuergericht). Auf jeden Fall
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zumutbar ist gemäss Art. 12 Abs. 2 Steuererlassverordnung jedoch die Zahlung aus dem Ver-
mögen bei Steuern auf einmalige Einkünfte. Als Vermögen gilt das zu Verkehrswerten bewerte-
te Reinvermögen (Art. 12 Abs. 3 Steuererlassverordnung), also der Überschuss der Aktiven
über den Passiven eines Steuerpflichtigen (vgl. Dzamko-Locher/Teuscher, a.a.O., Art. 13 StHG
N 1).
e) Der Steuererlass soll zu einer langfristigen und dauernden Sanierung der wirt-
schaftlichen Lage der steuerpflichtigen Person beitragen. Er hat dabei bestimmungsgemäss der
steuerpflichtigen Person selbst und nicht ihren Gläubigern zugute zu kommen. Entsprechend
wird ein Steuererlass durch die Erlassbehörden regelmässig abgelehnt, wenn ein Konkurs oder
ein Nachlassvertrag des Steuerschuldners bevorsteht (vgl. Art. 14 Abs. 1 Steuererlassverord-
nung) (vgl. zum Ganzen: StGE vom 22. April 2016, 510 15 92, E. 3e, m.w.H.; StGE vom 25. Mai
2016, 510 16 22, E. 3e; StGE vom 12. August 2016, 510 16 50, E. 3e; StGE vom 23. Septem-
ber 2016, 510 16 39, E. 3e; StGE vom 23. September 2016, 510 16 48, E. 3e).
4. In Bezug auf die objektiven Erlassvoraussetzungen ist festzuhalten, dass diese vorlie-
gend erfüllt sind. Die Nach- und Strafsteuern Staats-, Gemeinde- und direkte Bundessteuer
betreffend die Steuerjahre 2006-2008 sind rechtskräftig veranlagt. Zudem wurden diese nicht
vollständig bezahlt, so dass die betreffenden Ansprüche gegenüber den Rekurrenten noch be-
stehen.
5. Auch wenn die Voraussetzungen für einen Steuererlass gemäss Art. 167 Abs. 1 (Notla-
ge, grosse Härte) erfüllt sind, kann ein Gesuch um Steuererlass trotzdem ganz oder teilweise
abgelehnt werden, wenn die steuerpflichtige Person als erlassunwürdig erscheint. Für einen
Steuererlass ist nämlich nicht nur die augenblickliche finanzielle Lage der gesuchstellenden
Person relevant, sondern auch die Vergangenheit ist zu berücksichtigen. Die für die Frage, ob
eine Erlassunwürdigkeit vorliegt, zu betrachtende Vergangenheit umfasst den Zeitraum zwi-
schen der Entstehung der Forderung, für welche ein Erlass begehrt wird, und dem Stellen des
Erlassgesuchs.
Unter dem Gesichtspunkt der Erlassunwürdigkeit werden die Ursachen, die zu einer
Notlage und damit verbundenen grossen Härte geführt haben, einer Prüfung unterzogen. Er-
lassunwürdig ist deshalb eine Person, welche sich im Vorfeld des Erlassgesuchs in einer Art
verhielt, welche einen nachfolgenden Steuererlass als ungerecht erscheinen liesse. Wer sich
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vor der Stellung des Gesuchs um Steuererlass in einer Weise leichtsinnig oder grobfahrlässig
(vgl. die. Formulierung in lit. d) verhielt, dass ein Steuererlass auch unter Würdigung der au-
genblicklich finanziell schwierigen Situation dieser, Person ungerechtfertigt erscheint, handelte
erlassunwürdig. Wenn insbes. ein Selbstverschulden der gesuchstellenden Person an der Not-
lage bejaht werden muss, wird häufig Erlassunwürdigkeit angenommen. Immerhin schliesst ein
Selbstverschulden der gesuchstellenden Person an, der Notlage den Steuererlass nicht immer
und in jedem Fall aus, wird aber bei der Entscheidung berücksichtigt. Wie sich nämlich aus der
gesetzlichen Formulierung ergibt, führen die Ablehnungsründe, nicht zwingend dazu, dass der
Steuererlass ganz oder teilweise abgelehnt wird; es ist vielmehr in jedem einzelnen Fall abzu-
wägen, ob die vergangenheitsbezogenen Ablehnungsgründe (wie z.B. ein Selbstverschulden)
es rechtfertigen, einen Steuererlass hier und heute zu verneinen, die gesuchstellende Person
also als erlassunwürdig einzustufen. In diesem Sinn führen die in lit. a-e genannten Gründe
nicht unausweichlich zu einer Ablehnung des Steuererlasses, sie sind nur (aber immerhin) ge-
wichtige Motive für die Ablehnung (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O. Art. 167a, N1ff.).
Liegt ein Ablehnungsgrund vor, so ist das Erlassgesuch abzuweisen (Beusch/Raas, in: Zwei-
fel/Beusch [Hrsg.], Art. 167a, N 1).
6. Zu prüfen bleiben die Erlassvoraussetzungen in subjektiver Hinsicht.
a) Gemäss dem Revisionsbericht Nr. 2010-175 habe der Pflichtige resp. dessen
Treuhänder im Geschäftsjahr 2007 und 2008 hohe Aufwendungen für Fremdarbeiten verbucht,
ohne dafür die entsprechenden Leistungen erbracht zu haben. Damit der steuerbare Gewinn
habe reduziert werden können, habe der Treuhänder fiktiven Aufwand für Fremdarbeiten nach-
gebucht und dazu die entsprechenden Belege erstellt. Der Vertreter führt sowohl in seinem Re-
kurs als auch an der heutigen Verhandlung aus, dass der Pflichtige lediglich seine Steuererklä-
rung unterzeichnet, wobei er mit den Handlungen des Treuhänders nichts zu tun habe.
Das Bundesgericht führte in seinem Entscheid vom 22. Oktober 2012 in Erwä-
gung 3.4 aus, dass auch im Steuerrecht das Prinzip herrsche, dass die vertretene Partei sich
Fehlleistungen ihrer Vertretung unmittelbar anrechnen lassen müsse (Urteile 2C_220/2007 vom
10. Oktober 2007 E. 4; 2P.191/2006 vom 25. Juli 2006 E. 2.2). Die vertraglich vertretene steu-
erpflichtige Person solle insofern gegenüber den Nichtvertretenen nicht besser gestellt sein.
Dementsprechend sei die steuerpflichtige Person verpflichtet, die vertragliche Vertretung sorg-
fältig auszuwählen, zu instruieren und das Arbeitsergebnis zu überprüfen (Urteil 6S.217/2004
vom 26. November 2004 E. 5.2 mit Hinweisen, in: RDAF 2005 II S. 68). Dies gelte namentlich
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für die Kontrolle der durch dritte Hand ausgefüllten Steuererklärung (Urteile 2A.168/2006 vom 8.
März 2007 E. 4.2, in: StE 2007 B 101.21 Nr. 17; 2P.48/2006 vom 10. Mai 2006 E. 3.1;
2A.194/2002 vom 25. April 2003 E. 2.5.1, in: StR 59/2004 S. 58) (vgl. Entscheid des Bundesge-
richts, 2C_699/2012 vom 22. Oktober 2012, E. 3.4). Auch im vorliegenden Fall muss sich der
Pflichtige die Handlungen seines von ihm bevollmächtigen Treuhänders anrechnen lassen. All-
fällige Schadenersatzleistungen oder Regressansprüche gegenüber dem Treuhänder, wären
sodann in einem zivilprozessualen Verfahren geltend zu machen.
b) Im Nach- und Strafsteuerverfahren wurde mit Verfügung vom 26. September
2013 festgestellt, dass der Ehemann im Jahre 2006 bis 2008 für seine Einzelfirma und für die
Firma B._ GmbH fiktive Rechnungen in der Grössenordnung von Fr. 790‘000.-- habe erstel-
len lassen, um das Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit bzw. um den Reingewinn
seiner GmbH zu minimieren. Selbst wenn der Antrieb seitens des Buchhalters ausgegangen
sein soll, habe der Ehemann wissen müssen, dass dieses Vorgehen nicht korrekt sei. Im Ein-
spracheverfahren gegen diese Verfügung konnten die belastenden Argumente nicht ausge-
räumt werden. Die Steuerverwaltung hielt in ihrem Einsprache-Entscheid vom 11. August 2015
fest, dass das Argument, wonach der Pflichtige aus einer Notlage heraus gehandelt haben soll
ins Leere stosse. Eine korrekte Buchhaltung zu erstellen resp. erstellen zu lassen, sei nicht nur
seine Pflicht, sondern auch ohne weiteres im Bereich des Möglichen. Objektiv betrachtet spre-
che nichts dagegen Fremdarbeiten ordentlich zu verbuchen. Die erwähnte Notsituation stehe im
direkten Zusammenhang mit dem betrügerischen Vorgehen zur Gewinnmaximierung. Wenn der
Pflichtige weder entlastende Belege vorlegen könne noch Namen von Unterakkordanten zu
nennen vermöge, reduziere dies das Verschulden des Pflichtigen nicht.
c) Aufgrund der Tatsache, dass die Pflichtigen Nach- und Strafsteuerschulden in
Höhe von Fr. 1‘092‘754.45 auf ihr Konto zu verbuchen haben und dem ein Einkommen von Fr.
6‘100.-- gegenübersteht, ist von einer Notlage auszugehen. Allerdings haben sich die Pflichti-
gen selbst bewusst in diese Lage gebracht und die strafbaren Handlungen über mehrere Jahre
ausgeführt. Bereits aufgrund einer summarischen Prüfung ist ersichtlich, dass die Bezahlung
der aufgelaufenen Nachsteuerschulden, Bussen und Verzugszinsen gemäss dem Gesamtkon-
toauszug vom 6. Juni 2017 von Fr. 1‘092‘754.45 innert einer angemessenen Frist nicht realis-
tisch ist. Ein substanzieller Abbau der Steuerlast mittels des Einkommens erscheint hier eher
fraglich.
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7. Das Einkommen der Pflichtigen genügt nicht, um die Steuerlast zu tilgen oder zumindest
zu reduzieren. Die Pflichtigen deklarieren in der Steuererklärung in ihrem Vermögen jedoch
eine Liegenschaft sowie verschiedene weitere Vermögenswerte. Es stellt sich nun die Frage,
welcher Anteil des Vermögens für die Tilgung der Steuerschulden verwendet werden kann.
Nicht für die Tilgung der Steuerschulden verwendet werden können die Ersparnisse in der Säu-
le 3a, da diese der Vorsorge dienen. Zudem haben die Pflichtigen trotz ihrer finanziellen Lage
und Bedürftigkeit im Jahre 2015 auf das Säule 3a Konto einen Betrag von Fr. 5‘899.-- einge-
zahlt.
a) Gemäss Art. 163 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches vom 10. De-
zember 1907 (ZGB) sorgen die Ehegatten gemeinsam, ein jeder nach seinen Kräften, für den
gebührenden Unterhalt der Familie. Gemäss Art. 202 ZGB haftet jeder Ehegatte für seine
Schulden mit seinem gesamten Vermögen.
b) Gemäss Art. 13 Abs. 1 und 2 DBG haften Ehegatten, die in rechtlich und tatsäch-
lich ungetrennter Ehe leben, solidarisch für die Gesamtsteuer. Jeder Gatte haftet jedoch nur für
seinen Anteil an der Gesamtsteuer, wenn einer von beiden zahlungsunfähig ist. Ferner haften
sie solidarisch für denjenigen Teil an der Gesamtsteuer, der auf das Kindereinkommen entfällt.
Bei rechtlich oder tatsächlich getrennter Ehe entfällt die Solidarhaftung auch für alle noch offe-
nen Steuerschulden. Gemäss § 14 Abs. 1 StG haften Ehegatten, die in rechtlich und tatsächlich
ungetrennter Ehe leben, solidarisch für die Gesamtsteuer. Jeder Ehegatte haftet jedoch nur für
seinen Anteil an der Gesamtsteuer, wenn einer von beiden zahlungsunfähig ist. Ferner haften
sie solidarisch für denjenigen Teil an der Gesamtsteuer, der auf das Kindereinkommen und -
vermögen entfällt. Bei rechtlich oder tatsächlich getrennter Ehe entfällt die Solidarhaftung auch
für alle noch offenen Steuerschulden.
c) Grundsätzlich ergibt es sich von selbst, dass das Steuersubjekt für die ihm aufer-
legte Steuer haftet. Zudem ist es folgerichtige Konsequenz der Tatsache der gemeinsamen
Veranlagung, dass auch im Steuerbezugsverfahren die Haftung nicht anteilsmässig getrennt
wird. Da sich Abs. 1 und 2 auf die eigene Steuerschuld der Ehegatten beziehen, handelt es sich
auch nicht um eine Haftung i.e.S. Von Haftung ist richtigerweise eigentlich nur dort zu sprechen,
wo für eine fremde Schuld einzustehen ist. Die Bezugsbehörde kann somit im Aussenverhältnis
von beiden Ehegatten den vollen Steuerbetrag fordern. Zahlt einer, ist der andere befreit. Art.
13 bestimmt nichts über die Verteilung im Innenverhältnis. Diese Frage regelt das Zivilrecht.
Hierbei spielen die konkreten Verhältnisse, insbes. der Güterstand eine Rolle. Ähnlich wie im
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Zivilrecht (vgl. ZGB 188) hebt die Zahlungsunfähigkeit eines Ehegatten die gemeinsame Haf-
tung auf (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 3. A. Zürich 2016,
Art. 13 N 4 ff.).
d) Gemäss Urteil des Spezialverwaltungsgerichts des Kantons Aargau 3-BE.2014.6
vom 12. September 2014, E. 2 ist im Steuererlassverfahren bei Verheirateten, die in ungetrenn-
ter Ehe leben, auf die wirtschaftlichen Verhältnisse beider Ehegatten abzustellen, wobei dies
auch dann gelte, wenn der eine Ehegatte für voreheliche Steuerschulden des anderen Ehegat-
ten nicht hafte. Dies ist insofern richtig, als die langjährige höchstrichterliche Praxis zur Berech-
nung des Existenzminimums, wenn beide Ehegatten ein Einkommen erzielen, berücksichtigt
wird. Danach ist bei der Berechnung der pfändbaren Lohnquote zunächst das Einkommen bei-
der Ehegatten und ihr gemeinsames Existenzminimum zu bestimmen und das ermittelte Exis-
tenzminimum im Verhältnis der Nettoeinkommen auf die Ehegatten aufzuteilen. Die pfändbare
Quote des Einkommens des betriebenen Ehegatten ergibt sich alsdann durch Abzug seines
Anteils am Existenzminimum von seinem massgeblichen Nettoeinkommen (vgl. BGE 114 III
112, E. 3).
e) Es ist festzuhalten, dass der Ehemann nicht zahlungsunfähig ist und zur Tilgung
der verfügten Nach- und Strafsteuerschulden auf das gesamte Vermögen der Ehegatten zu-
rückgegriffen werden kann.
8. a) Mit öffentlich beurkundetem Kaufvertrag haben die Pflichtigen am 8. Juli 2010
eine Liegenschaft an der C._strasse 14 in D._ zu einem Preis von Fr. 520‘000.-- erwor-
ben, welche sie bewohnen. An dieser Stelle nicht untersucht werden kann, ob die finanziellen
Mittel für den Erwerb der Liegenschaft aus den deliktischen Handlungen stammen. Tatsache ist
jedoch, dass die Ehegatten über die entsprechenden Vermögenswerte verfügen.
Fraglich ist, zu welchen Werten die bei den Rekurrenten vorhandenen Vermö-
genswerte zu berücksichtigen sind. Möglich ist die Bewertung nach dem Steuerwert, nach dem
interkantonalen Repartitionswert oder nach dem Verkehrswert. Da der Steuererlass thematisch
eine gewisse Nähe zum Sozialversicherungsrecht aufweist (vgl. StGE vom 4. Dezember 2015,
510 15 40; Langenegger, in: Leuch/Kästli/Langenegger [Hrsg.], Praxiskommentar zum Berner
Steuergesetz, Muri-Bern 2014, Art. 240 N 34, unter Verweis auf diverse Entscheide der Steuer-
rekurskommission des Kantons Bern) rechtfertigt es sich jenen Wert zu nehmen, welcher auch
für die Berechnung der Beiträge bzw. Renten an respektive aus Sozialversicherungen genom-
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men wird. Gemäss Kantonsgericht ist dafür im Kanton Basel-Landschaft der interkantonale Re-
partitionswert massgebend (vgl. Urteil des Kantonsgerichts Abteilung Sozialversicherungsrecht
[KGE SV] vom 26. Mai 2004, Nr. 710 03 240, E. 1b). Dies steht in Übereinstimmung mit Art. 17
Abs. 6 der Bundesverordnung über die Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung vom 15. Januar 1971 (ELV) und dem Bundesgericht (vgl. BGE H 257/01
vom 13. Juni 2003, E. 3.2).
b) Die Liegenschaft hat aktuell einen geschätzten Wert von Fr. 631‘742.-- (Bewer-
tung der Steuerverwaltung vom 21. Juni 2017) und ist mittels einer Hypothek über Fr. 450‘000.--
finanziert. Damit resultiert derzeit ein Anteil am Eigenkapital von Fr. 181‘742.--. Im Weiteren ist
aus den Akten ersichtlich, dass die Rekurrenten weitere Vermögenswerte besitzen. Gemäss
dem Wertschriftenverzeichnis des Jahres 2015 belaufen sich diese auf Fr. 27‘205.--. Die kapi-
talbildende Versicherung der E._ (3b) hat einen Wert von Fr. 26‘542.--. Die fondsgebundene
Versicherung mit Rückkaufswert der F._ weist einen Wert von Fr. 16‘845.-- aus. Der Betrag,
welcher den Rekurrenten als Ersparnis als sog. Notgroschen belassen werden soll beläuft sich
auf das Dreifache des Grundbetrags und beträgt Fr. 17‘745.--. Nicht in die Ermittlung der ver-
wertbaren Vermögenswerte fällt die Säule 3a, da diese der Vorsorge dient.
c) Das freie Vermögen der Rekurrenten stellt sich gemäss der dem Steuergericht
vorliegenden Akten betreffend das Steuerjahr 2015 demnach wie folgt dar:
Eigenkapitalanteil aus Liegenschaft Fr. 181‘742.00
Abzüglich Notgroschen Fr. - 17‘745.00
Verfügbares Vermögen aus Liegenschaft Fr. 163‘997.00
Wertschriften Fr. 27‘205.00
Kapitalbildende Versicherung E._ Fr. 26‘542.00
Fondsgebunde Versicherung F._ Fr. 16‘845.00
Vermögenswerte total Fr. 234‘589.00
d) Das freie und damit verwertbare Vermögen der Rekurrenten beläuft sich wie
oben dargestellt auf rund Fr. 234‘589.00. Dass das Vermögen der Rekurrenten zu einem gros-
sen Teil in der Liegenschaft gebunden ist, ist unerheblich. Dieses Vermögen ist dennoch für die
Tilgung der Steuerschulden einzusetzen.
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9. Ein Steuererlass rechtfertigt sich vorliegendenfalls zum jetzigen Zeitpunkt in keiner Wei-
se. Die Nachsteuer als solche ist die ordentliche Steuer, welche die Pflichtigen bei einem
pflichtgemässen Verhalten ohnehin hätten bezahlen müssen. Sie hat keine pönale Wirkung. Sie
besitzt also keinen Strafcharakter (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O. Art. 151, N3ff.).
Die Strafsteuer hingegen ist reine Strafe und besitzt in dieser Eigenschaft Sanktions- und Prä-
ventionscharakter (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O. Art. 175, N9). Nicht im Sinne des
Gesetzgebers ist es damit, Steuerpflichtige delinquieren zu lassen, um sie in der Folge auf-
grund einer finanziellen Notsituation aus der Pflicht, die gesetzlich vorgesehene Strafe für ihr
Fehlverhalten bezahlen zu müssen, mittels dem Institut des Steuererlasses, zu entlassen. Das
Vermögen der Pflichtigen vermag zudem rund 1⁄4 der Steuerschuld zu decken, wobei es auf den
Willen der Pflichtigen ihr Vermögen für die Bezahlung der Steuerschuld einzusetzen nicht an-
kommen kann. Entscheidend ist, dass sie dies aufgrund des tatsächlich vorhandenen Vermö-
gens auch können.
Erst nachdem die Vermögenswerte für die Tilgung der Steuerschulden eingesetzt wor-
den sind und die Rekurrenten sich damit um die Bezahlung der noch ausstehenden Steuern
bemüht haben, kann allenfalls zu gegebener Zeit erneut ein Steuererlassgesuch eingereicht
werden, welches unter Würdigung der dann vorliegenden Gesamtumstände zu einem anderen
Ergebnis führen kann.
Aufgrund der obigen Ausführungen erweist sich der Rekurs als unbegründet und ist ab-
zuweisen.
10. a) Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind den Rekurrenten nach § 130
StG i.V.m. § 20 Abs. 1 und 3 des Gesetzes vom 16. Dezember 1993 über die Verfassungs- und
Verwaltungsprozessordnung (VPO) Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 5‘000.-- aufzuerlegen.
Diese gehen infolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege zulasten der Staatskasse.
b) Hinsichtlich der Kosten werden die Rekurrenten ausdrücklich auf § 53a Abs. 1
des Gesetzes über die Organisation der Gerichte (GOG) vom 22. Februar 2001 aufmerksam
gemacht, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzah-
lung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist.
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