# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 4f1cd647-a826-440f-9743-d58de1bc231e
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
X._
, geboren 1956, arbeitete zulet
zt vom 1
2.
April
bis
zum 2
7.
Juli
1999 als Maler bei der
Y._
AG in
Z._
(
Urk.
8/12/1
). Am 7.
Februar
2000 meldete er sich wegen eines
degenerativen Rückenleiden
s, einer Diskushernie und eines
Cervicalsyndrom
s
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/1).
Die
IV-Stelle
veranlasste
bei der Klinik
A._
eine multidisziplinäre Begutacht
ung (Expertise vom 1
9.
April 200
1, Urk.
8/24) und sprach dem Versicherten m
it Verfügu
ng
en
vom 2
1.
März 2002
mit Wirkung ab
1.
August 2000
ausgehend von einem
Invaliditätsgrad von 61
%
eine halbe Invalidenrente zu (
Urk.
8/35).
Am 2
0.
November 2002
stellte
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Allgemeinmedizin FMH, im Namen
von
X._
ein Rente
nerhöhungsgesuch (
Urk.
8/38). Die IV-Stelle gab
bei der Fachstelle für Sozialpsychiatrie und Psychotherapie
in
Z._
ein Gutachten in Auftrag, das am
3.
März 2003 erstattet wurde
(Urk. 8/45)
, und
sprach
dem Versicherten m
it Verfügung vom 1
0.
Juli 2003 mit Wir
kung ab 1.
November 2002
bei
einem Invaliditätsgrad von 100
%
eine ganze Rente
zu (
Urk.
8/51).
In der Folge wurde der
Rentena
nspruch von
X._
anlässlich zweier von Amtes wegen
durchgeführter
Revision
sverfahren
am 17.
August 2005
von der IV-Stelle des Kantons St. Gallen
(
Urk.
8/58) und – nach dem Umzug des Versicherten
nach C._
–
am 1
4.
März 2011
von der
IV-Stelle
des Kantons Zürich
bestätigt
(
Urk.
8/72).
1.2
Im Hinblick auf die am
1.
Januar 2012 in Kraft tretende Revision des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG,
lit
. a der Schlussbestimmungen der Änderung vom 1
8.
März 2011) leitete die IV-Stelle
am 1
1.
November 2011
ein neuerliches Revision
sverfahren
ein
(
Urk.
8/79)
. Sie liess
einen Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug vom 1
6.
Novem
ber 2011, Urk. 8
/80) erstellen,
holte den Bericht von
Dr.
med.
D._
,
Fach
arzt für
Allgemeine Medizin FMH, vom
2.
M
ärz 2012 (
Urk.
8/85) ein und gab
b
eim
I
nstitut
E._
ein polydisziplinäres Gut
achten
in Auftrag
(Expertise vom 2
5.
Februar 2013,
Urk.
8/94).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbe
scheid vom 1
2.
April 2013, Urk.
8/98, und Einwand vom 2
6.
Juni 2013,
Urk.
8/104) hob die IV-Stelle die Rente von
X._
mit Verfügung vom
9.
Juli 2013
auf Ende des der Zustellung der
Verfügung folgenden Monats auf. Als Begründung führte sie an, dass sich der Gesundheitszustand des Versicherten verbessert habe und der Invaliditätsgrad lediglich noch 24
%
betrage.
Einer Beschwerde gegen diese Verfügung entzog sie die aufschiebende Wirkung (
Urk.
2).
Hiergegen erhob
X._
, vertreten durch Rechtsanwalt Christoph
Anwander
-Walser, am
5.
September 2013 B
eschwerde mit folgendem Rechtsbegehren
(
Urk.
1)
:
„
1.
Ziffer 1 des Dispositivs der Verfügung vom
9.
Juli 2013 sei aufzuheben und
X._
sei weiterhin eine ganze IV-Rente a
uszurichten.
Ziffer 2 des Dispositivs der Verfügung vom
9.
Ju
l
i 2013 sei aufzuheben und der Beschwerde aufschiebende Wirkung zu erteilen. Die Vorinstanz/Beschw
erdegegnerin sei anzuweisen,
X._
für die Dauer des Beschwerdeverfahrens die bisherige Rente auszurichten.
Event
uell sei die Streitsache zur weiteren Abklärung und zu anschliessender neuer Beurteilung bzw. Verfügung an die Vorinstanz/Be
schwerdegegnerin zurückzu
weisen;
u
nter Kosten- und Entschädigungsfolge
.
“
Mit Beschwerdeantwort vom 1
0.
Oktober 2013 ersuchte die Beschwerdegegnerin um Abw
eisung der Beschwerde (
Urk.
7).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die bisherige ganze Invalidenrente zu Recht aufgehoben hat.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmög
lichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu
bestimmen. Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
).
Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
4
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen).
Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechts
kräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Einspracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bun
desgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
1.
5
Das Bundesgericht geht in ständiger Rechtsprechung vom Regelfall aus, dass eine medizinisch attestierte Verbesserung der Arbeitsfähigkeit grundsätzlich auf dem Weg der Selbsteingliederung verwertbar ist (Ul
rich Meyer, Rechtsprechung zum Bundesgesetz
über die Invalidenversicherung
, 2. Auflage, Zürich 2010, S. 383). Prakt
isch bedeutet dies, dass aus ei
ner medizinisch attestierten Verbes
serung der Arbeitsfähigkeit unmittelbar auf eine Verbesserung der Erwerbsfä
higkeit geschl
ossen und damit ein entsprechen
der Einkommensvergleich (mit dem Ergebnis eines tieferen Invaliditätsgrades) vorgenommen werden kann.
Dennoch hat die Rechtsprechung i
n ganz besonderen Ausnahmefällen nach langjährigem Rentenbezug
aber
trotz medizinisch (wie
der) ausgewiesener Leis
tungs
fähigkeit vorderhand weiterhin eine Rente zuges
prochen, bis mit Hilfe von medi
zinisch-rehabilitativen und/oder beruflich-e
rwerblichen Massnahmen das theo
retische Leistungspotential ausgeschöpf
t werden kann. Es
können im Ein
zel
fall Erfordernisse des Arbeitsmarktes der Anrechnung ein
er medizinisch vor
handenen Leistungsfähigkeit und m
edizinisch zumutbaren Leistungs
entfaltung entgegenstehen, wenn aus den Akten einwandfrei hervorgeht, dass
die Ver
wertung eines bestimmten Leistungsp
otentials ohne vorgängige Durch
führung befähigender Massnahmen allein vermittels
Eigenanstrengung der versicher
ten Person nicht möglich ist (Urteil des Bundesgerichts 9C_163/2009
vom 10. Septem
ber 2010
E.
4.2.2 mit weiteren Hinweisen
).
Diese Rechtsprechung hat das Bundesgericht im Urteil 9C_228/2010 v
om 26. April 2011 E. 3.3
dahin gehend präzisiert,
dass die revisions- oder wieder
erwägungsweise Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente bei vers
i
cherten Personen, die das 5
5.
Alter
s
jahr zurückgelegt oder die Rente seit mehr als 15 Jahren bezogen haben, nur zu
lässig ist, wenn die Beschwerde
gegnerin zuvor Eingliederungsmassnahmen durchgeführt hat.
Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass solche versicherte Personen aufgrund des fortge
schrittenen Alters oder der
langen Rentendauer und der dar
aus folgenden langjährigen Arbeitsabstinenz in der Regel nicht in der Lage sind, sich dem Arbeitsmarkt zu stellen
und sich dort selbst wieder ein
zugliedern.
Dies führt für die Betroffenen nicht zu einer Art Besitzstandsgarantie. Es wird ihnen lediglich, aber immerhin, zugestanden, dass die Rente grundsätzlich erst nach tatsächlich geleisteter Eingliederungshilfe eingestellt oder herabgesetzt werden darf.
2.
2.1
Der 1956
geborene Beschwer
deführer hat
te
im Zeitpunkt des Erlasses der rentenaufhebenden Verfügung vom
9.
Juli
2013 (
Urk.
2) das 5
7.
Altersjahr be
reits zurüc
kgelegt
und
im Übrigen
seit
mehr als 10
Jahren
(Urk. 8/51
)
eine
ganze
Invalidenrente bezogen.
Aufgrund der Aktenlage ist nicht ersichtlich und wird von der Beschwerd
e
geg
nerin auch nicht geltend gema
cht, dass sie vor der Rentenein
stellung die Frage der Zumutbarkeit der Selbsteingliederung konkret geprüft hätte. Sie stellte le
diglich fest,
dass der Beschwerdeführer gemäss Gutachten
des Instituts E._
vom 2
5.
Februar 2013 E. 6.7 aufgrund seiner ausgeprägten Krankheitsüberzeugung keine Moti
vation für einen
Wiedereinstieg ins Erwerbsleben habe (
Urk.
8/96/5).
Im Vor
bescheid vom 1
2.
April 2013 (
Urk.
8/98/2) und in der rentenaufhebenden Ver
fügung vom
9.
Juli 2013
(
Urk.
2 S. 2)
wies die Beschwerdegegnerin
ihn
darauf hin, dass er ein Gesuch
einreichen könne, wenn
er Interesse an einer Arbeitsvermittlung durch die Invalidenver
sicherung habe.
Damit ist den bundesgerichtlich geforderten Voraussetzungen zur Herabsetzung
oder Aufhebung
von langjährigen Renten
jedoch
nicht Genüge g
etan.
Die
Be
schwerdegegnerin
hätte sich vielmehr
vor
der
Aufhebung der Invaliden
rente vergewissern
müssen
, ob sich ein medizinisch-theoretisches Leistungsvermögen ohne Weiteres in einem entsprechend tieferen Invaliditätsgrad niederschlägt oder ob dafür eine erwerbsbezogene Abklärung (zum Beispiel betreffend Eignung und
Belastungs
fähigkeit) und/oder die Durchfü
hrung von Eingliederungsmassnah
men im Rechtssinne erforderlich ist. Dieser Prüfungssch
ritt zeitigt
nur
dort keine admi
nistrativen Wei
terungen, wo die gegenüber der
Eingliederung vorrangige Selbst
eingliederung direkt zur rentenausschliessenden
arbeitsmarktlichen
Ver
wertbarkeit des Leis
tungsvermögens führt. Das ist namentlich der Fall, wenn bisher schon eine erhebliche Restarbeitsfähigkeit
bestand, so dass der anspruchserhebliche Zuge
winn an Leistungs
fähigkeit kaum zusätzlichen Ein
gliederungsbedarf nach sich zieht, vor all
em wenn das hinzugewonnene Leis
tungs
vermög
en in einer Tätig
keit verwertet werden kann, welche die versicherte Person bereits ausübt oder unmittelbar wieder
ausüben könnte (Urteil des Bun
desgerichts 9C_
163/2009 vom 10. September 2010
E. 4.2.2 mit Hinweisen).
Dies ist vorliegend nicht der Fall. Der
57-jährige
Beschwerde
führer
ist seit vie
len Jahren nicht mehr erwerbstätig
(
Urk.
8/80)
.
Eine Tätigkeit,
die er
unmittel
bar wieder ausü
ben könnte,
ist nicht ersichtlich
.
Unter diesen Umständen ist
eine
Selbst
eingli
ederung
nicht mehr zumutbar.
Damit ist die Rentenherabsetzung
zumindest
so lange n
icht gerechtfertigt, als die Be
schwerdegegnerin die
Verwertbarkeit der wiedergewonnenen Arbeitsfä
higkeit
des Beschwerdeführers nicht
geprüft
und
die sich dabei als unerlässlich herausstellenden Eingliederungsmassnahmen an die Hand genommen
hat.
2.2
Nachdem die Beschwerdegegnerin bislang en
tsprechende Massnahmen unterlas
sen hat, ist ohne materielle Prüfung der medizinischen Aktenlage wei
terhin von der bisherigen Erwerbsunfähigkeit des Beschwerdeführers auszuge
hen. Dies führt im Ergebnis zur Gutheissung der Beschwerde mit der Feststel
lung, dass der Beschwerdeführer einstweilen weiterhin Anspruch auf die bishe
rige ganze Rente hat.
3
.
3
.1
Mit dem Entscheid in der Sache selbst wird das Gesuch des Beschwerdeführers um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung
der Beschwerde
gegen
standslos.
3.2
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.
-- anzusetzen.
Ausgangsgemäss
sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
3
.3
Der
anwaltlich vertretene Beschwerdeführer hat gestützt auf Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 und 3 de
s Gesetzes über das Sozialversi
cherungsgericht Anspruch auf eine Prozessentschädigung, die unter Berück
sichti
gung der Bedeutung der Streitsache und der Schwier
igkeit des Prozesses auf Fr. 1‘6
00.-- (inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen ist.