# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 04e3204c-e751-539f-8719-8306dad4523b
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
a. A._, geboren 1979 in P._, ist kosovarischer Staatsangehöriger und reiste am
27. August 1990 zusammen mit seinem Bruder im Rahmen des Familiennachzugs zum
Verbleib bei seinen Eltern in die Schweiz ein. Er erhielt am 4. Oktober 2000 die
Niederlassungsbewilligung, deren Kontrollfrist letztmals bis 9. Dezember 2018
verlängert wurde. Seit dem 24. August 2001 ist er mit seiner Landsfrau B._ verheiratet.
Aus dieser Ehe gingen zwei gemeinsame Kinder (L._, geboren 2011 und M._,
geboren 2014) hervor. Sowohl die Ehefrau als auch die Kinder verfügen über eine
Niederlassungsbewilligung.
b. Seit der Jugend wurde A._ in regelmässigen Abständen straffällig. Er wurde wie
folgt verurteilt:
- mit Urteil der Jugendanwaltschaft St. Gallen vom 25. November 1996 wegen Angriff,
Drohung, Sachbeschädigung und Tätlichkeit zu einer bedingten Einschliessung von
zehn Tagen;
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
- mit Strafbefehl des Untersuchungsamtes St. Gallen vom 2. Juni 2000 wegen
Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes zu einer Busse von CHF 200;
- mit Strafbefehl des Untersuchungsamtes St. Gallen vom 22. Januar 2001 wegen
grober Verletzung der Verkehrsregeln zu einer Busse von CHF 1‘000;
- mit Strafbefehl des Untersuchungsamtes St. Gallen vom 4. Oktober 2001 wegen
Missbrauch von Ausweisen und Schildern zu einer Busse von CHF 200;
- mit Strafbefehl des Untersuchungsamtes St. Gallen vom 30. November 2001 wegen
in Umlauf Setzen von Falschgeld zu einer bedingten Gefängnisstrafe von vier Wochen
unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren;
- mit Entscheid des Bezirksgerichts St. Gallen vom 2. April 2003 wegen
gewerbsmässigen Diebstahls, mehrfachen Diebstahls, mehrfacher Sachbeschädigung,
mehrfachen Hausfriedensbruchs, versuchten betrügerischen Missbrauchs einer
Datenverarbeitungsanlage sowie Vergehen und Übertretung gegen das
Betäubungsmittelgesetz zu einer bedingten Gefängnisstrafe von neun Monaten unter
Ansetzung einer Probezeit von drei Jahren;
- mit Entscheid des Bezirksgerichts St. Gallen vom 21. Januar 2004 wegen
gewerbsmässigen Diebstahls, mehrfachen Hausfriedensbruchs, mehrfacher
Sachbeschädigung, Hehlerei, mehrfachen betrügerischen Missbrauchs einer
Datenverarbeitungsanlage sowie Vergehen und Übertretung gegen das
Betäubungsmittelgesetz zu einer bedingten Gefängnisstrafe von 15 Monaten. Die mit
Urteil des Bezirksgerichts St. Gallen vom 2. April 2003 bedingt ausgesprochene Strafe
wurde zum Vollzug angeordnet. Die beiden Freiheitsstrafen wurden aber zugunsten
einer ambulanten Drogentherapie aufgeschoben. Der Vollzug der Landesverweisung
wurde unter Ansetzung einer Probezeit von drei Jahren aufgeschoben.
c. Das damalige Ausländeramt St. Gallen drohte A._ mit Verfügung vom 7. September
2004 aufgrund der zahlreichen Verurteilungen die Ausweisung an, falls er erneut
straffällig werden würde.
B. Ab dem Jahr 2012 trat A._ strafrechtlich folgendermassen in Erscheinung:
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
- Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Kreuzlingen wurde A._ am 3. Mai 2012 wegen
grober Verletzung der Verkehrsregeln zu einer teilbedingten Geldstrafe von 18
Tagessätzen zu je CHF 90 verurteilt.
- Mit Strafbefehl des Untersuchungsamtes St. Gallen vom 28. April 2014 wurde er
wegen mehrfacher Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes und Führen eines
Motorfahrzeuges in fahrunfähigem Zustand (Heroineinfluss) zu einer bedingten
Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je CHF 80 und einer Busse von CHF 900 verurteilt.
- Mit Strafbefehl des Untersuchungsamtes St. Gallen vom 23. März 2015 wurde A._
wegen Führens eines Motorfahrzeugs trotz Entzug des Ausweises zu einer unbedingten
Geldstrafe von 30 Tagessätzen à CHF 80 verurteilt. Der Vollzug der mit Urteil vom
28. April 2014 bedingt ausgesprochenen Geldstrafe wurde widerrufen.
- Am 5. Juli 2016 erging ein Strafbefehl des Untersuchungsamtes St. Gallen und A._
wurde wegen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes, versuchten und vollendeten
Diebstahls, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruchs und Vergehen gegen das
Waffengesetz zu einer teilbedingten Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu je CHF 70 und
einer Busse von CHF 200 verurteilt.
- Mit Strafbefehl des Untersuchungsamtes St. Gallen vom 4. Oktober 2016 wurde er
wegen mehrfacher Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes für schuldig befunden
und mit einer Busse von CHF 150 bestraft.
C. Das Migrationsamt widerrief mit Verfügung vom 13. Januar 2017 die
Niederlassungsbewilligung von A._ und ordnete die Wegweisung unter Ansetzung
einer Ausreisefrist von 60 Tagen nach Rechtskraft der Verfügung an. Es begründete
seinen Entscheid im Wesentlichen damit, dass das Verhalten von A._ zu schweren
Klagen Anlass gegeben habe und er seinen finanziellen Verpflichtungen nicht
ordnungsgemäss nachkomme. Eine Rückkehr in sein Heimatland sei ihm zumutbar.
Den gegen diese Verfügung erhobenen Rekurs wies das Sicherheits- und
Justizdepartement mit Entscheid vom 22. Januar 2018 ab und setzte eine neue
Ausreisefrist (60 Tagen nach Rechtskraft des Entscheids) an.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
D. A._ (Beschwerdeführer) reichte am 8. Februar 2018 und Ergänzung vom 27. April
2018 durch seinen Rechtsvertreter Beschwerde gegen den Entscheid des Sicherheits-
und Justizdepartements (Vorinstanz) beim Verwaltungsgericht ein. Er stellte den Antrag
auf Aufhebung des Entscheides und der Verfügung des Migrationsamts unter Kosten-
und Entschädigungsfolge.
Das Migrationsamt stellte dem Verwaltungsgericht am 14. Februar 2018 den
Strafbefehl des Untersuchungsamtes St. Gallen vom 10. Januar 2018 zu. Darin wurde
der Beschwerdeführer als Gesellschafter und Geschäftsführer der Q._ GmbH wegen
Zweckentfremdung von Arbeitnehmerbeiträgen zu einer unbedingten Geldstrafe von 20
Tagessätzen zu je CHF 90 verurteilt.
Mit Vernehmlassung vom 7. Mai 2018 schloss die Vorinstanz auf Abweisung der
Beschwerde und verzichtete auf ergänzende Bemerkungen.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die
Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Als Adressat des
angefochtenen Entscheids ist der im Rekursverfahren unterlegene Beschwerdeführer
zur Ergreifung des Rechtsmittels berechtigt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1
VRP). Die Beschwerde wurde mit Eingabe vom 8. Februar 2018 rechtzeitig erhoben
und erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 27. April 2018 formal wie inhaltlich die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1
und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist daher grundsätzlich einzutreten.
Nicht einzutreten ist darauf, soweit der Beschwerdeführer beantragt, die Verfügung des
Migrationsamts sei aufzuheben. Denn diese erstinstanzliche Verfügung ist durch den
angefochtenen Entscheid ersetzt worden beziehungsweise gilt inhaltlich als
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
mitangefochten (Devolutiveffekt, BGer 2C_249/2014 vom 27. März 2015 E. 1.3 mit
Hinweis auf BGE 138 II 169 E. 3.3).
2.
2.1. Die Niederlassungsbewilligung kann nach Art. 63 Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes
über die Ausländerinnen und Ausländer (SR 142.20, AuG) unter anderem widerrufen
werden, wenn eine ausländische Person in schwerwiegender Weise gegen die
öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen hat
oder diese gefährdet oder die innere oder die äussere Sicherheit gefährdet. Dieser
Widerrufsgrund gilt auch, wenn sich der Betroffene mehr als 15 Jahre ununterbrochen
in der Schweiz aufgehalten hat (Art. 63 Abs. 2 AuG; BGE 139 I 16 E. 2.1).
2.2. In strafrechtlicher Hinsicht muss im Rahmen von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG – anders
als beim Widerrufsgrund von Art. 63 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art. 62 lit. b AuG –
keine Verurteilung zu einer längerfristigen (d.h. mehr als einjährigen, vgl. BGE 137 II 297
E. 2.1 und 135 II 377 E. 4.2 und 4.5) Freiheitsstrafe erfolgt sein. Ein schwerwiegender
Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung liegt in erster Linie vor, wenn
die ausländische Person durch ihre Handlungen besonders hochwertige Rechtsgüter
wie namentlich die körperliche, psychische und sexuelle Integrität eines Menschen
verletzt oder gefährdet hat. Allerdings können auch vergleichsweise weniger
gravierende Pflichtverletzungen als «schwerwiegend» im Sinne von Art. 63 Abs. 1 lit. b
AuG bezeichnet werden. So ist ein Widerruf der Niederlassungsbewilligung namentlich
dann möglich, wenn sich eine ausländische Person von strafrechtlichen Massnahmen
bzw. ausländerrechtlichen Verwarnungen nicht beeindrucken lässt und damit zeigt,
dass sie auch künftig weder gewillt noch fähig ist, sich an die Rechtsordnung zu halten
(BGE 139 I 16 E. 2.1, 137 II 297 E. 3.3). Folglich kann auch eine Summierung von
Verstössen, die für sich genommen für einen Widerruf nicht ausreichen würden, einen
Bewilligungsentzug rechtfertigen, wobei nicht die Schwere der verhängten Strafen,
sondern die Vielzahl der Delikte entscheidend ist (BGE 139 I 16 E. 2.1, 137 II 297 E. 3.3;
BGer 2C_106/2017 vom 22. August 2017 E. 3.2). Auch das Nichterfüllen von öffentlich-
rechtlichen oder privatrechtlichen Verpflichtungen kann gegebenenfalls einen
schwerwiegenden Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung darstellen,
wenn die Verschuldung mutwillig erfolgt ist (vgl. Art. 80 Abs. 1 lit. a und b der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit [SR 142.201, VZAE]; BGer
2C_39/2016 vom 31. August 2016 E. 2.2; vgl. auch BGer 2C_164/2017 vom 12.
September 2017 E. 3.1).
2.3. Im vorliegenden Fall erwog die Vorinstanz im Wesentlichen, dass sich der
Beschwerdeführer zwar während mehreren Jahren an Recht und Ordnung gehalten
habe. Nachdem er allerdings wieder mit dem Drogenkonsum begonnen habe, habe er
auch wieder Einbruchdiebstähle begangen. Es müsse davon ausgegangen werden,
dass er sich wieder strafbar mache und die öffentliche Sicherheit und Ordnung
weiterhin stören werde, wobei hinsichtlich der geforderten schwerwiegenden
Gefährdung insbesondere auch an die nicht unerhebliche Gefahr weiterer
Beschaffungskriminalität durch Einbruchdiebstähle zu denken sei. Zudem sei seine
finanzielle Situation zu berücksichtigen. Über beide seiner Firmen sei der Konkurs
eröffnet worden. Seine privaten Schulden seien innert eines Jahres von rund
CHF 12‘800 auf CHF 46‘200 gestiegen. Dieser Anstieg dürfe nicht zuletzt (auch) mit
dem kostspieligen Drogenkonsum zusammenhängen und sei insofern in mutwilliger
Weise erfolgt. Ernsthafte Bemühungen, an seiner finanziellen Situation etwas zu
ändern, seien nicht erkennbar, zumal nun aufgrund seiner Teilzeittätigkeit keine
pfändbare Quote mehr vorhanden sei. Mit einem Nettoeinkommen von CHF 3‘560 sei
auch unklar, wie er seine vierköpfige Familie unterhalten könne und gleichzeitig
Schulden abbauen wolle. Insgesamt sei zu befürchten, dass die Drogensucht des
Beschwerdeführers ihn auch künftig in immer neue Straftaten treiben werde. Die
neueren Strafurteile hätten ihn nicht zu beeindrucken vermocht. Mit seinem Verhalten
zeige er, dass er auch künftig weder gewillt noch fähig sei, sich an die Rechtsordnung
zu halten. Dies werde noch zusätzlich durch die mutwillige Schuldenmacherei
unterstrichen. Daher sei der Widerrufsgrund von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG zu bejahen.
2.4. Dagegen bringt der Beschwerdeführer vor, dass sich die Vorinstanz in ihrem
Entscheid vorwiegend auf strafrechtliche Verurteilungen stütze, die aus dem
Strafregister gelöscht worden seien. Es gelte das absolute Verwertungsverbot und
daher dürften die gelöschten strafrechtlichen Verurteilungen nicht beachtet werden. Ein
schwerwiegender Verstoss gegen die öffentliche Ordnung liege vor, wenn hochwertige
Rechtsgüter wie die körperliche, psychische und sexuelle Integrität eines Menschen
verletzt werden. Dies sei vorliegend nicht der Fall. Selbst wenn Heroin und Kokain
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
illegal seien, habe er die Betäubungsmittel lediglich zum Eigenkonsum besessen. Auch
bei den weiteren Delikten sei die körperliche, psychische und sexuelle Integrität eines
Menschen nicht verletzt worden. Hinsichtlich der finanziellen Situation sei es reine
Spekulation der Vorinstanz, dass die Schulden noch weiter ansteigen würden. Im
Gegenteil habe er die Konkursschulden im Umfang von CHF 124‘000 auf CHF 52‘000
reduzieren können. Er versuche aktiv und erfolgreich, seine Schulden abzubauen und
habe seine Lektion gelernt. Wenn er nicht willens wäre, würde er kaum einer
Erwerbstätigkeit nachgehen.
2.5. Im vorliegenden Fall steht fest, dass der Beschwerdeführer seit der
ausländerrechtlichen Verwarnung im Jahr 2004 zwar mehrere Jahre strafrechtlich
unauffällig blieb, allerdings während mittlerweile bereits wieder sechs Jahren
regelmässig delinquiert hat. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers handelt es
sich bei seinen Verurteilungen keinesfalls nur um Bagatelldelikte (Diebstahl,
Strassenverkehrsdelikte), sondern die vom Beschwerdeführer verübten
Strassenverkehrsdelikte stellen ein nicht zu unterschätzendes Risiko für die
Bevölkerung dar (BGer 2C_818/2010 vom 4. Juli 2011 E. 4, 2C_310/2011 vom 17.
November 2011 E. 5.2). Insbesondere durch die massive Überschreitung der
zulässigen Geschwindigkeit (innerorts 33 km/h zu schnell) und das Fahren in nicht
fahrtüchtigen Zustand (die festgestellte Konzentration von 61 μg/l Morphin lag deutlich
über dem Grenzwert von 15 μg/l) hat er leichtsinnig eine hohe abstrakte Gefahr
geschaffen, dass andere Verkehrsteilnehmer in einen Unfall hätten verwickelt werden
können und damit an Leib und Leben Schaden genommen hätten. In der Gesamtheit
führen die regelmässigen Straftaten eindrücklich vor Augen, dass der
Beschwerdeführer offensichtlich weiterhin weder gewillt noch in der Lage ist, die
hiesige Rechtsordnung zu respektieren. Er kümmerte sich beispielsweise weder um die
Anordnungen des Strassenverkehrsamts, welches ihm den Führerschein entzogen
hatte, noch um die ausländerrechtliche Verwarnung, in welcher ihm die Ausweisung bei
erneutem straffällig werden, angedroht wurde. Offensichtlich lässt er sich auch nicht
von solchen Massnahmen zu einer Veränderung seines Verhaltens bewegen. Es ist
zwar korrekt, dass die früheren Verurteilungen nicht zur Begründung eines
Widerrufsgrundes im Sinn von Art. 62 Abs. 1 lit. b AuG herangezogen werden können.
Jedoch sind sie bei der Prüfung, ob ein anderer Widerrufsgrund erfüllt ist, zu
berücksichtigen, zumal der Beschwerdeführer seit der Verwarnung im Jahr 2004 bei
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
erneuten strafrechtlichen Verurteilungen mit dem Widerruf der
Niederlassungsbewilligung rechnen musste (VerwGE B 2013/260 vom 19. Februar
2015 E. 4.1, www.gerichte.sg.ch). Die Beziehung zu seiner Ehefrau und seinen
Töchtern, welche in den Jahren 2011 und 2014 geboren wurden, die suchtspezifische
Therapie sowie seine Arbeitsstelle vermochten ihn ebenfalls nicht davon abhalten,
erneut straffällig zu werden. Der Beschwerdeführer gab bei der Einvernahme vom
4. Februar 2017 an, dass er trotz des Methadonprogramms zusätzliches
Strassenheroin konsumiere. Es erweckt also den Anschein, dass er wieder in sein altes
„Muster“ zurückgefallen und mit Straftaten wie in den Jahren 2000 bis 2004 zu rechnen
ist. Fest steht, dass der Beschwerdeführer seit sechs Jahren wieder regelmässig
strafrechtlich in Erscheinung tritt und die letzten Verurteilungen nicht lange
zurückliegen. Die Vielzahl der Delikte spricht für eine erhebliche Rückfallgefahr. Der
Beschwerdeführer hat ohne Rücksicht auf die erfolgten Verurteilungen zu Bussen,
Geldstrafen, laufenden Probezeiten und die ausgesprochene ausländerrechtliche
Verwarnung immer weiter delinquiert, was auf eine Geringschätzung der öffentlichen
Ordnung und eine Unbelehrbarkeit schliessen lässt.
2.6. Dass der Beschwerdeführer generell grosse Mühe damit bekundet, sich an die in
der Schweiz geltenden Regeln zu halten und seinen Verpflichtungen nachzukommen,
zeigt sodann auch seine hohe Verschuldung. Der Beschwerdeführer war Gesellschafter
der Y._ GmbH, über welche am 8. Januar 2013 der Konkurs eröffnet wurde.
Insgesamt resultierten daraus offene Forderungen von CHF 124‘401. Bereits am
10. Januar 2013 gründete er die Q._ GmbH, welche drei Jahre später ebenfalls
Konkurs ging. Den Betreibungsregisterauszügen vom 20. Juli 2017 ist zu entnehmen,
dass nach wie vor offene Schulden von ca. CHF 52‘000 bestehen, wobei diverse
Forderungen gegen die beiden Firmen bereits erloschen sind. Im Zusammenhang mit
der Q._ GmbH erhielt der Beschwerdeführer als Gesellschafter am 10. Januar 2018
einen Strafbefehl wegen Zweckentfremdung von Arbeitnehmerbeiträgen (Forderung
von CHF 8‘220.10). Daneben hat der Beschwerdeführer auch private Schulden. Er
bringt zwar vor, dass er diese in den letzten Jahren habe reduzieren können. Gewisse
Bemühungen zum Schuldenabbau können dem Beschwerdeführer auch nicht
abgesprochen werden. Ein Vergleich des Betreibungsregisterauszugs vom 18. August
2016 mit demjenigen vom Juli 2017 zeigt indes, dass die im August 2016 bestehenden
Schulden von ca. CHF 27‘000 bis zum Juli 2017 auf CHF 46‘000 anstiegen. Einen Teil
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
der Schulden konnte der Beschwerdeführer mittels Lohnpfändung begleichen. Den
vorliegenden Akten ist allerdings zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer nicht mehr
in einem Vollpensum erwerbstätig ist, sondern lediglich noch eine Teilzeittätigkeit von
50% ausübt. Gemäss Lohnausweis vom 28. März 2017 liegt das Einkommen bei einer
50%-igen Erwerbstätigkeit noch bei CHF 3‘560. Dies führt dazu, dass keine pfändbare
Quote mehr vorhanden ist bzw. sie sich erheblich vermindert hat (Auszug
Drittkontobuchungen vom 20. Juli 2017: Quote Dezember 2016 CHF 2‘498.45, Quote
Mai 2017 CHF 671.15). Der Beschwerdeführer macht weder substantiierte Angaben
dazu, wie er mit diesem Einkommen die Schulden in naher Zukunft begleichen will,
noch, weshalb die Schulden innerhalb eines Jahres wieder angestiegen sind. Es ist
daher nicht ersichtlich, dass sich die finanzielle Situation des Beschwerdeführers in der
Zukunft ändern bzw. verbessern wird. Ob dem Beschwerdeführer die
Schuldenwirtschaft als mutwillig vorgeworfen werden kann, kann allerdings offen
bleiben.
2.7. Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer mit seiner jahrelangen
und wiederholten Delinquenz einen Widerrufsgrund gesetzt hat. Weder die
ausländerrechtliche Verwarnung noch die diversen Verurteilungen hielten ihn von
weiteren strafrechtlichen Verfehlungen ab. Allein der Umstand, dass der
Beschwerdeführer derart systematisch rechtliche Schranken und Pflichten missachtet
(vgl. auch Art. 80 Abs. 1 lit. a und b VZAE), muss als schwerwiegender Verstoss gegen
die öffentliche Sicherheit und Ordnung gelten. Der Widerrufsgrund von Art. 63 Abs. 1
Bst. b AuG ist demzufolge erfüllt.
3.
3.1. Das Vorliegen eines Widerrufsgrunds führt nicht zwingend zum Widerruf der
Niederlassungsbewilligung. Der Widerruf einer Niederlassungsbewilligung muss stets
verhältnismässig sein, was aus Art. 5 Abs. 2 der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101, BV) hervorgeht und im
Anwendungsbereich des Ausländergesetzes von Art. 96 Abs. 1 AuG verdeutlicht wird.
Greift der Widerruf einer Niederlassungsbewilligung in das von Art. 13 Abs. 1 BV und
Art. 8 Ziff. 1 der Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und
Grundfreiheiten (SR 0.101, EMRK) geschützte Privat- oder Familienleben ein, ergibt
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
sich das Erfordernis einer Verhältnismässigkeitsprüfung zudem aus Art. 36 Abs. 3 BV
und Art. 8 Ziff. 2 EMRK. In diesem Rahmen stellen das Bundesgericht und der
Europäische Gerichtshof für Menschenrechte auf die gleichen Aspekte ab. Zu beachten
sind zum einen Art und Schwere der vom Betroffenen begangenen Straftaten, wobei
sich das migrationsrechtliche Verschulden - ausgehend von der verfahrensauslösenden
Verurteilung - erst aus einer Gesamtbetrachtung des deliktischen Verhaltens bis zum
angefochtenen Urteil ergibt. Dabei spielt das Alter der betroffenen Person bei der
(jeweiligen) Tatbegehung ebenso eine Rolle wie die Art, Anzahl und Frequenz der
Delikte. Ins Gewicht fallen zum anderen die Dauer des Aufenthalts im Land, die seit der
Tatbegehung verstrichene Zeit und das Verhalten des Betroffenen während dieser, die
sozialen, kulturellen und familiären Bindungen zum Aufenthaltsstaat und zum
Herkunftsland, der gesundheitliche Zustand des Betroffenen sowie die mit der
aufenthaltsbeendenden Massnahme verbundene Dauer der Fernhaltung (vgl. BGE 139 I
31 E. 2.3.3, BGer 2C_26/2017 vom 25. April 2017 E. 3.2 mit Hinweisen). Die
Niederlassungsbewilligung eines Ausländers, der sich - wie der Beschwerdeführer -
schon seit langer Zeit im Land aufhält, soll praxisgemäss nur mit Zurückhaltung
widerrufen werden. Bei wiederholter bzw. schwerer Straffälligkeit ist dies jedoch selbst
dann nicht ausgeschlossen, wenn der Ausländer hier geboren ist und sein ganzes
bisheriges Leben im Land verbracht hat (vgl. BGE 139 I 31 E. 2.3.1, BGer 2C_112/2017
vom 14. September 2017 E. 2.2 mit Hinweisen).
3.2. Bei gewichtigen Straftaten, bei Rückfall sowie bei wiederholter (unverbesserlicher)
Delinquenz besteht regelmässig ein wesentliches öffentliches Interesse daran, die
weitere Anwesenheit der Täterin oder des Täters in der Schweiz zu beenden, da und
soweit sie hochwertige Rechtsgüter verletzt oder in Gefahr gebracht haben bzw. sich
von straf- und ausländerrechtlichen Massnahmen nicht beeindrucken lassen und damit
zeigen, dass sie auch künftig weder gewillt noch fähig erscheinen, sich an die hiesige
Rechtsordnung zu halten (BGE 139 I 16 E. 2.1, BGer 2C_116/2017 vom 3. Oktober
2017 E. 3.3).
Der Beschwerdeführer hat wiederholt andere Verkehrsteilnehmer in (abstrakte) Gefahr
gebracht und liess sich weder von der fremdenpolizeilichen Verwarnung noch von den
ausgesprochenen Geldstrafen und Bussen beeindrucken. Seit dem Jahr 2012 bis zur
Verfügung betreffend Widerruf der Niederlassungsbewilligung vom 13. Januar 2017
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=2C_116%2F2017&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F139-I-16%3Ade&number_of_ranks=0#page16
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
wurde er in regelmässigen Abständen verurteilt. Diese Häufung der Delikte über einen
längeren Zeitraum deuten auf eine beharrliche Unbelehrbarkeit hin (BGer 2C_106/2017
vom 22. August 2017 E. 4.1). Es sind keine Anzeichen dafür ersichtlich, dass der
Beschwerdeführer in Zukunft eine Besserung hinsichtlich seiner strafrechtlichen
Auffälligkeiten zeigen wird. Unter diesen Umständen liegt ein grosses öffentliches
Interesse an der Entfernung bzw. Fernhaltung des Beschwerdeführers vor.
3.3. Diesem öffentlichen Fernhalteinteresse sind die privaten Interessen des
Beschwerdeführers gegenüberzustellen. Der Beschwerdeführer hat seine Kindheit und
die ersten, ihn prägenden Schuljahre in seiner Heimat verbracht. Mit elf Jahren kam er
in die Schweiz und verbrachte somit den grössten Teil seines Lebens in der Schweiz.
Seine Kenntnisse der deutschen Sprache können angesichts der langen
Aufenthaltsdauer in der Schweiz vorausgesetzt werden (BGer 2C_64/2016 vom
2. August 2016 E. 2.4.3). Zu Gute zu halten ist ihm, dass er eine Festanstellung hat und
nie von der Sozialhilfe abhängig war. Seine Schulden konnte er auch im Rahmen der
Lohnpfändung schrittweise etwas abbezahlen. Allerdings häuften sich die Schulden im
Verlaufe des letzten Jahres wieder an. Von einer erfolgreichen Integration aus
wirtschaftlicher Hinsicht kann demnach nicht ausgegangen werden. In Bezug auf die
soziale Integration ist festzuhalten, dass er mit einer in der Schweiz niedergelassenen
Kosovarin verheiratet ist und mit ihr und den beiden gemeinsamen Kindern
zusammenlebt. Eigenen Angaben zufolge soll der Beschwerdeführer einen grossen
Freundes- und Bekanntenkreis pflegen. Wie sich dieser zusammensetzt und dass er
entsprechend über ein vertieftes soziales Umfeld verfügt, hat er hingegen trotz der ihn
treffenden weitreichenden Mitwirkungspflicht nicht dargetan. Deshalb und weil die
Respektierung der rechtsstaatlichen Ordnung ebenfalls ein wesentliches Element der
Integration darstellt (vgl. Art. 4 Abs. 1 AuG und Art. 4 lit. a der Verordnung über die
Integration von Ausländerinnen und Ausländern [SR 142.205, VIntA;]), kann diese
insgesamt nicht als gelungen bezeichnet werden (BGer 2C_64/2016 vom 2. August
2016 E. 2.4.3, 2C_865/2013 vom 16. Juni 2014 E. 2.4).
Spezifische persönliche Umstände, die einer Ausreise des Beschwerdeführers
entgegenstehen würden, liegen nicht vor: Der Beschwerdeführer ist im Kosovo
geboren, wo er die ihn prägenden Jugend- und ersten Schuljahre verbracht hat. Erst
als Elfjähriger ist er in die Schweiz eingereist. Er hat damit einen grossen Teil der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Kindheit und der Schulzeit in seiner Heimat verbracht. Dass er noch Kontakte im
Kosovo pflegt, ergibt sich auch daraus, dass er seine jetzige Ehefrau im Kosovo
geheiratet hat und diese erst einige Jahre später in die Schweiz zum Beschwerdeführer
zog. Die wirtschaftlichen Verhältnisse bzw. die Arbeitsmöglichkeiten im Kosovo dürften
zwar schwieriger sein als in der Schweiz, doch betrifft das alle dort lebenden Personen
in gleicher Weise und ist kein spezifischer persönlicher Grund, der die Rückkehr als
unzulässig erscheinen lässt. Dies umso weniger, als der Beschwerdeführer diese Folge
durch sein kriminelles Verhalten selbst herbeigeführt hat (BGer 2C_106/2017 vom
22. August 2017 E. 4.2, 2C_818/2010 vom 4. Juli 2011 E. 4). Tätigkeiten im Baubereich,
wie sie der Beschwerdeführer in der Schweiz ausübt, sind nicht an dieses Land
gebunden und können ohne weiteres auch im Heimatland ausgeführt werden. Der
Beschwerdeführer weist auf allfällige Schwierigkeiten hinsichtlich eines Lebens im
Kosovo hin, da er einer religiösen Minderheit, der Torbeschen, angehöre. Wie die
Vorinstanz zu Recht anführt, kann die allgemeine politische Lage im Kosovo wohl nicht
als stabil bezeichnet werden, doch legt der Beschwerdeführer nicht dar, inwiefern für
ihn aufgrund seiner Angehörigkeit zu einer ethnischen Minderheit eine konkrete und
ernsthafte Gefahr bei einer Rückkehr bestehen soll. Obwohl der Beschwerdeführer in
der Schweiz nicht als erfolgreich integriert bezeichnet werden kann, dürfte ihn eine
Übersiedlung in den Kosovo zwar hart treffen, weil er einen grossen Teil seines Lebens
in der Schweiz verbracht hat, seine Familie hier lebt und er eine Festanstellung hat.
Nichtsdestotrotz ist ihm als gesundem jungen Menschen zuzumuten, sich im Kosovo
eine neue Existenz aufzubauen und sich dort zu bewähren.
4.
4.1. Vom Widerruf der Niederlassungsbewilligung und der damit verbundenen
Wegweisung des Beschwerdeführers sind insbesondere seine Ehefrau und seine
beiden minderjährigen Kinder betroffen. Eine Ausreise aus der Schweiz wäre für die
Ehefrau und die zwei Kinder zweifellos mit grossen Nachteilen verbunden. Die Ehefrau
lebt mittlerweile seit 13 Jahren in der Schweiz. Sie verbrachte die ersten 22 Jahre im
Kosovo und damit ist ihr der Kosovo nicht fremd. In der Schweiz geht sie keiner
Erwerbstätigkeit nach. Nachdem sie die prägenden Kindheits- und Jugendjahre im
Kosovo verbracht hat, wäre es ihr demnach zumutbar, ihren Ehemann dorthin zu
begleiten. Von den Kindern ist erst eines schulpflichtig. Sie befinden sich also noch in
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
einem anpassungsfähigen Alter, weshalb ihnen eine Übersiedlung nach Kosovo
grundsätzlich zugemutet werden kann (vgl. BGer 2C_685/2014 vom 13. Februar 2015
E. 6.2.2, 2F_21/2017 vom 11. Juni 2018 E. 5.3). Da die Ehefrau und die Kinder über
eine Niederlassungsbewilligung verfügen, sind sie aber nicht zur Ausreise mit dem
Beschwerdeführer verpflichtet.
4.2. In diesem Fall würde die Wegweisung des Beschwerdeführers zu einer Trennung
von seiner Ehefrau und von den Kindern führen und stellt folglich einen Eingriff in das
Recht des Familienlebens dar (Art. 8 EMRK und Art. 13 BV). Weder Art. 8 EMRK noch
das Übereinkommen über die Rechte des Kindes (SR 0.107, KRK) vermitteln einem in
der Schweiz aufenthaltsberechtigten Kind einen absoluten Anspruch darauf, in der
Schweiz in einem gemeinsamen Haushalt mit beiden Elternteilen aufwachsen zu
können, wenngleich bei allen Massnahmen, die Kinder betreffen, das Wohl des Kindes
einen vorrangig zu berücksichtigenden Gesichtspunkt darstellt (Art. 3 Abs. 1 und Art. 9
Abs. 4 KRK; BGE 143 I 21 E. 5.5.1; BGer 2C_989/2015 vom 3. Februar 2016 E. 3.5.3).
Je schwerer die begangene Rechtsgutverletzung wiegt und je häufiger ein
ausländischer Elternteil delinquiert hat, desto eher vermag das öffentliche Interesse an
einer Ausreise des Straftäters selbst das Interesse eines Schweizer Kindes zu
überwiegen, mit diesem Elternteil hier aufwachsen zu können (BGer 2C_681/2016 vom
5. Januar 2017 E. 4.3, 2C_503/2014 vom 25. November 2014 E. 4.4.3). Diese
Gewichtung erscheint auch mit Blick darauf angezeigt, dass der Umstand, wonach ein
Kind bei einem Elternteil aufwachsen kann, nicht einfach pauschal als immer positiv für
das Kindeswohl qualifiziert werden kann, sondern insbesondere ein Zusammenleben
von Kindern mit delinquenten und sozial nicht eingegliederten Elternteilen unter
Umständen das Kindeswohl auch negativ beeinflussen kann (BGer 2C_408/2017 vom
12. Februar 2018 E. 4.5.2, 2C_208/2016 vom 21. Dezember 2016 E. 5.3.2).
Insbesondere bei vergleichsweise einfach erreichbaren Staaten wie dem Kosovo kann
nach der Rechtsprechung vielmehr die Beziehung eines Elternteils zu Kindern über
Kurzbesuche, Besuche während den Schulferien und über moderne
Kommunikationsmittel aufrechterhalten werden, ohne dass die Aufhebung des
gemeinsamen Haushaltes als Verletzung des bei der Auslegung von Art. 8 EMRK
gemäss Art. 3 KRK vorrangig zu berücksichtigenden Kindeswohls zu werten wäre
(EGMR, Berisha Sait, Berisha Selvije gegen die Schweiz vom 30. Juli 2013 [Nr. 948/12],
N. 51, N. 55 ff.). Für die Interessenabwägung bei aufenthaltsbeendenden Massnahmen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
folgt daraus, dass je schwerer die begangene Rechtsgutverletzung des betreffenden
Elternteils wiegt und je häufiger dieser delinquiert hat, desto eher das öffentliche
Interesse an einer Ausreise des Straftäters selbst das Interesse seiner Kinder zu
überwiegen vermag, durch beide Elternteile in der Schweiz ständig betreut zu werden.
Dies gilt umso mehr, als nach der Rechtsprechung bei einer Bewährung des
Beschwerdeführers im Ausland und einem weiteren Aufenthalt seiner Kernfamilie in der
Schweiz eine spätere Rückkehr nicht ausgeschlossen ist (BGer 2C_989/2015 vom 3.
Februar 2016 E. 3.5.3).
4.3. Weder die Ehefrau noch die Kinder des Beschwerdeführers verfügen über das
Schweizer Bürgerrecht. Ihr beachtliches Interesse am Verbleib des Beschwerdeführers
in der Schweiz wird durch den Umstand relativiert, dass der Beschwerdeführer bereits
im Jahr 2004 und damit bereits lange vor der Geburt des ersten Kindes
ausländerrechtlich verwarnt worden war. Die Ehegatten mussten somit bereits im
Zeitpunkt der Familiengründung damit rechnen, die familiäre Beziehung gegebenenfalls
nicht in der Schweiz leben zu können (vgl. BGer 2C_608/2015 1. Februar 2016 E. 5;
BGE 139 I 145 E. 2.4 mit Hinweisen die Rechtsprechung des EGMR). Auch nach der
Geburt seiner Kinder wurde der Beschwerdeführer wiederholt straffällig. Mit seinem
Verhalten hat er den Fortbestand seines Familienlebens in der Schweiz
selbstverschuldet und mutwillig aufs Spiel gesetzt sowie das Wohl seiner Kinder in
negativer Weise gefährdet. Daher ist es hinzunehmen, wenn die familiären Beziehungen
künftig - im Falle einer Trennung der Gesamtfamilie - nur noch unter erschwerten
Bedingungen gelebt werden können.
4.4. Diese relativierten privaten Interessen des Beschwerdeführers (vgl. E. 3.4), seiner
Ehefrau und seiner zwei Kinder vermögen das grosse öffentliche Interesse an der
Wegweisung des Beschwerdeführers (vgl. E. 3.2) nicht aufzuwiegen, zumal
elektronische Kommunikationsmittel einen immer intensiveren Austausch über grosse
Entfernungen hinweg erlauben (VerwGE B 2017/16 vom 20. März 2018 E. 2.3,
www.gerichte.sg.ch) und der Kosovo nur wenige Flugstunden von der Schweiz entfernt
liegt, sodass es durchaus möglich erscheint, die familiäre Beziehung auch weiterhin zu
pflegen. Der Widerruf der Niederlassungsbewilligung erweist sich als verhältnismässig
und wurde von der Vorinstanz zu Recht bestätigt. Die Beschwerde ist abzuweisen.
5. (...).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
(...).