# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 030092a1-18ad-5e9a-a0a4-9fcea5e27587
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2011
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ A. N., geboren am 12. Februar 1973, ist Staatsbürger von Mazedonien und dort
aufgewachsen. Im Jahr 1993 reiste er illegal in die Schweiz ein, worauf gegen ihn eine
zweijährige Einreisesperre verhängt wurde. Am 9. April 1994 heiratete er in Mazedonien
eine Schweizerin. Nach Aufhebung der Einreisesperre kam er am 1. April 1995 im
Rahmen des Familiennachzugs in die Schweiz. Er erhielt zunächst eine
Aufenthaltsbewilligung und im Jahr 2000 die Niederlassungsbewilligung. Ende 2000
wurde er sodann erleichtert eingebürgert. Am 23. August 2001 liess er sich scheiden.
Noch im gleichen Jahr, am 21. Dezember 2001, heiratete A. N. in seinem Heimatland S.
S. Ein Gesuch um Familiennachzug bewilligte das Migrationsamt des Kantons Thurgau
nicht. Am 25. November 2002 wurde die Ehe mit S. S. wieder geschieden.
Im April 2003 leiteten A. N. und H. M. beim Zivilstandsamt Rorschach ein
Ehevorbereitungsverfahren ein. Zur Trauung kam es jedoch nicht. Im Herbst 2003
sagte A. N. die Trauung ab mit der Begründung, H. M. kehre nach Mazedonien zurück.
Am 17. Dezember 2003 heiratete er in Mazedonien S. J., welche ebenfalls
mazedonische Staatsbürgerin ist. Dem Gesuch um Familiennachzug wurde mit
Verfügung vom 5. April 2004 stattgegeben. S. J. reiste daraufhin am 2. Mai 2004 in die
Schweiz ein und erhielt vom Ausländeramt St. Gallen eine Aufenthaltsbewilligung. Aus
der Ehe gingen drei gemeinsame Kinder hervor: A., geboren am 28. Juli 2005, E.,
geboren am 13. Mai 2007, und O., geboren am 27. Oktober 2008.
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B./ Am 13. März 2004 fügte A. N. H. M. eine lebensgefährliche Stichverletzung mit
einem Messer zu. Er wurde deswegen mit Urteil vom 2. April 2008 vom Kreisgericht St.
Gallen wegen versuchter vorsätzlicher Tötung und einfacher Körperverletzung zu einer
Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt. Eine dagegen erhobene Berufung wies das
Kantonsgericht mit Urteil vom 23. März 2009 ab. Eine Beschwerde beim Bundesgericht
blieb ebenfalls erfolglos. Seit 9. Dezember 2009 befindet sich A. N. im Strafvollzug.
C./ Das Bundesamt für Migration erklärte mit Verfügung vom 4. November 2005 die im
Jahr 2000 erfolgte erleichterte Einbürgerung von A. N. für nichtig, da die Einbürgerung
erschlichen worden sei; in der Verfügung wurde festgehalten, die Nichtigkeit erstrecke
sich auf alle Familienmitglieder, deren Schweizer Bürgerrecht auf der nichtig erklärten
Einbürgerung beruhe. Die von A. N. gegen diese Nichtigerklärung eingelegten
Rechtsmittel blieben erfolglos. Letztinstanzlich wies das Bundesgericht mit Urteil vom
2. Juli 2009 die Beschwerde ab.
D./ Mit Eingabe vom 14. Juli 2009 liess A. N. um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung
ersuchen. Das Migrationsamt des Kantons St. Gallen lehnte es mit Verfügung vom 8.
Februar 2010 ab, dem Bundesamt für Migration für A. N. ein Gesuch um Erteilung der
Niederlassungsbewilligung nach Nichtigerklärung der Einbürgerung zur Zustimmung zu
unterbreiten; es wurde zudem angeordnet, er habe die Schweiz am Tag der Entlassung
aus dem Strafvollzug zu verlassen. Gegen diese Verfügung legte A. N. erfolglos Rekurs
beim Sicherheits- und Justizdepartement des Kantons St. Gallen ein.
E./ Gegen den Rekursentscheid vom 15. November 2010 liess A. N. mit Eingabe vom
30. November 2010 Beschwerde beim Verwaltungsgericht erheben mit folgenden
Anträgen:
"1. Der Entscheid der Beschwerdegegnerin vom 15. November 2010 sei in den Ziffern
1-4 vollumfänglich aufzuheben.
2. Dem Bundesamt für Migration sei ein Gesuch um Erteilung der Niederlassung nach
Nichtigerklärung der Einbürgerung zur Zustimmung zu unterbreiten. Eventualiter sei
dem Beschwerdeführer die Aufenthaltsbewilligung durch das Ausländeramt des
Kantons St. Gallen zu erteilen.
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3. Es sei die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung durch den
Unterzeichneten zu bewilligen. Der Beschwerdeführer sei demzufolge von jeglichen
Prozesskostenvorschüssen und Einschreibgebühren zu befreien.
4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegegnerin,
resp. infolge zu bewilligender unentgeltlicher Prozessführung zulasten des Staates."
Mit Verfügung vom 2. Dezember 2010 wies der Präsident des Verwaltungsgerichts das
Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung infolge
Aussichtslosigkeit der Beschwerde ab. Eine dagegen eingereichte Beschwerde wies
das Bundesgericht mit Urteil vom 3. Mai 2011 ab.
Das Sicherheits- und Justizdepartement des Kantons St. Gallen beantragte in seiner
Vernehmlassung vom 19. Mai 2011 Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung
verwies es auf den angefochtenen Entscheid.
(...).

## Considerations

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
2. Mit der Nichtigerklärung der Einbürgerung wird die davon betroffene Person
ausländerrechtlich in die gleiche Rechtsstellung wie vor der Einbürgerung versetzt. Sie
wird wieder zu einem Ausländer, für die das Ausländerrecht erneut anwendbar ist.
Vorliegend verfügte der Beschwerdeführer vor der erleichterten Einbürgerung über eine
Niederlassungsbewilligung. Infolge der Nichtigerklärung der Einbürgerung lebt somit
die im Jahr 2000 erteilte Niederlassungsbewilligung wieder auf. Deren Widerruf ist nur
zulässig, wenn die spezifischen ausländerrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind (BGE
135 II 1 ff.).
3. Die Vorinstanz sieht den Widerrufsgrund von Art. 63 Abs. 1 lit. a des
Ausländergesetzes (SR 142.20, abgekürzt AuG) gegeben. Danach kann die
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Niederlassungsbewilligung widerrufen werden, wenn die Voraussetzungen von Art. 62
lit. b AuG erfüllt sind. Diese Bestimmung sieht vor, dass eine Bewilligung widerrufen
werden kann, wenn der Ausländer zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt oder
gegen ihn eine strafrechtliche Massnahme im Sinn von Art. 64 oder Art. 61 StGB
angeordnet wurde.
3.1 Beim Begriff der längerfristigen Freiheitsstrafe handelt es sich um einen
unbestimmten Rechtsbegriff. Das Bundesgericht hielt hierzu fest, eine längerfristige
Freiheitsstrafe liege dann vor, wenn eine ausländische Person zu einer Freiheitsstrafe
von mehr als einem Jahr verurteilt wurde (BGE 135 II 377 ff. [379 ff.], E. 4.2).
3.2 Der Beschwerdeführer wurde rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren
verurteilt. Damit erweist sich der Widerruf der Niederlassungsbewilligung
beziehungsweise die Ablehnung der Unterbreitung eines zustimmenden Gesuchs um
Erteilung der Niederlassungsbewilligung an das Bundesamt für Migration als
gesetzmässig. Dies wird vom Beschwerdeführer auch gar nicht bestritten.
4. Art. 63 AuG stellt eine "Kann-Vorschrift" dar. Sie gewährt damit der zuständigen
Behörde beim Entscheid über den Widerruf der Niederlassungsbewilligung einen
Ermessensspielraum. Der Widerruf einer Niederlassungsbewilligung ist anzuordnen,
wenn er bei sorgfältiger Abwägung der Interessen verhältnismässig erscheint. Die
zuständigen Behörden haben gemäss Art. 96 Abs. 1 AuG bei der Ermessensausübung
die öffentlichen Interessen und die persönlichen Verhältnisse sowie den Grad der
Integration des Ausländers zu berücksichtigen.
4.1 Sowohl das Migrationsamt als auch die Vorinstanz kamen zum Schluss, das
öffentliche Interesse am Widerruf der Niederlassungsbewilligung bzw. an der
Wegweisung überwiege die privaten Interessen des Beschwerdeführers am Verbleib in
der Schweiz deutlich (vgl. E. 4 der Verfügung vom 8. Februar 2010, E. 5 des
Rekursentscheids vom 15. November 2010). Dabei wurden die in Frage stehenden
Interessen eingehend und sorgfältig gegeneinander abgewogen. Ein
Ermessensmissbrauch ist nicht erkennbar. Die Ermessensausübung erfolgte vielmehr
pflichtgemäss. Dementsprechend ist die Verhältnismässigkeit der getroffenen
Anordnung zu bejahen.
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4.2 Was der Beschwerdeführer dagegen vorbringt, vermag nicht zu überzeugen:
4.2.1 Unerheblich ist, ob die vom Beschwerdeführer begangene Straftat nun als
"schwer" oder als "mittelschwer" einzustufen ist. Zum einen wird hier nicht
Begriffsjurisprudenz betrieben und zum anderen geht das Bundesgericht offenkundig
von einer "schweren" Straftat aus (vgl. BGE 2C_56/2011 vom 3. Mai 2011, E. 2.1.2).
Ausserdem soll der Widerruf als verwaltungsrechtliche Massnahme vor künftigen
Gefährdungen wichtiger Rechtsgüter schützen (Spescha/Thür/Zünd/Bolzli, Kommentar
Migrationsrecht, N 3 zu Art. 63). Dass dabei der Schutz von Leib und Leben sehr stark
gewichtet wird, ist ohne Weiteres einleuchtend. In Anbetracht der vom
Beschwerdeführer verübten Tat spielt denn auch keine Rolle, dass es sich um ein
Beziehungsdelikt handelte.
4.2.2 Selbst wenn ein Eingriff in das durch Art. 8 Abs. 1 der Konvention vom 4.
November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR 0.101)
garantierte Recht auf Achtung des Familienlebens vorliegen würde, was angesichts des
fehlenden gefestigten Anwesenheitsrechts der Familienmitglieder bezweifelt werden
muss (statt vieler: BGE 127 II 60 ff. [64], E. 1d/aa), ist nicht ersichtlich, weshalb die
Verhältnismässigkeitsprüfung zu Gunsten des Beschwerdeführers ausfallen müsste.
Ein schwerwiegendes Vergehen, wie es der Beschwerdeführer begangen hat, vermag
auch einen etwaigen Eingriff in das Recht auf Achtung des Familienlebens zu
rechtfertigen (Villiger, Handbuch der Europäischen Menschenrechtskonvention,
2.Auflage, Nr. 582).
4.2.3 Kaum Gewicht ist schliesslich dem Einwand beizumessen, eine Umsiedlung nach
Mazedonien sei der Familie des Beschwerdeführers nicht zuzumuten. Dem ist
namentlich entgegenzuhalten, dass die Ehefrau des Beschwerdeführers erst am 2. Mai
2004 und damit nach der Deliktsbegehung in die Schweiz einreiste. Den Ehegatten
musste somit im Zeitpunkt der Einreise bewusst sein, dass sie ihre Ehe nicht mit
Sicherheit in der Schweiz würden leben können (vgl. etwa auch Spescha/Thür/Zünd/
Bolzli, a.a.O., N 7 zu Art. 63). Den drei Kindern darf zwar das Verhalten ihrer Eltern nicht
vorgeworfen werden. Das älteste von ihnen ist aber erst sechs Jahre alt. Sie sind also
alle in einem noch anpassungsfähigen Alter. Abgesehen davon steht es der Mutter und
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den Kindern frei, in der Schweiz zu bleiben, solange sie über Aufenthaltsbewilligungen
verfügen.
5. Zusammenfassend ergibt sich, dass der Widerruf der Niederlassungsbewilligung
sowohl gesetz- als auch verhältnismässig ist. Die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung
scheidet ebenfalls aus. Nur so lässt sich das mit dem Widerruf der
Niederlassungsbewilligung angestrebte Sicherheitsziel – die Entfernung des
Beschwerdeführers aus der Schweiz – erreichen (BGE 2C_475/2009 vom 26. Januar
2010, E. 4.2.4). Dementsprechend erweist sich die Beschwerde als vollumfänglich
unbegründet.
6. (...).
Demnach hat das Verwaltungsgericht