# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 56b5c379-f892-4618-8b1c-5a9f82bd83be
**Court:** ZH_VG
**Chamber:** ZH_VG_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

hat sich ergeben:
I.
A.
A, ein 1957 geborener Ausländer, reiste 1981 in die Schweiz ein, worauf ihm Asyl gewährt und er als Flüchtling anerkannt wurde. Sein Aufenthalt war danach durch eine Niederlassungsbewilligung geregelt. A verheiratete sich in der Schweiz insgesamt dreimal mit Landsfrauen, wobei aus seiner letzten Ehe mit D 2004 die Tochter B hervorging, welche an einer genetisch bedingten Entwicklungsstörung leidet. Nachdem die Ehe von A und D nach fast siebenjähriger Dauer am 30. Januar 2009 geschieden sowie das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter dem Kindsvater zugeteilt worden war, scheinen die drei noch längstens ein weiteres Jahr zusammengewohnt zu haben und reisten A und B am 7. Dezember 2010 aus der Schweiz aus, um in ihrer Heimat zu leben. Gesuche um Aufrechterhaltung der Niederlassungsbewilligungen stellten sie dabei nicht. Zudem verzichtete A zuvor auf seinen Flüchtlingsstatus und das ihm in der Schweiz gewährte Asyl.
B.
Nach eigenen Angaben reiste A mit B am 3. Juni 2013 wieder in die Schweiz ein und liess am 6. September 2013 beim Migrationsamt des Kantons Zürich um Aufenthaltsbewilligungen ersuchen.
Mit Verfügung vom 23. Oktober 2013 stellte dieses fest
, dass die Niederlassungsbewilligungen von A und B erloschen seien. Eine Erteilung von Aufenthaltsbewilligungen lehnte es ab und setzte ihnen Frist bis 31. Dezember 2013 an, um die Schweiz zu verlassen.
II.
Mit Rekurs vom 25. November 2013 liessen A und B an die Sicherheitsdirektion gelangen, welche das Rechtsmittel mit Entscheid vom 1. Juli 2014 in der Hauptsache abwies. A und B wurde eine neue Frist bis 30. September 2014 zum Verlassen der Schweiz angesetzt. Die Kosten des Rekursverfahrens wurden ihnen je zur Hälfte unter solidarischer Haftung beider für den ganzen Betrag auferlegt.
III.
Am 31. Juli 2014 liessen A und B Beschwerde beim Verwaltungsgericht führen und folgende Anträge stellen:
"1. Der [...] Rekursentscheid [...] sei aufzuheben.
2. Die Vorinstanzen seien anzuweisen, den Bf [...] Aufenthaltsbewilligungen zu erteilen.
3. Eventualiter: Die Vorinstanzen seien anzuweisen, beim Bundesamt für Migration eine vorläufige Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs [...] zu beantragen.
4. Der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu gewähren und den Bf entsprechend zu gestatten, den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten zu dürfen.
5. Unter  Entschädigungsfolge zu Lasten der Staatskasse."
Ferner wurde darum ersucht, den Beschwerdeführenden die Bezahlung von Verfahrenskosten zu erlassen. Während d
ie Sicherheitsdirektion am
27. August
/
5. September 2014 auf Vernehmlassung verzichtete, ging vom Migrationsamt keine Beschwerdeantwort ein
.
Die Kammer

## Considerations

erwägt:
1.
Das Verwaltungsgericht ist für Beschwerden gegen erstinstanzliche Rekursentscheide einer Direktion über Anordnungen etwa betreffend das Aufenthaltsrecht nach § 41 in Verbindung mit §§ 19 Abs. 1 lit. a und Abs. 3 Satz 1, 19a, 19b Abs. 2 lit. b Ziff. 1 sowie §§ 42–44 e contrario des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG, LS 175.2) zuständig.
Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen vorliegend erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.
2.
Mit dem Entscheid in der Sache ist das Gesuch der Beschwerdeführenden um
aufschiebende Wirkung
ge
ge
nstandslos
geworden
.
3.
Zwischen der Schweiz und
Land E
besteht kein Staatsvertrag im Sinn von Art. 2 Abs. 1 des Ausländergesetzes vom 16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20), welcher den Beschwerdeführenden einen Bewilligungsanspruch vermitteln würde.
4.
4.1
Die Niederlassungsbewilligung einer ausländischen Person erlischt entweder mit der Abmeldung ins Ausland oder nach sechs Monaten Auslandaufenthalt, wenn der Ausländer die Schweiz verlässt, ohne sich abzumelden (Art.
61 Abs.
1 lit.
a und Art.
61 Abs.
2 Satz 1 AuG; BGr, 12.
September 2011, 2C_176/2011, E.
2.1). Die Niederlassungsbewilligung kann jedoch auf – vor Ablauf der sechs Monate gestelltes – Gesuch hin während vier Jahren aufrechterhalten werden (vgl. Art.
6
1
Abs.
2 Satz
2 AuG und Art.
79 Abs.
2
der Verordnung vom 24.
Oktober 2007 über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit [VZAE, SR
142.201]
). Art.
61 Abs.
2 AuG entspricht in Bezug auf die Niederlassungsbewilligung Art.
9 Abs.
3 lit.
c des ausser Kraft gesetzten Bundesgesetzes vom 26.
März 1931 über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer (ANAG), weshalb die Rechtsprechung
dazu
massgebend bleibt (BGr, 22.
März 2011, 2C_853/2010, E.
5.1). Für ein Erlöschen infolge eines sechsmonatigen Auslandaufenthalts genügt das formale Kriterium eines solchen Aufenthalts
; nach konstanter Rechtsprechung kommt es
weder auf die Motive der Landesabwesenheit noch auf die Absichten des Betroffenen an. Auch das unfreiwillige Verweilen im Ausland, beispielsweise aus gesundheitlichen Gründen oder wegen Freiheitsentzugs, hat deshalb das Erlöschen der Bewilligung zur Folge
(
vgl. statt vieler BGr, 7. November 2012, 2C_461/2012, E. 2.4.1 mit Hinweisen
). Umgekehrt lässt die Verlegung des Lebensmittelpunkts ins Ausland die Bewilligung nicht erlöschen, wenn sich der Ausländer vor Ablauf von sechs Monaten eines anderen besinnt und in die Schweiz zurückkehrt
(vgl. Art.
79 Abs.
1 VZAE; Silvia Hunziker in:
Martina Caroni
/Thomas Gächter/Daniela Thurnherr
[Hrsg.]
, Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG], Bern
2010, Art.
61 N.
19
f.;
vgl. statt vieler
BGr,
26. August 2013
, 2C_1224/2012
, E. 2
).
4.2
Die Beschwerdeführenden reisten am 7. Dezember 2010
in das Land E
aus, ohne sich bei der Einwohnerkontrolle abzumelden
und ein
Gesuch um Aufrechterhaltung ihrer Niederlassungsbewilligung
zu stellen
. Die Niederlassungsbewilligung
en
der Beschwerde
führenden
sind
deshalb nach sechsmonatigem Auslandaufenthalt – also
im
Juni 2011 – erloschen. Die Gründe für die Ausreise beziehungsweise den über sechs Monate dauernden Auslandaufenthalt sind
nach konstanter Rechtsprechungspraxis des Bundesgerichts
nicht massgeblich.
Gleiches trifft auf ein allfälliges
(Nicht
-
)Verschulden der Bewilligungsinhaber
zu
.
4.3
Nach dem Dahinfallen der Niederlassungsbewilligungen lässt sich keine landesrechtliche Anspruchsnorm für eine Bewilligung zu Gunsten der Beschwerdeführenden ersehen. Diese machen solches denn auch gar nicht geltend.
5.
5.1
Wie die Vorinstanz wenigstens im Ergebnis zutreffend erwägt
und im Folgenden dargelegt wird
, können die in die Schweiz zurückgekehrten Beschwerdeführenden auch aus Art.
8 Abs. 1 der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK, SR 0.101) sowie dem – in materieller Hinsicht nicht weitergehenden – Art.
13 Abs.
1 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 (BV, SR 101) nichts
zu ihren Gunsten
ableiten. Die Beschwerde bringt dagegen nichts vor; einzig im Antrag
2 wird die Erteilung der Aufenthaltsbewilligungen "gestützt auf Art. 8 EMRK" verlangt, was in der Folge aber nicht w
ei
ter ausgeführt wird.
5.2
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
hat eine ausländische Person aufgrund der Art. 8 EMRK und Art. 13 BV dann einen Anwesenheitsanspruch
, wenn nahe Verwandte mit einem gefestigten Anwesenheitsrecht in der Schweiz
wohnen
und die familiäre Beziehung
zu ihnen
tatsächlich
gelebt wird (vgl.
BGE 129 II 215 E. 4.1 f.
,
126 II 377 E.
2b/aa
und E. 7
; Martina Caroni in:
Caroni
/Gächter/Thurnherr, Vorb. Art. 42–52 N. 45
f.). Vom Grundrechtsschutz gemäss Art. 8 Abs. 1 EMRK und Art. 13 Abs. 1 BV ist vor allem die Kernfamilie erfasst, worunter das Zusammenleben minderjähriger Kinder mit ihren Eltern zu verstehen ist. Dabei soll nur das intakte und tatsächlich gelebte Familienleben geschützt werden (BGE 137 I 284 E. 1.3). Das in Art.
8 EMRK geschützte Recht auf Achtung des Familienlebens kann nur angerufen werden, wenn eine staatliche Entfernungs- oder Fernhaltemassnahme zur Trennung von Familienmitgliedern führt
(BGE
137 I 247
E.
4.1).
Ein Anwesenheitsrecht des Ausländers kann ausserdem aus dem Recht auf Achtung des Privatlebens folgen
(
Art.
8 EMRK beziehungsweise Art.
13 Abs.
1 BV
)
. Hierfür bedarf es besonders intensiver, über eine normale Integration hinausgehender privater Bindungen gesellschaftlicher oder beruflicher Natur
, das heisst
vertiefte
r
soziale
r
Beziehungen zum ausserfamiliären
bzw.
ausserhäuslichen Bereich. Eine lange Anwesenheit und die damit verbundene normale Integration genügen
dagegen
nicht (BGE 130 II 281 E. 3.2.1; BGr,
22.
November 2006, 2A.500/2006, E. 2.3.2; Martina Caroni et al., Migrationsrecht, 3. A., Bern 2014, S. 47 f.).
5.3
Nachdem die Beschwerdeführenden die Schweiz Ende 2010 freiwillig verlassen haben, können sie für eine Anwesenheitsbewilligung von vornherein nichts aus dem Recht auf Achtung des Privatlebens ableiten.
5.3.1
Ansonsten gälte, dass sich die Integration des Beschwerdeführers in die hiesigen Verhältnisse im Wesentlichen aus der langjährigen Aufenthaltsdauer und seiner Arbeitstätigkeit ergibt:
Der Beschwerdeführer
kam bereits 1
981 als 24-jähriger Flüchtling in die Schweiz
, weshalb
von einer engen Beziehung
zum Land auszugehen ist, was auch der
Beschwerdegegner
anerkennt
.
Während dieser Zeit verheiratete sich der Beschwerdeführer insgesamt
dreimal
mit Landsfrauen. S
eine letzte
in der Schweiz geschlossene
Ehe mit D
wurde
am 30. Januar 2009 geschieden
. D
as gemeinsame Kind
der Ehegatten
, die Beschwerdeführerin,
wurde
unter die elterliche Sorge des Beschwerdeführers gestellt
und der Kindsmutter
ein übliches Besuchsrecht eingeräumt. Aus den in den Akten befindlichen Arbeitszeugnissen ist ersichtlich, dass der Beschwerdeführer bis März 2002 eine beachtliche wirtschaftliche Integrationsleistung gezeigt hat: Während er zu Beginn seines Aufenthaltes in der Schweiz noch als "Allround-Angestellter" in einem Restaurant tätig war, arbeitete er 1986 als Hilfsarbeiter in der optischen Schleiferei eines Brillenherstellers und fand danach eine Anstellung bei einem Grossunternehmen in der Chemie-Branche, wo er während über
vier
Jahren als festangestellter Betriebsarbeiter im Bereich Pharma tätig war. Vo
n
April 1994 bis Februar 2002 arbeitete er sodann für eine Grossbank und war dort zuletzt als Sachbearbeiter im Ressort "Legal & Compliance" und als Stellvertreter des Gruppenchefs tätig. Sein Nettoverdienst lag dannzumal klar über Fr. 5'000.- pro Monat. Seit März 2002 bis zu seiner Ausreise im Dezember 2010 ging er
jedoch
keiner Arbeitstätigkeit mehr nach bzw. fand er keine neue Anstellung mehr, wobei ab September 2004 (erschwerend) die Betreuungssituation hinsichtlich seiner schwerbehinderten Tochter hinzu kam
.
Der Beschwerdeführer
weist keine Vorstrafen auf und verursachte − soweit ersichtlich − nur ein einziges Mal einen polizeilichen Einsatz
. Er verfügt über mündliche sowie schriftliche Deutschkenntnisse auf
d
em Niveau B2, was angesichts der langen Anwesenheit für eine eher normale und nicht besonders intensive Integration spricht.
Es wurden
keinerlei Freizeitbeschäftigungen geltend gemacht oder sonstige Gesichtspunkte dargelegt, welche auf eine über d
en
lange
n
Aufenthalt hinausgehende überdurchschnittliche Integration des Beschwerdeführers hinweisen würden. Eine solche ist ferner
nach dem Gesagten und auch aus den weiteren
Akten nicht ersichtlich.
Hinsichtlich der Beschwerdeführerin gilt es in diesem Zusammenhang zu sagen, dass diese in der Schweiz geboren und überwiegend hier aufgewachsen ist. Allerdings kann der Grad ihrer Integration aufgrund ihrer erheblichen Entwicklungsretardierung nur schwer beurteilt werden: Aus einer am 21. November 2008 am Kinderspital Zürich durchgeführten Entwicklungsuntersuchung und einer in den Akten befindlichen Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich vom 7. Januar 2008 betreffend den Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung für Minderjährige ist ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin schielt, ein pathologisches EEG (Elektroenzephalogramm) aufweist und an einem schweren kognitiven Entwicklungsrückstand, einer fehlenden Sprachentwicklung, schweren Bewegungsstörungen mit Rumpfataxie, dystonem Bewegungsmuster, muskulärer Hypotonie, einer beidseitigen Hüftsubluxation und Obstipation leidet. Aufgrund dessen ist sie in den alltäglichen Lebensverrichtungen "Aufstehen/Absitzen/Abliegen, Fortbewegung und Essen" sowie in den Bereichen "Notdurft" und "An-/undAuskleiden" auf regelmässige und erhebliche Hilfe einer Drittperson angewiesen. Den Akten ist des Weiteren zu entnehmen, dass die Eltern mit ihrer Tochter nur in ihrer Landessprache sprechen bzw. sprachen, wobei die sprachliche Integration wegen der fehlenden Sprachentwicklung wiederum kaum beurteilt werden kann. Ferner soll die Beschwerdeführerin ab dem Jahr 2009 bis zu ihrer Ausreise 2010 eine heilpädagogische Schule und zuvor eine Spielgruppe besucht haben, was immerhin zeigte, dass auch ausserhäusliche bzw.
ausserfamiliäre
Kontakte bestanden hätten. Trotzdem kann auch bei der Beschwerdeführerin nicht von einer besonderen
Integration b
zw. von
vertieften sozialen Beziehungen zum ausser
häuslichen
Bereich
im Sinn der Rechtsprechung zu Art. 8 EMRK ausgegangen werden.
5.3.2
Die bei den Beschwerdeführenden vorliegende (lange) Anwesenheit in der Schweiz und die damit verbundene normale Integration genügen rechtsprechungsgemäss noch nicht, um ein Anwesenheitsrecht aus dem Recht auf Achtung des Privatlebens abzuleiten (BGE 130 II 281 E. 3.2.1; BGr, 22. November 2006, 2A.500/2006, E. 2.3.2).
5.4
Was den in
Art. 8 EMRK
und Art. 13 BV
verbürgte
n
Anspr
uch
auf Achtung des Familienlebens
betrifft, gilt es zu beachten, dass das ausländische unmündige Kind grundsätzlich schon aus familienrechtlichen Gründen (Art. 25 Abs. 1 und Art. 301 Abs. 3 des Zivilgesetzbuchs [ZGB, SR 210]) das ausländerrechtliche Schicksal des sorgeberechtigten Elternteils teilt und es gegebenenfalls mit diesem das Land zu verlassen hat, wenn der Elternteil keine Bewilligung (mehr) hat oder erhält. Ist dem Kind die Ausreise zumutbar (was grundsätzlich zu bejahen ist, wenn es sich im anpassungsfähigen Alter bzw. noch nicht am Ende der obligatorischen Schulbildung befindet), liegt kein Eingriff in das Familienleben vor (BGr, 11. Februar 2014, 2C_792/2013, E. 5.1 Abs. 2 – 25. Januar 2013, 2C_467/2012, E. 2.1.4 – 10. Januar 2013, 2C_930/2012, E. 4.4.4, auch zum Folgenden).
Etwas anderes gilt, wenn das Kind das Schweizer Bürgerrecht besitzt, weil es dann einen staatsbürgerrechtlichen Anspruch auf Aufenthalt in der Schweiz hat; es bedarf
in diesem Fall
besonderer Gründe, um die mit der Ausreise für das Schweizer Kind verbundenen weitreichenden Folgen zu rechtfertigen
. Für Kinder ohne schweizerisches Bürgerrecht gilt dies nicht; bei diesen sind keine spezifischen bürgerrechtlichen Überlegungen (
Niederlassungsfreiheit, Ausweisungsverbo
t,
Wiedereinreiserecht
etc.) zu berücksichtigen. Es genügt hier die Zumutbarkeit der Ausreise des Kindes für eine Bewilligungsverweigerung gegenüber dem sorge- bzw. obhutsberechtigten Elternteil, wobei die Möglichkeit der Ausübung des Besuchsrechts des in der Schweiz anwesenheitsberechtigten anderen Elternteils sachgerecht mitberücksichtigt werden kann.
Der im vorigen Absatz wiedergegebenen Praxis und ebenso ähnlichen bundesgerichtlichen Urteilen liegt die Fragestellung zugrunde, ob ein Elternteil eines gefestigt anwesenheitsberechtigten Kindes sich aus dem Land, wo jedenfalls der andere Elternteil verbleibt, entfernen müsse. Hier verhielt es sich aber anders, weil beide Beschwerdeführenden die Niederlassungsbewilligung besassen, der sorgeberechtigte Beschwerdeführer die Schweiz freiwillig verliess – selbst bei Unfreiwilligkeit resultierte allerdings das Gleiche, wie sich alsbald zeigt – und die Beschwerdeführerin als minderjährige Tochter ihm unabhängig davon zu folgen hatte, ob ihr das zumutbar gewesen sei und sie an sich auch aus dem Grundrechtsschutz des Familienlebens einen Anwesenheitsanspruch gehabt habe. In der gegenwärtig zu beurteilenden Konstellation konnte und kann, wie sich erweisen wird,
keine Diskrepanz zwischen der zivil- und der öffentlichrechtlichen Situation entsteh
en.
Es fragt sich nicht, ob eine Wiederausreise heute den Beschwerdeführenden zuzumuten sei, sondern gegenteils, ob diese einen Anspruch auf Rückkehr in die Schweiz bzw. auf neue Anwesenheit daselbst hätten. Weil die Beschwerdeführerin das ausländerrechtliche Schicksal des Beschwerdeführers zu teilen hat, müsste er einen originären Bewilligungsanspruch besitzen, was offensichtlich nicht (mehr) zutrifft. Nicht angehen bzw. verfangen kann deshalb, sie zur nicht sorgeberechtigten Mutter ins Land zu bringen, sich wegen der Beziehung der beiden auf ein Anwesenheitsrecht kraft Achtung des Familienlebens zu berufen und erst hieraus einen Bewilligungsanspruch auch des Beschwerdeführers abzuleiten, wessen es jedenfalls jetzt eben als Ursache und nicht als Folge eines Anspruchs der Beschwerdeführerin bedürfte.
5.5
Sollte es dennoch auf die Zumutbarkeit einer Ausreise aus der Schweiz für die Beschwerdeführerin ankommen, wäre das vorliegend
zu bejahen. Die Beschwerdeführerin wurde zwar in der Schweiz geboren und hat hier ihre ersten sechs Lebensjahre verbracht, doch lebte sie danach rund zweieinhalb Jahre zusammen mit ihrem Vater
im Land E
, weshalb ein Bezug zur Heimat gegeben ist. Gemäss Angaben der Beschwerdeführenden lebten sie zunächst in einer ländlichen Gegend im Süden des Landes und danach in
der Stadt F
. Wie sie selbst ausführen, gibt es dort auch Schulen für behinderte Kinder sowie Einrichtungen, welche behinderte Menschen unentgeltlich oder zu einem bezahlbaren Preis betreuen und umsorgen. Sie weisen allerdings darauf hin, dass es für "Normalbürger" extrem schwierig sei, einen dieser Betreuungsplätze zu ergattern; ohne Bestechungsgeld sei dies nicht möglich. Eine dem Kindswohl entsprechende Betreuung sei i
m Land E
deswegen nicht ausreichend gewährleistet. Wie bereits die Vorinstanz festgehalten hat, stellen die Beschwerdeführenden pauschale Behauptungen auf, welche − auch vor Verwaltungsgericht − nicht weiter belegt werden. Für die Annahme, dass die Beschwerdeführerin i
m Land E
nicht auch angemessen betreut werden kann, liegen keine konkreten Hinweise vor. Es wird ferner auch nicht behauptet oder dargetan, dass sich die gesundheitliche Verfassung der Beschwerdeführerin in ihrer Zeit
im Land E
verschlechtert hätte. In Würdigung sämtlicher Umstände ist damit festzustellen, dass es der Beschwerdeführerin nicht unzumutbar erscheint, aus der Schweiz auszureisen.
Daran ändert auch nichts, dass die anwesenheitsberechtigte Mutter der Beschwerdeführerin über ein Besuchsrecht verfügt und der Beschwerdeführer und die Beschwerdeführerin zurzeit bei ihr (noch) wohnen.
6.
6.1
Da die Beschwerdeführenden weder aus dem Völkerrecht noch aus dem Landesrecht einen Anspruch auf Anwesenheit in der Schweiz ableiten können, ist die Frage der (Wieder-)Erteilung eines Anwesenheitsrechts von der Migrationsbehörde nach Massgabe der
allgemeinen Zulassungsvoraussetzungen von Art. 18–29 AuG
und damit im pflichtgemässen Ermessen zu prüfen. Vorliegend stellt sich die Frage, ob aufgrund eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalls (Art. 30 Abs. 1 lit. b), aufgrund des Wiederzulassungstatbestands (Art. 30 Abs. 1 lit. k AuG) oder aus wichtigen Gründen (Art. 34 Abs. 3 AuG) allenfalls von den Zulassungsvoraussetzungen abgewichen werden kann. Dabei gilt es jedoch zu beachten, dass mit
verwaltungsgerichtlicher Beschwerde
einzig
Rechtsverletzungen
(
einschliesslich Ermessensmissbrauch, -überschreitungen und
-
un
terschreitungen
)
sowie die unrichtige oder ungenügende Feststellung des Sachverhalts gerügt werden
können
(§
50 Abs.
1 in Verbindung mit §
20 Abs.
1 lit.
a und b VRG).
Im Rahmen von Ermessensentscheiden stellen der Missbrauch sowie die Überschreitung oder Unterschreitung des Ermessensspielraums Rechtsverletzungen dar (§
20 Abs.
1 lit.
a VRG). Daraus folgt, dass die bloss unzweckmässige Ausübung des Ermessens keine Rechtsverletzung bedeutet und vor Verwaltungsgericht nicht gerügt werden kann. Ihr Ermessen überschreitet die Behörde, wenn sie Ermessen ausübt, wo ihr das Gesetz keines einräumt. Hingegen unterscheitet sie es, wenn sie auf die Ausübung des ihr zustehenden Ermessens ganz oder teilweise verzichtet. Ermessensmissbrauch ist wiederum ein qualifizierter Ermessensfehler. Ein solcher liegt vor, wenn die Ermessensausübung nicht pflichtgemäss erfolgt, namentlich wenn sie von sachfremden Kriterien geleitet oder überhaupt unmotiviert ist. Fehlerhaft wird das Ermessen ausgeübt, wenn sich die verfügende Behörde nicht an den allgemeinen Rechtsgrundsätzen, den verwaltungsrechtlichen Grundprinzipien und den (weiteren) verfassungsrechtlichen Schranken orientiert; namentlich ist dies der Fall, wenn sich die behördliche Ermessenbetätigung als willkürlich oder unverhältnismässig erweist (vgl. zum Ganzen
Marco Donatsch in: Alain Griffel [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich [VRG], 3. A., Zürich etc. 2014
[Kommentar VRG]
,
§
50 N.
25 f.; Benjamin Schindler, Verwaltungsermessen, Zürich/St.
Gallen 2010, Rz. 534).
6.2
Vorab kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (§ 70 in Verbindung mit §
28 Abs.
1 Satz
2 VRG). Mit ihr ist davon auszugehen, dass die Voraussetzungen
zur Erteilung einer Anwesenheitsbewilligung weder beim Beschwerdeführer noch bei der Beschwerdeführerin gegeben sind. Den
Vorinstanz
en kann insbesondere nicht vorgeworfen werden, dass sie
ihr Ermessen missbräuchlich bzw. qualifiziert fehlerhaft aus
geübt hätten
.
Zu Recht lehnten sie − trotz erfüllter zeitlicher Voraussetzung − die Erteilung einer Niederlassungsbewilligung gestützt auf Art. 34 Abs. 3 AuG ab, da diese sich − genauso wie eine Wiederzulassung der Beschwerdeführenden (Art. 30 lit. k AuG) − nur aufdrängte, wenn kein Widerrufsgrund nach Art. 62 AuG gegeben wäre. Dies ist aber gerade mit Blick auf Art. 62 lit. e AuG nicht der Fall, wonach die zuständige Behörde Bewilligungen widerrufen kann, wenn die Ausländerin oder der Ausländer oder eine Person, für die sie oder er zu sorgen hat, auf Sozialhilfe angewiesen ist. Die Vorinstanz ist davon ausgegangen, dass der Beschwerdeführer aufgrund der konkreten Umstände mit grosser Wahrscheinlichkeit in der Schweiz keine Arbeitsstelle mehr finden werde und er erneut Unterstützungsleistungen in Anspruch nehmen müsste. Diese Beurteilung ist zumindest nicht qualifiziert fehlerhaft. Gleiches gilt im Übrigen hinsichtlich der vorinstanzlichen Verweigerung der Erteilung einer Anwesenheitsbewilligung aufgrund der Annahme eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalls (Art. 30 Abs. 1 lit. b AuG). Zu Recht hat die Vorinstanz hier festgehalten, dass beim Beschwerdeführer trotz langjährigen hiesigen Aufenthalts keine Integration vorliegt, welche für ihn ein Leben ausserhalb der Schweiz unzumutbar erscheinen liesse. Hierzu passt auch, dass der Beschwerdeführer seit 2003 gegenüber der Migrationsbehörde immer wieder angab, in sein Herkunftsland zurückkehren zu wollen, und dies dann auch tatsächlich tat. Daraus erhellt, dass für ihn eine Rückkehr in die Heimat nicht unzumutbar erscheint. Wie bereits ausgeführt (vorn 5.5 Abs. 1), gilt das Gleiche im Übrigen auch für die Beschwerdeführerin. Dass die Beschwerdeführenden sich nach zweieinhalb Jahren in der Heimat zu einer Rückkehr in die Schweiz entschlossen haben und dies allenfalls aufgrund finanzieller Überlegungen geschehen ist, vermag schliesslich noch nicht einen schwerwiegenden persönlichen Härtefall im Sinn von Art. 30 Abs. 1 lit. b AuG und Art. 31 Abs. 1 VZAE zu begründen.
6.3
Nach alledem, das heisst, weil ein Wegweisungsvollzug hier nicht unzumutbar erscheint, fehlt auch ein Anlass, den Beschwerdegegner anzuweisen, beim Bundesamt für Migration die vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführenden zu beantragen.
7.
Damit ist die Beschwerde abzuweisen.
Nachdem die de
n
Beschwerdeführe
nden durch die Vorinstanz
angesetzte Ausreisefrist
auch schon
abgelaufen ist, ist
ihnen
in Anwendung von Art. 64d Abs. 1 AuG eine neue Frist zum Verlassen der Schweiz
anzusetzen
. Sollte allerdings ein Weiterzug dieses Urteils an das Bundesgericht erfolgen und Letzteres dem Rechtsmittel aufschiebende Wirkung verleihen, ha
ben
die Beschwerdeführe
nden
sich bei einem den Wegweisungspunkt nicht ändernden bundesgerichtlichen Endentscheid binnen
zweier
Monate ab dessen Datum aus dem Land zu entfernen.
8.
Ausgangsgemäss sind die Gerichtskosten de
n
unterliegenden Beschwerdeführe
nden
unter solidarischer Haftung füreinander je zur Hälfte aufzuerlegen; diese
n
steht keine Parteientschädigung zu
(§ 65a Abs. 2 in Verbindung mit § 13 Abs. 2 Satz 1 und §
14 VRG; § 17 Abs. 2 VRG
;
vgl. Kaspar Plüss, Kommentar VRG, §
14 N.
6, 9 und 11
).
9.
9.1
Zu prüfen bleibt das Gesuch
der Beschwerdeführenden
um unentgeltliche Prozessführung.
9.2
Gemäss § 16 Abs. 1 VRG haben Private, welchen die nötigen Mittel fehlen und deren Begehren nicht offenkundig aussichtslos erscheinen, auf Ersuchen Anspruch auf unentgeltliche Prozessführung. Offenkundig aussichtslos sind Begehren, deren Chancen auf Gutheissung um derart viel kleiner als jene auf Abweisung erscheinen, dass sie kaum als ernsthaft bezeichnet werden können (Plüss, § 16 N. 46). Mittellos ist, wer nicht in der Lage ist, die Gerichtskosten aus seinem Einkommen – nach Abzug der Lebenshaltungskosten – innert angemessener Frist zu bezahlen (Plüss, § 16 N. 20).
9.3
Die Mittellosigkeit
der Beschwerdeführenden
erscheint vorliegend ausgewiesen
, und es ist
der angehobene Prozess nicht als offensichtlich aussichtslos
zu betrachten
. Somit
ist ihnen
für das verwaltungsgerichtliche Verfahren
die
unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren.
Es gilt
die Beschwerdeführenden
auf § 65a Abs. 2 in Verbindung mit § 16 Abs. 4 VRG aufmerksam zu machen, wonach eine Partei, der unentgeltliche Rechts
pflege
gewährt wurde, Nachzahlung leisten muss, sobald sie dazu in der Lage ist. Der Anspruch des Kantons verjährt zehn Jahre nach Abschluss des Verfahrens.
10.