# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f1d5146b-d28d-492b-b962-cda5bc5b365c
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_003
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt:
1. A._, geboren 1982, war zuletzt als Verkäuferin bei B._ tätig. Im
August 2016 meldete sie sich bei der IV-Stelle des Kantons Graubünden
(nachfolgend IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. Diese tätigte erwerbliche
und medizinische Abklärungen. Mit bei ihr am 8. September 2016
eingegangenem Verlaufsbericht wiesen med. pract. C._ und Dr. phil.
D._ eine erhebliche Störung der Aufmerksamkeit, eine erhebliche
depressive Episode sowie eine erhebliche Stressstörung als Diagnosen
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit aus.
2. In der Folge liess die IV-Stelle A._ in der Fachdisziplin Psychiatrie
und Psychotherapie sowie Neuropsychologie begutachten. In dem am
12. Juni 2017 erstatteten Gutachten diagnostizierten Dr. med. E._
und lic. phil. F._ ein adultes ADHS vom kombinierten Typ,
mittelgradig bis schwer ausgeprägt (ICD-10: F90.0), sowie eine
anankastische Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.5). Sie erachteten
A._ in ihrer angestammten Tätigkeit zu maximal 50 % arbeitsfähig. In
einer leidensangepassten Tätigkeit wiesen sie eine Arbeitsfähigkeit von
100 % aus, wobei je nach Tagesform eine um ca. 20 % reduzierte
Leistungsfähigkeit bestehe. Die Gutachterinnen empfahlen eine
Umschulung.
3. Ab dem 16. Oktober 2017 fand eine berufliche Abklärung in der G._
in H._ statt, wobei A._ im Bereich Hauswirtschaft (Lingerie und
Reinigung) eingesetzt wurde. Anschliessend erfolgte eine weitere
berufliche Abklärung im Alterspflegeheim I._, bevor wiederum eine
solche in der G._ im Bereich Behindertenbetreuung durchgeführt
wurde. Dabei erreichte sie eine Leistungsfähigkeit von 60 % bei
ganztätiger Präsenz. Daraufhin wurde A._ eine
Vorbereitungsmassnahme im Bereich Betreuung in der gleichen Institution
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zugesprochen. Mit Mitteilung vom 8. November 2018 schloss die IV-Stelle
die beruflichen Massnahmen ab.
4. Nach Einholung der Abschlussbeurteilung des Arztes des Regionalen
Ärztlichen Dienstes (RAD) Ostschweiz, Dr. med. J._, und
durchgeführtem Vorbescheidverfahren sprach die IV-Stelle A._ mit
Verfügung vom 13. Februar 2019 eine Viertelsrente für die Zeit vom
1. Februar 2017 bis zum 31. Oktober 2017 sowie wiederum für die Zeit ab
dem 1. Oktober 2018 zu. Ihr seien einfache Hilfs- und
Betreuungstätigkeiten an einem Nischenarbeitsplatz in einem Vollpensum
mit einer Leistungsminderung von 40 % möglich. Dabei könne ein
Jahreseinkommen von CHF 31'200.-- erzielt werden, was in
Gegenüberstellung mit dem als Verkäuferin Food ohne gesundheitliche
Einschränkungen erwirtschafteten Einkommen von CHF 54'048.-- einen
Invaliditätsgrad von 42 % ergebe.
5. Mit Schreiben vom 8. Dezember 2020 stellte A._ ein Gesuch um
Arbeitsvermittlung, woraufhin ihr mit Mitteilung vom 14. Januar 2021
Berufsberatung und Abklärung der beruflichen
Eingliederungsmöglichkeiten gewährt wurde.
6. Ab dem 1. Mai 2021 trat A._ eine temporäre Stelle in einem Pensum
von 60 % bis 100 % bei der K._ AG an, die ab dem 1. Oktober 2021
unbefristet weitergeführt wurde. Dabei wurde sie als Allrounderin
Restauration angestellt bei einem Bruttostundenlohn von CHF 26.90.
Daraufhin wurden die beruflichen Massnahmen mit Mitteilung vom
1. Dezember 2021 abgeschlossen.
7. Mit Vorbescheid vom 2. Dezember 2021 stellte die IV-Stelle A._ die
Einstellung der Invalidenrente in Aussicht. Laut ihren Abklärungen arbeite
A._ seit dem 1. Mai 2021 in einer unbefristeten Anstellung als
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Allrounderin Restauration bei der K._ AG in einem Arbeitspensum
von 60 % bis 100 %. Dabei erziele sie einen Stundenlohn von CHF 26.90,
was bei einem durchschnittlichen Jahrespensum von 80 % einem
Jahreslohn von ca. CHF 45'063.-- entspreche. In der Tätigkeit als
Verkäuferin Food würde A._ heute ohne gesundheitliche
Einschränkungen ein Jahreseinkommen von CHF 55'352.--
erwirtschaften. Der Einkommensvergleich per 2021 ergebe einen
Invaliditätsgrad von 19 %, weshalb ein Anspruch auf eine Invalidenrente
nicht mehr ausgewiesen sei.
8. Dagegen erhob A._ am 22. Dezember 2021 (Poststempel
23. Dezember 2021) Einwand. Da der Einwand nicht näher begründet sei,
setzte die IV-Stelle mit Schreiben vom 3. Januar 2022 eine Frist bis zum
31. Januar 2022 für eine ergänzende schriftliche Stellungnahme. Mit als
provisorische Einsprache bezeichneter Eingabe vom 20. Januar 2022
(Poststempel 21. Januar 2022) beantragte die damalige Rechtsvertretung
von A._ (Unia Ostschweiz-Graubünden), dieser seien in Aufhebung
des Vorbescheids weiterhin die Versicherungsleistungen zuzusprechen.
Zudem wurde um Aktenzustellung und Fristverlängerung ersucht.
Daraufhin teilte die IV-Stelle am 25. Januar 2022 mit, die Frist zur
Einreichung einer Begründung sei bereits einmal bis zum 31. Januar 2022
verlängert worden und könne nicht nochmals verlängert werden. Mit
Einwandergänzung vom 31. Januar 2022 beantragte die neue
Rechtsvertretung von A._ (Procap Rechtsdienst), dieser sei weiterhin
eine Invalidenrente auszurichten. Wie sie bereits ausgeführt habe,
bestünden ihre gesundheitlichen Einschränkungen bereits seit der
Kindheit. Dies müsse auch beim Einkommensvergleich berücksichtigt
werden. Zudem sei das Invalideneinkommen zu hoch festgesetzt worden.
Weiter ersuchte die neue Rechtsvertretung aufgrund einer sehr
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kurzfristigen Abwesenheit um Einräumung einer ergänzenden Frist zur
Einreichung der Einwandergänzung.
9. Mit Verfügung vom 2. Februar 2022 entschied die IV-Stelle wie
vorbeschieden und stellte die Invalidenrente auf das Ende des auf die
Verfügungszustellung folgenden Monats ein.
10. Dagegen liess A._ (nachfolgend Beschwerdeführerin) am 4. März
2022 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden
erheben und beantragen, die Verfügung vom 2. Februar 2022 sei
aufzuheben und es sei festzustellen, dass sie weiterhin Anspruch auf eine
Viertelsrente habe. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, ihr
Anspruch auf rechtliches Gehör sei verletzt worden, weil die IV-Stelle nicht
auf das von ihr sinngemäss zum Ausdruck gebrachte Vorliegen einer
Frühinvalidität eingegangen sei. Zudem hätte diese im Rahmen ihres
Ermessens prüfen müssen, ob angesichts der besonderen Umstände
durch den kurzfristigen Ausfall der Rechtsvertreterin nicht ausnahmsweise
doch noch eine Verlängerung der Einwandfrist hätte gewährt werden
können. Jedenfalls hätte ihr die Nichterstreckung unter Ansetzung einer
kurzen Nachfrist mitgeteilt werden müssen. Schliesslich entspreche ihre
aktuelle Erwerbstätigkeit bei der K._ AG nicht dem gutachterlichen
Zumutbarkeitsprofil, weshalb ihr der dort erzielte Verdienst nicht als
Invalideneinkommen angerechnet werden könne. Daher liege kein
Revisionsgrund vor, weshalb sie weiterhin Anspruch auf eine Viertelsrente
habe.
11. Die IV-Stelle (nachfolgend Beschwerdegegnerin) schloss in ihrer
Vernehmlassung vom 21. April 2022 auf Abweisung der Beschwerde.
Eventuell seien die monatlichen Lohnabrechnungen der Monate Mai 2021
bis März 2022 einzuholen. Sie bestritt das Vorliegen einer
Gehörsverletzung, fügte jedoch an, dass ein allfälliger Verstoss gegen das
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rechtliche Gehör vorliegend nicht zur Aufhebung der angefochtenen
Verfügung und Rückweisung der Sache führen sollte, da ein solcher
ausnahmsweise als geheilt zu betrachten sei. Zudem führte sie aus, dass
es sich bei der aktuellen Tätigkeit der Beschwerdeführerin offensichtlich
um eine ihr zumutbare Arbeit handle und sie dabei bei einem Pensum von
durchschnittlich 80 % ein Invalideneinkommen von CHF 45'063.-- erzielen
könne. Falls dies von ihr bestritten werden sollte, werde beantragt, die
monatlichen Lohnabrechnungen der Monate Mai 2021 bis März 2022
einzuholen. Da sich im vorliegenden Fall die erwerblichen Auswirkungen
des (möglicherweise) gleich gebliebenen Gesundheitsschadens
offensichtlich wesentlich verändert hätten (im Sinne einer wesentlich
erhöhten Erwerbsfähigkeit), liege ein Revisionsgrund vor.
12. Die Beschwerdeführerin hielt am 11. Mai 2022 replicando an ihren
Anträgen fest und ergänzte diese um das Eventualbegehren, wonach die
Angelegenheit zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen sei.
13. Die Beschwerdegegnerin nahm dazu in der Duplik vom 19. Mai 2022 in
ablehnender Weise Stellung.
Auf die Begründung in der angefochtenen Verfügung sowie auf die
weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften wird, soweit
entscheidrelevant, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Nach Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen
IV-Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle
anfechtbar. Vorliegend stellt die angefochtene Verfügung der IV-Stelle des
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Kantons Graubünden vom 2. Februar 2022 (Akten der
Beschwerdeführerin [Bf-act.] 2, Akten der IV-Stelle [IV-act.] 140) ein
taugliches Anfechtungsobjekt für ein Verfahren vor dem
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden dar. Die sachliche
Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ergibt sich aus Art. 57 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) zusammen mit Art. 49
Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG;
BR 370.100). Als Adressatin der strittigen Verfügung ist die
Beschwerdeführerin von dieser berührt und weist ein schutzwürdiges
Interesse an deren Aufhebung oder Änderung auf (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m.
Art. 59 ATSG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht (Art. 60 und
Art. 61 ATSG) eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten.
2. Streitgegenstand bildet die Frage, ob die Beschwerdegegnerin die
bisherige Viertelsrente zu Recht revisionsweise per 31. März 2022
eingestellt hat.
3. In Bezug auf das anwendbare Recht ist festzuhalten, dass seit dem
1. Januar 2022 die revidierten Bestimmungen des IVG (sowie des ATSG)
und der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in
Kraft sind (Weiterentwicklung der IV). Der vorliegende Rechtsstreit
gründet auf einer revisionsrechtlichen Fragestellung, bei der die
Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung aufgrund der
Anstellung der Beschwerdeführerin bei der K._ AG ab dem 1. Mai
2021 von einem verbesserten Invalideneinkommen ausgeht. Da gemäss
Art. 88a Abs. 1 IVV eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit für die
Aufhebung der IV-Leistung spätestens zu berücksichtigen ist, nachdem
sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und
voraussichtlich weiterhin andauern wird, kommt die hier massgebliche
Änderung noch vor dem 1. Januar 2022 zu liegen, weshalb die
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Bestimmungen des IVG und der IVV in der bis zum 31. Dezember 2021
gültig gewesenen Fassung Anwendung finden, auch wenn die Einstellung
der Invalidenrente gemäss Art. 88bis Abs. 2 lit. a IVV per 31. März 2022
erfolgt (vgl. Kreisschreiben über Invalidität und Rente in der
Invalidenversicherung [KSIR], Stand: 1. Januar 2022, N. 5504 und
N. 9102). Dies ergibt sich auch aus den allgemeinen Grundsätzen des
intertemporalen Rechts und des zeitlich massgebenden Sachverhalts
(statt vieler: BGE 148 V 174 E.4.1, BGE 144 V 210 E.4.3.1 und BGE 129
V 354 E.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_521/2021 vom
22. März 2022 E.2.2).
4. Vorerst ist auf die formellen Rügen der Beschwerdeführerin einzugehen.
Sie erachtete ihren Anspruch auf rechtliches Gehör in mehrfacher Hinsicht
als verletzt.
4.1. Der Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung
der Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV; SR 101]) umfasst als
Mitwirkungsrecht all jene Befugnisse, die einer Betroffenen einzuräumen
sind, damit sie ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann
(BGE 144 II 427 E.3.1, BGE 135 II 286 E.5.1). Daraus folgt das Recht auf
Einsicht in die Akten (BGE 144 II 427 E.3.1, BGE 132 II 485 E.3.1), sich
vor Erlass eines in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur
Sache zu äussern sowie der Anspruch auf Abnahme der rechtzeitig und
formrichtig angebotenen rechtserheblichen Beweismittel (BGE 144 II 427
E.3.1, BGE 140 I 99 E.3.4). Die Behörde hat die Vorbringen der vom
Entscheid in ihrer Rechtsstellung Betroffenen tatsächlich zu hören, zu
prüfen und in der Entscheidfindung zu berücksichtigen (BGE 146 II 335
E.5.1, BGE 136 I 229 E.5.2).
4.2. Vorab erblickt die Beschwerdeführerin im Umstand, dass die
Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung nicht auf das von
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ihr sinngemäss zum Ausdruck gebrachte Vorliegen einer Frühinvalidität
eingegangen sei, eine Verletzung der Begründungspflicht. Dem entgegnet
die Beschwerdegegnerin in der Vernehmlassung, dass die anwaltlich
vertretene Beschwerdeführerin nicht begründet habe, inwiefern das
Valideneinkommen zu tief bzw. das Invalideneinkommen zu hoch sein soll,
weshalb nicht zu beanstanden sei, wenn sie ebenso pauschal festgehalten
habe, dass keine neuen rechtserheblichen Tatsachen vorgebracht worden
seien, die den Entscheid zu beeinflussen vermöchten.
4.2.1. Die aus dem verfassungsmässigen Anspruch auf rechtliches Gehör
(Art. 29 Abs. 2 BV) fliessende Verpflichtung der Behörde, ihren Entscheid
zu begründen, verlangt zwar nicht, dass sich diese mit allen
Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne
Vorbringen ausdrücklich widerlegt; vielmehr genügt es, wenn der
Entscheid gegebenenfalls sachgerecht angefochten werden kann.
Allerdings muss die Begründung kurz die wesentlichen Überlegungen
nennen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die es ihren
Entscheid stützt (vgl. BGE 148 III 30 E.3.1, BGE 146 II 335 E.5.1, BGE 143
III 65 E.5.2, BGE 142 II 49 E.9.2, BGE 142 III 433 E.4.3.2). Diesen
Anforderungen vermag die angefochtene Verfügung vom 2. Februar 2022
nicht zu genügen. Aktenkundig ist, dass bereits die Beschwerdeführerin in
ihrer Eingabe vom 22. Dezember 2021, als sie noch nicht anwaltlich
vertreten war, zu der im Vorbescheid angekündigten Leistungseinstellung
kundtat, grosse Bedenken bzw. Sorgen zu haben, wieder in die
Arbeitslosigkeit fallen zu können, da bei ihr mit zehn bis 12 Jahren in
L._ und sodann mit 30 Jahren in M._ ein ASH und Probleme mit
der Feinmotorik diagnostiziert worden seien (IV-act. 129).
Gleichermassen bekräftigte ihre Rechtsvertretung sodann mit Eingabe
vom 31. Januar 2022, dass bei der Beschwerdeführerin seit der Kindheit
gesundheitliche Einschränkungen vorlägen, die beim
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Einkommensvergleich berücksichtigt werden müssten. Zudem sei das
Invalideneinkommen zu hoch festgesetzt worden (IV-act. 138). Aus diesen
Eingaben geht mit genügender Klarheit hervor, dass die
Beschwerdeführerin innerhalb der Einwandfrist zunächst als Laiin und
sodann mit Rechtsvertretung insbesondere geltend machte, dass bei ihr
eine Frühinvalidität vorliege, woraus folgt, dass zu prüfen gewesen wäre,
ob das Valideneinkommen gemäss Art. 26 Abs. 1 IVV (in der bis zum
31. Dezember 2031 gültig gewesenen Fassung, vgl. dazu Erwägung 3
hiervor) festzulegen ist. Ausserdem beanstandete sie das dem
Einkommensvergleich zugrunde gelegte Invalideneinkommen. Insofern
durfte es die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung vom
2. Februar 2022 nicht beim Hinweis sein Bewenden lassen, dass keine
neuen rechtserheblichen Tatsachen vorgebracht worden seien, die den
Entscheid zu beeinflussen vermöchten (IV-act. 140 S. 2). Vielmehr obliegt
ihr die korrekte gesetzeskonforme Bemessung der Invalidität und die
Beschaffung der dazu erforderlichen Unterlagen (vgl. Art. 43 ATSG,
Art. 57 Abs. 1 lit. f IVG [in der bis zum 31. Dezember 2021 gültig
gewesenen Fassung] und Art. 69 Abs. 2 IVV). Indem die
Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung vor allem weder auf
die geltend gemachte Frühinvalidität eingegangen ist noch diese im
Rahmen der Entscheidfindung zum Einkommensvergleich neben dem als
zu hoch gerügten Invalideneinkommen berücksichtigt hat, hat sie den
Anspruch der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör verletzt.
4.2.2. Da der Gehörsanspruch formeller Natur ist, führt seine Verletzung
ungeachtet der materiellen Begründetheit des Rechtsmittels zur
Gutheissung der Beschwerde und zur Aufhebung des angefochtenen
Entscheids (BGE 148 IV 22 E.5.5.2, BGE 144 I 11 E.5.3, BGE 137 I 195
E.2.2). Nach der Rechtsprechung kann eine nicht besonders
schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs als geheilt gelten,
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wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Instanz
zu äussern, die sowohl die Tat- als auch die Rechtsfragen
uneingeschränkt überprüft (BGE 148 IV 22 E.5.5.2, BGE 145 I 167 E.4.4,
BGE 142 II 218 E.2.8.1). Unter dieser Voraussetzung ist selbst bei einer
schwerwiegenden Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör von
einer Heilung des Mangels auszugehen, wenn die Rückweisung der
Sache zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen
Verzögerungen führen würde, die mit dem Interesse der betroffenen Partei
an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären
(BGE 147 IV 340 E.4.11.3, BGE 142 II 218 E.2.8.1, BGE 137 I 195
E.2.3.2).
4.2.3. Im hier zu beurteilenden Fall beruft sich die Beschwerdegegnerin in ihrer
Vernehmlassung auf die Möglichkeit, dass eine Verletzung des rechtlichen
Gehörs durch die Rechtsmittelinstanz geheilt werde, und macht geltend,
dafür sprächen prozessökonomische Gründe. Zwar ist ihr darin
beizupflichten, dass eine Heilung des vorliegenden Mangels im
Rechtsmittelverfahren vor dem Verwaltungsgericht, dem die zur
Beurteilung der Angelegenheit notwendige Überprüfungsbefugnis
hinsichtlich Rechtsverletzungen und Sachverhaltsfeststellungen zusteht
(vgl. Art. 61 Ingress ATSG i.V.m. Art. 51 Abs. 1 VRG), mithin kein
Kognitionsgefälle besteht, grundsätzlich möglich wäre. Allerdings hat die
Beschwerdegegnerin im vorliegenden Beschwerdeverfahren in ihrer
Vernehmlassung gar keine und in der Duplik nur eine rudimentäre
Begründung zu der im IV-Verfahren nicht berücksichtigten Frühinvalidität
nachgereicht, die sich zudem praktisch ausschliesslich auf das neue
Recht bezieht. Ihre Überlegungen zur Sachlage unter dem bis zum
31. Dezember 2021 gültig gewesenen Recht sind somit weder hinlänglich
bekannt noch konnte die Beschwerdeführerin im Rahmen des
Schriftenwechsels dazu in gebührender Weise Stellung nehmen und ihre
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eigene Sichtweise in das Verfahren einbringen. Da sich die Angelegenheit
insoweit nicht als liquid erweist, kann das streitberufene Gericht den
vorliegenden Formmangel weder heilen noch kommt die Rückweisung der
Sache einem formalistischen Leerlauf gleich. Aufgrund der formellen Natur
der festgestellten Gehörsverletzung ist die angefochtene Verfügung
unabhängig von deren Einfluss auf den Verfahrensausgang aufzuheben
und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.3. Denselben Schluss gebietet auch der sich im Ergebnis als begründet
erweisende und als Gehörsverletzung verstandene Einwand der
Beschwerdeführerin, ihr wäre eine Verlängerung der Nachfrist zur
Einwandbegründung zu gewähren gewesen.
4.3.1. Gemäss Art. 57a Abs. 3 IVG können die Parteien innerhalb einer Frist von
30 Tagen Einwände zum Vorbescheid vorbringen.
Rechtsprechungsgemäss gilt der konstante Grundsatz, wonach
gesetzliche Fristen nicht verlängert werden können, behördlich
festgesetzte indessen schon (BGE 143 V 71 E.4.3.1; KIESER, ATSG-
Kommentar, 4. Aufl., Zürich/Basel/Genf, 2020, N. 2, 4 und 16 zu Art. 40).
Dies wird denn auch explizit in Art. 40 Abs. 1 und 3 ATSG festgehalten,
die in der Invalidenversicherung anwendbar sind (Art. 1 Abs. 1 IVG).
Gestützt auf die in Art. 81 ATSG eingeräumte Kompetenzdelegation hat
der Bundesrat in den Art. 10 bis 12 der Verordnung über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV; SR 830.11)
Ausführungsbestimmungen zu Form und Inhalt der Einsprache sowie zum
Einspracheverfahren erlassen, die auch für das
invalidenversicherungsrechtliche Einwandverfahren Geltung
beanspruchen dürften. Gemäss Art. 10 Abs. 1 ATSV müssen Einsprachen
ein Rechtsbegehren und eine Begründung enthalten. Genügt die
Einsprache den Anforderungen nach Abs. 1 nicht oder fehlt die
Unterschrift, so setzt der Versicherer eine angemessene Frist zur
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Behebung der Mängel an und verbindet damit die Androhung, dass sonst
auf die Einsprache nicht eingetreten wird (Art. 10 Abs. 5 ATSV). Der
Wortlaut von Art. 10 Abs. 5 ATSV stimmt weitgehend mit der für das
erstinstanzliche Beschwerdeverfahren massgebenden Bestimmung von
Art. 61 lit. b Satz 2 ATSG überein. Danach setzt das Versicherungsgericht
der Beschwerde führenden Person eine angemessene Frist zur
Verbesserung ihres Rechtsmittels, wenn dieses den Formerfordernissen
(gedrängte Darstellung des Sachverhalts, Rechtsbegehren und kurze
Begründung) nicht genügt, und verbindet damit die Androhung, dass sonst
auf die Beschwerde nicht eingetreten wird. Dabei handelt es sich um eine
formelle Vorschrift, die das erstinstanzliche Gericht stets verpflichtet, eine
Frist zur Verbesserung der Mängel anzusetzen, sofern dadurch nicht in
rechtsmissbräuchlicher Weise eine Verlängerung der Beschwerdefrist
erreicht werden soll (BGE 142 V 152 E.2.3 mit Hinweisen). Aufgrund der
grammatikalischen Identität von Art. 61 lit. b Satz 2 ATSG und Art. 10
Abs. 5 ATSV gilt die zu Ersterem entwickelte Rechtsprechung auch für das
Einsprache- bzw. Einwandverfahren. Der Bezug liegt darin begründet,
dass für dieses nicht strengere formelle Anforderungen gelten können als
für das nachfolgende Gerichtsverfahren (vgl. BGE 142 V 152 E.2.3; Urteil
des Bundesgerichts 8C_217/2021 vom 7. Juli 2021 E.3.3 und E.5.3;
KIESER, a.a.O., N. 37 zu Art. 52).
Der Sinn der Nachfrist nach Art. 61 lit. b Satz 2 ATSG besteht im Schutz
der rechtsunkundigen Partei, die erst kurz vor Ablauf der Anfechtungsfrist
in Unkenntnis der formellen Anforderungen eine namentlich ungenügend
begründete Beschwerdeschrift einreicht. Diese soll – bei klar bekundetem
Anfechtungswillen – nicht deshalb um die Rechtsmittelmöglichkeit
gebracht werden (BGE 134 V 162 E.5.1; Urteile des Bundesgerichts
8C_217/2021 vom 7. Juli 2021 E.3.4 und 9C_191/2016 vom 18. Mai 2016
E.4.1). Eine Nachfrist zur Beschwerdeverbesserung ist daher grosszügig
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zu gewähren, wenn es um den Schutz rechtsunkundiger Parteien geht
(vgl. BOLLINGER, in: FRÉSARD-FELLAY/KLETT/LEUZINGER [Hrsg.], Basler
Kommentar, Allgemeiner Teil des Sozialversicherungsrechts, Basel 2020,
N. 33 zu Art. 61 ATSG). Nach der Rechtsprechung ist jedoch ein
offenbarer Missbrauch, der einen Verzicht auf die gesetzlich vorgesehene
Nachfrist rechtfertigt, zu bejahen, wenn ein Anwalt oder eine sonstige
rechtskundige Person eine bewusst mangelhafte Rechtsschrift einreicht,
um damit eine Nachfrist zur Begründung zu erwirken. Das formelle
Erfordernis der Begründung des Rechtsbegehrens gemäss Satz 1 von
Art. 61 lit. b ATSG würde sonst seines Sinnes entleert, wenn jede
Beschwerde führende Person dadurch, dass sie die Anträge nicht oder
nicht rechtsgenüglich begründet, über die Nachfrist von Satz 2 zusätzlich
Zeit für die Begründung erwirken könnte (BGE 142 V 152 E.4.5, BGE 134
V 162 E.4.1). Hingegen liegt in der Regel kein die Anwendung von Art. 10
Abs. 5 ATSV bzw. Art. 61 lit. b zweiter Satz ATSG ausschliessender
Rechtsmissbrauch vor, wenn aufgrund der Sachlage eine
rechtsgenügliche Einsprache- oder Beschwerdebegründung praktisch
nicht ohne Aktenkenntnis möglich ist, die nicht rechtskundige versicherte
Person, die selber die Akten nicht besitzt, in gutem Glauben erst kurz vor
Ablauf der Anfechtungsfrist einen Rechtsvertreter mandatiert, und diesem
weder eine rechtzeitige Aktenbeschaffung noch eine sonstige
hinreichende Beurteilung des Sachverhalts (z.B. aufgrund eines
Instruktionsgesprächs mit dem Klienten) möglich ist. In solchen Fällen
muss es als genügend erachtet werden, wenn der Anwalt oder die
rechtskundige Person unverzüglich die Akten einholt und nach deren
Eingang die innert Frist vorsorglich eingereichte Beschwerde mit einer
Begründung ergänzt (BGE 134 V 162 E.5.2). Ausschlaggebend für die
Beantwortung der Frage, ob der Rechtsvertretung ein
rechtsmissbräuchliches Verhalten anzulasten sei, sind die konkreten
Umstände (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_217/2021 vom 7. Juli 2021
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E.3.4, 9C_152/2019 vom 6. Mai 2019 E.3.2, 9C_191/2016 vom 18. Mai
2016 E.4.2.1, 9C_248/2010 vom 23. Juni 2010 E.3.3).
4.3.2. Vorliegend ist der Vorbescheid, mit dem der Beschwerdeführerin die
Einstellung der Invalidenrente angekündigt wurde, am 2. Dezember 2021
(Donnerstag) ergangen (IV-act. 127). Da gerichtsnotorisch ist, dass die
Beschwerdegegnerin ihre Schreiben per B-Post verschickt, ist
mutmasslich davon auszugehen, dass dieser frühestens am (Montag)
6. Dezember 2021 bei der Beschwerdeführerin einging. Unter
Berücksichtigung des Fristenstillstands vom 18. Dezember 2021 bis und
mit dem 2. Januar 2022 lief die Einwandfrist somit voraussichtlich am
(Freitag) 21. Januar 2022 ab (Art. 57a Abs. 3 IVG und Art. 1 Abs. 1 IVG
i.V.m. Art. 38 Abs. 1 und 4 lit. c ATSG). Die Beschwerdeführerin wandte
sich indes bereits mit Schreiben vom 22. Dezember 2021 (Poststempel
23. Dezember 2021) an die Beschwerdegegnerin und erhob gegen den
Vorbescheid Einwand (IV-act. 129). Diesen befand die
Beschwerdegegnerin indes für "nicht näher begründet" und setzte der
Beschwerdeführerin eine Frist bis zum 31. Januar 2022, um zum
Vorbescheid ergänzend schriftlich Stellung nehmen zu können (Schreiben
vom 3. Januar 2022 [IV-act. 130]). Damit ging die Beschwerdegegnerin
allem Anschein davon aus, dass der Einwand den vorgenannten
Formerfordernissen nicht entspricht und setzte daher eine Nachfrist zur
Begründungsverbesserung über den 21. Januar 2022 hinaus bis zum
31. Januar 2022 an. Dafür bestand indes keine Notwendigkeit, verblieben
der Beschwerdeführerin doch mit dem Fristenstillstand über die
Winterfeiertage immer noch mehrere Wochen bis zum voraussichtlichen
Ablauf der Frist am 21. Januar 2022, um einen formgültigen Einwand
einzureichen. Unter diesen Umständen lief die Einräumung einer Nachfrist
bis zum 31. Januar 2022 im Ergebnis auf eine unzulässige Verlängerung
der gemäss Art. 57a Abs. 3 IVG (i.V.m. Art. 1 Abs. 1 IVG und Art. 40
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Abs. 1 ATSG) nicht erstreckbaren 30-tägigen Einwandfrist hinaus. Denn
war diese früher in Art. 73ter Abs. 1 IVV festgehaltene Frist in BGE 143 V
71 noch als behördliche – und damit aus hinreichenden Gründen er-
streckbare – Frist verstanden worden (vgl. dortige E.4.3), hat der
Gesetzgeber die 30-tägige Einwandfrist inzwischen in Art. 57a Abs. 3 IVG
ins Gesetz aufgenommen und dadurch in Nachachtung des eben
erwähnten Bundesgerichtsurteils zum Ausdruck gebracht, dass er diese
als gesetzliche – und damit nicht erstreckbare – Frist verstanden haben
will (vgl. Bot-schaft vom 2. März 2018 zur Änderungen des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, BBl 2018 1607, S. 1648; Bestimmung in Kraft
seit dem 1. Januar 2021 [AS 2020 5137]). Da Art. 10 Abs. 5 ATSV
rechtsprechungsgemäss nur so verstanden werden kann, dass eine
Nachfrist lediglich dann anzusetzen ist, wenn für die Behebung der Mängel
nicht (mehr) genügend Zeit innerhalb der nicht erstreckbaren Frist besteht
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_191/2016 vom 18. Mai 2016 E.4.3.2),
was vorliegend – wie dargelegt – mit dem Einwand der
Beschwerdeführerin am 22. Dezember 2021 nicht der Fall war, wäre in der
vorliegenden Konstellation keine solche Nachfrist über die 30-tägige
Einwandfrist hinaus zu gewähren gewesen. Vielmehr hätte die
Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin auf die Möglichkeit
hinweisen müssen, ihre Eingabe innerhalb der noch laufenden
Einwandfrist verbessern zu können.
4.3.3. Die Frage der Einräumung einer Nachfrist hätte im hier zu beurteilenden
Fall korrekterweise erst geprüft werden müssen, als die damalige
Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin, N._ vom
Regionalsekretariat der Unia Ostschweiz-Graubünden, mit als
provisorischer Einsprache bezeichneter Eingabe vom 20. Januar 2022
(Poststempel 21. Januar 2022 [vgl. Gerichtsbeilage]) beantragte, der
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Vorbescheid sei aufzuheben und der Beschwerdeführerin die
Versicherungsleistungen weiterhin zuzusprechen, wobei sie um
Aktenzustellung und Fristerstreckung um 30 Tage ersuchte (IV-act. 135).
Obgleich der Einwand keine Begründung enthielt, erweist er sich nicht als
rechtsmissbräulich, wurde die damalige Rechtsvertreterin von der
Beschwerdeführerin ausweislich der Akten doch erst kurz vor Ablauf der
Einwandfrist mandatiert (vgl. von der Beschwerdeführerin unterzeichnete
Vollmacht vom 19. Januar 2022 [IV-act. 136]) und war sie nicht im Besitz
der Akten (vgl. Einwand vom 20. Januar 2022 [IV-act. 135] sowie
Schreiben der Beschwerdegegnerin betreffend Akteneinsicht vom 12. und
13. Januar 2022 [IV-act. 131 f.]), womit es ihr nicht möglich war, ohne
hinreichende Kenntnis der Sachlage eine rechtsgenügliche
Einwandbegründung zu verfassen. Vielmehr bemühte sie sich nach der
Mandatierung darum, unverzüglich die Akten einzuholen und eine
fristwahrende Eingabe einzureichen, so dass sie alles unternommen hat,
was von ihr in einer solchen Situation vernünftigerweise erwartet werden
durfte (vgl. BGE 134 V 162 E.5.2; Urteile des Bundesgerichts
8C_217/2021 vom 7. Juli 2021 E.3.4, 9C_152/2019 vom 6. Mai 2019
E.3.2.1 f.). Insofern kann der damaligen Rechtsvertreterin nicht
vorgeworfen werden, sie habe bewusst eine mangelhafte Eingabe
eingereicht, um damit eine unzulässige Verlängerung der nicht
erstreckbaren Einwandfrist zu erwirken. Da insoweit kein
rechtsmissbräuchliches Verhalten vorliegt, hätte die Beschwerdegegnerin
nach Eingang der Eingabe vom 20. Januar 2022 in Nachachtung der
vorgenannten Rechtsprechung eine Nachfrist zur Einreichung der
Einwandbegründung gewähren müssen. Ihr Hinweis in ihrem
Antwortschreiben vom 25. Januar 2022, wonach die Frist zur Einreichung
einer Begründung bereits einmal bis zum 31. Januar 2022 verlängert
worden sei und nicht nochmals verlängert werden könne (IV-act. 137),
erweist sich somit als unzulässig.
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4.3.4. Schliesslich hätte die Beschwerdegegnerin gestützt darauf der jetzigen
Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin auch nicht die mit
Einwandergänzung vom 31. Januar 2022 ersuchte Erstreckung der
Nachfrist verweigern dürfen (vgl. IV-act. 138). Gemäss dem auch für das
IV-Verfahren massgeblichen Art. 40 Abs. 3 ATSG kann eine vom
Versicherungsträger angesetzte Frist aus zureichenden Gründen erstreckt
werden, wenn die Partei vor Ablauf der Frist darum nachsucht. Behördlich
sind diejenigen Fristen, deren Länge nicht durch das Gesetz bestimmt
wird, die mithin durch den Versicherungsträger "angesetzt" werden, der
dabei die Länge der Frist gegebenenfalls auch individualisierend zu
bestimmen hat; dazu zählen etwa Nachfristen, und sie sind – im
Gegensatz zu den gesetzlichen Fristen – grundsätzlich erstreckbar
(KIESER, a.a.O., N. 16 zu Art. 40 und N. 99 zu Art. 61;
RHINOW/KRÄHENMANN, Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung,
Ergänzungsband, Basel/Frankfurt a.M., 1990, S. 311; vgl. ferner
BOLLINGER, a.a.O., N. 35 zu Art. 61; a.M. MOSER, in:
AUER/MÜLLER/SCHINDLER (Hrsg.), Kommentar zum Bundesgesetz über
das Verwaltungsverfahren [VwVG], Zürich/St. Gallen 2019, N. 22 zu
Art. 52 VwVG). Die Bewilligung der Fristerstreckung setzt zureichende
Gründe voraus. Die Verwaltungspraxis ist diesbezüglich liberal und
betrachtet als zureichend etwa das Dartun von Arbeitsüberlastung, den
Hinweis auf Ortsabwesenheit oder das Vorbringen der Parteivertretung,
es habe mit der Partei noch nicht Kontakt aufgenommen werden können
(KIESER, a.a.O., N. 19 zu Art. 40; CAVELTI, in: AUER/MÜLLER/SCHINDLER
(Hrsg.), Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren
[VwVG], Zürich/St. Gallen 2019, N. 15 zu Art. 22 VwVG; vgl. ferner
RANDACHER/WEBER, in: FRÉSARD-FELLAY/KLETT/LEUZINGER [Hrsg.], Basler
Kommentar, Allgemeiner Teil des Sozialversicherungsrechts, Basel 2020,
N. 10 zu Art. 40). Diese offene Praxis steht zwar in einem
Spannungsverhältnis zum Gebot des raschen Verfahrens (vgl. Art. 61 lit. a
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ATSG) und zur Nichterstreckbarkeit gesetzlicher Fristen (vgl. dazu MOSER,
a.a.O., N. 22 zu Art. 52 VwVG). Indessen liegen sowohl die Bewilligung
von Fristerstreckungsgesuchen ihrer Rechtsvertretung wie auch der
beförderliche Gang des Verfahrens im Interesse der versicherten Person.
Es wurde daher als gerechtfertigt betrachtet, dass der
Versicherungsträger bei Abweisung eines Fristerstreckungsgesuchs eine
kurze Nachfrist setzt (KIESER, a.a.O., N. 22 zu Art. 40;
RHINOW/KRÄHENMANN, a.a.O., S. 311; CAVELTI, a.a.O., N. 23 zu Art. 22
VwVG). Rechtsprechungsgemäss ändert daran der auch im aktuellen
Kreisschreiben über das Verfahren in der Invalidenversicherung (KSVI)
enthaltene Hinweis nichts, wonach (in begründeten Fällen) eine einmalige
Nachfrist zu gewähren ist (dortige N. 6021 in der ab dem 1. Januar 2022
gültigen Fassung; vgl. Urteil des Bundesgerichts I 898/06 vom 23. Juli
2007 E.3.4). Das Bundesgericht hielt dafür, dass dies weder im Gesetz
noch in der Rechtsprechung eine Stütze findet und vielmehr gegen die
Rechtsprechung zur Nachfrist im Rahmen des erstinstanzlichen
Beschwerdeverfahrens verstösst (Urteil des Bundesgerichts I 898/06 vom
23. Juli 2007 E.3.4 mit Hinweis auf ZAK 1986 S. 425 E.1b), was auch für
das Einwandverfahren gelten dürfte. Denn wenn im Rahmen des
erstinstanzlichen Beschwerdeverfahrens die angesetzte Nachfrist auf
Gesuch hin zu erstrecken oder bei Ablehnung des Gesuchs zumindest
eine kurze Nachfrist anzusetzen ist, so gilt dies umso mehr im
Sozialversicherungsverfahren, da es – wie ausgeführt (vgl. oben
Erwägung 4.3.1) – nicht angeht, im Einspracheverfahren strengere
Anforderungen zu stellen als im erstinstanzlichen Beschwerdeverfahren
(Urteil des Bundesgerichts I 898/06 vom 23. Juli 2007 E.3.4). Da das
Bundesgericht in BGE 143 V 249 (insbesondere dortige E.6.3 f.)
gleichermassen die Nachfrist als behördlich festgesetzte Frist für
erstreckbar befand und – im hier zu beurteilenden Fall – die jetzige
Rechtsvertretung in ihrer Eingabe vom 31. Januar 2022 mit namentlich
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einer sehr kurzfristigen Abwesenheit, ausserordentlich hohen Arbeitslast
und Ferienabwesenheit hinreichende Gründe für eine Fristverlängerung
geltend machte (IV-act. 138), hätte die Beschwerdegegnerin einer solchen
stattgeben, bei einer Nichtgewährung aber zumindest eine kurze Nachfrist
zur Einreichung einer Begründung setzen müssen. Es sind denn auch
weder Hinweise ersichtlich noch werden solche von der
Beschwerdegegnerin benannt, die auf eine besondere Dringlichkeit der
Angelegenheit schliessen liessen (vgl. AMSTUTZ/ARNOLD, in:
NIGGLI/UEBERSAX/WIPRÄCHTIGER/KENUBÜHLER, Basler Kommentar zum
Bundesgerichtsgesetz, 3. Aufl., Basel 2018, N. 7a zu Art. 47).
4.3.5. Die angefochtene Verfügung ist somit auch aus diesem Grund in
Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und die Angelegenheit an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese der Rechtsvertretung
der Beschwerdeführerin eine neue Frist für die Einreichung der
Einwandbegründung ansetze und sodann neu über den
Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin verfüge. Bei diesem
Verfahrensausgang erübrigt es sich, auf die weiteren Vorbringen und
Anträge einzugehen.
5. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG i.V.m. Art. 61 lit. fbis ATSG ist das
Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über Leistungen aus der
Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von CHF 200.-- bis CHF 1'000.--
festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein
durchschnittlicher Aufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Kosten in
Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens auf CHF 700.--
fest. Infolge des Ausgangs des Beschwerdeverfahrens sind die
Gerichtskosten von CHF 700.-- demnach der Beschwerdegegnerin zu
überbinden (vgl. Art. 73 Abs. 1 VRG).
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6.1. Die Beschwerdeführerin hat gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG Anspruch auf
Ersatz der Parteikosten zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Die
Bemessung der Entschädigung erfolgt ohne Rücksicht auf den Streitwert
nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses, wobei der zeitliche Aufwand der Rechtsvertretung regelmässig
von der Schwierigkeit des Prozesses mitbestimmt wird. Im Übrigen wird
die Bemessung der Parteientschädigung gemäss Art. 61 Ingress ATSG
nach dem kantonalen Recht bestimmt (vgl. Urteile des Bundesgerichts
9C_714/2018 vom 18. Dezember 2018 [in BGE 144 V 381 nicht
publizierte] E.9.2, 9C_321/2018 vom 16. Oktober 2018 E.6.1 und
9C_688/2009 vom 19. November 2009 E.3.1.1 f.). Gemäss Art. 78 VRG
i.V.m. Art. 2 der Verordnung über die Bemessung des Honorars der
Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte (Honorarverordnung, HV; BR
310.250) wird die Parteientschädigung nach Ermessen des Gerichts
festgesetzt, wobei es grundsätzlich von dem in der Honorarnote geltend
gemachten (und als angemessen zu betrachtenden) Aufwand sowie
(üblichen) Stundenansatz ausgeht.
6.2. Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin machte in ihrer
Honorarnote vom 2. Juni 2022 ein Honorar von CHF 2'041.15 (11.5
Stunden à CHF 160.-- zzgl. 3 % Spesenpauschale und 7.7 % MWST)
geltend. Diese berücksichtigt den praxisgemäss geltenden, reduzierten
Stundenansatz für Hilfsorganisationen, zu denen auch die Procap
Schweiz zu zählen ist (PVG 2010 Nr. 31 und Nr. 32), sowie die
rechtsprechungsgemäss anzuerkennende Spesenpauschale von 3 % des
Honorars (vgl. Urteile des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden
S 21 117 vom 25. Januar 2022 E.9 und S 2020 67 vom 8. Dezember 2020
E.7). Insgesamt erweist sich somit eine Entschädigung von CHF 2'041.15
(11.5 Stunden à CHF 160.-- [CHF 1'840.--] zzgl. 3 % Barauslagen
[CHF 55.20] und 7.7 % MWST [CHF 145.95]) als angemessen.
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