# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 64ccd14a-52ec-5752-a98e-91401200389b
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdeführer reichte am 10. August 2017 bei der Gemeinde Zielebach ein
Baugesuch ein für die Umnutzung seines bestehenden Schweinestalls auf der Parzelle
Zielebach Grundbuchblatt Nr. B._ (Landwirtschaftszone). Der Stall dient der
Haltung von 115 Galtsauen und soll neu flexibel nutzbar sein für die Haltung von
180 Mastschweinen oder von 20 Zuchtsauen und 125 Mastschweinen.
Mit Verfügung vom 25. September 2017 beurteilt das Amt für Gemeinden und
Raumordnung des Kantons Bern (AGR) das Bauvorhaben in der Landwirtschaftszone als
zonenkonform.
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2. Mit Bauentscheid vom 30. November 2017 erteilte die Gemeinde Zielebach dem
Vorhaben die Baubewilligung. In Ziff. IV.3.1 des Entscheiddispositivs ordnete sie unter dem
Titel «Bedingungen und Auflagen» zudem Folgendes an: «Werden Änderungen an der Fassade oder im Innern des Gebäudes (Lüftungsanlage)
C._strasse D._ geplant, sind diese baubewilligungspflichtig.»
3. Gegen die in Ziff. IV.3.1 des Bauentscheides vom 30. November 2017 verfügte
Auflage reichte der Beschwerdeführer am 21. Dezember 2017 Beschwerde bei der Bau-,
Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er beantragt die Streichung
der Auflage betreffend das Gebäudeinnere (Lüftungsanlagen).
4. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Die Vorinstanz hält in ihrer
Stellungnahme vom 21. Dezember 2017 sinngemäss an ihrem Entscheid fest, ohne einen
ausdrücklichen Antrag zu stellen. Das AGR beantragt mit Stellungnahme vom 23. Januar
2018 die Abweisung der Beschwerde. Mit Schreiben vom 20. Februar 2018 reichte der
Beschwerdeführer Schlussbemerkungen ein.
Auf die Rechtsschriften und die eingeholten Vorakten wird, soweit für den Entscheid
wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintretensvoraussetzungen
a) Bauentscheide können innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei der
BVE angefochten werden (Art. 40 Abs. 1 BauG2). Die BVE ist somit zur Beurteilung der
Beschwerde gegen den Gesamtentscheid zuständig.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0)
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b) Der Beschwerdeführer ist als Baugesuchsteller durch die angefochtene
Nebenbestimmung sowohl formell als auch materiell beschwert. Auf seine form- und
fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Auflage
a) Baubewilligungen können mit Nebenbestimmungen, d.h. Bedingungen oder
Auflagen, verknüpft werden (Art. 29 Abs. 2 und Art. 38 Abs. 3 BauG). Auflagen sind
Pflichten, die mit einer Baubewilligung verbunden sind.3 Nebenbestimmungen müssen
gesetzmässig sein, d.h. sie müssen namentlich in einem engen sachlichen
Zusammenhang zur erteilten Baubewilligung stehen sowie verhältnismässig sein.
Verhältnismässig ist eine Nebenbestimmung nur dann, wenn sie zum Erreichen des
angestrebten Ziels erforderlich, geeignet und für den Bauherrn zumutbar ist. Die
gesuchstellende Person, deren Bauvorhaben den gesetzlichen Anforderungen entspricht,
hat grundsätzlich Anspruch auf eine unbefristete, unwiderrufliche, bedingungslose und
unbelastete Baubewilligung. Ihre Nutzung unterliegt lediglich den Bedingungen und
Auflagen, die von Gesetzes wegen allgemein für solche Bewilligungen gelten.4
b) Mit der Auflage erklärt die Vorinstanz sämtliche Fassadenänderungen sowie
Änderungen im Gebäudeinnern inklusive Lüftungsanlagen für bewilligungspflichtig. Nach
Art. 1a Abs. 1 BauG sind baubewilligungspflichtig alle künstlich geschaffenen und auf
Dauer angelegten Bauten, Anlagen und Einrichtungen (Bauvorhaben), die in fester
Beziehung zum Erdboden stehen und geeignet sind, die Nutzungsordnung zu
beeinflussen, indem sie zum Beispiel den Raum äusserlich erheblich verändern, die
Erschliessung belasten oder die Umwelt beeinträchtigen. Baubewilligungspflichtig sind
auch die Zweckänderung und der Abbruch von Bauten, Anlagen und Einrichtungen sowie
wesentliche Terrainveränderungen (Art. 1a Abs. 2 BauG). Keiner Baubewilligung bedürfen
insbesondere der Unterhalt von Bauten und Anlagen, für eine kurze Dauer erstellte Bauten
und Anlagen sowie andere geringfügige Bauvorhaben. Im Übrigen bestimmt das
Baubewilligungsdekret die baubewilligungsfreien Bauvorhaben (Art. 1b Abs.1 BauG). Art. 6
3 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 29 N. 1 4 Zum Ganzen Zum Ganzen Zaugg/Ludwig, a.a.O., Bern 2013, Art. 38-39 N. 15a; Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl., Bern 2014, § 28 N 95
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BewD5 enthält einen Katalog von tendenziell geringfügigen Bauvorhaben, die nicht
baubewilligungspflichtig sind. Keiner Baubewilligung bedürfen namentlich bauliche
Änderungen im Gebäudeinnern, die nicht mit einer bewilligungspflichtigen
Nutzungsänderung verbunden sind und nicht die Brandsicherheit betreffen (Art. 6 Abs. 1
Bst. d BewD). Dem Katalog baubewilligungsfreier Bauvorhaben stehen Gegenausnahmen
gemäss Art. 7 BewD gegenüber: Liegt ein Bauvorhaben nach Artikel 6 oder 6a ausserhalb
der Bauzone und ist es geeignet, die Nutzungsordnung zu beeinflussen, indem es zum
Beispiel den Raum äusserlich erheblich verändert, die Er-schliessung belastet oder die
Umwelt beeinträchtigt, ist es baubewilligungspflichtig (Art. 7 Abs. 1 BewD). Art. 7 Abs. 2
und 3 BewD enthalten weitere Gegenausnahmen.6
c) Der Beschwerdeführer macht sinngemäss geltend, die Auflage sei zu weitgehend. So
seien Lüftungen im Gebäudeinnern baubewilligungsfrei, solange an der Fassade des
Gebäudes nichts geändert werde.
Die Vorinstanz hält in ihrer Stellungnahme vom 23. Januar 2018 fest, mit der
angefochtenen Auflage sei nicht gemeint, dass sämtliche Bauarbeiten im Gebäudeinnern
baubewilligungspflichtig seien. Der Betreiber sei jedoch verpflichtet, bauliche Änderungen
anzumelden, damit effektiv evaluiert werden könne, was baubewilligungspflichtig sei und
was nicht. Auch das AGR führt in seiner Stellungnahme vom 23. Januar 2017 aus, das
Vorhaben sei zwar zonenkonform und es seien nicht sämtliche Änderungen im Innern
baubewilligungspflichtig, jedoch gehe damit kein «Blankoscheck» für Änderungen einher.
d) Die Vorinstanz erklärt in der Auflage sämtliche Fassadenänderungen sowie
Änderungen im Gebäudeinnern inklusive Lüftungsanlagen für bewilligungspflichtig. Ob ein
Bauvorhaben baubewilligungspflichtig ist oder nicht, hängt nach dem Gesagten aber von
den konkreten Umständen ab und erfordert eine einzelfallbezogene Beurteilung. Öffentlich-
rechtliche Vorschriften sind grundsätzlich zwingend und dürfen nicht abgeändert werden.
Dies gilt auch für die Normen zur Baubewilligungspflicht. Art. 69 Abs. 3 BauG bestimmt
denn auch explizit, dass es den Gemeinden untersagt ist, in der baurechtlichen
Grundordnung Vorschriften für baubewilligungsfreie Bauvorhaben nach Art. 1b BauG zu
erlassen. Die Vorinstanz durfte allfällige Lüftungen sowie weitere künftige Bauvorhaben
5 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 6 Vgl. zum Ganzen auch Ludwig/Stalder in: Müller/Feller (Hrsg.), Bernisches Verwaltungsrecht, 2. Auflage, Bern 2013, S. 479 ff.
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des Beschwerdeführers daher nicht einer generellen Baubewilligungspflicht unterstellen.
Dies gilt unabhängig davon, ob die möglichen Vorhaben im Gebäudeinnern oder an der
Aussenfassade realisiert werden sollen. Diese Anordnung einer generellen
Bewilligungspflicht widerspricht zwingenden gesetzlichen Vorschriften und ist unzulässig.
Die Vorinstanz wollte mit der Auflage offenbar sicherstellen, dass sie die Rechtmässigkeit
eines künftigen Vorhabens vorgängig prüfen kann. Dieser gewollte Zweck wird, wie
dargelegt, mit dem Wortlaut der angefochtenen Nebenbestimmung nicht erreicht. Auch
eine anders formulierte Nebenbestimmung wäre für dieses Anliegen der Vorinstanz aber
weder geeignet noch erforderlich: Der Beschwerdeführer hat auch ohne eine
entsprechende Auflage die Pflicht, die Rechtmässigkeit künftiger Bauvorhaben sicher zu
stellen. Dazu gehört es, Abklärungen zur Bewilligungspflicht eines Vorhabens zu treffen
und, wo nötig, ein Baugesuch einzureichen. Die Auflage in Ziff. VI.3.1 des Bauentscheids
vom 30. November 2017 ist daher ersatzlos aufzuheben.
3. Umfang des bewilligten Bauvorhabens / Bewilligungspflicht der Stalleinrichtungen
a) Weiter unklar ist der Umfang der erteilten Bewilligung. Der Beschwerdeführer macht
geltend, die Bewilligung der beiden alternativen Nutzungskonzepte müsse auch die
jeweiligen Anpassungen im Stallinnern mitumfassen. So seien je nach Nutzungskonzept
unterschiedliche Buchteinteilungen und Stalleinrichtungen erforderlich, was nun zulässig
sein müsse.
Die Vorinstanz führt in ihrer Stellungnahme vom 23. Januar 2018 aus, die
Erwartungshaltung könne nicht sein, dass mit der Bewilligung für die Tiergattungsänderung
eine Allgemeinbewilligung für Änderungen im Innern einhergehe. Die vom
Beschwerdeführer erwähnte Buchteinteilung oder die erforderlichen Stalleinrichtungen
seien allerdings zulässig.
b) Hauptgegenstand eines Bauentscheids ist die Frage, ob und in welcher Form das zur
Bewilligung vorgelegte Projekt ausgeführt werden darf. Die Baubewilligungsbehörde darf in
einem Baubewilligungsverfahren nicht mehr bewilligen, als die Bauherrschaft beantragt.
Die Behörde darf mit anderen Worten keine Bewilligungen von Amtes wegen erteilen.7
7 Vgl. BVR 2010 S. 433 E. 2.11; BVR 2007 S. 58 E. 6.3
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Dabei muss die Baubehörde das Vorhaben so beurteilen, wie es die Bauherrschaft zuletzt
zur Bewilligung beantragt hat.8 Um das Bauvorhaben einer Beurteilung zugänglich zu
machen, hat die Bauherrschaft das Projekt auf dem Baugesuch zu umschreiben und Pläne
sowie allenfalls weitere erforderliche Unterlagen einzureichen (vgl. Art. 10 ff. BewD).
c) Der Beschwerdeführer umschreibt sein Bauvorhaben auf dem
Baugesuchsformular 1.0 wie folgt: «Der bestehende Stall Nr. D._ (115 Galtsauen)
soll flexibel nutzbar sein für die Haltung von 180 Mastschweinen oder für die Haltung von
20 Zuchtsauen und 125 Mastschweinen». Zusammen mit dem Baugesuch reichte er u.a.
zwei Situationspläne, einen Zonenplan mit diversen eingezeichneten Abständen sowie ein
Plan mit im Bauinventar des Kantons Bern eingetragenen Objekten ein. In den Vorakten
findet sich weiter ein Schreiben des INFORAMA (Amt für Landwirtschaft und Natur des
Kantons Bern; LANAT) vom 15. Juni 2017, welches sich zu den Auswirkungen des
Bauvorhabens auf die innerbetriebliche Aufstockung, den Gewässerschutz sowie den
Mindestabstand betreffend die Geruchsemissionen äussert. Die Vorakten beinhalten
zudem Berechnungen des LANAT zur inneren Aufstockung. Projektpläne, aus denen
bauliche Änderungen im Zusammenhang mit der Umnutzung ersichtlich wären, liegen
dagegen keine vor.
Der Beschwerdeführer reichte nach dem Gesagten ausschliesslich Unterlagen zur
Umnutzung seines Schweinestalls ein. Allfällige Baumassnahmen lassen sich weder der
Umschreibung auf dem Baugesuchsformular noch den eingereichten Plänen oder den
übrigen Unterlagen entnehmen. Gegenstand des Bauvorhabens war damit einzig die
Umnutzung. Eine Umnutzungsbewilligung unterliegt nicht denselben Anforderungen wie
eine Bewilligung für bauliche Massnahmen. Jede bauliche Massnahme ist einer
individuellen rechtlichen Würdigung zu unterziehen. Indem der Beschwerdeführer keine
Baumassnahmen verlangte und solche in den Gesuchsunterlagen nicht abbildete, konnte
die Vorinstanz auch keine entsprechende Beurteilung vornehmen. Die Bewilligung für die
Umnutzung des Schweinestalls umfasst daher nicht gleichzeitig Baumassnahmen, welche
auf die Umnutzung folgen sollen. Für künftige Baumassnahmen wird es daher Aufgabe des
Beschwerdeführers sein, sich um die Zulässigkeit seines Tuns zu kümmern.
8 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 38-39 N 13, 14
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d) Die vom Beschwerdeführer erwähnten Buchteinteilungen und Stalleinrichtungen
fallen demgegenüber grundsätzlich unter Art. 6 Bst. d BewD und sind bewilligungsfrei,
soweit sie nicht mit einer Nutzungsänderung verbunden sind oder unter Art. 7 BewD fallen
(vgl. E. 2.b). Vorliegend besteht zwar eine Nutzungsänderung, diese wurde mit Entscheid
der Baubewilligungsbehörde Zielebach vom 30. November 2017 aber bewilligt. Ein Fall von
Art. 7 Abs. 1 BewD liegt ebenfalls nicht vor: Mit den Stalleinrichtungen wird weder der
Raum äusserlich verändert, noch die Erschliessung belastet. Auch die Umwelt wird nicht
beeinträchtigt, hat doch das Amt für Wasser und Abfall (AWA) der flexiblen Nutzung die
Gewässerschutzbewilligung erteilt und festgehalten, der Güllelagerraum sei für beide im
Gesuch genannten Varianten ausreichend.9 Solange die bewilligte Anzahl Tiere nicht
überschritten wird, sind die Modulare daher nicht mehr baubewilligungspflichtig.
4. Zusammenfassung und Kosten
a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens gilt der Beschwerdeführer als obsiegend. Die
Verfahrenskosten bestehen aus einer Pauschalgebühr (Art. 103 Abs. 1 VRPG10), welche
gestützt auf Art. 19 GebV11 auf Fr. 800.-- festgesetzt wird. Der Vorinstanz können keine
Verfahrenskosten auferlegt werden (Art. 108 Abs. 2 VRPG i.V.m Art. 2 Abs. 1
Bst. b VRPG). Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- trägt demnach der Kanton.
b) Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 VRPG).