# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** ed2a52b7-33c8-4619-9070-e310c7a19651
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt
A. Am 16. Oktober 2019 sprach das Regionalgericht Surselva A._ des mehrfachen Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB, des mehrfachen versuchten Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB, des gewerbsmässigen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage gemäss Art. 147 Abs. 2 StGB, des versuchten betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage gemäss Art. 147 Abs. 2 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie des mehrfachen Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB schuldig. Es bestrafte sie mit einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je CHF 30.00 und einer Busse von CHF 700.00. Den Vollzug der Geldstrafe schob das Regionalgericht unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren auf. Die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse legte es auf 10 Tage fest. Zudem verpflichtete das Regionalgericht A._, der Erbengemeinschaft B._ Schadenersatz in Höhe von CHF 5'550.00 zu bezahlen. Im Mehrbetrag verwies es das Schadenersatzbegehren der Privatklägerin auf den Zivilweg. Weiter verpflichtete das Regionalgericht Surselva A._ zur Bezahlung einer reduzierten Parteientschädigung an die Erbengemeinschaft B._ in Höhe von CHF 4'000.00. Die Verfahrenskosten auferlegte das Gericht A._.
B. Gegen dieses Urteil meldete A._ (nachfolgend: Beschuldigte) am 21. Oktober 2019 fristgerecht Berufung an. Die ebenfalls fristgerecht eingereichte Berufungserklärung datiert vom 8. Januar 2020. Die Beschuldigte beantragt, sie sei vom Vorwurf des gewerbsmässigen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage gemäss Art. 147 Abs. 2 StGB und des versuchten betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage gemäss Art. 147 Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB von Schuld und Strafe freizusprechen. Das angefochtene Urteil sei in den entsprechenden Punkten aufzuheben. Weiter stellt sie den Antrag, im Falle eines Freispruchs sei das Strafmass gemäss Ziff. 2 des Urteilsdispositivs neu festzulegen. Sodann seien die Schadenersatzbegehren der Privatklägerin vollumfänglich auf den Zivilweg zu verweisen und es sei der Erbengemeinschaft B._ keine Parteientschädigung zuzusprechen. Ebenso seien die Verfahrenskosten richterlich neu festzulegen.
C. Am 13. Januar 2020 stellte der amtliche Verteidiger der Beschuldigten "in Ergänzung und Erweiterung der Berufung" vom 8. Januar 2020 neu den Antrag, das vorinstanzliche Urteil sei vollumfänglich aufzuheben und es sei die Prozedur zur Ergänzung des Beweisverfahrens und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, unter gerichtlicher und aussergerichtlicher Kosten- und
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Entschädigungsfolge zulasten des Staates. Begründend führte der Verteidiger aus, er verweise auf das Schreiben der Beschuldigten vom 11. Januar 2020. Dieses werde zum integrierenden Bestandteil der Berufung erklärt. Es enthalte detaillierte Einwände der Beschuldigten, welche zeigten, mit welchen Mängeln das Beweisverfahren behaftet sei. Stellvertretend für die Widersprüche des Verfahren stehe die Feststellung des zuständigen Staatsanwaltes in seiner Aktennotiz vom 16. Juni 2018, wonach der Beschuldigten keine ungerechtfertigten Bankomatbezüge vorgeworfen werden könnten, diese dann aber am 24. Juni 2019 dennoch Gegenstand der Anklageschrift gebildet hätten. Die Einwände der Beschuldigten in ihrem Schreiben seien durchaus berechtigt und rechtfertigten die Aufhebung des erstinstanzlichen Urteils mit Rückweisung zur Ergänzung des Beweisverfahrens. Formhalber werde festgehalten, dass die Ergänzung der Berufung innert der 20-tägigen Frist erfolge und als Ergänzung der Berufung vom 8. Januar 2020 keinen Widerspruch darstelle.
D. Die Staatsanwaltschaft verzichtete mit Eingabe vom 17. Januar 2020 auf eine Stellungnahme gemäss Art. 400 Abs. 3 StPO.
E. Mit Schreiben vom 3. Februar 2020 verzichteten die Privatkläger auf Anschlussberufung und beantragten die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
F. Nachdem der Verteidigung die beantragte Akteneinsicht gewährt worden war, reichte diese eine weitere Stellungnahme für die Beschuldigte ein. Es folgte kein weiterer Schriftenwechsel.
G. Die Verteidigung stellte mit Eingabe vom 12. November 2021 Beweisanträge im Hinblick auf die für den 11. Januar 2022 angesetzte Hauptverhandlung. Mit Verfügung vom 6. Dezember 2021 wies der Vorsitzende der I. Strafkammer die gestellten Beweisanträge ab.
H. Am 13. Dezember 2021 nahm die Verteidigung zur Ablehnung der Beweisanträge kurz Stellung und vertiefte ihre bereits geäusserten Standpunkte. Mit Schreiben vom 22. Dezember 2021 hielt der Vorsitzender der I. Strafkammer an der Beweisverfügung vom 6. Dezember 2021 fest und wies darauf hin, dass abgelehnte Beweisanträge an der Hauptverhandlung erneut gestellt werden könnten.
I. Die Hauptverhandlung fand am 11. Januar 2022 statt. Anlässlich der Berufungsverhandlung bestätigten die Parteien ihre gestellten Anträge.
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J. Das Urteil wurde im Anschluss an die Berufungsverhandlung beraten und den Parteien am 13. Januar 2022 im Dispositiv schriftlich mitgeteilt.
Erwägungen
1. Gegen das angefochtene erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts Surselva ist die Berufung zulässig (Art. 398 Abs. 1 StPO). Die Eintretensvoraussetzungen geben zu keinen Bemerkungen Anlass. Auf die Berufung ist einzutreten.
2. Die Staatsanwaltschaft wirft der Beschuldigten in der Anklage vom 24. Juni 2019 zusammengefasst folgendes vor (StA act. 1.37):
2.1. Die alkoholkranke B._ habe bis zu ihrem Tod am 8. Oktober 2016 die Wohnung im zweiten Stock der Liegenschaft C._ in D._ bewohnt. Der Beschuldigten, die im selben Haus im ersten Stock lebte, wird vorgeworfen, bis zum Tod von B._ am 8. Oktober 2016 folgende Taten begangen zu haben:
– Mehrfacher betrügerischer Missbrauch einer Datenverarbeitungsanlage  Art. 147 Abs. 1 StGB, versuchter Missbrauch einer  gemäss Art. 147 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB evtl. gewerbsmässiger betrügerischer Missbrauch einer  gemäss Art. 147 Abs. 2 StGB:
In der Zeit vom 1. Mai 2014 bis 22. Oktober 2016 habe die Beschuldigte für eigene Zwecke mit der von B._ entwendeten EC-Bankkarte ohne deren Einverständnis 18 Geldbezüge beim Bankomaten der GKB in D._ im Gesamtbetrag von CHF 5'500.00 getätigt. Nachdem die Bankkarte von B._ im November 2015 gesperrt worden sei, sei diese beim folgenden Versuch vom Bankomaten ohne Geldausgabe eingezogen worden.
– Mehrfacher Diebstahl gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB sowie mehrfacher  Diebstahl gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB evtl. gewerbsmässiger Diebstahl gemäss Art. 139 Ziff. 2 StGB sowie mehrfacher Hausfriedensbruch gemäss Art. 186 StGB:
Im selben Zeitraum habe die Beschuldigte die Wohnung von B._ mehrfach ohne Berechtigung betreten und Bargeld, Volg-Gutscheine sowie Schmuck gestohlen. Die Beschuldigte habe sich bei Abwesenheit von B._ ab dem 1. Mai 2014 unter wiederholten Malen in deren Wohn- und Schlafzimmer geschlichen und das dort gefundene Geld, gemäss Berechnungen der Erben total
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rund CHF 45'600.00, an sich genommen. Die Beschuldigte habe des Weiteren 31 Volg-Gutscheine im Betrag von CHF 430.00 in der Wohnung von B._ ohne Berechtigung an sich genommen. Anlässlich der Hausdurchsuchung vom 13. Dezember 2016 seien noch 27 Volg-Gutscheine von B._ im Wert von CHF 360.00 in der Wohnung der Beschuldigten sichergestellt worden. In der Zeit vom 1. Mai 2014 bis 22. Oktober 2016 habe die Beschuldigte zudem insgesamt vier Fingerringe sowie ein Armband, die B._ gehört hätten, und einen Gesamtwert von CHF 2'980.00 gehabt hätten, bei einem ihrer Besuche in der Wohnung von B._ an sich genommen und habe den Schmuck verkauft. Bei den Einschleichdiebstählen bzw. den Versuchen in der Zeit vom 1. Mai 2014 bis 8. Oktober 2016 sei die Beschuldigte wiederholt mittels der Wohnungsschlüssel, deren Versteck sie gekannt habe, ohne Recht in die Wohnräume von B._ eingedrungen, um Diebstähle zu begehen. Seitens B._ liege kein Strafantrag vor.
2.2. Sodann werden der Beschuldigten folgende Taten nach dem Tod von B._ am 8. Oktober 2016 vorgeworfen:
– Diebstahl gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB sowie mehrfacher versuchter Diebstahl gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie mehrfacher Hausfriedensbruch gemäss Art. 186 StGB:
Die Kantonspolizei Graubünden habe am 27. September 2016 im Einvernehmen mit B._ eine Videoanlage in ihrem Schlafzimmer eingerichtet. Gemäss den bis am 28. Oktober 2016 sichergestellten Aufnahmen habe A._ das Wohn- und Schlafzimmer von B._ nach deren Tod noch mindestens vier Mal, so am 18. Oktober 2016 um 04.30 Uhr und 18.10 Uhr, am 19. Oktober 2016 um 19.45 Uhr, sowie am 22. Oktober 2016 um 14.06 Uhr, gegen den Willen der gesetzlichen Erben durchsucht. Die Beschuldigte habe am 19. Oktober 2016 im Schlafzimmer von B._ eine 50-Franken-Note in deren Portemonnaie gefunden, die sie an sich genommen habe. Dagegen habe A._ am 18. sowie 22. Oktober 2016 kein Geld gefunden und habe die Wohnung ohne Beute verlassen, weshalb es in diesen Fällen beim Versuch geblieben sei. F._ habe am 14. November 2016 als Vertreter der Erbengemeinschaft Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs gestellt.
2.3. Im Kontrast zur Anklageschrift hatte die Staatsanwaltschaft in ihrer Aktennotiz vom 16. Juli 2018 festgehalten, dass aufgrund der durchgeführten Untersuchung davon auszugehen sei, dass der Beschuldigten die ihr vor dem Tod von B._ am 8. Oktober 2016 vorgeworfenen Diebstähle von Bargeld,
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Schmuck und Volg-Gutscheinen sowie die ungerechtfertigten Bargeldbezüge nicht rechtsgenüglich nachgewiesen werden könnten. Die Beschuldigte könne somit nur für die im Strafbefehl aufgeführten Delikte ab dem 9. Oktober 2016 belangt werden (StA act. 1.20). Entsprechend hatte die Staatsanwaltschaft mit Strafbefehl vom 19. Juli 2018 was folgt erkannt (StA act. 1.21):
1. A._ ist schuldig des Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB, des mehrfachen versuchten Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie des mehrfachen Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB.
2. Die beschuldigte Person wird bestraft mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je CHF 30.00, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von 2 Jahren.
3. Die beschuldigte Person wird zudem bestraft mit einer Busse von CHF 350.00. Bei schuldhafter Nichtbezahlung tritt an Stelle der Busse eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen.
4. Die Kosten des Verfahrens werden der beschuldigten Person auferlegt.
2.4. Dem Strafbefehl vom 19. Juli 2018 lag dabei nur jener Sachverhalt zugrunde, wie er der Beschuldigten gemäss Anklage nach dem Tod von B._ vorgeworfen wird. Dies betraf die fünf Hausfriedensbrüche vom 18. Oktober 2016 (zweimal), vom 19. Oktober 2016 und vom 22. Oktober 2016 sowie den Diebstahl der 50-Franken-Note am 19. Oktober 2016. Die Beschuldigte habe dabei jeweils ohne Einwilligung der gesetzlichen Erben F._ und G._ die Wohnung und das Schlafzimmer der Verstorbenen aufgesucht, dort die Kommode und das sich auf dieser befindliche Portemonnaie durchsucht und alsdann die Wohnung wiederum verlassen. Dabei habe sie am 18. sowie 22. Oktober 2016 kein Geld gefunden und die Wohnung ohne Beute verlassen, weshalb es an diesen Daten beim Versuch geblieben sei (vgl. StA act. 1.21).
2.5. Gegen den Strafbefehl vom 19. Juli 2018 erhob F._ am 27. Juli 2018 über seinen Rechtsvertreter "vorsorglich" Einsprache (StA act. 1.22). Er begründete dies damit, dass ihm im Laufe des Verfahrens keine Gelegenheit eingeräumt worden sei, sich als Privatkläger zu konstituieren und eigene Zivilansprüche geltend zu machen. Nach dieser Einsprache führte die Staatsanwaltschaft das Verfahren weiter (StA act. 1.26 ff.).
3.1.1. Die Privatklägerschaft ist Partei im Strafverfahren (Art. 104 Abs. 1 lit. b StPO). Als Privatklägerschaft gilt die geschädigte Person, die ausdrücklich erklärt,
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sich am Strafverfahren als Straf- oder Zivilkläger zu beteiligen (Art. 118 Abs. 1 StPO). Geschädigt im Sinne von Art. 118 Abs. 1 StPO ist, wer durch die Straftat in seinen Rechten unmittelbar verletzt worden ist (Art. 115 Abs. 1 StPO). Der Strafantrag ist der Erklärung nach Art. 118 Abs. 1 StPO gleichgestellt (Art. 118 Abs. 2 StPO). Die geschädigte Person kann sich gemäss Art. 119 Abs. 2 StPO als Straf- und/oder Zivilkläger am Strafverfahren beteiligen. Strafkläger ist, wer die Verfolgung und Bestrafung der für die Straftat verantwortlichen Person verlangt (Art. 119 Abs. 2 lit. a StPO), Zivilkläger, wer adhäsionsweise privatrechtliche Ansprüche geltend macht, die aus der Straftat abgeleitet werden (Art. 119 Abs. 2 lit. b StPO).
3.1.2. Vorliegend stellte F._ als Bruder der verstorbenen Geschädigten am 14. November 2016 Strafantrag gegen die Beschuldigte wegen Hausfriedensbruchs und konstituierte sich als Straf- und Zivilkläger (StA act. 3.7; StA act. 3.8). Er war dazu als Angehöriger der (kinderlosen, ledigen) Verstorbenen grundsätzlich (dazu sogleich) legitimiert, zumal letztere auf ihre Verfahrensrechte als Privatklägerin nicht verzichtet hatte (vgl. Art. 121 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 110 Abs. 1 StGB; act. D. 19.1). Auch die Einsprache gegen den Strafbefehl wurde am 27. Juli 2018 (alleine) von F._ erhoben (StA act. 1.22). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung können zivilrechtliche Forderungen der Erbengemeinschaft grundsätzlich nur durch gemeinsames Vorgehen aller Erben adhäsionsweise im Strafprozess geltend gemacht werden (BGE 142 IV 82 E. 3.3.2). Anders präsentiert sich die Sachlage hinsichtlich der Beteiligung als Strafkläger im Strafverfahren. Gestützt auf Art. 121 Abs. 1 StPO kann sich jeder Erbe einzeln als Privatkläger im Strafpunkt konstituieren (BGE 142 IV 82 E. 3.3.2). Vorliegend hat sich alleine F._ als Privatkläger im Straf- und Zivilpunkt konstituiert (StA act. 3.7; StA act. 3.8). Nach der Rechtsprechung durfte er sich selbständig als Privatkläger am Strafverfahren beteiligen. Hingegen konnte sich F._ im Strafantrag vom 14. November 2016 alleine nicht rechtsgültig als Zivilkläger konstituieren (StA act. 1.6; StA act. 3.8). Die Vollmacht, welche F._ dem Rechtsvertreter "für sich selber und die Erbengemeinschaft B._" ausstellte, wurde denn auch erst am 10. März 2018 (StA act. 1.6), mithin gut 1.5 Jahre nach Stellung des Strafantrags, bei der Staatsanwaltschaft eingereicht. Der Rechtsvertreter der Privatklägerschaft teilte überdies erst im Laufe des Strafverfahrens, als er für die Privatklägerschaft an der Einsprache vom 27. Juli 2018 gegen den Strafbefehl festhielt und ihre Zivilansprüche bezifferte, am 19. November 2018 erstmals mit, dass die bezifferte Forderung im Adhäsionsverfahren von allen Erben geltend gemacht werde, eine entsprechende Vollmacht werde der Staatsanwaltschaft in Kürze nachgereicht (StA act. 1.30). In
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den staatsanwaltschaftlichen Akten findet sich die in Aussicht gestellte Vollmacht indessen nicht. Diese wurde erst nach Durchführung der Berufungsverhandlung am 11. Januar 2022 eingereicht (act. G.1). Inwiefern Dritte von der Gültigkeit der Vollmachtserteilung der Erbengemeinschaft B._ zur Vertretung derselben an F._ ausgehen durften, scheint aufgrund der sich in den Akten befindlichen Vollmacht vom 10. März 2018 zumindest fraglich, zumal die einzelnen Erben in der Vollmacht nicht namentlich genannt sind – was in der Regel nicht genügt – und diese auch nicht unterzeichnet hatten, kann vorliegend aber offenbleiben. Denn wenngleich die Vollmacht des Rechtsvertreters vom 10. März 2018 datierte und F._ am 27. Juli 2018 Einsprache gegen den Strafbefehl vom 19. Juli 2018 erhob, erhob er diese einzig in seinem eigenen Namen und handelte nicht erkennbar als Vertreter der Erbengemeinschaft B._ (StA act. 1.22). Partei im Strafverfahren vor der Staatsanwaltschaft war somit – zumindest bis zur Erhebung der Einsprache vom 27. Juli 2018 – ausschliesslich F._ (vgl. Art. 104 Abs. 1 lit. b StPO).
3.2.1. Im Strafbefehl vom 19. Juli 2018 wurde die Beschuldigte von der Staatsanwaltschaft für den nach dem Tod von B._ durchgeführten vollendeten Diebstahl (19. Oktober 2016) und die versuchten Diebstähle (18. und 22. Oktober 2016) sowie den mehrfachen Hausfriedensbruch (18./19./22. Oktober 2016) verurteilt (vgl. StA act.1.21). Hingegen verzichtete die Staatsanwaltschaft darauf, sie auch für die vor dem Tod von B._ (8. Oktober 2016) vorgeworfenen Delikte (Diebstahl von Volg-Gutscheinen, Schmuck und Bargeld sowie ungerechtfertigte Bankomatbezüge) zu verurteilen (vgl. StA act. 1.21). Entsprechend hielt die Staatsanwaltschaft in der Aktennotiz vom 16. Juli 2018 fest, der durchgeführten Untersuchung zufolge sei davon auszugehen, dass der Beschuldigten die ihr vor dem Tod von B._ am 8. Oktober 2016 vorgeworfenen Diebstähle von Bargeld, Schmuck und Volg-Gutscheinen sowie die ungerechtfertigten Bankomatbezüge nicht nachgewiesen werden könnten. Die Beschuldigte könne somit nur für die im Strafbefehl aufgeführten Delikte ab dem 9. Oktober 2016 belangt werden (StA act. 1.20). Damit hat die Staatsanwaltschaft darauf verzichtet, die Beschuldigte für einen Teil des Lebenssachverhaltes, nämlich für die ihr vorgeworfenen Handlungen vor dem Tod von B._ (mehrfacher Diebstahl von Bargeld, Schmuck und Volg-Gutscheinen, mehrfache ungerechtfertigte Bankomatbezüge), zu verfolgen. Dies bedeutet für diese Sachverhalte, für welche die Belastungen nicht ausreichen, dass der Strafbefehl als implizite teilweise Einstellung gilt. Mit der Verurteilung für einen Teil des Sachverhaltes (Diebstahl und mehrfacher versuchter Diebstahl von Bargeld nach dem Tod, mehrfacher Hausfriedensbruch nach dem Tod von B._) und der
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Einstellung bezüglich der ihr vorgeworfenen, vor dem Tod von B._ angeblich begangenen mehrfachen Diebstähle, die mehrfachen versuchten Diebstähle, den mehrfachen Missbrauch einer Datenverarbeitungsanlage sowie den mehrfachen versuchten Missbrauch einer Datenverarbeitungsanlage, hat die Staatsanwaltschaft in ihrem Strafbefehl somit eine implizite teilweise Einstellung verfügt.

## Considerations