# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 11c9a0ed-e139-4125-8e12-e092e1240eef
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1955,
absolvierte eine Lehre als Metallbauschlosser (
Urk.
7/2
Ziff.
5.3), arbeitete zuletzt als Chauffeur (
Urk.
2) und war seit längerer Zeit
nicht
erwerbstätig (vgl. Urk. 7/9)
.
A
m 26. August 2011
erlitt er
als Fahrer eines Kleinlasters einen schweren Verkehrsunfall; sein Beifahrer verstarb an der Unfallstelle. Er selbst zog sich durch den Unfall schwere Verletzungen zu, näm
lich unter anderem ein Schädelhirntrauma, eine
Aortenruptur
, diverse Rippen
brüche und einen Pneumothorax
(
Urk.
7/7 S. 1 f.)
. Am 7. Mai 2012 meldete er sich zum Bezug von Leistungen der Eidgenössischen Invalidenversicherung an (Urk. 7/2).
Nach Abklärung der beruflich-erwerblichen und medizinischen Verhältnisse und Durchführung des
Vorbescheidverfahrens
(vgl. Urk. 7/36-41) sprach die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV
Stelle, dem Versicherten mit Verfügung
en
vom 3. Juni 2013 (Urk. 2
und
Urk.
7/55
) ab
1.
November 2012 eine ganze und ab
1. Februar bis 30. April 2013 eine auf einem Invaliditätsgrad von 51 % basierende befristete halbe Rente der Eidge
nössischen Invalidenver
sicherung zu, verneinte aber den Anspruch des Versi
cherten auf Renten
leistungen ab 1. Mai 2013.
2.
Dagegen liess der Versicherte mit Eingabe vom 4. Juli 2013 (Urk. 1) Beschwerde erheben mit folgenden Anträgen:
1.
Die Verfügung der Vorinstanz vom 3. Juni 2013 sei aufzuheben, und es sei durch das Sozialversicherungsgericht eine unabhän
gige Begutachtung in Auftrag zu geben mit der Möglichkeit, danach konkrete Anträge zu bestehenden IV-Ansprüchen zu stellen.
2.
Eventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen, insbe
sondere zu einer polydisziplinären Begutachtung, an die Vorinstanz zurückzuweisen.
3.
Subeventualiter
sei dem Beschwerdeführer ab 01.02.2013 unbe
fris
tet und insbesondere über den 30. April 2013 hinaus eine 3/4
Invalidenrente zuzusprechen, und es seien dem Beschwerde
führer geeignete Eingliederungsmassnahmen zuzusprechen.
4.
Subsubeventualiter
sei dem Beschwerdeführer ab 01.02.2013 unbe
fristet und insbesondere über den 30. April 2013 hinaus eine halbe Invalidenrente zuzusprechen, und es seien dem Beschwer
deführer geeignete Eingliederungsmassnahmen zuzusprechen.
5.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Vor
instanz.
Die IV
Stelle schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 11. September 2013 (Urk. 6) auf Abweisung der Beschwerde
, was dem Beschwerdeführer am 18.
September 2013 (
Urk.
8) zur Kenntnis gebracht wurde.
Auf die Ausführungen der Parteien ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforder
lich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die rückwirkend ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Reduktion abgestufte Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der
Leistung und andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung. Letztere setzt voraus, dass Revisionsgründe (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinweisen) vorliegen, wobei der Zeitpunkt der Aufhebung oder Herabsetzung nach Massgabe des analog anwendbaren (AHI 1998 S. 121 E. 1b mit Hinweisen)
Art.
88a
der Ver
ordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
festzusetzen ist (vgl. BGE 121 V 264 E. 6b/
dd
mit Hinweis). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Ände
rung des Invaliditätsgrades eingetreten und damit der für die Befristung oder Abstufung erforderliche Revisionsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Ver
gleich des Sachverhalts im Zeitpunkt der Rentenzusprechung oder des
Renten
beginns
mit demjenigen zur Zeit der Aufhebung beziehungsweise Herabsetzung der Rente (BGE 125 V 413 E. 2d am Ende, 369 E. 2, 113 V 273 E.
1a, 109 V 262 E. 4a, je mit Hinweisen; vgl. BGE 130 V 343 E. 3.5). Spricht die Verwaltung der versicherten Person eine befristete Rente zu und wird beschwerdeweise einzig die Befristung der Leistungen angefochten, hat dies nicht eine Einschränkung des Gegenstandes des Rechtsmittelverfahrens in dem Sinne zur Folge, dass die unbestritten gebliebenen Bezugszeiten von der Beurteilung ausgeklammert blei
ben (BGE 125 V 413 f. E. 2d mit Hinweisen). Die gerichtliche Prüfung hat viel
mehr den Rentenanspruch für den gesamten verfügungsweise geregelten Zeit
raum und damit sowohl die Zusprechung als auch die Aufhebung der Rente zu erfassen (Urteil des Bundesgerichts I 526/06 vom 31. Oktober 2006 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.5
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vor
liegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erle
digen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt
was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist
, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE
134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer
Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte zur Begründung der angefochtenen Verfügung vom 3. Juni 2013 (Urk. 2) im Wesentlichen aus, dass der Beschwerdeführer seit dem 26. August 2011 (Beginn der einjährigen Wartezeit) in seiner Arbeitsfähig
keit erheblich eingeschränkt sei. Anfangs sei ihm keinerlei Erwerbstätigkeit zumutbar gewesen. Sein Gesundheitszustand habe sich aber allmählich verbes
sert, so dass ihm ab 1. Oktober 2012 eine angepasste, das heisse eine geistig wenig anspruchsvolle und keinen Fahrdienst umfassende Tätigkeit wieder in einem 50%
Pensum zumutbar gewesen sei. Daraus resultiere (gestützt auf sta
tistisch ermittelte Werte für das Validen- und Invalideneinkommen) ein
Invali
ditätsgrad
von 51 %. Ab dem 21. Januar 2013 sei es dem Beschwerdeführer aus medizinischer Sicht wieder zumutbar, einer leidensangepasste
n
Tätigkeit zu 100 % nachzugehen. Ab diesem Zeitpunkt ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 1 %, weshalb der Anspruch auf eine halbe Rente bis Ende April 2013 zu befris
ten sei.
2.2
Demgegenüber liess der Beschwerdeführer im Wesentlichen vortragen, es sei dem Bericht des
Y._
vom 11. Juni 2012 an die Staatsan
waltschaft
Z._
zu entnehmen, dass es sich bei der erlittenen
Aorten
ruptur
um eine lebensbedrohliche Verletzung handle und dass die Frage, ob die körperliche Leistungsfähigkeit unfallbedingt beeinträchtigt sei, frühestens nach Ablauf von zwei Jahren nach dem Unfall im Rahmen ein
e
s fachchirurgischen Gutachtens beantwortet werden könne. Ein solches Gutachten sei nie erstellt worden. Die Beschwerdegegnerin habe sich bei der Beurteilung der Leistungsfä
higkeit zu
Unrecht auf die nicht überzeugenden Ausführungen des Hausarztes des Beschwerdeführers gestützt. Damit habe die Beschwerdegegnerin gegen ihre Untersuchungspflicht verstossen. Die hausärztliche Einschätzung der Arbeitsfä
higkeit stehe aufgrund der diversen im Recht liegenden Berichte von Fachärzten völlig isoliert da. Nur schon betreffend Unfallfolgen sei unklar, ob die erlittenen (schweren) körperlichen Verletzungen effektiv verheilt seien. Es sei fraglich, ob beim Beschwerdeführer überhaupt eine Restarbeitsfähigkeit vorliege. Des Wei
teren liess der Beschwerdeführer die Berechnung des Invaliditätsgrades durch die Beschwerdegegnerin auch in
masslicher
Hinsicht bestreiten (Urk. 1).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob dem Beschwerdeführer zu Recht eine vom
1. No
vember 2012 bis 3
1.
Januar 2013 dauernde ganze und vom
1. Februar bis Ende April 2013 befristete halbe Invalidenrente zugesprochen worden ist oder ob er Anspruch auf eine unbefristete höhere Rente hat.
Konkret zu beurteilen ist zum einen, ob die Beschwerdegegnerin die Invaliden
rente zu Recht per Ende
Januar 2013 herabgesetzt und per Ende
April 2013 aufgehoben hat, weil sich die Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers verbes
sert hatte und die dreimonatige Frist von Art. 88a Abs. 1 IVV seit dieser Ver
besserung verstrichen war. Die massgebenden zeitlichen Vergleichsgrössen sind dabei einerseits der Rentenbeginn und andererseits der in Anwendung der genannten Dreimonatsfrist von Art. 88a IVV festzusetzende Zeitpunkt der
Ren
ten
herabsetzung
beziehungsweise -
aufhebung (Urteil des Bundesgerichts 8C_834/2009 vom 25. Mai 2010, E. 2
a.E
.). Zum anderen ist zu entscheiden, nach welchem Invaliditätsgrad die Rentenleistungen (soweit geschuldet) zu bemessen sind.
3.
3.
1
Oberarzt
Dr.
med.
A._
von der Klinik für Unfallchirurgie des
Y._
stellte in seinem Bericht vom 11. Juni 2012 an die Staats
anwaltschaft
Z._
(Urk. 3/3) folgende Diagnosen:
Polytrauma nach Verkehrsunfall am 26.08.2011
1.
Commotio cerebri
2.
Gedeckt perforierte
Aortenruptur
loco
classico
,
Ascendensaneurysma
(46 mm)
3.
Thoraxtrauma
mit
-
Fraktur der 1., 2., 3., 5.,
6.
Rippe dorsal links, Rippe 4-8
anterolate
ral
mit
leichtgradiger
Dislokation der Rippen 6-8, BWK 1-Fraktur, Pneumothorax rechts, Lungenkontusion
4.
Flexions-Distraktions-Verletzung BWK 4
5.
Handverletzung
-
Fremdkörper (DD: Glas) in Weichteilen
Dig
. II und III sowie
metacar
pophalangeal
Dig
. IV Hand rechts
-
Fremdkörper in Weichteilen
Dig
. I sowie Handrücken links
-
RQW und Spannungsblase Hand rechts
6.
Zahn
21 Luxation I
I°, Zahn 22 III° und
Vd
.
a.
Alveolarfortsatzfraktur
7.
Psoriasis
vulgaris
et
capillitii
8.
Alkoholüberkonsum
Diagnosen im Verlauf
1.
Respiratorische Verschlechterung multifaktorieller Genese am 27.08.2011
-
Lungenödem, Rippenserienfrakturen, Lungenkontusion und
Pleura
er
güsse
-
Intubation 27.08.2011 - 08.09.2011
-
NIV 08.09.2011 - 15.09.2011
2.
Hypodynames
Delir am 02.09.2011
3.
VAP mit
Enterobacter
cloacae
am 07.09.2011
4.
Einmaliges
hämodynamisch
relevantes Vorhofflimmern am
08.09.2011
-
einmalige EKV mit 120 Joule
5.
Transaminasenerhöhung
-
DD: medikamentös (
Invanz
)
Eine gedeckt perforierte
Aortenruptur
sei - so
Dr.
A._
weiter - eine lebens
gefährliche Verletzung. Eine bleibende Beeinträchtigung der körperlichen Leis
tungsfähigkeit durch die Unfallfolgen sei nicht auszuschliessen. Dies könne jedoch frühestens nach Ablauf von zwei Jahren
post
Trauma im Rahmen eines fachchirurgischen Gutachtens beurteilt werden.
3.2
Die Assistenzärztin Dr. med.
B._
, die stellvertretende Leiterin der neurolo
gischen Rehabilitation PD Dr. med.
C._
, Fachärztin für Neurologie, und die medizinische Leiterin med.
pract
.
D._
, Fachärztin FMH für Physika
lische Medizin und Rehabilitation, von der
Klinik E._
hatten
in ihrem Austrittsbericht vom 16. Dezember 2011 (Urk. 7/7) über die stationäre Behand
lung vom 2
2.
September bis
8.
Dezember 2011
auf
folgende weitere Gesundheitsbeeinträchtigungen verwiesen (S. 1):
mittelschwere neuropsychologische Störung mit kognitiven Defiziten in den Bereichen der Aufmerksamkeits- und Exekutivfunktionen, der
Mnestik
, der visuell-räumlichen Fähigkeiten sowie der affektiven und Verhaltensauffälligkeiten (verminderte Belastbarkeit, bedrückte
Stim
mungslage
, Antriebsminderung, Dissimulation der Defizite, Selbstüber
schätzung) im Rahmen einer sonstigen organischen Persönlichkeits- und Verhaltensstörung aufgrund einer Funktionsstörung des Gehirns (ICD-10 F07.8) bei anamnestisch bekanntem schädlichem Alkoholkonsum (ICD
10 F10.1), (DD ICD-10 F03 nicht näher bezeichnete Demenz), DD schwer abzugrenzen gegenüber der [...] entstandenen kognitiven Störung
Die Ärzte führten aus
,
der Beschwerdeführer werde nach dem Austritt aus der Klinik von seiner zukünftigen
Beiständin
betreut. Zudem werde er im Haushalt voraussichtlich von der Spitex unterstützt. Zur Überprüfung der Selbständigkeit im Alltag und eines möglichen Wiedereinstiegs ins Berufsleben sei eine inter
disziplinäre
Reevaluation
in der
Klinik E._
vorgesehen. Dort werde neben der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit eine Nachkontrolle bezüglich der
aktuell nicht gegebenen - Fahrfähigkeit stattfinden (S. 5).
3.3
Oberärztin PD
Dr.
F._
, Fachärztin für Neurologie sowie für Psychiatrie und Psychotherapie, von der
Klinik E._
äusserte sich in ihrem Bericht
betreffend
Reevaluation
vom 12. Juni 2012 (Urk. 7/12/16-20) dahingehend, dass der Beschwerdeführer in der aktuellen neuropsychologischen
Kontrollun
tersuchung
immer noch eine mittelschwere Störung mit Defiziten der
Auf
merksamkeitsfunktionen
, der Interferenz und von
mnestischen
Funktionen zeige. Überdies habe er auch in den die Fahreignung betreffenden Test
s
unter
durchschnittliche Leistungen erzielt, aber keine Störungseinsicht gezeigt. Ein Zusammenhang der neuropsychologischen Störung mit der leichten traumati
schen Hirnverletzung sei unwahrscheinlich. Vielmehr nehme sie an, dass sie ätiologisch am ehesten mit Alkoholkonsum in Zusammenhang stehe, zum Teil aber auch durch - mangels Vorbefunden nicht ausreichend beurteilbare -
prä
morbide
Defizite mitbedingt sein könnte. Mit spezifischen Fragen bezüglich der körperlichen Belastbarkeit solle man sich an das
Y._
wen
den
(S. 5)
.
3.4
Der Hausarzt des Beschwerdeführers,
Dr.
med.
G._
, Facharzt FMH für Allge
meine Medizin, bescheinigte dem Beschwerdeführer in seinem Bericht vom 12. November 2012 (Urk. 7/31/5-6) eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % für die angestammte Tätigkeit als Chauffeur. Ab 1. Oktober 2012 bestehe aber seines Erachtens eine „50%ige Arbeitsfähigkeit für alle anderen Tätigkeiten“.
3.5
Am 21. Januar 2013 erklärte
Dr.
G._
, dass sich seit seinem Bericht vom 12. November 2012 keine neuen Aspekte ergeben hätten. Der Beschwerdeführer wolle seine Fahreignung nicht erneut beurteilen lassen; ebenso wenig wolle er eine neuropsychologische Verlaufskontrolle. Er erachte den Beschwerdeführer in einer geeigneten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig. Der Beschwerdeführer dürfe aber nicht als Chauffeur arbeiten (Urk. 7/32/6).
3.6
Dr.
H._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Rheumatologie und Häma
to
logie, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin schloss sich betreffend Arbeitsunfähigkeit (ohne weitere Begründung und ohne eigenen Untersuch) am 30. Januar 2013 der Auffassung von
Dr.
G._
an. Seit 21. Januar 2013 betrage die Arbeitsunfähigkeit 0 % in einer angepassten Tätig
keit, nämlich in geistig wenig anspruchsvollen Tätigkeiten ohne Fahrdienst (Urk. 7/34/5).
3.7
Am 12. März 2013 erklärte
Dr.
H._
(nachdem er von der
Beschwerde
gegn
e
rin
darauf hingewiesen worden war, dass zwecks Erlasses einer Verfügung beziehungsweise späterer Stellungnahme in einem Prozess eine medizinisch fundierte Begründung benötigt werde), dass er mit
Dr.
G._
telefoniert habe. Dieser habe bestätigt, dass es sich bei seiner Einschätzung der Arbeitsfähigkeit keineswegs um einen Irrtum oder einen Schreibfehler gehandelt habe. Deshalb sei ein neuer Bericht nicht nötig. Die telefonische Aussage von
Dr.
G._
sei eindeutig gewesen (Urk. 7/42/2).
4.
4.1
Aufgrund der vorliegenden medizinischen Akten ist erstellt, dass der Be
schwerde
führer am 26. August 2011 anlässlich eines Verkehrsunfalls schwere Verletzungen erlitten hat. Weiter ergibt sich aus den Akten, dass beim Beschwerdeführer nicht nur unfallbedingte Gesundheitsbeeinträchtigungen zur Diskussion stehen, sondern auch solche unfallfremder Genese. Unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer aus gesundheitlichen Gründen (zurzeit) nicht mehr in der Lage ist, ein Motorfahrzeug zu führen.
Zwischen den Parteien ist umstritten, ob
beziehungsweise
in welchem
Umfang
die unfallbedingt erlittenen Schädigungen und die weiteren
Gesundheitsprob
leme
(immer noch) Auswirkungen auf die Fähigkeit des Beschwerdeführers haben, einer leidensangepassten Tätigkeit nachzugehen. Diesbezüglich vertrat die Beschwerdegegnerin die Ansicht, dass dem Beschwerdeführer ab 1. Oktober 2012 eine leidensangepasste Tätigkeit zu 50 % zumutbar gewesen sei und dass ihm eine solche Beschäftigung ab 21. Januar 2013 wieder zu 100 % möglich sei. Dabei stützte sich die Beschwerdegegnerin auf die Berichte von
Dr.
G._
vom 12. November 2012 und 21. Januar 2013
(
E. 3.4 und 3.5). Diese Ein
schätzungen wurden von
Dr.
H._
mitgetragen. Ausgehend von diesen medi
zinischen Einschätzungen ermittelte die Beschwerdegegnerin - wie ausgeführt - die ent
sprechenden Invaliditätsgrade (von 51 % beziehungsweise 1 %) und sprach dem Beschwerdeführer
- nach einer ganzen -
eine halbe befristete Rente zu. Die Befristung (
beziehungsweise
die Aufhebung der Rente) erfolgte, weil sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers gemäss der Einschätzung von
Dr.
G._
ab
1.
Oktober 2012 und erneut
ab 21. Januar 2013 erheblich gebessert hatte.
4.2
Dr.
G._
begründete seine Einschätzung im Bericht vom 12. November 2012 (
Urk.
7/31/5-6), wonach der Beschwerdeführer für alle beruflichen Tätigkeiten mit Ausnahme der Ausübung seines früheren Berufs als Chauffeur ab 1. Oktober 2012 zu rund 50 % arbeitsfähig sei, nur damit, dass er insoweit
beschwerdefrei
und kompensiert sei. Eine körperliche Belastba
rkeit mit Heben und Tragen von L
asten sollte aufgrund der unfallchirurgischen Nachkontrollen jetzt möglich sein. Einschränkungen würden sich aus
neuropsychologischer
Sicht ergeben. Am 21. Januar 2013 erklärte
Dr.
G._
zum einen, dass sich seit seinem Bericht vom 12. November 2012 „keine neuen Aspekte ergeben“ hätten und dass der Beschwerdeführer bei geeigneter Tätigkeit wieder zu 100 % arbeitsfähig sei (Urk. 7/32/6).
Es tritt deutlich zutage, dass sich diese Ausführungen von
Dr.
G._
widerspre
chen: Einerseits geht er von einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit von 50 % auf 100 % binnen kurzer Zeit aus, andererseits hält er ausdrücklich fest, dass sich keine neuen Aspekte ergeben hätten. Beides kann nicht
gleichzeitig
zutreffen. Diesen Eindruck hatte offenbar auch die Beschwerdegegnerin, die zunächst von einem möglichen Schreibfehler ausging (vgl. Urk. 7/42/1). Erst die Bestätigung von
Dr.
H._
, dass
Dr.
G._
ihm gegenüber das Vorli
egen eines Irrtums verneint hab
e (vgl. Urk. 7/42/2), liess die Beschwerdegegnerin davon abrücken, dass sie zum Verfügungserlass eine „medizinisch fundierte Begründung“ (vgl. Urk. 7/42/1) benötige.
Es bedarf aber keiner weiteren Ausführungen dazu, dass die widersprüchlichen und kaum begründeten Einschätzungen von
Dr.
G._
keine hinreichenden medizinischen Grundlagen zur Festlegung eines Zumutbarkeitsprofils (insbe
sondere auch bezüglich der verschiedenen zeitlichen Referenzpunkte)
liefern
. Daran ändern auch die Aus
sagen
von
Dr.
H._
, der den Beschwerdeführer nicht untersucht hat und dessen Einschätzung, wonach auf die Berichte von
Dr.
G._
abzustellen sei, nicht begründet
ist
, nichts
.
Hinzu kommt, dass die Beurteilungen der
Dres
.
G._
und
H._
auch mit der übrigen medizinischen Aktenlage nicht im Einklang stehen. Dabei ist in erster Linie auf den Bericht des Unfallchirurgen
Dr.
A._
vom 11. Juni 2012 (Urk. 3/3) an die Staatsanwaltschaft
Z._
hinzuweisen:
Dr.
A._
erklärte, dass eine Beeinträchtigung der körperlichen Leistungsfähigkeit durch die Unfallfolgen nicht auszuschliessen sei. Diese Frage könne aber frühestens nach Ablauf von zwei Jahren
post
Trauma im Rahmen eines fachchirurgischen Gutachtens beurteilt werden. Als
Dr.
G._
wenige Monate danach zu seiner Einschätzung kam, dass der Beschwerdeführer voll kompensiert sei, war weder die genannte Zeit verstrichen, noch handelt es sich bei
Dr.
G._
um einen
Chirurgen. Zudem können seine kurzen Berichte keine fundierte fachärztliche Beurteilung ersetzen, wie sie
Dr.
A._
in seinem Bericht an
die
Staatsan
waltschaft für erforderlich gehalten hatte. Auch seitens der
Klinik E._
wurden weitere Abklärungen in Bezug auf die Frage der Arbeits
fähig
keit des Beschwerdeführers für notwendig erachtet. Die vorgesehene
interdis
ziplinäre
Reevaluation
zur Überprüfung der Selbständigkeit im Alltag und eines möglichen Wiedereinstiegs ins Berufsleben (vgl. Urk. 7/7/5) hat allerdings - soweit ersichtlich - (noch) nicht stattgefunden (vgl. dazu auch den Bericht vom 12. Juni 2012 [Urk. 7/12/16-20 und oben E. 3.3], wonach man sich bezüglich der körperlichen Belastbarkeit an das
Y._
wenden solle).
Aus dem Gesagten folgt, dass die vorliegenden medizinischen Akten keine hin
rei
chende Grundlage zur Klärung der streitentscheidenden medizinischen Fragen dar
stellen. Es kann weder überprüft werden, ob der Beschwerdeführer tat
sächlich bereits ab 1. Oktober 2012 einer leidensangepassten Tätigkeit wieder zu 50 % nachgehen konnte noch ob sich sein Gesundheitszustand in der Folge derart schnell und erheblich besserte, so dass ab 21. Januar 2013 in
einer
ange
passten Tätigkeit keine Einschränkungen mehr vorhanden waren. Ungeklärt ist auch die Frage, ob dem Beschwerdeführer tatsächlich alle geistig
wenig anspruchsvollen
Tätigkeiten ohne Fahrdienst zumutbar sind
, mithin selbst kör
perliche Schwerstarbeit -
oder ob nicht doch irgendwelche körperlichen E
in
schränkungen zu beachten sind
. Die
Sache
erweist sich demzufolge als nicht spruchreif.
4.3
Der Beschwerdeführer liess - wie ausgeführt - beantragen, dass die offenen medi
zinischen Aspekte durch ein Gerichtsgutachten zu klären seien. Angesichts dessen, dass die Beschwerdegegnerin die
entscheidrelevanten
Fragen bisher gar nicht beziehungsweise lediglich durch Einholung von wenig aussagekräftigen Berichten des Hausarztes des Beschwerdeführers zu erhellen versuchte (wobei ihr selbst aufgefallen war, dass ihre
Entscheidgrundlagen
medizinisch nicht fundiert waren), rechtfertigt es sich nicht, bereits zu diesem Zeitpunkt der Abklärungen ein Gerichtsgutachten einzuholen. Vielmehr ist die Sache unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 3. Juni 2013 (Urk. 2) an die Beschwerde
gegne
rin zurückzuweisen, damit diese die notwendigen Abklärun
gen veranlasse und hernach über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers neu verfüge. Diese Vorgehensweise steht im Einklang mit der höchstrichterli
chen Praxis (BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4), da es sich um eine notwendige Erhe
bung einer bisher gutachterlich ungeklärten Frage handelt.
Aufgrund der medi
zinischen Akten ist der Anspruch auf die gewährten Renten (ganze von Novem
ber 2012 bis Januar 2013 sowie mindestens halbe ab Februar bis April 2013)
ausgewiesen, in diesem Mindestumfang ist die angefochtene Verfügung zu bestätigen.
5.
5.1
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 800.
festzulegen und ausgangsgemäss von der Beschwerdegegnerin zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
5.2
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
). Als Obsiegen gilt auch die Rückweisung an den Versicherungsträger zur weiteren Abklärung (BGE 110 V 57 E. 3a). Demzufolge ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerdeführer eine ange
messen erscheinende Prozessentschädigung
von Fr.
1
‘
6
00
.
(inklusive
Baraus
lagen
und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.