# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c2690cc9-8e88-4288-85a2-5a25ea5ae68f
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
,
geboren 1969 und gelernter Bäcker-Konditor
, war zuletzt vom 1. Januar 2007 bis 31. Januar 2011
vollzeitlich
als stellvertretender Chef Patisserie bei der
Y._
AG angestellt, wobei er
sich
ab
dem
13. Oktober 2010 einer stationären Alkoholentzugsbehandlung unterzog (Urk.
8/3,
Urk.
8/8 Ziff. 2.7 und
Urk.
8/15/5-7). Am 28. März 2011 meldete er sich unter Hinweis auf eine seit Juli 2010 bestehende Alkoholproblematik zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (Urk. 8/3). Die
Sozialversicherungs
anstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zog einen Auszug aus dem individuellen Konto (
IK;
Urk. 8/16) bei und holte
einen
Arbeitgeber
bericht
(Urk. 8/8)
sowie ärztliche
B
erichte
(Urk. 8/12-13, Urk. 8/15, Urk. 8/28, Urk. 8/34, Urk. 8/52-53, Urk. 8/54/6, Urk. 8/55) ein.
Überdies
veranlasste sie ein psychiatrisches Gut
achte
n, welches am 28. Februar 2013
erstattet
und am
16. April 2013
ergänzt
wurde
(
Urk. 8/41,
Urk. 8/
48
)
. Nach
dem
im
Rahmen
des
Vorbescheidverfahren
s
(Urk.
8/58, Urk. 8/60)
ein weiterer
Arztb
ericht (Urk. 8/59) erg
angen war
, ver
neinte
die IV-Stelle
mit Verfügung vom 5. November 2013 (Urk. 2) einen Ren
tenanspruch des Versicherten.
2.
Hiergegen erhob
X._
am 6.
Deze
mber 2013 Beschwerde (Urk.
1) und beantragte
,
die
angefochtene Verfügung
vom 5. November 2013
sei aufzu
heben und die
Sache
sei zu
ergänzenden
medizinische
n Abklärungen
an die I
V
-
Stelle zurückzuweisen
. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und Bestellung von Rechtsanwältin
Christine
Kessi
als unentgeltliche Rechtsvertreterin.
Die IV-Stelle schloss
mit
Beschwerde
antwort
vom 16.
Januar 2014 (Urk.
7) auf Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer tags darauf zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
9).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
). Erwerbsunfähigkeit
ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht
kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsun
fä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.
2
Alkoholismus (wie auch Drogensucht und Medikamentenabhängigkeit)
begrün
det für sich allein keine Invalidität im Sinne des Gesetzes. Vielmehr wird er
in
validenversicherungsrechtlich
erst relevant, wenn er eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher, geistiger oder psychi
scher, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden eingetreten ist, oder wenn er selber Folge eines körperlichen, geistigen oder psychischen
Ge
sundheitsschadens
ist, dem Krankheitswert zukommt (Urteil des Bundesge
richts 8C_694/2008 vom 5. März 2009 E. 2
). Dabei ist das
ganze
für die Alko
holsucht massgebende Ursachen- und Folgespektrum in eine Gesamtwürdigung einzube
ziehen, was impliziert, dass einer allfälligen Wechselwirkung zwischen
Sucht
mittelabhängigkeit
und psychischer Begleiterkrankung Rechnung zu tra
gen ist (Urteile des Bundesgerichts I 758/01 vom 5. November 2002 E. 3.2 und I
390/01 vom 19. Juni 2002 E. 2b
).
Was die krankheitsbedingten Ursachen der Alkohol
sucht betrifft, ist für die invalidenversicherungsrechtliche Relevanz der Abhän
gigkeit erforderlich, dass dem Alkoholismus eine ausreichend schwere und ihrer Natur nach für die Entwicklung einer Suchtkrankheit geeignete
Gesundheits
störung
zugrunde liegt, welche zumindest eine erhebliche
Teil
ursache
der Alko
holsucht darstellt (Urteil des Bundesgerichts I 192/02 vom 23
. Oktober 2002 E.
1.2.2 mit Hinweis); es genügt nicht, wenn es sich nur um eine ganz unterge
ord
nete Teilursache handelt (nicht veröffentlich
tes Urteil des Bundesge
richts I
130/93 vom 29. August 1994). Mit dem Erfordernis des Krankheitswerts einer allfälligen verursachenden psychischen Krankheit wird verlangt, dass die
se die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit einschränkt (BGE 99
V 28 E. 2; Urteil des Bun
desgerichts I 940/05 vom 10. März 2006 E. 2.
2; erwähntes Urteil I 758/01 E.
3.1).
1.
3
Für die richterliche Beurteilung eines Falles sind grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens massgebend. Tatsachen, die sich erst später verwirklichen, sind jedoch insoweit zu berück
sichtigen, als sie mit dem Streitgegenstand in engem Sach
zusammenhang ste
hen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des
Entscheiderlasses
zu beeinflussen (BGE 121 V 362 E. 1b; 99 V 98).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
stellte sich
in der
leistungsverweigernden
Verfügung
vom 5. November 2013
(Urk. 2)
auf den Standpunkt
,
ihren medizinischen Ab
klärungen
zufolge
liege keine Invalidität im Sinne des Gesetzes vor. Die
Ar
beitsfähigkeit des Beschwerdeführers im angestammten Beruf als Konditor
sei
durch verschiedene
(
im angefochtenen Entscheid
unbenannt gebliebene)
invali
denversicherungsrechtli
ch
nicht relevante Beschwerden gefährdet
, welche je
doch der Ausübung einer zumutbaren Arbeitstätigkeit nicht entgegenstünden
.
Hieran
hielt
sie
in ihrer Beschwerdeantwort
vom 16.
Januar 2014
(Urk.
7)
fest
.
2.2
Dagegen
brachte
der Beschwerdeführer
a
m 6. Dezember 2013 (Urk. 1 S. 3 ff.)
im Wesentlichen
vor
,
unter Berücksichtigung
de
s
von der Beschwerdegegnerin ein
geholten psychiatrischen
Gutachtens
und
der
Einschätzung
der behandelnden Psychiaterin
verbiete sich der Schluss, es liege
kein
invalidenversicherungs
rechtlich
relevanter
Gesundheitsschaden vor.
Infolge
einer Verschlechterung der gesundheitlichen Situation
erfolge
seit dem 18. November 2013
eine
stationär
e Behandlung
im
Z._
. Die Beschwerdegegnerin
sei ihrer
Unter
suchungspflicht
nicht nachgekommen, indem sie bezüglich
seiner
De
pression und Ängste nicht die erforderlichen Abklärungen getätigt habe.
Zu
dem habe
sie ohne
vorangehende
Anordnung einer sechsmonatigen
Alkohol
absti
nenz
und erneuter Einholung eines medizinischen Berichts über
seinen Leistungsanspruch
entschieden
. Im Rahmen der weiteren Abklärungen werde sie insbesondere
zu prüfen
haben, inwiefern die schwere A
lkohola
bhängigkeit inzwischen zu Folge
schäden
auch neurologischer Art
geführt habe.
3.
3.1
Die im Rahmen
der stationären
E
ntzugsbehandlung vom 13. Oktober 2010 bis 4. Januar 2011 mit dem Beschwerdeführer befassten Ärzte des
A._
, Klinik für Psychiatrische Rehabilitation,
nannten
i
n ihre
m Bericht vom 8. April 2011 (Urk. 8/12)
als Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein Alkoholabhängigkeitssyndrom, gegenwärtig abstinent in beschützender Umgebung (ICD-10 F10.21), und eine leichte depressive Episode
(ICD-10 F32.0).
Zudem
bestünden
eine
Nikotinabhäng
igkeit (ICD-10 F17.25) und ein
St
atus nach atypischer Pneumonie
, wodurch
jedoch
d
as berufliche Leistungs
vermögen
nicht eingeschränkt werde
(S. 1
)
.
Anamnestisch trinke der Beschwerdeführer
,
unterbrochen durch zwei Phasen der Abstinenz unter
Antabus
,
seit
acht bis zehn
Jahren
, wobei er im Februar 2002 einen ersten
Alkohole
ntzug
gemacht habe
(vgl. dazu Urk. 8/55/8-11)
und
seit dem letzten Rückfall
vo
m August 2009
drei bis vier
Liter Bier
pro Tag
konsumiere
.
Von s
omatischer
S
eit
e
sei
eine
Colitis
ulcerosa
bekannt
seit dem
Jahr 200
0.
Aktuell habe
d
er
Beschwerdeführer
angegeben, seit
z
wei bis
drei
Monaten
an
Depressionen zu
leiden
.
Bei
Klinike
intritt seien Auffassung und Konzentration
wegen
Alkoholkonsums
eingeschränkt gewesen
, die neurologi
sche Untersuchung
sei
aber
unauffällig geblieben
. Der
jetzige
Alkoholentzug sei
valiumgestützt
und komplikationslos
mit nur einem
einzigen
Rückfall verlau
fen
.
Eine eindeutige Prognose könne nicht
gestellt
werden, da das
Alkoholab
hängigkeitssyndrom
eine chronische Krankheit mit wechselndem Verlauf
sei
(S. 2
)
.
Während der
Dauer des
Klinika
ufenthalts
sei der Beschwerdeführer nicht arbeitsfähig gewesen
.
Aus medizinischer Sicht sei
ihm
die bisherige Tätigkeit zumutbar, diesbezüglich
sei indes
die weitere Behandlung in Form
einer ausrei
chenden alkoholspezifischen und sozialen Nachbetreuung
entscheidend
(S. 3
)
.
3.
2
Vom 1. bis 28.
Februar 2011
stand der Beschwerdeführer
in
teilstationärer
Be
handlung in
der
Klinik B._
,
wo gemäss
Bericht von Dr.
med.
C._
, Fach
arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Oberarzt
und Leiter Tagesklinik, vom 7. Juni 2011 (Urk.
8/13)
die
folgende
n
Diagnosen gestellt wurden (S. 2
):
mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit:
Alkoholabhängigkeitssyndrom, zulet
zt abstinent in beschützender Um
gebung (ICD-10 F10.21), anamnestisch bekannt seit zirka
2002
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
Tabak
abhängigkeitssyndrom
,
gegenwärtige
r
Su
bstanzgebrauch (ICD
10 F17.24)
anamnestisch
Hinweis auf depressive Störung
anamnestisch bekannter Status nach
Colitis
ulcerosa
im Jahre 2001, ohne Rezidiv
nach medikamentöser Behandlung
Dem Bericht ist zu entnehmen, dass der Bes
chwerdeführer der Therapie mehr
mals ohne Abmeldung fernblieb
beziehungsweise
diese vor dem offiziellen Ende v
er
liess, was zu einer vorzeitigen Beendigung des Programms führte
und eine Prognose verunmöglichte
(S. 3 f.
).
Dr.
C._
attestierte
dem Beschwerdeführer
für die Dauer der
tagesklinischen
Behandlung
eine Arbeits
unfähigkeit
von 100 %
in der
angestammte
n
Täti
gkeit als Bäcker-
Konditor
und
vermerkte
,
i
m Falle einer Alkoholisierung oder einer akuten Entzugssymptomatik
bestünden deutliche Einschränkungen
im
Konzen
trations
- und Auffassungsvermögen, in der Anpassungsfäh
igkeit und Belastbar
keit
, welche eine
zuverlässige und geordnete Arbeit verunmöglichten
. Aus me
dizinischer Sicht bestehe für die bisherige Tätigkeit eine
uneingeschränkte
Ar
beits
- und Lei
stungsfähigkeit ab Klinikaustritt
.
Er empfahl eine Weiterführung der suchtspezifischen Behandlung und
befand
, dass bei
einer Besserung oder
Heilung der
Alkoholproblematik nicht immer wieder Einbrüche der A
rbeits
fähigkeit
resultieren
würden
(S.
4 f.
).
3.
3
Der
von Mai 2011 bis Juli 2012
behandelnde Dr. med.
D._
, Facharzt für Psy
chiatrie
und Psychotherapie, ging
i
m undatierten, am 24. August 2012 bei de
r Beschwerdegegnerin eingegange
nen Bericht (Urk. 8/28)
von
eine
m
Status nach depressiver Episode (ICD-10 F32.0) und eine
m
chronischen Alkoholismus (ICD
10 F10.20)
aus
, welcher eine intensive alkoholspezifische Therapie erfor
dere.
Zu diesem Zweck
habe er den Beschwerdeführer an Dr. med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
verwiesen
.
Dieser
beri
chtete am 26. Januar 2013 (Urk.
8/34),
er habe
de
n
Be
schwerdeführer im
Oktober 2012 zweimal voll alkoholisiert
gesehen und ihm dringend
eine er
neut
e
stationäre Entzugsbehandlung empfohlen
.
In der Folge
sei der
Kontakt abgebrochen.
Dr.
E._
befand, der Beschwerdeführer
sei im Konzentrations- und Auffassungsvermögen, in der Anpassungsfähigkeit, Belastbarkeit und Fahr
tauglichkeit sehr stark eingeschränkt.
Er
stellte die Diagnose
ein
es
schwere
n
Alkoholabhängigkeitssyndrom
s
(ICD-10 F10.24) und
bescheinigte
eine
100%ige
Arbeitsunfähigkeit ab 1.
Oktober 201
2.
3.
4
Dr.
med.
F._
, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie,
schloss in seine
r
im Auftrag der
Beschwerdegegnerin
erstellten
Expertise
vom 28. Februar 2013 (Urk.
8/41
S. 4 f.
)
diagnostisch auf ein
schweres
Alkoholabhängigkeits
syndrom
(ICD-10 F10.24),
eine
leichtgradige
depressive Episode (ICD
-10 F32.01) und
eine
chronische
,
medikamentös
aber
gut eingestellte
Colitis
ulcerosa
m
it leichter Restsymptomatik
.
In körperlicher Hinsicht bestehe
derzeit
aufgrund einer verringerten Belastbarkeit infolge von Schmerzen und schneller Ermüd
barkeit
ei
ne Arbeitsunfähigkeit von 30 bis 40
%
seit September 201
0.
Aus psy
chiatrischer Sicht
sei
wegen
einer V
erringer
ung
der
Belastbarkeit und
Frustra
tionstoleranz
von
einer Arbeitsunfähigkeit von 40 bis 50
% auszugehen. Daher bestehe
gesamthaft betrachtet
eine
40 bis 50%ige
Arbeitsunfähigkeit
in einem konventionellen Arbeitsverhältnis im ursprünglichen Beruf als Konditor
wie
auch
in einer angepassten Tätigkeit. Unabdingbare Voraussetzung
für
die Wie
deraufnahme einer Berufstätigkeit
sei eine fachärztliche und
aversive
Behand
lung des
Al
koholabusus
. Dr.
F._
hielt dafür
, dass die
Alkoholabhängig
keit
per se eine schwere psychische Erkrankung
darstelle
und aus der
Familien
anamnese
eine genetische Prädisposition deutlich werde
. Zudem habe der Be
schwerdeführer
ebenso wie
seine Brüder psychische und körperliche Gewalt
er
fahren
, was ihn geschwächt habe und sich heute vor allem in der geringen Frustrationstoleranz und der verminderten Belastungsfähigkeit manifestiere. In diesem Sinne sei die schwere Alkoholabhängigkeit Ursache der verminderten
psychischen Belastungsfähigkeit
.
Es sei
daher
angezeigt, dem Beschwerde
führer eine Teilrente auszusprechen und ihn gleichzeitig bei der Wiederauf
nahme einer teilzeitlichen Erwerbstätigkeit zu unterstützen.
Im Weiteren
hielt
Dr.
F._
am 16. April 2013
(Urk. 8/48)
auf ergänzende Anfrage der Beschwerdegegnerin
fest,
bei der
reduzierte
n
körperliche
n
und psy
chische
n
Leistungsfähigkeit
handle es sich
um
irreversible psychosomatische Folgeschäden des langjähr
igen, chronischen
Alkoholabusus
.
3.
5
Die den Beschwerdeführer a
b d
em
4.
März 2013
behandelnde
Dr.
med.
G._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychother
apie, nannte i
n ihre
m Bericht von 14.
Juni 2013 (
Urk.
8/52)
die
folgende
n
Diagnosen
:
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
schweres Alkoholabhängigkeitssyndr
om (ICD-10 F10.24) seit über 20
Jahren (derzeit abstinent unter engmaschiger Begleitung)
Anpassungsstörung mit Depression, Angst und Kontrollverlust bei Ver
dacht auf emotional-instabile Pers
önlichkeit (ICD-10 F60.30), DD: a
lkoholische Wesensveränderung
Colitis
ulcerosa
, +/- stabil unter
Medikation, bestehend seit 2000
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
Niko
tinabhängigkeit (ICD-10 F17.25)
Sie
attestierte
dem Beschwerdeführer
eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit
für die zuletzt ausgeübte
Tätigkeit
als Bäcker-Konditor
seit
Herbst 2010 und
konsta
tierte
, k
örperlich wenig belastende, einfache Hilfsarbeiten ohne psychischen Druck
–
mithin
im zw
eiten
Arbeitsm
arkt
–
sollten während drei bis vier
Stun
den pro Tag dringend versucht werden, auch
zwecks Strukturierung des Alltag
s.
3.
6
Nachdem der Beschwerdeführer im
Frühjahr
2013 wegen Magen-Darm-Be
schwer
den bei Dr. med.
H._
, Facharzt für Allgemeine Medizin, vorstellig ge
worden war (Bericht vom 26.
Juni 2013 [Urk. 8/55/1-5]), wurde er
auf dessen Zuweisung hin am 11. Juni und 23. September 2013 durch D
r.
med.
I._
,
Facharzt für
Gastroenterologie,
untersucht (Berichte vom 12. Juni [Urk. 8/55/6-
7] und 23. September 2013 [Urk. 8/59]). Dieser konnte keine Hinweise auf eine entzündliche Darmerkrankung ausmachen und
ging von
eine
r
ausgeprägte
n
paradoxe
n
Di
arrhoe
aus
,
hinsichtlich
welcher er ein
e
medikamentöse Therapie
ini
tiierte
.
Subsidiär sei
eine
Ana
l
manometrie
respektive
Defäkographie
in Erwä
gung zu ziehen
, um allenfalls die anale Problematik entweder mit Bio-Feedback oder
operativ
angehen zu können.
Eine Arbeitsunfähigkeit attestierte Dr.
I._
nicht.
4.
4.1
De
n
medizinischen Akten
ist
einhellig
die Diagnose eine
r
Alkoholabhängigkeit
zu entnehmen
. Diese begründet n
ach ständiger Rechtsprechung
des Bundesge
richts
(
vgl. E. 1.2 hiervor
)
für sich alleine keine Invalidität, sondern nur in Ver
bindung mit einem die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigenden geistigen, körper
li
chen oder psychischen Gesundheitsschaden mit Krankheitswert,
d
er
zur Sucht geführt hat oder
als deren Folge eingetreten ist.
4.
2
Streitig
und zu prüfen
ist
zunächst
, ob der Beschwerdeführer
an
einem
inva
lidenversicherungsrechtlich
relevanten psychischen
Gesundheitsschaden
leidet.
Eine psychisch bedingte Invalidität im Sinne des Gesetzes liegt nur dann vor, wenn ein psychisches Leiden von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer fachärztlich ausgewiesen ist und es der betroffenen Person trotz Auf
bietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, wegen ihrer Beschwerden nicht zuzumuten ist, einer Erwerbstätigkeit nach
zu
gehen, wobei das Mass des
Forderbaren
weitgeh
end objektiv bestimmt wird (BGE
130 V 35
2 E. 2.2.1, 131 V 49 E.
1.2
).
An diesen Voraussetzungen
fehlt es im Fall
e des Beschwerdeführers
.
Bei der von den
Ärzten d
es
A._
(
vgl.
E. 3.1
hiervor
) und dem psy
chiatrischen
Sachverständigen
Dr.
F._
(
vgl.
E. 3.
4
hiervor
)
diagnosti
zierten leichten depressiven Episode
handelt
es sich
definitionsgemäs
s um ein vorübergehendes Leiden
,
welchem
kein
Krankheitscharakter
zukommt
(Urteil
des Bundesgerichts 9C_176/2011 vom 29.
Juni 2011 E.
4.3 mit Hinweisen).
Ebenso wenig bildet d
ie
von Dr.
G._
(vgl. E. 3.5 hiervor)
festgestellte
Anpassungsstörung mit Depression, Angst und Kontrollverlust eine hin
reiche
nd ausgeprägte Psychopathologie.
S
ie liegt vielmehr im Grenzbereich dessen, was überhaupt noch als krankheitswertig im Sinne des Gesetzes und potenziell in
validisierendes Leiden gel
ten kann (Urteil des Bundesgerichts 8C_76/2014 vom 30. April 2014 E. 3.2
mit Hinweis
).
Schliesslich
lässt auch der
von der behan
delnden Psychiaterin
geäusserte Verdacht auf eine emotional-instabile Persön
lichkeit und
die
von ihr differentialdiagnostisch erhobene alkoholische
Wesens
veränderung
kein
e andere Betrachtungsweise zu
, zumal die anderen mit dem
Beschwerdeführer befassten Fachärzte keine entsprechenden Befunde erh
o
ben
und ernsthafte Anhaltspunkte für das Vorliegen eines invalidisierenden psychi
schen Gesundheitsschadens fehlen.
Hinzu kommt, dass
das Befinden des Be
schwerdeführers durch
verschiedene psychosoziale Belastungsfaktoren (
Über
forderungssituation
am früheren Arbeitsplatz; Verlust der Arbeitsstelle, der Be
ziehung und der ehemaligen Wohnung
;
Zukunftsängste [vgl. Urk. 8/11/2-3, Urk. 8/13/3-4, Urk. 8/41/3)
beeinflusst
wird
, welche
jedoch
rechtsprechungs
ge
mäss
invalidenversicherungsrechtlich
grundsätzlich
ausser Acht zu bleiben haben
(vgl.
BGE
127 V 294 E. 5a).
E
ntgegen der beschwerdeweise vertretenen Auffassung (Urk. 1 S. 5) bestand
un
ter diesen Umständen
für die Beschwerdegegne
rin im Abklärungsverfahren kein A
nlass, vom Beschwerdeführer im Rahmen der Mitwirkungspflicht eine
Alko
holabstinenz
zu fordern und/oder hinsichtlich seines psychischen Gesundheits
zustandes zusätzliche medizinische Abklärungen zu treffen.
Allerdings
ist der Beschwerdeführer
i
m Hinblick auf eine allfällige Neuanmel
dung unter
dem
Titel der Schadenminderungspflicht
(vgl. Art. 7 Abs. 1 ATSG)
gehalten, sich einer konsequen
ten Entzugsbehandlung zu unterziehen, um zu verhindern, dass der übermässige Alkoholkonsum zu einem invalidisierenden Gesundheits
schaden führt
.
4.
3
Ebenso wenig
ist
ein invalidisierender somatischer G
esundheitsschaden
ausge
wiesen
, welcher
als Folge des erhöhten Alkoholkonsums eingetreten
ist oder diesen verursacht hat
.
Soweit der Beschwerdeführer
(Urk. 1 S. 6)
von einer
Ab
klärungslücke
insbesondere in neurologischer Hinsicht ausgeht,
verkennt
er, dass
die
involvierten
Ärzte die
vorhandenen
kognitiven Defizite im Rahmen der Alkoholisierung interpretiert
en
und keine Indikation für
weitere
neurologische
Untersuchungen
stellten
.
Der
zuweilen
aufgetretene imperative Stuhldrang ist
laut
gastroenterologischer
Einschätzung medikamentös behandelbar (
vgl. E. 3.6 hiervor
) und
führt nicht zu einer massgebenden Einschränkung de
s
beruflichen Leistungsvermögens
des Beschwerdeführers
, zumal in der
angestammten
Tätig
keit
als Bäcker-
Konditor
der Zugang zu einer Toilette
jederzeit
gewährleistet ist.
4.
4
Soweit
der Beschwerdeführer
einwandte
,
sein
Ges
undheitszustand
habe sich
im Nachgang zum
Bericht von Dr.
G._
vom 14.
Juni 2013
(vgl. E. 3.
5
hier
vor)
verschlechtert
(Urk. 1 S. 5 oben)
,
erweist sich dies als
un
behelflich
.
Er
untermauerte seine Darstellung einzig mit den Ausführungen sei
ner Ehegattin an den Sozialdienst vom 12. November 2013 (Urk. 3/3)
, welche
indes
eine rele
vante Verschlechterung
des Gesundheitszustandes seit Mitte Juni 2013
nicht zu belegen
vermögen
.
Ebenfalls nichts abzugewinnen ist dem Hin
weis
des Be
schwerdeführers
auf
eine
angeblich ab dem 18. November 2013 er
folgte sta
tio
näre Behandlung im
Z._
, da n
ach der Rechtspre
chung
(vgl. E. 1.3 hiervor)
der Zeitraum bis zum Verfügungserlass
(
vorliegend
:
5. November 2013
)
die
Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis bildet
und kein ärztli
cher Bericht beigebracht wurde, welcher
sich auf den massgeben
den
Beurtei
lungszeitraum
bezieht oder Rückschlüsse darauf zulassen würde und
daher in die Beurteilung miteinzubeziehen wäre
.
4.5
Entgegen der
Ansicht
des Beschwerdeführers
lässt sich der
entscheidwesent
liche
Sachverhalt
nach dem Dargelegten
anhand der vorhandenen
Aktenlage
zuver
lässig beurteilen. Gestützt darauf ist
mit
dem massgebenden Beweisgrad der
ü
berwiegende
n
Wahrscheinlichkeit
(BGE 126 V 353 E.
5b
)
erstellt, dass
im
rele
vanten
Beurteilungszeitraum kein invalidenversicherungsrechtlich bedeutsamer Gesundheitsschaden vorlag und die
vorhandene
Arbeitsunf
ä
higkeit
durch das
Sucht
verhalten
bedingt
war
.
So legt
denn auch
die ärztliche Berichterstattung
das Schwergewicht auf die
Alkoholp
roblematik
und deren suchtspezifische Behandlung.
Dem
e
n
tsprechend
erweist sich der abschlägige
Leistungsent
scheid (Urk. 2) der Beschwerdegegnerin als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
5.
5.1
Mit
seiner
Beschwerde vom 6. Dezember 2013 beantragte der Beschwerdeführer, ihm sei die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und in der Person von Rechtsanwältin Christine
Kessi
, Zürich, eine unentgeltliche Rechtsvertreterin für das Beschwerdeverfahren zu bestellen (Urk. 1 S.
2 und 6
).
5.2
Die Voraussetzungen für die
Bewilligung
der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss § 16 Abs. 1 und 2 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) sind vorliegend erfüllt (vgl. Urk.
3/4
und Urk.
11
), weshalb dem Gesuch des Beschwerdeführers zu entsprechen ist.
Der Beschwerdeführer wird auf § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen, wonach er zur Nachzahlung der ihm erlassenen Gerichtskosten und der Kosten seiner Rechtsvertretung verpflichtet ist, sobald er dazu in der Lage ist.
5.3
Mit
Honorarnote vom 2
4
.
September 2014 (Urk.
12
)
machte Rechtsanwältin Christine
Kessi
einen Aufwand von
fünf
Stunden und Barauslagen
in der Höhe
von Fr.
37.--
geltend, wofür ihr ausgehend vom gerichtsüblichen Stundenansatz von Fr. 200.-- eine Entschädigung
im Betrag
von Fr.
1'119.95
(
einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse zuzusprechen ist.
5.4
Die Gerichtskosten
im Sinne von
Art. 69
Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr.
6
00.-- festzusetzen und
entsprechend dem Ausgang des Verfahrens
dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen, jedoch zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Das Gericht
beschliesst:
In Bewilligung des Gesuches vom
6. Dezember 2013 wird dem Beschwerdeführer
die unentgeltliche Prozessführung gewährt und Rechtsanwältin
Christine
Kessi
, Zürich, als unentgeltliche Rechtsvertreterin für das vorliegende Verfahren bestellt,
und
erkennt
sodann
:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
6
00
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt
, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse genommen.
Der Beschwerdeführer wird
auf
die Nachzahlungspflicht gemäss §
16
Abs.
4
GSVGer
hingewiesen.
3.
Die unentgeltliche Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers, Rechtsanwältin Christine Kessi, Zürich,
wird mit
Fr.
1'119.95
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) aus der Gerichts
kasse entschädigt.
Der Beschwerdeführer wird
auf
die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs.
4
GSVGer
hingewiesen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
Rechtsanwältin Christine
Kessi
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
Gerichtskasse
5.