# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 4e0051e7-ef94-4994-8885-476d6f4f33e7
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
a. X.Y. (1995) schloss mit der A. GmbH Velos-Motos per 7. August 2013 einen
Lehrvertrag für eine dreijährige Lehre zum Kleinmotorrad- und Fahrradmechaniker EFZ
ab (vi-act. 12-1). Zuvor – am 13. August 2012 – war ein entsprechendes
Lehvertragsverhältnis mit der Einzelfirma Zweirad-Haus B. aufgelöst worden mit der
Begründung, die Leistungen von X.Y. seien ungenügend (vgl. vi.act. 18-3). Das
kantonale Amt für Berufsbildung genehmigte den neuen Vertrag am 4. Oktober 2013
(vi-act. 12-1). Am 4. November 2013 stimmte es einer zwischen Lehrling und
Lehrbetrieb vereinbarten Verlängerung der Probezeit zu (vi-act. 12-2 f.). Anfang Mai
2014 wandte sich der Vater von X.Y. an das Amt für Berufsbildung und bemängelte die
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Ausbildung seines Sohnes in verschiedener Hinsicht (vi.act. 18-1). Am 16. Mai 2014
liess sich X.Y. von der zuständigen Ausbildungsberaterin des Amts für Berufsbildung
persönlich beraten (Protokoll in vi.act. 18-2). Ein weiteres Gespräch, an der neben der
Ausbildungsberaterin und X.Y. auch dessen Vater, der Berufsbildner (Lehrmeister), zwei
Berufsschullehrer und der Leiter Lehraufsicht teilnahmen, fand am 11. September 2014
statt. Der Lehrmeister äusserte dabei u.a., er sehe keine Möglichkeit, mit X.Y. das
Lehrziel zu erreichen (vgl. vi-act. 12-8). In der Folge löste er den Lehrvertrag per Ende
September 2014 auf, was das Amt für Berufsbildung mit Schreiben vom 1. Oktober
2014 bestätigte.
b. X.Y. besuchte dessen ungeachtet weiterhin den Berufsfachschulunterricht im
Gewerblichen Bildungszentrum Z. Am 22. Januar 2015 schloss ihn der dortige
Prorektor von der weiteren Teilnahme aus, weil er keinen Lehrvertrag mehr habe
(vi.act. 12-11). Das Amt für Berufsbildung erliess am 4. Februar 2015 eine
entsprechende Verfügung mit der Begründung, der Schulbesuch sei ohne gültigen
Lehrvertrag grundsätzlich nicht möglich. Im Kanton St. Gallen bestehe jedoch die
Weisung, dass die Berufsfachschule nach Lehrabbrüchen für weitere acht Wochen
auch ohne Lehrvertrag besucht werden könne. Diese Frist sei längst abgelaufen (vi-
act. 12-14).
B. Gegen diese Verfügung erhob X.Y. mit Eingabe vom 9. Februar 2015 Rekurs
bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, er sei per sofort wieder zum
Berufsfachschulunterricht zuzulassen. Mit Entscheid vom 21. Mai 2015 wies diese das
Rechtsmittel ab, soweit sie darauf eintrat. Der Abschluss der beruflichen Grundbildung
setze die Bildung in beruflicher Praxis voraus. Der Schulbesuch sei deshalb ohne
gültigen Lehrvertrag grundsätzlich nicht möglich.
C. Mit Eingabe vom 3. Juni 2015 erhob X.Y. (Beschwerdeführer) gegen den
Entscheid der Verwaltungsrekurskommission (Vorinstanz) Beschwerde beim
Verwaltungsgericht. Er beantragte mit Beschwerdeergänzung vom 16. Juni 2015
letztlich sinngemäss, den angefochtenen Entscheid und damit das Verbot, den
Berufsfachschulunterricht weiterhin zu besuchen, aufzuheben; unter Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege (act. 1 und 4). Die Vorinstanz und das Amt für
Berufsbildung (Beschwerdegegner) beantragten Abweisung der Beschwerde (act. 6
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## Considerations

und 9); sie verwiesen zur Begründung auf die Erwägungen des angefochtenen
Entscheids und die Akten.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. (...).
2. Der Beschwerdeführer macht geltend, er sei zu Unrecht vom
Berufsfachschulunterricht ausgeschlossen worden.
2.1. Das Bundesgesetz über die Berufsbildung (SR 412.10, BBG) regelt
insbesondere die berufliche Grundbildung (inkl. Berufsmaturität) und die
Qualifikationsverfahren, Ausweise und Titel (vgl. Art. 2 Abs. 1 lit. a und d BBG). Die
berufliche Grundbildung besteht gemäss Art. 16 Abs. 1 BBG aus Bildung in beruflicher
Praxis (lit. a), allgemeiner und berufskundlicher schulischer Bildung (lit. b) und
Ergänzung der Bildung in beruflicher Praxis und schulischer Bildung, wo die zu
erlernende Berufstätigkeit dies erfordert (lit. c). Die Vermittlung der beruflichen
Grundbildung findet in der Regel im Lehrbetrieb, im Lehrbetriebsverbund, in
Lehrwerkstätten, in Handelsmittelschulen oder in anderen zu diesem Zweck
anerkannten Institutionen für die Bildung in beruflicher Praxis, in Berufsfachschulen für
die allgemeine und die berufskundliche Bildung sowie in überbetrieblichen Kursen und
vergleichbaren dritten Lernorten für Ergänzungen der beruflichen Praxis und der
schulischen Bildung statt (Art. 16 Abs. 2 lit. a-c BBG). Die Anteile der Bildung gemäss
Abs. 1, ihre organisatorische Ausgestaltung und die zeitliche Aufteilung werden nach
den Ansprüchen der Berufstätigkeit in der entsprechenden Bildungsverordnung
bestimmt (Art. 16 Abs. 3 BBG).
2.2. Das heutige Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI)
erliess am 5. September 2011 die Verordnung über die berufliche Grundbildung
Kleinmotorrad- und Fahrradmechanikerin / Kleinmotorrad- und Fahrradmechaniker mit
eidgenössischem Fähigkeitsausweis EFZ (SBFI-Verordnung, SR 412.101.221.71,
www.sbfi.admin.ch [der Verordnungstext wird weder in der AS noch in der SR
veröffentlicht]). In Art. 7 SBFI-Verordnung werden die Anteile der Lernorte wie folgt
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definiert: Die Bildung in beruflicher Praxis erfolgt über die ganze Dauer der beruflichen
Grundbildung im Durchschnitt an 3 3⁄4 Tagen pro Woche (Abs. 1). Die schulische
Bildung im obligatorischen Unterricht erfolgt in 1260 Lektionen (vgl. Abs. 2). Die
überbetrieblichen Kurse umfassen insgesamt mindestens 28 und höchstens 32 Tage
zu 8 Stunden (Abs. 3). Zwischen den Lernenden und den Anbietern der Bildung in
beruflicher Praxis wird ein Lehrvertrag abgeschlossen (Art. 14 Abs. 1 BBG).
2.3. Das Fähigkeitszeugnis EFZ – und damit die Berechtigung, den gesetzlich
geschützten Titel «Kleinmotorrad- und Fahrradmechaniker /-in EFZ» zu führen – erhält,
wer ein Qualifikationsverfahren erfolgreich durchlaufen hat (Art. 22 Abs. 1 SBFI-
Verordnung). Zum Qualifikationsverfahren wird zugelassen, wer die berufliche
Grundbildung nach den Bestimmungen der SBFI-Verordnung bzw. in einer vom Kanton
dafür zugelassenen Bildungsinstitution oder im sog. «Qualifikationsverfahren
ausserhalb eines geregelten Bildungsgangs» (Art. 32 der Verordnung über die
Berufsbildung [SR 412.101, BBV]) erworben hat (vgl. Art. 16 Ingress und lit. a-c SBFI-
Verordnung).
2.4. Laut eigener Aussage möchte der Beschwerdeführer «die Freiheit haben, mich
auf die Lehrabschlussprüfung in einem Jahr vorzubereiten, dazu die Freiheit haben, in
jedem Zweiradbetrieb Arbeit annehmen zu dürfen, der mich gerade brauchen kann,
auch wenn es kein Lehrbetrieb ist, und 2016 mit meiner Klasse die Lehrzeit erfolgreich
beenden» (act. 1, S. 5). Er verkennt, dass er die innerhalb des gemäss der SBFI-
Verordnung geregelten Bildungsganges geltenden Voraussetzungen für die Zulassung
zum Qualifikationsverfahren nicht mehr erfüllt, seit sein Lehrvertrag mit der A. GmbH
Velos-Motos per 30. September 2014 aufgelöst worden ist. Die in Art. 7 SBFI-
Verordnung aufgezählten Voraussetzungen sind nämlich kumulativ zu erfüllen, d.h. es
darf an keiner fehlen, um die berufliche Grundbildung im geregelten Bildungsgang
abschliessen zu können. Der Abschluss der beruflichen Grundbildung setzt daher
zwingend die Bildung in beruflicher Praxis in einem Lehrbetrieb und mit Lehrvertrag
voraus, wo der Lernende über die ganze Dauer der beruflichen Grundbildung an
durchschnittlich 3 3⁄4 Tagen pro Woche praktisch arbeitet bzw. angeleitet wird. Im
heutigen Zustand, d.h. ohne gültigen Lehrvertrag und nach Ablauf der vom
Beschwerdegegner für die Suche einer neuen Lehrstelle gewährten 8-wöchigen
Übergangsfrist, kann der Beschwerdeführer deshalb nicht weiterhin den
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Berufsfachschulunterricht in Anspruch nehmen. Erst recht nicht kann er zum
ordentlichen Qualifikationsverfahren zugelassen werden und auf diesem Weg im
Sommer 2016 das Fähigkeitszeugnis erlangen.
Ausnahme würde lediglich das Qualifikationsverfahren ausserhalb eines geregelten
Bildungsgangs nach Art. 32 BBV bzw. Art. 16 Ingress und lit. c SBFI-Verordnung
bilden. Ob der Beschwerdeführer die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt, ist
derzeit – soweit bekannt – Gegenstand eines bei den Vorinstanzen hängigen
Verfahrens (vgl. vi.act. 23), weshalb sich Bemerkungen hierzu erübrigen. Es ist dem
Beschwerdeführer jedoch unbenommen, in jenem Verfahren eine vorsorgliche
Massnahme in dem Sinne zu beantragen, dass er die Berufsfachschule während der
Dauer des Verfahrens weiterhin besuchen dürfe.
3. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen ist. Bei
diesem Ausgang des Verfahrens werden die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer auferlegt (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 1'000.-- erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Umstände halber wird auf die Erhebung
ausnahmsweise verzichtet (Art. 97 VRP). Damit wird das Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege gegenstandslos.