# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d3ab47cb-cc32-4547-a7a5-09c99dc9a37d
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der 1972 geborene
X._
war
als selbständiger Zügelunternehmer tätig und dadurch bei der Suva gegen die Folgen von Unfällen versichert
, als er am
15.
September 2014 bei einem Unfall mit einem
Spanngurt
eine
Bulbusberstung
rechts
erlitt
. Er erblindete rechtsseitig (
Urk.
7/1,
Urk.
7/8)
. Die Suva erbrachte Tag
gelder
und kam für Heilbehandlungskosten auf
(
Urk.
7/2
). Die
Sozialver
si
che
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
,
übernahm
die Kosten
für
Deutsch-Intensiv-Kurse (
Urk.
7
/54),
für eine
berufliche Abklärung (Urk.
7/57
) und
für ein
A
rbeitstraining (
Urk.
7/72
,
Urk.
7/149)
. Am 1
6.
Januar
2017 nahm Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Ophthalmologie,
vom Kompetenzzentrum
Versi
che
rungsmedizin der Suva, eine Beurteilung der Leistungsfähigkeit und des Inte
gritätsschadens des Versicherten vor (
Urk.
7/171-172)
.
Am 2
0.
Februar 2018 wurde
der Versi
ch
erte
zudem
von
Dr.
med.
Z._
, Facharzt
FMH
für Psychia
trie und Ps
ychotherapie, speziell forensis
che Psychiatrie und Psycho
the
rapie, und von PD
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Neurologie, beide
vom Kompetenz
zentrum
Versicherungsmedizin der Suva, untersucht (
Urk.
7/280,
Urk.
7/281).
Die Suva teilte dem Versicherten in der Folge a
m 1
4.
März 2018 mit, dass der Fall
abschluss und ein Anspruch auf langfristige Versicherungsleistungen ab
1.
Mai 2018 geprüft
werde
n
. Die Taggeldleistungen würden noch bis am 3
0.
April 2018 ausgerichtet (
Urk.
7/282).
Ab dem
1.
Oktober 2018 war der Versicherte in einem Pensum von 100
%
bei der
B._
AG angestellt (
Urk.
7/346
). Die IV-Stelle
erbrachte
Einar
bei
tungszuschüsse (
Urk.
7/320
). Die
B._
AG kündigte das Arbeitsver
hältnis mit dem Versi
cherten per 3
1.
März 2019 (Urk.
7/346
), worauf
er
ab dem
1.
April 2019
in einem Teilzeitpensum
für die
C._
SA tätig war (
Urk.
7/390,
Urk.
7/414
).
Am 27.
September 2019 verfassten
PD
Dr.
A._
,
Dr.
Z._
und
Dr.
med.
D._
, Facharzt FMH für
Ophthalmologie und
Ophthalmochirurgie
,
eine interdiszipli
nä
re neurologisch-psy
chiatrisch-ophthalmologische Stellungnahme (
Urk.
7/369), welche am
6.
De
zem
ber 2019 ergänzt wurde (Urk.
7/378).
Mit Verfügung
en
vom
6.
Mai 2020
, 1
1.
Juni 2020
und 1
5.
Juni 2020
sprach
die IV-Stelle
dem Versicherten
vom
1.
September 2015 bis am 3
1.
August 2018 eine ganze und ab dem
1.
Sep
tember 2018 eine
Viertelsrente
zu
(
Urk.
7/392,
Urk.
7/399,
Urk.
7/401
)
, wogegen
der Versicherte beim hiesigen Gericht Beschwerde
erhob
(Prozess Nr.
IV.2020.00369).
Nachdem sich PD
Dr.
A._
, Dr.
Z._
und
Dr.
D._
am
3.
September 2020 erneut zur Arbeitsfähigkeit des Versicherten geäussert hatten
(
Urk.
7/415)
, er
klärte die Suva m
it Verfügung vom
7.
September 2020
, dass sie keine weiteren Versicherungsleistungen ausrichte (
Urk.
7/416)
,
und verneinte m
it Verfügung vom
9.
September 2020
(
Urk.
7/423) einen Rentenanspruch des Versicherten. Sie sprach dem Versicherten mit der Verfügung vom
9.
September
2020 jedoch
eine Integritätsentschädigung gestützt auf eine Integritätseinbusse von 35
%
, mithin
Fr. 44'100.
--
zu (
Urk.
7/423). Der Versicherte
liess
am
8.
Oktober 2020 (Urk.
7/434) Einsprache erheben und beantrage
n
, es seien die
Verfügungen vom
7.
und vom
9.
September 2020 aufzuheben und der Sachverhalt mittels Gutachten abzu
klä
ren. Mit
Einspracheentscheid
vom 2
7.
Januar 2021 wies d
ie Suva die Einsprache ab (Urk.
2).
2.
Dagegen liess der Versicherte mit Eingabe vom
1.
März 2021 Beschwerde erheben und beantragen, der angefochtene
Einspracheentscheid
sei aufzuheben und der Sachverhalt mittel
s
gerichtlichen Gutachtens abzuklären, alsdann sei über die Ansprüche (Rente, Integritätsentschädigung) zu befinden (
Urk.
1). Die Beschwer
de
gegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom
21.
April 2021 die Abw
e
i
sung der Beschwerde (
Urk.
6), was dem Beschwerdeführer mit Verfügu
ng vom 2
8.
April 2021 angezeigt wurde (
Urk.
8).
3.
Im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren
(Prozess Nr. IV.2020.00369)
hie
ss das hiesige Gericht mit Urteil vom 2
7.
April 202
1 d
ie Beschwerde in dem Sinne g
ut
, dass die Verfügungen vom
6.
Mai
2020 sowie vom 1
1.
und vom 15.
Juni 2020 aufgehoben
wurden
und die Sache an
IV-Stell
e zurückgewiesen wu
rd
e
, damit diese
ein polydisziplinäres Gutachten einhol
e
und hernach über den
Leis
tungsanspruch des Beschwerdeführers neu verfüge.
4.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingega
n
gen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirk
licht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). Dementsprechend sehen
die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vo
r, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereig
net haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausge
bro
chen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Über
gangs
bestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am
1
5.
September 2014
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Gemäss
Art.
6
Abs.
1 UVG werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Be
rufs
krankheiten gewährt. Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt voraus, dass zwischen dem versicherten Ereignis und dem eingetretenen Schaden (Inva
lidität, Integritätseinbusse) ein natürlicher und ein adäquater Kausalzusammen
hang besteht (BGE 129 V 181 E. 3.1-2 mit Hinweisen).
1.3
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter Einstellung der vorüber
ge
henden Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine
Integritätsentschädigung abzuschliessen, wenn von der Fortsetzung der ärztli
ch
en Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der ver
sicher
ten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmass
nahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (vgl.
Art.
19
Abs.
1,
Art.
24
Abs.
2 UVG; Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom
2.
Mai 2014 E. 4.1, vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom
2.
Dezember 2014 E. 3).
1.4
Wird die versicherte Person infolge eines Unfalles zu mindestens 10
%
invalid (Art. 8
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungs
rechts, ATSG
), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des Inva
liditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die ver
sicherte Person nach Ein
tritt der unfallbedingten Invalidität und nach Durchführung allfälliger Einglie
derungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erschei
n
en, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das An
stellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versiche
rungs
träger alleine lässt
nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befan
gen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versiche
rungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
inter
nen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzu
neh
men (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erklärte zur Begründung ihres Entscheides im Wesent
liche
n (
Urk.
2,
Urk.
6)
, der
interdisziplinären neurologisch-psychiatrisch-ophthal
mologischen Beurteilungen durch PD
Dr.
A._
,
Dr.
Z._
und Dr.
D._
komme Beweiskraft zu. Das erhobene Zumutbarkeitsprofil, wonach dem Beschwe
r
deführer ganztags mit voller Leistung alle Tätigkeiten zumutbar seien, welche für Einäugige geeignet seien
und
die kein Stereosehen erforderten, entspreche
denn auch
der höchstrichterlichen Rechtsprechung.
Gemäss dieser
beeinträchtige eine komplet
te Einäugigkeit nur selten die Erwerbsfähig
keit
, da auch Einäugige nach einer gewissen Anpas
s
ungszeit räumlich zu sehen ver
mö
ch
t
e
n
un
d in vielen beruflichen Tätigke
i
t
en
Binokularsehen
nicht zwingend erfor
derlich sei.
Gestützt auf die Beurteilung von
PD
Dr.
A._
stehe fest, dass ein Phantomschmerz respektive eine
neuralgiforme
Schmerzsymptomatik bei rechts
sei
tiger
Enukleation
des rechten Auges nach Perforationsverletzung nicht mit dem mindestens erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden W
a
hrschein
lic
h
k
eit vorl
i
e
ge. Die geklagten Beschwerden liessen sich auch aus ophthalmolo
gischer Sicht nicht objektivier
en
.
Bei der seitens des Beschwerd
e
f
ührers geltend gemachten Schmerzproblematik sowie der geltend gemachten Verschlechterung des Gesundheitszustandes handle es sich um organisch nicht hinreichend nach
weisbare bzw. psychische Beschwerde
n
.
Psychogene Schädigungen seien, wenn sie überhaupt als natürlich kausal zu einem Unfallereignis betrachtet werden sollten, nicht ohne
W
eiteres adäquat. Der adäquate Kausalzusammenhang sei vorliegend zu verneinen.
2.2
Der Beschwerdeführer brachte zur Begründung seiner Beschwerde im Wesent
lichen vor
(
Urk.
1, vgl. auch
Urk.
7/450 S. 14, fehlt in
Urk.
1
)
,
die Schluss
folgerung von
PD
Dr.
A._
fusse vorwiegend auf seiner eigenen Untersuchung. Eine eingehende Auseinandersetzung
mit der
Behandlung
im Schmerzzentrum des
Spitals E._
, bei
Dr. med.
F._
, Fachärztin
FMH für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Kinder- und Jugendpsy
chia
trie
, und
bei
Dr.
med.
G._
, Augenarzt FMH, speziell Augenchirurgie,
finde sich in seinem Bericht nicht. Hie
r zeige sich ein grosses Manko, unterscheide sich doch
das Bild, welches
PD
Dr.
A._
in seiner Beurteilung zeichne, erheblich von demjenigen, welches sich aufgrund der Bericht
e
der behandelnden Ärzte ergebe. So seien im Bericht
von
Dr.
med.
H._
, Oberarzt, Schmerzam
bu
latorium des
Spitals E._
, vom
5.
Mai 2017
differenzierende Angaben zur Art, S
tärke
und Lokalisierung des Schmerzes festgehalten.
Er habe auch gegenüber
Dr.
Z._
, welchen ihn gleichentags wie PD
Dr.
A._
untersucht habe,
die Schmerzen genau lokalisiert und in ihrer Art differenziert beschrie
b
en. Die von
PD
Dr.
A._
festgehaltene Lokalisierung auf der Stirnmitte finde sich im psychiatrischen Befund nicht. Es sei wenig wahrscheinlich, dass er am selben Tag derart unter
schiedliche Schmerzangaben äussere. Die Angaben gegenüber dem Psychiater stünden ausserdem im Einklang
mit denjenigen
im Bericht des
Spitals E._
vom
Mai 201
7.
Da
PD
Dr.
A._
sich nur auf seine eigenen Erhebungen
beziehe und die
jenigen von Dr.
Z._
und von
Dr.
H._
nicht aufgreife, würden die Diskrepanzen nicht aufgelöst.
Auch das gute
Ansprechen auf
die antineuropathische Medika
tion
diskutiere PD
Dr.
A._
nicht. U
ngeklärt
bleibe
auch die Frage, inwiefern die ausgeprägte Medikation sich auf
sein
Wohlbefinden auswirke.
I
n
den Berich
ten des Schmerzambulatoriums sei eine erhebliche, durch die Medikamente be
din
gte Tagesmüdigkeit festgehalten.
PD Dr.
A._
nehme zu den Auswirkungen der Medikamente keine Stellung.
Das von den
Ärzten der Beschwerdegegnerin
fo
r
mulierte Zumutbarkeitsprofil stehe denn auch im Gegensatz zu den Erkennt
nissen, die aus den Eingliederungsbemüh
u
ngen gewon
n
en worden seien.
Es seien erhebliche Zweifel an den Ausführungen der Ärzte der Beschwerdegegnerin anzubringen. Der Sachverhalt sei deshalb mittels Gutachten abzuklären.
3.
3.1
Dr.
Y._
hielt mit Stellungnahme vom 1
6.
Januar 2017 fest (
Urk.
7/171, Urk.
7/172), aufgrund des Verlustes des rechten Auges besteh
e
ein unfallbe
din
gter Integritätsschaden. Dieser sei auf dem ophthalmologischen Fachgebiet mit 35
%
zu beziffern.
Aus augenärztlicher Sicht seien alle Tätigkeiten geeignet und in vollem Umfang zumutbar, welche für
Einäugige
geeignet seien. Arbeiten an Maschinen mit ungeschützten rotierenden Teilen, ebenso Arbeiten auf unebenem Gelände oder an einem Fliessband seien nicht geeignet. Es dürften keine L
kws und schwere Bauma
sch
in
en geführt werden. Auch eine berufsmässige Personenbeförderung sei nicht mehr möglich. Bei allen Arbeiten, welche zu einer Absplitterung eines Fremdkörpers führen können, sei Vorsicht geboten, insbesondere bei Arbeiten mit einem Hammer auf metallische Teile. Letztlich gelte dies für jegliche Tätigkeiten mit Verletzungsgefahr für die Augen. Hierbei müsse konsequent eine Schutzbrille getragen werden.
Alle Tätigkeiten, bei welchen räumliche Gegebenheiten beurteilt werden müssten, seien zwar im Prinzip möglich, es brauche aber dazu mehr Zeit. Dies treffe vor allen für Tätigkeiten in der N
ä
he zu, aber auch für die Abschätzung entfernter Objekte. Aus diesen Gründen seien feinmechanische Tätigkeiten für den Beschwerdeführer nicht mehr geeignet bzw. es bestehe eine Leistungs
ein
busse von 20
%
. Tätigkeiten auf Gerüsten sei
e
n nicht mehr zumutbar. Aufstieg auf Leitern d
ürfe
nur bis Schulterhöhe, etwa 1,5 Meter
,
stattfinden.
3.2
Dr.
G._
erklärte mit Bericht an
Dr.
med.
I._
, Facharzt FMH für Innere Medizin,
vom 1
7.
März 2017
(
Urk.
7/408/58)
,
d
em Beschwerdeführer sei Mitte November 2016 die Prothese rechts herausgefallen und zerbrochen. Es sei jetzt eine grössere Plombe angefertigt worden. Diese führe zu etwas stärkerer
Sekretbildung
. Kosmetisch liege ein sehr schönes Resultat vor. Die Augenlieder seien etwas verklebt. Der Beschwerdeführer gebe aber an, diese regelmässig zu reinigen. Er habe auch oft Kopfschmerzen.
Der Beschwerdeführer
denke auch daran, noch weitere Operationen
vornehmen zu lassen, eventuell
auch im Aus
land, da das
Spital E._
den Fall abgeschlossen habe. Aus seiner Sicht sei jetzt ein sehr befriedigendes Resultat erreicht. Die Augenschmerzen seien als Neuralgien zu werten. Der Beschwerdeführer brauche konsequente Lidh
ygiene und gelegentlich antibi
otische Augentropfen als Schutz. Auch die Bindehaut sei sehr schön verheilt. Jede weitere Interventio
n würde wohl in einer Katastroph
e enden. Er möchte
Dr.
I._
bitte
n
, ihn darin zu unterstüt
z
en, dass der Beschwerdeführer einen regelmässigen Arbeitsalltag wahrnehme, nicht mehr an weitere Operatio
nen
denke und
akzeptiere
, dass das Resultat gut sei und man nichts mehr machen könne bzw. dürfe.
Der Beschwerdeführer
leide offenbar unter einem psychischen
Trauma, welches entsprechend behandelt werden müsse. Aus augenärztlicher Sicht
seien keine weiteren Massnahmen ausser Lidhygiene und vorderhand
Flox
al
Augentropfen
einmal täglich als Infektionsschutz möglich
.
3.3
Dr.
H._
erklärte mit Bericht vom
5.
Mai 2017
(
Urk.
7/252), d
er Beschwerdeführer sei intern durch die Kollegen der Psychiatrie zur Beurteilung und Schmerztherapie bei ausgeprägten orbitalen und
periorbitalen
Schmer
z
en
rechts
nach
Bulbus
trau
m
a
und anschliessenden Operationen zugewiesen worden. Der Beschwerdeführer sei wegen vermutlich sekundär entwicke
lter Depression im Rahmen der Augen
schmerzen bis vor kurzem stationär psychiatrisch behandelt worden. Die Be
schwer
den seien unverändert, bezüglich Depression ginge es ihm etwas besser. Die Schmerzen hätten posttraumatisch und postoperativ schon bestanden, die Inten
sitätssteigerung sei aber erst ab Juli 2016 aufgetreten. Damals sei notfall
mässig operiert
und anschlies
send eine Antibiotikatherapie bei
Staphylococcus
-
a
ureu
s
-Infekt durchgeführt worden
. Seitdem seien di
e Schmerzen fast unerträg
lich.
Phantomschmerzen
im
ursprüng
lichen
Bulbusbereich
könne er
nicht klar
bejahen. Vielmehr spüre er orbital und vor allem
periorbital
brennende Schm
erzen mit Ausstrahlung in den Stirnbereich. Bislang hätte keine Analgesie eine Be
schwerdereduktion bewirken können. Der Beschwerdeführer sei verzweifelt.
Inwie
fern sich
die Ent
stehung eines Phantomschmerzes
präs
e
ntiere, sei unklar. Als nächste Schritte etablierten sie eine antineuropathische Therapie mit
Pregabalin
, ergänzten diese
coanalgetisch
mit
Ami
triptylin
im Verlauf, und würden Medika
mentenaustestungen zur Untersuchung der pharmakologischen Modulation der Schmerzen in die Wege leiten.
3.4
Nachdem der Beschwerdeführer vom
5.
April bis
6.
Juni 2017 in der
Psychiatrischen Klinik J._
hospitalisiert gewesen war, nannten
K._
, Assistenzärztin, und
Dr.
med.
L._
, Oberarzt, mit Austrittsbericht vom
9.
Juni 2017 als Diagnosen (
Urk.
7/260):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
persistierende Augenschmerzen rechts
-
Ve
r
dacht auf Neuropathie der Nervi
infra
- und
supraorbitalis
-
Verdacht auf Phantomschmerzen des
Nervus
orbitalis
-
Differentialdiagnose entzündlich, Differenti
aldiagnose posttrauma
t
i
s
ch
, postoperative Gewebeveränderungen
-
Status nach
Bulbustrauma
September 2014
-
a
ktenanamnestisch Status nach Alkoholabhängigkeit, aktuell nur gele
gentlicher Konsum gemäss
Beschwerdeführer
-
Zölia
kie
-
Pollinosis
-
a
namnestisch Status nach Hepatitis
Bei Eintritt habe sich der Beschwerdeführer
depressiv
verstimmt gezeigt und über lebensmüde Gedanken vor dem Hintergrund anhaltender Schmerzen im Bereich des rechten Auges und damit einhergehenden Kopfschmerzen und zudem inner
familiären Konflikten berichte
t
. Die Symptomatik besteh
e
gemäss dem Be
schwer
deführer seit einem Arbeitsunfall mit Verlust eines Auges vor zwei Jahren. Zudem habe er über Ängste vor einer Verletzung oder einem Verlust des verbleibenden gesunden Auges durch einen erneuten Unfall berichtet. Unter stationären Wirk
faktoren habe sich ein
e
rasche psychische Stabilisierung hinsichtlich der depres
siven Symptomatik gezeigt.
Aufgrund einer festgestellten arteriellen Hypertonie und fremdanamnestisch gegebenenfalls erneut bestehendem Alkoholabusus ent
gegen den Aussagen des Beschwerdeführers sei eine vorübergehende Entzugs
the
rapie mit
Oxazepam
(
Serestea
) durchgeführt worden, welches im Verlauf kompli
kationslos wieder habe ausgeschlichen werden können. Aufgrund der persistie
renden Schmerzsymptomatik, welche aus ihrer Sicht diagnostisch noch weiterer fa
chärztlicher Abklärungen bedürf
e, sei ihrerseits eine Anmeldung des Be
schwer
deführers in der Schmerzsprechstunde des
Spitals E._
erfolgt, wo der Beschwerdeführer währen
d
des Aufentha
ltes bei ihnen mehrere Termine
habe
wahrnehmen
können
und
unter anderem verschiedene intravenöse Medikamente getestet worden sei
en
. Medikamentös sei
Pregabalin
(
Ly
rica
) bis zu einer Dosis von aktuell
150 mg/Tag
eindosiert
worden
, wovon der Beschwerdeführer nach eigenen Angaben bezüg
lich der Schmerzen deutlich profitiert habe. Die depressive Symptomatik habe sich rasch komplett
regredient
und
im Verlauf stabil gezeigt. Suizidgedanken seien auch auf Nachfrage zu keiner Zeit mehr berichtet worden. In Einzelge
sprä
chen seien Schamgefühle und Ängste des Beschwerdeführers hinsichtlich Augen
verletzung, der Um
g
ang mit chronischen Schmerzen, aber auch die aufgetretenen Beziehungsprobleme besprochen worden.
3.5
Dr.
H._
erklärte mit Bericht vom 1
8.
Oktober 2017 (
Urk.
7/264), es habe eine Kontrolle bei Phantomschmerz im Au
g
e rechts mit gutem Ansprechen auf die oralen Medikamente stattgefunden. Der Beschwerdeführer habe sogar das
Prega
balin
senken können. Sie führten die orale
Ketamindosierung
weiter, erinnerten aber den Beschwerdeführer daran
, dass er unter
Ketamin
nicht Autofahren dürf
e. Ebenfalls solle er noch mit weiterer Senkung des
Pregabalins
oder
Trileptals
abwarten.
3.6
Mit Bericht vom 2
6.
Februar 2018 erklärte
Dr.
H._
(
Urk.
7/277), es finde eine Kontrolle bei Phantomschmerz im Auge rechts mit bislang gutem Ansprechen auf
die antineuropathische, schmerzmodulierende Medikation statt. Das
Ketamin
hätte
der Beschwerdeführer wieder pausiert, da er auf sein Auto angewiesen sei. Des Weiteren nähme er nun
Pregabalin
600
mg/Tag u
nd
Trileptal
200 mg
/
Tag. Die Schmerzen seien heute besonders intensiv, dies sei aber teils wetterabhängig. Sie vereinbarten auf Wunsch des Beschwerdeführers eine langsame Reduktion des
Pregabalins
.
3.
7
Dr.
Z._
, welcher den Beschwerdeführer am 2
0.
Februar 2018 untersuchte,
hielt mit psychiatrischer Beurteilung vom
1
2.
März
2018 fest (Ur
k
.
7/280), dass weder eine
(teil-)
unfallkausale noch eine nicht (teil-)unfallkausale
p
sychiatrische Dia
gnose nach ICD-10 gestellt werden könne.
Betrachte man die Angaben zum Stimmungsbild des Beschwerdeführers während der aktuellen Begu
tachtung systematisch, habe er neben fehlenden formalen Denkstöru
ngen und fehlender Agitiertheit
keine psychomotor
ische Unruhe prä
sen
tiert. Ferner
sei weder ein depressi
v
er Af
fekt
festzust
ellen
noch sei
en
in höhere
m
Ausmass Versagensgefühle, Freudverlust, Schuld-
oder
Bestrafungs
ge
fühle, Selbs
tmordgedanken, Affektlabilität oder
Reizbarkeit berichtet
worden
oder in
den
Schilderungen deutlich geworden. Zur Einordnung der depressiven Erkrankung sei bereits die Kombination von mindestens zwei Hauptsymptom-Clustern gemäss der ICD-10 (depressive Stimmung, Freud- Interessenlosigkeit) nicht festzustellen. In Verbindung mit unauffälliger emotionaler Reagibilität und fehlendem
Vigilanzverlust
während der
Untersuchung
könne damit keine depres
sive Störung gemäss der ICD-10 mehr belegt werden. Auch die Differenzialdia
gnose einer Schmerzverarbeitungsstö
r
ung, als
o
mind
e
stens sechs Monate lang ein anhaltender schwerer und belastender Schmerz in einem Körperteil, der nicht ausreichend durch einen körperlichen Befund, hier durch den Status nach
multiplen Operationen, erklärt
werden könne, sei nicht zu bestätigen. Das klinische Bild und der Beschwerdevortrag des Beschwerdeführer
s
könnte
n
nicht
durch
eine Diagnose aus dem psychiatrischen Fachgebiet erklärt werden. Aus versicherungsmedizinisch-psychiatrischem
Blickwinkel sei der Beschwerdef
ü
h
rer in einer dem Augenleiden angepassten Verweistätigkeit als vollschichtig arbeits
fähig zu beurteilen.
3.
8
PD
Dr.
A._
untersuchte den Beschwerdeführer ebenfalls am 2
0.
Februar 201
8
.
Mit Bericht vom 1
2.
März 2018 (
Urk.
7/281) nannte er als
Diagnose eine
Evis
ze
ration
rechtes Auge nach Perforationsverletzung ohne neurologisch überwie
gend wahrscheinlichen Hinweis auf zentrale
Deafferenzierungsschmerzen
(sog. Phantomschmerz).
Im Rahmen der ausführlichen versicherungs-medizi
n
ischen
neurologischen Befragung und Untersuchung vom 2
0.
Februar 2018 habe der Beschwerdeführer spontan keine Schmerzen angegeben, sondern erst auf Nach
frage nach Schmerzen zunächst über eine rechtsseitige Gesichtsschwellung und ein trockenes Auge rechtsseitig berichtet. Erst auf weitere Nachfrage dies
be
züglich habe er angegeben, dass ihm sein rechtes A
uge Ärger («
fastidito
») bereite
. Als
der Beschwerdeführer
nochmals in Bezug auf das Vorli
e
gen
von Schmerzen gefragt werde,
könne er diese weder präzise beschreiben noch genau lokalisieren. Weder würden in offener Fragewei
s
e von der Schmerzqualität her elektrisierende, brennende oder
attackenförmige
Schmerzen noch
von der Schmerzstärke
her ver
nichtende Schmerzen
oder
bohrende oder schneidende Schmerzen im Inneren des
vormaligen Augenapfels lokalisi
ert beschr
i
e
ben.
Triggerfaktoren
würden nicht spontan angegeben, nur auf direkte Nachfrage (Kälte und Lärm) ohne weitere Beschreibung bejaht. Somit blieben für den Untersucher sowohl der Schmerz
charakter als auch die Schmerzstärke letztlich
vage mit zum Teil inkonsisten
ten Angaben von Dauerschmerz und widersprüchlich dazu Angaben von langen schmerzfreien Episoden zum Beispiel abends
,
wenn er entspannt sei
,
und nachts bei vollständig ungestört und durchgehend von 21 bis 7 Uhr angegebenem Nacht
s
chlaf
(10 Stunden). Dies stehe der klinisch neurologischen Erfahrung mit
kausal
gi
formen
neuropathischen
Schmerzsymptomatiken
bei Neuralgien entgegen wie beispielsweise der Trigeminusneuralgie, einer relativ häufigen und vergleichbaren Symptomatik einschliesslich der
Triggerfaktoren
, die ausnahmslos plastisch be
schrieben würden mit üblicherweise einfühlb
aren heftigen und klar lokalisi
erten
Schmerzen. Wenn der Beschwerdeführer mit dem Zeigefinger die präzise
Schmerz
lokalisation zeigen soll
, falle ein deutliche
s Zögern
mit anschliessender vager Lokalisation auf der Stirnmitte, das heisse nicht dem Innervationsgebiet des Auges respektive der Augenhöhe entsprechend
, auf. Dieses sei der
Nervus
nasoci
liaris
als lokaler
Endast
des
Nervus
opht
h
almicus
enden
d
in den langen Ziliarnerven der
Augenbulbusinnervation
.
Ein sogenannter
Phantomschmerz des Auges lasse
sich mit apparativer Diagnostik nicht fassen und ob
jektivieren
und trete nach aktuellen Untersuchungen gemäss klinisch-anamnestischer E
rh
ebun
g
en etwa bei jedem
fünften
Fall von
Augenenukleation
auf. Er müsse daher auf klinischer Basis aufgrund einer sorgfältigen subjektiven B
eschwerdeanamnese und typi
schen klinischen Charakteristika mit einer über die reine Möglichkeit hin
ausgehende Wahrscheinlichkeit diagnostiziert werden. Als klinische Charak
teristika eines Phantomschmerzes des Auges werde ein
e
klar lokalisierbare Sym
p
tomatologie im Innervationsgeb
i
e
t des
Nervus
nasociliaris
des ersten Astes des
Nervus
trigeminus
in Projekti
on
auf das ehemalige Auge/Augenhöhle erwartet, einhergehend mit starken und sehr unangenehmen
neuralgiformen
Schmerzat
tacken oder Dauerschmerzen mit Schmerzmaximum bei mögli
c
her weiterer Aus
strahlung in nahe Gesichtsanteile. Dies sei im vorliegend
en
Fall nicht (mehr) ge
geben, weswegen nicht mit dem notwendigen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich
kei
t
neurologischerseits
von einem Phantomschmerzphänomen nach
Augenenukleation
ausgegangen werden könne. Die angegeben
en
Be
schwer
den mit diffusen Gefühlsstörungen der gesamten rechten Gesichtshälfte, dies würde allen drei Trigeminusästen entsprechen, seien anatomisch nicht nachvoll
ziehbar respektive auf organischer Grundlage begründbar, da nach der
Enukle
a
tion
nur die
Endäste
der Augeninnervation des obersten Trigeminusastes lokal in der Augenhöhe betroffen seien. Der Beschwerdeführer mache von der klinischen Beobachtung und Untersuchung her währen
d
der gesamten Zeit über mehrere
Stunden
zudem keinen schmerzgequälten Eindruck. Weder habe es spontane
«
Schmerzentäusserungen
»
gegeben noch habe
er sich
beispielsweise spontan an
das
Auge oder augennahe Gesichtsbereiche rechtsseitig gefasst. Auch habe es keinerlei sicht-
oder einfühlbare Beein
t
rächtigungen der guten emotionalen Ver
fassung
und
der leb
haften Interaktion sowie der A
u
fmerksamkeits- und Konzen
trationsleistungen gegeben. Dazu korreliere, dass d
er Beschwerdeführer in der Zwischenzeit selbst wieder einen zeitnahen Arbeitsversuch angekündigt habe und die Schmerzmedikation weiter senken respektive absetzen möchte.
Auf neurolo
gischem Fachgebiet könne keine Leistungseinschränkung begründet werden. Es besteh
e hier volle Arbeitsfähigkeit.
3.
9
PD
Dr.
A._
,
Dr.
Z._
und
Dr.
D._
verfassten am 2
7.
September
2019 eine neurologisch-psychiatrisch-ophtha
lmologische Stellungnahme (Urk.
7
/369
)
.
Sie bestätigten dabei grundsätzlich das von
Dr.
Y._
am
16.
Januar 2017 (vgl. E. 3.1) erstellte Zumutbarkeitsprofil. Zusätzlich führten sie an, dass für Arbeiten, welche in der Nähe ausgeführt werden müsste
n
, auf eine entsprechende Brillenkorrektur zu achten sei. Dies gelte insbesondere auch für Bildschirmtätigkeiten. Weiter führten sie aus, dass beim Beschwerdeführer
nun schon seit vielen Jahre
n
eine funktionelle Einäugigkeit
bestehe
, sodass davon auszugehen sei, dass er sich mittlerwei
le an seine
Monokelsitua
t
i
on
gew
ö
hnt habe und das fehlende räumliche Sehen kompensieren könne. Neben der
Monokel
situati
o
n
bestehe beim Besch
w
erdeführer eine Reizung des rechten Auges und er trage laut dem letzten vorliegenden augenärztlichen Bericht eine Verbands
kon
taktlins
e recht
s
. Aufgrund der Reizung sei
eine übermässige Exposition des Auges mit Staub, Rauch oder sonstigen irritierenden Substanzen zu vermeiden. Das Tragen einer Schutzbril
le sei zu empfehlen. Ebenso sol
lte bei starker Sonne eine Sonnenbrille getragen werden. Es müsse gewährleistet sein, dass die befeuch
ten
den Augentropfen wie verordnet regelmässig und unter sauberen Bedingungen
in das rechte Auge appliziert werden könn
t
en. Aus ophthalmologischer Sicht könne
nicht davon ausgegangen werden, dass das gute linke Auge durch das ver
unfallte rechte Auge überlastet oder beeinträchtigt werde. Eine Computerarbeit sei dem Beschwer
deführer zumutbar. Das linke Au
ge sei altersentsprechend nor
mal und besitze mit
Korrektur eine volle Sehschärfe
. Bei geeigneten Täti
g
keiten sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer zurzeit mindestens zu 80
%
arbeits
fä
hig sei. Die Notwendigkeit einer extern
en
interdisziplinären Begutachtung erschliesse sich ihnen nicht, da d
i
e neuropsychiatrische Beurteilung auch auf einer aus
führlichen Untersuchung vom 1
2.
März 2018 beruhe und s
ich
seither keine neuen medizinischen Aspekte ergeben hätten.
3.
10
Dr.
I._
nannte mit ärztliche
m
Zeugnis zu Händen der Krankentag
geldver
sicherung des Beschwerdeführers vom
2.
März 2020
(Urk.
7/408/59)
als Diagnose: Status na
ch
Bulbusberstung
rechts am 15.
September 2014 und wieder zuneh
mende Schmerzen, Konzentrationsstörung.
Dr.
I._
attestierte dem Besch
we
r
de
führ
er vom
1.
November 2019 bis 29.
Februar 2020 eine 100%ige Arbeits
un
fähigkeit.
Es se
i offen, wann die Arbeit wieder
aufgenommen werden könne.
3.
1
1
Dr.
med.
K._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
nahm am
1
2.
März 2020 eine medizinische Beurteilung zu Händen der Krankentaggeld
versicherung des Beschwerdeführers vor
(
Urk.
7/40
9/3-4
)
. Als Diagnosen nannte er
: Status nach Augenquetschung und Augenverlust mit eingepflanzter Augen
prothese, die rezidivierend Beschwerden auslös
e
und neu zunehmen
de
Schmerzen im B
ereich
der Augenprothese und d
a
raus folgend
Auswirkungen unbekannten Ausmasses und unbekannter
Art.
Auf die Frage, ob die aktuelle Arbeitsunfähig
keit im Zus
a
mmenhang mit dem
Bulbustrauma
im September 2014 stehe, erklärte
Dr.
K._
,
j
a, so wie es aussehe gehe es um wieder zunehmende Schmerzen im Bereich der Augenprothese und der Augenhöhle, nähere Angaben fehlten aber
.
Auf die Nachfrage der Krankentaggeldversicherung, ob somit die Zuständigkeit beim UVG-Versicherer sein sollte, antwortete
Dr.
K._
mit Stellungnahme vom
1
7.
März 2020 (
Urk.
7/409/1-2),
ja, korrekt. Die vorhandenen Angaben seien sehr «bescheiden», aber das
,
was aus dem
V
orhandene
n
evaluiert werden könne, sei: Die aktuellen Probleme s
eien zusammenhängend mit dem Au
genunfall von früher (aktuell: Schmerzen im Bereich des verletzten Auges und um die Augen
prothese herum) und wären heute nicht da, wenn der Unfall nicht geschehen wäre. Es seien keine «sonst auch» auftretenden Beschwe
rd
en. Die aktuellen Be
schwerden wären ohn
e Unfall heute nicht vorhanden.
3.
1
2
Nach Einsicht in die Berichte von
Dr.
I._
(E. 3.7)
und
Dr.
K._
(E. 3.8)
erklärten
PD
Dr.
A._
,
Dr.
Z._
und
Dr.
D._
am
3.
b
zw.
5.
Septem
ber 2020 (
Urk.
7/415), neue medizinische Erkenntnisse ergäben sich aus den Be
richten nicht. Es könne
am
formulierten Zumutbarkeitsprofil festgehalten werden
.
4.
4.1
Der Beschwerdeführer verlor
infolge des Unfalls vom 1
5.
September 2014
sein rechtes Auge.
Strittig und zu prüfen ist,
ob
er
infolge des Unfalls an Gesichts- und Kopfschmerzen leidet und aufgrund der unfallkausalen Beschwerden
ab dem
1.
Mai 2018 Anspruch auf eine Rente der Beschwerdegegnerin
und eine höhere als die zugesprochene Integritätsentschädigung
hat bzw.
ob die Beschwerdegeg
nerin
den
Sachverhalt
überhaupt
rechtsgenügend abgeklärt hat.
4.2
Die Beschwerdegegnerin stützte
ihren Entscheid
in medizinischer Hinsicht
im Wesentlichen auf die
ophthalmologische
Beurteilung
von
Dr.
Y._
(E. 3.1) bzw.
die
neurologisch-psychiatrisch-ophthalmologische
n Abklärungen und Stel
lung
nahmen
von PD
Dr.
A._
,
Dr.
Z._
und
Dr.
D._
von ihrem Kompetenzzentrum Versicherungsmedizin
(
E. 3.7, E. 3.8
, E. 3.
9
, E. 3.1
2
).
Die Ärzte der Beschwerdegegnerin
nannte
n
aus ophthalmologischer Sicht keine Ursache für die vom Beschwerdeführer geklagten
Schmerzen
.
PD
Dr.
A._
kam in seinen neurologischen Stellungnahmen zum Schluss, dass kein überwiegend wahrscheinlicher Anhalt für das Vorliegen eines lokalen Phantomschmerzes respektive einer
neuralgiformen
Schmerzsymptomatik bei rechtsseitiger
Enuklea
tion
des rechten Auges nach Perforationsverletzung
bestehe
.
Dr.
Z._
verneinte
das Vorlie
gen einer (teil-)unfallkausalen und einer nicht (teil-)unfallkausalen psy
chiatrischen Diagnose
, insbesondere einer
Schmerzverarbeitungsstörung
. Die Ärz
te
des Kompetenz
z
entrums Versicherungsmedizin der Beschwerdegeg
ner
in
nannten somit
weder aus ophthalmologischer noch aus psychiatrischer
oder
neu
rologi
scher Sicht eine Ursache für die vom Beschwerdeführer geklagten
Schmer
zen
.
4.
3
Dr.
Z._
legt
e
in seinen Stellungnahmen (insb.
Urk.
7/280)
ausführlich dar, weshalb seines Erachtens eine depressive Störung nicht belegt werden könne. Die Verneinung eine
r
Schmerzverarbeitungsstörung beschränkt sich jedoch auf die
Feststellung, dass
eine Schmerzverarbeitungsstörung, also mindestens sechs Monate
lang ein anhaltender schwerer und belastender Schmerz in einem Körper
teil, der nicht ausreichend durch einen körperlichen Befund, hier durch den Status nach multiplen Operationen, erklärt werden könne, nicht zu bestätigen sei
(
Urk.
7/280). Aus dieser Begründung ergibt sich nicht, ob
Dr.
Z._
eine Schmerz
verarbeitungsstörung mit der Begründung des fehlenden qualifizierten Schmerzes oder mit der Begründung, die geklagten
Schmerzen
seien ausreichend durch einen körperlichen Befund belegt, verneint
. Sollte
Dr.
Z._
eine Schmer
zverarbei
tungsstörung aufgrund einer
somatischen Ursache für die geklagten Beschwerden vern
eint haben – worauf der Hinweis auf den Status nach multiplen
Operationen
schliessen lässt -,
bliebe
unklar, durch welche Befunde diese
Ursache
den
n
be
gründet sein sollte, verneinte die Beschwerdegegnerin doch sowohl aus ophthal
mologischer als auch aus neurologischer Sicht eine Ursache für die vom Be
schwer
deführer geklagten Beschwerden
und nannte auch keine andere soma
tische Ursache
. S
ollte
Dr.
Z._
hingegen eine Schmerzverarbeitungsstörung aufgrund fehlenden Nachweises
von
Schmerzen verneint ha
ben, e
rhellt sich aus seinen
Ausführungen nicht, wie der doch erhebliche
Medikamenten- bzw. Schmerz
mittel
konsum des
Beschwerdeführers
(vgl.
Urk.
7/280/11)
aus psychiatrischer Sicht
zu erklären
ist
.
PD
Dr.
A._
legt
e
in seinem Bericht vom 2
0.
Februar 2018 (
Urk.
7/280) dar, weshalb er das Vorliege
n eines lokalen Phantomschmerze
s respektive einer
neu
ralgiformen
Schmerzsymptomatik verneint
e
(
Urk.
7/281). Dabei hielt er unter anderem fest, dass der Beschwerdeführer die geklagten Schmerzen weder präzise beschreiben noch
genau lokalisieren könne (Urk.
7/281/8).
PD
Dr.
A._
setzt
e
sich
dabei
jedoch
in keiner Weise
mit
dem
B
ericht von
Dr.
H._
vom
5.
Mai 2017
auseinander
, welchem
eine Beschreibung de
r
Schmerze
n
zu entnehmen ist
(
Urk.
7/252/3)
. Auch zu den vom Beschwerdeführer gegenüber
Dr.
Z._
ge
mach
ten, etwas ausführlicheren Schmerzbeschreibungen
(Urk.
7/280
/10)
äussert
e
sich PD
Dr.
A._
nicht.
Es bleibt daher unklar, inwieweit die dabei beschrie
be
nen Beschwerden als Phantomschmerzen beziehungsweise
neuralgiforme
Schmer
zen interpretiert werden können.
Wie
Dr.
Z._
setzt sich PD DR.
A._
zudem
nicht konkret mit dem Schmerzmittelkonsum des Beschwerdeführers (vgl.
Urk.
7/281/7) auseinander. Es bleibt daher unklar, wie dieser zu interpretieren ist beziehungsweise welche Auswirkungen dieser
auf die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers hat.
Da – wie dargelegt
(E. 1.5)
–
an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen
sind
,
wenn ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutach
tens zu entscheiden ist und nur schon bei geringen Zweifeln an der Zuver
lässigkeit und Schlüssigkeit
der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen
ergänzende Abklärungen vorzunehmen
sind, erweist sich der rechtserhebliche medizinische Sachverhalt nicht als rechtsgenügend abgeklärt.
4.4
Der angefochtene
Ei
nspracheentscheid
vom 2
7.
Januar 2021 (
Urk.
2) ist
nach dem Gesagten
aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie ein polydisziplinäres Gutachten einholt und hernach über den Leis
tungsanspruch des Beschwerdeführers neu entscheidet. Die Beschwerde ist in dem Sinne
gutzuheissen
.
5.
Der vertretene Beschwerdeführer hat Anspruch auf eine Prozessentschädigung (§ 34 Abs. 1
GSVGer
).
Diese wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
Die dem Beschwerdeführer von der Beschwerdegegnerin auszurichtende Prozessentschädigung ist unter Berück
sich
ti
gung der genannten Kriterien ermessensweise auf Fr. 2’
2
00.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen.