# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** e12592bc-d477-4baf-9c3d-5773a6073b52
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. Der am _1942 geborene und mittlerweile pensionierte Y._ ist Halter des Boxers „A._“. Zudem lebt auch die Bulldogge „B._“ unter der Obhut von Y._, wobei sein Sohn Eigentümer des Tieres ist.
B. Am 10. Oktober 2012 ging auf dem Polizeiposten O.1_ ein Anruf von C._ ein, wonach ihr angeleinter, einjähriger Hund „D._“ von zwei freilaufenden Hunden angegriffen und verletzt worden sei (vgl. act. E.3/1.1). C._ verzichtete in der Folge auf eine Beteiligung am Strafverfahren (vgl. act. E.3/1.4).
C. Die Staatsanwaltschaft Graubünden übermittelte den Polizeirapport am 6. November 2012 zuständigkeitshalber an das Departement für Volkswirtschaft und Soziales Graubünden (nachfolgend DVS) zwecks weiterer Behandlung der Angelegenheit (vgl. act. E.3/1.6). Mit Strafbefehl des DVS vom 23. Mai 2013, mitgeteilt am 24. Mai 2013, wurde Y._ wegen fahrlässiger Widerhandlung gegen Art. 77 der Tierschutzverordnung (TSchV; SR 455.1) in Verbindung mit Art. 28 Abs. 3 (recte: Abs. 2) des Tierschutzgesetzes (TSchG; SR 455) mit einer Busse von CHF 100.-- bestraft. Überdies wurden ihm die Kosten des Verwaltungsstrafverfahrens von insgesamt CHF 362.-- auferlegt. Dem Strafbefehl lag folgender Sachverhalt zugrunde (vgl. act. E.3/1.13):
„Am 10. Oktober 2012, um 11.50 Uhr, ging C._ mit dem angeleinten Continental Bulldog „D._“, Chip-Nr. _, sowie ihren zwei Enkelkindern auf der _strasse in O.1_ in Richtung Abfallhäuschen. Auf der Höhe der Liegenschaft _strasse kamen plötzlich der Boxer „A._“, Chip-Nr. _, sowie die Bulldogge „B._“, Chip-Nr. _, von Y._ aus dem Haus, rannten direkt auf D._ los und griffen diesen an. Trotz einiger Versuche, die Hunde von Y._ von D._ wegzuziehen, konnte C._ D._ erst in Sicherheit bringen, als es ihr gelang, D._ in ihr Fahrzeug einzuschliessen. Y._ befand sich zum Zeitpunkt des Beissvorfalles im Weinkeller und hatte seine Hunde unbeaufsichtigt in der Wohnung gelassen, von wo sie entweichen konnten.“
D. Gegen diesen Strafbefehl erhob Y._ mit Schreiben vom 4. Juni 2013 fristgemäss Einsprache beim DVS (vgl. act. E.3/1.15). In der nachgereichten Begründung vom 14. August 2013 ersuchte sein Rechtsvertreter, dass das Verfahren umgehend einzustellen sei (vgl. act. E.3/1.21). In der Folge nahm das DVS weitere Beweise ab. Mit Schreiben vom 22. November 2013 teilte das Departement mit, dass es beabsichtige, am Strafbefehl festzuhalten und die Angelegenheit dem zuständigen Bezirksgericht zu überweisen (vgl. act. E.3/1.23).
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Der Beweisantrag des Beschuldigten auf Durchführung eines Augenscheins wurde am 12. Februar 2014 abgelehnt (vgl. act. E.3/1.27). Gleichentags verfasste das DVS einen Schlussbericht und beantragte dem Bezirksgericht, Y._ sei gemäss Strafbefehl schuldig zu sprechen. Allerdings erscheine die Verwendung des Begriffs „Beissvorfall“ im Strafbefehl unglücklich, da kein solcher geschildert werde. Entscheidend sei aber auch nicht, ob es zu einem Biss mit Verletzungen gekommen sei, sondern ob eine Gefahrensituation bestanden habe (vgl. act. E.3/1.28).
E. Am 3. Dezember 2014 fand die Hauptverhandlung vor dem Bezirksgericht Albula statt, anlässlich welcher die Parteien folgende Schlussanträge stellten:
Anträge Departement für Volkswirtschaft und Soziales Graubünden:
„1. Y._ sei der fahrlässigen Widerhandlung gegen Art. 77 TSchV in Verbindung mit Art. 28 Abs. 2 TSchG schuldig zu sprechen.
2. Dafür sei er mit einer Busse von Fr. 100.- zu bestrafen.
3. Unter gesetzlicher Kostenfolge.“
Anträge beschuldigte Person:
„1. Y._ sei vom Vorwurf der fahrlässigen Widerhandlung gegen Art. 77 TSchV i.V.m. Art. 28 III TSchG freizusprechen.
2. Die Kosten des Verfahrens seien durch die Staatskasse zu tragen.
3. Y._ sei für die entstandenen Aufwendungen der angemessenen Vertretung seiner Interessen vollumfänglich zu entschädigen.“
F. Gegen das am 3. Dezember 2014 gefällte, gleichentags mündlich eröffnete und am 5. Dezember 2014 im Dispositiv mitgeteilte Urteil des Bezirksgerichts Albula meldete das DVS mit Eingabe vom 9. Dezember 2014 Berufung an (vgl. act. A.1). Am 18. Dezember 2014 wurde das Dispositiv in Bezug auf die Höhe der Verfahrenskosten berichtigt. Das schriftlich begründete Urteil wurde den Parteien alsdann am 8. Mai 2015 mitgeteilt. Darin erkannte das Bezirksgericht Albula wie folgt:
„1. Y._ wird vom Anklagevorwurf der fahrlässigen Widerhandlung gegen Art. 77 TSchV in Verbindung mit Art. 28 Abs. 2 TSchG freigesprochen.
2. Die Kosten des Verfahrens von CHF 2'710.00 (Untersuchungskosten Departement für Volkswirtschaft und Soziales Graubünden CHF 710.00, Gerichtskosten CHF 2'000.00) gehen zu Lasten des Kantons Graubünden.
3. Y._ wird zu Lasten des Kantons Graubünden mit CHF 4'369.15 (inkl. Barauslagen und MwSt.) entschädigt. Die Auszahlung erfolgt aus der Gerichtskasse.
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## Considerations