# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** e9b3d959-71d7-4085-a1d6-08f3f7a94d59
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. X._, geboren am _1979 in O.1_, und Y._, geboren am _1977 in L.1_, haben am 4. April 2003 in O.2_ geheiratet. Aus dieser Ehe sind die Kinder A._ (geboren am _2003) und B._ (geboren am _2005) hervorgegangen. Bis zur Trennung im Frühjahr 2011 lebte die Familie in O.3_, wo die Ehegatten gemeinsam das Hotel C._ führten.
B. Am 5. April 2011 reichte X._ beim Einzelrichter am Bezirksgericht Inn ein Gesuch um Erlass eheschutzrichterlicher Massnahmen ein und beantragte im Hinblick auf den von Y._ beabsichtigten Umzug nach O.4_ die superprovisorische Unterstellung der Kinder A._ und B._ unter ihre Obhut und alleinige elterliche Sorge. Diesem Begehren wurde mit Entscheid vom 6. April 2011 insoweit entsprochen, als die beiden Töchter bis zur definitiven Entscheidung unter die Obhut der Mutter gestellt wurden. In der Folge wurde die Kinder- und Jugendpsychiatrie Graubünden (kjp) mit der Erstellung eines Gutachtens zur Frage der Obhutszuteilung und der Regelung des persönlichen Verkehrs beauftragt. Dieses ging beim Gericht am 20. Januar 2012 ein, worauf der Einzelrichter am Bezirksgericht Inn mit Entscheid vom 8. Mai 2012 die elterliche Obhut für beide Töchter für die Dauer des Getrenntlebens auf X._ übertrug und Y._ das Recht einräumte, seine Kinder jedes Jahr für insgesamt die Hälfte der gesamten Schulferien zu sich oder mit sich in die Ferien zu nehmen.
C. Am 11. April 2013 reichte X._ beim Bezirksgericht Inn die Scheidungsklage ein. Anlässlich einer Einigungsverhandlung vor dem Bezirksgerichtspräsidenten am 4. Juli 2013 unterzeichneten die Parteien eine Vereinbarung betreffend das Besuchsrecht, wonach Y._ die Töchter eine Woche im Herbst, zwei Wochen im Mai, drei Wochen im Sommer sowie eine Woche über Weihnachten besuchen oder zu sich auf Besuch nehmen darf (vgl. im Wortlaut nachfolgend Sachverhalt I). In ihrer Begründung der Ehescheidungsklage vom 30. September 2013 beantragte X._ die gerichtliche Genehmigung dieser Teilkonvention.
D. Am 16. Dezember 2013 reichte Y._ gleichzeitig mit seiner Klageantwort ein Gesuch um superprovisorische Anordnung des vorerwähnten Besuchsrechts für die Dauer des Scheidungsverfahrens ein. Zudem seien im Hinblick auf die anstehenden Weihnachtsferien die exakten Tage zu bestimmen, an welchen er die Kinder A._ und B._ in O.1_ abzuholen und
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wieder zurückzubringen habe. Zur Begründung seines Antrages auf superprovisorische Regelung des Besuchsrechts verwies Y._ auf ein E-Mail der gegnerischen Rechtsvertreterin vom 28. November 2013, in welchem diese mitteilte, dass A._ an den bevorstehenden Weihnachtsfeiertagen nicht nach O.4_ fahren werde, was das Mädchen dem Vater auch so mitgeteilt habe.
E. Mit superprovisorischer Verfügung vom 20. Dezember 2013 hiess der Bezirksgerichtspräsident dieses Gesuch gut und ordnete das auf der gerichtlichen Vereinbarung vom 4. Juli 2013 basierende Besuchsrecht bis zum definitiven Entscheid in der Angelegenheit an.
F. In ihrer Stellungnahme zu diesem superprovisorischen Entscheid vom 14. Januar 2014 beantragte X._ die kostenfällige Abweisung des Gesuchs. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte sie die Einholung eines kinderpsychiatrischen oder kinderpsychologischen Gutachtens, die adäquate Anhörung der beiden Kinder sowie die Anordnung von geeigneten Kindesschutzmassnahmen. Zudem sei davon Vormerk zu nehmen, dass sie mit dem am 4. Juli 2013 vereinbarten Besuchs- und Ferienrecht nicht mehr einverstanden sei und dass diesem bis zum Vorliegen eines Gutachtens aus kindesschutzrechtlichen Gründen nicht Folge zu leisten sei.
G. In seiner Replik vom 17. Februar 2014 beantragte Y._ die Bestätigung der superprovisorischen Verfügung vom 20. Dezember 2013. Er befürwortete einzig den Antrag von X._ auf Einholung eines Gutachtens und beantragte die Einsetzung eines L.1_ischsprachigen Gutachters, während die restlichen Anträge abzuweisen seien.
H. In ihrer Duplik vom 25. März 2014 hielt X._ an ihren Anträgen vom 14. Januar 2014 fest und beantragte zusätzlich die Einsetzung eines schweizerischen Gutachters.
I. Mit Entscheid vom 11. April 2014, mitgeteilt am 16. April 2014, entschied der Einzelrichter am Bezirksgericht Inn was folgt:
"1. Die superprovisorische Verfügung des Bezirksgerichtspräsidenten Inn vom 20. Dezember 2013 wird bestätigt und demzufolge wird das Gesuch um Anordnung des auf die gerichtliche Vereinbarung vom 4. Juli 2013 basierenden Besuchsrechts bis zum definitiven Entscheid in der Angelegenheit wie folgt bestätigt:
Das Gesuch um superprovisorische Anordnung des auf die gerichtliche Vereinbarung vom 4. Juli 2013 basierenden Besuchsrechts wird bis zum definitiven Entscheid in der Angelegenheit
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gutgeheissen. Demzufolge gilt bis zum definitiven Entscheid in der Angelegenheit folgendes:
"Y._ ist berechtigt, die Kinder A._, geboren am _2003, und B._, geboren am _2005 jeweils eine Woche im Herbst (Oktoberferien) im D._ zu besuchen und, wenn im Hotel E._ ein Zimmer verfügbar ist, dort unentgeltlich zu übernachten und zu essen. Weiter ist der Vater berechtigt, die Kinder im Mai (Maiferien) jeweils zwei Wochen in O.4_, im Sommer (Sommerferien) jeweils 3 Wochen in O.4_ und an Weihnachten oder Neujahr jeweils eine Woche in O.4_ auf eigene Kosten zu sich oder mit sich in die Ferien zu nehmen. Jährlich alternierend ist der Vater berechtigt, die Kinder jeweils zwei Wochen im Herbst (Oktoberferien) in O.4_ auf eigene Kosten zu sich oder mit sich in die Ferien zu nehmen, und jeweils eine Woche Ferien im Mai (Maiferien) im D._ zu besuchen und, wenn im Hotel E._ ein Zimmer verfügbar ist, dort unentgeltlich zu übernachten und zu essen. In den Osterferien ist der Vater berechtigt, die Kinder dort zu besuchen, wo diese gerade weilen.
Der Vater teilt seine gewünschten Feriendaten der Mutter jeweils mindestens ein Monat im Voraus mit. Weiter darf er die letzte Woche der Sommerferien nicht in Anspruch nehmen.
Weitergehende oder abweichende Wochenend-, Feiertags- oder Ferienkontakte nach gegenseitiger Absprache bleiben vorbehalten.
Im Übrigen beabsichtigen die Parteien eine flexible Handhabung des Besuchsrechts unter Wahrung der berechtigten Interessen aller Beteiligten."
2. Frau Dr. F._ wird beauftragt, ein Gutachten betreffend die Zuteilung der elterlichen Sorge über die Kinder sowie über ein angemessenes Besuchs- und Ferienrecht zu erstellen.
3. Das Gericht wird der sachverständigen Person folgende Fragen zur Beantwortung unterbreiten:
a) Der Gutachter wird beauftragt, die persönliche Geeignetheit und Erziehungsfähigkeit der beiden Eheleute je separat mit Blick auf die Zuteilung der elterlichen Obhut und die gemeinsame elterliche Sorge über die Töchter A._ und B._ zu beurteilen und detailliert zu begründen.
b) Der Gutachter wird beauftragt, die Bindungsqualität zwischen der Tochter A._ und der Mutter einerseits und dem Vater andererseits zu untersuchen; sowie zwischen der Tochter B._ und der Mutter einerseits und dem Vater andererseits zu untersuchen.
c) Der Gutachter wird beauftragt, zu untersuchen, welche Regelung des persönlichen Verkehrs mit dem Kindeswohl vereinbar ist.
d) Der Gutachter wird beauftragt, sich darüber zu äussern, ob irgendwelche Massnahmen wie z.B. eine Erziehungs- oder Besuchsbeistandschaft angebracht sind.
e) Der Gutachter ist gehalten, offenzulegen, welche Testmethoden er angewendet hat.
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4. Die Parteien erhalten Gelegenheit bis zum 28. April 2014, um zum Vorschlag schriftlich und begründet Stellung zu nehmen (Art. 183 Abs. 1 ZPO) und sich zur Fragestellung zu äussern und Änderungs- oder Ergänzungsanträge zu stellen (Art. 185 Abs. 2 ZPO). Säumnis gilt als Verzicht auf Stellungnahme und Anträge.
5. Im Übrigen werden die Anträge vollumfänglich abgewiesen.
6. (Gerichtskosten in Höhe von CHF 2'580.00 zu Lasten von X._, infolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege jedoch zu Lasten des Kantons Graubünden).
7. (Verpflichtung von X._ zu vollumfänglicher aussergerichtlicher Entschädigung von Y._ / Entschädigung der unentgeltlichen Rechtsbeistände gemäss Kostenentscheiden zu Lasten des Kantons Graubünden).
8. (Rechtsmittel).
9. Mitteilung)."
J. Gegen diesen Entscheid erhob X._ (nachfolgend Berufungsklägerin) beim Kantonsgericht von Graubünden am 28. April 2014 Berufung und stellte folgende Rechtsbegehren:
"1. Es seien Ziff. 1, Ziff. 2, Ziff. 6 und Ziff. 7 des angefochtenen Entscheids vom 11./16.04.2014 des Bezirksgerichts Inn aufzuheben und
- es sei das Besuchsrecht bis zur Erstattung des Gutachtens zu sistieren, subsidiär die Modalitäten anzupassen
- es seien geeignete Kindesschutzmassnahmen zu erlassen
- es sei ein Gutachter aus der Schweiz zu bestellen mit O.4_anischkenntnissen und Erfahrung mit dem Verfassen von Kindergutachten
- es seien die Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens neu zu verteilen gemäss Ausgang dieses Verfahrens
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Gegenpartei.
K. In seiner Berufungsantwort vom 9. Mai 2014 stellte Y._ (nachfolgend Berufungsbeklagter) folgende Anträge:
"1.a) Die Sache sei an den Einzelrichter des Bezirksgerichts Inn zurückzuweisen mit der Weisung, nach Gewährung des rechtlichen Gehörs zur Person der durch das Bezirksgericht Inn vorgeschlagenen Gutachterin und nach Gewährung des rechtlichen Gehörs zu den durch das Bezirksgericht Inn vorgeschlagenen Fragen an die Gutachterin erneut über die Einsetzung eines Gutachters oder einer Gutachterin und den Fragenkatalog zu entscheiden.
b) Der Einzelrichter des Bezirksgerichts Inn sei anzuweisen, vor der Gewährung des rechtlichen Gehörs die Resultate seiner Abklärungen über die Qualifikationen der vorgeschlagenen Gutachterperson offenzulegen (insbesondere Ausbildung bzw. Fachkenntnisse, Erfahrungen, Tätigkeitsbereiche, Arbeitgeber und Sprachkenntnisse).
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c) Im Rückweisungsentscheid sei festzuhalten, dass die Einsetzung eines Gutachters oder einer Gutachterin aus dem grenznahen Ausland nicht per se ausgeschlossen ist.
2. Der Einzelrichter des Bezirksgerichts Inn sei anzuweisen, die Kinder A._ und B._ durch eine Fachperson anhören zu lassen und bis eine Woche vor den Sommerferien, d.h. bis zum 20.06.2014, neu über den Umfang und die Modalitäten des persönlichen Verkehrs zu entscheiden für die Dauer, bis das Gutachten vorliegt (eventualiter für die Dauer des gesamten Scheidungsverfahrens).
3. Im Übrigen sei die Berufung abzuweisen.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Berufungsklägerin und des Staates.
L. Beide Parteien stellten gleichzeitig mit der Einreichung ihrer Rechtsschriften ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege für das Berufungsverfahren (vgl. ERZ 14 144 resp. ERZ 14 162). Mittels Verfügungen vom 5. Juni 2014 gewährte die Vorsitzende der I. Zivilkammer des Kantonsgerichts von Graubünden den Parteien die unentgeltliche Rechtspflege und ernannte Rechtsanwältin lic. iur. Ladina Sturzenegger zur Rechtsvertreterin der Berufungsklägerin und Rechtsanwalt Dr. iur. Thomas Schütt zum Rechtsvertreter des Berufungsbeklagten.
M. Auf die weitergehenden Ausführungen im angefochtenen Entscheid sowie in den Rechtschriften wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
II. Erwägungen

## Considerations