# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** a040629f-18e7-59fb-84b7-5cae4125645e
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdeführer beantragte mit nachträglichem Baugesuch vom 16. März 2018
die Bewilligung der Umnutzung der Liegenschaft Roggwil Gbbl. Nr. C._ in eine
Fahrzeug-Reparaturwerkstatt. Daraufhin teilte ihm die Gemeinde mit, das Gesuch sei
unvollständig, insbesondere weil die Unterschrift der Grundeigentümerin fehle. Da der
Beschwerdeführer trotz entsprechender Aufforderung der Gemeinde kein verbessertes
Baugesuch einreichte, schrieb diese das Baugesuchsverfahren mit Verfügung vom 4. Juni
2018 ab und ordnete die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands an.
RA Nr. 110/2019/102 2
2. Gegen diese Verfügung führte der Beschwerdeführer Beschwerde bei der Bau-,
Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE). Mit Entscheid vom 12. November
2018 (RA Nr. 110/2018/80) erwog die BVE, der Beschwerdeführer habe gegenüber der
Grundeigentümerin aufgrund des bis am 31. Oktober 2019 rechtskräftig erstreckten
Mietverhältnisses den zivilrechtlichen Anspruch, bis zu diesem Zeitpunkt in den gemieteten
Geschäftsräumlichkeiten gewerblich tätig zu sein. Dem Beschwerdeführer komme somit ─
unabhängig von der schriftlichen Zustimmung der Grundeigentümerin ─ ein
schützenswertes Interesse am Baubewilligungsverfahren zu. Die fehlende Unterschrift der
Grundeigentümerin stelle somit keinen Mangel dar, welcher das Eintreten auf das
Baugesuch hindere. Die BVE hiess die Beschwerde gut, hob die Verfügung auf und wies
die Sache zur Fortsetzung des Verfahrens an die Gemeinde zurück.
3. Daraufhin wurde das Verfahren fortgesetzt. Mit der angefochtenen Verfügung vom
20. Mai 2019 teilte das Regierungsstatthalteramt Oberaargau mit, es habe dem
Beschwerdeführer mit Schreiben vom 15. Januar 2019 nach formeller und materieller
Prüfung des Baugesuchs eine Mängelliste zugestellt. Es habe den Beschwerdeführer in
der Folge mehrmals aufgefordert, die Unterlagen einzureichen, und ihm schliesslich eine
letzte Frist bis am 30. April 2019 gesetzt. Da bis anhin keine Akten eingegangen seien,
beabsichtige das Regierungsstatthalteramt, das Verfahren abzuschreiben und die
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes mit einer Frist bis Ende Oktober 2019 zu
verfügen. Die Verfahrensbeteiligten erhielten Gelegenheit, innert 10 Tagen eine
Stellungnahme einzureichen.
4. Der Beschwerdeführer wandte sich am 6. Juni 2019 mit einem gegen die Verfügung
des Regierungsstatthalteramtes vom 20. Mai 2019 gerichteten Schreiben an die BVE. Er
führte insbesondere aus, trotz grosser Anstrengungen bis zum heutigen Tag keine
passende Werkstatt gefunden zu haben. Er sei nicht einverstanden, dass er für einen
Gewerberaum, welchen er nicht vertragsgemäss nutzen könne, Miete zahlen müsse. Im
Übrigen störe ihn auch, dass vor seinen Ausfahrten fremde Autos parkierten. Er bitte um
eine Antwort und um Kenntnisnahme.
RA Nr. 110/2019/102 3
5. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, teilte dem
Beschwerdeführer am 13. Juni 2019 mit, aus seinem Schreiben vom 6. Juni 2019 gehe
nicht eindeutig hervor, ob er gegen die Verfügung des Regierungsstatthalteramtes
Oberaargau vom 20. Mai 2019 Beschwerde führen wolle. Es wies den Beschwerdeführer
darauf hin, dass eine Beschwerde einen Antrag, die Angabe von Beweismitteln, eine
Begründung sowie eine Unterschrift enthalten müsse. Aus der Begründung müsse
hervorgehen, in welchen Punkten und weshalb die beanstandete Verfügung aufgehoben
oder geändert werden solle. Bei der Verfügung vom 20. Mai 2019 handle es sich um eine
Zwischenverfügung, mit der das Regierungsstatthalteramt das rechtliche Gehör gewähre.
Die selbständige Anfechtbarkeit dieser Zwischenverfügung setze voraus, dass sie einen
nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken könne oder die Gutheissung der
Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden
Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde. Nach
summarischer Einschätzung des Rechtsamts seien diese Voraussetzungen nicht erfüllt, so
dass auf eine allfällige Beschwerde wohl nicht eingetreten werden könnte. Der
Beschwerdeführer habe Gelegenheit zur Verbesserung der Beschwerde innert der
laufenden Rechtsmittelfrist. Darin müsse er sich inhaltlich mit der angefochtenen
Zwischenverfügung auseinandersetzen und darlegen, aus welchen Gründen er sie
anfechte. Ausserdem müsse er darlegen, inwiefern die Voraussetzungen der selbständigen
Anfechtung der Zwischenverfügung erfüllt seien.
6. Mit Eingabe vom 16. Juni 2019 erklärte der Beschwerdeführer, dass er gegen die
Verfügung des Regierungsstatthalteramtes vom 20. Mai 2019 Beschwerde führen wolle.
7. Das Rechtsamt verzichtete auf die Durchführung eines Schriftenwechsels (Art. 69
Abs. 1 VRPG2).
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (Organisationsverordnung BVE, OrV BVE; BSG 152.221.191) 2 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
RA Nr. 110/2019/102 4

## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintretensvoraussetzungen
a) Angefochten ist eine verfahrensleitende Verfügung des Regierungsstatthalteramtes,
welche im Rahmen eines Baubewilligungsverfahrens ergangen ist. Diese Verfügung
schliesst das Verfahren weder ganz noch teilweise ab. Es handelt sich um eine
Zwischenverfügung gemäss Art. 61 VRPG. Die BVE ist zuständig für die Beurteilung von
Baubeschwerden (Art. 40 Abs. 1 BauG3). Dieser Rechtsmittelweg gilt auch für
selbstständig anfechtbare Zwischenverfügungen, die im Baubewilligungsverfahren
ergangen sind. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen, die
Baugesuchsteller, die Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige
Gemeindebehörde (Art. 40 Abs. 2 BauG). Der Beschwerdeführer ist als Baugesuchsteller
durch die angefochtene Verfügung betroffen und somit zur Beschwerdeführung legitimiert.
b) Gemäss Art. 32 Abs. 2 VRPG muss die Beschwerde einen Antrag, die Angabe von
Tatsachen und Beweismitteln, eine Begründung sowie eine Unterschrift enthalten;
greifbare Beweismittel sind beizulegen. Hierbei handelt es sich um Gültigkeits- und
Prozessvoraussetzungen. An Laieneingaben sind dabei keine hohen Anforderungen zu
stellen, sondern es ist ausreichend, wenn sich die Anträge aus dem Zusammenhang
sinngemäss ergeben.4 Aus der Begründung muss aber zumindest ersichtlich sein,
inwiefern und weshalb die angefochtene Verfügung beanstandet wird. Sie muss sich
wenigstens in minimaler Form mit der angefochtenen Verfügung auseinandersetzen und
sinngemäss darauf schliessen lassen, in welchen Punkten und weshalb sie aufgehoben
werden soll. Auf Begehren ohne Begründung ist nicht einzutreten.5
Vorliegend wird aus den Rechtsschriften des Beschwerdeführers nicht ersichtlich, welche
Anträge er stellt. Insbesondere verlangt der Beschwerdeführer weder die Aufhebung noch
die Änderung der angefochtenen Verfügung und setzt sich auch inhaltlich nicht mit dieser
auseinander. Es wird nicht deutlich, was der Beschwerdeführer an der angefochtenen
Verfügung beanstandet. Seine Ausführungen zu miet- und nachbarrechtlichen Konflikten,
3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0) 4 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 32 N. 13 5 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 32 N. 15; BVR 2006 S. 470 E. 2.4; BGE 131 II 470 E. 1.3
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angeblich abgestellten Autos vor den Ausfahrtstoren, behauptetem Erwerbsausfall etc. und
die Hinweise auf mögliche Beschwerden gegen Urteile der Schlichtungsbehörde
Emmental-Oberaargau und des Obergerichts des Kantons Bern stehen mit der
angefochtenen Verfügung in keinem erkennbaren Zusammenhang. Die BVE ist nicht
zuständig für allfällige Beschwerden gegen Urteile der Schlichtungsbehörde und des
Obergerichts. Auch die vom Beschwerdeführer angeführte Schwierigkeit, einen passenden
Alternativstandort für seine Werkstatt zu finden, kann nicht als inhaltliche
Auseinandersetzung mit der angefochtenen Verfügung gelten, zumal mit dieser lediglich
das rechtliche Gehör zur beabsichtigten Abschreibung des Verfahrens gewährt wird.
Insgesamt weisen die Ausführungen des Beschwerdeführers keinen relevanten
Zusammenhang mit der angefochtenen Zwischenverfügung auf. Damit sind die
Mindestanforderungen an die Form einer Beschwerde nicht eingehalten. Auf die
Beschwerde ist daher nicht einzutreten.
c) Hinzu kommt, dass es sich bei der angefochtenen Verfügung um eine
Zwischenverfügung handelt. Zwischenverfügungen können grundsätzlich erst im Rahmen
einer Beschwerde gegen die Endverfügung angefochten werden.6 Eine abweichende
Regelung gilt für Zwischenverfügungen über die Zuständigkeit, über Ausstand oder
Ablehnung (Art. 61 Abs. 2 VRPG). Diese sind selbständig anfechtbar. Gegen sämtliche
anderen Zwischenverfügungen ist eine Beschwerde nur dann zulässig, wenn sie entweder
einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 61 Abs. 3 Bst. a
VRPG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid
herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein
weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (Art. 61 Abs. 3 Bst. b VRPG). Wer eine
Zwischenverfügung anfechten will, muss darlegen, dass diese Voraussetzungen erfüllt
sind. Dabei genügt das Glaubhaftmachen.
Der Beschwerdeführer begründet nicht, inwiefern die angefochtene verfahrensleitende
Verfügung einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken könnte. Dies ist auch
nicht ersichtlich. Die Gewährung des rechtlichen Gehörs erfolgte zu seinen Gunsten, ein
Nachteil ist nicht erkennbar. Die in Aussicht gestellte Abschreibung des
Baubewilligungsverfahrens mit Wiederherstellungsanordnung wurde mit der angefochtenen
6 René Rhinow/Heinrich Koller/Christina Koss/Daniela Thurnherr/Denise Brühl-Moser, Öffentliches Prozessrecht, 3. Aufl. 2014, N.1071 und 1533
RA Nr. 110/2019/102 6
Zwischenverfügung noch nicht verfügt. Die angefochtene Zwischenverfügung ist nicht
selbstständig anfechtbar. Auf die Beschwerde ist auch aus diesem Grund nicht einzutreten.
2. Kosten
a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt der Beschwerdeführer. Er hat die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 300.– (Art. 103 VRPG in Verbindung mit Art. 19 GebV7).
b) Parteikosten sind nicht angefallen.