# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d170212b-f0cd-497e-b632-ece59544daa3
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
Seite 2 — 16
I. Sachverhalt
A. Am 26. August 2014 kontaktierte A._, Regionaler Sozialdienst Landquart (nachfolgend RSD Landquart), zusammen mit X._ die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Prättigau/Davos (nachfolgend KESB Prättigau/Davos) zwecks Meldung einer Gefährdungssituation von X._. A._ gab an, dass sich die Zusammenarbeit mit X._ schwierig gestalte und diese nun einverstanden sei, dass eine Beistandschaft errichtet werde. Probleme würden bei der Vermögensverwaltung vorliegen, die Rentensituation sei unklar, auch bestehe eine posttraumatische Belastungsstörung und ein starkes Trauma. X._ sei manchmal kaum mehr handlungsfähig, was die freiwillige Betreuung schwierig mache. Sie benötige eine umfassendere und professionellere Betreuung. Eine Familie, die X._ unterstützen könne, sei nicht vorhanden, bzw. lebe in Deutschland (vgl. KESB act. 2).
B. Die KESB Prättigau/Davos teilte X._ daraufhin am 2. September 2014 mit, dass ein Abklärungsverfahren bezüglich einer bei ihr allenfalls vorliegenden Hilfs- oder Schutzbedürftigkeit eröffnet worden sei. Gleichzeitig lud die KESB Davos/Prättigau X._ zu einer Besprechung am 9. September 2014 ein (vgl. KESB act. 4).
C. Mit Email vom 8. September 2014 teilte A._ der KESB Davos/Prättigau mit, dass X._ nicht zum vereinbarten Termin vom 9. September 2014 erscheinen könne (vgl. KESB act. 6).
D. Dr. med. B._ von den Psychiatrischen Diensten Graubünden und behandelnder Psychiater von X._ teilte der KESB Davos/Prättigau anlässlich eines Telefongespräches vom 10. September 2014 mit, dass X._ derzeit Hilfe brauche und nicht schnell Vertrauen fassen könne. Daraufhin forderte ihn die KESB Prättigau/Davos auf, einen Bericht einzureichen (vgl. KESB act. 10; 11).
E. Zwischenzeitlich übermittelte A._, RSD Landquart, der KESB Prättigau/Davos am 23. Dezember 2014 einen ausführlichen Bericht über die Situation von X._. Auf dessen Inhalt wird soweit nötig in den Erwägungen eingegangen (vgl. KESB act. 17).
F. In einem Telefongespräch vom 10. Februar 2015 teilte Dr. med. B._ der KESB Prättigau/Davos mit, dass die finanzielle Situation von X._ unklar sei, zumal die ihr bisher bezahlten Krankentaggelder auslaufen würden und ihr die IV-Stelle noch keine Leistungen bezahle. Eine Zusammenarbeit mit dem in Frage
Seite 3 — 16
kommenden Beistand, C._ der D._, lehne X._ ab. Sie könne wahnhaft, psychotisch und sogar aggressiv werden und auch dekompensieren (vgl. KESB act. 19).
G. In der Folge fand − nach einem längeren Hin und Her − am 10. März 2015 ein Treffen zwischen der KESB Prättigau/Davos und X._, im Beisein von E._, Psychiatriespitex, und Dr. med. B._, statt. Das Besprechungsprotokoll, auf dessen Inhalt soweit nötig in den Erwägungen eingegangen wird, wurde von F._, KESB Prättigau/Davos, verfasst. X._ verweigerte die Unterzeichnung desselben (vgl. KESB act. 26). Ebenso wenig unterzeichnete X._ die Einverständniserklärung zur freiwilligen Errichtung einer Beistandschaft (vgl. KESB act. 29).
H. Zwischenzeitlich ging bei der KESB Prättigau/Davos am 27. Februar 2015 erneut eine Gefährdungsmeldung der Psychiatrischen Dienste Graubünden ein. Darin wurde um Errichtung einer Beistandschaft für X._ ersucht. Sie leide an einer posttraumatischen Belastungsstörung sowie an einer depressiven Erkrankung. Sie könne zwar das Alltagsleben grösstenteils selbständig bewältigen, dies geschehe jedoch sichtlich verzögert. Im Rahmen der posttraumatischen Belastungsstörung komme es zu Situationen mit kurzzeitigen Dissoziationen. Dabei könne die Urteilsfähigkeit eingeschränkt sein. Die depressive Symptomatik bringe eine Entscheidungsambivalenz mit und X._ sei sodann in ihrem Alltagsleben eingeschränkt. Es gelinge ihr dann schlechter, die rationale Gewichtung zu vollenden, weshalb sie letztlich keine Entscheidung fällen könne oder dafür unverhältnismässig lange brauche. Beratungen in diesen Situationen würden oftmals ins Gegenteil führen, weil das Vertrauen in andere Menschen bei X._ krankheitsbedingt gestört sei. Das Fehlen von Entscheidungen führe wiederum zu sozialen und finanziellen Problemen, was die psychischen Symptome verschlechtere und so einen Teufelskreis aufrechterhalte. Es sei aufgrund der Hilfsbedürftigkeit bei Alltagsgeschäften eine Beistandschaft angezeigt, um sie zu unterstützen (vgl. KESB act. 23).
I. Nachdem X._ dem Anhörungstermin betreffend Errichtung einer Begleitbeistandschaft vom 22. Mai 2015 sowie den Verschiebungsterminen vom 5. und 10. Juni 2015 fern blieb, kontaktierte F._ Dr. med. B._. Mit Email vom 7. Juni 2015 teilte dieser mit, dass in der Vergangenheit Eingriffe in die Autonomie von X._ zu Bedrohungsgefühlen geführt hätten, was wiederum eine zusätzliche Abwendung von Hilfsangeboten und Verkomplizierung der Situation zur Folge gehabt hätte. Sie sei es gewohnt, auf tiefem finanziellen
Seite 4 — 16
Niveau zu leben. Sein Eindruck sei aber dennoch, dass sie sich unter dieser Situation wohler fühle als unter Fremdbestimmung (vgl. KESB act. 54). Infolgedessen wurde Dr. med. B._ mit Email vom 26. Oktober 2015 über die Absicht der KESB Prättigau/Davos, das Abklärungsverfahren abzuschliessen, informiert. Die Mitteilung über den Verfahrensabschluss an X._ wurde vorbereitet (vgl. KESB act. 47; 49).
J. Bevor das vorgenannte Abklärungsverfahren abgeschlossen wurde, ging am 1. November 2015 seitens der Evangelischen Kirchgemeinde O.1_ bei der KESB Prättigau/Davos eine erneute Gefährdungsmeldung ein (vgl. KESB act. 56).
Die Meldung erfolgte, weil die Evangelische Kirchgemeinde O.1_ der Ansicht ist, dass X._ akute finanzielle Probleme hat. In Folge dieser Probleme könne sie die Wohnungsmiete nicht bezahlen und möglicherweise auch anderen finanziellen Verpflichtungen nicht nachkommen (vgl. KESB act. 56). Nebst finanziellen Schwierigkeiten kämen auch noch weitere Alltagssachen, mit denen X._ schlecht zurechtkomme, hinzu. So stehe seit über einem Jahr ein fahruntüchtiges Auto ohne Genehmigung auf dem Parkplatz vor dem Pfarrhaus. Der Aufforderung, es zu entfernen, sei X._ nicht nachgekommen. Auch scheine die Wohnung überfüllt mit Gegenständen und Material (vgl. KESB act. 56).
K. Der Betreibungsregisterauszug vom 12. Januar 2016 weist offene Betreibungen in Höhe von total CHF 12'165.75 und offene Verlustscheine aus Pfändungen in Höhe von total CHF 7'418.15 auf (vgl. KESB act. 69).
L. Am 12. Februar 2016 fand eine Anhörung von X._ bei der KESB Prättigau/Davos durch G._ und F._, beide Mitglieder der KESB Prättigau/Davos, statt.
Mit Schreiben vom 26. Februar 2016 teilte X._ der KESB Prättigau/Davos mit, dass sie mit dem Anhörungsprotokoll nicht einverstanden sei und dieses nachreichen werde (KESB act. 75; 83).
M. Mit Entscheid vom 23. März 2016, mitgeteilt am 29. März 2016, erkannte die Kollegialbehörde der KESB Prättigau/Davos wie folgt:
"1. Für X._ wird per Datum dieses Entscheides eine Beistandschaft nach Erwachsenenschutzrecht (Art. 390 ZGB) errichtet.
Seite 5 — 16
2. Die Beistandsperson erhält die Aufgaben und Kompetenzen, X._ im Rahmen einer Vertretungsbeistandschaft (Art. 394 ZGB) in den nachfolgend aufgelisteten Bereichen zu beraten, zu unterstützen und soweit nötig bei allen damit verbundenen Handlungen (Administration, Rechtsverkehr)zu vertreten:
a. Vermögensverwaltung (Art. 395 ZGB): Verwaltung des gesamten Einkommens und Vermögens (insbesondere Bestreitung der Lebenskosten, Geltendmachung von Forderungen und Leistungsansprüchen, sorgfältige Verwaltung sämtlicher verwalteter Mobilien, Verkehr mit Banken, Post und ähnlichen Finanzinstituten);
b. Wohnen: stets für eine geeignete Wohnsituation bzw. Unterkunft für X._ besorgt zu sein (insbesondere Mietverhältnis, Wohnungssuche, evtl. Wohnbegleitung organisieren, Gespräche mit Vermieterschaft führen);
c. Medizin und Gesundheit: unter Berücksichtigung einer allfälligen Patientenverfügung für das gesundheitliche Wohl von X._ sowie für hinreichende medizinische Betreuung besorgt zu sein (insbesondere Verkehr mit Ärzten und anderem medizinischen Betreuungspersonal, Prävention, Standortgespräche, Organisation und Planung von Therapien, Erstellen einer Patientenverfügung), wobei das Vertretungsrecht für medizinische Massnahmen bei Urteilsunfähigkeit (Art. 378 Abs. 1 Ziff. 2 ZGB) ausdrücklich ausgeschlossen ist;
d. Arbeit und Bildung: stets für eine geeignete Beschäftigungssituation für X._ besorgt zu sein (Bildungsinstitutionen, Prüfung von Erwerbsmöglichkeiten);
e. öffentliche Verwaltung: insbesondere Verkehr mit Steuerbehörden, Gemeinden, Betreibungsamt;
f. Versicherungen: stets für eine ausreichende und geeignete Versicherungsdeckung und Leistungssituation besorgt zu sein (insbesondere Sozialversicherungen, private Versicherungen, Krankenkassen);
g. soziale Teilhabe: soweit möglich und nötig für eine angemessene Tagesstruktur und ausreichende soziale Kontakte von X._ besorgt zu sein;
h. soweit erforderlich die Post von X._ zu öffnen.
3. H._ (Berufsbeistandschaft Prättigau/Davos) wird zur Beiständin von X._ ernannt.
4. Die Beistandsperson wird aufgefordert, unverzüglich nach Erhalt der Ernennungsurkunde:
a. Sich die zur Erfüllung der Aufgaben nötigen Kenntnisse zu verschaffen und mit X._ persönlich Kontakt aufzunehmen;
b. ein Betriebskonto zu eröffnen, über das grundsätzlich sämtliche Einnahmen und Ausgaben abgewickelt werden, und die KESB zusammen mit der Einreichung des Inventars und des Budgets über die Eröffnung zu informieren;
Seite 6 — 16
c. eines der beiden Konti bei der Raiffeisenbank O.2_ als persönliches Konto zu verwenden, auf das X._ regelmässig der Betrag zur freien Verfügung überwiesen wird;
d. in Zusammenarbeit mit der KESB im Sinne der Erwägungen per Datum dieses Entscheids ein Inventar über sämtliche zu verwaltenden Vermögenswerte aufzunehmen und dieses zusammen mit einem Budget, das über die mutmasslichen Einnahmen und Ausgaben Auskunft gibt, spätestens zwei Monate nach Erhalt der Ernennungsurkunde zur Genehmigung einzureichen;
e. bei Banken und Versicherungen bestehende Vollmachten, Daueraufträge, Lastschriftverfahren, Kontokarten, E- etc. zu prüfen und nötigenfalls zu widerrufen; die KESB ist zusammen mit dem Eingangsinventar resp. Budget darüber zu informieren;
f. Bargeld, Wertgegenstände und wichtige Dokumente sicher aufzubewahren.
5. Die Beistandsperson ist gehalten:
a. Der KESB alle zwei Jahre (erstmals nächstmals per 31.03.2018) die Rechnung samt Belegen sowie einen schriftlichen Rechenschaftsbericht (Ausführungen über die Rechnungsführung und Vermögensentwicklung, die Lage von X._ und die Ausübung der Beistandschaft) und ein aktuelles Budget einzureichen;
b. bei Hinweisen auf massgebliche Veränderungen der Lebensumstände von X._ während der Rechenschaftsperiode die KESB mit einem Bericht zu informieren und allenfalls eine geeignete Anpassung oder die Aufhebung der Massnahme vorzuschlagen.
6. (Kosten)

## Considerations