# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** fd6e6a0e-f257-58eb-affd-4e418decb3e5
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2011
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Das Städtchen Erlach gehört zu den schützenswerten Ortsbildern von nationaler
Bedeutung. Es ist im Anhang zur VISOS1 aufgelistet. Die Gemeinde Erlach betreibt auf der
Liegenschaft «H._» (Parzelle Nr. F _) eine Sirenenanlage für die
Warnung der Bevölkerung im Katastrophenfall. Sie räumte der Beschwerdegegnerin am 2.
Juni 1997 das Recht ein, am bestehenden Sirenenmast eine Mobilfunkanlage anzubringen
und zu betreiben. Der Mitbenutzungs-Vertrag trat am 1.Juli 1997 in Kraft und wurde für
eine Dauer von 25 Jahren abgeschlossen. Er umfasst ebenfalls das Erneuern und
Erweitern der Fernmeldeanlage. Der Sirenenmast und die daran angebrachten Sirenen
überragen das Dach um rund 4,70 Meter und den First um rund 4 Meter. Rund 0,40 Meter
unterhalb der Sirenen sind am gleichen Mast zwei 1,30 cm Meter hohe und 0,26 Meter
breite Mobilfunkantennen montiert. Die zur Antennenanlage gehörenden technischen
Anlagen sind im Gebäudeinnern untergebracht.
Im Nachgang zu einer baupolizeilichen Anzeige stellte die Beschwerdegegnerin am
16. Februar 2009 ein nachträgliches Baugesuch für die bestehende Mobilfunkanlage.
Dagegen erhoben die Beschwerdeführer Einsprache. Die Beschwerdeführer 2 bis 5 stellten
in ihrer Einsprache vom 20. April 2009 zudem ein Ablehnungsbegehren gegen den
Regierungsstatthalter von Erlach.
Mit Verfügung vom 18. Mai 2009 hiess die Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion (JGK)
das Ablehnungsbegehren gut und setzte für die Beurteilung des nachträglichen
Baugesuchs den Regierungsstatthalter des Amtbezirks Nidau ein.
Der Regierungsstatthalter von Nidau holte bei der Kantonalen Kommission zur Pflege der
Orts- und Landschaftsbilder (OLK) und bei der Denkmalpflege des Kantons Bern (KDP)
einen Amtsbericht ein. Die KDP hat im Amtbericht vom 9. April 2009 festgehalten, es sei
eine «machbare Lösung», die projektierte Mobilfunkantenne mit dem bestehenden
Sirenenmast zu kombinieren. Die OLK führte im Bericht vom 16. November 2009 aus, dass
die bestehende Sirenenanlage die Dachlandschaft empfindlich störe. Es könne nicht
angehen, dass der Sirenenmast mit weiteren Anlagen ausgebaut werde. Sie empfahl, für
die Sirene baldmöglichst einen anderen Standort zu suchen. Es verstehe sich von selbst,
1 Verordnung über das Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz vom 9. September 1981 (SR 451.12).
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dass ein weiterer Ausbau der Anlage durch die Beschwerdegegnerin nicht in Frage
komme.
Aufgrund der Reform der dezentralen Verwaltung ging die Zuständigkeit am 1. Januar
2010 vom Regierungsstatthalter von Nidau auf die Vorinstanz über. Diese führte am
20. Januar 2010 ein Bereinigungsgespräch mit der OLK und der KDP durch. Mit
Gesamtentscheid vom 28. Januar 2010 bewilligte die Vorinstanz das Bauvorhaben. Der
Gesamtentscheid umfasste u.a. die Baubewilligung und die Anlagengenehmigung nach
Art. 16 ABAG2.
2. Gegen den Gesamtentscheid der Vorinstanz reichte die Beschwerdeführerin 1 am
26. Februar 2010 Beschwerde bei der BVE ein. Sie beantragt, diesen aufzuheben und dem
Vorhaben den Bauabschlag zu erteilen. Mit Schreiben vom 27. Februar 2010 reichte die
Beschwerdeführerin 1 zudem einen Nachtrag zu ihrer Beschwerde ein.
Die Beschwerdeführer 2 bis 14 erhoben am 1. März 2010 in einer gemeinsamen Eingabe
Beschwerde. Sie stellen folgende Rechtsbegehren: 1. Der Gesamtbauentscheid vom 28. Januar 2010 sei aufzuheben und es sei der
Bauabschlag zu erteilen.
2. Im Verfahren: Es sei der Beschwerdegegnerin der Betrieb der Mobilfunkanlage während
der Dauer des Verfahrens zu untersagen.
Das Rechtsamt vereinigte am 3. März 2010 die beiden Beschwerden und führte den
Schriftenwechsel durch. Die Beschwerdegegnerin beantragte in ihrer Beschwerdeantwort
vom 6. April 2010, die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei. Die
Vorinstanz und das Beco teilten am 4. März 2010, bzw. 16. März 2010 mit, dass sie keine
Bemerkungen zu den Beschwerden hätten. Die Gemeinde Erlach erklärte in ihrer
Stellungnahme vom 1. April 2010, dass die Antenne bewilligt werden müsse, dass die
Beschwerdegegnerin aber zu verpflichten sei, die mit der Gemeinde abgeschlossenen
vertraglichen Verpflichtungen einzuhalten. Die Beschwerdegegnerin beantragt in der
Beschwerdeantwort vom 6. April 2010, die Beschwerde abzuweisen.
2 Gesetz vom 4. November 1992 über die Arbeit, Betriebe und Anlagen (ABAG, BSG 832.01).
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3. Das Rechtsamt wies am 8. April 2010 das Rechtsbegehren Ziffer 2 der
Beschwerdeführer 2 bis 14 ab. Es stellte am 13. August 2010 zudem fest, dass die KDP
bisher noch nicht ausdrücklich entschieden habe, ob ein Gutachten einer eidgenössischen
Kommission nach Art. 25 Abs. 1 NHG3 einzuholen sei. Die KDP teilte am 23. September
2010 dem Rechtsamt mit, dass ein Gutachten der Eidgenössischen Natur- und
Heimatschutzkommission (ENHK) hilfreich sein könnte.
Das Rechtsamt stellte am 24. September 2010 der ENHK die Akten zu. Es bat um
Mitteilung, ob die ENHK eine fakultative (Art. 8 NHG) oder eine obligatorische (Art. 7 Abs. 2
NHG) Begutachtung durchführen wolle oder ob sie auf eine Begutachtung verzichte. Es
stellte es der ENHK frei, die Anfrage an die Eidgenössische Kommission für
Denkmalpflege (EKD) weiterzuleiten oder diese beizuziehen. Die ENHK teilte am 19.
Oktober 2010 mit, dass sie ein Gutachten abgeben werde. Das Rechtsamt führte im
Beisein einer Vertretung der ENHK am 17. Dezember 2010 einen Augenschein mit
Instruktionsverhandlung durch.
Am 20. Juni 2011 stellte das Rechtsamt den Verfahrensbeteiligten das Gutachten der
ENHK vom 20. Juni 2011 zu. Diese erhielten Gelegenheit, Schlussbemerkungen
einzureichen.
4. Auf die Rechtsschriften, das Gutachten der ENHK sowie auf das Ergebnis des
Augenscheins wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG4. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
3 Bundesgesetz vom 1. Juli 1966 über den Natur und Heimatschutz (NHG; SR 451). 4 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1).
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angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG5 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig.
b) Die Beschwerdebefugnis richtet sich im koordinierten Verfahren nach der
besonderen Gesetzgebung (Art. 10 KoG). Laut Art. 40 Abs. 2 BauG sind unter anderem die
Einsprecher im Rahmen ihrer Einsprachegründe zur Beschwerde befugt. Zur Einsprache –
und somit auch zur Beschwerde – befugt sind Personen, welche durch das Bauvorhaben
unmittelbar in eigenen schutzwürdigen Interessen betroffen sind (Art. 35 Abs. 2 Bst. a
BauG).
Der Perimeter der Einsprache- und Beschwerdelegitimation wird vorliegend durch einen
Kreisradius von rund 253.60 m um die geplante Mobilfunkanlage gebildet.6 Gemäss dem
angefochtenen Entscheid befinden sich die meisten, jedoch nicht alle, Unterzeichnenden
der Kollektiveinsprache innerhalb dieses Kreises. Dem Entscheid kann weiter entnommen
werden, dass die Vorinstanz auf eine genaue Überprüfung der Einsprachelegitimation
verzichtet hat und alle Einspracheparteien als zur Einsprache legitimiert betrachtet hat. Als
Beschwerdeführende beteiligen sich ausschliesslich Personen, die als
einsprachelegitimiert betrachtet worden sind. Als unterlegene Einsprecher haben sie ein
schutzwürdiges Interesse im Sinne von Art. 65 Bst. a VRPG7 an der Aufhebung oder
Änderung der angefochtenen Verfügung. Die Beschwerdeführer und
Beschwerdeführerinnen sind daher zur Beschwerde legitimiert. Auf die form- und
fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
5 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0). 6 BVR 2001 S. 252 ff. E. 2; Irene Graf/Jean-Luc Niklaus, Mobilfunkanlagen - Beschwerderecht der Nachbarn, KPG-Bulletin 1/2001 S. 29 ff.; BGE 128 II 168 E. 2.3; bestätigt in BGer 1A.78/2003 vom 20. Juni 2003, E. 2. 7 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
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2. Beeinträchtigung des Ortsbildes
Die Erteilung der Baubewilligung für die Mobilfunkanlage ist eine Bundesaufgabe im Sinne
von Art. 2 NHG.8 Das NHG und dessen Ausführungserlasse finden somit direkte
Anwendung.
a) Art. 4 NHG unterscheidet bei den zu schützenden Landschaften und Kulturstätten
Objekte von nationaler und solche von regionaler oder lokaler Bedeutung. Das
Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN),
das Bundesinventar der historischen Verkehrswege der Schweiz (IVS) sowie das
Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder von nationaler Bedeutung (ISOS) gelten
als Inventare des Bundes von Objekten von nationaler Bedeutung im Sinne von Art. 5 NHG
(vgl. Art. 1 Abs. 1 VBLN9, Art. 3 VIVS10 und Art. 1 VISOS11). Die darin enthaltenen Objekte
unterstehen dem verstärkten Schutz von Art. 6 NHG.12
b) Im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) ist Erlach als Ortsbild
von nationaler Bedeutung aufgeführt. Die umstrittene Mobilfunkanlage der
Beschwerdegegnerin ist auf dem Gebäude «H._» montiert. Das Gebäude liegt in
dem vom ISOS als Gebiet G2 bezeichneten «Städtchen». Es wird mit der
Aufnahmekategorie A und dem Erhaltungsziel A qualifiziert, was bedeutet, dass die
Mehrheit der Bauten und Räume historisch die gleiche epochenspezifische oder
regionaltypische Prägung aufweist und dass alle Bauten, Anlageteile und Freiräume
integral zu erhalten und störende Eingriffe zu beseitigen sind. Das Gebäude der Post, auf
dem die Antenne steht, wird als «Post, Um- und Neubau mit ausgehöhltem
Sockelgeschoss» aufgeführt und als Störfaktor im Gassenraum des «Städtchens»
bezeichnet.
8 vgl. BGE 131 II 545. 9 Verordnung vom 10. August 1977 über das Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler (VBLN, SR 451.11. 10 Verordnung vom 14. April 2010 über das Bundesinventar der historischen Verkehrswege der Schweiz (VIVS, SR 451.13. 11 Verordnung vom 9. September 1981 über das Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (VISOS, SR 451.12). 12 vgl. Peter Keller, Natur- und Landschaftsschutzgebiete - Museen oder Selbstbedienungsläden, in: Umweltrecht in der Praxis (URP) 1996, S. 698 ff.
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c) Laut Art. 6 Abs. 2 NHG darf ein Abweichen von der ungeschmälerten Erhaltung im
Sinne der Inventare bei Erfüllung einer Bundesaufgabe nur in Erwägung gezogen werden,
wenn ihr bestimmte gleich- oder höherwertige Interessen von ebenfalls nationaler
Bedeutung entgegenstehen. Es müssen somit alle bedeutsamen Interessen ermittelt,
beurteilt, gewichtet und im Entscheid möglichst umfassend berücksichtigt werden.13 Zur
Beurteilung der Problematik der ungeschmälerten Erhaltung eines schützenswerten
Objekts von nationaler Bedeutung ist dabei von der jeweiligen Umschreibung des
Schutzgehalts auszugehen.14 Zudem muss die kantonale Fachstelle nach Art. 25 Abs. 2
NHG beurteilen, ob ein Gutachten einer eidgenössischen Kommission nach Art. 25 Abs. 1
NHG einzuholen ist. Die Begutachtung ist obligatorisch, wenn ein Objekt, das in einem
Inventar des Bundes nach Art. 5 NHG aufgeführt ist, erheblich beeinträchtigt werden kann
oder sich in diesem Zusammenhang grundsätzliche Fragen stellen. In diesem Fall verfasst
die Kommission zuhanden der Entscheidbehörde ein Gutachten, in dem sie angibt, ob das
Objekt ungeschmälert zu erhalten oder wie es zu schonen ist.15 Für die öffentlichen und im
öffentlichen Interesse liegenden Bauten und Anlagen sind sachgerechte Standorte zu
bestimmen. Nachteilige Auswirkungen auf die natürlichen Lebensgrundlagen, die
Bevölkerung und die Wirtschaft sind zu vermeiden oder gesamthaft möglichst gering zu
halten und die Standortwahl soll vernünftigen Überlegungen folgen, wobei die
Zweckbestimmung des geplanten Werkes wegleitend ist.16
d) Erlach wird im ISOS wie folgt charakterisiert: «Mittelalterliches Landstädtchen in
malerischer Lage am oberen Ende des Bielersees. Aussergewöhnlich ursprünglich
erhaltene Oberstadt mit Schloss, am Hangfuss ehemalige Vorstadt und heutiges
Ortszentrum. Dazwischen Rebberg am See, überbauter Strandboden, Campingplatz und
Hafen.» Besonders bemerkenswert sind laut ISOS das Ortsbild und Landschaft prägende
Schloss mit der aussergewöhnlich ursprünglich erhaltenen Oberstadt mit den beiden
Häuserreihen und dem gepflästerten Gassenbelag. Unterhalb von Schloss, Altstadt und
Markt zieht sich das «Städtchen» den Hangfuss entlang. Die Untere Altstadt ist das heutige
Ortszentrum und wird im ISOS als Gebiet G2 bezeichnet. Im Beschrieb werden die
geschlossene Gesamtwirkung, die klar durch die Häuserreihen definierten Gassenräume
13 Jörg Leimbacher, in: Kommentar NHG, Zürich 1997, Rz. 22 f. zu Art. 6 NHG. 14 BGE 127 II 273 E. 4c. 15 Art. 7 Abs. 2 NHG i.V.m. Art. 25 Abs. 1 NHG; vgl. auch BGE 127 II 273 E. 4a. 16 Art. 3 Abs. 4 RPG; Entscheid des Bundesrats vom 18. Dezember 1991, veröffentlicht in VPB 57.7 E. 6; Pierre Tschannen, Kommentar zum Bundesgesetz über die Raumplanung, Zürich 2010, Rz. 60 ff. zu Art. 3.
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sowie die homogenen, nur punktuell durch neue Eingriffe beeinträchtigten Gassen
herausgestrichen.
Wegen der eindrücklichen Lage am oberen Ende des Bielersees und zu Füssen des
Jolimont kommen dem Ort besondere Lagequalitäten zu. Hervorgehoben werden u.a. die
geschlossene Silhouette vom Schloss und der hochgelegenen Altstadt gegen den See und
den Rebberg hin sowie der intensive wechselseitige Sichtbezug des Ortes mit dem
Heideweg und der St. Petersinsel. Die starke optische Verbindung zwischen der Ober- und
der Unterstadt über den Schlossrebberg hinweg führt zu besonderen räumlichen
Qualitäten. Durch die klare Ablesbarkeit der baulichen Entwicklungsphasen, durch das
siedlungstypologisch interessante Nebeneinander von Schloss, Oberstadt, Markt und
Unterstadt, durch die bemerkenswert frühen Laubengänge und durch die gesamthaft
überdurchschnittlich wertvolle Bausubstanz des Mittelalters, des Barocks und des 19.
Jahrhunderts erhält Erlach im ISOS auch die Höchstqualifikation bezüglich der
architekturhistorischen Qualitäten.
e) Die ENHK formulierte aufgrund des ISOS für den betroffenen Teil des Ortsbildes die
folgenden Schutzziele:
- Integrales Erhalten aller Bauten und Anlageteile, die für die Ablesbarkeit der
historischen Entwicklung des Ortsbildes bedeutsam sind;
- Erhalten der mittelalterlichen Bebauungsstruktur;
- Erhalten der charakteristischen, durch die Dachfirste geformten Silhouette, deren
einziges vertikales Element aus den Kaminen besteht;
- Erhalten der Ansicht auf die intakte Dachlandschaft, sowohl aus der Ferne als auch
von innerhalb des Ortsbildes;
- Integrales Erhalten der Freiräume innerhalb des Gebietes G2.
Für die Abklärung der Frage, ob es sich bei der geplanten Mobilfunkanlage um eine
Beeinträchtigung des ISOS-Objektes handelt, legte die ENHK die Blickrichtungen fest,
welche für die Erlebbarkeit des Ortsbildes und dessen Entstehungsgeschichte von
Bedeutung sind. Sie ging dabei von der heutigen Situation aus und stellte fest, dass die auf
dem Dach installierte Anlage aus einem Mast, einer Sirene und aus zwei
Mobilfunkantennen der Beschwerdegegnerin besteht. Die gesamte Installation sei von den
verschiedenen umliegenden für die Wahrnehmung des Ortsbildes wichtigen Strassen der
Kleinstadt wie folgt sichtbar:
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- «Ecke I._gasse / J._strasse: Der Masten mit Sirene und
Mobilfunkantennen ist sehr gut sichtbar und bildet mit seiner Grösse, Form und
Materialisierung in der historisch gewachsenen Dachlandschaft einen Fremdkörper.
- Im Städtchen / Breitenweg: Der Masten ist sehr gut sichtbar und wirkt auf den sich
aneinanderreihenden Dächern und im sehr gut erhaltenen Strassenzug als fremdes
technisches Element.
- Kirchweg bis zum Schloss: Der Masten ist gut sichtbar und überragt sämtliche ihn
umgebenden Dächer. Auffallend ist, dass er als einziges gebäudefremdes Element in
der Dachlandschaft in Erscheinung tritt.
- Hinter den Häusern: Der Masten ist sehr gut sichtbar. Wegen ihrer Form und Grösse,
aber auch, weil auf den umliegenden Gebäuden keine vergleichbaren Anlagen
vorhanden sind, wirken Mast und Sirene hier in besonderem Masse als Fremdkörper.
- Böcklinsgasse: Von der Böcklinsgasse aus gesehen ist der Masten als
beziehungsloses Element weithin sichtbar.»
Die ENHK hielt fest, dass das Gebäude «H._», auf dem die Anlage stehe, kein
Schutzobjekt sei. Die Anlage beeinträchtige somit keine historische Bausubstanz. Mit der
Installation des Antennenmasts mit Sirene auf Parzelle Nr. F _ werde jedoch der
Forderung nach der Bewahrung der für Erlach charakteristischen, durch die Dachfirste
geprägten, allein durch die Kamine unterbrochenen Silhouette nicht entsprochen. Die
Ansicht der für Erlach typischen, nahezu unversehrten Dachlandschaft werde sowohl von
nahe liegenden wie von entfernteren Standorten gestört. Bereits der Sirenenmast stelle
wegen seiner gebäudefremden Wirkung und technischen Ausprägung eine schwere
Beeinträchtigung des Ortsbildes dar. Diese Beeinträchtigung wirke umso gewichtiger, als
es sich, abgesehen von einer filigranen Antenne auf dem Giebel des Gebäudes
I._gasse Nr. 8, um den einzigen Mast mit technischen Installationen in der Altstadt
handelt. Mit dem Hinzufügen der Mobilfunkantenne der Beschwerdegegnerin zum
Sirenenmast werde die Anlage noch auffälliger und der negative Eingriff werde verstärkt.
Gleichzeitig würde die stark das Erlebnis der gut erhaltenen Kleinstadt störende Anlage bei
einer nachträglichen Bewilligung der Mobilfunkanlage in einen Dauerzustand überführt.
Damit würde auch der aktuelle Standort der Sirene gefestigt, obwohl andere nicht oder
wesentlich weniger störende Standorte für die Alarmierungsanlage möglich wären.
Die Kommission unterstreicht, dass weder eine Verkleidung der Anlage noch eine
Reduktion ihrer Proportionen den Eingriff und das Mass der Beeinträchtigung verringern
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könnten. Die ENHK komme zum Schluss, dass die nachträgliche Bewilligung der bereits
vorhandenen Mobilfunkantennen mit den formulierten Schutzzielen nicht vereinbar sei und
zu einer schwerwiegenden Beeinträchtigung des Ortsbildes von nationaler Bedeutung
führe. Dies umso mehr, als sie die ohnehin problematische Situation mit der Sirenenanlage
in einen Dauerzustand überführen würde. Die ENHK beantragt deshalb, das nachträgliche
Baugesuch abzulehnen und empfiehlt der Gemeinde, für die bestehende Anlage einen
weniger heiklen Standort zu suchen. Diese Massnahme sei äusserst wichtig, weil mit dem
Wegfallen dieser Installation – der einzigen, die heute im Ortsbild störend auftrete – die
Dächerlandschaft der Stadt gleichsam als mustergültig zu bewerten sei. So würde Erlach
mit einer einzigen Massnahme ein Ortsbild von höchster Qualität zurückgewinnen.
f) Die Beschwerdegegnerin bringt vor, dass das Gutachten der ENHK grundlegende
Mängel aufweise. Die ENHK habe in ihrem Gutachten nicht die optische Wirkung der
Antennenanlage, sondern diejenige der bestehenden Gesamtanlage (Sirenenmast mit
Sirenen und Antennen) beurteilt. Sie mache sich in keiner Weise die Mühe, zwischen der
Wirkung des bestehenden, rechtsgültig bewilligten Sirenenmasts mit den dominanten
Sirenen und der Wirkung der kaum gesondert wahrnehmbaren Mobilfunkantennen zu
unterscheiden. Dieser Einwand trifft nicht zu. Die ENHK führte aus, dass bereits der
Sirenenmast wegen seiner gebäudefremden Wirkung und technischen Ausprägung eine
schwere Beeinträchtigung des Ortsbildes darstelle und dass diese Beeinträchtigung umso
gewichtiger wirke, als es sich, abgesehen von einer filigranen Antenne auf dem Giebel des
Gebäudes I._gasse Nr. 8, um den einzigen Mast mit technischen Installationen in
der Altstadt handle. Mit dem Hinzufügen der Mobilfunkantenne zum Sirenenmast werde
jedoch die Anlage noch auffälliger und der negative Eingriff werde verstärkt. Gleichzeitig
würde die Anlage, die das Erlebnis der gut erhaltenen Kleinstadt stark stört, bei einer
nachträglichen Bewilligung der Mobilfunkanlage in einen Dauerzustand überführt. Das
Argument, der aktuelle Standort der Sirene werde gefestigt, obwohl andere nicht oder
wesentlich weniger störende Standorte für die Alarmierungsanlage möglich wären, stellt
nur eine zusätzliche Begründung dar. Es ist richtig, dass die angefochtene Baubewilligung
unter der Bedingung erteilt wurde, dass die Mobilfunkantenne höchstens so lange stehen
bleiben darf, wie die Sirenenanlage dem Bevölkerungsschutz dient. Ebenfalls ist richtig,
dass die Beschwerdegegnerin diese Bedingung akzeptiert hat. Daran ändert aber nichts,
dass die ENHK überzeugend begründet, dass mit dem Hinzufügen der Mobilfunkantenne
zum Sirenenmast die Anlage noch auffälliger und der negative Eingriff verstärkt wird.
Daran ändert auch der Einwand der Beschwerdegegnerin nichts, dass die kantonalen
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Fachstellen zum Schluss gekommen sind, dass die Antennen zu keiner Verschlechterung
führten. Das sorgfältig verfasste Gutachten der ENHK ist vollständig und überzeugt auch
sachlich.
g) Hinzu kommt, dass nach Art. 48 Abs. 5 des Baureglements der Gemeinde Erlach
(GBR) die Baubewilligungsbehörde anlässlich von Neubauten, baulichen Veränderungen
oder Sanierungen in der Kernzone verlangen kann, dass störende Bauteile abgebrochen,
ortsbild- und baupflegerisch unbefriedigende Einzelheiten korrigiert oder ursprüngliche
Zustände rekonstruiert werden, sofern das Bauvorhaben und die gewünschte Massnahme
baulich in einem genügenden sachlichen Zusammenhang stehen. Die BVE wendet das
Recht von Amtes wegen an. Die Anwendung von Art. 48 Abs. 5 GBR hängt nicht davon ab,
ob die Gemeinde oder die Vorinstanz sich auf die Bestimmung berufen und eine
entsprechende Massnahme verlangen. Auch wenn die BVE darauf verzichtet, den Abbruch
der Sirenenanlage zu verfügen, hindert dies die BVE nicht daran, die Bewilligung für ein
Bauvorhaben zu verweigern, das die bereits störende Anlage noch auffälliger macht und
den negativen Eingriff verstärkt.
h) Laut Art. 6 Abs. 2 NHG darf ein Abweichen von der ungeschmälerten Erhaltung im
Sinne der Inventare bei Erfüllung einer Bundesaufgabe nur in Erwägung gezogen werden,
wenn ihr bestimmte gleich- oder höherwertige Interessen von ebenfalls nationaler
Bedeutung entgegenstehen. Die Beschwerdegegnerin macht zu Recht keine gleich- oder
höherwertigen Interessen geltend. Der Stellungnahme der Gemeinde vom 1. April 2010 ist
zu entnehmen, dass sie der Beschwerdegegnerin am 2. Februar 2010 eine heute
rechtskräftige Baubewilligung für die Antenne auf dem Schützenhaus erteilt hat. Sie hat mit
der Beschwerdegegnerin auch einen entsprechenden Mietvertrag für den Betrieb der
Antenne auf dem Schützenhaus abgeschlossen. Eine ausreichende Versorgung mit
Mobilfunkdienstleistungen scheint somit gewährleistet zu sein. Die Beschwerden sind
deshalb gutzuheissen. Der Gesamtentscheid der Vorinstanz muss aufgehoben und das
nachträgliche Baugesuch der Beschwerdegegnerin abgewiesen werden. Das Bauvorhaben
kann auch nicht teilweise bewilligt werden (Art. 46 Abs. 2 Bst. c BauG).
3. Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes
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Nach Art. 46 Abs. 2 BauG ist der Beschwerdegegnerin eine angemessene Frist zur
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes anzusetzen. Die Mobilfunkantenne ist
innert angemessener Frist vollständig zu demontieren. Eine Frist von 2 Monaten ab
Rechtskraft dieses Entscheides ist angemessen. Kommt die Beschwerdegegnerin der
Aufforderung zur Demontage der Mobilfunkantenne nicht oder nicht vollständig nach, lässt
die Baupolizeibehörde der Gemeinde Erlach diese auf Kosten der Beschwerdegegnerin
durch Dritte vornehmen (Art. 46 Abs. 2 und Art. 47 BauG). Die BVE macht die
Beschwerdegegnerin zudem auf die Strafbestimmungen von Art. 50 BauG aufmerksam.
4. Kosten
Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt die Beschwerdegegnerin. Sie hat deshalb
die Kosten des Beschwerdeverfahrens zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden
bestimmt auf eine Pauschalgebühr von gesamthaft Fr. 4'475.80 (Art. 16 Abs. 1, Art. 17
Abs. 1 und 2 GebV17). Darin eingeschlossen sind die Auslagen der OLK von Fr. 475.80
gemäss Rechnung vom 29. Dezember 2010.
Die Beschwerdegegnerin hat zudem die Kosten des Baubewilligungsverfahrens von
Fr. 3'296.75 zu tragen (Art. 52 Abs. 1 BewD18).
Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei ferner die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Parteikosten umfassen den durch die
berufsmässige Parteivertretung anfallenden Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Nach Art. 11
Abs. 1 PKV19 beträgt das Honorar in verwaltungsrechtlichen Beschwerdeverfahren
Fr. 400.00 bis Fr. 11'800.00 pro Instanz. Innerhalb dieses Rahmens bemisst sich der
Parteikostenersatz nach Art. 41 Abs. 3 KAG20. Gestützt auf die Kostennote vom 27. Juni
2011 des Anwalts der Beschwerdeführer 2 bis 14 wird dieser auf Fr. 8'317.60 festgelegt.
17 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21). 18 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1). 19 Verordnung vom 17. Mai 2006 über die Bemessung des Parteikostenersatzes (Parteikostenverordnung, PKV; BSG 168.811). 20 Kantonales Anwaltsgesetz vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11).
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Darin sind die Auslagen und die Mehrwertsteuer eingeschlossen. Die Beschwerdeführerin
1 ist nicht anwaltlich vertreten und hat keinen Anspruch auf Parteikosten.