# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 3b1290bd-5bdc-4daa-9f95-257ad9711d80
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt
A. Y._ wurde am _ 1983 in O.1_geboren. Er ist ledig und hat keine Kinder. In seiner Tätigkeit als gelernter Automobildiagnostiker bei der A._ in O.2_ erzielt er monatlich brutto CHF 6'000.00 (inkl. 13. Monatslohn). Er hat kein namhaftes Vermögen und bei B._ ein Darlehen in Höhe von rund CHF 45'000.00, welches er monatlich im Umfang von CHF 500.00 amortisiert.
Im Schweizerischen Strafregister ist Y._ nicht verzeichnet.
B. Aufgrund seiner Fahrweise am _ 2016 auf der A_ zwischen O.3_ und O.2_ wurde Y._ mit Strafbefehl vom 8. April 2016 wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 34 Abs. 4 SVG und Art. 12 Abs. 1 VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG sowie der Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 4a Abs. 1 lit. d VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG für schuldig erkannt. Dafür wurde er mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je CHF 90.00, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von 2 Jahren, sowie einer Busse von CHF 700.00, bei schuldhafter Nichtbezahlung ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von sieben Tagen, bestraft.
C. Gegen diesen Strafbefehl erhob Y._ am 20. April 2016 fristgerecht Einsprache. Nach Einholung eines Gutachtens beim Eidgenössischen Institut für Metrologie METAS und Erstellung eines Nachtragsberichts erliess die Staatsanwaltschaft Graubünden am 23. September 2016 einen neuen Strafbefehl, mit welchem sie Y._ wiederum wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 34 Abs. 4 SVG und Art. 12 Abs. 1 VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG sowie Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 4a Abs. 1 lit. d VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG für schuldig erkannte. Dafür wurde er mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je CHF 90.00, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von 2 Jahren, sowie einer Busse von CHF 360.00, bei schuldhafter Nichtbezahlung ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von vier Tagen, bestraft.
D. Gegen diesen neuen Strafbefehl liess Y._ mit Eingabe vom 10. Oktober 2016 wiederum Einsprache erheben. Nach Durchführung einer Einvernahme von Y._ teilte die Staatsanwaltschaft Graubünden am 25. November 2016 mit, dass die Strafuntersuchung abgeschlossen sei und aufgrund der tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse die Überweisung des Strafbefehls ans Gericht gemäss Art. 355 Abs. 3 lit. a und Art. 356 Abs. 1 StPO wegen grober
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Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 34 Abs. 4 SVG und Art. 12 Abs. 1 VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG sowie Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 4a Abs. 1 lit. d VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG in Aussicht gestellt werde. Allfällige Beweisanträge seien innert einer Frist von 10 Tagen zu stellen
E. Am 5. Januar 2017 überwies die Staatsanwaltschaft Graubünden die Akten zusammen mit dem Schlussbericht zur Durchführung des Hauptverfahrens an das Regionalgericht Plessur. Dem Strafbefehl vom 23. September 2016, der gemäss Art. 356 Abs. 1 StPO als Anklageschrift gilt, liegt folgender Sachverhalt zugrunde:
1. Grobe Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 34 Abs. 4 SVG und Art. 12 Abs. 1 VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG
Der Beschuldigte befuhr am Freitag, _ 2016, um ca. 10:30 Uhr, mit dem Personenwagen Audi S4, Kontrollschild GR _, die Südspur der Autobahn A_ in Richtung O.4_. Noch im Baustellenbereich, welcher sich zwischen dem Anschluss O.3_ bis kurz vor der Ausfahrt O.2_ Nord erstreckte, schloss er auf ein ihm vorausfahrenden Personenwagen auf und folgte diesem bei einer gefahrenen Geschwindigkeit von durchschnittlich ca. 90 km/h mit einem deutlich zu geringen Sicherheitsabstand (max. 0.52 s ± 0.04 s). Auch nach Aufhebung dieser Baustelle bis nach der Einfahrt O.2_ Nord hielt er bei einer gefahrenen Geschwindigkeit von durchschnittlich ca. 116 km/h einen zu geringen Sicherheitsabstand gegenüber diesem Personenwagen ein, nämlich nur gerade max. 0.56 s ± 0.04 s. Der Beschuldigte hätte wissen müssen, dass der einzuhaltende Abstand etwa ein "halber Tacho" beträgt. Zumindest aus grober Pflichtwidrigkeit zog der Beschuldigte dabei nicht in Betracht, dass er mit seinem Verhalten in vorhersehbarer Weise eine gefährliche Verkehrssituation, nämlich die Gefahr einer Auffahrkollision, schaffen wird.
2. Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 4a Abs. 1 lit. d VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG
Der Beschuldigte befuhr am Freitag, _ 2016, um 10:27 Uhr, mit dem Personenwagen Audi S4, Kontrollschild GR _, die Südspur der Autobahn A_ in Richtung O.4_. Ungefähr 500 m vor der Ausfahrt zum Rastplatz C._ bis ca. 1100 m vor der Ausfahrt O.3_ fuhr er über eine Distanz von 3705.9 m trotz der dort geltenden Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h mit überhöhter Geschwindigkeit, nämlich mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 137 km/h, nach Abzug der Toleranz von 6 % (8.22 km/h) mit 128 km/h
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und damit 8 km/h schneller als erlaubt. Dies tat er, weil er aus Unaufmerksamkeit die Geschwindigkeit nicht im Auge behielt, wobei der Beschuldigte die geltende Höchstgeschwindigkeit kannte oder zumindest hätte kennen müssen.
F. Die Hauptverhandlung vor dem Regionalgericht Plessur fand am 21. März 2017 statt. An dieser nahm Y._ in Begleitung seines privaten Verteidigers teil. Die Staatsanwaltschaft Graubünden verzichtete auf eine Teilnahme. Die Schlussanträge von Y._ lauteten wie folgt:
1. Der Angeklagte bekennt sich schuldig der Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 4a Abs. 1 lit. d VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG im Sinne des Strafbefehls vom 23./27.09.2016.
2.1. Der Angeklagte sei der einfachen Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 34 Abs. 4 SVG und Art. 12 Abs. 1 VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG schuldig zu sprechen.
2.2. Vom Vorwurf der groben Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 90 Abs. 2 SVG sei der Angeklagte freizusprechen.
3. Hierfür sei er mit einer Busse von maximal CHF 200.00 zu bestrafen.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Staates.
G. Gegen das am 21. März 2017 gefällte, gleichentags mündlich eröffnete und am 24. März 2017 ohne schriftliche Begründung mitgeteilte Urteil des Regionalgerichts Plessur meldete die Staatsanwaltschaft Graubünden am 28. März 2017 (Poststempel) Berufung an. Daraufhin teilte das Regionalgericht Plessur den Parteien am 26. Juli 2017 das begründete Urteil mit. Darin erkannte es wie folgt:
1. Y._ wird vom Vorwurf der groben Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 34 Abs. 4 SVG und Art. 12 Abs. 1 VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG freigesprochen.
2. Y._ ist der einfachen Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 34 Abs. 4 SVG und Art. 12 Abs. 1 VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG sowie der Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 4a Abs. 1 lit. d VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG schuldig.
3.a) Dafür wird Y._ mit einer Busse von CHF 560.00 bestraft.
b) Die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse beträgt 7 Tage. Sie tritt an die Stelle der Busse, soweit dieselbe schuldhaft nicht bezahlt wird.
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4.a) Die Verfahrenskosten in Höhe von CHF 5'013.60 gehen im Umfang von einem Drittel (CHF 1'671.20) zu Lasten von Y._.
b) Zwei Drittel (CHF 3'342.40) gehen zu Lasten des Kantons Graubünden. CHF 1'200.00 werden auf die Gerichtskasse genommen, während CHF 2'142.40 zu Lasten der Kasse der Staatsanwaltschaft Graubünden gehen.
c) Y._ schuldet dem Kanton Graubünden folglich:
Busse CHF 560.00
Anteil Verfahrenskosten CHF 1'671.20
Total CHF 2'231.20
d) Für die Auslagen seiner Verteidigung wird Y._ im Umfang von CHF 4'000.00 (inkl. Barauslagen und MwSt.) entschädigt.
5.a) Es wird davon Vormerk genommen, dass lic. iur. Claudio Riedi, erster Staatsanwalt des Kantons Graubünden gegen dieses Urteil am 28. März 2017 beim Regionalgericht Plessur die strafrechtliche Berufung angemeldet hat.

## Considerations