# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 28704ba9-f8de-5fc3-ae7e-5d764ad4a861
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die beiden Gesellschafter der Beschwerdegegnerin reichten am 22. Dezember 2014
bei der Gemeinde Spiez ein Baugesuch ein für den Neubau eines Einfamilienhauses auf
Parzelle Spiez Grundbuchblatt Nr. E._. Die Parzelle liegt in der Wohnzone 2
RA Nr. 110/2015/137 2
Strukturerhaltung W2S. Gegen das Bauvorhaben erhoben unter anderen die
Beschwerdeführenden Einsprache. Mit Gesamtentscheid vom 7. August 2015 erteilte die
Gemeinde Spiez die Baubewilligung (Baugesuchsnummer 768/2014-0189).
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 4. September 2015 Beschwerde bei
der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Gleichzeitig
erhoben sie Beschwerde gegen die Baubewilligung eines Mehrfamilienhauses auf der
Nachbarsparzelle Spiez Grundbuchblatt Nr. F._ (Baugesuchsnummer 768/2014-
0188, RA Nr. 110/2015/121).
Die Beschwerdeführenden beantragen die Aufhebung des Gesamtentscheides vom
7. August 2015 und sinngemäss die Rückweisung der Angelegenheit an die Vorinstanz zur
Durchführung eines neuen Baubewilligungsverfahrens. Zudem habe der Gemeinderat die
Existenz des (neu benannten) H._weges zu beschliessen und im Grundbuch
anzumerken. Dabei machen sie geltend, die Baubewilligung sei formell fehlerhaft, da das
Baugesuch als Adresse des Bauvorhabens noch den G._weg enthalten habe, der
Entscheid der Vorinstanz jedoch als Adresse des Bauvorhabens den H._weg
aufgeführt habe. Zudem bringen sie vor, die Erschliessung zum Bauvorhaben sei
ungenügend.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte einen
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Die Beschwerdegegnerin stellt mit
Schreiben vom 19. Oktober 2015 keine Anträge, sondern verweist einzig auf die Eingabe
des Rechtsvertreters der Bauherrschaft der Nachbarparzelle im Beschwerdeverfahren RA
Nr. 110/2015/121. Mit Stellungnahme vom 5. November 2015 beantragt die Gemeinde die
Abweisung der Beschwerde.
4. Auf Aufforderung des Rechtsamts reichten die Beschwerdegegner mit Schreiben
vom 10. November 2015 den Dienstbarkeitsvertrag vom 24. Februar 2015 zur
Erschliessung des Vorhabens über fremden Grund ein. Mit Verfügung vom 16. November
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
RA Nr. 110/2015/137 3
2015 bat das Rechtsamt der BVE das Tiefbauamt des Kantons Bern, Oberingenieurkreis I
(TBA OIK I), einen Bericht zur Erschliessung des umstrittenen Bauvorhabens zu erstellen.
Der Fachbericht Erschliessung des TBA OIK I vom 8. Dezember 2015 ging am 10.
Dezember 2015 beim Rechtsamt ein. Die Parteien erhielten Gelegenheit,
Schlussbemerkungen einzureichen.
5. Auf die Rechtsschriften und den Fachbericht Erschliessung wird, soweit für den
Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintreten
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG2. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der form- und fristgerecht
eingereichten Beschwerde gegen den Gesamtentscheid zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen ihrer
Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 40 Abs. 2 BauG). Die
Beschwerdeführenden, die sich als Einsprecher am vorinstanzlichen Verfahren beteiligt
haben, sind formell zur Beschwerdeführung legitimiert.
c) Neben der formellen Beschwer bedarf es auch der materiellen Beschwer:
Einspracheberechtigt sind gemäss Art. 35 Abs. 2 Bst. a BauG Personen, die durch ein
Bauvorhaben unmittelbar in eigenen schutzwürdigen Interessen betroffen sind. Nach Lehre
und Rechtsprechung ist eine Person in schutzwürdigen Interessen berührt, wenn sie durch
2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
RA Nr. 110/2015/137 4
ein Bauvorhaben in höherem Mass als die Allgemeinheit betroffen ist und zum
Streitgegenstand eine besondere Beziehungsnähe hat. Die Betroffenheit kann rechtlicher
oder auch nur tatsächlicher Natur sein. Sie muss aber hinreichend sein, d.h. eine
bestimmte Intensität erreichen, so dass von der Abwendung eines materiellen oder ideellen
Nachteils gesprochen werden kann.4 Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts muss
die besondere Beziehungsnähe zum Streitgegenstand bei Bauprojekten insbesondere in
räumlicher Hinsicht gegeben sein. Naturgemäss stehen die Nachbarn des Baugrundstücks
in einer besonders nahen Beziehung zur Streitsache des Baugrundstücks. Die
Einsprachebefugnis des Nachbarn ist in der Regel zu bejahen, wenn dessen Liegenschaft
unmittelbar an das Baugrundstück angrenzt oder allenfalls nur durch einen Verkehrsträger
davon getrennt wird. Darüber hinaus reicht die Nachbarschaft soweit wie die allfälligen
nachteiligen Auswirkungen des Bauvorhabens.5
Durch ein Bauvorhaben unmittelbar in eigenen schutzwürdigen Interessen betroffene
Personen müssen nach Art. 35c Abs. 1 BauG zudem an jeder vorgebrachten Rüge ein
eigenes schutzwürdiges Interesse haben. Ein eigenes schutzwürdiges Interesse im Sinn
von Art. 35c Abs. 1 BauG ist immer dann zu bejahen, wenn der Nachbarin oder dem
Nachbar mit dem Durchdringen der jeweiligen Rüge ein praktischer Nutzen entsteht, der
auch darin bestehen kann, dass das Bauvorhaben nicht verwirklicht werden oder nicht wie
geplant realisiert werden kann. Nicht zulässig ist hingegen das Vorbringen von
Beschwerdegründen, mit denen einzig ein allgemeines öffentliches Interesse an der
richtigen Anwendung des Rechts verfolgt wird, ohne dass der Beschwerdeführerin im Falle
des Obsiegens ein Vorteil entsteht.6
d) Die Grundstücke der Beschwerdeführenden grenzen nicht unmittelbar an die
Bauparzelle. Das Grundstück des Beschwerdeführers 2 liegt jedoch in unmittelbarer Nähe
des Baugrundstücks; dazwischen befindet sich einzig die Parzelle Spiez Grundbuchblatt
Nr. F._. Die Grundstücke der Beschwerdeführerin 3 (angrenzend an das
Grundstück des Beschwerdeführers 2) und des Beschwerdeführers 1 (angrenzend an das
Grundstück der Beschwerdeführerin 3) befinden sich ebenfalls in der Nähe; sie werden
zudem über dieselbe Strasse wie das Baugrundstück erschlossen. Damit weisen die
4 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art.  N. 16. 5 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 35-35c N. 17. 6 BGE 137 II 30, E. 2.2.3; VGE 100.2013.137 vom 26. Mai 2014, E. 1.2.2; VGE 100.2010.442 vom 21. Juni 2011, E. 2.2.
RA Nr. 110/2015/137 5
Beschwerdeführenden, die insbesondere eine ungenügende Erschliessung rügen, eine
besonders nahe Beziehung zur Streitsache auf.
Hinsichtlich der Rüge im Zusammenhang mit der ungenügenden Erschliessung ist auch
der praktische Nutzen zu bejahen, da bei Durchdringen dieser Rügen der Bauabschlag zu
erteilen wäre und das Vorhaben nicht wie geplant realisiert werden könnte. Ob der
praktische Nutzen im Zusammenhang mit der Rüge der falschen Wegbezeichnung bejaht
werden kann, ist indessen fraglich. Dies kann vorliegend jedoch offen bleiben, da sich die
Rüge ohnehin als unbegründet erweist (vgl. E. 2).
2. Namensbezeichnung Zufahrtsstrasse
a) Die Beschwerdeführenden bringen vor, im publizierten Baugesuch sei um die
Erstellung eines Neubaus am G._weg in I._ ersucht worden. Die
Baubewilligung sei jedoch für ein Haus am H._weg erteilt worden. Zum Zeitpunkt
der Bewilligungserteilung habe aber der H._weg gar noch nicht offiziell bestanden,
da ein verbindlicher Gemeinderatsbeschluss und der Eintrag in das Grundbuch gefehlt
hätten. Die Baubewilligung sei deshalb formell fehlerhaft.
Die Gemeinde hält in der Stellungnahme vom 5. November 2015 fest, das Bauvorhaben
sei unter dem Standort "G._weg, I._" publiziert worden. Während des
Baubewilligungsverfahrens habe sich aber gezeigt, dass die Bezeichnung "H._ 7"
sinnvoller sei. Der Gemeinderat habe am 7. September 2015 den Strassennamen
"H._weg" beschlossen. Die erteilte Baubewilligung für den Neubau des
Einfamilienhauses am H._weg 7 sei somit rechtens.
b) Das publizierte Baugesuch und die Baubewilligung vom 7. August 2015 enthalten
unterschiedliche Strassenbezeichnungen. Der in der Baubewilligung benutzte
Strassenname (H._weg) existierte zum Zeitpunkt der Baubewilligung aber noch
gar nicht. Der Gemeinderatsbeschluss zur Neubenennung erfolgte erst am 7. September
2015. Aus diesem Umstand können die Beschwerdeführenden jedoch nichts zu ihren
Gunsten ableiten. So war der Standort des Bauvorhabens seit der Publikation klar
festgelegt. Sowohl im publizierten Baugesuch als auch in der Baubewilligung wurde die
korrekte Parzellennummer aufgeführt (Parzelle Spiez Grundbuchblatt Nr. E._); aus
RA Nr. 110/2015/137 6
den Baugesuchsplänen ergibt sich die genaue Lage des Einfamilienhauses. Die
Voraussetzung von Art. 26 Abs. 3 Bst. b BewD7, wonach die Publikation u.a. die Parzelle
mit Angabe der genauen Lage des Bauvorhabens enthalten muss, wurde damit erfüllt. Die
Beschwerdeführenden wussten trotz der unterschiedlichen Wegbezeichnung genau, an
welchem Standort sich das Bauvorhaben befindet. So waren sie in der Lage, in Kenntnis
aller relevanten Umstände Einsprache zu erheben. Es ist nicht erkennbar und wird von den
Beschwerdeführenden auch nicht näher ausgeführt, inwiefern ihnen aufgrund der im
Baugesuch und im Entscheid unterschiedlichen Wegbezeichnung ein Nachteil erwachsen
sein soll. Schliesslich besteht auch kein Anlass, die Wegbezeichnung in der
Baubewilligung vom 7. August 2015 anzupassen, wurde das betreffende Strassenstück
doch inzwischen mit Gemeinderatsbeschluss vom 7. September 2015 offiziell
"H._weg" benannt.
3. Genügende Erschliessung: Ausgangslage und rechtliche Grundlagen
a) Die Beschwerdegegner beabsichtigen, auf der Parzelle Spiez Grundbuchblatt
Nr. E._ ein Einfamilienhaus mit Garage für zwei Fahrzeuge zu erstellen. Die
Zufahrt führt über die Parzelle Spiez Grundbuchblatt Nr. F._. Auf dieser Parzelle
ist ein Mehrfamilienhaus mit sechs Wohnungen, einer Einstellhalle mit acht Parkplätzen
und einem Besucherparkplatz vor dem Haus projektiert (vgl. Situationsplan vom
18.12.2014, gestempelt von der Gemeinde am 21. April 2015).
Beide Bauvorhaben sollen über den H._weg erschlossen werden. Der
H._weg, welcher mit einem Verbot für Motorwagen und Motorräder mit Zusatztafel
"Zubringerdienst gestattet" signalisiert ist, schliesst bei der Parzelle Spiez Grundbuchblatt
Nr. J._ und beim Bahnhof I._ an den G._weg an. Nach den
Ausführungen des TBA OIK I verläuft er zwischen den beiden Anschlüssen auf seiner
ganzen Länge von ca. 140 m in etwa horizontal und mit einer konstanten Breite von ca.
3.00 m. Die Erschliessung der beiden Bauvorhaben soll über den Anschluss bei der
Parzelle Spiez Grundbuchblatt Nr. J._ erfolgen. Über den H._weg werden
bereits die Liegenschaften auf den Parzellen Spiez Grundbuchblatt Nrn. J._ und
K._ (L._weg 5 und 7, Beschwerdeführende 1 und 3) erschlossen, deren
7 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1).
RA Nr. 110/2015/137 7
Vor- und Parkplätze an den H._weg angrenzen. Etwa 80 m ab der Einmündung
bei der Parzelle Spiez Grundbuchblatt Nr. J._ schliesst die Hauszufahrt zu den
beiden Bauvorhaben an den H._weg an.8
b) Die Beschwerdeführenden rügen, der H._weg sei für die Mehrbelastung
durch den Verkehr der künftigen Eigentümer der geplanten Bauten (hier umstrittenes
Einfamilienhaus auf der Parzelle Spiez Grundbuchblatt Nr. E._ sowie
Mehrfamilienhaus auf der Nachbarsparzelle Spiez Grundbuchblatt Nr. F._) nicht
ausreichend. Die Erschliessung sei damit ungenügend. In der Stellungnahme vom 3.
Januar 2016 führen sie zudem aus, der H._weg werde von Schulkindern rege
benutzt und bei einem Bauvorhaben dieser Dimension sei mit entsprechendem Bauverkehr
zu rechnen. Der H._weg sei nicht konzipiert für ein Bauvorhaben dieser Grösse.
Dessen Strassenbreite betrage zudem nicht durchgehend 3.00 m, sondern weise an der
schmalsten Stelle vor der Liegenschaft Oppliger lediglich 2.50 m auf.
Die Gemeinde kam zum Ergebnis, dass sich die Erschliessungsanlagen für beide
Bauvorhaben als genügend erweisen. Es könne davon ausgegangen werden, dass die
durch die Bauvorhaben am H._weg 5 und 7 insgesamt zu erwartende
Mehrbelastung gering sei.
c) Bauvorhaben dürfen nur bewilligt werden, wenn das Baugrundstück genügend
erschlossen ist (Art. 7 Abs. 1 BauG). Dabei gilt die strassenmässige Erschliessung dann
als genügend, wenn die Zufahrtsstrasse „hinreichend nahe“ an die geplanten Bauten und
Anlagen heranführt und diese für Wehrdienste und Sanität gut erreichbar sind (Art. 7
Abs. 2 Bst. a BauG). Die Erschliessungsstrassen müssen weiter den Beanspruchungen
gewachsen sein, die sich aus der Nutzung des Baugrundstücks und der weiteren
Grundstücke ergeben können, denen sie nach der Planung zu dienen bestimmt sind (Art. 7
Abs. 3 BauG). Nach Art. 8 BauG umschreibt der Regierungsrat die Anforderungen an eine
genügende Erschliessung (Abs. 1). Er ordnet namentlich auch die Fälle, in denen eine
bestehende Erschliessungsstrasse als genügend geltend kann, obgleich sie den
Anforderungen an eine Neuerschliessung nicht entspricht (Abs. 2 Bst. a) und die für
besondere Fälle möglichen Erleichterungen oder geltenden strengeren Anforderungen
(Abs. 2 Bst. b).
8 Fachbericht Erschliessung des TBA OIK I vom 8. Dezember 2015, S. 3.
RA Nr. 110/2015/137 8
Bestehende Erschliessungsanlagen genügen für Bauvorhaben in einem weitgehend
überbauten Gebiet oder ausserhalb der Bauzone dann, wenn die insgesamt zu erwartende
Mehrbelastung verhältnismässig gering ist und die Verkehrssicherheit und
Brandbekämpfung gewährleistet sind (Art. 5 Bst. a BauV9). Für die Beurteilung der
Verhältnismässigkeit der insgesamt zu erwartenden Mehrbelastung ist auf die nach den
geltenden Zonenvorschriften gesamthaft mögliche Nutzung abzustellen. Die
Mehrbelastung muss im Verhältnis zum gegenwärtigen Verkehrsaufkommen
verhältnismässig gering sein.10 Dabei bedeutet eine erwartete Verdoppelung des
Verkehrsaufkommens nicht automatisch, dass die Mehrbelastung nicht mehr gering ist.
Wesentlich sind auch die örtlichen Verhältnisse (bisherige Nutzung, Fahrbahnbreite, Länge
und Übersichtlichkeit der Zufahrt) sowie die Benützerkategorien (PW, Lastwagen,
Schulkinder, usw.).11
Genügt die bestehende Erschliessungsanlage nicht, so hält Art. 7 Abs. 2 BauV für die
Zufahrt zum Baugrundstück fest, dass die Fahrbahnbreite bei Strassen mit Gegenverkehr
4.20 m grundsätzlich nicht unterschreiten soll. Wenn besondere Verhältnisse im Sinne von
Art. 6 Abs. 3 BauV es erfordern, kann aber die Fahrbahnbreite auch bei Strassen mit
Gegenverkehr auf 3 m herabgesetzt werden; ist die Strasse auf einer grösseren Strecke
nicht überblickbar, so sind Ausweichstellen anzulegen (Art. 7 Abs. 3 BauV). Als besondere
Verhältnisse gelten nach Art. 6 Abs. 3 BauV etwa ungünstige topographische
Gegebenheiten, vorhandene bauliche Hindernisse, eine gebotene Verlangsamung des
Verkehrs oder eine zu erwartende geringe Verkehrsbelastung (Zufahrt für nicht mehr als 20
Wohnungen oder verkehrsmässig gleichbleibende Nutzung).
4. Genügende Erschliessung: Ausführungen der Fachbehörde
a) Das TBA OIK I beurteilt die strassenmässige Erschliessung zum hier umstrittenen
Einfamilienhaus sowie dem auf der Nachbarsparzelle geplanten Mehrfamilienhaus im
Fachbericht Erschliessung vom 8. Dezember 2015 nach einer ausführlichen Beschreibung
der örtlichen Verhältnisse zusammenfassend wie folgt:
9 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1) 10 BVR 2004 S. 412 E. 4.3 11 VGE 100.2012.208 vom 31. Januar 2013, E. 3.2; Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 7/8 N 10.
RA Nr. 110/2015/137 9
"Die geplanten Bauprojekte sind über den G._weg, ab den beiden Anschlüssen an die
Kantonsstrasse, und den H._weg erreichbar. Der G._weg ist eine
siedlungsorientiert gestaltete Basiserschliessung, die den besonderen örtlichen Verhältnissen
entsprechend ausgebaut ist. In mehreren übersichtlichen Abschnitten ist er über weite Strecken
einspurig befahrbar. Wo nötig sind Ausweichstellen vorhanden. Der G._weg dient im
Wesentlichen dem Quartierverkehr und weist ein relativ kleines Verkehrsaufkommen auf, das je
nach Abschnitt zwischen ca. 50 und 300 Fahrzeugen pro Tag liegt. Der H._weg ist eine
relativ kurze, einspurig befahrbare Detailerschliessungsstrasse mit einem äusserst geringen
Verkehrsaufkommen von ca. 5 bis 10 Fahrzeugen pro Tag. Er ist übersichtlich und insbesondere im
Einmündungsbereich sind Kreuzungsmanöver möglich. Die wesentlichen Voraussetzungen zur
Gewährleistung der Verkehrssicherheit auf den Erschliessungsstrassen zu den geplanten
Bauprojekten sind vorhanden. Die Erschliessung entspricht in der Gestaltung und im Ausbau den
gesetzlichen Bestimmungen und Normen."
b) Sollten beide Bauvorhaben realisiert werden, so geht die Fachbehörde von einem
zusätzlichen durchschnittlichen Verkehr von ca. 11 bis 17 Fahrzeugen pro Tag aus. Auf
dem H._weg entspreche dies einer beträchtlichen Steigerung von zwischen ca. 70
und 120%, auf dem G._weg entstehe durch die beiden Vorhaben je nach
Abschnitt eine Mehrbelastung von ca. 6 bis 22%. Werde nur das Einfamilienhaus realisiert,
so ergebe sich ein zusätzlicher durchschnittlicher Verkehr von ca. 2 bis 3 Fahrzeugen pro
Tag, was auf dem H._weg einer wesentlichen Steigerung von zwischen ca. 30 und
40% entspreche; auf dem G._weg sei bei dieser Konstellation mit einer
verhältnismässig geringen Mehrbelastung von maximal 4% zu rechnen. Insgesamt sei also
die Mehrbelastung auf dem H._weg in keinem Fall als verhältnismässig gering zu
beurteilen. Die Verkehrsbelastung werde hier jedoch auch mit der Mehrbelastung nur ein
geringes Niveau erreichen. Beim G._weg ergebe sich zusammenfassend je nach
bestehender Belastung der einzelnen Abschnitte eine verhältnismässig geringe bis
wesentliche Steigerung.
c) Zur Verkehrssicherheit nach Realisierung des hier umstrittenen Einfamilienhauses
hält die Fachbehörde Folgendes fest: "Auch mit der zu erwartenden wesentlichen Mehrbelastung ist die Verkehrssicherheit auf dem
H._weg gewährleistet, da die Verkehrsbelastung insgesamt sehr gering bleiben wird. Die
wesentlichen Voraussetzungen zur Gewährleistung der Verkehrssicherheit sind erfüllt. Wir gehen
davon aus, dass es auf Grund der Verkehrsbelastung von durchschnittlich ca. 7 bis 13 Fahrzeugen
pro Tag kaum zu Begegnungsfällen kommen wird und die Ausweichmöglichkeiten nur in äusserst
RA Nr. 110/2015/137 10
seltenen Fällen beansprucht werden müssten. Auf dem G._weg und im Bereich der beiden
Einmündungen ist die Verkehrssicherheit auch mit dem zu erwartenden Mehrverkehr gewährleistet."
Nach Einschätzung der Fachbehörde wäre die Verkehrssicherheit auch bei Realisierung
eines weiteren Bauvorhabens auf der Nachbarparzelle noch gewährleistet, da die
Verkehrsbelastung auch in diesem Fall immer noch gering wäre (Fachbericht vom 8.
Dezember 2015, Ziffer 3.1).
5. Genügende Erschliessung, Würdigung
a) Die Verkehrssicherheit auf der Erschliessungsstrasse muss sichergestellt sein, und
zwar unabhängig von der Frage, ob die Erschliessungsanforderungen einer bestehenden
Strasse (Art. 5 BauV) oder diejenigen einer neuen Strasse (Art. 6 ff. BauV) massgebend
sind (vgl. hierzu nachfolgend, E. 5b-d). Es ist daher zu prüfen, ob auf dem H._weg
die Verkehrssicherheit gewährleistet ist, wenn das umstrittene Einfamilienhaus realisiert
wird.
Das relevante Teilstück des H._wegs von der Einmündung ab M._strasse
bis zur Hauszufahrt der umstrittenen Bauvorhaben im nördlichen Eckpunkt der Parzelle
Spiez Grundbuchblatt Nr. F._ ist rund 80 m lang und weist keine Steigung auf.
Dieses Teilstück ist nur einspurig befahrbar und es bestehen keine offiziellen
Ausweichstellen. Allfällige Ausweichmöglichkeiten auf den privaten Parkplätzen sind bei
der vorliegenden Beurteilung nicht zu berücksichtigen. Im Einmündungsbereich
G._weg/H._weg dagegen sind Kreuzungsmanöver möglich. Die relativ
kurze Strecke ist zudem gerade und damit auf der ganzen Länge gut überblickbar, so dass
etwa Autolenker, die auf den H._weg einbiegen, entgegenkommende Fahrzeuge
bereits auf Höhe der Einmündung erkennen können. Ausweichstellen sind daher auf dem
80 m langen Teilstück nicht nötig.
Das TBA OIK I geht bei Realisierung des hier umstrittenen Einfamilienhauses auf dem
H._weg von einem durchschnittlichen täglichen Verkehr von ca. 7 bis 13
Fahrzeugen aus. Die BVE sieht keinen Grund, von dieser Einschätzung der Fachbehörde
abzuweichen. Die Beschwerdeführenden vertreten zwar die Ansicht, dass die
Einschätzung des TBA OIK I zum heutigen Verkehrsaufkommen (durchschnittlich 5 bis 10
RA Nr. 110/2015/137 11
Fahrzeuge pro Tag) zu tief sei, vermögen dies indessen nicht überzeugend zu begründen.
Von der Anzahl der parkierten Fahrzeuge entlang des H._Weg an einem
beliebigen Tag kann jedenfalls nicht auf den durchschnittlichen täglichen Verkehr auf
diesem Weg geschlossen werden. Ausgehend von der Tatsache, dass im heutigen
Zustand nur die beiden Liegenschaften der Beschwerdeführenden 1 und 3 über den
H._weg erschlossen werden und das Haus der Beschwerdeführerin 3 zusätzlich
über Parkmöglichkeiten an der darüber liegenden L._Strasse verfügt, erscheint die
Einschätzung des TBA OIK I plausibel und nachvollziehbar. Zu Recht geht die
Fachbehörde daher davon aus, dass bei Realisierung des Einfamilienhauses auf dem
H._weg nach wie vor eine sehr geringe Verkehrsbelastung besteht. Es wird daher
auf diesem kurzen und gut überblickbaren Wegabschnitt nur sehr selten zu
Begegnungsfällen und damit zu Rückwärtsfahrten kommen. Sollten Rückwärtsfahrten
dennoch nötig werden, so beschränken sich diese auf eine kurze Distanz. Zudem sind
solche aufgrund der guten Übersichtlichkeit problem- und gefahrlos durchführbar, selbst
wenn der H._weg – wie dies von den Beschwerdeführenden vorgebracht wird –
auch von Schulkindern rege benutzt wird. Letztere können bei entgegenkommendem
Verkehr auch ohne weiteres auf die privaten Vorplätze und Parkplätze ausweichen.
Schliesslich ist zu berücksichtigen, dass aufgrund der kurzen Strecke keine hohen
Geschwindigkeiten möglich sind. Auch im Bereich der Einmündung des H._wegs
auf den G._weg ist nach den Ausführungen des TBA OIK I die Verkehrssicherheit
gewährleistet, da die Einmündung aufgrund der speziellen Gestaltung mit Pflästerung gut
wahrnehmbar sei und die minimalen Normwerte für die Knotensichtweite eingehalten
würden. Der Einschätzung der Fachbehörde, wonach die Verkehrssicherheit auf dem
H._weg auch bei Berücksichtigung des Mehrverkehrs des Einfamilienhauses
gewährleistet ist, kann daher gefolgt werden.
b) Die Erschliessung des umstrittenen Einfamilienhauses über den H._weg ist
dann genügend, wenn neben der Gewährleistung der Verkehrssicherheit die übrigen
Voraussetzungen an eine bestehende Erschliessungsstrasse im Sinne von Art. 5 Bst. a
BauV erfüllt sind oder wenn der H._weg die Anforderungen an eine neue Zufahrt
nach Art. 6 f. BauV einzuhalten vermag (vgl. E. 3c). Während dem die Vorgaben an eine
neue Erschliessungsstrasse bei besonderen Verhältnissen eine Herabsetzung der
Fahrbahnbreite bis auf 3 m zulassen (Art. 7 Abs. 3 BauV), enthält Art. 5 BauV für die
bestehenden Erschliessungsstrassen keine Vorgabe zur Fahrbahnbreite; sofern also die
RA Nr. 110/2015/137 12
übrigen Voraussetzungen dieser Bestimmung erfüllt sind, kann eine bestehende
Erschliessungsstrasse auch weniger als 3 m breit sein.
c) Das TBA OIK I, welches einen Augenschein vor Ort vornahm, geht im Fachbericht
vom 8. Dezember 2015 von einer konstanten Breite des H._wegs von ca. 3 m aus.
Die BVE sieht keinen Grund, die von der Fachbehörde vor Ort kontrollierte Breite des
H._wegs anzuzweifeln, zumal die Beschwerdeführenden ihre Ansicht, der Weg sei
an einer Stelle nur 2.50 m breit, nicht näher belegen.
Die bestehende Erschliessung des Einfamilienhauses über den H._weg erfüllt
damit die Anforderungen an eine neue Erschliessungsstrasse (Art. 6 f. BauV). Der
H._weg ist zwar weniger breit als grundsätzlich erwünscht (Art. 7 Abs. 2 BauV).
Da besondere Verhältnisse vorliegen, ist eine reduzierte Fahrbahnbreite von 3 m jedoch
zulässig (vgl. Art. 7 Abs. 3 i.V.m. Art. 6 Abs. 3 BauV): So bleibt es auf dem
H._weg bei einer geringen Verkehrsbelastung, da die Zufahrt nicht mehr als 20
Wohnungen dient. Auch das TBA OIK I geht in seiner Einschätzung davon aus, dass die
Verkehrsbelastung bei Realisierung des Einfamilienhauses auf dem H._weg
insgesamt sehr gering bleibt. Die Verkehrssicherheit ist zudem gewährleistet (vgl. E. 5a),
so dass eine Reduktion der Mindestbreite der Strasse auf 3 m unproblematisch ist. Selbst
die Erschliessung eines weiteren Bauvorhabens auf der Nachbarsparzelle über den
H._weg dürfte mit dieser Fahrbahnbreite von 3 m zusätzlich noch möglich sein,
solange die Zufahrt insgesamt nicht mehr als 20 Wohnungen dient und auch bei
Berücksichtigung des insgesamt zu erwartenden Mehrverkehrs die Verkehrssicherheit
gewährleistet bleibt. Dies muss vorliegend jedoch nicht näher geprüft werden.
d) Selbst wenn – der Ansicht der Beschwerdeführenden folgend – der H._weg
eine Breite von 3 m teilweise unterschreiten sollte, könnte das hier umstrittene
Einfamilienhaus über den H._weg erschlossen werden. So kann eine bestehende
Erschliessungsstrasse auch weniger als 3 m breit sein, wenn die Verkehrssicherheit und
die Brandbekämpfung gewährleistet sind und das Vorhaben im weitgehend überbauten
Gebiet liegt (Art. 5 Bst. a BauV). Dies ist hier der Fall. Neben der Verkehrssicherheit (E. 5a)
ist auch die Brandbekämpfung gewährleistet, kann doch die Feuerwehr problemlos zum
Grundstück gelangen. Bleibt nach Art. 5 Bst. a BauV zu prüfen, ob die insgesamt zu
erwartende Mehrbelastung auf dem H._weg verhältnismässig gering ist. Dabei ist
zwar – wie ausgeführt (E. 3c) – auf die nach den geltenden Zonenvorschriften gesamthaft
RA Nr. 110/2015/137 13
mögliche Nutzung abzustellen. Dies bedeutet, dass unüberbaute Parzellen, welche über
denselben Weg erschlossen werden müssen, bei der Beurteilung der Mehrbelastung
ebenfalls schon zu berücksichtigen sind. Solche künftigen Bauprojekte sind bei der
Beurteilung der Mehrbelastung jedoch nur dann miteinzubeziehen, wenn sie nach den
Grundsätzen von Art. 5 Bst. a BauV überhaupt über die zu beurteilende Strasse
erschliessbar sind, keine bessere Erschliessungsvariante besteht und sie den
Zonenvorschriften entsprechen. Zu berücksichtigen sind mit anderen Worten nur Projekte,
bei welchen mit einer Erschliessung über diese Strasse zu rechnen ist.
Der Mehrverkehr eines künftigen Bauprojekts auf der unüberbauten Nachbarsparzelle
Spiez Grundbuchblatt Nr. F._ muss vorliegend nicht in die Beurteilung
miteinbezogen werden: Auf das konkret projektierte Bauvorhaben auf dieser Parzelle
(Mehrfamilienhaus mit sechs Wohnungen und Einstellhalle) ist nicht abzustellen, da dieses
Bauvorhaben noch nicht rechtskräftig bewilligt ist. Zudem wäre ein Haus mit 6 Wohnungen
nach den geltenden Zonenvorschriften der Wohnzone W2S grundsätzlich kaum
realisierbar; die Bauherrschaft nimmt eine Nutzungsübertragung sowie einen
Nutzungsbonus für energieeffizientes Bauen in Anspruch. Zudem wäre grundsätzlich die
Erschliessung eines Bauvorhabens, welches wesentlich mehr Verkehr generiert als das
vorliegend umstrittene Einfamilienhaus, über den H._weg unter Art. 5 Bst. a BauV
ausgeschlossen, könnte doch bei einem solchen bereits alleine betrachtet nicht mehr von
einer im Vergleich zum gegenwärtigen Verkehrsaufkommen verhältnismässig geringen
Mehrbelastung gesprochen werden. Ein kleineres Bauvorhaben dagegen könnte trotz der
Hanglage problemlos über die ebenfalls direkt angrenzende L._Strasse oberhalb
dieser Parzelle erschlossen werden (vgl. etwa die unmittelbar angrenzenden
Liegenschaften L._Strasse 9, 15 und 17). Da die L._Strasse breiter ist als
der H._weg, wäre diese Erschliessungsvariante im Vergleich zum
H._weg sogar als besser einzustufen. Weitere unüberbaute Parzellen, die über
den H._weg zu erschliessen sind, existieren nicht. Es ist daher einzig auf den
Mehrverkehr des Einfamilienhauses abzustellen. Bei einem gegenwärtigen
Verkehrsaufkommen auf dem H._weg von durchschnittlich 5 bis 10 Fahrzeugen
pro Tag stellt die Zunahme von durchschnittlich 2 bis 3 Fahrzeugen pro Tag – entgegen
der Ansicht des TBA OIK I – noch eine verhältnismässig geringe Mehrbelastung dar. Die
Voraussetzungen von Art. 5 Bst. a BauV sind damit für das hier umstrittene
Einfamilienhaus erfüllt, auch wenn der H._weg eine Breite von 3 m unterschreiten
sollte.
RA Nr. 110/2015/137 14
e) Die Beschwerdeführenden rügen einzig, der H._weg genüge den
Anforderungen an eine genügende Erschliessung nicht. Es erübrigt sich daher, auf die
daran anschliessende Basiserschliessung (G._weg) näher einzugehen. Den
ausführlichen und plausiblen Ausführungen der Fachbehörde folgend kommt die BVE zum
Schluss, dass der G._weg die Anforderungen an eine genügende Erschliessung
ebenfalls erfüllt und die Verkehrssicherheit auch mit dem zusätzlichen Verkehr des
geplanten Einfamilienhauses gewährleistet bleibt.
Für die Beurteilung des Mehrverkehrs und der Verkehrssicherheit der Erschliessung ist
schliesslich nicht auf die Bauphase mit ihrem erhöhten Verkehrsaufkommen und den vielen
Lastwagentransporten abzustellen, sondern auf die Situation nach dem Bau des
Bauvorhabens. Die Einwände zum Baustellenverkehr, welche die Beschwerdeführenden
erstmals in der Stellungnahme vom 3. Januar 2016 vorbringen, sind daher bei der Prüfung
der genügenden Erschliessung nicht relevant. Selbstverständlich ist die Bauherrschaft
während der Bauphase unter Aufsicht der Gemeinde für geeignete Sicherheitsvorkehren
und Vorsichtsmassnahmen verantwortlich.
f) Insgesamt ist die Erschliessung des vorliegend umstrittenen Einfamilienhauses als
genügend einzustufen. Die Beschwerde ist auch in diesem Punkt abzuweisen.
6. Erschliessung, rechtliche Sicherstellung
a) Die Zufahrt des umstrittenen Einfamilienhauses führt über die Parzelle Spiez
Grundbuchblatt Nr. F._ und damit über fremden Boden. Für
Erschliessungsanlagen auf fremdem Grund ist deren rechtliche Sicherstellung
nachzuweisen. Dazu muss gemäss Art. 4 Bst. c BauV im Zeitpunkt der Baubewilligung
entweder ein rechtskräftiger Überbauungs- oder Strassenplan oder eine Vereinbarung mit
der Grundeigentümerschaft, die der Bauherrschaft das Recht zur Erstellung und Erhaltung
der Anlagen einräumt, bestehen.12
12 Vgl. auch Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 7/8 N. 12.
RA Nr. 110/2015/137 15
b) Gemäss dem von den Beschwerdegegnern im Beschwerdeverfahren eingereichten
Dienstbarkeitsvertrag vom 24. Februar 2015 räumt die Eigentümerin der Parzelle Spiez
Grundbuchblatt Nr. F._ den Beschwerdegegnern für die Zufahrt zur Parzelle Spiez
Grunduchblatt Nr. E._ und zum Wenden von Fahrzeugen ein Fuss- und
Fahrwegrecht ein. Dieses Fuss- und Fahrwegrecht ist im Grundbuch eingetragen. Damit ist
die Zufahrt auf fremden Grund rechtlich sichergestellt und erfüllt somit die
Voraussetzungen von Art. 4 Bst. c BauV.
7. Weitere Rügen, Kosten
a) Die Beschwerdeführenden sprechen in ihrer Beschwerde von "geringen
Besucherparkplätzen", dies jedoch einzig im Titel der zweiten Ziffer. Es ist unklar, was die
Beschwerdeführenden damit meinen. In der Beschwerde wird mit keinem Wort erläutert,
welches Vorhaben über zu wenige Besucherparkplätze verfügen soll und wieso mehr
Besucherparkplätze nötig sein sollten. Diese Rüge ist daher ungenügend begründet (Art.
32 Abs. 2 VRPG13). Darauf ist nicht einzutreten.
b) Die Beschwerdeführenden befürchten, dass für Zubringerdienste zu den beiden
Bauobjekten ihre privaten Garagenvorplätze und Parkplätze genutzt werden und rügen
sinngemäss, die Vorinstanz habe keine Rechtsverwahrung vorgemerkt.
Die Gemeinde führte in den Erwägungen des angefochtenen Entscheids (Ziffer 3.5) zwar
aus, sämtliche privatrechtlichen Einsprachepunkte würden, soweit geeignet, im Entscheid
als Rechtsverwahrung angemerkt. Im Dispositiv (Ziffer 4.4) jedoch fehlt eine
Rechtsverwahrung zugunsten der Beschwerdeführenden.
Die Rechtsverwahrung bezweckt die Orientierung der Gesuchstellenden und der Behörden
über Privatrechte, welche durch das Bauvorhaben berührt werden, und über
Entschädigungsansprüche, die daraus abgeleitet werden können (Art. 32 Abs. 1 BewD).
Gestützt auf 36 Abs. 3 Bst. f BewD ist die Rechtsverwahrung ins Dispositiv aufzunehmen,
unabhängig davon, ob die geltend gemachten Vorbringen zutreffen oder nicht. Dies ist hier
im vor-instanzlichen Entscheid nicht erfolgt. Die von den Beschwerdeführenden in ihrer
13 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21).
RA Nr. 110/2015/137 16
Beschwerde erwähnte Rechtsverwahrung wird daher im vorliegenden Entscheid
vorgemerkt.
c) Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann. Bei diesem
Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführenden. Sie haben die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 1'600.00 (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1
GebV14). Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 Abs. 1 und 4 VRPG).