# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c369da5c-11f6-4749-b208-4da6bd2bcf71
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Die
1968 geborene
X._
arbeitete seit dem
1.
November 2003
als Haushälterin
für
die
Y._
und
war damit bei der
Visana
Versicherungen AG (nachfolgend:
Visana
)
obliga
torisch gegen die Folgen von Unfällen versichert.
Am
3.
November 2018
erlitt die Versicherte
als Beifahrerin eines Personenwagens
einen Auffahrunfall
auf der Autobahn
(
Urk.
10
/9
und Urk.
10
/22
).
Die gleichentags erstbehandelnden Ärzte des
Spitals Z._
diagnostizierten
ein Beschleunigungstrauma der Halswir
belsäule (HWS)
sowie
eine Kontusion der Brustwirbelsäule (BWS)
(Urk.
10
/1 S. 2)
.
Die
Visana
trat auf den Schaden ein und erbrachte di
e gesetzlichen Leistungen (Urk.
10
/1
6
).
Mit Verfügung vom 1
8.
November 2019 stellte die
Visana
die Ver
sicherungsleistungen per 3
0.
November 2019 ein, da der natürliche und der adä
quate Kausalzusammenhang ein Jahr nach dem Unfallereign
is nicht mehr gege
ben sei
en
(Urk.
10
/168-171).
Dagegen
erhob
die Versicherte
mit Schreiben vom
6. Januar 2020 Einsprache (Urk.
10
/200-204).
Daraufhin holte die
Visana
bei der
A._
GmbH
ein
polydisziplinäres
Gutachten ein, welches am
1
0.
Februar 2021
erstattet wurde
(Urk.
10
/515).
Nachdem
die
Visana
der Versicherten
das rechtliche Gehör zum
Gutachten
gewährt hatte (Urk.
10
/
562
), nahm diese am
2
9.
April 2021
dazu Stellung und
beantragte
die Durchführung einer neuen
polydisziplinäre
n
Begutachtung
(Urk.
10
/
583-592
).
Mit Schreiben vom
9.
September 2021 reichte die Versicherte weitere medizinische Berichte ins Recht und hielt an ihrem ver
fahrensrechtlichen Antrag
auf Durchführung
einer neuen Begutachtung fest (Urk.
10
/723-724).
Mit Schreiben vom 2
1.
Oktober 2021
informierte
sie
die
Visana
, dass sie mit
einer allfälligen Veranlassung eines
Ergänzungsauftrag
s
bei der
A._
GmbH nicht einverstanden sein würde und ersuchte
für diesen Fall
um eine anfechtba
re Zwischenverfügung (Urk.
10
/734-735).
Am
2.
November 2021
erliess
die
Visana
die
Z
wischenverfügung
, mit welcher sie eine neue Begut
achtung vorerst ablehnt
e
und an einem Ergänzungsauftrag durch die Verfasser des Gutachtens vom 1
0.
Februar 2021 der
A._
GmbH fest
hielt
(
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
die Versicherte
am
1.
Dezember
2021 Beschwerde und beantragte,
es sei die Beschwerdegegnerin
unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung
zu verpflichten, eine neue medizinische polydisziplinäre Begutachtung durchzufüh
ren sowie danach ü
ber die unfallversicherungsrech
t
l
ichen L
eistungsansprüche neu zu
befinden
(Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom
23.
März 2022
schloss
die
Beschwerdegegnerin
auf Abweisung der Beschwerde (Urk.
9)
,
was
der Beschwer
deführerin am
5.
April 2022 zu
r
Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
11).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Anfechtungsgegenstand bildet die Verfügung vom
2.
November 2021, mit we
l
cher die Beschwerdegegnerin eine neue Begutachtung vorerst abgelehnt und an
einem Ergänzungsauftrag
durch die Verfasser des Gutachtens vom 1
0.
Februar 2021
der
A._
GmbH
festgehalten hat (
Urk. 2). Hierbei handelt es sich um eine Zwischenverfügung im Sinne von Art. 55 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) in Verbindung mit Art. 5 Abs. 2 und Art. 46 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (
VwVG
), welche bei Bejahung eines nicht
wieder gutzumachenden
Nachteils (Art. 46 Abs. 1
lit
. a
VwVG
) grundsätzlich selbständig mit Beschwerde angefochten wer
den kann.
1.2
Allfällige Ansprüche
auf unfallversicherungsrechtliche L
eistungen
sind von der angefochtenen Zwischenverfügung nicht umfasst, weshalb mangels Anfech
tungsobjekts auf Ziffer
3
der Anträge
der Beschwerdeführerin
zum vornherein
nicht einzutreten ist.
2.
2.1
Das Bundesgericht hat mit BGE 137 V 210 bei der Anordnung eines Gutachtens die Anfechtbarkeitsvoraussetzung eines nicht
wieder gutzumachenden
Nachteils für das erstinstanzliche Beschwerdeverfahren bejaht, zumal die nicht sachge
rechte Begutachtung in der Regel einen rechtlichen und nicht nur einen tatsäch
lichen Nachteil bewirke (vgl. BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7 mit Hinweisen). Diese zur Invalidenversicherung ergangene Rechtsprechung findet auch im Bereich der Unfallversicherung Anwendung (BGE 138 V 318 E. 6.1).
Wird eine Begutachtung veranlasst und mittels Verfügung angeordnet, so kann die versicherte Person mit Beschwerde an das kantonale Versicherungsgericht materielle Einwendungen gegen eine Begutachtung an sich (etwa mit dem Einwand, es handle sich um eine unnötige
second
opinion
), gegen Art und Umfang der Begutachtung (beispiels
weise betreffend die Auswahl der medizinischen Disziplinen) oder gegen bezeich
nete Sachverständige (etwa betreffend deren Fachkompetenz) erheben. Weiter können formelle
Ausstandsgründe
gegen Gutachterpersonen geltend gemacht werden (vgl. BGE 138 V 271 E. 1.1).
2.2
G
emäss dem in
Art.
43
Abs.
1 ATSG statuierten Untersuchungsgrundsatz sind die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vorzunehmen. Im Rahmen der Ver
fahrensleitung kommt dem Versicherungsträger nach der Rechtsprechung ein grosser Ermessensspielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmäs
sigkeit von medizinischen Erhebungen zu. Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der jeweiligen Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass über den Leistungsanspruch zumin
dest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden werden kann (vgl.
Kieser
, ATSG-Kommentar,
3.
Auflage 2015,
Art.
43 N 20). Die Untersuchungen sind einzustellen, wenn die Akten vollständig sind, d.h. wenn die inhaltlichen und beweismässigen Anforderungen, welche an die einzelnen Beweismittel gestellt werden, erfüllt sind und eine Würdigung dieser Beweismittel mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit einen bestimmten Sachverhalt ergibt. Es besteht insoweit kein Anspruch darauf, zusätzliche
second
opinions
einzuholen, und zwar weder seitens der versicherten Person noch seitens des Versicherungsträgers (
Kieser
, a.a.O.,
Art.
43 N 27; vgl. Urteil des Bundesge
richts 9C_57/2019 vom
7.
März 2019 E. 3.2 mit Hinweisen).
2.3
Die Notwendigkeit der Anordnung eines weiteren Gutachtens ergibt sich aus der Beantwortung der Frage, ob bereits
das
bei den Akten liegende Gutachten die inhaltlichen und beweismässigen Anforderungen an eine zu erstattende ärztliche Expertise
erfüllt
. Dies hängt davon ab,
UV170510
Beweiswert eines Arztberichts
01.2021
ob diese für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
3
.
3
.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid damit, dass sie um den vorliegenden Sachverhalt vollumfänglich abzuklären ein interdisziplinä
res Gutachten in den Disziplinen der Neurologie, der Neuropsychologie, der Psy
chiatrie, der Orthopädie und der Rheumatologie in Auftrag gegeben habe. Sie erachte es als zweckmässig, dass die
A._
GmbH dieses Gutachten e
rgänze und zu dem Vorbringen
der Beschwerdeführerin sowie
zu
den neuen medizini
schen Unterlagen Stellung nehme. Eine Durchführung einer neuen polydiszipli
nären Begutachtung würde aktuell zudem kaum neue Erkenntnisse bringen und sei somit weder notwendig noch zweckmässig (
Urk.
2
).
3
.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin
im Wesentlichen
auf den S
tandpunkt,
alleine die
gravierende
n
Mängel betreffend das eingeholte medizini
sche
Gutachten
der
A._
GmbH
, welche sie mit der Stellungnahme vom 2
9.
April 2021 bei
der Beschwerdegegnerin
deponiert
habe
, l
iessen
keine weitere Stellungnah
m
e durch die
A._
GmbH zu
. Es sei
nämlich
davon auszugehen, dass die medizinischen
Sachverständigen der
A._
GmbH die Angelegenheit nicht mehr erge
b
nisoffen
angehen
könnten.
Insbesondere da die
der
Beschwer
degegnerin
neu
eingereichten medizinischen Unterlangen ganz offensichtlich in eklatante
m
Widerspruch zu den
Ausführungen
im
Gutachten
in somatischer Hin
sicht
stünden
. Ferner
sei
darauf
hinzuweisen,
d
ass nunmehr durch diese neuen
medizinischen
Erkenntnisse
auch
nachgewiesen
werden könne, dass bei ihr
eine ausgedehnte
artikularseitige
Partialr
u
ptur
der
Supraspinatusseh
ne
vorliege. Diese medizinische Tatsache sei von den medizinischen Sachverständigen der
A._
GmbH im Rahmen der Begutachtung nicht entdeck
t
worden. Sodann sei das von der höchsten Rechtsprechung geforderte
Mindestmass an Vertrauensverhältnis zwischen ihr und den medizinischen Sachverständigen dadurch nicht mehr vor
handen (Urk. 1)
.
4
.
4
.1
Vorliegend umfasst der Anfechtungsgegenstand nicht die Anordnung eines (zweiten) Gutachtens mit entsprechendem Entscheid über Art und Umfang der Begutachtung, Auswahl der medizinischen Disziplinen und die beauftragten Fachpersonen, weshalb die Anfechtbarkeitsvoraussetzung fraglich ist. Soweit den bereits beauftragten Sachverständigen Ergänzungsfragen vorgelegt werden sol
len, so muss sich die versicherte Person zwar auch hierzu
äussern
können (BGE 136 V 116), eine Rechtsmittelbefugnis erwächst hieraus jedoch noch nicht. Ein
wände gegen die Beweiskraft des bereits eingeholten Gutachtens sind gegen den materiellen Entscheid
über die Leistungsansprüche
vorzutragen. Im Ergebnis wäre die Beschwerde jedoch aus nachfolgenden Gründen abzuweisen, weshalb die Frage der Zulässigkeit des R
echtsmittels offen
bleiben kann.
4.2
Streitig und zu prüfen ist, ob
bei
den Verfassern des Gutachtens vom 10.
Februar 2021
der
A._
GmbH
eine ergänzende Stellungnahme
zu
den Vorbringen
der Beschwerdeführerin sowie den neuen medizinischen Unterlagen
einzuholen ist oder ob eine erneute polydisziplinäre Begutachtung notwendig
ist
. Das polydis
ziplinäre Gutachten vom 1
0.
Februar 2021 der
A._
GmbH (Urk.
10/515)
ent
hält keine Hinweise darauf, dass die Sachverständigen befangen sein könnten und daher
bei der Beantwortung von Ergänzungsfragen
bzw. bei einer ergänzen
den Stellungnahme zu den neuen
medizinischen Unterlagen
durch die Verfasser des Gutachtens
eine unbefangene medizinische Stellungnahme nicht mehr
zu
erwarten
wäre.
Soweit
die Beschwerdeführerin
mit
ihrem Vorbringen, die medizinischen Sach
verständigen der
A._
GmbH könnten die Angelegenheit
«nicht
mehr
ergeb
nisoffen»
angehen
(E. 3.2)
,
sinngemäss
den Ablehnungsgrund
der
Befangenheit
vorbringen will, kann ihr diesbezüglich nicht gefolgt werden.
So kann ein Sach
verständiger nicht allein deshalb abgelehnt werden, weil er den Exploranden schon früher einmal begutachtet hat
(BGE 132 V 93 E. 7.2.2).
Als
massgebendes
Kriterium für die Beurteilung dieser Frage im Einzelfall hielt das Bundesgericht fest, es sei generell zu fordern, dass das Verfahren in Bezug auf den konkreten Sachverhalt und die konkret zu entscheidenden Rechtsfragen trotz der Vorbefas
sung als offen erscheine und nicht der Anschein der Vorbestimmtheit erweckt werde (BGE 117
Ia
182 E. 3b).
Dies ist beispielsweise der
Fall, wenn der Experte andere Fragen zu beantworten oder sein erstes Gutachten
lediglich zu erklären, zu erläutern oder zu ergänzen hat, nicht aber, wenn er
die Schlüssigkeit seiner früheren Expertise zu überprüfen oder objektiv zu
kontrollieren hat (Urteil
des
BGer
2A.259/1998 vom 3
0.
November 1998, Urteil
des
BGer
8C_89/2007
vom 2
0.
A
ugust 2008
E. 6.2)
. Da die Gutachter der
A._
GmbH vorliegend
das Gut
achten
lediglich
zu erläutern bzw. zu ergänzen haben,
ist
eine Befangenheit durch V
orbefassung nicht zu vermuten
.
Im Übrigen
lässt auch
die
Beschwerdeschrift Ausführungen,
weshalb die Gutachter durch die Vorbefassung nicht mehr ergeb
nisoffen sein sollten, vermissen.
5
.
Nach dem Gesagten ist
nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin
den
A
ntrag
auf ein «
second
opinion
»-Gutachten
verneint hat
, solange die Ergän
zungsfragen von den Gutachtern der
A._
GmbH nicht beantwortet sind bzw. die ergänzende Stellungnahme zu den neuen medizinischen U
nterlagen nicht bei den Akten liegt
.
Dies führt zur Abweisung der
Beschwerde, soweit
überhaupt
da
rauf einzutreten ist.