# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 54f6a5b1-39c2-509a-ab4f-175f36366289
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Mit Entscheid vom 24. Januar 2018 bewilligte das Regierungsstatthalteramt
Interlaken-Oberhasli der Beschwerdegegnerschaft den Neubau eines Wohnhauses auf
einem bestehenden Untergeschoss. Das Untergeschoss grenzt im Osten teilweise an die
Parzelle des Beschwerdeführers an. Das Wohnhaus hat im Vergleich zum Untergeschoss
eine kleinere Grundfläche und ist von der Grundstückgrenze des Beschwerdeführers
zurückversetzt. Der nicht bebaute Teil des Flachdaches des Untergeschosses soll begrünt
werden und als Terrasse dienen. Die am 24. Januar 2018 bewilligten Pläne sehen in
diesem Zusammenhang eine 1.05 Meter hohe Mauer entlang des südlichen und östlichen
Randes des Untergeschossdaches und eine Auffüllung zwischen diesen Mauern und der
Wohnhausfassade vor. Die genaue Art der Auffüllung ist in den Plänen nicht definiert.
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2. Auf Grund einer Nachfrage des Beschwerdeführers, ob das Bauvorhaben
entsprechend der Bewilligung ausgeführt werde, führte die Bauverwaltung der Gemeinde
Hasliberg am 14. Juni 2018 einen Augenschein durch. Die Gemeinde stellte fest, dass die
Bauherrschaft über dem bestehenden Flachdach eine neue Betonverbundplatte als
Lastenausgleichsplatte einbauen liess. Mit Schreiben vom 19. Juli 2018 erklärte die
Bauherrschaft, das ganze Volumen habe nicht, wie ursprünglich geplant, mit
Glasfaserschotter aufgefüllt werden können. Da sich das bestehende Flachdach als zu
wenig tragfähig erwiesen habe, sei aus statischen Gründen die Betonverbundplatte
eingebaut worden. Das Erscheinungsbild der Terrasse sei unabhängig von der
Konstruktionsweise gleich. Sie sei sich nicht bewusst gewesen, dass die Änderung der
Konstruktionsweise der Terrasse mit der Baubewilligungsbehörde hätte abgesprochen
werden müssen. Gleichzeitig reichte sie bereinigte Pläne ein. Nachdem die Gemeinde
ursprünglich signalisierte, es sei die Zustimmung des Nachbarn notwendig, bewilligte die
Gemeinde die Projektänderung ohne dessen Zustimmung mit Entscheid vom 15. Juli 2019.
3. Gegen diese Verfügung reichte der Beschwerdeführer am 14. August 2019
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er
beantragt, der Entscheid sei aufzuheben und der Projektänderung sei der Bauabschlag zu
erteilen. Die Vorinstanz sei anzuweisen, dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör zu
gewähren.
4. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet,1 holte bei der
Gemeinde die Vorakten sowie eine Stellungnahme ein und gab der
Beschwerdegegnerschaft die Möglichkeit, sich zur Beschwerde zu äussern.
5. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (Organisationsverordnung BVE, OrV BVE; BSG 152.221.191).
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## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
Bauentscheide können nach Art. 40 BauG2 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit für die Beurteilung
der Beschwerde zuständig. Der Beschwerdeführer hat sich als Anzeiger am
vorinstanzlichen Verfahren beteiligt und ist durch die angefochtene Verfügung beschwert.
Er ist daher zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf seine form- und fristgerecht
eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Streitgegenstand
Ein Vergleich der ursprünglich bewilligten mit den am 15. Juli 2019 bewilligten Plänen
zeigt, dass die Bauherrschaft nicht nur die Terrasse anders ausgestaltet hat, sondern dass
sie auf der Südseite des Untergeschosses anstelle von zwei Türen und zwei Fenstern zwei
grosse, ebenerdige Fenster einbauen liess. Zudem sind im Kellergeschoss einige
Kellerwände entfernt und dafür eine neue Stütze eingebaut worden. Zu diesen baulichen
Veränderungen äussert sich der Beschwerdeführer jedoch nicht. Insbesondere macht er
nicht geltend, inwiefern diese Änderungen gegen öffentlich-rechtliche Vorschriften
verstossen sollten. Vielmehr bemängelt er nur die Veränderungen im Bereich der Terrasse.
Der Streitgegenstand beschränkt sich daher auf die Frage der Zulässigkeit der
abgeänderten Konstruktionsweise der Terrasse. Soweit der Bauentscheid der Gemeinde
die Neugestaltung des Untergeschosses bewilligt, ist der Entscheid in Rechtskraft
erwachsen.
3. Rechtliches Gehör und widersprüchliches Verhalten
a) Der Beschwerdeführer macht geltend, die Gemeinde habe nicht eindeutig zwischen
Baupolizei- und Projektänderungsverfahren unterschieden. Dementsprechend habe er sich
nicht gehörig äussern können. Zudem habe sich die Gemeinde widersprüchlich verhalten,
2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0).
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indem sie ursprünglich kommunizierte, sie könne das Bauvorhaben nicht ohne seine
Zustimmung bewilligen und schlussendlich die Projektänderung aber trotzdem bewilligt
habe. Schliesslich sei die Gemeinde ihrer Begründungspflicht nicht nachgekommen, da sie
in ihrem Entscheid nicht ausgeführt habe, welche Gründe der Verhältnismässigkeit zur
Bewilligung der Projektänderung führten.
b) Der Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 21 ff. VRPG3 gibt den Parteien das
Recht, sich zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten
zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung
wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu
äussern.
Wird ein Bauvorhaben in Überschreitung einer Baubewilligung ausgeführt, so verfügt die
zuständige Baupolizeibehörde die Einstellung der Arbeiten. Sie setzt sodann der
Grundeigentümerschaft eine angemessene Frist zur Wiederherstellung des rechtmässigen
Zustands. Die Wiederherstellungsverfügung wird aufgeschoben, wenn die Pflichtigen ein
Gesuch um nachträgliche Baubewilligung einreichen (Art. 46 Abs. 1 und 2 Bst. b BauG). Im
Falle eines Bauabschlags entscheidet die Baubewilligungsbehörde zugleich darüber, ob
und inwieweit der rechtswidrige Zustand wiederherzustellen ist (Art. 46 Abs. 1 und 2 Bst. e
BauG). Das heisst, ein allfälliges nachträgliches Baubewilligungsverfahren tritt an die Stelle
des Wiederherstellungsverfahrens, resp. letzteres fällt spätestens mit dem Entscheid über
das Baugesuch im entsprechenden Umfang dahin.4
Die Gemeinde hat auf Grund der Anzeige des Beschwerdeführers ein baupolizeiliches
Verfahren eingeleitet. Nachdem die Bauherrschaft am 19. Juli 2018 geänderte Pläne
einreichte, prüfte die Gemeinde, ob sie diese Pläne genehmigen könne. Die Gemeinde hat
zwar nicht konkret zwischen Wiederherstellungs- und nachträglichem
Baubewilligungsverfahren unterschieden und die nachträgliche Projektänderung geprüft
ohne vorgängig eine Wiederherstellungsverfügung zu erlassen, daraus ist dem
Beschwerdeführer aber kein Nachteil erwachsen. Die Gemeinde hat den
Beschwerdeführer immer über das laufende Verfahren informiert und ihm alle Unterlagen
zugestellt sowie Gelegenheit gegeben, sich zu äussern. Der Beschwerdeführer konnte sich
3 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21). 4 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 16.
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im vorinstanzlichen Verfahren genügend äussern. Diesbezüglich hat die Gemeinde das
rechtliche Gehör des Beschwerdeführers nicht verletzt.
c) Der Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt weiter, dass die Behörde die Vorbringen
der Betroffenen sorgfältig prüft und beim Entscheid berücksichtigt. Daraus ergibt sich die
Pflicht der Behörde, ihre Verfügung zu begründen (Art. 52 Abs. 1 Bst. b VRPG). Die
Begründung muss so abgefasst sein, dass die Betroffenen die Verfügung sachgerecht
anfechten können. Es müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von
denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt. Die Behörde
muss jedoch nicht auf jedes Argument der Parteien eingehen; es genügt, wenn sie sich mit
den wesentlichen Gesichtspunkten auseinandergesetzt hat.5 Der Anspruch auf rechtliches
Gehör ist ein formeller Anspruch; die Verletzung des rechtlichen Gehörs führt deshalb
grundsätzlich zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids. Eine Gehörsverletzung kann
aber dann geheilt werden, wenn die Rechtsmittelinstanz dieselbe Kognition hat wie die
Vorinstanz und der beschwerdeführenden Person aus der Heilung kein Nachteil erwächst.
Bei besonders schwerwiegenden Gehörsverletzungen schliesst die Rechtsprechung
jedoch eine Heilung grundsätzlich aus.6 Die Heilung des rechtlichen Gehörs ist allenfalls
bei der Kostenverlegung zu berücksichtigen.7
Dem Beschwerdeführer ist beizupflichten, dass aus dem angefochtenen Entscheid die
Überlegungen, von denen sich die Gemeinde bei der Bewilligung der Projektänderung hat
leiten lassen, nicht hervorgehen. Insbesondere führte sie nicht aus, inwiefern das
Bauvorhaben mit den öffentlich-rechtlichen Vorschriften vereinbar ist und wieso die
Zustimmung des Beschwerdeführers nicht erforderlich war. Sie erklärte einzig, sie erachte
die Bewilligung als verhältnismässig. Erst im vorliegenden Verfahren hat die Gemeinde
ausgeführt, die geänderte Konstruktion führe visuell zu keiner anderen Oberfläche der
Umgebung und der Nachbar sei daher nicht mehr oder weniger beeinträchtigt durch die
eine oder andere Konstruktion. Zudem beurteile sie die entstehenden Kosten eines
allfälligen Rückbaus als unverhältnismässig. Mit diesem Verhalten hat die Gemeinde das
rechtliche Gehör des Beschwerdeführers verletzt. Sie hat allerdings die Begründung für
ihren Entscheid im vorliegenden Verfahren nachgeholt. Die Begründung wurde dem
5 BVR 2013 S. 443 E. 3.1.1; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 52 N. 5. 6 BVR 2012 S. 28 E. 2.3.5; a.a.O., Art. 21 N. 16. 7 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 108 N. 9.
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Beschwerdeführer zugestellt und er hätte Gelegenheit gehabt, sich damit auseinander zu
setzen. Auf Grund der vollen Kognition der BVE kann daher im vorliegenden Verfahren das
rechtliche Gehör geheilt werden. Dadurch entsteht dem Beschwerdeführer kein Nachteil.
Die Aufhebung des erstinstanzlichen Entscheids ist nicht notwendig. Die Verletzung des
rechtlichen Gehörs ist allerdings bei der Verlegung der Kosten zu berücksichtigen.
d) Schliesslich hat staatliches Handeln immer auch den Grundsatz von Treu und
Glauben zu wahren (Art. 5 Abs. 3 und Art. 9 BV sowie Art. 11 Abs. 2 KV8). Dieser
Grundsatz umfasst insbesondere auch das Verbot widersprüchlichen Verhaltens. Er
verleiht einer Person Anspruch auf Schutz des berechtigten Vertrauens in unrichtige
Zusicherungen, Auskünfte, Mitteilungen oder Empfehlungen einer Behörde. Dies bedingt
allerdings, dass die Behörde in einer konkreten Situation mit Bezug auf bestimmte
Personen gehandelt hat, die Behörde für die Erteilung der betreffenden Auskunft zuständig
war und der Bürger die Unrichtigkeit der Auskunft nicht ohne weiteres erkennen konnte.
Zudem muss er im Vertrauen auf die Richtigkeit der Auskunft Dispositionen getroffen hat,
die nicht ohne Nachteil rückgängig gemacht werden können, und die gesetzliche Ordnung
darf seit der Auskunftserteilung keine Änderung erfahren haben.9
Nachdem die Gemeinde ursprünglich signalisierte, die abgeänderte Ausführung sei
möglich, teilte sie der Beschwerdegegnerschaft am 29. Juni 2018 mit, da die von den
ursprünglichen Plänen abweichenden Bauarbeiten innerhalb des Grenzabstandes
vorgenommen würden, sei die Zustimmung des Nachbarn notwendig. Es sei zudem
unsicher, ob die ursprünglich bewilligte Begrünung des Untergeschosses auf Grund der
geringen Einbauhöhe (Humushöhe) möglich sei. Sie bat die Bauherrschaft um
Stellungnahme und um Klärung des Sachverhalts. Mit Schreiben vom 19. Juli 2018 erklärte
die Bauherrschaft, die geänderte Ausführung betreffe lediglich den Terrassenbereich. Die
Änderung sei aus statischen Gründen erfolgt, da sich das bestehende Flachdach als zu
wenig tragfähig erwiesen habe. Es gäbe keine Veränderung aus nachbarrechtlicher Sicht.
Mit Schreiben vom 24. Juli 2018 antwortete die Bauverwaltung, es sei die schriftliche
Zustimmung des betroffenen Nachbarn notwendig und bat die Bauherrschaft, die vom
Nachbarn unterzeichneten Pläne bis am 20. August 2018 einzureichen. Mit Schreiben vom
1. Oktober 2018 teilte der Beschwerdeführer der Bauverwaltung mit, er könne dem
8 Verfassung des Kantons Bern vom 6. Juni 1993 (KV; BSG 101.1). 9 BGer 2C_842/2009 vom 21. Mai 2010 E. 3.2; Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl., Bern 2014, § 22 N. 15 ff.
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geänderten Projekt nicht zustimmen und bat um Weiterführung des
Wiederherstellungsverfahrens. Mit Schreiben vom 11. Oktober 2018 teilte die Gemeinde
der Bauherrschaft mit, sie werde anlässlich der nächsten Gemeinderatssitzung über die
Projektänderung befinden. Bis zum rechtskräftigen Entscheid der Gemeinde seien im
Aussenbereich ostseitig keine weiteren Bauarbeiten auszuführen und die Terraingestaltung
sei noch nicht abzuschliessen. Mit Schreiben vom 30. November 2018 teilte die Gemeinde
der Beschwerdegegnerschaft mit, sie könne die Projektänderung ohne das Einverständnis
des Nachbarn nicht bewilligen und gab ihr nochmals Gelegenheit, die Zustimmung
beizubringen. Am 31. Dezember 2018 nahm die Beschwerdegegnerschaft erneut Stellung
und bekräftigte, der Systemwechsel habe keinen Einfluss auf die äussere Erscheinung der
Terrasse. Anlässlich der Sitzung vom 28. März 2019 kam die Gemeinde sodann auf ihre
Beurteilung zurück. Auf dessen Nachfrage hin teilte die Gemeinde dem Beschwerdeführer
am 11. April 2019 mit, sie habe sich entschieden, erneut Abklärungen vorzunehmen. Sie
werde den Entscheid aber nach sorgfältiger Prüfung fällen und schliesslich auch
kommunizieren. Mit Entscheid vom 15. Juli 2019 bewilligte die Gemeinde die
Projektänderung. Sie erklärte, die Projektänderung sei aus Gründen der
Verhältnismässigkeit zu bewilligen.
Während des laufenden Verfahrens kommunizierte die Gemeinde mehrmals
unterschiedliche Auffassungen. Über einen längeren Zeitraum signalisierte sie, ohne die
Zustimmung des Nachbarn könne sie das Bauvorhaben nicht bewilligen. Schliesslich
stimmte sie der geänderten Konstruktion trotzdem zu. Diese Kommunikation ist zwar
widersprüchlich. Allerdings hat der Beschwerdeführer im Vertrauen auf die Auskunft der
Gemeinde keine Dispositionen getroffen. Ihm ist daher auf Grund des Verhaltens der
Gemeinde kein Nachteil erwachsen.
4. Projektänderung / Bewilligungspflicht
a) Der Beschwerdeführer macht geltend, die Terrassenkonstruktion übersteige die Höhe
von 1.2 Meter über Boden deutlich. Sie müsste dementsprechend einen Grenzabstand von
3 Metern einhalten. Die Projektänderung innerhalb des Grenzabstands bedürfte daher
seiner Zustimmung.
Die Beschwerdegegnerschaft entgegnet, die aufgesetzte Brüstung auf dem bestehenden
Untergeschoss von einem Meter sei bewilligt. Der umstrittene Bereich liege vollumfänglich
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hinter dieser Brüstung und sei quasi unsichtbar. Die Terrasse bleibe begrünt. Der
Bauherrschaft und dem Projektverfasser sei nicht bewusst gewesen, dass der
Systemwechsel mit der Baubewilligungsbehörde hätte abgesprochen werden müssen.
b) Eine rechtkräftige Baubewilligung berechtigt die Bauherrschaft mit dem Bau des
bewilligten Projekts zu beginnen (Art. 2 BewD). Wird ein Bauvorhaben während eines
Baubewilligungsverfahren oder während der Bauausführung geändert, ohne dass seine
Grundzüge verändert werden, liegt eine Projektänderung vor (Art. 43 Abs. 1 BewD). Diese
kann von der Baubewilligungsbehörde ohne vorgängige Publikation gestattet werden,
wenn weder öffentliche noch wesentliche nachbarliche Interessen zusätzlich betroffen sind
(Art. 43 Abs. 2 BewD). Falls die Änderung so geringfügig ist, dass sie für sich genommen
keiner Bewilligung bedarf, so liegt keine bewilligungspflichtige Projektänderung vor.10
Bewilligungspflichtig sind alle künstlich geschaffenen und auf Dauer angelegte Bauten, die
in fester Beziehung zum Erdboden stehen und geeignet sind, die Nutzungsordnung zu
beeinflussen, indem sie zum Beispiel den Raum äusserlich verändern (Art. 1a Abs. 1
BauG). Eine bauliche Massnahme ist insbesondere immer dann bewilligungspflichtig, wenn
mit deren Realisierung nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge so wichtige räumliche
Folgen verbunden sind, dass ein Interesse der Öffentlichkeit oder der Nachbarn an einer
vorgängigen Kontrolle besteht.11
c) Die Baubewilligung vom 24. Januar 2018 sah insbesondere vor, am südlichen und
östlichen Rande des bestehenden Untergeschoss eine 1.05 Meter hohe Brüstung zu
erstellen und den dahinterliegenden Bereich aufzuschütten und zu begrünen. Die östliche
Seitenwand des bestehenden Untergeschosses und damit auch eine Seite der Brüstung
grenzt unmittelbar an die Parzelle des Beschwerdeführers an. Gegen dieses Bauvorhaben
erhob der Beschwerdeführer nicht Einsprache. Der Gesamtentscheid des
Regierungsstatthalteramt Interlaken-Oberhasli ist in Rechtskraft erwachsen.
Die Details der Aufschüttung waren in den bewilligten Plänen nicht dargestellt. Die
Bauherrschaft plante ursprünglich, den Raum zwischen dem bestehenden Flachdach und
der zukünftigen Terrasse mit einer ca. 50 - 60 cm dicken Schicht aus Misapor
Schaumglasschotter sowie 35 cm Humus aufzufüllen. Die neue Konstruktionsweise sieht
10 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 32-32d N. 12a. 11 BGer 1C_122/2009 vom 21. Januar 2010, E. 2, mit weiteren Hinweisen.
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vor, auf einer Höhe von 40 cm über dem bestehenden Flachdach eine Lastenverteilplatte
einzubauen, so dass über dem Flachdach des Untergeschosses ein Hohlraum von ca. 40
cm entsteht. Auf die Lastenverteilplatte soll eine ca. 33 cm dicke Hummusschicht
aufgetragen werden. Die Terrasse soll weiterhin begrünt werden. Auf die Höhe der Mauer
hat die geänderte Konstruktion keine Auswirkung, resp. diese soll um 5 cm reduziert
werden. Die Änderung betrifft damit einzig den Inhalt der Terrassenaufschüttung.
Unabhängig von der Konstruktionsweise soll der oberste Bereich aus einer
Hummusschicht bestehen. Diese stellt sicher, dass die Terrasse im Bereich zwischen der
Fassade des Obergeschosses und der benachbarten Parzellengrenze begrünt werden
kann. Demzufolge sieht die Terrasse unabhängig von der Konstruktionsweise nach
Abschluss der Arbeiten gleich aus. Insbesondere die Lastenverteilplatte ist nach Abschluss
der Arbeiten von aussen betrachtet nicht sichtbar. Die Änderung der Konstruktion hat damit
keine Auswirkungen auf den äusseren, wahrnehmbaren Raum. Es besteht daher kein
Interesse an einer vorgängigen Kontrolle dieses Konstruktionswechsels durch die
Baubewilligungsbehörde. Daher war die Änderung der Konstruktionsweise für sich
betrachtet nicht baubewilligungspflichtig und stellt damit keine bewilligungspflichtige
Projektänderung dar. Vielmehr ist die Aufschüttung der Terrasse insbesondere auch im
Grenzbereich der Parzelle des Beschwerdeführers auf Grund des Gesamtentscheids vom
24. Januar 2018 bereits bewilligt. Die Zulässigkeit der Aufschüttung an sich und der
Bauarbeiten im Bereich des Grenzabstands waren Gegenstand des damaligen
Baubewilligungsverfahrens. Auch die geänderte Konstruktionsweise ist von dieser
Bewilligung erfasst. Die Änderung der Konstruktionsweise bedurfte nicht der Zustimmung
des Nachbarn.
5. Verfahrenskosten
a) Die oberinstanzlichen Verfahrenskosten bestehen aus einer Pauschalgebühr
(Art. 103 Abs. 1 VRPG). Für Entscheide in einer Verwaltungsjustizsache wird eine Gebühr
von Fr. 200.– bis 4'000.– erhoben (Art. 19 Abs. 1 i.V.m. Art. 4 Abs. 2 GebV12). In
Anwendung dieser Bestimmungen wird die Pauschalgebühr des vorliegenden Verfahrens
auf Fr. 900.– festgelegt.
12 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21).
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Die Verfahrenskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG).
Bei diesem Ausgang des Verfahrens gilt der Beschwerdeführer als unterliegende Partei,
weshalb er die Verfahrenskosten grundsätzlich zu tragen hat. Es ist allerdings zu
berücksichtigen, dass die Vorinstanz eine Verletzung des rechtlichen Gehörs begangen hat
und diese geheilt werden musste. Dies stellt einen besonderen Umstand im Sinne von Art.
108 Abs. 1 VRPG dar.13 Daher sind dem Beschwerdeführer nur zwei Drittel der
Verfahrenskosten, ausmachend Fr. 600.–, aufzuerlegen. Die Gemeinde ist nicht in ihren
Vermögensinteressen betroffen, weshalb ihr keine Verfahrenskosten auferlegt werden
können (Art. 108 Abs. 2 zweiter Satz VRPG). Die restlichen Verfahrenskosten trägt
deshalb der Kanton.
b) Wegen den Gehörsverletzungen wird die Vorinstanz zudem verpflichtet, dem
Beschwerdeführer ein Drittel der Parteikosten zu ersetzen. Die Kostennote der Anwältin
des Beschwerdeführers beläuft sich auf Fr. 3'554.10 (Honorar Fr. 3'250.00, Auslagen
Fr. 50.00, Mehrwertsteuer Fr. 254.10). Nach Art. 11 Abs. 1 PKV14 beträgt das Honorar in
verwaltungsrechtlichen Beschwerdeverfahren Fr. 400.00 bis Fr. 11'800.00 pro Instanz.
Innerhalb des Rahmentarifs bemisst sich der Parteikostenersatz nach dem in der Sache
gebotenen Zeitaufwand sowie der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des
Prozesses (Art. 41 Abs. 3 KAG15).
Im vorliegenden Fall waren der gebotene Zeitaufwand ebenso wie die Bedeutung der
Streitsache sowie die Schwierigkeit des Prozesses als klar unterdurchschnittlich zu werten.
Daher erscheint ein Honorar von Fr. 1'800.00 zuzüglich Auslagen von Fr. 50.00 und
Mehrwertsteuer als angemessen. Das ergibt insgesamt Parteikosten von Fr. 1'998.00. Die
Gemeinde hat daher dem Beschwerdeführer Parteikosten in der Höhe von Fr. 666.00 zu
ersetzen.
13 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 03. September 2003, E. 3.2, in BVR 2004 S. 138. 14 Verordnung vom 17. Mai 2006 über die Bemessung des Parteikostenersatzes (Parteikostenverordnung; PKV; BSG 168.811). 15 Kantonales Anwaltsgesetz vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11).
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