# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c761d643-5b07-5509-a980-5dbfc8691a70
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren 1954, arbeitete zuletzt
vom 1
8.
November 2001 bis Ende September 2004
als
Betriebsmitarbeiter Sortierung ohne
entsprechende
Ausbil
dung
bei der
Y._
(
Urk.
6/6
).
Am 1
1.
Juni 2004 meldete sich der
Versicherte bei der
Eidgenössischen
Invalidenversicherung
zum
Leistungs
bezug
(Rente, Umschulung) an
(
Urk.
6/2
).
Mit Verfügung vom
4.
April 2005 wurde das Leistungsbegehren abgewiesen (Urk. 6/13). Auf die dagegen erhobene Einsprache (Urk. 6/15) trat die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Aargau, IV-Stelle, mit
Einspracheentscheid
vom 1
5.
Mai 2005 nicht ein (Urk. 6/17).
1.2
Am 31. Januar 2006 ersuchte
X._
,
der nun Wohnsitz im Kanton Zürich hatte,
erneut um
Zusprache
einer Rente der Invalidenversicherung (Urk. 6
/22).
Das Verfahren wurde in der Folge an die Sozialversicherungsanstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle (nachfolgend: IV-Stelle) überwiesen (Urk. 6/26).
Mit Ver
fügung vom 26.
Januar 2007 wurde dem Versicherten mit Wirkung ab
1.
Juni 2005 bei einem Invaliditätsgrad von 100
%
eine ganze Rente der Invalidenver
sicherung zugesprochen (Urk. 6/43 und Urk. 6/47).
1.3
Im Rahmen des im
November
2008 eingeleiteten Revisionsverfahrens
setzte die IV-Stelle die bisherige ganze Rente mit Verfügung vom 2
0.
Oktober 2009 bei einem Invaliditätsgrad von 61
%
auf eine
Dreiviertelsrente
herab (Urk. 6/63).
Hiergegen erhob der Versicherte am 15. November 2009
beim hiesigen Gericht
Beschwerde (Urk. 6/64/3).
Daraufhin hob die IV-Stelle ihre rentenherabsetzende Verfügung vom 2
0.
Oktober 2009 mit Verfügung vom 21. Dezember 2009 wiedererwägungsweise auf mit der Begründung, dass
i
m Zeitpunkt des
Verfü
gungserlasses
kein revisionsrechtlicher Sachverhalt vorgelegen habe (Urk. 6/65).
In der Folge schrieb das hiesige Gericht
das mit Beschwerde vom 1
5.
November 2009 anhängig gemachte
Verfahren mit Verfügung vom 5.
Januar 2010
als gegenstandslos geworden ab (Urk. 6/69).
1.4
Am 2
5.
März 2011 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, es sei eine neuro
chirurgische Abklärung erforderlich (Urk. 6/78).
Sodann holte sie Bericht
e
de
r
behandelnden
Ärzte
ein (Urk. 6/80
, 6/89
)
. Nachdem die anvisierte Begutachtung in der Neurochirurgischen Klinik des
Z._
nicht zustande
gekommen war
(Urk. 6/82-87),
liess die IV-Stelle den Versicherten durch Fach
ärzte des
Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD)
orthopädisch sowie psy
chiatrisch-neurologisch untersuchen (Urk. 6/90-91).
Nach durchgeführtem
Vor
bescheidverfahren
(Urk. 6/9
4
ff.)
, in dessen Rahme
n
ein weiterer Bericht des Hausarztes eingereicht wurde (Urk. 6/100/1),
setzte sie die bisherige ganze Rente
mit Verfügung vom
1
2.
Dezember 2012 bei einem Invaliditätsgrad von 62
%
auf eine
Dreiviertelsrente
herab (Urk. 6/
107 = Urk. 2
).
2.
Gegen diese Verfügung erhob
X._
Beschwerde und beantragte sinnge
mäss, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm weiterhin eine ganze Rente auszurichten (Urk. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom
1.
März 2013
beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5), was dem Beschwerdeführer am
5.
März 2013 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 7).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den
nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1
des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71
E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
1.2
Das Bundesgericht geht in ständiger Rechtsprechung vom Regelfall aus, dass eine medizinisch attestierte Verbesserung der Arbeitsfähigkeit grundsätzlich auf dem Weg der Selbsteingliederung verwertbar ist (Ulrich Meyer, Rechtsprechung zum IVG,
2.
Auflage, Zürich 2010, S. 383). Praktisch bedeutet dies, dass aus einer medizinisch attestierten Verbesserung der Arbeitsfähigkeit unmittelbar auf eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit geschlossen und damit ein entsprechen
der Einkommensvergleich (mit dem Ergebnis eines tieferen Invaliditätsgrades) vorgenommen werden kann.
In ganz besonderen Ausnahmefällen hat die Rechtsprechung dennoch nach lang
jährigem Rentenbezug trotz medizinisch (wieder) ausgewiesener Leistungs
fähigkeit vorderhand weiterhin eine Rente zugesprochen, bis mit Hilfe von medizinisch-rehabilitativen und/oder beruflich-erwerblichen Massnahmen das theoretische Leistungspotential ausgeschöpft werden kann. Es können im Ein
zelfall Erfordernisse des Arbeitsmarktes der Anrechnung einer medizinisch vor
handenen Leistungsfähigkeit und medizinisch zumutbaren Leistungsentfaltung entgegenstehen, wenn aus den Akten einwandfrei hervorgeht, dass die Verwer
tung eines bestimmten Leistungspotentials ohne vorgängige Durchführung befähigender Massnahmen allein vermittels Eigenanstrengung der versicherten Person nicht möglich ist (Urteil des Bundesgerichts 9C_163/2009 vom 1
0.
September 2010, E. 4.2.2, SVR 2011 IV Nr. 30 S. 86).
Diese Rechtsprechung hat das Bundesgerich
t im Urteil 9C_228/2010 vom 26.
April 2011, E. 3.3, dahin gehend präzisiert, dass die revisions- oder
wieder
erwägungsweise
Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente bei versi
cherten Personen, die das 5
5.
Altersjahr zurückgelegt oder die Rente seit mehr als 15 Jahren bezogen haben, nur zulässig ist, wenn die Beschwerdegegnerin zuvor Eingliederungsmassnahmen durchgeführt hat.
Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass solche versicherte Personen aufgrund des fortgeschrittenen Alters oder der langen Rentendauer und der dar
aus folgenden langjährigen Arbeitsabstinenz in der Regel nicht in der Lage sind, sich dem Arbeitsmarkt zu stellen und sich dort selbst wieder einzugliedern.
Dies führt für die Betroffenen nicht zu einer Art Besitzstandsgarantie. Es wird ihnen lediglich, aber immerhin, zugestanden, dass die Rente grundsätzlich erst nach tatsächlich geleisteter Eingliederungshilfe eingestellt oder herabgesetzt werden darf.
2.
2.1
Der 1954 geborene (vgl. Urk. 6/4/1) Beschwerdeführer war zum Zeitpunkt der rentenherabsetzenden Verfügung vom 1
2.
Dezember 2012 (
Urk.
2) rund 58
2/3
Jahre alt und hatte somit das 5
5.
Altersjahr bereits seit einiger Zeit zurückge
legt.
Somit ist die dargelegte Rechtsprechung
wegen des Alters des Beschwer
deführers
anzuwenden
beziehungsweise kann nicht ohne
Weiteres
von der Möglichkeit einer Selbsteingliederung ausgegangen werden
, sondern es ist grundsätzlich von der Notwendigkeit beruflicher Massnahmen auszugehen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_128/2013 vom 4. November 2013, E. 4.2.1).
Ausnahmen
von der grundsätzlichen Notwendigkeit beruflicher Massnahmen wurden etwa in folgenden Fällen bejaht: wenn bereits zuvor eine erhebliche Restarbeitsfähigkeit bestand
(
Urteil des Bundesgerichts 9C_128/2013 vom 4. November 2013, E. 4.1 mit Hinweisen;
Urteil des Sozialversicherungsgerichts IV.2014.00151 vom 3
0.
Juni 2014
) und zugleich berufliche Massnahmen aus gutachterlicher Sicht nicht durchführbar und empfehlenswert waren
(Urteil des Bundesgerichts 9C_726/2011 vom 1. Februar 2012
)
, wenn der langjährige
Ren
tenbezug
auf einer
zweifellos
unrichtigen Grundlage beruhte und der Versi
cherte zudem
agil und gewandt war sowie
über
zwei Diploma
usbildung
en und eine relativ breite Berufserfahrung
verfügte (Urteil des Bundesgerichts 8C_39/2012 vom 2
4.
April 2012
,
in Bestätigung
des Urteils
des
Sozialversiche
rungsgerichts
IV.2011.00326
vom 2
3.
November 2011
) oder wenn der Versi
cherte noch besonders agil (Tennis, Ski) sowie gewandt
(gepflegtes und kon
zentriertes Auftreten)
und im gesellschaftlichen Leben integriert war (Urteil des Bundesgerichts 9C_68/2011 vom 1
6.
Mai 2011).
2.2
Der Beschwerdeführer hatte seit dem
1.
Juni 2005
bis zum Erlass der angefochte
nen Verfügung
gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 100
%
eine ganze Rente bezogen (Urk. 6/43 und Urk. 6/47).
Bei einem Invaliditätsgrad von 100
%
verblieb
ihm
keine zu verwertende Restarbeitsfähigkeit.
Weiter wurde die bisherige ganze Rente nicht wegen einer offensichtlichen Unrichtigkeit
der zugesprochenen Leistung
, sondern infolge einer
von der Beschwerdegegnerin angenommenen gesundheitlichen
Verbesserung herabgesetzt (Urk. 2).
Zwar war
mit Verfügung vom 2
0.
Oktober 2009 (Urk. 6/63)
bereits eine
Rentenherab
setzung
vorgenommen,
jedoch mit Verfügung vom
2
1.
Dezember 2009
wieder
erwägungsweise
wieder
aufgehoben
worden
(Urk. 6/65) und
de
r
Beschwerde
führer
hatte
weiterhin
Anspruch auf
eine ganze Rente (Urk. 6/70). Nachdem der Beschwerdeführer anschliessend bis im März 2011 nichts mehr von der Beschwerdegegnerin
ge
hört (Urk. 6/75) und sein behandelnder Arzt ihm weiter
hin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der freien Wirtschaft attestiert
hatte
(Urk. 6/80/4), musste er nicht davon ausgehen, bei ihm bestehe eine
Restar
beitsfähigkeit
, deren fehlende Verwertung er sich entgegenhalten zu lassen habe
.
2.3
Dass der Beschwerdeführer
nach eigenen Angaben
Zeitung liest, einkaufen geht, kleinere Dinge erledigt, sich oft um seine Enkel kümmert, mit ihnen spielt und spazieren geht und das Internet nutzt (Urk. 6/91/2)
,
zeigt eine gewisse
All
tagsagilität
, ist indessen für sich allein kein
rechtsgenüglicher
Beleg dafür,
dass ihm deswegen trotz seines Alters die sofortige Selbsteingliederung
zugemutet werden kann
. Hinzu kommt, dass er seine angestammte Tätigkeit nicht mehr ausüben kann und infolge seiner Polymorbidität
mit somatischen und psychi
schen Beeinträchtigungen
auch in einer angepassten Tätigkeit
nur
ein einge
schränktes Zumutbarkeitsprofil aufweist (vgl. Urk. 2, Verfügungsteil 2), wodurch die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit weiter erschwert ist.
Damit steht fest, dass der Beschwerdeführer nicht auf eine gefestigte
sowie eine
unter den
gegebenen
Verhältnissen
und mit seinem heutigen Gesundheitszu
stand
aktualisierbare beruflic
he Erfahrung zurückgreifen kann
, welche für die Selbsteingliederung
erforderlich ist
.
Die Beschwerdegegnerin hätte sich deshalb vor der Herabsetzung der Invalidenrente vergewissern müssen, ob sich ein me
dizinisch-theoretisch wiedergewonnenes Leistungsvermögen ohne
Weiteres
in einem entsprechend tieferen Invaliditätsgrad niederschlägt oder ob dafür eine erwerbsbezogene Abklärung und/oder die Durchführung von Eingliederungs
massnahmen vorausgesetzt ist (Urteil des Bundesgerichts 9
C_128/2013 vom 4.
November 2013, E. 4.1).
Der blosse Hinweis
in der angefochtenen Verfügung
,
der Beschwerdeführer
könne
um Arbeitsvermittlung ersuchen, falls er Interesse daran habe
(
Urk.
2
, Verfügungsteil 2,
S.
2
)
,
genügt den bundesgerichtlichen Anforderungen nicht.
Damit ist die Rentenherabsetzung so lange nicht gerechtfertigt, als die Beschwerdegegnerin die Wiedereingliederung des Beschwerdeführers nicht aktiv gefördert und ihn nicht hinreichend auf die berufliche Eingliederung vorbereitet hat. Da die Beschwerdegegnerin bislang entsprechende Massnahmen unter
lassen hat, ist ohne materielle Prüfung der medizinischen Aktenlage weiterhin von der bisherigen Erwerbsunfähigkeit des Beschwerdeführers auszugehen. Dies führt im Ergebnis zur Gutheissung der Beschwerde mit der Feststellung, dass der Beschwerdeführer einstweilen weiterhin Anspruch auf die bisherige ganze Rente hat.
3.
Der Streitgegenstand des Verfahrens betrifft die Bewilligung oder Verweigerung von
L
eistungen
der Invalidenversicherung
. Das Verfahren ist daher kosten
pflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhän
gig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG)
und ermessensweise auf
Fr.
6
00.
--
anzusetzen. Ausgangsgemäss sind die Gerichtskosten
der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.