# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 38a1a8b3-5926-5863-a417-f8a7dbe468d9
**Court:** SG_KG
**Chamber:** SG_KG_002
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Zusammenfassung Sachverhalt
Mit Entscheid vom 7. Januar 2021 verpflichtete der Einzelrichter des Kreisgerichts die
Schuldnerin, deren Klage er im Sinne der Erwägungen abwies, der Gläubigerin eine
Parteientschädigung von Fr. 4'374.00 zu bezahlen. Auf eine von der Schuldnerin
dagegen erhobene Berufung trat das Kantonsgericht mit Entscheid vom 13. Juli 2021
zufolge Nichtleistens des Kostenvorschusses nicht ein. Auch dagegen erhob die
Schuldnerin ein Rechtsmittel, nämlich am 21. August 2021 eine Beschwerde ans
Bundesgericht, das darauf mit Urteil vom 5. November 2021 mangels ausreichender
Begründung (ebenfalls) nicht eintrat (BGer 4A_405/2021). Bereits zuvor, nämlich mit
dem eingangs erwähnten Zahlungsbefehl vom 15. Juli 2021, hatte die Gläubigerin die
Parteientschädigung in Betreibung gesetzt und war, weil die Schuldnerin
Rechtsvorschlag erhoben hatte, am 24. August 2021 ans Kreisgericht gelangt und
hatte um Erteilung der definitiven Rechtsöffnung ersucht. Dieses Gesuch wies die
Einzelrichterin des Kreisgerichts ab; sie hielt dafür, dass die Parteikostenentschädigung
im (massgeblichen) Zeitpunkt des Erlasses des Zahlungsbefehls noch nicht fällig
gewesen sei, weil der Nichteintretensentscheid des Kantonsgerichts damals noch nicht
zugestellt gewesen sei.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 2/6
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Aus den Erwägungen
2.a/aa) Zumindest im Beschwerdeverfahren ist im Gegensatz zum erstinstanzlichen
Verfahren, in dem die Schuldnerin noch geltend gemacht hatte, die Sache sei "bereits
beim Bundesgericht, da ich definitiv nicht mit diesem Entscheid einverstanden bin und
auch dies als offensichtliche Nötigung empfinde", (zu Recht) nicht mehr strittig, dass
der Entscheid vom 7. Januar 2021 für die Parteientschädigung von Fr. 4'374.00 an sich
einen Rechtsöffnungstitel i.S.v. Art. 80 Abs. 1 SchKG darstellt. Strittig ist lediglich, ob
die Forderung im Zeitpunkt der Einleitung der Betreibung fällig war, wie dies Lehre und
Rechtsprechung verlangen (vgl. BSK SchKG I-Staehelin, 3. Aufl., Art. 80 N 39). Die
Vorrichterin erwog in diesem Zusammenhang zusammengefasst und dem Sinn nach,
dass der Entscheid vom 7. Januar 2021 mangels Erteilung der aufschiebenden
Wirkung durch das Bundesgericht mit der Wirkung des Eintritts der Fälligkeit der
Parteientschädigung (erst) mit der Zustellung des Nichteintretensentscheids des
Kantonsgerichts vollstreckbar geworden sei. Wann genau der Nichteintretensentscheid
der Schuldnerin zugestellt worden sei, habe keine Partei behauptet und ergebe sich
auch nicht aus den Akten. Allerdings bestreite die Schuldnerin die Vollstreckbarkeit und
damit sinngemäss auch Fälligkeit der Forderung, weshalb die Beweislast für den
Nachweis der Fälligkeit bei der Gläubigerin liege. In Ermangelung eines Beweises sei
davon auszugehen, dass der Entscheid mit Ablauf der siebentägigen Abholfrist und
damit am 21. Juli 2021 zugestellt worden und demgemäss am 22. Juli 2021
vollstreckbar geworden sei. Da, so die Vorrichterin unter Hinweis auf BGer
5A_136/2020 E. 3.4.2, die Betreibungsforderung im Zeitpunkt des Erlasses des
Zahlungsbefehls fällig gewesen sein müsse, dies hier bei einer Ausstellung des
Zahlungsbefehls per 15. Juli 2021 (noch) nicht der Fall gewesen sei, sei das
Rechtsöffnungsbegehren abzuweisen.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 3/6
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
bb)Die Gläubigerin wendet gegen diese Begründung ein Dreifaches ein: Vorab
vermische die Vorrichterin die Fälligkeit einer Forderung mit deren Vollstreckbarkeit;
fällig werde eine Parteikostenentschädigung stets mit dem Gerichtsentscheid, und
zwar unabhängig davon, ob ein Rechtsmittel eingereicht werde und / oder ob diesem
Rechtsmittel aufschiebende Wirkung zukomme. Sodann sei davon auszugehen, dass
die Vollstreckbarkeit mit der Eröffnung des Nichteintretensentscheids des
Kantonsgerichts, d.h. bereits am 14. Juli 2021, eingetreten sei, und zwar deshalb, weil
die Schuldnerin ihre, der Gläubigerin, aufgestellte Behauptung der Fälligkeit an diesem
Datum nicht bestritten habe. Schliesslich sei der von der Vorrichterin zitierte Entscheid
des Bundesgerichts nicht in deren Sinn zu interpretieren, sondern aufgrund des
Verweises des Bundesgerichts auf BGE 84 II 645 E. 4 so, dass es auf das Zustelldatum
des Zahlungsbefehls ankomme.
b) Der Gläubigerin ist bezüglich des Vorwurfs, die Vorrichterin vermische
Vollstreckbarkeit und Fälligkeit, zuzugestehen, dass die III. Zivilkammer in einem
Entscheid vom 25. Juni 2010 dafürhielt, dass der Grundsatz, dass eine privatrechtliche
Forderung in der Regel sofort fällig werde, auch für die von der Gegenpartei zu
entrichtende Prozesskostenentschädigung gelte (KGer SG vom 25.06.2010, BR.2010.1
E. III.3.4; vgl. auch OGer ZH vom 24.04.2020, RT190191-O/U E. 4.6). Insofern lässt sich
damit argumentieren, dass die strittige Parteientschädigung ungeachtet des Zeitpunkts
der Zustellung des Nichteintretensentscheids des Kantonsgerichts (sogar) bereits mit
der Zusprechung durch das Kreisgericht St. Gallen fällig wurde (allerdings noch nicht
vollstreckt werden konnte). Indessen kann man sich fragen, ob die Grundsätze des
Privatrechts ohne Weiteres auch auf die von der Gegenpartei geschuldete
Parteientschädigung anwendbar sind, zumal mit dem Zivilprozessrecht (vgl. Art. 95
Abs. 1 lit. b, Art. 96, Art. 105 Abs. 1 und Art. 106 ff. ZPO) und der Honorarordnung für
Rechtsanwälte und Rechtsagenten [HonO; sGS 963.75]) öffentlich-rechtliche bzw.
allenfalls kantonal-privatrechtliche Normen zur Anwendung gelangen (zu Letzterem
Kommentar zur zürcherischen Zivilprozessordnung, 3. Aufl., § 68 N 1). Vor allem aber
könnte gegen die vorbehaltlose Übernahme der zivilrechtlichen Grundsätze auch der
Begriff der Fälligkeit sprechen, wonach die Fälligkeit voraussetzt, dass die verpflichtete
Partei leisten muss und die berechtigte Partei die Leistung verlangen darf (vgl. BGE 129
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 4/6
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
III 535 E. 3.2.1), was vernünftigerweise erst mit der Vollstreckbarkeit der fraglichen
Entschädigung angenommen werden kann. Die Vollstreckbarkeit wiederum setzt aber
die Zustellung des Entscheids an die belastete Partei voraus, mit der Folge hier, dass
die Parteientschädigung erst mit der Zustellung des Nichteintretensentscheids an die
Schuldnerin fällig wurde (vgl. dazu auch BGer 5D_110/2021 E. 4.1, in dem das
Bundesgericht [in Bezug auf die im Urteil festgestellte Forderung] festhält, die Fälligkeit
trete in Ermangelung einer anderen Anordnung mit der Rechtskraft des Urteils ein).
Letztlich kann die Frage danach, ob die Fälligkeit bereits mit der Ausfällung des nicht
mehr korrigierten Urteils oder mangels aufschiebender Wirkung eines allfälligen
Rechtsmittels oder wegen dessen Abweisung erst mit der Vollstreckbarkeit des
Rechtsmittelentscheids eintritt, deshalb offenbleiben, weil, wie zu zeigen ist, die
Entschädigung im massgeblichen Zeitpunkt jedenfalls fällig war (hierzu nachfolgend lit.
d).
c)Zuzugestehen ist der Gläubigerin sodann, dass sie im Rechtsöffnungsbegehren
(ausdrücklich) die Fälligkeit der Entschädigung per Einleitung der Betreibung
behauptete und darüber hinaus sogar geltend machte, sie verlange Verzugszins – eine
Verzugszinspflicht setzt (i.d.R. neben einer Mahnung) jedenfalls die Fälligkeit voraus –
ab Erlass des erstinstanzlichen unbegründeten Entscheids, dass die Schuldnerin die
mit diesem Antrag verknüpfte Behauptung der Fälligkeit zumindest nicht ausdrücklich
bestritt und man sich fragen kann, ob der Einwand der Schuldnerin, sie habe den
Nichteintretensentscheid des Kantonsgerichts beim Bundesgericht angefochten,
tatsächlich als sinngemässe Bestreitung der Fälligkeit betrachtet werden kann.
Dagegen spricht namentlich der Umstand, dass die Schuldnerin die Zahlungspflicht an
sich bestritt, und zwar mit der Begründung, sie sei mit dem (Nichteintretens-)Entscheid
definitiv nicht einverstanden, empfinde ihn als Nötigung [...].
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 5/6
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Letztlich kann auch die Frage danach, ob die Vorrichterin die Voraussetzung der
Fälligkeit überhaupt zu Recht prüfte (vgl. zur eingeschränkten diesbezüglichen
Prüfungspflicht BGer 5A_136/2020 E. 3.4.2) und sie alsdann – an sich nachvollziehbar –
in dem Sinne beantwortete, dass sie mangels Nachweises eines früheren Empfangs
des Nichteintretensentscheids auf den Ablauf der postalischen siebentägigen Abholfrist
abstellte, wiederum deshalb offenbleiben, weil, wie zu zeigen ist, die Entschädigung im
massgeblichen Zeitpunkt jedenfalls fällig war (hierzu nachfolgend lit. d).
d)Wie ausgeführt (lit. b und c hiervor) birgt der angefochtene Entscheid in Bezug auf die
Annahme der Fälligkeit der Parteientschädigung erst per 22. Juli 2021 bzw. der Prüfung
der Fälligkeit an sich eine gewisse Problematik in sich, die indessen letztlich
offenbleiben kann. Nicht gefolgt werden kann der Vorrichterin nämlich in der unter
Verweis auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung getroffenen Annahme, in Bezug
auf die Voraussetzung der Fälligkeit im "Zeitpunkt der Einleitung der Betreibung" sei
auf den Erlass des Zahlungsbefehls abzustellen, mit der Folge, dass hier bei einem
Ausstelldatum per 15. Juli 2021 und einer angenommenen Fälligkeit per 22. Juli 2021
die fragliche Voraussetzung nicht erfüllt war. Entgegen dem Wortlaut seiner von der
Vorrichterin zitierten Rechtsprechung versteht das Bundesgericht unter "Erlass des
Zahlungsbefehls" im Zusammenhang mit der Voraussetzung der Fälligkeit der
Betreibungsforderung nämlich nicht das Ausstelldatum, sondern das Datum der
Zustellung des Zahlungsbefehls, was allein schon deshalb nachvollziehbar ist, weil
damit auf den Zeitpunkt abgestellt wird, in dem die Schuldnerin unzweifelhaft
abschätzen kann, ob sie – wegen fehlender Fälligkeit – Rechtsvorschlag erheben will
oder nicht. Entgegen der Auffassung der Vorrichterin kommt BGer 5A_136/2020 (E.
3.4.2) in diesem Zusammenhang mithin nicht die Bedeutung zu, welche sie dem
Entscheid beimisst. Berücksichtigt man nämlich, dass, worauf die Gläubigerin in ihrer
Beschwerde zu Recht hinweist, der fragliche Entscheid auf die in BGE 84 II 645 E. 4
begründete Rechtsprechung Bezug nimmt, in dem indessen offensichtlich das
Zustellungsdatum massgeblich war, dann kann aus BGer 5A_136/2020 nicht abgeleitet
werden, das Bundesgericht stelle entgegen seiner bisherigen Rechtsprechung auf das
Ausstelldatum ab. Eine solche Schlussfolgerung ist umso wenig angezeigt, als das
Bundesgericht in BGer 5A_785/2016 ebenfalls unter Hinweis auf BGE 84 II 645
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 6/6
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
dafürhielt, die Erwägung des kantonalen Obergerichts, es genüge, dass die Forderung
zum Zeitpunkt der Zustellung des Zahlungsbefehls fällig gewesen sei, entspreche der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung und der vom Obergericht zitierten Literatur,
wobei die dortige Beschwerdeführerin nichts vorbringe, was es rechtfertigen könnte,
auf diese Rechtsprechung zurückzukommen (E. 3.2.2; vgl. im Übrigen auch BGer
5A_954/2015 E. 3.1 und BSK SchKG I- Art. 80 N 39 und Art. 82 N 77).
Gestützt auf diese Rechtsprechung genügte mithin, dass die Betreibungsforderung im
Zeitpunkt der Zustellung des Zahlungsbefehls und damit hier am 16. August 2021 fällig
war. Die Vorrichterin betrachtete die Voraussetzung der Fälligkeit deshalb zu Unrecht
als nicht erfüllt, weshalb, nachdem die übrigen Voraussetzungen erfüllt sind und die
Schuldnerin keine Einwendungen i.S.v. Art. 81 Abs. 1 SchKG (Tilgung, Stundung oder
Verjährung) erhebt, unter Aufhebung des angefochtenen Entscheids ohne Weiteres
definitive Rechtsöffnung zu erteilen ist.
(Das Bundesgericht trat auf eine Beschwerde der Schuldnerin gegen den
Entscheid vom 17. Dezember 2021 mit Urteil vom 4. Februar 2022 nicht ein; BGer
5D_12/2022.)
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Kantonsgericht, 17.12.2021 Art. 80 SchKG (SR 281.1): Fälligkeit der Parteientschädigung als Voraussetzung für die Erteilung der definitiven Rechtsöffnung (Kantonsgericht, Einzelrichter für Beschwerden SchKG, 17. Dezember 2021, BES.2021.74).
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
2022-03-24T05:09:20+0100 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen

## Considerations