# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 393a4795-e655-41a8-ae0f-09facee6cec0
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Rechtsschutz in klaren Fällen / Anspruch auf Gratifikation
Berufung gegen eine Verfügung des Einzelgerichtes Audienz des  Zürich vom 10. August 2015 (ER150073)
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Rechtsbegehren: (act. 1 S. 2)
Die Gesuchsgegnerin sei zu verurteilen, der Gesuchstellerin Fr. 11'521.80 zuzüglich Zins zu 5 % seit dem 22. 12. 2014 zu bezahlen. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Urteil des Bezirksgerichtes Zürich: (act. 30)
1. Auf das Gesuch vom 20. April 2015 wird nicht eingetreten.
2. Die Entscheidgebühr von Fr. 1'350.– wird der Gesuchstellerin auferlegt.
3. Die Gesuchstellerin wird verpflichtet, der Gesuchsgegnerin eine Parteient-
schädigung von Fr. 1'620.– zu bezahlen.
4. [Mitteilung]
5. [Rechtsmittelbelehrung]
Berufungsanträge: (act. 31 S. 2)
1. Das Urteil vom 10.08.2015 des Bezirksgerichts Zürich (Ge- schäfts-Nr. ER150073-L/U) sei vollumfänglich aufzuheben.
2. Das Gesuch um Rechtsschutz in klaren Fällen vom 20.04.2015 sei gutzuheissen und die Berufungsbeklagte zu verurteilen, der Berufungsklägerin CHF 11'521.80 zuzüglich Zins zu 5% seit dem 22. Dezember 2014 zu bezahlen.
3. Die Kostenfolge des Verfahrens vor dem Bezirksgericht Zürich vom 10.08.2015 (Geschäfts-Nr. ER150073-L/U) seien durch die Rechtsmittelinstanz festzulegen.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
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## Considerations

Erwägungen:
1. Einleitung, Prozessgeschichte
Mit Eingabe vom 20. April 2015 stellte die Gesuchstellerin und Berufungsklägerin
(im Folgenden: Gesuchstellerin) beim Arbeitsgericht des Bezirksgerichts Zürich
ein Gesuch um Gewährung von Rechtsschutz in klaren Fällen und stellte das ein-
gangs erwähnte Rechtsbegehren gegen die Gesuchsgegnerin und Berufungsbe-
klagte (im Folgenden: Gesuchsgegnerin) (act. 1). Die Gesuchstellerin war damit
einverstanden, dass das Gesuch von dem für die Behandlung von Gesuchen um
Gewährung von Rechtsschutz in klaren Fällen zuständigen Einzelgericht Audienz
behandelt wird (act. 5). Mit Verfügung vom 24. April 2015 setzte die Vorinstanz
der Gesuchsgegnerin Frist zur Beantwortung des Gesuches an (act. 6). Innert er-
streckter Frist reichte die Gesuchsgegnerin ihre Antwort ein und stellte den An-
trag, auf das Gesuch sei unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der
Gesuchstellerin nicht einzutreten (act. 11). Mit Verfügung vom 19. Mai 2015 stellte
das Bezirksgericht Zürich der Gesuchstellerin die Gesuchsantwort zur Wahrung
des rechtlichen Gehöres zu und hielt fest, dass kein zweiter Schriftenwechsel
durchgeführt werde (act. 15). Innert erstreckter Frist reichte die Gesuchstellerin
am 15. Juni 2015 eine Stellungnahme ein (act. 20). Am 22. Juni 2015 reichte die
Gesuchstellerin eine Noveneingabe nach und legte dieser den am 17. Juni 2015
vor dem Arbeitsgericht Zürich zwischen den Parteien geschlossenen Vergleich
bei (act. 24 und 25/57). Mit Verfügung vom 10. August 2015 trat die Vorinstanz
auf das Gesuch nicht ein (act. 26). Dieser Entscheid wurde der Gesuchstellerin
am 14. August 2015 zugestellt (act. 28a). Mit Eingabe vom 19. August 2015 (Da-
tum Poststempel) erhob die Gesuchstellerin rechtzeitig Berufung. Die Akten der
Vorinstanz wurden beigezogen. Das Verfahren ist spruchreif.
2. Begründung der Vorinstanz
Die Vorinstanz erwog, dass gemäss dem zwischen den Parteien geschlossenen
Vergleich ein Arbeitsverhältnis bestanden habe, das am 30. April 2015 geendet
habe. Während der Dauer des Vertragsverhältnisses seien während vier Jahren
folgende Gratifikationen ausbezahlt worden: CHF 9'000.00 für das Jahr 2010,
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CHF 10'000.00 für das Jahr 2011, CHF 11'000.00 für das Jahr 2012 und CHF
12'000.00 für das Jahr 2013. Die Gesuchstellerin stelle sich auf den Standpunkt,
aufgrund der bis ins Jahr 2013 ausbezahlten und jährlich um jeweils CHF
1'000.00 erhöhten Gratifikationen habe sie für das Jahr 2014 unter Berücksichti-
gung der Sozialversicherungsbeiträge einen Anspruch auf Zahlung von CHF
11'521.80. Da die Gratifikationen der Jahre 2010 bis 2013 jeweils vor Weihnach-
ten ausbezahlt worden seien, befinde sich die Gesuchsgegnerin nach Ansicht der
Gesuchstellerin bezüglich des geforderten Betrages seit dem 22. Dezember 2014
in Verzug.
Die Gesuchsgegnerin wende dagegen ein, dass zwischen den Parteien nie eine
Vereinbarung zustande gekommen sei, wonach sich die Gesuchsgegnerin zur
Leistung einer Gratifikation verpflichtet hätte. Die früher ausbezahlten Gratifikatio-
nen seien freiwillig und nach freiem Ermessen ausbezahlt worden. Die Gesuchs-
gegnerin habe sich namentlich aufgrund der wechselnden Höhe der Gratifikati-
onszahlungen eine Freiwilligkeit der Zahlungen, zumindest in punkto Höhe, stets
vorbehalten. Die Gratifikationen seien jeweils in Abhängigkeit zum individuellen
Verhalten der Gesuchstellerin ausbezahlt worden, wobei mehrere Faktoren vorlä-
gen, die den Wegfall der Gratifikation für das Jahr 2014 rechtfertigten. Wolle man
die komplette Verweigerung einer Gratifikationszahlung nicht verneinen, so müs-
se der Anspruch zumindest erheblich gekürzt werden.
Die Vorinstanz hielt fest, dass gemäss Art. 257 Abs. 1 ZPO Rechtsschutz in kla-
ren Fällen gewährt werde, wenn der Sachverhalt unbestritten oder sofort beweis-
bar und die Rechtsklage klar sei. Der Nachweis dieser Voraussetzungen obliege
der Gesuchstellerin. Fehle es an klarem Recht oder sofort beweisbaren tatsächli-
chen Verhältnissen, so sei das Gesuch illiquid und es sei darauf nicht einzutreten
(Art. 257 Abs. 3 ZPO). Der Gesuchstellerin stehe in diesem Fall die Klage im or-
dentlichen Verfahren offen. Klares Recht liege vor, wenn sich die Rechtsfolge bei
der Anwendung des Gesetzes im Rahmen bewährter Lehre und Rechtsprechung
ohne Weiteres ergebe. Umgekehrt fehle es an klarem Recht, wenn eine einschlä-
gige Gerichtspraxis fehle und die Lehrmeinungen kontrovers seien sowie dann,
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wenn die Anwendung einer Norm einen Ermessens- oder Billigkeitsentscheid des
Gerichts mit wertender Berücksichtigung der gesamten Umstände erfordere.
Die Entrichtung einer Gratifikation sei entsprechend der Bezeichnung "ex gratia"
grundsätzlich freiwillig. Geschuldet sei sie nur, wenn eine Abrede gemäss Art.
322d Abs. 1 OR vorliege. Da im vorliegenden Fall eine ausdrückliche Abrede feh-
le, sei zu prüfen, ob die früheren Gratifikationszahlungen einer stillschweigenden
Vereinbarung gleichkomme. Dies sei nach der bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung im Allgemeinen anzunehmen, wenn während dreier Jahre ununterbrochen
und vorbehaltlos Gratifikationszahlungen geleistet worden seien, wobei das Bun-
desgericht festgehalten habe, die Frage des Zustandekommens einer stillschwei-
genden Vereinbarung sei nach dem Vertrauensprinzip unter Würdigung der Ge-
samtheit der Umstände zu beantworten (BGE 136 III 313 E. 2, BGE 131 III 615 E.
5.2, BGE 129 III 276 E. 2). Das Bundesgericht habe seine Meinung insbesondere
auf Rehbinder gestützt. Dieser habe seither seine Meinung geändert und das
Bundesgericht habe sich seither soweit ersichtlich nicht mehr zur Thematik ge-
äussert. Von Portmann, Rehbinder und Stöckli werde die Auffassung vertreten,
dass aus der Zahlung von Sondervergütungen, auch wenn sie während längerer
Zeit erbracht worden seien, nicht auf einen Verpflichtungswillen geschlossen wer-
den dürfe. Rusch betone, dass nicht einsichtig sei, weshalb ausgerechnet nach
dreimaliger Auszahlung einer Gratifikation ein vorbehaltloser Anspruch auf weite-
re Zahlungen anzunehmen sei. Umstritten sei sodann, ob die wechselnde Höhe
der Gratifikation das Entstehen eines Rechtsanspruches bei mehrmaliger vorbe-
haltloser Ausrichtung hindere.
Zwischen den Parteien sei weder schriftlich noch auf andere Weise eine Verein-
barung bezüglich Gratifikation zustande gekommen. Der von der Gesuchstellerin
behauptete Anspruch bestehe somit nur, wenn eine stillschweigende Abrede zu
bejahen sei. Da sich die Rechtsfolgen von Art. 322d Abs. 1 OG im Rahmen der
bewährten Lehre und Rechtsprechung nicht ohne Weiteres ergebe, liege kein kla-
res Recht im Sinne von Art. 257 Abs. 1 lit. b ZPO vor, weshalb auf das Gesuch
nicht einzutreten sei.
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Selbst wenn man mit der Gesuchstellerin grundsätzlich von einer stillschweigen-
den Abrede ausgehen würde, käme das Problem hinzu, dass in der Vergangen-
heit Gratifikationen in unterschiedlichen Höhen ausbezahlt worden seien. Das Ge-
richt hätte die Höhe der Gratifikation im Rahmen eines Ermessens- oder Billig-
keitsentscheides und mit wertender Berücksichtigung der gesamten Umstände
festzulegen. Die Umstände seien im vorliegenden Fall aber alles andere als klar.
Auch aus diesem Gründe könnte das Gesuch nicht gutgeheissen werden.
Auf die Einzelheiten der Begründung ist soweit erforderlich im Rahmen der Wür-
digung einzugehen.
3. Argumente der Gesuchstellerin
Die Gesuchstellerin bringt vor, sie habe bei der Gesuchsgegnerin aufgrund eines
mündlich geschlossenen Arbeitsvertrages 18 Jahre lang als Sachbearbeiterin
Liegenschaft gearbeitet. Der Vertrag sei am 16. Juni 2014 gekündigt worden. Die
Parteien hätten sich vergleichsweise darauf geeinigt, dass das Arbeitsverhältnis
bis am 30. April 2015 gedauert habe. In der Zeit von 2008 bis 2013 habe die Ge-
suchstellerin auf Anordnung des inzwischen verstorbenen Verwaltungsratspräsi-
denten der Gesuchsgegnerin, C._, jährlich eine Gratifikation bekommen. Es
seien folgende Beträge ausbezahlt worden: In den Jahren 2008 und 2009 je CHF
8'000.00, 2010 CHF 9'000.00, 2011 CHF 10'000.00, 2012 CHF 11'000.00 und
2013 CHF 12'000.00. Grund für die Zahlung der Gratifikation sei einzig die Be-
triebstreue gewesen, andere Faktoren hätten keine Rolle gespielt. Die Gesuchs-
gegnerin habe zwar behauptet, neben der Diensttreue sei es auch auf den Ge-
schäftsgang, den Bestand des Arbeitsverhältnisses sowie das individuelle Verhal-
ten der Gesuchstellerin angekommen. Den Beweis dafür habe die Gesuchsgeg-
nerin indes nicht erbracht, weshalb darauf nicht abgestellt werden könne. Eben-
falls nichts zugunsten der Gesuchsgegnerin lasse sich aus dem Streit zwischen
den Parteien in Bezug auf zwei Liegenschaften in D._ und E._/... ablei-
ten. Die Gesuchsgegnerin behaupte, die Gesuchstellerin benütze diese Liegen-
schaften unrechtmässig. In Bezug auf die Liegenschaft in D._ hätten sich die
Parteien indes im Vergleich vom 17. Juni 2015 geeinigt. Die Gesuchstellerin dürfe
das Haus weiterhin unentgeltlich bewohnen und den Parkplatz benutzen. Auch
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die Liegenschaft in E._/... werde von der Gesuchstellerin nicht unrechtmäs-
sig benutzt, da eine unentgeltliche Gebrauchsleihe vereinbart worden sei. Hinzu
komme, dass das Haus nicht der Gesuchsgegnerin, sondern der F._ AG ge-
höre, weshalb die Gesuchsgegnerin von einer allfälligen Ertragseinbusse gar
nicht betroffen wäre.
Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts, dessen Auffassung von der
absolut herrschenden, neueren und namhaften Lehre geteilt werde, bestehe ein
Anspruch auf weitere Auszahlung von Gratifikationen, wenn diese regelmässig,
ununterbrochen und vorbehaltlos während dreier Jahre ausbezahlt worden seien.
Auch das Zürcher Obergericht habe sich dieser Meinung angeschlossen (OGer
ZH, LA120015, E. II./2.2. [richtig: III./2.2.]). Das Gegenteil werde von einer Min-
derheit vertreten. Die Vorinstanz sei zu Unrecht davon ausgegangen, dass eine
Tendenz zu erkennen sei, dass sich das Bundesgericht diesem Teil der Lehre an-
schliessen könnte. Vielmehr sei in BGE 136 III 313 die bisherige Rechtsprechung
bestätigt worden. Aufgrund des Gesagten bestehe klares Recht für den Anspruch
der Gesuchstellerin auf weitere Ausrichtung der Gratifikation. Nachdem der Be-
trag in der Vergangenheit jeweils jährlich um CHF 1'000.00 erhöht worden sei,
bestehe ein solcher Erhöhungsanspruch auch bezüglich des im Streit liegenden
Anspruchs für das Jahr 2014. Die Gesuchstellerin habe somit Anspruch auf Zah-
lung von CHF 13'000.00 brutto bzw. CHF 11'521.80 netto.
4. Würdigung
4.1. Das Gericht gewährt Rechtsschutz im summarischen Verfahren, wenn der
Sachverhalt unbestritten oder sofort beweisbar ist und die Rechtlage klar ist (Art.
257 Abs. 1 lit. a und b ZPO). Kann dieser Rechtsschutz nicht gewährt werden, so
tritt das Gericht auf das Gesuch nicht ein (Art. 257 Abs. 3 ZPO). Eine klare
Rechtslage ist gegeben, wenn sich die Rechtsfolge bei der Anwendung des Ge-
setzes unter Berücksichtigung der Lehre und Rechtsprechung ohne Weiteres
ergibt und damit die Rechtsanwendung zu einem eindeutigen Ergebnis führt. So-
fern über die Rechtsfolge in guten Treuen verschiedene Meinungen vertreten
werden können, fehlt es an der Eindeutigkeit des Ergebnisses und damit am kla-
ren Recht (BK ZPO-Güngerich, Band II, Art. 257 N 10). Dies trifft auch dann zu,
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wenn die Anwendung einer Norm einen Ermessens- oder Billigkeitsentscheid des
Gerichts mit wertender Berücksichtigung der gesamten Umstände erfordert (BGE
141 III 23 E. 3.2., bestätigt in BGer vom 11. August 2015, 4A_184/2015, zur Pub-
likation vorgesehen). Da bei der Vertragsauslegung nach dem Vertrauensprinzip
die Umstände zu würdigen sind, fehlt es in diesen Fällen an klarem Recht (ZR
111 Nr. 65).
4.2. Zunächst ist zu klären, ob für den geltend gemachten Anspruch klares Recht
besteht. Dabei wird der von der Gesuchstellerin behauptete Sachverhalt als zu-
treffend unterstellt.
Gemäss Art. 322d Abs. 1 OR besteht ein Anspruch auf Gratifikation nur, wenn
dies verabredet ist. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes gilt ein An-
spruch auf Gratifikation nach dem Vertrauensprinzip als vereinbart, wenn sie wäh-
rend mindestens drei aufeinanderfolgenden Jahren ausgerichtet worden ist. Diese
Auffassung wird von einem Teil der Lehre übernommen, von einem anderen Teil
abgelehnt. Die Vorinstanz hat den Meinungsstand sorgfältig und zutreffend dar-
gestellt. Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden, ist darauf zu verweisen. Zu
Unrecht wirft die Gesuchstellerin der Vorinstanz vor, sie erkenne in der Recht-
sprechung des Bundesgerichts eine Tendenz, sich den Meinungen in der Literatur
anzuschliessen, welche die bisherige bundesgerichtliche Praxis ablehnen. Richtig
ist, dass die Vorinstanz darauf hinwies, dass das Bundesgericht seine Auffassung
namentlich auf die damalige Meinung Rehbinders stützte, der inzwischen aber
seine Meinung geändert habe. Die Vorinstanz sagte nicht, dass erkennbar sei,
dass das Bundesgericht der geänderten Meinung Rehbinders folgen könnte, son-
dern führte lediglich aus, dass sich dieses Gericht soweit ersichtlich nicht mehr
zur Thematik geäussert habe.
Das Bundesgericht hat nach der dargestellten Rechtsprechung festgehalten, dass
die Frage, ob es sich bei einer Gratifikation um eine vollständig freiwillige Leistung
des Arbeitgebers handelt oder ob auf deren Ausrichtung ein Anspruch besteht,
von den Umständen abhängt. Wenn das Bundesgericht fortfährt, nach dem Ver-
trauensprinzip sei von einem vereinbarten Anspruch auszugehen, wenn die Grati-
fikation während mindestens drei aufeinander folgenden Jahren vorbehaltlos aus-
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gerichtet worden ist, so kann dies nicht so verstanden werden, dass dies der ein-
zige Umstand wäre, der beim Entscheid zu berücksichtigen wäre. Es wäre nicht
nachvollziehbar, wenn andere Umstände, die gegen einen Bindungswillen des
Arbeitgebers sprechen, unberücksichtigt blieben, und in diesem Sinne ist der Ent-
scheid BGE 129 III 276 auch nicht zu verstehen. Es ist also aufgrund der gesam-
ten Umstände zu entscheiden, ob eine Verpflichtung zur Zahlung von Gratifikatio-
nen nach dem Vertrauensprinzip als vereinbart gilt. Der Entscheid hängt damit
wesentlich vom Ermessen des Gerichts ab, was die Annahme von klarem Recht
ausschliesst. Folgt man mit der Gesuchstellerin der bundesgerichtlichen Praxis,
so lässt sich der behauptete Anspruch möglicherweise im ordentlichen Verfahren
durchsetzen. Die Voraussetzungen für die Gewährung von Rechtsschutz in klaren
Fällen sind hingegen nicht erfüllt, weshalb auf das Gesuch nicht einzutreten ist.
Hinzu kommt, dass die vom Bundesgericht vorgenommene Auslegung von Art.
322d Abs. 1 OR in guten Treuen hinterfragt werden kann. Mit guten Gründen
bringt beispielsweise Rehbinder folgende Kritik an (BK OR-Rehbinder, Art. 319-
362 OR, Bern 2010, Art. 322d N 6):
"Diese Praxis [gemeint ist BGE 129 III 276] kann aber nicht . Aus der Zahlung von Sondervergütungen allein, auch wenn sie während längerer Zeit erbracht werden, darf nicht auf einen  geschlossen werden (Portmann/Stöckli N 296). Nach dem Wortlaut von OR 322d I hat der Arbeitnehmer nämlich nur dann  auf eine Sondervergütung, "wenn es verabredet ist". Zwar schliesst dies stillschweigende Willensäusserungen selbstverständlich nicht ganz aus; das Gesetz verlangt ja nicht eine ausdrückliche  oder gar Schriftlichkeit. Die besondere Erwähnung der  deutet aber darauf hin, dass Stillschweigen eben gerade nicht leichtfertig angenommen werden soll. Einen anderen Sinn kann das Gesetz eigentlich nicht haben. In dieser Frage hat sich die  nun aber seit langem in eine Richtung bewegt, welche die Wandlungsfähigkeit des Arbeitsverhältnisses in bedenklicher Weise einschränkt. Negative Erfahrungen in Frankreich und Deutschland ( N 4) zeigen, dass stark einengende Regelungen des  und rigide Besitzstandsregelungen die Beschäftigung  können. Insbesondere im Bereich von  muss der Arbeitgeber veränderten Umständen Rechnung tragen können. Das Ausrichten einer Sondervergütung bei bestimmten , noch mehr deren Bezeichnung als Gratifikation, muss deshalb für die Qualifikation als freiwillige Leistung genügen, auch bei mehrfacher Auszahlung in gleicher Höhe, mit oder ohne Unterbrüche."
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Die Auffassung des Bundesgerichts wird auch von Portmann nicht geteilt (BSK
OR I-Portmann, 5. Auflage, Art. 322d N 10):
"Diese Praxis [gemeint ist BGE 129 III 276] ist verfehlt, da nach dem Vertrauensprinzip aus freiwilligen Leistungen allgemein nicht auf einen Verpflichtungswillen geschlossen werden darf (Portmann, ArbR 1998, 64 f.). Ausserdem hat sie die unerfreuliche Konsequenz, dass der  mit umso grösseren Verpflichtungen bestraft wird, je mehr er vorher freiwillig geleistet hat."
Die Frage, ob die Auffassungen Rehbinders und Portmanns überzeugender sind
als diejenige des Bundesgerichts, ist hier nicht zu beantworten. Jedenfalls kann
mit den genannten Autoren aber in guten Treuen die Auffassung vertreten wer-
den, dass aus der vorbehaltlosen Auszahlung von Gratifikationen über einen län-
geren Zeitraum kein Anspruch auf zukünftige Leistungen abgeleitet werden kann.
Aus diesem Grund ist das Vorliegen klaren Rechts für den behaupteten Anspruch
zu verneinen, weshalb auf das Gesuch nicht einzutreten ist.
4.3. Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass das Gesuch auch dann nicht gutge-
heissen werden könnte, wenn mit der Gesuchstellerin davon ausgegangen würde,
für ihren behaupteten Anspruch bestehe klares Recht.
Wir dargelegt sind bei der Würdigung konkludenten Verhaltens die gesamten
Umstände zu berücksichtigen. Diese sind im vorliegenden Fall umstritten. So wird
geltend gemacht, die relevanten Umstände hätten sich im Vergleich den Vorjah-
ren verändert. Beispielhaft sei erwähnt, dass die Gesuchstellerin behauptete, die
in den Jahren 2008 bis 2013 ausgerichteten Gratifikationen seien reine Beloh-
nungen für die Diensttreue gewesen, während die Gesuchsgegnerin geltend
macht, es sei insbesondere auch auf den Geschäftsgang und das individuelle
Verhalten der Gesuchstellerin angekommen. Eine Gratifikation für das Jahr 2014
sei unter anderem deshalb nicht ausbezahlt worden, weil die Gesuchstellerin ihre
Treuepflicht grob verletzt habe, weil sie sich damals in gekündigter Stellung be-
funden habe, seit dem 16. Juni 2014 freigestellt und seit dem 19. Juni 2014 voll-
ständig arbeitsunfähig gewesen sei (act. 11 S. 13 ff. und act. 31 S. 4 ff.). Die Fra-
ge, von welchen Umständen die Gesuchsgegnerin die Auszahlung der Gratifikati-
onen abhängig machte, ist rechtserheblich und die Darstellung der Gesuchstelle-
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rin wurde von der Gesuchsgegnerin bestritten. Im Verfahren um Gewährung von
Rechtsschutz in klaren Fällen hat die Gesuchstellerin für sämtliche bestrittenen
rechtserheblichen Tatsachen unabhängig von der Beweislastverteilung im or-
dentlichen Prozess den vollen Beweis zu erbringen. Von der Gesuchsgegnerin
kann nicht verlangt werden, dass sie ihre Darstellung des Sachverhalts glaubhaft
macht. Irrelevant sind lediglich Einwendungen, die geradezu als haltlos erschei-
nen (BGE 141 III 23 E. 3.2., BGE 138 III 620 E. 5.1.1., ZR 110 Nr. 54). Entgegen
der Ansicht der Gesuchstellerin (act. 31 S. 4) wäre es deshalb an ihr gewesen,
den Beweis für die Unrichtigkeit der Behauptungen der Gesuchsgegnerin mit den
im summarischen Verfahren zulässigen Mitteln (Art. 254 ZPO) zu erbringen. Dies
hat sie nicht getan, weshalb auf das Gesuch auch wegen illiquiden Sachverhalts
nicht einzutreten ist (Art. 257 Abs. 1 lit. a ZPO).
4.4. Nach dem Gesagten liegt weder klares Recht noch ein liquider Sachverhalt
vor. Die Berufung ist abzuweisen und auf das Gesuch vom 20. April 2015 ist nicht
einzutreten.
5. Prozesskosten
Für das erst- und zweitinstanzliche Verfahren werden keine Gerichtskosten erho-
ben (Art. 114 lit. c ZPO). Der Entscheid der Vorinstanz hinsichtlich der Parteient-
schädigung ist hingegen zu bestätigen.
Für das Berufungsverfahren werden keine Parteientschädigungen zugesprochen,
der Gesuchstellerin nicht wegen Unterliegens, der Gesuchsgegnerin nicht man-
gels erheblicher Aufwendungen.