# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 9f8f3ac4-100a-4f21-bcca-fa54795732d4
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_005
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** Criminal
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

Sachverhalt
A. A._, B._ Staatsangehöriger, reiste gemäss Akten am 24. März 2015 illegal in die Schweiz ein und reichte am 25. März 2015 ein Asylgesuch ein. Mit Zuweisungsentscheid des Staatssekretariats für Migration (SEM) vom 21. Juli 2015 wurde er für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton Graubünden zugewiesen.
B. In der Folge erwirkte A._ mehrere Strafbefehle wegen Verkehrsdelikten, Hehlerei, Missachtung der Ein- oder Ausgrenzung sowie Betäubungsmitteldelikten. Mit Entscheid des Bezirksgerichts C._ vom 14. März 2017 wurde er zudem wegen mehrfachen Raubes und versuchter schwerer Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von 42 Monaten verurteilt. Der Strafantritt erfolgte am 14. März 2017, das Strafende wurde auf den 22. Juli 2019 festgelegt und später auf den 15. Dezember 2019 verlegt.
C. Mit Entscheid des SEM vom 16. Mai 2017 wurde das Asylgesuch abgelehnt und A._ aus der Schweiz weggewiesen. Der Kanton Graubünden wurde mit dem Vollzug der Wegweisung beauftragt. Der Entscheid des SEM erwuchs am 16. Juni 2017 unangefochten in Rechtskraft. Anlässlich der Befragung vom 9. Juni 2017 gab A._ an, über keine Dokumente zu verfügen, er seine heimatliche Vertretung in der Schweiz nicht kontaktieren wolle und kein Interesse an einer Rückkehr nach B._ mit Rückkehrhilfe habe.
D. Im Verlaufe des Strafvollzugs erklärte sich A._ dann doch bereit, freiwillig nach B._ zurückzukehren. Am 27. August 2019 wurde die bedingte Entlassung aus dem Strafvollzug gewährt. Ausserdem wurde für den 5. Oktober 2019 ein Flug nach B._ gebucht. Am 6. September 2019 erklärte A._, dass er den für ihn gebuchten Flug nicht wahrnehmen werde. Er verzichte auf die bedingte Entlassung und wolle nach Strafende selber nach B._ reisen. Am 11. Dezember 2019 wurde er sodann vom Amt für Migration und Zivilrecht Graubünden (AFM GR) in Ausschaffungshaft versetzt. Die Haftanordnung wurde mit Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts Graubünden (ZMG) vom 27. Dezember 2019 bestätigt.
E. Am 9. Januar 2020 erwirkte A._ eine weitere Freiheitsstrafe von 60 Tagen (abzüglich 20 Tage, welche er bereits in Ausschaffungshaft verbrachte), woraufhin er bis zum 23. Februar 2020 in Strafvollzug versetzt wurde. Im Anschluss daran wurde wiederum Ausschaffungshaft bis zum 23. Juli 2020 angeordnet, welche vom ZMG mit Entscheid vom 26. Februar 2020 bestätigt wurde.
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F. Am 12. Juni 2020 teilte die zuständige Flugbuchungsstelle mit, dass aufgrund der andauernden Corona-Situation in einer ersten Phase Flüge nach B._ nur für Freiwillige und allenfalls DEPU-Passagiere (ohne polizeiliche Begleitung) und frühestens ab dem 3. Juli 2020 möglich seien. Daraufhin wurde die Ausschaffungshaft am 19. Juni 2020 beendet. A._ gab dabei an, dass er innerhalb von 48 Stunden die Schweiz in Richtung Frankreich verlassen und von dort nach B._ reisen werde. An das ihm eröffnete Einreiseverbot werde er sich halten und die Schweiz nie mehr betreten.
G. Nachdem A._ am 1. September im automatisierten Fahndungssystem RIPOL ausgeschrieben worden war, wurde er am 9. Dezember 2020 zuständigkeitshalber dem AFM GR zugeführt. Er gab an, dass er nicht nach Frankreich habe reisen können und sich die ganze Zeit in C._ aufgehalten habe. Am 21. Dezember 2020 beantragte er Nothilfe, woraufhin er gleichentags der Nothilfestruktur ARZ D._ in E._ zwecks Ausrichtung der Nothilfe zugewiesen wurde. A._ gab dabei an, er sei bereit, im Januar 2021 nach B._ zurückzukehren. Am 18. Januar 2021 meldete das AFM GR dem SEM das erneute Untertauchen von A._.
H. Am 19. Januar 2021 unterzog die Kantonspolizei Graubünden A._ wegen Verdachts eines Ladendiebstahls einer Personenkontrolle. Dabei zeigte sich dieser geständig und gab den Diebstahl zu, woraufhin ihm mit Ausgrenzungsverfügung vom 20. Januar 2021 verboten wurde, das F._ bis am 21. Januar 2022 zu betreten.
I. Am 15. Februar 2021 wurde A._ erneut vom Kanton C._ in den Kanton Graubünden zurückgeführt. Dabei gab er an, dass er im Moment nicht bereit sei, nach B._ zurückzukehren und noch etwas Zeit benötige, um die Rückreise nach B._ vorzubereiten. Von einer erneuten Zuweisung in die Nothilfestruktur in E._ wollte er nichts wissen. Am 2. März 2021 wurde er in C._ wegen weiterer Straftaten festgenommen und wieder in den Kanton Graubünden zurückgeführt. Die von ihm am 9. März 2021 beantragte Nothilfe wurde verwehrt, weil er gemäss eigenen Angaben illegal gearbeitet und damit CHF 700.00 verdient hatte. Er wurde angewiesen, sich frühestens per 30. März 2021 bezüglich erneuter Beantragung der Nothilfe zu melden.
J. Am 29. März 2021 teilte das SEM dem AFM GR mit, dass die B._ Grenzen seit März 2020 und bis auf Weiteres für den Luft-, See- und Landweg geschlossen seien. Es könnten keine Ersatzreisedokumente (Laisser-Passer)
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ausgestellt und die konsularischen Anhörungen erst dann wiederaufgenommen werden, wenn es wieder Flugverbindungen nach B._ gebe.
K. Am 31. März 2021 wurde A._ erneut vom Kanton C._ in den Kanton Graubünden zurückgeführt. Dabei gab er an, er besitze kein Geld mehr und werde sich am 1. April 2021 in der Nothilfestruktur in E._ anmelden und sich auch dort aufhalten. Von der Ausgrenzungsverfügung für das F._ habe er Kenntnis, diese interessiere ihn jedoch nicht; er werde dennoch wieder nach C._ zurückkehren. Am 21. April 2021 erfolgte sodann eine weitere Rückführung von C._, wobei er diesmal zu Protokoll gab, er werde keine Nothilfe beantragen und sich weiterhin in C._ aufhalten, unabhängig davon, wie oft er dem AFM GR zugeführt werde. Es folgten weitere Rückführungen am 9. August 2021, am 23. August 2021 sowie am 24. September 2021.
L. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft G._ vom 12. Oktober 2021 wurde A._ wegen Diebstahls, mehrfachen versuchten Diebstahls, mehrfachen geringfügigen Diebstahls, mehrfacher Sachbeschädigung, mehrfachen, teilweise versuchten Hausfriedensbruchs sowie rechtswidrigen Aufenthalts zu einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten verurteilt. Sodann ergingen in den darauffolgenden Wochen weitere Verurteilungen wegen Wegnahme einer fremden beweglichen Sache zur Aneignung sowie Diebstahls.
M. Aufgrund eines offenen Beinbruchs befand sich A._ im November 2021 zur Behandlung im H._ in I._ und später in der Reha in J._. Da er danach nicht nach E._ zurückkehren wollte, wurde ihm mittels Eingrenzungsverfügung vom 26. November 2021 untersagt, für die Dauer von maximal einem Jahr das Gemeindegebiet K._ zu verlassen. Nach einer Operation am Sprunggelenk wurde A._ sodann in die Reha-Klinik L._ verbracht. Diese verliess er jedoch am 3. Dezember 2021, ohne eine Mitteilung zu hinterlassen. Aufgrund der bestehenden Eingrenzungsverfügung wurde er daraufhin im automatisierten Fahnungssystem RIPOL ausgeschrieben.
N. Am 7. Februar 2022 wurde A._ durch die Kantonspolizei in I._ angehalten und kontrolliert. Im Anschluss daran wurde er in den Strafvollzug im Kanton C._ versetzt. Mit Vollzugsauftrag des Kantons C._ vom 14. Februar 2022 wurde er in die Justizvollzugsanstalt (JVA) M._ überführt. Das Haftende wurde auf den 27. Juli 2022 festgelegt.
O. Der bei der zuständigen Flugbuchungsstelle des Bundes, swissREPAT, gebuchte Flug nach B._ wurde auf den 28. Juli 2022 hin bestätigt. Zudem
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wurde beim Generalkonsulat B._ die Ausstellung eines Ersatzreisedokuments (Laisser-Passer) beantragt und die Zuführung zum Flughafen N._ per 28. Juli 2022, inkl. Übernachtungen im Gefängnis O._ in N._, veranlasst und der Transport dorthin organisiert.
P. Am 18. Juli 2022 erliess das AFM GR gegen A._ einen Haftbefehl und ordnete an, dass er direkt im Anschluss an die Haftentlassung aus dem Strafvollzug bis zum Vollzug der Wegweisung in Ausschaffungshaft zu nehmen sei. Ein für ihn nach B._ gebuchter Flug auf den 28. Juli 2022 sei bestätigt worden. Als Haftgründe wurden einerseits Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 1 AIG in Verbindung mit Art. 75 Abs. 1 lit. a AIG (Missachtung behördlicher Anordnungen im Asylverfahren), Art. 75 Abs. 1 lit. b AIG (Verletzung der Ein- oder Ausgrenzung), Art. 75 Abs. 1 lit. g AIG (strafrechtliche Verurteilung wegen Bedrohung oder erheblicher Gefährdung von Personen) sowie Art. 75 Abs. 1 lit. h AIG (Verurteilung wegen eines Verbrechens) und andererseits Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 und 4 AIG (Verletzung der Mitwirkungspflicht, Rückschluss aufgrund des bisherigen Verhaltens, dass sich die Person behördlichen Anordnungen widersetzt) angegeben.
Q. Eine auf den 22. Juli 2022 angesetzte mündliche Hauptverhandlung vor dem ZMG musste aufgrund eines medizinischen Vorfalls bei A._ auf den 28. Juli 2022 verschoben werden.
R. Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs und nach Durchführung einer mündlichen Hauptverhandlung, an welcher auch A._ zusammen mit seinem Rechtsvertreter teilnahm, erkannte das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Graubünden mit Entscheid vom 28. Juli 2022, gleichentags mündlich eröffnet und schriftlich mitgeteilt, was folgt:
1. Die vom Amt für Migration und Zivilrecht Graubünden bis zum 27.10.2022 angeordnete Ausschaffungshaft ist rechtmässig sowie angemessen und wird geschützt.
2.a) A._ hat die Verfahrenskosten von CHF 500.00 zu übernehmen. Da die Voraussetzungen zur Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung erfüllt sind, gehen diese Kosten – unter dem Vorbehalt der Rückforderung – zu Lasten des Kantons Graubünden und werden auf die Gerichtskasse genommen.
b) Das Gesuch betreffend unentgeltlichem Rechtsbeistand wird abgewiesen.
3. A._ kann gemäss Art. 80 Abs. 5 AIG einen Monat nach der Haftüberprüfung ein Haftentlassungsgesuch beim Amt für Migration und Zivilrecht Graubünden einreichen.

## Considerations