# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** bc6053c5-42ce-57fe-891b-3fcac9494e52
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Nachdem die Gemeinde Gampelen festgestellt hatte, dass ein Pumpenschacht ihrer
Kanalisation verfettet ist, forderte sie die Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 25. Juli
2018 auf, innert drei Monaten auf der Liegenschaft Restaurant Rasthof B._ einen
Fettabscheider einzubauen. Gleichzeitig drohte die Gemeinde die Ersatzvornahme und
eine Busse bei Nichtbefolgung an.
2. Gegen diese Verfügung reichte die Beschwerdeführerin am 24. August 2018
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie
beantragt, die Verfügung sei aufzuheben. Sie macht unter anderem geltend, die Verfügung
sei fehlerhaft und ein Fettabscheider sei unnötig, wenn der Pumpenschacht von der
Gemeinde richtig gewartet werde.
RA Nr. 120/2018/55 2
3. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Die Gemeinde Gampelen beantragt in
ihrer Stellungnahme vom 21. September 2018 die Abweisung der Beschwerde. Nach
Abschluss des Instruktionsverfahrens erhielten die Verfahrensbeteiligten die Gelegenheit,
zum Ergebnis des Beweisverfahrens Stellung zu nehmen.
4. Auf die Rechtsschriften und Vorakten wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in
den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintreten
a) Aus der angefochtenen Verfügung ergibt sich, dass die Gemeinde Gampelen ihre
Verfügung auf Art. 45 ff. BauG2 abgestützt hat. Gemäss Art. 49 Abs. 1 BauG können
baupolizeiliche Verfügungen nach Art. 45 bis 48 BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Beschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Behandlung der
Beschwerde zuständig.
b) Die Beschwerdeführerin ist als Adressatin durch die angefochtene Verfügung
beschwert und daher zur Beschwerde legitimiert (Art. 65 Abs. 1 VRPG3). Auf ihre form- und
fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Fehlerhafte Verfügung
a) Die Beschwerdeführerin rügt, ihr sei die Verfügung als Entwurf eröffnet worden. Dazu
macht die Gemeinde Gampelen in ihrer Stellungnahme vom 21. September 2018 geltend,
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (Organisationsverordnung BVE, OrV BVE; BSG 152.221.191) 2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0) 3 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
RA Nr. 120/2018/55 3
der Entwurf der Verfügung sei zur Gewährung des rechtlichen Gehörs vorab zugestellt
worden und nach der Stellungnahme von C._ für den Beschluss im Gemeinderat
angepasst worden.
b) In der Eröffnungsformel der angefochtenen Verfügung steht "Verfügungsentwurf".
Diese Formulierung stammt aus einem Verfügungsentwurf, den die Gemeinde der
Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 4. Juli 2018 zur Stellungnahme zugestellt hatte.
Die Eröffnungsformel aus diesem Entwurf wurde in der endgültigen Fassung
fälschlicherweise nicht angepasst. Die Überschrift wurde jedoch korrekt angepasst, im
Entwurf lautete diese "Verfügungsentwurf zur Wahrung des rechtlichen Gehörs", in der
endgültigen Fassung "Verfügung". Bei der falschen Bezeichnung in der Eröffnungsformel
handelt es sich somit um ein offensichtliches Versehen, aus dem der Beschwerdeführerin
keinerlei Nachteil entstanden ist. Dies ist folglich unbeachtlich.
c) Weiter rügt die Beschwerdeführerin, die Verfügung sei auf eine falsche
Rechtsgrundlage abgestützt worden. Es seien keine baupolizeilichen Massnahmen
notwendig. Der Bau und der Gastgewerbebetrieb seien entsprechend den Bedingungen
und Auflagen des Gesamtbauentscheids vom 11. Mai 2007 erstellt und behördlich
abgenommen worden. Die Gemeinde Gampelen hätte daher die Verpflichtung zum Einbau
eines Fettabscheiders gestützt auf ihr Abwasserentsorgungsreglement verfügen müssen.
Die Gemeinde Gampelen macht dazu in ihrer Stellungnahme vom 21. September 2018
geltend, das Bau- und Nutzungsreglement sei übergeordnetes Recht. Das
Abwasserentsorgungsreglement stütze sich auf übergeordnete Bestimmungen,
insbesondere auf das Bau- und Nutzungsreglement. Im Gesamtbauentscheid sei mit dem
Amtsbericht Gewässerschutz auf die Merkblätter betreffend Gewässerschutz und
Entwässerung verwiesen worden. Schliesslich sei auch keine Wiederherstellung verfügt
worden, sondern einzig der Einbau eines Fettabscheiders.
d) Die Baupolizei kann bei ihrer Tätigkeit mit anderen Organen der Verwaltungspolizei,
die spezifische Aufgaben zu erfüllen haben, in Konkurrenz treten, wie z.B. mit der
Gewässerschutzpolizei.4 In gewissen Situationen stehen somit verschiedene
Rechtsgrundlagen für ein behördliches Vorgehen zur Verfügung. Im vorliegenden Fall hat
4 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Vorbemerkungen zu den Art. 45–52 N. 4
RA Nr. 120/2018/55 4
sich die Gemeinde Gampelen für ein baupolizeiliches Vorgehen entschieden. Zu prüfen ist
somit grundsätzlich nur, ob das baupolizeiliche Vorgehen zulässig war und ob es den
baupolizeilichen Vorgaben entspricht. Ob auch ein gewässerschutzpolizeiliches Vorgehen
möglich gewesen wäre, ist grundsätzlich unerheblich.
Gemäss Art. 45 Abs. 2 BauG treffen die Organe der Baupolizei im Rahmen ihrer
Zuständigkeit alle Massnahmen, die zur Durchführung dieses Gesetzes und der gestützt
darauf erlassenen Vorschriften und Verfügungen erforderlich sind. Insbesondere obliegt
ihnen die Aufsicht über die Einhaltung der Bauvorschriften und der Bedingungen und
Auflagen der Baubewilligung sowie der Bestimmungen über die Arbeitssicherheit und -
hygiene bei der Ausführung von Bauvorhaben (Bst. a), die Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustandes bei widerrechtlicher Bauausführung oder bei nachträglicher
Missachtung von Bauvorschriften, Bedingungen und Auflagen (Bst. b) sowie die
Beseitigung von Störungen der öffentlichen Ordnung, die von unvollendeten, mangelhaft
unterhaltenen oder sonst wie ordnungswidrigen Bauten und Anlagen ausgehen (Bst. c).
Im vorliegenden Fall ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin den Neubau des
Gewerbebetriebs mit Tankstelle gemäss Baubewilligung vom 11. Mai 2007 ausgeführt hat.
Folglich kommen vorliegend die Buchstaben a und b von Art. 45 Abs. 2 BauG nicht zur
Anwendung. Näher zu prüfen ist die Anwendbarkeit von Art. 45 Abs. 2 Bst. c BauG. Die
öffentliche Ordnung ist dann gestört, wenn eine Vorschrift von allgemeiner
raumplanerischer oder baupolizeilicher Bedeutung und Tragweite verletzt wird, wie bei
Vorschriften über den Ortsbild-, Landschafts- und Umweltschutz, die Sicherheit und
Gesundheit oder ein Bauverbot.5 Vorliegend sind Vorschriften der
Gewässerschutzgesetzgebung und damit des Umweltschutzes betroffen. Sofern das
Restaurant zu Problemen in der Kanalisation führt, kann zudem von einer
ordnungswidrigen Baute ausgegangen werden. Somit ist ein baupolizeiliches Vorgehen
grundsätzlich zulässig, zumal Art. 45 Abs. 2 BauG keine abschliessende Aufzählung
beinhaltet. In diesem Rahmen kann auch der Einbau eines Fettabscheiders verlangt
werden, eine solche Massnahme kann in einem Baupolizeiverfahren grundsätzlich verfügt
werden. Verfahrensmässig ist die Anordnung in einer Baupolizeiverfügung somit nicht zu
beanstanden. Ob diese Anordnung in der Sache richtig ist, wird später zu prüfen sein.
5 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 1b N. 3
RA Nr. 120/2018/55 5
e) Schliesslich rügt die Beschwerdeführerin, sie sei die Verfügungsadressatin. Im
Dispositiv werde hingegen Herr C._ verpflichtet. Dabei sei auch nicht klar, wer
damit gemeint sei, Herr C._ Junior oder Senior. Darauf muss jedoch mit Blick auf
den Ausgang dieses Verfahrens nicht weiter eingegangen werden.
3. Unnötiger Fettabscheider
a) Die Beschwerdeführerin macht geltend, ihr Restaurant produziere durchschnittlich 60
Essen pro Tag. Gemäss Schweizer Norm und dem darauf basierenden Merkblatt des Amts
für Wasser und Abfall (AWA) sei für Restaurants mit weniger als 300 Mahlzeiten pro Tag
grundsätzlich kein Fettabscheider nötig. Zwar sei im Merkblatt auch für kleinere
Restaurants im Bedarfsfall eine spätere Nachrüstung vorgesehen. Im vorliegenden Fall sei
eine solche jedoch überflüssig, wenn der betroffene Pumpenschacht von der Gemeinde
korrekt gewartet und gereinigt werde. Dies sei in den letzten Jahren nicht der Fall
gewesen, die Gemeinde habe dafür keine Nachweise erbringen können. Zwar habe die
Gemeinde behauptet, der Wartungsaufwand sei von üblich einmal Leeren/Absaugen pro
Jahr auf drei- bis viermal pro Jahr angestiegen. Die Beschwerdeführerin bestreitet jedoch,
dass effektiv Wartungsarbeiten ausgeführt worden seien.
In ihrer Eingabe vom 16. Januar 2019 macht die Beschwerdeführerin zudem geltend, sie
habe ihren Betrieb bereits im Mai 2008 aufgenommen. Erst im November 2016 habe sich
die Gemeinde erstmals wegen Fettrückständen im Pumpenschacht gemeldet. Dies lege
den Schluss nahe, dass das Problem mit der Betriebsaufnahme eines Nachbarn im Jahr
2014 zusammenhänge, der sein Abwasser in den gleichen Pumpenschacht einleite. So sei
denkbar, dass vom Nachbarbetrieb Chemikalienrückstände in den Pumpenschacht
gelangen würden, welche die Speisefettanteile im Abwasser der Beschwerdeführerin so
separierten, dass diese nicht mehr abgepumpt werden könnten. Dies müsse zumindest
näher abgeklärt werden.
b) Die Gemeinde Gampelen hat sich bei ihrem Entscheid insbesondere auf eine
Besichtigung des betroffenen Pumpenschachts beim Islerenkanal mit einem Mitarbeiter der
Abteilung Betriebe und Abfall des AWA gestützt. Anlässlich dieser Besichtigung wurden im
Pumpenschacht starke Fettablagerungen festgestellt, welche die Pumpenfunktion stören.
Im Anschluss an die Begehung hat der Mitarbeiter des AWA der Gemeinde die
RA Nr. 120/2018/55 6
Nachtrüstung des Restaurants Rasthof B._ mit einem Fettabscheider empfohlen.
Gestützt auf diese Empfehlung hat die Gemeinde eine entsprechende Verfügung erlassen.
Die Konstruktion der Pumpe und deren Unterhalt sind aus Sicht der Gemeinde nicht
ursächlich für die festgestellten Fettablagerungen im Pumpenschacht. Ursächlich dafür sei
das Abwasser der Beschwerdeführerin, das zu viel Fett enthalte. Anlässlich der
Besichtigung vor Ort sei klar ersichtlich gewesen, dass das ölhaltige Abwasser vom
westlichen Strang und damit vom Betrieb der Beschwerdeführerin zufliesse. Aus Sicht der
Gemeinde müsse die Ursache des Problems behoben werden, was mit einem
Fettabscheider im Betrieb der Beschwerdeführerin erreicht werde.
c) Verschmutztes Abwasser muss behandelt werden (Art. 7 Abs. 1 GSchG6). Die
Kantone sorgen für die Erstellung öffentlicher Kanalisationen und zentraler Anlagen zur
Reinigung von verschmutztem Abwasser (Art. 10 Abs. 1 GSchG). Die Gemeinden erstellen
die notwendigen Anlagen zur Ableitung und Reinigung des Abwassers aus Bauzonen
(Art. 6 Abs. 1 KGSchG7). Die Leitungen der Basis- und Detailerschliessung sind öffentliche
Leitungen. Sie verbleiben zu Eigentum, Unterhalt und Erneuerung der Gemeinde (Art. 6
Abs. 1 und 4 Abwasserentsorgungsreglement8). In die Kanalisation dürfen keine Stoffe
eingeleitet werden, welche die Anlagen beschädigen können oder geeignet sind, die
Reinigungsprozesse der Abwasserreinigungsanlage ungünstig zu beeinflussen. Verboten
ist insbesondere die Einleitung von Ölen, Fetten und Emulsionen (Art. 24 Abs. 1
Abwasserentsorgungsreglement). Abgänge, welche zur Einleitung in die Kanalisation
ungeeignet sind oder in der ARA den Reinigungsprozess ungünstig beeinflussen, sind auf
Kosten der Verantwortlichen anderweitig zu entsorgen oder vor Einleitung in die
Kanalisation durch besondere Verfahren vorzubehandeln (Art. 15
Abwasserentsorgungsreglement).
d) Im vorliegenden Fall sind zwei Verantwortlichkeiten zu unterscheiden: Einerseits die
Verantwortung der Gemeinde, ihre Abwasserentsorgungsanlagen ordentlich zu
unterhalten. Zu diesen Abwasserentsorgungsanlagen gehört auch der fragliche
Pumpenschacht: Unter den Parteien ist unbestritten, dass dieser ein Teil der öffentlichen
Kanalisation ist, als solcher im Eigentum der Gemeinde steht und damit auch die
6 Bundesgesetz vom 24. Januar 1991 über den Schutz der Gewässer (Gewässerschutzgesetz, GSchG; SR 814.20) 7 Kantonales Gewässerschutzgesetz vom 11. November 1996 (KGSchG; BSG 821.0) 8 Abwasserentsorgungsreglement der Einwohnergemeinde Gampelen vom 1. Dezember 2006
RA Nr. 120/2018/55 7
Gemeinde für dessen Unterhalt zuständig ist. Zur Frage, wie dieser Pumpenschacht zu
unterhalten ist, hat sich das AWA, Abteilung Siedlungswasserwirtschaft, in seiner
Stellungnahme vom 18. Januar 2019 geäussert. Es verweist dazu auf die Richtlinien des
Verbands Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute (VSA) "Erhaltung von
Kanalisationen". Gemäss dieser Richtlinie bestehen die zu reinigenden Ablagerungen bei
Abwasserhebeanlagen aus Schlamm, festen Stoffen und Fett. Das Reinigungsverfahren
besteht aus Absaugen und Abspritzen. Der Richtwert für das Reinigungsintervall liegt bei 3
bis 12 Monaten. Gemäss AWA sind für das Festlegen des konkreten Reinigungsintervalls
innerhalb dieses Richtwerts insbesondere die angeschlossenen Liegenschaften mit deren
Abwasserbelastungen und die Gefällsverhältnisse der Zuläufe in die Kanalisation
massgebend. Im vorliegenden Fall sei mit einem fetthaltigen Abwasser zu rechnen, zudem
habe die Zulaufleitung ein schwaches Gefälle. Daher empfiehlt das AWA im vorliegenden
Fall für den betroffenen Pumpenschacht ein Wartungsintervall von 3 Monaten.
Andererseits ist die Beschwerdeführerin dafür verantwortlich, dass das Abwasser aus
ihrem (Restaurant-)Betrieb den Vorgaben entspricht und nicht übermässig viel Fett enthält.
In diesem Zusammenhang kann auf das Merkblatt "Abfall- und
Gewässerschutzvorschriften für Küchen- und Speiseabfälle aus Gaststätten und kollektiven
Haushaltungen" abgestellt werden, welches das AWA als zuständige kantonale Fachstelle
im Februar 2012 herausgegeben hat.9 Demnach sind die fetthaltigen Abwässer aus
Gaststätten und kollektiven Haushaltungen mit mehr als 300 warmen Mahlzeiten pro Tag
vor der Ableitung in die Kanalisation in geeigneten Abscheideanlagen zu behandeln.
Fettabscheideanlagen gelten als Abwasser-Vorbehandlungsanlagen. Bei bestehenden
Gaststätten und kollektiven Haushaltungen ist eine Nachrüstung dann erforderlich, wenn
sie umgebaut werden oder wenn die Ableitung des Abwassers zu Problemen in der
Kanalisation (Ablagerungen) führt.
e) Aufgrund der vorhandenen Unterlagen ist davon auszugehen, dass der
Restaurantbetrieb der Beschwerdeführerin täglich rund 85 warme Mahlzeiten (inklusive
Pizzas) pro Tag produziert, wobei rund 70 dieser Mahlzeiten vor Ort konsumiert werden.
Diese Zahlen liegen deutlich unter der Grenze von 300 warmen Mahlzeiten pro Tag, ab
welcher gemäss Merkblatt des AWA standartmässig ein Fettabscheider verlangt werden
kann. Gemäss diesem Merkblatt kann der Einbau eines Fettabscheiders im Sinne einer
9 www.bve.be.ch > Amt für Wasser und Abfall > Formulare / Merkblätter > Abfälle > Siedlungsabfälle
RA Nr. 120/2018/55 8
Nachrüstung somit nur unter der Voraussetzung verlangt werden, dass die Ableitung des
Abwassers zu Problemen in der Kanalisation (Ablagerungen) führt.
Demgegenüber besteht die Pflicht der Gemeinde zum Unterhalt ihrer Kanalisation
voraussetzungslos. Diesbezüglich findet sich im Sachverhalt der angefochtenen Verfügung
zwar die Aussage, der Wartungsaufwand des Pumpenschachts sei "von üblich 1 x
Leeren/Absaugen pro Jahr auf 3-4 x pro Jahr angestiegen". Auf entsprechende Rückfrage
des Rechtsamtes, wann der fragliche Pumpenschacht in den letzten 10 Jahren gewartet
und welche Arbeiten dabei ausgeführt worden seien, konnte die Gemeinde jedoch neben
einem Wartungsvertrag lediglich je eine Reinigung in den Jahren 2017 und 2018
nachweisen. Der Wartungsvertrag sieht zwar eine jährliche Kontrolle vor und beinhaltet
unter anderem eine Reinigung der Niveauregler respektive Niveausonden. Das in den
Richtlinien als Reinigungsverfahren empfohlene "Absaugen und Abspritzen" ist darin aber
nicht enthalten. Somit konnte die Gemeinde für die letzten 10 Jahre lediglich zwei
Reinigungen im Sinne der Richtlinien nachweisen. Dies deckt sich mit den Beobachtungen
der Beschwerdeführerin. Folglich ist davon auszugehen, dass der fragliche
Pumpenschacht gemessen an der Em-pfehlung des AWA, welches ein Reinigungsintervall
von 3 Monaten empfiehlt, von der Gemeinde in der Vergangenheit nicht ausreichend
gereinigt wurde.
f) Die Verantwortlichkeit der Beschwerdeführerin für ihr Abwasser und die
Verantwortlichkeit der Gemeinde für einen ordentlichen Unterhalt ihrer
Abwasserentsorgungsanlagen besteht grundsätzlich gleichberechtigt nebeneinander.
Allerdings lässt sich im vorliegenden Fall nicht beurteilen, ob die Beschwerdeführerin ihrer
Verantwortung nachgekommen ist, solange die Gemeinde ihre Verantwortung nicht
wahrgenommen hat. Es ist unbestritten, dass das Abwasser der Beschwerdeführerin zu
Problemen (Ablagerungen) in der Kanalisation geführt hat. Auch die Beschwerdeführerin
bestreitet nicht, dass die Fettablagerungen im Pumpenschacht aus ihrem Abwasser
stammen. Allerdings lässt sich nicht beurteilen, ob dieses Problem auch dann noch
auftreten würde, wenn die Gemeinde den Pumpenschacht ordentlich reinigen würde. Es
existiert kein absolutes Einleitungsverbot für fetthaltiges Abwasser und aus den VSA-
Richtlinien lässt sich ableiten, dass gewisse Fettablagerungen in
Abwasserentsorgungsanlagen normal sind. Solange diese Ablagerungen mit einer
ordentlichen Wartung der Anlagen bewältigt werden können, besteht kein Handlungsbedarf
auf Seiten der Abwasserverursacher. So darf fetthaltiges Abwasser aus Gaststätten bis
RA Nr. 120/2018/55 9
300 warmen Mahlzeiten pro Tag ungereinigt in die Kanalisation abgegeben werden, sofern
dies zu keinen Problemen in der Kanalisation führt.
Daher muss im vorliegenden Fall zunächst die Gemeinde ihre Wartungspflicht hinsichtlich
des fraglichen Pumpenschachts erfüllen. Erst wenn sie dieser Pflicht nachgekommen ist
und danach immer noch Probleme mit Fettablagerungen auftreten, kann sie erneut prüfen,
ob von der Beschwerdeführerin der Einbau eines Fettabscheiders verlangt werden kann.
Der Umstand, dass im Oktober 2018 eine Reinigung stattgefunden hat und gemäss Fotos
der Beschwerdeführerin vom 17. Januar 2019 bereits wieder erhebliche Fettrückstände
vorhanden waren, deutet darauf hin, dass diese Möglichkeit durchaus besteht. Sollte es
dazu kommen, wird sich die Gemeinde jedoch auch mit alternativen Ursachen
auseinanderzusetzen haben, wie sie die Beschwerdeführerin in ihrer Eingabe vom
16. Januar 2019 ins Spiel gebracht hat. Der Umstand, dass die Beschwerdeführerin ihren
Betrieb bereits 2008 aufgenommen und es anscheinend erst 2016 zu Problemen mit
Fettrückständen im Pumpenschacht gekommen ist, lässt solche alternative Ursachen als
nicht unwahrscheinlich erscheinen.
g) Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass zum jetzigen Zeitpunkt von der
Beschwerdeführerin kein Einbau eines Fettabscheiders verlangt werden kann. Folglich ist
die Beschwerde gutzuheissen und die angefochtene Verfügung wird aufgehoben.
4. Kosten
a) Die Verfahrenskosten für das Beschwerdeverfahren bestehen aus einer
Pauschalgebühr (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Für Entscheide in einer Verwaltungsjustizsache
wird eine Pauschalgebühr von Fr. 200.-- bis Fr. 4'000.-- je Beschwerde erhoben (Art. 19
Abs. 1 i.V.m. Art. 4 Abs. 2 GebV10). In Anwendung dieser Bestimmungen wird die
Pauschale auf Fr. 800.-- festgelegt.
Die Verfahrenskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt; Vorinstanzen im Sinne
von Artikel 2 Absatz 1 Buchstabe b werden Verfahrenskosten nur auferlegt, wenn sie in
ihren Vermögensinteressen betroffen sind (Art. 108 Abs. 1 und 2 VRPG). Bei diesem
10 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
RA Nr. 120/2018/55 10
Ausgang des Beschwerdeverfahrens gilt die Gemeinde als unterliegend. Sie ist jedoch
nicht in ihren Vermögensinteressen betroffen, weshalb ihr keine Verfahrenskosten
auferlegt werden. Daher trägt der Kanton die Verfahrenskosten.
b) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen (Art. 108
Abs. 3 VRPG). Die obsiegende Beschwerdeführerin war weder anwaltlich vertreten noch
hat es sich um ein aufwendiges Verfahren gehandelt. Ihr sind daher keine Parteikosten im
Sinne des Gesetzes entstanden (Art. 104 Abs. 1 und 2 VRPG). Demzufolge werden keine
Parteikosten gesprochen.