# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** a76d8fee-1eed-4af9-8fec-034afae18f44
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2007
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ M.F., geb. 1960, ist Staatsangehöriger von Guinea. Er reiste am 9. September 1996
illegal in die Schweiz ein und stellte ein Asylgesuch. Dieses wurde vom Bundesamt für
Flüchtlinge mit Verfügung vom 21. November 1996 abgewiesen. Die Schweizerische
Asylrekurskommission wies eine Beschwerde gegen die Verweigerung des Asyls mit
Entscheid vom 5. März 1997 ab.
Am 24. Dezember 1997 heiratete M.F. die in St. Gallen wohnhafte Schweizer Bürgerin
Dragica S., geb. 1952. In der Folge wurde ihm eine Jahresaufenthaltsbewilligung im
Rahmen des Familiennachzugs erteilt. Am 20. März 2003 wurde M.F. erleichtert
eingebürgert.
Am 6. Mai 2005 ersuchte M.F. um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung im Rahmen
des Familiennachzugs für seinen in Guinea lebenden Sohn aus erster Ehe, den am 18.
Juli 1992 geborenen I.F.
Das Ausländeramt wies das Gesuch um Familiennachzug mit Verfügung vom 28. April
2006 ab.
B./ Gegen die Verfügung des Ausländeramts erhob M.F. durch seine Rechtsvertreterin
Rekurs, der vom Justiz- und Polizeidepartement mit Entscheid vom 7. Februar 2007
abgewiesen wurde.
C./ Mit Eingaben seiner Rechtsvertreterin vom 22. Februar und 15. März 2007 erhob
M.F. Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der Rekursentscheid vom
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7. Februar 2007 sowie die Verfügung des Ausländeramts vom 28. April 2006 seien
aufzuheben und das Ausländeramt sei anzuweisen, I.F. eine Aufenthaltsbewilligung zu
erteilen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung wird im
wesentlichen vorgebracht, der Beschwerdeführer habe einen Anspruch auf
Familiennachzug. Er habe die ersten vier Lebensjahre mit seinem Sohn und dessen
Mutter in familiärer Gemeinschaft zusammengelebt. Am 10. Juli 1996 sei seine erste
Ehefrau verstorben. Es sei richtig, dass der Beschwerdeführer erst nach einem
Aufenthalt von achteinhalb Jahren in der Schweiz ein Familiennachzugsgesuch gestellt
habe. Zu Beginn seines Aufenthalts in der Schweiz habe er nicht über genügende
Mittel verfügt. Seine Mutter sei mittlerweile über achtzig Jahre alt und nicht mehr in der
Lage, ihren Enkel adäquat zu betreuen. Auf die weiteren Vorbringen in der Beschwerde

## Considerations

wird, soweit wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Die Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 20. März 2007 unter Hinweis auf
die Erwägungen des angefochtenen Entscheids die Abweisung der Beschwerde.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingaben vom 22. Februar und 15.
März 2007 entsprechen zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen
(Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
2. Nach Art. 17 Abs. 2 Satz 3 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung
der Ausländer (SR 142.20, abgekürzt ANAG) haben ledige Kinder von Ausländern, die
in der Schweiz niedergelassen sind, Anspruch auf Einbezug in die
Niederlassungsbewilligung ihrer Eltern, wenn sie mit diesen zusammen wohnen und
noch nicht achtzehn Jahre alt sind. Diese Bestimmung gilt sinngemäss auch für
ausländische Kinder eines Schweizer Bürgers (BGE 130 II 137 E. 2.1 mit Hinweisen auf
weitere Urteile).
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2.1. Der Sohn des Beschwerdeführers wurde am 18. Juli 1992 geboren und war somit
im Zeitpunkt des Familiennachzugsbegehrens weniger als achtzehn Jahre alt. Er hat
daher auch gestützt auf Art. 8 Ziff. 1 der Europäischen Menschenrechtskonvention (SR
0.101, abgekürzt EMRK) bzw. Art. 13 Abs. 1 der Schweizerischen Bundesverfassung
(SR 101, abgekürzt BV) einen Anspruch auf eine Aufenthaltsbewilligung im Rahmen des
Familiennachzugs.
2.2. Zweck des Familiennachzugs ist es, das Leben in der Familiengemeinschaft zu
ermöglichen. Der Gesetzeswortlaut verdeutlicht, dass die rechtliche Absicherung des
Zusammenlebens der Gesamtfamilie angestrebt wird. Verlangt ist ausdrücklich, dass
die Kinder mit ihren Eltern zusammenwohnen werden. Die Nachzugsregelung ist mithin
auf Familien zugeschnitten, in denen die leiblichen Eltern einen gemeinsamen ehelichen
Haushalt führen (BGE 129 II 11 E. 3.1.1). Sind die Eltern voneinander getrennt oder
geschieden und hält sich der eine Elternteil in der Schweiz, der andere aber im Ausland
auf, kann es nicht um eine Zusammenführung der Gesamtfamilie gehen. In solchen
Fällen besteht kein bedingungsloser Anspruch auf Nachzug der Kinder. Der
nachträgliche Nachzug eines Kindes setzt diesfalls voraus, dass eine vorrangige
Bindung des Kindes zu dem in der Schweiz lebenden Elternteil nachgewiesen ist und
besonders stichhaltige familiäre Gründe, z.B. eine Aenderung der
Betreuungsmöglichkeiten, dieses Vorgehen rechtfertigen. Die Verweigerung einer
Bewilligung lässt sich in solchen Fällen nicht beanstanden, wenn die Familientrennung
von den Betroffenen ursprünglich selbst freiwillig herbeigeführt worden ist, für die
Aenderung der bisherigen Verhältnisse keine überwiegenden familiären Interessen
bestehen bzw. sich ein Wechsel nicht als zwingend erweist und die Fortführung und
Pflege der bisherigen familiären Beziehungen nicht behördlich verhindert wird (BGE
129 II 11 E. 3.1.3 mit Hinweisen). Auch bei einer Familie, bei der ein Elternteil
verstorben ist, besteht kein vorbehaltloser Anspruch auf Familiennachzug (BGE 129 II
11 E. 3.3). Ein bedingungsloser bzw. nur unter dem Vorbehalt des Rechtsmissbrauchs
stehender Anspruch des überlebenden Elternteils auf nachträglichen Nachzug der
minderjährigen Kinder mag allenfalls dann gegeben sein, wenn zwischen dem Elternteil
und den Kindern eine Familiengemeinschaft bereits bestanden hat und der
überlebende Elternteil die Rolle, welche an sich den Eltern zukommt, trotz
vorübergehender Betreuung der Kinder durch aussenstehende (nicht zur Kernfamilie
gehörende) Dritte auch tatsächlich ausübt und das Zusammenleben mit den Kindern
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anstrebt bzw. sich diese Möglichkeit durch seine persönliche Lebensgestaltung
erkennbar vorbehält (BGE 129 II 11 E. 3.3.1). Stichhaltige Gründe für eine Aenderung
der Betreuungsverhältnisse dürfen nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht
leichthin bejaht werden. Es gelten hohe Beweisanforderungen an den Nachweis der
fehlenden Betreuungsmöglichkeit im Heimatland, zumal es aus integrationspolitischer
Sicht nicht erwünscht ist, dass Jugendliche erst kurz vor Erreichen der Altersgrenze in
die Schweiz geholt werden. Umso höhere Anforderungen sind zu stellen, je älter das
Kind ist bzw. je grösser die ihm in der Schweiz drohenden Integrationsschwierigkeiten
sind (BGE 129 II 11 E. 3.3.1). Wer als verwitweter bzw. wiederverheirateter Elternteil
sein Kind jahrelang im Heimatland in der Obhut der Grosseltern oder anderer naher
Verwandter lässt, hat gleich wie ein getrennter oder geschiedener Elternteil nur dann
einen Anspruch auf nachträglichen Familiennachzug, wenn stichhaltige Gründe eine
Aenderung der Betreuungsverhältnisse gebieten, wobei wegen der zu erwartenden
Integrationsschwierigkeiten an die Stichhaltigkeit dieser Gründe umso höhere
Anforderungen zu stellen sind, je älter das Kind ist (BGE 133 II 6 ff.; 129 II 11 E. 3.4).
2.3. Die erste Ehefrau des Beschwerdeführers verstarb am 10. Juli 1996. Der
Beschwerdeführer reiste am 9. September 1996 in die Schweiz ein, wo er ein
Asylgesuch stellte. Er lebte somit lediglich rund vier Jahre mit seinem Sohn zusammen,
und es ist aufgrund der Akten nicht ersichtlich, dass er seit der Einreise in die Schweiz
jemals einen unmittelbaren persönlichen Kontakt mit seinem Sohn hatte. Aufgrund der
Akten bestehen auch keine Anhaltspunkte, dass sich der Beschwerdeführer nach der
Einreise in die Schweiz im Jahre 1996 jemals wieder in Guinea aufhielt. Zutreffend ging
daher die Vorinstanz davon aus, dass der Beschwerdeführer seit nunmehr über zehn
Jahren von seinem Sohn getrennt lebt und im Zeitpunkt der Einreichung des
Familiennachzugsbegehrens eine über Jahre hinweg und trotz unterschiedlicher
Wohnsitze aufrechterhaltene und gewachsene Vater-Kind-Beziehung nicht vorliegt.
Der Beschwerdeführer macht geltend, seine Mutter sei mittlerweile über achtzig Jahre
alt und nicht mehr in der Lage, ihren Enkel adäquat zu betreuen. Es sei ihm trotz
Bemühungen nicht möglich gewesen, eine Geburtsurkunde seiner Mutter zu
beschaffen. Entsprechende Papiere seien in Guinea nur schwierig zu erlangen, da
solche zum Teil schlichtweg nicht existieren würden oder im Laufe der Zeit durch die
bürgerkriegsähnliche Situation zerstört worden seien.
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Die Darlegungen des Beschwerdeführers sind aktenmässig nicht belegt. Wie die
Vorinstanz zutreffend festhält, war es dem Beschwerdeführer im Verfahren vor dem
Ausländeramt möglich, sowohl die Geburtsurkunde seines Sohnes als auch den
Todesschein seiner ersten Ehefrau zu beschaffen. Bei dieser Sachlage erscheint es
nicht glaubhaft, dass es dem Beschwerdeführer nicht möglich sein sollte, schriftliche
Unterlagen über das behauptete Alter seiner Mutter beizubringen. Wie die Vorinstanz
sodann zutreffend festhält, befindet sich der Sohn des Beschwerdeführers in einem
Alter, in dem er nicht mehr einer intensiven Betreuung bedarf. Es ist daher nicht zu
beanstanden, dass aufgrund des Alters oder des Gesundheitszustands der
Grossmutter keine stichhaltigen Gründe für einen Wechsel der Betreuungsverhältnisse
angenommen worden sind. Der Sohn des Beschwerdeführers befindet sich in
demjenigen sozialen Umfeld, in dem er nunmehr während mehrerer Jahre gelebt hat,
seit sein Vater ihn verliess. Wenn auch mit zunehmendem Alter die Möglichkeiten der
Grossmutter zur intensiven Betreuung nachlassen mögen, so wird aber gleichzeitig
auch der Betreuungsbedarf für den mittlerweile im Teenageralter stehenden Enkel
geringer.
Fest steht weiter, dass der Beschwerdeführer am 24. Dezember 1997 eine Schweizerin
heiratete und am 20. März 2003 erleichtert eingebürgert wurde. Unter diesen
Umständen ist nicht nachvollziehbar, weshalb er das Familiennachzugsbegehren erst
am 6. Mai 2005 stellte. Ab 1998 erzielte der Beschwerdeführer ein monatliches
Nettoeinkommen von rund Fr. 3'600.--. Seine Behauptung, er habe sich zusammen mit
seiner Ehegattin im Jahr 1998 auf dem Einwohner-amt St. Gallen nach den
Möglichkeiten eines Familiennachzugs für seinen Sohn erkundigt, wobei ihm mitgeteilt
worden sei, die finanziellen Mittel würden nicht ausreichen, ist nicht belegt. Eine
Anfrage beim Ausländeramt tätigte der Beschwerdeführer unbestrittenermassen nicht.
Demgegenüber ist es nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer nach seinem Unfall
im März 2001 kein Familiennachzugsbegehren stellte. Die Vorinstanz hielt allerdings
zutreffend fest, dass sich die finanzielle Situation im Frühjahr 2005 mit der
Zusprechung einer SUVA-Rente in der Höhe von Fr. 3'850.-- nicht wesentlich
veränderte. Namentlich konnte der Beschwerdeführer nicht damit rechnen, dass ihm
mit den Rentenzahlungen wesentlich höhere Mittel zufliessen würden als dies bei einer
Erwerbstätigkeit der Fall gewesen wäre. Zutreffend ging deshalb die Vorinstanz davon
aus, dass im Hinblick auf die finanzielle Situation keine stichhaltigen Gründe ersichtlich
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sind, weshalb der Beschwerdeführer erst nach einem Aufenthalt von über acht Jahren
in der Schweiz ein Familiennachzugsbegehren für seinen Sohn stellte.
Zusammenfassend gelangt das Verwaltungsgericht zum Schluss, dass die Vorinstanz
das Vorliegen stichhaltiger Gründe für einen Wechsel der Betreuungssituation zu Recht
verneint hat. Der Beschwerdeführer hat keinen bedingungslosen Anspruch auf
Familienzusammenführung. Er hat die Familientrennung selbst herbeigeführt und hat
weiterhin die Möglichkeit, allfällige Beziehungen zu seinem Sohn im Rahmen der
bisherigen, allerdings nicht nachgewiesenen Kontakte zu pflegen. Hinzu kommt, dass
ein Nachzug für den Sohn, der in Guinea aufgewachsen und dort sozial und sprachlich
integriert ist, mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden wäre. Der Sohn hielt sich noch
nie in der Schweiz auf und kennt das Land nicht. Bei einer Uebersiedlung in die
Schweiz würde er aus seiner ihm vertrauten Umgebung herausgerissen und fände sich
in einem fremden Land mit einer anderen Sprache, Kultur und Mentalität wieder. Dies
liegt nicht im Interesse des Sohnes.
2.4. Aus dem Gesagten folgt, dass die Vorinstanz den Rekurs gegen die Verweigerung
des Familiennachzugs zu Recht abgewiesen hat. Folglich ist die Beschwerde
abzuweisen.
3. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif, sGS
941.12). Sie ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechnen.
Ausseramtliche Entschädigungen sind nicht zuzusprechen (Art. 98bis VRP).