# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 3c4c92ff-99be-55ac-afea-5ef13645aefe
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Am 1. März 2017 reichte die Beschwerdegegnerin ein Baugesuch ein für die
Errichtung eines öffentlichen Spiel- und Begegnungsplatzes auf den Parzellen Utzenstorf
Grundbuchblatt Nrn. D._, E._, F._ und G._. Sämtliche
Parzellen liegen in der Zone für öffentliche Nutzung (ZöN). Gegen das Bauvorhaben erhob
die Beschwerdeführerin Einsprache.
RA Nr. 110/2017/85 2
Mit Gesamtbauentscheid vom 5. Juli 2017 erteilte das Regierungsstatthalteramt Emmental
dem Bauvorhaben die Bewilligung.
2. Dagegen reichte die Beschwerdeführerin am 3. August 2017 Beschwerde bei der
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragt, der
Gesamtbauentscheid vom 5. Juli 2017 sei aufzuheben und dem Bauvorhaben sei der
Bauabschlag zu erteilen. Eventualiter verlangt sie, das Bauvorhaben sei nur mit der
Auflage, einen mindestens 1 m hohen Zaun um den öffentlichen Spiel- und
Begegnungsplatz zu erstellen, zu bewilligen.
Zur Begründung macht die Beschwerdeführerin zusammengefasst geltend, es sei davon
auszugehen, dass die Lärmschutzvorschriften nicht eingehalten würden. Die Vorinstanz
habe es unterlassen, den Sachverhalt diesbezüglich festzustellen und eine Lärmprognose
zu erstellen bzw. einzuholen. Werde das Bauvorhaben dennoch bewilligt, sei immerhin ein
mindestens 1 m hoher Zaun um den Spiel- und Begegnungsplatz zu erstellen. Dies zum
Schutz der Kinder und um das Betreten ihrer Parzelle zu verhindern.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und edierte die Vorakten. Das Rechtsamt holte weiter einen
Fachbericht der Fachstelle Lärmakustik/Lasertechnik der Kantonspolizei Bern ein.
Daraufhin teilte die Beschwerdeführerin dem Rechtsamt mit, sie verzichte auf die
ursprünglich vorgesehene Klanginstallation auf dem Spiel- und Begegnungsplatz. Die
Parteien erhielten in der Folge Gelegenheit, Schlussbemerkungen einzureichen. Darin
änderten beide Parteien ihre Rechtsbegehren. Die Beschwerdeführerin stellte neu den
Antrag, es sei von Amtes wegen festzustellen, ob dem geänderten Bauvorhaben die
Bewilligung erteilt werden kann. Das Bauvorhaben sei jedenfalls nur mit den im
Fachbericht aufgeführten Auflagen und mit einem mindestens 1 m hohen Zaun zu
bewilligen. Die Beschwerdegegnerin präzisiert ihre Rechtsbegehren in den
Schlussbemerkungen ebenfalls und verlangt die Abweisung der Beschwerde ohne die
Anordnung der im Fachbericht enthaltenen Auflagen. Sie schlägt eventualiter zudem
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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eigene Auflagen vor, welche anstelle der Auflagen des Fachberichts in den Bauentscheid
aufzunehmen seien.
Auf die Rechtsschriften und den Fachbericht der Fachstelle Lärmakustik/Lasertechnik der
Kantonspolizei Bern wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintretensvoraussetzungen
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG2. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen, die Baugesuchsteller, die
Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG
i.V.m. Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführerin ist als unterliegende Einsprecherin im
vorinstanzlichen Verfahren zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf die form- und
fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Lärmimmissionen: Grundlagen
a) Der geplante öffentliche Spiel- und Begegnungsplatz soll in zentraler Lage in
Utzenstorf errichtet werden und erstreckt sich über insgesamt vier Parzellen. Die Parzellen
liegen alle in der Zone für öffentliche Nutzung (ZöN) E. Die ZöN E ist bestimmt für die
Gemeindeverwaltung, ein kleines Schulhaus, ein altes Feuerwehrmagazin mit Wohnungen
2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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usw., Räume für öffentliche und soziale Dienstleistungen sowie für öffentliche Parkplätze.
Es gilt die ES III (Art. 46 GBR4 i.V.m. Anhang A Ziff. 2 GBR). Die Parzelle der
Beschwerdeführerin grenzt nördlich an den geplanten Spiel- und Begegnungsplatz und
befindet sich in der Dorfzone D. Für die Dorfzone D gilt ebenfalls die ES III (Art. 42 i.V.m
Art. 50 GBR). Der öffentliche Spielplatz soll rund 1'000 m2 und der Begegnungsbereich
zusätzlich rund 350 m2 gross werden. Neben der zu überbauenden Grünfläche befinden
sich heute u.a. Parkplätze, die Gemeindeverwaltung, ein Kindergarten sowie eine
Tagesschulstätte auf den Bauparzellen, welche bestehen bleiben. Der Spiel- und
Begegnungsplatz soll der allgemeinen Bevölkerung zur freien Nutzung zur Verfügung
stehen. Konzeptionell ist er in die Themenbereiche Gestalten, Bewegen und Begegnen
aufgeteilt. Geplant sind eine Vielzahl an Spielgeräten wie ein Kletterturm, eine
Nestschaukel, eine Wackelbrücke sowie ein Sand- und Wasserspielbereich. Der Spiel- und
Begegnungsplatz soll zudem topographische Elemente wie Hügel oder Rampen
aufweisen. Nördlich und westlich sind für die Begrenzung des Spiel- und
Begegnungsplatzes Aufschüttungen vorgesehen, welche mit Waldsträuchern bepflanzt
werden sollen. Südlich des Spiel- und Begegnungsplatzes sind insgesamt neun
angrenzende neue Parkplätze für das Gemeindepersonal vorgesehen. Ausserdem
befinden sich am südlichen Ende des Platzes eine Toilette, ein Kindergarten sowie ein
öffentlicher Parkplatz mit 23 Parkfeldern. Östlich grenzt das Bauvorhaben an eine weitere
Grünfläche mit einem Gebäude der Gemeindeverwaltung.
b) Die Beschwerdeführerin macht geltend, das Bauvorhaben führe bei ihrer
Liegenschaft zu unzulässigen Lärmimmissionen und es hätte ein Lärmgutachten eingeholt
bzw. eine Lärmprognose erstellt werden müssen.
c) Das bundesrechtliche Lärmschutzrecht soll die Bevölkerung vor schädlichem und
lästigem Lärm schützen, der beim Betrieb neuer und bestehender Bauten und Anlagen
erzeugt wird (vgl. Art. 1 Abs. 1 und 7 USG5, Art. 1 LSV6). Dazu gehört einerseits der Lärm,
der von der Anlage bzw. dem Betrieb selbst erzeugt wird, aber auch der Lärm, der von den
Benützern innerhalb und ausserhalb der Anlage erzeugt wird, d.h. auch der von Menschen
verursachte Verhaltenslärm.7 Für einige häufige, oft als besonders störend empfundene
4 Baureglement Gemeinde Utzenstorf vom 11. März 2005 (GBR) 5 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz; SR 814.01) 6 Lärmschutz-Verordnung des Bundesrates vom 15. Dezember 1986 (LSV; SR 814.41) 7 BGE 133 II 292 E. 3.1
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Schall- bzw. Lärmquellen wie u.a. Strassenverkehr, Flugplätze, Industrie- und
Gewerbebetriebe hat der Bundesrat im den Anhängen 3 bis 7 der LSV
Belastungsgrenzwerte erlassen. Diese Belastungsgrenzwerte können bei menschlichem
Verhaltenslärm aber nicht herangezogen werden, da sich die Art des Lärms und der
Störungscharakter von technischem Lärm unterscheiden.8 Für den Alltagslärm, wie er u.a.
durch einen Spiel- und Begegnungsplatz entsteht, fehlen somit konkrete
Belastungsgrenzwerte. Die Lärmimmissionen des geplanten Spiel- und
Begegnungsplatzes müssen von der Behörde im Einzelfall nach Art. 15 USG
(Immissionsgrenzwerte) unter Berücksichtigung der Art. 19 USG (Alarmwerte) und Art. 23
USG (Planungswerte) beurteilt werden (Art. 40 Abs. 3 LSV).9
d) Nach Art. 11 Abs. 2 USG und Art. 7 Abs. 1 Bst. a LSV sind die von einer neuen
Anlage erzeugten Emissionen zunächst im Rahmen der Vorsorge so weit zu begrenzen,
als dies technisch und betrieblich möglich sowie wirtschaftlich tragbar ist. Aus dem
Vorsorgeprinzip lässt sich indessen nicht ableiten, von Emissionen Betroffene hätten
überhaupt keine Belastungen hinzunehmen. Das Vorsorgeprinzip hat hinsichtlich der
Immissionen „nicht zwingend eliminierenden Charakter, doch es leistet jedenfalls einen
Beitrag zu deren Begrenzung“.10
Zudem dürfen neue ortsfeste Anlagen nur errichtet werden, wenn die durch diese Anlagen
allein erzeugten Lärmimmissionen die Planungswerte in der Umgebung nicht überschreiten
(Art. 25 Abs. 1 USG, Art. 7 Abs. 1 Bst. b LSV). Nach der Rechtsprechung muss bei neuen
ortsfesten Anlagen im Hinblick auf die Einhaltung der Planungswerte ein Immissionsniveau
eingehalten werden, bei dem höchstens geringfügige Störungen auftreten. Dabei ist eine
objektivierte Betrachtung unter Berücksichtigung von Personengruppen mit erhöhter
Empfindlichkeit vorzunehmen (vgl. Art. 13 Abs. 2 USG).11 Für die Beurteilung der Störung
sind verschiedene Faktoren bei der Quelle und beim Empfänger zu berücksichtigen. So
kommt es auf den Charakter des Lärms, den Zeitpunkt und die Häufigkeit der
Lärmereignisse an sowie auf die Lärmempfindlichkeit des betroffenen Gebietes (ES) und
8 BGE 133 II 292 E. 3.3; BGE 123 II 325 E. 4.d.bb; Urs Walker, Umweltrechtliche Beurteilung von Alltags- und Freizeitlärm, in URP 2009, S. 64, 80 f. 9 BGE 133 II 292 E. 3.3; Urs Walker, a.a.O., S. 65, 81 10 BGE 124 II 517 E. 4.a 11 BGE 123 II 325 E. 4.d.bb; Urs Walker, a.a.O., S. 65, 78 ff.
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die Lärmvorbelastung der betroffenen Nutzungszone (d.h. den normalen
Hintergrundpegel).12
e) Das Bundesgericht hat in einem Fall betreffend einer Kindertagesstätte festgehalten,
der Lärm von spielenden Kindern sei sozialadäquat und werde in der Wohnzone
grundsätzlich nicht als störend beurteilt, da solche Geräusche vom Charakter her der
üblichen Geräuschkulisse entsprächen. Wohnzonen seien auch keine abgeschlossenen,
dem ausschliesslichen Gebrauch der Anwohner vorbehaltenen Gebilde, sondern für
jedermann frei zugänglich, weshalb auch der Lärm von quartierfremden Kindern
hinzunehmen sei.13
3. Lärmimmissionen: Fachbericht
a) Wenn Grund zur Annahme besteht, dass die Belastungsgrenzwerte überschritten
sind oder ihre Überschreitung zu erwarten ist, so ist die Behörde zur Durchführung eines
Beweis- und Ermittlungsverfahrens nach den Art. 36 ff. LSV und den Anhängen 2-7 LSV
verpflichtet, ohne dass ihr insoweit noch ein Ermessensspielraum zustünde. Für neue
Anlagen ist dabei einzig massgebend, ob die zu erwartenden Lärmimmissionen des
Vorhabens die Planungswerte überschreiten können. Dabei dürfen keine hohen
Anforderungen an die Wahrscheinlichkeit einer Überschreitung gestellt werden. Eine
Lärmprognose ist schon dann erforderlich, wenn eine Überschreitung der Planungswerte
möglich erscheint, d.h. beim aktuellen Kenntnisstand nicht ausgeschlossen werden kann.14
Das Rechtsamt holte daher einen Fachbericht der Fachstelle Lärmakustik/Lasertechnik der
Kantonspolizei (nachfolgend: Fachstelle) ein. Dazu stellte das Rechtsamt der Fachstelle
unter anderem die amtlichen Akten inklusive der Beschwerde des Beschwerdeführers zu.
Im Fachbericht vom 18. September 2017 wurden die von dem Spiel- und Begegnungsplatz
ausgehenden Lärmimmissionen untersucht. Dabei wurde neben dem eigentlichen
Betriebslärm, der durch die ordnungsgemässe Nutzung der Anlage entsteht, auch der
sogenannte Sekundärlärm berücksichtigt, der von den Besuchern der Anlage bei der
12 Beurteilung Alltagslärm, Vollzugshilfe im Umgang mit Alltagslärm, Herausgegeben vom Bundesamt für Umwelt BAFU, Bern 2014, S. 17 13 BGer 1C_148/2010 vom 6.9.2010 E. 2.2.3 f. 14 BGE 137 II 30 E. 3.4.
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Ankunft und beim Verlassen der Anlage verursacht wird. Zudem finden sich im Fachbericht
Vorschläge für Massnahmen und Auflagen zur Lärmminderung.
b) Zu den Lärmquellen technischer Natur hielt die Fachstelle fest, bei einer
ordnungsgemässen und dem Stand der Technik entsprechenden Installation der
Spielgeräte seien von den vorgesehenen Geräten keine übermässigen Immissionen zu
erwarten. Einzig die geplante Drehtellerpumpe, der Sandaufzug sowie die geplante
Klanginstallation würden Störungspotential bergen. Von der Pumpe sowie vom Sandaufzug
seien jedoch keine Immissionen zu erwarten, die in der gesamthaften Betrachtung zu mehr
als höchstens geringfügigen Störungen führen würden. Zur Klanginstallation könne die
Fachstelle dagegen keine Prognose machen, weil die Bauherrschaft die Ausführung der
Klanginstallation noch nicht näher bestimmt habe.15
c) Die Fachstelle führt weiter aus, die Geräuschkulisse eines Spielplatzes sei ihr von
anderen Untersuchungen hinreichend bekannt. Gemäss Baueingabe diene der Spielplatz
hauptsächlich dem Spielen (Klettern, Bewegen, etc.), ziele in erster Linie auf eher jüngere
Kinder ab und sei in konzeptioneller Hinsicht nicht mit einem konventionellen Ballspielplatz
zu vergleichen. Die Geräusche bestimmter Freizeitspiele sowie das Lachen, Schreien, etc.
seien bei den Anwohnern deutlich feststellbar. Spielplätze stünden jedoch der Öffentlichkeit
zur Verfügung und sollen Kinder und Jugendlichen ermöglichen, im Freien zu spielen. Der
damit verbundene Lärm gelte als sozialadäquat und werde von der Bevölkerung nicht zum
Vornherein als störend empfunden.16
Insgesamt gelangt die Fachstelle zum Ergebnis, unter den folgenden minimalen
Massnahmen/Auflagen seien die vom Spielplatz ausgehenden Lärmimmissionen mit
Ausnahme der Klanginstallation als höchstens geringfügig störend zu beurteilen:17
- Im Freien ist keine Musik gestattet.
- Der Spiel- und Begegnungsplatz steht ausschliesslich dem ordentlichen Anlagenzweck
zur Verfügung und darf in der Nachtzeit (22:00 - 07:00 Uhr) nicht mehr benutzt werden.
- Die Nutzer und Nutzerinnen des Spiel- und Begegnungsplatzes sind auf geeignete Art
und Weise auf das Ruhebedürfnis der Anwohnerschaft aufmerksam zu machen.
- Exzessive lärmige Situationen sind nicht gestattet.
15 Ziff. 6.1.4 und 7. a) des Fachberichts vom 18. September 2017 16 Ziff. 5.2.3 und 6.1.3 des Fachberichts vom 18. September 2017 17 Ziff. 6.1.5 und 7. c) des Fachberichts vom 18. September 2017
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d) Zum Sekundärlärm führte die Fachstelle aus, bei einer ordnungsgemässen Nutzung
der Anlage seien die Lärmimmissionen der Zu- und Weggänge von Personen
erfahrungsgemäss als geringfügig einzustufen. Es sei mit höchstens geringfügigen
Störungen in der Nachbarschaft zu rechnen.18
4. Lärmimmissionen: Beurteilung und Auflagen
a) Die Fachstelle kommt zum begründeten und nachvollziehbaren Ergebnis, das
Bauvorhaben führe unter Einhaltung gewisser Auflagen zu nicht mehr als geringfügigen
Lärmimmissionen in der Nachbarschaft. Einen Vorbehalt brachte die Fachstelle einzig
hinsichtlich der Klanginstallation an. Die Bauherrschaft teilte mit Eingabe vom
1. November 2017 aber mit, auf das Spielelement "Klanginstallation" zu verzichten und
dieses nicht zu realisieren. Die BVE sieht angesichts des Fachberichts und des Verzichts
auf die Klanginstallation keine Veranlassung zur Annahme, die Planungswerte würden
überschritten. Auch die Beschwerdeführerin macht in ihren Schlussbemerkungen nicht
mehr geltend, die Planungswerte würden nicht eingehalten. Das Bauvorhaben ist damit
bewilligungsfähig. Fraglich und in den Schlussbemerkungen der Parteien insbesondere
umstritten ist jedoch, ob die Baubewilligung mit oder ohne die von der Fachstelle
vorgeschlagenen Auflagen bzw. Massnahmen zu erteilen ist. Die Beschwerdeführerin
macht geltend, eine allfällige Bewilligung könne nur unter den von der Fachstelle
verlangten Auflagen erfolgen. Demgegenüber erachtet die Beschwerdegegnerin die von
der Fachstelle vorgeschlagenen Auflagen als nicht angezeigt. Die Beschwerdegegnerin
bringt vor, es dürfe nicht automatisch von einer ausserordentlichen und zweckfremden
Nutzung des Spiel- und Begegnungsplatzes ausgegangen werden. Zudem habe der
Fachbericht zu wenig gewürdigt, dass sich das Bauvorhaben in einer ES III befinde.
Vorsorgliche Auflagen würden sich damit nicht rechtfertigen.
b) Gemäss Art. 38 Abs. 3 BauG können mit der Bewilligung Bedingungen und Auflagen
verbunden werden. Solche Nebenbestimmungen kommen bei Bauvorhaben in Betracht,
die je nach Art ihrer Nutzung oder Betriebsführung sowohl gesetzeskonform als auch
gesetzeswidrig sein können. Bedingungen und Auflagen sind in solchen Fällen die Mittel,
um die gesetzeswidrigen Auswirkungen zu verhindern und stellen damit gegenüber einem
18 Ziff. 6.2 und 7. b) des Fachberichts vom 18. September 2017
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Bauabschlag das mildere Mittel dar. Da sie in der Regel aber zur Einschränkung der Bau-
freiheit und damit der Eigentumsgarantie führen, sind bei ihrer Formulierung die
entsprechenden verfassungsmässigen Voraussetzungen gemäss Art. 36 BV19 zu erfüllen.
Sie müssen deshalb in einem engen Zusammenhang zum Bauvorhaben stehen, durch ein
öffentliches Interesse gerechtfertigt, gesetzmässig, verhältnismässig und durchsetzbar
sein. Auflagen müssen zudem im Einklang mit dem Gebot rechtsgleicher Behandlung
stehen und das Willkürverbot respektieren.20 Unter dem Gesichtspunkt des
Vorsorgeprinzips können Auflagen auch präventiv zur Vermeidung übermässiger
Immissionen und zur Erhaltung des rechtmässigen Zustands angeordnet werden.
c) Obwohl bei einem ordnungsgemässen Betrieb des Spiel- und Begegnungsplatzes die
immissionsrechtlichen Lärmgrenzwerte eingehalten werden, kommt die Fachstelle zum
Schluss, lärmmindernde Massnamen wie z.B. ein Musikverbot im Freien oder definierte
Nutzungszeiten seien erfahrungsgemäss unabdingbar.21 So führt sie zum geforderten
Musikverbot aus, Musiklärm könne in Abhängigkeit der Intensität und der
Nutzungshäufigkeit zu berechtigten Lärmklagen führen.22 Als übermässig müsse die
Lärmsituation aber auch dann bezeichnet werden, wenn z.B. ohne Spielhintergrund
herumgeschrien werde.23 Die von der Fachstelle geforderten Auflagen sollen die
ordnungsgemässe Nutzung des Spiel- und Begegnungsplatzes sicherstellen und
übermässigen Lärmimmissionen entgegenwirken. Solchen Anordnungen ist gewöhnlich
nichts entgegen zu halten. Unter dem Gesichtspunkt des Vorsorgeprinzips und der
Erfahrung der Fachstelle erscheint deren Anordnung im Gegenteil grundsätzlich als
geboten. Dies gilt für den vorliegenden Spiel- und Begegnungsplatz umso mehr, als sich
dieser an zentraler Stelle im Dorfkern von Utzenstorf befindet. Bei einem solch zentralen
Standort und den zahlreichen Sitzgelegenheiten auf dem Spiel- und Begegnungsplatz
bestehen nicht von der Hand zu weisende Bedenken, dass sich der Spiel- und
Begegnungsplatz sowohl am Tag aber auch nachts zum Treffpunkt für nicht spielende –
und allenfalls Musik hörende – Jugendliche entwickeln könnte, was auch in einer ES III
störend sein kann. Das von der Fachstelle geforderte Nutzungsverbot in der Nachtzeit von
22:00 Uhr bis 07:00 Uhr berücksichtigt zudem, dass in der Nachtruhezeit das
19 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) 20 BVR 2006 S. 153 E. 3.2 21 Ziff. 6.1.3 des Fachberichts vom 18. September 2017 22 Ziff. 6.1.2 des Fachberichts vom 18. September 2017 23 Ziff. 6.1.3 des Fachberichts vom 18. September 2017
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Ruhebedürfnis der Anwohner Vorrang hat. In der Nacht können bereits geringe
Lärmimmissionen zu Weckreaktionen führen und sind daher auch in der ES III mehr als
geringfügig störend. Die von der Fachstelle geforderten Auflagen, den Spiel- und
Begegnungsplatz ausschliesslich dem ordentlichen Anlagenzweck zur Verfügung zu stellen
und während Nachtzeit (22:00 - 07:00 Uhr) nicht zu benützen, sind daher sinnvoll. Auch die
für den Immissionsschutz geeigneten Massnahmen müssen allerdings verhältnismässig
sein. Dies ist beim von der Fachstelle ebenfalls vorgeschlagenen, kompletten Musikverbot
nicht der Fall. So kann ein gelegentliches Abspielen von angepasster Musik am Tag
durchaus im Rahmen des ordentlichen Spielzwecks des Bauvorhabens liegen. Angesichts
des Standorts des Bauvorhabens und des Grundstücks der Beschwerdeführerin in der
ES III ist zumindest zum aktuellen Zeitpunkt bloss das Abspielen von lauter Musik zu
untersagen. Ansonsten hat die Fachstelle dem Standort in der ES III aber ausreichend
Rechnung getragen.24 Die genannten Auflagen sind für die Beschwerdegegnerin auch
zumutbar, da sie den geplanten, ordnungsgemässen Betrieb nicht einschränken. Vertreter
der Beschwerdegegnerin haben denn auch gegenüber der Fachstelle erklärt, zur Nachtzeit
ab 22:00 Uhr solle der Spielplatz nicht mehr benutzt werden dürfen.25
Die Fachstelle schlägt schliesslich vor, "exzessive lärmige Situationen" nicht zu gestatten.
Mit den vorstehenden Anordnungen wird der Vorbeugung unzulässiger Lärmsituationen
bereits ausreichend Rechnung getragen. Zudem wäre die Auflage in dieser
Unbestimmtheit ohnehin nicht selbständig durchsetzbar. Eine separate Anordnung dieser
Auflage rechtfertigt sich daher nicht.
Werden Auflagen angeordnet, ist die Information der Bevölkerung Voraussetzung dafür,
dass ein ordnungsgemässer Betrieb möglich ist – sei es, weil die Leute so Kenntnis von
den Benutzungsregeln erlangen und sich entsprechend verhalten können, sei es, weil
ordnungswidrige Nutzer auf Fehlverhalten hingewiesen werden können. Die Gemeinde
wird deshalb entsprechend ihrem Eventualantrag in den Schlussbemerkungen vom
24. November 1017 verpflichtet, auf geeignete Art und Weise Benutzungsregeln zu
erlassen, welche mindestens die vorliegend angeordneten Auflagen enthalten.
5. Sicherheit
24 Vgl. auch Ziff. 6 des Fachberichts vom 18. September 2017 25 Ziff. 6.1.2 des Fachberichts 18. September 2017
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a) Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Kinder könnten vom Spiel- und
Begegnungsplatz leicht auf die umgebenden Strassen und auf den Parkplatz gelangen.
Dies werde auch via Grundstück der Beschwerdeführerin möglich sein, da die geplante
Hecke spielende Kinder nicht aufzuhalten vermöge. Vor diesen Gefahren seien die Kinder
mittels einem mindestens 1 m hohem Zaun rund um den Spiel- und Begegnungsplatz zu
schützen. Der Zaun sei zudem auch zur Vermeidung übermässiger Immissionen auf dem
Grundstück der Beschwerdeführerin notwendig, da ohne Zaun damit gerechnet werden
müsste, dass Kinder und Jugendliche das Grundstück der Beschwerdeführerin betreten.
Dem hält die Beschwerdegegnerin entgegen, die Beschwerdeführerin dürfe nur insoweit
einen Zaun verlangen, als es den Bereich der Liegenschaft der Beschwerdeführerin
betreffe. Was den übrigen Bereich des Spielplatzes anbelange, sei auf die Rüge der
Beschwerdeführerin nicht einzutreten, weil eine Gutheissung des Antrags auf ihre
Rechtsposition keinerlei praktischen oder rechtlichen Einfluss habe. Zudem sei die
Einfriedung gegenüber dem Grundstück der Beschwerdeführerin mehr als genügend. So
werde das Gelände grundsätzlich durch einen neu aufgeschütteten, mit Sträuchern
bepflanzten Wall gegenüber dem Grundstück der Beschwerdeführerin abgegrenzt. Zudem
bestehe bereits in weiten Teilen eine Abgrenzung in Form eines Zauns auf dem
Grundstück der Beschwerdeführerin. Zu den Parkplätzen führt die Beschwerdegegnerin
aus, diese befänden sich am südlichen Rand des Platzes, während die zum Spielen und
Bewegen vorgesehenen Bereiche auf dem nördlichen Teil des Spiel- und
Begegnungsplatzes angeordnet seien. Zudem seien die Parkplätze für das Personal der
Gemeindeverwaltung reserviert, welches auf das Thema sensibilisiert sei.
b) Die Parzelle der Beschwerdeführerin grenzt unmittelbar an die nördlichen
Bauparzellen an. Es ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin zumindest im direkt
angrenzenden Bereich legitimiert ist, einen Zaun zu verlangen. Ob sie auch legitimiert ist,
für die übrigen Bereiche aus Sicherheitsgründen einen Zaun zu verlangen, kann offen
bleiben. Im Rahmen der Rechtsanwendung von Amtes wegen kann die BVE
Sicherheitsfragen auch von Amtes wegen zu prüfen (Art. 20a Abs. 1 VRPG26 und Art. 40
Abs. 3 BauG).
26 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
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c) Gemäss Art. 21 Abs. 1 BauG sind Bauten und Anlagen so zu erstellen, zu betreiben
und zu unterhalten, dass weder Personen noch Sachen gefährdet werden. Bei der
Erstellung von Bauten und Anlagen sind die anerkannten Regeln der Baukunde
einzuhalten. Personen und Sachen dürfen weder durch den Bauvorgang noch durch den
Bestand oder Betrieb von Bauten und Anlagen gefährdet werden (Art. 57 Abs. 1 BauV27).
Im Einzelnen gelten die Bestimmungen der BauV, die Vorschriften der
Spezialgesetzgebung sowie die Vorschriften und Richtlinien der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (SUVA). Die Normen und Empfehlungen der Fachverbände
sind ergänzend zu beachten (Art. 57 Abs. 2 BauV). Den Richtlinien der SUVA
gleichzusetzen sind die Empfehlungen der schweizerischen Beratungsstelle für
Unfallverhütung (bfu), welche eine gemeinsame Institution der Unfallversicherer nach Art.
88 UVG28 ist. Für Spielräume verfasste die bfu die Fachdokumentation Nr. 2.02529. Ziff. 11
(S. 26 f.) dieser Fachdokumentation lässt sich Folgendes entnehmen:
"11. Zugänge und Einfriedungen Kinder sind durch ihren Spieltrieb oft derart abgelenkt, dass sie alles andere um sich herum vergessen. Sie
realisieren z. B. nicht, dass sie das Spielplatzareal verlassen, und rennen auf die Strasse. Oder sie sind vom
Element Wasser so fasziniert, dass sie alle Vorsicht vergessen und hineinfallen. Zum Spielen ausgewiesene
Flächen sind deshalb gegenüber Strassen, Parkplätzen, Bahnlinien, tieferen Gewässern, Abgründen oder
ähnlichen Gefahrenstellen mit einer wirksamen Einfriedung zu sichern.
Empfehlungen:
 Aus Sicherheitsgründen sollten Spielbereiche den Anforderungen entsprechend mit einer Einfriedung
gesichert werden.
 Die Umfriedungen können unterschiedlich gestaltet sein. Verschiedenste Materialien, die nicht zum
Beklettern verleiten, sind denkbar. Spitze Zäune und Stacheldraht sind im Spielbereich von Kindern
verboten.
 Eine Zaunhöhe von 100–120 cm kann als sinnvoll erachtet werden.
 [...]
 Zugänge und Einfriedungen sollten nicht als ergänzende Spieleinrichtung gestaltet werden.
 [...]"
Das Gesetz sieht für Aufenthaltsbereiche und Kinderspielplätze zudem spezielle
Regelungen vor. So sollen an Aufenthaltsbereiche und Kinderspielplätze möglichst
27 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1) 28 Bundesgesetz vom 20. März 1981 über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) 29 Einsehbar unter: <https://www.bfu.ch/sites/assets/Shop/bfu_2.025.01_bfu-Fachdokumentation%202.025%20 –%20Spielräume.pdf>
RA Nr. 110/2017/85 13
sonnige, dem Verkehr abgewandte Arealstellen angelegt werden. Kinderspielplätze
müssen für Kleinkinder gut und gefahrlos erreichbar sein (Art. 44 Abs. 3 Satz 1 BauV). Sie
sind ihrem Zweck entsprechend einzurichten. Die Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion
(JGK) gibt darüber Empfehlungen heraus (Art. 44 Abs. 4 BauV). Diese finden sich in der
AHOP Nr. 92.230 und bezwecken, die Anforderungen an zweckdienliche Spielplätze und
Aufenthaltsbereiche aus fachlicher Sicht zu konkretisieren. Sie haben hinweisenden
Charakter und sollen der Bauherrschaft, den Behörden sowie den planenden und
ausführenden Fachleuten aufzeigen, wie die Absichten der gesetzlichen Bestimmungen
sinnvoll in die Wirklichkeit umgesetzt werden können.31 Die AHOP des Amts für
Gemeinden und Raumordnung (AGR) bestimmt in Ziff. 3.7 bestimmt Folgendes:
"3.7 Sicherheit Kinder scheuen die Gefahren nicht. Spielabläufe mit einem gewissen Schwierigkeitsgrad fordern erst ihre
Fähigkeiten heraus. Ein Spielplatz ohne Gefahrenmomente, ohne die Möglichkeit kleinerer und grösserer
Abenteuer, ist langweilig und entspricht nicht den Bedürfnissen der Kinder. Allerdings müssen die Gefahren für
das Kind erkennbar und überschaubar sein, kalkulierbare Risiken müssen enthalten sein.
Zaun Kinderspielplätze und Aufenthaltsbereiche sind von stark befahrenen Strassen, Bahngeleisen, tiefen
Wasserabläufen usw. mit einer festen Einfriedung von 1 m Höher zu versehen. Ausgänge auf stark befahrene
Strassen sollten mit geeigneten Abschrankungen versehen werden. Ansonsten ist auf Zäune und
undurchdringliche Hecken zu verzichten, sofern sie nicht orts- und quartiertypische Elemente darstellen."
d) Der geplante Spiel- und Begegnungsplatz grenzt nördlich an das Grundstück der
Beschwerdeführerin, auf welchem sich ein Wohnhaus mit Garten befindet. Südlich wird der
Platz durch den bestehenden Kindergarten sowie durch neu geplante Parkplätze begrenzt.
Östlich grenzt der Spiel- und Begegnungsplatz an unbebaute Grünfläche an, an dessen
Ende das Gemeindeverwaltungsgebäude steht. Westlich des Spielplatzes verläuft eine
Seitenstrasse der H._strasse. Östlich wird der Spiel- und Begegnungsplatz durch
bestehende Sträucher abgeschlossen. An den nördlichen und westlichen Grenzen des
Platzes sollen gemäss Gestaltungskonzept Aufschüttungen vorgenommen und die Hügel
mit dicht aufeinanderfolgenden Waldsträuchern bepflanzt werden. Südlich ist zum
Kindergarten und zu den geplanten sowie bestehenden Parkplätzen hin keine Abgrenzung
vorgesehen.
30 Arbeitshilfe für die Ortsplanung (AHOP) Nr. 92.2 Empfehlungen für die Projektierung und Gestaltung von benutzerfreundlichen Aussenräumen von Wohnüberbauungen, (nachfolgend AHOP Nr. 92.2), einsehbar unter <http://www.jgk.be.ch/jgk/de/index/direktion/organisation/agr.html>, Rubrik «Publikationen/Bauen» 31 AHOP Nr. 92.2, S. 5
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e) Sowohl die AHOP des AGR als auch die Fachdokumentation der bfu verlangen eine
Abgrenzung des Spielplatzes nur gegenüber Gefahrenquellen. Eine solche besteht auf der
östlichen Seite des Platzes nicht. Hier schliesst der Platz an eine weitläufige Grünfläche
an, an deren Ende das Gemeindegebäude steht. Auch nordseitig grenzt der Spielplatz
nicht unmittelbar an eine Gefahrenquelle, sondern an das Grundstück der
Beschwerdeführerin an, auf welchem sich ein Wohnhaus mit Garten befindet. Hier dürften
sich die Sicherheitsbedenken der Beschwerdeführerin als unbegründet erweisen. Anders
verhält es sich auf der westlichen Seite mit der H._strasse und auf der südlichen
Seite mit den bestehenden und neuen Parkplätzen. Ziel einer Einfriedung ist es, dass
spielende Kinder das Gelände nicht unbeaufsichtigt verlassen können. Westlich in
Richtung H._strasse ist dies nicht überall der Fall. Aus dem Gestaltungskonzept
geht hervor, dass sich die dort geplante Aufschüttung mit der Bepflanzung nicht über die
gesamte Westseite des Platzes erstreckt, sondern rund 14 m vor dem bestehenden
Kindergarten endet. Soweit ersichtlich, befindet sich in der Mitte dieses Freiraums einzig
eine bestehende Fichte. Gemäss den Plänen könnten die Kinder in diesem Bereich damit
weitestgehend ungehindert auf die Strasse gelangen. Dies ist umso problematischer, als
sich an dieser Stelle die einzig grössere Grünfläche des Spiel- und Begegnungsplatzes
befindet, welche zu Bewegungsspielen wie z.B. Fangen einlädt. Zudem ist nicht
auszuschliessen, dass Kinder je nach konkreter Ausgestaltung der Bepflanzung durch die
Hecken hindurchkriechen und diese als weiteres Spielelement benützen. Autofahrern auf
der H._strasse wäre es damit erschwert, die Kinder zu sehen. Die
Fachdokumentation der bfu sieht zudem vor, dass zum Spielen ausgewiesene Flächen
nicht nur gegenüber Strassen, sondern u.a. auch gegenüber Parkplätzen abzugrenzen
sind. Zwar führt der Zugang zu den bestehenden und den neuen Parkplätzen
notwendigerweise über den Bereich "Begegnen", in welchem sich keine Spielgeräte,
sondern hochstämmige Bäume mit Tischen und Sitzbänken befinden. Dennoch eignet sich
auch dieser Teil des Spielplatzes grundsätzlich ebenfalls als Spielfläche für
umherrennende Kinder, womit die Notwendigkeit einer Umfriedung nicht von Vornherein
ausgeschlossen werden kann. Kinder verhalten sich im Spieltrieb oft unberechenbar, was
es auch für aufmerksame Autofahrerinnen und Autofahrer schwierig machen kann, eine
Gefährdungssituation zu vermeiden. Immerhin werden sich im Bereich "Begegnen" und
damit in der Nähe der Parkplätze wohl insbesondere auch die Eltern der spielenden Kinder
aufhalten, womit diese die Parkplatzeingänge besser überwachen können. Die Eltern
müssen aber zwei Parkplatzeingänge im Blickfeld haben, jene zu den geplanten privaten
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Parkplätzen und jene zu den bestehenden öffentlichen Parkplätzen. Auch deshalb erweist
sich eine Umfriedung nicht von Vornherein als unzweckmässig.
f) Zumindest westlich und südlich des Spiel- und Begegnungsplatzes bestehen damit
ungeklärte Sicherheitsfragen. Dies führt aber nicht notwendigerweise dazu, dass dort ein
Zaun oder eine andere Einfriedung zu errichten ist. Die AHOP nennt als Alternative zu
einem Zaun eine undurchdringbare Hecke und die Fachdokumentation der bfu sieht für
Umfriedungen "verschiedenste Materialien" vor. Auch ein temporärer Zaun wäre denkbar,
sollte die vorgesehene Bepflanzung nicht von Anfang an undurchdringbar sein. Schliesslich
könnte auch die Weiterführung der Aufschüttung mit Hecke eine Möglichkeit sein. Um zu
beurteilen, ob die vorgesehenen Einfriedungen bzw. Aufschüttungen ausreichend sind für
die Gewährleistung der Sicherheit oder ob zusätzliche Massnahmen notwendig sind, hat
die Gemeinde vor Baubeginn eine Inspektion mit der bfu vorzunehmen. Dabei werden nicht
nur die besonders problematischen westlichen und südlichen Seiten, sondern auch die
nördlichen und östlichen Grenzen gemeinsam zu prüfen sein. Selbst wenn sich bei dieser
Prüfung zusätzliche Einfriedungen als notwendig erweisen sollten, handelt es sich dabei
jedoch um einen bewilligungsfreien Aspekt der Detailgestaltung: Sowohl die AHOP als
auch die Fachdokumentation der bfu sehen keine Einfriedung von über 1.20 m vor und
auch die Beschwerdeführerin selbst verlangt einen Zaun von mindestens 1 m, womit dieser
ebenfalls bewilligungsfrei ausgestaltet werden könnte (vgl. Art. 6 Abs 1 Bst. i BewD32). Im
Sinne der Prozessökonomie rechtfertigt sich daher, die abklärungsbedürftige Einfriedung
nicht im Beschwerdeverfahren abschliessend zu beurteilen, da mit einer allfälligen
Einfriedung weder Fragen der Baubewilligungspflicht noch der Baubewilligungsfähigkeit
tangiert wären. Der Sicherheit kann mittels Auflage zum Beizug der bfu genügend
Rechnung getragen werden.
g) Die Beschwerdeführerin macht weiter geltend, ohne Zaun sei damit zu rechnen, dass
Kinder und Jugendliche ihr Grundstück betreten, um z.B. Bälle zurückzuholen. Angesichts
der ohnehin vorgesehenen Aufschüttung mit Bepflanzung und dem geplanten
Gestaltungskonzept, welches mit den zahlreichen Geräten im nördlichen Teil keinen Platz
für eigentliche Ballspiele lässt, ist nicht davon auszugehen, dass Bälle auf das Grundstück
der Beschwerdeführerin landen. Ein allfälliger Ball könnte höchstens über die Hecken
fliegen, hiervor würde aber auch ein Zaun nicht schützen. Auch aus immissionsrechtlicher
32 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1)
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Sicht rechtfertigt sich nordseitig kein Zaun. Wie die Vorinstanz zu Recht ausführte, ist es
der Beschwerdeführerin unter Einhaltung der massgebenden Vorschriften jedoch
unbenommen, auf ihrem Grundstück auf eigene Kosten einen durchgehenden Zaun zu
errichten.
6. Kosten
a) Zusammenfassend wird die Baubewilligung für die den Spiel- und Begegnungsplatz
bestätigt. Der angefochtene Entscheid wird aber mit Auflagen zum Lärmschutz und zur
Sicherheit ergänzt. In Bezug auf die Klanginstallation werden das Baugesuch und das
Beschwerdeverfahren aufgrund des Verzichts der Beschwerdegegnerin als
gegenstandslos geworden abgeschrieben.
b) Die Grundsätze der Kostenverlegung sind in Art. 108 VRPG geregelt. Demnach
werden die Verfahrenskosten der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Die
Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr. Für
besondere Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren
erhoben werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Die Pauschalgebühr wird auf Fr. 1'200.–
festgesetzt (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 GebV33).
c) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt die Beschwerdeführerin teilweise: Die
Baubewilligung wird bestätigt und die anzuordnenden Auflagen entsprechen nur teilweise
dem von ihr Verlangten (Sicherheit und Musik). Auch die Beschwerdegegnerin unterliegt
zum Teil, da sie in ihrem Hauptbegehren die Bestätigung der Baubewilligung ohne
Auflagen verlangte und sich hinsichtlich der Klanginstallation unterzog. Damit erweist sich
eine Kostenverteilung von je 50 % als gerechtfertigt. An dieser Verteilung ändert im
Übrigen auch die umstrittene Legitimation der Beschwerdeführerin zur Frage der Sicherheit
nichts. Die Beschwerdeführerin war unbestritten legitimiert, auf der nördlichen Grenze
einen Zaun zu verlangen und die Rüge der mangelnden Sicherheit zumindest in diesem
Bereich vorzubringen. Der massgebliche Kostenaufwand ist damit entstanden. Eine
33 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
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weitergehende Kostenausscheidung, namentlich eine Abstufung nach den geprüften
Seiten des Spiel- und Begegnungsplatzes, ist damit nicht sachgerecht.
d) Die Beschwerdegegnerin bringt vor, es sei unbillig, ihr Verfahrenskosten
aufzuerlegen. Zunächst habe die Beschwerdeführerin die Verletzung der massgebenden
Lärmvorschriften in ihrer Einsprache noch nicht vorgebracht, obwohl ihr dies ohne weiteres
möglich gewesen wäre. Ansonsten seien die Verfahrenskosten auf die Staatskasse zu
nehmen, weil die Vorinstanz zu Unrecht auf das Einholen einer Lärmprognose verzichtet
habe.
Gemäss der seit 1. April 2017 geltenden Fassung von Art. 40 Abs. 2 BauG können im
Beschwerdeverfahren auch neue Rügen vorgebracht werden. Ein Abweichen vom
Unterliegerprinzip für gesetzlich zulässige Rügen rechtfertigt sich nicht. Im Übrigen
verlangte die Beschwerdeführerin im vorinstanzlichen Verfahren in ihrer Einsprache vom 5.
April 2017 die Einhaltung der Ruhezeiten über den Mittag und abends. Die damals noch
nicht anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin brachte die Lärmthematik damit immerhin
sinngemäss vor. Gemäss Praxis der BVE werden der Vorinstanz zudem keine Kosten
auferlegt, wenn die BVE zusätzliche Beweismassnahmen vornimmt. Die
Beschwerdegegnerin hat damit den auf sie entfallenden Verfahrenskostenanteil von 50 %
zu tragen.
e) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Parteikosten umfassen den durch die
berufsmässige Parteivertretung anfallenden Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Nach Art. 11
Abs. 1 PKV34 beträgt das Honorar in verwaltungsrechtlichen Beschwerdeverfahren
Fr. 400.– bis Fr. 11'800.– pro Instanz. Innerhalb des Rahmentarifs bemisst sich der
Parteikostenersatz nach dem in der Sache gebotenen Zeitaufwand sowie der Bedeutung
der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 41 Abs. 3 KAG35). Der Anwalt
der Beschwerdegegnerin macht ein Honorar von Fr. 5'950.– und Mehrwertsteuern von
Fr. 476.– geltend. Auslagen, welche wie die Mehrwertsteuer zusätzlich zum Honorar
34 Verordnung vom 17. Mai 2006 über die Bemessung des Parteikostenersatzes (Parteikostenverordnung; PKV; BSG 168.811) 35 Kantonales Anwaltsgesetz vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11)
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entschädigt werden, macht der Anwalt der Beschwerdeführerin nicht geltend (vgl. Art. 42
Abs. 1 KAG). Im vorliegenden Fall sind allerdings der gebotene Zeitaufwand, die
Schwierigkeit des Prozesses sowie die Bedeutung der Sache als jeweils nur knapp
durchschnittlich einzustufen. Daher erscheint eine Ausschöpfung des Gebührenrahmens
zu 40% und somit ein Honorar von Fr. 4'960.– zuzüglich Mehrwertsteuern von Fr. 396.80
als angemessen. Die Kostennote des Anwalts der Beschwerdeführerin beträgt Fr. 5'365.40
(Honorar: Fr. 4'800.–, Auslagen und Spesen: Fr. 168.–, Mehrwertsteuer: Fr. 379.40) und
gibt zu keinen Bemerkungen Anlass. Analog zu den Verfahrenskosten hat die
Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin 50 % ihrer Parteikosten, ausmachend
Fr. 2'682.70 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer), zu ersetzen. Die Beschwerdeführerin hat
der Beschwerdegegnerin ebenfalls 50 % ihrer Parteikosten, ausmachend gerundet
Fr. 2'678.40 (inkl. Mehrwertsteuer), zu ersetzen.