# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 8eec0fc2-bc7a-5a5c-bf19-1d06136ef24e
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Das Regierungsstatthalteramt Interlaken erteilte der Beschwerdeführerin am 27.
November 2009 die Baubewilligung für den Neubau einer Reitsportanlage. Die Parzelle
Matten Gbbl. Nr. A._ liegt in der Zone für Sport und Freizeitanlagen. Mittels
Auflage ordnete der Regierungsstatthalter an, dass die Erschliessungsmassnahmen und
Kostenverpflichtungen vor Baubeginn in einem öffentlich-rechtlichen Erschliessungsvertrag
geregelt werden müssten (Ziff. 3.2.2). Am 22. März 2010 schloss die Gemeinde mit der
Beschwerdeführerin einen Erschliessungsvertrag nach Art. 109 ff. BauG1 ab, in dem sich
die Beschwerdeführerin verpflichtete, die Planung, Erstellung und Finanzierung
1 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0)
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(Vorleistung) der erforderlichen Ausbaumassnahmen zu 100% zu übernehmen.2 Die
Reitsportanlage wurde im Jahr 2010 erstellt und in Betrieb genommen. In der Folge
mahnte die Gemeinde die Beschwerdeführerin, die Erschliessungsanlagen fertig zu
erstellen.3
2. Am 17. Dezember 2014 reichte die Beschwerdeführerin ein Baugesuch für den
Neubau eines Nebengebäudes mit sechs Pferdeboxen und Futterraum ein, das ebenfalls
auf der Parzelle Nr. A._ erstellt werden soll. Die Gemeinde teilte der
Beschwerdeführerin am 14. April 2015 mit, das Bauvorhaben sei ungenügend erschlossen,
weil die Leistungen aus dem Erschliessungsvertrag vom 22. März 2010 noch nicht erbracht
seien. Die Gemeinde beabsichtige daher, das Baugesuch für den Neubau von
Pferdeboxen und Futterraum zu sistieren. Die Beschwerdeführerin wehrte sich dagegen.
Mit Verfügung vom 1. Juni 2015 sistierte die Gemeinde das Baugesuch, bis die
Erschliessung mit Strassenunterbau nach Norm, Erstellung der Randabschlüsse und
Bankette und Einbau der Tragschicht fertiggestellt ist.
3. Dagegen reichte die Beschwerdeführerin am 6. Juli 2015 Beschwerde bei der Bau-,
Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragt, die
Sistierungsverfügung vom 1. Juni 2015 sei aufzuheben und die Gemeinde sei anzuweisen,
das Baubewilligungsverfahren ohne Verzögerung fortzusetzen.
4. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet4, holte die
Vorakten ein und führte den Schriftenwechsel durch. Die Gemeinde beantragt mit
Stellungnahme vom 27. Juli 2015, die Beschwerde sei abzuweisen und die
Sistierungsverfügung zu bestätigen. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid
wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
2 Vorakten der Gemeinde (blaue Heftmappe), Dokument f) 3 Schreiben vom 26. Oktober 2011 und 24. Juni 2013, Vorakten der Gemeinde (blaue Heftmappe), Dokument l) 4 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Bei der angefochtenen Sistierungsverfügung der Gemeinde handelt es sich um eine
Zwischenverfügung gemäss Art. 61 Abs. 1 Bst. c VRPG5, die in einem
Baubewilligungsverfahren ergangen ist. Nach dem Grundsatz der Einheit des Verfahrens
ist die Zwischenverfügung mit dem gleichen Rechtsmittel anfechtbar wie ein Entscheid in
der Hauptsache.6 Die BVE ist somit für die Beurteilung der Beschwerde zuständig (Art. 40
Abs. 1 BauG). Die Beschwerde wurde form- und fristgerecht eingereicht.
b) Eine Zwischenverfügung über die Einstellung des Verfahrens ist nur dann
selbständig anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken
könnte oder die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen
würde und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges
Beweisverfahren ersparen würde (vgl. Art. 61 Abs. 3 VRPG). Letzteres wird von der
Beschwerdeführerin nicht geltend gemacht. Sie bringt aber vor, sie betreibe eine Reithalle
mit Pferdepensionsplätzen, nach denen eine grosse Nachfrage bestehe. Sie habe bereits
lukrative Anfragen für die Übernahme von weiteren Pensionspferden erhalten. Aus diesen
Gründen sei sie dringend darauf angewiesen, den Interessenten möglichst rasch eine
Zusage erteilen und die zusätzlichen Pferdeboxen erstellen zu können. Andernfalls würden
die Interessenten auf andere Reitsportbetriebe ausweichen, wodurch ihr ein beträchtlicher
und nicht wieder einbringlicher finanzieller Ausfall entstehe.
c) Als nicht wieder gutzumachender Nachteil gemäss Art. 61 Abs. 3 Bst. a VRPG wird
ein schutzwürdiges Interesse an der sofortigen Aufhebung oder Abänderung der
Zwischenverfügung verstanden. Nach der Rechtsprechung ist damit nicht ein irreparabler
Schaden gemeint. Der Nachteil kann rechtlicher oder tatsächlicher Natur sein, so dass
auch ein bloss wirtschaftliches Interesse genügen kann, sofern es der betroffenen Person
nicht nur darum geht, eine Verteuerung oder eine aus wirtschaftlicher Sicht ungünstige
Verlängerung des Verfahrens zu verhindern. Der Nachweis, dass die Zwischenverfügung
einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken kann, muss von der betroffenen
5 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 6 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 61 N. 7
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Person glaubhaft gemacht werden.7 Vorliegend kann sich die Verfahrenseinstellung für die
Beschwerdeführerin wirtschaftlich nachteilig auswirken, auch wenn bei anhaltender
Nachfrage nach Pferdepensionsplätzen davon auszugehen ist, dass bald ein neuer
Interessent gefunden würde. Die Beschwerdeführerin hat als Bauherrschaft aber
grundsätzlich ein Interesse an einem raschen Bauentscheid, da die anvisierte
Betriebserweiterung finanzielle Auswirkungen hat.8 Das Rechtsschutzinteresse ist somit
gegeben, so dass auf die Beschwerde einzutreten ist.
2. Sistierung
a) Die Gemeinde hat in der angefochtenen Sistierungsverfügung erwogen, die Pflichten
aus dem Erschliessungsvertrag vom 22. März 2010 seien bis heute nicht erfüllt. Die
Erschliessungsstrasse entspreche nicht den Anforderungen der SSV-Normen und der
kantonalen Bauverordnung. Das Bauvorhaben sei zurzeit ungenügend erschlossen.
Ausserdem führe es zu einer nicht unwesentlichen Mehrbelastung der ungenügenden
Erschliessung. Die Beschwerdeführerin rügt, die Sistierung sei ungerechtfertigt und stelle
eine Rechtsverzögerung bzw. Rechtsverweigerung dar. Es bestehe kein anderes
Verfahren, welches für das vorliegende Baugesuchsverfahren von präjudizieller Wirkung
wäre. Die Frage, ob das Bauvorhaben genügend erschlossen sei, sei im Bauentscheid und
einem anschliessenden Beschwerdeverfahren zu klären. Es liege weder ihre Zustimmung
zur Sistierung vor, noch diene das Vorgehen der Prozessökonomie der Gemeinde.
b) Die instruierende Behörde kann das Verfahren von Amtes wegen oder auf Antrag
einstellen, wenn dessen Ausgang vom Entscheid eines anderen Verfahrens abhängt oder
wesentlich beeinflusst wird oder wenn im anderen Verfahren über die gleiche Rechtsfrage
zu befinden ist (Art. 38 VRPG9). Daneben können weitere Gründe der Prozessökonomie
eine Sistierung als sachgerecht erscheinen lassen. Diesfalls bedarf es jedoch eines
Antrags der betroffenen Person oder ihrer Zustimmung.10 Eine ungerechtfertigte Sistierung
kann eine Rechtsverweigerung bzw. Rechtsverzögerung darstellen.11
7 BVR 2011 S. 508 E. 1.3; VGE 2013/435 vom 27.02.2014 E. 1.2 8 Vgl. Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 61 N. 5; BVR 2010 S. 411 ff. E. 1.2.6 9 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 10 Vgl. Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, Bern 1997, Art. 38 N. 6; Markus Müller, Bernische Verwaltungsrechtspflege, 2. Aufl. 2011, S. 90, VGE 2014/293 vom 6.7.2015 E. 2.1
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c) Der Ausbau der Erschliessungsanlagen war Gegenstand des
Baubewilligungsverfahrens für den Neubau der Reitsportanlage, das längst abgeschlossen
ist. Zwischen den Parteien ist derzeit streitig, welche Erschliessungsarbeiten die
Beschwerdeführerin noch erbringen muss, damit die Zufahrt zur Reitsportanlage
(Z._gässli und Verbindungsstrasse zur B._strasse) in einem
ordnungsgemässen Zustand ist. Die Gemeinde hat die Beschwerdeführerin aufgefordert,
die Erschliessung umgehend zu erstellen und angedroht, die Arbeiten andernfalls selber
auf Kosten der Bauherrschaft ausführen zu lassen.12 Es ist nicht ganz klar, ob damit bereits
ein Wiederherstellungsverfahren nach Art. 46 BauG hängig ist.13 Der Entscheid über das
neue Bauvorhaben ist aber nicht vom Ausgang eines allfälligen baupolizeilichen
Verfahrens oder einer Einigung unter den Parteien abhängig. Zwar besteht ein gewisser
Zusammenhang zwischen der noch nicht fertig erstellten Erschliessung und dem neuen
Bauvorhaben, indem dieses auch über diese Strassen erschlossen werden soll. Allerdings
stellen sich nicht die gleichen Rechtsfragen. Bei der Fertigstellung des Strassenbaus geht
es um die Frage, was als ordnungsgemässe Erstellung anzusehen ist (vgl. Art. 109 Abs. 2
BauG). Im Baubewilligungsverfahren ist hingegen zu prüfen, ob die bestehende
Erschliessung für das geplante Gebäude mit Pferdeboxen und Futterraum genügt (vgl. Art.
7 und 8 BauG, Art. 5 BauV14). Die Beschwerdeführerin hätte von sich aus die
Verfahrenseinstellung beantragen können, wenn sie sichergehen wollte, dass dem neuen
Bauvorhaben nicht eine allenfalls ungenügende Erschliessung entgegensteht. Dies hat sie
aber nicht getan, sondern im Gegenteil die Fortsetzung des Baubewilligungsverfahrens
verlangt. Ob das neue Bauvorhaben genügend erschlossen ist, kann bereits heute im
Baubewilligungsverfahren beurteilt werden. Dafür muss weder eine allfällige Einigung über
die erforderlichen Ausbauarbeiten noch der Ausgang eines allfälligen
Wiederherstellungsverfahrens oder die Fertigstellung der Strassen abgewartet werden.
Sofern die bestehende Erschliessung genügt und auch die weiteren Voraussetzungen
erfüllt sind (vgl. Art. 2 BauG), ist das Bauvorhaben zu bewilligen, andernfalls muss der
Bauabschlag erteilt werden.
11 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 49 N. 64 ff., N. 72 12 Brief der Gemeinde vom 24. Juni 2013, Vorakten der Gemeinde (blaue Heftmappe), Dokument l) 13 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 3. Aufl., Band II, Bern 2010, Art. 109-110 N. 22; BVR 1993 S. 51 E. 4 14 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1)
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d) Es ist somit kein Verfahren hängig, von dem der Bauentscheid über die geplante
Erweiterung der Reitsportanlage abhängig ist oder wesentlich beeinflusst wird. Eine
Verfahrenseinstellung aus anderen Gründen kommt nicht in Frage, weil die
Beschwerdeführerin einer Sistierung nicht zugestimmt hat. Die Voraussetzungen für eine
Sistierung sind daher nicht erfüllt. Die Beschwerde ist gutzuheissen. Die Gemeinde hat das
Baubewilligungsverfahren weiterzuführen.
3. Kosten
a) Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr.
Diese wird festgesetzt auf Fr. 600.– (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19
Abs. 1 GebV15). Die Kostenverlegung erfolgt nach dem Unterliegerprinzip (Art. 108 Abs. 1
VRPG). Bei diesem Ausgang des Verfahrens obsiegt die Beschwerdeführerin. Die
Gemeinde ist nicht in Vermögensinteressen betroffen, weshalb ihr keine Verfahrenskosten
auferlegt werden können (Art. 108 Abs. 2 i.V.m. Art. 2 Abs. 1 Bst. b VRPG). Die
Verfahrenskosten trägt der Kanton.
b) Als unterliegende Partei hat die Gemeinde der Beschwerdeführerin die Parteikosten
zu ersetzen (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Parteikosten umfassen den durch die
berufsmässige Parteivertretung anfallenden Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Nach Art. 11
Abs. 1 PKV16 beträgt das Honorar in verwaltungsrechtlichen Beschwerdeverfahren
Fr. 400.– bis Fr. 11'800.– pro Instanz. Innerhalb des Rahmentarifs bemisst sich der
Parteikostenersatz nach dem in der Sache gebotenen Zeitaufwand sowie der Bedeutung
der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 41 Abs. 3 KAG17). Im
vorliegenden Fall stellte sich nur die Frage der Sistierung. Sowohl der gebotene
Zeitaufwand als auch die Bedeutung der Streitsache und die Schwierigkeit der zu
beurteilenden Rechtsfrage sind als klar unterdurchschnittlich zu werten. Daher erscheint
ein Honorar von Fr. 2'600.– als angemessen. Hinzu kommen Auslagen im Betrag von Fr.
120.− sowie Fr. 217.60 Mehrwertsteuer. Die Gemeinde hat der Beschwerdeführerin somit
einen Parteikostenersatz im Gesamtbetrag von Fr. 2'937.60 auszurichten.
15 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21) 16 Verordnung vom 17. Mai 2006 über die Bemessung des Parteikostenersatzes (Parteikostenverordnung; PKV; BSG 168.811) 17 Kantonales Anwaltsgesetz vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11)
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