# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 4b240959-f64c-4441-8296-8e2130cf1107
**Court:** BL_SG
**Chamber:** BL_SG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** BL / Northwestern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Tax

## Facts

Sachverhalt:
A.
Der Erblasser A._ hat die B._AG zu Lebzeiten mit verschiedenen Planungsarbeiten be-
auftragt. Nach dem Tod von A._ am 7. Dezember 2015 hat die B._AG am
14. Januar 2016 eine Zwischenabrechnung für die pendenten Projekte per 7. Dezember 2015
erstellt und der C._AG einen Betrag von Fr. 1'033'679.46 in Rechnung gestellt. Im Schrei-
ben vom 20. Januar 2016 teilte die damalige Willensvollstreckerin D._ der B._AG mit,
dass sie die Forderungen im Grundsatz in das Inventar aufnehme, damit deren Höhe aber nicht
automatisch als genehmigt gelte. Gemäss Aktennotiz vom 24. März 2017 hat die B._AG
anlässlich einer gemeinsamen Besprechung mit der Erbengemeinschaft in Aussicht gestellt, die
geltend gemachte Forderung um Fr. 56'330.-- zu reduzieren. Mit Schreiben vom 5. Mai 2017
schlug die ehemalige Willensvollstreckerin der B._AG vor, die geltend gemachten Forde-
rungen mit einer Saldo-Zahlung von Fr. 600'000.-- (inkl. MWST) zu erledigen. Nach Angaben
der Rekurrentin hat die B._AG ihr Vergleichsangebot akzeptiert und sich mit einer Saldo-
Zahlung von Fr. 612'299.15 (inkl. Fr. 12'299.15 Abschreibungsgebühr für ein Baugesuch) ein-
verstanden erklärt.
In den Veranlagungsverfügungen vom 29. Juni 2021 setzte die Steuerverwaltung das steuerba-
re Vermögen des Erblassers auf Fr. 15'573'169.-- und die totale Erbschaftssteuer auf
Fr. 4'565'459.55 fest. Teil der Veranlagungsverfügungen ist eine Bilanz, welche unter den Pas-
siven einerseits die Position «Forderungen aus Baugesuch E._» in der Höhe von
Fr. 12'299.-- und andererseits laufende Auslagen gemäss Inventar, welches wiederum Forde-
rungen aus Bauprojekten in F._ und G._ der C._AG in der Höhe von Fr. 600'000.--
enthält.
B.
Am 26. Juli 2019 legte der Vertreter im Namen der Erbengemeinschaft Einsprache gegen die
Veranlagungsverfügungen ein und stellte den Antrag, das steuerbare Vermögen sei von
Fr. 15'573'169.-- um Fr. 433'679.-- auf Fr. 15'139’490.-- zu reduzieren und die der Einsprecherin
in Rechnung gestellte Erbschaftssteuer entsprechend zu ermässigen. Zur Begründung führte er
unter anderem aus, die B._AG habe per Todestag von A._ (7. Dezember 2015) ihre
Forderungen gegenüber der Erbengemeinschaft mit Fr. 1'033'679.46 quantifiziert. Die Erben-
gemeinschaft habe fest damit rechnen müssen, dass die B._AG an dieser Forderung fest-
halte und den Betrag gegebenenfalls auch gerichtlich einklage. Am 7. Dezember 2015 sei noch
in keiner Weise absehbar gewesen, dass diese Forderung fast eineinhalb Jahre später ver-
gleichsweise auf Fr. 600'000.-- reduziert werden könnte. Auch müsse die Schuld der Erbenge-
meinschaft gegenüber der B._AG nicht durch eine Schätzung bewertet werden, weil die
B._AG die geltend gemachte Forderung mit Schreiben vom 14. Juli 2016 bis auf den letzten
Rappen beziffert habe. Somit habe sich die Forderung per Todestag klarerweise auf
Fr. 1'033'679.46 belaufen und sei entsprechend als Schuld zum Abzug zuzulassen.
Für die Einsprecherin sei der Umstand, dass die B._AG ihre Zwischenabrechnung vom
14. Januar 2016 an die C._AG statt an die Erbengemeinschaft adressiert habe, unerheblich,
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weil letztlich so oder anders alle Aufwendungen der B._AG von der Einsprecherin getragen
werden müssten.
Im Entscheid vom 21. September 2021 wies die Steuerverwaltung die Einsprache ab. Von den
Fr. 1'033'679.46 Architekturkosten der B._AG vom 14. Januar 2016 seien gemäss Einspra-
che nur Fr. 600'000.-- sowie Fr. 12'299.-- effektiv bezahlt worden, da hierüber per 15. Mai 2018
ein Vergleich abgeschlossen worden sei. Die Fr. 600'000.-- und Fr. 12'299.-- seien in der Erb-
schaftssteuer-Verfügung vom 29. Juni 2021 bereits vollumfänglich abgezogen worden. Nach
ständiger Praxis der Steuerverwaltung Basel-Landschaft könnten nur effektiv bezahlte Erb-
schaftsschulden berücksichtigt werden. Somit könne der Restbetrag des Gesamtbetrages von
Fr. 1'033'679.46, auf den die Gegenpartei vergleichsweise verzichtet habe, nicht berücksichtigt
werden.
C.
Mit Schreiben vom 15. Oktober 2021 erhebt der Vertreter der Erbengemeinschaft Rekurs und
beantragt, das steuerbare Vermögen sei von Fr. 15'573'169.-- um Fr. 433'679.-- auf
Fr. 15'139’490.-- zu reduzieren und die den Rekurrenten in Rechnung gestellte Erbschaftssteu-
er sei entsprechend zu ermässigen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des
Staates.
Zur Begründung kann im Wesentlichen auf die Einsprache verwiesen werden. Zusätzlich zu
den Ausführungen in der Einsprache bringt die Rekurrentin vor, die im Einspracheentscheid
angeführte Praxis der Steuerverwaltung, wonach nur effektiv bezahlte Erbschaftsschulden be-
rücksichtigt werden sollen, widerspreche den Grundsätzen, nach welchen das Erbschaftsver-
mögen zum Verkehrswert im Todeszeitpunkt zu bewerten und Wertveränderungen, die nach
dem Tod des Erblassers eintreten, für die Erbschaftssteuer unbeachtlich seien. Es sei einzig
auf den Verkehrswert des Erbschaftsvermögens im Todeszeitpunkt des Erblassers abzustellen.
Folglich sei die nach dem Tod des Erblassers eingetretene Wertveränderung der Schuld von
Fr. 1'033’67946 auf Fr. 612'299.15 (Abschluss Vergleich vom 5. Mai 2017) für die Erbschafts-
steuer unbeachtlich.
Mit Vernehmlassung vom 30. November 2021 beantragt die Steuerverwaltung die Abweisung
des Rekurses. Die per Todestag 7. Dezember 2015 in Rechnung gestellte Forderung der
B._AG gegenüber dem Erblasser sei innert zweier Jahre erheblich von bisher rund
Fr. 1 Mio. auf neu rund Fr. 600'000.-- reduziert worden (Vergleich per 5. Mai 2017). Daher müs-
se davon ausgegangen werden, dass diese Forderung als Schuld des Erblassers von Anfang
an nicht Bestand haben konnte, d.h. bestritten wurde. Dies zeige auch das Schreiben vom
20. Januar 2016 der Willensvollstreckerin und Miterbin/Vermächtnisnehmerin D._ klar auf.
Es rechtfertige sich deshalb, in sinngemässer Anlehnung an § 7 der Verordnung vom
16. Juni 1981 zum Gesetz über die Erbschafts- und Schenkungssteuer (ESchStV; SGS 334.11)
auf die innert den zwei Jahren tatsächlich vereinbarte und bezahlte Schuld abzustellen, um den
reellen Verkehrswert dieses Passivums im Zeitpunkt des Erbgangs zu bestimmen.
Ferner zeige auch das Steuergesetz bei der Bestimmung des steuerbaren Vermögens in
§ 46 Abs. 3 des Gesetzes vom 7. Februar 1974 über die Staats- und Gemeindesteuern (Steu-
ergesetz, StG; SGS 331), dass unsichere Forderungen und Rechte (Aktiven) vorsichtig zu be-
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werten sind. Verlustwahrscheinlichkeiten seien deshalb praxisgemäss mit einem Einschlag zu
berücksichtigen. Derselbe Grundsatz müsse auch für die Bewertung von unsicheren Schulden
(Passiven) gelten. Da es sich vorliegend von Anfang an um eine unsichere bzw. bestrittene
Forderung gegenüber dem Erblasser gehandelt habe, müsse dieser Passivposten im Nachlass
vorsichtig geschätzt werden. Die vorsichtige Einschätzung des Rechnungsbetrags der
B._AG vom 14. Januar 2016 rechtfertige sich auch dadurch, dass diese Rechnung explizit
als «Zwischenabrechnung» bezeichnet worden und dabei bloss eine «Zweckmässigkeit» er-
wähnt worden sei. Am Schluss der Rechnung sei noch der Hinweis angebracht worden, dass
man gerne die Begleichung dieser Beträge «noch besprechen» wollte. Im Übrigen enthalte die-
se Zwischenabrechnung keinerlei MWST-Abrechnung. Es seien also bloss provisorische und zu
diskutierende Rechnungsbeträge gewesen, welche per Todestag kalkuliert worden seien. Diese
Schlussfolgerung habe nichts mit einer Verletzung des Stichtagsprinzips zu tun, da eine reelle
Schätzung des Verkehrswerts des Nachlasses bzw. des Nettovermögens per Todestag be-
zweckt werde.
Anlässlich der heutigen Verhandlung halten die Parteien an ihren Begehren fest.

## Considerations

Erwägungen:
1.
Das Steuergericht ist gemäss § 19 Abs. 2 des Gesetzes vom 7. Januar 1980 über die Erb-
schafts- und Schenkungssteuer (ESchStG; SGS 334) i.V.m. § 124 Abs. 1 des Gesetzes vom
7. Februar 1974 über die Staats- und Gemeindesteuern zur Beurteilung des vorliegenden Re-
kurses zuständig. Gemäss § 129 Abs. 3 StG werden Rekurse, deren umstrittener Steuerbetrag
wie im vorliegenden Fall Fr. 10'000.-- pro Steuerjahr übersteigt, von der Fünferkammer des
Steuergerichts beurteilt. Da die in formeller Hinsicht an einen Rekurs zu stellenden Anforderun-
gen erfüllt sind, ist ohne weitere Ausführungen darauf einzutreten.
2.
Streitig und zu prüfen ist, ob der steuerbare Nachlass aufgrund der Bewertung der Zwischenab-
rechnung der B._AG um Fr. 433'679.-- zu reduzieren und die der Rekurrentin in Rechnung
gestellte Erbschaftssteuer entsprechend zu korrigieren ist.
2.1. Erbschaftssteuern sind einmalige Steuern, deren Erhebung auf einen bestimmten Zeitpunkt
hin erfolgt. Gemäss § 15 ESchStG werden im Kanton Basel-Landschaft steuerbare Zuwendun-
gen grundsätzlich zum Verkehrswert im Zeitpunkt des Vermögensübergangs bewertet. Das
steuerbare Vermögen geht bei einem Todesfall eo ipso durch den Tod des Erblassers von Ge-
setzes wegen auf die Erben über (Universalsukzession). Gemäss Art. 537 Abs. 1 des Schwei-
zerischen Zivilgesetzbuches vom 10. Dezember 1907 (ZGB, SR 210) eröffnet der Todesfall den
Erbgang. Die Bewertung des steuerbaren Vermögens erfolgt auf diesen Stichtag hin (vgl.
OEHRLI/ATTINGER in: Zweifel/Beusch/Hunziker [Hrsg.], Kommentar zum Erbschafts- und Schen-
kungssteuerrecht, Basel 2020, § 20 N 1 f.; vgl. RAMSEIER, Die basellandschaftliche Erbschafts-
und Schenkungssteuer, G._ 1989, S. 122 f.). Grundsätzlich sind Wertveränderungen, die
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nach der Eröffnung des Erbgangs eintreten, für die Erbschaftssteuer irrelevant
(OEHRLI/ATTINGER, a.a.O., § 20 N 3.). Bei Forderungen auf feste Summen rechtfertigt es sich,
primär den Nominalwert als Verkehrswert zu berücksichtigen (Urteil des Bundesgerichts
2C_565/2007 vom 15. Januar 2008, E. 4.2; OEHRLI/ATTINGER, a.a.O., § 21 N 1).
Eine Forderung, die weder verpfändet noch abgetreten werden kann, ist jedoch nicht verkehrs-
gängig. Solche Forderungen zum Nennwert zu bewerten, würde zu einer Relativierung oder gar
zu einer Nichtanwendung des Verkehrswertprinzips führen. Dem Einzelfall würde keine Rech-
nung getragen. Einige Kantone schreiben die Berücksichtigung der Verlustwahrscheinlichkeit
sogar ausdrücklich im Gesetz vor (OEHRLI/ATTINGER, a.a.O. § 20 N 1 ff., m.w.H.). Indes er-
scheint es unabhängig einer solchen expliziten gesetzlichen Regelung aufgrund des Leistungs-
fähigkeitsprinzips als selbstverständlich, dass eine Forderung wirtschaftlich korrekt und gege-
benenfalls mit einem Einschlag bewertet werden muss (OEHRLI/ATTINGER, a.a.O., § 20 N 4).
Das Bundesgericht hielt im bereits erwähnten Entscheid vom 15. Januar 2008 fest, dass als
Verkehrswert von Forderungen der Nominalwert gilt, wenn die Verlustwahrscheinlichkeit nicht
eine niedrigere Bewertung rechtfertigt (Urteil des Bundesgerichts 2C_565/2007 vom 15. Januar
2008, E. 4.2). Der Verkehrswert ist somit von der mutmasslichen Einbringlichkeit der Forderung
abhängig (Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich vom 26. August 2015,
SR.2015.00017, E. 2.1).
Entsprechend schreibt das Baselbieter Steuergesetz zur Verkehrswertbewertung von Wertpa-
pieren, Forderungen und anderen Rechten für die Vermögenssteuer in § 46 Abs. 3 StG denn
auch vor, dass bei der Bewertung bestrittener oder unsicherer Rechte und Forderungen der
Wahrscheinlichkeit von Verlusten Rechnung zu tragen ist. Die Erbschaftssteuer ist im Gegen-
satz zur Vermögenssteuer zwar nicht periodisch wiederkehrend. Trotzdem ist kein Grund er-
sichtlich, weshalb diese sachgerechte Regelung bei der Vermögenssteuer für die Erbschafts-
steuer nicht gelten soll: Beide Steuern sind stichtagsbezogen und haben einen zu bewertenden
Vermögenskomplex als Bemessungsgrundlage.
2.2. Gemäss § 13 ESchStG wird die Steuer auf dem vom Steuerpflichtigen erworbenen reinen
Vermögen erhoben. Es können nur effektive, das heisst am Stichtag tatsächlich bestehende
Schulden abgezogen werden, für die die steuerpflichtige Person als Hauptschuldnerin rechtlich
haftbar ist (DZAMBO-LOCHER/TEUSCHER, in: Zweifel/Beusch (Hrsg.), Kommentar zum Schweize-
rischen Steuerrecht, Bundesgesetz über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone
und Gemeinden, 3. Aufl., Basel 2017, Art. 13 N 17). Zum einen verringern bestehende Verbind-
lichkeiten, die das übertragene Vermögen direkt schmälern oder belasten, den für die Steuer-
bemessung relevanten Betrag (Erbschaftsschulden). Zum anderen verursacht der Erbgang ver-
schiedene Kosten, welche die Bemessungsgrundlage der Erbschaftssteuer verringern (Erb-
gangsschulden; vgl. OEHRLI/ATTINGER, a.a.O., § 24 N 2 f.). Erbschaftsschulden sind abziehbar,
wenn diese bereits zu Lebzeiten des Erblassers bestanden haben. Zumindest ihren Ursprung
müssen die Schulden in Ereignissen haben, die vor dem Tod des Erblassers eingetreten sind
und das Vermögen des Erblassers schon vor seinem Tod belastet haben. Schulden, die erst
nach dem Tod des Erblassers eingetreten sind, können mit Ausnahme der Erbgangsschulden
nicht abgezogen werden (OEHRLI/ATTINGER, a.a.O. § 24 N 8 f.; vgl. zum Ganzen RAMSEIER,
a.a.O., S. 153 f., m.w.H.). Voraussetzung einer abziehbaren (Erbschafts-)Schuld ist somit eine
am massgebenden Stichtag bestehende, feste, durchsetzbare Schuld, mit deren Erfüllung die
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steuerpflichtige Person ernsthaft rechnen muss, wobei Fälligkeit nicht erforderlich ist (DZAMBO-
LOCHER/TEUSCHER, a.a.O., Art. 13 N 17, vgl. OEHRLI/ATTINGER, a.a.O. § 24 N 8 f).
Schulden sind grundsätzlich gleich zu bewerten wie korrelierende Forderungen, womit vorste-
hende Ausführungen der Bewertung einer Forderung auf der Aktivseite der Erbschaft auch für
Forderungen auf der Passivseite respektive Schulden der Erbschaft Geltung finden. Das bedeu-
tet, dass für die Bewertung zum Verkehrswert der Schuld auf den Nennwert bzw. den Nominal-
wert abzustellen ist, wobei es analog zur Forderungsbewertung berücksichtigt werden muss,
wenn eine Verpflichtung ungewiss, in der Höhe nicht genau bestimmbar, bestritten oder auf-
schiebend oder auflösend bedingt ist (DZAMBO-LOCHER/TEUSCHER, a.a.O., Art. 14 N 9). Somit
sind Zweifel am Bestand (Verität) genauso zu berücksichtigen wie Zweifel an der Zahlungsfä-
higkeit des Schuldners (Bonität).
3.
3.1. Vorliegend ist unbestritten, dass es sich bei der Zwischenabrechnung der B._AG vom
14. Januar 2016 um eine Erbschaftsschuld handelt, da mit der Rechnung ein Anspruch für Leis-
tungen zugunsten des Erblassers beziehungsweise seiner Gesellschaft bis zum Todestag ab-
gegolten werden soll. Strittig hingegen ist, wie hoch der Verkehrswert jener Forderung zum To-
deszeitpunkt war. Bei üblichen Forderungen auf feste Summen ist primär der Nominalwert als
Verkehrswert zu berücksichtigen. Der Nominalwert der Zwischenabrechnung der B._AG
vom 14. Januar 2016 beträgt Fr. 1'033'679.46.
3.2. Bei dem in casu zu bewertenden Anspruch der B._AG handelt es sich um Entschädi-
gungen für laufende Bauprojekte, aus Auftrag und/oder Werkvertrag. Dabei können Leistung
und Gegenleistung viel mehr Anlass zur Diskussion geben, als dies zum Beispiel bei einem
Konsumgut, bei dem die Zahlung noch aussteht, der Fall ist. Im Bauwesen ist die Preisermitt-
lung generell komplex. Dies ergibt sich auch aus den konkreten Unterlagen, welche sich bei
den Verfahrensakten befinden:
So spricht das Dokument vom 14. Januar 2016 von einer Zwischenabrechnung hinsichtlich Ar-
chitekturhonorar sowie Nebenkosten betreffend die Bauprojekte «EHF H._strasse F._;
REFH I._strasse, QP E._, Überbauung E._» per 7. Dezember 2015. Der grösste Teil
der Forderung betrifft die Überbauung E._ mit Fr. 919'454.03, der zweitgrösste Teil die
Quartierplanung E._ mit Fr. 66'706.92, die Position Einfamilienhäuser J._gasse F._
beträgt Fr. 32'614.94 und die Position Reiheneinfamilienhaus I._strasse Fr. 14'903.57. Die
Zwischenabrechnung enthält keine MWST-Abrechnung. K._ von der B._AG ersucht mit
der genannten Zwischenabrechnung ebenfalls um Besprechung bezgl. Begleichung der aufge-
führten Beträge. Aus den folgenden Ausführungen und dem Gesamtzusammenhang ergibt sich,
dass es dabei auch um den Rechnungsbetrag und nicht nur, wie von der Rekurrentin anlässlich
der heutigen Verhandlung geschildert, um die Modalität der Begleichung des Betrags geht. Die
ehemalige Willensvollstreckerin D._ bestätigt mit Schreiben vom 20. Januar 2017 den Ein-
gang der Unterlagen und die Aufnahme der Forderung im Grundsatz ins Inventar, bemerkt al-
lerdings, dass damit deren Höhe nicht automatisch als genehmigt gelte, da aufgrund der Doku-
mente keine abschliessende Prüfung möglich sei. Die Erbengemeinschaft werde sich Ende Ja-
nuar 2016 treffen und die Forderungen thematisieren.
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In den Unterlagen findet sich sodann eine Aktennotiz der Besprechung einer Delegation der
Erbengemeinschaft mit K._ von der B._AG vom 24. März 2017 betreffend die Honorar-
forderungen. Die Aktennotiz und der Verlauf der Erbensitzung vom 24. März 2017 erwecken
den Eindruck, dass die Forderung der B._AG an dieser Erbensitzung das erste Mal bespro-
chen wurde. Betreffend das Bauprojekt F._ wurde in der Aktennotiz festgehalten, dass es
sich um die Planung von zwei Einfamilienhäuser gehandelt habe, welche jedoch nicht bewilli-
gungsfähig gewesen seien. Das Bauprojekt I._strasse sei ebenfalls nicht umgesetzt worden.
Das Quartierplanverfahren E._ sei nach Aufwand abgerechnet worden und das Bauprojekt
nach dem Quartierplan E._ nach SIA 102 (Basis Anlagekosten), wobei dies jedoch nicht
explizit so vereinbart worden sei. Die Erbengemeinschaft drückt in der Aktennotiz ihren Unmut
unter anderem darüber aus, dass die Abrechnung nach SIA zu höheren Kosten führe als nach
Aufwand. Aus der Aktennotiz geht hervor, dass die B._AG an dieser Besprechung vorge-
schlagen hat, die gesamte Forderung um Fr. 56'330.13 zu reduzieren. Des Weiteren findet sich
in der Aktennotiz der Hinweis, dass die Delegation der Erbengemeinschaft den angebotenen
Abschlag als zu gering bewertet und die Vorstellung der Erben deutlich unter dem Betrag der
Zwischenabrechnung, bei rund Fr. 700'000.-- bis Fr. 800'000.-- liegt.
Mit Schreiben vom 5. Mai 2017 hat die damalige Willensvollstreckerin D._ der B._AG
mitgeteilt, sie sei der Auffassung, dass eine Abrechnung nach SIA-Normen ohne explizite vor-
gängige Vereinbarung für ein Projekt der vorliegenden Art völlig unangemessen sei, insbeson-
dere wenn keine Realisierung erfolgt sei. Ihr sei geraten worden, Einblick in sämtliche Belege
seit der Aufnahme der Arbeiten zu nehmen. Des Weiteren sei ihr von unabhängigen Generalun-
ternehmern versichert worden, dass die honorarbestimmenden Baukosten zulasten des Land-
preises viel zu hoch angesetzt worden seien. Der beim jetzigen Verkauf auf dem Markt tatsäch-
lich erzielte Quadratmeterpreis würde diesen Verdacht bestätigen. Aus diesem Schreiben vom
5. Mai 2017 geht deutlich hervor, dass insbesondere beim Projekt Überbauung E._ die ver-
tragliche Situation unklar ist und auch dieses Bauprojekt gestoppt wurde. In der Hoffnung auf
eine rasche Einigung hat die Erbengemeinschaft den Vorschlag einer Saldo-Zahlung von
Fr. 600'000.-- (inkl. MWST) gemacht. Das weitere Schreiben von D._ vom 15. Mai 2018
zeigt, dass dieses Vergleichsangebot von der B._AG, ergänzt durch die hälftige Gebühr für
die Abschreibung des Baugesuchs E._ (insgesamt Fr. 612'299.25), angenommen wurde.
Der Vertreter der Rekurrentin stellt sich auf den Standpunkt, dass die Reduktion der Forderung
aufgrund der überzeugenden Verhandlungsweise der Erbengemeinschaft erreicht werden konn-
te. Dies überzeugt jedoch nicht: Wohl hatte sich die B._AG im März 2017 noch lediglich zu
einer Reduktion von Fr. 56'330.13 bereit erklärt. Allerdings hatte die Erbengemeinschaft hin-
sichtlich dieses Vergleichsangebots sofort zum Ausdruck gebracht, dass eine Reduktion min-
destens auf Fr. 700'000.-- und Fr. 800'000.-- erfolgen müsse. Die ehemalige Willensvollstrecke-
rin D._ hat im Mai 2017, nur zwei Monate nach der Besprechung, ein Vergleichsangebot
von Fr. 600'000.-- gemacht, welches gemäss den Unterlagen von der B._AG ohne Weiteres
(einzig ergänzt durch die hälftige Abschreibungsgebühr; somit insgesamt Fr. 612'299.25) ange-
nommen wurde. Die B._AG hat somit an der ursprünglichen Forderung nicht festgehalten
und ohne grosse Umschweife in das Vergleichsangebot von D._ eingewilligt. Substantiierter
Widerstand der B._AG gegen die Reduktion der Forderung auf Fr. 612'299.15 ist aus den
eingereichten Unterlagen jedenfalls nicht ersichtlich.
Die unklare vertragliche Situation betreffend das Bauprojekt Überbauung E._, welches rund
89 % der Forderung vom 14. Januar 2016 ausmacht (Fr. 919'454.03 von Fr. 1'033'679.46), die
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Tatsache, dass der Abrechnung dieses Bauprojektes gemäss den eigenen Ausführungen der
Rekurrentin markant übersetzte honorarbestimmende Baukosten zugrunde gelegt worden seien
und darüber hinaus sämtliche Bauprojekte, die in der Zwischenabrechnung vom 14. Januar
2016 enthalten sind, schlussendlich jedoch nicht realisiert wurden, bekräftigen den Eindruck,
dass der Betrag von Fr. 1'033'679.46 von Anfang an fragwürdig war. Daran ändert auch nichts,
dass der Rechnungsbetrag in Franken und Rappen genau ausgewiesen war und damit den
Eindruck von Genauigkeit erweckte. Die ehemalige Willensvollstreckerin D._ hat in ihren
Schreiben von 20. Januar 2016 und vom 5. Mai 2017 selbst ausgeführt und eingeräumt, dass
sich die Höhe der Forderung ohne Belege nicht überprüfen lässt.
3.3. Obige Ausführungen zeigen auf, dass es sich bei der Architekturhonorarforderung über
Fr. 1'033'679.46 keinesfalls um eine unbestrittene, feste Forderung handelt. Vielmehr bestan-
den von Anfang an erhebliche Zweifel an der Stabilität sowie Legitimität, Abtretbarkeit und Ver-
pfändbarkeit der Forderung. Die Betitelung des Dokuments vom 14. Januar 2016 als Zwischen-
abrechnung, die Bitte um Besprechung der Begleichung der Forderung, die Würdigung des wei-
teren Vorgehens nach der Zwischenabrechnung und der vorgenommene Einschlag von rund 40
Prozent (von Fr. 1'033'679.46 auf Fr. 612'299.25) auf die ursprüngliche Forderung lassen da-
rauf schliessen, dass es sich bei der Zwischenabrechnung um einen blossen ersten Entwurf
handelte, welcher (einzig) bezweckte, die Diskussion anzustossen.
Mangels Marktfähigkeit der Architekturforderung in der Zwischenabrechnung kann diese nicht
als Grundlage für eine Verkehrswertberechnung dienen. Es ist davon auszugehen, dass ein
Inkassobüro die Forderung, so wie sie sich auf der Zwischenabrechnung vom 14. Januar 2016
präsentiert hat, aufgrund der obigen Ausführungen nicht übernommen hätte. Am 7. Dezember
2015, dem massgebenden Stichtag, bestand somit keine feste, durchsetzbare Schuld in der
Höhe von Fr. 1'033'679.46, mit deren Erfüllung die Erbengemeinschaft ernsthaft rechnen muss-
te.
3.4. Hätte die Steuerverwaltung die Erbschaftsschuld mit Fr. 1'033'679.46 und damit zum (be-
haupteten) Nominalwert bewertet, hätte dies vielmehr zu einer Verletzung des Verkehrswert-
prinzips geführt. Aufgrund des Leistungsfähigkeitsprinzips war es in casu erforderlich, die For-
derung wirtschaftlich korrekt und mit einem Einschlag zu bewerten. Der Einschlag auf den No-
minalwert ergibt sich nicht aufgrund der Bonität der Erbengemeinschaft, sondern aufgrund der
Verität der Forderung. Die Überprüfung des Nominalwerts der Forderung auf den Verkehrswert
hin und generell des Bestands einer Erbschaftsschuld ist stets erforderlich, da andernfalls jede
Forderung in beliebiger Höhe als Passivum berücksichtigt und bei der Erbschaftssteuer in Ab-
zug gebracht werden könnte.
In casu wurde die Forderung von der B._AG als Diskussionsgrundlage in den Raum ge-
stellt. Der Betrag war von Anfang an provisorisch. Die Reduktion der Forderung auf
Fr. 612'299.-- ist somit korrekt. Es handelt sich nicht um die Berücksichtigung einer Wertverän-
derung, die nach dem Tod des Erblassers eingetreten ist. Vielmehr ist davon auszugehen, dass
der Forderung schon am 7. Dezember 2015 kein Verkehrswert von Fr. 1'033'679.46 zugemes-
sen werden konnte, womit dem Stichtagsprinzip Rechnung getragen ist.
Bei einer Gesamtbetrachtung der Situation erscheint das Verhalten der Rekurrentin zudem wi-
dersprüchlich. Im Hinblick auf die Begleichung der Zwischenabrechnung vom 14. Januar 2016
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wurde diese von Anfang an in Frage gestellt; sobald es allerdings um die Erbschaftssteuer geht,
stellt sich die Rekurrentin auf den Standpunkt, dass die Forderung absolut liquide war.
4.
Nach dem Obenstehenden erweist sich der Rekurs insgesamt als unbegründet und ist abzu-
weisen.
Ausgangsgemäss hat die Rekurrentin gestützt auf § 130 StG i.V.m. § 20 Abs. 1 und 3 des Ge-
setzes vom 16. Dezember 1993 über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (Ver-
waltungsprozessordnung, VPO; SGS 271) Verfahrenskosten von Fr. 3’500.-- zu bezahlen und
es ist ihr gestützt auf § 130 StG i.V.m. § 21 Abs. 3 VPO keine Parteientschädigung auszurich-
ten.
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