# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 002c391e-2f28-58c0-a7ce-7b6716f6ee5d
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
A._ wurde 1973 in Mazedonien geboren und ist serbischer Staatsangehöriger. Er
reiste am 1. September 2011 in die Schweiz ein und stellte am 5. September 2011 im
Kanton Aargau ein Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung zwecks
Aufnahme einer Erwerbstätigkeit. Dabei legte er einen bis am 15. Januar 2019 gültigen
A.a.
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slowenischen Pass vor (act. Migrationsamt [nachfolgend: MA] A._ 70 ff., Pass: act. MA
A 75). In der Folge erteilte ihm das Migrationsamt des Kantons Aargau eine
Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA (act. MA A 69). Am 16. Oktober 2011 zog A._ nach
Z._ in den Kanton St. Gallen. Das Migrationsamt des Kantons St. Gallen stellte ihm am
24. Oktober 2011 eine Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA, gültig bis 31. Oktober 2016,
aus.
Am 17. April 2012 stellte A._ ein Gesuch um Familiennachzug für seine mazedonische
Ehefrau B._, geboren 1977, und die gemeinsame Tochter C._, geboren 2011. A._
gab sich erneut als slowenischer Staatsangehöriger aus (act. MA A 19 ff.). Dem
Familiennachzugsgesuch wurde am 19. April 2012 entsprochen und die Ehefrau sowie
das gemeinsame Kind erhielten die Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA im Rahmen des
Familiennachzuges (act. MA B._ 7 und C._ 7). Am 27. November 2012 kamen D._
und am 27. August 2015 E._ zur Welt. Sie sind wie ihre Mutter mazedonische
Staatsangehörige und erhielten im Rahmen des Familiennachzuges ebenfalls eine
Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA (act. MA D._ 7 und E._ 4).
A.b.
A._ stellte am 28. September 2016 beim Migrationsamt für sich und seine Kinder ein
Gesuch um vorzeitige Erteilung der Niedererlassungsbewilligung. Unter anderem legte
er einen serbischen Pass bei, welcher am 29. Juni 2009 ausgestellt wurde und am 29.
Juni 2019 ablief (act. MA A 33 ff.). Während des Gesuchsverfahrens wurde das
Arbeitsverhältnis von A._ mit seiner damaligen Arbeitgeberin F._ aufgelöst (act. MA A
44). Aufgrund dessen zog A._ sein Gesuch um Erteilung der
Niederlassungsbewilligung zurück (act. MA A 52). Mit Schreiben vom 17. Oktober und
2. November 2016 bat das Migrationsamt um Einreichung weiterer Unterlagen, unter
anderem um ein originales Reisedokument aus Slowenien (act. MA A 49). A._ reichte
am 7. November 2016 eine Bescheinigung der Republik Slowenien vom 4. November
2016 ein, gemäss welcher er kein slowenischer Staatsangehöriger sei (act. MA A 59 ff.).
Weitere Abklärungen des Migrationsamtes bzw. des Bundesamtes für Polizei (Fedpol)
ergaben, dass A._ kein slowenischer Staatsangehöriger ist und der Pass gefälscht sei
(act. MA A 76: Passnummer einer anderen Person zugeteilt und nicht mehr gültig).
Das Migrationsamt verzeigte A._ am 2. Dezember 2016 bei der Polizei wegen
Täuschens der Behörden und Fälschung von Ausweisen (act. MA A 77 f.). Bei der
polizeilichen Einvernahme vom 7. Dezember 2016 gab A._ unter anderem an, er habe
A.c.
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er erst am 17. August 2016 erfahren, dass er kein Anrecht auf den slowenischen Pass
gehabt hätte (act. MA A 100 ff.).
Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs erliess das Migrationsamt am 25. April 2017
die Verfügung betreffend Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA. A._
habe durch Vorlage des gefälschten Passes die Behörden getäuscht und so die
Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA erschlichen (act. MA A 165 ff.). Der dagegen erhobene
Rekurs wurde aufgrund des laufenden Strafverfahrens gegen A._ wegen Fälschung
von Ausweisen, rechtwidrigen Aufenthalts, Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung und
Täuschung der Behörden sistiert. Mit Strafbefehl vom 2. Mai 2017 wurde A._ für die
erwähnten Delikte zu einer Geldstrafe und einer Busse verurteilt (act. MA A 247 f.).
Diesen Strafbefehl focht A._ erfolgreich an und wurde mit Urteil des Bezirksgerichts
Zofingen vom 22. Januar 2018 im Sinne von in dubio pro reo von Schuld und Strafe
freigesprochen (act. MA A 259 f.). Der Entscheid erwuchs in Rechtskraft (Nichteintreten
auf Berufung gemäss Beschluss des Obergerichts des Kantons Aargau vom 6.
Dezember 2018, act. MA A 267 f.). In der Folge hob das Migrationsamt am 4. März
2019 seine Verfügung vom 25. April 2017 wiedererwägungsweise auf. Das angehobene
Rekursverfahren wurde abgeschrieben.
A.d.
Am 12. Juli 2019 verfügte das Migrationsamt erneut die Nichtverlängerung der
Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA und wies A._ aus der Schweiz weg. Es begründete
seinen Entscheid damit, dass ausländerrechtlich trotz des strafrechtlichen Freispruchs
weiterhin von einer Täuschung der Behörden auszugehen sei. Die Voraussetzungen für
die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA seien von Anfang an nie gegeben
gewesen, weil A._ nicht Staatsangehöriger eines Vertragsstaates gewesen sei. Die
Rückkehr ins Heimatland könne ihm zugemutet werden (act. MA A 320 ff.). Davor liess
sie den slowenischen Reisepass von der Kantonspolizei erneut prüfen. Diese stellte bei
der Dokumenten-Prüfung vom 22. Mai 2019 fest, dass es sich bei diesem Pass um ein
gefälschtes Dokument handle (act. MA A 311 f.). Mit Verfügung vom 5. August 2019
verlängerte das Migrationsamt auch die Aufenthaltsbewilligungen EU/EFTA von B._
und den drei Kindern (C._, D._ und E._) nicht mehr. Dies daher, weil sie allesamt nur
über ein vom Vater abgeleitetes Anwesenheitsrecht verfügen würden, dessen
Bewilligung nun aber nicht mehr verlängert worden sei (act. MA B._ 167 ff.).
Entsprechend sei damit auch die Anspruchsgrundlage für die von ihnen anbegehrten
Verlängerungen der Aufenthaltsbewilligungen EU/EFTA dahingefallen. Die gegen die
abschlägigen Verfügungen vom 12. Juli und 5. August 2019 erhobenen Rekurse wies
A.e.
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B.
A._ (Beschwerdeführer 1; Verfahren B 2019/258) und B._ (Beschwerdeführerin 2;
Verfahren B 2019/260) mit den gemeinsamen Kindern C._, D._ und E._
(Beschwerdeführer 3-5) reichten am 29. November 2019 durch ihren Rechtsvertreter
Beschwerden gegen die beiden Entscheide des Sicherheits- und Justizdepartements
(Vorinstanz) beim Verwaltungsgericht ein mit dem Rechtsbegehren, die Entscheide der
Vorinstanz seien aufzuheben und es seien ihnen die Aufenthaltsbewilligungen zu
verlängern; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Die Vorinstanz beantragte in den Vernehmlassungen vom 10. Januar 2020 die
Abweisung beider Beschwerden und verwies zur Begründung auf die Erwägungen der
angefochtenen Entscheide.
Auf die Erwägungen der angefochtenen Entscheide und die Ausführungen der
Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie die Akten wird, soweit für
den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
das Sicherheits- und Justizdepartement mit zwei separaten Entscheiden, beide vom
13. November 2019, ab.
Beschwerden, die sich auf denselben Streitgegenstand beziehen und die nämlichen
Tatbestands- und Rechtsfragen aufwerfen, können verfahrensrechtlich vereinigt und in
einem einzigen Entscheid erledigt werden (GVP 1972 Nr. 30). Die sich in den Verfahren
B 2019/258 und B 2019/160 stellenden Fragen hängen aktenmässig und inhaltlich eng
zusammen. Vor diesem Hintergrund erscheint eine Vereinigung der beiden
Beschwerdeverfahren und Erledigung der Beschwerden B 2019/258 und B 2019/260 in
einem Entscheid sachgerecht (vgl. VerwGE B 2015/110 vom 7. Februar 2018 E 1.1).
1.1.
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Als Adressaten der
angefochtenen Entscheide sind die im Rekursverfahren unterlegenen
Beschwerdeführer 1 - 5 zur Ergreifung des Rechtsmittels berechtigt (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerden gegen die am 14. November
1.2. bis
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2.
2019 versandten Entscheide wurden mit Eingaben vom 29. November 2019 rechtzeitig
erhoben und erfüllen formal wie inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf beide Beschwerden ist
daher einzutreten.
Gestützt auf Art. 23 Abs. 1 der Verordnung vom 22. Mai 2002 über die schrittweise
Einführung des freien Personenverkehrs zwischen der Schweizerischen
Eidgenossenschaft und der Europäischen Gemeinschaft und deren Mitgliedstaaten
sowie unter den Mitgliedstaaten der Europäischen Freihandelsassoziation (Verordnung
über die Einführung des freien Personenverkehrs; SR 142.203, VEP) können
Aufenthaltsbewilligungen EU/EFTA widerrufen oder nicht mehr verlängert werden,
wenn die Voraussetzungen für ihre Erteilung nicht mehr erfüllt sind. Wird nachträglich
festgestellt, dass von Beginn weg die Voraussetzungen für die Bewilligungserteilung
einer Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA nicht erfüllt waren, die Bewilligung somit zu
Unrecht erteilt wurde, so ist diese gestützt auf die vorgenannte Bestimmung zu
entziehen beziehungsweise zu widerrufen, soweit dies im Einzelfall verhältnismässig
erscheint und damit keine schutzwürdigen Vertrauenspositionen beeinträchtigt werden
(BGer 2C_147/2016 vom 31. Mai 2016 E. 3.2, 2C_96/2012 vom 18. September 2012 E.
2.2.2).
2.1.
Der Beschwerdeführer 1 bestreitet nicht, dass er die Voraussetzungen für die Erteilung
einer Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA gemäss dem Abkommen zwischen der
Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft
und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (SR 0.142.112.681, FZA)
vom Beginn weg nicht erfüllt hat, weil er gar nie slowenischer Staatsbürger war,
sondern serbischer Staatsbürger ist und damit über keine Staatsangehörigkeit eines
Mitgliedstaates der Europäischen Union verfügt (act. MA A 153, Bestätigung Pass ist
gefälscht, act. MA A 311 f.). Die Voraussetzungen für die Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA nach dem FZA waren bereits daher von Beginn an nie
gegeben. Entsprechend hat die Vorinstanz zutreffend erkannt, dass diese Konstellation
in Anwendung von Art. 23 Abs. 1 VEP grundsätzlich geeignet ist, den Widerruf der ihm
erteilten Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA nach sich zu ziehen.
2.2.
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3.
Bei der Prüfung eines drohenden Widerrufs einer Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA ist
zu beachten, ob dieser im Einzelfall verhältnismässig erscheint und ob dadurch keine
schutzwürdigen Vertrauenspositionen beeinträchtigt werden (BGer 2C_147/2016 vom
31. Mai 2016 E. 3.2, 2C_96/2012 vom 18. September 2012 E. 2.2.2). Nur wenn das FZA
tatsächlich zur Anwendung kommt, sind zusätzlich die Vorgaben von Art. 5 des
Anhangs I zum FZA (Erfordernis des Schutzes der öffentlichen Ordnung) zu
berücksichtigen, nicht aber dann, wenn dieses – wie vorliegend – fälschlicherweise auf
einen Drittstaatsangehörigen angewandt worden ist (2C_96/2012 vom 18. September
2012 E. 2.2.2).
3.1.
Zwar wurde der Beschwerdeführer 1 im Strafverfahren betreffend Fälschung von
Ausweisen und Täuschung von Behörden mit Urteil des Bezirksgerichts Zofingen vom
22. Januar 2018 mangels Beweisen freigesprochen (act. MA A 259 ff.). Jedoch ist die
Migrationsbehörde im ausländerrechtlichen Verfahren nicht ohne Weiteres an die
Einschätzung im strafrechtlichen Verfahren gebunden (vgl. BGer 2C_231/2019 vom 23.
Mai 2019 E. 2.4.1). Im Strafverfahren gilt der Grundsatz "in dubio pro reo", welcher
indes im vorliegenden ausländerrechtlichen Verfahren keine Anwendung findet.
Unbestrittenermassen ist der vom Beschwerdeführer 1 vorgelegte slowenische Pass
gefälscht (act. MA A 59 ff., 72 und 311 f.). Dahingestellt bleiben kann, ob der
Beschwerdeführer 1 die Schweizer Behörden mit seinen Angaben auf den jeweiligen
Gesuchsformularen und den zur Stützung seiner Angaben vorgelegten gefälschten
Pass täuschen wollte – was im Strafverfahren zu prüfen war – oder nicht. Fest steht,
dass der Beschwerdeführer 1 nur aufgrund des gefälschten slowenischen Passes, d.h.
aufgrund der slowenischen Staatsbürgerschaft in den Genuss einer
Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA gelangte. Zu prüfen bleibt, ob der Beschwerdeführer 1
sich zu Recht auf den guten Glauben beruft. Diesbezüglich liegt es aber an ihm, den
Nachweis zu erbringen, dass er auf die Echtheit des slowenischen Passes bzw. der
slowenischen Staatsbürgerschaft vertrauen durfte. Wie die Vorinstanz im
angefochtenen Entscheid allerdings zutreffend erwog, gelingt dies dem
Beschwerdeführer 1 aus den nachfolgenden Gründen nicht (E. 3 c des angefochtenen
Entscheides).
Offensichtlich war dem Beschwerdeführer 1 bewusst, dass er mit einem serbischen
Pass gar nicht in der Schweiz hätte arbeiten dürfen bzw. damit keine
3.2.
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Aufenthaltsbewilligung erhalten würde (Einvernahme Frage 47, act. MA A 105). Sodann
besteht eine erhebliche, und aufgrund der Aktenlage nicht auszuräumende Diskrepanz
bezüglich der Jahreszahlen, wie der Beschwerdeführer 1 an den slowenischen Pass
und damit an die slowenische Staatsbürgerschaft gelangt sein soll. Seine Vorbringen,
sich aufgrund der vergangenen Zeit nicht mehr genau erinnern zu können, vermögen
an dieser Einschätzung nichts zu ändern und sind als reine Schutzbehauptungen zu
werten. In der Einvernahme vom 7. Dezember 2016 gab der Beschwerdeführer 1 an,
dass er im Jahr 2005 die slowenische Staatsbürgerschaft beantragt habe (act. MA A,
102 Frage 18). Anlässlich der Hauptverhandlung im Strafverfahren vor dem
Bezirksgericht Zofingen sagte er demgegenüber aus, dass er die slowenische
Staatsbürgerschaft Ende 2008 beantragt und den entsprechenden Pass ungefähr
sechs Monate später erhalten habe (act. MA SA 263). In der Rekursschrift vom 29. Juli
2019 wiederum liess er ausführen, dass er im Jahr 2009 die slowenische
Staatsbürgerschaft und den Pass anschliessend im Jahr 2009 oder 2010 erhalten habe
(act. Vorinstanz 1). Der zusammen mit dem Aufenthaltsgesuch eingereichte
slowenische Pass ist jedenfalls ab dem 15. Januar 2009 gültig (act. MA A 75), was
nahelegt, dass er den Pass Anfang 2009 erhalten haben muss. Unterlagen betreffend
das Gesuch um Erlangung der slowenischen Staatsbürgerschaft durch Einbürgerung
bringt der Beschwerdeführer 1 keine bei, weshalb bereits der genaue Sachverhalt über
den Zeitablauf bis zum Erhalt des (gefälschten) slowenischen Passes nicht eruiert
werden kann. Es erstaunt daher auch nicht, dass der Beschwerdeführer 1 gemäss
Schreiben des Innenministeriums der Republik Slowenien vom 17. Juli 2017 –
entgegen seiner Darstellung – gar nie einen Antrag auf Verleihung der
Staatsbürgerschaft gestellt hat (Urteil des Bezirksgerichts Zofingen vom 22. Januar
2018 E. 3.2, act. MA A 263). Entsprechend bestehen mehr als erhebliche Zweifel an
den Angaben des Beschwerdeführers 1, wie er in den Besitz des slowenischen Passes
gekommen sein will. Letzteres umso mehr, als der Beschwerdeführer 1 in der
polizeilichen Einvernahme selbst ausführte, man müsse normalerweise zehn Jahre in
Slowenien leben, um die slowenische Staatsbürgerschaft zu erhalten. Im Jahr 2010
habe er noch gedacht, dass er den Pass früh bekommen habe (act. MA A, 102 Frage
18). Dem Auszug der Versicherungszeiten von der Pensions- und
Invalidenversicherungsanstalt Sloweniens ist zu entnehmen, dass der
Beschwerdeführer 1 erst ab dem August 2007 in einem Arbeitsverhältnis stand (act.
MA A 157). Ein allfällig früherer Aufenthalt in Slowenien ist aktenmässig nicht belegt.
Ob der Beschwerdeführer die für die Einbürgerung vorausgesetzte Aufenthaltsdauer
von zehn Jahren (http://www.celovec.konzulat.si/index.php?id=2741&L=2) überhaupt
jemals erfüllte, erscheint auch daher mehr als fraglich. So erstaunt es denn auch nicht,
wenn sich der Beschwerdeführer 1 – eigenen Angaben zufolge – wunderte, den
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4.
Zu prüfen bleibt somit noch, ob der Widerruf der Bewilligung und die damit
einhergehende Anordnung einer Wegweisung des Beschwerdeführers 1
verhältnismässig sind. Bei der Prüfung der Verhältnismässigkeit haben die zuständigen
Behörden bei der Ermessensausübung die öffentlichen Interessen und die privaten
Verhältnisse sowie den Grad der Integration gegeneinander abzuwägen (vgl. Art. 96
Abs. 1 AIG).
slowenischen Pass bereits im Jahr 2009 erhalten zu haben. Ebenso, wenn der
Beschwerdeführer 1 anlässlich seiner Einvernahme angab, drei Briefe von den
slowenischen Behörden erhalten zu haben, aufgrund derer er dann vor Gericht habe
gehen müssen, weil er anscheinend wegen des Passes gesucht worden sei
(Einvernahme Frage 14, act. MA A 101). Wann er diese Schreiben erhalten und was
darin gestanden haben soll, lässt sich den Akten nicht entnehmen. Vertieft werden die
erheblichen Zweifel etwa durch den Umstand, dass ihm in Slowenien eine
Aufenthaltsbewilligung, welche am 27. Juli 2009 ausgestellt wurde und bis am 20. Juni
2011 gültig war, erteilt worden ist. Die hierfür vom Beschwerdeführers 1 angeführte
Erklärung betreffend die Gründung einer Gesellschaft erscheint jedenfalls als geradezu
abwegig. Es ist jedenfalls nicht nachvollziehbar, weshalb ihm eine Behörde nach
Ausstellung eines slowenischen Passes (datiert vom 15. Januar 2009) im Juli 2009
noch zusätzlich eine Aufenthaltsbewilligung hätte erteilen sollen. Insgesamt betrachtet
bestehen im Lichte des Dargelegten äusserst gewichtige Zweifel an der vom
Beschwerdeführer 1 geltend gemachten Gutgläubigkeit, weshalb er sich denn auch
nicht auf den von ihm angerufenen Vertrauensschutz berufen kann.
Als zulässiges öffentliches Interesse gilt das Durchsetzen einer restriktiven
Einwanderungspolitik. Diese sorgt für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen der
schweizerischen und der ausländischen Wohnbevölkerung, die Schaffung günstiger
Rahmenbedingungen für die Eingliederung der in der Schweiz bereits ansässigen
Ausländer und die Verbesserung der Arbeitsmarktstruktur sowie eine möglichst
ausgeglichene Beschäftigung (BGE 135 I 153 E. 2.2.1 mit Hinweisen). Weiter besteht
ein wesentliches Interesse am Vollzug und der Einhaltung der geltenden
Gesetzgebung. Unter letzterem Aspekt gilt es zu beachten, dass dem
Beschwerdeführer 1 ohne Angabe einer falschen Staatsangehörigkeit als
Drittstaatenangehöriger ohne spezifische Qualifikation nie eine Aufenthaltsbewilligung
EU/EFTA erteilt worden wäre.
4.1.
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5.
Im Rahmen der Interessenabwägung gilt es ferner anzumerken, dass dem
Beschwerdeführer 1 die Reintegration in seine serbische Heimat ohne weiteres
zumutbar ist. Auf jeden Fall verbrachte er seine gesamte Kindheit bis mindestens ins
junge Erwachsenenalter – gemäss eigenen Angaben lebte er erst seit 1996 in
Slowenien; ein rechtsgenüglicher Nachweis einer Arbeitstätigkeit in Slowenien besteht
demgegenüber erst ab 2007 – in seiner Heimat Serbien; erst als 38-jähriger reiste er in
die Schweiz ein. Er ist in seiner Heimat sprachlich und gesellschaftlich sozialisiert
worden und die dortigen Gebräuche und Verhältnisse sind ihm bestens bekannt.
Soweit er einwendet, sich nach gut achtjährigem Aufenthalt in der Schweiz bereits
sprachlich, sozial und beruflich gut integriert zu haben, so mag dies durchaus zutreffen,
jedoch vermag ihm dies bereits daher nicht zum Vorteil gereichen, weil das in der
Schweiz verbrachte Leben ihm bloss aufgrund einer von ihm fälschlicherweise
erwirkten Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA möglich gewesen war. Der
Anwendungsbereich von Art. 8 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und
Grundfreiheiten (SR 0.101, EMRK) ist durch den angefochtenen Entscheid aufgrund
dieser Ausgangslage ebenfalls nicht betroffen. Einerseits verfügt der Beschwerdeführer
1 nach dem Gesagten nicht über ein gefestigtes freizügigkeits- oder nationalrechtliches
Anwesenheitsrecht. Andererseits kann er seine familiären Beziehungen im Heimatland
pflegen. Damit erweist sich die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA
gegenüber dem Beschwerdeführer 1 als rechtens und seine Beschwerde B 2019/258
ist daher abzuweisen.
Folge der gegenüber ihm zu Recht erfolgten Nichtverlängerung seiner
Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA ist, wie nachfolgend aufzuzeigen ist, dass mit ihm
zusammen – aufgrund des von ihm abgeleiteten Aufenthaltsrechts und weil ihnen kein
selbständiger Anspruch auf Erteilung oder Verlängerung einer Aufenthaltsbewilligung
zusteht - auch die weiteren Beschwerdeführenden die Schweiz werden verlassen
müssen.
Gemäss Art. 3 Abs. 1 Anhang I FZA haben die Familienangehörigen einer Person, die
Staatsangehörige einer Vertragspartei ist und ein Aufenthaltsrecht hat, das Recht, bei
ihr Wohnung zu nehmen. Es handelt sich dabei um ein abgeleitetes Aufenthaltsrecht
des Ehegatten, das dazu bestimmt ist, durch Ermöglichung des gemeinsamen
Familienlebens die Wirksamkeit der Freizügigkeit der EU-Angehörigen sicherzustellen
5.1.
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und das nur so lange dauert, als das originäre Aufenthaltsrecht des EU-Angehörigen
besteht (BGE 144 II 1 E. 3.1, BGE 139 II 393 E. 2.1).
Die Beschwerdeführerin 2 wiederum erlangte ihre Aufenthaltsbewilligung im Rahmen
des Familiennachzuges zwecks Verbleib beim Beschwerdeführer 1. Mit dem Widerruf
der EU-/EFTA Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers fällt auch das originäre
Aufenthaltsrecht der Beschwerdeführerin 2 ohne weiteres dahin. Ihre abgeleitete
Bewilligung durfte demnach mangels Fortdauerns der Bewilligungsvoraussetzungen
gestützt auf Art. 23 Abs. 1 VEP in Verbindung mit Art. 62 lit. d des Bundesgesetzes
über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration (SR 142.20, AIG,
Nichteinhalten einer mit der Verfügung verbundenen Bedingung) widerrufen werden.
Dies umso mehr, als das FZA diesbezüglich keine eigenen abweichenden
Bestimmungen enthält und auch kein selbständiger Anspruch auf eine
Aufenthaltsbewilligung aufgrund der Akten und der Vorbringen ersichtlich ist.
5.2.
Für einen sich aus dem Anspruch auf Schutz des Privatlebens (Art. 8 Ziff. 1 EMRK, Art.
13 Abs. 1 BV) abgeleiteten Schutz vor einer ausländerrechtlichen Fernhaltemassnahme
liegen ebenfalls keine hinreichenden Gründe vor. Rechtsprechungsgemäss genügen
hierzu nämlich selbst eine lange Anwesenheit und die damit verbundene normale
Integration nicht. Erforderlich wären vielmehr besonders intensive, über eine normale
Integration hinausgehende private Beziehungen beruflicher oder gesellschaftlicher
Natur (BGE 144 II 1 E. 6.1). Erst nach einer rechtmässigen Aufenthaltsdauer von rund
zehn Jahren kann regelmässig davon ausgegangen werden, dass die sozialen
Beziehungen in diesem Land so eng geworden sind, dass es für eine
Aufenthaltsbeendigung besonderer Gründe bedarf; im Einzelfall kann es sich freilich
anders verhalten und die Integration zu wünschen übriglassen (BGE 144 I 266 E. 3.9,
BGer 2C_58/2019 vom 31. Januar 2020 E. 8.1).
5.3.
Wie die Vorinstanz zu Recht feststellte, erweist sich die Wegweisung im konkreten Fall
auch gegenüber der Beschwerdeführerin 2 als verhältnismässig und geboten. Die oben
zitierte Rechtsprechung, wonach es aufgrund einer aufgrund einer Aufenthaltsdauer
von rund zehn Jahren besonderer Gründe für eine Aufenthaltsbeendigung bedürfte,
kann vorliegend der streitigen Nichtverlängerung ebenfalls nicht entgegengehalten
werden. Die Beschwerdeführerin 2 reiste erst im Alter von 35 Jahren am 4. Februar
2012 – und damit vor acht Jahren – in die Schweiz ein. Wie ihr Ehemann verbrachte
auch sie den grössten Teil und die prägenden Jahre ihres Lebens in ihrem Heimatland.
5.4.
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6.
Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten der beiden
Beschwerdeverfahren den Beschwerdeführern 1 und 2 aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1
VRP). Eine Entscheidgebühr von insgesamt CHF 3'000 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222
der Gerichtskostenverordnung; sGS 941.12, GKV). Diese Gerichtskosten werden mit
den geleisteten Gerichtskostenvorschüssen von CHF 4'000 verrechnet; CHF 1'000 sind
den Beschwerdeführern zurückzuerstatten.
Zwar versuchte sie sich in der Schweiz sprachlich und wirtschaftlich zu integrieren,
doch kann aufgrund der Aktenlage und der noch relativ kurzen Aufenthaltsdauer ohne
weiteres davon ausgegangen werden, dass keine besonders intensive Verbundenheit
zur Schweiz besteht, u.a. auch daher, als sie keine über die Kernfamilie
hinausgehenden, ausserfamiliären sozialen Kontakte geltend macht und solche auch
nicht ersichtlich sind.
Zu prüfen bleibt damit noch die gegenüber den Beschwerdeführern 3 - 5 bestätigten
Nichtverlängerungen ihrer Aufenthaltsbewilligungen sowie die damit einhergehenden
Wegweisungen. Das unmündige Kind teilt grundsätzlich schon aus familienrechtlichen
Gründen (Art. 25 Abs. 1 und Art. 301 Abs. 3 ZGB; BGE 133 III 505 E. 3.3 S. 306 ff.) das
ausländerrechtliche Schicksal des sorge- bzw. obhutsberechtigten Elternteils und hat
gegebenenfalls mit diesem das Land zu verlassen, wenn der Elternteil keine
Bewilligung (mehr) hat (BGE 143 I 21 E. 5.4, 139 II 393 E. 4.2.3, Urteil 2C_154/2016
vom 3. Oktober 2016 E. 3.3). Ist dem Kind die Ausreise zumutbar (was grundsätzlich zu
bejahen ist, wenn es sich in einem anpassungsfähigen Alter befindet), liegt
rechtsprechungsgemäss gar kein Eingriff in das durch Art. 8 EMRK geschützte Recht
auf Familienleben vor (BGE 135 I 153 E. 2.1 S. 155; 122 II 289 E. 3c S. 298; Urteil
2C_656/2011 vom 8. Mai 2012 E. 3.2).
C._ reiste zusammen mit der Beschwerdeführerin 2 als Baby in die Schweiz ein. Sie
besucht hier die zweite Primarklasse. Ihre beiden Geschwister D._ und E._ sind
sieben- und vierjährig. Alle drei Kinder befinden sich offenkundig noch in einem
anpassungsfähigen Alter. Es ist ihnen im Lichte der oben angeführten Rechtsprechung
betrachtet ohne weiteres zumutbar, mit den Eltern auszureisen, zumal sie – nach den
Erfahrungen des Lebens – im Familienverband auch bereits gewisse Kenntnisse über
die heimischen Verhältnisse und die dortige Kultur erworben haben dürften (vgl. BGer
2C_732/2018 vom 6. Dezember 2018 E. 4.2.2). Die von der Mutter und ihren Kindern
erhobene Beschwerde B 2019/260 erweist sich aufgrund des Gesagten als
unbegründet und ist daher ebenfalls abzuweisen.
5.5.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=2c_154%2F2016&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-III-497%3Ade&number_of_ranks=0#page505 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=2c_154%2F2016&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F139-II-393%3Ade&number_of_ranks=0#page393 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=2c_154%2F2016&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F135-I-153%3Ade&number_of_ranks=0#page153 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=2c_154%2F2016&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F122-II-289%3Ade&number_of_ranks=0#page289
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/13
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Ausseramtliche Kosten sind bei diesem Verfahrensausgang in beiden
Beschwerdeverfahren nicht zu entschädigen (Art. 98 Abs. 1 und Art. 98 VRP).