# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 4d0cee68-b628-4a81-8c86-a6c4d5027005
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
Die am 29. August 1990 gegründete Q._ AG mit Sitz in X._ bezweckt die Erbringung
von Dienstleistungen in der Unternehmensberatung in den Bereichen ... Mit Gesuch
vom 24. Februar 2021 beantragte die Gesellschaft eine finanzielle
Härtefallunterstützung im Zusammenhang mit der Covid-19-Epidemie in der Höhe von
CHF 70'000. Sie gab dabei an, als Zulieferbetrieb für antragsberechtigte Branchen in
den letzten zwölf Monaten einen Umsatzausfall von mindestens 40 Prozent erlitten zu
haben. Mit Schreiben vom 29. März 2021 teilte das Amt für Wirtschaft und Arbeit der
Gesuchstellerin mit, dass kein Härtefall vorliege und das Gesuch abzuweisen sei.
Mit Schreiben vom 12. April 2021 verlangte die Q._ AG eine beschwerdefähige
Verfügung. Sie machte geltend, im Kerngeschäft mit Arbeits- und Firmenbekleidung sei
der Umsatz um über 40 Prozent eingebrochen. Das neue Geschäft mit den
Gesichtsschutzmasken sei als temporäres Ersatzgeschäft mit geringer Marge zu
betrachten, weshalb es bei der Umsatzberechnung nicht zu berücksichtigen sei. Ferner
habe sie die Fixkosten im Jahr 2020 mit Reduktion von Personal- und
Managementkosten um CHF 53'000 gesenkt.
Nach Einreichung weiterer Unterlagen und unverändert abschlägigem Bescheid des
Volkswirtschaftsdepartements beantragte die Q._ AG am 27. September 2021 erneut
eine anfechtbare Verfügung. Das Volkswirtschaftsdepartement teilte der
Gesuchstellerin in der Folge mit, dass auch bei Anwendung einer Spartenrechnung
keine ungedeckten Fixkosten resultierten, weshalb das Gesuch abgelehnt werden
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müsse, und stellte ohne anderslautende Mitteilung die beantragte anfechtbare
Verfügung in Aussicht. Am 10. Januar 2022 stellte das Volkswirtschaftsdepartement
eine Beurteilung des Gesuchs unter Beachtung des Zeitraums Juli 2020 bis Juni 2021
in Aussicht und bat um weitere Auskünfte. Die Q._ AG gab keine entsprechende
Rückmeldung, sondern verlangte am 9. Februar 2022 abermals eine anfechtbare
Verfügung. Diese erging am 23. März 2022. Das Gesuch um wirtschaftliche
Unterstützung im Zusammenhang mit der Covid-19-Epidemie wurde abgewiesen mit
der Begründung, dass die Gesuchstellerin keiner anspruchsberechtigten Branche
angehöre und der Nachweis des Zulieferbetriebs wie auch des massgeblichen
Umsatzrückgangs von 40 Prozent trotz mehrfacher Aufforderung nicht erbracht worden
sei. Die Gebühr für die Verfügung wurde auf CHF 250 festgesetzt.
B.
Mit Eingabe vom 6. April 2022 erhob die Q._ AG (Beschwerdeführerin) Beschwerde
gegen die ablehnende Verfügung des Volkswirtschaftsdepartements (Vorinstanz) mit
dem sinngemässen Antrag, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, und ihr sei ein
nicht rückzahlbarer Beitrag in der Höhe von CHF 70'000 zuzusprechen. Auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses wurde seitens des Gerichtes vorläufig verzichtet.
Mit Vernehmlassung vom 29. April 2022 beantragte die Vorinstanz die Abweisung der
Beschwerde. Auf die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung und die
Ausführungen der Beschwerdeführerin zur Begründung ihres Antrags sowie die Akten
wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.

## Considerations

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Als Adressatin der
ablehnenden Verfügung der Vorinstanz ist die Beschwerdeführerin zur Ergreifung des
Rechtsmittels berechtigt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die
Beschwerde wurde mit Eingabe vom 6. April 2022 rechtzeitig erhoben und erfüllt formal
wie inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1
und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
bis
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2.
Umstritten ist, ob die Beschwerdeführerin die Voraussetzungen für einen nicht
rückzahlbaren Beitrag erfüllt. Sie macht im Wesentlichen geltend, ihr Unternehmen sei
in zwei klar abgrenzbare Sparten aufgeteilt. Die Sparte Bekleidung habe im
Geschäftsjahr 2020 eine Umsatzeinbusse von 45,82 Prozent gegenüber dem
Durchschnitt der Jahre 2018 und 2019 erlitten, womit die Voraussetzung eines
Umsatzrückgangs von mindestens 40 Prozent erfüllt sei. Diese Umsatzeinbusse sei
sodann zu mehr als 75 Prozent auf ausgebliebene Geschäftstätigkeiten mit
anspruchsberechtigten Betrieben zurückzuführen. Sie sei Zulieferin von diesen. Ohne
entsprechende Massnahmen wie Lohnreduktionen, Verzicht auf Honorare und
Entwicklung eines neuen Produkts (Gesichts-Schutzschild) hätte in der Sparte
Bekleidung ein Verlust von CHF 80'000 resultiert. Es lägen daher ungedeckte Fixkosten
vor.
Die Vorinstanz erwog in der angefochtenen Verfügung, anhand der von der
Beschwerdeführerin eingereichten Akten habe nicht ermittelt werden können, ob der
erforderliche Umsatzrückgang als Zulieferin eingetreten sei. Sie habe die
mitwirkungspflichtige Beschwerdeführerin mehrfach erfolglos um entsprechende
Auswertungen ersucht, weshalb das Gesuch abgewiesen worden sei.
3.
3.1.
Mit der Beschwerde können Rechtsverletzungen geltend gemacht werden. Die
Beschwerdeführerin kann sich auch darauf berufen, die angefochtene Verfügung oder
der angefochtene Entscheid beruhe auf einem unrichtig oder unvollständig
festgestellten Sachverhalt (Art. 61 Abs. 1 und 2 VRP). Die Kognition des
Verwaltungsgerichts ist auf Rechtsverletzungen beschränkt. Falls einer Behörde beim
entsprechenden Entscheid ein Ermessensspielraum zukommt, hat das
Verwaltungsgericht diesen zu respektieren (Looser/Looser-Herzig, in: Rizvi/Schindler/
Cavelti [Hrsg.], Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar, Zürich/
St. Gallen 2020, N 3 und 5 zu Art. 61 VRP).
Art. 1 der Verordnung über Härtefallmassnahmen für Unternehmen im Zusammenhang
mit der Covid-19-Epidemie (in der bis 31. Dezember 2021 gültigen Fassung AS 2021
884, Covid-19-Härtefallverordnung) in Verbindung mit Art. 12 Abs. 1 und Abs. 1
3.1.1.
sexies
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des Bundesgesetzes über die gesetzlichen Grundlagen für die Verordnungen des
Bundesrates zur Bewältigung der Covid-19-Epidemie (SR 818.102, Covid-19-Gesetz)
hält den Grundsatz fest, wonach sich der Bund im Rahmen des von der
Bundesversammlung bewilligten Verpflichtungskredits an den Kosten und Verlusten
beteiligt, die einem Kanton aus seinen Härtefallmassnahmen für Unternehmen
entstehen, sofern die kantonale Regelung die Mindestvor-aussetzungen dieser
Verordnung bezüglich der Anspruchsberechtigung der Unternehmen sowie der
Ausgestaltung der Massnahmen erfüllt (vgl. Art. 2 bis 6 der Covid-19-
Härtefallverordnung).
Der Kanton St. Gallen hat für die Ausgestaltung der Härtefallmassnahmen auf
Grundlage der bundesrechtlichen Bestimmungen gemäss Covid-19-Gesetz und
Covid-19-Härtefallverordnung das Gesetz über die wirtschaftliche Unterstützung von
Unternehmen sowie von durch die öffentliche Hand geführten öffentlichen Institutionen
der familienergänzenden Kinderbetreuung in Zusammenhang mit der Covid-19-
Epidemie (sGS 571.3, kantonales Covid-Gesetz) erlassen. Die Härtefallmassnahmen
sind begrenzt auf die Mittel des Bundes, die er für Härtefallmassnahmen bereitstellt,
und jene des Kantons, die maximal 95 Millionen Franken betragen (Art. 2 des
kantonalen Covid-Gesetzes). Gemäss Art. 3 Abs. 1 des kantonalen Covid-Gesetzes
kann der Kanton Unternehmen unter gewissen Voraussetzungen Härtefallmassnahmen,
darunter auch nicht rückzahlbare Beiträge, gewähren. Die Unternehmen können keinen
Rechtsanspruch auf Finanzhilfen geltend machen (Art. 5 Abs. 3 des kantonalen Covid-
Gesetzes).
Bundesrechtlich geregelt ist damit lediglich, unter welchen Bedingungen sich der Bund
an kantonalen Unterstützungsmassnahmen für Härtefälle beteiligt. Die Federführung
liegt allein bei den Kantonen. Sie definieren die Härtefallmassnahmen. Dabei liegt der
Entscheid, ob und in welchem Umfang Härtefallmassnahmen ergriffen werden, in deren
alleiniger Zuständigkeit. Die Kantone entscheiden also – zumindest für Unternehmen
mit einem Jahresumsatz von unter 5 Millionen Franken – frei, ob sie Massnahmen
ergreifen und, falls ja, wie sie diese ausgestalten. Damit sind die Rahmenbedingungen
dafür geschaffen, dass die Härtefallmassnahmen zum einen den unterschiedlichen
Gegebenheiten in den Kantonen gerecht werden und ihnen zum andern ein gewisser
Ermessensspielraum zukommt (Erläuterungen der Eidgenössischen Finanzverwaltung
vom 31. März 2021 zur Covid-19-Härtefallverordnung, S. 2, nachfolgend: Erläuterungen
EFV). Die Verwendung des Begriffs "gewisser Ermessensspielraum" rührt dabei von
3.1.2.
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den bundesrechtlichen Vorgaben für eine finanzielle Beteiligung in der Covid-19-
Härtfallverordnung her, hat aber nichts mit der Freiheit der Kantone zu tun, die
Ausgestaltung der Entschädigungen, insbesondere deren Höhe, selber bestimmen zu
können.
Das zur Verfügung stehende Gesamtvolumen an finanziellen Mitteln wie auch die
Ausgestaltung als Kann-Vorschrift schränken die Rechtsansprüche auf die nicht
rückzahlbaren Beiträge ein oder schliessen solche nachgerade aus. Die staatlichen
Unterstützungen haben trotz und auch gerade wegen der besonderen gesundheitlichen
und gesellschaftlichen Situation der Bevölkerung den Charakter von Hilfestellungen
(und damit von Subventionen). Daran ändert nichts, dass Unternehmen, welche die
Voraussetzungen für die Gewährung von finanziellen Garantien und nicht rückzahlbaren
Beiträgen erfüllen, die Leistungen auch einfordern können. Wenn die Voraussetzungen
gegeben sind, entstehen zwar "Ansprüche"; deren Erfüllung geschieht jedoch im
Rahmen der vom Kantonsrat bewilligten Mittel (Art. 2 des kantonalen Covid-Gesetzes).
Somit wird deutlich, dass es sich nicht um klassische Ansprüche, begründet auf
durchsetzbaren Rechten, handelt, sondern vielmehr um berechtigte Erwartungen
gegenüber dem Gemeinwesen, das Unternehmen innerhalb der verfügbaren Mittel zu
unterstützen, wobei einerseits die Behandlung der Gesuche einer Verteilgerechtigkeit
unterliegt und es andererseits um eine angemessene Ausschüttung von Geldern,
bezogen auf die konkreten Verhältnisse des einzelnen Unternehmens, geht. In diesem
Sinn ist Art. 5 Abs. 3 des kantonalen Covid-Gesetzes, wonach kein Rechtsanspruch
auf Finanzhilfen geltend gemacht werden kann, zu verstehen.
Das bedeutet, dass der Kanton bei der Umsetzung der Covid-Massnahmen,
insbesondere im Rahmen der finanziellen Unterstützung von Betroffenen, analog dem
Subventionsrecht einen weiten Ermessenspielraum geniesst. Ähnlich den Subventionen
beziehen sich die Covid-Härtefallunterstützungen auf Spezialgebiete, und die
Rechtsmittelbehörden verfügen über keine eigenen Fachkenntnisse. Eine freie
Überprüfung der Praxis der Vorinstanz würde – wie bei den Subventionen – auch die
Gefahr von Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten gegenüber anderen
Antragsstellenden in sich bergen (vgl. zur Überprüfung von Subventionsentscheiden
BVGer A-1851/2013 vom 20. August 2013 E. 2 und B-8207/2010 vom 22. März 2011 E.
2.2 mit Hinweisen; im Allgemeinen BGE 133 II 35 E. 3). Das Verwaltungsgericht hat sich
daher bei der Überprüfung bezüglich der Gewährung von Härtefallgeldern
Zurückhaltung aufzuerlegen, indem es in Fragen, die durch die Justizbehörden
naturgemäss schwer überprüfbar sind, nicht ohne Not von den Beurteilungen des
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erstinstanzlichen Fachgremiums abweicht. Insbesondere bei der Bewertung und
Einstufung der in den Rechtsgrundlagen definierten Kriterien ist ein erheblicher
Beurteilungsspielraum vorhanden (vgl. analog zum Vergaberecht BGE 139 II 185 E. 9.3,
VerwGE B 2020/29 vom 13. März 2020 E. 2.3.2). Diesen Ermessensbereich hat das
Gericht zu respektieren, soweit nicht frei zu prüfende Rechtsfragen zur Diskussion
stehen. Hat eine fachkundige Behörde, wie hier das vom Kanton bestellte
Fachgremium (Art. 11 Abs. 4 des kantonalen Covid-Gesetzes), eine Empfehlung
abgegeben, ist substantiiert darzulegen, inwiefern das Ermessen überschritten oder
allenfalls unterschritten ist (vgl. BGE 141 II 14 E. 8.3).
3.2.
Nach Art. 12 Abs. 1 des Covid-19-Gesetzes kann der Bund auf Antrag eines oder
mehrerer Kantone Härtefallmassnahmen für Einzelunternehmen,
Personengesellschaften oder juristische Personen mit Sitz in der Schweiz
(Unternehmen) unterstützen, die vor dem 1. Oktober 2020 gegründet worden sind oder
ihre Geschäftstätigkeit aufgenommen haben, am 1. Oktober 2020 ihren Sitz im
jeweiligen Kanton hatten, aufgrund der Natur ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit von den
Folgen von Covid-19 besonders betroffen sind und einen Härtefall darstellen,
insbesondere Unternehmen in der Wertschöpfungskette der Eventbranche,
Schausteller, Dienstleister der Reisebranche, Gastronomie- und Hotelleriebetriebe
sowie touristische Betriebe. Ein Härtefall liegt vor, wenn der Jahresumsatz unter
60 Prozent des mehrjährigen Durchschnitts liegt. Die gesamte Vermögens- und
Kapitalsituation ist zu berücksichtigen sowie der Anteil an nicht gedeckten Fixkosten
(Art. 12 Abs. 1 des Covid-19-Gesetzes). Der Bundesrat regelt die Einzelheiten in einer
Verordnung, wobei er Unternehmen berücksichtigt, die im Durchschnitt der Jahre 2018
und 2019 einen Umsatz von mindestens CHF 50'000 erzielt haben (Art. 12 Abs. 4 des
Covid-19-Gesetzes).
Nach Art. 5 Abs. 1 der Covid-19-Härtefallverordnung muss das Unternehmen
gegenüber dem Kanton belegt haben, dass sein Jahresumsatz 2020 im
Zusammenhang mit behördlich angeordneten Massnahmen zur Bekämpfung der
Covid-19-Epidemie unter 60 Prozent des durchschnittlichen Jahresumsatzes der Jahre
2018 und 2019 liegt (sog. Typ 1-Unternehmen). Bei Umsatzrückgängen von Januar
2021 bis Juni 2021 im Zusammenhang mit behördlich angeordneten Massnahmen zur
Bekämpfung der Covid-19- Epidemie kann das Unternehmen für die Berechnung des
Umsatzrückgangs anstelle des Jahresumsatzes 2020 den Umsatz einer späteren
3.2.1.
bis
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Periode von zwölf Monaten verwenden, längstens bis und mit Juni 2021 (sog.
gleitender Jahresdurchschnitt; Art. 5 Abs. 1 der Covid-19-Härtefallverordnung und
Erläuterungen EFV, S. 7; sog. Typ 2-Unternehmen). Das Unternehmen hat gegenüber
dem Kanton sodann zu bestätigen, dass aus dem Umsatzrückgang erhebliche
ungedeckte Fixkosten resultieren (Art. 5a der Covid-19-Härtefallverordnung).
Unternehmen, deren Tätigkeitsbereiche mittels Spartenrechnung klar abgegrenzt
werden, können beantragen, dass die Anforderungen nach den Art. 3 Abs. 1 lit. c, 5, 5a
und 8-8c je Sparte separat beurteilt werden (Art. 2a der Covid-19-Härtefallverordnung).
bis
Nach Art. 3 Abs. 1 des kantonalen Covid-Gesetzes kann Unternehmen eine
Härtefallmassnahme gewährt werden, wenn sie die Vorgaben nach dem zweiten
Abschnitt der Covid-19-Härtefallverordnung erfüllen (lit. a), ihren Umsatz zu wenigstens
75 Prozent in einer Branche nach Art. 4 dieses Erlasses (insbesondere Gastronomie,
Hotellerie, Reisen und Tourismus, Märkte und Messen, Freizeit und Veranstaltungen
sowie Tierparks) erzielen (lit. b), per 1. Oktober 2020 ihren Sitz im Kanton St. Gallen
haben und per 30. September 2020 Arbeitsplätze im Umfang von wenigstens
100 Stellenprozent in der Schweiz aufweisen (lit. c), keinen Anspruch auf
branchenspezifische Covid-19-Finanzhilfen des Bundes oder des Kantons St. Gallen in
den Bereichen Kultur, Sport, öffentlicher Verkehr oder Medien haben (lit. d), per 31.
Dezember 2019 nicht überschuldet waren (lit. e), über einen Nachweis der
Überlebensfähigkeit verfügen, der glaubhaft aufzeigt, dass die Finanzierung des
Unternehmens mit der Härtefallmassnahme gesichert werden kann (lit. f) und sich am
15. März 2020 nicht in einem Betreibungsverfahren für steuerrechtliche Forderungen
befunden haben, das nicht bereits durch eine Zahlung abgeschlossen oder für das
noch keine Zahlungsplanung vereinbart werden konnte (lit. g). Die
Härtefallmassnahmen können gewährt werden in Form von Solidarbürgschaften, nicht
rückzahlbaren Beiträgen oder einer Kombination von beidem. Für ungedeckte
Fixkosten werden nicht rückzahlbare Beiträge gewährt (Art. 5 Abs. 1 und 2 des
kantonalen Covid-Gesetzes).
Massgebend für die Zuordnung eines Unternehmens zu einer vom Umsatzrückgang
betroffenen Branche ist der NOGA (Nomenclature Générale des Activités
Economiques, zu Deutsch: Allgemeine Systematik der Wirtschaftszweige)-Code des
Bundesamtes für Statistik. Die Regierung legt die NOGA-Codes fest, die zu einer
Unterstützung berechtigen (Art. 4 Abs. 2 des kantonalen Covid-Gesetzes). Anderen
Unternehmen können Härtefallmassnahmen gewährt werden, wenn sie einen
3.2.2.
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4.
Umsatzrückgang nach Art. 5 der Covid-19-Härtefallverordnung erlitten haben und
nachweisen, dass dieser zu mehr als 75 Prozent auf ausgebliebene
Geschäftstätigkeiten mit Unternehmen nach Art. 4 Abs. 1 des kantonalen Covid-
Gesetzes zurückzuführen ist (Art. 4 Abs. 3 lit. a des kantonalen Covid-Gesetzes).
Im Verwaltungsverfahrensrecht sind Begehren auf Verlangen der Behörde mit einer
kurzen Begründung schriftlich einzureichen oder zu Protokoll zugeben. Allfällige
Beweismittel sind zu bezeichnen und soweit möglich beizulegen (Art. 11 Abs. 1 und 2
VRP). Dabei handelt es sich um eine Mitwirkungspflicht, genauer gesagt
Mitwirkungslast der Verfahrensparteien, welche in enger Verbindung zu Art. 12 Abs. 2
VRP steht, wonach die Untersuchungspflicht der Behörden auf die Erhebung der
angebotenen und leicht zugänglichen Beweise beschränkt ist (A. Kneer, in: Rizvi/
Schindler/Cavelti [Hrsg.], a.a.O., N 8 zu Art. 11 VRP). Härtefallmassnahmen werden auf
Gesuch hin gewährt. Entsprechende Gesuche können einmalig bis zum 31. Oktober
2021 ausschliesslich elektronisch mittels dem bereitgestellten Formular beim Kanton
eingereicht werden (Art. 11 Abs. 1 des kantonalen Covid-Gesetzes). Aus dem
elektronischen Formular sind die notwendigen Beilagen ersichtlich.
3.3.
Die Geschäftstätigkeit der Beschwerdeführerin besteht hauptsächlich im Verkauf von
Berufs- und Arbeitskleidung. Sie gehört damit keiner der direkt betroffenen Branchen
mit einem im Anhang zum Regierungsbeschluss aufgezählten NOGA-Code an. Als
Zulieferbetrieb könnte sie indessen allenfalls Anspruch auf Entschädigung haben,
sofern ihr mindestens 40-prozentiger Umsatzrückgang zu mehr als 75 Prozent auf
ausgebliebenen Geschäftstätigkeiten mit anspruchsberechtigten Unternehmen
zurückzuführen ist. Mit dem Kriterium des Umsatzrückgangs von mindestens 40
Prozent sollen Härtefälle abgefedert werden, die direkt oder indirekt auf behördliche
Massnahmen zurückzuführen sind (Erläuterungen EFV, S. 7).
Eine weitere zu erfüllende Voraussetzung ist das Vorhandensein von ungedeckten
Fixkosten. Gleich wie die Covid-19-Härtefallverordnung sieht das kantonale Covid-
Gesetz für Unternehmen mit einem Umsatz von unter 5 Millionen Franken keine
pauschale Fixkostenentschädigung vor. Es werden nicht einfach sämtliche während
der Schliessungszeiten der Betriebe anfallenden Fixkosten, sondern lediglich die
ungedeckten Fixkosten entschädigt. Nach der gerichtsnotorischen Praxis der
Vorinstanz werden auf der Basis der vom Unternehmen eingereichten und
4.1.
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plausibilisierten Zahlen der Erfolgsrechnung 2020 die ungedeckten Fixkosten für das
Kalenderjahr 2020 und für die Zeit bis Juni 2021 ermittelt. Zum in der Jahresrechnung
2020 ausgewiesenen Jahresergebnis werden die getätigten, liquiditätsunwirksamen
Abschreibungen hinzugerechnet (sog. indirekter Cashflow) und anschliessend die
Hälfte der durchschnittlichen Abschreibungen der Jahre 2018/2019 in Abzug gebracht.
Die Annahme, dass ein Unternehmen, welches mit dieser Berechnungsmethode im
Jahr 2020 oder im Fall eines gleitenden Jahresdurchschnitts in einer späteren
zwölfmonatigen Periode bis maximal Juni 2021 einen Gewinn ausweist, in der Regel
keine ungedeckten Fixkosten hatte, erweist sich dabei im Grundsatz als sachgerecht.
Die Beschwerdeführerin erzielte im Jahr 2020 über das ganze Unternehmen gesehen
einen Umsatz von CHF 437'432 (act. 8/1.6). In der Periode Juli 2020 bis Juni 2021
belief sich ihr Umsatz auf CHF 324'108 (act. 8/4.5.2 und 4.5.3). Der Umsatz der
Vorjahre 2018 und 2019 betrug im Durchschnitt CHF 452'094 (act. 8/1.3 und 1.4). Der
Umsatzrückgang im Jahr 2020 betrug damit rund 4 Prozent und in der Periode Juli
2020 bis Juni 2021 28 Prozent. Weder als Typ 1-Unternehmen (Umsatzrückgang im
Jahr 2020 verglichen mit den Vorjahren 2018/2019) noch als Typ 2-Unternehmen
(Umsatzrückgang Juli 2020 bis Juni 2021 verglichen mit den Vorjahren 2018/2019)
erreicht die Beschwerdeführerin damit die erforderliche Mindesthöhe für die
Umsatzeinbusse von 40 Prozent.
Die Beschwerdeführerin macht indessen geltend, der Umsatzrückgang sei für die
Sparte Bekleidung separat zu betrachten. Sie sei seit April 2020 in zwei Sparten tätig,
einerseits in der seit langem bestehenden Sparte der Arbeits- und Firmenbekleidung,
bei welcher sowohl für das Jahr 2020 als auch für die Periode Juli 2020 bis Juni 2021
die Schwelle der mindestens 40-prozentigen Umsatzeinbusse erreicht werde, und in
der seit April 2020 neu aufgebauten Sparte mit dem Verkauf von Schutzmasken. In der
Sparte Bekleidung lägen ohne die Massnahmen des Lohn- und Honorarverzichts
zudem ungedeckte Fixkosten vor. Zu klären ist somit, ob es sich bei den beiden
Bereichen Verkauf von Arbeits- und Firmenbekleidung und Verkauf von Schutzmasken
um unterschiedliche Sparten im Sinn der gesetzlichen Bestimmungen handelt.
Nach Art. 12 Abs. 2 des Covid-19-Gesetzes muss es Unternehmen, deren
Tätigkeiten klar abgegrenzt sind, ermöglicht werden, verschiedene Arten von Beihilfen
zu erhalten, sofern es keine Überlappungen gibt. Bei Einführung dieser Bestimmung
ging es um eine Regelung für Unternehmen, die in verschiedenen Branchen tätig sind
und als Folge davon bereits Anspruch auf andere branchenspezifische Covid-19-
4.2.
ter
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Finanzhilfen des Bundes haben, womit sie gestützt auf Art. 12 Abs. 2 des Covid-19-
Gesetzes von den Härtefallmass-nahmen gemäss Covid-19-Gesetz ausgeschlossen
wären (z.B. Restaurationsbetrieb mit Kulturbühne oder Reisecarunternehmen, das im
regionalen Personenverkehr tätig ist und gleichzeitig Ausflugsfahrten anbietet; vgl.
Erläuterungen EFV, S. 5). In der Covid-19-Härtefallverordnung wird daher in Art. 2a
präzisiert, dass Unternehmen mit Tätigkeitsbereichen, die mittels Spartenrechnung klar
abgegrenzt werden, beantragen können, dass die Anforderungen bezüglich
Lohnkosten in der Schweiz, Umsatzrückgang, ungedeckte Fixkosten sowie
umsatzabhängigen Höchstbetrag separat nach Sparte beurteilt werden.
Die Beschwerdeführerin vertreibt gemäss Website Arbeits- und Firmenbekleidung. Als
Folge des Ausbruchs der Epidemie verkauft sie seit April 2020 zusätzlich
Schutzmasken und Schutzscheiben. Auch wenn mit den Schutzmasken nebst der
Arbeits- und Firmenbekleidung ein neues Produkt hinzugekommen ist, handelt es sich
letztlich bei beiden Bereichen um den Verkauf von Konsumgütern und damit generell
um eine Handelstätigkeit in einer nicht direkt von behördlicher Schliessung oder vom
Umsatzrückgang betroffenen Branche (vgl. Art. 4 Abs. 1 lit. a und b des kantonalen
Covid-Gesetzes). Für eine separate Betrachtung hinsichtlich des Umsatzrückgangs
fehlt es damit an klar abgrenzbaren verschiedenen Tätigkeitsbereichen (Branchen) im
Sinn der erwähnten gesetzlichen Bestimmungen. Zudem kam der Handel mit den
Schutzmasken im Jahr 2020 neu dazu mit dem Zweck, den covidbedingten Umsatz-
und Ertragsrückgang im Bereich Arbeits- und Firmenbekleidung zu kompensieren. Er
kann daher bei der Bestimmung der Umsatzeinbusse nicht einfach ausser Acht
gelassen werden. Unter diesen Umständen ist eine separate Beurteilung des
Umsatzrückgangs wie auch der ungedeckten Fixkosten für den Bereich Bekleidung
ausgeschlossen.
bis
Wie eingangs dargelegt, fehlt es über die ganze Unternehmung gesehen sowohl für das
Jahr 2020 als auch für die Periode Juli 2020 bis Juni 2021 an einem mindestens 40-
prozentigen Umsatzrückgang und damit an einer unabdingbaren Voraussetzung für die
Zusprechung von Härtefallgeldern (vgl. Art. 12 Abs. 1 des Covid-19-Gesetzes, Art. 5
Abs. 1 der Covid-19-Härtefallverordnung). Die Vorinstanz hat damit das Gesuch der
Beschwerdeführerin zu Recht abgewiesen, weshalb auch die Beschwerde gegen deren
Verfügung vom 23. März 2022 abzuweisen ist.
Bei diesem Verfahrensausgang kann offengelassen werden, wie es sich mit den
ungedeckten Fixkosten und dem Anteil am auf ausgebliebenen Geschäftstätigkeiten
4.3.
bis
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5.
In Streitigkeiten hat jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder
teilweise abgewiesen werden (Art. 95 Abs. 1 VRP). Auf die Erhebung von amtlichen
Kosten wird jedoch in der Regel gestützt auf Art. 97 VRP verzichtet, wenn eine
Rechtsfrage in einem Verfahren erstmals entscheiden wird (R. von Rappard-Hirt, in:
Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], a.a.O., N 7 zu Art. 97 VRP). Dem Verfahrensausgang
entsprechend wären die amtlichen Kosten – angemessen ist vorliegend eine
Entscheidgebühr von CHF 1'500 (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS
941.12) – der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Da im
Zusammenhang mit Härtefallmassnahmen für Unternehmen aufgrund der Covid-19-
Gesetzgebung erst wenige Entscheide des Verwaltungsgerichts ergangen und
publiziert worden sind, rechtfertigt es sich, ausnahmsweise auf die Erhebung der
Kosten zu verzichten.
Ein Antrag auf Ersatz der ausseramtlichen Kosten wurde von keiner Seite gestellt,
weshalb darüber nicht zu befinden ist (Art. 98 Abs. 1 VRP). Bei diesem
Verfahrensausgang hätte die unterliegende Beschwerdeführerin ohnehin keinen
Ersatzanspruch (Art. 98 VRP), und der Vorinstanz steht grundsätzlich kein
Kostenersatz zu (vgl. VerwGE B 2017/59 vom 23. März 2018 E. 7 mit Hinweis auf R.
Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz,
Lachen/St. Gallen 2004, S. 176 ff.).