# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b330842c-b4c2-4267-8512-788222ffacf0
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend
Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Uster vom 2. November 2017 (DG160024)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 22. September
2016 (Urk. D1/55) sowie die Nachtragsanklageschrift der Staatsanwaltschaft
Zürich-Sihl vom 21. April 2017 (Urk. D1/79/31) sind diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 109 S. 54 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Auf das Verfahren wird hinsichtlich der Vorwürfe
− des geringfügigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in Ver-
bindung mit Art. 172ter StGB;
− der Übertretung gegen das Personenbeförderungsgesetz im Sinne von
Art. 57 Abs. 1 lit. a PBG; und
− der Übertretung gegen das Bundesgesetz über die Betäubungsmittel und die
psychotropen Stoffe (BetmG) im Sinne von Art. 19a BetmG, soweit sich der
Sachverhalt auf die Zeit vor dem 2. November 2014 bezieht;
zufolge Verjährung nicht eingetreten.
2. Der Beschuldigte, A._, ist schuldig
− des versuchten Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 22
Abs. 1 StGB (Dossier 1);
− der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB (Dossier 1);
− des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB (Dossier 1);
− der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB
(Dossier 1);
− der Fälschung von Ausweisen im Sinne von Art. 252 StGB (Dossier 2);
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− der unrechtmässigen Aneignung im Sinne von Art. 137 Ziff. 2 StGB
(Dossier 3);
− der Hinderung einer Amtshandlung im Sinne von Art. 286 StGB (Nachtrag
Dossier 1 - Kokain);
− des Verbrechens gegen das Bundesgesetz über die Betäubungsmittel und
die psychotropen Stoffe (BetmG) im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c und d in
Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG (Nachtrag Dossier 1 - Kokain);
− des mehrfachen Vergehens gegen das Bundesgesetz über die Betäubungs-
mittel und die psychotropen Stoffe (BetmG) im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c
und d BetmG (Dossier 5, Nachtrag Dossier 1 - Marihuana);
− der mehrfachen Übertretung gegen das Bundesgesetz über die Betäubungs-
mittel und die psychotropen Stoffe (BetmG) im Sinne von Art. 19a BetmG
(Dossier 5, Nachtrag Dossier 1);
− des mehrfachen Führens eines Motorfahrzeugs ohne Führerausweis im Sinne
von Art. 95 Abs. 1 lit. a SVG (Dossier 8, 9, 13, Nachtrag Dossier 2 (4x) und 3
(1x));
− des Fahrens ohne Haftpflichtversicherung im Sinne von Art. 96 Abs. 2 und
Abs. 3 SVG (Dossier 4);
− der missbräuchlichen Verwendung von Kontrollschilder im Sinne von Art. 97
Abs. 1 lit. a SVG (Dossier 4);
− der mehrfachen Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1
SVG in Verbindung mit
− Art. 36 Abs. 2 SVG und Art. 14 Abs. 1 VRV (Nichtgewähren des
Rechtsvortritts);
− Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 4a Abs. 1 lit. a VRV und Art. 22 Abs. 1 SSV
(mehrfaches Überschreiten der Höchstgeschwindigkeit);
− Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 48 Abs. 8 SSV (Überschreiten der zulässi-
gen Parkzeit);
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− Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 68 Abs. 1bis SSV (Missachten eines Rot-
lichts);
− Art. 39 Abs. 1 SVG und Art. 28 Abs. 1 VRV (Unterlassung der Rich-
tungsanzeige).
3. Der Beschuldigte wird vom Vorwurf der mehrfachen Erpressung im Sinne von
Art. 156 StGB, eventualiter der mehrfachen Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB,
freigesprochen.
4. Der Beschuldigte wird bestraft mit 4 Jahren und 6 Monaten Freiheitsstrafe (wovon
bis und mit heute 141 Tage durch Haft erstanden sind) sowie mit einer Geldstrafe
von 10 Tagessätzen zu Fr. 30.– und einer Busse von Fr. 1'500.–, teilweise als Zu-
satzstrafe zu der mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 17. Juni 2014 (Ge-
schäfts-Nr. GG140078-L) und der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Muri-
Bremgarten vom 30. Oktober 2014 (Geschäfts-Nr. ST.2013.3690) ausgefällten
Strafe.
5. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben.
6. Die Geldstrafe und die Busse sind zu bezahlen.
7. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine
Ersatzfreiheitsstrafe von 15 Tagen.
8. Der mit Urteil des Bezirksgerichtes Zürich vom 17. Juni 2014 (Geschäfts-
Nr. GG140078-L) für eine Geldstrafe von 240 Tagessätzen zu Fr. 30.– gewährte
bedingte Vollzug wird widerrufen. Die Strafe wird vollzogen.
9. Der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten vom 30. Oktober 2014
(Geschäfts-Nr. ST.2013.3690) für eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu Fr. 30.–
gewährte bedingte Vollzug wird widerrufen. Die Strafe wird vollzogen.
10. Auf die Anordnung einer Landesverweisung im Sinne von Art. 66a StGB wird ver-
zichtet.
11. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft See / Oberland vom 7. August 2015 be-
schlagnahmten Gegenstände werden dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechts-
kraft auf erstes Verlangen herausgegeben:
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− biometrische CH-Reiseausweis für Flüchtlinge lautend auf A._, Ausweis-
Nr. 1 (Ass-Nr. A007'595'906)
Sollte innerhalb von 60 Tagen nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids die
Herausgabe nicht verlangt werden, so bleibt der Gegenstand der Kantonspolizei
Zürich, Asservats-Triage, Postfach, 8021 Zürich, zur gutscheinenden Verwendung
überlassen.
12. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft See / Oberland vom 7. August 2015 be-
schlagnahmten Mobiltelefone werden eingezogen und der Kantonspolizei Zürich,
Asservats-Triage, Postfach, 8021 Zürich, zur gutscheinenden Verwendung über-
lassen:
− 1 iPhone 5, IMEI-Nummer 2 (Ass-Nr. A007'595'268) − 1 iPhone 5, IMEI-Nummer 3 (Ass-Nr. A007'595'279) − 1 iPhone 4, IMEI-Nummer 4 (Ass-Nr. A007'595'280) − 1 iPhone 4, IMEI-Nummer 5 (Ass-Nr. A007'595'326) − 1 Samsung schwarz (Ass-Nr. A007'595'348) − 1 Minigrip mit Sim Adapter und einem Stecker (Ass-Nr. A007'595'359) − 1 braune Kartonschachtel "B._", beinhaltet mit einer Halskette "C._"
und einem gelben Überraschungsei (Ass-Nr. A007'596'136)
13. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft See / Oberland vom 7. August 2015 be-
schlagnahmten Betäubungsmittel und Betäubungsmittelutensilien (BM Lager-
Nummer B04077-2014) werden eingezogen und der Kantonspolizei Zürich,
Asservats-Triage, Postfach, 8021 Zürich, zur Vernichtung überlassen:
− Marihuana (Ass-Nr. A007'595'382) − 1 Zellophanbeutel "D._" mit diversen leeren Minigrips und Verpa-
ckungsmaterial (Ass-Nr. A007'595'519) − unbekanntes Betäubungsmittel (Ass-Nr. A007'595'633) − unbekanntes Betäubungsmittel (Ass-Nr. A007'595'666) − Marihuana (Ass-Nr. A007'595'713) − Haschisch (Ass-Nr. A007'595'768) − unbekanntes Betäubungsmittel (Ass-Nr. A007'595'779) − Betäubungsmittel (Ass-Nr. A007'595'837) − unbekanntes Betäubungsmittel (Ass-Nr. A007'595'848) − unbekanntes Betäubungsmittel (Ass-Nr. A007'595'860) − Marihuana (Ass-Nr. A007'595'928)
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− Betäubungsmittel (Ass-Nr. A007'595'940) − Betäubungsmittel (Ass-Nr. A007'595'962) − unbekanntes Betäubungsmittel (Ass-Nr. A007'595'995) − unbekanntes Betäubungsmittel (Ass-Nr. A007'596'023) − unbekanntes Betäubungsmittel (Ass- Nr. A007'596'045) − unbekanntes Betäubungsmittel (Ass-Nr. A007'596'089) − unbekanntes Betäubungsmittel (Ass-Nr. A007'596'090) − unbekanntes Betäubungsmittel (Ass-Nr. A007'596'103) − Betäubungsmittel (Ass-Nr. A007'596'125)
14. Die von der Stadtpolizei Zürich am 27. Oktober 2016 sichergestellten
Betäubungsmittel (BM Lager-Nummer S02623-2016) werden eingezogen und der
Stadtpolizei Zürich, KA-FA-PLE-BMA, Zeughausstr. 31, Postfach, 8021 Zürich, zur
Vernichtung überlassen:
− 1 Portion Kokain in Klarsichtfolie, 101.9 Gramm Bruttogewicht (Ass-Nr. A009'768'734)
− 1 Portion Kokain aus Kastenwagen, 6.9 Gramm Bruttogewicht (Ass-Nr. A009'768'767)
− 2 Portionen Marihuana in MiniGrip, 1.9 Gramm Bruttogewicht (Ass-Nr. A009'768'778)
15. Das von der Stadtpolizei Zürich am 27. Oktober 2016 sichergestellte Mobiltelefon,
iPhone weiss, IMEI 6, (Ass-Nr. A009'768'745) wird eingezogen und der Bezirksge-
richtskasse Uster zur gutscheinenden Verwendung überlassen.
16. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich - Sihl vom 27. März 2017 be-
schlagnahmten Fr. 3'060.– werden eingezogen. Der beschlagnahmte Bargeld-
betrag wird zur Verfahrenskostendeckung verwendet.
17. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 4 (E._ AG) Schadener-
satz in der Höhe von Fr. 460.– zuzüglich 5 % Zins ab 23. Juli 2014 zu bezahlen.
18. Die Privatkläger 2 und 3 (F._ und G._) werden mit ihren Schadenersatz-
begehren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
19. Das Genugtuungsbegehren des Privatklägers 2 (F._) wird abgewiesen.
20. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 1 (H._) Fr. 1'000.– zuzüg-
lich 5 % Zins ab 18. Juni 2014 als Genugtuung zu bezahlen.
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21. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'121.95 Auslagen Untersuchung (Gutachten, Telefonkontrolle)
Fr. 10'340.– Kosten der Kantonspolizei Zürich
Fr. 3'000.– Gebühr gemäss § 4 Abs. 1 lit. d GebV StrV
22. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens gemäss Dispositiv-
ziffer 21 werden, unter Hinweis auf Dispositivziffer 16, dem Beschuldigten auferlegt.
23. Rechtsanwalt lic. iur. X._, ... [Adresse] wird für seine Bemühungen als
amtlicher Verteidiger des Beschuldigten zusätzlich mit Fr. 12'900.– (inklusive Bar-
auslagen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse entschädigt.
Es wird davon Vormerk genommen, dass dem amtlichen Verteidiger des Beschul-
digten für seine Bemühungen bereits Akontozahlungen in der Höhe von Fr. 4'000.–
(D1/41/11, von der Staatsanwaltschaft See/Oberland) und Fr. 10'000.– (D1/86, von
der Staatsanwaltschaft Zürich - Sihl) ausbezahlt wurden.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen;
vorbehalten bleibt eine Nachforderung beim Beschuldigten gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO.
24. (Mitteilungen)
25. (Rechtsmittel)"
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 140 S. 1 f.)
1. Das Urteil des Bezirksgerichts Uster vom 2. November 2017 (DG160024-I)
sei betreffend die Ziffern 4 bis 9 aufzuheben.
2. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von höchstens 3 1⁄2 Jahren, ei-
ner Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu CHF 30.00 sowie einer Busse von
CHF 1'500.00 zu bestrafen.
3. Der für die beiden Geldstrafen gemäss Urteil BGZ vom 17. Juni 2014 sowie
Entscheid der STA Muri-Bremgarten vom 30. Oktober 2014 gewährte be-
dingte Vollzug sei zu widerrufen.
4. Die Berufung der Staatsanwaltschaft sei abzuweisen und demnach auf eine
Landesverweisung zu verzichten.
5. Die Kosten seien ausgangsgemäss aufzuerlegen, diejenigen der amtlichen
Verteidigung auf die Staatskasse zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 142 S. 1)
1. Bestätigung des Urteils des Bezirksgerichts Uster vom 2. November 2017
bezüglich Dispositiv-Ziffern 1 bis 9;
2. Landesverweisung für die Dauer von 8 Jahren (Dispositiv Ziffer 10);
3. Bestätigung des übrigen Urteils (Dispositiv Ziffern 11 bis 25);
4. Kostenauflage für das zweitinstanzliche Verfahren an den Beschuldigten.
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## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Zum Verfahrensgang bis zum obenerwähnten Urteil des Bezirksgerichts
Uster vom 2. November 2017 kann auf die diesbezüglichen Erwägungen in jenem
Entscheid verwiesen werden (vgl. Urk. 109 S. 6 f.).
1.2. Gegen das besagte Urteil vom 2. November 2017 liess der Beschuldigte mit
Eingabe vom 3. November 2017 innert gesetzlicher Frist Berufung anmelden
(Urk. 99). Nachdem der Verteidigung das begründete Urteil am 23. Februar 2018
zugestellt wurde (Urk. 108), reichte diese mit Eingabe vom 15. März 2018 frist-
gerecht die Berufungserklärung beim hiesigen Gericht ein und stellte folgende An-
träge (vgl. Urk. 113 S. 2):
" 1. Das Urteil des Bezirksgerichts Uster vom 2. November 2017
(DG160024-I) sei betreffend die Ziffern 4 bis 9 aufzuheben.
2. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von höchstens
36 Monaten sowie einer Geldstrafe von höchstens 240 Tagessätzen zu
CHF 30.00 und einer angemessenen Busse zu bestrafen.
3. Die Freiheitsstrafe sei im Umfang von 8 Monaten zu vollziehen und im
Restumfang bedingt aufzuschieben und die Probezeit auf 5 Jahre fest-
zusetzen. Die Geldstrafe sei zu vollziehen.
4. Der für die beiden Geldstrafen gemäss Urteil BGZ vom 17. Juni 2014
sowie Entscheid der STA Muri-Bremgarten vom 30. Oktober 2014 ge-
währte bedingte Vollzug sei zu widerrufen."
1.3. Auch die Staatsanwaltschaft Zürich - Sihl meldete mit Eingabe vom
7. November 2017 innert Frist Berufung an (Urk. 104). Das begründete Urteil
wurde der Staatsanwaltschaft Zürich - Sihl am 23. Februar 2018 zugestellt
(Urk. 108), woraufhin diese mit Eingabe vom 26. Februar 2018 fristgerecht die Be-
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rufungserklärung beim hiesigen Gericht einreichte und folgende Anträge stellte
(vgl. Urk. 110 S. 2):
" 1. Aussprechen einer Landesverweisung für die Dauer von 8 Jahren
(Urteilsdispositiv Vorinstanz Ziffer 10);
2. Im Übrigen Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils;
3. Unter Kostenfolgen zulasten des Beschuldigten."
1.4. Mit Präsidialverfügung vom 19. März 2018 wurde dem Beschuldigten, den
Privatklägern und den Staatsanwaltschaften Zürich - Sihl und See / Oberland Frist
angesetzt, um bezüglich der jeweiligen Berufung der Gegenpartei Anschluss-
berufung zu erklären oder begründet ein Nichteintreten auf die Berufung zu be-
antragen (Urk. 115). Daraufhin erklärte die Staatsanwaltschaft See / Oberland
mit Eingabe vom 26. März 2018 ihren Verzicht auf Anschlussberufung und Teil-
nahme an der Berufungsverhandlung (Urk. 117, Urk. 123). Die Staatsanwaltschaft
Zürich - Sihl teilte mit Eingabe vom 27. März 2018 mit, dass sie auf Anschluss-
berufung verzichte und an ihrer eigenen Berufung festhalte (Urk. 119). Die Privat-
kläger erhoben weder Berufung noch Anschlussberufung.
1.5. Am 14. Juni 2018 wurde auf den 24. September 2018 zur Berufungsverhand-
lung vorgeladen (Urk. 120, Urk. 122), zu welcher der Beschuldigte nicht erschien
(vgl. Prot. II S. 3 f.). Das seitens der Verteidigung an jener Berufungsverhandlung
gestellte Dispensationsgesuch wurde abgewiesen und dem Beschuldigten wurde
eine Frist angesetzt, um ein Arztzeugnis nachzureichen (vgl. Prot. II S. 3 f.). Mit
Eingabe vom 1. Oktober 2018 reichte die Verteidigung innert Frist ein Arztzeugnis
des Kantonsspitals Aarau ins Recht, welches dem Beschuldigten für den
24. September 2018 eine 100%-ige Arbeits- sowie eine Verhandlungsunfähigkeit
attestiert (Urk. 127-129). Der Beschuldigte blieb der Berufungsverhandlung vom
24. September 2018 somit entschuldigt fern. Am 5. Oktober 2018 wurde auf den
14. November 2018 zu einer weiteren Berufungsverhandlung vorgeladen
(Urk. 130), zu welcher der Beschuldigte wiederum nicht erschien (vgl. Prot. II
S. 5). Der amtliche Verteidiger reichte ein Arztzeugnis von Dr. med. I._ ins
Recht, mit welchem dem Beschuldigten für den Zeitraum vom 12. bis
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16. November 2018 eine 100%-ige Arbeits- und Verhandlungsunfähigkeit be-
scheinigt wurde (vgl. Urk. 139). Zudem stellte der Verteidiger namens des Be-
schuldigten ein Verschiebungs- resp. ein Dispensationsgesuch (Urk. 138; Prot. II.
S. 6). Die Verfahrensleitung hiess das Dispensationsgesuch des Beschuldigten
gut und führte die Berufungsverhandlung in entschuldigter Abwesenheit des Be-
schuldigten, jedoch in Anwesenheit des amtlichen Verteidigers und des Staats-
anwaltes der Staatsanwaltschaft Zürich - Sihl durch (vgl. Prot. II S. 5 ff.).
2. Umfang der Berufung
2.1. Mit Blick auf die besagten Berufungserklärungen sind die Dispositivziffern 1
(Nichteintreten auf bestimmte Vorwürfe), 2 (Schuldspruch betr. diverser Delikte),
3 (Freispruch betr. weiterer Vorwürfe), 11 (Herausgabe CH-Reiseausweis),
12-16 (Einziehungen von Betäubungsmitteln, Mobiltelefonen etc.), 17-20 (Scha-
denersatz und Genugtuung), 21 (Kostenfestsetzung), 22 (Kostenauflage) und
23 (Entschädigung der amtlichen Verteidigung) nicht angefochten und damit in
Rechtskraft erwachsen, was vorab mittels Beschluss festzustellen ist (Art. 404
Abs. 1 StPO). Gemäss Ausführungen in der Berufungserklärung der Verteidigung
werden die Dispositivziffern 8 und 9 bezüglich der beiden Widerrufe "vorsichts-
halber mitangefochten", wobei diese jedoch inklusive des angeordneten Vollzugs
akzeptiert würden (Urk. 113 S. 3; so auch anlässlich der Berufungsverhandlung,
vgl. Urk. 140 S. 1 und S. 7). Nach der neuen Fassung von Art. 46 StGB, in Kraft
seit 1.1.2018, ist in sinngemässer Anwendung von Art. 49 StGB eine Gesamtstra-
fe zu bilden, wenn die widerrufene und die neue Strafe gleicher Art sind. Damit
kann vorweg nicht davon ausgegangen werden, die Dispositiv-Ziffern 8 und 9 sei-
en in Rechtskraft erwachsen.
2.2. Alle übrigen Urteilspunkte, mithin die Dispositivziffern 4-7 und Dispositivziffer
10, stehen im Berufungsverfahren zur Disposition.
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II. Sanktion
1. Ausgangslage
1.1. Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von
4 Jahren und 6 Monaten (abzüglich der erstandenen Haft) sowie mit einer Geld-
strafe von 10 Tagessätzen zu Fr. 30.– und einer Busse von Fr. 1'500.–, teilweise
als Zusatzstrafe zu der mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 17. Juni 2014
(Geschäfts-Nr. GG140078-L) und der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Muri-
Bremgarten vom 30. Oktober 2014 (Geschäfts-Nr. ST.2013.3690) ausgefällten
Strafe (Urk. 109 S. 56).
1.2. Die Verteidigung beantragt im Berufungsverfahren eine mildere Strafe. An
der Berufungsverhandlung beantragte sie die Bestrafung des Beschuldigten mit
einer Freiheitsstrafe von höchstens 3 1⁄2 Jahren, einer Geldstrafe von 10 Tages-
sätzen zu Fr. 30.– sowie einer Busse von 1'500.– (Urk. 140 S. 1, vgl. Urk. 113
S. 2). Sie führte aus, der Beschuldigte bereue sein deliktisches Verhalten in-
zwischen verstärkt und sei zur Einsicht gelangt, dass die richtige Strafe für sein
Verhalten eine unbedingte Freiheitsstrafe sei (vgl. Urk. 140 S. 2 f.). Hingegen sei
die Strafe für das Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz nicht bei
36 Monaten, sondern viel eher im Bereich von 21 oder 22 Monaten anzusetzen
(vgl. Urk. 140 S. 3).
2. Neues Sanktionenrecht
Nach dem am 1. Januar 2018 in Kraft getretenen neuen Sanktionenrecht beträgt
die übliche Mindestdauer der Freiheitsstrafe nicht mehr mindestens
sechs Monate, sondern drei Tage (vgl. aArt. 40 StGB, Art. 40 Abs. 1 StGB). Dem-
gegenüber beläuft sich die Geldstrafe auf höchstens 180 Tage statt 360 Tage
gemäss altem Recht (vgl. aArt. 34 StGB, Art. 34 StGB). Wie nachfolgend gezeigt
wird, steht indessen das neue Recht, welches nur anzuwenden ist, wenn es für
den Täter milder ist, nicht zur Debatte. Im Rahmen dieser Änderung wurde so-
dann Art. 46 Abs. 1 StGB betreffend den Widerruf neu gefasst. Darauf ist nach-
folgend einzugehen (vgl. Ziff. II./4.).
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3. Strafrahmen und Grundsätze der Strafzumessung
3.1. Die Vorinstanz hat korrekt erwähnt, dass bei der Strafzumessung das vom
Beschuldigten mit der schwersten Strafandrohung begangene Delikt den Aus-
gangspunkt bildet. Sie ging dabei zutreffend vom Verbrechen gegen das Be-
täubungsmittelgesetz (Nachtragsanklage Dossier 1) als vorliegend schwerstem
Delikt aus und steckte den ordentlichen Strafrahmen korrekt ab (Freiheitsstrafe
von einem Jahr bis 20 Jahren, vgl. Urk. 109 S. 24). Überdies hat die Vorinstanz
auf die bundesgerichtliche Praxis hinsichtlich Unter- bzw. Überschreitung des or-
dentlichen Strafrahmens zutreffend hingewiesen (vgl. auch BGE 136 IV 55 E. 5.8)
und sodann auch festgehalten, dass keine Gründe für eine Erweiterung des or-
dentlichen Strafrahmens vorliegen (Urk. 109 S. 23 f.), wobei präzisierend festzu-
halten ist, dass der ordentliche Strafrahmen hier keine Überschreitung zulässt,
weil das Gericht an das gesetzliche Höchstmass der Strafart – die Höchstdauer
der Freiheitsstrafe beträgt 20 Jahre – gebunden ist (Art. 49 Abs. 1 letzter Satz
StGB in Verbindung mit Art. 40 Abs. 2 StGB).
3.2. Zu den theoretischen Grundsätzen der richterlichen Strafzumessung kann
auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung (vgl. BGE 136 IV 44 E. 5.4. ff mit
Hinweisen) und im Übrigen auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz ver-
wiesen werden (vgl. Urk. 109 S. 24 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.3. Im Hinblick auf die allfällige Bildung einer Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1
StGB bezüglich der neu zu beurteilenden Delikte ist ferner auf die neuste Recht-
sprechung des Bundesgerichts zur Gesamtstrafenbildung hinzuweisen (BGE 144
IV 217). Danach bekräftigt das Bundesgericht den Vorrang der Geld- gegenüber
der Freiheitsstrafe im Bereich von sechs Monaten und die Ungleichartigkeit von
Freiheitsstrafe und Geldstrafe (E. 3.3.3 und 3.6). Das Bundesgericht hält dabei
unter Hinweis auf den Gesetzgeber auch nach der Änderung des Sanktionen-
rechts ausdrücklich am Prinzip der Zulässigkeit einer Gesamtstrafe nur bei
gleichartigen Strafen unter Anwendung der konkreten Methode fest (E. 3.3.4 und
3.5.4). Dabei hat sich das Gericht zur Wahl der Strafart für die konkreten Delikte
zu äussern und hat - nach Festsetzung einer hypothetischen Einsatzstrafe für das
schwerste Delikt - namentlich bei alternativ zur Verfügung stehender Geld- oder
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Freiheitsstrafe für die weiteren Delikte im Hinblick auf das Gebot der Verhältnis-
mässigkeit anzugeben, warum sie für diese weiteren Taten jeweils eine Freiheits-
strafe für erforderlich hält (BGE 144 IV 217 E. 3.5.4, 4.1 und 4.3).
Zu beachten ist nach wie vor, dass das Asperationsprinzip nur bei gleichartigen
Strafen zum Zuge kommt; treffen ungleichartige Strafen zusammen, wie etwa
Freiheitsstrafe und Geldstrafe oder Geldstrafe und Busse, so sind sie neben-
einander zu verhängen (BGE 137 IV 57 E. 4.3.1; Trechsel/Thommen, in: Schwei-
zerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 3. Auflage 2013, N 7 zu Art. 49
StGB). Hält das Gericht im Rahmen der Gesamtstrafenbildung für einzelne Delik-
te jedoch im konkret zu beurteilenden Fall unter Beachtung des Verhältnismäs-
sigkeitsprinzips eine Geldstrafe nicht mehr für schuldadäquat und zweckmässig,
hindert Art. 41 Abs. 1 StGB sie nicht daran, auf Einzelfreiheitsstrafen von weniger
als sechs Monaten zu erkennen, wenn die daraus zu bildende Gesamtstrafe
sechs Monate übersteigt (BGE 144 IV 217 E. 4.3). Das Gericht hat im Urteil die
Wahl der Sanktionsart zu begründen (Art. 50 StGB; Urteile 6B_449/2011 vom
12. September 2011 E. 3.6.1 und 6B_210/2017 vom 25. September 2017
E. 2.2.1).
Bei der Wahl der Sanktionsart ist als wichtiges Kriterium die Zweckmässigkeit ei-
ner bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Um-
feld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen (vgl. BGE 134 IV 97
E. 4.3.). Wie gesehen, ist nach der neueren bundesgerichtlichen Rechtsprechung
nach wie vor möglich, für mehrere Delikte, welche theoretisch mit separaten
Strafarten bestraft werden könnten, eine einheitliche Freiheitsstrafe zu verhängen.
So zum Beispiel, wenn die notwendige Zweckmässigkeit der Strafe und general-
präventive Gründe nach einer Freiheitsstrafe als Sanktionsart verlangen, was der
Fall sein kann, wenn der Beschuldigte in der Vergangenheit bereits mit einer
Geldstrafe sanktioniert wurde und diese ihn offensichtlich nicht genügend beein-
druckt hat. Bei der Wahl der Sanktionsart sind ferner auch Delinquenz während
einer Probezeit und einer laufenden Untersuchung zu berücksichtigen (Entscheid
des Bundesgerichts 6B_416/2015 vom 7. Oktober 2015, E. 1.4.2.). Der Ausfällung
einer einheitlichen Freiheitsstrafe für mehrere Delikte steht ferner nichts entge-
- 15 -
gen, wenn die einzelnen Taten Teil eines zusammenhängenden Vorgehens sind
und gleichgelagerte Einzelhandlungen in einem Gesamtkontext darstellen (Urteil
des Bundesgerichts 6B_499/2013 vom 22. Oktober 2013, E. 1.7 f.; Urteil des
Bundesgerichts 6B_157/2014 vom 26. Januar 2015, E. 3.1). Wenn die ver-
schiedenen Straftaten eng miteinander verknüpft sind, ist es sinnvoll und zulässig,
diese in einem Gesamtzusammenhang zu würdigen (vgl. auch Urteile des Bun-
desgerichts 6B_1011/2014 vom 16. März 2015 E. 4.4 und 6B_523/2018 vom
23. August 2018 E. 1.4.2).
3.4. Vorliegend sind Delikte zu beurteilen, die sowohl vor als auch nach zwei
früheren Verurteilungen des Beschuldigten durch das Bezirksgericht Zürich vom
17. Juni 2014 und durch die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten vom
30. Oktober 2014 erfolgten und zu Geldstrafen von 240 resp. 120 Tagessätzen
à Fr. 30.– und zu Bussen von CHF 500.– resp. CHF 1'000.– führten, wobei es
sich bei der letzterwähnten Sanktion um eine reine Zusatzstrafe zur früheren
(Geld-) Strafe handelte (vgl. Urk. 112 S. 2). Die Ausfällung einer (teilweisen) Zu-
satzstrafe nach Art. 49 StGB kommt hier indessen - entgegen dem Vorgehen der
Vorinstanz (vgl. Urk. 109 S. 35 f.) - aus mehreren Gründen nicht in Betracht. Eine
Gesamtstrafe, teilweise als Zusatzstrafe zum früheren Urteil kann nur dann aus-
gefällt werden, wenn auf gleichartige Strafen zu erkennen ist (vgl. BGE 142
IV 265 Erw. 2.3.2., BGE 144 IV 217 E. 3.3.4 und 3.5.4). Wie zu zeigen sein wird,
ist für die meisten hier zur Diskussion stehenden Delikte - und insbesondere auch
für diejenigen, welche vor der zweiten Vorstrafe vom 30. Oktober 2014 begangen
wurden - auf eine Freiheitsstrafe und somit auf eine andere Strafart als bei den
beiden früheren Urteilen, welche auf Geldstrafe lauteten, zu erkennen. Einzig mit
Bezug auf die Beurteilung des Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz,
begangen in der Nacht vom 6. auf den 7. Februar 2014 sowie von ca. 1. April
2014 bis zum 17. Juni 2014 (vgl. Anklage vom 22. September 2016 S. 5 sowie
nachfolgend Ziff. II./5.2.), mithin vor der Verurteilung durch das Bezirksgericht
Zürich vom 17. Juni 2014, stellte sich die Frage nach der Anwendung vom Art. 49
Abs. 2 StGB und der Bildung einer (teilweisen) Zusatzstrafe. Indes ist auch eine
Gesamtstrafe unter Einbezug weiterer Geldstrafen nicht möglich, da der in der bis
1. Januar 2018 gültigen Fassung von Art. 34 Abs. 1 StGB vorgegebene Straf-
- 16 -
rahmen angesichts der Vorstrafen (240 und 120 Tagessätze, resp. insgesamt
360 Tagessätze, vgl. Urk. 112) überschritten würde (vgl. BGE 142 IV 265
Erw. 2.4.6.). Nach neuem Recht ist der Strafrahmen für Geldstrafen ohnehin auf
180 Tagessätze begrenzt. Art. 49 Abs. 2 StGB kommt mithin nicht zur Anwen-
dung und es ist eine selbständige Strafe resp. sind selbständige Strafen bezüglich
der neu zu beurteilenden Delikte auszufällen.
4. Widerruf und evtl. Gesamtstrafe nach neuem Recht
Der am 1. Januar 2018 in Kraft getretene Art. 46 Abs. 1 StGB schreibt im Gegen-
satz zum alten Recht vor, dass (ausschliesslich) bei Gleichartigkeit der widerrufe-
nen Strafe und der neuen Strafe in sinngemässer Anwendung von Art. 49 StGB
eine Gesamtstrafe zu bilden ist. Da für die heute zu beurteilenden Delikte auch
eine Geldstrafe auszufällen ist (im Zusammenhang mit dem Vorwurf des Fahrens
ohne Haftpflichtversicherung nach Dossier 4 [Anklage vom 22.9.2016 S. 5] und
mit demjenigen der Hinderung einer Amtshandlung nach Dossier 1 [Anklage vom
21. April 2017 S. 4]), läge grundsätzlich ein solcher Fall von Gleichartigkeit vor.
Indessen ist diesbezüglich wiederum zu berücksichtigen, dass die zwei Vorstra-
fen, deren Widerruf zur Diskussion steht, nämlich die Geldstrafe von 240 Tages-
sätzen zu CHF 30.– gemäss Urteil des Bezirksgericht Zürich vom 17. Juni 2014
und als Zusatzstrafe dazu die Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu CHF 30.– ge-
mäss Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten vom 30. Oktober 2014,
eine Gesamtstrafenbildung mit weiteren neu auszusprechenden Geldstrafen nicht
zulassen. So beträgt die Geldstrafe nach neuem Sanktionenrecht höchstens
180 Tagessätze (vgl. Art. 34 Abs. 1 StGB). Die Gesamtstrafenbildung scheitert
mithin am (neuen) Höchstmass der Strafart der Geldstrafe (vgl. BGE 142 IV 265
E. 2.4.6). Das neue Sanktionenrecht erweist sich mithin nicht als milderes Recht.
Im Übrigen wäre auch nach altem Recht das Höchstmass der Geldstrafe
(360 Tagessätze) durch die zu widerrufenden Sanktionen erreicht. Eine Gesamt-
strafenbildung – die im Übrigen beim Widerruf nach altem Recht gestützt auf die
Rechtsprechung nicht möglich war (vgl. BGE 137 IV 249 E. 3.4.3, vgl. auch
BGE 134 IV 241 E. 4) - fällt somit ausser Betracht.
- 17 -
5. Sanktion bezüglich des Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz  am 6./7. Februar 2014 bzw. April bis 17. Juni 2014 (Anklage D5)
5.1. Vorliegend rechtfertigt es sich, vorweg die Sanktion für die Delikte, die vor
der Verurteilung durch das Bezirksgericht Zürich vom 17. Juni 2014 begangen
wurden, vorzunehmen, mithin separat von der Strafzumessung für die übrigen
Delikte.
5.2. Bezüglich der objektiven Tatschwere ist zu beachten, dass der Beschuldigte
in der Nacht vom 6. auf den 7. Februar 2014 seiner damaligen Freundin 50 Pillen
Ecstasy zum Verkauf und dieser von ca. 1. April 2014 bis ca. Ende Juli 2014 (mit-
hin zugunsten des Beschuldigten bis zum 17. Juni 2014, weil die Anklage die ge-
nauen Daten nicht angibt) insgesamt 10 mal Kokain zum Konsum überliess. Die
Vorinstanz führte hierzu korrekt aus, dass die Menge der zum Verkauf abgegebe-
nen Ecstasy Pillen als nicht sehr hoch zu bewerten ist und dass die Abgabe des
Kokains zum Konsum innerhalb einer Partnerschaft erfolgte, zumal der Beschul-
digte mit C._ im damaligen Zeitpunkt eine Liebesbeziehung führte. Korrekt ist
weiter, dass die Abgabe im Rahmen des gemeinsamen Konsums erfolgte und
sich im Grammbereich befand (vgl. Urk. 109 S. 28). Das Verschulden bezüglich
der Tatschwere hinsichtlich dieser Vergehen ist daher als sehr leicht zu gewich-
ten.
5.3. Der Beschuldigte beging diese Vergehen vor der Verurteilung zu der vorer-
wähnten Vorstrafe des Bezirksgerichts Zürich vom 17. Juni 2014, weswegen er
weder in der Probezeit delinquierte, noch einschlägig vorbestraft war. Zwar liegt
ein eigentliches Geständnis, welches zu seinen Gunsten berücksichtigt werden
könnte - insbesondere bezüglich der Abgabe der Tabletten zum Verkauf - nicht
vor, zumal der Beschuldigte diesbezüglich von C._ belastet wurde, welche
ihrerseits aufgrund eines nachverfolgten Chatverlaufs überführt wurde (vgl. D5/6
S. 5, HD 1/29 S. 4 ff.). Bezüglich der vorliegend relevanten Vergehen gegen das
Betäubungsmittelgesetz erwiese sich - isoliert betrachtet - eine Geldstrafe von 30
Tagessätzen als angemessen. Angesichts der anderen damals
beurteilten Delikte ist jedoch anzunehmen, dass die Strafe des Bezirksgerichts
Zürich vom 17. Juni 2014 auch unter gleichzeitiger Berücksichtigung der vor-
- 18 -
liegenden Delikte nicht höher ausgefallen wäre. Damit sind diese Delikte (Ver-
gehen gemäss Anklage D5) bei der heutigen Strafzumessung nicht zusätzlich zu
sanktionieren.
6. Strafzumessung für die übrigen Delikte - Tatkomponenten
6.1. Nachfolgend sind zuerst die Tatkomponenten der verschiedenen Delikte
aufzuzeigen und im Anschluss daran die Täterkomponenten darzulegen.
6.2. Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz (Nachtragsanklage D1)
6.2.1. Bezüglich der objektiven Tatschwere wies die Vorinstanz zutreffend darauf
hin, dass es sich bei Kokain um eine Droge mit sehr hohem psychischen Abhän-
gigkeitspotenzial handelt und damit als besonders gefährlich gilt. Ebenfalls korrekt
erwog die Vorinstanz, dass die Grenze zu einem schweren Fall i.S.v. Art. 19
Abs. 2 BetmG mit der verkauften bzw. zum Verkauf beabsichtigten und besesse-
nen Menge von insgesamt 123.4 Gramm reinem Kokain bei weitem überschritten
wurde, wobei diese Menge geeignet war, eine Vielzahl von Menschen in ihrer Ge-
sundheit zu gefährden. Ebenfalls zutreffend hielt die Vorinstanz fest, dass das be-
sagte Kokain mit einem Reinheitsgrad zwischen 70% und 92% einen überdurch-
schnittlich hohen Reinheitsgrad aufwies (vgl. Urk. 109 S. 25). Dass der Beschul-
digte - wie der Verteidiger an der Berufungsverhandlung ausführte - den Zugang
zu sehr gutem Stoff zwei entsprechenden Kontakten zu verdanken gehabt habe
(vgl. Urk. 140 S. 4), macht deutlich, dass er genau wusste, dass es sich
um saubere Ware handelte. Die Vorinstanz erwog weiter, dass der Beschuldigte
das Kokain über einen längeren, aber dennoch überschaubaren Zeitraum an eine
Vielzahl, teilweise unbekannter Abnehmer verkaufte. Damit ist mit der Vorinstanz
davon auszugehen, dass er die Drogenverkäufe im Alleingang tätigte und nicht
als Mitglied einer Organisation operierte, weshalb ihm eine untergeordnete Rolle
zukam. In diesem Zusammenhang erwog die Vorinstanz, dass die Anzahl und der
Umfang der vom Beschuldigten getätigten Drogengeschäfte daher als verhältnis-
mässig eher gering einzustufen sind. Ebenfalls zu Gunsten des Beschuldigten zu
berücksichtigen ist, dass dabei jeweils von Einzelhandlungen auszugehen ist.
Schliesslich ist den Erwägungen der Vorinstanz zuzustimmen, dass die Verkaufs-
- 19 -
geschäfte ausschliesslich auf nationaler bzw. lokaler Ebene stattgefunden haben,
weshalb dem Beschuldigten keine zentrale Bedeutung im Betäubungsmittel-
handel zugeschrieben werden kann (vgl. Urk. 109 S. 25.).
6.2.2. In subjektiver Hinsicht ist zunächst festzuhalten, dass der Beschuldigte di-
rektvorsätzlich und aus finanziellen Motiven handelte. Zu beachten ist jedoch mit
der Vorinstanz, dass der Beschuldigte in der relevanten Zeitspanne selber täglich
bis zu 6 Gramm Kokain und 3 bis 4 Joints Marihuana konsumierte (vgl. Urk. 109
S. 25 f., Urk. D1/79/1/12/3 S. 4 f.). Er beschrieb, wie er wegen Stress auf der
Baustelle mit dem Kokainkonsum begonnen habe und es dann immer mehr ge-
worden sei (Urk. D1/79/1/12/3 S. 4 f.). Mit seiner Arbeit auf dem Bau habe er
Fr. 3'000.-- bis Fr. 4'000.-- verdient, womit er "über die Runden" gekommen sei.
Anhaltspunkte dafür, dass sich der Beschuldigte mit dem Erlös aus den Drogen-
verkäufen den Lebensunterhalt finanzierte, liegen nicht vor. Wenn auch ange-
sichts der guten Qualität des von ihm verkauften Kokains anzunehmen ist, dass
er jeweils einen entsprechend hohen Erlös erzielen konnte, ist dennoch davon
auszugehen, dass er mit dem Drogenhandel zu einem grossen Teil seinen Eigen-
konsum finanzierte (vgl. Vorinstanz Urk. 109 S. 25 f., Urk. D1/79/1/12/3 S. 5 f.).
Aufgrund dieser Umstände wird die objektive Tatschwere durch das subjektive
Tatverschulden leicht relativiert.
6.2.3. Demzufolge ist das Tatverschulden angesichts des weiten Strafrahmens
vorliegend als noch leicht zu qualifizieren und somit im unteren Drittel anzu-
siedeln, womit eine hypothetische Einsatzstrafe für die Tatkomponente von
24 Monaten Freiheitsstrafe als angemessen erscheint (vgl. Urk. 109 S. 26).
6.3. Versuchter Diebstahl, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch und Körper-
verletzung (Anklage D1)
6.3.1. Angesichts des sachlichen aber auch zeitlichen Gesamtzusammenhangs
rechtfertigt es sich vorliegend, diese Delikte zusammen zu beurteilen.
6.3.2. In Bezug auf die objektive Tatschwere ist festzuhalten, dass der Beschul-
digte in der Nacht vom 18. Juni 2014 zusammen mit zwei weiteren, unbekannten
- 20 -
Tätern über die Balkontüre und zwar durch Einschlagen der Glastüre in die Woh-
nung der Privatklägerin H._ einbrach, wobei diese im Schlaf überrascht wur-
de. Die Vorinstanz hielt zutreffend fest, dass dieses Vorgehen die Privatsphäre
und das Eigentum der Privatklägerin in ihrem innersten Kern verletzte (vgl. Urk.
109 S. 29 f.). Die Vorinstanz wies sodann auf die zerstörende Wirkung dieses
überraschenden Einbruchs, insbesondere auf die psychische Integrität der Privat-
klägerin, hin wie auch auf die dadurch brachial gestörte Vertrautheit und Gebor-
genheit des eigenen Zuhauses. Die zudem gegenüber der Privatklägerin ange-
wendete Gewalt war - wie die Vorinstanz wiederum zutreffend festhielt - völlig un-
begründet und zudem massiv. Die daraus resultierenden Körperverletzungen,
insbesondere die Prellung des Gesichtsschädels, sind mit der Vorinstanz als er-
heblich einzustufen, wobei die mittellange Rekonvaleszenzzeit mitzubeachten ist.
Mit der Vorinstanz ist schliesslich leicht strafmindernd zu berücksichtigen, dass
der Diebstahl im Versuchsstadium endete (vgl. Urk. 109 S. 30).
6.3.3. Bezüglich der subjektiven Tatschwere hielt die Vorinstanz zutreffend fest,
dass der Beschuldigte allein aus egoistischen, gewinnstrebenden Beweggründen
handelte und sein Vorgehen von einer besonderen Skrupellosigkeit und Rück-
sichtslosigkeit zeugt (vgl. Urk. 109 S. 30). Zudem wies die Vorinstanz darauf hin,
dass der Beschuldigte wiederholt angab, dass er an diesem Abend resp. in jener
Nacht sehr viel Alkohol getrunken habe, weshalb er nicht mehr genau wisse, was
er gemacht habe (vgl. Urk. 109 S. 30 mit weiteren Verweisen). Angesichts des
Umstands, dass der Beschuldigte offensichtlich in der Lage war, einer Regenrinne
entlang bis auf den Balkon der Privatklägerin im 2. Obergeschoss zu klettern, er-
scheinen dessen Behauptungen indessen als stark übertrieben, was eine Beein-
trächtigung der Schuldfähigkeit ausschliesst und lediglich die Annahme einer
durch den Alkoholkonsum hervorgerufene enthemmende Wirkung rechtfertigt.
Entgegen der Ansicht der Vorinstanz kann dem Beschuldigten deshalb hierfür le-
diglich eine marginale Strafminderung zugebilligt werden.
6.3.4. Wenn die Vorinstanz von einem mittleren Verschulden des Beschuldigten
hinsichtlich des Einbruchdiebstahls und der einfachen Körperverletzung ausging,
so ist dies zu übernehmen. Die Einsatzstrafe für diese Delikte müsste isoliert be-
- 21 -
trachtet im Bereich von 30 Monaten festgesetzt werden. Angesichts der teilweise
einschlägigen Vorstrafen sowie insbesondere aufgrund des Umstands, dass die
gegenüber dem Beschuldigten am Tage vor dem Einbruch ausgesprochene
Geldstrafe offensichtlich nicht beeindruckte (siehe dazu nachfolgend Ziff. II./7.2.),
ist vorliegend eine Freiheitsstrafe für sämtliche Delikte, mithin auch für die Sach-
beschädigung und den Hausfriedensbruch, angezeigt. Da eine solche aus den
vorstehend unter Ziff. II./3.4. erläuterten Gründen nicht als Zusatzstrafe zu der
durch das Bezirksgericht Zürich am 17. Juni 2014 verhängten Vorstrafe ausge-
sprochen werden kann, ist die unter Ziffer II./6.2. erörterte hypothetische Einsatz-
freiheitsstrafe angemessen zu erhöhen. Eine Erhöhung um 10 Monate, wie sie die
Vorinstanz vornahm (vgl. Urk. 109 S. 31), erweist sich aufgrund des Ausgeführten
als zu milde. Angesichts des Umstands, dass die vorliegend auszufällende Strafe
wegen des Verbots der reformatio in peius insgesamt nicht höher ausfallen darf
als die durch die Vorinstanz ausgesprochene Strafe, sind einer darüber hinaus-
gehenden Erhöhung jedoch Grenzen gesetzt.
6.4. Fälschung von Ausweisen (Anklage D2)
6.4.1. Der Beschuldigte täuschte den Kontrolleur der S12 am 23. Juli 2014 durch
Vorweisen eines auf seinen Bruder ausgestellten GA, ohne für sich ein Billet für
die Zugfahrt gelöst zu haben.
6.4.2. Die Vorinstanz wies zutreffend darauf hin, dass der Beschuldigte zuerst be-
stritt, das GA seines Bruders vorgewiesen zu haben, dass er sich jedoch diesbe-
züglich an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung geständig zeigte (vgl. Urk. 109
S. 31, D1/29 S. 3, Urk. 88 S. 19). Der Beschuldigte habe dabei von Beginn weg
gewusst, dass das Benützen der öffentlichen Verkehrsmittel ohne gültigen Fahr-
ausweis nicht rechtens sei (vgl. Urk. 88 S. 19). Seine Angabe, nicht gewusst zu
haben, dass das so schlimm sei (Urk. 88 S. 19), deutet auf eine bedenkliche
Gleichgültigkeit gegenüber der hiesigen Rechtsordnung hin, was etwas in den
Hintergrund treten lässt, dass der Deliktsbetrag eher gering ist.
6.4.3. Aufgrund des noch leichten Verschuldens erscheint eine Strafe von 45 Ein-
heiten grundsätzlich als angemessen. Eine Geldstrafe ist jedoch angesichts des
- 22 -
Umstands, dass sich der Beschuldigte von der wenige Wochen zuvor ausgespro-
chenen Geldstrafe nicht beeindrucken liess und er während der diesbezüglich lau-
fenden Probezeit erneut delinquierte, nicht angezeigt. Es rechtfertigt sich - auch
mit Blick auf die deliktische Vorgeschichte - somit eine Erhöhung der besagten
Einsatzfreiheitsstrafe um einen weiteren Monat.
6.5. Unrechtmässige Aneignung (Anklage D3)
6.5.1. Bezüglich der Aneignung eines "iPhones 5", welches sich in einer herren-
losen Tasche befunden hatte, gab der Beschuldigte zwar an, dieses nicht benützt
zu haben (Urk. D1/19 S. 10). Dennoch ist davon auszugehen, dass er das iPhone
behalten und sich somit einen finanziellen Vorteil verschaffen wollte. Der Delikts-
betrag ist jedoch mit der Vorinstanz (Urk. 109 S. 31) als gering einzustufen.
6.5.2. Angesichts des leichten Verschuldens erscheint wiederum eine Strafe von
45 Einheiten als angemessen. Aus denselben Gründen wie vorstehend bezüglich
der Fälschung von Ausweisen dargelegt (Ziff. II./6.4.3.) erweist sich eine Geld-
strafe jedoch nicht als angezeigt. Die Einsatzfreiheitsstrafe ist somit um einen wei-
teren Monat zu erhöhen.
6.6. Fahren ohne Haftpflichtversicherung und Missbrauch von Ausweisen
resp. Schildern (Anklage D4)
6.6.1. Der Beschuldigte gab die für vier Tage eingelösten Kontrollschilder nicht
fristgerecht zurück und wurde am ersten Tag nach Ablauf der Rückgabefrist (am
14. Dezember 2014) bei einer Verkehrskontrolle angehalten (vgl. Urk. D4/1-2).
Angesichts der abgelaufenen Rückgabefrist bestand bezüglich des Fahrzeugs
auch keine Haftpflichtversicherung mehr. Den Aussagen des Beschuldigten ist zu
entnehmen, dass dieser wusste, dass er die Kontrollschilder bereits hätte zurück-
geben müssen (Urk. 88 S. 15) - dass er jedoch (lediglich) mit einer Busse rechne-
te (vgl. Urk. D4/3 S. 2). Aufgrund des mit den Tagesschildern abgegebenen In-
foblatts hätte ihm auch bewusst sein müssen, dass die Haftpflichtversicherung nur
während der Gültigkeit des Ausweises besteht. Dem Beschuldigten war dies aber
offensichtlich egal.
- 23 -
6.6.2. Das Verschulden ist diesbezüglich zwar noch als leicht einzustufen. Der
Beschuldigte wurde jedoch inzwischen bereits mit zwei Vorstrafen im Jahr 2014
belegt, bei denen wie erwähnt jeweils Geldstrafen ausgefällt wurden. Dennoch
delinquierte der Beschuldigte unbeeindruckt weiter. Reine Geldstrafen erscheinen
daher diesbezüglich wiederum nicht angezeigt. Die Einsatzfreiheitsstrafe ist auf-
grund dieser beiden Delikte um einen weiteren Monat zu erhöhen. Da gemäss
Art. 96 Abs. 2 SVG mit einer Freiheitsstrafe eine Geldstrafe zu verbinden ist, ist
zusätzlich grundsätzlich eine Geldstrafe auszufällen. Eine solche in der Höhe von
10 Tagessätzen scheint vorliegend angemessen (zu der Höhe der Tagessätze
hinten Ziff. II./9.2.).
6.7. Führen eines Motorfahrzeuges ohne Führerausweis (Anklage D8, D9, D13
und Nachtragsanklage D2)
6.7.1. Der Beschuldigte delinquierte am 1. und 5. Juni 2015, am 19. August 2015,
am 23. Juni, 17. Juli, 18. Juli, 21. Juli sowie am 23. Juli 2016, indem er ein Fahr-
zeug lenkte, ohne über einen Führerausweis zu verfügen. Die Vorinstanz hielt zu-
treffend fest, dass sich der Beschuldigte über mehr als ein Jahr wiederholt in glei-
chem Masse strafbar machte und dies nicht nur während laufender Probezeiten,
sondern teilweise auch während laufender Strafuntersuchung. Die geltenden
Rechtsnormen waren ihm offensichtlich vollkommen egal und er zeigte sich reni-
tent und unbelehrbar (so auch Vorinstanz, Urk. 109 S. 29).
6.7.2. Mit derselben Begründung wie bei den vorstehend behandelten Delikten
kann diesbezüglich nicht auf Geldstrafe erkannt werden. Die Einsatzstrafe ist
- angesichts des erheblichen Verschuldens und des Strafrahmens (Freiheitsstrafe
bis 3 Jahre oder Geldstrafe, Art. 95 Abs. 1 lit. a SVG) - um 10 Monate zu erhöhen.
6.8. Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz (Nachtragsanklage D1)
6.8.1. Der Beschuldigte verkaufte von Mai bis Oktober 2016 total 1 Kilogramm
Marihuana an verschiedene, zum Teil unbekannte Abnehmer. Wie die Vorinstanz
hierzu richtig ausführte, handelt es sich dabei um eine weniger gesundheitsge-
fährdende Substanz und die verkauften bzw. zum Verkauf abgegebenen Mengen
- 24 -
sind als nicht sehr hoch zu bewerten. Gemäss eigenen Angaben konsumierte der
Beschuldigte zu jener Zeit selber Marihuana und finanzierte sich durch den Ver-
kauf den Eigenkonsum (D1/97/1/12/3 S. 3). Das Verschulden ist noch als leicht zu
bewerten.
6.8.2. Unter Berücksichtigung sämtlicher Aspekte erweisen sich hierfür
30 Strafeinheiten als angemessen. Es rechtfertigt sich daher eine Erhöhung der
Einsatzfreiheitsstrafe um einen Monat.
6.9. Hinderung einer Amtshandlung (Nachtragsanklage D1)
6.9.1. Der Beschuldigte wollte sich am 27. Oktober 2016 seiner Verhaftung durch
Flucht entziehen, weshalb es zu einem Gerangel mit zwei Polizeibeamten kam.
Dabei zogen sich die Polizisten wie auch der Beschuldigte leichte Verletzungen
zu (vgl. Polizeirapport Urk. D1/79/1 S.6). Mit dem rapportierenden Polizeibeamten
ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte dabei niemanden verletzen wollte
(ebd.). So erfolgte auch keine Anzeige gegen ihn. Er wollte sich (lediglich) seiner
Festnahme entziehen, was nicht als schwerwiegende Verfehlung zu werten ist.
Mit der Vorinstanz kann zudem davon ausgegangen werden, dass der Beschul-
digte im Affekt und aus einem Angstgefühl heraus handelte (vgl. Urk. 109 S. 32
mit weiterem Verweis). Das Verschulden ist in Übereinstimmung mit der Vor-
instanz als gerade noch leicht zu qualifizieren.
6.9.2. Aufgrund des Ausgeführten und angesichts des vorliegend relevanten
Strafrahmens (Geldstrafe bis zu 30 Tagessätzen, Art. 286 Abs. 1 StGB) erweist
sich eine Geldstrafe in der Höhe von 10 Tagessätzen als angemessen (so auch
Vorinstanz, vgl. Urk. 109 S. 32 f.; zur Höhe der Tagessätze ebenfalls hinten
Ziff. II./9.2.).
7. Täterkomponenten
7.1. Zum Vorleben und zu den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten
kann vorweg auf den im vorinstanzlichen Urteil geschilderten Werdegang verwie-
sen werden (vgl. Urk. 109 S. 26 f.). An der Berufungsverhandlung reichte die Ver-
teidigung einen Anstellungsvertrag ins Recht, gemäss welchem der Beschuldigte
- 25 -
seit dem 3. September 2018 bei der J._ GmbH als Sachbearbeiter angestellt
ist (Urk. 141, Prot. II S. 9). Die Vorinstanz berücksichtigte die familiäre Vorge-
schichte des Beschuldigten wohlwollend mit einem Abzug von 3 Monaten als
strafmindernd (vgl. Urk. 109 S. 27).
7.2. Der Beschuldigte weist drei Einträge im Strafregister auf (Urk. 112): Mit Ent-
scheid der Jugendanwaltschaft des Kantons Aargau vom 14. Juni 2013 wurde er
zu einer bedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 2 Monaten verurteilt - die mit
Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 17. Juni 2014 sowie die mit Strafbefehl der
Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten vom 30. Oktober 2014 ausgefällten Geld-
strafen bzw. Bussen wurden bereits erwähnt. In Bezug auf die Tatbestände der
Hinderung einer Amtshandlung, des Diebstahlversuchs sowie der Vergehen und
Übertretungen im Zusammenhang mit dem Betäubungsmittelgesetz sind die Vor-
strafen teilweise einschlägig. Sämtliche vorliegend relevanten Delikte beging der
Beschuldigte während mindestens einer laufenden Probezeit (bzgl. Urteil vom
17. Juni 2014). Hinzu kommt, dass ihn auch weder laufende Strafverfahren noch
die mit Urteil vom 17. Juni 2014 widerrufene Freiheitsstrafe von 2 Monaten, noch
den Vollzug derselben (vgl. Urk. D5/14/4) von weiterer Delinquenz abhalten konn-
ten (vgl. Urk. 112). Ganz im Gegenteil verübte er beispielsweise den vorliegend
relevanten Einbruchdiebstahl in der Nacht, nachdem er mit ebengenanntem Urteil
vom 17. Juni 2014 vom Bezirksgericht Zürich unter anderem wegen versuchten
Diebstahls verurteilt wurde. Offensichtlich zeigte der Beschuldigte gegenüber der
Justiz und den Strafverfolgungsbehörden keinerlei Respekt. Die aus seinen frühe-
ren Verfehlungen jeweils resultierenden Strafen schienen ihn gänzlich unbe-
eindruckt zu lassen. Aufgrund des Ausgeführten ist eine starke Erhöhung um
12 Monate angezeigt.
7.3. Zur Frage der Gewichtung der Geständnisse ist zunächst bezüglich des
Verbrechens gegen das Betäubungsmittelgesetz mit der Vorinstanz darauf hin-
zuweisen, dass sich der Beschuldigte von Beginn der Untersuchung an vollum-
fänglich geständig zeigte (vgl. Urk. 109 S. 27 mit weiterem Verweis). Die Vor-
instanz erwog aber auch, dass es angesichts der anlässlich bei seiner Verhaftung
vom 27. Oktober 2016 beschlagnahmten Menge Kokain von 103.5 Gramm wohl
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auch schwierig gewesen wäre, eine Widerhandlung gänzlich abzustreiten. Eben-
so ist das Geständnis des Beschuldigten bezüglich des bei ihm sichergestellten
Marihuanas zu werten. Das Geständnis des Beschuldigten hinsichtlich des Ein-
bruchdiebstahls berücksichtigte die Vorinstanz korrekt nur in geringem Umfang
strafmindernd in der Erwägung, dass sich der Beschuldigte anlässlich der Haupt-
verhandlung schliesslich zwar vollumfänglich geständig zeigte, sein Handeln aber
nicht aufrichtig zu bereuen schien (vgl. Urk. 109 S. 30; Urk. 88 S. 15 ff.). Zu be-
rücksichtigen sind schliesslich auch die Geständnisse des Beschuldigten be-
treffend die unrechtmässige Aneignung eines "iPhones 5" (so auch Vorinstanz
vgl. Urk. 109 S. 31, Urk. D1/19 S. 9 f., Urk. 109 S. 32, Urk. D1/79/1/10/1 S. 5).
Demzufolge rechtfertigt sich eine Reduktion um 7 Monate. Das Geständnis in Zu-
sammenhang mit der Hinderung einer Amtshandlung rechtfertigt eine leichte Re-
duktion der aufgezeigten Geldstrafe.
7.4. Der Beschuldigte führte vor Vorinstanz aus, das Ganze tue ihm leid, er wolle
nach vorne schauen und sei froh, dass er die Drogengeschichte hinter sich gelas-
sen habe (Prot. I S. 10). Echte Reue ist in diesem Bekenntnis nicht zu erblicken,
zumal er sich ähnlich auch vor Bezirksgericht Zürich am 17. Juni 2014 äusserte
(vgl. Prot. Vorakten BGZ GG140078 S. 6) und diesen Worten keine Taten folgen
liess.
7.5. Aufgrund des Ausgeführten ergibt sich, dass die verschiedenen Aspekte der
Täterkomponente insgesamt zu einer Straferhöhung im Umfang von 2 Monaten
führen.
8. Übertretungen
8.1. Die Vorinstanz hielt zutreffend fest, dass sowohl für den mehrfachen Betäu-
bungsmittelkonsum im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG als auch für die diversen
Verkehrsregelverletzungen im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG eine Busse auszu-
fällen ist, und machte zu den Strafzumessungsregeln korrekte Ausführungen,
weshalb darauf zu verweisen ist (vgl. Urk. 109 S. 33).
- 27 -
8.2. Betäubungsmittelkonsum (Anklage D5 und Nachtragsanklage D1)
Für die vorliegende Beurteilung - und unter Berücksichtigung der bereits vor Vor-
instanz abgehandelten Verjährung (vgl. Urk. 109 S. 21) - zunächst relevant ist der
Konsum von täglich ein bis zwei Joints und zwei bis drei Linien Kokain sowie drei
bis vier Ecstasypillen jeweils an den Wochenenden im Zeitraum zwischen
2. November 2014 und 29. Januar 2015 (d.h. bis zum Strafantritt der von der Ju-
gendanwaltschaft des Kantons Aargau mit Entscheid vom 14. Juni 2013 ausge-
fällten Freiheitsstrafe von zwei Monaten, die mit Urteil des Bezirksgericht Zürich
vom 17. Juni 2014 widerrufen wurde; vgl. dazu Urk. D5/14/4, vgl. auch Urk. 24 der
beigezogenen Akten GG140078; vgl. Anklage vom 22.9.2016 S. 5 f.) sowie der
Konsum von gelegentlich einem Joint oder Ecstasy in der Zeit danach (Ende des
Strafvollzugs am 29. März 2015; vgl. Urk. D5/14/4) bis ca. Mitte April 2016
(vgl. Urk. D1/29 S. 5 f.). Weiter steht der Konsum von täglich 2 bis 5 Gramm Ko-
kain sowie vier Joints in der Zeit vom 1. Mai 2016 bis am 27. Oktober 2016 zur
Beurteilung an (vgl. Nachtragsanklage vom 21. April 2017 S. 4). Die Vorinstanz
erwog korrekt, dass sich die genannten Übertretungen in objektiver Hinsicht als
leicht erweisen, der Beschuldigte jedoch über einen längeren Zeitraum und zu-
dem verschiedene Betäubungsmittel konsumierte (vgl. Urk. 109 S. 34).
8.3. Verletzungen der Verkehrsregeln (Anklage D9 und Nachtragsanklage D2
und D3)
In Bezug auf die mehrfache Verletzung von Verkehrsregeln - mithin die Verweige-
rung eines Rechtsvortritts, die Überschreitungen der Höchstgeschwindigkeit in-
nerorts um 17 km/h, um 1 km/h und um 8 km/h, das Überschreiten der zulässigen
Parkzeit um 2 Stunden, die Missachtung eines Rotlichts und das Linksabbiegen
ohne vorgängig den Blinker zu stellen -, kann mit der Vorinstanz das Verschulden
in objektiver Hinsicht als gerade noch leicht eingestuft werden (vgl. Urk. 109
S. 34). In subjektiver Hinsicht fällt jedoch das achtlose und gegenüber den gel-
tenden Verkehrsvorschriften völlig gleichgültige Verhalten des Beschuldigten wie-
derum negativ ins Gewicht.
- 28 -
8.4. Die Vorinstanz ahndete sämtliche Übertretungen (mehrfach begangene
Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes und mehrfache Verletzung der Ver-
kehrsregeln) mit einer Busse von Fr. 1'500.--. Diese Sanktion erscheint gestützt
auf das oben diskutierte Verschulden ohne weiteres angemessen und wurde sei-
tens der Verteidigung nicht in Frage gestellt.
9. Fazit
9.1. Aufgrund der vorstehenden Ausführungen ergibt sich eigentlich eine Ge-
samtfreiheitsstrafe von mehr als 54 Monaten. Unter Berücksichtigung des Grund-
satzes des Verbots einer reformatio in peius ist jedoch eine Freiheitsstrafe von
54 Monaten respektive von 4 Jahren und 6 Monaten auszusprechen.
9.2. Hinsichtlich der festzusetzenden Geldstrafe für das Fahren ohne Haftpflicht-
versicherung und für die Hinderung einer Amtshandlung ist Folgendes festzuhal-
ten: Die Geldstrafe betreffend Hinderung einer Amtshandlung wäre grundsätzlich
mit der (obligatorisch zur Freiheitsstrafe auszusprechenden) Geldstrafe bezüglich
des Fahrens ohne Haftpflichtversicherung zu asperieren. Unter Berücksichtigung
des Grundsatzes des Verbots einer reformatio in peius ist jedoch eine Asperie-
rung und damit eine Erhöhung der von der Vorinstanz ausgefällten Geldstrafe von
10 Tagessätzen nicht möglich, womit es bei einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen
bleibt. Die Erwägungen der Vorinstanz bezüglich der Berechnung der Höhe der
Tagessätze sind zutreffend und vollumfänglich zu übernehmen, zumal der Be-
schuldigte auch aktuell einer Erwerbstätigkeit nachgeht (vgl. Urk. 109 S. 33,
Urk. 141). Damit ist der Tagessatz vorliegend auf Fr. 30.– festzusetzen.
9.3. Schliesslich ist der Beschuldigte - in Bestätigung des vorinstanzlichen Ur-
teils - mit einer Busse in der Höhe von Fr. 1'500.– zu bestrafen.
9.4. Der Anrechnung von 141 Tagen erlittener Haft (vom 27. Oktober 2016 bis
17. März 2017) steht nichts im Wege.
- 29 -
III. Vollzug
1. Angesichts der Höhe der auszusprechenden Freiheitsstrafe sind sowohl ein
Aufschub als auch ein teilweiser Aufschub nicht möglich (vgl. Art. 42 Abs. 1 StGB
und Art. 43 Abs. 1 StGB). Die Freiheitsstrafe ist daher zu vollziehen.
2. Auch die Geldstrafe ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz mangels
günstiger Prognose unbedingt auszusprechen. In diesem Zusammenhang ist auf
die Übergangsbestimmung zur Änderung des Sanktionenrechts vom 19. Juni
2015 hinzuweisen, welche bestimmt, dass wenn der Täter innerhalb der letzten
fünf Jahre vor der Tat nach bisherigem Recht zu einer Geldstrafe von mehr als
180 Tagessätzen verurteilt wurde, was hier der Fall ist, der Aufschub des Vollzugs
nur zulässig ist, wenn besonders günstige Umstände vorliegen. Die wiederholte
Delinquenz des Beschuldigten lässt die Annahme von besonders günstigen Um-
ständen offensichtlich nicht zu.
3. Die Busse ist zu bezahlen. Für den Fall einer Nichtbezahlung tritt an deren
Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 15 Tagen (Art. 106 Abs. 2 StGB).
IV. Widerruf
1. Ausgangslage
1.1. Der Beschuldigte hat zum Teil die heute zu beurteilenden Taten während
der ihm mit Urteil des Bezirksgerichtes Zürich vom 17. Juni 2014 angesetzten
Probezeit von drei Jahren und während der ihm mit Strafbefehl der Staatsanwalt-
schaft Muri – Bremgarten vom 30. Oktober 2014 angesetzten Probezeit von
4 Jahren begangen.
1.2. Es wurde oben dargetan, dass vorliegend die alte Fassung von Art. 46
Abs. 1 StGB zur Anwendung gelangt (vgl. oben Ziff. II.4.). Damit ist über den
Widerruf des dem Beschuldigten gewährten bedingten Vollzug der erwähnten
Geldstrafen zu befinden.
- 30 -
2. Widerruf
Die oben aufgeführte Delinquenz des Beschuldigten, die sich über eine längere
Zeitspanne erstreckte, lässt nicht erwarten, dass er in Zukunft keine weiteren
Straftaten verüben wird. Mit der Vorinstanz ist daher der bedingte Vollzug der
oben erwähnten Geldstrafen zu widerrufen und die Geldstrafen sind zu vollziehen.
V. Landesverweisung
1. Gesetzliche Regelung der obligatorischen Landesverweisung
1.1. In Art. 66a StGB ist die obligatorische Landesverweisung normiert, wonach
das Gericht den Ausländer, der wegen einer der unter lit. a - o genannten straf-
baren Handlungen verurteilt wird, unabhängig von der Höhe der Strafe für
5 - 15 Jahre aus der Schweiz verweist (Art. 66a Abs. 1 StGB). Das Gericht kann
ausnahmsweise von einer Landesverweisung absehen, wenn diese für den Aus-
länder einen schweren persönlichen Härtefall bewirken würde und die öffentlichen
Interessen an der Landesverweisung gegenüber den privaten Interessen des
Ausländers am Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen. Dabei ist der besonde-
ren Situation von Ausländern Rechnung zu tragen, die in der Schweiz geboren
oder aufgewachsen sind (Art. 66a Abs. 2 StGB).
1.2. Diese Gesetzesänderung ist am 1. Oktober 2016 in Kraft getreten
(AS 2016 2329). Aufgrund des Rückwirkungsverbotes (Art. 2 Abs. 1 StGB) kann
eine Landesverweisung nur für Taten verhängt werden, die seit dem Inkrafttreten
des neuen Gesetzes begangen wurden.
2. Katalogtat
2.1. Der Beschuldigte wird heute u.a. des Verbrechens gegen das Betäubungs-
mittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c und d BetmG in Verbindung mit
Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG schuldig gesprochen (vgl. oben), wobei für die Beurtei-
lung der Landesverweisung nur die Tathandlungen nach dem 1. Oktober 2016 re-
levant sein dürfen.
- 31 -
2.2. Dazu ist mit der Vorinstanz folgendes festzuhalten (vgl. Urk. 109 S. 45):
Gemäss Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich - Sihl vom 21. April 2017
verkaufte der Beschuldigte eingestandenermassen im Zeitraum von ca. 1. Mai
2016 bis 27. Oktober 2016 - nebst 1000 Gramm Marihuana - insgesamt
150,5 Gramm Kokain mit einem Reinheitsgrad von 70% bis 92% an unterschied-
liche Abnehmer, was einer Menge von 105 Gramm reinem Kokain entsprach. Ei-
ne zeitliche Zuordnung der Verkäufe nimmt die Anklageschrift nicht vor, wes-
wegen zugunsten des Beschuldigten davon auszugehen ist, dass diese vor dem
1. Oktober 2016 abgewickelt wurden, mithin für den Entscheid betreffend Landes-
verweisung nicht relevant sind. Anlässlich seiner Verhaftung am 27. Oktober 2016
war er indessen im Besitz von 103,5 Gramm Kokain netto, von welcher Menge er
gemäss Anklage beabsichtigte, 20 Gramm an unbekannte Abnehmer zu ver-
kaufen, entsprechend einer Menge reinem Kokain von 18,4 Gramm.
2.3. Die Strafbestimmung von Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG knüpft an der Menge
der umgesetzten Betäubungsmittel als relevanten Qualifikationsgrund an. Dieser
liegt dann vor, wenn sich die Widerhandlung auf eine Menge von Betäubungs-
mitteln bezieht, welche die Gesundheit vieler Menschen in Gefahr bringen kann,
was im Falle von Kokain bei einer Menge von 18 Gramm angenommen wird
(vgl. Vorinstanz in Urk. 109 S. 46 unter Hinweis auf Fingerhuth/Schlegel/Jucker,
Kommentar BetmG 2016, N 181 zu Art. 19 BetmG). Mit der Vorinstanz liegt damit
die vorliegend für die Beurteilung der Landesverweisung relevante Menge an rei-
nem Kokain von 18,4 Gramm knapp (aber immerhin) über der qualifizierenden
Grenze von 18 Gramm. Dabei handelt es sich um eine Katalogtat der obligatori-
schen Landesverweisung (Art. 66a Abs. 1 lit. o StGB), welche in der Regel zur
Landesverweisung des Täters zu führen hat.
3. Härtefallklausel (Art. 66a Abs. 2 StGB)
3.1. Der Gesetzgeber hat mit der Formulierung von Art. 66a Abs. 2 StGB klar
zum Ausdruck gebracht, dass bei Vorliegen einer Anlasstat im Sinne von Art. 66a
Abs. 1 StGB in der Regel eine Landesverweisung zu verhängen ist. Ein aus-
nahmsweises Absehen davon ist - mit Ausnahme von Art. 66a Abs. 3 StGB (ent-
schuldbare Notwehr oder entschuldbarer Notstand) - nur dann zulässig, wenn
- 32 -
kumulativ zwei Voraussetzungen vorliegen: Ein schwerer persönlicher Härtefall
und kein überwiegendes öffentliches Interesse an der Landesverweisung (Marc
Busslinger/Peter Uebersax, Härtefallklausel und migrationsrechtliche Auswirkun-
gen der Landesverweisung, plädoyer 5/16, S. 96 ff., S. 97 f.). Erst wenn feststeht,
dass die Landesverweisung einen schweren persönlichen Härtefall bewirken wür-
de, ist in einem zweiten Schritt das private Interesse an einem Verbleib in der
Schweiz dem öffentlichen Interesse an einem Verlassen der Schweiz gegenüber-
zustellen. Resultiert daraus ein überwiegendes öffentliches Interesse, muss die
Landesverweisung verhängt werden (Marc Busslinger/Peter Uebersax, a.a.O.,
S. 102).
Die Vorinstanz hat im Übrigen die zu beachtenden Voraussetzungen und die ge-
geneinander abzuwägenden Interessen im Zusammenhang mit der Anwendung
der Härtefallklausel nach Art. 66a Abs. 2 StGB ausführlich und korrekt in ihrem
Entscheid festgehalten. Darauf kann verwiesen werden (zu den allgemeinen Vor-
aussetzungen: Urk. 109 S. 40 Ziff. 3.1.; zu den zu berücksichtigenden Komponen-
ten bei der Prüfung des Vorliegens eines schweren persönlichen Härtefalls:
Urk. 109 S. 41 Ziff. 3.2.1; zum privaten Interesse: Urk. 109 S. 42 Ziff. 3.3.1 und
zum öffentlichen Interesse: Urk. 109 S. 44 Ziff. 3.4.1. jeweils mit Hinweisen auf Li-
teratur und Judikatur).
3.2. Zu den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten und zu seinem Wer-
degang kann vorerst auf die Ausführungen der Vorinstanz im Zusammenhang mit
der Strafzumessung resp. der Täterkomponente sowie auf die ergänzenden Aus-
führungen im vorliegenden Entscheid zum entsprechenden Thema verwiesen
werden (vgl. Urk. 109 S. 26 und vorstehend Ziff. II./7.1.).
3.3. Zur Beurteilung des schweren persönlichen Härtefalls erwog die Vorinstanz,
der in der Türkei geborene Beschuldigte sei bereits im Kindesalter, d.h. im Alter
von 7 Jahren, in die Schweiz eingereist und sei seither nie mehr in der Türkei ge-
wesen. Er habe hier sowohl den Kindergarten als auch die Grund- und Realschu-
le besucht, bevor er mit einer Ausbildung zum Gipser begonnen habe
(vgl. Urk. 109 S. 41 Ziff. 3.2.2.). Zutreffend ist, dass der Beschuldigte somit weit-
gehend in der Schweiz aufwuchs und den grössten Teil seines Lebens in der
- 33 -
Schweiz verbrachte. Ergänzend ist festzuhalten, dass der Beschuldigte in
der Schweiz im Besitze einer Niederlassungsbewilligung ist (vgl. Verfügung des
Migrationsamts des Kantons Aargau betr. Verwarnung, Urk. 133). Allein diese
Umstände stellen betreffend das Aussprechen einer Landesverweisung für den
heute 24jährigen Beschuldigten fraglos einen schweren persönlichen Härtefall im
Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB dar.
3.4. Im Zusammenhang mit der Bestimmung des privaten Interesses des Be-
schuldigten am Verbleib in der Schweiz sind vorab wiederum die Dauer seiner
Anwesenheit in der Schweiz, die Auswirkungen auf das Familienleben, die Mög-
lichkeit einer Reintegration und Resozialisierung im Heimatland sowie die Aus-
wirkungen einer Landesverweisung auf eine positive Persönlichkeitsentwicklung
des Betroffenen zu berücksichtigen. Weiter ist das aus Art. 8 EMRK sowie Art. 13
Abs. 1 BV fliessende Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens zu be-
rücksichtigen, wobei beide Bestimmungen keinen Anspruch darauf begründen,
das Familienleben an dem dafür geeignetsten Ort bzw. am Aufenthaltsort eines
beliebigen Familienmitglieds zu leben (BGE 126 II 335 E. 3.a).
Wie bereits die Vorinstanz zutreffend festhielt, impliziert die Tatsache, dass der
Beschuldigte in der Schweiz aufgewachsen ist, bereits sein grosses privates Inte-
resse am Verbleib in der Schweiz (vgl. Urk. 109 S. 42 Ziff. 3.3.1). Weiter erwog
die Vorinstanz korrekt, die enge familiäre Bindung des Beschuldigten zu in
der Schweiz «gefestigt anwesenheitsberechtigten» Personen (Kontakte zu einem
2-jährigen Sohn und zu seinen 7 Brüdern, die alle in der Schweiz leben und den
Schweizer Pass haben und zu welchen er ein gutes Verhältnis habe, sowie zu
weiteren Verwandten in der Schweiz und in Deutschland; vgl. Urk. D1 12/3 S. 18)
wirkten sich erhöhend auf sein Interesse in der Schweiz zu bleiben aus, zumal die
Pflege dieser familiären Beziehungen durch eine Landesverweisung stark beein-
trächtigt würde (vgl. Urk. 109 S. 43 Ziff. 3.3.4).
Weiter erwog die Vorinstanz, dass der Beschuldigte in seinem Herkunftsland, der
Türkei, keinerlei Familienangehörige habe (vgl. Urk. 109 S. 43). Angesichts der
beim Migrationsamt des Kantons Aargau eingeholten Unterlagen (E-Mail-Verkehr
betreffend freiwillige Ausreise des Vaters des Beschuldigten K._ und Ausrei-
- 34 -
semeldung, vgl. Urk. 132 und 135 f.) ist jedoch unterdessen davon auszugehen,
dass der Beschuldigte immerhin seinen Vater in der Türkei hat. Auch aus dem
Umstand, dass offenbar die Mutter des Beschuldigten in der Türkei beerdigt wur-
de (vgl. Urk. D1 12/3 S. 18 zu Frage 107), ist zu schliessen, dass die Bindungen
zum Herkunftsort nicht gänzlich abgebrochen sind. Die Vorinstanz stufte die Mög-
lichkeit einer Reintegration und Resozialisierung des Beschuldigten in der Türkei
nicht zuletzt aufgrund seiner Zugehörigkeit zum kurdischen Volk als eher gering
ein (vgl. Vorinstanz in Urk. 109 S. 43). Der Beschuldigte wie auch seine Verteidi-
gung machten zwar im vorliegenden Verfahren geltend, dem Beschuldigten als
Kurde würde in der Türkei allenfalls Gefängnis drohen bzw. er sehe sich in der
Türkei mit einer latenten Verfolgungssituation konfrontiert (vgl. auch Vorinstanz
Urk. 109 S. 43 mit Verweis auf Urk. D1/79/1/12/3 S. 18, D1/88 S. 27, D1 92 S.
18). Eine konkrete Bedrohungssituation, in welche sich der Beschuldigte bei einer
Rückreise in die Türkei begeben würde, wurde jedoch nicht genügend dargetan.
Eine solche scheint umso weniger wahrscheinlich, als der Vater des Beschuldig-
ten sehr wohl in die Türkei zurückkehren konnte. Im Übrigen können zwar allfälli-
ge Hinderungsgründe, die mit der Situation im zukünftigen Wohnstaat des Be-
schuldigten zusammenhängen, bei der Beurteilung der privaten Interessen nicht
völlig ausser Acht gelassen werden, haben jedoch grundsätzlich keinen Einfluss
auf den Entscheid über die Anordnung der Landesverweisung (vgl. Vorinstanz in
Urk. 109 S. 43 unter Hinweis auf BBl 2013 S. 6030). Dies ist allenfalls als Voll-
zugshindernis im Rahmen von Art. 66d StGB (Non-refoulement-Gebot) zu be-
rücksichtigen. Korrekt wies die Vorinstanz in diesem Zusammenhang darauf hin,
dass Art. 66d Abs. 1 StGB den Vollzugsbehörden lediglich den Aufschub des
Vollzugs der obligatorischen Landesverweisung erlaubt, nicht aber ein gänzliches
Absehen davon (vgl. Vorinstanz in Urk. 109 S. 43 ff. Ziff. 3.3.5. mit Hinweisen).
3.5. Ziel der Landesverweisung ist die Verhinderung weiterer Straftaten in der
Schweiz durch den Betroffenen. Bei der Ermittlung des öffentlichen Interesses am
Verlassen der Schweiz sind hauptsächlich die Aspekte der ausgefällten Strafe,
die Art der begangenen Delikte, die Rückfallgefahr sowie die erneute Straffällig-
keit nach verbüsster Freiheitsstrafe massgebend (vgl. Marc Busslinger/Peter
Uebersax, a.a.O., S. 103).
- 35 -
Im Zusammenhang mit der ausgefällten Strafe ist in Erinnerung zu rufen,
dass allein das gemäss Dossier 1 der Nachtragsanklageschrift vom 21. April 2017
begangene Verbrechen nach Art. 19 Abs. 2 BetmG (Besitz von 20 Gramm Kokain
bzw. 18,4 Gramm reinem Kokain, die zum Verkauf bestimmt waren) von Belang
ist, weil die Bestimmungen über die Landesverweisung erst am 1. Oktober 2016
in Kraft traten und damit lediglich die nach diesem Zeitpunkt begangenen Taten
relevant sind (vgl. oben Ausführungen zur Katalogtat, vgl. auch Vorinstanz in
Urk. 109 S. 44. Ziff. 3.4.2 und 3.4.4). Der Vorinstanz ist daher zuzustimmen, dass
insofern die Höhe der ausgefällten Strafe nur bedingt zur Beurteilung des öffent-
lichen Interesses hinzugezogen werden kann (vgl. Urk. 109 S. 44 Ziff. 3.4.2).
Dennoch ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass auch der für die Landesver-
weisung relevante Betäubungsmittelhandel sich auf eine Menge von Betäu-
bungsmitteln bezog, welche die Gesundheit vieler Menschen in Gefahr bringen
kann, was im Falle von Kokain bei einer Menge von 18 Gramm angenommen wird
(vgl. Vorinstanz Urk. 109 S. 46). Durch diesen beabsichtigten Betäubungsmittel-
handel gefährdete der Beschuldigte die öffentliche Gesundheit, mithin ein sehr
gewichtiges, existentielles Rechtsgut, weswegen das öffentliche Interesse daran,
dass der Beschuldigte die Schweiz verlassen muss, selbst unter Berücksich-
tigung, dass vorliegend der Schwellenwert für den schweren Fall um lediglich
(aber immerhin) 0,4 Gramm überschritten wurde, entgegen der Vorinstanz
(vgl. Urk. 109 S. 46), fraglos schwer wiegt.
In Bezug auf die Prüfung der Rückfallgefahr und wiederholter Delinquenz darf das
Gericht auch vor dem Inkrafttreten von Art. 66a StGB am 1. Oktober 2016 began-
gene Straftaten berücksichtigen (vgl. BGE 6B_651/2018 vom 17.10.2018
E. 8.3.3.). So ist zu beachten, dass sich der Beschuldigte vorliegend zudem we-
gen eines Einbruchdiebstahls, einfacher Körperverletzung, Fälschung von Aus-
weisen, unrechtmässiger Aneignung, Hinderung einer Amtshandlung, diverser
Betäubungsmitteldelikte sowie etlicher Strassenverkehrsdelikte zu verantworten
hat. Überdies ist mit der Vorinstanz darauf hinzuweisen, dass der Beschuldigte in
strafrechtlicher Hinsicht kein unbeschriebenes Blatt ist (drei, teilweise einschlägi-
ge Vorstrafen und Delinquenz in der Probezeit, vgl. Urk. 137) und dass ihm inso-
fern kein guter Leumund zu bescheinigen ist (vgl. oben unter Täterkomponente),
- 36 -
was das öffentliche Interesse an seinem Verlassen der Schweiz entsprechend
zusätzlich erhöht (vgl. Urk. 109 S. 46).
Was seine Resozialisierungschancen betrifft, so sind diese als schlecht zu beur-
teilen. Der Beschuldigte hat erst seit Anfang September 2018 eine neue Stelle,
wobei zu beachten ist, dass er seither bereits zweimal krankheitshalber ausfiel
(vgl. Arztzeugnisse Urk. 129 und Urk. 139). Von einer gefestigten Arbeitsstelle, zu
welcher er nach seiner Entlassung zurückkehren könnte, ist daher zum jetzigen
Zeitpunkt nicht auszugehen.
3.6. Zusammengefasst stehen somit den gewichtigen öffentlichen Interessen an
der Landesverweisung des Beschuldigten die zwar nicht unerheblichen, aber
doch geringeren privaten Interessen des Beschuldigten am Verbleib in der
Schweiz gegenüber. Demzufolge sind selbst unter der Prämisse eines schweren
persönlichen Härtefalls die Voraussetzungen für ein Absehen von der Landes-
verweisung gemäss Art. 66a Abs. 2 StGB nicht erfüllt.
4. Dauer der Landesverweisung
4.1. Art. 66a StGB sieht als Dauer der obligatorischen Landesverweisung einen
Rahmen von 5 - 15 Jahren vor. Die Bemessung der Dauer im Einzelfall liegt im
Ermessen des Gerichts, welches sich dabei insbesondere am Verhältnismässig-
keitsgrundsatz zu orientieren hat (Botschaft vom 26. Juni 2013 z zur Änderung
des Strafgesetzbuchs und des Militärstrafgesetzes, BBl 2013 5975 ff., S. 6021).
4.2. In Anbetracht des für die Beurteilung der Landesverweisung relevanten De-
liktes des Beschuldigten erschiene eine Ansetzung der Dauer an der oberen
Grenze nicht angemessen, da weitaus schwerwiegendere Delikte im Katalog von
Art. 66a Abs. 1 StGB aufgeführt sind. Angesichts der vom Beschuldigten beses-
senen Kokainmenge ist die Dauer auf die minimalen 5 Jahre festzusetzen. Ins-
gesamt erweisen sich die von der Staatsanwaltschaft beantragten 8 Jahre als zu
hoch.
4.3. Der Beschuldigte ist somit im Sinne von Art. 66a StGB für 5 Jahre des Lan-
des zu verweisen.
- 37 -
5. Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem
5.1. Gemäss Art. 20 der Verordnung über den nationalen Teil des Schengener
Informationssystems und das SIRENE-Büro (N-SIS-VO) können Drittstaatenan-
gehörige nur zur Einreise- und Aufenthaltsverweigerung ausgeschrieben werden,
wenn der entsprechende Entscheid einer Verwaltungs- oder einer Justizbehörde
vorliegt. Die Ausschreibung der Landesverweisung wird vom urteilenden Gericht
angeordnet. Die Ausschreibung einer Landesverweisung im SIS hat weit mehr als
blossen Mitteilungscharakter. Nichtfreizügigkeitsberechtigte Drittstaatenange-
hörige sind durch die Ausschreibung im SIS nicht nur verpflichtet, die Schweiz zu
verlassen, sondern werden aus dem gesamten Schengenraum verwiesen. Die Er-
läuterungen des Bundesamts für Justiz zur Verordnung über die Einführung der
Landesverweisung halten entsprechend fest, dass die Ausschreibung im SIS zwar
einen gewissen Vollzugscharakter habe, durch die Ausschreibung aber auch der
ursprüngliche Inhalt der Sanktion massiv verändert werde. Aus diesem Grund
wurde die Kompetenz, über die Ausschreibung einer Landesverweisung zu ent-
scheiden, dem Strafgericht übertragen, welches auch die Landesverweisung an-
ordnet (Erläuterungen des Bundsamts für Justiz zur Verordnung über die Einfüh-
rung der Landesverweisung vom 20. Dezember 2016, Ziff. 1.6, S. 11).
5.2. Art. 20 N-SIS-VO trat im heute geltenden Wortlaut erst am 1. März 2017 in
Kraft und damit nach der Tatbegehung des Beschuldigten im Oktober 2016. Die
im Oktober 2016 geltende Fassung von Art. 20 aNSIS-VO lautete wie folgt: "Dritt-
staatenangehörige können zur Einreise- und Aufenthaltsverweigerung ausge-
schrieben werden, wenn ein Einreiseverbot einer Verwaltungs- und Justizbehörde
vorliegt." Eine Ausschreibung im SIS konnte also bereits vor dem 1. März 2017
angeordnet werden, allerdings bezog sich die gesetzliche Bestimmung lediglich
auf (migrationsrechtliche) Einreiseverbote und eine Kompetenz zur Anordnung
der Ausschreibung durch das Strafgericht bestand nicht. Aufgrund des geschilder-
ten materiellen Charakters der SIS-Ausschreibung kommt das Rückwirkungsver-
bot von Art. 2 StGB zur Anwendung. Die Anordnung der Ausschreibung im SIS
durch das Strafgericht erscheint vor diesem Hintergrund als unzulässig.
- 38 -
VI. Kosten und Entschädigungsfolgen
1. Kosten der ersten Instanz
Das Kostendispositiv der ersten Instanz ist in Rechtskraft erwachsen.
2. Kosten des Berufungsverfahrens
2.1. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren wird praxisgemäss auf
Fr. 2'500.-- festgesetzt.
2.2. Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ih-
res Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Staatsanwaltschaft
obsiegt grundsätzlich mit ihrer Berufung. Dass die Dauer der Landesverweisung
geringer ausfiel als beantragt, entspricht einem Ermessensentscheid und fällt bei
der Kostenauflage nicht ins Gewicht. Bei dieser Ausgangslage, respektive da der
Beschuldigte vollständig unterliegt, sind ihm die Kosten dieses Verfahrens vollum-
fänglich aufzuerlegen. Von der Kostentragungspflicht ausgenommen sind die
Kosten der amtlichen Verteidigung, welche einstweilen auf die Gerichtskasse zu
nehmen sind, wobei das Rückforderungsrecht des Staates gegenüber dem Be-
schuldigten bezüglich dieser Kosten vorbehalten bleibt (Art. 135 Abs. 4 StPO).
3. Entschädigung für die amtliche Verteidigung
3.1. Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten, Rechtsanwalt lic. iur. X._,
reichte im Berufungsverfahren eine Honorarnote über einen Aufwand von Fr.
5'964.65 ein (Urk. 143).
3.2. Der geltend gemachte Aufwand sowie die in Rechnung gestellten Baraus-
lagen sind ausgewiesen und erscheinen insgesamt angemessen. In Abzug zu
bringen sind einzig zwei Stunden für die auf vier Stunden geschätzte Berufungs-
verhandlung angesichts der effektiven Dauer der Verhandlung und einer zuge-
billigten Stunde für die Nachbesprechung (vgl. Urk. 143 S. 2; Prot. II S. 5 und 9).
Dementsprechend ist Rechtsanwalt lic. iur. X._ für seine Bemühungen im
Berufungsverfahren mit Fr. 5'500.– aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
- 39 -