# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** aaeffb59-7ed9-4760-87b0-36889308dfd5
**Court:** BL_EG
**Chamber:** BL_EG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** BL / Northwestern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Vereinbarung. Der Sachverhalt ist vielmehr mit jenem vergleichbar, in welchem der Adressat
einer Verfügung der verfügenden Behörde noch innerhalb der Rechtsmittelfrist erklärt, kein
Rechtsmittel zu ergreifen, und damit implizit sein Einverständnis mit der Verfügung zum Aus-
druck bringt. Verstreicht die Rechtsmittelfrist ungenutzt, wird die Verfügung rechtskräftig. Die
vorliegend interessierende Verfügung der Enteignerin vom 16. Januar 2017 ist sämtlichen Ent-
eigneten persönlich bis spätestens 19. Januar 2017 zugestellt worden (vgl. Sendungsverfol-
gungen der Schweizerischen Post). Die 10-tägige Rechtsmittelfrist ist damit spätestens am
30. Januar 2017 abgelaufen. Da die Enteigneten innert dieser Frist – wie bereits erwähnt – kein
Rechtsmittel ergriffen haben, ist die Verfügung der Enteignerin vom 16. Januar 2017, worin die
Modalitäten der Enteignung und insbesondere die Enteignungsentschädigung festgesetzt wor-
den sind, rechtskräftig geworden. Rechtliches Fundament der Entschädigung ist damit die Ver-
fügung vom 16. Januar 2017, eine Vereinbarung der Parteien ist jedenfalls nicht auszumachen.
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In Ermangelung eines «bisherigen Verfahrens» vor dem Enteignungsgericht und aufgrund des
offensichtlichen Fehlens einer «Vereinbarung» über die im Gegenzug zur Landabtretung zu
bezahlende Entschädigung ist das Enteignungsgericht zur Genehmigung der vorliegend infrage
stehenden Entschädigung von Fr. 40.00 pro Quadratmeter nicht nach § 68 Abs. 2 EntG zustän-
dig.
2.2 Sachliche Zuständigkeit nach § 79 Abs. 1 EntG
Fraglich könnte sein, ob sich eine Zuständigkeit des Enteignungsgerichts aus einer anderen als
der von der Enteignerin angerufenen Bestimmung ergibt. Als solche könnte § 79 Abs. 1 EntG
infrage kommen, der wie folgt lautet:
Die nach Einleitung des Enteignungsverfahrens, aber ausserhalb des Verfahrens zustandegekommene Verständi-
gung über die Entschädigung bedarf zu ihrer Verbindlichkeit der schriftlichen Form und der Genehmigung durch das
Enteignungsgericht (§ 68 Abs. 2). [Fettdruck hinzugefügt]
§ 79 Abs. 1 EntG knüpft die Zuständigkeit des Enteignungsgerichts an zwei Tatbestandsele-
mente, zum einen an ein vorbestehendes Enteignungsverfahren («nach Einleitung des Enteig-
nungsverfahrens») und zum andern an eine schriftliche und ausserhalb des Verfahrens zustan-
de gekommene Verständigung über die Entschädigung für die Landabtretung bzw. Enteignung.
Wie bereits dargelegt worden ist, fehlt es vorliegend offensichtlich an einer «Verständigung»
bzw. Vereinbarung der Parteien (vgl. E. 2.1 hiervor). Basis der Entschädigung bildet vielmehr
die Verfügung der Enteignerin vom 16. Januar 2017.
Dennoch ist im Sinne eines Obiter Dictum zu klären, ob ein kommunales enteignungsrechtli-
ches Plangenehmigungsverfahren, wie es die Enteignerin durchgeführt hat, unter die erstge-
nannte Tatbestandsvoraussetzung fällt. § 79 Abs. 1 EntG steht wie schon § 68 Abs. 2 EntG
unter dem Titel «3.2 Verfahren und Feststellung der Entschädigung». Wie bereits erwähnt, re-
geln die Normen dieses Titels das enteignungsgerichtliche Verfahren zur Festsetzung einer
Enteignungsentschädigung. § 79 EntG trägt allerdings die Überschrift (Marginalie) «Verständi-
gung ausserhalb des Verfahrens» [Kursivdruck hinzugefügt]. Aus der systematischen Stellung
von § 79 EntG und aus dessen Überschrift ergibt sich demnach, dass mit der Wendung «aus-
serhalb des Verfahrens» ausserhalb eines enteignungsgerichtlichen Verfahrens zur Festset-
zung einer Enteignungsentschädigung gemeint ist. Die Tatbestandsvoraussetzung «nach Ein-
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leitung des Enteignungsverfahrens» bezieht sich folglich auf das vom jeweiligen Gemeinwesen
eingeleitete Enteignungsverfahren. Mit Verfügung vom 16. Januar 2017 hat die Enteignerin das
abgekürzte enteignungsrechtliche Plangenehmigungsverfahren nach § 43 Abs. 1 in Verbindung
mit § 41 EntG angeordnet und damit ein (kommunales) Enteignungsverfahren eingeleitet. Die
Voraussetzung eines vorbestehenden Enteignungsverfahrens («nach Einleitung des Enteig-
nungsverfahrens») ist demnach erfüllt.
Wie bereits erwähnt, scheitert eine Zuständigkeit des Enteignungsgerichts nach § 79 Abs. 1
EntG am offensichtlichen Fehlen einer Verständigung über die Enteignungsentschädigung.
2.3 Fazit
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Enteignungsgericht zur Genehmigung der vorlie-
gend hoheitlich festgesetzten Enteignungsentschädigung von Fr. 40.00 pro Quadratmeter sach-
lich nicht zuständig ist, da offensichtlich weder eine Vereinbarung i.S.v. § 68 Abs. 2 EntG noch
eine Verständigung über die Entschädigung i.S.v. § 79 Abs. 1 EntG vorliegt. Auf das Gesuch
der Enteignerin vom 16. Februar 2017 ist deshalb mangels sachlicher Zuständigkeit nicht einzu-
treten.
Die von der Enteignerin eingereichte Verfügung vom 16. Januar 2017 ist kein genehmigungs-
bedürftiges bzw. genehmigungsfähiges Tatbestandsobjekt nach den §§ 68 Abs. 2 bzw. 79
Abs. 1 EntG.
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3. Kosten
3.1 Verfahrenskosten
Wie bereits erwähnt gelten für das Verfahren vor dem Enteignungsgericht die Bestimmungen
der Verwaltungsprozessordnung (VPO) sinngemäss. Nach § 20 Abs. 4 VPO werden Gemein-
den keine Verfahrenskosten auferlegt. Nach § 71 Abs. 1 EntG dagegen hat die Enteignerin,
also die Einwohnergemeinde A._, die Verfahrenskosten für das erstinstanzliche Verfahren
zu tragen. Zur Lösung dieses positiven Normenkonflikts hält § 47 Abs. 3 EntG fest, dass die
Bestimmungen der Verwaltungsprozessordnung (VPO) nur gelten, soweit das Enteignungsge-
setz (EntG) keine Spezialregelung enthält. Da der eingangs erwähnte § 71 Abs. 1 EntG die
Kostentragung für das enteignungsgerichtliche Enteignungsverfahren regelt, gelangen Bestim-
mungen der VPO zur Kostentragung vorliegend nicht zur Anwendung (vgl. Urteil des Enteig-
nungsgerichts vom 15. Dezember 2016 [600 16 26] E. 3.1). Die Enteignerin hat deshalb die
Verfahrenskosten zu tragen. Der gerichtsübliche Tarif für einen einfachen Nichteintretensent-
scheid beträgt Fr. 100.00 bis Fr. 300.00. Angesichts des mit der für einen Nichteintretensent-
scheid umfangreichen Begründung verbundenen Aufwands rechtfertigt es sich vorliegend, die
Verfahrenskosten in Anlehnung an § 3 Abs. 1 der Verordnung über die Gebühren der Gerichte
vom 15. November 2010 (GebT, SGS 170.31) i.V.m. § 4 Abs. 1 GebT auf Fr. 300.00 festzuset-
zen (vgl. § 17 Abs. 1 lit. a GebT). Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 300.00 sind von der
Enteignerin zu tragen.
3.2 Parteikosten
Da die Enteigneten nicht anwaltlich vertreten sind, besteht von vornherein kein Anspruch auf
eine Parteientschädigung (vgl. § 71 Abs. 2 EntG). Die ausserordentlichen Kosten sind folglich
wettzuschlagen.
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D e m g e m ä s s w i r d e r k a n n t :
1. Auf das Gesuch wird nicht eingetreten.
2. Die Enteignerin hat die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 300.00 zu
tragen.
3. Die ausserordentlichen Kosten werden wettgeschlagen.
Mitteilung an die Parteien.
Abteilung Enteignungsgericht Präsident
Dr. Ivo Corvini-Mohn
Gerichtsschreiber
Thomas Kürsteiner, MLaw

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