# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 77945a42-4673-4245-a6fe-fc30bb5fcc5a
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1953, war seit 1992 als Sachbearbeiterin Verkauf bei der
Y._
AG angestellt und damit bei der Suva gegen Unfälle versichert. Am 2
4.
Juni 2012 erlitt sie als Beifahrerin auf einem Motorrad einen Verkehrsunfall, als ein Fahrzeug ihre Fahrspur kreuzte, es zur Kollision kam und sie durch die Luft geschleudert wurde (
Urk.
2/8/4). Dabei erlitt sie multiple Verletzungen (Polytrauma, Schädelhirntrauma,
Thoraxtrauma
, Wirbelsäulentrauma,
Becken
trauma
,
Extremitätentrauma
), welche verschiedene Operationen notwendig machten (
Urk.
2/8/25/2-6). In der Folge verblieb eine dauerhafte Behinderung (spastische Hemiparese links, Stimmstörung und kognitiv-kommunikative Sprachstörung, mittelschwere bis schwere neuropsychologische Störung mit deutlichen kognitiven Defiziten in den Bereichen der Aufmerksamkeits-, der Exekutiv-, der Gedächtnis- und der visuell-räumlichen Fähigkeiten sowie Ver
haltensauffälligkeiten nach einer Schädigung des Gehirns,
Urk.
2/8/258/18).
Die Suva erbrachte die gesetzlichen Leistungen und sprach der Versicherten mit Verfügung vom 2
6.
Januar 2015 (
Urk.
2/8/283) mit Wirkung ab
1.
Mai 2015 eine Invalidenrente basierend auf einer Erwerbsunfähigkeit von 100
%
sowie eine Integritätsentschädigung basierend auf einer Einbusse von 100
%
zu.
Bereits am
9.
Juli 2014 (
Urk.
2/8/243) hatte die Suva der Versicherten mit Wir
kung ab
1.
Februar 2014 eine
Hilflosenentschädigung
leichten Grades zugespro
chen. Die am 2
7.
August 2014 (
Urk.
2/8/249) dagegen erhobene Einsprache wies sie mit Entscheid vom 1
8.
September 2015 (
Urk.
2/2) ab.
2.
Hiergegen erhob die Versicherte am 2
1.
Oktober 2015 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren um
Zusprache
einer
Hilflosenentschädigung
mittleren Grades (
Urk.
2/1 S. 2).
Die
Suva ersuchte am 2
6.
November 2015 um Abweisung der Beschwerde (
Urk.
2/7 S. 2). Am 3
0.
September 2016 (
Urk.
2/10) wies das hiesige Gericht die Beschwerde ab (Prozess Nr. UV.2015.00210). Das Bundesgericht hob diesen Entscheid mit Urteil vom
5.
Januar 2017 (
Urk.
1) auf und wies die Sache zur neuen Begründung an das kantonale Gericht zurück.
Am 1
8.
Januar 2017 (
Urk.
3) äusserte sich die Versicherte unter Auflage teils neuer Akten (
Urk.
4/1-11) ergänzend.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. November 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesgeset
zes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallver
sicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen,
die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat
(vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am
2
4.
Juni 2012
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Gemäss
Art.
6 UVG werden – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
krankheiten gewährt (
Abs.
1).
1.3
G
estützt
auf
Art.
26
Abs.
1 UVG hat der Versicherte bei Hilflosigkeit Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
. Als hilflos gilt eine Person, die wegen der Be
einträchtigung der Gesundheit für alltägliche Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung bedarf (
Art.
9 des Bundesge
setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Die
Hilflosenentschädigung
bemisst sich nach dem Grad der Hilflosigkeit (
Art.
27 UVG).
1.4
1.
4
.1
Gemäss
Abs.
3 von
Art.
38
UVV
gilt die Hilflosigkeit als mittelschwer, wenn der Versicherte trotz der Abgabe von Hilfsmitteln
a.
in den meisten alltäglichen Lebensverrichtungen
regelmässig
in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist oder
b
.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen
regelmässig
in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf.
Nach der Rechtsprechung setzt Hilflosigkeit mittelschweren Grades im Sinne von
Art.
38
Abs.
3
lit
. a UVV eine Hilfsbedürftigkeit in mindestens vier alltägli
chen Lebensverrichtungen voraus (BGE 121 V 90 E. 3b, 107 V 151 E. 2).
1.
4
.2
Die Hilflosigkeit gilt nach
Art.
38
Abs.
4 UVV als leicht, wenn der Versicherte trotz der Abgabe von Hilfsmitteln
a.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen
regelmässig
in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist oder
b.
einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf oder
c.
einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwendigen Pflege bedarf oder
d.
wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körperlichen Ge
brechens nur dank
regelmässiger
und erheblicher Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann.
1.4
.3
Praxisgemäss (BGE 121 V 90 E. 3a mit Hinweisen) sind die folgenden sechs alltäg
lichen Lebensverrichtungen
massgebend
:
1.
Ankleiden, Auskleiden;
2.
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
3.
Essen;
4.
Körperpflege;
5.
Verrichtung der Notdurft;
6.
Fortbewegung (im oder
ausser
Haus), Kontaktaufnahme (BGE 127 V 97
E. 3c, 125 V 303 E. 4a).
Bei Lebensverrichtungen, welche mehrere Teilfunktionen umfassen, ist nach der Rechtsprechung (BGE 121 V 91 E. 3c mit Hinweisen) nicht verlangt, dass der Versicherte bei der Mehrzahl dieser Teilfunktionen fremder Hilfe bedarf; viel
mehr ist
bloss
erforderlich, dass der Versicherte bei einer dieser Teilfunktionen
regelmässig
in erheblicher Weise auf direkte oder indirekte Dritthilfe angewie
sen ist.
1.4
.4
Pflege und Überwachung beziehen sich nicht auf die alltäglichen
Lebensverrich
tungen
und sind deshalb von der indirekten Dritthilfe zu unterscheiden (ZAK 1984 S. 357 E. 2c). Es handelt sich vielmehr um eine Art medizinischer oder
pflegerischer Hilfeleistung, die infolge des physischen, geistigen oder psychi
schen Zustandes der versicherten Person notwendig ist. Unter Pflege ist zum Beispiel die Notwendigkeit zu verstehen, täglich Medikamente zu verabreichen oder eine Bandage anzulegen. Die Notwendigkeit der persönlichen Überwa
chung ist beispielsweise dann gegeben, wenn die versicherte Person wegen geistiger Absenzen nicht während des ganzen Tages allein gelassen werden darf (BGE 107 V 136 E. 1b mit Hinweis; ZAK 1990 S. 46 E. 2c; Urteil des Bundesge
richts I 431/05 vom 1
3.
Oktober 2005 E. 1.3 mit Hinweisen
).
1.
5
Bei der Ermittlung der Hilflosigkeit besteht die Aufgabe des Arztes bzw. der Ärztin darin zu untersuchen, worin die von Dritten notwendigerweise zu leis
tende (direkte oder indirekte) Hilfe bei den einzelnen Lebensverrichtungen bzw. deren Teilfunktionen besteht. Die Verwaltung bzw. das Gericht haben aufgrund dieser Angaben die Rechtsfrage zu beurteilen, ob die Hilfsbedürftigkeit erheblich ist oder nicht (BGE 107 V 142).
2.
D
ie
Beschwerdegegnerin begründete ihre
Leistungszusprache
damit, die
Beschwer
deführerin
sei in den beiden alltäglichen Lebensverrichtungen „Kör
perpflege“ und „Fortbewegung“ hilfsbedürftig, was zum Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
leichten Grades führe (
Urk.
2/2).
Die
Beschwerdeführerin
brachte dagegen vor, sie bedürfe zudem der dauernden persönlichen Überwachung, weshalb eine Hilflosigkeit mittleren Grades vorliege (
Urk.
2/1 S. 3 f.).
3.
3.1
3.1.1
Die Fachpersonen des Hauses
Z._
beschrieben im Austrittsbericht vom 1
5.
Januar 2014 (
Urk.
8/200/2-10) betreffend Aufenthalt in der Wohngruppe vom
3.
Dezember 2012 bis 3
1.
Januar 2014 die Körperfunktionen als folgen
dermassen
e
ingeschränkt: visueller
Neglect
; Aufmerksamkeits-/Konzentrations
-
störung
; Einschränkung in der Gewissenhaftigkeit; Vernarbung des Sprech
-
epithels
auf Grund einer frühen Angina; hohe Sprechstimme, da Stimm
-
lippenschluss
und Randkantenverschiebung nicht mehr möglich ist; Blut
hochdruck; linksseitige Hemiparese; Bewegungseinschränkung der rechten Kör
perhälfte durch diverse verheilte Frakturen (S. 3).
In Bezug auf Aktivitäten und Partizipation führten die Fachpersonen aus, die
Beschwerdeführerin
sei ausser Haus auf einen Rollstuhl angewiesen samt Per
son, welche sie schiebe. Im Haus benütze sie den Rollstuhl selbständig und könne Treppenlaufen im Nachstellschritt. Beim Duschen sei sie auf Kontrolle angewiesen und beim Bekleiden benötige sie Unterstützung. Einen
Einkaufszet
tel
schreiben könne sie selbständig, der Transport müsse aber von einer weite
ren Person übernommen werden. Kochen gelinge ihr selbständig mit nur punk
tuell benötigter Hilfe, wenn zwei Hände benötigt würden. Sie könne auch den Staubsauger bedienen (S. 4). Sie könne nicht alleine aus dem Haus und sei so
mit auf Hilfe angewiesen. Sodann könne sie maximal drei Stunden alleine in der Wohnung sein (S. 5).
3.1.2
Die für die Ergotherapie zuständigen Fachpersonen des Hauses
Z._
bestätig
ten im Austrittsbericht Ergotherapie vom 2
1.
Januar 2014 (
Urk.
8/200/7-9) als Hauptprobleme betreffend Körperfunktion einen visuellen
Neglect
nach links, eine Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörung, eine linksseitige Hemi
parese, eine verminderte Oberflächen- und Tiefensensibilität links und eine
Be
wegungseinschränkung
der rechten Körperhälfte durch die diversen verheilten Frakturen. In Bezug auf die Aktivität/Partizipation führten sie aus, die
Be
schwerdeführerin
sei im Aussenbereich auf den Rollstuhl angewiesen und auf eine Person, die sie schiebe. Sie benötige Unterstützung bei der Selbstversor
gung (Duschen, Anziehen) und im häuslichen Leben, vor allem wegen ihrer hastigen Vorgehensweise, mangelnder Fehlerkontrolle und verminderter
Kör
perwahrnehmung
. Sie könne sich maximal drei Stunden alleine zu Hause be
schäftigen (S. 1).
3.1.3
Auch die zuständige Physiotherapeutin des Hauses
Z._
schilderte in ihrem Austrittsbericht vom 2
4.
Januar 2014 (
Urk.
8/205/3-6) in Bezug auf die
Kör
perstruktur
und Funktion eine Einschränkung links aufgrund der
Hemisympto
matik
sowie rechts aufgrund der multiplen Frakturen (S. 1). Betreffend
Aktivi
tätsebene
verwies sie auf einen verbliebenen
Negle
c
t
sowie eine
Wahrneh
mungsproblematik
(S. 3).
3.2
Am
4.
März 2014 (
Urk.
8/217) erfolgte eine Erhebung der Hilflosigkeit am
Woh
nort der
Beschwerdeführerin
. Die Abklärungspersonen führten betreffend „An- und Ausziehen“ aus, die
Beschwerdeführerin
benötige Hilfe beim Anziehen ei
nes T-Shirts (über den Kopf ziehen), das Ausziehen gehe alleine besser. Die Ho
sen ziehe sie oft verkehrt an. Hilfe benötige sie auch, um diese ganz hochzuzie
hen. Hilfe benötige sie beim Anziehen einer Jacke. Schuhe mit Klettverschluss könne sei alleine anziehen, Schuhe binden indes nicht. Keine Hilfe benötige sie bei der Unterwäsche und den Socken. Bezüglich „Aufstehen, Absitzen, Ablie
gen“ verneinten die Abklärungspersonen einen Hilfebedarf, könne sich doch die
Beschwerdeführerin
selbständig vom Rollstuhl auf
das
Sofa
setzen. Beim „Es
sen“ befanden die Abklärungspersonen
einen
Hilfebedarf bei allem gegeben, was mit dem Messer zerkleinert werden müsse und nicht mit der Gabel geteilt werden könne. Das Essen mit Gabel und Löffel sei möglich. Die „Körperpflege“ erachteten die Spezialisten der
Beschwerdegegnerin
als nicht selbständig durchführbar. Waschen könne sie sich wohl selber, die Reinigung des Rückens und der Füsse sei jedoch nur mit Hilfe möglich. Das Zähneputzen mit elektri
scher Zahnbürste könne sie selber vornehmen, sie müsse jedoch überwacht wer
den (hektisch und zu kurz). Kämmen
gehe
auch alleine bei nötiger Kontrolle des Ergebnisses. Beim Duschen brauche sie Hilfe und Überwachung (vollständige Reinigung sowie Gefahr des Ausgleitens). Beim „Verrichten der Notdurft“ wurde eine
Hilfsbedürftigkeit
lediglich in Bezug auf die Kontrolle bejaht. Die „Fortbe
wegung“ befanden die Abklärungspersonen in der Wohnung als möglich, im Freien sei sie auf
einen
Rollstuhl samt Begleitung angewiesen, könne sie doch nicht längere Strecken alleine laufen. Der Rollstuhl müsse – bei längeren Stre
cken - von jemandem gestossen werden. Betreffend „Pflege gesellschaftlicher Kontakte“ wurde eine Hilfsbedürftigkeit für sämtliche administrativen Angele
genheiten (mittels Telefons bei gespeicherter Nummer) verneint. Ansonsten müsse sie unterstützt werden. Ausser Haus sei sie auf Begleitung angewiesen, sie dürfe nicht mehr Auto fahren, die Benützung des öffentlichen Verkehrs sei nicht möglich (Überforderung, Orientierungsschwierigkeiten, Hektik). Sie fühle sich sodann unwohl unter zu vielen Leuten (S. 1-3).
Zur Thematik der persönlichen Überwachung hielten die Fachpersonen fest, die
Beschwerdeführerin
könne zwei bis drei Stunden pro Tag alleine sein, danach fühle sie sich unwohl. Bei längerer Zeit könnte es sein, dass sie sich in der Kü
che etwas vorbereiten möchte und
zum
Beispiel vergesse, die Herdplatte abzu
schalten. Bei einem Sturz könnte sie nicht mehr alleine aufstehen (S. 3).
Betreffend dauernde Pflege wurde sodann ausgeführt, die verschiedenen Medika
mente müssten vom Lebenspartner wöchentlich neu in die
Tagesschach
teln
gelegt werden. Die Tabletteneinnahme erfolge dann selbständig (S. 4).
3.3
3.3.1
Dr.
med.
A._
, Facharzt Neurologie FMH, von der Rehaklinik
B._
befand die
Beschwerdeführerin
in seinem Gutachten vom 2
7.
Oktober 2014 (
Urk.
2/
8/258) – unter Berücksichtigung hausintern veranlasster Berichte neu
ropsychologischer, logopädischer, ergo- sowie physiotherapeutischer Fachrich
tung - aus neurologischer und neuropsychologischer Sicht als vollständig ar
beitsunfähig in Bezug auf die vor dem Unfall ausgeübte Tätigkeit als Büroan
gestellte. Gründe hierfür seien zum einen die stark ausgeprägten kognitiven De
fizite in fast allen untersuchten Bereichen sowie zum anderen die spastische Halbseitenlähmung links und die damit im Zusammenhang stehende, annä
hernde Gebrauchsunfähigkeit der linken Hand. Theoretisch wären allenfalls sit
zende, körperlich leichte, einhändige Tätigkeiten mit geringen kognitiven An
sprüchen vorstellbar. Unter Berücksichtigung der spastischen Hemiparese und der neuropsychologischen Einbussen sei es nachvollziehbar, dass die
Beschwer
deführerin
eine stark verstärkte Ermüdbarkeit und eine rasche Abnahme der Konzentrationsfähigkeit zeige. Somit wäre eine solche Tätigkeit mit einer min
destens um 50
%
verringerten Leistung und einem um 50
%
verminderten zeit
lichen Pensum vorstellbar. Es bestehe Konsens der neuropsychologischen und neurologischen Untersucher dar
in
, dass die
Beschwerdeführerin
, gesamthaft be
urteilt, dauerhaft nicht mehr in der Lage sei, eine kommerziell verwertbare Ar
beitsleistung zu erbringen (S. 18 f.).
Bei der Abklärung der Selbständigkeit im Alltag hätten sich erhebliche Einbus
sen in folgenden Fertigkeiten gezeigt: Gehen und Transportieren von leichten Gegenständen, Gehen in Menschenmengen oder über längere Distanzen
(z.B. grosse Einkaufszentren), Anziehen eines T-Shirts, Ergreifen oder Manipulation von Gegenständen mit der linken Hand/dem linken Arm, bilaterale Aktivitäten wie beispielsweise Wäsche zusammenlegen, Schuhe binden, Zerschneiden von Fleisch, Tragen von schweren Gegenständen (z.B. gefüllte Einkaufstaschen), Or
ganisation der zu benutzenden Gegenstände im Haushalt. Im Rahmen der ergo- und physiotherapeutischen Verhaltens
-
beobachtung
sei eine reduzierte
Frustrati
onstoleranz
beim Auftreten von Schwierigkeiten bei den Aktivitäten des Alltags beobachtet worden. Dieses Verhalten sei erklärbar mit den Verhaltens- und Persönlichkeitsauffälligkeiten als Folge der ausgedehnten
Hirnparenchymschä
digung
. Da die Versicherte ohne Hilfsmittel nur innerhalb ihrer Wohnung aus
reichend sicher
gehfähig
sei und sich für längere Wegstrecken trippelnd im Rollstuhl fortbewege, sei es nicht gut vorstellbar, dass sie Einkäufe selbständig erledigen könne. Zu schwierigen Hausarbeiten oder Gartenarbeit sei sie als vollständig ungeeignet einzuschätzen. Keine erheblichen Einschränkungen seien bei den Transfers (Fortbewegung vom Liegen in das Sitzen bzw. vom Sitzen in das Stehen) und bei der Körperhygiene ersichtlich. Unter Berücksichtigung der hochgradigen Einbussen der Gebrauchsfähigkeit der linken Hand und der bei Belastung verstärkten Spastik in der linken Hand und dem linken Fuss erscheine es nicht vorstellbar, dass die
Beschwerdeführerin
in der Lage sei, gekochte Speisen ordnungsgemäss zuzubereiten. Beim An- bzw. Ablegen von Kleidungs
stücken sei sie auf solche
angewiesen, welche einhändig anwendbar seien. Fer
tigkeiten wie z.B. das Zuknöpfen eines Hemdes oder das Zubinden von Schuhen seien nicht möglich. Die sprachliche Kommunikation sei unfallbedingt, unter Berücksichtigung der durch eine wahrscheinliche Störung der Sprechatmung verursachten Stimmstörung, als eingeschränkt, jedoch möglich einzuschätzen. Treppensteigen sei bis höchstens eine Etage möglich (S. 19).
3.3.2
Im Therapiebericht vom 2
2.
August 2014 (
Urk.
8/261 S. 9) verwiesen Dipl. Ergo
therapeutin
C._
und Dipl. Physiotherapeutin
D._
auf die von der
Be
schwerdeführerin
geklagten störenden Probleme der starken
Bewegungsein
schränkung
in der linken Hand, des Zuckens der linken Zehe beim Gehen sowie de
r
Vergesslichkeit (z.B. beim Merken von Namen oder Abmachungen). Dane
ben beschreibe sie aber auch Einschränkungen in der Mobilität, der Selbstver
sorgung, im häuslichen Leben und in der Freizeit.
Die ergotherapeutische Auswertung habe eine mittlere bis starke Einschränkung bezüglich Sicherheit und Effizienz sowie eine erhöhte Anstrengung und regel
mässige physische Unterstützung in der Durchführung von Alltagsaktivitäten ergeben. Sie sei bei den motorischen und prozesshaften Fertigkeiten deutlich beeinträchtigt, ihre – näher bezeichneten (E. 3.2.1) - Fertigkeiten lägen unter dem Cut off im Altersvergleich. Eine mittelmässige bis maximale Unterstützung im Alltag sei aus ergotherapeutischer Sicht indiziert.
Bei den physiotherapeutischen Abklärungen hätten sich deutliche Fortschritte hinsichtlich der Selbständigkeit im Vergleich zur letzten Beurteilung gezeigt. So bewege sich die
Beschwerdeführerin
inzwischen mehrheitlich ohne Hilfsmit
tel fort und gehe die Treppen alternierend mit Halt am Geländer ohne
Sicher
heitsbedenken
. Das Gleichgewicht sei noch eingeschränkt, für kürzere
Gehstre
cken
jedoch ausreichend. Auch hinsichtlich des Bewegungsausmasses beider Arme zeigten sich Fortschritte. Neben dem Gleichgewicht zeigten sich Ein
schränkungen vor allem im Bereich der linken oberen Extremität. Gegen die zunehmende Spastik im linken Hand- und Fussbereich sei ein Heimprogramm sinnvoll.
3.3.3
Im seinem Bericht vom 2
7.
August 2014 (
Urk.
8/259) über die neuropsychologi
sche Abklärung an der Rehaklinik
B._
diagnostizierte
lic
. phil.
E._
, Psy
chologe FSP, eine mittelschwere bis schwere neuropsychologische Störung mit deutlichen kognitiven Defiziten in den Bereichen der Aufmerksamkeit (unter anderem auch linksseitiger visueller
Neglect
), der Exekutiv-, der Gedächtnis- und der visuell-räumlichen Fähigkeiten sowie Verhaltensauffälligkeiten (voreili
ges Handeln, Perseverationsneigungen) nach einer Schädigung des Gehirns
(S. 7). Er verwies sodann auf eine zeitliche und örtliche Desorientierung, wobei sie wiederholt während der Aufgabenbearbeitung die Instruktion vergessen und bei der phonematischen Flüssigkeit mehrere Repetitionen aufgewiesen habe, da sie sich nicht mehr habe erinnern können, welche Wörter sie bereits einmal ge
nannt habe (S. 6). Gemäss Angaben des Lebenspartners bestehe eine Fixierung auf ihn. Wenn er beispielsweise ohne sie zu informieren in den Keller gehe, be
ginne sie, nach ihm zu suchen und zu rufen. Es sei jedoch auf Vereinbarung möglich, dass sie sich drei bis vier Stunden selbständig beschäftigen könne, wenn er einmal alleine eine Motorradfahrt unternehmen möchte (S. 7).
3.3.4
Ergotherapeut
F._
von der Rehaklinik
B._
hielt in seinem Bericht vom 2
9.
August 2014 (
Urk.
8/260) fest, die Stimmstörung habe sich mit Bezug auf die Sprechatmung im Vergleich zum Status im Rahmen des stationären Aufent
haltes 2012 eher noch akzentuiert. In der Schriftsprache h
ätten
sich die früher
Neglect
bedingten
Symptome verbessert. Das Vorlesen erfolge flüssiger bei we
niger Paralexien und Auslassungen. Die Texterfassung habe sich stabilisiert mit Kompetenzen bei leichten und noch deutlichen Schwierigkeiten bei anspruchs
vollen Texten im Zusammenhang mit neuropsychologischen Defiziten. In der Kommunikation hätten sich die Faktoren der thematischen Sprunghaftigkeit, die
perseverative
Tendenz, das Abschätzen der Redeabsicht des Partners sowie der angemessene Sprechrollenwechsel verbessert. Auffällig sei aber nach wie vor das Diskursverhalten (S. 2).
3.4
Die Institutionsleiter
i
n des Hauses
Z._
berichtete am
7.
November 2016 (
Urk.
4/11) auf Anfrage der
Beschwerdeführerin
zur Thematik der Dauer mögli
chen Alleinseins (
Urk.
4/10) und verwies auf den Aufenthalt der
Beschwerde
führerin
vom
3.
Dezember 2012 bis 3
1.
Januar 201
4.
Sie führte aus, durch die Struktur im Hause sei die
Beschwerdeführerin
kaum einmal mehrere Stunden alleine und ohne Kontaktmöglichkeiten gewesen. In der Verlaufs- und
Aus
trittsplanung
sei das Problem thematisiert worden, dass sie nicht längere Zeit alleine habe gelassen werden können. Die hirnorganisch bedingte konstante in
nere Unruhe und Angst habe sich beim Auf-sich-selbst-gestellt-Sein kontinu
ierlich, manchmal bis hin zur Panik gesteigert. Da
s
Problem habe bis zum Aus
tritt nicht gelöst werden können. Die Zeitspanne des Alleine-Seins habe auf drei bis vier Stunden pro Tag ohne Kontakt oder Ansprechperson erhöht werden können. Es habe auch keine therapeutische/medikamentöse Hilfe für eine Ver
besserung der Situation vorgeschlagen werden können. Das sei auch mit
ein
Grund, weshalb im Austrittsbericht vorgeschlagen worden sei, die
Beschwerde
führerin
jeweils mindestens ein
en
Tag pro Woche in einer externen Tages
struktur betreuen zu lassen. Das Unruhegefühl sei zwar subjektiv. Die
Be
schwerdeführerin
sei aber bis zum Unfall eine vollerwerbstätige Berufsfrau ge
wesen, weshalb sie in Übereinstimmung mit den Langzeitbeobachtungen und den medizinischen Berichten davon ausgingen, dass die Unruhe und das nicht über längere Zeit Allein-sein-Können untrennbar mit der Hirnverletzung zu
sammenhingen, mithin ein Teil der Verhaltensauffälligkeiten nach einer Schä
digung des Gehirns sei.
4.
4.1
Unbestritten und aufgrund der Akten ausgewiesen ist, dass die
Beschwer
-
deführe
rin
in den
beiden alltäglichen Lebensverrichtungen „Körper
pflege“ und „Fortbewegung“ auf Hilfe angewiesen ist. Die übrigen Bereiche vermag sie im Wesentlichen selbst zu bewältigen. So ist eine Hilfe beim An-/Auskleiden nur bei bestimmten Wäschestücken nötig, welche alternativ ge
wählt werden können.
Aufstehen, Absitzen und Abliegen kann die
Beschwer
deführerin
selber. Beim Essen bestehen Schwierigkeiten lediglich beim beidhän
digen Schneiden mit einem Messer. Hier kann durch entsprechende Wahl der Speisen Abhilfe geschaffen werden. Grundsätzlich selbständig ist die
Beschwer
deführerin
beim Verrichten der Notdurft. Bei der Pflege gesellschaftlicher Kon
takte ist die
Beschwerdeführerin
nur wegen der Einschränkung der Fortbewe
gung auf Dritthilfe angewiesen, welche Unterstützung nur einmal (bei der Fort
bewegung) zu berücksichtigen ist.
4.2
Strittig zwischen den Parteien ist die Frage nach der Notwendigkeit der dauern
den Überwachung der
Beschwerdeführerin
. Diese brachte namentlich vor,
sie könne pro Tag maximal zwei bis drei beziehungsweise drei bis vier Stunden al
lein in der Wohnung sein; danach fühle sie sich unwohl und es könnte sein, dass sie sich in der Küche etwas zubereiten wolle und beispielsweise vergesse, die Herdplatte abzuschalten; sodann könnte sie bei einem Sturz nicht mehr al
lein aufstehen (Urk. 2/1 S. 3 Ziff. 5 und S. 4 Ziff. 10).
4.3
Vorwegzuschicken ist, dass es sich bei diesen Vorbringen im Wesentlichen um die subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin handelt und objektiv betrach
tet die Notwendigkeit einer dauernden persönlichen Überwachung im dargeleg
ten Sinne anhand der medizinischen Akten nicht ausgewiesen ist. Namentlich ist eine Vergesslichkeit und ein damit verbundenes Gefährdungspotential bei der Zubereitung von warmen Speisen (Herdabschaltung) ebenso wenig doku
mentiert wie eine Sturzgefahr, bei welcher es trotz zumutbarer
schadenmin
dernder
Vorkehren (zum Beispiel Tragen einer Notruf-Uhr) nicht zu verantwor
ten wäre, die Beschwerdeführerin allein zu lassen. Hierbei ist sodann zu bemer
ken, dass das
Angewiesensein
auf Hilfe beim Aufstehen nach einem allfälligen Sturz die Lebensverrichtung der Fortbewegung beschlägt (Urteil des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 402/03 vom 11. Mai 2004 E. 5), bei welcher die Hilfsbedürftigkeit ausgewiesen ist.
Eine Selbst- oder Fremdgefährdung, die eine dauernde persönliche Überwa
chung von einer gewissen Intensität notwendig machen würde, ist in diesem Zusammenhang nicht erstellt.
4.4
4.4.1
Das Vermitteln eines Gefühls von Sicherheit und Ruhe durch die
blosse
Anwesen
heit des Lebenspartners (Urk. 2/8/194 S. 2) kann durchaus nachvollzo
gen werden. Indes lässt dies – wie die Beschwerdegegnerin zutreffend erkannte (Urk. 2/7 S. 4) – aufgrund der bis zum Erlass des angefochtenen Einsprache
entscheides angefallenen Akten den Schluss auf eine leistungsrelevante
Über
wachungsbedürftigkeit
ungeachtet der empfohlenen Teilnahme der Beschwer
deführerin an einer externen Tagesstruktur an einem Tag pro Woche zwecks Entlastung des Lebenspartners nicht zu. Kein Arzt schilderte eine
gesundheits
bedingte
Notwendigkeit einer steten Anwesenheit einer Drittperson.
Erst aus dem vor Bundesgericht aufgelegten Bericht der
Institutionsleiter
i
n des Hauses
Z._
vom
7.
November 2016 (E. 3.4) ergeben sich Anhaltspunkte für eine mögliche medizinische Notwendigkeit einer gehäuften Anwesenheit einer Drittperson. Dies aufgrund der – erstmals in dieser Form – thematisierten Angstzustände bei längerem Alleinsein.
Die Beschreibung der Abläufe in der Wohngruppe und der festgestellten Schwie
rigkeiten durch die Institutionsleiterin des Hauses
Z._
sind nachvoll
ziehbar geschildert und überzeugend. Allerdings ist zu bemerken, dass sie nicht Medizinerin ist, weshalb ihre Ausführungen mit medizinischem Bezug mit Zu
rückhaltung zu würdigen sind.
Wie es sich damit (namentlich mit allfälligen hirnorganisch bedingten Angst- oder Panikatta
c
ken bei Alleinsein) genau verhält, kann indes offen bleiben.
4.4.2
Nach der Rechtsprechung ist nur eine dauernde persönliche Überwachung von einer gewissen Intensität anspruchsbegründend. Da die Voraussetzungen in Be
zug auf die Dritthilfe bei Vornahme der Lebensverrichtungen im Zusammen
hang mit der mittelschweren Hilflosigkeit weit weniger umfassend sind als bei der schweren Hilflosigkeit, ist der dauernden persönlichen Überwachung im Rahmen
der mittelschweren Hilflosigkeit
ein
grösseres
Gewicht beizumessen und nicht
bloss
ein minimales wie bei
der Hilflosigkeit schweren Grades
. Aus
einer
bloss
allgemeinen und kollektiven Aufsicht (etwa im Rahmen eines Heims, einer Klinik oder einer Behindertenwerkstätte) kann keine rechtlich relevante Hilflosigkeit abgeleitet werden. Eine dauernde persönliche Überwachung setzt vielmehr die Notwendigkeit einer auf die Person der versicherten Person bezo
genen Überwachung durch eine damit betraute Person voraus, die gezielter ist als die kollektive Aufsicht. Das Erfordernis der Dauer bedingt indes nicht, dass die betreuende Person ausschliesslich an die überwachte Person gebunden ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_158/2008 vom 1
5.
Oktober 2008 E. 5.2.1
betref
fend Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung)
.
4.4.3
Vorliegend gestaltet sich
die
Sachlage derart, dass sich das Drohen allfälliger Angst- und Panikzustände bereits durch die Anwesenheit einer Drittperson (so während des Aufenthaltes im Haus
Z._
) vermeiden lässt. Damit ist die
Be
schwerdeführerin
auf eine „Betreuung“ angewiesen, welche gar noch weniger weit geht wie die von der Rechtsprechung als nicht relevant qualifizierte kol
lektive Aufsicht. Denn es ist gar keine Aufsicht nötig, sondern
bloss
die Anwe
senheit einer weiteren Person, welche sich nicht spezifisch ihrer persönlichen Auffälligkeiten anzunehmen, sondern einfach vor Ort zu sein hat. Die
Be
schwerdeführerin
muss mithin nicht überwacht werden, sondern lediglich in Gesellschaft sein. Eine solche Betreuung erfüllt die Intensitätsvoraussetzungen der Rechtsprechung nicht.
Damit kann offen gelassen werden, ob bereits die Dauer von vier Stunden un
problematischen Alleinseins dem Begriff „dauernd“ (respektive der Interpreta
tion durch die Rechtsprechung) entgegensteht.
4.5
Zusammenfassend ist die Notwendigkeit einer dauernden Überwachung nicht ausgewiesen. Damit sind die Voraussetzungen für die Annahme einer mittel
schweren Hilflosigkeit im Sinne von Art. 38 Abs. 3
lit
. b UVV nicht gegeben, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.