# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 16cfaa3e-6376-4a27-97cc-536a9aa36fff
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Mit Verfügung vom 21. Mai 2014 wies die Sozialversicherungsanstalt des Kan
tons Zürich, IV
Stelle,
das Gesuch der 1968 geborenen
X._
um Übernahme der Kosten für weiteren Mobilitätsunterricht ab (Urk. 7/250). In Gutheissung der dagegen gerichteten Beschwerde
wurde diese Verfügung vom hiesigen Gericht mit Urteil vom 27. Januar 2015 aufgehoben und es wurde fest
gestellt, dass die Versicherte Anspruch auf Übernahme der Kosten von 30 zu
sätzlichen Stunden Orientierungs- und Mobilitätstraining ha
t
(Urk. 7/274).
Am 13. März 2015 erteilte der Rechtsdienst der IV
Stelle der Sachbearbeitung den Auftrag, das rechtskräftige Urteil umzusetzen (Urk. 7/280).
Rund drei Monate später wurde der Versicherten mit Schreiben vom 10. Juni 2015 mitgeteilt, dass
aufgrund des Urteils vom 27. Januar 2015
die Kosten für weitere 30 Stunden Mobilitätstraining "ab 11.07.2013 bis 31.07.2018" übernommen würden; das Schreiben war mit der Verfügungs-Nr. 301/2015/105821/7 sowie dem Hinweis, dass die Mitteilung die Verfügung vom 21. Mai 2014 ersetze
,
versehen (Urk. 2 [= 7/298]).
2.
Mit Eingabe vom
7. Juli 2015 wandte sich die Versicherte ans hiesige Gericht und verlangte, dass die IV
Stelle für die mit Urteil vom 27. Januar 2015 zuge
sprochenen 30 zusätzlichen Orientierungs- und Mobilitätstrainingsstunden
ohne
zeitlich
einschränkenden Rahmen
Kostengutsprache leiste (Urk. 1). In prozessu
aler Hin
sicht beantragte die Beschwerdeführerin, es sei ihr die unentgeltliche
Prozess
führung
zu gewähren und in der Person von Rechtsanwalt Dr.
iur
. Kurt Pfau ein unentgeltlicher Rechtsvertreter zu bestellen (Urk. 1 S. 2).
Die IV
Stelle liess sich mit Eingabe vom 10. September 2015 dahingehend ver
nehmen, dass auf das Begehren der Beschwerdeführerin nicht einzutreten, eventuell dieses abzuweisen sei (Urk. 6).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Der Einzelrichter

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Mit Urteil vom 27. Januar 2015 wurde der Anspruch der Beschwerdeführerin auf Übernahme der Kosten von 30 zusätzlichen Stunden Orientierungs- und Mobilitätstraining im Zusammenhang mit der bereits erfolgten Abgabe eines Blindenlangstockes als Hilfsmittel bejaht, da wesentliche bauliche Umgestaltun
gen im Hauptbahnhof Zürich sowie in der Nähe ihres Arbeitsortes stattgefunden hätten und sie ausserdem an ihrem Zweitwohnsitz umgezogen sei (Urk.
7/274
S. 11). Eine Beschränkung in dem Sinne, dass die zugesprochenen
Trainings
stunden
innerhalb einer bestimmten Zeitspanne stattfinden müssten oder dass bis zu einem bestimmten Zeitpunkt keine weiteren Trainingsstunden beantragt werden könnten, wurde allerdings nicht festgelegt.
2.
Die
Umsetzung und
Vollstreckung von Urteilen der kantonalen
Versicherungs
gerichte
obliegt in erster Linie der Verwaltung (
vgl.
dazu
Kölz
/
Häner
/
Bertschi
, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtsprechung des Bundes, 3. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2013, N 1198 sowie Kiener/
Rütsche
/Kuhn, Öffentliches Ver
fahrensrecht, Zürich/St. Gallen 2012, N 1597 f.
).
Falls die
in einem Urteil
fest
gelegten Sach- und Geldleistungen
von den
Versicherungsträger
n
ni
cht
erbracht werden, muss den Versicherten die Möglichkeit offenstehen, bei einer gerichtli
chen Instanz die Vollstreckung des erstrittenen Urteils zu verlangen. Gemäss § 28
lit
. c des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
sind die Bestimmungen der Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO) über die Voll
streckung von Entscheiden (Art. 335 bis 346) sinngemäss anwendbar.
Danach
ist am Sitz der unterlegenen Partei, am Ort, wo die Massnahmen zu treffen sind oder dort, wo der zu vollstreckende Entscheid gefällt worden ist,
ein
Vol
lstre
c
kungsgesuch
einzureichen (Art. 338 und 339 ZPO).
3.
Die Beschwerdegegnerin hat das Urteil vom 27. Januar 2015 nicht angefochten, weshalb es rechtskräftig und vollstreckbar geworden ist (vgl. Art. 62 des Bun
desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Die Verwaltung ist daher verpflichtet, das
Urteil vorbehaltlos umzusetzen, mit
hin der entsprechenden Durchführungsstelle die Rechnungsstellung für die er
brachten respektive
zu erbringenden Eingliederungsmassnahmen zu ermögli
chen. Dabei versteht es sich von selbst, dass die Verwaltung nicht befugt ist, die vom Richter zugesprochenen Massnahmen von zusätzlichen materiellen Anfor
derungen abhängig zu machen.
Die Beschränkung der Kostengutsprache für die mit rechtskräftigem Urteil zugesprochenen 30 Stunden Orientierungs- und
Mo
bilitätstraining
durch den in der Mitteilung vom 10. Juni 2015 genannten zeitli
chen Rahmen (vgl. Urk. 2) ist daher unzulässig und zu streichen. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
4.
Der Vollständigkeit
halber
ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin jeder
zeit weitere Gesuche um Übernahme der Kosten für weitere Trainingsstunden stellen kann, wenn solche beispielsweise wegen eines erneuten Wechsels einer
Arbeitsstelle oder
wegen eines Umzugs
notwendig werden sollten. Entgegen der
in der Vernehmlassung
der Beschwerdegegnerin
geäusserten Auffassung
ist nicht ersichtlich, inwiefern sich eine zeitliche Befristung der Kostenübernahme aufdrängen sollte.
5.
5.1
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 1'000.-- festzulegen und
ausgangsge
mäss
von der Beschwerdegegnerin zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgeset
zes über die Invalidenversicherung [IVG]).
5.2
Die Beschwerdegegnerin hat der vertretenen Beschwerdeführerin sodann
aus
gangsgemäss
gestützt auf Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34
GSVGer
eine Prozessentschädigung auszurichten. Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf Fr. 1'500.-- (inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen.
5.3
Damit erweist sich das Gesuch der Beschwerdeführerin vom 7. Juli 2015 um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Urk. 1 S. 2 und 4) als gegen
standslos.