# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 1994c49f-1d6a-4065-9d1d-9d0489ed31e2
**Court:** CH_BSTG
**Chamber:** CH_BSTG_001
**Year:** 2009
**Language:** de
**Jurisdiction:** CH / Federation
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
A. Der Untersuchungsrichter des Kantons Freiburg führte im Jahr 2008 ein Verfahren gegen fünf Kosovaren wegen Handels mit Heroin in grösserem Umfang. Das Verfahren gegen vier dieser Personen wurde in der Folge von den Strafverfolgungsbehörden des Kantons Genf übernommen, da jene ausschliesslich in diesem Kanton delinquiert hatten. Die  des Kantons Freiburg führten derweil das Verfahren gegen die fünfte Person, A., zu Ende, da dieser vorgängig bereits im Kanton Freiburg delinquiert hatte. A. sagte am 15. Mai 2008 aus, er sei im März/April 2008 in Genf von einem serbokroatisch sprechenden Mazedonier mit 375 g  beliefert worden (Dossier JFS F 08 11140, pag. 2075). Der Beschuldigte B. gab gegenüber den Genfer Behörden zu, von diesem  zwischen 150 und 250 Gramm Heroingemisch erhalten zu haben (Dossier JFS F 08 11140, pag. 2099). C. habe in der Folge als jener  identifiziert werden können. C. wurde am 2. Dezember 2008 vom Kanton Zürich in den Kanton Freiburg überführt und befindet sich seither dort in Untersuchungshaft bzw. im vorzeitigen Strafvollzug. Im Verlaufe der weiteren Untersuchung wurde C. am 15. Juli 2009 von D. belastet, ihm  im Jahr 2006 in Zürich 1 kg Heroin verkauft zu haben (Dossier JFS F 08 11140, pag. 3068). Weder die Strafverfolgungsbehörden des Kantons Zürich noch des Kantons Genf haben gegen C. bisher eine Untersuchung eröffnet. Anhand der Akten ist weiter nicht ersichtlich, dass C. auf dem  des Kantons Freiburg delinquiert hätte.
B. Mit Schreiben vom 14. August 2009 gelangte der Untersuchungsrichter des Kantons Freiburg an die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich ( „Oberstaatsanwaltschaft“) und ersuchte diese um Anerkennung der Zuständigkeit bezüglich des gegen C. gerichteten Verfahrens (Akten des Präsidenten der Strafkammer des freiburgischen Kantonsgerichts [ „Präsident der Strafkammer“], act. 13). Die von der  mit der Behandlung dieser Anfrage beauftragte  See / Oberland lehnte die Übernahme der Untersuchung am 28.  2009 ab (Akten des Präsidenten der Strafkammer, act. 15). In der  gelangte der Präsident der Strafkammer an die Oberstaatsanwaltschaft und ersuchte diese um Übernahme des gegen C. gerichteten  (act. 4.1). Die Oberstaatsanwaltschaft lehnte dieses Ersuchen am 24. September 2009 einstweilen ab und verlangte, dass auch die  des Kantons Genf in den Meinungsaustausch  würden (act. 4.2). Der daraufhin angegangene Procureur général
- 3 -
des Kantons Genf (nachfolgend „Procureur général“) verneinte die  der Strafverfolgungsbehörden des Kantons Genf mit Schreiben vom 6. Oktober 2009 (act. 3.1) und vom 27. Oktober 2009 (act. 3.2). Die  lehnte schliesslich am 2. November 2009 die  der Strafverfolgungsbehörden des Kantons Zürich endgültig ab (act. 4.5).
C. Mit Gesuch vom 6. November 2009 gelangte der Präsident der Strafkam-
mer an die I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts und beantragte, primär den Kanton Zürich und subsidiär den Kanton Genf als berechtigt und verpflichtet zu bezeichnen, die C. vorgeworfenen Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz zu verfolgen und zu beurteilen (act. 1).
Der Procureur général schloss in seiner Gesuchsantwort vom 13.  2009 auf die Zuständigkeit der Strafverfolgungsbehörden des Kantons Zürich zur Verfolgung und Beurteilung der C. zur Last gelegten Straftaten (act. 3).
Die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich beantragte in ihrer  vom 16. November 2009, es seien die Behörden des Kantons Genf, eventualiter die Behörden des Kantons Freiburg, für berechtigt und verpflichtet zu erklären, die C. zur Last gelegten Straftaten zu verfolgen und zu beurteilen (act. 4).
Die Gesuchsantworten wurden den Parteien am 17. November 2009  zur Kenntnis gebracht (act. 5, 6 und 7).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird,  erforderlich, in den folgenden rechtlichen Erwägungen Bezug .

## Considerations

Die I. Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1. 1.1 Die Zuständigkeit der I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts zum
Entscheid über Gerichtsstandsstreitigkeiten ergibt sich aus Art. 345 StGB i.V.m. Art. 279 Abs. 1 BStP, Art. 28 Abs. 1 lit. g SGG und Art. 9 Abs. 2 des Reglements vom 20. Juni 2006 für das Bundesstrafgericht (SR 173.710). Voraussetzung für die Anrufung der I. Beschwerdekammer ist allerdings,
- 4 -
dass ein Streit über einen interkantonalen Gerichtsstand vorliegt und dass die Kantone über diesen Streit einen Meinungsaustausch durchgeführt  (SCHWERI/BÄNZIGER, Interkantonale Gerichtsstandsbestimmung in Strafsachen, 2. Aufl., Bern 2004, N. 599). Die Behörden, welche berechtigt sind, ihren Kanton im Meinungsaustausch und im Verfahren vor der I.  zu vertreten, bestimmen sich nach dem jeweiligen  Recht (SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O., N. 564; GUIDON/BÄNZIGER, Die aktuelle Rechtsprechung des Bundesstrafgerichts zum interkantonalen  in Strafsachen, in: Jusletter 21. Mai 2007, [Rz 12] in fine). Eine Frist für die Anrufung der I. Beschwerdekammer besteht für die Kantone nicht (SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O., N. 623).
1.2 Der Präsident der Strafkammer des freiburgischen Kantonsgerichts ist be-
rechtigt, den Gesuchsteller bei interkantonalen Gerichtsstandskonflikten vor der I. Beschwerdekammer zu vertreten (Art. 26 Abs. 2 der  des Kantons Freiburg vom 14. November 1996 [StPO/FR; SGF 32.1]). Bezüglich der Gesuchsgegner steht diese Befugnis der  des Kantons Zürich bzw. dem Procureur général des Kantons Genf zu (§ 6 lit. m der Verordnung über die Organisation der Oberstaatsanwaltschaft und der Staatsanwaltschaften des Kantons Zürich vom 27. Oktober 2004 [LS 213.21] bzw. Art. 4 Abs. 2 des Code de  pénale genevois du 29 septembre 1977 [CPP/GE; RSG E 4 20]). Der Gesuchsteller hat mit den Gesuchsgegnern vor Einreichung des Gesuchs einen Meinungsaustausch durchgeführt. Auch die übrigen  geben vorliegend zu keinen weiteren Bemerkungen Anlass, so dass auf das Gesuch einzutreten ist.
2. 2.1 Wird jemand wegen mehrerer, an verschiedenen Orten begangener straf-
barer Handlungen verfolgt, so sind die Behörden des Ortes, wo die mit der schwersten Strafe bedrohte Tat begangen worden ist, auch für die  und die Beurteilung der anderen Taten zuständig. Sind diese  Handlungen mit der gleichen Strafe bedroht, so sind die Behörden des Ortes zuständig, wo die Untersuchung zuerst angehoben wird (Art. 344 Abs. 1 StGB). Hat ein Täter in verschiedenen Kantonen die mit der schwersten Strafe bedrohten Taten begangen, ohne dass in einem dieser Kantone eine Untersuchung angehoben wurde, so ist der Kanton , in dem das offensichtliche Schwergewicht liegt. Führt auch diese  nicht zum Ziel, so ist in Analogie zu Art. 344 Abs. 1 Satz 2 StGB der Kanton zuständig, in welchem der Beschuldigte das erste  Delikt begangen hat oder wo er seinen Wohnsitz oder gewöhnli-
- 5 -
chen Aufenthalt hat (GUIDON/BÄNZIGER, a.a.O., [Rz 38] in fine m.w.H.).  Handlungen aber, deren Verfolgung von kantonalen Behörden zu Unrecht oder gar deshalb abgelehnt wird, um nicht interkantonal die  des ganzen Komplexes von Verfehlungen übernehmen zu müssen, sind bei der Ermittlung des Gerichtsstandes nach Art. 344 Abs. 1 StGB  (SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O., N. 284; Entscheid des  BG.2005.17 vom 4. Juli 2005, E. 3.2).
2.2 Nachdem gegen C. weder von den Strafverfolgungsbehörden des Ge-
suchsgegners 1 noch von denjenigen des Gesuchsgegners 2 eine  angehoben worden ist, würden die oben erwähnten allgemeinen Überlegungen vorliegend zur Begründung der Zuständigkeit der Behörden des Kantons Zürich führen, hat C. doch das erste gerichtsstandsrelevante Delikt angeblich im Kanton Zürich begangen. Der Gesuchsgegner 1 wendet hiergegen jedoch ein, dass die Behörden des Gesuchsgegners 2 anhand der Aktenlage gegen C. bereits ein Verfahren hätten eröffnen müssen,  sich auch Anhaltspunkte hinsichtlich einer deliktischen Tätigkeit von C. im Gebiet des Kantons Zürich ergeben hätten.
Den Akten ist diesbezüglich zu entnehmen, dass B. gegenüber den Genfer Strafverfolgungsbehörden am 23. Juli 2008 deponiert hat, dass er vom  (gemeint ist C.) zwischen 150 und 250 Gramm Heroingemisch  habe, als er sich in Genf aufgehalten habe (Dossier JFS F 08 11140, pag. 2099). Selbst wenn sich anhand dieser Aussage alleine hinsichtlich des Übergabeortes keine genauen Informationen ableiten können, so steht fest, dass einer der anderen Abnehmer bereits am 15. Mai 2008 ausgesagt hat, vom Mazedonier in Genf ca. 375 Gramm Heroingemisch erhalten zu haben (Dossier JFS F 08 11140, pag. 2075). Es ist diesbezüglich  nicht ersichtlich, weshalb es die Strafverfolgungsbehörden des Kantons Genf unterlassen haben, auch bezüglich des erwähnten Verkaufs einer  Menge an Betäubungsmitteln in Genf (allenfalls gegen den  noch nicht bekannten Mazedonier) eine Untersuchung einzuleiten, zumal den Genfer Strafverfolgungsbehörden am 23. Juli 2008 anhand von Erkenntnissen aus Überwachungen von Telefongesprächen zwischen B. und dem Mazedonier offenbar auch bereits bekannt war, dass es sich bei Letzterem um den Lieferanten von E. und A. handelte (vgl. Dossier JFS F 08 11140, pag. 2099). Diesbezüglich ergeben sich auch aus dem  des Procureur général an die Oberstaatsanwaltschaft vom 27. Oktober 2009 in Beantwortung einer diesbezüglichen Anfrage keine plausiblen Gründe (act. 3.2). Der Verkauf einer qualifizierten Menge an  stellt ein Offizialdelikt dar, zu dessen Verfolgung die  von Amtes wegen verpflichtet sind (SCHMID, Handbuch des
- 6 -
schweizerischen Strafprozessrechts, Zürich/St. Gallen 2009, N. 165 f.). Dass die Genfer Behörden dieser Pflicht nicht nachgekommen sind, ohne hierfür plausible Gründe anzubringen, ist bei der Bestimmung des  im vorliegenden Fall mitzuberücksichtigen.
2.3 Nach dem Gesagten ist der vom Gesuchsteller gestellte Eventualantrag
gutzuheissen und es sind die Strafverfolgungsbehörden des Kantons Genf berechtigt und verpflichtet, die C. zur Last gelegten Straftaten zu verfolgen und zu beurteilen.
3. Es werden keine Gerichtskosten erhoben (Art. 245 Abs. 1 BStP i.V.m.
Art. 66 Abs. 4 BGG).
- 7 -