# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 968f6350-7791-5fd9-9309-4797977aa54d
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdeführerin bzw. ihr Rechtsvorgänger betreibt seit den 30er Jahren des
letzten Jahrhunderts ein Kies-, Sand- und Betonwerk im Gebiet X._ in Riggisberg.
Das Betriebsareal befindet sich gemäss aktuellem Zonenplan hauptsächlich in der
Arbeitszone A1 (Parzellen Riggisberg Grundbuchblatt Nrn. J._), teilweise auch in
der Arbeitszone A2 (Parzelle Riggisberg Grundbuchblatt Nr. K._). Es grenzt an
eine Abbau- und Ablagerungszone. Früher baute die Beschwerdeführerin bzw. ihr
Rechtsvorgänger in der näheren und weiteren Umgebung des Betriebes Kies ab. Der
Kiesabbau ist aber seit einigen Jahren abgeschlossen. Seither führt die
Beschwerdeführerin das Material für ihren Betrieb zu. Noch nicht beendet ist die
Rekultivierung des ehemaligen Kiesabbaugebiets Q._ (Parzellen Riggisberg
Grundbuchblatt Nrn. L._, AD._, AE._ und AF._), das
sich in einer Abbau- und Ablagerungszone befindet.
Bereits im Jahr 2006 wiesen sowohl der Regierungsstatthalter des Amtsbezirks Seftigen
als auch der Beschwerdegegner 1 die Gemeinde darauf hin, dass das aufgeschüttete
Kiesdepot auf dem Betriebsareal nicht bewilligungskonform sei. Die Gemeinde erliess
deshalb am 10. Oktober 2006 eine Wiederherstellungsverfügung betreffend Lagern von
Kies ohne Bewilligung und forderte die Beschwerdeführerin auf, das Kieslager bis Ende
Mai 2007 bis auf die dahinterliegende Geländelinie (M._weg) abzutragen,
sämtliches in der Abbau- und Ablagerungszone (Parzellen Nrn. AG._ und
AH._) zwischengelagerte Material bis Ende Mai 2008 abzutragen, das abgebaute
Gebiet in der Abbau- und Ablagerungszone bis Ende Mai 2009 zu rekultivieren und der
natürlichen Umgebung anzupassen sowie das Kieslager in der Gewerbezone bis Ende
2009 auf das betriebsnotwendige Mass zu reduzieren. Die Beschwerdeführerin verzichtete
auf die Einreichung eines nachträglichen Baugesuchs und die
Wiederherstellungsverfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Mit Verfügung vom
2. Juli 2007 verlängerte die Gemeinde die Frist zur Abtragung des Kieslagers bis Ende
August 2007. Gleichzeitig verlangte sie unter anderem ein detailliertes Konzept darüber,
wie die Abtragung des restlichen Kieses geplant sei. Dieser Aufforderung kam die
Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 18. Juli 2007 nach.
Mit Verfügung vom 3. Juli 2008 stellte die Gemeinde fest, dass das Kieslager
zwischenzeitlich reduziert, dass aber das in der Abbau- und Ablagerungszone
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zwischengelagerte Material nicht fristgerecht abgetragen worden war. Da die
Beschwerdeführerin ein Gesuch für eine Zonenplanänderung eingereicht hatte, sistierte die
Gemeinde den Fristenlauf der Wiederherstellungsverfügung vom 10. Oktober 2006 bis zum
Entscheid über die Zonenplanänderung. Mit Verfügung vom 21. September 2010
genehmigte das Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) die von der
Gemeindeversammlung beschlossenen Änderung des Zonenplans und des Baureglements
betreffend Gewerbezone Materiallager H._. Mit Verfügung vom 24. Januar 2011
stellte die Gemeinde fest, dass das abgelagerte Material aufgrund der Zonenplanänderung
zonenkonform geworden war und deshalb die entsprechenden Ziffern der
Wiederherstellungsverfügung vom 10. Oktober 2006 hinfällig seien. Sie wies aber darauf
hin, dass die Höhe des Materiallagers aufgrund der Bauvorschriften die Höhe des
M._wegs nicht übersteigen dürfe.
Gestützt auf eine Besprechung vom 14. April 2010 zwischen der Gemeinde, der
Beschwerdeführerin sowie der Beschwerdegegnerin 3 und dem Beschwerdegegner 4
reichte die Beschwerdeführerin bei der Gemeinde ein Konzept vom 29. Dezember 2011
zur Verbesserung der Staubimmissionen am N._weg im Bereich der Zufahrt zum
Kieswerk ein. Dieses sah unter anderem folgende sofortige Massnahme vor: "Nass- und
Trockenreinigung des betroffenen Strassenstücks jeweils freitags sowie gleichentags bei
übermässigen, nicht dem Normalgebrauch einer öffentlichen Strasse entsprechenden
Verunreinigungen." Bei Nichteinhaltung des Reinigungskonzeptes würden die
erforderlichen Reinigungsarbeiten ohne vorgängige Rücksprache durch die Wegmeister
oder eventuell durch eine externe Reinigungsfirma auf Kosten der Beschwerdeführerin
ausgeführt.
2. Mit Schreiben vom 27. Juli 2016 teilte der Beschwerdegegner 1 der Gemeinde mit,
die Deponie von zugeführtem Material nehme wieder ein unzulässiges Ausmass an. Die
Deponie entlang der M._strasse übersteige das gewachsene Terrain und die
Deponie Q._ (aufgetürmter Schuttkegel) sei nicht zulässig. Im September 2016
(genaues Daum unbekannt) wandte sich der Beschwerdegegner 2 mit einer E-Mail an das
Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland und teilte mit, die Beschwerdeführerin halte sich
nicht an die Wiederherstellungsverfügung von 2006. Die Mehraufschüttung und das Lager
in der Q._ seien klar illegal. Zudem würden nicht mehr benötigte Fahrzeuge
abgelagert. Er habe sich erfolglos an die Gemeinde gewandt. Das
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Regierungsstatthalteramt erkundigte sich mit E-Mail vom 16. September 2016 bei der
Gemeinde nach dem Stand der Dinge. Diese orientierte das Regierungsstatthalteramt mit
E-Mail vom 19. September 2016 über die veränderte baurechtliche Situation und über das
geplante Vorgehen.
Am 19. Oktober 2016 besichtigte die Gemeinde das Betriebsareal der Beschwerdeführerin.
Die Beschwerdeführerin erläuterte dabei unter anderem, der Kiesberg sei dadurch
entstanden, dass ein Schuldner seine aufgelaufenen Schulden mit Kies begleiche. Zum
weiteren Vorgehen wurde festgehalten, dass der Kiesvorrat bis spätestens Ende Juni 2017
auf das Niveau des M._wegs zu reduzieren sei und dass die Fahrzeuge, die zur
Ersatzteillieferung dienen würden, vom Aussenareal entfernt werden müssten. Eine Kopie
der Aktennotiz dieser Begehung ging an die Beschwerdegegner 1 und 2. Der
Beschwerdegegner 1 bat daraufhin um eine Besprechung mit der Gemeinde. Diese fand
am 1. Dezember 2016 statt. Daran nahm auch der Beschwerdegegner 2 teil. Im Nachgang
zu diesem Gespräch teilte die Gemeinde der Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 19.
Dezember 2016 mit, es bestehe Klärungsbedarf in Bezug auf das Grundstück Nr.
O._/1 (Gebiet Q._). Dieses befinde sich in der Abbau- und
Ablagerungszone. Materiallager seien nicht zulässig. Die Gemeinde bat deshalb die
Beschwerdeführerin mitzuteilen, welche Art und Menge von Material sich auf dem Areal
befinde und was für die Rekultivierung benötigt werde. Zudem seien die noch anstehenden
Rekultivierungsmassnahen in einem detaillierten und nachvollziehbaren Zeitprogramm
aufzuzeigen. Die Beschwerdeführerin informierte die Gemeinde mit Schreiben vom 20.
Januar 2017 über die weiteren Vorgehensschritte für die Rekultivierung und die zu diesem
Zweck gelagerten Bodenmaterialien. Die Gemeinde leitete die Stellungnahme der
Beschwerdeführerin am 3. Februar 2017 an das Amt für Wasser und Abfall des Kantons
Bern (AWA) weiter, mit der Bitte, die geplanten Massnahmen zu beurteilen.
3. Die Beschwerdegegnerschaft reichte am 8. März 2017 bei der Gemeinde Riggisberg
eine baupolizeiliche Anzeige gegen die Beschwerdeführerin ein. Sie beantragte unter
anderem, die Beschwerdeführerin sei zu verpflichten, das auf ihrem Gelände gelagerte
Kies vollständige abzuführen, soweit es den betriebsnotwendigen Umfang überschreite, die
in der Kiesabbauzone errichteten Deponien und Ablagerungen zu entfernen sowie eine
Radwaschanlage zu beschaffen und zu benutzen. Zudem sei der Beschwerdeführerin zu
untersagen, die öffentliche Zufahrtsstrasse zu verunreinigen und es sei ihr zu verbieten,
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ausrangierte Fahrzeuge und Maschinen sowie alte Motoren auf ihrem Betriebsgelände und
in der weitgehend zerfallenen Halle zu lagern. Zur Begründung machte die
Beschwerdegegnerschaft insbesondere geltend, die Beschwerdeführerin unterhalte seit
Jahrzehnten immer wieder zonen- und baurechtswidrige Kiesablagerungen und Deponien.
Zudem verunreinige sie die Strassen und ihr Betrieb führe zu widerrechtlichen Immissionen
in der Nachbarschaft.
Die Gemeinde eröffnete ein baupolizeiliches Verfahren und gab der Beschwerdeführerin
Gelegenheit zur Stellungnahme. Diese wies in ihrem Schreiben vom 28. April 2017 darauf
hin, dass sich ihr Betrieb seit den 30er Jahren am fraglichen Standort befinde und bisher
zu keinen nennenswerten Beanstandungen geführt habe. Er sei zonenkonform und
rechtskräftig bewilligt. Am 8. Juni 2017 führte die Gemeinde einen Augenschein durch. Das
korrigierte Protokoll wurde den Beteiligten am 21. Juli 2017 zugestellt. Am 20. Juli 2017
erteilte das AWA der Beschwerdeführerin eine abfallrechtliche Betriebsbewilligung für die
Entgegennahme und Behandlung von mineralischen Bauabfällen, die bis 30. April 2022
gültig ist. Mit Verfügung vom 31. Juli 2017 informierte die Gemeinde unter anderem die
Beschwerdegegnerschaft über die Betriebsbewilligung. Mit Schreiben vom 30. Oktober
2017 ersuchte die Beschwerdegegnerschaft die Gemeinde, im Baupolizeiverfahren gegen
die Beschwerdeführerin die erforderliche Verfügung rasch zu erlassen. Mit
Wiederherstellungsverfügung vom 13. November 2017 forderte die Gemeinde Riggisberg
die Beschwerdeführerin unter anderem auf, das Kieslager innert drei Monaten auf die in
östlicher Richtung verlaufende Geländelinie (M._weg) abzutragen (Ziff. 3.1). Sie
untersagte die Zufuhr von ortsfremdem Material solange, bis das Materiallager auf ein
Volumen von 40'000 m3 abgebaut sei (Ziff. 3.2) und hielt fest, dass das ehemalige
Abbaugebiet "Q._" (Grundstücke Nrn. P._, AD._ und
AF._) nicht als Materiallager oder Abstellplatz für Container oder Fahrzeuge,
welche nicht für die Rekultivierung benötigt oder direkt eingesetzt würden, verwendet
werden dürfe (Ziff.3.4). Sie forderte die Beschwerdeführerin weiter auf, eine
Radwaschanlage oder eine andere geeignete Anlage zur automatischen Reinigung der
Räder der Transportfahrzeuge für die Ausfahrt Richtung N._weg zu erstellen
(Ziff. 3.5), ausgediente Fahrzeuge, Fahrzeugteile und Ersatzteile im ganzen Betriebsareal
zu entfernen oder in gedeckten Räume zu lagern (Ziff. 3.6) sowie die Fahrzeuge und
Gerätschaften auf dem Grundstück Nr. R._ zu entfernen (Ziff. 3.7). Gleichzeitig
wies sie auf die Möglichkeit eines nachträglichen Baugesuchs hin und drohte die
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Ersatzvornahme und eine Busse bei Nichtbefolgung an. Die Beschwerdeführerin
verzichtete auf die Einreichung eines nachträglichen Baugesuchs.
4. Gegen diese Verfügung reichte die Beschwerdeführerin am 14. Dezember 2017
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie
beantragte, die Ziffern 3.1, 3.2 sowie 3.4 - 3.7 der Baupolizeiverfügung seien aufzuheben.
Eventuell seien die Ziffern 3.1, 3.2 sowie 3.4 - 3.7 aufzuheben und die Fristen gemäss
Ziffern 3.4, 3.6 und 3.7 seien angemessen festzusetzen.
5. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. In ihrer Beschwerdeantwort vom
6. Februar 2018 beantragte die Beschwerdegegnerschaft die Abweisung der Beschwerde,
soweit sie sich gegen die Ziffern 3.1, 3.2, 3.4 und 3.5 der baupolizeilichen Verfügung richte.
In ihrer Beschwerdevernehmlassung vom 6. Februar 2018 beantragte die Gemeinde die
vollumfängliche Abweisung der Beschwerde. Auf die Rechtsschriften und die Vorakten
wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
Gemäss Art. 49 Abs. 1 BauG2 können baupolizeiliche Verfügungen nach Art. 45 bis 48
BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden.
Die Beschwerdeführerin ist als Adressatin durch die angefochtene Verfügung beschwert
und daher zur Beschwerde legitimiert. Auf ihre form- und fristgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten.
2. Rechtliches Gehör
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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a) Die Beschwerdeführerin macht geltend, ihre Stellungnahme vom 28. April 2017 sei in
der angefochtenen Verfügung teilweise nicht korrekt zusammengefasst worden und die
Feststellungen des Augenscheins seien inhaltlich nicht berücksichtigt worden. Im
Wesentlichen habe die Vorinstanz die Anträge und Ausführungen der
Beschwerdegegnerschaft zum Entscheid erhoben und sei auf die Stellungnahme der
Beschwerdeführerin gar nicht eingegangen. Zudem sei keine Gelegenheit zu
Schlussbemerkungen gegeben worden, womit das rechtliche Gehör verletzt worden sei.
Dies könne zwar im Beschwerdeverfahren geheilt werden, müsse aber bei den Kosten
berücksichtigt werden.
b) Der Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 21 ff. VRPG3 gibt den Parteien das
Recht, sich zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten
zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung
wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu
äussern. Wird ein Beweisverfahren durchgeführt, sind die Parteien berechtigt, zum
Ergebnis Stellung zu nehmen (Art. 24 VRPG). Die instruierende Behörde ist verpflichtet,
ihnen dazu förmlich Gelegenheit zu geben.4 Nach Art. 52 Abs. 1 Bst. b VRPG muss eine
Verfügung eine Begründung enthalten. Eine Begründung muss so abgefasst sein, dass die
Betroffenen die Verfügung sachgerecht anfechten können. Es müssen wenigstens kurz die
Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die
sich ihr Entscheid stützt. Die Behörde muss jedoch nicht auf jedes Argument der Parteien
eingehen; es genügt, wenn sie sich mit den wesentlichen Gesichtspunkten
auseinandergesetzt hat.5 Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist ein formeller Anspruch;
die Verletzung des rechtlichen Gehörs führt deshalb grundsätzlich zur Aufhebung des
angefochtenen Entscheids. Eine Gehörsverletzung kann aber dann geheilt werden, wenn
die Rechtsmittel-instanz dieselbe Kognition hat wie die Vorinstanz und der
beschwerdeführenden Person aus der Heilung kein Nachteil erwächst. Bei besonders
schwerwiegenden Gehörsverletzungen schliesst die Rechtsprechung jedoch eine Heilung
grundsätzlich aus.6 Die Heilung des rechtlichen Gehörs ist allenfalls bei der
Kostenverlegung zu berücksichtigen.7
3 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 4 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 24 N.4 5 BVR 2013 S. 443 E. 3.1.1; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 52 N. 5 6 BVR 2012 S. 28 E. 2.3.5; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 21 N. 16 7 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 108 N. 9
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c) Die Vorinstanz begründet in der angefochtenen Verfügung ausführlich, warum sie
den Anträgen in der baupolizeilichen Anzeige weitgehend folgt. Dabei hat sie auch die
Erkenntnisse des Augenscheins berücksichtigt. Die Beschwerdeführerin konnte die
baupolizeiliche Verfügung sachgerecht anfechten. Soweit sie eine Verletzung der
Begründungspflicht rügen sollte, wäre dies unbegründet. Die Beschwerdeführerin erhielt
Akteneinsicht und konnte sich anschliessend zur baupolizeilichen Anzeige der
Beschwerdegegnerschaft äussern. Sie konnte auch am Augenschein teilnehmen und zum
Protokoll Stellung nehmen. Hingegen trifft zu, dass die Vorinstanz den Parteien vor Erlass
der Verfügung keine Gelegenheit einräumte, zum Ergebnis des Beweisverfahrens Stellung
zu nehmen. Diese Verletzung des rechtlichen Gehörs wiegt jedoch unter den gegebenen
Umständen nicht schwer und konnte deshalb im Beschwerdeverfahren unbestritten geheilt
werden. Die Verletzung des rechtlichen Gehörs verursachte auch keinen prozessualen
Mehraufwand, der ohne Gehörsverletzung unterblieben wäre. Die Heilung der
Gehörsverletzung hat daher keine Auswirkungen im Kostenpunkt.
3. Rechtliche Grundlagen
a) Wird ein Bauvorhaben ohne Baubewilligung oder in Überschreitung einer
Baubewilligung ausgeführt oder werden bei der Ausführung eines bewilligten Vorhabens
Vorschriften missachtet, so setzt die Baupolizeibehörde eine angemessene Frist zur
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands unter Androhung der Ersatzvornahme (Art.
46 Abs. 1 und 2 BauG). Voraussetzung für den Erlass einer Wiederherstellungsverfügung
ist also ein baurechtswidriger Zustand. Die Wiederherstellungsverfügung muss im
öffentlichen Interesse liegen, verhältnismässig sein und darf den Vertrauensgrundsatz nicht
verletzen. Eine Wiederherstellungsmassnahme ist verhältnismässig, wenn sie geeignet ist,
das angestrebte Ziel zu erreichen, nicht weiter geht, als zur Herstellung des rechtmässigen
Zustands nötig ist und die Belastung für die pflichtige Person in einem vernünftigen
Verhältnis zum verfolgten Ziel steht.8 Nach der Praxis des Verwaltungsgerichts gilt es als
unverhältnismässig, eine an sich bewilligungsfähige Baute oder Anlage bloss wegen
Fehlens der Baubewilligung beseitigen zu lassen (sog. formelle Rechtswidrigkeit). Es ist
8 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 9; BVR 2013 S. 85 E. 5.1
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deshalb summarisch zu prüfen, ob das Vorhaben gegen einschlägige Vorschriften
verstösst (sog. materielle Rechtswidrigkeit).9
b) Bauten und Anlagen dürfen nur mit behördlicher Bewilligung errichtet oder geändert
werden (Art. 22 Abs. 1 RPG10). Baubewilligungspflichtig sind alle künstlich geschaffenen
und auf Dauer angelegten Bauten, Anlagen und Einrichtungen (Bauvorhaben), die in fester
Beziehung zum Erdboden stehen und geeignet sind, die Nutzungsordnung zu
beeinflussen, indem sie zum Beispiel den Raum äusserlich erheblich verändern, die
Erschliessung belasten oder die Umwelt beeinträchtigen (Art. 1a Abs. 1 BauG).
Baubewilligungspflichtig sind auch die Zweckänderung und der Abbruch von Bauten,
Anlagen und Einrichtungen sowie wesentliche Terrainveränderungen (Art. 1a Abs. 2
BauG). Bauliche Veränderungen oder Änderungen der Nutzung einer Baute oder Anlage
bedürfen einer Baubewilligung, wenn sie wesentlich sind. Massgebend ist nicht nur der
Umfang der Änderung sondern deren Auswirkungen auf Nutzung Infrastruktur, Sicherheit,
Gesundheit, Natur und Ästhetik.11 Auch die Erweiterung von Bauten und Anlagen bedarf
regelmässig einer Baubewilligung. Darunter fallen die Vergrösserung des Volumens eines
Bauwerks und die Ausdehnung der Fläche einer Anlage.12 Keiner Baubewilligung bedürfen
insbesondere der Unterhalt von Bauten und Anlagen, für eine kurze Dauer erstellte Bauten
und Anlagen sowie andere geringfügige Bauvorhaben. Im Übrigen bestimmt das
Baubewilligungsdekret die baubewilligungsfreien Bauvorhaben (Art. 1b Abs. 1 BauG).
Lagerplätze für gewerbliche und industrielle Erzeugnisse, Bau- und andere Materialien sind
ebenso baubewilligungspflichtig wie Ablagerungsplätze für ausgediente Fahrzeuge,
Maschinen, Geräte sowie für Abfälle, Bauschutt, Aushubmaterial jeder Art.13 Lediglich das
Lagern von Material während einer Dauer von bis zu drei Monaten pro Kalenderjahr ist
baubewilligungsfrei (Art. 6 Abs. 1 Bst. m BewD14). Ein Lagerplatz dient dem
vorübergehenden Lagern bzw. Abstellen von noch gebrauchsfähigen Materialien und
Gegenständen. Ein Ablagerungsplatz demgegenüber dient dem dauernden Deponieren
von ausgedienten Sachen. Ausgedient ist eine Sache, wenn sich nach den Umständen
9 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 15a 10 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700) 11 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 1a N. 21 12 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 1a N. 16 13 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 1a N. 18 Bst. d 14 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1).
RA Nr. 120/2017/67 10
ergibt, dass der Eigentümer während längerer Zeit nicht willens oder nicht in der Lage ist,
sie bestimmungsgemäss zu nutzen und instand zu halten.15 Die Inhaber von ausgedienten
Fahrzeugen, Fahrzeugteilen, Pneus, Maschinen, Geräten und dergleichen sind verpflichtet,
diese Sachen innert Monatsfrist zu entsorgen, wenn sie nicht in gedeckten Räumen
aufbewahrt werden können (Art. 16 Abs. 1 AbfG16). Einer Baubewilligung bedürfen weiter
Abstellplätze für Motorfahrzeuge17. Als wesentliche und damit baubewilligungspflichtige
Terrainveränderungen gelten Auffüllungen und Abgrabungen über 100 m3 (vgl. dazu Art. 6
Abs. 1 Bst. i BewD)18. Auch das blosse Ändern des Betriebskonzepts kann zu baurechtlich
relevanten zusätzlichen Auswirkungen auf die Umwelt oder die Erschliessung führen, so
dass eine Baubewilligung erforderlich ist.19
c) Das generelle Bewilligungserfordernis für Bauten, Anlagen und Vorkehren gilt im
Kanton Bern zumindest seit dem Inkrafttreten des neu geordneten Bau- und
Planungsrechts am 1. Januar 1971 (vgl. Art. 1 Abs. 1 aBauG20 in Verbindung mit Art. 1, 4
und 5 aBewD21). Einer Baubewilligung bedarf seither jede neue bauliche Inanspruchnahme
des Bodens, von Gewässern und des Luftraums mit Gebäuden, Gebäudeteilen und ober-
und unterirdischen Anlagen aller Art. Der baulichen Inanspruchnahme gleichgestellt sind
bestimmte Vorkehren wie die gewerbsmässige Ausbeutung des Bodens durch
Materialentnahme, die Benützung des Bodens als Ablagerungsstätte für Erzeugnisse,
Materialien, ausgediente Fahrzeuge, Maschinen und Geräte sowie Abfälle aller Art oder die
Veränderung der Bodenoberfläche durch Auffüllung oder Abgrabungen von mehr als
1.20 m Höhe.22 Baubewilligungspflichtig sind auch die wesentliche Änderung und der
Abbruch von Gebäuden, Gebäudeteilen und sonstigen baulichen Anlagen (Art. 1 Abs. 1
Bst. a aBauG), ebenso die Erweiterung von Ablagerungs- und Materialentnahmestellen
(Art. 1 Abs. 1 Bst. b aBauG). Vorher waren vor allem der Bau und gewisse Änderungen
von Gebäuden baubewilligungspflichtig.23 Zudem unterstellte das Gewerbegesetz von 1849
15 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 24 N. 35a 16 Gesetz vom 18. Juni 2003 über die Abfälle (Abfallgesetz, AbfG; BSG 822.1). 17 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 1a N. 18 Bst. b 18 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 1a N. 18 Bst. g 19 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 1a N. 24 20 Baugesetz vom 7. Juni 1970 (aBauG; GS 1970 S. 163 ff.) 21 Dekret vom 10. Februar 1970 über das Baubewilligungsverfahren (aBewD, GS 1970 S. 19 ff.) 22 Vgl. dazu Aldo Zaugg, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern vom 7. Juni 1970, Bern 1971, Art. 1 N. 9 23 Vgl. dazu die Verordnung über die Hausbau-Concessionen vom 24. Januar 1810, Gesetze und Dekrete des grossen und kleinen Raths des Cantons Bern, Dritter Band von 1807 bis1811, S. 333 ff; §1 des Dekrets
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gewisse gewerbliche Anlagen einer Bau- und Einrichtungsbewilligungspflicht.24 Im Übrigen
bestand das bernische Baurecht bis zum Inkrafttreten des aBauG fast ausschliesslich aus
Gemeinderecht.25 Dieses hatte vorwiegend polizeilichen Charakter. Die Gemeinden waren
insbesondere ermächtigt, im Interesse des Verkehrs, der Gesundheit, der Feuersicherheit,
der soliden Erstellung und Instandhaltung von Bauten sowie zur Verhütung von
Verunstaltungen Vorschriften zu erlassen. Sie konnten das künftige Strassennetz festlegen
und den dazu erforderlichen Boden von Überbauungen freihalten.26 Auch das BVG27, das
am 1. März 1958 in Kraft trat, erklärte die Gemeinden als zuständig zum Erlass von
Bauvorschriften (Art. 1 BVG). Sie konnten insbesondere Vorschriften aufstellen über die Art
der Anlage und die Ausbeutung von Steinbrüchen, Kies- und Lehmgruben sowie von
Abfall- und Materialablagerungsplätzen (Art. 5 Ziff. 12 BVG). Im Übrigen ordnete ein Dekret
des Grossen Rates das Baubewilligungsverfahren und bestimmte, für welche Bauten eine
Baubewilligung erforderlich war (Art. 37 Abs. BVG). Gemäss § 2 Abs. 1 Bst. k BewD
196628, das am 1. Juni 1966 in Kraft trat, war vor Beginn der Arbeiten eine kleine
Baubewilligung unter anderem für die Anlage und den Betrieb von Steinbrüchen, Kies- und
Lehmgruben, Ablagerungsplätzen ausserhalb von Industriezonen für gewerbliche und
industrielle Erzeugnisse und Altmaterialien einzuholen Die Gemeinden konnten in ihren
Reglementen weitere Bauten, Anlagen und Massnahmen der Baubewilligungspflicht
unterstellen (Art. 37 Abs. 2 BVG und § 3 BewD 1966).
d) Gemäss Art. 3 Abs. 1 und 2 BauG werden aufgrund bisherigen Rechts bewilligte oder
bewilligungsfreie Bauten und Anlagen in ihrem Bestand durch neue Vorschriften und Pläne
nicht berührt. Sie dürfen unterhalten, zeitgemäss erneuert und, soweit dadurch ihre
Rechtswidrigkeit nicht verstärkt wird, auch umgebaut oder erweitert werden (sog.
Besitzstandsgarantie). Die Besitzstandsgarantie erstreckt sich auch auf die Fortsetzung der
tatsächlich ohne grösseren Unterbruch ausgeübten Nutzung einer Baute oder Anlage im
bisherigen Umfang, wenn sie durch eine Rechtsänderung widerrechtlich geworden ist. Die
Besitzstandsgarantie schützt nicht die Nutzung als solche, sondern nur die ursprüngliche
Investition, die im Vertrauen auf die damalige Situation getätigt wurde. Sie kann somit nicht
angerufen werden zum Schutz von Einrichtungen, die nicht fest mit dem Boden verbunden
betreffend das Verfahren zur Erlangung von Baubewilligungen und zur Beurteilung von Einsprachen gegen Bauten vom 13. März 1900, GS 1900, S. 16 ff. 24 §14 des Gesetzes über das Gewerbewesen vom 7. November 1849 (GS 1849 S. 359 ff). 25 § 1 des Gesetzes vom 15. Juli 1894 betreffend die Aufstellung von Alignementsplänen und von baupolizeilichen Vorschriften durch die Gemeinden, GS 1894, S. 275 ff. 26 Aldo Zaugg, Kommentar zum Baugesetz des Kanton Bern vom 7. Juni 1970, Bern 1971, Einleitung N. 1 ff. 27 Gesetz vom 26. Januar 1958 über die Bauvorschriften (BVG; GS 1958 S. 12 ff.) 28 Dekret vom 9. Januar 1966 über das Baubewilligungsverfahren (BewD 1966; GS 1966 S. 10 ff.)
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sind und ohne Weiteres verschoben werden können.29 Die Besitzstandsgarantie greift
gemäss Art. 3 Abs. 4 BauG nicht, soweit gesetzliche Anpassungs- oder
Sanierungspflichten bestehen (insbesondere nach Art. 16 ff. USG30).31 Der Nachweis, dass
eine Baute oder Anlage bewilligt worden ist, seinerzeit bewilligungsfähig oder
bewilligungsfrei gewesen wäre, obliegt der Bauherrschaft.32 Grundsätzlich gilt, dass
Bauarbeiten, die nicht aus der Baubewilligung oder den genehmigten Plänen hervorgehen,
nicht bewilligt worden sind. Es ist Sache der Bauherrschaft, diese Vermutung zu zerstören.
Die Beweislast für das Vorhandensein einer Baubewilligung liegt somit bei ihr.33
4. Abbau Kieslager und Verbot der Zufuhr von ortsfremdem Material
a) Gemäss Ziff. 3.1 der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdeführerin das
Kieslager innert drei Monaten seit Rechtskraft der Verfügung auf die in östlicher Richtung
verlaufende Geländelinie (M._weg) abzutragen. Zudem wird ihr mit Ziffer 3.2 ab
Rechtskraft der Wiederherstellungsverfügung die Zufuhr von ortsfremdem Material
untersagt, bis das Materiallager auf ein Volumen von 40'000 m3 abgebaut ist.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Vorinstanz gehe richtig davon aus, dass die
Bestimmungen zur Gebäudehöhe für das Kieslager nicht anwendbar seien und dass in der
kommunalen Grundordnung keine Höhenbeschränkung mehr bestehe. Dementsprechend
sei auch die frühere Anordnung einer solchen Beschränkung oder die freiwillige, in
Unkenntnis der Rechtslage eingegangene Verpflichtung der Beschwerdeführerin obsolet.
Die kommunalen Ästhetikbestimmungen würden keine Beschränkung der Höhe des
Kieslagers rechtfertigen. Dessen Höhe habe einen unwesentlichen Einfluss auf das
Landschaftsbild. Im Übrigen stellten die Kieslager als "Wall" einen Schutz der Siedlung vor
dem Verkehr auf dem M._weg dar, so dass die Höhenbeschränkung für den
Immissionsschutz kontraproduktiv sei. Schliesslich sei die verfügte Beschränkung unklar.
Während im Dispositiv die in östlicher Richtung verlaufende Geländelinie
29 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 3 N. 2a; BVR 2001 S. 125 E. 3 30 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01) 31 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 3 N. 7 32 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 3 N. 2 33 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 9b Bst. c, mit weiteren Hinweisen
RA Nr. 120/2017/67 13
(M._weg) genannt werde, sei in der Begründung von einer Höhenplafonierung bis
zur bestehenden, natürlichen Geländekante die Rede. Die Beschwerdeführerin habe in der
Zwischenzeit bestmöglich versucht, das Kieslager abzutragen. Sie könne aber nicht
ausschliessen, dass es in Zukunft möglicherweise nötig sein werde, wieder höher zu
lagern. Die beanstandete Höhe sei entstanden, weil eine Schuldnerin in Naturalien bezahlt
habe. Die Beschwerdeführerin sei dem freien Wettbewerb ausgeliefert und beziehe Kies
aus Baustellenaushüben aus der Umgebung. Dieser Anfall sei nur schwer planbar. Die
Beschwerdeführerin macht weiter geltend, die Vorinstanz stütze sich fälschlicherweise auf
die Entscheide der BVE und des Verwaltungsgerichts betreffend die Gemeinde Rubigen,
obwohl die Fälle nicht vergleichbar seien. Im vorliegenden Fall gehe es nicht darum, ob die
Kiesausbeutung baubewilligungspflichtig sei, sondern ob der Betreib rechtmässig bewilligt
sei und ob es eine Beschränkung gebe, ortsfremden Kies zu verarbeiten. Die
Beschwerdeführerin verfüge über die notwendigen Bewilligungen für alle Bauten und
Anlagen auf ihrem Betriebsareal. Keine dieser Bewilligungen enthalte eine
Nebenbestimmung, mit welcher die Verarbeitung von zugeführtem Material verboten
worden wäre. Es liege im öffentlichen Interesse, wenn guter Aushub in Werken wie jenem
der Beschwerdeführerin gelagert und aufbereitet werde. Nach Abschluss der
Kiesausbeutung im Gebiet "Q._" sei die Beschwerdeführerin auch darauf
angewiesen, fremdes Material zu kaufen und zu verarbeiten. Die unrechtmässige
Höhenbeschränkung und das Verbot der Zufuhr von ortsfremdem Material stellten eine
unzulässige Verletzung der Wirtschaftsfreiheit der Beschwerdeführerin dar.
b) Die Beschwerdegegnerschaft macht demgegenüber geltend, die rechtskräftige
Wiederherstellungsverfügung vom 10. Oktober 2006 sei durch die spätere
Zonenplanänderung und die Ortsplanungsrevision nicht hinfällig geworden. Zwar lege das
geltende Baureglement keine maximale Höhenkote fest. Dies bedeute indessen
keineswegs, dass die Beschwerdeführerin beliebig hohe Materialberge aufschütten dürfe.
Sie habe ihre wirtschaftliche Tätigkeit im Rahmen der Rechtsordnung auszuüben. Die
Anordnung sei mit Blick auf den Ortsbild- und Landschaftsschutz notwendig und
gerechtfertigt. Die Frist von drei Monaten nach Eintritt der Rechtskraft genüge zur
Herstellung des rechtmässigen Zustands.
Die Vorinstanz weist darauf hin, dass es für die Anordnung in Ziffer 3.1 der baupolizeilichen
Verfügung mehrere Begründungen gebe. Einerseits werde auf die Verfügung vom 10.
Oktober 2006 hingewiesen, wonach die Beschwerdeführerin das Kieslager bis auf die
RA Nr. 120/2017/67 14
dahinterliegende Geländelinie (M._weg) abzutragen habe. Diese Verfügung sei
bloss teilweise umgesetzt worden, sie gelte aber grundsätzlich heute noch. Mit Ziffer 3.1
sei die rechtskräftig gewordene Verfügung erneuert worden. Seit mehreren Jahren sei der
Kiesabbau in den Gebieten X._, H._ und Q._ erschöpft. Die
Beschwerdeführerin führe daher schon seit längerer Zeit ihrem Betrieb ortsfremden Kies
zu. Auch wenn sie über eine Bau- und Einrichtungsbewilligung für eine
Betonaufbereitungsanlage, eine Frischbetonzentrale sowie für eine Betonmischanlage mit
Zementsilo und Sekundärsilo verfüge, bedeute das nicht, dass gleichzeitig ein Kieslager im
Ausmass von 75'000 m3 ortsfremdem Kies mitbewilligt worden sei. Im Weiteren habe sich
die Gemeinde auch am Orts- und Landschaftsbild orientiert. Wenn eine Höhenplafonierung
bis zur bestehenden natürlichen Geländekante (M._weg) verlangt werde, trete das
Kieslager wesentlich weniger in Erscheinung und es entstehe dadurch keine unzulässige
Störung des Orts- und Landschaftsbildes mehr. Die Zufuhr von ortsfremdem Material sei
nicht bewilligt. Ein Kieslager im fraglichen Ausmass erfordere fraglos eine separate
Baubewilligung. Daran ändere der Umstand nichts, dass es heute erwünscht sei, sauberen
Aushub zu recyceln. Da die Beschwerdeführerin es unterlassen habe, für die Zufuhr von
ortsfremdem Material ein nachträgliches Baugesuch einzureichen, sei es zulässig, die
weitere Zufuhr zu untersagen, bis das von der Vorinstanz akzeptiere Volumen von
40'000 m3 erreicht sei.
c) Der Betrieb der Beschwerdeführerin bzw. ihres Rechtsvorgängers existiert bereits
seit den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. Begonnen wurde mit dem Abbau und der
Verarbeitung von Kies und Sand. Mit der Zeit entstand ein Kies- und Betonwerk mit 25
Mitarbeitenden. Die Beschwerdeführerin verfügt heute auch über eine Recyclinganlage zur
Verarbeitung von Altbeton und Backsteinabbruch zu Recyclingmaterialien. Zudem bietet
sie Transporte und einen Muldenservice an.34 Da der Betrieb über Jahrzehnte gewachsen
ist, gibt es keine Bewilligung, die den ganzen Betrieb in seiner heutigen Ausgestaltung
umfasst. Aktenkundig sind verschiedene Bewilligungen für einzelne Bauvorhaben und
Kiesausbeutungen seit 1955. So wurden auf Parzelle Nr. AG._ (die allerdings
nicht deckungsgleich mit der heutigen Parzelle Nr. AG._ ist) die Verlängerung der
Scheune und das Erstellen einer Garage (1955), der Neubau einer Werkstatt (1961), das
Erstellen einer Kiesaufbereitungsanlage (Wasch- und Sortieranlage) (1963), das Erstellen
einer Maschinenhalle (1965), das Erstellen einer Betonaufbereitungsanlage (1966), das
Erstellen eines Vierfamilienhauses mit Einstellraum für drei Lastwagen und vier
34 Vgl. dazu <https://www.A._.ch/>, Rubrik «über uns»
https://www.otto-buehlmann-ag.ch/ https://www.otto-buehlmann-ag.ch/ https://www.otto-buehlmann-ag.ch/
RA Nr. 120/2017/67 15
Personenwagen (1971), für eine Frischbetonzentrale in der Kiesgrube X._ (1973),
das Erstellen einer Einstellhalle (1978), das Erstellen eines Unterstandes (1982), der
Anbau einer Terrasse an das Gebäude Nr. 16 (1983), der Neubau eines unterirdischen
Betonkellers für einen Dieselöltank (1984), ein Anbau an die bestehende Garage (1986),
der Abbruch einer Betonmischanlage mit Zementsilo und zweier Sekundarsilos sowie der
Neubau einer Betonmischanlage mit Zementsilo und drei Sekundärsilos (1990), die
Erweiterung der bestehenden Einstellhalle und die Vergrösserung des Pausenraums
(2002), der Neubau eines Lagerplatzes mit Betonboden für Mischabbruch (Bezeichnung
gemäss Situationsplan: Lagerplatz für mineralische Bauabfälle) (2007), der Anbau eines
LKW-Waschraums an die bestehende Einstellhalle, die Überdachung der Stützmauer als
Einstellplatz und die Entwässerung des Betriebsareals (2010), das Erstellen eines
Kiesplatzes für 10 Parkplätze für Mitarbeiter und als Abstellplatz für Geräte und Fahrzeuge
(Lastwagen, Anhänger, Aufbauten, Baumaschinen) (2011), eine Trocknungsanlage für
Kieswaschschlamm (2011) sowie die Befestigung der bestehenden Zufahrtsstrasse
M._ (2011) bewilligt.
d) In demjenigen Ausmass, als der Betrieb der Beschwerdeführerin bzw. ihres
Rechtsvorgängers beim Inkrafttreten des aBauG rechtmässig betrieben wurde, galt er als
in seinem Bestand geschützt und durfte im bisherigen Rahmen weiterbetrieben werden.
Nach diesem Zeitpunkt galt aber gestützt auf Art. 1 Abs. 1 aBauG, dass wesentliche
Änderungen baulicher Anlagen ebenso wie die Erweiterung von Ablagerungs- und
Materialentnahmestellen oder wesentliche Terrainveränderungen baubewilligungspflichtig
waren. Da die Beschwerdeführerin im fraglichen Zeitpunkt bereits ein Kies-, Sand- und
Betonwerk betrieb, ist davon auszugehen, dass sie auf ihrem Betriebsareal seit jeher zur
Verarbeitung bestimmtes Material lagerte. Dies zeigen etwa die öffentlich zugänglichen
Luftbilder des Bundesamts für Landestopographie aus den Jahren 1969.35 In diesem
Umfang gilt das Kieslager auf dem Betriebsareal als von der Besitzstandsgarantie gedeckt
und damit als rechtmässig. Jede nach dem 1. Januar 1971 vorgenommene, wesentliche
Erweiterung des Kieslagers war demgegenüber baubewilligungspflichtig. Eine
Baubewilligung war jedenfalls für die massive Zunahme des Kieslagers erforderlich, wie sie
auf den Luftbildern von 2004 und 2008 erkennbar ist,36 und zwar unabhängig davon, ob es
sich dabei um ortsfremdes Material handelt oder nicht. Wie sich den Vorakten entnehmen
lässt, verfügt die Beschwerdeführerin nicht über eine entsprechende Bewilligung.
35 Einsehbar unter <https://map.geo.admin.ch/> 36 Vgl. Wandel der Liegenschaft H._ in Riggisberg, einsehbar unter <https://map.geo.admin.ch/>, SWISSIMAGE Zeitreise
https://map.geo.admin.ch/ https://map.geo.admin.ch/
RA Nr. 120/2017/67 16
Die zulässige Dimension des Kieslagers auf dem Betriebsareal der Beschwerdeführerin
war bereits einmal Gegenstand eines Wiederherstellungsverfahrens. Gemäss
Wiederherstellungsverfügung der Vorinstanz vom 10. Oktober 2006 entsprach der damals
aufgeschüttete Kiesberg von circa 80'000 m3 auf den Parzellen Nrn. U._37 und
AH._ nicht den bestehenden Bewilligungen. Die Vorinstanz erachtete lediglich ein
betriebsnotwendiges Einzelkomponentenlager in der Gewerbezone (ein Teil der Parzelle
Nr. U._) als zulässig. Soweit sich das Kieslager in der Abbau- und
Ablagerungszone befand (Parzelle Nr. AH._ und ein Teil der Parzelle
U._), beurteilte es die Vorinstanz als zonenwidrig. Sie verfügte deshalb, dass das
Kieslager bis Ende Mai 2007 bis auf die dahinterliegende Geländelinie (M._weg)
abzutragen sei (Ziff. 1), dass sämtliches in der Abbau- und Ablagerungszone
zwischengelagerte Material bis Ende Mai 2008 abzutragen sei (Ziff. 2), dass das
abgebaute Gebiet in der Abbau- und Ablagerungszone innert eines Jahres zu rekultivieren
und der natürlichen Umgebung anzupassen sei (Ziff. 3), und dass das Kieslager in der
Gewerbezone bis Ende 2009 auf das betriebsnotwendige Mass reduziert sei (Ziff. 4). Diese
Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft, da die Beschwerdeführerin weder
Beschwerde erhob noch ein nachträgliches Baugesuch einreichte. Innerhalb der
verlängerten Frist reduzierte die Beschwerdeführerin das Kieslager auf das in Ziff. 1 der
Wiederherstellungsverfügung vom 10. Oktober 2006 festgelegte Mass. Hingegen kam sie
den Ziff. 2 und 3 innert den gesetzten Fristen nicht nach.38 Sie stellte aber ein Gesuch für
eine Zonenplanänderung im fraglichen Perimeter.
e) Eine Widerherstellungsverfügung ist eine Dauerverfügung. Wird der Zustand nach
erfolgter Wiederherstellung rückgängig gemacht, bedarf es bei unveränderter Sach- und
Rechtslage keiner neuen Wiederherstellungsverfügung.39 Im vorliegenden Fall hat die
Rechtslage insoweit geändert, als im Rahmen einer Zonenplanänderung vom 24. Juni
2010 die Gewerbezone "Materiallager H._" geschaffen und das Baureglement
(aGBR40) mit einem speziellen Artikel dazu ergänzt (Art. 35b aGBR) wurde. Dabei wurde
unter anderem der in der Abbau- und Ablagerungszone gelegene Teil der Parzelle
Nr. AG._ der neu geschaffenen Gewerbezone "Materiallager H._"
37 die allerdings nicht deckungsgleich mit der heutigen Parzelle Nr. AM._ist 38 Vgl. Feststellungsverfügung der Gemeinde Riggisberg vom 24. Januar 2011, Vorakten "Korrespondenz Juli 2006 - Februar 2017", pag. 37 ff. 39 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 8 40 Baureglement der Gemeinde Riggisberg vom 24. Mai 1994 (aGBR)
RA Nr. 120/2017/67 17
zugewiesen. Dies hatte zur Folge, dass die Ablagerungen in diesem Bereich nun
zonenkonform waren. Aus diesem Grund verfügte die Vorinstanz mit
Feststellungsverfügung vom 24. Januar 2011, dass die Ziff. 2, 3 und 4 der
Wiederherstellungsverfügung vom 10. Oktober 2006 durch die Genehmigung der
Zonenplanänderung hinfällig würden. Sie wies gestützt auf den neu geschaffenen Art. 35b
aGBR darauf hin, dass das Materiallager die Höhe des M._wegs nicht übersteigen
dürfe, d.h. sie beschränke sich auf die Kote der ostseitig angrenzenden Geländekante von
maximal 764.00 m ü.M. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Im
Rahmen der Ortsplanungsrevision vom 23. April 2013 wurden die Parzellen Nrn.
U._ und AH._ (sowie ein Teil der Parzelle Nr. AN._) der
Arbeitszone A1 zugewiesen. Das geltende Baureglement (GBR41) kennt keine spezielle
Gewerbezone "Materiallager H._" mehr, legt aber auch keine maximale
Höhenkote mehr für das Materiallager fest. Dies ändert aber nichts daran, dass jede
erneute Vergrösserung des Kieslagers über das von der Besitzstandsgarantie gedeckte
Mass hinaus baubewilligungspflichtig ist. Zudem verstösst die Beschwerdeführerin mit
jeder Wiederaufschüttung über das in der Wiederherstellungsverfügung vom 10. Oktober
2006 festgelegte und mit Feststellungsverfügung vom 24. Januar 2011 bestätigte Mass
gegen rechtskräftige Verfügungen. Sie nimmt damit baurechtswidrige Handlungen vor, die
gestützt auf Art. 50 BauG strafbar sind. Daran ändert der Umstand, dass das Kieslager
grundsätzlich zonenkonform ist und deshalb wohl zumindest teilweise bewilligungsfähig
wäre, nichts. Die Beschwerdeführerin hat weder nach Erlass der
Wiederherstellungsverfügung vom 10. Oktober 2006 noch nach Erlass der vorliegend
angefochtenen Verfügung von der Möglichkeit der Einreichung eines nachträglichen
Baugesuchs Gebrauch gemacht. Das Ablagern von rund 75'000 m2 Kies oder mehr auf
dem Betriebsareal ist deshalb formell baurechtswidrig.
f) Da es unverhältnismässig wäre, eine an sich bewilligungsfähige Baute oder Anlage
bloss wegen Fehlens der Baubewilligung beseitigen zu lassen (formelle Rechtswidrigkeit),
ist wenigstens summarisch zu prüfen, ob das Vorhaben gegen einschlägige Vorschriften
verstösst.42 Soweit es dabei um die Auslegung und Anwendung kommunaler
Bestimmungen geht, ist zu berücksichtigen, dass die Gemeinden im Bereich ihrer Bau- und
Zonenordnungen im Rahmen der gesetzlichen Regelung und der übergeordneten Planung
autonom sind (Art. 65 Abs. 1 BauG). Die Autonomie beschränkt sich nicht nur auf den
41 Baureglement der Gemeinde Riggisberg vom 23. April 2013 (GBR) 42 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 15a
RA Nr. 120/2017/67 18
Bereich der Rechtsetzung; insbesondere wo eine Gemeinde zum Erlass von
Rechtsnormen berechtigt ist, kommt ihr grundsätzlich auch bei deren Anwendung ein
gewisser Beurteilungsspielraum zu. Es ist vorab Sache der Gemeinde zu bestimmen, wie
sie eine eigene Vorschrift verstanden haben will. Wird die Anwendung einer von ihr
erlassenen Bestimmung Gegenstand eines Beschwerdeverfahrens, haben die
Rechtsmittelinstanzen zu prüfen, ob die von der Gemeinde geltend gemachte Auslegung
rechtlich haltbar ist.43 Dabei ist auch von Belang, wie die Gemeinde die zur Diskussion
stehende Vorschrift bisher in der Praxis verstanden und gehandhabt hat.44
Art. 1 GBR nennt als zonenkonforme Nutzungsart in der Arbeitszone Gewerbe und
Dienstleistungsbetriebe. Lagerhäuser sind zugelassen. Wohnen ist für das
betriebsnotwenig an den Standort gebundene Personal gestattet. Es gilt die
Empfindlichkeitsstufe IV. In der Arbeitszone A1 gilt ein kleiner Grenzabstand von 4.0 m und
eine Gebäudehöhe von 10.5 m (Art. 2 Abs. 1 GBR). Weitere baupolizeiliche Masse sind
nicht vorgeschrieben. Insbesondere ist keine maximale Höhenkote für Materiallager
festgelegt, das geltende Recht kennt allerdings auch keine Bestimmung mehr, die in einem
bestimmten Perimeter eine Zwischenlagerung von unverschmutztem und unbelastetem
Stein- und Erdmaterial erlaubt. Es ist zwar unbestritten, dass der Betrieb der
Beschwerdeführerin samt entsprechendem Materiallager und Fuhrpark zonenkonform ist.
Dies gilt nach Auffassung der Vorinstanz allerdings nur für ein betriebsnotwendiges
Kieslager. Als solches gilt nach ihrer Beurteilung ein Ein- bis Anderthalbjahresvorrat, was
im vorliegenden Fall rund 40'000 m3 entspricht. Diese Auslegung der Vorinstanz erscheint
unter Berücksichtigung der ihr zustehenden Autonomie bei der Anwendung ihrer
kommunalen Bauvorschriften als haltbar.
Zudem dürfen Bauten, Anlagen, Reklamen, Anschriften und Bemalungen Landschaften,
Orts- und Strassenbilder nicht beeinträchtigen (Art. 9 Abs. 1 BauG). Die Gemeinden dürfen
eigene Ästhetikvorschriften erlassen, die über die kantonalen Vorschriften hinausgehen
können. Derartige Vorschriften müssen, um selbständige Bedeutung zu erlangen,
konkreter gefasst sein als die Anordnungen des kantonalen Rechts, sie dürfen Letztere
nicht bloss allgemein anders formulieren.45 Das Baureglement der Gemeinde enthält
insbesondere folgende Bestimmungen zur Gestaltung von Bauten und Anlagen: Bauten
43 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band II, Bern 2017, Art. 65 N. 3; BVR 2012 S. 20 E. 3.2 mit Hinweisen 44 BVR 2010 S. 113 E. 4.4 mit Hinweisen 45 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 9/10 N. 4 und 13; BVR 2009 S. 328 E. 5.2 mit Hinweisen
RA Nr. 120/2017/67 19
und Anlagen sind so zu gestalten, dass zusammen mit ihrer Umgebung eine gute
Gesamtwirkung entsteht (Art. 10 Abs. 3 GBR). Bei der Beurteilung der guten
Gesamtwirkung sind insbesondere die prägenden Elemente und Merkmale des Strassen-,
Orts- und Landschaftsbildes, Standort, Stellung, Form, Proportionen und Dimensionen der
Bauten und Anlagen sowie die Gestaltung der Aussenräume zu berücksichtigen (Art. 10
Abs. 4 GBR). Terrainveränderungen sind so zu gestalten, dass sie die vorhandene
Umgebung nicht beeinträchtigen und ein natürlicher und guter Übergang zu den
Nachbargrundstücken entsteht (Art. 12 Abs. 3 GBR). Diese Bestimmungen gehen weiter
als Art. 9 Abs. 1 BauG; ihnen kommt daher selbständige Bedeutung zu.
Der Begriff „gute Gesamtwirkung“ stellt einen unbestimmten kommunalen Gesetzesbegriff
dar, bei dessen Auslegung die kommunalen Behörden einen gewissen
Beurteilungsspielraum haben. Jedoch dürfen auch an das Erfordernis der guten
Gesamtwirkung nicht unverhältnismässig hohe Ansprüche gestellt werden. Die gute
Gesamtwirkung ist weder an geringen noch an besonders hohen architektonischen
Qualitäten zu messen. Das bedeutet bei durchschnittlichen örtlichen Gegebenheiten, dass
das Mittelmass der Umgebung nicht gestört werden darf und sich eine neue Baute oder
Anlage an den qualitativ hochwertigeren Bauten und Anlagen der Umgebung zu orientieren
hat.46 Zudem ist zu berücksichtigen, dass der Vorinstanz bei der Anwendung ihrer
Ästhetikvorschriften ein besonderer Ermessensspielraum zusteht, der im
Rechtsmittelverfahren zu beachten ist. Ist der Einordnungsentscheid einer kommunalen
Baubehörde nachvollziehbar, beruht er mithin auf einer vertretbaren Würdigung der
massgebenden Sachumstände, so haben die Rechtsmittelinstanzen diesen zu
respektieren und dürfen das Ermessen der kommunalen Behörde nicht durch ihr eigenes
ersetzen.47 Die Vorinstanz beurteilt ein Kieslager, das über das Niveau des
M._wegs hinausragt, als erhebliche Beeinträchtigung des Orts- und
Landschaftsbildes. Da sich das Materiallager von der dahinterliegenden Geländekante und
dem angrenzenden Kulturland abhebe, werde dies aufgrund des Erscheinungsbildes als
unzumutbar und unzulässig beurteilt. Werde eine Höhenplafonierung bis zur bestehenden,
natürlichen Geländekante verlangt, trete das Kieslager wesentlich weniger in Erscheinung,
wodurch keine unzulässige Störung des Orts- und Landschaftsbildes entstehe. Aufgrund
der Fotos in den Vorakten erscheint die Beurteilung der Gemeinde als nachvollziehbar und
46 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 9/10 N. 4a; BVR 2009 S. 329 E. 5.3, BVR 2006 S. 491 E. 6.3.1 47 BGer 1C_39/2012 vom 2. Mai 2012 E. 2.3.2; 1C_495/2011 vom 14. März 2012 E. 4.3; 1C_19/2008 vom 27. Mai 2008 E. 5.3; je mit Hinweisen
RA Nr. 120/2017/67 20
überzeugend. Ein Kieslager, das über den M._weg hinausragt, führt zu einer
Störung des Orts- und Landschaftsbildes.
g) Zusammenfassend steht somit fest, dass das Kieslager von rund 75'000 m3 weder
von der Besitzstandsgarantie umfasst noch bewilligt ist. Es ist deshalb formell rechtswidrig.
Aufgrund einer summarischen Prüfung übersteigt es das zonenkonform zulässige Mass
eines betriebsnotwendigen Materiallagers und führt zu einer Störung des Orts- und
Landschaftsbildes. Das Lagern von rund 75'000 m2 Kies oder mehr auf dem Betriebsareal
ist somit aufgrund einer summarischen Prüfung auch materiell rechtswidrig. Die von der
Vorinstanz angeordnete Höhenbeschränkung ist deshalb rechtmässig. Anders als die
Beschwerdeführerin meint, ergibt sich sowohl aus dem Dispositiv als auch aus der
Begründung klar, dass das Kieslager bis auf die Kote des dahinerliegenden
M._wegs abzutragen ist. Die von der Vorinstanz angeordneten Massnahmen, das
Kieslager auf ein zonenkonformes, orts- und landschaftsbildverträgliches Mass
herabzusetzen, und das Verbot, ortsfremdes Material zuzuführen, bis das Materiallager auf
ein Volumen von 40'000 m3 abgebaut ist, dienen der Einhaltung der baurechtlichen
Bestimmungen. Sie sind deshalb im öffentlichen Interesse.48 Die angeordneten
Massnahmen sind geeignet und erforderlich, um den rechtmässigen Zustand
wiederherzustellen. Mildere Massnahmen, mit welchen das Ziel erreicht werden könnte,
sind nicht ersichtlich. Die angeordneten Massnahmen erscheinen auch als zumutbar.49 Die
nicht gutgläubig handelnde Beschwerdeführerin legt nicht dar und es ist nicht ersichtlich,
inwiefern ihre privaten Interessen an der Beibehaltung des rechtswidrigen Zustands die
öffentlichen Interessen an der Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands aufwiegen
sollten. Sie kann sich deshalb in diesem Zusammenhang auch nicht mit Erfolg auf die
Wirtschaftsfreiheit (Art. 27 BV50) berufen, zumal diese keinen Anspruch auf eine Nutzung
ihres Grundstücks vermittelt, die den baurechtlichen Vorschriften widerspricht. Dass die
angesetzte Frist zum Abbau des Kieslagers nicht ausreichen soll, macht die
Beschwerdeführerin nicht geltend.
5. Materiallager oder Abstellplatz "Q._"
48 Vgl. dazu Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 9a 49 Vgl. dazu Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 9c 50 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101)
RA Nr. 120/2017/67 21
a) Gemäss Ziff. 3.4 der angefochtenen Verfügung darf das ehemalige Abbaugebiet
"Q._" (Grundstücke Nrn. 10.01, AD._ und AF._) nicht als
Materiallager oder Abstellplatz für Container oder Fahrzeuge, welche nicht für die
Rekultivierung benötigt oder direkt eingesetzt werden, verwendet werden. Auf einem Plan
ist nachzuweisen und zu begründen, wofür welche Materialien vorgesehen sind. Der
Nachweis ist der Baukommission innert 30 Tagen nach Eintritt der Rechtskraft der
Wiederherstellungsverfügung einzureichen. Allfälliges Material, das nicht für die
Rekultivierung benötigt wird, und Maschinen, die nicht unmittelbar für die entsprechenden
Arbeiten eingesetzt werden, sind innerhalb einer Frist von 30 Tagen nach Eintritt der
Rechtskraft der Wiederherstellungsverfügung aus dem Areal zu entfernen.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, in der angefochtenen Verfügung fehle eine
Begründung für diese Verpflichtung, womit das rechtliche Gehör verletzt werde. Am
Augenschein sei festgestellt worden, dass ein Teil des Materials im Gebiet Q._
nicht für die Rekultivierung benötigt werde. Hingegen habe es keine Feststellungen zu
Fahrzeugen gegeben, die nicht für die Arbeiten eingesetzt würden. Solche habe es auch
nicht, sodass es keinen Grund für das verfügte Verbot und die Pflicht zur Entfernung gebe.
Soweit es um gelagertes Material gehe, welches nicht für die Rekultivierung benötigt werde
(Flusskies), werde die Beschwerdeführerin für die Entfernung besorgt sein. Allerdings
mache es wenig Sinn, innert derselben Frist den Nachweis, welche Materialien benötigt
werden, und die Entfernung zu verlangen. Erst nach der "Freigabe" des Nachweises durch
die Gemeinde sei bestimmt, was entfernt werden müsse. Zudem sei eine einmonatige Frist
für die Entfernung unverhältnismässig kurz. Das Areal der Beschwerdeführerin biete dafür
zu wenig Platz, sodass dieses Material verwendet und dann verkauft werden müsse. Ein
Monat innert Rechtskraft der Baupolizeiverfügung genüge dazu nicht.
b) Die Beschwerdegegnerin macht geltend, das Orts- und Landschaftsbild werde auch
durch die Materiallager auf dem ehemaligen Abbaugebiet "Q._" beeinträchtigt.
Auch für dieses Materiallager bestehe keine Bewilligung. Der Beschwerdeführerin sei seit
langem bewusst, dass sie diese Materialberge entfernen müsse.
Die Vorinstanz weist den Vorwurf der fehlenden Begründung zurück. Diese sei in
Erwägung 2.6 enthalten. Das Gebiet Q._ dürfe nur noch rekultiviert werden.
Daraus folge klar, dass dort keine nicht für die Rekultivierung benötigten Materiallager oder
Abstellplätze für Container und Fahrzeuge errichtet werden dürften. In der Q._
RA Nr. 120/2017/67 22
würden sich verschiedene Container, Materiallager und Fahrzeuge befinden. Es bestehe
der begründete Verdacht, dass nicht alle diese Einrichtungen effektiv für die Rekultivierung
benötigt würden. Es sei an der Beschwerdeführerin darzulegen, was sie genau für die
Rekultivierung benötige. Verlangt werde lediglich, dass ein Plan mit einer Begründung
eingereicht werde, was für die Rekultivierung benötigt werde.
c) Die Erwägung Ziffer 2.6 der angefochtenen Verfügung trägt den Titel "Deponien und
Ablagerungen / Rekultivierung" und betrifft das Gebiet Q._. Ausgeführt wird
hauptsächlich, dass der Abbau abgeschlossen und die Beschwerdeführerin nun an der
Rekultivierung der betreffenden Fläche sei, dass ein Rekultivierungskonzept erstellt
worden sei, dessen Zeitprogramm nachvollziehbar sei und dass dieses als verbindlicher
Bestandteil in die Verfügung aufgenommen werde. Begründet wird damit somit die nicht
angefochtene Ziffer 3.3 des Dispositivs. Hingegen enthält die Erwägung 2.6 keine
Ausführungen zu den von der Beschwerdegegnerschaft beanstandeten Deponien und
Ablagerungen. Auch die übrigen Ziffern der Erwägungen setzten sich nicht mit diesem
Thema auseinander. Insoweit trifft die Rüge der Beschwerdeführerin zu, dass Ziffer 3.4 der
angefochtenen Verfügung in den Erwägungen nicht begründet wird. Allerdings enthält
diese Ziffer selber die Begründung für die darin enthaltenen Anordnungen, nämlich dass
das ehemalige Abbaugebiet Q._ nicht als Materiallager oder Abstellplatz
verwendet werden darf. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt deshalb nicht vor.
d) Anlässlich des vorinstanzlichen Augenscheins bestätigte ein Vertreter der
Beschwerdeführerin, dass ein Teil des Materials nicht nur für die Rekultivierung benötigt
werde, sondern teilweise auch zur Weiterverarbeitung zwischengelagert werde. Um
welchen Teil des Materials es sich dabei handelt, lässt sich dem Protokoll nicht
entnehmen. Im vorinstanzlichen Verfahren wurde somit nicht geklärt, welche Materiallager,
Container und Fahrzeuge für die Rekultivierung benötigt werden. Anders als es den
Anschein macht, wird mit Ziffer 3.4 der angefochtenen Verfügung das baupolizeiliche
Verfahren bezüglich dem ehemaligen Abbaugebiet Q._ somit noch nicht
abschliessend geregelt, sind doch die erforderlichen Massnahmen nicht hinreichend
bestimmt. Die Beschwerdeführerin wird viel mehr aufgefordert, innert 30 Tagen
nachzuweisen und zu begründen, wozu sie die im Gebiet Q._ gelagerten
Materialien und Fahrzeuge benötigt, und sie wird darauf hingewiesen, dass sie alles, was
nicht der Rekultivierung dient, zu entfernen hat. Inhaltlich handelt es somit bei Ziffer 3.4
nicht um eine verfahrensabschliessende, sondern um eine verfahrensleitende Anordnung.
RA Nr. 120/2017/67 23
Da noch nicht bekannt ist, wieviel Material entfernt werden muss, kann auch nicht beurteilt
werden, ob dazu eine Frist von 30 Tagen ausreicht. Ziffer 3.4 der angefochtenen
Verfügung wird deshalb insoweit angepasst, als die Beschwerdeführerin aufgefordert wird,
ein Konzept einzureichen, das aufzeigt, innert welcher Frist das nicht für die Rekultivierung
benötigte Material (Flusskies) entfernt werden kann. Anschliessend wird die Vorinstanz
betreffend das Materiallager und den Abstellplatz im Gebiet Q._ eine
abschliessende Wiederherstellungsverfügung erlassen, sofern die Beschwerdeführerin das
fragliche Material bis dahin nicht freiwillig entfernt hat.
RA Nr. 120/2017/67 24
6. Radwaschanlage
a) Gemäss Ziffer 3.5 der angefochtenen Verfügung wird die Beschwerdeführerin
aufgefordert, eine Radwaschanlage oder eine andere geeignete Anlage zur automatischen
Reinigung der Räder der Transportfahrzeuge für die Ausfahrt Richtung N._weg
innert sechs Monaten nach Eintritt der Rechtskraft der Wiederherstellungsverfügung zu
erstellen. Das entsprechende Baugesuch ist frühzeitig einzureichen. Bei starker
Verunreinigung von öffentlichen Gemeindestrassen bleibt die generelle Pflicht zur
sofortigen laufenden und zusätzlichen Reinigung im Sinne von Art. 67 SG51 auch nach dem
Erstellen einer automatisierten Anlage bestehen. Der N._weg und der
V._weg bis bzw. ab Abzweigung M._weg sind bei starker Verschmutzung
weiterhin zeitnah und regelmässig mit einer professionellen Reinigungsmaschine zu
reinigen.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, bereits die Sachverhaltsfeststellung durch die Vor-
instanz sei nicht korrekt. Sie basiere auf blossen Vermutungen und Hörensagen. Die
Behauptung, die Strassenreinigung sei ungenügend, sei von den Anzeigern gemacht, von
der Beschwerdeführerin bestritten und von der Vorinstanz nicht überprüft worden. Es sei
unklar, wer die Feststellung, dass die Reinigung verbesserungsfähig sei, gemacht habe
und auf welchen Grundlagen sie beruhe. Am Augenschein sei jedenfalls keine
entsprechende Feststellung gemacht worden. Es sei im Gegenteil festgestellt worden, dass
der N._weg aktuell sauber sei. Es werde auch nicht ausgeführt, wer die
Beobachtung gemacht haben soll, die Nassreinigung werde nicht immer wie vereinbart mit
einer professionellen Reinigungsmaschine, sondern mit einem Betonmischer
vorgenommen. Es sei richtig, dass die Beschwerdeführerin einen Fahrmischer und einen
Pneulader zur Reinigung einsetze, wenn die Verschmutzungen stark seien. Dabei handle
es sich aber um saubere Fahrzeuge, so dass die vermuteten Folgen (Staub und
Schadstoffe, Wasserverunreinigung) aus der Luft gegriffen seien und an Verleumdung
grenzen würden. Es sei nicht korrekt und werde auch nicht ausgeführt, weshalb die
bisherige Reinigung durch die Beschwerdeführerin längerfristig nicht zufriedenstellend
funktionieren solle. Es würden auch keine Begründungen, bspw. eine bestimmte Norm,
dafür angegeben, weshalb die Reinigung durch die Beschwerdeführerin nicht dem Stand
der Technik entspreche. Die Vorinstanz stütze sich auf eine unvollständige und unrichtige
Sachverhaltsfeststellung. Die Beschwerdeführerin reinige den N._weg im Sommer
51 Strassengesetz vom 4. Juni 2008 (SG; BSG 732.11)
RA Nr. 120/2017/67 25
an den Arbeitstagen jeden Abend und im Winter bei Bedarf mit ihren
Reinigungsmaschinen. Die Vorinstanz habe zudem nicht berücksichtigt, dass unmittelbar
neben dem Grundstück der Beschwerdegegnerschaft 3 und 4 ein Landwirtschaftsbetrieb
bestehe, der ebenfalls zur Verschmutzung der Strasse beitragen dürfte. Da bereits die
Sachverhaltsfeststellung nicht korrekt sei, sei es auch die rechtliche Subsumption nicht.
Die allgemeine Wiedergabe des umweltschutzrechtlichen Vorsorgeprinzips sei zwar
korrekt, allerdings fehle eine Herleitung, was dies für den vorliegenden Fall bedeuten solle.
Die Verwendung einer Radwaschanlage dürfte wohl eher zusätzliche Emissionen (Lärm)
zur Folge haben. Die Vorinstanz erachte die Erstellung einer Radwaschanlage ohne
weitere Begründung als zumutbar. Selbst wenn eine solche Anlage erforderlich wäre, wäre
deren Installation aus Kostengründen nicht zumutbar. Es müsse mit Anschaffungskosten
von circa Fr. 300'000.00 und mit jährlichen Betriebskosten gerechnet werden. Hier müssten
allenfalls sogar mehrere Anlagen erstellt werden, führten doch mehrere arealinterne
Privatstrassen auf den N._weg. Auch darauf gehe die Vorinstanz mit keinem Wort
ein. Welche anderen Anlagen es geben solle, werde ebenfalls nicht näher ausgeführt.
Obwohl die Vorinstanz die Vereinbarung vom 29. Dezember 2011 erwähne, prüfe sie in der
Folge nicht, auf welcher Grundlage diese nun einseitig mit Verfügung verschärft werden
könne. Weder Sachverhalt noch die rechtlichen Grundlagen hätten sich in der Zwischenzeit
geändert.
b) Die Beschwerdegegnerschaft macht geltend, die Verunreinigungen der
N._strasse durch die Transportfahrzeuge der Beschwerdeführerin und des
Betriebs von AQ.Herrn_ seien aktenkundig und gäben seit Jahren zu
Beanstandungen Anlass. Obwohl sich hinreichende Unterlagen in den Akten befinden
dürften, würden sie fünf Fotoaufnahmen jüngeren Datums einreichen, aus denen
ersichtlich werde, dass die Verunreinigungen mitunter sehr beträchtlich seien und dass
daraus erheblicher Strassenstaub entstehe. Die Nassreinigung werde so ausgeführt, dass
der Strassenschmutz und das belastete Material mit dem Schwemmwasser über die
Schulter in das angrenzende Weideland und schliesslich in das öffentliche Gewässer
gelange. Der Handlungsbedarf sei auch in dieser Hinsicht ausgewiesen. Es könne nicht
ernsthaft bestritten werden, dass eine Radwaschanlage oder eine andere automatisierte
Anlage zur Radreinigung technisch möglich und geeignet sei, die
Strassenverunreinigungen zu verhindern oder wesentlich einzuschränken. Solche Anlagen
seien bei Kiesabbau- und Materialverarbeitungsbetrieben üblich (Stand der Technik). Eine
solche Anlage sei auch zumutbar und sei bereits zu einem Preis von rund Fr. 50'000.00 bis
RA Nr. 120/2017/67 26
Fr. 70'000.00 erhältlich. Eine solche Investition sei angesichts der Grösse des Betriebs
sowie mit Blick auf die bedeutenden aktuellen und künftigen Materialabbau- und
Verarbeitungstätigkeiten ohne Weiteres tragbar. Zudem könnte die Beschwerdeführerin
prüfen, ob sie die Anlage nicht gemeinsam mit dem Nachbarn AQ.Herrn_ erstellen
wolle. Bei diesem bestehe die gleiche Handlungspflicht.
Die Vorinstanz ist der Auffassung, sie habe den Sachverhalt ausreichend ermittelt. Nicht
nur die Anzeiger, sondern auch Vertreter der Baukommission und Mitarbeitende der
Bauverwaltung hätten die ungenügend gereinigten Zufahrtsstrassen festgestellt und
gerügt. Die Beschwerdeführerin gebe zu, dass sie in der letzten Zeit auch die Reinigung
mit einem Betonmischer vorgenommen habe. Dies entspreche nicht dem Stand der
Technik und könne nicht akzeptiert werden. Das Reinigungsergebnis sei seit Jahren
ungenügend. Die Beschwerdeführerin komme ihrer Verpflichtung nur ungenügend nach.
Bei anderen vergleichbaren Kiesabbau- und Betonwerken sei eine automatische
Radwaschanlage heute Stand der Technik. Aus diesem Grund sei die Beschwerdeführerin
zu verpflichten, eine Radwaschanlage oder eine andere geeignete Anlage zur
automatischen Reinigung der Räder zu errichten.
c) Das Umweltschutzgesetz soll unter anderem Menschen gegen schädliche oder
lästige Einwirkungen schützen (Art. 1 Abs. 1 USG52). Zu diesen Einwirkungen gehören
Luftverunreinigungen, Lärm, Erschütterungen, Strahlen, Gewässerverunreinigungen oder
andere Eingriffe in Gewässer, Bodenbelastungen, Veränderungen des Erbmaterials von
Organismen oder der biologischen Vielfalt, die durch den Bau und Betrieb von Anlagen,
durch den Umgang mit Stoffen, Organismen oder Abfällen oder durch die Bewirtschaftung
des Bodens erzeugt werden (Art 7 Abs. 1 USG). Luftverunreinigungen sind Veränderungen
des natürlichen Zustands der Luft, namentlich durch Rauch, Russ, Staub, Gase, Aerosole,
Dämpfe, Geruch oder Abwärme (Art. 7 Abs. 3 USG). Anlagen sind Bauten, Verkehrswege
und andere ortsfeste Einrichtungen sowie Terrainveränderungen. Den Anlagen sind
Geräte, Maschinen, Fahrzeuge, Schiffe und Luftfahrzeuge gleichgestellt (Art. 7 Abs. 7
USG).
Sowohl Kieswerke oder Steinbrüche als Ganzes wie auch die darin enthaltenen Bauten
und anderen ortsfesten Einrichtungen sowie die eingesetzten Geräte und Maschinen
52 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01)
RA Nr. 120/2017/67 27
gelten daher als stationäre Anlagen im Sinn von Art. 7 Abs. 7 USG und Art. 2 Abs. 1 LRV53.
Sie müssen die Anforderungen der Umweltschutzgesetzgebung einhalten.54
Luftverunreinigungen, Lärm, Erschütterungen und Strahlen werden durch Massnahmen bei
der Quelle begrenzt (Emissionsbegrenzungen; Art. 11 Abs. 1 USG). In einer ersten Stufe
sind sie im Rahmen der Vorsorge unabhängig von der bestehenden Umweltbelastung so
weit zu begrenzen, als dies technisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar ist
(Art. 11 Abs. 2 USG). Die Emissionsbegrenzungen werden verschärft, wenn feststeht oder
zu erwarten ist, dass die Einwirkungen unter Berücksichtigung der bestehenden
Umweltbelastung schädlich oder lästig werden (Art. 11 Abs. 3 USG). Die
Emissionsbegrenzungen nach Art. 11 USG gelten sowohl für neue wie auch für
bestehende Anlagen. Art. 16 Abs. 1 USG geht vom Grundsatz der Gleichbehandlung von
alten und neuen Anlagen aus und räumt damit grundsätzlich den Anliegen des
Umweltschutzes, zu denen auch eine konsequente Anwendung des Vorsorgeprinzips
gehört, Vorrang ein.55 Deshalb gelten gemäss Art. 7 LRV die Bestimmungen über die
vorsorgliche Emissionsbegrenzung bei neuen stationären Anlagen in den Art. 3, 4 und 6
LRV auch für bestehende stationäre Anlagen.
Bei Materialentnahmestellen wie Kieswerke, Steinbrüche sowie Anlagen zur
Baumaterialaufbereitung sind gemäss Art. 3 Abs. 1 LRV insbesondere die allgemeinen
vorsorglichen Emissionsbegrenzungsmassnahmen von Anhang 1 LRV zu beachten.56
Einschlägig sind insbesondere die Emissionsbegrenzungen für Staub gemäss Ziff. 4
Anhang 1 LRV. Danach müssen u.a. die Fahrwege staubfrei gehalten werden, wenn durch
den Werkverkehr auf Fahrwegen erhebliche Staubemissionen entstehen können (Ziff. 43
Abs. 3 Anhang 1 LRV). Für Kieswerke, Steinbrüche und ähnliche Anlagen gilt deshalb,
dass die Fahrwege im Anlagebereich wenn möglich zu asphaltieren oder gleichwertig zu
befestigen und mit geeigneten Massnahmen wie regelmässiger Reinigung von Fahrwegen
und Fahrzeugen oder mit Reifenwaschanlagen sauber zu halten sind. Beim Einsatz von
Wasser z.B. zur Befeuchtung oder für Waschanlagen sind zudem die einschlägigen
Vorschriften zum Schutz der Gewässer zu beachten.57 Bevor ein Fahrzeug Baustellen,
53 Luftreinhalte-Verordnung des Bundesrates vom 16. Dezember 1985 (LRV; SR 814.318.142.1) 54 Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL; heute BAFU) (Hrsg.), Kieswerke, Steinbrüche und ähnliche Anlagen, Mitteilungen zur Luftreinhalte-Verordnung LRV Nr. 14, 2003, S. 3 55 131 II 103 E. 2.1.2 mit weiteren Hinweisen 56 Vgl. auch Bundesamt für Umwelt (BAFU) (Hrsg.), Luftreinhaltung auf Baustellen. Richtlinie über betriebliche und technische Massnahmen zur Begrenzung der Luftschadstoff-Emissionen von Baustellen (Baurichtlinie Luft), Ergänzte Ausgabe Februar 2016, Umwelt-Vollzug Nr. 0901, S. 7 57 Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL; heute BAFU) (Hrsg.), Kieswerke, Steinbrüche und ähnliche Anlagen, Mitteilungen zur Luftreinhalte-Verordnung LRV Nr. 14, 2003, S. 8
RA Nr. 120/2017/67 28
Materialentnahmestellen, Äcker usw. verlässt, sind somit die Räder zu reinigen. Dies kann
mittels Radwaschanlagen, Schmutzabwurfpisten und dergleichen erfolgen. Dies ergab sich
im Übrigen früher ausdrücklich aus aArt 32 Abs. 2 BauV58. Diese Bestimmung wurde im
Rahmen der Änderung vom 8. Februar 2017 mit der Begründung aufgehoben, dass dieser
Artikel neben dem bundesrechtlichen Immissionsschutz und der in Art. 67 SG statuierten
Pflicht, eine Strasse bei übermässiger Verunreinigung sofort zu reinigen, keine
selbständige Bedeutung mehr habe.59
Die Anordnung, eine Radwaschanlage oder eine andere geeignete Anlage zur
automatischen Reinigung der Räder zu erstellen, stützt sich somit auf die Umweltschutz-
und Strassenbaugesetzgebung. Es handelt sich dabei um eine technisch und betrieblich
mögliche Massnahmen zur Emissionsbegrenzung, die wirtschaftlich tragbar ist (vgl. dazu
Art. 4 LRV), gehören doch Radwaschanlagen bei Kieswerken, Steinbrüchen und ähnlichen
Anlagen zum Stand der Technik.60 Die Beschwerdeführerin belegt ihm Übrigen ihre
Behauptung, eine Radwaschanlage koste circa Fr. 300'000.00, nicht näher. Es ist deshalb
mit der Beschwerdegegnerschaft davon auszugehen, dass auf dem Markt günstigere
Radwaschanlagen erhältlich sind. Zudem steht es der Beschwerdeführerin offen, eine
gemeinsame Lösung mit dem Nachbarbetrieb von AQ.Herrn_ zu erstellen.
d) Fahrzeuge dürfen nur in betriebssicherem und vorschriftsgemässem Zustand
verkehren. Sie müssen so beschaffen und unterhalten sein, dass die Verkehrsregeln
befolgt werden können und dass Führerinnen und Führer, Mitfahrende und andere
Strassenbenützerinnen und -benützer nicht gefährdet und die Strassen nicht beschädigt
werden (Art. 29 SVG61). Zum Schutz des Verkehrs bestimmt Art. 59 Abs. 1 VRV62
konkretisierend, dass die Fahrzeugführerinnen und -führer jede Beschmutzung der
Fahrbahn zu vermeiden haben. Ist eine Fahrbahn beschmutzt worden, so ist für die
Warnung der anderen Strassenbenützerinnen und -benützer und eine rasche Reinigung zu
sorgen. Art. 42 Abs. 1 SVG knüpft thematisch an diese Vorschriften an und bestimmt, dass
jede vermeidbare Belästigung von Strassenbenützerinnen und - benützern bzw.
Anwohnerinnen und Anwohnern, namentlich durch Lärm, Staub, Rauch und Geruch, zu
58 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1) 59 Vgl. Vortrag der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion des Kantons Bern (JGK) an den Regierungsrat zur Änderung der Bauverordnung vom 1. Februar 2017, S. 19 60 Vgl. dazu Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL; heute BAFU) (Hrsg.), Kieswerke, Steinbrüche und ähnliche Anlagen, Mitteilungen zur Luftreinhalte-Verordnung LRV Nr. 14, 2003, S. 8 61 Strassenverkehrsgesetz des Bundes vom 19. Dezember 1958 (SVG; SR 741.01) 62 Verkehrsregelnverordnung vom 13. November 1962 (VRV; SR 741.11)
RA Nr. 120/2017/67 29
unterlassen und das Erschrecken von Tieren möglichst zu vermeiden hat. Zu unterlassen
ist jede vermeidbare Belästigung.63 Wer eine Strasse übermässig verunreinigt und sie nicht
sofort reinigt, trägt gemäss kantonalem Recht die Kosten der Reinigung (Art. 67 Abs. 1
SG).
Wie die Beschwerdeführerin zutreffend ausführt, gilt die Verpflichtung, die öffentlichen
Gemeindestrassen bei starker Verunreinigung sofort zu reinigen, bereits von Gesetzes
wegen und braucht nicht zusätzlich verfügt zu werden. Absatz 2 von Ziffer 3.5 gibt somit
nur wieder, was gemäss Art. 67 Abs. 1 SG und Art. 59 Abs. 1 VRV sowieso gilt: Wer eine
öffentliche Strasse verunreinigt, hat für eine rasche Reinigung zu sorgen. Kommt er oder
sie dieser Pflicht nicht nach, sorgt das zuständige Gemeinwesen für die erforderliche
Reinigung und auferlegt dem oder der Pflichtigen die Kosten. Bei Absatz 2 von Ziffer 3.5
handelt es sich somit nicht um eine behördliche Anordnung, die die Beschwerdeführerin zu
einem bestimmten Tun verpflichtet, sondern lediglich um einen Hinweis auf die Rechtslage,
die auch gilt, wenn die Beschwerdeführerin eine Radwaschanlage installiert hat. Es handelt
sich auch nicht um eine Verschärfung des Konzepts der Beschwerdeführerin vom 29.
Dezember 2011 zur Verbesserung der Staubimmissionen am N._weg im Bereich
der Zufahrt zum Kiesweg. Es kann deshalb offen gelassen werden, ob die
Beschwerdeführerin in der Vergangenheit ihrer Reinigungspflicht nachgekommen ist oder
nicht. Weitere Sachverhaltsabklärungen waren deshalb nicht erforderlich.
Zusammenfassend steht fest, dass die Anordnung, eine Radwaschanlage oder eine
andere geeignete Anlage zur automatischen Reinigung der Räder zu erstellen, zu Recht
verfügt worden ist. Beim Absatz 2 von Ziffer 3.5 handelt es sich lediglich um einen Hinweis
auf die Rechtslage. Die Beschwerde ist deshalb in diesem Punkt unbegründet.
7. Fahrzeuge auf dem Betriebsgelände
a) Gemäss Ziffer 3.6 der angefochtenen Verfügung wird die Beschwerdeführerin
aufgefordert, ausgediente Fahrzeuge, Fahrzeugteile und Ersatzteile im ganzen
Betriebsareal innert zwei Monaten nach Eintritt der Rechtskraft zu entfernen oder in
gedeckten Räumen zu lagern. Zudem hat sie einen Nutzungs- und Entwässerungsplan des
63 René Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Band I, 2. Aufl., Bern 2002, Rz. 909
RA Nr. 120/2017/67 30
gesamten Betriebsareals zu erstellen. Die Standorte von Materiallager, Abstellplätzen für
Firmen- und Mitarbeiterfahrzeugen, Maschinen, Geräten usw. sind planmässig
darzustellen. Die Flächen und allfällige Abstandsvorschriften sind zu vermassen, zudem ist
deren Materialisierung und Entwässerung inklusive Gefällsbrüchen anzugeben. Die
Planung und Festlegung der Aussenraumflächen ist mittels eines Baugesuches innerhalb
von einem Monat nach Eintritt der Rechtskraft einzureichen.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Vorinstanz habe den Sachverhalt teilweise
nicht korrekt festgestellt. Zunächst werde zwar richtig festgehalten, dass die
Beanstandungen der Anzeiger nicht korrekt seinen bzw. dass bereits Abhilfe geschaffen
worden sei. Es gebe daher keinen Grund mehr für die Anordnung, ausgediente Fahrzeuge
seien zu entfernen. Die noch vorhandenen Fahrzeuge auf dem Aussenareal hätten, wie am
Augenschein festgestellt, nicht ausgedient. Die Vorinstanz verlange nun, dass diese
Fahrzeuge nur auf bewilligten Abstellflächen abgestellt werden dürften. Dafür bestehe
jedoch keine gesetzliche Grundlage. Die Fahrzeuge, die betriebsintern zirkulierten,
müssten jederzeit dort abgestellt werden können, wo sie gerade benötigt würden. In
diesem Sinne stelle unter Umständen das ganze Betriebsareal Abstellfläche dar. Wie die
Vorinstanz selber ausführe, hätten die jährlichen Inspektionen diesbezüglich nie zu
Beanstandungen geführt. Auch das AWA sehe keinen entsprechenden Handlungsbedarf.
In Absatz 2 der Erwägung 2.8 würden Feststellungen wiedergegeben, die am Augenschein
gar nicht gemacht worden seien. Tatsächlich befänden sich auf dem Aussenareal auf
befestigtem Boden Fahrzeugteile, die als Ersatzteillager dienen würden. Die Vorinstanz
nenne die gesetzliche Grundlage für ihre Erwägung, wonach diese Ersatzteile nur in einem
gedeckten Raum aufbewahrt werden dürften, nicht. Art. 16 Abs. 1 AbfG64 enthalte zwar
eine entsprechende Verpflichtung, der ratio legis dürfte aber mit der Abdeckung gedient
sein. Aus umweltschutzrechtlicher Sicht dürfte wichtiger sein, dass von solchen
Ersatzteilen keine wassergefährdenden Substanzen ins Grundwasser gelangten. Dies
werde nicht behauptet und das für den Gewässerschutz zuständige AWA habe keine
Massnahmen verlangt. Im Moment seien die Platzverhältnisse knapp; wenn die
Beschwerdeführerin die vorgesehene Erweiterung der Betriebsfläche in der Arbeitszone
realisieren könne, werde es möglich sein, in einer Halle Platz für die Ersatzteile zu
schaffen. Die Verpflichtungen in Ziffer 3.6 der angefochtenen Verfügung müssten daher
aufgehoben werden. Sollte die Verfügung in diesem Punkt bestätigt werden, wäre die
64 Gesetz vom 18. Juni 2003 über die Abfälle (Abfallgesetz, AbfG; BSG 822.1)
RA Nr. 120/2017/67 31
verfügte Frist unverhältnismässig kurz. Sollte das Ersatzteillager eine separate Bewilligung
benötigen, werde die Beschwerdeführerin ein entsprechendes Gesuch einreichen.
b) Die Beschwerdegegnerschaft beteiligt sich in diesem Punkt nicht am
Beschwerdeverfahren, da sie davon weniger betroffen ist. Die Vorinstanz verweist auf Art.
16 Abs. 1 AbfG als gesetzliche Grundlage. Diese unterscheide nicht, ob von Ersatzteilen
wassergefährdende Substanzen ins Grundwasser gelangen könnten oder nicht. Sie habe
deshalb keinen Anlass gehabt, eine differenzierte Beurteilung vorzunehmen. Im Übrigen
sei nicht das AWA, sondernd die Gemeinde die zuständige Baupolizeibehörde. Die Frist
von zwei Monaten sei nicht unverhältnismässig, da die fragliche Vorschrift schon seit
Jahrzehnten gelte. Sie verweist in diesem Zusammenhang auf Art. 15 Abs. 2 aBauV65.
c) Lagerplätze für gewerbliche und industrielle Erzeugnisse, Bau- und andere
Materialien sind grundsätzlich baubewilligungspflichtig. Bewilligungsfrei ist einzig das
Lagern von Material während einer Dauer von bis zu drei Monaten pro Kalenderjahr (Art. 6
Abs. 1 Bst. m BewD). Einer Baubewilligung bedürfen auch Abstellplätze für
Motorfahrzeuge und Ablagerungsplätze für ausgediente Fahrzeuge, Maschinen und Geräte
sowie für Abfälle, Bauschutt und Aushubmaterial jeder Art.66 Aktenkundig sind lediglich
eine Bewilligung vom 27. Juli 2007 für den Neubau eines Lagerplatzes von 15.00 m x
17.00 m mit Betonboden für Mischabbruch in der nordöstlichen Ecke der Parzelle Nr.
AG._ und eine (nachträgliche) Bewilligung vom 22. August 2011 für das Erstellen
eines Kiesplatzes von 600 m2 mit 10 Mitarbeiterparkplätzen sowie einem Abstellplatz für
Geräte und Fahrzeuge (Lastwagen, Anhänger, Aufbauten, Baumaschinen) im
nordwestlichen Bereich der Parzelle Nr. AG._ an der Grenze zur Parzelle Nr.
AN._. Will die Beschwerdeführerin weitere Flächen als Abstell-, Ablagerungs- oder
Lagerplätze nutzen, hat sie dafür ein entsprechendes Baugesuch einzureichen. Andernfalls
ist die nicht bewilligte Nutzung des Betriebsareals grundsätzlich baurechtswidrig. Es ist
daher nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz die Beschwerdeführerin auffordert, einen
Nutzungs- und Entwässerungsplan des gesamten Betriebsareals zu erstellen, darin die
Lager-, Ablagerungs- und Abstellplätze darzustellen und dafür ein (nachträgliches)
Baugesuch einzureichen. Im Übrigen enthält Ziffer 3.8 keine abschliessende Regelung
bezüglich der noch funktionstaugleichen Fahrzeuge und Baumaschinen.
65 Bauverordnung vom 26. November 1970 (aBauV; GS 1970 S. 386 ff. ) 66 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 1 N. 18
RA Nr. 120/2017/67 32
d) Die Inhaberinnen oder Inhaber von ausgedienten Fahrzeugen, Fahrzeugteilen,
Pneus, Maschinen, Geräten und dergleichen sind verpflichtet, diese Sachen innert
Monatsfrist zu entsorgen, wenn sie nicht in gedeckten Räumen aufbewahrt werden können
(Art. 16 Abs. 1 AbfG). Dies gilt nicht für Abfallanlagen und Betriebe, die über eine
Bewilligung zur Lagerung solcher Sachen verfügen (Art. 16 Abs. 3 AbfG). Nach dem
Wortlaut dieser Bestimmung genügt eine blosse Abdeckung der ausgedienten
Gegenstände gerade nicht. Verlangt wird die Aufbewahrung in einem gedeckten Raum. Im
französischen Text steht " garder dans des locaux couverts". Sowohl nach dem deutschen
als auch nach dem französischen Wortlaut ist mit dem Begriff "Raum" oder "local" somit ein
umschlossener Teil eines Gebäudes gemeint. Ein blosses Vordach bzw. der Raum
unterhalb eines Balkons genügt ebenso wenig wie das Abdecken mit einer Plastikplane
oder dergleichen.67 Es trifft zwar zu, dass sich die in Absatz 2 der Erwägung 2.8 enthaltene
Feststellung, im Bereich des Gebäudes X._weg 16b würden mit Plastik
überdeckte Fahrzeugteile gelagert, nicht dem Augenscheinprotokoll entnehmen lässt. Die
Beschwerdeführerin bestreitet allerdings nicht, dass sich auf dem Areal auf befestigtem
Boden Fahrzeugteile befinden, die als Ersatzteillager dienen. Gestützt auf die Bestimmung
von Art. 16 Abs. 1 AbfG hat deshalb die Vorinstanz zu Recht angeordnet, dass
ausgediente Fahrzeuge, Fahrzeugteile und Ersatzteile im ganzen Betriebsareal zu
entfernen oder in gedeckten Räumen zu lagern sind. Sie hat der Beschwerdeführerin dafür
eine Frist von zwei Monaten nach Eintritt der Rechtskraft angesetzt. Die
Beschwerdeführerin behauptet zwar, diese Frist sei unverhältnismässig kurz. Sie legt aber
nicht dar und es ist auch nicht ersichtlich, warum eine Frist, die doppelt so lang ist, wie die
in Art. 16 Abs. 1 AbfG gesetzlich vorgeschriebene, im vorliegenden Fall nicht ausreichen
soll. Die Beschwerde erweist sich deshalb in diesem Punkt als unbegründet.
8. Fahrzeuge und Gerätschaften auf Parzelle Nr. AE._/1
a) Gemäss Ziffer 3.7 der angefochtenen Verfügung sind die Fahrzeuge und
Gerätschaften, die sich auf dem Grundstück Nr. R._ befinden, innert eines Monats
nach Eintritt der Rechtskraft zu entfernen.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Feststellungen, die die Vorinstanz in Erwägung
Ziffer 2.10 erwähne, seinen am Augenschein nicht gemacht worden. Zudem seien
67 Vgl. dazu VGE 2013/93 vom 25. Juni 2013 E. 2.3
RA Nr. 120/2017/67 33
Dispositiv und Begründung widersprüchlich. Während in der Begründung "Mulden" genannt
würden, seien gemäss Dispositiv "Fahrzeuge und Gerätschaften" wegzuräumen.
Tatsächlich würden dort zeitweise vereinzelt Mulden oder Container stehen. Weshalb das
zeitweise Abstellen von Fahrzeugen oder Gerätschaften nicht erlaubt sein solle, werde
nicht näher begründet. Es handle sich dabei weder um Bauten oder Anlagen noch um
Fahrnisbauten, die länger als drei Monate pro Jahr abgestellt würden, so dass gar keine
Baubewilligungspflicht bestehe. Ebenso wenig bestehe die Gefahr einer
Umweltverschmutzung. Ziffer 3.7 der angefochtenen Verfügung habe deshalb keine
Rechtsgrundlage und müsse aufgehoben werden. Sollte sich die Verpflichtung als
rechtmässig erweisen, müsse eine verhältnismässige Frist für die Umsetzung angesetzt
werden. Da die Platzverhältnisse auf dem Betriebsareal beengt seien, könne innerhalb
eines Monats keine Lösung gefunden werden.
b) Die Beschwerdegegnerschaft beteiligt sich in diesem Punkt nicht am
Beschwerdeverfahren, da sie davon weniger betroffen ist. Die Vorinstanz weist darauf hin,
dass sich das Grundstück Nr. R._ nach Zonenplan in der Abbau- und
Ablagerungszone befindet. Der Abbau und die Rekultivierung dieses Grundstücks sei seit
Jahrzehnten abgeschlossen. Es gebe deshalb keinen Grund, dort Fahrzeuge und
Gerätschaften aufzustellen. Die wiederholte Nutzung des Grundstücks zur Ablagerung von
Mulden und Containern sei als baubewilligungspflichtig einzustufen. Da offensichtlich die
Platzverhältnisse auf dem Betriebsareal nicht ausreichten, müsse immer wieder damit
gerechnet werden, dass die Beschwerdeführerin Fahrzeuge und oder Gerätschaften dort
ablagere. Die angesetzte Frist könne in Anrechnung des gewährten rechtlichen Gehörs
und der Dauer des Beschwerdeverfahrens durchaus als verhältnismässig gelten.
c) Es trifft zu, dass sich dem Protokoll des Augenscheins keine Feststellungen zur
Nutzung der Parzelle Nr. AE._ entnehmen lassen. Die Beschwerdeführerin
bestreitet aber nicht, dass sie dort zeitweise Mulden oder Container abstellt. Es ist im
Übrigen auch auf dem öffentlich zugänglichen Luftbild68 und ebenso auf dem Satellitenbild
von Google Maps ersichtlich, dass im Kreuzungsbereich M._-, AS._- und
N._weg zwei bzw. drei Container oder Mulden stehen. Wie bereits in Erwägung 6
ausgeführt, sind Abstell- und Lagerplätze grundsätzlich baubewilligungspflichtig. Die
Beschwerdeführerin verfügt gemäss den Akten nicht über eine entsprechende
Baubewilligung für die Nutzung des Grundstücks Nr. AE._ als Lager- oder
68 Vgl. Geoportal des Kantons Bern, einsehbar unter <https://www.geo.apps.be.ch/de>
RA Nr. 120/2017/67 34
Abstellplatz. Zudem dient die fragliche Nutzung dem Betrieb der Beschwerdeführerin in der
Arbeitszone, ist also aufgrund einer summarischen Prüfung in der Abbau- und
Ablagerungszone nicht zonenkonform. Der Lager- bzw. Abstellplatz auf Parzelle Nr.
AE._ ist somit formell und materiell rechtswidrig.
Die Beschwerdeführerin macht zwar geltend, die angesetzte Frist von einem Monat sei
unverhältnismässig, es ist aber nicht nachvollziehbar, warum es ihr nicht möglich sein soll,
innerhalb eines Monats einen anderen Standort für die Mulden oder Container zu finden.
Selbst wenn sie auf dem Betriebsgelände keinen Platz haben sollte, was nicht hinreichend
dargetan ist, dürfte es ohne Weiteres möglich sein, innert Monatsfrist für die geringe Zahl
von Mulden oder Containern einen anderen Standort zu finden. Die Beschwerde erweist
sich deshalb auch in diesem Punkt als unbegründet.
9. Kosten
a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt die Beschwerdeführerin
weitestgehend. Sie hat deshalb die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG).
Das geringfügige Obsiegen in einem untergeordneten Punkt rechtfertigt keine
Kostenausscheidung. Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen vorliegend
einzig aus einer Pauschalgebühr (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Diese wird auf Fr. 2'000.00
festgesetzt (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV) und der Beschwerdeführerin
auferlegt.
b) Die Beschwerdeführerin hat zudem der Beschwerdegegnerschaft die Parteikosten zu
ersetzen (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Kostennote des Anwalts der
Beschwerdegegnerschaft gibt zu keinen Bemerkungen Anlass. Die Beschwerdeführerin hat
somit der Beschwerdegegnerschaft die Parteikosten von Fr. 3'812.60 zu ersetzen. Der
Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass die Vorinstanz keinen Anspruch auf Ersatz ihrer
Parteikosten hat (Art. 104 Abs. 4 i.V.m. Art. 2 Abs. 1 Bst. b VRPG).69