# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d8de97c9-2f32-442b-961a-0bca90f8b62e
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_004
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt:
1. Im Rahmen der Steuererklärung 2020 machte A._ Mehrkosten für
Verpflegung bei auswärtigem Wochenaufenthalt von CHF 6'400.--
geltend. Anlässlich der Veranlagung der direkten Bundessteuer sowie
Kantons- und Gemeindesteuer 2020 vom 28. April 2021 wurde dieser
Betrag nicht zum Abzug zugelassen. Zur Begründung führte die
Steuerverwaltung des Kantons Graubünden (nachfolgend:
Steuerverwaltung) aus, dass sich der Arbeits- und Wohnort in B._
befinde, weshalb ein Abzug nicht möglich sei.
2. Dagegen erhob A._ mit Schreiben vom 13. Mai 2021 Einsprache mit
dem Antrag, es sei der Verpflegungsabzug gemäss Selbstdeklaration zu
genehmigen. Begründend brachte er im Wesentlichen vor, dass er im
Restaurant C._ mit Teilschicht, d.h. Zimmerstunde, arbeite und zwar
morgens bis meistens ca. 14.00 Uhr und ab 16.00 Uhr bis Schichtende.
Somit esse er jeweils am Mittag und am Abend im Betrieb. Er übernehme
während der Mittagspause (Winter: 11.00 bis 11.30 Uhr, Sommer: 11.20
bis 11.50 Uhr) jeweils die Pausenvertretung. Das heisse, dass andere
Mitarbeiter zu diesem Zeitpunkt in der Pause in einem separaten Raum
seien und er jeweils vorne im Gastraum sei, um allfällige Gäste zu
bedienen. Es sei ihm daher nicht möglich, nach Hause zu gehen, um zu
kochen und zu essen. Die Steuerverwaltung sei wohl davon ausgegangen,
dass die Pause an einem Stück bezogen werden könne. Dies sei bei ihm
nicht der Fall. Wie aus dem Arbeitsvertrag ersichtlich sei, werde monatlich
ein Betrag von CHF 396.-- für die Verpflegung in Abzug gebracht.
3. Mit Einspracheentscheid vom 19. Mai 2021 wies die Steuerverwaltung die
Einsprache ab. Zur Begründung wurde im Wesentlichen festgehalten, laut
eingereichtem Arbeitsvertrag würden A._ pro Monat CHF 396.-- vom
Lohn für die Mittags- und Abendverpflegung in Abzug gebracht. Gemäss
Merkblatt N 2 der Eidgenössischen Steuerverwaltung (nachfolgend:
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ESTV) betrage der monatliche Marktwert für Mittagessen (CHF 300.--) und
Abendessen (CHF 240.--) total CHF 540.--. Aufgrund der Unterschreitung
der erwähnten Ansätze würden A._ keine Mehrkosten für die
auswärtige Verpflegung entstehen. Der beantragte Abzug könne daher
nicht gewährt werden.
4. Dagegen erhob A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer) mit Eingabe
vom 19. Juni 2021 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden und beantragte, es sei der Abzug gemäss Selbstdeklaration
zuzulassen. Begründend machte er hauptsächlich geltend, dass der
Arbeits- und Wohnort tatsächlich im gleichen Dorf liege. Allerdings sei es
ihm nicht möglich, die Verpflegung zu Hause einzunehmen, da er während
der Essenspause, welche genau 30 Minuten dauere, die Gäste bewirte.
Dies könne jederzeit von seiner Vorgesetzten bestätigt werden. Zudem
werde je nach Gästeaufkommen unterschiedlich gegessen und die 30
Minuten könnten selten eingehalten werden. Der Verpflegungsabzug in
seinem Arbeitsvertrag basiere auf Mittag- und Abendessen, allerdings auf
21 und nicht auf 30 Arbeitstagen. An den freien Tagen könne nicht im
Betrieb gegessen werden.
5. In ihrer Vernehmlassung vom 25. Juni 2021 beantragte die
Steuerverwaltung (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die teilweise
Gutheissung der Beschwerde. Begründend wurde hauptsächlich
ausgeführt, dass die Ansätze gemäss Merkblatt N 2 der ESTV nicht
unterschritten würden, weshalb der halbe Abzug in Abweichung zum
Einspracheentscheid für die auswärtige Verpflegung am Mittag und Abend
gewährt werden könne. Der vom Beschwerdeführer beantragte volle
Abzug für die auswärtige Verpflegung am Mittag und Abend könne nicht
gewährt werden, weil die Verpflegung vom Arbeitgeber verbilligt werde.
6. Nachdem der Beschwerdeführer innert der gesetzten Frist keine Replik
einreichte, wurde der Schriftenwechsel am 14. Juli 2021 geschlossen.
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Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften und
im angefochtenen Einspracheentscheid vom 19. Mai 2021 sowie auf die
eingereichten Beweismittel wird, soweit erforderlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Der Einzelrichter zieht in Erwägung:
1.1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen den Einspracheentscheid
der Beschwerdegegnerin vom 19. Mai 2021 betreffend direkte
Bundessteuer sowie Kantons- und Gemeindesteuer 2020. Nach Art. 139
Abs. 1 des Steuergesetzes für den Kanton Graubünden (StG; BR
720.000) können solche Entscheide mit Beschwerde beim
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden angefochten werden. Die
sachliche Zuständigkeit des streitberufenen Gerichts ergibt sich aus Art.
49 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR
370.100), wonach das Verwaltungsgericht Beschwerden gegen
Entscheide von Dienststellen der kantonalen Verwaltung und von
unselbständigen Anstalten des kantonalen Rechts beurteilt, soweit das
kantonale Recht den direkten Weiterzug vorsieht, was vorliegend − wie
gesehen (vgl. Art. 139 Abs. 1 StG) − der Fall ist. Demzufolge fällt die
Beurteilung der vorliegenden Streitsache in die Zuständigkeit des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden. Der Beschwerdeführer ist
als formeller und materieller Adressat des angefochtenen
Einspracheentscheids berührt und weist ein schutzwürdiges Interesse an
dessen Aufhebung oder Änderung auf (vgl. Art. 50 VRG). Auf die zudem
frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten.
1.2. Nach Art. 43 Abs. 3 lit. a VRG entscheidet das Verwaltungsgericht in
einzelrichterlicher Kompetenz, wenn der Streitwert CHF 5'000.-- nicht
überschreitet und keine Fünferbesetzung vorgeschrieben ist. Da der
Streitwert unbestrittenermassen unter CHF 5'000.-- liegt und die
vorliegende Angelegenheit auch nicht in Fünferbesetzung (vgl. Art. 43
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Abs. 2 VRG) zu entscheiden ist, ist die Zuständigkeit des Einzelrichters
gegeben.
2. Materiell umstritten ist die Gewährung des Berufskostenabzugs für
auswärtige Verpflegungskosten.
3.1. Kosten für die Ernährung sind primär nicht abzugsfähige
Lebenshaltungskosten. Soweit der steuerpflichtigen Person wegen der
Berufsausübung Mehrkosten für die auswärtige Verpflegung erwachsen,
sind diese aufgrund der ausdrücklichen Nennung in Art. 26 Abs. 1 lit. b des
Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer (DBG; SR 642.11) und
Art. 31 Abs. 1 lit. b StG abzugsfähig. Die berufliche Notwendigkeit
auswärtiger Verpflegung kann auf verschiedene Ursachen zurückzuführen
sein, so auf grosse Entfernung zwischen Wohn- und Arbeitsstätte,
schlechte Verkehrsverbindungen oder kurze Essenspausen (vgl.
RICHNER/FREI/KAUFMANN/ MEUTER, Handkommentar zum DBG, 3. Aufl.,
Zürich 2016, Art. 26 Rz. 23; Praxisfestlegung der Beschwerdegegnerin,
Berufsauslagen: Verpflegung und Unterkunft, abrufbar unter:
https://www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/dfg/stv/dokumentation/prax
is/PraxisEinkommenVermgen/031-01-b-01.pdf).
3.2. Zur Ermittlung des Reineinkommens werden bei der direkten
Bundessteuer von den gesamten steuerbaren Einkünften die
Aufwendungen und allgemeinen Abzüge nach den Art. 26-33a DBG
abgezogen (Art. 25 DBG). Bei unselbständiger Erwerbstätigkeit können
nach Art. 26 Abs. 1 lit. b DBG als Berufskosten die notwendigen
Mehrkosten für Verpflegung ausserhalb der Wohnstätte und bei
Schichtarbeit abgezogen werden. Laut Art. 26 Abs. 2 DBG werden für
diese Berufskosten Pauschalansätze festgelegt. Diese sind im Anhang zur
Verordnung des EFD über den Abzug der Berufskosten unselbständig
Erwerbstätiger bei der direkten Bundessteuer (Berufskostenverordnung;
SR 642.118.1) geregelt: Für die Mehrkosten der Verpflegung bei
https://www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/dfg/stv/dokumentation/praxis/PraxisEinkommenVermgen/031-01-b-01.pdf https://www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/dfg/stv/dokumentation/praxis/PraxisEinkommenVermgen/031-01-b-01.pdf
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auswärtiger Verpflegung bzw. Schicht- oder Nachtarbeit beträgt der
Pauschalansatz ab dem Steuerjahr 2016 als voller Abzug pro
Hauptmahlzeit bzw. Tag CHF 15.--, im Jahr CHF 3'200.--, und als halber
Abzug pro Hauptmahlzeit bzw. Tag CHF 7.50, im Jahr CHF 1'600.--. Nur
der halbe Abzug ist zulässig, wenn die Verpflegung vom Arbeitgeber
anders als in bar verbilligt wird (Abgabe von Gutscheinen) oder wenn sie
in einer Kantine, einem Personalrestaurant oder einer Gaststätte des
Arbeitgebers eingenommen werden kann (Art. 6 Abs. 2
Berufskostenverordnung).
3.3. Gemäss Art. 31 Abs. 1 lit. b StG können unselbständig Erwerbende als
Berufsunkosten die notwendigen Mehrkosten für Verpflegung und
Unterkunft ausserhalb der Wohnstätte sowie bei Schichtarbeit in der Höhe
der von der Regierung festzulegenden Pauschalen abgezogen werden.
Nach Art. 10a Abs. 1 der Ausführungsbestimmungen zur
Steuergesetzgebung (ABzStG; BR 720.015) können für die Mehrkosten
der auswärtigen Verpflegung folgende Abzüge vorgenommen werden:
CHF 15.-- pro Arbeitstag, bei ständiger auswärtiger Verpflegung CHF
3'200.-- im Jahr (lit. a); CHF 7.50 pro Arbeitstag, bei ständiger auswärtiger
Verpflegung CHF 1'600.-- im Jahr, wenn die Verpflegung vom Arbeitgeber
verbilligt wird (lit. b).
3.4. Kein Abzug ist mangels Mehrkosten zulässig, wenn der Arbeitgeber bei
der Bewertung von Naturalbezügen die von den Steuerbehörden
festgelegten Ansätze (vgl. Merkblatt N 2 der ESTV "Naturalbezüge von
Arbeitnehmenden, Merkblatt über die Bewertung von Verpflegung und
Unterkunft von Unselbständigerwerbenden", beschwerdegegnerische
Akten [Bg-act.] 8) unterschreitet oder wenn sich die steuerpflichtige
Person zu Preisen verpflegen kann, die unter diesen Bewertungsansätzen
liegen (vgl. Art. 6 Abs. 3 Berufskostenverordnung; Praxisfestlegung der
Beschwerdegegnerin, Berufsauslagen: Verpflegung und Unterkunft,
abrufbar unter:
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https://www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/dfg/stv/dokumentation/prax
is/PraxisEinkommenVermgen/031-01-b-01.pdf).
4. Dem im Recht liegenden Arbeitsvertrag des Beschwerdeführers vom
Dezember 2019 kann entnommen werden, dass ihm der Arbeitgeber für
die Mittags- und Abendverpflegung monatlich einen Betrag von CHF 396.-
- vom Lohn abzieht (vgl. Bg-act. 5). Wie sich dieser Betrag im Detail
zusammensetzt, ergibt sich aus dem besagten Arbeitsvertrag nicht. In
seiner Beschwerde macht der Beschwerdeführer geltend, dass der
Verpflegungsabzug in seinem Arbeitsvertrag auf 21 Arbeitstagen basiere.
Wenn das tatsächlich so wäre, würde der Arbeitgeber dem
Beschwerdeführer für die Verpflegung am Arbeitsplatz pro Tag einen
ungeraden Betrag in der Höhe von CHF 18.8571429 (CHF 396.-- : 21
Arbeitstage) vom Lohn abziehen, was – wie die Beschwerdegegnerin
zutreffend festhält – eher unwahrscheinlich erscheint. Gemäss oben
erwähntem Merkblatt N 2 der ESTV beläuft sich der Ansatz für einen
Erwachsenen für ein Mittagessen und ein Abendessen pro Tag auf total
CHF 18.-- (Mittagessen: CHF 10.--, Abendessen: CHF 8.--; vgl. Bg-act. 8).
Wird der im Arbeitsvertrag des Beschwerdeführers festgelegte monatliche
Verpflegungsabzug durch den besagten Tagesansatz dividiert, resultieren
genau 22 Arbeitstage (CHF 396.-- : CHF 18.--). Es ist also mit der
Beschwerdegegnerin davon auszugehen, dass bei der Berechnung des
monatlichen Verpflegungsabzugs mit durchschnittlich 22 Arbeitstagen pro
Monat gerechnet wurde. Die vom beschwerdeführerischen Lohn
abzuziehenden Verpflegungskosten entsprechen genau den Ansätzen
gemäss Merkblatt N 2 der ESTV oder liegen sogar – wenn mit
durchschnittlich 21 Arbeitstagen pro Monat gerechnet würde – etwas
höher. Da damit die von den Steuerbehörden festgelegten Ansätze
gemäss Merkblatt N 2 der ESTV nicht unterschritten werden, ist dem
Beschwerdeführer – in Abweichung zum angefochtenen
Einspracheentscheid, aber in Übereinstimmung mit der Vernehmlassung
der Beschwerdegegnerin – der halbe Abzug für die auswärtige
https://www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/dfg/stv/dokumentation/praxis/PraxisEinkommenVermgen/031-01-b-01.pdf https://www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/dfg/stv/dokumentation/praxis/PraxisEinkommenVermgen/031-01-b-01.pdf
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Verpflegung am Mittag und Abend zu gewähren (2 x CHF 1'600.--).
Demgegenüber kann der volle Abzug für die auswärtige Verpflegung am
Mittag und Abend (2 x CHF 3'200.--) nicht zugelassen werden, zumal die
Verpflegung des Beschwerdeführers unbestrittenermassen vom
Arbeitgeber verbilligt wird. Ebenfalls kann der vom Beschwerdeführer in
seiner Selbstdeklaration unter Ziff. 9.8/9.9 geltend gemachte Abzug (2 x
CHF 6'400.--) nicht gewährt werden, da vorliegend das Erfordernis des
auswärtigen Wochenaufenthalts offenkundig nicht erfüllt ist (vgl. Bg-act.
1).
5. Zusammenfassend ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen und der
angefochtene Einspracheentscheid vom 19. Mai 2021 aufzuheben. Die
Sache ist zur Neuveranlagung im Sinne der Erwägungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Im Übrigen ist die Beschwerde
abzuweisen.
6. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass
die Beschwerdegegnerin die teilweise Gutheissung der Beschwerde erst
im vorliegenden Beschwerdeverfahren beantragte. Sie hätte aber bereits
im Rahmen des vorinstanzlichen Einspracheverfahrens zum Schluss
kommen müssen, dass die Verpflegung vom Arbeitgeber des
Beschwerdeführers verbilligt wird bzw. die Ansätze gemäss Merkblatt N 2
der ESTV nicht unterschritten werden und damit, dass der halbe Abzug für
die auswärtige Verpflegung am Mittag und Abend gewährt werden kann,
zumal der beschwerdeführerische Arbeitsvertrag bereits damals bei den
Akten lag (vgl. Bg-act. 4). Es rechtfertigt sich daher, die Staatsgebühr in
der Höhe von CHF 800.-- (vgl. Art. 75 Abs. 2 VRG) sowie die
Kanzleiauslagen der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Eine
Parteientschädigung an den teilweise obsiegenden Beschwerdeführer ist
mangels anwaltlicher Vertretung nicht zuzusprechen. Der
Beschwerdegegnerin steht gemäss der Regel in Art. 78 Abs. 2 VRG keine
aussergerichtliche Entschädigung zu.
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