# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** baa65da0-833c-4744-a42b-0d7c39bd2dba
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 2005,
wurde von seinen Eltern am 11.
November 2005 (Eingangsdatum) unter Hinweis auf ein Geburtsgebrechen erstmals bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug angemeldet (
Urk.
7/1). Nach Einholen eines Arztberichtes
, worin als
Diagnose eine Doppelniere links mit leichtgradiger Dilatation des Unterpol
systems ohne Nachweis eines
vesikouretheralen
Reflux
festgehalten wurde
(vgl.
Urk.
7/5)
,
erteilte die IV-Stelle Kostengutsprache für
medizinische Massnahmen vom 28.
Juni 2005 bis zum 3
0.
Juli 2015 (
Urk.
7/6).
Am 1
0.
März 2011 wurde ein Zusatzgesuch insbesondere für Sonderschulung und medizinische Massnahmen unter Hinweis auf
Asperger
-Autismus (ICD-10 F84.5) gestellt (
Urk.
7/10).
Hierfür erteilte
die IV-Stelle Kostengutsprache für medizini
sche Massnahmen vom
1.
August 2010 bis zum 3
1.
März 2025 (
Urk.
7/17
) sowie für ambulante Ergotherapie vom
1.
Augu
st 2010 bis
schliesslich
zum 3
1.
Juli 2016
(
Urk.
7/18,
Urk.
7/29,
Urk.
7/46). Die Eltern ersuchten
erstmalig
mit Schrei
ben vom 1
4.
März 2012 um Kostengutsprache für eine intensivere Betreuung durch einen Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie (
Urk.
7/21), woraufhin die IV-Stelle die Kosten für ambulante Psychotherapie vom
1.
Feb
ruar 2012 bis
schliesslich
zum 3
1.
März 2025
bzw. der Vollendung des 2
0.
Altersjahres über
nahm
(
Urk.
7/27,
Urk.
7/36,
Urk.
7/45
,
Urk.
7/52
,
Urk.
7/75,
Urk.
7/80
).
Am
9.
Januar 2018 reichten die gesetzlichen Vertreter des Versicherten ein Gesuch für Hilflosenentschädigung für Minderjährige ein (
Urk.
7/53), woraufhin die IV-Stelle die Abklärung für Hilflosenentschädigung für Minderjährige und Intensiv
pflegezuschlag vom 2
1.
Februar 2018 durchführen liess (
Urk.
7/58).
Mit Verfü
gung vom 1
8.
April 2018 sprach die IV-Stelle
mit Wirkung
ab dem
1.
Januar 2017 eine Hilflosenentschädigung für Minderjährige für leichte Hilflosigkeit zu (
Urk.
7/65). Die IV-Stelle übernahm die Kosten für die stationäre Behandlung in der Klinik
A._
vom 1
0.
April bis 1
7.
Juli 2018 (
Urk.
7/67).
Mit Zusatzgesuch vom 2
7.
April 2021 (Eingangsdatum) ersuchten die gesetz
lichen Vertreter um Massnahmen für die berufliche Eingliederung, konkret
die Kostenübernahme für das Gymnasium an einer Privatschule sowie zusätzliche Betreuung (
Urk.
7/83/4;
Urk.
7/81-82).
Nach weiteren Abklärungen stellte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 2
2.
Juli 2021 die Abweisung des Ge
suchs um beruf
liche Erstausb
i
l
dung in Aussicht (
Urk.
7/100), wogegen die gesetzlichen Vertreter des Versicherten Einwand erhoben (Einwand vom
8.
September 2021,
Urk.
7/106). Mit Verfügung vom
5.
November 2021 hielt die IV-Stelle an der Abweisung fest (
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhoben die gesetzlichen Vertreter des Versicherten
am
8.
Dezember 2021
Beschwerde (U
rk.
1)
und beantragten, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei dem Beschwerdeführer eine Kostengutsprache für die erst
malige berufliche Ausbildung in einem Privatgymnasium (Gymnasium
B._
) zu erteilen.
Mit Beschwerdeantwort vom 2
7.
Januar 2022 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5 unter Bei
lage ihrer Akten,
Urk.
6 und
Urk.
7/1-113).
Replicando
hielten die Eltern des
Beschwerdeführers
an den
gestellten Anträgen fest (
Urk.
10). Die Beschwerde
gegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik
(
Urk.
12)
, worüber die gesetzlichen Vertreter des
Beschwerdeführers
am
1
1.
April 2022 in Kenntnis gesetzt wurden
(
Urk.
13)
.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung dafür, dass versi
cherte Personen, welche noch nicht erwerbstätig gewesen seien und denen bei der erstmaligen beruflichen Ausbildung wegen ihrer Invalidität erhebliche Zusatzauslagen entstünden, Anspruch auf Ersatz der Mehrkosten hätten. Die Ausbildung müsse den Fähigkeiten der versicherten Person entsprechen. G
emä
ss den Abklärungen sei dies in
casu
nicht der Fall, womit die Kostenübernahme abgelehnt werde.
Die bestandene Aufnahmeprüfung sei ein notwendiger Nach
weis für eine aktuell vorliegende Ausbildungsfähigkeit und eine reelle Chance, die Maturität zu bestehen. Eine IQ-Testung sei nicht gleichwertig mit der Auf
nahmeprüfung, da diese nicht dieselben Fähigkeiten abbilden würde. Die Auf
nahmeprüfung sei darüber hinaus sehr deutlich nicht bestanden worden und die zuletzt als gut berichteten schulischen Leistungen seien in einem Sonde
rsetting mit einer Eins-zu-
Eins
Beschulung
erreicht worden. Das Unvermögen, sich in einer Kleinstklasse zu integrieren und in diesem Sondersetting zu lernen und zu leisten
,
wiesen ebenfalls auf eine fehlende Ausbildungsfähigkeit hin. Entspre
chend bestehe keine überwiegende Wahrscheinlichkeit, das Privatgymnasium in einem üblichen zeitlichen Rahmen auch mit angepasstem Setting erfolgreich zu absolvieren und anschliessend den Abschluss einfach und zweckmässig zu verwerten. Demnach sei die notwendige Ausbildungsfähigkeit zum aktuellen Zeitpunkt nicht gegeben. Darüber hinaus sei der Verhältnismässigkeitsgrundsatz nicht erfüllt. Der beantragte Maturitätslehrgang sei den persönlichen Umständen nicht angepasst und damit nicht zweckmässig, womit die Verhältnismässigkeit nicht gegeben sei. Sie empfählen eine Fortführung der Sonderschulung und bei entsprechendem Wunsch eine Wiederholung der Aufnahmeprüfung. Nach deren Bestehen könne ein Antrag auf Finanzierung erneut gestellt werden (
Urk.
2).
1.2
Die Eltern des Beschwerdeführers brachten demgegenüber vor (
Urk.
1), dass gemäss dem durch die
Privatschule C._
am 2
8.
Mai 2020 durchgeführten «Stellwerk-Test»
in fast allen Bereichen ein leicht bis deutlich überdurchschnittliches Ergeb
nis vorliege. Auch den Zeugnissen seien gute bis sehr gute Noten zu entnehmen. Eine IQ-Testung habe einen IQ
von 115-12
9
(vgl.
Urk.
7/88/9)
festgehalten. Dazu kämen die Ausführungen
von
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie,
und der Stiftung Kind und Autis
mus, welche ebenfalls belegten, dass der Beschwerdeführer in der Lage sei, das Gymnasium erfolgreich zu absolvieren. Die Defizite des Beschwerdeführers, welche zu einer Sonderbeschulung in Kleinklassen und zuletzt zu einer Einzel
beschulung geführt hätten, seien nicht
schulischer
sondern sozialer Natur. Darüber hinaus sei eine allenfalls behinderungsbedingt verlängerte Ausbildungs
dauer nicht ungewöhnlich und spreche nicht gegen eine Kostengutsprache. Eine Unzweckmässigkeit könne ebenfalls nicht nachvollzogen werden. Die Sonder
schulung - wie von der Beschwerdegegnerin vorgeschlagen - fortzuführen mache darüber hinaus keinen Sinn, da dies die Chance auf eine erfolgreiche Eingliede
rung nicht verbessere.
Anzumerken sei, dass die Beschwerdegegnerin über die Ablehnung des Gymnasialbesuchs hinaus gar nicht erst in Erwägung gezogen habe, ob allenfalls auch andere Ausbildungen geeignet sein könnten.
1.3
Ergänzend hielt die Beschwerdegegnerin fest (
Urk.
5), dass aus dem Verlaufs
protokoll Berufsberatung hervorgehe, dass
der Beschwerdeführer
eine
ablehnende Haltung gegenüber einer Lehre habe, welche mit drohenden psychologischen Schwierigkeiten mit dem Arbeitgeber und fehlendem handwerklichem Geschick begründet werde. Ziel sei ein Studium der Rechtswissenschaften und das Arbeiten als Jurist.
Es bestehe keine überwiegende Wahrscheinlichkeit, dass der Beschwer
deführer das Privatgymnasium erfolgreich absolvieren werde. Aktuell besuche der Beschwerdefü
h
rer das private Gymnasium, wobei auf die Aufnahmeprüfung und auf den Leistungs- und Persönlichkeitstest verzichtet werde, da die Lehrperson davon ausgehe, dass der Beschwerdeführer dem Druck nicht standhalten würde. Damit sei davon auszugehen, dass er dem Druck für die schweizerische Maturi
tätsprüfung ebenfalls nicht gewachsen sein werde. Selbst bei Erlangung der eidgenössischen Matura unter dem entsprechenden Sondersetting sei zu bezwei
feln, ob er dem Druck eines Studiums der Rechtswissenschaften gewachsen sei. Eine Ausbild
ung, die nicht überwiegend wahr
scheinlich abgeschlossen werde, sei nicht zweckmässig. Ein Besuch eines Privatgymnasiums ohne bestandene Prü
fung entspreche auch nicht den Erfordernissen der Einfachheit und Zweck
mässigkeit. Da der Beschwerdeführer die Aufnahmeprüfung nicht bestanden ha
be
,
entstünden
ihm - verglichen mit einer nicht invaliden Person - keine inva
liditätsbedingten Mehrkosten, da auch diese nur ein privates Gymnasium absol
vieren könnte (
Urk.
5).
1.4
Replicando
hielten die gesetzlichen Vertreter des Beschwerdeführers fest, dass das Verlaufsprotokoll Berufsberatung erst nach Verfügungserlass erstellt worden und damit fraglich sei, ob es zu berücksichtigen sei. Ohne das Protokoll habe die Verfügung nur ungenügend geprüft werden können, entsprechend sei die Beschwerde infolge Verletzung des rechtlichen Gehörs gutzuheissen.
Es
sei nicht klar, ob die Fortführung der Sonderschulung und Wiederholung der Aufnahme
prüfung überhaupt möglich sei, da dies ein 1
1.
Schuljahr wäre. Entsprechend hätte die Beschwerdegegnerin auch hier erhebliche Kosten zu übernehmen.
Es
könnten sich
auch
nur Schüler, welche nach dem 3
0.
April 2005 geboren worden seien, anmelden an die Aufnahmeprüfung.
D
er Beschwerdeführer
habe
die Auf
nahmeprüfung
invaliditätsbedingt nicht bestanden - so dass die Mehrkosten eines privaten Gymnasiums invaliditätsbedingt anfielen und damit zu übernehmen seien (
Urk.
10).
2.
Vorab ist zu prüfen, ob die Rüge der Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör durchdringt, da
diesfalls
die angefochtene Verfügung ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde aufzuheben wäre.
Der Beschwerdeführer brachte vor,
dass aufgrund des Fehlens des Verlaufsproto
kolls Berufsberatung vom
6.
Januar 2022 der angefochtene Entscheid nicht umfassend habe geprüft werden können, womit eine Verletzung des rechtlichen Gehörs vorliege und die Beschwerde
nur schon deshalb
gutzuheissen sei (
Urk.
10 S. 2).
Die Begründungspflicht als Ausfluss des Anspruchs auf rechtliches Gehör bedeu
tet nicht, dass sich die Behörde mit allen Parteistandpunkten einlässlich ausei
nandersetzen und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss. Es genügt, wenn die Begründung kurz die Überlegungen nennt, auf die sich der Entscheid stützt und dieser sachgerecht angefochten werden kann (Urteil des Bundesgerichts 8C_511/2007 vom 2
2.
November 2007 E. 4.2.2 mit weiteren Hinweisen). Nach der Rechtsprechung kann eine nicht besonders schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs als geheilt gelten, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie auch die Rechtslage frei überprüfen kann. Von einer Rück
weisung der Sache an die Verwaltung ist selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs dann abzusehen, wenn und soweit die Rück
weisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerun
gen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer
beförderlichen
Beurteilung der Sache nicht zu verein
baren wären (BGE 133 I 201 E.2.2). Inwiefern der Beschwerdeführer die ange
fochtene Verfügung nic
ht sachgerecht anfechten konnte,
ist nicht ersichtlich und wird auch nicht näher dargetan.
Darüber hinaus konnte er zum Protokoll im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels Stellung nehmen.
Eine Verletzung
des Anspruchs auf rechtliches Gehör
liegt daher nicht vor bzw. wäre durch die Möglichkeit der Äusserung vor dem hiesigen Gericht als geheilt zu beurteilen.
3
.
3
.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen Einspracheentscheids eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
3
.2
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 Abs. 1 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Ausübung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Abs. 1
bis
). Nach Massgabe der Art. 13 und 21 IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich (Abs. 2). Nach Massgabe von Art. 16 Abs. 2
lit
. c IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbs
fähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu erhalten oder zu verbessern (Abs. 2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
3
.3
3
.3.1
Nach Art. 16 Abs. 1 IVG haben Versicherte, die noch nicht erwerbstätig waren und denen infolge Invalidität bei der erstmaligen beruflichen Ausbildung in wesentlichem Umfange zusätzliche Kosten entstehen, Anspruch auf Ersatz dieser Kosten, sofern die Ausbildung den Fähigkeiten der versicherten Person entspricht. Als erstmalige berufliche Ausbildung gilt gemäss Art. 5 Abs. 1 IVV die berufliche Grundbildung nach dem Berufsbildungsgesetz (BBG) sowie, nach Abschluss der Volks- oder Sonderschule, der Besuch einer Mittel-, Fach- oder Hochschule und die berufliche Vorbereitung auf eine Hilfsarbeit oder auf die Tätigkeit in einer geschützten Werkstätte.
3
.3.2
Unter erstmaliger beruflicher Ausbildung im Sinne von
Art.
16
Abs.
1 IVG ist die gezielte und planmässige Förderung in beruflicher Hinsicht zu verstehen, mit anderen Worten, der systematische Erwerb oder die Vermittlung spezifischer beruflicher Kenntnisse und Fertigkeiten (AHI 2002 S. 176 E. 3
b.aa
mit Hinweis). Als derartige Ausbildung gelten Massnahmen erst dann, wenn sie nach getroffe
ner Berufswahl zur Vorbereitung auf die eigentliche Berufsausbildung notwendig werden. Die schulischen Vorkehrungen müssen abgeschlossen, die Berufswahl getroffen und die vorgesehenen Massnahmen als integrierende Bestandteile des Berufszieles formuliert worden sein. Vorbereitende Massnahmen fallen dann unter
Art.
16 IVG, wenn sie nach getroffener Berufswahl als gezielte Vorbereitung auf die eigentliche Berufsausbildung notwendig werden. Nicht zur erstmaligen beruflichen Ausbildung gehören Zwischenjahre, die der Förderung der Berufs
wahlreife, der Berufsfindung, dem Ausfüllen schulischer Lücken und der Förde
rung des Arbeitsverhaltens dienen (Urteil des Bundesgerichts I 485/01 vom 1
5.
Mai 2002
m.w.H
.).
3
.3.3
Als invalid im Sinne von
Art.
16 IVG gilt, wer aus gesundheitlichen Gründen bei einer seinen Fähigkeiten entsprechenden Ausbildung erhebliche Mehrkosten auf sich nehmen muss. Bezüglich psychischer Beeinträchtigungen sind die von der Rechtsprechung zum invalidisierenden geistigen oder psychischen Gesundheits
schaden (
Art.
4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
7 und 8
Abs.
1 ATSG) entwi
ckelten Grundsätze auch im Bereich des
Art.
16 IVG massgeblich; dabei ist jedoch nicht die Erwerbstätigkeit, sondern der beabsichtigte Ausbildungsgang mit seinen spezifischen Anforderungen Bezugspunkt (BGE 114 V 29 E. 1b in
fine
mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts I 159/05 vom 16. März 2006 E. 3.2.2). Sodann ist es unerheblich, ob die versicherte Person bei Erlass der Verwaltungs
verfügung an einem invalidisierenden Gesundheitsschaden leidet. Denn es kommt im Rahmen von
Art.
4
Abs.
1 IVG (in Verbindung mit
Art.
7 und 8
Abs.
1 ATSG), von seinem ausdrücklichen Wortlaut wie von der Systematik der Invalidenversi
cherung als final konzipierte Erwerbsausfallversicherung (AHI 1999 S. 79) her, nicht auf die Gleichzeitigkeit (
Kontemporalität
), sondern auf die Kausalität von Gesundheitsschaden und Erwerbsunfähigkeit an (BGE 126 V 461 E. 2 in
fine
, AHI 2003 S. 158 E. 2).
4
.
Dr.
D._
hielt im Bericht vom 1
3.
November 2020 zuhanden der Beschwer
degegnerin folgende Diagnosen fest (
Urk.
7/79):
-
Asperger
-Syndrom (ICD-10 F84.5)
-
Einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0)
-
Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
Er habe die Behandlung im Oktober 2018 übernommen. Im November 2018 sei der Schulausschluss aus der
Schule E._
und der Schuleintritt in die Tagesschule
F._
erfolgt. Im So
mmer 2019 sei der Übertritt in die Privatschule C._
für die Oberstufe erfolgt, wobei er nach einer Gegendrohung nach einer Drohung durch andere Jugendliche aus der Klasse ausgeschlossen worden sei. Die Polizei sei durch die Schulleitung involviert worden. Seith
er sei er im Einzelunterricht an der Privatschule C._
, der sehr gut laufe. Die Reintegration in der Klasse sei ab den Sport
ferien 2021 geplant.
Die Einzeltherapie werde fortgesetzt bis Januar/Februar 2020 mit zwei Terminen pro Woche mit begleitenden Elterngesprächen und Gesprächen mit der Schule und dem Autismus-Coaching zu Hause.
5
.
In
casu
strittig ist, ob der Besuch des Gymnasiums zur Erlangung der Matura den Fähigkeiten des Beschwerdeführers entspricht im Sinne von
Art.
16
Abs.
1 IVG.
5
.1
Der Beschwerdeführer absolvierte die kantonale Aufnahmeprüfung für das Kurz
gymnasium im Frühling 2021 und erreichte einen Notendschnitt von 3.2
5.
Dieser Durchschnitt setzte sich aus Deutsch mit einer Note von 4.13 (Aufsatz 3.5, Sprachprüfung 5.0), Mathematik 2.25 und Französisch 3.5 zusammen (
Urk.
7/89/11). Damit ist die kantonale Aufnahmeprüfung klar nicht bestanden worden. Darüber hinaus zeichnen auch die Noten der Oberstufe der Schuljahre 2018/2019, 2019-2020 und 2020/2021 ein gemischtes Leistungsbild. An der
F._
Tagesschule GmbH kon
n
te er im
2.
Sem
e
ster des Schuljahres 2018/2019
lediglich im Fach Englisch eine
Note über 4.5 erzielen (
Note 5,
Urk.
7/89/5), an der Privatschule C._
zeigte er im
ersten Semester des
Schuljahr
es
2019/2020 gute bis sehr gute Leistungen mit Noten zwischen 5 und 6 (
Urk.
7/89/3). Im Schuljahr 2020/21 wurde er im Einzelunterricht beschult und erreichte
im ersten Semester
in allen Fächern Noten zwischen 5 und 6, ausser in Mathematik erzielte er eine Note von 4-5 (
Urk.
7/89/1
; vgl. auch
Urk.
7/96
)
.
Die guten Noten des Beschwerdeführers vermögen allerdings nicht überwiegend wahrscheinlich erscheinen lassen, dass der Beschwerdeführer über genügend Fähigkeiten ve
rfügt, eine Matura zu erlangen.
D
ie guten bis sehr guten Noten
erzielte er
erst mit Eintritt in
die Privatschule C._
, wo er im letzten Jahr eine Einzel
beschulung erhielt. Aufgrund der Einzelbeschulung ist überwiegend wahrschein
lich, dass der Beschwerdeführer - im Gegensatz zu den Schülern einer öffentli
chen Sekundarschule, welche ebenfalls die A
ufnahmeprüfung abso
lvierten - sehr gezielt gefördert und auf die Aufnahmeprüfung vorbereitet werden konnte und allfällige schulische Schwächen im Rahmen der Einzelbeschulung speziell berücksichtigt und aufgearbeitet werden konnten. Dass der Beschwerdeführer trotz der Einzelbeschulung die Aufnahmeprüfung mit einem
klar
ungenügenden Ergebnis nicht bestanden hat, zeigt mit überwiegender W
ahr
scheinlichkeit, dass die gymnasiale Ausbildung nicht den Fähigkeiten des Beschwerdeführers ent
spricht.
5
.2
Darüber hinaus vermag auch die Stellungnahme von
Dr.
D._
vom
3.
Sep
tember 2021 (
Urk.
7/106/4 ff.) zu keiner anderen Beurteilung führen:
Dr.
D._
hielt dafür, dass sich der Beschwerdeführer aufgrund der infolge des
Asperger
-Syndroms eingeschränkten Flexibilität und Umstellfähigkeit sowie der deutlich reduzierten Stressregulierungsfähigkeit nicht an die von seiner Vorstellung abweichenden Prüfungssituation habe anpassen können. Die Diskre
panz zwischen den überdurchschnittlichen Fähigkeiten bei der Intelligenzab
klärung und dem Nichtbestehen der Aufnahmeprüfung seien entsprechend auf sein Krankheitsbild zurückzuführen.
Frau G._
, Fachberaterin Autismus für die Stiftung
Kind&Autismus
, führte das Scheitern des Beschwerdeführers an der Aufnahmeprüfung ebenfalls auf die ungewohnte Prüfungssituation zurück, so dass der Beschwerdeführer nicht alle seine Leistungen habe abrufen könne (
Urk.
7/106/8 f.).
Damit ist aber auch sehr fraglich, ob der Beschwerdeführer nach Durchlaufen des Gymnasiums in d
er Lage wäre, die Maturaprüfung mit dazugehörigem Druck sowie einer Unsicherheit bezüglich der Prüfungsaufgaben
zu bestehen. Entspre
chend ist - wie bereits dar
gelegt - nicht überwiegend wahr
scheinlich, dass diese Ausbildung seinen Fähigkeiten entspricht.
Bezugnehmend auf die IQ-Testung ist
festzuhalten, dass eine solche nicht die gleichen Fähigkeiten aufzeichnet, wie sie in der Schule gefordert werden. Zu
dem
beträgt der Gesamt-IQ des Beschwerdeführers 11
1
, womit er gemäss Angaben im Bericht der Psychiatrischen Universitätsklinik
H._
vom 1
5.
Oktober 2018
i
n der Norm zwischen 85 und 115 liegt
(
Urk.
7/88/8; vgl. auch
Urk.
7/66/4).
Die U
ntersucher konstatierten
, dass
aufgrund des
stark dissoziierten Profils
der Ges
amt-IQ nicht aussagekräftig sei. Stattdessen sei
der allgemeine Fähigkeits
index mit 119
heranzuziehen
, welcher ohne das Arbeitsgedächtnis und die Verarbeitungsg
eschwindigkeit festgelegt werde.
Allerdings liegt auch dieser mit 119 n
ur leicht
über dem Durchschnitt
,
so dass
auch aus diesem Grund
keineswegs ohne Weiteres auf
eine
erfolgreiche
Mittelschulausbildung
geschlossen werden kann
(
Urk.
7/88/8
).
5
.3
Zusammenfassend ist nicht überwiegend wahrscheinlich, dass das Absolvieren des Gymnasiums mit anschliessender Matur den Fähigkeiten de
s Beschwerde
führers entspricht. Dies zeigen darüber hinaus - soweit dies aus den Akten ersichtlich ist - die ersten Rückmeldungen nach Beginn des Schuljahres (vgl. hierzu
Urk.
6 S. 24 f.).
Mit Blick auf den erfolgreichen Einzelunterricht erscheint die Lehre in einem geeigneten Beruf unter einem verständnisvollen Lehrmeister, wo ähnlich wie beim Einzelunterricht zumindest teilweise eine enge Betreuung stattfinden kann, weitaus erfolgversprechender.
Entsprechend ist nicht zu bean
standen, dass die Beschwerdegegnerin den Antrag auf Kostenübernahme für das Privatgymnasium abwies. Die angefochtene Verfügung erweist sich damit als rechtens und die Beschwerde ist vollumfänglich abzuweisen.
6.
D
as Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kanto
nalen Versicherungsgericht ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Im vorliegenden Verfahren sind sie ermessensweise auf Fr.
600.--
anzusetzen und ausgangsgemäss
dem
unterlie
genden
Beschwerdeführer
aufzuerlegen.