# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f83e3430-5833-4c38-9542-1218a1d41936
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1995
,
absolvierte die Sekundarschule
und
brach im Dezember 2014 gesundheitsbedingt eine Lehre zum Informatiker
EFZ
im zweiten Lehrjahr
ab
(
vgl. Urk. 12/1,
Urk. 12
/
6
S. 4
, Urk. 12/
26
S.
2
).
1.2
Am
1
.
Dezember
2014 (Urk.
12
/
6
) meldete sich
der Versicherte
bei der Invaliden
versicherung unter Hinweis auf
eine Depression
zum Leistungsbezug an.
Die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte in der Folge Abklärungen in erwerblicher sowie medizinischer Hinsicht
. Am 17.
September 2015 (
Urk. 12/25
)
wies
sie
eine Kostengutsprache für eine erstmalige berufliche Ausbildung mit der Begründung ab
, der Versicherte wünsche keine Unter
stützung
.
Die IV-Stelle
veranlasste ein psychiatrisches Gutachten bei Dr.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherap
ie FMH, welches dieser am 2.
Dezember 2016 (Urk. 12/53) erstattete
.
Nach
durchgeführte
m
Vorbescheid
verfahren
(vgl. Urk. 12/56, Urk. 12/66, und Urk. 12/68)
wies
die IV-Stelle das Leistungs
begehren mit Verfügung vom
16
.
März
201
7
(Urk. 2) ab.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am
1
.
Mai
2017 (Urk. 1) Beschwerde mit den Anträge
n, es sei die Verfügung vom
16
.
März 2017
aufzuheben; es
seien
ihm die gesetzlichen Leistungen
zu gewähren
, insbesondere sei ihm
rückwirkend ab Juni 2014
eine
ganze
Invalidenrente auszurichten
. Daneben
beantragte er die Gewährung der unentg
eltlichen Rechtspflege
(S. 2).
Die
Beschwerdegegnerin
beantragte
am
28
.
August
2017 (Urk.
11
) Ab
weisung der Beschwerde.
Am
12.
September 2017 (Urk. 13) bewilligte
das Gericht
dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung und bestellte ihm Rechtsanwalt Laurent Häu
sermann, St. Gallen, als unentgeltlichen Rechtsvertreter
.
Mit Replik vom 20. Oktober 2017 (Urk. 15)
ergänzte
der Beschwerdeführer
den
Antrag,
eventualiter sei die Angelegen
heit zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Dane
ben
reichte er
weitere Unterlagen
(Urk. 16) ein.
Am 20. November 2017 (Urk. 18) verzichtete die Beschwerdegegnerin auf eine Duplik, was dem Beschwerdeführer am 27.
November 2017 (Urk. 20) zur Kenntnis gebracht wurde.
Mit Eingabe
n
vom 8. Juni
und vom 20. Juni 2018 (Urk. 21 und Urk. 24)
reichte der Beschwerdeführer medizinische Unterlagen (Urk. 22
und Urk. 25
) ein, welche
der Beschwerdegegnerin am 11. Juni
und
am 2
5.
Juni 2018 (Urk. 23 und Urk. 26)
zur Stellungnahme
respektive zur Kenntnisnahme
zugestellt wurden.
Am
3.
Juli 2018 (Urk. 27) verzichtete diese auf eine Stellungnahme, was dem Beschwerde
führer am 5. Juli 2018 (Urk. 28) zur Kenntnis gebracht wurde.
Am 11. Juli 2018 (Urk. 29) reichte der Vertrete
r
des Beschwerdeführers seine
(
ergänzte
)
Honorarnote (Urk. 30
; vgl. auch
Urk.
17
) ein.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung [IVG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausge
gliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen
Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheits
schaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Auf
bietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenaus
schliessendes Erwerbs
einkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E.
5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin legte in der angefochtenen Verfügung vom
16
.
März
2017 (Urk. 2) dar,
Auslöser der Arbeitsunfähigkeit seien Problem
e
auf
grund der Scheidung
der
Eltern und der Trennung von
der
Freundin. Diese im Privatleben liegenden Gründe seien von der Invalidenversicherung nicht gedeckt. Es sei
dem Beschwerdeführer
zumutbar
,
eine Arbeitsstelle auf dem freien Arbeits
markt anzunehmen (S. 1 f.).
In der Vernehmlassung (Urk.
11
) ergänzte
die Beschwerde
gegn
erin
,
der Schluss
folgerung zur Arbeitsfähigkeit des Gutachtens von Dr.
A._
könne aus rechtli
cher Sicht nicht gefolgt werden
(S. 2).
Selbst wenn jedoch
bezüglich
der
Beur
tei
lung der Arbeitsfähigkeit auf das Gutachten von Dr.
A._
abgestellt würde, bestünde kein Anspruch auf eine Rente. Eine allfällige Rentenleistung könne erst dann zur Ausrichtung gelangen, wenn keine zumutbare Eingliederungs
mass
nahme in Betracht falle.
Dem Beschwerdeführer
habe die Motivation für beruf
li
che Massnahmen gefehlt (S. 3 f.)
.
2.2
Der
Beschwerd
eführer
stellte sich in
seiner
Beschwerde vom
1
.
Mai
2017 (Urk. 1)
und seiner Replik vom 20. Oktober 2017
(Urk.
15
)
auf den Standpunkt, auf das Gutachten von Dr.
A._
könne nicht abgestellt werden.
Er kritisierte dieses in verschiedener Hinsicht
(
vgl.
Urk. 1
S. 3-8
und Urk. 15 S. 1-3
).
In
der
Replik
brachte e
r
sodann
vor,
gemäss den vorhandenen medizinischen Unterlagen
sei
eine Eingliederungsfähigkeit in den ersten Arbeitsmarkt zweifellos nicht gegeben. Zudem sei der Auslöser der Arbeitsunfähigkeit aktenkundig gesundheitsbedingt und liege nicht im Privatleben, wie es die Beschwerdegegnerin bei der Ablehnung der beruflichen Massnahmen begründe
t
habe. Im Weiteren gehe es im vorliegen
den Verfahren um den Rentenentscheid und nicht um berufliche Massnahmen, was nicht vermischt werden dürfe (S. 3).
2.3
Zu
prüfen
ist, ob
der Beschwerdeführer
Anspruch auf eine Invalidenrente
hat.
3.
3.1
Die
behandelnde
Dr.
B._
,
Fachärztin für Psychiatrie und Psycho
therapie FMH
,
stellte in
ihrem
Bericht vom
12
.
Oktober
201
4
(Urk. 12
/
13
)
die
Diagnosen
einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittel- bis leichtgradige depressive Störung (ICD-10 F33.01 respektive F33.11) sowie anam
nestisch eine Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01).
Infolge seiner depressiven Verfassung sei der Beschwerdeführer monatelang arbeitsunfähig gewesen.
Einer günstigen Entwicklung stehe seine derzeitige familiäre Situation
im Weg. Die Arbeitsfähigkeit habe
seit
dem 29. September 2014 leicht von 40 % auf 50 % gesteigert werden können (S. 2). Es komme keine andere oder leichtere Tätigkeit in Frage. Die Prognose sei ungewiss (S. 3).
3.2
Oberärztin
C._
und Psychologin Dipl.-Psych.
D._
von
der
Klinik E._
, wo sich der Beschwerdeführer vom 19. November bis zum 31. Dezember 2014
auf freiwilligen Eintritt (vgl. Urk. 12/21/8-11 S. 1)
in stationärer Behandlung befand,
nannten
in ihrem
undatierten
Austrittsbericht
(
vgl.
Urk. 12/21/1-7)
als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
(ICD-10 F33.1). Sie
führte
n
aus,
in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Lehrling (Informa
tik-Lehre) habe vom 19. November bis zum 31. Dezember 2014 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden.
Im Rahmen der rezidivierenden depressi
ven Stö
rung hätten sich beim Beschwerdeführer rezidivierende Zustände von zum Bei
spiel Hoffnungslosigkeit, Gedankenkreisen, Ängste bezüglich der Zukunft und innere Nervosität sowie wiederkehrende Suizidgedanken gezeigt. Dies gehe einher mit einem sozialen Rückzug, Motivations- und Antriebslosigkeit und abnehmen
der Aufmerksamkeits- und Konzentrationsleistung (S. 3).
Diese Symptome könn
ten die Arbeitsfähigkeit deutlich beeinflussen. So könne zum Beispiel die Antriebslosigkeit ein Erscheinen am Arbeitsplatz erschweren sowie die Konzen
trationsminderung ein effizientes Arbeiten im gewohnten Niveau. Die bisherige Tätigkeit sei nach tagesklinischer Behandlung in schrittweiser Steigerung der Arbeitsfähigkeit aus medizinischer
Sicht noch zumutbar. Über den Umfang könne zum aktuellen Zeitpunkt keine Aussage getroffen werden (S. 4).
3.3
Die
Leitende Ärztin
F._
, Fa
chärztin für Psychiatrie und
Psycho
therapie FMH
,
von
der
Klinik
G._
, wo
sich der Beschwerdeführer
seit
5. November
201
5
in ambulanter Behandlung befand
, nannte in
ihrem
Bericht vom
25
.
November 2015
(Urk.
12
/
32
) folgende Diagnosen (S. 1):
-
Verdacht auf Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis, Prodro
mal
stadium (ICD-10 F20.19)
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige bis schwere Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.10), bestehend seit 3
Jahren
Sie führte aus,
das
Becks-Depressions-Inventar zeige 42 Pu
nkt
e
.
D
amit lägen Hin
weise für eine schwere depressive Symptomatik vor (S. 3 f.). Zurzeit sei die Prog
nose unsicher. Als positiv könne die gute Therapiemotivation und Compliance bewertet werden. Die Fortsetzung der ambulanten Behandlung sei dringend erforderlich. Eine geschützte Wohnform mit geregelter Wochenstruktur, mög
lichst mit integrierter geschützter Arbeitstätigkeit sei dringend erforderlich. Ab dem 1.
November 2015 bis auf Weiteres bestehe eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit. Aktuell bestünden
eine
fluktuierende, zum Teil schwere Antriebs
minderung mit depressiver Stimmungslage mit deutl
ich reduziertem Leistungs
niveau sowie
ein
s
ozialer Rückzug,
deutlich eingeschränkte Kontakt- und
Anpassungsfähigkeit, m
inimale Belastbarkeit
und Stressto
leranz.
Der Beschwerde
führer
vernachlässige öfters
die
eigene Körperpflege und
müsse dazu motiviert und auf
gefordert wer
den.
Aktuell gelange er mit minimalen Haus
haltsaufgaben an die Grenze seiner Belastbarkeit. Behördenangelegenheiten könne er nicht selbständig erledigen und benötige umfassende Unterstützung. Eine Tätigkeit im
ersten
Arbeitsmarkt könne
ihm nicht zugemutet werden (S. 4).
In Anbetracht der Krankheitsge
schichte sei er mit hoher Wahrscheinlichkeit während der letzten zwei bis drei Jahre nicht arbeitsfähig gewesen. Aktuell und sicherlich mittelfristig werde er voll arbeits
unfähig bleiben
. Der Beschwerdeführer
benötige
eine Invalidenrente
(S. 5).
3.4
Oberarzt H._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
therapie, und Assistenzarzt I._
von
der Psychiatrischen Klinik
J._
, wo sich der Beschwerdeführer vom 26. Januar bis zum 4. März 2016 in stationärer Behandlung befand, stellten in ihrem Austrittsbericht vom 11. März 2016 (Urk. 12/42) folgende Diagnosen (S. 1):
-
Kombinierte Persönlichkeitsstörung (mit schizoiden und abhängigen Aspekten; ICD-10 F61.0)
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode: mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11)
Sie
berichteten,
in
der Zusammenschau der Befunde hätten sie ein
e
mittelgradige depressive Störung und eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit schizoiden
und
depende
n
ten
Anteilen
diagnostiziert (S. 2)
.
Zum psychopathologischen Sta
tus bei Austritt führten sie aus, der Beschwerdeführer sei wach, bewusstseinsklar und voll orientiert. Im Kontakt sei er freundlich zugewandt. Mimik und Gestik seien gut spürbar. Die Aufmerksamkeit und Konzentration seien leicht reduziert. Formalgedanklich sei er geordnet, intellektuell, inhaltlich unauffällig, affektiv
euthym
, schwingungs- und modulationsfähig sowie psychomotorisch verlang
samt. Es fänden sich keine Anhaltspunkte für Sinnesstäuschungen oder Ichstö
rungen. Der Appetit sei vermindert. Er verfüge über eine Krankheits- und Behandlungseinsicht. Es bestehe kein Hinweis für handlungsnahe Suizidgedan
ken. Bei Austritt habe die Arbeitsfähigkeit bei 0 % gelegen (S. 3)
.
3.5
Nach der erneuten stationären Behandlung vom 1
5.
August bis zum
9.
September 2016 bestätigten die Ärzte der
J._
im Austrittsbericht vom 1
5.
September 2016 die genannten Diagnosen (
Urk.
16/3). Dazu ergänzten sie,
der Verdacht auf eine prodromale Schizophrenie
habe
nicht bestätigt werden können, sodass sie am ehesten von
hypnagogen Halluzinationen ausgingen (S. 2).
Während des sta
tionä
ren Aufenthalts habe die Arbeitsfähigkeit bei 0 % gelegen (S. 4).
3.
6
Dr.
A._
nannte in seinem von der Beschwerdegegnerin in Auftrag gegebenen psychiatrischen Gutachten vom 2. Dezember 2016 (Urk. 12/53) folgende Diagno
sen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 12):
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig unter Kombination von Antidepressiva
und Neuroleptika remittiert (ICD-10 F33.4)
-
Emotional instabile Persönlichkeitsstörung,
Borderline
-Typ (ICD-10 F60.31)
-
Differentialdiagnostisch kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F61.0)
-
Nichtstoffgebu
nde
ne
Sucht (
Gamen
; ICD-10 F63.8)
D
r.
A._
führte aus,
es sei keine klinisch relevante, respektive die Arbeitsfähig
keit beeinträchtigende, depressive Störung mehr festgestellt worden. Auch hätten sich keine Hinweise auf eine Störung aus dem schizophrenen Formenkreis (Denk
störung
, Affektstörung, Wahrnehmungsstörung) finden können. Der Beschwer
deführer habe über Beschwerden, die mit einer Persönlichkeitsstörung vereinbar seien
,
und über Onlinespielen seit 5-6 Jahren mit Spieldauern von bis zu 8 Stun
den täglich berichtet (S. 12). In den übersandten Unterlagen werde eine zuneh
mend deutlicher werdende Persönlichkeitsstörung beschrieben. Die zuvor beschriebenen depressiven Phasen seien vereinbar mit der Diagnose einer rezidi
vierenden depressiven Störung, wobei unter der aktuellen Medikation die Störung der Impulskontrolle
entaktualisiert
und die depressive Symptomatik remittiert
sei
en
.
D
ie persönliche Lebenssituation habe sich insoweit stabilisiert, als er nun
mehr in betreutem Wohnen platziert sei und Belastungen aufgrund der beschriebe
nen
Borderline
-Persönlichkeitsstörung der Mutter nicht mehr in dem bisherigen Ausmass bestünden. Eine Beeinträchtigung für einfache, gut struktu
rierte Arbeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, wie z. B. als Betriebsmitarbei
ter seien für ein Pensum von 50
%
bei 100
%
Leistung möglich und bei der von ihm geklagten „Ablenkung durch Gedanken" sei durch die Aufnahme einer Arbeitstätigkeit möglicherweise eine zusätzliche Stabilisierung zu erreichen. Tätigkeiten mit Verletzungsgefahr und Anforderung an die Reaktionsfähigkeit seien aufgrund der verordneten Medikamente nicht möglich. Nach eigenen Angaben sei ihm längere Abstinenz das «
Ga
m
en
» betreffend grundsätzlich mög
lich und hier könne im Rahmen des betreuten Wohnens therapeutisch eine wei
tere Unterstützung aufgegleist werden. Die von ihm beschriebenen akustischen Halluzinationen würden nur in der Einschlafphase auftreten und ihn nicht beun
ruhigen. Im Rahmen der aktuellen Untersuchung hätten sich keine Hinweise darauf gefunden (S. 12 f.).
Weiter
berichtete Dr.
A._
, die Anpassung an Regeln und Routinen sei bei gut strukturierten Tätigkeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nicht eingeschränkt. Anhaltspunkte dafür, dass Tätigkeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nicht möglich seien, fänden sich nicht und auch im Rahmen der aktuellen Unter
su
chung fänden sich keine Hinweise auf eine Beeinträchtigung der Strukturierungs
fähigkeit. Flexibilität und Umstellungsfähigkeit seien leicht bis mittelgradig beeinträchtigt. Die
Anwendung fachlicher Kompetenz, die
En
t
scheidungs
-, Urteils-
, Durchhalte
-
und Selbstbehauptungsfähigkeit seien bei den beschriebe
nen Tätigkeiten nich
t beeinträchtigt. Interaktions-,
Kommunika
tions
-
und
die Gruppenfähigkeit sei
en
leicht bis mittelgradig, Selbstversorgung, Mobilität und Wegefähigkeit se
ien nicht beeinträchtigt (S. 13
f.).
Zur Arbeitsfähigkeit
hielt
Dr.
A._
fest,
es sei davon auszugeh
en, dass seit Antragstellung bis Ende des
letzten stationären
Aufenthaltes (nach Angaben des Beschwerdeführers am
9.
September
2016) in
der
J._
eine
100%
ige
Arbeitsun
fähigkeit bestanden
habe
.
A
b
dem
20.
Oktober 2016 habe
sich
das psychische Zustandsbild soweit stabilisiert, da
s
s für einfache, gut strukturierte
Tätigkeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt
eine
50%
ige
Arbeitsfähigkeit bei 100
%
Leistung
besteh
e
.
Hierfür sei die weitere regelmässige psycho
thera
peutische Behandlung und Fortsetzung der begonnenen Kombination
neuro
leptischer
und antidepressiver Medikation notwendig. Auch sei das Einstellen des «
Gamen
» für die Arbeitsfähigkeit unerlässlich, wobei grundsätzlich
eine
Abstinenz
fähigkeit
bestehe. Unter diesen Umständen sei
auch eine
weitere Stabilisierung möglich, sodass in zwei Jahren, nach einer dann für möglich
gehaltenen Steigerung des
Arbeitspensums in den beschriebenen Tätigkeiten auf 100
%
bei 100
%
Leistung, berufliche Massnahmen erwogen werden könnten
(S. 14 f.)
.
Die persönlichen Ressourcen für eine Arbeitsaufnahme mit einem Pensum von 50
% bei 100
% Leistung, seien
wieder hergestellt
. Für eine Umschulung in einen qualifizierten Beruf, wie zum Beispiel zum Informatiker, bestünden noch keine ausreichenden Ressourcen. Die aktuell durchgeführte Psychotherapie und Psychopharmakotherapie seien lege
artis
. Soweit den übersandten Unterlagen und den Angaben des Beschwerdeführers zu entnehmen sei, werde die therapeu
tischen Massnahmen betreffend kooperiert.
Psychiatrischerseits
würden die therapeutischen Optionen zurzeit ausgeschöpft. Eine krankheitsbedingte Unfähig
keit zur Therapieadhärenz bestehe nicht (S. 15).
4.
4.1
Das Gutachten von
Dr.
A._
vom
2.
Dezember 2016 (E. 3.6) beruht auf de
r
erforderlichen p
sychiatrische
n
Untersuchung
des Beschwerdeführers. Es
wurde in Kenntnis der und nach Auseinanderset
zung mit den bis zum Erlass der ange
foch
tenen Verfügung am 1
6.
März 2017 ergangenen
Vorakten
(vgl. Urk. 12/53 S. 2
7) erstattet. Namentlich äusserte sich der Gutachter zur im Raum stehenden Frage einer Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis und verwarf diese unter Hinweis auf fehlende Denk-, Affekt- und Wahrnehmungs
störung. Dabei legte
Dr.
A._
nachvollziehbar dar, dass sich aufgrund der erhobenen Befunde keine Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis ergeben habe, wovon letztlich auch die Ärzte der
J._
ausgingen und das Krankheitsbild in Übereinstimmung mit dem Gutachter als Persönlichkeitsstörung fassten (E. 3.4
5).
Der Gutachter setzte sich ferner mit dem
Verhalten des Beschwerdeführers ausei
nander
, indem er insbesondere das zumindest zeitenweise schädliche
Gamen
in seine Einschätzung miteinbezog. Insofern ist seine Beurteilung umfassender als jene der Ärzte der
J._
, die zwar das im Leben des Beschwerdeführers offenbar einen erheblichen Raum einnehmende
Gamen
erwähnten, aber sowohl in diagnostischer Hinsicht als auch im Rahmen der Diagnose der leidensbedingten Einschränkungen ausser Acht liessen.
Auch dessen Einschätzung des depressiven Geschehens, das er als remittiert erachtete, leuchtet ein, vermochte er doch die im Bericht der
J._
beschriebenen Befunde nicht mehr im gleichen Ausmass zu erheben, was er der erfolgreichen Behandlung zuschrieb (
Urk.
12/42 S. 14).
Damit entspricht
die Expertise
grundsätzlich
den bundesgerichtlichen Vorgaben an ein beweiskräftiges Gutachten (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
4.2
4.2.1
Dr.
B._
diagnostizierte in Abweichung sowohl von Dr.
A._
als auch alle
n
anderen Ärzten neben einer depressiven Störung auch eine Agoraphobie (vgl. E. 3.1
sowie E. 3.2 – E. 3.6
)
. Aus ihrem Bericht geht jedoch hervor, dass sie die Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers auf seine depressive Störung zurückführt.
Da sie der Agoraphobie keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zugemessen hat, was für die Zumutbarkeitsbeurteilung letztlich allein aus
schlag
gebend ist, vermag ihre Beurteilung
das
G
utachten von Dr.
A._
nicht in Frage zu stellen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_677/2014 vom 2
9.
Oktober 2014 E.
7.2 mit Hinweisen).
4.2.2
Dr.
F._
diagnostizierte neben einer depressiven Störung den Verdacht auf eine Erkrankung aus dem
s
chizophrenen Formenkreis (E. 3.3).
Mit einer blossen Verdachtsdiagnose ist
eine entsprechende Störung
nicht mit dem invalidenver
si
cherungs
rechtlich relevanten erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt (Urteil des Bundesgerichts 8C_454/2013 vom 24.
Sep
tember 2013 E. 6.3; BGE 138 V 218 E. 6).
4.2.3
Die Ärzte der
J._
(E.
3
.
4 und E. 3.5
) stellten als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – abweichend von
Dr.
A._
(E. 3.6)
, welche
r
eine emo
tional instabile Persönlichkeitsstörung vom
Borderline
-Typ
diagnostizierte
– eine
kombi
nierte Persönlichkeitsstörung
.
Rechtsprechungsgemäss kann
die psychiatrische Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen
. Dem
begutachtenden Psychiater
bleibt
praktisch immer ein gewisser Spielraum, innerhalb dessen verschiedene medizi
nisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege
artis
vorgegangen ist (Urteil
des Bundesgerichts 8C_629/2017 vom 2
9.
Dezember 2017 E. 4.3). Letzteres wird vom Beschwerde
führer nicht bemängelt und es sind auch keine Anhaltspunkte ersichtlich, welche Zweifel daran erwecken könnten, dass das Gutachten nicht nach den anerkannten fachlichen Standards zu Stande gekommen wäre. Zudem unterscheiden sich die beiden Diagnosen (ICD-10 F61.0 und ICD-10 F60.31) nicht derart massgeblich, dass die Einschätzung nicht von dem Gutachter zustehenden Ermessen gedeckt wäre. Dies gilt umso mehr, als dieser differenzialdiagnostisch auch eine kombi
nierte Persönlichkeitsstörung erwähnte (E. 3.6).
Im Weiteren bleibt festzuhalten, dass nicht der Diagnose, sondern vielmehr der
Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung
entscheidende Bedeutung in Bezug auf die zu berücksichtigen Einschränkungen zukommt. Unter diesen Umständen ist die leicht abweichende Diagnose nicht geeignet, die Schlussfolge
rungen des Gutachters in Zweifel zu ziehen. Das Gesagte gilt auch mit Blick auf das depressive Geschehen, so dass der vom Beschwerdeführer aufgeworfene Ein
wand, ob in medizinischer Hinsicht von einem remittierten depressiven Gesche
hen ausgegangen werden darf (
Urk.
1 S. 5),
offen bleiben
kann. Im Übrigen wäre selbst bei (weiterem) Vorliegen einer mittelgradigen depressiven Störung ein strukturiertes Beweisverfahren (vgl. auch im Folgenden E. 5) durchzuführen, so dass letztlich
offen bleiben
kann, wie es sich damit genau verhält.
Der Beurteilung von Dr.
F._
, die von einer mittel- bis sogar
schwergradig
depressiven Episode sprach (E. 3.3), kann hingegen von vornherein nicht gefolgt werden, da sie sich dabei allein auf
Testergebnisse
, mithin Selbstdeklarationen
stützte und nicht ersichtlich ist, dass sie diese zur Objektivierung einer Vali
dierung unterzogen hätte.
4.3
Der Beschwerdeführer
bemängelte
,
dass Dr.
A._
den letzten Bericht der Fach
ärzte de
r
J._
vom
15. September 2016
betreffend die
Hospitalisation
vom 15. August bis
9.
September 2016
(
E. 3.5
)
nicht berücksichtigt habe
(Urk. 1 S. 4)
. Es
ist
zwar richtig, dass
der Gutachter
diesen Bericht nicht aufführte und ihm dieser wohl nicht bekannt war. Bekannt war
en
Dr.
A._
jedoch der stationäre Aufenthalt
in diesem Zusammenhang
und der
Anlass dafür
,
wie aus de
n
entspre
chenden
Ausführungen
, welche der Beschwerdeführer selbst in seiner Beschwer
deschrift
wider
gibt
(
Urk.
1 S. 4
Ziff.
12)
,
hervorgeht
(Urk. 12/
53
S. 9).
Was das Vorbringen des Beschwerdeführers bezüglich der Ve
r
dachtsdiagnose einer Erkrankung aus dem
schizophrenen Formenkreis angeht (Urk. 1 S.
6 f.) kann auf die Ausführung in Erwägung E. 4.2.2 verwiesen werden.
4.4
Der Beschwerdeführer reichte
im Zuge des vorliegenden Beschwerdeverfahrens weitere medizinisch Unterlagen ein
, namentlich
Berichte
der Psyc
hiatrie
K._
(Urk. 22/6
-7 und
Urk.
25/8-3-7
) über stationäre Aufenthalte vom 4. September bis zum 5.
Oktober 2017 und
vom 21. Dezember 2017 bis zum 19. Januar
2018
sowie
insbesondere
einen
Bericht des Universitätsspitals L._
vom
21. Februar 2018 (Urk. 25/8/2) über ein Erstgespräch für Gender-Dys
phorie und eine Terminbestätigung des
L._
vom 26. April 2018 (Urk. 25/8/1) für die Klinik für Reproduktionsendokrinologie
.
Die rentena
bweisende
Verfügung der Beschwerdegegnerin datiert vom
16. März 2017 (Urk. 2)
,
womit die nachgereichten Berichte einen Sachverhalt betreffen, welcher zeitlich nach dem
Verfügungszeitpunkt liegt, und dem
entsprechend sind
sie grundsätz
lich unbeachtlich (BGE 131 V 242 E. 2.1, 121 V 362 E. 1b)
, zumal diesen Berichten keine Hinweise für eine unterschiedliche Arbeitsfähigkeits
beur
teilung zu entnehmen
sind
.
4.5
Nach dem Gesagten kann
grundsätzlich
auf das Gutachten von
Dr.
A._
vom
2
.
Dezember 2016 (E. 3
.
6
) abgestellt werden.
Von weiteren Beweismassnahmen im Sinne des
replicando
gestellten A
ntrages des Beschwerdeführers (
Urk.
15
)
sind
keine anderen
entscheidrelevanten
Erkenntnisse zu erwarten, weshalb davon abzusehen ist (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 90 E. 4b, 122 V 157 E.
1d, 136 I 229 E. 5.3).
4.6
Zusammenfassend erachtete der Gutachter im Zeitpunkt der Begutachtung am 2. Dezember 2016 eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
für einfache, gut strukturierte Tätigkeiten für zumutbar. Davon ist auszugehen, obwohl er auch eine Steigerung des Arbeitspensums auf 100
%
für möglich hielt, aber erst in zwei Jahren nach weiterer Stabilisierung der Umstände (E. 3.6).
5.
5.1
In Bezug auf die psychische Problematik ist festzuhalten, dass es nach der Recht
sprechung in sämtlichen Fällen gesundheitlicher Beeinträchtigungen, somit auch bei psychischen Störungen, keineswegs allein Sache der mit dem konkreten Ein
zelfall (gutachterlich) befassten Arztpersonen ist, selber abschliessend und für die rechtsanwendende Stelle (Verwaltung, Gericht) verbindlich zu entscheiden, ob das medizinisch festgestellte Leiden zu einer (andauernden oder vorübergehen
den) Arbeitsunfähigkeit (bestimmter Höhe und Ausprägung) führt. Aufgrund dieser tatsächlichen und rechtlichen Gegebenheiten hat die Recht
sprechung seit jeher die Aufgaben von Rechtsanwender und
Arztperson im Rahmen der Invali
ditätsbemessung wie folgt verteilt: Sache des (begutachtenden) Mediziners ist es, den Gesundheitszustand zu beur
teilen und wenn nötig seine Ent
wicklung im Laufe der Zeit zu beschreiben, das heisst mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersuchung unter Berücksichtigung der subjektiven Beschwerden die Befunde zu erheben und gestützt darauf die Diagnose zu st
ellen. Hiermit erfüllt der Sach
verständige seine genuine Aufgabe, wofür Verwaltung und im Streitfall Gericht nicht kompetent sind. Bei der Folgenabschätzung der erhobenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit kommt der Arztperson hingegen keine abschliessende Beurteilungskompetenz zu (BGE 140 V 193 E. 3.1 und 3.2). Von einer medizinischen Einschätzung der Arbeits
unfähigkeit kann damit aus rechtlicher Sicht abgewichen werden, ohne dass ein Gutachten dadurch seinen Beweiswert verlöre (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_106/2015 vom 1. April 2015 E. 6.3).
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesund
heit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindika
toren schlüs
sig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwieg
ender Wahr
scheinlich
keit nachge
wiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweis
losigkeit (nach wie vor) die materiell beweisbelastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; BGE 141 V 547 E. 2). Diese Rechtsprechung ist auf a
lle im Zeitpunkt der Praxisände
rung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundes
ge
richts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
D
ie für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie „funktioneller Schweregrad" (E. 4.3)
-
Komplex „Gesundheitsschädigung" (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex „Sozialer Kontext" (E. 4.3.3)
-
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
In der Folge ist daher eine Prüfung der funktionellen Auswirkungen der psychi
schen Leiden
des Beschwerdeführers
anhand des strukturierten Beweisverfahrens vorzunehmen.
5
.2
Zunächst sind im Rahmen der Kategorie „funktioneller Schweregrad" die Indika
toren zum Komplex „Gesundheitsschädigung" näher auszuleuchten.
Ent
scheid
wesentlich
sind demnach die Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome, deren Behandlungs- und Eingliederungserfolg resp. -resistenz sowie
all
fällige Komorbiditäten
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_539/2015 vom 21. März 2016 E. 4.1).
Die depressive Störung
war remittiert und beeinträchtigte
die Arbeitsfähigkeit
zum Begutacht
ungs
zeitpunkt und somit zum Verfügungs
zeitpunkt
nicht
.
Aber selbst wenn weiterhin von einer mittelgradigen depressiven Störung auszugehen wäre, was der Beschwerdeführer postulierte, kann jedenfalls nicht von einer schweren Ausprägung des Befundes gesprochen werden.
Sofern das Suchtgeschehen in Form des gesundheitsschädigenden
Gamens
mit Blick auf die Rechtsprechung zu anderen Suchtgeschehen wie Alkoholismus,
Medikamentenmissbrauch
oder
Drogensucht
überhaupt eine
Invalidität im Sinne des Gesetzes
begründen könnte (vg
l.
BGE 124 V 265
E. 3c;
AHI 2002 S. 30, I 454/99 E. 2a), ist zu bemerken, dass
die Störung der Impulskontrolle
(
Gamen
)
durch die Medikation
entaktualisiert
war
.
Die
emotional instabile Persönlichkeits
störung
vom
Borderline
-Typ
schlägt sich
lediglich
a
ls qualitative Funktionsein
bussen
in einer leicht bis mittelgradigen Beeinträchtigung der Flexibilität
, Umstellungs-, Interaktions-, Kommunikations- und Gruppenfähigkeit
nieder
(vgl.
E. 3.6).
Was die depressive Störung in der Zeit der Anmeldung
bei der Invalidenversiche
rung
bis zur
Begutachtung
durch Dr.
A._
betrifft,
ist darauf hin
zuweisen, dass d
as
Beschwerdebild ebenfalls mitprägende psychosoziale und soziokulturelle Belastungsfaktoren, soweit sie unmittelbar die Symptomatik beeinflussen, als nicht invalidisierende und damit nicht versicherte Umstände auszuscheiden
sind
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_549/2015 vom 29. Januar 2016 E. 4.3).
Aus
löser für den stationären Aufenthalt in der
E._
vom 19. November bis zum 31. Dezember 2014
, der am
1.
Dezember 2014 zur Anmeldung führte (
Urk.
12/6),
war die Verschlechterung seines Gesundheits
zustandes aufgrund der Tatsache, dass ihm seine Mutter ihren Entscheid zum Freitod mit Hilfe der Sterbeorga
nisation Exit mitteilte (vgl.
Urk. 12/21/8-11 S. 1).
Bezüglich des ersten Aufent
halts in der
J._
vom 26.
Januar bis zum
4.
März 2016
ist vermerkt, dass der Beschwerdeführer wegen seiner Mutter überfordert
war
, es immer wieder Kon
flikte gebe und er in der Institution zur Ruhe kommen und danach in das betreute Wohnen ziehen möchte (vgl. Urk. 12/42 S. 1)
. Dem zweiten stationären Aufent
halt in de
r
J._
vom 15.
August bis zum 9.
September 2016 ging ein Streit mit seiner Mutter über Textnachrichten am Telefon
voraus
, bei welchem er sich falsch verstanden gefühlt hatte, und es ist zu dieser Zeit zu wiederholten
Anspannungs
situationen und Gedankenkreisen bei fehlender Beschäftigung gekommen (vgl. Urk. 16/3 S. 3).
Es ist somit festzuhalten, dass die Ausprägung der diagnoserele
vanten Befunde und Symptome
in Form der depressiven Störung
in w
esentlichem
Ausmass
auf psychosoziale Belastungsfaktoren und damit nicht sozialversiche
rungsrelevante Umstände
zurückgingen
.
Bezüglich Behandlungs- und Eingliederungserfolg resp. –
resistenz
ist zu bemer
ken, dass sich
der Beschwerdeführer
bereits mehrfach in stationäre Behandlung begab, nach welchen sich
sein
Zustandsbild verbesserte (vgl. E. 3.
4 und E. 3.5).
Er befindet sich in regelmässiger
ambulanter psychiatrischer und psycho
thera
peutischer Behandlung
(vgl. auch E. 3.3)
.
Die Therapieoptionen sind gemäss Dr.
A._
weitgehend
ausgeschöpft
(
Urk.
12
/
53
S.
15
).
5.3
Krankheitswertige
andere Störungen sind nicht ersichtlich.
Zur Kategorie
„
funk
tioneller Schweregrad" ist ferner der Komplex
„
Persönlich
keit" (Persönlich
keits
entwicklung und -struktur, grundlegende psychische Funk
tionen) zu zählen
(vgl.
Urteil des Bundesgerichts 9C_539/2015 vom 21. März 2016 E. 4.2).
Es ist unbe
stritten, dass der Beschwerdeführer an einer Persönlich
keitsstörung leidet. Diese ist indes nicht derart ausgeprägt, dass er gar nicht mehr leistungsfähig wäre. Im Weiteren
ergibt sich aus den Akten, dass sich
der Beschwerdeführer
in der Unter
suchung von Dr.
A._
abgesehen von den krankheitsbedingten Merkmalen der
Persönlichkeitsstörung
unauffällig zeigte.
Der Kontakt zu ihm war problemlos
herzustellen und während der Untersuchung gut aufrecht zu erhalten. Seine Spra
che ist klar und deutlich.
Ich-
oder Wahrnehmungss
törungen bestanden nicht
. Auffassung, Ausdauer, Konzentration und mnestische Funktionen war
en
intakt
(vgl. Urk.
12
/
53
S.
11 f.
)
. Damit ist kein eigentlich strukturelles Defizit
erkennbar, wel
ches im
Rahmen einer umfassenden Ressourcenprüfung negativ ins Gewicht fallen würde.
5
.4
Innerhalb der Kategorie
„
funktioneller Schweregrad" bestimmt ferner auch der Komplex
„
Sozialer Kontext" mit darüber, wie sich die (kausal allein massgebli
chen) Auswirkungen der Gesundheitsbeeinträchtigung konkret manifestieren
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_539/2015 vom 21. März 2016 E. 4.3).
Im Lebens
kontext zu berücksichtigen sind (mo
bilisierbare) Ressourcen des Beschwer
deführers
respektive das Fehlen solcher Ressourcen, so
er
Unterstützung aus
sei
nem
sozialen Netzwerk erfährt.
Der Beschwerdeführer
lebt
e
im betreuten Wohnen und besuchte dort regelmässig die interne Werkstatt. Er hat guten Kontakt zu seiner Mutter sowie selten
aber immerhin
zu
seiner Ex-Partner
in
in Deutschland und ab und zu seinem jüngeren Bruder (Urk. 12/53 S.
10 f.
)
.
Zudem ist er in einer Community von acht Spielern
aktiv
, welche auch Treffen organisierten
(vgl. Urk.
12
/
53
S.
9
), und in der Lage, zu Den Mitpatienten einen guten Kontakt auf
zubauen (Urk. 16/3).
Er verfügt
über
k
einen engen Freundeskreis (vgl. Urk. 12/21 S. 2).
Daneben ist das Verhältnis
zur Mutter
z
eitweise
belastet (vgl. Urk.
16
/
3 S. 2 f.
).
Damit enthält der Lebenskontext
des Beschwerdeführers
sowohl
gewisse sich
potentiell negativ
als auch
potentiell positiv auf
seine
R
essourcen auswirkende Faktoren.
5
.5
Der Indikator einer gleichmässigen Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleichbaren Lebensbereichen der Kategorie
„
Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens) zielt auf die Frage ab, ob die diskutierte Einschränkung in Beruf und Erwerb (bzw. bei Nichterwerbstätigen im Aufgabenbereich) einerseits und in den sonstigen Lebensbereichen (beispielsweise Freizeitgestaltung) anderseits gleichermassen ausgeprägt ist
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_539/2015 vom 21. März 2016 E. 4.4). Der Tagesablauf
des Beschwerdeführers
zum Zeitpunkt der Begutachtung zeigte sich
– abgesehen
vom zeitweisen
übermässige
n
Gamen
-
im Wesentlichen unauffällig.
Aus dem Gutachten von Dr.
A._
ergibt sich
,
dass
der Beschwerdeführer
regelmässig
in die interne Werkstatt des betreuten Wohnens geht sowie manchmal 5-8 Stunden am Tag Onlinespiele spielt (
Urk.
12/53 S. 9 und S. 11).
Gegenüber den Ärzten der
J._
gab er an,
dass er mit
Medikamenta
tion
von 22:00 bis 5:00 Uhr gut schlafe, sich fit fühle, wenn
er
aufwache
,
und gut in den Tag starte (vgl. Urk. 16/3 S. 1). Der Beschwerdeführer selbst gab an, dass er keine Entzugserscheinungen bekommen würde, wenn er nicht
game
,
und habe 2015 auch 3 Monate
davon abgesehen
(vgl. Urk. 12/
53 S.
9).
Dr.
A._
attestierte ihm den
n
auch eine Abstinenzfähigkeit bezüglich des
Gamens
(E. 3.6).
All diese Umstände sprechen gegen eine massgebliche Einschränkung der Leistungsfähigkeit in sämtlichen Lebensbereichen.
5
.6
Der in die gleiche Kategorie (
„
Konsistenz") fallende Aspekt des behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesenen Leidensdrucks betrifft die Frage nach der Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen. Das Ausmass, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben vernachlässigt werden, weist (ergän
zend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder
resistenz
) im Regelfall auf den tatsächlichen Leidensdruck hin
(vgl. Urteil des Bundes
gerichts 9C_539/2015 vom 21. März 2016 E. 4.5).
Die the
rapeutischen Optionen werden vom Beschwerdeführer ausgeschöpft
(vgl. Urk.
12
/
53
S. 15), was auf einen tatsächlichen Leidensdruck hinweist.
Hinsicht
lich der depressiven Episoden zeigt sich dies auch in den verschieden stationären Aufenthalten, zu welchen er sich freiwillig zur Krisenintervention begab (vgl. E. 3.4 und E. 3.5).
5
.
7
Wenn nach dem Gesagten auch ressourcenhemmende Indikatoren auszumachen sind, fällt hier massgeblich ins Gewicht, dass der Beschwerdeführer trotz seines Leidens seit Jahren in der Lage ist, sich über
lange
Zeit, mithin bis zu acht Stun
den pro Tag, mit Computerspielen zu beschäftigen, was eine erhebliche
Kon
zentrations
- und Leistungsfähigkeit sowie geistige Flexibilität voraussetzt. Da rechtsprechungsgemäss
der verhaltensbezogene Aspekt
der Konsistenz
b
eweis
rechtlich entscheidend ist
(BGE
141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4)
, ist unter Berücksichtigung der weiter benannten ressourcenfördernden Faktoren ein invalidenversicherungsrechtlich
relevanter Gesundheitsschaden nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit aus
gewiesen. Dies gilt nicht nur für die von Dr.
A._
ab Oktober 2016 bescheinigte 50%ige Arbeitsunfähigkeit, sondern - in Anbetracht der weder ersichtlichen noch geltend gemachten veränderten Umstände - auch für die von ihm rückwirkend seit der Anmeldung zum Leistungsbezug attestierten vollständigen Arbeitsunfä
higkeit.
Die Beschwerde ist in der Folge abzuweisen.
6
.
In der angefochtenen Verfügung vom 26. Juli 2016 werden berufliche Mass
nahmen nicht behandelt und bilden somit auch nicht Streitgegenstand,
weshalb auf diesbezügliche Ausführungen nicht einzugehen
ist
(vgl. Urk. 11 S. 2 f.)
.
Es bleibt dem Beschwerdeführer jedoch unbenommen –
wie
ihm
auch von der Beschwerdegegnerin mitgeteilt (Urk. 12/
25
; vgl. auch Urk. 12/26 S. 1
) – sich erneut für berufliche Massnahmen anzumelden
.
7
.
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind auf Fr. 800.-- festzu
setzen. Diese sind ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen, infolge der bewilligten unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen a
uf die Gerichtskasse zu nehmen.
Nach
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Gemäss
§
8 in Verbindung mit
§
7
Abs.
1 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht (
GebV
SVGer
) wird - auch im Rahmen der unentgeltlichen Rechtsvertretung - namentlich für unnötigen Aufwand kein Ersatz gewährt.
Der von
Rechtsanwalt Laurent Häusermann, St. Gallen,
mit Eingabe vom
11
.
Juli
201
8
(Urk.
29
) geltend gemachte Aufwand von
rund
19
Stunden
und Fr.
190.70
Unkostenpauschale
(
Urk.
30
) ist der
Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses nicht angemessen. Namentlich erscheint ein Auf
wand
von
gut
4,5 Stunden für das Verfassen der 2-seitigen Replik
als über
höht
.
D
ie Vergütung
in diesem Verfahren
von Korrespondenz mit am Verfahren unbe
teiligten Dritten
– soweit diese überhaupt erforderlich war – fällt ausser Acht. Die Rechnungsstellung wird nicht entschädigt
.
Angesichts der zu studierenden
76
Aktenstücke der Beschwerdegegnerin, der etwa
8
-seitigen Beschwerdeschrift
und der
2
-seitigen Replik
, den Aufwendungen
im Zusammenhang mit dem Gesuch um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung
sowie der in ähnlichen Fällen zugesprochenen Beträgen ist die Entschädigung bei Anwendung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer)
auf Fr.
3'3
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
Der Beschwerdeführer ist auf § 16 Abs. 4
GSVGer
hinzuweisen, wonach er zur Nachzahlung der Gerichtskosten sowie der Auslagen für die Vertretung ver
pflich
tet werden kann, sofern er dazu in der Lage ist.