# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 99104ad9-335d-402e-ae17-af61c68a8d31
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - , vom 5. Juli 2021 (GB210051)
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Anklage:
Die Anklage der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 10. November 2020
(Urk. 10) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 46 S. 24 ff.)
1. Der Beschuldigte ist schuldig der Gewalt und Drohung gegen Behörden und
Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu
Fr. 10.–.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 4 Jahre
festgesetzt.
4. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 1'200.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'100.– Gebühr Strafuntersuchung Fr. 50.– Zeugenentschädigung. Fr. 4'630.90 amtliche Verteidigung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
5. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten
auferlegt.
6. Die Kosten der amtlichen Verteidigung, welche mit separater Verfügung
festgelegt werden, werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten
bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
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Berufungsanträge:
a) Der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 67 S. 3)
1. Es seien die Urteilsdispositivziffern 1 - 3 und 5 - 6 des Urteils vom
5. Juli 2021 des Bezirksgerichts Zürich (GB210051) aufzuheben und
Ziffer 1 und 5 seien wie folgt zu ersetzen:
1. Der Beschuldigte wird vom Vorwurf der Gewalt und Drohung ge-
gen Beamte vollumfänglich freigesprochen.
5. Die Kosten der Untersuchung, der amtlichen Verteidigung und
des gerichtlichen Verfahrens werden auf die Staatskasse ge-
nommen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen des Berufungsverfahrens zu-
züglich Mehrwertsteuer zulasten der Berufungsbeklagten.
b) Der Vertreterin der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat:
(Urk. 52; schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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## Considerations

Erwägungen:
I. Verfahrensgang
1. Gegen das eingangs wiedergegebene mündlich eröffnete Urteil des Be-
zirksgerichts Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom 5. Juli 2021 (Urk. 46 S. 24
ff.; Prot. I S. 15) liess der Beschuldigte fristgerecht Berufung anmelden (Urk. 39).
Am 31. August 2021 versandte die Vorinstanz das begründete Urteil an die Par-
teien. Es ging diesen am 1. September 2021 zu (Urk. 45/1-3). Der Beschuldigte
liess seine schriftliche Berufungserklärung samt Beilagen unter Einhaltung der
zwanzigtägigen Frist gemäss Art. 399 Abs. 3 StPO mit Eingabe vom 21. Septem-
ber 2021 einreichen (Urk. 48; Urk. 49/1-3). Mit Präsidialverfügung vom 27. Sep-
tember 2021 wurde dem Privatkläger sowie der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat
(nachfolgend: Staatsanwaltschaft) Frist angesetzt, um Anschlussberufung zu er-
klären oder begründet ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen. Gleich-
zeitig wurde der Beschuldigte aufgefordert, ein beiliegendes Datenerfassungsblatt
auszufüllen und diverse Unterlagen zu seinen finanziellen Verhältnissen einzu-
reichen (Urk. 50). Die Staatsanwaltschaft verzichtete mit Eingabe vom 6. Oktober
2021 auf Anschlussberufung und beantragte die Bestätigung des vorinstanzlichen
Urteils (Urk. 52), was dem Beschuldigten zur Kenntnis gebracht wurde
(Urk. 55/2). Der Privatkläger liess die Frist zur Erklärung der Anschlussberufung
unbenutzt verstreichen. Mit Eingabe vom 7. Februar 2022 liess der Beschuldigte
schliesslich innert mehrfach erstreckter Frist Unterlagen zu seinen finanziellen
Verhältnissen einreichen (Urk. 63, Urk. 64/1-5).
2. Am 17. Januar 2022 wurde zur Berufungsverhandlung auf den 18. März
2022 vorgeladen. Anlässlich derselben stellte die Verteidigung die eingangs wie-
dergegebenen Anträge (Prot. II S. 3).
II. Prozessuales
1. Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechtskraft
des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Die Berufung
des Beschuldigten richtet sich gegen die Dispositivziffern 1 (Schuldpunkt), 2 und
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3 (Strafe) sowie 5 - 6 (Kostenauflage) des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 67 S. 3).
Damit ist das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom
5. Juli 2021 einzig hinsichtlich der Dispositivziffer 4 (Kostenfestsetzung) in
Rechtskraft erwachsen, was vorab mittels Beschluss festzustellen ist. Da lediglich
der Beschuldigte ein Rechtsmittel erhoben hat, ist nachfolgend das Verbot der re-
formatio in peius (Art. 391 Abs. 2 StPO) zu beachten.
2. Der Polizeibeamte Gfr B._ hat am 17. Oktober 2020 fristwahrend einen
Strafantrag wegen versuchter Körperverletzung unterzeichnet und die Bestrafung
des Beschuldigten beantragt (Urk. 3; Art. 30 f. StGB). Das Stellen eines Strafan-
trags kommt einer ausdrücklichen Erklärung der geschädigten Person, sich am
Strafverfahren beteiligen zu wollen, gleich (vgl. Art. 118 Abs. 1 und 2 StPO), wo-
mit eine Konstituierung als Privatklägerschaft vorliegt.
2.1. Durch den Straftatbestand der Gewalt und Drohung gegen Behörden und
Beamte im Sinne von Art. 285 StGB sollen vorwiegend allgemeine Interessen ge-
schützt werden. Dennoch gelten Personen als Geschädigte im Sinne von Art. 115
Abs. 1 StPO, wenn in dessen Rahmen auch private Interessen unmittelbar
(mit)beeinträchtigt wurden (SCHMID/JOSITSCH, Schweizerische Strafprozessord-
nung, Praxiskommentar, 3. Aufl., Zürich/St. Gallen 2018, N 3 zu Art. 115 StPO).
2.2. Da es im Rahmen des eingeklagten Ereignisses zu einem tätlichen Angriff
auf den Polizeibeamten Gfr B._ kam (vgl. Urk. 10), wurde dieser in seinen
privaten Interessen mindestens unmittelbar mitbeeinträchtigt, weshalb er auch im
Verfahren betreffend das Offizialdelikt Gewalt und Drohung gegen Behörden und
Beamte im Sinne von Art. 285 StGB als Privatkläger zu führen ist. Der Vollstän-
digkeit halber ist anzumerken, dass es der Polizeibeamte Gfr B._ (nachfol-
gend: Privatkläger) im weiteren Verfahren unterlassen hat, Ansprüche gegen den
Beschuldigten geltend zu machen (vgl. Urk. 7).
3. Hinsichtlich der Verwertbarkeit von Beweismitteln erwog die Vorinstanz,
dass der Wahrnehmungsbericht des Polizeibeamten Wm C._ (nachfolgend:
Wm C._) in Anwendung von Art. 147 Abs. 4 StPO nicht zulasten des Be-
schuldigten verwertbar sei, da dem Beschuldigten keine Gelegenheit eingeräumt
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worden sei, um zu diesem Stellung zu nehmen. Im Hinblick auf den Wahrneh-
mungsbericht des Privatklägers merkte sie an, dass der Privatkläger seine darin
festgehaltenen Aussagen anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen Einvernahme
vom 29. April 2021 bestätigte bzw. wiederholte (Urk. 46 Erw. III.4.).
3.1. Der in den Akten liegende Wahrnehmungsbericht von Wm C._ vom
17. Oktober 2020 wurde ohne Wahrung der Teilnahmerechte des Beschuldigten
verfasst (Urk. 6/2). Ein solcher Wahrnehmungsbericht ist zulasten des Beschul-
digten nur verwertbar, wenn dieser ausdrücklich auf seine Teilnahme- bzw. Kon-
frontationsrechte verzichtet hat oder wenn ihm ohne einen solchen Verzicht spä-
ter Gelegenheit gegeben wird, sich zum Wahrnehmungsbericht zu äussern und
Ergänzungsfragen zu stellen (BSK StPO-HÄRING, N11 zu Art. 145 StPO; BGE 124
V 90 E. 4b; BGE 118 Ia 462 E. 5b). Der entsprechende Bericht wurde dem Be-
schuldigten – anders als der Wahrnehmungsbericht des Polizeibeamten Wm
D._ (nachfolgend: Wm D._; Urk. 16/4) – nicht vorgelegt (vgl. Urk. 15/2).
Seitens des Beschuldigten ist kein Verzicht auf seine Teilnahmerechte zu erken-
nen, und es wurde ihm keine Gelegenheit eingeräumt, sich dazu zu äussern oder
Ergänzungsfragen zu stellen, weshalb der Wahrnehmungsbericht von
Wm C._, anders als jener von Wm D._, in Anwendung von Art. 147 Abs.
4 StPO nur zu Gunsten des Beschuldigten verwertbar ist.
3.2. Der Wahrnehmungsbericht des Privatklägers (Urk. 6/1) stellt hingegen ein
verwertbares Beweismittel dar, zumal dieser im Laufe des Verfahrens rechtsgültig
– eine Befreiung vom Amtsgeheimnis liegt vor und die Teilnahmerechte des Be-
schuldigten wurden gewahrt – als Zeuge einvernommen wurde (vgl. Urk. 16/2 f.).
III. Sachverhalt
1. Am 16. Oktober 2020, ca. 23.30 Uhr, wurde beim E._'s an der F._-
Strasse ..., ... Zürich, eine Patrouille der Stadtpolizei Zürich durch die Security
angehalten, da der Beschuldigte kurz zuvor auf Letztere losgegangen sei. In der
Folge wurde der Beschuldigte durch die Polizeibeamten einer Personenkontrolle
unterzogen, anlässlich welcher sich der Beschuldigte nicht habe beruhigen lassen
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und zunehmend energisch geworden sei. Als er damit begonnen habe, die Poli-
zisten wegzustossen, sei er mittels Handfesseln arretiert und mit dem Gesicht in
Richtung Hauswand gestellt worden. Dem Beschuldigten wird im Wesentlichen
vorgeworfen, dabei mit seinem Kopf Anlauf geholt und versucht zu haben, dem
hinter ihm stehenden Privatkläger einen Kopfstoss (sog. "Schwedenkuss") zu
verpassen, wobei der Privatkläger gerade noch habe ausweichen können. Der
Beschuldigte habe gewusst, dass es sich beim Privatkläger um einen Polizeibe-
amten handelte, der im Umfang seiner Befugnisse tätig war. Er habe sich dem
bewusst widersetzen wollen und mit seinem tätlichen Angriff auf den Privatkläger
habe er zumindest in Kauf genommen, dass Letzterer Verletzungen davontrage
oder Schmerzen erleiden würde (Urk. 10).
2. Unbestritten geblieben ist, dass es sowohl zur im Anklagesachverhalt er-
wähnten Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten und der Security als
auch zur darauffolgenden Polizeikontrolle gekommen ist, anlässlich welcher dem
Beschuldigten Handschellen angelegt wurden und er sich mit dem Gesicht gegen
die Wand zu stellen hatte.
2.1. Indes bestritt der Beschuldigte in der Untersuchung sowie anlässlich der
erstinstanzlichen Hauptverhandlung als auch anlässlich der Berufungsverhand-
lung, sich gegen die Polizeikontrolle gewehrt und namentlich versucht zu haben,
dem Privatkläger einen Kopfstoss zu verpassen (Urk. 5; Urk. 15/1 f.; Prot. I S. 10
ff.; Prot. II S. 12 ff.). Er machte vor Vorinstanz kurz zusammengefasst geltend,
dass er von der Polizei festgehalten worden sei und nachdem er reklamiert habe,
dass er Schmerzen an den Händen habe, sei er am Hals gepackt und gegen die
Wand gestossen worden, was ebenfalls wehgetan habe. Er habe sich in keinem
Moment gewehrt. Aufgrund der Schmerzen habe er sich wohl automatisch befrei-
en wollen, weshalb seine Bewegungen von Weitem vielleicht anders gewirkt hät-
ten. Die Bewegungen seien aber auf jeden Fall minimal und seitlich gewesen. Er
habe gar keine Möglichkeit, solche Bewegungen nach hinten zu machen (Prot. I
S.10 f.). Im Berufungsverfahren blieb der Beschuldigte bei seinen bisherigen De-
positionen und betonte erneut, dass er sich aufgrund seiner gesundheitlichen Be-
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schwerden kaum bewegen könne und bei der Arretierung grosse Schmerzen ge-
habt habe (Prot. II S. 12 ff.).
2.2. Die Verteidigung ihrerseits machte sowohl vor Vorinstanz als auch im Beru-
fungsverfahren zusammengefasst geltend (Urk. 35 S. 4-6; Urk. 48 S. 5 ff.), dass
der Beschuldigte die angebliche Aufforderung, sich auszuweisen, nicht verstan-
den habe, da er nicht gut Deutsch spreche, Pfefferspray in den Augen gehabt ha-
be und grundsätzlich Opfer eine Auseinandersetzung im E._'s geworden sei.
Da der Beschuldigte nicht verstanden habe, was passierte, nervös gewesen und
gegebenenfalls aufgrund der Schmerzen lauter geworden sei, sei er schliesslich
von den Polizisten mit Handschellen arretiert worden, was für ihn aufgrund seiner
Krankengeschichte sehr schmerzhaft gewesen sei. Die Aussagen der anwesen-
den Polizisten betreffend den Hintergrund der Arretierung seien nicht sehr über-
zeugend, da sie alle eine andere Variante zu Protokoll gegeben hätten, weshalb
der Beschuldigten arretiert worden sei. Es sei deshalb nicht verwunderlich, wenn
der Beschuldigte – auch wegen der Sprachbarriere – gar nicht verstanden habe,
weshalb er arretiert worden sei. Es sei sodann – entgegen dessen Aussage –
einzig der Privatkläger, welcher die angebliche Ausholbewegung für den Kopf-
stoss gesehen haben könne und dieser habe selbst ausgesagt, dass er sich nicht
mehr wirklich erinnern würde, und er nicht wisse, ob der Beschuldigte zuerst noch
nach hinten geschaut habe. Zu berücksichtigen sei zudem, dass der Beschuldigte
an Arthrose im Nackenbereich und an den Schultern leide, weshalb es für ihn
sehr schmerzhaft gewesen sei, als der Privatkläger – wie dieser selber sage –
seine Hände unter anderem an dessen Schulterblättern gehabt habe. Ebenfalls
sei der Beschuldigte in seinem Bewegungsradius am Hals limitiert, weshalb er gar
keine solche Bewegung habe ausführen können. Es sei deshalb höchstens davon
auszugehen, dass der Beschuldigte durch das Anpacken am Nacken aufgrund
der Schmerzen eine Bewegung, gegebenenfalls eine Reflexbewegung, gemacht
habe, welche der Privatkläger als Ausholbewegung interpretiert haben könnte. Im
Übrigen beanstandet die Verteidigung im Berufungsverfahren die Beweiswürdi-
gung der Vorinstanz, namentlich seien die Aussagen des Beschuldigten entgegen
der Ansicht der Vor-
instanz als glaubhaft zu qualifizieren, anders als die Aussagen des Privatklägers
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und der weiteren beteiligten Polizisten, welche sich nicht decken würden und un-
ter anderem deshalb nicht stimmen könnten (Urk. 48; Urk. 67).
3. Die Vorinstanz stützte ihren Entscheid auf die Aussagen des Beschuldigten
(Urk. 5; Urk. 15/1 f.; Prot. I S. 7 ff.), den Wahrnehmungsbericht sowie die Einver-
nahme des Privatklägers (Urk. 6/1 und Urk. 16/2), den Wahrnehmungsbericht des
ebenfalls die Polizeikontrolle durchführenden Polizeibeamten Wm D._
(Urk. 16/4), die Aussagen der Zeugin G._ (nachfolgend: Zeugin; Urk. 16/1)
sowie die vom Beschuldigten eingereichten Unterlagen betreffend seinen Ge-
sundheitszustand (Urk. 30/1-9). Zusätzlich ist der Polizeirapport vom 22. Oktober
2020 zu erwähnen, welchem die ersten telefonischen Angaben der Zeugin zu
entnehmen sind (Urk. 2) sowie der Wahrnehmungsbericht des Polizeibeamten
Wm C._ (Urk. 6/2), letzterer jedoch nur zu Gunsten des Beschuldigten (vgl.
vorstehend Erw. II.3.1.).
3.1. Da sich die Anklage und der vorinstanzliche Entscheid im Wesentlichen auf
die Aussagen der befragten Personen stützen, ist näher auf die Aussagen der Be-
teiligten einzugehen und die bestrittenen Elemente des Anklagesachverhaltes
aufgrund der Untersuchungsakten und der vor Gericht vorgebrachten Argumente
nach den allgemeingültigen Beweisregeln zu würdigen. Dabei ist zu berücksichti-
gen, dass das Vorgefallene anlässlich der Polizeikontrolle den relevanten Ankla-
gesachverhalt bildet und die vorausgegangene Auseinandersetzung zwischen
dem Beschuldigten und der Security nur am Rande – sofern nötig – miteinzube-
ziehen ist.
3.2. Bezüglich der rechtstheoretischen Grundsätze und Regeln der Beweiswür-
digung und der Würdigung von Aussagen mit der Unterscheidung zwischen der
allgemeinen Glaubwürdigkeit der aussagenden Person und der übergeordneten
Bedeutung der Glaubhaftigkeit des konkreten Inhalts der Aussagen kann vorab
auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 46
Erw. III.5.1.-5.2.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.3. Die Aussagen des Beschuldigten, des Privatklägers und der Zeugin wurden
im angefochtenen Urteil korrekt zusammengefasst wiedergegeben und im We-
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sentlichen mit überzeugender Begründung zutreffend gewürdigt (Urk. 46
Erw. III.5.3.-5.5.), worauf verwiesen werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO). Die
nachstehenden Erwägungen erfolgen daher bloss ergänzend zur punktuellen
Verdeutlichung und Vertiefung. Ebenfalls ist auf neue Ausführungen im Beru-
fungsverfahren einzugehen.
4. Betreffend die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschuldigten ist mit der
Vorinstanz zu erkennen, dass dieser den anklagerelevanten Sachverhalt mehr-
heitlich pauschal bestreitet – gemäss seinen Aussagen sei alles gelogen bzw. ein
Missverständnis (vgl. Urk. 5 F/A 37 ff.; Urk. 15/1 F/A 7, S. 4) – und seine Deposi-
tionen Widersprüche aufweisen. Wie die Vorinstanz richtig festhielt, gab der Be-
schuldigte im Rahmen der Untersuchung beispielsweise an, sich nicht mehr daran
zu erinnern, ob er von den Polizisten nach seinem Ausweis gefragt worden sei
(Urk. 5 F/A 29), sich im Folgenden jedoch plötzlich sicher zeigte, dass dem nicht
so gewesen sei (Urk. 15/2 F/A 6, 8).
4.1. Ergänzend ist festzuhalten, dass die Diskrepanz in den Aussagen des Be-
schuldigten zur Frage der ihm vorgeworfenen Kopfstoss-Bewegung ins Auge fällt.
4.1.1. Anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 17. Oktober 2020 gab der
Beschuldigte zusammengefasst zu Protokoll, dass die Polizisten ihm Handschel-
len angelegt und seinen Kopf gegen eine Wand bzw. eine Schiene gedrückt hät-
ten. Aufgrund dieses Umstands sei es ihm nicht möglich gewesen, Widerstand zu
lei-sten bzw. mit dem Kopf auszuholen (Urk. 5 F/A 36, 38, 40). Er gab zwar be-
reits damals an, seine Hände operiert zu haben, weshalb das Anbringen der
Handschellen für ihn sehr schmerzhaft gewesen sei (a.a.O. F/A 10, 36), erwähnte
jedoch keine weiteren gesundheitlichen Beschwerden.
4.1.2. Anlässlich seiner Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft vom 26. Januar
2021 machte der Beschuldigte hingegen zusätzlich geltend, an Arthrose im Na-
ckenbereich, an der Schulter und an den ersten drei Wirbeln zu leiden. Er habe
auch Platten in den Händen, und sei schon an beiden Händen operiert worden,
auch an der Schulter. Sein Bewegungsradius am Hals sei limitiert. So wie er fest-
gehalten worden sei, habe er sich nicht mehr bewegen können. Das was er be-
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haupte (gemeint ist der Privatkläger), könne höchstens dessen Eindruck gewesen
sein. Als er am Nacken gepackt worden sei, habe er aufgrund der Schmerzen
versucht, sich loszubekommen. Das könne vom Privatkläger höchstens als Kopf-
stoss-Bewegung interpretiert worden sein, wobei er zu keinem Zeitpunkt vorge-
habt habe, irgendetwas zu machen (Urk. 15/1 F/A 7, S. 4). Aufgrund seiner Posi-
tion an der Wand – er sei unbeweglich gemacht worden –, sei es ihm gar nicht
möglich gewesen, so zu agieren, wie es ihm vorgeworfen werde (a.a.O. F/A 16,
18).
4.1.3. Anlässlich der Hauptverhandlung als auch anlässlich der Berufungsver-
handlung brachte der Beschuldigte – analog seiner Verteidigung (Urk. 35 Rz. 6;
Urk. 48 Rz. 3) – erstmalig explizit vor, dass er aufgrund seiner körperlichen Be-
schwerden physisch gar nicht in der Lage sei, eine Kopfstoss-Bewegung auszu-
führen. Vor Vor-instanz erklärte er, sein Bewegungsradius am Hals sei aufgrund
seiner Arthrose limitiert, weshalb ihm die Bewegung, welche ihm vorgeworfen
werde, gar nicht möglich sei. Weiter führte er wiederum aus, dass der Privatkläger
ihn am Hals gepackt und gedrückt habe. Er denke, er habe sich automatisch be-
freien wollen, weil es ihm wehgetan habe, weshalb seine Bewegungen vielleicht
von Weitem anders gewirkt hätten. Die Bewegungen seien auf jeden Fall seitlich
gewesen, denn er habe gar keine Möglichkeit gehabt, solche Bewegungen nach
hinten zu machen (Prot. I S. 10 i.V.m. S. 7 u. 9). Anlässlich der Berufungsver-
handlung wiederholte er, sich nicht frei bewegen zu können bzw. bei den Bewe-
gungen, die ihm vorgeworfen werden, eingeschränkt zu sein. Ein Schwedenkuss
könne er gar nicht ausführen. Für einen Schlag gegen den Kopf hätte er gar keine
Kraft. Er könne sich nur erklären, dass er sich habe losreissen wollen von demje-
nigen, der ihn am Hals gehalten habe (Prot. II S. 6, 12 f., 16).
4.2. Dass der Beschuldigte an gesundheitlichen Beschwerden leidet, ist aufgrund
der von ihm ins Recht gelegten Arztberichte ausgewiesen (vgl. Urk. 30/1-9). Den
Arztberichten aus dem Jahr 2013 ist zu entnehmen, dass er unter anderem an ei-
ner eingeschränkten Schulterbeweglichkeit mit schmerzhafter Ausstrahlung unter
anderem zum Nacken bzw. an schmerzhaften Verspannungen im Nackenbereich
(Cervicocranielles Syndrom) leide (Urk. 30/3 f. je S. 1). Aus den neueren Arztbe-
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richten aus den Jahren 2019 und 2020 geht hervor, dass der Beschuldigte im
Wesentlichen an Hand- sowie an Schulterbeschwerden, unter anderem Hand-
und Schultergelenksarthrose, leide (vgl. Urk. 30/5 ff.). Diese Beschwerden bilden
gemäss der eigenen Aussage des Beschuldigten auch die Grundlage für das
hängige IV-Verfahren (Prot. I S. 7). Eine Beeinträchtigung des Nackens sowie ei-
ne Einschränkung des Bewegungsradius am Hals, welche es ihm gänzlich ver-
unmöglichen würden, die ihm vorgeworfene Bewegung vorzunehmen, kann die-
sen Berichten indes nicht entnommen werden. Mindestens erscheint nicht von
vornherein ausgeschlossen, dass der Beschuldigte eine einzelne Kopfstoss-
Bewegung – es handelt sich nicht um einen länger andauernden Vorgang – nach
hinten, wie sie ihm vorgeworfen wird, vorgenommen haben könnte; weder aus-
strahlende Schmerzen noch eine eingeschränkte HWS-Rotation nach links und
rechts schliessen eine solche aus. Dazu passt, dass er sich nicht direkt nach dem
Vorfall mit dem Vorbringen, physisch zur ihm vorgeworfenen Handlung gar nicht
in der Lage zu sein, entlastet hat.
4.3. Zusammengefasst ist deshalb zu konstatieren, dass der Beschuldigte im
Laufe des Verfahrens sein Vorbringen, dass es ihm aufgrund der Umstände –
Handfesseln und polizeiliches Festhalten seiner Person mit Gesicht in Richtung
Hausfassade – nicht möglich gewesen sei, die ihm vorgeworfene Kopfstoss-
Bewegung aufzuführen, mit jeweils neuartigen Erklärungen ergänzte, was insge-
samt nachgeschoben und wenig glaubhaft wirkt.
4.4. Schliesslich ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte konstant aner-
kannte, aufgrund der vorausgehenden Auseinandersetzung mit der Security auf-
gewühlt bzw. ausser sich gewesen zu sein (vgl. Urk. 15/1 F/A 7, 11; Urk. 15/2 F/A
6, 9; Prot. I S. 11; Prot. II S. 15). Er gibt auch an, mit dem Security Streit gewollt
zu haben. Dieser hätte seine Grenzen überschritten, es sei zu viel gewesen
(Urk. 5 F/A 22). Im Wissen darum und vor dem Hintergrund, dass gemäss den ei-
genen Aussagen des Beschuldigten sowohl die Polizisten als auch die Zeugin ihm
bei der darauffolgenden Polizeikontrolle wiederholt zugerufen hätten, er solle kei-
nen Widerstand leisten bzw. ruhigbleiben (vgl. Urk. 5 F/A 10, 27; Urk. 15/1 F/A 7,
12) und sowohl der Privatkläger als auch die Zeugin beschreiben, dass der Be-
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schuldigte anlässlich der Polizeikontrolle ausgerastet sei (vgl. nachstehend Erw.
III. 5./6.), überzeugt die Sachdarstellung des Beschuldigten, er habe sich in kei-
nem Moment gewehrt (statt vieler Prot. I S. 10), nicht. Es bestehen vielmehr keine
unüberwindlichen Zweifel im Sinne von Art. 10 Abs. 3 StPO daran, dass sich der
Beschuldigte – wie es in der Anklageschrift geschrieben steht – anlässlich der Po-
lizeikontrolle nicht beruhigen liess und zunehmend energischer wurde, sich mithin
in einer aufgebrachten Gemütslage befand und sich der Kontrolle zu widersetzen
versuchte. Ebenfalls passt in dieses Bild, dass sich der Beschuldigte später im
Abstand unkooperativ und unberechenbar verhalten haben soll (vgl. Urk. 1 S. 3).
Entsprechend lässt sich sein Verhalten, auch wenn er aufgrund seiner Arretierung
nicht flüchten und damit mit dem Kopfstoss im weitesten Sinne nichts erreichen
konnte (vgl. Urk. 67 Rz. 28), mit seinem aufgewühlten Gemütszustand erklären.
4.5. Schliesslich kann der Beschuldigte auch nichts zu seinen Gunsten aus sei-
nem Vorbringen, er habe im brasilianischen Militär Dienst geleistet und grossen
Respekt gegenüber der Polizei (Urk. 35 Rz. 7; Prot. I S. 9; Prot. II S. 6), ableiten.
Im Gegenteil sprechen solch abstrakte, kurze und stereotype Aussagen eher für
die Unrichtigkeit der eigenen Darstellung.
4.6. Insgesamt ist der Vorinstanz deshalb beizupflichten, wenn sie nach dem
Gesagten erhebliche Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschul-
digten hegt.
5. Betreffend die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Privatklägers kann vorab
im Wesentlichen auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wer-
den (Urk. 46 Erw. III.5.4.4. f.). Seine Aussagen im Wahrnehmungsbericht vom
17. Oktober 2020 (Urk. 6/1) sowie anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einver-
nahme vom 29. April 2021 (Urk. 16/2) sind frei von relevanten Widersprüchen –
auch wenn relativierend zu berücksichtigen ist, dass der Privatkläger den Wahr-
nehmungsbericht vor seiner Einvernahme nochmals gelesen hat (vgl. Urk. 16/2
F/A 9; vgl. Erw. III.5.4.) – und wirken insbesondere plausibel, in sich schlüssig und
lebensnah geschildert, wenn er zusammengefasst darlegt, dass sie (gemeint die
Polizeipatrouille) bei der Durchfahrt mit dem Auto von einem Security Mitarbeiter
zufällig vor den E._'s herbeigewinkt worden seien, er seine Kollegen habe
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aussteigenlassen und das Auto parkiert habe, bevor er direkt zum Beschuldigten
gegangen sei. Der Beschuldigte sei sehr aufgewühlt und mit Pfefferspray konta-
miniert gewesen. Er habe diesen zu beruhigen versucht und bei der Security
Wasser bestellt, um dem Beschuldigten zu helfen. Während sie auf das Wasser
gewartet hätten, hätten sie den Beschuldigten nach einem Ausweis gefragt, wo-
raufhin dieser sowohl sehr unkooperativ geworden sei, herumgeschrien und sie
beleidigt habe, als auch einen Kollegen von ihm wegzustossen angefangen habe.
Aufgrund dessen hätten sie den Beschuldigten arretiert. Sie hätten ihn zuerst in
die Eskortposition genommen, links und rechts die Arme gehalten und an die
Wand geführt – mit dem Gesicht an die Wand sei normal – und dort dann die Ar-
me auf dem Rücken in Handschellen gelegt, wogegen sich der Beschuldigte ext-
rem gewehrt habe. Er könne sich noch erinnern, dass sie ihm während der Arre-
tierung seine kleine Tasche weggenommen und circa zwei Meter weit weggestellt
hätten. Dabei habe sich der Beschuldigte heftig gewehrt und sie hätten Zwang
anwenden müssen, damit er aufgehört habe zu sperren. Sein Kollege sei dann
mit seinem Einverständnis zur Tasche gegangen, um den Ausweis zu holen. Er
sei dann alleine mit dem Beschuldigten geblieben. Der dritte Polizist habe den
Sachverhalt geklärt, eventuell bei der Kollegin des Beschuldigten. Er habe dann
die Position gewechselt – von der Seite hinter den Beschuldigten – und habe eine
Hand zwischen den Schulterblättern des Beschuldigten und eine Hand an den
Handschellen gehabt. Währenddessen sei der Beschuldigte weiter aufgebracht
gewesen, habe diskutiert und ein unkooperatives Verhalten gezeigt. Der Beschul-
digte habe im Zuge dieser Sicherung dann eine Ausholbewegung gemacht. Diese
habe er gesehen und sei mit seinem Kopf zurückgegangen, weil er gewusst habe,
was der Beschuldigte vorgehabt habe. Deshalb habe er dem Beschuldigten aus-
weichen können, als dieser seinen Kopf nach hinten habe schnellen lassen. Wäre
er in seiner alten Position geblieben, hätte der Beschuldigte ihn in seinem Gesicht
getroffen. Er könne sich erinnern, dass ein Kollege nebenan, der mit der Kollegin
beschäftigt gewesen sei, gerufen habe, dass er das Ganze genau gesehen habe.
In der Zwischenzeit seien weitere Polizisten zur Unterstützung dazugekommen,
und einer habe ihm geholfen. Danach habe sich die Situation beruhigt (Urk. 16/2
F/A 10 f., 23 f.).
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5.1. Insgesamt ist dieser Zusammenfassung zu entnehmen, dass die Aussagen
des Privatklägers diverse Details enthalten, welche als Realitätskriterien zu wer-
ten sind und für die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen sprechen. Seine Aussagen
sind differenziert und beinhalten auch Umstände, die für den Beschuldigten ent-
lastend wirken, beispielsweise gab er an, dass er glaube, dass der Beschuldigte
nicht verstanden habe, weswegen er nach einem Ausweis gefragt worden sei. Sie
hätten es ihm zwar nochmals probiert zu erklären, jedoch hätten sie sich mit dem
Beschuldigten nicht verständigen können. Ob er es schliesslich verstanden habe,
könne er nicht sagen. Ebenso wenn er angab, dass der Beschuldigte nach sei-
nem Empfinden emotional sehr aufgeregt gewesen sei, wobei dieser sicher auch
Schmerzen an den Augen gehabt habe oder dass sich die Situation nach der Ar-
retierung des Beschuldigten zwischenzeitlich wieder beruhigt habe (Urk. 16/2 F/A
10, 12, 22). Auch gab der Privatkläger an, wenn er etwas nicht mehr sicher wuss-
te oder sich nicht mehr erinnern konnte, beispielsweise ob der Beschuldigte vor
der Ausholbewegung nach hinten geschaut habe oder nicht (a.a.O. F/A 10), was
die Wortwahl der Beleidigung gewesen sei (a.a.O. F/A 15 f.) oder was die Zeugin
zum Zeitpunkt des versuchten Kopfstosses gemacht habe (a.a.O F/A 25).
5.2. Soweit die Verteidigung zusammengefasst vorbringt, dass der Beschuldigte
durch das Anpacken am Nacken höchstens eine durch die Schmerzen ausgelöste
Bewegung gemacht habe, welche der Privatkläger als Ausholbewegung interpre-
tiert haben müsse (Urk. 35 Rz. 6; Urk. 48 Rz. 3; vgl. auch Urk. 67 Rz. 27), so
kann dem mit Verweis auf die detaillierten Aussagen des Privatklägers nicht ge-
folgt werden.
5.2.1. Der Privatkläger beschreibt die Kopfstoss-Bewegung in seinem Wahrneh-
mungsbericht derart, dass der Beschuldigte mit seinem Kopf eine Bewegung nach
vorne gemacht habe. Er habe dies als eine Ausholbewegung für einen Kopfstoss
interpretiert. Er sei mit seinem Kopf zurückgewichen und genau in diesem Mo-
ment habe der Beschuldigte den Kopfstoss durchgezogen. Der Beschuldigte habe
aufgrund dessen, dass er zuvor zurückgewichen sei, verfehlt. Er habe den Be-
schuldigten an der Wand fixiert, um einen erneuten Versuch eines Kopfstosses
gegen sich zu unterbinden (Urk. 6/1 S. 2).
- 16 -
5.2.2. Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme gab der Privatkläger
auf Nachfrage präzisierend an, dass der Beschuldigte mit dem Kopf nach vorne
gegangen sei, mit dem Kopf ausgeholt und nach hinten geschlagen habe. Auf
Vorhalt der Aussage des Beschuldigten, dass dieser aufgrund der Schmerzen
versucht habe, sich loszubekommen und allenfalls diese Bewegung von ihm, dem
Privatkläger, als Versuch eines Kopfstosses interpretiert worden sein könne, er-
klärte der Privatkläger, dass der Beschuldigte verbal nichts dazu gesagt habe,
zum Beispiel dass er Schmerzen habe. Für ihn sei es eindeutig gewesen, es sei
halt nicht das erste Mal gewesen, dass ihm jemand habe einen Schwedenkuss
geben wollen. Für ihn habe es ausgesehen, wie ein gezielter Kopfstoss (Urk. 16/2
F/A 18 f.). Auf Nachfrage, wie viele Zentimeter diese Bewegung, welche der Be-
schuldigte mit dem Kopf gemacht habe, gewesen sei, antwortete der Privatkläger,
dass er das nicht einschätzen könne. Er, der Beschuldigte, sei mit dem Oberkör-
per und dem Kopf etwas nach vorne gebeugt, um auszuholen, nicht nur mit dem
Kopf (a.a.O. F/A 21).
5.2.3. Der Privatkläger beschreibt plastisch, dass der Beschuldigte zuerst nach
vorne ausgeholt und dann eine gezielte Kopfstossbewegung nach hinten gemacht
habe, was eine durch Schmerzen verursachte reflexartige Bewegung bereits von
vornherein ausschliesst, da einer solche keine Ausholbewegung vorangehen
würde. Im Übrigen verneinte er, dass der Beschuldigte über Schmerzen geklagt
habe. Zwar ist – wie die Verteidigung vorbringt (Urk. 67 Rz. 28; vgl. weiter
Erw. III.5.4.) – richtig, dass der Privatkläger im Wahrnehmungsbericht angab,
dass er die Bewegung als Kopfstoss interpretiert habe, was isoliert betrachtet als
Unsicherheit gewertet werden könnte. Indes erklärte der Privatkläger im nächsten
Satz sogleich "Ich wich mit meinem Kopf zurück und genau in diesem Moment
zog A._ den Kopfstoss durch" (Urk. 6/1 S. 2). Auch im Rahmen der staats-
anwaltschaftlichen Einvernahme erklärte der Privatkläger "Für mich war es ein-
deutig, es war halt nicht das erste Mal, dass jemand mir einen Schwedenkuss ge-
ben wollte" (Urk. 16/1 F/A 19), weshalb nicht davon gesprochen werden kann,
dass sich der Privatkläger hinsichtlich des Kopfstosses unsicher zeigte.
- 17 -
5.3. Entgegen der Ansicht der Verteidigung ist aus dem Umstand, dass der Pri-
vatkläger nicht wusste, welche Sprache der Beschuldigte gesprochen hatte, auch
nicht der Schluss zu ziehen, dass der Privatkläger gar nicht – wie er angab – ver-
standen haben konnte, dass er beleidigt worden sei (vgl. Urk. 67 Rz. 25). Die Be-
leidigung konnte vom Privatkläger aufgrund der Umstände – der Beschuldigte
wurde von allen Anwesenden als ausser sich bzw. seine Gemütslage als aufge-
wühlt beschrieben (vgl. Erw. III.6.) – durchaus als solche erkannt werden, ohne
deren genauen Inhalt zu verstehen.
5.4. Schliesslich leitet die Verteidigung aus der Aussage des Privatklägers, es
sei nicht das erste Mal gewesen, dass jemand ihm einen Schwedenkuss habe
geben wollen, dessen Voreingenommenheit ab und macht geltend, dass dieser
die Bewegung des Beschuldigten bloss als Kopfstoss interpretiert habe (Urk. 67
Rz. 27 ff.). Darauf ist zu erwidern, dass der Privatkläger als Polizist auf Patrouille
naturgemäss des Öfteren mit solchen Situationen konfrontiert ist und über die nö-
tige Erfahrung verfügt, um solche Situationen bzw. Verhaltensweisen zu erkennen
und zu wissen, wie sie zu interpretieren sind. Soweit die Verteidigung vorbringt,
dass der Privatkläger den von ihm verfassten Wahrnehmungsbericht vor seiner
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme nochmals gelesen habe, weshalb es nicht
verwundere, dass dieser bei der Staatsanwaltschaft seine ursprünglichen Anga-
ben wiederholt habe (Urk. 67 Rz. 15, 24), ist festzuhalten, dass es gerade Sinn
und Zweck eines Wahrnehmungsberichtes ist, die Geschehnisse zeitnah festzu-
halten, sodass sich ein Polizist trotz vieler Einsätze und zu rapportierender Vorfäl-
le auch später noch an den Vorfall erinnern kann. Es spricht vielmehr für die
Glaubhaftigkeit des Privatklägers, wenn er zu Beginn der staatsanwaltschaftlichen
Einvernahme deklarierte, dass er den Wahrnehmungsbericht im Vorfeld nochmals
gelesen hat.
5.5. Schlussfolgernd ist festzuhalten, dass die Depositionen des Privatklägers,
namentlich auch betreffend die Kopfstoss-Bewegung des Beschuldigten, glaub-
haft sind und auf seinen Wahrnehmungsbericht sowie seine Aussagen abzustel-
len ist.
- 18 -
6. Die Angaben der Zeugin im Rahmen ihrer telefonischen Befragung (Urk. 2
S. 2 f.) sowie ihre Aussagen anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme
vom 29. April 2021 (Urk. 16/1) als auch der Wahrnehmungsbericht von Wm
D._ vom 24. März 2021 (Urk. 16/4) betreffend die Gemütslage und das gene-
relle Auftreten des Beschuldigten fügen sich stimmig in die glaubhaften Aussagen
des Privatklägers ein. Beide bestätigen, dass der Beschuldigte ausgerastet sei
bzw. sich gewehrt habe, und sie ihn zu beruhigen versucht hätten (Urk. 2 S. 3;
Urk. 16/4 S. 1). Wenn die Zeugin in ihrer Einvernahme relativierend zu ihren tele-
fonischen Angaben erklärte, er sei wegen der Security und nicht wegen der Poli-
zei ausgerastet (Urk. 16/1 F/A 10, 13), ändert dies nichts am Umstand, dass sie
den Beschuldigten als grundsätzlich ausser sich beschreibt. Im Übrigen gab sie
zu Protokoll, dass der Beschuldigte ausgerastet sei, weil er nichts gemacht und
man ihm Handschellen angelegt habe (a.a.O. F/A 13), was unmissverständlich
den Zeitraum der Polizeikontrolle und damit den relevanten Zeitraum betrifft. Be-
treffend das gegenständliche Kerngeschehen, namentlich die dem Beschuldigten
vorgeworfene Kopfstoss-Bewegung, konnten sowohl die Zeugin als auch Wm
D._ keine Angaben machen. Beide erklärten, nicht gesehen zu haben, wie
sich der Beschuldigte konkret gewehrt habe bzw. ob es zu einem Schlag gekom-
men sei, da die Zeugin währenddessen mit einem anderen Polizisten am Spre-
chen und Wm D._ die Tasche des Beschuldigten am Durchsuchen war
(Urk. 2 S. 3; Urk. 16/1 F/A 19, Urk. 16/4 S. 2).
6.1. Insofern die Verteidigung geltend macht, dass die Aussagen der anwesen-
den Polizisten Inkonsistenzen beim Ablauf des Geschehens aufweisen und sie
namentlich jeweils einen anderen Grund für die Arretierung des Beschuldigten
nennen würden, weshalb ihre Aussagen nicht überzeugend seien (Urk. 35 Rz. 5;
vgl. auch Urk. 48 Rz. 18 und Urk. 67 Rz. 13), kann dem ebenfalls nicht gefolgt
werden. Der Privatkläger gab an, es sei zur Arretierung des Beschuldigten ge-
kommen, weil dieser ausfällig geworden sei und Wm D._ mit einem kräftigen
Stoss weggestossen habe (Urk. 6/1 S. 1; vgl. auch Urk. 16/2 F/A 10). Dem Wahr-
nehmungsbericht von Wm D._ ist zu entnehmen, dass sie den Beschuldigten
mehrmals aufgefordert hätten, sich zu beruhigen und aufzuhören, sie anzurem-
peln. Als der Beschuldigte immer energischer und das Wegstossen immer hefti-
- 19 -
ger geworden sei, hätten sie ihn arretiert (Urk. 16/4 S. 1), mit anderen Worten be-
schreibt auch Wm D._ ein heftiges Stossen seitens des Beschuldigten als
ursächlich. Aus dem Wahrnehmungsbericht von Wm C._, welcher zu Guns-
ten des Beschuldigten verwertbar wäre (vgl. Erw. II.3.1.), geht hervor, dass sich
der Beschuldigte von Anfang an der Kontrolle widersetzt habe, indem er wieder-
holt seine Arme weggerissen habe, als seine beiden Kollegen versucht hätten,
diesen etwas von der Eingangstüre und den wartenden Gästen des Lokals weg-
zuführen. Während er die Zeugin etwas abseits angehört habe, habe er bemerkt,
dass die Personenkontrolle eskaliere. Es habe eine Zurechtweisung stattgefun-
den. Die Worte habe er nicht verstanden, da er erst auf die Zurechtweisung hin
seine Aufmerksamkeit auf das Geschehen gelenkt habe. Er habe gesehen, wie
der Beschuldigte von seinen Kollegen an beiden Armen festgehalten worden sei
und vehement versucht habe, sich loszureissen (Urk. 6/2 S. 1). Aus dieser Dar-
stellung erhellt, dass Wm C._ den genauen Grund, weshalb es schliesslich
zu einer Arretierung gekommen ist, nicht mitbekommen und er nicht – entgegen
der Ansicht der Verteidigung (vgl. Urk. 35 Rz. 5) – das Wegführen von der Ein-
gangstüre als Ursache für die Arretierung des Beschuldigten nannte. Zusammen-
gefasst sind keine Widersprüche in den Aussagen der anwesenden Polizisten zu
erkennen, sondern die geringfügigen Unterschiede in ihren Aussagen sind viel-
mehr dem geschuldet, dass sie im relevanten Zeitraum unterschiedlichen Aufga-
ben nachgingen und den Sachverhalt entsprechend aus verschiedenen Perspek-
tiven erlebten, wobei sie dies stets kennzeichneten.
6.2. Schliesslich ist auf das Vorbringen der Verteidigung, dass Wm C._ die
Kopfstoss-Bewegung aufgrund der zeitlichen Abfolge gar nicht – wie von diesem
beschrieben (vgl. Urk. 6/2 S. 2) – gesehen haben und folglich seine Aussage nicht
der Wahrheit entsprechen könne (Urk. 35 Rz. 6; Urk. 48 Rz. 18; Urk. 67 Rz. 13),
nicht weiter einzugehen, da dessen Wahrnehmungsbericht zulasten des Beschul-
digten ohnehin nicht verwertbar ist und für die Erstellung des Sachverhalts nicht
auf die Aussagen von Wm C._ abzustellen ist.
7. Angesichts der schlüssigen und lebensnahen Aussagen des Privatklägers
erweisen sich die relativ pauschalen Bestreitungen und verschiedenen Erklä-
- 20 -
rungsversuche des Beschuldigten als wenig glaubhaft, zumal sich auch die Aus-
sagen der Zeugin und Wm D._ betreffend den Gemütszustand des Beschul-
digten ohne Weiteres in die Sachdarstellung des Privatklägers einfügen lassen.
Es besteht kein begründeter Anlass, an den Aussagen der Zeugin und
Wm D._ zu zweifeln. Ebenso wenig bestehen Hinweise oder Anhaltspunkte
für ein Motiv des Privatklägers, einen wahrheitswidrigen Wahrnehmungsbericht zu
verfassen, ist er nach eigenen Angaben weder mit dem Beschuldigten verwandt
bzw. verschwägert (vgl. Urk. 16/2 F/A 6) noch besteht eine andere Verbundenheit
zwischen den beiden. Im Gegenteil ist aus der Aussage des Privatklägers, er ha-
be Wasser für den mit Pfefferspray kontaminierten Beschuldigten besorgt
(Urk. 16/2 F/A 10), zu schliessen, dass er es gut meinte mit dem Beschuldigten.
Mit der Vorinstanz ist deshalb erstellt, dass der Beschuldigte anlässlich der Poli-
zeikontrolle und der damit verbundenen Arretierung mit seinem Kopf Anlauf holte
und versuchte, dem hinter ihm stehenden Privatkläger einen Kopfstoss zu ver-
passen, wobei der Privatkläger gerade noch ausweichen konnte (vgl. Urk. 46 Erw.
III.5.6.; Urk. 10).
IV. Rechtliche Würdigung
1. Der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte strafbar macht sich
(unter anderem), wer eine Behörde, ein Mitglied einer Behörde oder einen Beam-
ten während einer Amtshandlung tätlich angreift (Art. 285 Ziff. 1 Abs. 1 StGB).
1.1. Nach der strafrechtlichen Legaldefinition von Art. 110 Abs. 3 StGB gelten
mitunter Angestellte der öffentlichen Verwaltung und der Rechtspflege als "Beam-
te" im Sinne des Gesetzes.
1.2. Eine sog. "Amtshandlung" ist jede Betätigung im Rahmen der öffentlich-
rechtlichen Funktion. Dazu gehören nicht nur Rechtshandlungen und weitere
Handlungen in Ausübung staatlicher Macht, sondern auch Handlungen zur Erfül-
lung staatlicher Aufgaben und Teilakte derselben sowie Vorbereitungs- und Be-
gleithandlungen. Für Letztere gilt dies allerdings immer nur unter der Vorausset-
zung, dass die Handlung amtlichen Charakter hat, d.h. im Zusammenhang mit der
- 21 -
Erfüllung einer öffentlich-rechtlichen Funktion steht (BSK StGB-HEIMGARTNER, N 9
zu Vor Art. 285 StGB; BGE 90 IV 137).
1.3. Der Privatkläger als Gefreiter der Stadtpolizei Zürich ist zweifelsohne als
Beamter im Sinne von Art. 110 Abs. 3 StGB zu qualifizieren. Die während seines
Dienstes uniformiert von ihm vorgenommene Personenkontrolle und ordnungs-
gemässe, notwendig gewordene, und in seiner Amtsbefugnis liegende Arretierung
des Beschuldigten (§ 16 PolG ZH) stellen Amtshandlungen im Sinne von Art. 285
StGB dar. Beides wird im Übrigen von der Verteidigung auch nicht in Abrede ge-
stellt.
2. Die Tatbestandsvariante des tätlichen Angriffs besteht in einer unmittelba-
ren, auf den Körper zielenden Aggression. Der tätliche Angriff gemäss Art. 285
Ziff. 1 StGB setzt eine gewisse Intensität voraus, welche jedoch nicht über die An-
forderungen an die Tätlichkeit gemäss Art. 126 StGB hinausgeht, denn beide Be-
griffe stimmen überein. Ein vollendeter tätlicher Angriff im Sinne von Art. 285 Ziff.
1 StGB liegt aber bereits vor, wenn lediglich ein Versuch einer Tätlichkeit vorliegt.
Dass körperliche Auswirkungen unterbleiben, ist unerheblich; dies im Gegensatz
zum Straftatbestand des Art. 126 StGB, wo ein blosser (strafloser) Versuch vorlä-
ge. Ein tätlicher Angriff liegt damit auch vor, wenn der Beamte ausweicht. Der tät-
liche Angriff muss sich – im Gegensatz zu den anderen beiden Tatbestandsvari-
anten – nicht gegen die Amtshandlung richten, d.h. diese muss nicht gehindert
werden (vgl. Urteile BGer 6B_550/2019 vom 8. Juli 2019 E. 4.2. sowie
6B_357/2013 vom 29. August 2013 E. 6.2.; je m.w.H.).
2.1. Mit der Vorinstanz ist zu erkennen, dass der Beschuldigte gestützt auf den
erstellten Sachverhalt den objektiven Tatbestand von Art. 285 Ziff. 1 StGB erfüllte,
indem er dem Privatkläger in dessen Verrichtung der Amtstätigkeit versuchte, ei-
nen Kopfstoss zu geben, womit eine unmittelbar auf den Körper des Privatklägers
zielende Aggression vorliegt. Dass es schliesslich nicht zu einer unmittelbaren
Einwirkung auf den Körper des Privatklägers gekommen ist, mithin der Privatklä-
ger vom Kopfstoss des Beschuldigten nicht getroffen wurde, hing ausschliesslich
vom Ausweichen des Privatklägers ab.
- 22 -
3. Beim subjektiven Tatbestand der Gewalt und Drohung gegen Behörden und
Beamte ist Vorsatz erforderlich, wobei Eventualvorsatz genügt. Der Täter muss
mit anderen Worten zumindest in Kauf nehmen, dass seine Handlung einem tätli-
chen Angriff gleichkommt (BSK StGB-HEIMGARTNER, N 23 zu Art. 285 StGB).
3.1. Nach dem unter Sachverhalt Erwogenen, befand sich der Beschuldigte an-
lässlich der Polizeikontrolle in einem aufgewühlten Gemütszustand, versuchte
sich von Anfang an der Kontrolle zu widersetzen und nahm die Kopfstoss-
Bewegung, wie vom Privatkläger beschrieben, in der Weise vor, dass er zuerst
nach vorne ausholte und anschliessend mit dem Kopf nach hinten schlug, wes-
halb in Abweichung von der Vorinstanz ein gezielter Kopfstoss in Richtung des
Privatklägers und damit ein direktvorsätzliches Handeln des Beschuldigten gege-
ben ist.
4. Da weder Rechtfertigungs- noch Schuldausschlussgründe gegeben sind, ist
der Beschuldigte der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte im Sinne
von Art. 285 Ziff. 1 StGB in der Tatbestandsvariante des tätlichen Angriffs schul-
dig zu sprechen.
V. Strafe
1. Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten mit einer Geldstrafe von
60 Tagessätzen zu Fr. 10.– (Urk. 46 S. 24). Da der Beschuldigte als einzige Par-
tei ein Rechtsmittel ergriffen hat, steht das Verbot der reformatio in peius (Art. 391
Abs. 2 StPO) einer strengeren Bestrafung im Berufungsverfahren von vornherein
entgegen.
1.1. Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung wiederholt dar-
gelegt (BGE 144 IV 313 E. 1.1; BGE 141 IV 61 E. 6.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.; je
m.w.H.). Darauf sowie auf die zutreffenden theoretischen Ausführungen der Vo-
rinstanz, insbesondere ihre Erwägungen zum Strafrahmen und die Grundsätze
der Strafzumessung innerhalb des Strafrahmens, kann vorab verwiesen werden
(Urk. 46 Erw. V.1.-2.). Der Beschuldigte ist folglich wegen Gewalt und Drohung
gegen Behörden und Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB mit einer inner-
- 23 -
halb des ordentlichen Strafrahmens (Geldstrafe bis 180 Tagesätze oder Freiheits-
strafe bis drei Jahren) zu bemessenden Strafe zu sanktionieren (Art. 285 Ziff. 1
StGB i.V.m. Art. 34 Abs. 1 StGB und Art. 40 Abs. 1 StGB).
1.2. Kommen Freiheitsstrafe und Geldstrafe aufgrund der Verschuldensbewer-
tung im konkreten Fall alternativ in Frage, ist unter Vorbehalt von Art. 41 Abs. 1
StGB eine Geldstrafe auszufällen, wie dies die Vorinstanz mit zutreffender Be-
gründung zu Recht getan hat (Urk. 46 Erw. V.3.). Der Ausfällung einer Freiheits-
strafe im Berufungsverfahren würde im Übrigen das Verschlechterungsverbot
entgegenstehen.
2. Bei der objektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte
dem Privatkläger, der in Ausübung seiner Amtstätigkeit handelte, einmalig ver-
suchte, einen Kopfstoss zu versetzen, sein Handeln mithin nicht lange andauerte,
und der Privatkläger aufgrund seiner Antizipation ausweichen konnte, weshalb es
zu keinerlei körperlichen Beeinträchtigung oder weitergehenden Folgen für diesen
gekommen ist. Jedoch darf nicht ausser Acht gelassen werden, dass es nicht we-
gen des Beschuldigten, sondern wegen der Reaktion des Privatklägers bei einem
versuchten Kopfstoss geblieben ist, und denkbare schwerere Verletzungen vom
Tatbestand nicht erfasst würden, weshalb sich dieser Umstand mit der Vorinstanz
nur marginal zu Gunsten des Beschuldigten auswirken kann. Angesichts des vor-
handenen Strafrahmens von bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe ist die objektive
Schwere dieser Tathandlungen insgesamt als leicht einzustufen.
2.1. Was die subjektive Tatschwere anbelangt, ist zu Gunsten des Beschuldigten
zu berücksichtigen, dass er einerseits aufgrund des vorangegangenen Vorfalls mit
der Security – nicht zuletzt auch wegen des Pfeffersprays in seinen Augen – auf-
gebracht war und es andererseits während der Polizeikontrolle zu sprachlichen
Verständigungsproblemen zwischen ihm und den Polizisten kam und er nicht ver-
stand, weshalb er arretiert wurde und sich entsprechend wehrte (vgl. Urk. 35
Rz. 4 f.), mithin lag beim Beschuldigten eine gewisse emotionale Ausnahmesitua-
tion vor. Trotzdem wäre es ihm im Prinzip ohne weiteres möglich und zumutbar
gewesen, sich kooperativ zu verhalten. Zudem liegt entgegen der Vorinstanz nicht
eventualvorsätzliches, sondern direktvorsätzliches Handeln vor. Bei einer Ge-
- 24 -
samtbetrachtung wird die objektive Tatschwere durch die subjektive Tatschwere -
ungeachtet der gewissen emotionalen Ausnahmesituation - deshalb nicht relati-
viert.
2.2. Das Verschulden ist daher insgesamt als leicht zu qualifizieren, was eine
hypothetische Einsatzstrafe von 50 Tagessätzen Geldstrafe als angemessen er-
scheinen lässt.
3. Der Beschuldigte wuchs in H._, Brasilien, auf, wo er auch die Schule
besuchte. Er absolvierte das 12. Schuljahr zum Buchhalter und arbeitete an-
schliessend im Büro als Kassierer und Büroangestellter. Anschliessend zog er
nach Portugal, wo er ungefähr 18 Jahre lebte. In Portugal hat er zwei Söhne im
Alter von heute 22 und 29 Jahren. Seit nunmehr ungefähr 19 Jahren lebt er in der
Schweiz, verfügt hierzulande über eine Niederlassungsbewilligung C und ist zwi-
schenzeitlich geschieden. Er arbeitete sowohl in Portugal als auch in der Schweiz
als Maler, in Portugal war er selbständig (vgl. Prot. II S. 6 f.; Urk. 15/1 F/A 31; vgl.
auch Urk. 9/2). Aufgrund von körperlichen Beschwerden ist der Beschuldigte ar-
beitsunfähig und befindet sich im IV-Abklärungsverfahren. Zudem leidet er an De-
pressionen. Zuletzt einer Arbeit nachgehen konnte er anfangs 2020. Er lebt seit
zwei Jahren von der Sozialhilfe und erhält monatlich ungefähr Fr. 900.– ausbe-
zahlt, wobei seine Miete durch das Sozialamt direkt bezahlt wird. Die monatliche
UVG-Rente des Beschuldigten in Höhe von rund Fr. 500.– geht direkt ans Sozial-
amt (Urk. 15/1 F/A 24; Prot. II S. 8 f.; Urk. 64/5). Aufgrund seiner gesundheitlichen
Situation befindet er sich nicht auf Arbeitssuche. Er wohnt allein in einer 1-
Zimmerwohnung (Urk. 64/2). Der Beschuldigte hat gemäss eigenen Angaben kein
Vermögen, jedoch Steuerschulden in Höhe von Fr. 3'540.– (vgl. zum Ganzen
Prot. II S. 6 ff.; Prot. I S. 7 ff.; Urk. 15/1 F/A 24 ff.; Urk. 5 F/A 56 ff.; vgl. auch
Urk. 15/2 F/A 11 ff.). Aus den dargelegten persönlichen Verhältnissen des Be-
schuldigten lassen sich keine strafzumessungsrelevanten Faktoren ableiten.
3.1. Der Beschuldigte weist eine Vorstrafe auf (Urk. 65). Am 24. August 2016
wurde er von der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis wegen einfacher Körperver-
letzung zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 110.– verurteilt. Der Voll-
zug der Geldstrafe wurde im Umfang von 45 Tagessätzen unter Ansetzung einer
- 25 -
Probezeit von vier Jahren aufgeschoben. Dem Beschuldigten wurde damals zur
Last gelegt, im Rahmen einer Auseinandersetzung einem Mann einen Faust-
schlag ins Gesicht verpasst zu haben (vgl. Urk. 15/1 F/A 21 ff.; Prot. I S. 9). Diese
Vorstrafe, die nicht direkt einschlägig ist, aber die Aggressionsbereitschaft des
Beschuldigten unterstreicht, ist merklich straferhöhend zu berücksichtigen. Weite-
re Straferhöhungs- oder Strafminderungsgründe bestehen nicht.
3.2. Aufgrund der Täterkomponente, der Vorstrafe, ist die Einsatzstrafe um 10
Tagessätze zu erhöhen. In Würdigung sämtlicher Strafzumessungsgründe erweist
sich die von der Vorinstanz ausgesprochene Geldstrafe von 60 Tagessätzen als
angemessen.
4. Ein Tagessatz beträgt gemäss Art. 34 Abs. 1 StGB in der Regel mindestens
Fr. 30.– und höchstens Fr. 3'000.–. Wenn die persönlichen und wirtschaftlichen
Verhältnisse des Täters dies gebieten, kann der Tagessatz ausnahmsweise bis
auf Fr. 10.– gesenkt werden. Das Gericht bestimmt die Höhe des Tagessatzes
nach den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen des Täters im Urteils-
zeitpunkt (Art. 34 Abs. 2 StGB). Damit ist das Urteil der letzten Tatsacheninstanz
gemeint, d.h. jene Instanz, vor welcher neue Tatsachen noch berücksichtigt wer-
den können. Ist die Tagessatzhöhe im Rechtsmittelverfahren neu festzusetzen, so
ist somit der Zeitpunkt des Rechtsmittelurteils massgebend (BSK StGB-DOLGE,
N 50 zu Art. 34 StGB; vgl. auch BGE 135 IV 180 E. 1.4.).
4.1. Die dargelegten finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten sind mit monat-
lichen Einkünften aus der Sozialhilfe von ungefähr Fr. 900.– sehr knapp, auch
wenn die Miete vom Sozialamt direkt bezahlt wird (vgl. Prot. II S. 9; Urk. 64/5).
Aufgrund seiner derzeitigen Abhängigkeit vom Sozialamt ist es dem Beschuldig-
ten auch nicht möglich, seiner Unterhaltspflicht für seinen Sohn in Portugal in Hö-
he von monatlich Fr. 450.– nachzukommen (Prot. I S. 8; Urk. 15/1 F/A 27 f.;
Urk. 5 F/A 58 f.). Mit der Vorinstanz erscheint es daher aufgrund der dargelegten
sehr knappen finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten angemessen, aus-
nahmsweise den Tagessatz auf Fr. 10.– festzusetzen.
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5. Zusammenfassend ist der Beschuldigte mit einer Geldstrafe von 60 Tages-
sätzen zu Fr. 10.– zu bestrafen, wobei die erlittene Haft im Umfang von einem
Tag (vgl. Urk. 8/1 [Verhaftszeit: 16. Oktober 2020, 23.30 Uhr] und Urk. 8/4 [Haft-
entlassung: 17. Oktober 2020, 16.00 Uhr]) an die Strafe anzurechnen ist (Art. 51
StGB).
VI. Vollzug
1. Mit Urteil der Vorinstanz wurde der Vollzug der Geldstrafe mit zutreffender
Begründung aufgeschoben (Urk. 46 Erw. VI.). Da das Verschlechterungsverbot zu
beachten ist, erübrigen sich weitere Erörterungen, und die vorinstanzliche Anord-
nung ist zu übernehmen.
2. Um den verbleibenden Bedenken angesichts der Vorstrafe des Beschuldig-
ten Rechnung zu tragen, erscheint eine Festsetzung der Probezeit über dem ge-
setzlichen Minimum von zwei Jahren (Art. 44 Abs. 1 StGB) als angezeigt. Die von
der Vorinstanz festgelegte Probezeit von vier Jahren erscheint indes aufgrund des
Umstands, dass die einzige Vorstrafe des Beschuldigten zum Tatzeitpunkt bereits
über vier Jahre zurücklag, als zu lang. Die Dauer der Probezeit ist angemessen
auf drei Jahre zu reduzieren.
VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Bei diesem Verfahrensausgang ist die erstinstanzliche Kostenauflage (Dis-
positivziffer 5 und 6) zu bestätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO).
2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'000.– zu veran-
schlagen. Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Parteien nach Mass-
gabe ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte
unterliegt im Berufungsverfahren. Dementsprechend sind ihm die Kosten des Be-
rufungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung, aufzuer-
legen. Einzig die Reduktion der Probezeit von vier auf drei Jahre rechtfertigt noch
keine andere Kostenregelung. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind auf die
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Gerichtskasse zu nehmen. Die Rückerstattungspflicht des Beschuldigten ist vor-
zubehalten (Art. 135 Abs. 4 StPO).
3. Der mit Kostennote vom 17. März 2022 (Urk. 66) geltend gemachte Aufwand
(inkl. Barauslagen) der amtlichen Verteidigung erscheint angemessen und steht
im Einklang mit den Ansätzen der Anwaltsgebührenverordnung. Nach Berücksich-
tigung der zusätzlich zur Honorarnote angefallenen Aufwendungen im Umfang
von dreieinhalb Stunden ist Rechtsanwältin X._ mit einem Honorar von rund
Fr. 4'900.– (inkl. Mwst.) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.