# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c88ffc0f-52d6-4aef-b482-40012a49a034
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1968,
war als Taxifahrer
der
Y._
GmbH bei der Suva gegen die Folgen von Unfällen versichert, als sein korrekt parkiertes Fahrzeug, in welchem er sass, am 1. Juni 2018 von eine
m aus einem Parkplatz rückwärtsf
ahrenden Fahrzeug touchiert wurde, wobei sich der Versi
cherte verletzte (Urk. 7/1). Die erstbehandelnde Ärztin diagnostizierte im Bericht vom 23. Juni 2018 (Urk. 7/9) ein Halswirbelsäulen(HWS)-Schleudertrauma und eine Lendenwirbelsäule
n
(LWS)-Kontusion (Ziff. 5) und attestierte eine Arbeitsun
fähigkeit von 100 % vom 1. bis 30. Juni 2018 und eine solche von 80 % vom 1. bis 31. Juli 2018 (Ziff. 8).
Mit Verfügung vom 19. August 2019 stellte die Suva ihre Leistungen (Taggeld und Heilbehandlung) per 1. September 2019 ein (Urk. 7/88). Die dagegen gerich
tete Einsprache
des Versicherten
vom 6. September 2019 (Urk. 7/92/1-2) und 9. Dezember 2019 (Urk. 7/99/1-5) wies
sie
mit Entscheid vom 15. Mai 2020 ab (Urk. 7/101 = Urk. 2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 15. Mai 2020 (Urk. 2) erhob der Versicherte am 17. Juni 2020 Beschwerde und beantragte die Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen über den 1. Juni 2019 (richtig: 1. September 2019) hinaus (Urk. 1 S. 2 Ziff. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 29. Juli 2020 schloss die Suva auf Abwei
sung der Beschwerde (Urk. 6), was dem Beschwerdeführer am 27. August 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 10 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung ihrer Unfall
folgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu.
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natür
lichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhanden
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise be
ziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entspre
chend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusam
menhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
ge
dacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
an
spruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.3
1.3.1
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausal
zusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adä
quate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 402 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.3.2
Die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und der infolge eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule auch nach Ablauf einer gewissen Zeit nach dem Unfall weiterbestehenden gesundheitlichen Beein
trächtigungen, die nicht auf organisch nachweisbare Funktionsausfälle zurückzu
führen sind, hat nach der in BGE 117 V 359 begründeten Rechtsprechung des Bundesgerichts in analoger Anwendung der Methode zu erfolgen, wie sie für psychische Störungen nach einem Unfall entwickelt worden ist (vgl. BGE 123 V 98 E. 3b, 122 V 415 E. 2c). Es ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise der Erwerbsunfähigkeit zukommt. Das trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Demnach ist zu
nächst zu ermitteln, ob der Unfall als leicht oder als schwer zu betrachten ist oder ob er
dem mittleren Bereich angehört. Auch hier ist der adäquate Kausalzu
sam
menhang zwischen Unfall und gesundheitlicher Beeinträchtigung bei leichten Unfällen in der Regel ohne Weiteres zu verneinen und bei schweren Unfällen ohne Weiteres zu bejahen, wogegen bei Unfällen des mittleren Bereichs weitere Kriterien in die Beurteilung mit einzu
beziehen sind. Je nachdem, wo im mittleren Bereich der Unfall einzuordnen ist und abhängig davon, ob einzelne dieser Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, genügt zur Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder müssen mehrere herange
zogen werden.
Als Kriterien nennt die Rechtsprechung hier:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalles;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen;
-
fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung;
-
erhebliche Beschwerden;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen.
Diese Aufzählung ist abschliessend. Anders als bei den Kriterien, die das Bun
desgericht in seiner oben zitierten Rechtsprechung (BGE 115 V 133) für die Beur
teilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und einer psychischen Fehlentwicklung für relevant erachtet hat, wird bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall mit Schleuder
trau
ma der Halswirbelsäule und den in der Folge eingetretenen Beschwerden auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet, da es bei Vorliegen eines solchen Traumas nicht entscheidend ist, ob Beschwerden medizinisch eher als organischer und/oder psychischer Natur bezeichnet werden (BGE 134 V 109; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., 1999 Nr. U 341 S. 409 E. 3b, 1998 Nr. U 272 S. 173 E. 4a; BGE 117 V 359 E. 5d/
aa
und 367 E. 6a)
1.4
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter Einstellung der vorüber
ge
henden Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung abzuschliessen, wenn von der Fortsetzung der ärztli
chen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der ver
sicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungs
mass
nahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (vgl. Art. 19 Abs. 1, Art. 24
Abs. 2 UVG; Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2. Mai 2014 E. 4.1, vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3). In diesem Zeitpunkt ist der
Unfallversicherer auch befugt, die Adäquanzfrage zu prüfen (Urteil des Bun
des
gerichts 8C_377/2013 vom 2. Oktober 2013 E. 7.2 mit Hinweis auf
BGE
134 V 109, vgl. auch Urteil 8C
_
454/2014 vom 2. September 2014 E. 6.3).
Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeits
fähigkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Die Verwendung des Be
griffes «namhaft» in Art. 19 Abs. 1 UVG verdeutlicht demnach, dass die durch
weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinne von Art. 10 Abs. 1 UVG erhoffte
Besserung ins Gewicht fallen muss. Weder eine weit entfernte Möglichkeit eines positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von weiteren Massnahmen – wie etwa einer Badekur – zu erwartender geringfügiger therapeutischer Fortschritt verleihen Anspruch auf deren Durchführung. In diesem Zusammenhang muss der Gesundheitszustand der versicherten Person prognostisch und nicht aufgrund retrospektiver Feststellungen beurteilt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2. Mai 2014 E. 4.1 mit Hinweisen, insbesondere auf BGE 134 V 109 E. 4.3; vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3).
1.
5
Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte kommt nach der Rechtsprechung Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hi
nweis auf BGE 125 V 351 E. 3b
/
ee
). Trotz dieser grundsätzlichen Beweiseignung kommt den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSG
)
vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten unabhängiger Sachver
ständiger. Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig
keit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzune
hmen (BGE 142 V 58 E. 5.1; 139 V 225 E. 5.2;
135 V 465 E. 4.4
und E. 4.7
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Leistungseinstellung per 1. September 2019 damit (Urk. 2), für die über den 1. September 2019 hinaus bestehenden Be
schwerden könne kein strukturelles, durch das Ereignis vom 1. Juni 2018 verur
sachtes Substrat objektiviert werden. Ein etwaiger Kausalzusammenhang zwischen
dem Ereignis vom 1. Juni 2018 und den Beschwerden sei nicht adäquat.
2.2
Dagegen wandte der Beschwerdeführer ein (Urk. 1), indem die Beschwerde
geg
nerin die Frage nach dem natürlichen Kausalzusammenhang offen lasse, aner
kenne sie implizite, dass der medizinische Sachverhalt nicht ausreichend abge
klärt sei (S. 5 Ziff. 16). Aufgrund der vorliegenden medizinischen Akten könne nicht beurteilt werden, dass keine organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen vorlägen, da zur Genese der anlässlich des MRI vom 28. Juni 2019 festgestellten
organischen Veränderungen an der HWS keine diesbezüglichen Aussagen ge
macht
worden seien. Insofern die Kreisärztin ausgeführt habe, es lägen keine trauma
tischen Läsionen vor, habe sie dazu keine Begründung geliefert (S. 7 Ziff. 25).
Eine Adäquanzprüfung sei unter diesen Umständen nicht zulässig (S. 7 f. Ziff
. 26). Selbst aber wenn davon ausgegangen werde, dass die festgestellten organischen Veränderungen nicht unfallkausal seien, sei die Adäquanzprüfung zu früh erfolgt, fänden sich doch in den ärztlichen Aussagen keine zum Erreichen des Endzu
stands (S. 8 Ziff. 27 ff). Ausserdem werde ein Auffahrunfall nach der Recht
sprechung in der Regel als mittleres Ereignis im Grenzbereich zu den leichten qualifiziert (S. 9 Ziff. 31). Selbst wenn die Adäquanzprüfung bereits zulässig wäre, wäre die Adäquanz zu bejahen (S. 10 Ziff. 41).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer über den 1. September 2019 hinaus Anspruch auf Leistungen der Beschwerdegegnerin hat.
3.
3.1
3.1.1
Laut Arztzeugnis vom 23. Juni 2018 (Urk. 7/9) von Dr. h.c. med.
Z._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, erlitt der Beschwerdeführer am 1. Juni 2018 ein HWS-Schleudertrauma sowie eine LWS-Kontusion (Ziff. 5). Als Befunde nannte
die Ärztin
Schwindel,
starker
Tinnitus, Schmerz
en und Streckhaltung (Ziff. 4).
Sie attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % vom 1.
bis 30. Juni und von 80 % vom 1. bis 31. Juli 2018 (Ziff. 8).
3.1.2
Dem von Dr.
Z._
ausgefüllten
Dokumentationsbogen
für Erstkonsultation nach kranio-zervikalem Beschleunigungstrauma, bei der Beschwerdeführerin am 5. Juli 2018 eingegangen
(Urk. 7/19)
,
kann entnommen werden, dass die Beweg
lichkeit der HWS schmerzhaft eingeschränkt war und sich die Schmerzen in den Hinterkopf, den Rücken und in beide Schultern ausdehnte
n
(Ziff. 5a). Die neu
rologische Untersuchung fiel unauffällig aus (Ziff. 5b).
3.2
3.2
.1
Dr. med.
A._
, Oberarzt, und Dr. med.
B._
, Assistenz
ärztin, Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie am Universitäts
spital
C._
,
nannten im Bericht vom 10.
Oktober
2018 (Urk. 7/51) folgen
de Diagnosen (S. 1):
-
unklare Schwindelattacken mit/bei
-
Tinnitus seit 10 Jahren
-
rezidivierende
n
kraniozervikale
n
Beschleunigungstraumata (Status na
ch 27 Auffahrunfällen)
-
Diabetes Typ 2 und arterielle Hypertonie
Es sei zu
r
weiteren Abklärung eine Konsultation im Rahmen der Schwindel
sprechstunde besprochen worden (S. 2 oben).
3.2
.2
Dem Bericht über die neuro-otologische Standortbestimmung von Dr.
D._
, Assistenzarzt an der Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichts
chirurgie am
C._
,
vom 19. Februar 2019 (Urk. 7/70; inhaltlich identisch mit dem Bericht des Inter
d
isziplinären Zentrums für Schwindel und neurologische Sehstö
rungen
am
C._
vom 14. Januar 2019, Urk. 7/71) ist zu entnehmen, dass sich in der Zusammenschau der Befunde eine normale klinische und apparative peripher-vestibuläre Funktion zeige. Im Vordergrund stehe für den Beschwerdeführer der störende Tinnitus, wobei audiologisch zudem eine leichtgradige, mehrheitlich symmetrische,
sensorineurale
Schwerhörigkeit bestehe. Bei grossem Leidensdruck und auf expliziten Wunsch werde der Beschwerdeführer für eine Standortbe
stim
mung und Beratung bezüglich Coping-Strategien an die Kollegen der
Tinnitus
sprechstunde
überwiesen (S. 2 oben).
3.
3
Dr. med.
E._
, Facharzt für Neurologie, stellte im Bericht vom 7. November 2018 (Urk. 7/47) folgende Diagnose (S. 1):
-
chronisches (myofasziales und
spondylogenes
)
zervikozephales
Schmerz
syndrom mit/bei
-
anamnestisch Status nach erneuter PKW-Kollision am 1. Juni 2018, Status nach diversen (gemäss Patient 27) PKW-Unfällen in den vergangenen Jahren
-
Tinnitus beidseits
Der Beschwerdeführer berichte, dass es seit dem Unfall zu einer Akzentuierung der Verspannungen im Nackenbereich sowie zu einer Verstärkung des Pfeifens beider Ohren gekommen sei. Durch den konstanten Tinnitus (Pfeifen beider Ohren) leide er unter starken Schlafstörungen. Zusammen mit dem Tinnitus und den Nackenschmerzen komme es immer wieder zu Schwindelbeschwerden (S. 1 unten).
Bezüglich der aktuell beklagten Beschwerden (Tinnitus, intermittierender Schwank
schwindel) ergäben sich von neurologischer Seite her keine Anhalts
punkte für ein zugrundeliegendes organisch-neurologisches Korrelat. Die klinisch-
neurologische Untersuchung zeige keine Auffälligkeiten, insbesondere auch keine Anhaltspunkte für eine peripher- oder zentral-vestibuläre Funktionsstörung. Ob das aktuelle komplexe Beschwerdebild mit dem Unfall vom 1. Juni 2018 in einem kausalen Zusammenhang stehe, sei fraglich. Eine nicht unwesentliche Symptom
ausweitung beziehungsweise das Vorliegen funktioneller Beschwerden sei sehr wahrscheinlich. Bereits bei der letzten neurologischen Untersuchung vom 7. Juni 2017 habe eine funktionelle Überlagerung imponiert, die bereits damals als Symptomausweitung interpretiert worden sei (S. 2 Mitte).
3.
4
Im Bericht
von Dr. med.
F._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation
,
vom 27. Dezember 2018 (Urk. 7/55)
über das ambulante Assess
ment in der Rehaklinik
G._
wurden folgende aktuelle
Probleme aufgeführt (S. 1 unten):
-
Tinnitus (vorbestehend)
-
anamnestisch seit 1. Juni 2018 verstärkt
-
Nackenschmerzen
-
Verspannungen im Nacken-Schultergürtel-Bereich
-
gestörter Nachtschlaf
Rein medizinisch seien keine weiteren Abklärungen erforderlich. Anhand der Abklärungsresultate sei eine intensivierte ambulante Therapie mit Betonung einer aktiven Bewegungstherapie im Sinne einer medizinische
n
Trainingstherapie zu empfehlen. Die aktiven Übungen sollten zu einer wei
t
eren Steigerung der Belast
barkeit und zu einer Verbesserung der allgemeinen Ausdauer und
der
berufsspezi
fischen Kraft und Ausdauerkomponenten führen (S. 3 Mitte).
3.5
Dem Bericht über das native
Magnetresonanztomogramm
(MR) des kranio
zervi
kalen Übergangs und der HWS von Prof. Dr.
H._
, Facharzt für Radiologie, vom 28. Juni 2019 (Urk. 7/81) kann entnommen werden, dass eine HWS-Streckhaltung und eine leichte linkskonvexe Skoliose mit einer geringen Fehlrotationskomponente vorliegt. Zwischen C3 und C6 seien die Bandscheiben-
Hinterränder
ohne wesentliche Einengung des Spinalkanals etwas ausgeweitet. Es seien multisegmentale leichte bis betonte Spondylarthrosen zu sehen, eine durch eine
Uncovertebralarthrose
foraminale Reizung der rechten C6-Wurzel sowie eine Reizung der C4- und der C6-Wurzel links seien möglich. Im Bereich der Gelenke zwischen
Okziput
, Atlas und Axis lägen intakte ossäre und
ligamentäre
Verhält
nisse vor (unten).
3.
6
Med.
pract
.
I._
, Fachärztin für Anästhesiologie, Kreisärztin, ging im Bericht vom 14. August 2019 (Urk. 7/86 S. 2) davon aus, dass die HWS schon vor dem Unfallereignis in stummer oder manifester Weise beeinträchtigt gewesen sei. Die LWS-Kontusion sei nur im Arztzeugnis UVG dokumentiert worden. In den letzten vorliegenden medizinischen Berichten vom 5.
(richtig: 7.)
November
(vgl. E. 3.4)
und 17.
(richtig: 27.)
Dezember 2018
(vgl. E. 3.5)
seien keine Beschwerden in diesem Bereich mehr angegeben worden. Insofern sei davon auszugehen, dass diese abgeheilt seien. Eine weitere Abklärung beziehungsweise eine radiologische Diagnostik sei nicht notwendig. In der bildgebenden Diagnostik seien degene
rative Veränderungen vor dem Unfall dokumentiert. Es seien keine traumatischen Läsionen nachgewiesen. Nach zirka 12 Monaten nach dem Ereignis spielten die Unfallfolgen im Beschwerdebild keine Rolle mehr
.
4
.
4.1
Es ist vorab zu prüfen, ob im Zeitpunkt des Fallabschlusses der medizinische Endzustand im Sinne von Art. 19 Abs. 1 UVG erreicht gewesen ist.
4.2
Eingliederungsmassnahmen der IV standen im vorliegenden Fall nie zur Diskus
sion. Sodann kann nach Lage der medizinischen Akten verlässlich gesagt werden, dass eine Fortsetzung der Heilbehandlung keine namhafte
Besserung mehr erwar
ten liess: Der letzte Behandlungsvorschlag wurde von den Ärzten
des
C._
an
lässlich
der
neuro-otologischen Standortbestimmung gemacht (E. 3.3.2)
, indem
diese
den Beschwerdeführer für eine Standortbestimmung und Beratung bezüg
lich Coping-Strategien an die Kollegen der
Tinnitussprechstunde
überwiesen. Weitergehende Behandlungsvorschläge wurden nicht gemacht
.
I
n
der Beschwerde wurde denn auch nicht weiter begründet,
welche
Heilbehandlung noch eine nam
hafte Besserung des Gesundheitszustandes versprach. Der Zeitpunkt des Fallab
schlusses ist damit nicht zu beanstanden.
5.
5.1
Zu prüfen ist im Weiteren, ob beim Beschwerdeführer organisch objektiv ausg
e
wiesene Unfallfolgen vorliegen.
5.2
Dem Bericht der erstbehandelnden Ärztin
(E. 3.1.1)
kann entnommen werden, dass der Beschwerdeführer ein HWS-Schleudertrauma und eine LWS-Kontusion erlitt. Was
die Ärztin
als Befunde
wie Schwindel, starker Tinnitus und Schmerzen
aufführte, sind subjektive Beschreibun
gen über das Missbefinden des Beschwer
de
führers, nicht aber klinische Befunde.
Ihrem
Dokumentationsfragebogen
(E. 3.1.2)
kann als Befund lediglich eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung
im Bereich des Nackens
entnommen werden, wobei die neurologische Untersu
chung ohne Befunde
beziehungsweise
normal ausfiel
(E. 3.1)
.
Das native
MRI
vom
28. Juni 2019 (E. 3.5)
zeigt
e
degenerative Veränderungen
wie Streckhaltung,
eine leichte linkskonvexe Skoliose, ausgeweitete Bandscheiben-
Hinterränder
oh
ne wesentliche Einengung des Spinalkanals sowie multisegmentale leichte bis be
tonte Spon
d
ylarthrosen
zwischen C3 und C6 (E. 3.2).
Traumatische Läsionen wurden im Bericht nicht erwähnt, weshalb davon auszugehen ist, dass solche auf dem MRI nicht ersichtlich und damit nicht ausgewiesen sind
.
Bezüglich der vom Beschwerdeführer
aktuell geklagten Beschwerden (Tinnitus, intermittierender Schwankschwindel)
fand der Neurologe keine Anhaltspunkte für ein zugrundeliegendes organisch-neurologisches Korrelat
(E. 3.
3
). Schliesslich ergaben auch die Untersuchungen durch die Ärzte des
C._
eine normale klinische und apparative peripher vestibuläre Funktion und eine leichtgradige, mehrheit
lich symmetrische,
sensorineurale
Schwerhörigkeit (E. 3.
2.2
).
Den medizinischen Akten zufolge liegen demnach keine organischen Unfall
folgen vor, was denn auch von Kreisärztin
I._
entsprechend gewürdigt wurde (E.
3.6)
Was der Beschwerdeführer gegen diese Würdigung vorbringt, gibt zu keiner abweichenden Betrachtungsweise Anlass. Gemäss ständiger Recht
spre
chung kann auf den Bericht versicherungsinterner Fachärzte abgestellt werden, wenn auch keine nur geringen Zweifel an der Richtigkeit ihrer Schlussfolge
rungen bestehen (vgl.
vorstehende E. 1.5
). Liegen bezüglich der
entscheidwes
ent
lichen
medizinischen Tatsachen keine vom Bericht der versicherungsinternen Fachärzte abweichenden Stellungnahmen anderer medizinischer Fachpersonen vor, so werden solche Zweifel in aller Regel zu verneinen sein (vgl. etwa Urteil
des Bundesgerichts
8C_786/2019 vom 20. Februar 2020 E. 4.1). Da der
Beschwer
deführer
nicht aufzuzeigen vermag, dass die über den
1. September 2019
hinaus anhaltend geklagten Beschwerden von versicherungsexternen Fachpersonen als organisch hinreichend nachweisbar qualifiziert worden wären,
sind
auch nur geringe Zweifel an der Richtigkeit der
Schlussfolgerungen
von Dr.
I._
zu verneinen
. Daran ändert auch nichts, dass diese
kurz und
ausschliesslich gestützt
auf die Akten verfasst wurden.
Liegen keine Anhaltspunkte für das Vorliegen organisch nachweisbarer Be
schwerden vor
, ist nicht ersichtlich, welche
entscheidre
levante
neue
Aufschlüsse von weiteren spezialärztlichen Erhebungen zu erwarten sind, weshalb keine Not
wendigkeit für ergänzende Abklärungen besteht (antizipierte Beweiswürdi
gung; BGE 134 I 140 E. 5.3, 124 V 90 E. 4b).
5.3
F
ehlt es nach dem Gesagten an organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen des Unfalles vom 1. Juni 2018
,
schliesst das zwar die natürliche Unfallkausalität der bestehenden Beschwerden nicht aus. Anders als bei einem klaren unfall
bedingten organischen Korrelat kann der zusätzlich zum natürlichen erforder
liche adäquate Kausalzusammenhang aber nicht ohne besondere Prüfung bejaht werden. Ergibt sich hierbei, dass es an der Adäquanz fehlt, erübrigen sich auch Weiterungen zur natürlichen Kausalität (BGE 135 V 465 E. 5.1).
6.
6.1
Laut
gutachterliche
r
Stellungnahme von Dipl.-Ing. (FH)
J._
der
K._
GmbH
vom 29. August 2018
(Urk. 7/35/28-
2
9)
betrug die stoss
bedingte Geschwindigkeitsänderung (Delta v) des Fahrzeuges des Beschwerde
führers quer zur Fahrtrichtung maximal 1 km/h und längs und in Fahrtrichtung maximal 1 km/h. Die Beschwerdegegnerin nahm gestützt darauf
ein
leichtes Unfallereignis an und verneinte die Adäquanz
(Urk. 2 S. 9 f. Ziff. 4.2.1-2)
.
Der Beschwerdeführer machte dagegen geltend, ein Auffahrunfall werde rechtspre
chungsgemäss in der Regel als mittleres Ereignis im Grenzbereich zu den leichten qualifiziert. Ein leichtes Unfallereignis werde lediglich angenommen bei
ausge
wiesenermassen
sehr tiefem Delta-v und bei zusätzlich weitgehendem Fehlen von unmittelbar nach dem Unfall auftretenden Beschwerden. Das vom Haftpflicht
versicherer bei einer quasi internen Stelle in Auftrag gegebene rudimentäre un
falltechnische Gutachten vermöge nicht zu überzeugen (
Urk. 1
S. 9 Ziff. 31-32).
6.2
Im Rahmen der Adäquanzprüfung werden versicherungsinterne unfallanalytische Expertisen bei der Beurteilung der Unfallschwere regelmässi
g mit
eingeschlossen. Diesen kommt nach der Rechtsprechung unter den gleichen Voraussetzungen Beweiswert zu wie den Gutachten versicherungsinterner Ärzte (Urteil des Bundes
gerichts 8C_128/2009 E. 4.3.3
; vgl. auch vorstehende E. 1.5
).
Besondere Umstände, welche das Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurtei
lung objektiv als begründet erscheinen lassen, liegen nicht vor und werden vom
Beschwerdeführer auch nicht geltend gemacht. Ebenso wenig trifft es zu, dass das festgestellte Delta-v nicht nachvollzogen werden kann. Der Gutachter führt
e
zur Nachvollziehbarkeit seiner Schlüsse den Unfallhergang sowie die nur geringen Schäden an beiden Fahrzeugen an.
Allein mit seinem laienhaften Sachverstand vermag der Beschwerdeführer die unfallanalytische Stellungnahme von Dipl.-Ing.
J._
nicht zu entkräften.
6.
3
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts kann bei Unfällen, welchen eine Geschwindigkeitsänderung von lediglich 5 bis 9
km/h zugrunde liegt, die Adä
quanz des Kausalzusammenhangs in der Regel ohne weiteres verneint werden, weil auf Grund der allgemeinen Lebenserfahrung, aber auch unter Einbezug un
fallmedizinischer Erkenntnisse davon ausgegangen werden darf, dass ein solcher Unfall nicht geeignet ist, einen erheblichen Gesundheitsschaden zu verursachen (Urteil des
Bundesgerichts
U 33/01
vom 7.
August 2001). Im Urteil
U 158/05
vom 8. August 2005 wies das
Bundesgericht
sodann auf ein Präjudiz vom 10. Novem
ber 2004 (Urteil U
174/03
E
5.4) hin, in welchem bei einer kollisionsbedingten Geschwindigkeitsänderung von 4 bis max. 7 km/h das Ereignis nicht als leichter, sondern als banaler Unfall qualifiziert wurde. In diesem Entscheid hielt das
Bundesgericht
fest, dass namentlich bei kollisionsbedingten Geschwindigkeits
änderungen unter 10
km/h und dem weitgehenden Fehlen von unmittelbar im Anschluss an den Unfall aufgetretenen Beschwerden grundsätzlich von einem leichten Unfall auszugehen sei (E
.
5.2). Das
Bundesgericht
ging in seiner Praxis ferner bei einer Geschwindigkeitsänderung von 4
.
5
km/h von einer leichten Kollision aus (Urteil
U 402/05
vom 23.
August 2007
E.
6.1).
In der Praxis des Bundesgerichtes finden sich indes auch Beispiele, bei welchen eine Geschwindigkeitsänderung von 2 bis 7 km/h als mittelschweres Ereignis im Grenzbereich zu den leichten Unfällen eingestuft wurde (Urteil
8C_89/2000 vom 3. Oktober 2008
E
.
7). Hierbei ging es indes lediglich um die Feststellung, dass jedenfalls nicht von einem schwereren Ere
ignis ausgegangen werden könne.
6.
4
Insoweit sich der Beschwerdeführer auf das Urteil des Bundesgerichts 8C_626/2009 vom 9. November 2009 E. 4.2.2, wonach ein Auffahrunfall in der Regel als mittleres Ereignis im Grenzbereich zu den leichten qualifiziert werde, stützt, ist ihm entgegenzuhalten, dass es sich vorliegend
eindeutig
nicht um einen Auffahrunfall handelte. Sein
längs der Fahrbahn
stehendes
Fahrzeug wurde von einem rückwärts aus einem Parkplatz fahrenden Auto seitlich
, an der Stossstange (vgl.
Urk.
7/35/29-30)
gestreift. Die stossbedingte Geschwindigkeitsänderung (Delta v) betrug laut Dipl.-Ing.
J._
(E. 6.1
) ledig
lich 1 km/h, eine nennens
werte Insassenbewegung
lag
nicht vor und die Belastung des Körpers
lag
deutlich unter einer Vollbremsung.
Auch
deuten die sich aus der Fotodokumentation erge
benden Schäden am Fahrzeug (Urk. 7/35/9-18) nicht auf eine heftige Kollision hin.
Der Beschwerdeführer selber schilderte das Unfallereignis in der Unfall
meldung als Touchieren, und nicht als Aufprall
.
Mit der Beschwerdegegnerin ist daher auf einen leichten Unfall zu schliessen.
6.
5
Letztendlich kann di
e Frage der Unfallschwere offen
bleiben, da die Adäquanz des Kausalzusammenhangs selbst dann zu verneinen
wäre
, wenn von einem mittel
schweren Unfall (im mittleren Grenzbereich zu den leichten Ereignissen) aus
ge
gangen
würde
, wie sich aus dem Folgenden anhand der Beurteilung der relevan
ten Adäquanzkriterien ergibt.
6.
6
6.
6
.1
D
ie Diagnose eines Schleudertraumas der HWS
genügt für sich allein nicht zur Bejahung des Kriteriums
der Schwere
und
besonderen Art der erlittenen Verlet
zungen
. Es bedarf hie
r
zu einer besonderen Schwere der für das Verletzungsbild typischen Beschwerden oder besonderer Umstände, die das Beschwerdebild beein
flussen können.
Eine HWS-Distorsion, welche eine bereits erheblich vorgeschä
digte Wirbelsäule trifft, ist speziell geeignet, die typischen Symptome hervorzu
rufen, weshalb sie als Verletzung besonderer Art zu qualifizieren ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_785/2007 vom 11. Juni 2008 E. 4.4)
.
Vor dem Unfall vom 1. Juni 2018 war der Beschwerdeführer nach seinen eigenen (Urk. 1 S. 9 Ziff. 36) und den anamnestischen Angaben der Ärzte in weit über 20
Verkehrsunfälle
mit HWS-Beteiligung involviert.
Es ist
indessen
nicht akten
kundig, dass er vor dem Ereignis vom 1. Juni 2018 aufgrund von HWS-Beschwer
den
arbeitsunfähig oder deswegen in ärztlicher Behandlung war, so dass nicht davon auszugehen ist, dass die Wirbelsäule dermassen erheblich vorgeschädigt war, dass die am 1. Juni 2018 erlittene HWS-Distorsion als Verletzung besonderer Art zu qualifizieren wäre.
6.
6
.2
Aus der ärztlichen Behandlung und den erheblichen Beschwerden, welche bei der Beurteilung der spezifischen Adäquanzkriterien zu berücksichtigen sind, darf nicht bereits auf einen schwierigen Heilungsverlauf und/oder erhebliche Kompli
kationen geschlossen werden. Es bedarf hie
r
zu besonderer Gründe, welche die
Heilung beeinträchtigt haben
(Urteil des Bundesgerichts 8C_825/2008 vom 9. April
2009 E. 4.8)
.
Der Beschwerdeführer machte geltend, er sei am 15. November 2018 in einen weiteren Verkehrsunfall verwickelt gewesen, wobei es zu einer
Zunahme
der Beschwerden und zu einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit gekommen sei (Urk. 1 S
.
4 Ziff. 11).
Bereits einen Monat später aber ging Dr.
F._
(E. 3.
4
) davon aus, dass unter einer gezielten Therapie eine schrittweise Steigerung der Arbeitsfähigkeit
möglich sei (S. 3).
Im Vergleich mit anderen Fällen von HWS-Distorsionstraumen und äquivalenten Verletzungen sind damit keine Anhalts
punkte für bis zum Fallabschluss eingetretene erhebliche Komplikationen ersicht
lich; auch kann nicht von einem schwierigen Heilungsverlauf gesprochen werden.
6.
6
.3
Von einer ärztlichen Fehlbehandlung im Sinne des Kriteriums ist nur auszugehen, wenn in der medizinischen Wissenschaft und Praxis ein gewisser Konsens über die Schädlichkeit einer Therapiemethode besteht (Urteil des Bundesgerichts 8C_1020/2008 vom 8. April 2009 E. 5.6.1).
Aufgrund der Bemerkung
von Dr.
F._
(E. 3.
4
), die Häufigkeit beziehungsweise Dauer der Therapie und der Anteil der aktiven Bewegungstherapie sei angesichts der aktuellen Einschrän
kungen zu gering
(S.
2)
, kann nicht auf eine Schädlichkeit der Th
erapiemethode geschlossen werden
.
6.
6
.4
Das Kriterium der erheblichen Arbeitsunfähigkeit
kann nur erfüllen, wer zur
Überwindung der
Arbeitsunfähigkeit
nachweislich
ernsthafte Anstrengungen unter
nimmt. Konkret muss der Wille erkennbar sein, sich durch aktive Mitwir
kung
raschmöglichst
wieder optimal in den Arbeitsprozess einzugliedern
(BGE 134 V 109 E. 10.2.7).
Laut Bericht
von Dr.
F._
(E. 3.
4
) zeigte der Beschwerde
führer bezüglich baldiger Aufnahme der Arbeit eine verhaltene Haltung
(S. 3)
.
6.
6
.5
Nach dem Gesagten ist lediglich das Kriterium der erheblichen Beschwerden erfüllt
.
Praxisgemäss beurteilt sich die Erheblichkeit der Beschwerden nach den glaub
haften Schmerzen (BGE 134 V 109 E. 10.2.4
). Nachdem Dr.
F._
(E. 3.
4
) auf klinisch nicht plausible Schmerzen hindeutete (
S
. 7), ist davon auszugehen, dass dieses Kriterium nicht besonders ausgeprägt ist, weshalb
die Adäquanz zu ver
neinen ist.
7.
Zusammenfassend ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht über den 1. September 2019 verneint hat, weshalb die Be
schwerde abzuweisen ist.