# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 3091599e-6ef8-4537-9d62-ecf9ec95aa81
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Am 2. Mai 2017 (publiziert am 8. Mai 2017) verfügte das Polizeikommando auf
Gesuch der Politischen Gemeinde Y._ vom 26./28. April 2017 gestützt auf ein
Gutachten der V._ AG, vom 19. April 2017 (fortan: Gutachten V._) folgende
Verkehrsanordnung (Beilage zu act. 11/11, 18.1, 19.1, 19.1.1-19.1.3, 19.5, ABl_):
"Y._, Z._- und A._strasse, Abschnitt Q._kreisel bis M._kreisel:
- Signalisation Nr. 2.30 der abweichenden "Höchstgeschwindigkeit 30 km/h", Z._- und
A._strasse, ab Q._kreisel in Richtung Süden und ab M._kreisel in Richtung Westen
- Signalisation Nr. 2.53 "Ende der Höchstgeschwindigkeit 30 km/h", Z._strasse vor
Q._kreisel und A._strasse vor M._kreisel
- Inselschutzpfosten mit Signal Nr. 2.34 "Hindernis rechts umfahren", A._strasse vor
Hindernis in Richtung Westen
Dauer: 28. Juni 2017 bis Ende Juni 2018 (Forschungsprojekt-Versuch T30)".
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Dagegen rekurrierten die X._, ein Verein nach Art. 60 ff. des Schweizerischen
Zivilgesetzbuches (SR 210, ZGB), ab 4. Juli 2017 vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur.
Walter Locher, St. Gallen, bzw. D._ und E._ am 12. resp. 16. Mai 2017 an das
Sicherheits- und Justizdepartement (act. 11/1 f. und act. 11/7). Am 2. Mai 2018 führte
das Departement einen Augenschein durch (act. 8/1). Mit Entscheid vom 4. Juli 2018
wies es die Rekurse ab, soweit es darauf eintrat (act. 2).
B. Gegen den Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartements (Vorinstanz) vom
4. Juli 2018 erhob die X._ (Beschwerdeführerin) durch ihren Rechtsvertreter am
20. August 2018 Beschwerde beim Verwaltungsgericht (act. 1). Am 19. Oktober 2018
ergänzte sie ihre Beschwerde mit einer Begründung und dem Rechtsbegehren, es sei
der angefochtene Entscheid unter Kosten- und Entschädigungsfolge aufzuheben
(act. 7). Mit Vernehmlassung vom 5. November 2018 schloss die Vorinstanz auf
Abweisung der Beschwerde (act. 10). Mit Replik vom 28. November 2018 bestätigte
die Beschwerdeführerin ihre Anträge und Ausführungen (act. 13). Die Politische
Gemeinde Y._ (Beschwerdegegnerin) beantragte mit Stellungnahme vom
28. Januar 2019 (act. 16), es sei die Beschwerde unter Kosten- und
Entschädigungsfolge abzuweisen (act. 16).
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die

## Considerations

Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59
Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Die
Beschwerdeeingabe vom 20. August 2018 (act. 1) erfolgte rechtzeitig und erfüllt
zusammen mit der Ergänzung vom 19. Oktober 2018 (act. 7) formell und inhaltlich die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1
und 2 VRP). Soweit die Beschwerdeführerin dem Sinn nach geltend macht, sie habe
durch das teilweise Nichteintreten der Vorinstanz eine formelle Rechtsverweigerung
erlitten, ist sie – entgegen der Auffassung der Vorinstanz (vgl. act. 10 Ziff. II, siehe
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
hierzu auch VerwGE B 2008/115; B 2008/121 vom 19. Februar 2009 E. 1.1 mit Hinweis,
www.gerichte.sg.ch) – ohne Weiteres zur Ergreifung des Rechtsmittels berechtigt (vgl.
Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP und BGer 1C_617/2017 vom 25. Mai 2018
in ZBl 120/2019, S. 39 ff. nicht publizierte E. 1.2 f. mit Hinweisen, in: BR 2018, S. 306).
Fraglich ist indessen, ob die Beschwerdeführerin, welche als Verein konstituiert ist,
über die rechtlich geschützten Verfahrensinteressen hinaus ein schutzwürdiges eigenes
Interesse geltend machen kann.
1.1. Ein Verein kann die Interessen der Mehrheit oder einer Grosszahl seiner Mitglieder
mit Beschwerde geltend machen, wenn deren Wahrung zu seinen statutarischen
Aufgaben gehört und eine Vielzahl von Mitgliedern ihrerseits beschwerdebefugt wären
(sog. "egoistische Verbandsbeschwerde"). Der Anteil an betroffenen
Verbandsmitgliedern und deren Legitimation sind – sofern die
Legitimationsvoraussetzungen nicht offensichtlich erfüllt sind – substantiiert darzulegen
(vgl. VerwGE B 2018/1 vom 22. November 2018 E. 1.1 mit Hinweisen,
www.gerichte.sg.ch, und B. Waldmann, in: Niggli/Uebersax/Wiprächtiger/Kneubühler
[Hrsg.], Basler Kommentar, Bundesgerichtsgesetz, 3. Aufl. 2018, Art. 89 Rz. 33 ff.). Was
die Beschwerdebefugnis der einzelnen Mitglieder anbelangt, steht sie allen
Verkehrsteilnehmern zu, welche die mit einer Beschränkung belegte Strasse mehr oder
weniger regelmässig benützen, wie das bei Anwohnern oder Pendlern der Fall ist,
während bloss gelegentliches Befahren der Strasse nicht genügt (vgl.
BGer 1C_497/2017 vom 23. Februar 2018 E. 2.1 mit Hinweis auf BGE 136 II 539 E. 1.1
mit Hinweisen).
1.2. Gemäss den Statuten der Beschwerdeführerin (Beilage zu act. 11/7) gehört die
Rechtsmittelerhebung zur Wahrung der Interessen der Mitglieder zu ihren
statutarischen Aufgaben (vgl. Art. 2 Abs. 2 der Statuten "Interessenwahrung gegenüber
Behörden und Dritten"). Die Beschwerdeführerin hat es zwar unterlassen, eine Liste
ihrer Vereinsmitglieder einzureichen. Aufgrund ihres Vereinszwecks – "Belebung und
Attraktivitätssteigerung der Z._strasse als Geschäfts- und Einkaufsstrasse" (Art. 2
Abs. 1 der Statuten) – erscheint es aber als glaubhaft, dass eine ansehnliche Zahl von
Mitgliedern der Beschwerdeführerin eigenen Angaben gemäss (vgl. dazu
Rekursergänzung vom 28. September 2017, act. 11/14, S. 2 f. Ziff. II/3) die mit der
umstrittenen Beschränkung belegte Strasse mehr oder weniger regelmässig benutzt
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
und zur Beschwerde berechtigt wäre. Daran ändert nichts, falls es sich bei einer
Grosszahl ihrer Mitglieder um Eigentümer oder Geschäftsbetreiber in der
Fussgängerzone (Z._strasse 00-XX) handeln sollte (www._.ch). Von der Vorinstanz
und der Beschwerdegegnerin wird denn auch nichts anderes behauptet. Folglich ist die
Beschwerdeführerin zur Erhebung des Rechtsmittels befugt. Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2. Die Beschwerdeführerin bringt zunächst vor (act. 7, S. 6 f. Ziff. IV/1, act. 13 Ziff. II/1),
die Erweiterung der bestehenden Tempo-30-Zone auf der N._strasse gegen Osten bis
direkt angrenzend an die Z._strasse bilde Bestandteil der strittigen
Verkehrsanordnung. Diese Erweiterung sei bis dato weder verfügt noch publiziert
worden. Auf diese Rüge ist die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid nicht
eingetreten (vgl. act. 2, S. 7 E. 2).
2.1. Tritt die Vorinstanz, wie hier, auf ein Rechtsmittel (teilweise) nicht ein, ohne mit
einer Eventualbegründung die Sache auch materiell zu beurteilen, ist das Verfahren auf
das Nichteintreten zu beschränken. Ist die Beschwerde begründet, weist das
Verwaltungsgericht die Sache gemäss Art. 64 in Verbindung mit Art. 56 Abs. 2 VRP zur
weiteren Beurteilung des Falles an die Vorinstanz zurück. Andernfalls hat es mit dem
vorinstanzlichen Nichteintretensentscheid sein Bewenden (vgl. hierzu VerwGE
B 2017/29 vom 20. Juli 2018, berichtigt am 13. August 2018, E. 1 mit Hinweis auf
Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003,
Rz. 1032, www.gerichte.sg.ch).
Anfechtungsgegenstand resp. -objekt vor der Vorinstanz war die Verfügung des
Polizeikommandos vom 2. Mai 2017 (act. 11/19.5). Die Vorinstanz begründete ihr
Nichteintreten damit (act. 2, S. 7 E. 2), dass die Erweiterung der Tempo-30-Zone auf
der N._strasse nicht Streitgegenstand dieser Verfügung gewesen sei. Der Streit- bzw.
Verfahrensgegenstand setzt sich aus dem durch die Verfügung geregelten
Rechtsverhältnis zusammen, das Gegenstand der angefochtenen Verfügung bildete
oder hätte bilden sollen, in jedem Fall aber nur insoweit, als das Rechtsverhältnis
überhaupt noch streitig ist. Anfechtungsobjekt und Streitgegenstand sind
deckungsgleich, falls die Verfügung insgesamt angefochten wird (vgl.
BGer 2C_124/2013 vom 25. November 2013 E. 2.2.1, BGE 136 II 457 E. 4.2 und
http://www.gerichte.sg.ch
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
VerwGE B 2015/32 vom 19. Juli 2016 E. 2 je mit Hinweisen, www.gerichte.sg.ch, sowie
Kiener/Rütsche/Kuhn, öffentliches Verfahrensrecht, 2. Aufl. 2015, Rz. 1279 ff.,
M. Bertschi, in: A. Griffel [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des
Kantons Zürich, 3. Aufl. 2014, Vorbemerkungen zu §§ 19-28a Rz. 44 ff., und Rhinow/
Koller/Kiss/Thurnherr/Brühl-Moser, öffentliches Prozessrecht, 3. Aufl. 2014, Rz. 985 ff.).
2.2. Bei der Erweiterung der Tempo-30-Zone auf der N._strasse handelt es sich um
eine funktionelle Verkehrsanordnung (vgl. dazu Art. 3 Abs. 4 und Art. 32 Abs. 3 des
Strassenverkehrsgesetzes; SR 741.01, SVG, Art. 107 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 , Art. 108
Abs. 5 lit. e in Verbindung mit Art. 22a der Signalisationsverordnung; SR 741.21, SSV,
sowie Art. 32 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 4a Abs. 1 lit. a und Abs. 5 der
Verkehrsregelnverordnung; SR 741.11, VRV, siehe hierzu auch parlamentarische
Initiative 17.462 "Den Verkehrsfluss auf Hauptverkehrsachsen nicht verunmöglichen"
vom 16. Juni 2017, www.parlament.ch, welcher der Nationalrat am 29. November 2018
Folge gegeben hat, AB 2018 N 1886 ff.), welche gestützt auf Art. 107 Abs. 1
Ingress SSV sowie Art. 19 und Art. 23 der Einführungsverordnung zum
eidgenössischen Strassenverkehrsgesetz (sGS 711.1, EV-SVG) zu verfügen und zu
veröffentlichen (vgl. dazu auch BGE 139 II 145 E. 7) ist. In der Verfügung des
Polizeikommandos vom 2. Mai 2017 (act. 11/19.5) wird diese Verkehrsanordnung mit
keinem Wort erwähnt. Insoweit kann der Vorinstanz gefolgt werden. Zu untersuchen
bleibt, ob die fragliche Verkehrsanordnung auf der N._strasse Bestandteil der
erstinstanzlichen Verfügung vom 2. Mai 2017 hätte bilden sollen.
Die Verfügung vom 2. Mai 2017 erging auf Gesuch der Beschwerdegegnerin vom
28. April 2017 (act. 11/18.1), welchem deren Beschluss vom 26. April 2017 zugrunde
lag (act. 11/19.1). Grundlage des Gesuchs bildete das Gutachten V._ mitsamt den
Massnahmenplänen vom 28. April 2017 (act. 11/19.1.2 f.). Gemäss dem Gutachten
V._ (S. 9) umfasst der Perimeter der strittigen Verkehrsanordnung grundsätzlich die
Z._- und A._strasse auf dem Abschnitt Q._kreisel bis M._kreisel. Dies wird aber
insofern präzisiert (S. 14 f.), als die vorgeschlagenen verkehrsrechtlichen,
gestalterischen und betrieblichen Massnahmen sowie die Informations- und
Kommunikationsmassnahmen, mit welchen die Ziele der strittigen Verkehrsanordnung
erreicht werden sollen, ein Gesamtpaket bildeten und den Verkehrsteilnehmenden
verdeutlichten, dass auf diesem Strassenabschnitt Tempo 30 gelte. Die
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
verkehrsrechtlichen Massnahmen beinhalteten unter anderem auch den Einschluss des
Strassenabschnitts zwischen N._strasse und Z._strasse in die bestehende
Tempo-30-Zone (Verschiebung Zoneneingang nach Osten). Dementsprechend ist im
Massnahmenplan Nr. 003 vom 28. April 2017 (act. 11/19.1.2), auf welchen in der
Verfügung des Polizeikommandos vom 2. Mai 2017 in Hinblick auf das Anbringen der
Signalisation verwiesen wird (act. 11/19.5, S. 4), die Erweiterung der Tempo-30-Zone
auf der N._strasse verzeichnet, wenngleich in der Legende weder das entsprechende
Zonensignal Nr. 2.59.1 noch das entsprechende Ende-Zonensignal Nr. 2.59.2 (vgl.
Art. 2a, Art. 108 Abs. 5 lit. e und Anhang 2/2b SSV) festgesetzt wurde. Darüber hinaus
ist in diesem Massnahmenplan die Demarkierung der drei Fussgängerstreifen
N._strasse/O._platz enthalten, welche in der Verfügung des Polizeikommandos vom
2. Mai 2017 (act. 11/19.5, S. 4) angeordnet wurde (vgl. dazu Art. 25 Abs. 1 Satz 1 EV-
SVG), indes weder verfügt noch veröffentlicht hätte werden müssen (vgl. Art. 107
Abs. 3 Ingress SSV und VerwGE B 2012/216 vom 22. Mai 2013 E. 3.3.1 mit Hinweis auf
BGer 1C_285/2010 E. 3.1, www.gerichte.sg.ch). Im Weiteren räumte der Leiter
Verkehrstechnik der Kantonspolizei, welcher die Verfügung vom 2. Mai 2017
mitunterzeichnete, am Augenschein vom 2. Mai 2018 ein, dass die Publikation – und
damit auch die Verfügung – der fraglichen Verkehrsanordnung fälschlicherweise
unterblieben sei (vgl. act. 8/1 Votum Ziff. 8).
Unter diesen Umständen hätte die fragliche Erweiterung der Tempo-30-Zone auf der
N._strasse richtigerweise Bestandteil der erstinstanzlichen Verfügung des
Polizeikommandos vom 2. Mai 2017 bilden müssen. Demzufolge hätte die Vorinstanz
sowohl auf die entsprechende Rüge der Beschwerdeführerin (vgl. act. 8/1 Ziff. 7)
eintreten als auch die Sache wegen dieses formellen Mangels an das Polizeikommando
zur korrekten Verfahrensabwicklung zurückweisen müssen. Dies umso mehr, als sie
nicht behauptet, dass diese Rüge im vorinstanzlichen Rekursverfahren verspätet erfolgt
sei (vgl. hierzu VerwGE B 2014/55 vom 27. Oktober 2015 E. 4.3.3 ff. mit Hinweisen,
www.gerichte.sg.ch, bestätigt mit BGer 1C_643/2015 vom 3. August 2016 E. 2.2) und
die Erweiterung der Tempo-30-Zone auf der N._strasse keinerlei Auswirkungen auf die
verfügten Verkehrsanordnungen auf der Z._ und A._strasse zeitigen könnte. Die
Beschwerde ist bereits aus diesem Grund gutzuheissen, der angefochtene Entscheid
aufzuheben und die Sache zu korrekter Verfahrensabwicklung sowie zu neuer
Entscheidung direkt an das Polizeikommando zurückzuweisen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3. Bei diesem Verfahrensausgang gehen die amtlichen Kosten des Rekurs- und
Beschwerdeverfahrens zulasten der Beschwerdegegnerin (vgl. Art. 95 Abs. 1 VRP und
VerwGE B 2017/76 vom 16. August 2018 E. 5 mit Hinweisen, www.gerichte.sg.ch).
Eine Entscheidgebühr für das Beschwerdeverfahren von CHF 2'000 ist angemessen
(Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung; sGS 941.12, GKV). Die Vorinstanz hat
den Parteien CHF 2'000 auferlegt (act. 2). Auf die Erhebung ist zu verzichten (Art. 95
Abs. 3 VRP). Der Beschwerdeführerin sind die geleisteten Kostenvorschüsse von
CHF 3'000 (Beschwerdeverfahren) und CHF 1'000 (Rekursverfahren) zurückzuerstatten.
Entsprechend der Verlegung der amtlichen Kosten hat die Beschwerdegegnerin die
Beschwerdeführerin für das Rekurs- (ab 4. Juli 2017, act. 11/7) und
Beschwerdeverfahren antragsgemäss ausseramtlich zu entschädigen (Art. 98
Abs. 1 VRP in Verbindung mit Art. 98 VRP). Der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin hat keine Kostennote eingereicht, weshalb die Entschädigung
nach Ermessen festzulegen ist (vgl. Art. 30 Ingress und lit. b Ziff. 1 sowie Art. 31 Abs. 1
und 2 des Anwaltsgesetzes; sGS 963.70, AnwG, Art. 6 und Art. 19 der Honorarordnung
für Rechtsanwälte und Rechtsagenten; sGS 963.75, HonO, in der Fassung vom
28. November 2018, nGS 2019-019). Dass die Beschwerdeführerin die Entschädigung
nicht zuzüglich Mehrwertsteuer beantragte, schadet nicht, da der Antrag noch vor
Inkrafttreten der revidierten HonO am 1. Januar 2019 gestellt wurde. Eine
Entschädigung von insgesamt CHF 7‘000 für das Rekurs- und Beschwerdeverfahren
zuzüglich vier Prozent Barauslagen und Mehrwertsteuer ist angemessen (Art. 22 Abs. 1
lit. b, Art. 28 und Art. 29 HonO). Die vom Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin im
Rekursverfahren erbrachten anwaltlichen Leistungen unterliegen sowohl den bisherigen
als auch den neu ab 1. Januar 2018 geltenden Mehrwertsteuersätzen. Da diese
Leistungen mehrheitlich vor, teils nach dem 1. Januar 2018 erbracht wurden, ist ein
Anteil der ausseramtlichen Entschädigung von CHF 3'000 zuzüglich 4% Barauslagen
mit dem bisherigen Mehrwertsteuersatz von 8% und ein solcher von CHF 4'000
zuzüglich 4% Barauslagen mit dem neuen Steuersatz von 7.7% abzurechnen (vgl.
Ziff. 2.1 der MWST-Info 19 zur Steuersatzänderung per 1. Januar 2018,
www.estv.admin.ch). Nachdem die Beschwerdegegnerin mit ihren Anträgen nicht
durchgedrungen ist, hat sie im Beschwerdeverfahren keinen Anspruch auf
ausseramtliche Entschädigung. Ungeachtet dessen, steht ihr grundsätzlich kein
bis
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Kostenersatz zu (vgl. R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st.gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, Lachen/St. Gallen 2004, S. 176 f.).