# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** a2ee13d0-5925-4e4b-9611-e9476b64cfc5
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der 1955 geborene
X._ war zuletzt vom
1
7.
Oktober 2012
bis 8. Februar 2013 bei der Y._ AG sowie ab
3. Juni
2013
befristet bei der
Z._
AG als
Betontrenner
angestellt und im Rahmen dieses Arbeitsverhältnisses bei der
Suva
gegen die Folgen von Unfällen versichert
(Urk. 7/2, Urk. 8/1 und Urk. 8/8)
. Mit Schadenmeldung UVG
vom 2. November 2013
liess er der
Suva
mitteilen, dass er
sich
am
1. Februar 2013 an der Schulter verletzt habe
(Urk.
8/7). Einen Arzt habe er zum dama
ligen Zeitpunkt nicht aufgesucht (Urk. 8/1). Mit weiterer Schadenmeldung UVG vom 27. Juli 2013 liess er der Suva mitteilen, dass er sich am 13. Juni 2013 mit einer Bohrmaschine am linken Knie eine Fleischwunde zugezogen habe
(Urk. 7/2). Die am 13. Juni 2013 konsultierten erstbehandelnden Ärzte der Klinik
für Chirurgie des Klinikum A._
stellte
n
als vorläufige Diagnose
eine Decollement-Verletzung linkes Kniegelenk/Oberschenkel medialseitig
(Bericht vom
18. Juni 2013;
Urk.
7/25
).
Die
Suva
erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld
; Urk. 7/12
).
Mit Mitteilung vom
2.
März und Verfügung vom
3.
März 2015 schloss die Suva den Fall per 3
1.
März 2015 ab und stellte ihre Leistungen ein (
Urk.
7/195/1 und
Urk. 7/196). Nachdem der Versicherte dagegen Einsprache erhoben hatte (Urk. 7/
202), hob sie die Verfügung wiedererwägungsweise auf und richtete
rück
wirkend ab 1. April 2015
weiterhin die ge
setzlichen Leistungen aus (Urk.
7/225). Mit Mitteilung vom 28. Septe
mber 2015 und Verfügung vom 13.
Oktober 2015 schloss die Suva den Fall per 3
0.
September 2015 erneut ab (
Urk.
7/243 f.).
D
en Anspruch auf weitere Versicherungsleistungen verneinte sie mit der Begründung, eine erhebliche unfallbedingte Beeinträchtigung der Er
werbs
fähigkeit liege nicht vor. Ebenso wenig sei ein dauernder und erheblicher Integritätsschaden ausgewiesen. Die vom Versicherten gegen diesen Entscheid erhobene Einsprache vom 2
9.
Oktober 2015 (Urk. 7/248) wies die Suva am 2
1.
Juli 2016 ab (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am
25. August 2016
Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte,
der
Einspracheentscheid
vom
21. Juli 2016
sei aufzuheben und es sei
die Vorinstanz zu verpflichten, ihm die gesetzlichen Leistungen gemäss UVG, namentlich weiterhin Taggeldleistungen und Heilbehandlung, eventualiter eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung, zu gewähren.
Zudem sei ein verwaltungsexternes Gutachten einzuholen.
Am
20. September 2016
(Urk.
6
)
beantragte die Suva Abweisung der Beschwerde. Mit Replik vom 5. Oktober 2016
(Urk. 11) stellte der Beschwerdeführer den zusätzlichen Eventualantrag, sofern von einer Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit ausgegangen werde, sei ihm eine fünfmonatige Übergangsfrist für den Berufswechsel unter weiterhin voller Taggeldleistung zu gewähren (S. 2). Die Beschwerdegegnerin hielt mit Duplik vom 22. November 2016 (Urk. 15) an ihrem Antrag auf
Abweisung der Beschwerde
fest. Am 29. November 2016 (Urk. 17) nahm der Beschwerdeführer Stellung zur Duplik, worüber die Beschwerdegegnerin am 1. Dezember 2016 in Kenntnis gesetzt wurde (Urk. 19).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. Novem
ber 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesge
setzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfall
versicherung (UVV) in Kraft getre
ten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen,
die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sach
verhalt ver
wirklicht hat
(vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Än
derung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufs
krankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Die hier zu beurteilende
n
Unfälle haben sich am
1.
Februar und 1
3.
Juni 2013 ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter Einstellung der vorüber
gehen
den Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invaliden
rente und eine Integritätsentschädigung abzuschliessen, wenn von der Fortset
zung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszu
standes der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Ein
gliede
rungs
massnahmen der Invalidenversicherung abgeschl
ossen sind (vgl. Art. 19 Abs. 1, Art. 24 Abs. 2
UVG; Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2.
Mai 2014 E. 4.1, vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3).
In diesem Zeitpunkt ist der Unfallversicherer auch befugt, die Adäquanzfrage zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts 8C_377/2013 vom 2.
Oktober 2013 E. 7.2 mit Hin
weis auf
BGE
134 V 109, vgl. auch Urteil 8C
_
454/2014 vom 2. September 2014 E. 6.3).
Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfä
higkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist
. Die Verwendung des Be
griffes „
namhaft" in Art.
19 Abs.
1 UVG verdeutlicht demnach, dass die durch weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinne von Art.
10 Abs.
1 UVG er
hoffte Besserung ins Gewicht fallen muss. Weder eine weit entfernte Möglich
keit eines positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von weiteren Massnahmen
–
wie etwa einer Badekur
–
zu erwartender ge
ringfügiger therapeutischer Fortschritt verleihen Anspruch auf deren Durch
führung. In diesem Zusammenhang muss der Gesundheitszustand der versi
cherten Person prognostisch und nicht aufgrund retrospektiver Feststellungen beur
teilt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2.
Mai 2014 E. 4.1 mit Hinweisen, insbes. auf BGE
134 V 109 E. 4.3; vgl. auch Urteil 8C_6
39/2014 vom 2. Dezember 2014 E.
3).
1.3
Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte ko
mmt nach der Rechtsprechung Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indi
zien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweis auf
BGE 125 V 351 E. 3b/bb/ee). Trotz dieser grundsätzlichen Beweiseignung kommt
den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs
rechts (ATSG)
vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten unabhängiger Sachverständiger. Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gut
achtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge An
for
derungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuver
lässig
keit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 139 V 225 E. 5.2; BGE 135 V 465 E. 4.4 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_348/2016 vom 9. Dezem
ber 2016 E. 2.4).
2.
D
e
r
am 1
3.
Oktober 2015 verfügungsweise (
Urk.
7/244) verneinte
Anspruch auf
eine Integritätsentschädigung wurde im Einspracheverfahren (
Urk.
7/248) nicht beanstandet. Der Beschwerdeführer kritisierte einzig, dass ihm keine Rente
(respektive keine Taggelder sowie Heilbehandlung mehr)
zugesprochen worden sei
en
. Es bestehen weder Anhaltspunkte dafür, dass er die Verfügung pauschal angefochten hätte, noch dass er auch nur ansatzweise auf die Integritätsent
schädigung Bezug genommen hätte. Diesbezüglich ist die Verfügung mangels Anfechtung in Teil
rechtskraft erwachsen (vgl. BGE 119 V 347 E. 1b). Dass der Beschwerdeführer im Einspracheverfahren nicht vertreten war, ändert nichts
,
war es ihm doch möglich, die Nichtzusprache einer Rente detailliert und be
gründet
sowie mit Hinweis auf die massgeblichen Gesetzesbestimmungen
anzu
fechten. Soweit in der Beschwerdeschrift eine Integritätsentschädigung verlangt wird (
Urk.
1 S. 1 und S. 12 f.), kann daher nicht darauf eingetreten werden.
3.
3
.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren Einspracheentscheid (
Urk.
2) damit, dass zu Recht ausser Frage zu stehen scheine, dass sich die Verletzungen an der linken Schulter nicht mehr in relevanter Weise auf die Erwerbsfähigkeit aus
wirken würden (S. 3). Aufgrund der unfallbedingten Einschränkungen am linken
Knie sei der Beschwerdeführer in seiner zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Beton
trenntechniker zu 100
%
arbeitsunfähig. In einer angepassten Tätigkeit sei er hingegen ganztägig einsatzfähig (S. 6 f.). Das Invalideneinkommen sei - unter Berücksichtigung eines leidensbedingten Abzuges von 10
%
- nach der LSE-Methode ermittelt worden. Der Beschwerdeführer sei trotz seines Alters in der Lage, seine Resterwerbsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu verwer
ten (S. 8-10). Vergleiche man das Invaliden- mit dem Valideneinkommen, ergebe sich ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 9
%
(S. 11).
In ihrer
Beschwerdeantwort (
Urk. 6
) hielt sie ergänzend fest,
sie sei nur des
wegen wieder auf den Entscheid der Leistungseinstellung zurückgekommen, weil der Beschwerdeführer seine ablehnende Haltung gegenüber einem weiteren Eingriff am linken Knie aufgegeben und die vom Kreisarzt längst vorge
schla
gene Arthroskopie dann doch noch habe vornehmen lassen. Von einer falschen kreisärztlichen Beurteilung könne keine Rede sein. Ebenso sei unzutreffend, dass keine ärztliche Einschätzung des medizinischen Endzustandes vorliege. Zu
dem habe auch der behandelnde Arzt nach durchgeführter Arthroskopie keine weitere Behandlung mehr vorgeschlagen (S. 3 f.). Es ergäben sich keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass das Verwenden von Gehhilfen noch medizinisch indiziert wäre. Der Beschwerdeführer habe zudem über keine Einschränkungen
durch Verletzungsfolgen im Bereich der linken Schulter geklagt. Auf das Zum
ut
barkeitsprofil sei somit abzustellen und weitere Abklärungen seien nicht ange
zeigt (S. 5). In den Jahren vor dem Unfall habe er über Temporärvermit
tlungs
büros in der Schweiz gearbeitet und jeweils Erwerbslücken von mehreren Monaten pro Jahr gehabt. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit hätte er auch ohne Unfall weiterhin solche Erwerbslücken aufgewiesen. Die Beschwerde
geg
nerin habe jedoch mit einer Arbeitszeit von 39.05 Stunden pro Woche und einer Arbeitsdauer von 52 Wochen gerechnet, was sich als zu grosszügig erweise. Das Invalideneinkommen sei hingegen korrekt festgelegt worden, ebenso der Leidens
abzug (S. 6 f.).
In ihrer Duplik (Urk. 15) hielt sie fest, es habe sich bereits sehr früh abge
zeichnet, dass der Beschwerdeführer wohl nicht mehr in seine angestammte Tätigkeit werde zurückkehren können. Anlässlich der kreisärztlichen Untersu
chung vom 5. Februar 2015 sei entsprechend ein Zumutbarkeitsprofil auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt definiert worden. Bis zum 30. September 2015 seien ihm Taggelder ausgerichtet worden. Er habe dann längst gewusst, dass ein Berufs
wechsel angezeigt sei, weshalb kein Anspruch auf weitere Taggelder bestehe (S. 2).
3
.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1),
der Fallabschluss sei zu früh erfolgt. Zwar sei anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung vom 5. Februar 2015 erklärt worden, der medizinische Endzustand sei erreicht, doch habe sich diese Beurteilung in Anbetracht der danach erfolgten Gutheissung der Einsprache und der folgenden Knie-Operation als falsch erwiesen. Beweiskräftige ärztliche Beurteilungen, die das Erreichen des
medi
zinischen Endzustandes bestätigen würden, fänden sich in den Akten keine
. Er habe deshalb weiterhin Anspruch auf Heilbehandlung und Taggeldleistungen (S. 5 f.). Der Fall sei zudem ungenügend abgeklärt, da das medizinische Zumut
barkeitsprofil unzutreffend sei. So sei bereits aufgrund der Tatsache, dass er noch immer auf zwei Gehhilfen angewiesen sei, ein Anheben von Lasten bis zu 15 kg völlig unrealistisch. Zudem sei er immer wieder schmerzhaft in seiner
linken Schulter eingeschränkt. Es bestünden Zweifel an der Schlüssigkeit der kreis
ärztlichen Beurteilung, weshalb ein Gerichtsgutachten einzuholen sei (S.
7
f.).
Sowohl das Validen- als auch das Invalideneinkommen seien - aus näher dargelegten Gründen - inkorrekt festgelegt worden, auch sei ihm ein leidensbedingter Abzug von 25 % zu gewähren. Es resultiere ein rentenbe
gründender Invaliditätsgrad von 29 % (S. 8-12).
In seiner Replik (Urk. 11) führte der Beschwerdeführer aus, sollte er in ange
passter Tätigkeit arbeitsfähig sein, wäre ihm eine fünfmonatige Übergangsfrist für den Berufswechsel unter weiterhin voller Taggeldleistung zu gewähren (S. 2 f.). Selbst wenn er auch in Zukunft Erwerbslücken von mehreren Monaten pro Jahr hätte, beträfe dies nicht das Valideneinkommen, sondern die Höhe des versicherten Verdienstes (S. 4).
In seiner weiteren Stellungnahme (Urk. 17) hielt der Beschwerdeführer fest, vor
liegend sei eine Übergangsfrist von fünf Monaten als angemessen zu erachten, ihm sei jedoch lediglich eine solche von unter einem Monat gewährt worden (S.
1)
.
4.
4.1
Die behandelnden Ärzte der Klinik für Chirurgie des Klinikums A._ hielten in ihrem Bericht vom 18. Juni 2013 (Urk. 7/25) folgende Diagnosen fest:
-
Decollement-Verletzung linkes Kniegelenk/Oberschenkel medialseitig
-
Zustand nach Appendektomie 1970
-
Obstuktives Schlafapnoe-Syndrom
-
Anamnestisch Zustand nach Sarkoidose
Der Beschwerdeführer habe sich vom 13. bis 18. Juni 2013 in ihrer stationären Behandlung befunden. Er gebe an, beim Bohren mit dem Bohrer abgerutscht zu sein. Klinisch zeige sich eine 8 x 9 cm grosse Ablederung im Bereich des media
len linken Kniegelenkes. Die periphere Durchblutung, Motorik und Sensi
bilität würden sich seitengleich und intakt zeigen. In einer Röntgen
unter
su
chung des linken Kniegelenkes sei kein Nachweis knöcherner Verletzungsfolgen gefunden worden (S. 1).
4.2
Dem MRT des linken Kniegelenkes vom 9. August 2013 (Urk. 7/33) ist folgende Beurteilung zu entnehmen: „Postkontusionelle, ödematöse Weichteilverände-rungen ventromedial und entsprechender Postkontusionsherd intraossär im Con
dylus tibialis femoris. Nur ringe Degenerationshinweise. Überdehnungs
hinweise femurseitiger Innenbandabschnitte, sonstige ligamentäre und menis
kale Strukturen regelrecht. Lediglich geringer Erguss suprapatellar, Flüssigkeits-vermehrung im Hoffa-Fettkörper. Diskrete retropatellare Chondropathie."
4.3
Im Austrittsbericht der Rehaklinik B._ vom 30. Oktober 2013 (Urk. 7/67) wurden unter anderem folgende Diagnosen gestellt (S. 1):
-
Decollement-Verletzung linkes Kniegelenk/Oberschenkel medialseitig
-
Reizknie links
-
Schulterdistorsion links
-
bislang keine Diagnostik, keine Unfallmeldung
-
anhaltende belastungsabhängige Schulterschmerzen links ventral im Bereich Bicepssulcus
-
22. Oktober 2013 Arthro-MRI Schulter links: im initialen Befundbericht SLAP-Läsion Grad III beschrieben, nach erneuter Befundbesprechung keine Hinweise für eine SLAP-Läsion. Bizepssehnentendinopathie mit mög
licher Teilruptur. Partielle Pulley-Läsion. Höhergradige AC-Gelenks
arthrose
Dazu führten sie aus, der Beschwerdeführer habe sich vom 7. bis 31. Oktober 2013 in der Rehaklinik aufgehalten. Aus medizinisch-rehabilitativer Sicht sei eine Vorstellung bei einem Schulterspezialisten zu empfehlen. In der ange
stamm
ten Tätigkeit sei er derzeit nicht arbeitsfähig. Für eine andere Tätigkeit werde die Zumutbarkeit aktuell noch nicht festgelegt, da der Beschwerdeführer sich in der medizinischen Abklärungs- und Behandlungsphase befinde (S. 2). Das Ausmass der physischen Einschränkungen lasse sich mit den objekti
vier
baren pathologischen Befunden der klinischen Untersuchung und bildgebenden
Abklärungen sowie den Diagnosen aus somatischer Sicht im Sinne einer leichten
Reizkniesymptomatik links und möglichen Restbeschwerden nach Überdehnung des medialen Kollateralbandes erklären. Die Beschwerden an der linken Schulter seit einer Schulterdistorsion vor 9 Monaten seien mit dem MRI-Befund und dem klinischen Untersuchungsbefund gut vereinbar. Der Beschwerdeführer habe sich im Gespräch an Informationen und Anregungen über einen besseren Umgang mit Schmerzen nicht interessiert gezeigt und es hätten keine positiven Verände
rungen im Verlaufe des Aufenthalts beobachtet werden können. Er habe keinen aktiven Umgang mit Schmerzen gefunden und sei vermehrt unpünktlich oder gar nicht zu den Therapien erschienen. Die stationäre Rehabilitation sei etwas vorzeitig beendet worden. Eine Verbesserung der Schmerzproblematik habe
nicht erreicht und die körperliche Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit auf einem
niedrigen Niveau nicht gesteigert werden können. Bezüglich der Beweglichkeit im linken Kniegelenk habe insgesamt eine leichte Verbesserung erreicht werden können (S. 3 f.).
4.4
Suva-Kreisarzt Dr. med. C._, Facharzt für Orthopädie und Rheuma
tologie, Physikalische Medizin und Rehabilitation FMH, hielt in seinem Bericht vom 4. Februar 2014 (Urk. 7/106) fest, es bestehe eine schmerzbedingte Belas
tungsminderung des linken Schultergelenks wegen einer traumatischen Bizeps
seh
nen
tendopathie mit Teilruptur und partieller Pulley-Läsion, begleitend eine unfallfremde höhergradige AC-Gelenksarthrose. Zudem bestehe eine deutliche Belastungsintoleranz des linken Kniegelenks. Es sei ein Schnappen mit wan
dernder engumschriebener Vorwölbung am Knieinnenspalt bei Beuge-/Streck
be
wegungen reproduzierbar, zudem sei das Flexionsdefizit des linken Kniege
lenks deutlich. Dagegen sei der klinische Schultergelenksbefund links weniger ein
drucksvoll. Der medizinische Endzustand sei nicht erreicht. Für die ange
stammte berufliche Tätigkeit bestehe weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % (S. 6 f.). Es rechtfertige sich eine diagnostische Arthroskopie des linken Kniegelenkes und eine Revision des Weichteilmantels im Bereich des Knie
innen
spaltes. Nach durchgeführter diagnostischer und gegebenenfalls therapeu
tischer Weichteilrevision und Arthroskopie sei zwei bis drei Monate postope
rativ eine erneute kreisärztliche Untersuchung durchzuführen (S. 8).
4.5
Nachdem die vom Kreisarzt empfohlene Arthroskopie vom Beschwerdeführer nicht gewünscht und vom behandelnden Dipl.-med. D._, Chirurg/Unfall
chi
rurg/D-Arzt, aufgrund der rückläufigen Symptomatik nicht als sinnvoll erachtet worden war (Urk. 7/119), erfolgte am 5. Februar 2015 eine erneute kreisärztliche Untersuchung (Urk. 7/181). Dr. C._ hielt dabei fest, das linke Schulter
gelenk sei frei beweglich, das Bewegungsausmass entspreche der unverletzten Schulter rechts; der Beschwerdeführer sei heute beschwerdefrei bezüglich des linken Schultergelenkes. Relevant seien die verbliebenen schmerz- und mecha
nisch bedingten Funktionseinschränkungen des linken Kniegelenkes. Der medi
zi
nische Endzustand sei erreicht, da bereits vor einem Jahr der Empfehlung zur minimal invasiven operativen Behandlung des sehr schmerzhaften Tastbefundes medial nicht nachgegangen worden sei; der Beschwerdeführer klage über Ängste bezüglich operativer Eingriffe. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Betontrenntechniker sei er nicht mehr arbeitsfähig. In einer leichten bis mittel
schweren körperlichen Arbeit im angepassten Wechselrhythmus zwischen Stehen
, Gehen und Sitzen sei er jedoch ganztägig einsatzfähig. Lasten bis 15 kg dürften im Einzelfall angehoben werden, dies allerdings nicht häufig repetitiv. Hinknien und Hocken seien zu vermeiden (S. 4 f.). Sowohl für die Unfallfolgen am linken Schultergelenk als auch am linken Kniegelenk sei eine Integritätsentschädigung nicht geschuldet, da die Erheblichkeitsgrenze in beiden Fällen nicht erreicht werde (Urk. 7/193).
4.6
Nachdem die Beschwerdegegnerin den Fall per 31. März 2015 abgeschlossen hatte (Urk. 7/195/1), ging während des hängigen Einspracheverfahrens das MRI des linken Kniegelenkes vom 8. Mai 2015 (Urk. 7/213) ein. Darin wird von annehmbar Traumafolgen am Condylus medialis femoris mit Residuen einer
osteochondralen Läsion oder Fraktur und entsprechend einem möglichen kleinen
freien Gelenkkörper ventromedial des Innencondylus sowie von einer geringen Sekundärarthrose im medialen Kompartiment des Femorotibialgelenkes berich
tet. Insgesamt sei die Befundkonstellation einschliesslich des Alters des Beschwerde
führers untypisch für eine Osteochondrosis dissecans (S. 1 f.). Die Be
schwerdegegnerin kam daraufhin auf ihre Entscheide zurück und richtete rück
wirkend ab 1. April 2015 weiterhin die gesetzlichen Leistungen aus (Urk. 7/225).
4.7
Am 12. Juni 2015 nahm Dipl.-med. D._ die empfohlene Arthroskopie des linken Kniegelenkes vor und berichtete, ein freier Gelenkkörper habe sich nicht gefunden (Urk. 7/230/2 f.). In seinem Bericht vom 26. August 2015 (Urk. 7/236) hielt er fest, der Verlauf nach der Arthroskopie sei seitens der Wundheilung kom
plikationslos gewesen. Der Beschwerdeführer habe eine deutliche Beschwer
delinderung angegeben, Schmerzfreiheit sei allerdings nicht erreicht worden. Bei der letzten Vorstellung am 5. August 2015 sei er immer noch mit Unter
arm
stützen erschienen; das Kniegelenk sei reizlos gewesen und eine Erguss
bildung habe nicht vorgelegen. Medial sei nach wie vor oberhalb des Gelenkspaltes ein Druckschmerz auslösbar. Die verordnete Krankengymnastik sei offenbar sehr schleppend in Anspruch genommen worden. Es bestehe nach wie vor Arbeits
u
n
fähigkeit; seitens des Beschwerdeführers bestehe mehr oder weniger ver
ständ
licherweise wenig Interesse an einer wesentlichen Verbesserung der Situation.
4.8
Kreisarzt Dr. C._ hielt in seinem Bericht betreffend Untersuchung vom 23. September 2015 (Urk. 7/242) folgende Diagnose fest (S. 4):
-
Belastungsminderung linkes Kniegelenk nach Kniekontusion am 13. Juni 2013 mit Décollement-Verletzung medialseitig, chirurgische Wundver
sor
gung gleichen Tages (Débridement)
Die Klagen des Beschwerdeführers würden sich unwesentlich von der Anamnese während der kreisärztlichen Untersuchung am 5. Februar 2015 unterscheiden, insgesamt würden die Beschwerden jedoch eher deutlicher als geringer verspürt.
Klinisch würden sich die Befunde nicht wesentlich von denen am 5. Februar 2015
unterscheiden. Er sei in seiner angestammten Tätigkeit voll arbeitsunfähig, das Zumutbarkeitsprofil ändere sich im Vergleich zu den Angaben vom 5. Februar 2015 nicht. Eine Integritätsentschädigung sei nicht geschuldet, da die Unfall
folgen das Erheblichkeitsmass nicht überschreiten würden. Die Beschwerde
gegnerin habe weiterhin 4-6 Serien à 6 Sitzungen pro Jahr medizinische Trai
nings
therapie und die Fortführung der medikamentösen Schmerztherapie zu überneh
men (S. 4 f.). Die Beschwerdegegnerin schloss den Fall daraufhin per 30. Septem
ber 2015 erneut ab (Urk. 7/243).
4.9
Die Ärzte der Klinik D._, wo sich der Beschwerdeführer vom 5. bis 26. Juli 2016 zur Rehabilitation aufgehalten hatte, hielten in ihrem Bericht vom 28. Juli 2016 (Urk. 12/5) fest, er sei in seiner angestammten Tätigkeit nicht mehr arbeitsfähig. Für maximal mittelschwere Tätigkeiten in überwiegend stehender, gehender und sitzender Körperhaltung bestehe nach erfolgter Rekonva
leszenz ein vollschichtiges Leistungsvermögen in allen Schichtformen (S. 2). Die von ihm geschilderten Beschwerden und funktionellen Einschränkungen seien anhand der Untersuchungsbefunde nicht völlig nachvollziehbar. Der klinische Untersuchungsbefund des Kniegelenkes korreliere nicht mit dem Gangbild und den Angaben zur bewältigenden Wegstrecke beziehungsweise zum Treppen
steigen. Die Rehabilitationsziele hätten aus ärztlicher Sicht im Wesentlichen nicht erreicht werden können, der Beschwerdeführer habe sich jedoch trotz der scheinbar geringen Erfolge zufrieden gezeigt (S. 6 f.).
5
.
5.1
Die Beschwerdegegnerin stellte mit Verfügung vom
3.
März 2015 die vorübergehenden Leistungen auf den 3
1.
März 2015 hin ein (
Urk.
7/196).
Angesichts
der medizinischen Situation nahm sie ihre Verfügung zurück und erbrachte bis am 3
0.
September 2015 weiterhin die gesetzlichen Leistungen
(
Urk.
7/225). In Bezug auf den Zeitpunkt des Fallabschlusses
machte
der Beschwerdeführer
geltend
, er sei vom
5.
bis 2
6.
Juli 2016 in der Klinik
D._
in Reha
bilitation gewesen. Nach wie vor seien Rehabilitationsziele vorhanden (Urk. 11 S.
1 f.).
Aufgrund dieser Vorbringen ist
zu prüfen, ob der per 3
0.
September 2015 verfügte Fallabschluss rechtens ist.
5.2
Kreisarzt Dr. C._ hielt diesbezüglich am 5. Februar 2015 fest, der Beschwerdeführer sei beschwerdefrei bezüglich des linken Schultergelenkes. Im linken Kniegelenk würden schmerz- und mechanisch bedingte Funktionsein
schränkungen verbleiben. Nachdem der bereits vor einem Jahr abgegebenen Empfehlung einer minimal invasiven operativen Behandlung der Beschwerden nicht nachgegangen worden sei, sei der Endzustand erreicht (E. 4.5 hievor). Dipl.-med. D._ nahm daraufhin am 12. Juni 2015 die empfohlene Arthros
kopie des linken Kniegelenkes vor und berichtete von einem seitens der Wund
heilung her komplikationslosen Verlauf; bei der letzten Vorstellung am 5. August sei das Kniegelenk reizlos gewesen und eine Ergussbildung habe nicht vorgelegen (E. 4.7 hievor). Am 23. September 2015 stellte Dr. C._ an
lässlich der kreisärztlichen Untersuchung fest, die Befunde würden sich nicht wesentlich von jenen am 5. Februar 2015 unterscheiden und äusserte sich zum Zumutbarkeitsprofil, zur Arbeitsfähigkeit sowie zu einer allfälligen Integritäts
entschädigung (E. 4.8 hievor). Auch wenn er dies nicht erneut explizit bestätigte, ist doch offensichtlich, dass er von einem zu diesem Zeitpunkt bereits erreichten Endzustand ausging. Es liegen denn auch keine anderslautenden Arzt
berichte im Recht. Dass der Beschwerdeführer sich im Juli 2016 in Reha
bilitation begab, vermag die (prognostisch zu erfolgende [E. 1.2 hievor]) kreis
ärztliche Einschätzung betreffend Endzustand nicht in Zweifel zu ziehen. Davon abgesehen konnte auch während des Rehabilitationsaufenthaltes keine wesent
liche Besserung des Gesundheitszustandes erreicht werden, und die behandeln
den Ärzte gingen bei Austritt aus der Klinik von einer 100%igen Arbeitsfähig
keit in einer angepassten Tätigkeit aus (E. 4.9 hievor).
Eine ins Gewicht fallende Besserung des Gesundheitszustands
mit
Steigerung der Arbeitsfähigkeit
durch Fortsetzung der ärztlichen Behandlung
war
in Anbetracht dieser Umstände
im
Zeitpunkt der kreisärztlichen Untersuchung vom 23. September 2013 nicht m
ehr zu erwarten, zumal für die Leistungseinstellung nicht entscheidend ist, dass die Beschwerden (vollständig) abgeklun
gen sind (vgl. BGE 134 V 109 E.
4.1).
Ein unfallbedingter Behandlungsbedarf über den
30. September 2015
hinaus ist damit nicht erstellt.
Der
auf diesen Zeitpunkt hin
vorgenommene Fallabschluss ist folglich nicht zu beanstanden.
6.
6.1
Der Beschwerdeführer kritisierte ausserdem das vom Kreisarzt festgehaltene Zumutbarkeitsprofil. Dr. C._ hielt diesbezüglich fest, in einer leichten bis mittelschweren körperlichen Arbeit im angepassten Wechselrhythmus zwi
schen Stehen, Gehen und Sitzen sei er ganztätig einsatzfähig. Lasten bis 15 kg dürften im Einzelfall angehoben werden, dies allerdings nicht häufig repetitiv. Hinknien und Hocken seien zu vermeiden (E. 4.5 hievor).
Sein Bericht erscheint als schlüssig,
wurde nachvollziehbar begründet und
ist in sich widerspruchsfrei.
6.2
Soweit der Beschwerdeführer geltend machte, der
Kreisarzt gehe von einem falschen Zumutbarkeitsprofil aus,
da das Heben von 15 kg schweren Lasten aufgrund seiner Gehhilfen unrealistisch sei, ist dazu festzuhalten, dass nicht aktenkundig ist, dass der Beschwerdeführer aus medizinischen Gründen auf das Benutzen von Gehhilfen angewiesen wäre. Im Bericht der Klinik D._ wird im Übrigen festgehalten, er entlaste mit seiner Unterarmgehstütze links eher das rechte (unverletzte) Bein (Urk. 12/5/5). Für die von ihm geltend gemachten Schulterbeschwerden, welche das vereinzelte Heben von Lasten bis 15 kg unzumutbar machen würden, finden sich in den Akten ebenfalls keine Stütze. So berichtete er anlässlich der kreisärztlichen Untersuchungen vom 5. Februar 2015, er habe so gut wie gar keine Beschwerden mehr im linken Schultergelenk. Lediglich wenn er sich über 30 Minuten intensiv mit Dreh
bewegungen beider Arme beschäftige, habe er später einen leichten Nach
kling
schmerz im vorderen Umfang des linken Schultergelenkes. Bewegungseinschrän
kungen bestünden hingegen keine (Urk. 7/181 S. 3). Während der Reha
bilitation im Juli 2016 scheinen die angeblichen Schulterschmerzen überhaupt nicht zur Sprache gekommen zu sein (vgl. Urk. 12/5/5). Das von den Ärzten der Klinik D._ festgehaltene Zumutbarkeitsprofil (100%ige Arbeitsfähig
keit für maximal mittelschwere Tätigkeiten in überwiegend stehender, gehender und sitzender Körperhaltung) bestätigt zudem die Einschätzung des Kreisarztes. Der Beschwerdeführer vermag
das seiner Ansicht nach unzutreffende Zumut
barkeitsprofil nicht durch einen fa
chärztlichen Bericht zu stützen;
ebenso wenig finden sich Anhaltspunkte
dafür
, dass
er in einer so angepassten Tätigkeit nicht zu 100 % arbeitsfähig wäre.
6.3
Zusammenfassend bestehen keine Indizien
, die
gegen die Zuverlässigkeit der Berichte von Kreisarzt
Dr. C._ sprechen würden,
und es kommt diesen voller Beweiswert zu. Von weiteren medizinischen Abklärungen - wie vom Beschwerdeführer beantragt - sind keine zusätzlichen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf in antizipierter Beweiswürdigung (
vgl. BGE 122 V 157 E. 1d mit Hinweisen)
verzichtet wird.
7.
Zu prüfen bleibt, wie sich das Leistungsvermögen des Beschwerdeführers in
erwerblich
er Hinsicht auswirkt.
7.1
Der für die Invaliditätsbemessung und damit den Rentenanspruch massge
bende Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt
werden, worauf sich aus der Ein
kommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (BGE 130 V 34
3
E. 3.4.2). Für die Ermitt
lung des Valideneinkommens, also des Einkommens, welches die versicherte Per
son nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Ge
sunde tatsächlich verdient hätte, wird in der Regel am zuletzt erzielten Ver
dienst angeknüpft.
Der Beschwerdeführer war im Zeitpunkt seines Unfalls am 13. Juni 2013 für die Z._
AG
tätig und erzielte dabei als Beton
trenner einen Stundenlohn von Fr. 31.67.
Für den Einkommensvergleich sind
jedoch
die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypothetisch
en) Beginns des Renten
anspruchs, mithin am 1. Oktober 2015
massgebend
.
Der Beschwerdeführer ging deshalb zu Recht von einem Stundenlohn von Fr. 32.05 per 2015 aus, nachdem er im Unfallzeitpunkt in der Stadt Bern arbeits
tätig war und die Mindestlöhne gemäss Zusatzvereinbarung für das Beton
trenngewerbe zum Landesmantelvertrag für das schweizerische Bauhaupt
gewerbe (nachfolgend: LMV; Stand 1. Juli 2016) in der Zone „Rot", Lohnklasse „A" ab 1. Januar 2014 Fr. 32.05 pro Stunde betrugen (LMV S. 148). Zwar mag zutreffen, dass der Beschwerdeführer die Voraussetzungen gemäss LMV für eine Einstufung in die Lohnklasse „A" nicht erfüllen dürfte, doch wurde er bei der damaligen Arbeitgeberin in diese Lohnklasse eingestuft (vgl. Urk. 7/108/4), und es ist nicht davon auszugehen, dass er im Gesundheitsfall von ihr in die Lohn
klasse „B" zurückgestuft worden wäre.
Der genannte Stundenlohn erfuhr ge
mäss LMV per 2015 keine Änderung. Eine Aufrechnung per 2015 gestützt auf die allgemeine Nominallohnentwicklung ist folglich für die Berechnung des Valideneinkommens nicht geboten.
Der Jahreslohn beziehungsweise das Valideneinkommen ist per 2015 damit wie folgt zu berechnen (vgl. dazu auch Urteil des Bundesgerichts 8C_61/2012 vom 25. April 2012 E. 2.6 mit Hinweisen): Von der Bruttosollarbeitszeit von 2’030 Stunden (LMV S. 147) sind die Ferien von 234 Stunden (6 Wochen gemäss Art. 34 LMV bei einer Wochenarbeitszeit von 38.93 Stunden [2030 Stunden : 52.14 Wochen, vgl. Art. 34 LMV]) zu subtrahieren, während die Feiertage ausser Betracht fallen, da sie wie normale Arbeitstage zu entschädigen sind (Art. 38 Abs. 2 LMV). Der Beschwerdeführer hätte demnach als Gesunder effektiv 1'796 Jahresstunden zu arbeiten. Anzurechnen sind sodann eine Ferienentschädigung von 13 % (Art. 34 Abs. 1 LMV) sowie ein 13. Monatslohn in der Höhe von 8.33 % (Art. 50 Abs. 1 in Verbindung mit Anhang 8 LMV). Dies ergibt bei einem Basislohn von Fr. 32.05 (LMV S. 148 Art. 5 Abs. 2 Zone Rot Lohnklasse A) einen Betrag von Fr. 70'463.--.
7.2
Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der
–
kumulativ
–
besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Recht
sprechung entweder Tabellenlöhne
gemäss
den vom Bundesamt für Statistik
periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) oder die DAP-Zahlen
herangezoge
n werden (BGE 139 V 592 E. 2.3
mit Hinweisen).
Die Beschwerdegegnerin stützte sich zur Berechnung des Invalideneinkommens sowohl in ihrer Verfügung (Urk. 7/244) als auch im Einspracheentscheid ohne weitere Begründung auf die LSE. Rechtsprechungsgemäss kann
die Suva
jedoch
nicht frei wählen
, ob sie
das Invalideneinkommen nach der DAP-Methode
oder anhand der
Tabellenlöhne der LSE bemisst; vielmehr
hat
sie die DAP-Methode stets dann zur Anwendung zu bringen, wenn sie im Einzelfall die bundes
gerichtlichen Vorgaben einhalten
kann (Urteil des Bundesgerichts
8C_378/2017
vom 29. November 2017 E. 4.5 mit Hinweisen zur Rechtsprechungsent
wick
lu
ng). Nachdem die Beschwerdegegnerin vorliegend nicht geprüft hat, ob sie die DAP-Methode zur Anwendung bringen kann, ist die Sache an sie zurückzuweisen, damit sie das Invalideneinkommen rechtskonform berechne
und gestützt darauf über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers erneut befinde. Damit erübrigt sich, auf die Vorbringen der Parteien zur Berechnung des Invalideneinkommens gestützt auf die LSE einzugehen.
8.
Der Beschwerdeführer ist in seiner angestammten Tätigkeit nicht mehr, in einer den Beschwerden angepassten Tätigkeit hingegen zu 100
%
arbeitsfähig. Er machte geltend, ihm sei deshalb eine fünfmonatige Übergangsfrist für den Berufs
wechsel unter weiterhin voller Taggeldleistung zu gewähren.
Mit dieser Argumentation übersieht er jedoch, dass ihm nicht etwa die Taggelder gestützt auf
Art.
6 Satz 2 ATSG
gekürzt wurden, sondern dass der Anspruch auf ein Taggeld gestützt auf
Art.
19
Abs.
1 UVG
(Fallabschluss, vgl. dazu E. 1.2 hievor) untergegangen ist. Da wie bereits dargelegt von einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung über den 3
0.
September 2015 hinaus keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr zu erwarten war, durfte die Beschwerdegegnerin die Taggeldleistungen einstellen, ohne ihn zunächst zu einem Berufswechsel aufzu
fordern und eine Übergangsfrist zu gewähren (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 8C_83/2017 vom 1
1.
Dezember 2017 E. 5.2 f.)
. Diesbezüglich ist die Beschwerde abzuweisen.
9.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57). Dem Beschwerdeführer steht ausgangsgemäss eine Prozessent
schädigung zu, welche vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeit
aufwand und den Barauslagen festgesetzt wird (§ 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer).
Der Beschwerdeführer unterliegt bezüglich des Zeitpunkts des Fallabschlusses, der Integritätsentschädigung, des Antrags auf Einholung eines Gerichtsgutachtens und der Ausrichtung von Tag-geldleistungen während einer Übergangsfrist, obsiegt hingegen (im Sinne einer Rückweisung) in Bezug auf die Rentenfrage. Letzteres stellt den gewichtigsten Streitpunkt des Verfahrens dar, weshalb es sich rechtfertigt, die Prozessent
schä
digung lediglich um die Hälfte zu kürzen.
Nach Einsicht in die am 29. Novem
ber 2016 eingereichte Kostennote (Urk. 18) ist entsprechend eine gekürzte Pro
zessentschädigung von Fr. 1‘911.15 (inkl. Barauslagen und MWSt) auszurichten.