# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** a4a790d3-943a-5ae6-8c3d-96b24bac58a6
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der
1955
geborene
X._
war zuletzt von
1976 bis 2007 tem
porär bei verschiedenen Arbeitgebern als Chauffeur und Maler
tätig.
Am 31. Juli 2012 meldete er sich unter Hinweis auf eine chronische depressive Störung sowie einen Verdacht auf eine generalisierte Angststörung
bei der In
validenversicherung
zur Früherfassung und am
6.
August 2012
unter Hinweis auf
einen am
7.
Juli 1974 erlittenen Unfall und körperliche Schmerzen
zum
Leistungsbezug an
(Urk.
9/
6 und
Urk.
9/
8
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen und liess den Versicherten insbesondere
psychiatrisch
begutachten (Expertise vom
3.
Mai 2014
;
Urk.
9/20
).
I
m Vorbescheidverfahren (Urk.
9/28 und
Urk.
9/3
8
)
holte sie erneut ein psychiatrisches Gutachten ein (Expertise vom 1
1.
Oktober 2015;
Urk.
9/50)
,
zu dem sich der Versicherte am
7.
Januar 2016 äusserte (Urk. 9/60). Am
2.
März 2016 (
Urk.
9/65) legte er den Austrittsbericht der
Z._
vom 1
8.
Februar 2016 ins Recht (Urk. 9/64). Zum hernach von der IV-Stelle eingeholten Bericht der
Z._
vom 9. März 2016 (
Urk.
9/67) nahm der Versicherte unter Auflage eines
Verlaufsbe
richts
des behandelnden Psychiaters (
Urk.
9/71) am
7.
Juni 2016 Stellung (
Urk.
9/69). Der Gutachter setzte sich am 2
4.
August 2016 mit den neuen medi
zinischen Unterlagen auseinander (
Urk.
9/74), zu welchem Bericht sich der Ver
sicherte am
7.
Oktober 2016 vernehmen liess (
Urk.
9/80). Im Weiteren liess die IV-Stelle eine Haaranalyse erstellen (Bericht vom 1
6.
Januar 2017,
Urk.
9/91). Der Versicherte verzichtete am
1.
März 2017 (
Urk.
9/98) auf Vorbringen zum entsprechenden Bericht wie auch zur diesbezüglichen Stellungnahme des Gut
achters (
Urk.
9/96).
Mit Schreiben vom 1
3.
März
2017 (
Urk.
9/100) forderte
die IV-Stelle
den Versi
cherten im Rahmen seiner Mitwirkungspflicht zu einer Alkoholabstinenz auf und
wies
das
Leistungs
begehren mit Verfügung
von demselben Datum ab (Urk. 2)
.
2.
Dagegen erhob
der
Versicherte am
2
7.
April 2017
Beschwerde (Urk. 1) und bean
tragte, die Verfügung vom
1
3.
März 2017
sei aufzuheben und es sei
sein medizinischer Gesundheitszustand erneut und umfassend abzuklären.
Zudem sei ih
m
die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen. Am
9.
Juni 2017
(Urk.
8
) beantragte die IV-Stelle
die
Abweisung der Beschwerde
, was dem
Beschwerde
führer mit Verfügung vom
1
2.
Juni 2017
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
10
).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1
.
1
.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisende Verfü
gung vom
1
3.
März 2017
(Urk. 2) damit, dass
dem Beschwerdeführer die angestammte Tätigkeit als Maler zu 80
%
und eine angepasste Tätigkeit zu 100 % zumutbar sei. Damit liege kein Anspruch auf eine Invalidenrente vor.
1
.2
Der
Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
der medizinische Sachverhalt sei nicht genügend abgeklärt worden (S. 7). Dem eingeholten psychiatrischen Gutachten komme - aus näher dargelegten Grün
den - kein Beweiswert zu. Dies sei bereits im Vorbescheidverfahren geltend ge
macht worden. Die Beschwerdegegnerin
habe
nicht
begründet, weshalb sie den
noch auf das Gutachten abgestellt habe.
Sie
habe damit das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers verletzt (S. 8 f.).
Der Gesundheitszustand des Beschwer
deführers habe sich zudem verschlechtert, was auch vom Gutachter anerkannt worden sei. Es sei nicht
verständlich
, weshalb die Beschwerdegegnerin
das Leistungsbegehren dennoch abgelehnt habe (S. 9 f.). Schliesslich sei nicht abge
klärt worden, ob es sich bei der Alkoholabhängigkeit des Beschwerdeführers um eine primäre oder sekundäre Sucht handle. Aus diesem Grund sei auch nicht klar, ob ihm eine Abstinenz überhaupt zumutbar sei (S. 10 f.).
2
.
2
.1
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt in seinem
im Rahmen des Vorbescheidverfahrens eingeholten
Gutachten vom 1
1.
Oktober 2015 (
Urk.
9/50) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (S. 25):
-
Dysthymie
-
Zustand nach rezidivierenden depressiven Episoden, remittiert
-
Zustand nach Panikstörung, remittiert
Zudem stellte er folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 26):
-
Alkoholabhängigkeit, derzeit abstinent
-
Benzodiazepinabhängigkeit
Dazu führte er aus, dass a
ufgrund des
dysthymen
Affektes eine reduzierte
Frustra
tionstoleranz
für seelische Belastungen und eine reduzierte
Sozialkom
petenz
, mithin Funktionseinschränkungen für Tätigkeiten, die ausgeprägten und adäquaten Sozialkontakt erfordern würden,
bestünden.
Insbesondere bestünden
Einschränkungen im sozialen Kontakt für schwierigen Publikumsverkehr (bei
spielsweise Beschwerdestelle) und andere Tätigkeiten mit hohen sozial-kommu
nikativen Anforderungen. In der angestammten Tätigkeit als Maler bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
, in einer angepassten Tätigkeit eine solche von 100
%. Dies gelte jeweils
seit dem Untersuchungszeitpunkt (
1.
Juli
2015;
S. 26 f.).
2
.2
Die behandelnden Ärzte der
Z._
, bei welcher der Beschwerdeführer vom 2
8.
Januar bis
3.
Februar 2016 hospitalisiert
war, stellten
in ihrem Bericht vom
9.
März 2016 (
Urk.
9/67)
folgende Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit
(S. 2)
:
-
Schizoaffektive
Störung, gegenwärtig depressiv
-
Panikstörung (episodisch paroxysmale Angst)
-
Psychische und Verhaltensstörungen durch Sedative oder Hypnotika:
Abhän
gigkeitssyndrom
-
Visus
-Verlust links seit Kindheit
Zudem führten sie folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit auf:
-
Chronische Virushepatitis B, unklar seit wann
-
Status nach schwerem Motorradunfall mit multiplen Frakturen der Wirbel
säule und der unteren Extremitäten 1974
-
Status nach chronischer Virushepatitis C
-
Status nach erfolgreicher Therapie mit Interferon 2011-2012
Der Beschwerdeführer sei während der Hospitalisation zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen
(S. 4)
.
2
.3
Im Verlaufsbericht vom
2.
Juni 2016 (
Urk.
9/71)
führten
med.
pract
.
B._
, FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, und med.
pract
.
C._
aus, der Be
schwerdeführer sei notfallmässig und auf eigenen Wunsch stationär in die
Z._
eingewiesen worden. Grund seien der nicht mehr zu ertragende Druck, bedingt durch Verfolgungswahn, Misstrauen, teilweise akustische und optische Halluzi
nationen, Schlaflosigkeit, Essensverweigerung mit besorgniserregender Ge
wichtsabnahme, panische Ängste und depressive Stimmungsschwankungen, gewesen. Im geschützten Rahmen sei es zu einer kurzfristigen Besserung des psychischen Zustandes gekommen. Nach Austritt habe sich der psychische Zu
stand jedoch schon kurzfristig zunehmend verschlechtert mit zunehmendem Wahn und Halluzinationen, begleitet von Ängsten, starken
Stimmungsschwan
kungen
und Misstrauen. Am 2
7.
Mai 2016 habe
d
er
Beschwerdeführer
erneut um eine dringende stationäre Einweisung gebeten
;
s
ein Telefon werde vom So
zialamt, der Beschwerdegegnerin und der Polizei abgehört, er würde über den
Fernseher beobachtet, es seien erneut Wanzen und Kameras installiert worden und vor der Praxis stehe ein Polizeiwagen, der ihn beobachte. Zudem habe man ihm KO-Tropfen ins Glas getan.
Es handle sich um eine Verschlechterung des psychischen Zustandes mit weiter
bestehender Arbeitsunfähigkeit von 100
%
.
2
.
4
Dr.
A._
hielt in seiner Stellungnahme zu
Händen
der Beschwerdegegnerin vom 2
4.
August 2016 (
Urk.
9/74) fest, die
Berichte der
Z._
sowie von Dr.
B._
würden zu einer anderen Einschätzung der aktuellen Arbeitsfähigkeit führen als im Zeitpunkt der Begutachtung. Die plausibel berichteten wahnhaften Symptome seien
dannzumal
nicht vorhanden gewesen. Vermutlich hätten die psychotischen Symptome
bereits einige Wochen vor dem Eintritt in die
Z._
bestanden. Ob es sich um eine
schizoaffektive
Erkrankung handle, müsse offen bleiben. Es gebe keine Hinweise auf das Vorliegen
einer solchen
Erkrankung in früheren Jahren. Ein erstmaliges Auftreten einer
schizoaffektiven
Störung in dem relativ hohen Alter des Beschwerdeführers sei weniger wahrscheinlich.
Wahrscheinlicher sei eine alkohol-assoziierte Erkrankung. D
er Bericht von Dr.
B._
sei plausibel, ebenso ihre Einschätzung, dass beim Beschwerdeführer zum Zeitpunkt des Berichtes eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
vorgelegen habe.
2
.5
Das Institut für Rechtsmedizin
der
D._
hielt in seinem Bericht zu Haaranalysen vom 16. Januar 2017 (
Urk.
9/91) fest, im untersuchten Zeitraum von Mitte Juli bis Mitte Dezember 2016 sei im Haar des Beschwerdeführers eine durchschnittliche Konzentration von 31
pg
/mg
Ethylglucuronid
festgestellt worden. Ein Messwert von 30 oder mehr
pg
/mg spreche für einen starken, chronischen Alkoholkonsum.
2
.6
Dr.
A._
führte in seiner Stellungnahme zu
Händen
der Beschwerdegegnerin vom 2
2.
Februar 2017 (
Urk.
9/96) aus, die ihm
neu
vorgelegten Unterlagen würden voll und ganz seine diagnostische Einschätzung einer langjährigen
Al
koholabhängigkeit
bestätigen.
Am 2
9.
März 2016 habe ihn der Beschwerdefüh
rer telefonisch beschimpft und mit einer Klage vor Bundesgericht gedroht, je
doch keinerlei wahnhafte Äusserungen gemacht. Da er den Beschwerdeführer seit dem
1.
Juli 2015 nicht mehr gesehen habe, könne er für die Zwischenzeit keine detailliertere Aussage machen. Die neu
en
Unterlagen würden die
gemäss
Dr.
B._
bestehende
100%ige Arbeitsunfähigkeit
ab Juni 2016 plausibilisieren.
3.
Rund zwei Monate nach der Begutachtung rief der Beschwerdeführer Gutachter
Dr.
A._
zum wiederholten Male an und behauptete, dieser habe ihm
bei der
Begutachtung
etwas in sein Wasser geschüttet, er werde gegen ihn eine Strafan
zeige einreichen (Urk. 9/50 S. 18). Mit Schreiben vom
7.
Dezember 2015 (
Urk.
9/53) bestand er weiterhin darauf, dass ihm am Tag der Begutachtung eine „Wahrheitsdroge“ eingeflösst worden sei. Ende Januar
2016
liess er sich auf
grund von Wahnvorstellungen (unter anderem Verfolgungswahn vor dem Sozi
alamt, der Beschwerdegegnerin und der Polizei) während einer Woche in der
Z._
hospitalisieren (E. 2.2 hievor). Am 2
7.
Mai 2016 bat er seinen behandeln
den Psychiater aus denselben Gründen erneut um eine stationäre Einweisung
(E. 2.3 hievor).
Die Haaranalyse vom 16. Januar 2017 lässt zudem auf einen star
ken, chronischen Alkoholkonsum mindestens von Mitte Juli bis Mitte Dezember 2016 schliessen (E. 2.5 hievor), nachdem
d
er
Beschwerdeführer
im Zeitpunkt der Begutachtung diesbezüglich abstinent gewesen war (E. 2.1 hievor).
Dr.
A._
vermutete,
die psychotischen Symptome
hätten
bereits seit einigen Wochen vor dem Eintritt in die
Z._
bestanden
, mithin seit Ende 201
5.
Eine Arbeitsunfähig
keit erachtete er jedoch erst ab Juni 2016 als plausibel und vermochte für die Zeit vo
n
Juli 2015 bis Februar 2017 keine detaillierteren Aussagen zu machen, da er den Beschwerdeführer seit der Begutachtung nicht mehr gesehen habe (E. 2.4 und E. 2.6 hievor).
Der Verlauf nach der Begutachtung sowie eine allfällige Verschlechterung des Gesundheitszustandes
wurde
damit von der Beschwerdegegnerin
nicht hinrei
chend
abgeklärt. Ebenso wenig klärte die Beschwerdegegnerin gutachterlich ab, inwiefern sich der erneut aufgetretene massive Alkoholkonsum und der
Ge
sundheitsschaden
des Beschwerdeführers gegenseitig beeinflussen.
D
iesbezügli
che
(aktenbasierte)
Stellungnahme
n
durch einen fachfremden Arzt
des Regio
nalen Ärztlichen Dienstes
genüg
en
dafür selbstredend nicht (vgl.
Urk.
9/99
/8-15).
Die angefochtene
Verfügung vom
1
3.
März 2017
(Urk. 2)
ist bereits aus diesem Grund aufzuheben und die Sache zur weiteren
medizinischen
Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.
4
.1
Gemäss Art. 57a Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
teilt die IV-Stelle der versicherten Person den vorgesehenen Endentscheid über ein Leistungsbegehren oder den Entzug oder die Herabsetzung einer bisher ge
währten Le
istung mittels Vorbescheid mit.
Die Parteien können innerhalb
einer Frist von 30
Tagen bei der IV-Stelle
münd
lich oder schriftlich Einwände zum Vorbescheid vorbringen (Art. 73
ter
Abs. 1 und
Abs. 2 Satz 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung [
IVV
]). Hernach
entscheidet die IV-Stelle mittels Verfügung, wobei sie sich darin mit den
für den Beschluss
relevanten Einwänden der Parteien auseinanderzusetzen hat (Art. 74 Abs. 1 und 2 IVV).
Die von den kantonalen IV-Stellen erlassenen Verfügungen sind sodann – in Ab
weichung von Art. 52 und Art. 58
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
– ohne vorgängiges Einsprachever
fahren direkt beim Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle anfechtbar (Art. 69 Abs. 1 lit. a IVG).
4
.2
Nach Art. 42
ATSG
haben die
Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, wobei sie vor Erlass von Verfügungen, die durch Einsprache anfechtbar sind
–
was
auf
Verfügungen über Leistungen der
Invalidenversicherung nach dem Gesagten nicht zutrifft
–
nicht angehört werden müssen.
Ein
Bestandteil
des Anspruchs auf rechtliches Gehör, wie er neben der explizi
ten gesetzlichen Regelung
in Art. 42 ATSG auch in Art. 29 Abs.
2 der Bundes
verfassung
der Schweizerischen Eidgenossenschaft
(BV) garantiert wird (vgl. BGE 124 V 180 E. 1a), ist das Recht der ver
sicherten Person, sich vor Erlass eines in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die
Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweis
anträgen gehört zu werden und an der
Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beein
flussen (BGE 132 V 368 E. 3.1). Der Gehörs
anspruch verpflichtet die Behörde, die
Vorbringen der betroffenen Person auch tatsächlich zu hören, zu prüfen und in
der Entscheidfindung zu berücksichtigen, weshalb sie ihren Entscheid zu begrün
den hat (BGE 134 I 83 E. 4.1). Die Pflicht der Behörde, ihre Verfügungen – sofern
sie den Begehren der Parteien nicht voll entsprechen (Art. 49 Abs. 3 Satz 2 ATSG)
– zu begründen, bezweckt insbeson
dere, die betroffene Person in die Lage zu
versetzen, eine Verfügung gegebe
nenfalls sachg
erecht anfechten zu können (BGE
124 V 180 E.
1a, vgl. auch BGE 134 I 83 E. 4.1 mit Hinweisen).
Um den verfassungsrechtlichen Anforderungen zu genügen, muss die Begrün
d
ung wenigstens kurz die Überlegungen nennen, von denen sich die Behörde bei ihrem Entscheid hat leiten lassen und auf die sich der Entscheid stützt. Aus der Begründung muss jedenfalls ersichtlich werden, ob und warum die Behörde ein Vorbringen einer Partei für unzutreffend beziehungsweise unerheblich hält. Es muss erkennbar sein, ob die Behörde es überhaupt in Betracht gezogen hat. Sie darf sich nicht auf den Hinweis beschränken, die Überlegungen der versi
cherten Person seien zur Kenntnis ge
nommen und geprüft worden.
Die Begrün
dung muss so abgefasst sein, dass eine Anfechtung des Entscheids möglich ist
(
Kieser
, ATSG-Kommentar,
3.
Aufl
.
20
15
, N
56
zu
Art. 49
,
mit Hinweis auf BGE 124 V 180)
.
Das Vorbescheidverfahren geht über den verfassungsrechtlichen
Mindestan
spruch
auf rechtliches Gehör (
Art.
29
Abs.
2 BV) hinaus, indem es Gelegenheit gibt, sich nicht nur zur Sache, sondern auch zum vorgesehenen Entscheid zu äussern (BGE 134 V 97 E. 2.8.2 mit Hinweisen).
4
.3
Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur.
Daher führt d
essen Verlet
zung ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst zur Aufhebung de
s
angefochtenen
Entscheids.
Vorbehalten bleiben praxisge
mäss Fälle, in denen die Verletzung des
Begründung
srechts nicht besonders schwer wiegt und dadurch geheilt wird, dass die Partei, deren rechtliches Gehör verletzt
wurde, sich vor einer Instanz äussern kann, welche sowohl Tat- als auch Rechts
f
ragen uneingeschränkt überprüft
. Von einer Rückweisung der Sache zur Gewährung des rechtlichen Gehörs an die Verwaltung ist im Sinne einer Hei
lung des Mangels selbst bei e
iner schwer
wiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs dann abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalis
ti
schen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer be
förderlichen Beurteilung der Sache
nicht zu vereinbaren wären (BGE 132
V 387 E. 5.1 mit Hinweisen).
4
.4
4.4.1
Nachdem die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer psychiatrisch
hatte
begutachten l
assen
(
Expertise vom
3.
Mai 2014;
Urk.
9/20
)
,
führte sie i
n ihrem Vorbescheid vom 2
2.
September 2014 (
Urk.
9/28)
in Bezug auf das Abklärungs
ergebnis
Folgendes
aus:
„Den medizinischen Akten entnehmen wir, dass Sie subjektiv gesehen während mehreren Monaten in ihrer bisherigen Tätigkeit eingeschränkt waren.
Unsere ausführlichen Abklärungen haben jedoch ergeben, dass die vorliegenden Diagnosen keine länger dauernden oder bleibenden Auswirkungen auf die Ar
beitsfähigkeit haben. Somit besteht aus versicherungsmedizinischer Sicht keine durch einen Gesundheitsschaden verursachte Erwerbsunfähigkeit.
Es ist Ihnen die zuletzt ausgeführte Tätigkeit als Maler weiterhin voll zumut
bar.“
4.4.2
Auf Einwand des Beschwerdeführers hin (
Urk.
9/32 und
Urk.
9/38) liess die
Be
schwerdegegnerin
den Beschwerdeführer erneut psychiatrisch begutachten (Ex
pertise vom 1
1.
Oktober 2015; E.
2
.1 hievor). Der Beschwerdeführer reichte in der Folge mehrere Stellungnahmen ein (
etwa
Urk.
9/60,
Urk.
9/
72 und Urk. 9/80)
,
welche den Beweiswert des Gutachtens mit substantiierten Vorbrin
gen in Zweifel zogen. Z
udem holte die Beschwerdegegnerin zwei
ergänzende
Stellungnahme
n
des Gutachters
Dr.
A._
(E.
2
.4 und
2
.6 hievor) sowie eine Haaranalyse (E.
2
.5 hievor) ein
, weiter gingen mehrere aktuelle Arztberichte ein (u.a. E.
2
.2 und E.
2
.3 hievor)
, gemäss welchen sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers verschlechtert hat
.
4.4.3
Die Beschwerdegegnerin erliess daraufhin die angefochtene Verfügung vom 13. März 2017 (
Urk.
2), in welche
r
sie zu
den detaillierten Beanstandungen
des Beschwerdeführers wie folgt Stellung nahm:
„Die erneute Überprüfung des medizinischen Sachverhalts hat ergeben, dass weiterhin keine IV-relevante gesundheitliche Einschränkung vorliegt, welche eine hohe Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen würde. [Dem Be
schwerdeführer] ist die angestammte Tätigkeit als Maler zu 80
%
und eine an
gepasste Tätigkeit zu 100
%
weiterhin zumutbar.
Der Anspruch auf eine Invalidenrente liegt somit nicht vor. Weitere medizini
sche Abklärungen werden nicht durchgeführt.“
4.4.4
In ihrer Beschwerdeantwort vom
9.
Juni 2017 (
Urk.
8) verwies die
Beschwerdegeg
nerin
auf die Verfahrensakten.
4
.
5
In Bezug auf den Gesundheitszustand führte die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung einzig aus, dass
keine IV-relevante gesundheitliche Einschränkung vorliege
;
der
Beschwerdeführer sei in
seiner angestammten Tä
tigkeit zu 80
%
und in einer
angepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig.
G
estützt auf welche medizinischen Abklärungen die Beschwerdegegnerin zu dieser Über
zeugung gelangte,
ergibt sich aus der Verfügung nicht
.
Auf die vom Beschwer
deführer geäusserte Kritik am Gutachten (u.a.
Urk.
9/60 und
Urk.
9/80) ging die Beschwerdegegnerin mit keinem Wort ein. Ebenso wenig nahm sie Stellung zu einer allfälligen Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Beschwerde
führers. D
iese Punkte bed
u
rften
aber
einer ausführlicheren Begründung, dies umso mehr,
als
Gutachter
Dr.
A._
eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit ab Juni 2016 als plausibel erachtete (
E.
2
.
4 und
2
.6
hievor). Ein in der
Beschwerdeant
wort
getätigter pauschaler Verweis auf die
Verfahrensakten
genügt zur Begrün
dung der Verfügung o
ffensichtlich nicht.
4.
6
Zwar führt die
Durchführung von weiteren Abklärungen im Einwandverfahren nicht zwingend dazu, dass ein neuer Vorbescheid zu erlassen ist
;
dies
hängt von den Umständen des Einzelfalles ab, unter anderem von der inhaltlichen Bedeu
tung der Sachverhaltsvervollständigung (Urteil des Bundesgerichts 9C_606/2014 vom
9.
Dezember 2014 E. 2.1 in
fine
).
Vorliegend wurde der
entscheidrelevante
Sachverhalt
grösstenteils
nach Erlass des Vorbescheides abgeklärt. So wurde ein neues psychiatrisches Gutachten eingeholt, nachdem auf das zuvor in Auftrag gegebene Gutachten nicht abgestellt werden konnte. Weiter wurden mehrere medizinische Berichte und zwei Stellungnahmen des Gutachters eingeholt und eine Haaranalyse in Auftrag gegeben.
Eine solch umfassende
Sachverhaltsver
vollständigung
ist
derart wesentlich, dass dem Beschwerdeführer
zur
rechts
genüglichen
Gewährung des rechtlichen Gehörs
vor Erlass der angefochtenen Verfügung mit einem neuen Vorbescheid
hätte
mitgeteilt werden müssen, wie die Beschwerdegegnerin
anhand der ergänzenden Abklärungen
zu entscheiden gedenkt
.
4.
7
Die angefochtene Verfügung
erging somit unter schwerer Verletzung des rechtli
chen Gehörs des Beschwerdeführers, wie dieser beschwerdeweise zu Recht rügte.
Es kann nicht angehen, dass
der
Beschwerdeführer in den
Verfahrensak
ten
nach allfälligen der angefochtenen Verfügung zugrunde liegenden Überle
gungen seitens der Beschwerdegegnerin suchen muss, um sich eine Meinung bilden zu können, ob und allenfalls mit welcher Argumentation
er
den
leis
tungsabweisenden
Entscheid anfechten soll.
Der
Beschwerdeführer wurde so gewissermassen auf den Gerichtsweg gezwungen, um
Kenntnis von den
Ent
scheidungsgründe
n
der Beschwerdegegnerin zu
erhalten
beziehungsweise um – nachdem sich die Beschwerdegegnerin im vorliegenden Verfahren diesbezüglich nicht weiter vernehmen liess (vgl. die Beschwerdeantwort vom
9.
Juni 2017
, Urk.
8
) - namentlich vom Gericht zu erfahren, wie
der
Entscheid begründet werden könnte
. Dies kann
nicht im Sinne der Verfahrensökonomie liegen und
erweist
sich
auch unter Berücksichtigung der Kostenpflicht des
Beschwerdever
fahrens
(
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG)
als
stossend
.
Zudem ist es nicht Sache des Gerichts, unter allen Blickwinkeln in den Akten nach möglicherweise zutreffenden Erklärungen zu forschen, die eine Abweisung des Leistungsbegehrens belegen könnten, ohne dass die Verwaltung hiezu mit Blick auf die konkrete Aktenlage Erwägungen angestellt hätte. Letzte hat ihre Begründung so abzufassen, dass nicht nur für den Betroffene
n
, sondern auch das Gericht ersichtlich wird, von welchen Überlegungen sie sich hat leiten las
sen.
Die ins Einwandverfahren verschobenen umfangreichen Abklärungen verhin
dern eine unkomplizierte und prozessökonomische Diskussion im
Verwaltungs
verfahren
, wenn deren Würdigung und der vorgesehene Entscheid vor der Ein
leitung des Gerichtsverfahrens nicht mehr angekündigt wird. Dies läuft dem Sinn und Zweck des Vorbescheidverfahrens entgegen, mit dem auch eine ver
besserte Akzeptanz des Entscheids beim Versicherten angestrebt wird, was die Beschwerdegegnerin mit ihrer Vorgehensweise gänzlich zu verkennen scheint. Zudem
kann es nicht Sinn des durch die Rechtsprechung geschaffenen Instituts der Heilung des rechtlichen Gehörs sein, dass Verwaltungsbehörden sich über den elementaren Grundsatz des rechtlichen Gehörs hinwegsetzen und darauf vertrauen, dass solche Verfahrensmängel in einem von der betroffenen Person allfällig angehobenen Prozess dann behoben würden (vgl. BGE 116 V 182
E. 3c).
4.
8
D
ie angefochtene Verfügung vom
1
3.
März 2017
(Urk. 2)
ist damit auch aus formellen Gründen
aufzuheben
.
D
ie Sache
ist
an
die Beschwerdegegne
rin zu
rückzuweisen, damit sie den
Leistungsan
spruch de
s
Beschwerdeführer
s
hinrei
chend
abklär
e
und hernach in einem
rechtsgenüglichen
Verwaltungsverfahren
im Sinne der Erwägungen neu entscheide.
5.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57). Die Kosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise
auf Fr.
8
00.-- festzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung erweist sich damit als gegen
standslos.