# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 5aec6a12-d5a2-5963-beb4-91658b9321d5
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Am 26. März 2015 verfügte die Stadt Biel gegenüber der Beschwerdeführerin ein
Benützungsverbot. Die Beschwerdeführerin wurde darin aufgefordert, die Räumlichkeiten
im Obergeschoss des Gebäudes auf Parzelle Biel/Bienne Grundbuchblatt Nr. H._
ab sofort nicht mehr als Gastgewerbe/Klublokal und die Räumlichkeiten im Untergeschoss
des gleichen Gebäudes ab sofort nicht mehr als Versammlungsräume nutzen zu lassen
sowie alle Massnahmen zur Verhinderung der vorerwähnten Nutzungen zu ergreifen.
Am 14. März 2016 schloss die Beschwerdeführerin einen Mietvertrag mit den von Amtes
wegen am Verfahren Beteiligten 1 bis 3 für diese Liegenschaft. Der Mietvertrag beinhaltet
folgende Räume: "UG Ost, UG Süd (Osttteil) und Toiletten UG Süd (Ost); OG
Versammlungsraum inkl. Büro". Der Verwendungszweck wird mit "Versammlungsraum"
angegeben.
2. Anlässlich einer Besichtigung vor Ort vom 2. März 2018 stellte die Stadt Biel unter
anderem fest, dass Räumlichkeiten im Unter- und Obergeschoss des Gebäudes auf der
Parzelle Nr. H._ genutzt werden, ohne über die dafür erforderliche Baubewilligung
zu verfügen. In der Folge erliess die Stadt Biel am 17. April 2018 folgende Verfügung: "(...) 3. Betreffend der vom F._ genutzten Räumlichkeiten ist der rechtsmässige Zustand durch die A._, durch C._, D._ und E._, durch den F._ bis zum 30. Juni 2018 wie folgt wiederherzustellen:
Untergeschoss: Das Untergeschoss ist im Bereich der vom F._ genutzten Räumen bis 30. Juni 2018 in seinen Zustand gemäss dem beigelegten Auszug aus dem Plan vom 7.12.1984/korr:16.1.1985 (BG 16'497) zurückzubauen. Insbesondere sind: 3.1 Alle mobilen Einrichtungen vollständig zu entfernen; 3.2 die Küche inklusive Lüftung vollständig zu entfernen; 3.3 die WC-Anlage vollständig zu entfernen; 3.4 sämtliche neu eingezogenen und/oder versetzten Wände vollständig zu
entfernen; 3.5 in sämtlichen Räumen der Teppich und die Wandverkleidungen vollständig zu
entfernen; 3.6 der eingebaute Verkaufsladen vollständig zu entfernen; 3.7 sämtliche elektrischen Anlagen, Lüftungsanlagen und Heizeinrichtungen in den
Räumen vollständig zu entfernen; 3.8 die Schachtfenster von ihren Verbauungen freizulegen.
Obergeschoss: Das Obergeschoss ist im Bereich der vom F._ genutzten Räumen bis 30. Juni 2018 in seinen Zustand gemäss dem beigelegten Auszug aus dem Plan Nr. 94109 vom 21.7.1994 (BG 18'915) zurückzubauen. Insbesondere sind:
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3.9 Der eingebaute Verkaufsladen vollständig zu entfernen; 3.10 die Küche inklusive Lüftung vollständig zu entfernen; 3.11 sämtliche neu eingebauten Wände zu entfernen; 3.12 sämtliche Wand- und Deckenverkleidungen zu entfernen; 3.13 sämtliche Teppiche zu entfernen. (...)"
3. Dagegen reichte die Beschwerdeführerin am 16. Mai 2018 Beschwerde bei der Bau-,
Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie stellt in der Sache
folgende Anträge: "1.1. Ziff. Ill 3 Abs. 1 der Wiederherstellungsverfügung vom 17. April 2018 sei neu
unter Streichung der Worte durch die A._ wie folgt, eventuell mit einem sinngemäss gleichen anderen Wortlaut, abzufassen: Betreffend der vom F._ genutzten Räumlichkeiten ist der rechtmässige Zustand durch C._, D._ und E._ bis zum 30. Juni 2018 wie folgt herzustellen:
1.2. Die Fristen in Ziff. III 3 der Wiederherstellungsverfügung vom 17. April 2018 (Wiederherstellung der im Untergeschoss und im Obergeschoss durch den F._ respektive die Mieter C._, D._ und E._ genutzten Räume bis zum 30. Juni 2018) seien für die Beschwerdeführerin neu wie folgt festzulegen, eventuell mit einem sinngemäss gleichen anderen Wortlaut: Die Grundeigentümerin A._ ist verpflichtet, den Rückbau gemäss Ziff 3.1-3.13 innert 60 Tagen seit der Rückgabe der Mietsache gemäss Mietvertrag vom 14. März 2016 oder bei nicht freiwilliger Rückgabe der Mietsache durch die Mieter seit der Vollstreckung der gerichtlichen Ausweisung vorzunehmen. Die Grundeigentümerin A._ ist verpflichtet, innert fünf Tagen seit dem Ende des Mietvertrags vom 14. März 2016 die gerichtliche Ausweisung zu beantragen, wenn die Mieter die Mietsache nicht freiwillig zurückgeben.
(...)"
4. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Die Stadt Biel beantragt in ihrer
Vernehmlassung vom 13. Juni 2018, es sei von Amtes wegen zu prüfen, ob das
Beschwerdeverfahren durch das Einreichen des nachträglichen Baugesuchs der
Beschwerdeführerin vom 14. Mai 2018 gegenstandslos geworden und als erledigt vom
Geschäftsverzeichnis abzuschreiben sei. Falls das Beschwerdeverfahren weitergeführt
werde, sei die Beschwerde abzuweisen. Die von Amtes wegen am Verfahren Beteiligten 1
bis 4 haben sich nicht vernehmen lassen. In der Folge gab das Rechtsamt den
Verfahrensbeteiligten die Gelegenheit, sich zu der von der Stadt Biel zur Diskussion
gestellten Abschreibung des Beschwerdeverfahrens Stellung zu nehmen. In ihrer
Stellungnahme vom 9. Juli 2018 stellt die Beschwerdeführerin folgende Anträge:
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (Organisationsverordnung BVE, OrV BVE; BSG 152.221.191)
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"1. Die Beschwerde vom 16. Mai 2018 sei insoweit als gegenstandslos abzuschreiben, als sie sich auf die Wiederherstellungsmassnahmen im Untergeschoss der Liegenschaft I._strasse 151 in Biel bezieht, und die darauf entfallenden Kosten des Beschwerdeverfahrens seien der Stadt Biel zu auferlegen und die Stadt Biel sei zu verurteilen, der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung in Höhe der noch einzureichenden Kostennote zu bezahlen.
2. Bezüglich der Räume im Obergeschoss Süd der Liegenschaft I._strasse 151 in Biel sei das Beschwerdeverfahren fortzuführen und es sei über folgende Anträge zu entscheiden:
3.1. Ziff. III 3 Abs. 1 der Wiederherstellungsverfügung vom 17. April 2018 sei neu unter Streichung der Worte durch die A._ wie folgt, eventuell mit einem sinngemäss gleichen anderen Wortlaut, abzufassen: Betreffend der vom F._ genutzten Räumlichkeiten ist der rechtmässige Zustand durch C._, D._ und E._ bis zum 30. Juni 2018 wie folgt herzustellen:
3.2. Die Frist in Ziff. III 3 der Wiederherstellungsverfügung vom 17. April 2018 (Wiederherstellung der im Untergeschoss und im Obergeschoss durch den F._ respektive die Mieter C._, D._ und E._ genutzten Räume im Obergeschoss Süd bis zum 30. Juni 2018) sei für die Beschwerdeführerin neu wie folgt festzulegen, eventuell mit einem sinngemäss gleichen anderen Wortlaut: Die Grundeigentümerin A._ ist verpflichtet, den Rückbau gemäss Ziff. 3.9-3.13 innert 60 Tagen seit der Rückgabe der Mietsache gemäss Mietvertrag vom 14. März 2016 oder bei nicht freiwilliger Rückgabe der Mietsache durch die Mieter seit der Vollstreckung der gerichtlichen Ausweisung vorzunehmen. Die Grundeigentümerin A._ ist verpflichtet, innert fünf Tagen seit dem Ende des Mietvertrags vom 14. März 2016 die gerichtliche Ausweisung zu beantragen, wenn die Mieter die Mietsache nicht freiwillig zurückgeben.
(...)"
Mit Schreiben vom 3. August 2018 modifizierte die Beschwerdeführerin ihr
Rechtsbegehren 3.2 in der Stellungnahme vom 9. Juli 2018 dahingehend, dass die der
Beschwerdeführerin zu setzende Wiederherstellungsfrist auf den 30. September 2018 zu
terminieren sei.
5. Auf die Rechtsschriften und Vorakten wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in
den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
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## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintreten
Gemäss Art. 49 Abs. 1 BauG2 können baupolizeiliche Verfügungen nach Art. 45 bis 48
BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden.
Die Beschwerdeführerin ist als Adressatin durch die angefochtene Verfügung beschwert
und daher zur Beschwerde legitimiert. Auf ihre form- und fristgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten.
2. Abschreibung
a) Die Stadt Biel hat beantragt, es sei von Amtes wegen zu prüfen, ob das
Beschwerdeverfahren durch das Einreichen des nachträglichen Baugesuchs der
Beschwerdeführerin vom 14. Mai 2018 gegenstandslos geworden und als erledigt vom
Geschäftsverzeichnis abzuschreiben sei.
Die Beschwerdeführerin ist mit einer teilweisen Abschreibung des Beschwerdeverfahrens
betreffend die Wiederherstellungsmassnahmen im Untergeschoss einverstanden. Der
Grund für die Abschreibung liegt aus Sicht der Beschwerdeführerin aber nicht in ihrem
nachträglichen Baugesuch vom 14. Mai 2018, sondern in dem Umstand, dass sie das
Untergeschoss von den Mietern im Mai 2018 zurück erhalten habe und sie den
rechtmässigen Zustand im Untergeschoss daher innert der angesetzten Frist bis 30. Juni
2018 habe wiederherstellen können. Hinsichtlich der Räume im Obergeschoss beantragt
die Beschwerdeführerin demgegenüber die Fortführung des Beschwerdeverfahrens. Da sie
dieses Geschoss von den Mietern erst am 31. Juli 2018 zurück erhalten habe, habe sie
den rechtmässigen Zustand nicht innert der angesetzten Frist bis 30. Juni 2018
wiederherstellen können. Werde die Wiederherstellungsverfügung nicht in Gutheissung der
Beschwerde geändert und die Wiederherstellungsfrist für sie nicht wie beantragt bis Ende
September 2018 verlängert, habe sie sich damit strafbar gemacht.
2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0)
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b) Fällt im Verlaufe des Verfahrens das rechtserhebliche Interesse am Erlass einer
Verfügung oder an einem Entscheid in der Sache weg, insbesondere zufolge Rückzugs der
Begehren, Rücknahme der angefochtenen Verfügung oder Einigung unter den Parteien, so
schreibt die instruierende Behörde das Verfahren als erledigt vom Geschäftsverzeichnis ab
(Art. 39 Abs. 1 VRPG3).
Nach Art. 46 Abs. 2 Bst. b BauG wird die Wiederherstellungsverfügung „aufgeschoben,
wenn der Pflichtige innert 30 Tagen seit ihrer Eröffnung ein Gesuch um nachträgliche
Baubewilligung einreicht“. Nach der Praxis des Rechtsamtes der BVE ist diese
Bestimmung so zu verstehen, dass die Wiederherstellungsverfügung von Gesetzes wegen
dahinfällt, wenn das Gesuch innert 30 Tagen seit Eröffnung der
Wiederherstellungsverfügung, das heisst innert der Rechtsmittelfrist, eingereicht wird.4 Die
Folge des Wegfalls der Wiederherstellungsverfügung bei Einreichung eines nachträglichen
Baugesuchs ist die Gegenstandslosigkeit der Beschwerde, weshalb das
Beschwerdeverfahren als erledigt vom Geschäftsverzeichnis abgeschrieben werden kann.
c) Die Beschwerdeführerin hat bei der Stadt Biel am 16. Mai 2018 zwar ein
nachträgliches Baugesuch vom 14. Mai 2018 eingereicht. Aus den Baugesuchsplänen des
Unter- und Obergeschosses ergibt sich jedoch, dass die angeordneten
Wiederherstellungsmassnahmen mit Ausnahme der vollständigen Entfernung der WC-
Anlage im Untergeschoss, die grundsätzlich erhalten und lediglich teilweise geändert
werden soll, im nachträglichen Baugesuch übernommen und damit von der
Beschwerdeführerin akzeptiert wurden. Folglich wird für die nicht bewilligten baulichen
Änderungen im Unter- und Obergeschoss, mit der einen Ausnahme betreffend WC-Anlage
im Untergeschoss, keine nachträgliche Baubewilligung beantragt. Somit ist das
nachträgliche Baugesuch mit Ausnahme der WC-Anlage im Untergeschoss kein Grund für
eine Abschreibung des Beschwerdeverfahrens.
d) Im Untergeschoss wurde der rechtmässige Zustand von der Beschwerdeführerin
jedoch im Verlaufe des Beschwerdeverfahrens und innert der von der Stadt Biel in der
angefochtenen Verfügung gesetzten Frist bereits wiederhergestellt. Gemäss
Stellungnahme der Beschwerdeführerin vom 9. Juli 2018 war sie dazu in der Lage, weil ihr
3 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 4 Siehe dazu Rolf Zürcher, Verfahren zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands; nachträgliches Baubewilligungsverfahren, in KPG-Bulletin 6/1990 S. 18 ff. mit Hinweis auf BVR 1990 S. 396
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das Untergeschoss von den Mietern rechtzeitig zurückgegeben wurde; ihre Beschwerde
könne aus diesem Grund insoweit als gegenstandslos abgeschrieben werden.
Mit der fristgereichten Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands im Untergeschoss
ist das rechtserhebliche Interesse der Beschwerdeführerin an einer Behandlung ihrer
Beschwerde bezüglich des Untergeschosses weggefallen. Zwar ist unklar, ob die
Beschwerdeführerin auch die Anordnung der vollständigen Entfernung der WC-Anlage im
Untergeschoss umgesetzt hat. Da sie für eine teilweise geänderte WC-Anlage im
Untergeschoss ein nachträgliches Baugesuch eingereicht hat, dürfte sie diese Anlage nicht
entfernt haben. Aufgrund des nachträglichen Baugesuchs ist diesbezüglich jedoch ohnehin
eine Abschreibung des Beschwerdeverfahrens angezeigt. Somit kann das
Beschwerdeverfahren betreffend die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands im
Untergeschoss vollständig abgeschrieben werden.
e) Auch im Obergeschoss wurde der rechtmässige Zustand gemäss Eingabe der Stadt
Biel vom 3. September 2018 von der Beschwerdeführerin im Verlaufe des
Beschwerdeverfahrens bereits wiederhergestellt. Dies aber nicht innert der von der Stadt
Biel in der angefochtenen Verfügung gesetzten Frist. Somit steht betreffend Obergeschoss
trotz vorgenommener Wiederherstellung eine mögliche Strafbarkeit der
Beschwerdeführerin im Raum. Insofern hat die Beschwerdeführerin nach wie vor ein
Interesse an der Behandlung ihrer Beschwerde. Das Beschwerdeverfahren ist
diesbezüglich folglich nicht gegenstandslos geworden und kann somit nicht abgeschrieben
werden. Bezüglich des Obergeschosses ist die Beschwerde materiell zu behandeln.
3. Fristerstreckung
a) Die noch strittige Anordnung des rechtmässigen Zustands im Obergeschoss findet
sich in den Ziffern 3.9 bis 3.13 der angefochtenen Wiederherstellungsverfügung. Die
Beschwerdeführerin wehrt sich weder gegen die einzelnen
Wiederherstellungsmassnahmen noch gegen ihre eigene Verpflichtung zur
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands: Gemäss Ziff. III.4 ihrer Beschwerde wird
sie die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands selbst vornehmen, wenn ihre Mieter
dies bis zum Termin vom 30. Juni 2018 nicht getan haben und sobald sie selber dazu in
der Lage ist. Tatsächlich hat die Beschwerdeführerin den rechtmässigen Zustand im
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Obergeschoss unterdessen denn auch bereits wiederhergestellt. Die Beschwerdeführerin
verlangt jedoch für sich als Eigentümerin und Vermieterin eine längere Frist. Aufgrund des
laufenden Mietvertrags sei sie nicht berechtigt, die Mietsache zu betreten. Vor der
freiwilligen oder gerichtlich erzwungenen Rückgabe der Mietsache sei es ihr daher nicht
möglich, Rückbauarbeiten vorzunehmen. Verbunden mit den Strafdrohungen in den Ziffern
4 und 5 der angefochtenen Verfügung sei die von der Vorinstanz gesetzte Frist für die
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands für sie daher unverhältnismässig. Für sie
müssten die gesetzlichen Kündigungsfristen als Minimalfristen bei der Festsetzung der
Wiederherstellungsfrist beachtet werden. Angemessen seien 60 Tage seit Rückgabe der
Mietsache. Aufgrund der Rückgabe der Mietsache per 31. Juli 2018 verlangt die
Beschwerdeführerin in ihrer letzten Eingabe vom 3. August 2018 demzufolge für sich eine
Wiederherstellungsfrist bis 30. September 2018.
b) Die Baupolizeibehörde setzt dem jeweiligen Grundeigentümer oder Baurechtsinhaber
eine angemessene Frist zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes unter
Androhung der Ersatzvornahme (Art. 46 Abs. 2 BauG). Art. 46 Abs. 2 BauG nennt als
Adressat der Wiederherstellungsverfügung den jeweiligen, d.h. zur Zeit des Erlasses der
Verfügung im Grundbuch eingetragene Grundeigentümer oder Baurechtsinhaber. Diese
Regelung ist auf den Normalfall zugeschnitten, in welchem die widerrechtlich handelnde
Bauherrschaft zugleich Eigentümerin des Baugrundstücks ist.5 Sind Bauherrschaft und
Grundeigentümer nicht identisch, können Verhaltens- und Zustandsstörer alternativ oder
kumulativ zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands verpflichtet werden. Die
Behörde verfügt hierbei über einen gewissen Ermessensspielraum.6
Im vorliegenden Fall hat die Vorinstanz sowohl die Beschwerdeführerin als auch die von
Amtes wegen am Verfahren Beteiligten zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands
verpflichtet und für alle Verpflichteten eine einheitliche Frist für die Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustands angesetzt. Die kumulative Verpflichtung mehrere Störer ist
unbestritten, die Beschwerdeführerin verlangt jedoch für sich eine längere Frist.
Unterschiedliche Wiederherstellungsfristen für mehrere Störer sind jedoch nicht möglich,
da mit dem Ablauf der Frist der rechtmässige Zustand wiederhergestellt sein muss und
somit kein Raum für eine längere Frist für weitere Verpflichtete bleibt. Deutlich wird dies mit
5 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 12 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung 6 BGer 1A.121/2005 vom 28.11.2005, E. 3.2; BGE 107 Ia 19, E. 2b
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Blick auf die Ersatzvornahme: Rechtskräftig verfügte Massnahmen, die der Pflichtige
innerhalb der angesetzten Frist nicht oder nicht vorschriftsgemäss ausführt, lässt die
Baupolizeibehörde auf seine Kosten durch Dritte vornehmen (Art. 47 Abs. 1 BauG).
Würden für mehrere verpflichtete Störer unterschiedliche Wiederherstellungsfristen
angesetzt, könnte somit bereits zur Ersatzvornahme geschritten werden, obschon für
einzelne Störer die Frist noch gar nicht abgelaufen wäre. Sollen mehrere Störer kumulativ
verpflichtet werden, muss die Wiederherstellungsfrist daher für alle gleich gewählt werden.
Dies setzt voraus, dass die Frist für alle verpflichteten Störer angemessen ist. Ist die
angemessene Frist nicht für alle Störer die gleiche, bestehen somit zwei Möglichkeiten:
Entweder verpflichtet man nur diejenigen Störer, für die eine kürzere Frist verhältnismässig
ist, oder man verpflichtet alle Störer und setzt eine längere Frist. Somit ist in einem ersten
Schritt zu prüfen, ob die gesetzte Wiederherstellungsfrist für die Beschwerdeführerin
zumutbar ist. Sollte sie es nicht sein, wäre in einem zweiten Schritt zu prüfen, ob die Frist
für alle Störer verlängert wird oder ob an der gesetzten Frist festgehalten und die
Beschwerdeführerin aus der Pflicht zu Wiederherstellung entlassen wird.
c) Die angefochtene Verfügung wurde am 17. April 2018 erlassen, die darin gesetzte
Wiederherstellungsfrist lief bis am 30. Juni 2018. Folglich wurde den Verpflichteten gut
zwei Monate Zeit für die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands eingeräumt. In
Anbetracht der verfügten Wiederherstellungsmassnahme, der Vorgeschichte mit dem
Benützungsverbot vom 26. März 2015 und den übrigen Umständen erscheint diese Frist
verhältnismässig. Dies wird auch von der Beschwerdeführerin nicht bestritten. Sie macht
nicht geltend, innert dieser Frist könnten die Wiederherstellungsmassnahmen grundsätzlich
nicht umgesetzt werden. So erachtet sie selber für sich eine Frist von 60 Tagen als
angemessen. Allerdings ist sie der Ansicht, diese Frist dürfe für sie erst nach Rückgabe der
Mietsache zu laufen beginnen. Dies weil sie aufgrund des laufenden Mietvertrags nicht
berechtigt sei, die Mietsache zu betreten. Vor der freiwilligen oder gerichtlich erzwungenen
Rückgabe der Mietsache sei es ihr daher nicht möglich, Rückbauarbeiten vorzunehmen.
Gemäss Art. 257h OR7 muss der Mieter Arbeiten an der Sache dulden, wenn sie zur
Beseitigung von Mängeln oder zur Behebung oder Vermeidung von Schäden notwendig
sind. Der Mieter muss dem Vermieter gestatten, die Sache zu besichtigen, soweit dies für
den Unterhalt, den Verkauf oder die Wiedervermietung notwendig ist. Der Vermieter muss
7 Bundesgesetz vom 30. März 1911 betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht, OR; SR 220)
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dem Mieter Arbeiten und Besichtigungen rechtzeitig anzeigen und bei der Durchführung
auf die Interessen des Mieters Rücksicht nehmen; allfällige Ansprüche des Mieters auf
Herabsetzung des Mietzinses und auf Schadenersatz bleiben vorbehalten. Aus dieser
Duldungspflicht des Mieters ist ersichtlich, dass der Vermieter durchaus ein Recht hat,
seine Mietsache bei Bedarf auch während laufendem Mietvertrag zu betreten und
notwendige Arbeiten vorzunehmen. Eine solche Duldungspflicht der Mieter greift auch im
vorliegenden Fall. Neben der Beschwerdeführerin als Grundeigentümerin und Vermieterin
wurden in der angefochtenen Verfügung auch die von Amtes wegen am Verfahren
Beteiligten 1 bis 3 als Mieter zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands
verpflichtet. Nehmen sie diese Wiederherstellungsmassnahmen nicht selber vor, sind sie
subsidiär zumindest verpflichtet, die Wiederherstellung durch die Beschwerdeführerin zu
dulden. So bestünde grundsätzlich auch die Möglichkeit, nur den Vermieter zu
Wiederherstellungsmassnahmen zu verpflichten und die Mieter lediglich zur Duldung
dieser Massnahmen zu verpflichten. Werden die Mieter nicht nur zur Duldung, sondern zur
weitergehenden Pflicht der Wiederherstellung verpflichtet, ist die geringere Pflicht der
Duldung darin ebenfalls enthalten. Nach Ablauf der Wiederherstellungsfrist müssten die
Mieter trotz laufendem Mietvertrag sogar die Ersatzvornahme durch Dritte dulden. Somit ist
das Argument der Beschwerdeführerin, für sie sei die Frist aufgrund des laufenden
Mietvertrags nicht zumutbar, nicht stichhaltig. Zwar ist es richtig, dass bei der Festsetzung
der Wiederherstellungsfrist unter Umständen auch mietrechtliche Belange zu
berücksichtigen sind.8 Dies dient aber dem Schutz von Mietern, die beispielsweise bei
einer unrechtmässigen Nutzung nicht über Nacht auf die Strasse gestellt werden können.
Hier wird aber von der Beschwerdeführerin nicht bestritten, dass die Frist vom 30. Juni
2018 für die Mieter zumutbar war. Aufgrund der Duldungspflicht der Mieter ist diese Frist
auch für die Beschwerdeführerin als Vermieterin zumutbar. Die Beschwerde betreffend die
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands im Obergeschoss erweist sich demzufolge
als unbegründet und wird abgewiesen.
d) Die von der Vorinstanz in Ziff. III.3 der angefochtenen Verfügung für die
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands im Obergeschoss gemäss Ziff. 3.9 bis 3.13
angesetzte Frist bis 30. Juni 2018 ist während dem Beschwerdeverfahren abgelaufen. Sie
muss daher von Amtes wegen neu angesetzt werden, auch wenn der rechtmässige
Zustand unterdessen bereits wiederhergestellt wurde. Die Beschwerdeführerin selbst hat
8 Vgl. Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N.9b
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zuletzt eine Frist bis Ende September 2018 beantragt, wobei dies ein Sonntag ist. Daher
wird die Frist neu angesetzt bis 1. Oktober 2018.
4. Kosten
a) Die Verfahrenskosten bestehen aus einer Pauschalgebühr (Art. 103 Abs. 1 VRPG).
Für Entscheide in einer Verwaltungsjustizsache wird eine Pauschalgebühr von Fr. 200.--
bis Fr. 4'000.-- je Beschwerde erhoben (Art. 19 Abs. 1 i.V.m. Art. 4 Abs. 2 GebV9). Wird ein
Verfahren gegenstandslos oder durch Vergleich, Abstand oder Unterziehung erledigt, so
kann die Gebühr angemessen reduziert oder es kann ganz auf sie verzichtet werden
(Art. 21 Abs. 1 GebV). Die teilweise Gegenstandslosigkeit des Beschwerdeverfahrens
betreffend die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands im Untergeschoss hat
vorliegend nicht zu einem geringeren Verfahrensaufwand geführt, weshalb dies vorliegend
kein Grund ist, die Gebühr zu reduzieren oder gar ganz auf sie zu verzichten. In
Anwendung der genannten Bestimmungen wird die Pauschale daher auf Fr. 800.--
festgelegt.
Die Verfahrenskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Bei
diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt die Beschwerdeführerin. Dies gilt auch in Bezug
auf die teilweise Abschreibung des Beschwerdeverfahrens. Die Beschwerdeführerin hat mit
der fristgerechten Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands im Untergeschoss bzw.
der Einreichung eines nachträglichen Baugesuchs für eine teilweise geänderte WC-Anlage
im Untergeschoss für die Gegenstandslosigkeit gesorgt (vgl. Art. 110 Abs. 1 VRPG).
Abgesehen davon wäre die Beschwerde bezüglich der Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustands im Untergeschoss, wenn diese materiell hätte geprüft werden
müssen, mit der gleichen Begründung wie für das Obergeschoss (vgl. oben Erwägung 3)
abzuweisen gewesen (vgl. Art. 110 Abs. 2 VRPG). Die Beschwerdeführerin hat somit die
Verfahrenskosten zu tragen.
b) Die Beschwerdeführerin hat als unterliegende Partei keinen Anspruch auf Ersatz
ihrer Parteikosten (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Da die Stadt Biel im vorliegenden Verfahren
nicht wie eine Privatperson betroffen ist, sondern hoheitliche Interessen wahrt, hat auch sie
9 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
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keinen Anspruch auf Parteikostenersatz (Art. 104 Abs. 4 i.V.m. Art. 2 Abs. 1 Bst. b VRPG).
Folglich werden keine Parteikosten gesprochen.