# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b1e34fc9-d12b-4017-8e0d-3e95a0a5aab7
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_003
**Year:** 2011
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

andere Beurteilung des unveränderten Sachverhalts sei deshalb nicht
möglich. Dagegen erhob der Versicherte am 10. November 2008 Einwand mit
dem Antrag auf Aufhebung des Vorbescheids und Eintreten auf sein erneutes
Gesuch um Rentenleistungen. Eventualiter sei ein psychiatrisches Gutachten
einzuholen. Sein psychischer Gesundheitszustand habe sich ab dem 18.
März 2008 wesentlich verschlechtert, was dem beigelegten Schreiben von Dr.
med. ... vom 8. November 2008 zu entnehmen sei, nach dem er aktuell und
für die nächste Zukunft zu 100% arbeitsunfähig sei. In der Folge trat die IV-
Stelle auf das erneute Gesuch ein und leitete weitere Abklärungen ein, indem
sie das ABI mit einem interdisziplinären Gutachten beauftragte.
c) Nach einer Untersuchung des Versicherten vom 19. August 2009 erstattete
das ABI das in Auftrag gegebene interdisziplinäre Gutachten am 21.
September 2009. Als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien zu
stellen: Eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode
(ICD-10 F33.0), eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10
F45.4) und ein chronisches Panvertebralsyndrom (ICD-10 M53.9). Weder aus
somatischer noch aus psychiatrischer Sicht habe sich die Situation des
Versicherten seit der Vorbegutachtung durch das ABI entscheidend geändert.
Nach wie vor sei der Versicherte in der angestammten Tätigkeit als Arbeiter
im Kieswerk zu 100% arbeitsunfähig und in einer adaptierten Tätigkeit zu 80%
arbeits- und leistungsfähig. Die 20%-ige Einschränkung der
Arbeitsunfähigkeit sei auf die gegenwärtig leichte Episode einer
rezidivierenden depressiven Störung sowie eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung zurückzuführen.
d) Mit zweitem Vorbescheid vom 7. Oktober 2009 teilte die IV-Stelle dem
Versicherten daraufhin mit, dass er bei einem IV-Grad von 26% keinen
Anspruch auf eine IV-Rente habe. Am 27. Oktober 2009 teilte Dr. med. ... der
IV-Stelle sodann mit, dass er den Versicherten in der multidisziplinären
Schmerzsprechstunde der Klinik ... mit der Frage nach einem stationären
Aufenthalt angemeldet habe. Daher ersuche er die IV-Stelle, diese
Untersuchungen noch abzuwarten. Wie Dr. med. ... sei auch er der
Auffassung, dass der Versicherte weiterhin zu 100% arbeitsunfähig sei.
Gegen den zweiten Vorbescheid erhob der Versicherte am 9. November 2009
Einwand und beantragte dessen Aufhebung. Es sei ihm ab dem 1. Juni 2009
mindestens eine halbe IV-Rente auszurichten. Eventualiter sei ein
psychiatrisches und rheumatologisches Obergutachten, subeventualiter ein
derartiges Ergänzungsgutachten einzuholen. Es finde am 26. November 2009
in der Klinik ... eine eingehende Untersuchung statt, die es abzuwarten gelte.
Mit Schreiben vom 24. Dezember 2009 ergänzte der Versicherte seinen
Einwand schliesslich dahingehend, als er gemäss Dr. med. ... von der Klinik
..., an einer rezidivierenden depressiven Störung mit gegenwärtig leicht- bis
mittelgradig ausgeprägter depressiver Episode sowie an einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung leide. Aller Erfahrung nach könne nicht damit
gerechnet werden, dass er in den nächsten Jahren in der Lage sein werde,
die nötige Willensanstrengung aufzubringen, wieder eine relevante
Arbeitsfähigkeit zu erlangen.
e) Mit Bericht vom 18. Dezember 2009 über die interdisziplinäre Sprechstunde
vom 26. November 2009 hatte Dr. med. ..., Oberarzt Psychosomatik an der
Klinik ..., in psychischer Hinsicht eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig leicht- bis mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1) sowie eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) diagnostiziert. Es
habe sich das Vorliegen einer komplexen chronifizierten psychosomatischen
Erkrankung bestätigt. Theoretisch geeignete Behandlungsmassnahmen zur
muskulären Rekonditionierung, zur Verbesserung der
Schmerzbewältigungsstrategien oder gar zur Bearbeitung der tiefgreifenden
innerseelischen emotionalen Konflikte und Kränkungserlebnisse seien jedoch
nicht umsetzbar. Es fehlten vor allem auch die notwendigen
kognitiven/intellektuellen Voraussetzungen um die aktive Mitwirkung des
Versicherten erreichen zu können. Insgesamt sei die Prognose bezüglich
einer wesentlichen Verbesserung des Gesundheitszustands des Versicherten
jedoch nach wie vor eher ungünstig und auch mit einer Wiedererlangung einer
relevanten Arbeitsfähigkeit dürfe auf absehbare Zeit wohl kaum zu rechnen
sein.
3. Mit Verfügung vom 12. März 2010 stellte die IV-Stelle schliesslich fest, dass
der Versicherte keinen Anspruch auf eine IV-Rente habe. In der
angestammten Tätigkeit als Arbeiter im Kieswerk sei er zwar zu 100%
arbeitsunfähig, dagegen bestehe in einer körperlich leichten bis maximal
mittelschweren Tätigkeit weiterhin eine zumutbare Arbeits- und
Leistungsfähigkeit von 80%. Aus dieser Einschränkung resultiere ein IV-Grad
von 26%, der keinen Anspruch auf eine IV-Rente vermittle. Zur Festlegung
der Arbeitsfähigkeit des Versicherten sei auf das zweite Gutachten des ABI
vom 21. September 2009 abzustellen, nach welchem sich der
Gesundheitszustand des Versicherten im Vergleich zum Jahr 2007 weder
somatisch noch psychisch verschlechtert habe. Es werde nachvollziehbar
festgehalten, dass es dem Versicherten - bei fehlendem ausgeprägtem
sozialem Rückzug, fehlendem primärem Krankheitsgewinn, fehlenden
Hinweisen auf unbewusste Konflikte und fehlender Einschränkung der
komplexen Ich-Funktionen - trotz der geklagten Beschwerden zumutbar sei,
die notwendige Willensanstrengung aufzubringen, einer beruflichen Tätigkeit
im Umfang von 80% nachzugehen. Entgegen der Auffassung des
Versicherten habe Dr. med. ... keine Verschlechterung des
Gesundheitszustandes beschrieben, sondern bestätige das Gutachten des
ABI in allen Punkten. Zur Frage der objektiven Überwindbarkeit der
somatoformen Schmerzstörung habe er sich gerade nicht geäussert. Er halte
fest, dass eine Diskussion der Frage der Arbeitsfähigkeit unter kritischer
Würdigung der Vorakten den Rahmen sprengen würde. Soweit er
anschliessend pauschal doch bemerke, dass der Versicherte nicht mehr in
der Lage sein werde, die nötige Willensanstrengung aufzubringen, um eine
relevante Arbeitsfähigkeit zu erlangen, beziehe er sich offensichtlich auf die
subjektive Überzeugung des Versicherten.
4. Dagegen erhob der Versicherte am 30. April 2010 Beschwerde ans
Verwaltungsgericht Graubünden mit dem Antrag auf Aufhebung der
angefochtenen Verfügung. Es sei ihm spätestens ab dem 1. Juni 2009
mindestens eine halbe IV-Rente auszurichten. Eventualiter sei ein
psychiatrisches Obergutachten, subeventualiter ein psychiatrisches
Ergänzungsgutachten einzuholen. Zudem sei ihm die unentgeltliche
Prozessführung und Verbeiständung zu gewähren. Dr. med. ... von der Klinik
... habe bei ihm anlässlich der Untersuchung vom 26. November 2009 eine
rezidivierende depressive Störung mit gegenwärtig leicht- bis mittelgradig
ausgeprägter Episode sowie eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung
diagnostiziert. Aller Erfahrung nach könne nicht damit gerechnet werden, dass
er in den nächsten Jahren in der Lage sein werde, die nötige
Willensanstrengung aufzubringen, wieder eine relevante Arbeitsfähigkeit zu
erlangen. Zum Beweiswert des Berichts der Klinik ... sei festzuhalten, dass er
untersucht worden sei und sämtliche Akten vorgelegen hätten. Zudem sei er
auch im Jahr 2006 in der Klinik ... stationär behandelt worden. Der Bericht
erfolge daher unter Berücksichtigung der geklagten Beschwerden und in
Kenntnis der Vorakten, beruhe auf allseitigen Untersuchungen, sei in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtend und auch begründet. Dagegen
berücksichtige das psychiatrische Teilgutachten des zweiten ABI-Gutachtens
die Verschlechterung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit
nicht. Es sei daher weder nachvollziehbar noch schlüssig. Die Ausführungen
von Dr. med. ... belegten, dass ein verselbständigter krankheitswertiger
psychischer Schaden mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit bejaht
werden müsse. Er nehme zur objektiven Überwindbarkeit der somatoformen
Schmerzstörung genügend Stellung. Diese weise eine derartige Schwere auf,
dass eine Verwertung der Arbeitsfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt bei objektiver
Betrachtung sozial-praktisch nicht zumutbar sei. Es liege eine psychisch
ausgewiesene Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung
und Dauer vor.
5. Mit Vernehmlassung vom 18. Mai 2010 beantragte die IV-Stelle die
Abweisung der Beschwerde unter Verweis auf die angefochtene Verfügung
vom 12. März 2010.
Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften wird, soweit
erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt im vorliegenden Verfahren ist die Verfügung der IV-Stelle
vom 12. März 2010. Streitig und zu prüfen ist die Frage, ob die Vorinstanz ihre
Leistungspflicht bei einem IV-Grad von 26% zu Recht verneint hat. Umstritten
ist dabei insbesondere, inwiefern es dem Beschwerdeführer zumutbar ist, die
notwendige Willensanstrengung aufzubringen, um die geklagten
Beschwerden zu überwinden und wieder eine relevante Arbeitsfähigkeit zu
erlangen.
2. a) Nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
(IVG) haben Versicherte bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40
Prozent Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent
Anspruch auf eine ganze Rente. Bei erwerbstätigen Versicherten ist der
Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) i.V.m. Art. 28a Abs. 1 IVG
aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität
und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen),
in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn
sie nicht invalid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der
Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die
beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau
ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der
Einkommensdifferenz der IV-Grad bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensvergleichs; BGE 130 V 349 E. 3.4.2, mit Hinweisen).
b) Für die Ermittlung des IV-Grades kommt es primär auf die wirtschaftliche
Erwerbsunfähigkeit und nicht auf die medizinische Arbeitsunfähigkeit an (PVG
2005 Nr. 11, 1982 Nr. 80; BGE 132 V 395 E. 2.1). Ohne zuverlässige und
beweistaugliche Bestimmung der prozentualen Arbeitsfähigkeit durch die
Ärzte (Zumutbarkeitsprofil als Beurteilungsgrundlage) ist eine seriöse
Ermittlung der Erwerbsunfähigkeit (IV-Grad) indes zum vorneherein gar nicht
möglich (BGE 125 V 261 E. 4, 122 V 160 f. E. 1c, 115 V 134 E. 2). Das
Bundesrecht schreibt dabei nicht vor, wie die einzelnen Arztberichte als
Beweismittel zu würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der allgemeine Grundsatz der
freien Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsrichter die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das
Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Versicherungsgericht alle
Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen
und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine
zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten.
Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen
Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu
würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die
andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 352 E. 3a). Für den
Beweiswert von Arztberichten ist entscheidend, ob die Berichte für die
streitigen Belange umfassend sind, auf allseitigen Untersuchungen beruhen,
die geklagten Beschwerden berücksichtigen, in Kenntnis der Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden sind, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchten und ob die
Schlussfolgerungen der Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den
Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels
noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen
Stellungnahmen als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V
352 E. 3a).
3. a) Im konkreten Fall ist im Wesentlichen die für die Berechnung des
Invalideneinkommens massgebende medizinische Arbeitsunfähigkeit und
sind deren Auswirkungen auf die wirtschaftliche Erwerbsunfähigkeit (IV-Grad)
umstritten. Währenddem die IV-Stelle diesbezüglich vollumfänglich und
ausschliesslich auf das interdisziplinäre Gutachten des ABI vom 21.
September 2009 abstellt und von einer 80%-igen Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers in einer adaptierten Tätigkeit ausgeht, weist der
Beschwerdeführer selbst auf den Bericht von Dr. med. ... (Klinik ...) vom 18.
Dezember 2009 hin, nach welchem aller Erfahrung nach nicht damit
gerechnet werden könne, dass er in den nächsten Jahren in der Lage sein
werde, die nötige Willensanstrengung aufzubringen, wieder eine relevante
Arbeitsfähigkeit zu erlangen.
b) Gemäss Gutachten des ABI vom 21. September 2009, das sich auch mit den
medizinischen Einschätzungen des Psychiaters Dr. med. ...
auseinandersetzte, änderte sich die Situation des Beschwerdeführers weder
aus somatischer noch aus psychiatrischer Sicht seit der Vorbegutachtung
durch das ABI im Jahr 2007 und der anschliessenden Verfügung der IV-Stelle
vom 18. März 2008 entscheidend. Das ABI kam nach wie vor zum Schluss,
der Versicherte sei in der angestammten Tätigkeit als Arbeiter im Kieswerk zu
100% arbeitsunfähig, in einer adaptierten Tätigkeit hingegen zu 80% arbeits-
und leistungsfähig:
 Das Ausmass der geklagten Beschwerden und die subjektive Krankheitsüberzeugung, nicht mehr arbeiten zu können, könnten durch die somatischen Befunde nicht objektiviert werden, so dass eine psychische Überlagerung der geklagten Beschwerden anzunehmen sei. Der Versicherte habe während Jahren unter der schweren körperlichen Arbeit und unter der Trennung von seiner Familie gelitten, sei in der Schweiz kaum integriert und spreche auch kaum Deutsch. Vor dem Hintergrund dieser psychosozialen Belastungssituation sei eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung zu diagnostizieren. Daneben leide er unter einer leichten depressiven Verstimmung: Er sei freudlos, zeige einen gewissen sozialen Rückzug, habe keine Zukunftsperspektiven und seine Gedanken kreisten um die verlorene Gesundheit. Der Versicherte lebe seit Jahren alleine, versorge seinen Haushalt selbständig und leide nicht unter Schlafstörungen. Vormittags fahre er meistens nach Chur, trinke dort einen Kaffee und treffe sich gelegentlich auch mit einem Kollegen; nachmittags und abends sehe er fern. Er langweile sich und
wisse sich kaum zu beschäftigen. Hinweise für mittelgradige oder schwere depressive Verstimmungen hätten sich hingegen nicht finden lassen. Aus psychiatrischer Sicht bestehe eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20%. Die Arbeitsfähigkeit sei durch die rezidivierende depressive Störung und die anhaltende somatoforme Schmerzstörung eingeschränkt. Ein ausgeprägter sozialer Rückzug lasse sich nicht feststellen. Das Scheitern aller therapeutischen Bemühungen hänge mit der ausgeprägten subjektiven Krankheitsüberzeugung und seiner fehlenden Motivation zusammen, sich aktiv um Genesung zu bemühen und sich den Belastungen der Arbeitswelt wieder auszusetzen. Schwere, lebensgeschichtliche Belastungen fänden sich nicht und die komplexen Ich-Funktionen seien nicht eingeschränkt. Aus psychiatrischer Sicht könne es dem Versicherten zugemutet werden, trotz der geklagten Beschwerden die notwendige Willensanstrengung aufzubringen, einer 80%-igen beruflichen Tätigkeit nachzugehen (S. 14 f.).
 Der den Versicherten behandelnde Psychiater habe zuletzt neben der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung eine mittelgradige depressive Episode und querulatorische und paranoid anmutende Züge der Persönlichkeitsstruktur, allenfalls eine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert und ihm eine Arbeitsunfähigkeit von 100% attestiert. Der Versicherte sei aber bereits im Jahr 2007 anlässlich der ersten Begutachtung durch das ABI psychiatrisch begutachtet worden, wobei eine leichte depressive Episode einer rezidivierenden depressiven Störung und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert worden seien. Dieser psychiatrische Gesundheitszustand habe sich seither nicht verändert. Nach wie vor fänden sich keine Hinweise für querulatorische oder paranoid anmutende Züge. Er habe mit seinen Nachbarn und Kollegen einen guten Kontakt und gute Beziehungen innerhalb seiner Familie, die er regelmässig besuche und mit denen er regelmässig telefoniere. Bei der psychiatrischen Untersuchung seien keine Hinweise auf eine Persönlichkeitsstörung gefunden worden. Zudem habe er während mehr als 30 Jahren in der Berufswelt keinerlei Schwierigkeiten gehabt und auch im privaten Bereich habe es nie Anlass für Auseinandersetzungen gegeben. Eine Persönlichkeitsstörung könne daher mit Sicherheit ausgeschlossen werden (S. 15).
 Der psychiatrische Gesundheitszustand des Versicherten (leichte depressive Störung) habe sich seit der Vorbegutachtung durch das ABI nicht verändert. Es bestünden auch keine Hinweise darauf, dass die depressive Störung einen wechselnden Verlauf zeige. Er habe in den letzten Jahren den Haushalt immer selbst führen können, soziale Kontakte zu seinen Familienangehörigen gepflegt und auch nicht stationär psychiatrisch behandelt werden müssen. Daher sei er einem potentiellen Arbeitgeber durchaus zumutbar. Er leide nicht an einer derart schweren psychiatrischen Störung, dass es ihm nicht zumutbar wäre, die notwendige Willensanstrengung aufzubringen, um einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen. Eine erhebliche psychische Komorbidität liege nicht vor. Es bestehe auch kein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens. Er treffe sich mit Kollegen und habe gute Kontakte zu den Familienangehörigen. Es bestünden keine Hinweise auf unbewusste
Konflikte, ein primärer Krankheitsgewinn sei nicht vorhanden. Die bisherigen Behandlungen scheiterten auch daran, dass er keine Motivation zeige, in den Therapien aktiv mitzumachen und sich wieder der Berufswelt zuzuwenden (S. 16).
 Zusammenfassend sei festzuhalten, dass aus somatischer Sicht bei der klinischen Untersuchung keine Befunde objektiviert werden könnten, welche die subjektive Schmerzintensität und die anamnestisch angegebene hochgradige Behinderung erklärten. Hingegen könne funktionell eine leichte Einschränkung der Wirbelsäulenbelastbarkeit und der allgemeinen körperlichen Belastbarkeit attestiert werden. Daher seien dem Versicherten sämtliche körperlich schweren Tätigkeiten, wie auch die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Arbeiter in einem Kieswerk mit starker Rückenbeanspruchung bleibend nicht mehr zumutbar. Für die Diskrepanz zwischen dem Ausmass der subjektiv geklagten Beschwerden und den objektivierbaren Befunden verantwortlich seien die gegenwärtig leichte Episode einer rezidivierenden depressiven Störung und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung. Während dem Versicherten aus somatischer Sicht eine körperlich leichte bis höchstens mittelschwere Tätigkeit mit Möglichkeit zur Wechselbelastung voll zumutbar sei, bestehe aus psychiatrischer Sicht (leichte Episode einer rezidivierenden depressiven Störung, anhaltende somatoforme Schmerzstörung) für derartige Tätigkeiten eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20%. Bei fehlendem ausgeprägtem sozialem Rückzug, fehlendem primärem Krankheitsgewinn und fehlenden Hinweisen auf unbewusste Konflikte sowie nicht vorhandener Einschränkung der komplexen Ich-Funktionen könne es dem Versicherten aus psychiatrischer Sicht aber zugemutet werden, trotz der geklagten Beschwerden die notwendige Willensanstrengung aufzubringen, um einer 80%-igen beruflichen Tätigkeit nachzugehen (S. 21 f.).
c) Im Unterschied dazu diagnostizierte Dr. med. ..., Oberarzt Psychosomatik an
der Klinik ..., mit Bericht vom 18. Dezember 2009 über die interdisziplinäre
Schmerzsprechstunde vom 26. November 2009 neben der anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) eine rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig leicht- bis mittelgradige Episode (ICD-10
F33.1):
 Es habe sich das Vorliegen einer komplexen chronifizierten psychosomatischen Erkrankung bestätigt. Theoretisch geeignete Behandlungsmassnahmen zur muskulären Rekonditionierung, zur Verbesserung der Schmerzbewältigungsstrategien oder gar zur Bearbeitung der tiefgreifenden innerseelischen emotionalen Konflikte und Kränkungserlebnisse seien jedoch nicht umsetzbar. Es fehlten vor allem auch die notwendigen kognitiven/intellektuellen Voraussetzungen um die aktive Mitwirkung des Versicherten erreichen zu können. Diese wären erforderlich, um den Versicherten zu einer aktiven Mitarbeit an einer Behandlungsstrategie zu bewegen, die erst einmal komplett seinen
sämtlichen bisherigen Lebenserfahrungen und Überzeugungen zu widersprechen scheint.
 Obwohl die Anmeldung des Versicherten in der interdisziplinären Schmerzstunde explizit mit der Frage nach therapeutischen Optionen erfolgte, stehe implizit auch die Frage nach der Beurteilung und Einschätzung der Arbeitsfähigkeit im Raum. Es sprengte aber den Auftrags-, Zeit- und Kostenrahmen einer ambulanten interdisziplinären konsiliarischen Untersuchung, die Frage der Arbeitsfähigkeit unter kritischer Würdigung der umfangreichen Vorakten zu diskutieren. Daher beschränkten sie sich auf die Feststellung, dass (unter Berücksichtigung des bisherigen Verlaufs und der aktuellen Befundlage) aller Erfahrung nach nicht mehr erwartet werden könne, dass der Versicherte in den nächsten Jahren in der Lage sein werde, die nötige Willensanstrengung aufzubringen, um wieder eine relevante Arbeitsfähigkeit erlangen zu können.
d) Was den Beweiswert dieser medizinischen Akten betrifft, so sind sowohl das
Gutachten des ABI vom 21. September 2009 als auch der Bericht der Klinik
... vom 18. Dezember 2009 (Kenntnis der IV-Akten) in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation
nachvollziehbar. Zudem wurden das Gutachten und der medizinische Bericht
in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben. Hervorzuheben ist einzig,
dass der medizinische Bericht der Klinik ... infolge des beschränkten Zeit- und
Aufwandrahmens auf eine Diskussion der Frage der Arbeitsfähigkeit unter
kritischer Würdigung der umfangreichen Vorakten verzichten musste.
Stattdessen stellte Dr. med. ... fest, unter Berücksichtigung des bisherigen
Verlaufs und der aktuellen Befundlage könne nicht mehr erwartet werden,
dass der Versicherte in den nächsten Jahren in der Lage sein werde, die
nötige Willensanstrengung aufzubringen, um wieder eine relevante
Arbeitsfähigkeit zu erlangen. Indessen lässt sich daraus noch kein
verminderter Beweiswert im Vergleich zum ABI-Gutachten vom 21.
September 2009 ableiten. Ebenso kann die beschwerdegegnerische
Auffassung, Dr. med. ... gebe damit offensichtlich die subjektive Überzeugung
des Beschwerdeführers wieder und nehme zur objektiven Überwindbarkeit
der somatoformen Schmerzstörung nicht Stellung, nicht geteilt werden.
Vielmehr stützt sich Dr. med. ... auf die diagnostizierte aktuelle Befundlage,
wenn auch im Detail unklar ist, wie er zu seiner Einschätzung der
Unzumutbarkeit der Willensanstrengung gelangt ist. Auch das
beschwerdeführerische Vorbringen, das ABI-Gutachten berücksichtige die
Verschlechterung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit nicht,
so dass es weder nachvollziehbar noch schlüssig sei, ist unbegründet. Wie
dem Gutachten zu entnehmen ist, hat sich das ABI mit den Befunden von Dr.
med. ... auseinandergesetzt (mittelgradige depressive Episode,
querulatorische und paranoid anmutende Züge der Persönlichkeitsstruktur,
allenfalls eine Persönlichkeitsstörung), ist aber im Gegensatz zu diesem zum
Schluss gekommen, dass diese nicht erhärtet werden könnten. Unklar ist
dabei jedoch immerhin, wie das ABI im Rahmen der durchgeführten
psychiatrischen Untersuchung zu seiner Einschätzung gekommen ist
(Gespräch, Tests).
e) Wie einer Gegenüberstellung der beiden von den Parteien für massgebend
befundenen medizinischen Akten zu entnehmen ist, unterscheiden sich diese
in diagnostischer Hinsicht wie folgt: Übereinstimmend wird zunächst neben
einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) eine
rezidivierende depressive Störung diagnostiziert. Währenddem das ABI-
Gutachten von einer gegenwärtig leichten Episode (ICD-10 F33.0) spricht,
stellt der Bericht der Klinik ... indes eine gegenwärtig leicht- bis mittelgradige
Episode (ICD-10 F33.1) fest. Der Beschwerdeführer hebt in diesem
Zusammenhang mehrmals den Begriff „ausgeprägt“ hervor, wobei er auf den
psychosomatischen Untersuchungsbericht von Dr. med. ... verweist, der die
Formulierung „rezidivierende depressive Störung mit gegenwärtig leicht- bis
mittelgradig ausgeprägter depressiver Episode“ erwähnt. Da der Begriff
„ausgeprägt“ im Bericht der Klinik ... vom 18. Dezember 2009 in der Diagnose
jedoch nicht beibehalten wird, sondern wiederum eine „gegenwärtig leicht- bis
mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)“ festgestellt wird, scheint dem Begriff
indessen keine eigenständige medizinische Bedeutung zuzukommen.
Unterschiede bestehen ferner in Bezug auf die Auswirkungen der
festgestellten Diagnosen auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers und
insbesondere auf die Frage der Überwindbarkeit. Gemäss ABI-Gutachten
kann es dem Beschwerdeführer in objektiver Hinsicht zugemutet werden, trotz
der geklagten Beschwerden die notwendige Willensanstrengung
aufzubringen, um einer 80%-igen beruflichen Tätigkeit nachzugehen. Nach
dem Bericht der Klinik Valens kann dagegen unter Berücksichtigung des
bisherigen Verlaufs und der aktuellen Befundlage aller Erfahrung nach nicht
mehr erwartet werden, dass der Versicherte in den nächsten Jahren in der
Lage sein werde, die nötige Willensanstrengung aufzubringen, um wieder
eine relevante Arbeitsfähigkeit zu erlangen. Jedoch sei eine Diskussion der
Frage der Arbeitsfähigkeit unter kritischer Würdigung der Vorakten im
Rahmen der ambulanten interdisziplinären konsiliarischen Untersuchung
nicht möglich. Damit ist der Frage nachzugehen, inwiefern diese
Schlussfolgerungen der Klinik ... die Verfügung der IV-Stelle vom 12. März
2010, welche auf den Feststellungen des ABI-Gutachtens beruht und eine
Leistungspflicht bei einem IV-Grad von 26% verneint, in Zweifel zu ziehen
vermögen. Dazu ist vorerst auf die einschlägige bundesgerichtliche
Rechtsprechung einzugehen.
4. a) Zu den geistigen Gesundheitsschäden, welche in gleicher Weise wie die
körperlichen eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG zu bewirken
vermögen, gehören neben den eigentlichen Geisteskrankheiten auch
seelische Abwegigkeiten mit Krankheitswert. Nicht als Auswirkungen einer
krankhaften seelischen Verfassung und damit
invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten hingegen
Beeinträchtigungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei
Aufbietung allen guten Willens, Arbeit in ausreichendem Masse zu verrichten,
zu vermeiden vermöchte, wobei das Mass des Forderbaren weitgehend
objektiv bestimmt werden muss (BGE 130 V 353 E. 2.2.1, mit Hinweisen).
Unter gewissen Umständen können auch somatoforme Schmerzstörungen
eine Arbeitsunfähigkeit verursachen. Sie fallen unter die Kategorie der
psychischen Leiden, für die grundsätzlich ein psychiatrisches Gutachten
erforderlich ist, wenn es darum geht, über das Ausmass der durch sie
bewirkten Arbeitsunfähigkeit zu befinden. In Anbetracht der sich mit Bezug
auf Schmerzen naturgemäss ergebenden Beweisschwierigkeiten genügen
mithin die subjektiven Schmerzangaben der versicherten Person für die
Begründung einer (teilweisen) Invalidität allein nicht; vielmehr muss im
Rahmen der sozialversicherungsrechtlichen Leistungsprüfung verlangt
werden, dass die Schmerzangaben durch damit korrelierende, fachärztlich
schlüssig feststellbare Befunde hinreichend erklärbar sind, andernfalls sich
eine rechtsgleiche Beurteilung der Rentenansprüche nicht gewährleisten
liesse (BGE 130 V 353 E. 2.2.2, mit Hinweisen).
b) Das Vorliegen eines fachärztlich ausgewiesenen psychischen Leidens mit
Krankheitswert - worunter anhaltende somatoforme Schmerzstörungen
grundsätzlich fallen - ist aus rechtlicher Sicht wohl Voraussetzung, nicht aber
hinreichende Basis für die Annahme einer invalidisierenden Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit. Namentlich vermag nach der Rechtsprechung eine
diagnostizierte anhaltende somatoforme Schmerzstörung als solche in der
Regel keine lang dauernde, zu einer Invalidität führende Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG zu bewirken. Ein Abweichen
von diesem Grundsatz fällt nur in jenen Fällen in Betracht, in denen die
festgestellte somatoforme Schmerzstörung nach Einschätzung des Arztes
eine derartige Schwere aufweist, dass der versicherten Person die
Verwertung ihrer verbleibenden Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt bei
objektiver Betrachtung - und unter Ausschluss von Einschränkungen der
Leistungsfähigkeit, die auf aggravatorisches Verhalten zurückzuführen sind -
sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder dies für die Gesellschaft gar
untragbar ist (BGE 130 V 353 f. E. 2.2.3, mit Hinweisen; BGE 131 V 50 E.
1.2).
c) Die - nur in Ausnahmefällen anzunehmende - Unzumutbarkeit einer
willentlichen Schmerzüberwindung und eines Wiedereinstiegs in den
Arbeitsprozess setzt das Vorliegen einer mitwirkenden, psychisch
ausgewiesenen Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität,
Ausprägung und Dauer oder aber das Vorhandensein anderer qualifizierter,
mit gewisser Intensität und Konstanz erfüllter Kriterien voraus. So sprechen
unter Umständen (1) chronische körperliche Begleiterkrankungen und
mehrjähriger Krankheitsverlauf bei unveränderter oder progredienter
Symptomatik ohne längerfristige Remission, (2) ein ausgewiesener sozialer
Rückzug in allen Belangen des Lebens, (3) ein verfestigter, therapeutisch
nicht mehr angehbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten,
psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn
["Flucht in die Krankheit"]) oder schliesslich (4) unbefriedigende
Behandlungsergebnisse trotz konsequent durchgeführter ambulanter
und/oder stationärer Behandlungsbemühungen (auch mit unterschiedlichem
therapeutischem Ansatz) und gescheiterte Rehabilitationsmassnahmen bei
vorhandener Motivation und Eigenanstrengung der versicherten Person für
die ausnahmsweise Unüberwindlichkeit der somatoformen Schmerzstörung
(BGE 130 V 354 f. E. 2.2.3, mit Hinweisen; BGE 136 V 281 f. E. 3.2.1). Je
mehr dieser Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die entsprechenden
Befunde darstellen, desto eher sind - ausnahmsweise - die Voraussetzungen
für eine zumutbare Willensanstrengung zu verneinen (BG-Urteil 9C_871/2010
vom 25. Februar 2011 E. 4.1, mit zahlreichen Hinweisen).
d) Genügt die psychiatrische Erklärbarkeit der Schmerzsymptomatik allein für
eine sozialversicherungsrechtliche Leistungsbegründung nicht, obliegt der
begutachtenden Fachperson der Psychiatrie im Rahmen der - naturgemäss
mit Ermessenszügen behafteten - ärztlichen Stellungnahme zur
Arbeits(un)fähigkeit und der Darlegungen zu den einer versicherten Person
aus medizinischer Sicht noch zumutbaren Arbeitsfähigkeit die Aufgabe, durch
die zur Verfügung stehenden diagnostischen Möglichkeiten fachkundiger
Exploration der Verwaltung (und im Streitfall dem Gericht) aufzuzeigen, ob
und inwiefern eine versicherte Person über psychische Ressourcen verfügt,
die es ihr erlauben, mit ihren Schmerzen umzugehen. Entscheidend ist, ob
die betroffene Person, von ihrer psychischen Verfassung her besehen,
objektiv an sich die Möglichkeit hat, trotz ihrer subjektiv erlebten Schmerzen
einer Arbeit nachzugehen (BGE 130 V 355 E. 2.2.4, mit Hinweisen). Die
ärztlichen Stellungnahmen zum psychischen Gesundheitszustand und zu
dem aus medizinischer Sicht (objektiv) vorhandenen Leistungspotential bilden
unabdingbare Grundlage für die Beurteilung der Rechtsfrage, ob und
gegebenenfalls inwieweit einer versicherten Person unter Aufbringung allen
guten Willens die Überwindung ihrer Schmerzen und die Verwertung ihrer
verbleibenden Arbeitskraft zumutbar ist. Im Rahmen der freien
Beweiswürdigung darf sich dabei die Verwaltung - und im Streitfall das Gericht
- weder über die medizinischen Tatsachenfeststellungen hinwegsetzen noch
sich die ärztlichen Einschätzungen und Schlussfolgerungen zur (Rest-)
Arbeitsfähigkeit unbesehen ihrer konkreten sozialversicherungsrechtlichen
Relevanz und Tragweite zu eigen machen. Letzteres gilt namentlich dann,
wenn die begutachtende Fachperson allein aufgrund der Diagnose einer
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit attestiert. Die rechtsanwendenden Behörden haben diesfalls
mit besonderer Sorgfalt zu prüfen, ob die ärztliche Einschätzung der
Arbeitsunfähigkeit auch invaliditätsfremde Gesichtspunkte (insbesondere
psychosoziale und soziokulturelle Belastungsfaktoren) mit berücksichtigt,
welche vom sozialversicherungsrechtlichen Standpunkt aus unbeachtlich
sind, und ob die von den Ärzten anerkannte (Teil-)Arbeitsunfähigkeit auch im
Lichte der für eine Unüberwindlichkeit der Schmerzsymptomatik
massgebenden rechtlichen Kriterien standhält (BGE 130 V 356 E. 2.2.5, mit
Hinweisen; BGE 136 V 284 E. 3.3).
5. a) Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung besteht nach dem Gesagten eine
Vermutung, dass eine somatoforme Schmerzstörung oder ihre Folgen mit
einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte
Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern,
können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil
die versicherte Person dann nicht über die für den Umgang mit den
Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall
vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im
Vordergrund steht die Feststellung einer psychischen Komorbidität von
erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer. Massgebend kann aber auch
das Vorhandensein anderer qualifizierter, mit gewisser Intensität und
Konstanz erfüllter Kriterien sein (BG-Urteil 9C_871/2010 vom 25. Februar
2011 E. 4.1).
b) Nach Lage der Akten (ABI-Gutachten, Bericht Klinik ...) ist davon
auszugehen, dass in vorliegend zu beurteilender Konstellation mit der
zusätzlich zur anhaltenden somatoformen Schmerzstörung diagnostizierten
rezidivierenden depressiven Störung - unabhängig davon, ob es sich
gegenwärtig um eine leicht- oder mittelgradige Episode handelt - eine
psychische Komorbidität nach Massgabe der Rechtsprechungsgrundsätze
vorliegt (vgl. BG-Urteil 8C_958/2010, 8C_1039/2010 vom 25. Februar 2011
E. 6.2.2.2). Eine solche Komorbidität führt indessen nur dann zur
ausnahmsweisen Unzumutbarkeit, eine somatoforme Schmerzstörung und
deren Folgen überwinden zu können, wenn sie erheblich (in Bezug auf
Schwere, Ausprägung und Dauer) ist. Mithin erforderlich ist eine von
depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde
Depression (BGE 127 V 299 E. 5a) im Sinne eines verselbstständigten
Gesundheitsschadens (SVR 2008 IV Nr. 62 S. 203, BG-Urteil 9C_830/2007
E. 4.2), welcher unabhängig von der somatoformen Schmerzstörung als
erhebliche psychische Komorbidität ausnahmsweise auf die Unzumutbarkeit
einer willentlichen Schmerzüberwindung schliessen lässt (BG-Urteile
8C_857/2009 vom 23. März 2010 E. 4.2, 8C_930/2008 vom 28. April 2009 E.
3.2.2).
Das Bundesgericht hat das Vorliegen einer erheblichen psychischen
Komorbidität im Falle einer rezidivierenden depressiven Störung mit leichter
Episode (ICD-10 F33.0; BGE 130 V 352), im Falle einer mittelgradigen
depressiven Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11; BG-Urteil
9C_803/2008) und auch insbesondere im Falle einer rezidivierenden
depressiven Störung mit mittelgradiger Episode (ICD-10 F33.1; BG-Urteile
9C_340/2009, 8C_979/2008) schon verneint (vgl. im Weiteren auch die BG-
Urteile 8C_857/2009 vom 23. März 2010 E. 4.1-4.2, 9C_749/2010 vom 23.
November 2010 E. 4.3.1, mit Hinweisen). Hinsichtlich der vorliegend
diagnostizierten rezidivierenden depressiven Störung mit mittelgradiger
Episode (ICD-10 F33.1) hat das Bundesgericht aber immerhin festgehalten,
dass eine solche Erkrankung nicht ohne Weiteres als blosse
Begleiterscheinung einer somatoformen Schmerzstörung und damit als nicht-
invalidisierender Faktor qualifiziert werden könne. Wesentlich für die
Beurteilung der Erheblichkeit und den bundesgerichtlichen Entscheid im
betreffenden Fall waren die Begleitumstände der konkret zu beurteilenden
Konstellation, d.h. die näheren gutachterlichen Ausführungen zum
psychischen Befund und dessen Auswirkungen auf das tägliche Leben des
Beschwerdeführers gemäss Aktenlage (unter anderem auch Abweichungen
der Gesamtbeurteilung der MEDAS vom psychiatrischen Teilgutachten; BG-
Urteil 9C_340/2009 vom 24. August 2009 E. 3.4.3). Daraus ergibt sich, dass
die Differenzierung zwischen einer leicht- oder einer mittelgradigen
depressiven Episode im Falle einer rezidivierenden depressiven Störung für
die Frage der Überwindbarkeit der geklagten Beschwerden und die
Feststellung der Arbeitsfähigkeit mitunter entscheidend sein kann; wenn auch
die Begleitumstände der jeweils konkret zu beurteilenden Konstellation
einzubeziehen sind. Denn gemäss der ICD-10-Klassifikation unterscheidet
sich eine leichte von einer mittelgradigen depressiven Episode unter anderem
dadurch, dass die betroffene Person bei einer leichten Episode zwar
beeinträchtigt, aber oft in der Lage ist, die meisten ihrer Aktivitäten zu
bewältigen. Demgegenüber hat eine von einer mittelgradigen depressiven
Episode betroffene Person meist grosse Schwierigkeiten, ihre alltäglichen
Aktivitäten fortzusetzen. Somit erscheint es als folgerichtig, wenn diejenigen
medizinischen Fachpersonen, welche lediglich eine leichte depressive
Episode diagnostizierten, die Arbeitsfähigkeit in einem grösseren Umfang als
gegeben erachten, als jene, welche eine mittelgradige depressive Episode
bejahten (BG-Urteil 8C_808/2009 vom 4. Januar 2011 E. 4.3).
c) In vorliegend zu beurteilender Konstellation bestehen nach Lage der Akten in
Bezug auf die Intensität der diagnostizierten depressiven Episode und deren
Auswirkung auf die beschwerdeführerische Arbeitsfähigkeit Unterschiede:
Das ABI-Gutachten vom 21. September 2009 stellt neben der anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung eine rezidivierende depressive Störung mit
gegenwärtig leichter Episode (ICD-10 F33.0) fest und befindet den
Beschwerdeführer zu 80% arbeitsfähig in adaptierter Tätigkeit. Dr. med. ...
von der Klinik ... hingegen diagnostiziert mit Bericht vom 18. Dezember 2009
eine rezidivierende depressive Störung mit gegenwärtig leicht- bis
mittelgradiger Episode (ICD-10 F33.1) und kommt zum Schluss, dass der
Beschwerdeführer aller Erfahrung nach in absehbarer Zeit keine relevante
Arbeitsfähigkeit mehr erlangen dürfte. Diese Einschätzung deckt sich mit der
Beurteilung des langjährigen Psychiaters, Dr. med. ..., der mit Schreiben vom
8. November 2008 ebenfalls festgestellt hatte, dass der Beschwerdeführer -
mittelgradige depressive Episode, Persönlichkeitsstörung - aktuell und für die
nächste Zukunft zu 100% arbeitsunfähig sei. Zudem ist darauf hinzuweisen,
dass die Psychiatrischen Dienste Graubünden bereits im Jahr 2005 beim
Beschwerdeführer eine mittelgradige depressive Episode diagnostiziert
hatten. Schliesslich kommt hinzu, dass das ABI im ersten Gutachten vom 7.
Juni 2007 (inkl. Nachtrag vom 20. September 2007), auf das sich das zweite
Gutachten vom 21. September 2009 stützt, zum Schluss kam, die 80%-ige
Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit bestehe seit April 2005 (retrospektive
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit), wohingegen die Psychiatrischen Dienste
Graubünden (mittelgradige depressive Episode; Schreiben vom 26.
September 2005 und vom 22. Mai 2006) und der behandelnde langjährige
Psychiater Dr. med. ... (Anpassungsstörungen mit vorwiegender
Beeinträchtigung anderer Gefühle; Schreiben vom 21. Juni 2006) dem
Beschwerdeführer echtzeitlich eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit attestierten.
Unter diesen Umständen kann das Vorliegen einer rezidivierenden
depressiven Störung mit mittelgradiger Episode (ICD-10 F33.1) entgegen der
Auffassung der Vorinstanz nicht rechtsgenüglich ausgeschlossen werden.
Damit lässt sich auch die gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung für die
Festlegung der beschwerdeführerischen Arbeitsfähigkeit entscheidende
Frage der ausnahmsweisen Unüberwindbarkeit der Folgen der
diagnostizierten somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) infolge einer
erheblichen psychischen Komorbidität nicht verlässlich beantworten. Es
bestehen insgesamt genügend Anhaltspunkte (vgl. insbesondere die Berichte
von Dr. med. ... und Dr. med. ...), dass nicht einfach auf die
Schlussfolgerungen des ABI-Gutachtens zur psychischen Komorbidität und
zur Überwindbarkeit abgestellt werden kann; wenn beim Beschwerdeführer
doch auch psychosoziale Belastungsfaktoren und eine ausgeprägte
Selbstlimitierung (subjektive Krankheitsüberzeugung) vorzuliegen scheinen.
d) Die übrigen Morbiditätskriterien, die zu einer ausnahmsweisen
Unüberwindlichkeit der somatoformen Schmerzstörung (BGE 130 V 354 f. E.
2.2.3, mit Hinweisen) führen könnten, liegen unter Berücksichtigung der
zurzeit in den Akten liegenden medizinischen Unterlagen nicht im qualifizierter
Form vor. Chronische körperliche Begleiterkrankungen liegen gemäss ABI-
Gutachten vor (chronisches Panvertebralsyndrom mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit und weitere Diagnosen ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit), doch habe diese keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit in
adaptierter Tätigkeit. Ein ausgeprägter sozialer Rückzug ist nach Lage der
Akten auszuschliessen (gute Kontakte mit Nachbarn und Kollegen,
regelmässige Telefonate und Besuche innerhalb der Familie). Anhaltspunkte
für einen primären Krankheitsgewinn liegen gemäss Bericht der Klinik ... vor,
jedoch nicht in genügendem Ausmass. Die unbefriedigenden
Behandlungsergebnisse wiederum sind auf die geringe Motivation und die
ausgeprägte subjektive Krankheitsüberzeugung (ABI-Gutachten) oder auf die
mangelnden kognitiven/intellektuellen Voraussetzungen (Klinik ...)
zurückzuführen. Da jedoch ohnehin eine Rückweisung an die Vorinstanz
zwecks weiterer Abklärungen erfolgt, drängt sich der Vollständigkeit halber
auch eine erneute Abklärung dieser Kriterien auf.
e) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass in Bezug auf die psychiatrische
Diagnose, die Überwindbarkeit der Folgen der übereinstimmend
festgestellten anhaltenden somatoformen Schmerzstörung und deren
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers erhebliche
Widersprüche unter den ins Recht gelegten medizinischen Akten bestehen.
Diese Gegensätze können nur mit einer weiteren
psychiatrischen/psychosomatischen Spezialbegutachtung (Diagnose,
psychische Komorbidität, Überwindbarkeit der somatoformen
Schmerzstörung mit den zur Verfügung stehenden psychischen Ressourcen,
weitere Morbiditätskriterien) ausgeräumt werden, welche durch die Vorinstanz
noch vorzunehmen ist. Zu diesem Zweck ist die Sache an die Vorinstanz
zurückzuweisen, welche die erforderliche spezialmedizinische Begutachtung
zu veranlassen und anschliessend über den beschwerdeführerischen
Anspruch auf IV-Leistungen neu zu verfügen hat. Da der Beschwerdeführer
in den Jahren 2007 und 2009 auf Veranlassung der Vorinstanz bereits
zweimal vom ABI begutachtet wurde und aktuell substanzielle Unterschiede
bei der Beurteilung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit im Vergleich zum Bericht
der Klinik ... bestehen, würde es sich empfehlen, die erforderliche
spezialmedizinische Begutachtung bei einer dritten, unbeteiligten Institution in
Auftrag zu geben, um den beschwerdeführerischen Anspruch auf eine
objektive und neutrale Begutachtung bestmöglich zu wahren.
6. Die Beschwerde ist somit gutzuheissen, die angefochtene Verfügung
aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zur weiteren Abklärung und
Neuverfügung im Sinne der vorstehenden Erwägungen zurückzuweisen. Da
es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht,
ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs.
1bis IVG) und auf Fr. 700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des
Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen,
welche dem Beschwerdeführer als obsiegender Partei überdies nach Art.
78 Abs. 1 VRG die durch den Rechtsstreit verursachten notwendigen Kosten
zu ersetzen hat. Der Vertreter des Beschwerdeführers hat mit Schreiben vom
31. Mai 2010 eine detaillierte Honorarnote in der Höhe von Fr. 3'205.50 (inkl.
MWST) eingereicht, welche angesichts der rechtlichen Schwierigkeiten des
Verfahrens den Anforderungen der Verordnung über die Bemessung des
Honorars der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte (HV) entspricht, so dass
auf sie abzustellen ist. Damit erweist sich zugleich auch das
beschwerdeführerische Begehren um unentgeltliche Rechtspflege als
gegenstandlos.