# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** e15991bf-e11b-432e-a596-5d680bb6e0f1
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1964,
ist Mutter von zwei 1996 und 1998 geborenen Kindern (
Urk.
7/1
Ziff.
3.1). Die Versicherte war
von September 2006 bis Ende Juli 2011 als
Assistant
Group
Compensation
bei der
Y._
(nachfolgend:
Y._
)
angestellt (Urk.
7/16
Ziff.
1, 2.1 und 2.7).
Am
2.
September 2011 meldete sie sich bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/1).
Mit Verfügung vom 25.
Januar 2013 (
Urk.
7/61,
Urk.
7/
52) sprach die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, der Versicherten
ab dem
1.
März 2012
bei einem Invaliditäts
grad von 100
%
eine ganze Rente mit Kinderrenten zu.
1.2
Die IV-Stelle
holte a
nlässlich einer im Juli 2013 eingeleiteten Revision (vgl.
Urk.
7/62
-63
) ein psychiatrisches Gutachten
(
Urk.
7/75) ein. Am
4.
April 2014 teilte sie der Versicherten mit, dass unverändert Anspruch auf die bisherige Rente bestehe (
Urk.
7/78).
Am gleichen Tag auferlegte die IV-Stelle
der Ver
sicher
ten
die Intensivierung der psychiatrischen Behandlung
und die Behand
lung in einer Tagesklinik
als
Schadenminderungspflicht
(
Urk.
7/77).
Die IV-Stelle
holte
in der Folge
ein psychiatrisches Verlaufsgutachten
ein, das am 18.
März 2016 (
Urk.
7/121) erstattet wurde.
Mit Vorbescheid vom
3.
Mai 2016 (
Urk.
7/130) stellte die IV-Stelle die Einstellung der Rente in Aussicht. Der behandelnde Psychotherapeut nahm am 1
1.
Juli 2016 (
Urk.
7/143/1-8) Stellung zum Verlaufsgutachten
vom 1
8.
März 201
6.
Die IV
Stelle holte
schliesslich
ein weiteres psychiatrisches Gutachten (
Urk.
7/172) ein.
Die Versicherte nahm am 2
5.
Juni 2018 (
Urk.
7/180) dazu Stellung.
Mit Verfügung vom 2
0.
Juli 2018 (
Urk.
7/184 =
Urk.
2) hob die IV-Stelle die Rente für die Zukunft auf.
2.
Die Versicherte erhob am 1
2.
September 2018 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2
0.
Juli 2018 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr weiterhin eine ganze Rente zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1 oben).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
7.
Oktober 2018 (
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde, was
der Beschwerdeführerin
mit Verfügung vom 2
3.
Oktober 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
Mit Gerichtsverfügung
vom
9.
November 2018 wurde die Pensionskasse der
Y._
zum Prozess beigeladen (
Urk.
9 Dispositiv
Ziff.
1), die sich am 2
5.
Januar 2019 (
Urk.
12) vernehmen liess. Eine Kopie der Eingabe der
Pensionskasse
und Kopien der eingereichten Beilagen (
Urk.
13/1-4) wurden den Parteien mit Verfügung vom
1.
Februar 2019 zur Kenntnis gebracht (Urk.
14).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose
und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinwe
isen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, wel
che auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Aus
wir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Recht
sprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
Dabei braucht es sich nicht u
m eine formelle Verfügung (Art.
49 ATSG) zu han
deln. Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer mate
riellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle deswegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit
. f
der Verordnung über die Inva
lidenversicherung (
IVV
)
auf dem W
eg der blossen Mitteilung (Art. 51 ATSG), ist im darauf
folgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangs
sach
verhalt derjenige, welcher
der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bun
desgerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E.
3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 201
3 E.
3.1.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) fest, die getätigten Abklärungen hätten ergeben, dass sich die gesundheitliche Situation
der Beschwerdeführer
in
seit Längerem wesentlich verbessert habe. Für die bishe
rige Tätigkeit bestehe wieder eine Arbeitsfähigkeit von 70
%
. In einer angepassten Tätigkeit wie in einer Bürotätigkeit
sei
gar eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
zumutbar, wodurch sich der Invaliditätsgrad weiter reduzieren würde (S.
2 oben).
Gemäss dem neu eingeholten psychiatrischen Gutachten habe sich die gesund
heitliche Situation aufgrund der nicht aufgenommenen Therapie zirka ab Mai
2017 wieder verschlechtert. Jedoch werde nach wie vor davon ausgegangen, dass sich der Zustand der Beschwerdeführerin durch die ihr auferlegte Schadenminde
rungspflicht wesentlich verbessern würde (S. 2 unten). Die Beschwerdegegnerin gab zur Prüfung der Indikatoren an, es bestünden noch Möglichkeiten einer Therapieoptimierung. Entsprechend sei auf einen fehlenden Leidensdruck zu schliessen (S. 2 f.).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte vor,
sie sei ihrer Schadenminderungspflicht genügend nachgekommen. Die Therapiemassnahmen seien intensiviert worden. Es sei in keiner Art und Weise erstellt, dass die Verschlechterung ihres Gesund
heitszustandes mit noch intensiveren Massnahmen hätte vermieden werden können (
Urk.
1 S. 4
Ziff.
2 unten). A
ufgrund des Gutachtens von
Dr.
med. Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
sei festzuhalten, dass sie insbesondere aufgrund der Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes weiter
hin Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung habe (
Urk.
1
S
. 9 oben).
2.3
Die beigeladene Pensionskasse
der
Y._
brachte vor,
die
Renten
zusprache
der Beschwerdegegnerin sei
entgegen dem Grundsatz Eingliederung vor Rente viel zu früh erfolgt (
Urk.
12 S. 2 unten).
Nach ihrer Auffassung bestehe in der bisherigen wie auch in einer angepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
(
Urk.
12 S. 7 unten).
2.4
Streitig und zu prüfen ist, ob sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin verglichen mit
dem
Zeitpunkt der Mitteilung
der Beschwerdegegnerin
vom 4.
April 2014
massgeblich verbessert hat.
Über die von der beigeladenen Pensionskasse geforderte Entschädigung nach Art.
78 ATSG (
Urk.
12 S. 2
Ziff.
3 oben) ist
in einem separaten Verfahren zu ent
scheiden.
3.
3.1
Dr.
med. A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
und für Pharmazeutische Medizin
, erstattete am
1
1.
Februar 2012 (
Urk.
7/25/2-6
) im Auf
trag des Krankentaggeldversicherers ein psychiatrisches Konsilium.
Dr.
A._
führte zur Anamnese aus, die Beschwerdeführerin sei seit dem 2
2.
März 2011 aus ärztlicher Sicht krankheitsbedingt für arbeitsunfähig erklärt worden. Vorausgegangen sei eine psychophysische Erschöpfung im Rahmen eines Arbeits
platzkonfliktes (S. 1
Ziff.
1).
Bei der
Y._
sei sie
Executive
Assistant
zweier Vorgesetzter gewesen. Nach einem internen Wechsel an eine andere Stelle habe sie einen cholerischen Vorgesetzten gehabt (S. 2 oben). Die Monate seit Beginn der Krankschreibung seien geprägt gewesen durch schlaflose Nächte, Kopfschmerzen und einen sozialen Rückzug (S. 2 unten).
Der psychopathologische Befund sei zum Zeitpunkt der Evaluation durch eine weitgehend ausgeglichene Stimmungslage gekennzeichnet gewesen (S. 3
Ziff.
3).
Nach der Vorgeschichte,
der Schilderung der Beschwerden,
dem bisherigen Krankheitsverlauf und dem aktuellen Befund liege eine mittelgradige depressive Episode vor (ICD-10 F32.1). Das Krankheitsbild sei mittlerweile weitgehend remittiert. Hinweise auf eine affektive Erkrankung mit episodenartigem Verlauf einer Depression beziehungsweise einer bipolaren Störung fänden sich in der Vorgeschichte nicht (S. 4
Ziff.
4).
Dr.
A._
gehe davon aus, dass die Arbeitsun
fähigkeit nur noch bis längstens Ende März 2012 fortzuschreiben sei. Spätestens ab April des Jahres gehe er von einer vollen Arbeitsfähigkeit in einem der bishe
rigen Tätigkeit vergleichbaren beruflichen Einsatzgebiet und alternativ auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt aus (S. 4
Ziff.
5 unten).
3.2
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
nannte im Bericht vom
7.
Mai 2012 (
Urk.
7/28/1-4) als Diagnosen eine depressive Ent
wick
lung nach Kündigung der letzten Arbeitsstelle mit tiefem Kränkungserlebnis und eine anhaltende mittelgradige bis schwere depressiv-ängstliche Störung (ICD-10 F33.10 bis
F
33.2; S. 3 Mitte). Eine Arbeitsstelle beziehungsweise eine Arbeitstä
tigkeit sei
der Beschwerdeführerin
im Moment noch nicht zuzumuten. Die Beein
trächtigungen seien
noch zu stark und ein Misserfolg wäre vor
programmiert (S.
3 oben).
Sie
sei bis auf Weiteres zu 100 % arbeitsunfähig (S.
3 unten).
3.3
Dr.
med. C._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, Regionalärzt
licher Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin, führte in einer Stellungnahme vom 2
2.
Mai 2012 (
Urk.
7/29 S. 4) aus,
nach den im Bericht von
Dr.
B._
vom
7.
Mai 2012
dargestellten Befunden sei eine depressive Entwicklung nach der Kündigung der Arbeitsstelle und eine anhaltende mittelgradige bis schwer depressiv-ängstliche Störung ausgewiesen. Momentan liege weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
vor. Aus medizinischer Sicht sei eine massgebliche die Arbeitsfähigkeit tangierende psychische Störung ausgewiesen. Nachvollzieh
bar bestehe seit dem 2
5.
Februar 2011 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
.
3.4
Dr.
B._
und Prof.
Dr.
phil.
D._
führten im Bericht vom 2
7.
September 2013 (
Urk.
7/66) aus,
das psychische Zustandsbild habe sich seit dem letzten Bericht verschlechtert. Es habe sich ein tiefes Misstrauen mit einer Tendenz
zur
paranoiden Verarbeitung eingestellt (S. 2 unten).
Dr.
B._
und
Prof.
D._
nannten als Diagnosen eine depressiv-ängstliche Entwicklung nach Kündigung der Arbeitsstel
le mit tiefem Kränkungserlebnis
und einer Tendenz zur paranoiden Verarbeitung, Tendenz zu
r
Fixierung, sowie eine anhaltende mittelgradige bis schwere depressiv-ängstliche Störung (ICD-10 F33.1 bis F33.2). Als Differential
diagnose nannten sie eine anhaltende Persönlichkeitsveränderung nach psychi
scher Erkrankung ICD-10 F62.1; S. 3 Mitte).
Die Beschwerdeführerin sei in der freien Wirtschaft seit der Kündigung
des Arbeitsverhältnisses
bis auf We
iteres zu 100
%
arbeitsunfähig
(S. 3 unten).
3.5
3.5.1
Dr.
med. E._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete am 1
9.
März 2014 (
Urk.
7/75) im Auftrag der Beschwerdegegnerin ein psychiatrisches Gutachten. Die Untersuchung der Beschwerdeführerin erfolgte am 1
7.
März 2014 (S. 2
Ziff.
2 oben).
Die Gutachterin führte zur Anamnese aus, die Beschwerdeführer
in
habe
sich 2006 für einen beruflichen Wiedereinstieg entschieden und habe
eine Anstellung als Direktionsassistentin bei der
Y._
angenommen, für
welche
sie bereits in Schweden gearbeitet habe. Danach sei sie Direktionsassistentin für
F._
und
für
mehrere Vorgesetzte geworden (S. 8 oben).
Schliesslich sei sie zu einem Vorgesetzten gekommen, der sie
angeschrien, überwacht und beschimpft
habe
(S. 9 Mitte).
Nachdem
sie zusammengebrochen sei, habe er ihr Drohbriefe nach Hause geschickt (S. 9 unten).
Die
von der
Y._
ausgesprochene Kündigung sei schliesslich als missbräuchlich anerkannt worden
und es seien ihr einige Monatslöhne nachbezahlt worden. Seit Mai 2011 sei sie bei
Prof.
D._
in psychotherapeutischer Behandlung
(S. 10 oben).
Später
habe auch der Ehemann der Beschwerdeführerin seine Arbeit ver
loren und sei längere Zeit arbeitslos gewesen.
Zudem
habe er sie mit einer anderen Frau betrogen
(S.
12 f.).
Schliesslich habe sie seit 2008 jedes Jahr wichtige Menschen aus der Familie und der Bekanntschaft verloren (S. 13 unten).
Die Beschwerdeführerin habe weiter berichtet, dass sie sich mit der Arbeit kaputt gemacht habe. Sie habe jahrelang nur drei bis vier Stunden pro Nacht
geschlafen und
habe 2.8 Vollzeitstellen abgedeckt. Sie habe alles alleine auf die Reihe gekrieg
t.
Seitdem der Chef sie fertiggemacht habe, habe
sie sehr viele Ängste. Konkret habe sie ständig Angst, Fehler zu machen oder zu spät zu kommen. Am meisten leide sie unter ihrer Müdigkeit
(S. 16
Ziff.
2 oben). Die Beschwerde
führerin habe bei der Begrüssung recht aufgelöst, agitiert und verzweifelt gewirkt und
sei
ihren Emotionen ausgeliefert
gewesen. Sie habe auch eine extreme Müdigkeit signalisiert, indem sie immer wieder die Augen geschlossen und geseufzt habe. Die Konzentration sei in der zweistündigen Exploration brüchig gewesen. Die Beschwerdeführerin se
i fahrig, ungenau im Zeitgitter,
unfähig zu exakten Zeitangaben und diffus gewesen (S. 17 oben). Die Gutachterin habe einige Male an die Kooperation der Beschwerdeführerin appellieren müssen. Anamnestisch sei sie vermindert fähig, sich länger auf eine intellektuelle Tätigkeit zu konzentrieren
. Das formale Denken sei verlangsamt und sprunghaft
(S. 17 Mitte).
Weiter hätten
eine Rat- und Hilflosigkeit
bestanden
. Psychomotorisch sei sie verlangsamt und es bestünden eine mittelgradige Antriebsstörung und eine mittelgradige Störung der Vitalität
. Bezüglich gesellschaftlicher Aktivitäten bestehe ein sozialer Rückzug
(S. 18 oben).
3.5.2
Mit den erlittenen Kränkungen und Entwertungen im beruflichen Kontext und im Kontext des Fremdgehens des Ehemannes bestünden narzisstisch akzentuierte Konfliktverarbeitungsmuster. Diese entsprächen aber nicht einer etwaigen psychopathologischen Kategorie. Biographisch seien
diese
nicht als überdauernde pathologische Persön
lichkeitsstörung hervorzuheben und
hätten
dementspre
chend
keinen Krankheitswert. Die Beschwerdeführerin zeichne sich in ihrer Per
sönlichkeit durch eine hohe Identifikation mit Arbeit und Leistungsansprüchen sowie einer hohen Loyalität aus
. Die erkläre auch die Schwere der psychischen Reaktion auf den Arbeitsplatzverlust
(S. 19
oben
).
Ab November 2010 habe sich eine psychische
Symptomatik eingestellt mit Depressivität, Angst, Schlafstörun
g
en
sowie akuter Dekompensation anlässlich der Konfrontation mit dem
abgeän
derten
Arbeitszeugnis
am letzten Arbeitsplatz
(S. 19 f.).
Ab dem 2
2.
März 2011 sei durch den Hausarzt eine Arbeitsunfähigke
it von 100
%
attestiert worden
.
Das Zustandsbild sei im Verlauf stagniert
. Die Beschwerdeführerin sei, wohl auch unter dem Eindruck zusätzlicher Belastungen
,
wie Problemen in der Ehe und der Arbeitslosigkeit des Ehemannes
, in einem depressiven Zustand verharrt mit pessimistisch-
negativistischem
Weltbild und
dysphorisch
-resignativem Rückzug
mit einer Fokussierung und Einengung auf die Familie
(S. 20 oben).
Dr.
E._
stellte folgende
psychiatrische
Diagnosen (S. 21):
-
anhaltende, gegenwärtig mittelgradige bis knapp schwere, ängstlich-depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11)
-
mit bei psychosozialer Belastungssituation
-
Problemen mit Bezug auf die Berufstätigkeit (ICD-10 Z56; Mobbing-Erlebnisse am Arbeitsplatz, unerwartete Kündigung,
arbeit
srechtliche Auseinandersetzungen)
-
Problemen in der Beziehung zum Ehemann (ICD-10 Z63)
-
zwischenzeitlicher Arbeitslosigkeit des Ehemannes (ICD-10 Z63.7/Z59)
-
Häufung von Todesfällen in der Familie (ICD-10 Z63.4)
-
narzisstisch akzentuierten Persönlichkeitszügen (ICD-10 Z73.1)
3.5.3
Durch die gegenwärtig mittelschwer bis schwer ausgeprägte depressive Sympto
matik als Reaktion auf die psychosoziale Belastung durch
Kündigung
des Arbeits
verhältnisses
und Fremdgehen des Ehemannes etc. sei die Beschwerde
führerin in der bisherigen Tätigkeit als Direktionsassistentin (Kaderstelle) seit ihrer Dekom
pensation am 2
2.
März 2011 zu 100
%
arbeitsunfähig. Für eine untergeordnete KV-Tätigkeit in einem relativ beschützenden Rahmen ohne Anforderungen an die Sozialkompetenz, die Teamfähigkeit, Kreativität und Flexibilität, ohne Stress und Zeitdruck und ohne Kundenbetreuung bestehe seit der Begutachtung maximal eine Restarbeitsfähigkeit von 30
%
. Zwischen März 2011 und März 2014 sei wohl auch die
genannte
Restarbeitsfähigkeit vorüber
gehend nicht mehr gegeben gewesen (S. 22
Ziff.
2 und 3 oben).
Die Beschwerdeführer
in
sei generell in ihrer Fähigkeit zur Anpassung an Regeln und Rou
tine
sowie in ihrer Belastungsfähigkeit
und
dem Durchhaltevermögen
mittelschwer bis schwer eingeschränkt. Die Konzentrationsfähigkeit sei mittel
gradig vermindert. Weiter sei sie aufgrund der ängstlichen Verunsicherung mittelschwer in
ihrer Flexibilität und der Umstellungsfähigkeit eingeschränkt. Die Urteils- und die Entscheidungsfähigkeit seien nicht beeinträchtigt. Die Beschwer
deführerin sei weiter vermindert bereit, mit dem Umfeld ausserhalb der Familie zu interagieren. Dadurch sei
die
Kontaktfähigkeit und
die
Kontaktqualität zu Dritten beeinträchtigt. Die Gruppen- beziehungsweise Teamfähigkeit sei mittel- bis
schwergradig
eingeschränkt
.
Im
Kontakt mit männlichen Vorgesetzten
sei sie
vorbelastet
. Die Selbstbehauptungsfähigkeit sei leicht- bis mittelgradig einge
schränkt
(S. 22 unten).
Die Beschwerdeführerin sei seit Mai 2011 in einer
delegierten
Gesprächs
psycho
therapie mit einer meist wöchentlichen Frequenz, wobei von Anfang an auch psychopharmakologische Behandlungsschritte unternommen worden seien
. Angesichts der festgestellten Stagnation des Zustandsbildes bei anamnestisch sehr guten Persönlichkeitsressourcen und einer medizinisch-theoretisch guten Prognose sei aus gutachterlicher Sicht dringend eine Intensivierung der Behand
lung zu empfehlen. Zumindest sei der Übertritt in eine Tagesklinik indiziert
, damit die früher vorhandenen sozialen Ressourcen reaktiviert werden könnten
(S. 23
Ziff.
4 oben).
Da sich die Beschwerdeführerin vorwiegend in Behandlung eines nicht-ärztlichen Psychotherapeuten befinde, dürfte der Behandlungsaspekt mittels Antidepressiva vernachlässigt worden sein (S. 23
Ziff.
4 unten).
Der behandelnde Psychotherapeut Prof.
D._
habe eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
attestiert
. Für die Tätigkeit als Direktionsassistentin bestreite die Gut
ach
terin diese Einschätzung nicht.
Vom
behandelnden Therapeuten sei der Aspekt der Restarbeitsfähigkeit
aber zu wenig
beleuchtet worden. Die Stagnation des Zustandsbildes sei in erheblichem Ausmass auch auf die anhaltenden weiteren Belastungen und Kränkungen wie die aussereheliche Affäre des Ehemannes zurückzuführen (S. 24
Ziff.
6).
3.6
RAD-Ärztin
Dr.
C._
führte in einer Stellungnahme vom
2.
April 2014 (
Urk.
7/76 S. 4 f.) aus, nach dem Gutachten von
Dr.
E._
vom 1
9.
März 2014 bestehe seit der Begutachtung in einer untergeordneten KV-Tätigkeit eine Rest
arbeitsfähigkeit von 30 %. Für die bisherige Tätigkeit als Direktions
assistentin sei seit dem 2
2.
März 2011 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % ausge
wiesen. Die Gut
achterin empfehle die Intensivierung der psychiatrischen Behandlung. Zumindest sei der Übertritt in eine psychotherapeutische Tagesklinik indiziert (S. 4 unten).
Nach einer Behandlung in einer Tagesklinik mit einer Dauer von drei bis sechs Monaten wären die Voraussetzungen für die Gewährung von berufliche
n
Mass
nahmen gegeben. Nach den erwähnten Massnahmen sei in einer angepassten Tätigkeit beziehungsweise in einer KV-Tätigkeit innerhalb von zwölf Monaten eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
zu erwarten. Längerfristig erscheine auch die Rückkehr in die bisherige Tätigkeit möglich. Der Anteil von psychosozialen Belastungsfaktoren an der Arbeitsunfähigkeit sei erheblich und mit mindestens 50-60
%
zu bewerten (S. 5 oben).
3.7
Mit Mitteilung vom
4.
April 2014 (
Urk.
7/78) bestätigte die Beschwerdegegnerin einen Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine ganze Rente.
4.
4.1
Prof.
D._
und
Dr.
B._
gaben
im
Bericht vom 2
5.
Oktober 2014
(Urk.
7/88/5-6) an,
eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit sei auch mit der Weiter
führung der aktuell intensivierten Behandlung und einer Psycho
pharma
ka
-Be
handlung
aufgrund der Tiefe der Störung
generell unsicher (S. 2
Ziff.
4). D
er Besuch einer Tagesklinik sei ihres Erachtens nicht sinnvoll. Die Beschwerde
führerin habe eine Tagesstruktur, nämlich einen Haushalt
und einen
Ehemann und zwei Söhne
. Der Besuch einer Tagesklinik würde sie von ihrem noch ver
bliebenen zentralen Lebensinhalt und Lebenssinn abschneiden
. Beim Versuch, den Besuch einer Tagesklinik zu erzwingen, müsste eine gewisse Gefahr einer akuten Suizidalität miteinbezogen werden
(S. 2
Ziff.
5).
4.2
4.
2
.1
Die Beschwerdegegnerin holte
bei
Dr.
E._
ein Verlaufsgutachten ein, das vom 1
8.
März 2016 (
Urk.
7/121
/1-28) datiert.
Dr.
E._
führte zur
Krankengeschichte
seit dem 1
7.
März 2014 aus,
der Beschwerdeführerin sei als Schadenminderungspflicht auferlegt worden, dass sie sich in
einer
Tagesklinik in Behandlung zu begeben habe. Sie habe dazu angege
ben, dass sie wegen ihrer familiären Verpflichtungen keine Tagesklinik
besuchen könne
(S. 5 unten). Anlässlich der heutigen Untersuchung habe sie angegeben, dass sie
das Medikament
Aripiprazol
im September 2015 gänzlich abgesetzt habe, weil sie keinen Unterschied gemerkt habe und sie überhaupt von den Tabletten wegkommen möchte
. Im Rahmen der gutachterlichen Untersuchung sei auch eine Kontrolle des Serumspiegels angeordnet worden. Die Beschwerdeführerin sei auf
gefordert worden,
sich nach der Untersuchung
einer Blutentnahme
zu unter
ziehen (S. 6 oben). Auf telefonische Nachfrage vom 1
8.
März 2016 habe sich her
ausgestellt, dass sich die Beschwerdeführerin nicht bei der
G._
für eine Blutentnahme
vorgestellte
habe. Eine psychiatrische Tagesklinik für Depressionskranke habe sie ebenfalls bis heute nicht besucht
. Stattdessen
sei die Frequenz der
psychotherapeutischen Sitzungen bei Prof.
D._
erhöht worden
(S.
6 Mitte).
Vom behandelnden Psychotherapeuten sei im Mai 2015 berichtet worden, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin eine Spur gebessert habe (S. 7 Mitte).
Das Erscheinungsbild und das Verhalten der Beschwerdeführerin bei der Unter
suchung
stünden
in positivem Kontrast
zur
Erstuntersuchung vom März 201
4.
Sie habe heute souverän, sthenisch, adäquat gefasst und als Herrin ihrer Emotionen gewirkt. Weiterhin habe sie ausdrückli
ch eine Müdigkeit beklagt, die
sich in einer moderaten Verlangsamung des Sprechtempos geäussert
habe
. Sie habe gut selbst
strukturiert berichtet und
nicht
den Faden verloren
. Die Konzentration sei zu keinem Zeitpunkt eingebrochen
(S. 13
lit
. C unten).
Die Beschwerdeführerin habe subjektiv eine erhebliche Störung der Vitalit
ät beklagt mit
neurastheniformem
quälend erlebtem Erschöpfungsgefühl nach geringer geistiger Anstrengung. Dies gelte auch beim Versuch, alltägliche Aufgaben zu bewältigen, die keine unge
wöhnlichen geistigen Anstrengungen erforderten. Die Beschwerdeführerin habe
sodann
eine unter Medikation insgesamt normvariante Schlafqualität beschrie
ben (S. 14 unten).
Hinweise auf etwaige krankheitswerte frühe Affekt-, Verhaltens- oder Entwick
lungsstörungen
lägen nicht
vor. Auch eine pathologische Persönlichkeitsstruktur beziehungsweise eine Persönlichkeitsstörung sei nicht festgestellt worden (S. 15 unten).
Die
der Beschwerdeführerin auferlegte
Schadenminderungspflicht sei nicht erfüllt worden.
Sie
habe die Teilnahme an einem tagesklinischen Programm für Depressionskranke wegen der familiären Verpflichtungen
und der Betreuung ihres Hundes
abgelehnt
(S. 17 unten).
Anlässlich der heutigen gutachterlichen Untersuchung sei festgestellt worden, dass sich das Zustandsbild im Vergleich mit jenem im März 2014 sehr verbessert habe. Die da
malige zentrale und
u
nmodu
lierbare
narzisstische Wut
, das Kränkungserleben, die mittelgradige bis schwere Depressivität und der soziale Rückzug
von
gesellschaftlichen Aktivitäten hätten sich zurückgebildet. Die Beschwerdeführerin sei nach fünf Jahren zu einer gesun
den emotionalen Distanz zum Kränkungserleben gelangt (S. 18 oben). Gegenwär
tig bestünden lediglich leichtgradige depressive Beschwerden im Grenzbereich der
Dysthymie
mit ängstlicher Akzentuierung beziehungsweise noch nachhallen
den Versagensängsten und Mühe mit Zeitdruck
(S. 18 unten).
4.
2
.2
Dr.
E._
stellte folgende Diagnosen (S. 19):
-
Status
nach mittelgradiger bis schwerer depressiver Episode, gegenwärtig bis auf leichtgradige ängstliche und neurasthenische Restbesch
werden remittiert (ICD-10 F32.0,
F48.0)
-
mit/bei psychosozialer Belastungssituation
-
narzisstisch akzentuierten Persönlichkeitszügen (ICD-10
Z73.1)
Im Alltag der Beschwerdeführerin zeige sich eine erhebliche Diskrepanz zwischen den subjektiv geschilderten Einschränkungen und dem tatsächlich gezeigten Aktivitätsniveau. Das psychosoziale Umfeld sei trotz der geltend gemachten erheblichen Krankheit und Einschränkung absolut intakt (S. 19 f.).
Seit Mai 2011 finde unverändert eine stützende Gesprächstherapie statt. Die therapeutischen Optionen seien von der Beschwerdeführerin trotz wiederholter Aufforderungen
von Seiten der Beschwerdegegnerin
mit der Auferlegung einer Schadenminderungspflicht nicht umgesetzt worden. Auch die psychopharmako
logische Compliance sei eindeutig als ungenügend zu bezeichnen (S. 20 oben). Es könne keineswegs auf das Scheitern einer indizierten, lege
artis
und mit optimaler Kooperation der Beschwerdeführerin durchgeführten Therapie geschlossen werden (S. 20 Mitte).
Es bestehe eine gesunde Persönlichkeitsstruktur ohne jegli
chen Hinweis auf eine strukturelle Persönlichkeitsstörung. Weiter sei auf ihre guten intellektuellen Ressourcen hinzuweisen (S. 20 unten).
Bezüglich
der
Kategorie «Konsistenz» sei auf erhebliche Inkonsistenzen hinzuweisen zwischen der geltend gemachten Einschränkung im Beruf und erwerblichen Bereich und ihrem Aktivitätsgrad im eigenen Haushalt und im aktuell gut strukturierten Alltag mit vielseitigen nicht-beruflichen Lebensbereichen (S. 21 oben).
4.
2
.3
Die leichtgradigen
neurastheniformen
Beschwerden erschienen aus arbeits
me
di
zinischer Sicht nur marginal relevant. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Direktionsassistentin liege gegenwärtig eine Arbeitsunfähigkeit von maximal 30
% vor. Für eine untergeordnete KV-Tätigkeit liege eine Arbeits
fähigkeit von 100
%
vor. Retrospektiv sei im Verlauf für die Tätigkeit als Direktionsassistentin
vom
2
2.
März 2011 bis und mit dem 1
3.
März 2016 von einer Arbeits
unfähigkeit von 100
%
auszugehen. Wann genau eine arbeitsmedizinisch relevante Besserung eingetreten
sei, sei nicht sicher
eruierbar
(S. 22
Ziff.
2 und
3
).
4.3
Prof.
D._
und
Dr.
B._
nahmen am 1
1.
Juli 2016 (
Urk.
7/143/1-8) Stellung zum Vorbescheid der Beschwerdegegnerin vom
3.
Mai 2016 (
Urk.
7/130).
Aus
zugsweise gaben sie Notizen zu den
therapeutischen
Sitzungen der
Beschwerde
führerin
bei Prof.
D._
vom 2
7.
Mai und vom 1
7.
Juni 2016
wieder
(S. 1 ff.).
Weiter wurde ausgeführt
, es bestehe eine enorme Diskrepanz zwischen den erleb
ten Therapiesitzungen und der Grundstimmung des Gutachtens
von Dr.
E._
vom 1
8.
März 2016
(S. 3 unten).
Es sei eine Intensivierung der Therapie aufge
nommen worden. Über Monate hinweg seien zwei Sitzungen pro Woche erfolgt, die die Beschwerdeführerin eingehalten habe (S. 5 unten).
Prof.
D._
und
Dr.
B._
nannten als Diagnose eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige bis zweitweise schwere depressive Episode (ICD-10 F33.1 bis F33.2). Als Differentialdiagnose nannten sie
eine
Persönlich
keitsstörung vom
anankastischen
, ängstlichen und abhängigen
Typus (ICD-10 F60.5, F60.6 und F60.
7
). Ihres Erachten
s
betrage die Arbeitsfähigkeit für die Tätigk
eit als Direktionsassistentin 0
%
.
(S. 8; vgl. auch den Bericht von Prof.
D._
und
Dr.
B._
vom 2
3.
August 2016,
Urk.
7/145).
4.4
Dr.
E._
nahm am
2.
Januar 2017 (
Urk.
7/150/1-4) zuhanden der Beschwer
degegnerin Stellung
zu den gegen das Verlaufsgutachten vom 1
8.
März 2016 erhobenen Einwänden
.
Sie stellte fest, die Prüfung der Standardindikatoren habe die gutachterliche Schlussfolgerung einer Arbeitsfähigke
it von 100
%
als KV
Angestellte,
Hausfrau und Familienfrau untermauert. Für die Tätigkeit als Direktionsassistentin habe sie
kulanterweise
eine 30%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Seit der letzten Untersuchung im März 2014 habe sich der Gesundheits
zustand somit verbessert, wohl vor allem durch den Faktor der zeitlichen Distanz
mit der Verarbeitung der Kränkungen und durch die Versöhnung mit dem Ehe
mann (S. 1 unten).
4.5
Prof.
D._
und
Dr.
B._
gaben im Bericht vom 3
1.
Mai 2017 (
Urk.
7/156) an, hinsichtlich der Kognition könne die Beschwerdeführerin keine zehn Zeilen lesen. Ein Blick in eine Tageszeitung bereit ihr Kopfweh (S. 3 Mitte). Sie bekomme Angst, aus dem Haus zu gehen und vergesse ständig, was sie sich vorgenommen habe
. Die Einschätzung einer gesunden Persönlichkeitsstruktur könne schlicht nicht nachvollzogen werden
(S. 3 unten). Die Beschwerdeführerin habe ihren Aktionsradius in den letzten Wochen deutlich verkleinert. Sie gehe weniger mit dem Hund spazieren, weil sie sich verfolgt fühle (S. 4 oben). Beunruhigend sei eine in den letzten Wochen festzustellende Verschlechterung. Sie weine oft und zittere jeweils am ganzen Körper
(S. 4 f.). In letzter Zeit habe sie sich vor einem schwarzen Mann verfolgt gefühlt (S. 5 oben).
4.6
Dr.
med. H._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, RAD, gab in einer Stellungnahme vom 2
5.
Oktober 2017 (
Urk.
7/185 S. 5)
zum
Bericht von Prof.
D._
und
Dr.
B._
vom 3
1.
Mai 2017 an, am Schluss des Berichtes werde eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes postuliert. Somit müsse wegen der postulierten Verschlechterung nochmals eine Verlaufsbegutachtung erfolgen.
4.7
4
.
7
.1
Die Beschwerdegegnerin gab
bei
Dr.
Z._
ein psychiatrisches Gutachten
in Auftrag, das am 2
8.
März 2018 (
Urk.
7/172) erstattet wurde.
Dr.
Z._
führte aus,
bei der Anstellung bei der
Y._
habe nach den Angaben der Beschwerdeführerin eine zunehmende Belastungs- und Konfliktdynamik mit ihrem Vorgesetzten bestanden.
Er habe sie schlecht behan
delt,
sei
Choleriker gewesen und
habe mit Stühlen nach ihr geworfen und Unter
lagen zerrissen (S. 13 oben). Der frühere Vorgesetzte bedrohe sie immer noch. Die Explorandin habe auf Nachfrage ausgeführt, dass sie sich beobachtet und verfolgt fühle. Sie habe von Autos berichtet, die vor ihrem Haus
stünden
. Beim Einkaufen in Zürich
sei sie von einem Mann beobachtet und fotografiert worden. Sie denke, dass es jemand sei, den ihr damaliger Chef geschickt habe
(S.
13 unten
). Die Beschwerdeführerin habe betont, dass ihr Zustand seit der zweiten gutachterli
chen Verlaufsbeurteilung durch
Dr.
E._
wieder viel schlechter geworden sei. Die Gutachterin habe sie nicht richtig beurteilt (S. 14 oben). Die Beschwerde
führerin habe angegeben, dass sie mit viel mehr Angst lebe als früher. Sie h
abe grosse Angst um die Kinder
(S. 14 unten). Es erfolge eine antidepressive Basis
medikation mit
Sertralin
. Zusätzlich nehme sie weiterhin das Schlafmittel
Zolpidem
. Letzteres nehme sie nur unregelmässig. Sie wolle nicht davon abhängig werden (S. 15 oben).
Die Explorandin habe im Gesprächsverlauf immer wieder demonstrativ eine Erschöpfung signalisiert
und beklagt, dass sie nicht mehr könne und nach Hause wolle (S. 16
Ziff.
4 unten). Subjektiv seien ausgeprägte Konzentrationsstörungen beklagt worden, die sich im klinisch-psychiatrischen Untersuchungsbefund nicht hätten bestätigen lassen. Die Explorandin sei im Antrieb etwas gemindert
und psychomotorisch stark angespannt
gewesen. Die Stimmungslage sei leichtgradig depressiv ausgelenkt gewesen.
D
urchgängig
habe sie
ein ausgeprägtes Angst
erle
ben beklagt
(S. 17 oben). Die Belastbarkeit und Stressresistenz habe sich deutlich
eingeschränkt gezeigt (S. 17 Mitte).
Die Explorandin habe sodann generalisierte, alle Gelenke betreffende Schmerzen beklagt sowie Schmerzen im Rücken, Nacken, in der Kopfregion sowie ein Kribbelgefühl bis hin zu einem Lähmungs
empfinden in beiden Armen.
Die Beschwerdeführerin berichte und vermittle
ein massives Kränkungserleben und
ein Verletzungsgefühl und beschreibe das Gefühl, dass sie bis heute vom ehemaligen Chef verfolgt und beobachtet werde. Zusammenfassend finde sich eine dysfunktional
chronifizierte
Fehlverarbeitung der
zugrunde
liegenden Belastung aus dem Jahr 2010/2011 (S. 17 unten).
In der Persönlichkeitsstruktur und in der Interaktion mit dem Gutachter zeigten sich ängstlich-selbstunsichere,
kränkbar
narzisstische und ausgeprägt
hysteriform
-demonstrative Anteil
e
. Klinisch erreiche das
erhebbare
Ausmass im Untersuchungsbefund mindestens den Schweregrad einer persönlichkeitsstrukturellen Akzentuierung mit richtungs
gebender Verstärkung des Angst- und Schmerzerlebens (S. 17 f.). Auf eine vor
bestehende Persönlichkeitspathologie hinweisende biographische Belastungs
fak
toren liessen
sich
nicht explorieren. Die Explorandin habe über eine unauf
fällige schöne Kindheit und einen positiven Lebenslauf bis zur Krankheits
entwicklung 2010/2011 berichtet (S. 18 oben).
4.
7
.2
Dr.
Z._
stellte folgende psychiatrische Diagnosen
(S. 18 f.
Ziff.
6):
-
generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1)
-
anhaltend depressives Zustandsbild, aktuell leichtgradiger Ausprägung (ICD-10 F33.0)
-
disponierende persönlichkeitsstrukturelle Akzentuierung mit ängstlich-selbstunsicheren, kränkbar-narzisstischen und
hysteriform
-demonstra
ti
ven Anteilen (ICD-10 Z73.1) mit
-
dysfunktionaler Fehlverarbeitung des Arbeitsverlustes 2011 (ICD-10 Z56) mit somatoformer Symptomausweitung und
chronifizierte
m
dys
funktionalem Vermeidungsverhalten
Im Zentrum des Beschwerdebildes stünden
syndromal
eine ausgeprägte gene
rali
sierte Angstsymptomatik mit ausgeprägten vegetativen Begleit
sy
mptomen. Die Explorandin beklag
e generalisierte Ängste vor verschiedenen Situationen ohne erkennbare konkrete
triggernde
Auslöser. Die Angst habe sich auch im Rahmen der Abklärung über weite Strecken frei flottierend gezeigt. Begleitet werde die Angstsymptomatik von Muskelverspannungen, Zittern, Nervosität und vegetati
ven Beschwerden sowie Hyperventilationsanfällen (S. 19 oben).
Die Angstsymp
tomatik bewege sich teilweise
im Grenzbereich zur paranoid-wahn
haften Verar
beitung mit Verfolgungsideen (S. 19 Mitte).
Das Störungsbild habe sich auf dem Boden einer anzunehmenden disponierenden persönlich
keits
strukturellen Akzen
tuierung mit selbstunsicher-ängstlichen, narzisstisch-kränk
baren und
hysteri
form-demonstrativen
Anteilen entwickelt (S.
19 unten).
Im Rahmen des anhal
tenden Belastungsgeschehens könne im Längs
verlauf eine anhaltende depressive reaktive Symptombildung nach
vollzogen werden
. Ent
sprechend könne aufgrund des im Längsverlauf nachvollziehbar schwanken
den Ausprägungsgrades die Diagnose einer anhaltenden depressiven Störung nachvollzogen werden. Die Kri
terien einer leichtgradigen depressiven Episode seien weiterhin erfüllt
. Im Vor
dergrund stehe aber die ausgeprägt
chronifizierte
, generalisierte Angstsympto
matik
(S. 21 oben).
Dr.
E._
habe im Verlaufsgutachten eine erkennbare Zustandsverbesserung erfasst, die aufgrund des Gutachtens formal nachvollzogen werden könne. Sie stehe aber in Widerspruch zum instabilen Längsverlauf und den Berichten der
ambulanten Therapeuten
, die fortgesetzt ein dysfunktional
chronifizierendes
Zustandsbild erfasst hätten (S. 23 Mitte). Die Beurteilung durch
Dr.
E._
stehe im Widerspruch zur damaligen Beurteilung der ambulant behandelnden Therapeuten. Der Widerspruch könne im Rahmen der vorliegenden Begutachtung nicht aufgelöst werden (S. 23 unten).
Kritisch sei zu beurteilen, dass
Dr.
E._
in einer Stellungnahme von einer
kulante
r
weise
attestierten Arbeitsunfähigkeit von 30
%
bezogen auf eine Kaderposition gesprochen habe. Dies entspreche keiner validen versicherungspsychiatrischen Gewichtung und Beurteilung gemäss den versicherungspsychiatrischen Kriterien.
Die behandelnden Therapeuten gingen weiterhin von einer Persönlichkeitsstörung aus (S. 24 oben).
Der bisherige Therapie- und Rehabilitationsverlauf sei aufgrund der vorliegenden Informationen und der aktuellen Abklärung als stagnierend und erfolglos hin
sichtlich der ursprünglich auch seitens der Therapeuten angenommenen mögli
chen Zustandsverbesserung mit Wiedererlangung einer Arbeitsfähigkeit zu beur
teilen
. Die dokumentierte psychopharmakologische Behandlung sei wahr
schein
lich über weite Strecken als unregelmässig beziehungsweise
als
unzu
reichend zu beurteilen
(S. 24 f.).
Es fänden sich deutliche Inkonsistenzen zwischen dem berichteten beruflichen Qualifikationsniveau, dem Lebensweg
der Beschwerdeführerin
und der Dar
stellung als beruflich und privat erfolgreiche und belastbare Frau gegenüber der aktuell
vorliegenden ausgeprägten
Angstsymptomatik und den sehr de
mon
stra
tiv-
hysteriform
ausgestalteten Persönlichkeitsanteilen und Verhaltens
weisen (S.
25 f.).
Auch die
g
eklagten
völlig dysfunktional geschilderten kognitiven Funk
tionen stünden im Widerspruch zu den Eindrücken in der Untersuchung (S.
26 oben).
Als Ressourcen seien formal das angegebene abgeschlossene BWL-Studium und das nicht abgeschlossene Zahnmedizin-Studium als gute berufliche Basis
qualifi
kation und als Hinweis für ein gutes intellektuelles Ausgangsniveau zu gewich
ten
. Auch die dokumentierte stabile und unauffällige persönliche und biografi
sche Entwicklung im Lebens- und Arbeitsprozess mit langjährig stabil bewältigter Familien- und Arbeitsleistung sei als Ressource zu gewichten
(S. 26 unten).
4.
7
.3
Unter der Voraussetzung vorbereitender therapeutischer und beruflicher wieder
eingliedernder Schritte bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
bezogen auf ein KV-Profil in nichtleitender Stellung. Gemäss den vorliegenden Informationen sei die attestierte Arbeitsfähigkeit auch vereinbar mit dem Tätigkeitsprofil bei der
Y._
. Limitierend zu gewichten sei der Einfluss der Psychopatho
logie im Rahmen der generalisierten Angststörung und des noch leichtgradig depressiven Zustandsbildes und der zugrundeliegenden persönlichkeitsstruktu
rellen Akzentuierung (S. 27 f.). Die Beurteilung
stehe im Widerspruch zu jener durch
Dr.
E._
im Jahr
201
6.
Im Verlauf müsse von einer erneuten Zustands
verschlechterung seit der Verlaufsbegutachtung 2016 ausgegangen werden. Dies bedeute einen Hinweis auf ein weiter
hin
instabiles Zustandsbild im Längsverlauf bei einer formal unzureichenden Behandlung. Die erneute Zustandsverschlechte
rung werde seit dem Bericht der ambulanten Therapeuten vom Mai 2017 ange
nommen (S. 28
Mitte
).
Es werde eine
Intensivierung der Behandlung
empfohlen im Rahmen eines teil
stationären Behandlungsprozesses in einer psychiatrischen Tagesklinik
. Eine sol
che Behandlung sei der Explorandin prinzipiell auch zumutbar
(S. 28 unten).
Medizinisch-theoretisch bestehe eine Leistungsreserve im Sinne einer Arbeitsfä
higkeit von 50
%
bezogen auf das angestammte KV-Profil. Praktisch sei die Prog
nose aufgrund der dysfunktional
chronifizierenden
Fehlentwicklung, der nicht primär medizinisch einwirkenden Faktoren und der eingenommenen, völlig dysfunktional limitierten Haltung der Explorandin ungünstig. Es sei eher nicht damit zu rechnen, dass die theoretisch mögliche Teilarbeitsfähigkeit im Rahmen eines Therapieprozesses umgesetzt werden könne. Gleiches gelte für ein im Anschluss an eine Behandlung in einer Tagesklinik zu forderndes berufliches Aufbauprogramm (S. 29 Mitte). Bei Bereitschaft der Explorandin müsse unter optimalsten Bedingungen mit einem
Rehabilitationszeitraum von mindestens zwölf Monaten gerechnet werden (S. 29 unten).
Es handle sich um eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes mit einer Zunahme der
erhebbaren
Angstpathologie (S. 29
Ziff.
1 unten).
4.8
RAD-Arzt
Dr.
H._
führte
in der
Stellungnahme vom
2.
Mai 2017 (richtig: 2018,
Urk.
7/185 S. 6 f.) aus, aufgrund der von
Dr.
Z._
gestellten Diagnosen bestehe ein Gesundheitszustand mit mittel- bis längerfristiger Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit. In der bisherigen Tätigkeit als kaufmännische Angestellte und in einer angepassten Tätigkeit bestehe seit dem ersten Gutachten von
Dr.
E._
vom März 2014
eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
. Diese sei medi
zinisch-theoretisch. Aufgrund der mangelhaften Compliance der Beschwerde
führerin sei die vom Gutachter empfohlene Intensivierung der Behandlung formal zu empfehlen. Es obliege dem Rechtsanwender zu entscheiden, wie diese zu beurteilen sei (S. 7 oben).
4.9
Die Beschwerdegegnerin führte am
4.
Mai 2018 (
Urk.
7/185 S. 7 ff.) eine Prüfung der Standardindikatoren durch.
Es wurde ausgeführt, Gutachter
Dr.
Z._
habe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit attestiert
. Eine solche sei bereits im Rahmen der ersten Begutachtung im Jahr 2014 prognostiziert worden. Dass im Verlaufs
gutachten von 2016 von einer höheren Arbeitsfähigkeit ausgegangen worden sei, könne nachvollzogen werden. Zwischenzeitlich habe jedoch eine Zustands
ver
schlechterung stattgefunden, aufgrund der unzureichenden Behand
lung (S. 9 unten). Auch das neueste Gutachten zeige, dass eine abschliessende versiche
rungsmedizinische Beurteilung nicht möglich sei. Für die Festlegung einer höhe
ren Arbei
tsunfähigkeit und entsprechender
Diagnosen seien weitere Behandlun
gen angezeigt. Die Beschwerdeführerin weigere sich, diese durch
zuführen, obwohl ihr diese medizinisch-theoretisch zumutbar wären. Der Grund, dass sie ihre Familie im Stich lassen würde, genüge nicht. Mittels Durchführung einer Therapie könne sich die Arbeitsfähigkeit verbessern, wodurch sich auch das Familienleben verbessern würde. Der angegebene Leidensdruck scheine nicht schwer genug zu sein
. Es werde von einer Arbeitsfähigkeit von 100 % in einer angepassten Tätigkeit ausgegangen
(S. 10 oben).
5.
5.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
5
.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indika
toren, die es
-
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungs
faktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderer
seits
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundes
ge
richts 9C_590/2017 vom 1
5.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines ren
ten
begründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktio
nellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
grundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und wider
spruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachge
wiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl.
BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Jan
uar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
5.3
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2
017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
6.
6.1
Die Beschwerdegegnerin holte in der laufenden Rentenrevision
mehrere psychiatri
sche Gutachten
ein
.
Dr.
E._
nannte im Gutachten vom 1
9.
März 2014 als Diagnosen eine anhaltende, gegenwärtig mittelgradige bis knapp schwere, ängstlich-depressive
Episode mit somatischem Syndrom
mit/bei psy
cho
sozialer Belastungssituation
und narzisstisch akzentuierten Persönlich
keits
zügen (vorstehend E.
3.5
.2).
Sie ging davon aus, dass einzig in einer unter
geordneten KV-Tätigkeit eine Restarbeitsfähigkeit von 30
%
bestehe
. Für die zuletzt aus
ge
übte Tätigkeit als Direktionsassistentin attestierte sie seit dem 2
2.
März 2011 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(E.
3.5
.3).
Im Verlaufsgutachten vom 1
8.
März 2016 stellte
Dr.
E._
dagegen die
Diagnose einer mittelgradigen bis schweren depressiven Episode, gegenwärtig remittiert
,
bei im Übrigen unveränderten Diagnosen
(
vorstehend
E. 4.
2
.2).
Sie kam
zur
Einschätzung, dass sich der Gesundheitszustand der B
eschwerdeführerin seit dem
letzten Gutachten
verbessert habe und
stellte darauf ab,
dass für die Tätigkeit als Direktionsassistentin seit dem 1
3.
März 2016
noch
maximal
eine Arbeits
un
fähigkeit von 30
%
vorliege. Für eine untergeordnete KV-Tätigkeit attestierte sie eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
(E. 4.
2
.3).
Dr.
Z._
nannte im Gutachten vom 2
8.
März 2018 als Diagnosen eine generalisierte Angststörung, ein anhal
tend depressives Zustandsbild, aktuell leichtgradiger Ausprägung
,
und eine disponierende persönlichkeitsstrukturelle Akzentuierung mit ängstlich-selbst
un
sicheren, kränkbar-narzisstischen und
hysteriform
-demonstrativen Anteilen (vorstehend 4.
7
.2).
Er
stellte fest
, dass nach einer entsprechenden medizinischen Behandlung
und der Gewährung von Eingliederungsmassnahmen
innert einem Zeitraum von mindestens zwölf Monaten in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit von einer zumutbaren Arbeitsfäh
igkeit von 50 %
auszugehen sei.
Gemäss
Dr.
Z._
ist es seit dem Verlaufsgutachten von
Dr.
E._
zu einer gesund
heitli
chen Verschlechterung gekommen (E. 4.
7
.3).
6.2
Das Gutachten von
Dr.
Z._
beruht auf der psychiatrischen Untersuchung
vom 1
9.
März 201
8.
Dabei wurde
umfassend auf die
geklagten
Beschwerden der Beschwerdeführerin eingegangen. Das Gutachten wurde sodann in Kenntnis
der
und in Auseinandersetzung mit de
n
Vorakten
erstellt.
Das Gutachten vermag schliesslich auch in der Beurteilung der medizinischen Situation und in den Schlussfolgerungen zu überzeugen.
Dr.
Z._
wies
in seiner Begründung
etwa
darauf hin
, dass die
Angabe
von
Dr.
E._
im Rahmen des Zweitgutachtens
vom 1
8.
März 2016
, wonach sie für die angestammte Tätigkeit
kulanterweise
eine Arbeits
un
fähigkeit von
30
%
attestiert habe
(vorstehend E. 4.
4
)
,
nicht zu über
zeugen
vermag
(E. 4.
7
.3)
.
Das Gutachten erfüllt
demzufolge
die Anforderungen an den Beweiswert
eines medizinischen Gutachtens (E. 5.1 hiervor).
Nachdem
Prof.
D._
und
Dr.
B._
über eine gesundheitliche Verschlechte
rung berichtet hatten
(vorstehend
E.
4.5
)
, handelt es sich beim
neu eingeholten
Gutachten von
Dr.
Z._
auch
nicht um ei
ne unzulässige «
second
opinion
» (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 571/06 vom 2
9.
Mai 2007 E. 4.2).
Das Gutachten von
Dr.
Z._
ist gegenüber
den psychiatrischen Gutachten
von
Dr.
E._
vorzuziehen,
da
es den aktuell erneut verschlechterten Gesund
heitszustand der Beschwerdeführerin
besser wiedergibt als die älteren Gutachten von
Dr.
E._
. Auf die von Prof.
D._
attestierte Arbeitsun
fähigkeit von 100
%
für die angestammte Tätigkeit
(vorstehend E. 4.
3
)
kann nicht abgestellt werden. Bei der Behandlung durch Prof.
D._
handelt es sich um eine delegierte Psycho
therapie. Er selber ist weder Arzt noch Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, weshalb seine Einschätzung, auch wenn
Dr.
B._
die Arzt
berichte mitunterzeichnet hat, zurückhaltend zu bewerten ist. In diesem Zusam
menhang ist zudem auf den Grundsatz hinzuweisen, wonach Berichte der behan
delnden Ärzte aufgrund ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung zum Patienten mit Vorbehalt zu wür
digen sind (BGE 125 V 31
3 E. 3b/cc). Dies gilt für einen allgemein praktizierenden Hausarzt wie auch für einen behandelnden Spe
zialarzt (Urteil des Bundesgerichts I 803/05 vom
6.
April 2005 E. 5.5).
Nachfolgend sind die sogenannten Standardindikatoren zu prüfen.
6.3
Dr.
Z._
ging
hinsichtlich der
Kategorie des «funktionellen Schweregrades»
aufgrund
der
festgestellten Angstsymptomatik
von einer erheblichen Beeinträch
tigung der Beschwerdeführerin bei der Bewältigung ihres
Alltages
aus.
Die
Aus
prägung der
diagnoserelevanten Befunde
erweist sich
nach den Angaben
im Gutachten
von
Dr.
Z._
ebenfalls als erheblich
.
Betreffend den
Behandlungs- und Eingliederungserfolg ist zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin der
bereits
im Gutachten von
Dr.
E._
vom 1
9.
März 2014
empf
o
h
lenen
Therapie in einer Tagesklinik nicht nachgekommen ist. Nach der Einschätzung durch
Dr.
Z._
fand auch die pharmakologische Behandlung bislang
nur
unzu
reichend statt
(E. 4.
7
.2).
Es ist daher davon auszugehen
, dass die Beschwerde
führerin den möglichen Behandlungsmass
nahmen und einer Intensivierung der bisherigen Therapie ungenügend nachge
kommen i
st, wobei sich die Therapie bei Prof.
D._
als
wenig
erfolgreich erwiesen
hat
.
Als Komorbidität ist zu berück
sichtigen, dass neben einer gene
ralisierten Angststörung zudem ein depressives Zustandsbild, aktuell leicht
gradiger Ausprägung, besteht und
akzentuierte Per
sönlichkeitszüge vorliegen
, die die Beschwerdeführerin zusätzlich in ihrer Leistungsfähigkeit beeinträchtigen
.
Den von
Dr.
Z._
beschriebenen
selbstunsicher-ängstlichen, narzisstisch-kränkbaren und
hysteriform
-demonstrativen Persönlichkeitsanteilen
ist auch beim Komplex «Persönlichkeit» Rechnung zu tragen. A
l
s Ressourcen erwähnte der Gutachter die Ausbildung der Beschwerdeführerin und die
bis zu ihrer Dekom
pensation 2010/2011
bewältigte Arbeits- und Familienleistung
(vorstehend E.
4.
7
.2)
.
Der Gutachter wies zudem auf gewisse Inkonsistenzen hin. Im Ergebnis kann
der Beschwerdeführerin gemäss
Dr.
Z._
nach einer
zumutbaren inten
sivierten Behandlung im besten Fall eine Restarbeitsfähigkeit von 50
%
zugemu
tet werden.
Die Beschwerdegegnerin ist mit einer eher knappen Begründung von der Ein
schätzung durch
Dr.
Z._
abgewichen und stellte auf eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
in der angestammten Tätigkeit ab.
Der von der Beschwerdegegnerin
getätigte
n
Ressourcenprüfung
kann jedoch nicht gefolgt werden,
da keine nach
vollziehbaren Gründe vorliegen und geltend gemacht wurden, um von der Ein
schätzung des medizinischen Gutachters abzuweichen.
Die von
Dr.
Z._
genannte
Arbeitsfähigkeit von 50
%
ist
sodann unter dem Vorbehalt einer erfolgreichen Therapie und von beruflichen Massnahmen nach einer Dauer von mindestens zwölf Monaten zu verstehen.
Korrekterweise müsste nach
einer Dauer
von
zwölf Monaten
erneut
geprüft werden, ob die Beschwerde
führerin die angenommene Restarbeitsfähigkeit von 50
%
effektiv umsetzen konnte.
Somit kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht auf eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
abgestellt werden.
Nach dem Gutachten von
Dr.
Z._
ist daher davon auszugehen, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit der
Rentenzusprache
und der Mitteilung der Beschwerdegegnerin vom
4.
April 2014
nicht verbessert hat.
6.4
Der Sachverhalt ist gestützt auf das Gutachten von
Dr.
Z._
als dahingehend erstellt zu erachten, dass der Nachweis einer Verbesserung
des Gesundheitszu
standes der Beschwerdeführerin
seit der
Rentenzusprache
vom Januar 2013
und der Mitteilung der Beschwerdegegnerin vom
4.
April 2014
nicht erbracht worden ist.
Bei dieser Ausgangslage besteht
bei einem Invaliditätsgrad von 100
%
wei
terhin Anspruch auf eine ganze Rente.
Die Beschwerde ist daher gutzuheissen.
7.
7.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).
Vor
liegend sind die Kosten auf
Fr. 9
00.-- festzusetzen und der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7.2
Nach
§
34
Abs.
1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Die anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin ist vorliegend mit
Fr.
2'350.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.