# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 2b39336a-503b-4703-904f-2907f51df92c
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Vergewaltigung etc.
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Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dietikon vom 28. Mai 2019 (DG180030)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich (heute Staats-
anwaltschaft I des Kantons Zürich) vom 14. September 2018 (Urk. 23) ist diesem
Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 51 S. 44 ff.)
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB;
− der mehrfachen einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123
Ziff. 1 i.V.m. Ziff. 2 Abs. 4 StGB;
− der versuchten Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB i.V.m. Art. 22
Abs. 1 StGB;
− der mehrfachen sexuellen Belästigung im Sinne von Art. 198 Abs. 1
und 2 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 24 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 3 Tage
durch Haft erstanden sind, sowie mit einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen
zu Fr. 30.– und mit einer Busse von Fr. 500.–.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sowie der Geldstrafe wird aufgeschoben und
die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Die Busse ist zu bezahlen.
4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen.
5. Das Schadenersatzbegehren der Privatklägerin betreffend Gerichtskosten
und Kosten der unentgeltlichen Rechtsvertretung im Eheschutzverfahren
des Bezirksgerichts Baden (SF.2017.78; Entscheid vom 12. Juli 2017) in der
Höhe von insgesamt Fr. 3'779.75 wird abgewiesen.
6. Im Übrigen wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklä-
gerin aus den eingeklagten Ereignissen dem Grundsatze nach schadener-
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satzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadener-
satzanspruches wird die Privatklägerin auf den Weg des Zivilprozesses ver-
wiesen.
7. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin Fr. 8'000.– zuzüglich
5 % Zins ab 31. März 2015 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag
wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
8. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 4'500.–; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 3'000.– Gebühr für das Vorverfahren Fr. 446.– Auslagen ausserkantonale Verfahrenskosten.
9. Rechtsanwalt lic. iur. X._ wird für seine Aufwendungen als amtlicher
Verteidiger des Beschuldigten aus der Gerichtskasse mit Fr. 13'527.60 (inkl.
Barauslagen und MwSt.) entschädigt.
10. Fürsprecher Dr. Y._ wird für seine Aufwendungen als unentgeltlicher
Vertreter der Privatklägerin aus der Gerichtskasse mit Fr. 7'913.55 (inkl.
Barauslagen und MwSt.) entschädigt.
11. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens (ausge-
nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Ver-
tretung der Privatklägerin) werden dem Beschuldigten auferlegt.
12. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Vertretung
der Privatklägerin werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten
bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
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Berufungsanträge:
a) Der amtlichen Verteidigung:
(Urk. 55 S. 2)
1. Es seien die Ziffern 1 – 4, 6, 7, 11 des Urteils des Bezirksgerichts Diet-
ikon vom 28. Mai 2019 aufzuheben.
2. Der Berufungsführer sei in Bezug auf sämtliche Anschuldigungen ge-
mäss Anklageschrift von Schuld und Strafe freizusprechen.
3. Die darauf entfallenden Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens (Ziff. 8
des Urteils des Bezirksgerichts Dietikon vom 28. Mai 2019) seien auf
die Staatskasse zu nehmen.
4. Es sei festzustellen, dass die Ziffern 5, 8, 9 des Urteils des Bezirksge-
richts Dietikon vom 28. Mai 2019 in Rechtskraft erwachsen sind.
5. Die Verfahrenskosten des oberinstanzlichen Verfahrens seien auf die
Staatskasse zu nehmen.
6. Der Berufungsführer sei für das oberinstanzliche Verfahren angemes-
sen zu entschädigen.
7. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zzgl. Mehrwertsteuer.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Prot. II S. 56)
1. Die Berufung des Beschuldigten sei abzuweisen und Ziffer 1 des Dis-
positivs des Urteils des Bezirksgerichts Dietikon vom 28. Mai 2019 sei
zu bestätigen.
2. In Gutheissung der Anschlussberufung sei der Beschuldigte mit einer
teilbedingten Freiheitsstrafe von 29 Monaten zu bestrafen, wovon 18
Monate bedingt auszufällen seien bei einer Probezeit von 2 Jahren,
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sowie einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu Fr. 30.– bei
einer Probezeit von 2 Jahren und eine Busse von Fr. 500.– und die er-
standenen 3 Tage Haft seien an den unbedingten Teil der Freiheits-
strafe anzurechnen.
3. Die Kosten des obergerichtlichen Verfahrens seien dem Beschuldigten
aufzuerlegen, mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung
und der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin.
4. Die Kosten des amtlichen Verteidigers und der unentgeltlichen Rechts-
vertretung der Privatklägerin seien auf die Staatskasse zu nehmen, un-
ter Vorbehalt der späteren Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO.
c) Der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin:
(Urk. 90 S. 4)
1. In Abweisung der Berufung des Beschuldigten sei das Urteil des Be-
zirksgerichts Dietikon vom 28. Mai 2019 zu bestätigen.
2. Eventuell sei die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft I des Kan-
tons Zürich gutzuheissen.
3. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Privatklägerin die richterlich
noch zu genehmigenden Parteikosten für das Berufungsverfahren zu
ersetzen. Infolge der Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege sei-
en diese Kosten vorerst auf die Staatskasse zu nehmen.
4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Beschul-
digten.
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## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte, Berufungsumfang, Prozessuales
1. Prozessgeschichte
1.1. Das vorstehend wiedergegebene Urteil vom 28. Mai 2019 wurde den Par-
teien gleichentags mündlich eröffnet (Prot. I S. 16 ff.). Der Beschuldigte meldete
mit Schreiben vom 29. Mai 2019 innert Frist Berufung an (Urk. 46).
1.2. Nach Zustellung des begründeten Urteils (Urk. 51 und Urk. 52/1) reichte
der Beschuldigte am 16. Oktober 2019 fristgerecht die Berufungserklärung ein
(Urk. 55). Mit Präsidialverfügung vom 18. Oktober 2018 (richtig: 18. Oktober
2019) wurde die Berufungserklärung in Anwendung von Art. 400 Abs. 2 und 3 und
Art. 401 StPO der Privatklägerin und der Staatsanwaltschaft zugestellt, um gege-
benenfalls Anschlussberufung zu erheben oder Nichteintreten auf die Berufung zu
beantragen. Gleichzeitig wurde dem Beschuldigten in Anwendung von Art. 34
StGB Frist gesetzt, seine finanzielle Leistungsfähigkeit zu belegen. Weiter wurde
die Privatklägerin in Anwendung von Art. 335 Abs. 4, Art. 153 Abs. 1 und Art. 68
Abs. 4 StPO aufgefordert, sich zur Auswahl der Mitglieder des Gerichts und der
übersetzenden Person zu äussern (Urk. 56). Die Staatsanwaltschaft erhob mit
Schreiben vom 24. Oktober 2019 Anschlussberufung (Urk. 58). Die Privatklägerin
teilte mit Schreiben vom 5. November 2019 mit, dass sie keine Anschlussberu-
fung erhebe und dem urteilenden Gericht nicht eine Person des gleichen Ge-
schlechts angehören müsse (Urk. 59). Der Beschuldigte reichte am 6. November
2019 verschiedene Unterlagen zu seiner finanziellen Situation ein (Urk. 60 und
Urk. 61/1-7). Am 7. November 2019 wurde die Anschlussberufung der Staatsan-
waltschaft dem Beschuldigten und der Privatklägerin zugestellt (Urk. 62).
1.3. Am 7. Januar 2020 wurde auf den 24. April 2020 zur Berufungsverhand-
lung vorgeladen (Urk. 64). Nachdem die Berufungsverhandlung infolge der CO-
VID-19-Pandemie nicht stattfinden konnte, erklärten sich der Beschuldigte, die
Staatsanwaltschaft und die Privatklägerin mit der schriftlichen Durchführung des
Berufungsverfahrens einverstanden (Urk. 67 - 69). Am 21. April 2020 ordnete die
Verfahrensleitung das schriftliche Berufungsverfahren an und setzte dem Be-
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schuldigten Frist, um die Berufungs- und Beweisanträge zu stellen und zu be-
gründen (Urk. 70). Die Berufungsbegründung ging innert dreimalig erstreckter
Frist am 16. Juli 2020 hierorts ein (Urk. 75). Am 17. Juli 2020 wurde der Staats-
anwaltschaft Frist angesetzt, um die Berufungsantwort und die Begründung ihrer
Anschlussberufung einzureichen. Ebenso wurde der Privatklägerin Frist zur Beru-
fungsantwort angesetzt (Urk. 76). Die Berufungsantwort und die Begründung der
Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft gingen am 3. August 2020 beim hiesi-
gen Gericht ein (Urk. 78).
Die Privatklägerin beantragte mit Eingabe vom 17. August 2020, es sei ihr die
Frist zur Einreichung der schriftlichen Berufungsantwort abzunehmen und es sei
eine mündliche Berufungsverhandlung durchzuführen (Urk. 80). Mit Präsidialver-
fügung vom 21. August 2020 wurde der Privatklägerin die besagte Frist abge-
nommen. Gleichzeitig wurde entschieden, dass das Berufungsverfahren mündlich
fortgesetzt und die Privatklägerin anlässlich der mündlichen Berufungsverhand-
lung als Auskunftsperson befragt wird (Urk. 81). Am 23. September 2020 wurde
auf den 20. April 2021 zur Berufungsverhandlung vorgeladen (Urk. 83).
1.4. Am 20. April 2021 fand die Berufungsverhandlung statt. Es erschienen der
Beschuldigte in Begleitung seines amtlichen Verteidigers, die Privatklägerin in
Begleitung ihres Rechtsbeistands sowie der Staatsanwalt (Prot. II S. 8). Vorfragen
waren keine zu entscheiden (Prot. II S. 11).
1.5. Nach den Parteivorträgen und dem Schlusswort des Beschuldigten ver-
zichteten die Parteien auf eine mündliche Urteilseröffnung und -erläuterung
(Art. 84 Abs. 3 StPO; Prot. II S. 58). Die geheime Beratung fand gleichentags
statt, das Urteil wurde ebenfalls am 20. April 2021 gefällt (Prot. II S. 58; Urk. 92)
und am 21. bzw. 22. April 2021 den Parteien schriftlich im Dispositiv eröffnet
(Urk. 93).
2. Umfang der Berufung
2.1. Der Beschuldigte verlangt, er sei von Schuld und Strafe freizusprechen. Er
wendet sich zudem gegen die dem Grundsatze nach festgestellte Schadener-
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satzpflicht gegenüber der Privatklägerin (Dispositivziffer 6), die Festsetzung einer
Genugtuungszahlung an die Privatklägerin (Dispositivziffer 7) und die Kostenauf-
lage inklusive Rückforderungsvorbehalt (Dispositivziffern 11 und 12). Die Staats-
anwaltschaft beantragt, der Beschuldigte sei mit einer höheren teilbedingten Frei-
heitsstrafe zu bestrafen. Unangefochten blieben die Abweisung des Schadener-
satzbegehrens der Privatklägerin (Dispositivziffer 5), die erstinstanzliche Kosten-
festsetzung (Dispositivziffer 8) sowie die Entschädigung der amtlichen Verteidi-
gung und des Rechtsbeistands der Privatklägerin (Dispositivziffern 9 und 10). In
diesem Umfang ist der vorinstanzliche Entscheid in Rechtskraft erwachsen, was
vorab vorzumerken ist (Art. 399 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 437 StPO).
2.2. Im Übrigen steht der angefochtene Entscheid unter Berücksichtigung des
Verschlechterungsverbots im Sinne von Art. 391 Abs. 2 StPO zur Disposition.
3. Prozessuales (Strafantrag, Befragung der Privatklägerin im , Verwertbarkeit der Zeugenaussagen)
3.1. Strafantrag
Beim Tatbestand der sexuellen Belästigungen im Sinne von Art. 198 StGB liegt
ein zwar allgemein gehaltener, aber formgültiger und fristgerechter Strafantrag
der Privatklägerin vom 15. April 2017 vor. Daraus kommt nach den zutreffenden
vorinstanzlichen Erwägungen der Strafverfolgungswille der Privatklägerin gegen
den Beschuldigten klar zum Ausdruck (Art. 30 f. StGB; Urk. 2; Urk. 53 S. 4 f.).
3.2. Befragung der Privatklägerin im Berufungsverfahren
3.2.1. Art. 343 Abs. 3 StPO verpflichtet das Gericht, im Vorverfahren ordnungs-
gemäss erhobene Beweise nochmals zu erheben, sofern die unmittelbare Kennt-
nis des Beweismittels für die Urteilsfällung notwendig erscheint. Diese Bestim-
mung verankert eine (einmalige) Unmittelbarkeit im erstinstanzlichen Verfahren, in
der Regel jedoch keine solche für das Rechtsmittelverfahren. Art. 389 Abs. 2
StPO regelt die Wiederholung der erstinstanzlichen Beweisabnahmen im
Rechtsmittelverfahren. Eine unmittelbare Beweisabnahme hat im mündlichen Be-
rufungsverfahren gemäss Art. 343 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 405 Abs. 1 StPO
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auch zu erfolgen, wenn die unmittelbare Kenntnis des Beweismittels für die Ur-
teilsfällung notwendig erscheint. Eine unmittelbare Beweisabnahme ist notwendig,
wenn sie den Ausgang des Verfahrens beeinflussen kann. Dies ist namentlich der
Fall, wenn die Kraft des Beweismittels in entscheidender Weise vom Eindruck ab-
hängt, der bei seiner Präsentation entsteht. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn
es in besonderem Masse auf den unmittelbaren Eindruck einer Zeugenaussage
ankommt, so etwa, wenn Aussage gegen Aussage steht. Das Gericht verfügt bei
der Frage, ob eine erneute Beweisabnahme erforderlich ist, über einen Ermes-
sensspielraum (BGE 144 I 234 E. 5.6.2 S. 239; 143 IV 288 E. 1.4.1 S. 290 f.; 140
IV 196 E. 4.4.1 und 4.4.2 S. 198 ff.; Urteil 6B_1408/2016 vom 20. Februar 2018
E. 1.4.1 mit Hinweisen).
3.2.2. Der Vorwurf der Vergewaltigung und der sexuellen Nötigung (Anklageschrift
der Staatsanwaltschaft IV vom 14. September 2018 Ziffer 1.1.) beruht aus-
schliesslich auf den Aussagen der Privatklägerin. Gleiches gilt im Wesentlichen in
Bezug auf den übrigen Anklagevorwurf, da sich die Schilderungen der Zeugin
C._ einzig auf den Vorfall vom 4./5. März 2017 (Anklageschrift Ziffern 1.3
und 1.4) beziehen. Nachdem die Privatklägerin im Untersuchungsverfahren
(Urk. 3/1-6), nicht aber vor Vorinstanz befragt wurde, und zur Hauptsache Aussa-
ge gegen Aussage steht, wurde sie anlässlich der Berufungsverhandlung erneut
einvernommen (Prot. II S. 24 ff.). Kritisiert die Verteidigung die unterlassene Be-
fragung der Privatklägerin vor Vorinstanz und bringt sie zutreffend vor, die
Tonaufzeichnung der staatsanwaltschaftlichen Befragung vom 29. November
2017 habe nicht einwandfrei funktioniert und die Aussagen der Beteiligten seien
praktisch nicht verständlich gewesen (Urk. 75 S. 2 f.), wurde ihrer Rüge Nachach-
tung verschafft.
3.3. Verwertbarkeit der Zeugenaussagen
Der Beschuldigte verzichtete auf die Teilnahme an der Einvernahme von C._
vom 21. Juni 2018. Die anwesende amtliche Verteidigung nahm an der Befragung
teil, verzichtete aber auf Ergänzungsfragen (Urk. 5/2). Zu den Zeugenaussagen
nahm der Beschuldigte am 15. August 2018 mündlich Stellung (Urk. 4/4 S. 2 f.).
Die Zeugenaussagen sind ohne Weiteres verwertbar.
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4. Mangelhafte Befragung des Beschuldigten vor Vorinstanz
4.1. Die Verfahrensleitung befragt zu Beginn des Beweisverfahrens die be-
schuldigte Person eingehend zu ihrer Person, zur Anklage und zu den Ergebnis-
sen des Vorverfahrens (Art. 341 Abs. 3 StPO). Diese Bestimmung dient einerseits
Beweiszwecken. Andererseits trägt sie auch der Subjektstellung der beschuldig-
ten Person Rechnung. Sie verhindert, dass die beschuldigte Person zum blossen
Objekt staatlichen Handelns wird (BGE 143 IV 408 E. 6.2.2 S. 414 f.).
4.2. Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung bejahte der Beschuldig-
te die einleitende Frage des Vorsitzenden, ob er den Anklagevorwurf bestreite.
Auf die Frage, ob der Beschuldigte eine Erklärung für die Belastungen durch die
Privatklägerin habe, führte er aus, möglicherweise sei Rache das Motiv der Pri-
vatklägerin. Nachdem der Vorsitzende eine weitere Frage stellte ("Wir kommen
darauf zurück. Möchten Sie sonst noch etwas sagen?"), äusserte sich der Be-
schuldigte nochmals zum möglichen Motiv der Privatklägerin. Darauf folgten die
Befragung zur Person und im Anschluss daran die Parteivorträge (Prot. I S. 7 f.).
In den erwähnten drei Fragen erschöpfte sich die Befragung zur Sache. Sie ist
bereits mit Blick auf den Gesetzeswortlaut von Art. 341 Abs. 3 StPO zweifelsohne
ungenügend. Dies gilt hier umso mehr, als die Schwere der Anklagevorwürfe und
die Beweislage eine eingehende Befragung des Beschuldigten zur Sache aufge-
drängt hätten. Ergänzungsbedürftige Befragungen der Person in der erstinstanzli-
chen Hauptverhandlung stellen nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung keine
schwerwiegenden Mängel im Sinne von Art. 409 Abs. 1 StPO dar (BGE 143 IV
408 E. 6 S. 412 ff. mit Hinweisen). Die Frage, ob überhaupt eine erstinstanzliche
Befragung zur Sache erfolgte, ist insbesondere mit Blick auf das Beschleuni-
gungsgebot (das erstinstanzliche Urteil wurde vor rund zwei Jahren gefällt) nicht
näher zu prüfen. Von einer Aufhebung des erstinstanzlichen Urteils und einer
Rückweisung an die Vorinstanz zur gehörigen Befragung des Beschuldigten ist
abzusehen.
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II. Sachverhalt
1. Allgemeines
1.1. Die Vorinstanz hat die theoretischen Grundsätze der richterlichen Beweis-
würdigung dargelegt. Darauf kann verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO),
ebenso auf die vorinstanzlichen Erwägungen zur Frage der Glaubwürdigkeit
des Beschuldigten, der Privatklägerin und der Zeugin C._ (Urk. 51 S. 6
ff.). Richtig ist, dass die Zeugin C._ eine Freundin der Privatklägerin ist
und dies bei der Würdigung ihrer Aussagen nicht ausgeklammert werden darf.
Dass sie mit dem Beschuldigten in einen Disput oder eine tätliche Auseinan-
dersetzung geriet, bedeutet hingegen entgegen der Verteidigung (Urk. 75 S. 3
und 7) nicht, dass ihren unter Strafandrohung deponierten Aussagen keinen
Beweiswert zukäme. Im Übrigen kann sich die Berufungsinstanz auf die für ih-
ren Entscheid wesentlichen Punkte beschränken.
1.2. Der Beschuldigte und die Privatklägerin lernten sich im Jahre 2007 oder
2008 kennen und heirateten im Jahr 2008. In den Jahren 2010 und 2012 ka-
men die gemeinsamen Töchter zur Welt (Urk. 3/1 S. 3 f., Urk. 3/3 S. 5, Urk. 4/1
S. 3). Der gemeinsame Haushalt wurde Mitte April 2017 aufgelöst (Urk. 3/3
S. 5). Die dem Beschuldigten zur Last gelegten Taten geschahen laut Anklage
während des Zusammenlebens etwa im März 2015 (Vergewaltigung, sexuelle
Nötigung), am 15. oder 16. Dezember 2015 (einfache Körperverletzung), am
4. oder 5. März 2017 (einfache Körperverletzung, versuchte Nötigung) und am
14. April 2017 (mehrfache sexuelle Belästigung). Die jüngsten Tatvorwürfe fal-
len mit der Auflösung des gemeinsamen Haushalts zusammen.
2.
2.1. Die Vorinstanz kommt zusammengefasst zum Schluss, der Sachverhalt
betreffend die Vergewaltigung und sexuelle Nötigung (Anklageschrift Ziffer 1.1),
die einfache Körperverletzung (Anklageschrift Ziffer 1.2), die einfache Körperver-
letzung und versuchte Nötigung (Anklageschrift Ziffern 1.3, 1.4, 1.5) und die
mehrfache sexuelle Belästigung (Anklageschrift Ziffern 1.6, 1.7) sei erstellt. Nicht
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erstellt sei, dass die Privatklägerin beim Vorfall vor der D._ Bar (Anklage-
schrift Ziffer 1.2) einen Nasenbeinbruch erlitten habe (Urk. 51 S. 21).
2.2. Der Beschuldigte stritt im Untersuchungsverfahren und (pauschal) vor Vor-
instanz die oben genannten Vorwürfe ab. Die sexuellen Handlungen seien immer
im Einvernehmen erfolgt. Die Privatklägerin und er hätten Diskussionen geführt,
aber ohne Aggressionen. Er habe die Privatklägerin nie geschlagen und ihr nie
gedroht. Die Vorwürfe der Privatklägerin könne er nicht genau erklären. Vermut-
lich belaste sie ihn aus Rache. Sie hätten öfters darüber gesprochen, was passie-
ren würde, wenn sie sich scheiden liessen. Da die Privatklägerin aus Venezuela
sei, könnte es sein, dass sie das Land verlassen müsse. Vielleicht denke sie
auch, dass er aus dem Land verwiesen werde (Urk. 4/4 S. 6 f.; Prot. I S. 7 f.).
Anlässlich der Berufungsverhandlung wiederholte der Beschuldigte im Wesent-
lichen den bereits geschilderten Standpunkt (Prot. II S. 45 ff.).
2.3. Aussagen der Privatklägerin
2.3.1. Die Privatklägerin bezeichnete den Beschuldigten als sehr eifersüchtige
Person, die sie ständig kontrolliert habe (Urk. 3/1 S. 4: "Ich wusste, wenn ich aus-
serhalb der Wohnung gehe, werde ich Probleme mit meinem Mann haben. Er ist
sehr krank und sehr eifersüchtig"; vgl. auch Urk. 3/1 S. 10; Urk. 3/2 S. 3, 4;
Urk. 3/5 S. 8; Prot. II S. 26 f., S. 40 f.). Anders fällt ihr Urteil hingegen aus, soweit
sie den Beschuldigten als Vater beschreibt. Er sei ein liebevoller Vater, der sich
sehr gut um die Töchter kümmere (Urk. 3/5 S. 16; Urk. 3/1 S. 4; Urk. 3/2 S. 4;
Urk. 3/5 S. 13). Das Verhältnis des Beschuldigten zu den gemeinsamen Kindern
sei gut. Sie wolle, dass die Kinder weiter eine gute Beziehung zum Vater hätten
(Urk. 3/1 S. 6). Sie habe den Kindern gesagt, sie sollen ihren Vater immer respek-
tieren (Urk. 3/1 S. 6).
Die ersten Schläge vom Beschuldigten seien im Juli oder August 2008 passiert
(Urk. 3/1 S. 5, 11). Ab der Geburt der ersten Tochter habe der Beschuldigte zu-
dem gedroht, dass er ihr die Kinder wegnehmen würde (Urk. 3/1 S. 5: "Als die
Kinder auf der Welt waren, hat er begonnen zu drohen, dass er mir die Kinder
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wegnimmt"; vgl. auch Urk. 3/2 S. 3; Urk. 3/3 S. 11; Urk. 3/5 S. 14; Prot. II S. 27).
Wiederholt gab die Privatklägerin in den ersten Einvernahmen zu Protokoll, dass
sie Angst habe und in Sicherheit leben wolle (Urk. 3/1 S. 3, 6, 8, 10; Urk. 3/2
S. 9, 10). Aus ihren Schilderungen geht weiter hervor, dass der Beschuldigte vor
den behaupteten Übergriffen jeweils Alkohol konsumiert habe (Urk. 3/5 S. 14: "Er
ist nicht Alkoholiker. Das Problem ist, dass er alles in sich hineinfrisst. Wenn er
dann trinkt, dann explodiert er. Bei all den Vorfällen war Alkohol im Spiel"; vgl.
auch Urk. 3/1 S. 5, 10; Urk. 3/2 S. 8; Urk. 3/3 S. 8, 26, 29; Urk. 3/5 S. 5, 7 f.;
Prot. II S. 28, S. 32, S. 39, S. 41). Die Aussagen der Privatklägerin sind damit
grundsätzlich anschaulich, sachlich und differenzierend. Ungeachtet der schwe-
ren Vorwürfe attestiert sie dem Beschuldigten, ein besorgter und liebevoller Vater
zu sein. Zudem billigt sie ihm zu, die behaupteten Taten reflektiert zu haben. Wie-
derholt hielt sie fest, der Beschuldigte habe sich bei ihr jeweils entschuldigt
(Urk. 3/1 S. 5, 8, 10, 11; Urk. 3/2 S. 9; Urk. 3/3 S. 15, 16; Urk. 3/5 S. 12). Auch die
familiäre Situation im Zeitpunkt der Befragung vom 29. November 2017 schilderte
sie zurückhaltend und vorsichtig optimistisch. Seit sie sich getrennt hätten, habe
sich die Situation sehr beruhigt. Ihr Verhältnis als Eltern funktioniere reibungslos
und sie fühle sich sicherer. Wenn der Beschuldigte akzeptiere, dass sie getrennt
bleiben würden, dann sehe sie eine gute Zukunft als Eltern (Urk. 3/5 S. 16). Auch
diese Angaben sind grundsätzlich konkret und plausibel. Weiter gab die Privatklä-
gerin Unsicherheiten in ihren Angaben offen zu. So räumte sie beispielsweise ein,
sie wisse nicht mehr, ob die behauptete Vergewaltigung im März 2015 vor oder
nach dem Hochzeitstag (tt. März) geschehen sei (Urk. 3/3 S. 7). Die Frage, wann
der Beschuldigte ihr mit dem Tode gedroht habe, wollte sie nicht beantworten. Sie
wolle nichts Falsches sagen (Urk. 3/5 S. 14; vgl. auch Urk. 3/3 S. 15, 19, 23, 28,
32; Urk. 3/5 S. 6, 11). An der Befragung anlässlich der Berufungsverhandlung
fielen ihre Schilderungen ebenso differenziert aus, indem sie klar zwischen
Umständen, denen sie sich sicher war, und solchen, an die sie sich nicht oder
nicht mehr genau erinnerte, unterschied. Sie erklärte zum Beispiel, sich nicht
daran zu erinnern, dass der Beschuldigte während der Vergewaltigung im März
2015 seine Finger gewaltsam in ihre Vagina gesteckt habe, oder, sie wisse
nicht mehr, ob der Beschuldigte bei den Vorfällen am 14. April 2017 etwas zu
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ihr gesagt habe. Auch hielt sie fest, keine Erinnerung daran zu haben, dass der
Beschuldigte im Bad masturbiert habe (vgl. Prot. II S. 28 ff., S. 37, S. 39, S. 43
f.). Ihr Aussageverhalten fiel in diesem Sinne vorsichtig aus. Dies gilt grund-
sätzlich auch in Bezug auf das Mass der Belastungen. Der Beschuldigte habe
sie zwar im März 2015 vergewaltigt, er habe sie aber dabei weder bedroht
noch geschlagen (Urk. 3/2 S. 6). Auch bei den jüngsten Vorfällen im Badezim-
mer und unter der Dusche habe er sie nicht bedroht oder geschlagen (Urk. 3/1
S. 7; vgl. auch Urk. 3/2 S. 8; Urk. 3/3 S. 12 f., 19, 21, 24, 28; Prot. II S. 30).
Anschaulich und nachvollziehbar ist nicht nur die bereits erwähnte Angst, von den
Töchtern getrennt zu werden (Urk. 3/5 S. 14: "Was mir wirklich wehtat war, als er
sagte, er würde mir die Kinder wegnehmen"). Vielmehr sind ihre Aussagen nach-
vollziehbar, soweit sie ihre Bemühungen beschreibt, die Kinder nicht in den Streit
hineinzuziehen (Urk. 3/1 S. 4, 6; Urk. 3/3 S. 9, 11, 17, 23; Urk. 3/5 S. 5; Prot. II
S. 38). In ambivalenter aber gleichwohl anschaulicher Weise bezeichnet die Pri-
vatklägerin ihre Kinder als "Garantie", damit der Beschuldigte von ihr abgelassen
habe. So beschreibt sie, wie sie beim Vorfall unter der Dusche nach den Kindern
geschrien habe (mit dem Vorwand, ihr ein Badetuch reichen zu müssen), wie sie
nach der Auseinandersetzung bei einem befreundeten Paar zurück in der eheli-
chen Wohnung sich in das Zimmer der Kinder begeben und wie sie sich neben
die ältere Tochter gelegt habe, nachdem der Beschuldigte sie im eigenen Schlaf-
zimmer und wenig später im Bad bedrängt habe (Urk. 3/1 S. 5, 9; Urk. 3/3 S. 24,
27; vgl. auch Prot. II S. 28 ff.). Überzeugend hielt die Privatklägerin zudem an der
Berufungsverhandlung auf die Ambivalenz angesprochen fest, dass ihre Töchter
zu diesem Zeitpunkt älter gewesen seien. Sie habe ihre Töchter gerufen, damit
sie kommen und der Beschuldigte damit stoppen würde. Weiter erklärte sie, ihre
Töchter seien im Zeitpunkt der Vergewaltigung im März 2015 noch sehr jung ge-
wesen. Sie habe nicht gewollt, dass sie tatsächlich etwas mitbekommen und da-
runter später leiden würden (Prot. II S. 42). Diese Aussagen weisen entgegen der
Verteidigung keine gravierende logische Inkonsistenz auf (Urk. 75 S. 5). Sie las-
sen vielmehr erkennen, wie die Privatklägerin erstmals bei den jüngsten Übergrif-
fen den Schutz ihrer Kinder, die zu diesem Zeitpunkt bereits älter waren, suchte,
ohne sie mehr als nötig in den Konflikt zu involvieren. Rein objektiv war in dem
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Moment, als sie nach ihren Töchtern rief, auch noch nichts Gravierendes passiert,
was die Töchter hätte beunruhigen können. Überdies zeigte sie sich in den Belas-
tungen des Beschuldigten wiederum zurückhaltend, erklärte sie doch, der Be-
schuldigte habe sich aufgrund der Anwesenheit der Töchter von seinen Unterfan-
gen abbringen lassen.
Insgesamt sind die Aussagen der Privatklägerin konkret, anschaulich, mit weni-
gen Ausnahmen konstant (siehe nachfolgend), differenzierend und vorsichtig for-
muliert sowie in einer nachvollziehbaren logischen Reihenfolge. Sie wirken erleb-
nisbasiert und können als glaubhaft qualifiziert werden.
2.3.2. Beschuldigter und Verteidigung stellen in den Raum, die Aussagen der Pri-
vatklägerin erfolgten aus Vergeltung oder seien taktisch motiviert. Der Beschuldig-
te hielt fest, sie hätten finanzielle Probleme und die Privatklägerin sei durch ihre
Freundinnen leicht beeinflussbar. Die Privatklägerin und er hätten öfters darüber
gesprochen, was passiere, wenn sie sich scheiden liessen. Die Privatklägerin sei
Venezolanerin und es könne sein, dass sie das Land verlassen müsse. Sie belas-
te ihn möglicherweise aus Rache (Prot. I S. 7; Urk. 4/3 S. 6 f.; Prot. II S. 45 f.). Die
Verteidigung unterstrich gleichermassen, die Privatklägerin habe mit ihren Belas-
tungen Vorteile in den zu regelnden familienrechtlichen Belangen (insbesondere
die Obhutszuteilung) zu erzielen versucht. Die Privatklägerin selbst habe angege-
ben, sie habe Angst gehabt, die Schweiz ohne die Kinder verlassen zu müssen.
Diese Angst sei bei den ersten Aussagen da gewesen und erst später, durch eine
superprovisorische Verfügung und ein Eheschutzurteil, also lange nach den ers-
ten Aussagen, vergangen. Dass sie später bei der staatsanwaltschaftlichen Be-
fragung an den Vorwürfen festgehalten habe, liege daran, dass sie sich ansons-
ten dem Vorwurf der falschen Anschuldigung ausgesetzt hätte, was sie unter an-
waltlicher Beratung selbstverständlich nicht getan habe (Urk. 75 S. 4 f.; Prot. II
S. 55).
Mit der Verteidigung trifft zu, dass die Privatklägerin im Untersuchungsverfahren
wiederholt entsprechende Ängste formulierte, von den Kindern getrennt zu wer-
den. Auf die Frage, weshalb sie nie einen Arzt und nicht früher die Polizei aufge-
sucht habe, hielt sie etwa fest, sie habe Angst gehabt, zur Polizei zu gehen, weil
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die Kinder die Nationalität des Vaters hätten und sie als Venezolanerin mit
Aufenthaltsbewilligung B eventuell ausgewiesen werden könnte (Urk. 3/2 S. 4,
11). Der Beschuldigte habe ihr immer wieder gesagt, er würde ihr die Töchter
wegnehmen. Sie sei aus Venezuela, er und die Töchter seien Spanier. Sie
würde dann in ihr Land zurückkehren müssen, während er (der Beschuldigte)
hier bleiben könnte (Urk. 3/5 S. 15; vgl. auch Prot. II. S. 27, S. 34).
Der gemeinsame Haushalt wurde Mitte April 2017 aufgelöst (Urk. 3/3 S. 5).
Unbestritten ist, dass der Beschuldigte etwa zwei Monate zuvor das Gäste-
zimmer in der ehelichen Wohnung bezogen hatte (Urk. 3/1 S. 4; Urk. 4/3 S. 4).
Belegt ist weiter, dass die Privatklägerin am 24. April 2017 beim Bezirksgericht
Baden ein Eheschutzverfahren anhängig machte. Mit (rechtskräftigem) Ent-
scheid vom 12. Juli 2017 wurden die Parteien zum Getrenntleben berechtigt
erklärt, die gemeinsamen Töchter unter die Obhut der Privatklägerin gestellt,
dem Beschuldigten ein Besuchsrecht zugesprochen und eine Besuchsrechts-
beistandschaft errichtet (Urk. 42/2). Mit Entscheid des Familiengerichts Baden
vom 9. Dezember 2020 erfolgte die Scheidung der Parteien, wobei die Töchter
unter die gemeinsame elterliche Sorge der Parteien und die alleinige Obhut
der Privatklägerin gestellt, dem Beschuldigten ein Besuchsrecht zugesprochen
sowie er zu Unterhaltszahlungen verpflichtet wurde (Urk. 91/2). Das vom Be-
schuldigten der Privatklägerin unterstellte Motiv setzte mehrere Momente vo-
raus. Die Privatklägerin hätte die verschiedenen Vorwürfe frei erfunden. Die
behauptete Vergewaltigung und der Vorfall bei der D._ Bar hätte sie rund
1 1⁄2 bis 2 Jahre zurück angesiedelt. Die Vergewaltigung in der ehelichen Woh-
nung hätte sie zu einem Zeitpunkt, als die Schwägerin der Privatklägerin auf
Besuch war und damit objektiv Hilfestellung möglich gewesen wäre, verortet
und sich damit der Frage ausgesetzt, weshalb sie nicht nach Hilfe rief. Um den
Umstand zu erklären, 2015 weder die Polizei noch einen Arzt aufgesucht zu
haben, hätte die Privatklägerin die Angst, als Venezolanerin ausgewiesen zu
werden, vorgeschoben. Insoweit hätte sie ihre Opfereigenschaft als Hinde-
rungsgrund für eine Anzeige dargestellt. In Tat und Wahrheit hätte sie im Wis-
sen gehandelt, dass der migrationsrechtliche Aspekt für (und nicht gegen) sie
sprechen würde. Das der Privatklägerin unterstellte Motiv setzte weiter voraus,
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dass sie den Grund für den Gang zur Polizei, nämlich um die Kinder, wie sie
behauptete, in Sicherheit zu bringen (Urk. 3/1 S. 7), erfunden hätte. Zudem
schilderte die Privatklägerin anlässlich ihrer ersten Befragung zu Beginn
hauptsächlich die jüngsten Vorfälle und sie kam erst gegen Ende der mehr-
stündigen Befragung und eher beiläufig auf die Vergewaltigung zu sprechen
(Urk. 3/1). Sie hätte mithin trotz Motiv für eine Falschbelastung den Hauptvor-
wurf bewusst zurückgehalten. Ebenso hätte die Privatklägerin, nachdem sie
und der Beschuldigte getrennte Schlafzimmer bezogen und damit eine Tren-
nung (wohl auch für den Beschuldigten, vgl. auch Urk. 4/1 S. 8) zumindest im
Raum stand, ihren Plan noch während mehrerer Wochen nicht umgesetzt. In
Bezug auf den Vorfall vom 4./5. März 2017 müsste die Zeugin C._ zudem
Teil des Plans gewesen sein, was der Beschuldigte nicht behauptet und man-
gels Hinweise ausgeschlossen werden kann.
Dass die Privatklägerin den Beschuldigten zu Unrecht belasten soll, um so
trotz Trennung ihr Aufenthaltsrecht zu sichern, kann nicht gänzlich ausge-
schlossen werden. Ein solches Vorgehen scheint aufgrund der dargestellten
Umstände aber insgesamt unwahrscheinlich zu sein. Sie schilderte zwar ge-
wisse Handlungen, bei denen man sich nicht zwingend so verhalten würde.
Dabei erklärte sie diese Handlungen und ihr Verhalten jeweils in sich logisch.
Auch schilderte sie selbst Komplikationen (die Anwesenheit der Schwägerin
z.B.), die Fragen aufwarfen, was ebenfalls gegen eine Falschbelastung spricht.
2.3.3. Die Vorinstanz setzt sich mit mehreren Argumenten der Verteidigung sowie
mit verschiedenen Widersprüchen oder Ungenauigkeiten in den Aussagen der
Privatklägerin auseinander. In Bezug auf den Vorwurf der Vergewaltigung (Ankla-
geschrift Ziffer 1.1) habe die Privatklägerin entgegen der Verteidigung mehrfach
übereinstimmend und nachvollziehbar ihre Abwehrhandlungen geschildert und
ausgeführt, wie sie versucht habe, sich gegen den Beschuldigten zu stemmen.
Sie habe versucht, sich mit den Händen zu wehren, was ihr jedoch nicht gelungen
sei. Der Beschuldigte habe sie an den Händen festgehalten, weshalb sie die se-
xuellen Handlungen über sich habe ergehen lassen. Nachvollziehbar sei auch die
Entscheidung der Privatklägerin, nicht nach Hilfe zu schreien und damit die Kinder
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und die Schwägerin im Nebenzimmer nicht zu wecken. Dass die Privatklägerin
eine vom Beschuldigten beim Übergriff zerrissene Unterhose erwähnt habe, ob-
wohl das Kleidungsstück und ein Foto davon nicht hätten sichergestellt werden
können, spreche für die Richtigkeit ihrer Angaben. In der Folge beleuchtet die
Vorinstanz verschiedene Schilderungen der Privatklägerin. Dies betrifft deren
Aussagen, ob sich der Vorfall im März 2015 vor oder nach dem Hochzeitstag
(tt. März) ereignet habe, ob sie dabei Verletzungen erlitten oder Schmerzen ge-
habt habe, ob sie auf dem Rücken oder Bauch gelegen habe und ob der Be-
schuldigte mit Shorts sowie Unterhosen bekleidet oder nackt gewesen sei. Die
Vorinstanz qualifiziert die Aussagen der Privatklägerin als mehrfach übereinstim-
mend, nachvollziehbar, in sich stimmig und insgesamt glaubhaft (Urk. 51 S. 11
ff.). Ihre Erwägungen betreffend die von der Verteidigung im Berufungsverfahren
erneut vorgebrachten Widersprüche (Urk. 75 S. 5) können übernommen werden.
Anschaulich und konkret ist, wie die Privatklägerin versuchte, ihre Kinder im Ge-
gensatz zu den jüngsten Vorfällen nicht miteinzubeziehen (Urk. 3/2 S. 5: "Im Ne-
benzimmer war meine Schwägerin mit unseren zwei Kindern. Ich habe einfach
geweint und habe es einfach über mich ergehen lassen ohne etwas zu sagen";
Urk. 3/3 S. 9: "Ich sagte, dass er es unterlassen sollte, weil die Kinder im Zimmer
nebenan schliefen und auch meine Schwägerin. Ich wollte nicht, dass sie auf-
wachten. Ich wollte keinen Skandal verursachen. Ich blieb still und weinte aber").
Meint die Verteidigung, die Privatklägerin hätte zum Schutz einfach die Kinder
herbeirufen können (Urk. 75 S. 5), ist eine solche Argumentation nicht zuletzt mit
Blick auf das damals junge Alter der Kinder (etwa 4 1⁄2- respektive knapp 2 3⁄4-
jährig) realitätsfremd. Die Privatklägerin gab heute selbst an, ihre Töchter seien
damals noch sehr klein gewesen und sie habe nicht gewollt, dass sie tatsächlich
etwas mitbekommen und darunter später leiden würden (Prot. II S. 42). Entgegen
der Verteidigung ist das von der Privatklägerin beschriebene Verhalten damit oh-
ne Weiteres verständlich. Richtig ist auch, dass die Privatklägerin in Überein-
stimmung mit dem Beschuldigten angab, bis 20 Tage vor der Einvernahme vom
15. April 2017 einvernehmlich Geschlechtsverkehr gehabt zu haben (Urk. 3/2
S. 8; Prot. II S. 28). Auch dieses Zugeständnis eines von aussen betrachtet ten-
denziell inkonsequenten Verhaltens - welches die Verteidigung erneut zu Unrecht
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als "massive logische Inkonsistenz" bezeichnet (Urk. 75 S. 4) - spricht für die
Glaubhaftigkeit ihrer Schilderungen. Das gleiche gilt, wenn die Privatklägerin die
Anwesenheit ihrer Schwägerin im Nebenzimmer einräumt und damit offen aus-
spricht, dass ihr eine erwachsene Drittperson hätte zu Hilfe eilen können.
In Bezug auf den geleisteten Widerstand fielen die Aussagen der Privatklägerin
heute weniger deutlich aus wie bisher. So gab sie an, sie habe dem Beschuldig-
ten gesagt, sie wolle keine sexuellen Handlungen mit ihm. Sie erinnere sich nicht
mehr so gut. Sie glaube, sie habe einfach "nein" gesagt und sich umgedreht. Die
Frage, ob sie sich gewehrt habe, verneinte sie und erklärte, sie habe viel Angst
vor ihm gehabt. Hinzu komme, dass sie überhaupt keine Kraft habe. Wenn sie
Angst bekomme, beginne sie zu zittern, und habe keine Reaktion, sich zu wehren.
Ferner hielt sie fest, sie habe Widerstand geleistet, indem sie dem Beschuldigten
gesagt habe, dass sie es nicht wolle, und ihr Körper sei so angespannt gewesen,
dass es eine Penetration verhindern würde (Prot. II S. 37 f.). Zögerlich erwiderte
sie auf die Frage, ob sie sich auch physisch gewehrt habe, sie wisse, dass sie
sehr angespannt gewesen sei, wobei sie eine Bewegung mit ihren Händen mach-
te. Zudem gab sie erneut an, der Beschuldigte habe viel mehr Kraft wie sie ge-
habt und sei auf ihr gewesen (Prot. II S. 39). In der Folge bestätigte sie, dass der
Beschuldigte sie vor oder während des Geschlechtsverkehrs festgehalten habe.
Dies demonstrierte sie, indem sie auf ihre Handgelenke deutete. Dabei erklärte
sie, sie wisse nicht genau, ob "da" oder am Bein. Sie sei sich sicher, dass er sie
zwingen wollte. Dass er sie gepackt habe, wisse sie schon, aber wo genau, wisse
sie nicht. Ebenso bestätigte sie, dass der Beschuldigte ihre Beine gewaltsam öff-
nete, konnte jedoch nicht mehr genau benennen, wie dies geschah. Sie gab an,
er sei auf ihr gewesen, sie glaube, er habe dies mit seinen Beinen getan. Auf
Vorhalt ihrer Aussage am 17. Oktober 2017, wonach der Beschuldigte mit seinen
Händen und seinem Körpergewicht ihre Beine geöffnet und über ihr gewesen sei,
bestätigte sie auch dies (Prot. II S. 43 f.). Wie bereits erwähnt, konnte sie sich je-
doch nicht mehr erinnern, dass der Beschuldigte ihr seine Finger gewaltsam in die
Vagina steckte (Prot. II S. 44). Auch wenn ihre Darstellung heute weniger detail-
liert ausfiel, bestätigte und wiederholte sie im Wesentlichen somit auch heute ihre
während des Vorverfahrens getätigten Aussagen. Insbesondere schilderte sie ei-
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ne Abwehr bzw. einen Widerstand ihrerseits, auch wenn es ihr schwerfiel, diesen
genauer zu umschreiben und klar zu artikulieren. Wiederholt betonte sie auch die
Überlegenheit des Beschuldigten und dass sie sich nicht wehren bzw. gegen den
Beschuldigten durchsetzen konnte. Dabei schien sie zwischen aktivem und passi-
vem Widerstand zu differenzieren, indem sie verneinte, sich aktiv gewehrt zu ha-
ben, jedoch erklärte, Widerstand (durch Anspannen des Körpers) geleistet zu ha-
ben. Entgegen den Vorbringen der Verteidigung (Prot. II S. 54 f.) ist es zudem
nachvollziehbar, dass sie sich an gewisse Dinge nicht mehr erinnern kann. Zum
einen liegt die Vergewaltigung im heutigen Zeitpunkt bereits 6 Jahre zurück und
ihre letzten Aussagen dazu tätigte sie im Oktober 2017 – vor rund dreieinhalb
Jahren. Zum anderen ist es nur natürlich, dass bei Opfern im Zuge der Verarbei-
tung der Tat die Erinnerungen daran verschwimmen und gewisse Details in Ver-
gessenheit geraten. Die Dramatik der Situation besteht für ein Opfer regelmässig
nicht in einzelnen Details oder dem genauen Ablauf einer Vergewaltigung, son-
dern vielmehr in der Vergewaltigung an sich. Anschaulich zeigte sich bei der heu-
tigen Befragung auch, dass ihr die Fragen in Bezug auf die eigentlichen sexuellen
Handlungen peinlich waren, indem sie nur zögerlich ins Detail ging ("Was soll ich
sagen? Er hat mich vergewaltigt." und "Er zerriss meine Kleidung. Die Farbe der
Kleidung war violett. Er drang in mich ein... Muss ich noch mehr sagen?"; Prot. II
S. 36 f.). Übereinstimmend mit ihren bisherigen Aussagen hielt sie auch heute
fest, dass der Beschuldigte ihre Unterhose bzw. intime Kleidung (was eine Um-
schreibung von Unterhose darstellt) zerrissen habe und diese violett gewesen sei
(Prot. II S. 37). Ihre Aussagen wirken lebensnah und glaubhaft.
2.3.4. In Bezug auf den Vorwurf der einfachen Körperverletzung (Anklageschrift
Ziffer 1.2) setzt sich die Vorinstanz mit den auch im Berufungsverfahren wieder-
holten Vorbringen der Verteidigung auseinander, wonach die Privatklägerin Mühe
gehabt habe, den Vorfall zeitlich einzuordnen. Zudem verwirft die Vorinstanz den
Einwand der Verteidigung, es sei nicht plausibel, dass sich die Privatklägerin trotz
behaupteter Verletzung nicht in ärztliche Behandlung begeben habe (Urk. 75
S. 6). Eine Nasenbeinfraktur sei hingegen nicht erstellt. Diese beruhe einzig auf
den Aussagen der Privatklägerin als medizinische Laiin. Im Übrigen lägen keine
medizinischen Akten vor (Urk. 51 S. 15 f.). Auf diese zutreffenden Erwägungen
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kann vorab verwiesen werden. Die Privatklägerin hielt in der polizeilichen Einver-
nahme vom 15. April 2017 fest, der Beschuldigte habe ihr nach einem gemeinsa-
men Barbesuch mehrmals mit der Stirn auf die Nase geschlagen und ihr so die
Nase gebrochen. Zudem habe er sie sehr stark gewürgt und an den Haaren ge-
rissen (Urk. 3/1 S. 10 f.). Gegenüber der Staatsanwaltschaft hielt die Privatkläge-
rin fest, der Beschuldigte habe sie "mit Wut" geschlagen. Auf einer Skala von 1
bis 10 sei der Schlag mit einer Stärke von 4 bis 5 erfolgt (Urk. 3/5 S. 12). Aus bei-
den Einvernahmen geht hervor, wie der Beschuldigte die Privatklägerin während
eines gemeinsamen Ausgangs plötzlich aus einer Bar und zu einem nahegelege-
nen Hauseingang zerrte und sie dort würgte und schlug. Die entsprechenden
Schilderungen der Privatklägerin fallen auch hier konkret und anschaulich aus.
Weshalb sie trotz Verletzung auf medizinische Hilfe verzichtete, erklärte die Pri-
vatklägerin auf überzeugende Weise (Urk. 3/5 S. 13; E. II.2.3.2 vorstehend; vgl.
auch Prot. II S. 34). Heute schilderte sie den Vorfall im Wesentlichen überein-
stimmend, wenn auch weniger detailliert (Prot. II S. 34 f.). Dass ihre Nase auf-
grund einer Operation empfindlich war, blieb – wie die Verteidigung richtig be-
merkte (Prot. II S. 54) – unerwähnt. Dieser Umstand steht indes mit dem Verhal-
ten des Beschuldigten und dem Ablauf des damaligen Vorfalles nicht direkt im
Zusammenhang. Namentlich ändert die Empfindlichkeit der Nase nichts daran,
dass der Beschuldigte ihr mit seiner Stirn mehrfach gegen die Nase schlug. Ge-
rade angesichts der Empfindlichkeit der Nase aufgrund der erfolgten Operation
hätte erwarten lassen, dass die Privatklägerin die Schläge stärker empfand. Ihre
Angabe der Stärke im Bereich zwischen 4 und 5 von 10 erscheint daher noch zu-
rückhaltend. Auch an dieser Stelle fehlt es an einer übermässigen Belastung.
Zwar wird nicht verkannt, dass die Privatklägerin einzelne Umstände des Vorfalls
unterschiedlich schilderte. Dies betrifft die Frage, ob sie während des Würgens
noch atmen konnte (Urk. 3/1 S. 11, Urk. 3/5 S. 9 f.) und wann sie die D._ Bar
verliessen (Urk. 3/5 S. 7 und 9). Die erwähnten Widersprüche vermögen die
Glaubhaftigkeit der übrigen Aussagen hingegen nicht umzustossen. Da es um ei-
nen Vorfall im Dezember 2015 ging und die Einvernahmen am 15. April 2017 und
29. November 2017 erfolgten, sind sie auch durch den Zeitablauf erklärbar.
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2.3.5. Zum Vorwurf der einfachen Körperverletzung und versuchten Nötigung
(Anklageschrift Ziffern 1.3, 1.4 und 1.5) erwägt die Vorinstanz, die Privatklägerin
habe nicht genau schildern können, wie sie sich aus dem Griff des Beschuldigten
habe befreien können. Dies sei aber entgegen der Verteidigung verständlich, da
die Privatklägerin im besagten Moment mit dem Kopf auf den Beinen des Be-
schuldigten nichts habe sehen können. Beizupflichten sei der Verteidigung, wo-
nach die Ausführungen der Privatklägerin zur Luftzufuhr widersprüchlich ausgefal-
len seien (Urk. 51 S. 16). Richtig ist, dass die Privatklägerin nicht genau um-
schreiben konnte, wie es ihr gelang, sich nach den Schlägen gegen den Kopf vom
Beschuldigten zu lösen (Urk. 3/1 S. 8: "Irgendwie konnte ich weg [...]; Urk. 3/3
S. 32: "Danach liess er mich los und ich ging ins Zimmer und weinte"; "Wenn ich
mich richtig erinnere, könnte es sein, dass ich mich vom Griff lösen konnte und
ich mich aus dieser Lage befreien konnte. Ich bin mir aber nicht mehr sicher").
Dieser Umstand, den die Verteidigung auch im Berufungsverfahren thematisiert
(Urk. 75 S. 6), spricht hingegen nicht gegen, sondern vielmehr für die Glaubhaf-
tigkeit ihrer Aussagen. Er lässt erkennen, wie die Privatklägerin erneut mit vor-
sichtigen Worten ein kurzes und dynamisches Geschehen zu rekonstruieren ver-
sucht. Ebenso wenig vermögen die unterschiedlichen Schilderungen, ob die Pri-
vatklägerin trotz Würgegriff noch atmen konnte, die Glaubhaftigkeit ihrer Aussa-
gen ernsthaft in Zweifel zu ziehen (Urk. 3/1 S. 9, Urk. 3/3 S. 30). Gleiches gilt be-
treffend die Aussagen der Privatklägerin, ob Drittpersonen den Übergriff beobach-
tet hätten. Sie hielt zuerst fest, ihre Freundin und die Kinder hätten das alles ge-
sehen (Urk. 3/1 S. 8). Später sagte sie bei der Staatsanwaltschaft aus, ihre
Freundin habe etwas gehört, aber nicht gesehen, was passiert sei. Ihre Freundin
sei im Zimmer bei den Mädchen gewesen (Urk. 3/3 S. 32). Heute erklärte sie
diesbezüglich übereinstimmend, sie glaube, ihre Freundin habe nicht gesehen,
dass er sie geschlagen habe. Dass irgendetwas geschehen sei bzw. nicht ge-
stimmt habe, habe diese schon festgestellt (Prot. II S. 39). Unterschiedlich fielen
auch ihre Angaben aus, wann der Beschuldigte ihr nach dem Vorfall auf dem Bal-
kon mit dem Tod gedroht haben soll. Hielt sie in der ersten Befragung fest, dies
sei in der Wohnung und im Zug gewesen, führte sie später aus, die Drohungen
seien im Bus auf dem Weg zum Bahnhof gefallen. Ob der Beschuldigte ihr auch
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im Zug gedroht habe, daran könne sie sich nicht genau erinnern (Urk. 3/1 S. 10,
Urk. 3/5 S. 5 f.). An der Berufungsverhandlung schilderte sie zudem Drohungen
sowohl beim Verlassen der Wohnung als auch auf dem Nachhauseweg, wobei sie
auf Nachfrage präzisierte, auf dem Nachhauseweg habe es Drohungen gegeben,
dass er sie und auch ihre Freundin umbringen werde, ohne jedoch den konkreten
Zeitpunkt dieser Drohung nennen zu können (Prot. II S. 32 f.). Auch in diesen
Aussagen legt die Privatklägerin gewisse Unsicherheiten in ihren Erinnerungen
offen. Zwar wäre in Bezug auf allfällige Beobachtungen durch Drittpersonen zu
erwarten gewesen, dass die Privatklägerin entsprechende Umstände konstant
beschreiben würde. Hingegen ist vorstellbar, dass sich die Privatklägerin in ihren
ersten Aussagen auf den Streit an sich und nicht (auch) auf die konkreten Schlä-
ge auf dem Balkon bezog. Dies wäre auch deshalb verständlich, weil laut ihren
Angaben die Auseinandersetzung sich nicht nur zwischen ihr und dem Beschul-
digten abspielte, sondern in der Folge mit den Gastgebern ihren für alle erkennba-
ren Fortgang nahm. Insgesamt fallen die Schilderungen zum Vorfall vom 4./5.
März 2017 im Kern konstant und kohärent aus, wobei die Privatklägerin verschie-
dene Details wiedergab (etwa den Grund der Auseinandersetzung respektive wie
sie zusammen mit dem Beschuldigten und den Kindern nach dem Besuch der
Fasnacht zu einer befreundeten Familie gegangen sei und dort zum Missfallen
des Beschuldigten habe übernachten wollen, da die Kinder am nächsten Tag
schulfrei gehabt hätten, Urk. 3/1 S. 8, Urk. 3/3 S. 29; vgl. auch Prot. S. 31 f.). Da
die Privatklägerin in der ersten Einvernahme klar festhielt, sie habe trotz des
Würgegriffs noch atmen können, ist zugunsten des Beschuldigten darauf und
nicht auf die spätere Aussage abzustellen (Urk. 3/1 S. 9, Urk. 3/3 S. 30). Zu den
Vorbringen der Verteidigung, dass bei den Aussagen der Privatklägerin auffällig
scheine, dass sie keine Erinnerungen an den Anlass des Streits wiedergab und
sie erklärte, es sei plötzlich, aus dem Nichts heraus zu dem Streit gekommen
(Prot. II S. 53), ist festzuhalten, dass die Privatklägerin sehr wohl festhielt, den
Beschuldigten auf die Übernachtung bei dem befreundeten Ehepaar angespro-
chen zu haben. Das Überraschungsmoment schilderte sie nicht in Bezug auf den
Streit, sondern in Bezug auf das für sie überraschend kommende gewalttätige
Verhalten des Beschuldigten (Prot. II S. 31). Soweit die Verteidigung weiter aus
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dem Umstand, dass sich die Privatklägerin ihrer Ansicht nach nicht an den Streit
erinnert, ableiten will, dass kein wirklicher Erlebnishintergrund vorliegt, und dazu
impliziert, der Beschuldigte könne sich heute noch daran erinnern (Prot. II S. 54),
verkennt sie, dass der Beschuldigte den Streit heute nicht detaillierter schildert als
die Privatklägerin, sondern im Wesentlichen seine bisherigen Aussagen bestätigte
bzw. wiederholte (Prot. II S. 47). Im Übrigen wirken die Aussagen der Privatkläge-
rin aufgrund ihres zurückhaltenden Aussageverhaltens und die im Kern überein-
stimmenden sowie detaillierten Schilderungen sehr wohl als erlebt. Die erwähnten
Widersprüchlichkeiten erschüttern die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen jedenfalls
nicht.
2.3.6. In Bezug auf den Vorwurf der mehrfachen sexuellen Belästigung (Anklage-
schrift Ziffern 1.6 und 1.7) ist nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz im Rah-
men ihrer Beweiswürdigung die Aussagen der Privatklägerin als glaubhaft qualifi-
ziert. Dabei hält die Vorinstanz fest, die Privatklägerin habe den Vorfall mit der
Umschreibung als "versuchte Vergewaltigung" nicht dramatisierend wiedergege-
ben (Urk. 51 S. 10 f. und 17 f.). Auf diese Erwägungen kann verwiesen werden.
Richtig ist, dass die Privatklägerin schilderte, wie sie nach dem ersten Übergriff
vom Schlafzimmer in das Badezimmer flüchtete und dabei vom Beschuldigten
verfolgt wurde (Urk. 3/1 S. 5, Urk. 3/3 S. 20). Ein Stossen von hinten hat die Pri-
vatklägerin zwar zuerst angegeben, in der unmittelbar darauf folgenden Antwort
aber ihre Aussage richtiggestellt und dies in der späteren Befragung bestätigt. Die
Aussagen der Privatklägerin etwa zum zweiten Übergriff fallen überaus anschau-
lich aus. Sie sei, nachdem der Beschuldigte sie nackt in ihrem Bett aufgesucht
und dort neben ihr liegend masturbiert habe, ins Badezimmer geflohen. Der Be-
schuldigte habe sie verfolgt und sie im Bad gegen die Wand gedrückt (Urk. 3/3
S. 20: "[...] weil er das zu Ende führen wollte, was er im Sinn hatte"). Im Bad habe
er versucht, ihr die Hose runterzuziehen. Sie habe ihn an den Handgelenken ge-
packt und sei mit dem Körper runtergegangen, bis sie beide praktisch sitzend
respektive in einer Kauerposition auf dem Boden gelandet seien. Dort habe sie ih-
re Beine gut geschlossen gehalten. Als der Beschuldigte die Hände von ihrer Ho-
se weggenommen und zu masturbieren begonnen habe, habe sie den Moment
genutzt um aufzustehen und zu gehen. Sie sei in das Zimmer der Mädchen ge-
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gangen und habe sich neben die ältere Tochter gelegt (Urk. 3/3 S. 20 ff.). An-
schaulich ist nicht nur diese Beschreibung des Übergriffs und die Abwehrhand-
lungen der Privatklägerin, sondern auch die Schilderung ihrer Gefühlslage
(Urk. 3/3 S. 22: "In jenem Moment hatte ich wie Mut gefasst mich ihm zu wider-
setzen, es nicht mehr zuzulassen. Ich wollte das nicht mehr über mich ergehen
lassen [...]"). Wenn die Vorinstanz unter anderem angesichts dieser Aussagen
schlussfolgert, die Privatklägerin habe die verschiedenen Übergriffe glaubhaft ge-
schildert, so ist dem beizupflichten. Daran vermögen auch die heutigen Aussagen
der Privatklägerin nichts zu ändern, auch wenn sie sich nicht mehr an alle Details
zu erinnern vermochte, was angesichts der bereits verstrichenen Zeit seit dem
Vorfall – wie schon zuvor erwähnt – nur verständlich ist. Im Wesentlichen stim-
men ihre Angaben mit ihrer bisherigen Darstellung überein (Prot. II S. 28 ff.).
2.4. Aussagen der Zeugin C._
C._ ist eine Freundin der Privatklägerin. Bringt die Verteidigung vor, die Zeu-
gin habe nichts Belastendes gesehen (Urk. 75 S. 7), ist das Gegenteil der Fall.
Die Zeugin beschreibt unter anderem, wie sie der Privatklägerin und dem Be-
schuldigten nach dem gemeinsamen Besuch eines Festes angeboten habe, über
Nacht bei ihr zu bleiben. Als sie sich im Kinderzimmer um die Kinder gekümmert
habe, habe sie gehört, wie die Privatklägerin und der Beschuldigte zum Balkon
gegangen seien und dort diskutiert hätten. Es sei gewesen kurz nachdem sie ge-
fragt habe, ob die Familie bei ihr übernachten wolle. In der Folge habe sie einen
Schlag gehört, welcher wie eine Ohrfeige geklungen habe. Sie habe gehört, wie
die Privatklägerin geweint und das Badezimmer aufgesucht habe. Darauf sei der
Beschuldigte zum Kinderzimmer gekommen. Er habe einen sehr aggressiven Ge-
sichtsausdruck gehabt und seine Töchter mitnehmen wollen. Aus den Schilderun-
gen der Zeugin geht weiter hervor, wie sie versucht habe, mit dem aggressiven
und betrunkenen Beschuldigten zu reden, damit die Kinder bleiben könnten. Der
Beschuldigte habe sie verbal angegriffen und sie auch an den Oberarmen oder im
Schulterbereich gepackt. Weiter schildert die Zeugin ein Handgemenge mit dem
Beschuldigten, sie habe ihm wohl sogar leicht ins Gesicht geschlagen, und wie ihr
Ehemann versucht habe, den Beschuldigten zu beruhigen, wie der Beschuldigte
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immer wieder allen (der Privatklägerin, ihr und ihrem Ehemann) gedroht habe und
wie er sie (die Zeugin) und ihren Mann derart weggestossen habe, dass beide zu
Boden gestürzt seien. Als die Privatklägerin und der Beschuldigte zusammen mit
den Kindern die Wohnung verlassen hätten, habe sie im Treppenhaus einen wei-
teren Schlag gehört. Die Privatklägerin sei eine Person, die all ihre Probleme ihr
(der Zeugin) und den Töchtern gegenüber verstecke. Der Beschuldigte sei immer
eifersüchtig gewesen, etwa, wenn sie mit der Privatklägerin getanzt oder gespro-
chen habe. Die Privatklägerin habe ihr erzählt, dass sie sich nicht mehr treffen
könnten, ansonsten der Beschuldigte die Privatklägerin schlagen würde (Urk. 5/1
S. 3 ff.). Gegenüber der Staatsanwaltschaft bestätigte die Zeugin im Wesentlichen
ihre Aussagen (Urk. 5/2). Die Zeugin gibt den Sachverhalt nicht nur konkret, de-
tailliert, gleichbleibend und in einer logischen Reihenfolge wieder. Sondern ihre
Beobachtungen stützen auch die belastenden Aussagen der Privatklägerin in we-
sentlichen Punkten. Dies betrifft in erster Linie die Aussagen der Privatklägerin
zum vermuteten Grund des Streits, zu den Schlägen auf dem Balkon und zu den
Schlägen im Treppenhaus. Übereinstimmungen finden sich aber auch in den
Schilderungen, wie der Beschuldigte die Zeugin und deren Ehemann zu Fall ge-
bracht, wie die Privatklägerin ihre Probleme zu verstecken versucht und wie die
Zeugin den Beschuldigten als eifersüchtige Person erlebt habe. Insgesamt wird
der Beschuldigte durch die Aussagen der Zeugin belastet.
2.5. WhatsApp-Nachrichten
Die Vorinstanz folgt der Argumentation der Verteidigung, wonach die WhatsApp-
Nachrichten zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin lediglich als un-
datierte Ausdrucke bei den Akten lägen und es möglich sei, dass die Nachrichten
nachträglich erstellt worden seien. Zudem könnten der Kommunikation keinerlei
Anhaltspunkte für die vorgeworfene Tat, sondern lediglich für gravierende
Eheprobleme entnommen werden. Die Vorinstanz erwägt, die Ausdrucke der
WhatsApp-Nachrichten seien in der Tat nicht besonders aussagekräftig und im
Übrigen für die Sachverhaltserstellung nicht von Relevanz (Urk. 51 S. 20 f.).
Wann die Nachrichten verfasst wurden, kann zwar nicht nachvollzogen werden
(Urk. 6/1-10). Aufgrund der ebenfalls ersichtlichen Nachrichten des Beschuldigten
- 28 -
ist davon auszugehen, dass die Nachrichten tatsächlich verfasst und verschickt
wurden (so die Staatsanwaltschaft, Prot. II S. 56). Immerhin thematisierte die Pri-
vatklägerin entsprechende Nachrichten auch in ihrer ersten Einvernahme vom
15. April 2017 (Urk. 3/1 S. 8). Aus einem Rapport der Kantonspolizei Aargau geht
weiter hervor, dass das Telefon der Privatklägerin nicht ausgewertet werden
konnte, weshalb die Privatklägerin der Polizei am 16. Mai 2017 zehn auf ihrem
Computer abgespeicherte Nachrichten per E-Mail zukommen liess (Urk. 1/1 S. 4
f.). Rechtsgenügend erstellt ist deshalb, dass die WhatsApp-Nachrichten
(Urk. 6/1-10) am 16. Mai 2017 der Polizei zugingen und deshalb nicht jüngeren
Datums sein können. Die Privatklägerin wirft dem Beschuldigten darin unter ande-
rem vor, sie geschlagen und ihr mit der Wegnahme der Kinder gedroht zu haben.
Ihre Nachrichten an den Beschuldigten belegen deshalb, dass die Privatklägerin
den Beschuldigten spätestens am 16. Mai 2017 mit Vorwürfen konfrontierte, die
auch Gegenstand ihrer Einvernahmen waren. Aus den vereinzelten Reaktionen
des Beschuldigten (Urk. 6/5-10) lässt sich zudem tendenziell schliessen, dass er
gegenüber der Privatklägerin teilweise Besitzansprüche erhob oder kontrollierend
auftrat. So schrieb er: "Pass auf die Mädchen auf. Komme schnell und ich mache
so wie du willst. Ich bin in E._ angekommen. Pass auf wer dich nach Hause
bringt. Ist es F._. Mich interessiert es eine Scheisse. Wenn du willst gehe.
Ich suche dich. Du gehörst mir und niemandem anderen, so wie du gesagt hast"
(Urk. 6/6). Zwar lassen sich aus den Nachrichten in Bezug auf die anklagegen-
ständlichen Vorfälle nichts Wesentliches ableiten. Die erwähnte Antwort des Be-
schuldigten stützt indes die Aussagen der Privatklägerin. Sie zeigt exemplarisch
dessen kontrollierende Grundhaltung auf, und steht im Widerspruch zu seinen ei-
genen, gemäss denen er nicht eifersüchtig sei.
2.6. Aussagen des Beschuldigten
2.6.1. In Würdigung der Aussagen des Beschuldigten hält die Vorinstanz fest,
diese seien zum Kerngeschehen insoweit konstant und widerspruchsfrei, als der
Beschuldigte sämtliche Vorwürfe bestreite. Hingegen sei das Verhältnis des Be-
schuldigten zur Privatklägerin und sein Verhalten nicht derart unproblematisch
gewesen, wie es der Beschuldigte dargestellt habe. So gelte es zu berücksichti-
- 29 -
gen, dass der Beschuldigte gemäss eigenen Angaben einen neuen Termin im
Männerhaus verlangt habe. Es müsse deshalb davon ausgegangen werden, dass
nach seinem Dafürhalten Probleme in der Partnerschaft bestanden hätten, welche
den Grund in seinem Verhalten gehabt hätten. Lebensfremd sei zudem die Be-
hauptung des Beschuldigten, in Bezug auf den Vorfall vom 14. April 2017 den
Duschvorhang nur deshalb zurückgezogen zu haben, um die Privatklägerin zu
begrüssen. Schliesslich unterstreicht die Vorinstanz, der Beschuldigte sei selbst-
redend nicht dazu verpflichtet, Aussagen zu machen. Wären die Aussagen der
Privatklägerin jedoch tatsächlich alle frei erfunden, könne davon ausgegangen
werden, dass sich der Beschuldigte nicht auf die Bestreitung einer irrelevanten
Zeitangabe einer Nasenoperation beschränkt hätte. Dieses Aussageverhalten sei
als Indiz zu werten, dass die Privatklägerin grundsätzlich die Wahrheit gesagt ha-
be (Urk. 51 S. 19 f.).
2.6.2. Diesen vorinstanzlichen Erwägungen kann mehrheitlich nicht gefolgt wer-
den. Aus dem blossen Gang zum Männerhaus lässt sich der Urheber ehelicher
Probleme nicht ausmachen. Unzutreffend ist auch, wenn die Vorinstanz den Hin-
weis auf die Nasenoperationen als Indiz für eine Falschaussage wertet. Der Be-
schuldigte liess es damit bewenden, den Vorwurf abzustreiten und die Daten der
Operationen aus seiner Sicht richtigzustellen. Dies ist sein prozessuales Recht
und gereicht ihm nicht zum Nachteil.
Mit der Vorinstanz und entgegen der Verteidigung (Urk. 75 S. 7) sind die Ausfüh-
rungen des Beschuldigten, am 14. April 2017 den Duschvorhang einzig zur Be-
grüssung der Privatklägerin zurückgezogen zu haben (Urk. 4/1 S. 5), hingegen
nur schwer nachvollziehbar. Dies gilt ganz generell und hier umso mehr, als der
Beschuldigte selbst festhielt, die Privatklägerin habe ihm wenige Stunden zuvor
beim Vorfall im Badezimmer ausdrücklich gesagt, "es sei vorbei, sie wolle es nicht
mehr" (Urk. 4/3 S. 4). Zudem hielt er heute in Bezug auf den vorangehenden Vor-
fall fest, nachdem er sich neben die Privatklägerin gelegt und sie gefragt habe, ob
sie es wolle, habe sie verneint, woraufhin er aufgestanden und wieder hinausge-
gangen sei. Während der Untersuchung gab er indes an, ihr in das Bad gefolgt zu
sein (Prot. II S. 50). Auch die weiteren Aussagen des Beschuldigten fallen oftmals
- 30 -
wenig überzeugend aus. Dies ist etwa in Bezug auf die Schilderungen der Fall,
die Freundin der Privatklägerin habe mit ihm geschimpft, ihn gestossen, ungeach-
tet seiner Tochter auf dem Arm geschlagen und aus dem Haus gewiesen. Ein ei-
gentlicher Grund für eine derart aufgebrachte Reaktion der Gastgeberin fehlt in
den Schilderungen des Beschuldigten (Urk. 4/1 S. 4; vgl. auch Prot. II S. 52). We-
nig überzeugend ist auch, wenn der Beschuldigte kategorisch festhält, die laut ei-
genen Angaben aggressive, gewalttätige und schreiende Zeugin nie verbal ange-
griffen zu haben (Urk. 4/2 S. 3 f.). Auffallend ist, dass der Beschuldigte sich be-
müht zeigte, die Probleme mit der Privatklägerin zu verharmlosen. So gab er bei-
spielsweise als Grund für die getrennten Schlafzimmer an, die Beziehung sei ein-
fach "kalt" geworden, ohne Näheres dazu auszuführen (Prot. II S. 20). Das Erkal-
ten der Beziehung würde auch auf fehlendes Interesse aneinander deuten, was
jedoch den Aussagen des Beschuldigten wie auch denjenigen der Privatklägerin,
wonach es nach der Trennung noch zu einvernehmlichem Geschlechtsverkehr
kam, gewissermassen widerspricht. Neu gab er heute zudem an, die Trennung
mit der Privatklägerin besprochen zu haben (Prot. II S. 22). Zudem gelingt es ihm
mit seinen Aussagen nicht, die erlebnisbasierten Schilderungen der Privatklägerin
anders darzustellen. Die ihren Aussagen innewohnende Dynamik fehlt bei seinen
Angaben. Nach dem Ablauf des Abends in der D._ Bar vor rund fünf Jahren
gefragt, gab er beispielsweise lediglich an, es sei wie ein normaler Abend eines
normalen Paares, wenn es in den Ausgang gehe, gewesen (Prot. II S. 52). Weite-
re Angaben machte er nicht, während die Privatklägerin den Ablauf des Abends
auch heute noch recht detailliert wiedergeben konnte ("[...] Wir bestellten einen
Drink. Es hatte Südländer dort. Wir sprachen mit einer Gruppe und unterhielten
uns. [...]"; Prot. II S. 34). Dagegen wirken die Aussagen des Beschuldigten äus-
serst pauschal und farblos.
Insgesamt sind die Schilderungen des Beschuldigten zum Kerngeschehen zwar
überwiegend konstant. Oft fallen sie aber eher farblos, mit Strukturbrüchen verse-
hen und teilweise im Widerspruch zu den Zeugenaussagen aus. Die Schilderun-
gen des Beschuldigten wecken nicht unerhebliche Zweifel an der Glaubhaftigkeit
seiner Aussagen.
- 31 -
2.7. Zusammenfassend fussen die dem Beschuldigten zur Last gelegte Verge-
waltigung und die weiteren Vorwürfe der einfachen Körperverletzungen, der ver-
suchten Nötigung und der sexuellen Belästigungen auf den Aussagen der Privat-
klägerin, die als erlebnisbasiert und glaubhaft zu qualifizieren sind. Zweifel, dass
die Privatklägerin in den Worten der Verteidigung Erlebtes mit Erfundenem vermi-
schen würde, werden durch ihr Aussageverhalten zerstreut (Urk. 75 S. 8). In Be-
zug auf den Vorfall vom 4./5. März 2017 wird der Beschuldigte zusätzlich von der
Zeugin C._ belastet. Die Aussagen der Privatklägerin und der Zeugin sind
selbst im Lichte der Schilderungen des Beschuldigten als glaubhaft zu qualifizie-
ren. Insgesamt lässt das Beweisergebnis am angeklagten Sachverhalt mit Aus-
nahme der Nasenbeinfraktur (Ziffer 1.2 der Anklage) – mangels ärztlichen Be-
funds und zugunsten des Beschuldigten – und der beim Würgen unterbundenen
Luftzufuhr (Ziffer 1.3 der Anklage) keine vernünftigen Zweifel offen.
III. Rechtliche Würdigung
1. Vergewaltigung (Anklageschrift Ziffer 1.1)
1.1. Wer eine Person weiblichen Geschlechts zur Duldung des Beischlafs nö-
tigt, namentlich indem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter psychischen
Druck setzt oder zum Widerstand unfähig macht, wird gemäss Art. 190 Abs. 1
StGB mit Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren bestraft. Die Nöti-
gungsmittel (drohen, Gewalt anwenden, unter psychischen Druck setzen, zum
Widerstand unfähig machen) stimmen mit Art. 189 StGB überein. Betreffend
Ausmass der Gewalt kann bereits Niederdrücken oder mit überlegener Körper-
kraft festhalten als Gewalt definiert werden (Urteil 6B_587/2017 vom 16. Oktober
2017 E. 4.4 mit Hinweisen). Es genügt grundsätzlich diejenige Gewalt, die nötig
war, um das konkrete Opfer gefügig zu machen. Dass sich das Opfer andauernd
wehrt oder widerstandsunfähig wird, ist nicht notwendig (PHILIPP MAIER, in: Basler
Kommentar, Strafrecht, Bd. II, 4. Aufl. 2019, N. 22 zu Art. 189 StGB).
1.2. Der Beschuldigte verlangte von der Privatklägerin im gemeinsamen
Schlafzimmer Sex, worauf die Privatklägerin ihn abwies und mit ihren Händen
Widerstand leistete. Der Beschuldigte fasste mit seinen Händen beide Handge-
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lenke der Privatklägerin und hielt sie so fest, um ihren Widerstand zu brechen,
liess dann mindestens eine Hand los und zerriss ihre Unterhose. Darauf öffnete er
mit seinen Händen und seinem Körpergewicht die Beine der Privatklägerin und
vollzog den Geschlechtsverkehr. Damit nötigte er die Privatklägerin zum Bei-
schlaf. Betreffend die objektiven Tatbestandsmerkmale handelte der Beschuldigte
gestützt auf das Beweisergebnis mit Wissen und Willen und damit vorsätzlich.
1.3. Der Beschuldigte ist demnach schuldig zu sprechen der Vergewaltigung im
Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB.
2. Einfache Körperverletzung (Anklageschrift Ziffer 1.2)
2.1. Eine einfache Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB begeht,
wer vorsätzlich einen Menschen in anderer als schwerer Weise im Sinne von
Art. 122 StGB an Körper oder Gesundheit schädigt. Die Tat zum Nachteil des
Ehegatten wird von Amtes wegen verfolgt (Art. 123 Ziff. 2 Abs. 4 StGB).
Bei Blutergüssen, Schürfungen, Kratzwunden oder Prellungen ist die Abgrenzung
der einfachen Körperverletzung zum Tatbestand der Tätlichkeiten (Art. 126 StGB)
begrifflich nur schwer möglich (BGE 134 IV 189 E. 1.3 S. 191 f. mit Hinweisen).
Für die Abgrenzung kommt dem Mass des verursachten Schmerzes entschei-
dendes Gewicht zu. Wenn vom Eingriff keine äusseren Spuren bleiben, genügt
schon das Zufügen erheblicher Schmerzen als Schädigung im Sinne von Art. 123
Ziff. 1 StGB (BGE 107 IV 40 mit Hinweisen; Urteil 6B_822/2020 vom 13. April
2021 E.3.3.).
2.2. Der Beschuldigte zerrte die Privatklägerin aus einer Bar zu einem nahege-
legenen Hauseingang, riss sie dabei an den Haaren, würgte sie und schlug mit
seiner Stirn mehrmals gegen deren Nase. Die Privatklägerin erlitt Hämatome am
Hals, Verletzungen an der Oberlippe innen und eine geschwollene Nase. Sie litt
während rund einer Woche an Schmerzen.
Diese objektiven Verletzungsfolgen sind nicht sehr erheblich, überschreiten aber
die Grenze zwischen Tätlichkeit und Körperverletzung. Das Bundesgericht hat ei-
nen Faustschlag ins Gesicht, der einen Bluterguss unterhalb des linken Auges zur
- 33 -
Folge hatte (BGE 119 IV 25), einen harten Faustschlag ins Gesicht, der Schmer-
zen unterhalb des Auges und ein Schwindelgefühl zur Folge hatte (Urteil
6S.386/2003 vom 18. Mai 2004) und zwei Schläge mit der flachen Hand ins Ge-
sicht, die eine leichte Schwellung und Rötung des Gesichts, Schmerzen am Fort-
satz des Schläfenbeins, Blutungen im Trommelfell sowie eine kleine Schleim-
hautplatzwunde an der Oberlippe bewirkten (Urteil 6B_706/2011 vom 3. April
2012), als einfache Körperverletzungen eingestuft. Indem der Beschuldigte die
Privatklägerin an den Haaren zog, sie würgte, ihr mit der Stirn kraftvoll auf die Na-
se schlug und ihr dadurch während rund einer Woche anhaltende Schmerzen zu-
fügte, beging er nicht nur ein niederschwelliges Gewaltdelikt. Es liegt kein unbe-
deutender Angriff auf den Körper vor, auch wenn die Verletzungsfolgen (ge-
schwollene Nase) deutlich sichtbar gewesen sein dürften, aber nicht als gravie-
rend einzustufen sind.
Selbst wenn die objektiven Verletzungsfolgen nicht sehr erheblich ausfielen, liegt
kein leichter Fall einer einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1
Abs. 2 StGB vor. Bei der Beurteilung, ob es sich um einen leichten Fall handelt,
sind die gesamten Umstände der Tat und nicht bloss die objektiven Verletzungs-
folgen zu berücksichtigen (BGE 127 IV 59 E. 2a/bb S. 60 ff.). Der Umstand, dass
der Beschuldigte die Privatklägerin ohne Grund und damit aus nichtigem Anlass
aus einer Bar zerrte, sie an den Haaren riss, sie würgte und mehrmals mit seiner
Stirn gegen deren Nase schlug, offenbart eine erhebliche Rücksichtslosigkeit. Der
Beschuldigte schlug die Privatklägerin ohne Vorwarnung. Dies alles spricht gegen
die Annahme eines leichten Falles.
Der Beschuldigte schlug mehrmals zu, weshalb davon auszugehen ist, dass er
die Verletzungen der Privatklägerin in Kauf nahm.
2.3. Der Beschuldigte ist demnach schuldig zu sprechen der einfachen Körper-
verletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 Abs. 4 StGB.
- 34 -
3. Einfache Körperverletzung (Anklageschrift Ziffern 1.3 und 1.4)
3.1. Als der Beschuldigte und die Privatklägerin auf dem Balkon sassen, packte
der Beschuldigte die Privatklägerin unvermittelt an den Haaren, zog ihren Kopf
nach hinten und würgte sie. Darauf zog er ihren Kopf gegen seinen Schoss und
verpasste ihr mit der Hand, der Faust oder dem Ellenbogen voller Wut fünf bis
sechs Schläge seitlich gegen den Kopf. Das Würgen war "ziemlich stark" und die
Schläge bezeichnete die Privatklägerin als stark respektive auf einer Skala von 0
bis 10 mit 4. Im Treppenhaus schlug der Beschuldigte die Privatklägerin erneut
und ähnlich stark drei bis vier Mal gegen den Hinterkopf (Urk. 3/3 S. 30 ff.). Die
Privatklägerin erlitt Hämatome am Kiefer, an den Oberarmen und während etwa
zwei Tagen anhaltende Kopfschmerzen (Urk. 3/1 S. 9, Urk. 3/5 S. 6 f.).
Diese objektiven Verletzungsfolgen überschreiten die Grenze zwischen Tätlichkeit
und Körperverletzung nur knapp. Zu betonen ist gleichwohl, dass nicht nur das
ziemlich starke Würgen, sondern insbesondere auch die starken und wiederholten
Schläge seitlich gegen den Kopf und damit gegen empfindliche Körperstellen
(Augen und Ohren) keine niederschwellige Gewalt mehr darstellen. Mit Blick auf
die bereits erwähnte Abgrenzung sind die Verletzungen als einfache Körperver-
letzungen einzustufen. Die Tatumstände sind mit dem Übergriff bei der D._
Bar ohne Weiteres vergleichbar. Einmal mehr schlug der Beschuldigte ohne
Grund. Er liess der Privatklägerin keine Möglichkeit der Abwehr. Das Würgen wie
auch die wiederholten Schläge gegen den Kopf können mit Blick auf die Tatum-
stände nicht als leicht im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 2 StGB qualifiziert wer-
den. Auch hier handelte der Beschuldigte vorsätzlich.
3.2. Der Beschuldigte ist demnach schuldig zu sprechen der einfachen Körper-
verletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 Abs. 4 StGB.
4. Versuchte Nötigung (Anklageschrift Ziffer 1.5)
4.1. Wer jemanden durch Gewalt oder Androhung ernstlicher Nachteile oder
durch andere Beschränkung seiner Handlungsfreiheit nötigt, etwas zu tun, zu un-
- 35 -
terlassen oder zu dulden, wird gemäss Art. 181 StGB mit Freiheitsstrafe bis zu
drei Jahren oder Geldstrafe bestraft.
4.2. Der Beschuldigte drohte der Privatklägerin, sie und ihre Freundin C._
umzubringen, falls die Privatklägerin ihre Freundin weiterhin sehen würde. Trotz
der Drohung erreichte der Beschuldigte sein Ziel nicht – der Nötigungserfolg blieb
aus. Die Staatsanwaltschaft hat die Todesdrohungen zutreffend als versuchte Nö-
tigung im Sinne von Art. 181 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB gewür-
digt. Der Beschuldigte ist entsprechend schuldig zu sprechen.
5. Mehrfache sexuelle Belästigung (Anklageschrift Ziffern 1.6 und 1.7)
5.1. Eine sexuelle Belästigung im Sinne von Art. 198 StGB begeht, wer vor je-
mandem, der dies nicht erwartet, eine sexuelle Handlung vornimmt und dadurch
Ärgernis erregt, und wer jemanden tätlich oder in grober Weise durch Worte se-
xuell belästigt.
5.2. Der Beschuldigte legte sich neben die Privatklägerin ins Bett und mastur-
bierte. Gleiches tat er wenig später, nachdem er ihr ins Bad gefolgt war und vor
ihr kniete, während die Privatklägerin mit dem Rücken zur Wand auf dem Boden
kauerte. Stunden später überraschte er sie beim Duschen und griff ihr zwischen
die Beine. Die Vorinstanz hat die Handlungen des Beschuldigten als mehrfache
sexuelle Belästigung im Sinne von Art. 198 Abs. 1 und 2 StGB gewürdigt. Diese
rechtliche Qualifikation blieb von der Verteidigung im vorinstanzlichen Verfahren
zu Recht unbestritten. Betreffend die objektiven Tatbestandsmerkmale handelte
der Beschuldigte mit Wissen und Willen und damit vorsätzlich. Der Beschuldigte
ist entsprechend schuldig zu sprechen.
IV. Strafzumessung
1. Anträge/Anwendbares Recht/Grundsätze
1.1. Die Vorinstanz bestraft den Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 24
Monaten, einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu Fr. 30.-- und einer Busse von
Fr. 500.--.
- 36 -
Die Verteidigung beantragt, der Beschuldigte sei von Schuld und Strafe freizu-
sprechen (Urk. 55).
Die Staatsanwaltschaft beantragt, der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe
von 29 Monaten zu bestrafen. Die vorinstanzliche Geldstrafe und Busse seien zu
bestätigen (Prot. II S. 56).
1.2. Der Beschuldigte beging die Delikte vor Inkrafttreten der seit 1. Januar
2018 geltenden neuen Bestimmungen des Allgemeinen Teils des Strafgesetzbu-
ches (Änderungen des Sanktionenrechts; AS 2016 1249). Wie zu zeigen sein
wird, sind eine Freiheitsstrafe, eine Geldstrafe und eine Busse auszusprechen.
Art. 42 Abs. 2 StGB und Art. 46 Abs.1 StGB, welche zu einem für den Täter güns-
tigeren Ergebnis führen können, sind hier nicht anwendbar. Die Gesamtgeldstrafe
überschreitet nicht den neurechtlichen Rahmen. Das neue Sanktionenrecht ist für
den Beschuldigten betreffend Strafmass und Vollzug deshalb nicht milder. Der
Grundsatz der lex mitior (Art. 2 Abs. 2 StGB) gelangt nicht zur Anwendung.
1.3. Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff.
StGB und die an sie gestellten Begründungsanforderungen wiederholt dargelegt
(BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff. S. 59 ff. mit Hinweisen). Entsprechendes gilt für die Bil-
dung der Einsatz- und der Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB in Anwendung
des Asperationsprinzips (BGE 144 IV 313 E. 1.1 S. 316 ff., 217 E. 2.2 und E. 3
S. 219 ff.; 141 IV 61 E. 6.1.2 S. 67 f.; je mit Hinweisen). Darauf sowie auf die zu-
treffenden vorinstanzlichen Erwägungen (Urk. 51 S. 24 ff.) kann verwiesen wer-
den.
Die Bildung einer Gesamtstrafe ist nur bei gleichartigen Strafen möglich. Un-
gleichartige Strafen sind kumulativ zu verhängen, da das Asperationsprinzip
nur greift, wenn mehrere gleichartige Strafen ausgesprochen werden. Mehrere
gleichartige Strafen liegen vor, wenn das Gericht im konkreten Fall für jeden
einzelnen Normverstoss gleichartige Strafen ausfällen würde. Dass die anzu-
wendenden Strafbestimmungen abstrakt gleichartige Strafen androhen, genügt
nicht (BGE 142 IV 265 E. 2.3.2 S. 267 f.; 138 IV 120 E. 5.2 S. 122 f.; je mit
Hinweisen). Wie zu zeigen sein wird, ist für die Vergewaltigung eine Freiheits-
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strafe auszufällen und sind für die übrigen Vergehen und Übertretungen die
Voraussetzungen für die Bildung einer Gesamtgeldstrafe respektive einer Ge-
samtbusse gegeben.
Das Bundesgericht unterstreicht in seiner jüngeren Rechtsprechung, dass
Art. 49 Abs. 1 StGB keine Ausnahme von der konkreten Methode erlaubt. Es
schliesst die Ausfällung einer Einheitsstrafe im Sinne einer Gesamtbetrachtung
aus (BGE 144 IV 217 E. 3.5.4 S. 235 f. mit Hinweisen). Diese Rechtsprechung
wurde wiederholt bestätigt (BGE 144 IV 313 E. 1.1.2 S. 317 f. und Urteile
6B_712/2018 vom 18. Dezember 2019 E. 3.1; 6B_1033/2019 vom 4. Dezem-
ber 2019 E. 5.2 und 5.3; 6B_166/2019 vom 6. August 2019 E. 3.2.4;
6B_409/2018 vom 7. Juni 2019 E. 2.3; 6B_884/2018 vom 5. Februar 2019
E. 1.2.2). Damit sind nach der "konkreten Methode" für sämtliche Delikte ge-
danklich Einzelstrafen zu bilden.
2. Wahl Sanktionsart/Strafrahmen
2.1.1. Bei der Wahl der Sanktionsart ist als wichtiges Kriterium die Zweckmässig-
keit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter und sein sozia-
les Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen (BGE 134 IV 97
E. 4.2 S. 100 mit Hinweisen). Nach dem Prinzip der Verhältnismässigkeit soll
nach konstanter Rechtsprechung bei alternativ zur Verfügung stehenden und hin-
sichtlich des Schuldausgleichs äquivalenten Sanktionen im Regelfall diejenige
gewählt werden, die weniger stark in die persönliche Freiheit des Betroffenen ein-
greift (BGE 138 IV 120 E. 5.2 S. 123; Urteil 6B_125/2018 vom 14. Juni 2018
E. 1.3.2; je mit Hinweis).
Die Geldstrafe stellt die Hauptsanktion dar (BGE 134 IV 97 E. 4.2.2 S. 101).
Sie wiegt als Vermögenssanktion prinzipiell weniger schwer als ein Eingriff in
die persönliche Freiheit (BGE 138 IV 120 E. 5.2 S. 123; 134 IV 97 E. 4.2.2
S. 101, 82 E. 7.2.2 S. 90). Am Vorrang der Geldstrafe hat der Gesetzgeber im
Rahmen der erneuten Revision des Sanktionenrechts entgegen der ursprüngli-
chen Stossrichtung festgehalten (BGE 144 IV 217 E. 3.6 S. 237 f. mit Hinwei-
sen).
- 38 -
2.1.2. Für die Straftat der Vergewaltigung steht einzig eine Freiheitsstrafe zur Dis-
kussion.
Für die Vergehen sind gedanklich je Einzelgeldstrafen und damit eine Gesamt-
geldstrafe auszufällen. Von einer Freiheitsstrafe als einzige zweckmässige
Sanktion ist hier nicht auszugehen. Der Beschuldigte ist nicht vorbestraft
(Urk. 86). Er ist seit den heute zu beurteilenden Vorfällen nicht mehr strafrechtlich
in Erscheinung getreten. Ihm ist heute eine Geldstrafe aufzuerlegen, die als
empfindliche Sanktion zu bezeichnen ist. Es kann davon ausgegangen werden,
dass das vorliegende Strafverfahren, die verbüsste 3-tägige Untersuchungs-
haft und die heute ebenfalls auszufällende Freiheitsstrafe eine Warnwirkung
zeitigen, weshalb einer Geldstrafe die präventive Effizienz nicht abgesprochen
werden kann. Sie ist mit Blick auf die verübten einfachen Körperverletzungen
und die versuchte Nötigung zudem schuldangemessen und zweckmässig. Mit-
hin kommt sie auch unter dem Gesichtspunkt des Schuldausgleichs in Frage.
Für die Übertretungen ist eine Gesamtbusse auszufällen.
2.2. Das Gesetz sieht für die Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1
StGB eine Strafandrohung von Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jah-
ren vor. Für die einfache Körperverletzung (Art. 123 Ziff. 1 StGB) und die Nöti-
gung (Art. 181 StGB) beträgt der Strafrahmen Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren
oder Geldstrafe. Strafschärfungs- und Strafmilderungsgründe führen nur bei
aussergewöhnlichen Umständen dazu, die Grenzen des ordentlichen Straf-
rahmens zu verlassen und sie nach oben oder unten zu erweitern (BGE 136 IV
55 E. 5.8 S. 63 mit Hinweisen). Strafschärfungsgründe (Deliktsmehrheit und
mehrfache Tatbegehung) sind aber straferhöhend und Strafmilderungsgründe
(Versuch) strafmindernd zu berücksichtigen.
3. Vergewaltigung (Anklageschrift Ziffer 1.1)
3.1. Im Rahmen der objektiven Tatschwere wesentlich ist, dass der Beschuldig-
te keine objektiv schwerwiegenden Nötigungsmittel einsetzte. Die Privatklägerin
war dem Beschuldigten ohnehin körperlich unterlegen und es bedurfte keiner be-
- 39 -
sonderen Gewaltanwendung, um das Delikt an der bereits im Bett liegenden Pri-
vatklägerin zu verüben. Insgesamt dauerte der Übergriff gemäss den Angaben
der Privatklägerin etwa fünf Minuten (Urk. 3/2 S. 8) und war von relativ kurzer
Dauer. Hinsichtlich der Tatintensität handelte es sich gemessen an den denkba-
ren unter den Tatbestand der Vergewaltigung fallenden Delikten nicht um ein
schwerwiegendes Tatvorgehen. Ebenfalls relativierend und, ohne den Vorfall zu
bagatellisieren, ist festzuhalten, dass der Beschuldigte die Tat in der Wohnung
respektive im gemeinsamen Schlafzimmer beging und er deshalb eher spontan
agierte und nicht eigentlich planmässig vorzugehen und sein Opfer etwa abzu-
passen hatte. Hingegen schreckte er nicht davor zurück, die Tat an seiner eige-
nen Ehefrau und deshalb in Missbrauch eines Vertrauensverhältnisses zu bege-
hen. Ihr Widerstand hielt ihn nicht davor zurück, erst nach der Ejakulation von ihr
abzulassen und in diesem Sinne seine Tat ohne jegliche Rücksicht zu Ende zu
bringen. Dass die Handlung ungeschützt erfolgte, fällt mit der Vorinstanz nicht ins
Gewicht, da die Ehepartner vor und nach der Tat einvernehmlichen Geschlechts-
verkehr hatten. Die objektive Tatschwere ist (im Rahmen der per se schwerwie-
genden Aspekte einer Vergewaltigung) insgesamt als leicht einzustufen.
3.2. Der Beschuldigte handelte direktvorsätzlich und aus rein egoistischen Mo-
tiven. Dies ist dem Tatbestand immanent. Der Alkoholkonsum führte (davon ist
zu Gunsten des Beschuldigten auszugehen) zu einer gewissen Enthemmung,
was leicht verschuldensmindernd zu berücksichtigen ist. Weitere subjektive
Faktoren, welche das objektive Verschulden relativieren würden, sind nicht er-
sichtlich.
3.3. Insgesamt ist das Gesamtverschulden als leicht zu bezeichnen. Es
rechtfertigt sich, die Einsatzstrafe im mittleren Bereich des unteren Strafrah-
mendrittels auf 24 Monate festzusetzen.
4. Einfache Körperverletzung (Anklageschrift Ziffer 1.2)
4.1. Für die Bildung der Gesamtgeldstrafe erweist sich die einfache Körper-
verletzung bei der D._ Bar (Anklageschrift Ziffer 1.2) als schwerste Tat im
Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB.
- 40 -
4.2. Die objektive Tatschwere der vom Beschuldigten begangenen einfachen
Körperverletzung ist innerhalb des zur Verfügung stehenden Strafrahmens zu
bemessen und damit zum breiten Spektrum von denkbaren einfachen Körper-
verletzungen in Relation zu setzen. Der Beschuldigte riss die Privatklägerin an
den Haaren, würgte sie und schlug mit seiner Stirn gegen deren Nase. Die Privat-
klägerin erlitt Hämatome am Hals, Verletzungen an der Oberlippe innen sowie ei-
ne geschwollene Nase und litt während rund einer Woche an Schmerzen. Insge-
samt müssen die Verletzungen als leicht bezeichnet werden. Relativierend zu
gewichten ist auch, dass die Tat affektakzentuierte Züge trägt und nicht von lan-
ger Hand geplant war. Verschuldenserhöhend wirkt sich aus, dass der Beschul-
digte den Schlag ohne Vorwarnung ausführte und er der Privatklägerin keine
Möglichkeit zum Abwehren oder Ausweichen liess. Verschuldenserhöhend ist
zudem, dass er genau auf jene Körperstelle abzielte, welche die Privatklägerin,
wie er wusste, operiert hatte. In diesem Sinne handelte er hinterhältig und
boshaft. Das objektive Verschulden ist insgesamt unter Berücksichtigung aller
denkbaren einfachen Körperverletzungen als leicht einzuordnen.
4.3. Zu Lasten des Beschuldigten wirkt sich aus, dass er ohne nachvollzieh-
baren und damit aus nichtigem Grund handelte. Der Alkoholkonsum führte
(davon ist zu Gunsten des Beschuldigten auszugehen) zu einer gewissen Ent-
hemmung, was leicht verschuldensmindernd zu berücksichtigen ist.
4.4. Bei einer Gesamtbetrachtung wird die leichte objektive Tatschwere
durch die Elemente der subjektiven Tatkomponente nicht relativiert. Damit
rechtfertigt es sich, die hypothetische Einsatzstrafe im unteren Bereich des un-
teren Strafrahmendrittels auf 120 Tagessätze Geldstrafe festzusetzen.
5. Einfache Körperverletzung (Anklageschrift Ziffern 1.3 und 1.4)
5.1. Der Beschuldigte zog die Privatklägerin an den Haaren und würgte sie
"ziemlich stark". Ihren Kopf auf seinem Schoss verpasste er ihr mit der Hand, der
Faust oder dem Ellenbogen fünf bis sechs starke Schläge seitlich gegen den Kopf
(auf einer Skala von 0 bis 10 mit einer Intensität von 4). Wenig später schlug er
sie erneut und ähnlich stark drei bis vier Mal gegen den Hinterkopf. Die Privatklä-
- 41 -
gerin erlitt Hämatome am Kiefer, an den Oberarmen und etwa zwei Tage anhal-
tende Kopfschmerzen. Diese Verletzungen überschreiten die Grenze zwischen
Tätlichkeit und Körperverletzung nur knapp und sind als leicht zu bezeichnen.
Auch diese Übergriffe tragen affektakzentuierte Züge und erfolgten ohne Vorwar-
nung. Dazu und zur subjektiven Tatschwere kann auf das bereits Ausgeführte
verwiesen werden (E. IV.4).
5.2. Insgesamt ist das Tatverschulden als sehr leicht zu bezeichnen. Dabei
rechtfertigt sich eine Gesamtbetrachtung sämtlicher Schläge. Nicht erstellt ist,
welche Schläge zu welchen Verletzungen führten. Damit kann der Taterfolg
nicht den einzelnen konkreten Übergriffen zugerechnet werden. Die Schläge
erfolgten auf dem Balkon und kurz danach im Treppenhaus und damit zeitlich
und situativ in unverändertem Rahmen und gestützt auf denselben Willensakt.
Sie stellen deshalb eine natürliche Handlungseinheit respektive eine soge-
nannte iterative Tatbestandsverwirklichung (eine "Tracht Prügel") dar. Es ist
denn in Bezug auf das Verschulden und das geschaffene Unrecht einerlei, ob
der Beschuldigte während der selben Auseinandersetzung zu Beginn fünf- bis
sechsmal und wenig später drei- bis viermal oder ob er zu Beginn der Ausei-
nandersetzung acht- bis zehnmal schlug.
Für die einfache Körperverletzung wäre eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen fest-
zusetzen. Die Einsatzstrafe ist in Anwendung des Asperationsprinzips um 60 Ta-
gessätze zu erhöhen.
6. Versuchte Nötigung (Anklageschrift Ziffer 1.5)
6.1. Die objektive Tatschwere ist zunächst für das vollendete Delikt der Nöti-
gung zu erheben. Nach der Würdigung der objektiven und subjektiven Tat-
schwere ist zu berücksichtigen, dass eine versuchte Tatbegehung vorliegt.
Der Beschuldigte drohte gegenüber der Privatklägerin, sie und ihre Freundin
C._ umzubringen, falls die Privatklägerin ihre Freundin weiterhin sehen wür-
de. Der Beschuldigte wollte einen ihm unliebsamen Kontakt unterbinden (vgl.
Urk. 4/3 S. 5). Zu seinen Lasten gilt es Rechnung zu tragen, dass er Todesdro-
- 42 -
hungen und damit ein massives Nötigungsmittel einsetzte. Gesamthaft wiegt
das objektive Verschulden unter Berücksichtigung aller denkbaren Nötigungen
gleichwohl leicht.
6.2. Der Beschuldigte handelte direktvorsätzlich. Auch die Nötigung erfolgte
unter Alkoholeinfluss. Die damit zu Gunsten des Beschuldigten angenommene
Enthemmung wirkt sich leicht verschuldensmindernd aus. Die Elemente der
subjektiven Tatkomponente vermögen die objektive Tatschwere nicht zu relati-
vieren. Damit erscheint für die vollendete Tat eine Geldstrafe von 60 Tagessät-
zen angemessen. Der Beschuldigte hat alles nach seiner Vorstellung Notwendi-
ge getan. Der Versuch wirkt sich deshalb nur leicht strafmindernd aus. Für die
versuchte Tatbegehung erscheint eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen ange-
messen. Für die Asperation ist zu berücksichtigen, dass die Tat zeitlich, sach-
lich und situativ in einem engen Zusammenhang zur einfachen Körperverletzung
steht. Die Einsatzstrafe ist in Anwendung des Asperationsprinzips um 20 Tages-
sätze zu erhöhen.
7. Zwischenfazit betreffend Vergehen (Anklageschrift Ziffern 1.2 - 1.5)
Zusammenfassend rechtfertigt es sich grundsätzlich, die Einsatzstrafe für die ein-
fache Körperverletzung vor der D._ Bar von 120 Tagessätzen unter Berück-
sichtigung der übrigen Vergehen auf 200 Tagessätze zu erhöhen. Die Tages-
satzhöhe ist mit der Vorinstanz auf Fr. 30.-- festzusetzen (Urk. 51 S. 33 f.;
Urk. 61).
8. Mehrfache sexuelle Belästigung (Anklageschrift Ziffern 1.6 und 1.7)
8.1. Die objektive Tatschwere der vom Beschuldigten begangenen sexuellen
Belästigungen ist innerhalb des zur Verfügung stehenden Strafrahmens zu
bemessen und damit zum breiten Spektrum von denkbaren sexuellen Belästi-
gungen in Relation zu setzen. Als die Eheleute bereits getrennte Schlafzimmer
bezogen hatten, legte sich der Beschuldigte nackt neben die Privatklägerin ins
Bett und masturbierte. Dieses explizite Verhalten wiederholte er wenig später,
nachdem er der Privatklägerin ins Bad gefolgt war. Am folgenden Morgen
- 43 -
überraschte er die Privatklägerin beim Duschen und griff ihr zwischen die Bei-
ne. Die Tatschwere des zweiten Vorfalls ist etwas gewichtiger, da der Beschul-
digte die Privatklägerin im Intimbereich berührte und damit ihre Integrität in
grösserem Ausmass tangierte.
8.2. Der Beschuldigte handelte bei beiden Vorfällen mit direktem Vorsatz und
aus rein egoistischen Motiven. Dies ist dem Tatbestand immanent. Beim ersten
Vorfall offenbarte er eine gewisse Hartnäckigkeit, indem er der Privatklägerin ins
Bad folgte und ihre Abweisung ignorierte. Aber auch beim zweiten Vorfall liess er
erst von der Privatklägerin ab, als diese nach den Töchtern rief. Der Alkoholkon-
sum führte beim zweiten Vorfall zu einer gewissen Enthemmung, was leicht ver-
schuldensmindernd zu berücksichtigen ist. Weitere subjektive Faktoren, welche
das objektive Verschulden relativieren würden, sind nicht ersichtlich.
8.3. Insgesamt ist das Gesamtverschulden beider Vorfälle vergleichbar leicht.
Für den ersten Vorfall (Anklageschrift Ziffer 1.6) rechtfertigt sich unter Berücksich-
tigung der finanziellen Verhältnisse (Urk. 51 S. 33 f., Urk. 61) eine Busse von
Fr. 300.-- als hypothetische Einsatzstrafe festzusetzen. Für den zweiten Vorfall
(Anklageschrift Ziffer 1.7) rechtfertigt sich als Einzelstrafe ebenfalls eine Busse
von Fr. 300.--. Die Einsatzstrafe ist in Anwendung des Asperationsprinzips um
Fr. 200.-- zu erhöhen. Daraus folgt eine Gesamtbusse von Fr. 500.--.
9. Täterkomponente
Die Vorinstanz hält fest, der Beschuldigte sei in Spanien geboren und dessen El-
tern und drei Geschwister würden dort leben. In Spanien habe er die obligatori-
sche Schule besucht und eine Lehre als Elektriker gemacht, die er nicht abge-
schlossen habe. Am tt. März 2008 habe er die Privatklägerin in Venezuela gehei-
ratet und in den Jahren 2010 und 2012 seien die Töchter auf die Welt gekommen.
2012 sei er mit seiner Familie in die Schweiz gekommen. Seit 2015 arbeite er bei
der G._ AG und verdiene bei einem Vollzeitpensum rund Fr. 4'700.-- netto
(nach Abzug der Quellensteuer und zuzüglich 13. Monatslohn). Von der Privat-
klägerin sei er gerichtlich getrennt und er müsse monatliche Kinderunterhaltsbei-
träge von Fr. 2'470.-- bezahlen. Diese könne er im Moment nicht leisten, da er
- 44 -
weniger Lohn erhalte. Die Töchter sehe er jedes Wochenende. Von der Privatklä-
gerin möchte er sich scheiden lassen, ein Scheidungsverfahren sei aber noch
nicht hängig (Urk. 51 S. 32). Diese Erwägungen können übernommen werden.
Ergänzend bzw. aktualisierend führte der Beschuldigte anlässlich der Beru-
fungsverhandlung aus, nun geschieden zu sein. Die Kinderunterhaltsbeiträge
würden von der Alimentenstelle bevorschusst. Bei dieser habe er rund
Fr. 80'000.-- Schulden. Darüber hinaus habe er weitere Schulden von etwa
Fr. 7'000.-- bei der Krankenkasse, die er über das Betreibungsamt zurückzahle
(Prot. II S. 13, S. 18 f.; vgl. auch Urk. 91/2, 91/7). Der Beschuldigte ist nicht vor-
bestraft. Das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse erweisen sich für die
Strafzumessung als neutral.
10. Verfahrensdauer
10.1. Das in Art. 29 Abs. 1 BV, Art. 6 Ziff. 1 EMRK, Art. 14 Ziff. 3 lit. c UNO-Pakt
II und Art. 5 StPO geregelte Beschleunigungsgebot verpflichtet die Behörde, das
Strafverfahren zügig voranzutreiben, um den Beschuldigten nicht unnötig über die
gegen ihn erhobenen Vorwürfe im Ungewissen zu lassen. Es gilt für das ganze
Verfahren (BGE 143 IV 49 E. 1.8.2 S. 61 mit Hinweisen). Die Beurteilung der an-
gemessenen Verfahrensdauer entzieht sich starren Regeln. Welche Verfahrens-
dauer angemessen ist, hängt von den konkreten Umständen ab, die in ihrer Ge-
samtheit zu würdigen sind. Kriterien hierfür bilden etwa die Schwere des Tatvor-
wurfs, die Komplexität des Sachverhaltes, die dadurch gebotenen Untersu-
chungshandlungen, das Verhalten des Beschuldigten und dasjenige der Behör-
den sowie die Zumutbarkeit für den Beschuldigten (BGE 143 IV 373 E. 1.3.1
S. 377; 130 I 269 E. 3.1 S. 273; je mit Hinweis).
10.2. Zur Verfahrensdauer geht aus den Akten Folgendes hervor. Der Beschul-
digte wurde am 14. April 2017 verhaftet und am 16. April 2017 durch die Kan-
tonspolizei einvernommen (Urk. 4/1). Dannzumal erfolgten die ersten Konfrontati-
onen mit den hier zu beurteilenden Straftaten. Im April/Mai 2017 wurden Mobil-
telefone ausgewertet und die eheliche Wohnung durchsucht. Im Juli 2017 wur-
de das Verfahren auf Ersuchen der Staatsanwaltschaft Baden durch die
Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis und eine Woche später durch die Staats-
- 45 -
anwaltschaft IV übernommen (Urk. 15/3 und Urk. 15/7). Die weiteren Einver-
nahmen des Beschuldigten fanden am 29. November 2017 und 15. August
2018 statt (Urk. 4/2, Urk. 4/4). Die Privatklägerin wurde am 15. April 2017,
17. Oktober 2017 und 29. November 2017 befragt (Urk. 3/1-5) und C._ am
24. August 2017 und 21. Juni 2018 (Urk. 5/1-2). Am 14. September 2018 erhob
die Staatsanwaltschaft Anklage an das Bezirksgericht Dietikon (Urk. 23). Zwi-
schen dem 29. November 2017 und 21. Juni 2018 sind keine Verfahrensschrit-
te erkennbar. Dies ist ein eher langer Zeitraum, der aber (knapp) noch nicht als
eigentliche Bearbeitungslücke zu qualifizieren ist.
Die vorinstanzliche Verfahrensleitung lud die Parteien am 27. Februar 2019 zur
Hauptverhandlung auf den 28. Mai 2019 vor (Urk. 24). Am 28. Mai 2019 fällte
die Vorinstanz ihr Urteil und eröffnete dieses mündlich und schriftlich im Dispo-
sitiv. Das schriftlich begründete Urteil ging den Parteien am 26. September
2019 zu (Urk. 52). Verzögerungen oder eigentliche Bearbeitungslücken sind
damit im erstinstanzlichen Verfahren nicht erkennbar und vom Beschuldigten
auch nicht aufgezeigt.
Zum Gang des Berufungsverfahrens kann auf das bereits Ausgeführte verwiesen
werden (E. I.1.). Dabei wird nicht verkannt, dass das begründete Urteil der Vor-
instanz den Parteien am 26. September 2019 zuging und bis zur Berufungsver-
handlung am 20. April 2021 rund 19 Monate respektive seit der erstinstanzlichen
Eröffnung im Dispositiv rund 23 Monate vergingen. Das Bundesgericht hat eine
Verletzung des Beschleunigungsgebots bei einer Zeitspanne von über 20 Mona-
ten zwischen der erstinstanzlich schriftlichen Entscheideröffnung und der Beru-
fungsverhandlung in einem komplexen Fall mit erheblichem Aktenumfang und
sieben Beschuldigten verneint (Urteil 6B_164/2011 vom 23. Dezember 2011
E. 4.4.2). Ebenso wenig wurde bei einem Verfahren betreffend gewerbsmässigen
Betrug und Urkundenfälschung mit Blick auf die Komplexität des Verfahrens eine
Zeitspanne von rund 16 Monaten zwischen der erstinstanzlich schriftlichen Ur-
teilseröffnung und der zweitinstanzlichen Urteilsbegründung eine "krasse Zeitlü-
cke" angenommen (Urteil 6B_711/2011 vom 31. Januar 2012 E. 2.2. und 2.4).
Nach der Rechtsprechung kann von Behörden und Gerichten nicht verlangt
- 46 -
werden, dass sie sich ständig einem einzigen Fall widmen, so dass Zeitspan-
nen, in denen das Verfahren aufgrund der Geschäftslast stillsteht, unumgäng-
lich sind (BGE 130 IV 54 E. 3.3.3 S. 56 mit Hinweis). Hier aber erscheint mit
Blick auf die eher geringe Komplexität der sich stellenden Sachverhalts- und
Rechtsfragen sowie den Umfang der Akten, der Anklageschrift und des erstin-
stanzlichen Urteils die Dauer des Berufungsverfahrens als zu lang. Die nicht mehr
angemessene Länge wurde nicht durch den Beschuldigten verursacht. So führte
insbesondere auch die im Frühjahr 2020 aufgetretene COVID-19-Pandemie
zur Abnahme der ursprünglichen Vorladungen und damit zu einer Verzöge-
rung.
10.3. In Nachachtung der zu langen Dauer des Berufungsverfahrens und des
erwähnten eher langen Zeitraums im Untersuchungsverfahren (2018) rechtfer-
tigt es sich deshalb, die Einzelstrafe von 24 Monaten Freiheitsstrafe, die Ge-
samtgeldstrafe von 200 Tagessätzen und die Gesamtbusse von Fr. 500.--
mässig zu reduzieren, was zu einer Einzelstrafe von 18 Monaten Freiheitsstra-
fe, eine Gesamtgeldstrafe von 150 Tagessätzen und eine Gesamtbusse von
Fr. 400.-- führt.
11. Zusammenfassung
Der Beschuldigte ist zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten, einer
Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu Fr. 30.-- und einer Busse von Fr. 400.--.
Die erstandene Haft von drei Tagen ist anzurechnen (Art. 51 StGB).
V. Vollzug
Nach dem hier anwendbaren aArt. 42 Abs. 1 StGB schiebt das Gericht den Voll-
zug einer Geldstrafe, von gemeinnütziger Arbeit oder einer Freiheitsstrafe von
mindestens sechs Monaten und höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn
eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Bege-
hung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten. Für den bedingten Vollzug
nach aArt. 42 Abs. 1 StGB genügt das Fehlen einer ungünstigen Prognose, das
heisst die Abwesenheit der Befürchtung, der Täter werde sich nicht bewähren
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(BGE 134 IV 1 E. 4.2.2 S. 5 f.). Die Prüfung der Bewährungsaussichten des Tä-
ters ist anhand einer Gesamtwürdigung aller wesentlichen Umstände vorzuneh-
men (vgl. dazu im Einzelnen: BGE 134 IV 1 E. 4.2.1 S. 5 mit Hinweisen).
Der Beschuldigte hat keine Vorstrafen und ist seit den heute zu beurteilenden
Vorfällen nicht mehr strafrechtlich in Erscheinung getreten. Das vorliegende
Strafverfahren dürfte ihn genügend beeindruckt haben. Deshalb ist nicht davon
auszugehen, er werde in Zukunft erneut straffällig und sich nicht bewähren.
Damit fällt die Legalprognose nicht negativ aus und ist ihm der bedingte Voll-
zug zu gewähren. Die Probezeit ist auf zwei Jahre festzusetzen.
Die Busse ist zu bezahlen (Art. 105 Abs. 1 StGB). Für den Fall, dass die Busse
schuldhaft nicht bezahlt wird, ist eine Ersatzfreiheitsstrafe von mindestens einem
Tag und höchstens drei Monaten festzusetzen (Art. 106 Abs. 2 StGB). Nach stän-
diger Praxis ist von einem Umwandlungssatz von einem Tag Ersatzfreiheitsstrafe
pro Fr. 100.-- Busse auszugehen. Die Ersatzfreiheitsstrafe ist deshalb auf vier
Tage festzusetzen.
VI. Zivilansprüche
1. Allgemeines
Die Voraussetzungen für einen Anspruch auf Leistung von Schadenersatz und
Genugtuung sowie die Bemessungskriterien dieser Leistungen finden sich im an-
gefochtenen Urteil (Urk. 51 S. 36 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
2. Schadenersatzforderung der Privatklägerin
Aufgrund der Schuldsprüche ist über die Schadenersatzansprüche zu entschei-
den (Art. 126 Abs. 1 lit. a StPO). Die Vorinstanz stellt fest, dass der Beschuldigte
gegenüber der Privatklägerin dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist.
Sie erwägt, in Bezug auf allfällige Therapiekosten sei die adäquate Kausalität
zwischen dem haftungsbegründenden Umstand und dem Schaden ohne Weiteres
zu bejahen. Deshalb sei die grundsätzliche Schadenersatzpflicht festzustellen und
die Privatklägerin zur genauen Feststellung des Umfangs des Schadenersatzan-
- 48 -
spruchs auf den Weg des Zivilprozesses zu verweisen (Urk. 51 S. 38). Diese Er-
wägungen können übernommen werden. Der Beschuldigte hat widerrechtlich und
schuldhaft gehandelt. Für allfällige Therapiekosten, die im Zusammenhang mit
der Behandlung der durch die Straftaten hervorgerufenen psychischen Problemen
der Privatklägerin entstehen, hat Letztere einen grundsätzlichen Entschädigungs-
anspruch gestützt auf Art. 41 Abs. 1 OR.
3. Genugtuungsforderung der Privatklägerin
3.1. Die Privatklägerin liess vor Vorinstanz die Zusprechung einer Genugtuung
von Fr. 20'000.-- nebst Zins von 5 % seit tt. März 2015 beantragen (Urk. 41 S. 7).
3.2. Die Vorinstanz erwägt, nach Lehre und Rechtsprechung betrage die haft-
pflichtrechtliche Genugtuung bei einer Vergewaltigung in der Regel Fr. 10'000.--
bis Fr. 20'000.--, sofern keine besonderen Umstände vorlägen. Der Anspruch der
Privatklägerin ergebe sich aus dem Vergewaltigungsvorfall im März 2015. Die üb-
rigen angeklagten Vorfälle seien zu geringfügig, um daraus einen Genugtuungs-
anspruch abzuleiten. Das Verschulden des Beschuldigten sei noch leicht und die
konkreten Auswirkungen des Übergriffs auf die Lebensführung der Privatklägerin
seien eher gering geblieben. Zwar nehme die Privatklägerin laut eigenen Anga-
ben psychologische Hilfe in Anspruch. Konkrete Einschränkungen oder Auswir-
kungen auf ihr Leben behaupte sie jedoch nicht. Vielmehr habe sie bereits anläss-
lich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 29. November 2017 zu Proto-
koll gegeben, sie habe keine Angst mehr vor dem Beschuldigten. Ihr Verhältnis
als Eltern funktioniere reibungslos, sie habe wieder Selbstvertrauen gewonnen
und fühle sich sicherer im Leben. Relativierend sei auch zu berücksichtigen, dass
es vor und nach dem Vorfall stets auch zu einvernehmlichen Sex gekommen sei
und die Privatklägerin auch nach der Vergewaltigung die Beziehung und das Zu-
sammenleben mit dem Beschuldigten fortgesetzt habe. Erschwerend komme aber
hinzu, dass der Beschuldigte das Vertrauensverhältnis zur Privatklägerin ausge-
nutzt habe. Da sich die Privatklägerin nicht mehr an das genaue Datum im März
2015 erinnere, sei der Zinsenlauf zu Gunsten des Beschuldigten ab 31. März
2015 festzusetzen. Insgesamt erscheine eine Genugtuung von Fr. 8'000.-- zuzüg-
lich 5 % Zins ab 31. März 2015 der Intensität der erlittenen Unbill und dem Ver-
- 49 -
schulden des Beschuldigten angemessen. Im Mehrbetrag sei das Genugtuungs-
begehren abzuweisen (Urk. 51 S. 40 f.).
3.3. Die Privatklägerin liess im Rahmen des Berufungsverfahrens die Bestäti-
gung der durch die Vorinstanz zugesprochenen Genugtuung beantragen (Urk. 90
S. 3 f.).
Die Verteidigung beantragte – entsprechend ihrem Antrag auf Freispruch – die
definitive Abweisung der Zivilansprüche (Urk. 55 S. 2).
3.4. Angesichts des bei der Vergewaltigung erlittenen Eingriffs in die physische
und psychische Integrität der Privatklägerin und der rechtswidrigen sowie schuld-
haften Verursachung derselben durch den Beschuldigten sind die Voraussetzun-
gen für die Zusprechung einer Genugtuung zweifelsohne gegeben. Der von der
Vorinstanz festgesetzte Betrag von Fr. 8'000.-- bewegt sich in der Bandbreite der
in ähnlichen Fällen zugesprochenen Genugtuungssummen (vgl. beispielsweise
Urteile 6B_619/2011 vom 1. November 2011 E. 4; 6B_354/2011 vom 10. Oktober
2011 E. 5.3). Die vorinstanzlichen Erwägungen fallen gleichermassen vollständig
und sorgfältig aus und können übernommen werden.
3.5. Zusammenfassend ist der Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin
eine Genugtuung von Fr. 8'000.-- zuzüglich 5 % Zins ab 31. März 2015 zu bezah-
len. Im Mehrbetrag ist das Genugtuungsbegehren abzuweisen.
VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Kostenfolgen im erstinstanzlichen Verfahren
Die erstinstanzliche Kostenfestsetzung ist wie ausgeführt in Rechtskraft erwach-
sen (Dispositivziffer 8). Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die erstinstanzli-
che Kostenauflage (Dispositivziffern 11 und 12) zu bestätigen.
2. Kosten- und Entschädigungsfolgen im Berufungsverfahren
2.1. Die Verfahrenskosten sind auf Fr. 3'000.-- zu veranschlagen (Art. 424
Abs. 1 StPO in Verbindung mit § 16 Abs. 1 und § 14 der Gebührenverordnung
- 50 -
des Obergerichts). Die Kosten im Rechtsmittelverfahren tragen die Parteien
nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob
eine Partei im Rechtsmittelverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt,
hängt davon ab, in welchem Ausmass ihre vor Beschwerdeinstanz bzw. Beru-
fungsgericht gestellten Anträge gutgeheissen wurden (THOMAS DOMEISEN, in:
Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, Bd. II, 2. Aufl. 2014,
N. 6 zu Art. 428 StPO).
2.2. Der Beschuldigte strebte mit seiner Berufung einen Freispruch von
Schuld und Strafe an und unterliegt im Berufungsverfahren mit seinen Anträ-
gen vollumfänglich. Die Staatsanwaltschaft unterliegt in Bezug auf den Straf-
punkt. Ausgangsgemäss rechtfertigt es sich, dem Beschuldigten die Kosten
des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten für die amtliche Verteidi-
gung und die unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin, zu fünf Sechsteln auf-
zuerlegen und zu einem Sechstel auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 428
Abs. 1 StPO). Die Kosten der amtlichen Verteidigung für das Berufungsverfah-
ren und der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin für das Berufungsver-
fahren sind auf die Gerichtskasse zu nehmen. Eine allfällige Rückerstattungs-
pflicht im Umfang von fünf Sechsteln bleibt vorbehalten (Art. 135 Abs. 4 StPO,
Art. 138 Abs. 1 und Art. 426 Abs. 4 StPO; Urteil 6B_123/2014 vom 2. Dezember
2014 E. 6.3, nicht publ. in BGE 141 IV 10).
Die amtliche Verteidigung, Rechtsanwalt lic. iur. X._, macht einen Aufwand
von 24.8 Stunden sowie Barauslagen von total Fr. 52.35 geltend, was einer
Gesamtforderung von Fr. 5'648.15 (inkl. MwSt.) entspricht. Der geltend ge-
machte Aufwand ist ausgewiesen und mit den Aufwendungen von zusätzlich
einer Stunde für die Berufungsverhandlung und die Nachbesprechung zu ent-
schädigen. Die Entschädigung für die amtliche Verteidigung des Beschuldigten
ist somit auf pauschal Fr. 6'000.--, inklusive Barauslagen und MwSt., festzu-
setzen.
Der unentgeltliche Rechtsbeistand der Privatklägerin, Fürsprecher Dr. Y._,
macht einen Aufwand von rund 11 Stunden sowie Barauslagen von total
Fr. 185.80 geltend, was einer Gesamtforderung von Fr. 2'830.15 (inkl. MwSt.)
- 51 -
entspricht. Der geltend gemachte Aufwand ist ausgewiesen und zu entschädigen.
Weiter ist ein Zuschlag für die Berufungsverhandlung auszurichten. Die Entschä-
digung für den unentgeltlichen Vertreter der Privatklägerin ist somit auf Fr. 3'800.–
(inklusive Barauslagen und MwSt.) festzusetzen.