# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 50b267a5-81a3-4bbe-ae82-261824408106
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Die 1962 geborene X._
war zuletzt
bei verschiedenen Arbeit
gebern als Verkäuferin sowie Mitarbeiterin Automaten-Service angestellt (
Urk.
9/15/2-3 und
Urk.
9/13). Am
5.
Juni 2014 meldete sie sich unter Hinweis auf Thrombosen, Venenentzündungen, Depressionen und eine HIV-Infektion bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 9/7). Die Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen und wies das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 1
3.
Oktober 2014 ab (
Urk.
9/23).
Am 2
6.
Oktober 2016 meldete die Versicherte eine Verschlechterung ihres Ge
sundheitszustandes (
Urk.
9/30 und
Urk.
9/33). Die IV-Stelle tätigte erneut medi
zinische und
erwerbliche Abklärungen und wies das Leistungsbegehren nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren (
Urk.
9/53 und
Urk.
9/54) mit Verfügung vom 25. September 2017 (Urk. 2) ab.
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 2
5.
Oktober 2017 (Poststempel) Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, es seien ihr Leistungen der Invalidenversi
cherung zuzusprechen. Am 2
3.
November 2017 (Urk. 8) beantragte die IV-Stelle, die Beschwerde sei abzuweisen. Mit Replik vom 3
1.
Dezember 2017 (
Urk.
12) hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest. Mit Eingabe vom 1
7.
Januar 2018 teilte die Beschwerdegegnerin mit, dass sie auf das Einreichen einer Duplik ver
zichte (
Urk.
15), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 1
9.
Januar 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 16).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit
dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach
zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Wurde eine Rente
wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3 der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den An
spruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmel
dung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invalidi
tätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegrün
dende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisende Ver
fügung vom 2
5.
September 2017 (Urk. 2) damit, dass die vorliegenden Diagnosen keine dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zur Folge hätten. Der Be
schwerdeführerin seien sämtliche berufliche Tätigkeiten vollumfänglich zumut
bar. Empfehlenswert sei es, auf längere Gehstrecken oder langes Stehen zu ver
zichten und die Kompressionsstrümpfe konsequent zu tragen. Da die gesundheit
liche Beeinträchtigung keine dauerhafte Erwerbsunfähigkeit zur Folge habe, be
stehe kein Anspruch auf IV-Leistungen (S. 1). Eine Untersuchung durch einen Arzt des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) oder ein externes Gutachten seien nicht erforderlich (S. 2).
Im
Laufe des Verfahrens
hielt sie zudem fest (
Urk.
8), es sei zweifellos eine ge
sundheitliche Beeinträchtigung vorhanden. Diese habe aber keine dauerhafte Er
werbsunfähigkeit zur Folge. Die HIV-Infektion sei medikamentös unter guter Kontrolle, die Prognose hinsichtlich der Thrombose bei konsequentem Tragen des Kompressionsstrumpfes gemäss dem behandelnden Arzt günstig. Die psychischen Beschwerden würden nicht den notwendigen Schweregrad erreichen, um poten
tiell invalidisierend zu wirken. Auch die Adipositas könne nicht berücksichtigt werden (S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
sie leide seit ihrer Jugend an einer chronischen Depression, seit 1998 zudem an einer HIV-Infektion und Angstzuständen. Seit ihrem 2
6.
Lebensjahr habe sie eine Thrombose am rechten Unterschenkel und trage seither einen Kompressions
strumpf. Seit 2013 leide sie an diesem Bein zusätzlich an einer Venendermatitis. Sobald sie geschlossene Schuhe trage, gehe die Haut auf und sie könne vor Schmerzen nicht mehr arbeiten. Da ihre berufliche Ausbildung den Verkauf und das Lager betreffe, sei es ihr nicht möglich, auf längere Gehstrecken und langes Stehen zu verzichten, wie dies die Beschwerdegegnerin empfehle (S. 1). Ihre Krankheiten seien alle unheilbar. Ihre psychischen Beschwerden seien zudem gar nicht erst berücksichtigt und der von ihr beantragte Untersuch durch einen RAD-Arzt einfach abgewiesen worden. Auch sei es widersprüchlich, dass gemäss Schreiben vom 2
6.
April 2017 keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien, aber dennoch kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversi
cherung bestehe (S. 2).
Im
Rahmen des zweiten Schriftenwechsels
führte sie ergänzend aus (
Urk.
12), die einzelnen Krankheitsbilder würden zwar nur eine teilweise Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bewirken. Ein Krankheitsbild beschwere jedoch das andere, alle
Beschwerden zusammen seien schwer zu tragen. Wenn es die Schmerzen zulassen würden, trage sie den Kompressionsstrumpf, doch sei dies bei ihren offenen Bei
nen nicht immer möglich. Vor allem auch wegen ihres kranken Beines sei sie in der erlernten Tätigkeit Verkauf und Lagerarbeiten nicht voll arbeitsfähig (S. 1). Wenn sie jeden Tag nur jeweils vier Stunden arbeiten und sich zwischendurch auch hinsetzten könnte, würde es ihr möglich sein 50
%
zu arbeiten, doch seien im Verkauf oder Lager auch 50
%
-
Pensen
mit ganztägiger Arbeit verbunden (S. 1 f.).
3.
Vergleichszeitpunkt für eine für die Neuanmeldung relevante Veränderung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin bildet die Verfügung vom
13. Ok
tober 2014 (
Urk.
9/23)
, mit welcher die Beschwerdegegnerin
das Leistungsbegeh
ren nach materieller Abklärung abgewiesen hat.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich im Vergleichszeitpunkt auf folgende Be
richte:
4.1.1
Med. prakt.
Y._
hielt in ihrem Bericht vom 2
2.
August 2014 (
Urk.
9/16/1-5)
folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (S. 1):
-
chronische rezidivierende depressive Episoden
Zudem führte sie folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf (S. 1):
-
HIV-positiv
-
chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom
-
Adipositas
-
Stauungsekzem
Dazu hielt sie fest, nach einem Stellenwechsel auf Februar 2014 sei es zur psy
chosozialen Überlastung/Dekompensation gekommen, an der neuen Arbeitsstelle habe es eine Mobbingsituation gegeben. Die Prognose bei geeigneter Arbeitsstelle sei eigentlich gut. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit im Verkauf/Service von Kaffeeautomaten (Aussendienst) sei sie vom 2
5.
März bis 27. April 2014 zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen. Aufgrund der Adipositas sei keine schwere körperliche Arbeit möglich, aus psychischen Gründen keine zu grosse Belastung, zudem sei eine gute Begleitung/Betreuung nötig (S. 2). Gegen eine Tätigkeit im geeigneten Bereich ab sofort spreche nichts, die Belastung sei eher reduziert. Eine Steigerung im Verlauf sei sehr gut möglich (S. 2 f.).
4.1.2
Dr.
med.
Z._
, Oberärztin, und Dipl. Psych. FH
A._
, Psychotherapeutin SBAP, von der
Klinik
B._
, stellten im Bericht vom 2
8.
August 2014 (
Urk.
9/17) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 2):
-
Anpassungsstörung, Angst und Depression gemischt
-
emotional instabile Persönlichkeitszüge mit vermehrter Impulsivität
Dazu führten sie aus, die Beschwerdeführerin stehe seit dem 2
6.
Februar 2014 in ihrer Behandlung. Die unter Belastung gehäuft aufgetretenen Eskalationen hätten sich deutlich reduziert, vermutlich aber auch dadurch, dass sie zurzeit nicht im Arbeitsprozess stehe. Ihr Zustandsbild habe sich insgesamt deutlich verbessert, die depressiven Symptome hätten sich reduziert. Eine Arbeitstätigkeit in einem für sie passenden Umfeld mit praktischen Tätigkeiten sei ab sofort denkbar. Als Angestellte im Automatenservice sei sie vo
m
1
6.
bis 2
9.
April 2014 zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen. Die bisherige Tätigkeit sei nicht mehr zumutbar. Auf
grund der geringeren Stresstoleranz sei ein reduzierter Beschäftigungsgrad anzu
streben. Die im heutigen Arbeitsmarkt gängigen Erwartungen und Anforderun
gen würden sie auf Dauer überfordern. Eine angepasste Tätigkeit für 4-5 Stunden pro Tag sei ab sofort denkbar (S. 3-4). Mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit könne im Umfang von ungefähr 50
%
ab sofort gerechnet werden. Es sei denkbar, dass der Beschäftigungsgrad schrittweise erhöht werden könne. In einem wohlwollenden, konstruktiven, unterstützenden Umfeld sei davon auszu
gehen, dass sie sich in ein Arbeitsfeld einfügen könne (S. 4).
4.2
In der
angefochtene
n
Verfügung vom
25. September 2017
(
Urk.
2) stützte sich
die
Be
schwerdegegnerin
unter anderem auf folgende Berichte:
4.2.1
Am 2
6.
November 2016 (Urk. 9/32) hielt
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Allgemein
medizin FMH, fest, die Beschwerdeführerin leide unter grotesken Wundheilungs
störungen an beiden Unterschenkeln, welche ihr längeres Stehen und Gehen ver
unmöglichen und eine berufliche Tätigkeit erheblich erschweren würden. Zudem habe sich eine depressive Episode entwickelt.
4.2.2
In seinem Bericht vom
4.
Januar 2017 (
Urk.
9/40/6-7) stellte
Dr.
C._
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S.1):
-
Anpassungsstörung
-
depressive Episoden
-
HIV-Infektion
-
chronische venöse Insuffizienz mit Stauungsekzemen beziehungsweise Status nach Ulcera bei
thromboembolischer
Erkrankung, postthrombotische Verän
derungen
-
Adipositas
-
chronisches
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom bei Fehlhaltung
-
chronische Arthralgien
Zudem führte er folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf (S. 1):
-
Status nach
Cholezystektomie
-
rezidivierende
Refluxbeschwerden
Dazu führte er aus, seit er die Beschwerdeführerin 2012 kennengelernt habe, habe sich ihr Allgemeinzustand stetig verschlechtert. 2016 sei sie in eine Wechselwir
kung von depressiver Episode und Aufgabe der selbständigen beruflichen Tätig
keit geraten. Ursache für deren Aufgabe sei die Unmöglichkeit gewesen, längere Zeit auf den ulzerös veränderten Beinen stehen zu können. Die HIV-Infektion sei unter
Atripla
gut kontrolliert (S. 1). In der Tätigkeit als Ladeninhaberin sei sie zu 100
%
arbeitsunfähig. Im Vordergrund stehe die Müdigkeit beziehungsweise ra
sche Erschöpfbarkeit, deren Ursache in der depressiven Verstimmung und in der HIV-Infektion zu sehen sei. Daneben sei sie nicht in der Lage, kürzere Strecken zu gehen beziehungsweise längere Zeit zu stehen (S. 2).
4.2.3
Dr.
med.
D._
, Allergologie und Dermatologie, führte in seinem Bericht vom
1.
Juni 2017 (
Urk.
9/49) als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine postthrombotische, chronisch venöse Insuffizienz Grad III bei Status nach Ulcus cruris und als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
Urticaria
Vaskulitis
- Differentialdiagnose
Iktusreaktionen
- auf. Dazu hielt er fest, er habe nie eine Arbeitsunfähigkeit attestiert. Bei einem konsequenten Tra
gen des Kompressionsstrumpfes sei die Prognose in der Regel günstig (S. 1).
4.2.4
Dr.
med.
E._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, stellte in seinem Bericht vom 2
1.
Juni 2017 (
Urk.
9/51/3-7) folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1):
-
rezidivierende affektive Störung bei emotional-instabilen und unreifen Per
sönlichkeitszügen
Dazu hielt er fest, die Beschwerdeführerin leide seit ihrer Jugendzeit an depressi
ven Einbrüchen unterschiedlicher Schweregrade und sei wiederholt in psy
chiatrischer Behandlung gewesen mit den Diagnosen Adoleszentenkrise, rezidi
vierende depressive Störung sowie Anpassungsstörung. Seit Behandlungsbeginn am 3
1.
August 2016 habe sie wiederholt auftretende depressive Einbrüche ge
zeigt. Die depressiven Episoden würden zwar die Symptomkriterien für eine mit
telgradige depressive Episode erfüllen, seien jedoch häufig kürzer als die gefor
derten zwei Wochen. Auslöser seien häufig Situationen, in denen sie unter Druck stehe oder sich tatsächlich oder vermeintlich kritisiert fühle. Sie leide an einem
chronifizierten
Störungsbild. Es sei nicht davon auszugehen, dass sie über längere Zeit wieder voll arbeitsfähig werde. Aufgrund des bisherigen Verlaufs und auch
wegen den somatischen Belastungsfaktoren werde die Arbeitsfähigkeit in der bis
herigen Tätigkeit als Verkäuferin auf ungefähr 50
%
eingeschätzt (S. 2). Dabei bestehe eine verminderte Leistungsfähigkeit, wenn zu viele Stress- und Drucksi
tuationen vorlägen. Bei depressiven Episoden mit sozialem Rückzug schaffe es die Beschwerdeführerin nicht mehr, zur Arbeit zu gehen (S. 2 f.). In depressiven Phasen seien Konzentrations- und Auffassungsvermögen eingeschränkt, seit Be
handlungsbeginn seien Anpassungsfähigkeit und Belastbarkeit leicht bis mittel
gradig eingeschränkt (S. 5).
4.2.5
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Chirurgie, vom RAD hielt in seiner Stellungnahme vom 2
9.
Juni 2017 (
Urk.
9/52/4-5) fest, die versicherungsmedizinisch-theoreti
sche Beurteilung ergebe eine Arbeitsunfähigkeit von 0
%
in der bisherigen Tätig
keit als Verkäuferin, wobei die Beschwerdeführerin nicht in der Lage sei, kürzere Strecken zu gehen beziehungsweise längere Zeit zu stehen. In einer angepassten Tätigkeit sei sie ebenfalls seit jeher zu 0
%
arbeitsunfähig. Bei konsequentem Tra
gen des Kompressionsstrumpfes sei die Prognose günstig. Es sei eine massive Ge
wichtsreduktion zu empfehlen. Die Arztberichte seien schlüssig, die angeführten medizinischen Fakten nachvollziehbar und es könne auf diese abgestellt werden. Bezüglich der psychiatrischen Diagnosen sei der Zustand unverändert im Ver
gleich zu
r
letzten Abweis
ung
des Rentenbegehrens. Die Hautveränderungen seien bei konsequentem Tragen der Kompressionsstrümpfe überwindbar, jedoch lasse sich an der Compliance der Beschwerdeführerin zweifeln, da sie nicht zum aus
gemachten Kontrolltermin zur Anpassung der Kompressionsstrümpfe erschienen sei (S. 2).
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei ihrer
leistungsabweisenden Verfügung
vom 2
5.
September 2017 (Urk. 2) auf die Stellungnahmen ihres RAD-
A
rztes
Dr.
F._
vom 2
9.
Juni 2017 (E. 4.
2.5
hievor).
5.2
Die RAD stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzun
gen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversi
cherung nach Art. 6 ATSG massgebende funk
tionelle Leistungsfähigkeit der Ver
sicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbe
reich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die me
dizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmetho
den können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fach
kompetenz und der allge
meinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD
können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersu
chen. Sie halten die Unter
suchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – ge
wissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden ha
-
ben
– den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu na
mentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzu
stellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den pra
xisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versiche
rungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Ok
tober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
Aus dem Grundsatz der
Waffengleichheit folgt das Recht der versicherten Per
son, mittels eigener Beweismittel die Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärzt
lichen Feststellungen der versicherungsinternen Fachpersonen in Zweifel zu ziehen. Diese von der versicherten Person eingereichten Beweismittel stammen
regelmäs
sig
von behandelnden Ärzten oder von anderen medizini
schen Fach
personen, die in einem auftragsrechtlichen Verhältnis zur versi
cherten Person stehen. Aufgrund der Erfahrungstatsache, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftrags
rechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen, wird im Streitfall eine
direkte
Leistungszusprache
ein
zig gestützt auf die Angaben der behandeln
den Ärzte
aber
kaum je in Frage kommen (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.5).
5.3
5.3.1
RAD-
A
rzt
Dr.
F._
führte in seiner Stellungnahme aus, die Beschwerdeführe
rin sei nicht in der Lage, kürzere Strecken zu gehen beziehungsweise längere Zeit zu
stehen. Wie sie in ihrer angestammten Tätigkeit im Verkauf - welche nach ihren Angaben mit längeren Gehstrecken und langem Stehen verbunden sei - dennoch zu 100
%
arbeitsfähig sein soll, ist nicht ersichtlich. So musste sie denn auch gemäss
Dr.
C._
ihre selbständige Tätigkeit wieder aufgeben, da es ihr nicht möglich
war
, längere Zeit zu stehen (E. 4.2.2 hievor). Zwar mag zutreffen, dass die Prognose bei konsequentem Tragen des Kompressionsstrumpfes günstig i
st
, doch ist der Einwand der Beschwerdeführerin
nachvollziehbar, mit ihren offenen Beinen sei es ihr nicht immer möglich, den Kompressionsstrumpf anzuziehen. Auf diesen Umstand ging
Dr.
F._
nicht ein, vielmehr zweifelte er an ihrer Com
pliance, da sie zum ausgemachten Kontrolltermin zur Anpassung der Kom
pressionsstrümpfe nicht erschienen sei.
Dr.
F._
hat dies jedoch einem Bericht von
Dr.
D._
vom
2.
Juli 2014 (
Urk.
9/50/1) entnommen, welcher verfasst wurde, als das Erstanmeldungsverfahren hängig war. Im vorliegenden Verfahren, wel
ches erst rund zwei Jahre später mit der Neuanmeldung vom 2
6.
Oktober 2016 eingeleitet wurde, bestehen hingegen keine Hinweise auf eine mangelnde Com
pliance in Bezug auf das Tragen der Kompressionsstrümpfe.
5.3.2
Weiter hielt Dr.
F._
fest, die Arztberichte seien schlüssig, die angeführten medizinischen Fakten nachvollziehbar und es könne auf diese abgestellt werden. Ohne weitere Begründung wich er dennoch von der Einschätzung von
Dr.
E._
, welcher aufgrund der psychischen Beschwerden eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestierte (E. 4.2.4 hievor), ab und ging von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in jeglicher Tätigkeit aus. Dies ist nicht nachvollziehbar. Zwar hat sich
Dr.
E._
zur Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit nicht geäussert, doch dürfte sich die von ihm geschilderte Problematik - bei depressiven Episoden schaffe es die Beschwerdeführerin nicht mehr, zur Arbeit zu gehen und es seien
Konzentra
tions
- und Auffassungsvermögen eingeschränkt, zudem seien Anpassungsfähig
keit und Belastbarkeit stets leicht bis mittelgradig eingeschränkt - auch in einer den Beschwerden angepassten Tätigkeit auswirken. In welchem Umfang ist un
klar, doch kann daraus nicht auf eine aus psychischer Sicht 100%ige Arbeitsfä
higkeit in jeglicher Tätigkeit geschlossen werden. Die Anmerkung
Dr.
F._
s, verglichen mit dem vorangegangenen Verfahren sei der Zustand bezüglich der psychiatrischen Diagnosen unverändert, reicht zur Begründung einer 100%igen Arbeitsfähigkeit nicht, zumal bereits damals eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit aus psychischer Sicht attestiert w
o
rde
n war
(E. 4.1.2 hievor) und sich der somatische Gesundheitszustand seither verschlechtert hat. Ohnehin verfügt
Dr.
F._
als
Facharzt für
Chirurgie
nicht über die notwen
digen fachlichen Qualifikationen für die Beurteilung einer aus psychischen Gründen allfällig eingeschränkten Arbeits
fähigkeit.
5.3.3
Zwar können RAD-Stellungnahmen nicht einfach
immer dann in Frage ge
stellt werden, wenn die behandelnden Ärzte eine abweichende Meinung zur Arbeits
unfähigkeit
äussern
(vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_668/2015 vom 17. Februar 2016 E. 3). Jedoch ist
auf einen RAD-Bericht nicht abzustellen, wenn – wie hier - auch nur geringe Zweifel an dessen Zuver
lässigkeit und Schlüssigkeit bestehen
(vgl. E. 5.2 hievor)
.
5.4
Wie bereits dargelegt äusserte sich
Dr.
E._
nicht, in welchem Umfang die Be
schwerdeführerin in einer angepassten Tätigkeit arbeitsfähig ist. Auch wird aus seinem Bericht (E. 4.2.4 hievor) nicht ersichtlich, inwiefern er bei seiner Einschät
zung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit fachfremd auch soma
tische Beschwerden berücksichtigt hat. Auch sein Bericht ist
damit
in Be
zug auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
nicht durchwegs nachvollziehbar
und es kann darauf nicht abgestellt werden
.
Es wird auch zu prüfen sein, wie es sich mit der Adipositas verhält, da dieser nicht ohne weiteres die invalidisierende Wirkung abgesprochen werden kann (Urteil des Bundesgerichts 8C_496/2012 vom 1
9.
September 2012 E. 2.2).
5.5
G
emäss der nunmehr geltenden Rechtsprechung
ist
auch bei leichten oder mit
telschweren depressiven Störungen eine invalidisierende Wirkung nicht ohne Weiteres ausgeschlossen
und
anhand von auf den funktionellen Schweregrad be
zogenen Standardindika
toren das tatsächlich erreichbare Leistung
svermögen er
gebnisoffe
n und sym
metrisch zu beurteilen.
Die vorhandenen medizinischen Be
urteilungen erwei
sen sich
dazu
als zu wenig aussagekräftig
, weshalb weitere Ab
klärungen erforderlich sind
.
Den psychischen Beschwerden kann nicht
von
v
orn
herein eine invalidisierende Wirkung abgesprochen werden
, wie dies die Be
schwerdegegnerin annimmt.
5.6
Nach dem Gesagten kann aufgrund der Akten nicht mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit fest
gelegt werden,
ob eine wesentliche Veränderung des Gesund
heitszustandes vorliegt und
ob und
in welchem Umfang die
Beschwerdefüh
rerin arbeits
un
fähig ist. So fehlt namentlich eine differenzierte
und rechtsgenü
gende
Beurteilung der Ar
beitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht. Angesichts des Ver
zichts der Beschwer
degegnerin auf eine externe Begutachtung im
Rahmen des Verwaltungsverfah
rens rechtfertigt sich eine gerichtliche Be
gutachtung nicht. Der angefochtene Entscheid ist
deshalb
aufzuhe
ben und die Sache zur Abklärung
und
anschlies
send
em neuen Entscheid
über die
Leistungsa
nsprüche der Beschwerde
führerin an die Be
schwerdegegnerin
zurückzuweisen
.
6.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen
(BGE 137 V 57). Die Kosten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind er
messensweise auf Fr. 700.-- festzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.