# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 78d82d8e-2de3-43cf-bd10-2313c3eed8a0
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. Mit Abwesenheitsurteil vom 22. Dezember 2015, mitgeteilt am 22. Dezember 2015, verurteilte das Bezirksgericht Hinterrhein (seit 1. Januar 2017: Regionalgericht Viamala) X._ (nachfolgend: Beschuldigter) wegen grober Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 35 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je Fr. 160.00, bedingt vollziehbar bei einer Probezeit von 2 Jahren, sowie zu einer Busse von Fr. 3'800.00. Der Beschuldigte war unentschuldigt nicht zur Hauptverhandlung erschienen, obschon er noch am 18. Dezember 2015 beim Bezirksgericht telefonisch nachgefragt hatte, ob der von ihm verlangte Übersetzer an der Hauptverhandlung anwesend sein werde, was ihm bestätigt worden war. Nachdem der Beschuldigte bereits zur ersten Hauptverhandlung vom 18. August 2015 nicht erschienen war, erfolgte die Vorladung für die Hauptverhandlung vom 22. Dezember 2015 unter ausdrücklichem Hinweis darauf, dass bei seiner  das Abwesenheitsverfahren durchgeführt werde.
B. Das Urteil des Bezirksgerichts Hinterrhein vom 22. Dezember 2015 wurde gleichentags mitgeteilt und traf gemäss der Sendungsverfolgung der Post am 23. Dezember 2015 bei der Poststelle am Wohnsitz des Beschuldigten in O.1_ ein. Nachdem der Beschuldigte offenbar nicht anwesend war, wurde ihm ebenfalls am 23. Dezember 2015 angezeigt, dass das Urteil bis zum 30. Dezember 2015 bei der Poststelle abholbereit sei. Am 31. Dezember 2015 wurde das Urteil mangels Abholung wieder zurück an das Bezirksgericht Hinterrhein gesandt.
C. Am 6. Juni 2016 sandte der Beschuldigte einen handschriftlichen Brief an das Bezirksgericht Hinterrhein, in welchem er Berufung ("appello") gegen das Urteil vom 22. Dezember 2015 einlegte. Am 7. Juni 2016 teilte ihm der Präsident des Bezirksgerichts Hinterrhein mit, gemäss der Zustellfiktion sei ihm das Urteil vom 22. Dezember 2015 am 30. Dezember 2015 zugestellt worden. Er habe an der fraglichen Adresse Wohnsitz und habe dem Gericht nie eine andere Adresse mitgeteilt. Damit sei das Urteil in Rechtskraft erwachsen.
D. Mit Schreiben vom 20. Oktober 2016 gelangte der Beschuldigte an das Kantonsgericht von Graubünden und machte geltend, er sei am 5. Juni 2016 an seinen Wohnsitz zurückgekehrt und habe im Briefkasten eine Kopie des Urteils vorgefunden. Er habe dann "ai sensi degli art. 398 CPP e Art 399 Comma 1 CPP" einen "ricorso" (wörtlich an sich "Beschwerde", gemeint ist aber offensichtlich "Berufung") eingelegt. Das Bezirksgericht Hinterrhein habe ihm aber mitgeteilt,
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das Rechtsmittel werde wegen der verpassten Frist zurückgewiesen. Er beantrage deshalb, dass das Kantonsgericht von Graubünden eine Wiederherstellung der Frist oder eine Revision des Prozesses verfüge.
E. In ihrer Stellungnahme vom 8. November 2016 führte die Staatsanwaltschaft Graubünden aus, die Berufung des Beschuldigten sei vorliegend verspätet erfolgt. Auch für eine Revision würden die Voraussetzungen fehlen. Das Gesuch um Wiederherstellung von Fristen sei bei der Behörde zu stellen, bei welcher die versäumte Verfahrenshandlung hätte vorgenommen werden sollen. Das erscheine vorliegend nicht erfolgt zu sein. Daher werde beantragt, es sei unter Kostenfolge auf die Berufung nicht einzutreten.
F. In seinem Schreiben vom 25. November 2016 bestritt der Beschuldigte die Ausführungen der Staatsanwaltschaft. Er selbst habe gegen A._ eine Strafanzeige wegen falschen Zeugnisses eingereicht und die Sistierung des gegen ihn gerichteten Verfahrens verlangt, bis das Urteil gegen A._ vorliege. Dies sei abgelehnt worden, mit der Begründung, die Aussage des Polizisten A._ habe mehr Gewicht als das seine, weshalb er mit Sicherheit verurteilt werde. Das falsche Zeugnis von A._ sei jedoch durch seine Aussagen anlässlich seiner Befragung dokumentiert, sodass es nicht mehr notwendig sei, ihn zu befragen. Im Übrigen stehe dies in keinem Zusammenhang zu seinen allfälligen Straftaten. Die Staatsanwaltschaft habe jedoch die von A._ begangene Tat nicht weiter verfolgt. Am 21. Dezember 2015 habe er - wegen einer zuvor erlittenen Knieverletzung - beim Bezirksgericht Hinterrhein per Mail um die Verschiebung der Hauptverhandlung vom 22. Dezember 2015 um 15 Tage ersucht, da ihm die Teilnahme nicht möglich gewesen sei. Das Verfahren sei aber trotzdem weitergeführt worden und er sei verurteilt worden, ohne dass er sich hätte verteidigen können. Wegen der Verletzung am Knie in L.1_ sei er für einige Monate nicht in die Schweiz zurückgekommen. Der eingeschriebene Brief des Bezirksgerichts Hinterrhein mit der Verurteilung sei von ihm nicht abgeholt und wieder zurückgesendet worden. In der Folge sei ihm eine Kopie des Urteils zugesendet worden, welche er erst gelesen habe, als er wieder in die Schweiz gekommen sei. Am Tag seiner Rückkehr in die Schweiz habe er dem Bezirksgericht Hinterrhein geschrieben und Berufung gegen seine Verurteilung eingelegt. Das Gericht habe ihm mitgeteilt, dass seine Berufung verspätet sei und abgewiesen würde. Die Folge sei, dass er verurteilt worden sei, ohne zu wissen, was ihm vorgeworfen werde, bzw. ohne dass er sich habe verteidigen können. Er verlange deshalb eine Revision des Verfahrens.
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G. Mit Schreiben vom 30. November 2016 verzichtete die Staatsanwaltschaft auf weitere Bemerkungen.
H. Auf die weitere Begründung der Anträge in den Rechtsschriften sowie auf die Erwägungen im angefochtenen Abwesenheitsurteil wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
II. Erwägungen
1. a) In seinem Schreiben vom 6. Juni 2016 an das Bezirksgericht Hinterrhein (BG act. I.10) machte der Beschuldigte geltend, infolge seiner Verletzung ("a seguito di infortunio") sei er erst am Vortag in die Schweiz zurückgekehrt und habe erst zu diesem Zeitpunkt Kenntnis vom Urteil des Bezirksgerichts Hinterrhein vom 22. Dezember 2015 genommen. Er erhebe deshalb Berufung ("appello") gegen den Entscheid. Der Präsident des Bezirksgerichts Hinterrhein teilte ihm am 7. Juni 2016 schriftlich mit, gemäss der Zustellfiktion sei ihm das Urteil vom 22. Dezember 2015 am 30. Dezember 2015 zugestellt worden. Er habe an der fraglichen Adresse Wohnsitz und habe dem Gericht nie eine andere Adresse mitgeteilt. Damit sei das Urteil in Rechtskraft erwachsen (BG act. I.11).
b) Zu prüfen ist zunächst, wie das Schreiben des Beschuldigten vom 6. Juni 2016 prozessrechtlich zu qualifizieren ist.
aa) Wer Berufung gegen ein Urteil einlegen will, hat diese beim erstinstanzlichen Gericht innert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder mündlich anzumelden (Art. 399 Abs. 1 StPO). Damit eine abgegebene Erklärung als rechtsgültige Berufungsanmeldung angesehen werden kann, muss in ihr mit der erforderlichen Klarheit festgehalten werden, dass gegen ein Urteil Berufung angemeldet werden will. Ein blosses Begehren um Zustellung einer vollständig begründeten Ausfertigung des Urteils ohne jeden Hinweis auf den Willen, die Berufung anzumelden, genügt diesen Erfordernissen beispielsweise noch nicht (Urteil des Bundesgerichts 6B_674/2012 vom 11. April 2013, E. 1.7; Luzius Eugster, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl., Basel 2014, N 1a zu Art. 399 StPO; Markus Hug/Alexandra Scheidegger, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO], 2. Aufl., Zürich 2014, N 4 zu Art. 399 StPO). Auch die Aussage, man sei mit dem Entscheid nicht einverstanden bzw. man werde sich der Vollstreckung desselben
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widersetzen, ist für sich allein nicht hinreichend eindeutig, um einen Anfechtungswillen annehmen zu können. Die Bezeichnung der Erklärung als "Berufung" oder "Berufungsanmeldung" ist indessen nicht nötig. Eine Begründung ist ebenfalls nicht erforderlich. Schliesslich schadet es auch nicht, wenn das Rechtsmittel falsch bezeichnet wird (Art. 385 Abs. 3 StPO). Es genügt vielmehr, wenn in der Erklärung unmissverständlich zum Ausdruck gebracht wird, man wolle den Entscheid durch eine höhere Instanz überprüfen lassen (vgl. zum Ganzen Marlène Kistler Vianin, in: Kuhn/Jeanneret [Hrsg.], Code de procédure pénale suisse, Commentaire romand, Basel 2011, N 5 f. zu Art. 399 StPO).
bb) Hat eine Partei eine Frist versäumt und würde ihr daraus ein erheblicher und unersetzlicher Rechtsverlust erwachsen, so kann sie die Wiederherstellung der Frist verlangen (Art. 94 Abs. 1 StPO). Ob eine bestimmte Eingabe als Wiederherstellungsgesuch anzusehen ist, ist nach den für die Auslegung von Prozesserklärungen geltenden Grundsätzen zu bestimmen. Zu beachten ist dabei einerseits das Verbot des überspitzten Formalismus (Art. 29 Abs. 1 BV), andererseits sind Prozesserklärungen anerkanntermassen nach dem Vertrauensprinzip auszulegen. Daraus folgt, dass nicht auf die Bezeichnung der Eingabe abzustellen ist, sondern auf den objektiven Sinn, d.h. danach, wie die Eingabe vernünftigerweise verstanden werden durfte und musste. So ist etwa dann von einem Wiederherstellungsgesuch auszugehen, wenn in einer verspäteten Laieneingabe die Verspätung begründet wird (vgl. zum Ganzen Christof Riedo, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl., Basel 2014, N 9 zu Art. 94 StPO).
cc) Offenkundig ist, dass der Beschuldigte mit seinem Schreiben vom 6. Juni 2016 seinen Willen zur Anfechtung des Abwesenheitsurteils vom 22. Dezember 2015 zum Ausdruck brachte, erklärte er doch explizit, er erhebe Berufung ("appello") gegen diesen Entscheid. Da das angefochtene Urteil nicht mit einer schriftlichen Begründung versehen war, ist das Schreiben im Übrigen als Berufungsanmeldung zu betrachten (vgl. unten Erwägung 1d/aa). Indem der Beschuldigte im gleichen Schreiben den Grund angab, warum er erst am Vortag Kenntnis vom Abwesenheitsurteil des Bezirksgerichts Hinterrhein vom 22. Dezember 2015 erhalten habe ("a seguito di infortunio"), ist darin auch ein Gesuch um Wiederherstellung der Frist für die Berufungsanmeldung zu sehen.
c) Der Beschuldigte reichte sein Schreiben vom 6. Juni 2016, in welchem er Berufung anmeldete und um Wiederherstellung der Frist für die Berufungsanmeldung ersuchte, beim Bezirksgericht Hinterrhein ein. Dieses
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behandelte die Eingabe insofern, als der Präsident des Bezirksgerichts dem Beschuldigten brieflich mitteilte, das Urteil vom 22. Dezember 2015 sei in Rechtskraft erwachsen. Dies wirft die Frage auf, welche Behörde über die (Un- )Gültigkeit der Berufungsanmeldung und das Gesuch um Wiederherstellung der Frist für die Berufungsanmeldung zu befinden hat.
d/aa) Die StPO sieht für die Einlegung der Berufung ein zweistufiges Verfahren vor. Gemäss Art. 399 Abs. 1 StPO ist dem erstinstanzlichen Gericht innert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder mündlich zu Protokoll die Berufung anzumelden. Jene Partei, welche Berufung angemeldet hat, hat dem Berufungsgericht innert 20 Tagen seit der Zustellung des begründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung einzureichen (Art. 399 Abs. 3 StPO). Die am Prozess beteiligten Parteien, welche mit dem erstinstanzlichen Urteil nicht einverstanden sind, müssen mithin in der Regel zweimal ihren Willen kundtun, das Urteil nicht zu akzeptieren, nämlich einmal im Rahmen der Anmeldung der Berufung bei der ersten Instanz nach Eröffnung des Dispositivs und ein zweites Mal nach Eingang des begründeten Urteils durch eine Berufungserklärung beim Berufungsgericht. Eine Ausnahme ergibt sich, wenn das Urteil weder mündlich noch schriftlich im Dispositiv eröffnet, sondern direkt in begründeter Form zugestellt wird. Diesfalls ist eine Anmeldung der Berufung nicht nötig. Es genügt, eine Berufungserklärung einzureichen; die Frist beträgt hierfür 20 Tage (BGE 138 IV 157 E. 2.1 f.).
bb) Bei der Berufung gemäss Art. 398 ff. StPO handelt es sich um ein devolutives Rechtsmittel, was bedeutet, dass die obere Instanz - das Berufungsgericht - über die Berufung entscheidet. Adressat eines Rechtsmittels ist grundsätzlich die Rechtsmittelinstanz (iudex ad quem). Bei der strafprozessualen Berufung ergeben sich aufgrund des beschriebenen, zweistufigen Verfahrens jedoch gewisse Besonderheiten. So hat die Berufungsanmeldung beim erstinstanzlichen Gericht zu erfolgen (iudex a quo), währenddem die Berufungserklärung beim Berufungsgericht einzureichen ist. Das ändert im Ergebnis jedoch nichts daran, dass über die Zulässigkeit der Berufung das Berufungsgericht zu befinden hat. Insbesondere hat dieses auch über die Rechtzeitigkeit und Rechtsgültigkeit der Berufungsanmeldung zu entscheiden (Art. 403 Abs. 1 lit. a StPO; Urteil des Bundesgerichts 6B_968/2013 vom 19. Dezember 2013, E. 2.1 f.; Eugster, a.a.O., N 1a zu Art. 399 StPO).
cc) Meldet eine Partei Berufung an, so hat das erstinstanzliche Gericht zunächst ein begründetes Urteil anzufertigen. Liegt dieses vor, so hat das
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erstinstanzliche Gericht anschliessend die Berufungsanmeldung mitsamt den Verfahrensakten dem Berufungsgericht zu übermitteln (Art. 399 Abs. 2 StPO). Erst in diesem Zeitpunkt geht die Verfahrensleitung an das Berufungsgericht über (Urteil des Bundesgerichts 6B_469/2015 vom 17. August 2015, E. 3; Eugster, a.a.O., N 1d zu Art. 399 StPO), was nur schon deshalb Sinn macht, weil das Berufungsgericht zuvor in der Regel gar keine Kenntnis über die Berufungsanmeldung und damit über ein eingeleitetes Rechtsmittelverfahren erhält.
dd) Vor diesem Hintergrund fragt sich, wie das erstinstanzliche Gericht vorzugehen hat, wenn es der Auffassung ist, die Berufungsanmeldung sei (offensichtlich) verspätet, und ein Begründungsverzicht gemäss Art. 82 Abs. 1 StPO an sich möglich wäre. Klar erscheint zunächst, dass das erstinstanzliche Gericht nicht selbst über die Gültigkeit der Berufungsanmeldung befinden kann. Denn zum einen sieht bereits Art. 403 Abs. 1 lit. a StPO ausdrücklich vor, dass das Berufungsgericht über die Gültigkeit (auch) der Berufungsanmeldung entscheidet; zum anderen würde es eine prozessrechtliche Anomalie darstellen, wenn ein Gericht die Zulässigkeit des gegen eine eigene Entscheidung gerichteten Rechtsmittels zu prüfen hätte. Mit Blick auf die Prozessökonomie erscheint es aber auch kaum sinnvoll, das erstinstanzliche Gericht (nur) wegen der Berufungsanmeldung ein begründetes Urteil anfertigen zu lassen (Art. 82 Abs. 2 lit. b StPO), wenn sich diese ohnehin als verspätet oder aus anderen Gründen ungültig erweist. Ein solches Vorgehen wäre letztlich auch nicht im Interesse der rechtsmitteleinlegenden Partei. Sie würde dadurch nämlich mit vermeidbaren Mehrkosten für die Ausfertigung des begründeten Urteils belegt (vgl. Art. 6 der bündnerischen Verordnung über die Gerichtsgebühren in Strafverfahren [VGS; BR 350.210]), die nicht entstehen würden, wenn vor Ausfertigung des begründeten Urteils festgestellt worden wäre, dass die Berufung unzulässig ist. Vielmehr muss es in diesem Fall möglich sein, vor (bzw. allenfalls ohne) Ausfertigung des begründeten Urteils die Unzulässigkeit der Berufung vom Berufungsgericht feststellen zu lassen, zumal für diesen Entscheid die schriftliche Begründung des erstinstanzlichen Urteils nicht nötig ist.
Die Prüfung der Gültigkeit der Berufungsanmeldung erfolgt damit auf Begehren des erstinstanzlichen Gerichts, was insofern unbedenklich ist, als es sich bei den vom Berufungsgericht gemäss Art. 403 Abs. 1 StPO zu prüfenden Aspekte um Sachurteilsvoraussetzungen handelt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_560/2015 vom 17. November 2015, E. 2.1). Diese sind vom Berufungsgericht von Amtes wegen zu prüfen und unterliegen damit nicht der Disposition der am
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Berufungsverfahren beteiligten Parteien. So wird denn auch als zulässig erachtet, dass das erstinstanzliche Gericht die Verspätung der Berufungsanmeldung dem Berufungsgericht anzeigt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_968/2013 vom 19. Dezember 2013, E. 2.1; Kistler Vianin, a.a.O., N 1 zu Art. 403 StPO; Niklaus Schmid, Schwei-zerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2013 [zit. Schmid, Praxiskommentar], N 5 zu Art. 399 StPO und N 1 zu Art. 403 StPO; zurückhaltender Hug/Scheidegger, a.a.O., N 3 zu Art. 403 StPO).
Dabei hat das erstinstanzliche Gericht dem Berufungsgericht die Berufungsanmeldung und die (nötigen) Verfahrensakten zu übermitteln, verbunden mit dem Begehren, zunächst einzig über die Zulässigkeit der Berufungsanmeldung zu entscheiden. Das Berufungsgericht gibt den Parteien anschliessend Gelegenheit zur Stellungnahme (Art. 403 Abs. 2 StPO), wobei diese auf die Frage nach der Zulässigkeit der Berufungsanmeldung zu beschränken ist. Da es sich beim Verfahren gemäss Art. 403 StPO in der Regel um ein schriftliches handelt, kann auf die Einholung von Stellungnahmen verzichtet werden, wenn die Berufungsanmeldung offensichtlich unzulässig ist, was bei einer verspäteten Eingabe in der Regel der Fall ist (vgl. Art. 390 Abs. 2 StPO; Hug/Scheidegger, a.a.O., N 6 zu Art. 403 StPO; Niklaus Oberholzer, Grundzüge des Strafprozessrechts, 3. Aufl., Bern 2012, Rz. 1627; Schmid, Praxiskommentar, N 8 zu Art. 403 StPO; ZR 2011 Nr. 69, S. 217). Hält das Berufungsgericht die Berufungsanmeldung für verspätet oder aus anderen Gründen unzulässig, tritt es mittels (verfahrenserledigendem) Beschluss auf die Berufung nicht ein (Art. 403 Abs. 3 StPO; Schmid, Praxiskommentar, N 9 zu Art. 403 StPO). Dieser Nichteintretensentscheid unterliegt der Strafrechtsbeschwerde an das Bundesgericht (Art. 78 ff. BGG; Eugster, a.a.O., N 8 zu Art. 403 StPO; Hug/Scheidegger, a.a.O., N 13 zu Art. 403 StPO; Schmid, Praxiskommentar, N 10 zu Art. 403 StPO). Hält das Berufungsgericht - entgegen der Ansicht des erstinstanzlichen Gerichts - die Berufungsanmeldung für rechtzeitig bzw. zulässig, so stellt es dies mittels Beschluss fest und weist die Angelegenheit zwecks Ausfertigung des begründeten Urteils an das erstinstanzliche Gericht zurück. Dieser Entscheid ist lediglich prozessleitender Natur (vgl. Schmid, Praxiskommentar, N 11 zu Art. 403 StPO), sodass die Beschwerde in Strafsachen nur unter den Voraussetzungen von Art. 93 BGG zulässig ist.
Hält das erstinstanzliche Gericht die Berufungsanmeldung dagegen für rechtzeitig bzw. gültig, kann es ohne weiteres - d.h. insbesondere ohne förmlichen Entscheid - die Ausfertigung des begründeten Entscheides vornehmen. Für das
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Berufungsgericht hat dies freilich keine präjudizierende Wirkung (Art. 403 Abs. 1 lit. a StPO).

## Considerations