# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 9defceaf-3cfe-4252-857a-94114ec8bc7d
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_007
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt
A. Die A._ AG ist eine Aktiengesellschaft nach schweizerischem Recht mit Sitz in C._. Sie bezweckt unter anderem den Bau und Betrieb von Restaurations- und Beherbergungsbetrieben. Sie war Eigentümerin des Hotels "D._" in der Gemeinde C._.
B._ hatte Wohnsitz in F._, heute wohnt er in G._. Vom 1. Mai 2002 bis zum 31. Oktober 2010 war er Geschäftsführer der A._ AG. Vom 18. April 2006 bis zum 20. November 2007 war er zudem Mitglied des Verwaltungsrates der H._, welche am _ 2007 mit der A._ AG fusionierte.
Die Gebäudeversicherung des Kantons Graubünden (nachstehend GVG) versichert obligatorisch alle Gebäude im Kanton unter anderem gegen Feuer. Ihre Tätigkeit beruht auf dem Gesetz über die Gebäudeversicherung des Kantons Graubünden (BR 830.100 vom 15. Juni 2010, nachstehend zitiert als G-GVG), welches eine Fassung vom 12. April 1970 ersetzte (diese zitiert als G-GVG/1970).
B. Am _ 2003 brannte das Hotel D._ ab. Eigentümerin des Grundstücks und damit des Hotels war zu jenem Zeitpunkt die I._. Nach den massgeblichen Bestimmungen hatte die GVG zuerst nur den Zeitwert zu bezahlen. Eine Entschädigung in der Höhe des in aller Regel und so auch hier höheren Neuwerts wurde nur und erst fällig, wenn das Gebäude innert einer bestimmten Frist wieder aufgebaut wurde. Der eingeklagte Betrag von CHF 1'159'778.85 bildet die Differenz von Zeit- und Neuwert. Am 10. April 2006 erstreckte die GVG der damaligen Eigentümerin die Frist für den Wiederaufbau bis zum 13. April 2008.
Am 19. April 2006 verkaufte die I._ das Grundstück Nr. E._ an die H._, und die Handänderung wurde vollzogen. Ein Weiterverkauf an zwei natürliche Personen, die Eheleute R._, wurde zwar beurkundet, aber der Vollzug der Handänderung wurde davon abhängig gemacht, dass die baurechtlichen Voraussetzungen für eine geplante neue Überbauung geschaffen würden. Das kam offenbar nicht zustande, und der ganze Vertrag wurde später mit einer separaten Vereinbarung rückgängig gemacht. Im November 2007 fusionierten die H._ und die A._ AG. Am _ 2007 wurde die H._ im Handelsregister gelöscht.
Die GVG schrieb am 10. April 2008 an die nicht mehr im Handelsregister eingetragene H._ und wies sie auf die demnächst ablaufende (erstreckte)
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Frist zur Wiederherstellung des abgebrannten Gebäudes hin. Die Angeschriebene reagierte nicht. Am 20. April 2010 verfügte die GVG, ein Anspruch auf die Differenz zwischen Zeit- und Neuwert sei verwirkt.
Die Parzelle, auf welcher das Hotel D._ gestanden hatte, wurde gemäss dem Inhalt des öffentlichen und damit prozessual notorischen Grundbuchs seit dem Schadenfall mehrfach in der Fläche verändert und erhielt jeweils eine neue Katasternummer; hingegen ist unbestritten, dass der tatsächlich erstellte Neubau des Hotels mehr oder weniger an der Stelle steht, an welcher vor dem Brand das Hotel D._ stand. Für die heutige Auseinandersetzung dürften die Veränderungen keine Rolle spielen – sie werden auch von den Parteien in der Berufung nicht thematisiert. Das Nämliche gilt für die weiteren Änderungen des Eigentums: zunächst Übertragung an die J._, dann Übergang durch Fusion an die K._.
C. Die A._ AG leitete am 9. Dezember 2011 das Schlichtungsverfahren gegen B._ ein und erhielt am 19. Januar 2012 die Klagebewilligung. Innert der Frist von Art. 209 Abs. 3 ZPO gelangte sie an das Regionalgericht Albula, mit dem nachstehenden Rechtsbegehren:
1. Der Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin CHF 1'159'778.85 zu bezahlen, zuzüglich Zins zu 5% seit 12. Dezember 2011.
2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Beklagten.
Sie warf B._ vor, er habe es als ihr Organ pflichtwidrig versäumt, bei der GVG eine (weitere) Fristverlängerung zu verlangen, die Rechtsmittelfrist gegen die Feststellung der Verwirkung der noch offenen Versicherungsleistung nicht gewahrt und dem Verwaltungsrat vorgetäuscht, es bestehe noch ein Versicherungsanspruch. Daraus leitete sie ab, er habe ihr die CHF 1'159'778.85 zu ersetzen. B._ wendete ein, der streitige Anspruch sei in zwei Tranchen à je 50% abgetreten worden: Im April 2006 durch die I._ an den L._, dann im Oktober 2007 durch die H._ an die Eheleute R._. Die A._ AG habe daher durch sein Handeln oder Unterlassen gegenüber der GVG keinen Schaden erlitten. Auf weitere Vorbringen der Parteien ist so weit nötig im Folgenden einzugehen. Der Verfahrensablauf in erster Instanz wird im angefochtenen Urteil geschildert; er braucht hier nicht wiederholt zu werden.
D. Mit Urteil vom 26. Mai 2020, mitgeteilt am 24. September 2020, entschied das Regionalgericht Albula, wie folgt:
1. Die Klage wird abgewiesen.
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2. Die Gerichtskosten in der Höhe von CHF 38'350.-- (Entscheidgebühr CHF 30'000.00, Kosten der Beweisführung CHF 8'350.--) gehen zu Lasten der Klägerin und werden mit den von ihr geleisteten Kostenvorschüssen in der Höhe von total CHF 37'475.00 sowie mit dem Kostenvorschuss des Beklagten von CHF 875.00 verrechnet.
3.a Die Klägerin hat den Beklagten mit CHF 102'436.70 (inkl. Barauslagen und MWST) aussergerichtlich zu entschädigen.
3.b Die Klägerin hat dem Beklagten den von ihm geleisteten Gerichtskostenvorschuss für Beweiserhebungen im Umfang von CHF 875.00 zu ersetzen.

## Considerations