# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 22835ce2-2240-4768-bfae-95406780a65c
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Sachbeschädigung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur, Jugendgericht,
vom 6. März 2014 (DG130005)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Jugendanwaltschaft Winterthur vom 4. Dezember 2013 ist
diesem Urteil beigeheftet (Urk. 12).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144
Abs. 1 StGB.
2. Es wird eine offene Unterbringung im Sinne von Art. 15 Abs. 1 JStG ange-
ordnet.
3. Es wird eine ambulante Behandlung im Sinne von Art. 14 Abs. 1 JStG ange-
ordnet.
4. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer unbedingten Strafe von 3 Wochen
Freiheitsentzug. Die Schutzmassnahme gemäss Dispositiv Ziffer 2 geht dem
Freiheitsentzug voraus.
5. Vom Verzicht der Privatklägerin auf Schadenersatz wird Vormerk genom-
men.
6. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 600.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 300.00 Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 13'997.00 Gutachtenskosten
Fr. 7'690.15 amtl. Verteidigungskosten (ausstehend)
Fr. 22'587.15 Total
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
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7. Die Kosten werden dem Beschuldigten im Umfang von Fr. 300.– auferlegt.
Die übrigen Kosten, inklusive derjenigen der amtlichen Verteidigung, werden
auf die Gerichtskasse genommen.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten
(Urk. 40 S. 1)
1. Das gegen den Beschuldigten geführte Verfahren betreffend Sachbe-
schädigung sei wegen Verjährung einzustellen.
2. Die Kosten des Untersuchungsverfahrens sowie der beiden gerichtli-
chen Verfahren, einschliesslich derjenigen der Begutachtung und der
amtlichen Verteidigung, seien auf die Gerichtskasse zu nehmen.
b) Der Oberjugendanwaltschaft des Kantons Zürich:
(Urk. 42 S. 1)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
_

## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte und Prozessuales
1. Der Beschuldigte A._ wurde mit Urteil des Bezirksgerichts Win-
terthur, Jugendgericht, vom 6. März 2014 der Sachbeschädigung im Sinne von
Art. 144 StGB schuldig gesprochen. Es wurde eine offene Unterbringung im Sinne
von Art. 15 Abs. 1 JStG sowie eine ambulante Behandlung im Sinne von Art. 14
Abs. 1 JStG angeordnet. Ausserdem wurde der Beschuldigte mit einer unbeding-
ten Strafe von 3 Wochen Freiheitsentzug bestraft, wobei festgehalten wurde, dass
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die Schutzmassnahme (offene Unterbringung) dem Freiheitsentzug vorausgeht
(Urk. 29).
Das vorinstanzliche Urteil wurde dem Beschuldigten, der Jugendanwalt-
schaft und der Privatklägerin anlässlich der Hauptverhandlung vom 6. März 2014
mündlich eröffnet und im Dispositiv übergeben (Prot. I S. 25, Urk. 21). Mit Einga-
be vom 17. Juni 2014 meldete der Beschuldigte fristgerecht die Berufung an
(Urk. 31). Das begründete Urteil wurde der Jugendanwaltschaft und dem Be-
schuldigten am 28. Mai 2014 und der Privatklägerin am 3. Juni 2014 zugestellt
(Urk. 26).
Mit Eingabe vom 17. Juni 2014 reichte die Verteidigung des Beschuldigten
fristgerecht die Berufungserklärung ein (Urk. 31). Die Oberjugendanwaltschaft
verzichtete auf Anschlussberufung (Urk. 34). Beweisergänzungen wurden keine
beantragt.
2. Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung
(Art. 402 StPO). Die nicht von der Berufung erfassten Punkte erwachsen in
Rechtskraft (Schmid, StPO Praxiskommentar, 2. Aufl. 2013, Art. 402 N 1; Art. 437
StPO).
Der Beschuldigte beschränkte seine Berufung auf den Schuldspruch (Dispo-
sitivziffer 1), die Anordnung der offenen Unterbringung und der ambulanten Be-
handlung (Dispositivziffern 2 und 3), die Strafe (Dispositivziffer 4) sowie die Kos-
tenauflage (Dispositivziffer 7) (Urk. 31 S. 2). Damit ist festzustellen, dass das Ur-
teil des Bezirksgerichts Winterthur, Jugendgericht, vom 6. März 2014 bezüglich
der Dispositivziffern 5 (Vormerknahme Verzicht der Privatklägerin auf Schadener-
satz) und 6 (Kostenfestsetzung) in Rechtskraft erwachsen ist.
3. Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 17. Oktober 2014 liessen
die Parteien die eingangs erwähnten Anträge stellen.
4. Am 19. März 2013 wurde eine psychiatrische bzw. fachärztliche Begut-
achtung des Beschuldigten in Auftrag gegeben (Urk. 5/4/10). Das Gutachten des
Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes des Kantons Zürich vom 31. Juli
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2013 wurde von den Psychologen lic. phil. D._ und lic. phil. E._ sowie
der Praktikantin cand. phil. F._ ausgearbeitet und von den vorgenannten
Psychologen unterzeichnet (Urk. 5/4/15 S. 1, S. 56). Das Gutachten wurde weder
von der gesamtverantwortlichen Auftragsnehmerin, Frau Dr. med. G._,
Chefärztin der Kinder- und Jugendforensik, noch von einem anderen Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie unterschrieben (Urk. 5/4/15 S. 56). Gemäss gel-
tender Bundesgerichtspraxis (vgl. BGer 6B_459/2013 vom 13. Februar 2014) dür-
fen psychiatrische Gutachten nur durch Fachärzte für Psychiatrie und Psychothe-
rapie erstellt werden, wobei es jedoch zulässig ist, dass psychiatrische Gutachter
für einzelne Fragen oder Untersuchungen Psychologen oder Psychotherapeuten
beauftragen, solange jedoch stets der Psychiater für die Gutachtenserstattung
verantwortlich bleibt. Das Gutachten des Kinder- und Jugendpsychiatrischen
Dienstes des Kantons Zürich vom 31. Juli 2013 genügt dieser formellen Anforde-
rung nicht. Frau Dr. med. G._, wurde deshalb mit Beschluss vom 17. Okto-
ber 2014 ersucht, das Gutachten über den Beschuldigten vom 31. Juli 2013 aus
psychiatrischer bzw. medizinischer Sicht zu überprüfen und dem Gericht mitzutei-
len, ob das Gutachten ihrer Prüfung stand hält (Urk. 43).
Die gutachterliche Stellungnahme von Dr. med. G._ ging am 12. Feb-
ruar 2015 hierorts ein (Urk. 49). Den Parteien wurde mit Präsidialverfügung vom
16. Februar 2015 die gutachterliche Stellungnahme zugestellt und Frist zur freige-
stellten Vernehmlassung angesetzt (Urk. 51). Die Oberjugendanwaltschaft ver-
zichtete mit Eingabe vom 20. Februar 2015 auf eine Stellungnahme (Urk. 53). Die
Verteidigung reichte ihre Vernehmlassung nach einmal erstreckter Frist am
9. März 2015 ein (Urk. 54; Urk. 55).
II. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
1. Dem Beschuldigten wird zusammengefasst vorgeworfen, am 22. Janu-
ar 2013, um ca. 16.00 Uhr, von seiner Mutter verlangt zu haben, dass sie ihm et-
was zu essen koche. Was sie ihm vorgeschlagen habe, habe ihm jedoch nicht
gepasst. Er sei wütend geworden und es sei zu einer lauten verbalen Auseinan-
dersetzung zwischen ihm, seiner Mutter und seiner Schwester gekommen, bis er
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die Kontrolle über sich verloren und seine Zimmertüre mit Fusstritten und Faust-
schlägen traktiert habe, so dass ein grosses Loch und ein Schaden in der Höhe
von ca. Fr. 400.– bis Fr. 700.– entstanden seien und er sich an der Hand Schnitt-
wunden und Schürfungen zugezogen habe. Anschliessend habe der Beschuldigte
die Wohnung verlassen. Durch das Verhalten des Beschuldigten hätten Mutter
und Schwester grosse Angst gehabt (Urk. 12).
2. Die Tat an sich wird vom Beschuldigten nicht bestritten (vgl. Urk. 1/4
S. 1 f., Urk. 2/1 S. 3, Urk. 2/7 S. 5, Prot. I S. 5 und S. 7 ff.; Urk. 40 S. 3; Prot. II
S. 14). Die Verteidigung machte jedoch geltend, dass die Vorinstanz zu Unrecht
von einer nicht geringfügigen Sachbeschädigung ausgehe. Sie lasse ausser Acht,
dass bei einer Beschädigung von Sachen mit einem Markt- oder Verkehrswert al-
leine dieser entscheidend sei. Sie habe nicht zwischen Neuwert und Zeitwert un-
terschieden, sondern wolle diese gleichsetzen, was nicht richtig sei. Massgebend
sei immer der Schaden im haftpflichtrechtlichen Sinne, also der Zeitwert und nicht
der Neuwert. Im vorliegenden Fall liege der Zeitwert des beschädigten Türblattes
klar unter Fr. 300.–. Die Angaben des Beschuldigten würden sich auf den Neu-
wert beziehen. Dieser sei aber nicht von Bedeutung. Selbst wenn man davon
ausgehe, dass der Ersatz des Türblattes - wie in der Anklageschrift umschrieben -
Fr. 400.– bis Fr. 700.– koste, so betrage der Zeitwert weniger als Fr. 300.–. Dem
Beschuldigten sei bewusst gewesen, dass es sich um eine ältere Türe einfacher
Bauart handle, deren Zeitwert tiefer liege als der Neuwert. An dieser ca. 25 Jah-
ren alten Zimmertüre könne gar kein Schaden über Fr. 300.– verursacht werden,
was auch dem Beschuldigten durchaus bewusst gewesen sei. Somit liege eine
geringfügige Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 i.V.m. Art. 172ter
StGB vor und diese sei verjährt (Urk. 40 S. 2 ff.; Urk. 31 S. 2 f.).
3. Die Vorinstanz gelangte zum Schluss, dass der eingeklagte Sachver-
halt erstellt sei und sich der Beschuldigte der Sachbeschädigung im Sinne von
Art. 144 Abs. 1 StGB schuldig gemacht habe. Zur Vermeidung unnötiger Wieder-
holungen kann vorab auf die zutreffenden Erwägungen im angefochtenen Ent-
scheid verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 29 S. 5 ff.).
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3.1. Das Bundesgericht hat die objektive Grenze für den geringen Vermö-
genswert oder Schaden auf Fr. 300.– festgesetzt. Bei Sachen mit einem Markt-
oder Verkehrswert bzw. einem objektiv bestimmbaren Wert ist allein dieser ent-
scheidend. Der Wert kann bei gebrauchten Sachen schwierig zu bestimmen sein.
Sicher ist nur, dass gebrauchte Alltagssachen in der Regel einen geringeren Wert
haben als ein neues Gegenstück gleicher Art und Qualität und der ursprüngliche
Kaufpreis lediglich Hinweise auf den aktuellen Wert (Zeitwert) geben kann. Bei
Fahrrädern ist auf den Verkehrs- bzw. Zeitwert abzustellen, auch wenn sie zum
Neuwert versichert sind (BSK StGB II-Weissenberger, 3. Auflage 2013, Art. 172ter
N 29 f.).
Mit der Formulierung, dass sich die Tat auf einen geringen Vermögenswert
oder Schaden richten muss, wird klargestellt, dass der Vorsatz bzw. die Absicht
des Täters sich von Anfang an auf den Wert der Sache (Bereicherung) bzw. auf
die Höhe des Schadens bzw. wirtschaftlichen Nachteils (Entreicherung) erstre-
cken muss. Eventualvorsatz genügt. Entscheidend für die Privilegierung im Sinne
von Art. 172ter StGB ist somit nicht der Taterfolg, sondern die Vorstellung des Tä-
ters. Liegt die Deliktssumme unter dem Grenzwert von Fr. 300.–, scheidet die Pri-
vilegierung aus, wenn der Vorsatz des Täters auf eine den Grenzwert überstei-
gende Summe gerichtet war, er also einen erheblichen Vermögenswert erlangen
und/oder einen erheblichen Schaden anrichten wollte, ohne dies zu erreichen
(BSK StGB II-Weissenberger, a.a.O., Art. 172ter N 35 und N 37). Die Privilegie-
rung entfällt regelmässig, wenn der Täter sich keine Gedanken darüber macht
oder es ihm gleichgültig ist, wie hoch der Schaden oder wie gross der Vermö-
genswert ist (BSK StGB II-Weissenberger, a.a.O., Art. 172ter N 42).
3.2. Der Beschuldigte anerkannte, dass an der Türe ein Sachschaden von
Fr. 400.– bis Fr. 700.– entstanden war (Prot. I S. 7). In der Einvernahme bei der
Jugendanwaltschaft vom 13. März 2013 führte er auf die Frage, was er zu den
Fr. 650.– Schadenersatz sage, welchen die Privatklägerin verlange, aus, das sei
für die Türe. Mit dem Einbau seien es Fr. 720.–. Er sei bereit, dies zu bezahlen
(Urk. 2/1 S. 5). Die Privatklägerin führte aus, dass der Beschuldigte insgesamt be-
reits drei Türen in der Wohnung kaputt gemacht habe. Diejenige ihrer Tochter und
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die ihrige seien bereits repariert worden (Prot. I S. 20 f.). Das genaue Wissen des
Beschuldigten um den Preis der Türe und die Kosten der Einbauarbeiten sowie
die Tatsache, dass er bereits zuvor zwei Türen beschädigte hatte, die repariert
werden mussten, lassen darauf schliessen, dass er nicht damit rechnete, einen
Schaden von weniger als Fr. 300.– zu verursachen. Auch wenn der Zeitwert der
Türe unter Fr. 300.– liegen mag, so ist der Vorsatz des Beschuldigten massge-
bend. Es liegen keine Hinweise vor, dass der Beschuldigte wusste, dass der
Zeitwert der Türe unter Fr. 300.– liegt. Vielmehr betrug die Höhe des Sachscha-
dens in der Vorstellung des Täters aufgrund seines vorhandenen Wissens mehr
als Fr. 300.–. Zumindest war es ihm gleichgültig, welchen Schaden er verursacht,
befand er sich doch in einem unkontrollierten Zustand und war voller Wut, als er
auf die Türe eintrat und einschlug. Demnach kommt auch dann, wenn man davon
ausgeht, dass sich der Beschuldigte keine Gedanken über die Schadenshöhe
machte, die Privilegierung des Art. 172ter StGB nicht zur Anwendung. Es ist er-
stellt, dass der Beschuldigte einen grösseren Schaden zumindest in Kauf nahm.
3.3. Zusammenfassend ist der Beschuldigte der Sachbeschädigung im Sin-
ne von Art. 144 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
III. Schutzmassnahme
1. Der Beschuldigte beantragte die Aufhebung der von der Vorinstanz
angeordneten offenen Unterbringung gemäss Art. 15 Abs. 1 JStG und der ambu-
lanten Behandlung im Sinne von Art. 14 Abs. 1 JStG. Die Verteidigung führte da-
zu aus, dass sich der Beschuldigte einzig wegen einer Sachbeschädigung vor
Gericht verantworten müsse. Die Anordnung einer zeitlich unbefristeten jugend-
strafrechtlichen Unterbringung sei hier nicht angemessen und verletze das Ver-
hältnismässigkeitsprinzip. Im psychiatrisch-psychologischen Gutachten des Zent-
rums für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Zürich vom 31. Juli 2013
werde zur Rückfallwahrscheinlichkeit ausgeführt, dass ohne Massnahmen auch in
Zukunft Sachbeschädigungen, Drohungen und Tätlichkeiten im familiären Rah-
men zu erwarten seien. Das Rückfallrisiko für Sachbeschädigungen im familiären
Rahmen sei hoch. Das Risiko für Drohungen, Tätlichkeiten und Körperverletzun-
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gen im familiären Rahmen sei mittel bis hoch. Des Weiteren sei ebenfalls mit mitt-
lerer bis hoher Wahrscheinlichkeit mit weiteren Vermögens- und Eigentumsdelik-
ten, verbaler und physischer Gewalt gegenüber Personen ausserhalb der Familie
auszugehen. Diesen Ausführungen könne keineswegs gefolgt werden. Der Be-
schuldigte habe neben der heute zu beurteilenden Sachbeschädigung einmal ei-
nen Diebstahl begangen und einmal habe er das Kleinmotorrad seiner Mutter für
eine "Spritzfahrt" entwendet. Weitere Delikte habe er nicht begangen, weshalb
auch keine diesbezügliche Rückfallgefahr vorliegen könne. Eine Rückfallgefahr
könnte einzig für (geringfügige) Sachbeschädigung gegeben sein. Dies rechtferti-
ge aber keine Unterbringung. Das Urteil der Vorinstanz verstosse gegen das Ver-
hältnismässigkeitsprinzip und verletze das JStG. Es könne nicht angehen, dass
ein pubertierender Jugendlicher, der zu Hause mit seiner Mutter eine Auseinan-
dersetzung gehabt habe und im Rahmen dieses Streites eine Zimmertüre be-
schädigt habe, deswegen in ein Jugendheim eingewiesen werde. Wenn die Mut-
ter mit der Erziehung des Sohnes überfordert sei, dann seien zivilrechtliche Mass-
nahmen zu prüfen. Eine jugendstrafrechtliche Unterbringung sei der falsche Weg
und in diesem Fall sicher nicht verhältnismässig. Eine psychotherapeutische Be-
handlung könnte vom Beschuldigten akzeptiert werden. Diese könne aber auch
ausserhalb des Strafverfahrens etabliert und weitergeführt werden. Seit dem Vor-
fall vom 22. Januar 2013 habe sich der Beschuldigte bis heute stets korrekt ver-
halten. Er habe keine strafbaren Handlungen begangen, und es sei auch nicht
mehr zu Wutausbrüchen gekommen. Das zeige, dass der Beschuldigte keine Un-
terbringung benötige (Urk. 31 S. 2 und S. 4 f.; Urk. 40 S. 6 - 9).
Die Oberjugendanwaltschaft führte anlässlich der Berufungsverhandlung
aus, dass sämtliche Voraussetzung für eine Unterbringung im Sinne von Art. 15
Abs. 2 StGB vorliegen würden. Der Beschuldigte habe vorsätzlich eine Sachbe-
schädigung verübt, es liege eine besondere erzieherische Betreuungsbedürftig-
keit vor und die Unterbringung geeignet und erforderlich sei, um den massnah-
mebedürftigen Zustand des Beschuldigten zu beseitigen. Zur Verhältnismässig-
keit der Massnahme wie die Oberjugendanwaltschaft darauf hin, dass gemäss
Lehre bei der Abwägung nicht von der Schwere der Anlasstat auszugehen sein,
sondern der voraussichtliche erzieherische Erfolg der Massnahme massgebend
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sei. Da gemäss dem Gutachten eine Unterbringung des Beschuldigten notwendig
sei, auch der Quartalbericht des Jugendheims H._ eine Unterbringung emp-
fehle und der Beschuldigte bereits gute Fortschritte erzielt habe, erweise sich die
Unterbringung als verhältnismässig (Urk. 42 S- 3 f.).
2. Die Vorinstanz ordnete eine ambulante Behandlung des Beschuldigten
im Sinne von Art. 14 Abs. 1 JStG sowie eine offene Unterbringung im Sinne von
Art. 15 Abs. 1 JStG an. Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden, kann vorab
auf diese Erwägungen im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 29
S. 15 ff.).
2.1. Hat der Jugendliche eine mit Strafe bedrohte Tat begangen und ergibt
die Abklärung, dass er einer besonderen erzieherischen Betreuung oder thera-
peutischen Behandlung bedarf, so ordnet die urteilende Behörde die nach den
Umständen erforderliche Schutzmassnahme an, unabhängig davon, ob er
schuldhaft gehandelt hat (Art. 10 Abs. 1 JStG). Voraussetzungen für die Anord-
nung einer Schutzmassnahme sind – neben der Anlasstat – die Erforderlichkeit
und die Verhältnismässigkeit der Massnahme sowie deren Geeignetheit, die not-
wendige erzieherische Betreuung und bzw. oder therapeutische Behandlung des
Jugendlichen sicherzustellen. Zudem wird auch die Massnahmefähigkeit des Tä-
ters vorausgesetzt. Was diese Voraussetzung anbelangt, geht das Gesetz jedoch
davon aus, dass die Massnahmefähigkeit bei Jugendlichen grundsätzlich gege-
ben ist. Dies hat zur Folge, dass bei Vorliegen der Massnahmebedürftigkeit
grundsätzlich eine Schutzmassnahme auszusprechen ist (BSK JStG-
Gürber/Hug/Schläfli, 3. Auflage 2013, Vor Art. 1 N 15 und N 20 sowie Art. 10 N 3
ff.).
2.2. Leidet der Jugendliche unter psychischen Störungen, ist er in seiner
Persönlichkeitsentwicklung beeinträchtigt oder ist er von Suchtstoffen oder in an-
derer Weise abhängig, so kann die urteilende Behörde anordnen, dass er ambu-
lant behandelt wird (Art. 14 Abs. 1 JStG). Die ambulante Behandlung kann mit der
Aufsicht nach Art. 12 JStG, der persönlichen Betreuung nach Art. 13 JStG oder
der Unterbringung in einer Erziehungseinrichtung im Sinne von Art. 15 Abs. 1
JStG verbunden werden (Art. 14 Abs. 2 JStG).
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2.2.1. Gemäss dem psychiatrisch-psychologischen Gutachten des Zentrums
für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Zürich vom 31. Juli 2013 litt der
Beschuldigte zur Zeit der Tat an einer psychischen Störung in Form einer Hyper-
kinetischen Störung des Sozialverhaltens, einer Depressiven Episode, einer be-
einträchtigten Persönlichkeitsentwicklung sowie einer erzieherischen Fehlentwick-
lung (Urk. 5/4/15 S. 52). Aufgrund der weiterhin bestehenden beeinträchtigten
Persönlichkeitsentwicklung, der psychischen Störung sowie aufgrund der erziehe-
rischen Fehlentwicklung bestehe beim Beschuldigten die Gefahr für erneute Straf-
taten (Urk. 5/4/15 S. 53 f.). Das Gutachten kam zum Schluss, dass adäquate the-
rapeutische Behandlungs- und/oder erzieherische Betreuungsmöglichkeiten be-
stehen würden (Urk. 5/4/15 S. 54). Es wird eine längerfristige medikamentös be-
gleitete psychotherapeutische, deliktsorientierte und störungsspezifische Behand-
lung im Sinne von Art. 14 JStG empfohlen. Die Therapiebedürftigkeit, -fähigkeit
und -motivation des Beschuldigten wird als gegeben beurteilt (Urk. 5/4/15 S. 49).
Der Beschuldigte befindet sich seit dem 18. November 2013 bei lic. phil. I._
in der Psychotherapie. Gemäss dem Zwischenbericht des Therapeuten vom
18. Februar 2014 erscheine der Beschuldigte einmal pro Woche pünktlich zu den
Terminen und scheint die ambulante Behandlung beim Beschuldigten Fortschritte
zu zeigen (Urk. 5/4/18/1). Gemäss dem Quartalsbericht 2014/2 [recte: 2014/3]
vom 3. September 2014 wurde anlässlich der Standortbestimmung vereinbart, die
Sitzungen nur noch zweiwöchig durchzuführen (Urk. 37/5 S. 6).
2.2.2. Dr. med. G._ führte in ihrer gutachterlichen Stellungnahme vom
9. Februar 2015 aus, dass die im Gutachten vom 31. Juli 2013 erhobenen Befun-
de, die darauf basierenden Schlussfolgerungen und die Empfehlungen der medi-
zinisch/psychiatrischen Überprüfung standhalte. Ihrer Ansicht nach müsse der
familiären Beziehungsproblematik im Rahmen der therapeutischen Behandlung
dringend mehr Aufmerksamkeit zukommen. Um den Realitätsbezug zu gewähr-
leisten, seien die Mutter und die Schwester in die Behandlung miteinzubeziehen.
Zudem müsse in der persönlichen Behandlung des Beschuldigten, der Problema-
tik des dominanten Verhaltens des Beschuldigten in nahen Beziehungen Beach-
tung geschenkt werden (Urk. 49 S. 6, S. 29).
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2.2.3. Da kein Grund vorliegt, die Ergebnisse des Gutachtens und der gut-
achterlichen Stellungnahme in Zweifel zu ziehen, sind die Voraussetzungen für
die Anordnung einer ambulanten Behandlung im Sinne von Art. 14 JStG erfüllt,
weshalb eine solche anzuordnen ist. Es ist davon Vormerk zu nehmen, dass sich
der Beschuldigte bereits in einer ambulanten Behandlung bei lic. phil. I._ be-
findet (vgl. Prot. II S. 10).
2.3. Kann die notwendige Erziehung und Behandlung des Jugendlichen
nicht anders sichergestellt werden, so ordnet die urteilende Behörde die Unter-
bringung an. Diese erfolgt namentlich bei Privatpersonen oder in Erziehungs-
oder Behandlungseinrichtungen, die in der Lage sind, die erforderliche erzieheri-
sche oder therapeutische Hilfe zu leisten (Art. 15 Abs. 1 JStG). Die urteilende Be-
hörde darf die Unterbringung in eine geschlossene Einrichtung nur anordnen,
wenn sie für den persönlichen Schutz oder für die Behandlung der psychischen
Störung des Jugendlichen geeignet ist oder für den Schutz Dritter vor schwer-
wiegender Gefährdung durch den Jugendlichen notwendig ist (Art. 15 Abs. 2
JStG).
2.3.1. Das psychiatrisch-psychologische Gutachten des Zentrums für Kin-
der- und Jugendpsychiatrie der Universität Zürich vom 31. Juli 2013 geht - wie be-
reits erwähnt - von einer ernsthaften Einschränkung der Funktionsfähigkeit des
Beschuldigten in allen Lebensbereichen, Defiziten in der Persönlichkeitsentwick-
lung, erzieherischen Defiziten, multiplen psychopathologischen Auffälligkeiten und
einer (mittel bis) hohen Rückfallwahrscheinlichkeit für weitere Deliktshandlungen
aus. Es wird insbesondere aufgrund der gefährdeten weiteren Entwicklung, wel-
che im Zusammenhang mit der ungünstigen familiären Situation stehe, nebst der
psychotherapeutischen Behandlung die Erziehung in Form einer Fremdplatzie-
rung, d.h. eine stationäre Unterbringung gemäss Art. 15 JStG empfohlen
(Urk. 5/4/15 S. 48). Im Gutachten wurde ausgeführt, dass die genannten psychi-
schen Störungen und die beeinträchtigte Persönlichkeitsentwicklung im Zusam-
menhang mit der ihm vorgeworfenen Tat und den vielen Wutausbrüchen im häus-
lichen Umfeld stehen würden. Als wesentlich die Tatdynamik beeinflussend sehen
die Gutachter die erzieherische Fehlentwicklung des Beschuldigten, dessen chro-
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nische emotionale Labilität, die Halt- und Strukturlosigkeit, das Missachten von
Vorschriften und Regeln zu Hause, der Mangel zur angemessenen Bewältigung
emotional aufwühlender Situationen. Durch die emotional-instabile und teilweise
dissoziale Persönlichkeitsakzentuierung habe der Beschuldigte zudem eine er-
höhte Bereitschaft, sich über Normen hinwegzusetzen und seine Bedürfnisse zu
Hause durch Drohungen, verbale Entgleisungen und Sachbeschädigungen
durchzusetzen (Urk. 5/4/15 S. 52). Die Rückfallwahrscheinlichkeit für einschlägige
Delikte in Form von strafbaren Handlungen gegen das Vermögen im familiären
Rahmen wird ohne weitere Massnahmen als hoch eingeschätzt, die Wahrschein-
lichkeit im Bereich von Delikten gegen Leib und Leben im familiären Rahmen als
mittel bis hoch und diejenige betreffend weitere Vermögens- und Eigentumsdelik-
te sowie verbale und physische Gewalt gegenüber Personen ausserhalb der Fa-
milie als mittel bis hoch. Durch therapeutische und-/oder erzieherische Massnah-
men lasse sich die Wiederholungsgefahr des Beschuldigten verringern
(Urk. 5/4/15 S. 53 f.). Zur Stabilisierung, Prävention der Rückfallgefahr und für ei-
ne positive Entwicklung sei es in jedem Fall notwendig, die Massnahme auch ge-
gen den Willen des Exploranden in einem geschlossenen Setting im Sinne von
Art. 15 Abs. 2 JStG durchzuführen (Urk. 5/4/15 S. 53 f.).
2.3.2. Der Beistand des Beschuldigten sowie das Jugendheim H._, in
welches der Beschuldigte am 9. September 2013 eintrat, empfahlen im November
2013 eine stationäre Unterbringung des Beschuldigten (Urk. 5/4/17, Urk. 5/4/18).
Dabei wies das Jugendheim H._ darauf hin, dass sich der Beschuldigte ge-
genüber den Mitarbeitern und anderen Jugendlichen anständig verhalte und die
Strukturen und Regeln der geschlossenen Wohngruppe sehr gut einhalte. Des-
halb sei es am 19. November 2013 zum Übertritt in die Kooperative Wohngruppe
J._ gekommen. Den ersten Probeausgang habe der Beschuldigte nicht be-
standen, habe in den folgenden Öffnungen aber seine Zuverlässigkeit und Pünkt-
lichkeit unter Beweis stellen können. Einzig was die Motivation im Atelier und in
der Schule betrifft, wurden Mängel festgestellt (Urk. 5/4/18 S. 3 f.). Aus der
Standortbestimmung vom 13. Februar 2014 geht sodann hervor, dass der Be-
schuldigte sich in den Öffnungen im Jugendheim bewährt, eine Therapie begon-
nen und Möglichkeiten gefunden habe, sich zu motivieren. In der halboffenen
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Wohngruppe J._ verhalte sich der Beschuldigte im Wohnbereich grössten-
teils korrekt und verstehe sich mit den Sozialpädagogen und den anderen Ju-
gendlichen gut. Die Strukturen und Regeln könne er grundsätzlich einhalten und
auch die Mutter habe positive Rückmeldungen bezüglich des Verlaufs am Wo-
chenende gegeben. Die Betriebe, in welchen der Beschuldigte Schnupperwochen
absolviert habe, hätten positive Rückmeldungen gegeben, ebenso Herr I._,
zu welchem der Beschuldigte in die Psychotherapie gehe (Urk. 5/4/18/2 = Urk.
37/1). Aus dem Sozialbericht vom 25. Februar 2014 geht schliesslich hervor, dass
der Beschuldigte erfreulich gute Fortschritte mache. Ein Übertritt in die erneut wei-
ter geöffnete Wohngruppe K._ sei ins Auge gefasst. Erstmals nach jahrelan-
gen, hochkonflikthaften, innerfamiliären Auseinandersetzungen verbunden mit ei-
ner Gefahr zur Gewalteskalation und einer stagnierenden schulischen und berufli-
chen Situation, würden sich Entspannung und erste Schritte in Richtung einer
selbstverantwortlichen Eigenständigkeit zeigen. Um die Fortschritte in der Ent-
wicklung des Beschuldigten zu stabilisieren und einen weiteren positiven Verlauf
zu gewährleisten, empfehle es sich, die Massnahme, welche mit dem klar struktu-
rierten Rahmen für den Aufbau der inneren Struktur und Orientierung des Be-
schuldigten geeignet sei, weiterzuführen (Urk. 5/1 S. 5 f.). Auch im Quartalsbe-
richt 2014/1 vom 7. März 2014 wird die Fortführung der Massnahme empfohlen.
Der Beschuldigte müsse sich in pädagogischen/therapeutischen Settings mit sei-
ner Vergangenheit und Delikten auseinandersetzen. Seine Impulsivität und seine
Delikte könne er kaum hinterfragen. Er müsse seine Selbständigkeit festigen und
sich in reflektiertem Handeln üben. Dafür sei eine enge, strukturierte Führung im
schulischen und pädagogischen Alltag notwendig. Der Beschuldigte suche und
erarbeite sich seinen Platz in der Gruppe. Er durchlaufe das Schnupperprogramm
und könne so mehrere Betriebe testen (Urk. 37/3). Der Standortbestimmung vom
21. Mai 2014 ist zu entnehmen, dass nach den Sommerferien der Übertritt auf die
halboffene Bewährungsgruppe K._ erfolgen werde. Der Beschuldigte habe
sich in vielen Bereichen steigern können. So übernehme er für sein Handeln die
Verantwortung und gelte für andere Jugendliche schon als Vorbild (Urk. 37/2).
Der Quartalsbericht 2014/2 vom 29. Mai 2014 hält weiter an der Empfehlung zur
Fortführung der Massnahme fest. Der Beschuldigte habe mittlerweile seinen Platz
- 15 -
in der Gruppe gefunden. Es falle ihm aber noch schwer, sich auf die Massnahme
und die anstehende Ausbildung einzulassen. Er könne sich nicht zwischen zwei
Betrieben entscheiden und zeige auch nicht die nötige Motivation, sich definitiv zu
entscheiden (Urk. 37/4). Im Quartalsbericht 2014/2 [recte: 2014/3] vom 3. Sep-
tember 2014 wird die Fortführung der Massnahme erneut empfohlen. Es wird
wiederum darauf hingewiesen, dass sich der Beschuldigte mit seiner Vergangen-
heit und Delikte in pädagogischen/therapeutischen Settings auseinandersetzen
müsse. Mittlerweile könne sich er aber viel besser auf die Massnahme einlassen
und schätze auch die Unterstützung in Bezug auf eine Ausbildung im Jugend-
heim. Er könne sich vermehrt öffnen. Im August habe er eine Malerlehre begon-
nen. Die Therapie bei Herrn I._ werde künftig nur noch zweiwöchig stattfin-
den (Urk. 37/5). Gemäss der Standortbestimmung vom 30. September 2014 wer-
de der Beschuldigte bis November den Übertritt in die Bewährungsgruppe vollzo-
gen haben. Es sei vereinbart, dass er bei gutem Verlauf nach zwei Monaten auf
die Aussenwohngruppe wechseln könne (Urk. 46).
2.3.3. Frau Dr. med. G._ führte in ihrer gutachterlichen Stellungnahme
vom 9. Februar 2015 aus, dem Beschuldigten sei es durch die sozialpädagogi-
sche und therapeutische Behandlung gelungen, seine sozialen Kompetenzen zu
stärken. Er habe deutliche Fortschritte in seiner Identitätsentwicklung und im
Rahmen der beruflichen Integration gemacht. Vor dem Hintergrund der klaren so-
zialpädagogischen Strukturen habe sich auch die psychiatrische Symptomatik
verbessert, sodass zum jetzigen Zeitpunkt die Diagnose einer hyperkinetischen
Störung des Sozialverhaltens mit zeitweise depressiver Symptomatik nicht mehr
gestellt werden könne. Es sei jedoch beim Wegfallen der haltgebenden Strukturen
damit zu rechnen, dass die Verhaltensschwierigkeiten wieder in den Vordergrund
treten können. Eine familiäre Beziehungsklärung sei noch nicht erfolgt, weshalb
sie den Einbezug der Mutter und Schwester in die Therapie empfehle. Zudem
müsse der Problematik des dominanten Verhaltens des Beschuldigten in nahen
Beziehungen Beachtung geschenkt werden. Beim Wegfallen der Massnahme
werde das Risiko für Sachbeschädigungen, Drohungen und Tätlichkeiten im fami-
liären Rahmen nach wie vor als hoch beurteilt. Dem ordnungsgemässen Ab-
schluss der Massnahme komme daher hohe Priorität zu, auch in Sachen Nach-
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haltigkeit. Die Massnahme sei aus forensisch-psychiatrischer Sicht für die Sicher-
stellung der im Rahmen der Massnahme erzielten Fortstritte gemäss den sozial-
pädagogischen Vorgaben fortzusetzen (Urk. 49 S. 26 ff.).
2.3.4. Die Verteidigung führte in ihrer Vernehmlassung zur gutachterlichen
Stellungnahme vom 9. März 2015 aus, dass Frau Dr. med. G._ in Bezug auf
die Rückfallgefahr demselben Irrtum unterliege wie die ersten Gutachter. Ein
Rückfallrisiko für Drohungen, Tätlichkeiten und Körperverletzungen im familiären
Rahmen bzw. für verbale und physische Gewalt gegenüber Personen ausserhalb
der Familie könne mangels diesbezüglicher Vorstrafe nicht gegeben sein. Die Le-
galprognose sei falsch. Die Anordnung einer zeitlich unbefristeten Schutzmass-
nahme sei unverhältnismässig. Die gutachterliche Stellungnahme halte zudem
fest, dass der psychopathologische Befund des Beschuldigten weitgehend unauf-
fällig sei bzw. beim Beschuldigten keine psychische Störung (mehr) bestehe, wel-
che therapiert werden müsse. Dass die Gutachterin die Weiterführung der Unter-
bringung empfehle, da der Beschuldigte sich über die Konsequenzen des Mass-
nahmeabbruchs zu wenig Gedanke gemacht haben soll und keine Anschlusslö-
sung vorhanden sei, könne nachvollzogen werden. Eine solche Hilfestellung kön-
ne bei Bedarf aber vom Beistand ausgehen, dafür brauche es keine strafrechtli-
che Schutzmassnahme. Die Suche nach einer neuen Lehrstelle als Maler werde
keine grossen Probleme darstellen (Urk. 55).
2.3.5. Aus den genannten Berichten geht klar hervor, dass die notwendige
Erziehung und Behandlung des Beschuldigten nur durch eine Unterbringung si-
chergestellt werden kann. Es hat sich gezeigt, dass es dem Beschuldigten, wenn
er bei seiner Mutter wohnt, selbst wenn er sich tagsüber in einer Institution für Ju-
gendliche befindet, nicht gelingt, sich an Normen und Strukturen zu halten. Für
seine positive Entwicklung ist ein Umfeld, das ihm Stabilität und Struktur gibt, un-
abdingbar. Erst seit er im Jugendheim H._ untergebracht ist, zeigt er in sei-
nem Verhalten gegenüber Mitmenschen und gegenüber Normen Fortschritte und
ist motivierter, etwas aus seinem Leben zu machen. Allerdings ergibt sich aus den
genannten Berichten eindeutig, dass es zum heutigen Zeitpunkt zu früh wäre, den
Beschuldigten bereits wieder aus einer Institution für Jugendliche zu entlassen.
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Sowohl die Gutachter als auch die übrigen Personen, die mit der Betreuung des
Beschuldigten betraut sind, sind sich darüber einig, dass der Beschuldigte nach
wie vor massnahmebedürftig und auch massnahmefähig ist, und die geeignete
Massnahme, um die notwendige erzieherische Betreuung des Beschuldigten si-
cherzustellen, die Unterbringung ist. Es liegen keine Gründe vor, an der Prognose
des Gutachtens, welche die Rückfallgefahr des Beschuldigten als hoch bzw. mit-
tel bis hoch einstuft, zu zweifeln, weshalb eine solche Massnahme auch durchaus
erforderlich und verhältnismässig ist. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz hat
sich aber gezeigt, dass sich der Beschuldigte auch in einer offenen Unterbringung
bewährt hat, weshalb eine solche als ausreichend erscheint und von einer ge-
schlossenen Unterbringung abzusehen ist (vgl. Urk. 29 S. 16 f.). Dem Gutachten
folgend, wonach die Mutter des Beschuldigten die Unterbringung befürworte und
der Beschuldigte Unterstützungsbedarf - wenn auch nur therapeutischer Natur -
anerkenne, weshalb die Kooperationsbereitschaft als hinreichend zu erachten sei,
ist die Unterbringung auch gegen den ausgesprochenen Willen des Beschuldigten
anzuordnen, resp. weiterzuführen.
Zusammenfassend sind die Voraussetzungen einer offenen Unterbringung
des Beschuldigten im Sinne von Art. 15 Abs. 1 JStG erfüllt, weshalb eine solchen
anzuordnen ist.
IV. Strafzumessung
1. Hat der Jugendliche schuldhaft gehandelt, so verhängt die urteilende
Behörde zusätzlich zu einer Schutzmassnahme eine Strafe (Art. 11 Abs. 1 JStG).
Schuldhaft handeln kann der Jugendliche, der fähig ist, das Unrecht seiner Tat
einzusehen und nach dieser Einsicht zu handeln (Art. 11 Abs. 2 JStG). Vorliegend
bestehen keine Anhaltspunkte, wonach der Beschuldigte das Unrecht seiner Tat
nicht einsehen und nicht entsprechend handeln konnte. Das psychiatrisch-
psychologische Gutachten hat dem Beschuldigten denn auch lediglich eine leicht
verminderte Schuldfähigkeit attestiert (Urk. 5/4/15 S. 53). Der Beschuldigte hat
tatbestandsmässig, rechtswidrig und schuldhaft gehandelt. Somit ist eine Strafe
auszufällen.
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2. Die Vorinstanz auferlegte dem Beschuldigten einen Freiheitsentzug
von 3 Wochen. Sie hat den Strafrahmen korrekt abgesteckt und die gesetzlichen
Zumessungsregeln wie auch die hier massgeblichen belastenden und entlasten-
den Faktoren zutreffend dargelegt. Insbesondere hat sie zutreffend begründet,
wieso vorliegend nur mit einem Freiheitsentzug im Sinne von Art. 25 Abs. 1 JStG
und nicht etwa mit einem Verweis, einer persönlichen Leistung oder einer Busse
dem Strafanspruch genügend Rechnung getragen werden kann. Um unnötige
Wiederholungen zu vermeiden, kann vorab auf diese Erwägungen im angefoch-
tenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 29 S. 8 ff.).
Es ist folglich von einem Strafrahmen von einem Tag bis zu einem Jahr
Freiheitsentzug auszugehen (vgl. Art. 25 Abs. 1 JStG).
2.1. Gemäss dem Gutachten des Zentrums für Kinder- und Jugendpsychi-
atrie der Universität Zürich vom 31. Juli 2013 war die Steuerungsfähigkeit des Be-
schuldigten zum Tatzeitpunkt zumindest zeitweise in einem leichten Ausmass be-
einträchtigt. Es lag damit eine leicht verminderte Schuldfähigkeit vor (Urk. 5/4/15
S. 45 und S. 53). Frau Dr. med. G._ machte in ihrer gutachterlichen Stel-
lungnahme keine Ausführungen zur Steuerungsfähigkeit bzw. Schuldfähigkeit. Sie
hielt aber fest, dass die im Gutachten vom 31. Juli 2013 erhobenen Befunde und
die darauf basierenden ausgeführten Schlussfolgerungen ihrer medizinisch-
psychiatrischen Überprüfung standgehalten hätten (Urk. 49 S. 6). Die Schlussfol-
gerungen im Gutachten vom 31. Juli 2013, die auf einer eingehenden und fundier-
ten Beurteilung beruhen, sind ohne Weiteres nachvollziehbar und plausibel. Aus-
gehend von der objektiven Tatschwere hat das Gericht das subjektive Tatver-
schulden zu bewerten. Dabei hat es (auch) die verminderte Schuldfähigkeit zu be-
rücksichtigen (BGE 136 IV 55 E. 5.5 und 5.6).
2.2. Liegt eine Verminderung der Schuldfähigkeit vor, hat das Gericht im
Sinne einer nachvollziehbaren Strafzumessung in einem ersten Schritt aufgrund
der tatsächlichen Feststellungen des Gutachters zu entscheiden, in welchem Um-
fang die Schuldfähigkeit des Täters in rechtlicher Hinsicht eingeschränkt ist und
wie sich dies insgesamt auf die Einschätzung des Tatverschuldens auswirkt. Das
Gesamtverschulden ist zu qualifizieren und mit Blick auf Art. 50 StGB im Urteil
- 19 -
ausdrücklich zu benennen, wobei von einer Skala denkbarer Abstufungen nach
Schweregraden auszugehen ist. Hierauf ist in einem zweiten Schritt innerhalb des
zur Verfügung stehenden Strafrahmens die (hypothetische) Strafe zu bestimmen,
die diesem Verschulden entspricht. Die so ermittelte Strafe kann dann gegebe-
nenfalls in einem dritten Schritt aufgrund wesentlicher Täterkomponenten (sowie
wegen eines allfälligen blossen Versuchs im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB) ver-
ändert werden (BGE 136 IV 55 E. 5.7).
3. Innerhalb des festgelegten Strafrahmens misst das Gericht die Strafe
nach dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt das Vorleben und die
persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf dessen Leben (Art. 1
Abs. 2 lit. b StGB i.V.m. Art. 47 Abs. 1 StGB). Das Verschulden wird nach der
Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der
Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie
danach bestimmt, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen
in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Art. 1 Abs. 2 lit. b
StGB i.V.m. Art. 47 Abs. 2 StGB). Ausgangspunkt bei der Strafzumessung ist die
objektive Tatschwere, d.h. die Schwere der Verletzung oder Gefährdung des be-
troffenen Rechtsguts bzw. der schuldhaft verursachte Erfolg. Ebenso massgeblich
ist die subjektive Tatschwere, die sich aus der Intensität des deliktischen Willens
sowie den Beweggründen für die Tat ergibt. Mit zu berücksichtigen sind schliess-
lich das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Täters. Im Jugendstraf-
recht sind auch bei der Anwendung der Bestimmungen des StGB die Grundsätze
nach Art. 2 JStG sowie das Alter und der Entwicklungsstand des Jugendlichen zu
seinen Gunsten zu berücksichtigen (Art. 1 Abs. 3 JStG). Gemäss Art. 2 JStG sind
der Schutz und die Erziehung des Jugendlichen wegleitend. Den Lebens- und
Familienverhältnissen des Jugendlichen sowie der Entwicklung seiner Persönlich-
keit ist besondere Beachtung zu schenken.
3.1. Bezüglich der objektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass die
Deliktssumme von Fr. 400.– bis Fr. 700.– für eine Familie mit bescheidenen fi-
nanziellen Mitteln nicht unerheblich ist. Der Beschuldigte demonstrierte mit sei-
nem Verhalten starke Aggressivität und Geringschätzung gegenüber dem Eigen-
- 20 -
tum anderer. Insbesondere, da sich die Tat indirekt gegen seine Mutter richtete,
zeugt sein Benehmen von einer grossen Respektlosigkeit. Sein Verschulden
wiegt in objektiver Hinsicht keineswegs leicht.
In subjektiver Hinsicht ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte bezüg-
lich der Verursachung eines Schadens direktvorsätzlich handelte und die Scha-
denshöhe mindestens in Kauf nahm. Er handelte aus Trotz und aus Wut und dies
aus einem nichtigen Anlass. Zu seinen Gunsten fällt ins Gewicht, dass die Tat
nicht geplant war, sondern aus einem Kontrollverlust heraus entstand. Das psy-
chiatrisch-psychologische Gutachten stellte beim Beschuldigten für den Tatzeit-
punkt eine leicht verminderte Schuldfähigkeit fest (Urk. 5/4/15 S. 45 und S. 53),
welche sich leicht verschuldensmindernd auswirkt und das subjektive Verschul-
den relativiert. Das Tatverschulden reduziert sich aufgrund des subjektiven Tat-
verschuldens auf ein insgesamt nicht mehr leichtes Verschulden.
Insgesamt erweist sich eine Einsatzstrafe von 4 Wochen Freiheitsentzug als
dem Verschulden angemessen.
3.2. Zum Vorleben und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten
kann auf die Ausführungen im vorinstanzlichen Urteil verwiesen werden (Urk. 29
S. 10 f.). Anlässlich der Berufungsverhandlung führte der Beschuldigte ergänzend
aus, dass er sich noch in der halboffenen Wohngruppe befinde. Für nächste Wo-
che sei der Gruppenwechsel auf die "K._" geplant. Es gehe ihm einigermas-
sen gut in H._. Er sei ein wenig gestresst seit dem Lehrbeginn. Der Malerbe-
ruf gefalle ihm sehr. Dies sei eine heiminterne Ausbildung. Sein Ziel sei es aber,
die Lehre extern weiterzuführen, wenn das erste Jahr gut laufe. Die Wochenen-
den bei seiner Mutter würden gut verlaufen, ab und zu sei er etwas genervt. Auf
die Frage, wie es denn die ganze Woche wäre, wenn ihn das Wochenende schon
nerve, führte der Beschuldigte aus, dass er aufgrund der Lehre nur am Abend zu
Hause wäre. Er wolle weg von H._. Wenn er aus der Massnahme komme,
suche er sich eine Lehre als Maler. Es treffe zu, dass dies schwierig werden
könnte, zumal er keinen Schulabschluss habe. In der Berufsschule, welche er
wöchentlich besuchte, komme er gut mit (Prot. II S. 9 ff.).
- 21 -
3.2.1. Die schwierige Kindheit und Jugend des Beschuldigten und die Ge-
walt, die er in der Familie erlebte, sind strafmindernd zu berücksichtigen, trugen
sie doch dazu bei, dass sich die Persönlichkeit des Beschuldigten nicht nur positiv
entwickelte.
3.2.2. Gemäss Erziehungsverfügung der Jugendanwaltschaft Winterthur
vom 1. Oktober 2009 hat sich der Beschuldigte des Diebstahls schuldig gemacht,
weshalb er mit einer persönlichen Leistung von vier Halbtagen bestraft wurde
(Urk. 6/6/1). Mit Strafbefehl der Jugendanwaltschaft Winterthur vom 30. Mai 2013
wurde er sodann wegen verschiedenen Widerhandlungen gegen das Strassen-
verkehrsgesetz, der Hinderung einer Amtshandlung sowie der mehrfachen Wi-
derhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig gesprochen und mit ei-
ner persönlichen Leistung von vier Tagen bestraft (Urk. 8/7/1). Diese - wenn auch
nicht einschlägigen - Vorstrafen sind straferhöhend zu berücksichtigen.
3.2.3. Strafmindernd fallen das Geständnis sowie die Reue und Einsicht des
Beschuldigten ins Gewicht, ebenso seine Bereitschaft, sich einer psychotherapeu-
tischen Behandlung zu unterziehen.
Sonstige Straferhöhungs- oder -minderungsgründe liegen nicht vor.
3.3. In Würdigung aller massgeblichen Strafzumessungsgründe erweist
sich ein Freiheitsentzug von 3 Wochen als angemessen.
V. Vollzug
1. Die urteilende Behörde schiebt den Vollzug eines Freiheitsentzugs von
höchstens 30 Monaten ganz oder teilweise auf, soweit eine unbedingt Strafe nicht
notwendig erscheint, um den Jugendlichen von der Begehung weiterer Verbre-
chen oder Vergehen abzuhalten (Art. 35 Abs. 1 JStG). Eine gute Legalprognose
ist somit die Voraussetzung für den bedingten oder teilbedingten Vollzug. Eine gu-
te Zukunftsprognose muss sich auf die Beurteilung der gesamten Umstände ab-
stützen (BSK JStG-Gürber/Hug/Schläfli, 3. Auflage 2013, Art. 35 N 4).
- 22 -
2. Der Beschuldigte wurde bereits zweimal straffällig (vgl. Urk. 6 und
Urk. 8) und hat sich trotz den jeweils auferlegten und verbüssten Strafen (persön-
liche Leistung) nicht davon abhalten lassen, erneut zu delinquieren. Die Vorstra-
fen hatten offensichtlich keine Wirkung auf ihn, weshalb nicht auszuschliessen ist,
dass sich der Beschuldigte erneut strafbar machen wird. Eine Rückfallgefahr er-
achtete sodann auch das psychiatrisch-psychologische Gutachten als für vorhan-
den. Dem Beschuldigten kann deshalb keine günstige Legalprognose gestellt
werden. Diesen Bedenken kann einzig mit einer unbedingten Strafe Rechnung
getragen werden. Der Freiheitsentzug ist deshalb zu vollziehen.
Allerdings geht der Vollzug der Schutzmassnahme dem Strafvollzug vor. So
ergibt sich aus Art. 32 Abs. 1 JStG, dass die Unterbringung dem Vollzug eines
gleichzeitig ausgesprochenen vollziehbaren Freiheitsentzuges voraus geht. Er-
reicht die Massnahme ihr Ziel, wird die Freiheitsstrafe nicht mehr vollzogen (BSK
JStG-Gürber/Hug/Schläfli, 3. Auflage 2013, Art. 10 N 2; Art. 32 Abs. 2 JStG).
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Ausgangsgemäss ist die erstinstanzliche Kostenauflage (Ziff. 7) zu be-
stätigen.
2. Im Berufungsverfahren tragen die Parteien auch im Bereich des Ju-
gendstrafrechts die Kosten nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens
(Art. 44 Abs. 2 JStPO i.V.m. Art. 428 Abs. 1 StPO). Im vorliegenden Verfahren un-
terliegt der Beschuldigte mit sämtlichen Anträgen, weshalb ihm die Kosten des
Berufungsverfahrens vollumfänglich aufzuerlegen wären. Jedoch können im ju-
gendstrafrechtlichen Verfahren Forderungen aus den Verfahrenskosten von der
Strafbehörde gestundet oder unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Verhält-
nisse der kostenpflichtigen Person herabgesetzt oder erlassen werden (Art. 44
Abs. 2 JStPO i.V.m. Art. 425 StPO). Unter Berücksichtigung dessen, dass der
Beschuldigte kein Einkommen erzielt, sind ihm die Kosten des vorliegenden Ver-
fahrens zwar vollumfänglich aufzuerlegen, im Fr. 300.– übersteigenden Umfang
jedoch abzuschreiben. Die Kosten der amtlichen Verteidigung, welche auf
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Fr. 7'294.55 festzusetzen sind, sind - unter Vorbehalt der Rückzahlungspflicht
gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO - auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 44 Abs. 2
JStPO i.V.m. Art. 426 Abs. 1 StPO).