# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 206aa836-401f-4992-827a-e7516f72f41a
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der
1980 geborene
X._
arbeitete
als Produktionsmitarbeiter bei der
Y._ AG
in einem
Temporärarbeitsverhältnis
und stand
ab dem 5. März 2018
bei der
Z._
AG im Einsatz (Urk. 8/10)
.
I
n dieser Funktion
war
er
bei der Suva obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert. Mit Schadenmeldung vom 13. April 2018 teilte die Arbeitgeberin der Suva mit, der Versicherte sei
am 12. April 2018
mit seinem Auto auf dem Weg zur Arbeit gewesen, als
es
plötzlich
mit
ein
em
den Vortritt missachten
den
Auto
zur Kollision
gekommen sei
, anlässlich dessen es zu einer Hirnerschütterung gekommen sei
(Urk. 8/1)
.
Die Erstbehandlung fand bei
Dr.
med.
A._
, Facharzt Allgemeine Innere Medizin
, statt, der dem Versicherten
ab dem 12. April 2018 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
attestierte
(Urk. 8/2).
Die
Suva
erbrachte
die gesetzlichen Leistungen (vgl. Urk. 8/14).
Sodann zog sie die
Akten der Stadtpolizei Zürich
(Urk. 8/
28)
sowie die Unterlagen der Schweizerischen Mobiliar Versicherungs
gesellschaft AG zur Expertise des Fahrzeuges des Versicherten (Urk. 8/38)
bei
.
Am 1
6.
Oktober 2018 teilte der Versicherte mit, er arbeite seit dem 3. September 2018 wieder in einem 100 %
P
ensum bei der
Z._ AG (
Urk. 8/119).
Ab dem 2
5.
Oktober 2018 wurde dem Versicherte
n
erneut eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (Urk. 8/141)
. Am 6. Dezember 2018 fand eine kreisärztliche Untersuchung durch
Dr.
med.
B._
, Facharzt O
r
thopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, statt (Bericht vom
7.
Dezember 2018, Urk. 8/178). Mit Schreiben vom 10. Dezem
ber 2018 teilte die Suva dem Versicherten mit, dass er ab
dem
6.
Dezember 2018
unfallbedingt vollständig arbeitsfähig sei und keine weiteren Taggeldleistungen erbracht würden (Urk. 8/179).
Kreisarzt
Dr.
med.
C._
, Prakti
scher Arzt, nahm am 16. August 2019 eine abschliessende ärztliche Beurteilung vor (Urk. 8/281
). Mit Verfügung vom 3. September 2019 verneinte die Suva
mangels
Adäquanz der noch geklagten Beschwerden zum Unfallereignis
einen Anspruch auf weitere Geldleistungen
und stellte die Versicherungsleistun
gen per 16. September 2019 ein
(Urk. 8/290).
Die
dagegen erhobene
Einsprache des Ver
sicherten vom
4.
Oktober 2019
(Urk. 8/322; ergänzend begründet am 7. Mai 2020, Urk. 8/355)
wies die Suva mit
Einspracheentscheid
vom 10. Juni 2020 ab (Urk. 2 [= Urk. 8/361]).
2.
Dagegen liess der Versicherte am 13. Juli 2020 Beschwerde erheben und bean
tragen, der
Einspracheentscheid
vom 10. Juni 2020 sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, weiterhin die gesetz
lichen Leistungen zu erbringen; e
ventualiter sei die Sache
an die Beschwerdegeg
nerin zurückzuweisen, damit
diese
notwendige Abklärungen
vornehme und hernach neu verfüge (Urk. 1
S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 14. September 2020 schloss die Beschwerde
gegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7)
, was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 16. September 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 10).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten. Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am 12. April 2018 und damit bereits unter Geltung
der ab 1. Januar 2017 geltenden Normen ereignet
.
1.2
Die Beschwerdegegnerin hat
im angefochtenen Entscheid
die rechtlichen Grund
lagen betreffend den für die Leistungspflicht des obligatorischen Unfallversiche
rers (Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung, UVG) erfor
derlichen natürlichen Kausalzusammenhan
g (BGE 129 V 177 E. 3.1)
sowie die Bestimmungen und Grundsätze für den Fallabschluss (BGE 134 V 109 E. 4)
zutref
fend wiedergegeben. Richtig sind auch die Erw
ägungen zur überdies erfor
derli
chen Adäquanz des Kausalzusammenhangs im Allgemeinen (vgl. auch BGE 129 V 177 E. 3.2, 125 V 461 E. 5a mit Hinweisen) sowie bei psychischen Unfall
folgen (BGE 115 V 138 ff. E. 6) und Unfällen mit Schleudertrauma der Hals
wirbelsäule (HWS), Schädel-Hirntrauma oder gleichgestellter Verletzung (BGE 134 V 109 ff.; 117 V 359,
369; SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 E.
2) mit Einschluss der Rechtsprechung zur Abgrenzung der Anwendungsbereiche dieser beiden Vor
gehensweisen (BGE 127 V 103 E. 5b/
bb
, 123 V 99 E. 2a,
Urteile des Bundesge
richts 9C
_957/2008 E. 4.2, 8C_318/2013 vom 18. September 2013 E. 5.1). Darauf wird verwiesen.
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und
in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog im angefochtenen Entscheid, gemäss den medizinischen Abklärungen und Beurteil
ung
en würden für die beklagten Beschwerden keine unfallbedingten organischen Befunde struktureller Natur vor
liegen. Soweit die Beschwerden nicht durch unfallfremde pathologische Befunde erklärt werden könnten, handle es sich um sogenannte organisch nicht (hinrei
chend) nachweisbare Beschwerden.
Habe die versicherte Person ein Schleuder
trauma der Halswirbelsäule, eine dem Schleudertrauma äquivalente Verletzung oder ein Schädelhirntrauma erlitten, müsse beurteilt werden, ob die zum typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung geh
örenden Beeinträchtigun
gen vorlä
gen. Es sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer eine entspre
chende Verletzung erlitten habe und die zum typischen Beschwerdebild gehören
den Beeinträchtigungen vorhanden seien. Aufgrund des bisherigen erfolglosen Verlaufs mit Scheiter
n der
Arbeitsversuche könne von weiteren medizinischen Massnahmen nicht mindestens mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine namhafte Besserung
des Gesundheitszustandes
prognostiziert werden. Die
vorübergehenden
Leistungen seien zu Recht eingestellt und die Frage d
es adäquaten Kausalzusammenhang
s geprüft worden
(Urk. 2 S. 8-9)
.
Die Adäquanz
prüfung habe ergeben, dass
–
wenn überhaupt
–
höchstens zwei Kriterien in ein
facher Weiser erfüllt
seien
, was zur Bejahung eines adäquaten Kausalzusammen
hanges nicht genüge. Ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen den noch beklagten Beschwerden und dem Unfall sei zu verneinen (Urk. 2 S. 12).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, dass
die Beschwerdegegnerin mit dem veranlassten neuroradiologischen
Konsil
durch
Prof.
D._
die ursprüngliche Diagnose eines posttraumatischen Kontu
sionsödem
s
im Bereich des Wirbelkörpers HWK
5
zu Unrecht
in Frage gestellt habe. In den beiden MRI-Berichten der
Klinik E._
vom 7. Januar und 5. April 2019 sei unmissverständlich und eindeutig ein
regredientes
, d.h.
rückläufiges, Knochenmarködem im
HWK
5 festgestellt worden. Es sei nicht nachvollziehbar wie Prof.
D._
eine «relevante Befundänderung» entgegen den besagten Berichten verneine. Soweit in den Berichten von einer
Regredienz
des Knochenmarködems die Rede sei, spreche dies nach Argumentation von Prof.
D._
gerade für das Vorliegen einer posttraumatischen Veränderung im
Sinne eines Knochenmarködems und damit für eine objektiv nachweisbare Unfallfolge. Die festgestellte leichte Deckplattenimpressionsfraktur HWK
5 mit Knochenmark
ödem sei
infolgedessen
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Unfall
ereignis vom 12. April 2018 zurückzuführen, weshalb die Beschwerdegegnerin die gesetzlich geschuldeten Leistungen zu erbringen habe. Die Einstellung sei verfrüht und ohne rechtsgenügende Sachverhaltsabklärung
erfolgt
. Im Übrigen wären mehrere der massgeblichen Kriterien erfüllt und die Adäquanz der noch bestehenden Gesundheitsbeeinträchtigung zum Unfallereignis zu bejahen
(Urk. 1 S. 4-6).
3.
3.1
Am 12. April 2018 erfolgte durch
Dr.
med.
A._
, Facharzt Allgemeine Innere Medizin, die medizinische Erstbehandlung nach dem Autounfall
. Er diagnostizierte
eine HWS-Distorsion mit Schlag von rechts. Das MRI der
HWS habe eine leichte HWK
5 Deckplattenimpressionsfraktur gezeigt, welche eine Folge des Unfalls sei.
Dr.
A:_
_
attestier
t
e dem Beschwerdeführer bis am 16. April 2018 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 8/32)
.
3.
2
Am 1
6.
April 2018
wurde ein CT Schädel nativ angefertigt. Aus dem gleichentags erstellten Bericht geht hervor, dass
der Beschwerdeführer nach dem Auffahrunfall vom 12. April 2018 an Kopfschmerzen okzipital bis in die Stirn ziehend sowie an Übelkeit und Erbrechen
gelitten habe
.
Der Befund
habe
sich weitgehend unauf
fällig
gezeigt.
Traumafolgen
hätten
keine festgestellt werden
können;
in
s
beson
dere
seien
keine intrakraniellen Blutung
en oder frische
ossäre
Läsionen ersicht
lich gewesen
(Urk. 8/22).
3.
3
Gemäss Konsultationsbericht vom 19. April 2018 von
Dr.
med.
F._
, Facharzt Ophthalmologie,
erfolgte die Zuweisung
des Beschwerdeführers
nach Autounfall mit vermehrtem Unwohlsein und
Versch
w
ommensehen
. In der Unter
suchung seien die vorderen
Bulbusabschnitte
normal
zur Darstellung gekommen
. Auch in der hochauflösenden optischen
Kohärenztomographie
untersuchung
seien die
morphologische
n
Netzhautschichten
unauffällig gewesen
. Hinweise auf eine
Optikusverletzung
hätten nicht vorgelegen. Es
hätte
n
sich kein relevantes
Afferenzdefizit
der Pupille und auch keine Farbsin
n
störung gezeigt. Die
Peri
metrie
sei absolut normal gewesen (Urk. 8/60).
3.4
Am 24. April 2018
fertigte
Dr.
med.
G._
, Facharzt Radiologie, ein MRT der HWS und BWS
an
. Befundmässig
erhob er
eine Streckhaltung der HWS mit erhaltenem Alignement
.
Er hielt fest, a
n der Deckplatte HWK
5 bestehe eine
leichte Impression mit Knochenmarködem, ohne Dislokationszeichen bei intak
tem
anteriorem
und
posteriorem
lo
n
gitudinalem Ligament. Es würden Dehydra
tionszeichen auf Höhe aller
Bandscheibensegemente
bestehen. Auf der Höhe der Segmente C4-C6 würden leichtgradige Höhenminderungen der Bandscheiben mit entsprechender leichter dorsaler
Diskusprotrusion
ohne Nachweis einer Diskushernie bestehen. Eine Einengung der
Neuroforamina
oder des Spinalkanals bestehe nicht.
Das zervikale
Myelon
komme
regelrecht
zur
Darstellung
. Auf Höhe
BWS bestehe eine leichte Streckhaltung bei Status nach du
rchgemachtem Morbus Scheuermann, bei
BWK 1 eine
Schmorl’sche
Impression mit leichtem perifokalem Ödem. Hinweise auf posttraumatische
ossäre
Läsionen
seien
bei erhaltenem Alignement nicht
ersichtlich
. Auf Höhe BWK 5 und 6 würden
hyperintense
Artefakte bestehen. Auf Höhe der Segmente TH5-TH8 bestehe eine leichtgradige
Osteochondrose
, ohne Diskushernie oder
radikulär
e
komprimierende Prozesse. Der Spinalkanal sei normal weit
und d
ie Darstellung des thorakalen
Myelon
s
regelrecht (Urk. 8/31 [= Urk. 8/61]).
3.
5
Gemäss
Anamnese im
Sprechstundenbericht der Neurologie des
Spital H._
vom
2.
Mai 2018
berichtete
der Beschwerdeführer, er habe am 1
2.
April 2018 einen Unfall gehabt. Er sei mit dem PW unterwegs gewesen, als ein anderer PW
-Fahrer
die Vorfahrt missachtet habe und ihm in die rechte Seite gefahren sei. Dabei sei sein Kopf nach vorne und nach hinten links gegen die Scheibe geschla
gen worden. Er sei nicht bewusstlos gewesen und habe keine Amnesie für das Ereignis. Danach sei ihm übel gewesen und er habe erbrechen müssen. Seit dem Ereignis würden Nackenschmerzen mit einer Ausstrahlung in den Hinterkopf bis zentral sowie Schmerzen im Bereich beider Schultern
bestehen. Des Weiteren sehe er
auf beiden Augen
eine Art Sternchen und er habe das Gefühl, etwas stimme nicht mit seiner Koordination. Im Verlauf seien die Nackenschmerzen lediglich etwas besser geworden.
Zum Befund hielt der Neurologe fest,
d
ie HWS-Muskulatur sowie der M.
trapezius
seien
beidsei
ts schmerzhaft palpabel gewesen;
der übrige neurologische Befund
sei
unauffällig. Der Beschwerdeführer habe aus neurologischer Sicht typische Beschwerden eines HWS-Distorsionstraumas. Ins
besondere seien lokale Schmerzen der Nackenmuskulatur sowie beider M.
Trapezii
im Vordergrund gestanden.
Duplexsonographisch
hätten keine Hin
weise auf eine Verletzung der hirnversorgenden Arterien festgestellt werden können. Die Beschwerden seien typisc
he Symptome nach einer HWS-
Distorsion,
die
zwei Wochen nach dem Trauma nicht ungewöhnlich seien.
Bis zur Besserung der Symptome sei eine milde Physiotherapie
anzuwenden
, um eine Lockerung der Nackenmuskulatur zu erreichen (Urk. 8/25/1 f.
[= Urk. 8/59/1 f.]
).
3.
6
Im Bericht der
Klinik E._
, Wirbelsäulenchirurgie, vom 11. Mai 2018 notierten die Ärzte
,
u
nmittelbar nach dem Unfall habe der Beschwerde
führer vor allem Kopfschmerzen angegeben. Im Verlauf seien zunehmend Nackenschmerzen mit Ausstrahlung in beide Schultern hinzugekommen. Zum Ausschluss einer
ossären
Verletzung und intrazerebralen Blutung seien ein MRI
der
HWS und ein CT
angefertigt
worden. Das CT vom 7. Mai 2018 habe keinen Nach
weis einer Fraktur ergeben. Im
MRI seien mehrsegmentale rundliche unspe
zifische
lytische
Wirbelkörperläsionen
einsehbar
gewesen (DD
fat
poor
Häma
n
giom). Das MRI
der
HWS vom 24. April 2018 habe ein leichtes Knochen
marködem C5 im Sinne einer Deckplattenimpressionsfraktur C5 ohne Neuro
kompression gezeigt. In der radiologischen Bildgebung
habe
sich keine Höhen
minderung des Wirbelkörpers gezeigt. Die Ärzte attestierten dem Beschwerde
führer im angestammten Beruf eine
100 %
ige
Arbeitsunfähigkeit
b
is Ende Mai 2018 (Urk. 8/56).
3.
7
Wie dem Bericht der Abteilung
Chiropraktische
Medizin
,
Klinik E._
,
vom 20. Juni 2018
zu entnehmen
ist, berichtete der Beschwerdeführer, seit dem Unfall an persistierenden rechtsbetonten Nackenschmerzen mit Aus
strahlung in die Schläfengegend sowie in die lateralen Oberarme beidseits zu leiden. Zudem habe er Schmerzen thorakal
interscapulär
sowie etwas rechtsbetont im
Trapeziusbereich
.
Höhergradige
Verletzungen oder Makroinstabilitäten der HWS seien bereits im Vorfeld mittels MRI ausgeschlossen worden. Es seien multiple
myofasziale
Befunde sowie segmentale Dysfunktionen vorhanden, wel
che mittels
chiropraktischer
Manipulation und muskulär
detonisier
e
nden
Mass
nahmen behandelt
würden
(Urk. 8/44 [= Urk. 8/55])
.
3.
8
Gemäss Sprechstundenbericht
der Wirbel
säulen
chirurgie
d
er
Klinik E._
vom 7. August 2018 kam
es
nach
den
13
chiropraktischen
Behandlungen jeweils zu einem kurzfristigen Ansprechen; ein Arbeitsversuch sei bei per
sistierender
Zervikozephalgie
jedoch
gescheitert. Bildmorphologisch habe sich im Segment C4/5 bei diskreter Impressionsfraktur und Vakuumphänomen eine trau
matisch bedingte Schädigung des Segments, ohne neuronale Kompression
, finden lassen
(Urk. 8/100 [= Urk. 8/108]
).
3.9
Mit Verlaufsbericht vom 31. August 2018 ergänzten
die Ärzte der
Chiroprakti
schen
Medizin
, nach Ablehnung einer stationären Rehabilitation durch die Beschwerdegegnerin sei der Beschwerdeführer erneut zur intensiven ambulanten Therapie zugewiesen worden.
Unter der neu eingesetzten therapeutischen Lokal
anästhesie hätten sich die Beschwerden
regredient
gezeigt. Der Beschwerdeführer könne die Arbeit am 3. September 2018
wieder aufnehmen
(Urk. 8/116).
3.
10
Mit Stellungnahme vom 23. Oktober 2018 hielt
Dr.
B._
fest, der Verlauf sei regelrecht. Bei Deckplattenfraktur sei der Endzustand ein Jahr nach Ereignis zu erwarten; die Jahr
esfrist laufe im April 2019 ab
(Urk. 8/123).
Am 6. Dezember 2018 wurde der Beschwerdeführer von
Dr.
B._
kreisärztlich untersucht.
Aus dem Bericht
zur
Untersuchung geht hervor,
der Beschwerdeführer
habe angegeben,
ständig Nacken- und Kopfschmerzen
zu haben
. Die zuletzt durchgeführten Behandlungen in der
Klinik E._
hätten nur eine kurzfristige Besserung für einige Stunden gebracht.
Zur Linderung seiner Beschwerden müsse er ständig Medikamente einnehmen. Er lasse in regel
mässigen Abständen an der
Klinik E._
intramuskuläre Infiltra
tionen in die Nacken- und Schultergürtelregion sowie
manual
therapeutische
Behandlungen
an
der Halswirbelsäule durchführen. Diese Behandlungen hätten zu keiner wesentlichen Besserung geführt,
der Beschwerdeführer
habe mehr oder weniger die gleichen Beschwerden wie zu Beginn der Behandlung am 20. Juni 201
8.
Nach dem Unfall habe
er an
Sehstörungen mit verschwommenem Sehen
gelitten. Seit dem Unfall
bestehe auch
ein
Dauerton im Ohr, dieser sei nicht massgeblich störend und könne durch Gespräche aus dem Be
wusstsein zurück
gedrängt werden. In
ruhiger Umgebung falle ihm
der Ton
jedoch wieder auf. Seine Tagesstruktur bestehe aus Nichtstun
.
A
bends komme seine Lebenspartnerin nach Hause
, t
agsüber wechsle er regel
mässig zwischen sitzenden, liegenden und gehenden Positionen. Auf Empfehlung führe er einmal täglich bis zu
dreissig
minütige
Spaziergänge durch. Fahrrad
fahren habe zu einer Schmerzverstärkung im Nacken-/Schultergürtelbereich geführt
(Urk. 8/178 S.
13-14)
.
Der Kreisarzt notierte, auffällige Asymmetrien des Nacken-/Schultergürtelbereich
s
hätten sich
inspektorisch
nicht finden lassen. Im Sitzen habe eine vermehrte Rundrücken
fehlhaltung mit konsek
utiver
Hy
perlordosierung
der Halswirbelsäule und deutli
cher
Protraktion
des Kopfes festgestellt werden können. Die Fehlhaltung sei
aktiv korrigierbar und führe z
u keiner Schmerzverstärkung bei Korrektur. Die Beweg
lichkeit der Halswirbelsäule sei in allen Ebenen
endlagig
schmerzhaft; die Beweg
lichkeit in der Rotation, Seitneigung und Flexion
sei
geringgradig
eingeschränkt. Die Linksrotation sei als hau
p
tsächlich schmerzhaft beklagt worden;
die
Rechts
rotation sei weniger schmerzhaft.
Die segmentale Testung habe eine Schmerzhaf
tigkeit i
n den
Segment
en
C4/5, C5/6 und C6/7 ergeben. Die Flexionsfäh
igkeit sei global eingeschränkt,
es
bestehe
eine
Druckdolenz
über
den Dornfortsätzen C1
C7 sowie
über den Querfortsätzen von C2-C7 beidseits.
Ebenso sei die Nacken
muskulatur
druckdolent
, das
Punctum
maximum
der
Druckdolenz
finde sich im Bereich des
Okziputs
im Bereich der Ursprünge. Der Beschwerdeführer habe über
Druckdolenzen
mit
Triggerpunkten
im Bereich des
Musculus
trapezius
pars
descendens
beidseits mit Ausstrahlung in den Ansatz des Deltamuskels am Ober
arm beidseits geklagt. Ausser der festgestellten Fehlhaltung seien keine Asymmetrien
im Bereich des Schultergürtels ersichtlich gewesen
; die Handkraft sei im Vergleich zur Altersnorm deutlich verringert. Im Bereich der Ober- und Unterarmmuskulatur seien keine Hypertrophien festgestellt worden. Störungen im Sinne eines CRPS an den oberen Extremitäten hätten sich
nicht finden lassen (Urk. 8/178 S.
15-16).
Das CT des Schädels habe keine
Traumafolgen
gezeigt; ins
besondere
seien
keine intrakraniellen Blutungen
oder
frischen
ossären
Läsionen
ersichtlich gewesen
. Das MRT der HWS und BWS habe eine Streckhaltung gezeigt. Das
Alignment
sei erhalten und es
seien
keine Dislokations
zeichen fest
gestellt worden. Das
anteriore
und
posteriore
longitudinale Ligament sei intakt. Auf Höhe aller Bandscheibensegmente seien Dehydrationszeichen ebenso wie
eine
leichtgradige Höhenminderung der Bandscheiben der Segmente C4-C6 mit leichter dorsaler
Diskusprotrusion
ohne
Nachweis einer Diskushernie
ersichtlich gewesen
. Sodann habe das CT der HWS vom Mai 2018 kein
en
Nachweis einer Fraktur
gezeigt. Dr.
B._
kam zum Schluss, der Verkehrsunfall vom 12. April 2018 habe zu einem
kraniozer
vikalen
Beschleunigungstrauma Q
T
F
Grad II geführt. Als nicht unfallkausale Diagnosen
stellte
er
eine
muskuläre
Dekondi
tionierung
,
eine
degenerative
Diskopathie
HWK 4-HWK 6,
eine
Fehlhaltung der Hals- und
Brustwirbelsäule
,
s
trukturelle und funktionelle Nackenschmerzen
, einen Status nach Diskektomie L5/S1 rechts
sowie
eine Hyposensibilität der Fingerkuppen
Dig
. I, IV und V rechts,
Dig
. I, II und V links mit schwach beziehungsweise nich
t auslösbaren Muskeleigenreflex
en
(Urk. 8/178
S.
17)
.
Dr.
B._
notierte, b
ei der klinischen Untersuchung habe sich der Beschwer
deführer an einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren leidend gezeigt.
Der Beschwerdeführer
sei aufgrund seiner Beschwerden nicht in der Lage
,
die Mindestanforderungen einer sitzenden Tätigkeit zu erfüllen. Bisher sei jede therapeutische Massnahme
gescheitert und
eine Besserung der Beschwerden
sei
seit dem Unfallereignis nicht eingetreten. Die Symptom
belastung sei ohne Veränderungen persistieren
d
. Der anhaltende und belastende Schmerz sei nicht adäquat durch den Nachweis eines unfallkausalen Prozesses erklärbar. Unfallkausale Veränderungen des Stützapparates
seien
überwiegend wahrscheinlich
bildgebend
ausgeschlossen
worden
. Es könne höchstens ein minimes Knochenmarködem mit Status quo sine nach sechs Monaten attestiert werden, welche
s
nicht mehr am Beschwerdebild beteiligt sei
. Unfallkausale Ver
änderungen der Muskulatur seien überwiegend wahrscheinlich ebenfalls auszu
schliessen.
D
er Status quo sine des
attestierte
n
«typische
n
Beschwerdebild
s
nach einem Schleudertrauma»
sei –
sollte es
tatsächlich unfallkausal gewesen sein
–
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit durch die physiologischen Reparatur
mechanismen nach sechs Monaten erreicht. Die über diesen Zeitraum hinausge
henden Beschwerden seien unfallkausal somatisch nicht erklärbar. Der somati
sche Befund stehe überwiegend wahrscheinlich in einem Zusammenhang mit beginnenden degenerativen Verschleissleiden im Bereich der HWS
(Urk. 8/178 S.
18-19).
Die erneute Arbeitsunfähigkeit ab dem 25. Oktober 2018 sei mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit nicht auf den Unfall vom 12. April
2018 zurück
zuführen (Urk. 8/178 S.
20).
3.
11
Im Bericht
der Wirbelsäulenchirurgie der
Klinik
E:_
_
vom 8. Januar 2019 wurde notiert, der Beschwerdeführer
habe
weiterhin von
unver
änderten
Cervikocephalgien
seit dem Unfall
ereignis
berichtet
. Zudem sei neu seit rund drei Wochen nicht nur eine Ausstrahlung der Schmerzen bis in beide Schultern vorhanden, sondern bis in beide Hände (vor allem
Dig
. I und V). Die
chiropraktische
Behandlung habe keine wesentliche Schmerzlinderung erzielt. Es bestehe ein
cervikocephales
und
spondylogenes
Schmerzsyndrom sowie eine
Pseudoradikulopathie
beider oberen Extremitäten bei Status nach HWS
Distorsions
trauma. Das MR
I
der
HWS vom 7. Januar 2019 habe ein persistieren
des Wirbelkörperödem C5-6 sowie eine Facettengelenksarthrose C6/7 und C4/5 rechts mit allenfalls leichter
Neuroforamenstenose
rechts gezeigt. Diese würden die Beschwerden nur teilweise erklären (Urk. 8/189
[= Urk. 8/200]
).
3.
12
Am 16. Januar 2019 fand eine neurologische Untersuchung im
Spital H._
statt.
Der Neurologe hielt fest, wie
bereits in der Voruntersuchung vom April 2018 habe sich der formale neurologische Befund komplett unauffällig gezeigt. Insbe
sondere klinisch seien keine Hinweise auf eine
Radikulopathie
festgestellt worden.
Die angegebenen Beschwerden mit nächtlichem und morgendlichem Einschlafen der Hände und Arme hätte am besten zu einem Karpaltunne
lsyndrom gepasst, neurografisch
sei
der B
efund
normal gewesen
.
Indessen habe der Beschwerdeführer ängstlich und verunsichert gewirkt.
Dem
Beschwerdeführer werde eine mu
l
t
imodale Therapie empfohlen. Sodann
werde
dringend geraten, den unkritischen Einsatz von
Tramal
und
O
xycontin
zu beenden (Urk. 8/198 S.
3).
3.
13
Dr.
med.
I._
, Fachärztin Rheumatologie,
berichtete am 21. März 2019, in ihrer klinischen Untersuchung seien deutliche
myofasciale
Zeichen mit Irritationen der
Facettgelenke
cervikal
sowie Druckpunkte
n
occipital
im Vordergrund gestanden. Sie habe die gezielte Infiltration mit
Procain
fortge
setzt. Darunter habe sich eine gewisse Beschwerdestabilisierung mit zeitweise recht gutem Beschwerdeverlauf
,
aber auch wiederkehrenden Schmerzdurch
brüchen
,
abgezeichnet. Insgesamt sei die Belastbarkeit noch unzureichend, als dass der Beschwerdeführer seine
r
Tätigkeit als Laborangestellter nachgehen könnte. Aufgrund des langwierigen
Verlaufs und der bestehenden muskulären
Dekonditionierung
sei aus rheumatologischer Sicht die Durchführung einer intensiven stationären Rehabilitation sinnvoll (Urk. 8/221).
3.
14
Gemäss Sprechstundenbericht der Wirbelsäulenchirurgie der
Klinik E._
vom 5. April 2019
leidet der Beschwerdeführer an einem leicht
regrediente
n
zervikozephalen
und
spondylogenen
Schmerzsyndrom, einer
Pseudoradikulopathie
der oberen Extremitäten beidseits sowie an einem Tin
n
itus. Das gleichentags angefertigte MRI habe ein
regredientes
, persistierendes Wirbel
körperödem C5-6 sowie eine leichte Facettengelenksarthrose C4/5 und C6/7 nach einem HWS-Distorsionstrauma mit leichter Deckplatten
impressionsfraktur C5 gezeigt (Urk. 8/225).
3.
1
5
Am 4. Mai 2019 nahm Kreisarzt
Dr.
med.
C._
, Facharzt Allge
meine Innere Medizin, Stellung.
Er hielt fest, es seien keine bleiben
den
unfall
kausalen strukturellen Schädigungen
mit überwiegender Wahrscheinlich
keit
objektivierbar belegt worden. Übereinstimmend mit der kreisärztlichen
Ein
schätzung
von
Dr.
B._
habe der Neurologe ein unspezifisches chronisches Schmerzsyndrom mit einer mittlerweile diffusen, somatoformen, unfallkausal nicht erklärbaren Beschwerdeausweitung beschrieben. Zur weiteren medizini
schen und beruflichen Standortbestimmung
empfehle
er wie
von den
behandeln
den Ärzte
n
der
Klinik E._
,
Dr.
Frank und
Dr.
I._
,
vorgeschlagen
,
die Umsetzung einer multimodalen stationären Rehabilitation (Urk. 8/234).
3.
16
Gemäss Austrittsbericht der Rehaklinik
J._
wurde der Beschwerdeführer vom
4.
bis 9. Juli 2019 stationär behandelt.
Aus dem Bericht geht hervor, dass die Schmerzproblematik des Beschwerdeführers vor allem durch regelmässige
interventionelle
schmerztherapeutische Massnahmen
behandelt
worden war, in der Rehaklinik ein vergleichbares Setting jedoch nicht angeboten werden konnte, weshalb die Rehabilitation vorzeitig abgebrochen worden sei
(Urk. 8/273
S.
3)
.
Während der Rehabilitation sei eine psychosomatische Abklärung erfol
gt. Der Beschwerdeführer habe angegeben, seit er in der Klinik sei, gehe es ihm schlechter als zu Hause. Die Kopfschmerzen und der Tinnitus hätten zugenommen; die Schmerzen im Nacken-/Schulterbereich seien unerträglich. Er komme in der Klinik nicht «zur Ruhe».
Unter den gegebenen Umständen sei beschlossen worden, den
Rehaaufenthalt
in Absprache mit der Beschwerdegegnerin mangels
Rehapotenzials
vorzeitig abzubrechen
(Urk. 8/273 S.
4).
3.
17
Am 30. Juli 2019 nahm Prof.
Dr.
med.
D._
, Facharzt Radiologie,
im Rahmen des neuroradiologischen
Konsil
s
Stellung. Bereits im initialen MRT der HWS vom 24. April 2018 sei ein diskretes
hyperintenses
Signal im Bereich des
Wirbelkörpers HWK
5 auf der T2 f
ettgesättigten Bildgebung festgestellt worden, dies sei im posttraumatischen Kontext als Kontusionsödem interpretiert worden. Im klinischen Kontext sei diese Interpretation absolut nachvollziehbar. Allerdings sei
en
im zusätzlich durchgeführten CT der HWS vom 7. Mai 2018 keine eindeu
tigen posttraumatischen Veränderungen nachgewiesen worden. Es bestehe eine Streckstellung der HWS und eine beginnende
Osteochondrosis
inter
vertebralis
HWK 4/5 mit minimaler
osteophytärer
Apposition
anterior
und beginnende
r
Unkarthrose
beidseits.
Eine eindeutige Fraktur habe hingegen nicht festgestellt werden können
.
Es liege a
lle
rd
ings ein Nachweis einer heterogenen Knochen
struktur in mehreren Wirbelkörpern im CT vor; diese sei insbesondere in den HWK
4 und HWK
5 ausgeprägt. Bei den Untersuchungen im Januar und April 2019, welche mit leicht unterschiedlicher Technik zur erst
en
MRT-HWS-Unter
suchung durchgeführt worden seien, sei
eindeutig und ohne relevante Befundänderung erneut ein Hypersignal in der T2
f
ettgesättigten Bildgebung im Bereich
des
HWK
5 nachweisbar gewesen. Prof.
D._
kam zum Schluss, diese Befundkonstanz über ein Jahr spreche gegen die ursprüngliche These eines
posttraumatischen
Knochenödem
s
(Urk. 8/278
S.
2
).
Im CT sei kein Nachweis einer eindeutigen Fraktur ersichtlich,
es
seien
aber
beginnende degenerative Veränderungen insbe
sondere
in den
HWK
4/5 festzustellen
gewesen
(Urk. 8/278 S.
3).
3.
18
Gemäss
ärztlicher
Beurteilung
vom 16. August 2019 durch
Kreisarzt
Dr.
C._
liessen sich
keine unfallkausalen strukturellen Schädigungen mit dem Grad einer mindestens überwiegenden Wahrscheinlichkeit
befundlich
objektivierbar bele
gen
. Bildgebend sei
en
im
CT des Schädels vom 16. April 2018 und im CT der HWS vom 7. Mai 2018
Traumafolgen
, wie eine intrakranielle Blutung oder frische Läsionen des Schädels und der Halswirbelsäule, mit überwiegender Wahr
schein
lichkeit ausgeschlossen worden. Auch in den konventionellen und funktionellen Röntgenaufnahmen der HWS vom 4. Juni 2018 und 6. August 2018 seien keine Hinweise auf eine Störung des Alignements, eine Fraktur oder eine funktionelle Instabilität der HWS bei erhaltener Höhe der Wirbelkörper festgestellt worden. Die Konstanz eines diskret
hyperintensen
Si
g
nals im Bereich des Wirbelkörpers HWK
5
ohne eine relevante Befundänderung in den MRT
Unter
suchungen der HWS vom 14. April 2018, 7. Januar 2019 und 5. April 2019
sprächen
eindeutig gegen ein posttraumatisches Knochenödem. Im Falle einer Unfallverletzung hätte dieses erwartungsgemäss deutlich rückläufig sein sollen.
Auch im Abgleich mit dem CT vom 7. Mai 2018 und der am Unfalltag im vollen Umfang frei
befundeten
HWS-Beweglichkeit sei eine Impressionsfraktur an der Deckplatte des HWK
5 nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
kausal
zum Unfallereignis vom
12. April 2018 eingetreten. Diesbezüglich sei von einer in stummer oder mani
fester Weise vorbestehenden, unfallfremden Veränderung des fünften Hals
wirbelkörpers auszugehen. Im MRT der BWS vom 1
4.
April 2018 seien ansonsten multisegmentale degenerative Verschleiss
schäd
en/
O
s
teochon
drosen
und die
allfällige
n
Folgen eines Morbus Scheuermanns mit einer
Schmorl’schen
Impression am BWK
1 festgestellt worden
.
Diese würden jedoch ebenfalls mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit keine unfallkausalen strukturellen Schäden darstellen. Ansonsten sei ein chronisches, voroperiertes LWS-Krankheitsleiden vorbekannt. Darüberhinausge
hend hätten die fachärztlich ophthalmologischen,
neurologischen
und
neurophysiologischen Untersuchungen völlig unauffällige Befunde gezeigt ohne Hinweise auf eine posttraumatische funktionelle oder strukturelle Schädigung.
Die unspezifischen, völlig
threapierefraktären
, sich im Verlauf
gegenteils
auswei
tenden Beschwerden des Beschwerdeführers (
mit
Wärmegefühl im Gesicht, inter
mittierenden Taubheitsgefühlen an allen Fingern beider Hände, einer Kraftmin
derung an beiden Armen, Ohrgeräuschen, gelegentlichem
Verschwommensehen
, Kopfschmerzen bodenförmig bis zum Auge reichend und subjektiv invalidi
sierenden Schmerzzuständen
zervikozephal
,
zervikobrachial
und lumbal) seien nicht
pathomorphologisch
/organisch einzuordnen und durch keine unfallkausale strukturelle Schädigung erklärbar. Entsprechend der kreisärztlichen Beurteilung vom 7. Dezember 2018, dem neurologischen Untersuchungsbericht vom 16. Januar 2019 sowie dem Austrittsbericht der Rehaklinik
J._
sei am ehesten von einer unfallfremden, chronischen, somatoformen Schmerzstörung des ängstlich und emotional defizitär beschriebenen Beschwerdeführers auszuge
hen. Alle medizinisch sinnvollen und vertretbaren diagnostischen und therapeu
tischen Massnahmen seien bereits durchgeführt worden.
Dr.
C._
kam gestützt darauf zum Schluss, auch durch weitere Behandlungen könne mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit keine namhafte Besserung des unfallbezogenen Gesundheitszustands mehr erwartet werden. Unfallfolgen würden im konkreten Einzelfall zum unspezifischen Beschwerdebild des Beschwerdeführers, ohne eine objektivierbare unfallkausale strukturelle Folgeschädigung, mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine Rolle mehr spielen. Weitere medizinische
Untersu
chungs
- oder Behandlungs
massnahmen seien unfallkausal nicht mehr angezeigt (
Urk.
8/281
S.
15-16).
3.
19
Gemäss Sprechstunde
n
bericht der
Klinik
E:_
_
vom 1
9.
November 2019
erschien der Beschwerdeführer am 1. November 2019 zur geplanten klinisch-radiologischen Verlaufskontrolle sechs Monate nach letztmaliger Konsultation. Das gleichentags erstellte MR
der
HWS habe ein minimal
regre
dientes
diffuses
Knochenmarködem Wirbelkörper C5 gezeigt; unverändert bestehe eine leichte
neuroforaminale
Enge C4/5 rechts und C6/7 rechts. Aus wirbelsäulenchirurgischer Sicht sei keine Indikation für ein operatives Vorgehen gegeben. Es werde die Fortführung der rheumatologischen Behandlung
empfohlen und der
Wunsch des Beschwerdeführers
unterstützt,
eine spezialisierte stationäre Rehabilitation in der Rehaklinik
K._
durchzuführen. Weitere Verlaufskontrollen seien nicht geplant (Urk. 8/332).
4.
4.1
Vorab ist festzuhalten, dass d
er
Beschwerdeführer
am 14. August 2012 beim
Runtertragen einer Guss
s
chneidemaschine eine Treppenstufe
verpasste
, stolperte und gegen eine Wand gedrückt
wurde
;
dabei verstauchte/verdrehte er sich den Rücken. Die Ärzte diagnostizierten eine akute Lumbago nach Hebetrauma. Das MRI der LWS vom 8. September 2012 zeigte eine
Bandscheibenprotrusion
L5/S1, ohne wesentliche Spinalkanalstenose. Am 25. März 2013 unterzog sich der Ver
sicherte einer Dekompression und Diskektomi
e L5/S1 rechts (vgl. Urk. 8/178 S.
8
10). Mit Verfügung vom 9. Oktober 2013 wurde
der Unfall unter Einstellung der
Versicherungsleistungen per 31. Oktober 2013 folgenlos
abgeschlossen
. Die hiergegen eingereichte Einsprache wurde mit Entscheid vom 4. Dezember 2013 abgewiesen; dieser Entscheid ist in Rechtskraft erwachsen (Urk. 2 S. 2).
Am 18. August 2017 rutschte der Versicherte rund 40 bis 50 cm über dem Boden kauernd aus und fiel mit dem Gesäss leicht nach hinten auf den Plattenboden. In der Folge klagte er über Rückenbeschwerden mit Ausstrahlung ins rechte Bein. Es wurde eine
Lumoischialgie
rechts
diagnostiziert (vgl.
Urk.
8/178 S.
10-13). Am 15. Dezember 2017 stellte die Suva die Versicherungsleistungen per 24. Dezem
ber 2017 ein (Urk. 2 S. 2).
4.2
Streitig und zu prüfen ist vorliegend, ob der Beschwerdeführer aus dem Unfall vom 12. April 2018 über den 16. September 2019 hinaus Anspruch auf Leistun
gen der obligatorischen Unfallversicherung hat. Dabei umstritten ist einerseits das Vorliegen organisch nachweisbarer Unfallfolgen, andererseits der rechts
erhebliche Zusammenhang zwischen den noch geklagten Beschwerden und dem Unfallereignis. Nicht geltend gemacht wird dagegen ein Zusammenhang der aktuellen Beschwerden mit den Unfallgeschehen aus den Jahren 2012 und 2017 (vgl. E. 4.1).
5
.
5
.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich im angefochtenen Entscheid vom 10. Juni 2020 auf die Beurteilung von Kreisarzt
Dr.
C._
. Diese wurde in Kenntnis der relev
anten
Vorakten
abgegeben und is
t für die streitigen Belange umfassend.
Dr.
C._
hat die medizinischen Zus
a
mmenhänge unter Berücksichtigung der Befunde und der geklagten Beschwerden, insbesondere auch unter Einbezug des neuro
radio
logischen
Konsil
s
von
Prof.
Dr.
D._
, einleuchtend dargelegt und seine Schlussfolgerungen nachvollziehbar begründet. Somit liegt eine den recht
sprechungsgemäss erforderlichen Kriterien entsprechende ärztliche
Entscheid
grundlage
vor
(
E. 1.3
).
5.2
D
er Beschwerdeführer
stellt
die Beurteilung von
Prof.
Dr.
D._
in F
rage
mit der
Begründung
, seine Einschätzung
widerspreche jener
der behandelnden Ärzte diametral (Urk. 1 S. 5)
. Damit
vermag er nicht durchzudringen.
Dass ein Gut
achter
aufgrund neuer Erkenntnisse zu einer anderen Einschätzung gelangt als die zuvor behandelnden Ärzte, vermag an
seiner Einschätzung
nicht per se Zweifel zu erwecken.
Prof.
Dr.
D._
führte
denn auch aus,
es
sei
zwar nachvoll
ziehbar, das
s das
im MRT der HWS vom 2
4.
April 2018
festgestellte
diskrete
hyperintense
Signal im Bereich des Wirbelkörpers HWK 5 im posttraumatischen K
ontext
initial
als Kontusionsödem
interpretiert worden sei
.
Gestützt auf die im Verlauf der medizinischen Behandlung
erhobenen
bildgebenden Befunde
kam er
jedoch
zum Schluss, die Befundkonsistenz über ein Jahr nach dem Unfallereignis spräche gegen die These eines posttraumatischen Knochenödems
(E. 3.17). Diese Darlegungen überzeugen, zumal es am Nachweis einer eindeutigen Fraktur fehlte (E. 3.2), eine Störung des Alignements nicht zu erheben war, dafür aber degene
rative Verschleisserscheinungen imponierten (E. 3.10, E. 3.18). Dass Kreisarzt
Dr.
C._
hierauf abstellend im August 2019 schloss, objektivierbare unfall
kausale strukturelle Folgeschäden spielten keine Rolle mehr, ist mithin nicht zu beanstanden.
Soweit der
Beschwerdeführer
darüber hinaus
geltend
macht
, die
verschiedenen
MRT-Untersuchungen seien mit
unterschiedlichen
Technik
en
durchgeführt wor
den,
weshalb deren Befunde nicht verglichen werden könnten
,
im Übrigen aber
in den Befunden vom 7. Mai 2018 und 5. April 2019 ein rückläufiges Knochen
marködem festgestellt worden
sei
,
was
gerade
für eine objektiv nachweisbare Unfallfolge spreche
(Urk. 1 S. 5),
kann ihm ebenso wenig gefolgt werden.
Dass zur Klärung der Frage, ob das Unfallereignis strukturelle Schädigungen nach sich gezogen habe, unterschiedliche Techniken zur Anwendung kamen, vermag deren Beweiswert nicht zu schmälern, erstattete Prof.
Dr.
D._
seine Beurteilung aus neuroradiologischer Sicht doch ausdrücklich unter Hinweis darauf, dass die ent
sprechenden MRT-Untersuchungen mit leicht unterschiedlicher Technik durchge
führt worden seien, in beiden Untersuchungen indessen keine relevante Befund
-
änderung habe festgestellt werden können
(E. 3.17)
. Sodann hielt er unverkenn
bar fest, weitere Abklärungen zur Beantwortung der Fragestellung, ob eine post
traumatische oder eine nicht posttraumatische Ursache für die Signalveränderung in HWK 5 vorliege, seien nicht notwendig
(
Urk.
8/278 S. 4)
. Dass sich im Verlauf der medizinischen Behandlung leichte beziehungsweise minimale Veränderungen hinsichtlich des
hyperintensen
Signals im Bereich des Wirbelkörpers HWK 5 visualisierten, ist ebenso wenig von Belang. Einzig ausschlaggebend ist die Konstanz dieses Signals. Prof.
Dr.
D._
kam denn
nachvollziehbar und begrün
det
unter Einbezug der Bildgebungen zum Schluss,
eine
relevante Befundände
rung
sei nicht ausgewiesen,
im Bereich des HWK
5
sei
erneut ein Hypersignal nachweisbar gewesen
(E. 3.17). Anderslautende fachärztliche Einschätzungen
zum zeitlichen Verlauf
, welche Zweifel an der Beurteilung von
Prof.
Dr.
D._
erwecken könnten, sind nicht aktenkundig, weshalb nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt
werden kann
, dass ein posttraumatisches Knochen
marködem vorgelegen hat. Daran
,
dass sich eine unfallkausale, strukturelle Schädigung nicht objektivieren liess, vermag
auch
d
er
im Beschwerdeverfahren eingereichte
Bericht von
Dr.
med.
L._
(Urk. 3/3)
, Fachärztin Anästhesiologie und Leiterin Zentrum für Schmerzmedizin
Spital M._
, vom
3.
Juni 2020
nichts
zu ändern. Allein
die Diagnose einer HWS
Distorsion bei
cervikocephalem
und
cervikospondylogenem
Schmerz
syndrom bedeutet
nicht
,
dass
eine Funktionsstörung objektiv nachweisbar vor
lieg
t
. Hierzu bedarf es vielmehr einer feststellbaren Läsion oder eines messbaren Defektzustan
des in Form neurologischer Ausfälle, wie sie beim Beschwerdeführer gerade nicht gegeben sind (vgl. E. 3.12).
Die Schlussfolgerung von
Dr.
C._
,
wonach unfallkausale Schädigungen überwiegend wahr
scheinlich nicht objektivierbar
sind,
ist bei fehlenden bildgebenden Befunden in Form von intrakraniellen Blu
tungen oder frischen Läsionen nachvollziehbar,
weshalb
strukturelle
Traumafol
gen
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen
werden können
. Das unspezifische Beschwerdebild des Beschwerde
führers (Wärmegefühl im Gesicht, inter
mittierenden Taubheits
gefühlen an allen Fingern beider Hände, einer Kraft
minderung an beiden Armen, Ohrgeräuschen, gelegentlichem
Verschwommen
sehen
, Kopfschmerzen boden
förmig bis zum Auge reichend und subjektiv invali
disierenden Schmerzzuständen
zervikozephal
,
zervikobrachial
und lumbal)
ist
nicht objektiv auf unfallkausale strukturelle S
chädigungen zurückzu
führen
.
5.
3
Zusammenfassend führt die Würdigung der medizinischen Aktenlage zum Schluss, dass der Unfall vom 12. April 2018 keine organisch-strukturellen Ver
letzungen nach sich gezogen hat und die im Zeitpunkt der Leistungs
einstellung noch geklagten Beschwerden im Bereich HWS/Kopf auf keinen organisch hinrei
chend nachweisbaren Gesundheitsschaden zurückzuführen sind. Die medizini
sche Dokumentation vermittelt hierzu ein vollständiges Bild und erlaubt eine zuverlässige Beurteilung, weshalb die Beschwerdegegnerin ohne Verletzung ihrer Untersuchungspflicht auf weitere Abklärungen wie
etwa
eine polydisziplinäre Begutachtung
(vgl. Urk. 1 S. 6)
verzichten durfte und auch in diesem Verfahren von ergänzenden medizinischen Abklärungen in antizipierter Beweiswürdigung abzusehen ist (BGE 124 V 90 E. 4b; 122 V 157 E. 1d).
6
.
6
.1
Lassen sich die im Zeitpunkt des Fallabschlusses noch geltend gemachte
n
Be
schwerden nicht mit einer organisch objektiv ausgewiesenen Folge des versi
cher
ten Unfalls erklären, hat rechtsprechun
gsgemäss eine eigenständige Adä
quanz
beur
teilung zu erfolgen
,
wobei die Beschwerdegegnerin die Prüfung derselben angesichts der Diagnose einer HWS-Distorsion mit dem anfänglich geklagten bunten Beschwerdebild und der weiter geklagten zervikalen Beschwer
den gemäss der Schleudertrauma-Praxis vorgenommen hat (BGE 134 V 109, Urk. 2 S. 6 ff.). Die Rechtmässigkeit des Fallabschlusses beurteilt sich im Lichte dieser Rechtsprechung – Eingliederungsmassnahmen der Invaliden
ver
sicherung stehen
aktuell
nicht zur Diskussion (vgl.
Urk.
8/250)
–
danach, ob von der Fortsetzung der HWS-spezifischen ärztlichen Behandlung über den
16. Septem
ber
2019 hinaus noch eine namhafte Besserung des physischen und psychischen Gesundheitszustandes erwartet werden konnte (vgl.
BGE 134 V 109
E. 6.2; vgl. zum Ganzen auch Urteil 8C_295/2013 vom 25. September 2013
E. 3.1).
6
.2
Dr.
C._
führte diesbezüglich aus, beim Beschwerdeführer seien bereits alle sinnvollen und vertretbaren diagnostischen und therapeutischen Massnahmen durchgeführt
worden
, weshalb auch durch weitere Behandlungen mit über
wiegender
W
ahrscheinlichkeit keine namhafte Besserung des unfallbezogenen Gesundheitszustandes mehr erwartet werden könn
t
e
(E. 3.18
).
Die Beschwerde
gegnerin
erwog gestützt darauf
, dass sämtliche bis anhin erfolgten Massnahmen zu
k
einer namhaften Besserung des Gesundheitszustandes mit entsprechender Wiedererlangung beziehungsweise Steigerung der A
rbeitsfähigkeit geführt hätten
(Urk. 2 S. 9). Der Beschwerdeführer bringt nichts
K
onkret
es
vor, was auf einen
verfrühten Fallabschluss schliessen
lässt
.
Er selber
machte denn auch geltend
, die seit Beginn der Behandlung durchgeführten Massnahmen hätten zu keiner wesentlichen Besserung der Beschwerden geführt (vgl. E. 3.10 und 3.11).
I
m Zeit
punkt der Leistungseinstellung
ist
keine nach Art. 19
Abs. 1 UVG ins Gewicht fallende namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr zu erwarten
gewe
sen
. Der Fallabschluss per
16. September
2019 ist damit nicht zu beanstanden.
6.3
Die Frage, ob die über den 16. September 2019
hinaus
geklagten,
nicht auf einem hinreichenden organischen Korrelat beruhenden
Verspannungen
im Nackenbe
reich und die Beschwerden in
der HWS
so
wie die gek
lagten Kopfschmerzen (Urk. 8/86 S.
1-2) natürlich kausal durch das Unfallereignis vom 12. April 2018 verursacht worden sind, kann offenbleiben, wenn der adäquate Kausal
zusammenhang ohnehin nicht
rechtsgenüglich
erstellt ist.
Nachfolgend ist die Adäquanz
nach den Kriterien gemäss BGE 134 V 109 E. 10 zu
prüfen
.
6.4
6.4.1
Die Beschwerdegegnerin qualifizierte den Unfall vom 12. April 2018 als höchstens mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Unfällen (Urk. 2 S. 10). Der Beschwerdeführer machte
demgegenüber
geltend, es sei mindestens von einem mittelschweren Unfallereignis auszugehen (Urk. 1 S. 8).
Die Unfallschwere ist objektiv aufgrund des augenfälligen Geschehensablaufs mit den sich dabei entwickelnden Kräften zu beurteilen. Irrelevant für die Einschätzung der Unfall
schwere sind die Kriterien, die anschliessend bei der Adäquanzprüfung der Unfallfolgen bei mittelschweren Unfällen Beachtung finden (SVR 2008 UV Nr. 8 S. 26 E. 5.3.1).
6.4.2
Zur Ermittlung der Schwere des Unfallereignisses beantragte
der Beschwerde
führer die Durchführung
eine
r
technische
n
Unfallanalyse
sowie eine
r
weitere
n
biomechanische
n
B
eurteilung, da der
N._
im Beurteilungszeitpunkt keine echtzeitlichen Fotos zur Endposition der beiden Fahrzeuge vorgelegen
hätten
. Deren
Einschätzung zum Aufprallwinkel und zur Geschwindigkeitsänderung
sei daher
mit erheblichen Unsicherheiten behaftet
(Urk. 1 S. 8)
.
Wie die Beschwerde
gegnerin zu Recht
festhielt
, kommt einer unfallanalytischen oder biomechani
schen Expertise in Bezug auf die Schwere des Unfalls kein erhöhtes Gewicht zu, als
einzig
gestützt darauf die Einstufung der Unfallschwere vorzunehmen wäre
(Urteil des Bundesgerichts 8C_138/2009 vom 2
3.
Juni 2009 E. 4.3.2)
.
Vorliegend ist
zudem
zu berücksichtigen, dass d
ie Beurteilung der
N._
in Kenntnis der relevanten Akten
erging. Den Sachverständigen
lagen
insbesondere der Polizei
rapport mit der Aussage des Beschwerdeführers zum Unfallhergang (vgl.
Urk.
8/28 S. 6) sowie Bilder des F
ahrzeuges des Beschwerdeführers
vor
(Urk. 8/270 S. 2). Von weiteren Abklärungen sind
mithin
keine
entscheidwesentli
chen
neuen Erkenntnisse zu erwarten
, weshalb sich eine technische Unfallanalyse oder erneute biomechanische B
eurteilung bei dieser Aktenlage
nicht rechtferti
g
en
.
6.4.3
Gemäss Polizeirapport schilderte der Beschwerdeführer den Unfallhergang dahin
gehend, dass er auf der
For
ch
strasse
stadtauswä
rts gefahren sei und die Ampel o
range geblinkt habe. Plötzlich sei ein Fahrzeug von rechts ungebremst in
sein Fahrzeug
hineingefahren. Er habe
das andere Fahrzeug
kommen sehen, sei jedoch davon ausgegangen, dass
der Fahrer
bremsen werde. Er sei mit knapp 50 km/h gefahren, fahre auf dieser Strecke jedoch immer eher zu langsam, weil es «Blitz
kästen» habe.
Er habe ein bisschen Kopfschmerzen und werde sich im Spital
untersuchen lassen (Urk. 8/28 S.
6). Eine von der Haftpflichtversicherung in Auf
trag gegebene Expertise ergab, dass am Fahrzeug des Beschwerdeführers ein Totalsc
haden entstanden
ist
(Urk. 8/38 S.
4).
Aus
der
von der Beschwerde
gegnerin eingeholte
n
biomechanische
n
Kurzbeurteilung (Triage)
der
N._
geht her
vor, dass das Fahrzeug des angegurteten Beschwerdeführers im Zuge der rechts
seitig schräg-frontal erfolgten Kollision eine Geschwindigkeitsänderung (delta-v) hauptsächlich in Rückwärtsrichtung und zu einem kleinen Anteil nach links erfahren habe, welche unterhalb oder innerhalb eines Bereiches von 20
30
km/h gelegen habe. Der auf das Ereignis gefasst gewesene Beschwerdeführer habe sich in Richtung Fahrzeuglängsachse nac
h vorne und nach rechts bewegt.
Diese Bewegung sei in Bezug auf die HWS bei Angegurteten grundsätzlich ein günsti
gerer Bewegungsablauf und bewirke
prinzipiell
geringere HWS-Belastungen als bei Heckkollisionen (Urk. 8/270).
6.4.4
Entgegen dem Einwand des Beschwerdeführers, wonach mindestens von einem mittelschweren Unfall auszugehen sei (Urk. 1 S. 8), rechtfertigt es sich mit
Blick auf die Rechtsprechung, den hier zu beurteilenden Unfall mit Totalschaden
und
seitli
cher Kollision
, bei trockenem Strassenzustand und schöner Witterung (vgl.
Urk. 8/28 S. 6)
als mittelschweren Unfall
im Grenzbereich zu den leichten Unfällen zu qualifizieren (vgl.
etwa
Urteile des Bundesgerichts
8C_493/2018 vom 12. September 2018 E. 5.3.1, 8C_682/2013 vom 14. Februar 2014 E. 10 mit Hin
weis,
8C_190/2009 vom 3. September 2009 E. 6.2
).
6.5
Bei einem mittelschweren Unfall
im Grenzbereich zu den leichten
müssten von den zusätzlich zu beachtenden Kriterien (BGE 134 V 109 E. 10.2 ff.) mindestens
vier
in der einfachen Form
(Urteil des Bundesgerichts 8C_487/2009 vom 7. Dezember 2009 E. 5)
oder aber eines in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sein, damit der adäquate Kausalzusammenhang bejaht werden könnte (SVR 2012
UV Nr. 23 S. 83, statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_608/2015 vom 17. Dezember 2015 E. 5.1).
Ob das Kriterium der besonders dramatischen Begleitumstände oder besonderen Eindrücklichkeit (
BGE 134 V 109
E. 10.2.1) des Unfalls erfüllt ist, beurteilt sich objektiv und nicht aufgrund des subjektiven Empfindens beziehungsweise des Angstgefühls des Beschwerdeführers (Urteil des Bundesgerichts 8C_456/2011 vom 11. Juli 2011 E. 6.3).
Bei jedem Verkehrsunfall wird die Sicherheit der Beteiligten beeinträchtigt,
es
ist jedoch zu berücksichtigen, dass
der Beschwerde
führer auf den Zusammenstoss gefasst
war
(vgl. Urk. 8/28 S. 6).
Eine
besondere
E
indrücklichkeit oder Dramatik lag
nicht vor, auch wenn der Beschwerdeführer sich aufgrund des missachteten Vortrittsrechts in seinem Sicherheitsgefühl massiv beeinträchtigt gefüh
l
t hat (Urk. 1 S. 8)
.
Die Erfüllung dieses Kriteriums kann
ohne
W
eiteres verneint werden kann
.
Für das Kriterium der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzungen bedarf es einer besonderen Schwe
re der für das Schleudertrauma
typischen Beschwerden oder besonderer Umstände, welche das Beschwerdebild beeinflussen können. Es kann sich dabei beispielsweise um eine beim Unfall eingenommene spezielle Körperhaltung und die dadurch bewirkten Komplikationen handeln (
BGE 134 V 109
E. 10.2.2).
Ein solcher Umstand lag gestützt auf die biomechani
sche Kurzbeurteil
ung, wonach sich beim aufrecht s
itzenden Versicherten ein günstiger Bewegungsablauf einstellte (E. 6.4.3), klarerweise nicht vor.
Demgegen
über wäre einer erheblichen Vorschädigung der HWS durch einen früheren Unfall beim Kriterium der besonderen Art der Verletzung Rechnung zu tragen (Urteil des Bundesgerichts 8C_680/2010 vom 4. Februar 2011 E. 5.3.1).
Zwar wurden m
ittels
MR
I
der BWS
am 14.
April 2018 multisegmentale degenerative Verschleissschä
den/
Osteochondrosen
und
allfällige Folge
n
eines Morbus Scheuermanns mit einer
Schmorl’schen
Impression am BWK1
diagnostiziert
(E. 3.18)
und war d
er Beschwerdeführer bis rund drei Monate vor dem Unfallereignis wegen Rücken
schmerzen im LWS-Bereich zu 100 % arbeitsunfähig (Urk. 1 S. 8). Hinweise dafür, dass der Beschwerdeführer vor dem Unfallereignis eine Vorschädigung der HWS erlitten hätte, sind
hingegen
nicht aktenkundig. Degenerative Vorschädigungen
führen
für sich
alleine
nicht bereits zur Bejahung dieses Kriterium
s
. Zum Zeitpunkt des Unfallereignisses im April 2018 war der Beschwerdeführer denn auch arbeits
fähig, weshalb das Kriterium vorliegend zu verneinen ist.
Nicht erfüllt ist
sodann
das Kriterium der fortgesetzt spezifischen, belastenden ärztlichen Behandlung nach dem Unfall bis zum Fallabschluss.
Die Beschwerde
gegnerin führte diesbezüglich zutreffend aus, dass Abklärungsmassnahmen und ärztliche Kontrollen ebenso wenig wie medikamentöse Behandlungen und
manual
therapeutische
Vorkehrungen zu berücksichtigen sind (Urk. 2 S. 11). T
herapeutische Behandlungen stellen keine spezifische ärztliche Behandlung im Sinne des Kriteriums dar (Urteil des Bundesgerichts 8C_608/2015 vom 17. De
zember 2015 E. 5.3.3).
Die
chiropraktischen
Massnahmen wurden im Dezember 2018 eingestellt (Urk. 8/185) und die Infiltrationen dienten der Schmerzbehand
lung.
Die ärztliche Behandlung dauerte nicht ungewöhnlich lange, zumal diesbe
züglich festzuhalten ist, dass eine Behandlungsbedürftigkeit (in Form medika
mentöser Schmerz- und Physiotherapie) während zwei bis drei Jahren nach einem Schleudertrauma der HWS respektive äquivalenten Verletzungen mit ähnlichem Beschwerdebild durchaus üblich ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_402/2007 vom 23. April 2008 E. 5.2.3), mithin die ärztliche Behandlung während rund einein
halb Jahren das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer nicht erfüllt.
Zutreffend ist denn auch der Schluss der Beschwerdegegnerin, wonach das Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufs und erheblicher Komplikationen nicht erfüllt ist (Urk. 2 S. 11 f.).
Diesbezüglich ist festzuhalten, dass a
us der ärztlichen Behandlung und
von
Beschwerden
nich
t schon auf ein Erfüllen des Kriteriums geschlossen werden
kann
. Es bedarf hierzu vielmehr besondere
r
Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt haben.
Die Einnahme vieler Medika
mente und die Durchführung verschiedener Therapien genügen nicht zur Bejahung dieses Kriteriums. Gleiches gilt für den Umstand, dass trotz regel
mässiger Therapie keine Beschwerdefreiheit erreicht werden konnte (Urteile des Bundesgerichts 8C_252/2007 vom 16. Mai 2008 E. 7.6, 8C_57/2008 vom 16. Mai 2008 E. 9.6.1).
Weder in den Akten noch dem im vorliegenden Verfahren aufge
legten
Bericht von Dr.
L._
lassen sich
Anhaltspunkte für einen schwierigen
Heilungsverlauf
finden;
Dr.
L._
verwies einzig auf die anhaltenden Schmer
zen im Kopf- und Nackenbereich sowie den Tinnitus (vgl.
Urk. 3/3).
Besondere Gründe, welche die Heilung
der
geklagten Beschwerden
beeinträchtigt
hätten
, können damit
nicht
als ausgewiesen erachtet werden.
Hinweise auf erhebliche Komplikationen oder eine ärztliche Fehlbehandlung sind ebenso wenig akten
kundig.
Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht vorbrachte, übersteigen die Beschwerden das bei
Schleudertraumaverletzungen
übliche Mass nicht derart, dass
das
Krite
rium
der erheblichen Beschwerden
in besonders ausgeprägter Weise bejaht werden könnte
(Urk. 2 S. 11)
.
Das Kriterium der erheblichen Beschwerden kann
damit
zumindest
nicht in ausgeprägter Weise bejaht werden.
Massgebend zur Beurteilung des Kriteriums der erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen ist eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit als solche, die zu überwinden die versicherte Person ernsthafte Anstrengungen
unternimmt. Bei diesem Kriterium ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass bei leichten bis mittelschweren Schleudertraumen der HWS ein längerer oder gar dauernder Ausstieg aus dem Arbeitsprozess vom medizinischen Standpunkt aus eher ungewöhnlich erscheint (BGE 134 V 109 E. 10.2.7). Der Beschwerdeführer
nahm seine angestammte Tätigkeit im September 2018 wieder zu 100 % auf (vgl.
Urk. 8/119), war jedoch ab dem 25. Oktober 2018 wieder zu 100 % arbeits
unfähig (Urk. 8/130).
Bei fehlenden eigenen
Copingstrategien
und ausge
prägter Symp
tomfixierung sowie Schonung im Alltag und Vermeidung von
schmerzver
stärkenden Aktivitäten
(Urk. 3/3 S. 2
;
vgl. auch Urk. 8/178 S. 19, 8/273
) ist das Kriterium der erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengung
eher
zu verneinen, zumal es gemäss vormaligem Arbeitgeber dem Beschwerde
führer zuzuschreiben ist, dass er die per
1.
November 2018 in Aussicht gestellte Festanstellung nicht angetreten habe (vgl. Telefonnotiz,
Urk.
8/174).
Bei höchstens zwei, nicht besonders ausgeprägt gegebenen Kriterien
ist die
Adä
quanz des Kausalzusammen
hangs zwischen dem Unfall
vom 12
. April 2018 und
den
weiterhin geklagten gesundheitlichen Beschwerden
nach dem Gesagten
zu verneinen.
Die Beschwerdegegnerin verneinte einen weiteren Leistungsanspruch zu Recht, weshalb d
ie Beschwerde abzuweisen
ist
.