# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b4455ffa-edb1-4658-ab77-46b02883e7c0
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1979, war vom 2. Mai 2001 bis 14. Februar 2006 als Phar
maassistentin bei der
Apotheke
Y._
anfänglich in einem 100%-Pensum, ab September 2002 aufgrund einer Weiterbildung in einem 90%-Pensum angestellt (Urk. 6/8). Nach einem plötzlichen Herzstillstand, Reanimation und ICD-Implantat im Februar 2004 sowie anschliessender kardiologische
r
Rehabilitation (Urk. 6/10) nahm die Versicherte ab August 2004 ihre Arbeit vorübergehend in einem 30%-Pensum wieder auf (Urk. 6/8).
Am 14. Oktober 2005 (Eingangsdatum) meldete sich die Versicherte bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, unter Hinweis auf
eine Non
-
C
ompaction
zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (Urk. 6/4). Die IV-Stelle veranlasste eine polydisziplinäre Begutachtung durch die MEDAS
Z._
(Urk. 6/39) und sprach der Versicherten ausgehend von einem anfänglichen Invaliditätsgrad von 100 % und später von 70 % mit Verfü
gungen vom 16. Oktober 2008 (Urk. 6/53 und Urk. 6/54) eine ganze Invaliden
rente ab 1. Februar 2005 zu.
1.2
Im Rahmen d
er revisionsweisen Überprüfung
nach
lit
. a
Abs.
1 der am
1.
Januar 2012 in Kraft getretenen Schlussbestimmungen der
6.
IV-Revision
veranlasste die IV-Stelle eine
poly
disziplinäre Begutachtung durch das
Zent
r
um
A._
, über welche am 28. Mai 2015 berichtet wurde (Urk. 6/93)
. Gestützt auf
dieses
Gutachten
und nach einem beratenden Ge
spräch über mögliche Eingliederungs
massnahmen (Urk. 6/103/9)
stellte die IV-Stelle mit Verfügung vom
2
2.
Februar 2017
die Rentenleistungen ein
(
Urk.
6/112
). Die da
gegen erhobene Beschwerde wies das hiesige Gericht mit Ur
teil IV.201
7
.00
369
vom
2
4.
August 2018
ab (
Urk.
6
/1
19
).
1.3
Am
2
6.
September 2018
(Eingangsdatum)
stellte die Versicherte einen Antrag auf berufliche Wiedereingliederungsmassnahmen gemäss Schlussbestimmungen zur IV-Revision 6a (
Urk.
6/120). In der Folge fand am
1
4.
November
2018 bei der IV-Stelle ein persönliches Gespräch statt (
Urk.
6/
135
)
. Die IV-Stelle gewährte der Versicherten Kostengutsprache für Berufspraktische Vorbereitung
vom
3.
Januar bis 3
1.
März 2019 bei der
Stiftung
B._
(vgl. Mitteilung vom 1
6.
Januar 2019,
Urk.
6/126). Mit Verfügung gleichen Datums sprach die IV-Stelle der Ver
sicherten die Weiterausrichtung der ganzen Invalidenrente
für die Dauer der Mass
nahme zur Wiedereingliederung, längstens bis 3
1.
März 2019, zu (Urk. 6/127).
Gestützt auf den Schlussbericht der
Stiftung
B._
(
Urk.
6
/
133) brach die IV-Stelle nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(vgl. Vorbescheid
vom
3. April 2019,
Urk.
6/134) mit Verfügung vom 2
8.
Mai 2019
Wiederein
gliede
rungs
massnahmen per 3
1.
März 2019 ab und stellte die Weiterausrichtung der Invalidenrente ebenfalls per 3
1.
März 2019 ein (
Urk.
6/139).
1.4
Unter Beilage diverser Arztberichte (
Urk.
6/142) reichte die Versicherte am 31.
Oktober 2019 (Eingangsdatum)
ein neues Leistungsbegehren
ein
(
Urk.
6/144).
Die IV-Stelle veranlasste eine aktenbasierte Einschätzung durch den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD).
Die
RAD-Ärzt
e
Dr. med.
C._
sowie Dipl. med.
D._
, Facharzt für Neurologie sowie Facharzt für Psychiatrie und Psy
cho
therapie
,
nahmen am
8.
November respektive
5.
Dezember 2019 Stellung (Urk. 6/146). V
on keiner wesentlichen Änderung der Arbeitsfähigkeit ausgehend
stellte die IV-Stelle
mit Vorbescheid vom
6.
Dezember 2019
die Abweisung
des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
6/147)
, wogegen die Versicherte am
1
1.
Dezember 2019 (
Urk.
6/148) sowie ergänzend vom 2
4.
Februar 2020 (Urk. 6/153)
Einwände erhob. M
it Verfügung vom 1
7.
April 2020
wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren
ab (
Urk.
6/154 =
Urk.
2).
2.
Hiergegen
erhob die Versicherte am
1
5.
Mai 2020
Beschwerde (
Urk.
1) und bean
tragte, die
angefochtene
Verfügung
vom 1
7.
April 2020
sei aufzuheben und es sei ihr
ab dem
1.
Oktober 2019
eine
ganze
Invalidenrente auszurichten. Even
tua
liter sei die Angelegenheit zur weiteren Abklärung
und zur Durchführung einer neutralen polydisziplinären Begutachtung
an die Beschwerdegegnerin zu
rück
zuweisen
.
Die Beschwerdegegnerin schl
oss mit Beschwerdeantwort vom 2
4.
Juni 2020 (Urk. 5)
auf Abweisung der Be
schwerde
, was der Beschwerdeführerin m
it Ver
fügung vom 26. Juni
20
20
zur Kenntnis gebracht wurde
(Urk. 7)
.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der
durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über
die Invalidenversicherung [IVV]
), so ist im Beschwerde
verfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.
4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) vom 1
7.
April 2020 hielt die Be
schwer
degegnerin fest, die medizinische Aktenlage zeige keine Veränderungen der psy
chi
schen oder der neuropsychologischen Befunde. Es sei nach wie vor von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer leichten Tätigkeit auszugehen.
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde vom 1
5.
Mai 2020 (Urk. 1) zusammengefasst geltend,
seit dem Urteil des Sozialversicherungs
gerichts des Kantons Zürich im August 2018 habe eine gesundheitliche Ver
schlechterung stattgefunden. Die neuropsychologische Abklärung im Univer
si
täts
spital
E._
am
2.
April 2019
bestätige die Feststellung der
Stiftung
B._
, wonach die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin lediglich noch maximal 25 % betrage.
2.3
Die Beschwerdegegnerin ist auf die Neuanmeldung der Beschwerdeführerin vom 3
1.
Oktober 2019 (Eingangsdatum, Urk. 6/144) eingetreten. Streitig und zu prüfen ist demnach, ob seit der mit Verfügung vom 2
2.
Februar 2017 (Urk. 6/112) er
folgten Rentenaufhebung bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 17. April 2020 (Urk. 2) eine invalidenversicherungsrechtlich relevante Verän
de
rung in gesundheitlicher oder erwerblicher Hinsicht eingetreten ist, die erneut Anspruch auf eine Rente begründet.
3.
3.1
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die Rentenverfügung vom 2
2.
Februar 2017 (Urk. 6/112), welcher in medizi
nischer Hinsicht im Wesentlichen folgende Arztberichte zugrunde lagen:
3.2
Prof. Dr. med.
F._
, Zentrum für Rheuma- und Knochen
er
krankun
gen,
hielt
in seinem Arztbericht vom 10. Oktober 2013 (Urk. 6/73) zu Händen der IV
Stelle fest, die Beschwerdeführerin berichte glaubhaft über Arthralgien, welche aber mit Ausnahme einer Bursitis
subacromialis
auf der rech
ten Seite mittels der Untersuchungsbefunde nicht objektiviert werden könnten. Dr.
F._
äus
serte, diese Diskrepanz könne möglicherweise durch die zu
sätzliche depressive Verstimmung erklärt werden. Auch die durch Dr. med.
G._
, Spezialarzt für Röntgendiagnostik, durchgeführte Kernspin
to
mo
grafie der Hals-, Brust und Lendenwirbelsäule sowie der
Ileosacralgelenke
(Urk.
6
/73/11) würden keine Hin
weise auf eine
Sacroileitis
oder entzündliche Ver
änderungen der Wirbelsäule zei
gen. Einzig eine
subakromiale
Bursitis der rech
ten Schulter sei ersichtlich. Bereits Dr. med.
H._
, Rheumatologie und Innere Medizin, legte im Rahmen einer
konsiliarischen Untersuchung am 22. März 2012 (Urk.
6
/73/9f.) dar, die Be
schwerdeführerin leide nach eigenen Angaben seit 2007 an Schmerzen in diver
sen Gelenken. Es würden sich jedoch weder anamnestisch, klinisch noch im Labor Anhaltspunkte für ein entzündlich systemisches rheuma
tologisches Lei
den fin
den. Dr.
H._
vermutete, die Beschwer
den würden mecha
nisch bedingten Arthral
gien entsprechen, bedingt durch interkurrente Über
be
lastung der Gelenke. Ferner berichtete auch Prof. Dr. med.
I._
, Fachärztin Kar
diologie und Innere Medizin, am 19. April 2013 (Urk.
6
/73/6ff.), der Zustand der Be
schwerdeführerin sei gegenüber 2011 unver
ändert. Sie leide an Schmerzen im Bereich der Gelenke sowie Rückenschmerzen. Weiter habe sie Mühe mit dem At
men. Aus kardialer Sicht sei der Verlauf hingegen ausge
zeichnet, sprich die sys
tolische und diastolische Funktion seien erhalten. Echo
kardio
graphisch würden sich typische Hinweise für eine Non-
Compaction
finden. Dr.
I._
äus
serte, wichtig sei, dass die Beschwer
de
führerin sich regel
mässig körperlich betä
tige. In diesem Zusammen
hang sei eine Abklärung der Situa
tion mit den Gelenk
schmerzen sicherlich ange
zeigt.
Neben wandernden Arthralgien am ganzen Körper nannte Dr.
F._
in sei
nem Arztbericht (Urk.
6
/73) ausserdem ein rezidivierendes
lumbovertebrales
Schmerz
syndrom sowie eine depressive Grundstimmung als die Arbeitsfähigkeit einschränkende Diagnosen. Aus rheumatologischer Sicht sei die Beschwerdefüh
rerin 100 % (acht Stunden pro Tag) arbeitsfähig, wobei repetitive Arbeiten über dem Kopf zu vermeiden seien.
3.3
Aufgrund eines im Vordergrund stehenden depressiven Syndroms, wurde die Be
schwerdeführerin von Dr.
I._
bei Dr. med.
J._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, zur psychiatrischen Abklärung und Behand
lung angemeldet. Dieser stellte in seinem Arztbericht vom 26. April 2015 (Urk.
6
/90) zu Händen der
A._
folgende Diagnosen:
-
Längere, leicht- bis mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syn
drom F32.11, nur teilweise gebessert;
-
Verdacht auf anhaltende Persönlichkeitsänderung nach schwerer somatischer Erkrankung F62.
Er hielt fest, die kognitiven Hauptfunktio
nen der Beschwerdeführerin schie
nen intakt zu sein. Sie sei jedoch vergesslich und mache oft Fehler beim Ausführen einfacher Routinearbeiten zu Hause. Nach Angaben der Beschwerdeführerin wür
den sie insbesondere die ständige Müdigkeit sowie die Gelenkschmerzen am gan
zen Körper einschränken. Sie fühle sich niedergeschlagen, entmutigt, vom Pech verfolgt und in vielen Aufgaben überfordert. Insbesondere die Kinderbetreuung fordere sie stark, da ihre Tochter an Typ I Diabetes leide und regelmässig Spritzen
benötige. Dr.
J._
schlug eine antidepressive Medikation, kombiniert mit kogni
tiv-verhaltensorientierter und systemischer Psychotherapie, vor, wobei die Be
schwerdeführerin beidem gegenüber grosse Skepsis entgegengebracht habe.
Dr.
J._
attestierte der Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit eine vollständige Arbeitsunfähigkeit, da sie gemäss eigenen Angaben auch im Alltag häufig Fehler mache und viele Dinge vergesse (vgl. Urk.
6
/95). Aus therapeuti
scher Sicht sei eine Wiedereingliederung im administrativen Bereich zu 20 bis 30 % im Rahmen einer geschützten Arbeitsstelle sinnvoll. Gleichzeitig müsse aber eine Entlastung im Bereich des Haushalts und der Kinderbetreuung erfolgen. Überdies scheine die Beschwerdeführerin hinsichtlich der Diabetes der Tochter eine intensive Edukation zu benötigen.
3.4
3.4.
1
Im Auftrag der Beschwerdegegnerin führte die
A._
eine polydisziplinäre Abklärung durch, über welche am 28. Mai 2015 berichtet wurde (Urk.
6
/93). Die Gutachter nannten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit (Urk.
6
/93 S. 19):
-
Depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1)
-
Lupus
erythematodes
-
Zervikothorakovertebrales
Syndrom
-
Periarthropathia
humeroscapularis
links.
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit seien folgende Diagnosen:
-
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD
10: F45.41)
-
Nicht authentische kognitive Funktionsstörungen
-
Rezidivierende Harnwegsinfekte
-
Anamestisch
«Asthma»
-
Non-
Compaction
des linken Ventrikels
-
Leichte Neigung zu
orthostatischem
Blutdruckverhalten.
3.4
.2
Im internistischen Teilgutachten wurde ausgeführt, die aufgrund eines Herzstill
stands im Februar 2004 und prolongierter Laienreanimation entstandenen inter
nistischen Komplikationen (disseminierte intravasale Gerinnung, Pneumonie, vorübergehende Herzinsuffizienz) würden sich nicht ungünstig auf den Gesund
heitszustand auswirken. Die Beschwerdeführerin klage jedoch über eine Atembe
engung, wobei Abklärungen kein typisches Asthma ergeben hätten. Aus internis
tischer Sicht würden sich keine Hinweise auf ein die Leistungsfähigkeit respektive
die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigendes Leiden ergeben. Die Beschwerdeführerin sei in der bisherigen Tätigkeit als Pharmaassistentin voll arbeitsfähig (Urk.
6
/93 S. 38).
3.4
.3
Der Gutachter im Bereich der Kardiologie hielt fest, die diagnostizierte
Non-Com
paction-Kardiomyopathie
im linken Ventrikel sei bis heute lokalisiert geblieben und beeinträchtige mithin weder die systolische noch die diastolische Funktion des Herzens. Der Krankheitsverlauf sei erfreulich günstig. Unter Berücksichtigung des schlanken Habitus und des fehlenden körperlichen Trainings befinde sich die körperliche Leistungsfähigkeit im Normbereich. Zusammenfassend gehe derzeit vom Herzen keine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit aus. In Anbetracht des eher asthenischen Habitus und der Grundkrankheit müsse jedoch vorsichtshalber von ganz schweren körperlichen Tätigkeiten abgeraten werden. Die Beschwerde
führerin beschreibe ausserdem eine Neigung zu
Präkollapszuständen
, welche den zu tiefen Blutdruckwerten zuzuschreiben sei
en
. Sie habe diese Symptomatik durch ein geeignetes Verhalten jedoch durchaus unter Kontrolle, so dass auch von dieser Seite her keine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit abzuleiten sei (Urk.
6
/93 S. 45f.).
3.4
.4
Im Rahmen der psychiatrischen Abklärung äusserte die Gutachterin, bei der Beschwerdeführerin sei im Jahr 2004 eine angeborene Anomalie des Herzmuskels festgestellt worden, welche im Verlauf der protrahierten Entwicklung zu einer deutlichen Herabsetzung der emotionalen Belastbarkeit mit anhaltenden Kon
zentrationsdefiziten, erhöhter Ermüdbarkeit, Erschöpfung, durchgängiger An
triebsschwäche, kognitiver und mnestischer Leistungseinschränkung mit Auf
merksamkeitsstörungen, Vergesslichkeit und Defiziten im Durchhaltevermögen geführt habe. Überdies sei eine emotionale Labilität mit Stimmungsschwankun
gen sowie Reizbarkeit mit erhöhter Nervosität und Explosivität hinzugekommen. Die Beschwerdeführerin zeige sich nach wie vor beeinträchtigt hinsichtlich der kognitiven und psychischen Defizite. Diesbezüglich sei jedoch zu erwähnen, dass seit 2007 bis 2014 keine konsequente fortlaufende ambulante, teilstationäre oder stationäre psychiatrische bzw. psychotherapeutische Behandlung bestanden habe. Während der psychiatrischen Begutachtung habe die Beschwerdeführerin denn auch nur wenig veränderte Beschwerden geschildert. Auffallend sei, dass die Be
schwerdeführerin in einem ausschliesslich somatischen Erklärungsmodell auf ihren Beschwerden verharre und die psychische Komponente nicht wahrnehme, wenngleich sich im Rahmen der neuropsychologischen Untersuchung keine Hin
weise auf eine hirnorganische Genese der subjektiv beklagten Symptomatik er
geben habe (
vgl.
nachfolgend E.
3.4
.5).
Die begutachtende Psychiaterin führte weiter aus, die diagnostizierte depressive Störung könne zumindest teilweise für die kognitiven Defizite, besonders bei An
triebsleistung, schwerer Verlangsamung sowie schwachen Lern- und Informati
onsverarbeitungsleistungen, ursächlich sein. Eine somatoforme Schmerzstörung lasse sich hingegen nicht erhärten, könne doch kein ausgewiesener, ausreichend schwerer innerseelischer Konflikt festgestellt werden. Des Weiteren würden sich auch keine schwerwiegenden psychosozialen Belastungsfaktoren finden. Es liege kein primärer psychischer Faktor vor, der für die Auslösung der Schmerzsympto
matik identifiziert werden könne. Vielmehr sei von einer
dysfunktionellen
Schmerz
verarbeitung mit sekundärer Symptombildung auszugehen. Bei den ur
sprünglich auslösenden somatischen Faktoren könne man die aufrechterhalten
den psychischen Faktoren bei der Beschwerdeführerin genau identifizieren. Unter anderem seien dies maladaptive Kognitionen in Form von gedanklicher Einen
gung auf das Schmerzerleben,
Katastrophisierung
von Körperempfindungen und Krankheitsfolgen, Grübeln über schmerzassoziierte Inhalte und rigide Attribution der Ursachen auf organische Faktoren. Es bestehe eine ausgeprägte emotionale Belastung im Sinne einer Verzweiflung bei subjektiv unerträglichen Schmerzen. Infolge des eben Gesagten und des Verhaltens mit zunehmender Depressivität, Schon- und Fehlhaltung sowie daraus resultierender körperlicher
Dekonditionie
rung
und reduzierten sozialen Kontakten, diagnostizierte die Gutachterin ein chronisches Schmerzsyndrom mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD
10: F45.41). Unter Berücksichtigung einer Wechselwirkung der depressiven Symptomatik einerseits sowie den chronischen Schmerzen andererseits sei es bei der Beschwerdeführerin zu einer vermehrt nach innen gerichteten Selbstwahr
nehmung, zu einer dysfunktionalen Schmerzbewältigung und zur Selbstlimitie
rung gekommen. Infolge dessen lasse sich jedoch keine Relevanz für die Arbeits
fähigkeit aus der chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren ableiten. Aus rein psychiatrischer Sicht bestehe durch das Schmerzsyn
drom kein Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Berücksichtige man zudem die enge Verknüpfung von Schmerzerleben einerseits sowie der depressiven Entwicklung andererseits, so sei medizinisch-theoretisch aus psychiatrischer Sicht die Arbeits
fähigkeit der Beschwerdeführerin zwar eingeschränkt, aber keineswegs aufgeho
ben. In Bezug auf die aktuell diagnostizierte mittelgradige depressive Episode sei die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin als um rund 30 % reduziert zu be
trachten. Somit resultiere aus rein psychiatrischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit in der Grössenordnung von 70 %. Tätigkeiten, in denen eine schnelle Einstellung und Umstellung auf neue Situationen und Anforderungen an kognitive Flexibi
lität im Vordergrund stünden, seien ungeeignet. So auch eine Arbeit mit hohen
Anforderungen im Multitasking-Bereich. Überdies seien Arbeiten oder Tätigkei
ten mit grösseren Anforderungen an Verlässlichkeit und Genauigkeit problema
tisch. Büroarbeiten ohne Stress und in einer ruhigen Umgebung sowie körperliche Arbeiten unter Anleitung seien durchaus denkbar. Die Gutachterin attestierte der Beschwerdeführerin sowohl in der angestammten Tätigkeit, wie auch in einer lei
densangepassten Tätigkeit unter Berücksichtigung des Belastungsprofils, eine 70%ige Arbeitsfähigkeit (Urk.
6
/93 S. 56-59).
3.4
.5
Im neuropsychologischen Teilgutachten wurde ausgeführt, bei der Beschwerde
führerin würden sich leichte, mittelschwere, schwere und sehr schwer gestörte kognitive Funktionen zeigen. Dabei komme es in keinem der geprüften kogniti
ven Funktionsbereiche zu einem alters- und bildungsentsprechenden Befund. Insbesondere bei Aufgaben, die aktive und selbständige Informationsverarbei
tung erfordern, würden sich schwere bis sehr schwere Störungen zeigen. Es komme sowohl quantitativ wie qualitativ innerhalb einzelner Funktionsbereiche zu Diskrepanzen mit
inhaltlich bizarren Antworten und Fehlern als auch zu gro
ben Abweichungen von Erwartungs- und Normwerten. Dies kontrastiere mit im
mer wieder auch inhaltlich sehr guten und äusserst schnell erbrachten und prä
zisen Antworten und kognitiven Leistungen. Die Leistungen seien zudem im Ver
gleich zu klinischen Erwartungs- und Normwerten bei neurologischen Patienten
gruppen sehr auffällig und nicht
erklärbar. Die Symptomvalidierung sei quanti
tativ und qualitativ sowohl im Aufmerksamkeits- als auch im Gedächtnisbereich hoch auf
fällig. Dabei seien die Ergebnisse in den Symptomvalidierungsverfahren weitaus schlechter als sie im Vergleich zu neurologischen Gruppen mit leichter oder fort
geschrittener Demenz erwartet werden würden. Des Weiteren stellte die begut
achtende Psychologin starke Verhaltensauffälligkeiten im Testverhalten fest (passiv-inaktives Verhalten, fehlendes Zuhören, fehlende aktive Informati
ons
verarbeitung), wobei sich dieses Testverhalten nicht durchgängig beobachten lasse. Vereinzelt sei auch ein aktives und völlig unauffälliges Testverhalten un
abhängig vom Schweregrad einer Aufgabe möglich gewesen. Es stehe aber ein allgemein passiv-inaktives Verhalten, mehrheitlich ohne Anstrengungsbereit
schaft im geistigen und psychischen Bereich im Vordergrund. Somit sei aus neu
ropsychologischer Sicht von nicht authentischen kognitiven Funktionsstörungen auszugehen. Leichte authentische kognitive Funktionsstörungen seien zwar nicht auszuschliessen, aktuell aber eher unwahrscheinlich und
nicht objektivierbar. Die aktuell vorhandenen Hinweise auf eine
chronifizierte
und generalisierte kogni
tive Symptomatik würden sich am ehesten durch mangelndes Training und völ
lige In
aktivierung erklären lassen. Entsprechend könne bei nicht möglicher Iden
tifizie
rung von authentischen kognitiven Funktionsstörungen
und bei generali
sierter
und
chronifizierter
psychischer Symptomatik keine Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit, weder in der bisherigen noch in einer angepassten Tätigkeit, aufgeführt werden (Urk.
6
/93 S. 66f.).
3.4
.6
Der behandelnde Rheumatologe diagnostizierte in seinem Teilgutachten Lupus
erythematodes
, ein
zervikothorakovertebrales
Syndrom sowie
Periarthropathia
humeroscapularis
linksseitig. Die Behandlung sei erfolgreich, so dass die Be
schwerdeführerin nicht mehr durch Gelenkschmerzen geplagt sei und sich die Gelenkuntersuchung klinisch unauffällig zeige. Das bereits früher beschriebene
zervikothorakovertebrale
Syndrom sei hingegen auch heute klinisch fassbar. Es würde sich eine schmerzhafte
Tendomyose
im
Trapezius
links befinden. Ein
radikuläres
Reiz- oder Ausfallsyndrom liege jedoch nicht vor. Die Schmerzen in der linken Schulter würden einer leichten
Periarthropathie
mit
Impingement
symptomatik
entsprechen. Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit äusserte der Gutach
ter, medizinisch-theoretisch könne aus rheumatologischer Sicht eine körperlich leichte Tätigkeit ohne Einschränkung vollzeitig ausgeübt werden. Die
Feinglied
rigkeit
und die muskuläre
Dekonditionierung
mit Haltungsinsuffizienz und
zer
vikothorakalem
Syndrom würden das Hantieren von schweren Gegenständen verunmöglichen. Ebenso seien repetitive Arbeiten auf Schulterhöhe oder darüber zu vermeiden. Die Beschwerdeführerin sei in der bisherigen Tätigkeit als Phar
maassistentin nicht limitiert. Ebenso sei sie für eine körperlich leichte Tätigkeit entsprechend dem Belastungsprofil in der Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt (Urk.
6
/93 S. 72f.).
3.5
Zu den gesamten
Vorakten
nahm RAD-Ärztin Dr.
C._
am 2. Juni 2015 Stellung (Urk.
6
/103) und äusserte, die willentliche Überwindung der Schmerzempfindun
gen erscheine möglich. Es werde eine polydisziplinäre Rehabilitation empfohlen. Es sei davon auszugehen, dass eine Verbesserung der geistigen und körperlichen
Dekonditionierung
dadurch erreicht werden könne.
3.6
Dr.
J._
hielt in seinem Verlaufsbericht vom 7.
Februar 2017
fest (Urk.
6/115/17
), der psychopathologi
sche Befund sei praktisch durchgehend der
selbe wie beim Erstgespräch (Mai 2014, vgl. E.
3.3
). Die Beschwerdeführerin sei schüchtern, wortkarg, erschöpft wirkend, affektmässig traurig, depressiv und hoffnungslos. Im Denken sei sie verlangsamt sowie eingeengt auf ihre Schmerzen und die gesundheitlichen Prob
leme ihrer Kinder. Aufgrund ihrer praktisch per
manenten Schmerzen im Bereich der Hände, der Schultern und auch der Beine sowie der extremen Müdigkeit emp
finde sie die Lebensqualität massiv einge
schränkt. Ausserdem traue sie sich we
gen ihrer Zerstreutheit nichts mehr zu. Die Beschwerdeführerin sei die verkör
perte Hoffnungs- und Hilflosigkeit, sehe sich als Opfer ihres Schicksals und
habe
voll
kommen resigniert. Einzige Lichtblicke
seien die Sommerferien im Süden mit der Familie. Dr.
J._
äusserte weiter, es sei davon auszugehen, dass die Beschwer
deführerin die Medikation regelmässig einnehme, wobei deren Wirkung eher ge
ring zu sein scheine. Zu einer zeitweisen Entlastung der Beschwerdeführerin und ihrer Familie könne allenfalls eine stationäre psychosomatische Rehabilitations
kur beitragen. Hinsichtlich der
Ar
beits
- und Erwerbsfähigkeit könne er sich nicht vorstellen, dass die Beschwer
de
führerin in der Lage sei, einer beruflichen Tätig
keit nachzugehen. Aufgrund ihres mittler
weile derart stark negativ geprägten Selbstkonzepts bei chronischer Depression schaffe sie selbst im Haushalt nur das Minimum. Plausible Anhalts
punkte für Aggravation sehe er nicht.
4.
4.1
Im Zusammenhang mit der Neuanmeldung der Beschwerdeführerin vom 31. Ok
tober 2019 liegen einzig
die
von ihr eingereichte
n
Arztber
icht
e
betreffend die neu
ro
psychologische Untersuchung im
E._
vom
2.
April 2019
und
derjenige von Dr.
J._
vom 2
3.
Juli 2019
(
Urk.
6/142) sowie die Stellungnahmen der RAD-Ärzte (
Urk.
6/146) vor.
4.2
Am
2.
April 2019 wurde die Beschwerdeführerin neuropsychologisch untersucht. Die
Fachpersonen
des
E._
konstatierten, die neuropsychologische Untersuchung zeige
schwergradige
kognitive Beeinträchtigungen in den Bereichen Aufmerk
samkeit und
Konzentration
sowie Lernen und Gedächtnis. Die psychomotorische Verar
bei
tungsgeschwindigkeit der Beschwerdeführerin sei schwer reduziert, was zu einer deutlich reduzierten Erfassungsspanne und
verlangsamten
Reaktions
zeiten
mit Fehlreaktionen beitrage. Die Beschwerdeführerin habe enorme
Schwierig
keiten
, neue verbale oder figurale
Informationen
zu lernen und wieder abzurufen, wobei die Wiedererkennungsleistung im Verhältnis etwas besser aus
falle. Im Bereich der Exekutivfunktionen falle eine reduzierte verbale und figurale Ideen
produktion auf, allenfalls im Rahmen einer Antriebsminderung. Weiter sei die Interferenzanfälligkeit erhöht bei intakter kognitive
r
Umstellfähigkeit. In der Ver
haltensbeobachtung der Beschwerdeführerin zeige sich eine ausgeprägte Mü
dig
keit, welche im Verlauf der zweistündigen Exploration zugenommen habe. Trotz stark reduzierter Belastbarkeit habe sie die ihr vorgelegten Aufgaben mit konstanter Motivation bearbeitet. Es würden sich aus der
Beobachtung
sowie testdiagnos
ti
sch keine Hinweise auf Aggravationstendenzen ergeben. Die Be
schwer
deführerin wirke stark belastet und niedergestimmt, der Affekt sei nur be
dingt
modulierbar. Die untersuchende Neuropsychologin
führte weiter aus, bei
vor
liegen
dem Befund mit vordergründig
schwergradigen
attentionalen
und mnestischen
Beeinträchtigungen
sowie schweren affektiven
Auffälligkeiten
sei von einer mittel
gradigen bis schweren neuropsychologischen Störung auszu
gehen. Die neuro
psychologische Störung sei im Rahmen des Status nach Herz-Kreis
lauf
stillstand
es mit allfälliger
hypoxischer
H
i
r
nschädigung sowie auch der psychia
trischen Auffälligkeiten zu verstehen. Zum jetzigen Zeitpunkt
sei es aber nicht möglich, ein
e
klare Zuordnung der Defizitursachen bzw. deren Anteile
vor
zu
nehmen
. Anamnestisch habe die Beschwerdeführerin von einer drastischen
Abnahme
der kognitiven Leistungsfähigkeit nach dem Herz-Kreislaufstillstand
mit Verlust der Arbeitsstelle berichtet. Daher sei zu vermuten, dass eine hirn
organische Schädigung nach Reanimation vorliege, wobei die schwere affektive Störung die daraus resultierenden Defizite verstärken dürfte. Weiter sei anzu
mer
ken, dass sich auch die Schmerzen leistungsmindernd auswirken
würden
, wobei in der heutigen Untersuchung von der Beschwerdeführerin keine Schmer
zen be
klagt worden seien und diese erst auf Nachfrage in mittlerer Ausprägung ein
ge
schätzt worden seien.
In Bezug
auf die Arbeitsfähigkeit hielt
s
ie fest, bei einer mittelgradigen bis schwe
ren neuropsychologischen Störung betrage der Grad der Arbeitsunfähigkeit 70 bis 90
%
. Eine allfällige Arbeitstätigkeit müsse ihren Be
einträchtigungen und Defiziten angepasst werden
(
Urk.
6/142/1-2)
.
4.3
Dr.
J._
führte in seinem Arztbericht vom 2
3.
Juli 2019 (
Urk.
6/142/4-6) aus, die depressive Symptomatik habe sich seit dem
Verlust
der Rente
hartnäckig
ge
halten
bzw. eher verstärkt, insbesondere die Antriebs- und Energielosigkeit, die Hoff
nungslosigkeit
und die
wiederkehrende
n
Schlafstörungen. Im
Rahmen
ein
e
s 3-mona
ti
gen Eingliederungsversuchs hätten sich die vorbestehenden, nun teils ver
stärkten kognitiven
Einschränkungen
besonders gezeigt. Trotz hoher Moti
va
tion habe die Beschwerdeführerin sich kaum je länger als 30 Minuten am Stück auf eine einfache Aufgabe konzentrieren können
und habe danach eine rasch erhöhte Fehlerquote gezeigt.
Dr.
J._
äusserte weiter, die Beschwerdeführerin leide seit Jahren unter einer mittelgradigen bis schweren
chronifiz
i
erten
depressiven Stö
rung mit somatischem Syndrom, welches klar in ursächlichem Zusammen
hang zum 2004 erlittenen Herzstillstand mit konsekutivem,
hypo
xä
mischem
Hirn
schaden stehe. Gemäss der kürzlich erneut durchgeführten aus
führlichen neuro
psychologischen Testung vom
2.
April 2019 liege eine mittel
gradige bis schwere neuropsychologische Störung vor, mit vordergründigen
schwergradigen
atten
tionalen
und mnestischen Beeinträchtigungen sowie schweren affektiven Auf
fällig
keiten (vgl. E. 4.2). Zudem h
abe
Prof.
F._
eine System
erkran
kung diagnostiziert, welche chronische, teils schubförmige
Schmerzen an mehre
ren Gelenken, insbesondere den Händen verursache. Dabei soll es sich am ehesten um einen bisher mild verlaufende
n
Lupus
erythematodes
handeln, welcher mit einer Dauertherapie aus Basistherapie und hochdosierten
Entzündungshemmern
behandelt werde.
Betreffend die Arbeitsfähigkeit hielt
Dr.
J._
fest, er könne sich nicht vorstellen, dass die Beschwerdeführerin in der Lage sei,
irgendeiner
beruflichen
Tätigkeit
nachzugehen, nachdem sie auch im Haushalt bloss das Minimum schaffe, und zwar nicht bloss wegen der
Schmerzen,
sondern
aufgrund
ihres mittlerweile der
art stark negativ geprägten Selbstkonzepts bei chronischer Depression. Ebenso wenig gebe es plausible Anh
altspunkte für eine Aggravation
und er bezweifle auch, dass sich der psychische und körperliche Zustand unmittelb
ar und markant verbessern würde
, wenn sie die Rente erneut zugesprochen erhalte. Der Grad der Arbeits
unfähigkeit aufgrund der neuropsychologischen Störung betrage 70 bis 90
%
. Da die Störung im Rahmen des 2004 erlittenen Herzkreislauf-Still
standes mit wahr
scheinlich dabei erlittener
hypoxischer
Hirnschädigung aufge
tre
ten sei und die Einschränkungen insgesamt seither objektiv und subjektiv er
hal
ten blie
ben, dürf
ten auch weitere Wiedereingliederungsversuche wie der jüngst miss
lungene trotz hoher Motivation scheitern.
Die kognitiven Ein
schränkungen seien nicht durch das vorliegende depressive Syndrom erklärbar.
4.4
RAD-Arzt
D._
konstatierte in seiner Stellungnahme vom
5.
Dezember 2019 (
Urk.
6/146 S. 3), anhand der ärztlichen Berichte würden sich keine Ver
ände
run
gen der psychischen oder neuropsychologischen Befunde zeigen. Anzu
merken sei, dass die neurop
sychologische Testung ohne Sympt
om
validie
rung erfolgt sei.
5.
5.1
Die Beschwerdegegne
rin ist auf die Neuanmeldung der
Beschwerdeführer
in
vom
3
1.
Oktober 2019
(Eingangsdatum;
Urk.
6/144
) eingetreten und hat
damit
eine erheb
liche Verschlechterung
ihres
Gesundheitszustands seit Erlass der renten
auf
heben
den
Verfügung vom
2
2.
Februar 2017
(
Urk.
6/112
) als glaubhaft erachtet. Im Rahmen der materiellen Abklärung der Sache ist sie jedoch zum Schluss ge
langt, dass keine relevante Verschlechterung des Gesundheits
zustands einge
tre
ten sei. Die Beschwerdegegnerin stützte sich dabei im Wesentlichen auf die Stel
lung
nahme
n
von RAD-A
rzt
Dr.
D._
vom 5. De
zember 2019
(
Urk.
6/146
).
5.2
RAD-Arzt
Dr.
D._
wies darauf hin, dass
die von den Ärzten des
E._
sowie von
Dr.
J._
im Rahmen des vorliegenden Neuanmeldungsverfahrens ge
stellten D
iagnosen - namentlich diejenige
der
chronifizierten
Depression mit schwerer Antriebsstörung und ausgeprägter
Fatigue
- bereits seit vielen Jahren bzw. schon
seit der letztmaligen Begutachtung durch die
A._
im Mai 2015 bekannt seien. I
n diesem Zusammenhang
ist
jedoch
z
u beachten, dass eine revisionsbegründende Änderung des Gesundheitszustands auch dann gege
ben sein kann, wenn sich ein Leiden bei gleicher Diagnose in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (vgl. BGE 141 V 9 E. 6.3.2 mit Hinweis).
Dies
bezüglich äusserte
Dr.
J._
in seinem Bericht vom 2
3.
Juli 2019
, dass
sich die depressive Symptomatik seit dem Verlust der Rente eher verstärkt habe (E. 4.3)
, ohne jedoch k
onkrete
Anhaltspunkte für eine gesundheitliche Verschlechterun
g
oder Verschlechterung der Arbeitsfähigkeit
zu nennen
.
Dr.
J._
hob zwar die Antriebs- und Energielosigkeit, die Hoff
nungs
losigkeit sowie die Schlafstörungen hervor und verwies auf die nun ver
stärkten kognitiven Einschränkungen, welche sich auch im Rahmen des drei
monatigen Eingliederungsversuches gezeigt hätten (vgl. Urk. 6/133), dieses p
sychiatrische Krankheitsbild wurde
jedoc
h bereits im Jahr 2015 beklagt
. So wurden die deut
liche Herabsetzung der emo
tio
na
len Be
last
bar
keit mit an
hal
ten
den Konzen
tra
tions
defiziten, die erhöhte Er
müd
barkeit, Er
schöp
fung, durch
gängige Antriebs
schwä
che, kognitive und mnes
tische Leis
tungs
ein
schränkung mit Aufmerksam
keits
stö
run
gen, die Vergess
lich
keit und De
fizite im Durch
halte
vermögen im psychia
tri
schen Teilgut
achten der
A._
vom 2
8.
Mai 2015 bei der Einschätzung der Ar
beits
fähigkeit be
rück
sichtigt, wobei die psych
ia
trische Gut
achterin
- anders als
Dr.
J._
in seiner Beurteilung vom Juli 2019 (
Urk.
6/142/6) -
die diagnosti
zier
te depressi
ve Stö
rung teilweise für die ko
gni
tiven De
fizite ursächlich erachtete (E. 3.4.4).
Ebenso ergibt sich ein im Wesentlichen unverändertes Be
schwerdebild, wenn man das neuropsycholo
gische Teilgut
ach
ten der
A._
(Urk. 6/93) mit den Unter
su
chungs
erg
ebnissen
des
E._
(Urk. 6/142/1ff.) vergleicht. Sowohl im Rahmen der Exploration im Mai 2015 als auch bei der Untersuchung im
E._
am
2.
April 2019 haben sich
schwer
gradige
kognitive Be
einträchtigungen gezeigt (vgl. E. 3.4.5, E. 4.2). Infolge eines Sym
ptom
vali
die
rungs
verfahrens wurden die Ergebnisse von den
A._
-Gutachtern jedoch anders interpretiert und als nicht authentische kognitive Funktions
stö
run
gen beurteilt. Die Einschätzung der
E._
-
Neuropsychologin
er
folgte hingegen lediglich auf
grund klinischer Beobachtungen und ist nicht evi
denz
basiert.
Die bescheinigte Arbeitsunfähigkeit von 70 bis 90
%
aufgrund der mittelgradigen bis schweren neuropsychologischen Störung durch die Ärzte des
E._
beruht auf einer unter
schiedlichen Beurteilung eines im Grunde gleichen Sachverhalts.
Seit der Renten
auf
hebung im Jahr
2017
ist
entsprechend
keine invaliden
versicherungs
rechtlich relevante Verschlechterung des Gesundheitszu
standes der Beschwerde
führerin ein
getreten.
Dass die Beschwer
de
führerin stark
de
konditioniert
ist, ist ange
sichts der völligen Inaktivierung und langen Ab
wesenheit vom Arbeitsmarkt (seit 2004) nicht erstaunlich. Vor diesem Hinter
grund vermag auch der Ab
schluss
be
richt der
Stiftung
B._
keine ernsthaften Zwei
fel an der fachärztlichen Einschät
zung der Arbeitsfähigkeit durch die
A._
-Gutachter zu wecken. Dem Abschlussbericht lässt sich zwar entnehmen, dass die Beschwerdeführerin im kaufmännischen Tätig
keitsfeld grosse Schwierigkeiten in der Konzentration ge
habt habe und je
weils am Nachmittag erschöpft und müde gewesen sei, sodass kaum mehr eine Leistungsfähigkeit vorhanden gewesen sei. Ferner sei es ihr
schwer gefallen
, sich die einzelnen Arbeitsabläufe zu merken und insbesondere nachzuvollziehen, wie die Computerstrukturen aufgebaut sei
e
n. Schliesslich wurde im Bericht festge
halten, bezogen auf den ersten Arbeitsmarkt bestehe keine Leistungsfähigkeit. Empfohlen werde eine leichte, körperlich wenig anstrengende Tätigkeit im Be
reich der Pharma-Assistenz, ohne Verantwortung und mit wenig Kunden
kontakt sowie einfachen und klar strukturierten Arbeits
abläufen (Urk. 6/1
33
).
Neue As
pek
te im Zusammenhang mit den kognitiven Ein
schränkungen oder depressiven Symptomen wurden jedoch nicht genannt.
Ein neu aufgetretenes Leiden respek
ti
ve eine
wesentliche
Verschlechterung seit der Begutachtung durch die
A._
wird
weder
durch
den Abschlussbericht der
B._
,
durch
den Untersuchungs
bericht des
E._
noch durch den Arztbericht von
Dr.
J._
vom 23. Juli 2019
dargetan
. Vielmehr gab
letzterer
auch
in
seinem aktuellen
Be
richt
dieselbe ab
weichende Beurteilung wieder
wie bereits im Februar 2017 (vgl. E. 3.6)
.
5.3
Eine
revisionsrechtlich relevante
Sachverhaltsänderung ist seit Erlass der renten
auf
heben
den Verfügung vom
2
2.
Februar 2017 (
Urk.
6/112
) nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt. Die
einen Leistungs
anspruch
verneinende Verfügung vom
1
7.
April 2020
besteht damit zu Recht und die Beschwerde ist abzuweisen
.
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Ver
sicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind dabei nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen
.