# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 6f172228-6433-426f-9051-a1f75ac3bba0
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1974 geborene
X._
arbeitete bei der Arbeitserziehungsanstalt
Y._
als Sozialpädagoge und war in dieser Eigenschaft bei der AXA Versiche
rungen AG obligatorisch unfallversichert, als er
gemäss Schadenmeldung vom 1
1.
März 2018
am 2
3.
Februar 2018 beim Skifahren
stürzte und einen Kopf
anprall erlitt
(
Urk.
11/A1).
Am Folgetag begab er sich wegen starker Kopf
schmerzen notfallmässig ins Spital
Z._
. Die erstbehandelnden Ärzte diag
nostizierten
in ihrem Bericht vom 2
4.
Februar 2018
eine Commotio cerebri und bescheinigten dem Versicherten bis zum
2
8.
Februar 2018 eine 100%ige A
rbeits
unfähigkeit
(
Urk.
11/M6).
Nach initial gutem Verlauf kam es Anfang
März 2018 zu einer deutlichen Verstärkung der Kopfschmerzen
,
Schwindel, Gangunsicher
heit, Übelkeit und Konzentrationsschwierigkeiten
(
Urk.
11/M2-3,
Urk.
11/M5,
Urk.
11/M22)
.
Wegen
anhaltender Beschwerden erfolgte vom
1
8.
Juni bis 2
6.
Juli 2018
eine stationäre Rehabilitation in der Rehaklinik
A._
. Die dortigen Ärzte erachteten es als wahrscheinlich, dass der Versicherte am 2
3.
Februar 2018 eine Kopfkontusion erlitten habe
,
und als möglich, dass es dabei zu einer leichten traumatischen Hirnverletzung gekommen sei. Sie bescheinigten dem Versicherten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab 3
1.
Juli 2018 und erarbeiteten einen beruf
lichen Wiedereingliederungsplan, beginnend mit einem therapeutischen Arbeits
versuch. Zudem hielten sie fest, die Wiederaufnahme der angestammten Tätigkeit sei langfristig sicher möglich (
Urk.
11/M13 S. 1 f. und 4).
1.2
Laut Bagatellunfall-Meldung vom
2.
November 2018 schlug sich der Versicherte
am
6.
September 2018 beim Aufheben einer Plastikfl
a
sche den Kopf an einem Türrahmen an (
Urk.
10/
A1).
Dieser
Vorfall
führte
nach Ansicht der AXA
,
welche ihre Leistungspflicht für das Unfallereignis vom 2
3.
Februar 2018 anerkannt und bis anhin die gesetzlichen Leistungen ausgerichtet hatte (vgl.
Urk.
11/A6),
nicht
zu einer
erhöhten
Behandlungsbedürftigkeit
und
Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (
Urk.
2 S. 2,
Urk.
10/A4-6
,
Urk.
10/M1
).
D
eshalb
wickelte
sie
die Leis
tungserbringung weiterhin im ersten Unfalldossier ab
(
Urk.
2 S. 2).
Seit dem
1.
Dezember 2018 arbeitete der Versicherte wieder zu 25
%
, seit dem
2
1.
Januar 2019
zu
50
%
im angestammten Tätigkeitsbereich (
Urk.
10/A5
,
Urk.
11/A45,
Urk.
11/A60
).
Eine MRI-Untersuchung der Halswirbelsäule vom 2
4.
Januar 2019
zeigte
keine
zervikogene
Ursache für die
anhaltenden Beschwer
den (
Urk.
11/M24,
Urk.
11/M26
). Eine Schwindelabklärung im Universitätsspital
B._
ergab laut ärztliche
r
Beurteilung vom
5.
März 2019, dass ein nach dem
Unfall vom 2
3.
F
ebruar 2018
leicht verzögert aufgetretener, zentraler Schwindel im Rahmen eines
postcommotionellen
Syndroms vorliege (
Urk.
11/M30
).
1.3
Nachdem sie das Dossier ihrem beratenden Arzt
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Neurologie, vorgelegt hatte, und dieser in seiner Stellungnahme vom
3.
Mai 2019 die Einschätzung geäussert hatte,
es sei
da
von
auszugehen, dass die Unfallfolgen spätestens sechs Monate nach dem Unfall vollständig
a
b
ge
heil
t gewesen seien
(
Urk.
11/M32), stellte die AXA ihre Leistungen mit Verfügung vom
8.
Mai 2019
per sofort
ein
(
Urk.
11/A71).
Nachdem der Versicherte
dagegen Einsprache
erhoben
(
Urk.
11/A82
,
Urk.
11/A90
)
und weitere
medizinische
Berichte
einge
reicht hatte
(
Urk.
11/A90 S. 5,
Urk.
11/M33-39
)
, zog die AXA
den Bericht
von Prof.
Dr.
E._
, leitender Arzt
des
I
nterdisziplinären Zentrums für Schwin
del
des Universitätsspitals
B._
,
vom 1
3.
Mai 2020
(
Urk.
11/A9
5
,
Urk.
11/M
42)
sowie
zwei
von der
Vorsorgeeinrichtung
des Versicherten in Auftrag gegebene
Gutachten
von Prof.
Dr.
med.
F._
, und von
Dr.
med.
D._
, beide Fachärzte für Neurologie, vom
2.
und
6.
Mai 2020
bei
(
Urk.
11/A9
6-9
9
,
Urk.
11/M43
-44
)
. G
estützt auf die ergänzende
Stellungnahme von
Dr.
C._
vom
3.
September 2020 (
Urk.
11/M45)
wies sie die Einsprache mit
Einsprache
entscheid vom 3
0.
September 2020 ab
(
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin Angela Widmer-
Fäh
, mit Eingabe vom
2.
November 2020 Beschwerde
und beantragte, die AXA sei zu verpflichten, i
h
m auch nach dem
8.
Mai 2019 die gesetzlichen Leistungen, insbesondere in Form der Übernahme der Heilungskosten und von Taggeldern, zu gewähren; eventualiter sei die Sache zu weiteren medizinischen Abklärungen an die AXA zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 2
4.
Februar 2021 beantragte die AXA die Abweisung der Beschwerde
(
Urk.
9). Mit
der
Replik vom 1
7.
Juni 2021
hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen fest
(
Urk.
16
) und reichte ein aktuelles Arbeitsunfähigkeits-Zeugnis ein
(
Urk.
17
)
. Auch die AXA stellte in der Duplik vom 2
2.
September 2021 keine neuen Anträge (
Urk.
21).
Am 1
5.
Oktober 2021 reichte der Beschwerdeführer eine Stellungnahme zur Duplik ein (
Urk.
23), welche der AXA am 1
9.
Oktober 2021 zur Kenntnis
nahme zugestellt wurde (
Urk.
24).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Der Beschwerdeführer stellt sich auf den Standpunkt, die AXA habe seinen Anspruch auf rechtliches Gehör im Einspracheverfahren in nicht heilbarer Weise verletzt (
Urk.
1 S. 3). Diese Rüge ist aufgrund ihrer formellen Natur vorab zu prüfen.
2.
2
.1
Gemäss
Art.
29
Abs.
2 der Bundesverfassung (BV) und
Art. 42 des
Bundes
gesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mit
wir
kungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer Person eingreift. Dazu gehört insbesondere deren Recht, sich vor Erlass des in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweis
anträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann.
Das Akteneinsichtsrecht als Teil des Anspruchs auf rechtliches Gehör im Beson
deren bezieht sich auf sämtliche verfahrensbezogenen Akten, die geeignet sind, Grundlage des Entscheids zu bilden. Die Akteneinsicht ist auch zu gewähren, wenn die Ausübung des Akteneinsichtsrechts den Entscheid in der Sache nicht zu beeinflussen vermag. Die Einsicht in die Akten, die für ein bestimmtes Ver
fahren erstellt oder beigezogen wurden, kann demnach nicht mit der Begründung verweigert werden, die fraglichen Akten seien für den Verfahrensausgang belanglos. Es muss vielmehr der betroffenen Person selber überlassen sein, die Relevanz der Akten zu beurteilen.
Im Zusammenhang mit Expertengutachten beinhaltet das rechtliche Gehör insbesondere das Recht, Kenntnis vom Inhalt des Gutachtens zu nehmen und dem Experten ergänzende Fragen zu stellen, wobei Verwaltung oder Gericht von der Beantwortung der Ergänzungsfragen durch den Experten absehen können, wenn davon keine neuen Erkenntnisse zu erwarten sind (antizipierte Beweiswürdigung).
Gemäss Art. 42 Satz 2 ATSG brauchen die Parteien nicht angehört zu werden vor Verfügungen, welche durch Einsprache anfechtbar sind. Spätestens im Ein
spracheverfahren hat die Verwaltung jedoch die allgemeinen Grundsätze des rechtlichen Gehörs zu wahren und folglich der versicherten Person oder ihrem Vertreter Einsicht in die Akten zu gewähren, auf deren Grundlage sie den
Einspracheentscheid abstützt
(Ur
teil des Bundesgerichts 8C_
738/2014 vom 15. Januar 2015 E.6.1-4 mit Hinweisen).
2
.
2
Das Recht, angehört zu werden, ist formeller Natur. Die Verletzung des rechtli
chen Gehörs führt ungeachtet der materiellen Begründetheit des Rechtsmittels in der Sache selbst zur Gutheissung der Beschwerde und zur Aufhebung des ange
fochtenen Entscheids (BGE 144 I 11 E. 5.3, 137 I 195 E. 2.2). Es kommt mit anderen Worten nicht darauf an, ob die Anhörung im konkreten Fall für den Ausgang der materiellen Streitentscheidung von Bedeutung ist, das heisst die Behörde zu einer Änderung ihres Entscheides veranlasst wird oder nicht (BGE 127 V 431 E. 3d/
aa
, 126 V 130 E. 2b mit Hinweisen).
3.
3.1
Der Beschwerdeführer macht geltend, im Rahmen des
Einspracheverfahrens
habe die AXA weitere Abklärungen vorgenommen, insbesondere das Gutachten von
Dr.
D._
und eine erneute Stellungnahme von
Dr.
C._
eingeholt, ohne dass ihm die Möglichkeit eingeräumt worden wäre, sich vor Erlass des
Einsprache
entscheides
hierzu zu äussern. Zudem habe
Dr.
C._
gemäss eigenen Angaben mit Prof.
E._
Rücksprache genommen, ohne ihm die Gelegenheit zu geben, Ergänzungsfragen zu stellen. Ferner fehle in den Akten der AXA eine Aktennotiz beziehungsweise ein Protokoll zum Gespräch zwischen Prof.
E._
und
Dr.
C._
. Deshalb sei unklar, welche Fragen
Prof.
E._
gestellt worden seien und welche Antworten er darauf gegeben habe. Dies stelle eine schwere Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör dar, welche im Rahmen des Beschwerdeverfahrens nicht geheilt werden könne (
Urk.
1 S. 3,
Urk.
16 S. 2 f.).
3.2
Die AXA argumentiert in der Beschwerdeantwort, es werde nicht bestritten, dass in diesem Fall eine Gehörsverletzung vorliegen könne. Es handle sich aber ledig
lich um eine leichte Verletzung. Der Beschwerdeführer habe durch seine Beschwerde beim Sozialversicherungsgericht, welches sowohl den Sachverhalt wie auch die Rechtslage frei prüfen könne, umfassend Stellung nehmen, neue Beweismittel einbringen und sich zu allen Aspekten des Verfahrens äussern können. Deshalb sei ein allfälliger Gehörsmangel als im Rechtsmittelverfahren
geheilt zu betrachten. Aber auch wenn von einer schweren Verletzung des recht
lichen Gehörs ausgegangen werde, sei von einer Rückweisung der Sache an die AXA abzusehen, da dies einen formalistischen Leerlauf und unnötige Verzöge
rungen zur Folge hätte. Erfahrungsgemäss und mit Blick auf die vom Beschwer
deführer vorgebrachten Argumente sei nämlich nicht davon auszugehen, dass eine Rückweisung zu einer massgeblichen Änderung führen würde. Vielmehr wäre das Verfahren nach kurzer Zeit wieder am Sozialversicherungsgericht hängig (
Urk.
9 S. 2 f.).
4.
4.1
Im Rahmen des
Einspracheverfahrens
zog die AXA den Bericht von Prof.
E._
vom
I
nterdisziplinären Zentrum für Schwindel des
Universitätsspitals B._
vom 1
3.
Mai 2020 (
Urk.
11/A99 S. 5,
Urk.
11/M42) sowie zwei
seitens der Vorsorgeeinrichtung
in Auftrag gegebene
neurologische Gutachten, nämlich dasjenige von
Dr.
D._
vom
6.
Mai 2019 und jenes von Prof.
F._
vom
2.
Mai 2020 (
Urk.
11/A9
6-9
9,
Urk.
11/M43-44), bei. Gestützt auf diese neuen medizi
nischen Akten verfasste der Vertrauensarzt der AXA
Dr.
C._
am
3.
September 2020 eine ergänzende versicherungsmedizinische Stellungnahme (
Urk.
11/M45).
Darin
erwähnte er auch, dass Prof.
E._
ihm gegenüber am
1.
September 2020 telefonisch bestätigt habe, dass die Symptomatik mit einer immer besser werdenden «
visually
induced
vertigo
» keine Arbeitsunfähigkeit von 40
%
recht
fertige (
Urk.
11/M45 S. 5).
4.2
Die AXA begründete die Einstellung der Versicherungsleistungen ab
8.
Mai 2019
im angefochtenen Einspracheentscheid damit
, ihr beratender Arzt
Dr.
C._
habe in seiner Stellungnahme vom
3.
Mai 2019 die geltend gemachten Beschwer
den, insbesondere die Schmerzsymptomatik und den Schwindel, als völlig unspe
zifisch beurteilt. Er habe darauf hingewiesen, dass Schwindel- und Nacken
beschwerden bereits in den Jahren 2010 und 2011 dokumentiert worden seien.
Dr.
C._
habe dargelegt, dass die aktuellen Beschwerden weder somatisch nachweisbar seien noch eine Arbeitsunfähigkeit rechtfertigten würden noch unfallkausal seien, da die Unfallfolgen spätestens nach sechs Monaten abgeheilt gewesen seien. In seiner ergänzenden Stellungnahme vom
3.
September 2020 habe er zudem aufgezeigt, dass bei der Schwindelabklärung im
Universitätsspital B._
durch Prof.
E._
die geklagte Schwindelsymptomatik nicht habe
objektiviert werden können. Zudem habe Prof.
E._
ihm auf
seine
tele
fonische Rückfrage
hin
mitgeteilt, dass auch er eine 40%ige Arbeitsunfähigkeit nicht für ausgewiesen halte. Auch
Dr.
D._
habe in seinem neurologischen Gut
achten vom
6.
Mai 2019 einen Kausalzusammenhang zwischen den Ereignissen vom 2
4.
Februar 2018 (richtig: 2
3.
Februar 2018) und vom
6.
September 2018 lediglich als möglich bezeichnet und dem Beschwerdeführer keine Arbeitsun
fähigkeit attestiert (
Urk.
2 S. 6 f.). Das Ereignis vom
6.
Mai 2019 sei vom Beschwerdeführer selbst als
bagatellär
bezeichnet worden und er habe weitere Abklärungen in diesem Zusammenhang gar abgelehnt.
Dass
die nächste Behand
lung erst drei Wochen nach dem e
rneuten Kopfanprall erfolgt sei - worauf
Dr.
C._
in seiner Stellungnahme vom
3.
September 2020 hingewiesen habe -,
belege zusammen mit der
übrige
n
Aktenlage, dass nach dem zweiten Unfall keine erhöhte Behandlungsbedürftigkeit vorgelegen habe und sich dieses Ereignis auch nicht auf die Arbeitsfähigkeit ausgewirkt habe (
Urk.
2 S. 7 f.). In diagnostischer Hinsicht habe
Dr.
C._
dargetan
, dass der Beschwerdeführer lediglich eine Kopfprellung erlitten habe, nicht aber ein leichtes Schädelhirntrauma oder eine Commotio Cerebri, da weder eine Bewusstlosigkeit vorgelegen habe noch eine vollständige Erinnerungslücke bestehe. Dies spreche ebenfalls dafür, dass die unfallbedingten Verletzungen spätestens im Verfügungszeitpunkt ausgeheilt gewesen seien, zumal eine Schädelprellung nach allgemeiner medizinischer Erfahrung stets und dauerhaft ohne neurologische Folgen bleibe. Da die Beurtei
lungen des
Dr.
C._
die rechtsprechungsgemässen Kriterien für beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrundlagen erfüllten und Indizien, die gegen deren Zuverlässigkeit sprächen, nicht erkennbar seien, müsse darauf abgestellt werden. Laut Stellungnahme von
Dr.
C._
vom
3.
September 2020 sei es seit seiner letzten Beurteilung vom
3.
Mai 2019 nicht zu einer wesentlichen gesundheit
lichen Veränderung gekommen. Auch
Dr.
D._
habe am
6.
Mai 2019 keine orga
nisch-neurologischen Befunde objektivieren können und sei davon ausgegangen, dass keine Arbeitsfähigkeit mehr ausgewiesen sei. Damit sei der Endzustand erreicht gewesen, und es habe das Vorliegen eines adäquaten Kausalzusammen
hangs zwischen den Beschwerden und den beiden Unfällen vom 2
3.
Februar und
6.
September 2018 geprüft werden können (
Urk.
2
S. 9).
D
er Beschwerdeführer
habe
keine Verletzung im Grenzbereich zu einer
Contusio
cerebri erlitten, welche rechtsprechungsgemäss schwer genug wäre, um die Anwendung der Schleude
r
trauma-Praxis zu rechtfertigen; daher
sei die Adäquanz der anhaltenden Beschwerden nach den Kriterien für psychische Beeinträchtigungen nach einem Unfall (BGE 115 V 133) zu prüfen. Der Unfall vom 2
3.
Februar 2018 sei als mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Unfällen einzuordnen. Weil kein
einziges der massgeblichen Kriterien erfüllt sei, müsse die
Unfalladäquanz
der fortbestehenden Beschwerden verneint werden. Der zweite Unfall vom
6.
Septem
ber 2018 sei banal gewesen und habe sich weder auf die Behandlungsbedürftig
keit noch die Arbeitsfähigkeit ausgewirkt, so dass diesbezüglich auf eine Adäquanzprüfung verzichtet werden könne. Deshalb sei die Leistungseinstellung per
8.
Mai 2019 zu Recht erfolgt (
Urk.
1 S. 9 f.).
4.3
Die versicherungsmedizinische Stellungnahme von
Dr.
C._
vom
3.
September 2020 beziehungsweise die darin enthaltene Würdigung der nachträglich einge
holten Beurteilungen von Prof.
E._
,
Dr.
D._
und Prof.
F._
(
Urk.
11/M45)
bildete die medizinische Entscheidungsgrundlage für den ange
fochtenen Einspracheentscheid
vom 3
0.
September 2020 (
Urk.
2
sowie
vorste
hend
e
Erwägung
).
Indem
die AXA darauf abstellte, ohne dem Beschwerdeführer die Möglichkeit einzuräumen, dazu Stellung zu nehmen
(vgl.
Urk.
11/A91-101)
, und ihm das Aktengutachten erst zusammen mit dem Einspracheentscheid zustellte
(
Urk.
2 S.
12 ff.)
, hat sie unbestrittenermassen seinen Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt
(vgl. auch
das Urteil des Bundesgerichts 8C_738/2014 vom 1
5.
Januar 2015
E
. 7)
.
Von Bedeutung ist zudem, dass
die medizinischen Befunde und Beurteilungen, wie sie dem
Bericht von Prof.
E._
vom 1
3.
Mai 2020
(
Urk.
11/M42)
,
seiner
telefonische
n
Stellungnahme vom
1.
Septem
ber 2020
(
Urk.
11/45 S. 5)
sowie
dem
neurologische
n
Gutachten von
Dr.
D._
vom
6.
Mai 2019
(
Urk.
11/44) zu
entnehmen sind, wesentliche Stützen
der
versi
cherungsmedizinische
n
Beurteilung
von
Dr.
C._
vom
3.
September
2020 bildeten.
Auch hierzu konnt
e
sich der
Beschwerdeführer vor Erlass des
angefoch
tenen
Einspracheentscheid
e
s
nicht äussern
(vgl.
Urk.
11/A91-101)
.
Deshalb
ist die Gehörsverletzung
insgesamt
als schwer zu qualifizieren.
Unter diesen Umständen
ist der prozessuale Fehler im Einspracheverfahren entgegen der Ansicht der AXA nicht im
s
ozialversicherungsgericht
lichen Prozess
zu heilen
.
Denn es
kann nicht Sinn des durch die Rechtsprechung geschaffenen Instituts der Heilung des rechtlichen Gehörs
sein, dass Verwaltungsbehörden
sich über den elementaren Grundsatz des rechtlichen Gehörs hinwegsetzen und darauf vertrauen, dass solche Verfahrensmängel in einem von der betroffenen Person allfällig angehobenen
Rechtsmittelverfahren
dann behoben würden.
Die nach
trägliche Gewährung des rechtlichen Gehörs bildet häufig nur einen unvoll
kommenen Ersatz für eine unterlassene vorgängige Anhörung. Abgesehen davon, dass versicherten Personen dadurch eine Instanz verlorengehen kann, wird ihnen zugemutet, zur Verwirklichung ihrer Mitwirkungsrechte ein Rechtsmittel zu ergreifen (vgl. BGE 116 V 182 E. 3c).
4.4
Es
bleibt darauf hinzuweisen, dass eine über das Gesagte hinausgehende Gehörs
verletzung –
die
vom Beschwerdeführer
im Zusammenhang mit der von
Dr.
C._
bei Prof.
E._
telefonisch eingeholten
Auskunft
gerügt
wird
(
Urk.
1 S. 3,
Urk.
16 S. 2 f.
) – nicht
vorliegt.
Das Einholen einer Fremdanamnese
beziehungsweise schriftlicher und mündlicher Auskünfte der behandelnden Ärzte
liegt im Ermessen der Gutachter (vgl.
die
Urteil
e
des Bundesgerichts
8C_318/2019 vom 1
4.
Oktober 2019 E. 4.2.2.1 sowie
8C_323/2014 vom 2
3.
Juli 2014 E. 5.2.1
mit weiteren Hinweisen
)
und erfolgt im Zuge der gutachterlichen Unter
suchungen.
Bereits deshalb erscheint es nicht praktikabel und zielführend,
wie vom Beschwerdeführer verlangt
,
den medizinischen Ex
perten
auf
zu
geben
, vor jeder f
remdanamnestischen Erkundigung
einen Fragekatalog zu erstellen, der den Versicherten vorab zur Stellungnahme vorzulegen ist
(
Urk.
1 S. 3)
.
Zudem handelt es sich bei der Stellungnahme von
Dr.
C._
vom
3.
September 2020 um ein Aktengutachten, welches nicht im gesetzlich vorgesehenen Verfahren für die Einholung versicherungsexterner Gutachten erstellt wurde; dementsprechend kommt ihm auch nur der geringere Beweiswert einer Stellungnahme einer versi
cherungsinternen Fachperson zu, die nur
, aber immerhin
insoweit zu berück
sichtigen ist, als nicht auch nur geringe Zweifel an ihrer Richtigkeit und Schlüs
sigkeit bestehen (vgl. das Urteil des Bundesgerichts 8C_63/2009 vom 2
5.
Januar 2010 E. 5.2.2).
Dr.
C._
hielt in seinem Aktengutachten
vom
3.
September 2020
fest, Prof.
E._
habe ihm gegenüber am
1.
September 2020 telefonisch bestätigt, dass die Symptomatik mit einer immer besser werdenden «
visually
induced
vertigo
» keine Arbeitsunfähigkeit von 40
%
rechtfertige (
Urk.
11/M45 S. 5)
. Inwiefern die genaue Kenntnis der Fragestellung weitere
entscheidwesentliche
Erkenntnisse bringen könnte, ist nicht ersichtlich.
Ferner
handelte es sich bei all
fälligen Aufzeich
n
ungen von
Dr.
C._
über den Inhalt des Telefongesprächs
um rein interne Akten
, denen
bloss
die Funktion eines Hilfsmittels zur Erstellung des Aktengutachtens zuk
äme
und die ihren Zweck mit
dessen
Fertigstellung erfüllt
h
ä
tten
.
Solchen Aufzeichnungen
kommt
nach der Rechtsprechung kein Beweis
charakter
zu
und
es besteht diesbezüglich auch kein
Akteneinsichtsrecht (Urteil des Bundesgerichts
8C_466/2017 vom
9.
November 2017 E. 4.1.2 mit Hinweisen)
.
Die im Aktengutachten
von
Dr.
C._
vom
3.
September 2020 fest
gehaltenen Informationen zum Telefongespräch mit Prof.
E._
reichen aus, damit der Beschwerdeführer
im Rahmen einer Stellungnahme seinen Standpunkt deutlich machen und seinen Anspruch auf rechtliches Gehör wahren kann.
4.5
Es ergibt sich, dass
der angefochtene Einspracheentscheid vom
3
0.
September 2020
(
Urk.
2) aus formellen Gründen – ungeachtet der materiellen Erfolgsaus
s
ichten der Beschwerde (vgl. E.
2
.1
hie
r
vor) – aufzuheben
ist
. Die Sache
ist an die
AXA
zurückzuweisen, damit sie über den Leistungsanspruch
de
s
Beschwerde
füh
rer
s
in einem rechtsgenügenden Verfahren neu entscheide. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
Nach
Art.
61
lit
. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Gericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. Als weitere Bemessungskriterien nennen die kantonalen Vorschriften das Mass des Obsiegens, den Zeitaufwand und die Barauslagen (§ 34
des
Gesetz
es
über
das Sozialversicherungsgericht [
GSVGer
]
sowie
§
7
der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädi
gungen vor dem Sozialversicherungsgericht [
GebV
SVGer
]
).
Unter Berücksichtigung dieser Kriterien ist dem Beschwerdeführer eine
Prozess
entschädigung von
Fr.
2'
4
00.--
zuzusprechen.