# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 91a785c4-32eb-4dd0-b473-07d35529e51b
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend mehrfache Verletzung des Bankgeheimnisses etc.
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Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 9. Abteilung - Ein-
zelgericht, vom 7. April 2016 (GG150261)
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Inhaltsübersicht
Anklage 5
Urteil der Vorinstanz 5
Berufungsanträge 7
I. Verfahrensgang und Gegenstand der Berufung 9
1. Einleitung 9 2. Kurzüberblick Untersuchung und erstinstanzliches Verfahren 9 3. Berufungsverfahren und Gegenstand der Berufung 14
II. Prozessuales 19
1. Allgemeiner Hinweis zur Würdigung der Parteistandpunkte 19 2. Privatkläger 20 3. Forensisch-psychiatrische Stellungnahme 20 4. Einschränkung des rechtlichen Gehörs 25 5. Privatgutachten von Prof. Dr. C._ 27
III. Schuldpunkt 28
A. ALLGEMEINES 28
1. Anklagevorwurf 28 2. Beweismittel und Grundsätze der Beweiswürdigung 32 3. Unbestrittene Sachverhalte 33 4. Bestrittene Sachverhalte und weitere Einwände des Beschuldigten 34 5. Zur Glaubwürdigkeit und allgemeinen Glaubhaftigkeit der Beteiligten 36 6. Theoretische rechtliche Ausführungen 39
B. PRÜFUNG DES VORWURFS GEMÄSS ANKLAGEZIFFER I.B. 47
1. Tatbestandsmässigkeit 47 2. Rechtswidrigkeit 50 Prüfung von Art. 14 StGB (Gesetzlich erlaubte Handlung) 50 3. Fazit 60
C. PRÜFUNG DES VORWURFS GEMÄSS ANKLAGEZIFFER I.C. 60
1. Tatbestandsmässigkeit 60 2. Rechtswidrigkeit 62 2.1. Prüfung von Art. 17 StGB (Nötigungsnotstand) 62
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2.2. Prüfung der Wahrung berechtigter Interessen 70 3. Fazit 74
D. PRÜFUNG DES VORWURFS GEMÄSS ANKLAGEZIFFER I.D. 75
1. Tatbestandsmässigkeit 75 2. Rechtswidrigkeit 79 2.1. Prüfung von Art. 14 StGB (Gesetzlich erlaubte Handlung) 79 2.2. Prüfung von Art. 17 StGB (Nötigungsnotstand) 83 2.3. Prüfung der Wahrung berechtigter Interessen 84 3. Fazit 91
E. PRÜFUNG DES VORWURFS GEMÄSS ANKLAGEZIFFER I.E. 91
1. Tatbestandsmässigkeit 91 2. Rechtswidrigkeit 97 2.1. Prüfung von Art. 17 StGB (Nötigungsnotstand) 97 2.2. Prüfung der Wahrung berechtigter Interessen 100 3. Fazit 106
F. GESAMTFAZIT SCHULDPUNKT 106
IV. Sanktion 107
1. Strafe 107 1.1. Strafrahmen und allgemeine Ausführungen 107 1.2. Tatkomponenten 107 1.3. Täterkomponenten 110
1.4. Fazit 111 2. Vollzug 111
V. Kosten- und Entschädigungsfolgen 111
1. Kostenfestsetzung erstinstanzliches Verfahren 111 1.1. Entschädigung von Rechtsanwalt X2._ 111 1.2. Übrige Kosten 120
2. Kostenfestsetzung Berufungsverfahren 120 2.1. Entschädigung von Rechtsanwältin X1._ 120 2.2. Entschädigung der übrigen amtlichen Verteidigungen 122 2.3. Übrige Kosten 122
3. Kostenauflage 122 4. Entschädigungsfolgen 123
4.1. Entschädigung des Privatklägers B._ 123 4.2. Entschädigung des Beschuldigten 126
Dispositiv 126
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom 20. Januar
2015 (Urk. 004) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
- der mehrfachen Verletzung des Bankgeheimnisses im Sinne von
Art. 47 Abs. 1 lit. a BankG sowie
- der mehrfachen Verletzung des Geschäftsgeheimnisses im Sinne von
Art. 162 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 45 Tagessätzen
zu CHF 30.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2
Jahre festgesetzt.
4. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft III des Kantons
Zürich vom 24. November 2014 beschlagnahmten Gegenstände
(act. 02.108):
- 1 Plastiksack mit Steuerunterlagen 2006 - 2011 (Pos. 1/A_23);
- 1 Plastiksack mit div. Unterlagen D._ (Pos. 1/A_24) sowie
- 1 Plastiksack mit Unterlagen Lebenslauf etc. (Pos. 1/A_26)
werden dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids
auf erstes Verlangen herausgegeben. Bei Nichtabholung werden die Ge-
genstände nach Ablauf von 3 Monaten seit Eintritt der Rechtskraft vernich-
tet.
5. Die externe Festplatte 0005-2012 mit den Sicherungskopien der an-
lässlich der Hausdurchsuchungen vom 5. Januar 2012 sichergestellten
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elektronischen Datenträgern sowie die CDs mit den Aufzeichnungen
der Einvernahmen des Beschuldigten werden zu den Akten genom-
men.
6. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 5'000.00 ; die weiteren Kosten betragen: Fr. 15'000.00 Gebühr Anklagebehörde Fr. 700.00 Auslagen Rückwirkende Telefonüberwachung
Fr. 2'246.40 Auslagen Forensische Stellungnahme (Drohung E._)
Fr. 12'940.00 Auslagen Forensisch-Psychiatrische Stellungnahme
Fr. 52'304.00 amtliche Verteidigung (RA X3._)
Fr. 329.40 amtliche Verteidigung (RA X4._)
Fr. 54'668.55 amtliche Verteidigung, Akontozahlungen (RA X2._)
Fr. 4'862.85 amtliche Verteidigung (RA X2._)
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, aus-
genommen diejenigen der amtlichen Verteidigung sowie der foren-
sisch-psychiatrischen Stellungnahme vom 8. September 2014, werden
dem Beschuldigten auferlegt.
8. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sowie der forensisch-
psychiatrischen Stellungnahme vom 8. September 2014 werden auf die
Gerichtskasse genommen (vgl. StPO 426); vorbehalten bleibt eine
Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO in Bezug auf die Kosten
der amtlichen Verteidigung.
9. Rechtsanwalt lic. iur. X2._ wird für seine Aufwendungen als amtli-
cher Verteidiger des Beschuldigten mit insgesamt CHF 59'531.40 (inkl.
MwSt. und Akontozahlungen in der Gesamthöhe von CHF 54'668.55)
aus der Gerichtskasse entschädigt.
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10. Der Beschuldigte wird unter solidarischer Haftung mit dem Mitbeschul-
digten E._ verpflichtet, dem Privatkläger B._ für das gesamte
Verfahren eine Prozessentschädigung von CHF 10'886.40 (inkl. MwSt.)
zu bezahlen. Die Forderung in Bezug auf die Spesen in der Höhe von
CHF 830 wird auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. Im Mehrbe-
trag wird die Entschädigungsforderung des Privatklägers B._ ab-
gewiesen.
Berufungsanträge:
Der Verteidigung des Beschuldigten A._:
(Urk. 168 S. 2 und S. 52 f.; Prot. II S. 72)
1. Die Ziffern 1., 2., 3., 7., 8. und 10. des Urteils des Bezirksgerichts Zü-
rich vom 7. April 2016 seien aufzuheben;
2. Der Berufungskläger sei vom Vorwurf der mehrfachen Verletzung des
Bankgeheimnisses sowie der mehrfachen Verletzung des Geschäfts-
geheimnisses vollumfänglich freizusprechen. Eventualiter sei er von ei-
ner Strafe zu befreien.
3. Der Berufungskläger sei für die rechtswidrige Verzögerung des Straf-
verfahrens sowie die dadurch erlittenen nachteiligen wirtschaftlichen
und gesundheitlichen Folgen angemessen zu entschädigen;
4. Auf die Zivilansprüche (Prozessentschädigung) des Privatklägers sei
nicht einzutreten;
5. Sämtliche Kosten der Untersuchung, der forensisch-psychiatrischen
Stellungnahme vom 8. September 2014, des erst- und zweitinstanzli-
chen Verfahrens sowie der amtlichen Verteidigung (zzgl. MwSt.) seien
auf die Staatskasse zu nehmen.
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b) Der Vertreterin der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich:
(Urk. 167)
1. In Abänderung von Ziff. 2 des Urteilsdispositivs des Urteils des Einzel-
richters in Strafsachen am Bezirksgericht Zürich vom 7. April 2016
(GB150261) sei der Beschuldigte A._ mit einer Freiheitsstrafe von
12 Monaten, eventualiter mit einer Geldstrafe von 360 Tagessätzen zu
je CHF 30.00, zu bestrafen, wobei sowohl beim Haupt- wie auch beim
Eventualantrag der Vollzug der Strafe unter Ansetzung einer zweijähri-
gen Probezeit aufzuschieben sei.
2. Im Übrigen sei das Urteil der Vorinstanz zu bestätigen.
c) Des Vertreters des Privatklägers 2:
(Urk. 161 S. 1 f., schriftlich)
1. Es seien A._ und E._ solidarisch zu verpflichten, dem Privat-
kläger gestützt auf Art. 433 StPO für die Aufwendungen im erstinstanz-
lichen Verfahren eine Entschädigung von CHF 24'519.25 zu leisten.
2. Es seien A._ und E._ solidarisch zu verpflichten, dem Privat-
kläger für das Berufungsverfahren eine Entschädigung von
CHF 3'048.50 zu leisten.
3. Es sei dem Unterzeichner als Vertreter des Privatklägers das persönli-
che Erscheinen an der Berufungsverhandlung vom 23.6.2017 zu erlas-
sen bzw. sei der Unterzeichner als Vertreter des Privatklägers von der
Teilnahme an der Berufungsverhandlung zu dispensieren.
4. Es seien dem Privatkläger die Urteilsdispositive und die schriftlich be-
gründeten Urteile zuzustellen.
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I. Verfahrensgang und Gegenstand der Berufung
1. Einleitung
Die Verfahrensgeschichte und der Prozessverlauf vor erster Instanz ergeben sich
aus dem angefochtenen Urteil. Auf diese korrekten und sehr detaillierten Ausfüh-
rungen kann vorab verwiesen werden (Urk. 91 S. 3-22; Art. 82 Abs. 4 StPO).
2. Kurzüberblick Untersuchung und erstinstanzliches Verfahren
2.1 Medienartikel und Eröffnung des Strafverfahrens gegen den Beschuldigten
Die eingeklagten Handlungen ereigneten sich alle im Jahre 2011, nämlich am
4. November, 28. November, 3. Dezember und 24. Dezember.
Am tt. Dezember 2011 wurden in einem Artikel des F._ unter der Schlagzeile
"Stolpert SNB-Chef B._ über seine schöne Frau?" Gerüchte thematisiert,
wonach die Ehefrau des damaligen Nationalbankpräsidenten kurz vor Festset-
zung des Euro-Mindestkurses von Fr. 1.20 pro Euro am 6. September 2011 US-
Dollar gekauft habe. Da der US-Dollar Kurs nach Festsetzung dieser Mindest-
grenze von rund 78 auf 88 Rappen stieg, wurde gemutmasst, ob sie vom Insider-
wissen ihres damaligen Ehemannes, B._, zu profitieren versucht haben
könnte (Urk. 05.001).
Am 1. Januar 2012 um 07.00 Uhr gelangte der Beschuldigte – mangels Melde-
stelle für solche Fälle, wie er angab – an die Kantonspolizei Zürich, Kasernen-
strasse 29 in Zürich, um eine Meldung betreffend ein Insidergeschäft des damali-
gen Nationalbankpräsidenten zu machen, wobei er von einem Missstand sprach.
Eine Anzeige gegen eine bestimmte oder unbekannte Person wollte er nicht er-
statten (Urk. 00.113 S. 2). In der anschliessenden Befragung durch die Kantons-
polizei Zürich legte der Beschuldigte dar, dass er als Mitarbeiter im Bereich Infor-
matik bei der Bank D._ etwa am 12. Oktober 2011 durch andere Mitarbeiter
mitbekommen habe, dass der Präsident der Schweizerischen Nationalbank im
Rahmen einer Dollartransaktion allenfalls sein berufliches Wissen für ein privates
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Insidergeschäft genutzt haben könnte (Urk. 00.114 S. 1). Weiter erklärte er, des-
wegen E._, den er als seinen Rechtsanwalt bezeichnete, kontaktiert und um
Rat zum korrekten Weg gefragt zu haben, diese ihm bekannt gewordenen Dollar-
transaktionen überprüfen zu lassen. E._ habe in dieser Sache dann mit dem
damaligen Nationalrat G._ Kontakt aufgenommen (Urk. 00.114 S. 1 f.).
Die Kantonspolizei Zürich informierte die Staatsanwaltschaft III des Kantons Zü-
rich am 3. Januar 2012 über diese Mitteilungen des Beschuldigten (Urk. 00.005).
In der Ausgabe der H._ vom tt. Januar 2012 erschien sodann ein Artikel mit
dem Titel "Spekulant B._". Darin war unter anderem ein Auszug des Bank-
kontos von B._ bei der Bank D._ (die heutige Bank I._ AG hiess bis
2013 Bank D._ ... AG, nachfolgend als Bank D._ bezeichnet) abge-
druckt. Dem Artikel war zu entnehmen, dass der angebliche Dollar-Kauf der Ehe-
frau von B._ über ein auf ihn lautendes Konto abgewickelt worden sei. Ge-
mäss diesem Kontoauszug seien am 15. August 2011 für Fr. 400'000 US-Dollar
gekauft worden. Nach der Festsetzung des Euro-Mindestkurses vom
6. September 2011 seien die gekauften rund USD 500'000 Anfang Oktober 2011
mit einem Gewinn von rund Fr. 75'000 wieder verkauft worden (Urk. 00.303 S. 12
f.). Ausserdem wurde davon berichtet, dass sich ein Mitarbeiter der Bank D._
im Oktober 2011 mit den Informationen über diese Dollar-Transaktion an seinen
Rechtsanwalt gewandt habe und dass danach auch der damalige Nationalrat
G._ darüber informiert worden sei, welcher diese Erkenntnisse wiederum der
damaligen Bundespräsidentin J._ weitergeleitet habe (Urk. 00.303 S. 13).
Mit Schreiben vom 5. und 9. Januar 2012 erstattete die Bank D._ bei der
Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich Strafanzeige gegen den Beschuldigten
sowie gegen Dritte. Sie ging davon aus, dass es sich um Verletzungen des Bank-
geheimnisses im Sinne von Art. 47 Abs. 1 lit. a BankG sowie des Geschäftsge-
heimnisses im Sinne von Art. 162 Abs. 1 StGB handle (Urk. 00.001 S. 3 und
Urk. 00.004).
Mit Verfügung der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom 5. Januar 2012
wurde gegen den Beschuldigten wegen Widerhandlung gegen das Bundesgesetz
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über die Banken und Sparkassen ein Strafverfahren eröffnet (Urk. 03.101) sowie
mit weiterer Verfügung vom 6. Januar 2012 um den Tatbestand der Verletzung
des Geschäfts- und Fabrikationsgeheimnisses erweitert (Urk. 03.102).
Mit der Erklärung, nicht belegen zu können, dass seine Ehefrau die Dollarkäufe
ohne sein Wissen getätigt habe, trat B._ in der Folge am 9. Januar 2012 als
Präsident der Schweizerischen Nationalbank zurück (Urk. 05.063).
2.2 Diverse Zwangsmassnahmen
Hinsichtlich der seitens der Staatsanwaltschaft vorgenommenen Hausdurchsu-
chung der Liegenschaft des Beschuldigten, des Editionsersuchen an die Bank
D._, des Aktenbeizugsgesuch an den Bundesrat, der rückwirkenden Tele-
fonüberwachung des Beschuldigten und weiterer Zwangsmassnahmen kann voll-
umfänglich auf die einlässlichen Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden
(Urk. 91 S. 6-12).
2.3 Amtliche Verteidigung
In der Untersuchung und vor Vorinstanz standen dem Beschuldigten nacheinan-
der drei amtliche Verteidiger zur Seite: Rechtsanwalt Dr. X3._ ab 4. Januar
2012 bis 12. März 2013 (Urk. 03.201 f. und 03.232 ff.), Rechtsanwalt lic. iur.
X4._ ab 12. März 2013 (Urk. 03.238 und 03.262) und Rechtsanwalt lic. iur.
X2._ ab 20. März 2013 (Urk. 03.252 f.).
2.4 E-Mails des Beschuldigten an die Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich
Seit ca. Januar 2013 richtete der Beschuldigte unzählige E-Mails mit teilweise un-
gebührlichem und beleidigendem Inhalt an einzelne Vertreter der Staatsanwalt-
schaft III des Kantons Zürich, aber auch an deren Kanzleiadresse oder weitere
Behördenmitglieder (vgl. Ordner 10 bis 17 sowie Urk. 06.281). Einige dieser E-
Mails enthielten unter anderem auch Todesdrohungen oder Todeswünsche ge-
genüber einzelnen Adressaten (vgl. Urk. 065.004 und Urk. 39).
Dem Beschuldigten wurde durch die Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich mit
E-Mail vom 12. Februar 2013 mitgeteilt, dass seine an die Staatsanwaltschaft ge-
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richteten E-Mails, falls in einem vergriffenen Tonfall verfasst, fortan nicht mehr
beantwortet, aber dennoch Eingang in die Verfahrensakten finden würden
(Urk. 03.270 und Urk. 06.227). Ausserdem forderte die Staatsanwaltschaft III des
Kantons Zürich den Beschuldigten mit Schreiben vom 25. März 2013 auf, diese
direkte Kommunikation zu unterlassen und stattdessen über seinen amtlichen
Verteidiger abzuwickeln. Überdies wurde ihm mitgeteilt, dass andernfalls weitere
E-Mails mit ehrverletzendem Inhalt in Bezug auf strafrechtlich relevante Inhalte
ausgewertet würden (Urk. 06.281).
Mit Verfügung vom 29. April 2014 bestrafte die Staatsanwaltschaft III des Kantons
Zürich den Beschuldigten mit einer Ordnungsbusse in der Höhe von Fr. 700.–
wegen der Missachtung von verfahrensleitenden Anordnungen (Urk. 065.008).
Die dagegen erhobene Beschwerde wies das Obergerichts des Kantons Zürich
mit Beschluss vom 30. Oktober 2014 ab (Urk. 065.022).
Der zahlreichen Beschimpfungen und Beleidigungen in den E-Mails des Beschul-
digten wegen wurde durch Staatsanwalt lic. iur. K._ Strafanzeige gegen den
Beschuldigten wegen übler Nachrede im Sinne von Art. 173 StGB und Beschimp-
fung im Sinne von Art. 177 StGB erhoben (Urk. 06.129 und 09.037). Dem amtli-
chen Verteidiger des Beschuldigten wurde zudem am 22. Mai 2014 durch Staats-
anwalt lic. iur. K._ mitgeteilt, dass er die Verfahrensleitung aufgrund der un-
zähligen gegen ihn gerichteten Drohmails des Beschuldigten an Staatsanwalt Dr.
R. Braun abgeben werde (Urk. 03.118).
2.5 Forensisch-Psychiatrische Stellungnahme betreffend den Beschuldigten
Im Auftrag der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich erstattete Prof. Dr. med.
L._ eine vom 8. September 2014 datierte forensisch-psychiatrische Stellung-
nahme über den Beschuldigten (Urk. 06.120 und 06.151). Aufgrund von Verteidi-
gereinwendungen wurde diese von den übrigen Verfahrensakten einstweilen aus-
gesondert (Urk. 03.280; Urk. 09.079 und 09.081).
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2.6 Beweisanträge vor Abschluss der Untersuchung
Die Anträge der Verteidigung, das vorliegende Strafverfahren einzustellen und die
anlässlich der bei G._ durchgeführten Hausdurchsuchung sichergestellten
Gegenstände, Dokumente und Datenträger beizuziehen, wurden mit Verfügung
der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom 19. Januar 2015 abgewiesen
(Urk. 001).
2.7 Erstinstanzliches Verfahren
2.7.1. Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom
20. Januar 2015 (Urk. 004) ging am 15. Oktober 2015 bei der Vorinstanz ein
(Urk. 003), nachdem sie infolge Konnexes zum Verfahren gegen E._ zuerst
beim örtlich unzuständigen Bezirksgericht Meilen eingereicht worden war (auch
Urk. 91 S. 22 f.).
2.7.2. Auf Antrag des Beschuldigten wurden mit Verfügung vom 4. Januar 2016
die Akten im Strafverfahren gegen G._ beigezogen (Urk. 31 f.; Beizugsakten
A-1/2012/191100378; orange Ordner).In diesem Verfahren erging am 7. Dezem-
ber 2015 eine Einstellungsverfügung (Urk. 011 bis Urk. 055).
2.7.3. Bezüglich zwei weiteren Strafverfahren gegen den Beschuldigten, unter
anderem wegen des Vorwurfs einer Todesdrohung gegen den Beschuldigten im
Parallelverfahren SB160257, E._, ergingen am 20. Januar 2015 ebenfalls
Einstellungsverfügungen (Urk. 005; Urk. 006).
2.7.4. Mit Verfügung des Bezirksgerichts Zürich vom 25. Januar 2016 wurde die
forensisch-psychiatrische Stellungnahme von Prof. Dr. med. L._ über den
Beschuldigten vom 8. September 2014 (Urk. 06.120), welche bisher durch die
Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich unter Verschluss gehalten worden war,
zu den Akten genommen (Urk. 41 und 46).
Mit Eingabe vom 29. Januar 2016 liess der Beschuldigte beantragen, die foren-
sisch-psychiatrische Stellungnahme sei nicht zu berücksichtigen und aus den Ak-
ten zu entfernen. Diesbezüglich verfügte die Vorinstanz am 9. Februar 2016, dass
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der Entscheid über die Nichtberücksichtigung und Entfernung aus den Akten zu-
sammen mit dem Endentscheid erfolgen werde. Ausserdem wurde verfügt, dass
Einsicht in die forensisch-psychiatrische Stellungnahme bis zum Endentscheid
nur dem Beschuldigten und seinem amtlichen Verteidiger sowie der Anklagebe-
hörde gewährt und dass das Dokument bis zum Endentscheid von den übrigen
Verfahrensakten getrennt aufbewahrt werde (Urk. 56).
2.7.5. Auf weiteren Antrag des Beschuldigten verfügte die Vorinstanz am 1. März
2016 den Beizug der Akten im Verfahren gegen M._ (Urk. 59 f.; Beizugsak-
ten A-1/2013/191100165).
2.7.6. Vom Erscheinen an der Hauptverhandlung vor dem Bezirksgericht vom
30. März 2016 wurde der Beschuldigte gestützt auf ein ärztliches Zeugnis dispen-
siert (Urk. 69 f.).
2.8 Erstinstanzliches Urteil
Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 9. Abteilung – Einzelgericht, vom 7. April
2016 wurde der Beschuldigte der mehrfachen Verletzung des Bankgeheimnisses
im Sinne von Art. 47 Abs. 1 lit. a BankG sowie der mehrfachen Verletzung des
Geschäftsgeheimnisses im Sinne von Art. 162 Abs. 1 StGB schuldig gesprochen
und mit einer auf 2 Jahre bedingt aufgeschobenen Geldstrafe von 45 Tagessät-
zen zu Fr. 30.– bestraft. Weiter entschied die Vorinstanz über das Schicksal zahl-
reicher beschlagnahmter Gegenstände (Urk. 91 S. 85 f.).
3. Berufungsverfahren und Gegenstand der Berufung
3.1. Berufungsanmeldungen
3.1.1. Gegen dieses Urteil meldete der amtliche Verteidiger des Beschuldigten
rechtzeitig Berufung an (Urk. 79). Das schriftliche Urteil in begründeter Fassung
wurde ihm am 6. Mai 2016 zugestellt (Urk. 84/2), worauf er ebenfalls fristgerecht
mit Eingabe vom 26. Mai 2016 die Berufungserklärung erstattete (Urk. 92). Auf
entsprechende Fristansetzung (Urk. 105) erhoben die Staatsanwaltschaft mit
Schreiben vom 13. Juli 2016, Poststempel 14. Juli 2016, und der Privatkläger 2
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mit Eingabe 22. Juli 2016 ebenfalls rechtzeitig Anschlussberufung (Urk. 106/2 und
106/3; Urk. 112; Urk. 114). Die Privatklägerin 1 liess sich nicht vernehmen. Be-
weisanträge wurden keine gestellt.
3.2. Angefochtene Punkte
Von der Verteidigung angefochten sind die Dispositivziffern 1, 2, 3, 6, 7, 8, 9, und
10. Verlangt wird ein vollumfänglicher Freispruch, eine angemessene Entschädi-
gung für den Beschuldigten und die Übernahme sämtlicher Verfahrenskosten auf
die Gerichtskasse. Zudem beantragt der Verteidiger, die Entschädigung für seine
amtliche Verteidigung auf insgesamt Fr. 124'669.37 (statt Fr. 59'531.40) festzu-
setzen, wobei der Beschuldigte persönlich gegen diesen letztgenannten Antrag
mit Eingabe vom 2. Juni 2016 opponiert (Urk. 94). Der Antrag des Privatklägers 2,
den Beschuldigten zur Zahlung einer Prozessentschädigung zu verpflichten, sei
abzuweisen (Urk. 92 S. 2 f.).
Für die Staatsanwaltschaft ist die Sanktion gemäss Dispositivziffer 2 zu mild aus-
gefallen. Es wird, wie schon vor Vorinstanz, eine Freiheitsstrafe von 12 Monaten,
neu eventualiter eine Geldstrafe von 360 Tagessätzen zu Fr. 30.– beantragt, je
unter Aufschub des Vollzugs und Ansetzung einer zweijährigen Probezeit
(Urk. 112 S. 1 f.).
Der Privatkläger 2 ficht die Dispositivziffer 10 an und stellt wie im erstinstanzlichen
Verfahren den Antrag, die Prozessentschädigung auf Fr. 24'519.25 festzusetzen
(Urk. 114, unter Verweis auf Urk. 67).
3.3. Teilrechtskraft des vorinstanzlichen Urteils
Damit ist das vorinstanzliche Urteil in den Dispositivziffern 4 (Herausgabe be-
schlagnahmter Gegenstände) und 5 (Aufnahme einer externen Festplatte und von
CDs in die Akten) in Rechtskraft erwachsen, was vorab mit Beschluss festzustel-
len ist.
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3.4. Verteidigerwechsel
3.4.1. Am 14. Juni 2016 verfügte die Oberstaatsanwaltschaft, Büro für amtliche
Mandate, in einem andern Verfahren gegen den Beschuldigten einen Verteidi-
gerwechsel mit der Begründung, das Vertrauensverhältnis zwischen der beschul-
digten Person und ihrer amtlichen Verteidigung sei nach Ansicht der beschuldig-
ten Person erheblich gestört und eine wirksame Verteidigung sei nicht mehr ge-
währleistet. Rechtsanwalt lic. iur. X2._ wurde als amtlicher Verteidiger des
Beschuldigten mit Wirkung auf den 14. Juni 2016 entlassen und Rechtsanwalt Dr.
iur. X5._ als solcher mit Wirkung ab 14. Juni 2016 bestellt (Urk. 95;
Urk. 96/1-5).
Nach diesbezüglichen Schriftenwechseln und (telefonischer) Anhörung des Be-
schuldigten (Urk. 97 bis 102) wurde mit Präsidialverfügung vom 4. Juli 2016 auch
im vorliegenden Verfahren Rechtsanwalt lic. iur. X2._ als amtlicher Verteidi-
ger des Beschuldigten entlassen und als neuer amtlicher Verteidiger des Be-
schuldigten ab 4. Juli 2016 Rechtsanwalt Dr. iur. X5._ bestellt (Urk. 103).
3.4.2. Nach Einsicht in die Eingabe des amtlichen Verteidigers des Beschuldig-
ten, Rechtsanwalt Dr. iur. X5._, vom 13. Juli 2016, worin dieser glaubhaft
darlegte, dass das Vertrauensverhältnis zwischen ihm und dem Beschuldigten
nachhaltig und unwiderruflich zerstört und eine wirksame Verteidigung daher nicht
mehr gewährleistet sei (Urk. 108), wurde Rechtsanwalt Dr. iur. X5._ mit Prä-
sidialverfügung vom 14. Juli 2016 als amtlicher Verteidiger des Beschuldigten
wieder entlassen. Gleichzeitig wurde dem Beschuldigten eine 10-tägige Frist zur
Bezeichnung eines Verteidigers angesetzt (Urk. 110).
Nachdem der Beschuldigte in seinem Schreiben vom 28. Juli 2016 den Entscheid
betreffend die Wahl einer neuen amtlichen Verteidigung der Verfahrensleitung
überlassen, jedoch um Berücksichtigung konkreter Kriterien bei der Auswahl er-
sucht hatte und sich Rechtsanwalt Dr. iur. X6._ auf Anfrage des Gerichts und
unter Hinweis auf die vom Beschuldigten erwähnten Kriterien zur Übernahme des
amtlichen Mandats bereit erklärt hatte (Urk. 115 und 116), bestellte der Kammer-
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präsident am 8. August 2016 Rechtsanwalt Dr. iur. X6._ ab 29. Juli 2016 als
neuen amtlichen Verteidiger (Urk. 117).
3.4.3. In seinem Schreiben vom 13. August 2016 samt Beilage erwähnte der Be-
schuldigte mehrmals, dass er ein gutes Gespräch mit seinem aktuellen amtlichen
Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. iur. X6._, gehabt habe, dieser ihm wirklich zu
helfen scheine, er danke sehr für diesen Anwalt (Urk. 122/1 und Urk. 122/2).
3.4.4. In ihrer Eingabe vom 7. Oktober 2016 samt Anwaltsvollmacht des Be-
schuldigten vom 6. Oktober 2016 machte Rechtsanwältin MLaw X1._ stark
zusammengefasst geltend, das Vertrauensverhältnis des Beschuldigten zu sei-
nem amtlichen Verteidiger Rechtsanwalt Dr. iur. X6._ sei erheblich gestört,
weshalb sie darum ersuchte, diesen zu entlassen und sie als neue amtliche Ver-
teidigerin zu bestellen (Urk. 124 und 125/1-3). Da bereits zweimal ein Wechsel
der amtlichen Verteidigung bewilligt worden war, solche Wechsel praxisgemäss
nur mit Zurückhaltung zugelassen werden und sich der Stellungnahme von
Rechtsanwalt Dr. iur. X6._ entnehmen liess, dass eine effektive Verteidigung
durch ihn nach wie vor gewährleistet sei (Urk. 128/1), wurde das Gesuch des Be-
schuldigten um Wechsel der amtlichen Verteidigung mit Präsidialverfügung vom
26. Oktober 2016 abgewiesen (Urk. 130).
Im Anschluss an die Eingabe von Rechtsanwältin MLaw X1._ vom
21. November 2016, womit sich diese als erbetene Verteidigerin des Beschuldig-
ten legitimierte und das Entlassungsgesuch bezüglich der amtlichen Verteidigung
wiederholte (Urk. 138), zwei E-Mails des Beschuldigten vom 19. November 2016
(Urk. 139/1 und Urk. 139/2) und ein durch Rechtsanwalt Dr. iur. X6._ ange-
kündigtes Beschwerdeverfahren gegen dessen Entlassung als amtlicher Verteidi-
ger am 9. November 2016 im Parallelverfahren gegen den Beschuldigten betref-
fend Drohung etc. (ref. sb/2014/201100358; Urk. 134 und Urk. 135) wurde das
Entlassungsgesuch der erbetenen Verteidigung mit Präsidialverfügung vom
23. November 2016 erneut abgewiesen (Urk. 140).
Nach Einsicht in das Wiedererwägungsgesuch von Rechtsanwältin MLaw
X1._ vom 1. Dezember 2016 betreffend den am 23. November 2016 abge-
- 18 -
lehnten Wechsel der amtlichen Verteidigung mit der Begründung, das Vertrau-
ensverhältnis des Beschuldigten zu seinem amtlichen Verteidiger Rechtsanwalt
Dr. iur. X6._ sei durch dessen Beschwerde gegen den Entscheid der Ober-
staatsanwaltschaft vom 9. November 2016 – womit im erwähnten Parallelverfah-
ren (ref: sb/2014/201100358) ein Wechsel der Verteidigung bewilligt und die Ent-
lassung von Rechtsanwalt Dr. iur. X6._ verfügt worden war – noch weiter
zerstört worden (Urk. 143, vgl. auch Urk. 140) sowie infolge des Beschlusses der
III. Strafkammer vom 2. Dezember 2016, womit auf die vorgenannte Beschwerde
von Rechtsanwalt Dr. iur. X6._ mangels rechtlich geschützten Interesses
nicht eingetreten worden war (Urk. 144), wurde mit Präsidialverfügung vom 7. De-
zember 2016 Rechtsanwalt Dr. iur. X6._ als amtlicher Verteidiger des Be-
schuldigten entlassen und als neue amtliche Verteidigerin Rechtsanwältin MLaw
X1._ bestellt. Gleichzeitig erging der Hinweis, dass ein erneuter Wechsel der
amtlichen Verteidigung praxisgemäss nur mit grosser Zurückhaltung bewilligt
würde (Urk. 145).
3.5. Weiterer Verfahrensgang
3.5.1. Am 24. Januar 2017 wurde zur Berufungsverhandlung auf den 23. Juni
2017 vorgeladen (Urk. 148). Die beiden Beschuldigten (separate Verfahren) er-
hoben keine Einwände gegen eine gemeinsame Durchführung der Berufungsver-
handlung.
3.5.2. Vom 9. bis 17. März 2017 nahm Rechtsanwältin MLaw X1._ Einsicht
in die Akten C-1/2012/9 im Parallelverfahren SB160257 betreffend E._
(Urk. 149-152).
3.5.3. Mit Eingabe vom 24. April 2017 erstattete Rechtsanwältin MLaw X1._
einen schriftlichen Bericht und stellte den Antrag, der Beschuldigte sei für berech-
tigt zu erklären, dem Gericht Informationen bekannt zu geben, welche dem
Bankgeheimnis im Sinne des Bankengesetzes sowie dem Geschäftsgeheimnis
unterstehen. Das rechtliche Gehör sei gegenüber sämtlichen Parteien und deren
Rechtsbeiständen in Bezug auf den entsprechenden einzureichenden Bericht ein-
zuschränken. Eventualiter sei der Beschuldigte für berechtigt zu erklären, den
- 19 -
Parteien und deren Rechtsbeiständen Informationen bekannt zu geben, welche
dem Bankgeheimnis im Sinne des Bankengesetzes unterstehen, wobei sämtliche
Parteien und deren Rechtsbeistände unter Hinweis auf Art. 292 StGB zur Ge-
heimhaltung der vorgebrachten Informationen zu verpflichten seien (Urk. 153).
Auf das darauf bezugnehmende Schreiben des Kammerpräsidenten vom 11. Mai
2017 (Urk. 155) reichte Rechtsanwältin MLaw X1._ am 18. Mai 2017 einen
weiteren schriftlichen Bericht unter analoger Antragstellung ein (Urk. 156) und leg-
te diesem einen als Stellungnahme bezeichneten schriftlichen Bericht des Be-
schuldigten bei (Urk. 157).
3.5.4. Am 23. Juni 2017 fand die Berufungsverhandlung statt (vgl. Prot. II
S. 12 ff.). Die geheime Beratung des Gerichts wurde am 3. Juli 2017 und am
16. August 2017 durchgeführt (Prot. II S. 78). Die öffentliche mündliche Eröffnung
des Urteils vom 16. August 2017 fand am 23. August 2017 statt (Prot. II S. 79 ff.).
II. Prozessuales
1. Allgemeiner Hinweis zur Würdigung der Parteistandpunkte
Auf die Argumente des Beschuldigten bzw. der Verteidigung ist im Rahmen der
nachstehenden Erwägungen einzugehen. Das rechtliche Gehör nach Art. 29
Abs. 2 BV verlangt, dass die Behörde die Vorbringen des von einem Entscheid in
seiner Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich hört, prüft und in seiner Ent-
scheidfindung berücksichtigt. Nicht erforderlich ist, dass sie sich mit allen Partei-
standpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen aus-
drücklich widerlegt. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen
Punkte beschränken. Es müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt
werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Ent-
scheid stützt (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1.; BGE 141 III 28 E. 3.2.4 S. 41; BGE 139
IV 179 E. 2.2; BGE 138 IV 81 E. 2.2; Urteile des Bundesgerichts 6B_957/2016,
6B_/1022/2016 vom 22. März 2017 und 6B_401/2015 vom 16. Juli 2015 E. 1.1; je mit Hinweisen).
- 20 -
2. Privatkläger
Hinsichtlich der Konstituierung der beiden Privatkläger kann auf die zutreffenden
Ausführungen im angefochtenen Urteil verwiesen werden (Urk. 91 S. 24; Art. 82
Abs. 4 StPO).
3. Forensisch-psychiatrische Stellungnahme
3.1. Antrag des Beschuldigten
3.1.1. Vor Vorinstanz stellten sich der Beschuldigte und sein damaliger Verteidi-
ger auf den Standpunkt, die forensisch-psychiatrische Stellungnahme von Prof.
Dr. med. L._ vom 8. September 2014 sei nicht zu berücksichtigen und aus
den Akten zu entfernen bzw. zumindest bis zum Abschluss des Verfahrens, zu-
mindest aber bis zum definitiven Entscheid über die Nichtberücksichtigung und
Entfernung, von den übrigen Akten getrennt verschlossen aufzubewahren
(Urk. 51; hinsichtlich der damaligen Begründung kann auf die zusammenfassen-
den Ausführungen der Vorinstanz, Urk. 91 S. 24-26 verwiesen werden).
3.1.2. Vor Berufungsgericht äusserte sich die neue Verteidigung nicht direkt zur
Frage der Verwertbarkeit der forensisch-psychiatrische Stellungnahme vom
8. September 2014. Die Verteidigerin merkte – im Rahmen ihrer Ausführungen zu
den Kostenfolgen – lediglich an, beim Auftrag zur forensisch-psychiatrischen Stel-
lungnahme vom 8. September 2014 sei es zwar zum einen um die Schuldfähig-
keit und die Glaubwürdigkeit der Aussagen des Beschuldigten gegangen, der
Schwerpunkt sei jedoch auf die Risikoeinschätzung betreffend Ausführungsgefahr
im Zusammenhang mit Aussagen des Berufungsklägers gegenüber der Strafver-
folgungsbehörde gelegt worden. Während dieses Gutachtensprozesses sei der
Beschuldigte mehrfach unter Druck gesetzt worden, zu der Situation in der Bank
auszusagen, wogegen er sich sehr gewehrt habe. Diese Risikoeinschätzung habe
(allein) im Eigeninteresse der Staatsanwaltschaft gelegen und habe mit dem lau-
fenden Verfahren nichts zu tun gehabt. Der diesbezügliche Auftrag sei demnach
in eigener Sache erfolgt. Dies sei nicht statthaft (Urk. 168 S. 54 f.).
- 21 -
3.2. Stellungnahme der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich
3.2.1. Demgegenüber nahm die Staatsanwaltschaft in ihrer Eingabe vom
5. Februar 2016 vor Vorinstanz den Standpunkt ein, dass die Einholung der fo-
rensisch-psychiatrischen Stellungnahme nicht zu Unrecht erfolgt und zu den Per-
sonalakten des Beschuldigten zu nehmen bzw. dort zu belassen sei (Urk. 54 S. 1
f.). Aufgrund der mehrfach dokumentierten E-Mails des Beschuldigten mit dro-
hendem und beschimpfendem Inhalt gegen Behörden, beteiligte Institutionen und
Mitbeschuldigte sei eine Risikoabklärung vorliegend nicht nur gerechtfertigt, son-
dern nötig und verhältnismässig gewesen. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb
es dem Sachrichter, der sich ein Bild über sämtliche Facetten der Persönlichkeit
eines Beschuldigten machen müsse, verwehrt sein soll, die forensisch-
psychiatrische Stellungnahme zu den Akten zu nehmen und sie im Sinne der
freien Beweiswürdigung zu bewerten (Urk. 54 S. 3). Weiter verwies die Staatsan-
waltschaft auf ihre Ausführungen im Rahmen des Beschwerdeverfahrens gegen
den Gutachtensauftrag (Urk. 54 S. 1; vgl. zur Begründung der Staatsanwaltschaft
im Einzelnen die vorinstanzliche Zusammenfassung in Urk. 91 S. 26-28).
3.2.2. Anlässlich der Berufungsverhandlung machte die Staatsanwaltschaft keine
expliziten Ausführungen zur Frage der Verwertbarkeit der forensisch-
psychiatrischen Stellungnahme vom 8. September 2014 (vgl. Urk. 167) bzw. ging
implizit von deren Verwertbarkeit aus (vgl. Prot. II S.77).
3.3. Verwertbarkeit der forensisch-psychiatrischen Stellungnahme
3.3.1. Die Vorinstanz erwog völlig zutreffend, dass gemäss Art. 182 StPO die
Staatsanwaltschaft oder die Gerichte eine sachverständige Person beiziehen,
wenn sie nicht über die besonderen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen, die zur
Feststellung oder Beurteilung eines Sachverhalts erforderlich sind. Ob es sich bei
den Fragen aus dem Gutachtensauftrag vom 29. April 2014 um solche handelte,
welche zur Feststellung oder Beurteilung des Sachverhalts erforderlich sind und
ob weder das Gericht noch die Staatsanwaltschaft über die für deren Beantwor-
tung nötigen Kenntnisse verfügt, hat die Vorinstanz anschliessend geprüft. Anzu-
fügen ist, dass auch Art. 20 StGB gebietet, dass die Untersuchungsbehörde oder
- 22 -
das Gericht die sachverständige Begutachtung durch einen Sachverständigen
anordnet, wenn – aufgrund objektiver Anhaltspunkte – ernsthafter Anlass besteht,
an der Schuldfähigkeit des Täters zu zweifeln. Damit ist zugleich die gesetzliche
Grundlage festgestellt.
3.3.2. Die Vorinstanz erachtete die Erstellung der forensisch-psychiatrischen
Stellungahme vom 8. September 2014 sowohl als geeignet wie auch erforderlich
und verhältnismässig, weshalb diese als Urk. 06.120 bei den Akten zu belassen
sei (Urk. 91 S. 28-30). Diese Auffassung ist zutreffend und zu teilen. Zusammen-
gefasst und leicht ergänzt ist das folgende festzuhalten:
Wie aufgezeigt ist aktenkundig, dass der Beschuldigte im Laufe der Strafuntersu-
chung unzählige E-Mails unter anderem an die fallbearbeitende Staatsanwalt-
schaft verfasste, in welchen er seine Adressaten nicht nur mehrfach beleidigte,
sondern sie auch mit übelsten Schimpfworten betitelte und ihnen den Tod
wünschte oder gar drohte, sie zu töten. Die Ausdrucke füllen im Ergebnis eine
Vielzahl von Ordnern (Ordner 10 ff.). Nicht nur der teilweise erschreckende Inhalt
dieser E-Mails alleine, sondern auch das gewählte Schriftbild, die Anzahl der ver-
sandten E-Mails und der Umstand, dass der Beschuldigte in enger Abfolge, zum
Teil innert weniger Stunden mehrere solcher E-Mails verschickte und die damit
verbundene Vermutung, dass das Verfassen dieser Botschaften einen Grossteil
der täglichen Beschäftigung des Beschuldigten auszumachen schien (vgl.
Urk. 06.201 ff.; Urk. 06.420 ff.; Urk. 065.003; Urk. 065.007), werfen Fragen zur
Persönlichkeit des Beschuldigten und zu seinem Gesundheitszustand auf, wie die
Vor-instanz völlig zu Recht konstatierte. Ausserdem lässt die Tatsache, dass der
Beschuldigte diese E-Mails abschickte, obwohl er wusste, dass es sich bei seinen
Adressaten unter anderem um Strafverfolgungsbehörden handelte und er sich so
strafrechtlicher Konsequenzen für sein Verhalten fast sicher sein musste, Zweifel
an seiner Kontrollfähigkeit aufkommen, womit auch die Frage der Schuldfähigkeit
im Raum steht. Nicht nur während des bereits laufenden Strafverfahrens, sondern
auch bereits im deliktrelevanten Zeitraum Ende des Jahres 2011 zeigte sich in
den E-Mail Korrespondenzen zwischen dem Beschuldigten und E._ eine
- 23 -
teilweise sehr aufbrausende, drohende und unkontrolliert wirkende Wortwahl des
Beschuldigten (vgl. Urk. 01.264 ff.).
Die Allgemeinverfassung des Beschuldigten muss aufgrund des Eindrucks, wel-
chen seine E-Mails an die Staatsanwaltschaft sowie beispielsweise auch die Not-
wendigkeit seines Aufenthalts in der psychiatrischen Klinik ... Anfang 2012 hinter-
lassen, im Einklang mit dem Bezirksgericht als eher instabil eingeschätzt werden.
Da er überdies bereits im Zeitraum der zu beurteilenden Tatvorgänge E-Mails im
ähnlichen Stil wie später an die Staatsanwaltschaft verfasste und auch die E-
Mails während der Strafuntersuchung einen sehr engen Zusammenhang zu den
angeklagten Delikten aufweisen, liegt eine Überprüfung der Schuldfähigkeit in Be-
zug auf diese Taten nahe, drängt sich geradezu auf.
Unabhängig davon fliessen auch die persönlichen Verhältnisse und das Vorleben
einer beschuldigten Person und deren Nachtatverhalten in die Beurteilung der
vorgeworfenen Delikte ein (Art. 47 StGB). Sollte der Beschuldigte an einer psy-
chischen Störung leiden, was aufgrund seines Verhaltens möglich erscheint, zu-
mindest aber nicht ausgeschlossen werden kann, wäre auch dies in die Urteilsfin-
dung miteinzubeziehen. Schliesslich ist mit der Vorinstanz der Hinweis ange-
bracht, dass zwischen der Strafuntersuchungsbehörde und einem Beschuldigten
im Laufe des Verfahrens immer wieder Kontakte stattfinden, die meist auch erfor-
derlich sind. In Anbetracht der teilweise massiven Drohungen über einen längeren
Zeitraum gegen Vertreter der Staatsanwaltschaft, aber auch gegenüber anderen
Behördenmitgliedern oder Mitbeschuldigten, erscheint es daher nicht nur als legi-
tim, sondern als nötig, die tatsächliche Gefahr, welche für diese Personen vom
Beschuldigten ausgeht, so gut wie möglich einordnen zu können. Somit zeigt es
sich als erforderlich, den Gesundheitszustand, die Schuldfähigkeit und vor allem
die Gefährlichkeit des Beschuldigten (Risikoeinschätzung betreffend Ausfüh-
rungsgefahr) zu überprüfen. Erfahrungsgemäss sind weder die Anklagebehörden
noch die Gerichte dazu in der Lage, weshalb dies einer sachverständigen Person
zu überlassen ist. Die Beantwortung dieser Fragen hat mit andern Worten im
Rahmen einer psychiatrischen Begutachtung zu erfolgen.
- 24 -
Das weitere Argument des Beschuldigten, dass selbst die Erstellung eines Akten-
gutachtens (statt eines Vollgutachtens) für ihn eine grosse Belastung mit sich
bringe, weil er keine Mitsprachemöglichkeiten habe und sich dem Gutachter nicht
so präsentieren könne, wie er sei (Urk. 06.171 S. 4), steht – wie bereits die
Staatsanwaltschaft richtigerweise monierte – im Widerspruch zu seinem resoluten
Widerstand gegen eine psychiatrische Begutachtung, anlässlich welcher er die
nach seiner Darstellung traumatisierenden Vorkommnisse (Urk. 06.168 S. 4) mit
dem Gutachter nochmals hätte durchleben müssen (Urk. 06.155 S. 4). Durch die
Beschränkung des Gutachtensauftrages auf die Erstellung eines Aktengutach-
tens, womit weitere Gespräche über das Vorgefallene entfielen, wurde diesem
Umstand Rechnung getragen. In der Folge wurde der Beschuldigte mit keinerlei
Fragen konfrontiert und seine Mitwirkung erübrigte sich, weshalb dies für ihn in-
nerhalb der möglichen Begutachtungsweisen die am wenigsten belastende dar-
stellt, womit gleichzeitig das Verhältnismässigkeitsprinzip gewahrt ist (auch
Urk. 06.132; Urk. 06.134; Urk. 54 S. 2 f.). Mit seiner heftigen Abwehr gegen die
Begutachtung verzichtete der Beschuldigte aber nicht nur konkludent auf ein Voll-
gutachten, sondern zugleich auf seine Teilnahmerechte im Rahmen der Explora-
tion, weshalb er sich nicht auf deren Verletzung berufen kann. Abgesehen davon
ging es offensichtlich auch der Verteidigung primär darum, die angepeilte und für
den Beschuldigten belastende Begutachtung und eine damit womöglich einher-
gehende sekundäre Traumatisierung zu verhindern, denn sie schlug stattdessen
eventualiter die Einholung eines Berichtes durch den Arzt vor, bei welchem der
Beschuldigte in engmaschiger psychiatrischen Betreuung steht (Urk. 06.159 S. 5).
Im Gegensatz aber zum behandelnden Psychiater ist bei einem externen Exper-
ten die Unabhängigkeit gewahrt. Irgendwelche Ausstandsgründe gegen den Gut-
achter sind nicht ersichtlich bzw. wurden auch nicht in substantiierter Weise gel-
tend gemacht (Urk. 06.165 S. 5).
Dem Umstand schliesslich, dass sich der Beschuldigte dem Gutachter nicht per-
sönlich präsentierte, sondern dieser seine Stellungnahme lediglich aufgrund der
Akten verfasste, wird sodann auch in dem Sinne Rechnung getragen, dass darauf
einerseits in der forensisch-psychiatrischen Stellungnahme hingewiesen wird
(Urk. 06.120 S. 2 und 7) und dass anderseits, wie vom Gutachter selber erwähnt
- 25 -
(Urk. 06.134), der forensisch-psychiatrischen Stellungnahme deswegen weniger
Aussagekraft zukommt als einem Vollgutachten. Dennoch lassen sich laut Prof.
Dr. med. L._ die zentralen Bewertungsfragen auch auf Grundlage der vorlie-
genden Informationen mit hinreichender Sicherheit beantworten (Urk. 06.120
S. 15 f.). Anzufügen bleibt, dass gemäss der bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung unter dem Aspekt des Willkürverbots (Art. 9 BV) und des Gebots des recht-
lichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV) ausnahmsweise die Berücksichtigung eines
psychiatrischen Aktengutachtens ohne persönliche Untersuchung des Betroffenen
zulässig ist, wenn sich, wie hier, der Proband einer Begutachtung standhaft ver-
weigert (BGE 127 I 54, 58 E. 2 f.).
3.3.3. Als Fazit ergibt sich mit der Vorinstanz, dass die forensisch-psychiatrische
Stellungnahme vom 8. September 2014 (Urk. 06.120) nicht zu Unrecht erstellt
wurde. Vielmehr war deren Anordnung nicht nur legitim, sondern ebenso notwen-
dig und geeignet zur Klärung der vorliegend im Raume stehenden Fragen. Da auf
eine Vollbegutachtung mit persönlicher Untersuchung des Beschuldigten verzich-
tet wurde und nur eine gutachterliche Stellungnahme im Sinne eines Aktengut-
achtens erfolgte, ist auch dem Verhältnismässigkeitsprinzip Rechnung getragen.
Die forensisch-psychiatrische Stellungnahme ist daher bei den Akten (den Perso-
nalakten des Beschuldigten) zu belassen und sie kann im Rahmen der Beweis-
würdigung verwertet werden.
4. Einschränkung des rechtlichen Gehörs
4.1. Antrag des Beschuldigten
Mit Eingabe vom 18. Mai 2017 (Urk. 156) reichte die Verteidigerin einen schriftli-
chen Bericht des Beschuldigten vom 15. Mai 2017 (Urk. 157) – übertitelt mit "Stel-
lungnahme: Angabe der Gründe warum ich bankextern um rechtlichen Rat er-
suchte" – ins Recht und stellte den Antrag, in Bezug auf diesen Bericht sei das
rechtliche Gehör gegenüber sämtlichen Parteien und deren Rechtsbeiständen
einzuschränken. Zur Begründung führte sie in der Eingabe vom 18. Mai 2017 so-
wie vor Berufungsgericht vorfrageweise (hier zusammengefasst) aus, da dem Be-
schuldigten im erstinstanzlichen Urteil vorgeworfen worden sei, er hätte sich zu-
- 26 -
erst an die bankinterne Compliance wenden müsse, bestehe für ihn im Beru-
fungsverfahren die Notwendigkeit zur Stellungnahme, aus welchen Gründen er
dies nicht getan habe und auch nicht habe tun können, sondern externen Rat ge-
sucht habe. Da mit dieser Stellungnahme auf interne Abläufe der Bank eingegan-
gen werden müsse, sei aus Sicht der Verteidigung zu befürchten, dass sich der
Beschuldigte damit der Geschäftsgeheimnisverletzung schuldig machen könnte.
Aus diesem Grund werde beantragt, dass der Inhalt dieser Stellungnahme nur
dem Gericht zukomme, nicht aber den Parteien zugänglich gemacht werde (vgl.
Urk. 156 und Prot. II S. 69).
4.2. Stellungnahme der Staatsanwaltschaft
Die Staatsanwaltschaft führte anlässlich der Berufungsverhandlung (zusammen-
gefasst) aus, es sei zu verstehen, dass wenn es um Geschäftsgeheimnisse gehe,
man der Bank oder auch anderen Parteien kein rechtliches Gehör gewähre. Ihres
Erachtens habe aber jedenfalls die Staatsanwaltschaft einen Anspruch auf
Kenntnis dieser Stellungnahme, da sie im Namen der Öffentlichkeit die Aufgabe
der Strafdurchsetzung und Strafverfolgung wahrzunehmen habe. Die Einsicht-
nahme in diese persönliche Stellungnahme des Beschuldigten sei der Staatsan-
waltschaft deshalb nicht zu verweigern; dies insbesondere, falls diese Stellung-
nahme im Strafurteil Berücksichtigung finden würde (Prot. II S. 69 f.).
4.3. Entscheid der Verfahrensleitung
Der Vorsitzende erwog anlässlich der Berufungsverhandlung, dass einer beschul-
digte Person gemäss verschiedenen Bestimmungen des Gesetzes, so etwa in
Art. 157 Abs. 2 StPO, umfassende Verteidigungsrechte eingeräumt werden. Die
Informationen, die der Beschuldigte in seiner Stellungnahme vorbringe, könnten
einerseits tatsächlich insbesondere unter das Geschäftsgeheimnis fallen, seien
aber andererseits mit Blick auf eine wirksame und effektive Verteidigung sachlich
geboten, damit sich der Beschuldigte gegen die vorinstanzlichen Erwägungen zur
Wehr setzen könne. Für einen solchen Fall sehe das Gesetz in Art. 108 Abs. 1
lit. b StPO vor, dass die Strafbehörden das rechtliche Gehör der anderen Parteien
zur Wahrung öffentlicher oder privater Geheimhaltungsinteressen einschränken
- 27 -
können. Gestützt darauf verfügte der Vorsitzende am 23. Juni 2017 zuhanden des
Protokolls, dass die vom Beschuldigten eingereichte Stellungnahme vom 15. Mai
2017 sämtlichen anderen Parteien nicht vorgelegt werde (Prot. II S. 70 f.).
5. Privatgutachten von Prof. Dr. C._
5.1. Im Parallelverfahren gegen den Mitbeschuldigten E._ reichte dessen
Verteidiger ein "Rechtsgutachten betreffend Strafverfahren gegen E._ in Sa-
chen Bankgeheimnis/Whistleblowing" ein (Verfahrensakten SB160257, Urk. 60).
Dieses Gutachten äussert sich zur Frage, ob die Beschuldigten E._ und
A._ mit der Informierung von G._ am 3. Dezember 2011 – also im Hin-
blick auf den im vorliegenden Verfahren unter Anklageziffer I.D. eingeklagten
Sachverhalt – den Tatbestand der Verletzung des Bankgeheimnisses im Sinne
von Art. 47 StGB erfüllen oder sich auf legales Whistleblowing im Rahmen des
übergesetzlichen Rechtfertigungsgrundes der Wahrung berechtigter Interessen
berufen können.
5.2. Zu diesem Gutachten ist zunächst ganz allgemein festzuhalten, dass dieses
ein Privatgutachten darstellt und als ein solches nur zur Kenntnis zu nehmen ist.
Die Tatsachen, dass der Privatgutachter nicht von der Strafbehörde, sondern von
einer am Ausgang des Prozesses interessierten Partei ausgewählt, instruiert und
entschädigt wird, dass die Möglichkeit einer strafrechtlichen Haftbarmachung ge-
stützt auf Art. 307 StGB ausscheidet, dass der Privatgutachter möglicherweise
nicht in alle Akten Einsicht hat und auch die Erfahrung, dass ein Privatgutachten
nur dann eingereicht wird, wenn es für den Auftraggeber günstig lautet, führt da-
zu, dass generell einem Privatgutachten lediglich der Beweiswert von blossen
Parteivorbringen beigemessen wird (Donatsch in Donatsch/Hansjakob Lieber,
Kommentar zur Schweizerischen StPO, 2. Aufl., 2014, Art. 182 N 15). Hinzu
kommt, dass es sich beim vorliegenden Gutachten um ein Rechtsgutachten han-
delt. Zu Rechtsfragen (unter Vorbehalt von hier nicht interessierenden Ausnah-
men etwa bei Fragen des ausländischen Rechts) werden jedoch keine Sachver-
ständige beigezogen, denn nach dem Grundsatz von iura novit curia ist es die ur-
eigenste Aufgabe des Gerichtes, das Recht anzuwenden. Im konkreten Fall ist
ausserdem zu beachten, dass Prof. Dr. C._ nicht nur ein Rechtsprofessor,
- 28 -
sondern auch ein versierter Politiker bzw. Nationalrat ist, der sich de lege ferenda
für eine bessere Rechtsstellung von Whistleblowern engagiert. Seine Ausführun-
gen sind deshalb auch unter diesem Gesichtspunkt kritisch und mit der gebotenen
Zurückhaltung zu würdigen, geht es doch hier um die Anwendung geltenden und
nicht zukünftigen Rechts.
III. Schuldpunkt
A. ALLGEMEINES
1. Anklagevorwurf
Der Anklagevorwurf ergibt sich aus der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft III
des Kantons Zürich vom 20. Januar 2015 (Urk. 004 S. 2-9) und ist in den wesent-
lichen Zügen auch im angefochtenen Urteil dargestellt (Urk. 91 S. 31-34).
1.1. Zusammengefasst wirft die Anklagebehörde dem Beschuldigten – damals
Angestellter der Bank D._ in der bankinternen IT-Abteilung in Zürich – in  I.A. vor, am 4. November 2011, 28. November 2011, 3. Dezember
2011 und 24. Dezember 2011 jeweils gegenüber Personen ausserhalb der Bank
darüber Auskunft gegeben zu haben, dass B._ eine Kontobeziehung mit der
Bank D._ unterhielt und dass über diese Kontobeziehung am 15. August
2011 und 4. Oktober 2011 Devisentransaktionen abgewickelt wurden. Dem Be-
schuldigten wird dazu vorgeworfen, er habe gewusst oder zumindest annehmen
müssen, dass diese Umstände sowie die auf den Ausdrucken der Transaktions-
masken dokumentierten weiteren Bankinformationen geheim waren und dass er
durch deren Preisgabe nicht nur das Bank-, sondern auch das Geschäftsgeheim-
nis der Bank D._ verletzen würde. Das habe der Beschuldigte auch gewollt,
da er mit den privaten Aktien- und Devisengeschäften von B._ nicht einver-
standen gewesen sei.
1.2. Anlässlich einer an seinem Arbeitsort, N._ ... in ... Zürich um den
10./12. Oktober 2011 erfolgten bürointernen Diskussion unter anderem über den
- 29 -
damaligen Nationalbankpräsidenten habe der Beschuldigte von einem Arbeitskol-
legen die siebenstellige Kontonummer von B._ erhalten sowie den Zusatz-
hinweis, dass er dessen Dollartransaktionen betrachten solle. In der daraufhin
aufgerufenen separaten Maske habe der Beschuldigte auf dem Computerbild-
schirm die folgenden Buchungen im fraglichen Konto von B._ erkennen kön-
nen:
- 15.08.11: Kauf USD 504'477.24 für CHF 400'000 (Kurs USD/CHF 0.7929)
in 2 Tranchen:
- 15.08.11: Kauf USD 20'000 für CHF 15'858
- 15.08.11: Kauf USD 484'477.24 für CHF 384'142
- 04.10.11: Verkauf USD 516'192.13 für CHF 475'000 (Kurs USD/CHF 0.9202).
Von der Bankbeziehung habe der Beschuldigte unmittelbar darauf eigenmächtig
und ohne Berechtigung drei sog. Printscreens (Ausdrucke des Bildschirms mit
den Transaktionsmasken) erstellt und nach Hause mitgenommen. Darauf seien
neben den genannten Devisentransaktionen unter anderem die Personalien von
B._, Risk Allocation sowie Kontoauszüge vom 10. Juni 2009 bis 6. Oktober
2011 mit diversen Einzelpositionen wie Forextransaktionen in USD, EUR und
CHF, diverse Aktientransaktionen sowie Kontosaldi, Zusammenfassung Konto-
cashbestand in den besagten Währungen etc. enthalten gewesen (Urk. 004 S. 2 f.
und S. 8 f.).
1.3. Konkret wird dem Beschuldigten in Anklageziffer I.B. angelastet, am Mor-
gen des 4. November 2011 seinen ehemaligen Schulkollegen, Rechtsanwalt lic.
iur. E._, durch welchen er in einer früheren persönlichen Angelegenheit an-
waltlich vertreten worden war, in dessen Anwaltskanzlei in O._ aufgesucht zu
haben. Anlässlich dieses Besuches habe der Beschuldigte E._ mitgeteilt,
dass B._ mit Devisen spekulieren würde, zur Untermauerung dieser Behaup-
tung die zuvor erwähnten Printscreens vorgelegt und E._ ausserdem auf den
Zusammenhang mit der Einführung der Euro-Untergrenze vom 6. September
2011 durch die Schweizerische Nationalbank hingewiesen. Diese Informationen,
welche er in seiner Funktion als Bankangestellter bei der Bank D._ wahrge-
- 30 -
nommen habe, habe der Beschuldigte dem aufgesuchten E._ bewusst und
gewollt preisgegeben (Urk. 004 S. 4).
1.4. Dem Beschuldigten wird in Anklageziffer I.C. weiter zur Last gelegt, am
28. November 2011 um die Mittagszeit den ...-Kantonsrat M._, welchen er
aus einer früheren Arbeitstätigkeit bei der P._ [Bank] kannte, im Erdgeschoss
des ... ...hauses kontaktiert und ihn ebenfalls wissentlich und willentlich über den
in seiner Eigenschaft als Bankangestellter wahrgenommenen Sachverhalt in Be-
zug auf das Konto von B._ bei der Bank D._ und die darauf verzeichne-
ten Dollartransaktionen in Kenntnis gesetzt zu haben. Dabei habe der Beschuldig-
te die Devisentransaktionen zwar nicht im Detail genannt, jedoch B._ als
möglichen Insider bezeichnet, die Einführung der Euro-Untergrenze vom
6. September 2011 erwähnt und M._ nach einer neutralen Untersuchungs-
möglichkeit zur Überprüfung der Rechtmässigkeit dieser Devisentransaktionen
gefragt (Urk. 004 S. 5).
1.5. Nach verschiedenen Besprechungen am Telefon und in E-Mails hätten der
Beschuldigte und E._ spätestens ca. am 18./20. November 2011 gemeinsam
beschlossen, den damaligen Nationalrat G._ über die privaten Geschäfte von
B._ zu informieren und bezüglich des weiteren Vorgehens um Rat zu fragen.
Auf Wunsch des Beschuldigten habe E._ in mehreren Telefongesprächen
vom 21., 24. und 29. November 2011 G._ über mögliche Spekulationsge-
schäfte von B._ mit Devisen vorinformiert und den Wunsch des Informanten,
eines Bankmitarbeiters, sich mit ihm treffen zu wollen, übermittelt. Am
29. November 2011 habe E._ dem Beschuldigten mitgeteilt, dass G._
zu einem Treffen am 3. Dezember 2011 bereit sei (Urk. 004 S. 5 f.).
Am Morgen jenes Samstags habe der Beschuldigte E._ an dessen Wohnort
abgeholt und sie seien gemeinsam nach Q._ zu G._ gefahren. Dort ha-
be E._ dem Beschuldigten das Couvert, in welchem die drei Printscreens
samt vom Beschuldigten angefertigter Notizen bisher verschlossen bei E._
aufbewahrt worden seien, wieder ausgehändigt. Anlässlich dieses Treffens vom
3. Dezember 2011 zwischen G._, E._ und dem Beschuldigten – so in Anklageziffer I.D. – habe der Beschuldigte G._ die Printscreens vorgelegt,
- 31 -
ihn über die Bankverbindung B._s zur Bank D._ und die einzelnen Dol-
lartransaktionen in Kenntnis gesetzt. Diese Informationen, welche er in seiner Ei-
genschaft als Bankmitarbeiter wahrgenommen habe, habe der Beschuldigte be-
wusst und gewollt preisgegeben (Urk. 004 S. 4 und 6).
1.6. Schliesslich wird dem Beschuldigten in Anklageziffer I.E. zum Vorwurf ge-
macht, am 24. Dezember 2011 um ca. 18 Uhr auf dem Parkplatz des "... Hotel"
an der ...strasse ... in ... zwei R._-Journalisten getroffen und ihnen Informa-
tionen über die Dollartransaktionen von B._ erteilt zu haben. Dazu sei es ge-
kommen, nachdem der Beschuldigte am Nachmittag jenes Heiligabend am Ge-
burtstagsfest von M._ in S._ teilgenommen und er diesen später um Hil-
fe gebeten habe, als ihm auf der Höhe der Autobahneinfahrt ... das Benzin aus-
gegangen sei. Bereits am Geburtstagsfest hätten die beiden sich gewundert, wo-
her der R._ die Informationen für den am 23. Dezember 2011 im R._
erschienen Artikel mit dem Titel "Dubioser Dollar-Deal der Ex-Devisenhändlerin -
Stolpert SNB-Chef B._ über seine schöne Frau?" (vgl. vorne Ziff. I.2.1.) habe
erhalten können und es sei diskutiert worden, bei den R._-Journalisten deren
Quelle zu eruieren, womit der Beschuldigte aber vorerst nicht einverstanden ge-
wesen sei. Innerlich hin- und hergerissen, sei er dann vom Nachhauseweg wieder
umgekehrt, um sich diesbezüglich nochmals mit M._ zu besprechen.
Als M._ dem Beschuldigten mit einem Benzinkanister zu Hilfe gekommen
sei, habe er diesem gleichzeitig mitgeteilt, dass er inzwischen den R._ ange-
rufen und mit den Journalisten ein Treffen arrangiert habe. Am vereinbarten Treff-
punkt habe zunächst M._ alleine mit den R._-Journalisten T._ und
U._ ein Vorgespräch geführt, bevor die drei sich in M._s Fahrzeug be-
gaben, wo der Beschuldigte mit zur Verheimlichung seiner Identität über die Oh-
ren heruntergezogener Wollmütze auf dem rechten Rücksitz gesessen habe, oh-
ne seinen Namen preiszugeben. Auf entsprechende Fragen der Journalisten so-
wie auf Aufforderung von M._ habe der Beschuldigte wissentlich und willent-
lich über die von ihm in seiner Eigenschaft als Bankangestellter wahrgenomme-
nen Umstände Auskunft gegeben und dabei insbesondere gesagt, als externer
Mitarbeiter einer Bank erfahren und mit eigenen Augen auf Bankbelegen gesehen
- 32 -
zu haben, dass B._ oder ein Verwandter desselben Mitte August 2011 für
Fr. 400'000 US-Dollar gekauft und denselben Betrag zwei Monate später wieder
verkauft habe (Urk. 004 S. 7 f.).
1.7. Über dieses am Heiligabend erfolgte Treffen und die erwähnten Mitteilungen
berichtete der R._ am tt. Januar 2012 unter dem Titel "R._-Reporter tra-
fen Whistleblower auf ...-Parkplatz".
2. Beweismittel und Grundsätze der Beweiswürdigung
2.1. Als Beweismittel zur Vornahme der Sachverhaltserstellung sind aus den vor-
handenen Beweismitteln neben den Aussagen des Beschuldigten vorab die An-
gaben des Mitbeschuldigten E._ und jene des früheren Mitbeschuldigten
G._ sowie die Korrespondenz zwischen dem Beschuldigten und E._ via
E-Mail und SMS relevant.
Mit der Vorinstanz erweisen sich sämtliche Einvernahmen des Beschuldigten als
verwertbar, nachdem diese ausnahmslos im Beisein seiner Verteidigung stattge-
funden haben und die Verteidigungsrechte damit gewahrt sind (vgl. Urk. 01.302
bis 01.305; Urk. 01.307-311; Urk. 01.321; Urk. 91 S. 39). Ebenso uneingeschränkt
verwertbar sind die Einvernahmen von E._ und G._, wurde doch am
24. Juni 2013 eine Konfrontationseinvernahme mit den drei damaligen Beschul-
digten durchgeführt, anlässlich welcher der Beschuldigte und sein ebenfalls an-
wesender Verteidiger die Möglichkeit hatten, Ergänzungsfragen zu stellen
(Urk. 01.322; Urk. 91 S. 40).
2.2. Die Grundsätze der Beweiswürdigung finden sich korrekt und umfassend im
angefochtenen Urteil. Darauf kann zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen
vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 91 S. 36-39; Art. 82 Abs. 4 StPO).
2.3. Auf eine zusammenfassende Darstellung der verschiedenen Beweismittel ist
zu verzichten. Auf einzelne wichtige Beweismittel – namentlich die relevanten
Aussagen und E-Mails/SMS der Beteiligten A._, E._ und G._ – ist
nachfolgend, soweit notwendig, jeweils direkt an gegebener Stelle im Rahmen der
tatsächlichen und rechtlichen Würdigung einzugehen.
- 33 -
3. Unbestrittene Sachverhalte
3.1. Zutreffend stellte die Vorinstanz fest, dass der Beschuldigte – mit welchem in
der Untersuchung zehn Befragungen stattfanden – grundsätzlich anerkannte, in
den vier durch die Anklage dargelegten konkreten Fällen (Anklageziffern I.B. bis
I. E.) unbefugt bankinterne Daten preisgegeben zu haben (Urk. 01.308 S. 29 f.).
3.2. So bestätigte er, dass er bei der Bank D._ gearbeitet habe und ihm im
Rahmen dieser Tätigkeit Informationen bezüglich B._ wie beispielsweise
dessen Kontonummer zugetragen worden seien (Urk. 01.302 S. 5 f.), dass er von
einem seiner Mitarbeiter explizit auf Dollartransaktionen von B._ hingewiesen
worden sei und dass diese Transaktionen auch allgemein unter den Angestellten
der Bank ein Thema gewesen seien (Urk. 01.302 S. 6), dass er diesen Hinweisen
dann nachging, da er auf das System der Bank habe zugreifen können
(Urk. 01.302 S. 6) und dass er im Oktober 2011 an seinem Arbeitsplatz die
Printscreens zu den Dollartransaktionen von B._ anfertigte, um nicht immer
wieder auf das Konto zugreifen zu müssen Urk. 01.302 S. 12), es in Ruhe anzu-
sehen und zu verstehen (Urk. 01.308 S. 25).
3.3. Zum Vorwurf in Anklageziffer I.B. räumte der Beschuldigte ein, E._ in
dieser Angelegenheit am 4. November 2011 erstmals kontaktiert und um Rat ge-
fragt zu haben, ob es korrekte Wege gebe um zu prüfen, ob in Bezug auf die frag-
lichen Transaktionen Insiderhandel betrieben worden sei (Urk. 01.302 S. 9 f.;
Urk. 01.302 S. 15 f.; Urk. 01.309 S. 20). Auch gestand er, dass er E._ an-
lässlich dieses Treffens die drei Printscreens vorlegte (Urk. 01.302 S. 12 und
S. 16).
3.4. Anerkannt hat der Beschuldigte weiter den Anklagevorwurf von Ziffer 1.C.,
dass er den Kantonsrat M._ in dieser Sache nach einer Möglichkeit zur
Überprüfung von Handlungen durch Staatsangestellte gefragt und dieser nach ih-
rem Treffen am 28. November 2011 im ...haus der Stadt Zürich gewusst habe,
dass B._ Kunde der Bank D._ gewesen sei und möglicherweise Insi-
dergeschäfte im Zusammenhang mit der Einführung des Euro-Mindestkurses ge-
tätigt habe (Urk. 01.302 S. 2 f. ; Urk. 01.305 S. 4 und S. 5).
- 34 -
3.5. Eingestanden hat der Beschuldigte zudem den Vorwurf von Anklageziffer
I.D., am 3. Dezember 2011 zusammen mit E._ bei G._ vorgesprochen,
diesem den Sachverhalt bezüglich der Dollartransaktionen im Detail erklärt und
die genannten Printscreens gezeigt zu haben (Urk. 01.302 S. 14; Urk. 01.304
S. 19 und Urk. 01.305 S. 11). Sodann anerkannte er, dass er G._ einerseits
mitteilte, B._ sei Kunde bei der Bank D._ gewesen und ihn anderseits
über die Art der in Frage stehenden Transaktionen informierte (Urk. 01.305
S. 10).
3.6. Schliesslich bestätigte der Beschuldigte sein Treffen vom 24. Dezember
2011 mit zwei R._-Journalisten gemäss Anklageziffer I.E., dass er sich die-
sen gegenüber als externer Bankmitarbeiter ausgegeben und ihnen erklärt hat,
von einer Bank gehört zu haben, auf der B._ oder Verwandte von ihm Mitte
August 2011 für Fr. 400'000 US-Dollar gekauft und denselben Betrag in der Folge
auch wieder verkauft hätten (Urk. 01.302 S. 5).
3.7. Da gegen das Geständnis von Verteidigerseite keine Einwände erhoben
wurden (Urk. 74; vgl. auch Urk. 168 S. 3 Rz. 6, S. 4 ff., S. 29 f., S. 32 f., S. 36 ff.
und S. 45 ff. ) und sich dieses mit dem Untersuchungsergebnis deckt, sind mit der
Vorinstanz die Sachverhalte I.A. bis I.E. in objektiver Hinsicht als rechtsgenügend
erstellt zu erachten.
4. Bestrittene Sachverhalte und weitere Einwände des Beschuldigten
4.1. Wie schon vor Vorinstanz nimmt der Beschuldigte hinsichtlich des Vorwurfs
in Anklageziffer I.B. den Standpunkt ein, davon ausgegangen zu sein, dass zwi-
schen ihm und E._ in Bezug auf die Angelegenheit im Zusammenhang mit
den Dollartransaktionen B._s ein Mandatsverhältnis bestanden habe und
E._ daher an das Anwaltsgeheimnis gebunden gewesen sei (Urk. 01.302
S. 16; Urk. 01.303 S. 15 f.). Damit bestreitet er den subjektiven Sachverhalt.
Auch hinsichtlich des Vorwurfs in Anklageziffer I.C. bestreitet er vorab den subjek-
tiven Sachverhalt. Da ihm auch die Besprechung mit G._ vom 3. Dezember
2011 als geschützte Besprechung unter Anwälten verkauft worden sei
- 35 -
(Urk. 01.303 S. 5), sei er von der Vertraulichkeit der jeweiligen Gespräche ausge-
gangen (Urk. 01.302 S. 11).
4.2. Die amtliche Verteidigung im erstinstanzlichen Verfahren teilte diese Ansicht
Urk. 74 S. 6, 10 und 14). Die neue Verteidigerin macht darüber hinaus im Beru-
fungsverfahren geltend, dass im Zeitpunkt des Gesprächs vom 4. November 2011
zwischen dem Beschuldigten und E._ (Anklageziffer I.B.) auch schon unter
einem objektiven rechtlichen Gesichtspunkt vom Bestehen eines anwaltliches
Mandatsverhältnisses ausgegangen werden müsse und der Beschuldigte die ihm
vorgeworfene Bank- und Geschäftsgeheimnisverletzung deshalb weder objektiv
noch subjektiv erfüllt habe (Urk. 168, u.a. S. 19 f. Rz. 78 f. und 84 ff.). Auch hin-
sichtlich des Treffens mit G._ (Anklageziffer I.C.) sei zumindest aus subjekti-
ver Sicht des Beschuldigten von einer (das Verhalten des Beschuldigten rechtfer-
tigenden) beruflichen Schweigepflicht G._s auszugehen (Urk. 168 S. 37
Rz. 157 f.).
Daneben macht die Verteidigerin – hinsichtlich aller vier an den Beschuldigten
herangetragenen Vorwürfe (Anklageziffern I.B. bis I.E.) – weitere Rechtferti-
gungsgründe geltend. In diesem Zusammenhang bringt sie bezüglich den Ankla-
geziffern I.C. bis I.E auch vor, dass der Beschuldigte unter dem Druck von
E._ und teilweise auch von G._ gestanden und aufgrund dessen als wil-
lenloser Tatmittler gehandelt habe (vgl. Urk. 168 S. 23 ff, S. 34 Rz. 143, S. 44
Rz. 183 und S. 49 f. Rz. 210 ff.), womit sie (sinngemäss) einen rechtfertigenden
Nötigungsnotstand im Sinne von Art. 17 StGB geltend macht.
4.3. Was die beschuldigte Person wusste, wollte, in Kauf nahm oder sich auch
bloss irrtümlich vorstellte, betrifft innere Tatsachen und ist damit Tatfrage. Rechts-
frage ist demgegenüber, ob der Schluss auf den tatbestandsmässigen (Eventual-
)Vorsatz oder die subjektiven Voraussetzungen eines Rechtfertigungsgrundes be-
rechtigt erscheint. Als innerer Vorgang lässt sich dieser jedoch häufig nur anhand
einer eingehenden Würdigung des äusseren Verhaltens sowie allenfalls weiterer
Umstände erschliessen (vgl. BGE 138 IV 74 E. 8.4.1. m.w.H.). Aufgrund dieser
engen Verzahnung von Tat- und Rechtsfragen im subjektiven Bereich sind sämtli-
che tatsächlichen Bestreitungen des Beschuldigten und sich daraus ergebende
- 36 -
Beweis- und rechtliche Fragen im Rahmen der rechtlichen Würdigung (des jewei-
ligen Anklagepunktes) zu prüfen.
5. Zur Glaubwürdigkeit der Beteiligten und allgemeinen Glaubhaftigkeit derer
Aussagen
Vorab ist zur Glaubhaftigkeit der beteiligten Personen und zur allgemeinen
Glaubhaftigkeit von deren Aussagen das Folgende festzuhalten:
5.1. Glaubwürdigkeit des Beschuldigten und Glaubhaftigkeit seiner Aussagen
5.1.1. Zur Glaubwürdigkeit des Beschuldigten hielt die Vorinstanz richtig fest,
dass diese nicht zum vorneherein zweifelhaft sei. Sie kam vor allem auch in An-
betracht der Detailliertheit seiner Angaben zutreffend zum Schluss, dass weder
sein Gesundheitszustand noch seine wiederholten Gemütsregungen in der Kor-
respondenz an E._ sein Erinnerungsvermögen in Bezug auf die in Frage
stehenden Ereignisse beeinträchtigt hätten (Urk. 91 S. 43 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
5.1.2. Zur primär massgeblichen Glaubhaftigkeit seiner Aussagen ergibt sich mit
der Vorinstanz (Urk. 91 S. 44 f.) das Nachstehende:
Der Beschuldigte hat die in Frage stehenden Ereignisse ablaufmässig wie inhalt-
lich grundsätzlich mit einer bemerkenswerten Detailliertheit und Konstanz ge-
schildert. Das gilt sowohl für seine Darstellung zu den eingeklagten Sachverhalten
als auch spezifisch zu den hier interessierenden Kontakten mit E._ und
ebenso dem Treffen mit G._. Seine Schilderungen in den Einvernahmen sind
auch im Wesentlichen kongruent mit den Kernaussagen seiner E-Mails. Auch Ne-
bensächlichkeiten umschrieb er sehr genau, wie beispielsweise den Helly Hansen
Faserpelz, welchen G._ anlässlich des Treffens vom 3. Dezember 2011 ge-
tragen habe. An diesem habe ein langes Haar gehaftet, welches wahrscheinlich
von seiner Ehefrau gekommen sei. Jedenfalls habe es ihn an den Loriot-Sketch
mit der Nudel erinnert (Urk. 01.305 S. 7). Aufgrund der Originalität unter anderem
dieser Schilderung sowie in Beachtung des Umstandes, dass er viel von sich aus
und ohne Nachfragen erzählte, ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte zu-
- 37 -
mindest die äusseren Umstände der Geschehnisse noch sehr genau in Erinne-
rung hatte und diese auch wahrheitsgetreu wiedergab.
Das wird auch nicht merklich relativiert durch die Tatsache, dass der Beschuldigte
teilweise nur Andeutungen machte und einzelne Gedanken nicht ganz zu Ende
ausführte (vgl. Urk. 01.308 S. 1 ff.), was es manchmal nicht einfach machte, sei-
nen Gedanken und Äusserungen in den Einvernahmen zu folgen. Gerade der
Umstand, dass es ihm offensichtlich keine Mühe bereitete, sprunghaft von ver-
schiedenen Ereignissen zu berichten, deutet auf die grundsätzliche Glaubhaf-
tigkeit seiner Aussagen. Abgesehen davon ergaben sich auch innerhalb seiner
eher unstrukturierten Ausführungen kaum Widersprüche, seine Angaben erwie-
sen sich im Gegenteil als gleichbleibend.
Dass der Beschuldigte sich präzis an die einzelnen Vorkommnisse zu erinnern
vermochte, ist unter anderem auch dadurch erkennbar, dass er sich richtiger-
weise auf Lücken in dem ihm vorgelegten E-Mail-Verkehr berief (Urk. 01.312).
Sodann ist zu konstatieren, dass seine jeweiligen Haltungen zum anlässlich ver-
schiedener Zeitpunkte besprochenen Vorgehen betreffend die Untersuchung oder
Veröffentlichung des Insiderhandel-Verdachts gegen B._, welche er im
Rahmen seiner Einvernahmen beschrieb, mit den entsprechenden durch ihn ver-
fassten E-Mails übereinstimmen. So drückte der Beschuldigte in den Einvernah-
men oft seine Empörung über einen angeblich in der Besprechung vom
3. Dezember 2011 vorgenommenen Richtungswechsel bezüglich der zunächst
besprochenen Varianten aus (vgl. Urk. 01.305 S. 9). Diese Empörung ist auch in
den E-Mails des Beschuldigten an E._ unmittelbar nach diesem Datum wie-
derzufinden (Urk. 00.196 ff.). Dies spricht ebenfalls für die grundsätzliche Glaub-
haftigkeit seiner Aussagen.
5.2. Glaubwürdigkeit von E._ und Glaubhaftigkeit seiner Aussagen
5.2.1. Der Vorinstanz ist auch darin beizupflichten, dass sie – insbesondere in
Anbetracht von dessen Interessenlage im eigenen separaten Verfahren wegen
teilweise derselben Ereignisse – die Glaubwürdigkeit von E._ als nicht
- 38 -
grundsätzlich von vornherein zweifelhaft einstufte (Urk. 91 S. 46; Art. 82 Abs. 4
StPO).
5.2.2. Zur allgemeinen Glaubhaftigkeit von E._s Aussagen ist das Folgende
festzuhalten: Im Verlauf des Strafverfahrens hat sich sein Aussageverhalten ver-
ändert. Während er in seinen ersten Einvernahmen zu Beginn der Untersuchun-
gen oft auch von sich aus schilderte, was sich im Zeitraum November/Dezember
2011 zugetragen hatte (Urk. 01.401 S. 2 ff.), zeigte sich im weiteren Verlauf ein
gewisses Zögern in dieser Hinsicht. Es macht den Anschein, dass E._ mit
der Häufung ihn belastender Vorhalte immer zögerlicher und oft nur noch auf
Nachfragen Aussagen tätigte (vgl. Urk. 01.403 S. 18 ff.). Häufig gab er lediglich
zur Antwort, sich nicht mehr erinnern zu können (vgl. Urk. 01.322 S. 26 ff.). Be-
denkt man, dass er selbst die ganzen Ereignisse um das Bekanntwerden der Dol-
lartransaktionen B._s als sehr wichtig und zwar als eine der grösseren Ge-
schichten des Jahrzehnts einstufte (vgl. Urk. 00.286), er durch das gegen ihn ge-
führte Strafverfahren immer wieder mit diesbezüglichen Fragen konfrontiert wurde
und er im übrigen auch in den Medien ausführlich Auskünfte darüber erteilte, er-
scheint es eher unwahrscheinlich, dass er sich tatsächlich an vieles nicht mehr er-
innern konnte, zumal die ersten vier Einvernahmen nur 2 1⁄2 Monate auseinander-
lagen (Urk. 01. 401 bis 01. 404). Vielmehr entsteht der Eindruck, dass er vorsich-
tiger wurde mit dem Erteilen von Auskünften, um sich nicht in Widersprüche zu
verstricken oder sich selbst zu belasten. Das ist gewiss sein gutes Recht, unter-
liegt aber der freien Beweiswürdigung.
5.3. Glaubwürdigkeit von G._ und Glaubhaftigkeit seiner Aussagen
5.3.1. Die Vorinstanz (vgl. Urk. 91 S. 47 f.) bezeichnete auch die Glaubwürdigkeit
von G._ als nicht grundsätzlich von vornherein zweifelhaft, indem sie na-
mentlich sein berechtigtes Interesse mitberücksichtigte, dass das gegen ihn an-
gehobene (und später eingestellte) Verfahren für ihn günstig ausgehe.
5.3.2. Im Hinblick auf die Glaubhaftigkeit der Aussagen von G._ merkte die
Vorinstanz richtig an, dass er in seiner Einvernahme als Auskunftsperson vom
13. Januar 2012 keine Angaben zum in Frage stehenden Sachverhalt tätigte
- 39 -
(Urk. 01.306 S. 1 ff.). In seiner weiteren Einvernahme als Mitbeschuldigter
(Urk. 01.501), und ebenso in der Konfrontationseinvernahme (Urk. 01.322) schil-
derte er jeweils widerspruchsfrei, nachvollziehbar und glaubhaft, was er in diesem
Zusammenhang wahrgenommen hatte.
6. Allgemeine rechtliche Ausführungen
Weiter sind vor der konkreten Würdigung der einzelnen Vorwürfe die relevanten
allgemeinen rechtlichen Überlegungen aufzuführen.
6.1. Tatbestand der Bankgeheimnisverletzung
6.1.1. a) Der Widerhandlung gegen Art. 47 Abs. 1 lit. a BankG macht sich straf-
bar, wer ein Geheimnis offenbart, das ihm in seiner Eigenschaft als Organ, Ange-
stellter, Beauftragter oder Liquidator einer Bank anvertraut worden ist oder das er
in dieser Eigenschaft wahrgenommen hat.
b) Geheim im Sinne von Art. 47 BankG sind Informationen dann, wenn sie relativ
unbekannt sind und der Geheimnisherr an ihrer Geheimhaltung ein berechtigtes
Interesse hat, das er gewahrt wissen will. Dies gilt in der Regel für alle geschäftli-
chen Beziehungen zwischen einem Kunden und seiner Bank, auch für die Exis-
tenz dieser Beziehung als solche (Stratenwerth, in: Watter/Vogt/Bauer/Winzeler
[Hrsg.], Basler Kommentar Bankengesetz, 2. Aufl., Basel 2013, N 13 zu Art. 47).
Die geheimzuhaltenden Tatsachen müssen dem Verpflichteten zudem in seiner
Eigenschaft als Bankangestellter anvertraut oder von ihm in dieser Eigenschaft
wahrgenommen worden sein (Stratenwerth, a.a.O., Art. 47 N 14). Geheimzuhal-
tende Tatsachen zu offenbaren, bedeutet sodann, sie Unberufenen zugänglich zu
machen (Stratenwerth, a.a.O., Art. 47 N 15).
c) Der Tatbestand der Bankgeheimnisverletzung im Sinne von Art. 47 Abs. 1 lit. a
StGB stimmt in der Sache weitgehend mit jenem der Verletzung des Amtsge-
heimnisses im Sinne von Art. 320 StGB überein, das heisst, es liegt den Tatbe-
ständen grundsätzlich auch derselbe Geheimnisbegriff zugrunde (Stratenwerth,
a.a.O., N. 12 zu Art. 47). Ein Geheimnis kann demnach selbst dann offenbart
werden, wenn der Empfänger die geheimzuhaltende Tatsache bereits kennt oder
- 40 -
vermutet, weil dadurch seine unsicheren oder unvollständigen Kenntnisse ergänzt
oder verstärkt werden (BSK StGB - Oberholzer, 2013, Art. 320 N 10).
d) In Bezug auf die Tatbestandsmässigkeit der Offenbarung eines Geheimnisses
ist unbedeutend, ob der Empfänger seinerseits einer Geheimhaltungspflicht un-
tersteht (BSK Strafrecht - Oberholzer, 3. Aufl., 2013, Art. 320 N 10, Flachsmann,
in: Donatsch [Hrsg.], Kommentar StGB, 19. Aufl., Zürich 2013, N 15 zu Art. 320).
Die Geheimhaltungspflicht des Empfängers kann indes unter Umständen zu ei-
nem Rechtfertigungsgrund im Sinne von Art. 14 StGB führen (vgl. nachstehend
Ziff. 6.4.2. und B.2.).
6.1.2. In subjektiver Hinsicht ist sowohl vorsätzliche wie fahrlässige Begehung
möglich (Art. 47 Abs. 1 und 2 BankG). Dabei setzt der Vorsatz in jedem Fall das
Wissen voraus, dass die preisgegebenen Informationen dem Bankgeheimnis un-
terliegen (Stratenwerth, a.a.O., Art. 47 N 18).
6.2. Tatbestand der Geschäftsgeheimnisverletzung
6.2.1. Der Verletzung des Geschäftsgeheimnisses im Sinne von Art. 162 Abs. 1
StGB macht sich strafbar, wer ein Geschäftsgeheimnis, das er infolge einer ge-
setzlichen oder vertraglichen Pflicht bewahren sollte, verrät.
Als Geschäftsgeheimnisse gelten Tatsachen, die den Bereich des Vertriebs und
die Vermögenslage des Unternehmens betreffen (BSK StGB - Niggli/Hagenstein,
3. Aufl. Basel 2013, Art. 162 N 19). Es geht um wirtschaftlich relevante Informati-
onen wie zum Beispiel Betriebsorganisation, Einkaufs- und Bezugsquellen, Preis-
kalkulationen, Absatzmöglichkeiten, Kundenlisten, Abmachungen mit Lieferanten
und Kunden etc., die einen betriebswirtschaftlichen oder kaufmännischen Charak-
ter aufweisen. Entscheidend ist, ob die geheimen Informationen Auswirkungen
auf das Geschäftsergebnis haben können oder mit anderen Worten, ob sie Aus-
wirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmung haben (BGE 142 II
268 E. 5.2.3 mit zahlreichen Hinweisen). Die aus der Geschäftssphäre des Unter-
nehmens verratene Tatsache muss demnach für den Geheimnisherrn (das Unter-
nehmen) von wirtschaftlichem Wert und ihr Bekanntwerden geeignet sein, im
- 41 -
Wettbewerb die Konkurrenz zu stärken oder den eigenen Betrieb zu schädigen.
Entsprechend muss das Geschäftsgeheimnis einen wirtschaftlichen Wert darstel-
len und dessen Verletzung einen Einfluss auf den kaufmännischen Erfolg haben
können (BSK StGB II - Niggli/Hagenstein, a.a.O., Art. 162 N 9 und 19; Donatsch,
in: Donatsch [Hrsg.], a.a.O., Art. 162 N 3; Trechsel/Jean-Richard, Schweizeri-
sches Strafgesetzbuch Praxiskommentar, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2013,
Art. 162 N 5 f.).
6.2.2. Bei der Verletzung eines Geschäftsgeheimnisses handelt es sich um ein
Vorsatzdelikt. Vorausgesetzt ist, dass der Täter um den geheimen Charakter der
Tatsache weiss und den Verrat im Bewusstsein um seine Verpflichtung, das Ge-
heimnis zu bewahren, begeht (BSK StGB II - Niggli/Hagenstein, a.a.O., Art. 162
N 32).
6.3. Konkurrenz zwischen Bank- und Geschäftsgeheimnisverletzung
6.3.1. Echte Idealkonkurrenz wird (u.a.) angenommen, wenn mehrere verschie-
dene Tatbestände bei der Anwendung auf eine Handlung konkurrieren. Demge-
genüber liegt unechte Idealkonkurrenz vor, wenn jemand durch eine Handlung
zwar mehrere Straftatbestände erfüllt, doch der Tatbestand, der den deliktischen
Gehalt der Tat erschöpfend erfasst und abgilt, den oder die anderen Tatbestände
verdrängt, und deshalb nur ersterer anwendbar ist (vgl. BSK StGB - Ackermann,
Art. 49 N 49, 68, 72 und 76).
6.3.2. Als Geschäftsgeheimnisse im Sinne von Art. 162 StGB gelten Tatsachen,
die den Bereich des Vertriebs und die Vermögenslage des Unternehmens betref-
fen. Nicht etwa nur die Herausgabe ganzer Kundenlisten, sondern auch schon die
Preisgabe einer einzigen Kundenbeziehung kann eine wirtschaftlich relevante In-
formation darstellen, namentlich dann, wenn es sich – wie im vorliegenden Fall –
um einen Kunden handelt, der zugleich eine Person öffentlichen Interesses ist
und daher ein allfälliger Geheimnisverrat eine grosse Publizität erlangt. Dies kann
selbstredend eine Rufschädigung der Bank nach sich ziehen und z.B. zur vermö-
gensschädigenden Abwanderung von Kundschaft infolge Vertrauensverlust füh-
ren. Aus diesen Gründen ist davon auszugehen, dass durch eine einzige Tat-
- 42 -
handlung – die rechtswidrige Offenbarung einer geheimen Bankkundenbeziehung
– beide Tatbestände, also die Verletzung des Bankgeheimnisses im Sinne von
Art. 47 BankG sowie die Verletzung des Geschäftsgeheimnisses im Sinne von
Art. 162 StGB erfüllt werden können.
Dann aber stellt sich die Frage der Konkurrenz der beiden Tatbestände zueinan-
der. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Strafnorm der Bankgeheimnisverlet-
zung umfassenden strafrechtlichen Schutz bietet: Im Unterschied zur Strafbe-
stimmung der Geschäftsgeheimnisverletzung handelt sich bei Art. 47 BankG um
ein Offizialdelikt, nicht bloss um ein Antragsdelikt. Sodann ist nicht nur vorsätzli-
ches, sondern auch fahrlässiges Handeln unter Strafe gestellt. Schliesslich wird
auch die versuchte Anstiftung bestraft, was bei Vergehen sonst nicht der Fall ist.
Der strafrechtliche Schutz des Bankgeheimnisses geht somit wesentlich weiter als
derjenige des Geschäftsgeheimnisses. Es ist deshalb – in Übereinstimmung mit
der von Marcel Niggli und Nadine Hagenstein im Basler Kommentar geäusserten
Auffassung (BSK StGB – Niggli/Hagenstein, 3. Aufl., 2013, Art. 162 N 55) – davon
auszugehen, dass der Tatbestand der Verletzung des Geschäftsgeheimnisses
vom Tatbestand der Verletzung des Bankgeheimnisses konsumiert wird.
6.4. Rechtfertigungsgründe
6.4.1. Allgemeines
6.4.1.1. Eine Handlung kann, obwohl sie einen Straftatbestand verwirklicht,
gleichwohl rechtmässig sein. Die Erfüllung eines gesetzlichen Tatbestandes indi-
ziert lediglich die Rechtswidrigkeit, so dass deren Aufhebung durch das Vorliegen
eines sog. Rechtfertigungsgrundes möglich ist. Allen Rechtfertigungsgründen liegt
der Gedanke zu Grunde, dass es Gründe dafür geben kann, dem Achtungsan-
spruch einer Norm nicht zu entsprechen, insbesondere wenn eine höherrangige
Norm oder ein von der Rechtsordnung anerkanntes höherrangiges Interesse dem
Normgehorsam entgegenstehen. Prinzip der Rechtfertigung ist damit die – aller-
dings durch Angemessenheitserwägungen begrenzte – Interessenabwägung.
Diese ist freilich an zusätzliche Voraussetzungen geknüpft, die je nach Rechtferti-
- 43 -
gungsgrund unterschiedlich ausgeprägt sind (vgl. BSK StGB - Seelmann, 3. Aufl.,
2013, Vor Art. 14 N 2).
6.4.1.2. Handelt der Täter in einer irrigen Vorstellung über den Sachverhalt, so
beurteilt das Gericht diese Tat zu Gunsten des Täters nach dem Sachverhalt, den
sich der Täter vorgestellt hat (Art. 13 Abs. 1 StGB). Der Sachverhaltsirrtum nach
Art. 13 StGB umfasst auch den Fall der sog. Putativrechtfertigung, wonach der
Täter irrigerweise einen Sachverhalt für gegeben hält, der, läge er wirklich vor,
sein Verhalten als gerechtfertigt erscheinen liesse (vgl. BSK StGB - Nig-
gli/Maeder, 3. Aufl., 2013, Art. 13 N 12; Trechsel/Jean-Richard, StGB PK, 2. Aufl.,
2013, Art. §13 N 6). Handelt der Täter in der „irrigen Vorstellung“, es bestehe eine
rechtfertigende Sachlage, entfällt zwar nicht der Tatvorsatz, der Täter hält sein
Tun infolge des Irrtums jedoch subjektiv durch die Sachlage für gerechtfertigt.
Damit wird der im Vorsatz liegende Handlungsunwert aufgehoben, womit ein Vor-
satzdelikt ausscheidet (Hans Vest/Sonja Frei/Sabrina Montero; Betriebsanleitung
zum Schweizerischen Strafgesetzbuch, Allgemeiner Teil, 2015, S. 891).
6.4.2. Gesetzlich erlaubte Handlung (Art. 14 StGB)
Wer handelt, wie es das Gesetz gebietet oder erlaubt, verhält sich rechtmässig
auch wenn die Tat nach diesem oder einem anderen Gesetz mit Strafe bedroht ist
(Art. 14 StGB). Dieser sog. Rechtfertigungsgrund der gesetzlich erlaubten Hand-
lung steht mit seiner Verweisung auf das Gesetz als Blankettnorm im Dienst der
Einheit der Rechtsordnung. Es versteht sich von selbst, dass das Recht ein be-
stimmtes Verhalten nicht einerseits gebieten oder erlauben, andererseits aber
verbieten kann. Während diese Feststellung banal ist, bleibt andererseits die Fra-
ge offen, in welchen Fällen das gebietende bzw. erlaubende, in welchen das ver-
bietende Gesetz den Ausschlag gibt. Die Frage muss jeweils im konkreten Fall
entschieden werden (vgl. Trechsel/Geth, StGB PK, 2. Aufl., 2013, Art. 14 N 1).
6.4.3. Rechtfertigender Notstand (Art. 17 StGB)
Rechtmässig verhält sich auch, wer eine mit Strafe bedrohte Tat begeht, um ein
eigenes oder das Rechtsgut einer anderen aus einer unmittelbaren, nicht anders
- 44 -
abwehrbaren Gefahr zu retten, wenn er dadurch höherwertige Interessen wahrt
(Art. 17 StGB). Eine "Gefahr" im Sinne des rechtfertigenden Notstands kann (u.a.)
von einem rechtlich missbilligten menschlichen Verhalten, z.B. einer Drohung,
ausgehen; diesfalls wird von Nötigungsnotstand gesprochen. "Unmittelbar" droht
eine Gefahr nur, wenn ein weiteres Zuwarten mit der rettenden Notstandshand-
lung deren Wirksamkeit in Frage stellen würde. Es darf also (erst) gehandelt wer-
den, kurz bevor es zu spät wäre. Die Gefahr darf sodann „nicht anders abwend-
bar“ sein, was heisst, dass die Notstandshandlung in der konkreten Situation das
einzige verfügbare Mittel sein muss, um das Interesse des Notstandstäters noch
retten zu können (sog. Subsidiarität). Die Notstandshandlung ist sodann nur dann
gerechtfertigt, wenn das bedrohte Interesse des Notstandstäters deutlich höher
wiegt als die verletzten Interessen; wiegt das Interesse des Notstandstäters nicht
höher, kommt höchstens entschuldbarer (Nötigungs-)Notstand gemäss Art. 18
StGB zur Anwendung (vgl. Vest/Frei/Montero, a.a.O., S. 80 und BSK StGB -
Seelmann, Art. 17 N 3 ff.).
6.4.4 Wahrung berechtigter Interessen (in der Form von Whistleblowing)
6.4.4.1. Wahrung berechtigter Interessen (allgemein)
Gerechtfertigt ist eine Tat sodann, wenn der Täter in Wahrung berechtigter Inte-
ressen handelt. Dieser Rechtfertigungsgrund gilt als gewohnheitsrechtlich aner-
kannt. Im Unterschied zu den anderen Rechtfertigungsgründen geht es nicht um
Abwehr, sondern um die Ausübung verfassungsmässig garantierter Freiheitsrech-
te oder um die Herstellung sozial erwünschter und gebilligter Zustände auf Kosten
der Beeinträchtigung anderer Interessen (BSK StGB – Seelmann, 3. Aufl., 2013,
Art. 14 N 25; Trechsel/Geth, StGB PK, 2. Aufl., 2013, Art. 14 N 13). Der ausser-
gesetzliche Rechtfertigungsgrund der Wahrung berechtigter Interessen setzt nach
der Rechtsprechung voraus, dass die Straftat notwendig und angemessen ist, um
ein berechtigtes Ziel zu erreichen, die Tat also insoweit den einzig möglichen Weg
darstellt und offenkundig weniger schwer wiegt als die Interessen, welche der Tä-
ter zu wahren sucht (BGE 134 IV 216 E. 6.1; BGE 127 IV 122 E. 5c, BGE 127 IV
166 E. 2b; BGE 126 IV 236 E. 4b mit Hinweisen). Diese Voraussetzungen müs-
sen auch erfüllt sein, wenn es dem Täter nicht um die Wahrung von eigenen pri-
- 45 -
vaten, sondern um die Wahrnehmung öffentlicher Interessen geht. Ob die zu
schützenden Interessen privater oder öffentlicher Art sind, betrifft die Abwägung
respektive Gewichtung der auf dem Spiel stehenden Interessen. Dass ein Vorge-
hen, wie das heute zu beurteilende des Beschuldigten, in neuerer Zeit als "Whist-
leblowing" bezeichnet wird, ändert an seiner strafrechtlichen Beurteilung unter
dem Gesichtspunkt des aussergesetzlichen Rechtfertigungsgrundes der Wahrung
berechtigter Interessen nichts (vgl. Bundesgerichtsurteil 6B_305/2011 vom
12. Dezember 2011, Erw. 4.1.). Die neuere Lehre tendiert in Anlehnung an die zi-
tierte Rechtsprechung dahin, für die Anerkennung von legalem Whistleblowing vo-
rauszusetzen, dass nicht nur die berechtigten Interessen deutlich höher zu ge-
wichten sind als die verletzten, sondern auch die verwendeten Mittel angemessen
sind (BSK StGB – Seelmann, 3. Aufl., 2013, Art. 14 N 24; Stratenwerth, Schwei-
zerisches Strafrecht, Allgemeiner Teil I, 4. Aufl., 2011, § 10 N 59 f.).
6.4.4.2. Handlungskaskade des Whistleblowers
Auf der Grundlage dieses Rechtfertigungsgrundes der Wahrung berechtigter Inte-
ressen ist gemäss Praxis und Lehre die erste Voraussetzung, die ein Whistleblo-
wer erfüllen muss, damit seine Handlung straflos bleibt, – soweit kann dem Pri-
vatgutachter Prof. Dr. C._ [Verfahrensakten SB160257, Urk. 60 S. 11] gefolgt
werden –, die Einhaltung eines dreistufigen Kaskadensystems: Demnach muss
der Whistleblower zunächst versuchen, die Meldung organisations- bzw. amtsin-
tern zu erstatten. Erst wenn dies nicht erfolgreich ist bzw. aussichtslos erscheint,
ist der Schritt an externe Stellen wie Strafverfolgungsbehörden, Rechtsdienste,
Geschäftsprüfungskommission etc. gerechtfertigt. Der Gang an die Medien bzw.
die "Flucht in die Öffentlichkeit" ist sodann nur als letztes Mittel zulässig, wenn die
Meldung an geeignete externe Stellen keine Abhilfe zu schaffen vermag (vgl. Ur-
teil 6B_305/2011 vom 12. Dezember 2011, E. 4.1; BGE 115 IV 75; BSK StGB -
Oberholzer, 3. Aufl., 2013, Art. 320 N 17; Günter Stratenwerth/Felix Bommer,
Schweizerisches Strafrecht Besonderer Teil II, Straftaten gegen Gemeininteres-
sen, 2013, § 61 N 12 ; Andreas Donatsch/Wolfgang Wohlers, Strafrecht IV, Delik-
te gegen die Allgemeinheit, 2004 S. 559 f).
- 46 -
6.4.4.3. Geeignete externe Stellen im Falle der Schweizerischen Nationalbank
a) Aufsichtsbehörden über die Nationalbank
Gemäss dem Bundesgesetz über die Schweizerische Nationalbank vom 3. Okto-
ber 2003 (Nationalbankgesetz; SR 951.11) und dem Organisationsreglement der
Schweizerischen Nationalbank vom 14. Mai 2004 (SR 951.153) übt der Bankrat
die Aufsicht und Kontrolle über die Nationalbank aus. Der Bankrat stellt auch die
Wahlvorschläge für die Mitglieder des Direktoriums der Nationalbank zuhanden
des Bundesrates und er kann ebenso Abberufungsanträge zuhanden des Bun-
desrates stellen. Das Präsidium wird vom Bundesrat bezeichnet (vgl. Art. 42
Abs. 1, Art. 42 Abs. 2 lit. a und h, Art. 43, Art. 45 Nationalbankgesetz; Art. 10 lit. g
und Art. 14 Abs. 2 lit. b Organisationsreglement). Zudem unterliegen die Mitglie-
der der Organe der Nationalbank dem Amts- und Geschäftsgeheimnis (Art. 49
Abs. 1 Nationalbankgesetz). Gemäss der Generalklausel von Art. 42 Abs. 3 Nati-
onalbankgesetz ist überdies der Bankrat für alle Angelegenheiten zuständig, die
nach Gesetz oder Organisationsreglement nicht einem andern Organ zugewiesen
werden. Als Aufsichtsbehörde über die Nationalbank ist somit in erster Linie der
Bankrat und in einem weiteren Sinne auch der Bundesrat zu bezeichnen.
b) Strafverfolgungsbehörden
Jede Person ist berechtigt, Straftaten bei einer Strafverfolgungsbehörde schriftlich
oder mündlich anzuzeigen (Art. 301 StPO). Dieses allgemeine Anzeigerecht steht
jedermann zu, wobei es keine Rolle spielt, ob man als Geschädigter betroffen ist
oder lediglich als Aussenstehender vom Delikt Kenntnis genommen hat. Eine
Strafanzeige kann selbst anonym erfolgen. Die Strafverfolgungsbehörden, vorab
die Polizei, sind verpflichtet, Strafanzeigen entgegen zu nehmen (vgl. Schmid,
StPO PK, 2. Auflage, Art. 301 N 1). Somit steht grundsätzlich jedermann die Mög-
lichkeit offen, bezüglich eines von ihm vermuteten Insidergeschäfts eines Natio-
nalbankpräsidenten von Anfang an direkt an die Polizei zu gelangen und Anzeige
zu erstatten (vgl. Art. 161 aStGB, Ausnützen der Kenntnis vertraulicher Tatsa-
chen; Straftatbestand des Insiderhandels).
- 47 -
B. PRÜFUNG DES VORWURFS GEMÄSS ANKLAGEZIFFER I.B.
1. Tatbestandsmässigkeit
1.1. Objektiver Tatbestand
1.1.1. Wie bereits ausgeführt, ist der objektive Sachverhalt erstellt. Aufgrund des
entsprechenden Geständnisses des Beschuldigten sowie des übrigen Untersu-
chungsergebnisses steht fest, dass er am 4. November 2011 den Mitbeschuldig-
ten E._ in dessen Anwaltskanzlei aufsuchte, diesem den von ihm in seiner
Eigenschaft als Bankangestellter wahrgenommenen Umstand mitteilte, dass der
Präsident der Schweizerischen Nationalbank, Dr. B._, Kunde der Bank
D._ sei und mit Devisen spekulieren würde, und zur Untermauerung dieser
Behauptung die drei „Printscreens“ vorlegte, welche die entsprechenden Bankin-
formationen über die auf den Namen von Dr. B._ lautende Kontobeziehung
mit der Bank D._ enthielten (siehe oben Ziff. III.A.3.2 und III.A.3.3.).
1.1.2. Das Verhalten des Beschuldigten erfüllt damit gleichzeitig den Tatbestand
der Bankgeheimnisverletzung im Sinne von Art. 47 Abs. 1 lit. a BankG sowie der
Geschäftsgeheimnisverletzung im Sinne von Art. 162 Abs. 1 StGB.
Der Beschuldigte war vom 1. Februar 2005 bis zu seiner fristlosen Entlassung am
3. Januar 2012 Angestellter der Bank D._. Seit dem 1. April 2007 hatte er die
Position eines Prokuristen und seit dem 1. Juni 2007 jene eines Assistant Vice
President inne (Urk. 00.001). Der Beschuldigte erfüllt somit das Erfordernis des
Angestellten einer Bank.
Die Vorinstanz hat (auf einen entsprechenden Einwand der damaligen Verteidi-
gung, Urk. 74 S. 5) zutreffend ausgeführt, dass der Beschuldigte, auch wenn er
sich im Rahmen seiner Tätigkeit bei der Bank nicht über diese Transaktionen hät-
te informieren müssen, dennoch nur aufgrund seiner Anstellung bei der Bank
D._ überhaupt Zugang zu diesen Daten hatte. Namentlich war ihm als IT-Mit-
arbeiter eine Einsichtnahme in das elektronische Bankensystem "Avaloq", auf
- 48 -
welchem Devisentransaktionen festgehalten werden, aufgrund seiner Zugriffsbe-
rechtigung erlaubt und auch ohne Weiteres möglich (Urk. 00.001 S. 2), was der
Beschuldigte nicht in Abrede stellte. Der Beschuldigte bestätigte denn auch, dass
er alle Informationen selbständig per Datenabfrage hätte erhalten können, ohne
dass die Kundennummer B._s von einem andern Mitarbeiter durch den
Raum gerufen zu werden brauchte (Urk. 01.311 S. 5). Nachdem der Beschuldigte
verbal überdies darauf hingewiesen worden war, er solle sich das Dollarkonto an-
sehen, war er kurzerhand und autonom in der Lage, die Informationen zu den
Dollartransaktionen von B._ im Computersystem der Bank D._ zu er-
langen, anzuschauen und sie sich physisch zu beschaffen, was er in der Folge
auch tat (Urk. 01.302 S. 5 f.). Somit nahm er die entsprechenden Informationen in
seiner Eigenschaft als Angestellter bei der Bank D._ wahr. Dass der Be-
schuldigte kein Kundenberater war sondern ein IT-Mitarbeiter ist angesichts sei-
ner ungehinderten Zugriffsmöglichkeit, von welcher er auch Gebrauch machte,
ohne Belang. Der Kausalzusammenhang zwischen der Kenntnis des Geheimnis-
ses und der Tätigkeit bei der Bank D._ ist ebenfalls zu bejahen.
Weiter ist unbestritten, dass die Informationen betreffend die Bankbeziehung zwi-
schen B._ und der Bank D._ sowie die einzelnen Dollartransaktionen,
welche auf dem Konto B._s bei der Bank D._ getätigt wurden, im Zeit-
punkt der Offenbarung an E._ geheim (mithin nicht allgemein zugänglich, nur
Mitarbeitenden der Bank und damit einem beschränkten Kreis von Personen be-
kannt) waren.
1.2. Subjektiver Tatbestand
1.2.1. Nicht daran zu zweifeln – und insoweit seitens des Beschuldigten auch un-
bestritten geblieben ist –, dass er diese Informationen dem Mitbeschuldigten
E._ bewusst und gewollt offenbarte und um deren Geheimnischarakter ge-
wusst hatte:
Der Beschuldigte erklärte im Rahmen der Untersuchung, die Angelegenheit sei so
heikel gewesen, dass man sich gesträubt habe, dieses Konto öfters anzusehen.
Man habe es eigentlich gar nicht sehen wollen. Um nicht immer wieder auf das
- 49 -
Konto zugreifen zu müssen und weil er diese Seite im System nicht länger habe
offen lassen wollen, habe er sich Printscreens erstellt und diese ausgedruckt.
Noch in der Bank habe er die Ausdrucke dann zusammengefaltet und sie in einer
Tasche mitgenommen. Nach eigenem Bekunden beabsichtigte er, sich das Gan-
ze in Ruhe ansehen und verstehen zu können und (bei E._) rechtlichen Rat
zu suchen (Urk. 01.302 S. 12; Urk. 01.308 S. 16-18). Dieses einerseits gezielte,
aber zugleich vorsichtige Verhalten zeigt zweifelsfrei das Bewusstsein des Be-
schuldigten, dass es ihm nicht erlaubt war, diese Informationen weiterzugeben.
1.2.2. Zudem ergibt sich auch aus dem Umstand, dass der Beschuldigte hinsicht-
lich der fraglichen Dollartransaktionen bei E._, M._ und G._ Rat
suchte und um deren absolute Verschwiegenheit bat (etwa Urk. 00.160;
Urk. 00.204) sowie aus unzähligen E-Mails des Beschuldigten an E._, wo-
nach er nach einem korrekten Weg, einer sicheren, risikofreien Variante, richtigen
Kanälen zur Offenlegung suchte, weil er nie und nimmer bereit sei, seinen Job,
sein Leben zu riskieren (z.B. Urk. Urk. 00.177; Urk. 00.195; Urk. 00.196; Urk.
00.197; Urk. 00.220 f.), dass er genau wusste, sich auf äusserst brisantem Ter-
rain zu bewegen, weil die fraglichen Dollartransaktionen der Geheimhaltungs-
pflicht unterstehen und dass er mit der Preisgabe dieser Informationen das Bank-
geheimnis verletzen würde.
1.2.3. Zudem hatte E._ im E-Mail-Verkehr A._-E._ von Anfang an
auf drohendes Unheil für den Beschuldigten aufmerksam gemacht und dass es
heikel für diesen sei (Urk. 00.121; Urk. 00.152).
1.2.4. Auch die Aussage des Beschuldigten, er habe schon bezüglich Mitteilung
an E._ ein schlechtes Gefühl gehabt und geschaut, ob ein anderer Weg be-
stehe, lässt keinen Zweifel offen, dass er sich der Geheimnisoffenbarung von al-
lem Anfang an bewusst war.
1.2.5. Schliesslich sei auf den Arbeitsvertrag des Beschuldigten vom 30. Juni
2005 verwiesen (vgl. Urk. 02.102.3, Pos. 1/A_24, 1 Plastiksack mit div. Unterla-
gen D._, in brauner Kartonschachtel). Als integrierende Bestandteile des Ar-
beitsvertrages sind unter anderem die SaraRules, Mitarbeiterreglement der Bank
- 50 -
D._, und die Vereinbarung über die Anstellungsbedingungen der Bankange-
stellten (VAB) genannt. § 17 der ...Rules, Version 2005, regelt das Geschäfts-
und Bankgeheimnis. Danach ist der Mitarbeiter gegen jedermann zur Verschwie-
genheit über alles verpflichtet, was er bei seiner beruflichen Tätigkeit in der Bank
erfährt (Geschäftsgeheimnis). Er hat für eine absolute Geheimhaltung aller Ge-
schäftsbeziehungen der Bankkunden der gesamten Bankgruppe [...] zu sorgen
(Bankgeheimnis). Für den Verletzungsfall wird auf die diesbezüglichen Normen im
Strafgesetzbuch und im Bankgesetz Bezug genommen. Zudem erfolgt ein aus-
drücklicher weiterer Hinweis auf die bereits erwähnte interne Weisung 1.1.01,
Ausgabe September 2003, zu Diskretion und Bankgeheimnis (vgl. auch vorne
E. III. 7.4.3), wonach ausserhalb der Bank keinerlei Informationen oder Hinweise
über Kunden, deren Bankverbindungen und Transaktionen preisgegeben werden
dürfen. Auch in der zitierten Vereinbarung über die Anstellungsbedingungen von
2004 werden das Geschäfts- und Bankgeheimnis in Ziff. 7.1 und 7.2 ausdrücklich
angeführt. Damit war die Geheimhaltungspflicht auch vertraglich explizit und
mehrfach abgestützt, was dem Beschuldigten bewusst sein musste und auch war.
1.2.6. Der Beschuldigte handelte somit klar vorsätzlich.
1.3. Fazit
Das Verhalten des Beschuldigten erfüllt damit sämtliche objektiven Tatbestands-
merkmale des Straftatbestandes der Bankgeheimnisverletzung im Sinne von
Art. 47 Abs. 1 lit. a BankG sowie desjenigen der Geschäftsgeheimnisverletzung
im Sinne von Art. 162 Abs. 1 StGB.
2. Rechtswidrigkeit:
Prüfung des Rechtfertigungsgrundes im Sinne von Art. 14 StGB
2.1. Standpunkt des Beschuldigten
Der Beschuldigte A._ und seine Verteidigung stellen sich auf den Stand-
punkt, dass der Beschuldigte am 4. November 2011 lediglich rechtlichen Rat zur
Wertung der Geschäfte des Nationalbankpräsidenten B._, einer allfälligen
Meldepflicht und entsprechenden Meldemöglichkeiten habe einholen wollen und
- 51 -
deshalb den Mitbeschuldigten E._ als Rechtsanwalt konsultiert habe. Unter
einem objektiven Gesichtspunkt bzw. zumindest aus der subjektiven Sicht des
Beschuldigten sei somit zwischen ihm und dem Mitbeschuldigten E._ in die-
ser Angelegenheit anlässlich des Treffens vom 4. November 2011 ein anwaltli-
ches Mandatsverhältnis entstanden und der Mitbeschuldigte E._ daher an
das Anwaltsgeheimnis gebunden gewesen. In diesem Rahmen sei die Geheim-
nisoffenbarung des Beschuldigten A._ an den Mitbeschuldigten E._ ge-
rechtfertigt gewesen (vgl. Urk. 01.302 S. 16 und 01.303 S. 15 f.; Urk. 74 S. 6 und
S. 10; Urk. 168, S. 4-17). Im Ergebnis wird damit (sinngemäss) geltend gemacht,
dass das Handeln des Beschuldigten im Sinne von Art. 14 StGB – zumindest pu-
tativ – gerechtfertigt gewesen sei.
2.2. Beurteilung
2.2.1. Vorbemerkung
Mit Verfügung vom 25. September 2013 stellte die Staatsanwaltschaft das Verfah-
ren gegen den Mitbeschuldigten E._ wegen Verletzung des Geschäfts- und
Berufsgeheimnisses ein (Verfahrensakten SB160257, Urk. 06.602). Eine dagegen
gerichtete Beschwerde des Beschuldigten A._ wies die III. Strafkammer des
Obergerichtes des Kantons Zürich am 10. Dezember 2014 ab (Verfahrensakten
SB160257, Urk. 08.027). Die III. Strafkammer kam zum Schluss, dass ein Man-
datsverhältnis zwischen den Beschuldigten A._ und E._ nicht in ankla-
gegenügender Weise nachgewiesen werden könne. Einzig die entsprechenden
Aussagen des Beschuldigten A._ genügten hierfür unter Berücksichtigung
sämtlicher übriger Umstände nicht (a.a.O. S. 24). Auf die gegen diesen Entscheid
erhobene Beschwerde trat das Bundesgericht am 7. Mai 2015 nicht ein (Verfah-
rensakten SB160257, Urk. 08.031).
Das Verfahren gegen den Beschuldigten E._ betreffend Verletzung des An-
waltsgeheimnisses ist somit rechtskräftig eingestellt worden. Diese rechtskräftige
Einstellung ist nun aber in diesem Verfahren nicht bindend, da es vorliegend nicht
um die strafrechtliche Beurteilung des Mitbeschuldigten E._ geht, sondern
das Verhalten des Beschuldigten A._ zu beurteilen ist. Es kann deshalb hier
- 52 -
frei geprüft werden, ob anlässlich des Treffens vom 4. November 2011 ein anwalt-
liches Mandatsverhältnis begründet wurde.
2.2.2. Aussagen der Beteiligten
a) Aussagen des Beschuldigten
Der Beschuldigte erklärte in seiner ersten Einvernahme als beschuldigte Person
vom 5. Januar 2012, er habe E._ im Rahmen eines sonst schon bestehen-
den Kontaktes bezüglich einer offenen Beschwerde beim Obergericht des Kan-
tons Thurgau, mithin als seinen bisher genutzten Anwalt, um Rat bezüglich der
Angelegenheit B._ gefragt. E._ sage heute aus, es habe damals kein
Mandatsverhältnis zwischen ihnen beiden bestanden. Er selber sei davon ausge-
gangen, dass die jeweiligen Gespräche mit E._ absolut vertraulich gewesen
seien (Urk. 01.302 S. 9-11). Aus seiner Sicht habe ein Mandatsverhältnis zwi-
schen ihm und E._ bestanden. Er sei jederzeit davon überzeugt gewesen,
dass E._ an seine berufliche Schweigepflicht gebunden gewesen sei
(Urk. 01.302 S. 16). Er habe E._ damals gefragt, ob er ihm eine äusserst ver-
trauliche Frage stellen könne und dieser habe darauf erwidert, alles was sie hier
besprechen würden, unterliege grundsätzlich dem Anwaltsgeheimnis. Auch habe
ihm E._ auf weitere Frage hin gesagt, dass es unter dem Anwaltsgeheimnis
möglich sei, ihm Dokumente zu zeigen (Urk. 01.303 S. 15 f.); im Rahmen des
Anwaltsgeheimnisses dürfe er auch ganz im Detail informieren (Urk. 01.303
S. 11). E._ habe ihn als Anwalt beraten (Urk. 01.304 S. 13). Dafür, dass zwi-
schen ihm und E._ ein anwaltliches Vertretungsverhältnis bestanden habe,
spreche auch, dass er die drei Printscreens und seine Notizen auf Wunsch von
E._ in einem verschlossenen Couvert bei diesem im Büro hinterlegt habe
(Urk. 01.308 S. 11 f. und 21). Allerdings räumte der Beschuldigte ein, keine Voll-
macht in Bezug auf eine Vertretung durch E._ im Zusammenhang mit den
Dollartransaktionen B._s unterzeichnet zu haben. Ausserdem verneinte er
mehrmals und dezidiert, E._ gesagt zu haben, dass er ihn in dieser Sache
als Anwalt beauftrage: "Nein, habe ich nicht" bzw. "Nein, sicher nicht"
(Urk. 01.308 S. 21). Es sei eine rechtliche Frage gewesen, welche er E._
während eines tagelangen Prozesses, ca. vom 5. bis 15. November 2012 [recte:
- 53 -
2011], als sie eine Beschwerde (in anderer Sache, vgl. Urk. 01.308 S. 20) verfasst
hätten, bei dieser Gelegenheit gestellt habe (Urk. 01.308 S. 21).
b) Aussagen des Mitbeschuldigten E._
E._ stellte sich anlässlich der Untersuchung auf den Standpunkt, der Be-
schuldigte habe genau gewusst, dass sie in keinem Mandatsverhältnis gestanden
seien und er ihn nicht mehr vertreten habe. Sein früheres Anwaltsmandat mit dem
Beschuldigten sei seit Sommer 2011 beendet gewesen. Der Beschuldigte habe
ihn als Privatmann konsultiert, weil sie politisch eine ähnliche Haltung gehabt hät-
ten. Es sei eine politische Frage gewesen. Die Eröffnung eines Mandates sei
überhaupt kein Thema gewesen. Es gebe weder eine Vollmacht noch habe er
Leistungen erfasst oder Rechnung gestellt (Urk. 01.401 S. 5 f. und S. 33). In die-
sem Zusammenhang bezog sich E._ auf ein E-Mail vom 13. November 2011,
in welchem er den Beschuldigten darauf hingewiesen habe, dass er ein früheres
Mandat niedergelegt habe und nicht mehr gegen Aussen in Erscheinung trete
(vgl. Urk. 00.146). Es habe gleichzeitig auch Telefonate gegeben, bei welchen er
ihm das gesagt habe (Urk. 01.402 S. 7). Er habe dem Beschuldigten denn auch
gesagt, dass er sich strafbar gemacht habe, indem er sich bei ihm gemeldet habe
(Urk. 01.401 S. 5). Weiter verwies E._ auf ein E-Mail des Beschuldigten vom
4. Dezember 2011, in welchem dieser ausdrücklich ausgeführt habe, dass er ihm
diese Unterlagen als Kollegen gezeigt habe (Urk. 01.402 S. 29 und Urk. 01.403
S. 42). Zudem führte E._ aus, dass der Beschuldigte ihn im Zusammenhang
mit der Nationalbank bereits kontaktiert habe, bevor diese Sache mit den Print-
screens aufgekommen sei. Der Beschuldigte habe ihn damals in Bezug auf die
Euro-Anbindung angerufen, sich sehr aufgeregt und gesagt, dass B._ damit
quasi unser Volksvermögen verschwende. Der Beschuldigte habe ihn, E._,
gefragt, ob er nicht einen oder zwei kritische Artikel zu diesem Thema schreiben
wolle, um auf diese Umstände hinzuweisen. Aus der Zusammenarbeit mit dem
Beschuldigten seien dann zwei Artikel entstanden, welche er auf seiner Homepa-
ge, www.E._.ch, veröffentlicht habe (Urk. 01.401 S. 3 und Urk. 01.322 S. 6).
Auf diesen Standpunkt stellte sich der Mitbeschuldigte E._ im Wesentlichen
auch im Rahmen seiner Befragung vor Berufungsgericht (vgl. Prot. I S. 21-29 und
- 54 -
S. 43-52). Die Darstellung des Beschuldigten A._, wonach dieser ihn gefragt
habe, ob er ihm eine äusserst vertrauliche Frage stellen könne, und er (E._)
darauf geantwortet habe, alles was sie hier besprechen würden, unterliege grund-
sätzlich dem Anwaltsgeheimnis, stimme nicht. Vielmehr sei ihre Besprechung
vom 4. November 2011 rund um das Verhalten des Nationalbankpräsidenten
B._ von ihnen beiden als eine politische Angelegenheit behandelt worden
(a.a.O. S. 24). Es sei nicht um eine Beratung, sondern um das Überlegen in einer
politischen oder auch staatsrechtlichen Sache gegangen. Ihnen sei beiden klar
gewesen, dass kein anwaltliches Mandatsverhältnis begründet worden sei; er ha-
be auch keine Honorare geschrieben oder Rechnungen gestellt (a.a.O. S. 26).
E._ machte allerdings auch folgende Aussagen: Er wisse es nicht mehr ge-
nau, aber er glaube doch, dass er A._ bereits anlässlich dieses Treffens ge-
sagt habe, dass er das Vorgefallene intern melden solle, worauf dieser gesagt
habe, diese Option scheide komplett aus, denn bei einer Meldung würde er den
Job verlieren und die Bank D._ das Konto physisch verschwinden lassen
(a.a.O. S. 25). Man habe natürlich auch diskutiert, wie der Beschuldigte A._
bezüglich einer allfälligen Verletzung des Bankgeheimnisses geschützt werden
könnte (weshalb man dann auch von der ersten Überlegung, an die Presse zu
gehen, abgekommen sei; a.a.O. S. 28). Weiter sagte er aus, man habe möglich-
erweise anlässlich dieses Treffens auch strafrechtliche Überlegungen angestellt
bzw. sich gefragt, ob das Verhalten des Nationalbankpräsidenten strafrechtlich re-
levant sei (a.a.O. S. 48). Auch gab er an, es sei seine Idee gewesen, die
Printscreens in einem Couvert aufzubewahren und im Anwaltsbüro zu deponie-
ren; er habe dies A._ vorgeschlagen mit der Bemerkung, dass wenn es ir-
gendwie auffliegen würde, er dann sagen könne, dass er lediglich Rat bei einem
Rechtsanwalt gesucht habe und die Printscreens beim Anwalt habe sicherstellen
wollen (a.a.O. S. 48 f.).
2.2.4. Würdigung
a) Unbestritten und erstellt ist, dass der Beschuldigte A._ im Zusammen-
hang mit dieser Angelegenheit um den Nationalbankpräsidenten B._ dem
Mitbeschuldigten E._ nie eine Vollmacht ausgestellt hatte, ihm auch nicht
- 55 -
ausdrücklich gesagt hatte, dass er ihn als Rechtsanwalt mandatiere, und von ihm
auch nicht erwartet hatte, dass ihn dieser gegen aussen in irgendeiner Form ver-
trete.
Diese Umstände sprechen aber – entgegen der Auffassung der Vorinstanz
(Urk. 41 S. 48 f.) – noch nicht gegen die Annahme eines Mandatsverhältnisses
zwischen dem Beschuldigten A._ und dem Mitbeschuldigten E._. Weder
eine schriftliche Vollmacht noch eine Vertretung nach aussen stellen eine zwin-
gende Voraussetzung für das Zustandekommen eines Anwaltsverhältnisses dar.
Auch die Festsetzung eines Honorars ist kein Essentiale eines Anwaltsvertrages.
Vielmehr kann ein anwaltliches Auftragsverhältnis gemäss einhelliger Lehre und
Rechtsprechung auch schon konkludent – d.h. ohne besondere Form und allein
aufgrund der äusseren erkennbaren Umstände – geschlossen werden und kann
im Übrigen auch unentgeltlich sein. Es ist geradezu häufig so, dass der Anwalts-
vertrag durch konkludentes Verhalten zustande kommt bzw. der Wille zum Ab-
schluss des Vertrages aus dem Verhalten des Klienten und des Anwalts abzulei-
ten ist. In diesem Sinn stellt die Auskündigung des Anwaltes, in seiner Kanzlei
Klienten zu empfangen, eine Realofferte zum Abschluss eines Beratungsvertra-
ges dar. Der Klient nimmt diese Offerte durch konkludentes Verhalten (durch Re-
alakzept) an, indem er sich mit dem Anwalt zu einer Besprechung trifft. Für das
Zustandekommen eines Anwaltsvertrages genügt es daher beispielsweise, dass
der Anwalt Akten im Gespräch zur Prüfung entgegennimmt (vgl. Walter Fell-
mann, Anwaltsrecht, 2. Aufl., 2017, Rz. 1145 und 1156).
b) Der Beschuldigte hat konstant und im Wesentlichen widerspruchsfrei angege-
ben, dass er aus seiner Sicht den Mitbeschuldigten E._ in dessen Funktion
als Rechtsanwalt aufgesucht und um Rat gefragt habe bezüglich des korrekten
Wegs zur Überprüfung des Verdachts, dass B._ allenfalls Insiderhandel be-
gangen haben könnte, sowie bezüglich einer allfälligen ihn treffenden Melde-
pflicht. Diese Aussagen des Beschuldigten sind durchaus glaubhaft, auf jeden Fall
aber nicht widerlegbar.
Gegen die Glaubhaftigkeit dieser Aussagen spricht weder, dass der Beschuldigte
in einer E-Mail vom 4. Dezember 2011 an E._ schrieb, dass er "es" (gemeint:
- 56 -
die Printscreens) E._ als Kollegen gezeigt habe, um ihm erklären zu können,
warum er diese Meinung von "ihm" (gemeint: B._) habe (Urk. 00.204), noch
dass der Beschuldigte gemäss E._ auch bereits vor den in Frage stehenden
Ereignissen mit E._ bei der Erarbeitung von zwei kritischen Artikeln zur Nati-
onalbank und der durch sie festgesetzten Euro-Untergrenze zusammengearbeitet
hatte. Auch wenn davon auszugehen ist, dass der Beschuldigte auf einer politi-
schen Ebene mit der Europolitik des Nationalbankpräsidenten nicht einverstanden
war und sich auch deshalb an E._ wandte, weil dieser dessen politische Hal-
tung teilte, so schliesst dies gleichwohl nicht aus, dass der Beschuldigte Rechts-
anwalt E._ nicht allein wegen des empfundenen politischen Skandals auf-
suchte, sondern auch deswegen, weil er sich im Hinblick auf ein korrektes und le-
gales Vorgehen zur Aufdeckung dieses Skandals juristisch beraten lassen wollte.
c) Die Darstellungen des Beschuldigten lassen sich auch nicht durch die Aussa-
gen des Mitbeschuldigten E._ widerlegen. Dieser sagte zwar seinerseits
konstant aus, dass der Beschuldigte A._ ihn nicht als Rechtsanwalt, sondern
als "Privatmann", welcher eine ähnliche politische Haltung aufweise, aufgesucht
habe und dass es sich bei ihrer Besprechung vom 4. November 2011 um eine po-
litische Frage gehandelt habe. E._ räumte aber – anlässlich der Berufungs-
verhandlung – auch ein, dass anlässlich dieses Treffens, neben den politischen
Diskussionen auch staats- und gar strafrechtliche Überlegungen angestellt wor-
den seien. Auch gab er an, dass er A._ geraten habe, den Vorfall der bankin-
ternen Compliance-Stelle zu melden, und dass man auch diskutiert habe, wie der
Beschuldigte A._ bezüglich einer allfälligen Verletzung des Bankgeheimnis-
ses geschützt werden könnte. Diesen Aussagen des Mitbeschuldigten E._
muss entnommen werden, dass dieser dem Beschuldigten A._ am Treffen
vom 4. November 2011 sehr wohl auch juristischen Rat zukommen liess.
Der Mitbeschuldigte E._ gab sodann zwar auch vor Berufungsgericht wieder
an, die Behauptung des Beschuldigten A._ – wonach dieser ihn eingangs ge-
fragt habe, ob er ihm eine äusserst vertrauliche Frage stellen könne, und er die-
sem darauf geantwortet habe, alles was sie hier besprechen würden und A._
ihm an Dokumenten zeige, unterliege grundsätzlich dem Anwaltsgeheimnis –
- 57 -
stimme nicht. In diesem Punkt aber steht Aussage gegen Aussage: Damit allein
kann die Darstellung des Beschuldigten A._ nicht widerlegt werden.
d) Zu berücksichtigen ist weiter, dass sich die frühere Bekanntschaft des Be-
schuldigten A._ und des Mitbeschuldigten E._ auf die gemeinsam ver-
brachte Kindergartenzeit beschränkte und sie nicht miteinander befreundet waren.
Die beiden hatten 20 Jahre lang keinen Kontakt mehr, bis der Mitbeschuldigte
E._ den Beschuldigten A._ in einer anderen Angelegenheit (dem "Thur-
gauer Verfahren") anwaltlich vertrat. Auch dies spricht dafür, dass der Beschuldig-
te A._ E._ am 4. November 2011 nicht einfach (bloss) als Kollegen mit
ähnlicher politischer Gesinnung aufsuchte, sondern ihn (überdies) als rechtskun-
digen Anwalt in dessen Anwaltskanzlei um juristischen Rat anging.
e) Auch dass das frühere Mandat betreffend das Verfahren im Kanton Thurgau,
in welchem E._ den Beschuldigten als Rechtsanwalt vertreten hatte (vgl.
Beizugsakten des Bezirksgerichts [bezirksgerichtliche Kommission] Weinfelden,
S5.2010.11, i.S. A._ bzw. des Obergerichts des Kantons Thurgau,
SW.2011.77) im Zeitpunkt des Treffens vom 4. November 2011 bereits beendet
war (und nicht wieder auflebte) – das Verfahren endete mit Urteil des Oberge-
richts des Kantons Thurgau vom 23. Juni 2011, welches am 15. September 2011
in Rechtskraft erwuchs; wobei der Beschuldigte erklärte, E._ habe das Man-
dat formell Anfang August 2011 beendet (Urk. 01.303 S. 14; Urk. 01.309 S. 22) –
steht der Annahme des Zustandekommens eines neuen Mandatsverhältnisses
auf konkludentem Wege selbstverständlich nicht entgegen.
f) Unter Berücksichtigung all dieser Umstände gibt es somit – entgegen der im
Einstellungsverfahren vertretenen Auffassung (vgl. vorstehend Ziff. 2.2.1.) – gute
Gründe für die Annahme, dass anlässlich des Treffens vom 4. November 2011
ein konkludentes Mandatsverhältnis zwischen E._ und A._ geschlossen
wurde.
g) Letztlich kann diese Frage allerdings offen gelassen werden. Zumindest näm-
lich durfte der Beschuldigte A._ als juristischer Laie subjektiv davon ausge-
hen, dass sich E._ mit ihm nicht nur als politisch nahestehender Kollege,
- 58 -
sondern auch als rechtskundiger Anwalt mit entsprechendem Fachwissen be-
sprach und dabei dem Anwaltsgeheimnis unterstellt war.
Seine Darstellung, er sei subjektiv jederzeit davon überzeugt gewesen, dass
E._ an seine berufliche Schweigepflicht gebunden gewesen sei, erscheint
durchaus plausibel. E._ behauptete in seinen Aussagen zwar immer wieder,
dass dem Beschuldigten A._ bewusst gewesen sei, dass E._ am 4. No-
vember 2011 nicht als Anwalt mit ihm gesprochen habe, macht aber keine über-
zeugenden Ausführungen darüber, aufgrund welcher konkreter Umstände der ju-
ristisch nicht bewanderte Beschuldigte dieses Bewusstsein anlässlich des Tref-
fens erlangt haben soll. Namentlich macht E._ nicht geltend, dass er dem
Beschuldigten – anlässlich des Treffens vom 4. November 2011 – klar mitgeteilt
hatte, dass er in diesem Moment nicht als Anwalt, sondern ausschliesslich als
Privatmann mit ihm kommuniziere. E._ machte zwar Aussagen, wonach er
den Wunsch des Beschuldigten, ihn (nach Abschluss des Thurgauer Verfahrens)
weiter bzw. erneut zu vertreten, ausdrücklich abgelehnt habe, bezog sich damit
aber weder zeitlich noch sachlich auf das Treffen vom 4. November 2011
(Urk. 01.401 S. 6; Urk. 01.402 S. 6; vgl. auch Prot. II S. 52). Anlässlich des Tref-
fens schlug E._ dem Beschuldigten vielmehr ausdrücklich vor, die
Printscreens verschlossen und mit der Unterschrift versiegelt in seinem Anwalts-
büro zu deponieren, damit dieser sich, "wenn es irgendwie auffliegen würde"
(gemeint offensichtlich: falls der Beschuldigte mit strafrechtlichen Vorwürfen kon-
frontiert würde), sich darauf berufen könne, dass er juristischen Rat bei einem
Rechtsanwalt gesucht habe. E._ thematisierte somit anlässlich des Treffens
vom 4. November 2011 geradezu ausdrücklich den Rechtfertigungsgrund, auf den
sich der Beschuldigte heute beruft. Dass der Beschuldigte aufgrund dieser Aus-
führungen sowie des weiteren Verhaltens des Mitbeschuldigten E._ (der mit
ihm nicht bloss politische Überlegungen, sondern auch rechtliche Optionen disku-
tierte) der Auffassung sein konnte, er kommuniziere mit E._ als seinem
Rechtsanwalt und offenbare diesem geheime bankinterne Informationen unter
dem Schutzmantel des Anwaltsgeheimnisses, erscheint nachvollziehbar bzw. ist
zumindest nicht widerlegbar.
- 59 -
h) Ist nun – jedenfalls aus subjektiver Sicht des Beschuldigten – von einer Ge-
heimnisoffenbarung in dem durch das Anwaltsgeheimnis geschützten Rahmen
eines Mandatsverhältnisses auszugehen, so gilt es, das Folgende zu beachten:
Grundsätzlich hat jedermann das Recht, sich rechtlich beraten zu lassen, sich
insbesondere an einen Anwalt seiner Wahl zu wenden. Diesem Recht kommt Ver-
fassungsrang sowie Menschenrechtscharakter zu (vgl. Art. 29 ff. BV, Art. 6 Ziff. 3
und Art. 8 EMRK sowie Art. 14 Abs. 3 lit. b und Art. 17 IPBPR). Der Verteidigung
(Urk. 168 S. 14 f.) ist deshalb hier Recht zu geben, dass es auch für Bankange-
stellte möglich sein muss, sich von einem externen Anwalt zu bankinternen Ange-
legenheiten beraten zu lassen, um sich über ihre Rechte und Pflichten ins Bild zu
setzen. In diesem Kontext gehört die Wahrung des Anwaltsgeheimnisses nach
Art. 13 BGFA und 321 StGB zu den wichtigsten anwaltlichen Berufspflichten ge-
genüber dem Klienten. Die Berufsverschwiegenheit des Rechtsanwaltes soll dem
Mandanten die Gewähr bieten, dass er sich dem Anwalt rückhaltlos und umfas-
send anvertrauen kann, ohne befürchten zu müssen, dass Einzelheiten Dritten of-
fenbart werden können. Der Mandant muss die Gewissheit haben, dass ihm
durch die Preisgabe kein Nachteil entsteht. Nur auf diese Weise wird eine optima-
le und wirksame Beratung durch den Anwalt möglich, der dafür seinerseits auf ei-
ne umfassende Information durch den Klienten angewiesen ist. Der verfassungs-
rechtliche Anspruch auf anwaltlichen Beistand wäre sinnentleert, wenn die Ver-
traulichkeit in der Kommunikation mit dem Anwalt nicht wirksam geschützt wäre.
In diesem Sinne führte das Bundesgericht bereits in einem Entscheid aus dem
Jahr 1986 aus (BGE 112 Ib 606): "Bei der Beziehung zwischen Anwalt und Klient
muss vorausgesetzt werden dürfen, dass der Klient voll auf die Verschwiegenheit
des Anwalts vertrauen darf. Wenn sich der Klient ihm nicht rückhaltlos anvertraut
und ihm nicht Einblick in alle erheblichen Verhältnisse gewährt, so ist es für den
Anwalt schwer, ja unmöglich, den Klienten richtig zu beraten und ihn im Prozess
wirksam zu vertreten." Vor diesem Hintergrund wird auch dem anwaltlichen Be-
rufsgeheimnis Verfassungsrang und völkerrechtliche Geltung zuerkannt (vgl. zum
Ganzen: Alexander Brunner / Matthias-Christoph Kenn / Kathrin Kriesi, Anwalts-
recht, "litera B", 2015, S. 183 f.; Christof Bernhart; die professionellen Standards
des Rechtsanwalts, 2. Aufl., 2011, S. 145; Fellmann, a.a.O., Rz 1264).
- 60 -
Vorliegend ging der Beschuldigte subjektiv nachvollziehbar mit zureichenden
Gründen davon aus, dass seine Offenbarungen betreffend das Verhalten des Na-
tionalbankpräsidenten B._ an den Mitbeschuldigten E._ vom anwaltli-
chen Berufsgeheimnis geschützt seien. Im Vertrauen auf die Unantastbarkeit des
Vertrauensverhältnisses machte er – mochte ihm dies daneben auch noch aus
politischen Überzeugungen willkommen gewesen sein – von seinem Recht Ge-
brauch, den ihn beratenden Rechtsanwalt E._ umfassend und rückhaltlos ins
Bild zu setzen und ihm somit auch unter das Bank- und/oder Geschäftsgeheimnis
fallende Tatsachen mitzuteilen.
3. Fazit
Der Beschuldigte A._ vermag sich somit erfolgreich auf den (Putativ-)Recht-
fertigungsgrund gemäss Art. 14 StGB zu berufen. Er suchte anwaltlichen Rat beim Mit-
beschuldigten E._ und hielt aufgrund der erkennbaren Umstände aus überzeugen-
den bzw. zumindest nicht widerlegbaren Gründen einen Sachverhalt für gegeben, bei
dessen Vorliegen ihm das übergeordnete Recht erlaubt, das Bankgeheimnis wie auch
das Geschäftsgeheimnis preiszugeben.
Hinsichtlich Anklageziffer I.B. ist der Beschuldigte deshalb vom Vorwurf der Ver-
letzung des Bankgeheimnisses sowie der Verletzung des Geschäftsgeheimnisses
freizusprechen.
C. PRÜFUNG DES VORWURFS GEMÄSS ANKLAGEZIFFER I.C.
1. Tatbestandsmässigkeit
1.1. Wie bereits ausgeführt, ist der objektive Sachverhalt erstellt. Aufgrund des
entsprechenden Geständnisses des Beschuldigten sowie des übrigen Untersu-
chungsergebnisses steht fest, dass er am 28. November 2011 um die Mittagszeit
den ...-Kantonsrat M._, welchen er aus einer früheren Arbeitstätigkeit bei der
P._ kannte, im Erdgeschoss des ... ...hauses kontaktierte und ihn wissent-
lich und willentlich über den in seiner Eigenschaft als Bankangestellter wahrge-
- 61 -
nommenen Sachverhalt in Bezug auf das Konto von B._ bei der Bank
D._ und die darauf verzeichneten Dollartransaktionen in Kenntnis setzte.
Dabei nannte der Beschuldigte die Devisentransaktionen zwar nicht im Detail, be-
zeichnete jedoch B._ als möglichen Insider, erwähnte die Einführung der Eu-
ro-Untergrenze vom 6. September 2011 und fragte M._ nach einer neutralen
Untersuchungsmöglichkeit zur Überprüfung der Rechtmässigkeit dieser Devisen-
transaktionen (siehe oben Ziff. III.A.3.4).
Es ist sodann offensichtlich – und insoweit seitens des Beschuldigten auch völlig
unbestritten –, dass er diese Informationen M._ bewusst und gewollt offen-
barte und um deren Geheimnischarakter gewusst hatte.
1.2. Das Verhalten des Beschuldigten erfüllt damit grundsätzlich sämtliche objek-
tiven und subjektiven Tatbestandsmerkmale des Straftatbestandes der Bankge-
heimnisverletzung im Sinne von Art. 47 Abs. 1 lit. a BankG sowie desjenigen der
Geschäftsgeheimnisverletzung im Sinne von Art. 162 Abs. 1 StGB (wobei zur nä-
heren Begründung vorab auf die vorstehend unter Ziff. B.1. zur Anklageziffer I.B.
gemachten Ausführungen verwiesen werden kann, welche hier entsprechend gel-
ten.)
Wie ausgeführt, lässt etwa die Aussage des Beschuldigten, er habe schon bezüg-
lich Mitteilung an E._ ein schlechtes Gefühl gehabt und geschaut, ob ein an-
derer Weg bestehe, keinen Zweifel offen, dass er sich der Geheimnisoffenbarung
von allem Anfang an bewusst war. Das gilt erst recht für seine nachfolgenden
Handlungen. Der Beschuldigte sagte denn auch explizit, dass, nachdem E._
ihm gegenüber (ca. am 22. November 2011) bemerkt habe, er sei ja rausgegan-
gen (d.h. er habe das Bankgeheimnis bereits verletzt), er auch ein ungutes Gefühl
gehabt habe, als er sich am 28. November 2011 an M._ gewandt habe
(Urk. 01.305 S. 4).
- 62 -
2. Rechtswidrigkeit
2.1. Prüfung des Rechtfertigungsgrundes im Sinne von Art. 17 StGB
2.1.1. Standpunkt des Beschuldigten
Die Verteidigung des Beschuldigten argumentiert an erster Stelle (zusammenge-
fasst) wie folgt: Anlässlich eines Telefonats vom 17. November 2011 habe der
Mitbeschuldigte E._, der ihm zuvor immer versichert habe, dass er dem An-
waltsgeheimnis unterstehen würde, plötzlich behauptet, dass der Beschuldigte
A._ seine Geheimnispflicht mit seiner Anfrage vom 4. November 2011 bei
ihm bereits verletzt habe und er nun eigentlich seiner Anzeigepflicht nachkommen
und A._ anzeigen müsste (Urk. 168 S. 23 Rz. 106). Mit diesen Äusserungen
habe der Mitbeschuldigte E._ den Beschuldigten A._ unter einen enor-
men Druck gesetzt, da er sich nun ganz dem "Goodwill" von E._ ausgesetzt
gefühlt habe. Diese Äusserungen von E._ hätten ihn erpressbar gemacht.
E._ habe zum anderen auch deutlich kommuniziert, dass in der Sache etwas
gemacht werden müsse, weshalb der Beschuldigte habe befürchten müssen,
dass E._ selber mit den Informationen an die Presse gelangen würde. Auch
dies habe ihn erpressbar gemacht. Zusammengefasst sei nach diesen Äusserun-
gen von E._ dem Beschuldigten A._ die Kontrolle über die von ihm zu
wahrenden Geheimnisse entglitten (a.a.O. S. 25 f. Rz 110 und 113 f.). Die folgen-
den allfälligen Bank- und Geschäftsgeheimnisverletzungen – gegenüber M._,
gegenüber G._ sowie zuletzt gegenüber den R._-Journalisten – seien
ausnahmslos aufgrund dieser Drucksituation entstanden. Aufgrund der drohenden
Anzeige durch den Mitbeschuldigten E._ und dessen Wunsch des Tätigwer-
dens in Bezug auf die Transaktionen von Herrn B._ sei der Beschuldigte un-
ter einem immensen Druck gestanden. Der Beschuldigte A._ habe sich ge-
nötigt gesehen, nach einer Möglichkeit der (legalen) Aufdeckung bzw. Überprü-
fung der Transaktionen zu suchen. Da er alleine nicht mehr weitergekommen sei,
habe er sich zwingend an Dritte wenden müssen.
Aus diesen Gründen habe er zunächst M._ kontaktiert. Er habe demnach
M._ nicht aus eigenem Antrieb kontaktiert und keinen eigenen Willen gehabt,
- 63 -
das Bank- und Geschäftsgeheimnis zu verletzen (a.a.O. S. 33 f Rz. 140 ff.). Die
Verteidigung bringt damit vor, es liege ein Nötigungsnotstand als Rechtferti-
gungsgrund vor (a.a.O. S. 36 Rz 144 ff.).
2.1.2. Beurteilung
2.1.2.1. Dem seitens des Beschuldigten und seiner Verteidigung vorgebrachten
Argumentation kann bereits auf der Ebene des Sachverhaltes nicht gefolgt wer-
den. Dass sich der Beschuldigte im tatrelevanten Zeitraum in einer Nötigungssitu-
ation befunden habe und diese ihn zum willenlos oder wenigstens nicht vorsätz-
lich handelnden (dolosen) Werkzeug von E._ habe werden lassen, muss als
Schutzbehauptung des Beschuldigten gewertet werden, wie nachfolgend zu zei-
gen ist.
2.1.2.2. Der Beschuldigte und sein damaliger Verteidiger hatten bereits vor Be-
zirksgericht geltend gemacht, dass sich der Beschuldigte aufgrund von Äusserun-
gen von E._ nach dem 17. November 2011 – wonach er ihn eigentlich anzei-
gen müsste, da er, der Beschuldigte, das Bankgeheimnis eigentlich schon verletzt
habe, als er mit den Informationen zu ihm gekommen sei – in einer Drucksituation
befunden habe, aufgrund welcher er sich gezwungen gefühlt habe, M._ zu
kontaktieren sowie sich mit G._ zu treffen (vgl. Urk. 74 S. 3 und 11; Urk. 91
S. 56). Die Vorinstanz hat dieses Vorbringen mit überzeugender Begründung ent-
kräftet (Urk. 91 S. 56-59), weswegen im Folgenden deren Ausführungen unter
Hinzufügung leichter Ergänzungen zusammengefasst werden können.
2.1.2.3. Der Beschuldigte machte im Laufe der Untersuchung tatsächlich ver-
schiedentlich geltend, er habe sich im Dezember 2011 in einer Nötigungssituation
befunden (Urk. 01.309). E._ habe ihm gesagt, er sei mit den Informationen
schon "herausgegangen", als er damit zu ihm gekommen sei. Diese Aussage ha-
be ihn, den Beschuldigten, erpressbar gemacht (Urk. 01.304 S. 12, Urk. 01.305
S. 3 f.). In diesem Zusammenhang habe ihm E._ gesagt, dass ein anderer
Anwalt sofort Anzeige gegen ihn, den Beschuldigten, erheben müsste, wenn er
jetzt einen anderen Anwalt aufsuchen würde (Urk. 01.308 S. 5).
- 64 -
Anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom 24. Juni 2013 erklärte der Be-
schuldigte ausserdem, dass E._ ihm bei der Übergabe des Couverts mit den
Printscreens beim Treffen mit G._ vom 3. Dezember 2011 gesagt habe, dass
er von ihm, E._, nur Unterstützung in Bezug auf die Auslösung der Untersu-
chung erhalte, wenn er G._ die Unterlagen zeige (Urk. 01.322 S. 17).
Mit diesen Aussagen stellt der Beschuldigte gewissermassen in den Raum, dass
der Hinweis E._s, dass er die geheimen Daten bereits offenbart habe, ihn so
aus der Bahn geworfen habe, dass er jemanden Dritten habe einweihen müssen.
Dies ist jedoch aus mehreren Gründen auszuschliessen.
2.1.2.4. Zunächst nämlich erklärte der Beschuldigte, M._ aus S._ im
Grundsatz über das Problem angefragt zu haben, weil er von diesem gewusst
habe, dass er bezüglich Insidergeschäfte eine Ausbildung mache (Urk. 01.302
S. 2 f.; auch Urk. 01.305 S. 4 und Urk. 01.308 S. 6). Er habe sich bei M._
aufgrund von dessen Wissen und Ausbildung in Sachen Wirtschaftsdelikte erkun-
digt, ob er für Staatsangestellte (der Nationalbank) irgendeinen Weg oder eine
Variante, eine neutrale Untersuchung des Ereignisses kenne, das Problem zu
platzieren. M._ habe ihm davon abgeraten, sollte er über irgendwelche In-
formationen zu einem konkreten Fall verfügen, in der Sache irgendwie tätig zu
werden; es sei denn, er wolle den Prix Courage gewinnen und sein Leben ruinie-
ren. Trotz des initialen Abratens habe M._ Hilfsbereitschaft signalisiert
(Urk. 01.303 S. 11 f.). Erst in der dritten und vierten Einvernahme tönte der Be-
schuldigte die oben erwähnte Drucksituation an (Urk. 01.304 S. 11 f.; Urk. 01.305
S. 3 f.). In der Einvernahme vom 19. Januar 2012 führte der Beschuldigte indes
auf Frage aus, E._ habe nichts gewusst, dass er M._ kontaktieren wür-
de. Es habe sich bei der Kontaktaufnahme mit M._ am 28. November 2011
um eine relativ spontane Idee von ihm selber gehandelt (Urk. 01.308 S. 6).
In diesen Aussagen finden sich keine greifbaren Anhaltspunkte, dass der Be-
schuldigte am Montag, 28. November 2011 nicht aus eigener Initiative und freier
Entscheidung den ...-Kantonsrat M._ im ... ...haus aufgesucht hätte und in-
wiefern eine Nötigungssituation bestanden haben sollte. Abgesehen davon er-
- 65 -
scheint nicht plausibel, weshalb der Beschuldigte eine Drucksituation nicht von
Anfang an erwähnte.
2.1.2.5. Ein analoges Bild ergibt sich aus den E-Mail des Beschuldigten an
E._ vom 28. November 2011, 10:41 und 11.03 Uhr: Er gehe noch mit
M._ essen heute. Es nehme ihn Wunder, was dieser dazu sage, und er wer-
de sich danach telefonisch bei E._ melden (Urk. 00.181 S. 1 f.). Auch die
weitere E-Mail-Korrespondenz zwischen dem Beschuldigten und E._ unmit-
telbar nach dem Treffen mit M._ bietet keine Anhaltspunkte dafür, dass der
Beschuldigte unter einer Nötigung von E._ gestanden wäre (vgl. Urk. 00.183,
bes. S. 2: E-Mail vom 28. November 2011, 22.18 Uhr): "Besprachen es soeben in
Winti noch eine Stunde. Er ist wirklich sehr gut vernetzt, aber seine indirekt (er
sagte, natürlich niemandem, worum es konkret geht), angesprochenen Kontakte
sagten in zwei Fällen, man solle sich das persönlich gut überlegen [...] . Ich glau-
be der Weg führt irgendwie über die Verwaltung, es gibt da einfach mittlerweile
viele Arten der Meldepflicht. Oder sonst über ein Netz von Anwälten und Kontakte
(d.h. über dich, solange dabei; das aktuelle Hin und her ist ja kein Zustand, ob-
wohl ich ja keinen Druck mache, sondern eher unter Druck gerate aktuell). [...]
Wünsche noch eine gute Nacht, und hey, ungelogen: unter Druck ist eigentlich (!)
B._, nicht wir.". Der Beschuldigte bringt in diesem Mail zwar einen gewissen
– und wie es scheint: vorwiegend selbstauferlegten – Druck zur Sprache, wonach
(nach dem Treffen mit M._) nun von ihm und E._ gemeinsam zu ent-
scheiden sei, wie man konkret vorgehen solle, macht dabei aber keineswegs den
Eindruck, (vor und/oder nach dem Treffen mit M._) unter einem von E._
ausgeübten Handlungsdruck gestanden zu haben.
2.1.2.6. In Bezug auf das Treffen mit G._ vom 3. Dezember 2011 verstrickte
sich der Beschuldigte ebenfalls in Widersprüche. So sagte er zunächst zwar aus,
dass er sich zwischen dem 20. November 2011 und dem 3. Dezember 2011 habe
mitreissen lassen, weil ihm E._ gesagt habe, er sei bereits "rausgegangen"
und habe das Bankgeheimnis bereits verletzt. Diesem Druck von E._ habe er
in Bezug auf das Treffen mit G._ nachgegeben, weil es noch Dienstleistun-
gen von ihm als sein Rechtsanwalt gegeben habe, welche er noch nicht bezahlt
- 66 -
habe, und er deswegen keinen Streit habe beginnen wollen (Urk. 01.305 S. 7).
Auch mit dieser Schilderung deutete der Beschuldigte an, dass er sich durch
E._ unter Druck gesetzt gefühlt und nur deshalb in das Treffen mit G._
eingewilligt habe.
Ganz im Gegensatz dazu bekundete der Beschuldigte anlässlich der viel späteren
Konfrontationseinvernahme, das Treffen bei G._ in Q._ sei nicht zuletzt
auf seinen Wunsch hin initialisiert worden. Es sei seine Absicht gewesen, an die-
sem Treffen über einen Bundesparlamentarier, der an den Bankrat oder den Bun-
desrat gelangen konnte, eine Untersuchung auszulösen (Urk. 01.322 S. 8). Es ist
nicht einzusehen, weshalb diese letztzitierten Aussagen nicht der Wahrheit ent-
sprechen sollten.
Das zeigt auch der tatzeitnahe E-Mail-Verkehr zwischen dem Beschuldigten und
E._ vom 28. und 29. November 2011. Der Beschuldigte sprach sich für ein
gemeinsames Meeting beim Chef, gemeint G._, aus, wobei er E._s An-
gebot zu einer Terminanfrage bei diesem sehr begrüsste und sich bedankte (Ja
gerne, E._ solle G._ anrufen) und für die fragliche Woche jederzeitige
Verfügbarkeit signalisierte. Auch erklärte sich der Beschuldigte bereit, G._
seine Sicht darzulegen. Eigentlich sei B._ [Anfangsbuchstabe des Nachna-
mens] (gemeint B._) unter Druck und nicht sie (Urk. 00.181 bis 00.184;
Urk. 00.186). Gleichermassen initiativ zeigte sich der Beschuldigte schon in seiner
E-Mail vom 19. November 2011 14:22 (Urk. 00.160 S. 2). Dass sich der Beschul-
digte damals von E._ für den Gang zu G._ unter Druck gesetzt gefühlt
haben soll, kann diesen Bekundungen nicht entnommen werden. Eher scheint der
Beschuldigte selber die treibende Kraft zu diesem Meeting gewesen zu sein. Da-
ran ändert der Umstand nichts, dass der Termin gewissermassen auf dem politi-
schen Gleis über E._, der G._ bereits kannte, arrangiert wurde, wozu es
– erkennbar aufgrund von G._s Agenda – mehrerer Anläufe E._s be-
durfte. Ebenso wenig führen die in den unzähligen E-Mails des Beschuldigten
(Urk. 00.119 ff.) wiederholt aufscheinenden starken Stimmungsschwankungen
während der Suche nach einem korrekten Weg zu einem andern Schluss: Feuer
und Flamme einerseits, apodiktische kapitulierende Rückzugsäusserungen an-
- 67 -
derseits. Exemplarisch sei auf sein E-Mail an E._ vom 25. November 2011,
20:26 Uhr verwiesen: "Ich bin ein Eunuche seit meinem Rechtsfall, überkorrekt.
Alles vorbereitet, aber keinen Mut. Mir ist das Gift abhanden gekommen. Ich finde
das was hier war eine Riesenschweinerei, aber ich will die Probleme eines ande-
ren nicht zu meinen eigenen machen. Zudem hasse (!!!) ich alles unkorrekte mitt-
lerweile. [...] Ich wollte Dich überzeugen, auch wenn ich den Sprengstoff natürlich
sehe, und man ihn (selbst ich) gerne nutzen möchte. Nichts hat er mehr verdient,
aber eben: er, nicht ich!"
2.1.2.7. Weiter ist mit der Vorinstanz anzumerken, dass E._ bestritt, von ei-
ner Anzeigepflicht gesprochen zu haben (Urk. 01.322 S. 21). Ausserdem fällt hin-
sichtlich des Aussageverhaltens des Beschuldigten in diesem Zusammenhang
auf, dass er nicht ab Untersuchungsbeginn behauptete, von E._ genötigt
worden zu sein, und selbst auf Nachfrage erwähnte er dies nicht sogleich. So
wurde der Beschuldigte beispielsweise am 10. Januar 2012 gefragt, wie E._
Druck auf ihn ausgeübt habe, um ihn dazu zu bringen, die H._ zu kontaktie-
ren. Aus seiner Antwort ist jedoch nicht erkennbar, dass E._ ihn angezeigt
hätte, wenn er die H._ nicht kontaktiert hätte (Urk. 01.304 S. 9 ff.). Ein erstes
Mal erwähnte er später in dieser Einvernahme vom 10. Januar 2012, der dritten
als beschuldigte Person, dass ihm der E._ Ende Dezember 2011 gesagt ha-
be, er sei mit den geheimen Daten eigentlich schon "herausgegangen", als er zu
ihm gekommen sei (Urk. 01.304 S. 11).
2.1.2.8. Neben dem Umstand, dass der Beschuldigte diesen für ihn anscheinend
sehr wichtigen Nötigungszustand nicht gleich zu Beginn der Untersuchung er-
wähnte, kommt hinzu, dass sich in seinen Aussagen Widersprüche in Bezug auf
den Zeitpunkt des Hinweises auf die Anzeigepflicht durch E._ ergeben. Am
10. Januar 2012 führte der Beschuldigte aus, E._ habe ihm Ende Dezember
2011 gesagt, dass er bereits mit den Informationen "herausgegangen" sei und
dass er ihm dies bereits einmal zuvor und zwar nach dem Treffen mit G._
vom 3. Dezember 2011 gesagt habe (Urk. 01.304 S. 11 f.). In der Einvernahme
vom folgenden Tag erklärte der Beschuldigte jedoch, E._ habe ihm dies be-
reits ca. am 20. November 2011 gesagt und dass er das Bankgeheimnis verletzt
- 68 -
habe, als er ihn als Anwalt kontaktiert habe (Urk. 01.305 S. 7). Je nachdem, von
welchem Zeitpunkt betreffend Beginn eines Nötigungszustandes ausgegangen
würde, wären die Bankgeheimnisverletzungen in Bezug auf M._ (28. No-
vember 2011) und G._ (3. Dezember 2011) bereits zuvor begangen worden
und die später allenfalls erfolgte Nötigung hätte gar keinen Einfluss darauf haben
können.
2.1.2.9. Ein weiterer Widerspruch in den Aussagen des Beschuldigten besteht
darin, dass er einerseits erklärte, sich in Bezug auf das Treffen mit G._ an-
gesichts der Aussage E._s, er habe das Bankgeheimnis bereits verletzt, als
er zu ihm gekommen sei, habe mitreissen lassen und andererseits angab, sich
bezüglich dieses Treffens keine Gedanken gemacht zu haben, weil er gedacht
habe, nichts befürchten zu müssen, da er sich nur mit Juristen und Anwälten tref-
fe (Urk. 01.305 S. 7). Sollte E._ ihm gesagt haben, er habe durch das Ertei-
len geheimer Informationen an ihn das Bankgeheimnis verletzt, obwohl er grund-
sätzlich Rechtsanwalt sei, ist nicht nachzuvollziehen, weshalb der Beschuldigte
gerade aufgrund dessen, dass er nur mit Anwälten und Juristen sprechen würde,
nichts befürchtete. Gerade wegen der angeblichen Aussage E._s hätte der
Beschuldigte wissen müssen, dass ihn dieser Umstand nicht vor einer erneuten
Begehung einer Bankgeheimnisverletzung schützen würde.
2.1.2.10. Im Übrigen vermag dieses Vorbringen auch deshalb nicht zu überzeu-
gen, weil nicht nachvollziehbar dargelegt werden konnte, inwiefern sich die be-
hauptete Äusserung E._s auf die Begehung weiterer Bankgeheimnisverlet-
zungen durch den Beschuldigten ausgewirkt haben soll. Einerseits soll gemäss
der amtlichen Verteidigung E._ dem Beschuldigten am 17. November 2011
erwähnt haben, ihn eigentlich anzeigen zu müssen. Andererseits brachte die Ver-
teidigung auch vor, E._ habe dem angefügt, dass er dies aber nicht tue
(Urk. 74 S. 3 und S. 11). Angenommen, E._ habe tatsächlich von Anzeige-
pflicht gesprochen, bleibt unerklärlich, weshalb eine solche Äusserung den Be-
schuldigten dazu gebracht haben sollte, dem eigenen Willen widersprechend so-
wohl gegenüber M._ und G._ (sowie zuletzt den R._-Journalisten)
erneut das Bankgeheimnis zu verletzen. Weder der Beschuldigte noch die Vertei-
- 69 -
digung behaupteten, E._ habe je durchblicken lassen oder gar gedroht ihn
anzuzeigen, wenn er eine bestimmte Handlung nicht vornehme. Solange aber
E._ von seiner Aussage, ihn eigentlich anzeigen zu müssen, dies jedoch
nicht zu tun, nicht abrückte, ist keine Drucksituation für den Beschuldigten zu wei-
teren Bankgeheimnisverletzungen erkennbar. Entsprechend ist nicht ersichtlich,
dass ihm keine andere Wahl blieb. Der amtliche Verteidiger im erstinstanzlichen
Verfahren führte in seinem Plädoyer vor Vorinstanz denn auch aus, der Beschul-
digte sei sich gar nicht bewusst gewesen, aus rechtlicher Sicht genötigt worden
zu sein (Urk. 74 S. 13). Um geltend machen zu können, dass er das Bankge-
heimnis nur verletzt habe, weil er dazu genötigt worden sei, hätte der Beschuldig-
te aber zumindest realisieren müssen, dass die Unterlassung einer bestimmten
Handlung das Eintreten ihm angedrohter ernstlicher Nachteile zur Folge gehabt
hätte.
2.1.2.11. Mit der Vorinstanz ist schliesslich davon auszugehen, dass der Be-
schuldigte, wäre er tatsächlich in irgendeiner Weise durch E._ zu weiteren
Bankgeheimnisverletzungen genötigt worden, sich spätestens von diesem distan-
ziert hätte, nachdem der befürchtete Nachteil – Anzeige und Eröffnung eines
Strafverfahrens – eingetreten war. Es wäre mithin nahe gelegen, dass der Be-
schuldigte jeden Kontakt zu E._ Anfang Januar 2012 abgebrochen hätte,
was er jedoch nicht tat, sondern diesem sogar zugestand, ihn in der Klinik ... ab-
zuholen und (gemäss dem Beschuldigten) als Rechtsanwalt an die Durchsuchung
seines Wohnhauses am 5. Januar 2012 zu begleiten (Urk. 01.308 S. 3). Eine Nö-
tigung des Beschuldigten durch E._ unter Hinweis auf eine dahingehende
Anzeigepflicht erscheint auch unter diesem Aspekt nicht plausibel.
2.1.2.12. Im Fazit ist – im Einklang mit dem Bezirksgericht – trotz der ansonsten
grundsätzlichen Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschuldigten aufgrund der
zahlreichen Ungereimtheiten in seinem Vorbringen betreffend Nötigung davon
auszugehen, dass seine diesbezüglichen Aussagen nicht zutreffen und es sich
vielmehr um einen (nachträglichen) Versuch handelt, einen für ihn günstigeren
Ausgang des Strafverfahrens zu erzielen.
- 70 -
2.1.2.13. Fehlt es schon auf der Sachverhaltsebene am Nachweis einer Nöti-
gungssituation und damit am rechtlichen Kriterium der Notstandslage, brauchen
die weiteren rechtlichen Voraussetzungen des Nötigungsnotstandes (Unmittelbar-
keit der Gefahr, Subsidiarität, deutliches Überwiegen der Interessen des Not-
standstäters) nicht geprüft zu werden. Gleichwohl ist kurz festzuhalten, dass,
selbst wenn die vom Beschuldigten behauptete Drucksituation als gegeben erach-
tet werden müsste, die Unmittelbarkeit der von E._ angedrohten Strafanzei-
ge bzw. des Ganges an die Presse nicht dargetan werden könnte. Weiter wurde
seitens der Verteidigung nicht dargetan – und ist auch nicht nachvollziehbar – in-
wiefern die Informierung von M._ überhaupt geeignet gewesen wäre, die Ge-
fahr einer Strafanzeige bzw. eines Gangs an die Presse durch E._ abzuwen-
den.
Ein rechtfertigender Nötigungsnotstand im Sinne von Art. 17 StGB liegt somit
nicht vor.
2.2. Prüfung des Rechtfertigungsgrunds der Wahrung berechtigter Interessen
2.2.1. Standpunkt des Beschuldigten
Die Verteidigung des Beschuldigten beruft sich weiter auf den aussergesetzlichen
Rechtfertigungsgrund der Wahrung berechtigter Interessen. Bei der Kontaktauf-
nahme mit M._ sei es dem Beschuldigten darum gegangen, abzuklären ob
und wie eine entsprechende Überprüfung der Transaktionen von Herrn B._
angestossen werden könnte. Es sei nie die Idee des Beschuldigten gewesen,
dass M._ diese Überprüfung durchführen sollte, aber der Beschuldigte habe
zuerst herausfinden wollen, an wen er sich diesbezüglich zu wenden hätte. Dem
Beschuldigten sei es aus den in seiner schriftlichen Stellungnahme vom 18. Mai
2017 erläuterten Stellungnahme (Urk. 156) nicht möglich gewesen, sich an die
bankinterne Compliance-Stelle zu wenden. Seine Ratsuche bei Rechtsanwalt
E._ habe ebenfalls nicht zum gewünschten Ziel geführt, sondern ihn noch
zusätzlich unter Druck gesetzt, eine Lösung zu finden. Der Beschuldigte habe
deshalb keine andere Wahl gehabt, als sich an eine weitere Fachperson zu wen-
den. Da er M._ gekannt und gewusst habe, dass dieser eine Weiterbildung
- 71 -
im Wirtschaftsstrafrecht gemacht habe, sei er der Überzeugung gewesen, eine
entsprechende Fachperson angegangen zu sein. Da der Beschuldigte keine an-
dere Handlungsmöglichkeit gehabt habe, sei dies der einzig mögliche Weg gewe-
sen, um zu erfahren, ob und wie er eine Überprüfung der Transaktionen B._s
auslösen könnte. Demzufolge sei eine allfällige Verletzung des Bank- oder Ge-
schäftsgeheimnisses dadurch gerechtfertigt gewesen (Urk. 168 S. 35 f. Rz. 149
ff.).
2.2.2. Beurteilung
2.2.2.1. Wie einleitend ausgeführt (vorstehend Ziff. A.6.4.4.), ist bei der Prüfung,
ob sich der Beschuldigte auf den Rechtfertigungsgrund der Wahrung berechtigter
Interessen berufen kann, in Anwendung der erwähnten Lehre und Rechtspre-
chung (u.a.) zu beurteilen, ob das gewählte Vorgehen des Beschuldigten notwen-
dig und angemessen war. Im Rahmen dieser Beurteilung ist zu prüfen, ob der Be-
schuldigte das dreistufige Kaskadensystem des erlaubten Whistleblowing einge-
halten hat bzw. ob die Einhaltung desselben ihm allenfalls nicht möglich oder zu-
mutbar war.
2.2.2.2. Der Beschuldigte macht mit dem Plädoyer seiner Verteidigerin sowie in
seiner schriftlichen Stellungnahme vom 18. Mai 2017 (Urk. 156) geltend, dass ei-
ne interne Meldung an die Compliance-Abteilung der Bank D._ unmöglich
war bzw. nicht erfolgversprechend gewesen wäre. Anlässlich seiner Einvernah-
men während der Untersuchung erklärte er, dass jene Person, von welcher er die
Kundennummer B._s erhalten habe, bereits beim zuständigen Kundenbera-
ter nachgefragt habe. Dieser habe lediglich gesagt, dass alles korrekt sei und
gemäss dessen Wortwahl dürfte auch die Compliance bereits im Spiel gewesen
sein (Urk. 01.308 S. 19 f.). Da der Kundenberater bereits gesagt habe, dass alles
ok sei und auch die Compliance informiert sei, habe er keinen Zweck darin gese-
hen, dies auch noch zu tun ("dann muss nicht noch ein A._ da nachfragen";
Urk. 01.308 S. 20 und Urk. 01.311 S. 6). Diverse Mitarbeiter hätten allerdings an
dieser Aussage (wonach alles korrekt sei) gezweifelt und eine (erneute) Kontakt-
aufnahme mit der Compliance sei als gar keine Möglichkeit erschienen
(Urk. 01.302 S. 10). In seiner schriftlichen Stellungnahme vom 18. Mai 2017 bringt
- 72 -
er im Kern vor – auf die Details ist hier nicht einzugehen, nachdem der Staatsan-
waltschaft hinsichtlich dieser Eingabe das rechtliche Gehör eingeschränkt wurde
(vgl. vorstehend Ziff. II.4) – dass er bei einer bankinternen Meldung Repressionen
hätte befürchten müssen. So habe in der Vergangenheit einmal ein früherer Mit-
arbeiter etwas aufgedeckt, worauf diesem postwendend gekündigt worden sei
(vgl. Prot. II S. 69).
Hierzu ist festzuhalten, dass in dieser doch sehr speziellen Konstellation eine in-
terne Meldung des Beschuldigten A._ an die Compliance-Abteilung der Pri-
vatbank in der Tat kaum erfolgversprechend gewesen wäre. Es ist davon auszu-
gehen, dass die Vorgesetzten wohl kaum etwas gegen ihren prominenten Kun-
den, den damaligen Nationalbankpräsidenten, unternommen hätten. Die Aussa-
gen des Beschuldigten, wonach ihm seitens des Kundeberaters von B._ mit-
geteilt worden sei, dass mit den Transaktionen alles in Ordnung sei und die Com-
pliance-Stelle darüber bereits informiert worden sei, kann ihm sodann nicht wider-
legt werden. Zumindest subjektiv ist nachvollziehbar weiter, dass dem Beschul-
digten A._ die (erneute) Meldung an die Compliance-Stelle aus Furcht vor
allfälligen Repressalien nicht zumutbar erschien. Dass der Beschuldigte tatsäch-
lich entsprechende Befürchtungen hegte, wird nämlich durch die Aussagen des
Mitbeschuldigten E._ bestätigt. Dieser führte aus, der Beschuldigte habe ihm
(glaublich anlässlich des Treffens vom 4. November 2011) auf dessen Rat, den
Vorfall bankintern zu melden, geantwortet, das sei komplett unmöglich, was ihn
(E._) damals überrascht, ihm aber mittlerweile als absolut wahrscheinlich er-
scheine. Der Beschuldigte habe weiter gesagt, dass wenn er irgendeine Meldung
machen würde, die Bank das Konto physisch verschwinden lassen und er seinen
Job verlieren würde. Der Beschuldigte habe ihm auch gesagt, dass B._ von
dessen Bankberater darauf aufmerksam gemacht worden sei, dass diese Trans-
aktionen nicht in Ordnung seien, worauf dieser Bankberater ziemlich scharf ange-
gangen worden sei. Es habe also ein gewisses Klima der Unsicherheit in dieser
Bank geherrscht (Prot. II S. 25 f.).
- 73 -
Aus all den genannten Gründen erscheint es als gerechtfertigt, dass der Beschul-
digte den ersten Schritt der Informationskaskade des Whistleblowing nicht ein-
hielt.
2.2.2.3. a) In einem zweiten Schritt hätte sich der Beschuldigte für ein legales
Whistleblowing direkt an eine geeignete externe Stelle, also namentlich an den
Bankrat oder allenfalls auch den Bundesrat wenden dürfen und müssen (vgl. vor-
stehend Ziff. A.6.4.4.). Auch wäre ihm jederzeit der direkte Gang zu einer Straf-
verfolgungsbehörde offen gestanden. Dass der Beschuldigte als Laie zur Eruie-
rung solcher geeigneter externer Stellen vorab den juristischen Rat einer (anwalt-
lichen, ihrerseits unter dem Berufsgeheimnis stehenden) Fachperson einholte, ist
ihm zuzugestehen, weshalb er denn auch von den Vorwürfen der Geheimnisver-
letzung im Zusammenhang mit dem Treffen vom 4. November 2011 mit Rechts-
anwalt E._ freizusprechen ist.
b) Nicht zu rechtfertigen ist indessen, dass der Beschuldigte über die Konsultati-
on eines Rechtsanwaltes hinaus die Geheimnisse rund um die fraglichen Trans-
aktionen des damaligen Nationalbankpräsidenten an den Politiker und Kollegen
M._ preisgab. Der Beschuldigte wusste zweifellos, dass M._ kein An-
walt war und das Einholen eines Ratschlags von diesem nicht unter dem Schutz
eines Amts- oder Berufsgeheimnisses stand, brachte er doch (zu Recht) nicht vor,
dass dieser seinerseits einer Geheimhaltungspflicht unterstanden hätte.
c) Entgegen der Argumentation der Verteidigung kann auch nicht gesagt werden,
dass das Aufsuchen von M._ der einzige mögliche Weg gewesen sei, um zu
erfahren, wie eine legale Überprüfung der Transaktionen des Nationalbankpräsi-
denten anzugehen wäre. Wie bereits ausgeführt wurde, muss es als Schutzbe-
hauptung des Beschuldigten gewertet werden, dass er vom Mitbeschuldigten
E._ derart unter Druck gesetzt worden sei, dass er keinen anderen Weg ge-
sehen habe, als M._ zu kontaktieren. Selbst wenn es aber zutreffen sollte,
dass seine Ratsuche bei E._ nicht zum gewünschten Ziel geführt habe, lässt
sich nicht sagen, dass dem Beschuldigten A._ keine anderen legalen Wege
offen gestanden hätten und er entsprechendes nicht gewusst hätte:
- 74 -
Dem Beschuldigten hätte – wäre es ihm allein um die juristische Abklärung und
nicht (auch) um die politische Dimension dieser Angelegenheit gegangen – auch
schon zum damaligen Zeitpunkt die Möglichkeit offen gestanden, bezüglich des
von ihm vermuteten Insidergeschäfts des damaligen Nationalbankpräsidenten di-
rekt an die Polizei zu gelangen und Anzeige zu erstatten, wie er das ja dann am
1. Januar 2012 tat (vgl. Urk. 01.301).
Zudem stand – gemäss den eigenen Aussagen des Beschuldigten – zum damali-
gen Zeitpunkt unmittelbar nach dem Gespräch mit E._ der Gang an den
Bankrat bzw. an den "Prüfungsausschuss" über die Nationalbank zumindest als
vage Option bereits im Raum (vgl. Urk. 01.308 S. 6 oben: "Die dritte Variante wä-
re gewesen, und da war Herr E._ auch offen zu dieser Zeit, dass wenn es ir-
gend einen legalen Weg gibt, [...] – wir sahen auch das mit dem Bankrat / Prü-
fungsausschuss – irgend eine Variante zu finden, die legal wäre, da war er durch-
aus offen und sagte, ja, wenn es etwas gibt, wäre es sicher interessant"). Der Be-
schuldigte wusste damit im Vorfeld des Treffens mit M._ zumindest rudimen-
tär um die Möglichkeit einer (weiteren) legalen Vorgehensvariante, die er allenfalls
auch alleine ohne den Mitbeschuldigten E._ hätte weiterverfolgen können,
anstatt sich an den befreundeten Privatmann und Politiker M._ zu wenden.
2.2.3. Ein Rechtfertigungsgrund im Sinne der Wahrung berechtigter Interessen ist
deshalb zu verneinen.
3. Fazit
3.1. Ein Rechtfertigungsgrund für das unter Anklageziffer I.C. eingeklagte, nach-
gewiesene und im Sinne von Art. 47 BankG und Art. 162 StGB tatbestandmässi-
ge Verhalten des Beschuldigten ist somit nicht ersichtlich.
3.2. Da nach dem eingangs Gesagten (vorstehend Ziff. A.6.3.) die Geschäftsge-
heimnisverletzung von der Bankgeheimnisverletzung konsumiert wird, ist der Be-
schuldigte somit ausschliesslich der Bankgeheimnisverletzung im Sinne von
Art. 47 BankG schuldig zu sprechen.
- 75 -
D. PRÜFUNG DES VORWURFS GEMÄSS ANKLAGEZIFFER I.D.
1. Tatbestandsmässigkeit
1.1. Wie bereits ausgeführt (vorstehend Ziff. III.3) ist der objektive Sachverhalt in
den wesentlichen Punkten erstellt: Aufgrund des entsprechenden Geständnisses
des Beschuldigten sowie des übrigen Untersuchungsergebnisses steht fest, dass
der Beschuldigte A._ und der Mitbeschuldigte E._ spätestens ca. am
18./20. November 2011 gemeinsam beschlossen, den als Nationalrat gewählten
G._ über die privaten Devisen- und Aktiengeschäfte von Dr. B._ zu in-
formieren und bezüglich des weiteren Vorgehens um Rat zu fragen. Auf Wunsch
(bzw. zumindest mit Billigung) des Beschuldigten informierte E._ Dr.
G._ anlässlich mehrerer Telefongespräche vom 21., 24. und 29. November
2011 darüber, dass B._ gemäss Angaben eines Informanten privat mit Devi-
sengeschäften spekulieren würde und insbesondere am 15. August 2011 einen
Betrag von Fr. 500‘000.– in US-Dollar gewechselt und am 4. Oktober 2011 wieder
in Schweizer Franken zurückgewechselt habe. Ausserdem teilte E._ Dr.
G._ mit, dass sich der Informant, bei welchem es sich um einen Bankmitar-
beiter handeln würde, mit ihm treffen wolle, und arrangierte für den 3. Dezember
2011 ein Treffen zu Dritt bei G._ zu Hause. An diesem Treffen informierte
der Beschuldigte Dr. G._ in Gegenwart von E._ detailliert über die priva-
ten Aktien- und Devisengeschäfte von Dr. B._. Dabei legte der Beschuldigte
die drei von E._ an das Treffen mitgebrachten "Printscreens" vor und zeigte
G._ die Buchungen, wobei er den Banknamen D._, den Kundennamen
B._ und die Details der fraglichen Transaktionen B._s erwähnte.
1.2. Auch dieses Verhalten des Beschuldigten erfüllt grundsätzlich sämtliche ob-
jektiven und subjektiven Tatbestandsmerkmale des Straftatbestandes der Bank-
geheimnisverletzung im Sinne von Art. 47 Abs. 1 lit. a BankG sowie desjenigen
der Geschäftsgeheimnisverletzung im Sinne von Art. 162 Abs. 1 StGB. Zur nähe-
ren Begründung kann vorab wiederum auf die vorstehend unter Ziff. B.1. zur An-
klageziffer I.B. getätigten Ausführungen verwiesen werden, welche hier entspre-
chend gelten.
- 76 -
1.3. Insbesondere ist – entgegen einem entsprechenden Einwand des Verteidi-
gers des Mitbeschuldigten E._ im Parallelverfahren SB160257 – auch zu be-
jahen, dass der Beschuldigte A._ gegenüber G._ eine Geheimnisoffen-
barung beging:
1.3.1. Der Mitbeschuldigte E._ stellt sich – vor Berufungsgericht, wie auch
schon vor erster Instanz – auf den Standpunkt, er habe G._ anlässlich der
Telefonate im Vorfeld des Treffens vom 3. Dezember 2011 umfassend und detail-
liert über die Dollar-Transaktionen B._s informiert. Dies habe er deshalb ge-
tan, da es für ihn naheliegend gewesen sei, dass bei einem allfälligen Gang an
die Presse durch den Beschuldigten A._ die Medien sich tumultartig auf
G._ stürzen würden, da dieser der prominenteste Kritiker von B._ ge-
wesen sei. Da er G._ auf einen solchen Angriff habe vorbereiten wollen, ha-
be er ihm alle Informationen, welche er selbst von A._ erhalten habe, münd-
lich weitergegeben (vgl. Prot. II S. 29 ff. und S. 46 und Verfahrensakten
SB160257 Urk. 33 S. 5 f.)
Gestützt auf diese Darstellung des Mitbeschuldigten E._ machte dessen Ver-
teidiger vor Berufungsgericht wie schon vor erster Instanz geltend, dass aufgrund
dieser umfassenden Vorabinformation von G._ durch E._ die vom Be-
schuldigten A._ am Treffen vom 3. Dezember 2011 mitgeteilten Informatio-
nen G._ gegenüber bereits nicht mehr geheim gewesen seien. Somit habe
der Beschuldigte A._ in jenem Moment das Bankgeheimnis gar nicht mehr
verletzen können (und der Mitbeschuldigte E._ logischerweise auch keine
Gehilfenschaft dazu leisten können; vgl. Verfahrensakten SB160157 Urk. 68 S. 6 f
und Urk. 37 S. 12 f.).
1.3.2. Die Behauptung des Mitbeschuldigten E._, G._ sei bereits vor
dem Treffen vom 3. Dezember 2011 vollständig informiert gewesen, kann indes
nicht gefolgt werden; sie muss als Schutzbehauptung verworfen werden, wie be-
reits die Vorinstanz in ihrem Entscheid betreffend den Mitbeschuldigten E._
überzeugend dargetan hat (Verfahrensakten SB160257 Urk. 48 S. 30 ff.) und
auch wieder im Berufungsentscheid in Sachen E._ (SB160257) eingehend
begründet wird.
- 77 -
Im vorliegenden Verfahren wurde ein entsprechender Einwand seitens der Vertei-
digerin des Beschuldigten nicht geltend gemacht; auch diese erachtet die ent-
sprechenden Aussagen E._s als unglaubhaft (vgl. Urk. 168 S. 12 Rz. 48 und
50). Weshalb auf diese Darstellung E._s nicht abgestellt werden kann, ist im
vorliegenden Verfahren deshalb nur kurz der Vollständigkeit halber zu begründen.
1.3.3. a) Entscheidend ist namentlich, dass das Gesamtaussageverhalten des
Mitbeschuldigten E._ in diesem Punkt krass widersprüchlich ist. Erst seit der
erstinstanzlichen Hauptverhandlung machte er geltend, dass er G._ zur
Warnung vor allfälligen Presseanfragen umfassend vororientiert habe. Zuvor in
der Untersuchung war nie die Rede davon, dass sich der Beschuldigte an
G._ gewandt hätte, um ihn vorzuwarnen oder ihn vorzuinformieren. Auch
hatte der Beschuldigte zuvor auch nie behauptet, G._ gegenüber bereits vor
dem 3. Dezember 2011 alles über die Dollar-Transaktionen erwähnt zu haben.
Vielmehr sagte er anlässlich seiner ersten Einvernahme vom 13. Januar 2012, er
habe G._ am Telefon gesagt, dass B._ rund USD 500'000 gekauft und
wieder verkauft habe; er habe G._ keine Details über die Transaktionen,
sondern lediglich das grosse Bild vermittelt (Urk. 01.401 S. 14). Anlässlich seiner
dritten Einvernahme vom 9. Februar 2012 bestritt er sogar ausdrücklich – auf
Vorhalt einer Aussage des Beschuldigten A._ (wonach G._ bereits sehr
vieles gewusst habe, da E._, wie er [A._] wisse bzw. ahne, schon viel
mit G._ über die Angelegenheit gesprochen habe; Urk. 01.304 S. 18 f) –,
dass G._ vor dem Treffen vom 3. Dezember 2011 schon viel gewusst habe.
Es stimme nicht, dass er und G._ zuvor schon viel über diese Angelegenheit
gesprochen haben sollen. G._ habe von ihm gar nicht viel wissen können
(Urk. 01.403 S. 19 = SB160257 Urk.01.313 S. 19). Vielmehr sei es A._ ge-
wesen, der an der Besprechung das Bedürfnis gehabt habe, G._ alle Details
mitzuteilen. Dieser habe G._ auch die Printscreens völlig freiwillig und mit ei-
nem gewissen Stolz gezeigt (a.a.O., S. 26 f.). Anlässlich der Konfrontationsein-
vernahme mit G._ vom 8. April 2013 stellte sich E._ dann auf den
Standpunkt, nicht mehr zu wissen, was er G._ im Rahmen der Telefonate
gesagt habe (Verfahrensakten SB160257 Urk. 01.322 S. 6). Erst seit der erstin-
stanzlichen Hauptverhandlung vom 7. April 2016 nimmt E._ also die Position
- 78 -
ein, er habe G._ über sämtliche Details im Zusammenhang mit den Dollar-
Transaktionen B._s in Kenntnis gesetzt, nachdem er dies zuvor nicht von
sich aus vorbrachte bzw. bestritt und nachher geltend machte, sich nach einein-
halb Jahren nicht mehr an die genauen Gegebenheiten im Vorfeld des Treffens
von 3. Dezember 2011 zu erinnern.
Dieses inkonsistente Aussageverhalten E._s erschüttert die Glaubhaftigkeit
seiner neuen Darstellung massiv, die im Übrigen aus durchschaubaren Gründen
auch sehr konstruiert, nachgeschoben und rein taktisch motiviert wirkt. Aus die-
sen Gründen ist auf die ursprünglichen Aussagen E._s abzustellen, zumal
notorischerweise bei tatzeitnahen Erstaussagen die Erinnerung an das Gesche-
hen in aller Regel am Frischesten ist. Der Beschuldigte E._ ist deshalb auf
diesen Aussagen zu behaften, wonach er explizit sagte, er habe G._ am Te-
lefon noch keine Details genannt, sondern nur das grosse Bild vermittelt.
b) Diese Erstaussagen des Mitbeschuldigten E._ stehen sodann auch mit
dem übrigen Beweisergebnis im Einklang, namentlich mit den Aussagen von
G._, der sich zwar nach seiner Darstellung nicht mehr genau an die Telefo-
nate mit dem Mitbeschuldigten E._ zu erinnern vermochte, aber klar und
konstant aussagte, er habe damals (d.h. vor dem Treffen vom 3. Dezember 2011)
nicht gewusst, um was es im Detail gehe. Er habe als Grund für die dringliche
Terminanfrage von E._ verstanden, dass das Wohl des Landes betroffen sei
(Urk. 01.501 S. 9 und 14 = SB160257 Urk. 01.320 S. 9 und 14, auch SB160257
Urk. 01.322 S. 11 ff.). Auch wenn G._ schon vor dem Treffen erfahren hat,
dass das gewünschte Gespräch mögliche Spekulationsgeschäfte des National-
bankpräsidenten im Umfang von rund USD 500'000 betreffe, kann somit nicht da-
von gesprochen werden, dass er detailliert und umfassend informiert gewesen
wäre. Das leuchtet im Übrigen auch nur schon deshalb ein, weil sonst nicht ein-
zusehen wäre, dass der vielbeschäftigte G._ an einem Samstagmorgen kurz
vor Sessionsbeginn des Parlamentes die Beschuldigten E._ und A._
noch bei sich empfangen hätte. Auf diesen Umstand wies auch G._ selber
hin (Urk. 01.501 S. 15 f. = SB160257 Urk. 01.320 S. 15 f., SB160257 Urk. 01.322
- 79 -
S. 12). Erstellt ist sodann, dass G._ anlässlich des Treffens auch Notizen an-
fertigte (Urk. 01.403 S. 19, 22 = SB160257 Urk.01.313 S. 19, 22).
Damit kann in Übereinstimmung mit der Vorinstanz als erstellt gelten, dass der
Beschuldigte vor dem 3. Dezember 2011 G._ lediglich mitgeteilt hatte, dass
er von einem Informanten wisse, dass der Nationalbankpräsident möglicherweise
mit Währungen im Umfang von ca. USD 500'000 spekuliert habe. Ebenfalls als
erwiesen zu erachten ist, dass der Name der betroffenen Bank sowie die genauen
Details zu den einzelnen Dollar-Transaktionen vor dem 3. Dezember 2011 ge-
genüber G._ noch nicht offenbart und somit geheim waren. Die Printscreens
des Kontos von B._ mit den Dollartransaktionen wurden erst anlässlich des
Treffens von A._ vorgelegt und detailliert erläutert. Von Informationsgleich-
stand G._s mit dem Beschuldigten schon vor dem Q._-Treffen kann
somit nicht die Rede sein.
1.3.4. Wie eingangs ausgeführt (vorstehend Ziff. A.6.1.1.c.), ist eine Geheimnis-
offenbarung auch dann noch zu bejahen, wenn – wie hier bei G._ – bereits
vorbestehende, unsichere oder unvollständige Kenntnisse eines Empfängers über
die geheimzuhaltende Tatsache durch die Preisgabe ergänzt oder verstärkt wer-
den.
2. Rechtswidrigkeit
2.1. Prüfung des Rechtfertigungsgrundes im Sinne von Art. 14 StGB
2.1.1. Standpunkt des Beschuldigten
Die Verteidigung macht an erster Stelle geltend, dass G._ dem Beschuldig-
ten A._ seitens des Mitbeschuldigten E._ als Bundesparlamentarier so-
wie als Jurist und Anwalt vorgestellt worden sei. Der Mitbeschuldigte E._ ha-
be ihm versichert, dass G._ ebenfalls zur Verschwiegenheit verpflichtet sei,
weshalb er auch diesem den Sachverhalt darlegen dürfe. Dies sei denn auch von
G._ selber anlässlich des Treffens bestätigt worden. Anlässlich der Einver-
nahmen habe G._ zu Protokoll gegeben, dass er gesagt habe, dass das Be-
sprochene streng vertraulich und geheim sei und für ihn unter sein Amtsgeheim-
- 80 -
nis als Nationalrat falle (Urk. 168 S. 37 Rz. 157). Im Ergebnis wird seitens der
Verteidigung damit (sinngemäss) geltend gemacht, dass (so wie mit E._ am
4. November 2011) auch mit G._ am 3. Dezember 2011 – zumindest aus
subjektiver Sicht des Beschuldigten – ein anwaltliches Mandatsverhältnis zustan-
de gekommen und deshalb die Geheimnisoffenbarung des Beschuldigten
A._ an G._ im Sinne von Art. 14 StGB gerechtfertigt sei.
2.1.2. Beurteilung
2.1.2.1. Entgegen den Ausführungen der Verteidigung ist nicht einzusehen, dass
zwischen ihm und G._ ein anwaltliches Mandatsverhältnis – mit entspre-
chender Geheimhaltungspflicht des Letzteren – bestanden haben könnte; auch
nicht aus blosser Sicht des Beschuldigten A._s.
2.1.2.2. Zwar existiert eine einzelne Aussage des Beschuldigten A._, wo-
nach ihm G._ seitens von E._ nicht nur als Bundesparlamentarier, son-
dern auch "als Jurist und Anwalt verkauft" worden sei (Urk. 01.309 S. 11). Der
Beschuldigte tätigte diese Aussage indes im Kontext mit seinen weiteren Aussa-
gen, wonach er von E._ unter Druck gesetzt worden sei, G._ zu treffen
bzw. er (A._) es nicht geschafft habe, E._ "zu hindern zu machen was
er will." (a.a.O.) Wie ausgeführt (vorstehend Ziff. C.2.1., vgl. auch nachstehend
Ziff. 2.2. und E.2.1.) muss die vorgebrachte Nötigung durch E._ als (nach-
trägliche) Schutzbehauptung zum Versuch der Erzielung eines für ihn günstigeren
Ausgang des Strafverfahrens gewertet werden. Im entsprechenden Licht muss
auch seine Aussage gewertet werden, G._ sei ihm als Rechtsanwalt verkauft
worden, soweit er damit im Sinne der Ausführungen seiner Verteidigerin geltend
machen will, dass Treffen habe aus seiner Sicht eine juristische Beratung im
Rahmen eines vertrauliches Mandatsverhältnis dargestellt.
Abgesehen von dieser Aussage gibt es nämlich keine Hinweise, dass es die Ab-
sicht des Beschuldigten gewesen wäre, sich in rechtlicher Hinsicht durch G._
beraten oder sich durch ihn vertreten zu lassen, wie nachfolgend zu zeigen ist.
- 81 -
2.1.2.3. Im Zeitpunkt des Treffens mit G._ bestand objektiv sowie aus Sicht
des Beschuldigten überhaupt keine Notwendigkeit für eine juristische Beratung
hinsichtlich des korrekten legalen Wegs zur Überprüfung der Transaktionen
B._s. Vielmehr stand für den Beschuldigten A._ (sowie für den Mitbe-
schuldigten E._) gemäss den eigenen Aussagen des Beschuldigten spätes-
tens seit dem Treffen mit M._ klar fest, dass eine Möglichkeit des korrekten
und möglichen Wegs darin bestand, an den Bankrat zu gelangen (Urk. 01.302
S. 14). Auch sagte er aus, dass ihm die diesem korrekten Weg zu Grunde liegen-
den Rechtsgrundlagen, nämlich das Reglement der Schweizerischen National-
bank schon seit dem 28. November 2011 bekannt gewesen seien. Dieses Regle-
ment habe ihm die Möglichkeit gezeigt, wie eine neutrale und unabhängige Unter-
suchung auszulösen sei (Urk. 01.322 S. 8 und 13 f.).
Schliesslich betonte selbst die Verteidigerin, dass der Beschuldigte seit dem Tref-
fen mit M._ gewusst habe, dass der Bundesrat und der Bankrat die Auf-
sichtsorgane über die Schweizerische Nationalbank gewesen seien (Urk. 168
S. 36 f Rz 156 Urk, vgl. auch S. 45 Rz. 189 ff.).
In Widerspruch zu seiner oben unter Ziff. 2.1.2.2. zitierten Aussage erwähnte der
Beschuldigte in weiteren Aussagen anlässlich der Untersuchung denn auch nie
mehr, dass er G._ als Anwalt aufgesucht habe. Vielmehr bekundete er
mehrfach ausdrücklich, dass er zusammen mit E._ G._ als Bundespar-
lamentarier aufgesucht habe (Urk. 01.302 S. 14). Dieses Treffen sei nicht zuletzt
auf seinen Wunsch hin initialisiert worden. Seine Absicht sei gewesen, an diesem
Treffen über einen Bundesparlamentarier, der an den Bankrat oder den Bundes-
rat gelangen konnte, anhand des ihm seit dem 28. November 2011 bekannten
Reglements der Schweizerischen Nationalbank über Eigengeschäfte eine Unter-
suchung auszulösen (Urk. 01.322 S. 8).
G._ seinerseits sagte sodann aus, er sei nicht Anwalt und er könne sich nicht
vorstellen, dass er als Anwalt vorgestellt worden sei, weil er dies dann sofort in
Abrede gestellt hätte. Man sei zu ihm vielmehr als Nationalrat gekommen. Er ha-
be am Anfang des Gesprächs gefragt, warum sie ausgerechnet zu ihm gekom-
men seien. Die Antwort sei klar gewesen, es sei eine Sache im öffentlichen Inte-
- 82 -
resse. A._ sei besorgt gewesen über diese Sache und sie hätten deshalb ei-
nen Parlamentarier gesucht, der die Sache vielleicht in die richtigen Bahnen len-
ken oder zumindest Rat geben könnte, wie man hier vorgehen sollte. Er sei als
Nationalrat angegangen worden, infolgedessen habe er den Anwesenden auch
zugesichert – da habe der Beschuldigte A._ recht –, dass er seine Informan-
ten und die Bank nie bekannt geben werde (Urk. 01.322 S. 15).
2.1.2.4. Aus diesen im Kern übereinstimmenden Aussagen des Beschuldigten
und G._s geht klar hervor, dass es nicht die Absicht des Ersteren war, sich
bei Letzterem unter dem Schutzmantel eines vertraulichen Anwaltsmandates ju-
ristisch beraten zu lassen. Folgt man diesen Aussagen, so war die Absicht des
Beschuldigten höchstens diejenige, dass er einen Politiker einspannen wollte, der
ihm den Weg zur Aufsichtsbehörde ebnen bzw. an seiner Stelle beschreiten wür-
de.
Ein Vorgehen unter einer solchen Absicht vermag eine Geheimnisverletzung aber
nicht zu rechtfertigen. Dem Beschuldigten war vielmehr zumutbar, alleine – oder
allenfalls mit E._, den er als seinen Rechtsanwalt betrachtete – den Gang an
die als zuständig erkannten Aufsichtsbehörden zu gehen und so gestützt auf das
ihm bekannte SNB-Reglement eine Untersuchung auszulösen, ohne hierzu eine
weitere Drittperson zu involvieren.
Hinzu kommt – wie nachstehend zu zeigen ist (Ziff. 2.3.) – dass der tatzeitnahe E-
Mail-Verkehr deutlich macht, dass es dem Beschuldigten sowie dem Mitbeschul-
digten E._ höchstens nebenbei, nicht aber in erster Linie darum ging, dass
G._ eine Untersuchung auslösen und sie bei einem entsprechenden Vorha-
ben unterstützen würde; an vorderster Stelle wollten die Beschuldigten G._
einfach aus politischen Gründen informieren.
2.1.2.5. Zutreffend ist sodann zwar, dass G._ aussagte, dass er A._
(am Schluss der Besprechung) gesagt habe, dass alles was sie hier besprechen
würden, streng vertraulich und geheim sei (Urk. 01.501 S. 43). G._ sagte
auch aus, dass für ihn dies unter das Amtsgeheimnis gefallen sei (a.a.O.; wobei
er allerdings nicht erwähnte, dass er dies dem Beschuldigten mitgeteilt habe).
- 83 -
Aus dieser Aussage kann indes nichts zu Gunsten des Beschuldigten abgeleitet
werden. Selbstverständlich schliesst die blosse Vertraulichkeitszusicherung eines
Empfängers die Tatbestandsmässigkeit wie auch Rechtswidrigkeit einer Geheim-
nisoffenbarung nicht aus. Selbst wenn sodann G._ als erst gewählter Natio-
nalrat bereits unter dem Amtsgeheimnis gestanden haben sollte (was in Bezug
auf die Tatbestandsmässigkeit der Geheimnisoffenbarung unbedeutend wäre; vgl.
vorstehend Ziff. A.6.1.1.d), vermöchte dies die Geheimnisoffenbarung im Sinne
von Art. 14 StGB nicht zu rechtfertigen. Anders als in der Situation, in der ein An-
walt aufgesucht wird, um juristisch notwendigen Rat einzuholen, erlaubt es das
Gesetz nicht, einem Politiker gegenüber ohne Not ein Bank- und Geschäftsge-
heimnis zu verraten.
2.1.3. Fazit Der Beschuldigte A._ vermag sich somit nicht auf den (Putativ-
)Rechtfertigungsgrund gemäss Art. 14 StGB zu berufen.
2.2. Prüfung des Rechtfertigungsgrundes im Sinne von Art. 17 StGB
2.2.1. Standpunkt des Beschuldigten
Zweitens bringt die Verteidigung vor, dass es zu diesem Treffen mit G._ aus
den genau gleichen Gründen wie zur Kontaktaufnahme mit M._ gekommen
sei. Der Mitbeschuldigte E._ habe den Beschuldigten durch sein nötigendes
Verhalten dazu gebracht, nach einer Möglichkeit der Überprüfung der Transaktio-
nen von B._ zu suchen. Unter dem Druck der Nötigung des Mitbeschuldigten
E._ habe er keine andere Wahl gehabt, als weitere Personen zu involvieren,
welche ihm helfen könnten, eine Überprüfung der Transaktionen B._s in die
Wege zu leiten. Aus diesem Grund seien sie schliesslich an G._ gelangt,
was jedoch nicht dem eigenen Willen des Beschuldigten entsprochen habe
(Urk. 168 S. 43 Rz. 180 ff.). Die Verteidigung beruft sich somit auch hier auf den
Rechtfertigungsgrund des Nötigungsnotstands.
2.2.2. Beurteilung
2.2.2.1. Bereits bei Prüfung des entsprechenden Einwands im Zusammenhang
mit der Kontaktnahme des Beschuldigten mit M._ wurde einlässlich darge-
- 84 -
tan, dass das Vorbringen des Beschuldigten betreffend eine Nötigung des Mitbe-
schuldigten E._ sowohl bezüglich des Treffens mit M._, als auch hin-
sichtlich des Meetings mit G._s als unzutreffende Schutzbehauptung zu wer-
ten ist. In Bezug auf das Treffen mit G._ vom 3. Dezember 2011 wurde na-
mentlich gezeigt, dass aus dem tatzeitnahen E-Mail-Verkehr zwischen dem Be-
schuldigten und E._ entgegen den widersprüchlichen Aussagen des Be-
schuldigten nicht entnommen werden kann, dass sich der Beschuldigte damals
von E._ für den Gang zu G._ unter Druck gesetzt gefühlt haben soll,
sondern dieser E-Mail-Verkehr vielmehr nahelegt, dass der Beschuldigte selbst
die treibende Kraft zu diesem Meeting gewesen zu sein schien. Auf die vorste-
henden Erwägungen (Ziff. C.2.1.) kann an dieser Stelle verwiesen werden.
2.2.2.2. Fehlt es schon auf der Sachverhaltsebene am Nachweis einer Nöti-
gungssituation und damit am rechtlichen Kriterium der Notstandslage, brauchen
die weiteren rechtlichen Voraussetzungen des Nötigungsnotstandes nicht geprüft
zu werden. Gleichwohl ist kurz festzuhalten, dass, selbst wenn die vom Beschul-
digten behauptete Drucksituation als gegeben erachtet werden müsste, die Un-
mittelbarkeit der von E._ angedrohten Strafanzeige bzw. des Ganges an die
Presse nicht dargetan werden könnte.
2.2.3. Fazit
Ein rechtfertigender Nötigungsnotstand im Sinne von Art. 17 StGB liegt somit
nicht vor.
2.3. Prüfung des Rechtfertigungsgrunds der Wahrung berechtigter Interessen
2.3.1. Standpunkt des Beschuldigten
Die Verteidigung beruft sich weiter auch hier auf den übergesetzlichen Rechtferti-
gungsgrund der Wahrung berechtigter Interessen. Sie führt aus, dass es wie
schon bei der Kontaktaufnahme mit M._ auch beim Treffen mit G._ da-
rum gegangen sei, abzuklären, ob und wie eine Überprüfung der Transaktionen
von B._ angestossen werden könnte. Er habe gehofft, dass G._ auf-
grund der vielen Beziehungen und seiner Stellung als Nationalrat eine entspre-
- 85 -
chende Überprüfung bei der Aufsichtsbehörde in Gang setzen könnte. Da sich der
Beschuldigte nicht an die bankinterne Compliance-Stelle habe wenden können
und von E._ unter Druck gesetzt worden sei, habe er keine andere Wahl ge-
habt, als sich G._ anzuvertrauen. Dies sei der einzig mögliche Weg gewe-
sen, um zu erfahren, ob und wie eine Überprüfung der Transaktionen ausgelöst
werden könnte, und insbesondere, um diese auch tatsächlich auszulösen
(Urk. 168 S. 45 Rz. 189 ff.).
2.3.2. Beurteilung
2.3.2.1. Wie bereits ausgeführt, ist bei der Prüfung dieses Rechtfertigungsgrunds
zu beurteilen, ob das gewählte Vorgehen des Beschuldigten notwendig und an-
gemessen war. Dabei ist von Bedeutung, ob der Beschuldigte das dreistufige
Kaskadensystem des erlaubten Whistleblowing eingehalten hat oder die Einhal-
tung desselben ihm allenfalls nicht möglich oder zumutbar war.
2.3.2.2. Dass es – zumindest aus der unwiderlegbaren subjektiven Sicht des Be-
schuldigten – gerechtfertigt war, den ersten Schritt der Informationskaskade des
Whistleblowing, die Meldung an die bankinterne Compliance-Stelle, nicht einzu-
halten, wurde bereits im Zusammenhang mit der Kontaktierung von M._ (An-
klageziffer I.C.) dargetan. Auf die dortigen Ausführungen kann verwiesen werden
(vorstehend Ziff. C.2.2.2.2.)
2.3.2.3. In einem zweiten Schritt hätte sich der Beschuldigte A._ für ein lega-
les Whistleblowing direkt an eine geeignete externe Stelle, also an den Bankrat,
als Aufsichtsbehörde über die Nationalbank, oder an den Bundesrat, der Wahlbe-
hörde des Direktoriums der Nationalbank, wenden dürfen und müssen. Abgese-
hen davon wäre ihm jederzeit der direkte Gang zur Strafbehörden erlaubt gewe-
sen.
Prof. Dr. C._ hält einer solchen Erwägung in seinem vom Mitbeschuldigten
E._ zu dessen Verfahrensakten eingereichten Rechtsgutachten vom 14. Juli
2016 entgegen, dass diese Stellen zwar durchaus als Adressaten für eine Mel-
dung in Frage gekommen wären. Der alternativ gewählte Weg über G._, d.h.
- 86 -
einen nationalen Parlamentarier, der selber ehemaliger Justizminister gewesen
sei, bekanntermassen bestens vernetzt sei und die damalige Bundespräsidentin
informiert habe, sei keineswegs abwegig, sondern plausibel. Die entsprechende
Vorgehensweise sei durchaus als korrekte Meldung an externe Stellen gedeckt
(Verfahrensakten SB160257 Urk. 60 S. 14).
Diese Betrachtungsweise greift indessen zu kurz. Freilich trifft es zu, dass
G._, der wohl bekannteste und einflussreichste Politiker der Schweiz, beste
Beziehungen zu Bundesbern hatte. Es ist aber auch zu beachten – und dieser
Umstand war den beiden politisch versierten Beschuldigten A._ und E._
anerkanntermassen bewusst – dass G._ sowohl B._ als auch der dama-
ligen Geldpolitik der Nationalbank äusserst kritisch gegenüberstand. Wenn nun
G._ hochbrisante Informationen über B._ erhielt, nämlich Informationen
über allenfalls illegale oder zumindest moralisch verwerfliche private Devisen-
transaktionen des Nationalbankpräsidenten, dann drängte sich die Möglichkeit,
dass sich daraus eine Eigendynamik entwickeln könnte, geradezu gebieterisch
auf. Bestens vernetzt war G._ selbstredend nicht nur mit Bundesbern, son-
dern auch mit bestimmten Medien. In diesem Zusammenhang ist bemerkenswert,
was sich gemäss den bei den Akten liegenden, rückwirkenden Teilnehmeridentifi-
kationen von Telefonverbindungen ergibt, dass nämlich die telefonischen Kontak-
te zwischen G._ und V._, dem Chefredaktor der H._, im fraglichen
Zeitraum ein beachtliches Mass annahmen (Urk. 72/5, Korrespondenztabelle mit
V._).
2.3.2.4. Von entscheidender Bedeutung ist sodann auch die Frage, aus welchem
Grund die beiden Beschuldigten gerade G._ informierten, und hier ergeben
sich aufgrund der Akten – welche dem Privatgutachter Prof. Dr. C._ wohlge-
merkt gar nicht zur Verfügung standen und somit auch nicht in seine Beurteilung
einflossen – wesentliche Erkenntnisse. Aus dem intensiven tatzeitnahen E-
Mailverkehr zwischen den beiden Beschuldigten A._ und E._ rund um
das Treffen mit G._ ergibt sich nämlich mit aller nur wünschbarer Klarheit,
dass diese mit der Weiterleitung der brisanten Informationen an G._ – ent-
gegen den vorstehend zitierten Aussagen des Beschuldigten A._ aber auch
- 87 -
von G._ (oben Ziff. 2.1.2.3.) in der Untersuchung – gar kein spezifisches Ziel
verfolgten, zumindest jedenfalls nicht in erster Linie. G._, den sie in den E-
Mails bisweilen ehrfurchtsvoll als "Chef" bezeichneten, sollte vielmehr ganz ein-
fach in Kenntnis gesetzt werden über das ihrer Ansicht nach skandalöse Verhal-
ten des Nationalbankpräsidenten:
• Bereits in einem E-Mail vom 19. November 2011, 11.47 Uhr schreibt der
Beschuldigte A._ an E._: "... falls es sich als eher schwierig ge-
staltet: es ist kein Zwang von meiner Seite ok bzgl. dem Zustandekommen
dieses Gesprächs. Und wenn es dazu kommt, reicht es evtl. auch einfach,
wenn er es einfach weiss, was die Geschehnisse sind. Er wird sich selbst
seine Gedanken dazu machen, und überzeugen wird es ihn" (Urk. 00.157).
• in einem weiteren E-Mail vom 19. November 2011, 14:22 Uhr schreibt
A._ an E._ unter anderem: "[...] Ich glaube zwar, wenn er wüsste
um was es geht bei dieser politischen/privaten Sache von uns, würde er
sich Zeit nehmen. Ich tendiere zwar langsam zur Variante gar nicht zu pla-
nen was wir machen (nach dem Gespräch), sondern es ihm einfach mal
vorzulegen. es kann nicht schaden, wenn er das weiss oder? Er wird wohl
paff sein, und denken, das gibt’s doch nicht. Und bezüglich Ideen - wenn
man was machen will - ist sein Arsenal wohl so ungemein grösser als un-
seres [...] Oder? Bzw. sag Du was Du dazu denkst. Ich bin immer sehr für
Vorausplanung [...] Aber hier könnte es mal reichen, den ersten Schritt zu
tun, und den Rest offen zu lassen. [...] Ok? [...]" (Urk. 00.160 Blatt 2).
• Der Mitbeschuldigte E._ antwortet A._ auf vorstehendes E-Mail
zwei Minuten später: "[...] ich bin für die Lösung, es ihm mal vorzulegen
und hören, was er meint." (E-Mail vom 19. November 2011, 14:24 Uhr, vgl.
Urk. 72/5 S. 3), worauf A._ seinerseits ihm drei Minuten später zu-
rückschreibt: "ist ok. Vielen Dank [...]"(E-Mail vom 19. November 2011,
14:24 Uhr, vgl. Urk. 72/5 S. 3).
• In einem E-Mail vom 29. November 2011, 10:24 Uhr, schreibt der Beschul-
digte A._ an E._: "Der Chef wird – falls er kann und will (was er
- 88 -
sollte) – es nicht bereuen denke ich. Das Ding hier hat Fleisch und die Sa-
che wird ihn wegen unserer Gesinnung wohl generell auch eher aufstellen
[...]" (Urk. 00.184).
• Wenige Tage im Vorfeld des in die Wege geleiteten Treffens schreibt der
Beschuldigte A._ dann an den Mitbeschuldigten E._: "Bin ge-
spannt auf den Termin. Und mehr wegen dem Inhalt, statt was anderem.
Auch gut wenn er es mal sieht und weiss, dahinter stehe ich bedingungs-
los." (E-Mail vom 30. November 2011, 08.29 Uhr, Urk. 00.188)
• Am Abend des gleichen Tages schreibt er: " [...] für mich ist die Bespre-
chung mit ihm fast ein Ziel, auch dass er es einfach weiss" (E-Mail vom
30. November 2011, 17.07 Uhr, Urk. 00.187).
In diesen Mails im Vorfeld des Treffens mit G._ ist kein Wort darüber zu fin-
den, dass der Beschuldigte A._ G._ um juristischen anwaltlichen Rat
hätte angehen wollen. Auch deutet nichts darauf hin, dass er G._ aus-
schliesslich und gezielt deshalb aufsuchen wollte, damit ihm dieser den ihm
(A._) bereits bekannten legalen Weg zu den Aufsichtsbehörden über die
Schweizerische Nationalbank ebnen bzw. ein entsprechendes Untersuchungsver-
fahren auslösen würde. Auch ist in diesen Mails kein Anhaltspunkt zu finden, dass
der Beschuldigte A._ vom Mitbeschuldigten E._ in Bezug auf dieses
Treffen unter Druck gesetzt worden sein soll. Vielmehr zeigen diese Mails deut-
lich, dass die beiden Beschuldigten einvernehmlich G._ ganz einfach über
das Vorgefallene informieren wollten, ohne schon eine klare Vorstellung zu ha-
ben, dass dieser etwas tun sollte, bzw. ob dieser etwas und gegebenenfalls was
tun würde. Damit aber konnte zumindest auch nicht ausgeschlossen werden,
dass neben den zuständigen Bundesbehörden auch die Medien von der Affäre
B._ Kenntnis erhalten könnten. Die genannten E-Mails offenbaren auch,
dass es bei dieser geplanten Informierung von G._ vorab um eine "pri-
vate/politische Sache" ging (auch Urk. 00.195 und Urk. 72/5 S. 6, wo der Be-
schuldigte seine politische Nähe zu E._ und G._ hervorhebt).
- 89 -
Dieses Bild findet seine Bestätigung in einem längeren E-Mail vom 3. Dezember
2011, 19.14 Uhr, also am Abend nach der erfolgten Besprechung mit G._, in
welchem der Beschuldigte A._ an den Mitbeschuldigten E._ (u.a.)
schreibt:
• "Ich habe ehrlich gemischte Gefühle aktuell [...]. Ich glaube er sieht es
mehr als Auftrag an oder, etwas zu tun... neben all der Kritik, welche er zu
B._ hörte, bringt es für ihn wohl wie das Fass zum Überlaufen. Das
verstehe ich nur zu gut. Aber ich will dafür den Preis mit meinem Job nicht
zahlen, Das verunsichert mich sehr. So war das nicht gemeint. Ich ver-
suchte dies heute Morgen ja auch zu vermitteln, und über die offizielle Of-
fenlegungsvariante (welche wir fordern) zu stützen [...] . Die direkte Varian-
te birgt nur Risiken. Für mich solche, welche ich nicht tragen will [...] Wenn
er oder jemand aus der Partei das direkt bringt, werden die ein Sammelsu-
rium an Ausreden überlegen, und sagen "schau, ha, sie schiessen wieder
auf solch integre Bürger". Gehen wir doch denn korrekten Weg über die In-
stitutionen (v.a. den Bankrat und den Bundesrat) [...] und wir sind alle safe.
Das will ich ok. Er sieht glaubs meinen Job und die Bedeutung zu wenig,
was hier auch für Kollegen von mir auf dem Spiel steht. Das will ich nicht!
[...] Für die Offenlegung der Daten stehe ich nicht zur Verfügung. Das war
für Euch, aber für niemanden anderen, selbst M._ sieht diese Daten
nicht. Ich wollte damit persönlich überzeugen, was für ein Lump B._
ist [...]. [...] Ok? Wenn Du ihm das noch sagen kannst, oder sonst mache
ich es auch gerne selbst. [...] Dass er sich Gedanken macht, finde ich gut,
dass er auch nichts überstürzen will, ist sogar sehr gut. Aber die "Bang-
Variante" mit der Offenlegung ist keine. Ich muss das noch anfügen. Man
könnte mich natürlich in die Zwickmühle nehmen und sagen, ich hätte
Euch die Sachen auch offengelegt. Nur: ich tat das nicht als Whistleblower
(der ich nie sein wollte und nicht sein will), sondern als Mann, der Euch po-
litisch nahe steht. Das hatte bei Dir kollegiale Züge und bei ihm geht es
eher um die Sache der Partei. Wir müssen intern kommunizieren, ohne
dass etwas rausgeht. [...] Ich möchte ihn bitten, das nicht zu tun und diese
Variante komplett zu streichen. Ich stehe für die[se] nicht zur Verfügung,
- 90 -
stütze die Offenlegungsvariante aber voll und ganz [...] machen wir es über
die risikofreie Offenlegungsvariante [...] Ich wäre sehr froh, wenn Du mir
bei dieser an sich selbstverständlichen Bitte gegenüber ihm hilfst [...] Die-
ses Mail ist auch für den Chef [...]" (Urk. 00.195).
Diesem E-Mail ist eindeutig zu entnehmen, dass anlässlich des Treffens vom
3. Dezember 2011 zumindest zwei Vorgehensweisen diskutiert wurden; einerseits
der Weg über die Meldung an die Institutionen, den Bankrat oder den Bundesrat,
(im E-Mail als "offizielle" bzw. "risikofreie Offenlegungsvariante" bezeichnet) und
andererseits der Gang – G._s oder von einer andern Person mit entspre-
chender politischer Haltung – an die Presse (im E-Mail als "direkte Variante" bzw.
"Bang-Variante" bezeichnet). Das E-Mail zeigt, dass der Beschuldigte A._
anlässlich seiner Geheimnisoffenbarung gegenüber G._ einen Gang an die
Presse zumindest in Kauf nahm. Daran ändert nichts, dass er nach dem Treffen
wieder Angst bekam und von einem Gang an die Presse wieder Abstand nehmen
wollte.
Wie erwähnt, wäre der von den beiden Beschuldigten zu beschreitende korrekte
Schritt gewesen, direkt und eigenständig an eine externe Stelle zu gelangen, d.h.
an die Strafverfolgungsbehörden, den Bankrat oder allenfalls auch an den Bun-
desrat, ohne vorab aus vornehmlich politischen Gründen einen Politiker in eine
der Geheimhaltung unterstehende Entdeckung einzuweihen. Entgegen dem Ver-
teidigereinwand bedurfte der Beschuldigte A._ nicht eines Gespräch mit
G._, um zu erfahren, ob und wie eine Überprüfung der Transaktionen ausge-
löst werden könnte, bzw.um diese auszulösen. Der Beschuldigte wusste bereits
vor dem Treffen mit G._, dass die Meldung an den Bankrat – nebst der je-
derzeit ebenfalls möglichen Anzeige an die Polizei – ein gangbarer legaler Weg
war. Auch war es ihm ohne Weiteres zumutbar, diese Meldung selbständig bzw.
allenfalls mit der Hilfe des Mitbeschuldigten E._ auszulösen; auch hiezu be-
durfte er nicht der Hilfe G._s.
Aus den vorstehend dargelegten Gründen kann entgegen der Meinung der Ver-
teidigungen der beiden Beschuldigten bzw. des vom Beschuldigten E._ be-
auftragten Privatgutachters nicht gesagt werden, dass es sich bei der Weitergabe
- 91 -
dieser geheimen Informationen an G._ um eine korrekte Meldung an eine
geeignete externe Stelle handelte.
2.3.2.5. Der Rechtfertigungsgrund der Wahrung berechtigter Interessen kann
somit im vorliegenden Fall nicht bejaht werden.
3. Fazit
Damit bleibt auch hier die tatbestandsmässige Verletzung des Bank- und Ge-
schäftsgeheimnisses rechtswidrig. Da wie ausgeführt letztere von der ersteren
konsumiert wird, ist der Beschuldigte hinsichtlich Anklageziffer I.D. der Bankge-
heimnisverletzung im Sinne von Art. 47 BankG schuldig zu sprechen.
E. PRÜFUNG DES VORWURFS GEMÄSS ANKLAGEZIFFER I.E.
1. Tatbestandsmässigkeit
1.1. Objektiver Tatbestand
1.1.1. Wie bereits erwähnt, ist der objektive Sachverhalt erstellt. Aufgrund des
entsprechenden Geständnisses des Beschuldigten sowie des übrigen Untersu-
chungsergebnisses steht fest, dass er am 24. Dezember 2011 um ca. 18 Uhr auf
dem Parkplatz des "... Hotel" in ... zwei R._-Journalisten traf, sich diesen ge-
genüber als externer Bankmitarbeiter ausgab und ihnen erklärte, von einer Bank
gehört zu haben, auf der B._ oder Verwandte von ihm Mitte August 2011 für
Fr. 400'000.– US-Dollar gekauft und denselben Betrag in der Folge auch wieder
verkauft hätten.
1.1.2. Die Verteidigung des Beschuldigten macht geltend, dass der objektive Tat-
bestand von Art. 47 BankG und Art. 162 StGB nicht erfüllt sei, da der Beschuldig-
te keine Geheimnisse wiedergegeben habe. Vielmehr habe er den R._-
Journalisten anlässlich dieses Treffens vom 24. Dezember 2011 lediglich jene In-
formationen zukommen lassen, welche diese aufgrund der Medienmitteilung der
Schweizerischen Nationalbank vom 23. Dezember 2011 bereits besessen hätten.
- 92 -
Die Nationalbank habe in der Medienberichterstattung selber mitgeteilt, dass es
Gerüchte gebe, dass der Präsident des Direktoriums der Nationalbank im Zu-
sammenhang mit der Einführung des Mindestkurses gegenüber dem Euro per-
sönliche Vermögensvorteile erlangt habe, dass aus diesem Grund sämtliche
Transaktionen überprüft worden seien, dass die Überprüfung gezeigt habe, dass
die Frau von B._ am 15. August 2011 eine Fremdwährungstransaktion getä-
tigt bzw. US-Dollars gegen Schweizer Franken gekauft habe, sowie weiter auch
ein kleiner US-Dollar-Betrag auf das Konto der Tochter gekauft worden sei und
dass diese Transaktionen vollumfänglich den reglementarischen Anforderungen
entsprechen würden, weshalb kein Handlungsbedarf bestehe. Es sei davon aus-
zugehen, dass B._ dieser Veröffentlichung zugestimmt habe. Die Erklärun-
gen des Beschuldigten an die zwei R._-Journalisten hätten deshalb keinen
Geheimnischarakter mehr aufgewiesen. Der Beschuldigte habe sich diesen ge-
genüber nicht detaillierter dazu geäussert. Er habe zwar Beträge genannt, habe
diese aber von Anfang an verfälscht wiedergegeben und diese dann noch weiter
ins Unkenntliche transformiert, so dass seine Aussagen diesbezüglich gar keinen
Sinn mehr ergeben hätten und insbesondere nicht dem vom Beschuldigten in der
Bank genannten Betrag entsprochen hätten. Es habe somit schlicht an neuen In-
formationen gefehlt. Aus den R._-Artikeln vom tt. Dezember 2011, tt. Januar
2012 und tt. Januar 2012 eines dieser zwei Journalisten gehe denn auch hervor,
dass diese an jenem Treffen vom 24. Dezember 2011 keine Informationen hätten
gewinnen können. Die unsicheren oder unvollständigen Kenntnisse der Journalis-
ten seien somit durch die Erklärungen des Beschuldigten weder ergänzt noch
verstärkt worden (Urk. 168 S. 46 ff. Rz. 194-204).
1.1.3. Die Medienmitteilung des Bankrats der Schweizerischen Nationalbank vom
23. Dezember 2011 lautet wie folgt (Verfahrensakten SB160257 Urk. 05.000; das
entsprechende Aktorum fehlt in den Akten SB160259 des vorliegenden Falls):
"Mitteilung des Bankrats der Schweizerischen Nationalbank
Gerüchte gegen den Präsidenten des Direktoriums erweisen sich als haltlos.
- 93 -
Bankrat schliesst Untersuchung ab.
Der Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank, B._,
ist am 15. Dezember 2011 über Gerüchte aus unbekannter Quelle informiert
worden, nach denen er im Zusammenhang mit der Einführung eines Mindest-
kurses gegenüber dem Euro am 6. September 2011 in unzulässiger Weise
persönliche Vermögensvorteile erlangt haben soll.
B._ hat unverzüglich den Bankrat informiert und seine finanziellen Ver-
hältnisse offengelegt. Die vertiefte Prüfung wurde durch die Revisionsstelle
der Nationalbank W._ und den Direktor der Eidgenössischen Finanzkon-
trolle (EFK) und seinen Stellvertreter persönlich durchgeführt.
Die Prüfer hatten uneingeschränkten und vollständigen Einblick in sämtliche
Transaktionen von B._ und seiner Familie im Jahr 2011. Ferner hatte
W._ auch Einblick in die Verträge über den Verkauf eines Hauses und
den Ersatzkauf einer Wohnung durch die Familie B._ im Jahr 2011.
Die Prüfungen, die am 21. Dezember 2011 abgeschlossen und vom Bankrat
in einer Sitzung vom 22. Dezember 2011 beurteilt wurden, haben bestätigt,
dass keine unzulässigen Transaktionen vorgenommen wurden und kein
Missbrauch von privilegierten Informationen erfolgt ist.
Im Rahmen dieser Prüfungen wurden alle Transkationen untersucht. Im Hin-
blick auf das Interne Reglement über Eigengeschäfte der Mitglieder des Er-
weiterten Direktoriums vom 16. April 2010 erwiesen sich zwei Transaktionen
im Zusammenhang mit der Einführung des Mindestkurses als besonders prü-
fenswert. Die Frau von B._ hatte am 15. August 2011 eine Fremdwäh-
rungstransaktion getätigt (Kauf von US-Dollar gegen Schweizer Franken). Es
wurde auch ein kleiner US-Dollar-Betrag für das Konto der Tochter gekauft.
B._ hat diese Geschäfte nach Erhalt der Bankbestätigung am nächsten
Tag unverzüglich dem Compliance-Verantwortlichen der Nationalbank ge-
meldet. Dieser kam zum Schluss, dass kein Handlungsbedarf bestand. Nach
dem übereinstimmenden Urteil der Prüfung und den Feststellungen des
Bankrates entsprechen auch diese Transaktionen vollumfänglich den regle-
mentarischen Anforderungen.
- 94 -
Der Bankrat hat in seiner Sitzung vom 22. Dezember 2011 die Angelegenheit
abgeschlossen. Der Bankrat und B._ behalten sich rechtliche Schritte
gegen Dritte vor."
Diese Pressemitteilung offenbart zwar einige Details zu den fraglichen Transakti-
onen des Nationalbankpräsidenten B._; nämlich, dass es um zwei Fremd-
währungstransaktionen seitens B._ und seiner Familie ging, welche gerüch-
teweise in den Zusammenhang mit der Einführung eines Mindestkurses gegen-
über dem Euro gestellt wurden, dass es sich bei der einen Transaktion um einen
Kauf US-Dollar gegen Schweizer Franken gehandelt habe, der am 15. August
2011 durch die Ehefrau von B._ getätigt worden sei und dass es bei der an-
deren Transaktion um den Kauf eines kleinen US-Dollar-Betrages für das Konto
der Tochter gegangen sei. In der Pressemitteilung nicht erwähnt wurde indes die
Höhe der fraglichen Transaktionen. Es wurden weder die genauen Zahlen ge-
nannt, noch wurde deren ungefähre Grössenordnung angegeben. Keine Erwäh-
nung findet weiter auch, dass diese Dollarpositionen nicht nur gekauft, sondern
wenig später auch wieder verkauft wurden.
In Reaktion auf diese Medienmitteilung des Bankrats vom tt. Dezember 2011
publizierte der R._ noch gleichentags online einen Artikel mit der Überschrift
"Stolpert SNB-Chef B._ über seine schöne Frau?". Darin wurde aus der Me-
dienmitteilung zitiert und wurden abschliessend offene Fragen formuliert: "Ist alles
nur dumm gelaufen. Ging es lediglich um ein paar Hundert Dollars. Hat BA._
sie vielleicht für eine bevorstehende Ferienreise in die USA gekauft? Mit Antwor-
ten auf diese Fragen könnte die SNB die Affäre sofort beenden. Sie tut es nicht:
«Kein Kommentar»." (Urk. 05.001).
Die Medienmitteilung des Bankrats und der Artikel des R._s vom 23. De-
zember 2011 zeigen den damaligen Informationsstand der R._-Journalisten
sowie der Öffentlichkeit auf. Nicht bekannt und von grossem Medieninteresse wa-
ren zum damaligen Zeitpunkt u.a. namentlich die Grössenordnung sowie die ge-
naueren Umstände der im Fokus stehenden Transaktionen des Nationalbankprä-
sidenten.
- 95 -
1.1.4. Demgegenüber offenbarte der Beschuldigte den R._-Journalisten am
darauffolgenden Tag gemäss dem eingeklagten und anerkannten Sachverhalt die
folgenden Informationen: Er habe als externer Mitarbeiter einer Bank erfahren und
mit eigenen Augen auf Bankbelegen gesehen, dass Dr. B._ oder ein Ver-
wandter desselben Mitte August 2011 für Fr. 400‘000.00 USD gekauft und den-
selben Betrag kurz darauf wieder verkauft habe (Urk. 06.601 S. 8; Urk. 01.302
S. 4 f.).
1.1.5. Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass mit der Weitergabe dieser Infor-
mationen an die zwei Journalisten des R._s eine erneute Offenbarung statt-
fand und dadurch dieselben – und mit deren Artikel vom tt. Januar 2012
(Urk. 05.005) auch die breite Öffentlichkeit – in Kenntnis weiterer relevanter De-
tails geheim zu haltender Tatsachen gelangte. Daran vermag der Umstand nichts
zu ändern, dass bereits am Tag zuvor die vorerwähnte Medienmitteilung und der
mit zahlreichen Fragezeichen versehene R._-Artikel erschienen waren, wur-
den doch die schon vorhandenen Kenntnisse der beiden Journalisten durch die
Äusserungen des Beschuldigten in wesentlichen Details – nämlich hinsichtlich der
Grössenordnung der durch die Ehefrau von B._ getätigten Fremdwährungs-
transaktion und des Umstandes, dass auf den Kauf nach zwei Monaten ein Ver-
kauf folgte – ergänzt. Im Weiteren wurden durch diese Offenbarung des Beschul-
digten auch den beiden Journalisten bereits bekannte Details verstärkt und er-
gänzt.
Der Standpunkt der Verteidigung, die Erfüllung des objektiven Tatbestands von
Anklageziffer I.E. müsse verneint werden, geht daher fehl. Auch wenn der damals
vermummte Beschuldigte gegenüber den Journalisten seine Identität verheimlich-
te, zudem nicht preisgab, von welcher Bank die Informationen stammten und kei-
nen konkreten Kundennamen nannte, sich nur als externen Mitarbeiter bezeich-
nete und verneinte, irgendwelche Unterlagen zu besitzen, so erwähnte er doch,
mit der Bank zu tun und die Belege und Daten mit eigenen Augen gesehen zu
haben und er nannte einen Betrag in der Grössenordnung von 400'000 (ohne
Währungsangabe) sowie dass die Summe zwei Monate später wieder verkauft
worden sei (Urk. 01.302 S. 4 f.; auch Urk. 74 S. 41-44). Auch wenn diese pau-
- 96 -
schalen Hinweise betreffend Betrag und Dauer nicht gänzlich den Tatsachen ent-
sprachen, ergänzte und bestärkte der Beschuldigte damit doch das bereits beste-
hende (Teil-)Wissen der zwei Journalisten. Insbesondere der Hinweis auf die per-
sönliche optische Wahrnehmung verlieh seinen Worten Glaubhaftigkeit und sei-
nem – wenn auch anonymen – Auftritt eine gewisse Authentizität. Mit der Andeu-
tung "wieder verkauft" brachte er beim gegebenen Kontext unzweideutig den Vor-
gang eines "Rücktausches" des Geldbetrages und damit eines Devisenhandels
bzw. -geschäfts zum Ausdruck. Die Journalisten, von deren Fragen und Erwar-
tungshaltung sich der Beschuldigte durchaus unter Druck gesetzt gefühlt haben
mag, mögen über die spärlichen Informationen etwas enttäuscht gewesen sein
und sich vom Treffen mehr versprochen haben (Urk. 01. 302 S. 4 f.). Aus dem
R._-Artikel vom tt. Januar 2012 mit der Schlagezeile "R._-Reporter tra-
fen Whistleblower auf ...-Parkplatz" (Urk. 05.005) lässt sich im Vergleich zur
R._mitteilung vom tt. Dezember 2011 gleichwohl auf jeden Fall festigende
und auch zusätzliche Information gestützt auf die Aussagen des Beschuldigten
herauslesen. Entsprechend ist der Text nicht mehr (wie noch im Artikel vom tt.
Dezember 2011) mit etlichen Fragezeichen durchsetzt, sondern im Sinne eines
Berichtes abgefasst und bietet der Leserschaft weiterführenden Inhalt.
1.2. Subjektiver Tatbestand
1.2.1. Die Verteidigung macht weiter (zusammengefasst) geltend, dass der Be-
schuldigte gegenüber den R._-Journalisten jedenfalls nicht mit Wissen und
Willen das Bank- und Geschäftsgeheimnis verletzt habe. Der Beschuldigte habe
von Anbeginn an betont, dass sein einziges Ziel bei diesem Treffen gewesen sei
herauszufinden, ob es sich bei den im Artikel vom tt. Dezember 2011 erwähnten
Transaktionen um jene gehandelt habe, welche er vom Konto bei der Bank
D._ gekannt habe. Er habe wissen wollen, wer die Quellen der R._-
Journalisten gewesen seien. Wären die Quellen des R._artikels vom tt. De-
zember 2011 der Mitbeschuldigte E._ und G._ gewesen, so hätte er
(A._) sich umgehend bei der Polizei melden wollen, wie er das am 1. Januar
2012 auch getan habe. Da in der Medienmitteilung des Bankrats die rechtlichen
Konsequenzen spezifisch erwähnt worden seien, habe er grosse Angst vor einer
- 97 -
Verhaftung gehabt. Deshalb habe er sicher sein wollen, dass er einer solchen al-
lenfalls zuvorkommen würde (vgl. Urk. 168 S. 48 f. Rz 206-209).
1.2.2. Diese Ausführungen der Verteidigung zielen an der Sache vorbei. Selbst
wenn die Geheimnisoffenbarung des Beschuldigten nicht sein vorderstes Ziel
bzw. seine direkte Absicht gewesen sein sollte, manifestiert sich vor dem Hinter-
grund seines erstellten objektiven Verhaltens doch deutlich, dass er mit der Preis-
gabe dieser teils ergänzenden und teils festigenden Informationen an die Journa-
listen des R._s eine Geheimnisoffenbarung im entsprechenden Umfang zu-
mindest in Kauf nahm bzw. sich mit einer solchen abfand. Der Beschuldigte han-
delte demnach zumindest eventualvorsätzlich, was zur Bejahung des subjektiven
Tatbestandes im Sinne von Art. 47 BankG wie auch Art. 162 StGB ausreichend
ist.
2. Rechtswidrigkeit
2.1. Prüfung des Rechtfertigungsgrundes im Sinne von Art. 17 StGB
2.1.1. Standpunkt des Beschuldigten
Die Verteidigung macht auch hier geltend, dass der Beschuldigte bei seinem
Handeln unter dem Druck des Mitbeschuldigten E._ (und von G._) ge-
standen habe. Darüber hinaus sei der Beschuldigte bei diesem Vorfall auch noch
durch M._ unter weiteren Druck gesetzt worden. Der Beschuldigte habe den
anfänglichen Vorschlag von M._, die Journalisten des R._s zu treffen,
klar abgelehnt. Erst als ihm auf der Autobahn das Benzin ausgegangen sei und
M._ ihm zu Hilfe gekommen sei habe er schliesslich doch in das von
M._ arrangierte Treffen eingewilligt, da er sich diesem zu grossem Dank ver-
pflichtet gefühlt habe und auch ein Interesse daran gehabt habe herauszufinden,
wer hinter den (in der Medienmitteilung des Bankrats erwähnten) Gerüchten
stand. Anlässlich des Treffens sei der Beschuldigte sodann durch das Nachfragen
und die Vorgabe der Journalisten, eine konkrete Zahl zu nennen, noch weiter un-
ter Druck gesetzt worden. Vor diesem Hintergrund müsse darauf geschlossen
- 98 -
werden, dass der Beschuldigte völlig willenlos bzw. als blosser Tatmittler gehan-
delt habe (Urk. 168 S. 49 f. Rz. 210-214).
Der Beschuldigte sei sodann davon ausgegangen, dass eine Verhaftung unmit-
telbar bevorstehe. Er habe deshalb, wie bereits ausgeführt, im Gespräch mit den
R._-Journalisten ausschliesslich ausfindig machen wollen, wer die Quelle für
die Informationen über die Transaktionen von B._ (wie sie im Medienbericht
des Bankrats sowie dem R._artikel vom tt. Dezember 2011 genannt worden
seien) gewesen sei. Sollte er tatsächlich am Ursprung dieser Quellen sein, so
wollte er sich umgehend bei der Polizei melden, um damit eine Verhaftung ab-
wenden zu können, wie er dies schlussendlich am 1. Januar 2012 ja auch getan
habe. Der Beschuldigte habe mit seinem Handeln somit die unmittelbare und
nicht anders abwendbare Gefahr einer Verhaftung abwenden wollen. Mit einer In-
haftierung würde seine persönliche Freiheit verletzt, bei welcher es sich um ein
höherwertiges Interesse handle (Urk. 168 S. 51 f. Rz. 220-226).
Die Verteidigung macht mit ihren Vorbringen in der Sache geltend, dass der Be-
schuldigte zum einen aufgrund eines von den übrigen Beteiligten ausgeübten
Drucks und zum anderen auch aufgrund einer unmittelbar drohenden Verhaftung
aus einem rechtfertigenden Nötigungsnotstand heraus gehandelt habe.
2.1.2. Beurteilung
2.1.2.1. Es wurde bereits dargetan, dass das Vorbringen des Beschuldigten be-
treffend eine Nötigung durch den Mitbeschuldigten E._ als Schutzbehaup-
tung zu werten ist, weshalb an dieser Stelle auf die entsprechenden vorstehenden
Erwägungen (Ziff. C.2.1. und D.2.2.) verwiesen werden kann.
2.1.2.2. Der Beschuldigte machte in einzelnen Aussagen bezüglich des Treffens
mit den beiden Journalisten des R._s vom 24. Dezember 2011 geltend, sich
damals sehr unter Druck gesetzt gefühlt zu haben (Urk. 01.302 S. 7 und 15).
Laut dem Beschuldigten ist es zu diesem Treffen gekommen, weil er nach dem
Erscheinen eines R._-Artikels im Zusammenhang mit der Affäre B._ am
tt. Dezember 2011 ausser sich gewesen sei, da er sich nicht habe vorstellen kön-
- 99 -
nen, wer mit den bekannt gegebenen Informationen an den R._ gelangt sei
(Urk. 01.302 S. 3). Am 24. Dezember 2011 habe er M._ an dessen Geburts-
tagsfest getroffen. M._ habe ihn gefragt, ob der R._ kontaktiert werden
solle, um die Quelle für diesen Artikel herauszufinden. Dies habe er, der Beschul-
digte, jedoch verneint (Urk. 01.302 S. 3). Als er M._ aufgrund einer Autopan-
ne bei der Rückfahrt um Hilfe gebeten habe, habe ihm dieser mitgeteilt, dass er
(M._) doch den R._ kontaktiert habe. Dies sei – so der Beschuldigte –
nicht abgesprochen gewesen. Da er aber dankbar für das von M._ gebrachte
Benzin gewesen sei und habe wissen wollen, wer die Quelle gewesen sei, habe
er sich trotzdem darauf eingelassen (Urk. 01.302 S. 3 f.).
Beim Treffen wollte der Beschuldigte nach seinen Angaben dann dem Umstand,
dass die beiden Journalisten extra von Zürich nach ... geholt worden waren und
dementsprechend hohe Erwartungshaltungen hatten, irgendwie gerecht werden,
obwohl er eigentlich nur deren Informationsquelle zu eruieren beabsichtigte
(Urk. 01.302 S. 5). Der Druck sei vor allem durch die Journalisten im Auto ausge-
übt worden. Auch der Druck durch M._ im Auto sei immens gewesen. Das
habe sich durch Nachfragen von M._ geäussert. Alle im Auto hätten ihn auf-
gefordert, doch das zu sagen, was er habe sagen wollen (Urk. 01.302 S. 4 und 7;
Urk. 01.305 S. 15). Jedenfalls sei er aufgrund der Aufgewühltheit wegen des Arti-
kels vom Vortag leicht beeinflussbar gewesen und auch die Fragen der Journalis-
ten hätten ihn unter Druck gesetzt (Urk. 01.302 S. 9 und 15).
Die Vorinstanz erwog dazu das Folgende: Trotz einer gewissen Nachvollziehbar-
keit, dass die Erwartungshaltung in Anbetracht der Brisanz der durch die Journa-
listen erwarteten Informationen spürbar hoch und die ganze Situation für den Be-
schuldigten sicher auch aufgrund der eher seltsamen Umstände dieses Treffens
unangenehm gewesen sei, erreichten die durch ihn beschriebenen Einwirkungen
der Beteiligten nicht eine Intensität, welche ihn völlig willenlos werden liessen. So
habe der Beschuldigte beispielsweise nicht geltend gemacht, dass ihm Nachteile
angedroht worden seien für den Fall, dass er keine Angaben machen und einfach
aus dem parkierten Fahrzeug aussteigen würde. Die Vorinstanz ging daher davon
aus, dass der Beschuldigte doch noch aus eigener Entscheidung Auskünfte erteil-
- 100 -
te und verneinte somit, dass der Beschuldigte lediglich Tatmittler gewesen war.
Diese Ansicht überzeugt und ist deshalb zu teilen.
Das bereits von der damaligen amtlichen Verteidigung an der Hauptverhandlung
vorgebrachte Argument, der Beschuldigte sei bei diesem Treffen mit den Journa-
listen so um die Informationen zu ihrer Quelle bemüht gewesen, weil er eine ihm
damals möglicherweise drohende Verhaftung habe abwenden wollen (Urk. 74
S. 41 f.), welches an der Berufungsverhandlung von der aktuellen Verteidigerin,
wie bereits ausgeführt, auch wieder aufgegriffen wurde (Urk. 168 S. 48 Rz. 206),
wurde von der Vorinstanz ebenfalls zu Recht verworfen (Urk. 91 S. 62). Dass dem
Beschuldigten zu jenem Zeitpunkt eine Verhaftung unmittelbar gedroht hätte, ist
nirgends ersichtlich. Vor allem hatte der Beschuldigte selber in der Untersuchung
zu keinem Zeitpunkt erwähnt, eine Verhaftung befürchtet zu haben oder dass er
einer solchen habe vorbeugen wollen. Es drängt sich daher mit der Vorinstanz die
Annahme auf, dass es sich bei diesem Vorbringen lediglich um einen (späten)
Versuch handelte, die Verurteilung und Bestrafung des Beschuldigten abzuwen-
den.
2.1.2.3. Damit fehlt es schon auf der Sachverhaltsebene am Nachweis einer Nö-
tigungssituation wie auch am Nachweis einer unmittelbar drohenden Verhaftung.
Das rechtliche Kriterium des Vorliegens einer Notstandslage ist damit zu vernei-
nen.
2.1.3. Fazit
Ein rechtfertigender Nötigungsnotstand im Sinne von Art. 17 StGB liegt somit
nicht vor.
2.2. Prüfung des Rechtfertigungsgrunds der Wahrung berechtigter Interessen
2.2.1. Standpunkt des Beschuldigten
Hinsichtlich des unter Anklageziffer I.E. eingeklagten Vorfalls bringt die Verteidi-
gung den Rechtfertigungsgrund der Wahrung berechtigter Interessen nicht vor
(vgl. Urk. 168 S. 45-51).
- 101 -
2.2.2. Beurteilung
2.2.2.1. Ob sich das Verhalten des Beschuldigten durch die Wahrung berechtig-
ter Interessen rechtfertigen lässt, ist indes vom Gericht von Amtes wegen zu prü-
fen.
2.2.2.2. Wie bereits ausgeführt, ist bei der Prüfung dieses Rechtfertigungsgrunds
zu beurteilen, ob das gewählte Vorgehen des Beschuldigten notwendig und an-
gemessen war. Dabei ist von Bedeutung, ob der Beschuldigte das dreistufige
Kaskadensystem des erlaubten Whistleblowing eingehalten hat oder die Einhal-
tung desselben ihm allenfalls nicht möglich oder zumutbar war.
2.2.2.3. Dass es – zumindest aus der unwiderlegbaren subjektiven Sicht des Be-
schuldigten – gerechtfertigt war, den ersten Schritt der Informationskaskade des
Whistleblowing, die Meldung an die bankinterne Compliance-Stelle, nicht einzu-
halten, wurde bereits im Zusammenhang mit der Kontaktierung von M._ (An-
klageziffer I.C.) dargetan. Auf die dortigen Ausführungen kann verwiesen werden
(vorstehend Ziff. C.2.2.2.2.).
2.2.2.4. a) Als zweiten Schritt hat ein Whistleblower, wie bereits ausgeführt,
grundsätzlich an eine geeignete externe Stelle – hier also etwa an den Bankrat
als Aufsichtsbehörde über die Nationalbank – zu gelangen. Nur dann, wenn eine
solche Meldung an geeignete externe Stellen keine Abhilfe zu schaffen vermag –
diese mit anderen Worten nicht erfolgreich ist oder als aussichtslos erscheint – ist
als ultima ratio der Gang an die Medien bzw. die "Flucht in die Öffentlichkeit" zu-
lässig.
b) Im vorliegenden Fall gelangte der Beschuldigte A._ am 24. Dezember
2011 an die zwei Journalisten des R._s und somit zu einem Zeitpunkt, nach-
dem am 23. Dezember 2011 die Pressemitteilung des Bankrates mit dem Titel
"Gerüchte gegen den Präsidenten des Direktoriums erweisen sich als haltlos"
veröffentlicht worden war (Verfahrensakten SB160257 Urk. 05.000, siehe oben
Ziff. 1.1.3.). Wie bereits ausgeführt, wird in dieser Medienmitteilung festgehalten,
die Angelegenheit sei von der Revisionsstelle der Nationalbank, der W._ so-
- 102 -
wie dem Direktor der Eidgenössischen Finanzkontrolle und dessen Stellvertreter
einer vertieften Prüfung unterzogen worden. Die Prüfer hätten uneingeschränkten
und vollständigen Einblick in sämtliche Banktransaktionen von B._ und sei-
ner Familie im Jahre 2011 gehabt. Die Prüfungen hätten bestätigt, dass seitens
B._ keine unzulässigen Transaktionen vorgenommen worden seien und kein
Missbrauch von privilegierten Informationen erfolgt sei. Im Rahmen dieser Prü-
fungen seien alle Transaktionen überprüft worden. Im Hinblick auf das interne
Reglement über Eigengeschäfte der Mitglieder des Erweiterten Direktoriums hät-
ten sich zwei Transaktionen im Zusammenhang mit der Einführung des Mindest-
kurses gegenüber dem Euro vom 6. September 2011 als besonders prüfenswert
erwiesen. Nach dem übereinstimmenden Urteil der Prüfer und den Feststellungen
des Bankrats würden indes auch diese zwei Transaktionen vollumfänglich den
reglementarischen Anforderungen entsprechen. Der Bankrat habe in seiner Sit-
zung vom 22.12.2011 die Angelegenheit abgeschlossen. Der Bankrat und
B._ würden sich rechtliche Schritte gegen Dritte vorbehalten.
Der Verteidigung des Beschuldigten E._ (vgl. Verfahrensakten SB160257
Urk. 68 S. 24) ist beizupflichten, dass mit dieser äusserst dürftigen Medienmittei-
lung der falsche Eindruck entstehen konnte, dass die Dollartransaktionen über
das Konto der Ehefrau und nicht über dasjenige des Nationalbankpräsidenten er-
folgt waren. Nicht genannt wurde in dieser Medienmitteilung sodann, in welcher
Grössenordnung US-Dollar gekauft wurde. Auch nicht erwähnt ist sodann, dass
die am 15. August 2011 gekauften US-Dollars kurze Zeit nach der am 6. Septem-
ber 2011 erfolgten Einführung des Mindestkurses mit Gewinn wieder veräussert
wurden. Aufgrund dieser Unterlassungen konnte der weitere falsche Eindruck
entstehen, dass es sich um Transaktionen im Bagatellbereich gehandelt hatte.
Wie bereits ausgeführt, stellte sich jedenfalls der R._ in einem Artikel vom tt.
Dezember 2011 die (rhetorische) Frage, ob vielleicht alles nur dumm gelaufen sei
und es möglicherweise lediglich um ein paar Hundert Dollars gegangen sei, die
die Frau des Nationalbankpräsidenten vielleicht für eine bevorstehende Ferienrei-
se in die USA gekauft habe. Weiter konnte dem R._-Artikel entnommen wer-
den, dass die Schweizerische Nationalbank zu weiteren Auskünften nicht bereit
war (vgl. Urk. 05.001: "«Kein Kommentar.»").
- 103 -
c) Demgegenüber sind die folgenden erwiesenen Fakten in Erinnerung zu rufen
(vgl. die Anklageschrift Ziff. 1.A [Urk. 004 S. 2], die Transaktionsbelege der Bank
D._, [Urk. 01.10.9.2 ff.] sowie den Prüfungsbericht der W._ vom 21. De-
zember 2011 [Urk. 01.002 S. 3 f.]): Am 15. August 2011 wurden über das persön-
liche Konto von B._ bei der Bank D._ USD 504'000 für Fr. 400'000 ge-
kauft. Am 6. September 2011 legte die Schweizerische Nationalbank den Min-
destkurs von 1.20 Franken pro Euro fest. Am 4. Oktober 2011 wurden USD
516'000 für Fr. 475'000 wieder verkauft – dies somit mit einem Gewinn von über
Fr. 70'000. Der interne Prüfungsbericht der W._ vom 21. Dezember 2011
kam zwar zum Schluss, dass kein Missbrauch von privilegierten Informationen
"anzunehmen" sei, stufte den Dollarkauf vom 15. August 2011 aber explizit als
"heikel" ein (Urk. 01.002 S. 5).
d) Selbstredend entstand durch diese Dollartransaktionen der dringende Ver-
dacht, dass sich der Nationalbankpräsident B._ durch sein Insiderwissen –
nämlich hinsichtlich der anstehenden Festsetzung eines Euromindestkurses, was
dann auch einen Anstieg des Dollarkurses zur Folge haben würde – einen Ver-
mögensvorteil verschafft hatte. Zwar wäre ein solches Verhalten nicht strafbar
gewesen, da Devisengeschäfte – wegen fehlender praktischer Relevanz, wie der
damalige Gesetzgeber annahm – vom Tatbestand des Insiderhandels gemäss
Art. 161 aStGB nicht erfasst wurden. Auch noch nach dem revidierten aktuellen
Recht (Finanzmarktinfrastruktugesetz vom 19. Juni 2015) fallen Devisengeschäfte
nicht unter den Insidertatbestand (vgl. Art. 154 FinfraG). Ausser Frage steht aber,
dass es sich zumindest um ein moralisch höchst verwerfliches Verhalten des Na-
tionalbankpräsidenten gehandelt hätte, wenn diese Dollarkäufe mit der Absicht
getätigt worden wären, sie nach der damals für Aussenstehende nicht absehba-
ren Einführung des Euro-Mindestkurses mit Gewinn zu verkaufen. Schliesslich ist
offenkundig, dass auch mit Devisentransaktionen Insiderwissen ausgenutzt wer-
den kann, und es ist grundsätzlich nicht einsehbar, inwiefern der Unrechtsgehalt
solcher Transaktionen geringer sein soll als derjenige von Insiderhandel mit Effek-
ten. In der Literatur wird denn auch mit überzeugender Argumentation Kritik daran
geäussert, dass der Insidertatbestand anlässlich der jüngsten Revision nicht ent-
sprechend ergänzt wurde (vgl. Lukas Fahrländer, Der revidierte schweizerische
- 104 -
Insiderstraftatbestand, Schweizer Schriften zum Finanzmarktrecht Band/Nr. 120,
2015, S. 169 f.; vgl. auch Derselbe/Rolf Sethe, Kommentar zum Finanzmarktinf-
rastrukturgesetz FinfraG, 2017, Art. 2 N 90 und Art. 154 N 88).
e) Nach dem Erscheinen des Medienberichts vom 23. Dezember 2011 mussten
die Beschuldigten A._ und E._ somit zur Kenntnis nehmen, dass das
mutmassliche gravierende Fehlverhalten von B._ nicht weiter untersucht
würde, hatte dies doch die zuständige Behörde – der Bankrat – entschieden und
die Angelegenheit explizit für abgeschlossen erklärt. Im Rahmen einer offen
kommunizierten Untersuchung hätte geklärt werden können, ob die Dollartransak-
tionen tatsächlich nicht von B._, sondern ohne dessen Wissen von seiner
Ehefrau getätigt worden waren. Mit der dürren Pressemitteilung vom
23. Dezember 2011 aber wurde der bestehende dringende Verdacht nicht nur
nicht ausgeräumt, sondern vielmehr zusätzlich der Eindruck erweckt, dass eine
eher peinliche Angelegenheit unter den Tisch gewischt werden sollte. Den Be-
schuldigten konnte in dieser Situation nicht ernsthaft zugemutet werden, vor ei-
nem Gang an die Medien noch weitere externe Stellen zu konsultieren. Vielmehr
durften sie im Sinne des skizzierten dreistufigen Kaskadensystems als ultima ratio
nun den Gang an die Medien wählen, nachdem die Kenntnisnahme des Vorfalls
durch den Bankrat – und damit die unmittelbare Aufsichtsbehörde über das Direk-
torium der Schweizerischen Nationalbank – keine Abhilfe zu schaffen vermochte.
Der Beschuldigte A._ – der wusste, dass Dollartransaktionen in einer erheb-
lichen Grössenordnung auf dem Konto von B._ zu einem Gewinn geführt
hatten und dass die Behörden dies nicht öffentlich kommuniziert hatten und auch
nicht weiter untersuchen wollten – durfte deshalb am 24. Dezember 2011 an den
R._ gelangen. Das vom Beschuldigten (neben seinen politischen Bestrebun-
gen) verfolgte Interesse an einer vollständigen und der Öffentlichkeit angemessen
kommunizierten Überprüfung der Rechtmässigkeit dieser Transaktionen auf dem
Konto von B._ ist als ein berechtigtes Interesse von hohem Gewicht zu be-
trachten. Der Frage, ob der Nationalbankpräsident, als einer der höchsten Expo-
nenten der Schweizerischen Staatsorgane, Insiderwissen ausgenutzt und damit
einen erheblichen persönlichen Vermögensvorteil erlangt hat, kommt eine erheb-
- 105 -
liche (staats-)politische und rechtstaatliche Bedeutung zu. Das Interesse der Öf-
fentlichkeit, durch die Medien über einen entsprechenden Verdacht angemessen
informiert zu werden, ist deshalb als gewichtig zu erachten. Dieses Interesse
überwiegt unter den hier vorliegenden konkreten Umständen das private Interes-
se von B._ auf den Schutz einzelner persönlicher, unter das Bankgeheimnis
fallender Informationen. Dies insbesondere, nachdem zuvor entsprechende
Grundinformationen bereits durch den Bankrat publik gemacht worden sind. Die
vom Beschuldigten begangene Geheimnisoffenbarung erweist sich im Rahmen
des Rechtfertigungsgrundes der Wahrung berechtigter Interessen sodann auch
als verhältnismässig. Vorab ist festzuhalten, dass die Transaktionen auf dem Kon-
to von B._ nicht durch den Beschuldigten, sondern durch die Medienmittei-
lung des Bankrats in den Fokus der Öffentlichkeit geraten waren. Sodann offen-
barte er den beiden Journalisten gegenüber keine unnötigen Informationen, son-
dern lediglich solche, die für den mutmasslichen Missbrauch von Insiderwissen
von Relevanz waren, nämlich die ungefähre Grössenordnung der Transaktionen,
dass der Urheber derselben möglicherweise B._ selber (und nicht seine
Frau) war und dass auf den Kauf kurze Zeit später ein Verkauf folgte. Hingegen
nannte er den Journalisten gegenüber weder den Namen der Bank noch legte er
ihnen die Printscreens vor oder lieferte sonstwie detaillierte Informationen.
Die Handlung des Beschuldigten ist deshalb zusammengefasst als ein legales
Whistleblowing zu qualifizieren, das vom Rechtfertigungsgrund der Wahrung be-
rechtigter Interessen gedeckt ist.
An dieser Feststellung ändert auch der Umstand nichts, dass A._ die beiden
R._-Journalisten gemäss seiner vordergründigen Darstellung nur deshalb
getroffen haben will, um deren Informationsquellen in Erfahrung zu bringen, wel-
che bereits am Vortag zu einem R._-Artikel über B._ geführt hatten. Ab-
gesehen davon, dass diesem Vorbringen ohnehin nur beschränkte Glaubhaf-
tigkeit zukommt – erscheint doch zur Verfolgung allein dieses Zweckes der vom
Beschuldigten begangene Geheimnisverrat nicht zwingend notwendig – kommt es
auf die Motivlage eines Whistleblowers ohnehin nicht an. Diese ist wie bei jeder
Person, die sich auf einen Rechtfertigungsgrund stützen kann, letztlich unerheb-
- 106 -
lich (vgl. für den Fall der Notwehr etwa Trechsel/Geth, StGB PK, 2. Aufl., 2013
Art. 15 N 12). Die Beweggründe und Absichten desjenigen, der sich mit seinem
Handeln objektiv in den Grenzen einer ihm von Rechts wegen zustehenden Be-
fugnis hält, sind einer rechtlichen Nachprüfung entzogen; erforderlich ist lediglich,
dass der Täter einen Rechtfertigungsgrund wissentlich und willentlich in Anspruch
nimmt (vgl. Stratenwerth, Schweizerisches Strafrecht, Allgemeiner Teil I, a.a.O.,
§ 10 N 104). Stehen berechtigte Interessen auf dem Spiel, so muss es dem Täter
demnach (zumindest auch) um sie zu tun sein (vgl. Stratenwerth, a.a.O. § 10
N 111).Von einer solch vorsätzlichen Inanspruchnahme des Rechtfertigungsgrun-
des der Wahrung berechtigter Interessen ist beim Beschuldigten ohne Weiteres
auszugehen, geht doch aus seinem E-Mail-Verkehr mit dem Mitbeschuldigten
E._ wie auch aus einzelnen seiner Aussagen im Strafverfahren immer wieder
hervor, dass es ihm bei seinem Handeln (zumindest auch) darum ging, einen
Missstand anzuprangern (vgl. etwa Urk. 00.113 S. 2). Da es auf die Motivlage
nicht ankommt, ist auch unerheblich, ob und inwieweit der Schritt des Beschuldig-
ten an die Presse auch von politischen Absichten getragen war.
3. Fazit
Das tatbestandsmässige Verhalten des Beschuldigten A._ war somit hier
aufgrund der Wahrung berechtigter Interessen bzw. legalen Whistleblowings ge-
rechtfertigt, weshalb er hinsichtlich Anklagepunkt I.E. vom Vorwurf der Verletzung
des Bank- und Geschäftsgeheimnisses freizusprechen ist.
F. GESAMTFAZIT SCHULDPUNKT
Der Beschuldigte A._ ist demnach der mehrfachen Verletzung des Bankge-
heimnisses im Sinne von Art. 47 Abs. 1 lit. a BankG (Anklageziffern I.C. und I.D.)
schuldig zu sprechen.
Von den weiteren Vorwürfen der Verletzung des Bankgeheimnisses (Anklagezif-
fern I.B. und I.E.) sowie der mehrfachen Verletzung des Geschäftsgeheimnisses
ist er freizusprechen.
- 107 -
IV. Sanktion
1. Strafe
1.1. Strafrahmen und allgemeine Ausführungen
1.1.1. Für die Verletzung des Bankgeheimnisses sieht das Gesetz einen Straf-
rahmen von Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe vor (Art. 47 Abs. 1
BankG).
Hat ein Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen für meh-
rere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu der Strafe der
schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch das Höchstmass
der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhöhen. Dabei ist es an das
gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 49 Abs. 1 StGB). Gemäss
aktueller Bundesgerichtspraxis (BGE 136 IV 55 E. 58) führt der Strafschärfungs-
grund der mehrfachen Tatbegehung, wenn keine aussergewöhnlichen Umstände
vorliegen – solche sind hier keine ersichtlich –, nicht zu einer Erweiterung des or-
dentlichen Strafrahmens, sondern die mehrfache Tatbegehung ist innerhalb des-
selben straferhöhend zu berücksichtigen.
1.1.2. Die Vorinstanz hat die vom Gesetz und der Rechtsprechung für die Straf-
zumessung aufgestellten Regeln und Grundsätze richtig wiedergegeben, worauf
verwiesen werden kann (Urk. 91 S. 61).
1.2. Tatkomponente
1.2.1. Objektive Tatschwere
Bezüglich der objektiven Tatkomponente ist zu bemerken, dass der Beschuldigte
lediglich gegenüber zwei Einzelpersonen – G._ und M._ – geheime
bankinterne Informationen preisgab. Ausserdem bat er diese Personen jeweils
darum, über die offenbarten Informationen Stillschweigen zu wahren. Der Be-
- 108 -
schuldigte befolgte daher nicht das Ziel, die bankinternen Daten breit zu streuen.
Zu beachten ist auch, dass lediglich ein Bankkunde und dessen Konto betroffen
war und nicht etwa eine Vielzahl von Bankkunden oder gar ganze Kundenlisten.
Allerdings beinhaltete der Geheimnisverrat nicht bloss eine einzelne Information,
sondern einen Kontoauszug über mehrere Monate mit diversen Aktien- und Devi-
sengeschäften, womit inhaltliche Details über einen längeren Zeitraum preisgege-
ben wurden. Mit den Tathandlungen wurde das geschützte Rechtsgut der Pri-
vatsphäre von B._ verletzt. Zu berücksichtigen ist weiter, dass der Beschul-
digte gezielt vorging. Er suchte die beiden Empfänger jeweils persönlich auf, um
ihnen diese Informationen zu übermitteln. G._ unterbreitete er sogar die von
ihm angefertigten Printscreens und bekräftigte dadurch seinen verbalen Bericht,
was sich erschwerend auswirkt.
Insgesamt kann das objektive Tatverschulden des Beschuldigten noch als relativ
leicht bezeichnet werden, wobei es aber klarerweise als gewichtiger anzusehen
ist als dasjenige des Mitbeschuldigten E._. Der Beschuldigte A._ war
der Geheimnisträger; nur er konnte sich der Verletzung des Bankgeheimnisses,
dieses klassischen Sonderdelikts, schuldig machen. Der Beschuldigte E._
konnte als Aussenstehender keinen Geheimnisverrat begehen, sondern die Tat
des Beschuldigten "lediglich" fördern und sich damit ausschliesslich der Gehilfen-
schaft zur Verletzung des Bankgeheimnisses strafbar machen.
1.2.2. Subjektive Tatschwere
Beim subjektiven Tatverschulden stellt sich die Frage, wie dem Täter die objektive
Tatschwere tatsächlich anzurechnen ist. Dabei geht es unter anderem auch um
die Frage der Schuldfähigkeit. Bei den Akten liegt eine forensisch-psychiatrische
Stellungnahme von Prof. Dr. med. L._ vom 8. September 2014 (Urk. 06.125;
vgl. dazu vorstehend Ziff. I.3.). Gemäss diesem einlässlich, sorgfältig und über-
zeugend begründeten Gutachten erfolgten die Tathandlungen bei voll erhaltener
Schuldfähigkeit (vgl. Urk. 06.125, bes. S. 27 und 30). Bis Ende 2011 führte der
Beschuldigte ein stabiles Leben bei konstanter Berufsausübung und erhaltener
Leistungsfähigkeit. Er befand sich im psychischen Normalbereich, trotz einer Per-
sönlichkeitsakzentuierung aufgrund von Inflexibilität sowie eines besonderen Ord-
- 109 -
nungssinns und Hangs zum Perfektionismus. Es bestand jedenfalls keine psychi-
atrische Störung im engeren Sinn, auch wenn akzentuierte zwanghafte Persön-
lichkeitszüge diagnostiziert wurden (vgl. a.a.O. S. 17 ff.).
Der Beschuldigte verfolgte keine eigenen finanziellen Interessen. Zu dessen
Gunsten fällt weiter ins Gewicht, dass er die Überprüfung der von ihm als skanda-
lös empfundenen Dollartransaktionen anstrebte, was ein nachvollziehbares Motiv
darstellt. Wie ausgeführt, wäre es jedenfalls zumindest moralisch verwerflich, wä-
ren diese Dollarkäufe tatsächlich mit der Absicht getätigt worden, sie nach der
damals für Aussenstehende nicht absehbaren Einführung des Euro-
Mindestkurses mit Gewinn zu verkaufen. Rein ideelle Beweggründe können dem
Beschuldigten aber nicht zugute gehalten werden. Sein Handeln war durchaus
auch politisch gefärbt und motiviert. Er erhoffte sich auch den Abgang von
B._ und wandte sich mit den hochbrisanten Informationen ganz gezielt an
seine Gesinnungsgenossen bzw. Politiker der ..., welche erklärtermassen Kritiker
von B._ waren. Zu beachten ist, dass der Gang zu M._ in vollständiger
Eigenregie erfolgte. G._ in die Sache einzuweihen, beruhte sodann auf ei-
nem gemeinsamen Entschluss des Beschuldigten und des Mitbeschuldigten
E._. Wie ausgeführt, war der Beschuldigte aber weder abhängig vom Be-
schuldigten E._ noch wurde er von diesem zum Geheimnisverrat gegenüber
G._ genötigt. Im Rahmen der Strafzumessung ist gleichwohl nicht zu ver-
kennen, dass der Beschuldigte, nachdem er sich E._ anvertraut hatte, bis zu
einem gewissen Grade die Kontrolle über das Geschehen verlor und dieses –
letztlich wenig erstaunlich – zunehmend eine Eigendynamik entwickelte. Der Be-
schuldigte A._ wurde schliesslich die Geister, die er gerufen hatte, nicht
mehr los. Für ihn spricht weiter, dass er schliesslich vom Mitbeschuldigten
E._ ganz entschieden das Couvert mit den Printscreens zurückverlangte und
diese vernichtete.
Im Fazit ist festzustellen, dass die subjektive Tatschwere das objektive Verschul-
den leicht zu relativieren vermag. Insgesamt ist das Tatverschulden gerade noch
als leicht zu qualifizieren. Die Einsatzstrafe ist im unteren Bereich des Strafrah-
mens, konkret bei 90 Tagessätzen Geldstrafe, anzusiedeln.
- 110 -
1.3. Täterkomponente
1.3.1. Hinsichtlich des Vorlebens und der persönlichen Verhältnisse des Be-
schuldigten kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen
werden (Urk. 91 S. 69 f.). Aus dem Lebenslauf des Beschuldigten lassen sich kei-
ne für die Strafzumessung relevanten Aspekte erkennen.
1.3.2. Auch die Vorstrafenlosigkeit des Beschuldigten ist gemäss der neueren
Rechtsprechung als strafzumessungsneutral zu werten.
1.3.3. Hinsichtlich des Nachtatverhaltens ist zunächst darauf hinzuweisen, dass
der Beschuldigte weitgehend geständig war und grundsätzlich auch Kooperati-
onsbereitschaft zeigte. Andererseits ist wenig Einsicht erkennbar.
Der Beschuldigte hat sodann das Verfahren durch eine riesige Flut von beleidi-
genden und massiv drohenden E-Mails namentlich gegenüber den Untersu-
chungsbehörden erschwert. Diese Mails sind allerdings vor dem Hintergrund der
ausserordentlichen Belastungsintensität und hochgradigen Sensibilität des Be-
schuldigten zu sehen. Gemäss Gutachten kam es im Verlauf der Strafuntersu-
chung zu einer psychiatrisch relevanten Traumatisierung aufgrund einer anhal-
tenden Serie vielfacher akuter Belastungsreaktionen (vgl. Urk. 06.125 S. 21 ff.).
Dieser Befund relativiert die Erschwerung der Untersuchung dermassen weitge-
hend, dass unter diesem Aspekt gar eine gewisse Strafminderung angezeigt ist.
Ein Strafbefreiungsgrund im Sinne von Art. 54 StGB liegt damit indes – entgegen
den Ausführungen der Verteidigung (Urk. 168 S. 52 f. Rz 230-234) – nicht vor. Ei-
ne Strafbefreiung setzt (u.a.) eine schwere Betroffenheit des Täters durch die
unmittelbaren Folgen seiner Tat voraus. (Psychische) Belastungen hingegen, die
sich erst durch das Strafverfahren ergeben, stellen bloss mittelbare Straftatfolgen
dar, die unter dem Titel von Art. 54 StGB keine Berücksichtigung finden können
(vgl. BSK StGB - Riklin, 3. Aufl., 2013, Art. 54 N 35).
1.3.4. Schliesslich trifft zu, dass die gesamte Verfahrensdauer relativ lang war.
Der Umstand, dass mehrere Personen auf Beschuldigten- sowie Geschädigten-
seite involviert waren, die Akten einen beachtlichen Umfang annahmen, der Fall
- 111 -
auch von nicht unerheblicher Komplexität war und der Beschuldigte schliesslich
das Verfahren selber erschwerte, kann – unter diesem Titel (Art. 48 lit. 3 StGB) –
allerdings nur zu einer marginale Strafreduktion führen. Hingegen kann nicht die
Rede von einer Verletzung des Beschleunigungsgebots sein. Innerhalb der Ver-
fahrensdauer gab es zwar Zeiträume mit geringerer Behördenaktivität, doch ent-
stand nie eine stossende Lücke. Namentlich in den ersten ca. eineinhalb Jahren
wurde das Verfahren intensiv vorangetrieben.
1.4. Fazit
1.4.1. Unter Berücksichtigung sämtlicher vorerwähnter Strafzumessungskriterien
erweist sich eine Geldstrafe von 70 Tagessätzen als angemessen.
1.4.2. Der Tagessatz ist mit der Vorinstanz, auf deren Begründung verwiesen
werden kann (Urk. 91 S. 73 f. ), auf Fr. 30.– anzusetzen.
1.4.3. Der Beschuldigte ist somit mit einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu
Fr. 30.– zu bestrafen.
2. Vollzug
Da es sich beim Beschuldigten um einen Ersttäter handelt und davon ausgegan-
gen werden kann, dass ihm das durchlaufene Strafverfahren die volle Tragweite
seines Fehlverhaltens aufgezeigt hat, ist der Vollzug der Geldstrafe in Anwendung
von Art. 42 Abs. 1 StGB aufzuschieben, wobei die Probezeit auf 2 Jahre festzu-
setzen ist.
V. Kosten- und Entschädigungsfolgen
A. KOSTENFOLGEN
1. Kostenfestsetzung erstinstanzliches Verfahren
1.1. Entschädigung von Rechtsanwalt lic. iur. X2._
1.1.1. Mit Honorarnote vom 30. März 2016 machte der damalige amtliche Vertei-
diger des Beschuldigten, Rechtsanwalt lic. iur. X2._, vor Vorinstanz einen
- 112 -
Aufwand in der Höhe von Fr. 124'669.37 (inkl. MwSt. und Aufwand für die Haupt-
verhandlung) geltend (Urk. 75). Die Vorinstanz kürzte das Honorar des Verteidi-
gers auf Fr. 59'531.40. Wie bereits ausgeführt erhob Rechtsanwalt lic. iur.
X2._ dagegen Kostenbeschwerde (vorstehend Ziff. I.3.2.), welche nachste-
hend zu prüfen ist.
1.1.2. Wie die Vorinstanz zutreffend ausrechnete, setzt sich der von Rechtsan-
walt X2._ geltend gemachte Betrag – vor Aufrechnung der Mehrwertsteuer –
gerundet wie folgt zusammen:
A. Zeitaufwand (rund 520 Stunden) Fr. 109'500.– Davon: – Ca. 329 Stunden bis Anklageerhebung (15.10.2015) = Fr. 67'480.– (bestehend aus: – ca. 245 Std. zu Fr. 200.– bis 31.12.2014 = Fr. 49'000.– – ca. 84 Std. zu Fr. 220.– ab 01.01.2015 = Fr. 18'480.–)
– Ca. 191 Stunden (zu Fr. 220.–) ab Anklageerhebung = Fr. 42'020.–
B. Barauslagen (gerundet) Fr. 5'688.–
Der vom Verteidiger geltend gemachte Zeitaufwand entspricht demnach insge-
samt rund 520 Stunden.
Demgegenüber erachtete die Vorinstanz nach eingehender Prüfung dieser Hono-
rarnoten einen Gesamtaufwand von lediglich 240 Stunden als angemessen (vgl.
Urk. 91 S. 80).
1.1.3. Rechtsanwalt lic. iur. X2._ wurde erst per 20. März 2013 als amtlicher
Verteidiger des Beschuldigten bestellt (Urk. 03.253). Zuvor wurde der Beschul-
digte, seit dem Beginn des Strafverfahrens – bzw. vom 4. Januar 2012 bis zum
12. März 2013 – durch Rechtsanwalt Dr. iur. X3._ amtlich verteidigt (vgl. vor-
stehend Ziff. I.2.3; Urk. 03.242). In der kurzen Zeit dazwischen fungierte Rechts-
anwalt lic. iur. X4._ als amtlicher Verteidiger (vgl. vorstehend Ziff. I.2.4., was
hier vernachlässigbar ist). Als Rechtsanwalt lic. iur. X2._ die amtliche Vertei-
digung des Beschuldigten übernahm, waren – mit Ausnahme der Konfrontations-
einvernahme vom 24. Juni 2013 – alle übrigen Einvernahmen des Beschuldigten
bereits durchgeführt worden.
- 113 -
Rechtsanwalt Dr. iur. X3._ machte gegenüber der Staatsanwaltschaft mit
Honorarnoten vom 14. Juli 2012 und vom 22. März 2013 ein Honorar von insge-
samt Fr. 52'304.– geltend (vgl. Urk. 03.227 und 03.240), welches er vom Staats-
anwalt für amtliche Mandate am 4. April 2013 zugesprochen erhielt (Urk. 03.242).
Der mit diesen zwei Honorarnoten geltend gemachte Zeitaufwand betrug insge-
samt 14'329 Minuten bzw. rund 239 Stunden.
1.1.4. Die Vorinstanz verglich das vom amtlichen Verteidiger lic. iur. X2._
geltend gemachte Honorar mit dem Honorar von Rechtsanwalt Dr. iur. Z._,
dem erbetenen Verteidiger des Mitbeschuldigten E._ im parallelen Strafver-
fahren. Eine solche vergleichende Gegenüberstellung der zwei Verteidigerhonora-
re zur Prüfung der Frage der Angemessenheit des Honorars von Rechtsanwalt lic.
iur. X2._ erscheint zulässig und zielführend. In Anbetracht dessen, dass
E._ und dem Beschuldigten Delikte aufgrund desselben Lebenssachverhalts
vorgeworfen werden, sich die Vorwürfe auch hinsichtlich der rechtlichen Beurtei-
lung kaum unterscheiden und auch die Verfahren schliesslich gleich lang dauer-
ten, sind die Aufwände für die Verteidigung der beiden Beschuldigten durchaus
vergleichbar.
Rechtsanwalt Dr. iur. Z._ – welcher den Mitbeschuldigten E._ im Unter-
schied zu Rechtsanwalt lic. iur. X2._ von Beginn weg und somit auch bereits
während der Einvernahmen vertrat – stellte für seine Bemühungen als erbetener
Verteidiger in jenem Verfahren inklusive der Hauptverhandlung einen Gesamt-
aufwand von rund 160 Stunden in Rechnung (vgl. SB160257 Urk. 38). Davon ent-
fallen rund 78 Stunden auf den Zeitraum vom Beginn des Strafverfahrens bis zum
20. März 2013 (d.h. dem Datum des Verteidigerwechsels im vorliegenden Verfah-
ren). Rechtsanwalt Dr. iur. Z._ betrieb somit im Strafverfahren in Sachen
E._ den etwa gleichen Aufwand von Januar 2012 bis März 2013 wie von Ap-
ril 2013 bis April 2015, nämlich je ca. 80 Stunden.
Daraus lässt sich – aufgrund der grundsätzlichen Vergleichbarkeit der beiden
Strafverfahren – ableiten, dass für das vorliegende Strafverfahren von quantitativ
etwa gleichen Zeitaufwänden für die von den Verteidigern X3._ und
X2._ bestrittenen Verfahrensabschnitten auszugehen ist, wobei bei Letzte-
- 114 -
rem allerdings noch ein zusätzlicher Aufwand zur Einarbeitung in den laufenden
Fall zu berücksichtigen ist.
1.1.5. a) Die Vorinstanz hat zutreffend festgestellt und einlässlich begründet,
dass die durch den amtlichen Verteidiger in Rechnung gestellten rund
520 Stunden das Verhältnismässige für eine Strafuntersuchung und ein erstin-
stanzliches Verfahren vor dem Einzelgericht mit einem weitgehend geständigen
Beschuldigten bei Weitem übersteigen. Die Argumentation der Vorinstanz über-
zeugt weitestgehend, weshalb vorab darauf verwiesen werden kann (Urk. 91
S. 77-83).
Zusammenfassend, teilweise ergänzend und in einem Punkten leicht korrigierend
(nachstehend lit. e) ist das Folgende festzuhalten:
b) Beim Studium der Honorarrechnung von Rechtsanwalt lic. iur. X2._ ste-
chen einem mit der Vorinstanz zunächst insbesondere die zahlreichen persönli-
chen, per E-Mail und per Telefon geführten Besprechungen des amtlichen Vertei-
digers mit dem Beschuldigten ins Auge, welche sich auf rund 295 Stunden belau-
fen, und damit mehr als die Hälfte des geltend gemachten Zeitaufwands ausma-
chen. Im Vergleich dazu stellte Rechtsanwalt Dr. iur. Z._ für das gesamte
Verfahren nur knapp 20 Stunden für Besprechungen und Telefonate mit E._
in Rechnung. Die rund 295 Stunden Besprechungszeit erscheinen überhöht, auch
wenn dem Umstand Rechnung zu tragen ist, dass sich die Verteidigung des Be-
schuldigten aufgrund von dessen psychischen Beschwerden und dem damit ver-
bundenen erhöhten Gesprächsbedarf bestimmt nicht einfach gestaltete.
c) Zu Recht hat die Vorinstanz die durch Rechtsanwalt Dr. iur. Z._ verrech-
neten rund 160 Stunden für dessen Verteidigung von E._ als einen grund-
sätzlich angemessenen Aufwand für ein Verfahren von der Art und Grösse der
beiden – untereinander vergleichbaren – Strafverfahren der Beschuldigten
E._ und A._ betrachtet und diesen Aufwand als Ausgangsgrösse bzw.
Referenzwert für den zu bestimmenden angemessenen Aufwand im vorliegenden
Verfahren genommen.
- 115 -
d) Überzeugend hat sie sodann dem Umstand Rechnung getragen, dass
Rechtsanwalt lic. iur. X2._ (im Unterschied zu Rechtsanwalt Dr. iur. Z._)
seinen Mandanten nicht von Beginn des Verfahrens weg verteidigte. Wenn sie
aus diesem Grund vom angenommenen Gesamtaufwand von 160 Stunden rund
40 Stunden abzog, so ist das nicht zu beanstanden.
Ein Abzug in dieser Grösse erscheint namentlich auch mit R._ darauf ange-
messen, dass Rechtsanwalt Dr. iur. Z._ für diese erste Phase des Strafver-
fahrens (in welcher mit Ausnahme der Konfrontationseinvernahme alle übrigen
Einvernahmen stattfanden) einen Aufwand von 80 Stunden geltend machte. Es
darf davon ausgegangen werden, dass ein nachträglich hinzutretender Rechts-
anwalt, der sich in ein bisheriges Verfahrensgeschehen (hauptsächlich) anhand
der bereits produzierten Akten einzuarbeiten hat, hierfür nicht mehr als die Hälfte
derjenigen Zeit braucht, welche für die aktive Teilnahme am entsprechenden Ver-
fahrensabschnitt bzw. an der Produktion der entsprechenden Akten aufgeworfen
werden muss.
Die Vorinstanz kam deshalb folgerichtig zum Zwischenfazit, dass für den von
Rechtsanwalt lic. iur. X2._ geleisteten Verfahrensabschnitt unter normalen
Umständen ein Verteidigungsaufwand in der Grössenordnung von rund 120
Stunden als angemessen zu betrachten wäre. In Präzisierung zu den erstinstanz-
lichen Ausführungen kann festgehalten werden, dass von diesen 120 Stunden 40
Stunden für die Einarbeitung in den Fall und 80 Stunden für die Bestreitung des
laufenden Verfahrens zu veranschlagen sind.
e) Im Folgenden hielt die Vorinstanz unter Berücksichtigung der speziellen Situa-
tion in Bezug auf den Beschuldigten eine Verdoppelung des vorstehend ermittel-
ten Aufwands auf insgesamt 240 Stunden für gerechtfertigt. Der Überlegung der
Vorinstanz ist grundsätzlich zu folgen.
Mit Blick auf die Honorarnote des ersten Verteidigers des Beschuldigten, Rechts-
anwalt Dr. X3._, ist die erstinstanzliche Berechnung in diesem Punkt aller-
dings leicht zu präzisieren und korrigieren. Rechtsanwalt Dr. X3._ machte für
den von ihm als Verteidiger des Beschuldigten bestrittenen Verfahrensabschnitt
- 116 -
einen Zeitaufwand von rund 239 Stunden geltend, welcher ihm von der Staatsan-
waltschaft für amtliche Mandate auch entschädigt wurde (vgl. vorstehend Ziff.
1.1.3). Der Vorgänger von Rechtsanwalt lic. iur. X2._ bekam somit im Resul-
tat einen dreifach höheren Aufwand zugesprochen als Rechtsanwalt Dr. Z._
im vergleichbaren Parallelverfahren, der für den entsprechenden Verfahrensab-
schnitt 80 Stunden geltend machte und ausbezahlt bekam (vorstehend Ziff. 1.1.4).
Vor diesem Hintergrund erscheint es gerechtfertigt, Rechtsanwalt lic. iur.
X2._ für den von ihm betreuten Verfahrensabschnitt ebenfalls das Dreifache
des im entsprechenden Zeitraum im Parallelverfahren in Sachen E._ ange-
fallenen Verteidigeraufwands zuzusprechen. Rechtsanwalt Dr. Z._ verlangte
(und erhielt entschädigt) für die Zeit ab dem 20. Mai 2013 bis zum Abschluss des
erstinstanzlichen Verfahrens einen Aufwand von 80 Stunden. Diese 80 Stunden
wurden als unter normalen Umständen angemessenen Aufwand für die Bestrei-
tung des laufenden Verfahrens ab dem 20. Mai 2013 taxiert (vorstehend Ziff.
1.1.4.). Unter Berücksichtigung der speziellen Situation in Bezug auf den Be-
schuldigten ist dieser Aufwand demnach auf 240 Stunden zu erhöhen. Hinzuzu-
rechnen sind sodann die 40 Stunden Aufwand, die Rechtsanwalt lic. iur. X2._
zur Einarbeitung in das bisherige Verfahren zuzugestehen sind (vgl. vorstehend
Ziff. 1.1.5.d.).
Insgesamt erscheint somit ein zu entschädigender Aufwand von 280 Stunden als
angemessen. Der von Rechtsanwalt lic. iur. X2._ geltend gemachte Aufwand
von 520 Stunden ist somit um insgesamt 240 Stunden zu kürzen, was nachfol-
gend im Einzelnen darzutun ist.
1.1.6. a) Für den Zeitraum des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens – das mit
Eingang der Anklage beim Bezirksgericht Zürich am 15. Oktober 2015 begann
und mit Urteil vom 7. April 2016 seinen Abschluss fand – stellte der amtliche Ver-
teidiger lic. iur. X2._ insgesamt rund 191 Stunden und damit Fr 42'020.– in
Rechnung (Urk. 75, vgl. vorstehend Ziff. 1.1.2.). Wie die Vorinstanz zutreffend er-
wog, wird indes gemäss § 17 AnwGebV die Führung eines Strafprozesses ein-
schliesslich Vorbereitung des Parteivortrags und Teilnahme an der Hauptverhand-
lung (mithin das Verfahren nach Anklageerhebung) durch Grundgebühr und Zu-
- 117 -
schläge abgegolten. Dabei kann gemäss Abs. 1 lit. a der vorgenannten Bestim-
mung die Grundgebühr vor dem Einzelgericht den Betrag von Fr. 8'000.– in der
Regel nicht übersteigen und beträgt die Summe der möglichen Zuschläge ge-
mäss § 11 Abs. 3 in Verbindung mit § 17 Abs. 3 AnwGebV in der Regel höchs-
tens die Grundgebühr. Der vom amtlichen Verteidiger für diese Zeit verlangte Be-
trag von Fr. 42'020.– beträgt somit weit mehr als das Doppelte des eigentlich be-
reits als Maximalentschädigung vorgesehenen Betrags von Fr. 16'000.–.
In Anbetracht dessen, dass es sich vorliegend um einen grösseren Einzelrichter-
fall handelte und aufgrund des erhöhten Gesprächsbedarfs des Beschuldigten
kann dem amtlichen Verteidiger (mit der Vorinstanz) der vorgesehene Maximalbe-
trag im Umfang von rund 73 Stunden zu Fr. 220.–, entsprechend Fr. 16'060.– für
den Aufwand nach Eingang der Anklage beim Bezirksgericht Zürich gewährt wer-
den.
b) Dies bedeutet, dass der verlangte Aufwand des amtlichen Verteidigers nach
Anklageerhebung von rund 191 Stunden auf 73 Stunden und somit um
118 Stunden zu kürzen ist:
− Die Vorinstanz hat zutreffend herausgearbeitet, dass aus der
Leistungsübersicht des Verteidigers Rechtsanwalt lic. iur. X2._
für den hier interessierenden Zeitraum nach Anklageerhebung ne-
ben dem übersetzten Aufwand für mündliche und schriftliche Be-
sprechungen mit dem Beschuldigten vor allem der sehr hohe Zeit-
aufwand von 95 Stunden für die Vorbereitung des Plädoyers ins Au-
ge springt. In Anbetracht dessen, dass sich der Beschuldigte zumin-
dest in Bezug auf den äusseren Sachverhalt weitgehend geständig
zeigte, kann maximal ein Aufwand von 35 Stunden als angemessen
erachtet werden, weshalb der durch den amtlichen Verteidiger ein-
gesetzte vorgenannte Betrag um 60 Stunden zu kürzen ist.
− Weiter rechtfertigt es sich mit der Vorinstanz, die nach Anklage-
erhebung für Besprechungszeit mit dem Beschuldigten eingesetzten
74 Stunden um 58 Stunden auf 16 Stunden zu reduzieren, ent-
spricht dies doch immer noch dem Vierfachen der rund 4 Stunden,
- 118 -
welche Rechtsanwalt Dr. iur. Z._ für diesen Zeitraum als Be-
sprechungszeit in Rechnung stellte.
1.1.7. a) Im Untersuchungsverfahren bemisst sich die Gebühr gemäss § 16
Abs. 1 AnwGebV nach dem notwendigen Zeitaufwand der Vertretung. Der amtli-
che Verteidiger machte für den Zeitraum seit seiner Bestellung als amtlicher Ver-
teidiger am 20. März 2013 bis zum Eingang der Anklage beim Bezirksgericht Zü-
rich am 15. Oktober 2015 einen Aufwand von insgesamt rund 329 Stunden und
somit rund Fr. 67'480 geltend (Urk. 75).
Nachdem für die gesamte Verteidigung des Beschuldigten durch Rechtsanwalt
lic. iur. X2._ eine Entschädigung für insgesamt 280 Stunden als angemessen
erachtet wurde (vgl. vorstehend Ziff. 1.1.5.), können dem Verteidiger – nach Ab-
zug der Entschädigung von 73 Stunden für den Aufwand nach Anklageerhebung
– lediglich noch 207 Stunden für seinen Aufwand vor Anklageerhebung ange-
rechnet werden.
b) Der vom Verteidiger geltend gemachte Aufwand von 329 Stunden ist deshalb
– dies wiederum in Korrektur zur Vorinstanz (welche um 162 Stunden kürzte) –
um (weitere) 122 Stunden zu kürzen. Die Vorinstanz hat zutreffend festgestellt,
dass auch die für diesen Zeitraum in Rechnung gestellte Besprechungszeit von
rund 222 Stunden den Rahmen sprengt, und die Kürzung deshalb an dieser Posi-
tion vorzunehmen ist. Dem amtlichen Verteidiger kann deshalb für die Zeit vor
Anklageerhebung eine Besprechungszeit von lediglich (bzw. immerhin noch) 100
Stunden zugesprochen werden.
Da die Aufwendungen einer amtlichen Verteidigung seit dem 1. Januar 2015 neu
mit Fr. 220.– statt wie bisher mit Fr. 200.– pro Stunde entschädigt werden und der
amtliche Verteidiger sowohl vor als auch nach diesem Stichdatum Besprechun-
gen und Telefon- oder E-Mail-Kontakte mit dem Beschuldigten unterhielt, sind die
122 Stunden, um welche die Besprechungszeit insgesamt zu kürzen ist, anteils-
mässig entsprechend aufzuteilen. Wie die Vorinstanz anhand der Leistungsüber-
sicht ausrechnete, machte der amtliche Verteidiger für die Zeit vor dem 1. Januar
2015 Besprechungszeiten von rund 151 Stunden, und für die Zeit zwischen dem
- 119 -
1. Januar 2015 und dem 15. Oktober 2015 Besprechungszeiten von rund
71 Stunden geltend, was einem Verhältnis von ca. 68 % zu ca. 32 % entspricht.
Von den insgesamt abzuziehenden 122 Stunden sind folglich 68 %, was ca.
83 Stunden entspricht, von den geltend gemachten 151 Stunden vor dem
1. Januar 2015 abzuziehen. Rund 32 %, was ca. 39 Stunden entspricht, sind so-
dann von den geltend gemachten 71 Stunden nach dem 1. Januar 2015 abzuzie-
hen. Somit verbleiben immer noch rund 68 Stunden Besprechungszeit vor dem
1. Januar 2015 und rund 32 Stunden danach.
c) Wird die vor dem 1. Januar 2015 gekürzte Besprechungszeit von rund
83 Stunden von den für diesen Zeitraum geltend gemachten Gesamtaufwand von
rund 245 Stunden (vgl. vorstehend Ziff. 1.1.2) subtrahiert, entsteht ein anrechen-
barer Aufwand von 162 Stunden. Da dieser mit Fr. 200.– pro Stunde zu entschä-
digen ist, entsteht somit ein dem amtlichen Verteidiger zu entschädigender Betrag
von Fr. 32'400.–.
Bezüglich dem geltend gemachten Gesamtaufwand von rund 84 Stunden für den
Zeitraum vom 1. Januar 2015 bis zum 15. Oktober 2015 (vgl. vorstehend
Ziff. 1.1.2.) ist die gekürzte Besprechungszeit von rund 39 Stunden abzuziehen.
Die somit resultierenden ca. 45 Stunden sind mit Fr. 220.– pro Stunde zu ent-
schädigen, was einem Betrag von Fr. 9'900.– entspricht.
d) Dies führt zum Ergebnis, dass der amtliche Verteidiger für seine Bemühungen
vor Anklageerhebung mit insgesamt Fr. 42'300.– (für einen Aufwand von 207
Stunden) zu entschädigten ist.
1.1.8. Der amtliche Verteidiger machte zudem Barauslagen in der Höhe von
Fr. 904.30 für Telefonate mit dem Beschuldigten geltend. Davon fielen gemäss
der Berechnung der Vorinstanz Fr. 790.90 vor Anklageerhebung und Fr. 113.40
nach Anklageerhebung an. Da die Besprechungszeiten sowohl vor als auch nach
Anklageerhebung zu kürzen sind, ist diese Kürzung auch in Bezug auf die ent-
sprechenden Telefonkosten vorzunehmen. Dies führt dazu, dass von den in
Rechnung gestellten Barauslagen von insgesamt Fr. 5'688.– noch Fr. 666.35 ab-
- 120 -
zuziehen sind, wobei zur Begründung auf die zutreffende Berechnung der Vo-
rinstanz verwiesen werden kann (Urk. 91 S. 82 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
1.1.9. Zu berücksichtigen ist schliesslich, dass dem amtlichen Verteidiger am
16. September 2013, am 23. Mai 2014, am 9. Januar 2015 und am 7. September
2015 bereits Akontozahlungen in der Höhe von Fr. 14'201.40, Fr. 6'000.–,
Fr. 26'017.15 und Fr. 8'450.– und somit in der Gesamthöhe von Fr. 54'668.55
ausgerichtet wurden (Urk. 03.273; Urk. 03.279; Urk 03.306 und Urk. 09.031).
1.1.10. Rechtsanwalt lic. iur. X2._ ist folglich für folgende Aufwendungen zu
entschädigen:
- Honorar vor Anklageerhebung (207 Std): Fr. 42'300.00 - 162 Std. zu Fr. 200.– = Fr. 32'400.–
- 45 Std. zu Fr. 220.– = Fr. 9'900.– - Honorar nach Anklageerhebung 73 Std. zu Fr. 220.– Fr. 16'060.00 - Barauslagen Fr. 5'021.65
Auf diesen Gesamtbetrag von Fr. 63'381.65 ist die Mehrwertsteuer von 8.0 %
aufzurechnen. Der amtliche Verteidiger ist demnach insgesamt mit Fr. 68'452.20
aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
Unter Berücksichtigung der bereits ausgerichteten Akontozahlungen in der Höhe
von Fr. 54'668.55 sind Rechtsanwalt lic. iur. X2._ somit noch Fr. 13'783.70
auszuzahlen.
1.2. Übrige erstinstanzliche Kosten
Im Übrigen ist die vorinstanzliche Kostenfestsetzung (Dispositivziffer 6) zu bestä-
tigen.
2. Kosten des Berufungsverfahrens
2.1. Entschädigung von Rechtsanwältin MLaw X1._
2.1.1. Rechtsanwältin MLaw X1._ – welche vom 7. Dezember 2016 (vgl.
Urk. 145) bis zum Abschluss des Berufungsverfahrens als amtliche Verteidigerin
- 121 -
fungierte – fordert mit Honorarnote vom 14. Juni 2017 eine Entschädigung von
Fr. 39'228.80 (inkl. Auslagen von Fr. 6'311.20, inkl. MwSt., vgl. Urk. 165). In die-
ser Honorarnote sind die Bemühungen der amtlichen Verteidigung bis 14. Juni
2017 berücksichtigt. Die Verteidigerin macht darin einen Zeitaufwand von insge-
samt rund 137 Stunden geltend, in welchem (u.a.) ein Besprechungsaufwand
(persönlich, per E-Mail und Telefon) mit dem Beschuldigten von rund 30 Stunden
und ein Arbeitsaufwand von rund 100 Stunden enthalten ist. Der grösste Teil des
Arbeitsaufwandes stellt Aufwand für das Aktenstudium dar; hinzu kommt (u.a.)
der Aufwand zur Erstellung von Eingaben an das Gericht und des Plädoyers.
Für das Erstellen des Plädoyers ist der Verteidigerin – wie schon dem vormaligen
Verteidiger lic. iur. X2._ für das erstinstanzliche Verfahren – ein Aufwand von
rund 35 Stunden zuzubilligen. Hinsichtlich des restlichen Arbeitsaufwandes von
65 Stunden ist zu berücksichtigen ist, dass Rechtsanwältin MLaw X1._ erst
spät zum vorliegenden Strafverfahren hinzutrat und sich deshalb in die Akten des
Untersuchungsverfahrens, des erstinstanzlichen Verfahrens und des Berufungs-
verfahrens erst einzulesen hatte. Es erscheint deshalb nachvollziehbar, dass der
Aufwand für das Aktenstudium verhältnismässig umfangreich ausgefallen ist.
Nachdem dem vormaligen Verteidiger lic. iur. X2._ rund 40 Stunden zur Ein-
arbeitung in den Fall – der damals kurz vor Abschluss des Untersuchungsstadi-
ums stand – zugebilligt wurden, erscheint ein Arbeitsaufwand von rund 65 Stun-
den im Falle der aktuellen Verteidigerin, die das Verfahren zu einem wesentlich
späteren Zeitpunkt antrat, nicht unverhältnismässig. Unter Berücksichtigung der
speziellen Situation in Bezug auf den Beschuldigten erscheint sodann auch der
Besprechungsaufwand von rund 30 Stunden gerechtfertigt.
2.1.2. Mit ergänzender Honorarnote vom 23. Juni 2017 verlangt sie einen weite-
ren Betrag von Fr. 5'750.– (inkl. Auslagen von Fr. 228.– und MwSt.) für ihre Be-
mühungen ab dem 15. Juni 2017 (Urk. 171). Der geltend gemachte Aufwand von
rund 23 Stunden, in welchem die Berufungsverhandlung und Nachbesprechung
mit dem Klienten bereits berücksichtigt ist, erscheint angemessen. Hinzuzurech-
nen ist ein weiterer Aufwand von rund 3 Stunden im Zusammenhang mit der Ur-
teilseröffnung und Erläuterung.
- 122 -
2.1.3. Das von der amtlichen Verteidigerin geltend gemachte Honorar erscheint
demnach insgesamt als angemessen. Es ist somit auf (gerundet) Fr. 46'000.–
(inkl. Barauslagen und MwSt.) festzusetzen und die Verteidigerin entsprechend zu
entschädigen.
2.2. Entschädigung der übrigen amtlichen Verteidigungen
Die Rechtsanwälte lic. iur. X2._, Dr. iur. X5._ und Dr. iur. X6._ –
welche zuvor die amtliche Verteidigung des Beschuldigten im Berufungsverfahren
wahrgenommen hatten – sind gemäss ihren, je angemessen erscheinenden Ho-
norarnoten zu entschädigen:
• Rechtsanwalt lic. iur. X2._ demnach mit Fr. 2'527.60, inkl. MwSt.
(vgl. Urk. 109/2),
• Rechtsanwalt Dr. iur. X5._ mit Fr. 2'460.65 (vgl. Urk. 113) und
• Rechtsanwalt Dr. iur. X6._ mit Fr. 11'344.15 (vgl. Urk. 147).
Diese Entschädigungen sind den Rechtsanwälten bereits ausgezahlt worden.
2.3. Übrige Kosten
Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr ist auf Fr. 5'000.– festzusetzen.
3. Kostenauflage
3.1. Der Beschuldigte erzielte einen Teilfreispruch und unterliegt demnach mit
seiner Berufung lediglich teilweise.
3.2. Entsprechend diesem Verfahrensausgang sind die Kosten der Untersuchung
und beider Gerichtsverfahren, mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidi-
gungen sowie der forensisch-psychiatrischen Stellungnahme vom 8. September
2014, dem Beschuldigten lediglich zur Hälfte aufzuerlegen und im Übrigen auf die
Gerichtskasse zu nehmen.
- 123 -
3.3. Die Kosten der amtlichen Verteidigungen sind auf die Gerichtskasse zu
nehmen; vorzubehalten ist eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO im
Umfang der Hälfte.
3.4. Wie die Vorinstanz zutreffend ausgeführt hat (Urk. 91 S. 77), wurde die fo-
rensisch-psychiatrische Stellungnahme im vorliegenden Verfahren in erster Linie
zur Beurteilung der vom Beschuldigten ausgehenden Gefahr für die Untersu-
chungsbehörden nötig und hatte schliesslich keine Auswirkungen auf die Feststel-
lung des Sachverhalts. Aus diesen Gründen sind die Kosten der forensisch-
psychiatrischen Stellungnahme vom 8. September 2014 vorbehaltlos auf die Ge-
richtskasse zu nehmen.
B. ENTSCHÄDIGUNGSFOLGEN
1. Entschädigung des Privatklägers B._
1.1. Entschädigungsumfang
Die Privatklägerschaft hat gegenüber der beschuldigten Person Anspruch auf ei-
ne angemessene Entschädigung für notwendige Aufwendungen im Verfahren,
soweit sie obsiegt (Art. 433 StPO).
Entsprechend dem vorliegenden Verfahrensausgang hat der Privatkläger B._
hinsichtlich des gesamten Verfahrens Anspruch auf eine angemessene reduzierte
(konkret: hälftige) Prozessentschädigung.
1.2. Entschädigung für das erstinstanzliche Verfahren
1.2.1. Der Privatkläger liess vor Vorinstanz mit Eingabe vom 21. März 2016 eine
volle Prozessentschädigung in der Höhe von Fr. 24'519.25 (inkl. Spesen und
MwSt.) für seine Vertretung durch Rechtsanwalt lic. iur. Y._ geltend machen
(Urk. 67).
Die Vorinstanz hielt sowohl den geltend gemachten Aufwand von 62.67 Stunden
als auch den eingesetzten Stundenansatz von Fr. 350.– als insgesamt zu hoch.
Als angemessen erachtete sie demgegenüber einen Stundenansatz von Fr. 280.–
- 124 -
und einen Aufwand von 36 Stunden. Die geltend gemachten Spesen von
Fr. 830.– erachtete sie als nicht belegt und daher nicht entschädigungsfähig.
Insgesamt hielt die Vorinstanz eine volle Entschädigung von lediglich
Fr. 10'886.40 (inkl. 8.0 % MwSt.) für angemessen.
1.2.2. Der Privatkläger B._ hat diesen Entscheid der Vorinstanz mit An-
schlussberufung angefochten und stellt wie im erstinstanzlichen Verfahren den
Antrag, die (volle) Prozessentschädigung sei auf Fr. 24'510.25 festzusetzen (vgl.
vorstehend Ziff. I.3).
1.2.3. Die Vorinstanz hat die Kürzung des Stundenansatzes von Fr. 350.– auf
Fr. 280.– nicht weiter begründet. Entgegen ihrer Auffassung kann der Stunden-
satz von Fr. 350.– des erbetenen Vertreters des Privatklägers B._ noch nicht
als überhöht erachtet werden, bewegt sich dieser doch gerade noch im Rahmen,
wie er von § 17 AnwGebV abgesteckt wird.
1.2.4. Die Kürzung des Aufwands von 62,67 Stunden auf 36 Stunden wurde von
der Vorinstanz damit begründet, dass in Anbetracht dessen, dass die Rechtsver-
tretung eines Privatklägers primär der Durchsetzung von Zivilansprüchen diene,
insbesondere die geltend gemachten Besprechungen von mehr als 10 Stunden in
dieser Höhe nicht notwendig seien, zumal auch gar keine Zivilansprüche gestellt
worden seien. Angemessen erscheine neben dem für die Teilnahme an Einver-
nahmen geltend gemachten Aufwand von rund 28 Stunden lediglich noch eine
Entschädigung für weitere 8 Stunden Bearbeitungszeit.
Der Vertreter des Privatklägers moniert zu Recht (vgl. 161 S. 3 f.), dass seitens
der Vorinstanz unberücksichtigt blieb, dass sich die geltend gemachten Aufwen-
dungen auf den doch relativ langen Zeitraum von über vier Jahren beziehen. Die
geltend gemachte Besprechungszeit von 10,75 Stunden verteilt sich auf vier Be-
sprechungen in diesen vier Jahren, was als noch angemessen erscheint. Auch
die übrigen geltend gemachten Aufwandpositionen (8,75 Stunden für Aktenstudi-
um, 15 Studium für diverse Eingaben und Stellungnahmen, Mails Telefonate etc.;
vgl. Urk. 161 4 ff.) – auf welche die Vorinstanz nicht eingegangen war – sind aus-
- 125 -
gewiesen und erscheinen nebst den unbestrittenen 28 Stunden für Einvernahmen
als angemessen angesichts der langen und zwei Verfahren betreffenden Dauer
von 4 Jahren.
Der Vertreter des Privatklägers weist sodann zu Recht darauf hin, dass die gel-
tend gemachten Spesen von Fr. 830.– in seiner Eingabe vom 21. März 2016 an
die Vorinstanz entgegen deren Auffassung ausreichend substantiiert dargetan
worden sind (vgl. Urk. 67 S. 2 Rz. 5). Auch diese Position ist deshalb liquide und
berechtigt.
Die geltend gemachte Prozessentschädigung in voller Höhe von Fr. 24'510.25
(inkl. 8.0 % MwSt.) ist somit ausgewiesen und erscheint angemessen.
1.2.5. Dem Antrag des Privatklägers, den Beschuldigten solidarisch mit E._
zur Bezahlung einer Prozessentschädigung zu verpflichten, ist aufgrund derer
gemeinsamen Tatbeteiligung zu folgen, was bereits die Vorinstanz erkannte.
1.2.6. Der Beschuldigte hat dem Privatkläger B._ somit für das erstinstanzli-
che Verfahren unter solidarischer Haftung mit E._ eine reduzierte Prozess-
entschädigung im Umfang der Hälfte des vom Privatkläger geltend gemachten
und ausgewiesenen Betrages zu bezahlen.
1.3. Entschädigung für das Berufungsverfahren
1.3.1. Der Privatkläger B._ fordert für das Berufungsverfahren eine volle
Prozessentschädigung von Fr. 3'048.50 (inkl. MwSt.) und verlangt, dass der Be-
schuldigte und der Mitbeschuldigte E._ solidarisch zu verpflichten seien, die-
se Parteientschädigung zu leisten (Urk. 161 S. 6).
1.3.2. Die geforderte Prozessentschädigung ist ausgewiesen (vgl. die Honorarno-
te vom 8. Juni 2017, Urk. 163) und erscheint auch angemessen.
1.3.3. Entsprechend dem Verfahrensausgang steht dem Privatkläger B._
somit für das Berufungsverfahren eine reduzierte Prozessentschädigung im Um-
fang der Hälfte des vorgenannten Betrags zu.
- 126 -
1.4. Fazit
Der Beschuldigte ist somit unter solidarischer Haftung mit dem Mitbeschuldigten
E._ zu verpflichten, dem Privatkläger B._ für das gesamte Strafverfah-
ren eine reduzierte Prozessentschädigung von (gerundet) Fr. 13'800.– zu bezah-
len.
2. Entschädigung des Beschuldigten
2.1. Der Beschuldigte liess – für den Fall des verlangten vollumfänglichen Frei-
spruchs – den Antrag stellen, er sei für die rechtswidrige Verzögerung des Straf-
verfahrens sowie die dadurch erlittenen nachteiligen wirtschaftlichen und gesund-
heitlichen Folgen angemessen zu entschädigen (Urk. 169 S. 2 und S. 53 ff.
Rz. 236-245).
2.2. Wie bereits ausgeführt, war dem Beschuldigten unter dem Titel einer relativ
langen Verfahrensdauer eine marginale Strafminderung zuzuerkennen, womit ei-
ne entsprechende Verfahrensverzögerung kompensiert wurde. Darüber hinaus ist
eine rechtswidrige Verzögerung des Strafverfahrens entgegen der Auffassung der
Verteidigung nicht auszumachen. Dem Beschuldigten ist deshalb keine Entschä-
digung zuzusprechen.

## Considerations