# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 0fa5d230-9b97-5406-903d-4919b923a8fa
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Im Dezember 2013 wurde die Gemeinde Leubringen/Evilard durch die
Beschwerdeführerin darauf aufmerksam gemacht, dass die Beschwerdegegner auf der
Terrasse im ersten Obergeschoss der Liegenschaft an der Route F._ 33 eine
Sichtschutzwand mit einer Höhe von über 2 m errichtet hätten, ohne dafür eine
Baubewilligung eingeholt zu haben. Mit Schreiben vom 27. Januar 2014 forderte die
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Gemeinde die Beschwerdegegner auf, ein nachträgliches Baugesuch einzureichen oder
die Sichtschutzwand auf eine Länge von 4 m zu begrenzen und eine Kopie der
privatrechtlichen Dienstbarkeit betreffend Bauen auf fremdem Grundstück zukommen zu
lassen.
Die Beschwerdegegner reichten am 10. Juli 2014 ein nachträgliches Baugesuch bei der
Gemeinde ein für den Bau einer Sichtschutzwand auf den Parzellen Leubringen/Evilard
Grundbuchblatt Nr. E._ in der Kernzone B und Nr. G._ in der Zone für
öffentliche Nutzungen. Gegen das Bauvorhaben erhob die Beschwerdeführerin
Einsprache. Mit Verfügung vom 28. September 2015 erteilte die Gemeinde die
Baubewilligung.
2. Dagegen reichte die Beschwerdeführerin am 23. Oktober 2015 Beschwerde bei der
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragt den
vollständigen Rückbau der Sichtschutzwand und damit sinngemäss die Aufhebung der
Baubewilligung vom 28. September 2015, die Erteilung des Bauabschlags und die
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Mit Stellungnahme vom 27. November
2015 beantragt die Gemeinde, die Beschwerde sei abzuweisen. Von den
Beschwerdegegnern ging keine Eingabe ein.
4. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191).
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1. Eintretensvoraussetzungen
Bauentscheide können nach Art. 40 BauG2 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit für die Beurteilung
der Beschwerde zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die
Einsprecher im Rahmen ihrer Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde
(Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführerin, deren Einsprache abgewiesen wurde, ist
Eigentümerin einer Wohnung in der vom Bauvorhaben betroffenen Liegenschaft. Sie ist
durch den vor-instanzlichen Entscheid beschwert und daher zur Beschwerdeführung
legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Unterzeichnung des Baugesuchs, Zustimmung der Stockwerkeigentümer
a) Die vorliegend umstrittene und bereits realisierte Sichtschutzwand befindet sich
zwischen den beiden Gebäuden an der Route F._ 33 und 35. Das Haus an der
Route F._ 33 (Parzelle Leubringen/Evilard Grundbuchblatt Nr. E._) ist auf
vier Stockwerkeigentümereinheiten aufgeteilt; die Wohnung im unteren Erdgeschoss
gehört der Beschwerdeführerin, die Wohnung im Obergeschoss den Beschwerdegegnern.
Das Haus an der Route F._ 35 (Parzelle Leubringen/Evilard Grundbuchblatt
Nr. G._) gehört den B._ im Alleineigentum; es handelt sich um die
J._. Die Sichtschutzwand befindet sich auf Höhe des Obergeschosses im Bereich
des vorbestehenden Geländers der von den Beschwerdegegnern genutzten Terrasse.
Unterhalb der Sichtschutzwand (Höhe Erdgeschoss) befindet sich eine Aussentreppe,
welche als Zugang zur Stockwerkeinheit der Beschwerdeführerin dient, sowie ein
öffentlicher Lift der Bergstation. Gemäss den bewilligten Plänen weist die Sichtschutzwand
eine Höhe von 2 m auf; die Länge beträgt 4.65 m, wovon sich 1.35 m auf der Parzelle der
Beschwerdegegner (Leubringen/Evilard Grundbuchblatt Nr. E._) und 3.3 m auf der
Parzelle der B._ (Leubringen/Evilard Grundbuchblatt Nr. G._) befinden.
b) Die Beschwerdeführerin bringt vor, sie sei als Eigentümerin einer Stockwerkeinheit in
der betroffenen Liegenschaft von den Beschwerdegegnern bei der vorsätzlich und illegal
2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721).
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ausgeführten Montage der Sichtschutzwand weder miteinbezogen noch informiert worden.
Bis zum heutigen Zeitpunkt sei sie weder von der Baubehörde noch von den
nachträglichen Gesuchstellenden avisiert worden. Sie bringt damit sinngemäss vor, dass
das Bauvorhaben ohne ihre Zustimmung als Stockwerkeigentümerin nicht hätte bewilligt
werden dürfen. Zu bemängeln sei weiter die einseitige Gesuchstellung ausschliesslich
durch die Beschwerdegegner ohne Eigentümerschaft der Parzelle Leubringen/Evilard
Grundbuchblatt Nr. G._.
c) Nach Art. 10 Abs. 2 BewD3 ist bei Bauten auf fremdem Boden die unterschriftliche
Zustimmung der Grundeigentümerin bzw. des Grundeigentümers beizubringen. Mit dieser
Vorschrift soll vermieden werden, dass sich die Behörden mit Baugesuchen befassen
müssen, die aus zivilrechtlichen Gründen nie verwirklicht werden können, weil ihnen die
Grundeigentümerschaft nicht zustimmt. Die Vorschrift will demnach unnötigen
Verwaltungsaufwand vermeiden und soll sicherstellen, dass der Baugesuchsteller ein
schutzwürdiges Interesse an der Beurteilung des Gesuchs hat. Sie bezweckt aber nicht,
umstrittene private Rechte, die dem Bauvorhaben entgegenstehen könnten, im
Baubewilligungsverfahren statt im dafür vorgesehenen Zivilverfahren zu prüfen. Die
Bestimmung dient damit nicht dem Schutz Dritter (Nachbarn oder anderer
Einsprechenden). Die Mitunterzeichnung durch den Grundeigentümer/die
Grundeigentümerin ist daher entbehrlich, wenn der oder die Gesuchstellende auch bei
fehlender Zustimmung ein eigenes schutzwürdiges Interesse an der Beurteilung des
Baugesuchs hat. Dies trifft unter anderem dann zu, wenn er oder sie ein nachträgliches
Baugesuch stellt. In derartigen Fällen ist das Bauvorhaben bereits realisiert und muss von
den Baubewilligungsbehörden auf seine Übereinstimmung mit den bau- und
planungsrechtlichen Vorschriften überprüft werden. Da die Realisierung des Vorhabens in
solchen Fällen durch die Grundeigentümerschaft nicht verhindert wurde, kann es nicht
Aufgabe der Baubewilligungsbehörde oder der Rechtsmittelinstanzen sein zu überprüfen,
ob die privatrechtliche Zustimmung der Grundeigentümerschaft zum realisierten
Bauvorhaben in der einen oder anderen Form existiert oder existiert hat.4
d) Vorliegend handelt es sich um ein nachträgliches Baubewilligungsverfahren, da die
Sichtschutzwand bereits realisiert wurde. Das schutzwürdige Interesse der
3 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1). 4 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 2 N. 4a, Art. 34 N. 10; VGE 100.2012.164 vom 7. Januar 2013, E. 2.2.
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Beschwerdegegner an der Beurteilung des nachträglichen Baugesuchs ist daher zu
bejahen, weshalb die Gemeinde zu Recht darauf eintrat. Ob das Baugesuch durch die
Grundeigentümerin der Parzelle Leubringen/Evilard Grundbuchblatt Nr. G._ hätte
unterschrieben werden müssen bzw. rechtsgenüglich unterschrieben wurde, ist jedoch eine
zivilrechtliche Frage, die nach dem Gesagten (E. 2c) im nachträglichen
Baubewilligungsverfahren nicht zu prüfen ist.
Ebenso wenig ist hier die Frage zu prüfen, ob das Bauvorhaben die Zustimmung aller
anderen Stockwerkeigentümer/Stockwerkeigentümerinnen der Parzelle Leubringen/Evilard
Grundbuchblatt Nr. E._ benötigt hätte. Der Beschwerdeführerin bleibt es
vorbehalten, diesen Punkt auf dem Zivilrechtsweg vorzubringen. Vorliegend jedoch ist auf
diese Rügen nicht einzutreten.
e) Soweit die Beschwerdeführerin sinngemäss vorbringt, sie sei im nachträglichen
Baubewilligungsverfahren auch von der Behörde nicht avisiert worden, kann dies nicht
nachvollzogen werden. Der Beschwerdeführerin wurde das Schreiben der Gemeinde an
die Beschwerdegegner vom 27. Januar 2014 mit der Aufforderung zur Einreichung eines
nachträglichen Baugesuchs in Kopie zugestellt. Das danach eingereichte Baugesuch
wurde der Beschwerdeführerin mit Einschreiben vom 14. Juli 2014 bekannt gemacht, so
dass diese fristgerecht Einsprache erheben konnte. Der Bauentscheid der Gemeinde vom
28. September 2015 wurde der Beschwerdeführerin schliesslich ebenfalls mit
eingeschriebener Post eröffnet. Ihre Rüge erweist sich als unbegründet.
3. Verschlechterung des Mikroklimas
a) Die Beschwerdeführerin rügt, die Sichtschutzwand bewirke eine Verschlechterung
des Mikroklimas durch Fallwinde, neue Wasser- und Schneeablagerungen sowie
Sonneneinstrahlungs- und Wärmeverluste im Bereich des Treppenabgangs zu ihrer
Stockwerkeigentümereinheit. Die Glaswand mit einer Fläche von über 10 Quadratmeter sei
zudem starkem Winddruck und Wasseranfall ausgesetzt. Das Risiko von Schäden habe
sich damit erhöht und der Unterhaltsbedarf habe für sie zugenommen. Es seien bereits
regelmässig grössere Wasseransammlungen im Erschliessungsbereich zu ihrer
Stockwerkeinheit festgestellt worden. Das von der Sichtschutzwand abfliessende Wasser
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habe zu sichtbaren Schäden am untersten Fassadenisolationsrand und der
Kellerinnenwand geführt.
Die Beschwerdeführerin macht damit einen finanziellen Schaden geltend, da die
Sichtschutzwand und das dadurch veränderte Mikroklima zu Schäden am Gebäude und zu
einem erhöhten Unterhaltsbedarf führe. Die Beurteilung von Schadenersatzansprüchen
fällt jedoch in die Zuständigkeit der Zivilgerichte. Für die Geltendmachung von
Ersatzansprüchen im Zusammenhang mit allfälligen nachteiligen Auswirkungen der
Sichtschutzwand auf den Zugangsbereich ihrer Stockwerkeinheit bzw. mit dem damit
verbundenen, erhöhten Unterhaltsbedarf ist die Beschwerdeführerin daher auf den
Zivilrechtsweg zu verweisen. Dies ist nicht Gegenstand des öffentlich-rechtlichen
Baubewilligungsverfahrens. Auch auf diese Rügen ist daher nicht einzutreten.
b) Die Beschwerdeführerin bringt zudem vor, auf dem unmittelbar unter der erstellten
Glaswand bestehenden öffentlichen Liftzugangs- und Vorplatzbereich mit viel
Publikumsverkehr bestehe durch die Mehrmengen an Schnee, Eis, Regen und Schmutz
eine erhöhte Unfallgefahr.
Grundsätzlich sind nach Art. 21 Abs. 1 BauG Bauten und Anlagen so zu erstellen, zu
betreiben und zu unterhalten, dass weder Personen noch Sachen gefährdet werden.
Personen und Sachen dürfen nach Art. 57 Abs. 1 BauV5 weder durch den Bauvorgang
noch durch den Bestand oder Betrieb von Bauten und Anlagen gefährdet werden. Die
Bauherrschaft ist nach dieser Bestimmung zudem verpflichtet, bei der Erstellung von
Bauten und Anlagen die anerkannten Regeln der Baukunde einzuhalten; mehr wird mit
wenigen Ausnahmen im Baurecht nicht verlangt. Dass die Regeln der Baukunde
eingehalten werden müssen, galt auch bei der Erstellung der vorliegend umstrittenen
Sichtschutzwand. Die Nichtbeachtung der Regeln der Baukunde kann nicht nur
zivilrechtliche Schadenersatzansprüche, sondern auch ein strafrechtliches Verfahren nach
sich ziehen (Art. 229 StGB6).
Die Beschwerdeführerin behauptet zwar, dass es aufgrund der Sichtschutzwand und des
dadurch veränderten Mikroklimas im Liftzugangs- und Vorplatzbereich zu mehr Schnee-,
Wasser- und Schmutzablagerungen gekommen sei. Dass die Beschwerdegegner jedoch
5 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1). 6 Schweizerisches Strafgesetzbuch vom 21. Dezember 1937 (StGB; SR 311.0)
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beim Bau der Sichtschutzwand die Regeln der Baukunde nicht eingehalten haben sollen,
begründet sie nicht näher und dies ist auch nicht erkennbar. Sollten die Beschwerdegegner
trotzdem die Regeln der Baukunde missachtet haben und dadurch ein Schaden entstehen,
so wären sie dafür nach dem Gesagten zivilrechtlich haftbar.
Die auf den Fotos der Beschwerdeführerin erkennbaren feuchten Stellen und kleineren
Wasserlachen im Bereich des Vorplatzes lassen zudem noch auf keine erhöhte
Unfallgefahr schliessen; auch bleibt offen, ob diese Wasseransammlungen überhaupt auf
die Sichtschutzwand zurückzuführen sind oder ob dieses Problem nicht auch schon vorher
bestand. Es ist zwar nicht auszuschliessen, dass aufgrund der Sichtschutzwand etwas
mehr Wasser in den Erschliessungsbereich gelangt als bisher und damit etwa im Winter
etwas grössere Eisflächen entstehen könnten. Alleine deswegen ist nicht von einer
erhöhten Unfallgefahr auszugehen. So bleibt es Aufgabe der betroffenen Grundeigentümer
im Rahmen des ordentlichen Unterhalts, dass ihre Erschliessungsbereiche sicher
begehbar sind. Auch diesbezüglich bleibt es den betroffenen Grundeigentümern
vorbehalten, einen allfälligen, durch die Sichtschutzwand verursachten Mehraufwand für
die Unterhaltsarbeiten auf dem Zivilrechtsweg einzufordern.
4. Ästhetik
a) Die Beschwerdeführerin äussert ästhetische Bedenken. Die Sichtschutzwand passe
in das Gesamtbild "wie die Faust aufs Auge". Der nicht nur bei Schönwetter prominent und
diffus einfallende Schattenwurf auf das Milchglas erzeuge eine Art "Laterna Magica mit
Szenenwechsel".
Die Gemeinde entgegnet, weder die Liegenschaft Route F._ 33 noch die zwei
nachbarlichen Gebäude (Route F._ 31 und 35) seien im Bauinventar als
schützens- oder erhaltenswert aufgeführt. Es bestünden also relativ tiefe Anforderungen an
die Ästhetik. Die Baubewilligungsbehörde sei daher nicht verpflichtet, ästhetische
Einwände zu prüfen.
b) Laut Art. 9 Abs. 1 BauG dürfen Bauten und Anlagen die Landschaften, Orts- und
Strassenbilder nicht beeinträchtigen. Diese Vorschrift stellt die „ästhetische Generalklausel“
im Sinne eines allgemeinen Beeinträchtigungsverbots dar. Eine Beeinträchtigung liegt vor,
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wenn ein Bauvorhaben einen Gegensatz zur bestehenden Überbauung schafft, der
erheblich stört. Die Gemeinden dürfen eigene Ästhetikvorschriften erlassen, die über die
kantonalen Vorschriften hinausgehen können. Derartige Vorschriften müssen, um
selbständige Bedeutung zu erlangen, konkreter gefasst sein als die Anordnungen des
kantonalen Rechts, sie dürfen Letztere nicht bloss allgemein anders formulieren.7
Das Baureglement der Gemeinde Leubringen/Evilard (GBR)8 enthält folgende
Bestimmungen zur Gestaltung von Bauten und Anlagen: Nach Art. 26 GBR müssen alle
Bauten und Anlagen architektonisch gut gestaltet werden. Sie sind hinsichtlich ihrer
Gesamterscheinung, ihrer Einzelheiten und Proportionen so auszubilden, dass zusammen
mit den bestehenden oder vorauszusehenden Bauten eine gute einheitliche
Gesamtwirkung entsteht.
Diese Bestimmung geht weiter als Art. 9 Abs. 1 BauG; ihr kommt daher selbständige
Bedeutung zu. Bei ihrer Auslegung und Anwendung kann sich die Gemeinde zudem auf
die Gemeindeautonomie berufen. Es ist somit vorab Sache der Gemeinde, zu bestimmen,
wie sie ihre Ästhetikvorschrift verstanden haben will. Die BVE als Rechtsmittelinstanz hat
nur zu prüfen, ob die Auslegung durch die Gemeinde rechtlich haltbar ist.9
An das Erfordernis der guten Gesamtwirkung dürfen nicht unverhältnismässig hohe
Ansprüche gestellt werden. Die gute Gesamtwirkung ist weder an geringen noch an
besonders hohen architektonischen Qualitäten zu messen. Das bedeutet bei
durchschnittlichen örtlichen Gegebenheiten, dass das Mittelmass der Umgebung nicht
gestört werden darf und sich eine neue Baute oder Anlage an den qualitativ
hochwertigeren Bauten und Anlagen der Umgebung zu orientieren hat.10
c) Die umstrittene Sichtschutzwand befindet sich im Perimeter der Baugruppe A
"Evilard, Route F._", welche grosse Teile dieser Hauptstrasse umfasst. Sie liegt
zwischen den beiden Gebäuden an der Route F._ 33 und 35. Sie ist daher vom
öffentlichen Raum nur sehr beschränkt einsehbar. Zu erkennen ist sie im
Erschliessungstrakt zwischen den beiden Gebäuden und damit auch auf der Route
7 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 9/10 N. 4 und 13; BVR 2009 S. 328 E. 5.2 mit Hinweisen. 8 Baureglement der Gemeinde Leubringen/Evilard, genehmigt durch das AGR am 29. September 1998. 9 VGE 22887 vom 21.08.2007, E. 4.3, mit Hinweisen. 10 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 9/10 N. 4a; BVR 2009 S. 329 E. 5.3, BVR 2006 S. 491 E. 6.3.1.
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F._, jedoch einzig auf Höhe dieses Zwischenganges (vgl. Fotos in den Vorakten).
Die Fotos machen deutlich, dass die Sichtschutzwand aus Milchglas nicht prominent oder
auffällig, und schon gar nicht störend in Erscheinung tritt. Weder bei den beiden
betroffenen Gebäuden Route F._ 33 und 35 noch bei den unmittelbar
umliegenden Häusern (Route F._ 31, gegenüber Route F._ 34 und 36
sowie Chemin H._ 2) handelt es sich um Baudenkmäler. Das unmittelbare
Umgebungsbild der betroffenen Baugruppe mit verschiedenen Baudenkmälern
(schützenswerte Gebäude an der Route F._ 29 und 40 sowie am Chemin
I._ 1; erhaltenswertes Gebäude am K._ 2) wird durch die umstrittene
Sichtschutzwand aufgrund deren Lage zwischen den beiden Gebäuden an der Route
F._ 33 und 35 nicht beeinträchtigt.
Insgesamt hat die Sichtschutzwand keinen negativen Einfluss auf das Umgebungsbild und
stört die Baudenkmäler der Baugruppe A nicht; sie ist damit aus ästhetischer Sicht
unproblematisch. Auch die Beschwerdeführerin begründet nicht näher, wieso sich dieses
Bauvorhaben störend auf die Umgebung auswirken sollte. Ein diffuser Schattenwurf auf
dem Milchglas alleine vermag bei dieser beschränkten Einsehbarkeit noch keine schlechte
Gesamtwirkung dieser Baute mit den umliegenden Bauten zu erzeugen. Die Gemeinde hat
daher die ästhetischen Bedenken der Beschwerdeführerin im Ergebnis zu Recht
abgewiesen.
5. Mangelhafte Pläne
a) Die Beschwerdeführerin bemängelt das auf alten Bauplänen basierende Baugesuch
mit falschen Massangaben (etwa Höhe 2 m statt 2.14 m). Zudem bringt sie vor, auf den
Gesuchsplänen werde die bestehende Aussentreppe westseits als Zugang zum unteren
Erdgeschoss und Eingangsbereich als der meist beeinträchtigte, höchst sensible
Gebäudeteil einfach unterschlagen.
b) Ob die Sichtschutzwand wie von der Beschwerdeführerin behauptet 2.14 m hoch ist
oder wie in den Plänen angegeben 2 m, ist vorliegend irrelevant. So ist die
Baubewilligungspflicht des Vorhabens vorliegend unabhängig von dieser Differenz
unbestritten; auch würde die von der Beschwerdeführerin behauptete Höhe nichts an der
materiellrechtlichen Beurteilung ändern.
RA Nr. 110/2015/150 10
c) Ebenso irrelevant ist das Fehlen der Aussentreppe in den Gesuchsplänen. Die
baulichen Veränderungen beschränken sich auf die Sichtschutzwand; mit den vorliegenden
Plänen lässt sich ein vollständiges Bild des umstrittenen, bereits realisierten Bauvorhabens
erhalten.
6. Kosten
a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt die Beschwerdeführerin. Sie hat die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG11). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 800.00 (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1
GebV12).
b) Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 Abs. 1 und 4 VRPG).