# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** ced53d70-13ca-42a0-9fe1-e34c8d877ac6
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2004
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1957, meldete sich am 31. Januar 2001 bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug an und beantragte die Abgabe von Hörgeräten (Urk. 7/16 Ziff. 7.8).
Nach erfolgter ohrenärztlicher Abklärung (vgl. Urk. 7/8), Geräteanpassung (vgl. Urk. 7/11) und ohrenärztlicher Schlussexpertise (vgl. Urk. 7/3) erliess die So
zialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, die Verfügung vom 17. Februar 2003, gemäss welcher sie Kosten im Betrag von Fr. 4'271.70 über
nahm und den Selbstbehalt der Versicherten auf Fr. 2'056.25 bezifferte (Urk. 7/2 = Urk. 3/12). Dagegen erhob
X._
am 11. März 2003 Einsprache (Urk. 7/7 = Urk. 3/13). Die IV-Stelle wies die Einsprache am 1. Juli 2003 ab (Urk. 7/1 = Urk. 2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 1. Juli 2003 (Urk. 2) erhob die Versicherte am 27. August 2003 Beschwerde mit dem sinngemässen Antrag auf volle Kos
tenübernahme (Urk. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 29. September 2003 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (Urk. 6).
Am
22.
Oktober
2003 wurden Dr. med.
Y._
, Facharzt FMH
ORL,
speziell Hals- und Gesichtschirurgie, ergänzende Fragen unterbreitet (Urk. 8), welche dieser am 2. November 2003 beantwortete (Urk. 11). Die Parteien machten
von
der
ihnen
eingeräumten
Möglichkeit, dazu Stellung zu nehmen (Urk.
13), innert Frist keinen Gebrauch (Urk. 15-16).

## Considerations

Der Einzelrichter zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die massgebenden rechtlichen Grundlagen betreffend die Abgabe von Hilfsmit
teln durch die Invalidenversicherung, insbesondere Art. 21 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG), sind im angefochtenen Entscheid zutreffend wiedergegeben (Urk. 2 S. 1 f.
lit
. a-f). Darauf kann verwiesen werden.
1.2
Von besonderer Bedeutung ist vorliegend die Bestimmung, wonach Hilfsmittel in einfacher und zweckmässiger Ausführung abgegeben werden und durch eine andere Ausführung verursachte zusätzliche Kosten von der versicherten Person zu tragen sind (Art. 21 Abs. 3 IVG). Vergütet wird die Ausführung, die im Ein
zelfall notwendig, aber auch genügend ist (BGE 124 V 110
Erw
. 2a mit Hin
weisen).
1.3
Im Bereich der Hörgeräteversorgung wird zur Beurteilung der behinderungsbe
dingt erforderlichen Ausführung eine Einteilung in drei Indikationsstufen vor
genommen. Die Indikationsstufe bestimmt den durch die Invalidenversicherung zu bezahlenden Betrag und wird durch die Ohrenärztin oder den Ohrenarzt er
mittelt.
Das Erfordernis der Einfachheit und Zweckmässigkeit bedeutet nicht in jedem konkreten Fall eine absolute Bindung an die ermittelte Indikationsstufe. Es kann im Einzelfall vorkommen, dass die im Rahmen der gegebenen Indikationsstufe verfügbaren Geräte den Anforderungen, die sich aus der Gehörschwäche erge
ben, nicht zu genügen vermögen. Wenn das Vorliegen einer solchen Ausnah
mesituation fachärztlich bestätigt und begründet wird, kann auch ein kostspie
ligeres Gerät abgegeben werden (vgl. Entscheid des Eidgenössischen Versiche
rungsgerichts vom 17. Januar 2000 i. S. F., I 479/99,
Erw
. 3c).
2.
2.1
Dr.
Y._
diagnostizierte in seiner Expertise vom 18. Mai 2001 eine hochgra
dige
sensorineurale
Schwerhörigkeit beidseits und eine unklare diskriminations
bedingte
sensorineurale
Schwerhörigkeit beidseits mit positivem
Recruitment
(Urk. 7/6 oben). Er ermittelte eine Gesamtpunktzahl von 62, entsprechend der Indikationsstufe 2 (Urk. 7/6 unten).
2.2
Im Rahmen der Schlussexpertise vom 17. Januar 2003 stellte Dr.
Y._
nach erfolgter Geräteanpassung fest, dass die Expertise mit 17 von 20 Punkten be
stan
den sei. Aufgrund der hereditär bedingten verminderten Auflösungsfä
hig
keit des Innenohrs sei leider nur eine begrenzte Verbesserung erreichbar (Urk. 7/3 S. 2 unten).
2.3
In Beantwortung der ihm unterbreiteten Ergänzungsfragen (vgl. Urk. 8) führte Dr.
Y._
am 2. November 2003 aus, basierend auf den entsprechenden Richtlinien erreiche die Beschwerdeführerin eine Punktzahl von 62, was der In
dikationsstufe 2 entspreche (Urk. 11 S. 1 Ziff. 1.1). Sodann führte Dr.
Y._
aus, die Beschwerdeführerin habe sich über einen Zeitraum von rund acht Mo
naten intensiv um eine der Norm entsprechende, stufengerechte und für ihren Alltag genügende Hörversorgung bemüht (Urk. 11 S. 1 Ziff. 1.2).
Die Frage, ob die gewählte Versorgung bezogen auf die individuelle audiologi
sche Situation der Beschwerdeführerin als einfach und zweckmässig bezeichnet werden könne oder ob es sich um die bestmöglich Versorgung handle, sprenge den strengen Rahmen der
Expertisenrichtlinien
. Die „individuelle audiologische Situation“ der Beschwerdeführerin sei äusserst komplex (Urk. 11 S. 2 oben):
Sie leide unter Hyperakusis mit
Tinnituswahrnehmungen
(Urk. 11 S. 2
lit
. a). Sodann sei der Hörverlust nicht gleichmässig, sondern in allen Frequenzberei
chen unterschiedlich; deshalb habe die Beschwerdeführerin in lärmigem Umfeld ein doppeltes Handicap: einerseits sei ihre Hörfähigkeit im Sprachbereich schlecht, andererseits höre sie Störlärm besonders gut (Urk. 11 S. 2
lit
. b). Schliesslich sei die Beschwerdeführerin als Kauffrau tätig und das Hörvermögen ein zentrales Element ihrer Berufstätigkeit; noch wichtiger sei dies lediglich bei Lehrpersonen (Urk. 11 S. 2
lit
. c).
Zusammenfassend hielt Dr.
Y._
fest, dass, alle Punkte kombiniert, hier nur eine „bestmögliche“ Versorgung dem einfachen Zweck einer optimalen Arbeits- und Lebensfähigkeit entspreche. Wenn man den Rahmen der Richtlinien auf die individuelle Sondersituation erweitere und die erwähnten, nicht alltäglichen Elemente einbeziehe, sei in seinen Augen nur die vorgenommene Anpassung gerechtfertigt (Urk. 11 S. 2 unten).
3.
Dr.
Y._
unterscheidet in der Stellungnahme, die er in Beantwortung der ihm unterbreiteten ergänzenden Fragen ab
ge
geben hat (vgl. vorstehend
Erw
. 2.3), in nachvollziehbarer Weise zwischen dem, was in Anwendung der einschlägi
gen Richtlinien resultiert (Indikationsstufe 2), und dem, was unter Berücksichti
gung der konkreten, ausserordentlich komplexen audiologischen Situation der Beschwerdeführerin als Versorgung unerlässlich erscheint und deshalb dem Kriterium der Einfachheit und Zweckmässigkeit zu entsprechen vermag, obwohl die entsprechenden Kosten über dem Maximum der ermittelten Indikationsstufe liegen.
Die Stellungnahme von Dr.
Y._
ist differenziert und leuchtet in der Darle
gung der medizinischen Zusammenhänge ein, so dass auch deren Schlussfol
gerungen zu überzeugen vermögen.
Somit ist eine Situation gegeben, welche es ausnahmsweise erlaubt, über die Leistungspflicht gemäss der ermittelten Indikationsstufe hinauszugehen (vgl. vorstehend
Erw
. 1.3).
Daraus folgt, dass die Beschwerdeführerin Anspruch hat, dass die durch die vorge
nommene Hörgeräteversorgung entstandenen Kosten von Fr. 6'327.95 (Fr. 4'271.70 + Fr. 2’056.25; vgl. Urk. 7/10) ohne Auferlegung eines Selbst
be
halts vollumfänglich von der Beschwerdegegnerin übernommen werden.