# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b656910c-8253-5138-9089-2a64046f6783
**Court:** FR_TC
**Chamber:** FR_TC_011
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** FR / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt
A. A._, geboren im Jahre 1970, und B._, geboren im Jahre 1965, heirateten im Jahre 1994. Sie haben zwei, in den Jahren 1992 und 1994 geborene Kinder. Das Paar lebt seit April 2008 getrennt, der Ehemann wohnt in C._ und die Ehefrau, zusammen mit den Kindern, in D._. Mit Verfügung vom 15. Juli 2008 erliess der Gerichtspräsident des Sensebezirks die für das Getrenntleben erforderlichen Eheschutzmassnahmen, namentlich wurde der Ehemann verpflichtet, für die Kinder einen Unterhaltsbeitrag von je 400 Franken pro Monat zu bezahlen.
B. A._ wird seit 2005 vom Sozialdienst der Stadt Freiburg und seine Frau B._ von jenem der Gemeinde D._ wirtschaftlich unterstützt. Am 30. September 2014 erliess die Sozialkommission der Stadt Freiburg folgenden Entscheid:
"1. Deckung Ihres Budgets ab dem 01.09.2014, berechnet nach den Sozialhilfenormen und unter Abzug all Ihrer gegenwärtigen und künftigen Einnahmen.
2. Die Deckung Ihres Sozialhilfebudgets wird ab 31. Oktober 2014 gestrichen.
(Begründung : fehlende Absicht, sich von Ihrer Ehefrau zu trennen oder zu scheiden. Sie haben die Möglichkeit,
wieder ein gemeinsames Leben mit Ihrer Frau aufzunehmen, um so Ihre Auslagen wie doppelte Miete und
Unterhaltspauschale, die auf die Sozialhilfe abgewälzt werden, zu reduzieren; Sie verzichten auf die
wirtschaftlichen Vorteile, welche Ihnen ein Trennungs- oder Scheidungsverfahren namentlich im Rahmen der
Aufhebung des ehelichen Güterstandes oder der Zuteilung der Familienwohnung bringen könnte; gemäss dem
Subsidiaritätsprinzip ist aber die Sozialhilfe nicht dazu da, Leistungen zu kompensieren, auf die Sie verzichten).
Die Deckung Ihres Sozialhilfebudgets ist allerdings an folgende Bedingungen geknüpft:
- Ihre minimale Integrationszulage wird gestrichen und Ihre Unterhaltspauschale ebenfalls um 15% gekürzt
(Begründung: Nichteinhalten der von der Sozialkommission gestellten Bedingungen zur Regelung Ihrer
Ehegemeinschaft; Sie haben sich im März 2014 bei der Arbeitslosenversicherung abgemeldet)".
Gegen diesen Entscheid liess A._ am 29. Oktober 2014 Einsprache einreichen und unter anderem beantragen, dass über den 30. Oktober 2014 hinaus Sozialhilfeleistungen ausbezahlt werden. Die Sozialkommission wies die Einsprache am 16. Januar 2015 ab, fügte aber ergänzend hinzu, dass A._ jederzeit Nothilfe erhalten könne (Mahlzeiten- und , Leistungen der medizinischen Grundversorgung). Zur Begründung brachte sie im  vor, dass A._ am 25. Februar 2014 verpflichtet worden sei, die Gemeinschaft mit seiner Frau mit einer Trennung oder einer Scheidung zu einem Abschluss zu führen. Dies sei jedoch nicht geschehen. Eheleute hätten die Verpflichtung zum gegenseitigen Unterhalt. Wenn sie sich trennten, dann müsse der Partner, welcher um Sozialhilfe ersuche, Unterhaltsbeiträge oder jeden anderen wirtschaftlichen Vorteil beantragen. Aufgrund des Subsidiaritätsprinzips seien alle möglichen Ressourcen zu aktivieren. Die Anwendung dieses Prinzips betreffe auch die Scheidung, welche Punkte regle, die über Eheschutzmassnahmen hinausgingen (güterrechtliche , Ausgleich der beruflichen Vorsorge; Zuteilung der Wohnung, Verteilung des ). Da A._ kein Scheidungs- oder Trennungsverfahren einleite, würde ihm die  entgehen, Einnahmen oder wirtschaftliche Vorteile zu erhalten, was nicht durch Sozialhilfe kompensiert werden könne. Ein Ehepaar, welches zwei Haushalte führe, verursache bedeutsame zusätzliche Kosten. Wenn es aber zusammenlebe, könnten sich die Eheleute gegenseitig  und den Haushalt gemeinsam besorgen. Im konkreten Fall wollten die Eheleute weder ein Trennungs- oder Scheidungsverfahren durchführen noch das gemeinsame Leben wieder . Indem sie weiterhin zwei Haushalte aufrechterhalten, würden sie zusätzliche Kosten verur-
Kantonsgericht KG
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sachen, die auf die Öffentlichkeit abgewälzt würden. Diese Situation widerspreche dem Grundsatz der Schadensbegrenzung und jenem der Gleichbehandlung. Gewiss könne die Sozialkommission ein Ehepaar nicht zwingen, gerichtliche Schritte (Eheschutzmassnahmen, Durchführen eines Trennungs- oder Scheidungsverfahren) einzuleiten oder das Eheleben wieder aufzunehmen. Aber unter dem Gesichtspunkt der Gewährung von Sozialhilfeleistungen könne dieser oder jener , den eine Person treffe, Auswirkungen darauf haben, ob Sozialhilfe gewährt werde oder nicht.
Die Massnahme, die minimale Integrationszulage zu streichen und die Unterhaltspauschale um 15% zu kürzen, beziehe sich auf die Monate September und Oktober 2014, als die Deckung des Sozialhilfebudgets noch sichergestellt gewesen sei. Ab dem 1. November 2014 (und nicht am 31. Oktober 2014) sei die Deckung des Sozialhilfebudgets vollständig suspendiert worden. Die  der Sanktion, Streichung der Integrationszulage und die Kürzung um 15%, stehe somit nicht mehr zur Debatte; die Sanktion sei lediglich während zwei Monaten angewendet worden und somit für eine begrenzte Dauer.
Schliesslich hält die Sozialkommission in ihrem Entscheid fest, dass die Streichung der Sozialhilfe für eine unbestimmte Dauer gültig sei. Sobald sich die Situation von A._ ändere,  wenn er die von der Sozialkommission gestellten Bedingungen für die Hilfegewährung erfülle, könne ein neues Gesuch um Sozialhilfe geprüft werden. Dies werde aber nur dann möglich sein, wenn A._ ein Scheidungs- oder Trennungsurteil vorlege oder wenn er auf dem Gebiet der Gemeinde Freiburg wiederum mit seiner Ehefrau zusammenlebe.
C. Am 23. Januar 2015 gelangte A._ mit Beschwerde an das Kantonsgericht. Er , dass in Aufhebung des Einspracheentscheids vom 16. Januar 2015 die Sozialkommission anzuweisen sei, ab dem 1. November 2014 wieder den Mietzins zu bezahlen und ihm unverzüglich Sozialhilfe zu gewähren. Subsidiär sei die Massnahme, die minimale Integrationszulage zu  und die Unterhaltspauschale um 15% zu kürzen, zeitlich zu beschränken. Schliesslich seien ihm keine Verfahrenskosten aufzuerlegen, da er bedürftig und seine Beschwerde nicht  sei.
Die Sozialkommission reichte am 13. Februar 2015 eine Vernehmlassung ein und beantragte, auf die Beschwerde nicht einzutreten oder, subsidiär, diese abzuweisen. A._ reichte am 20. Februar 2015 unaufgefordert eine weitere Stellungnahme ein.

## Considerations

Erwägungen