# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 20a895d6-c399-4fbd-a04c-4291870c6544
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Die 1961 geborene X._ bezieht seit September 2007 eine ganze Invalidenrente (Urk. 7/39). Im März 2014 leitete die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, eine Rentenrevision ein (Urk. 7/52). Nach Einho
lung von Auskünften der behandelnden Ärzte (Urk. 7/54, Urk. 7/57) beauftragte sie die Y._ mit einer psychiatrischen Begutachtung (Gutachten vom 29. März 2016, Urk. 7/72/2-19). Daraufhin forderte sie die Versicherte mit Schreiben vom 4. Juli 2016 unter Hinweis auf ihre Schadenminderungspflicht auf, sich einer adäquaten antidepressiven Medikation sowie einer regelmässigen Psychotherapie mit Augenmerk auf das ausgeprägte Vermeidungsverhalten und Ausschleichen der Benzodiazepine zu unterziehen (Urk. 7/75). Nach Durchfüh
rung des Vorbescheidverfahrens (Urk. 7/76 ff.) hob die Verwaltung mit Verfü
gung vom 28. Oktober 2016 die rentenzusprechende Verfügung vom 12. März 2010 wiedererwägungsweise auf und stellte die bisher ausgerichtete Rente ein (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob X._ am 28. November 2016 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren um Aufhebung der angefochtenen Verfügung und weitere Aus
richtung einer ganzen Invalidenrente. Daneben ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 23. Januar 2017 schloss die Verwaltung auf teilweise Gutheissung der Be
schwerde und Rückweisung der Angelegenheit an sie zwecks Durchführung von Eingliederungsmassnahmen (Urk. 6 S. 2). Mit Eingabe vom 28. Februar 2017 hielt die Beschwerdeführerin am gestellten Antrag fest (Urk. 13 S. 2), worüber die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 6. März 2017 orientiert wurde (Urk. 14).

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss einem allgemeinen Grundsatz des Sozialversicherungsrechts kann die Verwaltung auf formell rechtskräftige Verfügungen oder Einspracheent
scheide, die nicht Gegenstand materieller richterlicher Beurteilung gebildet haben, zu
rückkommen, wenn sie zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (
Art.
53 Abs. 2 des Bundesgeset
zes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]; BGE 133 V 50 E. 4.1).
Die Wiedererwägung dient der Korrektur einer anfänglich unrichtigen Rechtsan
wendung einschliesslich unrichtiger Feststellung im Sinne der Wür
digung des Sachverhalts. Das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit ist in der Regel er
füllt, wenn eine Leistungszusprache aufgrund falsch oder unzu
treffend verstan
dener Rechtsregeln erfolgt ist oder wenn massgebliche Best
immungen nicht oder unrichtig angewandt wurden. Anders verhält es sich, wenn der Wiederer
wägungsgrund im Bereich materieller Anspruchsvoraus
setzungen liegt, deren Beurteilung notwendigerweise Ermessenszüge auf
weist. Erscheint die Beurtei
lung einzelner Schritte bei der Feststellung solcher Anspruchsvoraussetzungen (Invaliditätsbemessung, Arbeitsunfähigkeits
schätzung, Beweiswürdigung, Zu
mutbarkeitsfragen) vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leis
tungszusprechung darbot, als vertretbar, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus. Zweifellos ist die Unrich
tigkeit, wenn kein vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass die Verfügung unrichtig war. Es ist nur ein einziger Schluss
derjenige auf die Unrichtigkeit der Verfügung
denkbar (Bundesgerichtsurteil
9C_135/2014 vom 14. Mai 2014
E. 3 mit Hinweisen).
Damit genügt ei
ne voraussetzungslose Neubeurteilung der invaliditätsmässi
gen Voraussetzungen nach ständiger Rechtsprechung nicht, um eine Invali
denrente auf dem Wege der Wiedererwägung herabzusetzen oder gar aufzu
heben. Denn eine Reduktion der Rente unter dem Titel "Wiedererwägung" kann
wie darge
legt
nur bei Unvertretbarkeit der ursprünglichen Renten
zusprache erfolgen, drohte die Wiedererwägung in einer Vielzahl (langjähri
ger) Rentenbezugsver
hältnisse ansonsten doch zum Instrument einer solchen voraussetzungslosen Neuprüfung zu werden, was sich mit dem Wesen der Rechtsbeständigkeit for
mell zugesprochener Dauerleistungen nicht vertrüge (Bundesgerichtsurteil 8C_678/2012 vom 1. Februar 2013 E. 2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die wiedererwägungsweise Rentenaufhe
bung damit, dass die Rentenzusprache mit Verfügung vom 12. März 2010 im Wesentlichen auf dem psychiatrischen Gutachten von Dr. med. Z._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 22. Juni 2009 (Urk. 7/29) basiere; die gestellte psychiatrische Diagnose sei klar als falsch zu taxieren, weshalb die damalige Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auf falschen Grundlagen beruht habe. Im Rahmen der aktuellen Rentenrevision sei eine neue, umfassende, medi
zinische Abklärung in Auftrag gegeben worden. Laut Gutachten der Y._ vom 29. März 2016 (Urk. 7/72/2-19) seien die persönlichen Res
sourcen der Beschwerdeführerin erheblich. Es bestehe eine 50%ige Arbeitsfähig
keit in angestammter und angepasster Tätigkeit. Eine Gesamtwürdigung aller Einschränkungen und Ressourcen habe ergeben, dass es der Beschwerdeführerin trotz ihrer Beschwerden zumutbar sei, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Mit den im Schreiben bezüglich Schadenminderungspflicht erwähnten Massnahmen sei eine wesentliche Verbesserung des Zustandes mittel- bis langfristig zu errei
chen. Es sei eine Arbeitsfähigkeit bis zirka 75-80 % zu erwarten. Jegliche tiefere Arbeitsfähigkeit sei aus medizinischer Sicht auf Symptomaggravation und mo
tivatorische Hindernisse zurückzuführen (Urk. 2 S. 2 f.).
2.2
Demgegenüber stellt sich die Beschwerdeführerin im Wesentlichen auf den Stand
punkt, dass Dr. Z._s
Gutachten vom
Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD)
geprüft und mit Bezug auf Diagnose
n
und Arbeitsfähigkeitseinschätzung als nachvollziehbar erachtet
worden sei, weshalb kein Wiedererwägungsgrund gegeben sei
(Urk. 1 S. 5
f.
)
. Eine Aufhebung oder Reduktion der Invalidenrente infolge eines verbesserten Gesundheitszustandes komme nicht in Frage, denn gemäss dem
Gutachten der
Y._
handle es sich um einen unver
änderten Gesundheitszustan
d
(Urk. 1 S. 6 f.). Schliesslich sei sie bei Erlass der angefochtenen Verfügung bereits 55 Jahre alt gewesen, womit die Rentenein
stellung solange nicht gerechtfertigt sei, als die Beschwerdegegnerin die Wie
dereingliederung nicht aktiv gefördert und sie nicht hinreichend auf die berufli
che Eingliederung vorbereitet habe (Urk. 1 S. 7).
3.
3.1
Die Rentenzusprechung
im
März 2010
beruhte im Wesentlichen
auf
dem
psychiat
rischen Gutachten von Dr.
Z._
vom 22. Juni 2009 (Urk.
7/29) sowie auf der Stellungnahme des RAD-Arztes Dr. med. A._, Facharzt für Innere Me
dizin, vom 8. Juli 2009 (Urk. 7/33 S. 4).
3.1.1
Im psychiatrischen Gutachten vom 22. Juni 2009 (Urk. 7/29) stellte Dr. Z._ folgende Diagnosen:
-
Mittelgradige Depression (ICD-10 F32.1)
-
Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
Weiter gab der Gutachter an, die Explorandin sei „derart traurig und in dem Ereignis“ [Ermordung des zweiten Ehemannes durch den Ex-Ehemann], dass es wirke, „als ob es erst gestern geschehen sei“. Sie fühle sich energie-, initiativ- und freudlos sowie traurig. Ihr Selbstvertrauen sei gesunken. Sie leide unter Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Schlafstörungen, gesteigertem Ap
petit und wiederkehrenden Gedanken an den Tod. Bei einer reinen Addition der Kriterien müsste eine schwere depressive Episode diagnostiziert werden, was aber nicht ganz dem klinischen Eindruck entspreche. Gesamthaft sei eher von einer mittelgradigen depressiven Episode auszugehen. Einerseits sei die Depres
sion klar reaktiv bedingt. Eine reaktive Depression (ICD-10 F43) im Sinne der ICD-10 wäre jedoch leichteren Ausmasses und von kürzerer Dauer. Gegen eine rezidivierende depressive Störung spreche, dass der Zustand zwar etwas fluktu
iere, es aber keine klar voneinander getrennte Episoden mit dazwischen liegen
den symptomfreien Zeiten von mindestens zwei Monaten gebe, sondern der Zustand mehr oder weniger seit dem Jahr 2000 so bestehe, mit einer leichten Tendenz zur Verschlechterung. Um sowohl dem Schweregrad wie auch der Dauer der Erkrankung gerecht zu werden, werde hier eine depressive Episode diagnostiziert (S. 7).
Die Depression werde begleitet von Symptomen einer posttraumatischen Belas
tungsstörung. Die Beschwerdeführerin erlebe anhaltend die Situation wieder, in der sie vom Tod des Ehemannes erfahren habe, vor allem nachts, aber auch tagsüber. Sie habe jahrelang im Gefühl der massiven Bedrohung durch den späteren Mörder gelebt. Selbst jetzt rechne sie noch im Gefühl mit der anhal
tenden Bedrohung. Sie habe sowohl den Täter wie auch das Opfer gekannt und könne sich so einen eigenen Film der Tat konstruieren, was auch nachts im Traum passiere. Der Mord selbst könne darüber hinaus auch als Ereignis be
trachtet werden, das nochmals die ganze Bedrohlichkeit der von der Exploran
din selbst erlebten Situation anhaltender und aussergewöhnlicher Bedrohung verdeutliche und nochmals akzentuiere. Deshalb sei das Kriterium A als Äqui
valent zu betrachten. Die Beschwerdeführerin erlebe anhaltende Erinnerungen mit Wiedererleben der Mitteilung vom Tod des Mannes durch die Polizei. Ebenso laufe im Schlaf ein sich wiederholender Film ab, in dem sie den Mord anhand von vielen Informationen zu den beteiligten Personen und zum Tatort plastisch rekonstruiere. Werde die anhaltende Atmosphäre der Bedrohung durch den Mann als traumatisierende Situation miteinbezogen, lägen auch dafür le
bendige Erinnerungen vor (Kriterium B). Die Beschwerdeführerin vermeide Um
stände, die sie an den Mord erinnern könnten. So habe sie keine Ahnung vom Aufenthaltsort des Ex-Mannes, obwohl sie sich von ihm bedroht fühle und aus diesem Grund eigentlich darüber informiert sein müsste, um sich besser schüt
zen zu können (Kriterium C). Ferner zeige sie anhaltende Symptome einer er
höhten psychischen Sensivität und Erregung mit einer erhöhten Schreckhaf
tigkeit (Kriterium D). Die Ein- und Durchschlafstörungen sowie die Konzentrati
onsschwierigkeiten könnten auch als Symptome der Depression verstanden werden. Die Symptome seien innerhalb eines Monats aufgetreten (Kriterium E; S. 7).
Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit gab der Gutachter an, es müsse berücksichtigt werden, dass die Beschwerdeführerin unter einer chronischen und komplexen Symptomatik mit eindeutigem Krankheitswert leide. Sie habe nur minimale Ressourcen, auf die in der Therapie zurückgegriffen werden könne. Die Symp
tomatik sei aber prinzipiell psychopharmakologisch und psychotherapeutisch behandelbar, und ihr sei diese Behandlung zumutbar (S. 7). Die Arbeitsfähigkeit sei unter Einbezug der zumutbaren Willensanstrengung auf 20 % angegeben, da neben der grossen Belastung durch depressive und posttraumatische Symptome die geringen Ressourcen berücksichtigt werden müssten. Bei der obigen Ar
beitsfähigkeit sei ein sekundärer Krankheitsgewinn bereits berücksichtigt (S. 8 f.).
3.1.2
RAD-Arzt Dr. A._ gab in seiner Stellungnahme vom 8. Juli 2009 (Urk. 7/33 S. 4) an, im Gutachten werde plausibel dargelegt, dass zusätzlich zur nicht in Zweifel gezogenen Diagnose einer Depression tatsächlich Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden. Es bestehe eine chronische und komplexe Symptomatik mit eindeu
tigem Krankheitswert. Das Gutachten sei umfassend, beruhe auf einer Diskus
sion der Vorakten, der Anamnese und der eigenen Untersuchung und komme zu plausiblen Schlussfolgerungen, denen man sich anschliessen könne. Für bishe
rige wie angepasste Tätigkeit sei von einer 80%igen Arbeitsunfähigkeit auszu
gehen.
3.2
In dem im Rahmen des Revisionsverfahrens in Auftrag gegebenen Gutachten der Y._ vom 29. März 2016 (Urk. 7/72/2-19) wurden folgende Diagnosen gestellt (S. 11):
-
Mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
-
Low-Dose-Benzodiazepinabhängigkeit
Laut Angaben der Versicherten den Gutachtern gegenüber hatte sie 2000 bis 2015 alle zwei Wochen bei Dr. med. B._, Facharzt für Psychiatrie und Psy
chotherapie, einen Gesprächstermin auf Deutsch gehabt, und steht seit 2015 beim praktischen Arzt und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie C._ in Behandlung, mit monatlichen Terminen (S. 9). Dem Gutachten lässt sich so
dann entnehmen, dass der Psychiater C._ im Rahmen der von den Gutach
tern eingeholten Fremdanamnese angegeben hatte, die Beschwerdeführerin erst dreimal gesehen zu haben. Er könne keine genaueren Auskünfte über sie geben, da sie nur zu Kurzkonsultationen gekommen sei, wo es um Einschätzung der Suizidalität und Verschreibung der Medikamente gegangen sei. Sie sei schwer zugänglich und habe ein niedriges Strukturniveau. Eine Psychologin in der Pra
xis betreue sie auf emotionaler Ebene. Aufgrund der Sprachbarriere kommuni
ziere diese mit Händen und Füssen. Dennoch habe der Psychiater C._ das Gefühl geäussert, dass die Versicherte von den Gesprächen mit der Psychologin profitiere (S. 10).
Weiter führten die Gutachter aus, bei der Versicherten zeige sich eine seit 2000 bestehende, leicht- bis mittelgradige Depression. Diese habe unterschiedliche Auswirkungen auf ihren Gesundheitszustand gehabt. Aufgrund von Anfällen, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen habe
die Versicherte
ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen können, so dass ihr gekündigt worden sei. Bei den An
fällen, welche hauptsächlich während der Arbeit oder bei Arztbesuchen aufge
treten seien, habe sie hyperventiliert, die Augen verdreht, sei nicht ansprechbar gewesen und zu Boden gesunken. Innerhalb weniger Minuten habe sie sich wie
der erholt. Drei Arbeitsversuche in den Jahren 2004 bis 2007 seien an dieser Symptomatik gescheitert. Eine antidepressive Medikation sei aktenanamnestisch nur im Jahr 2009 dokumentiert, wobei unklar sei, wie lange und in welcher Dosierung das Antidepressivum eingenommen worden sei. Der langjährige Verlauf habe schliesslich zu einer chronifizierten Symptomatik geführt (S. 11).
Mit Bezug auf die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung stellten die Gutachter fest, das Kriterium A gemäss der ICD-10 Klassifikation sei nicht erfüllt, da die Versicherte nicht unmittelbare Zeugin des gewaltsamen Todes des Ehemannes gewesen sei. Die im Gutachten von Dr. Z._ 2009 dennoch ge
stellte Diagnose lasse sich allenfalls anhand des amerikanischen Klassifika
tionssystems DSM-5 diskutieren, wobei nach diesem Klassifikationssystem im deutschsprachigen Raum üblicherweise keine Diagnosen gestellt würden. Aber auch weitere Kriterien seien nicht erfüllt. Das Kriterium B (anhaltende Erinne
rungen oder Wiedererleben der Belastung durch aufdringliche Nachhallerinne
rungen, sich wiederholende Träume) treffe auf die Patientin nicht zu. Es würden auf Nachfrage keine anhaltenden Erinnerungen oder Albträume berichtet. Das Kriterium C (Umstände, die der Belastung ähneln oder mit ihr im Zusammen
hang stünden, würden möglichst vermieden) treffe nicht zu. Ein- und Durch
schlafstörungen, Reizbarkeit oder Wutausbrücke, Hypervigilanz, erhöhte Schreckhaftigkeit (Kriterium D) seien bei der Patientin nicht vorhanden. Sie be
richte, nachts gut schlafen zu können. Die angegebenen Konzentrationsschwie
rigkeiten seien am ehesten im Rahmen der depressiven Symptomatik zu inter
pretieren. Zusammenfassend seien die Kriterien einer posttraumatischen Belas
tungsstörung nicht erfüllt (S. 12 f.).
Zum diagnostizierten Abhängigkeitssyndrom gaben die Gutachter an, die Versi
cherte berichte, seit 15 Jahren täglich 1-2 mg Lorazepam zu konsumieren. Die
ses helfe ihr beim Ein- und Durchschlafen. Sie gingen von einer Low-Dose-Ben
zodiazepinabhängigkeit aus, da die Kriterien starkes Verlangen zum Konsum und körperliches Entzugssyndrom, die eine Low-Dose-Abhängigkeit unterhiel
ten, sehr wahrscheinlich erfüllt seien und von den vier übrigen ICD-10 Merk
malen einer Abhängigkeit keines vorliege (S. 13).
Die depressive Symptomatik sei leicht bis mittelgradig ausgeprägt. Durch den langjährigen Krankheitsverlauf müsse von einer mittlerweile chronifizierten De
pression vor dem Hintergrund fehlender Veränderungsmotivation ausgegangen werden. Unter der Voraussetzung einer adäquaten antidepressiven Medikation sowie konsequenter psychiatrisch-psychotherapeutischer Betreuung sei eine
Ar
beitsfähigkeit
von 50 % gegeben. Erschwerend komme sicherlich die fehlende Motivation zur Arbeit hinzu, welche nicht depressionsbedingt sei, da die Versi
cherte im Alltag jeweils in der Lage sei, sich regelmässig mit ihren Freundinnen zu treffen (S. 14). Der reduzierte Antrieb und die reduzierte Konzentration führten zu einer verminderten Leistungsfähigkeit, wobei auch hier an die man
gelnde Veränderungsmotivation gedacht werden müsse (S. 15). Die früher aus
geübten Tätigkeiten bei der D._ und später im Reinigungsdienst stellten be
reits angepasste Tätigkeiten dar, so dass hier im Bereich der Hilfsarbeitertätig
keit kein Unterschied zu angepasster Tätigkeit mehr vorgenommen werde (S. 16).
Aktuell sei eine prognostische Einschätzung der Entwicklung des Gesundheitszu
standes und der Arbeitsfähigkeit der Versicherten schwierig. Bei einer eingetretenen Chronifizierung sei die Prognose grundsätzlich eher un
günstig. Allerdings sei aus psychiatrischer Sicht 15 Jahren nach dem Ereignis durchaus eine namhafte Besserung zu erwarten. Es werde empfohlen, eine adä
quate antidepressive Medikation zu initiieren. Die Versicherte habe derzeit keine antidepressive Medikation. Des Weiteren werde empfohlen, das Augenmerk auf das ausgeprägte Vermeidungsverhalten der Versicherten zu richten und den Ge
brauch von Benzodiazepinen sobald als möglich auszuschleichen. Eine Therapie im stationären Rahmen sei zumutbar und sinnvoll, weil sich dadurch die Ar
beitsfähigkeit langfristig bessern könne und ein positiver Effekt im Hinblick auf die depressive Episode erwartet werden dürfe. Hier sei an Selbstwertstärkung, Tagesstruktur und positive Aktivitäten gedacht. Die Therapien würden zu die
sem Zeitpunkt noch nicht ausgeschöpft (S. 17).
Abschliessend hielten die Gutachter fest, dass es sich im Wesentlichen um einen seit 2009 unveränderten Gesundheitszustand handle, dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit anders beurteilt würden (S. 18).
3.3
RAD-Arzt Dr. med. E._, Facharzt für Allgemeine Medizin, bestätigte in seiner Stellungnahme vom 12. Mai 2016 (Urk. 7/74 S. 5 f.) die von den Gut
achtern der Y._ gestellten Diagnosen. Weiter bemerkte er, e
ine
p
osttraumatische Belastungsstörung
sei
klar nicht gegeben, da keines der ver
langten Kriterien erfüllt
sei
. Die chronifizierte mittelgradige
d
epressive Störung
sei
mit den Hauptkriterien
der n
iedergedrückte
n
Stimmung und
des reduzierten
Antrieb
s
gegeben. Als Nebenkriterien
lägen
Verlust des Selbstvertrauens oder des Selbstwertgefühls,
v
ermindertes D
enk- und Konzentrationsvermögen sowie
Unschlüssigkeit
vor
. Aufgrund des langjährigen Bestehens der Befunde, ohne dazwischen liegende symptomfreie Zeiten,
sei
eine
Chronifizierung zu postulie
ren.
Aufgrund der Befunde
sei
die
Beschwerdeführerin
als
zu
50
%, beziehungsweise an
4
Stunden pro
Tag
arbeitsfähig
zu taxieren. Jegliche tiefere
Arbeitsfähigkeit sei
auf Symptomaggravation und motivatorische Hindernisse zurückzuführen. Die Arbeit sollte eine geringe kognitive Herausforderung
beinhalten. Im Privat
bereich zeige
die Beschwerdeführerin ein deutlich
hohes Aktivitätsniveau. Sie
treffe
sich regelmässig mit Freundinnen, was mit Freude
und Zufriedenheit ge
schehe.
Sie
habe
guten Kontakt zu den Kindern
aus erster Ehe. Sie benutze
problemlos die öffentlichen Verkehrsmittel. Einmal im Jahr unternehme sie eine Busreise nach Mazedonien und besuche dort die Familie für
zwei bis drei
Wo
chen.
D
ie objektiven Befunde
seien
gegenüber 2009
zwar in etwa gleich. D
ie Einschätzung
von
deren Auswirkung
en
sei jedoch anders
.
Dabei sei klarzustel
len
, dass die früher gestellte Diagnosen einer
posttraumatischen Belastungsstö
rung, die
auch in die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit eingeflossen sei, als
klar falsch zu taxieren
sei
.
Somit habe
die frühere Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit
klar auf falschen Grundlagen
beruht
. Daher
sei
die aktuelle Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit auf 50 %
dem gesamten Störungsbild eindeutig besser entspre
chend als die frühere
,
höhere
Arbeitsunfähigkeit.
Unter einer adäquaten antidepressiven Medikation und regelmässiger Psychothe
rapie mit Augenmerk auf das ausgeprägte Vermeidungsverhalten und Ausschleichen der Benzodiazepine könne mittel- bis langfristig eine Besserung bis hin zu einer Arbeitsfähigkeit von zirka 75 % bis 80 % erreicht werden.
4.
4.1
Das für
ein wiedererwägungsweises Zurückkommen auf den Rentenentscheid
unter anderem notwendige Erfordernis der erheblichen Bedeutung der Berichti
gung der seinerzeitigen Verfügung
ist
angesichts der zur Diskussion stehenden Dauerleistung ohne weiteres gegeben (BGE 119 V 480; ferner Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Aufl., 2015, N 58 zu Art. 53 ATSG). In Frage steht die zwei
fel
lose Unrichtigkeit.
4.2
4.2.1
Die Rentenzusprechung im Jahr 2010 beruhte gemäss dem ihr zugrunde liegen
den psychiatrischen Gutachten von Dr.
Z._
vom 22. Juni 2009 (E. 3.1.1) so
wie der Stellungnahme des RAD-Arztes Dr.
A._
vom 8. Juli 2009 dazu (E. 3.1.2) auf den Diagnosen einer posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) sowie einer mittelgradigen Depression (ICD-10 F32.1).
Mit Bezug auf die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung ist zu
nächst festzuhalten, dass tatsächlich fraglich erscheint, ob die
–
zwar
unbe
strittenermassen sehr belastende
Mitteilung des Todes des Ehemannes bezie
hungsweise dessen Ermordung durch den Ex-Ehemann als traumatisches Ereig
nis im Sinne von ICD-10 F43.1 angesehen werden darf. Danach wird eine post
traumatische Belastungsstörung anerkannt, wenn sie als eine verzögerte oder protrahierte Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation ausserge
wöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigen Ausmasses entsteht, die in fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde. Hiezu gehören eine durch Naturereignisse oder von Menschen verursachte Katastrophe, eine Kampfhand
lung, ein schwerer Unfall oder der Umstand, Zeuge des gewaltsamen Todes an
derer oder selbst Opfer von Folterung, Terrorismus, Vergewaltigung oder ande
rer Verbrechen zu sein (ICD-10 F43.1; Weltgesundheitsorganisation, Internatio
nale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diag
nostische Leitlinien, 9. Auflage, Bern 2014, S. 207). Dass die Beschwerdeführe
rin
ihren
Schicksalsschlag subjektiv als äusserst traumatisch erlebt hat, ändert daran nichts. Eine weniger einschränkende Formulierung des Belastungskriteri
ums und damit auch die Berücksichtigung von Ereignissen, die keine ausserge
wöhnliche Katastrophe darstellen, dennoch aber im Erleben eines Patienten eine Traumatisierung auslösen können, mag therapeutisch Sinn machen. Für die Leistungsberechtigung in der Invalidenversicherung, welche zwangsläufig eine gewisse Objektivierung verlangt, kann das subjektive Empfinden nach ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung aber nicht massgebend sein (vgl. dazu
un
ter anderem die
Urteile des Bundesgerichts 9C_554/2009 vom 18.
August 2009 E. 6 mit Hinweisen
sowie
9C_775/2009 vom 12. Februar 2010 E. 4.1).
Zwar enthält das Klassifikationssystem DSM-5 eine weniger einschränkende Formulierung des Belastungskriteriums und anerkennt damit auch Ereignisse, die keine aussergewöhnliche Katastrophe darstellen, dennoch aber im Erleben eines Patienten eine Traumatisierung auslösen können. Ob unter diesen Um
ständen die Diagnose der posttraumatisc
hen Belastungsstörung nach DSM
zu
Recht gestellt w
urde
wobei diese Frage von den Gutachtern der
Y._
nicht abschliessend beantwortet wurde
, kann jedoch offen blei
ben. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist auf die Kriterien nach ICD-10 abgestellt und eine invalidisierende posttraumatische Belastungsstörung nur anerkannt worden, wenn sie nach einem traumatisierenden Ereignis von aussergewöhnlicher Schwere auftritt wie zum Beispiel nach Vergewaltigung oder mehrmonatiger Lagerhaft, nicht aber zum Beispiel nach Verkehrsunfall (vgl. in Bezug auf die
4.
Fassung des DSM
das
Urteil des Bundesgerichts 9C_554/2009 vom 18. August 2009 E. 6 mit und zahlreichen Hinweisen auf die damalige Rechtsprechung).
Aus diesen Gründen vermag
die
von Dr.
Z._
im psychiatrischen Gutachten vom 22. Juni 2009 gestellte Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstö
rung
selbst unter dem Blickwinkel der damaligen Rechtspraxis
keineswegs zu überzeugen.
4.2.2
Unter diesen Umständen hätte
der RAD-Arzt
Dr.
A._
in der für die Rentenzuspra
che massgebenden Stellungnahme vom 8. Juli 2009 (Urk. 7/33 S. 4;
E. 3.1.2)
genauer darlegen
müssen
, ob
beziehungsweise weshalb
die
soweit
unbestrittene
(vgl. auch Urk. 1 S. 5)
Diagnose einer mittelgradigen Depression zur Annahme einer Arbeitsunfähigkeit von 80 % genügte. Allenfalls hätte der Internist Dr.
A._
einen über eine fachliche Qualifikation im Fachge
biet der Psychiatrie verfügenden Arzt beiziehen sollen.
Jedenfalls hätte
in der vorliegenden Konstellation
a
uf eine fundierte
(
und nicht lediglich floskelhafte
)
Auseinandersetzung mit den erhobenen Befunden, den gestellten Diagnosen und der attestierten Arbeitsunfähigkeit nicht verzichtet werden dürfen.
4.2.3
Damit fehlte es im Zeitpunkt der Rentenzusprache an hinreichend sorgfältigen fachärztlichen Abklärungen. Da die Beschwerdegegnerin damit ihrer Abklä
rungspflicht nur ungenügend nachgekommen
war
, beruhte die Leistungszuspra
che auf einer rechtsfehlerhaften Invaliditätsbemessung und muss daher als zweifellos unrichtig im wiedererwägungsrechtlichen Sinne bezeichnet werden.
5.
5.1
Bei Bejahung der zweifellosen Unrichtigkeit der ursprünglichen Leistungsverfü
gung hat rechtsprechungsgemäss eine
freie
Beurteilung der Rentenanspruchs
voraussetzungen nach den Verhältnissen im Zeitraum bis zum Erlass der die Rente ex nunc aufhebenden Wiederwägungsverfügung stattzufinden. Zu prüfen bleibt die Anspruchsberechtigung und allenfalls der Umfang des Anspruchs pro futuro unter Berücksichtigung der aktuellen Rechtsprechung (Urteil des Bundes
gerichts 9C_868/2015 vom 22. Dezember 2015 E. 2.2 mit Hinweisen).
5.2
Das psychiatrische Gutachten der
Y._
vom
29. März 2016 (E. 3.2) entspricht den praxisgemässen Anforderungen an den Beweiswert einer Expertise vollumfänglich.
D
as Gutachten
ist
für die streitigen Belange umfas
send, beantwortet es doch die Frage nach den gesundheitlichen Beeinträchti
gungen und der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers. Es beruht auf einer eingehenden psychiatrischen Untersuchung und berücksichtigt die geklagten Beschwerden sowie
das
von der Beschwerdeführerin anlässlich der Untersu
chungsgespräche an den Tag gelegte Verhalten. Die Gutachter schilderten aus
führlich die vo
n der
Beschwerdeführer
in
erwähnten Leiden und Einschränkun
gen und setzten sich detailliert damit auseinander. Die Expertise wurde sodann in Kenntnis der Vorakten
insbesondere des der Rentenzsprache zugrundelie
genden Gutachtens von Dr.
Z._
abgegeben und leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein. In diesem Sinne erscheinen die Schlussfolgerungen als begründet.
Die Gutachter würdigten namentlich die auffälligen Reaktionen der Beschwerde
führerin in unangenehmen Situationen (Hyperventilation, Verlust von Körperspannung und Ansprechbarkeit) sowie deren fragliche Compliance in der ambulanten Therapie.
5.3
Nach der Rechtsprechung ist es in sämtlichen Fällen gesundheitlicher Beeinträchti
gungen keineswegs allein Sache der mit dem konkreten Einzelfall (gutach
tl
ich) befassten Arztpersonen, selber abschliessend und für die rechtsan
wendende Stelle (Verwalt
u
ng, Gericht) verbindlich zu entscheiden, ob das medi
zinisch festgestellte Leiden zu einer (andauernden oder vorübergehenden) Ar
beitsunfähigkeit (bestimmter Höhe und Ausprägung) führt. Aufgrund dieser tatsächlichen und rechtlichen Gegebenheiten hat die Rechtsprechung seit jeher die Aufgaben von Rechtsanwender und Arztperson im Rahmen der Invaliditäts
bemessung wie folgt verteilt: Sache des (begutachtenden)
M
ediziners ist es ers
tens, d
en Gesundheitszustand zu beurteil
en und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu beschreiben, d.h. mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersuchung unter Berücksich
ti
g
un
g der subjektiven Beschwerden die Befunde zu erheben und gestützt darauf die Diagnose zu stellen. Hiermit erfü
ll
t der Sachverständige seine genuine Aufgabe, wofür Verwaltung und im Streitfall Gericht nicht kompetent sind. Bei der Folgenabschätzung der erhobenen ge
sundheitlichen Beeinträchtigungen f
ü
r die Arbeitsfähigkeit kommt der Arztper
son h
in
gegen keine abschliessende Beurte
il
ungskompetenz zu.
Vielmehr nimmt die Arztperson zur Arbeitsunfähigkeit Stellung, d.h. sie gibt eine Schätzung ab, welche sie aus Ihrer Sicht so substanziell wie möglich begründet. Schliesslich sind die ärztlichen Angaben eine wichtige Grundlage für die juristische Beur
teilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können. Nö
ti
genfalls sind, in Ergänzung der medizinischen Unterlagen, für die Ermittlung des erwerblich nutzbaren Leistungsvermögens die Fachpersonen der be
ru
flichen Integration und Be
ru
fsberatung
einzuschalten (BGE 140 V 193 E.
3.1 und 3.2).
5.4
Bei der Einschätzung der Arbeitsfähigk
ei
t in a
ngepasster Tätigkeit auf 50 %
berücksichtigte
n
die
Gutach
ter der Y._ die reduzierte Auf
merksamkeit und Konzentrationsfähigkeit (Urk. 7/72
/2-19
S. 15; E. 3.2).
Aus di
agnostischer Sicht
liegt
dieser attestierten Arbeitsunfähigkeit eine
mittelgradige depressive Episode zugrunde (Urk. 7/72/2-19 S. 11).
Demgegenüber weicht die Beschwerdegegnerin von der gut
achterlich geschätzten Arbeitsfä
higkeit
in
lei
dens
angepasster Tätigkeit ab und reduziert den Umfang der
Einschränkung nach einer Prüfung
der Ressourcen (Urk. 2 S. 2 f.).
5.5
5.5.1
Nach
aktueller
Rechtsprechung des Bundesgerichtes fallen leichte bis mittelgra
dige depressive Störungen, seien sie im Auftreten rezidi
vierend oder episodisch (vgl. dazu das Urteil des Bundesgerichts 9C_917/2012 vom 14. August 2013 E. 3.2), einzig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht, wenn sie er
wiesenermassen therapieresistent sind (statt vieler:
BGE 140 V 193
E. 3.3 mit Hinweis
; vgl. unlängst auch Bundesgerichtsurteil 8C_753/2016 vom 15. Mai 2017 E. 4.3 und 4.4
). Dazu kommt, dass die Therapie in dem Sinne konsequent gewesen sein muss, dass die aus fachärztlicher Sicht indizierten zumutbaren (ambulanten und stationären) Behandlungsmöglichkeiten in kooperativer Weise optimal und nachhaltig ausgeschöpft wurden (
BGE 140 V 193
E. 3.3; BGE
137 V 64
E. 5.2 mit Hinweis; vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 14. April 2016 E. 4.2 und 9C_89/2016 vom 12. Mai 2016 E. 4.1).
5.5.2
Nach Lage der Akten konnten weder der langjährige Psychiater Dr. med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, im Schreiben vom 1. Juni 2014 (Urk. 7/54) noch der Hausarzt Dr. med.
F._
, Facharzt für Allgemeine Medizin, im Bericht vom 28. Juli 2014 (Urk. 7/57) konkrete Angaben z
um aktuellen Ge
sundheitszustand, zur laufenden Behandlung
und zur Arbeitsfähigkeit der Be
schwerdeführerin
machen
und wiesen auf deren schlechte Sprachkenntnisse hin.
Gemäss der von den Gutachtern der Y._ eingeholten Auskunft des die Beschwerdeführerin seit 2015 behandelnden Psychiaters C._ (Urk. 7/71/2-19 S. 10; E. 3.2) kann weder von einer regelmässigen psychiatri
schen Behandlung noch von einer guten Compliance der nicht sämtliche Ter
mine wahrnehmenden
Beschwerdeführerin ausgegangen werden.
Schliesslich stellten die Gutachter fest, dass die Beschwerdeführerin keine antidepressive Medikation habe (Urk. 7/72/2-19 S. 17).
Von einer konsequenten fachärztlichen psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung
, wie sie von der Rechtsprechung verlangt wird, damit der (mittel
gradigen) Depression eine invalidisierende Wirkung zuerkannt werden darf,
kann
damit
keine Rede sein. Die vom Psychiater
C._
beschriebene Unbe
ständigkeit der Behandlung stellt zudem auch den Leidensdruck der Beschwer
deführerin in Frage.
5.5.3
Aus diesen Gründen ist der mittelgradigen depressiven Episode
aus juristischer Sicht
trotz anderslautender medizinischer Einschätzungen (vgl. E. 5.3 und Urk. 1 S. 8)
keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zuzuschreiben
, weshalb die wiedererwägungsweise Rentenaufhebung im Ergebnis nicht zu beanstanden ist.
6.
6.1
Das Bundesgericht geht in ständiger Rechtsprechung vom Regelfall aus, dass eine medizinisch attestierte Verbesserung der Arbeitsfähigkeit grundsätzlich auf dem Weg der Selbsteingliederung zu verwerten ist. Wenn die versicherte Person das 55. Altersjahr zurückgelegt oder die Rente mehr als 15 Jahre bezogen hat, muss sich die Verwaltung aber vor der Herabsetzung oder Aufhebung einer In
validenrente in jedem Fall vergewissern, ob sich ein medizinisch-theoretisch wiedergewonnenes Leistungsvermögen ohne Weiteres in einem entsprechend tieferen Invaliditätsgrad niederschlägt oder ob dafür ausnahmsweise im Einzel
fall eine erwerbsbezogene Abklärung und/oder die Durchführung von Einglie
derungsmassnahmen im Rechtssinn vorausgesetzt ist. Aus den beiden Kriterien können die Betroffenen im Kontext einer Revision oder Wiedererwägung jedoch nicht ohne Weiteres einen Besitzstandsanspruch ableiten, sondern es wird ihnen lediglich zugestanden, dass infolge des fortgeschrittenen Alters oder der langen Rentendauer die Selbsteingliederung grundsätzlich als nicht mehr zumutbar einzustufen ist. Entzieht oder widersetzt sich die versicherte Person Eingliede
rungsmassnahmen, können ihr die Leistungen gekürzt oder verweigert werden. Vorausgesetzt ist immerhin, dass die IV-Stelle zuvor ein Mahn- und Bedenk
zeitverfahren durchgeführt hat (Art. 21 Abs. 4 ATSG i.V.m. Art. 7b IVG; Urteil des Bundesgerichts 8C_842/2016 vom 18. Mai 2017 E. 5.3.1 mit Hinweisen).
6.2
Da die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Rentenaufhebung bereits 55 Jahre alt war, wäre die Beschwerdegegnerin aufgrund des eben Dargelegten ver
pflichtet gewesen, sie bei der beruflichen Wiedereingliederung zu unterstützen. Dies hat sie unbestrittenermassen nicht getan (Urk. 1 S. 7, Urk. 6 S. 2). Sodann ist auch nicht davon auszugehen, dass die Eingliederung mangels Interesses nicht erfolgsversprechend wäre. Zum einen äusserte sich die Beschwerdegegne
rin verfügungsweise nicht zum subjektiven Eingliederungswillen der Beschwer
deführerin. Zum anderen lässt allein die Tatsache, dass sich die Beschwerde
führerin subjektiv nicht in der Lage fühlt, sich Eingliederungsmassnahmen zu unterziehen (vgl. vom 24. November 2014 datierten Bemerkungen im Feststel
lungsblatt für den Beschluss vom 4. Juli 2016 (Urk. 7/74 S. 1 und S. 8), den Schluss nicht zu, dass eine Eingliederung mangels Interesses nicht erfolgsver
sprechend wäre. Weiter ist in Fällen, wo eine Rentenaufhebung absehbar ist, praxisgemäss in jedem Fall ein persönliches Gespräch mit der versicherten Per
son zu führen. Allfällige Wieder
eingliederungsmassnahmen
sind ihr aufzuzei
gen und im Weiteren mit ihr zu planen. Ein solches Gespräch hat bislang offen
bar nicht stattgefunden.
Vor diesem Hintergrund ist die Beschwerdegegnerin dem ihr obliegenden Einglie
derungsauftrag bislang nicht nachgekommen. Daraus ergibt sich, dass die Renteneinstellung so lange nicht gerechtfertigt ist, als die Beschwerdegeg
nerin die Wiedereingliederung nicht aktiv gefördert oder die Beschwerdeführe
rin sich nach durchgeführtem Mahn- und Bedenkzeitverfahren entsprechend geweigert hat, an den angedachten
Eingliederungsmassnahmen
teilzunehmen. Angesichts der mangelnden Fähigkeit zur Selbsteingliederung ist dabei weiter
hin von der bisherigen Erwerbsunfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt auszugehen.
6.3
Dies führt im Ergebnis zur Gutheissung der Beschwerde mit der Feststellung, dass
die
Beschwerdeführer
in
einstweilen weiterhin Anspruch auf die bisherige
ganze Rente
hat.
7.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr.
800
.
festzulegen und ausgangsgemäss von der Beschwerdegegnerin zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Zudem ist der Beschwerdeführerin
entsprechend der Kostennote von Rechtsanwalt Christe vom 15. August 2017 (Urk. 15)
eine Prozessentschädigung von Fr.
2‘343
.
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen (Art. 61 lit. g ATSG in Verbin
dung mit § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht; GSVGer)
, womit das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Rechts
pflege obsolet geworden ist.