# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** acd4e986-7cf9-5fe1-a546-58abb1f0cef3
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin reichte am 19. Dezember 2013 bei der Gemeinde Spiez ein
Baugesuch ein für den Abbruch eines bestehenden Wohnhauses mit Restaurant und
Garage sowie den Neubau von zwei Mehrfamilienhäusern mit unterirdischer
Autoeinstellhalle auf den Parzellen Spiez Grundbuchblatt Nrn. D._ und
E._. Die Parzellen liegen in der Mischzone M2. Gegen das Bauvorhaben erhob
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unter anderen die Beschwerdeführerin Einsprache. Mit Gesamtentscheid vom 28. Januar
2015 erteilte die Gemeinde Spiez die Baubewilligung.
2. Dagegen reichte die Beschwerdeführerin am 9. März 2015 Beschwerde bei der Bau-,
Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragt sinngemäss die
Aufhebung des Gesamtentscheides vom 28. Januar 2015 und die Erteilung des
Bauabschlags. Dabei macht sie insbesondere geltend, das Vorhaben stelle einen
unzulässigen Eingriff in das Grundwasser dar und beeinträchtige das Orts- und
Landschaftsbild.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, holte die
Vorakten ein und führte den Schriftenwechsel durch. Die Gemeinde beantragt mit
Schreiben vom 10. April 2015, die Beschwerde sei abzuweisen. In den Ausführungen hält
sie zudem fest, nach ihrer Beurteilung sei die Beschwerdeführerin nicht zur Beschwerde
berechtigt, weshalb auf die Beschwerde nicht einzutreten sei. Die Beschwerdegegnerin
beantragt in ihrer Beschwerdeantwort vom 9. April 2015, auf die Beschwerde sei nicht
einzutreten und der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu entziehen. Eventualiter
sei die Beschwerde abzuweisen.
4. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintreten
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG2. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der form- und fristgerecht
eingereichten Beschwerde gegen den Gesamtentscheid zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen ihrer
Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 40 Abs. 2 BauG). Die
Beschwerdeführerin, die sich als Einsprecherin am vorinstanzlichen Verfahren beteiligt hat,
ist formell zur Beschwerdeführung legitimiert.
c) Neben der formellen Beschwer bedarf es auch der materiellen Beschwer: Nach
Art. 35 Abs. 2 Bst. a BauG sind nur Personen zur Einsprache befugt, welche durch das
Bauvorhaben unmittelbar in eigenen schutzwürdigen Interessen betroffen sind. Nach Lehre
und Rechtsprechung ist eine Person in schutzwürdigen Interessen berührt, wenn sie durch
ein Bauvorhaben in höherem Mass als die Allgemeinheit betroffen ist und zum
Streitgegenstand eine besondere Beziehungsnähe hat.4 Nach der Rechtsprechung des
Bundesgerichts muss die besondere Beziehungsnähe zum Streitgegenstand bei
Bauprojekten insbesondere in räumlicher Hinsicht gegeben sein. In einer besonders nahen
Beziehung zur Streitsache stehen naturgemäss die Nachbarn des Baugrundstücks. Unter
Nachbarn versteht die Verwaltungs- und Gerichtspraxis vorab die Eigentümer von
Nachbargrundstücken. Der Kreis der betroffenen Nachbarschaft kann nicht allgemein
festgelegt werden, sondern muss im Einzelfall nach den konkreten Verhältnissen bestimmt
werden. Die Einsprachebefugnis des Nachbarn ist in der Regel zu bejahen, wenn dessen
Liegenschaft unmittelbar an das Baugrundstück angrenzt oder allenfalls nur durch einen
Verkehrsträger davon getrennt wird. Es wird also zwar darauf verzichtet, auf bestimmte
feste Werte abzustellen. Nach der bundesgerichtlichen Praxis sind Nachbarn aber bis im
Abstand von etwa 100 m in der Regel zu Verwaltungsgerichtsbeschwerden gegen
Bauvorhaben legitimiert. Allerdings ergibt sich die Legitimation nicht schon allein aus der
2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721). 4 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art.  N. 16.
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räumlichen Nähe, sondern erst aus einer daraus herrührenden besonderen Betroffenheit.
Ein schutzwürdiges Interesse liegt vor, wenn die tatsächliche oder rechtliche Situation des
Nachbarn durch den Ausgang des Verfahrens beeinflusst werden kann.5 Eine weitere
Umschreibung des Kreises der beschwerdeberechtigten Nachbarschaft kann sich etwa
dort rechtfertigen, wo von einer Baute besonders starke Emissionen ausgehen.6
d) Sowohl die Liegenschaft, in welcher die Beschwerdeführerin eingemietet ist, als auch
das umstrittene Bauvorhaben liegen an der Strasse F._. Dabei handelt es sich um
eine Kantonsstrasse. Die Entfernung zwischen der Wohnadresse der Beschwerdeführerin
(F._) und der Bauparzelle (F._) beträgt rund 750 m. Dazwischen befinden
sich verschiedene Wohn- und Gewerbeliegenschaften (u.a. eine Tankstelle mit
Waschanlage und eine Schreinerei) sowie eine grössere Kreuzung mit Bushaltestelle.
Diese Distanz liegt ausserhalb des Bereichs, in dem nach der erwähnten
bundesgerichtlichen Praxis von benachbarten Grundstücken ausgegangen werden kann.
Dazu kommt, dass keine Gründe ersichtlich sind, welche trotz dieser Distanz zu einer
besonderen Betroffenheit der Beschwerdeführerin führen würden. Mit dem umstrittenen
Bauvorhaben soll ein bestehendes Wohnhaus mit Restaurant und Garage zwei
Mehrfamilienhäusern mit insgesamt 14 Wohnungen und unterirdischer Autoeinstellhalle
weichen. Durch das neue Bauprojekt ist nicht oder höchstens in geringem Ausmass mit
Mehrverkehr auf der ohnehin stark befahrenen Kantonsstrasse zu rechnen. Es ist nicht
ersichtlich und wird von der Beschwerdeführerin auch nicht geltend gemacht, dass bei ihrer
Wohnung in 750 m Entfernung durch das neue Bauvorhaben eine wahrnehmbare
Zunahme von Verkehrsimmissionen zu erwarten wäre. Ein direkter Sichtkontakt besteht
nicht. Die Beschwerdeführerin ist damit durch das Bauvorhaben nicht unmittelbar in
eigenen schutzwürdigen Interessen betroffen.
e) Insgesamt wird die tatsächliche oder rechtliche Situation der Beschwerdeführerin
durch den Ausgang des Verfahrens nicht beeinflusst. Es fehlt ihr an der besonderen
Beziehungsnähe zum Streitgegenstand und damit an der materiellen Beschwer. Auf die
Beschwerde kann mangels Legitimation nicht eingetreten werden.
5 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 65 N. 4, mit weiteren Hinweisen. 6 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 35-35c N. 17 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung.
5
2. Entzug aufschiebende Wirkung
a) Zusammenfassend steht fest, dass die Beschwerdeführerin nicht zur Beschwerde
gegen den Entscheid der Gemeinde vom 28. Januar 2015 legitimiert ist. Mit dem
vorliegenden Entscheid erübrigt sich die Behandlung des Gesuchs um Entzug der
aufschiebenden Wirkung der Beschwerde (Art. 68 Abs. 4 VRPG7). Es ist als
gegenstandslos geworden vom Geschäftsverzeichnis abzuschreiben (Art. 39 Abs. 1
VRPG).
b) Nach Art. 68 Abs. 2 VRPG kann die entscheidende Behörde aus wichtigen Gründen
anordnen, dass einer allfälligen Beschwerde keine aufschiebende Wirkung zukomme. Da
die aufschiebende Wirkung die Regel ist, darf davon nur unter besonderen Verhältnissen
abgewichen werden. Wichtige Gründe in diesem Sinn sind nur bedeutende und dringliche
öffentliche oder private Anliegen, die den Interessen an einem Aufschub der Wirksamkeit
einer Anordnung bis zur endgültigen Klärung der Rechtslage vorgehen.8 Als wichtiger
Grund gilt zum Beispiel ein privates Interesse an der sofortigen Wirksamkeit einer
begünstigenden Verfügung, sofern dadurch der Ausgang des Verfahrens nicht beeinflusst
wird oder eine summarische Prüfung ergibt, dass die Beschwerde offensichtlich
unbegründet ist (Art. 68 Abs. 5 Bst. b VRPG).
c) Es ist offensichtlich, dass die Beschwerdegegnerin ein privates Interesse an der
möglichst raschen Realisierung ihres Bauvorhabens hat. Die Legitimation der
Beschwerdeführerin ist aufgrund der Distanz von 750 m zwischen ihrem Wohnhaus und
dem Bauvorhaben klar zu verneinen. Das Verwaltungsgericht hat derselben
Beschwerdeführerin in einem anderen Fall auch schon die Legitimation abgesprochen.9
Damals ging es um die Genehmigung der Überbauungsordnung (ÜO) „Gwatt-Zentrum“,
welche Grundlage für ein Hotel- und Restaurantareal, für Wellness- und
Gesundheitseinrichtungen und eine Wohnüberbauung bildet. Das betroffene Gebiet dieser
ÜO liegt mehr als 250 m Luftlinie vom Wohnhaus der Beschwerdeführerin entfernt und wird
ebenfalls über die F._ erschlossen. Die Distanz des vorliegenden Bauvorhabens
7 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21). 8 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 68 N. 15 bis 16. 9 Urteil VGE 100.2013.376 vom 22. April 2014.
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zum Wohnhaus der Beschwerdeführerin ist noch deutlich grösser. Daher erscheint eine
Beschwerde gegen den vorliegenden Entscheid der BVE als offensichtlich aussichtslos.
Einer allfälligen Beschwerde an das Verwaltungsgericht wird daher gestützt auf Art. 68
Abs. 2 i.V.m. Art. 68 Abs. 5 Bst. b VRPG die aufschiebende Wirkung entzogen.
3. Kosten
a) Die oberinstanzlichen Verfahrenskosten bestehen aus einer Pauschalgebühr
(Art. 103 Abs. 1 VRPG). Für Entscheide in einer Verwaltungsjustizsache wird eine
Pauschalgebühr von Fr. 200.-- bis 4'000.-- je Beschwerde erhoben (Art. 19 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 4 Abs. 2 GebV10). Wird auf eine Beschwerde nicht eingetreten, so kann
die Gebühr angemessen reduziert oder es kann ganz auf sie verzichtet werden (Art. 21
Abs. 1 GebV). In Anwendung dieser Bestimmungen werden die Verfahrenskosten auf
Fr. 500.-- festgelegt.
Gemäss Art. 108 Abs. 1 VRPG werden die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren der
unterliegenden Partei auferlegt. Die Beschwerdeführerin, auf deren Beschwerde nicht
eingetreten wird, hat daher die Verfahrenskosten von Fr. 500.-- zu tragen.
b) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG).
Die Beschwerdegegnerin ist mehrwertsteuerpflichtig11 und kann somit die von ihrem
Rechtsvertreter auf sie überwälzte Mehrwertsteuer in ihrer eigenen
Mehrwertsteuerabrechnung als Vorsteuer abziehen. Ihr fällt daher betreffend
Mehrwertsteuer kein Aufwand an und eine Abgeltung der Mehrwertsteuer käme einer mit
Art. 108 Abs. 3 i.V.m. Art. 104 Abs. 1 VRPG unvereinbaren Überentschädigung gleich.
Nach neuer Praxis des Verwaltungsgerichts ist deshalb die in der Kostennote des
10 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung; GebV, BSG 154.21). 11 Siehe Unternehmens-Identifikationsnummer-Register, einsehbar unter: <https://www.uid.admin.ch>.
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Rechtsvertreters der Beschwerdegegnerin aufgeführte Mehrwertsteuer bei der
Bestimmung des Parteikostenersatzes nicht zu berücksichtigen.12
Ansonsten gibt die Kostennote des Anwaltes der Beschwerdegegnerin zu keinen
Bemerkungen Anlass. Die Beschwerdeführerin hat daher der Beschwerdegegnerin die
Parteikosten von Fr. 4'092.-- (Honorar Fr. 4'000.--, Auslagen Fr. 92.--) zu ersetzen.