# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 4a2e48c9-5893-4efe-a30c-6091c891d58c
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1982, begann 1998 eine Maurerlehre, welche er nach etwa einem Jahr wegen Schulterproblemen abbrach. In der Folge war er - vor
nehmlich im Rahmen von
Temporäreinsätzen
- als Bauarbeiter tätig, zuletzt ab Juni 2008 bei der
A._
, Zürich. Ab dem 2
6.
August 2009 war er zu 100 % krankge
schrieben (Urk.
9
/7 Ziff. 5.2 und Ziff. 5.4, Urk.
9
/13 Ziff. 2.1, Ziff. 2.7 und Ziff. 2.14). Unter Hinweis auf einen Morbus Bechterew, eine
Hyperlaxizität
sowie eine Luxation des Schulter- und Hüftgelenks meldete sich der
Versicherte am
4.
November 2009
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
9
/7
).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinisch
e und erwerbliche Situation ab und verneinte
mit Verfügung vom 1
6.
Februar 2011 bei einem Invaliditätsgrad von 14 %
einen Rentenan
spruch (
Urk.
9
/44
)
. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.2
Am
9.
September 2011 veranlasste die IV-Stelle eine Abklärung des Versicher
ten in der
B._
(Urk.
9
/55). Die Abklä
rung dauerte vom 1
9.
September bis 1
4.
Oktober 2011 (vgl. Schlussbericht
B._
vom
8.
November 2011, Urk.
9
/76). Mit Mitteilungen vom 2
8.
Oktober 2011 (Urk.
9
/72) und vom 2. Mai 2012 (Urk.
9
/87) erteilte die IV-Stelle Kosten
gut
sprache für ein Arbeitstraining vom
1.
November 2011 bis 3
1.
Juli 2012 in der beruflichen Eingliederungsstätte
C._
. Am 2
0.
Juli 2012 erteilte die IV-Stelle sodann Kostengutsprache für eine zwei
jährige Umschulung (
Anlehre
zum Elektroausrüster BBT) in der
C._
(Urk.
9
/92). Am 1
5.
August 2014 teilte die IV-Stelle den erfolgreichen Abschluss der beruflichen Massnahmen mit (Urk.
9
/116).
1.3
Mit Eingabe vom 2
7.
August 2014 (Urk.
9
/119) beantragte der Versicherte, sei
nen Rentenanspruch neu
zu prüfen und reichte a
m 2
4.
November 2014 (Urk.
9/131)
einen aktuellen Arztbericht (Urk.
9
/130) ein. N
ach durchgefüh
rtem
Vorbe
scheid
verfahren
(Urk.
9
/133, Urk.
9
/135, Urk.
9
/138
) trat die IV-Stelle mit Ver
fügung vom
2
3.
März 2015 (Urk.
9
/143
)
auf das
Leistungsbegehren nicht ein
.
Dagegen erhob
d
er Versicherte am 2
5.
März 2015
Beschwerde und beantragte,
die Verfü
gung
sei aufzuheben und
die IV-Stelle sei zu verpflichten, auf sein Leistungsbe
gehren einzutreten
(
Urk.
9/144/3-6
).
Mit Urteil vom 2
7.
November 2015 im Ver
fahren Nr. IV.2015.00378 (
Urk.
9/150) wurde die Beschwerde gutgeheissen und die Sache an die IV-Stelle zurückgewiesen, damit sie auf die Neuanmeldung ein
trete (S. 9 Dispositiv-Ziffer 1).
1.4
Die
IV-Stelle
klärte
in der Folge
die medizinisch
e und erwerbliche Situation ab und
holte bei
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und für Rheumatologie, und Prof.
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Neurologie und für
Psychiatrie und Psychotherapie, ein
bidiszipli
näres
Gutachten ein, das am 23./2
4.
Dezember 2016 erstattet wurde (Urk.
9/179,
Urk.
9/180).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
9/183-197) verneinte die IV
Stelle mit Verfügung vom
6.
Februar 2018 einen Rentenanspruch (
Urk.
9/199 =
Urk.
2) und
auferlegte dem Versicherten
eine Schadenminderungspflicht
, indem sie ihn anhielt,
eine verstärke psychotherapeutische Behandlung mit Stärkung der Selbstwirksamkeitserfahrung und einer entsprechenden Medikation anzugehen und zu erweitern sowie eine Entwöhnung von Cannabis und
Cocain
durchzu
führen
(Urk. 9/198
).
2.
Der
Versicherte erhob am
1.
März 2018
Beschwerde (
Urk.
1)
gegen die Verfügung vom
6.
Februar 2018 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben (S. 1
Ziff.
1) und es sei
ihm
eine ganze Rente zuzusprechen (S. 1
Ziff.
2), von der Auferlegung einer Schadenminderungspflicht sei abzusehen (S. 1
Ziff.
3).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
9.
April 2018 (
Urk.
8) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am
7.
Mai 2018 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
10).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach
te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsren
te
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Vor
aussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuan
meldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu ver
gewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Verände
rung des Invali
ditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in ana
loger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzuge
hen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Verän
derung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegrün
dende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschlies
sen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117
V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammen
hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.5
In Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften ist auf die
Erfahrungs
tatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auf
trags
rechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Pati
entinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Wohl kann die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Behand
lung oft wertvolle Erkenntnisse zeitigen; doch lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag de
r therapeutisch tätigen (Fach-)
Person einer
seits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Exper
ten ander
seits (BGE 124 I 170
E. 4
) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichts
gutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen bzw. Therapiekräfte zu anders
lautenden Ein
schätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abwei
chende Beurteilung aufdrängt, weil die anderslautenden Ein
schätzungen wich
tige
und nicht rein subjektiver Interpretation ent
springende
Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder unge
würdigt geblieben sind (Urteil
des Bundesgerichts
8C_677/2014 vom 2
9.
Oktober 2014 E. 7.2
mit Hin
weisen, u.a. auf
SVR 2008 IV Nr
. 15 S. 43 E. 2.2.1 [I 514/06]
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) fest,
es sei weiterhin davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in einer behinde
rungs
angepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig sei. Die geklagten psychischen Einschränkungen würden als nicht invalidisierend beurteilt (S 1). Gemäss durch
geführtem Einkommensvergleich resultiere ein Invaliditätsgrad von 13
%
.
Aus medizinischer Sicht werde die Tätigkeit als Elektroausrüster als eine den Ein
schränkungen angepasste Tätigkeit beurteilt. Diese Beurteilung werde höher gewichtet als die Beurteilung im Schlussbericht der
C._
vom 23.
Mai 2014 (S. 2 oben).
Nachweislich habe ein Cannabiskonsum negative Auswirkungen auf eine Depression, damit wäre ein Verzicht diesbezüglich hilfreich. Konkret sei vorliegend Cannabis nicht medizinisch verordnet worden. Nach wie vor lägen noch andere Schmerztherapiemöglichkeiten durch einen Spezialisten offen. Diese seien nicht vollständig ausgeschöpft
. Die Äusserungen im Bericht
des
F._
vom 1
2.
Juli 2017 bezüglich der Muskelerkrankung seien wider
sprüchlich. Die rheumatologische Gutachterin habe das Vorliegen eines Ehlers-
Danlos
-Syndroms ausgeschlossen (S. 2 unten)
.
Da die 70%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit gemäss Gutachten aus rein psychiatrischen Gründen bestehe, sei eine Ressourcenprüfung durchgeführt wor
den. Es sei daher nicht unüblich, dass bei der Schlussbeurteilung von der Beur
teilung der Gutachter abgewichen werde. Der Beschwerdeführer verfüge durchaus über gewisse Ressourcen. Die Diagnose einer
Persönlichkeits
ver
änderung sei auch nach erneuter Überprüfung nicht nachvollziehbar. Weiter könne die Diagnose einer inzwischen
chronifizierten
rezidivierenden Depression mittel
gradiger Aus
prägung ebenfalls nicht nachvollzogen werden. Dazu lägen im Gutachten keine Befunde vor. Zusammenfassend und unter Berücksichtigung aller Gegebenheiten lägen aus somatischer und psychiatrischer Sicht keine Diagno
sen und Befunde vor, welche eine andere Beurteilung zu begründen ver
möchten (S. 3).
2.2
Der Beschwerdeführer machte in seiner Beschwerde (
Urk.
1) geltend,
gemäss Gut
achten sei er in der zuletzt ausgeübten sowie in adaptierten Tät
igkeiten noch 30 % arbeitsfähig
. Zur möglichen Prognose werde im Gutachten präzisierend festgehalten, dass eine Besserung der Arbeitsfähigkeit auf 50
%
binnen eines Jahres möglich sei
. Die RAD-Ärztin habe schliesslich treffenderweise festge
hal
ten, dass auf das
bidisziplinäre
Gutachten grösstenteils abgestellt werden könne
. Die im Gutachten gestellten Diagnosen würden durch den RAD nicht in Frage gestellt
(S. 3).
Die Beurteilung der Beschwerdegegnerin sei weder im Sinne der aktuellsten bundesrichterlichen Rechtsprechung, noch entspreche sie einem se
riösen und fairen Verfahren
.
Von einer Schadenminderungspflicht bezüglich psychiatrischer Behandlung sei abzusehen (S. 7 f.). Eine Schadenminderungs
pflicht in Bezug auf den Cannabiskonsum sei kontraproduktiv und es sei davon abzusehen. Der Cannabiskonsum werde unter dem schmerztherapeutischen Asp
ekt als hilfreich erachtet
.
Gemäss Institut für Medizinische Genetik leide er zudem klinisch klar an einer hereditären Bindegewebsschwäche. Diese Beur
tei
lung sei zu würdigen und höher zu gewichten (S. 8 f.).
Zusammenfassend sei davon auszugehen, dass der festgestellte und abgeklärte psychiatrisch begründete Gesundheitsschaden lediglich einen Teil der massiven Beschwerden und Ein
schränkungen wiederspiegle. Er sei
– entgegen der Annahme der nicht-medizi
ni
schen Beurteilung -
nicht in der Lage, ein rentenausschliessendes Ein
kommen zu generieren
(S. 10)
.
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob seit der
r
enten
ablehnenden Verfügung
vom
16.
Februar 2011
(
Urk.
9/44)
eine
erhebliche
Ver
schlechter
ung des Gesundheits
zustandes des
Beschwerdeführer
s
respektive eine relevante Änderung des Invali
di
täts
grades eingetreten ist.
3.
3.1
Die Verfügung vom 1
6.
Februar 2011 (Urk.
9
/44) stützte sich
im Wesentlichen
auf den Bericht der Ärzte des
G._
, Rheumaklinik und Institut für Physikalische Medizin, vom 1
6.
Februar 2010 über das im Ja
nuar und Februar 2010 durchgeführte
Arbeitsassessment
inklusive Basistest und Nachbe
sprechung
(Urk.
9
/23; vgl. Feststellungsblatt vom
3.
Dezember 2010, Urk.
9
/35, insbesondere die Stellungnahme des RAD-Arztes vom 2
1.
Mai 2010, Urk.
9
/35 S.
4 f.).
Die Ärzte des
G._
nannten folgende (verkürzt wiedergegebene) arbeitsrelevante Diagnosen (Ziff. 1):
-
Spondylitis
ankylosans
(Erstmanifestation etwa 2005, Erstdiagnose Feb
ruar 2009)
-
chronisches
Panvertebralsyndrom
-
Hyperlaxizitätssyndrom
mit
Enthesiopathien
Als andere Diagnosen nannten die Ärzte rezidivierende Harnwegsinfekte unkla
rer Genese, ein Reizdarmsyndrom vom Durchfalltyp, einen Verdacht auf ein re
aktives depressives Syndrom bei psychosozialen Belastungsfaktoren sowie einen Niko
tin
konsum (Ziff. 2).
Die Ärzte führten aus, das arbeitsbezogene relevante Problem bestehe in der ver
minderten Belastungstoleranz der
grossen
Gelenke (Schultergelenke mit Sub-luxation, Hüfte links mit „
snapping
hip“, Kniegelenke beidseits) bei mecha
nischer Instabilität durch
Hyperlaxizität
sowie einer verminderten Belastungs
toleranz der Wirbelsäule bei entzündlicher Grunderkrankung (Ziff. 3). Eine Prognose bezüg
lich des künftigen Krankheitsverlaufs und der Leistungsfähigkeit sei schwierig und mit Vorsicht zu stellen, insbesondere da die therapeutischen Möglichkeiten limitiert seien (Ziff. 4 am Ende).
Die funktionelle Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers liege bei weitem un
ter den Belastungsanforderungen der bisherigen Arbeit. In der zuletzt ausgeüb
ten Tätigkeit sei der Beschwerdeführer nicht mehr arbeitsfähig. Eine leichte bis mit
telschwere Arbeit (Gewichtshantierung bis maximal 15 kg) sei ganztags zu
mut
bar, wobei die Arbeit wechselbelastend (Arbeiten im Stehen und Sitzen) sein und nur selten Arbeiten in vorgeneigter Position und Arbeiten über Kopf bein
halten sollte. Daraus ergebe sich eine zumutbare Arbeitsfähigkeit in einer ange
passten Tätigkeit von 100 % (Ziff. 5 und Ziff. 5.1-2).
3.2
Gestützt darauf sowie die Stellungnahmen ihres RAD-Arztes vom
7.
April und 2
1.
Mai 2010 (Urk.
9
/35 S. 4 f.) ging die Beschwerdegegnerin in der Verfügung vom 1
6.
Februar 2011 (Urk.
9
/44) davon aus, dass dem Beschwerdeführer eine behinderungsangepasste Tätigkeit zu 100 % zumutbar sei.
4.
4.1
Im Zusammenhang
mit der Neuanmeldung vom
2
7.
August 2014 (Urk.
9
/119)
sind im Wesentlichen folgende Berichte aktenkundig:
4.2
Am
8.
Juli 2011 berichteten die Ärzte des
G._
, Rheumaklinik und Institut für Physikalische Medizin, über das im Mai und Juni 2011 durchgeführte
Arbeits
assessment
inklusive Basistest und Nachbesprechung (Urk.
9
/51). Sie führten aus, aus rheumatologischer Sicht ergebe sich rein basierend auf den Testresul
taten eine zumutbare Arbeitsfähigkeit in einer angepassten wechselbelastenden Tätigkeit von 100 %. Aufgrund der Kumulation diverser Einschränkungen der stati
schen Belastbarkeit sei allerdings auch in einer ideal angepassten wechsel
be
lastenden Tätigkeit eine
Leistungseinbusse
infolge sich im Tagesverlauf ku
mulie
render Beschwerden mit Notwendigkeit zu Kurzpausen zu attestieren. Die effektiv aus rheumatologischer Sicht umsetzbare Arbeitsfähigkeit betrage des
halb aktuell nur 75 %. Auch aus psychiatrischer Sicht müsse aktuell eine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit von etwa 25 % bis 30 % attestiert werden. So
mit sei der Beschwerdeführer auch aus globaler Sicht lediglich zu 70 % bis 75 % arbeitsfä
hig.
Die Diskrepanz zur Beurteilung vom Februar 2010 (100 % Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit) resultiere aufgrund der Berücksichtigung einer neu auf
ge
tretenen psychischen Problematik, dem Einbezug prognostischer Überlegun
gen über die weitere Krankheitsentwicklung bei weiterhin nur eingeschränktem medikamentösem Ansprechen, einer zunehmenden Steifigkeit des unteren Rückens sowie multiplen statischen
Belastungslimiten
, die sich im Verlauf der fol
genden Jahre weiter verschlechtern dürften. Durch medizinische
Massnahmen
könne der Gesundheitszustand möglicherweise stabilisiert werden. Das Wieder
er
langen einer vollen Leistungsfähigkeit auch in angepasster Tätigkeit bleibe aber ungewiss (Ziff. 5.2).
4.3
Im Bericht der
C._
vom 2
4.
Juli 2012 über das durchgeführte Arbeits
training (Urk.
9
/94) wurde ausgeführt, der ho
he Motivationsgrad sowie das Be
streben, die Vorgaben zu erfüllen, seien im Falle des Beschwerdeführers löblich, führten aber auch dazu, dass er sich phasenweise körperlich überfordere, was die Schmerzskala merklich präge. Dies führe dazu, dass er psychisch stark be
lastet sei und
energiemässig
absacke (Ziff. 2.1). Trotz seines guten Durchhalte
ver
mö
gens habe er tageweise gefehlt (Ziff. 3.3). In den letzten Monaten sei eine Präsenz
zeit von 6.5 Stunden pro Tag möglich gewesen (Ziff. 3.4). Der durch
schnittliche Leistungsgrad während der Präsenzzeit habe bei 60 % gelegen. Die Arbeitsge
schwindigkeit sei
massgeblich
geprägt von der Schmerzbelastung (Ziff. 3.5).
4.4
Im Bericht der
C._
vom 2
3.
Mai 2014 über die
Anlehre
zum Elektro
ausrüster BBT (Urk.
9
/111), auf welchen der Beschwerdeführer in seiner Neuan
meldung
(Urk.
9
/119) verwies, wurde ausgeführt, der Beschwerdeführer habe sich jederzeit sehr bemüht, die an ihn gestellten Anforderungen zu erfüllen. Schulisch habe man das Gefühl, dass er sich verfrüht von Förderungsangeboten zurück
ge
zogen habe. Angesichts der chronischen Schmerzen habe man aber er
kennen müssen, dass der Beschwerdeführer mit massiven Nebenerscheinungen zu kämpfen habe und die Energiereserven nicht unerschöpflich seien. Der Be
schwer
de
führer sollte in Zukunft sorgfältiger mit seinen Ressourcen umgehen. Er werde seine Arbeitsleistung nicht auf dem Niveau der vergangenen fast drei Jahre halten können (S. 10 unten).
In den letzten Monaten sei eine Präsenz
zeit von 5
.5
Stun
den pro Tag möglich gewesen (
Ziff.
3.4). Der durchschnittliche Leistungs
grad wä
hrend der Präsenzzeit habe bei einer Teilarbeitszeit von 65 % eines Normal
pensums bei 50 % gelegen (Ziff. 3.5). In Kenntnis der gesundheitli
chen Situation glaube man nicht, dass der Beschwerdeführer im Moment den Anfor
derungen des ersten Arbeitsmarkts auch nur ansatzweise gerecht werden könne (Ziff. 1.1).
Der Gesundheitszustand habe sich seit Ausbildungsbeginn merk
lich verschlechtert und die Absenzen seien deutlich gestiegen
(Urk. 7/111/19).
4.5
In seinem Bericht vom 6. November 2014 (Urk.
9
/130) führte Dr. med.
H._
, Facharzt für Innere Medizin, aus, die Ergebnisse der beruflichen
Mass
nahmen
mit einer täglichen Arbeitszeit von 65 % bei einem Leistungsgrad von 50 % seien
ausserordentlich
schlecht ausgefallen, was er - da er den seit 2003 in seiner Behandlung stehenden Beschwerdeführer sehr gut kenne - leider er
wartet habe (S. 1). Die mit dem Beschwerdeführer
befas
sten Ärzte seien sich ei
nig, dass ein schwerwiegendes, vollständig invalidisierendes somatisches Leiden des Bewe
gungs
apparates und des Urogenitalsystems vorliege. Entsprechend seien von den involvierten Kliniken schon zahlreiche rheumatologische Thera
pien bis hin zur Immuntherapie durchgeführt worden, leider praktisch ohne wesentlichen Erfolg. Lediglich
nichtsteroidale
Antirheumatika (NSAR) und Schmerzmittel könnten die Beschwerden etwas reduzieren, allerdings immer noch nicht erträglich machen, oder doch wenigstens wenige Stunden Schlaf er
möglichen. Im täglichen Leben des Beschwerdeführers habe dies zur Folge, dass er für Haus
haltarbeiten wie Putzen, Wäsche machen und Einkaufen meistens auf fremde Hilfe angewiesen sei. An eine Rückkehr zur Arbeit, auch nur zu ei
ner leichten Teilzeitarbeit, sei nicht zu denken. Dass die Unmöglichkeit, ins Be
rufsleben zurück
zukehren, dem sehr arbeitswilligen Beschwerdeführer mittler
weile auch psychische Probleme bereite, sei leider eine zu erwarten gewesene traurige Folge
erscheinung. Der Beschwerdeführer sei weiterhin und auf unab
sehbare Zeit zu 100 % arbeitsunfä
hig (S. 2).
4.6
In ihrer Stellungnahme vom 1. Dezember 2014 führte RAD-Ärztin Dr. med.
I._
aus, im Bericht von Dr.
H._
seien keine neuen medizinischen Befunde und
Funktionseinschränkungen dokumentiert, die eine Veränderung des Ge
sundheits
zustands nachvollziehbar begründen könnten beziehungsweise zu ei
ner versiche
rungs
medizinischen Abklärung Anlass geben würden (Urk.
9
/132 S. 2 Mitte).
4.7
Die Ärzte der
J._
, Rheumatologie, berichteten mit Aus
tritts
bericht vom
4.
Februar 2015 (
Urk.
9/157/15-18) über die
Hospitalisation
des Beschwerdeführers vom 1
3.
Januar bis
3.
Februar 2015
zur multimodalen
rheu
ma
tologischen Komplexbehandlung. Sie nannten folgende Diagnosen (S. 1
f.):
-
hochgradiger Verdacht auf Ehlers-
Danlos
-Syndrom
-
Blasenentleerungssymptome
-
chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom beidseitig
-
Reizdarmsyndrom
-
chronisches Beckenschmerzsyndrom
-
zervikospondylogenes
Syndrom
-
Ciproxinallergie
(Ausschlag)
Sie führten aus,
dass sich laborchemisch keinerlei Auffälligkeiten gezeigt hätten. Auch eine Sonographie des Abdomens sowie eine Computertomographie des Thorax hätten einen unauffälligen Befund gezeigt. Der Beschwerdeführer sei in ein multimodales Behandlungsprogramm integriert worden. Leier habe bezüglich der Schmerzen keine relevante Verbesserung erzielt werden können. Aktuell werde der Beschwerdeführer nicht durch einen Psychiater betreut. Er werde sich um einen Termin bemühen (S. 3).
4.8
Die Ärzte der
K._
berichteten am 2
6.
Juli 2016 (
Urk.
9/169) und nannten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 2
Ziff.
1.1):
-
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.10)
-
Verdacht auf Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom (ICD-10 F62.80), bestehend seit zirka 10 Jahren
Sie führten aus,
dass der Beschwerdeführer seit Mai 2016 in ambulanter Behand
lung bei ihnen
sei (S. 2
Ziff.
1.2)
.
Der Beschwerdeführer sei durch seine Erkrankung somatischer Natur wesentlich eingeschränkt und es sei mit einer
Chroni
fizierung
seiner Depression zu rechnen (S. 3
Ziff.
1.4). Er sei nicht belast
bar, zudem bestehe eine verminderte Konzentrationsfähigkeit und eine ein
ge
schränkte Leistungsfähigkeit (S. 3
Ziff.
1.7).
Die bisherige Tätigkeit sei dem Beschwerdeführer nicht mehr zumutbar (S. 3 f.
Ziff.
1.7).
4.9
Die Ärzte der
F._
, berichteten am
7.
November 2016 (
Urk.
9/175/4-7) über die genetische Konsultation und Beratung des Beschwerdeführers vom 1
9.
Juli 2016 und 2
8.
September 201
6.
Sie nannten folgende Diagnosen (S. 1):
-
Verdacht auf Ehlers-
Danlos
-Syndrom Typ VII/
Arthrochalasie
Typ bei
-
ausgeprägter
Hyperlaxizität
mit habituellen Luxationen diverser Gelenke
-
chronischem
lumbospondylogenem
Schmerzsyndrom
-
chronischem
zervikocephalem
Syndrom beidseits
-
Blasenentleerungsstörung / chronischen Beckenschmerzen
-
Reizdarmsyndrom mit Diarrhoe
-
Status nach
Inguinalhernienrepair
links Dezember 2015
-
möglicherweise pathologische Variante im COL1A2-Gen
Sie führten aus, dass
beim Beschwerdeführer noch drei weitere Genvarianten mit unklarer Krankheitsrelevanz detektiert worden seien. Zusammenfassend habe auch mittels der weiterführenden Untersuchung keine klare Diagnose gestellt wer
den können. Unter den verschiedenen seltenen detektierten Varianten sei am ehesten die COL1A2-Variante als beim Beschwerdeführer krankheitsrelevante Gen
ver
änderung angesehen w
o
rden.
In Zusammenschau der Befunde sei es wahr
scheinlich, dass die detektierte COL1A2-Variante die Ursache für die Auf
fällig
keiten beim Beschwerdeführer darstelle. Da die detektierte Variante bisher noch nicht als pathogen beschrieben worden sei (zwei Einträge in Daten
bank), sei dies
bezüglich jedoch keine sichere Diagnose möglich
(S. 3).
4.10
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und für Rheumatologie, erstattete ihr rheumatologisches Gutachten am 2
3.
Dezember 2016 (
Urk.
9/178) gestützt auf die Akten sowie die Untersuchung des Beschwer
de
führers vom 2
8.
November 201
6.
Sie nannte folgende Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 118
Ziff.
9.1):
-
verminderte Belastbarkeit und Beschwerden der Lendenwirbelsäule (LWS) mit
-
Osteochondrose
L5/S1 und
Diskusprotrusion
L5/S1 mit leichter para
zentrale
r
Kompression der Nervenwurzeln S1 beidseits ohne
foram
inale
Enge
-
normalen neurologischen und neurophysiologischen Befunden (April 2016)
-
Status nach Sturz auf die linke Schulter etwa 1996 mit Luxation und untere Schulterinstabilität mit
-
intaktem
Glenohumeralgelenk
, intaktem dorsalen Labrum und ver
brei
tertem
Rotatoren
-Intervall
-
medizinisch nicht dokumentierte, habituelle Luxationen der Schultern, Hüften, Ellbogen und Patella bei
-
mässiger Hypermobilität
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie die Fol
gen
den (S. 118
Ziff.
9.2):
-
Nikotin-Abusus
-
Cannabis-Abusus
-
Kokain-Abusus mit
-
Nachweis durch die Haaranalyse eines schwachen vereinzelten Kokain-Konsums in der Periode von Mitte Juni 2016 bis Mitte November 2016
-
Hypercholesterinanämie
-
Migräne mit Aura
-
Sigma-
Divertikulose
-
Harnblasenentleerungsstörung
-
Status nach
Inguinalhernien
-Operation links am
7.
Dezember 2015 bei
-
Rezidiv-Hernie mit Hernien-Operation als Kleinkind
-
Osteopenie
-
diskrete bildgebende Veränderungen der ISG (Erstdiagnose Februar 2009) mit
-
Mehrsklerose und ödematösen Veränderungen der ISG rechts mehr als links am ehesten entzündlicher Genese
-
leichte degenerative Veränderungen der Halswirbelsäule (HWS) mit
Diskus
protrusionen
und leichter Spinalkanalstenosen C5/6 und leichten
Foraminalstenosen
C5/6 links und C6/7 beidseits mit
-
unauffälligen neurologischen und neurophysiologischen Befunden (April 2016)
-
Cutis
laxa
-
unklare seltene Variante im COL1A2-Gen mit
-
molekulargenetischem Ausschluss eines
Ehler
-
Danlos
-Syndroms (November 2014)
Sie führte aus, dass
intermitt
ierend ein hinkender Gang auf
falle
, der sich bei Ablenkung norma
l
isier
e.
Der Fersen- und der
Zehengang s
eien
n
ormal. Alle drei Wirbelsäulenab
schnitte (
H
WS, BWS und L
W
S) s
eien normal beweglich.
Radiku
l
äre
Zeichen s
eien
nicht vorhanden. A
l
le grossen peripheren Gelenke s
eien
nor
mal beweglich.
Das linke Schul
tergelenk zeig
e
Instabi
l
itätszeiche
n, jedoch nicht das rechte Schultergel
enk
(S. 119)
.
Die C
T-Unter
suchung der linken Schulter (April
2001
) habe
ein int
aktes
Gl
enohumera
l
gelenk
mit intaktem dorsalen Labr
um mit etwas verbreitertem
Rotat
oren
intervall
gezeigt. Die beiden Ganzkö
rper-MRI-Untersuchungen
hätten entzü
ndli
che Befunde nur im Bereich der
ISG
, jedoch nicht in den drei Wirbel
säulenab
schnitte
n
(HWS
,
BWS und LWS)
gezeigt
. Die letzte MR
I
Unter
suchung der
I
SG (
Februar
2016)
habe e
ine Mehrsklerose und ödematöse Veränderungen
an beiden ISG mehr rechts als l
ink
s
gezeigt,
die aufgrund der Morphologie eher entzündli
cher als mechanisch-reaktiver Ursache
seien
. Diese bildgebenden Befunde an den ISG
seien
gering.
Der Beschwerdeführer
erfül
le
die modifizierten
Klassifikation
s
-Kriterien für die Diagnose eine
r
axialen Spondyl
arthritis (2012) trotz dieser ISG
Veränderungen nicht,
weil kein sicherer weiterer bil
dgebender Befund
und auch keine zwei weiteren klinischen Befunde (wie Art
hritiden,
Dactylitiden
,
Uveitis
, gute Wirkung von NSAR, HLA B27
-
Positivität, eingeschränkte Beweglich
keit der LWS) vorhanden s
eien
. Gegen die Diagnos
e einer Spondyl
arthritis spreche
insbe
sondere die fehlende Wirkung von
drei verschiedenen TNF
Blockern. Da er die modif
izierten Klassifikationskrite
rien nicht erfülle
,
werde die Diagnose Spondy
lit
is
ankylosans
(Morbus Bechterew oder axiale Spondyl
arthritis) nicht
gestellt
. Die geringen bildgebenden Befunde der IS
G hätt
en keine Auswirkung auf seine Arbeitsfähigkeit
(S. 120 oben)
.
Die MRI
-Untersuchung der HWS (
Januar
2016
) habe
leichte degenerative Ver
än
derungen sowie
Diskusprotrus
i
onen
mit leichter
Spinal
kanalstenose C5/ C6 und leichten
foramina
len
Stenosen C5/ C6 links und C6/C7 beidseits
ergeben
. Di
e neurologische und neurophysio
logische Untersuchung (
April
2016) ha
b
e normale Befunde ergeben.
Die MRI-Untersuchung der LWS (
Februar
2016
) habe
als wesentlichste Befunde eine
Osteochondrose
L5/
S
1 (
Modic
1) und eine
Diskuspro
t
rusion
L5/S1 mit leich
ter parazentraler Kompression der Nervenwurzeln
S1 beidseits ohne
fora
m
i
na
l
e
Enge
ergeben
. Diese b
i
ldgebenden Befunde der LWS s
eien
nich
t
gra
vierend, den
noch hätten sie
eine Auswirkung auf
die
Arbeitsfähigkeit
des Beschwerde
führers (S. 120 unten).
Zusammenfassend bestünden
bei
m Beschwerdeführer eine verminderte Bel
ast
barkeit der LWS und der linken Schulter sowie medizinisch nicht dokumentierte habitue
l
le Luxationen der Schult
ern, Hüften, Ellbogen und Patella, die seine Leistung
sfähigkeit einschränken
würden
. Die vorhandenen Befunde
würden
das Ausmass seiner Beschwerden nicht vollständig
erklären
. Er k
önne
eine angepasste Tätigkeit zu 100
%
ausüben bezogen auf ein Pensum von 100%
(S. 121 unten)
.
Die erlernte Tätigkeit eines Elektroausrüsters BBT sei angepasst. Er könne diese Tätigkeit zu 100
%
ausüben. Dagegen könne er nicht als Hilfsmaurer beziehungs
weise Fassadenbauer arbeiten, da dies körperlich sehr belastende Tätigkeiten seien. Er könne Lasten bis zu 15 kg hantieren. Eine besonders schulterbelastende Tätigkeit habe er nie langandauernd ausüben können, denn die erste Schulter
lu
xation links sei im Alter von 14 Jahren (zirka 1996) aufgetreten (S. 123).
Unklar
sei
, weshalb der Internist
Dr.
H._
in seiner Stellungnahme vom
November 2014
eine Arbeitsunfähigkeit zu 100
%
in jeglicher Tätigkeit
postuliere. Er habe
darauf hin
gewiesen
, dass der
Beschwerdeführer wegen G
elenksentzündungen seine Tätigk
eit reduzieren oder sistieren müsse. Gel
enksentzündungen
seien
bei
m Beschwerdeführer
allerdings weder klinisch
noch bildgebend jemals festgestellt
worden. Die Ganzkörper-Fluorid-
PET/CT-Untersuchung
habe
keine vermehrten Anreicherungen in sämtlichen
Gelenken oder in der Wirbelsäul
e
ergeben
, was eine relevante Gelenksentzündung ausschliess
e (S. 125)
.
Zur Ausprägung und Schwere der objektiven Befunde führte
Dr.
D._
aus, dass strukturelle Befunde im Bereich der LWS bestünden, die nicht gravierend seien sowie eine Instabilität des linken Schultergelenks nach einer traumatischen Luxation etwa 199
6.
Es sei nicht klar, in welchem Ausmass der Beschwerdeführer an habituellen Luxationen zahlreicher Gelenke leide, denn dazu seien keine medizinischen Berichte vorhanden.
Invaliditätsfremd seien sein Drogenkonsum (Cannabis und
Cocain
; S. 126).
Zu
den
Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen er
ho
benen
Diagnosen in Bezug auf die funk
tionellen Auswirkungen in allen Lebensbereichen
führte Dr.
D._
aus, dass d
er N
i
kotin-Abusus und
der
Drogen-Abusus
den
Gesund
heits
zustand
des Beschwerdeführers verschlechtern würden
. Denkbar
sei
, dass der starke Nikotinabusus sei
ne Rückenschmerzen verschlimmere
. Studien
würden
zeigen,
dass Raucher mehr Rückenschmerzen hätt
en als Nichtraucher
(S. 131)
.
Die bisherige Therapie sei lege
artis
.
Zu der Kooperation des Beschwerdeführers könne nichts gesagt werden.
Eingliederungsmassnahmen seien ab sofort zumut
bar (S. 132).
Es seien wenige Diskrepanzen vorhanden gewesen. Der Beschwerde
führer habe intermittierend einen hinkenden Gang gezeigt, der sich bei Ablen
kung normalisiert habe. Zudem habe er falsche Angaben zu seinem Drogen-Abusus gemacht, wie die Haaranalyse ergeben habe. Das Aktivitätsniveau des Beschwerdeführers sei normal. Er nehme die therapeutischen Optionen meist in Anspruch (S. 133).
4.11
Prof.
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
the
rapie, erstattete sein psychiatrisches Gutachten am 2
4.
Dezember 2016 (Urk.
9/180) gestützt auf die Akten sowie die Untersuchung des Beschwerde
führers vom 1
9.
Dezember 201
6.
Er nannte folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 78
lit
. E
Ziff.
1):
-
andauernde Persönlichkeitsänderu
n
g bei chronischen Schmerzen (ICD-10 F62.80)
-
chronifizierte
mittelgradige Depression (ICD-10 F33.8)
Er führte aus, dass
eine gedrückte Grundstimmung mit Verzweiflungsgedanken den affektiven Zustand des Beschwerdeführers beherrschen würde
.
Es bestünden keine
Verdeutlichungen
, keine Aggravation und keine Simulation in der
psychiatrischen Exploration. Der Beschwerdeführer werde als offen und authen
tisch erlebt (S. 61).
Die Auskunftswilligkeit des
Beschwerdeführers
zu seinem Substanzkonsum
sei
sehr zäh und widerwillig.
Er gebe
an, d
ass er sich nicht genau hierzu e
rinnern
könne. Zunächst teile
er mit, dass er nie Drogen konsumiert habe. Auf verstärkte Nachfrage
habe
er dann die nachfolgenden Angaben
gemacht: er konsumiere
seit seinem 1
8.
Lebensjahr mit Unterbrüchen Cannabis. Seit seinem 2
5.
Lebensjahr konsumiere
er
häufiger Cannabis. Es
komme zum Konsum von
zirka
zwei Joints am Tag.
Von Kok
ain bis zum Amphetamin habe er
alles probiert, was „gängig
"
sei
. Der letzte Konsum sei
zirka
ein Jahr her gewesen
(S. 68 Mitte)
.
Gemäss Angaben des Beschwerdeführers werde er
ambulant seit dem Jahre 2010 psychotherapeutisch betreut
.
Er habe keine fachärztlich psychiatrische Behand
lung, sondern werde ausschlie
sslich psychologisch behandelt.
Die Frequenz der psychotherapeutischen Explorationen betrage einmalig in drei Wochen
(S. 69)
.
Der Beschwerdeführer nehme während der Untersuchung auf einem ihm angebo
tenen Sessel Platz, wo er meist auf die Arme abgestützt sitze. Zwei- bis dreimalig stehe er während des Untersuchs auf, um sich zu lockern. Eine bereitgestellte Liege im Untersuchungszimmer nutze er nicht. Zum Untersuchungszeitpunkt liege keine quantitative oder qualitative Bewusstseinsstörung des Beschwerde
führers vor
(S. 70)
.
Der Beschwerdeführer
beklag
e
keine Gedächtnisstörungen. In der Untersuchungs
sit
uation seien
das
Alt-
b
eziehungsweise
Langzeitgedächtnis kursorisch intakt
. Es bestehe
k
ein klinischer Hinweis auf Amnesie, Konfabulationen oder
Paramnesien
.
Der Beschwerdeführer
beklag
e
keine Störungen der Konzentration und der Auf
merksamkeit. Im Untersuch best
ünden
keine diesbezüglichen Auffälligkeiten. Während der gut zwei
stündigen Explorationszeit komme
es zu keinem Abfall der kognitiven Parameter
.
Er
könne
dem Untersuchungsverlauf ohne Probleme jeder
zeit folgen
.
Der formale Gedankengang
sei
im Tempo leicht verzög
ert, es bestün
den
minim verlängerte
Antwortlatenze
n
. In Kohärenz und Stringenz sei
das Den
ken stark von den chronischen Schmerzen geprägt.
Der Beschwerdeführer
sei nur mässig spürbar und wirke
leidend und ver
zweifelt. Die Grundstimmung sei gedrückt und die
Schwingungsfähigkeit
reduziert. Die Vitalgefühle seien
gemindert. Das Selbstwertempfinden
sei
reduziert
. Es bestün
den
Insuffizienzgefühle. Die Psychomotorik
sei reduziert und der Antrieb
gemin
dert.
Es bestünden eine
Reduktion der Freudfähigkeit und der Interessen
sowie ein teilweiser sozialer Rückzug und ein t
eilweise schmerzbedingt redu
zierter Appetit
, eine
Störung des sexuellen Antriebs
, s
chmerzbedingte Schlaf
störungen
und Existenzängste. Klinisch fä
nden sich Hinweise auf eine Persönlichkeitsände
rung bei chronischen Schmerzen mit Rat- und Hilflosigkeit, Verzweiflung, Niedergeschlagenheit, sozialem Rückzug und einem Lebensmittel
punkt, welcher nur noch durch die Schmerzen bestimmt w
erde (S. 71)
.
Das Ergebnis des Urindrogenscreenings steh
e
im Einklang mit den Angaben des
Beschwerdeführers
zu seiner Substanz- und Medikamentenanamnese. Es
seien
zudem die Ergebnisse aus dem rheumatologischen Untersuch hinzugezogen
wor
den
, die bezüglich der Drogenanamnese Diskrepanzen zu seinen Angaben auf
ge
w
i
e
sen
hätten.
Entgegen seiner Angabe h
abe
er in
der genannten Periode auch vereinzelt Kok
ain konsumiert. In seinem Urin
sei
entsprechend seiner Angabe auch im rheumatologischen Untersuch Cannabis nachweisbar
gewesen (S. 72).
Bei
m Beschwerdeführer hätten
keine Hinweise auf
Verdeutlichungen
, Aggra
va
tion oder Simulation
bestanden
. Es
hätten
sich aus psychiatrischer Sicht zudem keine Hinweise auf eine Selbstlimitierung oder einen sekundären Krankheits
ge
winn
ergeben.
Der
Beschwerdeführer sei
als nachvollziehbar leidend und verzwei
felt
erlebt worden (S. 74 unten).
Bezüglich seiner Substanzanamnese
sei der Beschwerdeführer n
icht ganz offen
gewesen
. Während er d
en Gebrauch von THC angegeben habe
,
habe
er einen offe
nbar gelegentlichen Konsum von Kok
ain
verschwiegen.
Die Persönlichkeit
des Beschwerdeführers
schein
e
verändert. Der Lebensvollzug
des Beschwerde
führers dr
eh
e
sich ausschliesslich um seine Schmerzen bei sozialem Rückzug, Klagen zu seiner Krankheit,
dysphorisch
, labiler und gedrückter Stimmung, ver
minderten Interessen und Vernachlässigung von Freizeitbeschäftigungen sowie der Überzeugung durch seine chronische Schmerzkrankheit verändert zu sein, weshalb er sich sozial zurückziehe
.
Diese Charaktereigenschaften s
eien
ko
mpati
bel mit einer andauernden
Persönlichkeitsänderung bei chronischen Schmerzen
(
ICD-10 F62.80
).
Eine pr
imäre Persönlichkeitsstörung habe beim Beschwerdeführer
nicht vor
ge
le
gen
. Der
Beschwerdeführer habe
eine unbelastete Kindheit
erlebt. Es sei
von einer vermehrten Durchlässigkeit der I
ch
-S
trukturen
aus
zugehen
. Der
Beschwer
de
führer
leb
e sozial zurückgezogen. Er gehe
wegen seiner Schmerzen und somati
schen Behinderungen
keine Partnerschaft
mehr ein. Der
Beschwerde
führer
ha
be
aktuell nur noch wenige Ressourcen
,
auf welche er in seinem aktuellen G
esund
heitszustand
zurückgreifen k
önne (S. 75)
.
Aus gutachterlicher Sicht würden die Diagnosen einer inzwischen
chronifizierten
(seit 2009 nachvollziehbar im Dossier
dokumentierten) rezidivierenden Depres
sion mittelgradiger Ausprägung
(ICD-10 F
33
.
8
)
und einer andauernden Persön
lichkeitsänderung bei chronischen Schmerzen
(
ICD-10
F62.80
) bestätigt
.
Es seien
keine
Hinweise auf eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psy
chischen Faktoren (ICD
-
10 F 45.41)
vorhanden. Hiergegen sprä
chen das Fehlen psychosozialer und soziokulture
l
ler Belastungsfaktoren beim Auftreten der chro
nischen Schmerzsymptomatik und die Abhängigkeit der subjektiven Schmerz
wahrnehmung von diesen Faktoren
.
Des Weiteren
seien
die Belastungs
abhängig
keit der Schmerzen, der variable Schmerzlevel und das Ansprechen einer Schmerz
medikation weitere Indizien, die gegen das Störungsbild spr
ä
chen. Die von der Rheumatologin festgestellten Diskrepanzen im Vergleich der subjektiven Klagen über Schmerzen und den objektiven Befunden,
sei
en
der andauernden Persönlichkeitsänderung zu
zuschreiben.
Aus psychiatrischer Sicht
sei
die Thera
pie nicht ausgereizt. Der
Beschwerdeführer
werde
derzeit nur mit
Mirtazepin
(
Remeron
) behandelt. Dieses Medikament
sei
ein schlafanstossendes Anti
depressivum. Eine multimodale Schmerztherapie und
eine
verstärkte psycho
the
rapeutische Behandlung mit Stärkung der Selbstwirksamkeits
erwartung
seien anzuregen (S. 76).
Zusammenfassend l
ä
gen erhebliche Fähigkeitsstörungen mit Auswirkung auf die mittel- und langfristige Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers
infolge der psychiatrischen Störungen vor, die jedoch durch eine adäquate psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung besserungsfähig s
eien
. In der Abgrenzung der Funktionseinschränkungen, welche auf die Gesundheitsschädigung zurückzu
führen s
eien,
von solchen nicht versicherte
n
Faktoren, dominier
t
en krankheits
bestimmte Faktoren das psychopathologische Bild. Bei
m Beschwerdeführer
sei
THC im Urin gefunden
worden
.
Es sei davon auszugehen, dass
der THC-Konsum in Selbsttherapie im Zusamm
enhang mit den Schmerzen erfolge
(sekundär). Auch der gelegentliche
Kokainkonsum diene
offenbar seiner Stimmungsverbesserung.
Es sei von
einem sekundären Gebrauch aus
zugehen
. Zusammenfassend
sei der Beschwerdeführer
aufgrund seiner psychischen Leiden mit nachfolgenden
handi
capierenden
Fähigkeitsstörungen in der zuletzt ausgeübten und in adap
tierten Tätigkeiten nur noch zu 30
%
arbeitsfähig
(70%
ige Arbeitsun
fähigkeit
) bezogen auf ein Vollpensum
(S. 77 unten)
.
Das Störungsbild sei
seit Antragstellung vo
n August
2014 durchgehend und anhaltend bestehend. Eine Besserungsfähigkeit
sei
durch eine Intensivierung der Therapie mit multimodale
r
Schmerztherapie und adäquate
r
psychiatrisch
-
psychotherapeutische
r
Behandlung mit positiver Auswirkung auf die A
rbeits
fä
higkeit zu erzielen. Es könne
hierdurch eine zumindest 50%ige A
rbeitsfähigkeit
erreicht werden innerhalb eines Ja
hres. Eine solche Behandlung sei
dem
Beschwerdeführer
aus psychiatrisch gutachterlicher Sicht zumutbar
(S. 78 oben)
.
4.12
Dr.
D._
und Prof.
Dr.
E._
führten in der interdisziplinären Zusammen
fassung (
Urk.
9/180/80) aus, dass der Beschwerdeführer
eine Tätigkeit mit gerin
ger Belastung des Rückens, der linken Schulter und der Gelenke
benötige
. Dabei k
önne
er Lasten bis zu 15 kg hantieren. Die erlernte Tätigkeit eines El
ektroaus
rüsters BBT
sei
angepasst. Er k
önne
diese Tätigkeit zu 30
%
ausüben bezogen auf ein Pensum von
100
%
. Diese
attest
ierte Arbeitsunfähigkeit bestehe
seit der IV
Anmeldung am 2
9.
August
201
4.
Es
sei
zu erwarten, dass durch eine Intensi
vierung der Therapie mit multimodaler Schmerztherapie und adäquater psychia
trisch-psychotherapeutischer Behandlung eine Besserung möglich
sei. Dadurch könne
innerhalb eines Jahres zumindest eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
erreicht werden.
4.13
Dipl. med.
L._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, Regiona
ler Ärztlicher Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin, nahm am 1
3.
Januar 2017 Stellung (
Urk.
9/182/4-5) und führte aus, dass auf das
bidisziplinäre
Gutachten grösstenteils abgestellt werden könne. Die Schlussfolgerungen seien überwiegend nachvollziehbar. Es werde die Auferlegung einer Schadenminderungspflicht angeraten. Diese sollte über die Empfehlungen des Gutachtens hinausgehen und die Abstinenz von Cannabis und Kokain einschliessen.
4.14
Die Ärzte der
K._
berichteten am 1
2.
Juni 2017 (
Urk.
9/195) und führten aus, dass die Diagnose einer Persönlichkeitsänderung nachvollziehbar begründet sei. Das ganze Leben des Beschwerdeführers drehe sich seit langer Zeit darum, auf welche Weise er den Alltag im Zusammenhang mit seinen chronischen Schmer
zen meistern könne. Alle körperlichen Tätigkeiten hätten immer wieder Schmer
zen zur Folge. Der Beschwerdeführer sei manchmal gefangen zwischen der Wahl nach Ruhe und Aktivität.
Der Beschwerdeführer versuche mit der Dosierung der Schmerzmedikation eine Schmerzmittelabhängigkeit zu vermeiden. Wenn er keine Schmerzen spüre, da er Medikamente genommen habe, dann überlaste er seinen Körper und müsse das später büssen. Er erhalte ein Antidepressivum zur Nacht, was ihn stütze und schlafanstossend sei. Aber wenn er zu tief und zu lange schlafe und sich nicht bewege, dann seien die Schmerzen morgens schlimmer. Der Leidensdruck sei enorm.
Der soziale Rückzug sei massiv. Der Beschwerdeführer müsse sich täglich überle
gen, ob er fähig sei, seine Geschäfte zu erledigen. Jede Art von Bewegung bezahle der Beschwerdeführer mit Schmerzen und Erschöpfung. Die im Gutachten erwähnten Tätigkeiten seien vom Beschwerdeführer so selbstverständlich erzählt worden, weil er nicht krank sein wolle und dissimuliere. Prof.
Dr.
E._
habe diese Situation fachärztlich erkannt und kommentiert (S. 2).
Kokain sei beim Beschwerdeführer kein Thema. Sie würden auch keine Diagnose im Zusammenhang mit dem seltenen Kokainkonsum stellen (S. 3 oben).
Der Cannabiskonsum wirke sich nicht auf die Leistungsfähigkeit des Beschwer
de
führers aus. Er leide auch ohne Cannabiskonsum an seinen Gebrechen. Eigent
lich wäre es als Schmerztherapie optimal, ihm das Cannabis zu verschreiben. Eine multimodale Schmerztherapie könnte erwogen werden, müsste aber von einem Spezialisten in Bezug auf seine speziellen körperlichen Probleme verordnet wer
den. Im weiteren Verlauf werde versucht, mit dem Beschwerdeführer einen gestuften Plan zur medikamentösen Behandlung zu erarbeiten, wahrscheinlich eine Kombination aus antidepressiver und schlaffördernder Medikation. Eine ver
stärk
t
e psychotherapeutische Behandlung sei bei
chronifizierten
psychiatri
schen Störungen oftmals wirkungslos und die Themen der Selbstwirksamkeit habe der Beschwerdeführer schon genügend durchgespielt und sei immer wieder an seine Grenzen gekommen. Phasenweise sei er mit all seinen Terminen derart überlastet, dass ein weiterer Ausbau weder möglich noch realistisch wäre. Es sei sehr unwahr
scheinlich, dass der Beschwerdeführer eine 50%ige Arbeitsfähigkeit errei
chen könne, obwohl er dies gerne möchte
(S. 3)
.
Di
e
Leistungsfähigkeit und Präsenzzeit des Beschwerdeführers seien wesentlich von der jeweiligen täglichen Schmerzbelastung abhängig, die recht stark fluktuiere. Der Beschwerdeführer sei gewillt zu arbeiten und werde als motiviert wahrgenommen. Ob ein 30%iges Pensum im
1.
Arbeitsmarkt im angepassten Bereich tatsächlich konstant geleistet werden könne, sei fraglich beziehungsweise eher optimistisch eingeschätzt. Ein niedriges Pensum im geschützten Arbeits
markt wäre bereits ein grosser Erfolg für den Beschwerdeführer.
Der soziale Rückzug sei ausgesprochen gross. Der Beschwerdeführer verbringe die Tage vor allem zu Hause und zwinge sich, sofern es überhaupt möglich sei, seine Termine einzuhalten. Er sei auf keinen Fall zu 100
%
arbeitsfähig. Diese Beurtei
lung könne überhaupt nicht nachvollzogen werden (S. 4).
5.
5.1
In Bezug auf den
aktuellen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers kann auf die
Gutachten
von
Dr.
D._
und Prof.
Dr.
E._
v
om
Dezember 2016
abgestellt wer
den. Diese erfüllen
die Anforderungen an den Beweiswert medizi
nischer Berichte im Sinne der Rechtsprechung (vgl. vorstehende E. 1.
4
). Sie
setz
en
sich mit allen Aspekten der gesundheitlichen Beeinträchtigungen auseinander und berücksichtig
en
insbesondere auch sämtliche bis dahin
eingegangenen
ärzt
li
chen
Untersuchungsberichte. Insgesamt
sind
die
G
utachten umfassend und ver
m
ögen
zu überzeugen.
5.2
Es ist gestützt auf die Gutachten von
Dr.
D._
und Prof.
Dr.
E._
davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in psychischer Hinsicht an einer andau
ernden Persönlichkeitsänderung bei chronischen Schmerzen (ICD-10 F62.80) sowie an einer
chronifizierten
mittelgradigen Depression (ICD-10 F33.8) leidet, welche eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von
70
%
-
bei Intensi
vierung der Therapie mit multimodaler Schmerztherapie und adäquater psychiatrisch-psycho
therapeutischer Behandlung innerhalb eines Jahres
mut
masslich
noch eine Einschränkung von 50
%
-
in der Tätigkeit als Elektro
aus
rüster BBT bewirken.
In somatischer Hinsicht ist im Wesentlichen von einer
ver
minder
ten Belastbarkeit und Beschwerden der LWS bei einer
Osteochondrose
L5/S1 und einer
Diskus
protrusion
L5/S1 mit leichter parazentrale
r
Kompression der Nervenwur
zeln S1 beidseits ohne
foraminale
Enge, von einem Status nach Sturz auf die linke Schulter mit Luxation und unterer Schulterinstabilität sowie medizinisch nicht dokumentierten, habituellen Luxationen der Schultern, Hüften, Ellbogen und Patella bei mässiger Hypermobilität auszugehen
.
Ob
dem Beschwer
de
führer die Tätigkeit eines Elektroausrüsters BBT
in rein somatischer Hinsicht tatsächlich zu 100
%
zumutbar ist, muss mit Blick auf die in psychiatrischer Hinsicht festge
stellten Einschränkungen nicht abschliessend beantwortet werden.
5.3
Soweit die behandelnden Ärzte der
K._
– bei welchen der Beschwerdeführer seit Mai 2016 in Behandlung steht (vgl. vorstehend E. 4.8 und E. 4.14) – von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auch in einer angepassten Tätigkeit ausgehen,
ver
mag dies das Gutachten nicht in Zweifel zu ziehen,
zumal
zwischen ih
nen
und de
m
Beschwerdeführer
eine vergleichbare Vertrauenskonstellation besteht wie zwischen dem Hausarzt und seinem Patienten
(vgl. E.
1.5
).
5.4
Nach dem Gesagten kann
auf das Gutachten
von
Dr.
D._
und Prof.
Dr.
E._
vom 23./2
4.
Dezember 2016
abgestellt werden
, wonach bei
m
Beschwerde
führer
in der
zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Elektroausrüster BBT, welche als angepasste Tätigkeit gilt,
eine
30%ige Arbeitsfähigkeit
besteht.
Die Tätigkeit als
Hilfsm
aurer
beziehungsweise Fassadenbauer
ist ihm
hingegen
nicht mehr zumutbar.
6.
6.1
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krank
heitswert besteht, welches die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2
H._
2 ATSG
,
BGE 139 V 547
E. 5
,
131 V 49
E. 1.2
,
130 V 352
E. 2.2.1).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatri
sche Diagnose voraus (BGE 130 V 396; 141 V 281 E. 2.1). Eine fach
ärztlich fest
gestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleich
bedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beein
trächtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diag
nose und grundsätz
lich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objekti
vierten Massstab zu beurtei
lende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (vgl.
BGE 143 V 409 E. 4.2.1 unter Hin
weis auf 127 V 294 E. 4b/cc und 139 V 547 E. 5.2
).
Gemäss der für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychoso
ma
tische Leiden entwickelten Rechtsprechung des Bundesgerichts ist die tat
sächliche Arbeits- und Leistungsfähigkeit der versicherten Person grund
sätzlich in einem strukturierten, ergebnisoffenen Beweisverfahren anhand von auf den funktionel
len Schweregrad bezogenen Standardindikatoren zu ermitteln (BGE
141 V 281). Mit
BGE 143 V 418
hat das Bundesgericht erkannt, dass grund
sätzlich sämtliche psychischen
Erkrankungen
einem strukturierten Beweis
ver
fahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen seien, wobei es je nach Krank
heitsbild allenfalls gewisser Anpassungen hinsichtlich der Wertung ein
zelner Indikatoren bedürfe. Diese Abklärungen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in wel
chem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeits
unfähigkeit schliessen lassen (E. 7).
Im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens sind als Standardindikatoren die folgenden Aspekte massgebend (BGE 141 V 281 E. 4.1.3):
Funktioneller Schweregrad
-
Gesundheitsschädigung
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz
-
Komorbiditäten
-
Persönlichkeit: Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Ressourcen
-
sozialer Kontext
Konsistenz (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichba
ren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungs
anamnestisch
ausgewiesener Leidens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshin
dern
der
äusserer
Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Res
sourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_2
60/2017 vom 1. Dezember 2017 E.
4.2.3).
Die Anerkennung eines renten
be
gründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
wir
kungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
grund
lage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und wider
spruchs
frei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit (nach wie vor) die materiell beweisbe
lastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; BGE 141 V 547 E. 2).
Die Durchführung eines strukturierten Beweisverfahrens nach dem dargelegten Prüfungsraster erübrigt sich
rechtsprechungsgemäss
, wenn Ausschlussgründe vorliegen, etwa wenn die Leistungseinschränkung überwiegend auf Aggravation oder einer ähnlichen Erscheinung beruht, welche die Annahme einer gesundheit
lichen Beeinträchtigung von vornherein
ausschliessen
(BGE 141 V 281 E. 2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_549/2015 vom 29. Januar 2016 E. 4.1).
6.2
Nach dem Gesagten ist zu prüfen, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen.
E
ine schlüssige Prüfung der massgebenden Standardindikatoren
ist gestützt auf das
Gutachten
von
Dr.
D._
und Prof.
Dr.
E._
sowie die übrigen m
edi
zinischen Akten möglich. W
eitere medizinische Abklärungen sind
demnach
nicht erforderlich.
6.3
Mit Bezug auf den ersten Indikator („Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome") ergibt sich aus de
n Gutachten
, dass sich die mittelgra
dige depressive Episode in einer
g
edrückten
Grunds
timmung
mit Verzweiflungs
gedanken, affektlabilem, leidenden und verzweifeltem Verhalten äussere, wobei die Schwingungsfähigkeit sowie das Selbstwertempfinden reduziert seien. Der Beschwerdeführer sei psychomotorisch sowie im Antrieb gemindert und im Denken eingeengt
(
Urk.
9/180 S. 71)
.
Aufgrund der Persönlichkeitsänderung bei chronischen Schmerzen drehe sich der Lebensvollzug des Beschwerdeführers ausschliesslich um seine Schmerzen bei sozia
lem Rückzug, Klagen zu seiner Krankheit,
dysphorisch
, labiler und ge
drück
ter Stimmung, verminderten Interessen und Vernachlässigung von Frei
zeit
be
schäftigungen
. Es bestehe eine vermehrte Durchlässigkeit der Ich-Struktu
ren
(
Urk.
9/180 S. 71, S. 75)
.
Betreffend Funktions
einschränkungen wurde im Gutachten festgehalten, dass die
Planung und Strukturierung von Aufgaben und die Durchhaltefähigkeit schwer und die Anpassung an Regeln und Routinen, die Flexibilität und Umstellfähigkeit, die Anwendung fachlicher Kompetenzen, die Selbstbehauptungsfähigkeit, die Kontaktfähigkeit zu Dritten, die Gruppenfähigkeit, Spontan-Aktivitäten sowie die Verkehrsfähigkeit mittelgradig beeinträchtigt seien (
Urk.
9/180 S. 76 f.).
Zum T
agesablauf ist bekannt, dass d
er
Beschwerdeführer
zwischen 7.00 und 8.00
Uhr aufstehe
, wobei er schmerzbedingt sehr schlecht schlafe und schweiss
gebadet sowie muskulär verkrampft aufwache. Er starte meist mit kranken
gymnastischen Übungen von zirka 10-15 Minuten, damit er sich überhaupt bewegen könne. Danach nehme er ein Frühstück ein.
Am Vormittag mache er Haushaltarbeiten und erledige administrative Angelegenheiten. Er koche sich dann ein Mittagessen und laufe für zirka eine Stunde. Am Nachmittag erledige er Arzttermine und zweimalig in der Woche Physiotherapie. Wenn er zurückkomme, müsse er zirka eine Stunde absitzen. Manchmal mache er sich ein Nachtessen, manchmal bei zu starken Schmerzen verzichte er. Ab und zu lese er oder spiele Gitarre. Zu Bett gehe er meistens zwischen 23.00 und 24.00 Uhr. Manchmal müsse er jedoch bereits früher abliegen
(
Urk.
9/180 S. 68). Früher habe er gerne Sport gemacht. Aktuell habe er kein spezielles Hobby mehr. Er habe kein gutes soziales Netzwerk (S. 64)
.
Zum zweiten Indikator („Behandlungserfolg oder -resistenz") ergibt sich aus dem
Gutachten, dass die therapeutischen Optionen bisher nicht ausge
nützt
worden
seien. So könne die psychiatrische und medikamentöse Therapie durchaus noch intensivi
ert werden. Darüber hinaus sei auch eine multimodale Schmerztherapie
zu empfehlen (
Urk.
7/1
80 S.
76, S.
78
).
Als Komorbiditäten sind die Beschwerden der LWS bei einer
Osteochondrose
L5/S1 und einer
Diskusprotrusion
L5/S1 mit Kompression der Nervenwurzeln S1, die Luxation und untere Schulterinstabilität sowie die medizinisch nicht doku
mentierten, habituellen Luxationen der Schultern, Hüften, Ellbogen und Patella bei mässiger Hypermobilität
zu erwähnen
(
Urk.
9/180/80)
.
Bezüglich Persönlichkeit
wurden
Hinweise auf eine Persönlichkeitsänderung bei chronischen Schmerzen mit Rat- und Hilfslosigkeit, Verzweiflung, Niedergeschla
genheit, sozialem Rückzug und einem Lebensmittelpunkt, welcher nur noch durch die Schmerzen bestimmt werde
,
genannt (
Urk.
9/180 S. 71). Eine primäre Persön
lichkeitsstörung liege beim Beschwerdeführer nicht vor. Er habe eine unbelastete Kindheit erlebt
. Der Beschwerdeführer werde als sehr zuverlässige
r
, sehr willens
starke
r
und arbeitswillige
r
Menschen erlebt, der überdurchschnittlich leidensfähig sei
(S. 75).
Betreffend den sozialen
Kontext ist
festzuhalten, dass der
Beschwerdeführer
alleine lebt und wegen seine
r
Schmerzen und somatische
r
Behinderungen keine Partnerschaft mehr eingehe. Er lebt sozial zurückgezogen (
Urk.
9/180 S. 75).
Er zeigt zumindest e
inige Aktivitäten im Tagesablauf
mit Versorgung des Haushalts, Erledigung von administrativen Angelegenheiten sowie dem Spazieren gehen (
Urk.
9/180 S. 68).
Zu prüfen bleibt der Aspekt der Konsistenz.
Die Einschränkungen im Erwerbs
be
reich stimmen im Wesentlichen mit denjenigen in den sonstigen Lebensberei
chen überein. So
nimmt der Beschwerdeführer – abgesehen von seinen Arzt- und The
rapieterminen –
praktisch
keine
ausserhäuslichen
Aktivitäten
mehr
wahr
. Es besteht ein
sozialer Rückzug.
Als vorhande
ne Ressourcen ist
die
gute Beziehung zu seiner Mutter (
Urk.
9/180 S.
62
,
Urk.
9/178 S. 107
) sowie zu einer Kollegin (
Urk.
9/180 S. 63)
zu erwähnen.
Der
Beschwerdeführer steht in
regelmässiger
psychiatrisch-
psych
ologischer
Behandlung
,
was auf einen ausgewiesenen Leidensdruck hindeutet.
Ob die Psychotherapie zu intensi
vieren ist,
ist grundsätz
lich Sache des behandelnden Psychiaters (vgl. Michael E.
Meier, Zwei Jahre neue Schmerzrechtsprechung, in Riemer-Kafka/
Hürzeler
, Das
indikatorenorientierte
Abklärungsverfahren, Zürich/Basel/Genf 2017, S.
145).
Der Beschwerdeführer wurde als nachvollziehbar leidend und verzweifelt erlebt, wobei keine Hinweise auf
Verdeutlichungen
, Aggravation oder Simulation bestanden. Es ergaben sich zudem keine Hinweise auf eine Selbstlimitierung oder einen sekundären Krank
heitsgewinn (
Urk.
9/180
S. 61,
S. 74).
6.4
Die abschliessende Würdigung des Beschwerdebildes anhand der Standard
indi
ka
toren ergibt, dass auf die Einschätzung der Arbeits
fähigkeit, wie sie sich aus dem
Gutachten
von
Dr.
D._
und Prof.
Dr.
E._
ergibt, abgestellt werden kann.
Entsprechend besteht in der
zuletzt ausgeübten und zugleich angepassten
Tätigkeit
als Elektroausrüster BBT
seit August 2014
eine 3
0%ige Arbeitsfähigkeit
, wobei diese innerhalb eines Jahres
mutmasslich
auf 50
%
gesteigert werden könne.
Diese Beurteilung stimmt im Übrigen mit den Ausführungen im Abschlussbericht der
C._
vom 2
3.
Mai 2014 (
Urk.
9/111) überein, wonach der Beschwer
deführer während der
Anlehre
zum Elektroausrüster BBT in der Lage war, bei einer Tagesarbeitszeit von maximal 5.5 Stunden einen durchschnittlichen Leistungsgrad von 50
%
zu erbringen (vgl. auch Verlaufsprotokoll Berufsbera
tung vom 1
5.
August 2014;
Urk.
9/115).
Es bleibt anzumerken, dass die im Gutachten prognostizierte Verbesserung inner
halb eines Jahres auf eine 50%ige Arbeitsfähigkeit im vorliegenden Verfahren nicht berücksichtigt werden kann, da es sich um eine in der Zukunft liegende
mutmassliche
Entwicklung des Gesundheitszustandes handelt. Es obliegt jeden
falls der Beschwerdegegnerin
eine baldige Revision vorzusehen und
zu überprü
fen, wie es sich mit der prognostischen
Einschätzung der Gutachter
verhält.
Gestützt auf das genannte Gutachten
ist somit ausgewiesen, dass
sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
seit
der Antragstellung im
August 2014
in psychiatri
scher Hinsicht verschlechtert hat
(vgl.
Urk.
9/180 S. 78)
.
Z
u prüfen
bleibt
, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität
zu begründen.
7.
7.1
Es bleibt damit die Prüfung der erwerblichen Auswirkungen vorzunehmen, wo
bei der
Beschwerdeführer unbestrittenermassen als zu 100 % Erwerbstätige
r zu qua
lifizieren ist.
Somit ist ein Einkommensvergleich nach Art. 16 ATSG in Ver
bin
dung mit Art. 28a Abs. 1 IVG vorzunehmen.
7
.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenver
siche
rung (IVG)
aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und
nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede
rungs
massnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeits
markt
lage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung ge
setzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothetischen Erwerbs
ein
kommen ziffern
mässig möglichst genau ermittelt und einander gegenüber
gestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. all
gemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hin
weisen).
7
.3
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
schein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommens
ent
wicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung ent
spricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden
wäre. Aus
nahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; BGE 135 V 58 E. 3.1; BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hin
weis).
Ist
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die versi
cherte Person die bisherige Tätigkeit unabhängig vom Eintritt der Invalidität
nicht mehr ausgeübt hätte, kann das
Valideneinkommen
auf Grundlage der vom
Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstruktur
er
heb
u
ng (LSE) berechnet werden, wobei die für die
Entlöhnung
im Einzelfall gegebenen
-
falls relevanten persönlichen und beruflichen Faktoren zu berück
sichtigen sind (BGE 139 V 28
E. 3.3.2; BGE 128 V 29 E. 4e; Urteil des Bundes
gerichts 9C_887/2015 vom 12. April 2016 E. 4.2).
7
.4
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtspre
chung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch her
ausge
ge
benen Lohnstrukturer
heb
ungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, BGE 135 V 297 E. 5.2; BGE 129 V 472 E. 4.2.1; BGE 126 V 75
E. 3b). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffent
lichten Tabellen der LSE zu verwenden (Urteile des Bundesgerichts 9C_699/2015 vom 6. Juli 2016 E. 5.2, 8C_78/2015 vom 10. Juli 2015 E. 4 und 9C_526/2015 vom 11. September 2015 E. 3.2.2; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenre
vi
sio
nen vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.8.1 und BGE 133 V 545 E. 7.1). Der Griff zur Lohnstatistik ist subsidiär, das heisst deren
Beizug
erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Mass
gabe der kon
kre
ten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7; BGE 139 V 592 E. 2.3, BGE 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/
Reich
muth
, IVG, 3. Aufl., N 55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hin
weisen auf die Rechtsprechung).
7
.5
Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypothe
tischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und Inva
li
deneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfällige renten
wirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfügungserlass
zu berücksichtigen sind
(BGE 129 V 222 E.
4.1 und E. 4.2; BGE
128 V 174
;
Urteil
e
des Bundesgerichts
9C_526/2015 vom 11. September 2015 E. 3.2.1 und 9C_22/2014 vom 18. Februar 2014 E. 4.3
).
Vorliegend meldete
sich
der
Beschwerdeführer
am 2
7.
August
2014
erneut bei der Invalidenversicherung an und machte
eine Verschlechterung geltend
(
Urk.
9/119)
.
Ein (hypothetischer) Renten
anspruchsbeginn kommt somit frü
hestens per
1.
Februar
2015
in Frage, weshalb die Verhältnisse des Jahres 201
5
massgebend sind (vgl.
Art. 29
Abs. 1 IVG).
7
.6
Die Beschwerdegegnerin zog im Einkommensvergleich
vom 3
0.
März 2017
(Urk.
9
/
181
) als
Valideneinkommen
den
gemäss Bundesamt für Statistik her
aus
gegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) standardisier
ten Durchschnittslohn für Männer im Baugewerbe (vgl. Tabelle TA1_tirage_skill_level der LSE 2014, Kom
petenzniveau 1, Ziffer 41-43 Baugewerbe, Männer)
von monatlich Fr.
5'507.
heran
.
Dies wurde zu Recht nicht beanstandet.
Angepasst an die durchschnitt
liche betriebs
übliche Arbeitszeit im Jahr 2015
von 41.7 Stunden
sowie
unter Berücksichtigung der Nominal
lohn
entwicklung
bei den Männern im Jahr 2015 von 0.3 %
ergibt dies ein hypotheti
sches
Valideneinkommen
von rund
Fr.
69'099.--
im Jahr 2015 (
Fr.
5'507.
:
40 x 41.7 x 12 x1.003).
7.7
Bei der Ermittlung des Invalideneinkommens ist – in Beachtung der geltenden Rechtsprechung (BGE 129 V 472 E. 4.2.1) – auf die Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik her
ausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) und dabei auf den standardisier
ten Durchschnittslohn für
Männer
in einfachen Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Natur in sämtlichen Wirtschafts-zweigen des privaten Sektors (vgl. Tabelle TA1_tirage_skill_level der LSE 201
4
, Kompetenzniveau 1, Total
Männer
) abzustellen. Angepasst an die durchschnitt
li
che betriebs
übliche Arbeitszeit im Jahr 2015
von 41.7 Stunden
sowie
unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung
bei den Männern im Jahr 2015 von 0.3 %
ergibt dies ein hypothetisches Invalideneinkommen von rund Fr.
19'995.-- im Jahr 2015 für ein Pensum von 30
%
(
Fr.
5'312.
-- :
40 x 41.7 x 12 x1.003 x 0.3).
Da keine Hinweise darauf vorliegen, dass nur bei Inkaufnahme einer über die
bereits berück
sichtigten Einschränkungen hinausgehende Lohneinbusse reale Chan
cen für eine Anstellung bestehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_796
/2013 vom 28. Januar 2014 E. 3.1.1), ist kein zusätzlicher leidensbe
dingter Abzug zu ge
währen.
Der Vergleich des
Valideneinkommens
von Fr.
69'099.--
mit dem Invaliden
ein
kommen von Fr.
19'995.--
ergibt
eine Einkommenseinbusse von Fr. 4
9
’
104
.-- und damit einen eine ganze Rente begründenden Invaliditätsgrad von rund
71
%.
7.8
Zusammenfassend ergibt sic
h, dass in Gutheissung der Beschwerde
die Verfü
gung vom
6
.
Februar 2018
aufzuheben
und festzustellen ist, dass der
Be
schwerde
führer
mit Wirkung ab 1.
Februar
2015
Anspruch auf eine ganze Rente
hat.
8.
8.1
Der Beschwerdeführer beantragte, es sei von der Auferlegung einer Schaden
min
derungspflicht abzusehen (
Urk.
1 S. 1
Ziff.
3).
Gemäss
Art.
43 ATSG prüft der Versicherungsträger die Begehren, nimmt die not
wendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen
Aus
künfte ein. Mündlich erteilte Auskünfte sind schriftlich festzuhalten (Abs. 1)
. Soweit ärztliche oder fachliche Untersuchungen für die Beurteilung notwendig
und zumutbar sind, hat sich die versicherte Person diesen zu unterziehen (Abs. 2).
Entzieht oder widersetzt sich eine versicherte Person einer zumutbaren Behand
lung oder Eingliederung ins Erwerbsleben, die eine wesentliche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder eine neue Erwerbsmöglichkeit verspricht, oder trägt sie nicht aus eigenem Antrieb
das
ihr Zumutbare dazu bei, so können ihr die
Leistungen vorübergehend oder dauernd gekürzt oder verweigert werden. Sie muss
vorher schriftlich gemahnt und auf die Rechtsfolgen hingewiesen werden; ihr ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen (Art. 21 Abs. 4 ATSG). Eine Leistungsverweigerung oder –
kürzung
mit der Begründung, die versicherte Per
son verweigere eine zumutbare Therapie, die eine wesentliche Verbesserung ver
spricht, setzt voraus, dass die Beschwerdegegnerin nach Art. 21 Abs. 4 ATSG vor
geht. Die medizinische oder erwerbliche Vorkehr muss geeignet sein, eine erhebliche Minderung des versicherten Schadens zu bewirken. Eines strikten Beweises, die verweigerte Massnahme hätte tatsächlich zum erwarteten Erfolg geführt, bedarf es nicht; vielmehr genügt es, wenn die Vorkehr mit einer ge
wissen Wahrscheinlichkeit erfolgreich gewesen wäre (Urteil des Bundesgerichts
9C_391/2016 vom
4.
November 2016 E. 3.1). Die Anforderungen an die Scha
de
n
minderungspflicht sind dort strenger, wo eine erhöhte Inanspruchnahme der Inva
lidenversicherung in Frage steht, namentlich wenn der Verzicht auf scha
den
mindernde Vorkehren Rentenleistungen auslöst (Urteil des Bundesgerichts 9C_82/2013 vom 20. März 2013 E. 3).
Nach der Rechtsprechung kann die Verwaltung auch in einem von Amtes wege
n eingeleiteten Revisionsverfahren
gemäss
Art. 43 Abs. 3 ATSG vorgehen. Sie kann eine Begutachtung anordnen und zur Durchsetzung dieses Abklärungs
anspruchs
von der
Versicherten die Erfüllung der ih
r
obliegenden Mitwir
kungs
pflicht ein
fordern. Es muss ihr möglich sein,
sie
- bei anhaltender Renitenz nach Durch
führung des Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens
- auch im Sinne von Art. 43 Abs. 3 ATSG durch Leistungseinstellung zu sanktionieren (Urteil des Bundesgerichts 9C_244/2016 vom 16. Januar 2017 E. 3.1 mit Hinweis auf BGE 139 V 585
E.
6.3.7.1).
8.2
Mit Schreiben vom
6.
Februar 2018 (Urk. 9/198) auferlegte die Beschwerde
gegnerin dem Beschwerdeführer eine Schadenminderungspflicht in Form einer verstärken psychotherapeutischen Behandlung mit Stärkung der Selbstwirk
samkeits
erfahrung und einer entsprechenden Medikation sowie einer Ent
wöhnung von Cannabis und Kokain.
Der psychiatrische Gutachter Prof.
Dr.
E._
machte darauf aufmerksam, dass a
us psychiatrischer Sicht die Therapie nicht ausgereizt
sei
. Der
Beschwerdeführer
werde
derzeit nur mit
Mirtazepin
(
Remeron
) behandelt. Dieses Medikament
sei
ein schlafanstossendes Antidepressivum. Eine multimodale Schmerztherapie und
eine
verstärkte psychotherapeutische Behandlung mit Stärkung der Selbstwirk
samkeitserwartung
seien anzuregen (
Urk.
9/180 S. 76).
Die RAD-Ärztin der Beschwerdegegnerin empfahl sodann die Abstinenz von Kokain und Cannabis (
Urk.
9/182/4-5). Hierzu nahmen die behandelnden Ärzte der
K._
mit Schreiben vom 1
2.
Juni 2017 Stellung (
Urk.
9/195
S. 3
) und führten aus, dass die Empfehlung einer Kokainabstinenz aus ihrer Sicht keine entscheidende Rolle spiele. Zur empfohlenen Cannabisabstinenz führten sie aus, dass es eigentlich als Schmerztherapie optimal wäre, dem Beschwerdeführer
medizinisches
Cannabis zu verschreiben.
Sie führten weiter aus, dass eine multimodale Schmerztherapie erwogen werden könnte, wobei diese von einem Spezialisten in Bezug auf die speziellen körperlichen Probleme des Beschwerdeführers verordnet werden müsste.
8.3
Nach Lage der Akten
wird
d
ie von der Beschwerdegegnerin auferlegte Schaden
minderungspflicht
durch das
Gutachten
gestützt
und auch von den behandelnden Ärzten nicht ausdrücklich angezweifelt. Es wurden keine nachvollziehbaren Gründe vorgebracht, welche die angeordnete Intensivierung der Therapie sowie die Abstinenz von Kokain und Cannabis als unzumutbar einstufen würden.
Nach herrschender Lehre stellen diagnostische oder thera
peutische Massnahmen grundsätzlich keine
Gefahr für Leben und Gesundheit dar
(Ueli
Kieser
, ATSG
Kommentar, 3.
Aufl
., 2015, N 115 zu Art. 21 ATSG
). Dass der
Beschwer
de
führer
respektive dessen behandelnder Therapeut
den Nutzen der infrage stehenden
Intensivierung der
psych
iatrischen
Behandlung nicht zu erkennen ver
mag, macht diese Behandlung nich
t unzumutbar (
Kieser
, a.a.O., N 119 zu Art. 21
ATSG
).
Ebenso darf vorausgesetzt werden, dass grundsätzlich eine leitlinienge
rechte Therapie bei einem Facharzt eine Verbesserung hinsichtlich des psychi
schen Gesundheitszustandes zu bewirken vermag.
Sollten die Schmerz
spe
zialisten dem Cannabiskonsum des Beschwerdeführers ebenfalls einen entspre
chenden therapeutischen Nutzen zuschreiben, könnte dem - wie von den behandelnden Ärzten der
K._
angeführt – mithilfe einer Verschreibung von medizinischem Cannabis im Rahmen der multimodalen Schmerztherapie Abhilfe geschaffen werden, wobei die Beschwerdegegnerin die Schadenminderungs
pflicht anzupassen hätte.
8.4
Zusammenfassend
besteht vorliegend kein Grund, von der von der Beschwerde
gegnerin auferlegten Schadenminderungspflicht abzusehen.
9.
9.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV
Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art.
6
9 Abs.
1
bis
IVG) und auf Fr. 1’0
00.-- anzusetzen
und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens
der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
9.2
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
). Vorliegend ist die Prozessentschädigung
beim mass
geblichen Stundena
nsatz von Fr. 145.-- auf Fr. 1‘700
.
--
(inkl. Barauslagen
und Mehrwertsteuer) festzulegen und von der Beschwerdegegnerin zu bezahlen.
9.3
Bei diesem Ausgang des Verfahrens erweist sich das Gesuch des Beschwerde
führers um unentgeltliche Rechtspflege vom
1.
März 2018 (
Urk.
1 S. 1
Ziff.
5) als gegenstandslos.