# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 3814bb5c-e5d3-5ab5-af66-479448a30264
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdeführenden sind Eigentümerin bzw. Eigentümer der Liegenschaft
Walliswil bei Wangen Grundbuchblatt Nr. I._. Die Parzelle liegt in der
Landwirtschaftszone und ist mit einem nichtlandwirtschaftlichen Wohnhaus überbaut, das
vor dem 1 Juli 1972 erstellt wurde. Die Beschwerdeführenden halten 17 Hunde, mit denen
sie erfolgreich Hundesport betreiben. Im August 2017 stellte die Gemeinde anlässlich einer
Besichtigung unbewilligte Bautätigkeiten fest. Die Beschwerdeführenden reichten am 7.
November 2017 bei der Gemeinde ein Baugesuch ein für das bereits erstellte Gehege für
Schlittenhunde, dass bereits erstellte Gerätehäuschen sowie für eine neue Stützmauer aus
Steinkörben. In seiner Verfügung vom 17. November 2017 beurteilte das Amt für
Gemeinden und Raumordnung (AGR) die Veränderungen als nicht erheblich und erteilte
die Ausnahmebewilligung für das Bauen ausserhalb der Bauzone vorbehältlich allfälliger
Einsprachen.
Mit einer gemeinsamen Eingabe vom 4. Dezember 2017 erhoben neben anderen die
heutigen Beschwerdegegnerinnen und Beschwerdegegner Einsprache. Sie machten
insbesondere geltend, die vielen Hunde würden störenden Lärm verursachen. Die
Gemeinde überwies deshalb die Akten erneut dem AGR für eine umfassende
Neubeurteilung. Gestützt auf die Antwort des AGR holte die Gemeinde bei den
Beschwerdeführenden weitere Auskünfte und anschliessend bei der Kantonspolizei
(KAPO) einen Fachbericht zu den Lärmimmissionen ein. Diese beurteilte die Störung durch
die fragliche Hundehaltung mit 17 Tieren als mehr als geringfügig störend und betrachtete
gestützt auf die sogenannte Berner Praxis lediglich acht Tiere als zulässig. Die
Beschwerdeführenden sahen sich nicht in der Lage, auf einzelne Tiere zu verzichten. In
seiner Stellungnahme vom 30. Mai 2018 beurteilte das AGR die Hundehaltung deshalb
zwar als negativ standortgebunden, aufgrund entgegenstehender Interessen
(Lärmimmissionen) konnte es aber die Ausnahmebewilligung für das Bauen ausserhalb der
Bauzone nicht in Aussicht stellen. Die Beschwerdeführenden teilten daraufhin mit, sie
würden nur noch acht Hunde auf ihrem Grundstück an der J._strasse halten. Die
Beschwerdegegnerschaft machte demgegenüber geltend, es würden nach wie vor mehr
Hunde gehalten. Es seien lediglich acht Hunde auf den Sohn übertragen worden, der
RA Nr. 110/2018/163 3
angeblich an der K._strasse leben solle. Mit Verfügung vom 15. Oktober 2018
verweigerte das AGR die Ausnahmebewilligung für das Bauen ausserhalb der Bauzone.
Es ging davon aus, dass der Betrieb und das Ausführen der Hunde nach wie vor zentral an
der J._strasse stattfinde, so dass dort der Lebensmittelpunkt der Hunde sei, was
eine unzulässige Lärmquelle ergebe. Mit Verfügung vom 20. November 2018 erteilte die
Gemeinde den Bauabschlag und ordnete die Wiederherstellung des rechtmässigen
Zustandes an, d. h. sie verlangte die Entfernung der Gehege. Gleichzeitig drohte sie die
Ersatzvornahme an.
2. Gegen diese Verfügung reichten die Beschwerdeführenden am 17. Dezember 2018
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie
beantragen sinngemäss die Aufhebung des Bauentscheids und die Erteilung der
Baubewilligung. Sie machen geltend, in einem Tierferienheim in Herzogenbuchsee hätten
sie ein neues Zuhause für acht Hunde gefunden. Ein Hund sei bei einem Patenonkel und
acht Hunde seien an der J._strasse.
3. In ihrer Beschwerdevernehmlassung vom 10. Januar 2019 teilte die Gemeinde mit,
sie halte an ihrem Entscheid fest. Sie wies darauf hin, dass sie von den
Beschwerdeführenden vor Erlass des Entscheids nicht über den Aufenthaltsort der Hunde
informiert worden sei. In seiner Beschwerdevernehmlassung vom 14. Januar 2019
beantragte das AGR die Abweisung der Beschwerde. Die Hunde seien nicht in
Herzogenbuchsee, sondern in Walliswil bei Wangen gemeldet. Wo die Tiere einquartiert
seien, habe keinen Einfluss auf den negativen Entscheid des AGR. Es werde in der
Beschwerde nicht bestritten, dass der Betrieb und das Ausführen der Hunde nach wie vor
zentral von der J._strasse aus erfolgen würden. Dies führe zu einer unzulässigen
Lärmquelle. In ihrer Beschwerdeantwort vom 16. Januar 2019 beantragt die
Beschwerdegegnerschaft sinngemäss die Abweisung der Beschwerde. Es seien Bauten in
der Landwirtschaftszone ohne Bewilligung erstellt worden. Zudem hätten sie bei der
Gemeinde Beschwerde erhoben aufgrund der Lärmbelästigung durch die vielen Hunde. Es
sei nicht nachvollziehbar, wie viele Hunde an der J._strasse untergebracht seien.
Bei einer Reduktion der Hunde würden die Bauten auch nicht mehr benötigt. Die
Beschwerdeführenden würden es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen. Es entspreche
nicht der Wahrheit, dass ihr Sohn an der K._strasse wohne. Er fahre jeden Tag
RA Nr. 110/2018/163 4
mit seinem Fahrzeug von der J._strasse aus zur Arbeit. Es sei nicht genau zu
eruieren, wo sich ein Teil der Hunde aufhalte. Tatsache sei, dass der Hundetransporter
jeden Morgen wegfahre und nach circa einer halben Stunde wieder zurückkomme.
Anschliessend fahre der Sohn der Beschwerdeführerin zur Arbeit.
4. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte im Beisein
der Parteien einen Augenschein mit Instruktionsverhandlung durch. Die Parteien erhielten
Gelegenheit, sich zum Protokoll des Augenscheins zu äussern und Schlussbemerkungen
einzureichen. Auf die Rechtsschriften und die Vorakten sowie auf das Ergebnis des
Augenscheins wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Angefochten sind ein Bauabschlag mit Wiederherstellungsverfügung sowie die
Verfügung des AGR gemäss Art. 25 Abs. 2 RPG2 und Art. 84 Abs. 1 BauG3. Diese können
innert 30 Tagen seit Eröffnung bei der BVE angefochten werden (Art. 40 Abs. 1 BauG in
Verbindung mit Art. 84 Abs. 4 BauG sowie Art. 49 BauG). Die BVE ist somit zur Beurteilung
der Beschwerde zuständig. Die Beschwerde ist innert der Rechtsmittelfrist eingereicht
worden (Art. 40 Abs. 1 und Art. 49 Abs. 1 BauG).
b) Die Beschwerdeführenden sind als abgewiesene Baugesuchstellende sowie als
Adressatin bzw. Adressaten der Wiederherstellungsverfügung durch die vorinstanzlichen
Verfügungen besonders berührt und haben ein schützenswertes Interesse an der
Aufhebung oder Änderung der angefochtenen Verfügungen (Art. 40 Abs. 2 BauG und Art.
65 Abs. 1 VRPG4). Sie sind zur Beschwerde legitimiert.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (Organisationsverordnung BVE, OrV BVE; BSG 152.221.191) 2 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700) 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0) 4 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
RA Nr. 110/2018/163 5
c) Parteieingaben müssen einen Antrag, die Angaben von Tatsachen und
Beweismitteln, eine Begründung sowie eine Unterschrift enthalten (Art. 32 Abs. 2 VRPG).
Die Beschwerde enthält zwar keinen ausdrücklichen Antrag. An Laieneingaben sind jedoch
keine hohen Anforderungen zu stellen. Es ist ausreichend, wenn sich aus dem
Zusammenhang sinngemäss ergibt, was beantragt wird.5 Die Beschwerde genügt deshalb
den Mindestanforderungen, weshalb darauf einzutreten ist.
2. Hundehaltung in der Landwirtschaftszone
a) Die Beschwerdeführenden haben ohne Bewilligung eine Anlage mit fünf
Hundegehegen für ihre 17 Hunde gebaut. Nach Art. 22 Abs. 1 und Art. 24 RPG dürfen
Bauten und Anlagen inner- und ausserhalb der Bauzonen nur mit behördlicher Bewilligung
errichtet werden.6 Dabei handelt es sich um einen bundesrechtlichen Minimalstandard, den
die Kantone nicht unterschreiten dürfen.7 Der bernische Gesetzgeber hat die
baubewilligungspflichtigen und baubewilligungsfreien Vorhaben in den Art. 1a und Art. 1b
BauG in genereller Art und Weise definiert und in den Art. 6 und 6a BewD8 im Einzelnen
festgelegt, was keiner Baubewilligung bedarf. Art. 7 BewD enthält den Vorbehalt, dass
auch diese Bauvorhaben eine Baubewilligung benötigen, wenn sie ausserhalb der
Bauzone liegen und geeignet sind, die Nutzugsordnung zu beeinflussen, indem sie
beispielsweise den Raum äusserlich erheblich verändern, die Erschliessung belasten oder
die Umwelt beeinträchtigen. Angesichts der Zahl der gehaltenen Hunde und der Grösse
der Hundegehege kann im vorliegenden Fall unbestritten nicht mehr von einer
baubewilligungsfreien kleinen Nebenanlage im Sinn von Art. 6 Abs. 1 Bst. b BewD
gesprochen werden.9 Das gilt umso mehr, als sich das Vorhaben ausserhalb der Bauzone
befindet.
5 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 32 N. 10 ff. 6 BGer 1C_372/2017 vom 22. Januar 2018 E. 3.1 7 BGer 1C_395/2015 vom 7.1 Dezember 2015 E. 3.3.1; Bernhard Waldmann/Peter Hänni, Raumplanungsgesetz, 2006, Art. 22 Rz. 9 ff.; Alexander Ruch, Kommentar RPG, Art. 22 N. 4; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 1a N. 10 8 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 9 Vgl. dazu Bernische Systematische Information Gemeinden (BSIG) Nr. 7/725.1/1.1, Baubewilligungsfreie Bauten und Anlagen nach Art. 1b BauG (nachfolgend: BSIG Nr. 7/725.1/1.1), Ziff. 2 Bst. b, S. 6, einsehbar unter <www.bsig.jgk.be.ch>
RA Nr. 110/2018/163 6
b) Nach Art. 1a Abs. 3 Satz 1 BauG darf mit der Ausführung von bewilligungspflichtigen
Bauvorhaben grundsätzlich erst begonnen werden, wenn die erforderliche Baubewilligung
sowie allenfalls nötige weitere Bewilligungen rechtskräftig erteilt sind. Dementsprechend
bestimmt Art. 46 BauG, dass bei Bauvorhaben, die ohne bzw. in Überschreitung einer
Baubewilligung ausgeführt werden, die Einstellung der Bauarbeiten anzuordnen und eine
angemessene Frist zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes unter Androhung
der Ersatzvornahme anzusetzen ist. Wer eine Baute errichtet, ohne zuvor die erforderliche
Baubewilligung einzuholen, läuft stets Gefahr, das Bauwerk gegebenenfalls wieder
abbrechen zu müssen, wenn sich im Nachhinein erweist, dass die (materiellen)
baurechtlichen Vorschriften nicht eingehalten sind. Es wäre indessen unverhältnismässig,
wenn allein aufgrund einer (noch) nicht eingeholten Baubewilligung immer unverzüglich der
Abbruch bzw. die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands angeordnet würde.
Erweist sich das ohne Baubewilligung ausgeführte Bauvorhaben nachträglich als
bewilligungsfähig und liegt seine Rechtswidrigkeit folglich einzig darin, dass nicht vorgängig
eine Baubewilligung eingeholt wurde, wäre der Abbruch bzw. die Wiederherstellung nicht
gerechtfertigt. Deshalb räumt das Gesetz der Bauherrschaft im
Wiederherstellungsverfahren die Möglichkeit ein, ein nachträgliches Baugesuch
einzureichen (Art. 46 Abs. 2 Bst. b BauG). Im nachträglichen Baubewilligungsverfahren,
das nach den Bestimmungen des ordentlichen Baubewilligungsverfahrens (Art. 32 ff.
BauG) eingeleitet und durchgeführt wird, ist zu prüfen, ob das ausgeführte Bauvorhaben
den massgebenden Vorschriften entspricht und daher ganz oder teilweise (nachträglich)
bewilligt werden kann.10
c) Gemäss Art. 22 Abs. 2 RPG ist die Voraussetzung einer Baubewilligung, dass die
Bauten und Anlagen dem Zweck der Nutzungszone entsprechen und das Land
erschlossen ist. In der Landwirtschaftszone zonenkonform sind Bauten und Anlagen, die
zur landwirtschaftlichen Bewirtschaftung oder für den produzierenden Gartenbau nötig sind
(Art. 16a Abs. 1 Satz 1 RPG). Diese Anforderungen werden in Art. 34 RPV11 präzisiert.
Insbesondere gelten Bauten und Anlagen für die Freizeitlandwirtschaft ebenso wenig als
zonenkonform (Art. 34 Abs. 5 RPV) wie die hobbymässige Tierhaltung (vgl. Art 24e RPG).
Die hobbymässige Haltung von mehreren Hunden als Familienhunde und zu Sportzwecken
stellt keine landwirtschaftliche Nutzung dar. Somit dienen auch das Gehege für die
10 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 14 ff. 11 Raumplanungsverordnung des Bundesrates vom 28. Juni 2000 (RPV; SR 700.1)
RA Nr. 110/2018/163 7
Hundehaltung und das Gerätehaus keiner landwirtschaftlichen Nutzung. Auch die
Stützmauer hat keinen Zusammenhang mit einer landwirtschaftlichen Bewirtschaftung.
Weder die Nutzung noch die bereits gebauten oder geplanten Anlagen sind deshalb
zonenkonform. Sie können somit nur mit einer Ausnahmebewilligung gemäss Art. 24 ff.
RPG bewilligt werden.
Nach Art. 24 RPG können Ausnahmebewilligungen zur Errichtung von Bauten und Anlagen
oder zu deren Zweckänderung erteilt werden, wenn der Zweck einen Standort ausserhalb
der Bauzonen erfordert und keine überwiegenden Interessen entgegenstehen. Das
Bundesgericht hat unter diesem Titel Tierheime und grössere Hundehaltungen in der
Landwirtschaftszone als grundsätzlich negativ standortgebunden erachtet.12
Voraussetzung ist allerdings, dass mögliche Alternativ-Standorte ernsthaft evaluiert worden
sind.13 Bei dem Wohnhaus samt Umschwung der Beschwerdeführenden handelt es sich
um eine altrechtliche Baute bzw. Anlage im Sinn von Art. 24c RPG. Die fraglichen Bauten
und Anlagen sind grundsätzlich in ihrem Bestand geschützt und können erneuert, teilweise
geändert, massvoll erweitert oder wiederaufgebaut werden. Vorbehalten bleibt die
Vereinbarkeit mit den wichtigen Anliegen der Raumplanung. Nach Art. 24e Abs. 1 RPG
sind Ausnahmebewilligungen für die hobbymässige Tierhaltung möglich für bauliche
Massnahmen in unbewohnten Gebäuden oder Gebäudeteilen, die in ihrer Substanz
erhalten sind, wenn sie Bewohnerinnen und Bewohnern einer nahe gelegenen Wohnbaute
zur hobbymässigen Tierhaltung dienen und eine tierfreundliche Haltung gewährleisten. Für
die hobbymässige Tierhaltung dürfen keine neuen Bauten und Anlagen erstellt werden.
Eine Ausnahme gilt für Aussenanlagen, soweit sie für eine tiergerechte Haltung notwendig
sind und weder überdacht noch umwandet sind (Art. 24e Abs. 2 RPG und Art. 42b Abs. 5
RPV). Die Aussenanlagen können für die hobbymässige Beschäftigung mit den Tieren
genutzt werden, soweit damit keine baulichen Änderungen verbunden sind und keine
neuen Auswirkungen auf Raum und Umwelt entstehen (Art. 24e Abs. 3 RPG). Im Übrigen
gelten die allgemeinen Bewilligungsvoraussetzungen von Art. 24d Abs. 3 RPG (Art. 24e
Abs. 5 RPG).
d) In seiner gestützt auf die Baugesuchsunterlagen erfolgten Verfügung vom 17.
November 2017 beurteilte das AGR die bereits gebauten bzw. geplanten Veränderungen
als nicht erheblich und erteilte die Ausnahmebewilligung für das Bauen ausserhalb der
12 ZBl 91/1990 S. 187 E. 5 b 13 BGE 136 II 214 E. 2.2 mit Hinweisen; BGer 1C_477/2014 vom 22. Dezember 2015 E. 3.3 mit Hinweisen
RA Nr. 110/2018/163 8
Bauzone vorbehältlich allfälliger Einsprachen. Es führte unter anderem aus, zur Sicherung
des Geländes seien Stützmauern in Form von Steinkörben geplant. Die Liegenschaft sei
vor dem 1. Juli 1972 rechtmässig erstellt worden. Art. 24c RPG sei somit anwendbar.
Änderungen am äusseren Erscheinungsbild seien nur zulässig, wenn sie nötig seien. Das
Bauvorhaben erfülle die Anforderungen. Die Veränderungen in der Umgebung seien nicht
erheblich. Das Erstellen der Stützmauern wurde von den Einsprecherinnen und
Einsprechern nicht bestritten. Ihre Einsprache richtete sich einzig gegen das Gehege für
die Hunde und den damit verbundenen Lärm. Die landwirtschaftliche Bewirtschaftung der
angrenzenden Grundstücke wird durch die geplanten Stützmauern nicht tangiert und die
Identität der Umgebung bleibt im Wesentlichen erhalten, da die Veränderungen nicht
erheblich sind. Weitere überwiegende Interessen, die dem Bauvorhaben entgegenstehen
würden, sind nicht ersichtlich. Die Beurteilung des AGR in seiner ersten Verfügung vom 17.
November 2017 überzeugt deshalb hinsichtlich der Stützmauern nach wie vor. Die
Ausnahmebewilligung nach Art. 24c RPG für das Erstellen von Stützmauern kann deshalb
erteilt werden. Damit steht auch der Erteilung einer Baubewilligung nichts entgegen.
e) Erst aufgrund der Einsprachen erfuhr das AGR die Anzahl der gehaltenen Hunde. Da
die KAPO in ihrem Fachbericht die Störung durch die fragliche Hundehaltung mit 17 Tieren
mehr als geringfügig störend beurteilte und lediglich acht Tiere als zulässig erachtete,
beurteilte das AGR die Hundehaltung zwar als grundsätzlich negativ standortgebunden,
aufgrund entgegenstehender Interessen (Lärmimmissionen) verweigerte es aber mit
Verfügung vom 15. Oktober 2018 die Ausnahmebewilligung für das Bauen ausserhalb der
Bauzone. Dabei ging es aufgrund der Aktenlage davon aus, dass ein Teil der Hunde zwar
an einem anderen Standort in der Gemeinde gehalten wurden, dass der Betrieb und das
Ausführen der Hunde nach wie vor zentral an der J._strasse stattfinde, so dass
dort der Lebensmittelpunkt der 17 Hunde sei, was eine unzulässige Lärmquelle ergebe.
Sowohl aus der Beschwerde als auch aus den Ausführungen der Beschwerdeführenden
und der Beschwerdegegnerschaft anlässlich des Augenscheins ergibt sich, dass sich der
rechtserhebliche Sachverhalt in der Zwischenzeit erheblich verändert hat. Ursprünglich
hielten die Beschwerdeführenden auf ihrem Grundstück 17 Hunde, wobei die Dalmatiner
im Haus, die übrigen Hunde draussen schliefen. Auf Empfehlung der KAPO wurden im
Laufe des vorinstanzlichen Verfahrens zur Verbesserung der Lärmsituation für alle Hunde
Nachtaufenthaltsplätze im Haus geschaffen. Seither werden die Tiere an trainingsfreien
Tagen ab 21.00 Uhr, an Trainingstagen ab 21.30 Uhr im Haus gehalten und erst am
RA Nr. 110/2018/163 9
folgenden Tag um 07.00 Uhr bzw. am Wochenende um 08.00 Uhr wieder ins Freie
gelassen. Ausserdem akzeptieren die Beschwerdeführenden ausdrücklich, dass sie an der
J._strasse nur noch maximal acht Hunde halten dürfen. Für die übrigen Hunde
haben sie in einem Tierferienheim in Herzogenbuchsee eine Unterbringungsmöglichkeit
gefunden. Weiter haben die Beschwerdeführenden erklärt, für die Trainings würden sie die
Hunde, die sich bei ihnen befänden, in den Tiertransporter einladen, dann in
Herzogenbuchsee die übrigen Hunde holen und anschliessend zum Training fahren. Die
Hunde würden nicht vor dem Haus angeschirrt. Auf dieser Erklärung sind sie zu behaften.
Die Delegation der Beschwerdegegnerschaft erklärte sich am Augenschein mit diesem
Betriebskonzept einverstanden und der Vertreter des AGR hielt fest, unter diesen
Rahmenbedingungen könne nachträglich die Ausnahmebewilligung nach Art. 24 RPG
erteilt werden.14 Weiter wies die Beschwerdegegnerin 6 darauf hin, dass sie seit ihrer
Rückkehr aus den Ferien keinen Lärm mehr festgestellt habe. Auch der
Beschwerdegegner 3 bestätigte, dass sich der Hundelärm gebessert habe und nun
akzeptabel sei. Während des Augenscheins bellten die vier Hunde, die draussen waren,
nur einmal kurz und leise, als sich die Beteiligten zu den Hundegehegen begaben. Bei der
auf acht Tiere reduzierten Hundehaltung kann somit davon ausgegangen werden, dass in
der Nachbarschaft keine mehr als geringfügig zu bezeichnenden Störungen verursacht
werden.
Die ursprünglich für 17 Hunde konzipierten Hundegehege sind für die verbleibenden acht
Hunde zwar eher grosszügig dimensioniert. Angesichts des Umstandes, dass Hunde
täglich im Freien und entsprechend ihren Bedürfnissen ausgeführt werden, zumindest aber
täglich Auslauf haben müssen (vgl. Art. 71 Abs. 1 und 2 TSchV15) und unter
Berücksichtigung des Richtmasses für die Mindestfläche von Auslaufgehegen16 erscheinen
sie aber nicht als überdimensioniert. Mit dem AGR kann deshalb festgehalten werden,
dass sie dem Tierwohl dienen und deshalb einer Ausnahmebewilligung unter diesem
Aspekt nichts entgegensteht. Die landwirtschaftliche Bewirtschaftung der angrenzenden
Grundstücke wird durch das Bauvorhaben nicht tangiert und es sind auch keine
Fruchtfolgeflächen betroffen. Weitere überwiegende Interessen, die dem Bauvorhaben
entgegenstehen würden, sind weder dargetan noch ersichtlich. Mit dem AGR kann deshalb
14 Protokoll des Augenscheins vom 26. März 2019, S. 10 am Ende 15 Tierschutzverordnung vom 23. April 2008 (TSchV; SR 455.1) 16 Vgl. dazu Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV, Fachinformation Tierschutz, Zwinger und Boxen zur Haltung von Hunden, einsehbar unter <https://www.blv.admin.ch/>, Rubriken «Tiere, Tierschutz, Heim- und Wildtierhaltung, Hunde, Hunde halten»
https://www.blv.admin.ch/
RA Nr. 110/2018/163 10
festgehalten werden, dass dem Vorhaben nun die Ausnahmebewilligung für das Bauen
ausserhalb der Bauzone und damit auch die Baubewilligung erteilt werden kann. Die
Bewilligung für die Auslaufgehege fällt gemäss Art. 42b Abs. 7 RPV von Gesetzes wegen
dahin, wenn die Voraussetzungen für eine Bewilligung nach Art. 24e RPG nicht mehr erfüllt
sind. Die Auflagen zur Lärmminderung, die die KAPO in ihrem Fachbericht formuliert,
erscheinen sinnvoll und verhältnismässig. Sie werden deshalb in die Gesamtbewilligung
aufgenommen. Die von der KAPO vorgeschlagene Auflage, der Auslauf sei mit einem
geeigneten Sichtschutz zu versehen, ist allerdings mit der Präzisierung "soweit nicht
bereits vorhanden" zu ergänzen. Gemäss Ziff. 5.1.2 des Fachberichts der KAPO vom 29.
Januar 2018 sind die Aussengehege nämlich bereits mit einem geeigneten Sichtschutz
versehen.
f) Ein Teil der Beschwerdegegnerinnen und Beschwerdegegner bezweifelt, dass die
Beschwerdeführenden nur 17 Hunde halten. Alle Hundehalterinnen und Hundehalter
müssen sich registrieren lassen (vgl. Art. 16 TSV17). Alle Hunde müssen gekennzeichnet
und registriert werden (vgl. Art. 17 TSV). Anhaltspunkte, dass sich die
Beschwerdeführenden nicht an diese Vorschriften halten würden, sind keine vorhanden.
Letztlich kann aber offen gelassen werden, wie viele Hunde die Beschwerdeführenden und
ihre Söhne halten. Bewilligt wird das aktuelle Betriebskonzept, das darauf beruht, dass
künftig maximal acht Hunde an der J._strasse gehalten werden. Dies haben die
Beschwerdeführenden auch mehrmals mündlich und schriftlich zugesichert. Sollten sie sich
wider Erwarten nicht daran halten, hätte dies baupolizeiliche Massnahmen zur Folge (vgl.
Art. 46 BauG). Zudem könnte das Bauen ohne Baubewilligung oder die Missachtung von
Bedingungen, Auflagen oder Vorschriften strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen
(vgl. Art. 50 BauG). Die Kontrolle, ob sich die Beschwerdeführenden an die Bewilligung
halten, obliegt der Gemeinde als Baupolizeibehörde (Art. 45 Abs. 1 BauG). Wie am
Augenschein vereinbart, wird die Bewilligung zwecks Vereinfachung dieser Kontrolle mit
der Auflage ergänzt, dass die Beschwerdeführenden der Gemeinde die Namen der acht
Hunde mitteilen, die an der J._strasse gehalten werden.
3. Kosten
17 Tierseuchenverordnung vom 27. Juni 1995 (TSV; SR 916.401)
RA Nr. 110/2018/163 11
a) Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr.
Für besondere Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren
erhoben werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Die Pauschalgebühr wird festgesetzt auf
Fr. 800.00 (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV18). Für den Augenschein vom
26. März 2019 wird in Anwendung von Art. 20 Abs. 1 GebV eine zusätzliche Gebühr von
Fr. 400.00 erhoben. Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren betragen somit
Fr. 1'200.00.
Laut Art. 108 Abs. 1 VRPG werden die Verfahrenskosten der unterliegenden Partei
auferlegt, es sei denn, das prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere
Verlegung oder die besonderen Umstände rechtfertigen, keine Verfahrenskosten zu
erheben. Die Beschwerdegegnerschaft hat sich lediglich insoweit am
Beschwerdeverfahren beteiligt, als sie an ihrer Einsprache festgehalten hat. Am
Augenschein hat die Delegation der Beschwerdegegnerschaft dem neuen Betriebskonzept
ausdrücklich zugestimmt. Die übrigen Beschwerdegegner und die Beschwerdegegnerin 2
haben in der Folge nicht widersprochen. Die Beschwerdegegnerschaft gilt somit nicht als
unterliegend und hat deshalb keine Verfahrenskosten zu tragen. Die
Beschwerdeführenden dringen im Ergebnis zwar mit ihrer Beschwerde grundsätzlich
durch. Dies hängt aber vorab damit zusammen, dass sie im Beschwerdeverfahren zum
ersten Mal offengelegt haben, wo die übrigen Hunde untergebracht sind, und ausdrücklich
erklärt haben, nur noch maximal acht Hunde an der J._strasse zu halten. Sie
haben mit ihrer Beschwerde somit ein neues Betriebskonzept vorgelegt. Zudem kann die
Bewilligung nur mit Auflagen erteilt werden. Die Verfahrenskosten von Fr. 1'200.00 werden
deshalb den Beschwerdeführenden auferlegt.
b) Laut Art. 108 Abs. 3 VRPG hat die unterliegende Partei der Gegenpartei die
Parteikosten zu ersetzen, sofern nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen
Umstände eine andere Teilung oder die Wettschlagung gebieten oder die Auflage der
Parteikosten an das Gemeinwesen als gerechtfertigt erscheint. Die Parteikosten umfassen
den durch die berufsmässige Parteivertretung anfallenden Aufwand (Art. 104 Abs. 1
VRPG). Bei aufwändigen Verfahren kann Privaten, die ihren Prozess selber geführt haben,
eine angemessene Parteientschädigung und Auslagenersatz zuerkannt werden (Art. 104
Abs. 2 VRPG). Da die Beschwerdegegnerschaft nicht berufsmässig vertreten ist und das
18 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
RA Nr. 110/2018/163 12
Verfahren nicht aufwändig war, sind weder Parteikosten noch eine Parteientschädigung zu
sprechen.
RA Nr. 110/2018/163 13