# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 7ba6876f-c036-44c1-b975-9162652ba5fa
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend fahrlässige Körperverletzung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich,
10. Abteilung - Einzelgericht, vom 18. Januar 2016 (GG150163)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 9. Juni 2015 (Urk. 43)
ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 64 S. 23 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist nicht schuldig und wird freigesprochen vom Vorwurf der qualifizierten einfachen Körperverletzung (Einsatz eines Messers) zum Nachteil von B._.
2. Im Übrigen wird das Verfahren betreffend Straftaten zum Nachteil von B._ eingestellt.
3. Der Beschuldigte ist schuldig der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 StGB.
4. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 30.00.
5. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt.
6. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin C._ Schadenersatz von Fr. 225.25 zu bezahlen.
7. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin C._ aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist.
8. Der Beschuldigte wird verpflichtet der Privatklägerin C._ eine Genugtuung von Fr. 1'000.00 nebst Zins zu 5% seit dem 14. März 2014 zu bezahlen.
9. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf: Fr. 2'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. Kosten Kantonspolizei
Fr. 1'100.00 Gebühr Anklagebehörde
Fr. Kanzleikosten
Fr. 4'178.65 Auslagen Untersuchung
10. Die amtliche Verteidigung wird mit Fr. 10'500.00 (inkl. Mwst.) entschädigt.
11. Die Kosten, ausgenommen derjenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem  auferlegt, jedoch erlassen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Staatskasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
12. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin C._ für das gesamte Verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 8'503.20 zu bezahlen.
13. (Mitteilungen)
14. (Rechtsmittel)."
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Berufungsanträge: (Prot. II S. 4 f.)
a) Der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 91 S. 1 f.)
1. Dispositiv Ziffer 3 - 8 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich, Einzelge-
richt vom 18. Januar 2016 seien aufzuheben und es sei der Appellant
vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von Art. 125
Abs. 1 StGB freizusprechen.
2. Dispositiv Ziffer 11 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich, Einzelgericht
vom 18. Januar 2016 sei aufzuheben und es seien die Kosten der Un-
tersuchung, des gerichtlichen Verfahrens und der amtlichen Verteidi-
gung auf die Gerichtskasse zu nehmen.
3. Dispositiv Ziffer 12 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich, Einzelgericht
vom 18. Januar 2016 sei aufzuheben.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Staatskasse.
(keine Beweisanträge.)
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 75)
Verzicht auf Anschlussberufung.
c) Des Rechtsvertreters der Privatklägerin C._:
(Urk. 78 und 92)
Verzicht auf Anschlussberufung.
Beweisantrag (Prot. II S. 6): Beizug der Verfahrensakten i.S. ca. B._
(Untersuchungs-Nr. STA Zürich-Sihl G-2/2014/131102544; Geschäfts-Nr.
Bezirksgericht Zürich GG150164).
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## Considerations

Erwägungen:
I. Einleitung und Prozessverlauf
1. Anklagevorwurf und Berufungsgegenstand
Gegenstand des Berufungsverfahren ist der Vorwurf in der Eventualanklage, wo-
nach der Beschuldigte im Rahmen einer heftigen tätlichen Auseinandersetzung
mit B._ am 15. März 2014 der Privatklägerin C._, welche "helfend"
eingreifen wollte, fahrlässig einen Faustschlag ins Gesicht versetzt habe, wodurch
diese massiv verletzt wurde.
2. Erstinstanzliches Verfahren
2.1. Nach durchgeführter Untersuchung wurde am 30. Juni 2015 Anklage beim
Einzelgericht des Bezirks Zürich erhoben (Datum Eingang). Die erstinstanzliche
Hauptverhandlung fand am 18. Januar 2016 statt (Prot. I S. 5). Mit vorstehend
wiedergegebenem Urteil sprach der Einzelrichter den Beschuldigten der fahr-
lässigen Körperverletzung für schuldig und bestrafte ihn mit einer bedingten Geld-
strafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 30.-- (Urk. 64 S. 23). In Bezug auf die Haupt-
anklage, qualifizierte einfache Körperverletzung gegenüber B._, wurde der
Beschuldigte freigesprochen und in Bezug auf eine einfache Körperverletzung
wurde das Verfahren wegen Rückzug des Strafantrags eingestellt (Urk. 64 S. 23
Dispositivziffern 1 und 2).
2.2. Dieser Entscheid wurde gleichentags mündlich eröffnet (Prot. I S. 18). Am
folgenden Tag, dem 19. Januar 2016, meldete der amtliche Verteidiger innert Frist
von Art. 399 Abs. 1 StPO Berufung an (Urk. 58).
3. Berufungsverfahren
3.1. Das begründete Urteil wurde den Parteien am 5. April 2016 zugestellt
(Urk. 62/1-4). Am 20. April 2016 (Poststempel 19. April 2016), somit rechtzeitig
innert der 20-tägigen Frist von Art. 399 Abs. 3 StPO, ging hierorts die Berufungs-
erklärung des amtlichen Verteidigers ein (Urk. 71).
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3.2. Mit Verfügung vom 27. April 2016 wurden den Parteien eine 20-tägige Frist
zur Anschlussberufung angesetzt (Urk. 73). Diese Verfügung wurde von den Par-
teivertretern am 2. Mai 2016 in Empfang genommen (Urk. 74). Die Staatsanwalt-
schaft verzichtete auf Anschlussberufung und Stellung eines Antrags (Urk. 75).
Auch der Vertreter der Privatklägerin C._ verzichtete auf eine Anschluss-
berufung (Urk. 78).
3.3. Am 8. Juli 2016 wurde zur Berufungsverhandlung am 29. September 2016
vorgeladen, zu welcher der Beschuldigte in Begleitung seines amtlichen Verteidi-
gers, Rechtsanwalt lic. iur. X._, sowie die Privatklägerin C._ in Beglei-
tung ihres Rechtsvertreters, Rechtsanwalt lic. iur. D._, erschienen (Urk. 83
und Prot. II S. 4).
II. Prozessuales
1. Beweisanträge
1.1. Anlässlich der Berufungsverhandlung reichte der Rechtsvertreter der Pri-
vatklägerin gewisse Akten aus dem Verfahren gegen B._ (Untersuchungs-
Nr. STA Zürich-Sihl G-2/2014/131102544; Geschäfts-Nr. Bezirksgericht Zürich
GG150164) ins Recht. Für den Fall, dass es das Gericht nach Einsicht in die ein-
gereichten Unterlagen als erforderlich ansehe, die vollständigen Akten des Ver-
fahrens gegen B._ beizuziehen, beantragte der Rechtsvertreter der Privat-
klägerin darüber hinaus den Beizug der vollständigen Akten aus jenem Verfahren
(Prot. II S. 6).
1.2. Die eingereichten Aktenkopien aus dem Verfahren gegen B._ wurden
der amtlichen Verteidigung zur Einsicht unterbreitet und hernach als Urk. 90/1-5
zu den Akten genommen (Prot. II S. 6).
1.3. Die eingereichten Akten aus dem Verfahren gegen B._, die der
Rechtsvertreter der Privatklägerin als wesentlich bezeichnet, liefern keine neuen
Erkenntnisse für den vorliegenden Fall. Insbesondere vermögen die vom Rechts-
vertreter der Privatklägerin zitierten Aussagen des Beschuldigten im Verfahren
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gegen B._ (Urk. 90/2) die nachfolgend zu erörternde Beweislage nicht in ei-
nem anderen Licht erscheinen zu lassen.
1.4. Der Beizug weiterer, auch offenbar vom Rechtsvertreter der Privatklägerin
nicht als wesentlich erachteten Akten (vgl. Prot. II S. 6) aus jenem Verfahren, ist
folglich entbehrlich (vgl. Art. 139 Abs. 2 StPO).
2. Anklageprinzip
2.1. Die Verteidigung moniert, die Vorinstanz habe das Anklageprinzip verletzt,
indem sie dem Beschuldigten vorwirft, er habe Schlichtungsversuche der Privat-
klägerin ignoriert, was indes so nicht in der Anklageschrift umschrieben sei
(Urk. 91 S. 6 f.). Auch enthalte die Anklageschrift nicht sämtliche tatsächlichen
Umstände, aus denen sich die Pflichtwidrigkeit des vorgeworfenen Verhaltens
sowie die Vorhersehbarkeit und Vermeidbarkeit des eingetretenen Erfolgs erge-
ben würden (Urk. 91 S. 7 f.).
2.2. Nach dem aus Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV sowie aus Art. 6 Ziff. 1
und 3 lit. a und b EMRK abgeleiteten und in Art. 9 Abs. 1 StPO festgeschriebenen
Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand des Gerichtsver-
fahrens (Umgrenzungsfunktion). Die Anklage hat die der beschuldigten Person
zur Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass
die Vorwürfe in objektiver und subjektiver Hinsicht genügend konkretisiert sind.
Zugleich bezweckt das Anklageprinzip den Schutz der Verteidigungsrechte der
angeschuldigten Person und garantiert den Anspruch auf rechtliches Gehör (In-
formationsfunktion; BGE 141 IV 132 E. 3.4.1; 133 IV 235 E. 6.2 f.; 126 I 19 E. 2a;
je mit Hinweisen). Die Anklageschrift bezeichnet möglichst kurz, aber genau die
der beschuldigten Person vorgeworfenen Taten mit Beschreibung von Ort, Da-
tum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung (Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO).
2.3. Die Vorinstanz interpretiert stellenweise doch etwas viel in die Anklage-
schrift hinein, wenn sie beispielsweise von einem Schlichtungsversuch der Privat-
klägerin spricht, wohingegen die Anklageschrift lediglich umschreibt, die Privat-
klägerin habe B._ helfen wollen.
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Entgegen der Verteidigung liegt indes keine Verletzung des Akkusationsprinzips
vor. Die Anklageschrift umschreibt zusammengefasst, dass die Privatklägerin hel-
fend zwischen die beiden Streitenden geriet und in der Folge einen Faustschlag
des Beschuldigten kassierte mit den beschriebenen Verletzungsfolgen, die der
Beschuldigte nicht wollte. Allerdings wirft die Anklage dem Beschuldigten vor, er
hätte mit Schlagen aufhören müssen, als sich die Privatklägerin den Streitenden
näherte, und dass der Beschuldigte dadurch die Verletzungen hätte vermeiden
können.
Damit umschreibt die dem vorliegenden Verfahren zugrundeliegende Anklage-
schrift (Urk. 43) den Vorwurf sowohl in objektiver als auch in subjektiver Hinsicht
zwar knapp, aber doch hinreichend präzise. Nicht erforderlich ist beispielsweise
– wie die Verteidigung insinuiert (Urk. 91 S. 6 f.) –, in welchem exakten Winkel die
Faust das Gesicht der Privatklägerin traf oder von welcher exakten Position ge-
nau und wie sich die Privatklägern den Streitenden näherte. Aus der Umschrei-
bung in der Anklageschrift wird dem Beschuldigten jedenfalls genügend klar, was
ihm in tatsächlicher Hinsicht vorgeworfen wird. Ob sich dies denn auch be-
weismässig erstellen lässt, darin eine rechtlich relevante Verletzung einer Sorg-
faltspflicht zu erblicken ist, sich der Beschuldigte auf einen Rechtfertigungsgrund
berufen kann etc., sind nicht Fragen, die die Einhaltung des Anklageprinzips be-
schlagen. Sie betreffen vielmehr die Sachverhaltserstellung und die rechtliche
Würdigung.
3. Umfang der Berufung und Teilrechtskraft
Der Beschuldigte verlangt einen vollumfänglichen Freispruch und ficht deshalb al-
le Dispositivziffern im Zusammenhang mit dem Schuldspruch wegen fahrlässiger
Körperverletzung an, einschliesslich der Zivilforderungen und der Kosten- und
Entschädigungsfolgen (Urk. 71). Im Übrigen (Dispositivziffern 1, 2, 9 und 10) ist
das vorinstanzliche Urteil rechtskräftig geworden, was vorzumerken ist (Art. 402
StPO).
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III. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
1. Die Vorinstanz hat mit überzeugender Begründung festgehalten, dass letzt-
lich aufgrund der Akten nicht erstellt werden kann, wie genau die Auseinander-
setzung zwischen dem Beschuldigten und B._ zustande gekommen und ver-
laufen ist (Urk. 64 S. 10 - 20). So lässt sich auch nicht rechtsgenügend beweisen,
wer den ersten Schlag geführt hat. Auf jene Erwägungen kann verwiesen werden
(Art. 82 Abs. 4 StPO). Auffällig ist, dass zwei Zeugen, welche keine besondere
Beziehung zu den Beteiligten haben und deshalb glaubwürdig sind, übereinstim-
mend zu Protokoll gaben, dass die Handgreiflichkeiten zwischen dem Beschuldig-
ten und B._ bereits in Gange gewesen seien, als die Privatklägerin C._
eingegriffen habe (Urk. 64 S. 9 f.). Diesbezüglich haben B._ und C._
deshalb nicht die Wahrheit ausgesagt, indem sie behaupteten, der Beschuldigte
habe die Privatklägerin zuerst niedergeschlagen und erst dann habe B._
eingegriffen. Der Vorinstanz ist deshalb auch zuzustimmen, dass sich entgegen
der Hauptanklage, ein gewollter, d.h. vorsätzlicher Schlag des Beschuldigten ge-
gen C._ nicht beweisen lässt und deshalb von einem unabsichtlichen Schlag,
als C._ eingriff, um B._ zu helfen resp. die Kontrahenten zu schlichten,
ausgegangen werden muss.
2. Die Vorinstanz ging zu Gunsten des Beschuldigten folgerichtig ausdrücklich
von einer rechtmässigen Notwehr aus, weil ihm das Gegenteil nicht nachgewie-
sen werden kann (Urk. 64 S. 19). Es sei dann aber, so die Vorinstanz, rück-
sichtslos gewesen, dem Schlichtungsversuch von C._ keine Chance zu ge-
ben und einfach weiter zu kämpfen, weshalb deren Verletzungen durch Schläge
voraussehbar und vermeidbar gewesen seien (Urk. 64 S. 20). Dies sei als Sorg-
faltspflichtverletzung zu betrachten, weshalb sich der Beschuldigte der fahrlässi-
gen Körperverletzung schuldig gemacht habe (Urk. 64 S. 20). Dieser Auffassung
kann nicht gefolgt werden, denn sie ist einerseits widersprüchlich und anderer-
seits geht sie von einem lebensfremden, vor allem aber auch nicht bewiesenen
(langsamen) Ablauf des Geschehens aus.
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3. Zwar bestehen gewisse Zweifel, ob sich der Beschuldigte in einer so be-
drängten Notwehrsituation befunden habe, wie er dies geltend machte (so zuletzt
Urk. 89 S. 5). Diese Vermutung drängt sich insbesondere aufgrund der Verletzun-
gen von B._ und den körperlichen Kräfteverhältnissen zwischen B._ und
dem Beschuldigten auf. Allerdings haben wie erwähnt, sowohl B._ als auch
C._ über die Entstehung des Streits nicht die Wahrheit ausgesagt, weshalb
auch deren Aussagen, wonach praktisch ausschliesslich der Beschuldigte der
Aggressor gewesen sei, kein Glauben geschenkt werden kann. Die Vorinstanz
hat richtig festgehalten, dass ein Angegriffener nach Lehre und Rechtsprechung
nicht verpflichtet ist zu fliehen; vielmehr ist er berechtigt, sich zu wehren (Urk. 64
S. 19; BGE 136 IV 49 und 79 IV 148). Dies gilt zumindest dann, wenn er die Not-
wehrsituation nicht provoziert hat, was vorliegend wie bereits erwähnt, nicht be-
wiesen werden kann. Das Notwehrecht ist zwar in verhältnismässiger Weise aus-
zuüben, ansonsten Notwehrexzess vorläge. Dies bedeutet aber wiederum nicht,
dass jede Bewegung, jeder Schlag und jede Reaktion im Einzelnen genau auf ih-
re zwingende Notwendigkeit abzuwägen sind. "Es dürfen nicht nachträglich allzu
subtile Überlegungen darüber angestellt werden, ob der Angegriffene sich nicht
allenfalls auch mit anderen, weniger einschneidenden Massnahmen hätte begnü-
gen müssen", so das Bundesgericht in BGE 136 IV 49 Erw. 3.2. Zu überspitzte
Anforderungen würden weder der Dynamik des Geschehens gerecht noch den ra-
tionalen Fähigkeiten eines durchschnittlichen Menschen in gleicher, emotional
aufgewühlter Situation. Geht man wie die Vorinstanz davon aus, dass sich der
Beschuldigte gegenüber B._ wehren durfte und gegenüber ihm auch kein
Notwehrexzess vorlag, spielt es keine Rolle, dass gegenüber C._ keine Not-
wehrsituation vorlag (Urk. 64 S. 19). Würde man mit anderen Worten nämlich vom
Beschuldigten verlangen, dass er mehr Rücksicht auf die in die Schlägerei ein-
greifende C._ hätte nehmen müssen, so würde man ihm gleichzeitig sein
Notwehrrecht gegenüber B._ absprechen. Es lässt sich jedenfalls – mit der
Verteidigung (Urk. 91 S. 8 f.) – nicht nachweisen, dass der Beschuldigte beim
Eingreifen der Privatklägerin ohne Weiteres gegenüber B._ in temporäre
Passivität hätte verfallen können, ohne damit selbst Schläge einzustecken.
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4. Wenn die Vorinstanz dem Beschuldigten vorwirft, er habe die Pflicht gehabt,
dem Schlichtungsversuch der Privatklägerin C._ eine Chance zu geben, wird
damit suggeriert, es habe quasi eine Pause während der Schlägerei gegeben, in
welcher die Beteiligten über eine Befriedung der Situation hätten diskutieren kön-
nen. Ein solcher Unterbruch der Schlägerei ergibt sich in keiner Weise aus den
Aussageprotokollen.
Aus ähnlichen Überlegungen zielen auch die Vorbringen des Rechtsvertreters der
Privatklägerin ins Leere. Dieser will im Geschehen nicht nur eine Pause aus-
machen, sondern verneint vielmehr generell das Vorliegen einer Notwehrsituation
(Urk. 92 S. 3 f.). So stellt er sich auf den Standpunkt, B._ habe dem Be-
schuldigten quasi als Reaktion zu den vorangegangenen Beleidigungen durch
den Beschuldigten zwei Faustschläge verpasst. Nach dieser übertriebenen Retor-
sion sei die Sache für B._ geregelt gewesen, eine Notwehrsituation habe
nicht (mehr) vorgelegen. Abgesehen davon, dass es wohl die Privatklägerin war,
welche den Beschuldigten zuerst beleidigt hatte, erscheint die Annahme, nach
zwei (sic!) erteilten Faustschlägen, sei "die Sache" geregelt gewesen, doch etwas
lebensfremd. Es besteht kein Anlass, am Vorliegen einer auch über diese zwei
Schläge hinausdauernden Notwehrsituation zu zweifeln. Im Gegenteil: Vielmehr
erhellt aus den Aussagen des Zeugen E._ klar, dass B._ den Beschul-
digten attackierte, der Beschuldigte sich wehrte und B._ nicht aufgeben,
sondern weitermachen wollte, selbst als man die beiden zu trennen versuchte
(Urk. 32 S. 4 und 6).
Es muss von einer andauernden Notwehrsituation ausgegangen werden. Die Pri-
vatklägerin C._ hat vielmehr allenfalls gar in löblicher Absicht, aber riskanter,
selbstgefährdender Weise wohl in das Handgemenge eingegriffen, ohne dass die
beiden Streithähne diesem Eingreifen grosse Beachtung schenkten. Nicht erwie-
sen ist beispielsweise auch, ob C._ von Fäusten oder von einem Ellbogen im
Gesicht getroffen wurde. Daran ändert auch nichts, dass der Beschuldigte nicht
ausschliesst, dass er sie allenfalls mit den Fäusten getroffen hatte (Urk. 89
S. 8 f.). Es ist nachvollziehbar, dass jemand im Rahmen einer solchen Schlägerei
mit hohem Adrenalingehalt im Blut ausschliesslich auf den Gegner konzentriert
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ist. Hier zu verlangen, er müsse gleichzeitig auch noch einem eingreifenden Drit-
ten soweit Beachtung schenken, dass dieser nicht unabsichtlich getroffen wird,
wäre realitätsfremd. Es ist auch offen, welches die genaue Position der Privat-
klägerin im gesamten Verlauf ihres Eingreifens war und welche Bewegungen sie
genau in welchem Moment ausführte.
5. Allein gestützt auf den rechtsgenügend bewiesenen Sachverhalt lässt sich
keine strafrechtlich relevante Sorgfaltspflichtverletzung des Beschuldigten gegen-
über der Privatklägerin C._ herleiten. Er ist deshalb vom Vorwurf der fahr-
lässigen Körperverletzung frei zu sprechen.
IV. Zivilforderungen
1. Gemäss Art. 126 Abs. 1 StPO entscheidet das Gericht über die adhäsions-
weise eingebrachte Zivilklage, wenn es den Beschuldigten schuldig spricht, aber
auch im Falle eines Freispruchs, wenn der Sachverhalt spruchreif ist. Andernfalls
ist die Zivilklage auf den Zivilweg zu verweisen.
2. Es wurde auch vom Beschuldigten anerkannt, dass er die Privatklägerin
C._ versehentlich getroffen habe (Prot. I S. 5; Urk. 89 S. 8). Insofern ist die
Kausalität unstrittig.
3. Der Verschuldensbegriff des Zivilrechts ist nicht identisch mit jenem des
Strafrechts; der Massstab ist im Zivilrecht strenger, d.h. ein Verhalten wird eher
als schuldhaft qualifiziert als im Strafrecht (BGE 61 I 432; OFTINGER, Schweizeri-
sches Haftpflichtrecht, Bd. I, Allgemeiner Teil, 4. Aufl., Zürich 1975, S. 156). Dies
bedeutet umgekehrt, dass vorliegend noch nicht ausgeschlossen ist, dass den
Beschuldigten eine zivilrechtliche Haftung trifft für die Verletzungsfolgen durch
seine Schläge. Ein freisprechendes Urteil ist von Bundesrechts wegen für den Zi-
vilrichter nicht bindend (BGE 56 II 438; OFTINGER, a.a.O., S. 156). Vorliegend er-
weist sich der Fall in Bezug auf Zivilansprüche der Privatklägerin C._ noch
nicht spruchreif, weshalb diese auf den Zivilweg zu verweisen sind.
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V. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Ausgangsgemäss sind die gesamten Kosten der Untersuchung und des Gerichts-
verfahrens, einschliesslich der Kosten des Berufungsverfahrens auf die Staats-
kasse zu nehmen. Der Beschuldigte kann wegen dem Freispruch auch nicht zu
einer Prozessentschädigung an die Privatklägerin verpflichtet werden.