# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b199309d-6e22-4028-a41a-045438340a38
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der 1967 geborene
X._
erlitt am 22. April 2001 während der Arbeit mit einem Reinigungsgerät einen Unfall und zog sich eine Handverletzung sowie eine Beckenkontusion zu (Urk. 8/11/22). Aufgrund der psychischen Folgen dieses Unfalles
bezieht
er seit April
2002
eine
ganze Rente der Invalidenversicherung (Urk. 8/48).
I
m September 2010
leitete die
Sozialversi
cherungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, eine ordentliche
Rentenrevision
ein. In Zusammenhang mit der Anordnung einer Begutachtung in der MEDAS
Y._
kam es zu zwei Gerichtsverfahren (mit Urteil des hiesigen Gerichts vom 13. November 2012 erledigte Prozesse IV.2011.01133 und IV.2012.00107
; Urk. 8/100
).
In der Folge erteilte die IV
Stelle einen neuen Auftrag für eine polydisziplinäre Begutachtung an die gleiche MEDAS, welche über die inzwischen geschaffene Plattform
SuisseMED@P
nach dem Zufallsprinzip
ausgewählt worden war
(Urk. 8/119, Urk. 8/124, Urk. 8/125, Urk. 8/131, Urk. 8/133).
Gestützt auf d
as
MEDAS
Gutachten vom 21. Oktober 2014 (Urk. 8/150) stellte sie mit Vorbescheid vom 22. Dezember 2014 die Aufhebung der Rente in Aussicht (Urk.
8/157).
Nach Eingang der Stellungnahme des Versicherten vom 11. Februar 2015 (Urk. 8/163)
verfügte
sie
am 2. April 2015 im angekündigten Sinne (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 12. Mai 2015 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren
um weitere Ausrichtung der ganzen Rente, eventualiter um Rückweisung der Sache an die IV-Stelle zur weiteren Abklärung und neuem Entscheid über den Rentenanspruch. Daneben ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 19. Juni 2015 (Urk. 7) schloss die Verwaltung auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7). Mit Verfügung vom 24. August 2015 bewilligte das hiesige Gericht dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung
,
bestellte ihm Rechtsanwalt
Kümin
als unentgeltlichen Rechtsvertreter
und stellte ihm ein Doppel der Beschwerdeantwort zu
(Urk. 12).
Infolge Aufgabe der anwaltlichen Tätigkeit wurde Rechtsanwalt
Kümin
mit Verfügung vom 10. Oktober 2016 als unent
geltlicher Rechtsvertreter des Beschwerdeführers entlassen und entschädigt (Urk. 16). Mit Verfügung vom 25. Oktober 2016 wurde der neu mandatierte Rechtsanwalt Grossen dem Beschwerdeführer als unentgeltlicher Rechtsvertreter
beigegeben
(Urk. 20).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revi
sionsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.1 mit Hinweisen).
1.2
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
Die Beschwerdegegnerin begründet die Rentenaufhebung
gestützt auf das MEDAS-Gutachten vom 21. Oktober 2014 (Urk. 8/150)
damit, dass
sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers massiv verbessert habe und er in seinem angestammten Beruf als
Officemitarbeiter
im Service seit Juni 2014 wieder zu 100 % arbeitsfähig sei (Urk. 2 S. 2 f.).
Demgegenüber
bestreitet
der Beschwerdeführer
eine relevante Besserung seines Gesundheitszustandes seit der Rentenzusprechung am 27. März 2006 (Urk. 1 S. 4 f., S. 8). Ausserdem brachte er verschiedene Gründe vor, weshalb auf das MEDAS-Gutachten vom 21. Oktober 2014 nicht abgestellt werden dürfe (Urk. 1 S. 5-8).
3.
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchsrelevanten Änderung des Sachverhaltes bildet die rentenzusprechende Verfügung vom 27. März 2006 (Urk. 8/48). Die
se beruht
auf den Schlussfolgerungen im Gutachten der Psy
chiatrischen Klinik
Z._
vom 25. Juli 2005 (Urk. 8/41; vgl. Urk. 8/42 S. 4). Die
Gutachter
attestierte
n eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit
und begründeten diese mit einem ausgeprägten Schmerzerleben und dem damit verbundenen Schonverhalten, was
auf folgende Diagnosen
zurückgeführt wurde
(Urk. 8/41 S. 18):
-
Chronische Schmerzstörung in Verbindung mit sowohl psychischen Faktoren als auch einem medizinischen Krankheitsfaktor (
DSM IV 307.89/
ICD-10 F45.4)
-
Chronische posttraumatische Belastungsstörung (
DSM IV 309.81/
ICD-10 F43.1)
-
Mittelgradige depressive Episode in Teilremission (
DSM IV 296.25/
ICD-10 F32.10)
Weiter führten die Gutachter aus, zum Zeitpunkt der Untersuchung sei
beim Beschwerdeführer immer noch ein starkes Unbehagen bei der Thematisierung des Unfallgeschehens bemerkbar, ebenso Konzentrationsstörungen und eine erhöhte Schreckhaftigkeit. Ferner habe der Beschwerdeführer über wieder
kehrende Albträume und Flashbacks berichtet, auch wenn sich diese im Verlauf des letzten Jahres etwas gebessert hätten
. Die vorhandenen Angaben legten nahe, dass der Proband eine posttraumatische Belastungsstörung entwickelt
habe, welche zum Zeitpunkt der Untersuchung jedoch nicht im Vordergrund der Beschwerden gestanden
habe
(Urk. 8/41 S. 13).
Der Beschwerdeführer habe über anhaltende Schmerzen im Rücken, in den Bei
nen, den Armen und am Hinterkopf berichtet. Bei der körperlichen Untersu
chung habe sich eine globale schmerzbedingte Verlangsamung und
Bewegungs
einschränkung
v.a. der rechten oberen Extremität, eine generalisierte Erhöhung des Muskeltonus, eine Druckschmerzhaftigkeit der gesamten Wirbelsäule sowie eine Hypästhesie für Vibration,
Lagesinn
und Schmer
z
an beiden Beinen bis auf Höhe der Oberschenkel
gezeigt
. Die Schmerzen könnten angesichts ihrer Aus
dehnung, ihrer Intensität und ihrer mehrjährigen Dauer sicher nicht mehr allein durch die unfallbedingten Verletzungen erklärt werden
. Vielmehr müsse auf
grund des gegenwärtigen Krankheitsbildes von einer
chronifizierten
somato
formen
Schmerzstörung ausgegangen werden, an deren Zustandekommen psy
chologische Faktoren einen erheblichen Anteil hätten
. Die Schmerzen nähmen im
L
eben des Probanden eine zentrale Rolle ein. Sie würden verstärkt und unterhalten durch die auf sie gerichtete Aufmerksamkeit, die intensive Zuwen
dung und Entlastung, die der Proband ihretwegen von Seiten seines Umfeldes erfahre, und sei
n
ausgeprägtes Schonverhalten. Als weiterer psychologischer Faktor, welcher zur Entstehung beziehungsweise Aufrechterhaltung der Schmerzstörung beigetragen habe, sei die Kränkung des Probanden durch das Verhalten seines Arbeitgebers nach dem Unfall und durch die schmerzbedingte Beeinträchtigung seines Sexuallebens zu nennen. Weitere, mit dem Unfall nicht in Zusammenhang stehende Belastungsfaktoren seien die Entwurzelung des Probanden sowie sein lange Zeit schwebendes und schliesslich mit einem abschlägigen Bescheid ausgegangenes Asylverfahren
(Urk. 8/41 S. 14 f.).
Bei der Untersuchung habe der Proband depressive Beschwerden in Form von Traurigkeit, Freudlosigkeit, Insuffizienzgefühlen, Gefühlen der Sinnlosigkeit
, einer Antriebsminderung, einer verminderten Libido und eines gesteigerten Schlafbedürfnisses angegeben. Lege man dessen Angaben im SCL-90-R zugrunde, so hätten zum Zeitpunkt der Untersuchung subjektiv die körperlichen Beschwerden und danach phobische Ängste beziehungsweise eine allgemeine Ängstlichkeit im Vordergrund der Beschwerden gestanden, während die depres
siven Beschwerden erst an vierter Stelle gefolgt seien. Fasse man diese Befunde zusammen, so liege zum gegenwärtigen Zeitpunkt ein leichtes bis höchstens mittelgradiges depressives Syndrom vor. Die depressive Störung könne als Folge der Traumatisierung und der schmerzbedingten Beeinträchtigungen aufgefasst werden und trage zugleich zur Aufrechterhaltung der Schmerzstörung bei, indem sie aktive Bewältigungsversuche erschwere (S. 16).
4.
4.1
Dr. med.
A._
, Facharzt für Allgemeine Medizin,
berichtete am
21. Juni 2011 (Urk. 8/74)
, den Beschwerdeführer am 14.
Januar 2011 zum ersten Mal und danach am 9. Februar, 15. März und 30. Mai 2011 behandelt zu haben
. Bei der Erstkonsultation habe sich der Beschwerdeführer über Schmerzen im Unter
bauch, lumbale
Schmerzen, Kopfweh
,
Schmerzen an der Radialseite der rechten Hand
,
Wadenkrämpfe
sowie Durchschlafstörungen und Tagesmüdigkeit beklagt
. Die körperliche Untersuchung habe sich schwierig gestaltet, da der Patient aus Angst vor Schmerzen gewisse Bewegungen vermieden habe. Die
Paroxetin
-Konzentration im Serum sei aus unerfindlichen Gründen mehrmals nicht mess
bar gewesen, obwohl der Patient versichert habe, das Medikament (ein Antide
pressivum) regelmässig zu nehmen.
Aufgrund folgender Diagnosen attestierte Dr.
A._
eine volle Arbeitsunfähig
keit:
-
Mittelgradige Depression
-
Posttraumatische Verarbeitungsstörung eines Unfalls vom April 2001
-
Andauerndes Schmerzsyndrom lumbal im Rahmen eines
Facettengelenkssyn
droms
-
Posttraumatische Schmerzen im Radialbereich der rechten Hand
-
Rezidivierendes
Zervikovertebralsyndrom
4.2
Im MEDAS
-Gutachten
(Allgemeininternistische, psychiatrische, orthopädische, neurologische, neuropsychologische und
viszeralchirurgische
Untersuchungen)
vom 21. Oktober 2014 (Urk. 8/150)
wurde keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt, ohne Einfluss
wurden folgende
Diagnosen
genannt
(S. 22):
1.
Leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0)
2.
Anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
-
chronisches unspezifisches
multilokuläres
Schmerzsyndrom (ICD-10 R52.9)
-
chronische Unterbauchschmerzen ohne erkenntliche organische Ursache (ICD-10 R10.3)
3.
Status nach Handverletzung der dominanten rechten Seite am 22.04.2001 (ICD-10 T92.8/M79.60)
-
kein objektivierbarer Hinweis für länger dauernde Schonung dieser Extremität
4.
Chronisches panvertebrales Schmerzsyndrom (ICD-10 M54.80)
-
anamnestisch Status nach Rückenkontusion am 22.04.2001
5.
Status nach
Transversalisplastik
beidseits ohne Hinweise auf
Hernienrezidiv
(ICD-10 K40.20)
6.
Verdacht auf
gastroösophagealen
Reflux (ICD-10 K21.9)
7.
Arterielle Hypertonie (ICD-10
I
10)
-
unter medikamentöser Behandlung ungenügend eingestellt
Weiter führten die Gutachter aus, der Beschwerdeführer klage über Schmerzen im linken Bein, im rechten Arm, im Rücken, im Unterleib und am Hals rechts. An diesen Stellen sei er nach dem Unfall operiert worden
(S. 5 f.)
.
Die psychiatrische Untersuchung ergab, dass sich der Beschwerdeführer wegen Schmerzen, die er auf
das
Unfallereignis
zurückführe,
nicht mehr arbeitsfähig fühle. Das Ausmass der Beschwerden und die Überzeugung, nicht mehr arbeiten zu können, liessen sich durch die somatischen Befunde nicht hinreichend objektivieren, so dass eine psychische Überlagerung angenommen werden müsse. Diagnostisch handle es sich um eine anhaltende
somatoforme
Schmerz
störung
. Es bestünden psychosoziale und emotionale Belastungsfaktoren mit einem Migrationshintergrund beziehungsweise einem auch in den Akten doku
mentierten Flüchtlingsschicksal, einer chronischen Beschwerdesymptomatik nach einem Unfallereignis, die sich bis heute nicht gebessert habe, einer
frühe
ren
in der Schweiz angelernten Tätigkeit im Reinigungsdienst und einer nun angespannten finanziellen Situation durch die Abhängigkeit vom Sozialamt. Er lebe nun alleine, getrennt von der Familie in einem Zimmer vom Sozialamt. Die Belastungsfaktoren seien deutlich ausgeprägt und drückten sich im Sinne der Abwehr auch in den Schmerzen aus. Zusätzlich bestehe diagnostisch eine leichte depressive Episode
. Diese sei
gekennzeichnet durch die Kriterien
gemäss ICD-10 der
leichte
n
depressive
n
Verstimmungen, erhöhte
n
Ermüdbarkeit,
Kon
zentrationsstörungen
und Schlafstörungen. Die depressiven Verstimmungen zeigt
en sich beim Beschwerdeführer
vor allem auch in rascher aggressiver Gestimmtheit, was bei Männern mit Depressionen nicht selten sei. Es bestehe ein chronischer Verlauf, aber auch eine deutlich ausgeprägte Krankheits- und Behinderungsüberzeugung. Die Prognose sei deshalb ungünstig
(S.10).
Aus psychiatrischer Sicht bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Die leichte depressive Episode wirke sich nicht einschränkend auf die Arbeitsfähig
keit aus. Der Explorand sei nicht suizidal und leide nicht unter schweren
Kon
zentrationsstörungen
, die eine körperlich angepasste und seinen Fähigkeiten entsprechende praktisch
e
Tätigkeit, wie auch die angestammte Tätigkeit im
Rei
nigungsdienst
nicht zumutbar erscheinen liessen. Es bestehe ein chronischer Verlauf, aber keine schwere chronische somatische Erkrankung. Es bestehe auch kein schweres psychisches Leiden, das theoretisch therapeutisch nicht günstig beeinflusst werden könne, wie eine psychotische Störung oder eine schwere Persönlichkeitsstörung. Ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussba
rer innerseelischer Verlauf bei einer zwar entlastenden, aber missglückten
Kon
fliktbewältigung
sei
nicht erwiesen. Ein s
chwerer sozialer Rückzug bestehe
nicht. Die therapeutischen Möglichkeiten
seien
theoretisch nicht ausgeschöpft.
Deutlich auffällige Persönlichkeitszüge für die Achse-
II
-Diagnose einer
Persön
lichkeitsstörung
mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
bestünden
nicht und gegen diese Diagnose
spreche
vor allem auch der Verlauf mit vor der Erkran
kung normaler Sozialisation und voller Leistungsfähigkeit. Daher
könne
es dem Exploranden trotz der geklagten Beschwerden aus psychiatrischer Sicht zuge
mutet werden, einer seinen körperlichen Einschränkungen angepassten und sei
nen Fähigkeiten entsprechenden Tätigkeit ganztags und ohne
Leistungsein
schränkung
nachzugehen
(S. 10 f.)
.
Der Ex
plorand fühle
sic
h überhaupt nicht mehr arbeitsfähig und begründe
dies vor allem mit seinen Schmerzen, die er au
f das Unfallereignis zurückführe
. Dazu
müsse
vor allem auch aus somatischer Sicht Stellung genommen werden. Im Untersuchungsgespräch
habe
er aber ruhig sitzenbleiben
können
und die Anamneseerhebung
sei
möglich
gewesen
. Er
habe
die lebensgeschichtlichen Ereignisse in der zeitlichen Abfolge richtig an
gegeben
, wenn er sich auch an die Lebensdaten oft nicht genau
habe
erinnern
können.
Er
habe
gute Kontakte in seinem Umfeld an
gegeben
. Er
sei
sonst bezüglich der Lebensführung selbstän
dig, finanziell aber vom Sozialamt abhängig. Er
habe
auch an
gegeben
, seit dem Unfallereignis 2001 unter sexuellen Funk
tionsstörungen zu leiden. Er habe
aber Kinder, die nach den Akten 2008 und 2010 geboren
seien
, somit könn
t
en diese Störungen nicht
schwer ausgeprägt sein. Es bestehe eine hausärztl
iche Behand
lung, auch
mit antidepressiver Medikation.
Er
habe
an
gegeben
, Medikamente einnehmen zu müssen. Am Untersuchungstag
habe
er diese aber nicht bei sich
gehabt.
E
r
habe
also darauf auch verzichten
können
(S. 11).
Der behandelnde Hausarzt, Dr.
A._
,
habe
eine mittelgradige Depression, eine posttraumatische Verarbeitungsstörung wegen eines Unfalls vom 04/01, ein andauerndes Schmerzsyndrom lumbal im Rahmen eines
Facettengelenksyn
droms
, posttraumatische Schmerzen im radialen Bereich der rechten Hand und ein rezidivierendes
Zervikovertebralsyndrom
diagnostiziert
. Die angegebene 100%ige Arbeitsunfähigkeit
sei
wahrscheinlich auch aus gesamtmedizinischer Sicht
erfolgt
und
könne
ausschliesslich aus psychiatrischer Sicht nicht bestätigt werden. Aufgrund der
heutigen Untersuchung bestehe
neben der
Schmerzstö
rung
eine leichte depressive Episode. Die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung nach ICD-10
könne
nicht bestätigt werden. Dafür
sei die entsprechende Symptomat
ik mit wiederkehrenden traumatischen Erinnerungen und zwar so, als ob das traumatische
Ereignis unmittelbar stattfinde
, mit auch einer emotionalen Abstumpfung der Umgebung gegenüber und mit Phasen von Erregtheit zu
wenig ausgeprägt. Auch hand
le
es sich beim Unfallereignis, auf das die Beschwerden zurückgeführt w
ü
rden, nicht um ein deutlich schweres Ereignis, das bei fast
j
edem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde. Die
ICD
10 n
enne in diesem Zusammenhang z.
B. ein schweres Katastrophenereignis oder ein schweres Verbrechen, wie erlebte Folter oder eine
Vergewaltigung
(S. 11)
.
Im Gutachten der Psychiatrischen Privatklinik
Z._
seien
2005 eine chronische Schmerzstörung in Verbindung mit sowohl psychischen Faktoren als auch einem medizinischen Krankheitsfaktor, eine chronische posttraumatische Belastungsstörung und eine mittelgradige depressive Episode in Teilremission diagnostiziert
worden
. Eine anhaltende Arbeitsunfähigkeit
könne
damit nicht begründet werden. Die depressive Episode
sei
als in Teilremission angegeben
worden
, es
habe
also eine Besserungsfähigkeit, auch unter dem natürlichen Ver
lauf
bestanden
. Aufgrund der heutigen Untersuchung besteh
e
noch eine leichte depressive Episode neben einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung
.
Auch unter Berücksichtigung der Kriterien der Zumutbarkeit
könne
hier eine Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht nicht begründet werden. Gemäss den erhobenen Befunden der Psychiatrischen Privatklinik
Z._
könne rückwirkend wahrscheinlich lediglich eine zum damaligen Zeitpunkt bestandene vorübergehende 50%ige Arbeitsunfähigkeit angenommen werden, aufgrund der damals bestandenen mittelgradigen depressiven Episode. Bezüglich des zeitlichen Rahmens könne diese nur punktuell bestätigt werden, da weitere fachärztliche Befunde, auf die mit Sicherheit abgestützt werden könne, im Ver
lauf fehlten
(S. 11 f.)
.
Zu den somatischen Untersuchungen fassten die Gutachter zusammen, b
ei der orthopädischen Untersuchung sei ein chronisches unspezifisches
multilokuläres
Schmerzsyndrom im Vordergrund gestanden. Für die Hand- und
Rückenbe
schwerden
nach dem Unfall habe sich keine wesentlich objektivierbare patholo
gische Ursache gefunden. Zumindest 3 von 5
Waddell
-Zeichen seien positiv gewesen. Aus orthopädischer Sicht bestehe für körperlich leichte bis zumindest mittelschwere Tätigkeiten keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit.
Bei der neurologischen und neuropsychologischen Untersuchung seien keine patholo
gischen Befunde festgestellt worden. Die Arbeitsfähigkeit des Exploranden sei weder aus neurologischer noch aus neuropsychologischer Sicht beeinträchtigt.
Bei der
viszeralchirurgischen
Untersuchung hätten sich regelrechte Befunde nach
Transversalisplastik
beidseits gefunden. Hinweise für ein
Hernienrezidiv
hätten nicht bestanden. Die chronischen Unterbauchbeschwerden könnten organisch nicht erklärt werden. Aus
viszeralchirurgischer
Sicht sei die Arbeits
fähigkeit des Exploranden nicht eingeschränkt.
Bei der allgemeininternistischen Untersuchung sei eine arterielle Hypertonie diagnostiziert worden. Die medika
mentöse Behandlung sei ungenügend. Die Arbeitsfähigkeit werde dadurch aber nicht beeinträchtigt
(S. 23)
.
Gestützt darauf führten die Gutachter aus,
der Explorand
sei
aus
polydisziplinä
rer
Sicht für eine körperlich leichte bis zumindest mittelschwere,
wechselbelas
tende
Tätigkeit zu 100
% arbeits- und leistungsfähig. Für die früher ausgeübte Tätigkeit im Restaurant
sei
medizinisch gesehen keine wesentliche Beeinträchti
gung
der Arbeitsfähigkeit erkennbar.
Mit Bezug auf
Beginn und Verlauf der Arbeitsunfähigkeit
gingen die Gutachter
davon au
s, dass nach dem Unfall im April
2001 vorübergehend eine Arbeitsunfähigkeit bes
tanden habe
. Genaue Angaben über Zeit und Höhe der Arbeitsunfähigkeit könn
t
en nicht gemacht werden. Die
Rentenzusprache
sei
aufgrund einer psychiatrischen Beurteilung mit mittelgradiger depressiver Episode, posttraumatischer Belastungsstörung und chronischer Schmerzstörung
erfolgt
. Die damals angenommene vollstä
n
dige Arbeitsunfähigkeit scheine
bereits retrospektiv etwas hoch angesetzt. Ins
gesamt
könne
im Laufe der Zeit von einer weitgehenden Rückbildung der depressiven
Symptomatik ausgegangen werden.
D
ie posttraumatische Belastungsstörung
sei
syndromal
nicht mehr vorliegend und wäre ätiologisch nur ungenügend erklärbar. Die
von ihnen
festgestellte, uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit
gelte
sicher ab
dem
Untersuchungsdatum im Juni 2014
(S. 23
f.).
D
er Explorand
fühle sich
seit dem Unfall 2001 nicht mehr arbeitsfähig. Bei
den
Untersuchungen
seien
eine massive Symptomausweitung und somatisch nicht erklärbare Beschwerden festgestellt
worden
. Aus psychiat
rischer Sicht bestehe
keine Arbeitsunfähigkeit. Es wäre dem Exploranden daher zumutbar, die not
wendige Willensanstrengung aufzubringen, um trotz
Beschwerden einer Erwerbstätig
keit nachzugehen.
Die psychosoziale Situation habe
sicher einen negativen Einfluss auf die subjektive Einschätzung der Arbeitsfähigkeit. Zudem
erhalte
der Explorand durch die bestehende Berentung einen sekundären Krankheitsgewinn
(S. 24).
Aus somatischer Sicht
lägen
keine eingehenden Beurteilungen vor.
Der Hausarzt Dr.
A._
habe im Bericht vom
21.
Juni
2011
einen unveränderten Gesund
heitszustand mit mittelgradiger Depression und posttraumatischer
Verarbei
tungsstörung
und 100%iger Arbeitsunfähigkeit an
gegeben
. Diese Angaben stütz
t
en sich auf die subjektiven Beschwerden des Exploranden und die beste
hende Berentung
.
Aus psychiatrischer Sicht
seien
im Gutachten der Privatklinik
Z._
2005 eine chronische
Schmerzst
örung mit psychischen Faktoren, eine posttraumatische Belastungsstörung und eine mittelgradige depressive Episode diagnostiziert
worden
. Bei
ihrer
Untersuchung
(
in der MEDAS
)
sei
noch eine leichte depressive Episode festgestellt
worden
. Die Schmerzstörung
werde
als anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung diagnostiziert ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Eine posttraumatische Belastungsstörung
könne
gemäss ICD
10 Kriterien nicht mehr bestätigt werden. Aufgrund der angegebenen
mittelgradigen depressiven Symptomatik
sei
damals
die
100%ige Arbeitsun
fähigkeit hoch angesetzt
gewesen
(S. 24)
.
5.
5.1
5.1.1
Gegen den Beweiswert des MEDAS-Gutachtens vom 21. Oktober 2014 (E. 4.2) macht der Beschwerdeführer zunächst die
Abhäng
igkeit der MEDAS von der Invalidenversicherung geltend. Sodann rügt er das Vorgehen bei der Zuteilung der Gutachtensstelle über
SuisseMED@P
(Urk. 1 S. 6)
.
5.1.2
Dem ist
zunächst
zu entgegnen,
dass
der regelmässige
Beizug
eines Experten, die Anzahl der beim selben Arzt in Auftrag gegebenen Gutachten und Berichte sowie das daraus resultierende Honorarvolumen für sich allein genommen keine als
Ausstandsgrund
zu qualifizierende Abhängigkeit von den IV-Stellen
schafft
(
BGE 137 V 210
E. 1.3.3
mit Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts
9C_793/2015
vom 1
9.
August 2016
E.
4.2
)
.
5.1.3
Polydisziplinäre
Gutachten
, das heisst solche, an denen drei oder mehr
Fachdis
ziplinen
beteiligt sind, haben bei einer Gutachterstelle zu erfolgen, mit welcher das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) eine Vereinbarung getroffen hat. Gemeint sind die medizinischen Abklärungsstellen (
MEDAS
) im Sinne von Art. 59 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG). Die Vergabe der Aufträge erfolgt gemäss Art. 72
bis
Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) nach dem Zufallsprinzip (vgl. BGE 139 V 349 E. 2.2). Das Verfahren für die Auftragsvergabe von polydisziplinären
Gutachten
durch die IV-Stellen ist im Kreisschreiben über das Verfahren in der Invaliden
versicherung (KSVI; Stand 1. Januar 2015) detailliert geregelt (
Rz
2075-2082). Das Verfahren der Auftragsvergabe für polydisziplinäre
Gutachten
via
SuisseMED@P
richtet sich nach dem Handbuch für Gutachter- und IV-Stellen in Anhang V zum KSVI, wobei das Bestätigungsmail der Plattform
SwissMED@P
über die erfolgreiche Vergabe des
Gutachten
sauftrags im
Versi
chertendossier
zu erfassen ist (
Rz
2077 KSVI).
Vorliegend wurde der Beschwerdeführer am 17. Juni 2013, wie in
Rz
2076 KSVI vorgesehen, über die vorgesehene Begutachtung, die Fachrichtungen, den Fra
genkatalog sowie über die Wahl der Gutachterstelle nach dem Zufallsprinzip informiert, und es wurde ihm Gelegenheit gegeben, Zusatzfragen zu stellen (Urk. 8/119). In seiner Stellungnahme vom 18. Juni 2013
ersuchte der Beschwerdeführer um Durchführung eines Einigungsversuchs vor der Vergabe der Begutachtung nach dem Zufallsprinzip (Urk. 8/122). Dass die
Beschwerde
gegnerin
in der Folge auf diesen Antrag nicht einging, ist nicht zu beanstanden, denn die Gutachterwahl bei polydisziplinären Gutachten hat immer nach dem Zufallsprinzip zu erfolgen, womit für eine einvernehmliche Benennung der Experten kein Raum mehr bleibt (BGE 140 V 507 E. 3.2.1).
Entsprechend
dem Handbuch für Gutachter- und IV-Stellen in Anhang V zum KSVI erfasst
e
die
Beschwerdegegnerin
den Auftrag auf der Plattform
SuisseMED@P
mit den notwendigen Angaben, worauf
SuisseMED@P
am 2. Juli 2013 über die
Auftrag
sv
ergabe
an die MEDAS
Y._
per E-Mail informiert
e (Urk. 8/125)
.
Daraufhin überliess die Beschwerdegegnerin der MEDAS ihre Akten (Urk. 8/124). Mit E-Mail vom 16. Oktober 2013 teilte die
SuisseMED@P
der Beschwerdegegnerin auch die beteiligten Gutachter mit (Urk. 8/131), worauf die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer entsprechend orientierte und Frist für triftige Einwendungen gegen die Gutachter ansetzte (Urk. 8/132). In seiner Stellungnahme vom 28. Oktober 2013 wiederholte der Beschwerdeführer seine Einwände gegen die zugeteilte MEDAS, verzichtete jedoch unter Hinweis auf die derzeitige Gerichtspraxis auf Erlass einer anfechtbaren Verfügung (Urk. 8/133)
.
Vorgehen und Dokumentation der Vergabe des
Gutachten
sauftrages über
SuisseMED@P
entsprechen
den vorerwähnten Weisungen des BSV. Eine weiter
gehende (physische) Dokumentation über die ausschliesslich elektronisch abge
wickelte Auftragsvergabe ist nicht vorgesehen. Es bestehen somit keine Anhaltspunkte, dass dem Beschwerdeführer Akten vorenthalten wurden oder dass die Auftragsvergabe über
SuisseMED@P
nicht gemäss den
Weisungen des BSV erfolgt wäre.
5.2
5.2.1
D
as polydisziplinäre MEDAS-Gutachten vom 21. Oktober 2014 (E. 4.2)
ent
spricht
den praxisgemässen Anforderungen an den Beweiswert
einer Expertise vollumfänglich
. So ist das Gutachten für die streitigen Belange umfassend, beantwortet es doch die Frage nach den gesundheitlichen Beeinträchtigungen und der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers. Es beruht sodann auf den not
wendigen allseitigen Untersuchungen in psychiatrischer, orthopädischer, neu
rologischer, neuropsychologischer,
viszeralchirurgischer
und internistischer Hinsicht und berücksichtigt die geklagten Beschwerden. Die Gutachter schil
derten ausführlich die vom Beschwerdeführer erwähnten Leiden und Einschrän
kungen und setzten sich detailliert damit auseinander. Die Expertise wurde sodann in Kenntnis der
Vorakten
insbesondere
des der
Rentenzsprache
zugrundeliegenden Gutachtens der Psychiatrischen Privatklinik
Z._
(Urk. 8/41)
abgegeben und leuchtet in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein. In diesem Sinne erscheinen die Schlussfolgerungen als begründet.
Die Gutachter würdigten namentlich die Diskrepanz zwischen den diskreten organisch nachweisbaren Beeinträchtigungen und den subjektiv geklagten Beschwerden sowie dem gezeigten demonstrativen Verhalten des Exploranden während der Untersuchung und mit Bezug auf
dessen
Compliance.
5.2.2
Der Beschwerdeführer rügt die kurze Untersuchungsdauer und die mangelnde Detaillierung des psychiatrischen Teilgutachtens (Urk. 1 S. 5).
Dem ist zu ent
gegnen, dass
es für den Aussagegehalt eines medizinischen Gutachtens nicht auf die Untersuchungsdauer ankommt. Zwar muss der zu betreibende zeitliche Aufwand der Fragestellung der zu beurteilenden Pathologie angemessen sein; zuvorderst hängt der Aussagegehalt einer Expertise aber davon ab, ob sie inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist (Urteil
des Bundesgerichts
8C_662/2014 vom 1
2.
November 2014 E. 8). Dies trifft hier zu. Insbesondere setzte sich der psychiatrische Gutachter eingehend mit den sich aus den
Vorak
ten
ergebenden Diagnosen auseinander und begründete seine Schlussfolgerun
gen in nachvollziehbarer Weise
(vgl. dazu auch E. 5.3-4 nachfolgend).
5.3
In psychiatrischer Hinsicht
ist eine Besserung der
depressive
n
Störung
auszu
machen
. Währen
d sie 2005 noch einen mittleren Grad
aufwies
, liegt aktuell
gemäss der Einschätzung der MEDAS-Gutachter
lediglich
noch
eine leichte depressive Episode
vor
. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes fallen leichte bis mittelgradige depressive Störungen, seien sie im Auftreten rezidi
vierend oder episodisch, einzig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht, wenn sie erwiesenermassen therapieresistent sind (statt vieler:
BGE 140 V 193
E. 3.3 mit Hinweis).
D
azu
kommt, dass die Therapie in dem Sinne konsequent gewesen sein muss, dass die aus fachärztlicher Sicht indizierten zumutbaren (ambulanten und stationären) Behandlungsmöglichkeiten in kooperativer Weise optimal und nachhaltig ausgeschöpft wurden (
BGE 140 V 193
E. 3.3; BGE
137 V 64
E. 5.2 mit Hinweis; vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 14. April 2016 E. 4.2 und 9C_89/2016 vom 12. Mai 2016 E. 4.1).
Nach Lage der Akten ist der Beschwerdeführer
seit mehreren Jahren
nicht
mehr
in psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung
. Zwar gab er auf dem
Revi
sionsfragebogen
vom 18. September 2010 an, bei med.
pract
.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, in Behandlung zu sein
.
Als Datum der letzten Kontrolle wurde der 20. September 2010 angegeben
(Urk. 8/60)
.
Jedoch
teilte
med.
pract
.
B._
der Beschwerdegegnerin am 23. Dezember 2010 mit, dass der Beschwerdeführer nur einmal bei ihm gewesen sei (Urk. 8/65). Weitere
b
ehand
elnde Ärzte
nannte der Beschwerdeführer nicht
.
Bei Einleitung der
Ren
tenrevision
war
d
er
Beschwerdeführer
offenbar auch nicht in hausärztlicher Behandlung
, gab
er
doch auf dem Revisionsfragebogen keinen Hausarzt an (Urk. 8/60). In
Dr.
A._
Behandlung begab er sich
erstmals am 14. Januar 2011 (Urk. 8/73, Urk. 8/74)
.
In der Folge
stellte
der Hausarzt fest, dass der
anti
depressive
Wirkstoff
Paroxetin
im Serum des Beschwerdeführers mehrmals nicht messbar war
, obwohl dieser versicherte, das Medikament regelmässig einzunehmen (Urk. 8/74 S. 1). Auf Unstimmigkeit
en bei der
Medikamentenein
nahme
wies
ebenfalls
der psychiatrische
Gutachter
der MEDAS
hin
(vgl. Urk. 8/150 S. 11).
Von einer
konsequenten fachärztlichen
psychiatrisch
-psy
cho
therapeutische
n
Behand
lung kann somit keine Rede sein.
Die beschriebene Unbeständigkeit der Behandlung kann
zudem
auch auf einen nunmehr geringeren Leidensdruck
nach erheblicher Besserung der sich bereits 2005 in Teilremission befundenen Symptomatik
zurückgeführt werden.
Aus diesen Gründen
ist
die gutachterliche Einschätzung, wonach
der
leichte
n
depressive
n
Episode keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zugeschrieben werden darf
(Urk. 8/150 S. 10), aus juristischer Sicht
zu bestätigen
.
5.
4
Mit Bezug auf die von den Gutachtern der MEDAS nicht bestätigte Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung ist zunächst festzuhalten, dass tat
sächlich fraglich erscheint, ob der vom Beschwerdeführer 2001 erlittenen Unfall
als
traumatisches
Ereignis
im Sinne der ICD-10
angesehen werden darf
.
Danach
wird eine posttraumatische Belastungsstörung anerkannt, wenn sie als eine ver
zögerte oder protrahierte Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situa
tion aussergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigen Ausmasses ent
steht, die in
fast jedem eine tiefe Verzweif
lung hervorrufen würde. Hierzu gehören eine durch Naturereignisse oder von Menschen verursachte Katastro
phe, eine Kampfhand
lung, ein schwerer Unfall oder der Umstand, Zeuge des gewaltsamen Todes anderer oder selbst Opfer von Folterung, Terrorismus, Ver
gewaltigung oder an
derer Verbrechen zu sein
(ICD-10 F43.1; Weltgesundheits
organisation, Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapi
tel V
[
F
]
, Klinisch-diagnostische Leitlinien, 9. Auflage, Bern 2014, S. 207)
. Weiter tritt in der Mehrzahl der Fälle im Verlauf eine Heilung ein
(
a.a.O
, S. 208)
, weshalb die vom psychiatrischen Gutachter der MEDAS erhobene
geringgradige
Ausprägung der Symptomatik (Urk. 8/150 S. 11)
auch im Sinne einer Besserung interpretiert werden kann.
Eine Besserungstendenz mit Bezug auf die posttrau
matische Symptomatik liess sich
im Übrigen
bereits zur Zeit der Begutachtung in der Psychiatrischen Klinik
Z._
im Jahr 2005 ausmachen (vgl. Gutachten vom 25. Juli 2005, Urk. 8/41 S. 13).
Aus diesen Gründen vermag die im MEDAS-Gutachten vom 21. Oktober 2014 erfolgte
Verneinung
der Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung
vollumfänglich
zu überzeugen.
5.
5
5.
5
.1
Bezüglich der ebenfalls diagnostizierten anhaltenden
somatoformen
Schmerz
störung
ist Folgendes festzuhalten:
Mit BGE 141 V 281 hat das Bundesgericht seine Rechtsprechung zu den Voraussetzungen, unter denen anhaltende
soma
toforme
Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden eine Invalidität zu bewirken vermögen, grundlegend überdacht und teilweise geän
dert (BGE 141 V 574 E. 3.4). Es erfolgte damit nicht eine Änderung der Voraussetzungen für den Leistungsanspruch, sondern die Schaffung neuer Standardindikatoren für dessen Beurteilung und eines strukturierten, ergebnisoffenen Beweisverfahrens (BGE 141 V 281 E. 3.6 und E. 6; BGE 141 V 585 E. 5.3). Unverändert ist auch in Zukunft dem klaren Willen des Gesetzge
bers gemäss Art. 7 Abs. 2 ATSG Rechnung zu tragen, wonach im Zuge der objektivierten Betrachtungsweise von der grundsätzlichen „Validität“ der die materielle Beweislast tragenden versicherten Person auszugehen ist (BGE 141 V 281 E. 3.7.2 unter Hinweis auf BGE 139 V 547 E. 8.1; BGE 141 V 585 E. 5.3).
Zwar hatten die Ärztinnen und Ärzte bereits vor der Praxisänderung gemäss BGE 141 V 281 ihre Stellungnahmen zur Arbeitsfähigkeit so substanziell wie möglich zu begründen, und es war für die ärztliche Plausibilitätsprüfung wich
tig, in welchen Funktionen die versicherte Person eingeschränkt ist (BGE 140 V 193 E. 3.2; BGE 139 V 547 E. 9.2.1). Die diesbezüglichen Anforderungen hat das Bundesgericht aber nunmehr in BGE 141 V 281 konkretisiert. Aus den medizinischen Unterlagen muss genauer als bisher ersichtlich sein, welche funk
tionellen Ausfälle in Beruf und Alltag aus den versicherten Gesundheitsschäden resultieren. Diagnosestellung und – in der Folge – Invaliditätsbemessung haben somit stärker als bis anhin die entsprechenden Auswirkungen der
diagnose
relevanten
Befunde zu berücksichtigen. Medizinisch muss schlüssig begründet sein, inwiefern sich aus den funktionellen Ausfällen bei objektivierter
Zumut
barkeitsbeurteilung
anhand der Standardindikatoren eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ergibt. Wo dies nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit dargetan werden kann, trägt weiterhin die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen. Eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung und ver
gleichbare Leiden können somit eine Invalidität begründen, sofern funktionelle Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen
Anspruchsgrund
lage
im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchs
frei mit zumindest überwiegender Wahrscheinlichkeit in einem
anspruchs
erheblichen
Ausmass nachgewiesen sind (BGE 141 V 281 E. 6; BGE 141 V 574 E. 4.2).
Gutachten, die
wie hier
nach altem Verfahrensstandard eingeholt wurden, verlieren nicht per se ihren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamt
haften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und der erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vor
handenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (
BGE 141 V 281
E. 8). Es ist eine frei überprüfbare Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die Fest
stellungen in einem medizinischen Gutachten anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (
BGE 141 V 281
E. 7).
5.5
.2
Die Gutachter
wies
en
auf
eine massive Symptomausweitung hin
(Urk.
8/150 S. 24
).
Die Teilgutachten in den einzelnen Fachgebieten
enthalten zahlreiche
Hinweise auf
eine
Verweigerungshaltung während den Untersuchungen,
Inkon
sistenzen und
bewusstseinsnahe Ausgestaltung von Symptomen (Urk. 8/150 S. 15, S. 18 f., S. 20
).
Ob damit ein Grund für
den Aus
schluss eines invalidi
sierenden Gesundheitssch
adens und damit des Leistungsan
spruchs vorliegt, was eine Prüfung der zumutbaren Le
istungsfähigkeit nach den Standard
indikatoren gemäss BGE 141 V 208 erübrigen würde (vgl. dazu Urteil
e
des Bundesgerichts
8C_291/2016 vom 1
2.
August 2016
E. 2.2 sowie 9C_899/2014
vom 29. Juni 2015 E. 4.2.1), kann vorliegend offen bleiben, denn
selbst eine Prüfung nach den Standardindi
katoren (S. 33 f.)
führt
wie nachfolgend dar
gelegt wird
aus juristischer Sicht
ebenfalls zum Schluss, dass de
m
Beschwerdeführer die Aus
übung einer Erwerbstätigkeit zumutbar ist.
5.
5
.3
U
nter dem Komplex Gesundheitsschädigung muss zunächst die Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde erörtert werden. Bei diesem Indikator geht es da
rum, die konkreten Erscheinungsformen der diagnostizierten
Gesundheitsschä
digung
festzustellen, d.h.
Schwere und Ausmass des
Krankheitsgeschehens (
Gächter
/
Meier, Schmerzrechtsprechung 2.0, in:
Jusletter
29. Juni 2015, S. 12). In BGE 142 V 106
führte das Bundesgericht dazu aus,
die Sachverständigen sollten die Diagnose einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung (ICD-10 F45.40) so begründen, dass die Rechtsanwender nachvollziehen könnten,
ob die
klassifi
katorischen
Vorgaben tatsächl
ich eingehalten seien. Dem diag
nose-in
härenten Schweregrad der
somatoformen
Schmerzstörung sei vermehrt Rechnung zu tragen: Als „vorherrschende Beschwerde” verlangt werde „ein an
dau
ernder, schwerer und quälender Schmerz”. Im Gegensatz zu anderen psy
choso
matischen Störungen, die nicht schon an sich einen Bezug zum
Schwere
grad
aufwiesen, setze die Diagnose einer
somatofor
men
Schmerzstörung per definitionem Beein
trächtigungen der Alltagsfunktionen voraus (E.
3.3
). Mit der
Diag
nose sei aber noch nicht gesagt, dass der Gesundheitsschaden auch invali
disierenden Charak
ter habe. Ob dies zutreffe, beur
teile sich gemäss dem klaren Ge
setzeswortlaut nach dem Einfluss, den der Gesundheitsschaden auf die Arbeits
- und Erwerbsfähig
keit habe. Entscheidend sei, ob der versicherten Per
son wegen des geklag
ten Leidens nicht mehr zumutbar sei, ganz oder teilweise zu arbeiten. Fehle es bei der gestellten psychiatrischen Diagnose ber
eits an einem Bezug zum Schwere
grad, sei die ärztliche Feststell
ung, welche per se von einem um
fassenden Krankheitsbegriff ausgehe, anhand der rechtserheblichen Indikatoren im Sinne einer Überprüfung der schmerzbedingten Beeinträchti
gung im Alltag zu beurteilen. Die geltend gemachten
Funktionseinschränkun
gen
seien anhand einer sorgfältigen Plausibilitätsprüfung zu bestätigen oder zu verwerfen (E. 4.4). Im Urteil 8C_82/2016 vom 9. Mai 2016 präzisierte das Bun
desgericht sodann, dass sich der funktionelle Schweregrad einer Störung nach deren konkreten funktionellen Auswirkung beurteile und insbeso
ndere danach, wie stark die ver
sicherte Person in sozialen, beruflichen oder an
deren wichtigen Funktionsberei
chen schmerzbedingt beeinträchtigt sei (E. 5.3).
Die
Gutachter
der MEDAS
legte
n
nachvollziehbar
dar, dass
sich
das Ausmass der Beschwerden und die Überzeugung des Beschwerdeführers, nicht mehr
arbeiten zu können,
durch die
geringen
somatischen Befunde nicht hinreichend objektivieren liessen
, so dass eine psychische Überlagerung angenommen wer
den müsse. Unter Hinweis auf deutlich ausgeprägte psychosoziale und emotio
nale Belastungsfaktoren, die sich im Sinne der Abwehr auch in den Schmerzen ausdrückten, schloss
en sie
auf eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung
. Nach
seinen
Angaben kann
der Beschwerdeführer seit dem 2001 erlittenen Unfall nicht mehr arbeiten
.
Dies steht im Gegensatz zum Fehlen einer schweren somatischen Erkrankung oder eines schweren psychischen Leidens
, was im Rahmen der Aggravationstendenzen
zu interpretieren ist. Bei dieser Akten
lage ist ein
erheblicher funktioneller Schwe
regrad des Leidens zu verneinen.
Eine psychiatrische Komorbidität liegt nicht vor. Insbesondere stellt die Diag
nose
einer nunmehr leichten depressiven Episode rechtsprechungsgemäss keine solche dar
.
Aus somatischer Sicht besteht in
der Ausübung einer leichten bis
zumindest
mittelschweren, wechselbelastenden Tätigkeit keine zeitliche Ein
schränkung, weshalb der somatischen Kom
orbidität keine übermässige Aus
prä
gung zukommt.
5.
5
.4
I
m Rahmen des sozialen Kontextes
ist
ei
n sozialer
Rückzug von sozialen Aktivitäten
nicht auszumachen
.
Der Beschwerdeführer lebte zur Zeit der Begut
achtung mit seiner Ehefrau und den zwei gemeinsamen Kindern in einer grossen Wohnung, in welcher noch zwei weitere Personen lebten (Urk. 8/150
S. 6). Er telefoniert regelmässig mit seiner Mutter in
C._
und pflegt gute Kontakte zu seinen Kindern
sowie
zu Landsleuten, mit denen er sich gerne trifft (Urk. 8/150 S. 8 f.).
5.
5
.5
Bei der Konsistenzprüfung
ist auf die vielen in den Akten dokumentierten
Inkon
sistenzen
hinzuweisen
, die auf einen mangelnden Leidensdruck schliessen
lassen
.
So ist
für die Zeit n
ach der Rentenzusprechung im Jahr 2006 (Urk. 8/48) keine fach- oder hausärztliche Behandlung dokumentiert. Erst im Januar 2011 unter dem Einfluss des Revisionsverfahrens begab sich
der Beschwerdeführer
in die hausärztliche Betreuung von Dr.
A._
.
Als weitere
b
ehand
elnde Ärzte
gab er
lediglich zwei Psychiater an, med.
pract
.
B._
(Urk. 8/60 S. 1) und Dr.
D._
(Urk. 8/74 S. 2), bei denen allerdings keine konsequente Behandlung stattgefunden hat
.
Nach Lage der Akten hat der Beschwerdeführer somit t
rotz den geklagten psychischen Beschwerden
seit Jahren keine
konsequente
psychi
atrisch-psychotherapeu
tische Behandlung
mehr
in Anspruch
genommen
.
Eine mangelnde Behandlungsmotivation kann
schliesslich
darin erblickt werden,
dass ein vom Beschwerdeführer angeblich eingenommenes Antidepressivum gemäss den von Dr.
A._
mehrmals veranlassten Laboruntersuchungen nie nachweisbar war (Urk. 8/74 S. 1).
Verschiedene Inkonsistenzen lassen sich auch dem MEDAS-Gutachten vom 21. Oktober 2014 entnehmen.
Diese gehen von
eine
r
mass
ive
n
Verdeutlichung der Symptome
bis zu
r
Verweigerung
der Mitwirkung an verschiedenen Untersu
chungen in der
MEDAS
(Urk.
8/150 S. 15
, S. 18
, S. 20)
.
Aus den Akten ergibt sich somit ein Bild eines in passiver Erwartungshaltung verharrenden Mannes, der keinerlei Interesse an einer Wiedereingliederung in die Erwerbstätigkeit hat und bisher auch keine Anstalten in dieser Richtung selbständig unternommen hat.
5.
5
.6
Zusammenfassend stellt die anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung
in Über
ein
stimmung mit
den Schlussfolgerungen im MEDAS-Gutachten vom 21. Oktober 2014
unter Berücksichtigung des nicht ausgeprägten funktio
nellen Schweregrades sowie der
verschiedenen Inkonsistenzen beziehungsweise Aggravations
tendenzen und der mang
elnden Compliance keinen invalidisieren
den Gesund
heitsschaden dar. Anlass fü
r die seitens de
s
Beschwerdefüh
rer
s
beantragte Neubegutachtung (vgl. Urk.
1 S. 2
) besteh
t somit auch unter diesem Blick
winkel nicht.
5.
6
Aufgrund der gesamten medizinischen Aktenlage steht nach dem Gesagten fest, dass
der Beschwerdeführer
in
der angestammten sowie in
jeder leichten
bis mittelschweren
, wechselbelastenden Tätigkeit
vollzeitlich arbeitsfähig ist, womit
keine Invalidität
mehr
besteht.
6.
6.1
Im Eventualstandpunkt beantragt
der Beschwerdeführer
Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin zwecks Prüfung von Eingliederungsmassnahmen (Urk. 1 S. 9)
.
6.2
Im Regelfall ist eine medizinisch attestierte Verbesserung der Arbeitsfähigkeit auf dem Weg der Selbsteingliederung zu verwerten. Nach langjährigem
Renten
bezug
können ausnahmsweise Erfordernisse des Arbeitsmarktes der Anrechnung einer medizinisch vorhandenen Leistungsfähigkeit und medizinisch möglichen Leistungsentfaltung entgegenstehen, wenn aus den Akten einwandfrei hervor
geht, dass die Verwertung eines bestimmten Leistungspotenzials ohne vorgän
gige Durchführung befähigender Massnahmen allein vermittels
Eigenanstren
gung
der versicherten Person nicht möglich ist. Diese Rechtsprechung ist grundsätzlich auf Fälle zu beschränken, in denen die (revisions- oder
wiederer
wägungsweise
) Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente eine versi
cherte Person betrifft, welche das 55. Altersjahr zurückgelegt oder die Rente seit mehr als 15 Jahren bezogen hat. Die Übernahme der beiden
Abgrenzungskrite
rien
(vgl.
lit
. a
Abs.
4 der Schlussbestimmungen der Änderung vom 1
8.
März 2011 [
6.
IV-Revision, erstes Massnahmenpaket]) bedeutet nicht, dass die darun
ter fallenden Rentnerinnen und Rentner im jeweiligen revisions- (Art. 17 Abs. 1 ATSG) beziehungsweise gegebenenfalls wiedererwägungsrechtlichen (Art. 53 Abs. 2 ATSG) Kontext einen Besitzstandsanspruch geltend machen könnten; es wird ihnen lediglich zugestanden, dass – von Ausnahmen abgesehen – auf
grund des fortgeschrittenen Alters oder einer langen Rentendauer die
Selbstein
gliederung
nicht mehr zumutbar ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_39/2012 vom 24. April 2012 E. 5.1 mit Hinweisen; vgl. auch Urteile Bundesgerichts 8C_602/2013 vom 9. April 2014 E. 3.4 und 9C_412/2014 vom 20. Oktober 2014 E. 3.1).
6.3
Der Beschwerdeführer wurde am
7. Juli 1967
geboren und bezog ab
1. April 2002
eine Invalidenrente. Zum Zeitpunkt der rentenaufhebenden Verfügung (
2. April 2015
, Urk. 2) bezog er damit seit
13
Jahren eine Rente und war 4
7
Jahre alt. Somit sind beide von der Rechtsprechung aufgestellten, alternativen Voraussetzungen für die Annahme der Notwendigkeit von beruflichen Mass
nahmen vor der
Renteneinstellung
nicht erfüllt
, weshalb ihm
eine Verwertung der verbesserten Arbeitsfähigkeit auf dem Weg der Selbsteingliederung
zuge
mutet werden kann
. Eine vorgängige Durchführung beruflicher Massnahmen vor der Rentenaufhebung ist
unter diesen Umständen
nicht notwendig, womit auch aus diesem Grund kein Anspruch des Beschwerdeführers auf eine weitere
Ausrichtung der Rente besteht.
Die
angefochtene Verfügung erweist sich dem
gemäss als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
7.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr.
800
.-- festzulegen und ausgangsgemäss vom Beschwerdeführer
zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG),
jedoch zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung einstweilen auf die Gerichts
kasse zu nehmen. Zudem ist
Rechtsanwalt Grossen
für
seine
Bemühungen
ent
sprechend seiner Kostennote vom
24. November 2016 (Urk. 22) mit Fr. 381.20
aus der Gerichtskasse zu entschädigen.