# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 7791a5c5-8252-4309-b211-34672f7af13d
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1964,
war am 19. August 1998 aus
Y._
in die Schweiz eingereist und
meldete sich
am 20. Juli 2000
erstmals
bei der Invalidenversicherung zu
m
Leistungsbezug an (Urk.
6
/4). Nach durch
geführten medizinischen und erwerblichen Abklärungen
verneinte die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, den Anspruch auf Leistun
gen der Invalidenversicherung, da die versicherungsmässigen Voraussetzungen nicht erfüllt seien (Urk.
6
/17). Diese Verfügung blieb unangefochten.
Nach erneuter Anmeldung vom 23. Oktober 2001 (Urk. 6/20) verneinte die IV
Stelle einen Leistungsanspruch mit Verfügung vom 20. November 2001
wie
derum unter Hinweis auf die fehlenden versicherungsmässigen Voraussetzungen
(Urk. 6/23)
.
Auch diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.2
A
m 15. Dezember 2009
reichte der Versicherte eine weitere Anmeldung
zum Leistungsbezug (Rente)
ein
(Urk. 6/50). Nach durchgeführtem
Vorbescheidver
fahren
verne
inte
die
IV-Stelle
mit Verfügung vom 7. September 2010 einen Rentenanspruch (Urk. 6/71). Das vom Versicherten am 6. Oktober 2010 (vgl. Urk. 6/
72/3-10)
angerufene hiesige Gericht hob die Verfügung auf mit der Feststellung, dass die versicherungsmässigen Voraussetzungen erfüllt seien, und wies die Sache zur ergänzenden Abklärung
und Neubeurteilung
an die Vor
instanz zurück (Urteil vom 2. Mai 2012, Prozess Nr. IV.2010.00951, Urk. 6/91).
1.3
In Nachachtung dieses Urteils holte die IV-Stelle medizinische Akten ein (Urk. 6/103/1-37) und
liess den Versicherten durch die MEDAS
Z._
begutachten, welche das Gutachten am 11. Dezember 2014 erstatte (Urk.
6
/136). Mit Vorbescheid vom 19. Dezember 2014 stellte die IV-Stelle die
Zusprache
einer ganzen Invalidenrente mit Wirkung ab 1. Dezember 2009 in Aussicht (Urk.
6
/141), woran sie auf Einwand
des Versicherten
vom 18. Januar 2016 (Urk.
6
/142) hin mit Verfügung
vom 27. März 2015 (Urk. 6/154 = Urk. 2) fest
hielt.
Nachdem der Versicherte am 2. April 2015 die Auszahlung der Rente an die
A._
beantragt hatte (Urk. 6/160), sprach sie ihm mit Ver
fügung vom 22. April 2015 erneut mit Wirkung ab 1. Dezember 2009 eine ganze Rente zu, wobei sie darauf hinwies, dass diese Verfügung diejenige vom 27. März 2015 ersetze und die Auszahlung der monatlichen Leistungen an die
A._
erfolge (Urk. 6/162 = Urk. 2/2).
2.
Gegen die
Verfügung
vom 27. März und 22. April 2015 (Urk. 2/1-2)
erhob der Versicherte am 29. April 2015 Beschwerde (Urk. 1; Beschw
erdeergänzung vom 21. Mai 2015,
Urk. 8) und beantragte die
Zusprache
einer ganzen Invalidenrente mit Wirkung ab 20. Juli 200
0.
Die IV-Stelle schloss in der Beschwerdeantwort vom 21. Mai 2015 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5). Mit
Gerichtsver
fügung
vom 10. Juni 2015 wurde dem Beschwerdeführer antragsgemäss (vgl. Urk. 1) die unentgeltliche Prozessführung gewährt und Rechtsanwalt Philipp
Stolkin
als unentgeltlicher Rechtsvertreter bestellt (Urk. 13). Am 15. Juni 2015 beantragte der Beschwerdeführer, es sei ihm Frist zur Einreichung einer Replik anzusetzen, (Urk. 15), worauf ihm das Gericht mit Verfügung vom 17. Juni 2015 mitteilte, es erachte die Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels als nicht erforderlich, es stehe ihm jedoch frei, zu den Anträgen und Vorbringen der Beschwerdegegnerin Stellung zu nehmen (Urk. 16). Am 15. Juli 2015 reichte der Beschwerdeführer seine Stellungnahme ein (Urk. 19), welche der
Beschwer
degegnerin
am
17. Juli 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 21).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Mit Verfügung vom 27. März 2015 sprach die Beschwerdegegnerin dem Beschwer
deführer mit Wirkung ab 1. Dezember 2009 eine ganze Invalidenrente zu (
Urk. 2/1
). Nachdem der Beschwerdeführer am 2. April 2015 die Auszahlung der Rente an die
A._
beantragt hatte
(Urk. 6/160)
, zog die Beschwerdegegnerin die Verfügung vom 27. März 2015 am 22. April 2015 in Wiedererwägung mit dem Hinweis, dass die Auszahlung der monatlichen Leis
tungen an die
A._
erfolge (Urk.
2/2
).
1.2
Mit der Wiedererwägungsverfügung vom 22. April 2015 wurde die Verfügung vom 27. März 2015 aufgehoben, weshalb nur die Verfügung vom 22. April 2015
(Urk. 2/2)
Anfechtungs
objekt der hier vorliegenden Beschwerde bildet.
2
.
2
.
1
Nach Art. 53 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozial
ver
sicherungsrechts
(ATSG) kann der Versicherungsträger auf formell rechts
kräftige Verfü
gungen oder
Einspracheentscheide
zurückkommen, wenn diese zwei
fellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeu
tung ist. Nach der Rechtsprechung des Bundesge
richts kann der Versi
cherungs
träger allerdings weder von der betroffenen Person noch vom Gericht zu einer Wiedererwägung verhalten werden (BGE 119 V 180 E. 3a). Es besteht darum kein gerichtlich durchsetzbarer Anspruch auf Wiedererwägung. Verfü
gungen, mit denen das Eintreten auf ein Wiedererwägungsgesuch abgelehnt wird, sind demnach grundsätz
lich nicht anfechtbar. Wenn der Versicherungs
träger hin
gegen auf ein Wiedererwägungsgesuch eintritt, die
Wiedererwägungs
voraus
set
zungen
prüft und anschliessend einen erneut ablehnenden
Sach
ent
scheid
trifft, ist dieser beschwerdeweise anfechtbar. Die nachfolgende gerichtli
che Über
prüfung hat sich in einem sol
chen Fall indessen auf die Frage zu beschränken, ob die Vor
aussetzungen für eine Wiedererwägung der bestä
tigten Verfü
gung gegeben sind. Prozessthema ist also
diesfalls
, ob der Versi
cherungs
träger zu Recht die ursprüngliche, formell rechtskräftige Verfügung nicht als zweifellos unrichtig und/oder ihre Korrek
tur als von unerheblicher Bedeutung qualifiziert hat (BGE 117 V 8 E. 2a).
2
.
2
Falls festgestellt wird, dass der Beschluss der IV-Stelle zum Nachteil des Versi
cherten zweifellos unrichtig war, erfolgt die Erhöhung der Rente frühestens von dem Monat an, in dem der Mangel entdeckt wurde (Art. 88
bis
Abs. 1
lit
. c der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV).
2
.3
Von der Wiedererwägung ist die so genannte prozessuale Revision von
Verwal
tungsverfügungen
zu unterscheiden. Danach ist die Verwaltung verpflichtet, auf eine formell rechtskräftige Verfügung zurückzukommen, wenn neue Tatsa
chen oder neue Beweismittel entdeckt werden, die geeignet sind, zu einer anderen rechtlichen Beurteilung zu führen (BGE 127 V 466 E. 2c mit Hinweisen). Erheb
lich können nur Tatsachen sein, die zur Zeit der Erstbeurteilung bereits bestan
den, jedoch unverschuldeterweise unbekannt waren oder unbewiesen blieben (BGE 119 V 180 E. 3a, 477 E. 1a, je mit Hinweisen).
Der Begriff „neue Tatsachen oder Beweismittel" ist bei der (prozessualen) Revision eines
Verwaltungsent
scheides
nach
Art.
53 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) gleich auszulegen wie bei der Revision eines kantonalen Gerichtsentscheides gemäss
Art.
61
lit
. i ATSG oder bei der Revision eines Bundesgerichtsurteils gemäss
Art.
123 Abs. 2
lit
. a des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG; Urteil des Bundesgerichts 8C_349/2014 vom 18. August 2014 E. 3.3 mit Hinweisen).
2
.
4
Neu sind demnach Tatsachen, die sich vor Erlass der formell rechtskräftigen Verfügung oder des
Einspracheentscheides
ve
rwirklicht haben, jedoch dem Re
visionsgesuchsteller trotz hinreichender Sorgfalt nicht bekannt waren. Die neuen Tatsachen müssen erheblich sein, sie müssen mithin geeignet sein, die
tatbeständliche
Grundlage des zur Revision beantragten Entscheids zu verän
dern und bei zutreffender rechtlicher Würdigung zu einer andern Entscheidung zu führen. Neue Beweismittel haben entweder dem Beweis der die Revision begründenden neuen erheblichen Tatsachen oder dem Beweis von Tatsachen zu dienen, die zwar im früheren Verfahren bekannt gewesen, aber zum Nachteil des Gesuchstellers unbewiesen geblieben sind (vgl. BGE 134 III 669 E. 2.1
S. 670; 127 V 353 E. 5b S. 358; SVR 2012 UV Nr. 17 S. 63, 8C_434/2011 E. 7.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_955/2012 vom 1
3.
Februar 2013 E. 3.1; je mit Hinweisen). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung hat im
Revisionsver
fahren
der Gesuchsteller die erhebliche neue Tatsache nachzuweisen (BGE 127
V 353 E. 5b S. 358; RKUV 1994 Nr. U 190 S. 140, Urteil des Bundesgerichts vom 9C_955/2012 vom 1
3.
Februar 2013 E. 3.2).
2
.
5
Das Revisionsverfahren ist beim Vorliegen eines Revisionsgrundes von Amtes wegen einzuleiten; es bedarf keines entsprechenden Gesuchs.
Zuständig für die Prüfung der Revisionsvoraussetzungen sowie zum (allfälligen) neuen Entscheid in der Sache ist diejenige I
nstanz, deren Entscheid im Revi
sionsverfahren zu überprüfen ist. Dies wird zwar in Art. 53 Abs. 1 ATSG nicht ausdrücklich bestimmt; die Revision stellt jedo
ch regelmässig ein nicht
devolu
tives
Rechts
mittel dar, und nach den meisten Regelungen ist die
Einbringungs
behörde
zugleich diejenige Instanz, die über das Revisionsgesuch entscheidet (
Kieser
, ATSG-Kommentar, 2. Auflage, 2009, N 2
1
f.
zu Art. 53 ATSG).
3
.
3
.1
Mit Verfügung vom 17. Oktober 2000 verneinte die Beschwerdegegnerin den Anspruch des Beschwerdeführers auf Leistungen der Invalidenversicherung
mit der Begründung,
er
erfülle
die versicherungsmässigen Voraussetzungen gemäss Art. 6 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die In
validenversicherung (IVG) nicht
. Nachdem sich der Beschwerdeführer am 15. Dezember 2009 erneut bei der Beschwerdegegnerin zum Leistungsbezug angemeldet hatte (Urk. 6/50), ver
neinte die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 7. September 2010 abermals den Anspruch auf Leistungen der Invalide
nversicherung, wiederum mit
dersel
ben
Begründung (Urk. 6/71).
Mit Urteil vom 2. Mai 2012 (Prozess Nr. IV-2010.00951, Urk.
6/91
)
hob das hiesige Gericht die
se
Verfügung
auf mit der Feststellung, dass die versicherungsmässigen Voraussetzungen erfüllt seien, und wies die Sache an die Beschwerdegegnerin zur weiteren Abklärung und neuer Verfügung zurück (Dispositiv Ziffer 1).
Zur Begründung führte das Gericht an, die Beschwerdegegnerin habe die versicherungsmässigen Voraussetzungen erneut materiell geprüft und habe damit die Verfügung vom 17. Oktober 2000 in Wiedererwägung gezogen
und nach erfolgter erneuter inhaltlicher Prüfung
durch die Verfügung vom 7. September 2010 ersetzt (E. 3.
5). Aus den medizi
nischen Unterlagen ergebe sich zweifelsfrei, dass eine Arbeitsunfähigkeit, wel
che geeignet gewesen sei, den Beginn des Wartejahres im Sinne von Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG auszulösen, nach dem am 5. November 1999 erlittenen Infarkt ab 6. November 1999 attestiert worden sei. Damit habe das Wartejahr bis zum 4. November 2000 gedauert. Bis zu diesem Zeitpunkt seien dem Beschwerde
führer gemäss IK-Auszug während 29 Monaten Einkommen, auf denen Beiträge entrichtet worden seien, gutgeschrieben worden. Somit seien im Zeitpunkt, in welchem der Versicherungsfall eingetreten sei, die Voraussetzungen von Art. 6 Abs. 2 IVG erfüllt gewesen (E. 4.4).
3
.2
In Nachachtung des Urteils
des hiesigen Gerichts holte
die Beschwerdegegnerin
das Gutachten der MEDAS
Z._
vom 11. Dezember 2014 (Urk. 6/136) ein,
kam gestützt darauf zum Schluss, dass dem Beschwerdeführer keine Tätigkeit mehr zumutbar sei und sprach ihm mit Verfügung vom 22. April 2015 mit Wir
kung ab
1.
Dezember 2009 eine ganze Invalidenrente zu (Urk. 2/2). Zur Begrün
dung des Anspruchsbeginns führte sie sinngemäss an, die zweifellose Unrich
tigkeit der Verfügung vom 7. September 2001 sei mit der letzten Neuanmeldung vom 16. Dezember 2009 entdeckt worden, weshalb der Rentenanspruch frühes
tens ab Dezember 2009 entstehe (S. 4 unten).
Ein Grund für eine prozessuale Revision liege nicht vor. Die Verfügungen vom 17. Oktober 2000 (Urk. 6/17) und 7. September 2010 (Urk. 6/71) seien unzutreffend, weil sie die
versiche
rungs
mässigen
Voraussetzungen fälschlicherweise verneinten. Um dies festzu
stellen, sei allerdings weder ein Gutachten noch das Entdecken von anderen Tatsachen oder Beweismitteln erforderlich
gewesen
. So habe denn das hiesige Gericht schon vor Vorliegen des Gutachtens vom 11. Dezember 2014 (Urk. 6/193) festgehalten, dass die versicherungsmässigen Voraussetzungen erfüllt seien (Urk. 5
Ziff.
4).
3
.3
Der Beschwerdeführer stellt sich
zusammengefasst
auf den Standpunkt
(Urk. 1)
, dass
mit dem Gutachten vom 11. Dezember 2014 erstmals ein Beweismittel bestanden habe, das es dem Beschwerdeführer ermöglicht habe, die Ursachen der Arbeitsunfähigkeit bis hinein ins Jahr 1999 zurückzuführen. Damit habe das Gutachten erstmals bewiesen, dass die Arbeitsunfähigkeit ab dem Austritt aus der
B._
nachweisbar sei, also ab dem 11. März 2000 (
Ziff.
17). Wie das hiesige Gericht in seinem Urteil festgestellt habe, sei nie eine
polydis
ziplinäre
Begutachtung durchgeführt worden, weshalb das Gutachten vom 11. Dezember 2014 als neues Beweismittel im Sinne von Art. 53 Abs. 1 ATSG zu werten sei (Ziff. 24). Die Beschwerdegegnerin hätte daher von sich aus auf die rechtskräftigen Verfügungen der Jahre 2000 und 2001 zurückkommen und eine
ganze Rente mindestens ab dem 10. März 2001 (ric
htig 11. März 2000;
vgl. Urk. 6/3/3)
zusprechen müssen (Ziff.
32).
3
.4
Streitig und zu prüfen ist, ob
mit dem Gutachten vom 11. Dezember 2014 ein Beweismittel aufgefunden wurde
beziehungsweise ein Revisionsgrund vorliegt
,
aufgrund dessen die
Beschwerdegegnerin verpflichtet gewesen wäre, die
Verfü
gung vom
17. Oktober 2000 der
prozessuale
n
Revision zu
unterziehen
.
4
.
4
.1
Die Experten der MEDAS
Z._
nannten im Gutachten vom 11. Dezember 2014 (Urk. 6/136) folgende Diagnosen mit Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (S. 42 f):
Status nach ischämischem paramedianem Ponsinfarkt rechts am
8
.
(rich
tig: 5
.
) November 1999
mit/bei
i
nitialer
H
emi
pl
egie links und fazialer Parese links, im Verlauf
resi
duelle
beinbetonte Hemiparese links
Echokardiographie März
2010: kein nachweisbares PFO, keine struktu
relle
H
erzerkrankung (initial eingeschränkte linksventrikuläre Funktion und Verdacht auf
E
ndomyokardfibrose
)
24-h-EKG: keine relevanten
H
erzrhythmusstörungen
d
oppler-/
duplexsonographisch
keine relevante
Makroangiopathie
Ätiologie unklar
, differentialdiagnostisch:
kardioembolisch
bei
Perimyo
karditis
i
m Rahmen
eines unklaren Infekts mit
H
ypereosino
philie
(initial bei Verdacht auf
Endomyokardfibrose
),
differentialdiag
nostisch
:
mikroangiopathisch
d
ringender
Verdacht auf koronare H
erzkrankheit
m
etabolisches Syndrom
a
rterielle
H
ypertonie
Adipositas Grad I
Diabetes mellitus ED
Oktober 20
14
Hypercholesterinämie
Als Diagnosen ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit stellten sie (S. 43):
Verdacht auf Affektion des
Nervus
cutaneus
fermoris
lateralis
links (
Meral
gia
parästhetica
)
g
rossbogige linkskonvexe Skoliose bei Beinverkürzung
u
nklare Hepatopathie, abklärungsbedürftig
m
ittelgradige Niereninsuffizienz
m
ittelgradige Restriktion
r
ezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (F33.00)
Der Beschwerdeführer leide unter den Einschränkungen durch die
residuelle
Hemiparese der linken Körperhälfte mit einem unsicheren Gangbild und deut
lich gestörter Feinmotorik der linken Hand. Er sei zunächst im Rahmen der
cerebralen
Ischämie im November 1999
schwer betroffen gewesen
und habe mehrere Wochen im Rollstuhl sitzen müssen. Durch eine mehrwöchige statio
näre Rehabilitationsbehandlung habe er schliesslich wieder mit einer Gehhilfe auch längere Stre
cken gehen können. Seit dieser Z
eit sei trotz der Durchführung von regelmässigen ambulanten physiotherapeutischen Massnahmen jedoch keine relevante Besserung der linksseitigen Hemiparese mehr eingetreten. Zu
dem bestehe ein diffuses Beschwerdebild mit Sta
tus nach Hyper-
IgE
-Syndrom, Status nach generalisiertem Erythema
nodosum
, unklarem
Pleuraerguss
und Status nach Arthralgien. Trotz ausführlicher rheumatologischer und internisti
scher Abklärungen in der Vergangenheit habe diesbezüglich keine klare Diag
nose gestellt werden können. Aktenanamnestisch sei das Hyper-
IgE
-Syndrom möglicherweise durch eine
Giardia
lamblia
-Infektion und bei positiver
Toxoca
riasis-Serol
o
gie
erklärt worden. Seit dem Auftreten dieser Beschwerden im Jahr 1998 berichte der Beschwerdeführer auch von Atembeschwerden, welche sich insbesondere im Liegen
verstärkten
und bei jeglicher körperlicher Belastung sofort stark zunähmen. Diese führten zu einer zunehmenden verminderten Belastbarkeit im Alltag im Allgemeinen und auch zu einem stark gestörten Schlaf und dadurch bedingter Tagesmüdigkeit. Diese Beschwerden seien nach Angaben des Beschwerdeführers seit ihrem Auftreten
weitgehend unverändert
. Darüber hinaus bestünden zusätzlich chronische
lumbospondylogene
Schmer
zen bei einer
skoliotischen
Fehlhaltung der Wirbelsäule mit einem
Beckentief
stand
bei Beinverkürzung links von 1 cm. Auch diese Beschwerden schränkten den Beschwerdeführer im Alltag ein und nähmen insbesondere bei Drehbewe
gungen deutlich zu (S. 43
Ziff.
8.2.2).
Zur Arbeitsfähigkeit gaben die Experten an, von neurologischer Seite ergebe sich in der angestammten und der zuletzt ausgeübten Tätigkeit aufgrund der Hemiparese links als Fähigkeitsstörung (vermehrter Pausenbedarf,
Gangun
sicherheit
, gestörte Feinmotorik und verminderte
K
raft der linken Hand) eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50 %. Zudem sei der Beschwerdeführer qualitativ im positiven Leistungsbild eingeschränkt, da er keine stehenden Tätigkeiten mehr ausführen und mit der linken Hand nicht mehr als 5 kg halten könne. Erforderlich sei eine vorwiegend sitzende Tätigkeit ohne feinmotorische oder
bimanuelle
Tätigkeit.
Aus aktuell allgemein-internistischer Sicht sei der Beschwerdeführer sowohl
für die angestammte, die zuletzt ausgeübte und auch für eine angepasste Tätigkeit aufgrund des nicht stabilen Gesundheitszustandes arbeitsunfähig. Aus orthopädischer Sicht seien sowohl die angestammte als
auch zuletzt ausgeübte Tätigkeit nicht mehr zumutbar. In einer angepassten Tätigkeit dürfte höchstens noch eine Arbeitsfähigkeit von 30 % bestehen, wobei es schwierig sei, eine Tätigkeit zu formulieren, die allen Einschränkungen gerecht werde. Aus psychiatrischer Sicht bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
(S. 47
Ziff.
9.1.1)
.
Hinsichtlich der internistischen Diagnosen sei als Beginn der Arbeitsunfähigkeit der Zeitpunkt der Gutachtenstellung zu sehen. Von neurologischer und ortho
pädischer Seite her bestehe retrospektiv der Beginn der Arbeitsunfähigkeit ange
stammt ab dem Zeitpunkt des Austritts aus der Neurorehabilitation der
B._
am 11. März 2000, da zu diesem Zeitpunkt bereits eine Über
einstimmung mit dem aktuellen neurologischen Befund und hiermit einherge
henden Einschränkungen des Beschwerdeführers bestanden habe. Für das Jahr zuvor, in welchem der Beschwerdeführer bereits unter Atemnot gelitten habe, das Hyper-
IgE
-Syndrom festgestellt worden sei und der Beschwerdeführer ebenso unter einem generalisierten Erythema
nodosum
und rezidivierenden Arthralgien gelitten habe, könnten retrospektiv keine sicheren Angaben ge
macht werden (S. 48
Ziff.
9.1.2).
4
.2
Beim von der Beschwerdegegnerin eingeholten polydisziplinären Gutachten vom 11. Dezember 2014 handelt es sich um ein Beweismittel aus der Zeit nach der abweisenden Verfügung vom 17. Oktober 2000,
es
bezieht sich indessen zumindest teilweise auf Tatsachen, die als Grundlage
dieser
Verfügung dienten. Allerdings gründen die Schlussfolgerungen im Gutachten, soweit sie Zeitab
schnitte vor der Begutachtung betreffen, auf echtzeitlichen ärzt
lichen Stellung
nahmen, die sich allesamt in den Akten der Beschwerdegegnerin befanden. Damit handelt es sich beim Gutachten vom 11. Dezember 2014 – was den Zeit
raum vor der Begutachtung betrifft - um nichts anderes als eine Zusammen
fassung der vorhandenen ärztlichen Berichte
und Beurteilungen
. Es
beschreibt weder im Zeitpunkt der Verfügung vom 17. Oktober 2000 bereits vorhandene
, aber noch nicht bekannte
Tatsachen
noch
bestätigt es Tatsachen, die im
Verfü
gungszeitpunkt
nicht beachtet wurden, weil sie nicht belegt waren. Damit
stellt
das Gutachten vom 11. Dezember 2014 selber sowie die darin beschriebenen Feststellungen kein
en
Revisionsgrund
im Sinne von Art. 53 Abs. 1 ATSG dar.
4.3
S
chon vor Vorliegen des Gutachtens
vom 11. Dezember 2014, aber unter Berück
sichtigung der vorhandenen medizinischen Akten
,
kam das hiesige Gericht im Urteil vom 12. Mai 2012 (Urk. 6/61)
zu
m Schluss
, dass der Versiche
rungsfall beziehungsweise der Beginn der einjährigen Wartezeit nicht schon im Juli 1998
,
sondern erst mit dem vom Beschwerdeführer erlittenen
Ponsi
nfarkt im November 1999
eingetreten war und ab dann das War
t
ejahr
zu laufen
begonnen und dementsprechend im November 2000 geendet hatte.
Zwar wurden
im Zeitpunkt der erstmaligen Rentenprüfung
die
vorhandenen
medizi
nischen Berichte
respektive
Beweise offensichtlich falsch gewürdigt, was aber, auf entsprechende Intervention des Beschwerdeführers
hin, hätte korrigiert wer
den können. Dass der Beschwerdeführer die Verfügung unangefochten in Rechtskraft erwachsen liess, liegt nicht daran, dass er den massgebenden
und ihm bekannten
Sachverhalt nicht beweisen konnte, sondern dass er in Unkenn
tnis seiner rechtlichen Möglichkeiten
handelte
oder schlecht beraten war. Dies aber stellt kein Revisionsgrund dar.
4
.3
Nach dem Dargelegten bestand für die Beschwerdegegnerin
auch nach Vorlie
gen des polydisziplinären Gutachtens vom 11. Dezember 2014
kein Grund, die Verfügung vom 17. Oktober 2000
(ex
tunc
)
in
prozessuale
Revision zu ziehen. Vielmehr hat sie zu Recht die Anweisungen des Gerichts befolgt und die Verfü
gung in Wiedererwägung gezogen. Aufgrund der Akten ist ausgewiesen, dass beim Beschwerdeführer aufgrund seines Gesundheitszustandes eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit besteht
. Da das Datum der Neuanmeldung vom 15. Dezem
ber 2009 (vgl. Urk. 6/50) den Zeitpunkt bildet, in welchem die zwei
fellose Unrich
tigkeit der Verfügung vom 17. Oktober 2000 entdeckt worden ist, hat die
Beschwerdegegnerin
dem Beschwerdeführer die ganze Invalidenrente
zu Recht mit Wirkung ab 1.
Dezember 2009
zugesprochen
(vgl. oben E.2.2)
.
Folg
lich
ist die Beschwerde abzuweisen.
5
.
5
.1
Die Verfahrenskosten
gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invali
denversicherung (IVG) sind ermessensweise auf Fr. 700.-- festzusetzen,
ausgangsgemäss
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen und infolge bewilligter unentgeltlicher Prozessführung unter Hinweis auf § 16 Abs. 4 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
5
.2
Der unentgeltliche Rechtsvertreter machte mit Kostennote vom 9. Juni 2015 (Urk. 20) einen Aufwand von 13.29 Stunden und Barauslagen von Fr. 44.-- geltend. Nachdem das Gericht dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 17. Juni 2015 mitgeteilt hatte, es erachte die Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels als nicht erforderlich
(Urk. 16)
, der Beschwerdeführer den
noch am 15. Juli 2015 eine Replik eingereicht hatte (Urk. 19), sind d
ie
dafür in Rechnung gestellte Aufwand und Barauslagen nicht zu berücksichtigen, da nur der notwendige Aufwand vom Gericht zu entschädigen ist (
§
7 in Verbindung mit
§
8 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor
dem Sozialversicherungsgericht,
GebV
SVGer
). Damit sind 11.24 Stunden
zu entschädigen und Barauslagen von
Fr.
31.-- zu übernehmen. Beim
praxisge
mässen
Stundenansatz von Fr. 2
2
0.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer)
ist der unent
geltliche Rechtsvertreter
mit Fr.
2‘704.10
(inklusive Auslagenersatz und Mehr
wertsteuer) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.