# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 9972b0e8-6818-513c-bb50-8469bac8a59e
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Mit elektronischen Schreiben vom 3. und 16. Oktober 2014 wendete sich die
Beschwerdeführerin an die Gemeinde und führte u.a. aus, dass auf dem Grundstück der
Beschwerdegegnerin unbewilligte Bauarbeiten vorgenommen worden seien und dass die
Beschwerdegegnerin die gesetzlichen Ruhezeiten missachten würde. Zudem wies sie
darauf hin, dass beim Waschen der Baumaschinen des Gartenbaubetriebs der
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Beschwerdegegnerin das Abwasser ungehindert auf das umliegende Landwirtschaftsland
fliessen könne. Die betroffene Parzelle der Beschwerdegegnerin (Parzelle Mühleberg
Grundbuchblatt Nr. D._) befindet sich in der Weilerzone.
2. Mit Schreiben vom 29. Oktober 2014 orientierte die Gemeinde die
Beschwerdegegnerin über die diversen, bemängelten Punkte der Beschwerdeführerin. Die
Beschwerdegegnerin erhielt Gelegenheit, innert 30 Tagen eine Stellungnahme zu den
aufgeführten Punkten einzureichen. Diese Gelegenheit nahm die Beschwerdegegnerin mit
Schreiben vom 28. November 2014 wahr.
Mit Verfügung vom 3. März 2015 stufte die Gemeinde die vorgenommenen Arbeiten der
Beschwerdegegnerin als baubewilligungsfrei ein und wies die Anzeige der
Beschwerdeführerin als ungerechtfertigt ab. Letzterer wurden Fr. 400.00 an
Verfahrenskosten auferlegt.
3. Gegen diese Verfügung reichte die Beschwerdeführerin am 2. April 2015
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie
beantragt Folgendes:
"1. Die Verfügung der Einwohnergemeinde Mühleberg vom 3. März 2015 sei aufzuheben und die Sache zur
Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
2. Die Einwohnergemeinde Mühleberg sei anzuweisen, die nach der Umweltschutzgesetzgebung notwendigen
Massnahmen zur Begrenzung der aus den Bauarbeiten und dem Gewerbebetrieb auf GB Mühleberg
Nr. D._ resultierenden Lärmimmissionen anzuordnen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen."
Dabei macht sie geltend, die Vorinstanz habe die Änderungen am Gebäude und deren
Umgebung zu Unrecht als baubewilligungsfrei eingestuft. Weiter seien die Lärmemissionen
des Betriebs der Beschwerdegegnerin unzureichend abgeklärt worden. Schliesslich
beanstandet sie die ihr auferlegten Verfahrenskosten.
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4. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Mit Schreiben vom 27. April 2015
verzichtete die Gemeinde auf eine Stellungnahme und verwies auf ihre Verfügung vom
3. März 2015. Das AGR führte mit Stellungnahme vom 1. Mai 2015 aus, die Beschwerde
richte sich gegen eine baupolizeiliche Verfügung der Gemeinde und sie seien an diesem
Baupolizeiverfahren nicht beteiligt gewesen. Mit Verfügung vom 2. April 2013 sei lediglich
die Zonenkonformität der Verlegung der Parkplätze bestätigt worden. Die
Beschwerdegegnerin beantragt mit Beschwerdeantwort vom 5. Mai 2015 die Abweisung
der Beschwerde, soweit darauf überhaupt einzutreten ist.
5. Am 23. Juni 2015 führte das Rechtsamt im Beisein der Parteien, der Gemeinde
sowie einer Vertreterin des beco, Fachstelle Immissionsschutz, einen Augenschein vor Ort
durch. Die Beteiligten erhielten Gelegenheit, sich zum Protokoll des Augenscheins zu
äussern und Schlussbemerkungen zum Verfahren einzureichen.
6. Auf die Rechtsschriften sowie auf das Ergebnis des Augenscheins wird, soweit für
den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintretensvoraussetzungen
Mit der angefochtenen Verfügung weist die Gemeinde die Anzeige der Beschwerdeführerin
ab, stuft die vorgenommenen Arbeiten der Beschwerdegegnerin als baubewilligungsfrei ein
und verzichtet daher auf weitere baupolizeiliche Massnahmen. Die Abweisung einer
Anzeige über baupolizeiwidrige Zustände stellt eine baupolizeiliche Verfügung dar, welche
nach Art. 49 Abs. 1 BauG2 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE
angefochten werden kann. Die Beschwerdeführerin ist als unterliegende Anzeigerin und
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191). 2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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unmittelbare Nachbarin durch die angefochtene Verfügung beschwert und daher zur
Beschwerde legitimiert. Auf ihre form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten.
2. Streitgegenstand
Die Beschwerdeführerin bestreitet in ihrer Beschwerde die Baubewilligungsfreiheit der
vorgenommenen Arbeiten. Zudem erhebt sie lärmrechtliche Einwände. Schliesslich wehrt
sie sich gegen die ihr angelasteten Verfahrenskosten. Die Abweisung der Anzeige
hinsichtlich der Verschmutzung des Bodens durch das Waschen von Baumaschinen wurde
dagegen nicht angefochten und bildet daher nicht Streitgegenstand des vorliegenden
Verfahrens.
3. Baubewilligungspflicht
a) Zu den unbewilligten baulichen Massnahmen, welche die Beschwerdeführerin in ihrer
Anzeige vorbrachte, führte die Gemeinde in der angefochtenen Verfügung vom 3. März
2015 Folgendes aus: Anlässlich eines Augenscheins vom 13. Januar 2015 habe man eine
Massaufnahme durchgeführt. Die erstellte Blocksteinmauer diene der Sicherung des
maroden Fundamentes des Gebäudes Nr. E._. Es sei deutlich zu sehen, dass das
Gebäudefundament bereits ins Rutschen geraten sei und die Mauer eine weitere
Absenkung verhindern solle. Die Mauer sei deshalb als Bestandteil des Gebäudes
anzusehen und gestützt auf Art. 6 Abs. 1 Bst i BewD3 bewilligungsfrei, da sie eine
durchschnittliche Höhe von ca. 80 cm aufweise und die dafür vorgenommene
Terrainveränderung maximal 25 m3 betrage. Eine Fassadenveränderung, wie dies die
Anzeigerin beanstandet habe, habe anlässlich der Besichtigung nicht festgestellt werden
können. Beim Dach seien die bestehenden Ziegel entfernt worden und die
sanierungsbedürftigen Dachsparren seien mit zusätzlichen Balken auf beiden Seiten
verstärkt worden. Danach sei das Dach mit den alten Ziegeln wieder neu eingedeckt
worden. Diese Arbeiten würden als Unterhaltsarbeiten gelten und seien gestützt auf Art. 6
Abs. 1 Bst. c BewD ebenfalls bewilligungsfrei. Die Gemeinde verfügte daher, dass die
3 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1).
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vorgenommenen Arbeiten als bewilligungsfrei eingestuft würden und daher keine weiteren
baupolizeilichen Massnahmen zu erlassen seien.
b) Die Beschwerdeführerin bringt vor, südlich und östlich des Gebäudes Nr.
E._ seien Terrainveränderungen von erheblichem Umfang vorgenommen worden.
Im Zuge dieser Terrainveränderungen sei nicht nur die von der Vorinstanz als
baubewilligungsfrei qualifizierte Stützmauer, sondern neue Lager- und Umschlagsflächen
für den Gewerbebetrieb der Beschwerdegegnerin geschaffen worden. Die Erdbewegungen
würden zweifelsfrei das in Art. 6 Abs. 1 Bst. i BewD zulässige Mass baubewilligungsfreier
Terrainveränderungen überschreiten. Entgegen den Vorgaben des Baureglements der
Gemeinde Mühleberg würden sich diese Veränderungen nicht gut in das Orts- und
Landschaftsbild einfügen. Da es sich bei der Weilerzone nicht um eine Bauzone handle,
sei zudem Art. 7 BewD zu beachten, wonach Bauvorhaben nach Art. 6 BewD ausserhalb
der Bauzone bewilligungspflichtig seien, wenn sie geeignet sind, die Nutzungsordnung zu
beeinflussen. Dies sei vorliegend der Fall. Die Vorinstanz habe die Änderungen am
Gebäude und in der Umgebung zu Unrecht als baubewilligungsfrei eingestuft.
Die Beschwerdegegnerin führt aus, die Darlegungen der Beschwerdeführerin seien
masslos übertrieben. Bei der neuen Blocksteinmauer handle es sich um eine
Böschungssicherung, welche aufgrund des schlechten Zustands des bestehenden
Gebäudes habe vorgenommen werden müssen. Ebenso wenig seien Änderungen an den
Fassaden vorgenommen worden. Die ausgeführten Sanierungsarbeiten würden sich im
Rahmen von Art. 3 Abs. 2 BauG (Besitzstandsgarantie) bewegen.
c) Nach Art. 1a Abs. 1 BauG sind alle künstlich geschaffenen und auf Dauer angelegten
Bauvorhaben, die in fester Beziehung zum Erdboden stehen und geeignet sind, die
Nutzungsordnung zu beeinflussen, baubewilligungspflichtig. Ebenfalls
baubewilligungspflichtig sind gemäss Art. 1a Abs. 2 BauG wesentliche
Terrainveränderungen. Keiner Baubewilligung bedürfen nach Art. 1b Abs. 1 BauG der
Unterhalt von Bauten und Anlagen, für eine kurze Dauer erstellte Bauten und Anlagen
sowie andere geringfügige Bauvorhaben. Im Übrigen bestimmt das Baubewilligungsdekret
die baubewilligungsfreien Bauvorhaben. Nach Art. 6 Abs. 1 Bst. c BewD ist das
Unterhalten und Ändern von Bauten und Anlagen von der Baubewilligungspflicht befreit,
wenn keine bau- oder umweltrechtlich relevanten Tatbestände betroffen sind. Weiter
bedürfen nach Art. 6 Abs. 1 Bst. i BewD bis zu 1.20 m hohe Einfriedungen, Stützmauern,
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Schrägrampen und Terrainveränderungen zur Umgebungsgestaltung bis 100 Kubikmeter
keiner Baubewilligung. Liegt ein Bauvorhaben nach Art. 6 BewD ausserhalb der Bauzone
und ist es geeignet, die Nutzungsordnung zu beeinflussen, indem es zum Beispiel den
Raum äusserlich erheblich verändert, die Erschliessung belastet oder die Umwelt
beeinträchtigt, ist es trotzdem baubewilligungspflichtig (Art. 7 Abs. 1 BewD). Massstab
dafür, ob eine bauliche Massnahme erheblich genug ist, um sie dem
Baubewilligungsverfahren zu unterwerfen, ist die Frage, ob mit deren Realisierung nach
dem gewöhnlichen Lauf der Dinge so wichtige räumliche Folgen verbunden sind, dass ein
Interesse an der Öffentlichkeit oder der Nachbarn an einer vorgängigen Kontrolle besteht.4
d) Unbestritten ist, dass es sich bei der Weilerzone nicht um eine Bauzone handelt,
sondern um eine Spezialzone ausserhalb des Baugebiets5. Das Baureglement der
Gemeinde Mühleberg legt ausdrücklich fest, dass der Geltungsbereich der
Landwirtschaftszone auch in der Weilerzone gilt (Art. 33 Abs. 2 GBR6).
e) Die BVE konnte sich anlässlich des Augenscheins vom 23. Juni 2015 ein eigenes
Bild der umstrittenen, baulichen Veränderungen in der unmittelbaren Umgebung des
Gebäudes Nr. E._ machen. Im Vergleich zum ursprünglichen Zustand7 hat die
Beschwerdegegnerin unterhalb des Gebäudes (Südseite) wesentliche Veränderungen in
der Umgebung vorgenommen. Das ursprünglich begrünte, leicht abfallende Gelände wurde
ausgeebnet und mit Holzschnitzeln belegt. Dieser Bereich unterhalb des Gebäudes ist für
Fahrzeuge besser zugänglich, da gleich anschliessend an den Parkplatz auf der Ostseite
des Gebäudes Nr. E._ mittels Aufschüttung eine neue Zufahrt erstellt wurde.8
Weitere Terrainaufschüttungen sowie eine Kompostierungsanlage befinden sich
angrenzend an diese Zufahrt (ostseitig).9 Zudem erstellte die Beschwerdegegnerin
unterhalb des Gebäudes eine neue Blocksteinmauer mit einer Länge von 12.5 m und einer
durchschnittlichen Mauerhöhe von 0.8 m. Im Zeitpunkt des Augenscheins waren darauf
4 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 1a N. 10. 5 vgl. Aemisegger/Kuttler/Moor/Ruch, Kommentar zum Bundesgesetz über die Raumplanung, N. 43 zu Art. 18 RPG. 6 Baureglement der Gemeinde Mühleberg vom 25. April 2008, genehmigt durch das AGR am 30. Dezember 2008. 7 vgl. Fotodokumentation Beschwerdebeilage 11, Foto 11a. 8 vgl. Fotodokumentation Augenschein vom 23. Juni 2015, Fotos Nrn. 20, 22 und 24. 9 vgl. Protokoll Augenschein vom 23. Juni 2015, S. 3 sowie Fotodokumentation Augenschein, Fotos Nrn. 22 und 23.
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diverse Materialien auf Pallets gelagert.10 Schliesslich hat die Beschwerdegegnerin in der
südwestlichen Ecke des Gebäudes Nr. E._ verschiedene Bäume und Büsche
entfernt.11
Dank den Terrainveränderungen ost- und südseitig des Gebäudes Nr. E._ und der
Blocksteinmauer sind neue, mit Fahrzeugen zugängliche Umschlags- und Lagerflächen für
den Betrieb der Beschwerdegegnerin entstanden. Der Betrieb wurde dadurch
flächenmässig erweitert. Bereits aus diesem Grund ist von einer Baubewilligungspflicht der
vorgenommenen Arbeiten auszugehen. In ihrer Gesamtheit betrachtet haben die
Terrainveränderungen und baulichen Massnahmen auch zu einer deutlich erkennbaren
Veränderung des Umgebungsbilds geführt und damit erhebliche, räumliche Auswirkungen.
Dabei ist zu beachten, dass es sich bei der Weilerzone nicht um eine Bauzone handelt,
sondern um eine Spezialzone ausserhalb des Baugebiets.12 Die Umgestaltung der
Umgebung ist daher auch gestützt auf Art. 1a BauG und Art. 7 Abs. 1 BewD
baubewilligungspflichtig. Bei diesem Ergebnis kann offen bleiben, ob die
Terrainveränderungen bzw. die Blocksteinmauer einzeln betrachtet als baubewilligungsfrei
im Sinne von Art. 6 Abs. 1 Bst. i BewD gelten könnten oder nicht.
f) Die von der Beschwerdegegnerin am Gebäude Nr. F._ vorgenommenen
Dachsanierungsarbeiten dagegen sind baubewilligungsfrei. Beim undichten Dach wurden
einzig die Isolation bzw. Dämmung ersetzt und die sanierungsbedürftigen Dachsparren mit
zusätzlichen Balken auf beiden Seiten verstärkt. Danach ist das Dach – abgesehen von
den undichten Dachziegeln – mit den alten Ziegeln wieder neu eingedeckt worden.13 Am
äusseren Erscheinungsbild hat sich nichts geändert. Es handelt sich dabei um
baubewilligungsfreie Unterhaltsarbeiten im Sinne von Art. 6 Abs. 1 Bst. c BewD.
g) Zusammenfassend ist festzustellen, dass die vorgenommenen
Umgebungsveränderungen süd- und ostseitig des Gebäudes Nr. E._
(Terrainveränderungen, Lagerungen, Blocksteinmauer) zu einer Erweiterung der
Nutzfläche des Betriebs führten und in ihrer Gesamtheit baubewilligungspflichtig sind. Die
Gemeinde hat diese Eingriffe in ihrer Verfügung vom 3. März 2015 zu Unrecht als
10 vgl. Fotodokumentation Augenschein vom 23. Juni 2015, Fotos Nrn. 25 bis 27. 11 vgl. Fotodokumentation Augenschein vom 23. Juni 2015, Foto Nr. 27 im Vergleich zum ursprünglichen Zustand, Fotodokumentation Beschwerdebeilage 11, Foto 11a. 12 vgl. Aemisegger/Kuttler/Moor/Ruch, Kommentar zum Bundesgesetz über die Raumplanung, N. 43 zu Art. 18 RPG. 13 Protokoll Augenschein vom 23. Juni 2015, S. 3 und 4, Voten Herr C_.
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baubewilligungsfrei eingestuft. Die Verfügung ist deshalb – in Gutheissung der Beschwerde
– aufzuheben. Die Gemeinde hat nach Rechtskraft des vorliegenden Entscheids ein
Wiederherstellungsverfahren im Sinne von Art. 46 Abs. 2 BauG einzuleiten und der
Beschwerdegegnerin dabei die Möglichkeit einzuräumen, für diese Arbeiten innert 30
Tagen ein nachträgliches Baugesuch einzureichen.
4. Lärmemissionen
a) Die Beschwerdeführerin beklagte sich in ihrer Anzeige (elektronisches Schreiben
vom 3. Oktober 2014) über den durch die Beschwerdegegnerin generierten Lärm, vorab
den Baulärm, sowie die Nichteinhaltung der Ruhezeiten. In der angefochtenen Verfügung
führte die Gemeinde aus, die Einhaltung der Ruhezeiten falle nicht in den
Zuständigkeitsbereich der Baupolizeibehörde, sondern sei durch die Polizeiorgane zu
ahnden. Für die Ruhezeiten seien die Baulärmrichtlinien des Bundes anwendbar. Danach
seien die Ruhezeiten an Werktagen von 20 Uhr bis 7 Uhr sowie an Sonntagen und
öffentlichen Feiertagen strikt einzuhalten.
b) Die Beschwerdeführerin rügt, die Schlussfolgerungen der Gemeinde gingen fehl.
Sowohl bei der Ermittlung des Lärms im Zusammenhang mit den Bauarbeiten als auch
hinsichtlich des Lärms, welcher vom Gewerbebetrieb der Beschwerdegegnerin herrührt,
treffe die Baubehörde eine Pflicht zur Ermittlung der zu erwartenden Emissionen. Sie habe
eine Lärmprognose zu verlangen, wenn eine Überschreitung der Belastungsgrenzwerte
nicht ausgeschlossen werden könne. Dieser Pflicht sei die Vorinstanz nicht
nachgekommen. Sie sei seit Jahren erheblichem Baulärm ausgesetzt und habe Anspruch
darauf, dass in Anwendung des Vorsorgeprinzips Massnahmen zur Reduktion der
Lärmimmissionen getroffen würden und die Baubehörde die nach der Baulärm-Richtlinie
erforderlichen Massnahmen verfüge. Dazu seien von der Vorinstanz weitere Abklärungen
zur Dauer, Intensität und Zeitpunkt der Bauarbeiten einzuholen. Die von der Vorinstanz
verfügten Ruhezeiten würden zudem nicht den Vorgaben der Richtlinie entsprechen.
Weiter habe die Beschwerdegegnerin ihren Betrieb kontinuierlich ausgebaut, obwohl die
Bewilligung im Jahr 1998 spätere Betriebserweiterungen explizit ausgeschlossen habe.
Der Lagerstandort habe sich im Verlaufe der Jahre immer mehr zu einem eigentlichen
Betriebsstandort entwickelt. Die Beschwerdegegnerin führe auf dem Areal oftmals Vor- und
Nachbereitungsarbeiten aus, die mit erheblichen Lärmbelastungen verbunden seien. Die
lärmintensiven Arbeiten würden zudem häufig ausserhalb der üblichen Geschäftszeiten
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vorgenommen. Hier seien die vom Gewerbebetrieb resultierenden Lärmimmissionen
überhaupt noch nie Gegenstand eines Baubewilligungsverfahrens gewesen. Auch in
diesem Punkt treffe die Vorinstanz eine Ermittlungspflicht und sie habe in Anwendung des
Vorsorgeprinzips die notwendigen emissionsbegrenzenden Massnahmen zum Schutz der
benachbarten Wohnbevölkerung zu erlassen.
c) Nach Art. 18 Abs. 1 VRPG14 stellen die Behörden den Sachverhalt von Amtes wegen
fest. Sie bestimmen Art und Umfang der Ermittlungen, ohne an die Beweisanträge der
Parteien gebunden zu sein (Art. 18 Abs. 2 VRPG). Art. 36 Abs. 1 LSV15 bestimmt, dass die
Vollzugsbehörde die Aussenlärmimmissionen ortsfester Anlagen ermittelt oder deren
Ermittlung anordnet, wenn sie Grund zur Annahme hat, dass die massgebenden
Belastungswerte überschritten sind oder ihre Überschreitung zu erwarten ist.
Besteht Grund zur Annahme, dass die massgebenden Belastungsgrenzwerte überschritten
werden, so ist die Behörde zur Durchführung eines Beweis- und Ermittlungsverfahrens
verpflichtet, ohne dass ihr insoweit noch ein Ermessensspielraum zustünde. Dies gilt für
alle Bauvorhaben, auch für „unbedeutende“. Massgebend ist einzig, ob die Überschreitung
der massgebenden Grenzwerte möglich erscheint, d.h. beim aktuellen Kenntnisstand nicht
ausgeschlossen werden kann.16
d) Luftverunreinigungen, Lärm, Erschütterungen und Strahlen sind durch Massnahmen
an der Quelle zu begrenzen. Unabhängig von der bestehenden Umweltbelastung sind
Emissionen im Rahmen der Vorsorge so weit zu begrenzen, als dies technisch und
betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar ist (Art. 11 Abs. 1 und 2 USG17). In einem
zweiten Schritt sind die Emissionsbeschränkungen zu verschärfen, wenn feststeht oder zu
erwarten ist, dass die Einwirkungen unter Berücksichtigung der bestehenden
Umweltbelastung schädlich oder lästig werden (Art. 11 Abs. 3 USG). Ob die
Voraussetzungen einer verschärften Emissionsbegrenzung gegeben sind, hat die Behörde
anhand der Belastungsgrenzwerte zu beurteilen. Der Gartenbaubetrieb der
Beschwerdegegnerin am vorliegenden Standort wurde am 7. Juli 1998 bewilligt. Damit
handelt es sich um eine Neuanlage im Sinne der LSV, welche die Planungswerte
14 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21). 15 Lärmschutz-Verordnung des Bundesrates vom 15. Dezember 1986 (LSV; SR 814.41). 16 BGE 1C_114/2014 vom 13. November 2014, E. 2.5; BGE 137 II 30, E. 3.4; URP 2002 S. 688. 17 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01).
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einzuhalten hat (Art. 7 Abs. 1 Bst. b LSV).18 Die entsprechenden Belastungsgrenzwerte für
Industrie- und Gewerbelärm ergeben sich aus dem Anhang 6 der LSV. Sie betragen 60
dBA tagsüber und 50 dBA nachts, wobei bei Betriebsräumen zusätzlich Art. 42 LSV zu
beachten ist. Das Bauvorhaben liegt in der Weilerzone. Für diese gilt die
Empfindlichkeitsstufe ES III (Art. 33 Abs. 2 i.V.m. Art 40 Abs. 1 GBR). Es sind demnach
mässig störende Betriebe zulässig (Art. 43 Abs. 1 Bst. c LSV, so auch Art. 33 Abs. 3 GBR).
e) Aufgrund der Akten und der Befragung von Herrn C._ anlässlich des
Augenscheins vom 23. Juni 201519 ergibt sich folgendes Bild des umstrittenen Betriebs:
Die Beschwerdegegnerin betreibt in den Annexbauten eines ehemaligen
Kleinbauernhauses einen Gartenbaubetrieb. Beim Standort G._ in der Gemeinde
Mühleberg handelt es sich um den einzigen Betriebsstandort. Die hauptsächliche Arbeit
wird gemäss den Aussagen von Herrn C._ bei den Kunden vor Ort durchgeführt.
Der Unterstand (Gebäude Nr. E._) dient als Abstellplatz für die Fahrzeuge und
gewisse Maschinen und Geräte. Der Betrieb verfügt über zwei Lieferwagen, zwei grössere
und einen kleineren Anhänger, einen Personenwagen sowie einen Pneulader. Im Gebäude
Nr. F._ ist eine Werkstatt, Lagerräume, ein Büro sowie ein Pausen- und
Besprechungsraum untergebracht. Neben Herrn C._ als Betriebsführer arbeiten
im Gartenbaubetrieb zwei Mitarbeiter sowie zwei Lernende. Nach Aussagen von Herrn
C._ ist Arbeitsbeginn um 7 Uhr, wobei teilweise bereits um 06.45 Uhr mit dem
Aufladen und Bereitmachen von Maschinen und Material begonnen wird. Arbeitsschluss
sei normalerweise um 17 Uhr, im Sommer komme es aber regelmässig vor, dass sie erst
um 17.30 Uhr oder 18.00 Uhr mit den Fahrzeugen zurückkämen. Spätestens um 18.30 Uhr
seien die Arbeiten aber abgeschlossen. Es komme gelegentlich auch vor, dass samstags
gewisse Arbeiten vorgenommen würden, dann beginne man aber frühestens um 9 Uhr.
Unregelmässig werden auf dem Areal auch teilweise lärmige Vor- und
Nachbearbeitungsarbeiten vorgenommen. So wird östlich des Gebäudes Nr. E._
Grüngut gehäckselt, nach Einschätzung von Herrn C._ im Sommer ca. alle zwei
Monate und im Winter ca. alle 14 Tage. Gelegentlich bis selten würden am
Betriebsstandort auch Steine bzw. Platten gefräst oder Akazienholz mit dem
Hochdruckreiniger bearbeitet. Als weitere lärmige Arbeit erwähnt Herr C._ das
Rasenmähen, welches ca. alle 14 Tage anfalle und rund 30 Minuten dauere.
18 Als Stichtag für die Abgrenzung von Alt- und Neuanlagen gilt grundsätzlich das Inkrafttreten des USG am 1. Januar 1985, vgl. BGE 123 II 325 E. 4c/cc. 19 vgl. Protokoll zum Augenschein vom 23. Juni 2015.
11
f) Die Vertreterin des beco, Immissionsschutz, kam anlässlich des Augenscheins zur
Einschätzung, dass eine Überschreitung der Lärmgrenzwerte in der ES III klar
ausgeschlossen werden könne.20 Dieser Einschätzung kann aufgrund des gewonnenen
Eindrucks und der auf dem Betrieb ausgeführten Arbeiten gefolgt werden. Dabei ist zu
beachten, dass für die Lärmbeurteilung ein Mittelungswert relevant ist, wobei sowohl
Lärmspitzen als auch die durchschnittliche tägliche Dauer des Lärms berücksichtigt
werden. Unregelmässige oder nur selten auftretende Lärmereignisse fallen aufgrund der
zeitlichen Verdünnung, die sich aus der Formel zur Berechnung der Teilbeurteilungspegel
in Anhang 6 Ziff. 31 Abs. 2 LSV ergibt, weniger stark ins Gewicht. Vorliegend fallen als
regelmässige Lärmquellen einzig die Warenumschlagsarbeiten und das Bewegen der
Fahrzeuge an, welche sich jedoch nicht über den ganzen Tag hinwegziehen, sondern sich
auf kürzere Abschnitte vorab morgens vor den Einsätzen bei den Kunden bzw. abends
nach den Einsätzen beschränken. Sonstige lärmige Arbeiten werden am Betriebsstandort
nur gelegentlich bzw. selten (Zuschneiden/Schleifen von Steinplatten, Einsatz des
Hochdruckreinigers) oder höchstens alle 14 Tage (Häckseln von Grüngut, Rasenmähen)
vorgenommen. Damit ist eine Überschreitung der Belastungsgrenzwerte für Gewerbe- und
Industrielärm in der ES III durch den Betrieb der Beschwerdegegnerin ausgeschlossen. Auf
nähere lärmrechtliche Ermittlungen, wie dies von der Beschwerdeführerin verlangt wird,
kann deshalb verzichtet werden. Insofern ist die Beschwerde abzuweisen.
g) Um dem Vorsorgeprinzip von Art. 11 Abs. 2 USG (vgl. E. 3d) Rechnung zu tragen, ist
jedoch noch zu prüfen, ob gewisse Massnahmen zur Reduktion der Lärmemissionen
möglich und für die Beschwerdegegnerin wirtschaftlich tragbar sind.
Ein Teil der lärmigen Arbeiten findet im unteren Bereich des Platzes zwischen dem
Gebäude Nr. E._ und dem Gebäude Nr. F._ statt.21 An diesem Standort
besteht direkter Sichtkontakt zum Haus der Beschwerdeführerin, womit sich auch die
Lärmemissionen ungehindert in diese Richtung ausbreiten können. Gemäss der Vertreterin
des beco Immissionsschutz wäre es im Sinne der Vorsorge bereits nützlich, wenn die
Beschwerdegegnerin ihre lärmigen Arbeiten auf der östlichen Seite des Gebäudes Nr.
E._ vornehmen würde.22 Anlässlich des Augenscheins vom 23. Juni 2015 hat sich
20 Protokoll zum Augenschein vom 23. Juni 2015, S. 9 und 10, Voten Frau H_. 21 vgl. Fotodokumentation Augenschein vom 23. Juni 2015, Foto Nr. 4. 22 Protokoll zum Augenschein vom 23. Juni 2015, S. 11, Votum Frau H_.
12
Herr C._ dahingehend geäussert, dass er bereit sei, auf der Ostseite des
Gebäudes Nr. E._ zu fräsen.23
Gestützt auf das Vorsorgeprinzip ist daher von der Beschwerdegegnerin zu verlangen,
dass sie die lärmigen Arbeiten im Zusammenhang mit der Holz- und Steinverarbeitung
(Häckseln von Grüngut, Zuschneiden/Schleifen von Steinplatten, Einsatz des
Hochdruckreinigers, usw.) östlich des Gebäudes Nr. E._ ausführt. Dieser Standort
ist für lärmige Arbeiten besser, da die Distanz sowohl zum Haus der Beschwerdeführerin
als auch zum Gebäude auf der gegenüberliegenden Strassenseite (G._ 72) etwas
grösser ist und das Gebäude Nr. E._ als Schalldämpfer dienen kann. Diese
einfache Massnahme trägt dazu bei, die Lärmemissionen einzudämmen. Sie ist
verhältnismässig und für die Beschwerdegegnerin ohne weiteres zumutbar.
Zudem ist eine zeitliche Begrenzung der lärmigen Arbeiten im Zusammenhang mit der
Holz- und Steinverarbeitung angezeigt. So hat die Beschwerdegegnerin die erwähnten
lärmigen Arbeiten in der akustischen Nachtzeit (7 Uhr abends bis 7 Uhr morgens) und an
Sonn- und Feiertagen zu unterlassen. Zusätzlich sind diese Arbeiten auch nicht über die
Mittagszeit, zwischen 12 Uhr und 13 Uhr, vorzunehmen. Diese zeitlichen Einschränkungen
sind für die Beschwerdegegnerin ohne weiteres verkraftbar, da diese Arbeiten gemäss den
Aussagen von Herrn C._ sowieso nur unregelmässig anfallen und nicht lange
andauern. Zudem führte er aus, dass er und seine Mitarbeiter zwischen 12 Uhr und 13 Uhr
stets Mittagspause machen würden.24 Die zeitliche Einschränkung für die erwähnten
lärmigen Arbeiten ist daher gestützt auf die Angaben der Beschwerdegegnerin als
betrieblich möglich, wirtschaftlich tragbar und verhältnismässig einzustufen.
Weitere zeitliche Einschränkungen oder gar bauliche Massnahmen (wie die vom
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin anlässlich des Augenscheins erwähnte
Lärmschutzwand25) erscheinen im Rahmen des Vorsorgeprinzips dagegen als
unverhältnismässig und sind in der Weilerzone mit der Empfindlichkeitsstufe ES III, in
welcher mässig störende Betriebe zugelassen sind, auch nicht angezeigt.
23 Protokoll zum Augenschein vom 23. Juni 2015, S. 11 mitte, Votum Herr C_. 24 Protokoll zum Augenschein vom 23. Juni 2015, S. 5 unten, S. 6 oben, 8 unten, Voten Herr C_. 25 Protokoll zum Augenschein vom 23. Juni 2015, S. 10 unten, Votum Herr B_.
13
h) Was die Vorbringen zum Baulärm betrifft, so fehlt es der Beschwerdeführerin an
einem aktuellen Rechtsschutzinteresse. Gemäss Aussage der Beschwerdegegnerin
wurden die Bauarbeiten im Jahr 2014 abgeschlossen.26 Am Augenschein vom 23. Juni
2015 konnte zudem keine unfertige Baustelle festgestellt werden. Auf diese Rügen ist
daher nicht einzutreten.
5. Verfahrenskosten Vorinstanz
Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Vorinstanz habe ihr zu Unrecht
Verfahrenskosten im Umfang von Fr. 400.00 auferlegt. Die Anzeige der
Beschwerdeführerin wurde nach dem Gesagten – entgegen der Ansicht der Vorinstanz –
zu Recht erhoben. Einzig in einem Punkt (Verschmutzung des Bodens durch das Waschen
von Baumaschinen) erwies sich die Anzeige als ungerechtfertigt. Dieser Einwand wurde
von der Beschwerdeführerin in ihrer Anzeige nur beiläufig vorgebracht. Er ist im Vergleich
zu den weiteren Anzeigepunkten (Baubewilligungspflicht, Lärmschutz) als klar
untergeordnet einzustufen, weshalb es sich deswegen nicht rechtfertigt, der
Beschwerdeführerin Verfahrenskosten für das vorinstanzliche (baupolizeiliche) Verfahren
anzulasten. Mit dem vorliegenden Entscheid wird die Verfügung der Gemeinde Mühleberg
vom 3. März 2015 – mit Ausnahme der Ausführungen zum Thema "Waschen von
Baumaschinen auf Privatgrundstück" – vollumfänglich aufgehoben. Die Aufhebung bezieht
sich damit auch auf die der Beschwerdeführerin auferlegten Verfahrenskosten (Ziffer 3 der
Verfügung). Diese Kosten der Vorinstanz müssen im vorliegenden Entscheid nicht geregelt
werden. Zwar wird die Kostenverfügung aufgehoben. Die Sache geht jedoch zur Einleitung
eines Wiederherstellungsverfahrens mit Gewährung der Möglichkeit zur Einreichung eines
nachträglichen Baugesuchs zurück an die Gemeinde. Im Rahmen des neuen Verfahrens
wird die Gemeinde die Kosten für ihre baupolizeilichen Verrichtungen im Zusammenhang
mit dieser Angelegenheit neu verlegen können.
6. Zusammenfassung und Kosten
a) Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr.
Für besondere Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren
26 Vgl. Protokoll zum Augenschein vom 23. Juni 2015 S. 11 unten, Votum Herr C_.
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erhoben werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Für Entscheide in einer Verwaltungsjustizsache
wird eine Pauschalgebühr von Fr. 200.00 bis Fr. 4'000.00 je Beschwerde erhoben (Art. 19
Abs. 1 i.V.m. Art. 4 Abs. 2 GebV27). Die Pauschale wird vorliegend festgelegt auf
Fr. 1'200.00. Für den Augenschein vom 23. Juni 2015 wird in Anwendung von Art. 20
Abs. 1 GebV eine zusätzliche Gebühr von Fr. 400.00 erhoben. Die Kosten des
Beschwerdeverfahrens betragen somit Fr. 1’600.00.
b) Die Verfahrenskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG).
Die Beschwerdeführerin dringt insofern mit ihren Anträgen durch, als dass die
vorinstanzliche Verfügung in den beanstandeten Punkten aufgehoben wird, die
Angelegenheit zur Einleitung eines Wiederherstellungsverfahrens an die Gemeinde zurück
geht und Massnahmen zur vorsorglichen Lärmbegrenzung angeordnet werden. Was die
beantragten Massnahmen hinsichtlich des Baulärms betrifft, fehlt es ihr an einem aktuellen
Rechtsschutzinteresse. Dazu kommt, dass beim Gewerbebetrieb der Beschwerdegegnerin
eine Überschreitung der Lärmgrenzwerte ausgeschlossen werden kann. Mit ihrer Rüge, es
seien hinsichtlich des Lärms weitergehende Abklärungen zu treffen, dringt die
Beschwerdeführerin daher nicht durch. Bei diesem Verfahrensausgang erachtet die BVE
die Beschwerdeführerin zu einem Viertel und die Beschwerdegegnerin zu drei Vierteln als
unterliegend. Somit hat die Beschwerdeführerin Verfahrenskosten im Umfang von Fr.
400.00 und die Beschwerdegegnerin Verfahrenskosten im Umfang von Fr. 1'200.00 zu
tragen.
c) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Wie bereits ausgeführt unterliegt die
Beschwerdegegnerin zu drei Vierteln. Sie hat daher der Beschwerdeführerin drei Viertel
der Parteikosten zu ersetzen. Die Beschwerdegegnerin ist nicht anwaltlich vertreten und
hat daher kein Anrecht auf Parteikosten (Art. 104 Abs. 1 VRPG).
27 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21).
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Die Kostennote des Anwalts der Beschwerdeführerin beläuft sich auf Fr. 5'946.70 (Honorar
Fr. 5'348.00, Auslagen Fr. 158.20, Mehrwertsteuer Fr. 440.50).
Die Parteikosten umfassen den durch die berufsmässige Parteivertretung anfallenden
Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Nach Art. 11 Abs. 1 PKV28 beträgt das Honorar in
verwaltungsrechtlichen Beschwerdeverfahren Fr. 400.00 bis Fr. 11'800.00 pro Instanz.
Innerhalb des Rahmentarifs bemisst sich der Parteikostenersatz nach dem in der Sache
gebotenen Zeitaufwand sowie der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des
Prozesses (Art. 41 Abs. 3 KAG29). Im vorliegenden Fall ist der gebotene Zeitaufwand für
die Beschwerdeführerin aufgrund des Augenscheins und der Schlussbemerkungen als
durchschnittlich zu werten. Die Bedeutung der Streitsache und die Schwierigkeit des
Prozesses sind dagegen als eher unterdurchschnittlich einzustufen. Insgesamt erscheint
daher ein Honorar von Fr. 4'200.00 als angemessen.
Die Kostennote des Anwalts der Beschwerdeführerin wird daher auf Fr. 4'706.85 (Honorar
Fr. 4'200.00, Auslagen Fr. 158.20, Mehrwertsteuer Fr. 348.86) gekürzt. Die
Beschwerdegegnerin wird demnach verpflichtet, der Beschwerdeführerin Parteikosten in
der Höhe von Fr. 3'530.15 zu ersetzen.
d) Die Beschwerdeführerin bringt in ihren Schlussbemerkungen vom 15. Juli 2015 vor,
im Beschwerdeverfahren seien die lärmrechtlichen Aspekte des Betriebes der
Beschwerdegegnerin zum ersten Mal beurteilt worden. Die Vorinstanz habe dazu keine
Abklärungen getroffen. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens seien daher unabhängig
vom Ausgang des Verfahrens der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Gleiches gelte für
die Zusprechung der Parteikosten. Es stimmt zwar, dass die Kosten von lärmrechtlichen
Abklärungen durch Fachleute (etwa eines Lärmgutachtens) grundsätzlich durch den
Verursacher zu tragen sind. Vorliegend sind jedoch keine solchen Kosten angefallen. Die
Verfahrenskosten und Parteikosten des Beschwerdeverfahrens haben damit nichts zu tun
und sind nach den aufgeführten Grundsätzen zu verlegen.
28 Verordnung vom 17. Mai 2006 über die Bemessung des Parteikostenersatzes (Parteikostenverordnung; PKV; BSG 168.811). 29 Kantonales Anwaltsgesetz vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11).
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