# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** eb30450a-f5bd-4f00-a1cf-e0129fd985a7
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
1.
Mit Urteil vom 22. April 2014 schützte das hiesige Gericht die Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 12. Dezember 2013 (Urk. 7/152),
mit welcher
diese an der polydisziplinären Begutachtung
(internistisch, orthopädisch, neurologisch und psychiatrisch)
der 1974 gebore
nen
X._
durch die Ärzte der
Y._
festhielt (Prozess Nr. IV.2014.00109, Urk. 7/157). Nachdem dieses Urteil in Rechtskraft erwachsen war, gab die IV-Stelle das Gutachten am 18. August 2014 in Auftrag (Urk. 7/161), welches am 31. Dezember 2014 erstattet wurde (Urk. 7/167). Am 27. Februar 2015 fand eine Haushaltsabklärung statt (
Abklä
rungsbericht
vom 27. April 2015, Urk. 7/172).
Am 28. Juli 2015 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass eine psychiatri
sche Begutachtung bei
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie, notwendig sei (Urk. 7/179). Dagegen wehrte sich die Versicherte am 11. August 2015 (Urk. 7/186), worauf die IV-Stelle mit Zwischenverfügung vom 14. August 2015 die psychiatrische Begutachtung anordnete, ohne den Gutachter zu ernen
nen (Urk. 7/187 = Urk. 2).
2.
Gegen die Zwischenverfügung
vom
14. August 2015 erhob die Versicherte am
17. September 2015 Beschwerde und beantragte deren Aufhebung (Urk. 1). In der Beschwerdeantwort vom 23. Oktober 2015 beantragte die
Beschwerdegeg
nerin
die Abweisung der Beschwerde (Urk. 5), was der Beschwerdeführerin am 2. November 2015 mitgeteilt wurde
(Urk. 8)
.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1.
Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts sind Zwischenverfügungen im erstinstanzlichen Beschwerdeverfahren in IV-rechtlichen Angelegenheiten anfechtbar, sofern die Gutachterstelle in der Verfügung genannt wird (BGE 139 V 339 E. 4.5).
1.
2
Mit Verfügung vom 14. August 2015 hielt die Beschwerdegegnerin an der Not
wendigkeit einer psychiatrischen Begutachtung fest, ohne die begutachtende
Fachp
erson
zu nennen. Aus dem Kontext des Verwaltungsverfahrens geht aller
dings hervor, dass die Beschwerdegegnerin an der Begutachtung durch
Dr.
Z._
festhalten will, teilte sie doch der Beschwerdeführerin schon vor
Verfügungserlass am 28. Juli 2015 mit, we
n
sie mit der Begutachtung zu be
trauen gedenke (Urk. 7/183).
Somit liegt eine konkrete Gutachtensanordnung vor
, weshalb auf die Beschwer
de gegen die Zwischenverfügung vom 14. August 2015 (Urk. 2)
ohne weiteres einzutreten
ist
.
2.
2.1
Die Verwaltung ist von Amtes wegen verpflichtet, die notwendigen Abklärun
gen vorzunehmen (
Art.
43 ATSG). Dies umfasst die Verpflichtung und das Recht, die Untersuchungen anzuordnen, welche zur Klärung des Sachverhalts erforderlich sind, nicht jedoch das Recht, eine „
second
opinion
“ zu einem bereits in einem Gutachten festgestellten Sachverhalt einzuholen, wenn ihr dieser nicht gefällt (BGE 138 V 271 E. 1.1; Urteil des Bundesgerichts U 571/06 vom 2
9.
Mai 2007 E. 4.2). Entscheidend dafür, ob weitere Abklärungen ange
ordnet werden können und müssen, ist, ob die bereits vorliegenden Gutachten die praxisgemässen inhaltlichen und beweismässigen Anforderungen erfüllen (Urteil des Bundesgerichts U 571/06 vom 2
9.
Mai 2007 E. 4.2).
2.2
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorlie
gen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledi
gen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gut
achtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beantwor
tung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt - was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist -, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der Verfügung vom
14. August 2015 (
Urk.
2), dass im
Y._
Gutachten nicht erörtert worden sei, ob die depressiven Symptome Begleitsymptome der Schmerzen und Medikamente sein könnten, obwohl die depressiven Symptome erst nach der Schulterverletzung aufgetreten seien. Sodann habe der Gutachter auch den psychosozialen Belastungsfaktor der Kün
digung nicht erörtert
(S. 1 unten)
.
3.2
Dagegen wandte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen ein
(Urk. 1)
, das
poly
disziplinäre
Gutachten der
Y._
genüge den bundesgerichtlichen Anforde
rungen an den Beweisw
ert. Gestützt auf das Gutachten
könnten ihre invaliden
versicherungsrechtlichen Ansprüche problemlos beurteilt werden
(
Ziff.
2.4 S. 5 f.). Die Beantwortung der von der Beschwerdegegnerin aufgeworfenen Fragen sei nicht notwendig, da die invalidenversicherungsrechtlichen Ansprüche auf
grund des vorliegenden Gutachtens abschliessend beurteilt werden könnten (
Ziff.
2.7 S. 7).
3.3
Streitig und zu prüfen ist, ob sich
die
Beschwerdeführer
in
einer
psychiatrischen
Begutachtung zu unterziehen hat.
4.
4.1
Das psychiatrische Teilgutachten der
Y._
vom 2. Oktober 2014
(Urk. 7/167/45-57) entspricht in formeller Hinsicht den praxisgemässen Anforderungen an den Beweiswert einer Expertise. Es basiert vorab auf den notwendigen psychiatri
schen Untersuchungen der Beschwerdeführerin. Dem Gutachter standen die Akten der Beschwerdegegnerin zur Verfügung, worin namentlich die relevanten medizinischen Berichte – unter anderem das
psychiatrische Teilg
utachten
von
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 14. Januar 2010
(Urk.
7/59/23-39
)
und die Arztberichte der behandelnden Psy
chiaterin
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Kinder- und
Jugendpsy
chiatrie
und
psychotherapie
,
vom 13. November 2006 (Urk. 7/11/21-22
), vom 29. Februar 2008 (Urk. 7/14), vom 2. November 2010 (Urk. 7/77/4-5
)
und
vom
24. September 2012 (Urk. 7/115) -
enthalten waren, und eine Auseinanderset
zung mit denselben fand statt. D
er Gutachter berücksichtigte
sodann die g
eklagten Beschwerden und setzte
sich mit diesen sowie dem
Verhalten de
r
Beschwerdeführer
in
auseinander. Überdies wurden die gestellten Fragen beant
wortet.
Anhand dieses Gutachtens sollte die Beschwerdegegnerin in der Lage sein
, den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu beurteilen
, wovon gemäss Feststellungsblatt vom 20. Okto
ber 2015 (Urk. 6) im Übrigen auch
Dr.
med.
C._
, Facharzt Orthopädische Chirurgie
,
und
Dr.
med.
D._
des Regionalen Är
ztl
iche
n
Dienstes (RAD) der Beschwerdegegnerin ausgingen
, welche
empfah
le
n, auf das Gutachten abzustellen (Eintrag vom 8. Januar 2015, S. 3).
4.2
Im Gutachten der
Y._
wurde als Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfä
higkeit unter anderem
eine
schwere depressive
Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2) ge
nann
t (S. 37).
Der psychiatrische Fachgutachter erörterte im
psychiatrischen Teilgutachten
(Urk. 7/53-57 S. 10),
weshalb
die Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit psychischen und physischen Faktoren (ICD-10 F 45.41
)
nicht gestellt werden
könne
. Damit liegt bei der Beschwerdeführerin keine
somatoforme
Schmerzstörung oder
ein
vergleichbareres psychosomati
sches Leiden vor, weshalb nicht nachvollzie
h
bar ist, weshalb
die
Beschwerde
gegnerin
die Überwindbarkeit der Beschwerden gemäss früherer Rechtsprechung des Bundesgerichts
(vgl. BGE 130 V 352)
beziehungsweise die Arbeitsunfähig
keit anhand des
vom Bundesgericht mit neuster Rechtsprechung geforderten
strukturierten Beweisverfahrens (vgl. BGE 141 V 281)
prüfen will.
N
icht
nachvollziehbar
sind
auch die von der Beschwerdegegnerin ins Feld geführ
ten psychosozialen Belastungsfaktoren
(Verlust der Arbeitsstelle im Jahr 2005)
,
wurde doch im Gutachten eine
verselb
stständigte psychische Störung
mi
t Krankheitswert und Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit
diagnostiziert.
Selbst wenn sich die Beschwerdegegnerin
aber
auf den Standpunkt gestellt haben sollte, was indessen aus dem Feststellungsblatt vom 20. Oktober 2015 (Urk. 6) nicht hervorgeht, es sei vom psychiatrischen Gutachter nicht schlüssig dargelegt worden, ob die Beschwerdeführerin an einer psychischen Störung mit
Krank
heitswert
oder lediglich an einer aufgrund von psychosozialen Faktoren hervor
gerufenen depressiven Verstimmung leide, hätte
s
ie die Möglichkeit gehabt, dem Gutachter entsprechende Ergänzungsfragen zu stellen.
4.3
Nach dem Dargelegten besteht kein Anlass für eine
neuerliche psychiatrische
Begutachtung de
r Beschwerdeführerin
, weshalb die Verfügung der
Beschwerde
gegnerin
vom
14. August 2015
(Urk. 2)
in Gutheissung der Beschwerde auf
zuheben ist.
5.
5.1
Im vorliegenden Verfahren geht es nicht um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen, weshalb das Verfahren kostenlos ist (
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung).
5.2
Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die Beschwe
rdegegnerin zu verpflichten, der
vertretenen Beschwerdeführer
in
eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen (Art. 61
lit
. g
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts
in Verbindung mit § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht). Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache
,
der Schwierigkeit des Prozesses
sowie des
gerichts
üblichen
Ansatzes von Fr. 220.-- zuzüglich Mehrwertsteuer auf Fr. 1‘200.--
(inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen.