# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c2838251-b186-4fdf-990b-ca88fa5150e4
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Drohung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, Einzelgericht, vom 15. April 2013 (GG120050)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich - Limmat vom 20. November
2012 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 16).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist nicht schuldig und wird freigesprochen.
2. Die Zivilklage der Privatklägerin (Schadenersatz- und Genugtuungs-
begehren) wird auf den Zivilweg verwiesen.
3. Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz; die übrigen Kosten werden auf die
Gerichtskasse genommen.
4. Dem Beschuldigten wird eine Prozessentschädigung von Fr. 4'320.– (inkl.
MWST) für anwaltliche Verteidigung zugesprochen.
5. Der Privatklägerin wird keine Prozessentschädigung zugesprochen.
6. Mitteilungen
7. Rechtsmittel
Berufungsanträge:
a) Der Privatklägerschaft A._:
(Prot. II S. 8 in Verbindung mit Urk. 29 S. 2 f.)
1. Der Beschuldigte sei der Drohung im Sinne von Art. 180 StGB,
der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
sowie
der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB, eventualiter der
Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
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2. Der Beschuldigte sei angemessen, d.h. mindestens anklagegemäss zu
bestrafen.
3. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der geschädigten Zivilklägerin A._
eine Genugtuung im Betrag von CHF 5'000.00 zu bezahlen, zuzüglich Zins
zu 5% seit 1. Juli 2010.
4. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der geschädigten Zivilklägerin A._
Schadenersatz im Betrag von CHF 124.75, zuzüglich Zins zu 5% seit 20.
Januar 2012 (Selbstbehalt) sowie CHF 1'052.20, zuzüglich Zins zu 5% seit
30. September 2010 (Arbeitsausfall) zu bezahlen.
Im Übrigen sei er dem Grundsatz nach zu Schadenersatz an die
geschädigte Zivilklägerin A._ zu verpflichten, wobei die Zivilklage für die
entsprechenden Weiterungen auf den Zivilweg zu verweisen seien.
5. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der geschädigten Zivilklägerin eine
Prozessentschädigung für deren Anwaltskosten im Betrag von CHF 8'483.75
(inklusive MwSt.) sowie eine Umtriebsentschädigung für sie persönlich im
Betrag von pauschal CHF 110.00 zu bezahlen.
6. Die Kosten der Untersuchung sowie des gerichtlichen Verfahrens seien dem
Beschuldigten aufzuerlegen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(schriftlich, Urk. 44)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
c) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(mündlich, Prot. II S. 8)
1. Die Berufung der Privatklägerin sei abzuweisen und das Urteil der Vor-
instanz sei vollumfänglich zu bestätigen.
2. Unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge.
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## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Prozessverlauf
Mit dem eingangs im Dispositiv erwähnten Urteil der Vorinstanz wurde der
Beschuldigte von sämtlichen Anklagevorwürfen freigesprochen (Urk. 34 S. 25 f.).
Gegen diesen Entscheid meldete die Privatklägerin anlässlich der
Hauptverhandlung vom 15. April 2013 und damit innert Frist Berufung an (Prot. I
S. 15). Die Berufungserklärung der Privatklägerin ging ebenfalls innert Frist bei
der Berufungsinstanz ein (Urk. 40; Art. 399 Abs. 3 StPO). Die Privatklägerin focht
darin das vorinstanzliche Urteil vollumfänglich an und bat gleichzeitig um
unentgeltlichen Rechtsbeistand, welches Gesuch mit Präsidialverfügung vom 28.
Juni 2013
abgewiesen wurde (Urk. 53). Die Anklagebehörde verzichtete auf Anschluss-
berufung und beantragte die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 44).
Am 5. September 2013 fand die Berufungsverhandlung statt.
2. Strafantrag
Der fristgerecht gestellte Strafantrag der Privatklägerin gegen den Beschuldigten
wegen Körperverletzung, Drohung und Tätlichkeiten liegt den Akten bei (Urk. 3).
3. Beweisantrag
Anlässlich der Berufungsverhandlung liess der Beschuldigte den Beweisantrag
stellen, es sei ein Bericht darüber einzuholen, wann die Privatklägerin in den
Spital gekommen sei. Ausserdem sei Frau C._ darüber zu befragen, ob sie
gesehen habe, wie Frau D._ die Privatklägerin in den Spital gefahren habe
und wann dies gewesen sei. Die Eintrittszeit der Privatklägerin in den Spital
Bülach wurde jedoch in einem Schreiben der zuständigen Oberärztin an die
Staatsanwaltschaft vom 24. April 2012 festgehalten (Urk. 7/5), weshalb sich
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sowohl die Einholung des Berichts wie auch die Befragung von Frau C._
erübrigen.
II. Sachverhalt
1. Anklagevorwurf
Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift zusammengefasst vorgeworfen, er
habe am 1. Juli 2013 zwischen ca. 13.00 und 14.00 Uhr die Privatklägerin
angespuckt und ihren rechten Arm absichtlich gepackt und um 180 Grad gedreht,
so dass sie einen Bruch von beiden Unterarmknochen der rechten Seite erlitten
habe, was eine operative Versorgung sowie eine Hospitalisierung zur Folge
gehabt habe. Ausserdem soll der Beschuldigte der Privatklägerin bei der
Auseinandersetzung gesagt haben, dass er sie umbringen werde, welche
Äusserung geeignet gewesen sei, auch einen verständigen Menschen in gleicher
Lage in seinem Sicherheitsgefühl erheblich zu beeinträchtigen, wodurch die
Privatklägerin in grosse Angst geraten sei, der Beschuldigte könne ihr ein Leid
antun (Urk. 16 S. 1 f.).
2. Unbestrittener Sachverhalt
Unbestritten ist, dass die Privatklägerin und der Beschuldigte am 1. Juli 2013 kurz
nach der Mittagszeit eine Auseinandersetzung im Zusammenhang mit dem
Parkieren des Autos des Beschuldigten gehabt haben. Weiter ist unbestritten,
dass der Beschuldigte im Rahmen dieser Auseinandersetzung die Privatklägerin
angespuckt hat, diese seinen Arm angefasst und der Beschuldigte schliesslich
ihren Arm zumindest weggestossen hat.
3. Bestrittener Sachverhalt
Wie die Vorinstanz richtig ausführte, ist bestritten, ob die Privatklägerin den
Beschuldigten zuerst anspuckte und diesen körperlich mittels Kratzen am Hals
angriff. Weiter ist weder klar, ob die Bewegung des Beschuldigten gegen den Arm
der Privatklägerin eine Abwehrhandlung war noch wie diese ausgeführt wurde
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und ob dadurch der Arm der Privatklägerin gebrochen wurde. Schliesslich ist
bestritten, ob der Beschuldigte die Privatklägerin bedroht hat (vgl. Urk 34 S. 7).
4. Beweiswürdigung
Nachfolgend ist demnach zu prüfen, ob sich der eingeklagte Sachverhalt erstellen
lässt. Als Beweismittel liegen die Aussagen des Beschuldigten, der Privatklägerin,
von E._ und von C._ vor. Als Indizien sind die ärztlichen
Befunde heranzuziehen (Urk. 7/1 ff.). Betreffend theoretische Überlegungen zur
Beweiswürdigung kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz
verwiesen werden (Urk. 34 S. 7 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Die Vorinstanz hat vorab
die theoretischen Grundsätze der richterlichen Beweiswürdigung angeführt und
sich anschliessend grundsätzlich zutreffend zur Glaubwürdigkeit der
aussagenden Personen, des Beschuldigten, der Privatklägerin sowie der
Zeuginnen E._ und C._, geäussert, worauf zur Vermeidung von
Wiederholungen verwiesen
werden kann (Urk. 37 S. 9 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Entscheidend ist jedoch nicht
die Glaubwürdigkeit der Aussagenden, sondern vielmehr die Glaubhaftigkeit der
jeweiligen Aussagen (Entscheid des Bundesgerichts 6B_692/2011 E.1.4.;
BGE 133 I 33 E. 4.3.).
5. Aussagen der Privatklägerin
5.1. In der ersten polizeilichen Einvernahme vom 2. Juli 2010 gab die
Privatklägerin zu Protokoll, der Beschuldigte sei wütend gewesen, habe ihr den
Kugelschreiber und den Bussenblock aus der Hand gerissen und alles zu Boden
geworfen. Sie habe ihm gesagt, er solle anständig bleiben, worauf er sie
angespuckt und an der linken Wange getroffen habe. Sie sei wütend geworden
und habe ihn während ca. zwei Sekunden am linken Arm festgehalten. Er habe
sie darauf mit der rechten Hand am rechten Handgelenk gepackt und den Arm
umgedreht, wobei Elle und Speiche gebrochen seien. Das sei schnell gegangen.
Zu dem Zeitpunkt habe sie ihn aber nicht mehr gehalten, es sei keine
Befreiungsbewegung seinerseits gewesen. Er habe sie heftig gepackt und ihren
Arm um fast 180 Grad gedreht. Der Beschuldigte sei sehr wütend gewesen und
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habe gedroht, sie umzubringen. Sie habe Angst gehabt. Sie sei dann zu einer
Nachbarin gegangen,
weil sie die Uhr wegen der Schmerzen nicht mehr habe ausziehen können. Die
Nachbarin habe sie ins Spital gefahren (Urk. 5/1 S. 2 f.).
5.2. Anlässlich der zweiten polizeilichen Einvernahme vom 16. Juli 2010 erklärte
die Privatklägerin, der Beschuldigte und seine Frau seien wie Löwen auf sie
zugekommen und hätten sie angeschrien. Der Beschuldigte habe ihr den
Kugelschreiber und den Bussenzettelblock aus der Hand gerissen und Ersteren
weggeworfen. Dann sei er zwei bis drei Schritte weg gegangen und habe ihr ins
Gesicht gespuckt. Dann habe sie ihn kurz am rechten Oberarm festgehalten. Sie
habe ihm gesagt, dass das so nicht gehe. Der einvernehmende Polizeibeamte
wies die Privatklägerin darauf hin, dass der Beschuldigte deutliche Kratzspuren
unter dem Ohr an der rechten Halsseite aufgewiesen habe. Die Privatklägerin
erwiderte darauf, dass diese Kratzer nicht von ihr stammten. Genau so wenig
habe sie den Beschuldigten angespuckt. Der Beschuldigte habe ihren Arm
absichtlich gebrochen, es habe sich nicht um eine Abwehrbewegung gehandelt.
Er habe
ihren Arm mit voller Wucht gedreht, bis sie das Brechen der Knochen gehört
habe. Sie habe ihm das noch gesagt. Er habe ihr in der Folge gesagt, er bringe
sie um (Urk. 5/5 S. 1 ff.).
5.3. Am 4. April 2012 sagte die Privatklägerin bei der Staatsanwaltschaft aus, sie
habe eine Busse schreiben wollen. Dann seien der Beschuldigte und seine Frau
wie zwei Löwen gekommen. Sie hätten angefangen zu toben. Der Beschuldigte
habe ihr den Block und den Kugelschreiber aus der Hand gerissen. Dann habe er
ihr ins Gesicht gespuckt. Sie sei zu ihm hingegangen und habe ihn mit der
rechten Hand am rechten Oberarm festgehalten. Sie habe gesagt: "Nein, nicht
schon wieder diese Chöderei.", da er sie bereits früher angespuckt habe. Sie
habe gehen wollen. Der Beschuldigte sei auf sie zugekommen, habe sie mit
beiden Händen am rechten Arm gepackt und angefangen zu drehen, worauf es
"knacks" gemacht habe. Sie habe ihm gesagt, er habe gute Arbeit geleistet. Der
Beschuldigte habe dann gesagt, er bringe sie um. Sie habe Angst bekommen, da
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er schon früher gedroht habe. Es stimme nicht, dass sie zuerst gespuckt habe.
Am Oberarm habe sie ihn nur kurz gehalten. Sie habe ihn nicht gekratzt, sie
könne nicht kratzen, da sie wegen Spezialstrümpfen die Nägel weit
zurückschneiden müsse. Es stimme nicht, dass er ihre Hand, mit der sie ihn
gekratzt haben soll, zur Seite geschlagen habe. Sie sei dann zur Nachbarin Frau
D._
gegangen und habe sie gebeten, ihr die Armbanduhr abzuziehen, da sie solche
Schmerzen gehabt habe. Die Nachbarin habe sie ihr abgenommen und habe sie
dann ins Spital gefahren. Der Arm habe sofort zu schmerzen begonnen, sie habe
nichts mehr machen können. Sie habe Angst vor ihm. Auf Frage ihres Vertreters
demonstriert sie, wie sie mit der rechten Hand an der Brust vorbei an die
Innenseite des rechten Oberarms des Beschuldigten gegriffen habe (Urk. 6/4 S. 3
ff.).
5.4. Würdigung
5.4.1. Allgemein
Die Privatklägerin beschreibt den ganzen Ablauf ihrer Auseinandersetzung
mit dem Beschuldigten in allen drei Einvernahmen in den groben Zügen gleich:
Zuerst sei der Beschuldigte zusammen mit seiner Frau zu ihr hingekommen, als
die Privatklägerin diesem eine Busse habe schreiben wollen. In der Folge habe
der Beschuldigte die Privatklägerin angespuckt, worauf sie ihn kurz am Oberarm
festgehalten habe. Daraufhin habe der Beschuldigte ihren rechten Arm gepackt
und eine Drehbewegung gemacht, wodurch ihre beiden Unterarmknochen
gebrochen worden seien.
5.4.2. Kratzen und Armbruch
Wie erwähnt ist unbestritten, dass die Privatklägerin im Laufe der
Auseinandersetzung den Arm des Beschuldigten ergriffen hat. Ob es sich dabei
nun um den linken (Aussagen des Beschuldigten, Aussage der Privatklägerin in
der ersten Einvernahme) oder um den rechten (Aussagen der Privatklägerin in
der zweiten polizeilichen und staatsanwaltschaftlichen Einvernahme) gehandelt
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hat, kann
offen bleiben. Diese Abweichung könnte daher rühren, dass der rechte Arm für
die gegenüberstehende Person aus deren Sicht links ist und umgekehrt. Dagegen
will die Privatklägerin den Beschuldigten nicht gekratzt haben. Der rapportierende
Polizeibeamte hat beim Beschuldigten jedoch an dessen Hals links "sichtbare
Kratzer" festgestellt (Urk. 1 S. 2). Die Erklärung, dass sie dies wegen stark
zurückgeschnittener Nägel gar nicht hätte tun können, ist jedoch nicht zu hören.
Mit entsprechend ausgeübtem Druck kann man selbstverständlich auch mit sehr
kurzen Fingernägeln noch effektiv kratzen.
Divergierende Aussagen machte die Privatklägerin im Zusammenhang mit dem
Armbruch: In der ersten Einvernahme gab sie noch zu Protokoll, der Beschuldigte
habe ihr rechtes Handgelenk mit seiner rechten Hand gepackt und verdreht,
wogegen sie knapp zwei Jahre später bei der Staatsanwaltschaft aussagte, der
Beschuldigte habe ihren Arm mit beiden Händen gegriffen. Möglicherweise lässt
sich diese Diskrepanz mit der beachtlichen Zeitspanne von beinahe zwei Jahren
erklären. Es ist sicherlich auch so, dass die ganze Auseinandersetzung schnell
vor sich gegangen ist. In diesen Punkten kann der Vorinstanz zugestimmt werden
(vgl. Urk. 37 S. 9), wonach aus dieser kleinen Differenz nichts Entscheidendes
abzuleiten ist. Lebensnah beschreibt die Privatklägerin dagegen, wie sie nach
dem Vorfall zur Nachbarin gegangen sei, damit diese ihr die Armbanduhr abziehe,
da sie die Uhr selber wegen der Schmerzen nicht mehr habe ausziehen können,
wobei dieselbe Nachbarin sie danach auch noch ins Spital begleitet haben.
5.4.3. Spucken
Die Privatklägerin gab wie auch die anderen Beteiligten zu Protokoll, dass der
Beschuldigte sie angespuckt habe. Im Gegensatz zu den Aussagen des
Beschuldigten und der Zeugin E._ in dieser Sache hat die Privatklägerin
dagegen
konsequent bestritten, den Beschuldigten angespuckt zu haben. Vielmehr habe
dieser sie als Reaktion auf die drohende Busse unversehens angespuckt.
5.4.4. Drohung
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Die Privatklägerin hat in allen drei Einvernahmen erklärt, der Beschuldigte habe
ihr am Schluss der Auseinandersetzung mit dem Tod gedroht. Diese Behauptung
wurde jedoch von keiner anderen beteiligten Person bestätigt.
6. Aussagen von E._
6.1. Die Ehefrau des Beschuldigten, E._, wurde am 3. Juli 2010
polizeilich einvernommen. Sie erklärte, Frau C._ habe sie angerufen und
mitgeteilt, die Privatklägerin würde dem Beschuldigten eine Busse schreiben.
E._ sei dann sofort nach unten gegangen, um einem Streit zwischen dem
Beschuldigten und der Privatklägerin zuvorzukommen. Es gebe immer Streit
zwischen den beiden. Sie sei zur Privatklägerin hingegangen und habe ihr gesagt,
ihr Mann würde nur Einkäufe abladen. Die Privatklägerin habe aber nicht reagiert
und weiter geschrieben. Der Beschuldigte sei dazu gekommen und habe sich vor
das Kontrollschild gestellt, damit die Privatklägerin die Nummer nicht habe
aufschreiben können. Die Privatklägerin habe ihn mit der rechten Hand am
rechten Oberarm festgehalten und ihn zur Seite gezogen, so dass sie das
Kontrollschild habe sehen können. Der Beschuldigte habe ihr den Kugelschreiber
weggenommen, worauf die Privatklägerin ihn angespuckt habe und er
zurückgespuckt habe. E._ habe von beiden Seiten etwas abbekommen. Sie
sei zwischen den beiden gestanden, um den Streit zu schlichten. Die
Privatklägerin habe den Beschuldigten mit der rechten Hand an der linken
Halsseite gegriffen und gekratzt. Der Beschuldigte habe dann die Hand der
Privatklägerin gehalten und den Arm weggestossen, um die Hand von seinem
Hals wegzubringen, damit die Privatklägerin nicht weiter kratzt. E._ habe den
Beschuldigten von der Privatklägerin weggeschoben und sei richtig laut
geworden. Die Privatklägerin habe
dennoch nicht aufgehört und sei dem Beschuldigten nachgekommen und habe
ihn immer wieder von hinten gehalten. Erst als E._ sehr laut aufgeschrien
habe, sei die Privatklägerin weggegangen. Auf die Frage, wann der Arm der
Privatklägerin gebrochen wurde, antwortete E._, sie nehme an, in dem
Moment, als der Beschuldigte ihren Arm hielt, um ihn von seinem Hals
wegzubringen. Das sei das einzige Mal gewesen, als er sie angefasst habe,
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darum müsse der Armbruch dann passiert sein. Der Beschuldigte habe aber den
Arm der Privatklägerin sicher nicht gedreht. Auf Vorhalt, dass die Privatklägerin
den Beschuldigten gemäss den Schilderungen der Zeugin E._ nach dem
Armbruch noch angefasst habe, sagte diese aus, dass dies wohl so gewesen sei.
Die
Privatklägerin habe dann beim Weggehen noch zu E._ gesagt, sie habe
gewollt, dass der Beschuldigte sie anfasse, sie würden ihr dies bezahlen. Sie sei
ohne über Schmerzen zu klagen weggegangen. Gemäss dem Schwager der
Privatklägerin sei ihr Arm schon früher gebrochen gewesen. Die Privatklägerin
würde sie und ihre Familie immer wieder plagen. Sie habe nicht gehört, dass der
Beschuldigte der Privatklägerin gedroht hat. Sowohl E._ wie auch der
Beschuldigte hätten mehrmals erfolglos versucht, sich bei der Privatklägerin zu
entschuldigen (Urk. 5/3 S. 2 ff.).
6.2. Bei der Staatsanwaltschaft gab E._ am 4. April 2012 als Zeugin zu
Protokoll, sie sei nach dem Anruf von Frau C._ nach draussen gerannt und
habe die Privatklägerin gebeten, keine Busse zu schreiben, da der Beschuldigte
nur am Abladen sei. Die Privatklägerin habe aber einfach weiter geschrieben. Der
Beschuldigte sei hinzugekommen und habe sich vor die Kontrollschilder gestellt.
Dann habe er der Privatklägerin den Kugelschreiber weggenommen. Diese habe
den Beschuldigten dann mit der rechten Hand am Hals gepackt und ihn zerkratzt.
Der Beschuldigte habe ihre Hand weggenommen bzw. weggeschoben. Die
Zeugin sei zwischen die beiden gegangen und habe sie getrennt. Dann habe die
Privatklägerin den Beschuldigten bespuckt, worauf dieser zurückgespuckt habe.
Die Privatklägerin habe schlechte Worte wie kriminell über den Beschuldigten
gesagt und sei dann wieder die Treppe putzen gegangen. Die Zeugin habe
die Privatklägerin mit einem roten Eimer, dem Staubsauger und einem Besen
gesehen, als sie um 13 Uhr arbeiten gegangen sei, es könne drum nicht sein,
dass ihr Arm durch den Beschuldigten gebrochen worden sei. Ausserdem habe
sie noch zwei Kindervelos von Frau C._ in den Keller gesperrt. Es habe
keine Drohung seitens des Beschuldigten gegeben (Urk. 6/5 S. 3 ff.).
6.3. Würdigung
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6.3.1. Kratzen und Armbruch
Die Zeugin E._ gab in beiden Einvernahmen zu Protokoll, die Privatklägerin
habe den Beschuldigten mit der (rechten) Hand an der linken Halsseite gekratzt.
Es ist vom Ablauf der Auseinandersetzung her durchaus denkbar, dass –
nachdem ja der Beschuldigte der Privatklägerin unbestrittenermassen zumindest
den Kugelschreiber weggenommen hat – diese wütend wurde, auf den
Beschuldigten losging und diesen möglicherweise auch kratzte.
Dagegen ist bemerkenswert, dass die Zeugin E._ erst bei der
Staatsanwaltschaft zwei Jahre nach dem Vorfall vorbringt, die Privatklägerin habe
nach der Auseinandersetzung noch geputzt. Da es bereits in der ersten
Einvernahme darum ging, wie sich die Privatklägerin nach dem vermeintlichen
Armbruch verhielt, hätte die Erwähnung allfälliger Putzarbeiten bereits zu diesem
Zeitpunkt auf der Hand gelegen, zumal die Zeugin dies ja selbst gesehen haben
will. Es liegt der Verdacht nahe, dass es sich bei dieser Behauptung um eine
reine Schutzbehauptung zugunsten des Beschuldigten handelt, zumal auch der
Beschuldigte selbst dieselbe Behauptung erst anlässlich der
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vorbringt. Ausserdem ist augenfällig, dass
sich die Aussagen der Zeugin E._ bei der Staatsanwaltschaft denjenigen der
Zeugin C._ im Bezug auf die
Behauptung, die Privatklägerin soll nach der Tat geputzt und ein Velo im Keller
eingeschlossen haben (vgl. unten Ziff. 7.2.), stark angenähert haben. Wie bereits
die Vorinstanz angetönt hat (Urk. 37 S. 14 f.), erweckt dies unweigerlich den
Verdacht der Absprache, zumal beide Zeuginnen selber gesehen haben wollen,
wie die Privatklägerin das Treppenhaus geputzt hat. Dies ist umso erstaunlicher,
da die beiden Zeuginnen nicht einmal im selben Haus wohnen (vgl. Urk. 1 S. 3,
Urk. 6/6 S. 1). Es ging den Beteiligten vermutlich darum, Zweifel an einem
Kausalzusammenhang zwischen dem Einwirken des Beschuldigten auf den Arm
der Privatklägerin und dem erlittenen Armbruch zu erwecken, indem sie mit der
Behauptung, die Privatklägerin habe noch geputzt und ein Velo eingeschlossen,
aufzeigen wollten, dass die Privatklägerin nach dem Vorfall ihren Arm noch nicht
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gebrochen haben konnte. Diese Behauptung ist folglich nicht glaubhaft und kann
als reine Schutzbehauptung zugunsten des Beschuldigten abgetan werden.
Gleichermassen erscheint die Aussage von E._ anlässlich der polizeilichen
Einvernahme, die Privatklägerin habe den Beschuldigten nach dem Armbruch
noch angegriffen, nicht plausibel. Einerseits dürfte ein durch das Einwirken eines
anderen erlittener doppelter Armbruch so viel Eindruck auf jemanden
machen, dass man einen (erneuten) Angriff unterlässt und andererseits dürfte ein
Greifen oder Festhalten einer Person auch schon allein aufgrund der aus einem
doppelten Armbruch resultierenden Schmerzen kaum möglich gewesen sein. Es
ist davon auszugehen, dass ihr auch diese Aussage dazu diente, Zweifel am
Zusammenhang zwischen dem Berühren des Arms der Privatklägerin durch den
Beschuldigten und dem Armbruch zu säen. Dazu passt auch, dass die
Privatklägerin stets erklärte, der Beschuldigte habe den Arm der Privatklägerin
weggeschoben, aber sicher nicht gedreht.
Der Zeugin E._ ging es offensichtlich darum, mit verschiedenen Aussagen
die Verantwortung des Beschuldigten am Armbruch der Privatklägerin in Frage zu
stellen.
6.3.2. Spucken
Die Zeugin E._ hat von Anfang an ausgesagt, dass ihr Mann die
Privatklägerin – als Reaktion auf das Spucken durch Letztere – angespuckt habe.
Angeblich soll sie sogar vom Speichel des Beschuldigten und der Privatklägerin
getroffen worden sein, da sie zwischen den beiden gestanden habe, was
plausibel erscheint. Bezüglich der abweichend geschilderten Reihenfolge der
Geschehnisse in der zweiten Einvernahme insbesondere betreffend den Zeitpunkt
des Spuckens ist der Vorinstanz grundsätzlich recht zu geben und auf die lange
Zeitspanne
zwischen den Einvernahmen zu verweisen (vgl. Urk. 37 S. 14). Die Aussagen der
Zeugin E._ bezüglich des Spuckens sind grundsätzlich glaubhaft.
6.3.3. Drohung
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Die Zeugin erklärte bei der Polizei, nicht gehört zu haben, wie der Beschuldigte
der Privatklägerin gedroht habe.
7. Aussagen von C._
7.1. Anlässlich der ersten polizeilichen Einvernahme vom 3. Juli 2010 erklärte
C._, sie habe Frau E._ angerufen, um ihr mitzuteilen, dass die
Privatklägerin ihnen gerade eine Busse schreibe. Frau E._ und danach der
Beschuldigte seien zur Privatklägerin gegangen und hätten gefragt, was sie tue.
Die Privatklägerin habe nicht zugehört und weiter geschrieben. Der Beschuldigte
habe sich vor das Kontrollschild gestellt. Die Privatklägerin habe nicht aufgehört,
weshalb der Beschuldigte ihr den Stift weggenommen habe. Sie habe ihn dann
mit der rechten Hand am Hals und mit der linken Hand am rechten Oberarm
gepackt. Der Beschuldigte habe sich gewehrt und habe mit beiden Händen beide
Arme der Privatklägerin von sich weggestossen. Es sei kein heftiger Stoss
gewesen, offenbar habe er gewollt, dass die Privatklägerin ihn nicht weiter kratze.
Die Privatklägerin habe gespuckt und der Beschuldigte habe zurückgespuckt,
wobei beide im Gesicht getroffen worden seien. Frau E._ sei dazwischen
gegangen und habe ihren Mann zur Seite geschoben, worauf die Privatklägerin
dem Beschuldigten noch nachgegangen sei. Sie habe ihn vermutlich noch weiter
kratzen wollen. Frau E._ sei zum Haus gegangen, die Privatklägerin sei
hinterher
gegangen und habe über Ausländer hergezogen. Frau E._ habe ihr dann
vorgeworfen, nur Probleme zu suchen. Sie habe nicht alles gehört, erst am
Schluss, als sie vor dem Haus gestanden seien. Die Distanz zum Tatort habe ca.
15 Meter betragen. Die Privatklägerin habe den Beschuldigten zuerst am Arm und
am Hals gepackt. Sie habe keine Drohung gehört. Die Privatklägerin habe weder
über Schmerzen geklagt noch sich den Arm gehalten. Vielmehr sei die
Privatklägerin noch in den Keller gegangen und habe das Velo eines ihrer Kinder
eingeschlossen (Urk. 5/4 S. 1 ff.).
7.2. Bei der Staatsanwaltschaft gab C._ am 4. April 2012 als Zeugin zu
Protokoll, sie habe Frau E._ angerufen und mitgeteilt, dass die Privatklägerin
eine Busse schreibe. Der Beschuldigte und die Zeugin E._ seien beide zum
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Auto gegangen. Der Beschuldigte habe die Privatklägerin gefragt, was sie mache.
Er habe ihren Kugelschreiber weggenommen. Sie sei mit ihrer Hand an seinen
Hals gegangen und habe ihn zerkratzt, wahrscheinlich mit der rechten Hand an
der linken Seite. Der Beschuldigte habe ihre Hand mit seiner Hand am Gelenk
gepackt und weggestossen. Die Privatklägerin habe angefangen zu spucken. Er
habe dann zurückgespuckt. Die Privatklägerin habe angefangen zu fluchen. Man
habe sie laut schimpfen gehört. Sie habe weiter mit Frau E._ gestritten. Der
Beschuldigte sei dann zur Polizei gegangen, um eine Anzeige zu machen. Frau
E._ sei nach Hause gegangen. Die Privatklägerin sei ins Haus gekommen
und habe weiter das Treppenhaus geputzt. Dies habe sie selber gesehen.
Ausserdem habe sie das Velo der Tochter der Zeugin C._ in den
Heizungsraum gestellt. Auf Frage antwortete die Zeugin, dass es nicht stimme,
dass der Arm der Privatklägerin gebrochen worden sei, dann wäre sie doch gleich
ins Spital gegangen oder hätte vor Schmerzen geschrien. Ausserdem habe sie
die Privatklägerin zwei drei Tage später Auto fahren sehen, wobei sie die rechte
Türe habe öffnen können. Auf Ergänzungsfrage der Privatklägerin gab die Zeugin
C._ zu Protokoll, der Abstand zwischen ihrem Standort und demjenigen der
Auseinandersetzung habe ca. zehn Meter betragen (Urk. 6/6 S. 3 ff.).
7.3. Würdigung
Zuerst einmal ist festzuhalten, dass die Zeugin C._ das Geschehene von
ihrem Küchenfenster aus durch die schräg gestellten Lamellen ihres Storens von
einer Distanz von mehreren Metern beobachtet haben will (Urk. 4, Urk. 5/4 S. 3).
Es ist gut möglich, dass sie mitbekommen hat, dass es eine Auseinandersetzung
zwischen der Privatklägerin und dem Beschuldigten gab. Es scheint indes nicht
plausibel, dass die Zeugin C._ überhaupt gesehen hat, wie gespuckt wurde,
geschweige denn, wer wen zuerst angespuckt hat. Genau so ist aufgrund ihres
Standorts unglaubhaft, dass sie gesehen haben kann, ob die Privatklägerin
gekratzt (und den Beschuldigten nicht nur angefasst hat) und wie genau der
Beschuldigte den Arm bzw. die Hand der Privatklägerin gegriffen hat. Da sich ihre
Aussagen in diesen Punkten mit denjenigen der Zeugin E._ und des
Beschuldigten decken, liegt die Vermutung einer Absprache zum Schutze des
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Beschuldigten nahe, was im Zusammenhang mit dem Verhalten der
Privatklägerin nach der Tat bereits thematisiert wurde (vgl. oben Ziff. 6.3.).
Infolgedessen erscheinen die Aussagen der Zeugin C._ im Bezug auf das
Spucken, das Kratzen und das Anfassen der Hand bzw. des Arms der
Privatklägerin durch den Beschuldigten als nicht glaubhaft.
8. Aussagen des Beschuldigten
8.1. Der Beschuldigte sagte anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 2. Juli
2010 aus, er habe der Privatklägerin erklärt, er sei am Ausladen und sie solle
keine Busse schreiben. Sie habe ihn angegriffen und am linken Oberarm während
ein paar Sekunden festgehalten. Sie habe ihn angespuckt und im Gesicht ge-
troffen. Er habe zurückgespuckt und sie ebenfalls im Gesicht getroffen. Dann
habe er ihr den Kugelschreiber aus der Hand genommen. Sie habe den
Bussenblock auf den Boden geworfen, ihn wieder angegriffen und mit der rechten
Hand an der linken Halsseite gekratzt. Er habe dann ihre rechte Hand im Sinne
einer Abwehrhandlung vom Hals weggeschoben. Er habe ihren Arm mit beiden
Händen weggeworfen. Auf Vorhalt des einvernehmenden Polizeibeamten, er
habe den Arm der Privatklägerin zweifach gebrochen, sagte der Beschuldigte
aus, er habe die Privatklägerin nicht verletzen wollen. Er sei dagegen, was er
getan habe. Es sei ihr Fehler gewesen, ihn zuerst anzugreifen. Er sei am Abend
zur Privatklägerin gegangen, um sich zu entschuldigen. Sie habe die
Entschuldigung nicht angenommen. Er habe das Brechen der Knochen nicht
gehört. Er habe ihr nicht gedroht. Auf Vorhalt, ob er es nötig habe, eine Frau mit
diesen Eckdaten (76-jährig, ca. 80 kg und 158 cm) anzugreifen und zu verletzen,
erklärte der Beschuldigte, er wisse, dass er dies nicht hätte machen dürfen, es sei
zu viel gewesen, er hätte das nicht tun wollen. Er habe ihr nicht mit Absicht den
Arm gebrochen (Urk. 5/2 S. 1 ff.).
In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 4. April 2012 erklärte der
Beschuldigte, die Privatklägerin habe ihn zuerst angespuckt und im Gesicht
getroffen. Erst dann habe er zurückgespuckt, wahrscheinlich auch ins Gesicht. Er
sei zum Auto gekommen und habe die Privatklägerin gebeten, auf das Ausstellen
einer Busse zu verzichten. Er habe versucht, mit seinen Beinen das Kontrollschild
- 17 -
zu verdecken, um zu verhindern, dass die Privatklägerin eine Busse ausstelle. Sie
habe ihn dann am linken Arm gepackt. Mit der rechten Hand habe er ihr den
Kugelschreiber aus der Hand genommen. Er sei ein paar Schritte
zurückgegangen und habe dabei seine Hand weggezogen. Die Privatklägerin
habe geschimpft und gesagt, er sei ein Krimineller. Sie habe ihn am Hals auf der
linken Seite gekratzt. Sie habe nicht aufhören wollen, habe ein paar Mal gekratzt,
er sei immer weiter zurückgegangen. Da habe er ihre Hand genommen und die
Hand weggestossen. Er habe ihr noch gesagt, dass er zur Polizei gehen und sie
anzeigen werde. Es stimme nicht, dass er die Hand der Privatklägerin gepackt
und um 180 Grad gedreht habe. Weiter stimme es nicht, dass er ihr mit dem Tod
gedroht habe. Er habe den Arztbericht der Privatklägerin zur Kenntnis
genommen. Er habe ihren Arm nicht gebrochen. Sie habe nach dem Vorfall
weitergearbeitet, habe zwei Velos genommen und im Keller eingeschlossen. Er
habe nur ihre Hand vom Hals
weggestossen. Er glaube nicht, dass es dadurch möglich wäre, eine Hand zu
brechen. Er habe nichts knacken gehört (Urk. 6/2 S. 2 f.).
In der Hauptverhandlung vom 15. April 2013 sagte der Beschuldigte aus, es sei
richtig, dass er gespuckt habe. Die Privatklägerin habe ihn aber zuerst
angespuckt. Er habe dann so reagiert. Sie habe ihn am linken Oberarm gepackt.
Es tue ihm leid, dass er das getan habe, aber es sei richtig, dass er es getan
habe. Es tue ihm leid, dass er eine ältere Frau so behandelt habe. Er hätte das
nicht tun sollen. Es sei richtig, dass er der Privatklägerin den Kugelschreiber
entrissen habe. Er habe dies gemacht, als sie ihn am linken Oberarm festgehalten
habe. In der anderen Hand habe sie einen Kugelschreiber und ein Stück Papier
gehabt. Er habe ihr den Kugelschreiber weggezogen. Er habe versucht, die
Kontrollschilder abzudecken, damit sie diese nicht lesen könne. Sie habe ihn
darauf am Oberarm gepackt, um ihn von den Kontrollschildern wegzuziehen, um
diese lesen zu können. Auf Frage antwortete der Beschuldigte, die Privatklägerin
sei am Schreiben gewesen, als er ihr den Kugelschreiber weggezogen habe. Auf
die Frage, wie das gehen soll, gleichzeitig den Oberarm festhalten und schreiben,
erklärte der Beschuldigte, die Privatklägerin habe versucht, die Nummer um ihn
herum abzulesen, was nicht gegangen sei, weshalb sie ihn gepackt habe, um
- 18 -
wegzuschieben. Dies habe sie mit der rechten Hand gemacht. In der linken Hand
habe sie den Kugelschreiber und den Zettel gehalten, welche er ihr entrissen
habe. Er wisse nicht mehr, was er mit dem Kugelschreiber gemacht habe. Sie
habe weiterhin versucht, ihn zu packen, nun am Hals. Er habe den
Kugelschreiber bis am Schluss in der Hand gehabt. Er sei eher der Meinung, er
habe ihn dann ins Auto mitgenommen. Der Zettel sei kaputt gegangen, weil er ihn
zerknüllt habe.
Während des Vorfalls habe er die Dinge nicht mehr zurückgegeben. Er sei der
Meinung gewesen, sie sei nicht berechtigt, eine Busse zu schreiben. Er habe
gedacht, ohne Kugelschreiber könne sie nicht mehr schreiben. Es stimme nicht,
dass er den Arm der Privatklägerin gebrochen habe. Gemäss Zeugen habe sie
weitergearbeitet und Velos eines Mitbewohners in einem Kellerabteil einge-
schlossen. Als sie ihn am Hals gepackt habe, habe er ihren Arm mit dem linken
Arm weggeschoben. Er habe ihren Arm weder umfasst noch gedreht. Er habe ihn
lediglich mit der Aussenseite seiner Hand weggestossen, um sich zu verteidigen.
Nachdem die Privatklägerin ihn am Hals gekratzt habe, habe er ihr gesagt, er
werde Anzeige erstatten, da er blute. Er sei danach sofort zur Polizei gegangen.
Er habe die Privatklägerin nicht bedroht (Urk. 27 S. 9 ff.).
Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 5. September 2013 gab der
Beschuldigte zu Protokoll, es gebe nichts Neues zu sagen. Er habe zuerst
versucht, die Kontrollschilder zu verdecken. Die Privatklägerin habe ihn am linken
Arm gepackt, um ihn wegzustossen, damit sie die Schilder sehen könne. Darauf
habe sie ihn bespuckt, was er auch gemacht habe. Er habe ihr einen
Kugelschreiber und einen Zettel aus der Hand genommen. Sie habe versucht, ihn
am Hals zu packen. Er habe sich ein paar Schritte zurück gezogen. Sie sei wieder
zu ihm gekommen. Um sich zu verteidigen, habe er mit seiner linken Hand ihre
Hand von seinem Hals weggebracht, damit sie ihn nicht noch weiter kratze. Ab
dem Moment, als er die Kratzwunden gespürt habe, da es gebrannt habe, habe er
ihr gesagt, dass er Anzeige erstatten würde. Er sei dann zur Polizei gegangen
(Urk. 62 S. 5 f.). Darauf angesprochen, dass er bei der Polizei noch ausgesagt
habe, den Arm der Privatklägerin weggeworfen zu haben und in den folgenden
Einvernahmen diese Aussage abgeschwächt habe, wie auch bei der Polizei
- 19 -
ausgesagt zu haben, den Arm der Privatklägerin nicht absichtlich gebrochen zu
haben, gab der Beschuldigte zu Protokoll, er habe bei der Polizei keinen
Dolmetscher gehabt. Die Privatklägerin habe den Arm im Rahmen der
Auseinandersetzung mit ihm nicht gebrochen. Vielleicht sei dies im
Zusammenhang mit dem Wegräumen von zwei Velos
passiert (Urk. 62 S. 8 ff.).
8.2. Würdigung
8.2.1. Kratzen und Armbruch
Es fällt auf, dass die Ausführungen des Beschuldigten im Bezug auf das
Wegstossen der Hand der Privatklägerin von Einvernahme zu Einvernahme
harmloser werden. Zuerst will er die Hand noch mit beiden Händen ihren Arm
"weggeworfen" haben. Bei der Staatsanwaltschaft will er dann lediglich noch die
Hand der Privatklägerin "weggestossen" haben, um schliesslich in der
Hauptverhandlung ihren Arm mit seinem linken Arm "weggeschoben" bzw. mit der
Aussenseite
seiner Hand weggestossen zu haben. In der Berufungsverhandlung schliesslich
gab er zu Protokoll, er habe die Hand der Privatklägerin mit seiner linken Hand
weggebracht. Der Beschuldigte erklärte diese Abweichungen in der
Berufungsverhandlung damit, dass er bei der Polizei noch keinen Dolmetscher
gehabt habe. Für ihn sei "weggestossen" und "weggeschoben" dasselbe (Urk. 62
S. 9). Anlässlich der Berufungsverhandlung konnte festgestellt werden, dass der
Beschuldigte – er ist Schweizer – sehr wohl ausreichend gut Deutsch spricht.
Auffallend ist, dass er sich von Einvernahme zu Einvernahme weniger für den
Armbruch verantwortlich zeigte: In der ersten Einvernahme erklärte er, er habe
ihren Arm nicht absichtlich gebrochen – wobei der Beschuldigte diese Aussage
wieder mit dem Fehlen des Dolmetschers bei der Polizei in Zusammenhang bringt
– und sei am Abend zu ihr gegangen, um sich zu entschuldigen, wobei sie die
Entschuldigung aber nicht angenommen habe. Die Privatklägerin stützt diese
Aussage, indem sie bei der Polizei ausgesagt hat, der Beschuldigte sei einen Tag
nach dem Vorfall zu ihr gekommen und habe geklingelt, worauf sie Tür geöffnet
und sofort wieder
- 20 -
geschlossen habe, als sie ihn gesehen habe (Urk. 5/5 S. 3). Auch die Zeugin
E._ hat ausgesagt, dass sie sich mehrmals bei der Privatklägerin hätten
entschuldigen wollen (Urk. 5/3 S. 6 f.). In der staatsanwaltschaftlichen
Einvernahme knapp zwei Jahre später bestritt der Beschuldigte dagegen, den
Arm der Privatklägerin gebrochen zu haben. Sie habe sogar nach der
Auseinandersetzung noch zwei Kindervelos im Keller eingeschlossen. Diese
Aussage bestätigte der Beschuldigte anlässlich der Hauptverhandlung und in der
Berufungsverhandlung. Der Verdacht liegt nahe, dass es sich bei den letzteren
Aussagen um blosse Schutzbehauptungen handelt. Wenn die Vorinstanz in
diesem Zusammenhang auf die mangelnden Deutschkenntnisse des
Beschuldigten verweist sowie darauf, dass dessen Gewissensbisse anlässlich der
polizeilichen Einvernahme sich möglicherweise gar nicht auf den Armbruch
bezogen hätten, ist dem zu entgegnen, dass er deutlich sagte, er habe die
Privatklägerin nicht verletzen wollen und er habe ihren Arm nicht absichtlich
gebrochen. Ausserdem stellt sich die Frage, wieso er sich denn hätte bei ihr
entschuldigen sollen, wenn nicht für den
Armbruch. Abgesehen von der ersten Einvernahme will er in den späteren
Befragungen nur auf die Angriffe der Privatklägerin reagiert haben, was den
Beschuldigten wohl vor allem angesichts des bereits länger schwelenden Disputs
zwischen den Parteien kaum zu einer Entschuldigung motiviert haben dürfte. Es
liegt auf der Hand, dass der Beschuldigte sein Handeln im Zusammenhang mit
dem Vorfall beschönigt und dass der doppelte Armbruch der Privatklägerin aus
der Auseinandersetzung mit dem Beschuldigten herrührt.
Dagegen sagte der Beschuldigte stets aus, von der Privatklägerin am Hals
gekratzt worden zu sein, weshalb er in der Folge ihren Arm zur Seite geschoben
habe. Diese Aussagen erscheinen grundsätzlich plausibel, zumal auch der
Polizeibeamte in der Einvernahme der Privatklägerin wie auch im Rapport
erwähnt, dass er Kratzspuren am Hals der Beschuldigten gesehen habe (Urk. 1
S. 2, Urk. 5/5 S. 2).
8.2.2. Spucken
- 21 -
Der Beschuldigte hat von Beginn weg eingestanden, die Privatklägerin
angespuckt zu haben, jedoch nur als Reaktion auf das Anspucken durch die
Privatklägerin. Diese Aussage ist insofern glaubhaft, als dass der Beschuldigte
nie davon abweicht und er das Anspucken von sich aus und ohne Vorliegen
sachlicher
Beweismittel zugegeben hat. Zu Recht hat hier die Vorinstanz ausserdem darauf
hingewiesen, dass er dies vermutlich gemacht hat ohne Kenntnis der Rechtslage
betreffend Retorsion (Urk. 37 S. 11; vgl. Trechsel/Fingerhuth, in Trechsel/Pieth
[Hrsg.], StGB PK, 2. Auflage, Zürich/St. Gallen 2013, Art. 126 N 6).
8.2.3. Drohung
Der Beschuldigte hat von Anfang an und konsequent bestritten, die Privatklägerin
bedroht zu haben (vgl. dazu die Gesamtwürdigung unter Ziff. 10.3).
9. Medizinische Unterlagen
9.1. Ärztlicher Befund vom 27. September 2010
Gemäss dem ärztlichen Befund hat die Privatklägerin einen Bruch von beiden
Unterarmknochen der rechten Seite erlitten. Die Privatklägerin habe berichtet, die
Schmerzen am rechten Unterarm seien nach einer Auseinandersetzung mit ihrem
Nachbarn aufgetreten, welcher sie grob am rechten Handgelenk und am
Unterarm gezogen und ihr den Arm verdreht habe. Sie habe glaubhaft erklärt,
nicht gestürzt zu sein. Der Bruch der Privatklägerin entspreche jedoch ohnehin
nicht der klassischen Bruchlokalisation bei einem klassischen Sturz auf die
ausgestreckte Hand. Für die den Bericht verfassende Oberärztin habe es nie
Zweifel an den Schilderungen der Privatklägerin gegeben (Urk. 7/3 S. 1).
9.2. Antwortschreiben Oberärztin vom 24. April 2012
Auf die Frage des Staatsanwalts, ob die Privatklägerin mit den festgestellten
Verletzungen noch das Treppenhaus hätte reinigen oder Kindervelos
einschliessen können, antwortete die Oberärztin, dass dies für einen normal
- 22 -
schmerzempfindlichen Menschen nicht möglich gewesen wäre (Urk. 7/4 S. 2, Urk.
7/5).
9.3. Würdigung
Gemäss den medizinischen Unterlagen decken sich die erlittenen Frakturen der
Unterarmknochen mit den Schilderungen der Privatklägerin, wonach der
Beschuldigte ihr diese zugefügt habe.
10. Gesamtwürdigung
10.1. Kratzen und Armbruch
Gestützt auf die glaubhaften Ausführungen des Beschuldigten und der Zeugin
E._ sowie der Feststellung von Kratzspuren am Hals des Beschuldigten
durch den einvernehmenden Polizeibeamten scheint es als plausibel, dass die
Privatklägerin den Beschuldigten im Verlaufe der Auseinandersetzung gekratzt
hat, was als erstellt zu gelten hat.
Dagegen sind die Aussagen des Beschuldigten wie auch der Zeugin E._
und C._ im Bezug auf den Armbruch der Privatklägerin als blosse
Schutzbehauptungen zu taxieren. Hingegen decken sich die konstanten
Schilderungen der Privatklägerin gemäss der untersuchenden Oberärztin mit den
erlittenen
Verletzungen. Ob der Beschuldigte dabei das Handgelenk oder den (Unter)Arm
verdreht oder durch sonstige Gewaltanwendung gebrochen hat, ist nicht relevant.
Es ist jedenfalls davon auszugehen, dass die vom Beschuldigten eingestandene
Bewegung als direkte Reaktion auf das Kratzen der Privatklägerin – wovon zu
Gunsten des Beschuldigten auszugehen ist – nicht so sanft ausfiel wie er das
darstellen will. Da der Beschuldigte derart auf den rechten Arm der Privatklägerin
eingewirkt hat, dass ein Bruch beider Unterarmknochen resultierte, muss er dies
in Kauf genommen haben. Dies erst recht, wenn es sich hierbei wie bei der
Privatklägerin um eine ältere Person handelt, bei der die Knochendichte
vermindert ist, was gerichtsnotorisch ist. Wenn die Vorinstanz die Knochendichte
als Argument für einen Freispruch heranzieht (Urk. 37 S. 22 f.), ist dem zu
- 23 -
entgegnen, dass der Beschuldigte wusste, dass die Privatklägerin älter war und
ihre Knochen entsprechend der allgemeinen Lebenserfahrung schneller brechen
können.
Zudem kann entgegen der Ansicht der Vorinstanz nicht genau eruiert werden, wie
lange der Beschuldigte Zeit hatte, um den Entschluss zur Tat zu fassen
(vgl. Urk. 37 S. 22), wobei auch nicht klar ist, wie viel Zeit jemand für eine solche
Entscheidfindung überhaupt braucht. Gemäss Art. 12 Abs. 2 StGB begeht ein
Verbrechen oder Vergehen vorsätzlich, wer die Tat mit Wissen und Willen
ausführt (Satz 1). Vorsätzlich handelt bereits, wer die Verwirklichung der Tat für
möglich hält und in Kauf nimmt (Satz 2). Beim Eventualvorsatz strebt der Täter
den Erfolg nicht an, sondern weiss lediglich, dass dieser möglicherweise mit der
willentlich vollzogenen Handlung verbunden ist. Der Eventualvorsatz ist zu
bejahen, wenn der Täter den Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt und
sich mit ihm abfindet, mag er ihm auch unerwünscht sein (BGE 137 IV E. 1
E. 4.2.3; 133 IV 1 E. 4.1 mit Hinweisen). Ob der Täter die
Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen hat, muss der Richter bei
fehlendem Geständnis
aufgrund der Umstände entscheiden. Dazu gehören die Grösse des dem Täter
bekannten Risikos der Tatbestandsverwirklichung, die Schwere der
Sorgfaltspflichtverletzung, die Beweggründe des Täters und die Art der
Tathandlung. Je grösser die Wahrscheinlichkeit der Tatbestandsverwirklichung ist
und je schwerer die Sorgfaltspflichtverletzung wiegt, desto näher liegt die
Schlussfolgerung, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf
genommen. Der Richter
darf vom Wissen des Täters auf den Willen schliessen, wenn sich dem Täter der
Eintritt des Erfolgs als so wahrscheinlich aufdrängte, dass die Bereitschaft, ihn als
Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des Erfolgs
ausgelegt werden kann (BGE 135 IV 12 E. 2.3.2 S. 17; 134 IV 26 E. 3.2.2; 133 IV
1 E. 4.1 S. 3). Die Abgrenzung zwischen Eventualvorsatz und bewusster Fahr-
lässigkeit kann im Einzelfall schwierig sein. Sowohl der eventualvorsätzlich als
auch der fahrlässig handelnde Täter wissen um die Möglichkeit oder das Risiko
der Tatbestandsverwirklichung. Hinsichtlich der Wissensseite stimmen somit
- 24 -
beide Erscheinungsformen des subjektiven Tatbestandes überein. Unterschiede
bestehen jedoch beim Willensmoment. Der bewusst fahrlässig handelnde Täter
vertraut (aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit) darauf, dass der von ihm als möglich
vorausgesehene Erfolg nicht eintrete, sich das Risiko der Tatbestandserfüllung
mithin nicht verwirkliche. Demgegenüber nimmt der eventualvorsätzlich
handelnde Täter den Eintritt des als möglich erkannten Erfolgs ernst, rechnet mit
ihm und findet sich mit ihm ab. Wer den Erfolg derart in Kauf nimmt, "will" ihn im
Sinne von Art. 12 Abs. 2 StGB. Nicht erforderlich ist, dass der Täter den Erfolg
"billigt" (BGE 133 IV 9 E. 4.1; 133 IV 1 E. 4.1; 130 IV 58 E. 8.3; Urteil des
Bundesgerichts 6B_643/2011 vom 26. Januar 2012, E. 2.3.). Wer so auf einen
Körperteil eines Menschen einwirkt, dass an einem Arm ein doppelter
Knochenbruch entsteht, der muss wahrlich recht intensiv auf den Arm eingewirkt
haben. Ein solches Verhalten stellt eine eklatante Sorgfaltspflichtverletzung dar,
weshalb die Schlussfolgerung naheliegt, der Beschuldigte habe die
Tatbestandsverwirklichung auch in Kauf genommen. Demnach hat als erstellt zu
gelten, dass der Beschuldigte durch gewaltsames Einwirken auf den rechten Arm
der Privatklägerin einen doppelten Unterarmbruch herbeiführte, was er im Sinne
obiger Umschreibung auch in Kauf nahm.
Ob der Beschuldigte aus einer Notwehrsituation heraus gehandelt hat und ob er
dabei die Grenzen der Notwehr überschritten hat, ist weiter unten zu prüfen (vgl.
Ziff. III. 2.).
10.2. Spucken
Der Beschuldigte hat stets zugegeben, die Privatklägerin bespuckt zu haben,
wobei er nur auf deren Spucken reagiert haben will, was diese wiederum
bestreitet. Da Zweifel an der Version der Privatklägerin bestehen, wonach der
Beschuldigte als Einziger gespuckt haben soll, ist mit Verweis auf die
Ausführungen der
Vorinstanz zugunsten des Beschuldigten von einer Retorsion durch den
Beschuldigten gegenüber der Privatklägerin auszugehen, weshalb der
Beschuldigte von diesem Anklagevorwurf in dubio pro reo freizusprechen ist.
- 25 -
10.3. Drohung
Ausser den Aussagen der Privatklägerin liegen keine weiteren belastenden
Beweismittel vor. Folglich steht Aussage gegen Aussage, weshalb der
Beschuldigte in dubio pro reo vom Vorwurf der Drohung freizusprechen ist.
10.4. Bemerkung zur Einstellungsverfügung
Obwohl die Vorwürfe gegen die Privatklägerin bezüglich des Kratzens und
Anspuckens per Einstellungsverfügung vom 17. Dezember 2010 infolge des
Grundsatzes "in dubio pro reo" erledigt wurden (Urk. 9), können dieselben
Vorwürfe für den vorliegenden Fall als erstellt betrachtet werden, da die
Einstellungsverfügung aufgrund der nur vorläufigen Untersuchung und Prüfung
der Sach- und Rechtslage für andere Strafverfahren nicht verbindlich ist (Cavallo,
in: Donatsch/ Hansjakob/Lieber, Kommentar zur Schweizerischen StPO, Zürich
2010, Art. 437 N 6; Schmid, in: Donatsch/Schmid, Kommentar zur
Strafprozessordnung des Kantons Zürich, Zürich 1999, § 45 N 1 ff.).
III. Rechtliche Würdigung
1. Körperverletzung
Das Einwirken auf den Arm der Privatklägerin mit daraus resultierendem
doppelten Unterarmbruch ist in objektiver Hinsicht mit der Vorinstanz (Urk. 37 S.
21) als einfache Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zu
qualifizieren.
Zum subjektiven Tatbestand ist auf vorstehende Ziffer II./10.1. zu verweisen
mit der Ergänzung, dass der Beschuldigte der Privatklägerin körperlich (Alter,
Körpergrösse, Gewicht) weit überlegen war, was er selbstverständlich wusste.
Dementsprechend ist entgegen der Ansicht der Verteidigung und der Vorinstanz
(Prot. I. S. 10 f., Urk. 37 S. 22 f.) davon auszugehen, dass der Beschuldigte
eventualvorsätzlich handelte, indem er wissentlich und willentlich auf den rechten
- 26 -
Arm der Privatklägerin einwirkte und ihr dabei einen doppelten Unterarmbruch
zufügte, welche Verletzung er zumindest in Kauf nahm.
2. Notwehrsituation
2.1. Da der Beschuldigte stets erklärte, das Ergreifen des rechten Arms der
Privatklägerin sei eine Abwehrhandlung gewesen, da die Privatklägerin ihn
gekratzt habe, ist vorliegend zu prüfen, ob eine Notwehrsituation im Sinne von
Art. 15 StGB vorliegt. Falls ja, wäre weiter zu prüfen, ob der Beschuldigte in den
Grenzen der berechtigen Notwehr handelte oder ob ein Notwehrexzess im Sinne
von Art. 16 StGB vorlag.
2.2. Wird jemand ohne Recht angegriffen oder unmittelbar mit einem Angriff
bedroht, so ist der Angegriffene und jeder andere berechtigt, den Angriff in einer
den Umständen angemessenen Weise abzuwehren (Art. 15 StGB). Angriff ist ein
Verhalten, das auf Verletzung eines Rechtsgutes gerichtet ist. Jedes
Individualrecht ist grundsätzlich notwehrfähig, namentlich Leib und Leben,
Vermögen, Geheim- und Privatbereich, Hausfrieden, persönliche Freiheit
(Trechsel/Geth, in Trechsel/ Pieth (Hrsg.) Strafgesetzbuch Praxiskommentar, 2.
Auflage, Zürich/St. Gallen 2013, Art. 15 N 4). Die Unmittelbarkeit der Bedrohung
verlangt, dass jedenfalls Anzeichen einer Gefahr vorhanden sind, die eine
Verteidigung nahelegen. Solche Anzeichen liegen beispielsweise dann vor, wenn
der Angreifer eine drohende
Haltung einnimmt, sich zum Kampfe vorbereitet oder Bewegungen macht, die in
diesem Sinne gedeutet werden können. Handlungen, die darauf gerichtet sind,
einem zwar möglichen aber noch unsicheren Angriff vorzubeugen, fallen nicht
unter den Begriff der Notwehr (BGE 93 IV 81). Überschreitet der Abwehrende die
Grenzen der Notwehr, so mildert das Gericht die Strafe (Art. 16 Abs. 1 StGB).
Werden die Grenzen der Notwehr in entschuldbarer Aufregung oder Bestürzung
über den Angriff überschritten, so handelt er nicht schuldhaft (Art. 16 Abs. 2
StGB). Nach der Rechtsprechung muss die Abwehr in einer Notwehrsituation
nach der Gesamtheit der Umstände als verhältnismässig erscheinen. Eine Rolle
spielen vor allem die Schwere des Angriffs, der durch den Angriff und die Abwehr
bedrohten Rechtsgüter, die Art des Abwehrmittels und dessen tatsächliche
- 27 -
Verwendung. Die Angemessenheit der Abwehr ist aufgrund jener Situation zu
beurteilen, in der sich der rechtswidrig Angegriffene im Zeitpunkt seiner Tat
befand. Es dürfen nicht nachträglich allzu subtile Überlegungen darüber angestellt
werden, ob der Angegriffene sich nicht allenfalls auch mit anderen, weniger
einschneidenden Massnahmen hätte begnügen können und sollen. Auch ist eine
Abwägung der auf dem Spiel stehenden Rechtsgüter unerlässlich. Doch muss
deren Ergebnis für den Angegriffenen, der erfahrungsgemäss rasch handeln
muss, mühelos erkennbar sein (BGE 136 IV 49 E. 3.2 f., mit Hinweisen). Bei der
Beurteilung der Entschuldbarkeit des Notwehrexzesses wird ein umso höherer
Grad entschuldbarer Aufregung oder Bestürzung verlangt, je mehr die Reaktion
des Täters den Angreifer verletzt oder gefährdet (BGE 102 IV 1 E. 3b).
2.3. Als die Privatklägerin den Hals des Beschuldigten zerkratzte, befand sich
dieser durch den Angriff auf seine körperliche Integrität in einer Notwehrsituation
und durfte sich folglich auch dagegen zur Wehr setzen. Indem er jedoch auf den
Arm der Privatklägerin derart einwirkte, dass dieser in der Folge brach, hat er die
Grenzen der Notwehr klar überschritten: Ein zerkratzter Hals schmerzt zwar, ist
jedoch grundsätzlich ungefährlich und steht somit in keinem Verhältnis zu einem
groben Einwirken auf den Arm mit doppeltem Armbruch. Der Beschuldigte hätte
sich vielmehr mit einem Ergreifen und Wegstossen oder möglicherweise sogar
-schlagen der Hand der Privatklägerin begnügen müssen. Dass ein solches
Vorgehen zu einem doppelten Armbruch geführt hätte, ist nicht anzunehmen. Er
hätte sofort erkennen müssen, dass er mit seiner Handlung die Privatklägerin
schwerer verletzt als umgekehrt, zumal der 33-jährige, 95 kg schwere und 180 cm
grosse Beschuldigte der Privatklägerin, die zum Tatzeitpunkt 76-jährig, ca. 80 kg
schwer und 158 cm gross war, körperlich deutlich überlegen war (vgl. Urk. 5/1
S. 5, Urk. 5/2 S. 4). Weiter liegt hier kein Fall eines entschuldbaren Notwehr-
exzesses vor, da der Beschuldigte aufgrund der Vorgeschichte (verbale
Auseinandersetzung, Anspucken) selber zur aggressiven Stimmung beigetragen
hat und die Privatklägerin ihn nicht völlig unerwartet angriff. Es liegen hier
demnach keine Hinweise darauf vor, dass der Beschuldigte in entschuldbarer
Aufregung oder Bestürzung die Grenzen der Notwehr überschritt. Folglich liegt ein
- 28 -
Fall von rechtfertigende Notwehr nach Art. 15 StGB vor, weshalb im Rahmen der
Strafzumessung die Strafe zu mildern sein wird (Art. 16 Abs. 1 StGB).
3. Fazit
Zusammenfassend ist der Beschuldigte der einfachen Körperverletzung im Sinne
von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen, wobei die Strafe gemäss
Art. 16 Abs. 1 StGB zu mildern ist.
IV. Sanktion
1. Strafrahmen
Zunächst ist der Rahmen festzulegen, innert welchem die Strafe festzulegen ist
Gemäss Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB reicht der Strafrahmen von einem Tagessatz
Geldstrafe bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe.
2. Prinzipien der Strafzumessung
2.1. Innerhalb des Strafrahmens misst das Gericht gemäss Art. 47 Abs. 1 StGB
die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt das Vorleben
und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben
des Täters. Das Verschulden wird nach der Schwere der Verletzung oder
Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns,
den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie weit der
Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die
Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Art. 47 Abs. 2 StGB). Nach Art. 50
StGB hat das Gericht die für die Zumessung der Strafe erheblichen Umstände
und deren Gewichtung festzuhalten.
2.2. Das Bundesgericht hat in neueren Entscheiden die Regeln zur Strafzu-
messung modifiziert und in Grundsatzentscheiden das nachfolgend skizzierte
Modell vorgegeben (BGE 136 IV 55 E.5.4.; Entscheide des Bundesgerichts
6B_323/2010 vom 23. Juni 2010 E. 2, 6B_865/2009 vom 25. März 2010 und
6B_238/2009 vom 8. März 2010, je mit Hinweisen). Die Ausführungen des
- 29 -
Bundesgerichts werden ergänzt durch weitere Strafzumessungskriterien, die sich
aus der Literatur und der weiteren Rechtsprechung des Bundesgerichts ergeben.
2.3. Ausgehend von der objektiven Tatschwere hat das Gericht das Verschulden
zu bewerten. Es hat im Urteil darzutun, welche verschuldensmindernden und
welche verschuldenserhöhenden Gründe im konkreten Fall gegeben sind, um so
zu einer Gesamteinschätzung des Tatverschuldens zu gelangen. Dem
Tatverschulden kommt nach der Rechtsprechung bei der Strafzumessung eine
entscheidende Rolle zu (Urteil des Bundesgerichtes 6B_165/2011 vom 19. Juli
2011 E. 1.5.2.; BGE 136 IV 55 E. 5.4. und BGE 134 IV 17 E. 2.1.). Dieses
beurteilt sich anhand der gesamten Tatumstände. Der Gesetzgeber hat einzelne
Kriterien aufgeführt, welche für die Verschuldenseinschätzung von wesentlicher
Bedeutung sind und allenfalls bewirken können, das Verschulden als derart
gering einzustufen, dass eine Strafe unterhalb des ordentlichen Strafrahmens
geboten ist. So trifft etwa
– neben einer allfällig verminderten Schuldfähigkeit – denjenigen einen
geringeren Schuldvorwurf, dem lediglich eventualvorsätzliches Handeln
anzulasten ist (Art. 12 Abs. 2 StGB). Das Strafgesetzbuch selbst erwähnt
verschiedene Umstände, die das Verschulden reduzieren können: Wenn der
Täter aus achtenswerten Beweggründen, in schwerer Bedrängnis oder unter dem
Eindruck einer schweren Drohung gehandelt hat; ebenso wenn sein Handeln
durch eine Person, der er Gehorsam schuldet oder von der er abhängig ist,
veranlasst worden ist (Art. 48 lit. a StGB). Im gleichen Sinne ist von einem
minderen Verschulden
auszugehen, wenn der Täter durch das Verhalten der verletzten Person ernsthaft
in Versuchung geführt worden ist (Art. 48 lit. b StGB), wenn er in einer heftigen
Gemütsbewegung oder unter grosser seelischer Belastung (Art. 48 lit. c StGB)
gehandelt hat. Ein reduziertes Verschulden trifft auch denjenigen, der die Tat
durch Unterlassung begeht (Art. 11 Abs. 4 StGB). Zu nennen sind schliesslich die
entschuldbare Notwehr (Art. 16 Abs. 1 StGB) und der entschuldbare Notstand
(Art. 18 Abs. 1 StGB), der vermeidbare Irrtum über die Rechtswidrigkeit (Art. 21
StGB), der Rücktritt (Art. 23 Abs. 1 StGB) und die Gehilfenschaft (Art. 25 StGB).
In all diesen Fällen liegen Sachverhaltselemente vor, die sich verschuldens-
- 30 -
mindernd auswirken, was zu einer milderen Strafe führt. Auf der anderen Seite
sind Umstände denkbar, welche das Tatverschulden erhöhen und namentlich die
wegen der reduzierten Einsichts- bzw. Steuerungsfähigkeit des Täters geringere
Schuld wieder auszugleichen vermögen. Zu erwähnen ist beispielsweise ein
verwerfliches Motiv.
Weiter zu berücksichtigen sind das Ausmass des verschuldeten Erfolges, die Art
und Weise der Herbeiführung dieses Erfolges (Deliktsbetrag, Gefährdung/Risiko,
Sachschaden etc.), die Willensrichtung, mit der der Täter gehandelt hat, das
"Mass an Entscheidungsfreiheit" beim Täter sowie die sogenannte Intensität des
deliktischen Willens (Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, Schweizerisches
Strafgesetzbuch, Kommentar, 18. Auflage, Zürich 2010, N11 zu Art. 47 StGB
samt
Zitaten). Je leichter es für ihn gewesen wäre, die Norm zu respektieren, desto
schwerer wiegt die Entscheidung gegen sie (Entscheide des Bundesgerichts
6S.270/2006 vom 5. September 2006 E. 6.2.1., 6S.43/2001 vom 19. Juni 2001
E. 2. und 6S.333/2004 vom 23. Dezember 2004 E. 1.1.; BGE 122 IV 241 und Pra
2001 S. 832 lit. a; Stratenwerth, Schweizerisches Strafrecht, AT II, 2. A., Bern
2006, S. 179 N 13; Stefan Trechsel, Schweizerisches Strafgesetzbuch,
Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen, 2008, N 21 zu Art. 47 StGB). Auch die
Grösse des Tatbeitrages (bei mehreren Tätern) und die hierarchische Stellung
sind von
Bedeutung (vgl. Hans Wiprächtiger in BSK StGB I, 2.A., Basel 2007, N 69 ff. zu
Art. 47 StGB; Trechsel, a.a.O., N 18 ff. zu Art. 47 StGB).
Es liegt im Ermessen des Sachrichters, in welchem Umfang er die verschiedenen
Strafzumessungsfaktoren berücksichtigt. Das Gericht ist nicht gehalten, in Zahlen
oder Prozenten anzugeben, wie es die einzelnen Strafzumessungskriterien
bewertet (Urteil des Bundesgerichtes 6B_524/2010 u. 6B_626/2011 vom
8. Dezember 2011 E. 4.4.).
Das Gesamtverschulden ist zu qualifizieren und mit Blick auf Art. 50 StGB im
Urteil ausdrücklich zu benennen, wobei von einer Skala denkbarer Abstufungen
nach Schweregrad auszugehen ist. Das Bundesgericht drängt in seiner aktuellen
- 31 -
Praxis vermehrt darauf, dass Formulierung des Verschuldens und Festsetzung
des Strafmasses auch begrifflich im Einklang stehen (Urteile des Bundesgerichtes
6B_524/2010 u. 6B_626/2011 vom 8. Dezember 2011 E. 4.4., 6B_1096/2010 vom
7. Juli 2011 E. 4.2., 6B_1048/2010 vom 6. Juni 2011 E. 3.2. und 6B_763/2010
vom 26. April 2011 E. 4.1.).
Hierauf ist in einem zweiten Schritt innerhalb des zur Verfügung stehenden
Strafrahmens die (hypothetische) Strafe zu bestimmen, die diesem Verschulden
entspricht (Urteil des Bundesgerichtes 6B_524/2010&6B_626/2011 vom
8. Dezember 2011 E. 4.4.).
3. Tatkomponente
Vorerst ist mithin die objektive Tatschwere als Ausgangskriterium für die
Verschuldensbewertung festzulegen und zu bemessen. Die Bewertung der
objektiven Tatschwere hat in Relation zum geschützten Rechtsgut zu erfolgen.
Auslöser des Konflikts war das Ausstellen einer Busse durch die Privatklägerin an
die Adresse des Beschuldigten, wobei sich der Beschuldigte von der
Privatklägerin nicht verstanden fühlte. Darauf folgte eine zuerst verbale und dann
körperliche Auseinandersetzung, die immer aggressiver wurde und in der
Tathandlung ihren Abschluss fand. Es darf dabei nicht vergessen werden, dass
es sich bei der Privatklägerin um ein ältere, deutlich kleinere Frau handelt, die
durch die Tathandlung einen doppelten Armbruch erlitt, was eine Operation nach
sich zog (Urk. 30/3 S. 5).
Insofern ist das Verhalten des Beschuldigten als rücksichts- und respektlos zu
bezeichnen. Der Beschuldigte griff die Privatklägerin jedoch nicht aus heiterem
Himmel an, sondern vielmehr als direkte, wenn auch unverhältnismässige
Reaktion (vgl. Ziff. III. 2.3.) auf ihren Kratz-Angriff auf seinen Hals, was sich
deutlich strafreduzierend auswirkt. In subjektiver Hinsicht ist dem Beschuldigten
zugute zu halten, dass er die erlittenen Verletzungen der Privatklägerin lediglich in
Kauf nahm und nicht direktvorsätzlich handelte.
Das Tatverschulden des Beschuldigten ist als noch leicht zu taxieren, weshalb
angesichts des sich bis auf drei Jahre Freiheitsstrafe belaufenden Strafrahmens
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eine hypothetische Einsatzstrafe im Bereich von 150 Tagessätzen Geldstrafe
angemessen ist.
4. Täterkomponente
4.1. Persönliche Verhältnisse/ Werdegang
Der Beschuldigte ist im Kosovo aufgewachsen und dort acht Jahre lang in
die Grundschule gegangen. Die Mittelschule brach er nach einem Jahr ab, um
alsdann vier Jahre lang in Serbien zu arbeiten. Ab April 1998 bis 2000 war er als
Asylbewerber in Berlin. Am 29. Juli 2001 kam er in die Schweiz. Im Kosovo
machte er noch eine Anlehre als Bäcker. Seit Juni 2008 ist er Schweizer Bürger.
Vom 14. Januar 2002 bis 2008 arbeitete er bei der F._ AG und danach bis
September 2010 bei der Bäckerei G._. Ab Oktober 2010 bis April 2012 war
der Beschuldigte Chauffeur bei der Firma H._ in ..., wo er bereits früher
gearbeitet hatte. Seit April 2012 arbeitet er als Lagerist bei der
I._ AG in ... und verdient Fr. 4'700.-- netto zuzüglich eines 13. Monatslohns.
Seit November 2012 wohnt er in .... Der Beschuldigte ist verheiratet und hat drei
Kinder, welche alle noch bei ihm wohnen. Seine Frau
arbeitet wöchentlich sechs bis zehn Stunden und verdient pro Stunde Fr. 19.--
netto inklusive aller Entschädigungen. Er unterstützt seine im Kosovo lebenden
Eltern finanziell mit bis zu 400 Euro monatlich. Weiter hat der Beschuldigte weder
Vermögen noch Schulden (Urk. 27 S. 1 ff.). Aus den persönlichen Verhältnissen
und dem Werdegang lassen sich keine strafzumessungsrelevanten Faktoren
ableiten.
4.2. Vorstrafen
Der Beschuldigte weist keine Vorstrafen auf (Urk. 39).
4.3. Nachtatverhalten
Der Beschuldigte wollte sich nach anfänglichen Aussagen bei der Privatklägerin
zwar für sein Verhalten entschuldigen (Urk. 5/2 S. 3). Angesichts dessen, dass er
- 33 -
danach aber von seinen Eingeständnissen abrückte, kann dieser Aspekt nicht zu
seinen Gunsten gewertet werden.
4.4 Die Täterkomponente führt nicht zu einer Reduktion der aufgrund der
Tatkomponente festgesetzten hypothetischen Einsatzstrafe.
5. Beschleunigungsgebot
Das Beschleunigungsgebot ist in Art. 29 Abs. 1 BV sowie Art. 5 Abs. 1 StPO
festgeschrieben und verpflichtet die Behörden, das Strafverfahren zügig
voranzutreiben, um die beschuldigte Person nicht unnötig über die gegen sie
erhobenen Vorwürfe im Ungewissen zu lassen. Welche Verfahrensdauer
angemessen ist, kann nicht in allgemeiner Form gesagt werden und hängt von
den konkreten Umständen ab, die in ihrer Gesamtheit zu würdigen sind. Dabei
sind insbesondere die Komplexität des Falls, das Verhalten der beschuldigten
Person, die Behandlung des Falls durch die Behörden und dessen Bedeutung für
die beschuldigte Person zu berücksichtigen. Bei festgestellter Verletzung des
Beschleunigungsgebots reichen die Sanktionen von der Berücksichtigung der
Verfahrensverzögerung bei der Strafzumessung über die Schuldigsprechung
unter gleichzeitigem Strafverzicht bis zur Verfahrenseinstellung (vgl. BGE 133 IV
158 E. 8; 130 IV 54 E. 3).
Die Verteidigung monierte vor Vorinstanz als Verletzung des Beschleunigungs-
gebots, dass die Untersuchung gegen den Beschuldigten zweieinhalb Jahre und
damit zu lange gedauert hat (Prot. I. S. 12).
Mit Abtretungsverfügung vom 9. November 2010 wurde die Untersuchung im
vorliegenden Fall von der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland an die
Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat abgetreten (Urk. 10 S. 3). Trotz dreifacher
Nachfrage des Vertreters der Privatklägerin nach dem Verfahrensstand am
10. Mai 2011, 26. Juli 2011 und 13. März 2012 (Urk. 12/6 u. 12/8) verstrichen
zwischen der Abtretung der Untersuchung und den ersten Vorladungen im März
2012 rund ein Jahr und gut vier Monate, in welcher Zeit keine einzige
aktenkundige Untersuchungshandlung vorgenommen wurde. Auch wenn
https://www.swisslex.ch/cms_swisslex/slx/TemplateForXMLContent.aspx?DocService=DocLinkInPortalDoc&d=DEx101xA29 https://www.swisslex.ch/cms_swisslex/slx/TemplateForXMLContent.aspx?DocService=DocLinkInPortalDoc&d=DEx101 https://www.swisslex.ch/cms_swisslex/slx/TemplateForXMLContent.aspx?DocService=DocLinkInPortalDoc&d=BGEx133xIVx158x170 https://www.swisslex.ch/cms_swisslex/slx/TemplateForXMLContent.aspx?DocService=DocLinkInPortalDoc&d=BGEx133xIVx158x170 https://www.swisslex.ch/cms_swisslex/slx/TemplateForXMLContent.aspx?DocService=DocLinkInPortalDoc&d=BGEx130xIVx54x57
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anschliessend sowohl das Untersuchungs- als auch die gerichtlichen Verfahren
beförderlich vonstatten gingen, muss dieser lange Unterbruch als Verletzung
des Beschleunigungsgebots bezeichnet werden und sich entsprechend – wenn
auch im moderaten Rahmen – strafmindernd auswirken. Infolge dieses
Strafminderungsgrundes erweist sich eine Geldstrafe von 100 Tagessätzen als
dem Verschulden und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten
angemessen.
6. Höhe des Tagessatzes
Es sind bei der Bestimmung der Höhe des Tagessatzes gemäss Art. 34 Abs. 2
StGB namentlich das Einkommen und das Vermögen, der Lebensaufwand,
allfällige Familien- und Unterstützungspflichten sowie das Existenzminimum zu
berücksichtigen. Auszugehen ist in der Regel vom Nettoeinkommen, das der
Täter im Zeitpunkt des Urteils durchschnittlich erzielt. Massgebend ist seine
wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Die Geldstrafe soll beim Täter eine
Einschränkung des Lebensstandards und Konsumverzicht bewirken (BGE 134 IV
64). Es ist von einem Nettoeinkommen von rund Fr. 5'100.-- (inkl. 13. Monatslohn)
auszugehen, abzüglich Steuern und Krankenkassenprämien. Setzte man für die
voraussichtliche Steuerbelastung einen monatlichen Betrag von Fr. 100.– (vgl.
Urk. 60/1) und für die Krankenkassengrundversicherung für die ganze Familie Fr.
800.– (Urk. 62 S. 3) ein, käme man auf einen Betrag von rund Fr. 4'200.–, der
dem Beschuldigten monatlich zur Verfügung bliebe. Der Beschuldigte ist
verheiratet und hat drei Kinder, die alle noch in seinem Haushalt leben. Seine
Frau arbeitet bis zu zehn Stunden à Fr. 19.-- pro Woche und verdient zwischen
Fr. 700.-- und Fr. 800.-- pro Monat. Es erscheint eine Tagessatzhöhe von Fr. 50.--
als angemessen.
7. Verbindungsbusse
Da der dem Beschuldigten vorgeworfene Vergehenstatbestand der Körperver-
letzung in unechter Konkurrenz zum Übertretungstatbestand der Tätlichkeit steht,
wobei Ersterer Letzteren verdrängt, ist in Einklang mit der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung zwingend eine Verbindungsbusse gemäss Art. 42 Abs. 4 StGB
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auszusprechen (vgl. BGE 134 IV 95 f.). Demzufolge ist eine Busse im Betrag von
Fr. 800.-- auszusprechen.
8. Fazit
Zusammenfassend ist der Beschuldigte mit einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen
zu Fr. 50.-- und einer Busse von Fr. 800.-- zu bestrafen.
V. Vollzug
1. Objektive Kriterien
Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe, von gemeinnütziger Arbeit oder
einer Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten und höchstens zwei Jahren
in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den
Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 42
Abs. 1 StGB).
Da der Beschuldigte heute mit einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu
bestrafen ist, sind die objektiven Voraussetzungen erfüllt.
2. Subjektive Kriterien
In subjektiver Hinsicht ist das Fehlen einer ungünstigen Prognose vorausgesetzt.
Bei der Prognosestellung sind die Tatumstände, das Vorleben, der Leumund
sowie alle weiteren Tatsachen, die gültige Schlüsse auf den Charakter des Täters
und die Aussichten seiner Bewährung zulassen, zu beachten.
Der Beschuldigte hat sich seit der Tat wohl verhalten. Ausserdem ist er im
Arbeitsleben gut integriert. Es besteht kein Anlass, dem Beschuldigten die
günstige Prognose für sein künftiges Wohlverhalten abzusprechen.
Der Vollzug der Geldstrafe ist daher aufzuschieben.
- 36 -
3. Probezeit
Schiebt das Gericht den Vollzug einer Strafe ganz oder teilweise auf, so bestimmt
es dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren (Art. 44 Abs. 1 StGB).
Da keine Bedenken hinsichtlich künftigen Wohlverhaltens des Beschuldigten
bestehen, ist eine Probezeit von zwei Jahren anzusetzen.
VI. Zivilansprüche
1. Schadenersatz
1.1. Die Klage auf Schadenersatz kann entweder adhäsionsweise durch
schriftliches oder mündliches Begehren im Strafverfahren oder selbständig beim
zuständigen Zivilgericht erhoben werden (Art. 122 Abs. 1 StPO). Da die
Geltendmachung von Zivilansprüchen der Dispositionsmaxime im Sinne von Art.
123 StPO unterliegt, obliegt es dem Privatstrafkläger, seine Ansprüche
rechtsgenügend zu substantiieren. Erfolgt die Begründung und Bezifferung der
Zivilklage bis zum
Abschluss der Hauptverhandlung nicht hinreichend, ist die Zivilklage auf den Weg
des ordentlichen Zivilprozesses zu verweisen (Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO). Die im
Zivilprozess übliche Folge der Klageabweisung mangels Substantiierung erfolgt
im Adhäsionsprozess nicht (Dolge in BSK StPO, N 13 zu Art. 123 StGB). Wäre
die vollständige Beurteilung des Zivilanspruchs unverhältnismässig aufwendig, so
kann das Gericht die Zivilklage nur dem Grundsatz nach entscheiden und sie im
Übrigen auf den Zivilweg verweisen. Ansprüche von geringer Höhe beurteilt
das Gericht nach Möglichkeit selbst (Art. 126 Abs. 3 StPO). Gegenstand der
Adhäsionsklage sind Ansprüche, die sich nur aus dem Zivilrecht ergeben und
dem deliktisch entstandenen Schaden entsprechen. Mit anderen Worten handelt
es sich um solche, die sich aus einem strafbaren und Gegenstand der Anklage
bildenden Sachverhalt herleiten und mit dem Straftatbestand konnex sind.
Wer einem anderen widerrechtlich Schaden zufügt, sei es mit Absicht, sei es
aus Fahrlässigkeit, wird zum Ersatz verpflichtet (Art. 41 ff. OR). Voraussetzungen
- 37 -
einer Ersatzpflicht sind somit ein Schaden, Widerrechtlichkeit,
Kausalzusammenhang und Verschulden.
1.2. Die Privatklägerin verlangt Schadenersatz in der Höhe von Fr. 124.75 nebst
Zins zu 5% seit 20. Januar 2012 (Urk. 29 S. 10). Dabei handle es sich um den
Selbstbehalt der von ihr bezahlten Versicherungsleistungen im Zusammenhang
mit vorliegendem Schadensfall. Dazu reichte die Privatklägerin detaillierte
Rechnungen betreffend den Selbstbehalt der ... Versicherung ein (Urk. 30/4).
Der Beschuldigte hat diese Forderung eventualiter anerkannt (Prot. I S. 12),
weshalb er zu verpflichten ist, der Privatklägerin für den ihr entstandenen
Schaden Fr. 124.75 zuzüglich Zins zu 5% seit 20. Januar 2012 zu bezahlen.
1.3. Weiter verlangt die Privatklägerin Ersatz für Lohnausfall im Betrag von
Fr. 1'052.20 zuzüglich 5% Zins seit dem 30. September 2010 (Urk. 29 S. 10).
Dabei handle es sich um Lohnausfall, welcher der Privatklägerin aufgrund ihrer
Arbeitsunfähigkeit vom 1. Juli bis zum 27. September 2010 bei der Firma J._
Ltd. entstanden sei, wo sie neben ihrer Tätigkeit als Hauswartin drei Stunden
wöchentlich zu Fr. 27.-- pro Stunde als Reinigungskraft gearbeitet habe (Urk. 29
S. 10). Dazu reicht die Privatklägerin eine Bestätigung ihres Arbeitgebers ein, in
welcher dieser ausführt, dass die Privatklägerin jeweils am Donnerstagmorgen
Putzarbeiten auf Stundenlohnbasis verrichte (Urk. 32/4). Da auch diese
Schadenersatzforderung vom Beschuldigten eventualiter anerkannt wurde (Prot. I
S. 12), ist dieser zu verpflichten, der Privatklägerin Fr. 1'052.20 zuzüglich Zins zu
5% seit dem 30. September 2010 zu bezahlen.
1.4. Schliesslich verlangt die Privatklägerin, der Beschuldigte sei dem Grundsatz
nach zu Schadenersatz an diese zu verpflichten, wobei sie für die
entsprechenden Weiterungen auf den Zivilweg zu verweisen sei. Entsprechend
der Anerkennung der Schadenersatzforderungen seitens des Beschuldigten im
Falle
eines Schuldspruchs (Prot. I S. 12) ist auch diese Forderung gutzuheissen, wobei
aufgrund dessen, dass die Privatklägerin ein Selbstverschulden trifft (vgl. unten
Ziff. 2.2), festzustellen ist, dass der Beschuldigte aus dem eingeklagten Ereignis
- 38 -
dem Grundsatz nach gegenüber der Privatklägerin im Umfang von zwei Dritteln
schadenersatzpflichtig wird.
1.5. Insgesamt ist der Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin
Schadenersatz im Betrag von Fr. 124.75 zuzüglich 5% Zins seit dem 20. Januar
2012
sowie Fr. 1'052.20 zuzüglich 5% Zins seit dem 30. September 2010 zu bezahlen.
Weiter ist festzustellen, dass der Beschuldigte aus dem eingeklagten Vorfall
(Körperverletzung) gegenüber der Privatklägerin dem Grundsatz nach
schadenersatzpflichtig im Umfang von zwei Dritteln wird, wobei die Privatklägerin
zur
genauen Feststellung des Schadenersatzanspruchs auf den Zivilweg zu
verweisen ist.
2. Genugtuung
2.1. Wer in seiner Persönlichkeit widerrechtlich verletzt wird, hat Anspruch auf
Leistung einer Geldsumme als Genugtuung, sofern die Schwere der Verletzung
es rechtfertigt und diese nicht anders wieder gut gemacht worden ist (Art. 49
Abs. 1 OR). Zweck der Genugtuung ist die Wiedergutmachung immaterieller
Unbill. Massgebend für die Höhe der Genugtuungssumme ist der vom Opfer
empfundene Schmerz, nicht die finanzielle Lage des Verletzers. Eine Bezifferung
dieser Beeinträchtigung ist allerdings schwierig und letztlich eine Ermessensfrage.
Objektivierbare Beurteilungskriterien für die Zusprechung einer
Genugtuungssumme fehlen weitgehend. Auch die schädlichen Auswirkungen
eines Eingriffes in die körperliche Integrität des Opfers sind kaum objektivierbar,
treten doch oft erst Jahre später (noch) Symptome auf, welche auf die Verletzung
zurückzuführen sind. Bei einer Körperverletzung kommt es vor allem auf die Art
und Schwere der Verletzung und der Intensität und die Dauer der Auswirkungen
auf die Persönlichkeit des Geschädigten sowie auf den Grad des Verschuldens
an, das den Schädiger trifft. Die Genugtuungssumme ist im Anwendungsbereich
von Art. 47 OR in der Regel umso höher, je schwerer die Körperverletzung ist. Die
Festsetzung der Höhe der Genugtuung ist stets ein Billigkeitsentscheid im Sinne
von Art. 4 ZGB. Ein seelischer Schaden kann mit anderen Worten nicht mit
- 39 -
Geld aufgewogen werden, weshalb die Genugtuungssumme immer einen
symbolischen Charakter hat. Die Genugtuung darf aber nicht so tief bemessen
sein, dass der Eindruck erweckt wird, die wirklich erlittene Unbill werde durch das
Gericht bagatellisiert. Bei der Bemessung und Festsetzung der Höhe der
Genugtuungsleistung kommt dem Gericht ein erheblicher Ermessensspielraum
zu. Die Genugtuung ist zu reduzieren, wenn den Schädiger ein bloss geringes
Verschulden trifft wie auch bei Mitverschulden des Opfers (vgl. zum Ganzen
Heierli/Schnyder, in: BSK OR I, Basel 2011, N. 20 f. zu Art. 47; M. Sidler in
Handbücher für die Anwaltspraxis, Bd. V, Schaden-Haftung-Versicherung, Rz.
10.49).
2.2. Die Privatklägerin stellt den Antrag, es sei der Beschuldigte zu verpflichten,
ihr aufgrund der aktenkundigen Verletzungen, des längeren Arbeitsausfalls
und angesichts der langen Verfahrensdauer eine Genugtuung im Betrag von
Fr. 5'000.-- zuzüglich 5% Zins seit dem 1. Juli 2010 zu bezahlen. Die
Privatklägerin wurde aufgrund der Körperverletzung und der dabei erlittenen
Verletzungen, welche mehrere Spitalaufenthalte sowie eine Operation notwendig
machten, in
ihrer Persönlichkeit verletzt, was in einem ersten Schritt die Festsetzung einer
(hypothetischen) Genugtuungssumme im Bereich von Fr. 3'000.-- rechtfertigt. Da
den Beschuldigten jedoch ein noch leichtes Verschulden trifft und die
Privatklägerin erwiesenermassen zur Eskalation der Auseinandersetzung
zwischen ihr und dem Beschuldigten beigetragen hat, ist die Genugtuungssumme
auf Fr. 2'000.-- zu reduzieren (Fallbeispiele in: Hütte/Ducksch/Guerrero, Die
Genugtuung, 3. A., Stand: August 2005, Zürich 2005).
2.3. Dementsprechend ist der Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin
eine reduzierte Genugtuung von Fr. 2'000.-- zuzüglich 5% Zins seit dem 1. Juli
2010 zu bezahlen. Im Mehrbetrag ist das Genugtuungsbegehren abzuweisen.
- 40 -
VII. Kosten und Entschädigung
1. Kosten
1.1. Der Beschuldigte wird trotz des Teilfreispruchs für das Vorverfahren voll-
umfänglich kostenpflichtig, da sämtliche ihm zur Last gelegten Handlungen in
einem engen und direkten Zusammenhang stehen und alle Untersuchungs-
handlungen hinsichtlich jedes Anklagepunktes notwendig waren (vgl. Domeisen,
in: Niggli/Heer/Wiprächtiger, BSK StPO, Basel 2010, Art. 426 N 6 m.w.H.).
1.2. Da der Beschuldigte im Rechtsmittelverfahren betreffend Körperverletzung
schuldig gesprochen und vom Vorwurf der Drohung und der Tätlichkeit
freigesprochen wird und die letzteren beiden Delikte zusammen etwa gleich
schwer wiegen wie Ersteres, sind die Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens zur
Hälfte dem Beschuldigten aufzuerlegen und zur Hälfte auf die Gerichtskasse zu
nehmen (vgl. Art. 428 Abs. 3 i.V.m. Art. 426 Abs. 1 StPO). Die Gerichtsgebühr für
das
erstinstanzliche Gerichtsverfahren ist auf Fr. 2'000.-- festzusetzen.
1.3. Im Berufungsverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe ihres
Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Privatklägerin obsiegt
im Schuldpunkt betreffend die Körperverletzung und somit im gewichtigsten
Punkt. Weiter obsiegt sie im Zivilpunkt betreffend die Genugtuung zu zwei
Fünfteln und betreffend den Schadenersatz alles in allem zu mehr als zwei
Dritteln. Es ist also auch hier insgesamt von einer hälftigen Aufteilung der Kosten
auszugehen, wobei die Kosten zur Hälfte der Privatklägerin und zur Hälfte dem
Beschuldigten aufzuerlegen sind. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr ist auf
Fr. 3'000.-- festzusetzen.
2. Entschädigung
2.1. Da der Beschuldigte von den Vorwürfen der Drohung und der Tätlichkeit
freigesprochen wird, was im Vergleich zum Schuldspruch betreffend die
Körperverletzung etwa gleich ins Gewicht fällt, ist ihm für das vorinstanzliche
Verfahren eine reduzierte Prozessentschädigung von Fr. 2'160.-- aus der
- 41 -
Gerichtskasse
zuzusprechen (Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO), wobei das Verrechnungsrecht nach
Art. 442 Abs. 4 StPO vorbehalten bleibt. Da die Privatklägerin zur Hälfte obsiegt,
ist der Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin eine entsprechend
reduzierte Prozessentschädigung von Fr. 5'000.-- zu bezahlen (Urk. 29 S. 10
zuzüglich Kosten für die fünfstündige Hauptverhandlung [Prot. I S. 5 u. S. 13]).
2.2. Da der Beschuldigte und die Privatklägerin im Berufungsverfahren zu
gleichen Teilen obsiegen und unterliegen, sind die zweitinstanzlichen Prozess-
entschädigungen wettzuschlagen.
2.3. Weiter verlangt die Privatklägerin eine pauschale Umtriebsentschädigung
von Fr. 110.-- für die Fahrtkosten zu den zwei (recte: drei) Einvernahmen und den
drei Besprechungen mit dem Anwalt und zu den Gerichtsverhandlungen. Da
die Privatklägerin gestützt auf Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO Anspruch auf Ersatz
notwendiger Auslagen im Verfahren und somit der – mit dem Untersuchungs-
und den beiden gerichtlichen Verfahren verbundenen – Reisespesen hat und die
beantragte Summe angemessen erscheint, ist ihr eine Entschädigung im Betrag
von Fr. 110.-- zuzusprechen.