# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 698730e3-a654-512b-bca4-bf6a29e28d8b
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdeführenden reichten am 14. November 2014 bei der Gemeinde Köniz
ein Baugesuch ein für den Abbruch und Wiederaufbau des Stöcklis (Gebäude Nr. 71) auf
Parzelle Köniz Grundbuchblatt Nr. C._, den Anbau einer Holzschnitzelheizung und
eines Holzschnitzelbunkers an das Gebäude Nr. 73a sowie das Erstellen eines
Nahwärmeverbunds mit den Parzellen Köniz Grundbuchblatt Nrn. D._ und
E._. Die Parzelle Köniz Grundbuchblatt Nr. C._ liegt in der
Landwirtschaftszone und im kommunalen Ortsbildschutzgebiet Nr. 3.4 F._. Das
Stöckli ist im kantonalen Bauinventar als erhaltenswert eingestuft. Mit Gesamtentscheid
vom 21. Mai 2015 erteilte die Gemeinde Köniz die Baubewilligung.
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2. Am 12. Januar 2016 führte die Gemeinde zusammen mit dem Amt für Gemeinden
und Raumordnung (AGR) die Schlussabnahme durch. Dabei stellte sie zahlreiche
Abweichungen vom bewilligten Stöckli fest. Mit Wiederherstellungsverfügung vom
10. Februar 2016 forderte die Gemeinde Köniz die Beschwerdeführenden auf, innert 60
Tagen folgende Massnahmen zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands
umzusetzen: Bastelraum Untergeschoss: - Der Raum ist vom Heizungssystem abzutrennen.
- Das abgetrennte Heizsystem muss plombiert werden.
- Die Fensterfläche an der westlichen Fassade ist auf 5 % der zugehörenden Zimmerfläche zu
redimensionieren mittels Ersatz der Glasfläche durch ein lichtundurchlässiges Material oder durch
eine fix installierte Blende.
- Die Trennwand zwischen Wohnung und Bastelraum ist in Massivbauweise auszuführen.
Kellerraum Untergeschoss (Nordostecke) - Der Raum ist vom Heizungssystem abzutrennen.
- Das abgetrennte Heizsystem muss plombiert werden.
- Die Fensterfläche an der nördlichen Fassade ist auf 5 % der zugehörenden Zimmerfläche zu
redimensionieren mittels Ersatz der Glasfläche durch ein lichtundurchlässiges Material oder durch
eine fix installierte Blende.
- Der Durchgang zwischen Wohnung und Kellerraum ist zu schliessen und der Keller ist neu von der
Seite Technik/Waschen/Trocknen her zu erschliessen.
Fassadenveränderungen - Vor den Dachgeschossfenstern sind fixe Blenden anzubringen.
- Die Holzverkleidungen der Fassaden ist gemäss dem genehmigten Plan Fassaden und Schnitt
(Datum Bauinspektorat vom 30.04.2015) anzupassen.
Die Gemeinde wies auf die Möglichkeit, ein nachträgliches Baugesuch einzureichen, hin
und drohte gleichzeitig die Ersatzvornahme bei Nichtbefolgung an. Die
Beschwerdeführenden reichten kein nachträgliches Baugesuch ein.
3. Gegen diese Verfügung reichten die Beschwerdeführenden am 29. Februar 2016
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie
beantragen, den direkten Zugang zwischen der Wohnung und dem Kellerraum in der
Nordostecke im Untergeschoss beibehalten und die Fassaden des Anbaus im Bereich des
Untergeschosses auf allen drei Seiten mit Verputz statt Holzverschalung belassen zu
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dürfen. Dies entspreche der Situation vor dem Abbruch und Neubau und den Vorgaben der
Baubehörde.
4. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, holte die
Vorakten und eine Stellungnahme der Gemeinde ein. Danach führte es im Beisein des
Beschwerdeführers 1 und dessen Vaters, je einer Vertretung der Gemeinde und des AGR
sowie einer Delegation der kommunalen Bau- und Planungskommission einen
Augenschein mit Instruktionsverhandlung durch. Die Verfahrensbeteiligten erhielten
Gelegenheit, sich zum Protokoll des Augenscheins zu äussern und Schlussbemerkungen
einzureichen. Die Beschwerdeführenden reichten mit Schreiben vom 27. Juni 2016 bei der
Gemeinde eine "Projektänderung für die Kleinwohnung im Untergeschoss Gebäude Nr. 71"
ein. Aufgrund des Zusammenhangs der nachträglichen Projektänderung mit der
angefochtenen Wiederherstellungsverfügung sistierte das Rechtsamt das
Beschwerdeverfahren mit dem Einverständnis der Beteiligten bis zum Entscheid über die
Projektänderung.
Mit Gesamtentscheid vom 27. September 2016 erteilte die Gemeinde die Baubewilligung
für die genannte Projektänderung. Das Rechtsamt nahm das Verfahren wieder auf und gab
den Verfahrensbeteiligten Gelegenheit, zum Fortgang des Verfahrens Stellung zu nehmen
und erneut Schlussbemerkungen einzureichen.
5. Auf die Rechtsschriften und das Ergebnis des Augenscheins wird, soweit für den
Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
Gemäss Art. 49 Abs. 1 BauG2 können baupolizeiliche Verfügungen nach Art. 45 bis 48
BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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Die Beschwerdeführenden sind als Adressaten durch die angefochtene Verfügung
beschwert und daher zur Beschwerde legitimiert. Auf ihre form- und fristgerecht
eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Streitgegenstand
a) Anfechtungsobjekt ist die Verfügung der Vorinstanz. Der Streitgegenstand braucht
sich nicht mit dem Anfechtungsobjekt zu decken, kann aber auch nicht über dieses
hinausgehen. Die Parteien können den Streitgegenstand im Verlauf des Verfahrens nicht
erweitern, sondern nur einschränken.3
b) Anfechtungsobjekt ist die Wiederherstellungsverfügung vom 10. Februar 2016. Von
den Beschwerdeführenden angefochten – und damit Streitgegenstand – sind einzig die
Anordnungen betreffend Kellerraum im Untergeschoss (Nordostecke) und betreffend
Fassadenveränderungen. Die weiteren Anordnungen sind nicht angefochten; insofern ist
die Wiederherstellungsverfügung vom 10. Februar 2016 rechtskräftig. Dies betrifft
insbesondere die Anordnungen betreffend den Bastelraum im Untergeschoss in der
Südwestecke.
3. Kellerraum im Untergeschoss (Nordostecke)
a) Im Untergeschoss des Stöcklis wurden mit Gesamtentscheid vom 21. Mai 2015 u.a.
eine Einzimmerwohnung und in der Nordostecke ein Kellerraum mit direktem Zugang aus
der Einzimmerwohnung bewilligt. Entgegen der Baubewilligung wurde der Kellerraum in
der Nordostecke wärmegedämmt und an die Heizung angeschlossen. Zur Unterbindung
einer möglichen – aber nicht bewilligten und nicht bewilligungsfähigen – Wohnnutzung im
Kellerraum ordnete die Gemeinde u.a. das Schliessen des direkten Durchgangs zwischen
Wohnung und Kellerraum in der Nordostecke an. Während des Beschwerdeverfahrens
reichten die Beschwerdeführenden bei der Gemeinde eine nachträgliche Projektänderung
ein, mit der sie die Umnutzung des Kellerraums in der Nordostecke zu einem Zimmer
beantragen. Im Gegenzug verringerten sie die Fläche der Einzimmerwohnung im
Untergeschoss zugunsten des als unbewohnt geltenden Bastelraums in der Südwestecke
3 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 72 N. 6 bis 8
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des Untergeschosses. Die Gemeinde erteilte mit Gesamtentscheid vom 27. September
2016 die Baubewilligung.
b) Mit der Bewilligung der Umnutzung des ursprünglich als Keller bewilligten Raums in
der Nordostecke des Untergeschosses zu einem Zimmer fällt die angefochtene
Wiederherstellungsverfügung im entsprechenden Umfang von Gesetzes wegen dahin
(Art. 46 Abs. 2 Bst. d BauG). Das Beschwerdeverfahren kann in Bezug auf den Kellerraum
in der Nordostecke des Untergeschosses als erledigt vom Geschäftsverzeichnis
abgeschrieben werden (Art. 39 VRPG4).
Das Stöckli wird erst mit der Umsetzung der Projektänderung baurechtskonform. Sofern
die Projektänderung noch nicht umgesetzt ist, ist es an der Gemeinde als
Baupolizeibehörde eine Frist zur Umsetzung zu setzten und die Einhaltung zu kontrollieren.
4. Fehlende Holzverschalung am Anbau im Bereich des Untergeschosses
a) Das Stöckli ist ein Ersatzbau für ein als erhaltenswert bezeichnetes Baudenkmal in
einem Ortsbildschutzgebiet und in der Landwirtschaftszone. Beim abgebrochenen Stöckli
handelte es sich gemäss Beschreibung im Bauinventar um einen einfachen, 4-achsigen
Riegbau unter steilem Viertelwalmdach mit Seitenlauben mit säulenförmigen Pfosten. Es
ist unbestritten, dass das vorbestehende Stöckli auf der Nordseite einen Holzschopf
aufwies. Die Gemeinde und ihre Bau- und Planungskommission verlangten im
Baubewilligungsverfahren, dass sich das äussere Erscheinungsbild des Neubaus daran
orientiert. In der Folge lehnte die Gemeinde das zunächst projektierte durchgehende
Sockelgeschoss bzw. Untergeschoss ab und verlangte ein Gebäude, das sich optisch in
einen Haupt- und einen Anbauteil gliedert.5 Zudem verlangte sie eine einheitliche
Materialisierung.6 Gemäss diesen Vorgaben einigten sich Gemeinde und Bauherrschaft
anlässlich einer Begehung darauf, dass der nordseitige Gebäudeteil unter dem Pultdach
dreiseitig mit einer vertikalen Holzverschalung verkleidet wird.7
4 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 5 Vorakten, Plan West-Fassade vom 14. November 2014 (P-1) 6 Gesamtentscheid vom 21. Mai 2015, Ziffer 5.3 7 Vorakten, pag. 52; Protokoll des Augenscheins vom 10. Juni 2016, S. 2 (Votum Beschwerdeführer 1)
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Entsprechend sahen die bewilligten Pläne folgenden Stöcklineubau vor: Das Stöckli weist
ein Viertelwalmdach und nordseitig ein quer zum Hauptdach stehendes Pultdach auf. Das
Ober- und Dachgeschoss sind als Riegbau ausgeführt, während das Erd- und
Untergeschoss hell-braun verputzt sind. Der nordseitige Gebäudeteil unter dem Pultdach
ist auf der West-, Nord- und Ostfassade mit einer grau-braunen Holzverschalung bedeckt.
Dadurch wirkt dieser nordseitige Teil wie ein Anbau, obwohl es sich aufgrund des
durchgehenden Grundrisses konstruktiv und baurechtlich nicht um einen solchen handelt.
b) Bei der Bauausführung wurde die vorgesehene Holzverkleidung im Untergeschoss
auf der West-, Nord- und Ostfassade weggelassen. Es ist unbestritten, dass die
Fassadengestaltung damit nicht der mit Gesamtentscheid vom 21. Mai 2015 erteilten
Baubewilligung entspricht. Es liegt ein formell rechtswidriger Zustand vor.
c) Wird ein Bauvorhaben ohne Baubewilligung oder in Überschreitung einer
Baubewilligung ausgeführt oder werden bei der Ausführung eines bewilligten Vorhabens
Vorschriften missachtet (sog. formelle Rechtswidrigkeit), so setzt die Baupolizeibehörde
eine angemessene Frist zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands unter
Androhung der Ersatzvornahme (Art. 46 Abs. 1 und 2 BauG). Mit der
Wiederherstellungsverfügung ist dem Betroffenen Gelegenheit zur Einreichung eines
nachträglichen Baugesuchs zu geben.8 Aber auch beim Fehlen eines nachträglichen
Baugesuchs haben die Rechtsmittelinstanzen wenigstens summarisch zu prüfen, ob das
Vorhaben gegen einschlägige Vorschriften verstösst (sog. materielle Rechtswidrigkeit).
Nach der Praxis des Verwaltungsgerichts gilt es als unverhältnismässig, eine an sich
bewilligungsfähige Baute oder Anlage bloss wegen Fehlens der Baubewilligung beseitigen
zu lassen.
d) Die Beschwerdeführenden haben für die von der Baubewilligung abweichende
Fassadengestaltung kein nachträgliches Baugesuch eingereicht. Sie beantragen aber, die
Holzverkleidung wie ausgeführt belassen zu können und sie machen geltend, die
Richtlinien der Baubehörde seien eingehalten. Der untergeordnete Anbau mit Pultdach
entspreche demjenigen vor dem Abbruch des alten Stöcklis und setze sich auch so gut
vom Stöckli ab. Sinngemäss machen die Beschwerdeführenden damit geltend, die
8 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 46 N. 3 und 14 ff.
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tatsächlich ausgeführte Fassadengestaltung sei bewilligungsfähig bzw. materiell nicht
rechtswidrig.
e) Für einen Ersatzbau für ein als erhaltenswert bezeichnetes Baudenkmal in einem
Ortsbildschutzgebiet und in der Landwirtschaftszone bestehen besondere Anforderungen
an die Gestaltung. So ist der Abbruch erhaltenswerter Baudenkmäler nach der kantonalen
Baugesetzgebung nur zulässig, wenn die Erhaltung unverhältnismässig ist; im Falle einer
Neubaute ist das Baudenkmal durch ein gestalterisch ebenbürtiges Objekt zu ersetzen
(Art. 10b Abs. 3 BauG). Das Gemeindebaureglement hält sodann fest, dass Neubauten
anstelle von Bauten, die für Ortsbild oder Landschaft besonders bedeutsam waren,
entsprechend hohen Anforderungen genügen müssen (Art. 20 Abs. 2 GBR9). Für das
Ortsbildschutzgebiet gilt ferner, dass die das Quartier prägende bauliche und
aussenräumliche Struktur zu erhalten beziehungsweise sinngemäss zu erneuern ist. Neu-
und Umbauten haben sich bezüglich Stellung, Volumen und Gestaltung ins Ortsbild
einzufügen. Bauten sind so zu gestalten, dass sich zusammen mit ihrem näheren und
weiteren Umfeld eine gute Gesamtwirkung ergibt (Art. 16 in Verbindung mit Art. 14 GBR).
Zu beachten ist sodann die Lage in der Landwirtschaftszone. Während das AGR für die
Wohnung der Eltern und für die Wohnung der Grossmutter des Beschwerdeführers 1 die
Zonenkonformität mit der Landwirtschaftszone feststellte, erteilte es für die zonenfremde
Mietwohnung im Obergeschoss eine Ausnahmebewilligung nach Art. 24c RPG10.11 Für
Ausnahmebewilligungen nach Art. 24c RPG gilt der Grundsatz der Wesensgleichheit, das
heisst es ist die Identität der Baute zu wahren (siehe Art. 42 RPV12).13
Gefordert ist damit ein dem abgebrochenen Stöckli gestalterisch ebenbürtiges Objekt, das
sich in das Ortsbild einfügt und mit dem näheren und weiteren Umfeld eine gute
Gesamtwirkung ergibt. Darüber hinaus muss die Identität des abgebrochenen Stöcklis
gewahrt bleiben.
f) Anlässlich des Augenscheins vom 10. Juni 2016 erklärten die Vertreter der Bau- und
Planungskommission der Gemeinde, ein Verzicht auf die mit der Bewilligung verlangte
9 Baureglement der Gemeinde Köniz vom 7. März 1993 10 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700) 11 Vorakten, pag. 98 12 Raumplanungsverordnung des Bundesrates vom 28. Juni 2000 (RPV; SR 700.1) 13 Peter Hänni, Planungs-, Bau- und besonderes Umweltschutzrecht, 6. Aufl., Bern 2016, S. 207 mit Hinweisen
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durchgehende Holzschalung sei ästhetisch nicht akzeptabel. Das Stöckli mit Anbau
bestehe in der ausgeführten Form aus einem Satteldach, einem Querdach, einer
Verschalung und einer weissen Wand. Es weise damit vier unterschiedliche gestalterische
Elemente auf, die nicht zusammen passten. Je mehr das Holz mit der Zeit
witterungsbedingt nachdunkle, desto grösser werde der Kontrast zwischen dem weissen
Sockelgeschoss und der Holzverschalung. Dadurch würden diese beiden Elemente optisch
stark voneinander getrennt, so dass die Holzverschalung wie eine "schwebende Kiste"
wirken werde.14 Zudem werde der Anbau dadurch optisch grösser erscheinen und aus der
Distanz und insbesondere von der Strasse her nicht mehr als Schopf, sondern als
gewöhnlicher Wohnanbau wahrgenommen.15 Sei der ehemalige Schopf nicht mehr
erkennbar, fehle es an der Wesensgleichheit der Baute zum abgebrochenen Stöckli. Eine
Verschalung der gesamten Fassade inklusive des Sockelgeschosses sei zwingend
erforderlich.16 Auch die Vertreterin des AGR sowie der Vertreter der Gemeinde hoben die
Bedeutung der Wahrung der Identität des abgebrochenen Stöcklis bzw. die
Wesensgleichheit im Zusammenhang mit der Holzverschalung hervor.17
g) Das Rechtsamt der BVE konnte sich am Augenschein selbst einen Eindruck vom
ausgeführten Bauvorhaben verschaffen. Es handelt sich beim Stöckli im Bereich des
Dachgeschosses sowie des 1. Obergeschosses um einen Riegbau, während das
Erdgeschoss und das Untergeschoss hell verputzt sind. Der nördliche Teil des Stöcklis
unter dem Pultdach ist auf der West-, Nord- und Ostseite im Bereich des Erdgeschosses
und des 1. Obergeschosses mit Holz verschalt.18 Das Erscheinungsbild auf der
Westfassade ist insbesondere vom hell verputzten Erd- und Untergeschoss und der
unvollständig ausgeführten Holzverschalung geprägt. Der mit Holz verschalte Bereich wird
optisch vom Stöckli getrennt, ohne allerdings die gestalterisch geforderte Unterteilung in
einen Haupt- und einen Nebenbau zu verwirklichen. Der Unterschied zwischen
Holzverschalung und hell verputzter Fassade wird mit zunehmender witterungsbedingter
Abdunklung der Holzverschalung stärker. Es ist nachvollziehbar, wenn ein Vertreter der
Bau- und Planungskommission der Gemeinde gestalterisch von einer "schwebenden Kiste"
14 Protokoll des Augenscheins vom 10. Juni 2016, S. 4 (Voten Herr G._) 15 Protokoll des Augenscheins vom 10. Juni 2016, S. 4 (Votum Herr H._) 16 Protokoll des Augenscheins vom 10. Juni 2016, S. 4 (Votum Herr H._) 17 Protokoll des Augenscheins vom 10. Juni 2016, S. 3 (Votum Frau I._), S. 5 (Voten Frau I._, Herr J._) 18 Fotodokumentation des Augenscheins vom 10. Juni 2016, Fotos 1–5
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sprach.19 Zudem wirkt das Stöckli mit dem durchgehend verputzten Untergeschoss auf der
Westfassade lang und mächtig. Diese Wirkung wird dadurch verstärkt, dass das
bestehende Terrain entlang der Westfassade weiter abgetragen wurde als bewilligt. Es ist
daher ein grösserer Teil der Fassade des Untergeschosses sichtbar und zudem das
Fenster des Bastelraums in der Südwestecke des Untergeschosses, welches zudem
grösser als bewilligt erstellt wurde.20 Das Gebäude wirkt insgesamt eher wie ein
gewöhnliches Wohnhaus als wie ein Stöckli. Es handelt sich nicht um ein dem
abgebrochenen Stöckli ebenbürtiges Objekt; die verlangte Wesensgleichheit ist nicht
gewahrt. Zudem entsteht keine gute Gesamtwirkung. Es liegt damit auch materiell ein
rechtswidriger Zustand vor.
5. Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands
a) Die Beschwerdeführenden bringen vor, auf die Holzverschalung im Bereich des
Untergeschosses des Anbaus sei auf Anraten des ausführenden Fachmannes verzichtet
worden. Bei bodennäherer Montage würde der untere Teil unter der Witterung stark leiden
und müsste innert kurzer Zeitperioden kostenaufwändig saniert werden. Die nachträgliche
Montage sei unverhältnismässig. Es sei eine Hecke gepflanzt worden, welche den
beanstandeten Teil verdecke und dem öffentlichen Interesse an der Ästhetik genüge. Sie
fänden die Holverschalung unschön und könnten darin keinen Nutzen für das Ortsbild
erkennen.
b) Die Wiederherstellungsverfügung muss im öffentlichen Interesse liegen,
verhältnismässig sein und darf den Vertrauensgrundsatz nicht verletzen. Eine
Wiederherstellungsmassnahme ist verhältnismässig, wenn sie geeignet ist, das
angestrebte Ziel zu erreichen, nicht weiter geht, als zur Herstellung des rechtmässigen
Zustands nötig ist und die Belastung für die pflichtige Person in einem vernünftigen
Verhältnis zum verfolgten Ziel steht.21
19 Protokoll des Augenscheins vom 10. Juni 2016, S. 4 (Voten Herr G._) 20 Vorakten, Plan West-Fassade vom 14. November 2014, revidiert am 30. Januar 2015 (P-18); Fotodokumentation des Augenscheins vom 10. Juni 2016, Foto 1 21 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 9; BVR 2013 S. 85 E. 5.1
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c) An der Einhaltung der Bauvorschriften besteht allgemein ein erhebliches öffentliches
Interesse. Wie oben dargelegt, wirkt das Stöckli aufgrund der fehlenden Holzverschalung
wie ein gewöhnliches Wohnhaus. Die Identität mit dem abgebrochenen Stöckli ist nicht
gegeben und es wirkt zu mächtig. Diese Wirkung kann mit der gemäss
Wiederherstellungsverfügung verlangten Ergänzung der Holzverschalung korrigiert
werden. Das Stöckli und der nordseitige Teil unter dem Pultdach werden mit der
Holzverschalung optisch klar getrennt. Das Untergeschoss wirkt damit weniger lang und
das Stöckli insgesamt weniger mächtig. Dies stellt nicht nur eine Verbesserung für die
Gesamtwirkung dar, sondern es wird auch das abgebrochene Stöckli mit dem Holzschopf
wiedererkennbar. Die Holzverschalung stellt damit eine geeignete Massnahme zur
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands dar.
Die vorgenommene Bepflanzung kann das Erscheinungsbild nicht herstellen; es handelt
sich – wie die Vertreter der kommunalen Bau- und Planungskommission am Augenschein
treffend ausführten – lediglich um Verschleierungsmassnahmen.22 Es sind auch keine
anderen für die Beschwerdeführenden günstigeren Massnahmen, wie beispielsweise ein
anderer Farbanstrich, zielführend.23 Ebenso wenig genügt es, die Holzverschalung nur auf
der Westfassade zu vervollständigen. Die Holzverschalung ist damit auch erforderlich.
Die zu verschalende Fläche ist nicht gross und zudem leicht zugänglich; die
Holzverschalung kann direkt an der Fassade montiert werden. Weder der Arbeits- noch der
Materialaufwand sind erheblich. Der Beschwerdeführer 1 bezifferte die Kosten für das
Anbringen der Holzverschalung auf Fr. 5'000.00 bis Fr. 7'000.00.24 Ein solcher Betrag ist
angesichts des bedeutenden Interesses an der Ästhetik und am Ortsbildschutz ohne
weiteres zumutbar. Daran ändert auch nichts, dass die Holzverschalung witterungsbedingt
dunkler wird und allenfalls mit der Zeit faul wird. Die Holzverschalung hat einzig eine
Funktion in Bezug auf die Ästhetik und eine alters- und witterungsbedingte Veränderung
der Holzverschalung und der Farbe ist nicht unerwünscht.25 Für die Bausubstanz des
Stöcklis und die Wohnhygiene ist hingegen unerheblich, ob das Holz verwittert. Es ist
daher auch nicht erforderlich, dass das Holz in kurzen Zeitintervallen ersetzt wird. Zu
beachten ist sodann, dass die Beschwerdeführenden im baurechtlichen Sinn nicht als
22 Protokoll des Augenscheins vom 10. Juni 2016, S. 4 (Voten Herr G._ und Herr H._) 23 Protokoll des Augenscheins vom 10. Juni 2016, S. 6 (Votum Herr G._) 24 Protokoll des Augenscheins vom 10. Juni 2016, S. 5 (Votum Beschwerdeführer 1) 25 Protokoll des Augenscheins vom 10. Juni 2016, S. 4 (Votum Herr H._)
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gutgläubig gelten. Sie haben die Holzverschalung so ausgeführt, wie sie diese ursprünglich
geplant hatten, obwohl sie im Baubewilligungsverfahren mit der Gemeinde eine
Holzverschalung bis zum Untergeschoss vereinbart hatten.26 Das Anbringen der
Holzverschalung stellt eine verhältnismässige Massnahme dar.
d) Die Gemeinde hat die Frist für die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands
auf 60 Tage seit Eröffnung der Wiederherstellungsverfügung festgesetzt. Diese Frist ist in
der Zwischenzeit abgelaufen und muss neu angesetzt werden. Die Beschwerdeführenden
haben die Wiederherstellungsfrist nicht beanstandet und sie scheint für die einfach
umzusetzende Holzverschalung angemessen. Die Wiederherstellungsfrist wird daher neu
auf den 31. Januar 2017 festgesetzt.
6. Zusammenfassung und Kosten
a) Die Beschwerdeführenden haben mit ihrer nachträglichen Projektänderung dafür
gesorgt, dass das Beschwerdeverfahren in Bezug auf den Kellerraum in der Nordostecke
abgeschrieben werden kann. Zudem ist die Wiederherstellungsverfügung in Bezug auf die
fehlende Holzverschalung zu bestätigen. Damit unterliegen die Beschwerdeführenden. Sie
haben die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG).
b) Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr.
Für besondere Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren
erhoben werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Die Pauschalgebühr wird festgesetzt auf
Fr. 1'200.00 (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 und Art. 20 Abs. 1
GebV27). Für den Augenschein vom 10. Juni 2016 wird in Anwendung von Art. 20 Abs. 1
GebV eine zusätzliche Gebühr von Fr. 300.00 erhoben. Die Verfahrenskosten im
Beschwerdeverfahren betragen somit Fr. 1'500.00.
c) Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 Abs. 1 und 4 VRPG).