# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 1eb6fd64-0f21-4af9-b8c8-0e2d78265a72
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1966, me
ldete sich am 2
6
. Juni 2012 bei der Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
unter Hinweis auf psychi
sche
Störungen
zum Leistungsbezug (Berufliche Massnahmen/Rente) an (Urk. 8/6).
Die IV-Stelle tätigte erwerbliche und berufliche Abklärungen, wobei sie insbe
son
dere
einen Bericht
bei
m
behandelnden
Psychiater Dr. med.
Z._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie
,
einholte (
Be
richt vom 26. Au
gust 2012, Urk. 8/14
). Am 16. November 2012 teilte sie der Versicherten mit, zurzeit seien aufgrund ihres Gesundheitszustandes kein
e be
ruflichen Mass
nah
men möglich und ein Rentenanspruch werde geprüft
(Urk. 8/17).
In der Folge liess die IV-Stelle
im Februar 2013 eine
Haushaltsab
klärung
durchführen (Urk. 8/23)
und holte
bei
Dr.
Z._
einen Verlaufsbericht ein (Bericht vom
11. August 2013, Urk. 8/22). Mit Vorbescheid vom 20. November 2013
(Urk. 8/26)
stellte
sie der Versicherten
die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht. Nachdem die Versicherte dagegen Einwand er
hoben (Urk. 8/32) und einen weiteren Bericht von Dr.
Z._
eingereicht hatte (Urk. 8/34), verfügte die IV-Stelle am 25. Juni 2014 wie angekündigt (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob
X._
am
10. Juli 2014
Beschwerde (Urk. 1) und be
antragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und
es
sei
ihr
eine ganze
Rente
mit Wirkung ab Dezember 2012
zuzusprechen. In prozessualer Hinsicht ersuchte
sie
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Urk.
1 S.
2). Mit Beschwerdeantwort vom
29. August 2014 (Urk. 7 unter Beilage ihrer Akten, Urk. 8/1-41
) schloss die Beschwerdegegnerin auf A
bweisung der Be
schwerde, was der
Beschwerdeführer
in
mit Schreiben vom
3. September 2014 (Urk. 9
) zur Kenntnis gebracht wurde.
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Während die
Beschwerdegegnerin erwog, es liege kein
invalidisierender
Ge
sund
heitsschaden
vor, weshalb das Leistungsbegehren
abzuweisen sei (Urk. 2,
Urk. 7
), machte die
Beschwerdeführerin geltend, sie sei aufgrund psychischer Einschränkungen
zu
maximal 20-30 % arbeitsfähig (Urk. 1).
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder tei
lweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs.
1 des Bundesgesetzes über den All
g
emeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden au
sgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1
ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Si
cht nicht überwindbar ist (Art.
7 Abs.
2 ATSG).
2.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und
damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschrän
kung
en
der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten
Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das
Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist,
ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem aus
geglichenen Arbeitsmarkt mit der psychischen Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Er
werbs
un
fähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versicherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
2.
3
Eine fach
ärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte anhaltende
somatoforme
Schmerz
störung
begründet als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass die
somatoforme
Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die Feststellung
einer psychischen Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprä
gung
und Dauer. Massgebend sein können auch weitere mit gewisser Intensität und Konstanz erfüllte Faktoren, so: chronische körperliche
Begleiterkrankun
gen
; ein
mehrjähriger,
chronifizierter
Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progre
dien
ter Symptomatik ohne längerdauernde Rückbildung; ein ausgewiese
ner so
zia
ler Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, therapeu
tisch nicht
mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich miss
glückten, psy
chisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer
Krank
heitsgewinn
; „Flucht
in die Krankheit"); ein
unbefriedigendes
Behandlungser
gebnis
trotz konsequent durchgeführter ambulanter und/oder stationärer Be
handlung (auch
mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) und geschei
terte
Rehabilita
tions
massnahmen
bei vorhandener Motivation und
Eigenan
strengung
(kooperative Hal
tung) der versicherten Person. Je mehr dieser Krite
rien zutreffen und je aus
geprägter sich die entsprechenden Befunde darstellen, desto eher sind
–
aus
nahmsweise - die Voraussetzungen für eine zumutbare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 130 V 352, 131 V 49 E. 1.2, BGE 139 V 547 E. 3).
3.
3.1
Dr.
Z._
,
seit Juli 2011
behandelnder Arzt
der Beschwerdeführerin,
führte
im Bericht
vom 26. August 2012 folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit auf (Urk. 8/14/1):
Schwerer sexueller Missbrauch in der Kindheit durch eine Person aus
serhalb des Familienkreises (ICD-10 Z61.5);
P
osttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1), Verdacht auf chro
nischen Verlauf da nie behandelt;
Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01);
Abhängigkeitssyndrom: episodischer Alkoholabusus, vor allem in
Angst
si
tuation
en
(sekundärer Alkoholismus),
Diazepamabhängigkeit
(ICD-10 F10.26);
leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0);
Verdacht auf abhängige Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.7).
Der Arzt
hielt fest
, d
ie Beschwerdeführerin sei im Alter von zwölf Jahren wäh
rend 1,5 Jahren wiederholt sexuell missbraucht worden, bis die Familie umge
zo
gen sei. In der Ehe mit ihrem Exmann – welche bis 1997 gedauert habe - sei es sodann zu einer
Retraumatisierung
gekommen (Urk. 8/14/2-3). Zu Beginn der Therapie
hätten
vor allem die Panikattacken mit plötzlich auftretender Atemnot,
die Agoraphobie, depressive Zustände und die schwierigen sozialen Umstände im
Vordergrund gestanden (Urk. 8/14/2).
Dr.
Z._
attestierte
eine vollständige Ar
beits
unfähigkeit, hielt jedoch dafür, die Ressourcen der Beschwerdeführerin, die Kooperation in der Therapie und die Tatsache, dass sich die Panikattacken und die sozialen Phobien seit Behandlungsbeginn etwas gebessert hätten, spr
ä
chen
langfristig gesehen für eine den lebensgeschichtlichen Umständen entspre
chen
de
Besserung des aktuellen Zustandsbildes (Urk. 8/14/4-5).
3.2
Mit
Verlaufsbericht vom 11. August 2013 (Urk. 8/22) verwies
Dr.
Z._
bezüg
lich
der Diagnosen auf den
Bericht
vom
26. August 2012
(Urk. 8/22/1). Er
be
richtete über eine
Zustandsverbesserung in Bezug au
f die Panikattacken mit Atemnot, ausserdem seien
die Soziophobie sowie
die
depressive
n
Stimmungs
schwan
kung
en
weniger ausgeprägt, die Beschwerdeführerin könne sich rascher auffangen.
Hin
sichtlich der posttraumatischen Belastungsstörung hielt er dafür,
e
s bestehe eine starke Tendenz, bei Belastungen erneut mit
den diesbezüglichen
Sympto
men zu reagieren
(Urk. 8/22/3)
.
Zur Arbeitsfähigkeit Stellung nehmend
teilte er
mit
, die Beschwerdeführerin habe mehr als 20 Jahre nicht mehr im an
ge
stam
mten
Beruf als kaufmännische Angestellte gearbeitet und
ihr fehle
infol
gedessen das notwendige
W
issen.
Eine angepasste Tätigkeit sei zu ei
nem Pen
sum von maxi
mal 20-30 %
möglich, wobei er eine
Tätigkeit als Aushilfe im Verkauf
(bspw. Parfümeriegeschäft, Schuhladen)
oder als
Garderobière
(bspw. Museen, Schau
spiel- oder Opernhaus)
oder Tätigkeiten im gemeinnützigen oder sozialen Be
reich als denkbar erachtete (Urk. 8/22/2-4). Schliesslich hielt er da
für, die Prog
no
se sei abhängig von der langfristigen Weiterführung der bisheri
gen Therapie und der Integration in einen sinnvollen Arbeitsprozess, der dem jetzigen
Be
lastungsprofil
entspreche. Langfristig sei mit einer Besserung des Grundleidens zu rechnen (Urk. 8/22/3).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin begründete
die Abweisung des Leistungsbegehrens
da
m
it, dass die im Bereich der
somatoformen
Schmerzstörungen entwickelten Grund
sätze
(vgl. E. 2.2)
auch bei der Würdigung des invalidisierenden Charak
ters einer posttraumatischen Belastungsstörung anwendbar
und vorliegend von der Überwindbarkeit
dieser
Belastungsstörung auszugehen sei, weshalb kein in
validisierender Gesundheitsschaden vorliege (Urk. 7).
Auch wenn das Bundesgericht die Diagnose einer posttraumatischen
Belas
tungs
störung
(PTBS) schon verschiedentlich nach den Grundsätzen, wie sie bei der
somatoformen
Schmerzstörung zur Anwendung kommen (E. 2.3), geprüft hat (vgl. das von der Beschwerdegegnerin angeführte Urteil des Bundesgerichts 8C_483/2012 vom 4. Dezember 2012 E.
4.2), kann vorliegend nicht ohne Wei
teres davon ausgegangen werden, es liege kein erheblicher Gesundheitsschaden vor, wurden doch vom behandelnden Psychiater Dr.
Z._
neben einer PTBS noch weitere psychiatrische Diagnosen genannt (E. 3.1-3.2). Ob damit insgesamt eine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, deren Verwertung der Be
schwerdeführerin objektiv nicht zumutbar ist (E. 2.2), ausgewiesen ist, lässt sich aber gestützt auf die aufliegenden Akten nicht abschliessend beurteilen.
4.2
So
kann
denn
nicht unbesehen
auf
die Einschätzung von Dr.
Z._
, wonach der Beschwerde
führerin lediglich
eine 20-30%ige Arbeitstätigkeit zumutbar sei
(E. 3.2),
abgestellt werden
.
A
us
seinen
Berichten
geht
hervor, dass die Be
schwerdeführerin
ihre Wohnung bestens pflegt, Einkaufen geht, regelmässig in geschütztem Rahmen arbeitet und soziale Kontakte mit den Nachbarn
unterhält
(
Urk. 8/22/2)
. Weshalb bei diesen vorhandenen Ressourcen einzig eine solch eingeschränkte Arbeitstätigkeit zumutbar sein sollte,
ist wenig
einsichtig
, zumal mit Blick auf den von Dr.
Z._
erhobenen Befund (Urk. 8/14/3-4) psychosoziale Belastungsfaktoren im Vordergrund zu stehen scheinen.
Sodann diagnostizierte Dr.
Z._
zwar eine Agoraphobie (E. 3.1), be
fürwortete jedoch
– nach Besprech
ung mit der Beschwerdeführerin -
eine Stelle im Verkauf oder als
Garderobière
(E. 3.2). Kommt es gerade bei solchen Stellen zu regem Kontakt mit Menschen und auch zu Menschenansammlungen, er
schein
en
seine
Ausführungen
auch
insofern
als nicht
voll
umfänglich
nachvoll
ziehbar
.
4.3
Liegen – abgesehen
von den
Stellungnahme
n
des
Reg
ionalen Ärztlichen Diens
tes,
welche sich einzig auf die vorgenannte Einschätzung des behandelnden Psychiaters stützen
(vgl. Urk. 8/24/
2-3,
5
, Urk. 8/37/2
) – keine weiteren Beur
tei
lungen in den Akten,
so erweist sich
der Gesundheitszustand und die Ar
beits
fähigkeit der Beschwer
deführerin
als
nicht
rechtsgenüglich
abgeklärt. Die
Sache
ist deshalb
an die
Be
schwerdegegnerin
zurückzuweisen, damit sie eine fachärzt
lich
-psychiatrische
Abklärung
der
Beschwer
deführerin
veranlasse und hernach über den
Leis
tungs
anspruch
neu befinde. In dem Sinne ist die Beschwerde
gut
zu
heissen
.
5.
Die Kost
en des Verfahrens sind auf Fr. 5
00.-- festzulegen und ausgangsgemäss von der Beschwerdegegnerin zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
Mithin erweist sich das Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung der un
entgeltlichen Rechtspflege (Urk. 1 S. 2) als gegenstandslos.