# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 87db51ff-e664-523c-aaa2-d5368d32e726
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdegegner reichte am 5. November 2018 bei der Gemeinde Bühl ein
Baugesuch ein für den Neubau eines Einfamilienhauses auf der Parzelle Bühl
Grundbuchblatt Nr. I._. Die Parzelle liegt in der Wohnzone W2. Diese ist gemäss
dem GBR1 der Lärmempfindlichkeitsstufe II (ES II) zugeordnet.2 Das Gebäude soll mit
einer innen aufgestellten Luft-Wasser-Wärmepumpe beheizt werden. Gegen das
Bauvorhaben erhoben die Beschwerdeführenden Einsprache. Mit Gesamtentscheid vom
18. März 2019 erteilte das Regierungsstatthalteramt Seeland für das Vorhaben die
Baubewilligung.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 17. April 2019
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie
beantragen die Aufhebung des Gesamtentscheids vom 18. März 2019 und die Erteilung
des Bauabschlags. Sie rügen besonders, das Vorhaben halte den grossen Grenzabstand
nicht ein. Zudem befürchten sie, die geplante Luft-Wasser-Wärmepumpe verursache
störende Lärmimmissionen. Ferner kritisieren sie die behördliche Tätigkeit der Vorinstanz.
Schliesslich rügen sie, die Vorinstanz habe den Sachverhalt ungenügend abgeklärt und
dadurch ihren Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt.
3. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet3, führte den
Schriftenwechsel durch und holte bei der Vorinstanz die Vorakten ein. Der
Beschwerdegegner beantragt in der Beschwerdeantwort vom 9. Mai 2019 die Abweisung
der Beschwerde. Zusammen mit der Beschwerdeantwort reichte der Beschwerdegegner
einen Lärmschutznachweis für die geplante Luft-Wasser-Wärmepumpe ein. Die Vorinstanz
schliesst in ihrer Stellungnahme vom 7. Mai 2019 auf Abweisung der Beschwerde. Ohne
einen Antrag zu stellen verweist die Gemeinde in ihrer Stellungnahme vom 23. Mai 2019
auf ihren Amtsbericht vom 21. Januar 2019 an die Vorinstanz. Darin beantragte sie die
Erteilung der Baubewilligung.
1 Baureglement der Einwohnergemeinde Bühl vom 6. Mai 2013, genehmigt durch das Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) am 29. November 2013 2 Vgl. Art. 41 Abs. 1 GBR 3 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (Organisationsverordnung BVE, OrV BVE; BSG 152.221.191)
RA Nr. 110/2019/69 Seite 3 von 21
4. Die Parteien erhielten Gelegenheit, Schlussbemerkungen einzureichen. Davon
machten die Beschwerdeführenden Gebrauch. In ihren Schlussbemerkungen vom 26. Juni
2019 halten sie im Wesentlichen an den Anträgen und der Begründung in der Beschwerde
fest. Sie verlangen die Einholung eines Fachberichts beim beco (Amt für
Immissionsschutz; AWI). Sie bestreiten zudem, dass die geplante Wärmepumpenanlage
die Lärmgrenzwerte einhalte. Mit Schreiben vom 27. Juni 2019 teilte der
Beschwerdegegner mit, er verzichte darauf, Schlussbemerkungen einzureichen und halte
an den Anträgen und Ausführungen in der Beschwerdeantwort fest. Die Vorinstanz und die
Gemeinde reichten keine Schlussbemerkungen ein. Mit Schreiben vom 10. Juli 2019
bemerkte der Beschwerdegegner, er erachte das vom Rechtsanwalt der
Beschwerdeführenden geltend gemachte Honorar als übersetzt. Auf die Rechtsschriften
und die vorhandenen Akten wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG4. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG5 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen, die Baugesuchsteller, die
Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG
i.V.m. Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführenden, deren Einsprache abgewiesen
wurde, sind durch den vorinstanzlichen Gesamtentscheid beschwert und daher zur
4 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 5 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0)
RA Nr. 110/2019/69 Seite 4 von 21
Beschwerdeführung legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist
grundsätzlich einzutreten.
2. Streitgegenstand
a) Die 2'047 m2 grosse Bauparzelle Nr. I._ ist bereits mit einem Wohnhaus
überbaut. Im Baubewilligungsverfahren bbew 69/2018 erteilte die Vorinstanz mit
Gesamtentscheid vom 25. Februar 2019 die Bewilligung für eine Garage mit Geräteraum
auf dieser Parzelle. Diese Bauten stehen in einem funktionalen Zusammenhang mit dem
bestehenden Wohnhaus auf der Parzelle. Die Beschwerdeführenden bringen vor, es sei
nicht nachvollziehbar, weshalb nebst der bereits bewilligten Garage mit Geräteraum im
Baubewilligungsverfahren bbew 69/2018 (vgl. Gesamtentscheid der Vorinstanz vom
25. Februar 2019) im vorliegenden Verfahren ein zusätzlicher Carport erstellt werden soll.
b) Anfechtungsobjekt ist der Gesamtentscheid vom 18. März 2019 der Vorinstanz im
Verfahren bbew 184/2018. Der Entscheid in der Sache ist ebenso wie das Verfahren
grundsätzlich auf den Streitgegenstand beschränkt. Der Streitgegenstand braucht sich
nicht mit dem Anfechtungsobjekt zu decken, doch gibt dieses den Rahmen des
Streitgegenstandes vor, d.h. der Streitgegenstand des Beschwerdeverfahrens kann nicht
über das hinausgehen, was die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid geregelt hat.
c) Nicht klar ist, was die Beschwerdeführenden mit der Kritik betreffend die im
Baubewilligungsverfahren bbew 69/2018 bewilligte Garage mit Geräteraum zu ihren
Gunsten ableiten wollen. Sie legen mit keinem Wort dar, was sich für Probleme in diesem
Zusammenhang ergeben könnten und inwieweit sich dies auf den Ausgang dieses
Verfahrens auswirkten könnte. Die Garage mit Geräteraum wurde mit Entscheid vom
25. Februar 2019 bewilligt und hat keinen funktionalen Zusammenhang zum geplanten
Einfamilienhaus mit Carport, das hier zur Diskussion steht. Auch ist der Entscheid vom 25.
Februar 2019 unangefochten in Rechtskraft erwachsen. Die Kritik, die die
Beschwerdeführenden im Zusammenhang mit der Garage und dem Geräteraum erheben,
geht über den Streitgegenstand dieses Verfahrens hinaus und betrifft zudem eine
abgeurteilte Sache (res iudicata). Auf die Rüge kann folglich nicht eingetreten werden.
RA Nr. 110/2019/69 Seite 5 von 21
3. Amtsführung der Vorinstanz
a) Die Beschwerdeführenden machten in ihrer Einsprache geltend, der
Beschwerdegegner habe auf der Parzelle Nr. I._ ein grosses Stück Wald oder
Feldgehölze ohne entsprechende Bewilligung gerodet. Es sei daher ein Straf- und
Administrativverfahren einzuleiten. Zu diesem Einwand hielt die Vorinstanz im
angefochtenen Entscheid fest, sie unterstehe weder einer Anzeigepflicht, noch sei sie in
diesem Verfahren Strafverfolgungsbehörde. Es stehe den Beschwerdeführenden offen,
selber eine Strafanzeige einzureichen. Weiter bemerkte die Vorinstanz, dass sich die
Beschwerdeführenden für die Einleitung eines Administrativverfahrens an die zuständige
Gemeinde zu halten hätten.
b) In ihrer Beschwerde rügen die Beschwerdeführenden, es sei falsch und entgegen
Art. 48 Abs. 1 EG ZSJ6, wenn die Vorinstanz die Meinung vertrete, sie müsse keine
Mitteilung an die Staatsanwaltschaft machen. Nach Art. 48 Abs. 1 EG ZSJ seien die
Behörden und Angestellten des Kantons und der Gemeinden zur Mitteilung an die
Staatsanwaltschaft verpflichtet, wenn ihnen in ihrer amtlichen Tätigkeit konkrete
Verdachtsgründe für ein von Amtes wegen zu verfolgendes Verbrechen bekannt würden.
Auch von der Einleitung eines Administrativverfahrens könne sich die Vorinstanz nicht
lossagen, da sie die Aufsicht über die Gemeinden ausübe.
c) Die Beschwerdeführenden kritisieren die amtliche Tätigkeit der Vorinstanz. Die BVE
ist nicht zuständig, die Amtstätigkeit der Vorinstanz zu prüfen. Die Aufsicht über die
administrative, organisatorische und fachliche Führung der Regierungsstatthalterinnen und
Regierungsstatthalter übt der Regierungsrat durch die JGK und nicht die BVE aus.7 Selbst
wenn auf die Rüge eingetreten würde, wäre diese unbegründet. Die Beschwerdeführenden
machen eine allfällige widerrechtliche Rodung von Wald oder das Fällen von geschützten
Hecken oder geschütztem Feldgehölze geltend. Im Waldgesetz sowie im Natur- und
Heimatschutzgesetz steht, dass es sich bei diesen Straftatbeständen nicht um ein
Verbrechen, sondern um Vergehen oder Übertretungen handelt.8 Entgegen der Auffassung
der Beschwerdeführenden würde hier Art. 48 Abs. 1 EG ZSJ somit nicht zum Tragen
6 Einführungsgesetz vom 11. Juni 2009 zur Zivilprozessordnung, zur Strafprozessordnung und zur Jugendstrafprozessordnung (EG ZSJ; BSG 271.1) 7 Art. 6b Abs. 1 RStG 8 Vgl. Art. 42 WaG, Art. 24 und 24a NHG
RA Nr. 110/2019/69 Seite 6 von 21
kommen, da keine Verdachtsgründe für ein von Amtes wegen zu verfolgendes Verbrechen
zur Diskussion stehen. Als solche gelten nur Delikte, die mit einer Freiheitsstrafe von mehr
als drei Jahren bestraft werden können.9 Zudem ist weder erstellt noch belegt, dass die
Gemeindebehörde ihre baupolizeilichen Pflichten vernachlässigt hätte, so dass gestützt auf
Art. 48 Abs. 1 BauG anstelle der säumigen Gemeinde die Vorinstanz zum Handeln
verpflichtet gewesen wäre. Die Ausführungen der Vorinstanz im angefochtenen Entscheid,
es stehe den Beschwerdeführenden offen, selber eine Strafanzeige einzureichen oder sich
für die Einleitung eines baupolizeilichen Verfahrens an die zuständige Gemeinde zu halten,
sind nicht zu beanstanden. Die Beschwerde ist in diesem Punkt unbegründet, soweit
darauf überhaupt eingetreten werden kann.
4. Rechtliches Gehör
a) Die Beschwerdeführenden rügten in der Einsprache vom 21. Dezember 2018, sie
seien als Nachbarn vom Lärm der Wärmepumpenanlage betroffen. Sie stellten sich auf
den Standpunkt, der Beschwerdegegner müsse nachweisen, dass die Anlage die
Lärmgrenzwerte einhalte.
b) Im angefochtenen Entscheid führte die Vorinstanz aus, die Immissionen, die durch
zonenkonforme Bauten und Anlagen verursacht würden, müssten grundsätzlich geduldet
werden. Im Vergleich zu anderen Wohnbauten umfasse der Neubau keine
überdimensionierten Heizungs-, Lüftungs- oder Klimaanlagen. Es ergäben sich keine
Hinweise darauf bzw. die Beschwerdeführenden vermöchten nicht substantiiert
darzulegen, inwiefern das Bauvorhaben zu Einwirkungen führe, die der Zonenordnung
widersprächen.
c) In ihrer Beschwerde bemängeln die Beschwerdeführenden, ohne einen
Produktebeschrieb der geplanten Luft-Wasser-Wärmepumpe sowie weiteren allfälligen
Unterlagen könne nicht beurteilt werden, ob die Lärmgrenzwerte eingehalten seien. Der
Beschwerdegegner habe seine Pflicht verletzt, den Nachweis zu erbringen, dass die
projektierte Luft-Wasser-Wärmepumpe die Lärmgrenzwerte einhalte. Die Vorinstanz sei
ohne den Sachverhalt genauer abzuklären davon ausgegangen, dass die Grenzwerte
9 Vgl. Art. 10 StGB
RA Nr. 110/2019/69 Seite 7 von 21
eingehalten seien. Auch hätte für den Bau der geplanten Wärmepumpenanlage zwingend
ein Fachbericht beim AWI eingeholt werden müssen. Und selbst wenn die Planungswerte
eingehalten würden, müsste nach ständiger Praxis des Bundes- und Verwaltungsgerichts
einzelfallweise geprüft werden, ob im Rahmen des Vorsorgeprinzips zusätzliche
Emissionsbegrenzungen erforderlich wären. Die Vorinstanz habe mit ihrem Vorgehen ihren
Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt. Mit der blossen Annahme, dass die geplante
Wärmepumpe die geltenden Lärmgrenzwerte einhalte, habe die Vorinstanz die
Baubewilligung unberechtigterweise erteilt.
d) Der Beschwerdegegner vertritt die Auffassung, die Vorinstanz sei zu Recht davon
ausgegangen, dass die Wärmepumpe nicht überdimensioniert sei und als Innenanlage zu
keinen übermässigen Lärmimmissionen führe. Auch sei es nicht nötig gewesen, einen
Lärmschutznachweis einzureichen. Obwohl er von der Vorinstanz dazu nicht aufgefordert
worden sei, reiche er diesen nach. Daraus sei ersichtlich, dass die Planungswerte
eingehalten seien.
e) Verwaltungsbehörden sind aufgrund der Untersuchungsmaxime (Art. 18 VRPG10)
und gestützt auf den Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 21 ff. VRPG) verpflichtet, die von
den Parteien angebotenen Beweise abzunehmen, sofern diese geeignet sind, den
rechtserheblichen Sachverhalt zu erhellen.11 Vorliegend handelt es sich bei der fraglichen
Luft-Wasser-Wärmepumpe um eine ortsfeste Anlage im Sinn von Art. 7 Abs. 7 USG12 und
Art. 2 Abs. 1 der LSV13. Deren Betrieb kann Aussenlärm verursachen, weshalb die
bundesrechtlichen Bestimmungen über den Lärmschutz anwendbar sind. Nach Art. 36
Abs. 1 LSV ermittelt die Vollzugsbehörde die Aussenlärmimmissionen ortsfester Anlagen
oder ordnet deren Ermittlung an, wenn sie Grund zur Annahme hat, dass die
massgebenden Belastungsgrenzwerte überschritten sind oder ihre Überschreitung zu
erwarten ist.
f) Bei Luft-Wasser-Wärmepumpen wird zwischen innen und aussen aufgestellten
Anlagen unterschieden. Ein weiteres System von Luft-Wasser-Wärmepumpen bilden die
10 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 11 BVR 2012 S. 252 E. 3.3.3, mit Hinweisen 12 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01) 13 Lärmschutz-Verordnung des Bundesrats vom 15. Dezember 1986 (LSV; SR 814.41)
RA Nr. 110/2019/69 Seite 8 von 21
sog. Splitgeräte mit einem Aussen- und einem Innengerät.14 Aus dem Grundrissplan
"Erdgeschoss" vom 1. Oktober 2018 im Mst. 1:100 und dem Baugesuchsformular 2.0
Technik geht hervor, dass hier eine Luft-Wasser-Wärmepumpe innerhalb des Gebäudes
zur Diskussion steht (sog. Innenaufstellung). Es werden somit weder die Anlage selber
noch Teile von dieser ausserhalb des Gebäudes aufgestellt. Innen aufgestellte Geräte sind
bezüglich des Aussenlärms regelmässig weniger heikel als Aussen- oder Splitanlagen. Sie
saugen und blasen die Luft in der Regel indirekt über Kanäle, Lichtschächte oder
schalldämmende Wetterschutzgitter ein und aus. Dies bewirkt regelmässig eine bessere
Immissionssituation. Innen aufgestellte Luftwärmepumpen können aus diesem Grund
gestützt auf die Richtlinien des Regierungsrats des Kantons Bern "Baubewilligungsfreie
Anlagen zur Gewinnung erneuerbarer Energien vom Januar 2015" baubewilligungsfrei
aufgestellt werden.15 In der hier vorliegenden Konstellation war die Vorinstanz daher nicht
verpflichtet, im Baubewilligungsverfahren weitere Sachverhaltsabklärungen betreffend die
Aussenlärmsituation vorzunehmen. Zu Recht ging die Vorinstanz davon aus, dass keine
sachlichen Gründe für eine Umweltbeeinträchtigung im rechtserheblichen Umfang
vorliegen. Es bestand für die Vorinstanz auch kein Grund zur Annahme, dass die
massgebenden Belastungsgrenzwerte überschritten werden oder eine Überschreitung zu
erwarten ist. Vielmehr durfte sie gestützt auf eine antizipierte Beweiswürdigung davon
ausgehen, dass die fragliche Anlage nur geringfügige Immissionen verursacht. Demzufolge
war der Beschwerdegegner auch nicht gehalten, einen Lärmschutznachweis einzureichen.
Fehl geht auch der Einwand der Beschwerdeführenden, die Vorinstanz hätte beim AWI
zwingend einen Fachbericht einholen müssen. Vorliegend bestimmt nicht die Liste
"Beurteilungs- und bewilligungspflichtige Betriebe und Anlagen" des AWI sondern das
Baubewilligungsdekret (BewD16), in welchen Fällen die Baubewilligungsbehörde die
zuständigen kantonalen Fachstellen konsultieren muss. Eine Konsultation der kantonalen
Fachstelle ist nach Art. 22 Abs. 1 Bst. e BewD dann angezeigt, wenn unter anderem die
Geltendmachung einer Verletzung von Umweltvorschriften nicht offensichtlich unbegründet
ist. Da die Anlage innerhalb des Gebäudes aufgestellt werden soll, ging die Vorinstanz wie
erwähnt nur von geringfügigen Lärmimmissionen aus. Bei diesen Gegebenheiten ist es
rechtlich haltbar, dass die Vorinstanz davon absah, beim AWI einen Fachbericht
einzuholen. Den Anspruch der Beschwerdeführenden auf rechtliches Gehör hat die
14 Vgl. Ziffer 1.1 der Vollzugshilfe 6.21 des Cercle Bruit (Version vom 20. September 2018) 15 Vgl. Ziff. 3.5, S. 34 der kantonalen Richtlinien (abrufbar unter www.bve.be.ch / Energie / Rechtliche Grundlagen) 16 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1)
http://www.bve.be.ch
RA Nr. 110/2019/69 Seite 9 von 21
Vorinstanz mit ihrem Vorgehen somit nicht verletzt.17 Der Einwand der
Beschwerdeführenden, die Vorinstanz habe die Verpflichtung zur vollständigen Abklärung
des Sachverhalts und den Gehörsanspruch verletzt, ist unbegründet.
g) Und selbst wenn die Vorinstanz den Sachverhalt im vorinstanzlichen Verfahren
mangelhaft abgeklärt hätte, wäre dieser Mangel im Beschwerdeverfahren geheilt worden.
Der Beschwerdegegner reichte im Beschwerdeverfahren für die geplante Luft-Wasser-
Wärmepumpe einen Lärmschutznachweis auf dem Online-Formular des Cercle Bruit18 ein.
Dem Lärmschutznachweis zufolge soll der Wärmepumpentyp "Dimplex, LI 12TU" des
Herstellers Buderus Heiztechnik AG installiert werden. Die Beschwerdeführenden erhielten
Gelegenheit, sich zur lärmtechnischen Beurteilung zu äussern. Von dieser Möglichkeit
machten die Beschwerdeführenden denn auch Gebrauch.
5. Einhaltung Lärmgrenzwerte
a) Die Beschwerdeführenden bemängeln in den Schlussbemerkungen, es fehle nach
wie vor ein Fachbericht des AWI. Gestützt auf die Baubewilligungspläne sei davon
auszugehen, dass Anlageteile aussen aufgestellt würden. Es sei deshalb beim AWI
zwingend ein Fachbericht einzuholen. Die Beschwerdeführenden bestreiten auch, dass die
Grenzwerte eingehalten seien. Ferner rügen sie die Verletzung des umweltrechtlichen
Vorsorgeprinzips. Sie bringen unter anderem vor, statt Lüftungskanäle in der Aussenwand
sei im Sinne der Vorsorge ein Lichtschacht zu bevorzugen. Zudem könnte besonders mit
dem Bau einer standardisierten Schalldämmhaube mit relativ geringem Aufwand eine
Emissionsbeschränkung erreicht werden.
b) Hinsichtlich des Standorts der geplanten Luft-Wasser-Wärmepumpe stellt sich der
Sachverhalt wie folgt dar: Es ist vorgesehen, die Anlage im Technikraum auf dem Niveau
des Erdgeschosses aufzustellen. Nach dem bewilligten Grundrissplan "Erdgeschoss" vom
1. Oktober 2018 im Mst. 1:100 soll die Wärmepumpenanlage in der Ecke, unmittelbar an
den Innenwänden des Raums, installiert werden. Dementsprechend ist für die
Luftansaugung und -ausblasung in der Südwest- und Nordwestfassade je eine
Wandöffnung vorgesehen. Dies geht aus dem Grundrissplan "Erdgeschoss" und den
17 BVR 2012 S. 252 E. 3.3.3, mit Hinweisen 18 Vgl. https://www.fws.ch/unsere-dienstleistungen/laermschutznachweis/
https://www.fws.ch/unsere-dienstleistungen/laermschutznachweis/
RA Nr. 110/2019/69 Seite 10 von 21
Fassadenplänen hervor. Die Lärmquellen befinden sich somit bei den Wandöffnungen in
der Südwest- und Nordwestfassade, wo die Luft angesaugt und ausgeblasen wird. Es fällt
auf, dass die bewilligten Pläne einen verhältnismässig niedrigen Detaillierungsgrad
aufweisen. So ist in den Projektplänen nicht ersichtlich, wie die Wandöffnungen in den
Aussenfassaden genau geschlossen werden. Dies schadet aber nicht. Denn es ist
notorisch, dass derartige Wandöffnungen mit schallabsorbierenden Wetterschutzgittern
geschlossen werden. Dies verhindert nicht nur das Eindringen von Tieren, Regen und
Laub, sondern bewirkt zusätzlich eine Schallreduktion an der Quelle. Der Vollständigkeit
halber wird das Dispositiv des angefochtenen Entscheids mit einer entsprechenden
Auflage ergänzt. Danach wird angeordnet, dass die Wandöffnungen für die Luftansaugung
und -ausblasung in der Südwest- und Nordwestfassade vor Inbetriebnahme der Luft-
Wasser-Wärmepumpe mit schallabsorbierenden Wetterschutzgittern zu schliessen sind.
Die Montage solcher Wetterschutzgitter entspricht bei Neubauvorhaben dem Stand der
Technik und ist für den Beschwerdegegner gemessen an den im Baugesuch
ausgewiesenen Baukosten von Fr. 800'000.– ohne Weiteres zumutbar.
c) Wie in der Erwägung 4g erwähnt, reichte der Beschwerdegegner im
Beschwerdeverfahren einen Lärmschutznachweis bzw. eine lärmtechnische Beurteilung
auf dem Online-Formular des Cercle Bruit ein. Dieser Nachweis wurde von der Firma
"Bucher Heizungen AG", die auf die Installation von Wärmepumpenanlagen spezialisierte
ist, erstellt. Der Lärmbeurteilung liegt ein Schallleistungspegel im Nachtbetrieb von 53
dB(A) gemäss dem Schallrechner19 zugrunde. Der Beurteilungspegel wurde bei einer
Distanz von 10 m zwischen der Lärmquelle und dem nächstliegenden, relevanten
Immissionsort berechnet. Diese Berechnungsgrundlagen sind korrekt. Die einzuhaltenden
Lärmgrenzwerte gelten bezüglich den nächsten, lärmempfindlichen Räumen. Als solche
gelten Räume in Wohnungen, ausgenommen Küchen ohne Wohnanteil, Sanitärräume und
Abstellräume (Art. 2 Abs. 6 Bst. a LSV). Dem Situationsplan ist zu entnehmen, dass sich
keine der Nachbarliegenschaften näher als 10 m an den Lärmquellen befinden. Weiter
wurden die Pegelkorrekturen K1, K2 und K3 gemäss der Empfehlung des Cercle Bruit
berücksichtigt. Der Nachweis entspricht somit vollumfänglich der Vollzugshilfe des Cercle
Bruit, was die Beschwerdeführenden zu Recht nicht bestreiten.20 Auf den
19 Vgl. https://www.fws.ch/unsere-dienstleistungen/laermschutznachweis/ 20 Vgl. Ziff. 2.2 der Vollzugshilfe 6.21 des Cercle Bruit (Version vom 20. September 2018) abrufbar unter http://www.cerclebruit.ch/, Rubrik / Vollzugsordner/ 6 Industrie- und Gewerbelärm / 6.21 Wärmepumpen / Luft/Waser-Wärmepumpen
https://www.fws.ch/unsere-dienstleistungen/laermschutznachweis/ http://www.cerclebruit.ch/
RA Nr. 110/2019/69 Seite 11 von 21
Lärmschutznachweis vom 30. April 2019 des Beschwerdegegners kann somit abgestellt
werden. Es ist bei dieser Sachlage nicht nötig, beim AWI einen zusätzlichen Lärmbericht
einzuholen. Zu berücksichtigen ist ausserdem, dass hier eine einfache
Umgebungssituation besteht und sich in solchen Konstellationen auch das AWI auf das
Online-Formular des Cercle Bruit stützt. Die BVE ist bei diesen Gegebenheiten in der Lage,
die Lärmbeurteilung auf deren Plausibilität hin zu prüfen. Gegen die Einholung eines
Fachberichts beim AWI sprechen zudem verfahrensökonomische Gründe. Der Antrag der
Beschwerdeführenden, wonach ein Fachbericht beim AWI einzuholen sei, wird daher
abgewiesen.
d) Das Wohngebäude der Beschwerdeführenden auf der Parzelle Nr. J._ sowie
die Wohngebäude auf den Nachbarparzellen Nr. K._ und Nr. L._ liegen in
der Wohnzone W2. Diese ist der Empfindlichkeitsstufe (ES) II zugeordnet. Deren Abstand
zu den Lärmquellen beträgt wie erwähnt mehr als 10 m. Luft-Wasser-Wärmepumpen sind
ortsfeste Anlagen (vgl. Erwägung 3d). Diese dürfen nach Art. 25 Abs. 1 USG nur errichtet
werden, wenn die durch diese Anlagen allein erzeugten Lärmimmissionen die
Planungswerte in der Umgebung nicht überschreiten. Gemäss Art. 40 Abs. 1 und Anhang 6
LSV, der unter anderem die Belastungsgrenzwerte für den Lärm von Heizungs-, Lüftungs-
und Klimaanlagen regelt, gilt für die ES Il ein Planungswert von 55 dB(A) am Tag und 45
dB(A) in der Nacht. Dabei ergibt sich der massgebliche Beurteilungspegel Lr aus der
Summe des A-bewerteten Mittelungspegels Leq am Immissionsort und der
Pegelkorrekturen K1-K3.21
e) Gemäss dem Lärmschutznachweis vom 30. April 2019 beträgt der Beurteilungspegel
Lr in einer Distanz von 10 m zur Lärmquelle 40 dB(A). Bei den nächstliegenden Immissi-
onsorten, namentlich den lärmempfindlichen Räumen in den Liegenschaften auf den Par-
zellen Nr. J._, Nr. K._ und Nr. L._, ist somit der Planungswert
von 45 dB(A) klar eingehalten. Noch nicht berücksichtigt ist bei dieser Berechnung die
Schallreduktion, die die Montage der schallabsorbierenden Wetterschutzgitter bewirkt.
Diese bewirkt eine zusätzliche Pegelreduktion von 3 dB(A).22 Unter Berücksichtigung der
Wetterschutzgitter resultiert somit ein Beurteilungspegel von 37 dB(A). Demzufolge ist in
21 Vgl. Anhang 6 Ziff. 31 Abs. 2 LSV 22 Vgl. Handbuch Lärmreduktion bei Luft/Wasser-Wärmepumpenanlagen des BFE vom November 2002, S. 64 (abrufbar unter www.laerm.ch / Lärmsorgen / Lärmquellen & Beurteilung / Energie & Versorgung / Wärmepumpen / Weiteres)
http://www.laerm.ch
RA Nr. 110/2019/69 Seite 12 von 21
einer Distanz von 10 m zur Lärmquelle der Planungswert von 45 dB(A) nachts um 8 dB(A)
unterschritten. Soweit die Beschwerdeführenden die Einhaltung der Grenzwerte bei den
relevanten Immissionsorten bestreiten, ist ihre Beschwerde unbegründet.
f) Es trifft zwar zu, dass nach der Rechtsprechung im Einzelfall zu prüfen ist, ob im
Rahmen des Vorsorgeprinzips zusätzliche Emissionsbegrenzungen erforderlich sind. Dies
gilt selbst, wenn die Planungswerte wie hier eingehalten sind.23 Als Massnahmen zur
Emissionsbeschränkung verlangen die Beschwerdeführenden besonders die Montage
eines Lichtschachts oder einer Schalldämmhaube. Diese Massnahmen fallen jedoch
bereits aus technischen Gründen ausser Betracht. Hier steht eine Wärmepumpe innerhalb
des Gebäudes zur Diskussion. Das Anbringen einer Schalldämmhaube eignet sich zwar
bei aussen aufgestellten Anlagen oder Geräten, wie aus der Vollzugshilfe des Cercle Bruit
folgt.24 Bei innen aufgestellten Anlagen würde mit der Montage eines
Schalldämmgehäuses der Ansaug- und Ausblasbereich der Anlage jedoch zugestellt. Dies
verunmöglicht das Anbringen von Luftkanälen für die Zu- und Abluft. Ebenso
unzweckmässig wäre hier die Montage eines Lichtschachts. Das geplante Einfamilienhaus
ist nicht unterkellert. Da kein Untergeschoss existiert, ist es unpassend, die Zu- und Abluft
der Anlage über Lichtschächte zu führen. Ungeeignet wäre schliesslich die Verschiebung
der Wärmepumpe bzw. der Wandöffnungen. Damit würde der Aussenlärm nicht
vermieden, sondern nur verlagert.
g) Die strittige Wärmepumpe wird wie ausgeführt innerhalb des Gebäudes aufgestellt.
Deren maximaler Schallleistungspegel beträgt 53 dB(A). Dieser Wert ist verhältnismässig
tief. Innen aufgestellte Wärmepumpen mit einem maximalen Schallleistungspegel von
59 dB(A) bei einer Heizleistung bis zu 10 kW gelten bereits als leise Anlagen.25 Die
Innenaufstellung der Wärmepumpe sowie die Wahl eines lärmarmen Geräts stellen
bereits Massnahmen im Sinne der Vorsorge dar. Dazu kommt, dass die Wandöffnungen in
der Südwest- und Nordwestfassade für Zu- und Abluft mit schallabsorbierenden
Wetterschutzgittern zu schliessen sind. Auch dies ist eine Vorsorgemassnahme, mit der
eine Lärmreduktion an der Quelle von mindestens 3 dB(A) erreicht werden kann.
23 BGer 1C_506/2008 vom 12.5.2009, E. 3.3; VGE 2016/82 vom 6. April 2017 E. 3.5; VGE 2017/319 vom 6. Juni 2018 E. 3.2 24 Vgl. Anhang 2, S. 16 der Vollzugshilfe 6.21 des Cercle Bruit (Version vom 20. September 2018) abrufbar unter http://www.cerclebruit.ch/, Rubrik / Vollzugsordner/ 6 Industrie- und Gewerbelärm / 6.21 Wärmepumpen / Luft/Waser-Wärmepumpen 25 Vgl. Entscheid der BVE RA Nr. 110/2018/133 vom 16. Juli 2019, E. 8
http://www.cerclebruit.ch/
RA Nr. 110/2019/69 Seite 13 von 21
h) Mit der Innenaufstellung der Anlage, der Wahl eines lärmarmen Geräts und der
zusätzlichen Auflage, schallabsorbierende Wetterschutzgitter zu montieren, wurde dem
Vorsorgeprinzip nach Art. 11 Abs. 2 USG in Verbindung mit Art. 7 Abs. 1 Bst. a LSV
genügend Rechnung getragen. Die umstrittene Luft-Wasser-Wärmepumpe entspricht dem
Stand der Technik. Weitere Lärmschutzmassnahmen, die mit geringerem Aufwand
umgesetzt werden könnten, sind nicht ersichtlich. Unter Berücksichtigung des
Verhältnismässigkeitsgrundsatzes können hier keine weiteren
Emissionsbeschränkungsmassnahmen gefordert werden, zumal hier bei einer Distanz von
10 m zur Lärmquelle der Planungswert von 45 dB(A) in der Nacht bereits um 8 dB(A)
unterschritten ist. Weitere Lärmschutzmassnahmen sind ungeeignet und
unverhältnismässig. Die Rüge der Beschwerdeführenden, die Anlage verletze das
Vorsorgeprinzip, ist somit unbegründet. Vielmehr steht fest, dass die Anlage
den massgeblichen Grenzwert in der Nacht deutlich unterschreitet und auch dem
Vorsorgeprinzip genügend Rechnung getragen worden ist. Die Luft-Wasser-Wärmepumpe
ist demzufolge bewilligungsfähig. Die Beschwerde ist in diesem Punkt unbegründet.
6. Anrechnung Autounterstand an die Gebäudelänge
a) Das geplante Wohngebäude weist eine Gebäudebreite von 10 m und eine
Gebäudelänge von 11 m auf. Auf der Nordwestseite der Wohnbaute soll ein offener
Autounterstand angebaut werden. Dessen Länge entspricht der Breite des
Wohngebäudes. Die Breite beträgt 4 m. Den bewilligten Projektplänen zufolge ist das
Betonflachdach für den Autounterstand auf Stützen abgestellt und wird direkt an das
Wohngebäude angebaut. Umstritten ist, ob der geplante Autounterstand bei der
Bestimmung der Gebäudelänge anzurechnen ist. Die Gebäudelänge bzw. Längsseite des
Gebäudes ist massgeblicher Anknüpfungspunkt zur Beantwortung der Frage, auf welcher
Fassadenseite der grosse und der kleine Grenzabstand einzuhalten ist.
b) Die Beschwerdeführenden stellen sich auf den Standpunkt, der offene Carport auf
der Nordwestseite des Einfamilienhauses sei an die Länge des Hauptgebäudes
anzurechnen. Beim Carport handle es sich nicht um einen vorspringenden Gebäudeteil.
Vielmehr sei dieser als fassadenrelevante Anbaute zu qualifizieren und bei der
Bestimmung der Fassadenflucht zu berücksichtigen. Dementsprechend betrage die
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Gebäudelänge entgegen der Auffassung der Vorinstanz 15 m und nicht 11 m. Die
Beschwerdeführenden folgern daraus, dass die Regelung von Art. 19 Abs. 5 GBR, wonach
der Bauherr bei annähernd quadratischen Gebäuden wählen kann, auf welcher Fassade
der grosse Grenzabstand zu messen sei, nicht zum Tragen komme. Vielmehr müsse beim
geplanten Gebäude der grosse Grenzabstand auf der besonnten Längsseite eingehalten
werden. Dieser befinde sich auf der Südwestseite. Bei dieser Fassade sei der grosse
Grenzabstand von 8 m nicht eingehalten. Da für die Unterschreitung weder ein
Ausnahmegesuch gestellt noch ein solches bewilligt worden sei, habe die Vorinstanz
geltendes Recht verletzt.
c) Der Beschwerdegegner vertritt die Meinung, eine Anbaute sei bei der Berechnung
der Gebäudelänge nicht zu berücksichtigen. Dies gelte erst Recht für einen dreiseitig
offenen Autounterstand, der nicht als Anbaute im Sinn von Art. 20 Abs. 2 GBR zu
qualifizieren sei. Aus dem Anhang des GBR gehe nichts anderes hervor. Auch aus Art. 7
Abs. 2 BMBV26 könne nichts abgeleitet werden. Sowohl die Einwohnergemeinde Bühl als
auch die Vorinstanz seien zum Schluss gekommen, dass das geplante Vorhaben auf der
Südwestseite den kleinen Grenzabstand von 4 m und nicht den grossen Grenzabstand
einzuhalten habe.
d) Die Gemeinde Bühl hat sich zur Frage, ob Anbauten bzw. Vordächer bei der
Bestimmung der Gebäudelänge und -breite nach ihrem Baureglement anzurechnen sind,
nicht geäussert. Zu beachten ist hier, dass die Gemeinde Bühl ihr GBR im Zuge der
Ortsplanungsrevision im Jahr 2013 an die Bestimmungen der BMBV angepasst hat. Die
Gemeinde hat die Definition der Begriffe "Anbaute" und "Gebäudelänge und -breite" sowie
die zugehörigen Skizzen der BMBV unverändert in ihr GBR übernommen.27 Die
Baubegriffe "Anbaute" und "Gebäudelänge und -breite" sind somit abschliessend
kantonalrechtlich geregelt. Bei deren Auslegung besteht folglich keine
Gemeindeautonomie. Es ist denn auch nicht einzusehen, weshalb die Gemeinden die
Baubegriffe der BMBV autonom auslegen könnten. Dies würde der Zielsetzung der BMBV,
die Baubegriffe und Messwesen zu vereinheitlichen, diametral zuwiderlaufen.
e) Nach dem Wortlaut von Art. 26 Abs. 1 GBR und Art. 12 Abs. 1 BMBV ist die
Gebäudelänge die längere Seite des flächenkleinsten Rechtecks, welches die projizierte
26 Verordnung vom 25. Mai 2011 über die Begriffe und Messweisen im Bauwesen (BMBV; BSG 721.3) 27 Vgl. Begriff "Anbaute" Art. 20 Abs. 2 GBR bzw. Art. 4 BMBV und Begriff "Gebäudelänge und -breite" Art. 26 Abs. 1 und 2 GBR bzw. Art. 12 und 13 BMBV
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Fassadenlinie umfasst. Demgegenüber ist die Gebäudebreite nach Art. 26 Abs. 2 GBR und
Art. 13 Abs. 1 BMBV die kürzere Seite des flächenkleinsten Rechtecks, welches die
projizierte Fassadenlinie umfasst. Das Amt für Gemeinden und Raumordnung hat diese
Baubegriffe der BMBV in einer BSIG-Weisung näher erläutert.28 Danach werden Anbauten
bei der Bestimmung der Gebäudelänge und -breite grundsätzlich angerechnet. Davon
ausgenommen sind lediglich vorspringende Gebäudeteile.29 Auch gelten nach den
Erläuterungen freistehende Dachkonstruktionen, namentlich Carports oder
Tankstellendächer, als Gebäude im Sinn von Art. 2 BMBV.30 Damit entstehen am
Dachrand bzw. am Rand der Vordächer fiktive Fassadenfluchten. Innerhalb dieser fiktiven
Fassadenfluchten gilt die gesamte Fläche als Nutzungsfläche.
f) Beim Betonflachdach des geplanten Autounterstands handelt es sich um einen
separaten Gebäudeteil. Da sich das Betonflachdach über die ganze Breite der
Nordwestfassade erstreckt, gilt es nicht als vorspringender Gebäudeteil im Sinn von Art. 22
Abs. 2 GBR, sondern als Teil des Gebäudes oder als Anbaute. Folglich ist das strittige
Vordach bzw. der Autounterstand bei der Bestimmung der Gebäudelänge zu
berücksichtigen, sei es als Anbaute oder als Teil des Gebäudes. Die Länge des Gebäudes
beträgt somit 15 m und die Breite 10 m, wie die Beschwerdeführenden zutreffend
ausführen. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz kann der Bauherr unter diesen
Umständen gestützt auf Art. 19 Abs. 5 GBR nicht frei wählen, auf welcher Fassade der
grosse Grenzabstand zu messen ist. Die besonnte Längsseite ist hier klar bestimmbar; sie
liegt auf der Südwestseite. Bei dieser Fassade beträgt der grosse Grenzabstand lediglich
4 m anstatt 8 m. Das Argument des Beschwerdegegners, die Gemeinde und die
Vorinstanz seien zum Schluss gelangt, das geplante Vorhaben habe auf der Südwestseite
den kleinen Grenzabstand von 4 m und nicht den grossen Grenzabstand einzuhalten, geht
daher fehl. Nichts ableiten kann der Beschwerdegegner überdies aus dem Umstand, dass
der Autounterstand gegen Westen offen ist und die Fassade des Wohngebäudes nicht
verlängert wird. Denn auch innerhalb von fiktiven Fassadenfluchten gilt die gesamte Fläche
als Nutzungsfläche. Aus den Akten geht schliesslich hervor, dass für die Unterschreitung
des grossen Grenzabstands kein Ausnahmegesuch gestellt worden ist. Dass hier
besondere Verhältnisse im Sinn von Art. 26 Abs. 1 BauG vorliegen, die ein Unterschreiten
28 Vgl. BSIG Weisung Nr. 7/721.3/1.1 vom 1. März 2018 29 Vgl. Erläuterungen zu Artikel 12 und 13 Gebäudelänge und Gebäudebreite der BSIG Weisung Nr. 7/721.3/1.1 vom 1. März 2018 30 Vgl. Erläuterungen zu Artikel 2 Gebäude der BSIG Weisung Nr. 7/721.3/1.1 vom 1. März 2018
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des grossen Grenzabstands rechtfertigen würden, ist weder ersichtlich noch wird dies vom
Beschwerdegegner geltend gemacht.
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7. Bewilligungsfähigkeit des Wohnhauses
a) Nach dem Gesagten ist das Vorhaben mit der geplanten Vordachkonstruktion für den
Autounterstand nicht bewilligungsfähig. Es hält den grossen Grenzabstand von 8 m
gegenüber den Nachbarparzellen Nr. J._ und Nr. K._ nicht ein. Allerdings
handelt es sich beim Betonflachdach des geplanten Autounterstands um einen separaten
und untergeordneten Gebäudeteil. Dieser hat gemessen am Gesamtprojekt nur eine
geringe Bedeutung. Auch können die Autos problemlos ohne das Vordach auf der
vorgesehenen Fläche abgestellt werden. Die Bewilligungsfähigkeit der Wohnbaute kann
daher auch ohne Vordachkonstruktion für den Autounterstand beurteilt werden.
b) Ohne die Vordachkonstruktion für den offenen Autounterstand weist das Vorhaben
eine Gebäudebreite von 10 m und eine Gebäudelänge von 11 m aus. In diesem Fall
kommt Art. 19 Abs. 5 GBR zum Tragen, da keine Seite mehr als 10 Prozent länger ist.
Folglich kann der Baugesuchsteller, ausgenommen auf der Nordfassade, selber festlegen,
auf welcher Seite der grosse Grenzabstand zu messen ist. Aus den bewilligten Plänen
folgt, dass sich der grosse Grenzabstand auf der Südostseite befindet und unter
Berücksichtigung des Näherbaurechts der Gemeinde eingehalten ist.31 Ohne den
geplanten Autounterstand hält das Vorhaben gegenüber den Nachbarparzellen Nr.
J._, Nr. K._ und Nr. L._ den kleinen Grenzabstand von 4 m
sowie die übrigen baupolizeilichen Vorschriften somit ein, wie bereits die Vorinstanz
feststellte und von den Beschwerdeführenden zu Recht nicht bestritten worden ist. Es wäre
daher unverhältnismässig, für das ganze Vorhaben den Bauabschlag zu erteilten. Da das
Projekt ohne die Vordachkonstruktion den massgeblichen bau-, planungs- und
umweltrechtlichen Vorschriften entspricht, wird der Bauabschlag nur für die
Vordachkonstruktion auf der Nordwestseite erteilt. Dies ist unbedenklich, da es sich hierbei
um einen separaten und untergeordneten Gebäudeteil handelt, der sich unabhängig von
der Hauptbaute beurteilen lässt. Im Übrigen wird die Baubewilligung für das geplante
Einfamilienhaus, ausgenommen die Vordachkonstruktion auf der Nordwestseite, bewilligt.
Insoweit wird die Beschwerde teilweise gutgeheissen.
31 Vgl. pag 40 der Vorakten des Regierungsstatthalteramts Seeland
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8. Kosten
a) Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr
(Art. 103 Abs. 1 VRPG). Für Entscheide in einer Verwaltungsjustizsache wird eine
Pauschalgebühr von Fr. 200.– bis Fr. 4'000.– je Beschwerde erhoben (Art. 19 Abs. 1 i.V.m.
Art. 4 Abs. 2 GebV32). In Anwendung dieser Bestimmung werden die Kosten das
Beschwerdeverfahrens auf Fr. 2'000.– festgelegt.
Die Verfahrenskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG).
Nach Art. 108 Abs. 2 VRPG werden Behörden keine Verfahrenskosten auferlegt, ausser
sie sind in ihren eigenen Vermögensinteressen betroffen.
b) Die Beschwerdeführenden rügten zu Recht, dass der Carport bei der Bestimmung
der Gebäudelänge anzurechnen sei. Zudem wurde gestützt auf das Vorsorgeprinzip eine
Schallschutzmassnahme angeordnet. In diesen Punkten gelten die Beschwerdeführenden
als obsiegende Partei. Hingegen haben sich die anderen Rügen der Beschwerdeführenden
als unbegründet erwiesen (formelle Rügen und Nichteinhaltung der Planungswerte) oder
auf diese konnte nicht eingetreten werden (Kritik betreffend die bewilligte Garage mit
Geräteraum und fehlerhafte Amtstätigkeit der Vorinstanz). Insoweit gilt der
Beschwerdegegner als obsiegend. Es ist daher gerechtfertigt, die Verfahrenskosten von
Fr. 2'000.– je hälftig den Beschwerdeführenden (ausmachend je Fr. 1'000.–) und dem
Beschwerdegegner zur Bezahlung aufzuerlegen.
c) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Parteikosten umfassen den durch die
berufsmässige Parteivertretung anfallenden Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG).
d) Die Kostennote des Anwalts der Beschwerdeführenden im Beschwerdeverfahren
beläuft sich auf Fr. 7'097.10 (Honorar Fr. 6'476.20, Auslagen Fr. 113.50, Mehrwertsteuer
Fr. 507.40). Der Beschwerdegegner erachtet diese Kostennote als übersetzt und
32 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
RA Nr. 110/2019/69 Seite 19 von 21
beantragt, die Parteientschädigung der Beschwerdeführenden sei auf die Höhe seiner
Honorarnote festzusetzen.
Nach Art. 11 Abs. 1 PKV33 beträgt das Honorar in verwaltungsrechtlichen
Beschwerdeverfahren Fr. 400.– bis Fr. 11'800.– pro Instanz. Innerhalb des Rahmentarifs
bemisst sich der Parteikostenersatz nach dem in der Sache gebotenen Zeitaufwand sowie
der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 41 Abs. 3
KAG16). Im vorliegenden Fall sind der gebotene Zeitaufwand und die Schwierigkeit des
Prozesses als unterdurchschnittlich zu werten. Zum einen handelt es sich hier um keine
komplexe Streitsache. Zur Diskussion steht ein Einfamilienhaus ohne Unterkellerung. Auch
stellen sich nur wenige Rechtsfragen. Schliesslich ist hier die Bedeutung der Streitsache
knapp als durchschnittlich einzustufen; strittig ist die Baubewilligung für ein Einfamilienhaus
mit Carport. Daher erscheint, anders als die Parteien beantragen, ein Honorar von
Fr. 3'500.– (inkl. Auslagen und Honorar) als angemessen. Die Kostennote des
Rechtsanwalts des Beschwerdegegners von Fr. 2'209.80 (Honorar Fr. 2'025.–, Auslagen
Fr. 26.80, Mehrwertsteuer Fr. 158.–) geben demgegenüber zu keinen Bemerkungen
Anlass.
Analog zur Verteilung der Verfahrenskosten erscheint es vorliegend als gerechtfertigt, dass
die Beschwerdeführenden die Hälfte der Parteikosten des Beschwerdegegners,
ausmachend Fr. 1'104.90, zu tragen haben und der Beschwerdegegner die Hälfte der
Parteikosten der Beschwerdeführenden, ausmachend Fr. 1'750.–, ersetzen muss.
33 Verordnung vom 17. Mai 2006 über die Bemessung des Parteikostenersatzes (Parteikostenverordnung, PKV; BSG 168.811)
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