# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 42dc18b1-0617-43c1-aff8-7a6d43f02677
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der 1963 geborene X._ war im Haupterwerb ab 1. November 1997 bei der Y._ als Schichtleiter tätig. Die Kündigung per Ende April 2006 erfolgte aus wirtschaftlichen Gründen, wobei sich die Kündigungsfrist infolge Krankheit des Versicherten um einen Monat verlängerte. Im Nebenerwerb war der Versicherte von Januar 1995 bis September 2007 für die Z._ und seither für die A._ als Hauswart tätig. Im November 2007 meldete er sich unter Hinweis auf eine seit circa 20 Jahren bestehende Angster
krankung bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an. Diese klärte in der Folge die beruflichen und medizinischen Verhältnisse ab; insbesondere holte sie bei Dr. med. B._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, ein psychiatrisches Gutachten ein (Gutachten vom 10. März 2010, Urk. 7/41). Gestützt darauf verneinte sie mit Verfügung vom 23. Juli 2010 einen Leistungsanspruch des Versicherten. Die dagegen erhobene Beschwerde wies das hiesige Gericht mit Urteil vom 20. Dezember 2011 ab, unter Hinweis darauf, dass die zuletzt erwähnten gesundheitlichen Probleme (Dis
kushernie, neuste Entwicklung der HIV-Erkrankung) im Rahmen eines Neuan
meldeverfahrens geltend zu machen seien (vgl. zum Ganzen Urk. 7/60 S. 2, Urk. 7/81 S. 2).
Am 9. August 2013 meldete sich der Versicherte erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (Urk. 7/62). Diese holte bei den behandelnden Fachärzten Ver
laufsberichte ein, stellte mit Vorbescheid vom 24. April 2014 die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 7/73) und hielt an diesem Entscheid mit Verfügung vom 12. Juni 2014 fest (Urk. 7/77). Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das hiesige Gericht mit Urteil vom 15. September 2014 in dem Sinne gut, dass es die Sache zu weiteren Abklärungen an die IV-Stelle zurückwies (Urk. 7/81).
In der Folge veranlasste diese die polydisziplinäre Abklärung des Versicherten (C._-Gutachten vom 18. März 2016; Urk. 7/125). Mit Vorbescheid vom 30. Juni 2016 stellte sie die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 7/133) und hielt an diesem Entscheid mit Verfügung vom 25. November 2016 fest (Urk. 7/160 = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Vertreterin des Versicherten am 17. Januar 2017 Beschwerde und beantragte, es sei die Sache zu weiteren Abklärungen und zur Durchführung von Eingliederungsmassnahmen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, eventualiter sei dem Beschwerdeführer eine Invalidenrente zuzusprechen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 21. Februar 2017 beantragte die Beschwerdegegne
rin die Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was dem Beschwerdeführer mit Ver
fügung vom 21. Juni 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8).

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts;
ATSG).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung;
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen,
ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (
vgl.
BGE
139 V 547
E. 5
,
131 V 49
E. 1.2
,
130 V 352
E. 2.2.1
; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 5.4).
Die Annahme
eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt
eine psychiatrische,
lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (
vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2,
141 V 281 E. 2.1
, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6
). Eine fachärztlich
einwandfrei
festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In je
dem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit un
abhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die
nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende
Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arb
eitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7,
139 V 547 E. 5.2
, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG
).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die Invalidenversicherung;
IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von
Art.
17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hin
weis).
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen
(
BGE
144 I 28 E.
2.2,
130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen
). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend ("allseitig") zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa
rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestell
ten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen be
ruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychi
schen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Aus
einandersetzung mit den Vorakten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfol
gerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deut
lich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann Fredenhagen, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin trat auf die Neuanmeldung ein und begründete die an
gefochtene leistungsabweisende Verfügung damit, dass beim Beschwerdeführer kein Gesundheitsschaden im Sinne der Invalidenversicherung ausgewiesen sei; sowohl in der bisherigen als auch in einer angepassten Tätigkeit sei dem Be
schwerdeführer ein Arbeitspensum von 100 % zuzumuten (Urk. 2).
2.2
Demgegenüber machte die Vertreterin des Beschwerdeführers im Wesentlichen geltend, dass entgegen der Einschätzung im C._-Gutachten von einer Persön
lichkeitsstörung auszugehen sei und nicht bloss von einer Persönlichkeitsakzen
tuierung. Weiterhin sei die Behauptung zurückzuweisen, dass der Beschwerde
führer bis 2006 beruflich und sozial bestens funktioniert habe. Aktenwidrig sei die Annahme der C._-Gutachter, dass die depressive Episode im Herbst 2016 gut habe therapiert werden können, sofern überhaupt von einer solchen auszu
gehen gewesen sei (Urk. 1 S. 4 f.). Aufgrund des Alters des Beschwerdeführers sowie der nunmehr achtjährigen Absenz vom Arbeitsmarkt wären zudem (even
tualiter) Eingliederungsmassnahmen angezeigt (S. 5 f.).
2.3
Vergleichsbasis im vorliegenden Neuanmeldeverfahren bildet die Verfügung vom 23. Juli 2010 (Urk. 7/49), welche mit Urteil des hiesigen Gerichts vom 20. Dezem
ber 2011 bestätigt wurde (Urk. 7/60). In medizinischer Hinsicht stützte sich die genannte Verfügung im Wesentlichen auf das psychiatrische Gutachten von Dr. B._ vom 10. März 2010, welcher von der Diagnose „Angst und depressive Störung, gemischt“ ausging (ICD-10 F41.2). Gestützt darauf sei im konkreten Fall keine relevante längerfristige Arbeitsunfähigkeit begründbar (Urk. 7/41 S. 18).
3.
3.1
Im Zusammenhang mit einem Suizidversuch am 25. August 2015 weilte der Be
schwerdeführer in der Zeit vom 27. August bis 25. September 2015 erstmals im D._ zur stationären Behandlung (Urk. 7/111).
Die für den Bericht zu Handen der Beschwerdegegnerin vom 11. November 2015 verantwortlichen Fachpersonen gingen dabei von der Hauptdiagnose Angst und depressive Störung, gemischt, Panikstörung, aus (ICD-10 F41.2; Urk. 7/114 S. 1). Zu Beginn habe sich der Beschwerdeführer in einem "mittelgradig-schwer" de
pressiven Zustandsbild gezeigt (S. 3). Für den Zeitraum des stationären Aufent
halts sei von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Aktuell würden sie eine mittel- bis längerfristige Arbeitsunfähigkeit von 100 % sehen, wobei die Tä
tigkeit als Schichtleiter am E._ aus ihrer Sicht nicht mehr zu emp
fehlen sei. Das depressive Zustandsbild sei bei Austritt teilweise remittiert gewe
sen (S. 4). Bei Fortführung der psychiatrischen Medikation sowie bei regelmässi
ger psychotherapeutischer Behandlung, wenn möglich unter Reduktion der Me
dikation und der Benzodiazepine, könne längerfristig mit der Wiedererlangung einer Teilarbeitsfähigkeit gerechnet werden (S. 5).
3.2
Ein weiterer stationärer Aufenthalt im D._ erfolgte in der Zeit vom 10. Februar bis 12. März 2016. Die für den vorläufigen Austrittsbericht vom 11. März 2016 verantwortliche Fachärztin erwähnte dabei als Hauptdiagnose eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychoti
sche Symptome (ICD-10 F33.2), DD: Dysthymie (Urk. 7/119).
3.3
Die für das C._-Gutachten vom 18. März 2016 verantwortlichen Fachärzte konnten keine Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit stellen. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei von den folgenden Diagnosen auszuge
hen (Urk. 7/125 S. 17):
-
Angst und depressive Störung, gemischt (ICD-10 F41.2)
-
Selbstunsichere Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10 Z73)
-
Psychische und Verhaltensstörungen durch (ärztlich verordnete) Ben
zodiazepine, Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F13.2)
-
Schädlicher Gebrauch von Kokain (ICD-10 F14.1)
-
Schädlicher Gebrauch von Methamphetamin (ICD-10 F15.1)
-
chronisches zervikospondylogenes Schmerzsyndrom rechts mehr als links, aktuell ohne Zeichen einer radikulären Defizitsymptomatik mit leichtgra
diger Bewegungseinschränkung
-
chronisches Lumbovertebralsyndrom, zur Zeit beschwerdefrei
-
HIV-Infektion
-
Zustand nach Ureteolithiasis
-
Prostatahypertrophie
Der Beschwerdeführer sei in der Lage, eine körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit, vorwiegend im Stehen, Gehen und Sitzen unter Vermeidung von Zwangshaltungen (Überkopfarbeiten) auszuüben. Aufgrund der Ängste seien Tä
tigkeiten an stark frequentierten Orten sowie mit besonderen Anforderungen an die Kommunikationsfähigkeit und an die Selbstbehauptungs- und Durchset
zungsfähigkeit nicht geeignet. Aufgrund des Suchtmittelgebrauchs seien auch Tätigkeiten mit Suchtmittelkontakt zu vermeiden, ebenso wie solche mit unregel
mässigen Arbeitszeiten und Nachtschichten (S. 18). Die Arbeitsfähigkeit betrage sowohl in der bisherigen als auch in einer leidensadaptierten Tätigkeit 100 %. Vom 25. August bis 25. September 2015 sei aufgrund des stationären Aufenthalts von einer Arbeitsfähigkeit von 0 % auszugehen (S. 19).
Seit der am 23. Juli 2010 erfolgten Rentenablehnung sei es insofern zu einer Ver
schlechterung des Gesundheitszustandes gekommen, als dass der Beschwerdefüh
rer nun seit 2015 regelmässig Kokain und Methamphetamin konsumiere. Das psychiatrische Gutachten von 2010 sei gut nachvollziehbar; es würden sich dazu keine Diskrepanzen ergeben (S. 25).
3.4
In der Zeit vom 5. bis 24. August 2016 fand im D._ eine dritte Hospitalisation statt. Die für den Austrittsbericht vom 14. September 2016 ver
antwortlichen Fachärzte stellten dabei die folgende Hauptdiagnose (Urk. 7/148 S. 1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2)
-
aktuell latente Suizidalität, Status nach mehrfachen Suizidversuchen, u.a. mittels Medikamentenintoxikationen
-
langmonatig unter Cipralex, seit ca. 4 Wochen unter 60 mg Cymbalta
Als Nebendiagnosen erwähnten die behandelnden Fachärzte die folgenden ge
sundheitlichen Störungen:
-
Angst und depressive Störung, gemischt, Panikanteile (ICD-10 F41.2)
-
Chronischer Benzodiazepin-Gebrauch
-
Sonstige spezifische Persönlichkeitsstörung (selbstunsicher, narzisstisch; ICD-10 F60.8)
-
Psychische und Verhaltensstörungen durch Methamphetamin, schädlicher Gebrauch
-
Crystal Meth-Raucher
-
Mögliche neurologische Folgeschäden, noch zu testen
-
HIV-Infektion, ED vor ca. 7 Jahren, in Behandlung bei Dr. F._, G._
-
Unter HAART Viruslast anamnestisch nicht nachweisbar, CD4 1200/ml vor ca. 2 Monaten
Analog der letzten beiden Hospitalisationen sei es zu einer freiwilligen Zuweisung gekommen, bei Zunahme der depressiven Symptomatik mit angstbedingten Rückzugstendenzen und Suizidgedanken (S. 1). Der Beschwerdeführer habe sich in der Klinik rasch stabilisieren können. Die Teilnahme am Therapieprogramm habe ihm Struktur gegeben und wie bereits anlässlich der letzten beiden Hospi
talisationen zu einer Verbesserung des Zustandes geführt. Aufgrund der narziss
tischen Persönlichkeitsstruktur sei es einige Male zu Konflikten mit dem Behand
lungsteam gekommen. Der Beschwerdeführer sei jedoch vor allem im Verlauf sehr gesellig gewesen, habe sich um Mitpatienten gekümmert und sich rege am The
rapieprogramm beteiligt, was zu einer deutlichen Stimmungsaufhellung geführt habe. Während des Wochenendurlaubes am 3. August 2016 (richtig wohl 21./22. August) habe er Kokain, Ketamin und GHB konsumiert und danach erneut depressiv und mit Suizidgedanken reagiert. Aufgrund dieses Verstosses gegen die Stationsregeln sei es nach erfolgter Stabilisierung zur vorzeitigen Entlassung ge
kommen (S. 3).
3.5
Am 24. Oktober 2016 nahmen die Gutachter des C._ insbesondere zum vorer
wähnten Austrittsbericht vom 14. September 2016 Stellung. Dabei hielten sie fest, dass die darin gestellten Diagnosen nicht miteinander kompatibel seien. Angst und depressive Störung, gemischt, könne dabei nur dann diagnostiziert werden, wenn keine der beiden Störungen ein Ausmass erreiche, das eine entsprechende einzelne Diagnose rechtfertigen würde. Nach Durchsicht des Berichts sei mit ganz überwiegender Wahrscheinlichkeit aber die Diagnose F41.2 die Zutreffende. Auf
fällig sei jedenfalls die für eine schwere depressive Episode ungewöhnlich kurze Therapiedauer in der Klinik (nur 19 Tage). Auch habe sich der Beschwerdeführer in der Therapie gesellig gezeigt und sich um andere Patienten gekümmert, was gegen eine schwere depressive Episode spreche. Mit überwiegender Wahrschein
lichkeit habe schon zu Beginn keine schwere depressive Episode vorgelegen, zu
mindest wäre eine solche sehr gut therapierbar gewesen (Urk. 7/155).
4.
4.1
Zu prüfen ist vorliegend, ob es seit der letztmaligen Rentenverweigerung mit Ver
fügung vom 23. Juli 2010 zu einer wesentlichen Verschlechterung des Gesund
heitszustandes gekommen ist. Die Gutachter des C._ legen dabei den medizi
nischen Sachverhalt in einer schlüssigen und nachvollziehbaren Weise dar; ins
besondere äussern sie sich ausdrücklich zum Gutachten von Dr. B._ vom 10. März 2010 sowie zur Einschätzung der Sachlage durch die behandelnden Fachärzte des Sanatoriums D._.
Vergleicht man die Beurteilung von Dr. B._ mit jener des aktuellen polydis
ziplinären Gutachtens, ergibt sich schon aufgrund der diagnostischen Einschät
zung sowie der attestierten Arbeitsfähigkeit ein weitgehend unveränderter Zu
stand. Die C._-Gutachter äussern sich denn auch dahingehend, dass eine Ver
änderung allein im seit 2015 bestehenden regelmässigen Kokain- und Me
thamphetaminkonsum zu sehen sei. Dieser schädliche Substanzgebrauch bleibt aber gemäss Gutachten ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit, sodass insge
samt von einem im Wesentlichen unveränderten Gesundheitszustand auszugehen ist.
An dieser Einschätzung vermögen auch die Berichte der behandelnden Fachper
sonen des Sanatoriums D._ nichts zu ändern. Nachzuvollziehen sind dabei insbesondere die Ausführungen der C._-Gutachter in der ergänzenden Stel
lungnahme vom 24. Oktober 2016; insbesondere kann aufgrund der nach der ersten Hospitalisation veränderten Hauptdiagnose nicht auf einen verschlechter
ten Gesundheitszustand geschlossen werden. So wurde anlässlich der ersten sta
tionären Behandlung die Hauptdiagnose Angst und depressive Störung, gemischt, gestellt (ICD-10 F41.2; Urk. 7/114 S. 1) und lediglich im Text auf ein bei Eintritt mittelgradig-schwer depressives Zustandsbild hingewiesen. In den Berichten über die zweite und dritte stationäre Unterbringung scheint nun die Eintrittsdiagnose zur Hauptdiagnose geworden zu sein, obwohl sich bei allen Unterbringungen eine rasche Besserung einstellte. Der Einschätzung der C._-Gutachter, dass vor die
sem Hintergrund die Diagnose Angst und depressive Störung, gemischt, wohl die (zumindest nach kurzer Behandlung) Zutreffende sei, ist dabei nicht in Frage zu stellen. Gegen eine andauernde erhebliche depressive Erkrankung spricht auch, dass der Beschwerdeführer etwa im Anschluss an die stationäre Unterbringung im März 2016 einen zweimonatigen Auslandaufenthalt antreten konnte (Urk. 7/148 S. 2).
Hinsichtlich der Tatsache, dass die behandelnden Fachärzte des D._ bereits anlässlich der ersten stationären Unterbringung von einer mit
tel- bis langfristigen vollständigen Arbeitsunfähigkeit ausgingen, ist auf die Er
fahrungstatsache hinzuweisen, dass behandelnde Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräfte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstel
lung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Wohl kann die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Behandlung oft wertvolle Erkenntnisse zeitigen; doch lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag de
r therapeutisch tätigen (Fach-)
Person einerseits und Be
gutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 170
E. 4
) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen bzw. Therapiekräfte zu anderslautenden Einschät
zungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Be
urteilung aufdrängt, weil die anderslautenden Einschätzungen wichtige
–
und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende
–
Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil
des Bun
desgerichts
8C_677/2014 vom 2
9.
Oktober 2014 E. 7.2
mit Hinweisen, u.a. auf
SVR 2008 IV Nr
. 15 S. 43 E. 2.2.1 [I 514/06]
).
Zuletzt ist darauf hinzuweisen, dass für das vorliegende Verfahren die angefoch
tene Verfügung vom 25. November 2016 die zeitliche Grenze der Überprüfungs
befugnis darstellt. Inwieweit sich die erneute stationäre Unterbringung ab 13. De
zember 2016 auf einen allfälligen Leistungsanspruch auswirkt, kann dabei offen bleiben. Hinzuweisen ist immerhin, dass auch anlässlich der vierten stationären Behandlung eine Stabilisierung erzielt werden konnte (Urk. 3/3).
4.2
Zusammenfassend ist (bezogen auf den hier massgebenden Zeitraum) gestützt auf die nachvollziehbare und umfassende Einschätzung der C._-Gutachter von ei
nem im Wesentlichen unveränderten medizinischen Sachverhalt auszugehen, so
dass kein Neuanmelde- respektive Revisionsgrund (E. 1.3) gegeben ist. An dieser Einschätzung ändert auch die neuere Rechtsprechung
gemäss BGE 143 V 409 und BGE 143 V 418 nichts, wonach grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankun
gen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind. Denn
soweit
keine Änderung der tatsächlichen Verhältnisse vor
liegt
, spielt es keine Rolle, ob allenfalls ein rechtskräftig beurteilter, unveränderter Sachver
halt nach einer neuen Rechtsprechung rechtlich anders eingeordnet würde. Die Rechtsprechungsänderung allein stellt keinen Neuanmeldungs- oder Revisions
grund dar (
vgl.
BGE 141 V 585 E. 5.3
hinsichtlich der somatoformen Schmerz
störungen
).
In Abweisung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung demnach zu be
stätigen.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.