# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 11f10680-9c26-4be5-ad99-54f66b4eb7e4
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ X.Y. (nachfolgend: Gesuchstellerin) beantragte beim Sozialamt der Stadt St. Gallen
(nachstehend: Sozialamt) am 28. Februar 2012 die Ausrichtung von
Sozialhilfeleistungen. Im entsprechenden Formular gab sie als Adresse die Heilsarmee
Wattwil an und erklärte unter anderem, dass der Antrag wegen fehlender Unterlagen
unvollständig sei bzw. der Mietvertrag Q.-strasse 0, St. Gallen, nachgereicht werde
(act. G 7/7 S. 5 und 7). Mit Schreiben vom 1. März 2012 teilte sie dem Sozialamt mit,
dass sie Geld für eine Aus-/Weiterbildung benötige, welche sie bereits während der
Behandlung ihres Sozialhilfeantrags nutzen könnte (act. G 7/41). Am 15. März 2012
verlangte sie den Erlass einer Verfügung betreffend Nothilfe während der Dauer der
Behandlung des Sozialhilfegesuchs (act. G 7/40); dieses Begehren wiederholte sie in
späteren Schreiben (act. G 7/28, 7/21). Im Schreiben vom 28. März 2012 teilte das
Sozialamt der Gesuchstellerin mit, dass sie das Antragsformular am 29. Februar 2012
zwar eingereicht, jedoch für die Anspruchsprüfung relevante Unterlagen, insbesondere
den von beiden Mietparteien unterzeichneten Mietvertrag Q.-strasse 0 und
Kontoauszüge, nicht beigelegt habe. Damit ihr Antrag geprüft werden könne, werde sie
nochmals aufgefordert, die fehlenden Unterlagen umgehend zuzustellen (act. G 7/5).
Am 29. März 2012 gab die Gesuchstellerin dem Sozialamt unter anderem bekannt,
dass der Mietvertrag Q.-strasse 0 von der Vermieterin direkt zugestellt werde (act. G
7/39). Den unterzeichneten Mietvertrag hatte die Vermieterin dem Sozialamt mit
Schreiben vom 27. März 2012 zukommen lassen (act. G 7/13). Am 11. und 13. April
2012 reichte die Gesuchstellerin dem Sozialamt diverse Bankunterlagen ein, wobei sie
darauf hinwies, dass Obdachlosen mit Notunterkunft und Verpflegung ein Beitrag zu
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
gewähren sei (act. G 7/37f.). Am 25. April 2012 machte sie diesen Anspruch mit
Hinweis auf die SKOS-Richtlinien erneut geltend (act. G 7/36). Mit Schreiben vom 27.
April und 7. Juni 2012 reichte die Gesuchstellerin einen Mietvertrag für eine Einzimmer-
Wohnung an der B.-gasse 01, St. Gallen, mit Mietbeginn am 1. Mai 2012 ein und
erklärte unter anderem sinngemäss, dass sie in die Wohnung Q.-strasse 0 wegen der
unbezahlt gebliebenen Mieten nicht habe einziehen können (act. G 7/33, 7/14, 7/34).
B./ Mit Verfügung vom 18. Juli 2012 eröffnete das Sozialamt der Gesuchstellerin, dass
ihr Gesuch um finanzielle Nothilfe für den Zeitraum vom 28. Juni (richtig: 28. Februar)
bis 31. Mai 2012 abgewiesen werde (Ziff. 1 Dispositiv). Für die Folgezeit wurde ein
Unterstützungsanspruch anerkannt (Ziff. 2 Dispositiv) und "auf freiwilliger Basis" ein
einmaliger Betrag von Fr. 500.-- für Einrichtungsgegenstände zugesprochen (Ziff. 3
Dispositiv). Die Abweisung für die Zeit ab 28. Februar 2012 wurde damit begründet,
dass das Sozialamt erst am 7. Juni 2012 über die vollständigen Unterlagen verfügt
habe und folglich auf das Unterstützungsgesuch erst per Juni 2012 habe eintreten
können. Ausserdem habe die Gesuchstellerin den für den Unterstützungsanspruch
vorausgesetzten Wohnsitz in der Stadt St. Gallen mit ihrem Aufenthalt in der
Heilsarmee St. Gallen nicht begründet. In den Notzimmern der Heilsarmee sei der
dauernde Verbleib nicht vorgesehen. Aufgrund des widersprüchlichen Verhaltens und
der unterschiedlichen Angaben der Gesuchstellerin sei ohnehin ungewiss, ob sie sich
vom 28. Februar bis 31. Mai 2012 tatsächlich bei der Heilsarmee St. Gallen aufgehalten
habe. Eine Zuständigkeit des Sozialamtes für die Unterstützung vor dem 1. Juni 2012
sei daher nicht gegeben gewesen. Ab 28. Februar 2012 sei die Gesuchstellerin mit
Migros-Gutscheinen unterstützt worden, und sie habe diverse andere Institutionen
(Heilsarmee, Kirchgemeinde, Opferhilfe) aufgesucht, von denen sie Unterstützung
erhalten habe. Infolgedessen habe kein Notfall vorgelegen, weshalb sie im fraglichen
Zeitraum auch aus diesem Grund nicht auf Unterstützung angewiesen gewesen sei
(act. G 6/1 Beilage). Den gegen diese Verfügung von der Gesuchstellerin am 23. Juli
2012 erhobenen und am 6. August 2012 ergänzten Rekurs (act. G 6/1 und 6/3) hiess
das Departement des Innern mit Entscheid vom 1. Februar 2013 in dem Sinn teilweise
gut, dass die politische Gemeinde St. Gallen angewiesen wurde, der Rekurrentin den
vor dem 1. Juni 2012 ausgerichteten Betrag der Migros-Gutscheine (höchstens jedoch
Fr. 140.--) nachzuzahlen; im Übrigen wies es den Rekurs ab, soweit es darauf eintrat
(act. G 2).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
C./ Gegen diesen Entscheid erhob X.Y. mit Eingabe vom 11. Februar 2013 Beschwerde
mit dem Antrag um sofortige Auszahlung der ihr zustehenden Sozialleistungen:
"Nothilfe, 200.- für Personen ohne eigenen Haushalt, 977.-- ab 1. April 2012 = Fr.
3331". Im Weiteren beantragte sie die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
(act. G 1).
In der Vernehmlassung vom 25. März 2013 beantragte die Vorinstanz Abweisung der
Beschwerde (act. G 9). Die Beschwerdegegnerin stellte in der Vernehmlassung vom 18.
April 2013 den Antrag auf Abweisung der Beschwerde und Bestätigung des
vorinstanzlichen Entscheids vom 1. Februar 2013 (act. G 11). Mit Replik vom 22. April
2013 bestätigte die Beschwerdeführerin ihren Standpunkt (act. G 13).
Auf die Darlegungen der Parteien in den erwähnten Eingaben wird, soweit für den

## Considerations

Entscheid wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die
Beschwerdeführerin ist in ihren eigenen finanziellen Interessen berührt und daher
gemäss Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP zur Beschwerde legitimiert. Die
Beschwerdeeingabe vom 11. Februar 2013 wurde rechtzeitig eingereicht und
entspricht inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47
Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). In formaler Hinsicht ist festzuhalten, dass zwar die
Beschwerde nicht unterzeichnet ist und das Gericht auch keine entsprechende
Nachfrist zur Behebung dieses Formmangels ansetzte (Art. 64 in Verbindung mit Art. 48
Abs. 2 VRP), jedoch durch die Unterzeichnung der Replik der Formmangel als
nachträglich behoben gelten kann. Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.
2. Nach Art. 9 des Sozialhilfegesetzes (sGS 381.1, abgekürzt SHG) hat Anspruch auf
finanzielle Sozialhilfe, wer für seinen Lebensunterhalt nicht hinreichend oder nicht
rechtzeitig aus eigenen Mitteln aufkommen kann. Finanzielle Sozialhilfe umfasst
gemäss Art. 10 Abs. 2 SHG Geld- und Naturalleistungen sowie Kostengutsprachen. Sie
wird nach Art. 2 Abs. 1 SHG geleistet, soweit keine Hilfeleistung durch
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
unterstützungspflichtige Verwandte, andere Private oder private Sozialhilfeinstitutionen
gewährt wird oder diese nicht rechtzeitig verfügbar ist und kein Anspruch auf
Sozialversicherungsleistungen oder auf Sozialhilfe nach der besonderen Gesetzgebung
besteht. Wer um finanzielle Sozialhilfe ersucht, hat nach Art. 16 Abs. 1 SHG
wahrheitsgetreu und vollständig Auskunft zu erteilen (lit. a) sowie Amtsstellen und Dritte
zu ermächtigen, Auskünfte zu erteilen (lit. b). Wer finanzielle Sozialhilfe bezieht, ist nach
Art. 16 Abs. 2 SHG verpflichtet, Tatsachen umgehend zu melden, die Anspruch oder
Berechnung verändern. Dritte geben nach Art. 16bis SHG dem mit dem Vollzug dieses
Gesetzes betrauten Organ ohne Ermächtigung nach Art. 16 Abs. 1 lit. b dieses
Gesetzes Auskunft, wenn das mit dem Vollzug dieses Gesetzes betraute Organ
begründete Zweifel an der Richtigkeit oder Vollständigkeit der Auskunft der
hilfesuchenden Person hat und die Auskunft für die Feststellung oder Überprüfung des
Anspruchs auf finanzielle Sozialhilfe notwendig ist. Nach Art. 17 SHG wird finanzielle
Sozialhilfe verweigert, gekürzt oder eingestellt, wenn die hilfesuchende Person keine
oder unrichtige Auskünfte erteilt (lit. a), verlangte Unterlagen nicht einreicht (lit. b),
Bedingungen und Auflagen missachtet (lit. c) oder ihren Fähigkeiten entsprechende
Arbeit ablehnt (lit. d). Bei der Kürzung von Unterstützungsleistungen ist zu
berücksichtigen, dass die Kürzungen zumutbar sein müssen, die betroffene Person
informiert oder verwarnt worden sein muss, die Kürzung in angemessenem Verhältnis
zum Fehlverhalten steht und die betroffene Person durch Änderung ihres Verhaltens
dafür sorgen kann, dass die Kürzung ab einem späteren Zeitpunkt rückgängig gemacht
werden kann. Sodann können Leistungen gekürzt oder entzogen werden, wenn sich
die unterstützte Person rechtsmissbräuchlich verhält, indem sie beispielsweise eine
Erwerbstätigkeit nur deshalb nicht aufnimmt, um in den Genuss von
Sozialhilfeleistungen zu gelangen (GVP 2004 Nr. 12, 1998 Nr. 77 und 1996 Nr. 98). Das
Bundesgericht hielt fest, dass selbst ohne gesetzliche Grundlage ein vollständiger
Leistungsentzug zulässig ist, wenn sich die unterstützte Person rechtsmissbräuchlich
verhält (BGE 122 II 198 mit Hinweisen). Das Verwaltungsgericht hat weiter entschieden,
dass eine Verletzung von Mitwirkungspflichten nicht in einem ersten Schritt zu einer
Reduktion der Leistungen und in einem zweiten Schritt zur vollständigen Einstellung
derselben führen kann, sondern dass eine weitere Kürzung der Leistungen nur dann
angezeigt ist, wenn aufgrund der Umstände davon auszugehen ist, dass die fragliche
Person erheblich höhere Einkünfte erzielt, als dies bei der ursprünglichen Kürzung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
angenommen wurde. Allein als Sanktion sei eine Kürzung nicht zulässig, nachdem eine
solche bereits wegen eben dieser mangelhaften Mitwirkung und der daraus
resultierenden Ungewissheit über das erzielte Einkommen angeordnet worden sei
(VerwGE B 2005/147 vom 15. November 2005, www.gerichte.sg.ch). Nach Art. 17 VRP
setzt die Behörde den Beteiligten für die Mitwirkung angemessene Fristen an (Abs. 1).
Werden die Fristen nicht eingehalten, so kann die Behörde ohne Rücksicht auf die
Säumigen verfügen, wenn sie dies angedroht hat (Abs. 2).
2.1. Vorliegend ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin für die Zeit ab 1. Juni
2012 die Anspruchsvoraussetzungen für Sozialhilfe erfüllt. Streitig ist dagegen der
Anspruch für die Zeit vom 28. Februar bis 31. Mai 2012. Die Vorinstanz kam im
Entscheid vom 1. Februar 2013 unter anderem zum Schluss, dass die
Beschwerdeführerin mit ihren verspäteten und teilweise widersprüchlichen Angaben
ihren Pflichten zur Auskunft und Mitwirkung bei der Sachverhaltsabklärung in einer Art
und Weise nicht nachgekommen sei, die es dem Sozialamt verunmöglicht habe, über
deren Unterstützungsgesuch vor dem 7. Juni 2012 ordnungsgemäss zu entscheiden.
Bezüglich Krankenkassenprämien habe das Sozialamt keine Verfügung erlassen
können, weil die Beschwerdeführerin (zumindest) bis zum Verfügungszeitpunkt keine
Versicherungspolice eingereicht habe. Sie habe ihre Mitwirkungspflicht zum einen
durch ihr Verhalten im Zusammenhang mit der Wohnungsmiete und zum anderen
dadurch verletzt, dass sie die notwendigen Unterlagen vollständig erst am 7. Juni 2012
eingereicht habe (act. G 2 S. 14). Die Beschwerdeführerin bringt zur Begründung ihres
Beschwerdeantrages unter anderem vor, das Sozialamt habe ihre Notlage begünstigt,
indem es ihr verunmöglicht worden sei, in die Wohnung Q.-strasse 0 einzuziehen. Sie
bestehe auf der Nachzahlung des Grundbedarfs von Fr. 200.-- rückwirkend ab der
Anmeldung vom 28. Februar 2012 bis zum Einzug in die Wohnung B.-gasse 01. Opfer
von Gewalt würden, wie in ihrem Fall, sich selbst überlassen bleiben. Ohne Schutz
müsse man sich als Opfer anscheinend selber zu helfen wissen (act. G 1). Die
Vorinstanz hielt in ihrer Vernehmlassung unter anderem fest, die Beschwerdeführerin
habe die Wohnung Q.-strasse 0 ohne ersichtliche Gründe nicht bezogen. Sie habe im
Weiteren keine vollständigen Auskünfte erteilt und verlangte Unterlagen nicht bzw.
verspätet eingereicht, obwohl sie vom Sozialamt darauf hingewiesen worden sei, dass
die Anspruchsprüfung andernfalls nicht vorgenommen werden könne. Die Forderung
von Fr. 3'331.-- sei nicht nachvollziehbar, nachdem die Beschwerdeführerin seit 1. Juni
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2012 finanzielle Unterstützungsleistungen erhalte (act. G 9). Die Beschwerdegegnerin
verwies in ihrer Vernehmlassung auf die Begründung im angefochtenen Entscheid. Der
Vorwurf der Beschwerdeführerin, sie (die Beschwerdegegnerin) habe willkürlich,
missbräuchlich oder in Absicht der Schikane gehandelt, werde zurückgewiesen (act. G
11).
2.2. Die Beschwerdeführerin hatte sich am 28. Februar 2012 beim Einwohneramt der
Stadt St. Gallen angemeldet (vgl. Niederlassungs-Ausweis; act. G 7/31 Beilage und G
7/7 Beilage) und gleichentags auch Sozialhilfeleistungen beantragt (act. G 7/7). Im
Schreiben vom 28. März 2012 verlangte das Sozialamt von ihr mit Hinweis auf Art. 16
und 17 SHG weitere zur Anspruchsprüfung notwendige Unterlagen, d.h. den
unterzeichneten Mietvertrag Q.-strasse 0 und Bankkontoauszüge. Diese seien
umgehend zuzustellen; erst dann könne der Antrag geprüft werden (act. G 7/5). Eine
Ansetzung einer konkreten Frist im Sinn von Art. 17 VRP war nicht erfolgt. Nachdem
die Vermieterin den Mietvertrag für eine Eineinhalbzimmerwohnung an der Q.-strasse 0
der Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 17. Februar 2012 hatte zukommen lassen
(act. G 7/12), erhielt das Sozialamt den unterzeichneten Mietvertrag von der
Vermieterin in der Folge mit Schreiben vom 27. März 2012 zugestellt (act. G 7/13). Die
verlangten Kontoauszüge versandte die Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 11.
und 13. April 2012. Sie gingen beim Sozialamt am 12. bzw. 16. April 2012 ein (act. G
7/37f). Die mit Schreiben des Sozialamtes vom 28. März 2012 verlangte "umgehende"
Zustellung der Unterlagen war damit erfolgt. Allein hiermit liesse sich somit keine
Anspruchsverweigerung ab 28. Februar 2012 rechtfertigen, selbst wenn davon
auszugehen wäre, dass eine solche im erwähnten Schreiben klar angedroht worden
war bzw. allein der Hinweis auf Art. 16 und 17 SHG (vgl. act. G 7/5) den Anforderungen
an eine auf den konkreten Fall bezogene Androhung von Rechtsfolgen im Sinn von Art.
17 VRP genügt. Die Feststellung im vorinstanzlichen Entscheid, wonach es der
Beschwerdeführerin durchaus möglich und zumutbar gewesen wäre, die verlangten
Unterlagen früher einzureichen, zumal deren Beschaffung weder schwierig noch mit
erheblichen Kosten verbunden gewesen wäre (act. G 2 S. 12f), bildet somit keine
zureichende Grundlage für eine vollständige Anspruchsverweigerung ab 28. Februar
2012. Anderseits blieb unbestritten, dass die Beschwerdeführerin die von ihr gemietete
Wohnung Q.-strasse 0 überhaupt nicht bezog und bis Anfang Mai 2012 in der
Notunterkunft der Heilsarmee St. Gallen übernachtete (vgl. act. G 7/1 S. 1, 2 und 4; act.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
G 7/12 Beilage). Im Schreiben vom 27. April 2012 hatte die Heilsarmee darauf
hingewiesen, dass die Beschwerdeführerin sich auf dem Einwohneramt per 28. Februar
2012 angemeldet habe und die Notunterkunft der Heilsarmee seit 5. März 2012
benütze. Die Notunterkunft sei nicht für dauerhaftes Wohnen gedacht, zumal die
Beschwerdeführerin die Möglichkeit gehabt hätte, aufgrund des Mietvertrages in eine
Wohnung zu ziehen (act. G 7/35). Mit Schreiben vom gleichen Datum reichte die
Beschwerdeführerin sodann einen nicht unterzeichneten neuen Mietvertrag für eine
Einzimmer-Wohnung an der B.-gasse 01, St. Gallen, mit Mietbeginn am 1. Mai 2012
und einem monatlichen Mietzins von Fr. 799.-- ein und erklärte unter anderem
sinngemäss, dass sie in die Wohnung Q.-strasse 0 wegen der unbezahlt gebliebenen
Mieten nicht habe einziehen können (act. G 7/33, 7/34). Am 7. Juni 2012 reichte sie den
unterzeichneten Mietvertrag für die von ihr Anfang Juni 2012 effektiv bezogene
Einzimmer-Wohnung nach (act. G 7/14). Das Sozialamt leistete eine entsprechende
Mietzinsgarantie (act. G 7/14 Beilage, G 7/33 Beilage) und gewährte der
Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 18. Juli 2012 sozialhilferechtliche
Unterstützung rückwirkend ab Juni 2012 (act. G 7/1 Beilage).
2.3. Der Zweck von Sozialhilfeleistungen besteht darin, eine konkrete und
gegenwärtige (aktuelle) Notlage zu mildern. Der Anspruch erstreckt sich nicht auf
vergangene, bereits überwundene Notlagen (vgl. F. Wolffers, Grundriss des
Sozialhilferechts, 2. A., S. 74). Nach Lage der geschilderten Akten war die
Beschwerdeführerin imstand, sich jedenfalls für die Zeit bis Anfang Mai 2012
selbständig Unterstützung bezüglich Unterkunft und den lebensnotwendigen weiteren
Bedarf bei der Heilsarmee und weiteren Institutionen (act. G 7/1 Beilage S. 1) zu
beschaffen. Unbestritten blieb sodann die Feststellung im vorinstanzlichen Entscheid,
dass ihr Aufenthaltsort während mehrerer Wochen im Mai 2012 unbekannt und sie
nicht erreichbar gewesen sei (act. G 2 S. 13 und G 7/1 S. 5). Die Miete für die Wohnung
Q.-strasse 0 war offenbar nicht angefallen bzw. vom Vermieter nicht eingefordert
worden, nachdem ein Wohnungsbezug nicht stattgefunden hatte. Ausstehende
Mietzinsen wegen Nichterfüllung des Mietvertrages werden von der
Beschwerdeführerin jedenfalls nicht geltend gemacht bzw. belegt. Vielmehr machte
nach ihren Darlegungen der Vermieter der erwähnten Wohnung das Zustandekommen
des Mietverhältnisses offenbar vom Mietzins-Zahlungseingang abhängig (vgl. act. G 1
S. 2f). Inwiefern ihr der Einzug in die Wohnung Q.-strasse 0 von Seiten des Sozialamtes
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
verunmöglicht worden sein sollte, wie sie geltend macht (act. G 1 S. 1), lässt sich den
Akten nicht entnehmen bzw. ist nicht dargetan. Für die Zeit bis Ende Mai 2012 ist somit
davon auszugehen, dass der Notbedarf für Wohnen und Verpflegung im Wesentlichen
gedeckt war und diesbezüglich ein konkreter finanzieller Sozialhilfebedarf nicht
ausgewiesen ist. Eine Verletzung des verfassungsmässigen Rechts auf Hilfe in
Notlagen gemäss Art. 12 BV (vgl. VerGE B 2005/147 vom 15. November 2005 E. 3d mit
Hinweisen) kann für den streitigen Zeitraum nicht als dargetan gelten.
2.4. Im Weiteren ist zum Vorbringen der Beschwerdeführerin, sie sei monatelang nicht
krankenversichert gewesen und habe dafür gar noch Zahlungsbefehle erhalten (act. G
1 S. 2), festzuhalten, dass die Frage der Übernahme von Krankenversicherungsprämien
durch das Sozialamt weder Gegenstand der Verfügung vom 18. Juli 2012 noch des
vorinstanzlichen Entscheids vom 1. Februar 2013 gebildet hatte. Damit kann hierauf im
vorliegenden Verfahren nicht eingetreten werden. Allein die Feststellung in den
Erwägungen des vorinstanzlichen Entscheids, wonach die Beschwerdeführerin der
wiederholten Aufforderung nicht nachgekommen sei, die Krankenversicherungspolice
für die Prüfung des Leistungsanspruchs einzureichen (act. G 2 S. 7), vermag nichts
daran zu ändern, dass der vorinstanzliche Entscheid lediglich Fragen zum Gegenstand
haben konnte, welche in der Verfügung vom 18. Juli 2012 behandelt bzw. geprüft
worden waren. Immerhin erscheint der Hinweis gerechtfertigt, dass die Aufforderung
des Sozialamtes vom 28. März 2012 (act. G 7/5) die Krankenkassenpolice nicht
beinhaltet hatte. Soweit für die Zeit ab 28. Februar 2012 wegen der finanziellen Notlage
effektiv Krankenkassenprämien unbezahlt blieben, so sind diese von der Sozialhilfe
grundsätzlich auch zu übernehmen, wie dies im Übrigen offenbar bereits die frühere
Wohnsitzgemeinde (Steckborn) getan hatte (vgl. act. G 6/6 Rubrik "Gesundheit"). Bei
zwischenzeitlich (seit 28. Februar 2012) soweit ersichtlich unveränderter Sachlage
notierte denn auch das Sozialamt am 29. August 2012, dass allenfalls die Übernahme
der Krankenkassenangelegenheiten Sinn mache und eine Aufstellung der offenen
Prämienrechnungen anzufordern sei (vgl. act. G 7/1 Beilage S. 8). Richtig ist zwar, dass
eine Ausrichtung von Sozialhilfeleistungen für vergangene Zeiträume nicht in Betracht
kommt (vgl. Wolffers a.a.O., S. 74). Die Feststellung, dass das Gesuch erst bei Eingang
der vollständigen Unterlagen geprüft werde (act. G 7/5), hat jedoch nicht zur Folge,
dass nicht auch für die Zeit davor, d.h. ab Einreichung des Antrags am 28. Februar
2012, der Anspruch auf Übernahme von Prämienausständen zu prüfen wäre.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3. Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen, soweit
darauf einzutreten ist. Dem Verfahrensausgang entsprechend gehen die amtlichen
Kosten des Beschwerdeverfahrens grundsätzlich zulasten der Beschwerdeführerin (Art.
95 Abs. 1 VRP). Sie stellte jedoch das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (act. G
1). Dieses Gesuch ist im Sinn der Befreiung von der Gerichtskosten-Erhebung zu
verstehen, nachdem sie nicht vertreten ist.
3.1. Gemäss Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die Verwaltungspflege (sGS 951.1) in
Verbindung mit Art. 117 der Schweizerischen Zivilprozessordnung (SR 272) wird die
unentgeltliche Rechtspflege gewährt, wenn die Gesuchstellerin nicht über die
erforderlichen Mittel verfügt und wenn das von ihr angestrebte Verfahren nicht als
aussichtslos erscheint. Als bedürftig gilt, wer die Kosten eines Prozesses nicht
aufzubringen vermag, ohne die Mittel anzugreifen, derer er zur Deckung des
notwendigen Lebensunterhalts für sich und seine Familie bedarf. Die prozessuale
Bedürftigkeit beurteilt sich nach der gesamten finanziellen Situation des
Rechtssuchenden im Zeitpunkt der Entscheidfällung. Nebst den Einkünften ist auch die
Vermögenssituation einzubeziehen (Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum
Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege im Kanton Bern, N. 6 zu Art. 111).
Aussichtslos sind nach der Rechtsprechung solche Begehren, bei denen die
Gewinnaussichten beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren. Dagegen gilt ein
Begehren nicht als aussichtslos, wenn sich Gewinnaussichten und Verlustgefahren
ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese. Massgebend
ist, ob eine Partei, die selber über die nötigen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger
Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde; eine Partei soll einen Prozess, den
sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht deshalb anstrengen, weil
er sie nichts kostet (statt vieler: BGE 129 I 129 E. 2.2.2).
3.2. Vorliegend erscheint die Bedürftigkeit der Gesuchstellerin ohne Weiteres glaubhaft,
nachdem sie weder einer Erwerbstätigkeit nachgeht noch Leistungen einer
Sozialversicherung bezieht; über Vermögen verfügt sie nach Lage der Akten nicht. Seit
Juni 2012 ist ihr Anspruch auf Sozialhilfe anerkannt. Hingegen ist, rückwirkend
betrachtet, das Beschwerdeverfahren im Zeitpunkt der Anhängigmachung als
aussichtslos zu bezeichnen, weshalb das Gesuch betreffend unentgeltliche
Rechtspflege abzuweisen ist. Eine Gebühr von Fr. 1'500.-- erscheint für das
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vorliegende Verfahren angemessen (Art. 7 Ziff. 222 Gerichtskostentarif, sGS 941.12).
Es rechtfertigt sich jedoch, angesichts der konkreten Gegebenheiten auf deren
Erhebung zu verzichten (Art. 97 VRP).
Demnach hat das Verwaltungsgericht