# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f331d23e-c6aa-4dbb-ae54-e120a72e322d
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der 1972 geborene X._ meldete sich am 23. Februar 2004 unter Hinweis auf ein Schleudertrauma bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 10/6). Mit Verfügung vom 7. September 2004 wies die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, das Leistungsbegehren ab (Urk. 10/18).
Am 30. Mai 2005 (Urk. 10/23) meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungs
bezug an. Die IV-Stelle sprach ihm mit Verfügung vom 6. Oktober 2008 (Urk. 10/57 und Urk. 10/59) mit Wirkung ab 1. Mai 2004 eine
Drei
viertelsrente der Invalidenversicherung zu. Auf Beschwerde hin (Urk. 10/60/4-
15) änderte das hiesige Gericht die Leistungsverfügung mit Urteil vom 26. Januar 2009 (Urk. 10/68) insoweit ab, als es - entsprechend dem Antrag der IV
Stelle - den Anspruch auf eine ganze Rente feststellte.
Im Rahmen eines im Februar 2015 eingeleiteten Revisionsverfahrens verfügte die IV-Stelle am 20. Mai 2016, dass sich der Versicherte einer polydisziplinären Untersuchung durch das Y._ GmbH, zu unterziehen habe. Als Gutachter wurden Prof. Dr. Z._, Allgemeine Innere Medizin, Dr. A._, Neurologie, lic. phil. B._, Neuropsychologie, Dr. C._, Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungs
appa
rates, und Dr. D._, Psychiatrie und Psychotherapie, festgelegt (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 13. Juni 2016 Beschwerde (Urk. 1) und bean
tragte, die Verfügung vom 20. Mai 2016 sei aufzuheben und der Gutachter
auftrag an das Y._ - insbesondere an den Gutachter lic. phil. B._ - sei zu wider
rufen. Die SuisseMED@P sei erneut mit einer zufallsbedingten Gut
achter
auswahl - unter Ausschluss des Y._ - zu beauftragen. Die aufschiebende Wirkung sei - soweit sie entzogen worden sei - im Sinne einer vorsorglichen Mass
nahme wiederherzustellen. Am 20. Juli 2016 (Urk. 6) reichte er eine weitere Stellungnahme ein. Am 22. August 2016 (Urk. 9) beantragte die IV-Stelle unter Hinweis auf ein Schreiben des Y._ vom 15. August 2016 (Urk. 12) die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 23. August 2016 (Urk. 13) zur Kenntnis gebracht wurde.

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Bei der angefochtenen Verfügung (Urk.
2)
handelt es sich um eine Zwischen
verfügung im Sinne von Art. 55 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) in Verbindung mit Art. 5 Abs. 2 und Art. 46 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (VwVG),
welche
einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken und deshalb
grundsätzlich selbständig mit Beschwerde angefochten werden kann
(vgl. BGE 138 V 271 E. 1.2)
.
1.2
1.2.1
In Nachachtung der bundesgerichtlichen Forderungen im Zusammenhang mit der Einholung von Administrativ- und Gerichtsgutachten der medizinischen Abklärungsstellen (MEDAS; vgl. BGE 137 V 210) setzte der Bundesrat auf den 1. März 2012 den neuen Artikel 72
bis
der Verordnung über die Invalidenversi
cherung (IVV) in Kraft, der sicherstellt, dass nur noch Gutachter
stellen poly
disziplinäre (Beteiligung von drei oder mehr Fachdisziplinen) medizinische Gutachten für die Invalidenversicherung erstellen dürfen, welche die Qualitäts
anforderungen erfüllen, die in einer Vereinbarung mit dem Bundesamt für Sozial
versicherungen (BSV) vorgesehen sind. Zudem wurde bundesrechtlich verankert, dass die Invalidenversicherung Aufträge für polydisziplinäre Gut
achten nach dem Zufallsprinzip zuzuweisen hat (Art. 72
bis
Abs. 2
IVV; vgl. ferner BGE
138 V 271 E. 1.1 und 140 V 507 E. 3.1 und 3.2).
Die Vergabe der polydisziplinären Gutachten erfolgt über die von der IV-Stel
len-Konferenz Luzern betriebene webbasierte Plattform "SuisseMED@P" (vgl. www.suissemedap.ch; vgl. Pressemeldung des BSV vom 5. April 2012 betreffend Medizinische Gutachten in der IV: Qualitätssicherung und faire Verfahren, un
ter: www.bsv.admin.ch
,
Dokumentation
,
IV-Medienmitteilungen, mit aufge
schalte
ten Hintergrundinformationen, wobei auch die Vereinbarung, die Krite
rien, der Tarif und die Handhabung der Plattform SuisseMED@P aufgeschaltet sind).
1.2.2
Muss der Versicherungsträger zur Abklärung des Sachverhalts ein Gutachten
eines unabhängigen Sachverständigen einholen, so gibt er der Partei
dessen Namen bekannt. Diese kann den Gutachter aus triftigen Gründen
ablehnen und Gegenvorschläge machen (Art. 44 ATSG). Zum einen werden von den
triftigen Gründen die eigentlichen gesetzlichen Ausstandsgründe (vgl. Art. 10 VwVG
und Art. 36 Abs. 1 ATSG) erfasst; zum andern zählen dazu auch weitere As
pekte wie etwa die fehlende Sachkenntnis (vgl. Kieser, ATSG-
Kommentar, 3. Auflage, Zürich 2015, N 38 zu Art. 44 ATSG; vgl. auch BGE 132 V 93 E. 6.4-5).
Die Anforderungen an die Unbefangenheit eines medizinischen Sachverständigen
ergeben sich aus dem Anspruch auf ein faires Verfahren gemäss Art. 29 Abs. 1 der Bundesverfassung und Art. 6 Ziff. 1 der Europäischen Menschenrechtskon
vention (Urteil des Bundesgerichts 6B_299/2007 vom 11. Oktober 2007 E. 5.1.1).
Nach der Rechtsprechung ist Befangenheit anzunehmen, wenn Umstände vor
liegen, die geeignet sind, Misstrauen in die Unparteilichkeit zu erwecken. Bei der
Befangenheit handelt es sich um einen inneren Zustand, der nur schwer
bewiesen werden kann. Es braucht daher für die Ablehnung nicht nachgewiesen zu werden, dass die sachverständige Person tatsächlich befangen ist.
Es genügt vielmehr, wenn Umstände vorliegen, die den Anschein der Befangenhei
t und die Gefahr der Voreingenommenheit zu begründen vermögen. Bei der Beurteilung des Anscheins der Befangenheit und der Gewichtung solcher Umstände kann jedoch nicht auf das subjektive Empfinden einer Partei abgestellt werden. Das Misstrauen muss vielmehr in objektiver Weise als begründet erscheinen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztgutachten im Sozial
versicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters ein strenger Massstab anzusetzen (BGE 132 V 93 E. 7.1 mit Hinweis).
Deshalb ist ein triftiger Grund auch etwa dann gegeben, wenn es dem Gutachter an der
im konkreten Fall erforderlichen Fachkompetenz fehlt oder er aus persönlichen Gründen
nicht als geeignet erscheint (vgl. Kieser, a.a.O., N 18 zu Art. 44 ATSG mit Verweis auf
Maeschi, Kommentar zum Bundesgesetz über die Militärversicherung, Bern 2000,
N 12 zu Art. 93 MVG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete das Festhalten an der Begutachtung durch das Y._ damit, dass lic. phil. B._ zwar nicht in der Liste der Schweizerischen Vereinigung der Neuropsychologen (SVNP) eingetragen sei, in welcher die Fachpsychologen für Neuropsychologie FSP mit jährlicher kontrollierter Fort
bildung aufgeführt würden. Aufgrund seiner Erfahrung sei er jedoch für neuro
psychologische Begutachtungen fachlich ausreichend qualifiziert. Ein eidge
nössisch anerkannter Titel in Neuropsychologie existiere zudem bislang nicht (Urk. 9 und Urk. 12).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt
(Urk. 1), es sei davon auszugehen, dass lic. phil. B._ über keinen eidgenössischen Weiterbildungstitel im Fachgebiet Neuropsychologie verfüge. Der Nachweis, dass er fachlich befähigt sei, eine neuropsychologische Abklärung vorzu
nehmen, sei nicht erbracht worden. Ein Gutachter könne aus triftigen Gründen abgelehnt werden, so etwa, wenn es ihm wie vorliegend an den im konkreten Fall erforderlichen fachlichen Kompetenzen fehle. Da gemäss Website des Y._ nur lic. phil. B._ neuropsychologische Gutachten erstelle, könne das Y._ nach dessen Wegfall den Auftrag zur Erstellung eines polydisziplinären Gutachtens nicht mehr erfüllen. Die SuisseMED@P sei deshalb mit einer erneuten zufalls
bedingten Gutachterauswahl zu beauftragen.
3.
3.1
Nach Lage der Akten ist die Vergabe des Begutachtungsauftrags an das
Y._
ordnungsgemäss über die webbasierte Plattform SuisseMED@P erfolgt (Urk. 10/102). Zu prüfen ist, ob ein Ablehnungsgrund gegen den Gutachter lic.
phil.
B._
bzw. das Y._ als Begutachtungsinstitut
vorliegt.
3.2
3.2.1
Lic. phil.
B._
ist im FSP-Register als
„
Fachpsychologe für Psychotherapie FSP
“
aufgeführt (www.psychologie.ch/psychologie/fsp-register/). Der Beschwerde
-
führer monierte, dass er über
k
einen zusätzlichen e
idgenössischen Weiter
bildungs
titel im Fachgebiet Neuropsychologie verfüge
(Urk. 1 S. 6)
. Die Beschwerdegegnerin hingegen machte geltend, dass ein diesbezüglicher eidgenössischer Titel noch gar nicht erworben werden könne
(Urk. 9).
3.2.2
Vorab ist darauf hinzuweisen
, dass sich die eingereichten Unterlagen des Beschwerdeführers auf die postgraduale Weiterbildung „Fachpsychologe für Neuropsychologie FSP“ beziehen und nicht auf die im Bundesgesetz über die Psycho
logieberufe (PsyG) geregelte Weiterbildung zum
eidgenössisch aner
kannten Neuropsychologen.
Gemäss Art. 8 Abs. 1 lit. d PsyG können eidge
nössische Weiterbildungstitel in Neuropsychologie erworben werden.
Damit ein Weiterbildungsgang zum eidgenössischen Titel führt, muss er
jedoch
ein Akkreditierungsverfahren erfolgreich durchlaufen haben (vgl. Art. 12 PsyG). Die Liste der akkreditierten Weiterbildungsgänge wird gemäss Art. 5 der Ver
ordnung des EDI über Umfang und Akkreditierung der Weiterbildungsgänge der Psychologieberufe (AkkredV-PsyG) im Internet publiziert (www.bag.admin.ch
,
Themen
,
Gesundheitsberufe
,
Akkreditierung Gesundheits
berufe
,
Weiterbildung Psychologieberufe). Weder unter den provisorisch noch den definitiv akkredi
tierten Weiterbildungsgängen ist derjenige der Neuro
psychologie aufge
führ
t, was darauf hinweist, dass der Titel des
eidgenössisch anerkannten Neuro
psychologen
derzeit nicht erworben werden kann.
3.2.3
Unbestritten ist,
dass lic. phil.
B._
nicht über den Fachtitel
„
Fachpsychologe für Neuropsychologie FSP
“
verfügt. Dies ist jedoch vorliegend nicht von Belang, handelt es sich bei
dem beim Y._ in Auftrag gegebenen Gutachten doch um eine interdisziplinäre Beurteilung, bei welcher unter anderem ein psychiatri
scher und ein neurologischer Facharzt mitwirken. Letzterem kommt
in Bezug auf die Begutachtung hirnorganischer Schädigungen besonderes Gewicht
zu. So wird zwar die neuropsychologische Untersuchung von lic. phil. B._ vorge
nommen, die Beurteilung der von ihm dabei gemachten Befunde bleibt jedoch dem Facharzt vorbehalten. In einer solchen Konstellation ist gemäss bundes
gerichtlicher Rechtsprechung der Einwand unbehelflich, ein Psychologe ohne zusätzliche Zertifizierung zum Neuropsychologen sei nicht fachkompetent, zumal die Neuropsychologie nach derzeitigem Wissensstand nicht vermag, selbständig die Beurteilung der Genese der festgestellten Beschwerden abschliessend vorzunehmen (Urteil des Bundesgerichts
8
C
_444/2015 vom 14.
Oktober 2015 E. 4.4
mit Hinweisen).
3.2.4
Der Beschwerdeführer brachte weiter vor, bei lic. phil.
B._
handle es sich um keine von den Sozialversicherungen anerkannte Fachperson
, da er nicht über den erforderlichen Fachtitel verfüge
.
Wie bereits dargelegt, wird
von der Beschwer
degegnerin nicht bestritten, dass lic. phil.
B._
den
T
itel „
Fach
psychologe für Neuropsychologie FSP
“ nicht erworben hat
.
Indes ist es für das vorliegende Verfahren irrelevant, o
b lic. phil.
B._
berechtigt ist, seine Leistungen gegenüber eine
m Sozialversicherer abzurechnen, da er keine thera
peutischen Leistungen erbringt, sondern als Gutachter bestellt wird.
3.2.5
Ein triftiger Grund, aus welchem lic. phil. B._ als Gutachter abzulehnen wäre, ist damit nicht ersichtlich.
3.3
Soweit sich das Ausstandsbegehren implizit gegen das
Y._
als
Begutachtungs
institut richtet, ist dazu festzuhalten, dass Ausstandsgründe ausschliesslich gegen natürliche Personen vorliegen können; ein Ausstandsbegehren gegen das
Y._
als solches ist demnach von vornherein ausgeschlossen (vgl. BGE 137 V 210 E. 1.3.3 mit Hinweisen sowie Urteil des Bundesgerichts 9C_369/2015 vom 19. Januar 2016 E. 3.3.4 mit Hinweis auf Urteil des Bundesgerichts 8C_599/2014 vom 18. Dezember 2015 E. 6).
Die Beschwerde ist demnach abzuweisen.
3.4
Betreffend die im Sinne einer vorsorglichen Massnahme beantragte Wieder
herstellung der aufschiebenden Wirkung (Urk. 1 S. 2) ist darauf hinzuweisen, dass die IV-Stelle einer allfälligen Beschwerde gegen ihre Zwischenverfügung (Urk. 2) die aufschiebende Wirkung nicht entzogen hat. Insofern
ist
der fragliche Antrag von vornherein gegenstandslos.
4.
Da es vorliegend nicht um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Beschwerdeverfahren - in Abweichung von Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) - gemäss Art. 61 lit. a ATSG kostenlos.