# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f31b1c54-fb0e-55d8-b62b-b13bc6d211f5
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdegegner reichte am 5. Oktober 2018 bei der Gemeinde F._
ein Baugesuch ein für die Erstellung eines unbewohnten Materialraums auf Parzelle
F._ Grundbuchblatt Nr. E._. Er ersuchte um Entlassung des auf dem
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Grundstück befindlichen Gebäudes aus dem Bauinventar. Die Parzelle liegt in der
Wohnzone W2. Die Beschwerdeführenden erhoben gegen das Bauvorhaben Einsprache.
Mit Bauentscheid vom 2. Mai 2019 erteilte die Gemeinde F._ die Baubewilligung.
Die Einsprache der Beschwerdeführenden wies sie ab.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 1. Juni 2019 Beschwerde bei der
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragen die
Aufhebung des Bauentscheids vom 2. Mai 2019 und die Erteilung des Bauabschlags. Sie
machen im Wesentlichen geltend, dass der Beschwerdegegner seine Liegenschaft
zonenwidrig nutze, was seit Jahren zu Konflikten u.a. wegen Lärmimmissionen führe. Es
sei zu befürchten, dass das Bauvorhaben diese Problematik verstärke.
3. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, holte die Vorakten
ein und führte den Schriftenwechsel durch. Die Gemeinde F._ beantragt mit
Stellungnahme vom 28. Juni 2019 die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung des
angefochtenen Entscheids. Der Beschwerdegegner reichte zunächst am 26. Juni 2019
eine vom Vereinspräsidenten unterzeichnete Stellungnahme ein. Am 11. Juli 2019 reichte
er, nunmehr durch einen Rechtsanwalt vertreten, eine ausführlichere Beschwerdeantwort
ein. Er beantragt die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
Bauentscheide können nach Art. 40 BauG2 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit für die Beurteilung
der Beschwerde zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen, die
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (Organisationsverordnung BVE, OrV BVE; BSG 152.221.191) 2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0)
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Baugesuchsteller, die Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige
Gemeindebehörde (Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführenden, deren Einsprache
abgewiesen wurde, sind durch den vorinstanzlichen Entscheid formell und als Nachbarn
auch materiell beschwert und daher zur Beschwerdeführung legitimiert. Der angefochtene
Entscheid wurde ihnen am 6. Mai 2019 zugestellt.3 Mit Postaufgabe der Beschwerde am 5.
Juni 2019 wurde die 30-tägige Beschwerdefrist gewahrt. Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2. Zonenkonformität
a) Die Beschwerdeführenden befürchten, dass das Bauvorhaben dazu führe, dass auf
der Liegenschaft des Beschwerdegegners die Aktivitäten im Freien zunehmen und die
Lärmbelastung unerträglich werde. Zur Begründung führen sie an, dass der
Beschwerdegegner auf der Bauparzelle ein religiöses Kultuszentrum betreibe und die
damit verbundenen Veranstaltungen bereits bisher und seit langem eine Belastung für die
Beschwerdeführenden und ihre Mieterschaft darstellten und nicht zonenkonform seien.
Nebst den Immissionen aus den religiösen Zeremonien (Gesang, Verwendung von Gongs
und Mikrofonen) stören sie sich an diversen Immissionen, die aus der Zusammenkunft von
jeweils einer grösseren Anzahl von Veranstaltungsteilnehmern resultieren. Insbesondere
gelte dies für Gespräche, die vor allem auch bei gemeinsamen Gartenarbeiten geführt
würden, und zwar auch frühmorgens an Wochenenden, sowie für Lärm von
Menschenansammlungen mit Kinderlärm bis spät in der Nacht anlässlich von Festivitäten
mit internationaler Teilnehmerschaft. Die Beschwerdeführenden fordern, dass die
Gemeinde keine neuen Bewilligungen erteilen solle bis zur Wiederherstellung des
zonenkonformen Zustands. Sie sind der Ansicht, dass die zum Unterhalt der Liegenschaft
nötigen Gartengeräte in den bestehenden Räumlichkeiten Platz finden würden. Der
streitige Materialraum sei dafür unnötig. Damit bringen sie sinngemäss die Befürchtung
vor, dass das Bauvorhaben nicht bloss zur Aufbewahrung von Material genutzt werden
könnte, sondern auch für andere Zwecke, die Immissionen verursachen.
3 Gemäss Sendungsverfolgungsnummer, Vorakten pag. 1
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b) Anfechtungsobjekt der Beschwerde ist die Verfügung der Vorinstanz. Der
Streitgegenstand braucht sich nicht mit dem Anfechtungsobjekt zu decken, kann aber auch
nicht über dieses hinausgehen.4
Daher ist im vorliegenden Beschwerdeverfahren nur einzutreten auf Rügen, die gegen die
Erteilung der Baubewilligung für den Materialraum vorgebracht werden. Baupolizeiliche
Anliegen, insbesondere bezüglich Immissionen aus der bisherigen Nutzung, sind nicht vom
Streitgegenstand erfasst. Auf die entsprechenden Vorbringen in der Beschwerde ist nicht
einzutreten.
Für das Vorgehen gegen zonenwidrige Nutzungen bzw. Störungen der öffentlichen
Ordnung ist gemäss Art. 45 ff. BauG die Baupolizeibehörde der Gemeinde zuständig. Die
Gemeinde führt in ihrer Stellungnahme vom 28. Juni 2019 aus, sie habe am 26. Juni 2017
die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands verfügt und mit Androhung der
Ersatzvornahme durchgesetzt. Die im Verlauf des Baupolizeiverfahrens erlassenen
Verfügungen seien rechtskräftig. Von einer erneuten Übertretung der zonenkonformen
Nutzung habe die Baupolizeibehörde keine Kenntnis; die Beschwerdeführenden hätten bei
ihr keine diesbezügliche Anzeige gemacht. Soweit nach Ansicht der Beschwerdeführenden
rechtswidrige Nutzungen oder Störungen bestehen, die mit dem baupolizeilichen
Wiederherstellungsverfahren der Gemeinde nicht erledigt worden sind, steht es ihnen
offen, die Gemeinde mittels baupolizeilicher Anzeige auf diese aufmerksam zu machen.
c) Die Gemeinde erwog im angefochtenen Entscheid, im Baugesuch werde das
Bauvorhaben als unbewohnter Materialraum bezeichnet. Gemäss den Angaben auf dem
Baugesuchsformular und der Stellungnahme des Beschwerdegegners im
Baubewilligungsverfahren solle der Raum für die Lagerung von Garten- und
Schneeräumgeräten verwendet werden. Dabei handle es sich um eine zonenkonforme
Nutzung. In ihrer Stellungnahme vom 28. Juni 2019 führt die Gemeinde zudem aus,
Gartenarbeiten seien in der Wohnzone gestattet. Nach Art. 89 Abs. 2 BauV5 müssten
Einwirkungen aus zonenkonformer Nutzung geduldet werden.
d) Dieser Auffassung ist beizupflichten. Bewilligt wurde das Bauvorhaben gemäss
Baugesuch, nämlich "Materialraum, unbewohnt". Als unbewohnt gelten Gebäude bzw.
Räumlichkeiten, die nicht für den dauernden Aufenthalt von Menschen oder Tieren
4 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 72 N. 6 bis 8 5 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1)
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bestimmt sind6 und die nicht zur Verrichtung von Arbeitsprozessen dienen, sei dies durch
Menschen oder Maschinen. Damit soll eine ungebührliche Belästigung der Nachbarschaft
durch lmmissionen (Lärm, Gerüche, Einblicke) verhindert werden.7
Mit solchen Beeinträchtigungen muss nicht gerechnet werden, wenn im fraglichen
Gebäude bloss dem Wohnen dienende Gegenstände gelagert oder eingestellt sind. Dies
gilt auch für das private (d.h. nicht gewerbsmässige) Lagern von Garten- und
Schneeräumgeräten.
Das Lagern solcher Geräte steht zwar in direktem Zusammenhang mit Gartenarbeit und
Schneeräumung. Diese Tätigkeiten können mit Immissionen verbunden sein. Gartenarbeit
und Schneeräumung zum Unterhalt einer privaten Liegenschaft gelten aber in der
Wohnzone als zonenkonform. Sogenannter Wohnlärm bzw. durch das gewöhnliche
Wohnen verursachte Immissionen müssen in Wohnzonen toleriert werden und sind nicht
Gegenstand baupolizeilichen Eingreifens.8 Die Durchsetzung von Vorschriften betreffend
Rücksichtnahme, Ruhezeiten etc.9 ist Sache der Ortspolizei.
e) Die Beschwerdeführenden befürchten, dass der projektierte Materialraum
zweckentfremdet werden könnte. Sie führen dazu aus, dass die Bauparzelle, welche
ehemals von Familien bewohnt worden sei und zudem der Neuapostolischen Kirche als
Kultstätte gedient habe, seit 20 Jahren schleichend umgenutzt werde. Die vom
Beschwerdegegner regelmässig organisierten buddhistischen Feierlichkeiten würden von
zahlreichen Personen besucht und seien mit Lärmbelastungen verbunden, insbesondere
aufgrund der Verwendung von Mikrofonen und der Betätigung von zeremoniellen Gongs.
Zudem würden Teilnehmer der Veranstaltungen beherbergt und verpflegt. Auf
Interventionen auch von behördlicher Seite reagiere der Beschwerdegegner sehr träge.
Aufgrund der Belastungen komme es zu häufigen Mieterwechseln bei der
Einliegerwohnung der Beschwerdeführenden. Die Familie der Beschwerdeführenden leide
seit 20 Jahren unter Belastungen infolge der Nutzung der Bauparzelle und wünsche sich,
dass Ruhe einkehre.
6 Vgl. Art. 12 Abs. 3 Dekret vom 10. Februar 1970 über das Normalbaureglement (NBRD; BSG 723.13) 7 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 12 N. 10 8 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 24 N. 31d 9 Vgl. Reglement für die öffentliche Sicherheit der Gemeinde Zollikofen vom 16. März 2016, Art. 18 ff.
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In Anbetracht der langjährigen Konflikte um die Nutzung der Bauparzelle ist es
verständlich, dass die Beschwerdeführenden auf neue Bauvorhaben des
Beschwerdegegners mit Besorgnis reagieren. Beim konkreten Bauvorhaben ist allerdings
nicht ersichtlich, inwiefern dieses für Zwecke verwendet werden könnte, die zu
zonenwidrigen Belastungen führen. Geplant ist ein rund 14 m2 grosser Raum mit Pultdach,
der an das bestehende Gebäude angebaut wird, aber keine Verbindungstüre zu diesem
aufweist. An den drei sichtbaren Seiten des Raums (Nord, Ost und West) soll eine
Wandverkleidung angebracht werden.10 Auf der Ostseite befindet sich die Zugangstüre.
Fenster sind nicht vorgesehen.
Die Baubewilligung umfasst nur die Nutzungsarten, die im Baugesuch umschrieben sind,
d.h. hier die Lagerung von Material, insbesondere Gartengeräten. Die Vornahme von
Arbeitsprozessen oder andere Formen der Wohnnutzung sind nicht in die bewilligte
Nutzung eingeschlossen. Der Raum eignet sich auch nicht dafür. Eine Zweckentfremdung
bspw. für das Abhalten von Versammlungen, die Beherbergung oder Verpflegung von
Personen ist kaum vorstellbar. Die Beschwerdeführenden legen auch nicht näher dar,
welche zweckentfremdenden Nutzungsarten zu befürchten seien. Unter diesen Umständen
drängt es sich nicht auf, die Baubewilligung mit Auflagen zur zulässigen Nutzungsart zu
ergänzen. Sollte es zu Verstössen oder Störungen der öffentlichen Ordnung kommen, ist
ein nachträgliches Eingreifen der Baupolizeibehörde möglich.
f) Die Verweigerung von Baubewilligungen stellt eine Eigentumsbeschränkung dar. Sie
ist nur zulässig, wenn sie auf einer gesetzlichen Grundlage beruht, durch ein öffentliches
Interesse gerechtfertigt und verhältnismässig ist. Sofern ein Bauvorhaben den bau- und
planungsrechtlichen Vorschriften sowie den nach anderen Gesetzen im
Baubewilligungsverfahren zu prüfenden Vorschriften entspricht, die öffentliche Ordnung
nicht gefährdet und ihm keine Hindernisse der Planung im Sinne der Art. 36 und 62 BauG
entgegenstehen, hat der Bauherr Anspruch auf Erteilung der Bewilligung (Art. 2 BauG).11
Es besteht keine gesetzliche Grundlage für die Verweigerung einer Baubewilligung
aufgrund anderweitiger, vorbestehender Verstösse gegen das Baurecht, wenn kein
10 "Revêtement mural" gemäss den von der Gemeinde am 2. Mai 2019 gestempelten Plänen; im Baugesuch mit sinnentstellendem Tippfehler 11 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 2 N. 1
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Zusammenhang zwischen diesen und dem Bauvorhaben besteht. Vorliegend ist kein
solcher Zusammenhang gegeben.
Andere Gründe, die gegen eine Baubewilligung sprechen, werden nicht vorgebracht und
sind auch nicht ersichtlich. Nach Art. 2 BauG ist unter diesen Umständen die
Baubewilligung zu erteilen.
3. Ergebnis und Kosten
a) Nach dem Gesagten erweisen sich die in der Beschwerde vorgebrachten Rügen als
unbegründet, soweit auf sie einzutreten ist. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen,
soweit darauf einzutreten ist, und der angefochtene Entscheid ist zu bestätigen.
b) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführenden. Sie
haben die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf
eine Pauschalgebühr von Fr. 800.– (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV12).
c) Die Beschwerdeführenden haben zudem dem Beschwerdegegner die Parteikosten
zu ersetzen (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Der Rechtsvertreter des Beschwerdegegners macht
Parteikosten im Umfang von Fr. 2'100.85 (inkl. Aufwand und Mehrwertsteuer) geltend. Dies
gibt zu keinen Bemerkungen Anlass. Die Beschwerdeführenden haben somit dem
Beschwerdegegner die Parteikosten von Fr. 2'100.85 zu ersetzen.