# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 93e3ae9d-e704-4b4b-8acc-2bf3e39c5b1f
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A.1. Die X._ ist ein Verein im Sinne von Art. 60 ff. ZGB mit Sitz in O.1_ L.1_. Sie bezweckt unter anderem die kameradschaftliche Pflege des Modellflugsports durch ihre Mitglieder und betreibt seit dem Jahre 1977 auf den von ihr gepachteten Parzellen Nrn. _, _, _ und _ auf dem Gemeindegebiet O.2_ einen Modellflugplatz mit Clubhaus, Parkplatz und einem mittels Zaun und Sicherheitsnetzen abgeschirmten Zuschauerbereich. Die (unbefestigte) Start- und Landepiste befindet sich auf den Grundstücken Nrn. _ und _ ungefähr in der Nord-Süd-Achse. Die X._ führt regelmässig öffentliche Flugveranstaltungen durch, an welchen nebst Zuschauern auch Modellflugpiloten aus der ganzen Schweiz teilnehmen.
2. Im Februar 2011 pflanzte Y._ als damaliger Pächter – seit ca. Spätsommer 2011 ist er Eigentümer – der im Osten an die Parzelle Nr. _ angrenzenden, landwirtschaftlich genutzten Parzelle Nr. _ unter Einhaltung eines Grenzabstands von ca. 6 Metern einen Nussbaum auf dem erwähnten Grundstück. Der derzeit noch junge und erst ca. 3 Meter hohe Nussbaum befindet sich ungefähr auf der Höhe der nördlichsten Spitze der Parzelle Nr. _, mindestens um den Grenzabstand versetzt zum nördlichen Ende der Start- und Landepiste der X._. Sein Grundstück bewirtschaftet Y._ zwecks Gewinnung von Gras bzw. Heu und lässt es in den Herbstmonaten durch seine Schafe abweiden. Er selber lebt in O.1_. Der früher von ihm persönlich geführte Bauernhof, welcher sich nördlich des Modellflugplatzes in einiger Entfernung hinter der Tanksperre (Panzersperre) befindet, wird heute durch seinen Sohn bewirtschaftet.
3. In der Folge intervenierte die X._ sowohl bei Y._ als auch bei der damaligen Eigentümerin gegen die Pflanzung des Baumes, da sie eine Beeinträchtigung des Flugbetriebs befürchtete. Nachdem diesen Bemühungen kein Erfolg beschieden war und die X._ aufgrund verschiedener Gespräche und Aussagen den Eindruck gewonnen hatte, dass es sich um eine Schikane seitens von Y._ handle, um den Flugbetrieb zu stören bzw. zu verunmöglichen, wandte sich der A._ der Schweiz als Dachverband der Leichtaviatik mit Schreiben vom 27. Juli 2011 an die damalige Eigentümerin der Parzelle Nr. _ und forderte diese auf, "das vom Pächter gepflanzte Hindernis bis spätestens am 31. August 2011 wieder zu entfernen". Nachdem diese Frist unbenutzt abgelaufen und Y._ in der Zwischenzeit Eigentümer der Parzelle Nr. _ geworden war, beschritt die X._ den Rechtsweg.
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B. Mit Schlichtungsgesuch vom 26. Oktober 2011 betreffend Rechtsmissbrauch, Beseitigung und Unterlassung gelangte die X._ an das Vermittleramt des Bezirks Landquart. Die Vermittlungsverhandlung fand am 22. November 2011 statt, wobei das Protokoll zwecks Vergleichsverhandlungen offen gelassen wurde. Ein am 3. Dezember 2011 in Form einer Vereinbarung vom Präsidenten der X._ zuhanden Y._ überbrachter Vergleichsvorschlag wurde von Letzterem abgelehnt. Mit Datum vom gleichen Tag wurde die Klagebewilligung mit folgendem Rechtsbegehren ausgestellt:
"Rechtsbegehren der klagenden Partei
1. Es sei dem Beklagten zu befehlen – unter Androhung der Ungehorsamsstrafe im Unterlassungsfalle sowie der Ersatzvornahme –, den im Februar 2011 an der westlichen Grenze der landwirtschaftlich genutzten Parzelle Nr. _, Grundstück O.2_, angrenzend an das als Modellflugpiste genutzte Grundstück Nr. _, Grundbuch O.2_, gepflanzten Baum unverzüglich und auf eigene Kosten zu beseitigen.
2. Es sei dem Beklagten generell zu untersagen, durch bauliche, pflanzliche oder sonstige Massnahmen den Betrieb des Modellflugplatzes auf den Grundstücken Nr. _, _ und _, Grundbuch O.2_, zu behindern oder zu erschweren – unter Vorbehalt von Schadenersatz.
3. Es sei ein Augenschein auf dem Lokal unter Beizug der Parteien durchzuführen.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des Beklagten."
Ein beklagtisches Rechtsbegehren ist in der Klagebewilligung nicht aufgeführt.
C. Mit Eingabe vom 26. März 2012 unterbreitete die X._ die vorliegende Streitsache mit unveränderten Rechtsbegehren dem Bezirksgericht Landquart. In seiner Berufungsantwort vom 18. Mai 2012 stellte Y._ den Antrag, die Klage sei abzuweisen, soweit überhaupt darauf einzutreten sei; unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Klägerin.
D. Nachdem das Beweisverfahren durchgeführt worden war, fand die Hauptverhandlung mit vorgängigem Augenschein, zu der mit prozessleitender Verfügung vom 13. Oktober 2013 vorgeladen wurde, am 4. Dezember 2013 statt. Mit Entscheid vom 4. Dezember 2013, mitgeteilt am 17. Februar 2014, wies das Bezirksgericht Landquart die Klage vollumfänglich ab und auferlegte der Klägerin die Verfahrenskosten von Fr. 5'000.--. Darüber hinaus wurde sie verpflichtet, dem Beklagten eine ausseramtliche Entschädigung in Höhe von Fr. 6'019.10 (inkl. MWSt) zu bezahlen.
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E. Gegen diesen Entscheid liess die X._ mit Eingabe vom 20. März 2014 Berufung an das Kantonsgericht von Graubünden mit folgenden Rechtsbegehren erheben:
"1. Das erstinstanzliche Urteil sei vollumfänglich aufzuheben.
2. Dem Beklagten und Berufungsbeklagten sei in Gutheissung der Klage zu befehlen – unter Androhung der Ungehorsamsstrafe im Unterlassungsfall sowie der Ersatzvornahme –, den im Februar 2011 an der westlichen Grenze der landwirtschaftlich genutzten Parzelle Nr. _, Grundbuch O.2_, angrenzend an das als Modellflugpiste genutzte Grundstück Nr. _, Grundbuch O.2_, gepflanzten Baum unverzüglich und auf eigene Kosten zu beseitigen.
3. Dem Beklagten und Berufungsbeklagten sei in Gutheissung der Klage zu untersagen, durch bauliche, pflanzliche oder sonstige Massnahmen den Betrieb des Modellflugplatzes auf den Grundstücken Nrn. _, _ und _, Grundbuch O.2_, zu behindern oder zu erschweren.
4. Der Beklagte und Berufungsbeklagte sei zu verpflichten, die Klägerin für das erstinstanzliche Verfahren mit einem Betrag von CHF 13'475.15 zu entschädigen und die Gerichtskosten für das erstinstanzliche Verfahren sind dem Beklagten aufzuerlegen.
5. Alles unter voller Kosten- und Entschädigungsfolge, letztere zuzüglich 8% MWST, für das Berufungsverfahren vor Kantonsgericht von Graubünden zu Lasten des Berufungsbeklagten."
Die Berufungsklägerin macht im Wesentlichen geltend, es sei dem Berufungsbeklagten nicht gelungen, ein schutzwürdiges Interesse an der Pflanzung des Baumes an der für den Betrieb des Flugplatzes strategisch ungünstigen Stelle glaubhaft darzulegen, geschweige denn nachzuweisen. Selbst wenn er das von der Vorinstanz als gegeben erachtete objektive Interesse am Nussbaum bezüglich der Gewinnung von Nüssen und als Schattenspender hätte – was bestritten werde –, handle er deshalb rechtsmissbräuchlich, weil er von mehreren gleichwertigen Möglichkeiten ohne sachlichen Grund gerade diejenige gewählt habe, welche für die Berufungsklägerin besonders nachteilig sei. Damit sei die Inanspruchnahme der dem Berufungsbeklagten aus dem Eigentumsrecht zustehenden Befugnis im konkreten Fall als reine Schikane zu qualifizieren und somit rechtsmissbräuchlich. Das Interesse der Berufungsklägerin, dass die nähere Umgebung des Platzes möglichst frei von Bäumen sei, überwiege sodann diejenigen des Berufungsbeklagten. Dieses bestehe nicht nur für den direkten Überflug bei den Starts und Landungen, sondern auch um den Sichtkontakt zu den Modellflugzeugen zu garantieren. Das interessenlose Handeln des Berufungsbeklagten müsse auch unter diesem Aspekt als rechtsmissbräuchlich
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qualifiziert werden und verdiene keinen Rechtsschutz, weshalb die Berufung gutzuheissen sei.
F. Mit Berufungsantwort vom 6. Mai 2014 beantragte Y._ die Abweisung der Berufung, soweit darauf einzutreten sei; unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Berufungsklägerin, zuzüglich 8% Mehrwertsteuer. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er zudem die Durchführung eines Augenscheins für den Fall, dass die tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz als unzureichend betrachtet werden sollten.
G. In seiner Stellungnahme vom 13. Mai 2014 hielt der Rechtsvertreter der X._ fest, dass gegen eine Wiederholung des Augenscheins nichts einzuwenden sei, weshalb der entsprechende Antrag seinerseits ebenfalls gestellt werde. Zu den Ausführungen des Berufungsbeklagten im Zusammenhang mit der Zonenkonformität sei festzuhalten, dass die Nutzung zwar nicht zonenkonform sei, daraus jedoch nicht ohne Weiteres geschlossen werden könne, die Tätigkeit sei rechtswidrig. Modellflugplätze seien gemäss herrschender Lehre und Rechtsprechung grundsätzlich als standortgebunden zu betrachten und somit einer Ausnahmebewilligung nach Art. 24 RPG zugänglich. Zudem bestehe der Betrieb seit 1977 unangefochten, womit die Klägerin gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung zumindest einen Anspruch auf Weiterführung im heutigen Umfang habe. Das Vorliegen einer förmlichen Bewilligung sei somit nicht konstitutiv für die Rechtmässigkeit des Betriebs, wie dies der Beklagte falsch festhalte.
H. Mit Schreiben vom 21. Mai 2014 hielt der Berufungsbeklagte unter Hinweis auf die vorangegangene Stellungnahme der Berufungsklägerin fest, Letztere anerkenne ausdrücklich, dass der Betrieb des Flugplatzes zonenwidrig sei und hierfür keine Bewilligung bestehe. Dennoch sei sie aber der Meinung, einen "Anspruch auf Weiterführung des Betriebs im bisherigen Umfang" zu haben. Diese Argumentation sei unrichtig, dürfte im Rahmen der Gesamtbeurteilung allerdings ohnehin irrelevant sein.
I. Am 9. Juli 2014 fand auf dem Gelände der X._ in O.2_ ein Augenschein statt, zu welchem mit prozessleitender Verfügung vom 28. Mai 2014 vorgeladen wurde. Anwesend waren auf Seiten der Berufungsklägerin A._ und Rechtsanwalt lic. iur. Hermann Just sowie auf Seiten des Berufungsbeklagten dieser selbst und Rechtsanwalt lic. iur. Markus Janett. Bezüglich der anlässlich
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des Augenscheins gemachten Ausführungen wird auf das sich bei den Akten befindliche Protokoll verwiesen.
Auf die weitergehenden Ausführungen im angefochtenen Entscheid und in den Rechtsschriften sowie auf das von den Parteien und deren Rechtsvertretern anlässlich des Augenscheins Dargelegte wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
II. Erwägungen
1.a. Beim angefochtenen Entscheid handelt es sich um einen erstinstanzlichen Endentscheid, welcher grundsätzlich mit Berufung angefochten werden kann (vgl. Art. 308 Abs. 1 lit. a ZPO). Die Zuständigkeit des Kantonsgerichts von Graubünden ergibt sich aus Art. 7 Abs. 1 des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Zivilprozessordnung (EGzZPO; BR 320.100). Gemäss Art. 308 Abs. 2 ZPO ist die Berufung in vermögensrechtlichen Angelegenheiten allerdings nur zulässig, wenn der Streitwert der zuletzt aufrechterhaltenen Rechtsbegehren mindestens Fr. 10'000.-- beträgt. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob dem Berufungsbeklagten aufgrund der Pflanzung des Nussbaumes im Bereich der An- und Abflugschneise auf den von der Berufungsklägerin genutzten Parzellen ein Rechtsmissbrauch vorgeworfen werden kann bzw. ob er den Nussbaum allein deshalb an besagter Stelle eingepflanzt hat, um die Berufungsklägerin resp. deren Mitglieder an der Ausübung des Modellflugsports zu hindern. Die Berufungsklägerin hat in ihrer Klageschrift vom 26. März 2012 in Bezug auf den Streitwert die Ansicht vertreten, dieser betrage über Fr. 30'000.--. Zur Begründung wurde vorgebracht, die angefochtenen Handlungen des Berufungsbeklagten würden auf eine Verhinderung der heutigen Nutzung auf den von ihr (der Berufungsklägerin) gepachteten Grundstücken zielen, womit die getätigten Investitionen in die eigentliche Flugpiste, Zäune und das Clubhaus nutzlos würden. Der Streitwert betrage somit mehr als Fr. 30'000.-- (vgl. act. I./2 S. 4). Diese Streitwertschätzung blieb von der Gegenseite in der Folge unbestritten (vgl. act. I./3 S. 2) und wurde von der Vorinstanz ohne weitere Erwägungen übernommen (vgl. angefochtener Entscheid, S. 4 f.). Daran etwas zu ändern besteht auch im vorliegenden Berufungsverfahren kein Anlass, zumal die unbestritten gebliebene Argumentation der Berufungsklägerin hinsichtlich der getätigten Investitionen für die vorhandene Infrastruktur auch in dieser Höhe durchaus zu überzeugen vermag. Damit ist der für die Berufung erforderliche Streitwert von Fr. 10'000.-- im vorliegenden Fall ohne weiteres erreicht. Gleiches
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## Considerations