# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c31a1b23-c359-4ca4-a0ef-d2d419d1c1e7
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend versuchte schwere Körperverletzung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 4. Abteilung, vom 13. Mai 2013 (DG130006)
- 2 -
Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 9. Januar
2013 (Urk. 41) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ ist nicht schuldig und wird freigesprochen.
2. Der Beschuldigte B._ ist schuldig der mehrfachen einfachen
Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 Abs. 2
StGB, teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB, sowie der Drohung
im Sinne von Art. 180 StGB.
3. Der Beschuldigte B._ wird bestraft mit 6 Monaten Freiheitsstrafe,
wovon bis und mit heute 21 Tage durch Haft erstanden sind.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben.
5. Der Privatkläger A._ wird mit seinem Schadenersatzbegehren auf den
Weg des Zivilprozesses verwiesen.
6. Der Privatkläger B._ wird mit seinem Schadenersatzbegehren auf den
Weg des Zivilprozesses verwiesen.
7. Die Gerichtsgebühr betreffend den Beschuldigten A._ fällt ausser
Ansatz; die übrigen ihn betreffenden Kosten, inklusive die Kosten der
amtlichen Verteidigung, werden auf die Gerichtskasse genommen.
8. Die Gerichtsgebühr betreffend den Beschuldigten B._ wird festgesetzt
auf:
- 3 -
Fr. 2'100.– ; die weiteren ihn betreffenden Kosten betragen:
Fr. 1'036.25 Kosten der Kantonspolizei
Fr. 3'000.– Gebühr Anklagebehörde
Fr. Kanzleikosten
Fr. 1'506.20 Auslagen Untersuchung
Fr. amtliche Verteidigung (ausstehend)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
9. Die den Beschuldigten B._ betreffenden Kosten der Untersuchung und
des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen der amtlichen
Verteidigung, werden ihm auferlegt.
10. Die Kosten der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten B._ werden
auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung
gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
11. Dem Beschuldigten A._ wird eine Umtriebsentschädigung von
Fr. 12'000.– für die erlittene Haft aus der Gerichtskasse zugesprochen.
Dem Beschuldigten A._ wird eine Genugtuung für die erlittene Haft von
Fr. 2'000.– aus der Gerichtskasse zugesprochen.
Das Verrechnungsrecht des Staates bleibt vorbehalten.
Berufungsanträge:
a) Der Vertreterin der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:
(Urk. 114 S. 1)
1. Der Beschuldigte A._ sei der versuchten schweren
Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1
StGB schuldig zu sprechen.
2. Der Beschuldigte A._ sei mit 36 Monaten Freiheitsstrafe zu
bestrafen.
- 4 -
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei im Umfang von 18 Monaten zu
vollziehen. Im Umfang von 18 Monaten sei die Freiheitsstrafe
aufzuschieben und die Probezeit auf zwei Jahre festzusetzen.
4. Die erstandene Haft sei dem Beschuldigten anzurechnen.
5. Die Kosten seien vollumfänglich dem Beschuldigen aufzuerlegen.
b) Der Verteidigung des Beschuldigten 1:
(Urk. 115 S. 1)
Abweisung der Berufung der
− Staatsanwaltschaft, sowie von
− B._
Bestätigung des Urteils des BG Zürich vom 13.05.2013
Übernahme der Kosten sowie der Verteidigung auf die Staatskasse
c) Der Verteidigung des Beschuldigten 2:
(Urk. 116 S. 1 f.)
1. Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 13. Mai 2013 sei
aufzuheben.
2. Der Beschuldigte B._ sei freizusprechen.
3. Der Beschuldigte A._ sei schuldig zu sprechen und angemessen
zu bestrafen.
4. Dem Beschuldigten B._ sei eine angemessene Entschädigung für
die erstandene Haft auszurichten und es sei ihm eine angemessene
Genugtuung zuzusprechen.
5. Sämtliche Kosten (inkl. derjenigen der 1. Instanz und der amtlichen
Verteidigung) seien auf die Staatskasse zu nehmen.
- 5 -

## Considerations

Erwägungen:
1. Prozessverlauf
1.1. Mit Urteil vom 13. Mai 2013 wurde A._, Beschuldigter 1, vom Vorwurf
der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 und
Abs. 2 StGB freigesprochen. Mit gleichem Urteil wurde B._, Beschuldigter 2,
der mehrfachen einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1
und Ziff. 2 Abs. 2 StGB, teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB, sowie
der Drohung im Sinne von Art. 180 StGB schuldig gesprochen. B._ wurde
mit 6 Monaten Freiheitstrafe bestraft und der Vollzug der Freiheitsstrafe wurde
nicht aufgeschoben. A._ und B._ wurden mit ihren
Schadenersatzbegehren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. Schliesslich
wurden A._ eine Umtriebsentschädigung von Fr. 12'000.– sowie eine
Genugtuung von Fr. 2'000.– für die erlittene Haft aus der Gerichtskasse
zugesprochen (Urk. 100).
1.2. Gegen dieses Urteil meldete die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich,
nachfolgend Staatsanwaltschaft, rechtzeitig Berufung an (Urk. 93). Ebenso erhob
der Beschuldigte B._ rechtzeitig Berufung (Prot. I S. 17; Urk. 96). Die
Berufungserklärungen der Staatsanwaltschaft und des Beschuldigten B._
gingen ebenfalls rechtzeitig ein (Urk. 101; Urk. 102). Der Beschuldigte 1
verzichtete auf Anschlussberufung (Urk. 105). Beweisanträge wurden von keiner
Partei gestellt. Die Berufungsverhandlung fand am 21. Januar 2014 statt (Prot. II
S. 5 ff.).
2. Berufungserklärungen
2.1. Mit Berufungserklärung vom 23. Juli 2013 beschränkte die
Staatsanwaltschaft die Berufung auf den Freispruch des Beschuldigten A._,
die Bemessung der Strafe bezüglich des Beschuldigten A._ sowie die
- 6 -
Kosten-, Entschädigungs- und Genugtuungsfolgen betreffend den Beschuldigten
A._ (Urk. 101).
2.2. Der Beschuldigte B._ verlangt die Aufhebung des vorinstanzlichen
Urteils. Konkret beantragt er, er sei freizusprechen und der Beschuldigte A._
sei schuldig zu sprechen und angemessen zu bestrafen. Sodann beantragt er
eine angemessene Entschädigung sowie eine Genugtuung für die erstandene
Haft. Schliesslich seien die Kosten inkl. derjenigen seiner amtlichen Verteidigung
auf die Staatskasse zu nehmen (Urk. 102; Urk. 116).
2.3. In der Berufungsschrift ist anzugeben, welche Abänderungen des
erstinstanzlichen Urteils verlangt werden (Art. 399 Abs. 3 lit. b). Gemäss Art. 402
StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung.
Nachdem die Urteilsdispositivziffern 5 und 6 (Zivilansprüche), 8
(Kostenaufstellung betreffend den Beschuldigten B._) und 10 (amtliche
Verteidigung des Beschuldigten B._) nicht angefochten worden sind, ist
festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil in diesem Umfang in Rechtskraft
erwachsen ist.
3. Sachverhalt
3.1. Die Vorinstanz kam zum Schluss, dass sich der Beschuldigte B._ durch
sein Verhalten der Drohung im Sinne von Art. 180 StGB sowie der mehrfachen
einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 Abs. 2
StGB, teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB, schuldig gemacht habe.
Hinsichtlich des Beschuldigten A._ ist die Vorinstanz der Auffassung, dass
sich dieser bei seinen Handlungen, die zu den Verletzungen an Schultern, Brust
und Fingern beim Beschuldigten 2 geführt haben, auf den Rechtfertigungsgrund
der Notwehr im Sinne von Art. 15 StGB berufen könne (Urk. 100).
3.2. Die Staatsanwaltschaft bringt in der Berufung vor, dass die Vorinstanz
unrichtigerweise davon ausgehe, dass der vom Beschuldigten A._ mit dem
Messer in den Oberarm des Beschuldigten B._ ausgeführte Stich nur den
Tatbestand der einfachen Körperverletzung erfülle. Der Messerstich in die
- 7 -
Schulter wäre als versuchte schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs.
1 und 2 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB zu qualifizieren. Sodann habe der Beschuldigte
A._ bei der Verwendung des Messers die Grenzen einer den Umständen
angemessenen Abwehr offensichtlich überschritten und damit einen
Notwehrexzess begangen (Urk. 101; Urk. 114). Damit kritisiert die
Staatsanwaltschaft die rechtliche Würdigung der Vorinstanz. Zum von der
Vorinstanz festgestellten Sachverhalt bringt die Staatsanwaltschaft keine
Einwände vor.
3.3. Demgegenüber kritisiert der Beschuldigte B._ die
Sachverhaltsfeststellungen der Vorinstanz. Er bestreitet, dem Beschuldigten
A._ gedroht zu haben. Es sei auch nicht richtig, dass er ihn zuerst mit den
Fäusten geschlagen habe. Er habe sich erst mit den Fäusten gewehrt, nachdem
der Beschuldigte A._ ihn mit dem Messer angegriffen und verletzt habe (Urk.
7/8; Urk. 85 S. 6). Anlässlich der Berufungsverhandlung gab er an, der
Beschuldigte A._ hätte ihn zuerst zweimal gestossen und versucht, ihn
anzugreifen. Er - der Beschuldigte B._ - habe sich dann verteidigt und ihn
zurückgestossen. In dem Moment habe der Beschuldigte A._ ihn sofort mit
dem offenen Messer angegriffen (Prot. II S. 19). Es ist daher nachfolgend
aufgrund der vorhandenen Beweismitteln zu prüfen, ob der eingeklagte resp. der
von der Vorinstanz festgestellte Sachverhalt erstellt werden kann.
3.4. Als Beweismittel liegen neben den Aussagen der Beschuldigten A._
und B._ (Urk. 6/1, 6/2 = 7/6, 6/3, 7/1, 7/4, 7/5, 7/7, 7/8) die Aussagen des
Beteiligten C._ (Urk. 8/1, 8/2, 8/3, 8/4 = 6/2 = 7/6), der Zeugen D._
(Urk. 9/1-2), E._ (Urk. 9/3-4) und F._ (Urk. 9/5-6), eine
Fotodokumentation des Forensischen Instituts Zürich (Urk. 10/3), ein Kurzbericht
und ein ärztlicher Befund des Stadtspitals Triemli betreffend den Beschuldigten
B._ (Urk. 11/1, 11/5), ein Gutachten zur körperlichen Untersuchung des
Beschuldigten B._ (Urk. 11/6) sowie ein ärztlicher Befund des Centre
Hospitalier Universitaire Vaudois (CHUV) betreffend den Beschuldigten A._
vor (Urk. 12/8-9).
- 8 -
3.5. Mit den Grundsätzen der Beweiswürdigung, insbesondere der Würdigung
von Aussagen, sowie der Glaubwürdigkeit der vorgenannten Personen hat sich
die Vorinstanz ausführlich und korrekt befasst, so dass darauf zu verweisen ist
(Urk. 100 S. 8 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.6. Schliesslich hat die Vorinstanz auch die Aussagen der einvernommenen
Personen zutreffend wiedergegeben, worauf ebenfalls zu verweisen ist (Art. 82
Abs. 4 StPO).
3.7. Der Beschuldigte B._ bestreitet insbesondere, dem Beschuldigten
A._ gedroht zu haben, sowie den von der Vorinstanz festgestellten Ablauf
des Vorfalls. Die Vorinstanz hat sich sehr sorgfältig und ausführlich mit den
Aussagen der Beteiligten und den weiteren Beweismitteln auseinandergesetzt.
Diesen sorgfältigen und ausführlichen Erwägungen der Vorinstanz gibt es im
Prinzip nichts beizufügen. Es ist deshalb auf diese zu verweisen (Art. 82 Abs. 4
StPO). Die folgenden Punkte sind entscheidend:
3.7.1. Wie die Vorinstanz – nach, hier nicht zu wiederholender (Art. 82 Abs. 4
StPO), ausführlicher Auseinandersetzung mit den einzelnen Aussagen –
zutreffend festhält, sind die Aussagen des Beschuldigten A._ sehr konstant,
sowohl hinsichtlich der Vorgeschichte als auch hinsichtlich der Drohung, und
werden seine Aussagen in wesentlichen Teilen auch durch die Zeugenaussagen
gestützt. Seine Aussagen erscheinen deshalb glaubhaft, weshalb auf sie
abgestellt werden kann. Die Aussagen der Zeugen, bei denen keine Verhältnisse
zu den Beschuldigten bestehen, die die Glaubwürdigkeit der Zeugen
beeinträchtigen könnten, wirken insgesamt und je für sich betrachtet stimmig und
nachvollziehbar und sind darum ebenfalls als glaubhaft zu qualifizieren. Auf deren
Aussagen kann deshalb abgestellt werden. Demgegenüber sind die Aussagen
des Beschuldigten B._ nicht in sich stimmig und widersprechen teilweise den
Beobachtungen der Zeugen, so dass sie wenig glaubhaft sind. Schliesslich sind
auch die Aussagen des Beteiligten C._ in sich und im Verhältnis zu den
Aussagen der Zeugen und auch des Beschuldigten B._ widersprüchlich und
daher wenig glaubhaft.
- 9 -
3.7.2. Die Behauptung des Beschuldigten B._, dass der Beschuldigte
A._ unvermittelt von hinten auf ihn eingestochen habe (Urk. 7/1 S. 6; Urk. 7/4
S. 3.; Urk. 7/5 S. 4; Urk. 7/6 S. 5), wurde weder von den Zeugen noch vom
Beteiligten C._ bestätigt. Der Beteiligte C._ führte sogar aus, er habe
den Beschuldigten A._ darauf hingewiesen, ob er wisse, dass er ein Messer
in der Hand habe (Urk. 7/6 S. 20). Der Zeuge F._ erklärte, während der
Schlägerei habe einer der beiden ein Messer oder ein Sackmesser
hervorgenommen. Der andere sei etwas zurückgelaufen und habe Respekt vor
dem Messer gezeigt (Urk. 9/6 S. 4). Sämtliche Zeugen bestätigten sodann, dass
vor dem Messereinsatz ein Gerangel resp. eine Schlägerei stattgefunden habe.
Anhaltspunkte für einen Angriff des Beschuldigten A._ mit dem Messer aus
dem Nichts liegen keine vor. Jedoch wird von sämtlichen Zeugen bestätigt, dass
es – entgegen den Beteuerungen des Beschuldigten B._ (Urk. 7/1 S. 9 f.;
Urk. 7/5 S. 5; Urk. 7/6 S. 5; Urk. 7/8 S. 3; Urk. 85 S. 11) – bereits vor dem
Messereinsatz durch den Beschuldigten A._ zu einer körperlichen
Auseinandersetzung zwischen den Beschuldigten A._ und B._
gekommen war und der Beschuldigte A._ das Messer erst während der
Auseinandersetzung hervornahm.
3.7.3. Der Beschuldigte B._ sagte zunächst – übereinstimmend mit der
Aussage des Zeugen F._ (Urk. 9/5 S. 1) – aus, dass er einen weiteren Stich
des Beschuldigten A._ habe abwehren und dessen Messer habe ergreifen
wollen (Urk. 7/1 S. 6). Später erklärte er, er habe nicht versucht, dem
Beschuldigten A._ das Messer aus der Hand zu nehmen (Urk. 7/4). In einer
weiteren Einvernahme führte er dann wieder aus, er habe den Beschuldigten
A._ am Handgelenk festhalten wollen. Als sich dieser losgerissen habe, habe
er ihn mit dem Messer an seiner Hand verletzt (Urk. 7/6 S. 5 f.).
3.7.4. Der Beschuldigte A._ erklärte in sämtlichen Einvernahmen, dass er
grosse Angst gehabt habe (Urk. 6/1 S. 4, S. 15; Urk. 6/2 S. 16; Urk. 6/3 S. 3;
Urk. 84 S. 4, S. 7) und dass er sich nur habe verteidigen wollen (Urk. 6/1 S. 6 f.,
S. 11; Urk. 6/2 S. 16; Urk. 6/3 S. 3; Urk. 84 S. 4, S. 7). Sämtliche Zeugen
bestätigten diese Aussage. So erklärte der Zeuge D._, der Beschuldigte
- 10 -
B._ habe den Beschuldigten A._ bedroht. Dieser habe sich einfach
wehren müssen. Der Beschuldigte A._ habe Angst gehabt. Das sage er
wirklich. Der habe Angst gehabt (Urk. 9/2 S. 5). Der Zeuge E._ führte aus, er
glaube der Beschuldigte A._ habe sich gewehrt. Derjenige mit dem Messer
habe immer wieder zurückweichen wollen. Der andere sei immer wieder laut
geworden und auf ihn zugegangen (Urk. 9/4 S. 4). Auf die Frage, ob er sagen
könne, ob die Person mit dem Messer angegriffen habe oder ob sie sich verteidigt
habe, sagte der Zeuge E._, er habe es vorher gesagt, der mit dem Messer
habe immer wieder versucht, wegzukommen. Er habe nicht verstanden, was
gerufen worden sei (Urk. 9/4 S. 6 f.). Der Zeuge F._ gab auf die Frage, was
der Beschuldigte A._ mit dem Messer getan habe, an, es sei schwierig zu
sagen in einer Schlägerei. Irgendwie angreifen, aber richtig sagen, dass er
angegriffen habe, könne er auch nicht sagen. Er habe mit dem Messer keine
Bewegungen gemacht. Er habe es ruhig in der Hand gehalten. Er habe keine
Stichbewegung gesehen. Auf die Frage, ob die Person mit dem Messer
angegriffen oder sich verteidigt habe, sagte er, er würde sagen, von beidem
etwas (Urk. 9/6 S. 4 f.). Der ärztliche Befund des Stadtspitals Triemli vom 5.
Oktober 2012 hält hinsichtlich der Verletzungen des Beschuldigten B._ im
Brustbereich fest, dass einerseits eine Stichverletzung mit einer Eindringtiefe von
wenigen Millimetern direkt über dem Brustbein gelegen und andererseits eine
weitere kleine Schnittwunde, welche aber nicht senkrecht, sondern schräg zur
Hautoberfläche verlaufe, mit einer Eindringtiefe von wenigen Millimetern,
bestehen würde (Urk. 11/5 S. 1). Das Gutachten der körperlichen Untersuchung
des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zürich vom 26. November 2012
führt eine über dem mittleren Brustbeindrittel, rechtsseitig, ca. 2,5 cm lange
halbmondförmige, glattrandige, adaptierbare Wunde ohne Gewebebrücken,
Wundgrund nicht einsehbar, an, sowie eine im mittleren Brustbeindrittel links
bestehende tangentiale, bis in das Unterhautfettgewebe reichende ca. 2 x 1,4 cm
messende glattrandige, adaptierbare Wunde (Urk. 11/6). Entgegen der
Auffassung des Verteidigers des Beschuldigten B._ (Urk. 116 S. 10) stützt
dies die Aussage des Beschuldigten A._, wonach die Verletzungen im
- 11 -
Brustbereich im Gerangel zustande gekommen seien und er keine gezielten
Stichbewegungen gegen die Brust des Beschuldigten B._ ausgeführt habe.
3.7.5. Der Beschuldigte A._ gab an, dass er vom Beschuldigten B._
einen Faustschlag ins Gesicht erhalten habe (Urk. 6/1 S. 4 f.; Urk. 6/2 S. 15). Der
Zeuge F._ führt aus, dass die Personen mit Fäusten und den Füssen
aufeinander losgegangen seien (Urk. 9/6 S. 3). Der ärztliche Bericht des CHUVs
bestätigt, dass der Beschuldigte A._ anlässlich der Untersuchung am 15.
September 2012 eine leichte Schwellung am "arcus superciliaris" (=Stirnbein)
sowie eine leichte Rötung auf Höhe Jochbein rechts aufwies. Sodann war das
Abtasten der Knochen auf Ebene "arcus superciliaris" rechts und Jochbein rechts
schmerzhaft (Urk. 12/9).
3.7.6. Dementsprechend ist mit der Vorinstanz von dem von ihr zutreffend
festgestellten Sachverhalt auszugehen.
4. Rechtliche Würdigung
4.1. Rechtliche Würdigung des Verhaltens des Beschuldigten B._
4.1.1. Drohung im Sinne von Art. 180 StGB
4.1.1.1. Der Drohung macht sich schuldig, wer jemanden durch schwere Drohung
in Schrecken oder Angst versetzt (Art. 180 Abs. 1 StGB). Bei der Drohung im
Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB handelt es sich um ein Antragsdelikt. Wie die
Vorin-stanz zutreffend ausführt, ist die Strafanzeige vom 3. Oktober 2012
(Urk. 23/1) als Strafantrag zu qualifizieren und erfolgte der Strafantrag innert der
Frist von Art. 31 StGB.
4.1.1.2. Die Tathandlung der schweren Drohung erschöpft sich in der
Ankündigung eines künftigen Übels, welches Schrecken oder Angst erzeugt.
„Schrecken“ ist eine heftige Erschütterung des Gemüts, die meist durch das
plötzliche Erkennen einer Gefahr oder Bedrohung ausgelöst wird, während
„Angst“ ein beklemmendes, banges Gefühl ist, bedroht zu sein (BSK Strafrecht II-
Delnon/Rüdy, Art. 180 N 12). Nach Lehre und Rechtsprechung soll nur diejenige
- 12 -
Drohung als schwer gelten, die ein verständiger Mensch mit durchschnittlicher
Belastbarkeit als solche empfindet. Die Anforderungen an die schwere Drohung
sind hoch anzusetzen. Allgemein anerkannt ist, dass die schwere Drohung von
einschneidenderem Gewicht sein muss als die Androhung ernstlicher Nachteile
im Sinne von Art. 181 StGB. Konsequenterweise verlangt die schwere Drohung,
dass die Täterschaft dem Opfer einen schweren Nachteil ankündigen oder in
Aussicht stellen muss (BSK Strafrecht II-Delnon/Rüdy, Art. 180 N 19, N 21; BGE
106 IV 129). Nicht relevant ist, ob die Drohung ernst gemeint war oder der
Drohende zur Verwirklichung des angedrohten Übels überhaupt fähig ist.
Entscheidend ist, dass sie als ernst gemeint in Erscheinung tritt (BSK Strafrecht
II-Delnon/Rüdy, Art. 180 N 14a ff.; BGE 106 IV 125). Schliesslich muss der
Bedrohte die Verwirklichung des angedrohten Übels befürchten. Dies bedeutet
einerseits, dass er die Zufügung des Übels für möglich hält oder tatsächlich damit
rechnet, und andererseits, dass der angedrohte Nachteil von solcher Schwere ist,
dass er Schrecken und Angst auszulösen vermag (BSK Strafrecht II-
Delnon/Rüdy, Art. 180 N 23).
4.1.1.3. Der Beschuldigte B._ sagte zum Beschuldigten A._, dass er
dessen Gesicht so zerstören würde, dass ihn seine Mutter nicht mehr erkennen
würde. Damit stellte der Beschuldigte B._ dem Beschuldigten 1 ein schweres
Übel in Aussicht, nämlich das Entstellen dessen Gesichts. Aufgrund der sich im
Gange befindenden Auseinandersetzung trat diese Aussage als ernst gemeint in
Erscheinung und durfte der Beschuldigte A._ die Zufügung dieses Übels für
möglich halten. Es ist deshalb unerheblich, dass der Beschuldigte B._ gar
kein Messer auf sich trug und ob die Drohung ernst gemeint war. Der
Beschuldigte A._ wurde sodann durch die Drohung gemäss seinen
glaubhaften Aussagen (Urk. 6/2 S. 14; Urk. 84 S. 4) in Angst versetzt.
4.1.1.4. In subjektiver Hinsicht ist vorsätzliches Handeln erforderlich, wobei
Eventualvorsatz genügt. Was der Täter wusste, wollte und in Kauf nahm, betrifft
so genannte innere Tatsachen. Bei Fehlen eines Geständnisses des Täters muss
aus äusseren Umständen auf jene inneren Tatsachen geschlossen werden. Wer
eine solche Drohung in einer tätlichen Auseinandersetzung ausspricht, will dem
- 13 -
Bedrohten ein schweres Übel in Aussicht stellen und ihn damit in Angst und
Schrecken versetzen. Zumindest nimmt der Drohende bei einer solchen willentlich
und wissentlich ausgesprochenen Drohung in Kauf, dass der Bedrohte in Angst
und Schrecken versetzt wird. Demnach ist auch der subjektive Tatbestand zu
bejahen.
4.1.1.5. Wie die Vorinstanz zutreffend festhält, liegen keine Rechtfertigungs- und
Schuldausschlussgründe vor. Insbesondere bestand keine Notwehrlage, da vor
der Drohung kein Angriff von Seiten des Beschuldigten A._ auf die
körperliche Integrität des Beschuldigten B._ ausgegangen war.
4.1.1.6. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich der Beschuldigte B._
der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB schuldig gemacht hat.
4.1.2. Faustschlag
4.1.2.1. Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten B._ im Zusammenhang mit
den Faustschlägen der (mehrfachen) einfachen Körperverletzung im Sinne von
Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig. Die Tathandlung bestehe in den
Faustschlägen, welche gegen das Gesicht des Beschuldigten A._ ausgeführt
worden seien (Urk. 100 S. 21). Schliesslich führt die Vorinstanz an, dass auch
hinsichtlich der Faustschläge nach Einsatz des Messers kein
Rechtfertigungsgrund vorgelegen habe (Urk. 100 S. 21). Die Anklageschrift führt
an, dass der Beschuldigte A._ den Beschuldigten B._ weggestossen
habe, der daraufhin mit den Fäusten auf den Beschuldigten A._ losgegangen
sei und ihm einen Schlag ins Gesicht versetzt habe. Faustschläge nach dem
Messereinsatz durch den Beschuldigten A._ werden dem Beschuldigten
B._ in der Anklageschrift sodann nicht vorgehalten (Urk. 41 S. 4). Nach dem
in Art. 9 StPO verankerten Anklagegrundsatz bestimmt die Anklage das
Prozessthema. Gegenstand des gerichtlichen Verfahrens können mithin nur
Sachverhalte sein, die dem Angeklagten in der Anklageschrift vorgeworfen
werden. Diese muss die Person des Angeklagten sowie die ihm zur Last gelegten
Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise umschreiben, dass die Vorwürfe im
objektiven und subjektiven Bereich genügend konkretisiert sind
- 14 -
(Umgrenzungsfunktion). An diese Anklage ist das Gericht gebunden. Die Anklage
fixiert somit das Verfahrens- und Urteilsthema (Immutabilitätsprinzip). Die
Fixierung des Verfahrensgegenstands setzt der Untersuchung eine feste Grenze
und macht der beschuldigten Person deutlich, gegen welchen Vorwurf sie sich zu
verteidigen hat (Bger-Urteil 6B_640/2011 vom 14. Mai 2012; Wohlers in
Donatsch/Hansjakob/Lieber, Kommentar zur Schweizerischen
Strafprozessordnung, Art. 9 N 8 ff.). Demnach kann dem Beschuldigten B._
lediglich der vor dem Messereinsatz durch den Beschuldigten A._ erstellte
Faustschlag vorgehalten werden.
4.1.2.2. Der einfachen Körperverletzung macht sich schuldig, wer vorsätzlich
einen Menschen in anderer Weise an Körper und Gesundheit schädigt (Art. 123
Abs. 1 Ziff. 1 StGB). Der Tatbestand der einfachen Körperverletzung im Sinne von
Art. 123 Abs. 1 Ziff. 1 StGB ist ein Antragsdelikt. Wie die Vorinstanz zutreffend
ausführt, ist die Strafanzeige vom 3. Oktober 2012 (Urk. 23/1) als Strafantrag zu
qualifizieren und erfolgte der Strafantrag innert der Frist von Art. 31 StGB.
4.1.2.3. Die körperliche Integrität ist dann i.S. einer Körperverletzung
beeinträchtigt, wenn innere oder äussere Verletzungen oder Schädigungen
zugefügt werden, die mindestens eine gewisse Behandlung und Heilungszeit
erfordern. Auf blosse Tätlichkeiten ist zu erkennen, wenn Schürfungen,
Kratzwunden, Quetschungen oder bloss blaue Flecken offensichtlich so harmlos
sind, dass sie in kürzester Zeit vorübergehen und ausheilen (BSK Strafrecht II-
Roth/Berkemeier, Art. 123 N 4). Als leichte Fälle sind die Angriffe auf die
körperliche Integrität des Menschen in der untersten "Bandbreite" des
Grundtatbestands zu werten. Sowohl die Abgrenzung nach dem Grundtatbestand
wie auch nach den Tätlichkeiten ist schwierig (BSK Strafrecht II-
Roth/Berkenmeier, Art. 123 N 8).
4.1.2.4. Art. 123 StGB erfasst gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
diejenigen Schädigungen am menschlichen Körper, die nicht als schwer i.S. von
Art. 122 StGB zu qualifizieren sind. Diese Bestimmung schützt sowohl die
physische als auch die psychische Integrität. Diese Rechtsgüter sind verletzt bei
bedeutenden Beeinträchtigungen der körperlichen Integrität, wie z.B. einer
- 15 -
Injektionsverabreichung oder einer Totaltonsur. Verboten sind weiter das
Hervorrufen oder Verschlimmern eines krankhaften Zustandes oder das
Verzögern der Genesung. Diese Zustände können sowohl durch äussere als auch
durch innere Verletzungen hervorgerufen werden, die normalerweise ohne
Komplikationen heilen wie z.B. durch Frakturen, Hirnerschütterungen,
Quetschungen, Schrammen und Kratzwunden in Folge von Schlägen, Stössen
und ähnlichem, ausser wenn diese lediglich eine vorübergehende Störung
bewirken und ohne Einfluss auf das Wohlbefinden bleiben. Entspricht hingegen
die Störung – wenn auch nur vorübergehender Art – einem krankhaften Zustand,
so ist sie als einfache Körperverletzung zu qualifizieren. Handelt es sich um
Quetschungen, Schrammen, Kratzwunden und durch Schläge oder ähnliches
verursachte Prellungen, ist eine Unterscheidung zwischen Tätlichkeit und
einfacher Körperverletzung heikel. In der Rechtsprechung wurde ein Schlag ins
Gesicht, welcher eine Schramme und eine Prellung an der Nase bewirkte, als
Tätlichkeit qualifiziert (BGE 72 IV 21). Gleiches galt für eine Quetschung am Arm
und ein Schmerzempfinden im Kiefer ohne Prellung (BGE 107 IV 43 E. d). Ein mit
brutaler Gewalt ins Gesicht geführter Faustschlag hingegen, der geeignet war,
schwere Quetschungen, gar einen Kiefer-
oder Nasenbeinbruch oder das Abbrechen eines Zahnes zu bewirken, wurde als
einfache Körperverletzung qualifiziert (BGE 74 IV 83). Gleiches wurde
angenommen bei Verletzungen infolge mehrerer Faustschläge und Fusstritte, die
bei einem der Opfer Spuren in der Augengegend und eine Quetschung der
Unterlippe, beim andern Quetschungen des Unterkiefers, eine Rippenquetschung
und Schrammen an Unterarm und Hand hinterliessen (BGE 103 IV 7). Wenn der
Angriff auf die körperliche Unversehrtheit sich lediglich in Prellungen,
Quetschungen oder Kratzwunden manifestiert, bestimmt sich die Abgrenzung
zwischen Tätlichkeit und einfacher Körperverletzung nach dem Mass des
verursachten Schmerzes (BGE 107 IV 43 E. c). In Anwendung dieser vorzitierten
Ausführungen kam das Bundesgericht im Entscheid BGE 119 IV 25 zum Schluss,
dass ein Bluterguss, der auf einen Riss in den Blutgefässen zurückzuführen sei
und normalerweise mehrere Tage sichtbar sei, als Körperverletzung qualifiziert
werden müsse (BGE 119 IV 25 E. 2).
- 16 -
4.1.2.5. Der Beschuldigte A._ suchte am 15. September 2012, also drei Tage
nach dem Vorfall, das Notfallzentrum des Centre Hospitalier Universitaire Vaudois
(CHUV) auf. Dieses stellte eine leichte Schwellung am "arcus superciliaris"
(Stirnbein) rechts sowie eine leichte Rötung auf Höhe Jochbein rechts, jedoch
keine Wunde im Gesicht fest (Urk. 12/9). Anlässlich der Einvernahme vom
18. September 2012 konnte keine Verletzung im Gesicht mehr festgestellt werden
(Urk. 6/1 S. 5). Auf die Frage, ob er verletzt worden sei, erwähnte er
Rückenschmerzen, aber keine Schmerzen im Gesicht oder am Kopf (Urk. 6/1 S.
4). Aufgrund dieses Beschwerdebildes kann hinsichtlich des objektiven
Tatbestands nicht von einer einfachen Körperverletzung ausgegangen werden.
Die Verletzung führte nur zu einer leichten Schwellung mit auf die konkrete Stelle
begrenzten Schmerzen (Urk. 12/9), und klang innert weniger Tage vollständig ab.
4.1.2.6. In subjektiver Hinsicht muss jedoch aufgrund des Sachverhaltes davon
ausgegangen werden, dass der Beschuldigte B._ dem Beschuldigten
A._ eine Verletzung zufügen wollte, die mindestens eine solche Intensität
erreicht, die eine gewisse Behandlung und Heilungszeit erfordert. Wie beim
vollendeten Delikt genügt auch beim Versuch eventualvorsätzliches Handeln
(BSK Strafrecht I-Niggli/Maeder, Art. 22 N 2). Dem Schlag ging eine
Auseinandersetzung zwischen den Beschuldigten A._ und B._ voraus
und es herrschte eine eher aggressive Stimmung zwischen den Beteiligten. Der
Beschuldigte B._ führte sodann selber aus, dass er ein sehr guter Thai-
Boxer sei (Urk. 7/1 S. 9), weshalb auch von einer gewissen Intensität des
Schlages ausgegangen werden muss, insbesondere auch, weil der Schlag im
Rahmen einer aggressiven Stimmung erfolgte. Sodann weiss der Beschuldigte
B._ als Thai-Boxer, dass Schläge gegen das Gesicht sogar zu sehr
schweren Verletzungen führen können. Wird im Wissen um dies ein Schlag
gegen das Gesicht ausgeführt, nimmt der Schlagende zumindest in Kauf, dem
anderen eine Verletzung im Sinne einer einfachen Körperverletzung zuzufügen.
Nachdem der Beschuldigte B._ alles getan hat, was für die Herbeiführung
des tatbestandsmässigen Erfolges der einfachen Körperverletzung im Sinne von
Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB notwendig ist, nämlich einen Schlag gegen das
- 17 -
Gesicht des Beschuldigten A._, liegt ein vollendeter Versuch vor (Art. 22
Abs. 1 StGB).
4.1.2.7. Der vom Beschuldigten B._ gegen das Gesicht des Beschuldigten
A._ ausgeführte Schlag ist deshalb als versuchte einfache Körperverletzung
im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB zu
qualifizieren.
4.1.2.8. Wie die Vorinstanz zutreffend ausführte, liegen bezüglich des vor dem
Messereinsatz erfolgten Faustschlages weder Rechtfertigungsgründe noch
Schuldausschlussgründe vor. Insbesondere rechtfertigt das Wegstossen des
Beschuldigten B._ durch den Beschuldigten A._ nach der vom
Beschuldigten B._ ausgesprochenen Drohung keinen Schlag ins Gesicht.
4.1.2.9. Zusammenfassend ist deshalb festzuhalten, dass sich der Beschuldigte
B._ durch den Faustschlag der versuchten einfachen Körperverletzung im
Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig gemacht hat.
4.1.3. Steinwürfe
4.1.3.1. Die Vorinstanz verurteilte den Beschuldigten B._ aufgrund der von
diesem ausgeführten Steinwürfe nach dem Beschuldigten A._ wegen
einfacher Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB resp. wegen
versuchter einfacher Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 i.V.m.
Art. 22 Abs. 1 StGB.
4.1.3.2. Das erkennende Gericht ist nicht gehindert, das in der Anklageschrift
umschriebene tatsächliche Geschehen anders zu würdigen als die
Anklagebehörde dies in der Anklageschrift getan hat, solange die tatsächlichen
Umstände, die zur Subsumtion unter einen Straftatbestand benötigt werden, in
der Anklageschrift vollständig aufgeführt sind (Wohlers in
Donatsch/Hansjakob/Lieber, Kommentar zur Schweizerischen
Strafprozessordnung, Art. 9 N 20 ff.).
- 18 -
4.1.3.3. Hinsichtlich des Tatbestands der einfachen Körperverletzung kann auf die
Ausführungen in Ziffer 4.1.2.2. ff. verwiesen werden.
4.1.3.4. Bezüglich der Qualifikation des ersten Steinwurfs kann sodann auf die
zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4
StPO). Zurecht subsumiert sie die vom Beschuldigten A._ durch den
Steinwurf erlittene Verletzung unter den Tatbestand der einfachen
Körperverletzung im Sinne von Art. 123 StGB. Die Verletzung kann nicht mehr als
geringfügig bezeichnet werden. Sie erforderte eine gewissen Behandlung und
Heilungszeit. So litt der Beschuldigte A._ auch anlässlich der Einvernahme
vom 18. September 2012 noch an Rückenschmerzen. Anlässlich der ärztlichen
Untersuchung vom 15. September 2012 im CHUV stellte dieses sehr starke
Schmerzen beim Abtasten der Wirbel 3 bis 10 fest. Sodann war in der Mitte des
Rückens der Abdruck des Steins deutlich ersichtlich ("Paravertebrale Rötung-
Abdruck in Form eines quadratischen Umrisses 10x10 cm in der Mitte des
Rückens"; Urk. 12/9), welches Verletzungsbild entgegen der Auffassung des
Verteidigers des Beschuldigten B._ durchaus zum ihm vorgeworfenen
Sachverhalt passt (Urk. 116 S. 9). Dem Beschuldigten A._ wurden vom
CHUV Schmerzmittel und Muskelrelaxantien (Arzneimittel, die eine
vorübergehende Entspannung der Skelettmuskulatur bewirken) verschrieben
(Urk. 12/9). Sodann ist auch die Qualifikation des Wurfes des ca. 10x10cm
grossen und rund 2 kg schweren Pflastersteins (vgl. Urk. 15/1 und Urk. 10/3 S.
56) als Gebrauch eines gefährlichen Gegenstands im Sinne von Art. 123 Abs. 2
Ziff. 2 StGB und die Bejahung des diesbezüglichen Eventualvorsatzes zutreffend.
Ergänzend ist anzufügen, dass bei einem Wurf eines Pflastersteins aus
unmittelbarer Nähe gegen eine Person auch das hohe Risiko besteht, diese
Person am Kopf zu treffen und damit eine erhebliche Kopfverletzung zu bewirken.
Wer einem anderen Menschen einen Pflasterstein aus kurzer Distanz nachwirft,
hält es deshalb nicht nur für möglich und nimmt es zumindest in Kauf, dass er
hierdurch Verletzungen wie die Eingetretenen verursacht, sondern er nimmt auch
in Kauf, dass beim Betroffenen eine schwerere Körperverletzung eintreten könnte.
Auch eine allenfalls eingeschränkte Sehkraft (vgl. Urk. 7/6 S. 6) würde daran
nichts ändern. Im Gegenteil, wirft man einen Pflasterstein in Richtung einer
- 19 -
Person, die man gar nicht so genau sieht, erhöht sich, mangels Möglichkeit, den
Wurf zu zielen, die Gefahr, diese Person am Kopf zu treffen. Handelt man im
Wissen um die Unmöglichkeit, genau zielen zu können, nimmt man zumindest in
Kauf, die Person auch am Kopf oder am Rücken zu treffen. Zutreffend hält
sodann die Vorinstanz fest, dass der Beschuldigte B._ mit der Aussage, er
habe den Wurf des Steins mit der Absicht ausgeführt, den Beschuldigten A._
an der Flucht zu hindern (Urk. 7/4 S. 6), klar zum Ausdruck brachte, erhebliche
Verletzungen des Beschuldigten A._ in Kauf genommen zu haben; denn nur
eine erhebliche Verletzung des Beschuldigten A._ hätte diesen von der
Flucht abhalten zu vermögen.
4.1.3.5. Auch hinsichtlich des zweiten Steinwurfs kann auf die zutreffenden
Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO), welchen
es unter Verweis auf obige Ausführungen (Ziff. 4.1.3.4.) nichts anzufügen gibt.
4.1.3.6. Wie die Vorinstanz schliesslich ebenfalls zutreffend ausführte, sind keine
Rechtfertigungs- und Schuldausschlussgründe ersichtlich. Insbesondere ist eine
Notwehrlage zu verneinen, da sich der Beschuldigte A._ bereits auf der
Flucht befand, und dies vom Beschuldigten B._ auch so wahrgenommen
worden war. So führte der Beschuldigte B._ aus, er habe mit dem Steinwurf
den Beschuldigten A._ an der Flucht hindern wollen (Urk. 7/4 S. 6).
4.1.3.7. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich der Beschuldigte B._
durch die beiden Steinwürfe der einfachen Körperverletzung im Sinne von
Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB und der versuchten einfachen Körperverletzung im
Sinne von Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig
gemacht hat.
4.1.4. Fazit in Bezug auf den Beschuldigten B._
Der Beschuldigte B._ hat sich durch sein Verhalten der Drohung im Sinne
von Art. 180 Abs. 1 StGB, der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123
Ziff. 2 Abs. 2 StGB sowie der mehrfachen versuchten einfachen Körperverletzung
- 20 -
im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 Abs. 2 StGB in Verbindung mit
Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig gemacht.
4.2. Rechtliche Würdigung des Verhaltens des Beschuldigten A._
4.2.1. Vorbemerkungen
4.2.1.1. Wie die Vorinstanz zutreffend ausführt, erlitt der Beschuldigte B._
weder lebensgefährliche Verletzungen, noch wurde sein Körper, ein wichtiges
Organ oder Glied verstümmelt oder unbrauchbar gemacht, noch wurde eine
andere Tatbestandsvariante von Art. 122 StGB erfüllt, weshalb das Vorliegen
einer schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB zu verneinen ist.
4.2.1.2. Die Staatsanwaltschaft qualifizierte das Verhalten des Beschuldigten
A._ als versuchte schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 122 in
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB. Die Vorinstanz verneinte hinsichtlich der
Verletzung der Schulter und der Finger das Vorliegen des subjektiven
Tatbestands der versuchten schweren Körperverletzung. Es qualifizierte die
Verletzung an der Schulter und an den Fingern als einfache Körperverletzungen.
Hinsichtlich der Verletzungen im Brustbereich bejahte die Vorinstanz den
Tatbestand der versuchten schweren Körperverletzung. In der Folge bejahte die
Vorinstanz, dass sich der Beschuldigte A._ auf den Rechtfertigungsgrund der
Notwehr im Sinne von Art. 15 StGB berufen könne und sprach es den
Beschuldigten A._ vom Vorwurf der versuchten schweren Körperverletzung
bzw. der einfachen Körperverletzung frei (Urk. 100 S. 25 ff.).
4.2.1.3. Es ist deshalb nachfolgend zunächst zu prüfen, unter welche Tatbestände
die Handlungen des Beschuldigen A._ zu subsumieren sind. Im Anschluss
daran soll dann für alle Handlungen gemeinsam geprüft werden, ob sich der
Beschuldigte A._ auf einen Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgrund
berufen kann.
4.2.2. Verletzung an der Schulter
- 21 -
4.2.2.1. Die Staatsanwaltschaft bringt vor, dass ein Messerstich in die Schulter
bzw. in den Oberarm eines Menschen auch mit einer kurzen Klinge geeignet sei,
wichtige Strukturen derart zu verletzen, dass die Bewegung des Armes hätte
eingeschränkt oder der Arm sogar hätte unbrauchbar werden können (Urk. 101 S.
2; Urk. 114 S. 2).
4.2.2.2. Wie die Vorinstanz zutreffend ausführt, setzt der subjektive Tatbestand
der versuchten schweren Körperverletzung voraus, dass der Beschuldigte mit
Wissen und Willen hinsichtlich aller objektiven Tatbestandsmerkmalen gehandelt
hat, wobei Eventualvorsatz genügt (vgl. BSK Strafrecht II-Roth/Berkemeier,
Art. 122 N 25). Eventualvorsatz wird angenommen, wenn sich dem Täter der
Erfolg seines Verhaltens als so wahrscheinlich aufdrängt, dass sein Verhalten
vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des Erfolges ausgelegt werden kann (BSK
Strafrecht I-Niggli/Maeder, Art. 12 N 53 m.w.H.).
4.2.2.3. Gemäss Bericht des Stadtspitals Triemli ist die Messerstichverletzung an
der Schulter in keiner unmittelbaren Nachbarschaft von lebenswichtigen Organen
erfolgt. Die Stichverletzung betraf keine Gefässe oder Nervenbündel (Urk. 11/5).
Es muss davon ausgegangen werden, dass der Beschuldigte A._ mit einem
sog. "Sackmesser" mit einer ca. 5 cm langen Klinge zustach. Der Beschuldigte
A._ stach in Verteidigungsabsicht in den äusseren Oberarm. Im
Zusammenhang mit dem Einsatz von Schusswaffen und Messern wird immer
wieder gesagt, diese hätten sich beim Einsatz als Notwehrmittel nicht gegen den
Oberkörper und den Kopf zu richten, sondern gegen die Arme oder Beine (vgl.
z.B. 6B_239/2009 vom 13. Juli 2009, E. 4.4). Dass der Beschuldigte A._
besondere Kenntnisse im Zusammenhang mit dem Aufbau des menschlichen
Körpers hat oder über einlässliche Erfahrung im Einsatz von Messern verfügt,
kann nicht angenommen werden. Nachdem sodann der Beschuldigte A._ mit
einer relativ kurzen Klinge in Verteidigungsabsicht (Urk. 6/3 S. 3; act. 84 S. 8)
gegen den Oberarm des Beschuldigten B._ stach, kann deshalb – selbst
wenn mit der Staatsanwaltschaft davon ausgegangen würde, dass auch der
Einsatz eines Messers mit einer kurzen Klinge grundsätzlich geeignet wäre,
wichtige Strukturen derart zu verletzen, dass die Bewegung des Armes hätte
- 22 -
eingeschränkt oder der Arm sogar hätte unbrauchbar werden können – nicht als
erstellt gelten, dass der Beschuldigte A._ eine derart schwere Verletzung des
Beschuldigten B._ in Kauf genommen hatte, da sich für ihn der Eintritt einer
solchen schweren Verletzung als wahrscheinlich aufdrängen musste. Aufgrund
der festgestellten Verletzung ist denn auch eine besondere Heftigkeit des Stichs
zu verneinen. Sodann gab der Beschuldigte A._ an, nur gegen den Arm
geschlagen zu haben und nicht gegen die Brust. Er habe den Beschuldigten
B._ nicht an der Brust verletzen wollen (Urk. 6/1 S. 15; Urk. 6/2 S. 16).
4.2.2.4. Dementsprechend ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass der
subjektive Tatbestand von Art. 122 StGB in Bezug auf die Verletzung an der
Schulter nicht erfüllt ist, weshalb sich der Beschuldigte A._ hinsichtlich des
Stichs in die Schulter nicht gemäss Art. 122 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB
schuldig gemacht hat.
4.2.2.5. Nachdem der Beschuldigte A._ dem Beschuldigten B._ die
Verletzung an der Schulter (gemäss eigenen Angaben) wissentlich und willentlich
zugefügt hatte (Urk. 6/1 S. 15; Urk. 6/2 S. 16; act. 6/3 S. 3; act. 84 S. 8), bleibt zu
prüfen, ob sich der Beschuldigte A._ der einfachen Körperverletzung im
Sinne von Art. 123 StGB schuldig gemacht hat. Der hierfür erforderliche
Strafantrag liegt vor (Urk. 7/7 S. 2). Im Weiteren kann auf die zutreffenden
Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Anzufügen
bleibt, dass sich der Vorsatz resp. Eventualvorsatz auch auf die
Qualifikationsmerkmale von Art. 123 Ziff. 2 StGB beziehen muss (BSK Strafrecht
II-Roth/Berkemeier, Art. 123 N 36). Demnach muss der Täter zumindest in Kauf
nehmen, dass die konkrete Art und Weise der Verwendung des Tatmittels die
Gefahr einer schweren Schädigung im Sinne von Art. 122 StGB mit sich bringt.
Dies ist gestützt auf obige Ausführungen (vgl. Ziffer 4.2.2.3.) zu verneinen.
4.2.2.6. Demnach ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass hinsichtlich der
vom Beschuldigten A._ dem Beschuldigten B._ zugefügten Verletzung
an der Schulter sowohl der objektive als auch der subjektive Tatbestand der
einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zu bejahen
ist.
- 23 -
4.2.3. Verletzungen an den Fingern
4.2.3.1. Hinsichtlich der Verletzungen an den Fingern verneinte die Vorinstanz
das Vorliegen des subjektiven Tatbestands des Art. 122 StGB. Es kann
diesbezüglich auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen
werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Damit hat sich der Beschuldigte A._
hinsichtlich dieser Verletzungen nicht der versuchten schweren Körperverletzung
im Sinne von Art. 122 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig
gemacht.
4.2.3.2. Die Vorinstanz würdigt das Verhalten des Beschuldigten A._
hinsichtlich der Verletzungen an den Fingern als einfache Körperverletzung im
Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB. Es kann auf deren zutreffenden
Ausführungen verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StGB). Ergänzend und
präzisierend ist anzufügen, dass der Beschuldigte B._ durch den Einsatz des
Messers durch den Beschuldigten A._ eine Verletzung erlitt, die eine
gewisse Behandlung und Heilungszeit erforderte und deshalb nicht mehr als
geringfügig bezeichnet werden kann. So erlitt der Beschuldigte B._ an zwei
Fingern je eine oberflächliche Fingerkuppenamputation (Urk. 11/1; Urk. 11/5).
4.2.3.3. Demnach ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass hinsichtlich der
vom Beschuldigten A._ dem Beschuldigten B._ zugefügten
Verletzungen an den Fingern sowohl der objektive als auch der subjektive
Tatbestand der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1
StGB zu bejahen ist.
4.2.4. Verletzungen an der Brust
4.2.4.1. Der Beschuldigte B._ erlitt an der Brust eine ca. 2 cm lange, wenige
Millimeter tiefe klaffende Wunde mit Sickerblutung sowie eine kleine, wenige
Millimeter tiefe Schnittwunde, welche schräg zur Hautoberfläche verlief. Diese
Verletzungen lagen in unmittelbarer Nähe von Herz und Lunge. Eine unmittelbare
Lebensgefahr bestand jedoch zu keinem Zeitpunkt (Urk. 11/1; Urk. 11/5). Bei der
Stichverletzung an der Brustvorderwand hätte jedoch eine nur gering grössere
- 24 -
Eindringtiefe mit Eröffnung der Brusthöhle zu einer Lebensgefahr geführt
(Urk. 11/6).
4.2.4.2. Die Vorinstanz prüfte in der Folge, ob der Beschuldigte A._ eine
lebensgefährliche Verletzung zumindest in Kauf genommen hatte und kam zum
Schluss, dass sich auch demjenigen, der in einem solchen Gerangel zwar keine
Stichbewegungen, aber in Brust- und Kopfhöhe Abwehrbewegungen macht, der
Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolges, d.h. der lebensgefährlichen
Verletzungen, als so wahrscheinlich aufdränge, dass sein Verhalten
vernünftigerweise nur als Inkaufnahme dieses Erfolges gewertet werden könne.
Die Verletzungen seien in unmittelbarer Nachbarschaft von lebenswichtigen
Organen, nämlich von Herz und Lunge, gelegen gewesen. Eine nur gering
grössere Eindringtiefe mit Eröffnung der Brusthöhle hätte bereits zu einer
Lebensgefahr geführt. Folglich sei davon auszugehen, dass der Beschuldigte
A._ mit Eventualvorsatz hinsichtlich lebensgefährlicher Verletzungen im
Brustbereich gehandelt habe (Urk. 100 S. 29 f.). Dieser Auffassung ist
zuzustimmen. Ergänzend ist zu den Ausführungen der Vorinstanz noch
anzufügen, dass der Beschuldigte A._ auf die Frage, was passieren könne,
wenn man jemandem mit einem Messer in den Oberkörper steche, antwortete: "er
wird sterben" (Urk. 6/1 S. 11). Im Übrigen kann auf die zutreffenden Ausführungen
der Vorinstanz verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Mit den vorgenommenen
Abwehr- und Schutzbewegungen auf Brust- und Kopfhöhe hat der Beschuldigte
A._ zur Verwirklichung des Tatbestandes unmittelbar angesetzt und damit
die Grenze zum Versuch überschritten.
4.2.4.3. Demnach ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass hinsichtlich der
vom Beschuldigten A._ dem Beschuldigten B._ zugefügten
Verletzungen an der Brust der subjektive Tatbestand der schweren
Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 StGB zu bejahen ist und die
Handlung des Beschuldigten A._ als versuchte schwere Körperverletzung im
Sinne von Art. 122 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB zu qualifizieren
ist.
4.2.5. Rechtfertigungsgrund
- 25 -
4.2.5.1. Der Beschuldigte A._ machte in allen Einvernahmen und auch
anlässlich der Hauptverhandlung vor Vorinstanz geltend, er habe sich nur zu
verteidigen versucht (Urk. 6/1 S. 2, S. 4, S. 6 f., S. 11; Urk. 6/3 S. 3; Urk. 84 S. 4,
S. 6).
4.2.5.2. Wird jemand ohne Recht angegriffen oder unmittelbar mit einem Angriff
bedroht, so ist der Angegriffene und jeder andere berechtigt, den Angriff in einer
den Umständen angemessenen Weise abzuwehren (Art. 15 StGB).
4.2.5.3. Ein Angriff ist jede durch menschliches Verhalten drohende Verletzung
rechtlich geschützter Interessen. Unmittelbar ist der Angriff, wenn die
Rechtsgutverletzung entweder bereits im Gang, also gegenwärtig ist und noch
andauert
oder unmittelbar droht. Die Bedrohung durch einen Angriff ist unmittelbar, wenn
sie aktuell und konkret ist, mit einem Angriff ernstlich zu rechnen ist und jedes
weitere Zuwarten die Verteidigungschancen gefährdet (BSK Strafrecht I-
Seelmann, Art. 15 N 4, N 6). Gemäss erstelltem Sachverhalt hatte der
Beschuldigte B._ dem Beschuldigten A._ gedroht, ihm das Gesicht zu
zerstören und hatte er mindestens einen Faustschlag gegen das Gesicht des
Beschuldigten A._ ausgeführt, bevor dieser das Messer hervornahm. Ein
Faustschlag gegen den Kopf ist auf eine Verletzung der körperlichen Integrität
des Gegenübers gerichtet. Auch nach dem Stich in die Schulter liess der
Beschuldigte B._ nicht vom Beschuldigten A._ ab, sondern ging erneut
auf diesen los. Aufgrund der erfolgten Drohung und insbesondere auch aufgrund
des bereits ausgeführten Faustschlages gegen seinen Kopf musste der
Beschuldigte A._ ernstlich mit einem erneuten Angriff gegen seine
körperliche Integrität rechnen. Demnach ist mit der Vorinstanz sowohl die
Voraussetzung des (unmittelbaren) Angriffs als auch die Verletzung eines
notwehrfähigen Individualrechtsgutes zu bejahen. Zutreffend führt die Vorinstanz
sodann an, dass der Angriff durch den Beschuldigten B._ rechtswidrig war.
Wie ausgeführt machte sich der Beschuldigte B._ durch den Faustschlag der
versuchten einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 in
- 26 -
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig. Ein Rechtfertigungsgrund lag nicht
vor (vgl. Ziffer 4.1.2.7. f.).
4.2.5.4. Der sich in einer Notwehrlage Befindliche ist berechtigt, den Angriff in
einer angemessenen Weise abzuwehren (Art. 15 StGB). Der Angriff muss durch
eine den Umständen angemessene Weise abgewehrt werden, damit die Abwehr
nach Art. 15 StGB gerechtfertigt ist. Angemessenheit im Sinne des Gesetzes
bedeutet zweierlei: Subsidiarität (Erforderlichkeit) und Verhältnismässigkeit im
engeren Sinn. Damit wird sowohl eine Proportionalität der Angriffs- und
Verteidigungsmittel als auch der betroffenen Rechtsgüter verlangt, wobei das
Vorliegen einer Verteidigungssituation dazu führt, dass das gerettete Gut
keineswegs überwiegen oder auch nur von genau gleichem Gewicht sein muss.
Subsidiär ist die Abwehr, wenn das mildeste Abwehrmittel angewandt wird. Dabei
muss aber nicht das mildeste schlechthin, sondern das mildeste unter denjenigen
Mitteln, die den Angriff mit Sicherheit sofort beenden, angewendet werden. Dies
kann unter Umständen ein recht massives Mittel sein, wenn andere gleich sichere
und schnell wirkende Mittel nicht zur Verfügung stehen. Die Entscheidung über
das subsidiäre (erforderliche) Mittel kann nur aufgrund der konkreten Umstände
vorgenommen werden. Dabei sind auch subjektive Faktoren wie Personen,
Örtlichkeit, Art und Mittel des Angriffs, Fertigkeiten des Verteidigers, zur
Verfügung stehende Möglichkeiten etc. zu berücksichtigen. Es besteht jedoch
kein Erfordernis der Subsidiarität zu anderen nicht direkt der Abwehr dienenden
Mitteln. Das heisst zum Beispiel, dass der Angegriffene nicht fliehen muss. Weiter
muss eine Verhältnismässigkeit im engeren Sinn gegeben sein. Das heisst, dass
das angegriffene und das durch die Abwehr beeinträchtigte Rechtsgut objektiv
nicht in einem krassen Missverhältnis zueinander stehen dürfen. Somit darf das
beeinträchtigte Interesse gegenüber dem geschützten nicht unverhältnismässig
überwiegen. An die Abwägung der Gütersituation sind aber nicht allzu hohe
Anforderungen zu stellen. Besondere Zurückhaltung ist bei der Verwendung von
gefährlichen Gegenständen zur Abwehr geboten, da deren Einsatz stets die
Gefahr schwerer oder gar tödlicher Verletzungen mit sich bringt. Angemessen ist
die Abwehr, wenn der Angriff nicht mit weniger gefährlichen und zumutbaren
Mitteln hätte abgewendet werden können, der Täter womöglich gewarnt worden
- 27 -
ist und der Abwehrende vor der Benutzung des gefährlichen Werkzeugs das
Nötige zur Vermeidung einer übermässigen Schädigung vorgekehrt hat (BSK
Strafrecht I-Seelmann, Art. 15 N 9 ff.; BGE 136 IV 49; 6B_239/2009 vom 13. Juli
209, E. 4.3).
4.2.5.5. Die Vorinstanz kam – nach Auseinandersetzung mit den hiervor
dargelegten Grundsätzen des Notwehrrechts – zum Schluss, dass sich der
Beschuldigte A._ auf den Rechtfertigungsgrund der Notwehr im Sinne von
Art. 15 StGB berufen kann. Es kann auf deren zutreffenden Ausführungen
verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Die nachfolgenden Ausführungen
verstehen sich als Zusammenfassung und teilweise Ergänzung der
vorinstanzlichen Erwägungen.
4.2.5.6. Wie bereits ausgeführt, befand sich der Beschuldigte A._ in einer
Notwehrsituation, als er sich mit dem Messer zur Wehr setzte. Zwar wurde der
Beschuldigte A._ direkt nur von einer Person angegriffen. Jedoch stand der
Beteiligte C._ während der Auseinandersetzung stets neben dem
Beschuldigten B._. Der Beschuldigte B._ erschien zusammen mit dem
Beteiligten C._ am Bahnhof .... Sodann ging der tätlichen
Auseinandersetzung zwischen den Beschuldigten A._ und B._ eine
Auseinandersetzung zwischen dem Beteiligten C._ und dem Beschuldigten
A._ voraus, in welche sich der Beschuldigte B._ einmischte. So gaben
denn auch die Zeugen D._ und E._ an, dass drei Personen an der
Auseinandersetzung beteiligt gewesen seien (Urk. 9/2 S. 4; Urk. 9/4 S. 4). Somit
ist erstellt, dass der Beteiligte C._ keine neutrale Stellung eingenommen
hatte. Auch wenn der Beteiligte C._ nicht aktiv in das Geschehen eingriff,
konnte und durfte der Beschuldigte A._ deshalb davon ausgehen, dass auch
dieser sich jederzeit an der Auseinandersetzung bzw. dem Angriff gegen ihn hätte
beteiligen können. Sodann waren der Beschuldigte B._ und der Beteiligte
C._ dem Beschuldigten A._ körperlich überlegen, so wird in den
Zeugenaussagen hinsichtlich des Beschuldigten A._ durchwegs von "dem
Kleinen" gesprochen (Urk. 9/2; Urk. 9/4; Urk. 9/6). Der Beschuldigte B._ ist
rund 10 bis 15 cm grösser als der Beschuldigte A._ (Urk. 84 S. 10) und der
- 28 -
Beteiligte C._ ist mit einer Körpergrösse von ca. 1,90 m (Urk. 32/1) nochmals
etwas grösser. Demnach lag, so wie sich die Situation für den Beschuldigten
A._ präsentierte, eine Übermachtsituation auf Seiten des Angreifenden vor.
4.2.5.7. Der Beschuldigte B._ führte gegen das Gesicht des Beschuldigten
A._ mindestens einen Faustschlag aus und er machte keine Anstalten, vom
Beschuldigten A._ abzulassen. Der Angriff gestaltete sich damit insgesamt
keineswegs als harmlos, sondern war heftig. Insbesondere Schläge gegen den
Kopf können zu lebensgefährlichen Verletzungen führen, was allgemein bekannt
ist. Auch wenn der Beschuldigte A._ keine Kenntnisse davon hatte, dass es
sich beim Beschuldigten B._ um einen Thai-Boxer handelte, durfte er
aufgrund der Heftigkeit des Angriffs insbesondere auch gegen seinen Kopf
befürchten, allenfalls erheblich verletzt zu werden. Diese Befürchtung durfte der
Beschuldigte A._ auch deshalb haben, weil sich Berichte über Vorfälle, in
welchen der oder die Täter auch noch auf das am Boden liegende Opfer
einschlagen, und dabei auch gegen den Kopf, häufen und heutzutage leider nicht
mehr nur ganz seltene Vorfälle sind.
4.2.5.8. Anfänglich wurde die Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten
A._ und B._ mit den Fäusten/Händen geführt. Erst nach dem
Faustschlag ins Gesicht griff der Beschuldigte A._ zum Messer. Aufgrund der
sich steigernden Intensität des Angriffs und der Übermacht auf Seiten der
Angreifer sowie auch aufgrund der körperlichen Unterlegenheit des Beschuldigten
A._ war dieser nicht gehalten, die Auseinandersetzung mit blossen Händen
und Füssen weiter zu führen bzw. weiter zu versuchen, den Angriff mit blosser
Körpergewalt abzuwehren. Aufgrund der gegebenen Situation war eine Abwehr
mit blossem Körpereinsatz für den Beschuldigten A._ aussichtslos. Der
Messereinsatz als solcher erscheint deshalb vorliegend nicht von vornherein als
unzulässig.
4.2.5.9. Der Beschuldigte A._ setzte zur Abwehr ein Sackmesser mit einer
ca. 5 cm langen Klinge ein. Dieses Messer zeigte er dem Beschuldigten B._,
der das Messer zur Kenntnis nahm (Urk. 9/6 S. 4). Der Beschuldigte A._
hatte somit den Einsatz des Messers angedroht resp. den Beschuldigten B._
- 29 -
gewarnt. Obwohl der Beschuldigte B._ das Messer zur Kenntnis genommen
hatte, liess er jedoch in der Folge nicht vom Beschuldigten A._ ab, sondern
ging wieder auf diesen los. Selbst nach dem Stich in die Schulter liess der
Beschuldigte B._ nicht vom Beschuldigte A._ ab, sondern ging weiter
mit den Fäusten auf diesen los (Urk. 7/8 S. 3). Nach dem Stich in die Schulter
machte der Beschuldigte A._ keine aktiven Stichbewegungen mehr gegen
den Beschuldigten B._. Er hielt "lediglich" noch die Hand, mit welcher er das
Messer hielt, schützend vor seinen Kopf. Wie der Zeuge E._ ausführte,
wollte der Beschuldigte A._ immer wieder zurückweichen. Der andere sei
immer wieder laut geworden und auf den Beschuldigten A._ zugegangen.
Der Beschuldigte A._ habe immer wieder versucht, wegzukommen (Urk. 9/4
S. 4, S. 7). Dass der Beschuldigte A._ in dieser Situation beim erneuten
Angriff des Beschuldigten B._ das Messer nicht fallen liess, kann ihm nicht
angelastet werden. Wie ausgeführt, konnte von ihm aufgrund der konkreten
Situation nicht verlangt werden, sich nur mit Körpergewalt zu wehren. Sodann
konnte auch nicht verlangt werden, dass der Beschuldigte A._ in dieser
Situation in dem Moment, als der Beschuldigte B._ nach dem Messer griff,
dieses einfach losliess. So wie sich die Situation für den Beschuldigten A._
präsentierte, durfte er befürchten, dass der Beschuldigte 2, wenn dieser in den
Besitz des Messers kommen würde, dieses gegen ihn einsetzen würde. Dies
insbesondere, nachdem der Beschuldigte B._ dem Beschuldigten A._
zu Beginn der Auseinandersetzung angedroht hatte, diesem das Gesicht zu
zerstören und sich der Beschuldigte B._ immer noch in einer Angriffhaltung
befand und der Beschuldigte A._ deshalb auch dessen Handlungen nicht als
reine Verteidigungsaktionen auffassen musste. So ging der Beschuldigte B._
trotz des Umstands, dass sich der Beschuldigte A._ zurückzuziehen
versuchte, immer wieder auf diesen los. Der Zeuge E._ sprach sogar davon,
dass der Beschuldigte B._ nach dem Stich in die Schulter komplett
ausgerastet sei (Urk. 9/3).
4.2.5.10. Der erste und einzige gezielte Messerstich erfolgte in den Oberarm / die
Schulter des Beschuldigten B._. Wie ausgeführt, musste der Beschuldigte
A._ nicht davon ausgehen, dass er dem Beschuldigten B._ schwere
- 30 -
Verletzungen zufügt (vgl. Ziffer 4.2.2.3. f.). Dasselbe gilt für die
Schnittverletzungen an den Fingern. Die Abwehrhandlung des Beschuldigten
A._ ist deshalb unter Berücksichtigung der konkreten Situation als
erforderlich und angemessen zu betrachten.
4.2.5.11. Hinsichtlich der Verletzungen im Brustbereich muss aufgrund der
konkreten Situation davon ausgegangen werden, dass die Abwehrhandlung des
Beschuldigten A._ trotz der Gefahr von lebensgefährlichen Verletzungen in
Anbetracht dessen, dass er sich auch lebensgefährlichen Verletzungen
ausgesetzt betrachten durfte, angemessen und erforderlich war.
4.2.5.12. Zusammenfassend ist deshalb festzuhalten, dass der Einsatz des
Messers, insbesondere auch der aktive Stich gegen die Schulter und das Halten
des Messers schützend vor das Gesicht, was in der Folge zu den
Brustverletzungen des Beschuldigten B._ führte, zur erfolgreichen Abwehr
des Angriffs erforderlich war und unter dem Gesichtspunkt der drohenden
Rechtsgüterverletzungen auch das Verhältnis zu dessen Schwere berücksichtigt
wurde.
4.2.5.13. Schliesslich hält die Vorinstanz zutreffend fest, dass der Beschuldigte
A._ im Verteidigungswillen gehandelt hatte. Anhaltspunkte, die das Gegenteil
vermuten lassen, bestehen keine. Insbesondere stützt die Aussage des Zeugen
E._, der Beschuldigte A._ habe versucht wegzukommen (Urk. 9/4 S. 7),
die konstanten Aussagen des Beschuldigten A._, er habe sich nur
verteidigen wollen.
4.2.6. Zusammenfassend ist deshalb festzuhalten, dass sich der Beschuldigte
A._ bei seinen Handlungen, die zu den Verletzungen an Schulter, Brust und
Fingern des Beschuldigten B._ führten, auf den Rechtfertigungsgrund der
Notwehr im Sinne von Art. 15 StGB berufen kann. Somit ist er nicht schuldig und
deshalb ist er vom Vorwurf der versuchten schweren Körperverletzung bzw. der
einfachen Körperverletzung freizusprechen und das vorinstanzliche Urteil
diesbezüglich zu bestätigen.
- 31 -
5. Strafe
5.1. Vorbemerkung
5.1.1. Nachdem der Beschuldigte A._ freizusprechen ist, beschränken sich
die Ausführungen zur Strafe auf den Beschuldigten B._.
5.1.2. Die Ausführungen der Vorinstanz zur Vorgehensweise, zum Strafrahmen
und zu den Strafzumessungsregeln sind zutreffend, weshalb darauf zu verweisen
ist (Art. 82 Abs. 4 StPO).
5.1.3. Sodann ist folgende Ergänzung resp. Korrektur zum vorinstanzlichen Urteil
anzubringen: Sämtliche vom Beschuldigten B._ begangenen Delikte –
Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB und einfache Körperverletzung im
Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 Abs. 2 StGB – werden mit
Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft. Dennoch ist in
Anwendung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung vorab der Strafrahmen für
die schwerste Straftat zu bestimmen und alsdann die Einsatzstrafe für die
schwerste Tat innerhalb dieses Strafrahmens festzusetzen (BGE 136 IV 55).
Nachdem bei sämtlichen Straftaten der abstrakte Strafrahmen gleich hoch ist, ist
von der konkret am schwersten wiegenden Straftat auszugehen. Dies ist
vorliegend die (vollendete) einfache Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 2
Abs. 2 StGB. Die aufgrund des schwersten Delikts festgelegte Einsatzstrafe ist
sodann unter Einbezug der anderen Straftaten in Anwendung des
Asperationsprinzips angemessen zu erhöhen (und allenfalls wegen wesentlicher
Täterkomponenten zu verändern).
5.1.4. Weiter ist zusammenfassend nochmals festzuhalten, dass keine Umstände
vorliegen, die eine Erweiterung des ordentlichen Strafrahmens der schwersten
anzuwendenden Strafbestimmung nach oben oder unten rechtfertigen würden
(BGE 136 IV 55 ff.). Die Strafschärfungsgründe der mehrfachen Tatbegehung und
der Deliktsmehrheit sowie der Strafmilderungsgrund des Versuchs sind daher bei
der Verschuldensbewertung straferhöhend bzw. strafmindernd zu
berücksichtigen. Der ordentliche Strafrahmen beträgt Freiheitsstrafe bis zu drei
Jahren oder Geldstrafe.
- 32 -
5.2. Einfache Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB
5.2.1. Zur objektiven Tatschwere der einfachen Körperverletzung ist – wie die
Vorinstanz zutreffend festhält – hervorzuheben, dass sich der Beschuldigte
B._ eines gefährlichen Gegenstands im Sinne von Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2
StGB bediente und der Steinwurf aus geringer Distanz erfolgte. In der Tat und der
Tatausführung offenbarte der Beschuldigte B._ sodann einige kriminelle
Energie: Der Steinwurf erfolgte, als der Beschuldigte A._ flüchtete, und damit
für den Beschuldigten A._ unvorhersehbar in den Rücken. Sodann ist zu
berücksichtigen, dass die zugefügte Verletzung beim Beschuldigten A._ zu
sehr starken Schmerzen im Rücken führte (Urk. 12/9). Insgesamt erscheint das
objektive Tatverschulden an der Grenze zu nicht mehr leicht. Aufgrund der
objektiven Tatschwere rechtfertigt es sich, eine einstweilen hypothetische
Einsatzstrafe von 120 Tagessätzen oder 4 Monaten Freiheitsstrafe festzulegen.
5.2.2. Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere gilt es mit der Vorinstanz einerseits
zu beachten, dass der Beschuldigte B._ (eventual)vorsätzlich gehandelt hat,
andererseits dem Steinwurf keine Planung vorausging, sondern dieser auf einem
spontanen Entschluss beruhte. Sodann muss zugunsten des Beschuldigten
B._ berücksichtigt werden, dass der Steinwurf erfolgte, nachdem er durch
das Messer an Schulter, Brust und Finger verletzt worden war. Diesbezüglich
muss aber auch beachtet werden, dass sich der Beschuldigte B._ vorgängig
in eine bis dahin wörtliche Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten
A._ und dem Beteiligten C._ eingemischt hatte, ohne dass dafür ein
Grund ersichtlich ist. Insgesamt ist von einer noch leichten subjektiven
Tatschwere auszugehen.
5.2.3. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass das an der Grenze
zum nicht mehr leichten objektive Tatverschulden durch die subjektive
Tatkomponente leicht abgeschwächt wird. Insgesamt erscheint das Verschulden
des Beschuldigten B._ als noch leicht. Die hypothetische Einsatzstrafe ist
unter Berücksichtigung der objektiven und subjektiven Tatschwere auf 90
Tagessätze oder 3 Monate Freiheitsstrafe festzusetzen.
- 33 -
5.3. Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB
5.3.1. Zur objektiven Tatschwere der Drohung ist festzuhalten, dass der
Beschuldigte B._ dem Beschuldigten A._ die Entstellung seines
Gesichts und damit eine schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB
androhte. Nachdem die Drohung im Rahmen einer – wenn auch zu diesem
Zeitpunkt noch nicht tätlichen – Auseinandersetzung erfolgte, war sie sehr ernst
zu nehmen, zumal der Beschuldigte A._ nicht erkennen konnte, dass es sich
nur um Worte handelte. Insgesamt erscheint das objektive Tatverschulden als
nicht mehr leicht.
5.3.2. Bezüglich der subjektiven Tatschwere ist zu beachten, dass der
Beschuldigte B._ (eventual)vorsätzlich handelte und er sich in eine
Angelegenheit einmischte, die ihn eigentlich gar nichts anging. Für ihn gab es
keinen Grund, in die (rein wörtliche) Auseinandersetzung zwischen dem
Beschuldigten A._ und dem Beteiligten C._ einzugreifen.
Dementsprechend ist auch die subjektive Tatschwere als nicht mehr leicht
einzustufen.
5.3.3. Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass von einem nicht mehr
leichten Tatverschulden auszugehen ist.
5.4. Versuchte einfache Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1
i.V.m. Art. 22 Abs. 2 StGB
5.4.1. Hinsichtlich der objektiven Tatschwere der versuchten einfachen
Körperverletzung durch den Faustschlag ist festzuhalten, dass von einem
vollendeten Versuche auszugehen ist, da der Beschuldigte B._ alles
Erforderliche zur Erfolgsverwirklichung getan hatte und es einzig und allein dem
Zufall zu verdanken ist, dass der Faustschlag nur zu einer Beeinträchtigung im
Sinne einer Tätlichkeit führte. Weiter ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte
B._ als Thai-Boxer die Gefahren gezielter Schläge ins Gesicht kannte. Dass
der Erfolg nicht eingetreten ist, ist deshalb nur minim zugunsten des
Beschuldigten B._ zu berücksichtigen. Zu beachten ist sodann, dass der
- 34 -
Beschuldigte B._ den Faustschlag gegen eine ihm physisch unterlegene
Person richtete. Insgesamt ist von einem noch leichten objektiven Tatverschulden
auszugehen.
5.4.2. In subjektiver Hinsicht ist auch hier zu berücksichtigen, dass der
Beschuldigte B._ (eventual)vorsätzlich handelte und dass er sich in eine
Angelegenheit einmischte, die ihn eigentlich gar nichts anging. Für ihn gab es
keinen Grund, in die (rein wörtliche) Auseinandersetzung zwischen dem
Beschuldigten A._ und dem Beteiligten C._ einzugreifen. In subjektiver
Hinsicht ist daher von einer nicht mehr leichten Tatschwere auszugehen.
5.4.3. Insgesamt ist aber für die versuchte einfache Körperverletzung aufgrund
des Faustschlags von einem noch leichten Tatverschulden auszugehen.
5.5. Versuchte einfache Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2
i.V.m. Art. 22 Abs. 2 StGB
5.5.1. Hinsichtlich der objektiven Tatschwere der versuchten einfachen
Körperverletzung aufgrund des (zweiten) Steinwurfs ist zu beachten, dass sich
der Beschuldigte B._ eines gefährlichen Werkzeugs im Sinne von Art. 123
Ziff. 2 Abs. 2 StGB bediente. In der Tat und der Tatausführung offenbarte der
Beschuldigte sodann einige kriminelle Energie: Der Steinwurf erfolgte, als der
Beschuldigte A._ flüchtete, und war für den Beschuldigten A._ nicht
vorhersehbar. Da der Beschuldigte B._ alles Erforderliche zur
Erfolgsverwirklichung getan hatte und es einzig und allein dem Zufall zu
verdanken ist, dass der Steinwurf zu keinen Verletzungen führte, ist der Umstand,
dass der Erfolg nicht eingetreten ist, nur minim zugunsten des Beschuldigten
B._ zu berücksichtigen. Insgesamt erscheint das objektive Tatverschulden
knapp als noch leicht.
5.5.2. Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere gilt es einerseits zu beachten, dass
der Beschuldigte B._ (eventual)vorsätzlich gehandelt hat, andererseits dem
Steinwurf keine Planung vorausging, sondern dieser auf einem spontanen
Entschluss beruhte. Sodann muss zugunsten des Beschuldigten B._
- 35 -
berücksichtigt werden, dass der Steinwurf erfolgte, nachdem der Beschuldigte
B._ durch das Messer an Schulter, Brust und Finger verletzt worden war.
Diesbezüglich muss aber auch beachtet werden, dass sich der Beschuldigte
B._ vorgängig in eine bis dahin wörtliche Auseinandersetzung zwischen dem
Beschuldigten A._ und dem Beteiligten C._ einmischte, ohne dass dafür
ein Grund ersichtlich ist. Insgesamt ist für sich allein betrachtet die subjektive
Tatschwere als noch leicht einzustufen.
5.5.3. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass das Verschulden des
Beschuldigten 2 als noch leicht anzusehen ist.
5.6. Fazit
Ausgehend von einer hypothetischen Einsatzstrafe von 90 Tagessätzen resp. 3
Monaten Freiheitsstrafe für das schwerste Delikt der einfachen Körperverletzung
im Sinne von Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB rechtfertigt es sich im Rahmen einer
Gesamtbetrachtung unter Beachtung des Asperationsprinzips, die genannte
Einsatzstrafe unter Einbezug der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB und
der mehrfachen versuchten Körperverletzungen im Sinne von Art. 123 Ziff. 1
Abs. 1 und Ziff. 2 Abs. 2 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB, um 45 Tagessätze resp. 1 1⁄2
Monate Freiheitsstrafe auf 135 Tagessätze resp. 4 1⁄2 Monate Freiheitsstrafe zu
erhöhen.
5.7. Täterkomponente
5.7.1. Betreffend Vorleben und persönliche Verhältnisse kann auf die Aussagen
bei der Polizei (Urk. 35/6) und anlässlich der Schlusseinvernahme (Urk. 7/8
S. 4 f.), die Ausführungen des Beschuldigten anlässlich der Haupt- sowie der
Berufungsverhandlung (Urk. 85 S. 2 ff.; Prot. II S. 11 ff. ) sowie die Ausführungen
der Vorinstanz verwiesen werden. Daraus geht nichts hervor, was bei der
Strafzumessung straferhöhend oder -mindernd zu berücksichtigen wäre.
5.7.2. Wie die Vorinstanz zutreffend ausführt, sind die zahlreichen, teilweise
einschlägigen Vorstrafen des Beschuldigten B._, so insbesondere jene vom
17. Februar 2006 (u.a. wegen einfacher Körperverletzung und Nötigung), 3.
- 36 -
September 2007 (u.a. wegen Tätlichkeiten), 13. November 2007 (u.a. wegen
Tätlichkeiten), 9. Mai 2008 und 29. Juni 2009 (Urk. 35/1) straferhöhend zu
berücksichtigen. Er rechtfertigt sich deshalb, die Einsatzstrafe um 60 Tagessätze
resp. 2 Monate Freiheitsstrafe zu erhöhen.
5.7.3. Wie die Vorinstanz sodann zutreffend ausführt, zeigte sich der Beschuldigte
B._ weder einsichtig noch geständig. Das Nachtatverhalten gibt vorliegend
keinen Anlass zu einer Strafminderung oder -erhöhung. Schliesslich sind auch
keine Umstände ersichtlich, die im Rahmen der Strafempfindlichkeit zu
berücksichtigen wären.
5.7.4. Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die Einsatzstrafe gestützt
auf die Täterkomponente um 60 Tagessätze resp. 2 Monate Freiheitsstrafe zu
erhöhen ist.
5.8. In Würdigung aller massgeblicher Strafzumessungskriterien erscheint,
ausgehend von der im Rahmen der Tatkomponenten festgesetzten Einsatzstrafe
von 135 Tagessätzen resp. 4 1⁄2 Monate Freiheitsstrafe und der straferhöhend zu
berücksichtigenden Täterkomponente, die von der Vorinstanz festgelegte
Freiheitsstrafe von 6 Monaten nicht als zu hoch. Nachdem die Staatsanwaltschaft
ihre Berufung auf den Freispruch des Beschuldigten A._ beschränkte (Urk.
101), darf der Entscheid der Vorinstanz nicht zum Nachteil des Beschuldigten
B._ abgeändert werden. Der Beschuldigte B._ hat bereits 21 Tage
durch Haft erstanden. Einer Anrechnung steht dabei nichts entgegen (Art. 51
StGB).
5.9. Wahl der Sanktionsart
5.9.1. Die Vorinstanz kam nach zutreffender Wiedergabe der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung zum Schluss, dass sich vorliegend aufgrund der einschlägigen
Vorstrafen des Beschuldigten B._ eine Freiheitsstrafe als angemessen
erweise. Zu beachten sei, dass er sich weder durch seine zahlreichen Vorstrafen
noch durch den damit im Zusammenhang stehenden Strafvollzug vor erneuter
Delinquenz habe abhalten lassen. Folglich bestehe eine offensichtliche
- 37 -
Unmöglichkeit, den Beschuldigten B._ mit einer milderen Sanktionsart als
einer Freiheitsstrafe von weiterer Delinquenz abzuhalten. Eine Geldstrafe erweise
sich deshalb vorliegend insbesondere im Hinblick auf die präventive Effizienz der
Sanktion als unzweckmässig, weshalb eine Freiheitsstrafe auszusprechen sei
(Urk. 100 S. 44).
5.9.2. Es kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen
werden (Art. 82 Abs. 4 ZPO), welchen nichts beizufügen ist. Es rechtfertigt sich
somit, insbesondere im Hinblick auf die präventive Effizienz der Sanktion, eine
Freiheitsstrafe auszusprechen.
5.10. Strafvollzug
5.10.1. Die objektive Voraussetzung für die Gewährung des bedingten
Strafvollzugs nach Art. 42 Abs. 1 StGB ist gegeben, weshalb grundsätzlich eine
günstige Prognose zu vermuten ist, welche widerlegt werden kann. Hinsichtlich
der Vor-aussetzungen für einen Strafaufschub kann auf die zutreffenden
Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).
5.10.2. Die Vorinstanz kam jedoch zum Schluss, dass Anhaltspunkte für eine
Wiederholungsgefahr vorliegen würden, weshalb dem Beschuldigten B._
vorliegend keine günstige Prognose gestellt werden könne und demzufolge die
Freiheitstrafe zu vollziehen sei.
5.10.3. Wie die Vorinstanz zutreffend ausführt, verfügt der Beschuldigte B._
nicht nur über diverse Vorstrafen, sondern auch über einschlägige Vorstrafen
(Urk. 35/1), weshalb nicht von einer einmaligen Entgleisung ausgegangen werden
kann. Sodann hat sich der Beschuldigte B._ in der Vergangenheit weder von
den ausgefällten bedingten Strafen noch von den unbedingten Strafen und dem
damit teilweise im Zusammenhang stehenden Freiheitsentzug beeindrucken
lassen. Schliesslich zeigte sich der Beschuldigte B._ auch weder einsichtig
noch reuig. Es muss deshalb davon ausgegangen werden, dass eine bedingt
ausgesprochene Strafe nicht genügen wird, um den Beschuldigten B._ in
Zukunft nachhaltig von deliktischem Verhalten abzuhalten. Es ist deshalb mit der
- 38 -
Vorinstanz festzuhalten, dass dem Beschuldigten B._ unter diesen
Umständen keine günstige Prognose im Sinne von Art. 42 Abs. 1 StGB gestellt
werden kann, weshalb die auszufällende Freiheitsstrafe zu vollziehen ist.
6. Kosten- und Entschädigungsfolgen
6.1. Ausgangsgemäss ist das erstinstanzliche Kostendispositiv bezüglich des
Beschuldigten A._ (Ziffer 7), die Kostenauflage bezüglich des Beschuldigten
B._ (Ziffer 9) und das Entschädigungs- und Genugtuungsdispositiv bezüglich
des Beschuldigten A._ (Ziffer 11) zu bestätigen (Art. 423 StPO; Art. 426
Abs. 1 StPO).
6.2. Im Berufungsverfahren erfolgt die Kostenverlegung nach Obsiegen und
Unterliegen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der
Beschuldigte B._ unterliegen mit ihren Berufungen. Die Staatsanwaltschaft
erhob Berufung hinsichtlich des Freispruchs des Beschuldigten A._, der
Beschuldigte B._ erhob Berufung sowohl hinsichtlich des Freispruchs des
Beschuldigten A._ als auch hinsichtlich der ihn betreffenden Verurteilung. Es
rechtfertigt sich deshalb, dem Beschuldigten B._ die Kosten des
Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung, zu
zwei Dritteln aufzuerlegen und zu einem Drittel auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten B._ sind auf die
Gerichtskasse zu nehmen, unter Rückzahlungsvorbehalt im Sinne von Art. 135
Abs. 4 StPO im Umfang von zwei Dritteln.
6.3. Schliesslich sind die Kosten der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten
A._ auf die Gerichtskasse zu nehmen.