# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 39886f48-7ced-4811-bb2a-feced054bb5c
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1977, arbeitet
e
von Dezember 2000 bis Oktober 2002 über die
Y._
als Hilfsarbeiter (
Urk.
10/4/1). Am
6.
Febru
ar 2003 meldete er sich unter Hinweis auf eine Handverletzung, welche während einer Schnupperlehre im Jahr 1993 entstanden sei,
zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung an
(
Urk.
7/2).
Nach Abklärung der beruflich-erwerblichen und der medizinischen Verhältnisse
(
Urk.
7/4, 7/5
) und Einholung der Akten der Unfallversicherung (
Urk.
7/7, 7/12)
leitete die IV-Stelle eine berufliche Abklärung ein (
Urk.
7/
20). Der Versicherte war hierfür vom 1
9.
Januar bis 1
8.
April 2004 bei
der
Z._
(
Urk.
7/21
, Abklärungsbericht
Urk.
7/31
)
.
Da diese Abklärung ergebnislos verlief (vgl.
Urk.
7/38), wurde eine zweite Abklärung im
A._
in Betracht gezogen, was jedoch ebenfalls scheiterte (
Urk.
7/38/1, 7/38/5 f.). Ein
Anspruch auf
eine erstmalige berufliche Ausbildung wurde schliesslich mit Verfügung vom 2
3.
September 2004 mangels Eingliede
rungsfähigkeit
verneint
(
Urk.
7/39).
Die Unfallversicherung gewährte dem Versicherten
mit Verfügung vom 1
9.
Mai 2005
eine
auf einen Invaliditätsgrad von 23 % gestützte
Rente mit Wirkung ab dem
1.
Mai 2004 sowie eine Integritätsentschädigung von 15
%
(
Urk.
7/43/3)
.
Gegen den darauffolgenden
Einspracheentscheid
vom 2
4.
Oktober 2005 (
Urk.
7
/46) e
rhob der Versicherte Beschwerde
beim Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich, welches mit Entscheid vom 2
9.
Juni 2007 den
Einspracheentscheid
auf
hob und die Sache an die Unfallversicherung zurückwies, damit diese nach
Ein
holung
einer psychiatrischen und handchirurgischen/orthopädischen Abklärung neu verfüge (
Urk.
7/52/15). Das durch die
Unfallversicherung
in Auftrag gege
bene Gutach
t
en der
Gutachterstelle
B._
erging am
7.
August 2008
(
Urk.
7/68
/2 ff.
).
Der Versicherte war
ab Oktober 2007
mehrfach
in stationärer psychiatrischer Behandlung (
2
7.
bis
2
8.
September
2007 [
Urk.
7/68
/23],
7.
bis 1
3.
Juni 2008 [
Urk.
7/
69/15 ff.], 1
9.
bis 2
7.
November 2008 sowie
9.
Dezember
2008 bis
7.
Januar
2009 in der
C._
[
Urk.
7/69/11
ff.] und 2
4.
Juni bis 1
5.
September 2009 in der
D._
[
Urk.
7/94
].
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/99 f.)
sprach die IV-Stelle
X._
mit Verfügung vom
2
6.
März 2010
rückwirkend per
1.
Oktober 2002 eine ganze Invalidenrente zu (
Urk.
7/
112-115
).
Die
Unfallversicherung verneinte mit
Verfügung vom 2
1.
Dezember 2010 einen Rente
n
anspruch
, was mit
Einspracheentscheid
vom 1
8.
April
2011
,
mit Urteil UV.2011.00163 vom 1
3.
Juli
2012
des hiesigen Gerichts
sowie mit Urteil
8C_725/2012 vom 2
7.
März
2013
des Bundesgerichts
bestätigt
wurde
(
Urk.
7/
119).
1.2
Im Rahmen einer 201
0
anhand genommenen Revision (
Urk.
7/
116
) aktualisierte die IV-Stelle die Aktenlage (
Urk.
7/
117-120
). Nach Eingang des von ihr v
eran
lassten psychiatrischen
Gutachtens vom
1
3.
Juli 2011
(
Urk.
7/
130
)
teilte
die IV-Stelle mit
Beschluss
vom 2
7.
Juli 2011 den
weiteren
Anspruch auf eine
ganze
Invalidenrente bei unverändertem Invaliditätsgrad von 100
%
mit
(
Urk.
7/138).
1.3
Im Jahr 2016 eröffnete die IV-Stelle erneut ein ordentliches Revisionsverfahren
(
Urk.
7/145)
und holte einen Verlaufsbericht des Hausarztes des Versicherten ein (
Urk.
7/147). Am
3.
November 2016 wurde ein Standortgespräch (
Urk.
7/148)
und
am 1
2.
Januar 2017 ein Eingliederungsgespräch geführt (
Urk.
7/156/2 f.). Mit Mit
teilung vom 1
8.
Januar 2017 hielt die IV-Stelle fest, dass keine beruflichen Mass
nahmen möglich seien (
Urk.
7/155
).
Die IV-Stelle teilte dem Beschwerdeführer am 2
2.
August 2017 mit, dass sie eine medizinische Untersuchung in den Fach
gebieten der Allgemeinen Inneren Medizin, der Orthopädie und der Psychiatrie für notwendig erachte (
Urk.
7/170). Das Gutachten des
E._
erging am
7.
Dezember 2017 (
Urk.
7/174).
Mit Vorbescheid vom
6.
März 2018 teilte die IV-Stelle dem Versicherten die Ein
stellung der Invalidenrente mit (
Urk.
7/179). Der Einwand des Versicherten da
gegen datiert vom 1
9.
April 2018 (
Urk.
7/189).
Am 2
8.
August 2018 erteilte die IV-Stelle Kostengutsprache
für ein Belastbarkeitstraining, durchgeführt von der
F._
,
vom 2
4.
September bis 2
3.
Dezember 2018 (
Urk.
7/202
, Abschlussbericht
:
Urk.
7/213
)
. Mit Mitteilung vom 1
2.
Dezember 2018 wurde eine Kostengutsprache für ein anschliessendes Aufbautraining vom
2
4.
Dezember
2018 bis 2
3.
Juni
2019 erteilt (
Urk.
7/211, Abschlussbericht
:
Urk.
7/218). Die Integrationsmassnahmen wurden mit Mitteilung vom 1
1.
Juli 2019 für beendet erklärt (
Urk.
7/216).
Am 2
6.
September 2019 trat der Versicherte einen stationären Aufenthalt in der
G._
an (
Urk.
3). Mit
Verfügung vom 1
1.
Oktober 2019
hob die IV-Stelle die Invalidenrente
auf Ende des der Verfügung folgenden Monats auf (
Urk.
2).
2.
Dagegen liess
X._
, vertreten durch Rechtsanwalt Hermann Rüegg, am 1
1.
November 2019 Beschwerde erheben und beantragen, es sei
die Verfügung vom 1
1.
Oktober 2019 aufzuheben und dem Beschwerdeführer weiterhin
eine
ganze Rente zu gewähren
.
Eventualiter sei die Angelegenheit zurück an die Beschwerdegegnerin zu weisen, mit der Anordnung Eingliederungsmassnahmen
durchzuführen.
In prozessualer Hinsicht liess er um Gewährung der unent
gelt
lichen Rechtspflege und um Bestellung von Rechtsanwalt
Rüegg
zu seinem unentgeltlichen Rechtsbeistand in diesem Verfahren ersuchen (
Urk.
1 S.
1
). Die Beschwerdegegnerin schloss in der Beschwerdeantwort vom
1
3.
Dezember 2019
auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6). Mit Verfügung vom
8.
Januar 2020
wurde dem Beschwerdeführer die Vernehmlassung der Beschwerdegegnerin zur Kenntnis gebracht, die unentgeltliche Prozessführung gewährt und Rechtsanwalt
Rüegg
zum unentgeltlichen Rechtsvertreter bestellt (
Urk.
11
).
Auf
die Vorbringen
der Parteien und die Unterlagen wird, soweit für die
Ent
scheidfindung
erforderlich, nachfolgend eingegangen
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person
zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten
an
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Ände
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs-
oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner
kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachver
halts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
Dabei braucht es sich nicht um eine formelle Verfügung (Art. 49 ATSG) zu handeln. Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle des
wegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit
. f
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
auf dem Weg der blossen Mitteilung (Art. 51 ATSG), ist im darauffolgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangs
sachverhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bundes
gerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E. 3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2
012 vom 25. Juli 2013 E. 3.1.2).
1
.5
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürf
en sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These ab
stellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung vom 1
1.
Oktober 2019, aus dem Gutachten
des
E._
habe sich ergeben, dass sich die gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers erheblich verbessert ha
be. Die Auswirkungen der psychis
chen Krankheit seien sodann n
ur noch sehr gering und er könn
e aus medizinischer Sicht in einem Pensum von 80
%
arbeiten.
Bei einem daraus resul
tierenden Invaliditätsgrad von 20
%
bestehe kein Anspruch auf weitere Ren
ten
leistungen.
2.2
Der Beschwerdeführer bringt dagegen im Wesentlichen vor,
seine gesundheit
lichen Einschränkungen seien weitaus gravierender als im Gutachten des
E._
vom
4.
Dezember 2017 festgehalten worden sei. Er sei insbesondere
in psychi
scher Hinsicht weiterhin zu 100
%
arbeitsunfähig.
Doch auch unter Annahme der im Gutachten
festgehaltenen Einschränkungen
sei es illusorisch davon auszu
gehen, dass ein Arbeitgeber ihn mit seinen Einschränkungen und seiner langen Abwesenheit vom primären Arbeitsmarkt anstellen würde. Der Invaliditätsgrad liege bei 100
%
, jedenfalls deutlich über 70
%
,
weshalb weiterhin eine ganze
Rente geschuldet sei
(
Urk.
1 S.
2). Zudem sei unhaltbar, dass der Beschwerde
führer zur Berechnung des
Validenlohns
als Hilfsarbeiter qualifiziert worden sei. Ohne das Unfallereignis und die nachfolgend
en
gesundheitlichen Probleme
hätte er nämlich eine Lehre abgeschlossen und w
ü
rde nun deutlich mehr verdienen (
Urk.
1 S.
2
f.). Weiter machte der Beschwerdeführer einen leidensbedingten Ab
zug aufgrund des Teilzeitpensums und seines Migrationshintergrundes geltend. Letztlich sei die verfügte Rentenaufhebung ohne abgeschlossene Eingliederungs
massnahmen bundesrechtswidrig, da der Rentenbezug länger als 15 Jahre ange
dauert habe (
Urk.
1 S. 3).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die ab
1.
Oktober 2002 zu
gesprochene und ausgerichtete ganze Invalidenrente zu Recht per
30. Novem
ber 2019
aufgehoben hat.
3.
3.1
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer allfälligen anspruchserheblichen Änderung im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG bildet die
Mitteilung vom 2
7.
Juli 2011
(
Urk.
7/138)
, welcher zuletzt eine materielle Prüfung des Rentenanspruchs
mit Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung zugrun
de
lag (vgl. E. 1.
4
).
So hat die Beschwerdegegnerin anlässlich dieser Revision
nicht nur Verlaufsberichte eingeholt (
Urk.
7/120), sondern auch
ein psychia
tri
sches Gutachten erstellen lassen (
Urk.
7/130), dieses dem RAD zur Stellung
nahme unterbreitet (
Urk.
7/137/3
f.) und einen Einkommensvergleich vorge
nom
men (
Urk.
7/137/4).
3.2
Der Mitteilung vom
2
7.
Juli 2011
lag das psychiatrische Gutachten vom 1
3.
Juli 2011 zugrunde (
Urk.
7/130
, vgl.
Urk.
7/137/3 f.
).
Dr.
med.
dipl.
-psych. H._
stellte folgende Diagnosen
(
Urk.
7/130/15)
:
-
Chronifizierte
posttraumatische
Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
-
Differentialdiagnose: andauernde Persönlichkeitsänderung (ICD-10 F6
2.0)
-
Gemischte Angststörung mit sozialphobischen, agoraphobischen und paroxysmalen Ängsten
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichtgradige Episode (ICD-10 F33.0), vor dem Hintergru
nd akzentu
ierter (selbstunsicherer, ängstlich-vermeidender) Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1, Differential
diagnose: ICD-10 F61.0)
Der Beschwerdeführer habe berichtet, dass er in der Türkei zur Welt gekommen und mit
zwei
J
ahren in die Schweiz eingereist
sei
. Er sei in schwierigen Ver
hält
nissen aufgewachsen. Auf seine Kindheit schaue er mit negativen Gefühlen zu
rück. Die psychomotorische und
die
Sprachentwicklung sei
en
verzögert gewesen. Er sei in den Kindergarten gegangen
,
wobei Hör- und Sehstörungen sowie Ver
gesslichkeit aufgetreten seien. Er sei ein sehr nervöses Kind gewesen. Dann habe er die Primarschule in
I._
besucht, sei aber ein schlechter Schüler gewesen. Ab der
zweiten
Klasse habe er die Sonderschule besucht, habe aber Probleme mit Lehrern und Mitschülern gehabt. Er sei in der Schule immer der Aussenseiter
,
viel
allein unterwegs g
ewesen und habe Sachbeschädigungen begangen
(
Urk.
7/130
/9)
.
Kurz nach der Schule habe er den Unfall erlitten. Danach habe er zu kiffen angefangen
,
sei
in die falschen Kreise geraten und drei Wochen inhaftiert ge
wesen. Die letzten zwei Jahre habe
er
in einem geschützten Rahmen gearbeitet
,
aber sein Beistand habe dafür gesorgt, dass er dort nicht mehr arbeiten müsse, was ihn jedoch geärgert habe. Aktuell wohne er mit seiner langjährigen Freundin zusammen
,
mit welcher er auch einen 8-jährigen Sohn habe. Es käme in der Beziehung aber oft zu Streitigkeiten
(
Urk.
7/130/10).
Dr.
H._
hielt weiter fest, i
m Rahmen der Untersuchung
hätten sich
keine Beeinträchtigungen der Bewusstseinsklarheit und Bewusstseinshelligkeit
geze
igt
. Die Aufmerksamkeit
habe jedoch
für die Dauer des Gesprächs nicht d
urchgehend aufrechterhalten wer
den
können und
habe
im Verlauf des Gesprächs
deutlich fluktuiert
. Im formalen Gedankengang
sei der Beschwerdeführer
geordnet, deut
lich weitschweifig, zum Teil
floskelhaft
,
leicht grübelnd und
dabei eingeengt auf die erlebten Beschwerden, aber umstellfähig
gewesen
. Hinweise auf Sinnes
täu
schungen in Form von Ha
ll
uzinationen oder
illusionäre
Verkennungen
hätten sich
nicht
ergeben (
Urk.
7/130/13)
.
Die Grundstimmung
habe sich
gedrückt-depressiv,
verflacht, starr, nicht labil und
nicht
dysphorisch
gezeigt. Die affek
tive Modulationsfähigkeit
sei
leicht vermin
dert
gewesen
. Hinweise für eine willentliche Herbeiführung oder massive Verdeut
li
chung psychischer oder körperlic
her Störungen im Sinne einer Aggravation oder Simulation
erkannte
Dr.
H._
nicht (
Urk.
7/130/14)
.
Die Prüfung der Hamilton Depressionsskala sowie der Montgomery
Asb
erg
Depression Rating
Scale
hab
e ein leichtes depressives Syndrom ergeben (
Urk.
7/130/14).
Hinsichtlich der Diagnose einer
p
osttraumatischen Belastungsstörung führte
Dr.
H._
aus, diese
sei
wahrscheinlich eine Folgereaktion eines oder mehrerer traumatischer Ereignisse
,
in einem Ausmass, wie sie der
Beschwerdeführer
im
Rahmen seiner Handverletzung
erlebt habe.
Die Diagnose stehe in Überein
stimmung mit den Arztberichten der
C._
(
Urk.
7/130/15).
Der Be
schwerdeführer habe sich aufdrängende belastende Gedanken und Erinnerungen an das Trauma, Schlafstörungen und ein
Hyperarousal
beschrieben. Die ver
mehrte Reizbarkeit sei sodann nicht nur in den Voruntersuchungen feststellbar gewesen, sondern sei auch vom Beschwerdeführer beschrieben worden. In der Untersuchungssituation sei die Reizbarkeit deutlich feststellbar gewesen. Konzen
trationsstörungen seien ebenfalls vom Beschwerdeführer beschrieben und auch in der Untersuchungssituation im Sinne einer vermehrten Abgelenktheit im Ver
lauf des Gesprächs objektivierbar gewesen. Der beschriebene soziale Rückzug, die Interessen
s
minderung
und
weitgehend
e
A
ffektstarre mit dabei innerlich massiv unruhige
m
Erscheinungsbild sei
en
als Ausdruck einer „emotionalen Taubheit" zu beurteilen
(
Urk.
7/130/16).
Weiter hielt
Dr.
H._
fest, dass
komorbid
eine gemischte Angststörung mit
sozialphobischen, agoraphobischen, hypochondrischen und paroxysmalen Än
gsten bestehe.
Diese Ängste seien in den Arztberichten beschrieben und auch in den Eigenangaben des Beschwerdeführers
enthalten
.
Die diagnostizierte Angst
st
örung sei sodann
auch vor dem Hintergrund
akzentuierter (selbstunsicherer,
ängstlich-vermeidender) Persönlichkeitszüge zu beurteilen. Die selbstunsicheren und ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitszüge
würden
sich in einer Unsicher
heit im persönlichen Kontakt, einer Kritikschwäche, Insuffizienzerleben und Aus
bildung dysfunktionaler Reaktionsmuster im Kontakt zu anderen
zeigen
. Die Entstehung der Persönlichkeitsakzentuierung
sei
vor dem Hintergrund von Kon
flikten in der Kernfamilie zu beurteilen
(
Urk.
7/130/16).
Darüber hinaus bestehe eine rezidivierend depressive Störung, die zum Unter
suchungszeitpunkt leichtgradig ausgeprägt
gewesen
sei
(
Urk.
7/130/16).
Betreffend die Arbeitsfähigkeit führte
Dr.
H._
aus, dass aufgrund der
rezi
di
vierend depressive
n
Symptomatik und der komplexe
n
Angsterkrankung die Fähig
keit des
Beschwerdeführers
,
sich an Regeln zu halten, Termine verabre
dungs
gemä
ss wahrzunehmen
und
sich in Organi
sationsab
l
äufe einzufügen, einerseits dur
ch die depressive Antriebsminde
rung, andererseits durch das ängstlich moti
vierte Vermeidungsverhalten
deutlich beeinträchtig
t
sei.
Auch d
ie Fähigkeit, den Tag oder anstehende Aufgaben zu planen und zu strukturieren
,
sowie
diese wie geplant durchzuführen und zu beenden,
sei
eingeschränkt.
Die Flexibilität und Umstellfähigkeit
sei
reduziert und es bestehe
eine deutliche Entscheidungs
schwäche im Rahmen der ängstlich
getriggerten
Selbstunsicherheit. Das Durch
haltevermögen
sei
,
wie auch
die
Wiedereingliede
rungsbemühungen
gezeigt
hätten
,
deutlich reduziert.
Auch die
Kontaktfähigkeit zu Dritten
und
die Gruppenfähigkeit
sei
aufgrund der sozialphobisch
en und agoraphobischen Angstsym
ptomatik mit entsprechendem Vermeidungsverhalten deutlich
gemindert
.
Au
s psychiatrischer Sicht bestehe damit
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für jed
wede Tätigkeit unter den Bedingungen der freien Wirtschaft. Die Arbeitsfähigkeit
habe
sich i
m Vergleich zur rentenbegründen
den Befundlage weder einschneidend noch nachhaltig verbessert. Es
sei von einem stationären, ten
denziell eher ver
schlechterten Gesundheitszustand auszugehen. Berufliche Massnahmen
seien zudem
angesichts der instabilen gesundheitl
ichen Situation wenig erfolgs
ver
sprechend und deshalb nicht indiziert
(
Urk.
7/130/17)
.
Hinsichtlich der Arbeits
fähigkeit in einer angepassten Tätigkeit hielt der Gutachter fest, dass g
egenwärtig nur eine Tätigkeit unter geschützten Bedingungen
in einem reduzierten
Pensum von 50
%
zumutbar
sei. Eine
kurz- bis mittelfris
tige Verbesserung der Arbeits
fä
higkeit
sei
mit der etablierten Behandlung nicht wahrscheinlich
.
Die Prognose
sei angesichts der deut
lichen
Chronifizierung
damit
als ungünstig zu beurteilen
(
Urk.
7/130/18)
.
3.3
3.3.1
Im Rahmen des im
August
201
6
anhand genommenen Revisionsverfahrens wurde
ein Verlaufsberi
cht
des Hausarztes des Beschwerdeführers,
Dr.
med. J._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, eingeholt. In diesem Bericht vom 2
9.
September 2016 berichtete
Dr.
J._
, der Beschwerdeführer sei nicht mehr
in psychiatrischer Behandlung. Angaben zur Arbeitsfähigkeit konnte
Dr.
J._
keine
machen
(
Urk.
7/147/5 f.
).
In einem weiteren Verlaufsbericht vom
7.
April 2017 hielt
Dr.
J._
fest, dass der Beschwerdeführer nach wie vor Schmerzen im Bereich der linken Hand habe sowie auf
grund eines
cervicospondylogenen
Syndrom
s
aktuell in einer medizinischen Trainingstherapie stehe. Aus somati
scher Sicht bestehe aber zumindest für eine nicht übermässig handbelastende Tätigkeit keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (
Urk.
7/161/5).
3
.3.2
Anlässlich der Begutachtung
durch das
E._
wurde
der
Beschwerdeführer
am 2
5.
Oktober 2017
psychiatrisch,
orthopädisch
und allgemein medizinisch begut
achtet
(
Urk.
7/174)
. Die inter
disziplinäre Gesamtbeurteilung führte zu folgend
er
Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
7/174/24
):
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte bis mittelgradige Episode (ICD-10 F33.0/F33.1)
Zudem wurden folgende Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit gestellt:
-
Chronische Hand-Arm-Schulter-Nackenbeschwerden der dominanten li
nken Seite (ICD-10 M79.60/M54.2/Z98.8)
-
Status nach
Quetschverletzung der Hand mit
akutem Karpal
tunnel
syndrom am
2.
Dezember
1993 mit multiplen Rissquetschwunden dor
sal und volar sowie Weichteilquetschung
-
Chronische Beschwerden an der linken unteren Extremität (ICD-10 M79.60)
-
radiologisch Ruptur des vorderen Kreuzbandes ohne Hinweis für
höhergradige
Degeneration (M
RI 30.01.2013 und Röntgen 25.10.
2017)
-
Störung durch multiplen Substanzkonsum, CBD, A
lkohol, Nikotin (ICD-10
F19.25),
Nikotinabusus,
circa
30-40
py
(ICD-10 F17.1)
-
Verdacht auf
Medikamenten-
Malcompliance
(ICD-10 Z91.1)
Im allgemeininternistischen Gutachten
hielt
Dr.
med.
K._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
eine im Wesentlichen unauffällige Befundlage fest und
stellte keine relevanten Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit aus allgemein-internistisc
her Sicht fest (
Urk.
7/174/
9 f.
).
Der psychiatrisch
e
Gutachter
Dr.
med.
L._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
führte aus, dass der Beschwerdeführer ang
eg
eben habe, er
höre
Stimmen verschiedener Personen, wobei er nicht sagen könne, ob es sich um weibliche
oder männliche Personen handle.
Zudem
habe
er
über
Schlafstörungen und Konzentrationsprobleme
geklagt
. Er habe Suizidversuche mit Medikamenten unternommen, als er noch Morphium und Schmerzmittel
eingenommen
habe. Seit fünf Jahren nehme er jedoch kein Morphium und seit anderthalb Jahren auch kein
Temesta
mehr
ein
. Er sei in der
D._
in Behandlung gewesen, wobei er seit einem Jahr wegen der Krankenkasse nicht mehr hingehe. Hin
sichtlich seiner Kindheit habe der Beschwerdeführer angegeben, im Alter von
vier
Jahren in die Schweiz gekommen zu sein. Seine Kindheit sei gut gewesen (
Urk.
7/174/11). Aktuell wohne er mit seiner Freundin in einer Wohnung zusam
men.
Der gemeinsame
vier
Monate alte
Sohn sei wegen einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte noch im Krankenhaus. Zu seinem 2003 geborenen Sohn aus einer früheren Beziehung habe er noch circa ein Mal im Jahr Kontakt (
Urk.
7/174/12).
Dr.
L._
hielt fest, der
affektive Kontakt
sei
gut herstellbar
, d
ie Stimmung depressiv
gewesen
. Der Antrieb
sei
herabgesetzt
, der
Selbstwert
jedoch
durchaus erhalten
.
Die Aufmerksamkeit, die Auffassung und das Gedächtnis
seien
intakt
und das
Denken
sei
formal geordnet
gewesen
. Inhaltlich
habe der Beschwerde
führer
im Denken als Pseudohalluzination anmutendes wiederholtes anamnes
ti
sches Stimmenhören unbestimmter Art
angegeben
.
Der Gutachter
beurteilte, dass beim Beschwerdeführer
diagnostisch eine leichte bis mittelgradige depressive
Epi
sode bestehe, gekennzeichnet durch depressive Verstimmungen, erhöhte Ermüd
barkeit, Schlafstörungen, verminderten Appetit, verminderte Libido, Insuffizienz
ge
danken und negative
Zukunftsperspektiven bezüglich der gesundheitlichen und beruflichen Situation
.
Es besteh
e
weiter
eine Störung durch multiplen Sub
stanzkonsum, gegenwärtig CBD, Alkohol und Nikotin, früher auch mit einer Opioid- und Benzodiazepin-Medikation. Die Symptomatik
habe
sich nach einem Unfallereignis mit Verletzung der linken Hand
1993
ereignet.
In der Folge
sei
es zu Verschlechterungen mit auch psychiatrischen
Hospitalisationen
gekommen
. Diagnostisch hand
le
es sich um eine rezidivierende depressive Störung. Das Un
fallereignis
habe
psychisch zu Verunsicherung und Beeinträchtigung in der körperlichen Integrität
geführt
. Die Prognose
sei
ungünstig
(
Urk.
7/174/13 f.)
.
Bezüglich der Arbeitsfähigkeit hielt
Dr.
L._
fest, dass beim Beschwerdeführer
in
einer
allen seinen Fähigkeiten entsprechenden und aus somatischer Sicht a
nge
passten Tätigkeit eine 80%
ige Arbeitsfähigkeit
bestehe
,
welche
auch ganztags mit der Möglichkeit zu vermehrten Pausen realisierbar
sei
. Von dieser Arbeits
fähig
keit
könne
mit Sicherheit seit mindestens der aktuellen Untersuchung ausge
gan
gen werden. Zuvor
habe
die Arbeitsunfähigkei
t, aufgrund derer die
IV-Renten
zu
sprache
erfolgt sei
, bestanden
.
Die Selbsteinschätzung des Beschwerdeführers, gar nicht mehr arbeiten und auch keine Schritte hin auf eine Erwerbstätigkeit machen zu können, könne mit objektiv
erhebbaren
psychiatrischen Befunde nicht hin
reichend begründet werden.
Bezüglich der früheren ärztlichen Einschätzungen hielt
Dr.
L._
fest,
das Vorliegen
einer re
z
idivierenden depressiven Störung
könne
aufgrund der
aktuellen
Untersuchung bestätigt werden. Gegenwärtig be
steh
e
eine leichte bis mittelgradige depressive Episode. Es
sei damit
zu einer Besserung
gekommen, was auch
mit den täglichen Aktivitäten, die
dem Be
schwer
deführer möglich
seien
, vereinbar
sei
. Die in den Akten aufgeführte Dia
gnose einer posttraumatischen Belastungsstörung
könne
aufgrund der heutigen Untersuchung
jedoch
nicht (mehr) bestätigt werden. Für diese Diagnose forder
e
die ICD-10 nicht nur das wiederholte Auftreten traumatischer Erinnerungen in sich aufdrängenden Träumen oder Gedanken und zwar so, als ob das trauma
tische
Ereignis unmittelbar stattfinde
, sondern auch eine Entfremdung mit Ab
stumpfung der Umgebung gegenüber oder Phasen von Erregtheit. Im Unter
su
chungsgespräch
habe
der Explorand gar nicht abgestumpft
gewirkt
, er
sei
viel
mehr affektiv gut zugänglich
gewesen
und
habe auch gut über das erlebte Trauma sprechen können.
Er
habe
kein typisches Vermeidungsverhalten
gezeigt
,
welches
bei einer manifesten posttraumatischen Belastungsstörung stets vorhanden
sei
. Menschen mit einer manifesten posttraumatischen Belastungsstörung
würden
im Untersuchungsgespräch still, in sich gekehrt
wirken
und könn
t
en über die erlebte Traumatisierung kaum reden. Oft
seien
sie auch erregt, wenn man das erlebte
Trauma anspr
eche
. Dies
sei beim Beschwerdeführer
nicht der Fall
gewesen
. Es
würden
zudem somatische Probleme
bestehen
, die auch eine Rolle spiel
ten
. Eine zusätzliche Angststörung,
wie
im
psychiatrischen
Gutachten 2011 auch aufge
führt,
könne ebenfalls nicht bestätigt werden. Bei einer
depressiven Episode k
önne
nach ICD-10
eine unspezifische Angststörung nicht diagnostiziert werden. Die Ängste
seien vielmehr
im Rahmen der Depression zu sehen. Zudem besteh
e
auch eine Störung durch Substanzkonsum, wodurch es
ebenfalls
zu einer
Verschlech
terung der affektiven Symp
t
omatik
kommen könne (
Urk.
7/174/14 f.).
Der orthopädische Gutachter
Dr.
med.
M._
, Facharzt für Orthopädische Chirur
gie
,
hielt anamnestisch fest, dass
der Beschwerdeführer berichtet
habe, die
domi
nante linke obere Extremität schlafe manchmal ein
.
Es bestehe ein Ameisenlaufen vom proximalen Oberarm bis in alle Fingerspitzen.
Das Schulterblatt verhärte sich
und sehr starkes Kopfweh
würde
zu Druck auf das Gehirn
führen
, wobei manchmal das linke Auge dunkel
werde
.
Auf die Frage nach
aus dem Unfall von 1993
resultierenden Einschränkungen
habe er geschildert
, mit der linken Hand Lasten von maximal 5 kg tragen zu können. Manchmal
würden
ihm aufgrund der Krämpfe Gegenstände aus der Hand
fallen
(
Urk.
7/174/18)
.
Dr.
M._
schloss gestützt auf
s
eine Untersuchung
,
dass sich
die
sehr diffus unter anderem an linker oberer und unterer Extremität beklagte Symptomatik dur
ch die klinischen und radiologisc
hen Befunde keinesfalls klar begründen
liesse
. Die gesamte ana
mnestische und klinische Präsen
tation mit zahlreichen Inkonsis
tenzen und das anamnestisch fehlende Ansprechen auf wiederholt durchgeführte konser
vative Therapiemassnahmen lasse
klar an eine massive nicht-organische Beschwerdekomponente denken. Die Tatsache, dass das gemä
ss Beschwerdeführer
am Untersuchungs
tag zweimal eingenommene Paracetamol im Serum nicht nach
weisbar
gewesen sei
, l
asse
dabei erhebliche Zweifel an dessen Angaben auf
kommen
(
Urk.
7/174/23)
.
Bezüglich der Arbeitsfähigkeit attestierte
Dr.
M._
eine zeitlich und leistungsmässig uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit f
ür körperlich leichte bis mittelschwere
Tätigkeiten
unter Wechselbelastung
,
wobei
d
as wieder
holte Heben und Tragen von Lasten über 15 kg vermieden werden
solle
.
Von dieser vollständigen Arbeitsfähigkeit sei seit spätestens drei Monaten nach dem zuletzt am 3
1.
August 1994 durchgeführten Eingriff auszugehen (
Urk.
7/174/23).
Polydisziplinär wurde
eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 80
%
in sämt
lichen körperlich leichten bis mittelschweren, geeigneten Tätigkeiten
attestiert. Betreffend den Verlauf hielten die Gutachter fest, es sei
nur schwierig möglich, aufgrund der vorliegenden Unterlagen die Arbeitsfähigkeit zu einem früheren
Zeitpunkt retrospektiv gesehen mit Sicherheit zu beurteilen. Somit
gelte die
Ein
schätzung der Arbeitsfähigkeit mit Sicherheit ab dem Zeitpunkt
der
Untersuchung im Oktober 201
7.
Die früher postulierte schwere posttraumatische Belastungs
störung
sei jedoch
definitiv nicht (mehr) nachweisbar und
es liege
auch keine mittelschwere depressive Störung mehr
vor
. Eine genaue R
ü
ckdatierung
sei
bei den vorliegenden Akten nicht möglich
(
Urk.
7/174/26)
.
Berufliche Massnahmen
empfahlen die Gutachter aufgrund
der ausgeprägten subjektiven Krankheits- und Behinderungsüberzeugung
nicht (
Urk.
7/174/26).
3.3.3
Der Beschwerdeführer nahm
im Anschluss an das Belastbarkeitstraining
vom 2
4.
Dezember 2018 bis 2
3.
Juni 2019
an einem Aufbautraining bei der
F._
teil
(
Urk.
7/218/1)
. Im Abschlussbericht vom 1
5.
Juli 2019
wurde festgehalten, dass die Mindestanforderungen an die Präsenzzeit sowie an die Arbeitsfähigkeit nicht erreicht worden seien. Eine Integration im ersten Arbeitsmarkt wurde als nicht möglich eingestuft, da die psychische Belastbarkeit des Beschwerdeführers sehr eingeschränkt sei. Diverse traumatische Erfahrungen in der Kindheit und Jugend und vermutete kognitive Einschränkungen würden eine Integration verunmöglichen.
Die Einschränkungen hätten sich unter ande
rem darin gezeigt, dass dem Beschwerdeführer nach acht Monaten im Programm die Arbeitsabläufe immer wieder hätten erklärt werden müssen, da er sich die einzelnen Schritte nicht habe merken können. Die koordinativen Fähigkeiten seien eingeschr
änkt gewesen. Er sei sich seine
r
eigenen fachlichen Stärken und Schwächen nicht bewusst gewesen
(
Urk.
7/218/2)
.
Bereits zu Beginn des Trai
nings sei die begrenz
t
e Energie des Beschwerdeführers ein Thema gewesen. In den Modulen habe er sich immer hilfsbereit und freundlich gezeigt und habe für gute Stimmung gesorgt. Der Beschwerdeführer habe sich fröhlicher und aufge
stellter gegeben, als er tatsächlich gewesen sei. Er sei oft tagträumend an seinem Arbeitstisch gestanden, sei unkonzentriert und abwesend gewesen. Eigeninitia
tive habe er kaum gezeigt. Während des gesamten Programms sei der Beschwer
deführer psychisch und physisch instabil gewesen. Er sei vergesslich, müde und erschöpft gewesen und habe unter Zukunfts
- und Versagensängsten gelitten
(
Urk.
7/218/4).
Einfache Hilfsarbeiten und Reinigungsarbeiten wurden als mög
liche Tätigkeitsgebiete empfohlen
,
wobei eine Präsenz von 50
%
anzustreben sei. Die Leistungsfähigkeit bezogen auf den ersten Arbeitsmarkt betrage dabei 20
%
(
Urk.
7/218/2)
.
3.3.4
Am 2
7.
Juni 2019 fand ein Vorgespräch betreffend
einen stationären Aufenthalt
bei der
G._
statt.
Dr.
med. N._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychother
api
e
, und
lic
. phil. O._
, Psychologe, hielten im Bericht vom
5.
Juli 2019 fest, der Beschwerdeführer habe vor zwei Jahren eine Verstärkung der Symptome erlebt. Er habe derzeit grosse Mühe mit anderen Leuten zusammen zu sein und habe von
Impulsdurchbrüchen berichtet
,
bei denen er Gläser und andere Gegenstände zerschlagen habe. Die Beziehung zu seiner Ehefrau sei durch sein teilweise aggressives Verhalten stark belastet. Weiter habe der Besch
werdeführer von starkem sozialem
Rückzug, Albträumen, Appetit
losigkeit und depressiver Stimmungslage berichtet. Zudem habe er manchmal das Gefühl
,
von anderen Menschen und Geistern verfolgt zu werden. Innere Stimmen würden ihn anweisen
,
andere zu verletz
en, was er jedoch nie tun würde. Circa vier Mal pro Woche komme es zu vermutlich dissoziativen Zuständen
,
in denen er manchmal während Stunden kaum ansprechbar sei (
Urk.
7/224/1). In der Krankengeschichte führen
Dr.
N._
und
lic
. phil.
O._
aus, der Beschwer
de
führer habe im Alter von sechs bis elf Jahren von seinem älteren Bruder regel
mässig und andauernd sexuelle Gewalt erlebt.
Als er dies seinen Eltern anvertraut habe, seien diese zu seinem Bruder gestanden und hätten nichts unternommen (
Urk.
7/224/1 f.). Der psychopathologische Befund zeige anamnestisch eine stark eingeschränkte Konzentration und
ein eingeschränktes
Gedächtnis, was im Ge
spräch teilweise beobachtbar gewesen sei. Es lägen Ich-Störungen im Rahmen von dissoziativen Amnesien vor. Die Stimmungslage sei depressiv und der An
trieb gemindert. Es würden sich zudem Symptome aus allen Clustern der
p
ost
traumatischen Belastungsstörung zeigen (
Urk.
7/224/2).
Es wurden folgende Diagnosen aufgeführt:
-
Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1)
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leicht (ICD-10: F33.0)
-
Anamnestisch: Leichte bis mittelschwere kognitive Störung (2008), Ver
dacht auf grenzwertiges Intelligenzniveau
Der Beschwerdeführer
sei
auf die Warteliste für einen stationären Aufenthalt gesetzt
worden
(
Urk.
7/224/3).
3
.3.5
Mit Bericht vom 3
0.
Oktober 2019 nahm
Dr.
N._
zur Verfügung betreffend Einstellung der Invalidenrente vom 1
1.
Oktober 2019 Stellung.
Dr.
N._
hielt fest, dass sich der Beschwerdeführer
seit dem 2
6.
September 2019 in stationärer Behandlung befinde. Der Gesundheitszustand habe sich seit dem Gespräch vom 2
7.
Juni 2019 nicht verändert, wobei nun nicht von einer leichten, sondern einer mindestens mittelgradigen depressiven Episode auszugehen sei.
Dr.
N._
bestä
tigte im Wesentlichen die bereits im Bericht vom
5.
Juli 2019 festgehaltene Be
fund
lage und
die attestierte
100%ige Arbeitsunfähigkeit
(
Urk.
7/237)
.
3.3.6
Der Beschwerdeführer wurde am 1
3.
und am 2
0.
August 2019 in der
C._
durch Frau P._
, Neuropsychologin,
neuropsychologisch unter
sucht
(
Urk.
7/243)
.
Im Rahmen dieser Untersuchung hätten sich deutliche Defizite in Teilbereiche
n
der
Aufmerksamkeit, Konzentrationsfähigkeit und
der
Exekutiv
funktionen objektivieren lassen
. Der Intelligenzquotient
sei
mittels zweier Tests ermittelt
worden
und
hätte
einen Wert zwischen 78 und 86
ergeben
. Insgesamt sei von einer leicht unterdurchschnittlichen Intelligenz auszugehen, was jedoch
von einer leichten Intelligenzminderung nach ICD-10 abzugrenzen sei
(
Urk
.
7
/243
S. 5)
.
Die erhobenen Befunde würden insgesamt einer mittelgradigen kognitiven Stö
rung mit unterdurchschnittlicher Intelligenz, stark reduziertem Arbeitstempo und Einschränkungen in den Bereichen Aufmerksamkeit, Exekutivfunktionen und Gedächtnis
entsprechen
. Im Vergleich zur neuropsychologischen Untersuchung von 2008 sei insbesondere eine Verschlechterung der Aufmerksamkeitsleistungen beziehungsweise der kognitiven Verarbeitungsgeschwindigkeit zu objektivieren gewesen.
Bei den Symptomvalidierungstests sei einer von insgesamt fünf Para
meter
n
auffällig ausgefallen. Eine bewusste Aggravation sei damit nicht ganz auszuschliessen. Es sei jedoch auch möglich, dass beim Beschwerdeführer eine mehrheitlich bewusstseinsferne Verdeutlichungstendenz vorhandener Beschwer
den vorliege, die in der Untersuchungssituation relativ häufig anzutreffen sei und primär aus dem Motiv heraus geschehe, den Untersucher vom Vorhandensein der Beschwerden zu überzeugen
.
Das Ergebnis passe gut zu den anamnestischen Angaben (Entwicklungsverzögerung, Besuch der Sonderschule) und könne im Rahmen einer sonstigen Entwicklungsstörung s
chulischer Fähigkeiten (ICD-10
F81.8) interpretiert werden. Die Verschlechterung in den Aufmerksam
keitsfunk
tionen könne zudem durchaus mit einer Verschlechterung der affektiven Sympto
matik erklärt werden (
Urk.
7
/243
S. 5 f.).
Betreffend die Funktions- und Arbeitsfähigkeit führte Frau
P._
aus, dass bei dieser Diagnose die Funktionsfähigkeit im Alltag und unter den meisten beruflichen Anforderungen in der Regel deutlich eingeschränkt sei.
Es bestehe insbesondere ein
erhöhte
r
Zeitbedarf. Die objektivierbaren Befunde würden auch die Rückmeldungen seitens des Reintegrationsprogrammes stützen, wonach der Beschwerdeführer bei der Arbeit Schwierigkeiten habe und auf Begleitung ange
wiesen sei (
Urk.
7
/243
S. 6).
4.
4.
1
Im psychiatrischen Gutachten von
Dr.
H._
,
welches der Mitteilung vom
27.
Juli 2011 zugrunde lag
, wurde
neben der Angststörung und der rezidivieren
den
depressiven Störung, gegenwärtig leichtgradige Episode,
eine
chronifizierte
PTBS diagnostiziert (
Urk.
7/130/15). RAD-Arzt
Dr.
Q._
hielt in seiner Stellungnahme vom 2
5.
Juli 2011 sodann fest, dass
Dr.
H._
plausibel und nachvollziehbar
nachgewiesen habe, dass keine Verbesserung eingetreten sei und weiterhin von einer 100%ige Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei (
Urk.
7/137/4). In den medizini
schen Akten, welche zur ursprünglichen
Rentenzusprache
führten, wurde zwar die Diagnose einer PTBS nicht durchgängig bestätigt.
Wie
RAD-Arzt
Dr.
med.
Q._
, Facharzt für Innere Medizin, in seiner Stellungnahme vom 1
7.
September 2009
aber zutreffend
fest
gestellt hatte
,
lauteten alle psychiatrischen Beurtei
lungen unabhängig von der Diagnose
übereinstimmend
auf
eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit (
Urk.
7/98/9).
4.
2
Die Aufhebung der Rente erfolgte gestützt auf das Gutachten des
E._
vom
4.
Dezember 201
7.
Während aus somatischer Sicht in Übereinstimmung mit der restlichen Aktenlage auch weiterhin eine volle Arbeitsfähigkeit für körperlich leichte bis mittelschwere Verrichtungen unter Wechselbelastung attestiert
wurde
(
Urk.
7/174/26)
,
was der Beschwerdeführer zu Recht nicht in Frage stellte (Urk. 1
),
hielt der psychiatrische Gutachter i
n Abweichung der bisherigen Einschätzungen fest, dass nur noch eine rezidivierende depressive Störung mit gegenwärtig leichter bis mittelgradiger Episode die Arbeit
s
fähigkeit beeinflusse, wobei eine 80%ige Arbeitsfähigkeit bestehe (
Urk.
7/174/25).
Die Beweiskraft des psychia
trischen Gutachtens ist jedoch fraglich. So fiel
unter anderem
die Begründung des Ausschlusses einer PTBS angesichts der Aktenlage sehr kurz aus.
Anlässlich der Begutachtung durch das
E._
gab
der Beschwerdeführer
angeblich
an
, eine gute Kindheit gehabt zu haben (
Urk.
7/174/11). Die Berichte der
C._
vom
9.
März 2009 (
Urk.
7/69/7) sowie vom 2
7.
Juli 2009 (
Urk.
7/89/2) und vom 2
3.
Dezember 2010 (
Urk.
7/120/3)
,
in denen
anamnestisch
von sexueller Gewalt von Seiten seines Bruders in der Kindh
eit berichtet wu
rd
e
, werden in den Vor
akten des
E._
-Gutachtens
zwar
aufgeführt (
Urk.
7/174/7). Eine Auseinander
setzung damit und insbesondere ein Einbezug in die Beurteilung einer möglichen PTBS fand jedoch nicht statt.
Auch verzichtete
Dr.
L._
auf
entsprechende Rückfragen zur Kindheit des Beschwerdeführers und
auf eine Konfrontation
mit der widersprechende
n Aktenlage
.
Es ist
somit
nicht auszuschliessen, dass das von
Dr.
L._
als fehlend eingestufte Vermeidungsverhalten bereits im Nichter
wähnen der Geschehnisse im Kindesalter bestand.
Auch im Hinblick auf die noch durch
Dr.
H._
diagnostizierte gemischte Angststörung, welche für die
dann
zumal
attestierte Arbeitsunfähigkeit von massgeblicher Bedeutung war (
Urk.
7/130/17), lässt die
abweich
ende Beurteilung von
Dr.
L._
Fragen offen.
Die Begründung
,
wonach eine unspezifische Angststörung bei Vorhandensein einer
depressiven Episode nicht nach ICD-10 zu diagnostizieren, sondern im Rahmen der Depression zu sehen sei (
Urk.
7/173/15), genügt vorliegend nicht, um
das Vorliegen einer relevanten
Angststörung auszuschliessen.
So fehlt es der
Beurteilung von Dr.
L._
an jeglicher Auseinandersetzung mit Art und Schwere der unter dem psychopathologischen Befund nach AMDP vom Beschwerdeführer angegebenen, offensichtlich vom Gutachter ebenfalls nicht näher erfragten Ängste (Urk. 7/174/12). Ob es sich bei der diesbezüglichen Beurteilung von Dr.
L._
um eine bloss unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhaltes handelt, welche zu keiner revi
sionsbegründenden Tatsachenänderung führen könnte (BGE 135 V 201 und 215), oder um die Beurteilung eines veränderten Gesundheitszustandes, lässt sich an
gesichts der diesbezüglich dürftigen Befundlage nicht abschliessend beurteilen. Dasselbe gilt in Bezug auf seine Einschätzung hinsichtlich der zuvor diagnos
tizierten PTBS. Was das Ausmass der weiterhin bestätigten affektiven Störung im Sinne einer gegenwärtig leichten bis mittelgradigen depressiven Episode anbe
langt (Urk. 7/174/24), liegt entgegen der Annahme von Dr.
L._
(Urk.
7/174/13) sodann keine Verbesserung vor, schloss doch Dr.
H._
im Jahr 2011 auf das Vorliegen einer dannzumal lediglich leichtgradigen depressiven Episode (Ur
k
.
7/130/15).
Auch die nach der Begutachtung durch das
E._
erstellten
Berichte der
G._
stellen die
psychiatrische
Beurteilung des
E._
weiter
in Frage. So ging
Dr.
N._
wieder
von einer komplexen PTBS aus und beurteilte die rezidivierende depressive Episode in seinem Bericht vom 3
0.
Oktober 2019 als mindestens mittelgradig
,
woraus eine 100%ige Arbeits
un
fähigkeit resultiere (
Urk.
7/237).
Im neuropsycho
logischen Untersuchungsbericht
vom 3. September 2019 wurden sodann die bereits 2008 festgestellte leichte bis mittelschwere kognitive Störung und der Gesamt-IQ-Wert von 78 bestätigt (Urk.
7/243 S.
S.
6). Der Ausschluss massgeblicher Konzentrationsstörungen durch Dr.
L._
mit der blossen Begründung, der Beschwerdeführer fahre Auto (Urk. 7/16/26), greift angesichts dessen zu kurz.
Z
war
fiel
einer von fünf Parametern der Symptom
validierungstests auffällig aus (
Urk.
7/243 S. 5), doch
wies die
Neuopsychologin
darauf hin, dass eine
bewussstseinsnahe
Aggravation gemäss einschlägigen Studien als wahrscheinlich zu betrachten ist, wenn zwei Parameter auffällig ausfielen und dass das Verhalten durchaus mehrheitlich als
bewusstseinsferne Verdeutlichungstendenz interpretiert werden könne (Urk. 7/243
S. 3). Nachdem selbst
Dr.
L._
kein
aggravatorisches
Verhalten
des Beschwerdeführers
über das Beklagen seiner Beschwerden hinaus
erkannte
(
Urk.
7/173/15),
rechtfertigt sich bei der gegebenen Aktenlage jedenfalls nicht der Schluss auf eine aus
gewiesene Aggravation, welche die Grenzen eines bloss verdeutlichenden Ver
haltens zweifellos überschritten hat und der Annahme eines krankheitswertigen psychischen Gesundheitszustandes entgegenstünde (vgl. BGE 143 V 418 E. 8.2; vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März
2018 E. 6.1 und 9C_899/2014 vom 29. Juni 2015 E. 4.2).
Vielmehr erscheint es nach dem oben Gesagten mehr als fraglich, ob selbst bei Annahme eines verbesserten psychischen Gesundheitszustandes des Beschwerde
führers dem Gutachten des
E._
vom 4. Dezember 2017 Beweiskraft beizumessen wäre. Von ergänzenden medizinischen Abklärungen kann aber, wie nachfolgend dargelegt, zum jetzigen Zeitpunkt abgesehen werden, da
selbst bei Annahme einer rentenausschliessenden Arbeitsfähigkeit die in der angefochtenen Verfügung vom 1
1.
Oktober 2019 beschlossene
Rentenaufhebung (
Urk.
2) nicht
zulässig war
.
5
.
5
.1
Bei Personen, deren Rente revisionsweise herabgesetzt oder aufgehoben werden soll, sind nach mindestens fünfzehn Jahren Bezugsdauer oder wenn sie das 55. Altersjahr zurückgelegt haben, praxisgemäss in der Regel vorgängig Einglie
derungsmassnahmen durchzuführen, bis sie in der Lage sind, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial mittels Eigenanstrengung auszuschöpfen und erwerblich zu verwerten. Ausnahmen von der
diesfalls
grund
sätzlich («vermutungsweise») anzunehmenden Unzumutbarkeit einer Selbstein
gliederung liegen namentlich dann vor, wenn die langjährige Absenz vom Arbeits
markt auf invaliditätsfremde Gründe zurückzuführen ist, wenn die versicherte Person besonders agil, gewandt und im gesellschaftlichen Leben integriert ist
oder
wenn sie über besonders breite Ausbildungen und Berufserfahrungen verfügt. Verlangt sind immer konkrete Anhaltspunkte, die den Schluss zulassen, die versicherte Person könne sich trotz ihres fortgeschrittenen Alters und/oder der langen Rentenbezugsdauer mit entsprechender Absenz vom Arbeitsmarkt ohne Hilfestellungen wieder in das Erwerbsleben integrieren. Die IV-Stelle trägt die Beweislast dafür, dass entgegen der Regel die versicherte Person in der Lage ist, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial auf dem Weg der Selbsteingliederung erwerblich zu verwerten (BGE 145 V 209 E. 5.1).
5.2
Der Beschwerdegegnerin
bezog seit dem
1.
Ok
tober 2002 eine Invalidenrente (
Urk.
7/112/2)
.
Zum
Zeitpunkt der verfügten Rentenaufhebung per Ende
Novem
ber 2019 (
Urk.
2)
bestand somit ein über 15-jähriger
Rentenbezug
.
5.3
Die Beschwerdegegn
erin macht zu Recht nicht geltend, dass dem Versicherten die Selbsteingliederung zumutbar sein soll (
Urteil des Bundesgerichts 9C_368/2012 vom 2
8.
Dezember 2012 mit weiteren Hinweisen
). Hingegen stellt sie dessen Ein
gliederungswillen
implizit
in Abrede,
in
dem sie in der angefochtenen Verfügung festhält, dass
die
beruflichen
Massnahmen
abgebrochen worden seien
,
weil sich der Beschwerdeführer nicht mehr imstande gefühlt habe, die Massnahme fortzuführen und einen stationären Aufenthalt angetreten habe
(
Urk.
2 S. 2).
Nach der Rechtsprechung ist nur dann von fehlendem Eingliederungswillen
beziehungsweise
fehlender subjektiver Eingliederungsfähigkeit (zum Erfordernis der objektiven und subjektiven Eingliederungsfähigkeit der versicherten Person: Silvia Bucher, Eingliederungsrecht der Invalidenversicherung, 2011,
Rz
. 124 und 539) auszugehen, wenn er mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit (BGE 138 V 218 E. 6 mit Hinweisen) feststeht (Urteil
des Bundesgerichts
9C_368/2012 vom 2
8.
Dezember 2012 E. 3.1). Dabei sind insbesondere die gegen
über der Verwaltung und den medizinischen Experten gemachten Aussagen be
treffend Krankheitsüberzeugung
beziehungsweise
Arbeitsmotivation zu berück
sichtigen. Ebenfalls von Belang sein können die im
Vorbescheidverfahren
und vor kantonalem Versicherungsgericht gemachten Ausführungen
beziehungsweise
gestellten Anträge (
Urteil des Bundesgerichts 9C_231/2015 vom
7.
September 2015 E. 4.2
).
Allein die Tatsache, dass
der Beschwerdeführer
sich
gemäss
dem
E._
-Gutachten
subjektiv nicht arbeitsfähig fühlt
(
Urk.
7/173/26)
, lässt
nicht den Schluss
zu, dass eine Eingliederung mangels Interesses nicht erfolgsversprechend wäre.
In der Anamneseerhebung des orthopädischen Gutachtens gab der Beschwerdeführer sodann an, gerne arbeiten zu wollen (
Urk.
7/173/19). Bereits im Fragebogen an
lässlich des Revisionsverfahrens
äusserte
sich der Beschwerdeführer dahingehend, sich vorstellen zu können, dass die Aufnahme eine
r
Tätigkeit einen positiven Einfluss auf sein Befinden haben könnte (
Urk.
7/145/1). Auch einen Versuch Teilzeit zu arbeiten
,
konnte sich der Beschwerdeführer zumindest vorstellen (
Urk.
7/145/2). Entsprechend nahm der Beschwerdeführer auch ab dem 2
4.
September 2018 an einem Belastbarkeitstraining teil. Im Abschlussbericht
des Programms
wurde er als
motiviert und zuverlässig beschrieben und ein Wechsel ins Aufbauprogramm empfohlen (
Urk.
7/213/2).
Beim Aufbautraining
wurde
die psychische Belastbarkeit des Beschwerdeführers
als
sehr eingeschränkt
beurteilt
, weshalb die Zielsetzungen nicht erreicht werden konnten (
Urk.
7/218/
2)
. Fehlen
de Motivation wurde im
Bericht jedoch nicht bemängelt. Der Beschwerdeführer begab sich
schliesslich
ab dem 2
6.
September 2019 auf Empfehlung seines Psy
chologen in stationäre Behandlung (
Urk.
7/219/9, 7/224/1). Im Abschlussbericht des Aufbauprogramms wurde sodann festgehalten, dass nach der geplanten Therapie erneut ein Aufbautraining durchzuführen sei, um eine Integration in den ersten Arbeitsmarkt zu erreichen (
Urk.
7/218/3). Die Aufnahme
zu
r statio
nären Therapie und damit der Unterbruch der
Integrationsmassnahme
kann damit nicht als mangelnder Eingliederungswille interpretiert werden. Auch anlässlich des Beschwerdeverfahrens stellte der Beschwerdeführer den Eventualantrag auf Weiterführung der beruflichen
Massnahmen
(
Urk.
1 S. 1 und S. 3).
5.4
Unter den gegebenen Umständen hätte die Beschwerdegegnerin dem Beschwerde
führer den Eingliederungswillen
nicht
absprechen dürfen.
Daraus ergibt sich, dass die Renteneinstellung so lange nicht gerechtfertigt ist, als die Wieder
eingliede
r
ung nicht
abschliessend
aktiv gefördert wurde
und die Beschwerde
geg
nerin den ihr obliegenden Beweis dafür erbracht hat, dass der Beschwerdeführer ein allfällig ausgewiesenes höheres Leistungspotential, welches ergänzender Abklärungen in medizinischer Hinsicht und einer Auseinander
set
zung mit den Ergebnissen der beruflichen Abklärung bedarf
(
Urteil des Bundes
gericht
8C_411/2015 vom 17.
September 2015 E. 5.2),
auf dem Weg der Selbst
einglie
derung zu verwerten vermag.
Dies führt im Ergebnis zur
Gutheissung
der Be
schwerde mit der Fest
stellung, dass
der
Beschwerdeführer weiterhin Anspruch auf die ganze Rente hat.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG)
,
auf Fr.
8
00.
--
anzusetzen
und der Beschwerde
gegnerin aufzuerlegen
.
6
.
2
Nach
§
34
Abs.
1
GSVGer
hat die obsiegende Beschwerde führende Person An
spruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streit
wert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
B
eim
praxisgemässen
Stundenansatz von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer)
ist die Prozessent
schä
digung
ermessensweise auf Fr.
1‘900
.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwert
steuer) festzusetzen und von der Beschwerdegegnerin
an Rechtsanwalt Hermann Rüegg, Rüti ZH,
zu bezahlen.