# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 57d52801-fdc2-4ea0-86a6-fb736d442859
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1966, meldete sich am
9.
Februar 2017 (Eingangsdatum) bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/9).
Die Sozial
ver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte
den Arztbericht
des medi
zinischen Zentrums
Y._
vom 1
7.
Juni 2017
ein (
Urk.
8/41). Am 9. August 2017 teilte sie der Versicherten mit, dass aufgrund ihres Gesund
heits
zustands zurzeit keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien
(
Urk.
8/44).
Die IV-Stelle holte den weiteren Arztbericht des medizinischen Zentrums
Y._
vom 3
1.
März 2018 ein (
Urk.
8/63). Am
3.
Mai 2018 (
Urk.
8/64) reichte die Versicherte den Arztbericht von
Dr.
med.
Z._
, FMH Praktische Ärztin und Fachärztin für Chirurgie, vom
9.
April 2018 (
Urk.
8/65) ein.
Sodann holte die IV-Stelle den Bericht von
Dr.
Z._
vom
9.
Mai 2018 ein (
Urk.
8/66/1-8; unter Beilage diverser weiterer Arztberichte,
Urk.
8/9
30). Schliesslich
liess
die IV-Stelle das polydisziplinäre Gutachten der
Gutachtenstelle A._
vom 2
6.
November 2018
erstellen
(
Urk.
8/81).
Am 1
2.
Dezember 2018 nahm
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Chirurgie, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der IV-Stelle zum Gutachten Stellung (
Urk.
8/86/6-7). Mit Vorbescheid vom
9.
Januar 2019 kündigte die IV-Stelle der Versicherten an, dass sie den Anspruch auf eine Invalidenrente verneinen werde (
Urk.
8/87). Dagegen erhob
X._
durch den Sozialdienst der
Gemeinde
C._
am 2
8.
Februar 2019 Einwand, wobei sie darauf hinwies, dass sie sich
stationär behandeln lassen
werde und darum ersuche,
das
Verfahren bis zum Vorliegen des Austrittsbericht
s
der behandelnden
Klinik zu sistieren (
Urk.
8/93).
In der Folge war die Versicherte vom
1.
Juli
2019 bis zum
2.
August 2019 bei der
D._
in stationärer Behandlung. Die
D._
AG erstatte
te am 2
3.
August 2019 den Abschlussbericht (
Urk.
8/103).
Am
2.
Oktober 2019 nahm RAD-Arzt
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
therapie
,
Stellung (
Urk.
8/105/3-4).
Mit Verfügung vom
2.
Dezember 2019 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab (
Urk.
2).
2.
Gegen diese Verfügung erhob
X._
durch Rechtsanwältin Nadia Hirzel am 2
0.
Januar 2020 Beschwerde mit folgenden Anträgen (
Urk.
1 S. 2):
«
1.
Es sei die Verfügung vom
2.
Dezember 2019 aufzuheben.
2.
Es seien der Beschwerdeführerin die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen.
3.
Es sei der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung und
Rechts
verbeiständung
mit der Unterzeichnenden zu gewähren.
4.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerde
gegnerin.»
Die Beschwerdegegnerin ersuchte am
4.
März 2020 um Abweisung der Beschwer
de (
Urk.
7). Mit Verfügung vom 1
0.
März 2020 wurde der Beschwerde
führerin die unentgeltliche Prozessführung gewährt und es wurde ihr Rechts
anwältin Hirzel als unentgeltliche Rechtsvertreterin für das
vorli
egende Verfahren bestellt (Urk.
9).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
1.2.1
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
ti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.2.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypotheti
schen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invali
ditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommens
vergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.3
1.3.1
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.3.2
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (sogenannte Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts 9C_823/2018 vom 11. Juni 2019 E. 2 mit Hinweisen).
1.3.3
In Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften ist auf die Erfah
rungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftrags
rechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientin
nen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Wohl kann die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Behandlung oft wertvolle Erkenntnisse zeitigen; doch lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Person einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten ander
seits (BGE 124 I 170 E. 4) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichts
gutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen bzw. Therapiekräfte zu anders
lautenden Ein
schät
zungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abwei
chende Beurteilung aufdrängt, weil die anderslautenden Ein
schätzungen wichtige – und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_677/2014 vom 2
9.
Oktober 2014 E. 7.2 mit Hinweisen, u.a. auf SVR 2008 IV Nr. 15 S. 43 E. 2.2.1 [I 514/06]).
1.4
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische Th
ese abstellen (BGE 125 V 351 E.
3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
1.5
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderer
seits
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesge
richts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrund
lage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchs
frei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachge
wiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
1.6
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte in der angefochtenen Verfügung vom 2. Dezember 2019 (
Urk.
2) aus,
der Beschwerdeführerin seien körperlich leichte bis gelegentlich mittelschwere Tätigkeiten, vorzugsweise in einer staub- und
rauchfreien Umgebung weiterhin zu 100
%
zumutbar. Dadurch könne sie weiter
hin ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen erzielen.
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin geltend, die Beschwerdegegnerin stütze ihren Entscheid lediglich auf das Gutachten der
Gutachtenstelle A._
vom 2
8.
November 2018 und habe den Berichten der behandelnden Ärzte zu wenig Gewicht zuge
messen. Die Ärzte des medizinischen Zentrums
Y._
kämen nachvoll
ziehbar zum Schluss,
dass eine rezidivierende depressive Störung bestehe, welche seit einiger Zeit als mittelgradig einzustufen sei. Die Beschwerdeführerin könne deshalb ihre Alltagstätigkeiten nicht ohne Dritthilfe bewältigen. Aufgrund des grossen Leidensdrucks habe sie sich stationär behandeln lassen. Sie habe zwar in einem gebesserten Zustand entlassen werden können, jedoch habe sich der Gesundheitszustand nicht verbessert. Auf das Gutachten könne deshalb nicht abgestellt werden und es sei der Beschwerde
führerin eine Invalidenrente auszu
bezahlen. Sodann habe es die Beschwerde
gegnerin auch unterlassen, Einglie
de
rungsmassnahmen zu prüfen. Die Beschwer
deführerin habe den Willen, an ent
sprechenden Massnahmen mitzuwirken
,
und es sei nicht nachvollziehbar, warum die Beschwerdegegnerin keine solchen eingeleitet habe (
Urk.
1).
3.
3.1
Gemäss dem
provisorischen
Austrittsbericht des
Reha
z
entrums
F._
über den stationären Klinikaufenthalt der Beschwerdeführerin vom
4.
April 2017 bis zum
7.
Mai 2017 bestehen bei der Beschwerdeführerin folgende Diagnosen (
Urk.
8/20):
1.
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
,
ICD
10 F45.41
2.
Neuroendokrine
Neoplasie
linker Oberlappen
,
Erstdiagnose 1
2.
April 2016
-
TNM-Klassifikation: pT2a
cNO
cMla
; VI; R0, UICC-Stadium IV
-
1
3.
Juli 2016
Thorakos
kopische
Wedge
-Resektion
Lingula
-
PET CT Thorax/Abdomen vom 1
2.
April 2016:
Rundherd
(9mm) linker Ober
lappen mit marginaler metabolischer Aktivität, Nachweis weiterer intrapulmo
naler Rundherde linker Unterlappen, keine mediastinale/
hiläre
Lymphadeno
pathie
-
Verlaufs-CT Thorax vom
4.
Juli 2016:
g
rössenstationäre multiple
bipul
mo
nale
indeterminierte
Noduli
, der grösste in der
superioren
L
i
ngula
-
Wedgeresektion
Oberlappen links: Zwei Herde
,
ein
er davon
subpleural
einer neuro
endokrinen
Neoplasie
mit Positivität für
Synaptophysin
und
Chromo
granin
. Nachweis von Lymphgefässeinbrüchen sowie einer Proliferation <5
%
.
3.
Rezidivierende depressive Störung, aktuell mittelgradig
,
ICD-10
F33.1
4.
Asthma DD Asthma-COPD
-
Overlap
-
Syndrom
-
nicht reversible Obstruktion als Nie-Raucherin
-
Asthma in der Kindheit,
a
n
amnestisch vermindert
er
Geruch und Geschmacks
minderung
-
p
aradoxe Reaktion auf Betastimulatoren mit Verschlechterung der Obstruk
tion und Husten
Eine berufliche Reintegration erscheine kurz- bis mittelfristig unrealistisch. Die Beschwerdeführerin sei in Bezug der Schmerzen, Tagesstrukturierung und Selbst
wirksamkeit trotz Fortschritten unterstützungsbedürftig.
3.2
3.2.1
Laut dem Arztbericht des medizinischen Zentrums
Y._
vom 1
7.
Juni 2017 (
Urk.
8/41) bestehen bei der Beschwerdeführerin eine rezidivierende depressive Störung, aktuell mittelgradig (ICD-10 F33.1), eine neuroendokrine
Neoplasie
linker Oberlappen, am ehesten typisches
Karzionid
(
Erstdiagnose 12. April 2016
)
ein Asthma
(
Differentialdiagnose Asthma-COPD
-
Overlap
Syndrom
)
sowie eine subtotale Ruptur SSP +
Pertralruptur
rechts + LBS
Tenotomie + SAD (Diagnose Klinik
G._
, 2
0.
Juni 2017).
Die Beschwerde
führerin könne ihre bisherige Tätigkeit in einer Bäckerei nicht mehr ausüben, auch wegen der Lungenerkrankung
,
und ebenfalls nicht mehr im Reinigungs
be
reich. Es sei ihr nicht mehr möglich, die physischen Belastungen einer solchen Tätigkeit zu ertragen. Laut Einschätzung der Klinik
G._
sei die
Beschwer
de
führerin
aktuell und voraussichtlich für die nächsten 6 bis 9 Monat zu 100
%
arbeits
unfähig. Auch von der psychischen Seite her bestehe momentan eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit.
Die Beschwerdeführerin sei in einer deutlich ausge
prägten depressiven Stimmung. Die quälenden Schmerzen im Schulter
bereich und die restlichen Schmerzen von der früheren Lungenoperation beein
flussten ihr Denken und Handeln massiv negativ. Die Müdigkeit, Erschöpfung und das Bedürfnis, sich immer mehr und öfter erholen zu müssen, beein
trächtigten deut
lich ihre Funktionalität. Das demotiviere sie stark und führe zu Frustration und Verzweiflung. In den nächsten 9 bis 12 Monaten sei die Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit unrealistisch.
3.2.2
Im Bericht vom 3
1.
März 2018
(
Urk.
8/63)
hielt das medizinische Zentrum
Y._
fest, der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin habe sich deutlich verschlech
tert. Sie sei zu 100
%
arbeitsunfähig. Die Schmerzen und Kraftlosigkeit in den Händen und Schultern würden es ihr verunmöglichen, gross zu kochen und zu putzen. Ebenso wenig könne sie alleine ihre Haare waschen. Sie könne
sich nicht schnell bewegen und habe massive Schwierigkeiten, auf steilen Wegen oder Treppen zu gehen. Der ständige Husten mache sie sehr müde und beanspruche viel Energie. Die 100%ige Arbeitsunfähigkeit werde nicht nur durch die massiven körperlichen Beschwerden verursacht, sondern auch durch den stark depressiven Zustand mit massiven Schlafstörungen. Im geschützten Rahmen mit sitzender, einfacher Arbeit ohne physische Belastungen sei eine Beschäftigung eventuell möglich.
3.3
Laut dem Arztbericht der Hausärztin
Dr.
Z._
vom
9.
Mai 2018 (
Urk.
8/66/1-8) bestehen bei der Beschwerdeführerin folgende Diagnose
n
(
Urk.
8/66/7-8):
Symptomatische Daumensattelgelenksarthrose rechts Stadium II nach Eaton Milde Tendo
vaginitis
stenosans
Dig
3 und 4 rechts Stadium I
Aktuell: Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
1.
Chronische Obstipation
-
Rektosigmoidoskopie
8.
August 2016: kleine
Rektummukosa
zur Prolaps
, Analfissur 6 Uhr in SSL, erhöhter analer
Sphinktertonus
-
Status nach Botox-Injektion
,
Status
nach
Nifidipin
Metronidazol
Creme - Stuhlregulation
2.
E
pigastrische
Schmerzen DD funktionell: Gastroskopie 3
0.
September 2016:
-
vereinzelte Erosionen im Magen
,
Antrum
,
Helicobacter
negativ, normale
Duodenalbiopsie
-
Status nach Resektion eines
benignen Lungentumor
s
anamnestisch
3
.
Neuroendokrine
Neoplasie
links
Oberlappen
am nächsten Liebscher
Carcino
i
d
,
Erstdiagnose 1
2.
April 2016
-
TNM-Klassifikation: pT2 ACN0
CM1A VI R0
UICC
Stadium IV
-
PCT Thorax
Abdome
n vom 1
2.
April 2016:
Rundherd
9mm
linker Ober
lappen mit mar
ginaler metabolischer Aktivität.
Nachweis weiterer intrapulmonaler
Run
dherd
linker
Unterlappen, keine mediastinale
hiläre
Lymphadenopathie
-
Verlauf
CT Thorax
4.
Juli 2016:
g
rössenstat
ionäre multiple
Noduli
, der grösste in der
superioren
Li
ngula
-
thorakoskopische
Wedge
-
Resektion innerhalb der
Lingula
am 1
3.
Juli 2016
4
.
Rezidivierende depressive Stö
rung
,
aktuell mittelgradig
5
.
Asthma DD Asthma
-
COPD
-
Overlap
-
Syndrom
-
nicht reversible Obstruktion als Nie-Raucherin
-
Asthma in der Kindheit,
a
n
amnestisch vermindert
er
Geruch und Geschmacks
minderung
-
p
aradoxe Reaktion auf Betastimulat
ion
mit Verschlechterung der Obstruk
tion und Husten
6.
Status nach PASTA-Läsion
mit instabiler LBS und
subcromi
alem
Impingement
Schulter rechts bei subtotaler SSP-Sehnenruptur mit
Partial
läsion der LBS und
sub
cromialem
Impingement
rechts am 2
3.
Juni 2017 bei
-
Status nach Verkehrsunfall vor ca. 10-15 Jahren in
I._
7.
Benigner parox
y
s
maler Lagerungsschwindel des rechten hinteren Bogen
ganges
-
chronische Kopfschmerzen vom Spannungstyp DD sekundär bei MR-tomographisch nachgewiesener Pansinusitis (
cMRI
vom
7.
August 2017)
Der Beschwerdeführerin sei die Ausübung einer Erwerbstätigkeit nicht mehr zu
mutbar. Die Prognose sei schlecht. Eine Wiedereingliederung in eine Erwerbs
tätigkeit sei eher unwahrscheinlich.
3.4
Laut dem polydisziplinären Gutachten
(Innere Medizin,
Herz- und thorakale Gefässchirurgie
,
Neurologie,
Orthopädie
, Psychiatrie
)
der
Gutachtenstelle A._
vom 26.
November 2018 bestehen bei der Beschwerdeführerin folgende Diagnosen (
Urk.
8/81/8-9):
Mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
•
Rotatorenmanschettenpartialruptur
rechtes Schultergelenk
•
Leichtgradige Daumensattelgelenkreizung rechts
•
Neuroendokrine
Neoplasie
linker Lungenoberlappen (DD Karzinoid)
,
Erst
diagnose April 2016,
thorakoskopische
Resektion am 1
3.
Juli 2016
•
Asthma bronchiale DD COPD-
Overlap
-Syndrom
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
•
Angststörung, am eheste
n
Agoraphobie, derzeit ohne Panikstörung (ICD
10 F40.00)
•
Präadipositas
•
Verdacht auf arterielle Hypertonie
•
Chronische Obstipation, Hämorrhoiden
•
Epigastrische
Schmerzen DD funktionell, NSAR
•
Aktenanamnestisch benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel des hin
teren rechten Bogenganges
•
Chronische Spannungskopfschmerzen DD sekundär bei MR-tomo
graphisch nachgewiesener Pansinusitis (CMRI vom
7.
August 2017)
Die orthopädischen Befunde und der postoperative pulmonale Status sowie das Asthma/
Overlap
-
Syndrom würden eine reduzierte körperliche Belastbarkeit be
dingen. Die Biographie sowie die weitere psychiatrische Exploration ergäben keinen Anhalt für eine in Kindheit oder Jugend beginnende, psychische und das
Verhalten mit namhaften negativen sozialen Folgen störende Auffälligkeit. Belastungsfaktoren mit funktioneller Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit lägen nicht vor. Es ergäben sich Inkonsistenzen hinsichtlich der reklamierten Schmer
zen und psychischen Beeinträchtigungen einerseits und den objektiven Befunden andererseits (kein namhaft schmerzgeplagter Eindruck, kein namhaft psychisch gestörter Eindruck). In der bisherigen Tätigkeit sei die Beschwerde
führerin nicht mehr arbeitsfähig. In einer angepassten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
.
Internistisch sei aufgrund der obstruktiven Lungenerkrankung auf eine Arbeits
tätigkeit in ausserhalb der Norm temperierten Räumen und auf den Umgang mit staubhaltigen oder
inhalativ
reizenden Substanzen zu verzichten (
Urk.
8/81/42
44). Den Einschränkungen der Beschwerdeführerin optimal ange
passt sei eine sitzende oder wechselnde Tätigkeit ohne stärker
e körperliche Belastungen (Urk.
8/81/82).
Zu vermeiden seien häufige Tätigkeiten mit dem rechen Arm über Kopf und mit hohem Kraftaufwand für den rechten Arm (Urk. 8/81/145-146).
Aus neurologischer Sicht bestünden keine relevanten Beschwerden (
Urk.
8/81/109
-112). Ebenso sei keine psychiatrische Erkrankung mit invalidisierenden Funk
tionseinschränkungen zu attestieren. Es sei eine zwar belastete, jedoch weitge
hend unauffällige psychosoziale Entwicklung zu ver
zeichnen.
Es schienen eine hinreichende soziale und familiäre Anbindung und Alltagsselbständigkeit als Hinweis für intakte Ressourcen auf (
Urk.
8/81/173
177).
3.5
RAD-Arzt
Dr.
B._
hielt in der Stellungnahme vo
m 1
2.
Dezember 2018 (
Urk.
8/86/
6-7) fest,
das
Gutachten der
Gutachtenstelle A._
sei plausibel und nachvoll
ziehbar. Es könne darauf abgestellt werden. Laut dem Gutachten sei der Beschwerde
führerin keine Arbeitstätigkeit in ausserhalb der Norm temperierten Räumen und mit dem Umgang von staubhaltigen oder
inhalativ
reizenden Substanzen zumut
bar.
Sitzende oder wechselhaltige
Tätigkeiten ohne stärkere kör
perliche Belastungen, vorzugsweise in einer staub- und rauchfreien Umgebung seien der Beschwerdeführer
in
dagegen zumutbar. In Frage kämen überwiegend leichte bis gelegentlich mittelschwere Tätigkeiten ohne häufigen Armeinsatz (rechter Arm) über der Horizontalen. In der bisherigen Tätigkeit als Mitarbeiterin einer Bäckerei und Reinigungskraft sei die Beschwerdeführerin seit dem
2.
Juni 2016 bis auf weiteres zu 100
%
arbeitsunfähig. In einer behinderungsangepassten Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin von Juni bis Dezember 2017 (Schulter
operation) zu 100
% arbeitsunfähig gewesen. In der
übrigen Zeit bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in behinderungs
angepasster Tätigkeit. Eine wesentliche Änderung des Gesundheitszustands sei nicht zu erwarten.
3.6
Laut dem Austrittsbericht der
D._
AG vom 2
3.
August 2019
(Urk. 8/103)
bestehen bei der Beschwerdeführerin eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (F33.1), eine Schlafstörung, nicht näher bezeichnet (G47.9), eine benigne essentielle Hypertonie, ohne Angabe einer
hypertensiven
Krise, aktuell unbehandelt (I10.00), ein Diabetes mellitus, Typ 2, ohne Komplikationen, nicht als entgleist bezeichnet, HbA1c: 5.8
%
unter OAD (E11.90), ein Vitamin-D-Mangel, nicht näher bezeichnet (E55.9), ein Asthma bronchiale, DD: COPD
-
Overlap
-
Syndrom (
J
45.9), eine chronische Obs
tipation, kleiner
Rektummukosap
rolaps
, Analfissur, erhöhter analer
Sphinctertonus
(
Rektosigmoidoskopie
08/16) (K59.0), ein Sodbrennen, vereinzelte Erosionen im Magen-
Antrum
(Gastroskopie 09/16) (R12), eine chronische Sinusitis, nicht näher bezeichnet (J32.9), eine klimakterische Störung, Hitzewallungen (N95.9), eine Adipositas durch übermässige Kalorienzufuhr, Adipositas Grad I (WHO)
(E66.00), eine neuroendokrine
Neoplasie
linker Oberlappen ED 04/16, UICC-Stadium IV, grössenstationäre multiple
bipulmonale
indeterminierte
Noduli
, der grösste in der
superioren
Lingula
07/16, Status nach
thorakoskopischer
WEDGE, Resektion innerhalb
der
Lingula
07/16 sowie eine PASTA-Läsion mit instabiler LBS und
subacromialem
Impingement
Schulter rechts, Status nach Schulterarthroskopie rechts mit LBS Tenotomie,
Debridement
PASTA, Läsion ventraler
Kapsulotomie
,
subacromialer
Bursektomie
und
Acromiaplastik
06/1
7.
Die Beschwerdeführerin sei freiwillig und auf Zuweisung ihrer behandelnden Psychiaterin in die Klinik eingetreten. Diagnostisch gehe man von einer mittelgradigen depressiven Episode sowie einer Tendenz zur Somatisierung aus. Leider hätten sich die somatischen Beschwerden trotz Änderung der Medikation nicht ausschlaggebend verbessert. Es sei der Beschwerdeführerin im Verlauf der stationären Behandlung gelun
gen, einen besseren Zugang zu ihrer Schmerzsymptomatik zu erhalten. Sie habe wieder mehr Selbständigkeit entwickeln können. Sie habe in gebessertem Zustand bezüglich der Depression in die vorbestehenden Verhältnisse entlassen werden können. Eine innere Ungewissheit und Ängstlichkeit habe persistiert bezogen auf die Frage, wie es daheim gelingen und wie sich der gesundheitlich
e
Zustand ent
wickeln werde.
3.7
RAD-Arzt
Dr.
E._
hielt in der Stellung
nahme vom
2.
Oktober 2019 (Urk.
8/105/3-4) fest, es werde von der
D._
AG nebst über 12
soma
tischen Diagnosen eine rezidivierende depressive Störung gegenwärtig mittelgra
dig diagnostiziert. Es würde zwar über panikartige Angstzustände berichtet, diese
jedoch nirgends diagnostiziert. Die Diagnose werde durch den psychopathologi
schen Befund nicht bestätigt, sondern das Vorliegen einer Angststörung. Es könne somit an der RAD-Stellungnahme vom 1
2.
Dezember 2018 festgehalten werden.
3.8
Im Bericht vom 1
3.
Dezember 2019 (
Urk.
8/108) übernahmen die Fachpersonen des medizinischen Zentrums
Y._
die von den Ärzten der
D._
AG im Bericht vom 2
3.
August 2019 gestellten Diagnosen. Zur Arbeits
fähigkeit erklärten sie, aufgrund der seit 2017 bestehenden
chronifizierten
Sympto
matik sei die Prognose trotz erreichten Fortschritten in der Therapie schwierig und eine Arbeitsintegration erscheine als eher unwahrscheinlich.
4.
4.1
Das umfangreiche polydisziplinäre Gutachten
der
Gutachtenstelle A._
vom 2
6.
November 2018 (
Urk.
8/81)
vermag die an eine beweiskräftige ärztliche Expertise gestellten Anforderungen vollumfänglich zu erfüllen (E. 1.
4
).
Es beruht au
f
sorgfältigen, umfassenden
internistischen
, herz- und
thorakalgefäss
chirurgischen
, neu
rolo
gi
schen,
orthopädischen
und psychiatrischen Unter
suchungen
und wurde unter Berücksichtigung der geklagten Beschwerden sowie in Auseinander
setzung mit der medizinischen Aktenlage abgegeben. Die Gutachter legten die medizinischen Zusammenhänge und die medizinische Situation einleuchtend dar und begrün
de
ten ihre Sch
lussfolgerungen nachvoll
ziehbar.
Dem Gutach
ten kommt daher gru
ndsätzlich volle Beweiskraft zu.
4.2
Wie bereits festgehalten (E. 1.3.3) ist in Bezug auf die Berichte der behan
deln
den Ärzte die Erfahrungstatsache zu berücksichtigen
, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen.
De
r
Beschwerdeführerin ist aber
darin beizupflichten, dass die Beurteilungen der behandelnden Ärzte nicht grundsätz
lich ausser Acht gelassen werden dürfen. Ohne sich
jedoch
im Detail mit dem Gutachten der
Gutachtenstelle A._
auseinander zu setzen, bezeichnet sie dessen Beurteilung in psychiatrischer Hinsicht als nicht nachvollziehbar, wogegen die von den Ärzten des medizinischen Zentrums
Y._
gestellte Diagnose einer mittelgradigen depressiven Störung nachvollziehbar sei (
Urk.
1 S. 7).
In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass es im
psychiat
rischen Kontext
ohnehin
grundsätzlich nicht auf die Diagnose, sondern einzig darauf
ankommt
, welche Auswirkungen eine Erkrankung auf die Arbeits
fähigkeit hat. Massgebend ist in erster Linie der lege
arti
s
erhobene psychopatho
logische
Befund und der
Schweregrad der Symptomatik (vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_59/2016 vom 6. Januar 2017 E. 6.1).
4.3
Das
Gutachtenstelle A._
-Gutachten setzt sich ausreichend mit den abweichenden Beur
teilungen der behandelnden Ärzte auseinander. Es verweist darauf, dass im eigenen, AMDP-konform erhobenen psychiatrischen Befund keine erheblichen Beeinträchtigungen zu objektivieren waren, insbesondere waren Stimmung, Antrieb und affektive Schwingungsfähigkeit – diskrepant zum Beschwerde
vortrag – nicht namhaft gestört. Eine affektive Erkrankung war somit nicht ICD
10-konform zu diagnostizieren.
Der psychiatrische Gutachter der
Gutachtenstelle A._
,
Dr.
med.
H._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, diagnostizierte eine Angststörung, am ehesten Agoraphobie, derzeit ohne Panikstörung (ICD-10 F40.00). Eine
darüber hinausgehende
psychiatrische Erkrankung konnte er nicht feststellen. Er beurteilte die Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht als voll arbeitsfähig (
Urk.
8/81/172). Bezüglich der abweichenden Einschätzung des medizinischen
Zentrums
Y._
verweist
das
Gutachtenstelle A._
-Gutachten darauf, dass dessen psychiatrische Bewertung einerseits eine fach-immanente Diagnose (Depression)
stelle
, andererseits aber auch
auf fachfremde somatische Diagnose abstelle. Eine aktenkundige Bestätigung der psychiatrisch fachfremden Bewer
tungsanteile in der zitierten Einschätzung f
i
nde sich aber nicht. Diese könnten zwar eine qualitative Minderung der Arbeitsfähigkeit begründen, nicht aber eine generelle Arbeitsunfähigkeit. Die weitere aktenkundige psychiatris
che Diagnose seitens der Hausär
z
t
in
Dr.
Z._
(chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren) widerspreche wiederum der aktenkundigen psychiat
rischen Bewertung einer gravierenden Depressivität. Letztlich wirke die Beschwerdeführerin zudem auch nicht konsistent schmerzgeplagt und ein mit dem Schmerzbeginn assoziierter seelischer Konflikt sei nicht herauszuarbeiten, die Achsenkriterien einer psychogenen Schmerzstörung seien nicht als erfüllt anzu
sehen (
Urk.
8/81/5-6).
Insgesamt erscheint die Beurteilung
im
Gutachtenstelle A._
-Gut
achten damit als nachvollziehbar und
der Gutachter
vermag auch aufzuzeigen, warum im Gegensatz dazu die Beurteilungen der behandelnden Ärzte weniger plausibel sind.
5.
5.1
Da grundsätzlich bei sämtlichen psychischen Erkrankungen das strukturierte Beweisverfahren durchzuführen ist, ist im Folgenden zu prüfen, ob und in
welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechts
er
heblichen Indikatoren auf eine Arbei
tsunfähigkeit schliessen lassen
.
5.2
Zum Komplex «Gesundheitsschädigung» in der Kategorie «funktioneller Schwe
re
grad» ist festzuhalten,
dass die erhobenen objektiven Befunde und Symptome einer psychischen Erkrankung nicht besonders ausgeprägt erscheinen. Anlässlich der psychiatrischen Untersuchung durch
Dr.
H._
wirkte die Beschwerdeführerin im Gespräch äusserlich ruhig, darunter angespannt. Sie berichtet
e
mit reichlicher Sprachproduktion ohne Antwortlatenz und mit intakter Sprachmelodie. Mimik und Gestik wirkten unbeeinträchtigt. Der Rapport war insgesamt geordnet und musste nicht strukturiert werden. Die Beschwerdeführerin wirkte psychisch allen
falls leichtgradig beeinträchtigt. Im Gespräch wurde der Augenkontakt gehalten, der weitere Kontakt gestaltete sich hinreichend freundlich und auskunftsbereit. Anhalt für Bewusstseinsstörungen bestand nicht, die Beschwerdeführerin war zu allen Seiten voll orientiert. Konzentration und Aufmerksa
mkeit waren unauffällig (
Urk.
8
/
8
1/170).
Auch während des stationären Aufenthalts in der
D._
AG vom
1.
Juli bis zum
2.
August 2019 zeigte sich die Beschwerde
führerin vollständig orientiert. Es bestanden lediglich leichte Aufmerksamkeits- und Auffassungsstörungen sowie subjektive Konzentrations- und Merkfähig
keitsstörungen. Formal war die Beschwerde
führerin gedanklich leicht verlangsamt, inhaltliche Denkstörungen zeigte sie aber nicht. Sinnestäuschungen und Ich-Störungen waren nicht
eruierbar
. Im Vordergrund stand nicht die psychische, sondern die somatische Symptomatik. Die Beschwerdeführerin konnte ausserdem in gebessertem Zustand entlassen werden
, es gelang mithin durchaus, einen gewissen Behandlungserfolg zu erzielen
(Urk. 8/103/3-4).
Eine Behandlungs
resistenz ist damit zu verneinen. Ressourceneinschränkende Komor
bidi
täten aus dem somatischen Bereich sind jedoch vorhanden. Es wurden bei der Beschwer
deführerin zahlreiche somatischen Diagnosen gestellt, an einer schweren Krank
heit leidet sie aber nicht. Es ist damit zwar von einer erheblichen Gesundheits
schädigung auszugehen, besonders ausgeprägt erscheint diese aber nicht.
Sodann ist zum Komplex «Persönlichkeit» festzuhalten, dass keine Hinweise auf eine geneti
sche Vulnerabilität oder Persönlichkeitsfaktoren für die Entwicklung psychiatri
scher Erkrankungen ausgemacht werden
können.
Die Beschwerde
führerin
ist Mutter zweier inzwischen erwachsener Kinder. Sie war in der Lage, sich um die Erziehung der Kinder und den Haushalt zu kümmern und konnte daneben auch jahrelang eine Erwerbstätigkeit ausüben (
Urk.
8/81/168-169).
Hinsichtlich des Komplexes «Sozialer Kon
text» ist zu berücksichtigen,
dass die Beschwerdeführerin über ein intaktes familiäres und soziales Umfeld verfügt.
Wohl wurde ihre Ehe geschieden und sie lebt aktuell in keiner neuen Partner
schaft. Sie wohnt aber mit ihrer Tochter zusammen
und hat auch zu ihrem Sohn regelmässigen Kontakt. Ebenso pflegt sie Kontakte zu ihren sech
s Geschwistern. Da diese in I._
und teilweise in
J._
leben, finden die Kontakte vor allem telefonisch statt. Die Beschwerdeführerin verfügt ausserdem auch über einen Freundes- und Bekanntenkreis und hat guten Kontakt zu zwei Nach
barinnen. Mit diesen trifft sie sich im Café oder geht mit ihnen spazieren. Sodann besucht die Beschwerdeführerin das Krafttraining und die Wassertherapie. Obwohl sie über den Fahrausweis verfügt, fährt sie nicht mit dem Auto, kann sich aber mit dem öffentlichen Verkehr fortbewegen (Urk. 8/81/168-169).
Insgesamt verfügt
die Beschwerdeführerin über ein
intaktes soziales Umfeld mit mobilisier
baren Ressourcen.
5.3
Zum Aspekt der «Konsistenz» ist darauf hinzuweisen,
dass
sich Inkonsistenzen hinsichtlich der reklamierten Schmerzen und psychischen Beeinträchtigungen einerseits und den objektiven Befunden andererseits ergeben (
Urk.
8/81/9). Die Beschwerdeführerin verfügt über eine intakte Alltagsselbständigkeit, welche darauf hindeutet, dass es ihr grundsätzlich möglich sein sollte, einer Erwerbs
tätigkeit nachzugehen.
5.4
Auch mittels strukturierten Beweisverfahren lässt sich mithin k
eine
funktionelle Auswirkung der
von der
Be
schwerdeführer
in
geklagten psychischen Beschwerden nachweisen.
Es ist damit gestützt auf
das
Gutachtenstelle
A._
-Gutachten davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in einer körpe
rlich leichten bis gelegentlich
mittel
schweren Tätigkeit in einer staub- und rauchfreien Umgebung und ohne Kälte- oder Hitzeexposition zu 100
%
arbeitsfähig ist.
6.
Die Beschwerdegegnerin ist zu Recht davon ausgegangen, dass die Beschwerde
führerin ohne Eintritt des Gesundheitsschadens weiterhin einer Hilfsarbeitertätig
keit in einer Bäckerei nachgehen würde (
Urk.
8/85). Nach Eintritt des Gesund
heitsschadens steht ihr weiterhin eine breite Palette an Hilfsarbeiten offen, welche sie ausüben
kann.
Für die Bestimmung des
Valideneinkommens
hat die Beschwerdegegnerin auf die Tabellenlöhne (LSE 2016, TA1
Ziff.
10-11 Frauen, Kompetenzniveau 1) abgestellt
und so ein
Valideneinkommen
von
Fr.
54'122.75 berechnet
. Dieses Einkommen liegt etwas über dem, welches die Beschwerde
führerin an ihrer letzten Stelle als Hilfsarbeiterin in einer Bäckerei verdiente
(
Urk.
8/14,
Urk.
8/85). Das Invalideneinkommen hat die Beschwerdegegnerin ebenfalls auf der Grundlage der Tabellenlöhne (LSE 2016, TA1, Total Frauen, Kompetenzniveau 1) festgelegt, ohne einen Abzug vom Tabellenlohn zu
gewähren (vgl. dazu E. 6.2 nachfolgend), womit ein Invalideneinkommen von
Fr.
54'799.45 resultierte (
Urk.
2,
Urk.
8/85
).
Dieses Vorgehen
ist
ni
cht zu bean
standen.
Daraus ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin mit den ihr noch offen
stehenden Tätigkeiten grundsätzlich ein gleich hohes Erwerbseinkommen wie bisher erzielen kann. Eine gesundheitsbedingte Erwerbseinbusse ist damit zu ver
neinen. Der Invaliditätsgrad beläuft sich auf 0
%
.
Anzufügen ist, dass auch bei Vornahme des maximal zulässigen Abzugs vom Tabellenlohn von 25
%
(vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2, 134 V 322 E. 5.2) kein rentenbegründender Invaliditätsgrad von mindestens 40
%
resultieren würde.
7.
Soweit die Beschwerdeführerin den Antrag stellt, die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten,
Eingliederungsmassnahmen
durchzuführen
, ist festzustellen, dass die Beschwerdegegnerin darüber in der angefochtenen Verfügung nicht ent
schieden hat. Mangels Anfechtungsgegenstands ist deshalb diesbezüglich auf die Beschwerde nicht einzutreten, da grundsätzlich nur Rechtsverhältnisse zu beur
teilen sind, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich Stellung genommen hat (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
Der Beschwer
deführerin
bleibt es unbenommen, sich in Bezug auf die Gewährung
von
Ein
gliederungsmassnahmen
erneut bei der Beschwerdegegnerin zu melden.
8.
Zusammenfassend ist damit festzuhalten, dass die Beschwerde abzuweisen ist, soweit auf sie einzutreten ist.
9.
9.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV
Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der Beschwerdefü
hrerin aufzuerlegen, infolge
Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung (
Urk.
9) jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse zu nehmen.
9.2
Die unentgeltliche Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin reichte dem Gericht am
1
6.
März 2020
(
Urk.
11) die Honorarnote
ein, welche einen Aufwand von 8.5
Stunden sowie Barauslagen von pauschal
Fr.
76.50 ausweist. Der geltend gemachte zeitliche Aufwand scheint den Umständen des Falles angemessen, es besteht hingegen kein Grund, um vom gerichtsüblichen Ansatz von
Fr.
220.-- pro
Stunde zuzüglich Mehrwertsteuer abzuweichen.
Die Barauslagen sind antrags
ge
mäss pauschal mit 3
%
zu vergüten.
Dementsprechend ist die unentgelt
liche Rechtsvertreterin mit
Fr.
2'074.40 (inkl.
MWSt
und Barauslagen) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.