# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 2f1ca7df-2a47-424d-9c17-d98ff5b111c3
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1956, arbeitete
als Reinigungsmitarbeiterin
im Stunden
lohn für die
Firma Y._
, (
Urk.
10/12 S. 9), sowie
für
die
Firma Z._
, Soziale Auftragsvermittlung
A._
, (
Urk.
10/13), als s
ie
a
m 3
0.
Oktober 2012 von einem Personenwagen auf dem Fussgängerstreifen ange
fahren
wurde. Die Erstbehandlung erfolgte im
Spital B._
, wo die
Versicherte nach einer 24-stündigen neurologischen Überwachung auf der
Not
fall
station
in gutem Allgemeinstatus nach Hause entlassen wurde
(
Urk.
10/14 S.
16
f.).
Am
1
1.
Juni 2013 (Eingangsdatum)
meldete
sie
sich
unter Hinweis auf Rückenschmerzen und Schmerzen im linken Fuss
seit dem 3
1.
Oktober 2012
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum
Leistungs
be
zug
an (
Urk.
10/1).
Die IV-Stelle klärte die erwerblichen und medizinischen Verhältnisse ab und verneinte nach durchgeführtem
Vorbesc
heidverfahren
(Vorbescheid vom 2
7.
Septem
ber 2013,
Urk.
10/18
, Einwand vom 2
4.
Oktober 2013,
Urk.
10/22
) mit Verfügung vom
2
4.
Februar 2014
einen Anspruch auf eine Invalidenrente (
Urk.
2
).
2.
Dagegen erhob die
Versicherte mit Eingabe
vom 1
5.
März 2014 (
Urk.
1/1-3)
Beschwerde und beantragte sinngemäss, die angefochtene Verfügu
ng sei aufzu
heben und
es sei ihr
eine Inva
lidenrente zuzusprechen. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der
unentgeltliche
n Prozessführung
. Mit Beschwer
de
antwort vom
6.
Mai 2014 (
Urk.
9
) schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Be
schwerde. Am
9.
Mai 2014 wurde der
Beschwerdeführer
in
das Doppel d
ieser Eingabe zugestellt (
Urk.
11
).
Mit Schreiben vom 1
0.
November 2014 reichte die IV-Stelle weitere
Arztberichte ein (
Urk.
12/1-6), welche der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 2
1.
April 2015 zur Kenntnis gebracht wurden (
Urk.
13).
Am
12. Mai 2015 (Postaufgabe)
reichte
die Beschwerdeführerin
einen Arztbericht von
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Innere Medizin spez. Nieren
krank
heiten
, vom
5.
Mai 2015
ein (
Urk.
15).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch der Be
schwer
deführerin auf Leistungen der Invalidenversicherung zu Recht verneint hat.
1.2
In der angefochtenen Verfügung vom 2
4.
Februar 2014 (
Urk.
2) erwog die
Be
schwerdegegnerin
, dass der Beschwerdeführerin aufgrund der medizinischen Beurteilung eine behinderungsangepasste Tätigkeit,
überwiegend sitzend ausge
übte Arbeit mit leichter Wechselbelastung, teils sitzend, teils ebenerdig gehend, auch mit gelegentlichem Tragen und Heben von Lasten bis 15 kg, zu 100
%
zu
mut
bar sei.
Damit könne die Beschwerdeführerin ein Einkommen erzielen, wel
ches eine Erwerbseinbusse ausschlösse.
1.3
Die Beschwerdeführerin bringt
demgeg
enüber vor,
sie
habe
starke Schmerzen am
Rücken, im Kreuz,
am Hals und am linken Fuss
. Hinzu kämen täglich Bauch
– und
Kopfschmerzen
. Sie habe häufig Angst und sei sehr vergesslich. Dies führe dazu, dass sie auch leichte Arbeiten ni
cht ausführen könne (
Urk.
1/1).
Auch habe ihr Psychiater aktuell neben der Schmerzsymptomatik eine mittel
gradige bis
schwergradige
depressive Episode festgestellt (
Urk.
1/2).
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den All
ge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
2.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu be
tätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant
gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung
einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen
Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG), als angenommen werden ka
nn, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (
Art.
6 ATSG) sei der versi
cherten Pe
r
son sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E.
1.2 mit Hinwei
sen).
Eine fach
ärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte anhaltende
somatoforme
Schmerz
stö
rung
begründet als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Ver
mutung, dass die
somatoforme
Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zu
mutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den
Wieder
einstieg
in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Res
sourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Ein
zelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die Feststellung
einer psychischen Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprä
gung
und Dauer. Massgebend sein können auch weitere mit gewisser Intensität und
Konstanz erfüllte Faktoren, so: chronische körperliche
Begleiterkrankun
gen
; ein mehrjähriger,
chronifizierter
Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progre
dien
ter Symptomatik ohne längerdauernde Rückbildung; ein ausgewiese
ner sozia
ler Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, therapeu
tisch
nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich miss
glückten, psy
chisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer
Krank
heitsgewinn
;
„Flucht in die Krankheit"); ein
unbefriedigendes
Behandlungser
gebnis
trotz kon
s
e
quent durchgeführter ambulanter und/oder stationärer Be
handlung (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) und geschei
terte
Rehabilitations
mass
nahmen
bei vorhandener Motivation und
Eigenan
strengung
(kooperative Haltung) der versicherten Person. Je mehr dieser Krite
rien zutreffen und je aus
geprägter sich die entsprechenden Befunde darstellen, desto eher sind
–
aus
nahmsweise - die Voraussetzungen für eine zumutbare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 130 V 352, 131 V 49 E. 1.2, BGE 139 V 547 E. 3).
In BGE 139 V 547 hat das Bundesgericht an dieser Rechtsprechung unter Ausei
nandersetzung mit der daran geübten Kritik festgehalten und auf die besondere Bedeutung einer fachgerechten Abklärung hingewiesen
(E. 9.1.3, E. 9.2.1). Ins
be
sondere erkannte das Bundesgericht,
dass sich die unklaren Beschwerden hin
sichtlich ihrer invalidisierenden Folgen von anderen (psychischen) Leiden durch
die mangelnde Objektivierbarkeit unterscheiden. Dabei handelt es sich um ein sach
liches Kriterium, das überprüft werden kann. Die hinreichende Objekti
vier
barkeit der gesundheitlichen Beeinträchtigung wird für Ansprüche auf
Sozi
al
versicherungsleistungen
seit jeher vorausgesetzt und hat im Rahmen der 5. IV-
Re
vision auch Eingang in die Gesetzgebung gefunden (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Von
einer unbegründeten Schlechterstellung beziehungsweise einer Dis
kriminierung der betroffenen Versicherten in
verfassungsmässigem
Sinne bezie
hungsweise nach
Massgabe
der EMRK kann daher nicht gesprochen werden (Urteil des Bun
desgerichts 8C_142/2013 vom 20. November 2013 E. 4.2 mit Hinweis auf BGE 139 V 547 E. 5.6 in
fine
und E. 5.7).
Die im Bereich der
somatoformen
Schmerzstörungen entwickelten Grundsätze werden rechtsprechungsgemäss bei der Würdigung des invalidisierenden Cha
rak
ters von Fibromyalgien (BGE 132 V 65 E. 4), dissoziativen Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen (Urteil des Bundesgerichts 9C_10/2014 vom 20. August 2014 E. 3.3, SVR 2007 IV Nr. 45 S.
150, I 9/07 E.
4 am Ende), und
Konversi
ons
störungen
/dissoziativen Bewegungsstörungen (Urteile des Bundesgerichts 8C_810/2013 vom
9.
April 2014 E. 5.2.2 mit Hinweisen, 9C_903/2007 vom 30. April
2008 E. 3.4) sowie bei
Chronic
Fatigue
Syndrome (CFS; chronisches
Müdig
keitssyndrom
) und Neurasthenie (Urteile des Bundesgerichts 9C_662/2009
vom 17. August 2010 E. 2.3, 9C_98/2010 vom 28. April 2010 E. 2.2.2 und I 70/07
vom 14. April 2008 E. 5), bei einer HWS-Verletzung (Schleudertrauma) ohne
organisch nachweisbare Funktionsfälle (BGE 136 V 279, vgl. auch Urteil des Bun
desgerichts 8C_136/2013 vom 16. Februar 2014 E. 4.1-2) sowie bei nicht orga
ni
scher
Hypersomnie
(BGE 137 V 64 E. 4.1 und 4.2 mit Hinweisen) analog ange
wendet, nicht hingegen,
wenn sich die Frage nach der invalidisie
renden Wirkung
einer
Cancer-related
Fatigue
stellt (
BGE
139 V 346 E. 3 mit Hinweisen).
Nach der Rechtsprechung werden leicht- bis mittelgradige Episoden einer De
pression und selbst mittelgradige depressive Episoden
regelmässig
nicht als von
de
pres
siven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depressi
on
im Sinne eines verselbständigten Gesundheitsschadens betrachtet, die es der be
troffenen Person verunmöglicht, die Folgen der bestehenden
Schmerzproblema
tik
zu überwinden. Daran ändert nichts, wenn die depressive Episode vor dem Hintergrund einer rezidivierenden depressiven Störung diagnostiziert worden ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_104/2014 vom 2
6.
Juni 2014 E. 3.3.4 mit Hin
wei
sen; vgl. auch Urteil 9C_856/2013 vom 8. Oktober 2014 E. 5.1.2).
Zwar ist eine invalidisierende Wirkung einer mittelschweren depressiven Stö
rung
nicht schlechthin
auszuschliessen
, indes bedingt deren Annahme, dass es sich nicht
bloss
um eine Begleiterscheinung einer Schmerzkr
ankheit, sondern um ein
selbständiges, vom psychogenen Schmerzsyndrom losgelöstes depressi
ves Leiden
handelt und im Weiteren, dass eine konsequente Depressionstherapie befolgt wird, deren Scheitern das Leiden als resistent ausweist (
Urteil des Bun
desge
richts
8C_774/2013 vom
3.
April 2014 E.
4.2 mit Hinweisen).
Praxisgemäss
ist eine leichte depressive Episode mit somatischen Symp
tomen grundsätzlich nicht geeignet, eine leistungsspezifische Invalidität zu be
gründen
(Urteil des Bundesgerichts 9C_506/2014 vom 1
0.
November 2014 E. 4.2). Leichte
bis höchstens mittelschwere psychische Störungen aus dem de
pressiven
For
men
kreis
gelten zudem grundsätzlich als therapeutisch
angehbar
(
Urteil des Bundes
gerichts 8C_759/2013 vom
4.
März 2014
E. 3.6.1 mit Hin
weisen). Bei mittel
schwe
ren depressiven Episoden (ICD-10 F32.1) verneint das Bundesgericht
regel
mässig
deren invalidisierende Wirkung (
Urteil des Bundes
gerichts 8C_774/2013 vom
3.
April 2014 E.
4.2 mit Hinweisen).
2.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen
(BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
In Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften ist auf die Erfah
rungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre
auftrags
rechtliche
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientin
nen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
2.5
Für die Beurteilung der Gesetzmässigkeit der angefochtenen Verfügung oder des E
inspracheentscheides ist für das Sozialversicherungsgericht in der Regel der Sach
verhalt massgebend, der zur Zeit des Erlasses des angefochtenen Verwal
tungsaktes gegeben war. Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert ha
ben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung bil
den
(BGE 130 V 138 E.
2.1 mit Hinweis). Sie können indessen, unter Wahrung des rechtlichen Gehörs, berücksichtigt werden, wenn sie kurze Zeit nach dem Erlass
des angefochtenen Entscheids eingetreten sind, sich ihre Beachtung aus
pro
zess
ökonomischen
Gründen unbedingt aufdrängt und sie hinreichend klar fest
stehen (BGE 105 V 156 E. 2d; ZAK 1984 S. 349 E. 1b). Dies ist der Fall, wenn sie
mit dem Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang stehen und geeig
net sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des Entscheiderlasses zu beeinflus
sen (BGE 99 V 98 E. 4 mit Hinweisen).
2.6
Die Verwaltung als verfügende In
stanz und - im Beschwerdefall - das Gericht
dürfen
eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Be
stehen über
zeugt sind. Im
Sozi
alversicherungsrecht
hat das Gericht seinen Ent
scheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem
Beweis
grad
der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Ge
richt folgt vielmehr jener
Sach
verhaltsdarstellung
, die es von allen möglichen
Ge
schehensabläufen
als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 353 E. 5b mit
Hinweisen; vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2 und 3.3).
3.
3.1
Die Ärzte
der Notfallstation
des
Spitals B._
führ
ten in ihrem
provisorischen Austritts
b
ericht vom 3
1.
Oktober 2012 aus,
die Beschwerdefüh
rerin
sei
am
3
0.
Ok
tober 2012 via Ambulanz der Not
fallstation des
Spitals B._
zugewiesen
worden
.
Sie
sei auf dem Fussgängerstreifen von ei
nem Personenwagen von der linken Seite
mit geringer
Aufprall
geschwindigkeit
angefahren worden und auf d
ie rechte Seite gestürzt. Es habe
keine Amnesie vor
geleg
en und eine
Bewusstlosigkeit sei
fraglich gewesen. Die Beschwerde
füh
rerin hätte Kopfschmerzen
gehabt
, sei aber bei Eintreffen der Ambulanz bereits gestanden. CT-radiologisch hätten sich keine Hinweise auf eine intrakranielle Blutung oder Zeichen einer
ossären
Läsion oder einer Organläsion gezeigt. Die Beschwerde
führerin
sei
während 24 Stunden neurologisch auf der Notfallstation über
wacht
worden
, wobei
ihr Status stets unauffällig gewesen sei
. Nach Ein
leitung einer adäquaten Analgesie sei die Beschwerdeführerin in gutem
Allge
meinzustand
nach Hause entlassen worden
. Sie diagnostizierten 1) einen Status
nach
An
fahrunfall
mit Personenwagen mit Commotio cerebri und multiplen Kon
tusio
nen LWS/
Sacrum
, Thorax rechts basal, Flanke rechts, 2) eine arterielle
Hy
per
to
nie und 3) eine unklare Lymphknotenvergrösserung mediastinal
(
Urk.
10/14
S. 16
f.)
3.2
Aufgrund anhaltender Schmerzen im linken Bein und im linken Fuss überwies
Dr.
med
.
C._
, Allgemeine Innere Medizin FMH spez. Nephrologie,
die Beschwerdeführerin an
Dr.
med.
D._
, Facharzt FMH für Ortho
pädische Chirurgie.
Dieser schrieb am 2
2.
Februar 2013
,
a
nlässlich der
gleichen
tags durchgeführten
Un
tersuchung habe
die Beschwerdeführerin über langan
hal
tende Schmerzen im gesamten linken Sprunggelenk im An
schluss an eine Distorsion im Frühjahr 2012
berichtet
, als sie über eine höhere Kante gestolpert
sei. Die bisheri
ge Behandlung mit Analgetika und
lokaler
Sal
benbehandlung
habe
keine Besserung gebracht. Das linke Sprunggelenk sei im Vergleich zu rechts ohne Schwellung oder Überwärmung. Es bestehe eine
Dru
ckdolenz
sowohl im
Be
reich
des Aussenknöchels und über dem lateralen Kapselbandapparat, aber auch im media
len Knöchelbereich. Die Dorsal-/
Plantarflexion
sei endphasig schmerz
haft zu einem Drittel eingeschränkt. Es sei keine vermehrte laterale
Auf
klappbarkeit
und kein wesentlicher
Talusvorschub
vorhanden. Das mitgebracht
e
MRI zeige eine kleine
osteochondrale
Läsion in der medialen
Talusschulter
ohne Hinweis für einen mobilen
Knorpelflake
. Ab
schliessend notiert
e
Dr.
D._
, dass eine Diskrepanz zwischen dem klini
schen und bildgebenden Befund sowie
den angegeben
en
Be
schwerden
bestehe
und er die Kollegen der
Klinik E._
um eine Beurteilung und
Thera
pievorschläge
bitte
(
Urk.
10/14 S. 7)
.
3.3
Die Ärzte d
er
Klinik E._
stellten i
n ihrem von der IV-Stelle ein
geholten
Arztbericht vom 1
1.
Juli
2013 (
Urk.
10/9 S. 5
f.) bezüglich der Schme
r
zen im linken Fuss fest
, dass
diese
nach einem Unfall im April 2012 (Sturz von 60
cm)
persistiert hätten
. D
i
e
Beschwerdeführerin
habe
ein
deutliches
Schonhin
ken
links mit initial nur Belastung des Vorfusses gezeigt, auf Aufforderung
hätte der
Fuss abgestellt werden können. Zehen- und Fersengang seien nur unter
sehr starken Schmerzen mög
lich gewesen. Insbesondere habe
bereits beim Ab
legen
des linken Beins
auf die Unterlage ein extrem starker Schmerz bestanden, der
Lasègue
sei links positiv gewesen. Das Schmerzmaximum sei auf das late
rale Sprunggelenk angegeben wo
rden, ein genauerer Befund habe
aufgrund von massivem Berührungsschmerz nicht erhoben werden können. Eine R
ö
ntgenun
tersuchung habe
nur altersgemässe degenerative Veränderungen gezeigt.
Ab
schliessend notierten sie
, dass der erhobene Befund und die starken Schmerzen der Patientin nicht mit den bildgebend
en Befunden am
oberen Sprunggelenk (
OSG
)
übereinstimm
en
würden
. Die Schmerzen könnten nicht klar einem
Der
matom
zugeordnet werden, differentialdiagnostisch käme allerdings eine neu
ro
logische Ursache der Schmerzen in Betracht.
A
nlässlich der Verlaufskontrolle vom
5.
September 2013
erhoben die Ärzte
einen unveränderten
Befund.
Sie führ
ten aus
, die Beschwerdeführerin
be
klage, dass die Schmerzen nun sogar etwas stärker geworden seien.
Eine
gleichentags
durchgeführte
neurologische Untersu
chung habe
keine Hinweise für eine periphere Ursache zeigen können
.
Ein MRI der Wirbelsäule sei allerdings noch ausstehend
(
Arztberichte vom 2
4.
September 2013,
Urk.
10/
29 S. 6
f. und
Urk.
10/29 S. 8f).
3.
4
I
m
von der IV-Stelle eingeholten Arztbericht vom
5.
September 2013 (
Urk.
10/14
S.
1
ff.)
attestierte
Dr.
C._
der
Beschwerd
eführerin eine 100%ige Arbeitsun
fähig
keit seit Oktober 201
2.
D
as
lumbovertebrale
Syndrom, unklare
Fusssch
mer
zen
links sowie
ihre
Vergessli
chkeit
hätten
Auswirkungen auf die Arbeits
fähig
keit. Die Prognos
e sei schlecht.
Pauschal h
ielt
er fest, dass der Be
schwerde
führerin
alle Aktivitäten gänzlich unzumutbar und d
as
Konzentrati
ons
- und Auf
fassungsvermögen
so
wie die Anpassungsfähigkeit und die Belast
barkeit
ein
ge
schränkt seien
.
3.5
Am
1
3.
Januar 2014
wies
Dr.
C._
die Beschwerdeführerin notfallmässig we
gen immobilisiere
nden lumbalen Rückenschmerzen ins
Spital F._
ein
(
Urk.
10/29 S. 1
ff
.
)
.
Die Ärzte des
Spitals F._
hielten im Austrittsbericht vom
5.
Februar 2014
folgende Hauptdiagnosen fest
:
- Immobilisierendes
lum
bospondylogenes
Schmerzsyndrom
-
Verdacht auf
neuropathische Schmerzen bei persi
stierenden Schmerzen
des OSG
- Mittelschwere Niereninsuffizienz Grad III
- Arterielle Hypertonie
- Intermittierende leichte Diarrhoe
- Status nach
Makrohämaturie 11/2012
-
bilaterale einfache Nierenzysten
Zum immobilisierenden
lumbospondylogenen
Schmerzsyndrom und dem Ver
dacht auf neuropathische Schmerzen bei persistierenden Schmerzen des OSG führten
sie aus
, dass die Beschwerdeführerin in gutem Allgemeinzustand
,
auf
grund der Schmerzen jedoch nur seh
r schlecht mobil
sei
. Klinisch habe
sich ein positiver
Lasègue
bei Elevation um 40°
gezeigt
, sowie eine mögliche jedoch schwierig
eruierbare
Hyposensibilität rechtsseitig am dorsalen Oberschenkel. Der sonstige Neurostatus
sei
unauffällig mit vor allem intakter Motorik ohne
Kraft
minderung
des rechten Beines und intakten Muskeleigenreflexen beidseits.
Eine
Cauda
equina
Symptomatik habe nicht bestanden.
Laborchemisch
hätten sich keine erhöhten Entzündungsparameter und auch sonst keine Auffälligkeiten bis auf die Niereninsuffizienz gezeigt. In
den mitgebrachten externen Bilder
der Wirbelsäule und des OSG würden sich keine
ossären
Läsionen und kein Hinweis für eine Diskusproblematik zeigen.
Sie hätten zum Ausschluss einer
Algodystro
phie
, im Sinne eines
chronic
regional
pain
syndrome
(CRPS/M.
Sudeck
)
,
ein er
neutes konventionelles Röntgen des OSG links veranlasst, welches jedoch keine
subchondralen
osteolytischen
Prozesse und auch keine anderen Pathologien ge
zeigt habe.
Sie gingen von einem
chronifizierten
Schmerzsyndrom aus, welches am ehesten auch psychosozial
aggraviert
sei. Der Patientin fehl
t
e
n
Tages
struk
tur
und Beschäftigung. Sie sei schlecht integriert bei fehlender Sprachkenntnis und Anbindung.
Sie
hätten die Beschwerdeführerin durch eine analgetische Medi
ka
tion, ergänzt durch
Cymbalta
als zentral schmerzmodulierendes Antid
e
pressi
vum
,
therapiert. Zudem sei die Beschwerdeführerin durch physiothera
peu
tische Massnahmen am Stock mobilisiert worden. Das Antidepressivum sei gegen
Ende der
Hospitalisation
noch
aufdosiert
worden
(
Urk.
10/29 S. 2)
.
Sie hätten ihr
nach vergeblicher Suche nach einem albanisch sprechenden Psy
chiater oder Psychologen und unter Rücksprache mit
Dr.
C._
geraten
,
sich
zwischenzeitlich bei einem
albanisch sprechenden Hausarzt
(
Dr.
G._
)
vorzustellen, wel
cher sich bereit erklärt habe, die psychoso
zi
a
le
Komponente auszuloten. Zusätz
lich
hätten sie
Physiotherapie als aktivierende Massnahme bei Frau
H._
von
der Firma I._
verordnet
, welche Erfahrung in psychosomatischer Schmerzproblematik habe. Aufgrund der s
chlech
ten Medikamenten-Compliance
der Beschwerdeführerin
aus
Verstän
d
i
gung
s
gründen
bei der bekannten
Sprach
problematik
hätten sie
eine Verordnung für die Spitex zum Richten der Medi
kamente und zur Entlastung des Ehemanns
b
ei Überforderung
erlassen
(
Urk.
10/29 S.
2)
.
Die Patientin sei am 2
5.
Januar 2014 in gutem
Allgemeinzu
stand
nach Hause entlassen worden
(
Urk.
10/29 S. 3)
.
3.6
Dr.
med.
J._
, Facharzt FMH Psychiatrie
und Psychotherapie
,
diagnostizierte in seinem Arztbericht vom 1
5.
März 2014
(
Urk.
3/4)
eine
mitte
l
-
schwergradige
depressive
Episode (ICD-10 F32.1) mit somatischem Syndrom. Be
züglich
Psychopathologie notiert
e
er starke Bedrückung, Gefühl von Unglück und
Hoffnungslosigkeit, immer wieder weinen, ausgeprägte
Anhedonie
, einge
schrän
ktes Selbstvertrauen, Unruhe, fehlender Antrieb, schnelle Erschöpfbarkeit, Reiz
barkeit, immer viel Angst, eingeschränkte Konzentrations- und
Gedächt
nis
leis
tunge
n
sowie
ausgeprägte Schlafstörungen und Appetitstörung.
3.7
Im Arztbericht vom 1
7.
März 2014 führt
e
Dr.
C._
(
Urk.
6) aus, dass die Be
schwerdeführerin starke Schmerzen am ganzen Rücken sowie am linken Bein habe. Der linke Fuss sei schmerzhaft und sei in der Klinik
E._
, im Spital
F._
und in der Schmerzklinik des
Spitals N._
beurteilt worden. Der Blut
druck sei stark schwanken
d
und erreiche bisweilen Werte bis über 200mmHg
systolisch. Die Patientin leide an rezidivierenden Kopfschmerzen und Schwindel.
Wegen Depression sei sie in Behandlung bei
Dr.
J._
. Aus seiner Sicht sei die Patientin zu 100
%
arbeitsunfähig.
3.
8
Die Beschwerdeführerin wurde
am
Spital N._
im Rahmen der
interdisziplinären Schmerzsprechstunde
umfassend abgeklärt.
Erstkonsultatio
n
en
erfolgte
n
am 1
7.
Februar 2014 am Institut für Anästhesiologie (
Urk.
12/5)
,
am 1
6.
Juni 2014 in der Klinik für Neurologie
(
Urk.
12/4)
,
am 1
9.
Juni 2014 in der
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie (
Urk.
12/6)
und am 2
6.
Juni 2014 in der i
nterdisziplinäre
n
Schme
rzsprechstunde
(
Urk.
12/3).
Zum Abschluss er
folgte
am
3.
Oktober 2014
eine rheumatologische Beurteilung durch
Dr.
med. K._
,
Facharzt für Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin,
und
Dr.
med.
L._
,
Fachärztin für Rheumatologie
(
Urk.
12/1)
.
Im Rahmen d
er Beurteilung hielten diese
fest, dass bei der Patientin ein Verdacht auf
eine
post
traumatis
che B
elastungsstörung und Verdac
ht auf
eine
depressive Störung bestehe, welche nebst
den Schmerzen im Vordergrund stünden. Das chronische
panver
tebrale
Schmerzsyndrom werde durch die Inaktivität und
Dekonditionierung
mit all
ge
meiner Kraftlosigkeit und muskulären
myofaszialen
Befunden an mehreren Loka
lisationen unterhalten, eine Aktivierung sei bei Vermeidungshaltung und Motivationsschwierigkeiten kaum möglich. Eine aktive Physiotherapie zur toni
sie
renden Gymnastik,
ein
Ausdauertraining und
eine
Verbesserung der
Tages
struk
tur
sei
en
dringend indiziert, allerdings sehe die Patientin momentan nicht
ein
mal den Sinn, nach dra
ussen zu gehen und zu spazieren.
S
ie habe abe
r selber
festgestellt, dass
Bewegu
ng ihr gut tue. Zusätzlich habe
sie Ängste, dass erneut ein
Unfall pas
sieren könnte. Aus Sicht der Ärzte seien keine weiteren Abklä
rung
en und ins
besondere keine MRI
-
Untersuchung indiziert, da diese im Jahr vor
her
erfolgt und ohne wegweisende Befunde gewesen seien. Im Vordergrund soll
t
e
n
die
psychiatrische Betreuung sowie eine vermehrte Aktivierung der Patien
tin
stehen
. Eine psychosomatische Rehabilitation wäre sicherlich sinnvoll, aller
dings
seien die therapeutischen Mittel bei schlechten
Deutschkenntnissen der Be
schwer
deführerin
nicht anwendbar.
4.
4.
1
Bezüglich der Schmerzen im linken Fuss
hielt
Dr.
D._
in seinem
Arztbe
richt
vom 2
2.
Februar 2013 (
Urk.
10/14 S. 7) fest, dass zwischen dem
bildge
ben
den
Befund sowie den angegebenen Beschwerden eine Diskrepanz bestehe und
überwies die Beschwerdeführerin an die
Klinik
E._
. Infolgedessen
wurden
von der
Klinik
E._
umfassende Abklärungen vorgenommen
(E
.
3.
3
)
.
Im Rahmen der Beurteilung hielten die zuständigen Ärzte
ebenfalls
fest, dass die
starken Schmerzen nicht mit den bildgebenden Befunden am OSG korrelierten und die Schmerzen nicht klar e
inem
Dermatom
zuzuordnen seien
(
Urk.
10/9 S.
5
f.).
Auch
konnte
die neurologische Untersuchung keine Hinweise für eine perip
here Ursache zeigen
.
Die Ärzte waren
nicht der Ansicht, dass die kleine
oste
o
chondrale
Läsion an der medialen
Talusschulter
für die ausgeprägten Schmer
zen verantwortlich sei (
Urk.
10/26).
Dies wurde auch durch die eingeh
ende Untersu
chung während der
Hospitalisation
im
Spital
M
._
bestätigt
(
Urk.
10/29)
.
Die Ärzte
h
a
tten keine
ossären
Läsionen im OSG gefunden und eine
Algodys
trophie
k
o
nn
te ausgeschlossen
werden
.
D
ie Ärzte des
Spitals N._
halten eine weitere Diagnostik aus rheumatologischer Sicht
für
nicht indi
ziert (
Urk.
12/1).
Demnach haben gemäss
ü
bereinstimmende
r
Berichte der Spezialärzte die Schmer
zen im Fuss
keine nachweisbare organische Grundlage.
4.
2
Während des stationären Aufenthalts der Beschwerdeführerin
im
Spital M
._
tätigten die Ärzte
umfangreiche Untersuchungen
bezüglich der Rücken
schmerzen
.
Abschliessend
hielten
sie
fest, dass
s
owohl
ossäre
Läsionen der Wir
belsäule als auch eine Diskusproblematik
und eine
Cauda
equina
Problematik
ausgeschlossen
werden könnten.
Sie ginge
n
von
eine
m
chronifizierenden
Schmerz
synd
rom
aus
,
welches am ehesten auch psychosozial
aggraviert
sei. Der
Beschwerdeführerin
fehle
Tagesstruktur und Beschäftigung
(
Urk.
10/29
S.2
)
.
D
ie erst nach Erlass der Verfügung vom 2
4.
Februar 2014 ausführlichen Abklä
rungen im Rahmen der Interdisziplinären Schmerzsprechstunde des
Spitals N._
führen
zu
einem
ähnlichen
Schluss.
D
ie Ärzte
hielten nach der rheumatologischen Untersuchung
im ISSS-Bericht vom 1
5.
Oktober 2014 fest
(
Urk.
12/1)
, dass das chronische panvertebrale Schmerzsyndrom durch die Inak
ti
vi
tät und
Dekonditionierung
mit allgemeiner Kraftlosigkeit und mus
kulären
m
yofaszialen
Befunden an mehreren Lokalisationen unterhalten werde, eine Akti
vierung sei bei Vermeidungshaltung und Motivationsschwierigkeiten kaum mög
lich. Eine aktive Physiotherapie zur tonisierenden Gymnastik, Aus
dauertraining und Verbesserung der Tagesstruktur sei
en
dringend indiziert, aller
dings sehe die Patientin momentan nicht
ein
mal den Sinn, nach draussen zu gehen und zu spa
zieren, sie habe aber selber festgestellt, dass die Bewegung ihr gut tue (
Urk.
12/1).
Mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit ist
davon auszugehen, dass der
dekondi
tionierte
Zustand der Beschwerdeführerin sowie ihre Inaktivität das chronische panvertebrale S
chmerzsy
ndrom unterhalten.
Allerdings ist d
er
dekonditionierte
Zus
tand der Beschwerdeführerin
bei der Beurteilung der Invalidität, welche
de
finitionsgemäss
auf Dauer beruht (Invalidität ist die voraussichtlich bleibende
oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit,
Art.
8
Abs.
1
ATSG)
, ausser Acht zu lassen, da er
mit
zumutbarer
Willensan
strengung
innert weniger Wochen verbessert werden kann (vgl.
Urteil des Bun
desgerichts
I 884/05 vom 1
5.
März 2006
, E.
2.2)
.
Somit führen auch die Rückenbeschwerden zu keiner Invalidisierung.
4.3
Die Beschwerdeführerin bringt vor, dass sie jeden Tag
unter
Bauc
h- und Kopf
schmer
zen
leid
e.
Dazu
hielt
Dr.
C._
in seinem Arztbericht vom 1
7.
März 2014
fest, die Beschwerdeführerin leide an rezidivierenden Kopfschmerzen und Schwin
del. Auch sei der Blutdruck stark schwanken
d
und erreiche bisweilen Werte
bis über 200mmHg systolisch (
Urk.
6).
Allerdings qualifizierte er ledi
glich das
lum
bovertebrale
Syndro
m sowie die Schmerzen im linken Fuss und ihre Vergess
lichkeit als Diagnose mit Ausw
irkung auf die Arbeitsfähigkeit
(
Arzt
be
richt
vom
5.
September 2013,
Urk.
10/14 S. 1 f.)
.
Es
liegen
auch
keine
ande
r
en Arztberichte vor, welche der Beschwerdeführerin
aufgrund
dieser weiteren
Beschwerden
eine Arbeitsu
nfähigkeit bescheinigen würden
(vgl.
Be
richt vom
2
0.
Dezem
ber 2012 der Ärzte der Klinik für Urologie
des
Spitals N._
,
Urk.
10/14 S.
8 f.
;
Pneumologische
Untersuchung vom 2
0.
November 2012
Spital B._
,
Urk.
10/14 S. 13 f.
; Austrittsbericht
Spital F._
,
Urk.
10/31; ISSS-Bericht vom 1
5.
Oktober 2014,
Urk.
12/1
).
Entsprechend
erüb
ri
gen sich weitere Abklärungen und
ist davon auszugehen, dass sowohl die Bauch-
als auch Kopfschmerzen
nicht invalidisierend sind.
4.4
Dr.
J._
diagnostizierte in psychiatrischer Hinsicht eine
mittel-schwer
gradige
depressive Episode (ICD-10 F 32.1) mit somatischem Syndrom (
Urk.
3/4)
. Seit wann sich die Beschwerdeführerin in psychiatrischer Behand
lung befindet
bzw. seit wann die psychiatrische Einschränkung tatsächlich be
steht, ist fraglich
.
Sollte diese Einschränkung erst nach Erlass der Verfügung eingetreten sein, wäre
sie
ohnehin
nicht mehr zu
berücksichtigen
(E
. 2.5).
Dies
e Frage
kann
allerdings
- wie folgend gezeigt wird - offen bleiben.
Um eine invalidisierende Wirkung einer mittelschweren depressiven Störung an
zu
nehmen, muss es sich um ein selbständiges, vom psychogenen
Schmerz
syn
drom
losgelöstes depressives Leiden handeln und eine konsequente
Depressi
ons
therapie
muss gescheitert sein (E. 2.3). Aus dem Bericht von
Dr.
J._
vom 1
5.
März 2014 geht nicht hervor, ob, seit wann und in welcher Intensität sich
die Beschwerdeführerin aktuell bei ihm in Behandlung befindet. Die Be
schwerdeführerin führte in der Beschwerde von März 2014 (Eingangsdatum 1
8.
März 2014,
Urk.
1/3) aus, dass die Ärzte sie zusätzlich zu einem Psychiater schicken würden, der Term
in hingegen erst in der folgenden
Woche sei. Ent
spre
chend der durch
Dr.
K._
und
Dr.
L._
erhobenen Anamnese im
Rahmen der interdisziplinären Schmerzsprechstunde am
Spital N._
vom 1
5.
Oktober 2014 (
Urk.
12/1) befinde
t
sich die Beschwer
deführerin seit über
einem Jahr in psychiatrischer Behandlung, je nach Befinden alle zwei bis vier Wochen. Eine stationäre Behandlung der
mittel-schwergradi
gen
depressiven Episode (ICD-10 F32.1) erfolgte gemäss Aktenlage nicht. Vor
liegend kann
also
weder von einer konsequenten Depressionstherapie gesprochen werden noch da
v
on, dass sich das Leiden
als resistent ausgewiesen hätte,
weshalb dieses nicht als invalidisierend zu betrachten ist
.
4.5
Die Abklärung an der
Klinik
für Psychiatrie und Psychotherapie am 19. Juni 2014
(Urk. 12/6) brachte keine neuen Erkenntnisse.
Die zuständige Ärztin, Dr. med.
O._
, Fachärztin Psychiatrie und Psycho
therapie, diagnostizierte lediglich
den Verdacht auf eine posttraumatische
Be
lastungsstörung
PTSD (ICD-10 F43.1) sowie den Verdacht auf eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41).
Im Übrigen liegen
Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und kon
stant be
hindern, nicht vor. Die Beschwerdeführerin leidet an keinen chronischen körperlichen Begleiterkrankungen, welche nicht bei zumutbarer Anstrengung überwindbar wären. So hielten die Ärzte des
Spitals N._
im ISSS-
Bericht vom 1
5.
Oktober 2014 (
Urk.
12/1) fest, dass das chronische
panverteb
rale
Schmerzsyndrom durch die Inaktivität und
Dekonditionierung
mit allge
meiner Kraftlosigkeit und muskulären
myofaszialen
Befunden an mehreren Lo
kalisa
tio
nen unterhalten werde
,
was durch
aktive Physiotherapie
und
Ausdauertraining
ohne Weiteres verbessert werden könnte, was der Beschwerdeführerin zumutbar
wäre. A
llerdings sehe
die Beschwerdeführerin
nicht mal den Sinn, nach draussen
zu gehen und zu spazieren, obwohl sie selber festgestellt habe, dass Bewegung ihr gut tue (vgl.
Urk.
12/1).
Ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens liegt nicht vor. So hielten die Ärzte des Universitätsspitals fest, die Beschwerdeführerin pflege circa alle zwei
Wochen regelmässigen Kontakt mit ihren Kindern und Enkelkindern und gehe einmal die Woche mit einer Freundin nach draussen (
Urk.
12/1).
Von einer regelmässigen und konsequent durchgeführten Psychotherapie kann
– wie bereits ausgeführt -
mit Blick auf die durchgeführte ambulante psychia
trische Behandlung im Rhythmus von zwei- bis vierwöchigen Konsultationen (
Urk.
12/1) nicht die Rede sein.
Demnach
ist festzuhalten, dass
die Schmerzen so oder so als
überwindbar und damit
als
nicht invali
disierend
einzustufen sind
.
4.6
Aufgrund der beweiskräftigen medizinischen Aktenlage besteht
kein weiterer Abklärungsbedarf. Die Beschwerdeführerin
leidet mit dem Beweismass der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit an keiner objektiv unüberwindbaren Er
werbsun
fähigkeit
im invalidenrechtlich relevanten Sinne
. Es ist ihr daher in
Nachach
tung
des im Sozialversicherungsrechts allgemein geltenden Grundsatzes der
Scha
denminderungspflicht
zuzumuten, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen
.
Die Beschwerde erweist sich damit als unbegründet und
ist abzuweisen
.
5.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens-aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1bis IVG) und auf
Fr.
600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
5.2
Der vorliegende Prozess kann nicht als von vornherein aussichtslos bezeichnet
werden. Des Weiteren ist die Beschwerdeführerin bedürftig (
Urk.
3/5). Antrags-ge
mäss (
Urk.
1/3) ist ihr deshalb die unentgeltliche Prozessführung zu bewilli
gen
. Di
e der Beschwerdeführerin auferlegten Gerichtskosten sind demnach einstwei
len
auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Kommt die Beschwerdeführerin künftig in günstige wirtschaftliche Verhältnisse, so kann sie das Gericht zur Nachzahlung der Auslagen für die unentgeltliche
Rechtspflege verpflichten (
§
16
Abs.
4 des Gesetzes über das
Sozialversiche-rungs
gericht
,
GSVGer
).