# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 3b9e81a3-8a9e-47dc-b0fe-c3926232995b
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
A._, geb. 1987, ist Tamile und stammt aus Sri Lanka. Er reiste am 30. Mai 2011 illegal
in die Schweiz ein und ersuchte um Asyl. Im Verfahren wies er sich mit einer – sich
später als gefälscht herausstellenden – sri-lankischen Geburtsurkunde, lautend auf
K._, geb. 1991, aus. Das Bundesamt (heute: Staatssekretariat) für Migration wies sein
Asylgesuch am 27. Januar 2012 ab und schob den – unzumutbaren – Vollzug der
Wegweisung zugunsten einer vorläufigen Aufnahme auf.
Mit Zustimmung des Staatssekretariats für Migration erteilte das kantonale
Migrationsamt A._ am 26. September 2016 aus humanitären Gründen eine
Aufenthaltsbewilligung und wies ihn darauf hin, er müsse spätestens bei deren
Verlängerung ein anerkanntes heimatliches Ausweispapier vorlegen. Auf die
entsprechende Aufforderung hin teilte A._ dem Migrationsamt am 25. August 2017
mit, er habe bisher keinen Reisepass beantragt, weil er seine Geburtsurkunde in Sri
Lanka verloren habe. Am 8. September 2017 wurde seine – nach wie vor auf K._, geb.
1991 lautende – Aufenthaltsbewilligung bis 25. September 2018 verlängert (Dossier
Migrationsamt Seiten 258/259).
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B.
Am 10. Oktober 2017 legte A._ dem Staatssekretariat für Migration Kopien seines
Geburtsscheines, der Geburtsscheine seiner Eltern, seiner Identitätskarte und seines
am 5. Juli 2017 ausgestellten – sich als echt erweisenden – sri-lankischen Reisepasses
vor und ersuchte um Korrektur seiner Personalien (Dossier Migrationsamt, Seiten 246
ff.). Das kantonale Migrationsamt, an welches die Eingabe weitergeleitet worden war,
wies am 22. März 2019 sein Gesuch um eine weitere Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung ab und wies ihn unter Androhung des zwangsweisen Vollzugs
an, die Schweiz spätestens sechzig Tage nach Rechtskraft der Verfügung zu verlassen.
Den von A._ dagegen erhobenen Rekurs hiess das Sicherheits- und
Justizdepartement am 16. Oktober 2019 teilweise gut, hob die Wegweisung auf und
wies die Angelegenheit diesbezüglich zur Abklärung und neuen Entscheidung im Sinn
der Erwägungen an das Migrationsamt zurück. Die von A._ gegen die Bestätigung der
Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung im Rekursentscheid erhobene
Beschwerde wies das Verwaltungsgericht am 28. Mai 2020 ab (B 2019/239). Der
Entscheid wurde unangefochten rechtskräftig.
C.
In der Folge ersuchte das Migrationsamt das Staatssekretariat für Migration am
25. Januar 2021, eine vorläufige Aufnahme von A._ zu prüfen (Dossier Migrationsamt,
Seite 86). In der Stellungnahme vom 2. März 2021 und im Schreiben vom 25. März
2021 kam das Staatssekretariat zum Schluss, dem Vollzug der Wegweisung stehe
weder das flüchtlings- noch das menschenrechtliche Rückschiebungsverbot entgegen.
Selbst bei einer zwangsweisen Rückführung in den Heimatstaat sei kein besonderes
Interesse der sri-lankischen Behörden an A._ zu erkennen. Daran vermöge auch seine
tamilische Ethnie nichts zu ändern, zumal zum jetzigen Zeitpunkt kein Anlass zur
Annahme bestehe, dass ganze Volksgruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr
ausgesetzt seien. Aus den Akten ergäben sich keine Anhaltspunkte dafür, dass zum
gegenwärtigen Zeitpunkt der Vollzug der Wegweisung von A._ nach Sri Lanka
unmöglich, unzulässig oder unzumutbar wäre (Dossier Migrationsamt, Seiten 78 ff.).
Das Migrationsamt wies A._ mit Verfügung vom 15. Juni 2021 aus der Schweiz weg
und wies ihn unter Androhung des zwangsweisen Vollzugs an, spätestens sechzig
Tage nach Rechtskraft auszureisen. Zur Begründung wird insbesondere ausgeführt, die
allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lasse den Wegweisungsvollzug nicht
als unzulässig erscheinen. Aus den Akten ergäben sich auch keine konkreten Hinweise
darauf, dass A._ bei einer Rückkehr mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen
zu befürchten hätte, die über einen sogenannten "Background Check" (Befragung und
Überprüfung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass er
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persönlich gefährdet wäre. Allein die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie und das
Durchlaufen eines Asylverfahrens in der Schweiz seien kein Anlass, von der
Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs auszugehen. Die seit
dem Regierungswechsel vom November 2019 veränderte Lage in Sri Lanka vermöge
daran nichts zu ändern. Der Wegweisungsvollzug in die Nordprovinz, wo A._
herkomme, sei grundsätzlich zumutbar. Er verfüge in Sri Lanka über ein familiäres
Umfeld und ein soziales Beziehungsnetz. Auch wenn der Vater verschollen sei, sei
davon auszugehen, dass die Familie ihn bei der Reintegration unterstützen werde und
seine Wohnsituation gesichert sei.
D.
Dagegen erhob A._ Rekurs beim Sicherheits- und Justizdepartement. Er machte
geltend, weil Wegweisungshindernisse keinesfalls klarerweise ausgeschlossen werden
könnten, habe das Migrationsamt beim Staatssekretariat für Migration nicht nur eine
"Prüfung" der vorläufigen Aufnahme zu veranlassen, sondern einen entsprechenden
"Antrag" zu stellen. Die konsultative Stellungnahme des Staatssekretariats bejahe
einzig die Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs, führe jedoch aus, der
Wegweisungsvollzug könne für Zugehörige einer vulnerablen Personengruppe in der
Tat unzumutbar sein. Eine Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht sei zudem
nur möglich, wenn das Staatssekretariat für Migration den Antrag in einer anfechtbaren
Verfügung individuell prüfe. Das Sicherheits- und Justizdepartement wies den Rekurs
am 3. Januar 2022 ab.
E.
A._ (Beschwerdeführer) erhob gegen den Entscheid des Sicherheits- und
Justizdepartements (Vorinstanz) vom 3. Januar 2022 durch seinen Rechtsvertreter mit
Eingabe vom 18. Januar 2022 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit den
Rechtsbegehren, unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei der angefochtene
Entscheid aufzuheben und das Migrationsamt anzuweisen, beim Staatssekretariat für
Migration formell die vorläufige Aufnahme zu beantragen und diese alsdann zu erteilen,
eventualiter die Angelegenheit zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Am 7. Februar 2022 teilte das Staatssekretariat für Migration dem Beschwerdeführer
mit, beim Ersuchen des kantonalen Migrationsamts vom 25. Januar 2021 habe es sich
nicht um einen formellen Antrag um Erteilung einer vorläufigen Aufnahme gehandelt, da
sich aus den Akten keine Hinweise auf Vollzugshindernisse ergeben hätten und das
Migrationsamt auch keine solchen geltend gemacht habe. Das Staatssekretariat habe
die Anfrage zum Anlass genommen, in einem Amtsbericht auszuführen, es bestünden
zurzeit keine Wegweisungsvollzugshindernisse bezüglich des Beschwerdeführers.
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Die Vorinstanz verwies mit Vernehmlassung vom 14. Februar 2022 auf die Erwägungen
in ihrem Entscheid und beantragte, die Beschwerde sei abzuweisen. Der
Beschwerdeführer äusserte sich am 17. Februar 2022 abschliessend.
Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Ausführungen des
Beschwerdeführers zur Begründung seiner Anträge sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Eintreten
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Der Beschwerdeführer,
dessen Begehren, das Migrationsamt sei anzuweisen, den zuständigen
Bundesbehörden seine vorläufige Aufnahme zu beantragen, von der Vorinstanz
abgewiesen wurde, ist zur Erhebung der Beschwerde befugt (Art. 64 in Verbindung mit
Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde gegen den Rekursentscheid vom 3. Januar 2022
wurde mit Eingabe vom 18. Januar 2022 rechtzeitig erhoben und erfüllt in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47
Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist grundsätzlich (vgl. allerdings
nachfolgend Erwägung 3.1) einzutreten.
2. Streitgegenstand
Dem Beschwerdeführer wurde die Verlängerung der humanitär begründeten
Aufenthaltsbewilligung rechtskräftig verweigert. Mit dem negativen
Bewilligungsentscheid ist in der Regel gleichzeitig die Wegweisung als
Vollstreckungsverfügung und logische Konsequenz der fehlenden
Aufenthaltsberechtigung anzuordnen (Art. 66 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration; SR 142.20, AIG). Zu prüfen ist
aber, ob der Vollzug der Wegweisung möglich, zulässig und zumutbar ist (vgl. A. Binder
Oser, in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Bundesgesetz über die Ausländerinnen und
Ausländer, Handkommentar, Bern 2010, N 5 zu Art. 66 AuG). Der Beschwerdeführer
beanstandet denn auch die Rechtmässigkeit der Wegweisung als solcher nicht,
sondern setzt sich eingehend mit der Frage der Zulässigkeit und Zumutbarkeit des
Vollzugs auseinander und macht geltend, das Migrationsamt habe es in rechtswidriger
Weise unterlassen, formell bei der zuständigen Bundesbehörde seine vorläufige
Aufnahme zu beantragen.
bis
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3. Rechtsgrundlage
Ist der Vollzug der Weg- oder Ausweisung nicht möglich, nicht zulässig oder nicht
zumutbar, so verfügt gemäss Art. 83 Abs. 1 AIG das Staatssekretariat für Migration die
vorläufige Aufnahme. Art. 83 Abs. 2-4 AIG konkretisieren die Begriffe der
Unmöglichkeit, der Unzulässigkeit und der Unzumutbarkeit des Vollzugs. Die vorläufige
Aufnahme kann gemäss Art. 83 Abs. 6 AIG von den kantonalen Behörden beantragt
werden.
Zuständigkeit
Nach dem klaren Wortlaut von Art. 83 Abs. 1 AIG obliegt der Entscheid über die
vorläufige Aufnahme der Bundesbehörde (vgl. dazu BGer 2C_941/2017 vom 7. Februar
2018 E. 1.2 mit Hinweis auf BGE 141 I 49 E. 3.5 und 137 II 305 E. 3.1). Auf den Antrag
des Beschwerdeführers, das kantonale Migrationsamt sei anzuweisen, ihn "alsdann" –
nach Prüfung des formellen Antrags durch die Bundesbehörde – vorläufig
aufzunehmen, kann deshalb mangels Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts, dem
Migrationsamt eine solche Anweisung zu erteilen, nicht eingetreten werden (vgl. dazu
BGer 2C_656/2018 vom 13. Dezember 2018 E. 2.6 mit Hinweis auf BGE 137 II 305
E. 3.1). Zumal die Prüfung, ob die Voraussetzungen für eine vorläufige Aufnahme
gemäss den gesetzlichen Vorgaben in Art. 83 Abs. 2-4 AIG erfüllt sind, dem
Staatssekretariat für Migration obliegt, erweist sich auch der Vorwurf des
Beschwerdeführers, das kantonale Migrationsamt und die Vorinstanz hätten ihre
Untersuchungs- und Sorgfaltspflicht und seinen Anspruch auf rechtliches Gehör
verletzt, weil sie seinen Einzelfall nicht in der erforderlichen Tiefe geprüft hätten, als
unbegründet. Die kantonalen Behörden sind einzig verpflichtet zu prüfen, ob
Vollzugshindernisse nicht "klarerweise" ausgeschlossen werden können. Eine solche
Prüfung ist nicht vertieft.
3.1.
Funktion der kantonalen Behörde3.2.
Ausgangslage
Ein Anspruch der weggewiesenen Person darauf, dass der Kanton die vorläufige
Aufnahme beim Bundesamt beantragt, besteht nicht. Der Gesetzgeber schloss den
direkten Zugang des Ausländers zu diesem Verfahren bewusst aus und überliess es
dem Kanton, gegebenenfalls ein solches einzuleiten (vgl. BGer 2C_670/2018 vom
10. September 2018 E. 2.2; 2D_56/2010 vom 26. Mai 2011 E. 3.2). Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist die kantonale Behörde nur unter besonderen
Umständen verpflichtet, entweder die Sache an das Staatssekretariat weiterzuleiten
oder aber selber den Wegweisungsvollzug auszusetzen, dies primär dann, wenn ein
3.2.1.
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spezifisches verfassungsmässiges Recht diesem entgegensteht (vgl. BGer
2C_1093/2014 vom 8. Dezember 2014 E. 2.2 mit Hinweis BGE 137 II 305 E. 3.1-3.3).
Rückweisungsentscheid der Vorinstanz vom 16. Oktober 2019
Die Vorinstanz hat im – diesbezüglich rechtskräftig gewordenen – Entscheid vom
16. Oktober 2019 die Angelegenheit "zur Abklärung des Sachverhalts und zu neuer
Entscheidung im Sinn der Erwägungen" an das Migrationsamt zurückgewiesen. Aus
den Erwägungen, auf die verwiesen wird, ergibt sich allerdings, dass das
Migrationsamt bezüglich der Stellung eines Antrags um vorläufige Aufnahme keinen
Spielraum mehr hat. In Erwägung 5a wird unter Hinweis auf einen Entscheid des
Bundesverwaltungsgerichts, der die Rechtsprechung des Zürcher Verwaltungsgerichts
wiedergibt (BVGer D-5025/2014 vom 9. Januar 2015 E. 3), ausgeführt, die zuständige
kantonale Migrationsbehörde müsse die vorläufige Aufnahme beantragen, sofern
Wegweisungsvollzugshindernisse nicht klarerweise ausgeschlossen werden können
und – was beim Beschwerdeführer nicht in Frage steht – kein Ausschlussgrund nach
Art. 83 Abs. 7 AIG vorliegt. Anschliessend wird in Erwägung 5b festgestellt, aufgrund
der vorliegenden Vorakten könne nicht klarerweise ausgeschlossen werden, dass
derzeit keine Wegweisungsvollzugshindernisse vorlägen.
Auslegung und Anwendung von Art. 83 Abs. 6 AIG durch die Vorinstanz führen im
Vergleich zur bundesgerichtlichen Auffassung zu einer weitergehenden Verpflichtung
der kantonalen Behörde, bei der zuständigen Bundesbehörden einen Antrag um
vorläufige Aufnahme zu stellen. Die vorinstanzliche Auffassung erscheint als
sachgerecht. Aufgabe des Staatssekretariats ist es, auf den Antrag der kantonalen
Behörde hin entsprechend den Vorgaben in Art. 83 Abs. 2-4 AIG zu prüfen, ob die
Voraussetzungen für eine vorläufige Aufnahme erfüllt sind. Die kantonale Vorprüfung
beschränkt sich auf die Frage, ob Vollzugshindernisse "klarerweise" (vgl. auch VerwGE
B 2019/239 vom 28. Mai 2020 E. 5) beziehungsweise "zweifelsfrei" (vgl. BVGer
E-6989/2018 vom 5. November 2018 E. 5.4; E-1968/2018 vom 24. April 2018 E. 6.4)
ausgeschlossen werden können.
Ob nicht bereits die Schlussfolgerung im Entscheid der Vorinstanz vom 16. Oktober
2019 hätte dazu führen müssen, dass dem Staatssekretariat ohne weiteres ein Antrag
auf vorläufige Aufnahme hätte unterbreitet werden müssen, kann offenbleiben. Die
Rückweisung erfolgte vor dem Hintergrund, dass das Migrationsamt in der
angefochtenen Verfügung vom 22. Mai 2019 die Wegweisung ohne Begründung,
3.2.2.
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insbesondere auch ohne jede Auseinandersetzung mit den Fragen der Zulässigkeit,
Zumutbarkeit und Möglichkeit des Vollzugs, verfügt hatte.
Angefochtener Entscheid der Vorinstanz vom 3. Januar 2022
Die Vorinstanz ist auch im angefochtenen Entscheid von der Auffassung ausgegangen,
die zuständige kantonale Migrationsbehörde müsse trotz der Kann-Formulierung in
Art. 83 Abs. 6 AIG die vorläufige Aufnahme beantragen, sofern
Wegweisungsvollzugshindernisse nicht klarerweise ausgeschlossen werden könnten
(vgl. Erwägung 3 Ingress des angefochtenen Entscheides). In der Folge hat sie die
Fragen der Möglichkeit, Zulässigkeit und Zumutbarkeit unter Beizug der
Stellungnahmen des Staatssekretariats vom 2./25. März 2021 eingehend erörtert.
Zusammenfassend kommt die Vorinstanz zum Schluss, es seien keine Gründe
ersichtlich, die den Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers in sein
Heimatland Sri Lanka als unmöglich, unzulässig oder unzumutbar erscheinen liessen,
weshalb die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme ausser Betracht falle und das
Migrationsamt nicht verpflichtet sei, beim Staatssekretariat eine vorläufige Aufnahme
zu beantragen.
Diese Schlussfolgerung lässt sich mit der Auffassung nicht vereinbaren, ein
entsprechender Antrag müsse gestellt werden, sofern solche Hindernisse nicht
"klarerweise" beziehungsweise "zweifelsfrei" ausgeschlossen werden könnten.
Beispielsweise kann die Möglichkeit, dass der Beschwerdeführer auch im Rahmen
eines "Background Checks" bei der Einreise menschenrechtswidriger Behandlung
ausgesetzt ist, jedenfalls nicht ohne vertiefte Kenntnisse der aktuell von den Behörden
in Sri Lanka geübten Praxis von vornherein klarerweise ausgeschlossen werden (vgl.
dazu Schweizerische Flüchtlingshilfe, Sri Lanka: Aktuelle politische Situation,
Überwachung der Diaspora, Geldsammeln im Ausland für Kriegsopfer,
Schnellrecherche der SFH-Länderanalyse, Bern 10. April 2020, Ziff. 5).
3.2.3.
Stellungnahmen des Staatssekretariats für Migration
Das Staatssekretariat für Migration hat sich in seinen Stellungnahmen vom 2./25. März
2022 zwar mit den Fragen der Vollzugshindernisse im Fall der Wegweisung des
Beschwerdeführers auseinandergesetzt, aber entsprechend seinem Schreiben vom
7. Februar 2022 ausdrücklich keinen entsprechenden formellen Antrag der kantonalen
Behörde geprüft.
Das Staatssekretariat für Migration hat sich zwar zu den Aspekten der Zulässigkeit und
der Zumutbarkeit des Vollzugs geäussert, sich aber nicht vertieft mit den individuellen
3.2.4.
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4. Kosten
Bei diesem Verfahrensausgang gehen die amtlichen Kosten des Rekursverfahrens zu
Lasten des Staates. Die Vorinstanz ist anzuweisen, dem Beschwerdeführer den von
Umständen, in denen sich der Beschwerdeführer befindet, auseinandergesetzt.
Unerwähnt blieben beispielsweise die Frage nach seiner (angeblichen) Verbindung zu
den "Liberation Tigers of Tamil Eelam", einer möglichen Verzeichnung in der
sogenannten "Stop List" und der Bedeutung der langen Aufenthaltsdauer in der
Schweiz, die gemäss der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts teilweise als
hohe, teilweise als niedrige Risikofaktoren eingestuft werden (vgl. dazu BVGer
F-6257/2019 vom 27. April 2021 E. 5). Zwar wurden bei der Prüfung des Asylgesuchs
die Ausführungen des Beschwerdeführers als widersprüchlich und unglaubhaft
beurteilt (vgl. Dossier Migrationsamt, Seiten 380 ff.). Indessen konnte auch damals eine
individuelle Beurteilung der Situation des Beschwerdeführers hinsichtlich der
Zulässigkeit und Zumutbarkeit eines allfälligen Vollzugs der Wegweisung unterbleiben,
weil – wie die Vorinstanz ausführt – davon auszugehen ist, dass sie "vor dem
Hintergrund der damaligen politischen und gesellschaftlichen Situation in Sri Lanka
erfolgte" (Erwägung 3a des angefochtenen Entscheides). Sollte allerdings die damalige
Beurteilung auf einer individuellen Prüfung beruht haben, worauf die Formulierung
"aufgrund der Aktenlage" im Asylentscheid hinweist (vgl. Dossier Migrationsamt, Seite
383), ist es umso angebrachter, darzulegen, weshalb der Vollzug mittlerweile als
zulässig und zumutbar beurteilt werden kann (vgl. dazu auch BGer 2C_682/2019 vom
26. Februar 2020 E. 5.2).
Die Ablehnung der vorläufigen Aufnahme beruht deshalb im Ergebnis nicht auf einer
eingehenden, auf den Einzelfall des Beschwerdeführers bezogenen Beurteilung,
sondern auf der Feststellung der kantonalen Behörde, es lägen keine genügenden
Hinweise für das Vorliegen von Vollzugshindernissen vor und damit bestehe auch keine
Verpflichtung, die Frage der vorläufigen Aufnahme des Beschwerdeführers dem
Staatssekretariat zum Entscheid zu unterbreiten. Obwohl die Vorinstanz davon
ausgeht, solange Vollzugshindernisse nicht klarerweise auszuschliessen seien, sei mit
einem entsprechenden Antrag an das Staatssekretariat zu gelangen, liegt damit keine –
rechtsmittelfähige – Beurteilung durch die zuständige Bundesbehörde vor.
Zusammenfassung
Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde, soweit auf sie einzutreten ist, als
begründet. Der angefochtene Entscheid ist aufzuheben und die Angelegenheit an das
Migrationsamt zur Beantragung der vorläufigen Aufnahme des Beschwerdegegners
beim Staatssekretariat für Migration zurückzuweisen.
3.3.
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ihm geleisteten Kostenvorschuss von CHF 1'000 zurückzuzahlen, soweit dies nicht
bereits erfolgt ist. Die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens – auf die
Beschwerde ist teilweise nicht einzutreten – gehen zu einem Viertel zu Lasten des
Beschwerdeführers, drei Viertel trägt der Staat (Vorinstanz). Die Entscheidgebühr von
CHF 2'000 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung; sGS
941.12). Der Anteil des Beschwerdeführers ist mit dem von ihm im
Beschwerdeverfahren geleisteten Kostenvorschuss von CHF 2'000 zu verrechnen;
CHF 1'500 sind ihm zurückzuerstatten. Auf die Erhebung des Kostenanteils des Staats
ist zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP).
Der Beschwerdeführer ist für die ausseramtlichen Kosten im Rekursverfahren ganz und
im Beschwerdeverfahren zur Hälfte zu entschädigen (Art. 98 Abs. 1 und 2 sowie Art.
98 VRP). Sein Rechtsvertreter hat im Rekursverfahren eine Kostennote mit einem
Honorar von CHF 3'625 (14.5 Stunden zu CHF 250) zuzüglich Barauslagen von
CHF 68.30 und Mehrwertsteuer von CHF 284.40 eingereicht. Für das
Beschwerdeverfahren liegt keine Kostennote vor. Im Verfahren vor den
Verwaltungsbehörden und vor dem Verwaltungsgericht wird das Grundhonorar gemäss
Art. 19 der Honorarordnung (sGS 963.75, HonO) innerhalb des gesetztes Rahmens
pauschal nach den besonderen Umständen, namentlich nach Art und Umfang der
notwendigen Bemühungen, der Schwierigkeit des Falles und den wirtschaftlichen
Verhältnissen der Beteiligten bemessen. Der gemäss Kostennote tatsächlich geleistete
Aufwand kann ein Indiz für die Beurteilung der Schwierigkeit des konkreten Falles
darstellen. Im Verfahren vor Verwaltungsbehörden beträgt das Honorar pauschal
zwischen CHF 500 und CHF 6'000, im Verfahren vor Verwaltungsgericht zwischen
CHF 1'500 und CHF 15'000 (Art. 22 Abs. 1 Ingress und lit. a und b HonO). Gegenstand
des Verfahrens war in erster Linie die Frage, ob das kantonale Migrationsamt
verpflichtet war, bei der zuständigen Bundesbehörde die vorläufige Aufnahme des
Beschwerdeführers zu beantragen. Eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Frage der
Zulässigkeit und Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung stand nicht im
Vordergrund. Unter diesen Umständen erscheint ein Pauschalhonorar für Rekurs- und
Beschwerdeverfahren von je CHF 2'000 zuzüglich tatsächliche Barauslagen von
CHF 68.30 und Mehrwertsteuer von CHF 159.25 im Rekursverfahren und pauschale
Barauslagen von CHF 80 (vier Prozent von CHF 2'000) ohne Mehrwertsteuer – ein
entsprechender Antrag wurde nicht gestellt (vgl. Art. 29 HonO) – im
Beschwerdeverfahren angemessen. Für das Beschwerdeverfahren sind die Kosten zur
Hälfte zu ersetzen. Der Staat (Vorinstanz) hat den Beschwerdeführer für das
Rekursverfahren mit CHF 2'068.30 zuzüglich CHF 159.25 Mehrwertsteuer, für das
Beschwerdeverfahren mit CHF 1'000 zuzüglich CHF 40 Barauslagen zu entschädigen.
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