# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c607e881-2f11-4865-8630-ecb954139f62
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend
mehrfache Veruntreuung etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 2. Abteilung,
vom 11. Februar 2016 (DG150054)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich - Sihl vom 24. Februar 2015
(Urk. 20) und der Nachtrag zur Anklage vom 4. Dezember 2015 (Urk. 73/14) sind
diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
(Urk. 104 S. 51-57)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
- der mehrfachen Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB,
- der groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 SVG in Ver-
bindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 4a Abs. 5 VRV und Art. 22 Abs. 1 SSV und
- des Missbrauchs von Ausweisen und Schildern im Sinne von Art. 97 Abs. 1 lit. b
SVG.
2. Von den Vorwürfen
- des Betruges im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB,
- der Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB betreffend ND8, ND13
und ND3 der Nachtragsanklage und
- des Vergehens gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG
wird der Beschuldigte freigesprochen.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 3 Jahren und 3 Monaten Freiheitsstrafe, wovon bis und
mit heute 99 Tage durch Haft erstanden sind, sowie mit einer Geldstrafe von 30 Tages-
sätzen à Fr. 30.–.
4. Die Freiheitsstrafe sowie die Geldstrafe werden vollzogen.
5. Auf den Widerruf des bedingten Vollzuges der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
Zürich-Limmat vom 25. Februar 2009 ausgefällten Freiheitsstrafe von zwei Monaten wird
verzichtet.
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6. a) Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich - Sihl vom 16. Februar 2015 be-
schlagnahmten und bei der Stadtpolizei Zürich lagernden diversen Unterlagen gemäss
Durchsuchungsprotokoll vom 19. und 20. Juni 2014 werden dem Beschuldigten nach Eintritt
der Rechtskraft auf erstes Verlangen herausgegeben und nach unbenutztem Ablauf einer
dreimonatigen Frist von der Lagerbehörde vernichtet.
b) Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 4. Dezember 2015 be-
schlagnahmte und bei der Bezirksgerichtskasse lagernde Imitationswaffe "Jet Protector
JPX" wird eingezogen und der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen.
7. a) Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._ (ND1) Schadenersatz
von Fr. 111'655.– zuzüglich 5 % Zins ab 30. November 2012 zu bezahlen.
b) Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger C._ (ND4) Schadenersatz
von Fr. 5'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 17. Juli 2013 zu bezahlen. Das
Genugtuungsbegehren des Privatklägers C._ wird auf den Zivilweg verwiesen.
c) Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin D._ (ND5) Schadenersatz
von Fr. 4'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 25. Juli 2013 zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird die
Privatklägerin mit ihrem Schadenersatzbegehren auf den Weg des Zivilprozesses verwie-
sen. Das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin D._ wird auf den Zivilweg
verwiesen.
d) Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin E._ (ND6) Schadenersatz
von Fr. 3'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 21. November 2013 zu bezahlen.
e) Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger F._ (ND7) Schadenersatz
von Fr. 30'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 25. März 2013 zu bezahlen.
f) Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger G._ (ND8) Schadenersatz
von Fr. 806.– zuzüglich 5 % Zins ab 18. August 2013 zu bezahlen.
g) Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger H._ (ND11) Schadenersatz
von Fr. 24'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 11. Januar 2014 zu bezahlen. Der Beschuldigte wird
ausserdem verpflichtet, dem Privatkläger H._ für das gesamte Verfahren eine Pro-
zessentschädigung von Fr. 2'844.15 zu bezahlen.
h) Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger I._ (ND13) Schadenersatz
von Fr. 3'250.– zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird der Privatkläger mit seinem Schadener-
satzbegehren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
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i) Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger J._ (ND14) Schadenersatz
von Fr. 2'500.– zuzüglich 5 % Zins ab 4. Oktober 2013 zu bezahlen. Das
Genugtuungsbegehren des Privatklägers J._ wird auf den Zivilweg verwiesen.
j) Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger K._ (ND15) Schadenersatz
von € 2'800.– zuzüglich 5 % Zins ab 15. April 2013 zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird der
Privatkläger mit seinem Schadenersatzbegehren auf den Weg des Zivilprozesses verwie-
sen.
k) Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger L._ (ND16) Schadenersatz
von USD 4'200.– zuzüglich 5 % Zins ab 11. Februar 2014 zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird
der Privatkläger mit seinem Schadenersatzbegehren auf den Weg des Zivilprozesses ver-
wiesen.
l) Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin M._ (ND17) Schadenersatz
von Fr. 2'960.90 zuzüglich 5 % Zins ab 9. Oktober 2013 zu bezahlen.
m) Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin N._ (ND18) Schadenersatz
von Fr. 19'222.40 zuzüglich 5 % Zins ab 15. August 2012 zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird
die Privatklägerin mit ihrem Schadenersatzbegehren auf den Weg des Zivilprozesses ver-
wiesen.
n) Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger O._ (HD Nachtragsanklage)
Schadenersatz von Fr. 25'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 1. Februar 2013 zu bezahlen.
o) Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin P._ (ND1 Nachtragsankla-
ge) Schadenersatz von Fr. 19'000.– zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird die Privatklägerin mit
ihrem Schadenersatzbegehren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
p) Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger Q._ (ND2 Nachtragsankla-
ge) Schadenersatz von Fr. 7'350.– zuzüglich 5 % Zins ab 18. März 2014 zu bezahlen. Im
Mehrbetrag wird der Privatkläger mit seinem Schadenersatzbegehren auf den Weg des Zi-
vilprozesses verwiesen.
q) Der Beschuldigte wird gemäss seiner Anerkennung verpflichtet, der Privatklägerin
R._ (ND3 Nachtragsanklage) Schadenersatz von Fr. 800.– zuzüglich 5 % Zins ab 1.
September 2015 zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird die Privatklägerin mit ihrem Schadener-
satzbegehren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
r) Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin S._ (ND4 Nachtragsankla-
ge) Schadenersatz von Fr. 1'439.– zuzüglich 5 % Zins ab 29. Juli 2015 zu bezahlen. Das
Genugtuungsbegehren der Privatklägerin S._ wird auf den Zivilweg verwiesen.
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s) Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger T._ (ND4 Nachtragsankla-
ge) Schadenersatz von Fr. 335.– zuzüglich 5 % Zins ab 29. Juli 2015 zu bezahlen. Das
Genugtuungsbegehren des Privatklägers T._ wird auf den Zivilweg verwiesen.
t) Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin U._ (ND4 Nachtragsankla-
ge) Schadenersatz von Fr. 670.– zu bezahlen.
8. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 6'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 6'000.00 Gebühr Strafuntersuchung
Fr. 42.80 Auslagen Untersuchung
Fr. 6'418.55 amtliche Verteidigung (RAin X2._)
Fr. 24'326.65 amtliche Verteidigung (RA X1._)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
9. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einschliesslich derjenigen
der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt, aber definitiv abge-
schrieben.
10. (Mitteilungen)
11. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 149 S. 2)
1. Der Beschuldigte sei unter Anrechnung der erstandenen Haft zu einer an-
gemessenen, tieferen Freiheitsstrafe zu verurteilen;
2. Es sei der Vollzug der gesamten Strafe aufzuschieben unter Ansetzung ei-
ner Probezeit von 2 Jahren;
3. Eventualiter sei die Strafe teilbedingt auszusprechen unter Ansetzung einer
angemessenen Probezeit;
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4. Unter ausgangsgemässen Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.)
für das erstinstanzliche Verfahren sowie das Berufungsverfahren.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 152 S. 1)
1. Bestätigung der erstinstanzlichen Schuld- und Freisprüche;
2. Bestrafung mit einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren;
3. Vollzug dieser Freiheitsstrafe;
4. im Übrigen Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
5. unter Kostenfolgen für das zweitinstanzliche Verfahren zulasten des Be-
schuldigten.

## Considerations

Erwägungen:
1. Verfahrensgang
1.1. Mit vorstehend wiedergegebenem Urteil vom 11. Februar 2016 wurde der
Beschuldigte A._ wegen mehrfacher Veruntreuung, grober Verletzung der
Verkehrsregeln und Missbrauchs von Ausweisen und Schildern schuldig gespro-
chen und zu einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren und 3 Monaten sowie zu einer
Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 30.-- verurteilt. Von den Vorwürfen des Be-
trugs, der Veruntreuung betreffend ND 8, ND 13 und ND 3 der Nachtragsanklage
sowie vom Vorwurf des Vergehens gegen das Waffengesetz wurde der Beschul-
digte dagegen freigesprochen (Urk. 104 S. 51). Das vorinstanzliche Urteil wurde
mündlich eröffnet (Prot. I S. 28).
1.2. Mit Eingabe vom 17. Februar 2016 (Poststempel) meldete der Verteidiger
fristgerecht Berufung an (Urk. 92). Das begründete Urteil wurde den zahlreichen
Parteien zwischen dem 13. und dem 20. April 2016 zugestellt (Urk. 100 und
103/1-21). Mit Schreiben vom 3. Mai 2016 (Poststempel) erklärte der Verteidiger
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das ganze vorinstanzliche Urteil als angefochten (Urk. 105). Daraufhin wurde dem
Verteidiger mit Präsidialverfügung vom 18. Mai 2016 Frist angesetzt, um
die Berufungserklärung zu verdeutlichen und um insbesondere anzugeben, wie
das Urteilsdispositiv des Berufungsurteils seiner Ansicht nach lauten sollte
(Urk. 109). Mit Eingabe vom 13. Juni 2016 reichte der Verteidiger innert der zwei-
fach erstreckten Frist (Urk. 111, Urk. 113) eine neue Berufungserklärung ein
(Urk. 115). Am 23. Juni 2016 erklärte die Staatsanwaltschaft Anschlussberufung
(Urk. 120).
1.3. Am 11. November 2016 wurden die Parteien zur Berufungsverhandlung auf
den 23. Januar 2017 vorgeladen (Urk. 130). Mit Schreiben vom 15. Dezember
2016 beantragte der Verteidiger, es seien die in einem anderen Verfahren am
13. Dezember 2016 erstinstanzlich beurteilten Delikte des Beschuldigten aus pro-
zessökonomischen Gründen zweitinstanzlich gemeinsam mit denjenigen in vor-
liegendem Verfahren abzuhandeln (Urk. 132). Nach entsprechender Fristanset-
zung zur Stellungnahme (Urk. 136) stellte der Staatsanwalt den Antrag, das Ge-
such des Beschuldigten um Abnahme des Ladungstermins sei abzuweisen
(Urk. 138 A). Mit Präsidialverfügung vom 3. Januar 2017 wurde das Gesuch um
Abnahme des Verhandlungstermins vom 23. Januar 2017 abgewiesen (Urk. 139).
Die Berufungsverhandlung fand am 23. Januar 2017 statt (Prot. II S. 8 ff.).
2. Umfang der Berufung
2.1. Die Berufung des Beschuldigten richtet sich gegen die Dispositivziffern 3
(Strafzumessung betreffend die Freiheitsstrafe) und 4 (Vollzug) des vorinstanzli-
chen Urteils (Urk. 115 S. 2). Die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft richtet
sich ebenfalls gegen die Dispositivziffern 3 (gesamte Strafzumessung) und 4
(Vollzug) des vorinstanzlichen Entscheids (Urk. 120). Das vorinstanzliche Urteil ist
somit in Bezug auf Dispositivziffern 1, 2, 5, 6, 7, 8 und 9 in Rechtskraft erwachsen
(Art. 404 Abs. 1 StPO; Prot. II S. 11), was vorab festzustellen ist.
3. Prozessuales
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3.1. Die Verteidigung stellte anlässlich der Berufungsverhandlung erneut den pro-
zessualen Antrag, es sei die Berufungsverhandlung zu verschieben und erst nach
Eintritt der Rechtskraft des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 29. Mai 2013
sowie des Nachtragsurteils vom 19. Juni 2013 bzw. nach dem rechtskräftigen Ab-
schluss des diesbezüglich hängigen obergerichtlichen Verfahrens neu anzusetzen
(Urk. 149 S. 2). Sie stellte sich dabei auf den Standpunkt, es handle sich bei die-
sem Antrag um eine Vorfrage, und zwar im Sinne von Art. 339 Abs. 2 lit. c StPO
um ein Prozesshindernis (Prot. II S. 9 f.).
3.2. Der Staatsanwalt führte dazu aus, dass ein Abwarten darauf, bis alle Verfah-
ren auf dem gleichen Stand wären, dem Beschleunigungsgebot widerspräche. Es
könne sich dabei um Jahre handeln. Das schlussendlich entscheidende Gericht
müsse dem Asperationsprinzip Rechnung tragen. Er beantrage deshalb die
Durchführung der Berufungsverhandlung und dass ein Urteil gefällt werde (Prot. II
S. 10).
3.3. Weitere pendente Verfahren stellen für einen Prozess kein Verfahrenshinder-
nis dar. Unter Letzteres fallen vielmehr der Eintritt der Verjährung, der Tod der
beschuldigten Person, Verhandlungsunfähigkeit, doppelte Strafverfolgung oder
der Grundsatz "ne bis in idem", Begnadigung oder Amnestie (BSK StPO-Hauri,
2. Auflage 2014, Art. 339 N 15). Es besteht mangels Rechtsgrundlage kein An-
spruch des Beschuldigten, dass das Gericht den Zeitpunkt abwartet, bei dem alle
Verfahren zusammen beurteilt werden können, um ein möglichst günstiges Straf-
mass zu erreichen. Es handelt sich dabei um eine Frage der Strafzumessung und
damit um eine materiellrechtliche Frage. Der Antrag der Verteidigung auf Ver-
schiebung der Berufungsverhandlung ist deshalb abzuweisen und die Verhand-
lung ist durchzuführen.
4. Strafzumessung
4.1. Die Vorinstanz hat die allgemeinen Grundsätze der Strafzumessung bereits
dargelegt (Urk. 104 S. 30 - 32). Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden, ist
darauf zu verweisen (Art. 82 Abs. 4 StPO). Der Strafrahmen für die Veruntreuun-
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gen erstreckt sich auf bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe (Art. 138
Ziff. 1 Abs. 3 StGB).
4.2. Mehrfache Veruntreuungen
4.2.1. Hinsichtlich der objektiven Tatschwere der Veruntreuungen kann auf die zu-
treffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 104 S. 32 f.). Mit
der Vorinstanz ist aufgrund der relativ hohen Deliktssumme (gut Fr. 330'000.--),
dem langen Deliktszeitraum von dreieinhalb Jahren und der grossen Anzahl von
Einzelhandlungen das objektive Tatverschulden als mittelschwer - und nicht als
schwer, wie von der Staatsanwaltschaft vorgebracht (Urk. 152 S. 3 unten) - ein-
zustufen.
4.2.2. In subjektiver Hinsicht ist festzuhalten, dass dem Beschuldigten als Inhaber
der Einzelfirma "V._", welche diverse Dienstleistungen im Finanzbereich wie
auch Reisen anbot (Urk. 70 S. 3 f.), ein hohes Vertrauen entgegengebracht wurde
und er keine besonders ausgeklügelten Täuschungsmanöver vornehmen musste,
um (unrechtmässig) an das Geld zu gelangen. Andererseits ist der Vertrauens-
bruch aufgrund des professionellen Deckmantels umso gravierender. Der Be-
schuldigte hat sich zwar mit der Verteidigung (Prot. II S. 14) mit dem veruntreuten
Geld keine Luxusgüter angeschafft, sondern er versuchte Gewinn zu generieren,
um damit alte Schulden zu begleichen. Der Beschuldigte hätte jedoch bereits die
entsprechenden Lehren aus seiner Vergangenheit ziehen und erkennen müssen,
dass diese Rechnung nicht aufgeht. Dennoch ist zu konstatieren, dass er offenbar
unter grossem Druck von alten Gläubigern gestanden hat, die ihn gemäss seinen
Aussagen abgepasst, bedroht und verprügelt haben (Urk. 70 S. 10 f., Urk. 151 S.
2, S. 6), was ihm leicht strafmindernd anzurechnen ist. Soweit sich die Verteidi-
gung auf den Standpunkt stellt, die Opfer trügen eine Mitverantwortung, was sich
zugunsten des Beschuldigten auszuwirken habe (Prot. II S. 12), ist dies zynisch.
Gestützt auf diese Erwägungen wird die objektive durch die subjektive Tatschwe-
re leicht reduziert.
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4.2.3. Es erscheint eine hypothetische Einsatzstrafe im Rahmen von 3 Jahren
Freiheitsstrafe als angemessen.
4.3. SVG-Delikte
4.3.1. Die Staatsanwaltschaft führte anlässlich der Berufungsverhandlung aus,
dass bei den SVG-Delikten sowohl Geld- als auch Freiheitsstrafe vorgesehen sei,
weshalb nicht einzusehen sei, wieso - angesichts der einschlägigen Vorstrafen -
eine lächerlich tiefe Geldstrafe auszufällen sei. Der Vollzug einer solchen erschei-
ne angesichts der desolaten finanziellen Lage des Beschuldigten von vornherein
aussichtslos. Die Strassenverkehrsdelikte seien deshalb bei der Bemessung der
Freiheitsstrafe miteinzubeziehen, weshalb die Grundstrafe um zwei Monate zu
erhöhen sei (Urk. 152 S. 4).
4.3.2. Hinsichtlich der Tatkomponente kann auf die zutreffenden Ausführungen
der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 104 S. 34), wobei eine Geldstrafe von
30 Tagessätzen mit der Staatsanwaltschaft als zu tief erscheint, zumal der
Beschuldigte in Bezug auf die grobe Verletzung der Verkehrsregeln einschlägig
vorbestraft ist. Für die vorliegenden Strassenverkehrsdelikte wäre vielmehr eine
Freiheitsstrafe von eineinhalb Monaten oder eine Geldstrafe von 45 Tagessätzen
angemessen.
4.3.3. Der Beschuldigte hat Schulden und offene Verlustscheine in Millionenhöhe
(Urk. 70 S. 5, Urk. 15/2), weshalb ihm in weiter Zukunft keine Mittel zur Bezahlung
einer Geldstrafe verbleiben würden. Die Geldstrafe ist angesichts der zahlreichen
Betreibungen auch nicht vollstreckbar. Damit erscheint das Ziel einer Geldstrafe,
Einschränkung des Lebensstandards und Konsumverzicht, kaum erreichbar
(BGE 134 IV 64). Ausserdem ist der Beschuldigte einschlägig vorbestraft
(Urk. 108 S. 2). Eine Geldstrafe ist deshalb nicht geeignet, weshalb auf eine Frei-
heitsstrafe zu erkennen ist. Die hypothetische Einsatzstrafe ist unter Berücksichti-
gung des Asperationsprinzips um einen Monat auf eine Freiheitsstrafe von
3 Jahren und 1 Monat zu erhöhen.
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4.4. Täterkomponente
4.4.1. Zum Vorleben hat die Vorinstanz bereits zutreffende Erwägungen gemacht
bzw. diesbezüglich auf das Urteil vom 29. Mai 2013 verwiesen, worin bereits ein-
lässliche Ausführungen dazu gemacht wurden (Urk. HD 15/5 S. 113 - 115). Da-
rauf kann verwiesen werden.
Insgesamt lassen sich aus den persönlichen Verhältnissen keine strafzumes-
sungsrelevanten Faktoren ableiten. Entgegen der Auffassung der Verteidigung
(Urk. 72 S. 8 f.) gibt die missliche persönliche Situation, in welche sich
der Beschuldigte bekanntlich selbst hineinmanövriert hat, keinen Anlass für eine
Reduktion der Strafe.
4.4.2. Hinsichtlich der Vorstrafen ist auf die zutreffenden Erwägungen der Vor-
instanz zu verweisen (Urk. 104 S. 36). Weiter hat die Vorinstanz korrekt auf-
gezeigt, dass der Beschuldigte sowohl während laufender Probezeit als auch
während laufenden Strafuntersuchungen bzw. laufenden Rechtsmittelverfahren
delinquierte und sogar noch straffällig wurde, nachdem die erste Anklage in vor-
liegendem Fall bereits bei der Vorinstanz eingegangen war (Urk. 104 S. 36 f.).
Dieses Verhalten des Beschuldigten zeugt von einer bemerkenswerten Gleichgül-
tigkeit gegenüber der geltenden Rechtsordnung und wirkt sich zusammen mit den
Vorstrafen erheblich straferhöhend aus.
4.4.3. Betreffend das Nachtatverhalten ist auf die differenzierten Erwägungen der
Vorinstanz zu verweisen, wonach das Geständnis des Beschuldigten vor dem
Hintergrund weiterer Vorwürfe und Belastungen zustande kam, der Beschuldigte
zwar Reue und Einsicht beteuerte, gleichzeitig aber weiter delinquierte und stets
darum bemüht war, seine Opferrolle zu betonen und sich schliesslich bereits im
Verfahren SB070313 reuig und einsichtig gezeigt hatte (Urk. 104 S. 37 f. m. w. H.).
Dennoch ist ihm zugute zu halten, dass er anlässlich der Berufungsverhandlung
erneut und glaubhaft betonte, wie leid ihm die Privatkläger täten (Urk. 151 S. 6 f.).
Das Nachtatverhalten des Beschuldigten schlägt demzufolge mit der Vorinstanz
leicht strafmindernd zu Buche.
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4.4.4. Die straferhöhenden Faktoren der Täterkomponente überwiegen die straf-
mindernden bei weitem, weshalb die hypothetische Einsatzstrafe im Umfang von
5 Monaten zu erhöhen ist.
4.5. Fazit
Unter Berücksichtigung der dargelegten Strafzumessungsfaktoren erweist sich ei-
ne Freiheitsstrafe von 3 Jahren und 6 Monaten als angemessen. Der Anrechnung
der bis und mit heute erstandenen 446 Tage Haft und vorzeitigen Strafvollzug
steht nichts entgegen (Art. 51 StGB; Urk. HD 37/9/1).
5. Strafvollzug
Angesichts der Höhe der auszusprechenden Freiheitsstrafe von 3 Jahren und
6 Monaten ist deren Aufschub - auch nicht teilweise - schon aus objektiven Grün-
den nicht möglich (Art. 42 Abs. 1 und Art. 43 Abs. 1 StGB), weshalb diese Strafe
zu vollziehen ist. Es kann auf die weitergehenden Erwägungen der Vorinstanz
verwiesen werden (Urk. 104 S. 39 f.).
6. Kosten
Der Beschuldigte unterliegt mit seinen Anträgen im Berufungsverfahren vollum-
fänglich. Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amt-
lichen Verteidigung, sind folglich dem Beschuldigten aufzuerlegen. Die Kosten der
amtlichen Verteidigung sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, unter
Vorbehalt der Rückforderung. Der Beschuldigte ist allerdings darauf hinzuweisen,
dass er nach Erhalt der Abrechnung bei der Zentralen Inkassostelle des Ober-
gerichts ein Ratenzahlungs- oder Stundungsgesuch stellen kann (vgl. Art. 425
StPO).
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