# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** eead12ba-e48e-50b8-89cf-96a91e899f14
**Court:** AR_OG
**Chamber:** AR_OG_003
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** AR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt
A. Der am XX.XX.1974 geborene A. _ meldete sich am 19. Oktober 2015 bei der IV-
Stelle des Kantons Appenzell Ausserrhoden wegen psychischen Problemen, Übergewicht,
erhöhtem Blutdruck, Diabetes sowie Schlafapnoe zum Bezug von Leistungen an (IV-act. 1).
Die IV-Stelle klärte in der Folge den erwerblichen Sachverhalt ab, wobei die
Arbeitsvermittlung seitens der IV-Stelle mit Mitteilung vom 7. Juli 2017 abgeschlossen
wurde (IV-act. 90, vgl. auch IV-act. 67, IV-act. 78 und IV-act. 87). Im Rahmen der
Abklärung des medizinischen Sachverhalts wurde unter anderem ein polydisziplinäres
Gutachten bei der medexperts ag, St. Gallen, eingeholt (IV-act. 137).
B. Mit Vorbescheid vom 12. Juli 2018 kündigte die IV-Stelle A. _ die Abweisung des
Leistungsbegehrens an (IV-act. 139). Dagegen erhob A. _ am 16. August 2018 und
23. August 2018 Einwand (IV-act. 145 und IV-act. 147). Ergänzend erhob am 5. Februar
2019 auch der Rechtsvertreter von A. _ Einwand und reichte neue medizinische
Unterlagen ein (IV-act. 154). Mit Verfügung vom 23. August 2019 bestätigte die IV-Stelle
ihren Vorbescheid und wies das Leistungsbegehren von A. _ ab (IV-act. 160). Mit
Schreiben vom 8. September 2019 meldete der behandelnde Psychiater von A. _,
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Dr. med. B. _, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie, eine kritische
Verschlechterung des Gesundheitszustands (IV-act. 163-36/37).
C. Gegen die Verfügung vom 23. August 2019 liess A. _ am 25. September 2019 mit
den eingangs erwähnten Anträgen Beschwerde beim Obergericht des Kantons Appenzell
Ausserrhoden erheben (act. 1). Nachträglich liess er am 15. November 2019 einen
Bericht von Dr. med. C. _, Facharzt Neurologie, einreichen (act. 6 und act. 7). Die
IV-Stelle beantragte mit Vernehmlassung vom 14. November 2019 und 19. November
2019 die Abweisung der Beschwerde (act. 8 und act. 10).
D. Am 13. Februar 2020 liess A. _ innert erstreckter Frist die Replik samt neuer
Unterlagen einreichen (act. 14 und act. 15). Die Duplik der IV-Stelle datiert vom 5. März
2020 (IV-act. 17).

## Considerations

Erwägungen
1. Formelles
1.1
Gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. b des Justizgesetzes
vom 13. September 2010 (JG, bGS 145.31) beurteilt das Obergericht als kantonales Ver-
sicherungsgericht Beschwerden aus dem Bereich der Sozialversicherungen. Die örtliche
Zuständigkeit ist nach Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die
Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20) gegeben.
Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der weiteren Prozessvoraussetzungen
ergibt, dass diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der
Form- und Fristerfordernisse erfüllt sind (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59, Art. 60 Abs. 1 und
Art. 61 lit. b ATSG sowie Art. 54, Art. 56 und Art. 59 des Gesetzes vom 9. September 2002
über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG, bGS 143.1)).
Auf die Beschwerde ist einzutreten.
1.2
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Gestützt auf Art. 2 der Verordnung über COVID-19-Massnahmen: Gerichte (bGS 113.2)
kann das Obergericht zur Bewältigung der aktuell ausserordentlichen Lage in allen Fällen
auf dem Zirkularweg entscheiden, wenn das Gesetz keine Verhandlung vorschreibt.
Entscheide, die auf dem Zirkularweg gefällt werden, bedürfen der Einstimmigkeit (Art. 52
Abs. 2 JG). Da vorliegend keine Durchführung einer Verhandlung vorgeschrieben ist und
die Parteien auf die Durchführung einer solchen verzichteten, hat das Obergericht den
vorliegenden Entscheid im Zirkularverfahren gefällt.
2. Materielles
2.1
Nach Art. 8 Abs. 1 ATSG ist Invalidität die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit
dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Die Invalidität kann nach Art. 4 Abs. 1
IVG Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein. Erwerbsunfähigkeit ist der
durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur-
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil-
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsun-
fähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück-
sichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die unter anderem
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% ar-
beitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens
40% invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% besteht ein Anspruch auf eine Viertels-
rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% auf eine halbe Rente, bei einem In-
validitätsgrad von mindestens 60% auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 70% auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
2.2
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall
das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere
Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe der Ärztin oder des Arztes ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und
bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind
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die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Ar-
beitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4).
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und Sozialver-
sicherungsgerichte die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie
umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies,
dass das Sozialversicherungsgericht die Beweismittel unabhängig davon, von wem sie
stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unter-
lagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbeson-
dere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht
erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben,
warum es auf die eine und nicht die andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 351
E. 3a). Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für
die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die ge-
klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung
der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten be-
gründet sind (134 V 231 E. 5.1).
2.3
Die IV-Stelle stellte in der angefochtenen Verfügung gestützt auf das von ihr als voll
beweiskräftig betrachtete Gutachten der medexperts ag fest, dem Beschwerdeführer sei in
seiner bisherigen Tätigkeit als Chauffeur eine 70%-ige Arbeitsfähigkeit zumutbar. Bei einem
IV-Grad von 30% (Valideneinkommen: Fr. 67‘600.-- beziehungsweise Fr. 69‘418.--;
Invalideneinkommen: Fr. 47‘320.--) erwachse kein Anspruch auf Rentenleistungen.
Der Beschwerdeführer lässt im Wesentlichen einwenden, das Gutachten sei nicht
beweiskräftig, da weder schlüssig noch nachvollziehbar. Insbesondere werde die
Arbeitsunfähigkeit von 30% bestritten. Die IV-Stelle habe zudem die Abklärungspflicht
verletzt, indem sie keine Verlaufsbegutachtung eingeholt habe. Es sei ein polydisziplinäres
Gerichtsgutachten bei der asim, Basel, einzuholen. Schliesslich seien für den
Einkommensvergleich die LSE Tabellen beizuziehen und ein Leidensabzug von 25% zu
gewähren.
Seite 6
2.4
Das polydisziplinäre Gutachten der medexperts ag beruht auf den von der IV-Stelle zur
Verfügung gestellten Akten, der durchgeführten Zusatzdiagnostik sowie den Angaben des
Beschwerdeführers (IV-act. 137-1ff/79).
2.4.1
Der psychiatrische Teilgutachter Dr. med. D. _, Facharzt Psychiatrie und
Psychotherapie, diagnostizierte mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10: F33.11). Als Diagnosen
ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit stellte er einen Status nach posttraumatischer
Belastungsstörung (ICD-10: F43.0), Agoraphobie (ICD-10: F40.0) sowie ADHS (ICD-10:
F90.2) fest (IV-act. 137-47/79). Weiter führte er aus, dass er aus gutachterlicher Sicht ein
hohes Potenzial bei der Optimierung der aktuell antidepressiven Medikation sehe (IV-act.
137-48/79). Aktuell liege beim Beschwerdeführer eine Arbeitsunfähigkeit von 30% aufgrund
der rezidivierenden depressiven Störung und den Kardinalsymptomen insbesondere der
Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörung bei bestehender Antriebslosigkeit vor. Es sei
aus psychiatrischer Sicht nicht anzunehmen, dass die Diagnosen ADHS, posttraumatische
Belastungsstörung sowie die Agoraphobie, welche bereits seit Jahrzehnten beständen,
einen Einfluss auf die aktuelle Arbeitsfähigkeit hätten. Vielmehr sei davon auszugehen,
dass die aktuell depressive Episode unter medikamentöser Therapie (derzeit Deprivita) und
regelmässig intensiver Verhaltenstherapie deutlich verbessert werden könne. Der
Teilgutachter wies zudem darauf hin, dass es aktenkundig sei, dass die Arbeitsunfähigkeit
des Beschwerdeführers in den letzten drei Jahren von verschiedenen Behandlern zwischen
80 und 100% angesehen worden sei. Ein Arbeitsversuch sei abgebrochen worden und ein
längerer Zeitraum in der Tagesklinik habe ebenfalls zu einer deutlich reduzierten
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit geführt. Ein solches Bild habe der Beschwerdeführer
während der Exploration nicht präsentiert. Um diesen Umstand aber dennoch zu
gewichten, empfehle er nach adäquater einjähriger leitliniengerechter Behandlung eine
erneute Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durchzuführen und mit der Erkenntnis dieses
Erfahrungsjahres eine erneute Einschätzung der Arbeitsfähigkeit zu tätigen. Unter
adäquater regelmässig psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung sei davon
auszugehen, dass eine Verbesserung respektive eine Stabilisierung der depressiven
Episode erreicht werden könne. Schwerpunkte seien diesbezüglich neben der psychischen
Seite auch auf die Gewichtsreduktion des Beschwerdeführers zu legen. Es bestände
aufgrund des Gesprächs mit dem Beschwerdeführer die grosse Wahrscheinlichkeit einer
Wechselwirkung zwischen Adipositas und psychischem Wohlbefinden (IV-act. 137-49f/79).
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Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb der psychiatrische Teilgutachter, nachdem er auf die
von verschiedenen Behandlern festgestellte 80 – 100%-ige Arbeitsunfähigkeit verwies,
seine Einschätzung von aktuell 30% Arbeitsunfähigkeit nicht begründete beziehungsweise
lediglich darauf hinwies, dass der Beschwerdeführer ein solches Bild während der
Exploration nicht präsentiert habe. Diese Einschätzung des Gutachters hätte zwingend
dazu führen müssen, dass er sich eingehend mit den abweichenden Meinungen der
anderen Fachärzte auseinandersetzt, zumal die Einschätzungen ganz erheblich – und nicht
nur in geringem Umfang - voneinander abweichen. Seine Empfehlung, nach Ablauf eines
Jahres mit leitliniengerechter Behandlung erneut die Arbeitsfähigkeit einzuschätzen,
verleiht seiner Arbeitsfähigkeitsschätzung eine gewisse Unsicherheit. Umso mehr hätte
Anlass bestanden, beim behandelnden Psychiater Dr. med. B. _ den aktuellen
Verlauf der Behandlung per Rückfrage abzuklären. Zumal auch die Aussage des
Teilgutachters, es habe bisher keine leitliniengerechte Behandlung stattgefunden,
angesichts seines Verweises auf den Verlaufsbericht von Dr. med. B. _, wonach
wöchentliche Therapiefrequenzen und eine erstmals relativ gut etablierte stützende
antidepressive Medikation mit Johanniskraut bestände, die Frage aufwirft, weshalb die
bisherige Behandlung nicht leitliniengetreu sein soll (IV-act. 137-45/79). Der
Beschwerdeführer war seit dem Jahr 2015 mehrmals in stationärer und ambulanter
Therapie (IV-act. 15-13/24, IV-act. 15-7/24, IV-act. 123-11/14 und IV-act. 123-4/14) und ist
seit August 2015 in laufender ambulanter psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung
(IV-act. 30-3/4, vgl. auch IV-act. 123-2/14). Insofern ist eine regelmässige fachärztliche
Behandlung ausgewiesen. Ausgewiesen ist auch eine medikamentöse Behandlung, wobei
diese durch (unverschuldete) Unverträglichkeiten seitens des Beschwerdeführers offenbar
erschwert wird (IV-act. 123-2/14 und IV-act. 137-48/79). Auch die Ergebnisse der Mini-ICF-
APP, wonach sehr viele Items – mit Ausnahme der Durchhalte- und Selbstbe-
hauptungsfähigkeit, welche eine mittelgradige bis schwere Beeinträchtigung aufweist –
leicht beziehungsweise mittelgradig herabgesetzt sind, erfordern eine einlässliche und
nachvollziehbare Begründung der vom Teilgutachter geschätzten Arbeitsunfähigkeit von
30% (IV-act. 137-48f/79). Umso mehr, als vom Teilgutachter im Abschnitt „Würdigung von
Fähigkeiten, Ressourcen und Belastungen“ im Wesentlichen lediglich die Belastungen,
denen der Beschwerdeführer ausgesetzt war, geschildert wurden und keine Ausführungen
zu den vorhandenen Fähigkeiten oder Ressourcen erfolgten (IV-act. 137-49/79). Obwohl es
sich beim vom behandelnden Psychiater Dr. med. B. _ diagnostizierten Verdacht auf
eine kombinierte Persönlichkeitsstörung um eine Verdachtsdiagnose handelt, welche nicht
mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt ist, fehlt
im Teilgutachten jegliche Auseinandersetzung damit, dies im Gegensatz zu den von Dr.
med. B. _ ebenfalls gestellten Diagnosen der posttraumatischen Belastungsstörung,
ADHS sowie Agoraphobie (IV-act. 137-45/79). Insofern ist die Aussage der RAD Ärztin im
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Bericht vom 31. Mai 2019, wonach diese Diagnose im Gutachten nach Würdigung der
Symptome nach ICD-10 nicht vergeben worden sei, aufgrund der Akten nicht
nachvollziehbar (IV-act. 156-4/6). Unvollständig erscheint das Teilgutachten auch insofern,
als eine Wechselwirkung zwischen Adipositas und psychischem Wohlbefinden mit grosser
Wahrscheinlichkeit bejaht wurde, aber die explizit gestellte Frage bezüglich der
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit und Therapierbarkeit offen blieb (IV-act. 137-50/79).
2.4.2
Dr. med. E. _, Facharzt FMH Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin, stellte
keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
diagnostizierte er ein unspezifisches belastungskorreliertes muskuloskelettales Schmerz-
syndrom (IV-act. 137-18/79). Aus rheumatologischer Sicht könne eine Arbeitsunfähigkeit
des Beschwerdeführers in körperlich leichten bis mittelschweren beruflichen Tätigkeiten mit
Heben/Tragen von Lasten bis 25kg (vereinzelt) beziehungsweise bis 15kg (repetitiv), mithin
in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Chauffeur von Lieferwagen bis 3.5 Tonnen Gewicht,
nicht begründet werden. Eine berufliche Reintegration in die angestammte und bis
spätestens 2004 ausgeübte Tätigkeit als Strassen-/Gartenbau-/Gleisarbeiter erscheine aus
rheumatologischer Sicht nicht sinnvoll. Die vom Beschwerdeführer geschilderten
belastungskorrelierten unspezifischen muskuloskelettalen Beschwerden dürften nicht
zuletzt im Zusammenhang mit der morbiden Adipositas zu sehen sein (IV-act. 137-20f/79).
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers wird die Diagnose im Gutachten
rechtsgenüglich abgeklärt und gewürdigt. Der Teilgutachter führte aus, dass in der
klinischen Untersuchung sich aus rheumatologischer Sicht keine relevanten Pathologien
fänden. Bildgebend seien degenerative Veränderungen Th7 bis 9 im Sinne einer
rechtsseitig überbrückenden Spondylose festgestellt worden, die weiteren Röntgenauf-
nahmen hätten aber keine Pathologien ergeben. Entzündliche Gelenksveränderungen und
eine serologische Entzündungsaktivität seien nicht fassbar und die ergänzend bestimmten
immunologischen Parameter seien negativ (IV-act. 137-19f/79). Insofern wird
nachvollziehbar hergeleitet, weshalb die Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ist.
2.4.3
Im allgemein internistischen Teilgutachten stellte Dr. med. F. _, Facharzt Allgemeine
Innere Medizin, keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit diagnostizierte er Diabetes mellitus Typ IIb, Adipositas Grad III, arterielle
Hypertonie, obstruktives Schlafapnoesystem sowie Status nach Nikotinabusus (IV-act. 137-
27f/79). Die Arbeitsfähigkeit im internistischen Bereich sei prinzipiell gegeben. Es bestehe,
wie bereits von Prof. G. _ festgestellt, eine Kombination von morbider Adipositas, Typ
II Diabetes mellitus, arterieller Hypertonie und Schlafapnoe, welche sich durch eine
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erhebliche Gewichtsabnahme wohl massiv verbessern würde (IV-act. 137-29/79). Nicht
nachvollziehbar ist vorliegend, weshalb der Teilgutachter unter dem Titel „Vertiefende
Befragung“ zum Thema arbeitsbezogenes Beschwerdebild festhielt, dass der
Beschwerdeführer eine wechselbelastende Tätigkeit vollschichtig für leichte bis
mittelschwere Arbeit für möglich erachte (IV-act. 137-25/79). Aufgrund der ebenfalls in den
Akten vorhandenen Aussagen des Beschwerdeführers, wonach er sich gesundheitlich
weder in der Lage sehe, an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen noch einer
Erwerbstätigkeit nachzugehen (IV-act. 137-40/79 und IV-act. 137-42/79), erscheint die vom
Teilgutachter wiedergegebene Eigenaussage des Beschwerdeführers als fraglich.
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers wurde das schwergradige obstruktive
Schlafapnoesyndrom vom Teilgutachter berücksichtigt, ebenso der Umstand, dass der
Beschwerdeführer tagsüber gelegentlich müde ist und gelegentlich ein bis zwei Stunden
schlafe (IV-act. 137-24/79). Die Hinweise auf Retinopathie durch die RAD-Ärztin Dr. med.
H. _, Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie, sowie durch Dr. med. I. _,
Facharzt Allgemeine Innere Medizin und Endokrinologie/
Diabetologie, ergingen nach Erstellung des Gutachtens vom 3. Juli 2018, weshalb der
Vorwurf einer unvollständigen Diagnosestellung fehl geht (IV-act. 154-63/74 und IV-act.
156-6/6).
2.4.4
Dr. med. J. _, Fachärztin FMH Neurologie, hielt als einzigen auffälligen Befund die
Adipositas per magna fest, ansonsten sei der klinische Neurostatus unauffällig (IV-act. 137-
33/79). Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beständen keine, ohne Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit bestehe eine Neigung zu stressinduzierten
Spannungstypkopfschmerzen. Aus neurologischer Sicht lasse sich keine spezifische
Diagnose stellen. Im Vordergrund ständen aktuell im Wesentlichen psychiatrisch/
psychologische Probleme (IV-act. 137-35/79). Es bestehe aus rein neurologischer Sicht
sowohl für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Chauffeur oder die früher ausgeübten
verschiedenen Tätigkeiten als auch für den Ausbildungsstand des Beschwerdeführers
entsprechende angepasste Tätigkeiten eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit (IV-act. 137-
36/79). Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers wurde das Teilgutachten weder
unsorgfältig noch unvollständig erstellt. Die neurologische Teilgutachterin führte im Rahmen
der Herleitung aus, dass spezifische neurologische Symptome aktuell kaum mehr
vorhanden seien. Auf Nachfrage werde zwar deutlich, dass Kopfschmerzen auftreten
können, aber nur in Zusammenhang mit Stresssituationen und äusserst selten und ohne
wesentliche Beeinflussung der Arbeitsfähigkeit. Somit seien die geklagten neuro-
psychologischen Symptome aus neurologischer Perspektive in Zusammenhang mit
psychischen Faktoren zu sehen (IV-act. 137-35/79). Insofern erstaunt nicht, dass die
Seite 10
Teilgutachterin weder eine Diagnose stellte noch Wechselwirkungen der verschiedenen
Diagnosen bejahte, zumal das Diagnostizieren von psychischen Beschwerden nicht in ihr
Fachgebiet fällt.
2.4.5
Im neuropsychologischen Teilgutachten stellte K. _, Fachpsychologin für
Neuropsychologie FSP, ein überwiegend unauffälliges kognitives Leistungsniveau fest. Es
könne eine minimale neuropsychologische Funktionsstörung mit leichten Minderleistungen
in einzelnen Teilbereichen festgestellt werden, welche mit einer depressiven Störung
vereinbar seien. Die Einschätzung der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aufgrund der
neuropsychologischen Funktionsstörungen erfolge im psychiatrischen Gutachten (IV-act.
137-71/79). Die einmalig festgestellte Leistungsblockade wurde von der Teilgutachterin im
Rahmen der psychischen Erkrankung gesehen, weshalb sie sich hierzu nicht weiter
äusserte. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers begründete die Gutachterin
überzeugend, dass sämtliche Parameter der Aufmerksamkeits-Testung aktuell unauffällig
seien und ein möglicherweise persistierendes ADHS wenig ausgeprägt erscheine. Daher ist
nachvollziehbar, dass sie aufgrund dieser Diagnose keine Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit annahm (IV-act. 137-71/79).
2.5
Zusammenfassend ist festzustellen, dass der vom Beschwerdeführer vorgebrachten Kritik
am neuropsychologischen, neurologischen, internistischen und rheumatologischen
Teilgutachten nicht gefolgt werden kann. Jedoch ist dem Beschwerdeführer dahingehend
zuzustimmen, dass die vom psychiatrischen Teilgutachter vorgenommene Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit mit Blick auf die massgebenden Indikatoren nicht hinreichend und
nachvollziehbar begründet ist (BGE 145 V 361 E. 4.3). Somit rechtfertigt es sich, lediglich
das psychiatrische Teilgutachten zu weiteren Präzisierungen oder Ergänzungen an die IV-
Stelle zurückzuweisen. Zumal im Wesentlichen auch unter den Parteien unbestritten zu
sein scheint, dass die Einschränkungen des Beschwerdeführers vorrangig psychischer
Natur sind (act. 1/8ff, act. 10 und act. 14/4). Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers
ist vorliegend aber kein Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben, da der bereits erhobene
medizinische Sachverhalt weder insgesamt noch in wesentlichen Teilen gutachterlich
geklärt werden muss. Vielmehr bezweckt die Rückweisung eine Ergänzung des
psychiatrischen Teilgutachtens dahingehend, dass eine differenzierte Auseinandersetzung
mit den sich in den Akten befindenden Berichten sowie den Arbeitsfähigkeitsschätzungen
der (anderen) Fachärzte stattfindet und nachvollziehbar begründet wird, gestützt auf welche
Indikatoren der Teilgutachter zu seiner Einschätzung der Arbeitsfähigkeit gelangt (BGE 139
V 99 E. 1.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_580/2017 vom 9. Februar 2018 E. 3.1). Zudem
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hat die IV-Stelle auch zu klären, ob und welche Auswirkungen die von Dr. med. L. _,
Facharzt Ophthalmologie, neu entdeckte mittlere diabetische Retinopathie auf das Befinden
und die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zeigt (act. 2.3; BGE 139 V 99 E. 1.1).
3. Kosten und Entschädigung
3.1
Nach Art. 69 Abs. 1 bis
IVG sind Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung
oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung kostenpflichtig. Die Vorin-
stanz unterliegt im vorliegenden Verfahren da die Rückweisung der Sache zu weiterer
Abklärung und neuer Verfügung für die Frage der Auferlegung der Gerichtskosten wie auch
der Parteientschädigung praxisgemäss als volles Obsiegen der beschwerdeführenden
Partei gilt (BGE 132 V 215 E. 6.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_548/2019 vom 16. Januar
2020 E. 7; UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, N. 205 zu Art. 61 ATSG). Da der
Vorinstanz gemäss Art. 22 Abs. 1 VRPG keine Verfahrenskosten auferlegt werden können,
werden die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 800.-- auf die Staatskasse genommen. Die
Gerichtskasse wird daher angewiesen, dem Beschwerdeführer den von ihm geleisteten
Kostenvorschuss von Fr. 800.-- zurückzuerstatten.
3.2
Gemäss Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerde-
führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Versicherungs-
gericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit-
sache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. Vorliegend wird die Be-
schwerde an die IV-Stelle zurückgewiesen, womit der Beschwerdeführer obsiegt.
Im Übrigen ist die Bemessung der Parteientschädigung eine Angelegenheit des kantonalen
Rechts, wobei bei kantonal festgesetzten Kriterien beachtet werden muss, dass sie nicht
den bundesrechtlich massgebenden Bemessungselementen zuwiderlaufen dürfen (Urteil
des Bundesgerichts 8C_11/2016 vom 22. Februar 2016 E. 3.1; UELI KIESER, a.a.O., N. 212
zu Art. 61 ATSG).
Die Bemessung der Entschädigung richtet sich im Rahmen von Art. 61 lit. g ATSG mithin
nach Art. 16 Abs. 1 der Verordnung vom 14. März 1995 über den Anwaltstarif (AT, bGS
145.53; UELI KIESER, a.a.O., N. 208 ff zu Art. 61 ATSG; vgl. auch Art. 4 Abs. 2 AT).
Vorliegend handelt es sich um einen eher durchschnittlichen leichten Fall mit
durchschnittlicher Menge an Akten sowie keinen besonders aufwändig zu beantwortenden
Sachverhalts- und Rechtsfragen. Unter diesen Umständen ist der Rechtsvertreter des
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Beschwerdeführers mit Fr. 2‘800.20 (Pauschalhonorar Fr. 2‘500.-- + 4% Barauslagen (=
Fr. 100.--) + 7.7% Mehrwertsteuer (= Fr. 200.20)) zulasten der Vorinstanz zu entschädigen.
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