# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 9014c590-0918-5908-8aba-d9a170a9e4e0
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1985 geborene
X._
meldete sich am
5.
September 2010 bei der S
ozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leis
tungen der Invalidenversicherung an (
Urk.
5/8). Nach Klärung der erwerblichen und medizinischen Verhältnisse sowie nach Durchführung des
Vorbescheidver
fahrens
sprach ihr die Verwaltung mit Verfügung vom 1
3.
Mai 2014 eine vom
1.
März 2011 bis 3
1.
März 2013 befristete ganze Rente zu (Urk. 5/65). Die dage
gen erhobene Beschwerde hiess das hiesige Gericht mit Urteil vom
4.
September 2014 in dem Sinne gut, dass es die angefochtene Verfügung insoweit aufhob und die Sache an die IV-Stelle zurückwies, damit diese über den Rentenanspruch der Versicherten ab April 2013 neu verfüge (
Urk.
5/72/1-6; Prozess-Nr. IV.2014.00642).
1.2
In der Folge liess die Verwaltung
X._
von den
Ärzten der
Medas
Y._
polydisziplinä
r begutachten (Expertise vom 2
0.
Juni 2016
[
Urk.
5/
126/2-56]). Mit Vorbescheid vom
1.
November 2017
stellte sie
die
Zusprache
einer ganzen Rente
vom
1.
April 2013 bis 3
1.
März 2016
und vom
1.
April 2017 bis 31. Oktober 2017
in Aussicht (
Urk.
5/145
). Daran hielt sie – auf Einwand der Versicherten hin (Urk.
5/
153/1-4
) – mit Verfügun
g vom 2
8.
August 2018 fest (
Urk.
2/1-2).
2.
Dagegen erhob
X._
mit Eingabe vom 2
8.
September 2018 Beschwerde und beantragte,
es seien ihr die gesetzlichen Leistungen zu erbringen und es sei ihr insbesondere für die Zeit ab
1.
April 2016 bis 3
1.
März 2017 sowie für die Zeit ab
1.
November 2017 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen; eventuell sei ein Gerichtsgutachten anzuordnen (
Urk.
1 S. 2). Am 2
3.
Oktober 2018 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
4), was der Beschwerdeführerin mit Gerichtsverfügung vom 2
4.
Oktober 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
6). Am 1
7.
Januar (
Urk.
7-8) und 1
9.
März 2019 (
Urk.
13-14) reichte sie weitere Ein
gaben ein.
Die Beschwe
rdegegnerin verzichtete auf Stellungnah
m
en
hierzu (
Urk.
11 und
Urk.
16).
Mit Beschluss vom
6.
Juni 2019 wurde der Beschwerde

## Considerations

führerin Frist angesetzt, um zu der vom Gericht in Erwägung gezogenen Rück
weisung der Sache an die Beschwerdegegnerin zur weiteren Abklärung und des damit verbundenen Risikos einer möglichen Schlechterstellung Stellung zu neh
men oder die Beschwerde zurückzuziehen (Urk. 18). Am
2.
Juli 2019 teilte sie mit, sie halte an der erhobenen Beschwerde fest (
Urk.
20).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
)
.
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung [
IVG
]
)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestell
ten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen be
ruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychi
schen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Aus
einandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfol
gerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deut
lich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die befristete
Rentenzusprache
damit,
der Beschwerdeführerin sei die Ausübung der angestammten Tätigkeit als Zimmer
mädchen nicht mehr zumutbar. Eine behinderungsangepasste Arbeit sei ihr ab Dezember
2015
mit einem Pensum von 80
%
möglich.
Das Invalideneinkommen
be
trage
Fr.
43'250.--. Bei einem
Valideneinkommen
von Fr. 51'486.-- ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 16
%
.
Da die Herabsetzung der Rente erst drei Monate nach Verbesserung des Gesundheitszustands erfolgen könne, bestehe von
1.
April 2013 bis 3
1.
März 2016 Anspruch auf eine ganze Rente. Ab Januar 2017 habe sich der Gesundheitszustand der Beschwerde
führerin
wieder verschlechtert und es sei ihr bis Juli 2017 keine behinderungsangepasste
Arbeit möglich gewesen. Seit Juli 2017 sei sie wieder zu 50
%
und ab August 2017 wieder zu 80
%
adap
tiert arbeitsfähig. Ein Anspruch auf eine ganze Rente bestehe deshalb erneut für die Zeit von
1.
April bis 31. Oktober 2017
(
Urk.
2/1 S. 3 f.)
.
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt,
die Ein
schätzung der Beschwerdegegnerin beruhe auf der Beurteilung von
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsappara
tes, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der IV-Stelle. Jenem fehle es
indes
an der notwendigen Unabhängigkeit und Objektivität. Als Orthopäde sei er so
dann nicht in der Lage, sich zur psychi
atri
schen Problematik zu äussern. Seine Aussage, wonach aus der vom behandelnden Psychiater gestellten Diagnose ver
sicherungsmedizinisch keine lang andauernde Arbeitsunfähigkeit abzuleiten sei, sei vor dem Hintergrund der neuen bundesgerichtlichen Rechtsprechung, wonach psychischen Beschwerden in einem strukturierten Beweisverfahren zu prüfen seien, nicht haltbar.
Das
Medas
-Gutachten sei zudem mehr als zwei Jahre alt und es hätten sich zwischenzeitlich
die erwähnten psychischen Probleme entwickelt und sie habe sich weiteren Operationen unterziehen müssen.
Im Hinblick auf die Korrekturoperation am linken Fuss sei davon auszugehen, dass sie sowohl vor wie auch nach dem Eingriff für mindestens jeweils drei Monate zu 100
%
arbeits
unfähig für
die
bisherige
Arbeit wie auch für
angepasste Tätigkeiten
gewesen sei. Von den behandelnden Ärzten würden sich in den Akten keine aktuellen Berichte mit einer Stellungnahme zu ihrer Arbeitsfähigkeit in der angestammten wie auch einer adaptierten Arbeit finden.
Lediglich
Dr.
A._
, Facharzt FMH
für Allgemeine Innere Medizin und Arbeitsmedizin
, führe in seinem Bericht vom
8.
November 2017 aus, ihr Zustand sei ähnlich mit demjenigen vor der letzten Wirbelsäulen
operation. Davon ausgehen
d
, dass sich die Rückenproblematik auch nach der zweiten Operation nicht massgeblich geändert habe, sei unabhängig von einer allfälligen psychiatrischen Beschwerdesymptomatik v
on einer vollschichtigen
Arbeitsunfähigkeit in angestammter und angepasster Tätigkeit auszugehen (Urk. 1 S. 7 ff.).
3.
3.1
Gestützt auf die Ergebnisse ihrer internistischen, chirurgischen, orthopädischen und neurologischen Untersuchungen stellten die Gut
achter
der
Medas
Y._
in ihrer Expertise vom 2
0.
Juni 2016 (
Urk.
5/
126/2-56) nachstehende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 26)
:
-
chronisch wiederkehrende Lumbalgien und
Lumboischialgien
links
-
bei degenerativen LWS-Veränderungen und
Bandscheibenprotrusionen
i
m Segment L5/S1 links gemäss MRI vom
8.
März 2016
-
mit/bei Status nach
mikrochirurgischer Dekompression L5/S1 links am 1
0.
September 2015 bei Diskushernie L5/S1
Den
folgenden Diagnosen massen sie keinen Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit bei (S. 26):
-
immer wiederkehrende
Zervikodorsalgien
-
Knick-/Senkspreizfüss
e
beidseits mit linksbetontem mässige
m
Hallux
valgus
-
neurologisch eingehend abgeklärte Unterbauchschmerzen ohne sicheres pathologisch anatomisches Korrelat, Status nach Abortcurettage 2005, Status nach zwei Spontangeburten 2006 und 2007, Status nach Lapa
roskopie
Gelegenheitsappendektomie
2010, Status nach
Proktoskopie
bei einer Analfissur 2010, Status nach Interruptio 2013, Status nach Varizen
operation beidseits 2013, Status nach
laparoskopischer
Zystenexzision der Ovarien beidseits Februar 2015 bei bekannten symptomatischen Ovarial
zysten seit 2013, Status nach Laparoskopie bei chronischen Unterbauch
schmerzen links und
suprasymphysär
bei klinischem Verdacht auf
Endo
metriose
, histologisch nicht bestätigt Juni 2015
-
Aggravationstendenz
Zur Frage der Arbeitsfähigkeit führten die beteiligten Spezialärzte zusammenfas
send aus, in der angestammten Tätigkeit als Zimmermädchen in einem Hotel be
stehe keine Arbeitsfähigkeit mehr. In einer Verweistätigkeit sei die Beschwerde
führerin zu 80
%
arbeitsfähig bei ganztägiger Anwesenheit. Sie begründeten dies mit Einschränkungen aufgrund der
lumbalgiformen
Beschwerden nötigen Ruhe
pausen. Die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Arbeit bestehe drei Monate nach Rekonvaleszenz bei durchgeführter
Diskushe
rnienoperation
, folglich
ab 1
1.
Dezember 201
5.
Aus chirurgischer Sicht habe nach den durchgeführten Ein
griffen für sämtliche Tätigkeiten eine volle Arbeitsunfähigkeit von maximal drei Wochen bestanden (S. 27 f.).
3.2
Am 2
3.
März 2017 wurde in der
B._
,
C._
, eine Dekompression und
transforaminale
lumbale intervertebrale Fusion L5/S1 von links und eine
transpe
dikuläre
Stabilisierung L5/S1 mit einem MUST-Schraubensystem durchgeführt.
Dr.
med.
D._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie
des Bewegungsapparates, schilderte am 2
6.
März 2017, die Operation und der postoperative Verlauf sowie die Mobilisation hätten sich problemlos gestaltet. Der neurologische Status der Beschwerdeführerin in den unteren Extremitäten habe sich gegenüber vor der Operation nicht verändert. Eine Rön
tgenkontrolle habe ein erhalten
es Alignement gezeigt (
Urk.
5/131/2-3).
3.3
In seiner versicherungsmedizinischen Beurteilung vom 1
8.
Oktober 2017 führte
Dr.
Z._
aus, es würden keine Arztberichte und damit keinerlei klinische Befunde aus dem Zeitraum zwischen der gutachterlich-orthopädischen Untersuchung vom
3.
März 2016 und dem Tag der erneuten
LWS-OP vom 2
6.
März 2017 (richtig: 2
3.
März 2017) vorliegen, sodass – nur medizintheoretisch – einerseits zunächst von der fortgesetzten Gültigkeit des im Gutachten beschriebenen und bewerteten Gesundheitszustands
und der daraus begründeten funktionellen Einschränkun
gen auszugehen sei, andererseits aber aus der Tatsache, dass Ende März 2017 und damit fast auf den Tag genau ein Jahr später erneut die Indikation für einen grossen operativen Eingriff an der Lendenwirbelsäule bestanden habe, mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit auf eine zwischenzeitliche Verschlechterung des Gesundheitszustands und folgerichtig eine Zunahme der funktionellen Ein
schränkungen geschlossen werden müsse. Angesichts der fehlenden Arztberichte und damit von objektiven Befunden aus der Zeit kurz vor der erneuten LWS-OP
werde – unter Berücksichtigung der früheren Befunde und einer 26-jährigen or
thopädischen Praxiserfahrung – medizintheoretisch mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit eine erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszustands spätes
tens ab Januar 2017 postuliert und damit einhergehend auch eine Abnahme der bis dahin gemäss G
utachten geltenden Arbeitsfähigkeit von 80
%
für angepassten Tätigkeiten, und zwar überwiegend wahrscheinlich auf nunmehr nur noch eine minimale Restarbeitsfähigkeit von weniger als 20
%
. Nach der Operation am 2
6.
März 2017 (richtig: 2
3.
März 2017)
habe dann medizintheoretisch eine Ar
beitsunfähigkeit von 100
%
bestanden, die bei derartigen Eingriffen in der Regel minimal drei Monate betrage (das bedeute bis circa 3
0.
Juni 2017). Nachdem der auf zwei Konsultationen am
5.
Juli und 23. August 2017 basierende Bericht von
Dr.
E._
, Facharzt FMH für Neurochirurgie, vorliege, welcher eine detaillierte Befundbeschreibung e
nt
halte,
werde empfohlen,
von einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
ab
5.
Juli 2017 und einer wieder erreichten 80%i
gen Arbeitsfähigkeit ab 2
3.
August
2017 auszugehen (Urk. 5/142 S. 9).
3.4
Dr.
med. univ.
F._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, diag
nostizierte am 3
1.
Januar 2018
(
Urk.
5/159/6-9)
eine Anpassungsstörung mit de
pressiver Reaktion (ICD-10 F43.2) und nannte als Differentialdiagnose eine de
pressive Episode
(S. 1)
. Er gab an, aus psychiatrischer Sicht bestehe eine vermin
derte Belastbarkeit, ein reduziertes Arbeitstempo, verminderte kognitive Fähig
keiten und eine schnellere Ermüdbarkeit. Die Ausübung der bisherigen Tätigkeit sei noch zumutbar. Ob mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit be
ziehungsweise der Einsatzfähigkeit gerechnet werden könne, sei aus psychi
atrischer Sicht nicht
beantwortbar
(S. 2 f.).
3.5
Der Beurteilung von
Dr.
Z._
vom
9.
Februar 2018 kann entnommen werden, dass im Bericht von
Dr.
F._
festgestellt wird, dass aus psychiatrischer Sicht die bisherige Tätigkeit zumutbar und lediglich mit qualitativen Einschränkungen hinsichtlich der Ermüdbarkeit, des Arbeitstempos, usw. zu rechnen ist. Aus rein versic
herungsmedizinsicher Sicht könn
e aber die genannte Diagnose ohnehin medizintheoretisch keine länger andauernde Arbeitsunfähigkeit begründen (Urk. 5/166 S. 4).
4.
4.1
Die
Arbeitsunfähigkeit ist nicht medizinisch-theoretisch, das heisst nicht abstrakt, sondern konkret, unter Berücksichtigung der persönlichen Verhältni
sse
der
Ver
sicherten zu bemessen (Maurer, Schweizerisches Sozialversicherung
srecht
, Band I: Allgemeiner Teil,
2.
Auflage, Bern 1983, S. 287 und
Brühwiler
, Verhinderung
und Verminderung von Arbeitsunfähigkeit der Arbeitnehmer aus arbeitsrechtli
cher Sicht
, in: Riemer-Kafka [Hrsg.], Case
Management und Arbeitsunfähigkeit, Zürich 2006, S. 35).
Dem steht entgegen, dass
RAD-Arzt
Dr.
Z._
– obwohl
, wie von ihm selbst festgehalten,
keine klinischen Befunde zwischen der gutachterli
chen Untersuchung
vo
m
3.
März 2016
und dem Tag der erneuten Operation an der Lendenwirbelsäule
vo
m 2
3.
März 2017
erhoben
wurden
–
medizintheoretisch
von einer
fortgesetzten Gültigkeit des im
Medas
-Gutachten beschriebenen Ge
sundheitszust
ands und der daraus
begründeten
funktionellen Einschränkungen ausgeht und anschliessend eine Verschlechterung des
Gesundheitszustands – wie
derum mangels objektiver, aktueller Befunde – mit seiner 26-jährigen orthopädi
schen Praxiserfahrung
rechtfertigt
(
Urk.
5/142 S. 9).
Eine dem Einzelfall gerechte Prüfung der funktionellen Leistungseinschränkungen, die sich auf die Arbeitsfä
higkeit auswirken, nahm er damit nicht vor.
4.2
In psychiatrischer Hinsicht ergibt sich, dass
Dr.
F._
am 3
1.
Januar 2018 eine Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion (ICD-10 F43.2) diagnostizierte
und von einer eingeschränkten Arbeitsfähigkeit (reduziertes Arbeitstempo, vermin
derte kognitive Fähigkeiten und schnellere Ermüdbarkeit) ausging
(Urk.
5/159/6-9 S. 1
f.
). Dr.
Z._
, der keinen Facharzttitel in Psychiatrie und Psychotherapie besitzt, wies diesbezüglich
in seiner Beurteilung vom
9.
Februar 2018
daraufhin, dass aus rein versicherungsmedizinischer Sicht die genannte Diagnose medizin
theoretisch keine länger andauernde Arbeitsunfähigkeit
zu
begründen vermöge
(
Urk.
5/166 S. 4)
.
Bei Fehlen eines Verlaufsberichts oder einer fachärztlichen Fest
stellung, dass die Beschwerdeführerin aus psychischen Gründen wieder arbeits
fähig ist, kann nicht
rechtsgenüglich
von dieser Hypothese ausgegangen werden.
Mit dieser Argumentation lässt
Dr.
Z._
sodann
die mit BGE 143 V 409 und 418 geänderte Rechtsprechung ausser Acht.
G
emäss BGE 143 V 418 sind sämtliche psychischen Leiden, laut BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittel
schwere Depressionen, einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen. Diese neue Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Pra
xisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden und ist somit auch im vor
liegenden Fall massgebend (Urteil des Bundesgerichts 8C_876/2017 vom 15.
Mai 2018 E. 4.2 mit weiterem Hinweis).
Zu erinnern ist zudem
daran, dass
Dr.
Z._
bereits am 1
6.
September 2013 eine psychiatrische Begutachtung in Betracht zog (
Urk.
5/59 S. 3).
4.3
Im Gegenzug kann angesichts der Aktenlage auch nicht
unbesehen
von einer vollschichtigen Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin in angestammter und adaptierter Tätigkeit
ausgegangen werden, zumal die Versicherte selbst angibt,
dass sich in den Akten keine aktuellen Berichte mit einer Beurteilung ihrer Ar
beitsfähigkeit finden (
Urk.
1
S. 7 f.) und sie bei
Dr.
med.
G._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, erst seit
8.
November 2018 in Behandlung steht (
Urk.
14; vgl. allgemein zur Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis etwa BGE 131 V 407 E. 2.1.2.1 und BGE 129 V 354 E. 1).
4.4
Nach dem Gesagten
erweist sich eine
nochmalige
ergänzende Abklärung der me
dizinischen Verhältnisse in physischer und psychischer Hinsicht als unumgäng
lich.
Da nach der gesetzlichen Konzeption dem Versicherungsträger die Abklä
rung des rechtserheblichen Sachverhalts (vgl. Art. 43 Abs. 1 ATSG in Verbindung mit Art. 69 Abs. 2
der Verordnung
über die Invalidenversicherung [IVV]
) obliegt und es entsprechend dem Untersuchungsgrundsatz in erster Linie Sache der zu
ständigen Behörde ist, die materielle Wahrheit zu ermitteln (Urteil des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 478/04 vom 5. Dezember 2006 E. 2.2.4.3), ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (vgl.
hiezu
auch BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4 mit Hinweisen), damit sie entsprechende Abklä
rungen treffe und hernach
– allenfalls unter Berücksichtigung der massgeblichen Indikatoren – über
den Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin
ab April 2013
neu befinde.
5.
5.1
Die Kosten des Verfahrens sind auf
Fr.
800.-- festzulegen und,
da die Rückwei
sung an die Verwaltung nach ständiger Rechtsprechung als vollständiges Obsie
gen gilt (vgl. etwa Urteil des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 199/02 vom 10. Februar 2004 E. 6, mit Hinweis auf BGE 110 V 57 E. 3a; SVR 1999 IV Nr.
10 S.
28 E.
3), ausgangsgemäss von der Beschwerdegegne
rin zu tra
gen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
5.2
Die anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin hat sodann ausgangsgemäss ge
stützt auf Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) Anspruch auf eine Prozessent
schä
digung. Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache sowie der Schwierigkeit des Prozesses
auf
Fr. 2‘
5
00.--
(inklusive Mehrwertsteuer und Bar
auslagen) festzusetzen.