# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** dd5cf5d9-da53-5845-8545-f3e8cec55db4
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1958 geborene
X._
war Inhaber eines im Jahre 1983 von seinem Vater übernommenen Motorradgeschäftes. Nachdem er wegen zwei
Unfallereig
nissen
in den Jahren 1993 und 1994 keine körperlich schw
eren Arbeiten mehr hatte verrichten kö
nne
n
, meldete er sich bei der Invalidenversicherung zum
Leis
tungsbezug
an. Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
lehnte die IV
-
Stelle des Kantons Zürich mit Verfügung vom 23. Oktober 1997 sowohl einen An
spruch auf berufliche Massnahmen als auch auf Invalidenrente ab (Urk. 8/58). Das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich wies eine dage
gen erhobene Beschwerde mit Entscheid vom 9. Mai 2000 ab (Urk. 8/100
; Pro
zess IV.
19
97.00821
), den das damalige Eidgenössische Versicherungsgericht mit Urteil vom 18. April 2002 bestätigte (Urk. 8/147; I 354/00).
1.2
Nachdem der Versicherte in den Jah
ren 2000 bis 2003 weitere Unfä
lle
erlitten
und sich wiederum zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an
gemeldet hatte, sprach ihm die IV-Stelle eine
Viertels
rente
der Invalidenversi
cherung mit Wirkung ab 1. November 200
1
bei einem Invaliditätsgrad von 48 % zu (Verfügung vo
m 19. September 2003 [
Urk.
8/196,
Urk. 8/214
]).
1.3
Im Dezember 2004 leitete
die Verwaltung auf Ersuchen de
s Versicherten hin
ein Rentenrevisionsverfahre
n ein (vgl. Urk. 8/222
). Nach Durchführung von erwerb
lichen Abklärungen und dem
Beizug
diverser medizinischer Berichte und Gut
achten stellte die IV-Stelle dem Versicherten mit Vorbescheid vom 21. August 2008 bei einem Invaliditätsgrad von 37 % die Aufhebung der Rente in Aussicht (Urk. 8/
26
5). Mit Verfügung vom 5. Dezember 2008 bestätigte die IV-Stelle jedo
ch, dass bei einem Invaliditäts
grad von 43 % weiterhin Anspruch auf ei
ne
Viertelsrente
bestehe (Urk. 8/276
).
Die
hiegegen
erhobene Beschwerde hiess das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich mit Urteil vom 1
5.
September 2010 gut
und wies die Sache zu weiteren Abklärungen an die Vorinstanz zurück (
Urk.
8/283
; Prozess IV 2009.00063
).
1.4
In der Folge
liess die IV-Stelle den Versicherten psychiatrisch und neuropsycho
logisch abklären (Expertisen des
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 1
3.
Juni 2013 und des
Z._
vom 1
0.
Juni 2013,
Urk.
8/330; vgl. auch
Urk.
8/
332
).
1.5
Mit Schreiben vom 2
1.
Januar 2014 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass eine p
o
lydisziplinäre Begutachtung erforderlich sei (
Urk.
8/334). Dagegen opponierte der Versicherte, erklärte sich aber zu einer somatischen
Begutach
tung bereit (
Urk.
8/337
).
Die IV-Stelle ihrerseits hielt - nach mehrmaligem
Schrif
tenwechsel
und nach Bestimmung des
A._
als Durchführungsstelle
(
Urk.
8/338,
8/339,
8/342, 8/344) - mit Verfügung vom 2
5.
Februar 2014 an einer polydisziplinären Begutachtung fest (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 2
6.
März 2014 Beschwerde und beantragte, er sei in den Disziplinen Allgemeine Innere Medizin, Neurologie, Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates sowie Rheu
matologie zu begutachten. Auf weitere Begutachtungen, insbesondere in den Disziplinen Psychiatrie und Neuropsychologie, sei zu verzichten (
Urk.
1 S.
2). Die
IV-Stelle schloss in der Beschwerdeantwort vom 1
5.
Mai 2014 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7)
, wovon dem Beschwerdeführer am 1
9.
Mai 2014 Kenntnis gegeben wurde (
Urk.
10)
.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Die Verwaltung ist von Amtes wegen verpflichtet, die notwendigen Ab
klärun
gen vorzunehmen (Art. 43
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Dies umfasst die Verpflichtung und das Recht, die Untersuchungen anzuordnen, welche zur Klärung des Sachverhalts erforderlich sind, nicht jedoch das Recht, eine „
second
opinion
“ zu einem be
reits in einem Gutachten festgestellten Sachverhalt einzuholen, wenn ihr dieser nicht ge
fällt (BGE 13
8
V
271
E.
1
.
1
; Urteil des Bundesgerichts U 571/06 vom 29. Mai 2007 E. 4.2). Entscheidend dafür, ob weitere Abklärungen an
geordnet werden kön
nen und müssen, ist, ob die bereits vorliegenden Gutachten die
pra
xis
gemässen
inhaltlichen und beweismässigen Anforderungen erfüllen (Urteil des Bundesgerichts U 571/06 vom 29. Mai 2007 E. 4.2).
2.
Die IV-Stelle stellt sich auf den Standpunkt,
zu beurteilen seien sowohl somati
sche als auch psychische Gesundheitsschäden. Aus diesem Grund und damit das Urteil des Sozialversicherungsgerichts vom 1
5.
September 201
0
rechtsgenüglich
umgesetzt werden könne, sei eine polydisziplinäre Begutachtung unerlässlich (
Urk.
2).
Der Beschwerdeführer macht geltend, das psychiatrische Gutachten von
Dr.
Y._
und das neuropsychologische Gutachten des
Z._
seien voll be
weiskräftig. Erforderlich seien lediglich noch somatische
Abklärungen. Die An
ordnung eines
p
o
l
y
disziplinären
Gutachtens sei unnötig und laufe auf die Ein
holung einer unzulässigen
second
opinion
hinaus (
Urk.
1).
3.
Das
Sozialversicherungsgericht
hielt
im Urteil vom 1
5.
September 2010 fest,
d
ie Aktenlage erlaube
keine zuverlässige Beurteilung der trotz gesundheitlicher Be
einträchtigung aus somatischer (orthopädischer) Sic
ht zumutbaren Arbeitsfähig
keit. Der
psychische
Gesundheitszustand
sei zwar vertieft abgeklärt worden
,
doch
lägen
diesbezüglich ebenfalls voneinander
abweichende
ärztliche Beurtei
lungen vor. Es kam
zusammenfassend
zum Schluss
, dass der angefochtene Entscheid sich nicht auf eine
für die streitigen Belange umfassende ärztliche Untersuchung und Zumutbark
eits
einschätzung
stütze
, welche sämtliche e
rhobe
nen Befunde berücksichtige
. Indem die IV-Stelle keine umfassenden fachärztli
chen Untersuchungen
habe vornehmen lassen, habe
sie die rechtserheblichen Tatsachen unvollständig
erhoben
. Die darauf gestützte S
achverhaltsfeststellung sei
somit in Verletzung des Un
tersuchungsgrund
satzes
erfolgt. Die Sache sei
deshalb zur Klärung der Fr
age einer leistungsbeeinflussenden Ver
schlechterung des Gesundheitszustande
s im revisionsrechtlich relevanten Zeit
raum an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit diese eine medizinische Einsc
hät
zung der Arbeits
fähigkeit des Beschwerdeführers in einer angepassten Tätigkeit vornehme, die die Gesamth
eit seiner Leiden berücksichtige. Ob erneut ein psy
chiat
rischer Facharzt beizuziehen sei
, würden die Gutachter nach Mass
gabe der von ihnen erhobenen Befund
e entscheiden müssen (E. 4;
Urk.
8/283).
4.
4.1
In Nachachtung des Urteils vom 1
5.
Septembe
r 2010 hätte
es nahe gelegen, dass die IV-Stelle ein
polydisziplinäres Gutachten in Auftrag
gegeben hätte
.
Zwin
gend erforderlich war ein solches Vorgehen indessen nicht. Das
Sozialversiche
rungsgericht
hat
primär eine umfassende somatische Abklärung gefordert. Gleichzeitig hat es den Entscheid, ob eine weitere psychiatrische Abklärung notwendig ist, den
Gutachtern der somatischen Fachrichtungen überlassen.
Über die Notwendigkeit einer weiteren psychiatrischen Begutachtung äusserte es sich mithin nicht abschliessend. Abgesehen davon kann eine umfassende Abklärung auch auf eine andere Weise als einer
(
klassischen
)
polydisziplinären Begutachtung erfolgen, wenngleich
diesfalls
die Koordination zwischen den einzelnen Fachrichtung
en
und die allenfalls notwendige Konsensfindu
ng schwieriger zu bewerkstelligen sind.
4.2
Dr.
Y._
diagnostizierte im psychiatrischen Gutachten - unter Einbezug der neuropsychologischen Expertise des
Z._
- eine rezidivierende depressive Stö
rung, aktuell maximal mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F33.1), eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD.10 F45.4), eine akzentuierte
Persönlichkeitsstruktur mit narzi
s
stisch vulnerablen Zügen und Tendenz zu psy
chosomatischer Beschwerdeentwicklung und ein neuropsychologisch organi
sches Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma mit neuropsychologisch gezeig
ten Minderleistungen bei Auffälligkeiten in der Symptomvalidierung.
Der Gutachter bejahte eine Verschlechterung des depressiven Krankheitsgeschehens gegenüber der Beurteilung im September 200
3.
Die Arbeitsfähigkeit für die angestammte wie auch für leidensangepasste Tätigkeiten
schätzte er
auf 50
%
.
Diese Einschätzung bezog er auf den Zeitpunkt der Begutachtung. Eine frühere
vorübergehende
Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit
schloss er
nicht aus
, befand aber, es fehle an deren Befunddokumentation
. Implizit verneinte er da
mit
die Dauerhaftigkeit und mithin die Erheblichkeit einer allfällig früheren Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit (
Urk.
8/330/23+26
+28
, 8/332).
Diese
Exp
ertise entspricht den von der Rechtsprechung aufgestellten
beweis
mäs
sigen
Anforderungen
(vgl.
BGE 134 V 231 E
. 5.1
), was der Beschwerdefüh
rer ausdrücklich anerkennt
(
Urk.
1 S. 10).
Auch die IV-Stelle sche
int davon
aus
zu
gehen. Denn sie macht in diesem Zusammenhang einzig geltend, das psychiat
rische Gutachten lasse keine Beurteilung hinsichtlich des somatischen Gesund
heitszustandes zu (vgl.
Urk.
9 S. 9). Dass dem so ist, liegt in der Natur der Sache
, doch wird allein deshalb der Beweiswert des Gutachtens nicht in Zweifel gezogen.
4.3
F
ür die
umfassende
Beurteilung des Leistungsanspruchs bezieh
ungsweise der
Frage, ob eine revisionserhebliche Änderung des Gesundheitszustandes einge
treten ist,
genügt das psychiatrische Gutachten von
Dr.
Y._
nicht. Not
wendig hie
r
für sind weitere, somatische Abklärungen.
Dem Beschwerdeführer ist beizupflichten, dass es hie
r
für keiner polydisziplinären Begutachtung bedarf.
Da der psychische Gesundheitszustand hinreichend abgeklärt ist, käme die Anordnung derselben der
Einholung einer
second
opinion
gleich
. Die IV-Stelle wir
d deshalb somatische Abklärungen
in die Wege zu leiten haben. Mit Vorteil wird sie
den
zu beauftragenden Fachpersonen auch das psychiatrische Gutach
ten zustellen. Falls diese Ergänzungsfragen an den psychiatrischen Fach
arzt für notwendig halten, werden ents
prechende Weiterungen
getätigt werden müssen.
Dieses
Proz
edere mag unter Umständen
umständlich sein
, was sich aber die
IV-Stelle
selber zuzuschreiben hat
.
Indessen besteht entgegen des
beschwerdefüh
rerischen
Antrags kein Anlass, konkret anzuordnen,
in welchen Disziplinen die somatischen Abklärungen zu erfolgen haben. In diesem Sinne ist die Be
schwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Im vorliegenden Verfahren geht es nicht um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen, weshalb das Verfahren kostenlos ist (Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung).
5.2
Ausgangsgemäss
ist die Beschwe
rdegegnerin zu verpflichten, dem vertretenen Beschwerdeführer
eine Pr
ozessentschädigung zu bezahlen, welche sich
nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert
bemisst
(§ 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
) und beim
praxisgemässen Stundenansatz von
Fr.
200.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf
Fr. 1‘80
0
.-- (in
klusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.