# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 96b4db19-c419-464f-90a2-8681303e1ee0
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2012
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Fahren trotz Entzug etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Hinwil, Einzelgericht in Zivil- und Strafsachen, vom 23. Mai 2011 (GG100050)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 12. Oktober 2010
(Urk. 26) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist nicht schuldig und wird vom Vorwurf des Fahrens trotz
Entzugs im Sinne von Art. 95 Ziff. 2 Abs. 1 SVG, der Verletzung der Ver-
kehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 1 SVG in Verbindung mit Art. 31
Abs. 1 SVG und des pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall im Sinne von
Art. 92 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 51 Abs. 3 SVG freigesprochen.
2. Die Gerichtsgebühr fällt ausser Ansatz. Die Untersuchungskosten sowie die
Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genom-
men.
3. Dem Beschuldigten wird eine Parteientschädigung von Fr. 2'000.– aus der
Gerichtskasse zugesprochen.
Berufungsanträge:
a) des Vertreters der Staatsanwaltschaft See/Oberland:
(Urk. 84 S. 1)
1. Der Beschuldigte A._ sei im Sinne der Anklage schuldig zu spre-
chen
- des Fahrens ohne Führerausweis oder trotz Entzugs im Sinne
von Art. 95 Ziff. 2 aSVG
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- der Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 1
SVG in Verbindung mit Art. 31 Abs. 1 SVG;
- des pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall im Sinne von Art. 92
Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 51 Abs. 3 SVG.
2. Der Beschuldigte sei zu bestrafen mit einer Geldstrafe von 60 Tagess-
ätzen zu Fr. 30 (entsprechend Fr. 1'800) sowie mit einer Busse von Fr.
1'000.
3. Der Vollzug der Geldstrafe sei unter Ansetzung einer Probezeit von
drei Jahren bedingt aufzuschieben.
4. Es sei eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen bei schuldhafter Nicht-
bezahlung der Busse festzusetzen.
5. Dem Beschuldigten seien die Verfahrenskosten aufzuerlegen.
b) des amtlichen Verteidigers des Beschuldigten:
(Urk. 85 S. 2)
1. In Rückweisung der berufungsklägerischen Anträge und in Bestätigung
des vorinstanzlichen Urteils sei der Beschuldigte hinsichtlich der ange-
klagten Tatbestände Fahren trotz Führerausweisentzugs i.S.v. Art. 95
Ziff. 2 SVG, Nichtbeherrschen des Fahrzeugs i.S.v. Art. 90 Ziff. 1 SVG
i.V.m. Art. 31 Abs. 1 SVG sowie Pflichtwidriges Verhalten bei einem
Verkehrsunfall i.S.v. Art. 92 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 51 Abs. 3 SVG voll-
umfänglich von Schuld und Strafe freizusprechen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Staatskasse.
3. Mit Bezug auf das erstinstanzliche Verfahren sei im Falle einer Rück-
weisung die Vorinstanz anzuweisen, dem amtlichen Verteidiger die ge-
samte geltend gemachte Entschädigung von Fr. 5'119.65 und nicht
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bloss Fr. 3'910.45 zu vergüten; andernfalls sei Anpassung vom Ober-
gericht vorzunehmen.
4. Ausserdem sei im Falle einer Rückweisung die Vorinstanz anzuweisen,
dem Beschuldigten die vollumfänglich geltend gemachte Entschädi-
gung für die anfänglich bestehende Wahlverteidigung im Betrag von Fr.
2'459.00 und nicht bloss Fr. 2'000.00 zuzusprechen; im Falle eines
Freispruchs sei die Anpassung vom Obergericht zu sprechen.
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## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessuales
Am 12. Oktober 2010 klagte die Staatsanwaltschaft See/Oberland den Be-
schuldigten an wegen Fahrens trotz Entzugs im Sinne von Art. 95 Ziff. 2 Abs. 1
SVG, der Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 1 SVG in Ver-
bindung mit Art. 31 Abs. 1 SVG und des pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall im
Sinne von Art. 92 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 51 Abs. 3 SVG (Urk. 26). Mit
Urteil vom 23. Mai 2011 sprach das Bezirksgericht Hinwil den Beschuldigten von
diesen Vorwürfen frei (Urk. 73 S. 10 f.).
Gegen das Urteil vom 23. Mai 2011, das ihr am 1. Juni 2011 schriftlich eröff-
net wurde (Urk. 59), meldete die Staatsanwaltschaft am 8. Juni 2011 rechtzeitig
Berufung an (Urk. 58). Nach Erhalt des begründeten Urteils am 25. Oktober 2011
(Urk. 68) reichte sie am 14. November 2011 ihre Berufungsbegründung mit den
oben erwähnten Anträgen ein (Urk. 74). Die Berufung der Staatsanwaltschaft
wurde nicht beschränkt. Der Beschuldigte verzichtete auf Anschlussberufung
(Urk. 79). Er beantragt Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 85 S. 2).
Der Beschuldigte liess zu Beginn der Berufungsverhandlung durch seinen
Verteidiger den Antrag stellen, es sei ein Tatinterlokut gemäss Art. 342 Abs. 1 lit.
b StPO vorzunehmen (Prot. II S. 5). Dem hat das Berufungsgericht entsprochen.
Der weitere Antrag jedoch, es sei im Falle der Bejahung der Täterschaft des Be-
schuldigten der Fall an die erste Instanz zurückzuweisen, damit (hinsichtlich der
Verurteilungsfolgen) keine Instanz verloren ginge, wurde abgewiesen. Der Grund
lag darin, dass nicht bereits in der ersten Instanz eine Zweiteilung der Verhand-
lung stattgefunden hatte, dort von den Parteien folglich noch zu allen sich stellen-
den Fragen Stellung genommen werden konnte, so dass kein Verlust einer In-
stanz eingetreten ist.
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II. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
1. Am 1. April 2010 stiess der auf B._ zugelassene Jeep ... ... [Kon-
trollschildnummer] in C._ an der ...-Strasse ... beim Ausparken mit einem
parkierten VW ... zusammen, wobei letzterer leicht beschädigt wurde. Der Be-
schuldigte und D._ begutachteten den Schaden und fuhren weg, ohne un-
verzüglich die Fahrzeughalterin des beschädigten VW ... oder die Polizei infor-
miert zu haben. Soweit ist der Sachverhalt unbestritten (Urk. 53 S. 2 f. und Urk.
11 S. 1 f.).
Gemäss Anklagesachverhalt war es der Beschuldigte, der den Wagen lenk-
te, als es zum Unfall kam. Er bestreitet dies jedoch und macht geltend, der Jeep
... sei von D._ gelenkt worden, er selbst sei beim Unfall gar nicht im Wagen
gewesen (Urk. 6 S. 2 und Urk. 53 S. 3).
2. Die Anklage stützt sich für ihre Sachverhaltsdarstellung im Wesentlichen
auf die Aussagen der Zeuginnen E._ und F._ sowie ergänzend auf die-
jenigen von G._. Die Vorinstanz hat diese Aussagen und diejenigen des Be-
schuldigten sowie der Auskunftsperson D._ korrekt wieder gegeben, weshalb
auf die entsprechenden Ausführungen verwiesen werden kann (Urk. 73 S. 5 ff.).
Die Verteidigung wandte in der Berufungsverhandlung vorerst ein (Urk. 85
S. 3-7), der Halter des Unfall verursachenden Fahrzeuges, B._, sei beim
Erstkontakt durch die Polizei nicht auf das eigene Belastungen betreffendes Aus-
sageverweigerungsrecht und auch nicht auf das gegenüber seiner Ehefrau beste-
henden Zeugnisverweigerungsrecht aufmerksam gemacht worden. Dessen Erklä-
rung, seine Ehefrau könnte Lenkerin des Fahrzeugs gewesen sein, sei deshalb
nicht verwertbar und in der Fernwirkung seien auch sämtliche nachfolgend erho-
benen Beweise unverwertbar, weshalb auch der Beschuldigte hinsichtlich aller
angeklagten Delikte freizusprechen sei. Im Übrigen liege kein formelles Protokoll
der telefonischen Auskunft des B._ vor.
Hierzu ist zu bemerken, dass der Fahrzeughalter gar nicht wusste, dass
der Beschuldigte A._ Fahrzeuglenker gewesen sein konnte und auch nichts
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Entsprechendes ausgesagt hat. Eine Kausalität zwischen dem Hinweis des Fahr-
zeughalters auf seine Ehefrau als mögliche Lenkerin und der späteren polizeili-
chen Tangierung des Beschuldigten A._ ist nicht erkennbar. Gegenüber die-
sem bestand für den Fahrzeughalter auch kein Zeugnisverweigerungsrecht, auf
welches er hätte aufmerksam gemacht werden sollen. Dass seine telefonische
Auskunft von der Polizei nicht formell protokolliert worden ist, kann deshalb keine
Rolle spielen. Vielmehr war es der Beschuldigte A._ selber, welcher der Poli-
zei aufgefallen war, als er sich, freiwillig die Mitbeschuldigte D._ zum Polizei-
posten begleitend, vor Ort den Ermittlern aufgefallen war, da diese trotz der
Selbstbezichtigung der Beschuldigten D._ weiterhin nach einem männlichen
Lenker des Unfallfahrzeugs suchten. Von einem Verwertungsverbot betreffend
B._'s Auskunft mit einer alles beschlagenden Fernwirkung, die auch einer
Beweisführung gegen den Beschuldigten A._ im Wege stünde, kann deshalb
nicht die Rede sein.
Der zweite Einwand der Verteidigung im Berufungsverfahren war ebenfalls
formeller Art und betraf die behauptete Unverwertbarkeit der Aussagen der Zeu-
ginnen E._ und F._. Dass deren Belastungen gegen den Beschuldigten
A._ nichts mit der telefonischen Auskunft des Fahrzeughalters gegenüber
der Polizei zu tun hatten, ist offensichtlich. Des Weiteren bestehen keinerlei Hin-
weise, dass die Zeuginnen von der Polizei bezüglich ihrer Aussagen ungebührlich
beeinflusst worden wären, wie die Verteidigung vermeint (a.a.O. S. 9). Ob die te-
lefonische Kontaktnahme der Polizei mit den Zeuginnen des Unfalls und die pro-
tokollierte Einvernahme der Zeugin E._ durch die Polizei formelle Mängel
aufweisen und deshalb nicht verwertbar wären, wie die Verteidigung behauptet
(a.a.O. S. 8), kann mit Fug offen bleiben. Denn jedenfalls sind die zwei Mädchen
von der Staatsanwaltschaft formell korrekt als Zeuginnen einvernommen worden
(Urk. 9 und 10). Diesbezüglich reklamiert die Verteidigung denn auch einzig, dass
der an der Einvernahme teilnehmenden Mitbeschuldigten D._ kein Dolmet-
scher zur Seite gestanden sei, obwohl diese nur unzureichend Deutsch spreche
(a.a.O. S. 8). Diesem Einwand ist entgegen zu halten, dass sich aus den Akten
schlüssig ergibt, dass die Mitbeschuldigte D._ hinsichtlich des relevanten
Sachverhalts, welcher keine besonderen Schwierigkeiten aufweist, durchaus ge-
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nügend Deutschkenntnisse besass: So bejahte sie anlässlich ihrer ersten Einver-
nahme am 1. April 2010 ausdrücklich, der Befragung in hochdeutscher Sprache
folgen und den einvernehmenden Polizisten gut verstehen zu können (Urk. 2 S.
1). Die Beschuldigte D._ machte zudem in allen Befragungen differenzierte
Aussagen, was ohne die Beherrschung der Sprache nicht möglich gewesen wäre.
Weiter fällt auf, dass sie sowohl in der Befragung der Zeugin E._ wie auch in
derjenigen der Zeugin F._ in der Lage war, den Zeuginnen selber Ergän-
zungsfragen zu stellen (vgl. Urk. 9 S. 4 und Urk. 10 S. 4). Aus all dem ist zu
schliessen, dass sie den Einvernahmen zu folgen in der Lage war. Der Einwand
der Verteidigung hält angesichts dessen nicht stand und es sind die Einvernah-
men der Zeuginnen vom 22. Juni 2010 als formell korrekt zustande gekommen
und deshalb als verwertbar zu betrachten.
3. Die Zeuginnen E._ und F._ sagten übereinstimmend aus, ein
Mann sei am Steuer des Jeep ...s gewesen, als es zur Kollision gekommen sei,
und er sei anschliessend zusammen mit der weiblichen Begleitung weggefahren
(Urk. 9 S. 2 f. und Urk. 10 S. 2).
Die Vorinstanz kam in ihren Erwägungen zum Schluss, auf diese Aussagen
könne materiell nicht abgestellt werden, da die Zeugin E._ an einer Seh-
schwäche leide, aufgrund welcher sie weder das Gesicht des Fahrers noch das
Nummernschild des Wagens habe erkennen können. Eine Verwechslung von
D._ mit dem Beschuldigten könne daher nicht ausgeschlossen werden. Die
Zeugin F._ wiederum habe sich möglicherweise mit der Zeugin E._ ab-
gesprochen oder sich nicht mehr richtig erinnern können (Urk. 73 S. 7 f.).
Dem kann nicht gefolgt werden. Die Zeugin E._ konnte trotz ihrer leich-
ten Sehschwäche detaillierte Angaben zum Unfallhergang machen. Ihre Aussa-
gen sind stimmig und nachvollziehbar. Sie schilderte das Ereignis zurückhaltend
und sagte differenziert aus. So verschwieg sie nicht, dass sie das Gesicht des
Fahrers nicht gesehen hatte, und gab zu, dass sie das Kontrollschuld nicht erken-
nen konnte. Daraus kann aber entgegen der Meinung der Verteidigung (Urk. 53
S. 7) nicht abgeleitet werden, sie hätte einen Mann nicht von einer Frau unter-
scheiden können, die, wie die am Unfalltag erstellte Fotodokumentation und die in
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der Berufungsverhandlung vorgenommene optische Gegenüberstellung der bei-
den Beschuldigten zeigten, einander nicht sehr ähnlich sehen (Urk. 5 Bild 8 und
Bild 11; Prot. II S. 6). Daran ändert nichts, dass die beiden Beschuldigten ähnlich
gekleidet gewesen sein sollen. Die Zeugin E._ hatte ihre Brille auf, als sie
den Vorfall beobachtete, und sie hatte zudem D._ vor dem Vorfall im nahen
Kiosk gesehen (Urk. 3 S. 4 f.). Auch hörte sie diese nach dem Zusammenstoss
schimpfen, was ebenfalls gegen eine Verwechslung spricht. Ihre Beschreibung
des Beschuldigten war schliesslich so präzise, dass ein Polizeibeamter diesen er-
kennen konnte (Urk. 12 S. 4). Es ist daher auszuschliessen, dass die Zeugin den
Beschuldigten mit seiner weiblichen Begleitung verwechselt haben könnte. Die
Erwägung der Vorinstanz, die Zeugin E._ habe den Beschuldigten und
D._ bei der Gegenüberstellung am 22. Juni 2010 nicht erkannt und erst auf
Nachfrage ausgeführt, sie kenne sie möglicherweise vom Unfall her (Urk. 73
S. 10), hält einer näheren Betrachtung ebenfalls nicht stand. Die Zeugin hatte nur
verneint, die beiden näher zu kennen, und sagte klar und bestimmt aus, dass die-
se ihr vom Vorfall her bekannt vorkommen würden (Urk. 9 S. 1 f.).
Die Zeugin F._, die normal sieht, sagte in allen entscheidenden Punk-
ten gleich aus wie die Zeugin E._. Der von der Verteidigung geltend gemach-
te Widerspruch in den Aussagen der beiden bezüglich der Distanz zum Unfallort
spielt keine Rolle, da es sich um Schätzungen handelte und die Zeugin E._
selbst sagte, sie sei schlecht im Distanzschätzen, und da es aufgrund der Lage
der Sitzbank am ..., auf der die Zeuginnen sassen, und des beschädigten Fahr-
zeugs zweifelsfrei feststeht, in welchem Abstand zum Vorfall sich die Zeuginnen
befanden. Anzeichen dafür, dass sie sich abgesprochen hätten oder von der Poli-
zei ungebührlich beeinflusst worden wären, finden sich in den Akten keine. Wie
die Staatsanwaltschaft zutreffend ausführt, sprechen die Widersprüche bezüglich
kleinerer Details wie Fahrzeugtyp und -farbe sowie bezüglich der Sprache, in der
D._ geschimpft haben soll, vielmehr gegen eine Absprache (Urk. 74 S. 3 ff.).
D._ erklärte von Anfang an, sie selber habe den Unfall als Lenkerin
verursacht. Später fügte sie hinzu, sie sei zu diesem Zeitpunkt alleine im Wagen
gewesen (Urk. 8 S. 3). In ihren Aussagen finden sich aber wenige Details zum
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Unfall, und sie zeigte auch ein ausweichendes Aussageverhalten. Der Beschul-
digte bestritt sowohl am 16. April 2010 gegenüber der Polizei als auch am 22. Ju-
ni 2010 gegenüber dem Staatsanwalt, beim Unfall im Jeep ... gesessen zu sein
(Urk. 4 S. 1 und Urk. 6 S. 3). Auch seine Aussagen weisen aber Auslassungen
und ausweichende Antworten (Urk. 6 S. 3) auf, was deren Glaubhaftigkeit beein-
trächtigt.
4. Werden die Aussagen des Beschuldigten und von D._ den in den
Kernpunkten übereinstimmenden und überzeugenden Aussagen der Zeuginnen
E._ und F._ gegenüber gestellt, so verbleiben im Ergebnis keine Zweifel
daran, dass es der Beschuldigte war, der den Wagen im Zeitpunkt des Unfalls ge-
lenkt hatte. Der Sachverhalt gemäss Anklageschrift ist demnach erstellt.
5. Die rechtliche Würdigung der Staatsanwaltschaft See/Oberland ist korrekt
und wird auch von der Verteidigung nicht beanstandet. Art. 95 des SVG wurde
zwar per 1. Januar 2012 revidiert. Der aktuelle Art. 95 Abs. 1 lit. b SVG entspricht
aber inhaltlich vollumfänglich dem bisherigen Art. 95 Ziff. 2 Abs. 1 und ist damit
nicht milder. In Anwendung von Art. 102 SVG in Verbindung mit Art. 2 StGB ist
der Beschuldigte dementsprechend des Fahrens trotz Entzug im Sinne von
Art. 95 Ziff. 2 Abs. 1 alt SVG, der Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art.
90 Ziff. 1 SVG in Verbindung mit Art. 31 Abs. 1 SVG und des pflichtwidrigen Ver-
haltens bei Unfall im Sinne von Art. 92 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 51 Abs.
3 SVG schuldig zu sprechen.
III. Strafzumessung und Vollzug
1. Fahren trotz Entzug im Sinne von Art. 95 Ziff. 2 Abs. 1 alt SVG wird mit
Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe, allenfalls verbunden mit
einer Busse, geahndet. Für die Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art.
90 Ziff. 1 SVG in Verbindung mit Art. 31 Abs. 1 SVG und für das pflichtwidrige
Verhalten bei Unfall im Sinne von Art. 92 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 51
Abs. 3 SVG ist in jedem Fall eine Busse auszufällen.
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2. Der Beschuldigte lenkte den Jeep ..., obwohl ihm sechs Monate zuvor
nach einem epileptischen Anfall aus medizinischen Gründen der Fahrausweis
entzogen worden war und ihm demnach bewusst war, dass er Gefahr für andere
Verkehrsteilnehmer darstellte, da er jederzeit mit einem Anfall rechnen musste,
der einen schweren Unfall hätte auslösen können. Er hat mit dem Fahrzeug je-
doch nur eine sehr kurze Strecke zurückgelegt. Das objektive Tatverschulden
wiegt noch leicht.
Subjektiv ist festzuhalten, dass keine Notwendigkeit für den Beschuldigten
bestand, das Fahrzeug zu lenken, da er mit der Ehefrau des Halters unterwegs
war, die den Wagen hätte fahren können. Da dies aus Gleichgültigkeit geschehen
sein dürfte, ist das subjektive Tatverschulden noch als leicht einzustufen.
Bezüglich der Übertretungen ist festzuhalten, dass der Beschuldigte die Kol-
lision aus Unachtsamkeit verursachte. Indem er aber zunächst den Schaden be-
gutachtete, ehe er sich entfernte, ohne den Eigentümer des beschädigten Fahr-
zeugs oder die Polizei zu informieren, handelte er dreist und mit direktem Vorsatz.
Trotzdem ist das objektive und subjektive Tatverschulden noch als leicht zu be-
zeichnen.
3. Der Beschuldigte ist in C._ aufgewachsen, wo er auch die Schule
besuchte, ehe er eine Lehre als Servicefachangestellter absolvierte und auf die-
sem Gebiet anschliessend arbeitete. Es folgte eine Stelle als Abteilungsleiter bei
der ..., ehe er als Lastwagenschauffeur tätig wurde (Urk. 52 S. 1 ff.). Zurzeit be-
zieht er Fr. 5'200.-- im Monat von der Invalidenversicherung und zahlt Fr. 1'000.--
Miete im Monat. Der Beschuldigte hat eine 13-jährige Tochter, für die er Fr. 962.--
monatliche Unterhaltskosten bezahlt. Er weist kein Vermögen auf und hat gemäss
eigenen Angaben Fr. 13'000.-- Schulden. Am 7. Mai 2010 wurde über ihn der
Konkurs eröffnet (Urk. 52 S. 3 und Urk. 80/1).
Für die Strafzumessung ergeben sich aus diesen persönlichen Faktoren
keine Folgerungen.
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Der Beschuldigte weist eine Vorstrafe wegen mehrfacher Veruntreuung und
Diebstahl aus dem Jahre 2003 auf (Urk. 76), welche leicht straferhöhend zu be-
rücksichtigen ist.
In Anbetracht der erwähnten Strafzumessungsfaktoren erweist sich eine
Strafe von 30 Tagen als dem Verschulden und den persönlichen Verhältnissen
des Beschuldigten angemessen.
4. Die für das Fahren trotz Entzug im Sinne von Art. 95 Ziff. 2 Abs. 1 alt SVG
zu verhängende Strafe ist angesichts ihrer Höhe als Geldstrafe auszufällen (Art.
40 StGB e contrario). Der Tagessatz ist in Anbetracht der finanziellen Verhältnis-
se des Beschuldigten auf Fr. 30.-- festzusetzen. Für die beiden Übertretungen
erweist sich eine Busse von Fr. 400.-- als angemessen.
Der Beschuldigte ist demnach mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu
Fr. 30.-- sowie mit einer Busse von Fr. 400.-- zu bestrafen. Die Ersatzfreiheitsstra-
fe bei schuldhafter Nichtbezahlung der Busse ist auf 4 Tage festzulegen.
5. Der Vollzug einer Geldstrafe kann unter den in Art. 42 StGB genannten
Voraussetzungen aufgeschoben werden. Diese sind vorliegend erfüllt. Der Be-
schuldigte weist zwar eine Vorstrafe auf, welche allerdings bereits neun Jahre zu-
rückliegt, und er bestand die damals angesetzte Probezeit. Es ist daher zu erwar-
ten, dass er sich auch von einer bedingten Geldstrafe genügend beeindrucken
lassen wird, um sich künftig wohl zu verhalten. Der Vollzug der Geldstrafe ist folg-
lich aufzuschieben, unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren.
IV.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Untersuchung und
der beiden Gerichtsverfahren dem Beschuldigten aufzuerlegen, angesichts seiner
finanziellen Verhältnisse jedoch abzuschreiben. Die erstinstanzliche Gerichtsge-
bühr ist auf Fr. 1'800.– festzusetzen, die Gebühr für das Berufungsverfahren auf
Fr. 1'500.–. Die Kosten der amtlichen Verteidigung in beiden Verfahren sind unter
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dem Vorbehalt der Rückzahlungspflicht des Beschuldigten gemäss Art. 135 Abs.
4 StPO auf die Gerichtskasse zu nehmen.