# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d995dcd3-df5c-5d86-845c-1041f925a15e
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin reichte am 10. Oktober 2014 (Eingang am 13. Oktober
2014) bei der Gemeinde Niederbipp ein Baugesuch ein für den Neubau einer Lagerhalle
auf Parzelle Niederbipp Grundbuchblatt Nr. E._. Die Parzelle liegt in der
Arbeitszone. Gegen das Bauvorhaben erhob der Beschwerdeführer Einsprache. Mit
Gesamtentscheid vom 25. März 2015 bewilligte die Gemeinde Niederbipp das Vorhaben.
2
2. Dagegen reichte der Beschwerdeführer am 28. April 2015 Beschwerde bei der Bau-,
Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er beantragt die Aufhebung
des Gesamtentscheides vom 25. März 2015 und die Erteilung des Bauabschlags.
Eventuell beantragt er die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz. Insbesondere macht
er geltend, der Sachverhalt sei willkürlich und unrichtig festgestellt worden, das
Bauvorhaben sei nicht zonenkonform, die Lärmvorschriften würden nicht eingehalten, die
Erschliessung sei ungenügend, die Sickeranlage sei nicht überprüft worden und es seien
zu wenig Parkplätze vorgesehen.
3. Die Beschwerdegegnerin beantragt die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf
eingetreten werden könne. Zudem stellte sie den Antrag auf Sicherstellung der
Parteikosten. Die Gemeinde Niederbipp schliesst in ihrer Eingabe vom 29. Mai 2015
ebenfalls auf Abweisung der Beschwerde.
4. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, edierte die
Vorakten, führte den Schriftenwechsel durch und holte eine Stellungnahme beim beco
Berner Wirtschaft ein. Mit Verfügung vom 30. Juni 2015 wies es das Gesuch der
Beschwerdegegnerin um Sicherstellung der Parteikosten ab. Es hat mit Schreiben vom
30. Juli 2015 dem Beschwerdeführer zudem die amtlichen Akten zur Einsichtnahme
zugestellt. Auf die Rechtsschriften und Stellungnahmen wird, soweit für den Entscheid
relevant, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG2. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen ihrer
Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG in Verbindung mit
Art. 40 Abs. 2 BauG). Der Beschwerdeführer ist Eigentümer der Nachbarparzelle. Seine
Einsprache wurde abgewiesen. Er ist somit durch den vorinstanzlichen Gesamtentscheid
beschwert und daher zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf die form- und fristgerecht
eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Unvollständige und willkürliche Sachverhaltsfeststellung
a) Der Beschwerdeführer rügt pauschal, der Sachverhalt sei willkürlich und unrichtig
festgestellt worden. Die Vorinstanz sei im angefochtenen Entscheid davon ausgegangen,
es handle sich beim Vorhaben um einen Handelsbetrieb, bei welchem vor Ort in der
Betriebshalle Zaunteile angefertigt würden. Warum die Vorinstanz trotz
entgegenstehenden Angaben der Beschwerdegegnerin zu dieser Erkenntnis gelangt sei,
könne nicht nachvollzogen werden.
b) Vorliegend geht der Betriebszweck des Vorhabens aus den Akten hervor: Im
Baugesuchsformular 1.0 wurde das Projekt unter dem Titel "Umschreibung des
Bauvorhabens und der vorgesehenen Nutzung" als Neubau Lagerhalle umschrieben. Das
beco hat in seinem Amtsbericht vom 11. November 2014 im Zusammenhang mit der
Lärmbeurteilung festgestellt, dass die Beschwerdegegnerin im Handel mit Drahtwaren tätig
sei und dass beim Zaunbau in der Halle die Handelsware teils zugeschnitten, mit den
nötigen Bohrlöchern versehen und anschliessend kommissioniert werde. Dass die
Vorinstanz im angefochtenen Entscheid bei der Beurteilung der Zonenkonformität davon
2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
4
ausging, dass es sich beim Betrieb der Beschwerdegegnerin um einen Handelsbetrieb von
Drahtwaren und Zaunkonstruktionen handle und dass in der Betriebshalle vor Ort Zaunteile
angefertigt würden, ist nicht zu beanstanden. Was an dieser Beurteilung falsch sein soll,
vermag der Beschwerdeführer nicht aufzuzeigen und ist gestützt auf die Akten auch nicht
ersichtlich. Insbesondere ist mit dieser Zweckumschreibung die Nutzung des
Bauvorhabens als Lagerhalle keinesfalls ausgeschlossen. Im Übrigen untermauert das
Betriebskonzept (Eingangsstempel des Rechtsamts der BVE vom 10. Juli 2015), das die
Beschwerdegegnerin im Beschwerdeverfahren einreichte, die Feststellungen der
Vorinstanz zur Zonenkonformität. Im Betriebskonzept umschreibt die Beschwerdegegnerin
ihren Betrieb wie folgt: "1. Zweck der Unternehmung
Produktion und Handel von Zaunprodukten und Drahtwaren. Die C._ ist Grossist und beliefert hauptsächlich Garten- und Zaunbaufirmen sowie diverse Bauhändler. Wir beschäftigen seit längerem 5.2 Mitarbeiter – mittelfristig ist nur ein zusätzlicher Rüster/Lagerist geplant. Unsere Arbeitszeiten sind 7.00 – 11.45 Uhr 13.00 –17.00 Uhr
2. Beabsichtigte Nutzung
Lager- und Produktionshalle mit integriertem Bürotrakt
Innen - Lagerung von Drahtwaren Von unserem umsatzträchtigsten Produkt dem Drahtbinder werden ca. 65 % als Werklieferung ausgeliefert, d.h. das Material kommt nicht zu uns.
Produktion Zaunbau - Ablängen und Bohren Pfosten/Streben - Produktion spez. Posten/Streben - Produktion Posten/Streben mit Fussplatten - Schweissen spez.-Tore - Diverse Schweissarbeiten - Einbinden vorbereiten sämtlicher Tore - Kommissionierung Zaunaufträge
Aussen Lagerung von Stabmatten und Mobilzäunen Ausstellung diverser Zauntypen nördlich – mit integrierter Grünbepflazung Auf- und Ablad ein- und ausgehendes Material (mit Elektrostapler)
3. Anzahl Kundenfrequenzen / Art Transportmittel
Abholungen Erfahrungswert – Anhand von Lieferscheinen – ist variabel Siehe Beispiel vom 22.06. – 26.06.15 (Beilage)
Anlieferungen Erfahrungswert – Anhand Liste vom Juni 2015 Siehe Beilage"
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c) Für die Beurteilung der Zonenkonformität durfte die Vorinstanz auf die Feststellungen
des beco im Amtsbericht vom 11. November 2014 abstellen. Daran ändert der Amtsbericht
des Amts für Wasser und Abfall (AWA) vom 20. November 2014, der festhielt, es handle
sich lediglich um ein Lager für Metallzäune, nichts. Er enthält die für den Gewässerschutz
relevanten Informationen. Von einer unvollständigen und willkürlichen
Sachverhaltsfeststellung durch die Vorinstanz kann nicht gesprochen werden. Eine
Rückweisung der Sache ist nicht nötig, wie die vorstehenden Feststellungen zeigen.
3. Zonenkonformität
a) Gemäss Art. 1 Abs. 1 GBR4 sind in der Arbeitszone Dienstleistungs-, Gewerbe- und
Bürobauten, Lagerbauten und Werkhöfe zulässig. Reine Logistikbetriebe sowie
verkehrsintensive Betriebe sind nicht zugelassen. Betriebe, die durch Emissionen (Luft,
Lärm, Geruch) das Arbeiten in den Nachbarbetrieben stören würden, sind in die
Industriezone zu verweisen.
b) Der Beschwerdeführer bestreitet die Zonenkonformität des Vorhabens. Er vermutet,
von der Lagerhalle gehe ein hohes Verkehrsaufkommen aus. Es müsse deshalb von einem
verkehrsintensiven Betrieb gesprochen werden. Ein solcher sei nach Art. 1 GBR in der
vorliegenden Zone ausgeschlossen. Auch stelle der Betrieb der Beschwerdegegnerin
einen Logistikbetrieb dar. Er weise gemäss allgemeiner Definition sämtliche Eigenschaften
wie Beschaffung, Lagerung und Transport von Materialien und Zwischenprodukten sowie
die Auslieferung von Fertigprodukten auf. Schliesslich bringt er vor, die Frage der
Zonenkonformität könne aufgrund der ungenügenden Sachverhaltsfeststellung nicht
abschliessend geklärt werden und die Vorinstanz habe es unterlassen darzulegen, was ein
Logistikbetrieb überhaupt sei. In diesem Punkt sei der angefochtene Entscheid
ungenügend begründet, was eine Verletzung seines Anspruchs auf rechtliches Gehör
darstelle.
c) Von vornherein unbegründet ist der Einwand des Beschwerdeführers, die
Sachverhaltsfeststellung zur Beurteilung der Zonenkonformität sei völlig ungenügend. Aus
4 Baureglement der Gemeinde Niederbipp vom 11. Juni 2012 (am 10. Dezember 2012 durch das Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) genehmigt)
6
der Erwägung 2 folgt, dass das Gegenteil der Fall ist. Nicht gefolgt werden kann ferner der
Argumentation des Beschwerdeführers, die Vorinstanz habe seinen Anspruch auf
rechtliches Gehör verletzt. Dem angefochtenen Entscheid ist zu entnehmen, dass sich die
Vorinstanz mit der Frage, um was für eine Art von Baute es sich beim geplanten
Bauvorhaben handelt, auseinandersetzte (vgl. II./Ziff. 9). Sie kam zum Schluss, es handle
sich um eine Werk- und Lagerhalle mit Arbeitsplätzen vor Ort. Daraus folgerte sie, ein
reiner Logistikbetrieb stehe nicht zur Diskussion. Von einer Verletzung der
Begründungspflicht kann somit nicht gesprochen werden, zumal eine Behörde nicht auf
jedes Argument der Parteien eingehen muss. Es genügt, wenn sie sich – wie hier – mit den
wesentlichen Gesichtspunkten auseinandersetzt.5
d) Die Beschwerdegegnerin wendet hinsichtlich des Verkehrsaufkommens ein, der
Beschwerdeführer gehe wohl absichtlich von falschen Annahmen aus. Sie handle mit
Drahtwaren und Zaunbaukonstruktionen. 65 bis 70% der gehandelten Waren gingen direkt
vom Produzenten an den Kunden, ohne Zwischenlagerung in der geplanten Lagerhalle.
Die verbleibende An- und Auslieferung der Waren erfolge über ein Transportunternehmen.
Eine Abholung durch Kunden erfolge nur unregelmässig. Aus diesem Grund sei mit keinem
höheren Verkehrsaufkommen zu rechnen. Das Verkehrsaufkommen durch Lastwagen
beschränke sich auf durchschnittlich ein bis zwei Fahrten pro Tag.
e) Das Vorhaben soll in der Arbeitszone realisiert werden. Vorliegend bejahte die Vor-
instanz die Zonenkonformität, weil es sich beim geplanten Betrieb der
Beschwerdegegnerin um einen Handelsbetrieb von Drahtwaren und Zaunkonstruktionen
handelt und in der Betriebshalle vor Ort Zaunteile angefertigt werden. Umstritten ist vor
allem, was unter den Begriffen "reine Logistikbetriebe" und "verkehrsintensive Betriebe" zu
verstehen ist. Das GBR enthält dazu keine näheren Angaben.
In ihrer Stellungnahme vom 14. Juli 2015 präzisierte die Vorinstanz, dass nebst der
Lagerhaltung vor Ort auch produziert werde, wie dies bei zahlreichen bestehenden
Betrieben in der Arbeitszone A der Fall sei. Damit handle es sich bei der geplanten
Lagerhalle nicht um einen reinen Logistikbetrieb. Bei der Frage, ob der Betrieb
verkehrsintensiv ist, stellte die Vorinstanz auf die Feststellungen des beco im Amtsbericht
ab, das pro Tag mit etwa zwei Lastwagen-Bewegungen rechnete. Zusammen mit dem
5 BVR 2013 S. 10 E. 3.1.1; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 52 N. 5
7
restlichen Verkehrsaufkommen, das sich aus Personen- und Lieferfahrtwagen
zusammensetze, könne nicht von einer übermässigen Verkehrsbelastung ausgegangen
werden.
f) Die Auffassung der Gemeinde, wonach das geplante Bauvorhaben in der
Arbeitszone am H._weg zonenkonform sei, ist unter Berücksichtigung ihrer
Autonomie (Art. 65 Abs. 1 BauG) nicht zu beanstanden. Wird wie hier die Anwendung einer
kommunalen Bestimmung Gegenstand eines Beschwerdeverfahrens, haben die
Rechtsmittelinstanzen zu prüfen, ob die von der Gemeinde geltend gemachte Auslegung
rechtlich haltbar ist. Sie auferlegen sich mit anderen Worten eine gewisse Zurückhaltung
gegenüber der Auffassung der Gemeinde, indem sie sich der Prüfung enthalten, ob eine
andere Bedeutung der umstrittenen Bestimmung ebenfalls möglich und rechtlich vertretbar
wäre.6
Vorliegend ist eine Lagerbaute mit Büroräumlichkeiten und einer kleinen Werkstatt
vorgesehen. Im Betrieb werden ca. sechs Mitarbeiter beschäftigt. Aus den eingereichten
Anlieferungs- und Abhollieferscheinen geht ausserdem hervor, dass der Betrieb am
jetzigen Standort im Monat Juni 2015 107 Fahrten (79 Abholungen und 28 Anlieferungen)
durch Lastwagen- und Lieferwagen generierte. Davon erfolgten nach den Angaben der
Beschwerdegegnerin ca. 60 Anlieferungen und Abholungen mit Lastwagen. Dazu kommen
Personenwagen der Mitarbeiter und der Besucher.
Als Beispiele für verkehrsintensive Logistikbetriebe nannte die Vorinstanz die F._
oder die G._ Verteilzentrum. Solche Logistikbetriebe mit vielen Angestellten und
weiträumigen Arbeitsgebieten generieren ein hohes Verkehrsaufkommen. Sie sind gemäss
der Auffassung der Vorinstanz lärm- und verkehrsintensiv. Wie ein Blick auf den Zonenplan
zeigt, sind die Gebäude der erwähnten Betriebe um ein Vielfaches grösser als das
umstrittene Bauvorhaben. Diese intensiven Arbeitsnutzungen konzentrieren sich denn
auch auf das Gebiet zwischen Niederbipp und Oensingen. Der hier zur Diskussion
stehende Betrieb generiert gemäss den Akten gesamthaft maximal fünf Lastwagen- und
Lieferwagenbewegungen sowie einige Fahrten von Personenwagen pro Tag. Ein
verkehrsintensiver Logistikbetrieb ist hier somit nicht geplant. Als Anhaltspunkt, was als
6 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 65 N. 2 ff.
8
verkehrsintensiv gilt, kann zudem auf Art. 91a BauV7 verweisen werden. Danach gilt ein
Bauvorhaben als verkehrsintensiv, wenn es im Jahresdurchschnitt mehr als 2'000 Fahrten
pro Tag verursacht. Vor diesem Hintergrund erscheint es nicht als willkürlich, wenn die
Vorinstanz den Betrieb der Beschwerdegegnerin als nicht verkehrsintensiv im Sinne von
Art. 1 GBR einstufte.
Gemäss GBR sind in der Arbeitszone zudem auch Werkhöfe zugelassen. Solche Betriebe
zeichnen sich durch mehr lärmintensive Arbeit im Freien und mehr Publikumsverkehr aus
als der Betrieb der Beschwerdegegnerin und führen daher auch zu mehr Lärmemissionen
als das Bauvorhaben. Vorliegend ist nicht davon auszugehen, dass durch das
Bauvorhaben das Arbeiten in Nachbarbetrieben gestört wird. Wie der Erwägung 4
entnommen werden kann, verursacht der geplante Betrieb auch keine übermässigen
Emissionen. Vielmehr zählt der Betrieb der Beschwerdegegnerin mit ca. sechs Mitarbeitern
zur Kategorie Klein- und Mittelbetrieb. Gemäss dem Erläuterungsbericht zur Revision der
Ortsplanung (Genehmigungsexemplar vom 11. Juni 2012) können Klein- und Mittelbetriebe
im Arbeitsgebiet Stockacker angesiedelt werden.8 Beurteilungskriterien der Vorinstanz sind
hier somit nicht Wörterbuchdefinitionen, sondern die konkreten Auswirkungen, die ein
Vorhaben in der entsprechenden Zone hat. Die Vorinstanz hat demnach zu Recht
entschieden, dass der Betrieb der Beschwerdegegnerin der in Art. 1 Abs. 1 GBR
vorgesehenen Nutzung in der Arbeitszone entspricht und zonenkonform ist. Es gibt keinen
Grund, von der Beurteilung der Vorinstanz abzuweichen. Die Rüge ist unbegründet.
4. Lärm
a) Der Beschwerdeführer rügt, das beco habe in seinem Fachbericht vom
11. November 2014 die Einhaltung der Planungswerte nicht richtig überprüft. Ein konkreter
Nachweis, dass diese eingehalten würden, liege nicht vor. Sollte sich entgegen den
Angaben im Baugesuch herausstellen, dass es sich vorliegend um eine Fertigungshalle
handle, müsse das ganze Baugesuch erneut geprüft werden. Er behalte sich zudem vor, in
diesem Fall ein Lärmgutachten zu verlangen.
7 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1) 8 Vgl. S. 34 Ziff. 5.3 des Erläuterungsbericht zur Revision der Ortsplanung der Gemeinde Niederbipp (Genehmigungsexemplar vom 11. Juni 2012)
9
b) Die Beschwerdegegnerin führt aus, das beco habe in seinem Fachbericht vom
11. November 2014 aufgrund der Baugesuchsakten klar festgehalten, dass mit keinen
unzulässigen Lärmbelästigungen zu rechnen sei. Die Planungswerte würden mit Sicherheit
eingehalten, weshalb die Erstellung eines Lärmgutachtens unverhältnismässig sei. Aus
den Baugesuchsakten ergebe sich zudem klar, dass in der geplanten Betriebshalle auch
Zaunteile angefertigt würden. Die dabei verursachten Lärmemissionen würden jedoch
durch die Gebäudehülle gedämmt, wie die Vorinstanz und das beco richtigerweise
festgehalten hätten.
c) Luftverunreinigungen, Lärm, Erschütterungen und Strahlen sind durch Massnahmen
an der Quelle zu begrenzen. Unabhängig von der bestehenden Umweltbelastung sind
Emissionen im Rahmen der Vorsorge so weit zu begrenzen, als dies technisch und
betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar ist (Art. 11 Abs. 1 und 2 USG9). Das neu
geplante Betriebsgebäude stellt eine neue ortsfeste Anlage dar (Art. 7 Abs. 7 USG).
Allfällige Lärmemissionen dürfen daher die Planungswerte nicht überschreiten (Art. 7 Abs.
1 LSV10).
Eine Ermittlung der Aussenlärmimmissionen, wie sie vom Beschwerdeführer verlangt wird,
hat dann zu erfolgen, wenn Grund zur Annahme besteht, dass die massgebenden
Belastungsgrenzwerte überschritten werden oder deren Überschreitung zu erwarten ist
(Art. 36 Abs. 1 LSV). Die Anforderungen an die Wahrscheinlichkeit einer Überschreitung
der Belastungsgrenzwerte (hier die Planungswerte) sind nicht besonders hoch. So ist eine
Lärmprognose bereits dann geboten, wenn eine Überschreitung der Planungswerte
möglich erscheint.11
d) Das Bauvorhaben liegt in der Arbeitszone. Für diese gilt die Empfindlichkeitsstufe
ES III (Art. 1 Abs. 1 GBR und Art. 43 Abs. 1 Bst. c LSV). Es sind demnach mässig störende
Betriebe zulässig. Die Planungswerte betragen 60 dB(A) tagsüber und 50 dB(A) nachts
(Ziff. 2 von Anhang 6 LSV). Das Bauvorhaben wurde bereits im Baubewilligungsverfahren
vom beco überprüft. In seinem Bericht vom 11. November 2014 hielt es fest, dass im
Betrieb nur während der Tageszeit von 7.00 Uhr bis 17.00 Uhr gearbeitet werde. Die
Beschwerdegegnerin sei im Handel mit Drahtwaren tätig. Beim Zaunbau werde die
9 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01) 10 Lärmschutz-Verordnung des Bundesrates vom 15. Dezember 1986 (LSV; SR 814.41) 11 VGE 100.2013.351 vom 30. Januar 2014; vgl. auch BGE 137 II 30 E. 3.4; BGer 1C_534/2011 vom 29.5.2012, E. 2.4)
http://www.openjustitia.apps.be.ch/alfresco/extension/openjustitia/content/content.xhtml
10
Handelsware in der Halle teils zugeschnitten und mit den nötigen Bohrlöchern versehen
und anschliessend kommissioniert. Die Lärmemissionen der dazu nötigen Maschinen
würden durch die Gebäudehülle gedämmt. Insgesamt sei vom Bauvorhaben keine
unzulässige Lärmbelastung zu erwarten.
Das beco hat im Beschwerdeverfahren erneut eine Lärmprognose vorgenommen. Im
Schreiben vom 9. September 2015 hat es zur Lärmsituation Folgendes festgehalten: Der
Innenlärm werde von der Gebäudehülle gut gedämmt und dürfte ausserhalb des Gebäudes
kaum zu hören sein. Die Aussenlärmemissionen würden vom Güterumschlag und von den
Fahrten auf dem Betriebsareal verursacht. Der eigentliche Güterumschlag erfolge mit
einem Elektrostapler auf der Westseite des Betriebs. Entsprechend der Umschlagsmenge
variiere die Abladezeit. Für Lärmprognosen Industrie- und Gewerbelärm (Anhang 6 LSV)
würden in der Regel nur Fahrzeuge wie Lastwagen über 3.5 Tonnen Gesamtgewicht und
schwere Sattelmotorfahrzeuge berücksichtigt. Die Lärmemissionen leichter
Sattelmotorfahrzeuge, Liefer- und Personenwagen seien tiefer und hätten auf die
Gesamtlärmemissionen in der Regel keinen relevanten Einfluss. Gemäss den neuen
Angaben der Beschwerdegegnerin seien im Monat Juni 2015 am jetzigen Standort 94
LKW-Bewegungen erfolgt. Rechne man dies auf 12 Monate hoch und dann durch die
insgesamt 250 Betriebstage, so ergebe dies einen Wert von 4.5 LKW-Bewegungen pro
Betriebstag. Da die Beschwerdegegnerin ihr Betriebsjahr in sechs Monate Hochsaison
sowie sechs Monate Nebensaison unterteile, sei während eines halben Jahres mit deutlich
weniger als 94 Fahrten pro Monat zu rechnen. Die 4.5 Fahrten pro Arbeitstag würden
daher einen "Worst Case" darstellen. Die Lärmgrenzwerte müssten am nächsten
relevanten Ort eingehalten werden. Vorliegend seien das Baulinien unbebauter Parzellen
in einer Arbeitszone mit einer ES III. Mit 4.5 LKW-Bewegungen pro Arbeitstag würden die
Lärmgrenzwerte auf den Baulinien mit Sicherheit eingehalten. Wenn die Lärmgrenzwerte
am nächsten relevanten Immissionsort eingehalten seien, würden diese in der Regel auch
bei weiter entfernt liegenden Immissionsorten eingehalten. Gestützt auf die 4.5 LKW-
Bewegungen pro Arbeitstag für den Güterumschlag sei eine unzulässige Lärmbelastung
gegenüber Anliegern nicht zu erwarten.
e) Der Bericht und die Stellungnahme des beco überzeugen. Es ist nicht ersichtlich,
wieso die Einschätzung, dass eine unzulässige Lärmbelastung gegenüber Anliegern nicht
zu erwarten sei, unseriös und falsch sein sollte. Die Innenlärmemissionen des Betriebs
(Bohrmaschinen, Eisensägen und Schweissanlagen) sind nicht hoch und werden von der
11
Gebäudehülle gedämmt. Zudem basiert die Aussenlärmprognose des beco auf der
Annahme von 94 Fahrten pro Monat oder 4.5 Lastwagen pro Tag. Dies ist ein "Worst
Case", wie das beco zu Recht ausführte: Der Monat Juni, der hier als Referenz für das
Lastwagenaufkommen herangezogen wurde, zählt zu den umsatzstärksten Monaten der
Beschwerdegegnerin. Zudem ging das beco von 94 LKW-Fahrten pro Monat aus, obwohl
in dieser Fahrtenzahl auch Fahrzeugbewegungen enthalten sind, die nicht LKW betreffen
und auf die Gesamtlärmemissionen keinen Einfluss haben. Hinzu kommt, dass hier die
relevanten Immissionsorte in der Umgebung des Bauvorhabens in der Arbeitszone in der
ES III liegen. Sie befinden sich damit nicht in einem besonders lärmempfindlichen Gebiet.
Ferner findet während der akustischen Nachtzeit (19.00 – 07.00 Uhr) kein Güterumschlag
statt. Auch im gegenüberliegenden Wohngebiet I._ ist mit keiner unzulässigen
Lärmbelastung zu rechnen. Das Gebiet I._ ist durch eine Lärmschutzwand entlang
des Bahntrasses vom Betriebslärm der Bauparzelle geschützt. Auch sind die
nächstliegenden Wohnliegenschaften des Gebiets Stockacker (H._weg 7) über
130 m vom Bauvorhaben entfernt. Zudem findet der Güterumschlag auf der Westseite des
Betriebs statt. Die Lagerhalle schirmt damit den Betriebslärm des Güterumschlags vom
Wohngebiet Stockacker ab. Mit einer Überschreitung der Planungswerte ist daher selbst
bei 4.5 LKW-Bewegungen pro Arbeitstag nicht zu rechnen.
f) Die BVE stellt den Sachverhalt im Rahmen des Verfahrensgegenstands von Amtes
wegen fest. Dabei bestimmt sie Art und Umfang der Ermittlungen der rechtserheblichen
Sachumstände, ohne dass sie an die Beweisanträge der Parteien gebunden ist (Art. 18
Abs. 1 und 2 VRPG12). Ihr steht bei der Erhebung und Abnahme von Beweisen ein weiter
Ermessensspielraum zu.13 Das beco hat im Beschwerdeverfahren gestützt auf das
Betriebskonzept der Beschwerdegegnerin erneut eine Lärmprognose vorgenommen. Diese
ist, wie in der Erwägung 4e dargelegt, nachvollziehbar und überzeugend. Entgegen der
Auffassung des Beschwerdeführers kann bei derart klaren Verhältnissen von einer
detaillierten Lärmberechnung mit Beurteilungspegeln abgesehen werden. Der
Beschwerdeführer bringt in seinen Schlussbemerkungen vom 5. August 2015 denn auch
nichts Neues vor, was Zweifel an der Lärmprognose des beco als Fachbehörde auf diesem
Gebiet erwecken würde. Der Sachverhalt ist damit genügend abgeklärt. Die pauschale
Kritik des Beschwerdeführers, es sei fälschlicherweise kein Lärmgutachten in Auftrag
12 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 13 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 18 N. 8 mit Hinweisen
12
gegeben worden, ist unbegründet. Der Antrag des Beschwerdeführers auf Erstellung eines
Lärmgutachtens wird abgewiesen.
5. Erschliessung
a) Der Beschwerdeführer rügt, das Bauvorhaben verfüge nicht über die nötige
Erschliessung. Aktuell bestehe als Zufahrt zur Parzelle Nr. E._ der Gemeinde
Niederbipp lediglich eine schmale Gemeindestrasse, der H._weg. Dieser sei in
seiner gesamten Länge zu schmal, um regelmässige Lastwagenfahrten zu gewährleisten.
Ein Kreuzen mit anderen Verkehrsteilnehmern sei nicht möglich. Aufgrund der in
regelmässigen Abständen zu erwartenden schweren LKW Anhängerzüge sei die
Erschliessung nicht ausreichend geklärt und dargelegt. Im Übrigen sei unklar, wie die
Lastwagenzüge auf den H._weg gelangen sollten. Eine Erschliessung über die
O._gasse und den M._weg sei völlig ungeeignet, ebenso sei eine Anfahrt
von der P._strasse kaum möglich.
b) Die Beschwerdegegnerin führt aus, die Erschliessung über den bestehenden
H._weg für die wenigen LKW-Bewegungen sowie für den restlichen
Warentransport mit Lieferwagen und Personenkraftwagen sei ausreichend. Beim
H._weg handle es sich um eine Detailerschliessungsanlage im Eigentum der
Gemeinde Niederbipp. Die Fahrbahnbreite betrage circa 4.50 m, wobei die Strasse auf
einer Breite von circa 6.80 m ausgemarcht sei. Bei Bedarf sei ein Ausbau daher möglich.
Ein solcher dränge sich momentan jedoch nicht auf. Die Parzelle sei somit hinreichend
erschlossen.
c) In ihrer Stellungnahme vom 29. Mai 2015 schreibt die Vorinstanz, die Erschliessung
des Baugrundstücks sei in jeder Beziehung hinreichend. Der H._weg sei heute
wohl nicht auf die gesamte ausgemarchte Breite ausgebaut, weise jedoch eine
durchschnittliche Fahrbahnbreite von 5 m auf, was absolut genügend sei.
d) Bauvorhaben dürfen nur bewilligt werden, wenn das Baugrundstück genügend
erschlossen ist (Art. 7 Abs. 1 BauG). Dabei gilt die strassenmässige Erschliessung dann
als genügend, wenn die Zufahrtsstrasse "hinreichend nahe" an die geplanten Bauten und
Anlagen heranführt und diese für Wehrdienste und Sanität gut erreichbar sind (Art. 7
13
Abs. 2 Bst. a BauG). Die Erschliessungsstrassen müssen weiter den Beanspruchungen
gewachsen sein, die sich aus der Nutzung des Baugrundstücks und der weiteren
Grundstücke ergeben können, denen sie nach der Planung zu dienen bestimmt sind (Art. 7
Abs. 3 BauG). Nach Art. 7 Abs. 2 BauV soll die Fahrbahnbreite – abweichende
Gemeindevorschriften und Art. 6 Abs. 4 BauV vorbehalten – bei Strassen mit
Gegenverkehr 4.20 m nicht unterschreiten. Bei besonderen Verhältnissen im Sinn von Art.
6 Abs. 3 BauV kann die Fahrbahnbreite auch bei Strassen mit Gegenverkehr auf 3 m
herabgesetzt werden (Art. 7 Abs. 3 BauV). Diese Bestimmungen gelten indes nur für neue
Erschliessungsanlagen. Bestehende Erschliessungsanlagen genügen für Bauvorhaben in
einem weitgehend überbauten Gebiet oder ausserhalb der Bauzone dann, wenn die
insgesamt zu erwartende Mehrbelastung verhältnismässig gering ist und die
Verkehrssicherheit und Brandbekämpfung gewährleistet sind (Art. 5 Bst. a BauV). Die
Verkehrssicherheit ist nicht mehr gewährleistet, wenn die Normen für neue Anlagen (Art. 7
und 9 BauV) massiv unter- bzw. überschritten werden. Die zu erwartende Mehrbelastung
beurteilt sich im Verhältnis zum bestehenden Verkehrsaufkommen. Dabei bedeutet eine
erwartete Verdoppelung des Verkehrsaufkommens nicht automatisch, dass die
Mehrbelastung nicht mehr gering ist. Wesentlich sind auch die örtlichen Verhältnisse
(bisherige Nutzung, Fahrbahnbreite, Länge und Übersichtlichkeit der Zufahrt) sowie die
Benützerkategorien (Personenwagen, Lastwagen, Schulkinder, usw.).14
e) Der Zweck des Bauvorhabens ist klar (vgl. Erwägung 2b): Die Beschwerdegegnerin
beabsichtigt, auf der Parzelle Niederbipp Grundbuchblatt Nr. E._ ein neues
Betriebsgebäude mit Lager, Büros und einer kleinen Werkstatt zu realisieren. Ausserhalb
des Betriebsgebäudes ist eine Ausstellung mit diversen Zauntypen geplant. Vorgesehen ist
der Bau von 11 Parkplätzen. Geklärt ist ebenfalls das zusätzliche Verkehrsaufkommen
(vgl. Erwägung 3f). Der Sachverhalt ist somit genügend abgeklärt.
Vorliegend ist die Erschliessung des Vorhabens über den bestehenden H._weg
geplant. Beim H._weg handelt es sich um eine Detailerschliessungsstrasse, die im
Eigentum der Gemeinde Niederbipp steht. Der H._weg verläuft vom Knoten des
L._wegs auf einer Länge von gut 590 m bis zum M._weg. Er erschliesst
ca. 11 Wohnliegenschaften im Gebiet "Stockacker". Die restlichen Wohnliegenschaften und
die Gewerbebetriebe (Parzelle Nr. J._ u. Nr. K._) im "Stockacker" sind
14 VGE 100.2012.208 vom 31. Januar 2013, E. 3.2; Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 7/8 N 10.
14
über den R._weg erschlossen. Anders als der Beschwerdeführer meint, ist hier für
die strassenmässige Erschliessung nicht die ganze Länge, sondern nur das westliche
Teilstück des H._wegs nötig. Dieses Teilstück ist ca. 120 m lang und ist auf einer
Breite von 6.80 m ausgemarcht. Es erstreckt sich von der Bauparzelle Nr. E._ bis
zur Einmündung in den L._weg, der wiederum den Anschluss zum
Hauptverkehrsstrang des Erschliessungsnetzes, der Kantonsstrasse (Buchlistrasse) im
Norden, sicherstellt. Das westliche Teilstück des H._weges ist gemäss dem
Grundstückdaten-Informationssystem (GRUDIS) des Kantons Bern ca. zwischen 4.30 bis
5 m breit.15 Dies deckt sich mit den Angaben der Vorinstanz im angefochtenen Entscheid
und ihrer Stellungnahme vom 29. Mai 2015. Er genügt damit selbst den Anforderungen an
eine neu zu erstellende Strasse (Art. 7 Abs. 2 BauV). Ausserdem wäre ein Ausbau dieses
Teilstücks, wie die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid zutreffend ausführte, möglich.
f) Insgesamt kann die hier zu erwartende Mehrbelastung als verhältnismässig gering
eingestuft werden. Auf dem fraglichen Strassenabschnitt ist insgesamt mit fünf Last- und
Lieferwagen pro Tag sowie einigen Personenwagen zu rechnen. Auch sind die
Verkehrssicherheit und die Brandbekämpfung gewährleistet. Der H._weg ist für
Motorfahrzeuge ab der Liegenschaft H._weg 5 in Fahrtrichtung Nordosten eine
Sackgasse. Wegen der fehlenden Durchgangsmöglichkeit besteht generell kein grosses
Verkehrsaufkommen. Das kurze Teilstück ist zudem weder besonders kurvig noch besteht
ein grosses Strassengefälle. Der Umstand, dass das fragliche Strassenstück des
H._weges nicht auf der ausgemarchten Breite ausgebaut ist, hat sogar den
Vorteil, dass die Motorfahrzeuge gezwungen sind, langsamer zu fahren. Fussgänger, wie
beispielsweise Wanderer, sind daher weniger gefährdet als auf einer voll ausgebauten
Strasse.
g) Dass die Lastwagen die Bauparzelle von Osten her, d.h. über die O._gasse
oder den M._weg anfahren, kann – entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers – aus dem Situationsplan Entwässerung nicht geschlossen werden.
Das Gegenteil ist der Fall: Aus dem Situationsplan Entwässerung im Massstab 1:500 folgt,
dass die Lastwagen die Bauparzelle in Richtung L._weg verlassen. Entsprechend
ist im Situationsplan der Ausfahrtsradius für die Lastwagen in diese Richtung
eingezeichnet. Damit der Warenumschlag auf der Bauparzelle ohne komplizierte
15 Einsehbar im Geoportal des Kantons Bern www.be.ch / Schnellzugriff / Karten (Geoportal)
http://www.be.ch
15
Wendemanöver erfolgen kann, fahren die Lastwagen gemäss dem Situationsplan zuerst
entlang der östlichen Parzellengrenze um die Lagerhalle herum. Dies bedingt aber nicht,
dass die Lastwagen die Bauparzelle von der O._gasse oder dem M._weg
her anfahren müssen. Aufgrund des spitzen Winkels und der Lage der Halle wäre ein
solches Anfahrtsregime für die Lastwagen auch kaum praktikabel. Aufgrund der Geometrie
der Parzelle ist offenkundig, dass die Lastwagen – gleich wie bei der Wegfahrt – die
Bauparzelle ebenfalls via L._weg und Q._strasse anfahren.
h) Zusammengefasst ist somit festzuhalten, dass der westliche Teil des
H._weges den Anforderungen an eine bestehende Erschliessung genügt. Die
Beurteilung der Vorinstanz ist nicht zu beanstanden.
6. Gewässerschutz
a) Der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz habe nicht überprüft, ob die Sickeranlage
die gesetzlichen Anforderungen erfülle. Auch der Amtsbericht des AWA vom 20. November
2014 halte fest, dass die Dimensionierung und Detailprojektierung der Abwasseranlage
durch das Amt nicht überprüft worden sei. Der Beschwerdeführer führt weiter aus, bei der
Versickerung von Regenwasser, das von Metalldächern mit einer Grösse vom mehr als
50 m2 stammt, handle es sich um eine Versickerungsart, die nicht mehr von der Gemeinde
im Sinne von Art. 17 Abs. 4 KGV16 beurteilt werden könne. Anstatt im Baugesuch die
genaue Materialisierung des Daches anzugeben, werde lediglich dessen Konstruktionsart
"Sandwichpaneele" angegeben. Eine solche bestehe aus einem Schaumkern und zwei
metallischen Deckschichten. In einem solchen Falle sei gemäss dem "Merkblatt
Zuständigkeit für die Erteilung von Gewässerschutzbewilligungen" nicht die Gemeinde
sondern das AWA zur Beurteilung zuständig. Dieses habe das Vorliegen eines
Metalldaches nie berücksichtigt.
b) Die Beschwerdegegnerin ist der Ansicht, die geplante Versickerungsanlage sei
überprüft worden und erfülle die gesetzlichen Vorgaben. Sie verweist insbesondere auf den
Amtsbericht des AWA vom 20. November 2014 sowie den mit dem Baugesuch
eingereichten Plan "Entwässerungskonzept". Auf Letzterem sei eine genaue Berechnung
16 Kantonale Gewässerschutzverordnung vom 24. März 1999 (KGV; BSG 821.1)
16
der Versickerungsleistung der geplanten Sickeranlage aufgeführt. Im Übrigen sei der
Beschwerdeführer als Einsprecher nur im Rahmen seiner Einsprachegründe legitimiert. Die
nun vorgebrachten Einwände gegen das Metalldach seien gänzlich neu. Bereits aus
diesem Grund sei auf die Rüge nicht einzutreten.
c) Die Vorinstanz verweist bezüglich der Sickeranlage in ihrer Beschwerdeantwort vom
29. Mai 2015 auf die Amts- und Fachberichte des AWA vom 20. November 2015 und der
Werkkommission Niederbipp.
d) Das AWA hält in seinem Amtsbericht vom 20. November 2014 fest, dass gemäss den
Gesuchsunterlagen keine gewerblichen oder industriellen Abwässer anfielen und keine
wassergefährdenden Stoffe gelagert oder verwendet würden.
e) Rügen, die nicht bereits mit Einsprache erhoben worden sind, können im
Beschwerdeverfahren nicht mehr vorgebracht werden (Art. 40 Abs. 2 BauG). Diese
Einschränkung gilt jedoch nur, soweit die Verletzung von rein kantonalem oder
kommunalem Recht gerügt wird.17 Umstritten ist hier die Versickerung und damit die
richtige Beseitigung des Abwassers (Art. 7 GSchG18). Es steht damit Bundesrecht zur
Diskussion. Die Beschränkung des Streitgegenstands nach Art. 40 Abs. 2 BauG kommt
demzufolge nicht zum Tragen. Auf die Rüge ist einzutreten.
Nach Art. 7 Abs. 2 GSchG und Art. 17 KGV19 ist nicht verschmutztes Abwasser versickern
zu lassen, sofern die örtlichen Verhältnisse dies erlauben. Verschmutztes Abwasser muss
behandelt werden; es darf nur mit Bewilligung der kantonalen Behörde in ein Gewässer
eingeleitet oder der Versickerung zugeführt werden (Art. 7 Abs. 1 GSchG). Von bebauten
oder befestigten Flächen abfliessendes Niederschlagswasser gilt in der Regel als nicht
verschmutztes Abwasser, wenn es von Dachflächen oder Strassen, Wegen und Plätzen
stammt, auf denen keine erheblichen Mengen von Stoffen, die Gewässer verunreinigen
können, umgeschlagen, verarbeitet und gelagert werden, und wenn es bei der
Versickerung im Boden ausreichend gereinigt wird (Art. 3 Abs. 3 Bst. a und b GSchV20). Im
17 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 40 - 41 N. 9a 18 Bundesgesetz vom 24. Januar 1991 über den Schutz der Gewässer (Gewässerschutzgesetz, GSchG; SR 814.20) 19 Kantonale Gewässerschutzverordnung vom 24. März 1999 (KGV; BSG 821.1) 20 Gewässerschutzverordnung des Bundesrates vom 28. Oktober 1998 (GSchV; SR 814.201)
17
Kanton Bern werden die Versickerungsanlagen in zwei Typen unterteilt:21 Beim Typ a
versickert das Regenabwasser über Bodenpassagen (Versickerungsmulden, flächige
Versickerung usw.). Beim Typ b erfolgt die Versickerung ohne Oberbodenpassage
(Versickerungsstrang oder Versickerungsgalerie, Versickerungsschacht, Kieskörper
innerhalb der Deckschicht). Grundsätzlich sind Anlagen des Typs a dem Typ b
vorzuziehen, da sie einen besseren Grundwasserschutz gewährleisten. Die neu geplante
Versickerungsanlage entspricht dem Typ a.
f) Im Gewässerschutzbewilligungsverfahren muss nur geprüft und sichergestellt
werden, dass die Versickerung nicht zu einer Verunreinigung des Grundwassers führt
(Art. 6 GSchG). Dimensionierung und Detailprojektierung der Abwasseranlagen werden
nicht überprüft. Diese sind nach der Schweizer Norm SN 592000 (VSA/suissetec, 2012)
sowie der Richtlinie „Regenwasserentsorgung, Richtlinie zur Versickerung, Retention und
Ableitung von Niederschlagswasser in Siedlungsgebieten (VSA, 2002 und Update 2008)“
auszuführen. Vorliegend prüfte das AWA das Vorhaben unter dem Aspekt des
Gewässerschutzes. Es hat im Amtsbericht Wasser und Abfall vom 20. November 2014 die
Aufnahme von Auflagen in den Gesamtentscheid beantragt.22 Diese sind Bestandteil des
Gesamtentscheids (vgl. Ziff. 1.2 zweiter Gedankenstrich des Dispositivs des
angefochtenen Entscheids). Dass die Vorinstanz ausführte, die geplante
Versickerungsanlage sei überprüft worden und erfülle die gesetzlichen Anforderungen, ist
mit Blick auf den Amtsbericht des AWA nicht zu beanstanden. Nach dem Gesagten kann
von einer Verletzung des rechtlichen Gehörs nicht gesprochen werden.
Hinzu kommt, dass die Beschwerdegegnerin, wie der Beschwerdeführer in seiner Eingabe
vom 5. August 2015 richtig feststellte, ein Versickerungskonzept einreichte. Dem
aktenkundigen Plan "Entwässerungskonzept" im Massstab 1:200 vom 21. Oktober 2014 ist
zu entnehmen, wie die Versickerung und Grundstückentwässerung im Detail erfolgt. Die
darin gemachten Berechnungen zur Versickerungsleistung sind plausibel und
nachvollziehbar. An der Richtigkeit dieser Angaben bestehen keine Zweifel. Zudem ist die
Überprüfung dieser Angaben mit einer Auflage des AWA23 sichergestellt. Danach ist bei
der Ausführung der Versickerung eine hydrogeologisch kompetente Fachperson
21 Vgl. Merkblatt für das Versickern von Regen- und Reinabwasser des Amtes für Wasser und Abfall (AWA) des Kantons Bern vom Januar 2009 abrufbar unter: http://www.bve.be.ch/bve/de/index/wasser/wasser/ grundstuecksentwaesserung/versickerung.html 22 Vgl. pag. 50 bis 57 der Vorakten der Gemeinde Niederbipp 23 Vgl. pag. 56 der Vorakten der Gemeinde Niederbipp
18
beizuziehen. Die Kritik des Beschwerdeführers in seiner Eingabe vom 5. August 2015
betreffend die Versickerung geht somit fehl. Der Sachverhalt ist hinreichend klar. Ebenfalls
klar ist die Situation hinsichtlich der Schmutzabwasserentsorgung. Das anfallende
Schmutzabwasser aus dem Gebäude wird in die öffentliche Kanalisation geleitet. Die
öffentliche Hauptleitung (BA Ø 500 mm) befindet sich in unmittelbarer Nähe auf dem
Strassengrundstück des H._wegs. Die Werkkommission hat in ihrem Bericht die
Dimensionierung der Hausanschlussleitung festgelegt.24
g) Entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers hat hier das AWA das Vorhaben
unter dem Gesichtspunkt des Gewässerschutzes beurteilt. Es hat zuhanden der Vorinstanz
als Leitbehörde einen Amtsbericht mit Antrag verfasst. Dies entspricht dem üblichen
Vorgehen in koordinierten Verfahren (Art. 4 Abs. 1 u. Art. 6 Abs. 1 Bst. a KoG). Die Kritik
betreffend die Zuständigkeit zwischen der Gemeinde und dem AWA ist deshalb von
vornherein unbegründet. Das Merkblatt des AWA "Zuständigkeit für die Erteilung von
Gewässerschutzbewilligungen" vom Oktober 2014 ändert daran nichts.
Das AWA hat im Amtsbericht die Versickerung des Dachabwassers aus Sicht des
Gewässerschutzes als unproblematisch eingestuft. Diese Beurteilung ist nicht zu
beanstanden. Entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers kann den Akten
entnommen werden, aus welchen Materialien die Dacheindeckung besteht.25 Es sind
Sandwichpaneele bzw. Sandwichelemente des Typs "Montanatherm" der Firma Montana
vorgesehen. Gemäss Herstellerangaben bestehen diese Sandwichelemente entweder aus
einem Stahl- oder Aluminiumkern und sind polyesterbeschichtet (Farb- und
Schutzbeschichtung). Die im Merkblatt des AWA26 als problematisch aufgeführten Metalle
Kupfer (Cu), Zink (Zn) und Blei (Pb) sind im Produktebeschrieb nicht aufgeführt. Die
gewählte Dacheindeckung ist somit gewässerschutzverträglich. Das anfallende
Regenwasser von der Dachfläche der geplanten Halle darf – anders als der
Beschwerdeführer meint – mit dem Versickerungstyp a versickert werden. Aus den
eingereichten Unterlagen (Beilage 3 und 4) kann der Beschwerdeführer nichts zu seinen
Gunsten ableiten. Der Auszug aus Wikipedia zum Thema "Sandwichpaneele" enthält
lediglich allgemeine Informationen zu Sandwichkonstruktionen. Ebenfalls nicht einschlägig
24 Vgl. pag. 34 der Vorakten der Gemeinde Niederbipp 25 Vgl. Energietechnischer Massnahmennachweis in den Vorakten der Gemeinde Niederbipp, Beilage zum Heizwärmebedarf, Bauteil Dach gemäss Herstellerkatalog 26 Merkblatt für die generelle Beurteilung von Versickerungsanalgen aus dem Jahr 2009
19
sind die Informationen zum Sandwichpaneel der Firma N._. Dieses Produkt wird
für die Dacheindeckung nicht verwendet. Die Beschwerde ist in diesem Punkt
unbegründet.
7. Parkplätze
a) Der Beschwerdeführer rügt, er habe bereits in seiner Einsprache geltend gemacht,
dass dem Baugesuch weder eine Berechnung der Parkplätze noch eine Angabe zu
entnehmen sei, wieviel Geschossfläche das Bauprojekt aufweise. Die Vorinstanz
unterlasse es, eine genaue Berechnung der nötigen Parkplätze vorzunehmen. Nach seiner
Berechnung sei von einer Geschossfläche von mindestens 1'261.59 m2 auszugehen,
weshalb folglich 13 Parkplätzen anstatt 11 zu erstellen seien. Im Übrigen habe es die
Beschwerdegegnerin unterlassen, nebst einer detaillierten Berechnung der
Geschossfläche auch die voraussichtliche Anzahl der beschäftigten Personen anzugeben.
Die Vorinstanz verstosse folglich auch hier gegen den Anspruch des rechtlichen Gehörs,
da sie die Grundlage ihres Entscheides darzulegen und ihren Entschied zu begründen
habe. In der Eingabe vom 5. August 2015 bringt er schliesslich vor, die Berufung auf
Art. 54 BauV begründe kein Ausnahmegesuch. Das Ausnahmegesuch habe den
Anforderungen von Art. 44 BewD zu entsprechen und sei verspätet, da keine neuen
Tatsachen vorlägen.
b) Die Beschwerdegegnerin führt aus, im Grundrissplan seien die
Bruttogeschossflächen aufgeführt. Die gemäss Art. 52 BauV ausgewiesene
Bruttogeschossfläche betrage 1'120 m2, so dass eine Anzahl von 11 Parkplätzen innerhalb
der gesetzlich vorgesehenen Bandbreite liege. Da es sich beim Neubau grösstenteils um
eine Lagerhalle handle, lägen im Übrigen besondere Verhältnisse im Sinne von Art. 54
BauV vor, welche auch ein Abweichen vom Grundbedarf gestatteten.
c) Die Vorinstanz führte im angefochtenen Entscheid ebenfalls aus, dass die
ausgewiesene Anzahl Abstellplätze innerhalb der vorgegebenen Bandbreite gemäss der
Bestimmung von Art. 49 ff. BauV liege.
d) Wird durch die Erstellung einer Baute ein Parkplatzbedarf verursacht, so ist dafür auf
dem Grundstück oder in seiner Nähe eine ausreichende Anzahl von Abstellplätzen für
20
Motorfahrzeuge zu errichten (Art. 16 Abs. 1 BauG). Im Interesse der Luftreinhaltung sollen
Abstellflächen nicht über ihren Zweck hinaus dimensioniert werden (vgl. Art. 17 Abs. 1
BauG).27 Die Abstellplätze müssen auf dem Grundstück oder in seiner Nähe errichtet
werden (Art. 16 Abs. 1 BauG). Die Bemessung der Abstellplätze ist in der Bauverordnung
näher umschrieben und wird durch eine Bandbreite begrenzt. Innerhalb dieser Bandbreite
kann die Gesuchstellerin die erforderliche Anzahl Parkplätze festlegen (vgl. Art. 50 Abs. 1
BauV). Für die Nutzungsarten Arbeiten, Gewerbe und Dienstleistungen berechnet sich die
Bandbreite nach dem Kriterium, ob das Bauvorhaben in einer Stadt bzw. deren
Agglomeration oder im übrigen Kantonsgebiet errichtet werden soll (Art. 52 BauV). Nach
Art. 54 BauV ist eine Abweichung von der Bandbreite oder vom Grundbedarf möglich,
wenn besondere Verhältnisse vorliegen. Das Gesetz nennt beispielhaft die Situation, wenn
das Bauvorhaben deutlich unter- oder überdurchschnittlich in der Anzahl Arbeitsplätze im
Verhältnis zur Geschossfläche bei industriellen Produktionsbetrieben ist, oder bei
Lagerhallen.
e) Seit dem Inkrafttreten der BMBV28 auf den 1. August 2011 ist zwar nicht mehr die
Bruttogeschossfläche, sondern die Geschossfläche relevant (vgl. alt Art. 49 BauV; Art. 35
in Verbindung mit Art. 36 BMBV). Trotz unterschiedlicher Terminologie entsprechen sich
die alte und neue Berechnungsmethode aber weitgehend. Vorliegend lässt sich der
Parkplatzbedarf anhand der Akten problemlos berechnen. Dem Grundrissplan lassen sich
die baupolizeilichen Masse der Lagerhalle entnehmen. Die Geschossfläche des
Bauvorhabens beträgt vorliegend 1'302 m2 (Lagerfläche EG von 952 m2 + Lagerfläche OG
inkl. Fläche über Werkstattbüro von 182 m2 + Bürofläche EG von 168 m2). Dabei ist
allerdings fraglich, ob das Lager im Obergeschoss überhaupt an die Geschossfläche
anzurechnen ist. Nach Art. 49 Abs. 2 BauV sind Lagerräume, die weder publikumsoffen
noch mit Arbeitsplätzen beleget sind, der Geschossfläche nicht anzurechnen. Die Frage
kann aber offengelassen werden, wie die Erwägung 7g zeigt.
f) Der Beschwerdeführer ging in seiner Beschwerde von einer Geschossfläche von
mindestens 1'261.59 m2 aus. Bei seiner Berechnung übersieht er allerdings, dass die
Geschossfläche die allseitig umschlossene und überdeckte Grundrissfläche der
zugänglichen Geschosse einschliesslich der Verkehrs- und der Konstruktionsflächen
umfasst (Art. 49 Abs. 1 BauV). Vorliegend ist bei die Berechnung der Abstellplätze für
27 BVR 1999 S. 68 E. 2 28 Verordnung vom 25. Mai 2011 über die Begriffe und Messweisen im Bauwesen (BMBV; BSG 721.3)
21
Motorfahrzeuge deshalb von einer Geschossfläche von 1'302 m2 auszugehen. Demzufolge
beträgt die Bandbreite nach Art. 52 Abs. 1 BauV minimal 13 (0.6 x 1'302 / 50 - 3) und
maximal 26 (0.8 x 1'302 / 50 + 5) Parkplätze. Vorliegend sind nur 11 Parkplätze geplant.
g) Es liegen hier jedoch offensichtlich besondere Verhältnisse im Sinn von Art. 54 BauV
vor, die ein Abweichen von der gesetzlichen Bandbreite erlauben. Beim vorliegenden
Bauvorhaben handelt es sich um eine Lagerhalle. Die Geschossfläche wird ca. zu 87 % zu
Lagerzwecken und nur zu 13 % für Büroräumlichkeiten genutzt. Aufgrund der hohen
Lagerfläche ist hier die Anzahl Arbeitsplätze im Verhältnis zur Geschossfläche deutlich
unterdurchschnittlich (Art. 54 Bst. b BauV). Dazu kommt, dass die Beschwerdegegnerin
gemäss dem Betriebskonzept lediglich 5.2 Mitarbeiter beschäftigt. Mittelfristig sei lediglich
mit der Anstellung eines weiteren Mitarbeiters zu rechnen. Es ist daher gerechtfertigt, wenn
die untere Bandbreite von 13 Parkplätzen um zwei Parkplätze unterschritten wird. Die
Beschwerdegegnerin verfügt mit den geplanten 11 Parkplätzen somit über die nötige
Anzahl Abstellplätze im Rahmen ihres Bauvorhabens. Die geplanten 11 Parkplätze stellen
auch sicher, dass sämtliche Angestellte wie auch allfällige Besucher einen Parkplatz
finden. Bei der Abweichung von der Bandbreite nach Art. 54 BauV handelt es sich um eine
Kompetenznorm, die entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers nicht unter die
Regeln von Art. 26 ff. BauG bzw. Art. 44 BewD29 fällt.30 Der Verweis auf Art. 26 VRPG
i.V.m. Art. 230 ZPO31, dass das Ausnahmegesuch verspätet eingereicht worden sei,
verfängt nicht.
h) Die Vorinstanz hat im angefochtenen Entscheid nicht begründet, weshalb die
Parkplatzpflicht eingehalten ist. Damit hat sie das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers
verletzt. Die BVE hat nachträglich aufgezeigt, weshalb hier die Parkplatzpflicht nach
Art. 49 ff. BauV eingehalten ist. Damit hat sie die Gehörsverletzung im
Beschwerdeverfahren geheilt. Dies wird im Kostenpunkt zu berücksichtigen sein.
8. Umgebungsplan
29 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 30 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Vorbemerkungen zu den Art. 26 - 31 N. 1 31 Schweizerische Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 (ZPO; SR 272)
22
a) Der Beschwerdeführer rügt, im Umgebungsplan seien weder Büsche noch Bäume
geplant worden. Dies widerspreche dem geltenden GBR. Diese Rüge habe die Vorinstanz
im angefochtenen Entscheid in keiner Art und Weise behandelt. Vielmehr verlange die Vor-
instanz nun von der Beschwerdegegnerin mittels Auflage die Einreichung eines
Umgebungsgestaltungsplans mit den erforderlichen Angaben und Inhalten vor Baubeginn.
Damit verletze die Vorinstanz ihre umfassenden Überprüfungspflichten im
Baubewilligungsverfahren.
b) Die Beschwerdegegnerin bringt vor, ihr sei mit dem Gesamtentscheid der Vorinstanz
die Auflage gemacht worden, einen detaillierten Umgebungsplan gemäss Art. 16 GBR
nachzureichen. Es sei üblich und gemäss Art. 38 Abs. 3 BauG auch gesetzlich
vorgesehen, dass in einem Gesamtbauentscheid die Baubewilligung unter Auflagen erteilt
werde. Sofern sich der Beschwerdeführer an der nachträglichen Genehmigung des
Umgebungsplanes störe, könne er dagegen erneut die entsprechenden Rechtsmittel
ergreifen.
c) In ihrer Stellungnahme vom 29. Mai 2015 ist die Vorinstanz der Ansicht, dass ein
Widerspruch zum Gemeindebaureglement weder erkennbar noch auszumachen sei.
d) Dem Baugesuch ist ein Umgebungsgestaltungsplan im Massstab 1:100 oder 1:50
beizulegen, wenn besondere Vorschriften über die Umgebungsgestaltung bestehen
(Art. 14 Abs. 1 Bst. d BewD). Die Gemeinden können insbesondere einen angemessenen
Anteil begrünter Flächen verlangen, die Anpflanzung, Erhaltung und Pflege von Bäumen
und Hecken vorschreiben oder im Interesse der zonenmässigen Nutzung einschränken
oder eine das herkömmliche Orts- oder Landschaftsbild verändernde Landschafts- und
Umgebungsgestaltung untersagen (Art. 14 Abs. 2 BauG). Gemäss Art. 1 GBR sind die
Bereiche entlang der Zonengrenzen mit Bäumen und Sträuchern zu gestalten. Dem
Baugesuch muss hierfür ein Umgebungsgestaltungsplan beigelegt werden. In der
Arbeitszone ist zudem eine Grünflächenziffer von 15 % einzuhalten (Art. 2 Abs. 1 GBR).
e) Die Vorinstanz ist im angefochtenen Entscheid auf die Rüge des Beschwerdeführers
eingegangen. Sie hielt fest, ein Umgebungsgestaltungsplan mit den erforderlichen
Angaben und Inhalten werde nachverlangt und müsse vor Baubeginn von der Gemeinde
genehmigt werden. Damit erachtete sie die Rüge implizit als unbegründet. Von einer
Verletzung der Begründungspflicht kann somit nicht gesprochen werden. Dass die
23
Begründung unzutreffend ist, ändert an diesem Ergebnis nichts, wie die nachfolgenden
Ausführungen zeigen.
f) Die Vorinstanz verfügte unter Ziff. 1.1 folgende Auflage: ".1 Vor Baubeginn muss ein detaillierter Umgebungsgestaltungsplan gemäss Art. 16 GBR
der Gemeinde zur Beurteilung und Genehmigung eingereicht werden. Der Plan muss u.a. die vorgesehenen Bepflanzungen inkl. einer Liste der vorgesehenen Pflanzenarten sowie den Maschendrahtzaun mit dem gewählten Abstand zu den Nachbarparzellen enthalten. Weiter müssen die GFZ von 15 % ausgewiesen sein."
Diese Auflage ist nicht erforderlich und kann aufgehoben werden. Die Beschwerdegegnerin
hat im Plan "Situation / Entwässerung" im Massstab 1:500 vom 21. Oktober 2014 den
Maschendrahtzaun mit einem Abstand von 80 cm zu den Nachbarparzellen eingezeichnet.
Der Grenzabstand entspricht der Vorschrift von Art. 79k EG ZGB32. Ebenfalls ist auf
diesem Plan die Einhaltung der Grünflächenziffer von 15 % nachgewiesen. Diese beträgt
nach den plausiblen Berechnungen 29.70 % und ist damit klar eingehalten. Vorliegend ist
der Plan "Situation / Entwässerung" im Massstab 1:500 vom 21. Oktober 2014 Bestandteil
des Baugesuchs (vgl. Bst. A des angefochtenen Gesamtentscheids); er ist mitbewilligt.
Eine zusätzliche Genehmigung des Maschendrahtzauns und die Prüfung der
Grünflächenziffer sind überflüssig. Der Plan "Situation / Entwässerung" im Massstab 1:500
vom 21. Oktober 2014 erfüllt hier die Anforderungen an den Umgebungsgestaltungsplan
nach Art. 16 GBR und Art. 14 Abs. 1 Bst. d BewD.
Dazu kommt, dass hier entgegen der Meinung des Beschwerdeführers die
Bepflanzungsvorschrift von Art. 1 Abs. 1 GBR nicht anwendbar ist. Die Bauparzelle grenzt
nicht direkt an eine andere Zone. Dies deckt sich mit der Auffassung der Vorinstanz. Sie
präzisierte in ihrer Eingabe vom 14. Juli 2015, dass die Vorschrift von Art. 1 Abs. 1 GBR,
wonach Bereiche entlang der Zonengrenze mit Bäumen und Sträuchern zu gestalten sind,
nur Anwendung finde, sofern zwei Zonen direkt aneinander grenzten. Vorliegend grenze an
die Arbeitszone keine andere Zone direkt an. Die in der Nähe liegende Wohnzone 2 klein
(W2k) sei durch eine Strasse und ein Bahntrassee getrennt und somit nicht direkt
verbunden. Die Beschwerdegegnerin ist somit gestützt auf Art. 1 Abs. 1 GBR nicht
verpflichtet, Bäume und Sträucher zu pflanzen. Wo keine Bepflanzung vorgeschrieben ist,
muss diese auch nicht in einem Umgebungsgestaltungsplan eingezeichnet werden. Falls
Grundstückeigentümer entlang ihren Parzellengrenzen freiwillig Bäume und Sträucher
32 Gesetz vom 28. Mai 1911 betreffend die Einführung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (EG ZGB; BSG 211.1)
24
pflanzen, ist das nicht verboten. Auch existiert in Niederbipp keine Aegeristrasse, auf die
sich der Beschwerdeführer in der Eingabe vom 5. August 2015 bezieht, um die Auslegung
der Vorinstanz in Zweifel zu ziehen. Die Rüge des Beschwerdeführers, wonach die
Bauparzelle an die Wohnzone 2 grenze und gemäss Art. 1 Abs. 1 GBR die Bereiche
entlang der Zonengrenze mit Bäumen und Sträuchern zu gestalten seien, erweist sich
damit als nicht stichhaltig. Der Klarheit halber wird im Dispositiv dieses Entscheids die
fragliche Auflage aufgehoben. Auf die Kritik des Beschwerdeführers gegen die Auflage
braucht deshalb nicht weiter eingegangen zu werden.
9. Situationsplan
Die Beschwerdegegnerin reichte einen nachgeführten Situationsplan (Eingangsstempel
des Rechtsamts der BVE vom 10. Juli 2015) im Massstab 1:1000 ein. Die Darstellung der
Parkplatzsituation deckt sich nun mit jener der übrigen Projektpläne. Massgeblich ist damit
der nachgeführte Situationsplan im Massstab 1:1000 (Eingangsstempel der BVE vom
10. Juli 2015). Dieser ersetzt den alten Situationsplan im Massstab 1:1000 mit Stempel der
Bau- und Liegenschaftskommission Niederbipp. Dies wird der Klarheit halber im Dispositiv
dieses Entscheids festgehalten. Anzufügen ist, dass es sich dabei nicht um eine
Projektänderung sondern um eine Nachführung des Situationsplans handelt. Am Projekt
selber wurde nichts verändert. Aus dem Einwand, auf dem Situationsplan sei die
Nutzungszone nicht angegeben, kann der Beschwerdeführer nichts zu seinen Gunsten
ableiten. Diese Rüge ist verspätet, sie hätte bereits in der Einsprache und in der
Beschwerde vorgebracht werden müssen, nicht erst am Ende des Beschwerdeverfahrens
(Art. 40 Abs. 2 BauG); auf sie ist nicht einzutreten.
10. Kosten
a) Die Grundsätze der Kostenverlegung sind in Art. 108 VRPG geregelt. Demnach
werden die Verfahrenskosten der unterliegenden Partei auferlegt (Art. 108 Abs. 1 VRPG).
Die unterliegende Partei hat zudem der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen. Die
25
Kosten des Beschwerdeverfahrens bestehen aus einer Pauschalgebühr (Art. 103 Abs. 2
VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV33). Sie wird hier auf Fr. 2'000.00 festgesetzt.
b) Aus den Erwägungen ergibt sich, dass die Beschwerde teilweise gutgeheissen wird:
Eine Auflage wurde aufgehoben und es musste der Situationsplan nachgeführt werden.
Zudem wurde der Antrag der Beschwerdegegnerin auf Sicherstellung der Parteikosten
abgewiesen. In diesen Punkten gilt der Beschwerdeführer als obsiegend. In den
überwiegenden Punkten ist die Beschwerde jedoch unbegründet (willkürliche
Sachverhaltsfeststellung, Zonenkonformität, Lärm, Erschliessung, Gewässerschutz,
Parkplätze und Umgebungsplan) oder es wurde darauf nicht eingetreten. Es rechtfertigt
sich deshalb, dem Beschwerdeführer vier Fünftel der Verfahrenskosten von Fr. 2'000.00,
ausmachend Fr. 1'600.00, und der Beschwerdegegnerin einen Fünftel der
Verfahrenskosten, ausmachend Fr. 400.00, aufzuerlegen. Bei der Kostenverlegung ist
zudem die Verletzung des rechtlichen Gehörs zu berücksichtigen, die von der BVE geheilt
wurde (vgl. Erwägung 7h). Aufgrund dieses Umstands wird der Kostenanteil des
Beschwerdeführers von Fr. 1'600.00 um einen Zehntel der (gesamten) Verfahrenskosten,
ausmachend Fr. 200.00, auf Fr. 1'400.00 reduziert. Der Kostenanteil von Fr. 200.00 wird
nicht erhoben.
c) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Parteikosten umfassen den durch die
berufsmässige Parteivertretung anfallenden Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Nach dem
Gesagten unterliegt der Beschwerdeführer zu vier Fünfteln und die Beschwerdegegnerin
zu einem Fünftel.
Nach Art. 11 Abs. 1 PKV34 beträgt das Honorar in verwaltungsrechtlichen
Beschwerdeverfahren Fr. 400.00 bis Fr. 11'800.00 pro Instanz. Innerhalb des Rahmentarifs
bemisst sich der Parteikostenersatz nach dem in der Sache gebotenen Zeitaufwand sowie
der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 41 Abs. 3
33 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21) 34 Verordnung vom 17. Mai 2006 über die Bemessung des Parteikostenersatzes (Parteikostenverordnung; PKV; BSG 168.811)
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KAG35). Die vom Anwalt der Beschwerdegegnerin eingereichte Kostennote beträgt
Fr. 8'810.65 (Honorar Fr. 8'038.00, Auslagen Fr. 120.00 und Mehrwertsteuer Fr. 652.65)
und jene des Anwalts des Beschwerdeführers rund Fr. 9'400.00 (unter Berücksichtigung
der Eingabe vom 8. Oktober 2015). Im vorliegenden Fall ist der gebotene Zeitaufwand als
leicht überdurchschnittlich zu werten. Angesichts der Baukosten gemäss Baugesuch von
rund Fr. 1'750'000.00 und den umstrittenen Rechtsfragen sind die Bedeutung der
Streitsache und die Schwierigkeit des Prozesses insgesamt als knapp durchschnittlich
einzustufen. Daher erscheint ein Honorar von je Fr. 7'000.00 als angemessen. Die
Honorare werden dementsprechend gekürzt. Demnach hat der Beschwerdeführer der
Beschwerdegegnerin vier Fünftel der Parteikosten im Umfang von Fr. 7'120.00 (Honorar
Fr. 7'000.00 und Auslagen Fr. 120.00), ausmachend Fr. 5'696.00, zu bezahlen. Da die
Beschwerdegegnerin Mehrwertsteuerpflichtig ist, ist nach der Praxis des
Verwaltungsgerichts die Mehrwerteuer bei der Bestimmung des Parteikostenersatzes nicht
zu berücksichtigen.36 Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer einen Fünftel
der Parteikosten im Umfang von Fr. 7'890.40 (Honorar Fr. 7'000.00, Auslagen Fr. 305.90
und Mehrwertsteuer Fr. 584.50), ausmachend Fr. 1'578.10, zu bezahlen.
Zudem hat die Gemeinde Niederbipp, die für die Gehörsverletzung verantwortlich ist, einen
Zehntel der Parteikosten des Beschwerdeführers, ausmachend Fr. 789.05, und einen
Zehntel der Parteikosten der Beschwerdegegnerin, ausmachend Fr. 712.00, zu ersetzen.