# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 5d29ffdf-9abd-4182-b3e5-10676bc0d08d
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1961, besuchte die obligatorische Schul
zeit in Serbien
, ohne
in der Folge eine weitere Ausbildung
zu absolvieren
(Urk. 7/3 Ziff. 5.2). Im März 2013 reiste sie in die Schweiz ein und
ging
seit ihrer Heirat am 4. Juni 2013
keiner ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit nach
(Urk. 7/3 Ziff. 1.7, 4.1 und 5.5).
Am 7. Juli 2015 meldete sie sich unter Hinweis auf eine
Tumorerkrankung bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7
/3 Ziff. 6.2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische (Urk. 7/10, Urk. 7/12-13) und erwerbliche Abklärungen (Urk. 7/9, Urk. 7/19, Urk. 7/37, Urk. 7/72) und teilte mit Vorbescheid vom 16. November 2016 mit, die Versicherte weise keine Beitragszeit in der Schweiz auf, weshalb kein Leistungsanspruch bestehe (Urk. 7/21). Dagegen liess die Versicherte am 15. Dezember 201
6
(Urk. 7/22) beziehungsweise 2. Februar 2017 (Urk. 7/26) Ein
w
and erheben. Die IV-Stelle holte in der Folge weitere medizinische Berichte ein (Urk. 7/31-32, Urk. 7/36, Urk. 7/48, Urk. 7/51, Urk. 7/64) und führte am 21. Februar 2019 eine Haushaltsabklärung durch (Urk. 7/77). Nach durchge
führ
tem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/79, Urk. 7/81, Urk. 7/87) verneinte die IV-Stell
e
mit Verfügung vom 14. Juni 2019 einen Rentenanspruch der Versicherten (Urk. 7
/93 = Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am 19. August 2019 Beschwerde gegen die Verfügung vom 14. Juni 2019 (Urk. 2) und beantragte die Zusprache einer ganzen Rente ab Juli 2016, eventuell die Rückweisung der Sache zur weiteren Abklärung (Urk. 1 S. 2 Ziff. 2 und 3). Mit Beschwerdeantwort vom 10. September 2019 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was der Beschwerdegegnerin am 17. Oktober 2019 mitgeteilt und ihr gleichzeitig antragsgemäss (vgl. Urk. 1 S. 2 Ziff. 4) die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt wurde (Urk. 8). Auf entsprechendes Gesuch der Beschwerdeführerin (Urk. 10) wurde mit
Verfügung vom 24. Oktober 2019 ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (Urk. 11),
worauf am 8. November 2019 die Replik einging (Urk. 12). Die Duplik der Beschwerdegegnerin vom 5. Dezember 2019 (Urk. 15) wurde der Beschwerde
führerin am 17. Dezember 2019 zur Kenntnisnahme zugestellt (Urk. 16).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Ren
tenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode der Invaliditätsbe
messung (
Art.
28a IVG) zu bestimmen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betäti
gungsvergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Um
stän
den täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entschei
dend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall
zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypo
thetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Nei
gun
gen und Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbs
tätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Beurteilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4).
1.4
Die von einer qualifizierten Person durchgeführte Abklärung vor Ort (nach Mass
gabe des Art. 69 Abs. 2
der Verordnung über die Invalidenversicherung,
IVV; vgl. auch Rz. 3081 ff. des Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung, KSIH, gültig ab 1. Januar 2015) stellt für gewöhnlich die geeignete und genügende Vorkehr zur Bestimmung der gesundheitlichen Ein
schrän
kung im Haushalt dar.
Hinsichtlich des Beweiswerts der entsprechenden Berichterstattung ist wesentlich, dass sie durch eine qualifizierte Person erfolgt, die Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus den medizinischen Diagnosen sich erge
benden Beeinträchtigungen und Behinderungen hat. Weiter sind die Angaben der versicherten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Be
teiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und angemessen detailliert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein sowie in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen.
Diese Beweiswürdigungskriterien sind nicht nur für die im Abklärungsbericht enthaltenen Angaben zu Art und Umfang der Behinderung im Haushalt mass
gebend, sondern gelten analog für jenen Teil eines Abklärungsberichts, der den mutmasslichen Umfang der erwerblichen Tätigkeit von teilerwerbstätigen Ver
sicherten mit
häuslichem Aufgabenbereich im Gesundheitsfall betrifft (Urteil des Bundesgerichts
I 236/06 vom 19. Juni 2006 E. 3.2
).
Einer ärztlichen Fachperson, die sich zu den einzelnen Positionen der Haushalt
führung unter dem Gesichtswinkel der Zumutbarkeit zu äussern hat, bedarf es nur in Ausnahmefällen, namentlich bei unglaubwürdigen Angaben der versi
cher
ten Person, die im Widerspruch zu den ärztlichen Befunden stehen. Zwar ist der Abklärungsbericht seiner Natur nach in erster Linie auf die Ermittlung des Ausmasses physisch bedingter Beeinträchtigungen zugeschnitten, weshalb seine grundsätzliche Massgeblichkeit unter Umständen Einschränkungen erfahren kann, wenn die versicherte Person an psychischen Beschwerden leidet. Prinzipiell jedoch stellt er auch dann eine beweistaugliche Grundlage dar, wenn es um die Bemessung einer psychisch bedingten Invalidität geht,
das heisst
wenn die Beur
teilung psychischer Erkrankungen im Vordergrund steht. Widersprechen sich die Ergebnisse der Abklärung vor Ort und die fachmedizinischen Feststellungen zur Fähigkeit der versicherten Person, ihre gewohnten Aufgaben zu erfüllen, ist aber in der Regel den ärztlichen Stellungnahmen mehr Gewicht einzuräumen als dem Bericht über die Haushaltsabklärung, weil es der Abklärungsperson regelmässig nur beschränkt möglich ist, das Ausmass des psychischen Leidens und der damit verbundenen Einschränkungen zu erkennen (zum Ganzen: Urteil des Bundes
ge
richts 8C_817/2013 vom 28. Mai 2014 E. 5.1).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte im angefochtenen Entscheid vom 14. Juni 2019 (Urk. 2) aus, die Beschwerdeführerin sei seit ihrer Einreise in die Schweiz im Jahre 2013 zu 100 % im Haushalt tätig gewesen und würde auch bei guter Gesundheit keiner Erwerbstätigkeit nachgehen. Der Haushaltsabklärung zufolge sei sie im Haushalt zu 17.5 % eingeschränkt, was
zugleich
einem Invaliditätsgrad von 17.5 % entspreche (S. 1 f.). Während der Abklärung vor Ort habe sie sich gut mitteilen können, wenn auch grammatikalische Schwierigkeiten verständlicher
weise vorhanden und spezielle Wörter nicht bekannt gewesen seien. In ihrem Heimatland habe die Beschwerdeführerin bei ihrer Familie gelebt, welche ge
meinsam eine «
Chilbi
» betrieben habe. Von einer Anstellung im üblichen Sinn
könne keine Rede sein, jedes Familienmitglied sei nach Bedarf gegen Kost und Logis eingesetzt worden. Die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit im Sinne der schwei
zerischen Verhältnisse sei ihr fremd. Die alleinige finanzielle Notwendig
keit einer Erwerbsaufnahme könne nicht als
Begründung für eine Qualifikation im Erwerb herangezogen werden. Vielmehr müsse die Gesamtsituation berück
sichtigt werden. Die Beschwerdeführerin habe weder vor ihrer Einreise in die Schweiz noch danach je einen Schritt ins Erwerbsleben unternommen. Die knappen finanziellen Mittel und die Notwendigkeit der Unterstützung durch das Sozialamt bildeten für sie gemäss den Angaben vor Ort keinen Grund für eine Erwerbstätigkeit. Sie habe selber ausgesagt, dass sie bei guter Gesundheit trotz dieser Voraussetzungen vollzeitig Hausfrau geblieben wäre. Ein eigenes Ein
kommen
zu erwirtschaften wäre für sie schon zu Lebzeiten des Ehemannes möglich gewesen, er sei auf keine Betreuung angewiesen gewesen und das Paar habe niemanden aus dem engen Umfeld betreuen müssen. Es sei daher an der bestehenden Qualifikation festzuhalten und die Beschwerdeführerin als zu 100 % im Haushalt tätig zu qualifizieren (S. 2).
Im Rahmen der Duplik hielt die Beschwerdegegnerin daran fest, dass die Be
schwerdeführerin vor dem Bezug der Sozialhilfe im Mai 2015 weder eine Tätigkeit
ausgeübt noch nachweisliche Anstrengungen dazu unternommen habe. Die Erwe
rbs
biographie, die Buchungen im Auszug aus dem individuellen Konto sowie die Angaben vor Ort würden keinen anderen Schluss zulassen, als die Qualifi
ka
tion der Beschwerdeführerin als zu 100 % im Haushalt tätig (Urk. 15).
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin geltend (Urk. 1)
,
sie habe sehr schlechte Deutschkenntnisse. Dennoch habe die Haushaltsabklärung ohne Über
setzungshilfe eines Verwandten oder sonstigen Übersetzers stattgefunden (S. 8 Ziff. 15 oben). Es sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sie den Sinngehalt der Qualifikationsfrage aus sprachlichen Gründen nicht habe erfassen können. Daher sei diese Frage anhand anderer Kriterien zu prüfen (S. 9 unten). Seit ihrer Heirat sei sie im Haushalt tätig gewesen. Man könne durchaus darüber diskutieren, ob sie im Zeitpunkt der Anmeldung als zu 100 % im Haushalt tätig zu betrachten sei. Denn damals sei sie noch von ihrem Ehemann finanziell unterstützt worden. Dieser sei jedoch zwischenzeitlich verstorben und die finanzielle Situation habe sich seither erheblich verschlechtert. Spätestens ab diesem Zeitpunkt hätte sie mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine Erwerbs
tätigkeit aufgenommen, wäre sie bei guter Gesundheit gewesen (S. 10 Ziff. 15.1). Aus der Tatsache, dass
s
ie während Lebzeiten des Ehemannes in einer veralteten Rollenverteilung gelebt habe, könne die Beschwerdegegnerin nichts zu ihren Gunsten ableiten. Dies spreche nicht dagegen, dass sie bei guter Gesundheit nach dem Ableben des Ehemannes eine Erwerbstätigkeit aufgenommen hätte (S. 10 Ziff. 15.2). Der Umstand, dass sie nach dem Tod des
Ehemannes
keine Erwerbs
tätigkeit
aufgenommen habe, sei keineswegs darauf zurückzuführen, dass ihr diese Denkweise fremd
sei
. Vielmehr sei sie in gesundheitlicher Hinsicht dazu sch
licht nicht in der Lage gewesen (S. 10 f. Ziff. 15.3). Für eine Arbeitsaufnahme spreche auch, dass sie vor der Einreise in die Schweiz und vor der Heirat als Schaustellerin tätig gewesen sei (S. 11 Ziff. 15.4). Spätestens mit dem Tod des
Ehemannes und der Sozialhilfeabhängigkeit hätte sie die angeblich «fremde Denk
weise» nicht mehr aufrechterhalten können (S. 11 Ziff. 15.5). Bereits ab Juli 2015 sei sie sowohl in der bisherigen als auch in einer leidensangepassten Tätigkeit aus somatischen Gründen vollständig arbeitsunfähig. Zudem bestehe wegen einer Depression ab September 2016 eine Arbeitsunfähigkeit zwischen 50 und 100 %. In Anbetracht dieser Sachlage erübrige sich ein detaillierter Einkommens
ver
gleich und es sei ihr ab Juli 2016 eine ganze Rente zuzusprechen (S. 12 Ziff. 17).
Im Rahmen der Replik (Urk. 12) hielt die Beschwerdeführerin
daran
fest,
dass die Beschwerdegegnerin ihrer Abklärungspflicht nicht nachgekommen sei. Trotz sprachlicher Schwierigkeiten habe sie es in rechtswidriger Weise unterlassen, selbst einen Dolmetscher beizuziehen oder auf die bestehende Übersetzungshilfe mittels telefonischem Kontakt mit den Verwandten zurückzugreifen. Aufgrund der objektiven Umstände sei daher mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sie ab Juli 2016 bei guter Gesundheit einer vollzeitigen Arbeits
tätigkeit nachgegangen wäre und ab diesem Zeitpunkt Anspruch auf eine ganze Rente habe (S. 3 unten).
2.3
Strittig und zu prüfen ist damit
einerseits
die Statusfrage
und andererseits
der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin.
3.
3.
1
Die Beschwerdegegnerin stufte die Beschwerdeführerin als im Gesundheitsfall zu 100 % im Haushalt tätig ein, nachdem diese
seit der Einreise in die Schweiz trotz fehlender Betreuungsaufgaben
keiner Erwerbstätigkeit nachgegangen sei. Sie selber habe zudem ausgesagt, dass sie auch bei guter Gesundheit vollzeitig Hausfrau geblieben wäre (E. 2.1). Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin geltend, seit dem Tod ihres Ehemannes habe sich ihre finanzielle Situation erheb
lich verschlechtert und spätestens ab diesem Zeitpunkt hätte sie bei guter Gesund
heit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine Erwerbstätigkeit aufgenommen (E. 2.2).
3.
2
Anlässlich der Haushaltabklärung vom 21. Februar 2019 (vgl. den Haushaltab
klärungsbericht, Urk. 7/77) führte die Beschwerdeführerin aus, sie habe in Serbien die
Volksschule besucht
, jedoch
keinen Beruf erlernt. Vor der Einreise in die Schweiz habe sie im Familienbetrieb, einer grossen «
Chilbi
», geholfen. Sie habe alles gemacht, was notwendig gewesen sei, unter anderem habe sie gekocht. In der Schweiz habe sie sich als Hausfrau betätigt und von der AHV des Ehemannes gelebt. Es habe zu keiner Zeit ein Angestelltenverhältnis bestanden (Ziff. 2.1-
2
). Die kurze Ehedauer führe dazu, dass sie nur eine kleine Witwenrente von etwas mehr als Fr. 600.-- erhalte. Um ihre persönlichen Ausgaben decken zu können, stocke das Sozialamt auf Fr. 900.-- auf und bezahle die Miete und die Kranken
kasse. Die Geldmittel seien äusserst knapp, sie müsse das Geld genau einteilen, um die laufenden Ausgaben decken zu können (Ziff. 2.4).
Auch bei guter Ge
sund
heit wäre sie als Hausfrau tätig, die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit habe sie nie in Erwägung gezogen (Ziff. 2.5).
Die Abklärungsperson legte die Qualifikation auf als zu 100 % im Haushalt tätig fest und begründete dies damit, dass sich die Erwerbsbiographie und die Angaben vor Ort decken würden. Zwar wäre die Be
schwerdeführerin auf ein Erwerbseinkommen angewiesen, doch sei ihr diese Denk
weise fremd. Trotz finanzieller Abhängigkeit könne davon ausgegangen werden, dass sich die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall weiterhin zu 100 % um den Haushalt kümmern würde (S. 3 Ziff. 2.6-7).
Die Beschwerdeführerin lebe alleine, der verstorbene Ehemann habe bis zu seinem Tod keine Betreuung benötigt (S. 3 Ziff. 4.2).
3.
3
Aus dem bei den Akten liegenden Auszug aus dem individuelle Konto
ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin in der Schweiz nie einer Erwerbstätigkeit nach
ge
gangen ist (Urk. 7/72)
, obschon sie keine Kinder hat (vgl. Urk. 7/3 Ziff. 3.1) und auch keine anderen Betreuungsaufgaben übernehmen musste
.
Unbestritten ist zu
dem
, dass die Beschwerdeführerin nach dem Besuch der Grundschule in Serbien keine Ausbildung absolviert hat (vgl. Urk. 7/3 Ziff. 5.2, Urk. 7/77 Ziff. 2.1)
.
Im Einwand vom 2. Februar 2017 gegen den ersten Vorbescheid führte die Beschwer
de
führerin sodann aus, sie sei am 24. März 2013 in die Schweiz eingereist
, s
ie sei vorwiegend als Hausfrau tätig gewesen. Nach der Heirat sei sie ebenfalls im Haushalt tätig gewesen (Urk. 7/26 S. 2 Ziff. 5).
Weiter finden
sich keine Hinweise dafür, dass sie sich nach der Einreise in die Schweiz darum bemüht hätte, ihre Chancen bei einem späteren Eintritt in den Arbeitsmarkt mittels Sprachkurs zu erhöhen
, oder sich bei der Arbeitslosenversicherung gemeldet hätte. Nachdem die Geldmittel zwar äusserst knapp sind und die Beschwerdeführerin das Geld genau einteilen muss (Urk. 7/77 Ziff. 2.4)
, sie
aber
die laufenden Ausgaben dennoch zu decken vermag, erscheint es unter Berücksichtigung der gesamten Umstände über
wiegend wahrscheinlich, dass die
Beschwerdeführerin, welche im Übrigen 59 Jahre alt ist, selbst bei guter Gesundheit keiner Erwerbstätigkeit nachgehen würde.
3.
4
Was
den Einwand
der Beschwerdeführerin betrifft, wonach sie sehr schlecht deutsch spreche und die Haushaltabklärung ohne Übersetzungshilfe stattge
fun
den habe, weshalb davon auszugehen sei, dass sie den Sinngehalt der Qualifi
kationsfrage aus sprachlichen Gründen nicht habe erfassen können (E. 2.2), ist darauf hinzuweisen, dass
der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin mit Schrei
ben vom 24. Januar 2019 be
treffend
die Durchführung der Haushaltabklärung darauf hingewiesen
wurde
, dass das Gespräch in deutscher Sprache geführt werde, und er gebeten wurde, nötigenfalls um die Anwesenheit einer Überset
zungsperson besorgt zu sein
(Urk. 7/73). Die Beschwerdeführerin selber wies zu
dem anlässlich der Haushaltabklärung darauf hin, dass die Verwandten zwar alle bei der Arbeit seien, sie aber bei sprachlichen Problemen jederzeit anrufen könne (Urk. 7/77 S. 1 Ziff. 1). Dass sie in der Folge während des gesamten Gesprächs nicht von dieser Möglichkeit Gebrauch machte, weist darauf hin, dass sie
selber eine Übersetzungshilfe nicht für nötig erachtete. Dies teilte sie denn auch der Abklärungsperson so mit, wie diese in ihrer Stellungnahme vom 20. Mai 2019 festhielt. Die Themen seien jeweils aus verschiedenen Blickwinkeln besprochen worden und die Beschwerdeführerin habe den Sachverhalt jeweils mit ihren eigenen Worten bestätigt (Urk. 7/92 S. 2 f.). Entgegen der Ansicht der Be
schwer
deführerin kann auf diese Weise durchaus überprüft werden, ob die versicherte Person den Sachverhalt verstanden hat. Zudem wäre es der Beschwerdeführerin jederzeit freigestanden, ihre Verwandten
anzurufen.
3.5
Der Beweiswert des Haushaltabklärungsberichts (vgl. vorstehend E. 1.4) ist damit nicht anzuzweifeln. Hinzu kommt, dass
p
raxisgemäss
in der Regel auf die «
Aus
sagen der ersten Stunde
»
ab
zustellen ist
, denen in beweismässiger Hinsicht grös
seres Gewicht zukommt als späteren Darstellungen, die bewusst oder unbewusst
von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beein
flusst sein können (BGE 121 V 45 E. 2a, 115 V 133 E. 8c mit Hinweis).
3.6
Die
Beschwerdeführerin
beantragte
im Rahmen der Replik
die
Durchführung einer
öffentlichen Schlussverhandlung zur Befragung bezüglich der sprachlichen Schwie
rigkeiten sowie dem Verständnis der anlässlich der Haushaltsabklärung gestellten Fragen (vgl. Urk. 12 S.2)
. Hierbei handelt es sich um einen
blossen
Beweisantrag
. Angesichts des vorstehend Gesagten sind jedoch weitere
Abkä
rungen
nicht notwendig,
weshalb im Sinne einer antizipierten Beweiswürdigung auf eine Befragung verzichtet werden kann (BGE 124 V 90 E. 4b; BGE 122 V 157 E. 1d).
3.
7
Insgesamt ist mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit und gestützt auf die «Aussagen der ersten Stunde» (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_325/2017 vom 26. Oktober 2017 E. 4.2.1)
, die Erwerbsbiographie s
owie
die gelebten Verhältnisse
davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin auch ohne den Gesundheitsschaden nicht erwerbstätig wäre und damit als zu 100 % im Haushalt tätig zu qualifizieren ist.
4.
4
.
1
In ihrem Bericht vom 18. Februar 2014 (Urk. 7/10/10-1
1) führten die Ärzte des Y._
, Chirurgische Klinik, aus, der bei der letzten Konsultation genannte Verdacht auf eine Lipomatose der Knieregionen beidseits habe
sono
graphisch
nicht bestätigt werden können. Allgemeinchirurgisch sei eine weiter
führende Therapie aktuell nicht indiziert oder zielführend. Wegweisend und ver
bessernd würde sich eine generelle Gewichtsreduktion auswirken (S. 1 f.).
4
.
2
Eine am 30. Juni 201
5
im
Y._
, Institut für Radiologie, aufgrund sehr häufiger Kopfschmerzen und Druck im Kopf durchgeführte MR-Untersuchung des Schädels ergab im Wesentlichen regelrechte Befunde (Urk. 7/10/15).
4
.
3
Der Hausarzt
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
nannte in seinem Bericht vom 23. Juli 2015 folgende Diagnosen (Urk. 7/10/1-5 Ziff. 1.1):
-
grosses
Serom
nach Exzision eines Lipoms am linken Unterschenkel am 24. März 2015
-
BWS-Syndrom mit chronischen Schulterschmerzen rechts
-
psychosoziale Belastungssituation, regelmässige
Benzodiazepineinnahme
-
gehäuftes Auftreten von Kopfschmerzen
-
Adipositas
Seit dem 27. März 2015 sei die Beschwerdeführerin vollständig arbeitsunfähig (Ziff. 1.6). Es bestünden eine eingeschränkte körperliche und geistige Mobilität sowie eine aktuell geringe Belastbarkeit (Ziff. 1.7). Nach Abheilung des
Seroms
verbessere sich eventuell die Mobilität,
a
nsonsten sei wahrscheinlich trotz Phy
sio
therapie und Analgesie keine wesentliche Besserung zu erwarten (Ziff. 1.8).
4
.
4
Bei im Wesentlichen unveränderten Diagnosen nannte
med. pract. A._
,
Arztpraxis
Dr.
Z._
,
in seinem Bericht vom 11. März 2016 (Urk. 7/13) zusätzlich eine Lipomatose mit rezidivierenden grossen
Seromatosenänderungen
an beiden Unterschenkeln sowie eine belastungsabhängige Schmerzsymptomatik in beiden
Knien (Ziff. 1.2). Der Gesundheitszustand sei stationär (Ziff. 1.1). Aus seiner Sicht sei keine Verbesserung des Allgemeinzustandes zu erwarten, die Prognose sei schlecht (Ziff. 3.3). Die Motivation der Beschwerdeführerin stufe er als gering ein (Ziff. 4.3).
4
.
5
In ihrem Bericht vom 19. Mai 2016 nannten die Ärzte des
B._
, Klinik für Kardiologie, folgende Diagnosen (Urk. 7/36 S. 1):
-
n
icht
stenosierende
koronare
Atheromatose
-
hypertensive Herzkrankheit
-
Hypercholesterinämie
-
Eisenmangel ohne Anämie
-
Adipositas
Die Zuweisung sei zur elektiven Koronarangiographie zum Ausschluss einer
signifikanten Koronarsklerose bei wiederholtem thorakalem Druckgefühl mit Aus
strahlung in den li
n
ken Kiefer und
die
Schulter erfolgt. Es scheine zuzutreffen, dass die Thoraxschmerzen im Rahmen von
hypertensiven
Krisen interpretiert werden könnten. Die Beschwerdeführerin habe beschwerdefrei mobilisiert und am selben Tag nach Hause entlassen werden können (S. 2).
4
.
6
Am 19. September 2016 bestätigte
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Praxis
Dr.
med. univ.
D._
, dass die Beschwerdeführerin seit dem 31. August 2016 in Behandlung stehe. Aktuell leide sie unter starker Angst und depressiver Symptomatik, so dass sie nicht mehr in ihrer Wohnung leben könne. Seit zirka zwei Monaten schlafe sie
bei ihrer Schwester (Urk. 7/48).
4
.
7
Gemäss Bericht vom 7. Mai 2017 (Urk. 7/31)
diagnostizierte
Dr.
med. univ.
D._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
welche
die Be
schwerdeführerin vom 12. September 2016 bis 3. April 2017
behandelte
(Ziff. 1.5)
,
eine Anpassungsstörung, Angst und depressive Reaktion gemischt (ICD-10 F43.2; Ziff. 1.1). Zudem nannte sie als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit eine Akzentuierung von Persönlichkeitszügen (
histr
i
onisch
,
dependen
ten
; ICD-10 Z73.1) sowie eine Störung durch Sedativa und Hypnotika, Abhän
gigkeitssyndrom (ICD-10 F13.2; Ziff. 1.1).
Die Prognose schätze sie als vorsichtig günstig ein. Man habe eine Verbesserung der depressiven sowie Angst-Sympto
matik beobachten können, die Beschwerdeführerin selber habe jedoch keine Verbesserung ihres Zustandes erlebt, sondern sich subjektiv völlig invalidisiert und leistungsinsuffizient wahrgenommen (Ziff. 1.4). Vom 12. September bis 31. Dezember 2016 sei die Beschwerdeführerin vollständig arbeitsunfähig gewe
sen, vom 1. Januar bis 3. April 2017 habe eine Arbeitsfähigkeit
von 50 % bestan
den (Ziff. 1.6). Eine behinderungsangepasste Tätigkeit wäre theoretisch an einem reizarmen Arbeitsplatz bis vier Stunden täglich ab sofort denkbar, je nach Verlauf steigerungsfähig. Es sei eine empathische und wohlwollende Begleitung anzu
streben (Ziff. 1.7). Aufgrund des Verlaufes und der
konstellativen
Faktoren (feh
lende Berufsausbildung sowie Erfahrung, fehlende Deutschkenntnisse, mangel
hafte soziokulturelle Integration) seien aber die Erfolgsaussichten solcher Mass
nah
men als sehr gering einzuschätzen (Ziff. 1.8).
4
.
8
Am 22. August 2017 beurteilten die Ärzte des
E._
, Institut für Anästhesiologie, die
Aetiologie
der Knieschmerzen beidseits als multi
faktoriell im Rahmen des bekannten Tumors. Es werde eine erneute chirurgische Intervention empfohlen (Urk. 7/51/4-6 S. 1).
4
.
9
In seinem Bericht vom 1. März 2018 (Urk. 7/51/1-3) nannte med. pract.
A._
folgende Diagnosen (Ziff. 1.2):
-
Polymyalgia
rheumatica
-
Lipomatose Unterschenkel beidseits, rezidivierend und immobilisierend
-
Adipositas Grad II
-
depressive Zustände nach Tod des Ehemannes
Der Gesundheitszustand sei stationär bis sich verschlechternd (Ziff. 1.1). Es sei keine Tätigkeit zumutbar. Ein Beruf sei nicht bekannt, vermutlich habe die Be
schwerdeführerin die Grundschule im ehemaligen Jugoslawien absolviert. Es bestehe eine Sprachbarriere (Ziff. 2.1).
Med. pract.
A._
erachtete die Beschwer
de
führerin als vollständig arbeitsunfähig (Ziff. 2.2)
und
führte aus, sie befinde sich
alleine mit geringer familiärer Unterstützung
in einem
Fremdland, ohne genügende Sprachkenntnisse und Ausbildung
, und
lebe von der Sozialhilfe. Diese Faktoren würden die Krankheit aufrechterhalten (Ziff. 4.4).
4
.
10
Die aktuell behandelnde Psychiaterin
Dr.
med. univ.
F._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, nannte in ihrem Bericht vom 9. November 2018 (Urk. 7/64/1-7) folgende Diagnosen (Ziff. 2.5):
-
Anpassungsstörung, Angst und Depression gemischt sowie eine verlän
gerte Trauerreaktion (ICD-10 F43.23)
-
mittelgradige bis schwere depressive Episode (ICD-10 F32.1/F32.2)
Die Beschwerdeführerin wirke traurig, unkonzentriert, in sic
h gesunken, weine viel und könn
e sich nicht vom Thema Tod der Mutter und des Ehemannes dis
tanzieren.
Dazu kämen Klagen über Schmerzen, Schlafprobleme, Niederge
schla
genheit, Antrieb
s
mangel, Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit, Freudlosig
keit
, Kraftlosigkeit, Körpergewichtzunahme und Rückzug (Ziff. 2.4). Die Prognose sei schlecht (Ziff. 2.7). Die Beschwerdeführerin sei Hausfrau (Ziff. 3.1) und habe keine Ressourcen, die für eine Eingliederung hilfreich sein könnten (Ziff. 3.5).
Es sei ihr keine Tätigkeit in der freien Wirtschaft und keine dem Leiden angepasste Tätigkeit zumutbar (Ziff. 4.1-2). Die ungenügenden Sprachkenntnisse, die psychi
sche Störung (Angst und Depression) sowie diverse körperliche Erkrankungen würden einer Eingliederung im Wege stehen (Ziff. 4.4). Bei der Wohnungspflege und dem Einkauf werde sie durch ihre Freundin unterstützt (Ziff. 4.5). Die Ver
luste des Ehemannes und der Mutter in einem kurzen zeitlichen Abstand vor zwei Jahren hätten zu einer langen Trauerreaktion und einer schweren Anpassungs
störung mit Angst und depressiver Reaktion respektive einer mittelgradigen bis
schweren Depression geführt. Zudem bestünden ungenügende Deutschkennt
nisse
, Übergewicht, eine erschwerte Mobilität und ein Rückzug. Die Beschwerdeführerin sei nicht arbeitsfähig, es sei ihr keine Arbeit in der freien Wirtschaft zumutbar (Ziff. 5).
4.11
Am 21. Februar 2019 berichtete die Abklärungsperson über die gleichentags durchgeführte Haushaltabklärung (Urk. 7/77) und verwies für die medizinischen Angaben und die Vorgeschichte auf die Unterlagen im Dossier. Zu Beginn und Ausmass der Beschwerden führte die Abklärungsperson aus, die Beschwerde
führerin habe soeben eine Grippe mit Bronchitis überstanden, die sie während eine
s
vollen Monat
s
nahezu handlungsunfähig gemacht habe. Alle ihre weiteren gesundheitlichen Probleme seien nach wie vor vorhanden. Das Gehen sei durch die Lipomatose massiv erschwert, was besonders schlimm sei, da sie sich viel be
wegen müsse, um eine Gewichtsreduktion zu bewirken und den sehr hohen Blutdruck positiv zu beeinflussen. Dieser bleibe trotz regelmässiger Medikamen
teneinnahme hoch. Die Beschwerdeführerin vermute, dass dies auch eine Folge der anhaltenden Schmerzen sei. Oft habe sie starke Kopfschmerzen
, r
heumatische Schmerzen habe sie vor allem in den Händen und den Knien. Der Tod ihres Ehemannes und der darauffolgende Tod der Mutter hätten sie nachhaltig und schwer getroffen. Ihr Lebensmut sei verloren, sie könne nichts gegen ihre übermächtige und allumfassende Trauer und Unruhe machen. Weder die Medika
mente noch Ablenken durch Fernsehen würden dabei nützen. Ihren Hausarzt sehe die Beschwerdeführerin sehr oft
.
Wegen der Grippe habe sie die Konsultationen bei der Psychiaterin absagen müssen, nun werde sie zur Terminvereinbarung aber wieder anrufen (
S. 1 f.
Ziff. 1).
Zum Bereich «Ernährung» führte die Abklärungsperson aus, die Beschwerde
füh
rerin könne sich einfache Mahlzeiten zubereiten. Sie bevorzug
e
Suppen oder Teigwarengerichte, das Rüsten erledige sie sitzend. Den Abwasch übernehme jemand aus der Verwandtschaft. Die Arbeitsfläche könne sie selbst sauber halten, allerdings sei dies nur oberflächlich möglich. Jede Woche komme eine der weib
lichen Verwandten und kümmere sich um die gründlicheren Reinigungsarbeiten und die Bodenpflege. Sie sei einzig durch die körperlichen Beschwerden einge
schränkt, könne den Alltag selbständig einteilen und gestalten
. Es sei nicht nach
vollziehbar, weshalb die Beschwerdeführerin das Geschirr nicht selbständig wasch
en könne, immerhin sei sie in der Lage, Gemüse zu schälen und zu rüsten. Ebenso nicht nachvollziehbar sei die fehlende Mithilfe bei der Bodenpflege. Alle schweren Reinigungs- und Unterhaltsarbeiten in der Küche würden als anrechen
bare Einschränkung berücksichtigt, insgesamt resultiere eine gewichtete Ein
schrän
kung von 7 %
(
S. 4 f.
Ziff. 6.1).
Zum Bereich «Wohnungs- und Hauspflege» hielt die Abklärungsperson fest, wöchentlich würden die anfallenden Reinigungsarbeiten aus dem Wochenkehr durch eine weibliche Verwandte übernommen.
D
ie
Beschwerdeführerin
sehe sich aus rein körperlichen Gründen ausserstande, sich an diesen Tätigkeiten zu be
teiligen. Die Fenster- und Vorhangpflege werde ebenfalls von diesen Frauen erledigt. Die Beschwerdeführerin selbst staube hier und dort etwas ab, wenn es ihr
bessergehe
, und sie räume ihre Alltagsgegenstände auf. Alle zwei Wochen beziehe sie ihr Bett frisch. Es stelle sich die Frage der Nachvollziehbarkeit. Das frische Beziehen des Bettes gelinge ihr regelmässig, obwohl gerade diese Arbeit mit schwierigen Bewegungsabläufen verbunden sei. Es werde davon ausge
gan
gen, dass die Beschwerdeführerin alle leichteren Arbeiten der Wohnungspflege selbständig ausführen könnte unter Zuhilfenahme der gängigen Hilfsmittel und durch Arbeiten in Etappen.
Anrechenbar seien analog der Küchenpflege alle schweren Reinigungsarbeiten, die jedoch mehrheitlich nur unregelmässig und sogar selten auftreten würden, wie beispielsweise die Reinigung der Fenster und Vorhänge. Insgesamt könne eine gewichtete Einschränkung von 10.5 % ange
rech
net werden (
S. 5
Ziff. 6.2).
Zum Bereich «Einkauf sowie weitere Besorgungen» führte die Abklärungsperson aus, die Beschwerdeführerin könne im nahe gelegenen Einkaufszentrum in Ver
bindung mit Spaziergängen im Freien ihre Tageseinkäufe erledigen. Sie mache dies aber eher selten, in der Regel gebe sie ihrem Neffen Geld, damit er mit dem Auto die Waren
einkaufe und zu ihr bringe.
Die Spaziergänge im Freien seien für die Beschwerdeführerin eine Belastung, wenn sie sich dazu entschliesse, müsse sie immer weinen, da sie ständig an ihren verstorbenen Mann denke, der sie nicht begleiten könne. Hinzu kämen die Schmerzen, die nur kurze Gehstrecken zulassen würden. Das Geld teile sie selbst ein und die notwendigen Zahlungen erledige sie selber. Es sei zumutbar, im Einpersonenhaushalt mit Tageseinkäufen zu arbeiten und hin und wieder für den Vorrat einen Heimlieferdienst zu nutzen. Es entstehe daher keine anrechenbare Einschränkung (S. 6 Ziff. 6.3).
Zum Bereich «Wäsche und Kleiderpflege» hielt die Abklärungsperson fest, die Beschwerdeführerin transportiere die Wäsche mit dem Lift selber. Sie wasche und gebe alles in den Tumbler, zusammenlegen und versorgen könne sie selber. Müsse
etwas gebügelt werden, übernehme das der Neffe. Die Nutzung bügelfreier Wäsc
he sei zumutbar, es resultiere keine anrechenbare Einschränkung (S. 6 Ziff. 6.4).
Eine Betreuung von Kindern oder Angehörigen falle nicht an (S. 7 Ziff. 6.5).
Zusammenfassend resultiere eine gesamthafte Einschränkung von 17.5 % (S. 7 Ziff. 7).
4
.
1
2
Die übrigen bei den Akten liegenden Arztberichte (Urk. 7/1, Urk. 7/10/6-9, Urk. 7/10/12-14, Urk. 7/12, Urk. 7/32, Urk. 7/43, Urk. 7/64/8-9, Urk. 7/75) ent
hal
ten keine für die Beurteilung der vorliegend strittigen Fragen relevanten An
gaben, so dass auf deren detaillierte Wiedergabe verzichtet werden kann.
5.
5.1
Die zuständige Abklärungsperson führte zur Beurteilung der Beeinträchtigungen im Haushaltsbereich am 21. Februar 2019 eine Abklärung an Ort und Stelle durch. Sie hat dabei unter Berücksichtigung der von der Beschwerdeführerin ge
klagten Leiden und Behinderungen sowie der Familien- und Wohnverhältnisse, der technischen Einrichtungen und der örtlichen Lage eine Einschränkung im Haushaltsbereich von
insgesamt
17.5 % festgestellt. Der von der Abklärungs
per
son verfasste Bericht vom 21. Februar 2019 (vgl. vorstehend E. 4.11) befasst sich umfassend mit den einzelnen Haushaltsbereichen und deren prozentualer Ge
wich
tung und umschreibt die zu verrichtenden Tätigkeiten sowie die an Ort und Stelle festgestellten Einschränkungen in diesen Bereichen. Ebenfalls berück
sich
tigt wurde die Mitwirkungspflicht der Verwandten. Der Abklärungsbericht ist sodann schlüssig und in nachvollziehbarer
Weise begründet. Es sind vorliegend keine besonderen Umstände gegeben, welche den Abklärungsbericht als mangel
haft oder unbegründet erscheinen liessen; vielmehr entspricht dieser den an ihn gestellten Anforderungen
(vgl. vorstehend E. 1.4)
, so dass für die
Entscheid
findung
darauf abgestellt werden kann.
5.
2
Soweit die Beschwerdeführerin vorbringt, sie sei in ihrer Arbeitsfähigkeit bereits in somatischer Hinsicht derart eingeschränkt, dass ihr weder die bisherige noch eine leidensangepasste Tätigkeit zumutbar
sei
, und der Haushalt neben leichten auch viele mittelschwere bis schwere Tätigkeiten
umfasse
, so dass es durchaus von Relevanz sei, inwieweit ihr solche Tätigkeiten aus medizinischer Sicht über
haupt noch zumutbar seien (vgl. Urk. 1 S. 13)
, kann ihr nicht gefolgt werden.
Einerseits anerkannte die
Abklärungsperson die Einschränkung bezüglich der insbesondere bei der Küchen- und Wohnungspflege anfallenden schweren Arbei
ten (E. 4.11)
, andererseits ist die Beschwerdeführerin gemäss ihren eigenen Aus
sagen durchaus in der Lage, mittelschwere Arbeiten wie der Wechsel der Bett
wäsche selbständig zu erledigen. In der Beschwerde wurde denn auch lediglich pauschal und ohne Bezug zu einzelnen Positionen geltend gemacht, mittel
schwere und schwere Tätigkeiten seien ihr nicht mehr zumutbar, nicht jedoch ausgeführt, welche konkreten Arbeiten nicht mehr möglich sind (E. 2.2). Dies vermag jedoch den auf der Basis von Erhebungen an Ort und Stelle verfasste Abklärungsbericht vom 21. Februar 2019 nicht in Zweifel zu ziehen.
5.
3
Aus medizinischer Sicht stehen gestützt auf die vorliegenden Berichte bezüglich der im Haushalt anfallenden Tätigkeiten insbesondere die eingeschränkte Mobili
tät sowie die starken Kopfschmerzen und rheumatischen Schmerzen im Vorder
grund.
Was sodann die bestehenden psychischen Beeinträchtigungen betrifft, ist zwar bei psychischen Beschwerden im Einzelfall bei einem Widerspruch zwischen den Ergebnissen der Abklärung vor Ort und den fachmännischen psychiatrischen Feststellungen zur Fähigkeit der versicherten Person, ihre gewohnten Aufgaben im Haushalt zu erfüllen, den ärztlichen Stellungnahmen mehr Gewicht einzu
räumen (vgl. vorstehend E.
1.4
). Vorliegend liegt jedoch keine entsprechende Konstellation vor. So führte die behandelnde Psychiaterin Dr.
F._
in ihrem Bericht vom 9. November 2019 aus, der Beschwerdeführerin sei bei Klagen über Schmerzen, Schlafprobleme, Niedergeschlagenheit, Antriebsmangel, Konzentra
tionsprobleme, Vergesslichkeit, Freud- und Kraftlosigkeit, Körpergewichtszu
nah
me und Rückzug keine Tätigkeit in der freien Wirtschaft und keine dem Leiden angepasste Tätigkeit zumutbar und sie werde auch bei der Wohnungspflege und dem Einkauf durch ihre Freundin unterstützt
(E. 4.10). Damit hielt Dr.
F._
lediglich fest, dass die Beschwerdeführerin im Haushalt insbesondere in den Bereichen Wohnungspflege und Einkauf in gewissem Masse eingeschränkt sei, was sich mit den im Haushaltabklärungsbericht eruierten Einschränkungen
von insgesamt 17.5 %
in Einklang bringen lässt, zumal die von der Psychiaterin festgestellten Einschränkungen durch die freie Einteilung und die Möglichkeit von Pausen keine vollständige
B
ehinderung im Haushaltsbereich begründen können.
Zudem wurden im Bericht über die Haushaltabklärung die Beschwerden, welche die Beschwerdeführerin in den einzelnen Bereichen einschränken, jeweils geschil
dert und die Abklärungsperson gab detailliert an, inwiefern die Beschwerde
füh
rerin in den einzelnen Haushaltsbereichen eingeschränkt ist. Weiter wurde im Bericht umfassend dargelegt, wie die Beschwerdeführerin im Sinne der Schaden
minderungspflicht von den Familienangehörigen unterstützt wird. Es liegen keine fachärztlich-psychiatrischen Einschätzungen vor, welche der Beurteilung im Abklärungsbericht widersprechen würden. Die in den Berichten von Dr.
Z._
, med. pract.
A._
sowie Dr.
F._
enthaltenen Einschätzungen einer vollständigen Arbeits
unfähigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt
(E. 4.3, E. 4.9-10)
stehen der Beurteilung im Abklärungsbericht ebenfalls nicht entgegen. So kann die Tätigkeit im Haushalt im Gegensatz zu einer ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit frei einge
teilt und nach Bedarf mit Pausen unterbrochen werden. Der Beschwerdeführerin ist es somit zumutbar, die Haushaltsarbeiten etappenweise zu erledigen respektive an den Tagen mit weniger Beschwerden auszuführen. Auf eine explizite Stel
lungnahme der behandelnden Psychiaterin zu den im Haushalt anfallenden Tätig
keiten kann unter diesen Umständen verzichtet werden.
5.
4
Zusammenfassend bestehen somit keine Anhaltspunkte für Fehleinschätzungen der Abklärungsperson, welche eine gerichtliche Ermessenskorrektur der vor Ort erhobenen gesundheitsbedingten Beeinträchtigungen rechtfertigen, und es kann auf den Abklärungsbericht vom 21. Februar 2019 abgestellt werden. Ergänzende medizinische Abklärungen sind unter den gegebenen Umständen nicht erforder
lich.
Dies insbesondere deshalb, weil sich aus den Akten keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihres psychischen Gesund
heitszustandes in der Haushaltsführung über das eruierte Ausmass eingeschränkt wäre. Nach dem Gesagten ist von einer Einschränkung von 17.5 % im Haus
halts
bereich auszugehen, was infolge Qualifizierung der Beschwerdeführerin als zu 100 % im Haushalt Tätige gleichzeitig einem rentenausschliessenden Invaliditäts
grad
von 17.5 %
entspricht.
Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass selbst wenn ausgehend vom Bericht von Dr.
F._
, gemäss welchem die Beschwerdeführerin beim Ein
kauf auf die Hilfe ihrer Freundin angewiesen ist (E. 4.10), der Bereich «Einkauf sowie weitere Besorgungen» vollumfänglich angerechnet würde, ein Invaliditäts
grad von 27.5 % resultiert, was nach wie vor keinen Rentenanspruch begründet.
5.5
Der angefochtene Entscheid ist somit rechtens. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen a
uf die Gerichtskasse zu nehmen.
6.2
Für das Beschwerdeverfahren wurde das Gesuch der Beschwerdeführerin um Be
willigung der unentgeltlichen Rechtsvertretung mit Verfügung vom 17. Okto
ber 2019
gutgeheissen
(Urk. 8).
Mit Honorarnote vom 11. Mai 2020 machte Rechts
anwalt Kaspar Gehring einen Aufwand von insgesamt 16.9 Stunden und Bar
auslagen von Fr. 152.10
geltend (Urk. 17).
Nach § 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Gemäss § 8 in Verbindung mit § 7 Abs. 1 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen
vor dem Sozialversicherungsgericht (GebV Sozialversicherungsgericht) wird - auc
h im Rahmen der unentgeltlichen Rechtsvertretung - namentlich für unnötigen Aufwand kein Ersatz gewährt.
Der geltend gemachte Aufwand von 16.9 Stunden ist der Bedeutung der Streit
sache und der Schwierigkeit des Prozesses nicht angemessen, zumal Rechtsanwalt
Kaspar Gehring die Beschwerdeführerin ab Dezember 2016 schon im Verwal
tungs
verfahren vertrat (vgl. Urk. 7/22-24) und die Akten somit bekannt waren. Als
überhöht erscheint
insbesondere der geltend gemachte Aufwand von 11.2 Stunden
für das (erneute)
Aktenstudium und das Verfassen der Beschwerdeschrift, nach
dem in dieser mehrere Abschnitte aus dem Einwand vom
12. April 2019 praktisch
unverändert übernommen wurden (vgl. Urk. 7/87 S. 2 ff. Ziff. 2-4, Urk. 1 Rz 14-15
, Rz 15.1, Rz 15.3-5, Rz 16-7). Angesichts der dreizehnseitigen Beschwerde
schrift (Urk.
1), der vierseitigen Replik (Urk. 12), der Akten der Beschwerde
geg
nerin, welche für die Beantwortung der vorliegend strittigen Fragen nur teilweise zu berücksichtigen sind, sowie der in ähnlichen Fällen zugesprochenen Beträge ist die Entschädigung von Rechtsanwalt Kaspar Gehring bei Anwendung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf
Fr. 2‘600.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen und aus der Gerichtskasse zu bezahlen.
6.3
Die Beschwerdeführerin ist auf § 16 Abs. 4 GSVGer hinzuweisen, wonach sie zur Nachzahlung der Auslagen für die unentgeltliche Rechtspflege verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist.