# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 0457e937-4a6c-46a4-9489-918202c2b3f4
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1971, war bis Dezember 2007 bei der Y._ als Küchenhilfe angestellt (Urk. 7/17 Ziff. 2.1 und 2.7).
Dane
ben arbeitete sie in der Reinigung (Urk. 7/18/8-9 Ziff. 2.1, 2.7 und 2.9).
Unter Hinweis auf eine mittelgradige depressive Episode und Panikattacken meldete sich die Versicherte am 18. Mai 2009 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/8 Ziff. 6.2). Mit Verfügung vom 9. Juni 2011 (Urk. 7/60, Urk. 7/50) sprach ihr die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, für die Zeit vom 1. November 2009 befristet bis 30. April 2010 eine ganze Rente zu und verneinte ab dem 1. Mai 2010 einen Rentenan
spruch.
1.2
Die Versicherte war in der Folge von April bis Ende November 2012 als Küchenhilfe bei der Z._ angestellt (Urk. 7/74/1-2 Ziff. 2.1 und 2.7). Am 1. Oktober 2012 meldete sie sich erneut bei der Invalidenversiche
rung an (Urk. 7/63).
Mit Verfügung vom 2. September 2013 (Urk. 7/96) verneinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch. Die Versicherte erhob dagegen am 3. Oktober 2013 (Urk. 7/100/3-9) Beschwerde. Mit Urteil vom 26. Juni 2014 (Verfahren Nr. IV.2013.00893) hiess das hiesige Gericht die Beschwerde in dem Sinne gut, dass die Verfügung vom 2. September 2013 aufgehoben und die Sache zur ergän
zenden Abklärung des Sachverhaltes an die IV-Stelle zurückgewiesen wurde (Urk. 7/102 S. 14 Dispositiv Ziff. 1).
1.3
Die IV-Stelle tätigte daraufhin erwerbliche (Urk. 7/139) und medizinische (Urk. 7/128, Urk. 7/140, Urk. 7/150, Urk. 7/152) Abklärungen und holte beim A._ ein bidisziplinäres Gutachten ein, das am 22. Juni 2016 (Urk. 7/160) erstattet wurde. Nachdem sie eine Internetrecherche durchgeführt hatte (vgl. Urk. 7/163) gab die IV-Stelle beim A._ ein psychiatrisches Folgegutachten in Auftrag, das am 6. Juni 2017 (Urk. 7/173) erstattet wurde.
Am 20. Juli 2017 erliess die IV-Stelle den Vorbescheid (Urk. 7/176), wogegen die Versicherte am 30. Oktober 2017 Einwände (Urk. 7/182) vorbrachte. Mit Verfügung vom 6. November 2017 (Urk. 7/185 = Urk. 2) verneinte die IV-Stelle erneut einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung.
2.
Die Versicherte erhob am 8. Dezember 2017 Beschwerde gegen die Verfügung vom 6. November 2017 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei die IV-Stelle zu verpflichten, ihr die gesetzlichen Versicherungsleistungen (berufliche Massnahmen und Rente) auszurichten (Urk. 1 S. 2 Ziff. 1-2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 29. Januar 2018 (Urk. 6) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin mit Verfü
gung vom 5. Februar 2018 zur Kenntnis gebracht (Urk. 8).

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6
des Bundesgesetzes über den Allgemei
nen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsren
te und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidier
bar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des
Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revi
sionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Ein
spracheentscheid, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71
E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9
C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.
1 mit Hinweisen).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen,
ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkom
men zu erzielen (
vgl.
BGE
139 V 547
E. 5
,
131 V 49
E. 1.2
,
130 V 352
E. 2.2.1
; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 5.4).
Die Annahme
eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt
eine psychiatrische,
lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (
vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2,
141 V 281 E. 2.1
, 130 V 396
E. 5.3 und E. 6
). Eine fachärztlich
einwandfrei
festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invali
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die
nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende
Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arb
eitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7,
139 V 547 E. 5.2
, 127 V 294 E. 4c, je mit Hin
weisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte einen Anspruch auf IV-Leistungen gestützt auf das psychiatrische Folgegutachten des A._ vom 6. Juni 2017. Sie stellte im angefochtenen Entscheid fest, aus dem Gutachten gehe klar hervor, dass keine Diagnosen bestünden, welche die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin beeinträchtigten. Die vorhandenen Ressourcen könnten für die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit genutzt werden. Das Folgegutachten werde sodann höher gewichtet als ein erneuter Bericht des behandelnden Arztes. Die getätigte Inter
netrecherche sei nicht als Verletzung der Privatsphäre der Beschwerdeführerin zu qualifizieren (Urk. 2 S. 2).
Gemäss dem Folgegutachten sei der Eindruck einer sehr ausgeprägten Aggrava
tion hinsichtlich der im Alltag bestehenden Einschränkungen entstanden. Sowohl in der bisherigen als auch in einer leidensangepassten Tätigkeit bestehe eine Verminderung der Arbeitsfähigkeit um 20-30 %. Damit liege in jedem Fall kein invaliditätsrelevanter Gesundheitsschaden vor (Urk. 6 Ziff. 1). Entgegen der Mutmassung des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin sei keine Observation veranlasst worden (Urk. 6 Ziff. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin wies in der Beschwerde auf ein am 25. September 2014 bei den Sozialversicherungen Wetzikon eingegangenes Schreiben hin. Darin sei behauptet worden, dass sie nicht psychisch krank, sondern eine normale Frau sei (Urk. 1 S. 6 Ziff. 5 oben). Die Beschwerdegegnerin habe sodann eine Inter
netrecherche getätigt mit zahlreichen Fotos aus den Jahren 2015 und 2016. Je ein Foto stamme aus den Jahren 2012 und 2013. Die Fotos der Internetrecher
che zeigten die Beschwerdeführerin praktisch ausnahmslos im Kreise ihrer Familienangehörigen anlässlich von Geburtstagen, Familienfesten, Verlobung und Hochzeit. Hieraus auf ein „hohes Aktivitätsniveau” zu schliessen, wie die Beschwerdegegnerin dies unternehme, sei verfehlt. Schon gar nicht könne aus der Teilnahme an Familienanlässen etwas abgeleitet werden hinsichtlich ihrer Arbeitsfähigkeit (Urk. 1 S. 6 Ziff. 5 unten). Die Internetrecherche und das darauf beruhende Folgegutachten des A._ vom 6. Juni 2017 seien aus den Akten zu entfernen und zu vernichten (Urk. 1 S. 8 f. Ziff. 8).
Zusammenfassend sei auf das Gutachten des A._ vom 22. Juni 2016 abzu
stellen, wonach sie vollständig arbeitsunfähig sei (Urk. 1 S. 10 Ziff. 11).
2.3
Mit Verfügung vom 9. Juni 2011 (Urk. 7/60, Urk. 7/50) sprach die Beschwerde
gegnerin der Beschwerdeführerin ab dem 1. November 2009 befristet bis 30. April 2010 eine ganze Rente zu. Die Beschwerdegegnerin stellte dabei darauf ab, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin stetig ver
bessert habe und ihr die Ausübung einer einfachen Tätigkeit seit Februar 2010 wieder zu 60 % möglich gewesen sei. Die Beschwerdegegnerin ermittelte gestützt darauf per 1. Mai 2010 einen Invaliditätsgrad von 33 % und verneinte ab diesem Zeitpunkt einen Rentenanspruch (Urk. 7/50 S. 2). Am 1. Oktober 2012 meldete sich die Beschwerdeführerin erneut bei der Invalidenversicherung an (Urk. 7/63).
Strittig und zu prüfen ist daher vorliegend, ob sich die Verhältnisse seit der letztmaligen Prüfung mit Verfügung vom 9. Juni 2011 massgeblich verändert haben und ob seit diesem Zeitpunkt allenfalls ein Leistungsanspruch entstanden ist.
3.
3.1
Die Beschwerdeführerin beantragte die Entfernung der Internetrecherche (Urk. 7/163) und des Folgegutachtens des A._ vom 6. Juni 2017 (Urk. 7/173) aus den vorinstanzlichen Akten. Darüber ist vorab zu entscheiden.
3.2
3.2.1
Bei den Sozialversicherungen Wetzikon ging am 25. September 2014 ein nicht datiertes, von B._ unterzeichnetes Schreiben (Urk. 7/162 S. 1) ein. Der Verfasser erklärte darin, er wolle auf einen Betrug aufmerksam machen. Er könne bezeugen, dass die Beschwerdeführerin eine normale Frau sei, die keine psychische Krankheit habe. Sie reise alle zwei Monate in die Türkei, um Ferien zu machen. Sie sei immer gut gelaunt. Die Beschwerdeführerin sei nicht krank. Sie betrüge, indem sie behaupte, dass sie krank sei.
Das Schreiben ging der Beschwerdegegnerin gemäss Eingangsstempel am 29. September 2014 zu (Urk. 7/162 S. 2).
3.2.2
Die Beschwerdegegnerin tätigte im Jahr 2016 mehrere Internetrecherchen auf dem Facebook-Profil der Beschwerdeführerin. Gemäss den Angaben der Beschwerdegegnerin fanden die Recherchen am 16. September, am 7. Oktober, am 2. Dezember und am 16. Dezember 2016 statt (Urk. 7/163 S. 1). Die folgenden Seiten der Dokumentation enthalten Fotos des Facebook-Profils und sollen die Beschwerdeführerin zeigen (S. 2-86).
3.2.3
Die Beschwerdegegnerin forderte die Gutachter des A._ am 17. Januar 2017 (Urk. 7/165/1-2) schriftlich auf, zu Ergänzungsfragen Stellung zu nehmen. Sie führte dazu aus, die Beschwerdeführerin sei auf Facebook sehr aktiv. Auf sämt
lichen Fotos sehe man sie ausnahmslos fröhlich lachend, gepflegt und geschminkt. Sie unternehme sehr viel mit der Familie und mit Bekannten und Freunden. Sie wirke immer fröhlich sowohl an privaten Partys, grösseren Festen oder auch in gutbesuchten Restaurants sowie in Einkaufszentren. Die Fotos seien in der Schweiz und im Ausland (Türkei) aufgenommen worden.
Aus S. 22 des Gutachtens vom 6. Juni 2016 sei ausgeführt worden, dass die Beschwerdeführerin über einen deutlichen Seelenschmerz berichtet habe. Eigentlich sei sie seelisch wie taub. Sie fühle sich, als ob jemand das Leben aus ihr herausgezogen habe. Sie bewege sich manchmal nur roboterhaft. Oft habe sie keinen Antrieb. Auf Facebook lägen für die Zeit von Oktober 2012 bis zum 5. Oktober 2016 Fotos vor. Ebenso existiere ein Video vom 14. November 2015. Darauf sei die Beschwerdeführerin ausgelassen, fröhlich, festlich gekleidet und tanzend auf einem Fest zu sehen (S. 1).
Die Beschwerdegegnerin stellte den Gutachtern des A._ die Frage, ob die von der Kundin geschilderten Beschwerden mit den Erkenntnissen aus den Spezial
abklärungen (Fotos auf Facebook) zu vereinbaren seien (S. 2 Ziff. 1). Weiter stellte sie die Fragen, ob unter Berücksichtigung der beigelegten Erkenntnisse aus den Spezialabklärungen und den aufgeführten Diskrepanzen weiterhin von einer schizoaffektiven Psychose, gegenwärtig depressiv (ICD-10 F25.1), ausge
gangen werden können (S. 2 Ziff. 2), und ob aufgrund der Erkenntnisse aus den Spezialabklärungen Hinweise auf Inkonsistenzen, Aggravation oder Simulation bestünden (S. 2 Ziff. 3). Die Beschwerdegegnerin stellte sodann die Frage, ob gestützt auf die Erkenntnisse der Spezialabklärungen und die dargelegten Dis
krepanzen weiterhin von einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % in einer angepass
ten Tätigkeit ausgegangen werden könne (S. 2 Ziff. 4).
3.3
Gemäss Art. 43 Abs. 1 Satz 1 ATSG prüft der Versicherungsträger die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erfor
derlichen Auskünfte ein.
3.4
Die Beschwerdeführerin wies in der Beschwerde auf den Artikel von Eichenber
ger/Pribnow, Rentengrundlage Facebook-Profil?, in HAVE 3/2017 S. 275 ff. hin. Gestützt darauf bezeichnete sie die Internetrecherche der Beschwerdegegnerin mangels einer gesetzlichen Grundlage und mangels eines Anfangsverdachtes als illegal (Urk. 1 S. 8 Ziff. 8 unten). Die von der Beschwerdegegnerin getätigte Internetrecherche kann jedoch nicht unbesehen mit der Thematik der Observa
tion einer versicherten Person durch Detektive gleichgesetzt werden. So handelt es sich vorliegend um eine Recherche auf einem Facebook-Profil der Beschwer
deführerin, das von vorneherein einem grösseren Personenkreis zugänglich war. Der Beschwerdeführerin wäre es möglich gewesen, die Einsehbarkeit des Profils entsprechend zu sperren, was sie nicht getan hat. Mit Art. 43 Abs. 1 ATSG besteht zudem eine gesetzliche Grundlage, die den Versicherungsträger anweist, den massgeblichen Sachverhalt abzuklären. Die Abklärungspflicht umfasst grundsätzlich auch eine Internetrecherche auf einem jedermann zugänglichen Facebook-Profil.
In diesem Sinne hat auch das Bundesgericht im Urteil 8C_192/2017 vom 25. August 2017 E. 5.4.3.2 festgestellt, dass die Auswertung von öffentlich zugänglichen Einträgen auf Facebook nicht als Verletzung der Privatsphäre qualifiziert werden kann. Es ergibt sich daher, dass die Akten der Internet
recherche und das Folgegutachten des A._ vom 6. Juni 2017 nicht aus den vorinstanzlichen Akten entfernt werden müssen.
Im Übrigen hat die Beschwerdegegnerin nicht einzig aufgrund dieser Unterla
gen, sondern aufgrund einer medizinischen Abklärung entschieden.
4.
4.1
Die Rentenzusprache vom 9. Juni 2011 erging wegen psychischen Beschwerden (vgl. Urk. 7/50) und stützte sich im Wesentlichen auf die nachfolgenden Berich
te.
Der damalige Hausarzt der Beschwerdeführerin, Dr. med. C._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, stellte im Bericht vom 18. Januar 2010 (Urk. 7/19/2-5) die Diagnosen einer mittelschweren depressiven Episode bei psychosozialer Belastungssituation und rezidivierender depressiver Episode sowie Akzentuierung von Persönlichkeitszügen mit unreifen Anteilen (Ziff. 1.1). Dr. C._ attestierte für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit seit dem 22. November 2007 bis auf Weiteres eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % (Ziff. 1.6).
4.2
Dr. med. D._, Assistenzarzt, und Dr. med. E._, Oberärztin, F._, nannten im Bericht vom 1. April 2010 (Urk. 7/21/2-6) als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, eine posttraumatische Belastungsstörung, die seit zirka 2001 bestehe, sowie abhän
gige Persönlichkeitszüge (S. 1 Ziff. 1.1). Die Ärzte der F._ attestierten für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit seit dem 11. Juni 2009 bis auf Weiteres eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % (S. 3 Ziff. 1.6).
4.3
Dr. med. G._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete am 16. September 2010 (Urk. 7/25) ein psychiatrisches Gutachten. Der Gutach
ter nannte darin als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine mit
telgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom im Rahmen einer rezidivierenden depressiven Störung. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine narzisstisch-infantile Persönlichkeitsakzentuie
rung (S. 10 Ziff. IV).
Der Gutachter führte weiter aus, aus psychiatrischer Sicht bestehe aufgrund der mittelgradig ausgeprägten depressiven Symptomatik in jedweder den Fähigkei
ten der Beschwerdeführerin entsprechenden Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 60 % (S. 15 Ziff. 2). Zwischen dem 22. November 2007 bis zirka Februar 2010 sei aus psychiatrischer Sicht durchgehend von einer vollen Arbeitsunfähigkeit auszugehen, wobei den vorliegenden Berichten zu folgen sei. Spätestens seit Februar 2010 sei von der aktuell attestierten Arbeitsfähigkeit auszugehen. Die Ärzte des F._ hätten am 24. Februar 2010 über eine leichte Besserung des Krankheitsbildes berichtet (S. 15 Ziff. 4).
4.4
Dr. med. H._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Regio
nalärztlicher Dienst der Beschwerdegegnerin (RAD), führte in der Stellungnah
me vom 1. November 2010 (Urk. 7/32 S. 5 f.) aus, nach dem psychiatrischen Gutachten von Dr. G._ sei ein relevanter Gesundheitsschaden ausgewiesen. Es sei davon auszugehen, dass vom 22. November 2007 (Eröffnung der Warte
zeit) bis Ende Januar 2010 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % bestanden habe. Ab Februar 2010 sei von einer Arbeitsunfähigkeit von 40 % in der bisherigen und in einer angepassten Tätigkeit (beziehungsweise einer Arbeitsfähigkeit von 60 % in der freien Wirtschaft) auszugehen (S. 6 oben).
5.
5.1
Dr. med. I._, Assistenzarzt, und Dr. med. J._, Oberarzt, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, K._, nannten im Bericht vom 31. Oktober 2012 (Urk. 7/71/2-4) als Diagnosen eine posttrauma
tische Belastungssituation und eine mittelgradige depressive Episode (S. 2 Mit
te). Die Ärzte attestierten der Beschwerdeführerin seit dem 24. September 2012 eine globale Arbeitsunfähigkeit von 100 % (S. 2 unten).
5.2
Dr. med. L._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie und Fach
arzt FMH für Pharmazeutische Medizin, erstattete am 2
7.
Dezember 2012 im Auftrag des Krankentaggeldversicherers ein versicherungsmedizinisches psychi
atrisches Konsilium (Urk. 7/76/2-8). Das Konsilium beruhte auf der Untersu
chung der Beschwerdeführerin vom 1
1.
Dezember 2012 und den
Dr. L._
überlassenen Akten (S. 1).
Dr. L._
führte aus, der psychopathologische Befund sei zum Zeitpunkt der Evaluation durch eine leichte Verschiebung der Stimmungslage zum depressi
ven Pol gekennzeichnet gewesen. Die affektive Auslenkbarkeit sei ebenfalls leicht eingeschränkt gewesen. Im Affekt wirke die Beschwerdeführerin resig
niert, gekränkt und verbittert. Zusammengefasst sei der Befund mit einer mit
telgradig ausgeprägten Depression vereinbar, die aktuell am Zurückgehen sei
(S. 5 Ziff. 3). Nach Vorgeschichte, Beschwerdeschilderung, bisherigem Krankheits
verlauf und aktuellem Befund liege eine mittelgradige depressive Episode vor. Das Krankheitsbild sei in Rückbildung begriffen und nur noch leichtgradig aus
geprägt. Ausserdem bestünden anamnestisch begründete Annah
men, die eine posttraumatische Belastungsstörung wahrscheinlich machten (S. 5 Ziff. 4). Die attestierte Arbeitsunfähigkeit von 100 % als Küchen
hilfe sei aus psychiatrischer Sicht dem Krankheitsbild und dessen klinischer Ausprägung bislang angemes
sen gewesen.
Dr. L._
ging davon aus, dass die Arbeitsunfähigkeit vorläufig fortzuschreiben sei. Ob anschliessend an berufliche Massnahmen wenigstens wieder eine Teilarbeitsfähigkeit resultiere, sei derzeit noch nicht prognostizier
bar und hänge vom weiteren Behandlungsverlauf ab
(S. 6 Ziff. 5). Bei einer mit
telgradigen depressiven Episode sei die Prognose unter sachgerechter Be
handlung prinzipiell als günstig zu bewerten. Es sei davon auszugehen, dass eine solche Episode innerhalb einiger Monate deutlich rückläufig sei. Dies sei vorliegend bereits teilweise gelungen (S. 6 Ziff. 6).
5.3
Med. pract. M._ und Dr. med. N._, Oberarzt, O._, berichteten am 19. Januar 2015 (Urk. 7/124 = Urk. 7/150) über den vierten stationären Aufenthalt der Beschwerdeführerin in der O._, der vom 21. November bis 5. Dezember 2014 gedauert hatte (S. 1 oben).
Sie nannten als psychiatrische Diagnosen eine rezidivierende depressive Stö
rung, gegenwärtig schwere Episode mit psychotischen Symptomen, und eine posttraumatische Belastungsstörung. Ergänzend gaben die Ärzte an, die Einwei
sung in die Klinik sei freiwillig durch den Hausarzt der Beschwerdeführerin erfolgt aufgrund einer akuten Suizidalität. Die Beschwerdeführerin habe sich im Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer, K._, in ambulanter Behandlung befunden. Nach einem Therapeutenwechsel sei die Therapie von der Beschwer
deführerin abgebrochen worden. Im Eintrittsgespräch in der O._ habe sie sich stark niedergeschlagen gezeigt. Weiter habe sie über einen sozia
len Rückzug in der letzten Zeit und über ein grosses Misstrauen verschiedenen Personen gegenüber berichtet (S. 1).
Die Beschwerdeführerin habe im Verlauf des Aufenthaltes über reduzierte, aber weiterhin bestehende Angst- und Panikzustände, insbesondere in der Nacht, sowie über Albträume mit Durchschlafstörungen berichtet. Nach einer Erhöhung und Umstellung der Medikamente habe sich eine deutliche Verbesserung der Ein- und Durchschlafstörungen eingestellt (S. 2 unten). Eine Umstellung auf Quetiapin sei begonnen und im Beobachtungszeitraum gut vertragen worden
(S. 2 f.).
5.4
Vom 19. Dezember 2014 bis 5. Januar 2015 war die Beschwerdeführerin erneut in der O._ in stationärer Behandlung (Urk. 7/128 Ziff. 1.3).
Lic. phil. P._, Psychologe, und Dr. N._, O._, führten im Bericht vom 13. März 2015 (Urk. 7/128 = Urk. 7/138) zur Anamnese aus, die Beschwerdeführerin sei zur Krisenintervention in die Klinik eingetreten, mit einer depressiven Symptomatik und starker Antriebslosigkeit, Müdigkeit, Gedankenkreisen und Suizidgedanken. Darüber hinaus habe sie berichtet, dass sie beleidigende und kommentierende Stimmen höre. Im Verlauf der Behand
lung sei es zu einer zunehmenden Stabilisierung gekommen (S. 1 Ziff. 1.4).
Lic. phil. P._ und Dr. N._ attestierten für die Dauer der stationären Behandlung eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % (S. 2 Ziff. 1.6). Weiter gaben sie an, dass im Rahmen einer Traumafolgestörung Konzentrations- und Auffas
sungsstörungen (Stimmenhören, Flashbacks, Panikattacken) bestünden. Eine regelmässige und konzentrierte Ausübung einer Erwerbstätigkeit sei gegenwär
tig nicht möglich. Zudem bestünden starke Ängste im Umgang mit Mitmen
schen (S. 2 Ziff. 1.7).
5.5
Dr. Q._, Psychologe, und Dr. J._, K._, nannten im Bericht vom 10. August 2015 (Urk. 7/140) als psychiatrische Diagnosen eine chronische posttraumatische Belastungsstörung und eine rezidivierende, aktuell mittelgra
dige depressive Episode. Zudem nannten sie einen Verdacht auf eine andauern
de Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung.
Dr. Q._ und Dr. J._ führten zur Anamnese aus, die Beschwerdeführerin habe punktuell von einem sexuellen Missbrauch in ihrer Kindheit berichtet. Eine genauere Exploration sei nicht möglich gewesen. Später sei sie von der Polizei in der Türkei etliche Male festgenommen und mehrmals gefoltert worden. Im Jahr 2001 sei sie nach ihrem Mann in die Schweiz geflüchtet (S. 2 Ziff. 1.4 oben). Aus den Akten gehe sodann hervor, dass die Patientin in der Schweiz in einem Restaurant und als Putzhilfe am Flughafen gearbeitet habe. Diese Tätig
keiten seien aufgrund von starken Rückenschmerzen, der hohen Stressbelastung und impulsiven, interpersonellen Schwierigkeiten mit Vorgesetzten nicht mehr durchführbar gewesen. Die Patientin sei seit August 2011 im Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer in Behandlung gewesen. Zirka ab März 2012 sei mit einer spezifischen traumafokussierten Behandlung begonnen worden (S. 2 Ziff. 1.4 unten). Die Behandlung sei abgeschlossen worden, nachdem sich die Patientin auf schriftliche Einladungen nicht mehr gemeldet habe (S. 3 Ziff. 1.5).
Neben körperlichen Einschränkungen bestehe aufgrund der psychisch-psychiatrischen Symptome eine arbeitstechnische Limitierung im engeren Sinne von aktuell 50 %. Die Limitierung bestehe vor allem in Form einer verminderten Aufmerksamkeitsspanne, eines verminderten Energieniveaus, einer schnellen Ermüdbarkeit sowie interpersonellen Schwierigkeiten (S. 3 f. Ziff. 1.6).
5.6
Dr. med. R._ nannte im Bericht vom 22. Februar 2016 (Urk. 7/152/6-8) als Diagnosen eine chronische schizoaffektive Störung und eine chronische posttraumatische Belastungsstörung, die zurzeit im Hintergrund stehe. Die Beschwerdeführerin sei ohne Depot-Risperdal immer wieder hochpsychotisch (Ziff. 1.1). Dr. R._ führte weiter aus, die Patientin sei mehrmals in der O._ hospitalisiert gewesen (S. 2 Ziff. 1.3). Sie leide an einer schizoaffek
tiven Störung. Die Diagnose einer depressiven Episode teile er nicht. Ohne Behandlung mit Neuroleptika bestünden eindeutige Denk- und Affektstörungen (S. 2 Mitte). Bislang sei es nicht möglich gewesen, eine medikamentöse Therapie durchzuführen, weil die Beschwerdeführerin immer wieder vergesse, die Medi
kamente einzunehmen (S. 2 unten).
In der freien Wirtschaft seien ihr seit Langem und möglicherweise auf längere Sicht keine Tätigkeiten zumutbar (S. 3 Ziff. 1.6). Die erwähnten Beschwerden und Symptome beeinträchtigten die Patientin in ihren Aktivitäten (S. 3 Ziff. 1.7).
5.7
5.7.1
Die Beschwerdegegnerin gab im Nachgang zum Urteil des hiesigen Gerichts vom 26. Juni 2014 (vgl. Urk. 7/102) beim A._ ein bidisziplinäres Gutachten in Auftrag, das am 22. Juni 2016 (Urk. 7/160) erstattet wurde. Das psychiat
rische Teilgutachten von Dr. med. S._, Fachärztin für Psychi
atrie und Psychotherapie, vom 6. Juni 2016 (Urk. 7/160/21-31) und das rheu
matologische Teilgutachten von Dr. med. T._, Fach
ärztin für Rheumatologie, vom 6. Juni 2016 (Urk. 7/160/32-38) sind dem Hauptgutachten beigelegt.
Die Gutachterinnen stellten aus interdisziplinärer Sicht folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 11 lit. D.1):
-
schizoaffektive Psychose gegenwärtig depressiv
-
lumbospondylogenes Schmerzsyndrom bei diskreter degenerativer Ver
änderung von L5/S1 (ohne Affektion einer Nervenwurzel) im MRI vom 21. April 2011
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Gutachte
rinnen (S. 12 lit. D.2):
-
akzentuierte abhängige, narzisstische Persönlichkeitszüge ohne das Vor
liegen einer krankhaften Persönlichkeitsstörung
-
rezidivierendes Zervikalsyndrom, im MRI vom 21. April 2011 Diskus
protrusion bei C5/6 ohne Affektion einer Nervenwurzel
-
Periarthropathia humeroscapularis links
-
Übergewicht
Dr. T._ führte im rheumatologischen Teilgutachten aus, es bestünden ein chronisches rezidivierendes lumbospondylogenes Syndrom ohne radikuläre Ausfälle und ein Status nach Zervikalsyndrom im Jahr 2011. Zu die
sem Zeitpunkt habe auch eine Periarthropathia humeroscapularis links bestan
den, die zurzeit keine Beschwerden mehr verursache. Einzig von Seiten der Len
denwirbelsäule sei sie noch leicht beeinträchtigt. Nach ihren eigenen Angaben überwiegten jedoch die seelischen Probleme. Die Beschwerdeführerin sei aus rheumatologischer Sicht für eine leichtere Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig. Für leichte bis mittelschwere Tätigkeiten sei eine Wechselbelastung empfehlenswert sowie eine Begrenzung der Gewichte auf 15 kg. In der letzten Tätigkeit habe das Belastungsprofil nicht eingehalten werden können, weshalb insofern eine Arbeitsfähigkeit von höchstens 50 % möglich sei. In einer Verweistätigkeit sei die Arbeitsfähigkeit gemäss Belastungsprofil zu 100 % möglich (S. 36 Ziff. 5 oben).
5.7.2
Dr. S._ führte im psychiatrischen Teilgutachten aus, die Beschwerde
führerin habe über einen deutlichen Seelenschmerz berichtet. Eigentlich sei sie seelisch wie taub. Sie fühle sich, als ob jemand das Leben aus ihr herausgezogen habe. Sie bewege sich manchmal nur roboterhaft und gehöre nicht richtig sich selbst. Weiter höre sie kommentierende Stimmen. Diese würden ihr häufig vor
schreiben, was sie zu tun habe. Auf Nachfrage habe die Beschwerdeführerin berichtet, dass sie derzeit keine wesentlichen Suizidgedanken habe (S. 22 Ziff. 2.1 Mitte). Auf der Strasse fühle sie sich nicht wohl. Sie schaue sich manchmal um, ob die Polizei sie verfolge. Sie fühle sich nur sicher, wenn sie sich in ihrer Wohnung aufhalte und eine andere Person bei ihr sei (S. 22 Ziff. 2.1 unten).
Anamnestisch sei sie in der Türkei mehrfach verhaftet und einmal auch gefol
tert und missbraucht worden. Im Jahr 2001 sei sie aufgrund einer Zunahme der politischen Verfolgung in die Schweiz gekommen. Von ihrem Mann habe sie sich trotz seiner Gewalttätigkeit nicht trennen können, weil sie nicht allein sein könne (S. 23 Mitte). Die Beschwerdeführerin lebe derzeit getrennt von ihrem dritten Ehemann. Sie bewohne eine 3-Zimmerwohnung, die sie mit ihrem
18-jährigen Sohn teile (S. 24 Ziff. 2.4 Mitte). Eine Motivation für eine Rückkehr in eine regelmässige Arbeitstätigkeit sei nicht gegeben (S. 27 Ziff. 3 oben).
Die Beschwerdeführerin stamme aus einer kurdischen Familie in der Südtürkei. Nach dortiger politischer Verfolgung sei sie im Jahr 2001 in die Schweiz emi
griert. Trotz beschriebener unglücklicher Kindheit und späterer politischer Ver
folgung seien Vorerkrankungen verneint worden. Etwa im Jahr 2005 habe sie nach ihren Angaben depressive Symptome mit wiederholter Suizidalität ent
wickelt. Aus diesem Grund seien bislang zwischen 2008 bis 2014 vier stationäre Behandlungen in der O._ durchgeführt worden. Neben Depressionen sei immer wieder eine posttraumatische Belastungsstörung diskutiert worden und es sei deswegen auch eine traumaspezifische Behandlung im K._ durchge
führt worden. Ein Effekt sei jedoch nicht eingetreten und die Beschwerdeführe
rin sei weiteren Therapiesitzungen ferngeblieben (S. 27 Ziff. 5 Mitte).
Klinisch sei vor zirka eineinhalb bis zwei Jahren eine Verschlechterung der psy
chiatrischen Situation eingetreten. Dies sei von der Beschwerdeführerin und den behandelnden Ärzten so angegeben worden. Es stünden massive Angstsympto
me in Verbindung mit einem paranoid-halluzinatorischen Syndrom, Affekt
schwankungen und vegetativen Symptomen im Vordergrund. Zusätzlich hätten sich Ängste vor dem Alleinsein akzentuiert. Im psychischen Befund zeigten sich zahlreiche Psychopathologika. Es liege jetzt das Vollbild einer schizoffaktiven Störung, derzeit depressiv getönt, vor. Es sei davon auszugehen, dass es sich bei den vorgängig beschriebenen Depressionen bereits um Vorboten der jetzt mani
fest gewordenen schizoaffektiven Störung gehandelt habe (S. 27 Ziff. 5 unten). Aufgrund der ausgeprägten psychischen Funktionsstörungen sei die Arbeits
fähigkeit auf dem psychiatrischen Fachgebiet aufgehoben. Aggravation liege nicht vor (S. 28 oben).
Die Gutachterin führte zur Kategorie „funktioneller Schweregrad” aus, es lägen massive psychopathologische Funktionsstörungen vor. Eine gewisse Abmilde
rung der Symptome sei durch eine neuroleptische Medikation erfolgt. Vermut
lich sei eine weitere Medikamentenumstellung erforderlich (S. 28 lit. A Mitte). Zur Kategorie „Konsistenz” wurde ausgeführt, es lägen Einschränkungen im Haushaltsbereich vor. Wegen Verlust des Antriebes und fehlender Ausdauer und Konzentration erfolgten die Haushaltarbeiten nachvollziehbar nur unregelmäs
sig. Eine geordnete Tagesstruktur liege nicht vor. Weiter liege ein massiver Lei
densdruck vor. Eine Belastbarkeit für den allgemeinen Arbeitsmarkt bestehe nicht (S. 29 lit. B oben).
5.7.3
Die Gutachterinnen des A._ attestierten der Beschwerdeführerin aus bidiszip
linärer Sicht sowohl für die bisherige als auch für eine leidensadaptierte Tätig
keit eine Arbeitsfähigkeit von 0 % (S. 13 oben). Aus psychiatrischer Sicht sei anhand der vorliegenden Unterlagen eine detailgenaue retrospektive Beurtei
lung schwierig. Eine datengenaue Festlegung könne nicht erfolgen, da die beschriebenen depressiven Phasen wechselhaft und rezidivierend aufgetreten seien. Auch über die Dauer sei in den Akten keine verlässliche Angabe vorhan
den. Mit Vorlage des Berichtes von Dr. R._ vom 22. Februar 2016 könne von einer validierten manifesten schizoaffektiven Psychose ausgegangen werden
(S. 13 Mitte). Eine Verschlechterung sei ab Februar 2016 ausgewiesen. Seither sei die Arbeitsfähigkeit sowohl für die bisherige als auch für eine angepasste Tätig
keit aufgehoben (S. 13 unten).
5.8
5.8.1
Die Beschwerdegegnerin gab beim A._ ein Folgegutachten in Auftrag. Die psychiatrische Begutachtung erfolgte am 10. Mai 2017 durch Dr. med. U._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (S. 1). Das Gutachten wurde am 6. Juni 2017 (Urk. 7/173) erstattet. Die Folgebegutachtung wurde notwen
dig, nachdem die Gutachterin Dr. S._ nicht mehr für das A._ arbei
tete und das Begutachtungsinstitut die Ergänzungsfragen der Beschwerdegegne
rin vom 17. Januar 2017 (Urk. 7/165/1-2) daher nicht beantworten konnte (Urk. 7/173 S. 3 lit. A).
5.8.2
Dr. U._ führte zur Anamnese aus, die Beschwerdeführerin habe angegeben, dass sie oft keine Motivation habe, sich morgens zu duschen. Ihre Tochter moti
viere sie dann dazu. Diese komme zwei- bis dreimal in der Woche mit ihrer eigenen zweijährigen Tochter zu Besuch. Die Tochter motiviere sie auch, sich schön anzuziehen und sich zu schminken und mache dann Fotos. Die Fotos von ihr seien ins Internet auf Facebook gestellt worden. Auf diesen sehe sie immer sehr fröhlich, gut gelaunt und gut gekleidet aus (S. 5 oben). Die Beschwerdefüh
rerin habe ausführlich erzählt, wie die Fotos zustande gekommen seien. Die Ex-Frau ihres Ehemannes habe sie bei der IV angezeigt, dass sie gar nicht krank sei. Aufgrund der Anzeige habe sie ein Gespräch bei der Beschwerdegegnerin gehabt, wobei ihr die Fotos auf Facebook vorgehalten worden seien. Diese wür
den ihren Zustand aber immer nur für „wenige Sekunden” einfangen. Sie bemühe sich, auf den Fotos zu lachen und gut gelaunt auszusehen. Sobald das Foto aufgenommen worden sei, sehe sie wieder ganz anders aus (S. 5 Mitte). Im August 2016 sei sie zusammen mit der Tochter, dem Schwiegersohn und dem Enkelkind vier Wochen in der Türkei gewesen. Davor habe sie im Mai 2016 an der Hochzeit ihres Sohnes teilgenommen. Fünf bis sechs Monate davor sei sie ebenfalls in der Türkei gewesen, wobei sie an der Verlobung ihres Sohnes teil
genommen habe (S. 7 Mitte). Die Beschwerdeführerin sei bei Dr. R._ in Behandlung. Die Termine fänden in einem Rhythmus von zwei Wochen statt
(S. 7 unten).
Die Beschwerdeführerin habe im Erstkontakt starr zu Boden geblickt. Dies habe ausgesprochen unecht und skurril gewirkt, wie einstudiert. Der Eindruck von Ängstlichkeit oder Gehemmtheit in sozialen Situationen sei nicht entstanden – im Gegenteil. Im weiteren Verlauf des Gespräches sei phasenweise durchaus ein guter Blickkontakt zustande gekommen. Die Beschwerdeführerin habe einen sehr selbstbewussten Eindruck gemacht. Hinweise für eine soziale Ängstlichkeit, Selbstzweifel, Selbstvorwürfe etc. hätten überhaupt nicht vorgelegen (S. 9 lit. E. oben).
5.8.3
Der psychiatrische Gutachter nannte als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (letzte Tätigkeit) eine rezidivierende depressive Störung, nicht näher bezeichnet (ICD-10 F33.9). Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine Persönlichkeitsakzentuierung mit narzisstischen und abhängigen Zügen (S. 11 lit. G).
Die Beschwerdeführerin sei bereits im Mai 2016 erstmals durch das A._ begutachtet worden. Nach einer relativ kurzen Zeit sei eine Verlaufsbegutach
tung erfolgt. Der Hintergrund sei, dass bei der Beschwerdegegnerin ein anony
mer Hinweis eingegangen sei, wonach die Beschwerdeführerin ihre psychischen Beschwerden nur vortäusche. Die Beschwerdegegnerin habe daraufhin eine Internetrecherche durchgeführt (S. 11 lit. H).
Die aktuelle Untersuchung sei dadurch erschwert gewesen, dass die Beschwerde
führerin über weite Strecken sehr unauthentisch gewirkt und in sich wider
sprüchliche und zum Teil auch unplausible Angaben gemacht habe. Hinsichtlich der im Alltag vorliegenden Einschränkungen sei der Eindruck einer sehr ausge
prägten Aggravation entstanden. Nach Abzug dieser Aspekte ergebe sich, dass aber durchaus relevante psychopathologische Auffälligkeiten vorliegen würden. Im Vordergrund stehe eine depressiv-dysphorische Verstimmung im Zusam
menhang mit einer offensichtlich seit mehreren Jahren bestehenden Partner
schaftsproblematik. Die Beschwerdeführerin lebe seit zweieinhalb Jahren von ihrem Mann getrennt. Sie versuche ihren Ehemann zurückzugewinnen. Dabei konkurriere sie mit dessen Ex-Ehefrau, mit der sie eine Art „Krieg” führe. Allein schon die Aussagen in diese Richtung seien mit einer schwerer ausgeprägten Depression nicht vereinbar, da bei einer solchen üblicherweise Selbstvorwürfe und nicht an andere gerichtete Vorwürfe im Vordergrund stünden. Zudem bestünden auch keine Energie, kein Antrieb und keine Spannkraft, um eine Art „Krieg” mit der Konkurrentin um den Ehemann zu führen (S. 12 oben). In der Vergangenheit sei wiederholt die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung gestellt worden. Die Diagnose sei aus heutiger Sicht durchaus nachvoll
ziehbar. Aktuell liege aber nur eine mässig ausgeprägte depressiv-dysphorische Verstimmung im Sinne einer nicht näher bezeichneten rezidivierenden depres
siven Störung vor. Die Beschwerdeführerin habe weiter über eine Stimme berichtet, die sie zeitweilig höre. Dabei handle es sich, wenn überhaupt, um Pseudohalluzinationen, da sie den Trugcharakter der Wahrnehmungen erkenne (S. 12 Mitte). In der Vergangenheit sei sodann wiederholt die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung gestellt worden. Aktuell hätten sich keine Hinweise für das Vorliegen der Kernsymptome dieser Störung wie sich aufdrän
gende Erinnerungen an traumatische Ereignisse ergeben. Die Beschwerdeführe
rin habe allerdings berichtet, dass sie Angst bekomme, wenn sie einen Polizisten sehe. An dieser Stelle müsse darauf hingewiesen werden, dass sie regelmässig Ladendiebstähle begehe. Dabei sei sie ständig mit der Gefahr konfrontiert, dass die Polizei gerufen werde. Dies habe sie auch schon erlebt. Dass sie trotzdem nicht von den Ladendiebstählen ablasse, zeige eindeutig, dass keinesfalls eine schwerwiegende posttraumatische Symptomatik vorliegen könne (S. 12 unten).
Zu den Fotos auf Facebook sei anzumerken, dass es durchaus zutreffe, dass viele Menschen sich in den sozialen Netzwerken als erfolgreicher, fröhlicher etc. darstellen würden, als sie tatsächlich seien. Auf der anderen Seite sei die Dar
stellung der Beschwerdeführerin, dass sie quasi nur für Sekunden für das Foto fröhlich sei und sie dann wieder in ihre depressive Stimmung zurückfalle, wenig plausibel. Im Übrigen gehöre eine erhebliche Energie etc. dazu, ein derartiges Täuschungsmanöver zu inszenieren und regelmässig Ladendiebstähle zu bege
hen. Selbst wenn die eher unplausiblen Angaben der Beschwerdeführerin zutreffen sollten, spräche dies gegen eine stärker ausgeprägte Depression. Insge
samt werde geschätzt, dass Fähigkeitsstörungen in den Bereichen Durchhalte
fähigkeit, Flexibilität und Umstellungsfähigkeit sowie Selbstbehauptungsfähig
keit vorlägen. Damit bestehe sowohl in der bisherigen als auch in einer leidens
angepassten Tätigkeit eine Verminderung der Arbeitsfähigkeit um 20-30 %
(S. 13 oben).
Dr. U._ gab zur Kategorie „funktioneller Schweregrad” an, die Beschwerdefüh
rerin befinde sich in ambulanter psychiatrischer Behandlung. Der Medikamen
tenspiegel sei zum Teil unzureichend. Eine Optimierung sei erforderlich (S. 13 lit. A unten). Von der Persönlichkeit her zeigten sich narzisstische Persönlich
keitszüge mit einer deutlich erhöhten Kränkbarkeit. Hinsichtlich der Beziehung zu ihrem Ehemann, von dem sie getrennt lebe, ergäben sich zusätzlich Hinweise für abhängige Persönlichkeitsanteile. Insgesamt ergebe sich das Bild einer Per
sönlichkeitsakzentuierung. Die Beschwerdeführerin sei sodann belastet durch eine enge finanzielle Situation und durch eine Eheproblematik. Eine Ressource sei die enge Beziehung zur Tochter (S. 14 lit. b und c oben).
Zur Kategorie „Konsistenz” wurde ausgeführt, die Beschwerdeführerin fühle sich zu keiner beruflichen Tätigkeit in der Lage. Ein Vergleich mit den Aktivitäts
niveaus in den Bereichen Freizeit und Haushalt sei schwierig, da geschätzt wer
de, dass Aggravation vorliege. Selbst im Falle des Wegdenkens dieser Problema
tik ergebe sich, dass die von der Beschwerdeführerin beschriebene Alltagsgestal
tung nicht in Einklang zu bringen sei damit, dass keinerlei berufliche Tätigkeit mehr möglich sein solle (S. 14 lit. B unten).
In der bisherigen und in einer leidensangepassten Tätigkeit betrage die Arbeits
fähigkeit 70-80 % (S. 15 unten).
5.8.4
Eine genaue Festlegung des retrospektiven Verlaufs sei nur sehr schwer mög
lich, da die rezidivierende depressive Störung wechselhaft verlaufen sei. Dies sei bereits im Erstgutachten des A._ dargelegt worden. Die Beurteilung werde noch dadurch erschwert, dass ganz offensichtlich eine erhebliche Aggravations
problematik vorliege, die bei der Erstbegutachtung in dieser Form noch nicht zu erkennen gewesen sei. Aktuell werde geschätzt, dass mit dem Referenzdatum der Verfügung vom September 2011 überwiegend eine Arbeitsfähigkeit von
70-80 % vorgelegen habe, mit nur kurzfristigen Verschlechterungen während der stationären Behandlung in der O._ vom 21. November bis 5. Dezember 2014. In diesem Zeitraum sei die Arbeitsfähigkeit natürlich aufge
hoben gewesen. Auffällig sei im Übrigen, dass hinsichtlich der Hospitalisation relativ schwerwiegende Diagnosen gestellt worden seien. Weiter habe es sich um einen ungewöhnlich kurzen Aufenthalt von 14 Tagen gehandelt. Danach habe die Beschwerdeführerin die Klinik gegen ärztlichen Rat wieder verlassen. Dies deute darauf hin, dass die Symptomatik vermutlich doch nicht so schwer
wiegend gewesen sei, wie es in den von den Ärzten der O._ gestell
ten Diagnosen zum Ausdruck gekommen sei. Am ehesten dürfte keine ausrei
chend kritische Überprüfung der subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin erfolgt sein (S. 16 oben).
5.8.5
Dr. U._ antwortete auf die Zusatzfragen der Beschwerdegegnerin zum Ergebnis der Internetrecherche, es treffe durchaus zu, dass sich viele Menschen auf Face
book als erfolgreicher, fröhlicher etc. darstellen würden, als sie tatsächlich seien. Auf der anderen Seite sei die Darstellung der Beschwerdeführerin, dass sie quasi nur Sekunden für ein Foto fröhlich sei und sie dann wieder in ihre depressive Stimmung zurückfalle, wenig plausibel. Im Übrigen gehöre auch eine erhebliche Energie dazu, ein derartiges Täuschungsmanöver zu inszenieren und regelmässig Ladendiebstähle zu begehen etc. Selbst wenn die eher unplausiblen Angaben der Beschwerdeführerin 1:1 zutreffen sollten, spräche dies gegen eine stärker ausgeprägte Depression (S. 23 Ziff. 1). Die Diagnose einer schizoaffek
tiven Psychose, gegenwärtig depressiv, werde aktuell nicht gesehen (S. 23 Ziff. 2). Es bestünden Hinweise auf Aggravation (S. 23 Ziff. 3 unten). Eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % werde nicht mehr gesehen (S. 24 Ziff. 4).
5.9
Dr. med. V._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Regional
ärztlicher Dienst der Beschwerdegegnerin (RAD), führte in einer Stellungnahme vom 13. Juni 2017 (Urk. 7/175 S. 8 oben) aus, der Gutachter des Folgegutach
tens vom 6. Juni 2017 habe auf zahlreiche Inkonsistenzen hingewiesen. Es sei eine erhebliche Aggravationsproblematik notiert worden.
Das Gutachten sei umfassend. Es berücksichtige die gesamte Aktenlage sowie sämtliche Beschwerden und Symptome der Beschwerdeführerin und beruhe auf eigenen Untersuchungen. Das Gutachten sei insgesamt schlüssig und nachvoll
ziehbar und in seinen Feststellungen plausibel. Die Beschwerdegegnerin könne sich darauf abstützen. Der Gutachter habe die im Gutachten vom 22. Juni 2016 gestellte Diagnose einer schizoaffektiven Störung nach der erneuten Begutach
tung der Beschwerdeführerin und unter Berücksichtigung der Spezialabklärun
gen verworfen. Mit der Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, nicht näher bezeichnet, werde ein Gesundheitsschaden diagnostiziert, der die Arbeitsfähigkeit potentiell beeinträchtige. Gemäss dem Gutachten bestehe in der bisherigen und in einer angepassten Tätigkeit seit dem 21. März 2011 eine Arbeitsfähigkeit von 70-80 %.
5.10
Die Beschwerdeführerin reichte im vorliegenden Verfahren einen Austrittsbe
richt der Ärzte der W._ vom 17. November 2017 (Urk. 3) ein. Die Ärzte der W._ nannten darin als Diagnosen eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psy
chotischen Symptomen, und eine posttraumatische Belastungsstörung. Als Dif
ferentialdiagnose wurde eine andauernde Persönlichkeitsveränderung nach Ext
rembelastung gestellt.
Die Ärzte der W._ führten aus, die Aufnahme in die Klinik sei freiwillig erfolgt zur Stabilisierung und zur medikamentösen Wiedereinstellung (S. 4 oben). Aktuell bestehe eine schwere psychosoziale Belastungssituation (S. 5 oben).
6.
6.1
A._-Gutachter Dr. U._ wich im Folgegutachten vom 6. Juni 2017 von der Beurteilung durch die Gutachterin Dr. S._ ab, die der Beschwerdefüh
rerin ausgehend von der Diagnose einer schizoaffektiven Psychose eine Arbeits
unfähigkeit von 100 % attestiert hatte. Gemäss Dr. S._ besteht die genannte Arbeitsunfähigkeit aufgrund einer gesundheitlichen Verschlechterung seit Februar 2016 (E. 5.7.2 und 5.7.3 hiervor). Dr. U._ nannte demgegenüber als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine nicht näher bezeich
nete rezidivierende depressive Störung. Zudem nannte er eine Persönlichkeits
akzentuierung mit narzisstischen und abhängigen Zügen, ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Er kam zum Ergebnis, dass aus psychiatrischer Sicht in der zuletzt ausgeübten und in einer Verweistätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von
70-80 % bestehe. Der Gutachter stellte sodann eine erhebliche Aggravation fest (E. 5.8.3).
Des Weiteren liegen aktuelle Berichte über mehrere Klinikaufenthalte der Beschwerdeführerin in der O._ und in der W._ sowie ein Bericht der behandelnden Ärzte des K._ vom 10. August 2015 sowie eine Beurteilung durch Dr. L._ (vgl. vorstehend E. 5.2), welcher jedoch von einer bereits teil
weise abgeklungenen depressiven Episode ausgegangen war, vor. Die behan
delnden Ärzte stellten darin abweichend zur Einschätzung durch Dr. U._ die Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgra
dige beziehungsweise schwere Episode, und einer posttraumatischen Belas
tungsstörung (E. 5.2-5.4 und 5.9 hiervor). Gemäss dem bidisziplinären Gutach
ten des A._ vom 22. Juni 2016 besteht aus rheumatologischer Sicht für eine leichtere Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit (E. 5.6.1).
6.2
Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass über den Leistungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit entschieden werden kann. Die für die Beurteilung des Leistungs
anspruchs von Amtes wegen durchzuführenden Abklärungen im Sinne von Art. 43 ATSG beinhalten indessen rechtsprechungsgemäss nicht das Recht des Versicherungsträgers, eine „second opinion” zu einem bereits in einem Gutach
ten festgestellten Sachverhalt einzuholen, wenn ihm dieser nicht passt (BGE 138 V 271 E. 1.1; Urteil des Bundesgerichts U 571/06 vom 29. Mai 2007 E. 4.2).
Vorliegend konnte nicht auf das bidisziplinäre Gutachten des A._ vom 26. Juni 2014 abgestellt werden, nachdem Dr. S._ nicht mehr für das A._ arbeitete und das Begutachtungsinstitut die Ergänzungsfragen der Beschwerdegegnerin über ihre Internetrecherche - welche berechtigte Zweifel an der ersten Begutachtung durch das A._ weckte - nicht beantworten konnte. Aus diesem Grund wurde das psychiatrische Folgegutachten vom 6. Juni 2017 veranlasst. Eine unzulässige „second opinion” liegt daher nicht vor.
6.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
6.4
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankun
gen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressio
nen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfah
ren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Recht
sprechung).
Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störun
gen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Pra
xisänderung
–
fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psy
chische Gesundheitsschädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichts
praxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen sys
tematisierte Indikatoren beachtlich, die es
–
unter Berücksichtigung leistungs
hindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspo
tentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leis
tungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die gesamthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018 E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die
funktionellen
Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesund
heitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlich
keit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweis
belastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. zur Publikation in der Amtlichen Sammlung bestimmtes Urteil des Bundesgerichts 8C_409/2017 vom 2
1.
März 2018 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Jan
uar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
6.5
Die im Regelfall be
achtlichen Standardindikatoren, welche nach gemeinsamen Eigenschaften systematisiert werden können, umschreibt das Bundesgericht i
n
BGE 141 V 281
wie folgt:
-
Kategorie „funktioneller Schweregrad" (E. 4.3)
-
Komplex „Gesundheitsschädigung" (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen; E. 4.3.2)
-
Komplex „Sozialer Kontext" (E. 4.3.3)
-
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens; E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Lei
dens
druck (E. 4.4.2)
6.6
Dr. S._ attestierte der Beschwerdeführerin im bidisziplinären Gutachten vom 22. Juni 2016 für jegliche Tätigkeiten eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Auf diese Einschätzung kann jedoch nicht abgestellt werden. Die Gutachterin stützte sich für die Annahme einer gesundheitlichen Verschlechterung zunächst auf die Angaben der Beschwerdeführerin selber und von Dr. R._ (vgl. E. 5.7.2 hiervor) und stellte wie dieser die Diagnose einer schizoaffektiven Psychose. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass es sich bei Dr. R._ nicht um einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie handelt. Seine Einschätzung ist daher zurückhaltend zu bewerten. Im psychiatrischen Teilgutachten von Dr. S._ finden sich sodann keine weiterführenden Angaben, welche die Diagnose einer schizoaffektiven Psychose stützen würden. Die Begutachtung durch Dr. S._ beinhaltete schliesslich keine Laboruntersuchungen. Dr. U._ führte solche durch, was für die Genauigkeit seiner Beurteilung spricht. Es bestehen daher Zweifel, dass die Beschwerdeführerin neu an einer Erkran
kung aus dem schizophrenen Formenkreis (Kapitel F 2 der Internationalen Klas
sifikation psychischer Störungen gemäss ICD-10) leiden soll, nachdem in den übrigen medizinischen Akten keine Anhaltspunkte für eine solche Erkrankung bestehen.
Im Gutachten von Dr. U._ werden die gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin dargelegt. Das Gutachten beruht weiter auf den notwendi
gen Untersuchungen und berücksichtigt die geklagten Beschwerden in ange
messener Weise. Der Gutachter beantwortete zudem die Ergänzungsfragen der Beschwerdegegnerin betreffend die Internetrecherche. Dr. U._ legte sodann nachvollziehbar dar, weshalb er die von den Ärzten des K._ im Bericht vom 10. August 2015 gestellten Diagnosen einer chronischen posttraumatischen Belastungsstörung und einer mittelgradigen depressiven Episode nicht bestäti
gen konnte. So sprechen bereits die Angaben der Beschwerdeführerin anlässlich der Begutachtung, wonach sie sich mit der Exfrau ihres Ehemannes in einer Art „Krieg” befinde, um ihren Ehemann zurückzubekommen, gegen die Annahme einer schwerer ausgeprägten Depression. Auch die Symptome einer posttrauma
tischen Belastungsstörung konnten anlässlich der psychiatrischen Begutachtung durch Dr. U._ nicht festgestellt werden. Gegen die Diagnose einer posttrauma
tischen Belastungsstörung spricht weiter, dass die Beschwerdeführerin offenbar regelmässig Ladendiebstähle begeht. Dabei ist sie ständig mit der Gefahr kon
frontiert, dass die Polizei gerufen wird, vor der sie nach eigenen Angaben Angst hat (E. 5.7.3 hiervor). Die betreffenden Symptome können aus diesem Grund, wie von Dr. U._ dargelegt, nicht erheblich ausgeprägt sein. Die Angaben von Dr. Q._ und Dr. J._ im Bericht vom 10. August 2015, wonach die frühe
ren Tätigkeiten der Beschwerdeführerin unter anderem aufgrund von impulsi
ven und interpersonellen Schwierigkeiten mit Vorgesetzten nicht durchführbar gewesen seien (E. 5.4 hiervor), vermögen keine Einschränkung der Arbeitsfähig
keit zu begründen. Die die von ihnen attestierte Arbeitsfähigkeit von 50 % ver
mag daher nicht zu überzeugen. In diesem Zusammenhang ist sodann auf den Grundsatz hinzuweisen, wonach Berichte der behandelnden Ärzte aufgrund der auftragsrechtlichen Vertrauensstellung zum Patienten mit Vorbehalt zu würden sind (BGE 125 V 253 E. 3b/cc). Dies gilt für einen allgemein praktizierenden Hausarzt wie auch für einen behandelnden Spezialarzt (Urteil des Bundesge
richts I 803/05 vom 6. April 2006 E. 5.5).
Das psychiatrische Gutachten von Dr. U._ erfüllt somit die Anforderungen der Rechtsprechung an den Beweiswert eines medizinischen Gutachtens (E. 6.3 hiervor). Es ist daher auf das Gutachten von Dr. U._ und nicht auf das Teilgut
achten von Dr. S._ und die Berichte der behandelnden Ärzte abzustel
len.
6.7
Aus dem Gutachten von Dr. U._ vom 6. Juni 2017 ergibt sich, dass die diagno
serelevanten Befunde und Symptome nicht schwerwiegend ausgeprägt sind. Der Gutachter stellte lediglich eine depressiv-dysphorische Verstimmung im Zusammenhang mit einer seit Jahren bestehenden Partnerschaftsproblematik fest. Zum Indikator Behandlungserfolg oder -resistenz wies der Gutachter daraufhin, dass der Medikamentenspiegel unzureichend und insofern eine Optimierung erforderlich sei (E. 5.7.3 hiervor). Die Beschwerdeführerin ist der notwendigen Behandlung somit nicht vollumfänglich nachgekommen. Als Komorbidität liegen akzentuierte Persönlichkeitszüge vor (Urk. 7/173 S. 14 oben). Diese ist jedoch nicht als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit aufgeführt. Der Indikator ist somit bestenfalls geringfügig ausgeprägt.
Zum Komplex „Persönlichkeit” erwähnte Dr. U._ narzisstische Persönlichkeits
züge mit einer deutlich erhöhten Kränkbarkeit. Weiter bestehen Hinweise für abhängige Persönlichkeitsanteile (E. 5.7.3). Die Beschwerdeführerin ist dadurch jedoch, wie erwähnt, nicht massgeblich in ihrer Leistungsfähigkeit einge
schränkt. Zum Indikator „sozialer Kontext” erwähnte der Gutachter eine enge finanzielle Situation und eine Eheproblematik. Als Ressource wurde dagegen auf die enge Beziehung der Beschwerdeführerin zu ihrer Tochter hingewiesen (E. 5.7.3). Der „soziale Kontext” erweist sich daher als ausgeglichen. Zur Kate
gorie „Konsistenz” ist zu bemerken, dass sich die Beschwerdeführerin zu keiner beruflichen Tätigkeit in der Lage sieht. Da die Beschwerdeführerin in der
Ver
gangenheit etwa mehrere Ferienreisen in die Türkei unternehmen konnte (vgl. E. 5.7.2), bestehen Zweifel am Verhalten der Beschwerdeführerin. Zudem ist in diesem Zusammenhang auf die festgestellte Aggravation hinzuweisen. Nach Prüfung der Standardindikatoren ist daher gemäss der Beurteilung durch Dr. U._ für eine behinderungsangepasste Tätigkeit von einer höheren Restar
beitsfähigkeit von 70-80 % auszugehen.
6.8
Das hiesige Gericht hatte im Urteil vom 26. Juni 2014 mit Verweis auf einen Bericht der Ärzte des K._ vom 31. Oktober 2012 (vgl. E. 5.1) festgestellt, dass im Vergleich mit der Situation im Juni 2011 in psychiatrischer Hinsicht eine Verschlechterung eingetreten sei. Im Urteil war jedoch eine Gesamtbeurteilung der Arbeitsfähigkeit aus somatischer und psychiatrischer Sicht vorbehalten worden (Urk. 7/102 S. 12 E. 5.3). Aus diesem Grund erfolgte die Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin und es wurden die Begutachtungen im A._ veranlasst. Die Annahme, dass es zu einer Verschlechterung des Gesund
heitszustandes gekommen wäre, bestätigte sich in der Folge nicht. So erachtete A._-Gutachter Dr. U._ eine rückwirkende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit seit der Verfügung vom Juni 2011 als nur schwer möglich. Der Gutachter wies zudem daraufhin, dass die Beurteilung eines Leistungsanspruches durch die erhebliche Aggravationsproblematik erschwert gewesen sei. Er schätzte, dass seit der Verfügung der Beschwerdegegnerin vom Juni 2011 in einer behinde
rungsangepassten Tätigkeit überwiegend eine Arbeitsfähigkeit von 70-80 % vorgelegen habe. Die attestierte Arbeitsfähigkeit war jeweils kurzfristig für die Dauer der Klinikaufenthalte unterbrochen, für welchen Zeitraum von einer vollen Arbeitsunfähigkeit auszugehen ist (E. 5.7.4 hiervor). Da es sich um kurz
fristige Arbeitsunfähigkeiten handelt, scheidet ein Rentenanspruch für die betreffenden Zeiträume aus (vgl. Art. 8 Abs. 1 ATSG).
In somatischer Hinsicht ist der Beschwerdeführerin gestützt auf das rheumato
logische Teilgutachten von Dr. T._ vom 6. Juni 2016 in einer behinderungsangepassten körperlich leichten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 100 % möglich, während ihr die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Küchenhilfe nur noch eingeschränkt zugemutet werden kann (E. 5.6.1 hiervor). Gestützt auf das rheumatologische Teilgutachten von Dr. T._ und das psychiat
rische Gutachten von Dr. U._ ist entgegen der vorherigen Vermutung nicht von einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auszugehen. Verglichen mit dem Zeitpunkt der Verfü
gung vom 9. Juni 2011, wonach für Hilfstätigkeiten wieder eine Arbeitsfähig
keit von 60 % bestand (Urk. 7/50 S. 2 Mitte), ergibt sich vielmehr ein verbesser
ter Gesundheitszustand in dem Sinne, dass von einer Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit von 70 bis 80 % auszugehen ist.
7.
7.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkom
men), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkom
mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkom
mensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
7.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des Validen
einkommens entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkom
mensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfah
rung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortge
setzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; BGE 135 V 58 E. 3.1; BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
7.3
Die Beschwerdeführerin erzielte gemäss dem Arbeitgeberbericht der Z._ vom 13. Dezember 2012 in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Küchenhilfe ein Einkommen von Fr. 3'422.30 pro Monat (Urk. 7/74 S. 2 Ziff. 2.10), wobei sie wieder ein volles Arbeitspensum verrichtete (Urk. 7/74 S. 2 Ziff. 2.9). Es ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin im Gesund
heitsfall weiterhin bei diesem Arbeitgeber zu 100 % als Küchenhilfe gearbeitet hätte. Es ergibt sich daher ein Jahreseinkommen von rund Fr. 44'490 (Fr. 3'422.30 x 13; vgl. Urk. 7/74/8), welches an die seitherige Lohnentwicklung anzupassen ist. Bei einer Nominallohnentwicklung von 0.7 im Jahr 2013, 0.8 im Jahr 2014, 0.4 im Jahr 2015 und 0.7 im Jahr 2016 (Liste T1.10 Nominallohnin
dex, 2011-2016) resultiert für das Jahr 2016 ein Jahreseinkommen von rund Fr. 45'658.-- (Fr. 44'490 x 1.007 x 1.008 x 1.004 x 1.007). Als Valideneinkom
men sind daher Fr. 45'658.— zu veranschlagen.
7.4
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Recht
sprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592
E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1,
126 V 75 E. 3b). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (
BGE 143 V 295 E. 4.1.3
; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl.
BGE 143 V 295 E. 4.2.2,
142 V 178 E. 2.5.8.1
,
133 V 545 E. 7.1). Der
Beizug der
Lohnstatistik erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (v
gl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3,
135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/Reichmuth, IVG, 3. Aufl., N 55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinwei
sen auf die Rechtsprechung).
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäfti
gungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können
(BGE 124 V 321 E.
3b/aa). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten
(BGE 126 V 75 E.
5b/aa). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdi
gung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25
%
nicht übersteigen (BGE 135 V 297 E. 5.
2; 134 V 322 E.
5.2 und
126 V 75 E.
5b/bb-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfä
higkeit eingeschränkt ist
(BGE 126 V 75 E.
5a/bb). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthalte
ne gesundheitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des lei
densbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dür
fen (Urteile des Bundesgerichts 9C_846/2014 vom 22. Januar 2015 E.
4.1.1
und
8C_805/2016 vom 22. März 2017 E.
3.1
mit Hinweisen).
7.5
Nach der medizinischen Beurteilung ist der Beschwerdeführerin eine körperlich leichte Tätigkeit seit Juni 2011 mit einem Pensum von 70-80 % möglich. Aus
gehend von den Tabellenlöhnen LSE 2012 Tabelle TA1 S. 35 sind der Beschwer
deführerin grundsätzlich sämtliche einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art im Kompetenzniveau eins zumutbar. Es ist kein Abzug vom Tabellenlohn vorzunehmen, da den Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin bereits mit dem reduzierten Pensum Rechnung getragen wird.
Bei einer wöchentlichen Arbeitszeit im Jahr 2016 von 41.7 Stunden ergibt sich angepasst an die seitherige Nominallohnentwicklung und bei einer zumutbaren Arbeitsfähigkeit von 70-80 % ein Einkommen von 39'593.58 (Fr. 4'112.-- x 12 x 0.75 : 40 x 41.7 x 1.007 x 1.008 x 1.004 x 1.007). Es resultiert daher ein zumutbares Invalideneinkommen von Fr. 39'594.--.
Vergleicht man das Valideneinkommen von Fr. 45'658.— mit dem Invalidenein
kommen von Fr. 39’594.--, resultiert eine Erwerbseinbusse von Fr. 6’064.--, was einem leistungsausschliessendem Invaliditätsgrad von rund 13 % entspricht.
7.6
Zusammenfassend haben sich die Verhältnisse verglichen mit dem Zeitpunkt der Verfügung vom 9. Juni 2011 und dem von der Beschwerdegegnerin per 1. Mai 2010 ausgewiesenen Invaliditätsgrad von 33 % verbessert. Gestützt auf das rheumatologische Teilgutachten von Dr. T._ vom 6. Juni 2016 und das psychiatrische Folgegutachten von Dr. U._ vom 6. Juni 2017 besteht daher unverändert kein Rentenanspruch.
Die angefochtene Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 6. November 2017 erweist sich somit als rechtens. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
8.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Vorliegend sind die Kosten auf Fr. 900.-- festzusetzen und der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.