# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 954ba4ad-eef3-4829-bb0e-a38b8d01635c
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1988, wa
r
bei
Y._
beschäftigt und damit bei der SWICA Versicherungen AG (nachstehend
Swica
) gemäss dem
Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG)
versichert
(vgl.
Urk.
8/2)
, als ihn die Suva mit Ver
fügung vom
9.
September 2016 als ab 2
2.
August 2016 für die Tätigkeit als Bäcker / Konditor nicht geeignet erklärte (
Urk.
8/
14
Beilage
).
1.2
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihm mit Ver
fügung
vom
2
4.
Juni 2016 ein Taggeld ab
2
2.
August 2016
zu
(Urk.
8/
22
Beilage
)
,
das
sie
bis 3
1.
Juli 2018 ausrichtete (
Urk.
8/25 Beilage)
. Vom 1
6.
Juli 2018 bis 1
5.
Februar 2019 war
der Versicherte
in einem befristeten Arbeitsverhältnis angestellt (
Urk.
8/
26 Beilage
).
Mit Verfügung vom
5.
Oktober 2018 sprach ihm die IV-Stelle eine Umschulung vom
1
8.
Februar 2019
bis 3
1.
Juli 2020 zu
(
Urk.
8/
33 Beilage
).
1.3
Die
Swica
sprach ihm mit Verfügung vom 1
0.
Oktober 2018 für die Dauer der befristeten Anstellung ein Übergangstaggeld zu (
Urk.
8/
34
=
Urk.
3/4
). Die dage
gen am 2
5.
Oktober 2018 erhobene Einsprache (
Urk.
8/
38
=
Urk.
3/5
) wies sie mit
Einspracheentscheid
vom 1
1.
April 2019 ab (
Urk.
8/
40
=
Urk.
2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 1
1.
April 2019 (
Urk.
2) erhob der Versicherte am 2
4.
Mai 2019 Beschwerde
mit den Anträgen (
Urk.
1 S. 2 oben), dieser sei auf
zuheben (
Ziff.
1) und es sei ihm die Übergangsentschädigung kumulativ zum Tag
geld der Invalidenversicherung (IV) während beruflicher Massnahmen bis zur Überentschädigungsgrenze zuzusprechen (
Ziff.
2).
Die
Swica
beantragte mit Beschwerdeantwort vom
2.
Juli 2019 (
Urk.
7) die Abweisung der Beschwerde. Am 1
7.
Juli 2019 verzichtete der Beschwerdeführer auf das Erstatten einer Replik (
Urk.
11), was der Beschwerdegegnerin am 1
8.
Juli 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
12).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
84
Abs.
2
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG)
können die Durchführungsorgane Versicherte, die hinsichtlich Berufsunfällen oder Berufskrankheiten durch bestimmte Arbeiten besonders gefährdet sind, von diesen Arbeiten ausschliessen. Der Bundesrat ordnet die Entschädigung für Ver
sicherte, die durch den Ausschluss von ihrer bisherigen Arbeit im Fortkommen erheblich beeinträchtigt sind und keinen Anspruch auf andere Versicherungsleis
tungen haben.
1.2
Die befristete oder dauernde Nichteignungsverfügung stellt eine Einschränkung der Freiheit dar, sich in einer gewissen Hinsicht erwerblich zu betätigen. Es haften ihr versicherungsrechtliche, aber auch polizeirechtliche Züge im Sinne des Gesundheitsschutzes an. Sie ergeht von der Verwaltung gestützt auf die gesicher
ten medizinischen Erkenntnisse einer besonderen Gefährdung des Arbeitnehmers auf Berufsunfälle oder Berufskrankheiten durch bestimmte Arbeiten (
Art.
84
Abs.
2 Satz 1 UVG). Mit der Übergangsentschädigung soll der versicherten Person sodann der Wechsel von der sie gefährdenden Arbeit auf eine neue geeignete Erwerbstätigkeit und die Erlangung der erforderlichen Fertigkeiten erleichtert werden (Urteil des Bundesgerichts U 363/01 vom 2
2.
April 2002 E. 3b).
1.3
Versicherte, die gemäss
Art.
78 der
Verordnung über die Verhütung von Unfällen und Berufskrankheiten vom 1
9.
Dezember 1983 (VUV; SR 832.30)
von einer Arbeit befristet oder dauernd ausgeschlossen oder nur als bedingt geeignet erklärt worden
sind
,
erhalten
gemäss
Art.
86
Abs.
1 VUV
vom Versicherer eine Über
gangsentschädigung, wenn
sie
-
durch die Verfügung trotz persönlicher Beratung, trotz Bezuges von Über
gangstaggeld und trotz des ih
nen
zumutbaren Einsatzes, den ökonomi
schen Nachteil auf dem Arbeitsmarkt wettzumachen, in
ihre
m wirtschaft
lichen Fortkommen erheblich beeinträchtigt bleib
en
(
lit
. a
);
-
in einem Zeitraum von zwei Jahren unmittelbar vor Erlass der Verfügung oder vor einem medizinisch notwendigen und tatsächlich vollzogenen Wechsel der Beschäftigung bei einem der Versicherung unterstellten Arbeitgeber mindestens 300 Tage lang die gefährdende Arbeit ausgeübt ha
ben
(
lit
. b
);
-
innert zweier Jahre, nachdem die Verfügung in Rechtskraft erwachsen oder ein Anspruch auf Übergangstaggeld erloschen ist, beim Versicherer jenes Arbeitgebers, bei
dem
sie
zur Zeit des Erlasses der Verfügung gear
beitet ha
ben,
ein entsprechendes Gesuch stell
en
(
lit
. c).
1.
4
Die Übergangsentschädigung beträgt gemäss
Art.
87
Abs.
1 VUV 80 Prozent der wegen des befristeten oder dauernden Ausschlusses von der gefährdenden Arbeit oder infolge der Verfügung auf bedingte Eignung auf dem Arbeitsmarkt
zu
erlei
de
nden Lohneinbusse
. Als Lohn gilt der versicherte Verdienst nach
Art.
15
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG)
.
Das Ausmass der Lohnein
busse bestimmt die Höhe der Entschädigung. Der Anspruch auf Übergangsent
schädigung setzt eine durch die Nichteignungsverfügung verursachte Lohnein
busse von mindestens 10
%
voraus (BGE 138 V 41 E. 4.7).
1.5
Bei den Übergangsentschädigungen handelt es sich nicht um Versicherungsleis
tungen im engeren Sinne, sondern um Leistungen, welche im Zusammenhang mit der Verhütung von Berufsunfällen und Berufskrankheiten erbracht werden. Mit ihnen soll die versicherte Person einen teilweisen finanziellen Ausgleich von wirtschaftlichen Nachteilen erhalten, die sie im Voraus zur Verhütung einer Schädigung in Kauf nehmen muss. Sie sollen die berufliche Neuorientierung (Suchen einer anderen Stelle, Erwerb neuer beruflicher Kenntnisse und Fertigkei
ten) erleichtern.
Der Übergangsentschädigung und der Invalidenrente der Unfallversicherung lie
gen unterschiedliche leistungsbegründende Tatbestände, mithin verschiedene Risiken zugrunde. Die Übergangsentschädigung setzt denn auch weder Arbeits
unfähigkeit noch Invalidität voraus.
Aus dem Wortlaut von
Art.
84
Abs.
2 Satz 2 UVG und
Art.
86
Abs.
1 VUV, der Systematik der VUV sowie Sinn und Zweck der Übergangsentschädigung ergibt sich sodann, dass nur jene versicherte Person eine solche beanspruchen kann, welche im Rahmen der ihr verbliebenen Erwerbsfähigkeit zufolge der Nichteig
nungsverfügung in ihrem beruflichen Fortkommen auf dem Arbeitsmarkt beein
trächtigt ist. Auf Kausalitätsüberlegungen beruht auch die Befristung auf vier Jahre. Der Kausalzusammenhang zwischen der Nichteignungsverfügung und der Benachteiligung auf dem Arbeitsmarkt nimmt mit der Zeit ab. Hat ein
e v
ersi
cherte
Person
nach dieser Zeit noch immer keine geeignete Arbeit gefunden, ist die Beeinträchtigung nicht mehr mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf die Nichteignungsverfügung zurückzuführen, sondern auf andere Gründe, für die der Unfallversicherer nicht verantwortlich ist (BGE 138 V 41 E. 4.2).
1.6
V
ersicherte, die wegen eines Unfalles oder einer Berufskrankheit Anspruch auf eine Invalidenrente der Unfallversicherung haben, können darüber hinaus, für den Teil, in dem sie noch erwerbsfähig sind, Anspruch auf eine Übergangsent
schädigung haben. Wenn und soweit sie über eine ganze oder teilweise Erwerbs
fähigkeit verfügen, steht ihnen keine Invalidenrente zu Lasten des Unfallversi
cherers zu. In diesem Umfange beziehen sie keine «anderen Versicherungsleistun
gen» im Sinne von
Art.
84
Abs.
2 Satz 2 UVG. Damit verbietet es das UVG nicht, im Rahmen der verbliebenen Resterwerbsfähigkeit eine Übergangsentschädigung auszurichten (BGE 120 V 134 E. 4c/
bb
).
1.7
Keinen Anspruch
auf eine Übergangsentschädigung
hat, wer aufgrund einer vol
len Erwerbsunfähigkeit eine Rente der Invalidenversicherung bezieht und somit nicht wegen der Nichteignungsverfügung keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgeht (
Urteil des Bundesgerichts
8C_1031/2008
vom
2
9.
April
2009 E. 6.2). Kein An
spruch besteht für Zeiten, in denen die versicherte Person aus anderen Gründen als der Nichteignungsverfügung an der Arbeitssuche verhindert ist, etwa in Folge einer Schwangerschaft (
Urteil des Bundesgerichts vom
4.
Juli 19
94 = RKUV 1994 Nr. U 205, E. 3), oder wenn eine Arbeitsunfähigkeit aus nicht mit der Nichteig
nungsverfügung zusammenhängenden psychischen Gründen besteht (
Urteil des Bundesgerichts
8C_307/2013
vom
6.
März
2014
E. 4.3), oder während einer un
fallbedingten Arbeitsunfähigkeit, weil es im Umfang derselben an einem Zusam
menhang zwischen der Nichteignungsverfügung und der Beeinträchtigung der versicherten Person im beruflichen Fortkommen auf dem Arbeitsmarkt fehlt (
Urteil des
B
undesgerichts
8C_777/2011
vom
1.5
Mai 2
012 E. 4.2.2).
1.8
Trifft die Übergangsentschädigung mit anderen Sozialversicherungsleistungen zusammen, so wird sie nach
Art.
69
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
gekürzt (
Art.
89
Abs.
1 VUV). Nach der Systematik sowie dem Sinn und Zweck dieser Norm ist damit einzig das Zusam
mentreffen mit Leistungen anderer Sozialversicherer, und nicht mit den vom zu
ständigen Unfallversicherer erbrachten Leistungen gemeint
(Urteil des Bundesge
richts 8C_777/2011 vom 1. Mai 2012 E. 4.1)
.
Leistungen anderer Sozialversicherer
sind
nicht
bei der Prüfung des Anspruchs auf eine Übergangsentschädigung
zu berücksichtigen.
Sie
sind nur
, aber immer
hin,
von Bedeutung bei der Festsetzung der Höhe der Entschädigung unter Berücksichtigung der Regeln über das Zusammentreffen und die Kumulation von Leistungen im Sinne einer Überentschädigung
(BGE 130 V 433 E. 4
.5; Urteil des Bundesgerichts
8C_777/2011
vom
1.
Mai
2012 E. 4.1).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) davon aus,
das
während der IV-Umschulungsmassnahme
ausgerichtete Taggeld ersetze das Taggeld der Unfallversicherung, es ergänze es nicht. Angesichts der alternativen Leistungspflicht komme
Art.
89
Abs.
1 VUV nicht zur Anwendung (S. 4 Ziff. 2.5).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt,
Art.
89
Abs.
1 VUV sei anwendbar und er habe bis zur Überentschädigungsgrenze An
spruch auf die genannte Entschädigung (
Urk.
1 S. 4
Ziff.
14 ff.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob sich Übergangsentschädigung und IV-Taggeld aus
schliessen oder ob beide Ansprüche vorbehältlich einer allfälligen Überentschä
digung kumulativ bestehen.
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin geht offensichtlich von einer Gleichsetzung der Über
gangsentschädigung mit dem Taggeld der Unfallversicherung aus (vorstehend E.
2.1).
Wäre dies zutreffend, so würde der Anspruch in der Tat an
Art.
16
Abs.
3 UVG scheitern, wonach in der Unfallversicherung kein Taggeld gewährt wird unter anderem, wenn Anspruch auf ein IV-Taggeld besteht.
3.2
Die genannte Gleichsetzung findet jedoch weder i
n
Gesetz
und Verordnung
noch in der Rechtsprechung eine Stütze.
Schon die Gesetzessystematik lässt dies erkennen: Das Taggeld ist im Dritten Titel, in welchem die Versicherungsleistungen geregelt werden (
Art.
10
-50 UVG), ent
halten, die Übergangsentschädigung im Sechsten Titel, der die Unfallverhütung regelt (
Art.
81-88 UVG).
Sodann wird die Höhe der Übergangsentschädigung in
Art.
87
Abs.
1 VUV unter Bezugnahme auf die erlittene Lohneinbusse geregelt, während sich die Höhe des Taggeldes gemäss
Art.
17 UVG aus dem versicherten Verdienst und dem Umfang der Arbeitsunfähigkeit ergibt. Gemeinsam ist den beiden Bestimmungen lediglich das begrenzende Element von 80
%
. Die Übergangsentschädigung wird ferner weder in
Art.
87 VUV noch anderswo als Taggeld bezeichnet.
3.3
In der Rechtsprechung wird verschiedentlich betont, dass es sich bei der Über
gangsentschädigung
um eine Leistung
eigener Art handelt. Das durch sie abge
deckte Risiko ist ein anderes als
das
mit der Invalidenrente (und zuvor dem Tag
geld) abgedeckte (vorstehend E. 1.5).
Ein Anspruch auf sie kann deshalb bezogen auf eine verbliebene Resterwerbsfähigkeit selbst dann bestehen, wenn wegen einer unfallbedingten anhaltenden Erwerbsunfähigkeit Anspruch auf eine Invali
denrente der Unfallversicherung besteht (vorstehend E. 1.6). Die Fälle, in welchen ein Anspruch auf eine Übergangsentschädigung verneint wurde (vorstehend E.
1.7), lassen ferner erkennen, dass es stets darum geht, mit der
Übergangsentschä
digung den einkommenswirksamen Nachteil auszugleichen, welcher der versi
cherten Person aus der Nichteignungsverfügung erwächst.
3.4
Dieser Logik entsprechend
ist denn auch gemäss
Art.
87 1
Abs.
1 VUV die Lohn
einbusse der Massstab für die Höhe der Entschädigung (vorstehend E. 1.4) bezie
hungsweise sind gemäss
Art.
89
Abs.
1 VUV Leistungen anderer Sozialversicherer anzurechnen. Beide Bestimmungen bewirken, dass nicht mehr entschädigt wird, als was an Einbusse infolge der Nichteignungsverfügung entstanden ist.
3.5
Dies führt zusammenfassend zur Feststellung, dass es sich beim IV-Taggeld um die Leistung eines anderen Sozialversicherers handelt, die nach Massgabe von
Art.
89
Abs.
VUV bei der Bemessung der Übergangsentschädigung zu berück
sichtigen ist, und nicht etwa zur Annahme berechtigt, ein Anspruch auf Über
gangsentschädigung bestehe gar nicht.
Der angefochtene Entscheid ist demnach in Gutheissung der dagegen erhobenen Beschwerde mit dieser Feststellung aufzuheben, und die Beschwerdegegnerin wird die Höhe der dem Beschwerdeführer während des IV-Taggeldbezugs zustehenden Übergangsentschädigung nach Massgabe von
Art.
89
Abs.
1 VUV ermitteln.
4.
4.1
Dem obsiegenden und anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer steht eine Pro
zessentschädigung zu, die beim praxisgemässen Stundenansatz von
Fr.
200.
(zuzüglich Mehrwertsteuer) ermessensweise auf
Fr.
1'800.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bemessen und der Beschwerdegegnerin auf
zuerlegen ist.
4.2
Von der beantragten ausnahmsweisen
Zusprache
einer Prozessentschädigung für das
Einspracheverfahren
(
Urk.
1 S. 2 oben
Ziff.
4) ist nur schon angesichts der Geringfügigkeit des diesbezüglichen Aufwandes (vgl.
Urk.
8/38 =
Urk.
3
/
5) abzu
sehen.