# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 21ff2416-3587-4037-9ec1-2b67a37655c6
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1963, war
einzelzeichnungsberechtigter Gesellschafter und
Geschäftsführer der
Y._
,
über die am
2.
September 2019 der Konkurs eröffnet wurde
(
Urk.
6/224
und
Urk.
6/145
).
Am 2
7.
August 2019 hatte er den Antrag auf Insolvenzentschädigung (
Urk.
7/32-33) gestellt. Am
25.
September 2019
(
Urk.
7/29-3
1
) meldete
er
offene Forderungen für Löhne und Lohn
bestand
teile von
Fr.
90'274.--
beim Konkursamt
Z._
an
.
Mit Verfügung vom 2
9.
Oktober 2019 (
Urk.
7
/23)
wies das
Amt
für Wirtschaft und Arbeit
den Antrag auf Insolvenzentschädigung
ab und hielt hieran mit
Einspracheentsch
eid
vom 1
2.
Februar 2020 (
Urk.
7
/2) fest.
1.2
Am 2
6.
August 2019
hatte sich
X._
beim zuständigen Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) zur
Arbeits
vermittlung an
gemeldet
(
Urk.
6/238)
und
einen
Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung
ab
31.
Juli 2019
erhoben
(
Urk.
6/234
Ziff.
2)
.
Basierend auf einem v
ersicherten Verdienst von Fr.
3'613.--
wurden
dem Versicherten
die Taggeld
leistungen ab August 2019
aus
gerichtet
(vgl. Abrechnung
en
vom
1
1.
Oktober
[
Urk.
6/171
f.]
,
1
8.
November
[
Urk.
6/165
]
,
vom
3.
und
1
7.
Dezember 2019
[
Urk.
6/155,
Urk.
6/147
]
)
.
Am 7.
Januar 2020 ersuchte der Versicherte
um Erlass
eine
r
einsprachefähigen
Ver
fügung mit der Begründung
,
der versicherte Verdienst sei zu tief bemessen (
Urk.
6/141).
Am
9.
Januar 2020 setzte das Amt für Wirtschaft und Arbeit den versicherten Verdienst
verfügungsweise
auf
Fr.
3'613.
--
fest
(
Urk.
6/123-126)
.
Nach
dem der Versicherte dagegen am
7.
Februar 2020 (
Urk.
6/102 ff.)
Einsprache
erhoben hatte,
stellte das Amt für Wirtschaft und Arbeit am 1
3.
März 2020
(
Urk.
6/80 ff.)
dem Versicherten
einen Entscheid zu
seinen
Ungunsten
(
reformatio
in
peius
)
in Aussicht
,
indem
der
versicherte
Verdienst herabgesetzt werde
.
Am 1
6.
April 2020
(
Urk.
6/65)
teilte der Versicherte mit, dass er an seiner Einsprache festhalte. Mit
Einspracheentscheid
vom 1
2.
Mai 2020 (
Urk.
6/23
=
Urk.
2
)
setzte
da
s Amt für Wirtschaft und Arbeit
den versicherten Verdienst auf
Fr.
2'906.--
fest
und
forderte für die Zeit vom 26. August 2019 bis 3
1.
Januar 2020
zu viel
bezahlte Arbeitslosen
entschädigung von
Fr.
2'147.-- zurück
.
2.
Dagegen erhob de
r
Ve
rsicherte am 1
5.
Juni
2020 Beschwerde und beantragte (
Urk.
1
S. 2):
1.
Es sei der
Einspracheentscheid
vom 1
2.
Mai 2020 aufzuheben.
2.
Es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerdeführer die gesetzlichen Leistungen auszurichten; insbesondere sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, den versicherten Verdienst des Beschwerdeführers ab Beginn des Leistungsanspruchs auf
Fr.
6'426.90 zu erhöhen.
3.
Es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, auf eine Rückforderung zu verzichten.
Mit Beschwerdeantwort vom 2
4.
August
2020
(
Urk.
5)
beantragte die Beschwerde
gegnerin die Abweisung
der Beschwerde, was dem
Beschwerdef
ührer
am 28
.
August
2020 zur
Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9
).
Am 1
6.
September 2020 reichte der Beschwerdeführer eine Stellungnahme mit weiteren Unterlagen ein (
Urk.
10 und
Urk.
11/1-4). Diese wurde
n der Beschwerdegegnerin am 17.
Sep
tember 2020 zugestellt
(
Urk.
12)
.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Eine der Voraussetzungen für den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ist nach
Art.
8
Abs.
1
lit
. e des
Bundesgesetz
es
über die obligatorische Arbeitslosen
versicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG)
die Erfüllung der Betrags
zeit oder gegebenenfalls die Befreiung davon.
Nach der Rechtsprechung ist die Ausübung einer an sich beitragspflichtigen Beschäftigung nur Beitragszeiten bildend, wenn und soweit
hiefür
effektiv ein Lohn ausbezahlt wird. Mit dem Erfordernis des Nachweises effektiver Lohn
zahlung sollen und können Missbräuche im Sinne fiktiver Lohnvereinbarungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer verhindert werden. Als Beweis für den tatsächlichen Lohnfluss genügen Belege über entsprechende Zahlungen auf ein auf den Namen des Arbeitnehmers oder der Arbeitnehmerin lautendes Post- oder Bankkonto. Bei behaupteter Barauszahlung fallen Lohnquittungen und Auskünfte von ehemaligen Mitarbeitern (allenfalls in Form von Zeugenaussagen) in Betracht. Höchstens Indizien für tatsächliche Lohnzahlung bilden Arbeitgeber
be
scheinigungen, vom Arbeitnehmer oder der Arbeitnehmerin unterzeichnete Lohn
abrechnungen und Steuererklärungen sowie Eintragungen im individuellen Konto (BGE 131 V 444 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.2
Nach
Art.
23
Abs.
1
AVIG
gilt als versicherter Verdienst der im Sinne der AHV
Gesetzgebung massgebende Lohn, der während eines Bemessungszeitraums
aus einem oder mehreren Arbeitsverhältnissen normalerweise erzielt wurde.
Art.
37
der
Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV)
regelt den Bemessungszeitraum. Nach
Abs.
1 bemisst sich der versicherte Verdienst nach dem Durchschnittslohn der letzten sechs Beitragsmonate (nach
Art.
11 AVIV) vor Beginn der Rahmenfrist für den Leistungsbezug. Nach
Abs.
2 bemisst er sich dann nach dem Durchschnittslohn der letzten zwölf Beitragsmonate vor Beginn der Rahmenfrist für den Leistungs
bezug, wenn dieser Durchschnittslohn höher ist als derjenige nach Absatz 1.
Der Bemessungszeitraum beginnt nach
Abs.
3, unabhängig vom Zeitpunkt der Anmeldung zum Taggeldbezug, am Tag vor dem Eintritt eines anrechenbaren Verdienstausfalls. Voraussetzung ist, dass vor diesem Tag mindestens zwölf Bei
tragsmonate innerhalb der Rahmenfrist für die Beitragszeit liegen. Bei Lohn
schwankungen, die auf einen branchenüblichen Arbeitszeitkalender zurückzu
führen sind, bemisst sich der versicherte Verdienst gemäss
Abs.
3
bis
nach den Absätzen 1-3, jedoch höchstens aufgrund der vertraglich vereinbarten jahres
durchschnittlichen Arbeitszeit.
1.3
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist bei der Ermittlung des versicherten Ver
dienstes grundsätzlich von den tatsächlichen Lohnbezügen auszugehen. Von dieser Regelung im Einzelfall abzuweichen, rechtfertigt sich nur dort, wo ein Missbrauch im Sinne der Vereinbarung fiktiver Löhne, welche in Wirklichkeit nicht zur Auszahlung gelangt sind, praktisch ausgeschlossen werden kann (BGE
128 V 189 E. 3a/
aa
, siehe auch BGE 131 V 444 E. 3.2.3; ARV 2014 Nr. 6 S.
144 E. 3.4.1.2, 2012 Nr. 11 S. 290 E. 3.1).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen
Einspracheentscheid
damit
(
Urk.
2 S. 4)
,
dass der Beschwerdeführer ab
1.
November
1995 als Geschäfts
führer für die
Y._
tätig gewesen sei und
er
diese Tätigkeit für die Gesellschaft per 3
1.
Juli 2019 beendet habe.
Der Konkurs über die
Y._
sei
am
2.
September
2019 eröffnet
worden
.
D
er Z
eitraum für die Berech
nu
ng des versicherten Verdienstes erstrecke sich
somit vom
1.
Februar
bis
3
1.
Juli
201
9 (sechs Monate) bzw. vom
1.
August
2018 bis
3
1.
Juli 2019 (zwölf Monate). In dieser
Zeitspanne
sei der Beschwerdeführer als
Gesellschafter und Geschäfts
füh
rer mit Einzelzeichnungsberechti
gung fak
tisch sein eigener Arbeitgeber gewe
sen
,
weshalb
hinsichtlich des Lohnflusses weitergehende Abklärungen zu treffen
gewesen
seien
.
Das Lohnjournal wie auch der Arbeitsvertrag stellten dabei ledig
lich eine Parteibehauptung respektive ein Indiz für den tatsächlichen Lohnbezug
dar. Der Beschwerdeführer gestehe dabei selber ein, dass er sich die Löhne seit Dezember 2018 nicht mehr habe ordentlich bezahlen können
.
D
ie Eingänge auf dem Privatkonto des
Beschwerdeführers
stimmten denn auch nur in wenigen Monaten mit dem Lohnjournal überein.
Die
Auszüge aus
dem Privatkonto
(gemäss Tabelle)
zeig
ten für die Zeit
von August 2018 bis Juli 2019 eine Tot
al an Lohnzahlungen von
Fr.
34'876.--.
Für ein Abstellen auf
eine
Lohnabrede, obwohl der Beschwerdeführer
gemässe
den eigenen Angaben
gar
nicht in der Lage gewesen sei, diese entsprechend der ver
traglichen Regelung zu bezahlen, bleibe kein Raum (S. 5).
Der versicherte Ver
dienst sei entsprechend auf
Fr.
2'906
.-- (
Fr.
34'902.
-- :
12)
festzusetzen.
Da dem Beschwerdeführer eine Arbeitslos
enentschädigung in Höhe von Fr.
11'606.20 netto zustehe
,
sei die zu viel bezahlte Arbeitslosenentschädigung in Höhe von
Fr.
2'147.70 (
Fr.
13’753.90 –
Fr.
11'606.20) z
urückerstatten.
2.2
Der Beschwerdeführer stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt
(S. 3 f.)
, er sei bei der
Y._
als Geschäftsführer angestellt gewesen. Das Unter
nehmen habe zuletzt neben ihm noch drei weitere Mitarbeiter beschäftigt. Auf
grund eines kurzfristigen Finanzierungsstopps des Investors habe die GmbH Kon
kurs anmelden müssen und dieser sei mit Urteil vom
2.
September 2019 eröffnet worden. Aus diesem Grund habe er einen Antrag um Ausrichtung von Insolvenz
entschädigung und zusätzlich einen Antrag um Ausrichtung von Arbeitslo
senentschädigung gestellt. Der Anspruch auf Insolvenzentschädigung sei rechts
kräftig abgewiesen worden.
V
orliegend
sei die Frage streitig
, ob für die Ermittl
ung des versicherten Verdiensts
auf die Lohnabrede oder die tatsächl
ichen Lohnbezüge abzustellen sei
.
Dabei sei es widersprüchlich, wenn ihm eine Insolvenzentschädigung verwehrt und gleich
zeitig im Zusammenhang mit der Arbeitslosenentschädigung für die Ermittlung des versicherten Verdienst
es nicht der tatsächliche
Lohnanspruch berücksichtigt werde (S. 5). Es liege ein begründeter Ausnahmefall vor, um nicht auf die tat
sächlichen Lohnbezüge
,
sondern auf die Lohnabrede zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer abzustellen. Denn
,
als
sich
die finanzielle Situation bei der
Y._
begonnen
habe
sich
anzuspannen, habe
er
die Löhne
der anderen Ange
stellten
,
mit Ausnahme des letzten Monatslohns, immer korrekt und pünktlich ausbezahlt.
Dies sei nur möglich gewesen, weil er zugunsten der anderen Ange
stellten auf die Auszahlung von Teilen seines Lohns verzichtet habe. In einer solch
en Konstellation könne es
nicht
zutreffen
d
sein
, dass der versicherte Ver
dienst aufgrund tatsächl
ich erfolgter Zahlungen ermittelt werde
, ansonsten der Anreiz
geschaffen würde, dass Personen
in seiner Situation
,
sich weiterhin den vollständigen Lohn auszahl
t
e
n
, im Wissen darum, dass die anderen Angestellten
eine Insolvenzentschädigung erhalten würden, falls es zum Konkurs kommen sollte (S. 6 f.).
Dass nach dem finanziellen Einbruch seine Löhne nicht mehr aus
bezahlt worden seien, heisse nicht, dass die
Y._
ihm die Löhne nicht schuldig geblieben sei (
Urk.
10 S. 2).
Gemäss Lohnkonto 2019 habe er in den letzten sechs Monaten vor der Arbeitslosigkeit einen monatliche
n Lohnanspruch von Fr.
5'600.--
plus
Fr.
360.25 Zulage gehabt. Hinzu käm
e
n
Fr.
466.65 für den 1
3.
Monatslohn. Dies
ergebe
einen monatlichen AHV
pflichtigen Lohnanspruch und damit einen versicherten Verdienst von
Fr.
6’426.90
(
Urk.
1 S. 7)
.
3.
3.1
Es
ist unbestritten und aufgrund der Akten belegt, dass der Beschwerdeführer
einzelzeichnungsberechtigter Gesellschafter und Geschäftsführer der
konkursiten
Y._
war
(
Urk.
6/222-224
und
Urk.
6/145)
.
Mit der
Konkurseröffnung
am
2.
Sept
ember 2019
endete
damit
seine arbeitgeberähnliche Stellung
.
In Bezug auf die hier geltend gemachte Arbeitnehmertätigkeit war
er faktisch sein eigener Arbeitgeber,
konnte er
doch
allein seinen Loh
nanspruch festlegen und wie die Aktenlage belegt, selber
das Arbeitsverhältnis begrü
nden und
ohne eine Kündigungsfrist per 3
1.
Juli 2019 beenden
(vgl.
Urk.
6
/
214
) sowie selber
Spesen
reglemente
(
Urk.
6/203)
und
Lohnabrechnungen
genehmigen
und
die Lohn
zahlungen an sich selber und seine Mitarbeiter vornehmen
(
vgl.
Urk.
1 S. 7
)
wie auch die Arbeitgeberbescheinigung zuhanden der Arbeitslosenversicherung
aus
füllen (
Urk.
6/231-232)
. Gleichzeitig führte
er
die Geschicke der Arbeitgeberin allein und verfügte dabei über eine uneingeschränkte Dispositionsfreiheit namentlich auch hinsichtlich der finanziellen Belange
.
Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht ausführte, war i
n Anbetracht der dieser Konstellation innewohnenden Gefahr, mittels fiktiver Lohnvereinbarungen zwi
schen Arbeitgeber und Arbeitnehmer rechtsmissbräuchlich Arbeitslos
enent
schädigung zu erwirken,
der Frage des tatsächlichen Lohnflusses
grundsätzlich
entscheidende Bedeutung beizumessen und diese besonders sorgfältig zu prüfen.
Die
in diesem Zusammenhang
von der Beschwerdegegnerin tabellarisch aufge
zeigten Lohnauszahlungen wurden vom Beschwerdeführer nicht bestritten
und sind
durch die Akten
belegt
.
Diese präsentieren sich wie folgt:
Lohnperiode
Lohnabrechnung Lohnjournal
e
(
Urk.
6/233 und
Urk.
6/227)
Netto Auszahlung
Datum der Gutschrift
(
Urk.
6/208-209)
Bruttoeinkommen
August
2018
Fr.
5’133
.
3
5
(4
’
750 + (4
’
600/12)
Fr.
3'640.35
11.09.2018
Fr.
5'133.35
Sept
ember
2018
Fr.
6'216.65
(5'750 + (5’600/12)
Fr.
3'640.35
26.09.2018
Fr.
5'133.35
Oktober
2018
Fr.
6'216.65
Fr.
4'560.55
26.10.2018
Fr.
6'216.65
November
2018
Fr.
6'216.65
Fr.
4'560.55
27.11.2018
Fr.
6'216.65
Dezember
2018
Fr.
6'216.65
Fr.
4’540.70
20.08.2019
Fr.
6'216.65
Januar
2019
Fr.
6'
426
.
90
(
5
’
960.25 + (5’600/12)
Fr.
4'580.40
08.07.2019
Fr.
5’960.25
Februar
2019
Fr.
6'
426
.
90
Fr.
0.00
—
Fr.
0.00
März 2019
Fr.
6'
426
.
90
Fr.
0.00
—
Fr.
0.00
April 2019
Fr.
6'
426
.
90
Fr.
0.00
—
Fr.
0.00
Mai 2019
Fr.
6'
426
.
90
Fr.
0.00
—
Fr.
0.00
Juni 2019
Fr.
6'
426
.
90
Fr.
0.00
—
Fr.
0.00
Juli 2019
Fr.
6'
426
.
90
Fr.
0.00
—
Fr.
0.00
Total
Fr.
74'988.25
Fr.
25'522.90
—
Fr.
34'876.90
3.
2
Der Beschwerdeführer
macht
in diesem Zusammenhang denn auch nicht
geltend
, dass entsprechende Lohnzahlungen
–
vorliegend relevant
sind
die Löhne
von Februar bis Juli 2019
–
tatsächlich
zur Auszahlung
gelangten
,
oder
dass auf dem
vereinbarten
Lohn Sozialversi
cherungsbeiträge
verabgabt
wurden
(vgl. auch IK
Auszug [
Urk.
6/75])
.
Vielmehr
vertritt
er
die Auffassung
,
dass die
in diesem Zeitraum
unbestrittenermassen
nicht zur Auszahlung gelangte
n
Lohn
zahlungen
bei der Berechnung des versicherten Verdienstes
trotzdem
anzurechnen
seien
und
dazu
auf
die
Lohnabrede
abzustellen
sei, wenn besondere Gründe gemäss
BGE
128 V 189
vorliegen
würden
(
Urk.
1 S. 6).
3.3
3.3.1
Praxisgemäss ist bei der Ermittlung des versicherten Verdienstes der im Bemessungs
zeitraum tatsächlich erzielte Lohn massgebend; eine davon abwei
chende Lohnabrede zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer hat grundsätzlich unbeachtlich zu bleiben.
Der versicherte Verdienst nach
Art.
23 AVIG bildet damit ein Korrektiv bei allfälligen missbräuchlichen Lohnvereinbarungen
zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Von dieser Regelung im Einzelfall abzuweichen rechtfertigt sich nur dort, wo ein Missbrauch im Sinne der Verein
barung fiktiver Löhne, welche in Wirklichkeit nicht zur Auszahlung gelangt sind, praktisch ausgeschlossen werden kann (
Urteil des Bundesgerichts 8C_743/2008 vom
9.
Februar 2009
E. 3
mit Hinweisen).
Des Nachweises eines konkret erfolgten Missbrauches bedarf es
dabei
nicht, um nicht ausbezahlte Löhne beim versicher
ten Verdienst unberücksichtigt zu lassen. Massgebend ist, ob eine Missbrauchs
gefahr praktisch ausgeschlossen werden kann
(
Urteil des Bundesgerichts 8C_743/2008 vom 9. Februar 2009 E. 5.2
)
.
3.3.2
Aus den Ausführungen des Beschwerdeführers
in der Beschwerde
ergibt sich, dass er ab Dezember 2018 bewusst den weiteren Arbeitnehmern ihren Lohn möglichst lange weiter auszahlte und aufgrund der Zahlungsschwierigkeiten der
Y._
selbst (vorläufig) auf die Auszahlung des Lohnes verzichtete
(
Urk.
1 S. 6)
. Motiv für den
(vorläufigen)
Verzicht auf Auszahlung des eigenen Lohnes war es dabei jedenfalls nicht, den Staat von der Zahlung von Insolvenzentschädigungen zu bewahren, zumal der Beschwerdeführer sich des Umstands, dass er selbst keinen Anspruch auf Insolvenzentschädigung hat, gar nicht bewusst gewesen war. Vielmehr ist grundsätzlich anzunehmen, dass der Beschwerdeführer
mit seinem (vorläufigen) Lohnverzicht die finanziellen Schwierigkeiten überbrücken und
zusehen wollte, ob
sich damit ein
Konkurs der
Y._
noch abwen
den liesse.
Das Bundesgericht ging in
vergleichbaren Konstellationen
davon aus, dass sich eine Missbrauchsgefahr nicht ausschliessen lasse. Im Falle eines
Arbeitnehmer
s, der
zur Unterstützung der neu gegründeten Arbeitgeberfirma vorläufig auf die Auszahlung des vereinbarten Lohnes
verzichtet hatte
und
bei dem es
in der Folge aufgrund Insolvenz der Firma nicht zur Auszahlung des Lohnes
kam
,
wurde de
r vereinbarte, jedoch nicht ausb
ezahlte Lohn
beim versicherten Verdie
nst nicht berücksichtigt
(Urteil des Bundesgerichts 8C_7
43/2008 vom
9.
Februar 2009 E.
5.2
).
Auch im Fall, wo
eine
einzig in den Geschäftsbüchern erfasste Lohn
summe
vorlag
, die nie tatsächlich zur Auszahlung gelangte, weil es die finanzielle Lage der Unternehmung nicht zuliess,
wurde eine Missbrauchsgefahr als gegeben erachtet
und gar ein Verdienstausfall als solcher verneint (Urteil des Bundes
gerichts 8C_150/2020 vom
8.
April 2020 E. 4)
. Das Bundesgericht hielt
in diesen Fällen
fest, dass eine Berücksichtigung
nicht ausb
ezahlter Löhne
zu einer Abwälzung des unternehmerischen Risikos auf die
Arbeitslosenversicherung führe, was nicht angehe
(vgl.
U
rteil des Bundesgerichts 8C_150/2020 vom
8.
April 2020 E. 4).
Dasselbe
hat auch vorliegend zu gelten, wo der Beschwerdeführer – davon ist wie ausgeführt auszugehen
–
mit einem (vorläufigen) Lohnverzicht
die finanziellen
Schwierigkeiten überbrücken
wollte. Z
umindest kann eine Missbrauchsgefahr nicht von vorneherein ausgeschlossen werden, womit für den versicherten Ver
dienst auf die tatsächlich ausbezahlten Löhne abzustellen ist.
Festzustellen bleibt, dass die vom Beschwerdeführer beschriebene Gefahr, dass arbeitgeberähnliche Personen sich
künftig
bei Insolvenz
ihren eigenen Lohn weiter auszahlen und die Lohnzahlungen der weiteren Arbeitnehmer
einstellen, weil diese durch Insolvenzzahlungen gedeckt sind, und
dass
damit ein f
alscher Anreiz geschaffen wird,
kaum besteht
(vgl.
Urk.
1 S. 6 f.)
.
Soweit der Beschwer
de
führer
nämlich
Löhne der weiteren
Arbeitnehmer
nicht mehr ausbezahlt hätte, so wäre er Gefahr gelaufen, dass diese die Löhne
relativ bald
mittels Betreibung eingefordert und so ein früheres Konkursverfahren erwirkt hätten
und er somit die Geschicke der Fir
ma aus der Hand gegeben hätte
. Der (vorläufige) Verzicht auf den eigenen Lohn bei
Auszahlung der Löhne der weiteren Arbeitnehmer
dürfte wohl regelmässig damit im Zusammenhang stehen,
davon ist ohne Weite
res auszugehen,
den Konkurs
einer
Firma eventuell doch noch abwenden
oder eventuell auch nur hinauszögern
zu können.
Der Frage des Anspruches auf
Insolvenzentschädigung kommt
dabei
keine entscheidende Bedeutung zu.
3.3.3
Würden sodann Löhne berücksichtigt, die nicht ausbezahlt wurden, so würde sich die Frage nach der
zu berücksichtigenden
Lohnhöhe stellen.
Im vorliegenden Fall ist aus den
Angaben im Lohnkonto 2018
ersichtlich
,
dass
der Grundlohn des Beschwerdeführers ab September 2018 um
Fr.
1'000.
--
erhöht
worden
, wobei der Septemberlohn am 2
6.
September 2018 dem Konto des Beschw
erdeführers gutgeschrieben worden war (
Urk.
6/233
, vgl. E.
3.1)
. Dieser höhere Lohn gelangte in der Folge für weitere zwei Monate ordentlich zur Aus
zahlung. Ab Dezember 2018 erfolgten die Lohnzahlungen erheblich verspätet oder gar nicht mehr
(E. 3.1)
. Dies belegt, dass bereits im Dezember 2018 massge
bliche finanzielle Schwierigkeiten d
er
Y._
bestanden haben müssen
. Ob sich diese finanziellen Schwierigkeiten
Ende
September 2018, dem Zeitpunkt der
erstmaligen
A
uszahlung des
höheren Lohnes
,
bereits abgezeichnet hatten, kann offenbleiben, da kein konkreter Missbrauch belegt werden muss. Jedenfalls ergibt sich aber
auch
aus diesen Umständen, dass in Anbetracht der Stellung des Beschwerdeführers in der
Y._
eine Missbrauchsgefahr nicht praktisch sicher ausgeschlossen werden kann.
3.3.4
Zusammenfassend hat d
ie Beschwerdegegnerin damit den versicherten Verdienst im massgebenden Zeitraum zu Recht auf
Fr.
34'876.90 respektive
auf
Fr.
2'906.
- monatlich festgelegt.
4.
Die Beschwerdegegnerin
erbrachte ihre Versicherungsleistungen von August 2019 bis Januar 2020 gestützt auf einen versicherten Verdienst von
Fr.
3
’
613.--. Auf dieser Basis richtete sie im besagten Zeitraum
Fr.
13'753.90 aus
(vgl.
Urk.
6/
171, 6/165, 6/155, 6/147, 6/97). Nach dem hiervor Gesagten stand
en
dem Beschwerdeführer jedoch die Versicherungsleistungen gestützt auf einen versicherten Ve
rdienst
von
Fr.
2'906.
-- und damit
ein
Taggeld
von
107.15
zu
(
Fr.
2'906.--x 80
%
/ 21.7). Bei insgesamt
115
kontrollierten Arbeitstagen
zuzüg
lich Reise und
Verpfle
g
ungs
kosten von
Fr.
230.40
abzüglich Beiträge der AHV/
IV/EO,
NBU
und BVG Risikoprämie, ist der
von
der
Beschwerdegegnerin
ermittelte Anspruch von
Fr.
11'606.20 ausgewiesen (vgl.
Urk.
6/35 bis
Urk.
6/46). Gründe, welche gegen
die
Rückforderung von
Fr.
2'
147.70 an Versicherungs
leistungen
sprechen
, die dem Beschwerdeführer zu viel ausgerichtet wurden
, sind keine ersichtlich und werden auch nicht geltend gemacht. Damit ist der
Ein
spracheentscheid
auch in dieser Hinsicht nicht zu beanstanden.
Die Beschwerde ist damit insgesamt abzuweisen.