# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 91cde906-4c23-4844-976f-73f03cb638b7
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1958, meldete
sich a
m 22. Dezember 2009 bei der Inva
lidenversicherun
g zum Leistungsbezug an (Urk. 10
/7). Die
Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
holte unter anderem ein polydisziplinäres Gutachten ein, das am 21. April 2011 erstattet (Urk. 10/44)
und am
27. Mai 201
1
ergänzt (Urk. 10/51)
wurde
, und sprach dem Versicherten mit
Verfügung vom
18. April
2012 (Urk.
10/84
; vgl. Urk. 10/73
)
bei einem Invaliditätsgrad von 100 %
eine ganze Rente vom 1. August 2010 bis 31. Mai 2011
zu
. Für die Zeit danach verneinte sie
bei einem Invaliditätsgrad von 31 %
einen
Rentena
n
spruch
.
Dies wurde vom hiesigen Gericht mit Urteil vom 27. August 2013 im Verfahren Nr. IV.2012.00552 bestätigt (Urk. 10/134.
1.2
Nach Eingang einer erneuten Anmeldung am 27. März 2014 (Urk. 10/136) holte die IV-Stelle unter anderem ein psychiatrisches Gutachten, das am 16. Februar 2015 erstattet wurde (Urk. 10/150), und ein polydisziplinäres Gutachten, das am 17. September 2015 erstattet wurde (Urk. 10/160), ein.
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 10/162, Urk. 10/168) ver
neinte sie mit Verfügung vom 8. April 2016 einen Rentenanspruch (Urk. 10/170 = Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am 9. Mai 2016 Beschwerde gegen die Verfügung vom 8. April 2016 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm ab März 2014 eine Dreiviertelsrente und ab Juni 2015 eine halbe Rente zuzusprechen (Urk. 1 S. 2 Ziff. 1-2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 13. Juni 2016 (Urk. 9) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom 4. Juli 2016 (Urk. 12) wurde antragsgemäss (Urk. 1 S.
2 Ziff.
5
) die unentgeltliche Prozessführung bewilligt und es wurde ein
e
er
gän
zende gutachterliche Stellungnahme eingeholt, die am 22. August 2016 er
stattet wurde (Urk. 15). Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 9. September 2016 darauf, dazu Stellung zu nehmen (Urk. 18)
. D
er Beschwerdeführer nahm am 13. September 2016 dazu Stellung (Urk. 19), was der Beschwerdegegnerin am 15. September 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 20).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbe
zü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1
des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, AT
SG
). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen
Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenan
sp
ruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wes
ent
li
chen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidier
bar, wenn
sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesund
heits
zustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E.
3.5 mit Hinweisen).
Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich geblie
bener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bundesgerichts 9C_261/2009 vom 11.
Mai
2009 E.
1.2 und I 212/03 vom 28. August
2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswir
kungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar.
1.2
Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Ände
rung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Einspracheentscheid, welche oder welcher auf einer mate
riellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsab
klä
rung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9
C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.
1 mit Hinweisen).
1.3
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei Vorliegen einer anhaltenden soma
to
formen Schmerzstörung oder eines damit vergleichbaren psychosomatischen Leidens (BGE 141 V 281 E. 4.2) sind Indikatoren beachtlich, die das Bundes
ge
richt wie folgt systematisiert hat (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
funktioneller Schweregrad:
-
Gesundheitsschädigung
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz
-
Komorbiditäten
-
Persönlichkeit (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen)
-
Sozialer Kontext
-
Konsistenz (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener
Leidens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshin
dernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Res
sour
cen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schät
z
en (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2.1).
Beweisrechtlich entscheidend ist der Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4): Der Indikator einer gleichmässigen Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen zielt auf die Frage ab, ob die diskutierte Einschränkung in Beruf und Erwerb (bzw. bei Nichterwerbstätigen im Aufga
ben
bereich) einerseits und in den sonstigen Lebensbereichen (z.B. Freizeit
ge
staltung) anderseits gleich ausgeprägt ist. Dabei ist das bisherige Kriterium des sozialen Rückzugs (wiederum) so zu fassen, dass neben Hinweisen auf Ein
schränkungen auch Ressourcen erschlossen werden; umgekehrt kann ein krank
heitsbedingter Rückzug aber auch Ressourcen zusätzlich vermindern. Soweit erhebbar, empfiehlt sich auch ein Vergleich mit dem Niveau sozialer Aktivität vor Eintritt der Gesundheitsschädigung. Das Aktivitätsniveau der versicherten Person ist stets im Verhältnis zur geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit zu sehen (BGE 141 V 281 E. 4.4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1).
Die Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen, das heisst das Ausmass, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben vernachlässigt werden, weist (ergänzend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz unter dem Komplex
„
Gesundheitsschädigung
“
) auf den tatsächlichen Leidensdruck hin. Dies gilt allerdings nur, solange das betreffende Verhalten nicht durch das laufende Versicherungsverfahren beeinflusst ist. Nicht auf feh
len
den Leidensdruck zu schliessen ist, wenn die Nichtinanspruchnahme einer empfohlenen und zugänglichen Therapie oder die schlechte Compliance klarer
weise auf eine (unabwendbare) Unfähigkeit zur Krankheitseinsicht zurückzu
füh
ren ist. In ähnlicher Weise zu berücksichtigen ist das Verhalten der ver
sicherten Person im Rahmen der beruflichen (Selbst-) Eingliederung. Inkonsi
stentes Ver
halten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend gemachte Einschränkung sei anders
begründet als durch eine versicherte Gesundheitsbeeinträchtigung (BGE 141 V 281 E. 4.4.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.2).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
akten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus, zwar sei dem Beschwerdeführer ein Arbeitsfähigkeit von nur 70 % in ange
passter Tätigkeit attestiert worden. Die dies begründenden Diagnosen würden jedoch als nicht langandauernd beurteilt (S. 2 oben). Folglich habe sich seit dem Entscheid vom April 2012 keine Änderung des Gesundheitszustandes ergeben (S. 2 Mitte). Gemäss dem eingeholten Gutachten habe keine depressive Episode mehr diagnostiziert werden können und der Beschwerdeführer sei in Bezug auf Alltagsaktivitäten in seinem Umfeld nicht eingeschränkt (S. 2 unten).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1), es sei von der im Gutachten attestierten Arbeitsfähigkeit von lediglich 70 % aus
zugehen (S. 8)
,
und die Prüfung der Indikatoren gemäss BGE 141 V 281 ergebe, dass die gutachterlich festgestellte Einschränkung nachvollziehbar sei (S. 9 ff.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob der Gesundheitszustand und die anspruchs
rele
vante Arbeitsunfähigkeit im Verfügungszeitpunkt auf eine revisionsrelevante Veränderung seit April 2012 schliessen lassen.
3.
3.1
Der bis 31. Mai 2011 befristeten Rentenzusprache
vo
m April 2012 (Urk. 1
0
/84) lag insbesondere ein von den
Ärzte
n
des
Y._
am 21. April 2011
im Auftrag der Beschwerdegegnerin
erstattete
s
Gutachten
(Urk. 10
/44)
zugrunde. Darin
nannten
die Gutachter
die folgenden Diag
nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 14 lit. E Ziff.1):
-
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom beidseits, Spondylarthrose mit
neuro
foraminaler
Einengung beidseits und
bisegmental
L5/S1 und L4/5, kein korrelierendes radikuläres Störmuster
-
Coccygodynie
mit
myofaszialer
Schmerzsymptomatik und linksbetonter Irritation des
Nervus
ischiadicus
, hieraus erklärbare Parästhesien in des
sen Inner
vationsgebiet im Unterschenkel und Fuss
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie einen Status nach
Epididymektomie
Juni 2010, eine Lebersteatose, eine
Dyslipidämie
, einen Nikotinabusus sowie geringgradige szintigrafische Befunde im Sinne be
las
tungsbedingter
/
degenerativ bedingter Veränderungen an beiden Schul
tern, beiden Kniegelenken, den Sprunggelenken rechts und links und an allen Fin
gergelenken, jeweils ohne klinisch funktionelles Korrelat (S. 14 lit. E Ziff. 2).
Sie führten aus,
e
s könne davon ausgegangen werden, dass der Beschwerde
führer seine bisherige Tätigkeit als Maler wegen degenerative
r
Schäden und die Belastbarkeit der Wirbelsäule und des Rumpfes einschrän
kender
Befunde dauer
haft nicht mehr werde ausüben können. Geeignet seien rückenadaptierte, wechselbelastende leichte bis mittelschwere Tätigkeiten mit einem Gewichtslimit von 15 kg (S. 13 oben).
Aus neurologischer Sicht seien für die abschliessende Beurteilung einer geeig
neten Verweistätigkeit die gegenwärtig noch laufenden akutmedizinischen Ab
klärungen und Behandlungen abzuwarten. Falls keine weiterführenden rele
vanten symptomatischen Ursachen als Grundlage der
Coccygodynie
gefunden würden, was angesichts des unauffälligen Skelettszintigramms als überwie
gend wahrscheinlich erscheine, könne für eine Verweistätigkeit zumindest eine wechselbelastende rückengerechte Tätigkeit im Umfang von 100 % empfohlen werden (S. 13 unten).
Aus psychiatrischer Sicht hätten sich keinerlei psychopathologische Befunde und somit auch keinerlei beeinträchtigende
n
Diagnosen gefunden (S. 14 oben).
Dem Beschwerdeführer seien leichte bis mittelschwere, wechselbelastende und rückenadaptierte Tätigkeiten zu 100 % zumutba
r. Langfristiges Sitzen und Ste
hen sei wegen der Rückenpathologie mit jeweils 30 Minuten limitiert. Auch zu meiden seien Arbeiten mit Zwangshaltungen sowie auf unebenem Gelände, Gerüsten oder Leitern. Weiter sei das Heben, Tragen und Bewegen von Lasten mit 15 kg limitiert (S. 15 f.).
3.
2
Am 27. Mai 2011 nahmen die Ärzte des
Y._
zu den Zusatzfragen der
Be
schwerdegegnerin Stellung (Urk. 10
/51) und führten aus, die hausärztlich angegebenen Arbeitsunfähigkeiten könnten bestätigt werden. Die von ihnen gut
achterlich postulierte Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit von 100 % gelte durchgehend und rückblickend ab dem 7. August 2009 (S. 1). Eine Ar
beitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit von 100 % gelte zumindest ab dem dokumentierten unauffälligen Ergebnis der
skelettszintigrafischen
Untersuchung vom 14. Februar 2011 (S. 2 oben).
3.3
Das hiesige Gericht kam in seinem Urteil vom 27. August 2013 (Urk. 10/134) zum Schluss, es sei sowohl in Bezug auf die Diagnosen als auch in Bezug auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit auf das
Y._
-Gutachten abzustellen
und von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in sämtlichen körperlich leichten und
mittelschweren Tätigkeiten gemäss Zumutbarkeitsprofil auszugehen (S. 14 E. 4.5
), was zur Bestätigung der mit Verfügung vom 18.
April
2012 erfolgten Renten
befristung per Ende Mai 2011 führte (S. 14 E. 4.6).
4.
4.1
Am 16. Februar 2015 erstattete PD Dr. med.
Z._
, Facharzt für Psy
chiatrie und Psychotherapie, ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (Urk. 10/150). In diagnostischer Hinsicht führte er aus, aktuell weise der Ver
sicherte ein
depressives
Bild auf, das als mindestens mittelschwer zu qualifi
zie
ren sei
. Aus näher genannten Gründen könnte man die Symptomatik auch als schwer betrachten
(S. 22 unten)
. Wolle man den Beitrag der Depression zur Arbeitsunfähigkeit quantifizieren, so ergebe sich aus der Beschreibung der Symp
tome und ihren Auswirkungen auf das tägliche Leben eine anzunehmende Einschränkung von gegen 50 % (S. 23 Mitte).
4.2
Am 17. September 2015 erstatteten die Ärzte der
A._
ein
Gutachten
im Auftrag der Beschwerdegegnerin
(Urk.
10/160
/1-28
)
, dies unter Einbezug der Disziplinen Allgemeine Innere Medizin, Psychiatrie und Psychotherapie, Physikalische Medizin und Rehabili
tation sowie Rheumatologie, und Neurologie (S. 27).
Sie nannten folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 22 Ziff. 6.1):
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Sympto
men (ICD-10 F45.41)
-
lumbospondylogenes Schmerzsyndrom beidseits mit / bei:
-
Spondylarthrose mit
neuroforaminaler
Einengung beidseits und
bisegmental
L5/S1 und L4/5
-
aktuell keine Hinweise für eine
Radikulopathie
-
Coccygodynie
mit
myofaszialer
Schmerzkomponente
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie einen Status nach mittelgradiger depressiver Episode, einen Reizzustand des
Nervus
ischiadicus
rechts ohne begleitende sensomotorische Defizite, einen Status nach
Epididymektomie
rechts Dezember 2010, nach
Hämorrhoidenligatur
Oktober 2010, nach
Epid
idymektomie
links Juli 2010 und nach Achillessehnenrevision links 1995 (S. 22 Ziff. 6.2).
Im angestammten Beruf als Kundenmaler bestehe aus näher dargelegten Grün
den
seit
Ende 2009 keine Arbeitsfähigkeit mehr. Diese Beurteilung decke sich mit sämtlichen früheren Beurteilungen (S. 24 Ziff. 7.2).
Aufgrund der chronischen Schmerzstörung mit verstärktem und ausgeweitetem Schmerzerleben und Selbstlimitierung des Exploranden bestehe eine Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit von 30 % für Verweistätigkeiten (S.
24 Ziff. 7.3). Gemäss Akten habe in den Jahren 2013/2014 eine mittelgradige depressive Epi
sode mit einer 50%igen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für Verweistätig
keiten bestanden. Gemäss dem Exploranden und den Akten habe sich aber die psychische Situation seit Januar 2015 derart verbessert, dass nun keine de
pressive Episode mehr diagnostiziert werden könne. Somit bestehe die 70%ige Arbeitsfähigkeit für Verweistätigkeiten seit Januar 2015 (S. 25 Ziff. 7.4).
4.3
Am 22. August 2016 gaben Dr. med.
B._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, fallführende
r Oberarzt, und Dr. med.
C._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
A._
, die vom Gericht erbetene
ergänzende Stel
lungnahme
ab
(Urk. 15)
.
Zur Begründung der gestellten Diagnose führten sie unter anderem aus, das
Charakteristikum
somatoformer Störungen laut ICD-
10
sei
die wiederholte Dar
bietung
körperlicher Symptome in Verbindung mit hartnäckigen Forderungen nach medizinischen
Untersuchungen trotz wiederholter negativer Ergebnisse und Versicherung der
Ä
rzte, dass
die Symptome nicht körperlich begründbar
seien
. Wenn somatische Störungen vorhanden
s
eien
, erklär
t
en sie nicht die Art und das Ausmass der Sympt
ome, das Leiden und die innerli
c
he
Beteiligung des Patienten. Im Vordergrund des klinischen Bildes der chronischen
Schmerz
stö
rung mit somatischen und
psychischen Symptomen nach ICD-
10 st
ünd
en seit
mindestens 6 Monaten bestehende Schmerzen in einer oder mehreren anato
mischen Regionen,
die ihren Ausgangspunkt in einem physiologischen Prozess oder einer körperlichen
Störung h
ätt
en.
Psychischen Faktoren
werde
eine wichtige Rolle für Schweregrad, Exazerbation oder Aufrechterhaltung
der Schmerzen beigemessen, jedoch nicht die ursächliche Rolle für deren
Beginn. Der Schmerz verursach
e
in klinisch bedeutsamer Weise Leiden und Beein
träch
tigungen
in sozialen, beruflichen oder andere
n wichtigen Funktionsbereichen (S. 2 Ziff. 1).
Laut Exploration
lasse
sich bei Störungsbeginn eine
- näher umschriebene - somatische Ursache eruieren (S. 2 Mitte)
. Berichtet und spürbar
werde
sodann
eine emotionale Kränkung in Form von Misstrauen und Verweigerung
einher
gehend mit wirtschaftlichen Einbussen und Verlust beruflicher Perspektive und
sinnstiftender Identifikation, die als psychische Faktoren der Schmerzstörung anzusehen
seien
. Selbst wenn sie dem Untersucher sofort imponier
t
en, s
eien
sie nicht selbstverständlich
als bewusstseinsnahe Motive
beziehungsweise
Hinweis auf
Aggravation zu werten. Verstärktem
Schmerzerleben und daraus resul
tierendem Schonverhalten komm
e
eine bewusstseinsferne,
selbstwertstabili
sie
rende Bedeutung bei narzisstischer Kränkbarkeit einer an sich gewissenhaften
Persönlichkeit zu. Dies deck
e
sich mit an anderer Stelle beschriebener Angst durch
negative Bewertung durch andere, die Angst
,
von Ärzten nicht ernst ge
nommen zu werden,
das schlechte Gerede der Leute
. Laut
rheumatologischem Teilgutachten best
ünde
n wie eingangs aufgezählt somatische Faktoren
(
n
euro
foraminale
Einengung beidseits
bisegmental
L5/S1 und L4/L5 ohne korre
lie
rendes
radikuläres Sperrmuster,
Coccygodynie
mit
myofaszialer
Schmerzsymp
tomatik
)
.
Der Schmerz verursach
e
in klinisch bedeutsamer Weise Leiden und Beein
trächtigungen
in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktions
bereichen. Gesamthaft könn
t
en die
beklagten Schmerzen nicht das
Ausmass des Leidens und der inneren Beteiligung erklären
(S. 3 oben
)
.
Zu den Standardindikatoren betreffend Gesundheitsschaden (vgl. vorstehend E.
1.3
) führte
n
sie unter anderem aus, der Beschwerdeführer sei
durch die chro
nische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
deutlich be
einträchtigt. Aus somatischer Sicht besteh
e
eine Einschränkung von 100
% der
Leistungsfähigkeit für seine angestammte Tätigkeit als Maler (rheumatolo
gi
sches Fachgutachten).
Aus psychiatrischer Sicht besteh
e
eine Einschränkung aufgrund seines Schmerzerlebens und
der damit einhergehenden Einschrän
kungen. Seiner Selbsteinschätzung zufolge
sei er
in anleitender und beauf
sich
tigender,
mithin
körperlich leichter Tätigkeit wahrscheinlich kaum
schmerz
bedingt eingeschränkt. Um ihm in einer zukünftigen Verweistätigkeit Raum zur Berücksichtigung
seiner schmerzbedingten Einschränkungen zu ermöglichen
, werde
eine erweiterte,
weitgehend bedarfsorientierte Pausengestaltung für sinn
voll erachtet und aufgrund
dessen eine 30%
ige
Leistungsminderung bei 100%
i
ger
Präsenz zuerkannt.
Vorübergehend
habe
das Ausmass der damit einhergeh
en
den affektiven Beteiligung die
Ausprägung einer mittelgradig depressiven Epi
sode
erreicht, d
iese
lasse
sich gegenwärtig nicht diagnostizieren.
Die zeitweilige affektive Beeinträchtigung, gepaart mit Grübeln über Gesundheitszustand
und Perspektive, tageweisen Schwankungen von Energie und Affektlage l
ie
ssen
sich im Rahmen der chronischen Schmerzstörung einordnen.
Die Medikamente
seien
vom Exploranden als nicht hilfreich abgesetzt
worden
und er fühl
e
sich
seither besser. Ein Eingliederungsversuch am damaligen Arbeitsplatz
sei
aufgrund
des beidseitig gestörten Vertrauensverhältnisses
gescheitert.
Hier
sei
ein erneuter, IV-gestützter Eingliederungsversuch
in einer somatisch angepassten Tätigkeit indiziert, beginnend in einem 50%
igen
Pensum (S. 4 lit. c).
Betreffend Persönlichkeit wurde ausgeführt, es liessen
sich in der Biographie
wie
auch den berichteten Verhaltensweisen keine auffälligen
Interaktions
stö
rungen explorieren, es k
önne
keine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert werden
.
Eine weiterführende Persönlichkeitsdiagnostik
sei
nicht
erfolgt
.
Sowohl der Selbst
beschreibung als auch den anamnestischen Angaben zufolge f
ä
nden sich
Leistungsorientierung und Gewissenhaftigkeit, die kompensatorischen anankas
ti
schen Zügen
zuzuordnen s
eien
. Es w
erde
eine Inflexibilität deutlich, die auf narzisstischen Anteilen beruh
e
,
denn
d
er
Explorand
möchte keinen Wechsel des Arbeitsgebietes, da er in der Tätigkeit als Maler
Anerkennung und Souveränität und in der Aufsicht/Planung Bedeutung erlebt habe
(S. 4 lit
.
d).
Betreffend den sozialen Kontext wurde unter anderem ausgeführt, der Beschwer
deführer habe
im Zusammenhang mit Arbeitsunfähigkeit seinen Arbeitsplatz
verloren. Aufgrund
seiner körperlichen Leistungseinschränkung und seines Alters
seien
die Chancen auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt schlecht. Mit Ablauf der Taggeldleistungen
sei
er sozialhilfeabhängig
geworden
,
erleb
e
dies
aber
als krän
kend
,
weshalb er verzichte. Er
sei
verheiratet,
habe zwei
erwachsene
Söhne und inzwischen Enkelkinder. Seine Frau und sei
n
zu Hause lebender Sohn feder
te
n seine
wirtschaftliche Situation ab
. Sozial sei er im Kollegenkreis eingebunden, auch wenn er diesen beschwerdeabhängig pflege
(S.
4 lit. e).
Soziale Kontakte seien ihm möglich und er halte diese aufrecht, für Ein
schrän
kungen würden wirtschaftliche und nicht krankheitsbedingte Gründe ange
führt (S. 4 oben).
Die Konsistenz betreffend wurde ausgeführt, der Beschwerdeführer
berichte über krankheitsbedingte Beeinträchtigungen seiner Aktivitäten in allen Lebensberei
chen.
Die Beeinträchtigungen bez
ög
en sich auf
sein Schmerzerleben und die
daraus
resultierende Schonung. Die zur Verfügung stehenden Akten, einschlies
s
lich stationärer
Beobachtungen
,
bestätig
t
en dieses Bild.
Gegenwärtig bestehe
keine Beeinträchtigung durch eine gravierende
komorbide Störung, obwohl zeit
weilig entsprechende Beeinträchtigungen bestanden
hätten
.
Der Leidens
druck
lasse
sich durch die wiederholte Wahrnehmung von
Behandlungs
mög
lichkeiten im V
erlauf der Krankheitsgeschichte zweifelsfrei belegen (S. 5 lit. f).
Ausschlussgründe wie Aggravation und Simulation w
ü
rden verneint.
In der Be
schwerdeschilderung
werde
die Symptomatik im Sinne einer Verdeutlichung vorgetragen. Gegen eine Aggravation spr
eche
, dass
sich
die Schilderung
d
er Be
schwerden überwiegend auf Schmerzen bezieh
e, die der Explorand
zwar inhalt
lich wenig differenziert und wie auswendig gelernt ritualhaft und als unbe
ein
flussbar vortr
age
, diese aber nicht massiv ausgeprägt dar
stelle
(
Visuell-analog-Skala,
VAS
:
4-5). Hier
seien
sprachlich begrenzte Ausdrucksmöglichkeiten und eine gewisse Aufregung/Anspannung in der Untersuchung in Betracht zu ziehen. Die Erklärung
,
aus somatischen Gründen nicht mehr als Maler leistungs
fähig zu sein
,
kling
e
glaubhaft und
sei
rheumatologisch nachvollziehbar. In der Beobachtung zeig
e sich ein
konsistent
es
Schmerzverhalten in Form regelhaft wiederkehrender Entlastungsbewegungen. Die geklagte Kraftminderung schein
e
laut rheumatologischem Fachgutachten durch eine Selbstlimitierung (Schon
verhalten) hervorgerufen zu werden, dort
habe
bei unbewusster Tätigkeit eine normale Beweglichkeit beobachtet werden
können
. Die Aktenlage berichte
ein
konsistent
es
Schmerzverhalten und die Wahrnehmung somatischer Therapien. Der Explorand äusser
e
Ängste vor
zunehmenden Schmerzen, wenn er
sic
h über
fordere (Schonverhalten).
P
sychiatrische Behandlungen ha
be
er wiederholt wahr
ge
nommen, erleb
e
diese jedoch als massiv stigmatisierend entsprechend einer Ablehnung psychischer Anteile. Er ha
be
die Medikation abgesetzt und berichte
,
es gehe ihm besser, er fühle sich weniger sediert. In seiner Alltags
schil
derung
seien
entsprechende schmerzbedingte Einschränkungen erkennbar,
über
die er entsprechend der Selbsteinschätzung seiner Arbeitsfähigkeit berich
te
, nämlich
dass
e
r zwar nicht als Maler, jedoch nach wie vor in der Planung und Anleitung eines Auftrages tätig
sein
könne
(S. 3 lit. b).
5.
5.1
Im Zeitpunkt der im April 2012 verfügten Rentenbefristung per Ende Mai 2011
wurden ein
lumbospondylogenes
Syndrom mit Spondylarthrose und eine
Coccy
go
dynie
diagnostiziert und eine volle Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit attestiert (vorstehend E. 3.1).
Im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung wurde - nebst wiederum dem
lum
bo
spondylogene
n
Syndrom mit Spondylarthrose und
der
Coccygodynie
- eine
chronische Schmerzstörung (F45.41) diagnostiziert und eine Arbeitsfähigkeit von
70 % in angepasster Tätigkeit attestiert (vorstehend E. 4.2).
5.2
Eine 2014 diagnostizierte depressive Episode wurde - darin ist der Beschwer
de
gegnerin zuzustimmen - im Gutachten von 2015 als remittiert beurteilt. Dies ist jedoch insofern irrelevant, als mit der chronischen Schmerzstörung nunmehr ein anderes psychisches Leiden diagnostiziert wurde, das geeignet sein könnte, die Arbeitsfähigkeit zu beeinflussen. Damit hat sich die Beschwerdegegnerin
nicht auseinandergesetzt, abgesehen von der nicht weiter begründeten Annah
me
, die gestellten Diagnosen würden „als nicht langandauernd beurteilt“ (Urk. 2 S. 2 oben), und dem Hinweis, der Beschwerdeführer sei „in Bezug auf Alltagsakti
vi
täten in seinem privaten Umfeld
nicht eingeschränkt“ und
es
bestehe kein sozialer Rückzug (Urk. 2 S. 2 unten).
5.3
Mit der vom Gericht eingeholten ergänzenden gutachterlichen Stellungnahme (vorstehend E. 4.3) liegt nunmehr eine ausführliche und gründliche Auseinan
der
setzung mit den - im Verfügungszeitpunkt seit längerem massgebenden - Standardindikatoren (vorstehend E.
1.3) vor, die es erlaubt, die mit den Aus
wirkungen der diagnostizierten Schmerzstörung begründete Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 30 % zu plausibilisieren.
Die gestellte Diagnose wurde sorgfältig hergeleitet und einlässlich begründet, womit sie als gesichert taxiert werden kann. Gleiches gilt für den Schweregrad und die sich daraus ergebende Reduktion der Leistungsfähigkeit. Nicht geson
dert erwähnt, aber mit den bereits gestellten Diagnosen aus somatischer Sicht evident sind ein komorbides Rücken- und Steissbeinleiden. Diesbezüglich ist von einer - organisch begründeten - Therapieresistenz auszugehen. In psychia
trischer Hinsicht haben sich die therapeutischen Bemühungen offenbar auf die depressive Problematik konzentriert, und zwar mit Erfolg, während bezüglich der Schmerzstörung keine Behandlungsversuche ersichtlich sind. Aus der -
deklariertermassen
nicht sehr weitgehenden - Persönlichkeitsdiagnostik
ergeben sich nach Einschätzung der Gutachter eher ressourcenzehrende Merkmale. Der soziale Kontext hingegen erscheint, abgesehen vom eingetretenen Arbeits
platz
verlust, weitgehend intakt. Eindeutig ist die gutachterliche Beurteilung sodann
bezüglich der Konsistenz, die mit einlässlicher Begründung bejaht wird, während
ebenso plausibel allfällige Ausschlussgründe verneint werden.
5.4
Zusammengefasst ergibt sich, dass mit dem Gutachten und der ergänzenden Stellungnahme da
s ganze Leistungsprofil mit sowohl negativen als auch posi
tiven Anteilen beschrieben
wurde
, so dass s
ich die gutachterlich attestierte
Arbeitsunfähigkeit
- wie von der Rechtsprechung erwartet -
gleichsam aus dem
„
Saldo aller wesentlichen Belastungen und Ressourcen
“
ab
leitet
(
BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1).
Aus diesen Gründen ist darauf abzustellen und von einer Arbeitsfähigkeit von 70 % für Verweistätigkeiten
seit Januar 2015 (vorstehend E. 4.2)
auszugehen.
5.5
Dies führt zum Schluss, dass anders als in der angefochtenen Verfügung ange
nommen, im Vergleich zum letzten rechtskräftigen Entscheid eine revi
sions
rele
vante Veränderung (vorstehend E. 1.1) vorliegt.
Diese
ist somit in Gut
heissung der
dagegen erhobenen
Beschwerde aufzuheben und die Sache ist an die Be
schwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie nach erfolgter Invaliditätsbe
messung neu verfüge.
6.
6.1
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sind ermessensweise auf Fr.
8
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Die ergänzende gutachterliche Stellungnahme musste vom Gericht eingeholt werden, weil die Beschwerdegegnerin eine hinreichende Prüfung der Standardindikatoren unterlassen hat. Die entsprechenden Kosten von Fr.
2‘697.05 (Urk. 22)
sind deshalb von
ihr
zu tragen.
6.3
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3 GSVGer).
Beim praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 185.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ist die Prozessentschädigung ermessensweise auf Fr. 2‘300.-- (inklusive Baraus
lagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen und der Beschwerdegegnerin aufzuer
legen.