# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** cb85b3de-b7a0-4342-a1c7-2d0bfc3df42f
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend
Brandstiftung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung, vom 10. Februar 2016 (DG150320)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 20. Oktober 2015 ist
diesem Urteil beigeheftet (Urk. 32).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 59 S. 27 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der Brandstiftung im Sinne von Art. 221 Abs. 1 StGB betref-
fend den Vorfall vom 29. Mai 2011 (HD).
2. Vom Vorwurf der Brandstiftung im Sinne von Art. 221 Abs. 1 StGB sowie der fahrlässigen
Verursachung einer Feuersbrunst im Sinne von Art. 222 Abs. 1 StGB betreffend den Vorfall
vom 28. April 2011 (gemäss Ziffer 2 der Hauptanklage [ND 1] bzw. Ziff. 2 der Eventualan-
klage [ND 1]) wird der Beschuldigte freigesprochen.
3. Der Beschuldigte wird mit 12 Monaten Freiheitsstrafe bestraft, wovon bis und mit heute
28 Tage durch Haft erstanden sind.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre festge-
setzt.
5. Von einem Widerruf des bedingten Vollzugs der mit Strafbefehl des Bezirksamtes Aarau
vom 11. Oktober 2010 ausgefällten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 30.– wird abge-
sehen. Die Probezeit wird beginnend mit dem heutigen Urteilsdatum um 1 Jahr verlängert.
6. Der amtliche Verteidiger, lic. iur. X._, wird mit Fr. 11'000.– (inkl. Mehrwertsteuer) aus
der Gerichtskasse entschädigt.
7. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 3'500.00 Gebühr Strafuntersuchung
Fr. 140.00 Kosten Kantonspolizei
Fr. 7'077.30 Auslagen Untersuchung
Fr. 11'000.00 amtliche Verteidigung
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
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8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen
der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt.
9. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbe-
halten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
10. (Mitteilungen)
11. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge:
a) Schlussanträge der Verteidigung:
(Prot. II S. 5)
1. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der Brandstiftung im Sinne von Art. 221
Abs. 1 StGB betreffend den Vorfall vom 29. Mai 2011 (HD) freizusprechen.
2. Der Beschuldigte sei für die erlittene Überhaft von insgesamt 27 Tagen mit
einer Genugtuung in der Höhe von Fr. 2'700.– zu entschädigen.
3. Die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens inkl. der Kosten amtlichen Ver-
teidigung seien vollumfänglich auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Staatskasse.
Eventualiter:
1. Der Beschuldigte sei betreffend den Vorfall vom 29. Mai 2011 (HD) wegen
fahrlässiger Verursachung einer Feuersbrunst im Sinne von Art. 222 Abs. 1
StGB schuldig zu sprechen.
2. Der Beschuldigte sei mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen à Fr. 50.– zu
bestrafen.
3. Der Vollzug der Geldstrafe sei unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren
aufzuschieben.
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4. Von einem Widerruf der mit Strafbefehl des Bezirksamtes Aarau vom
11. Oktober 2010 ausgesprochenen Geldstrafe von 60 Tagessätzen
à Fr. 30.– sei abzusehen. Stattdessen sei die Probezeit um 1 Jahr zu ver-
längern.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Staatskasse.
b) Schlussanträge der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 100 S. 2)
1. Bestätigung des vorinstanzlichen Schuld- bzw. Freispruchs gemäss Disposi-
tiv Ziffern 1 und 2.
2. Bestrafung mit einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten, abzüglich der erstan-
denen Haft, unter Gewährung des bedingten Vollzugs mit einer Ansetzung
einer dreijährigen Probezeit.
3. Im Übrigen Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
4. Unter Kostenfolgen zulasten des Beschuldigten.

## Considerations

Erwägungen:
1. Prozessgeschichte
1.1. Gegen das vorstehend wiedergegebene und mündlich eröffnete Urteil
(Prot. I S. 12) liess der Beschuldigte seinen amtlichen Verteidiger am 12. Februar
2016 fristgerecht Berufung erheben (Urk. 54) und nach Zustellung des begründe-
ten Urteils (Urk. 58/1) – ebenfalls fristgerecht – dem Obergericht die Berufungs-
erklärung einreichen (Urk. 60).
1.2. Mit Präsidialverfügung vom 3. Juni 2016 wurde die Berufungserklärung in
Anwendung von Art. 400 Abs. 2 und 3 StPO der Staatsanwaltschaft übermittelt,
um gegebenenfalls Anschlussberufung zu erheben oder ein Nichteintreten auf die
Berufung zu beantragen. Gleichzeitig wurde dem Beschuldigten Frist angesetzt,
um zu seinen finanziellen Verhältnissen verschiedene Auskünfte zu erteilen und
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und diese zu belegen (Urk. 63). Am 9. Juni 2016 erklärte die Staatsanwaltschaft
Anschlussberufung (Urk. 65). Mit Eingabe vom 1. Juli 2016 teilte die amtliche Ver-
teidigung mit, dass sie die geforderten Unterlagen seitens des Beschuldigten nicht
erhalten habe, wobei aber davon auszugehen sei, dass sich in finanzieller Hin-
sicht nichts verändert habe (Urk. 66).
1.3. Zur Berufungsverhandlung am 8. September 2016 erschienen der Be-
schuldigte, sein amtlicher Verteidiger sowie die Staatsanwaltschaft (Prot. II S. 5).
Vorfragen waren keine zu entscheiden (Prot. II S. 7). Es wurde der Beschuldigte
einvernommen (Urk. 75) und die Parteivertreter hielten ihre Plädoyers (Prot. II
S. 8 f.). Im Rahmen des Beweisverfahrens stellte die Verteidigung den Antrag auf
Einholung eines sachverständigen Gutachtens (Prot. II S. 8).
1.4. Im Anschluss an die Parteivorträge wurde den Parteien nach erfolgter in-
terner Beratung mündlich eröffnet, dass die Akten zur Ergänzung der Untersu-
chung an die Staatsanwaltschaft zurückgewiesen würden, da die Einholung eines
sachverständigen Gutachtens als zwingend notwendig erachtet werde. Ferner
wurde im Einverständnis der Parteien die schriftliche Fortsetzung des Verfahrens
angeordnet. Schliesslich verzichteten die Parteien auf eine mündliche Urteils-
eröffnung (Prot. II S. 9 f.). Dieser Beschluss wurde den Parteien hernach in
schriftlicher Form in vollständiger Ausfertigung zugestellt (Urk. 78).
1.5. Am 2. Dezember 2016 erstattete die Staatsanwaltschaft Bericht über die
Erledigung der ergänzenden Beweisabnahme, unter Einreichung des eingeholten
sachverständigen Gutachtens des Forensischen Instituts Zürich vom
28. November 2016 sowie der dazugehörigen Akten (Urk. 80, 81/1-9).
1.6. Mit Präsidialverfügung vom 9. Dezember 2016 wurden dem Beschuldigten
sowie der Staatsanwaltschaft je eine Kopie des sachverständigen Gutachtens
(Urk. 81/8) zugestellt sowie dem Beschuldigten Frist angesetzt, zum Ergebnis der
Beweisergänzung Stellung zu nehmen sowie abschliessend seine Anträge zu
stellen und zu begründen (Urk. 82), welcher Aufforderung die Verteidigung mit
Eingabe vom 27. Januar 2017 nachgekommen ist (Urk. 88). Nach erfolgter
Fristansetzung erklärte die Verteidigung, dass die Eingabe vom 17. Januar 2017
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ungeachtet des darin subeventualiter gestellten Antrags um Überweisung
des Verfahrens an die II. Strafkammer nicht als formelles Ausstandsbegehren
entgegenzunehmen sei (Urk. 91 und 93). Nach Zustellung der abschliessenden
Berufungsbegründung des Beschuldigten an die Staatsanwaltschaft reichte diese
ihre abschliessende Berufungsantwort mit Eingabe vom 26. Februar 2017 ein,
allerdings ohne Unterschrift (Urk. 97). Nach Fristansetzung zur Nachbesserung
ging die abschliessende Berufungsantwort in unterzeichneter Form ein (Urk. 98
und 100).
2. Umfang der Berufung
2.1. Der Beschuldigte verlangt einen vollumfänglichen Freispruch und ficht die
Dispositivziffern 1, 3, 4, 5 und 8 an. Eventualiter verlangt er betreffend den Vorfall
vom 29. Mai 2011 einen Schuldspruch wegen fahrlässiger Verursachung einer
Feuersbrunst sowie die Bestrafung mit einer bedingten Geldstrafe von
30 Tagessätzen à Fr. 50.– (Urk. 60, Urk. 76 S. 2). Die Staatsanwaltschaft be-
schränkt ihre Anschlussberufung auf die Bemessung der Strafe und beantragt ei-
ne bedingte Freiheitsstrafe von 16 Monaten, unter Ansetzung einer Probezeit von
drei Jahren (Urk. 77).
2.2. Das vorinstanzliche Urteil ist damit, abgesehen vom nicht angefochtenen
Freispruch betreffend den Vorfall vom 28. April 2011 (Dispositivziffer 2) sowie der
Kostenfestsetzung (Dispositivziffern 6 und 7), in seiner Gesamtheit angefochten
(Prot. II S. 7). Die nicht angefochtenen Punkte (Dispositivziffern 2, 6 und 7) sind in
Rechtskraft erwachsen (Art. 399 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 402 und 437
StPO). Das ist vorab vorzumerken.
3. Prozessuales
3.1. Verwertbarkeit des sachverständigen Gutachtens
3.1.1. Die Verteidigung beantragt, das Gutachten des Forensischen Instituts
Zürich vom 5. Oktober 2016 sei aus dem Recht zu weisen. Zur Begründung bringt
sie vor, nach wie vor der Ansicht zu sein, dass die Berufungsinstanz kein Gutach-
ten hätte einholen dürfen, weshalb es zuungunsten des Beschuldigten nicht ver-
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wertbar sei. Indem die Staatsanwaltschaft seinerzeit trotz einer bereits am 15. Mai
2013 einmal erfolgten Rückweisung durch die Vorinstanz (Urk. 20) auf die Ein-
holung eines Gutachtens verzichtet habe, sei sie bewusst das Risiko der Beweis-
losigkeit eingegangen. Auch anlässlich der Berufungsverhandlung habe sich die
Staatsanwaltschaft gegen die Einholung eines Gutachtens ausgesprochen, wo-
rauf sie zu behaften sei. Es könne und dürfe nicht sein, dass trotz eines solchen
bewussten Entscheids der Anklägerin von der Berufungsinstanz nachträglich Be-
weiserhebungen in Auftrag gegeben würden, zumal auch die Vorinstanz aus-
drücklich und bewusst keine solche Beweiserhebung getätigt habe (Urk. 88
S. 1 f.). Aus Sicht der Verteidigung handle es sich beim Gutachten betreffend die
Brandursache nicht um ein unverzichtbares Beweismittel, bei dessen Fehlen ein
Urteil nicht ergehen könne, weshalb im Anschluss an die Berufungsverhandlung
ein Urteil hätte ergehen müssen (Urk. 88 S. 3).
3.1.2. Diese Kritik ist unbegründet. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass es die
Verteidigung war, die anlässlich der Berufungsverhandlung die Einholung eines
sachverständigen Gutachtens beantragte, auch wenn sie gleichzeitig die Frage
aufgeworfen hatte, ob der formelle Mangel des fehlenden Gutachtens im Be-
rufungsverfahren noch korrigiert werden könne (Prot. II S. 8). Bei gegebener Aus-
gangslage ist ein sachverständiges Gutachten unentbehrlich. Wie im Beschluss
vom 8. September 2016 dargelegt, steht im Zentrum des Strafverfahrens die Er-
forschung der materiellen Wahrheit und darf ein Freispruch in Anwendung des
Grundsatzes "in dubio pro reo" nur erfolgen, wenn alle aus Sicht des urteilenden
Gerichts notwendigen Beweise erhoben wurden (Urk. 78 S. 8 f. mit Verweis auf
Urteil des Bundesgerichts 6B_690/2015 vom 25. November 2015 E. 3.4). Ent-
gegen der Verteidigung dürfen vor Berufungsgericht Beweisabnahmen nicht nur
ergänzt oder wiederholt werden (Urk. 88 S. 2 f.). Vielmehr können gestützt auf
Art. 389 Abs. 3 StPO sowie in Nachachtung des Grundsatzes der materiellen
Wahrheit die erforderlichen zusätzlichen Beweise erhoben werden (Urk. 78
S. 8 f.). Bedarf es zur Beurteilung einer Frage Fachwissen, über welches das Ge-
richt nicht verfügt, muss nach den Regeln von Art. 182 ff. StPO zwingend eine
sachverständige Person beigezogen werden (so bereits im Beschluss vom
8. September 2016 mit Verweis auf das Urteil des Bundesgerichts 6B_619/2014
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vom 4. November 2014 E. 1.3, Urk. 78 S. 7 f., 10). Die Fragen nach der Brand-
ursache sowie der Anzahl Brandherde hätten ohne ein Gutachten nicht in rechts-
konformer Weise geklärt werden können. Die Einholung eines sachverständigen
Gutachtens war unabdingbar.
3.1.3. Auf das Gutachten ist abzustellen. Entgegen der Auffassung der Verteidi-
gung wurde ihr auch nicht die Möglichkeit entzogen, dem Gutachter Ergänzungs-
fragen zu stellen (Urk. 88 S. 3). Im Einklang mit Art. 184 Abs. 3 StPO waren der
Verteidigung die Fragen an den Gutachter vorgängig bekanntgegeben und ihr die
Möglichkeit eingeräumt worden, sich zu den Fragen sowie der Person des Gut-
achters zu äussern, sowie eigene Anträge zu stellen (Urk. 81/3-5). Nach Eingang
des Gutachtens wurde dem Beschuldigten mit Präsidialverfügung vom
9. Dezember 2016 sodann Frist angesetzt, um zum Ergebnis der Beweisergän-
zung Stellung zu nehmen und abschliessend seine Anträge zu stellen und diese
zu begründen (Urk. 82). Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs ist nicht er-
sichtlich. Eine erneute Rückweisung an die Staatsanwaltschaft fällt damit ausser
Betracht.
3.1.4. Einer Verwertung des Gutachtens steht in formeller Hinsicht nichts ent-
gegen.
3.2. Verwertbarkeit der Zeugeneinvernahme
3.2.1. Vor Vorinstanz machte die Verteidigung noch die Unverwertbarkeit der
nach erfolgter erster Rückweisung durch die Staatsanwaltschaft durchgeführten
Zeugeneinvernahme des Brandermittlers C._ (Urk. 21/1) geltend, da die Vor-
ladung nicht rechtsgültig erfolgt sei bzw. der Beschuldigte von der Anklägerin
nicht rechtsgültig über die Zeugeneinvernahme in Kenntnis gesetzt worden sei
(Urk. 50 S. 4 ff.). Auch wenn an dieser Kritik im Berufungsverfahren nicht mehr
festgehalten wird (Urk. 76 passim; vgl. Urk. 77 S. 2), ist von Amtes wegen kurz
auf das Thema einzugehen:
3.2.2. Mit der Vorinstanz steht fest, dass die Verhandlungsanzeige der Zeugen-
einvernahme vom 13. August 2014 dem Verteidiger nach entsprechender Ter-
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minabsprache am 16. Juli 2014 – per Fax – übermittelt wurde (Urk. 59 S. 11 mit
Verweis auf Urk. 25/4, 6). Ebenso erwiesen ist, dass gleichentags auch für den
Beschuldigten eine Verhandlungsanzeige eingeschrieben der Post übergeben
worden war. Adressiert war die Postsendung an die Eltern des Beschuldigten
(A._ c/o B._, ... [Adresse], Urk. 29/2, 4). An dieser Adresse war der Be-
schuldigte allerdings nie gemeldet. Zwar hatte eine im Zusammenhang mit der
Zustellung einer Vorladung ausgelöste Personenfahndung ergeben, dass sich der
Beschuldigte am 3. Mai 2012 bei seinen Eltern aufgehalten hatte (Urk. 14/2, 3).
Gemeldet war der Beschuldigte im relevanten Zeitpunkt allerdings an der ... [Ad-
resse] (Urk. 30/2), wo der Beschuldigte bis heute wohnt (vgl. Urk. 72). An diese
Adresse wurde die Postsendung denn auch weitergeleitet (Urk. 38), indessen hat-
te der Beschuldigte sie innert Frist nicht abgeholt (Urk. 29/3).
3.2.3. Die Vorinstanz hielt diesbezüglich fest, dass daraus zumindest auf den
Versuch der Staatsanwaltschaft geschlossen werden könne, dem Beschuldigten
die Zeugeneinvernahme persönlich zur Kenntnis zu bringen. Ob die Zustellfiktion
im Sinne von Art. 85 Abs. 4 lit. a StPO greife, könne indessen offengelassen wer-
den, da der Beschuldigte über den Termin lediglich hätte informiert werden sollen,
um sein Teilnahmerecht zu wahren, so er das denn gewollt hätte. Eine Erschei-
nenspflicht habe aber nicht bestanden. Vielmehr sei davon auszugehen, dass es
sich bei der Verhandlungsanzeige für eine Zeugeneinvernahme um eine Mit-
teilung im Sinne von Art. 87 Abs. 3 StPO handle, welche rechtsgültig an den
Rechtsbeistand einer Partei und mithin an den amtlich bestellten Verteidiger zu-
gestellt werden könne (Urk. 59 S. 11).
3.2.4. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung bedarf es neben der schrift-
lichen Mitteilung des Einvernahmetermins an den Verteidiger keiner separaten
persönlichen "Vorladung" des Beschuldigten, da die persönliche Teilnahme der
beschuldigten Person an Beweiserhebungen und Einvernahmen fakultativ ist
(Urteil des Bundesgerichts 6B_16/2015 vom 12.03.2015 E. 1.4.2 mit Verweis auf
Art. 85 Abs. 1 StPO, Art. 87 Abs. 3 StPO und Art. 147 StPO).
3.2.5. Damit wurde dem Beschuldigten durch die rechtsgültige Mitteilung des Ein-
vernahmetermins an seine Verteidigung die Gelegenheit gegeben, von seinem
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– kumulativ zu jenem der Verteidigung zustehenden (Urteile des Bundesgerichts
6B_295/2012 vom 24.10.2012, E. 1.2.1; 6B_207/2012 vom 17.07.2012, E. 3.3.1;
6B_324/2011 vom 26.10.2011, E. 1.2 m.H.) – persönlichen Konfrontationsrecht
Gebrauch zu machen.
3.2.6. Indessen war der Beschuldigte dem Einvernahmetermin vom 13. August
2014 ferngeblieben, weshalb die Verteidigung gleich zu Beginn der Zeugenein-
vernahme die Verschiebung derselben beantragte, da er den Beschuldigten nicht
habe erreichen können und deshalb keine Kenntnis davon habe, ob der Beschul-
digte von seinem Teilnahmerecht Gebrauch machen wolle, was zur Unverwert-
barkeit der Einvernahme führe (Urk. 21/1 S. 1). Nachdem die Staatsanwaltschaft
danach die Einvernahme gleichwohl durchgeführt hatte, verzichtete die Verteidi-
gung unter Hinweis auf die ihres Erachtens gegebene Unverwertbarkeit auf die
Stellung von Ergänzungsfragen (Urk. 21/1 S. 8). Mit Eingabe vom 21. August
2014 beantragte die Verteidigung, den Beschuldigten zu einer Wiederholung der
Zeugeneinvernahme vorzuladen (Urk. 25/7), was mit Beweisergänzungsentscheid
vom 12. Oktober 2015 abgelehnt wurde (Urk. 25/21).
3.2.7. Gemäss Art. 147 Abs. 3 StPO können die Partei oder ihr Rechtsbeistand
die Wiederholung der Beweiserhebung verlangen, wenn der Rechtsbeistand oder
die Partei ohne Rechtsbeistand aus zwingenden Gründen an der Teilnahme ver-
hindert waren. Zwingende Gründe sind – neben denkbaren rechtlichen Hinder-
nissen – insbesondere anzunehmen bei unverschuldeter Verhinderung aus tat-
sächlichen Gründen im Sinne von Art. 94 Abs. 1 StPO, so bei Krankheit, Natur-
ereignissen, Auslandabwesenheit, Unkenntnis des Termins etc. Ebenso vorstell-
bar ist eine misslungene Vorladung (BSK StPO I-Schleiminger Mettler, 2. Auflage
2014, Art. 147 N 12; Schmid, Handbuch StPO, Zürich/St. Gallen 2009, N 828;
Schmid, Praxiskommentar StPO, 2. Auflage 2013, Art. 147 N 12).
3.2.8. Solche zwingenden Gründe im Sinne des Gesetzes sind vorliegend nicht
ersichtlich und wurden seitens der Verteidigung auch nicht geltend gemacht. Wie
aufgezeigt war die Zustellung der Verhandlungsanzeige an den Beschuldigten
persönlich für eine rechtsgenügende Mitteilung nicht nötig, sondern genügte die
Zustellung an die Verteidigung (vgl. vorstehende Erw. 3.2.4 und 3.2.5). Auch
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wenn seit längerer Zeit keine Verfahrenshandlung stattgefunden hatte, musste
sich der Beschuldigte sodann gleichwohl bewusst sein, in einem hängigen Straf-
verfahren als Beschuldigter involviert sowie durch einen amtlichen Verteidiger ver-
treten zu sein. Wenn er einen Kontakt zu diesem verunmöglicht und auch Zu-
stellversuche der Behörden ignoriert, kann nicht von einer Verhinderung aus
zwingendem Grund im Sinne des Gesetzes ausgegangen werden. Hinzu kommt,
wie dies bereits die Vorinstanz richtig ausgeführt hat (Urk. 59 S. 13), dass gemäss
Wortlaut des Gesetzes lediglich eine unverbeiständete Partei oder aber der
Rechtsbeistand bei Verhinderung aus zwingenden Gründen eine Wiederholung
verlangen können (Art. 147 Abs. 3 StPO, vgl. hierzu BSK StPO I-Schleiminger
Mettler, a.a.O., Art. 147 N 16 und 25 mit entsprechender Kritik).
3.2.9. Damit ist von der Verwertbarkeit der Zeugeneinvernahme von C._ vom
13. August 2014 (Urk. 21/1) und damit auch von der ausreichenden Wahrung der
Verteidigungsrechte auszugehen. Zu Letzterem kann zur Vermeidung von Wie-
derholungen auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 59 S. 12
f.).
3.2.10. Vor dem Hintergrund der Verwertbarkeit der Zeugeneinvernahme von
C._ kann betreffend die polizeiliche Ermittlungstätigkeit grundsätzlich auch
auf die Ausführungen im Nachtragsrapport vom 30. Mai 2011 abgestellt werden
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1057/2013 vom 19. Mai 2014 E. 2.3 ff.).
3.2.11. Soweit sich die Erkenntnisse von C._ in seiner Funktion als er-
mittelnder, unter anderem auch den Beschuldigten befragenden Polizeibeamten
allerdings auf Fachwissen stützen, kann darauf nicht abgestellt werden. Hierfür
bedarf es – wie gesehen – zwingend eines sachverständigen Gutachtens.
4. Sachverhalt
4.1. Berufungsgegenstand ist einzig noch der Vorfall vom 29. Mai 2011. Vom
Vorwurf der Brandstiftung bzw. der fahrlässigen Verursachung einer Feuersbrunst
betreffend den Vorfall vom 28. April 2011 wurde der Beschuldigte erstinstanzlich
freigesprochen, was unangefochten geblieben ist (vgl. Erw. 2).
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4.2. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten – soweit für das Beru-
fungsverfahren relevant – kurz zusammengefasst vor, am Sonntag, 29. Mai 2011,
ca. um 01:30 Uhr in der Nasszelle seiner Wohnung, im Studio Nr. ..., im Stock
des Mehrfamilienhauses an der ... [Adresse], an vier Orten (in den Bereichen La-
vabo, Spiegelschrank sowie Dusche) mit einer offenen Flamme (Streich-
holz/Feuerzeug oder Ähnlichem) verschiedene Gegenstände (u.a. den Duschvor-
hang, in der Duschwanne ein Buch, im Lavabo und auf dem Wasserhahnen Texti-
lien, u.a. Deckenbezüge aus Baumwolle, etc.) absichtlich angezündet zu haben.
In der Folge habe sich das Feuer ausgedehnt, woraufhin das Feuer bzw. die
Rauchentwicklung – bereits beim Eintreffen der durch Anwohner alarmierten Feu-
erwehr – ein Ausmass angenommen habe, welches vom Beschuldigten nicht
mehr hätte bezwungen werden können. Durch den Brand sei eine beträchtliche
Verrussung und durch das ausfliessende Wasser zusätzlich ein erheblicher Was-
serschaden entstanden. Der Sachschaden belaufe sich insgesamt auf ca.
Fr. 10'500.–. Der Beschuldigte habe gewusst, dass durch sein Handeln Sachen
beschädigt werden würden und habe die Verursachung einer Feuersbrunst zu-
mindest billigend in Kauf genommen (Urk. 32 S. 2). Eventualiter wird dem Be-
schuldigten das Anzünden als pflichtwidrige Unvorsichtigkeit mit unerlaubten Risi-
ken vorgeworfen, wobei der Sachschaden sowie die Verursachung der nicht mehr
selbst bezwingbaren Feuersbrunst vorhersehbar sowie vermeidbar gewesen sei-
en (Urk. 32 S. 3). Nach Eingang des Gutachtens präzisierte die Staatsanwalt-
schaft den Anklagesachverhalt dahingehend, dass das Feuer im Bereich des La-
vabos/Spiegelschrankes entzündet worden sei (Urk. 100).
4.3. Unbestritten und – mit der Vorinstanz – aufgrund der Aktenlage erstellt ist,
dass es am 29. Mai 2011 um 01:30 Uhr in der Nasszelle der Wohnung des Be-
schuldigten gebrannt hat (Urk. 59 S. 9 mit Verweis auf Urk. 1. S. 4, Urk. 3/1 S. 3,
Urk. 3/2 S. 2, Urk. 4/1, Urk. 48 S. 7, Urk. 50 S. 6). Hingegen bestreitet der Be-
schuldigte durchwegs, diesen Brand absichtlich gelegt bzw. Gegenstände ange-
zündet zu haben (Urk. 3/1 S. 8; 10; Urk. 3/2 S. 2; Urk. 48 S. 7, 10; Urk. 78 S. 7).
Möglich sei, dass der Brand durch eine Zigarette entfacht worden sei (Urk. 3/1
S. 8, 11). Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 22. Mai 2011
hielt der Beschuldigte auf entsprechenden Vorhalt dann aber fest, nicht gesagt zu
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haben, dass das Feuer durch einen seiner Zigarettenstummel hätte entfacht wer-
den können (Urk. 3/3 S. 3), und an der Hauptverhandlung stellte er klar, die Ziga-
rette im Aschenbecher entsorgt zu haben (Urk. 48 S. 10). Er wisse nicht, wer das
Feuer gelegt habe. Seine Tür sei offen gestanden, als er die Wohnung um
ca. 01:00 Uhr verlassen habe, um an der ...strasse spazieren zu gehen, da er die
beim Türschloss herausragende Schraube nicht mehr habe hineindrehen können
(Urk. 3/1 S. 3, 9; Urk. 3/2 S. 4; Urk. 48 S. 14). Ansonsten verwies er auf die Aus-
führungen anlässlich der polizeilichen Einvernahmen und verweigerte im Übrigen
die Aussage. Auf entsprechenden Vorhalt bestätigte er, dass es schon möglich
sei, dass das Feuer durch ihn verursacht worden sei, er habe dies aber nicht ab-
sichtlich getan (Urk. 3/3 S. 3). Zu den Ausführungen des Brandermittlers C._
im Nachtragsrapport vom 30. Mai 2011 wollte sich der Beschuldigte nicht äussern
(Urk. 3/3 S. 4 ff.). Auch in der Schlusseinvernahme machte der Beschuldigte von
seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch und erklärte, aufgrund von Zahn-
schmerzen nicht in der Lage zu sein, Aussagen zu machen (Urk. 3/4 S. 2), wo-
raufhin auch die Verteidigung die Einvernahmeunfähigkeit des Beschuldigten gel-
tend machte (Urk. 3/4 S. 8). Auch nach erfolgter Rückweisung machte der Be-
schuldigte während des Untersuchungsverfahrens keine Angaben zur Sache
(Urk. 21/2: Vorhalt der Zeugenaussagen von C._, Urk. 21/3: Stellungnahme
zum Gutachten von Prof. Dr. med. D._ sowie Schlussvorhalt). Vor diesem
Hintergrund erstaunt nicht, dass im vorinstanzlichen Rückweisungsbeschluss die
Auffassung vertreten worden war, dass sich eine vorsätzliche Tatbegehung allein
aufgrund der Angaben des Beschuldigten kaum erstellen lasse (Urk. 20 S. 3). Vor
Berufungsgericht hielt der Beschuldigte erneut fest, dass sich die Türe zu seinem
Zimmer nicht mehr habe schliessen lassen (Urk. 75 S. 6). Es komme jeder im
Haus als Täter in Frage (Urk. 75 S. 8).
4.4. Im sachverständigen Gutachten wurde aufgrund der Akten und des Bild-
materials (vgl. 4/1) von vier theoretischen Brandherden ausgegangen (H1: Brand-
herd im Bereich der Duschwanne/Duschvorhang; H2: Brandherd im Lavabo; H3:
Brandherd im unteren Ablagefach des Spiegelschranks, H4: Brandherd im oberen
Ablagefach des Spiegelschranks; Urk. 81/8 S. 4-7). Das Spurenbild spreche ge-
gen einen Brandherd im Bereich der Duschwanne/Duschvorhang (H1) oder im
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oberen Ablagefach des Spiegelschranks (H4). Als wahrscheinliche Brandherde
erachtet wurden H2 und H3 (Urk. 81/8 S. 7). Denkbar sei, dass die brennbaren
Gegenstände im Lavabo durch das Einbringen einer Feuerquelle in Brand gesetzt
worden seien und der aufsteigende Brand zusätzlich das offene Ablagefach er-
fasst und die darauf gelagerten Gegenstände entzündet habe (Urk. 81/8 S. 5).
Möglich sei auch, dass die brennbaren Gegenstände auf dem Ablagefach durch
das Einbringen einer Feuerquelle in Brand gesetzt worden seien und brennendes
Material vom untersten Ablagefach des Spiegelkastens in das Lavabo hinunter
gefallen sei und die sich dort befindenden Gegenstände entzündet hätten. Ge-
mäss Gutachten kommen beide Hypothesen als mögliche Brandherde in Frage,
wobei sie sich gegenseitig in Kombination nicht ausschliessen würden. Der
Brandverlauf werde als sehr ähnlich erachtet und unterscheide sich lediglich in
der Reihenfolge ihrer Entzündung. Da sich im Lavabo mutmasslich Material
(Textilien, Papier, usw.) befunden habe, sei ein Brandherd im Lavabo plausibler
als einer im unteren Ablagefach des Spiegelschranks (Urk. 81/8 S. 7). Das Spu-
renbild spreche stark für einen Brandherd im Lavabo (Urk. 81/8 S. 6). Weil die
Brandherde allerdings nahe beieinander lägen, könne nicht gesagt werden, ob je
eine einzelne Hypothese oder eine Kombination zutreffe (Urk. 81/8 S. 8). Weiter
sei davon auszugehen, dass sich der Brand weiter in Richtung Duschvorhang
ausgeweitet und auch diesen in Brand gesetzt habe (Urk. 81/8 S. 5, 6). Alternativ
bestehe auch die Möglichkeit, dass der Duschvorhang auf unbestimmte Weise
von aussen durch das Einbringen einer Feuerquelle in Brand gesetzt worden sei
(Urk. 81/8 S. 5). Der Brand als solches verlaufe unter starker Qualmbildung. Auf-
grund der in Brand geratenen Textilien, des Duschvorhanges und der auf den Ab-
lagefächern gelagerten Materialien sei davon auszugehen, dass das Betreten des
Badezimmers nach wenigen Minuten nicht mehr möglich gewesen sei (Urk. 81/8
S. 8). Eine Selbstentzündung könne mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlos-
sen werden. Eine Brandentstehung ausgelöst durch einen technischen Defekt er-
scheine nicht als plausibel. Der Haartrockner, als einziger infrage kommender
Gegenstand im Lavabo, sei nicht an den Strom angeschlossen gewesen. In Be-
tracht käme sodann die Überhitzung im Bereich der Beleuchtung beim Spiegel-
kasten, wobei in der Folge brennende Teile aus dem Beleuchtungsbereich hätten
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herunterfallen können. Anhand der Bilder sei jedoch ersichtlich, dass die beiden
Glühlampenkörper unbeschädigt seien. Ein Hinweis auf die Brandursache in die-
sem Bereich könne auf den Bildern nicht erkannt werden (Fotoblatt 3). Am ehes-
ten sei der Brand durch das Einbringen einer Feuerquelle von aussen entstanden
(Urk. 81/8 S. 9). Von einer Entzündung durch eine Zigarette sei eher nicht auszu-
gehen. Zwar könnten Textilien oder Papier wegen einer glühenden Zigarette in
Brand geraten, hierzu bedürfe es allerdings aussergewöhnlicher Umgebungs-
bedingungen. Vor dem Hintergrund, dass der Beschuldigte ausgesagt habe, sich
letztmals um 00:00 Uhr im Badezimmer aufgehalten und um 01:00 Uhr die Woh-
nung verlassen zu haben, hätte er einen Schwelbrand aufgrund der Qualmbildung
wahrnehmen müssen (Urk. 81/8 S. 9 f.). Über den zeitlichen Verlauf der Ereignis-
se konnten keine Angaben gemacht werden (Urk. 81/8 S. 8 S. 10).
4.5. Die gutachterlichen Feststellungen sind nachvollziehbar und plausibel,
weshalb auf sie abgestellt werden kann. Mit der Verteidigung steht damit aufgrund
des Gutachtens fest, dass ein Brandherd im Lavabo und/oder im unteren Ablage-
fach des Spiegelschrankes durch eine offene Flamme entstanden ist (Urk. 88
S. 4 f.).
4.6. Unbestritten ist, dass aufgrund der gutachterlichen Erkenntnisse nicht er-
stellt werden kann, dass der Beschuldigte – wie ursprünglich eingeklagt – an vier
Orten (in den Bereichen Lavabo, Spiegelschrank sowie Dusche) verschiedene
Gegenstände angezündet hat (Urk. 32 S. 2). Gestützt auf das Beweisergebnis
können lediglich ein oder zwei Brandherde mit Sicherheit nachgewiesen werden
(Urk. 88 S. 5, Urk. 100 S. 2), entweder im Bereich des Lavabos und/oder im unte-
ren Ablagefach des Spiegelschranks.
4.7. Sodann trifft es zu, wenn die Verteidigung vorbringt, dass sich das Gutach-
ten über die Art und Weise, wie die offene Flamme konkret eingebracht wurde,
ausschweige und aus dem Gutachten auch nicht hervorgehe, welche Gegenstän-
de angezündet worden sind (Urk. 88 S. 5). Aufgrund des Spurenbildes fest steht
aber, dass entweder brennbare Materialen im Lavabo oder aber Gegenstände auf
der unteren Ablagefläche des Spiegelschrankes mit einer offenen Flamme ange-
zündet worden sein mussten, und sich der Brand in der Folge in Richtung Dusch-
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vorhang ausgeweitet hatte oder der Duschvorhang zusätzlich ebenfalls mit einer
offenen Feuerquelle in Brand gesetzt wurde (vgl. vorstehende Erw. 4.4). Das
spricht eindeutig für ein absichtliches Inbrandsetzen. Eine andere vernünftige Er-
klärung, wie sich die vorgenannten Gegenstände aufgrund einer offenen Flamme
hätten entzünden sollen, ist nicht ersichtlich. Insbesondere wird nicht geltend ge-
macht, dass etwa eine Kerze unbeaufsichtigt gebrannt hätte. Ebenso spricht die
Tatsache, dass es überhaupt brennbares Material im Lavabo hatte, dafür, dass
absichtlich Feuer gelegt wurde. Ein Inbrandsetzen durch eine Zigarette kann auf-
grund der überzeugenden Ausführungen im Gutachten ausgeschlossen werden
(vgl. vorstehende Erw. 4.4). Gemäss Angaben des Beschuldigten habe er das
Badezimmer in jener Nacht etwa eine Stunde vor dem Verlassen der Wohnung
zuletzt betreten. Er sei um ca. 00:00 Uhr ins Bad gegangen, um seine Zähne zu
putzen und habe die Wohnung um ca. 01:00 Uhr verlassen (Urk. 3/1 S. 3, 7;
Urk. 48 S. 8). Wenn sich das Feuer unbemerkt entzündet hätte, hätte der Be-
schuldigte es im Sinne der gutachterlichen Darlegungen (Urk. 81/8 S. 9) in der
Zeit, als er sich noch in der Wohnung befunden hatte, aufgrund der starken
Rauchentwicklung bemerken müssen. Dies war gemäss seinen Angaben in-
dessen nicht der Fall.
4.8. Damit spricht alles dafür, dass der Beschuldigte es war, der – entgegen
seinen Beteuerungen – absichtlich Feuer gelegt und hernach sein Zimmer ver-
lassen hatte. Dazu passt auch der zeitliche Ablauf. Gemäss Polizeirapport wurde
das Feuer bei der Einsatzzentrale der Polizei um 01:38 Uhr durch die Anwohnerin
E._ gemeldet, nachdem diese den Rauch gerochen habe und von ihrem
Fester habe sehen können, dass der Rauch aus der Wohnung Nummer ... kom-
me (Urk. 1 S. 4 f.).
4.9. Dass es ein Dritter gewesen sein könnte, der nach Mitternacht und just
nachdem der Beschuldigte spontan die Wohnung verlassen hatte, in die Woh-
nung des Beschuldigten gegangen war, und dort im Badezimmer ein Feuer legte,
erscheint – auch wenn es aufgrund der offenen Türe theoretisch möglich gewe-
sen wäre – reichlich unwahrscheinlich, zumal hierzu kein Motiv ersichtlich wäre.
So führte der Beschuldigte an der Berufungsverhandlung aus, mit niemandem im
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Haus Streit gehabt zu haben (Urk. 75 S. 8). Wenn ein Dritter dem Beschuldigten
durch eine Brandstiftung wirklich hätte schaden wollen, wäre es auch nicht ein-
sichtig, weshalb er ausgerechnet im Badezimmer Feuer gelegt und nicht besser
brennbares Material wie etwa das Bett in Brand gesetzt hätte.
4.10. Da eine Dritttäterschaft ausgeschlossen werden kann und gleichzeitig fest
steht, dass das Feuer mit einer offenen Flamme entzündet worden ist und dies
nicht unbeabsichtigt geschehen sein kann, muss es der Beschuldigte gewesen
sein, der durch das Einbringen einer Feuerquelle die im Lavabo liegenden brenn-
baren Gegenstände oder die brennbaren Gegenstände im unteren Ablagefach
des Spiegelschranks absichtlich in Brand gesetzt hat.
4.11. Wie dem Gutachten zu entnehmen ist, verläuft ein solcher Brand unter
starker Qualmbildung, weshalb davon auszugehen ist, dass das Betreten des Ba-
dezimmers bereits nach wenigen Minuten nicht mehr möglich war (Urk. 81/8 S. 8).
Der zweite Stock des Gebäudes musste denn auch evakuiert und der Brand
durch die alarmierte Feuerwehr gelöscht werden (Urk. 1 S. 4). Mithin hatte der
Brand ein Ausmass angenommen, welches vom Beschuldigten nicht mehr hätte
bezwungen werden können.
4.12. Wie auch der Fotodokumentation entnommen werden kann, gab es am
Spiegelschrank, Lavabo sowie an den Wänden und der Decke Brandschäden
(Urk. 4/1). Die Immobilienverwaltung F._ AG bezifferte den Schaden gemäss
Polizeirapport – inklusive eines Wasserschadens – auf Fr. 10'500.– (Urk. 1 S. 3).
4.13. Aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung musste dem Beschuldigten
bewusst sein, dass sein Vorgehen dazu führen würde, dass sich das von ihm ver-
ursachte Feuer – aufgrund der beengten Verhältnisse im Badezimmer und den
darin befindlichen brennbaren Gegenständen – unbeaufsichtigt so entwickeln
würde, dass es – insbesondere auch aufgrund der Rauchbildung – nicht mehr
ohne Hilfe der Feuerwehr zu löschen wäre und zu einem Sachschaden führen
würde. Indem er den Brand trotzdem verursachte und hernach das Zimmer ver-
lassen hatte, nahm er dies zumindest in Kauf.
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5. Rechtliche Würdigung
5.1. Die rechtliche Würdigung, wie sie die Staatsanwaltschaft und die Vor-
instanz betreffend das Hauptdossier übereinstimmend vorgenommen haben, ist
zutreffend (Urk. 59 S. 19 ff., Urk. 49 S. 5, Urk. 77 S. 3). Insbesondere kann be-
treffend die Voraussetzungen, dass bei dem vom Beschuldigten verursachten
Feuer von einer Feuersbrunst auszugehen ist, auf die zutreffenden vorinstanz-
lichen Erwägungen verwiesen werden (Urk. 59 S. 19 ff., Art. 82 Abs. 4 StPO). Mit
der Vorinstanz hat der Beschuldigte sowohl den objektiven als auch subjektiven
Tatbestand von Art. 221 Abs. 1 StGB erfüllt, indem er (eventual-)vorsätzlich zum
Schaden des Gebäudeeigentümers eine Feuersbrunst verursachte. Soweit die
Verteidigung im Sinne eines Eventualantrages die Verurteilung wegen fahr-
lässiger Verursachung einer Feuersbrunst im Sinne von Art. 222 Abs. 1 StGB be-
antragt (Urk. 88 S. 6), steht dem das Beweisergebnis entgegen, aufgrund dessen
davon auszugehen ist, dass das Feuer absichtlich gelegt wurde. Zwar mag es mit
der Verteidigung zutreffen, dass es besser geeignete Orte in einer Wohnung gibt
als eine Nasszelle, um eine Feuersbrunst zu entfachen (Urk. 88 S. 5). Wie ge-
sehen kann sich aber auch ein Brand im Badezimmer ohne weiteres zu einer
Feuersbrunst entwickeln, insbesondere dann, wenn mit brennbaren Gegenstän-
den nachgeholfen und hernach das Feuer sich selber überlassen wird. Es wird
dem Beschuldigten denn auch nicht etwa vorgeworfen, er habe ein maximal zer-
störerisches Feuer legen wollen. Vielmehr muss letztlich im Dunkeln bleiben,
weshalb er im Badezimmer Feuer entfachte. Auch damit hat er aber zumindest in
Kauf genommen, dass sich der Brand zu einer Feuersbrunst im Sinne des Ge-
setzes entwickelt.
5.2. In Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils ist der Beschuldigte damit der
Brandstiftung im Sinne von Art. 221 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
6. Strafzumessung
6.1. Die Vorinstanz hat den zur Verfügung stehenden Strafrahmen gemäss
Art. 221 Abs. 1 StGB richtig umrissen. Demnach ist die Strafe innerhalb eines
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Strafrahmens von einem bis zwanzig Jahren Freiheitsstrafe festzusetzen (Urk. 59
S. 23).
6.2. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von
12 Monaten bestraft (Urk. 59 S. 24). Die Staatsanwaltschaft erachtet dieses
Strafmass als zu tief und beantragt berufungsweise eine Freiheitsstrafe von
16 Monaten (Urk. 100 S. 2). Die Verteidigung äusserte sich hinsichtlich der
Brandstiftung zufolge des beantragten Freispruchs nicht zur Sanktion. Eventuali-
ter beantragte sie – wegen fährlässiger Verursachung einer Feuersbrunst – eine
Geldstrafe von 30 Tagessätzen à Fr. 50.– (Urk. 76 S. 2).
6.3. In Bezug auf die objektive Tatschwere ist mit der Vorinstanz auf den – ver-
glichen mit anderen denkbaren Brandfällen – verhältnismässig eher tiefen Sach-
schaden von Fr. 10'500.– hinzuweisen. Mit der Vorinstanz zugunsten des Be-
schuldigten zu berücksichtigen ist sodann, dass "lediglich" ein Sach-, aber kein
Personenschaden entstanden ist (Urk. 59 S. 23). Der Brand konnte soweit er-
sichtlich relativ schnell gelöscht werden und die restlichen Wohnungen des mehr-
stöckigen Hauses wurden, abgesehen von einem Wasserschaden in der Woh-
nung unter dem Beschuldigten (vgl. Urk. 1 S. 3, 5), soweit ersichtlich nicht weiter
in Mitleidenschaft gezogen. Erschwerend zu berücksichtigen ist hingegen, dass
der Beschuldigte die Wohnung nach erfolgter Brandstiftung verlassen hatte.
Durch dieses Vorgehen schuf der Beschuldigte ein erhebliches Schädigungs-
potential sowohl hinsichtlich der Liegenschaft als auch in Bezug auf die Be-
wohner.
Insgesamt wiegt das objektive Verschulden auf einer Skala aller denkbaren Fällen
von Art. 221 Abs. 1 StGB aber leicht und ist die Strafe angesichts des sehr weiten
Strafrahmens im untersten Bereich anzusiedeln.
6.4. In subjektiver Hinsicht ist zugunsten des Beschuldigten die eventualvor-
sätzliche Tatbegehung zu berücksichtigen. Über das Motiv des Beschuldigten ist
nichts bekannt. Allerdings bekundete er durch das Sich-Entfernen von der Brand-
stelle, im Wissen darum, dass sich diverse – mutmasslich schlafende – Personen
im Wohnhaus befanden – eine erhebliche Gleichgültigkeit gegenüber der körper-
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lichen Unversehrtheit der Anwohner sowie auch fremden Eigentums. Insgesamt
wird das objektive Tatverschulden durch die subjektive Tatschwere nur leicht rela-
tiviert. Eine verminderte Schuldfähigkeit war im Zeitpunkt der Tat gemäss dem
sachverständigen Gutachten von Prof. Dr. med. D._ nicht gegeben (Urk. 59
S. 22 mit Verweis auf Urk. 23/1 S. 25).
6.5. Wenn die Vorinstanz die Einsatzstrafe nach Würdigung der Tatkomponen-
ten auf 12 Monate Freiheitsstrafe festsetzt (Urk. 59 S. 23), erscheint dies ange-
messen und ist so zu übernehmen.
6.6. Zu den persönlichen Verhältnissen führte der Beschuldigte an der Beru-
fungsverhandlung aus, dass es ihm gesundheitlich gut gehe. Er nehme nach wie
vor das Heroinprogramm in Anspruch und konsumiere ca. zweimal am Tag, seit
etwa 10 Jahren. Arbeiten könne er aufgrund des Heroinkonsums nicht. Er beziehe
Sozialhilfe (Urk. 75 S. 1 f.). Aus der Biographie des Beschuldigten lassen sich
– abgesehen von der Vorstrafe – mit der Vorinstanz keine massgeblichen Straf-
zumessungskriterien ableiten (Urk. 59 S. 24).
6.7. Lediglich leicht straferhöhend zu gewichten ist die schon länger zurück-
liegende und nicht einschlägige Vorstrafe wegen Strassenverkehrsdelikten aus
dem Jahr 2010, wofür der Beschuldigte unter Ansetzung einer dreijährigen Pro-
bezeit mit einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 30.– sowie einer
Busse von Fr. 1'000.– bestraft wurde (Urk. 62, Urk. 75 S. 4 f., Urk. 101). Negativ
zu gewichten ist aber, dass er die vorliegend zu beurteilende Tat nur gerade ein
halbes Jahr nach dieser Verurteilung und damit während laufender Probezeit be-
gangen hatte.
6.8. Ein Geständnis liegt nicht vor. Ebenso wenig könnte der Beschuldigte Ein-
sicht oder Reue für sich reklamieren.
6.9. Mit der Vorinstanz rechtfertigt sich sodann eine leichte Strafminderung auf-
grund der langen Verfahrensdauer, die vorab durch die Untersuchungsbehörde zu
verantworten ist (Urk. 59 S. 24).
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6.10. Insgesamt halten sich die straferhöhenden sowie strafmindernden Fakto-
ren innerhalb der Täterkomponente die Waage.
6.11. Vor diesem Hintergrund erscheint es mit der Vorinstanz angemessen, den
Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten zu bestrafen (Urk. 59
S. 24).
6.12. Der Anrechnung der 28 Tage, die der Beschuldigte in Untersuchungshaft
zu verbringen hatte, steht nichts entgegen (Urk. 59 S. 25 mit Verweis auf Art. 51
StGB).
7. Strafvollzug
7.1. Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe, von gemeinnütziger Ar-
beit oder einer Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten und höchstens
zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig
erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen
abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB). Für den bedingten Vollzug genügt das Fehlen
einer ungünstigen Prognose. Die Gewährung des bedingten Strafaufschubs setzt
mit anderen Worten nicht die positive Erwartung voraus, der Täter werde
sich bewähren, sondern es genügt die Abwesenheit der Befürchtung, dass er es
nicht tun werde. Der Strafaufschub ist deshalb die Regel, von der grundsätzlich
nur bei ungünstiger Prognose abgewichen werden darf. Er hat im breiten Mittel-
feld der Ungewissheit den Vorrang (BGE 134 IV 97 E. 7.3; 134 IV 82 E. 4.2; je mit
Hinweisen).
Bei der Prüfung, ob der Verurteilte für ein dauerndes Wohlverhalten Gewähr bie-
tet, hat das Gericht eine Gesamtwürdigung aller wesentlichen Umstände vorzu-
nehmen. In die Beurteilung miteinzubeziehen sind neben den Tatumständen auch
das Vorleben und der Leumund sowie alle weiteren Tatsachen, die gültige
Schlüsse auf den Charakter des Täters und die Aussichten seiner Bewährung zu-
lassen. Relevante Faktoren sind etwa strafrechtliche Vorbelastung, Sozialisations-
biographie und Arbeitsverhalten, das Bestehen sozialer Bindungen, Hinweise auf
Suchtgefährdungen usw. Es ist unzulässig, einzelnen Umständen eine vorrangige
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Bedeutung beizumessen und andere zu vernachlässigen oder überhaupt ausser
Acht zu lassen. Wie bei der Strafzumessung (Art. 50 StGB) müssen die Gründe
für die Gewährung oder Nichtgewährung des bedingten Vollzugs der Strafe im
Urteil so wiedergegeben werden, dass sich die richtige Anwendung des Bundes-
rechts überprüfen lässt (BGE 134 IV 1 E. 4.2.1; Urteil 6B_572/2013 vom
20. November 2013 E. 1.3; je mit Hinweisen).
7.2. Die Vorinstanz hat den Vollzug der Freiheitsstrafe aufgeschoben (Urk. 59
S. 25) und auch die Staatsanwaltschaft beantragt die Verhängung einer bedingten
Freiheitsstrafe unter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren (Urk. 100 S. 2). Die
Verhängung einer unbedingten Freiheitsstrafe liesse sich denn auch nicht be-
gründen. Zwar hat der Beschuldigte eine – wenn auch nicht einschlägige – Vor-
strafe aus dem Jahr 2011 und delinquierte er mit der vorliegend zu beurteilenden
Tat nur gerade ein halbes Jahr nach der letzten Verurteilung während laufender
Probezeit (vgl. vorstehende Erw. 6.7). Seither sind aber mittlerweile knapp
6 Jahre vergangen, während denen er sich wohlverhalten hat. Dass der Beschul-
digte seit der vorliegend zu beurteilenden Tat nicht mehr delinquierte, erachtet
auch Prof. Dr. med. D._ in seinem psychiatrischen Gutachten als positiven
Faktor in Bezug auf die Rückfallgefahr, auch wenn sich durch die Abhängigkeits-
erkrankung ein Risiko für weitere einschlägige Handlungen ergebe (Urk. 23/5
S. 25). Im vorliegenden Verfahren war dem Beschuldigten zudem während
28 Tagen durch Untersuchungshaft die Freiheit entzogen, was die Warnwirkung
von nun bedingt ausgesprochenen Strafen zweifellos verstärkt. Hinsichtlich der
persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten sind mit der Vorinstanz sodann kei-
ne Umstände ersichtlich, die die Vermutung einer günstigen Prognose nachhaltig
umzustossen vermögen (Urk. 59 S. 25). Wie gesehen ist der Beschuldigte ge-
mäss eigenen Angaben seit 10 Jahren heroinabhängig und geht keiner Erwerbs-
tätigkeit nach. Diese Verhältnisse sind allerdings konstant. Der Beschuldigte lebt
alleine und getrennt von seiner Ehefrau, die in Thailand lebt. Sein Verhältnis zu
seiner Mutter und zu seinen Geschwistern sei gut, er helfe jeweils seiner betagten
Mutter (Urk. 75 S. 2).
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7.3. Insgesamt vermögen die hinsichtlich der zukünftigen Legalprognose nega-
tiv zu wertenden Faktoren (Vorstrafe und Delinquenz während laufender Probe-
zeit) bei einer Gesamtbetrachtung aller wesentlicher Umstände die Vermutung ei-
ner günstigen Prognose nicht nachhaltig umzustossen. Damit ist dem Beschuldig-
ten der bedingte Strafvollzug zu gewähren (Art. 42 Abs. 1 StGB). Aufgrund der
seit der letzten Tat verstrichenen langen Zeit rechtfertigt sich sodann auch die
Verhängung einer Verbindungsstrafe im Sinne eines "sofort spürbaren Denk-
zettels" nicht (vgl. zu den Voraussetzungen einer Verbindungsstrafe etwa
BGE 134 IV 82, BGE 134 IV 8, BGE 134 IV 75, BGE 135 IV 188 E. 3.3). Ange-
sichts der leicht getrübten Legalprognose erscheint es mit der Vorinstanz ange-
messen, die Probezeit auf 3 Jahre festzusetzen (Art. 44 Abs. 1 StGB, Urk. 59
S. 25).
8. Widerruf
8.1. Die Vorinstanz verzichtete – unter Berücksichtigung der Warnwirkung des
gegenwärtigen Strafverfahrens – auf den Widerruf des mit Strafbefehl des Bezirk-
samtes Aarau vom 11. Oktober 2010 bedingt gewährten Vollzugs der Geldstrafe
von 60 Tagessätzen zu Fr. 30.– und verlängerte die Probezeit um ein Jahr
(Urk. 59 S. 26). Die Staatsanwaltschaft wendet nichts gegen diesen Entscheid ein
(Urk. 100 S. 2).
8.2. Gemäss Art. 46 Abs. 5 StGB darf der Widerruf – und damit auch die Ver-
längerung der Probezeit – nicht mehr angeordnet werden, wenn seit dem Ablauf
der Probezeit drei Jahre vergangen sind. Die Probezeit wurde gemäss Strafbefehl
des Bezirksamtes Aarau vom 11. Oktober 2010 auf drei Jahre festgesetzt (Urk. 59
S. 26, Beizugsakten des Bezirksamtes Aarau [ST.2010.2295]). Damit endete sie
am 11. Oktober 2013. Da seither mehr als drei Jahre verstrichen sind, ist eine
Verlängerung heute nicht mehr möglich. Ein Widerruf bzw. eine Verlängerung der
Probezeit fällt damit ausser Betracht.
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9. Kosten- und Entschädigungsfolgen
9.1. Erstinstanzliches Verfahren
9.1.1. Die Vorinstanz auferlegte die Kosten der Untersuchung und des gericht-
lichen Verfahrens, ausgenommen der Kosten der amtlichen Verteidigung, voll-
umfänglich dem Beschuldigten. Den Freispruch bezüglich des Nebendossiers 1
erachtete die Vorinstanz als von sehr untergeordneter Bedeutung, weshalb eine
teilweise Übernahme durch die Gerichtskasse nicht als angezeigt erachtet wurde
(Urk. 59 S. 27 f., vgl. Kostenblatt der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl [Urk. 31]). Die
Kosten der amtlichen Verteidigung wurden einstweilen auf die Gerichtskasse ge-
nommen, unter Vorbehalt der Rückzahlungspflicht gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
9.1.2. Ausgangsgemäss – es bleibt beim vorinstanzlichen Schuldspruch hinsicht-
lich des Hauptdossiers sowie dem Freispruch betreffend das Nebendossier – ist
die vorinstanzliche Kostenregelung zu bestätigen.
9.2. Kosten des Berufungsverfahrens
9.2.1. Im Berufungsverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe ih-
res Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO).
9.2.2. Der Beschuldigte unterliegt mit seiner Berufung vollumfänglich und auch die
Staatsanwaltschaft unterliegt mit ihrer Anschlussberufung. In Gewichtung der Be-
rufungsthemen rechtfertigt es sich, die Kosten des Berufungsverfahrens, ausge-
nommen derjenigen der amtlichen Verteidigung, zu fünf Sechsteln dem Beschul-
digten aufzuerlegen und zu einem Sechstel auf die Gerichtskasse zu nehmen.
9.2.3. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind zu fünf Sechsteln einstweilen
und zu einem Sechstel definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen. Im Umfang von
fünf Sechsteln bleibt die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten gemäss Art. 135
Abs. 4 StPO vorbehalten.
9.2.4. Ausgangsgemäss fällt eine Entschädigung bzw. Genugtuung zugunsten
des Beschuldigten ausser Betracht (Art. 429 Abs. 1 StPO).
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