# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 19a86cbd-51c0-49c8-aa26-115753b33f38
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
,
geboren
1957, bezog ab 1. Februar 2008 eine Invalidenrente der Invalidenversicherung zuzüglich Kinderrenten für seine Töchter
Y._
, geboren am 14. Juni 1992, und
Z._
, geboren am 5. Juli 1995 (
Urk.
7/1;
Urk.
7/35,
Urk. 7/68-71). Mit Schreiben vom 1. und 31. Januar 2013 (Urk.
7/72/1-2; Urk. 7/74
/
1-2) forderte die Sozialversicherungsstelle des Kan
tons Zürich, IV-Stelle, den Versicherten auf, einen aktuellen
Ausbildungsnach
weis
für seine Tochter
Y._
einzureichen, worauf der Versicherte der IV-Stelle ein Schreiben der
Firma A._
, vom 30. Januar 2013 (
Urk.
7/75) einreichte.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/77,
Urk.
7/79,
Urk.
7/80,
Urk.
7/87) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 6. Mai 2013 betreffend Kinderrente (
Urk.
7/88 =
Urk.
2/1) einen Anspruch des Versicherten auf
Weiter
ausrichtung
der
Kinderrente für seine Tochter
Y._
für die
Zeit
ab Februar 2013
, als diese
bei der
Firma A._
ein Praktikum absolvierte
. Mit einer weiteren Verfügung
vom
6. Mai 2013 betref
fend Rückforderung (
Urk.
7/89 = Urk.
2/2) forderte die IV-Stelle
den
Versicher
ten
zur Rückerstattung der für
Y._
für die Zeit vom 1. bis 28. Februar 2013
zu Unrecht ausgerichtete
n
Kinderrente
im Betrag von
Fr.
402.--
auf
.
2.
2.1
Gegen die Verfügungen 6. Mai 2013 (Urk. 2/1-2) erhob der Versicherte am
5. Juni 2013 Beschwerde (
Urk.
1) mit dem Antrag, es seien die beiden angefochte
nen Verfügungen aufzuheben und es sei die IV-Stelle zu
ver
-
pflichten, ihm für die Zeit vo
n
Februar bis Mai 2013 Kinderrenten im Betrag von insgesamt
Fr.
1‘608.-- beziehungsweise von
Fr.
402.-- im Monat aus
-
zurichten; eventuell sei die Rückforderung der Kinderrente für den Monat Februar 2013 im Betrag von
Fr.
402.-- infolge Gutgläubigkeit und grosser Härte zu erlassen.
2.2
Mit
Beschwerdeantwort vom
11. Juli 2013
(
Urk. 6
)
beantragte die IV-Stelle
die Abweisun
g der Beschwerde. Mit Verfügung vom 23. Oktober 2013 (
Urk.
8) wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet und es wurde der Beschwerde
führer aufgefordert, in einer schriftlichen Stellungnahme verschiedene Fragen zu beantworten und verschieden
e
Unterlagen einzureichen. Dieser Aufforderung kam der Beschwerdeführer mit Replik vom 1
2.
November 2013 (
Urk.
9)
, ergänzt durch die Eingabe vom 21. November 2013 (
Urk.
11-12),
nach. Darin hielt er an seinem beschwerdeweise gestellten Rechtsbegehren fest. Mit Duplik vom 17. De
zember 2013 (
Urk.
14) hielt
die Beschwerdegegnerin an ihrem Antrag auf Ab
weisung der Beschwerde fest. Eine Kopie dieser Eingabe wurde dem Beschwer
deführer am 23. Dezember 2013 zugestellt.
Die Einzelrichterin

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert Fr. 20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in
die einzelrichterliche Zuständigkeit (§ 11 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
1.2
Versicherte Personen, denen eine Invalidenrente zusteht, haben in Anwendung von Art. 35
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) für jedes Kind, das im Falle ihres Todes eine Waisenrente der Alters- und
Hinter
lassenenversicherung
beanspruchen könnte, Anspruch auf eine Kinderrente. Er erlischt mit der Vollendung des 18. Altersjahres. Für Kinder, die noch in Ausbil
dung sind, dauert der Rentenanspruch bis zu deren Abschluss, längstens aber bis zum vollendeten 25. Altersjahr. Der Bundesrat kann festlegen, was als Aus
bildung gilt (Art. 25
Abs.
4 und 5
des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hin
terlassenenversicherung
, AHVG
).
1.3
Der Bundesrat hat von dieser Kompetenz Gebrauch gemacht, indem er auf den 1. Januar 2011 die
Verordnung über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHVV)
um die Art. 49
bis
(Ausbildung) und Art. 49
ter
(Beendigung und Unter
brechung der Ausbildung) ergänzt hat. Gemäss Art. 49
bis
Abs.
1 AHVV ist ein Kind in Ausbildung, wenn es sich auf der Grundlage eines ordnungsgemässen, rechtlich oder zumindest faktisch anerkannten Bildungsganges systematisch und zeitlich überwiegend entweder auf einen Berufsabschluss vorbereitet oder sich eine Allgemeinausbildung erwirbt, die Grundlage bildet für den Erwerb verschiedener Berufe. Nach Art. 49
ter
Abs.
2 AHVV gilt die Ausbildung als be
endet, wenn sie abgebrochen oder unterbrochen wird. Nicht als Unterbrechung im Sinne von
Abs.
2 gelten nach Art. 49
ter
Abs.
3 AHVV, sofern die Ausbildung unmittelbar danach fortgesetzt wird, übliche unterrichtsfreie Zeiten und Ferien von längstens 4 Monaten (
lit
. a), Militär- oder Zivildienst von längstens 5 Mo
naten (
lit
. b) und gesundheits- oder schwangerschaftsbedingte Unterbrüche von längstens 12 Monaten (
lit
. c).
1.4
Auf den 1. Januar 2012 hat das
Bundesamt für Sozialvers
icherungen (
BSV
)
in seiner Wegleitung über die Renten (RWL) in der Eidgenössischen Alters-, Hin
terlassenen- und Invalidenv
ersicherung die
Rz
. 3361 wie folgt neu gefasst:
"Ein Praktikum wird als Ausbildung anerkannt, wenn es gesetzlich oder
re
-
glementarisch
für die Zulassung zu einem Bildungsgang oder zu einer Prüfung vor
-
ausge
setzt ist, oder
zum Erwerb eines Diploms oder eines Berufsabschlusses verlangt wird."
Darüber hinaus wurde
auf den 1. Januar 2014
die
Rz
. 3361.1 und die
Rz
. 3362
RWL
neu gefasst
:
„
Rz
. 3361.1:
Sind die Voraussetzungen von
Rz
3361 nicht erfüllt, so
wird ein Praktikum trotzdem als Ausbildung anerkannt,
wenn
es für eine bestimmte Ausbildung faktisch geboten ist und mit dem An
tritt de
s Praktikums tatsächlich die Ab
sicht besteht, die angestrebte Aus
bildung zu realisieren (BGE 139 V 209) und
das Praktikum im betreffenden Betrieb höchstens ein Jahr dauert.
Rz
.
3362
:
Es wird nicht verlangt, dass das Kind während eines Praktikums schuli
schen Unterricht besucht. Übt das Kind jedoch lediglich eine praktische Tä
tigkeit aus, um sich dabei einige Branchenkenntnisse und Fertigkeiten an
zueignen, um die Anstellungschancen bei schwieriger
Beschäftigungssitua
tion
zu verbessern oder um eine Berufswahl zu treffen, liegt keine Ausbil
dung vor (Beispiel: Praktikum in einer
Film
produk
tionsfirma
nicht als Aus
bildung anerkannt gemäss Urteil des Bundes
gerichtes vom 1. April 2008; 9C_223/2008).
“
1.5
Verwaltungsweisungen richten sich an die Durchführungsstellen und sind für das Sozialversicherungsgericht nicht verbindlich. Dieses soll sie bei seiner Ent
schei
dung aber berücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen zu
lassen. Das Gericht weicht also nicht ohne triftigen Grund von
Verwaltungs
weisungen
ab, wenn diese eine überzeugende Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben darstellen. Insofern wird dem Bestreben der Verwaltung, durch in
terne Weisungen eine rechtsgleiche Gesetzesanwendung zu gewährleisten, Rechnung getragen (BGE 133 V 587 E. 6.1 S. 591; 133 V 257 E. 3.2 S. 258 mit Hinweisen; vgl. BGE 133 II 305 E. 8.1 S. 315).
2.
2.1
Y._
hat
im Sinne einer Vorbereitung auf
ein Bachelorstudium Medien & Kunst an der
Hochschule B._
(vgl.
Urk.
10/1/2)
vom 1. Februar 2012 bis 31. Januar 2013 an der Hochschule
B._
, ein
Propädeutikum
(Vorbildung) besucht
(
Urk.
3/6)
. In der Folge hat
Y._
die Aufnahmeprüfung bei der Hochschule
B._
indes nicht bestanden (
Urk.
1 S. 6). An
schliessend hat sie a
m 16. September 2013 ein Studium im Bereich Kunst & Vermittlung an der Hochschule
C._
aufgenommen (Urk. 10/2).
2.2
Dem Schreiben der
Firma A._
vom 30. Januar 2013 (
Urk.
7/85) ist zu entnehmen, dass
Y._
bei dieser vom
1. März bis 31. August 2013 ein Praktikum
plante
.
Y._
kündigte die Praktikums
s
telle in der Folge per Ende Mai 2013 (
Urk.
3/8).
Mit Schreiben vom 14. Mai 2013 (
Urk.
3/8) führte die
Firma A._
aus, dass
Y._
ein Praktikum bei dieser auf
genommen habe, um
die Arbeiten und Abläufe in einem Architekturbüro ken
nen
zu
lernen.
Sie habe ab 1. März 2013 Einblick in die Verkaufstätigkeit ge
wonnen.
Die
Verkaufstätigkeit
habe sie
insbesondere im Rahmen
einer
Mitge
staltung
bei
der Verkaufsdokumentation unterstützt. Gleichzeitig habe sie im zeichnerischen Bereich Aufgaben wahrgenommen, insbesondere im Innenaus
bau und bei der Zeichnung und Mitgestaltung von Umgebungsplänen von Überbauungen.
2.3
Für
eine Zulassung zum Bachelorstudium Medien & Kunst an der
Hochschule B._
wird gemäss dem
sich bei den Akten befindenden
dies
bezüglichen Merkblatt (Urk. 10/1/2) eine vorgängige Absolvierung eines Prakti
kums nicht vorausgesetzt. Auch für die Zulassung zum Bachelorstudium Kunst & Vermittlung an der
Hochschule C._
wird ein Praktikum nicht vorausgesetzt. Die
Hochschule C._
empfiehl
t
jedoch allen Studienplatzbewerbern die Absolvierung des einjährigen Gestalterischen Vorkurses oder eines Praxisjahres (
Urk.
10/1/4).
3.
3.1
Nach Gesagtem steht daher fest, dass das von
Y._
bei der
Firma A._
absolvierte Praktikum weder für die Zulassung zu einem Bachelorstudium an der
Hochschule B._
noch für die Zulassung zu einem solchen an der Hochschule
C._
vo
rausgesetzt war.
Bei der Empfehlung der
Hochschule C._
den Gestalterischen Vorkurs oder ein Praxisjahr zu absolvieren
,
handelt es sich nicht um eine für die Zulassung zum Studium zwingend erforderliche Voraus
setzung
,
sondern lediglich um eine unverbindliche Empfehlung.
3.2
Das
von
Y._
bei der
Firma A._
absol
vierte Praktikum
war sodann auch faktisch
nicht geboten. Denn
auf Grun
d
des Umstandes, dass sich
Y._
gemäss den Angaben der
Firma A._
vom
14. Mai 2013 vor allem mit der
Verkaufstä
tigkeit
und insbesondere mit der Mitgestaltung bei der
Verkaufs
doku
mentation
befasste, ist davon auszugehen, dass es dem bei der
Firma A._
absolvierten Praktikum an einem genügend engen Bezug zu den von
Y._
in Betracht gezogenen Bachelorstudien Medien & Kunst beziehungsweise Kunst & Vermittlung fehlte.
Mangels eines
genügend engen
Bezug
s
zu den von
Y._
beabsichtigen Bachelorstudien
handelt es sich beim Praktikum bei der
Firma A._
daher nicht um eine
Ausbildung im Sinne von Art. 25
Abs.
4 und 5 AHVG
.
3.3
Auch wenn das Praktikum
bei der
Firma A._
Y._
wertvolle
K
enntnisse und Fertigkeiten vermittelt
e
, so
handelte es sich bei diesem nicht um einen
systematischen, strukturierten Lehrgang, der unter Art. 25
Abs.
5 AHVG gefasst werden könnte. Die Rechtsprechung
setzt in diesem Zusammenhang
notwendigerweise eine bestimmte Form von Lehrplan und ein Mindestmass an schulischer Infrastruktur voraus. Das Praktikum
bei der
Firma A._
erfüllt diese Eigenschaft nicht. Es han
delt sich
dabei zudem
auch nicht um ein Praktikum, welches der praktischen Umsetzung von theoretischen Kenntnissen dient, welche zuvor im Rahmen ei
nes Ausbildungsgangs erworben worden waren
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_223/2008 vom 1. April 2008 E. 1.2).
4.
Nach Gesagtem ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin mit der angefochtenen Verfügung vom 6. Mai 2013 betreffend Kinderrente (
Urk.
2/1) einen Anspruch des
Beschwerdeführes
auf eine Kinderrente für seine Tochter
Y._
während der Dauer des
von dieser
bei der
Firma A._
vom 1. März
bis 31.
Mai
2013
absolvierten Praktikums
verneinte.
5.
5.1
Gemäss Art. 1 Abs. 1 IVG und Art. 25 Abs. 1 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV) sind unrechtmässig bezogene Leis
tungen zurückzuerstatten. Die Rück
erstattung unrechtmässig gewährter Leis
tungen, die in gutem Glauben empfan
gen wurden, wird bei Vorliegen einer grossen Härte indes ganz oder teilweise erlassen.
5
.2
Da
es sich
, wie vorstehend erwähnt (E. 4),
bei dem
von
Y._
vom 1. März bis 31.
Mai
2013 bei der
Firma A._
absol
vierte
n
Praktikum
nicht um eine Ausbildung im Sinne von Art. 25
Abs.
5 AHVG handelte, ist nicht zu beanstanden, dass
die Beschwerdegegnerin die dem Beschwerdeführer für die Zeit vom
1.
bis 2
8.
Februar 2013
für
Y._
zu Unrecht ausgerichtete Kinderrente
mit der angefochtenen Verfügung vom
6.
Mai 2013 betreffend Rückforderung (
Urk.
2/2) zurückforderte.
5.3
Zu prüfen bleibt der Antrag
d
es Beschwerdeführers auf Erlass der Rückforde
rung im Betrag von Fr. 402.-- (
Urk.
1 S. 2). Die
Beschwerdegegenerin
hat über einen Anspruch des Beschwerdeführers auf Erlass der Rückforderung bis anhin
indes
noch nicht
verfügt
, weshalb es diesbezüglich an einem
Anfechtungsge
genstand
fehlt. Insoweit der Beschwerdeführer
beschwerdeweise
den Erlass der Rückforderung beantragen will, ist auf
seine
Beschwerde daher nicht einzutre
ten
. Die
Sache ist diesbezüglich
vielmehr
an die
Beschwerdegegenerin
zu über
weisen.
6.
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige
rung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind
nach dem
Verfah
rens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert
innerhalb des gesetzlichen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--) auf Fr.
4
00.-- fest
zusetzen und dem unterlie
genden Beschwerde
führer aufzuerlegen.