# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** bb64a8a9-6c3d-4d06-9036-1ca8f39c013a
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1965 geborene und
damals
als Maschinist
noch erwerbstätig gewesene
X._
meldete sich am
31. Januar 2005
ein erstes Mal bei der Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an und gab als Grund seit 2001 bestehende Bandscheibenprobleme sowie Läh
mungserscheinungen am rechten Fuss an
(Urk. 7/2)
. Mit
Verfügung vom 22. Juli 2005 (Urk. 7/24) und Einspracheentscheid vom 28. Oktober 2005 (Urk. 7/38)
verneinte die IV-Stelle den Anspruch auf eine Invalidenrente
bei einem
Invaliditätsg
rad von 23 %
.
A
m 23. März 2006
meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug an und machte eine Verschlechterung seines Gesundheitszustandes geltend
(Urk. 7/44)
. Mit
Verfügung vom 18. April 2006 (Urk. 7/52)
trat die IV-Stelle auf das neue Leistungsbegehren nicht ein.
1.2
Unter Hinweis auf eine Zustandsverschlechterung infolge Auftreten
s
von psychischen Problemen
und
der
Notwendigkeit einer psychiatrischen Be
handlung seit 18. Januar 2007
meldete sich der Versicherte
am 23. November 2007
erneut bei der IV-Stelle an
(Urk. 7/55)
.
Mit
Verfügung
en
vom 20. Oktober 2010 (Urk. 7/90 ff.)
sprach ihm diese eine ganze
Rente
mit Wir
kung
ab 1. Januar 2008
zu.
Im September 2013 leitete die IV-Stelle eine erste
Rentenrevision
ein
(Urk. 7/96)
und holte aktuelle Auskünfte der behandelnden Ärzte ein
. Sodann liess sie den Versicherten in der über SuisseMED@P zugeteilte
n
MEDAS
Y._
polydisziplinär abklären (Gutachten vom 24. Juli 2015, Urk. 7/119
). Nach Durchführung des
Vorbescheidverfahren
s
(Urk. 7/123 ff.)
hob sie mit
Verfügung vom 24. November 2015 (Urk. 2)
die bisher ausge
richtete Rente
wiedererwägungsweise
auf.
2.
Dagegen erhob
X._
am
11. Januar 201
6
Beschwerde mit dem Rechts
begehren um Zusprechung einer
Rente gestützt auf einen Invaliditäts
grad von mindestens 60 %
(Urk. 1).
Mit
Beschwerdeantwort vom 3. Februar 2016
schloss die Verwaltung auf Abweisung der Beschwerde
(Urk. 6)
, was dem Beschwerdeführer am 3. Mai 2016 mitgeteilt wurde (Urk. 8).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Gemäss einem allgemeinen Grundsatz des Sozialversicherungsrechts kann die Ve
rwaltung auf formell rechtskräf
tige Verfügungen oder Einspracheent
scheide, die nicht Gegenstand materieller richterlicher Beurteilung gebildet haben, zu
rückkommen, wenn sie zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (Art. 53 Abs. 2
des Bundesgeset
zes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
; BGE 133 V 50 E. 4.1).
Die Wiedererwägung dient der Korrektur einer anfänglich unrichtigen Rechtsan
wendung einschliesslich unrichtiger Feststellung im Sinne der Wür
digung des Sachverhalts. Das Erfordernis der zweifellosen Un
richtigkeit ist in der Regel er
füllt, wenn eine Leistungszusprache aufgrund falsch oder unzu
treffen
d verstan
dener Rechtsregeln erfolgt ist oder wenn massgebliche Be
-
st
immungen nicht oder unrichtig angewandt wurden. Anders ver
hält es sich, wenn der Wiederer
wägungsgrund im Bereich materieller Anspruchsvoraus
setzungen liegt, deren Beurteilung notwendigerweise Ermessenszüge
auf
weist. Erscheint die Beurtei
lung einzelner Schritte bei der Feststellung solcher Anspruchsvoraussetzungen (Invaliditätsbemessung, Arbeitsunfähigkeit
s
schät
-
zung, Beweiswürdigung, Zu
mutbarkeitsfragen) vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leis
tungszusprechung darbot, als vertretbar, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit
aus. Zweifellos ist die Unrich
tigkeit, wenn kein vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass die Verfügung unrichtig war. Es ist nur ein einziger Schluss
derjenige auf die Unrichtigkeit der Verfügung
denkbar (Bundesgerichtsurteil
9C_135/2014 vom 14. Mai 2014
E. 3 mit Hinweisen).
Damit genügt e
i
ne voraussetzungslose Neubeurteilung der invaliditätsmässi
gen Voraussetzungen nach ständiger Rechtsprechung nicht, um eine Invali
denrente auf dem Wege der Wiedererwägung herabzusetzen oder gar aufzu
heben.
Denn e
ine Reduktion der Rente unter dem Titel "Wiedererwägung" kann
– wie dargelegt -
nur bei Unvertretbarkeit der ursprünglichen Renten
zusprache erfolgen, drohte die Wiedererwägung in einer Vielzahl langjähri
ger Rentenbezugsverhältnisse ansonsten doch zum Instrument einer solchen voraussetzungslosen Neuprüfung zu werden, was sich mit dem Wesen der Rechtsbeständigkeit formell zugesprochener Dauerleistungen nicht vertrüge. Zurückhaltung bei der Annahme zweifelloser Unrichtigkeit ist
zudem
stets dann geboten, wenn der Wiedererwägungsgrund eine materielle Anspruchs
voraussetzung (wie beispielsweise die Invalidität) betrifft, deren Beurteilung massgeblich auf Schätzungen oder Beweiswürdigungen und damit auf Ele
menten beruht, die notwendigerweise Ermessenszüge aufweisen. Eine vor dem Hintergrund der seinerzeitigen Rechtspraxis vertretbare Beurtei
lung der invaliditätsmässigen Anspruchsvoraussetzungen kann nicht zweifellos un
richtig sein (Bundesgerichtsurteil 8C_678/2012 vom 1. Februar 2013 E. 2 mit Hinweisen).
]
2.
2.1
Streitig und zu prüfen ist zunächst
, ob die Beschwerdeg
egnerin zu Recht die ursprüngli
che, formell rechtskräftige rentenzusprechende Verfügung vom 20. Oktober 2010 als zweifellos unrichtig und deren Korrektur als von erheb
licher Bedeutung qualifiziert hat (vgl. dazu BGE 117 V 8 E. 2a). Sind die Wie
dererwägungsvoraussetzungen
diesfalls
erfüllt, so ist im
Weiteren
die künftige Anspruchsberechtigung zu prüfen.
2.2
Die Beschwerdegegnerin begründet die wiedererwägungsweise Rentenaufhe
bung
im Wesentlichen
damit, dass
bei der Überprüfung die auf 30 % bis 50 % festgelegte Arbeitsfähigkeit nicht nachvollziehbar gewesen sei, da
es an hinreichend sorgfältigen und aussagekräftigen Abklärungen zur Arbeitsfä
higkeit in einer leidensangepassten Beschäftigung gefehlt habe, womit die Rentenverfügung
qualifiziert
unrichtig gewesen sei.
Aus psychiatrischer Sicht seien keine Diagnosen ausgewiesen, die eine Beeinträchtigung der Arbeitsfä
higkeit auslösten. Aus somatischer Sicht bestehe in einer angepassten Tätig
keit
eine Arbeitsfähigkeit von 100 % (Urk. 2 S. 2)
.
2.3
Demgegenüber stellt sich der Beschwerdeführer auf dem Standpunkt, dass
für eine Wiedererwägung der mit Entscheid vom 20. Oktober 2010 zugesproche
nen Rente kein Anlass bestehe. Die Einschätzung der gesundheitlichen Be
einträchtigung sei korrekt vorgenommen und die Rente rechtmässig zuge
sprochen worden (1 S. 3).
2.
4
Auf diese und d
ie
weiteren
Vorbringen der Parteien
wird, soweit erfor
der
lich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
3.
3.1
Nach Eingang der dritten Anmeldung zum Leistungsbezug holte die Beschwer
degegnerin aktuelle Auskünfte beim behandelnden Hausarzt, Dr. med.
Z._
, Facharzt für Allgemeinmedizin, ein. Im Bericht vom 7. Dezember 2007 (Urk. 7/60/1-6) diagnostizierte dieser ein chronisches lum
bospondylogenes Syndrom rechts bei mediolateraler Diskushernie L4/5 und
Segmentdegeneration L4/
5.
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit nannte er eine seit Januar 2007 bestehende reaktive Depression. Des Weiteren schätzte er die Arbeitsfähigkeit für eine behinderungsange
passte Tätigkeit auf 50 % bis 100 %.
3.2
Seit Januar 2007 ist der Beschwerdeführer bei Dr. med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, in Behandlung. Im Bericht vom 6. Juni 2008 (Urk. 7/63) mass dieser der Diagnose einer depressiven Reaktion Auswirkun
gen auf die Arbeitsfähigkeit bei und attestierte dem Beschwerdeführer eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % aus
psychiatrischer Sicht. Ausserdem wies er auf eine Fixierung auf die Schmerzsymptomatik sowie auf eine Schmerzaus
weitung auf Kopf und Nacken hin.
3.3
Am 4. September 2009 berichtete Dr.
A._
, dass
es
dem Beschwerdeführer trotz weiterer Chronifizierung der Schmerzen und der begleitenden depressi
ven Reaktion gelungen sei, eine 50 %ige Anstellung über fast ein Jahr durchzuhalten. Möglicherweise lasse sich dieses Pensum bei einer angepass
ten Tätigkeit weiter ausbauen (Urk. 7/80).
3.4
Nach einer psychiatrischen Standortbestimmung im Regionalen Ärztlichen Dienst
(RAD)
berichtete
Prof. Dr. med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie
,
am
25. Januar 2010 (Urk. 7/86 S. 3)
, dass sich das bis Ende 2006 vorwiegend auf somatischer Ebene zentrierte Beschwerdebild mit einer ausgeprägten Gehbe
hinderung und Schmerzentwicklung zu Beginn des Jahre
s
2007 psychisch in Richtung einer depressiv betonten Schmerzverarbeitungsstörung entwickelt habe. Das Krankheitsbild sei inzwischen trotz lege artis durchgeführter so
matischer und psychiatrischer Therapien chronifiziert und erscheine weitge
hend therapieresistent.
Aus versicherungsmedizinischer Warte sei medizi
ni
sch-
theoretisch ab 2007 eine Restarbeitsfähigkeit von 30 % bis maximal 50 % in leidensangepasster Tätigkeit zu postulieren.
Im
Übrigen
nannte der RAD-Arzt folgende
Diagnosen:
-
Lumboischialgie mit Diskushernie bei degenerativer Veränderung der Wirbel
säule
-
ICD-10 F45.41
-
ICD-10 F48.0
4.
4.
1
Das für eine (ex nunc wirkende) Wiedererwägung unter anderem notwendige Erfordernis der erheblichen Bedeutung der Berichtigung der seinerzeitigen Verfügung wäre angesichts der zur Diskussion stehenden
Dauerleistung
ohne
weiteres gegeben (BGE 119 V 480; ferner Kieser, ATSG-Kommentar,
3
. Aufl., 20
15
, N
58
zu Art. 53 ATSG; vgl. auch Urk. 1 S. 7). In Frage steht die zwei
fellose Unrichtigkeit.
4.2
Die der Rentenzusprechung im Jahr 2010 zugrunde liegende Stellungnahme
von
Prof. Dr.
B._
vom 25. Januar 2010 (
E. 3.4
) gründete auf einer per
sönlichen
Untersuchung
des Beschwerdeführers
bzw. einem Standortgespräch mit ihm
durch eine
n
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
im RAD. D
ie
im Feststellungsblatt für den Beschluss aufgenommene Zusammenfas
sung der Untersuchungsbefunde enthält eine Darstellung der Entwicklung
und des Verlaufs der psychischen Erkrankung des Beschwerdeführers und berücksichtigt dabei
auch
die
echtzeitlichen
Angaben
und Arbeitsfähig
keitseinschätzungen
der behandelnden Ärzte
,
Dres.
Z._
und
A._
(E. 3.1
-3.3).
Dass die Beschwerdegegnerin entsprechend der Einschätzung des
RAD-Arztes
Prof.
Dr.
B._
von einer Arbeitsfähigkeit von
3
0 % ausging
(
wel
che vom Beschwerdeführer
im Rahmen der im August 2008 aufgenommenen, teilzeitlichen Erwerbstätigkeit als Barman
auch so verwertet wurde
)
,
kann klarerweise
nicht als unhaltbar beziehungsweise als zweifellos unrichtig im wiedererwägungsrechtlichen Sinn
bezeichnet werden (siehe dazu vorne E. 1)
.
Das Gleiche trifft auf den Umstand, dass für den
Einkommensvergleich beim Invalideneinkommen nicht auf einen LSE-Tabellenlohn ab
ge
stellt
wurde
,
zu.
An dieser Schlussfolgerung
vermag auch die Tatsache nichts zu ändern, dass
ein vergleichbarer Sachverhalt nach heutiger Praxis
wohl
anders gewürdigt würde
und
die Frage nach dem Rentenanspruch
deshalb ebenfalls nicht gleich ausfallen würde
.
Sind die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung nicht gegeben, ist d
em
entsprechend die angefochtene Verfügung vom
24. November 2015
aufzuhe
ben und festzustellen, dass der Beschwerdeführer weiterhin Anspruch auf eine (
ganze
) Rente hat.
5
.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr.
800
.-- festzulegen und ausgangsge
mäss von der Beschwerdegegnerin zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Zudem ist dem Beschwerdeführer eine Prozessentschädigung von Fr.
1‘800.
(in
klusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen (Art. 61 lit. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsge
richt; GSVGer).