# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 4e37f87b-5ef0-5251-9f36-b08597cf2f8c
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
A._, geb. 1988, wurde am 5. August 2017 auf der Autobahn A3 polizeilich angehalten,
nachdem er die allgemeine Höchstgeschwindigkeit mehrmals überschritten wie auch
abrupt abgebremst hatte. Es bestand der Verdacht, dass er sich mit einem zivilen
Polizeifahrzeug ein Rennen hatte liefern wollen. Bei der Sichtung des beschlagnahmten
Mobiltelefons stellte sich heraus, dass A._ zwischen 6. März 2015 und 2. August 2017
mehrfach gegen die Strassenverkehrsvorschriften verstossen hatte, teilweise sehr
schwer. Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 11. Dezember 2019 wurde A._ der
mehrfachen qualifiziert groben Verletzung der Verkehrsregeln, der mehrfachen groben
Verletzung der Verkehrsregeln sowie der mehrfachen Verletzung der Verkehrsregeln
schuldig gesprochen und zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten sowie
einer Busse von CHF 3'000 verurteilt. Das Gericht verbot ihm zudem mittels Weisung,
während zwei Jahren Motorfahrzeuge der Kategorie B zu lenken.
B.
Nach Abschluss des Strafverfahrens forderte das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen A._ auf, sich einer verkehrspsychologischen
Untersuchung zu unterziehen. Im Gutachten vom 23. Juni 2020 wurde die Fahreignung
aus verkehrspsychologischer Sicht bejaht. Mit Verfügung vom 24. September 2020
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 3/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
entzog das Strassenverkehrsamt A._ den Führerausweis für die Dauer von 38
Monaten. Die Verwaltungsrekurskommission hiess den dagegen erhobenen Rekurs mit
Entscheid vom 25. Februar 2021 teilweise gut. Die Gutheissung betraf jedoch nur die
Festlegung des Vollzugsbeginns und -endes. Hinsichtlich der Höhe der Entzugsdauer
wurde der Rekurs abgewiesen. Zufolge Verletzung des rechtlichen Gehörs wurden die
amtlichen Kosten dem Staat auferlegt und dem Beschwerdeführer eine ausseramtliche
Entschädigung zugesprochen.
C.
A._ (Beschwerdeführer) erhob gegen den am 1. März 2021 versandten Entscheid der
Verwaltungsrekurskommission (Vorinstanz) durch seinen Rechtsvertreter mit Eingabe
vom 16. März 2021 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Rechtsbegehren,
unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei Ziffer 1 des angefochtenen Entscheids
aufzuheben und der Führerausweis für 24 Monate mit Wirkung ab 11. Dezember 2019
zu entziehen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Mit Vernehmlassung vom 26. März 2021 verwies die Vorinstanz auf die Erwägungen
des angefochtenen Entscheids und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Das
Strassenverkehrsamt (Beschwerdegegner) verzichtete am 15. April 2021 auf eine
Stellungnahme. Am 21. April 2021 (Datum Posteingang) reichte der Beschwerdeführer
eine persönliche Stellungnahme ein. Auf die Ausführungen des Beschwerdeführers zur
Begründung seiner Anträge sowie die Akten wird, soweit wesentlich, in den
Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Eintreten
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Der Beschwerdeführer
ist als Adressat des angefochtenen Entscheides zur Erhebung des Rechtsmittels
befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde wurde mit
Eingabe vom 16. März 2021 rechtzeitig erhoben und erfüllt in formeller und inhaltlicher
Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und
Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Streitgegenstand
Der Beschwerdeführer beanstandet ausschliesslich die Bemessung der Entzugsdauer.
Die von ihm begangenen Verkehrsregelverletzungen sowie deren rechtliche
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 4/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Qualifikation bestreitet er nicht. Dabei handelt es sich um folgende Tatbestände:
Sachverhalt Datum Tatbestand
Geschwindigkeitsüberschreitungen 50 + 18 25.01.2017 Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG
leicht innerorts 50 + 27 26.01.2017 Art. 16c Abs. 1 lit. a
SVG schwer
Geschwindigkeitsüberschreitungen 80 + 17 16.02.2017 Art. 16a Abs. 4 SVG bes.
leicht
ausserorts 80 + 46 10.03.2017 Art. 16c Abs. 1 lit. a
SVG schwer
Geschwindigkeitsüberschreitungen 120 + 56 06.03.2015 Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG
schwer
auf der Autobahn 120 + 47 06.04.2015 Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG
schwer
120 + 50 16.06.2016 Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG
schwer
120 + 42 23.01.2017 Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG
schwer
120 + 74 02.08.2017 Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG
schwer
120 + 74 02.08.2017 Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG
schwer
120 + 40 05.08.2017 Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG
schwer
Teilnahme an zwei nicht bewillig- 13.03.2017 Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG
qual. schwer ten Rennen 13.03.2017 Art. 16c Abs. 1
lit. a SVG qual. schwer
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 5/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Von diesen Verkehrsregelverletzungen ist bei der Bemessung der Entzugsdauer im
Folgenden auszugehen.
3. Vorbringen des Beschwerdeführers
Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen geltend, der Warnungsentzug müsse
verhältnismässig sein und sich auf das Notwendige beschränken. Bei der Bemessung
der Entzugsdauer sei die erzieherische Komponente in ausgeprägtem Masse zu
berücksichtigen. In der vorliegenden speziellen Konstellation sei fraglich, ob sein
persönliches Interesse an der Wiedererteilung des Führerausweises das öffentliche
Interesse nicht überwiege. Die auszusprechende Massnahme dürfe keinen strafenden
Charakter haben und nicht über das im öffentlichen Interesse angestrebte Ziel, die
Verkehrssicherheit, hinausgehen. Die Strafe sei bereits durch das Strafgericht
ausgesprochen worden. Jenes Verfahren habe bei ihm offensichtlich die gewünschte
erzieherische Wirkung ausgelöst. Unberücksichtigt sei auch das
verkehrspsychologische Gutachten vom 23. Juni 2020 geblieben, wonach er sein
Unrecht offensichtlich eingesehen habe und in der Lage sei, sich nicht in höherem
Masse als die Gesamtheit der Verkehrsteilnehmer verkehrsgefährdend zu verhalten.
Seit 2017 habe er keine Verkehrsdelikte mehr begangen und sich im Strassenverkehr
wohlverhalten. Ein Führerausweisentzug über die Mindestentzugsdauer von zwei
Jahren hinaus sei somit nicht mehr erforderlich und folglich nicht verhältnismässig. Es
liege eine Verletzung des Übermassverbots vor. Gegen die von der Vorinstanz
errechnete Gesamtentzugsdauer von 46 Monaten (vor Berücksichtigung
massnahmemindernder Umstände) sei nichts auszusetzen. Indessen seien die
massnahmemindernden Faktoren zu wenig gewichtet worden. Er sei gleich stark wie
ein Berufschauffeur auf den Führerausweis angewiesen, da ihm seine Arbeitgeberin
klar mitgeteilt habe, dass er die Stelle verlieren könnte, sofern er am 1. Januar 2022
über keinen Führerausweis verfüge. Als Aussendienstmitarbeiter müsse er täglich viele
Kunden besuchen, was Flexibilität und Mobilität erfordere. Ein Führerausweisentzug in
der verfügten Länge führe zum Verlust der Arbeitsstelle, sei nicht zumutbar und wiege
unverhältnismässig schwer. Aufgrund der hohen Massnahmeempfindlichkeit sei eine
Reduktion der Entzugsdauer um 40 Prozent vorzunehmen. Auch das umfassende
Geständnis im Strafverfahren müsse gebührend berücksichtigt werden.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 6/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4. Verhältnis Sicherungsentzug – Warnungsentzug
4.1. Rechtliches
Das Strassenverkehrsgesetz unterscheidet zwischen dem Sicherungsentzug wegen
Fehlens der Fahreignung (Art. 16 Abs.1 in Verbindung mit Art. 16d des
Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, SVG) und dem Warnungsentzug wegen
Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften (Art. 16 Abs. 2 in Verbindung
mit Art. 16a-16c SVG). Der Führerausweisentzug dient einerseits der Gefahrenabwehr,
indem er fahrungeeignete Personen daran hindert, ein Motorfahrzeug zu führen und so
die Verkehrssicherheit zu gefährden (Sicherungsentzug), andrerseits hat der Staat mit
dem Ausweisentzug ein Mittel in der Hand, um auf das Fehlverhalten von
Motorfahrzeuglenkern im Strassenverkehr zu reagieren (Warnungsentzug). Der
Führerausweisentzug stellt in jenen Fällen eine Sanktion dar, welche fehlbare
Fahrzeuglenker künftig zu rücksichtsvollem und sicherem Fahren bewegen sowie im
Sinn einer fühlbaren Warnung gefährliche Fahrer davon abhalten soll, die gebotene
Sorgfalt und Disziplin im Strassenverkehr zu missachten und die Verkehrsvorschriften
zu verletzen (B. Rütsche, in: Niggli/ Probst/Waldmann [Hrsg.], Strassenverkehrsgesetz,
Basel 2014, N 26 zu Vor Art. 16-17a SVG). Voraussetzung für die Verfügung eines
Warnungsentzugs ist, dass der Ausweisinhaber über die nötige Fahreignung verfügt;
andernfalls wäre ein Sicherungsentzug anzuordnen (BGE 131 II 248 E. 4.2). Zum
andern setzt der Warnungsentzug notwendig ein Verschulden des betroffenen Lenkers
voraus (vgl. Art. 16 Abs. 3 SVG). Der Warnungsentzug ist mithin nach der
Rechtsprechung eine der Strafe ähnliche, aber dennoch von ihr unabhängige
Verwaltungsmassnahme mit präventivem und erzieherischem Charakter. Die
Rechtsprechung hat daher verschiedene für die Strafen geltende strafrechtliche sowie
verfassungs- und konventionsrechtliche Regeln und Grundsätze auf den
Warnungsentzug analog angewandt, so beispielsweise die Unschuldsvermutung, das
Doppelbestrafungsverbot, die strafrechtlichen Konkurrenz- und Verjährungsregeln oder
den Anspruch auf eine mündliche Verhandlung (Ph. Weissenberger, Kommentar SVG
und OBG, 2. Aufl. 2015, N 5 f. zu den Vorbemerkungen zu Art. 16 ff. SVG). Der
Warnungsentzug ist ein Entscheid über die Stichhaltigkeit einer strafrechtlichen
Anklage im Sinne von Art. 6 Ziff. 1 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte
und Grundfreiheiten (SR 0.101, EMRK; BGE 121 II 22 E. 2).
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2021&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=133+II+331&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F131-II-248%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page248 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2021&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=verh%E4ltnis+sicherungsentzug+warnungsentzug&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F121-II-22%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page22
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 7/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Das Bundesgericht erwog, der Warnungsentzug setze, wie die Strafe, die schuldhafte
Verletzung von Verkehrsregeln voraus, durch welche der Verkehr beziehungsweise die
Sicherheit anderer irgendwie gefährdet worden sei. Seine Dauer bemesse sich im
Wesentlichen nach denselben Umständen wie eine Strafe, indem gemäss Art. 16
Abs. 3 SVG die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen seien, namentlich die
Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als
Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen.
Die "Gefährdung des Verkehrs" bzw. die "Gefahr für die Sicherheit anderer", von
welcher im Gesetz (Art. 16 ff. SVG) mehrfach die Rede sei, meine nicht eine
Gefährdung in der Zukunft, sondern die Gefährdung, die der Fahrzeugführer durch die
konkrete Widerhandlung hervorgerufen oder in Kauf genommen habe. Die vom
Fahrzeuglenker allenfalls ausgehende Gefahr von Widerhandlungen in der Zukunft sei
weder ein Grund für die Anordnung des Warnungsentzugs noch ein Kriterium für die
Bemessung der Dauer. Der Warnungsentzug werde – im Unterschied zum
Sicherungsentzug – nicht deshalb angeordnet, weil zu befürchten sei, dass der
Fahrzeugführer in der Zukunft ein Strassenverkehrsdelikt begehe und dadurch die
Verkehrssicherheit gefährden könnte, sondern er werde wie die Strafe angeordnet, weil
der Fahrzeugführer ein solches Delikt begangen und dadurch die Verkehrssicherheit
gefährdet habe. Allerdings erhoffe man sich vom Warnungsentzug wie von der Strafe,
dass sich der Betroffene dadurch beeindrucken lasse und keine
Verkehrsregelverletzungen mehr begehen werde (BGE 133 II 331 E. 6.4.2).
4.2. Würdigung
Der Beschwerdeführer beging im Zeitraum 6. März 2015 bis 5. August 2017 schuldhaft
die eingangs aufgeführten 13 Verkehrsregelverletzungen, wofür er rechtskräftig
verurteilt wurde. Da aufgrund der zahlreichen, mehrheitlich sehr schweren Verstösse
gegen die Strassenverkehrsvorschriften – insbesondere der Beteiligung an nicht
bewilligten Rennen – Zweifel an seiner Fahreignung bestanden (vgl. Art. 15d Abs. 1
lit. d SVG), gab der Beschwerdegegner ein verkehrspsychologisches Gutachten in
Auftrag. Im Gutachten vom 23. Juni 2020 wurde die charakterliche und kognitive
Fahreignung des Beschwerdeführers positiv beurteilt (vi-act. 9/469). Nachdem die
Fahreignung beim Beschwerdeführer damit erwiesenermassen vorlag, waren die
Grundvoraussetzungen für einen Warnungsentzug erst gegeben. Entgegen der Ansicht
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 8/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
des Beschwerdeführers hat die positiv lautende verkehrspsychologische Beurteilung
keinen massnahmemindernden Einfluss auf die Dauer des Warnungsentzugs, da dieser
auf einer Beurteilung der Vergangenheit, namentlich der begangenen Delikte, der dabei
geschaffenen Gefährdung, des Verschuldens und des Leumunds beruht. Dass der
Warnungsentzug keinen strafenden Charakter haben dürfe, wie der Beschwerdeführer
geltend macht, trifft aufgrund der dargelegten bundesgerichtlichen Rechtsprechung
ebenfalls nicht zu.
5. Verhältnis Strafverfahren – Administrativmassnahmeverfahren
5.1. Rechtliches
Nach ständiger und langjähriger Rechtsprechung des Bundesgerichts verletzt die im
schweizerischen Recht vorgesehene Zweispurigkeit der Verfahren nach
Strassenverkehrsdelikten den Grundsatz "ne bis in idem" nicht (BGE 137 I 363 E. 2.4
mit weiteren Hinweisen). Während der Strafrichter über die strafrechtlichen Sanktionen
Busse und Haftstrafe befindet, entscheidet die zuständige Administrativbehörde über
die Administrativmassnahmen der Verwarnung und des Führerausweisentzuges.
Obwohl der Führerausweisentzug eine gewisse Strafähnlichkeit aufweist, handelt es
sich bei dieser Sanktion um eine im Verwaltungsverfahren ausgesprochene
Massnahme, welche primär die Erziehung des Fehlbaren, nicht dessen Bestrafung
bezweckt. Es ist daher nicht so, dass der Betroffene, der für ein Verkehrsdelikt
strafrechtlich belangt worden ist, mit dem Führerausweisentzug ein zweites Mal für
dasselbe Verhalten bestraft wird (BGE 128 II 133 E. 3a). Mit dem Straf- und dem
Massnahmeverfahren werden unterschiedliche Sanktionen ausgesprochen.
Das Gericht kann dem zu einer bedingten Strafe verurteilten Täter für die Probezeit
Weisungen erteilen (Art. 44 Abs. 2 des Schweizerischen Strafgesetzbuches, SR 311.0,
StGB). Durch derartige Weisungen kann das Führen von Motorfahrzeugen bestimmter
Kategorien, aber auch das Führen von Motorfahrzeugen schlechthin verboten werden.
Eine Weisung betreffend Fahrverbot kann bei einer Verurteilung zu einer bedingten
Strafe wegen SVG-Widerhandlungen erteilt werden, auch wenn dem Täter wegen der
SVG-Widerhandlung von den Administrativbehörden gemäss Art. 16 ff. SVG der
Führerausweis entzogen wird; denn die Weisung betreffend Fahrverbot im Rahmen des
bedingten Strafvollzugs einerseits und der Führerausweisentzug gemäss Art. 16 ff. SVG
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 9/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
andererseits dienen verschiedenen Zwecken (BGE 137 IV 72 E. 2.4). Die
strafrechtlichen Massnahmen mit Bezug zum Strassenverkehr sind somit von den
Administrativmassnahmen abzugrenzen (Rütsche, a.a.O., N 22 zu Vor Art. 16-17a
SVG).
5.2. Würdigung
Da im Schweizer Recht bei Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften
im Straf- und Administrativmassnahmeverfahren je unterschiedliche Sanktionen
ausgesprochen werden, hat die Verurteilung des Beschwerdeführers im Strafverfahren
durch das Bezirksgericht Zürich keinen massnahmemindernden Einfluss auf die
Entzugsdauer im Administrativverfahren.
Mit Strafurteil vom 11. Dezember 2019 verbot das Bezirksgericht Zürich dem
Beschwerdeführer, während der Probezeit von zwei Jahren ein Motorfahrzeug der
Kategorie B zu lenken (vgl. vi-act. 2/2). Angesichts der Parallelität der beiden
Massnahmen kann man sich fragen, ob die ab 11. Dezember 2019 geltende
strafrechtliche Weisung an den administrativmassnahmerechtlichen
Führerausweisentzug anzurechnen ist. Tatsächlich abgegeben hat der
Beschwerdeführer den Führerausweis erst am 9. September 2020 (vi-act. 9/484). Da
der Beschwerdegegner wie auch die Vorinstanz die Dauer der Weisung jedoch
zugunsten des Beschwerdeführers vollumfänglich berücksichtigten, kann diese Frage
offengelassen werden.
6. Dauer des Warnungsentzugs
6.1. Allgemeines
Bei der Festsetzung der Dauer des Lernfahr- oder Führerausweisentzugs sind die
Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen, namentlich die Gefährdung der
Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als Motorfahrzeugführer sowie die
berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen. Die Mindestentzugsdauer darf
jedoch nicht unterschritten werden (Art. 16 Abs. 3 SVG). Alle Umstände sind dabei
gesamthaft zu würdigen, und es ist im Einzelfall die Entzugsdauer so festzusetzen,
dass die mit der Massnahme beabsichtigte erzieherische und präventive Wirkung am
besten erreicht wird (Weissenberger, a.a.O., N 28 zu Art. 16 SVG). Wie alle hoheitlichen
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 10/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Massnahmen muss auch ein Führerausweisentzug dem Grundsatz der
Verhältnismässigkeit gerecht werden. Unter anderem muss die Anordnung des Entzugs
noch erforderlich sein, um dessen Zweck, die Erziehung und Besserung des
Fahrzeuglenkers, zu erreichen (BGE 120 Ib 504 E. 4e). Für den Warnungsentzug
existieren keine Höchstentzugsdauern. Die Behörde sollte sich jedoch bei der
Bemessung der Entzugsdauer nach oben an der Mindestentzugsdauer der
nächsthöheren Stufe im Kaskadensystem orientieren. Dabei handelt es sich nicht um
fixe Höchstgrenzen, die nicht überschritten werden dürfen; Warnungsentzüge sollen
indessen fünf Jahre nicht überschreiten. Ein Warnungsentzug von fünf Jahren stünde
im Widerspruch zu den Bestimmungen von Art. 17 Abs. 4 und Art. 23 Abs. 3 SVG,
welche bei Sicherungsentzügen für immer nach fünf Jahren einen Anspruch auf
Wiedererwägung einräumen (Rütsche, a.a.O., N 112 zu Art. 16 SVG). Ein
Warnungsentzug von mehr als fünf Jahren wäre auch nicht sinnvoll. Ein solcher
Zeitraum übersteigt schlechterdings den Prognosehorizont (R. Schaffhauser, Grundriss
des schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Band III: Die Administrativmassnahmen,
Bern 1995, Rz. 2426).
Für den Fall, dass mehrere Widerhandlungen begangen wurden, ist in analoger
Anwendung von Art. 49 StGB die für die schwerste Verkehrsregelverletzung verwirkte
Massnahme angemessen zu erhöhen (BGer 6A.74/2005 vom 15. März 2006 E. 5.3,
BGE 120 Ib 54 E. 2a; B. Rütsche, a.a.O., N 134 zu Art. 16 SVG; Weissenberger, a.a.O.,
N 14 zu den Vorbemerkungen zu Art. 16 ff. SVG). Die Behörde hat zunächst die
Widerhandlung mit der höchsten Mindestentzugsdauer und die dieser Widerhandlung
entsprechende Entzugsdauer zu bestimmen; anschliessend ist diese Entzugsdauer
unter Berücksichtigung der anderen Widerhandlungen angemessen zu erhöhen. Mit
diesem Vorgehen soll verhindert werden, dass durch die Kumulation der
Entzugsdauern für verschiedene Entzugsgründe ein übermässig langer Ausweisentzug
verhängt wird (Rütsche, a.a.O., N 134 zu Art. 16 SVG).
Der Verwaltungsbehörde und der Vorinstanz steht bei der Bemessung der Dauer des
Führerausweisentzugs ein weiter Ermessensspielraum zu. Das Ermessen muss
pflichtgemäss, das heisst insbesondere verhältnismässig und rechtsgleich, gehandhabt
werden (Schaffhauser, a.a.O., Rz. 2413). Dies bedeutet, dass alle in der Sache
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 11/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
erheblichen Interessen zu berücksichtigen und sorgfältig gegeneinander abzuwägen
sind. Da im Beschwerdeverfahren gemäss Art. 61 Abs. 1 und 2 VRP ausschliesslich
Rechtsverletzungen gerügt werden können, greift das Verwaltungsgericht nur ein, wenn
das Ermessen überschritten oder missbraucht wurde. Dies ist namentlich der Fall,
wenn einzelne Umstände zu Unrecht ganz ausser Acht gelassen oder in einer
unhaltbaren Weise gewichtet wurden (BGE 128 II 173 E. 4b mit Hinweisen). Der
Entscheid muss sich auf sachlich haltbare Gründe stützen und von rechtlich
massgebenden Gesichtspunkten ausgehen. Zu prüfen ist, ob die Gewichtung und
gesamthafte Würdigung der verschiedenen Umstände im Rahmen des zustehenden
Ermessens erfolgte und der Grundsatz der Verhältnismässigkeit beachtet wurde. Die
Einräumung eines Ermessensspielraums bei der Festsetzung der Entzugsdauer
bedeutet nicht, dass nach Belieben entschieden werden kann (BGE 120 Ib 312 4d).
6.2. Massnahmedauer für die schwerste Verfehlung und Erhöhung aufgrund mehr-
facher Tatbegehung
Nach Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG beträgt die Mindestentzugsdauer zwei Jahre, wenn
durch vorsätzliche Verletzung elementarer Verkehrsregeln das hohe Risiko eines
Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern bestand, namentlich durch besonders
krasse Missachtung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit, waghalsiges Überholen
oder Teilnahme an einem nicht bewilligten Rennen mit Motorfahrzeugen. Der
Tatbestand des Rennens wurde vom Beschwerdeführer am 13. März 2017 gleich
zweimal erfüllt, wobei die Vorinstanz in Übereinstimmung mit dem Strafrichter mangels
einheitlichen Willensentschlusses keine Tateinheit annahm. Massnahmeerhöhend ins
Gewicht fällt sodann die mehrfache Tatbegehung. Der Beschwerdeführer hat im
Zeitraum vom 6. März 2015 bis 5. August 2017 neun schwere
Geschwindigkeitsüberschreitungen begangen (siebenmal auf der Autobahn, einmal
ausserorts und einmal innerorts). Zweimal fehlte nur wenig zur Grenze des
Rasertatbestands, für den ebenfalls eine Mindestentzugsdauer von zwei Jahren gilt
(Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG). Die von der Vorinstanz für sämtliche Widerhandlungen vor
Minderung angesetzte Entzugsdauer von 46 Monaten ist angesichts der zwei
Rennteilnahmen und der geschilderten Tatmehrheit nicht zu beanstanden. Der
Beschwerdeführer bringt dagegen denn auch keine Rügen vor (act. 1, S. 5).
bis
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 12/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
6.3. Sanktionsempfindlichkeit
Nach gefestigter Rechtsprechung des Bundesgerichts ist bei der Prüfung der
Massnahmeempfindlichkeit dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit Rechnung zu
tragen und deshalb zu berücksichtigen, in welchem Masse der Fahrzeugführer infolge
beruflicher Angewiesenheit auf ein Motorfahrzeug stärker als andere Fahrer vom
Entzug des Führerausweises betroffen ist (BGE 128 II 285 E. 2.4). Mit Blick auf die
abschreckende und erzieherische Zielsetzung des Warnungsentzugs sowie aus
Gründen der Rechtsgleichheit ist es nur folgerichtig, dass die unterschiedliche
Betroffenheit bei der Bemessung der Entzugsdauer zu berücksichtigen ist. Dabei gibt
es nicht nur Fahrzeuglenker, die beruflich entweder überhaupt nicht oder dann wie ein
Berufschauffeur auf den Ausweis angewiesen sind. Vielmehr ist der Übergang
fliessend, d.h. es gibt auch Betroffene, bei denen eine leicht- oder mittelgradig erhöhte
Massnahmeempfindlichkeit gegeben ist (BGE 123 II 572 E. 2c). Ein gewisser
organisatorischer, zeitlicher oder finanzieller Mehraufwand ist als Folge eines jeden
Führerausweisentzugs allerdings hinzunehmen (BGE 122 II 21 E. 1c). Massgebend für
die Prüfung der Sanktionsempfindlichkeit ist der Zeitpunkt der Entscheidung über die
Massnahme, nicht jener des Verkehrsregelverstosses. Ist der Betroffene in der neuen
Tätigkeit stärker als früher und jedenfalls in grösserem Masse als der normale Fahrer
beruflich auf ein Fahrzeug angewiesen, so muss diese Situation bei der Bemessung der
Massnahmedauer berücksichtigt werden. Umgekehrt kann sich etwa ein
Berufschauffeur, der während des Massnahmeverfahrens eine Arbeit aufnimmt, bei
welcher er auf den Führerausweis nicht angewiesen ist, nicht mehr auf das
entsprechende Zumessungskriterium berufen. Massgebend ist mit andern Worten die
aktuelle berufliche Situation des Fahrzeuglenkers zu dem Zeitpunkt, an welchem
letztmals neue Tatsachen betreffend die berufliche Situation berücksichtigt werden
können (BGE 128 II 285 E. 2.4).
Im Verfahren vor dem Beschwerdegegner machte der Beschwerdeführer geltend, er sei
für das Einzelunternehmen "X._" seiner zwei Brüder tätig. Er bringe jeweils die
Fahrzeuge zum Kunden oder hole diese vom Kunden ab (act. 9/491). Der
Beschwerdegegner führte in der Verfügung vom 24. September 2020 aus, bei der
Festsetzung der Entzugsdauer (38 Monate) sei die geltend gemachte
Sanktionsempfindlichkeit berücksichtigt worden. Nur wenige Tage später, am
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=1c_320%2F2018&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F122-II-21%3Ade&number_of_ranks=0#page21
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 13/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
29. September 2020, schloss der Beschwerdeführer mit der Firma Y._ einen
Handelsreisendenvertrag mit Arbeitsbeginn 1. Januar 2021 ab. Seine Tätigkeit
beinhaltet unter anderem den Vertrieb und Verkauf von Produkten und
Dienstleistungen, die Erweiterung des Kundenportfolios sowie die nachhaltige Pflege
und Förderung von Kundenbeziehungen (vi-act. 2/4). Der Beschwerdeführer arbeitet
somit seit Januar 2021 im Aussendienst. Die Vorinstanz führte im angefochtenen
Entscheid aus, aufgrund der Tätigkeit im Unternehmen seiner Brüder sowie der
Anstellung als Aussendienstmitarbeiter sei der Beschwerdeführer mehr vom
Ausweisentzug betroffen als ein Fahrzeuglenker, der bei einem Fahrverbot problemlos
auf den öffentlichen Verkehr umsteigen könne. Insgesamt liege bei ihm eine leicht
erhöhte Massnahmeempfindlichkeit vor, die zu einer Reduktion um rund zehn Prozent
führe (fünf von 46 Monaten; Rekursentscheid E. 3d.aa).
Dem Beschwerdeführer wird die Berufsausübung durch den Führerausweisentzug
nicht gänzlich verunmöglicht. Es ist offensichtlich, dass er nicht in gleicher Weise wie
ein Berufs-chauffeur auf das Führen eines Motorfahrzeuges angewiesen ist. Während
es sich bei der Tätigkeit im Unternehmen der Brüder um eine nicht näher umschriebene
und in keiner Weise belegte Tatsache handelte, erweist sich die neue Festanstellung im
Aussendienst in Bezug auf die Massnahmeempfindlichkeit doch als von anderer
Qualität. Diese gegenüber dem Verwaltungsverfahren neue Tatsache war von der
Vorinstanz zu berücksichtigen (vgl. Art. 46 Abs. 3 VRP), was sie in ihrem Entscheid
auch tat. Im Zusammenhang mit der Tätigkeit von Versicherungsvertretern hat das
Bundesgericht wiederholt festgehalten, dass es für die Ausübung dieses Berufs nicht
zwingend nötig sei, ein Motorfahrzeug zu führen (BGer 1C_204/2008 vom
25. November 2008 E. 3.3.1 mit Hinweisen). Der Beschwerdeführer macht keine
konkreten Angaben zu seiner Tätigkeit für die Firma Y._, insbesondere nicht zur
Häufigkeit von Kundenbesuchen und zum von ihm zu betreuenden Gebiet. Inwiefern es
ihm nicht möglich sein soll, Termine vor Ort nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln,
einem Taxi oder anderen Fahrdiensten wahrzunehmen, kann daher nicht nachvollzogen
werden. Ausserdem ist davon auszugehen, dass er im Aussendienst einer
Kommunikationsgesellschaft einen erheblichen Teil seiner Arbeit von Zuhause oder aus
dem Geschäft mittels moderner Kommunikationstechnologien erledigen kann und
seine physische Präsenz bei den Kunden nicht in jedem Fall erforderlich ist.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 14/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Wie aus dem Schreiben der Arbeitgeberin vom 15. März 2021 hervorgeht, wusste diese
im Zeitpunkt der Anstellung, dass der Beschwerdeführer keinen Führerausweis besass.
Trotzdem war sie offenbar bereit, ihm einen unbefristeten Vertrag als Handelsreisender
auszustellen. Allerdings ging sie dabei aufgrund der unzutreffenden Angaben des
Beschwerdeführers davon aus, dass der Entzug lediglich zwei Jahre bis Ende 2021
dauern würde. Sollte der Führerausweisentzug nun 38 Monate betragen, erwägt die
Arbeitgeberin, die Anstellung zu überprüfen (act. 3/5). Dass sie den Beschwerdeführer
deswegen definitiv entlassen wird, steht im heutigen Zeitpunkt aber nicht fest. Die
Situation des Beschwerdeführers ist demzufolge weder mit jener eines
Berufschauffeurs noch mit jener von Personen vergleichbar, bei denen die Ausübung
des Berufes durch die Massnahme sehr stark eingeschränkt wird und dadurch hohe
Kosten oder ein hoher Einkommensverlust resultieren. Die von ihm hinzunehmenden
Mehraufwände und Unannehmlichkeiten in Bezug auf seine Berufsausübung sprengen
damit das übliche Mass, welches mit jedem Führerausweisentzug einhergeht, nicht
(BGer 1C_415/2020 vom 17. Februar 2021 E. 3.5). Die Gewichtung der
Massnahmeempfindlichkeit durch die Vorinstanz als leicht erhöht erscheint vor diesem
Hintergrund nicht als unhaltbar.
6.4. Geständnis
Die Vorinstanz hat die Entzugsdauer aufgrund der Geständigkeit des
Beschwerdeführers um drei Monate reduziert. Sie erwog, der Beschwerdeführer sei im
Strafverfahren nicht umgehend geständig gewesen, sondern habe die einzelnen
Tatvorwürfe erst während der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme anerkannt. Zudem
sei die Beweislage aufgrund des sichergestellten Videomaterials einigermassen
erdrückend gewesen.
Das Gericht misst die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt
das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das
Leben des Täters (Art. 47 Abs. 1 StGB). Gemäss Rechtsprechung können sich ein
kooperatives Verhalten wie auch ein Geständnis strafmindernd auswirken. Eine
Strafminderung wegen eines Geständnisses ist indessen nicht angebracht, wenn es die
Strafverfolgung nicht vereinfacht, sondern aufgrund einer erdrückenden Beweislage
erfolgt (Wiprächtiger/Keller, in: Niggli/Wiprächtiger [Hrsg.], Strafrecht I, 4. Aufl. 2019, N
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 15/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
170 zu Art. 47 StGB). Das Gericht mildert die Strafe, wenn der der Täter aufrichtige
Reue betätigt, namentlich den Schaden, soweit es ihm zuzumuten war, ersetzt hat
(Art. 48 lit. d StGB). Dabei geht es um eine aktive Wiedergutmachung nach einer
Straftat, bloss verbale Äusserungen genügen nicht (Wiprächtiger/Keller, a.a.O., N 30 f.
zu Art. 48 StGB). Darüber, ob und falls ja, in welchem Ausmass, im
Administrativmassnahmerecht entsprechende Strafminderungs- oder
Strafmilderungsgründe zu berücksichtigen sind, fehlen einschlägige Hinweise in der
Rechtsprechung. Zur Praxis kann festgehalten werden, dass in der überwiegenden
Mehrzahl der administrativrechtlichen Verfahren die Verkehrsregelverletzungen von den
Betroffenen nicht bestritten werden, was jedoch in aller Regel keine
Massnahmeminderung nach sich zieht. Gemäss Lehre kann sich ein Verhalten nach der
Widerhandlung, welches auf aufrichtige Reue im Sinn von Art. 48 lit. d StGB schliessen
lässt, massnahmemindernd auswirken (Rütsche, a.a.O., N 114 zu Art. 16).
Eine Betätigung aufrichtiger Reue liegt beim Beschwerdeführer nicht vor. Aus den
Akten ergibt sich, dass er die ihm vorgeworfenen Verstösse während der Untersuchung
mehrheitlich bestritt (vgl. Schlussbericht der Kantonspolizei Zürich vom 9. April 2019,
vi-act. 9/192 ff.). Offenbar anerkannte er diese erst später im Hinblick auf eine Anklage
im abgekürzten Verfahren. Von einem umfassenden Geständnis kann nicht gesprochen
werden. Dass die Vorinstanz das Geständnis des Beschwerdeführers
massnahmemindernd berücksichtigte und die Entzugsdauer um drei Monate
reduzierte, erscheint unter diesen Umständen eher grosszügig. Eine weitere Reduktion
unter diesem Titel rechtfertigt sich auf jeden Fall nicht.
6.5. Lange Verfahrensdauer
Der Beschwerdeführer verlangt eine Verkürzung des Warnungsentzugs aufgrund der
langen Verfahrensdauer. Die Erziehung und Besserung eines Täters setzt voraus, dass
die Massnahme in einem angemessenen zeitlichen Zusammenhang zur
Regelverletzung steht. Ausserdem nimmt mit dem Zeitablauf die Erforderlichkeit einer
erzieherischen Sanktion ab, wenn sich der Täter in dieser Zeit wohl verhalten hat (BGE
127 II E. 3d). Der Entzug soll daher mit der Verkehrsregelverletzung in einem
angemessenen zeitlichen Zusammenhang stehen; unter diesem Gesichtspunkt ist ein
Warnungsentzug nicht mehr gerechtfertigt, wenn seit dem ihm zugrundeliegenden
Ereignis lange Zeit verstrichen ist, der Fahrzeuglenker hierfür nicht verantwortlich ist
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 16/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
und er sich während dieser Zeit im Strassenverkehr wohlverhalten hat (BGE 120 Ib
504 E. 4e). Welche Verfahrensdauer als überlang zu gelten hat, lässt sich nicht abstrakt
und in absoluten Zahlen ausdrücken, sondern ist nach den Umständen des Einzelfalls
zu beantworten. Die strafrechtlichen Verjährungsregeln sind sinngemäss beizuziehen.
Das Bundesgericht hat im Falle einer groben Verletzung der Verkehrsregeln eine Dauer
des kantonalen Verfahrens von fünf Jahren als überlang erachtet (BGE 120 Ib 504 E. 3),
im Falle einer blossen Übertretung schon eine solche von viereinhalb Jahren (BGE 127
II 297 E. 3d).
Im vorliegenden Fall hat das Administrativmassnahmeverfahren nach rechtskräftigem
Abschluss des Strafverfahrens bis zum vorinstanzlichen Urteil nicht einmal eineinhalb
Jahre beansprucht. Seit der letzten Widerhandlung (5. August 2017) bis zur Verfügung
(24. September 2020) sind drei Jahre vergangen. Von einer unverhältnismässig langen
Verfahrensdauer kann somit nicht gesprochen werden. Das Wohlverhalten des
Beschwerdeführers dauerte bisher gut zwei Jahre an (6. August 2017 bis 11. Dezember
2019 [Fahrverbot]). Auch unter diesem Titel ist keine Reduktion der Massnahmedauer
angezeigt.
6.6. Leumund
Nach Art. 16 Abs. 3 SVG ist bei der Bemessung der Entzugsdauer auch der Leumund
als Motorfahrzeugführer – ob und welche Delikte der Betroffene in seiner Geschichte
als Motorfahrzeugführer bereits begangen hat – zu berücksichtigen. Verfügt der
Betroffene über einen belasteten Leumund, hat er insbesondere schon Massnahmen
erdulden müssen, so stellt ein neuerliches Delikt, das zu einem Warnungsentzug führt,
gewissermassen den Nachweis dafür da, dass er die frühere "Lektion" nicht gelernt
hat. Dies wirkt sich erschwerend aus, denn der Betroffene bedarf offenbar einer
strengeren Massnahme, um die erforderlichen Lernschritte zu vollziehen (Schaffhauser,
a.a.O., Rz. 2435).
Der automobilistische Leumund des Beschwerdeführers ist getrübt. Er beging in den
Jahren 2009, 2010 und 2011 je eine Verkehrsregelverletzung (schwer, mittelschwer und
schwer). Die ersten zwei Widerhandlungen führten zur Annullierung des
Führerausweises auf Probe. Im Zeitpunkt der zwei Geschwindigkeitsüberschreitungen
vom 6. März und 6. April 2015 war der Beschwerdeführer im Besitz des
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F120-IB-504%3Ade&number_of_ranks=0#page504 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F120-IB-504%3Ade&number_of_ranks=0#page504 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F120-IB-504%3Ade&number_of_ranks=0#page504
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 17/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Führerausweises auf Probe, den er zum zweiten Mal am 25. Februar 2013 erworben
hatte. Seit der Widerhandlung vom 3. Januar 2011, die sich nach der Annullierung des
Führerausweises auf Probe ereignet hatte, waren damals gut vier Jahre verstrichen.
Auch wenn die früheren Widerhandlungen keine Geschwindigkeitsüberschreitungen
und damit nicht einschlägig waren, zeigt das Verhalten des Beschwerdeführers doch,
dass er sich von den früher ausgesprochenen Administrativmassnahmen nicht
nachhaltig beeindrucken liess (BGer 1C_320/2018 vom 14. Januar 2019 E. 3.2 und
3.4). Der Beschwerdegegner ist in der Verfügung vom 24. September 2020 von einem
getrübten Leumund des Beschwerdeführers ausgegangen, der sich nicht mehr
massnahmeerhöhend auswirke. Dem angefochtenen Rekursentscheid sind keine
Ausführungen zum Leumund zu entnehmen. Inwiefern sich der getrübte Leumund im
konkreten Fall bei bereits sehr hoher Entzugsdauer massnahmeerhöhend auswirkt,
kann offen gelassen werden, da sich dies zuungunsten des Beschwerdeführers
auswirken würde und eine entsprechende Änderung zu dessen Nachteil
ausgeschlossen ist (vgl. Art. 63 VRP).
7. Zusammenfassung
Zusammenfassend ist die Vorinstanz bei der Würdigung der konkreten Umstände im
Rahmen des ihr zustehenden Ermessens geblieben. Die vom Beschwerdegegner
verfügte und von der Vorinstanz bestätigte Entzugsdauer von 38 Monaten erweist sich
unter Berücksichtigung der Mindestentzugsdauer von 24 Monaten, der mehrfachen
Tatbegehung, der leichtgradig erhöhten Sanktionsempfindlichkeit und des
Geständnisses keinesfalls als zu hoch, zumal der getrübte Leumund nicht
berücksichtigt wurde. Angesichts der zahlreichen, durchwegs schweren und in zwei
Fällen massiven Verstössen gegen die Strassenverkehrsvorschriften verletzt ein Entzug
für die Dauer von 38 Monaten das Übermassverbot nicht. Die Beschwerde ist
dementsprechend abzuweisen.
8. Kosten
8.1. Amtliche Kosten
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer die amtlichen Kosten zu
bezahlen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Angemessen erscheint eine Entscheidgebühr von
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 18/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
CHF 1'500 (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der vom
Beschwerdeführer geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist zu verrechnen.
8.2. Ausseramtliche Kosten
Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine
Entschädigung seiner ausseramtlichen Kosten für das Beschwerdeverfahren (Art. 98
Abs. 1 und Art. 98 VRP).