# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 3a43c750-602f-4191-9164-29aa6e3d90cc
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1981,
absolvierte
eine
Anlehre
als
Karrosserierepa
rateur
.
Jahrelang
arbeitete er jedoch als
Hilfsg
ipser, ab 2006
als Gipser
bei der
Y._
AG
(
Urk.
8/21)
. Er
meldete sich
am 1
7.
Oktober 2015
unter Hin
weis auf verschiedene gesundheitliche Einschränkungen
und eine
bestehende
Arbeitsunfähigkeit
bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/2).
Die
IV-Stelle holte medizinische Unter
lagen und die Akten des Krankentaggeldversicherers der
Y._
AG ein (
Urk.
8/14, 8/
15).
Es erfolgte eine Eingliederungsberatung (
Urk.
8/22). Weil der Versicherte eine Knieoperation in Aussicht hatte und sich während der Gene
sungszeit für nicht schulfähig erachtete, schloss die IV-Stelle am
2.
Mai 2016 die berufliche Eingliederung ab (
Urk.
8/24).
Am 1
4.
August 2016 meldete sich der Versicherte
wieder
an und beantragte berufliche Eingliederungsmassnahmen (
Urk.
8/28). Die IV-S
telle zog erneut medizinische
Akten
bei
(
Urk.
8/30, 8/35)
, vor allem auch die Akten der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) über den am
9.
Februar 2008 erlittenen Skiunfall, bei dem
d
er
Versicherte
am
rechte
n
Kniegelenk
eine vordere Kreuzbandruptur erlitten hat
te
(
Urk.
8/46
/26
,
Urk.
8/46/40
,
Urk.
8/46/45
)
und für dessen Folgen sie am 2
6.
März 2018 ab
1.
März 2018 eine Invalidenrente
auf der Grundlage
eine
s
Invaliditätsgrad
es
von 13
%
zusprach (
Urk.
8/57)
.
Am 21.
September 2017 endete das Arbeitsverhältnis des Versicherten bei der
Y._
AG (
Urk.
8/46/227).
Nachdem die IV-Stelle zahlreiche neue ärztliche Verlaufsberichte erhalten hatte, wurde eine inter
disziplinäre Begutachtung des Versicherten angeordnet. Am
4.
März 2020 erging das
MEDAS-
G
utachten der Z._ AG
(
Z._
AG;
Urk.
8/118/1-80).
Es wurde dem Regionalen Ärztlichen Dienst vorgelegt (
Urk.
8/122/22)
,
d
a
raufhin erging der Vorbescheid vom 2
3.
A
pril 2020, worin ein
einen
Rentenanspruch verneinender Entscheid in Aussicht gestellt wurde
(
Urk.
8/124).
Der Versicherte liess erneut zahlreiche medizinische Unterlagen einreichen (
Urk.
8/130
-137), was zu Rückfragen bei den MEDAS-Gutachtern (
Urk.
8/138)
und zu einer
ergänzenden Beurteilung vom 2
5.
Septem
ber 2020
führte
(
Urk.
8/147).
Nachdem sich der Versicherte dazu unter Beilage verschiedener Berichte
hatte
vern
eh
men
lassen
(
Urk.
8/152-157), verneinte die IV-Stelle m
it Verfügung vom
9.
Februar 2021
einen Anspruch auf eine Invali
denrente
(
Urk.
8/158 =
Urk.
2).
2.
Dagegen liess der Versicherte am 1
5.
März 2021 Beschwerde einreichen mit dem Begehren, es sei die Verfügung aufzuheben und ihm mit Wirkung ab September 2016 eine Invalidenrente zuzusprechen, eventualiter sei die Sache zur weiteren Abklärung und Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
(
Urk.
1 S. 2).
Seiner Beschwerde legte er neuere medizinische Berichte bei (
Urk.
3/2-4).
In der Beschwerdeantwort vom 2
5.
Mai 2021 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7).
Der
Beschwerdeführer
reichte am 1
4.
und 2
8.
Juni 2021 weitere ärztliche Behandlungsberichte ein (
Urk.
10,
Urk.
11/1-3,
Urk.
13,
Urk.
14)
. Dazu nahm die Beschwerdegegnerin am
8.
Juli 2021
Stellung (
Urk.
16). Am 2
6.
Oktober 2021 reichte der
Beschwerdeführer
nochmals einen ärztlichen Bericht ein (
Urk.
19), zu dem sich die IV-Stelle nicht mehr äusserte, jedoch
hielt sie
am Antrag auf Abweisung
der Beschwerde
fest (
Urk.
21)
, was dem
Beschwerdeführer
am 1
1.
November 2021 zur Kenntnis gege
ben wurde (
Urk.
22).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung
eingetretenen Sach
verhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.5
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach
Art.
44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (Administrativgutachten) darf voller Beweiswert zuerkannt werden, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4; 135 V 465 E. 4.4
; Urteil des Bundesgerichts 9C_168/2020 vom 1
7.
März 2021 E. 3.2
).
Nicht näher begründete,
anders lautende
Einschät
zungen der behandelnden Ärzte sind in der Regel nicht geeignet, den Beweiswert eines Gutachtens in Frage zu stellen und zum Anlass für weitere Abklärungen zu nehmen (vgl. BGE 137 V 210 E. 1.2.4). Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewür
digt geblieben sind (Urteil
e des Bundesgerichts 9C_146/2021 vom 2
5.
Juni 2021 E. 3.1
und
9C_86/2018 vom 2
0.
August 2018 E. 5.4.1 mit Hinweis).
P
sychische Störungen sind nach der jüngeren Praxis anhand eines strukturierten Beweisverfahrens, gestützt auf systematisierte Indikatoren, auf ihre invalidisie
renden Wirkungen hin zu untersuchen (BGE 143 V 409 E. 4.5; 141 V 281 E. 2). Der Untersuchungsgrundsatz (
Art.
61
lit
. c ATSG) verpflichtet das Gericht
,
von Amtes wegen für die richtige und vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (Urteil
des Bundesgerichts
8C_448/2020 vom
3.
März 2021 E. 2.4.1 mit Hinweis). Massnahmen zur Klärung des rechtserheblichen Sach
verhalts müssen vorgenommen oder veranlasst werden, wenn dazu auf Grund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte hin
reichender Anlass besteht (SVR 2009 IV Nr. 4 S. 6, I 110/07 E. 4.2.2 mit Hinwei
sen). Rechtserheblich sind dabei alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist (SVR 2013 UV Nr. 9 S. 29, 8C_592/2012 E. 5.2). In Nachachtung des Untersuchungsgrundsatzes sind etwa weitere Abklärungen vorzunehmen, wenn der festgestellte Sachverhalt unauflösbare Widersprüche enthält oder eine
entscheidwesentliche
Tatfrage bis
lang auf einer unvollständigen Beweisgrundlage beantwortet wurde (statt vieler: BGE 146 V 240 E. 8.1). Der Sachverhalt ist solange und soweit abzuklären, bis mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt ist, dass von Beweisweiterungen keine neuen Erkenntnisse zu erwarten sind (Urteil
des Bundesgerichts 9C_146/2021 vom 2
5.
Juni 2021 E.
3.4
mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegeg
n
erin
verneinte in der angefochtenen Verfügung den Renten
anspruch gestützt auf das eingeholte MEDAS-Gutachten und die ergänzende Stel
lungnahme dazu. Sie ging davon aus, dass die angestammte Tätigkeit als Gipser aufgrund der gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht mehr zumutbar
sei
, hin
gegen erachtete sie eine sehr leichte Tätigkeit ohne Heben und Tragen von Lasten über 5 kg, wiederholte Überkopfarbeiten, kniende oder kauernde Positionen sowie andere Zwangshaltungen in einem Pensum von 90
%
als möglich. Die im Rahmen nach verschiedenen Operationen aufgetretenen vollständigen Arbeitsunfähigkei
ten erachtete sie als nicht relevant für die Rentenfrage, da es sich um nicht lang andauernde
Einschränkungen
gehandelt habe. Sie errechnete einen Invaliditäts
grad von 10
%
(
Urk.
2).
2.2
Der Beschwerdeführer rügt diesen Entscheid zum einen damit, dass das
erwähnte Profil der angeblich zumutbaren Tätigkeit auf dem
a
llgemeinen Arbeitsmarkt unrealistisch und nicht auffindbar sei, weshalb er nur schon deshalb Anspruch auf eine ganze Rente habe (
Urk.
1 S. 17). Zum andern erachtet er das Gutachten
und die Ergänzung dazu
aufgrund ihrer zahlreichen Mängel und fehlenden Schlüssigkeit
als keine hinreichenden Beweismittel und kritisiert
sie
detailliert
.
3.
3.1
A
us den
Suva-Akten geht hervor, dass der Beschwerdeführer am
9.
Februar 2008 bei einem Skiunfall am rechten Knie eine Ruptur des
vorderen
Kreuzbandes erlitten hatte, die am
2
3.
Mai 2008 ein erstes Mal und am
6.
August 2008 ein zweites Mal
in der Universitätsklinik
A._
operativ versorgt werden musste. Der Beschwerdeführer arbeitete ab 1
8.
April 2009 wieder vollzeitig als Gipser (
Urk.
8/46/26,
Urk.
8/46/71,
Urk.
8/46/75).
Im Herbst 2015 wurde
er
wegen nun beidseitiger Kniebeschwerden wieder ärztlich behandelt
, was der Suva als Rückfall gemeldet wurde (
Urk.
8/46/99)
. Es wurde von den Ärzten der Universitätsklink
A._
ein MRI des Knies rechts angefertigt und ein progredienter Knorpelschaden im Bereich des
Trochlea
femoris
mit Kn
o
chenmarksreaktion und
intraoss
ärer
Zystenbildung festgestellt
und zunächst eine konservative Behandlung vorgeschlagen
(
Urk.
8/46/82).
Der Hausarzt des Beschwerdeführers,
Dr.
med.
B._
,
attestierte ab 1
9.
Oktober 2015 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
, dies nachdem der Beschwerdeführer
an diesem Tag wegen einer chronisch rezid
i
vierenden Tendovaginitis de
Quervain
an der rechten Hand operiert worden war. Weiter diagnostizierte der Hausarzt
ein
z
ervikospon
dylogenes
Syndrom, chronische Schulterschmerzen rechts, chronische Knie
schmerzen rechts und links und eine koronare 1-Asterkrankung
(
Urk.
8/14,
Urk.
8/46/109).
Die
geklagten, vorwiegend link
sseitig
en
Schulterschmerzen liess der Beschwer
deführer ebenfalls in der
Universitätsk
linik
A._
abklären.
Dabei zeigte das
Arthro
-MRI der linken Schulter vom 2
5.
April 2016 einzig eine minimal auffäl
lige
Bizepssehne
, die leicht
tendinopathisch
verändert sei, so dass kein klares anatomisches Korrelat zu den geäusserten Beschwerden gefunden werden konnte (
Urk.
8/50/20).
Im Bericht vom 2
2.
März 2016 diagnostizierten die Ärzte der Universitätsklinik
A._
eine
Chondromalazie
der
Trochlea
femoris
mit persistierenden Knie
schmerzen rechts, unklare Schulterschmerzen beidseits linksbetont,
eine
koronare 1-Asterkrankung, ein chronisches
zerviko-spondylogenes
Syndrom
und eine
chronisch rezidivierende Tendovaginitis de
Quervain
rechts
. Der Versicherte
klage
über Knieschmerzen beim normalen Gehen, teilweise in der Nacht und am Mor
gen und auch bei Belastung. D
ie
Ärzte
stellten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
in
der
Gipsertätigkeit
fest
und erachteten eine
diagnostisch-therapeutische Knie
a
rthroskopie für notwendig
(
Urk.
8/46/133)
.
Diese wurde a
m
9.
Mai 2016
in der
Universitätsk
linik
A._
am rechten Knie durchgeführt und
es wurden
e
ine
Plica
-Resektion,
Knorpeldébrideme
nt
mit
Microfracturing
Trochlea
und ein
Teil-
Débridement
des
v
orderen Kreuzbandes
vorgenommen;
in der Folge
wurde eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit bis 2
1.
Juni 2016
attestiert
(
Urk.
8/46/154).
Es bestanden weiterhin Beschwerden im rechten Knie und eine weitere
O
peration wurde in der Folge diskutiert
(
Urk.
8/35/7),
die
schliesslich
am 1
1.
Oktober 2017
in Form einer
diagnostisch-therapeutischen
Kniearthroskopie mit intraartikulä
rem
Débridement
,
Notchplastik
, lateraler
Teilmeniskektomie
Vorderhorn und einer
Osteosynthesematerialentfernung
am medialen
Tibi
a
kopf
vorgenommen wurde
(
Urk.
8/46/261).
Der Beschwerdeführer
war vom 2
3.
Oktober bis 2
7.
November 2017 in der Rehaklinik
C._
zur stationären Therapie. Im Austrittsbericht vom
4.
Dezem
ber 2017 stellten die Ärzte persistierende
Knieb
eschwerden und eine Belastungs
intoleranz des rechten Knies bei Knorpelschaden der
Trochlea
femoris
, unklare Schulterschmerzen beidseits linksbetont, eine koronare 1-A
sterkrankung, ein chronisches
ze
rviko-spondylogenes
Syndrom und eine chronisch rezidivierende Tendovaginitis de
Quervain
rechts, einen Status nach Karpaltunnelspaltung links 2011 und rechts 2012
,
eine mittelgradige depressive Episode mit Panikattacken (ICD-10: F32.1) und akzentuierte Persönlichkeitszüge mit somatoformer Überla
gerung (ICD-10: F Z73.1) fest
(
Urk.
8/46/274 ff.).
Im Rahmen der stationären Rehabilitation habe keine namhafte Verbesserung der Kniebeschwerden erzielt werden können
.
E
s habe auch eine psych
o
somatische Abklärung stattgefunden. Der Beschwerdeführer habe über Symptome geklagt, die am ehesten auf eine mittelgradige depressive Episode mit Panikattacken auf dem Nährboden einer akzen
tuierten Persönlichkeit zutreffen würden. Das Ausmass der physischen Ein
schrän
kungen lasse sich mit den objektivierbaren pathologischen Befunden der klinis
c
hen und bildgebenden Abklärungen sowie den Diagnosen
aus somatischer Sicht nur teilweise erklären. D
er Beschwerdeführer zeige ein auffälliges Schmerz- und Leistungsverhalten, es habe eine mässige Symptomausweitung stattgefun
den.
Die Ärzte
äusserten sich nur zur unfallbedingten kniebeeinträchtigten A
rbeits
fähigkeit;
die Tätigkeit als Gipser sei nicht mehr zumutbar,
eine leichte bis mittelschwere Arbeit
hingegen sei möglich,
wobei
die Ärzte
jedoch
zusätzliche Einschränkungen vorsahen
.
Die zumutbare Arbeitsfähigkeit könne noch nicht abschliessend festgelegt werden, da eine Revision der Halswirbelsäulenproblema
tik in Aussicht stehe
(
Urk.
8/46/276).
Am 2
3.
November 2017 berichteten die Ärzte der
Universitätsk
linik
A._
von einer Wirbelsäulenuntersuchung des
Beschwerdeführers
.
Sie diagnostizierten eine
Nuchalgie
und
eine
intermittierend schmerzhaft sensorische C7
-
Radikulopathie links mit/bei Prothesenlockerung nach einer Diskusprothesenimplantation M6 C6/7 im März 201
3.
Eine
aktuelle
Radikulopathie
habe
nicht nachgewiesen wer
den
können
. Allerdings bestehe beim Implantat eine ausgeprägte
Lyse
, weshalb zusammen mit der ausgeprägten
Zervikalgie
eine operat
ive Revision gerechtfer
tigt sei
(
Urk.
8/45).
Im Bericht vom 2
8.
November 2017 an die IV-Stelle erachte
ten sie die angestammte wie auch eine angepasste Tätigkeit für nicht möglich (
Urk.
8/43/4).
3.2
Ab Sommer 2017 begab sich der Beschwerdeführer zu
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
in Behandlung. Dieser diagnostizierte
am
4.
Dezember 2017
eine depressive Störung, mittelgradige Episode (ICD 10
:
F32.1)
,
mit einem chronischen Verlauf seit Herbst 2016 und einer Zunahme seit Juli 2017, und eine chronische Schmerzstörung
(ICD-10
:
F45.41)
mit psychischen und physischen Faktoren aufgrund einer HWS-Bandscheibenprothese C6/7 und persistierender Kniebeschwerden
. Er berichtete, nach der stationären Behandlung in
C._
habe sich der Versicherte wieder bei ihm gemeldet und es sei nun eine ambulante psychia
t
risch-psychotherapeutische Behandlung etabliert worden. Gegenwärtig sei nicht von einer Arbeitsfähigkeit in der freien Wirtschaft auszu
gehen.
Der Beschwerdeführer sei psychisch labil und seit Monaten erheblich ver
unsichert, im Antrieb und in der Kraft mittelgradig gehemmt
,
mit
Rückzugsten
denz, er nehme alles persönlich.
Da ihm die berufliche Aktivität ausgesprochen wichtig sei, wäre e
ine baldige berufliche A
bklärung im ge
schützten R
ah
m
e
n in Teilzeit (ev. 50
%
) mit anschliessendem Training und
einer
Eingliederung hilf
reich (
Urk.
8/42).
Für die geklagten Schmerzen ausgehend von der Halswirbelsäule wurde am 1
2.
Dezember 2017 von
den Ärzten der Klinik E._
ein chronisches
z
er
vikovertebragenes
Schmerzsyndrom
,
ohne
radikuläre
Komponente bei Zustand nach
z
ervikaler Mikrodiskektomie C6/C7 im Jahr 2013 mit Einlage einer Diskpro
these
diagnostiziert
. Dies erlaube die Tätigkeit als Gipser nicht mehr
(
Urk.
8/48).
Ebenso
klärten Fachärzte für Neurologie und Paraplegie der
Universitätsk
linik
A._
die Nacken-Schulterschmerzen, ausstrahlend in den linken Arm, ab. Sie kamen im Bericht vom 1
4.
Dezember 2017 zum Schluss,
die geltend gemachten motorischen und sensiblen Defizite im Bereich des linken Armes seien nicht sicher einem
Dermatom
/
Myo
to
m
zuzuordnen. Es bestehe MR
-
tomographisch zervikal kein Hinweis auf eine
foraminale
oder
recessale
Einengung oder Nervenkompres
sion. In den untersuchten Segmenten hätten elektrophysiologisch diskrete neu
rogene Veränderungen der
Myo
to
me
C7 und C8 festgestellt werden können, ohne Hinweise auf eine akute
Denervierung
(
Urk.
8/47/3).
Ein
Arthro
-MRI der linken Schulter vom 2
3.
Februar 2018 ergab neu eine SLAP-Läsion und zeigte die vor
bestehende
Tendinopathie
der
Supraspinatussehne
(
Urk.
8/56).
Der Hausarzt
Dr.
B._
berichtete zusammenfassend am
5.
Dezember 2017 über den Verlauf. Er äusserte die Ansicht, es sei
zurzeit
keine Arbeitsfähigkeit gegeben. Die Prognose sei reserviert, dies umso mehr, als alle bisherigen Thera
pieversuche keinen Erfolg gebracht hätten. Der Beschwerdeführer sei perspekti
venlos, man habe es versäumt, für ihn rechtzeitig eine Umschulung vorzusehen (
Urk.
8/44).
3.3
Am
9.
Oktober 2018 wurde in der
Universitätsk
linik
A._
bei der Indikation einer
Nuchalgie
und
einer
intermittierend schmerzhaften C7-Radikulopathie links bei Diskusprothesenlockerung und noch leichter
Foram
e
nstenose
C6/7
wegen des hohen Leidensdruckes
eine Revisionsoperation vorgenommen in Form
einer
Pro
thesenentfernung, einer mikrochirurgischen Re-Dekompression C6/7 und eine
r
Spondylodese
C6/7 (
Urk.
8/66/9).
Wegen eines akuten
lumbospondylogenen
Schmerz- und Reizsyndroms S1 links
begab sich
der Beschwerdeführer
sodann
vom 1
9.
bis 2
8.
November 2018 statio
när ins
Universitätsspital F._
.
Es wurde ursächlich ein
Anulusriss
LWK7/SWK1 links
ohne Nervenwurzelkompression festgestellt und es konnte eine Verbesserung der Schmerzen während des Aufenthalts erzielt werden. Bis zum Austritt
aus
dem F._
attestierten die Ärzte eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
8/63).
Nach der Überweis
ung zur Weiterbehandlung in die
Rheumatologi
sche
Abteilung
der
Universitätsk
linik
A._
berichteten
die dortigen
Ärzte am
3.
Januar 2019 von weiterhin bestehenden Nackenschmerzen, S
chlafstörungen
,
beidseitigen K
nie
-
sowie Schulterschmerzen. Den
Diagnosen eines akuten
lumbospondylogenen
Schmerz- und Reizsyndroms S1 links, eines prothesen-assoziierten Infekts mit
Propionibacterium
acnes
, ED 1
9.
Oktober 2018
(vgl.
Urk.
8/66/14)
, des Status nach Kniearthroskopie rechts
vom 1
1.
Oktober 2017, von rezidivierenden depressiven Episoden und Panikattacken sowie von chroni
schen unklaren Schulterschmerzen beidseits massen sie Bedeutung für die Arbeitsfähigkeit bei
;
sicher sei
die Tätigkeit als Gipser nicht mehr möglich,
ei
ne körperlich schwer belastende
und auch eine länger andauernde mittelschwere körperliche Tätigkeit
sei
nicht mehr denkbar
. Inwieweit die somatischen Beschwerden durch die psychische Situation
aggraviert
würden
, sei nicht klar
(
Urk.
8/64/12).
Im Bericht vom 1
1.
Januar 2019 der Abteilung Orthopädie der
Universitätsk
linik
A._
wurde festgehalten, ein Arbeitsversuch mit zweistün
diger wechselbelastender Tätigkeit pro Tag solle gestartet werden (
Urk.
8/66/7).
3.4
Ab 1
0.
A
ugust 2018
befand sich der Beschwerdeführer in Behandlung bei
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Dieser
dia
gnosti
zierte im
Bericht vom 1
8.
Februar 2019
eine schwere depressive Episode
(ICD-10
:
F32.2)
. Der Beschwerdeführer dissoziiere, was als Symptom der Depres
sion im Sinne eines Abdriftens gewertet werde, tatsächlich psychotische Symp
tome lägen nicht vor.
Differentialdiagnostisch komme weder eine Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis noch eine eigenständige diesbezügliche Dia
gnose in Frage. Der Versicherte habe stark übermässige Leistungserwartungen an sich selber (
ICD-10:
Z73.1
;
DD:
ICD-10:
F60.5
anankastische
Persönlichkeitsstö
rung aufgrund
kindheitlicher
Prägung mit emotionaler Verwahrlosung, Degra
dierung, Prügelopfer, Zeuge des Verprügelns der Geschwister, Armut und Hunger, Kinderarbeit etc.)
. Der Arzt
attestierte eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit.
Vermut
lich könne erst in ein bis zwei Jahren
bei einem optimalen Verlauf
mit einer Eingliederung begonnen werden (
Urk.
8/67/9).
Dr.
B._
äusserte sich erneut zusammenfassend im Schreiben vom 3
1.
Juli 201
9.
Er stellte dar, dass der Versicherte noch immer an Schultergürtel-/Nacken
schmerzen, Schulterschmerzen, Knieschmerzen, Lendenwirbelsäulenproblemen und an einer mittelschweren Depression mit einer Panikstörung leide.
Es bestehe eine nun vierjährige Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
8/88).
Am
4.
Oktober 2019 berichteten die Ä
rzte der
Universitätsk
linik
A._
von einer medialen Meniskusläsion links bei
varischer
Beinachse und medialen Knor
pelschäden, die sich im MRI vom
3.
Oktober 2019 gezeigt habe (
Urk.
8/95).
3.5
3.5.1
Im November 2019 fand d
ie
polydisziplinäre
Begutachtung des Beschwerdefüh
rers
statt. E
r wurde durch die Fachärzte
Dr.
med. H._
, Orthopädische Chirurgie,
Dr.
med. I._
, Innere Medizin,
Dr.
med.
J._
, Neurologie
,
und
Dr.
med.
K._
, Psychiatrie, untersucht.
Die Gutachter stellten i
n der interdisziplinären Beurteilung als für die Arbeitsfä
higkeit relevante Diagnosen ein chronisches
zervikovertebrales
Schmerzsyndrom (ICD-10
:
M54.2/T81.4/Z98.8), ein chronisches
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom (ICD-10
:
M54.5), chronische Kniebeschwerden rechts und links (ICD-10
:
T93.8/M19.86/Z98.8; M19.86/M79.66), chronische Schulterbeschwerden der
adominanten
linken Seite (ICD-10
:
M79.61/M75.4/M75.8) und eine koronare Ein-Ast-Erkrankung (ICD-10 I25.1).
Ohne Einfluss auf
die
Arbeitsfähigkeit seien die Diagnosen einer Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen Gründen (ICD-10: F68.0), Angst und depressive Störung gemischt (ICD-10: 42.1), Status nach wiederholten Infiltrationen und Operation bei Tendovaginitis de
Quervain
rechts (ICD-10: Z98.8), Status nach Karpaltunnelspaltung links und rechts
(ICD
-
10
:
Z98.8), Morbus Basedow (ICD-10
:
E05.0) mit Status nach totaler
Thy
reoidektomie
,
unter Substitution aktuell
euthyreote
Schilddrüsenwerte.
Die Ärzte
erklärten dazu,
die seitens des Bewegungsapparates massiv beklagten Schmerzen liessen sich durch die klinischen, radiologischen,
szintigraphischen
und intraoperativen Befunde keinesfalls vollständig begründen. Es seien Beschwerden bei
höhergradiger
Belastung der Wirbelsäule,
der
link
en
Schulter und
der
Kniegelenke nachvollziehbar, doch fehlten objektivierbare Zeichen einer länger dauernden Schonung der linken oberen Extremität, und die erhebliche
Beschwielung
der rechten Hand sei mit dem angegebenen sehr passiven Lebens
stil nicht vereinbar. Insgesamt lägen klare Hinweise für ein nicht-organisches Geschehen vor (
Urk.
8/118/10).
3.5.2
Aus orthopädischer Sicht bestehe für körperlich sehr leichte, immer wieder auch sitzende Verrichtungen unter Wechselbelastung eine zeitlich und leistungsmässig uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Zu vermeiden seien dabei wiederholtes Heben und Tragen von Lasten über 5 kg, kniende und kauernde Positionen, ein wieder
holter Einsatz der oberen Extremitäten über Schulterniveau und längere Zwangs
haltungen (
Urk.
8/118/11).
Aus internistischer Sicht bestehe eine koronare Ein-Ast-Erkrankung nach Myokardinfarkt im Januar 2010 und ein
im Juni 2019
operativ sanierter Morbus Basedow. Die Herzerkrankung sei gut eingestellt
,
auch die medikamentöse Sub
stitution nach der Entfernung der Schilddrüse sei laborchemisch unauffällig eingestellt, und daher bestehe aus internistischer Sicht eine vollumfängliche Arbeits- und Leistungsfähigkeit für alle leichten und mittelschweren beruflichen Tätigkeiten
.
W
egen der koronaren Erkrankung liege eine gänzliche Arbeitsunfä
higkeit für dauerhaft schwere berufliche Tätigkeiten vor (
Urk.
8/118/11).
In neurologischer Hinsicht fänden sich ein HWS-Syndrom mit Status nach Diskektomie und Prothese HWK6/7, ein leichtes LWS-Syndrom ohne
radikuläre
Beteiligung sowie eine Schmerzstörung. Die Befunde nach zweimaliger HWS-Operation für ein
residuelles
radikuläres
Syndrom seien nicht eindeutig, obwohl nach diesen Operationen gut vorstellbar. Im Laufe der Untersuchung seien zunehmende Beschwerdeausweitungen an den Tag getreten, so dass von einer somatoformen Überlagerung auszugehen sei. Aus neurologischer Sicht resultiere für alle körperlich leichten Tätigkeiten in Wechselbelastung und ohne Rückenbe
lastung eine vollständige Arbeitsfähigkeit mit einem leicht erhöhten Pausenbe
darf (
Urk.
8/118/11).
Psychiatrisch hätten sich keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit ergeben, es
liessen
sich die Entwicklung körperlicher Symptome aus psychi
schen Gründen sowie eine Angst- und depressive Störung gemischt feststellen. Es hätten sich bei der aktuellen psychiatrischen Untersuchung keine hinreichen
den Anzeichen für eine Depression nach ICD-10
:
F32 gezeigt.
Da somatische Erkrankungen vorlägen, seien die Schmerzen bis zu einem gewissen Grad durch diese gerechtfertigt. Für
darüber hinausgehende
Schmerzen sei zu beachten, dass eine Symptomausweitung bzw. Aggravation ausgeschlossen werden müsse. Das könne hier aber nicht geschehen.
Es müsse von einer Aggravation der Beschwer
den durch den Versicherten ausgegangen werden.
Eine chronische Schmerz
störung mit somatis
chen und psychischen Faktoren kö
nne nicht diagnostiziert werden (
Urk.
8/118/12).
3.5.3
Gesamthaft sei aus den führenden orthopädischen Diagnosen eine vollständige und anhaltende Arbeitsunfähigkeit für alle körperlich mittelschweren und schwe
ren beruflichen Tätigkeiten inklusive der letzten Arbeit als Gipser gegeben. Für körperlich sehr leichte, wechselbelastende Arbeiten bestehe aus polydisziplinärer Sicht eine vollständige Arbeitsfähigkeit mit einer um 10
%
reduzierten Leistung wegen eines erhöhten Pausenbedarfs (
Urk.
8/118/12). Die gänzliche Arbeitsunfä
higkeit im angestammten Beruf bestehe seit September 2015 (
Urk.
8/118/13). In der angepassten Tätigkeit könne nicht von einer länger dauernden,
höhergradi
gen
Arbeitsunfähigkeit im Sinne einer retrospektiven invalidisierenden Erkran
kung gesprochen werden, es habe einige
postinterventionelle
mehrwöchige
Rekonvaleszenzen
gegeben (
Urk.
8/118/13).
Die Gutachter erwähnten ein
e Reihe festgestellter
Inkonsistenzen im Verhalten des Beschwerdeführers. Es habe zwischen den subjektiven, häufig massiven Beschwerdeschilderungen und seinem Verhalten während der Untersuchung eine auffällige Diskrepanz gegeben
sowie
vage Aussagen und Schilderungen zu einzelnen Symptomen und deren Lokalisation. Auch
habe
das Ausmass der geschil
derten Beschwerden nicht in Übereinstimmung mit einer leidensgerechten therapeutischen Hilfe
gestanden
. Die im Alltag geltend gemachten Einschränkun
gen seien nicht vollständig nachvollziehbar, erstaunlich mute angesichts der kli
nischen Präsentation etwa die Angabe an, immer wieder Auto zu fahren. Die organischen Kerne für Knie- und Nackenbeschwerden würden somatoform über
lagert (
Urk.
8/118/12). Der Bezug von Rentenleistungen durch den Versicherten stehe im Vordergrund. Eine berufliche Wiedereingliederung werde vor allem durch invaliditätsfremde Faktoren, dem Wunsc
h nach einer Rente und fehlende
Motivation limitiert (
Urk.
8/118/12).
3.6
Nach der Begutachtung war der Beschwerdeführer im
Universitätsspital F._
stationär vom
2.
bis 1
2.
Juni 2020 zur Behandlung lumbaler Schmerzen hospitalisiert. Diagnostiziert wurde am 1
5.
Juni 2020 nach einem MRI der LWS vom
3.
Juni 2020 (
Urk.
8/133/1) ein
Diskusbulging
LWK 4/5 mit lediglich Kontakt zur Nervenwurzel L5 beidseits ohne Kompression (
Urk.
8/131
=
Urk.
8/137).
Sodann stellten die Ärzte der Universitätsklinik
A._
am 1
9.
Juni 2020 und nach einem CT der HWS vom gleichen Tag einen
Durchbau
der
Spondylodese
fest
, die am
9.
Oktober 2018 gemacht worden war (
Urk.
8/130).
3.7
Dr.
K._
von der
Z._
AG nahm in einer ergänzenden Stellungnahme vom 2
5.
September 2020 zu Vorwürfen des Beschwerdeführers und zu abwei
chenden psychiatrischen Einschätzungen Stellung. Er blieb
zusammengefasst
dabei, dass beim Versicherten Einschränkungen aus körperlichen, nicht jedoch aus psychischen Gründen vorlägen. Es müsse aufgrund deutlicher Hinweise auf ein
aggravierendes
Verhalten und Selbstlimitation geschlossen werden (
Urk.
8/147).
3.8
Im Bericht vom 1
9.
Januar 2021
äusserten sich
die Ärzte der Universitätsklinik
A._
über ihre
Untersuchung des Versicherten mittels MRI der HWS und LWS vom 1
3.
Januar 202
1.
Sie hielten fest, es bleibe im Segment C6/7 eine
ossäre
Stenose beidseits mit leichten Kompressionszeichen der Nervenwurzel C7 beid
seits. Im
epifusionellen
Segment C5/6 bestehe eine moderate
Unkovertebralar
throse
mit leichter
Bandscheibenprotrusion
. Sie hielten in der Diagnoseliste eine persistierende
Nuchalgie
und eine intermittierende schmerzhaft sensorische C7
-
Radikulopathie links bei ansonsten im Wesentlichen gleich gebliebenen Diagno
sen fest. Es wurde eine Infiltration der Nervenwurzel C7 vorgesehen (
Urk.
8/157). Diese führte gemäss einem Bericht vom
9.
März 2021 zu keiner Verbesserung der geltend gemachten Beschwerden. Es bestünden noch immer
Nuchalgien
, auch eine leichte Ausstrahlung in den linken Arm, wobei diese ausstrahlenden Beschwerden nicht im Vordergrund stünden. Die Ärzte stellten fest, auf dem MRI vom 1
3.
Januar 2021 sei neben einer leichten Einengung der Ct-Wurzel links auch eine leichte Stenose C5/6 erkennbar. Weil die Schmerzausstrahlung nicht klar dem
Dermatom
C6 folge, habe man bisher auf eine Infiltration von C6 ver
zichtet, man werde dies jedoch nun versuchen (
Urk.
3/3).
Der Beschwerdeführer suchte am 2
3.
Februar 2021
Dr.
med.
L._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
,
auf. Dieser hielt eine Revision des Segmentes C6/7 und eine Dekompression beider
Neuro
foramina
sowie eine Dekompression im Segment C5/6
für indiziert (
Urk.
8/162 =
Urk.
3/4).
3.9
Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens liess der Beschwerdeführer weitere medi
zinische Unterlagen einreichen, die Behandlungen dokumentierten
, die
kurz vor oder
nach Erlass der angefochtenen Verfügung stattfanden
.
Zum einen weilte er vom
7.
bis am 2
1.
Mai 2021
stationär
im F._
aufgrund von
Schmerzexazerbationen
im Nacken und in den Schultern.
Hinsichtlich der Schul
ter wurde
n
eine
Periarthropathia
humeroscapularis
beidseits diagnostiziert und eine
frozen
shoulder
rechts erhoben. Nach medikamentöser Behandlung und Infiltrationen wurden wesentliche Besserungen in der Beweglichkeit der Schulter erreicht. Hinsichtlich der Nackenbeschwerden wurde ein MRI angefertigt, das keine Veränderungen gegenüber den Aufnahmen von Januar
2021
zeig
t
e, so dass es bei der Diagnose einer
Nuchalgie
und einer intermittierend schmerzhaft senso
rischen C7
-
Radikulopathie links
-
mit einer
Schmerzex
a
zerbation
im Mai 2021
-
blieb (
Urk.
11/2).
Der Versicherte sei in einem multimodalen rheumatologischen Komplexprogramm aufgenommen worden. Gruppentherapien seien nicht mög
lich gewesen aufgrund von Panikattacken. Die Ärzte diagnostizierten deshalb auch rezidivierend schwere depressive Episoden mit psychotischem Erleben EM
2015, eine
Agoraphobie mit Panikstörung und
ein
rezidivierend dissoziatives Erleben (
Urk.
11/2).
Am 1
4.
April 2021 berichtete der neue Therapeut des Beschwerdeführers,
pract
. med.
M._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatische und Psychosoziale Medizin SAPPM, über die seit
3.
Februar 2021 aufgenommene Behandlung. Er diagnostizierte eine rezidivierende depressive Störung gegenwär
tig schwerer Ausprägung mit psychotischen Symptomen (F32.30), Agoraphobie mit Panikstörung (F40.01),
n
arzisstische Persönlichkeitsstörung (F60.80), emotio
nal instabile Persönlichkeitsstörung,
Borderline
-Typ (F60.31),
p
aranoide Persön
lichkeitsstörung (F60.0) und eine
anankastische
Persönlichkeitsstörung (F60.5).
Auf Veranlassung des Psychiaters wurde
n
am
3.
Juni 2021 eine verhaltensneu
rologisch-neuropsychologische Untersuchung durchgeführt und eine mittelgra
dige bis schwere neurokognitive Funktionsstörung festgestellt.
Dr.
med. N._
, Neurologin, speziell Verhaltensneurologie, erachtete die Arbeitsfähigkeit allein aus diesem Grund als um 70 bis 90
%
reduziert (
Urk.
14).
Sodann liess der Beschwerdeführer den Austrittsber
icht der Klinik O._
vom 1
4.
Oktober 2021 über die stationäre Rehabilitationsbehandlung vom 3
1.
August bis 1
1.
Oktober 2021 einreichen
, wohin er von
pract
. med.
M._
überwiesen worden war
. Darin wurde
n
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwer mit psychotischen Symptomen (F33.3), eine Agoraphobie mit Panikstörung (F41.01) und eine kombinierte Persönlichkeitsstörung (F61.0) sowie somatische D
iagnosen gestellt
.
Man habe durch eine geeignete Medikation eine
Verbesserung beim Schlaf und eine Reduktion der psychotischen Symptome erreichen können. Der leitende Arzt der Psychosomatik erachtete neben der medikamentösen Behandlung eine möglichst allwöchentliche Psychotherapie als notwendig (
Urk.
19).
4.
4.1
Es ist unbestritten, dass dem Beschwerdeführer bereits seit Oktober 2015 und
allein
aufgrund seiner Befunde
in
den Knien nach Skiunfall die schwere Tätigkeit als Gipser nicht mehr zumutbar ist
(
Urk.
1 S. 6).
Die Stelle als Gipser hat er denn auch seit
2
1.
September 2017 nicht mehr inne.
Strittig und zu klären ist die Frage der Zumutbarkeit
einer angepassten Tätigkeit und der allenfalls damit einherge
hende Invaliditätsgrad.
4.2
Die zahlreichen geklagten somatischen
L
eiden wurden im Gutachten der IV-S
telle umfassend be
urteilt
und die
damals vorhandenen
wesentlichen
V
orakten
dazu gewürdigt. In somatischer Hinsicht erachtet der Beschwerdeführer das Gutachten als überholt. Denn der Schluss der Gutachter, dass sich die seitens des Bewe
gungsapparates geklagten massiven Beschwerden durch die klinischen, radiolo
gischen,
szintigraphischen
und intraoperativen Befunde nicht vollständig begründen liessen, habe sich als nicht gerechtfertigt
gezeigt
. Denn bereits am 1
3.
Januar 2021 sei in der
Universitätsk
linik
A._
wegen der geklagten Nackenschmerzen wieder ein MRI gemacht worden.
Nach der
Beurteilung durch diese Klinik habe
sich
im Segment C6/7 eine
ossäre
Stenose beidseits mit leichten Kompressionszeichen der Nervenwurzel C7 beidseits gezeigt,
i
m
epifusionellen
Segment C5/6 bestehe eine moderate
Unkovertebralarthrose
mit leichter
Band
scheibenprotrusion
. Die in der Folge deshalb gemachte
Infiltration
bei C7 habe jedoch zu keiner Besserung geführt. Der aufgesuchte
Dr.
L._
habe die glei
chen Bilder anders interpretiert. Er habe betreffend C5/6 lin
k
s einen lateralen, bis
intraforaminär
reichenden Bandscheibenvorfall mit erheblicher
Stenosierung
des linken
Neuroforamen
mit einem Rest-Durchmesser von weniger als 1,2 mm
, und bei C6/7 eine ausgebliebene Fusion bei erhaltenen Facettengelenken, einer ver
bliebenen Stenose des rechten und linken
Neuroforamens
mit einem Restdurch
messer von nur 1,6 mm festgestellt und deshalb eine operative Revision dieser Segmente vorgeschlagen (
Urk.
1 S. 8,
Urk.
3/4).
Richtig ist, dass der vom Beschwer
de
führer aufgesuchte Wirbelsäulenchirurg
Dr.
L._
in seinem Bericht vom 2
3.
Februar 2021 die zwar nach dem Gutach
ten
,
jedoch noch vor Erlass der angefochtenen Verfügung in der
Universitätsk
li
nik
A._
angefertigten MRI-Bilder der HWS als schwerwiegender beurteilt hat als die behandelnden Ärzte, weshalb er
ein
operatives Vorgehen empfahl. Aus seinem
Bericht geht auch hervor, dass sich bei der Untersuchung des
Beschwer
deführers
am 2
3.
Februar 2021 eine praktisch immobile
Halsw
i
rbelsäule zeigte, indem die Beweglichkeit nach vorn und rückwärts mit jeweils 0°, die Seitneigung nach links/rechts mit jeweils ebenfalls 0°, die Drehung nach beiden Seiten jeweils mit 5°
und ein
nicht prüfbare
r
Kinn-Brustbeinabstand festgehalten wurde
n
(
Urk.
3/4
).
Demgegenüber
hatte der neurologische Gutachter unauffällige spontane Kopfbe
wegungen festgestellt, und bei der expliziten Prüfung der HWS waren der Kinn-Brustbeinabstand 5 cm und die Drehung nach links bis 30° und nach rechts bis 60° durchführbar (
Urk.
8/118/71).
Die Werte bei der orthopädischen Untersu
chung waren ebenfalls
einiges
besser als bei
Dr.
L._
, nämlich die Drehung links 40°
und
rechts 50°, die Seitneigung
links 20° und rechts 10°
,
und beide Gutachter erwähnten explizit die völlig
unverspannte
und lockere Nackenmus
kulatur (
Urk.
8/118/58).
Die bei
Dr.
L._
gezeigte totale Unbeweglichkeit der Halswirbelsäule ist demnach nicht nachvollziehbar und es
ist fraglich, ob es sich dabei u
m objektivierte Werte handelt.
Wie der Beschwerdeführer
sodann
selber vorbringt,
wird er
die von
Dr.
L._
vorgeschlagene operative Sanierung nach Besprechungen mit dem Hausarzt und den behandelnden Ärzten
wohl
nicht vor
nehmen
(
Urk.
1 S.
8), was in Anbetracht der andernorts gezeigten
Beweglichkeit
trotz teilweiser Versteifung der HWS
nachvollziehbar ist und auch in Berücksich
tigung der immer wieder gemachten Aussagen der behandelnden Ärzte, dass sich die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden nicht spezifischen
Dermato
men
oder
Myotomen
zuordnen liessen und die Beschwerden unklar seien
(
Urk.
8/48, 8/47/3)
,
gut erklärbar
ist
.
Der neurologische Gutachter
Dr.
J._
h
at
sein Augenmerk im Gutachten durchaus auf die Frage nach
radikulären
oder
medullären
Mitbeteiligungen im Rahmen des HWS-
Syndromes
gerichtet. Er erörterte, dass prinzipiell bei Zustand nach zweimaliger HWS-Operation ein
residuelles
radikuläres
Syndrom gut vorstellbar sei, aber auch er kam zum Schluss, dass die Befunde dafür nicht eindeutig seien. So seien die Arm-Eigen
reflexe seitengleich, die angegebene Schwäche bei der Abduktion im Schulter
gelenk wirke
arthrogen
und der deutlich verminderte Händedruck links sei bei seitengleicher Armmuskulatur und leichten
Verschwielun
gen
beidseits nicht plausibel.
Auch er
nahm deshalb an, dass eine sensible
Radikulopathie
C7, die durch die behandelnden Ärzte
-
auch nach der Begutachtung
wieder
(
Urk.
11/2)
-
erwähnt wurde (
Urk.
8/66/9)
,
als wahrscheinlichste Erklärung für
Restbeschwer
den
dient. Gleichzeitig wies er daraufhin, dass diese
Radikulopathie
ohne objekti
vierbare Erklärung und ohne motorische Ausfälle einhergeht
, an welchem Schluss sich auch au
fgrund
de
r
nachträglich eingereichten Berichte der
Universitätsk
linik
A._
und auch des F._
nichts ändert (
Urk.
8/157,
Urk.
3/3
,
Urk.
11/2
).
Mit der
Diagnose im Gesamtg
utachten eines chronischen
zervikovertebralen
Schmerz
-
syndroms und
in
Berücksichtigung der zahlreichen an der HWS getroffe
nen Mass
nahmen,
gemachten
Befunde und
gestellten
Diagnosen wurde
der Patholo
gie an der HWS
Rechnung getragen (
Urk.
8/118/8). Der Einwand des Beschwer
deführers gegen das Gutachten in Bezug auf die Beurteilung der HWS
ist daher nicht gerechtfertigt.
Auch hinsichtlich der
übrigen
somatischen Einschränkungen betreffend
die
Knie
-
,
Lendenwirbelsäule
n-
und Schulter
pathologie
kann auf das Gesamtgutach
ten abgestellt werden. Der orthopädische und
der
neurologische Gutachter berück
sichtigten die massgebenden bildgebenden Verfahren und untersuchten den B
eschwerdeführer eingehend, nahmen auch
auf
Diskrepanzen Bezug.
So konnte der gezeigte anfänglich erhebliche Finger-Bodenabstand durch den Lang
sitz
relativiert
werden
, überhaupt konnten im Sitzen Manöver, die stehend nur unter erheblichen Schmerzäusserungen erfolgten, ohne ersichtlichen Leidens
druck nachgemacht werden
(
Urk.
8/118/63
+64
).
Sie nahmen die Diagnosen einer radio
logisch
breitbasigen
Diskusprotrusion
LWK
4/
5/SWK1 mit einer möglichen Affek
tion der Nervenwurzeln L5 beidseits und S1 links
, die verschiedenen degenerati
ven Diagnosen an den Knien und
vor allem
am
adominanten
linken
,
aber auch am
rechten S
chultergelenk
zur Kenntnis und zogen diese
bei der
Beur
-
teilung
der Arbeitsfähigkeit und des zumutbaren Profils mit
ein.
Der Umstand, dass
nach Erlass der Verfügung im F._
im Mai 2021 am rechten Schultergelenk neu eine
frozen
shoulder
behandelt wurde (
Urk.
11/2
) - und dies mit gutem Erfolg -
ist vorliegend wegen der
Berücksichtigung des Sachverhaltes in
zeitlich
begrenzter Hinsicht bis zum Verfügungszeitpunkt
nicht relevant.
4.3
D
ie
Kritik des Beschwerdeführers am psychiatrischen Teilgutachten von
pract
. med.
K._
unter vielen Aspekten (
Urk.
1 S. 9 ff.), die er auch schon im
Vorbes
cheidverfahren
vorgebracht hat
(
Urk.
8/129), ist hingegen in wesentlichen Punkten berechtigt.
Die Beschwerdegegnerin
hatte das interdisziplinäre Gutachten vom
4.
März 2020 offenbar einem
Psychiater
des RAD unterbreitet -
ohne dies allerdings in den Akten zu dokumentieren (
Urk.
8/159/4) - zusammen mit den Einwänden des Beschwerdeführers vom
8.
Juni 2020 (
Urk.
8/129), worauf
pract
. med.
K._
zu ausführlichen Ergänzungen und Erörterungen aufgefordert wurde.
Seiner
Ergänzung vom 2
5.
September 2020 (
Urk.
8/147)
schickte er voraus, dass er nicht mehr über die Akten, wie sie ihm bei der Begutachtung zur Verfügung gestanden hätten, verfüge
, e
r
könne nur auf die Darstellung in der Aktenlage des Gutachtens (Gutachten S. 22 ff.) zurückgr
e
ifen (
Urk.
8/147/2).
Die
se
Darstellungen der
Vorakten
und Vorbefunde für die psychiatrische Frage
stellung
im Gesamtgutachten
(S. 22 ff
.
)
sind jedoch äusserst rudim
entär und erschöpfen sich im Wesentlichen im Zitieren der
D
iagnosen
der
behandelnden Psychiater
D._
und
G._
und
der Ärzte
der Rehaklinik
C._
(
Urk.
8/118/23-25).
In ihren der IV-Stelle eingereichten Verlaufsberichten
, die dem Gutachter anfänglich zur Verfügung gestanden hatten,
waren diese Ärzte von einem die Arbeits- und Leistungsfähigkeit einschränkenden Krankheitsge
schehen ausgegangen
,
das
sie jeweils mit von ihnen festgestellten klinischen Befunden unterlegten
. So legte
Dr.
D._
am
4.
Dezember 2017 seine ärztlichen Befunde
dar, nämlich
mittelgradig niedergestimmt, mittelgradig freu
d
- und interes
senlos, mittelgradiger Mangel an An
t
rieb und Kraft, Zurückgezogenheit, Affektlabilität, Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Nachtschweiss, Schreckhaftigkeit und Erschöpfung. Die Psychotherapie fand 14täglich statt und der Arzt verschrieb dem B
eschwerdeführer die
A
ntidepressiva
Sertralin
und
Temesta
in Reserve (
Urk.
8/42).
Dr.
G._
berichtete unter anderem von Zittern, Schlafstörungen, immer wieder Weinen, Anspannung,
Gewichtsverlust, Ungeduld und D
issoziieren und setzte die Medikation fort (
Urk.
8/67).
Auch anlässlich der stationären Behandlung in
der Rehaklinik
C._
wurde berichtet, man habe schwankende Stimmung (hoffnungsvoll bis depressiv)
sowie
kurzan
haltende Affektinkontinenz beobachten können. Der Versicherte wirke äusserst aufmerksamkeitssuchend und schmerzfokussiert, klage über gedrückte Sti
m
mung, Scham- und Schuldgefühle
und über Wertlosigkeit, Vergesslichkeit, Lust
losigkeit, innere Unruhe und Zittern und es seien Panikattacken vorhanden
(
Urk.
8/46/277).
Auch
pract
. med.
K._
hielt im Teilgutachten Klagen des Beschwerdeführers über Schlafstörungen, Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, Panikattacken mit Wärmegefühl und Nervosität, Lustlosigkeit und Rückzugsten
denzen fest,
und das von ihm veranlasste Beck-Depressions-Inventar
deutete
mit einem Summenwert von 41 Punkten auf die Möglichkeit einer schweren depres
siven Symptomatik hin. Damit
lagen
auch bei ihm Umstände vor
, die Teil eines depressiven Geschehens sein können und von den behandelnden Ärzten als sol
che interpretiert wurden.
Eine Auseinandersetzung mit diesen
Vorakten
und den
wesentlich
abweichenden ärztlichen Ansichten unterblieb
jedoch
sowohl im psychiatrischen Teilgutachten
praktisch gänzlich und auch
– mangels Aktenkenntnisse - in der Ergänzung.
Dies wäre jedoch aufgrund der diametral anderen Einschätzung der
psychiatrischen
Situation in Bezug auf Diagnostik
, Erheblichkeit
und Auswirkun
gen auf die Leis
tungsfähigkeit
durch den Gutachter
im Vergleich
zu den behandelnden Ärzten
umso notwendiger gewesen,
als
die Fragestellung der IV-S
telle
dahin lautete
,
d
a
s
Geschehen im zeitlichen Verlauf seit 2015
darzulegen
, was vom Gutachter
voll
ständig
unberücksichtigt blieb (
Urk.
8/118/6)
.
Diese Fragestellung war jedoch
zwingend
,
weil
ein Renten
anspruch
-
allenfalls auch ein befristeter -
ab 2015 zu beurteilen ist.
Für den Zeitpunkt der B
egutachtung betonte
der Gutachter
die fehlende Authen
tizität und Konsistenz der geklagten Beschwerden und
schluss
folg
erte auf Aggra
vation
(
Urk.
8/118/42). Er verwies dabei (in den Fussnoten des Gutachtens) auf zahlreiche Kriterien, die gemäss Literatur und Rechtsprechung heranzuziehen seien, um die fehlende Authentizität zu prüfen. Diese habe er herangezogen und es habe sich gezeigt, dass eine Vielzahl der K
riterien erfüllt seien, die auf eine nicht authentische Beschwerdeschilderung hindeuteten
(
Urk.
8/118/42).
Die kri
tische Zusammenschau von Exploration, Untersuchungsbefunden
, Verha
ltensbe
obachtung und Aktenlage
habe ergeben, dass der Beschwerdeführer
aggraviere
(
Urk.
8/118/50).
In der Folge unterliess
es der Gutachter
jedoch
,
im Detail und unter Bezugnahme auf
seine
konkreten F
eststellung
en
die
angeblich
zahlreichen erfüllten Kriterien
zu beschreiben
.
Im Besonderen unterl
iess er es - wie gezeigt wurde -
, sich mit den entscheidenden
Vorakten
seines Fachgebietes zu befassen und sich mit den anderen ärztlichen Darlegungen und Meinungen auseinander
zusetzen,
und
gegebenenfalls
in
Anbetracht der
gänzlich anderen Einschätzung ergänzende Erkundigungen bei den vor
behandelnden
Fachärzten über deren Ein
schätzung und Behandlung einzuholen.
Zu seiner
beispielhaft
erwähnten
Ver
wunderung darüber, weshalb der
Beschwerdeführer
nach seinen Angaben trotz der Schmerzangaben zwischen 6 bis 7 kein
Tramal
eingenommen habe,
hatte der Beschwerdeführer indes dargelegt, dass es ihn
übermässig müde mache (
Urk.
8/118/37), was durchaus eine mögliche Erklärung sein kann.
Der Gutachter kritisierte auch die nicht leidensgerechte therapeutische Inanspruchnahme trotz
des
geltend gemachte
n
Ausmass
es
der
Beschwerden (
Urk.
8/118/51). Was er damit genau meinte, bleibt unklar; Tatsache ist, dass der Beschwerdeführer in Psychotherapie bei
Dr.
G._
und dessen angeordneter medikamentöser Behandlung stand, die er – soweit ersichtlich – wahrnahm. Richtig ist, dass die somatischen Teilgutachter auf Inkonsistenzen bei ihrer Be
gutachtung hinwiesen. Dies allein reicht jedoch nicht aus, um die behauptete bewusste Aggravation zu beweisen
, zumal
auch
eine Abgrenzung zum bloss verdeutlichenden Verhalten (BGE
141 V 281 E. 2.2),
das
noch keinen Leistungsau
s
schluss nach sie zieht,
unterblieb
.
4.
4
Das psychiatrische Gutachten e
rweist sich als
oberflächlich
,
ungenau
und unvoll
ständig
und für die massgebliche Frage einer psychiatrischen Erkrankung des
Beschwerdeführers
und einer allfälligen Leistungseinschrän
kung
-
und zwar
für
den Zeitraum
ab Anmeldung bei der Invalidenversicherung
-
somit
als nicht hin
reichend begründet und schlüssig. Das wirkt sich auf die Gesamteinschätzung im i
nterdisziplinären Gutachten aus
. Auch
hinsichtlich de
r
somatischen Krankheits
entwicklung
vermag
die äusserst knappe Einschätzung
der Gutachter
zum Verlauf in zeitlicher Hinsicht
nicht zu überzeugen
.
In deren
Einschätzung
von einigen nur
«
postinterventionelle
n
mehrwöchige
n
Rekonvaleszenzen
»
(
Urk.
8/118/13)
und damit
letztlich
von einer
ihrer Ansicht nach
von Beginn an zumutbaren angepassten Tätigkeit
in praktisch vollumfänglichem
Pensum
mit unbedeutenden postoperativen Unterbrüchen
,
setzen
sich
die Gutachter
nicht mit der Ansicht der Ärzte der
Universitätsk
linik
A._
auseinander,
die
Ende 2017
von einer
U
nzu
mutbar
keit selbst von
angepassten Tätigkeit
en
ausgingen
aufgrund der
noch offenen und in
A
bklärung befindlichen Halswirbelsäulenrevision
im Zusammen
hang mit der lockeren HWS-Diskusprothese, wobei die Operation schliesslich erst im Herbst 2018 stattfand
(
Urk.
8/43/4).
In Fällen wie dem Vorliegenden,
wo
auf
grund des
langen
zu überprüfenden Zeitraums auch die Frage einer befristeten Rente im Raum steht, ist es umso notwendiger, dass sich die Gutachter mit den Zeitabschnitten und den entsprechenden Vorberichten befassen und allfällige abweichende Meinungen ausführlich begründen.
Darauf sind sie von der IV-Stelle hinzuweisen und deren Ausführungen dazu sind durch die IV-Stelle in besonderem Masse zu überprüfen.
Denn nach dem Grundsatz «Eingliederung vor Rente», wie er in
Art.
28
Abs.
1
lit
. a IVG in der ab
1.
Januar 2008 geltenden Fassung ausdrücklich festgeschrieben worden ist, aber schon vorher gegolten hat, kann vor der Durchführung von Eingliederungsmassnahmen eine Rente nur gewährt werden, wenn die versicherte Person wegen ihres Gesundheitszustandes (noch) nicht eingliederungsfähig ist (Urteil des Bundesgerichts 9C_186/2009 vom 2
9.
Juni 2009 E. 3.2 mit Hinweisen, insbesond
ere auf BGE 121 V 190 E. 4a und
c). Dabei ist rechtsprechungsgemäss jedoch dort, wo eine versicherte Person auf
grund ärztlicher Beurteilung arbeitsunfähig ist, wo aber gleichzeitig angenom
men wird, dass nach durchgeführter erfolgreicher Eingliederung wieder eine deut
lich bessere Arbeitsfähigkeit erreichbar sein sollte, der Anspruch auf eine Rente für die zurückliegende Zeit so lange nicht ausgeschlossen, als die bestehende Erwerbsunfähigkeit nicht oder noch nicht mit geeigneten Eingliederungsmass
nahmen tatsächlich behoben oder in einer für den Rentenanspruch erheblichen Weise verringert werden konnte. Dies gilt auch für Massnahmen der Selbstein
gliederung, solange solche noch nicht durchgeführt worden sind und noch keine Aufforderung zur Mitwirkung im Sinne von
Art.
21
Abs.
4 ATSG (beziehungs
weise im Sinne der bis Ende Dezember 2002 in Kraft gestandenen Regelung in
Art.
31 IVG) ergangen ist (Urteil des Bundesgerichts I 291/05 vom 3
1.
März 2006 E. 3.2 mit Hinweis).
Es ist dem Eventualantrag des Beschwerdeführers daher stattzugeben und die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zur Neubegutachtung des Beschwerdefüh
rers zurückzuweisen.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kanto
nalen Versicherungsgericht ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Im vorliegenden Verfahren sind sie ermessensweise auf Fr.
800.--
anzusetzen.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 210 E. 7.1, 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
5.2
Nach
Art.
61
lit
. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Gericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. Als weitere Bemessungskriterien nen
nen die kantonalen Vorschriften das Mass des Obsiegens, den Zeitaufwand und die Barauslagen (§ 34
des Gesetzes über das Sozi
alversicherungsgericht [
GSVGer
]
sowie
§
7
der
Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialve
rsicherungsgericht [
GebV
SVGer
]
).
Unter Berücksichtigung dieser Grundlagen ist eine Entschädigung von
Fr.
3'700.
--
festzulegen und von der Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer zu bezahlen.