# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f7a7af2f-39e8-4d65-be3d-838555f118b1
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Anstaltentreffen zu einem Verbrechen im Sinne des Betäubungs-
mittelgesetzes etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 2. Abteilung, vom
16. April 2014 (DG140006)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 16. Januar 2014 ist
diesem Urteil beigeheftet (Urk. 20).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
- des Anstaltentreffens zu einem Verbrechen im Sinne von Art. 19 Abs. 1
lit. g in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG sowie
- der Vergehen im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. a, b und c in Verbindung
mit Art. 5 Abs. 1 lit. d und Art. 11 AuG.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 3 Jahren und 3 Monaten Freiheitsstrafe,
wovon bis und mit heute 202 Tage durch Haft sowie durch vorzeitigen
Strafantritt erstanden sind.
3. Der bedingte Vollzug des Anteils von 24 Monaten Freiheitsstrafe bezüglich
der mit Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 2. Abteilung, vom 3. November
2010 teilbedingt ausgefällten Freiheitsstrafe wird widerrufen.
4. a) Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 16. Ja-
nuar 2014 beschlagnahmte Barschaft in der Höhe von Fr. 770.– (Barkauti-
on Nr. ...) wird eingezogen und zur Deckung der Verfahrenskosten verwen-
det.
b) Die ebenfalls mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom
16. Januar 2014 beschlagnahmten Gegenstände, namentlich 1 Mobiltelefon
der Marke Nokia (Sachkaution Nr. ...) sowie 1 SIM Card Lebara (Sachkauti-
on Nr. ...), werden eingezogen und vernichtet.
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5. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 5'400.00 ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 1'550.00 Kosten der Kantonspolizei
Fr. 2'000.00 Gebühr Anklagebehörde
Fr. 1'709.50 Auslagen Untersuchung
Fr. 10'130.20 amtliche Verteidigung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einschliess-
lich derjenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auf-
erlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden einstweilen auf die
Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss
Art. 135 Abs. 4 StPO.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 68 S. 2)
1. Es sei das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 16. April 2014, Dispo-
sitiv-Ziff. 1 und Dispositiv-Ziff. 2 aufzuheben.
2. Es sei der Beschuldigte betreffend des Anstaltentreffens zu einem Ver-
brechen im Sinne des Betäubungsmittelgesetzes vollumfänglich freizu-
sprechen.
3. Es sei der Beschuldigte betreffend der Vergehen im Sinne von Art. 115
Abs. 1 lit. a, b und c in Verbindung mit Art. 5 Abs. 1 lit. d und Art. 11
AuG schuldig zu sprechen und mit einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten
zu bestrafen.
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4. Es sei der bedingte Vollzug des Anteils von 24 Monaten bezüglich der
mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 3. November 2010 teilbedingt
ausgefällten Freiheitsstrafe zu widerrufen.
5. Es sei die Freiheitsstrafe (von total 30 Monaten) zu vollziehen, wovon
421 Tage durch Haft sowie vorzeitigen Strafantritt bis und mit heute er-
standen sind.
6. Im Übrigen sei das Dispositiv des vorinstanzlichen Urteils zu bestätigen
und für rechtskräftig zu erklären.
b) Der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat.:
(Urk. 67 S. 1)
1. Bestätigung des vorinstanzlichen Schuldspruchs;
2. Bestrafung mit einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren, unter Abzug der bis
anhin erstandenen Haft;
3. Verweigerung des bedingten Vollzugs;
4. Vollzug des Anteils von 24 Monaten bezüglich der mit Urteil des Be-
zirksgerichts Zürich vom 3. November 2010 teilbedingt ausgefällten
Freiheitsstrafe;
5. Im übrigen Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
6. unter Kostenfolgen zulasten des Beschuldigten.
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## Considerations

Erwägungen:
I. Formelles
1. Der Beschuldigte liess noch vor den Schranken Berufung gegen das eingangs
zitierte erstinstanzliche Urteil anmelden (Prot. I S. 10).
Rechtsanwalt lic. iur. X1._, der am 19. Mai 2014 als erbetener Verteidiger die
bisherige amtliche Verteidigerin, Rechtsanwältin lic. iur. X2._, ablöste, nahm
das begründete Urteil am 30. Juni 2014 entgegen (Urk. 53/2, vgl. ferner Urk. 44).
Die Berufungserklärung wurde am 18. Juli 2014 der Post übergeben und erfolgte
damit fristgerecht (Urk. 56/1, Art. 399 Abs. 3 StPO).
Der Beschuldigte ficht das erstinstanzliche Urteil vollumfänglich an und verlangt
einen Freispruch unter entsprechender Kosten- und Entschädigungsfolge.
2. Die Staatsanwaltschaft nahm die obergerichtliche Verfügung, mit welcher ihr
Frist für die Erklärung einer Anschlussberufung angesetzt wurde, am 18. August
2014 in Empfang (Urk. 58 und 59/2). Mit Eingabe vom 20. August 2014 ergriff sie
das Rechtsmittel rechtzeitig und ohne Beschränkung (Urk. 60). Sie stellt Antrag
auf Erhöhung der erstinstanzlich ausgesprochenen Freiheitsstrafe um 9 Monate,
unter Kostenfolge zulasten des Beschuldigten; im Übrigen sei das erstinstanzliche
Urteil einschliesslich des erfolgten Widerrufs zu bestätigen.
II. Schuldpunkt
1. Anklagevorwürfe
1.1. Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz
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A._ wird vorgeworfen, am 26. September 2013, um ca. 09.30 Uhr, an der
...strasse in Zürich vereinbarungsgemäss zu B._ ins Auto gestiegen zu sein,
um von diesem knapp zwei Kilogramm Heroin mit einem Reinheitsgrad von 50
Prozent zu übernehmen, die sich in einem Plastiksack im Beifahrer-Fussraum be-
funden hätten. Dazu sei es allein wegen des polizeilichen Eingreifens nicht ge-
kommen. Der Beschuldigte habe gewusst, dass es sich um eine grössere Menge
harter Drogen gehandelt habe, welche geeignet gewesen sei, die Gesundheit ei-
ner Vielzahl von Menschen in Gefahr zu bringen. Er habe sich des Verbrechens
gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. g in Verbin-
dung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG schuldig gemacht.
1.2. Widerhandlung gegen das Ausländergesetz
Weiter wird dem Beschuldigten zur Last gelegt, etwa zwei Wochen vor seiner
Verhaftung vom 26. September 2013 in die Schweiz eingereist und sich hernach
hierzulande aufgehalten zu haben, beides im Wissen darum, dass er am 13. De-
zember 2010 vom Bundesamt für Migration ein Einreiseverbot auf unbestimmte
Zeit erhalten gehabt habe. Während des Aufenthalts sei er zudem einer nicht be-
willigten Erwerbstätigkeit im Gartenbau nachgegangen. Mit diesen Handlungen
habe er sich der rechtswidrigen Einreise, des rechtswidrigen Aufenthalts in der
Schweiz sowie der Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung im Sinne von Art. 115
Abs. 1 lit. a, b und c AuG in Verbindung mit Art. 5 Abs. 1 lit. d AuG schuldig ge-
macht.
2. Sachverhalt
2.1. Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz
2.1.1. Darstellung von B._
2.1.1.1. B._ behauptete in der polizeilichen Einvernahme, wenige Stunden
nach seiner Verhaftung, er habe am Dienstag (24. September 2013) von einem
Albaner mit dem Spitznamen "C._" den Auftrag erhalten, den Beschuldigten
gegen eine Entschädigung von Fr. 1'000.– mit seinem Auto von Zürich nach Mai-
land zu fahren (Urk. 4 S. 1f.). Tags darauf habe ihm C._ die Telefonnummer
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des Beschuldigten mitgeteilt und ihn angewiesen, diesem nur SMS zu schreiben.
Am Verhaftstag (26. September 2013) sei er um ca. 06.15 Uhr in Como losgefah-
ren. Kurz nachdem der Beschuldigte in Zürich mit einem schwarzen Rucksack
zugestiegen sei, habe dieser gesagt, die Polizei sei da. In der Folge habe sich
B._ darauf konzentriert. Als er wieder zum Beschuldigten hinüber geblickt
habe, habe er den roten Sack gesehen (Urk. 4 S. 3). Er (B._) habe das Hero-
in nicht in die Schweiz gebracht.
Ab der Hafteinvernahme vom Folgetag (27. September 2013) belastete B._
dann aber sich und den Beschuldigten wie in der Anklage aufgeführt, und dabei
blieb er auch in der Konfrontationseinvernahme mit dem Beschuldigten vom
5. Dezember 2013 (Urk. 6 S. 3f., Urk. 7 S. 2ff.). Er gab zu, das Heroin im Auftrag
von "C._" anlässlich der beschriebenen Fahrt nach Zürich gebracht zu ha-
ben, wofür er Fr. 2'000.– hätte erhalten sollen, Fr. 1'000.– davon in bar; mit dem
Rest wären Schulden bei "C._" getilgt worden. Die Person, die ihm per SMS
am Vortag der Reise die Strasse durchgegeben habe, an welcher man sich in Zü-
rich treffe und die dann hier zu ihm ins Auto gestiegen sei, sei der Abnehmer ge-
wesen. Zur Behändigung (und damit Besitzergreifung) durch den Beschuldigten
sei es aber wegen des Einschreitens der Polizei nicht mehr gekommen.
2.1.1.2. Für die Glaubhaftigkeit der Darstellung B._s ab der zweiten Einver-
nahme spricht zunächst, dass er damit - im Gegensatz zur ersten abgegebenen
Sachverhaltsversion - nicht nur den Beschuldigten, sondern auch sich selbst
massiv belastete (so gab er unter anderem zu, damit gerechnet zu haben, dass
sich im transportierten Paket Drogen befänden; Urk. 7 S. 5). Das deutet darauf
hin, dass er sich entschlossen hatte, mittels tatsachenkonformer Aussagen reinen
Tisch zu machen. Ob dabei auch mitspielte, dass ihm bewusst geworden war,
dass seiner zuerst aufgetischten Geschichte kaum Glauben geschenkt würde,
spielt keine Rolle.
Die Verteidigung plädierte vor Vorinstanz und auch heute, B._ habe den Be-
schuldigten wahrheitswidrig als Drogenabnehmer belastet, um damit die Untersu-
chungsbehörde (die bekommen habe, was sie gewollt habe, nämlich einen Ab-
nehmer für die Drogen) zufrieden zu stellen und günstig zu stimmen, damit seine
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Chancen für ein abgekürztes Verfahren und eine kurze Strafe erhöht würden, was
ihm auch gelungen sei (Urk. 37 S. 5; Urk. 68 S. 14). Damit greift sie zu kurz. Wür-
de dieser oberflächlichen Argumentation gefolgt, könnte keiner Belastungsperson
mehr geglaubt werden, die selbst einen Tatbeitrag geleistet hat, denn die Preis-
gabe eines Mittäters führt immer zumindest zu einer merklichen Strafreduktion.
Ebenso wenig genügt die zusätzliche - von Seiten des Beschuldigten ebenfalls
aufgestellte - Behauptung, der Denunziant habe den Beschuldigten bloss als
Empfänger der Drogen hingestellt, um den wahren Abnehmer zu schützen.
Für die eine wie die andere Annahme bedarf es zusätzlicher ernsthafter Anhalts-
punkte, und daran mangelt es vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt werden
wird.
Die zweite, bei der Untersuchungsbehörde abgegebene Darstellung B._s
ergibt ein kompaktes und plausibles Ganzes.
So macht für Drogenhandel Sinn, dass "C._" B._ anwies, mit dem ihm
vom Auftraggeber abgegebenen Handy nur per SMS mit dem Beschuldigten zu
verkehren (wie es B._ und der Beschuldigte denn auch taten), besteht doch
eine permanente Angst von Betäubungsmitteldelinquenten darin, dass ihr Tele-
fonanschluss abgehört und sie so entlarvt werden könnten. Die Überwachung des
SMS-Verkehrs ist dagegen erfahrungsgemäss viel seltener; Kurznachrichten wer-
den regelmässig erst aus sichergestellten Mobiltelefonen ausgelesen. Wäre es
vorliegend nicht um eine Drogenübergabe, sondern lediglich darum gegangen,
Zeit und Ort zu vereinbaren, um eine illegal in der Schweiz anwesende Person
wieder ins Ausland zu bringen, wäre eine Vorsichtsmassnahme wie die von
"C._" befohlene völlig übertrieben gewesen.
Weiter lässt sich besser mit einem Herointransport mit anschliessender Übergabe
einer grossen Menge der harter Droge vereinbaren als mit einem blossen Einstei-
genlassen einer Person ohne Einreiseerlaubnis, um sie ausser Landes zu brin-
gen, dass man sich in einer Gegend traf, in der nach allgemeiner Auffassung
kaum Drogenhandel betrieben wird und die deshalb (normalerweise) insofern
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auch nicht unter einem besonderen Augenmerk der Polizei steht (Näheres dazu
unter Ziff. II.2.1.2.2). Das blosse Zusteigen des Beschuldigten in ein Auto mit itali-
enischen Kontrollschildern wäre hingegen problemlos irgendwo möglich gewesen,
ohne Verdacht zu erregen.
Sodann kann mit Fug davon ausgegangen werden, dass B._ - wäre der Be-
schuldigte nicht der Empfänger des Rauschgifts gewesen - den auffällig roten
Plastiksack, in dem in weiteren, inliegenden Säcken vier harte, je ein halbes Kilo
schwere, aluminiumverpackte Heroinblöcke lagen (Urk. 15/3), nicht ausgerechnet
in den Fussraum des unbeteiligten und ihm persönlich völlig unbekannten Passa-
giers, der bloss nach Italien wollte, gestellt hätte. Kein Drogentransporteur ginge
das Risiko ein, dass der sich in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt fühlende
Beifahrer, damit anfängt, Fragen über den Inhalt des Behältnisses zu stellen oder
dieses gar behändigt, um es im Fond des Wagens zu deponieren, und dabei bei-
spielsweise aufgrund der Antwort des Gefragten und/oder der Konsistenz des
Guts allenfalls Verdacht schöpft, dass es sich beim Inhalt um Rauschgift handeln
könnte. Mit anderen Worten hätte B._ den Sack mit Drogen zweifelsohne
nicht in das Blickfeld und den Aktionsradius des Beschuldigten gelegt, sondern
ihn entweder bei seiner Ankunft vor der Aufnahme des Beschuldigten dem wah-
ren Empfänger abgeliefert oder ihn - wenn er den Abnehmer denn nicht erreichen
konnte und den Beschuldigten nicht vertrösten wollte - zumindest (wieder) im Kof-
ferraum oder anderswo im Auto versteckt.
Bündig zur Schilderung B._s und zum darauf basierenden Anklagevorhalt
passt alsdann, dass der Beschuldigte unbestrittenermassen mit einem leeren
Rucksack ins Auto stieg, in dessen Beifahrerfussraum die Polizei kurz darauf den
Sack mit Heroin vorfand. Der Beschuldigte behauptete zwar, einen leeren Ruck-
sack dabei gehabt zu haben, weil er die hineingehörendem Kleider dem Freund,
bei dem er gewohnt hatte, zum Waschen gegeben habe (Urk. 3 S. 2f.). Er erklärte
auch, man habe dort einen Zwischenhalt habe machen wollen, um die Kleider
mitzunehmen (Urk. 35 S. 8). Dann aber stellt sich die Frage, warum überhaupt
der Beschuldigte den leeren Rucksack mit sich führte, hätte er diesen doch wie
die zu waschenden Kleider beim Freund lassen und dann alle Sachen beim kur-
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zen Stopp mitnehmen können. Dass er mit dem Rucksack zwischenzeitlich noch
etwas zu transportieren gehabt hätte, brachte der Beschuldigte nie vor. Folglich
ist naheliegend, dass er den leeren Rucksack einzig zum Zwecke mitführte, darin
die von B._ mitgebrachten Drogen zu verstauen und abzutransportieren. An-
lässlich der Berufungsverhandlung erklärte der Verteidiger diese Ungereimtheit
damit, dass der Beschuldigte den Rucksack von der Person, bei welcher der Be-
schuldigte die letzte Nacht verbracht hatte, geschenkt bekommen habe (Urk. 68
S. 6). Dies würde den leeren Rucksack zwar erklären, widerspricht jedoch der
Aussage des Beschuldigten selbst, dass er mit dem Rucksack, in welchem er sei-
ne Kleider transportiert habe, in die Schweiz gereist sei (Urk. 3 S. 2). Zudem mu-
tet es seltsam an, dass diese Erklärung erst in einem solch späten Stadium des
Verfahrens gegeben wird.
Mit Akribie und Wortklauberei haben der Beschuldigte und die Verteidigung die
Protokolle mit den Depositionen B._s nach Ungereimtheiten durchforstet und
die Funde dann als Beleg dafür bezeichnet, dass B._ den Beschuldigten zu
Unrecht belaste. Die einzelnen Aussagen B._s dürfen jedoch nicht einfach
aus dem Zusammenhang gerissen spitzfindig nach dem Wortlaut ausgelegt wer-
den, sondern sind im Kontext unter Berücksichtigung der genannten Umstände zu
würdigen. Mit einzubeziehen ist dabei, dass B._ im Rahmen seiner Ausfüh-
rungen die einzelnen Ereignisse nicht immer in chronologischer Reihenfolge zu
Protokoll gab. Zwei aufeinander folgende Sätze bedeuten damit nicht stets, dass
sich das Geschehen in dieser Reihenfolge abgespielt hat.
Auf den Widerruf der in der ersten (polizeilichen) Befragung vorgebrachten Sach-
verhaltsversion wurde bereits eingegangen.
Die übrigen geltend gemachten Widersprüche sind vermeintlich, erklärbar oder
nebensächlich.
Bei unbefangener Lesart wird etwa klar, dass B._ in den beiden massgebli-
chen Einvernahmen (Urk. 6 und 7) - und unter Ausklammerung des Drogentrans-
ports auch schon in der ersten, der polizeilichen Befragung (Urk. 4) - stets zum
Ausdruck brachte bzw. bringen wollte, dass ihm, nachdem er von "C._" den
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Transportauftrag übernommen hatte, zunächst das Natel übergeben wurde, er
dann am Tag vor der Abfahrt (25. September 2013) mittels der erhaltenen Tele-
fonnummer mit dem Beschuldigten via Kurznachricht über die Ankunftszeit und
den Treffpunkt korrespondierte und schliesslich am frühen Morgen des 26. Sep-
tember 2013 den Sack mit Heroin erhielt. Dieser Ablauf deckt sich denn auch mit
der übrigen Aktenlage (sichergestellte, beidseits verwendete Mobiltelefone bzw. -
nummern, Inhalt der ausgelesenen SMS, tatsächlicher Treffpunkt in Zürich, effek-
tive Zeit der Begegnung).
Wohl finden sich in den Einvernahmen mit B._ an einigen Stellen isoliert be-
trachtet nicht ganz eindeutige Formulierungen (vgl. etwa Urk. 6 S. 3: "Man gab mir
ein Handy ... Man sagte mir, dass ich darauf ein SMS erhalten werde. Darin sei
die Telefonnummer der Person drauf, der ich die Ware übergeben sollte"; Urk. 7
S. 4: "("C._") ... würde mir einen Jungen vorbeischicken ... der mir ein Paket
übergeben würde, welches ich nach Zürich transportieren sollte. Dazu bekam ich
ein Mobiltelefon mit einer Schweizer Nummer und die Adresse, wo ich dieses Pa-
ket abliefern soll ..."; Urk. 7 S. 5: "Woher hatten Sie die Telefonnummer dieser
Person, welche die Ware erhalten sollte" - "Vom gleichen Jungen, von dem ich
auch die Ware bekommen habe, erhielt ich auch diese Telefonnummer"). Doch
folgt daraus nach dem bereits Gesagten bei kontextbezogener Gesamtbetrach-
tung und unter Berücksichtigung der chronologisch mitunter sprunghaften Aus-
drucksweise B._s sowie der Tatsache, dass es sich um übersetzte Aussagen
handelt, entgegen den Vorbringen des Beschuldigten (Urk. 8 S. 3f., Urk. 35 S. 6
und 9) und der Verteidigung (Urk. 37 S. 4; Urk. 68 S. 9) keineswegs, dass
B._ sich damit verräterisch widersprach, indem er einerseits angegeben ha-
be, am 25. September per SMS mit dem Beschuldigten Kontakt gehabt zu haben
und andererseits, erst am Morgen des 26. Septembers 2013 (unmittelbar vor der
Abfahrt) das Handy, seine Telefonnummer und die Lieferadresse erhalten zu ha-
ben.
Hinzuweisen ist im Zusammenhang mit den zitierten Aussagen auch darauf, dass
ohne Weiteres möglich ist, dass B._ mehrmals, von verschiedenen Personen
("C._" und der Person, welcher ihm die Drogen übergab), zu verschiedenen
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Zeiten (am 24./25. und - allenfalls als Erinnerung noch einmal am 26. September)
und auf unterschiedliche Weise (SMS, mündlich) Informationen über die Telefon-
nummer des Beschuldigten und allenfalls auch den Übergabeort erhalten hat.
Festzuhalten ist ferner, dass B._, wenn er gemäss den Protokollen missver-
ständlich immer wieder von "Jungen" sprach, mit dieser Redewendung offensicht-
lich erstens nicht das Alter (sein Auftraggeber "C._" soll 41 bis 43 Jahre alt
sein, Urk. 4 S. 4), sondern das Geschlecht der Personen ansprach, und zweitens
nicht immer die gleiche Person, sondern einmal den Auftraggeber, ein andermal
die Person, die ihm die Drogen übergab, und ein drittes Mal den Beschuldigten
meinte (vgl. etwa Urk. 7 S. 3 und S. 4).
Mitnichten zwingend auf bewusste Falschaussagen deutet sodann hin, dass
B._ nicht stets kongruente Aussagen dazu machte, was von wem beim Zu-
steigen des Beschuldigten und im Auto gesprochen wurde (vgl. Urk. 68 S. 12f.).
Sowohl der Beschuldigte als auch B._ erklärten, dass der Zeitraum zwischen
dem Zusteigen des Beschuldigten und dem Zugriff der Polizei sehr kurz war. Im
Polizeirapport ist von fünf bis zehn Sekunden die Rede (Urk. 1 S. 3). In dieser Zeit
kann generell nicht viel gesprochen worden sein, und folglich kann es auch nicht
zu einem verbalen Austausch im Sinne eines eigentlichen Gesprächs über die
Drogen gekommen sei. Das wollte B._ aller Wahrscheinlichkeit nach auch
zum Ausdruck bringen, wenn er auf die Frage, was der Beschuldigte und er in
Bezug auf die Drogenlieferung (im Auto) besprochen hätten, antwortete: "Gar
nichts" (Urk. 7 S. 6). B._ gab denn auch etwas später erläuternd zu Protokoll,
er habe "weder Zeit noch die Möglichkeit gehabt, ihm noch eine andere Frage"
(als die, ob er ein Albaner sei, Urk. 7 S. 3) zu stellen oder umgekehrt, da im glei-
chen Moment die Polizei sie blockiert habe (Urk. 7 S. 7). Berücksichtigt man wei-
ter, dass B._ - wie wohl jeder Drogentransporteur, der sich in Sicherheit
wiegt und dann plötzlich auf frischer Tat ertappt wird - unter Schock stand, als ihm
der aufmerksamere Beschuldigte gleich nach dem Einsteigen wahrheitsgemäss
eröffnete, die Polizei sei da (vgl. dazu die eigene Aussage des Beschuldigten in
Urk. 7 S. 9), sowie, dass zwischen den beiden belastenden Befragungen mehr als
zwei Monate lagen, sind die von Seiten des Beschuldigten vorgebrachten (tat-
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sächlichen) Divergenzen in den Aussagen B._s zum zwischen Einsteigen
und Polizeizugriff Gesprochenen nicht geeignet, die Kernaussagen der Belas-
tungsperson, die den Beschuldigten als Abnehmer der Drogen erscheinen lassen,
als unglaubhaft erscheinen zu lassen.
B._ hat im Übrigen stets - auch in der Konfrontationseinvernahme - einge-
räumt, er könnte den Beschuldigten auf irgendeine Art auf den Sack mit Drogen
aufmerksam gemacht haben (Urk. 6 S. 4, Urk. 7 S. 6 und 7). Wenn B._ wei-
ter erklärte, der Beschuldigte habe "in Ordnung" gesagt (Urk. 6 S. 4; woran er sich
in der Konfrontationseinvernahme gemäss seiner glaubhaften Aussage nicht
mehr zu erinnern vermochte; Urk. 7 S. 7f.), dann heisst dies entgegen der Ausle-
gung des Beschuldigten bzw. dessen Verteidiger (Urk. 8 S. 5; Urk. 68 S. 11ff.)
nicht, dass er damit behauptet hätte, der Beschuldigte habe den Inhalt des Be-
hältnisses (überhaupt oder gar eingehend) geprüft bzw. dieses berührt, sondern
lediglich, dass dieser bestätigte, den Sack mit der gelieferten Ware wahrgenom-
men zu haben.
Ein massgeblicher, die belastenden Aussagen von B._ ins Wanken bringen-
der Widerspruch liegt somit nicht vor. Die (durch weitere Indizien gestützte) Schil-
derung B._s ist vielmehr aus den genannten Gründen glaubhaft.
2.1.2. Standpunkt des Beschuldigten
2.1.2.1. Gemäss der Darstellung des Beschuldigten vermittelte ihm ein albani-
scher Freund B._ als Chauffeur, der ihn von Zürich nach Mailand hätte brin-
gen sollen. B._ habe ihm dann am 25. September 2013 per SMS mitgeteilt,
dass er am Folgetag um 09.00 Uhr ankommen werde und sich nach dem Treff-
punkt erkundigt. Der Beschuldigte habe ihm zurückgeschrieben: "An der
...strasse". Dort sei er am Vormittag des 26. September 2013 - nach weiterem
SMS-Verkehr über die Ankunftszeit und den genauen Zusteigeort - zu B._
ins Auto gestiegen. Noch bevor sie dazu gekommen seien, miteinander zu spre-
chen, sei die Polizei gekommen. Mit dem von ihr im Fussraum des Beifahrersitzes
sichergestellten Sack (enthaltend zwei Kilogramm Heroingemisch) habe er nichts
zu tun gehabt.
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2.1.2.2. Diese auf den ersten Blick homogen und unverfänglich wirkende Schilde-
rung, die sich auch teilweise mit den anfänglichen Aussagen von B._ deckt,
büsst bei näherer Betrachtung immer mehr an Überzeugungskraft ein.
Das beginnt bereits mit dem Grund, den der Beschuldigte dafür angab, dass er
nicht einfach den Zug von Zürich nach Mailand nahm, sondern sich mit dem Auto
nach Italien chauffieren liess. Er nannte nicht etwa Geld- oder Zeitersparnis oder
Bequemlichkeit, sondern erklärte wie aus der Pistole geschossen, er habe ja nicht
mit dem Zug über die Grenze gekonnt, da er keine Papiere gehabt habe (Urk. 35
S. 8). Diese Antwort erstaunt, hielten den Beschuldigten doch nur zwei Wochen
zuvor keine solchen Bedenken davon ab, "mit dem Zug von Italien her bis nach
Zürich" zu fahren (Urk. 3 S. 2), wobei nicht davon auszugehen ist, dass bei der
Einreise nach Italien die Personalpapiere eher kontrolliert würden als in umge-
kehrter Richtung. Auch darf bezweifelt werden, dass zwei allein in einem Auto die
Grenze überquerende Männer mit südosteuropäischer Physiognomie am Zoll mit
geringerer Wahrscheinlichkeit einer Personenkontrolle unterzogen werden als
wenn sie Zugspassagiere sind. Die Erklärung des Beschuldigten für die Wahl des
chauffierten Autos anstelle der Eisenbahn als Reisemittel überzeugt mithin nicht.
Näher liegt der Schluss, dass der Beschuldigte aus anderem Grund, als um nach
Norditalien zu fahren, ins Auto von B._ stieg.
Weitere Zweifel an der Richtigkeit der Darstellung des Beschuldigten weckt der
Text der SMS von B._ bei der ersten Kontaktaufnahme. Er schrieb dem Be-
schuldigten: "Freund geht es dir gut? Morgen früh um ca. 9 Uhr werde ich wegen
der Dokumente vorbei kommen. Ich bitte dich, schicke mir die Adresse, wo wir
uns treffen werden." In der Untersuchung (Urk. 8 S. 4) und der Hauptverhandlung
(Urk. 35 S. 7) gefragt, weshalb B._ das Wort "Dokumente" verwendet habe,
antwortete der Beschuldigte jeweils sinngemäss, B._ habe damit wohl si-
cherstellen wollen, dass der Empfänger die abzuholende Person ohne (zum Auf-
enthalt in der Schweiz berechtigende) Papiere sei. Das will nun aber nicht recht
einleuchten. Es hätte vollkommen genügt, die Ankunftszeit mitzuteilen und den
Zusteigeort zu erfragen. Denn hätte B._ die SMS an den falschen Adressa-
ten geschickt, dann hätte dieser wohl entweder gar nicht reagiert oder nach dem
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Sinn der Kurznachricht zurückgefragt. Wenig wahrscheinlich ist auch, dass
B._ sich beim Beschuldigten als Chauffeur identifizieren wollte, den der al-
banische Freund dem hier illegal anwesenden Beschuldigten vermittelt hatte;
denn hierzu bestand kein Anlass, nachdem nicht davon auszugehen war, dass
der Beschuldigte am gleichen Morgen noch ein anderes Treffen mit einer ihm un-
bekannten Person haben würde. Schon semantisch viel naheliegender ist, dass
mit dieser SMS B._ ankündigte, eine Sache zu bringen oder zu holen, die er
"Dokumente" nannte. Der Beschuldigte wartete aber weder auf irgendwelche Pa-
piere, noch hatte er solche zu vergeben. Begriffe wie dieser werden sodann häu-
fig als verschleierndes Synonym für Drogen verwendet. Nachdem tatsächlich zwei
Kilogramm Heroingemisch im Wagen gefunden wurden, in dem B._ und der
Beschuldigte sassen, und nachdem das Wort "Dokument" in durchaus drogen-
handelskonformem Zusammenhang auch in weiteren SMS auftaucht, die auf den
beim Beschuldigten und bei B._ sichergestellten Mobiltelefonen gefunden
wurden (vgl. Urk. 13/9 S. 3 Pos. 30, S. 9 Pos. 99, S. 13 Pos. 137), liegt der
Schluss am nächsten, dass B._ mit "Dokument" verklausuliert Heroin um-
schrieb. Dabei ist gleichgültig, ob der Beschuldigte überhaupt Empfän-
ger/Absender dieser weiteren "Short Messages" war, geht es doch hier nur um
die Verwendung des Begriffs "Dokument" auf den beim Beschuldigten und
B._ sichergestellten Handys, und diese lässt sich wie erwähnt im Kontext mit
den weiteren SMS betrachtet eindeutig am besten mit Drogenhandel in Einklang
bringen.
Mehr als bloss Skepsis an der Tatsachenkonformität der - eine Drogenübernahme
bestreitenden - Depositionen des Beschuldigten begründet im Weiteren der von
ihm gewählte Übergabeort: Die ...strasse (vgl. dazu schon oben Ziff. II.2.1.1.2). Es
handelt sich dabei um eine Strasse am Zürichberg, mithin in einer ruhigen Ge-
gend, in der eher wohlhabende Zeitgenossen leben. Der Beschuldigte will diese
Strasse für das Treffen auserkoren haben, weil der Kosovare, bei dem er illegal
gewohnt habe, ihm (aus Angst) gesagt habe, er solle B._ nicht in der Nähe
treffen, und weil die ...strasse ein Ort gewesen sei, der ihm bekannt und mit dem
Bus ... leicht erreichbar gewesen sei. Nun mag sein, dass es dem Kosovaren
nicht eben wohl war beim Gedanken, der Beschuldigte könnte vor dem Haus, in
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dem er den Beschuldigten beherbergt hatte, allenfalls stundenlang auf B._
warten, und dass der Kosovare ihn deshalb bat, sich woanders hinzustellen. In-
des ist nicht glaubhaft, dass allein dieser Wunsch den Beschuldigten veranlasste,
mit dem Bus bis zum Zürichberg zu fahren. Es hätte genügt, zu Fuss zwei, drei
Strassen weiterzugehen, um die Wahrscheinlichkeit des Einbezugs des Kosova-
ren in ein Strafverfahren, das auf eine Polizeikontrolle folgen würde, gegen Null
sinken zu lassen. Denn dass der Beschuldigte dort wohnte, sah man ihm nicht an,
und dass die Polizei das ganze Quartier nach einem möglichen Beherberger ab-
suchen würde, war ebenfalls so gut wie ausgeschlossen. Sinn machte die Wahl
der ...strasse hingegen dann, wenn der Beschuldigte an einem von der Polizei
wenig frequentierten Ort eine grössere Menge Drogen übernehmen wollte.
2.1.3. Fazit
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die glaubhaften, den Beschuldigten be-
lastenden Aussagen von B._ im Verbund mit weiteren Indizien (Beobachtun-
gen der Polizei, Auswertung der sichergestellten Handys, Drogenfund und -
auswertung, teilweise Eingeständnisse des Beschuldigten) zur Überzeugung füh-
ren, dass sich der dem Beschuldigten unter Ziffer 1.1. der Anklage zur Last geleg-
te Sachverhalt ereignet hat. Die anderslautende Darstellung des Beschuldigten
erweist sich bei näherer Betrachtung als nicht plausibel und vermag keine erheb-
lichen Zweifel an der Tatsachenkonformität des Anklagesachverhalts zu wecken.
2.2. Widerhandlung gegen das Ausländergesetz
Der Beschuldigte hat den ihm unter Ziffer 1.2. der Anklageschrift vorgeworfenen
Sachverhalt in der Untersuchung, vor Vorinstanz und auch heute zugegeben
(Urk. 3 S. 2, 3 und 5f., Urk. 5 S. 2, Urk. 8 S. 6ff und 10., Urk. 35 S. 5, Prot. I S. 10;
Urk. 68 S. 3f.; Prot. II S. 11). Weshalb er sich hiermit fälschlicherweise hätte be-
lasten sollen, ist nicht ersichtlich. Sein vollumfängliches Geständnis deckt sich
sodann mit der übrigen Aktenlage. Der Anklagesachverhalt ist damit erstellt.
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III. Rechtliche Würdigung
Staatsanwaltschaft und Bezirksgericht haben die rechtliche Würdigung zutreffend
vorgenommen. Auf die diesbezüglichen Ausführungen der Vorinstanz kann ver-
wiesen werden (Urk. 55 S. 24).
Noch einmal klar festzuhalten ist einzig, dass der Beschuldigte in den Wagen von
B._ stieg, um dort das von diesem in die Schweiz gebrachte Heroin in Besitz
zu nehmen. Wegen des sofortigen Zugriffs der Polizei blieb es beim Anstaltentref-
fen. Jedenfalls aufgrund der einschlägigen Vorstrafe mit den Verhältnissen im
Drogenhandels mit Heroin vertraut, rechnete er fraglos damit, dass B._ eine
Menge Heroingemisch im Kilobereich, das wenig verschnitten war, eingeführt hat-
te, und es war ihm klar, dass damit die Gesundheit einer Vielzahl von Menschen
in Gefahr gebracht werden konnte. Dessen ungeachtet wollte er die gesamte
Menge übernehmen.
Der Beschuldigte A._ ist damit schuldig zu sprechen
− des Anstaltentreffens zu einem Verbrechen im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. g
in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG sowie
− der Vergehen im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. a, b und c in Verbindung mit
Art. 5 Abs. 1 lit. d und Art. 11 AuG.
IV. Strafzumessung, Vollzug und Widerruf
1. Allgemeines und Strafrahmen
Die Vorinstanz hat die Grundsätze der Strafzumessung zutreffend dargelegt und
den Strafrahmen richtig abgesteckt. Darauf kann ohne Wiederholungen verwiesen
werden (Urk. 55 S. 25ff.).
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2. Tatschwere Betäubungsmitteldelikt
Was die objektive Tatschwere beim Betäubungsmitteldelikt, der schwersten Tat,
betrifft, so hat der Beschuldigte Anstalten getroffen, eine Menge von rund zwei Ki-
logramm Heroingemisch, entsprechend knapp einem Kilogramm reinem Heroin-
hydrochlorid, in Besitz zu nehmen. Es hätten damit zehn Konsumenten ein gan-
zes Jahr lang mit einem Gramm gestrecktem Heroin (mit einem Reinheitsgrad
von 25 Prozent) versorgt werden können. Immerhin gelangten die Drogen dank
des Eingreifens der Polizei nicht zu den Konsumenten, sodass die Gefährdung
vieler Menschen abstrakt blieb; das wirkt sich etwas reduzierend auf die objektive
Tatschwere aus. Welche Rolle dem Beschuldigten im Drogenhandel zukam,
konnte nicht eruiert werden. Es ist daher möglich, dass er lediglich die risikobe-
haftete Aufgabe des Empfängers inne hatte und die Drogen bloss einem Dritten
überbringen sollte, der sie dann verarbeitet und gegen Entgelt veräussert hätte.
Insoweit ging er aber ziemlich professionell vor, indem er einen (letztlich aller-
dings nur vermeintlich) sicheren Übergabeort auswählte und sich so lange wie
möglich im Hintergrund hielt (B._ hatte ihn zwei Minuten vor dem Eintreffen
zu kontaktieren). Ein weitergehendes strafrechtlich relevantes Verhalten (Stre-
cken, Weitergabe), wie die Staatsanwaltschaft dies in ihren Ausführungen geltend
macht, ist einerseits nicht angeklagt und könnte dem Beschuldigten andererseits
nicht nachgewiesen werden (Urk. 67 S. 2). Bezogen auf die gesamte mögliche
Spannbreite der objektiven Tatschwere wiegt das Verschulden des Beschuldigten
gerade noch leicht.
Zur subjektiven Tatschwere ist festzuhalten, dass der selbst nicht drogenabhängi-
ge Beschuldigte das Rauschgift in Besitz nehmen und weiterleiten wollte, dass er
von einer erheblichen Menge ausging und dass er damit die Gefährdung einer
Vielzahl von Abnehmern in Kauf nahm. Dafür, dass es zu keiner konkreten Ge-
fährdung kam, sondern es beim Anstaltentreffen blieb, leistete er selbst keinen
Beitrag. Ob er aus finanziellen Motiven handelte, muss offen bleiben. Das subjek-
tive Verschulden wiegt nicht mehr leicht.
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Die Einsatzstrafe ist damit, dem insgesamt leichten bis mittelschweren Verschul-
den Rechnung tragend, auf 27 Monate festzulegen.
3. Tatschwere Delikte gegen das AuG
Der Beschuldigte reiste mit Wissen um das unbeschränkte Einreiseverbot in die
Schweiz ein, hielt sich hier für ca. zwei Wochen auf und ging, soweit es ihm mög-
lich war, einer Beschäftigung gegen Entgelt im Gartenbau nach, wobei er sich der
Erforderlichkeit und des Fehlens der Arbeitsbewilligung Gewahr war. Dass er
bloss zwei Wochen illegal in der Schweiz weilte, entsprach offensichtlich nicht
seiner Intention; er wäre fraglos weiter hier geblieben, wäre er nicht verhaftet
worden. Nicht angenommen werden kann jedoch, dass er weiter dem Drogen-
handel nachgegangen wäre.
Das Verschulden bei den AuG-Delikten wiegt insgesamt nicht mehr leicht.
Die Strafe ist unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips (Tatmehrheit liegt
vor durch Erfüllung des BetmG- und mehrere AuG-Tatbestände) sowie des Um-
standes, dass eine Geldstrafe nicht mehr als adäquate Sanktion erscheint (vgl.
dazu nachfolgend die Erwägungen zur Täterkomponente), auf 30 Monate zu er-
höhen.
4. Täterkomponente
Zum Lebensverlauf und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten kann
zunächst auf die Ausführungen im erstinstanzlichen Urteil verwiesen werden
(Urk. 55 S. 32). Ein Anlass, die Strafe zu reduzieren, ergibt sich daraus nicht.
Wenn der Beschuldigte behauptet, in Albanien finde man auch keine Arbeit, wenn
man eine Ausbildung gemacht und sich weitergebildet habe (weshalb er auf bei-
des verzichtet habe), man müsse dort generell Hunger leiden und könne keine
Familie gründen, weil man das Essen und die Windeln nicht bezahlen könne
(Urk. 8 S. 7f., 10 und 12, Urk. 9 S. 3f.), dann dramatisiert er die Verhältnisse in
seinem Heimatland übermässig. Albanien belegt auf dem Human Development
Indikator (dem sog. "Wohlstandsindex") Platz 95 und liegt damit im Mittelfeld aller
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Länder der Erde. Glaubhaft ist immerhin, dass er dort nicht auf Rosen gebettet
war, doch kann dies weder bezüglich der AuG-Delikte noch der BetmG-Straftat zu
einer nennenswerten Strafminderung führen.
Der Beschuldigte wurde Anfang November 2010 wegen Verbrechen gegen das
Betäubungsmittelgesetz, Fälschung von Ausweisen, rechtswidriger Einreise und
ebensolchen Aufenthalts in der Schweiz zu 30 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt.
Davon wurden 6 Monate vollzogen und 24 unter Ansetzung von zwei Jahren Pro-
bezeit aufgeschoben (beigez. Akten des Bezirksgerichts Zürich, 2. Abteilung, Pro-
zess Nr. DG100468). Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis vom
2. Dezember 2011 wurde der Beschuldigte sodann wegen gleichartiger AuG-
Vergehen mit einer vollziehbaren Geldstrafe von 150 Tagessätzen à Fr. 100.– be-
legt (beigez. Akten der StA Limmattal/Albis, Unt.Nr. 2011/3701). Gleichzeitig wur-
de die laufende Probezeit aus dem Jahre 2010 auf drei Jahre verlängert.
Der Beschuldigte hat im Frühjahr 2010 mit mehr als einem halben Kilogramm He-
roingemisch Handel betrieben und unbeeindruckt von der dafür erfolgten Verurtei-
lung, welche zur Verbüssung von einem halben Jahr Freiheitsstrafe führte, sowie
ungeachtet der laufenden Probezeit für die gleichzeitig verhängten weiteren zwei
Jahre Freiheitsstrafe, im Frühherbst 2013 das vorliegende Drogendelikt began-
gen. Obschon mit lebenslangem Einreiseverbot belegt und bereits zweimal wegen
AuG-Vergehen vorbestraft (unter anderem mit einer unbedingten Geldstrafe von
Fr. 15'000.–) und ebenso oft ausgeschafft, reiste er sodann im September 2013
wieder in die Schweiz ein und arbeitete hier unbefugt zeitweise. Der Beschuldigte
kümmert sich also aller Strafen und Warnungen zum Trotz keinen Deut um die
geltenden Regeln und zeigt damit neben einer grossen Unverfrorenheit eine be-
denkliche kriminelle Energie. Dem ist mit einer erheblichen (nicht nur deutlichen)
Straferhöhung Rechnung zu tragen. Gleichzeitig steht fest, dass die Widerhand-
lungen gegen das AuG (mangels hinreichender präventiver Effizienz) nicht mehr
mit blosser Geldstrafe geahndet werden können.
Geständig hat sich der Beschuldigte nur, aber immerhin, bezüglich der AuG-
Delikte gezeigt. Das führt - entgegen der Auffassung der Vorinstanz - zu einer
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leichten Strafminderung, die sich aber in Anbetracht der Strafanteile für das
BetmG- und die AuG-Delikte nur geringfügig auf die Strafhöhe auswirken kann.
5. Fazit
In Würdigung der massgeblichen Strafzumessungsgründe erweist sich die bereits
von der Vorinstanz ausgefällte Sanktion von 3 Jahren und 3 Monaten Freiheits-
strafe als angemessen. Eine höhere Strafe, wie von der Staatsanwaltschaft bean-
tragt, rechtfertigt sich nicht.
Der Anrechnung von 422 Tagen bisher erstandener Haft steht nichts entgegen.
6. Vollzug der Hauptstrafe
Das Strafgesetzbuch lässt einen auch nur schon teilbedingten Vollzug einer Frei-
heitsstrafe in der ausgefällten Höhe nicht zu (Art. 42f. StGB). Im Dispositiv
braucht dies indes nicht zum Ausdruck gebracht zu werden.
7. Widerruf
Mit überzeugender Begründung (Urk. 55 S. 34f.) hat die Vorinstanz den bedingten
Vollzug des Anteils von 24 Monaten Freiheitsstrafe bezüglich der mit Urteil des
Bezirksgerichts Zürich, 2. Abteilung, vom 3. November 2010 teilbedingt ausgefäll-
ten Freiheitsstrafe widerrufen und damit den Vollzug dieser Strafe angeordnet.
Darauf kann zunächst verwiesen werden.
Der Vollzug einer Freiheitsstrafe von immerhin 6 Monaten im Jahre 2010 und die
Androhung des möglichen Vollzugs weiterer zwei Jahre Freiheitsstrafe, sofern
sich der Beschuldigte innert der Probezeit von zwei Jahren nicht bewähre, haben
ihn nicht beeindruckt, weshalb nur rund ein Jahr nach jenem Urteil ein Strafbefehl
wegen rechtswidriger Einreise und ebensolchem Aufenthalt verhängt werden
musste. Die hohe und unbedingte Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu Fr. 150.–
brachte den Beschuldigten abermals nicht zur Räson. Auch die Rechtswohltat ei-
ner erneut eingeräumten Bewährungschance hinsichtlich der noch offenen Frei-
heitsstrafe mittels Verlängerung der Probezeit um die Hälfte (und damit das Ma-
ximum) nutzte er nicht. Zudem wiegt das Verschulden bei den neuen, allesamt
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einschlägigen Delikten nicht so gering, dass dem Beschuldigten - auch unter Be-
rücksichtigung der Wirkung der zu vollziehenden Hauptstrafe - etwas anderes als
eine negative Prognose für künftiges Wohlverhalten gestellt werden könnte.
Der Vollzug der noch offenen Freiheitsstrafe aus dem Jahre 2010 von 24 Mona-
ten ist damit anzuordnen.
V. Beschlagnahmungen / Einziehung
Hinsichtlich der Einziehung und Verwendung der beim Beschuldigten beschlag-
nahmten Barschaft (Fr. 770.–) und der beschlagnahmten Gegenstände (Mobilte-
lefon mit SIM-Card) ist die zutreffende erstinstanzliche Regelung zu bestätigen,
wobei zur Begründung auf die Erwägungen des Bezirksgerichts (Urk. 55 S. 36)
verwiesen werden kann.
VI. Kosten
1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist das erstinstanzliche Kostendispositiv
(dort Ziffern 5 und 6) zu bestätigen.
2. Im Berufungsverfahren unterliegt der Beschuldigte mit seinen Anträgen vollum-
fänglich, doch dringt auch die Staatsanwaltschaft mit ihrem Antrag auf Erhöhung
der Freiheitsstrafe von 3 1/4 auf 4 Jahre nicht durch.
Unter diesen Umständen und unter Berücksichtigung des für das vorliegende Be-
rufungsverfahren anteilmässig entstandenen Aufwands rechtfertigt es sich, dem
Beschuldigten 4/5 der Kosten des Berufungsverfahrens aufzuerlegen und 1/5 die-
ser Kosten auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Dem Beschuldigten ist sodann eine reduzierte Prozessentschädigung von
Fr. 800.– aus der Gerichtskasse zu bezahlen.
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