# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 71b50cf2-9010-5f4d-bf0c-408bcba93d5b
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der 196
5
geborene
X._
war
zuletzt
vom
1
.
Juni 2017
bis 31.
Dezember
2018 bei der
Y._
als
Management Consultant
ange
stellt
und bis zum 2. April 2019 im Handelsregister als deren Verwaltungs
rats
mitglied eingetragen (Urk. 5/66)
.
Das Arbeitsverhältnis wurde von der Arbeit
geberin
am 22. Oktober 2018 per 31. Dezember
2018 ordentlich gekündigt
(
Urk. 5/57-58,
Urk. 5/
72-
75
S. 2
)
.
Am
21
.
Dezember
2018 meldete sich der Ver
sicherte beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV)
Z._
zur Arbeits
vermittlung an (Urk.
5
/
86
)
und beantragte bei der Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich ab 1.
Januar
201
9
die Ausrichtung von
Arbeitslosenent
schädi
gung (Urk.
5
/
67-70
S. 1). Nach Abklärungen
zu
seinem
letzten
Arbeitsverhältnis
verneinte
die Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich mit Verfügung vom 14.
März
201
9
(Urk.
5
/
55-56
) einen Anspruch auf Arbeitslos
en
ent
schädigung für die Zeit
ab 1. Januar
201
9
aufgrund des Vorliegens einer arbeitgeberähnlichen Stellung beziehungsweise von Rechtsmissbrauch
.
Nachdem er eine neue Arbeitsstelle
per 1. Juni 2019
gefunden hatte, meldete sich der
Versicherte
von der Arbeitsver
mittlung beim RAV ab (
vgl.
Urk. 5/7).
Die
gegen die Verfügung vom 14. März 2019
erhobene Einsprache (Urk.
5
/
11-14
) wurde mit
Einsprachee
ntscheid vom 4. Juli 2019 (Urk. 2) abgewiesen.
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom 4. Juli 2019 erhob der Versicherte am 1. August
2019 (Urk. 1) Beschwerde und stellte die Anträge, es sei ihm eine Arbeitslosenentschädigung aufgrund der Löschung des Handelsregistereintrages auszurichten und «es seien alle Begehren und Eventualiter an den Rechtsdienstes der Arbeitslosenkasse sowie deren Entscheide und Begründungen zu überprüfen» (S. 1).
In ihrer Beschwerdeantwort vom 8. August
2019
(Urk.
4
) ersuchte die Arbeits
lo
senkasse um
vollumfängliche
Abweisung der Beschwerde, wovon dem Beschwer
de
führer am
13
.
August 2019
Kenntnis gegeben wurde (Urk.
7
).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Der Beschwerdeführer beantragte unter anderem:
«es seien alle Begehren und Eventualiter an den Rechtsdienstes der Arbeitslosenkasse sowie deren Entscheide und Begründungen zu überprüfen» (S. 1).
Soweit
der Beschwerdeführer
damit
im vorliegenden Verfahren a
lle ihn betref
fenden Entscheide
der
Beschwerdegegnerin
überprüft lassen will
, ist er darauf hin
zuweisen, dass
im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren grundsätz
lich nur Rechtsverhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen sind, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfügung beziehungsweise eines Einspracheentscheids – Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung beziehungsweise der Einspracheentscheid den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraus
setz
ung, wenn und insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein
Einsprache
ent
scheid
ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
Mit dem
E
in
spracheentscheid
vom 4. Juli 2019
(Urk. 2) verneinte die Beschwerdegegnerin einen Anspruch des Beschwerdeführers auf Arbeitslosenentschädigung ab dem 1. Januar 201
9.
Dies gilt es im vorliegenden Verfahren zu überprüfen.
2.
2
.1
Der Versicherte hat gemäss Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über die obliga
to
rische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) Anspruch
auf Arb
eitslosenentschädigung, wenn er
ganz oder teilweise arbeitslos ist (lit. a), einen anrechenbaren Arbeitsausfall erlitten hat (lit. b), in der Schweiz wohnt (lit. c), die obligatorische Schulzeit zurückgelegt und weder das Rentenalter der AHV erreicht hat noch eine Altersrente der AHV bezieht (lit. d), die Beitragszeit erfüllt hat oder von der Erfüllung der Beitragszeit befreit ist
(lit. e), vermitt
lungsfähig ist (
lit
. f) und die Kontrollvorschriften erfüllt (lit. g).
2
.2
Gemäss Art. 31 Abs. 3 lit.
c AVIG haben Personen, die in ihrer Eigenschaft als Gesellschafter, als finanziell am Betrieb Beteiligte oder als Mitglieder eines obersten betrieblichen Entscheidungsgremiums die Entscheidungen des Arbeit
ge
bers bestimmen oder massgeblich beeinflussen können, sowie ihre mitarbeitenden Ehegatten keinen Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung. Hinsichtlich des Anspruchs auf Arbeitslosenentschädigung findet sich zwar in Art. 8 ff. AVIG keine Regelung, die dieser Norm zur Kurzarbeit entsprechen würde. Nach der Rechtsprechung gilt diese Regelung jedoch grundsätzlich auch für den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung (BGE 123 V 234 E. 7b/bb).
Die Frage, ob eine arbeitnehmende Person einem obersten betrieblichen Entschei
dungsgremium angehört und ob sie in dieser Eigenschaft massgeblich Einfluss auf die Unternehmensentscheidungen nehmen kann, ist aufgrund der internen betrieblichen Struktur zu beantworten. Keine Prüfung des Einzelfalles ist erfor
der
lich, wenn sich die massgebliche Entscheidungsbefugnis bereits aus dem Gesetz selbst (zwingend) ergibt (BGE 123 V 234 E. 7a).
Damit eine versicherte Person in arbeitgeberähnlicher Stellung oder deren mit
arbeitender Ehegatte Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung hat, muss sie mit dem Ausscheiden aus dem Betrieb definitiv auch die arbeitgeberähnliche Stellung verlieren. Behält sie nach der Entlassung ihre arbeitgeberähnliche Stellung im Betrieb bei und kann sie dadurch die Entscheidungen des Arbeitgebers weiterhin bestimmen oder massgeblich beeinflussen, verfügt sie nach wie vor über die unternehmerische Dispositionsfreiheit, den Betrieb jederzeit zu reaktivieren und sich bei Bedarf erneut als Arbeitnehmer einzustellen. Ein solches Vorgehen läuft auf eine rechtsmissbräuchliche
Umgehung der Regelung des Art. 31 Abs.
3 lit.
c AVIG hinaus, welche ihrem Sinn nach der Missbrauchsverhütung dient und in diesem Rahmen insbesondere dem Umstand Rechnung tragen will, dass der Arbeitsausfall von arbeitgeberähnlichen Personen praktisch unkontrollierbar ist, weil sie ihn aufgrund ihrer Stellung bestimmen oder massgeblich beeinflussen können. Diese Rechtsprechung will nicht bloss dem ausgewiesenen Missbrauch an sich begegnen, sondern bereits dem Risiko eines solchen, welches der Aus
richtung von Arbeitslosenentschädigung an arbeitgeberähnliche Personen inhä
rent ist (Urteile des
Bundesgerichts C 255/05 vom 25.
Januar 2006 und C 92/02 vom 14. April 2003; vgl. Barbara Kupfer Bucher, Rechtsprechung des Bundes
ge
richts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die obligatorische Arbeits
losenversicherung und die Insolvenzentschädigung, 4. Auflage, Zürich/Basel/
Genf 2013, S. 15 ff. mit Hinweisen zur Rechtsprechung).
2
.3
Der offenbare Missbrauch eines Rechtes findet keinen Rechtsschutz
(Art. 2 Abs. 2 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [ZGB]).
Art. 2 ZGB ist eine Grundschutz
norm, welche der Durchsetzung der öffentlichen Ordnung und Sittlichkeit dient. Ihre Geltung erstreckt sich auf die gesamte Rechtsordnung mit Einschluss des öffentlichen Rechts. Das Gericht soll nicht gehalten sein, einem Ergebnis der formalen Rechtsordnung zum Durchbruch zu verhelfen, das in offensichtlichem Widerspruch zu elementaren ethischen Anforderungen steht (BGE 131 V 97 E. 4.3).
Rechtsmissbrauch liegt insbesondere vor, wenn ein Rechtsinstitut zweck
widrig zur Verwirklichung von Interessen verwendet wird, die dieses Rechtsin
stitut nicht schützen will (vgl. Häfelin / Müller / Uhlmann, Verwaltungsrecht, 7. Aufl., Zürich 2019 Rz 722 mit Hinweis BGE 137 I 247 und BGE 137 V 82).
3
.
3.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren Einspracheentscheid vom
4
.
Juli
2019 (Urk.
2) im Wesentlichen dahingehend,
der Beschwerdeführer
sei vom 10. Februar 2011 bis 2.
April 2019
als Mitglied des Verwaltungsrates mit Einzelunterschrift
bei der
Y._
– seiner Arbeitgeberin bis zur Auflösung des Arbeits
verhältnisses
per 31.
Dezember 2018
– im Handelsregister eingetragen gewesen. Damit habe ein abstraktes Rechtsmissbrauchsrisiko bestanden. In analoger An
wen
dung von Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG habe er somit bis zur Löschung im Handelsregister keinen Anspruch auf eine Arbeitslosenentschädigung gehabt (S. 2). Auch für die Zeit nach der Löschung des Handels
register
eintrages bestehe kein Anspruch auf eine Arbeitslosenentschädigung. Denn der Beschwerdeführer sei seit dem Jahr
2000
immer wieder für dieselbe Arbeitgeberin tätig gewesen und habe zwischen den einzelnen Anstellungen Arbeitslosenentschädigungen bezogen. Werde ein Arbeitnehmer dermassen oft während rund 18 Jahren immer wieder eingestellt und
das Arbeitsverhältnis wieder beendet und in der Folge
immer wieder
Arbeitslosenentschädigung bezogen,
sei
von einer faktischen arbeit
geberähnlichen
Stellung auszuge
h
en. Im Übrigen
sei
das Vorgehen als rechts
missbräuchlich zu qualifizieren.
Denn der Zweck in diesem Verhalten
sei
darin
begründet, Lohnkosten des Arbeitgebers
auf die Arbeitslosenversicher
ung zu über
wälzen. Dies verdiene
keinen
Rechtsschutz
(S. 3
).
M
it der Beschwerdeantwort vom 8.
August 2019 (Urk. 4) ergänzte die Beschwer
degegnerin, bei
der
ehemaligen
Arbeitgeberin des Beschwerdeführers
handle es sich nicht
um einen Personalverleih.
Dies ergebe sich weder aus dem Arbeits
ver
trag, noch der Homepage der ehemaligen Arbeitgeberin oder dem entsprechenden Handelsregistereintrag. Selbs
t wenn es sich bei der
Y._
um eine Personalverleih-Arbeitgeberin gehandelt hätte, würde dennoch ein rechtsmiss
bräuchliches Verhalten vorliegen. Es gehe nicht an, dass über einen immens langen Zeitraum eine versicherte Person immer wieder dieses Verhalten an den Tag lege und angestellt und entlassen werde und sich zum wiederholten Male bei
der
Arbeitslosversicherung anmelde.
3.2
Der Beschwerdeführer brachte mit Beschwerdeschrift vom
1
.
August
2019 (Urk. 1) dagegen im Wesentlichen vor,
anscheinend reiche
vor Löschung des Handels
re
gis
tereintrages als Mitglied
eine theoretische mögliche Einflussnahme, um jeg
lichen
Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung zu verwirken, auch wenn ander
weitige Beweise und Bestätigungen vorlägen (S. 1). Zudem werde auch der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung nach Löschung im Handelsregister abgelehnt, weil Lohnkosten nicht vom Arbeitgeber auf die Arbeitslosenkasse überwälzt werden sollten. Leider sei es in den vergangenen Jahren so
gewesen
, dass IT-Unternehmen und Banken älteren Mitarbeitern ab 40 Jahren keine Festanstellungen anböten. Es handle sich wohl eher um diese Unternehmen, welche ihre Sozialleistungen auf den Staat überwälzen würden. Diesbezüglich sei zu berücksichtigen, dass es sich bei der
Y._
um einen Perso
nal
verleih handle. Befristete Einsätze lägen in der Natur dieses Geschäftsmodelles.
Die Angaben der Beschwerdegegnerin für die letzten 10 Jahre stimmten nicht. So sei er von April 2010 bis Oktober 2015 bei der
A._
angestellt gewesen. Nach der Entlassung bei der A
._
habe er von November 2015 bis Mai 2017 Arbeits
losengelder bezogen. Erst danach sei er wieder von Juni 2017 bis Dezember 2018 bei der
Y._
für ein temporäres Kundenprojekt angestellt gewesen. Das
s
Angestellte mit einem temporären Einsatzvertrag nicht anspruchsberechtigt seien, sei von der Beschwerdegegnerin nicht begründet worden. Ebenso wenig, dass ein Personalvermittler dieselben Personen nicht wiederholt anstellen dürften oder dass dadurch ein Anspruch auf
Arbeitslosengelder erlösche (S. 2).
3.3
Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer ab dem 1. Januar 2019 An
spruch auf eine Arbeitslosenentschädigung hat.
Insbesondere ist
zu prüfen, ob in objektiver Hinsicht durch eine faktische Ent
schei
dungsmacht eine Umgehung von Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG vorliegt und die Beschwerdegegnerin zu Recht einen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ver
neint hat. Sodann ist im Falle der Verneinung ebenfalls die Frage des allge
mei
nen Rechtsmissbrauchs zu prüfen.
4.
4.1
Keine Prüfung des Einzelfalles
über die Frage eines faktischen Einflusses in einer arbeitgeberähnlichen Stellung
ist erforderlich, wenn sich die massgebliche Ent
schei
dungsbefugnis bereits aus dem Gesetz selbst ergibt. Dies gilt insbesondere für Verwaltungsräte einer AG, für welche das Gesetz in der Eigensc
haft als Ver
waltungsrat in Art.
716-716b
des Schweizerischen Obligationenrechts (OR)
ver
schie
dene, nicht übertrag- und entziehbare, die Entscheidungen des Arbeitgebers bestimmende oder massgeblich beeinflussende Aufgaben vorschreibt
(
BGE 145 V 200
E. 4
.2
).
Diese Rechtsprechung will nicht nur dem ausgewiesenen Missbrauch an sich, sondern bereits dem Risiko eines solchen begegnen. Ein konkreter Miss
brauch muss demgemäss gar nicht vorliegen (Urteil des Bun
desgerichts 8C_529/2016 vom 26.
Oktober 2016 E. 5.2
; vgl. a
uch Urteil des Bundesgerichts C 151/05 vom 20.
Februar 2007 E. 3
).
Die Beschwerdegegnerin ging daher zurecht davon aus
(E. 3.1)
, dass der Be
schwer
deführer zumindest bis
zum Ausscheiden
als
Verwa
ltungsratsmitglied der
Y._
eine theoretische Möglichkeit zur massgeblichen Einfluss
nahme
innehatte und somit im Sinne von Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG
eine
arbeitgeber
ähnliche
Stellung bestand
, welche den Anspruch auf eine Arbeitslosenent
schädi
gung ausschliesst (
vgl. Handelsregistere
intrag der
Y._
im Handels
register des Kantons
O._
[Unternehmensnummer:
«...»
; Urk.
5/66
)
.
Dass sich der Beschwerdeführer darüber nicht im Klaren war, dass er überhaupt noch im Handelsregister als Verwaltungsratsmitglied eing
etragen ge
wesen war (vgl. Urk. 5
/11-14 S. 2 oben), spielt dabei keine Rolle (vgl. Urteil des Bundesgerichts C
151/06 E. 3 [
beigelegt
]).
4.2
Für die Zeit nach dem Ausscheiden des Beschwerdeführers aus dem Verwal
tungsrat lässt sich allein daraus
, dass
der Beschwerdeführer
bis 2009
Anteile der
Y._
besass
(vgl. Urk. 5/6)
,
langjähriges
Mitglied des
Verwaltungs
rat
es
und
in der Vergangenheit mehrmals
angestellt und entlassen worden
war
nicht
ohne weiteres
auf eine Fortsetzung der
arbeitgeberähnliche
n
Stellung schliessen.
Entscheidend ist vielmehr, ob der Beschwerdeführer
nach dem Aus
scheiden aus dem Verwaltungsrat
per 2. April 2019
weiterhin über eine faktische Einflussmacht über den Entscheid einer allfälligen Wiedereinstellung verfügte
(vgl. E.
2.2
)
.
Aus den vorhandenen Akten ergibt sich dies
jedenfalls nicht
mit
dem Beweismass der
überwiegende
n
Wahrscheinlichkeit
:
In den vorhandenen Akten der
Y._
wird auf den Beschwerdeführer nur als Arbeitnehmer Bezug genommen. So wurde er laut dem Arbeitsvertrag als Management Con
sul
tant mit den Aufgaben: «Beratung von Projekten im In- und Ausland», «Lei
tung von Projekten im In- und Ausland» und «Erbringung von Software Ent
wick
lungs
diensten» angestellt (vgl. Urk. 5/72-74 S. 2).
Zudem war er weisungs
gebunden (S. 3 oben unter Ziff. 3).
Seine Tätigkeitsbeschreibungen in den Arbeitgeber
be
scheinigungen
lautet auf
Businessanalyst und Berater (vgl. Urk. 5/57-58 S. 1). Hinweise auf spezielle Befugnisse fehlen, sowohl im Arbeitsvertrag als auch in der Arbeitgeberbescheinigung.
Der Beschwerdeführer war
ab dem 3
. April 2019 auch nicht mehr
als Verwaltungsratsmitglied
im Handelsregister aufgeführt (vgl. Handelsregister Eintrag der
Y._
im Handelsregister des Kantons
O._
[Unternehmensnummer: «...»
]). Auch aus den übrigen Unter
lagen zur
Y._
lässt sich nichts betreffend eine
Entschei
dungs
befugnis entnehmen (vgl. Urk. 5/1-26). So bestätigte denn auch der Alleinaktionär
der
Y._
,
B._
,
dass
der
Beschwerdeführer keinerlei Ein
flussmöglichkeit auf die Willensbildung der
Y._
hatte (vgl.
Urk. 5/6). Daran ändert auch nichts, dass der Beschwerdeführer auch nach der per
31. Dezember 2018 ausgesprochenen Kündigung
in den Monaten Januar bis
März
2019 zwischenzeitlich stundenweise bei der
Y._
einen Zwischen
ver
dienst erwirtschaftete (vgl. Urk. 5/53-54, Urk. 5/59, Urk. 5/62-63, Urk. 5/78-82)
.
4.3
Nach dem Gesagten ist beim Beschwerdeführer von einer faktischen Entschei
dungs
macht respektive einer arbeitgeberähnlichen Stellung bei der
Y._
bis zur definitiven Löschung im Handelsregister
aufgrund der Funktion als
Mitglied des Verwaltungsrates am 2. April 2019 aus
zugehen
. Bis zu diesem Zeitpunkt bestand daher kein Anspruch auf eine Arbeitslosenentschädigung. Anhaltspunkte, dass
der Beschwerdeführer
über diesen Zeitpunkt
hinaus eine faktische Entscheidungsmacht besass, mithin
über eine allfällige Wiederein
stellung hätte entscheiden können, lässt sich aus den Akten nicht ableiten.
M
it Wirkung ab 3. April 2019
ist somit
das Vorliegen einer arbeitgeberähnlichen Stellung im Sinne der dargelegten Rechtsprechung (vgl. E. 2.2 und E. 4.1) zu verneinen.
5
.
5.1
Betreffend die Geltendmachung einer Arbeitslosenentschädigung ist ein Verhalten rechtsmissbräuchlich und verdient keinen Rechtsschutz, wenn vom Rechts
institut der Arbeitslosenversicherung in zweckwidriger Weise Gebrauch gemacht werden soll, um Interessen zu befriedigen, die nicht Schutzobjekt dieses Institutes sind. Das vormalige Eidgenössische Versicherungsgericht beurteilte in einem Ent
scheid vom 20. November 1990 die Kündigung eines Arbeitsverhältnisses auf den Tag des militärischen Wiederholungskurses und die Neubegründung desselben auf dessen Ende, einzig zum Zweck, die Lohnkosten während dem Militärdienst vom Arbeitgeber auf die Arbeitslosenversicherung zu überwälzen, als rechtsmiss
bräuchlich (ARV 1990 Nr. 19 E. 2 b). Als zweckwidrig und rechtsmissbräuchlich – da aber auch zudem im Zusammenhang mit einer arbeitgeberähnlichen Stellung – bezeichnete das Bundesgericht zudem den Fall, wo keine eigentliche Entlassung des Betroffenen geplant war, sondern die Arbeitslosenversicherung der Firma über die bestehenden finanziellen Schwierigkeiten hinweghelfen sollte, nachdem die Auftragslage kurzfristig zusammengebrochen war. Es stellte dazu fest, dass die Arbeitslosenentschädigung nicht zur Absicherung des unternehmerischen Risi
kos verwendet werden dürfe (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_191/2014 vom 4. Juni 2014 E. 4.4).
5.2
Die Beschwerdegegnerin führte zur Verneinung eines Anspruchs auf eine Arbeits
losenentschädigung
für die Zeit
nach
dem
Ausscheiden aus dem Verwaltungsrat
des Beschwerdeführers unter anderem auch an, dass
es rechtsmissbräuchlich sei,
sich über Jahre immer wieder beim selben Arbeitgeber entlassen zu lassen, wieder eingestellt zu werden und dazwischen
Arbeitslosengelder zu beziehen
(
E. 3
.1).
5.3
Zu Recht verwies die Beschwerdegegnerin
dabei
darauf, dass es sich
– entgegen dem Vorbringen des Beschwerdeführers (E. 3.2) -
bei der
Y._
nicht um einen Personalverleiher handelt oder zumindest der Beschwerdeführer nicht im
Sinne eines im Personalverleih
angestellten
Arbeit
nehmers
tätig
war.
So
ist weder aus der Website
noch dem Handelsregistereintrag der
Y._
ersichtlich, dass
die
Y._
im Personalverleih tätig ist
.
So ist
ihr
Z
w
eck
die
Planung und Durchführung von Organisationsarbeiten und anderen Dienstleistungen im In- und Ausland, insbesondere auf dem Gebiet der elektro
nischen Datenverarbeitung
(
Handelsregistere
intrag der
Y._
im Handelsregister des Kantons
O._
[Untern
ehmensnummer: «...»
]). Ebenso wenig lässt sich
etwas in dieser Art
aus dem Arbeitsvertrag
des Beschwerdeführers
ableiten.
So wurde
er
unbefristet
zu
einem festen Monatslohn von Fr.
12'000.-- bei einer vereinbarten Wochenarbeitszeit von 42 Stunden als Management Consultant mit genau definierten Aufgaben angestellt (vgl. Urk. 5/72-74 S. 2).
5.4
Für die Verwirklichung des Tatbestandes eines allgemeinen Rechtsmissbrauches
bedarf
es
-
im Gegensatz zur Figur der a
rbeitgeberähnlichen Stellung wo ein ab
straktes Missbrauchsrisiko ausreicht, (
vgl. Urteil des Bundesgerichts 8
C_529/2016 vom 26. Oktober 2016 E. 5.2),
-
eine
r
Beurteilung der
konkreten Umstände (vgl. Regina Jäggi, Eingeschränkter Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung bei arbeitgeberähnlicher Stellung durch analoge Anwendung von Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG, SZS 48/2004, S. 3). Geschützt ist dabei nur der offenbare Missbrauch eines Rechts (BGE 131 V 97 E. 4.3.4).
Hinweise auf einen tatsächlichen offenbaren Rechtsmissbrauch sind im vor
liegend zu beurteilenden Fall für die konkret geltend gemachte Arbeitslosen
entschädigung
ab Januar 2019
nicht ersichtlich.
Insbesondere besteht kein
Anhalt dafür
, dass die
se
zur Absicherung des unternehmerischen Risikos der
Y._
verwendet
werden
könnt
e
, indem auf die
erfolgte
Entlassung eine baldige Wiedereinstellung des Beschwerdeführers folgen könnte
.
Aus den Akten geht nicht hervor und die Beschwerdegegnerin macht nicht geltend,
dass es sich bei dem der Abmeldung von der Arbeitsvermittlung per 1. Juni 2019 zugrundelie
genden neuen Arbeitsverhältnis um eine Anstellung bei der
Y._
gehandelt hätte; aktenkundig ist einzig, dass der Beschwerdeführer zuvor im April 2019 im Zwischenverdienst für die
C._
tätig war.
Ferner war der Beschwerdeführer vor der Anstellung bei der
Y._
(Juni 2017 bis Dezember 2018) von Mai 2010 bis Oktober 2015 bei der von der
Y._
unabhängigen
A._
tätig und bezog von November 2015 bis Mai 2017 Arbeitslosenentschädigung. In den Jahren 2013 und 2014 war er zugleich bei der
Y._
tätig (Urk. 5/83-84). Dies spricht nicht für ein durchwegs praktiziertes Muster von Entlassungen und Ein
stellungen bei der
Y._
mit zwischenzeitlichem Bezug von Arbeits
losenentschädigungen zur
Absicherung des unternehmerischen Risikos der
Y._
(vgl. Urk. 5/1-26; insbesondere Urk. 5/7-8, Urk. 5/83-84 S. 2
), und zwar selbst dann nicht, wenn es sich bei der per 1. Juni 2019 erfolgten Anstellung um eine Tätigkeit für die
Y._
gehandelt haben sollte.
Offenbleiben muss, wie es sich mit der in den Jahren 2004, 2007 und 2009 für die Dauer von sechs, zwei und acht Monaten bezogenen Arbeitslosen
entschä
digung verhält, zumal dies nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet.
5.5
Nach dem Gesagten kann vorliegend nicht von
einem Rechtsmissbrauch
bei der Geltendmachung der
Arbeitslosenentschädigung ab 1.
Januar 2019 ausgegangen werden. In der Folge
besteht ein Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Arbeits
losenentschädigung für die Zeit ab dem 3. April 2019
bis zum Ende seiner Arbeitslosigkeit mit Antritt der neuen Arbeitsstelle per 1. Juni 2019
, sofern auch die übrigen Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind
.
6.
Zusammenfassend ist der Anspruch des Beschwerdeführers bis 2. April 2019 ver
neinen. Ab 3. April 2019 und bis 31. Mai 2019 ist ein Anspruch auf Arbeits
losentschädigung zu bejahen, sofern die übrigen Anspruchsvor
aussetzungen erfüllt
sind.
Die Beschwerde ist
in diesem Sinne
teilweise
gutzuheissen.