# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** aa4cd85f-2a03-469e-8ec7-6be0c5ad729f
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1954,
durchlief die Schulen in Mazedonien und
arbeitete seit den 1980er Jahren bei verschiedenen Unternehmen als Plattenleger (vgl. die Angaben in den Notizen der Sozialversicherung
sanstalt des Kantons Zürich, IV
Stelle, über das Standortgespräch vom 1
0.
Oktober 2016,
Urk.
6/12, sowie den Auszug aus dem individuellen Konto vom
5.
Oktober 2016,
Urk.
6/11). Zuletzt war er in diesem Beruf ab Mai
2014 bei der
Y._
GmbH tätig (Angaben im Fragebogen für
Arbeitgebende
vom
8.
November 2016,
Urk.
6/13/1-8); diese löste das Arbeitsverhältnis mit ihm per Ende Dezember 2015 auf (Kündigungsschrei
ben vom 1
9.
Oktober 2015,
Urk.
6/13/9)
.
1.2
1.2.1
Während der Kündigungsfrist stürzte
X._
am 2
6.
November 2015 bei der Arbeit in einem Bad, verdrehte dabei den linken Fuss und schlug den Kopf an. Er suchte gleichentags die Notfallpraxis des Stadtspitals
Z._
auf, wo
keine Frakturen und keine intrakraniellen Blutungen nachgewiesen werden konnten (Berichte
des Stadtspitals
Z._
über die a
mbulante Behandlung vom 26./2
7.
November 2015,
Urk.
6/9/28-29; Berichte vom 2
6.
und vom 2
7.
November 2015 über eine Röntgenaufnahme des linken oberen Sprunggelenks und über eine Computertomographie des Schädels,
Urk.
6/
9/
26+
27).
In der Folge persistierten Kopfschmerzen und Schwindel (Bericht des Stadtspitals
Z._
vom 1
3.
Dezember 2015,
Urk.
6/9/39-40
), weswegen
am
7.
Januar 2016 nochmals eine Computertomographie des
Neurocraniums
und am 1
2.
Januar 2016 eine Computertomographie
des linken oberen Sprunggelenks erstellt
wurden
(
Bericht
e
des I
nstituts
A._
,
Urk.
6/9/41 und
Urk.
6/9/36
).
Des Weiteren wurde
X._
im
Januar 2016
und im März 2016
wegen Augenbeschwerden durch
Dr.
B._
, Spezial
arzt
für Ophthalmologie, untersucht, und es wurden eine Sehminderung im linken Auge mit Gesichtsfeldeinengung und partieller
Optikusatrophie
sowie ein
regredientes
Hyposphagma
(Blutung in die Bindehaut) diagnostiziert (Berichte vom
2
0.
und vom 2
5.
Januar sowie vom
4.
April 2016,
Urk.
6/9/43,
Urk.
6/9/42
und Urk.
6/9/93
). Auf Anraten von
Dr.
B._
(Urk. 6/9/43)
wurde
X._
ausserdem
neurologisch untersucht (Berichte von
Dr.
C._
, Spez
ialarzt für Neurologie, vom 26.
Januar
und vom 1
0.
Mai
2016,
Urk.
6/9/24-25
und Urk.
6/9/91-92).
1.2.2
Die Suva
(vgl. die Schadenmeldung UVG vom
4.
Dezember 2015,
Urk.
6/9/4)
anerkannte ihre Leistungspflicht für die
Folgen des Ereignisses vom 26.
November 201
5.
Nachdem
sich
der Hausarzt
D._
ausser Stande gesehen hatte, die Fragen der Suva zu beantworten, und eine Begutachtung empfohlen hatte (Notiz im Z
wischenberichtsformular vom 15.
April 2016, Urk.
6/9/94-95),
lud
die Suva
X._
am 1
6.
Juni 2016
zu
eine
r
Besprechung
ein
(
Urk.
6/9/107-109). Sodann nahm sie die Mitteilung von
X._
entgegen, wonach er am 2
8.
Juni 2016
auf
eine
r
Treppe
gestürzt sei
(Notiz vom
1.
Juli 2016,
Urk.
6/9/113; Bericht
e
des Stadt
spitals
Z._
über die ambulante Behandlung vom 2
8.
Juni 2016 und
über eine Computertomographie des Schädels und der Halswirbelsäule vom 2
8.
Juni 2016,
Urk.
6/14/16-17 und
Urk.
6/9/116).
Gestü
t
zt auf die Aktenbeurteilungen ihrer beratenden Ärzte
Dr.
E._
, Spezialarzt für Ophthalmologie und
Ophthal
mochirurgie
(Urk.
6/9/124)
,
und
Dr.
F._
, Spezialarzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates (
Urk.
6/9/126)
,
stellte die Suva ihre Leistungen mit Verfügung vom 1
9.
August 2016 auf das Monatsende
hin ein
, da die noch geklagten Beschwerden nicht in einem natürlichen beziehungsweise adäquaten Kausal
zusammenhang zum Unfall vom 26.
November 2015 stünden (
Urk.
6/9/127-128). Der Versicherte liess Einsprache gegen diese Verfügung erheben (
Urk.
6/9/145-146)
und zwei Berichte
eines Praxiskollegen von
Dr.
B._
,
Dr.
G._
, Spezialarzt für Opht
h
almologie,
speziell
Ophthalmochirurgie
, vom
2.
November und vom 1.
De
zember 2016 beibringen (Urk.
6/1
9/18+19).
1.3
Am 1
9.
September 2016
meldete sich
X._
bei de
r Invalidenversicherung an (
Urk.
6/5
).
Die IV-Stelle führte am 1
0.
Oktober 2016 mit dem Versicherten ein Standortgespräch (
Urk.
6/12), holte die Angaben der Arbeitgeberin ein (
Urk.
6/13) und erhielt vom Hausarzt
D._
wie die Suva die Auskunft, er könne keine Angaben zum Fall machen und empfehle eine Begutachtung (Notiz von
D._
vom
1
7.
Januar 2017
und Verlaufsbericht von
D._
vom 2
5.
Juli 2017
,
Urk.
6/14/22
und
Urk.
6/21
).
Im Weiteren
zog die IV-Stelle die Akten der Suva bei (
Urk.
6/9
/1-154
,
Urk.
6/19
/1-25
und
Urk.
6/26
/1-24
). Die
se hatte
die Einsprache des Versicherten gegen die Verfügung vom 1
9.
August 2016 unterdessen mit Entscheid vom
8.
August 2017 abgewiesen (
Urk.
6/26/13-24), unter anderem gestützt auf
eine Akt
enbeurteilung von
Dr.
E._
vom 3
1.
Juli 2017 (
Urk.
6/26/8-12)
, und der Entscheid war unangefochten geblieben
. Schliesslich holte
die IV-Stelle den Bericht der i
ntegrierten Psychiatrie
H._
vom 2
7.
Dezember 2017 ein, wo der Versicherte seit April 2017 in ambulanter Behandlung stand (
Urk.
6/27).
Mit Vorbescheid vom 2
5.
Januar 2018 eröffnete die IV-Stelle dem Versicherten, dass sie seinen Anspruch auf Leistungen zu verneinen gedenke, da keine gesundheitliche Beeinträchtigung nachgewiesen sei, die eine länger dauernde Arbeitsunfähigkeit hervorrufe (
Urk.
6/29
; Feststellungsblatt in
Urk.
6/28
).
Der Ver
sicherte erklärte sich am 2
0.
Februar 2018 als nicht einverstanden mit diesem Bescheid (
Urk.
6/32) und liess seine Einwendungen mit Schreiben vom
5.
Apri
l
2018 durch Rechtsanwalt Ivo
Baumann
ergänzen (
Urk.
6/42).
Ausserdem
hatte
D._
am 1
9.
März 2018 ein
en Brief
an die IV-Stelle
gerichtet
, in dem er sich den Ausführungen der
H._
im Bericht vom 2
7.
Dezember 2017
an
geschlossen hatte
(
Urk.
6/39/1).
Mit Verfügung vom 1
4.
Mai 2018 entschied die IV-Stelle im Sinne ihres Vorbescheids (
Urk.
2 =
Urk.
6/45
; Feststellungsblatt in
Urk.
6/44
).
2.
Der Versicherte liess mit Eingabe vom 1
4.
Juni 2018 durch Rechtsanwalt Ivo
Baumann
Beschwerde erheben mit den Anträgen, die
Verfügung vom 14.
Mai 2018 sei aufz
uheben und ihm seien die gesetz
lichen Leistungen auszurichten, eventualiter sei die Sache an die IV-Stelle zur weiteren Sachverhaltsermittlung zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2). Die IV-Stelle schloss in der Beschwerdeantwort vom 2
7.
Juli 2018 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5), wovon der Beschwerdeführer mit Verfügung vom
6.
August 2018 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
7).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität
ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerb
sunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit ode
r Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arb
eitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG).
Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
nach
Art.
7
Abs.
2 ATSG
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen
(Satz 1)
. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überw
indbar ist (Satz 2).
1.2
1.2.1
Im Hinblick auf das Erfordernis in
Art.
7
Abs.
2 Satz 2 ATSG hat das Bun
des
gericht spezifische Leitlinien aufgestellt. Im Grundsatzurteil vom 3. Juni 2015 (BGE 141 V 281) hat es in Änderung seiner bisherigen Rechtsprechung ein neues Prüfung
s
raster in Form von spezifischen Standardindikatoren entwickelt, anhand dessen die Auswirkungen von sogenannten
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage, ins
besondere von somatoformen Schmerzstörungen und vergleichbaren Leiden, zu ermitteln sind. Das Raster präsentiert sich wie folgt (BGE 141 V 281 E. 4.1.3 und E. 6):
-
Kategorie «
fu
nktioneller Schweregrad»
-
Komplex «
Gesundheitsschädigung
»
-
Ausprägung der diagnos
erelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserf
olg oder –
resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex «Persönlichkeit»
(Persönlichkeitsdiagnostik, p
ersönliche
Res
sourcen
)
-
Kompl
ex «Sozialer Kontext»
-
Kategorie «
Konsistenz
»
(Gesich
tspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivit
ätenniveaus
in allen ver
gleichbaren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Lei
dens
druck.
Das
Bundesgericht
schreibt
dem Raster
n
ormativen Charakter zu, weist jedoch darauf hin, dass es die Aufgabe der medizinischen Fach
personen ist, mittels der ein
schlägigen Indikatoren das Leistungsvermögen einzuschätzen (vgl. BGE 141 V 281 E. 5.1 und E. 5.2). D
ie
funktionellen Einschränkungen
müssen
mit über
wie
gender Wahrscheinl
ichkeit nachgewiesen sein
, und es ist die versicherte Person, welche die Beweislast
für den Nachweis
trägt (vgl. BGE 141 V 281 E. 6).
Ferner betont das Bundesgericht, dass es sich beim neu entwickelten Raster nicht um eine «
abhakbare Checkliste
» handelt, sondern dass dessen
Handhabung den Um
ständen des Einzelfalls gerecht werden muss
(BGE 141 V 281 E. 4.1.1).
1.2.2
In einem weiteren Schritt hat das Bundesgericht in zwei Grundsatzurteilen vom 3
0.
November 2017 die Anwendbarkeit der neu entwickelten Standardindikatoren auf grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen ausgedehnt, indem es für alle diese Erkrankungen das strukturierte Beweisverfahren als massgebend
erklärt hat (BGE 143 V 418 E. 7, BGE 143 V 409 E. 4.4 und E. 4.5). Damit hat das Bundesgericht insbesondere seine bisherige Rechtsprechung zu den depressiven Störungen geändert und nicht länger daran festgehalten, dass rezidivierende oder episodische Depressionen leicht- bis mittelgradiger Natur einzig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht fallen, wenn sie erwiesenermassen therapieresistent sind (vgl. die Zusammenfassung der bisherigen Rechtsprechung in BGE 143 V 409 E. 4.1).
1.2.3
Von vornherein nicht als invalidenversicherungsrechtlich relevant gelten geklagte
Beschwerden insoweit, als sie
aggraviert
werden, also als stärker beein
trächtigend dargestellt werden, als sie tatsächlich sind beziehungsweise empfunden werden. Hinweise für eine Aggravation erblickt das Bundesgericht etwa darin, dass
eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen und dem gezeig
ten Verhalten oder der Anamnese besteht, dass
intensive
Schmerzen angegeben
werden, die jedoch nur vage charakterisiert werden, dass
Klagen
in einer Weise demonstrativ vorgetragen werden, die unglaubwürdig wirkt, dass keine
medizinische
n
Behandlung
en in Anspruch genommen werden und dass
schwere Einschränkungen im Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfe
ld jedoch weitgehend intakt ist (BGE 141 V 281 E. 2.2 und E. 3.7.1, 131 V 49).
Des Weiteren gilt rechtsprechungsgemäss
der Grundsatz
, dass ein invalidenver
sicherungsrechtlich relevantes Beschwerdebild n
icht einzig in Beeinträchtigung
en
bestehen darf, die von psychosozialen und soziokulturellen Faktoren her
rühren, sondern
davon psychiatrisch zu untersche
idende Befunde umfassen muss,
zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unter
scheidbare andauernde Depres
sion im fachmedizinischen Sinne. Je stärker psychosoziale oder soziokulturelle Faktoren im Einzelfall in den Vordergrund treten und das
Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss nach der Rechtsprechung
eine fachärztlich festgestell
te psychische Störung mit Krank
heitswert vorhanden sein. Dort, wo nur Befunde erhoben werden, die
in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden
und somit
gleichsam in ihnen aufgehen,
verneint das Bundesgericht einen invalidisierenden
psychische
n Gesundheitsschaden
(
vgl.
BGE 127 V 294 E. 5a
mit Hinweis)
.
1.3
1.3.1
Invalide oder von einer Invalidität unmittelbar bedrohte Versicherte haben nach
Art.
8
Abs.
1 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese not
wendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im (nicht erwerblichen) Aufgabenbereich zu betätigen, wiederherzustellen, zu verbessern, zu erhalten oder ihre Verwertung zu fördern. Zu diesen Massnahmen gehören die in
Art.
15 ff. IVG geregelten Massnahmen beruflicher Art (
Art.
8
Abs.
3 lit. b IVG), und diese umfassen unter anderem
Berufsberatung (
Art.
15 IVG),
Umschulung (
Art.
17 IVG) und Arbeitsvermittlung (
Art.
18 IVG).
1.3.2
Sodann haben Versicherte g
emäss
Art.
28 Abs. 2 IVG Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70
%
, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60
%
, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50
%
oder auf eine Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40
%
invalid sind.
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG (in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1 IVG) aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sogenanntes Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sogenanntes
Valideneinkommen
).
Der Rentenanspruch entsteht nach
Art.
28
Abs.
1 IVG frühestens in dem Zeitpunkt, in dem die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40
%
arbeitsunfähig war (lit. b), sofern sie nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40
%
invalid ist (lit. c).
Zusätzlich kann der Rentenanspruch gemäss
Art.
29
Abs.
1 IVG nicht vor Ablauf von sechs Monaten nac
h der Geltendmachung entstehen.
2.
2.1
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf Leistungen der In
validenversicherung, wobei angesichts
des mittlerweile erreichten
ordentlichen
AHV-Rentena
lters der
A
nspruch
auf eine Invalidenrente
im Vordergrund steht.
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Anspruchsverneinung auf die Beurteilungen
des Arztes ihres regionalen ärztlichen Dienstes (
RAD
)
Dr.
I._
, Spezialarzt für Chirurgie. Dieser
wies
in seiner ersten Stellungnah
me vom 2
5.
September 2017 zusammengefasst darauf hin, dass die körperlichen Befunde spärlich seien, dass Hinweise auf eine
Aggravierung
der Befunde bestünden und
teilweise Therapien abgeleh
nt würden, dass
D._
, der dem Beschwerdeführer die Arbeit
s
unfähigkeit bescheinigt habe (100
%
von Ende November 2015 bis Ende September 2016 und 80
%
ab Oktober 2016; vgl. die Unfallscheine in
Urk.
6/18,
Urk.
6/19/4 und
Urk.
6/25/2
), keine Befunde angegeben
, sondern eine Begutachtung empfohlen habe, und dass
aus augenärztlicher Sicht keine
Arbeitsunfähigkeit attestiert worden sei (
Urk.
6/28/4).
Für eine endgültige Beurteilung woll
te
Dr.
I._
den Ausgang des
Einspracheverfahrens
gegen
die Verfügung der Suva vom 19.
August 2016 abwarten; nachdem er erfahren hatte, dass der Einspracheentscheid am
8.
August 2017 ergangen und nicht angefochten worden war, ging er
jedoch
auf die körperlichen Beeinträchtigung
en
nicht mehr näher ein, sondern empfahl am 2
0.
Dezember 2017
nurmehr
, einen Bericht bei der
H._
einzuholen (
Urk.
6/28/5). Nach
Einsicht in diesen Bericht vom 2
7.
Dezember 2017 folgerte
Dr.
I._
sodann am 2
2.
Januar 2018, dass die beschriebenen Befunde und Diagnosen nicht auf eine schwere Störung hinwiesen, welche die Arbeitsfähigkeit dauerhaft einschränke (
Urk.
6/28/6). Daran hielt er in der weiteren Stellungnahme vom 2
4.
April 2018
nach Einsicht in die im Vorbescheidverfahren aufgelegten Berichte
fest (
Urk.
6/44/2).
2.2
2.2.1
Es trifft zu, dass
vorab die bildgebenden Untersuchungen keine namhaften
Befunde zu Tage gebracht haben. Die Röntgenaufnahme des linken oberen Sprunggelenks vom 2
6.
November 2015 zeigte keine Fraktur, sondern nur
arthrotische
Veränderungen, einen kleinen Fersensporn und Arterienverkalkungen
(Urk.
6/9/26). M
it der Computertomographie
des
linken oberen
Sprunggelenks
vom 1
2.
Januar 2016
sodann
liessen sich wiederum keine Frak
t
ur und keine
Zeichen einer rel
e
vanten
ligamentären
oder
tendinösen
Destruktion nachweisen
,
und die Weichteilschwellung wurde zwar als persistierend, jedoch als gegenüber der Voruntersuchung deutlich geringer ausgeprägt beschri
e
ben (
Urk.
6/9/36). Desgleichen lieferten die Computertomographien des Schädels vom 2
7.
November 2015 und vom
7.
Januar 2016 keine Hinweise auf eine Blutung, eine Fraktur oder eine Raumforderung (
Urk.
6/9/27 und
Urk.
6/9/41
), und die Computertomographie des Schädels
und der Halswirbelsäule
nach dem weiteren Sturz vom Juni 2016 liess wiederum keine traumatischen oder anderweitigen Verände
rungen
erkennen (
Urk.
6/9/116).
Aus neurologischer Sicht konnte
Dr.
C._
ebenfalls keine spezifischen
Befunde erheben, er vermutete aber immerhin, dass sich der Beschwerdeführer beim Sturz vom 2
6.
November 2015 eine
Occipitalisneuralgie
mit typischer Klinik zugezogen habe, und riet dementsprechend zur
Occipitalisinfiltration
(
Urk.
6/9/25).
Dieser Behandlung unterzog sich der Beschwerdeführer beim nachfolgenden zweiten Termi
n vom März 2016
, wie dem Bericht von
Dr.
C._
vom 1
0.
Mai 2016 zu entnehmen ist (
Urk.
6/9/91),
währenddem
er sich beim
ersten Termin noch nicht dazu hatte entschlie
ssen
können
(vgl.
Urk.
6/9/25).
Aus diesem Zögern lässt sich jedoch nicht bereits auf eine mangelhafte Kooperation des Beschwerdeführers schliessen, wie dies der Hinweis von
Dr.
I._
auf die teilweise Ablehnung von Therapien nahelegt.
Allerdings
machte der Beschwerdeführer auf
Dr.
C._
auch anlässlich eines
dritten Termins vom Mai 2016 immer noch einen ausgesprochen leidenden Eindruck
, und
Dr.
C._
sprach von einer funktionellen, also durch körperliche Befunde nicht ausreichend erklärbaren Ausgestaltung des Beschwerdebildes
(Urk.
6/9/91).
Damit stimmte er mit dem Stadtspital
Z._
überein, wo der
Beschwerdeführer im Dezember 2015 notfallmässig vorgesprochen hatte
;
d
ie Ärztinnen gingen schon damals von
zervikogenen
Kopfschmerzen mit psychosozialer
Aggravierung
bei deutlicher Agitat
ion und Ängstlichkeit aus (Urk.
6/9/40). Dabei
kann
der Begriff der
Aggravierung
in diesem Zusammenhang
nicht ohne Weiteres so verstanden werden, wie ihn die Rechtsprechung verwendet, um
eine Art und Weise der Präsentation der Beschwerden zu charakterisieren, die
i
nvalidenversicherungsrechtlich nicht relevant ist.
Es ist vielmehr davon auszugehen
, dass die Är
ztinnen den Begriff hier so benützten, wie es dem allgemeinen Sprachverständnis entspricht, und mit psychosozialer
Aggravierung
auf eine
Verstärkung der Schmerzen durch psychosoziale Faktoren
hinweisen wollten.
2.2.2
Die Beurteilung der Fragen, ob hinter dem Beschwerdebild
, soweit es organisch nicht erklärbar ist,
eine eigenständige psychiatrische Diagnose steht, wieweit psychosoziale Faktoren daran beteiligt sind, wieweit die Beschwerden im rechtlich gebräuchlichen Sinn
aggraviert
werden sowie ob und in welchem Ausmass
sie sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken, obliegt indessen den Fachpersonen der Psychiatrie.
Der Beschwerdeführer wurde ab April 2017
denn
auch in
der
H._
psychiatrisch behandelt, und i
m Bericht vom 2
7.
Dezember 2017 stellte die
H._
die Diagnosen einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (
Code F45.4 der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen der Weltgesundheitsorganisation, ICD-10)
und einer leichten bis mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10 F32.0;
Urk.
6/27/1).
E
ntsprechend der
Bemerkung von Dr.
I._
(vgl.
Urk.
6/28/6)
trifft zu
, dass das Leitsymptom eines andauernden, schweren und quälenden Schmerzes aus dem Bericht der
H._
nicht augenfällig wird; es ist fraglich, ob die von der
H._
dokumentierte Symptomatik von per
sistierenden Kopfschmerzen, häufigen Schwindelattacken und Missempfindungen am Hinterkopf links (
Urk.
6/27/2+3)
als Schmerz
dieser Intensität qualifiziert werden kann.
Es verbietet sich jedoch, entsprechend dem Vorgehen von
Dr.
I._
allein aufgrund der Zweifel an der Diagnose der
H._
sowie
angesichts der eher leichtgradigen Ausprägung der Depression und
der ver
g
l
eichsweise niedrigen Therapiefrequenz
auf einen
fehlenden
invalidenversicherungs
rechtlich relevanten Krankheitswert zu sch
liessen
, ohne dass eine objektive fachärztliche Beurteilung unter Beleuchtung der gesamten Krankengeschichte und der Gesamtheit aller körperlichen und ps
ychischen Befunde erfolgt wäre.
D
en
Ansprüche
n
an
eine derartige fachärztliche Beurteilung
genügt
der
Bericht der
H._
vom 2
7.
Dezember 2017
nicht
,
denn er ist
aus der
spezifischen
Sicht der
Behandlung erstattet worden, und
die behandelnden Ärztinnen
hatten entweder keine
Kenntnis der
Vorakten
oder gingen zumindest nicht auf sie ein
. Ausserdem ist die attestierte nur noch 20%igen Arbeitsfähigkeit für jegliche Tätigkeiten nicht
näher begründet,
sie wurde nicht anhand der massgebenden Indikatoren hergeleitet, und es wurde auch nicht
differenziert nach krankheitsbedingten und krankheitsfremden Faktoren. Ebenso wenig
vermögen
umgekehrt
die Stellungnahmen von
Dr.
I._
die Anforderungen an eine vertiefte fachärztliche Beurteilung
zu erfüllen, schon
de
s
halb nicht, weil
Dr.
I._
den Beschwerdeführer nicht persönlich gesehen hat und weil er als Facharzt der Chirurgie
nicht qualifiziert
ist
für die Beurteilung von psychischen Gesundheitsschäden und ihren Auswirkungen.
Ferner wird die Beschwerdegegnerin gegebenenfalls ein
strukturierte
s
Beweisverfahren nachzuholen ha
ben
, da eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheitsschädigung nicht mehr allein mit dem Argument der
fehlenden Therapieresistenz
verneint
werden kann (BGE 140 V 193 E. 3.3).
2.2.3
D._
hat daher zu Recht eine interdisziplinäre Begutachtung des Beschwerdeführers empfohlen (
Urk.
6/14/22
,
Urk.
6/21
und
Urk.
6/39/1
).
Eine solche Begutachtun
g wird noch durchzuführen sein.
N
eben einer Fachperson der Neurologie und einer Fach
person der Psychiatrie
wird daran
auch eine
Fachperson der Opht
h
almologie mitzuwirken haben
. D
enn
Dr.
B._
beschrieb in
den
B
erichten vom 2
0.
und vom 2
5.
Januar sowie
vom
4.
April 2016 wohl die
Befunde im linken Auge (
Urk.
6/9/4
3,
Urk.
6/9/42 und
Urk.
6/9/93);
medizinische Laien können
deren Ausprägung und deren Auswirkungen
jedoch daraus nicht ableiten.
Und soweit
Dr.
G._
im Bericht vom
2.
November 2016 festhielt, eine Arbeitsunfähigkeit sei bei den Konsultationen von Januar und März 2016 nicht angezeigt gewesen (
Urk.
6/19/18), so ist diese Angabe nicht näher begründet. Des
Weiteren hatte
Dr.
E._
in der Aktenbeurteilung vom 3
1.
Juli 2017
(
Urk.
6/26/8-
12)
primär die Frage nach der Unfallkausalität der Augenprobleme
zu beantworten, und da er diese verneinte
, erübrigten sich Ausführungen
zu den Auswirkungen.
Die Durchführung der erforderlichen Begutachtung ist der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen a
ngesichts dessen, dass
diese
bis anhin nur die Berichte der behandelnden medizinischen Fachpersonen eingeh
olt,
jedoch
keine
Gesamtbeurteilung
veranlasst hat.
Am Erfordernis einer Begutachtung ändert im Übrigen nichts, dass der Beschwerdeführer mittlerweile im
AHV-
Rentenalter steht.
Die Gutachter werden sich jedoch rückblickend auf die
Verhältnisse vor dem Eintritt ins Rentenalter zu konzentrieren haben.
Des Weiteren werden sie zu beachten haben, dass der Beschwerdeführer gemäss de
n Aufzeichnungen
der Suva über die
Besprechung vom 1
6.
Juni 2016 zur Zeit des Ereignisses vom November 2015 bereits Bezüger einer Teilrente der Suva war (
Urk.
6/9/108); sie werden die Beeinträchtigung, die zu dieser Rente geführt hat, in ihre Beurteilung einzubeziehen haben.
2.3
Damit ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, dass die angefochtene
Verfügung vom 1
4.
Mai 2018 aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit sie die erforderlichen Abklärungen im Sinne der Erwägungen tätige und hernach über
den Anspruch des
Beschwerdeführers
auf Leistungen
neu verfüge.
3.
Gestützt auf
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Verfahren für die
unterliegende Be
schwerdegegnerin kostenpflichtig. Die Kosten sind unter Berücksichtigung des g
esetzlichen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--) ermessensweise auf Fr.
7
00.--
festzusetzen.
4.
Nach Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende
beschwerdeführende
Person Anspruch auf den vom Gericht festzusetzenden Ersatz der Parteikosten, die ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen sind; als weitere Bemessungskrite
rien nennen die ergänzenden kantonalen Vorschriften (§ 34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht [GSVGer] sowie § 8 der Verordnung über die Ge
büh
ren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht [
GebV
SVGer
]) den Zeitaufwand und die Barauslagen.
Unter Berücksichtigung dieser Kriterien rechtfertigt es sich, dem Beschwerdeführer eine Prozessentschädigung von
Fr.
1'600.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen.