# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 652caf0e-34f9-4214-bbfa-6db33ad0d2be
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2012
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der 1974 geborene
und als Wirtschaftsinformatiker erwerbstätige
X._
ist seit einem im Alter von 14 Jahren erlittenen Unfall
Tetraplegiker
.
Seither
bezieht
er verschiedene Leistungen der Invalidenversicherung. Unter an
derem sprach die
damals zuständige
IV-Stelle
Luzern
mit Verfügungen vom 21. Dezember 1989 und 9. Februar 1990
dem noch bei seinen Eltern in
Y._
wohnhaft gewesenen
Versicherten
die leihweise Abgabe
zweier
Treppenlifte
in
klusive Installationskosten
zu
. Dabei wurden die Kosten für Betrieb und Unter
halt der Lifte ausgeklammert
(Urk. 7/3 S. 5)
.
Am 17. September 2010 musste der obere Treppenlift i
nfolge einer Störung repa
riert werden.
Am 4. Oktober 2010 ersuchte der
seit 2008
in
Z._
domi
zilierte
Versicherte
die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
um Übernahme der Kosten für
die
durchgeführte
Reparatur und die
vom Servicetechniker empfohlene
Revision der
beiden
in die Jahre gekommenen
A
nlage
n
(Urk.
7/187
).
Nach Durchführung des
Vorbescheidsverfahrens
am 16. Dezember 2010
(Urk. 7/198 ff.) erteilte
die IV-Stelle
m
it Verfügung vom 9. Februar 2011 Kosten
gutsprache für die Reparatur des einen
Treppenliftes ge
mäss Rechnung der Durchführungsstelle vom 27. September 2010
in Höhe
von Fr. 400.95
(vgl. Urk. 7/187 S. 2)
.
Im Übrigen überliess sie
die
Anlagen
dem Ver
sicherten zum weiteren Gebrauch und verweigerte die Kostengutsprache
für die beantragten Sanierungs- und Revisionsarbeiten sowie für künftige Reparatur
kosten
(Urk. 2).
2.
Dagegen
erhob
X._
am 7. März 2011
Beschwerde
und ersuchte sinngemäss um
Übernahme der Kosten für die beantragten Sanierungs- und Re
visionsarbeiten sowie von künftigen Reparaturkosten (Urk. 1).
Mit Beschwerde
antwort vom 2. Mai 2011 schloss die Verwaltung auf Abweisung der Be
schwerde (Urk. 6).
Die Einzelrichterin

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert Fr. 20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (§ 11 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
1.2
Gemäss Art. 21 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) hat die versicherte Person im Rahmen einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste An
spruch auf jene Hilfsmittel, deren sie für die Ausübung der Erwerbstätigkeit oder der Tätigkeit im Aufgabenbereich, zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit, für die Schulung, die Aus- und Weiterbildung oder zum Zwe
cke der funktionellen Angewöhnung bedarf. Ferner bestimmt Art. 21 Abs. 2 IVG, dass Versicherte, die infolge ihrer Invalidität für die Fortbewegung, für die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt oder für die Selbstsorge kostspieliger Geräte bedürfen, im Rahmen einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste ohne Rücksicht auf die Erwerbsfähigkeit Anspruch auf solche Hilfsmittel haben. Die Hilfsmittel werden zu Eigentum oder leihweise in einfacher und zweckmässiger Ausführung abgegeben oder pauschal vergütet (Absatz 3, erster Satz).
Die Befugnis zur Aufstellung der Hilfsmittelliste und zum Erlass ergänzender Vorschriften im Sinne von Art. 21 Abs. 4 IVG hat der Bundesrat in Art. 14 der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
) an das Eidgenössische De
partement des Innern übertragen, welches die Verordnung über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung (
HVI
) mit anhangsweise aufge
führter Hilfsmittelliste erlassen hat. Laut Art. 2
HVI
besteht im Rahmen der im Anhang aufgeführten Liste Anspruch auf Hilfsmittel, soweit diese für die Fort
bewegung, die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt oder für die Selbst
sorge notwendig sind (Abs. 1).
Anspruch auf die in dieser Liste mit * bezeich
neten Hilfsmittel besteht nur, soweit diese für die Ausübung einer Erwerbstätig
keit oder die Tätigkeit im Aufgabenbereich, für die Schulung, die Ausbildung, die funktionelle Angewöhnung oder für die in der zutreffenden Ziffer des An
hangs ausdrücklich genannte Tätigkeit notwendig sind (
Abs.
2; BGE 122 V 212 E. 2a).
1.
3
V
on der Invalidenversicherung
werden einerseits Treppenlifte im und um den Wohn-, Arbeits-, Ausbildungs- und Schulungsbereich,
leihweise
abgegeben
,
sofern damit die Überwindung des Weges zur Arbeits-, Ausbildungs- oder Schulungsstätte oder die Tätigkeit im Aufgabenbereich ermöglicht wird
(Ziff. 13.05 des Anhanges zur
HVI
)
. Andererseits werden Treppenlifte an
Versi
cherte
abgegeben
, die ohne einen solchen Behelf ihre Wohnstätte nicht verlas
sen können
(
Ziff. 14.05 des Anhanges zur
HVI
)
.
1.
4
Art. 21 IVG beschränkt den Leistungsanspruch ausdrücklich auf Hilfsmittel, die in der entsprechenden Liste enthalten sind. Der Gesetzgeber hat dem Bundesrat damit die Kompetenz übertragen, in der aufzustellenden Liste aus der Vielzahl zweckmässiger Hilfsmittel eine Auswahl zu treffen. Dabei nahm er in Kauf, dass mit einer solchen Aufzählung nicht sämtliche sich stellenden Bedürfnisse ge
deckt werden. Der Bundesrat oder das Departement sind daher durch das Gesetz nicht
verpflichtet, sämtliche Hilfsmittel, derer ein Invalider zur Eingliederung bedarf, in die Hilfsmittelliste aufzunehmen. Vielmehr kann der Verordnungsge
ber eine Auswahl treffen und die Zahl der Hilfsmittel beschränken; dabei steht ihm ein weiter Gestaltungsspielraum zu, da das Gesetz keine weiterführenden Auswahlkriterien enthält. Die Liste der von der Invalidenversicherung abzuge
benden Hilfsmittel ist insofern abschliessend, als sie die in Frage kommenden Hilfsmittelkategorien aufzählt; dagegen ist innerhalb der einzelnen Kategorien jeweils zu prüfen, ob die Aufzählung der einzelnen Hilfsmittel ebenfalls ab
schliessend oder bloss exemplifikatorisch ist (BGE 131 V 107 E. 3.4.3). Lässt sich ein Hilfsmittel keiner der im
HVI
Anhang aufgeführten Kategorien zuord
nen, ist es nicht zulässig, den Anspruch auf Kostenübernahme durch die Invali
denversicherung direkt aus der Zielsetzung des Gesetzes abzuleiten, da damit das dem Bundesrat bzw. dem Departement eingeräumte Auswahlermessen durch dasjenige der Verwaltung und des Gerichts ersetzt würde (BGE 131 V 9 E. 3.4.2).
Liegt die Nichtaufnahme eines bestimmten Behelfs im Einzelfall nicht offensicht
lich ausserhalb des Rahmens der delegierten Kompetenzen und ist auch keine andere Gesetzwidrigkeit gegeben, die auch unter Berücksichtigung des sehr weiten Spielraums des Verordnungsgebers in der Auswahl der Hilfs
mittel und in der Ausgestaltung der Hilfsmittelliste nicht mehr hinzunehmen ist, so darf das Gericht nur dann eine schwerwiegende, durch richterliches Eingrei
fen auszufüllende Lücke der
HVI
annehmen, wenn die Nichtaufnahme der frag
lichen Massnahmen in die Hilfsmittelliste die Bundesverf
assung verletzt (BGE 131 V 9 E.
3.4.3).
2.
2.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Invalidenversicherung
über die zugesprochene
Kosten
gutschrift
von Fr. 400.95
für die
am 17. September 2010
durchgeführte
Reparatur des
einen
Treppenliftes
(Urk. 7/187 S. 2) hinaus die Kosten für die im Zeitpunkt der Gesuchstellung beabsichtigte Sanierung der Anlage
n
beziehungs
weise für allfällige weitere Reparaturen
zu
überneh
men hat.
2.2
D
ie IV-Stelle
lehnt
die Leistungen
mit der Begründung ab
,
infolge Wohnsitzwech
sel des Beschwerdeführers im Jahre 2008 seien die Anspruchs
voraussetzungen für einen Treppenlift am Wohnort der Eltern
seit längerem nicht mehr erfüllt
(Urk. 2)
.
Demgegenüber
stellt sich
der Beschwerdeführer
auf den Standpunkt,
bei gesund
heitlichen Problemen wohne er bei seinen Eltern, um deren Hilfe bean
spruchen zu können
. A
m
25. November 2010
sei
infolge eines Risses am Zugseil
eine
weitere Reparatur und in der Folge
am 7. Dezember 2010
die nötige Revi
sion
veranlasst
worden (Urk. 1, Urk. 3/2-3).
3.
3.1
Es steht fest und ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer
nach Abschluss seiner Ausbildung als Wirtschaftsinformatiker
durch Einzug in eine behinde
rungsgerecht umgebaute Wohnung
im Mai 2008
in
Z._
Wohnsitz
genommen
hat
(vgl. Urk. 7/146
, Urk. 7/149, Urk. 7/153, Urk. 7/162
)
. Beim Elternhaus im
Y._
handelt es sich somit nicht mehr um seine Wohnstätte im Sinne von Ziff. 14.05 des Anhanges zur
HVI
, weshalb ihm unter diesem Titel keine Leis
tungen der Invalidenversicherung
zur Deckung
der Ausgaben für die sich noch dort befindenden, leihweise abgegebenen Treppenlifte zustehen.
Auch dienen die beiden Treppenlifte im Elternhaus nicht zur Überwindung des Weges zur Arbeitsstätte (in
Z._
), womit sich auch aus Ziff. 13.05 des Anhan
ges zur
HVI
keine Leistungspflicht der Invalidenversicherung ableiten lässt.
3.2
Hinsichtlich des Einwands des Beschwerdeführers, dass ihm die beiden Treppen
lifte im Elternhaus überhaupt ermöglichten, seine Eltern zu besuchen (Urk. 1 S. 1), und damit des sinngemäss angerufenen Anspruch
s
auf Achtung des Fa
milienlebens (Art. 13 der Bundesverfassung [BV] und Art. 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention) ist schliesslich festzuhalten, dass rechtsprechungs
gemäss
aus dem Grundrecht auf Achtung des Familienlebens grundsätzlich kein direkter Anspruch auf positive staatliche Leistungen abgeleitet werden
kann
, welche die Ausübung des Familienlebens ermöglichen. Bei der Auslegung sozi
alversicherungsrechtlicher Leistungsnormen sowie bei der Ermessenshandha
bung ist jedoch den Grundrechten und verfassungsmässigen Grundsätzen Rech
nung zu tragen,
soweit dies im Rahmen von Art.
190 BV, wonach Bundesge
setze und Völkerrecht für das Bundesgericht und die anderen rechtsanwenden
den Behörden massgebend sind, möglich ist. Es ist alsdann abzuwägen zwi
schen den grundrechtlich geschützten Positionen des Versicherten und dem Anliegen der Einfachheit und Zweckmässigkeit; auch unter grundrechtlichem Aspekt besteht kein Anspruch auf eine bestmögliche
Eingliederung (BGE 134 I 105 E.
6 mit Hinweisen).
Vorliegend besteht jedoch
weder
Raum für
eine
Normenauslegung
noch für eine
Ermessenshandhabung, zumal der Anspruch auf Leistungen der Invalidenversi
cherung bei der Abgabe von Treppenliften in Art. 21 IVG
,
in Art. 14
IVV
,
in der
HVI
sowie in Ziff. 13.05 und Ziff. 14.05 des Anhanges zur
HVI
abschliessend geregelt wurde.
Zwar erleichtert es die Pflege eines angemessenen Kontaktes
des
Beschwerdeführers
mit den Eltern, wenn
auch
deren Wohnstätte rollstuhlgängig ist. Jedoch
ist die Invalidenversicherung
selbst
im Bereich der Hilfsmittel keine umfassende Versicherung, welche sämtliche durch die Invalidität verursachten Kosten abdecken will.
So sind
die
versicherte Person und ihre Angehörigen
grundsätzlich
gehalten, sich im Rahmen des Zumutbaren in einer Weise einzu
richten, welche den grundrechtlich geschützten persönlichen Kontakt gewähr
leistet, ohne dass zusätzliche Versicherungsleistungen beansprucht werden müssen
(vgl. dazu Bundesgerichtsurteil 8C_315/2008 vom 3. Juni 2009 E. 3.4.3)
.
Dies ist dem in einer behinderungsgerecht umgebauten Wohnung le
benden Beschwerdeführer und seinen Eltern zumutbar, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
4.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr.
6
00.-- festzulegen und
ausgangsgemäss
vo
m Beschwerdeführer
zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
Die
Einzelrichterin
erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
dem
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zu
gestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X._
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.