# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 763d3ed0-8e1c-4840-8722-5e3fb6aa587a
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
,
geboren 19
66
, hat seit
Dezember 2001
Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung
.
Die Zusprechung der Rente durch die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, erfolgte mit Verfügung vom
13. Juni 2003
(
Urk.
7
/
55
). Am
6. Dezember
2004
(Urk. 7/64)
sowie am
8. Oktober
2008
(Urk. 7/74)
bestätigte die IV-Stelle revisionsweise den Anspruch auf eine
ganze
Rente. Im
Oktober 2011
leitete die IV-Stelle erneut eine
Renten
revision
ein (
Urk.
7/
76
ff.). Am 2
7
.
November 2012 teilte sie dem
Versicherten mit, sie
erachte eine
medizinische Abklärung
in den Gebieten Rheumatologie und Psychiatrie als notwendig. Mit der psychiatrischen Begutachtung werde
Dr.
med.
Y._
beauftragt. Der rheumatologische Gutachter werde dem Versicherten durch
Dr.
Y._
bekannt gegeben (Urk. 7/88).
Mit Eingabe vom
3. Dezember 2012
erklärte sich d
er
Versicherte mit der Durchfüh
rung einer fachärztlichen Begutachtung im Grundsatz zwar einverstanden, be
mängelte aber das Vorgehen im Zusammenhang mit deren Anordnung
, das Fehlen der orthopädischen Fachrichtung
sowie die Auswahl
der
Gutachter
(
Urk.
7/89
). Die IV-Stelle hielt mit Verfügung vom 2
9
.
April
201
3
an ihrem Vorgehen
und ihrer Auswahl
fest (Urk.
2).
2.
Gegen die Verfügung vom
29. April 2013
erhob d
er
Versicherte am
30. Mai 2013
Beschwerde
(Urk. 1)
.
Er
beantragte deren Aufhebung und
die Rückweisung an die Beschwerdegegnerin, damit diese eine MEDAS-Begutachtung gemäss Art. 72
bis
Abs.
1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vor
nehme, eventualiter damit diese die Gutachter im Konsens mit de
m
Beschwer
deführer bestimme (Urk. 1 S. 2
Ziff.
1 bis 3).
In Bezug auf das
B
eschwerde
ver
fahren
beantragte
der
Versicherte zusammengefasst, es seien bezüglich der fachlichen und persönlichen Eignung von
Dr.
Z._
weitere
Abklärungen vor
zunehmen und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, darüber Auskunft zu erteilen, welche Bemühungen sie unternommen habe, um einen im
Wohn
kanton
ansässigen Gutachter zu beauftragen und inwiefern sie sich mit den Ge
genvorschlägen des Beschwerdeführers auseinandergesetzt habe (Urk. 1 S. 2
Ziff.
4 und 5).
Die Beschwerdegegnerin beantragte in der Beschwerdeantwort vom
2.
Juli 2013
die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6
). Die
Beschwerdeant
wort
wurde de
m
Versicherten am
22. Juli 2013
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
8
).
Am 2
4.
Oktober 2013 reichte die Beschwerdegegnerin weitere Aktenstücke ein (Urk. 10 und 11/1-2), welche dem Beschwerdeführer am 25. Oktober 2013 zur Kenntnisnahme zugestellt wurden (Urk. 12).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Bei der angefochtenen Verfügung vom
2
9.
April 2013
(
Urk.
2) handelt es sich um eine verfahrensleitende Verfügung, mit welcher die Beschwerdegegnerin an der von ihr angeordneten Begutachtung fest
hielt. Da sie das
Administrativ
ver
fahren
nicht abschliesst, handelt es sich um eine Zwischenverfügung.
Zwi
schenverfügungen
können gemäss Art. 55
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) in Verbindung mit Art. 5
Abs.
2 und Art. 46 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (
VwVG
) bei Bejahung eines nicht wieder gutzumachenden Nachteils (Art. 46
Abs.
1
lit
. a
VwVG
) angefochten werden. Bei der Beurteilung des Merkmals des nicht wieder gutzumachenden Nachteils im Kontext der Gutachtenanordnung fällt gemäss der Rechtsprechung (BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7) ins Gewicht, dass das Sachverständigengutachten im Rechtsmittelverfahren mit Blick auf die fachfremde Materie faktisch nur beschränkt überprüfbar ist. Greifen die Mitwir
kungsrechte erst nachträglich, das heisst bei der Beweiswürdigung im
Verwal
tungs
- und Beschwerdeverfahren, so kann hieraus ein nicht wieder gutzuma
chender Nachteil entstehen, zumal im Anfechtungsstreitverfahren kein An
spruch auf Einholung von
Gerichts
gutachten
besteht.
2.
2.1
Der Versicherungsträger hat gemäss Art. 43
Abs.
1 ATSG die notwendigen Abklä
rungen von Amtes wegen durchzuführen. Soweit ärztliche oder fachliche Untersuchungen für die Beurteilung notwendig sind, hat sich die versicherte Person diesen zu unterziehen (
Abs.
2). Ist zur Abklärung des Sachverhaltes ein Gutachten einer oder eines unabhängigen Sachverständigen nötig, so gibt der Versicherungsträger gemäss Art. 44 ATSG der versicherten Person deren oder dessen Namen bekannt. Diese kann den Gutachter aus triftigen Gründen ableh
nen und kann Gegenvorschläge machen. Bei fehlendem Konsens im Zusam
menhang mit der Einholung der Expertise ist die Anordnung in die Form einer Verfügung zu kleiden (BGE 137 V 210 E. 3.4.2.6).
2.2
Zunächst einzugehen ist auf
den Antrag des Beschwerdeführers, anstelle der von der IV-Stelle angeordneten
bidisziplinären
Begutachtung sei eine
polydis
ziplinäre
MEDAS-Begutachtung gemäss Art. 72
bis
Abs.
1
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
vorzunehmen. Der Beschwerdeführer begrün
dete diesen Antrag damit, dass bei den seit der Jugend bestehenden somatischen Beschwerden an Rücken und Hüften zusätzlich eine orthopädische Untersu
chung erforderlich sei und die Ausbildung eines Orthopäden umfassender sei und länger daure als diejenige eines Rheumatologen (Urk. 1 S. 4). Um dies zu
bekräftigen
, reichte der Beschwerdeführer die entsprechenden
Weiterbildungs
programme
ein
(Urk. 3/3 und 3/4).
2.3
Polydisziplinäre Gutachten, das heisst solche, an denen drei oder mehr
Fachdiszip
linen
beteiligt sind, haben bei einer Gutachterstelle zu erfolgen, mit welcher das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) eine Vereinbarung ge
troffen hat. Gemeint sind die MEDAS im Sinne von Art. 59
Abs.
3
des Bundes
gesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
. Die Vergabe der Aufträge erfolgt gemäss Art. 72
bis
Abs.
2 IVV nach dem Zufallsprinzip (
BGE
139 V 349
E.
2.2)
. Feste Kriterien zur allgemeingültigen Abgrenzung der Anwendungsfelder der verschiedenen Kategorien von Expertisen existieren nicht. Mono- oder
bidiszip
linäre
Gutachten reichen insbesondere dann aus, wenn die medizinische Situa
tion offenkundig ausschliesslich ein oder zwei Fachgebiete beschlägt und weder weitere interdisziplinäre Bezüge notwendig sind noch ein besonderer arbeitsme
dizinischer beziehungsweise eingliederungsbezogener Klärungsbedarf besteht (
BGE 139 V 349
E. 3.2).
2.4
Anlässlich der letzten Begutachtung wurden beim Beschwerdeführer
folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt (rheumatologisch-psychiatrisches Gutachten vom 1
9.
September 2008, Urk. 7/72/29):
chronisches
Lumbovertebralsyndrom
(ICD-10:
M
54
) mit/bei
mehr
-
etagen
-
degenerativen Veränderungen, früher dokumentierter In
stabilität L2/3
Therapieresistenz auf sämtliche konservativen Massnahmen, regel
-
mäs
sige Facetten-Infiltrationen und Radiofrequenzneurolysen mit leichtem vorübergehendem Erfolg
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen Anteilen (ICD-10: F61.0)
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10: F45.4)
.
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurde eine beginnende
Coxarthrose
beidseits linksbetont (ICD-10: M16) genannt (Urk. 7/72/29).
Am 1
4.
Oktober 2011 gab der Beschwerdeführer an, sein Gesundheitszustand habe sich verschlechtert. Beim Gehen hätten die Schmerzen am Rücken, am Hüftgelenk und an den Füssen zugenommen (Urk. 7/76/1).
Das Schmerzzentrum der
A._
gab am
7.
Dezember 2011 an, es lägen ein chronisch
es
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom mit
Fehl
form
und Fehlhaltung
der Wirbelsäule, mit Instabilität L2/3,
Diskopathien
L3/4, L4/5 und L5/S1 bei einem
lumbospondylogenen
Syndrom L4/5 und L5/S1 beidseits sowie eine Depression und ein
Hüftimpingement
beidseits mit begin
nender
Coxarthrose
vor. Die
Coxarthrose
wurde nun ebenfalls als mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit erachtet (Urk. 7/78/6).
Damit erscheint ein Fort
schreiten der
Coxarthrose
als wahrscheinlich, was
eine
erneute E
valuation der gesundheitlichen Situation des Beschwerdeführers
erforderlich macht.
Der Operationsaufklärungs-Vollmacht der
B._
vom
3.
Dezember 2012 sind die Diagnosen eines
Hallux
rigidus
rechts und einer
MTP-I-
Arthrodese
(Versteifung) zu entnehmen.
Dieses Dokument
wurde von
Dr.
med
.
C._
,
Fachärztin
für Orthopädie
und Traumatologie,
unterzeichnet
.
F
ür die
Fussope
ration
sowie die
der Fussoperation vom
1.
Februar 2013
folgende
Nachbetreu
ung
war das Zentrum für Orthopädische Chirurgie der
B._
bezie
hungsweise ebenfalls
Dr.
C._
zuständig
(Urk. 7/90/1
-2
,
Urk. 7/91, Urk. 7/101/
1,
Urk. 7/106/2
).
Auch
in der Ver
g
angenheit
befassten sich
orthopädische Spezialisten mit der Behandlung des Beschwerdeführers. So
berichtete am
8.
Juni 2001
Dr.
med.
D._
, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
und Oberarzt der Orthopädischen
E._
, über die Rückenschmerzen, deren Ursachen und
Behandlungsmöglich
keiten
(Urk. 7/
26
).
Ebenso
wurde der Arztbericht vom 25. November 2002 von Ärzten der Orthopädischen
E._
verfasst (Urk. 7/43).
2.5
Bei dieser gesundheitlichen
Situation des Beschwerdeführers
mit
dem Vorhanden
sein
komplexe
r
somatische
r
Beschwerden
kann nicht davon ausge
gangen werden, dass das Fachgebiet der Orthopädie offenkundig nicht betroffen
sei
.
Vielmehr scheinen die somatischen Beschwerden des Beschwerdeführers
wie beispielsweise die Arthrose
im Schnittbereich von Orthopädie und Rheumatolo
gie zu liegen.
Bei mono- und
bidisziplinären
Gutachten gilt das Zufallsprinzip nicht
(
BGE 139 V 349
E.
5.4
)
. Umso wichtiger
ist die Beachtung der
Verfahrens
garantien
bei mon
o- und
bidisziplinären
Expertis
en, welche nicht als Vehikel zur Umgehung des zufallsbasierten MEDAS-Zuweisungssystems missbraucht werden dürfen
(
BGE 139 V 349
E. 5.4)
. So wird in den Fällen, in welchen das Zufallsprinzip nicht zur Anwendung gelangt, auch die Obliegenheit
der
IV-Stelle und
der versicherten
Person zentral, eine einvernehmliche
Gutachterbe
stellung
anzustreben (
BGE 139 V 349
E. 4.2
, E. 5.2.2.3 und E. 5.4
).
Ist unklar, ob zwei oder drei Disziplinen betroffen sind, sollte
im Zweifel
eine MEDAS-Begut
achtung
durchgeführt werden
,
bei
welche
r
wegen des Zufallsprinzips
ein faire
res Verfahren zur
Anwendung gelangt
.
Entsprechend ist ein polydisziplinäres MEDAS-Gutachten
im Sinne von Art. 72
bis
Abs.
1 IVV
in Auftrag zu geben
,
welches nicht nur eine psychiatrische und eine rheumatologische, sondern auch ein
e
orthopädische
Abklärun
g beinhaltet.
Da somit
als Begutachtungsstelle
nach dem Zufallsprinzip
eine MEDAS zu bestimmen
ist
(
Abs.
2)
, erübrigt sich die Behandlung der Einwände gegen die von der IV-Stelle
ausgewähl
ten Gutachter und gegen die Vorgehensweise bei deren Bestellung.
3.
Ausgangsgemäss hat de
r
Beschwerdeführer gestützt auf
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) Anspruch auf eine
Pro
zessentschädigung
. Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsa
che und der Schwierigkeit des Prozesses auf
Fr.
1‘
700.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen.