# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b3ad35c1-783c-4687-93cc-3a74e925ca39
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1967,
absolvierte eine
Anlehre
als Eisenwarenverkäu
fer und
arbeitete zuletzt vom
25. Februar 2008
bi
s zum 31.
Dezember 2011 als Logistiker bei der
Y._
AG (Urk.
10/9/
5-
8). Am 1
6.
Februar 2012
(Eingangsdatum)
wurde der Versicherte von der Stadt
Z._
, Abteilung Soziales
,
unter Hinweis auf
Schlafstörun
gen
, auf
grund derer er die Stelle verloren habe,
bei der Sozialversicherungsan
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zur Früherfassung gemeldet (
Urk.
10/4).
Die IV-Stelle stellte dem Versicherten das Formular zum Bezug von IV-Leistun
gen zu, das dieser am 2
6.
März 2012 (Eingangsdatum) ausgefüllt retournierte (
Urk. 10/10). Am 23.
April und
am
1
4.
August 2012 fanden bei der IV-Stelle
persönliche Gespräche
mit dem Versicherten
betreffend Unterstützung bei der Stellensuch
e/berufliche Situation
statt (vgl.
Urk.
10/22 und
Urk.
10/33). Mit Mitteilung vom 1
2.
März 2013 gewährte die IV-Stelle
dem Versicherten Bera
tung und Unterstützung bei der Stellensuche (
Urk.
10/32). Im Weiteren holte sie den Bericht von
Dr.
med.
A._
, FMH Neurologie, vom 1
9.
Juli 2013 ein (
Urk.
10/43). Am 1
1.
September 2013 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass die Arbeitsvermittlung
abgeschlossen werde, da es
trotz ihrer Bemühungen und Unterstützung seit dem 2
3.
April 2012 nicht gelungen sei, ihn innert angemessener Zeit in den Ar
beitsmarkt zu integrie
ren (Urk.
10/47). Daraufhin nahm die IV-Stelle den Bericht von
Dr.
med.
B._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 1
7.
September 2013 zu den Akten (
Urk.
10/49). Am 1
1.
März 2014 erteilte sie dem Versi
cherten Kostengutsprache für eine Potenti
alabklärung
vom 1. bis zum 28. April 2014 bei der
C._
A
rbeitsin
tegration
(
nachfolgend:
C._
Arbeitsintegration;
Urk.
10/55
; vgl. auch Schlussbericht Potentialabklärung vom 25. April 2014, Urk. 10/62).
Am 2
0.
Mai 2014 erteilte die IV-Stelle dem Versi
cherten sodann Kostengutsprache für ein Arbeitstraining vom 1
9.
Mai bis
zum
1
7.
August 2014
bei
C._
Arbeitsintegration (
Urk.
10/63; vgl. auch Schlussbericht Arbeitstraining vom 1
5.
August 2014,
Urk.
10/70). Am
2.
September 2014 teilte die IV-Stelle dem Versicherten
wiederum
mit, dass die Arbeitsvermittlung abgeschlossen werde, da es trotz intensiver Bemü
hu
ngen nicht gelungen sei, ihn innert angemessener Zeit in
den Arbeits
markt zu integ
rieren (
Urk.
10/74). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfah
ren
(Vorbescheid vom
4.
November 2014,
Urk.
10/80, und Einwand vom 1
3.
Januar 2015,
Urk.
10/83) sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Ver
fügung vom 1
0.
März 2015 gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 50
%
mit Wirkung ab dem
1.
Januar 2013 eine halbe Rente zu (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 2
3.
März 2015 Beschwerde und bean
tragte, die angefochtene Verfügung sei insofern aufzuheben, als ihm Leis
tungen ver
weigert würden
,
und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen, insbesondere eine ganze Invalidenrente. In prozessualer Hin
sicht ersuchte er
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Bestellung eines unent
geltlichen Rechtsbeistandes (
Urk.
1)
. Die Beschwerde
gegnerin beantragte
mit Beschwerdeantwort vom 1
1.
Mai 2015
die
Abwei
sung der Beschwerde (
Urk.
9).
Mit Beschluss vom
1
7.
Oktober 2016 wurde dem Beschwerdeführer
Frist angesetzt, um zur in Betracht gezogenen Aufhe
bung der
angefochtenen
Verfügung vom
1
0.
März 2015
und
Rückweisung
der Sache an die Beschwerdegegnerin
zur
ergänzenden
medizinischen Abklärung (mögliche
reformatio
in
pei
us
) Stellung zu nehmen
. Gleichzeitig bewilligte das Gericht
dem Beschwerdeführer
die unentgeltliche Prozessfüh
rung und bestellte Rechtsanwalt Thomas Wyss als unentgeltlichen Rechts
vertreter für das vorliegende Verfahren
(Urk. 12
).
Mit Stellungnahme vom 2
3.
Januar 2017 h
ielt der Beschwerdeführer am
beschwerdeweise gestellten
Rechtsbegehren
vollumfänglich fest. Zudem
beantragte
er
, es sei
eventualiter
ein gerichtliches Gutachten anzuordnen,
unter Wahrung seiner
Mitwir
kungsrechte;
s
ubeventualiter
sei beim Rückweisungsentscheid anzuordnen, die zugesprochene hal
be IV-Rente weiter auszurichten;
subsubeventualiter
sei ihm
die Anzahl der vom
angerufenen
Gericht im 2015 angeordne
ten Gutachten bekannt zu geben (
Urk.
16).
Dies wurde der Beschwerdegegnerin am
2
7.
Januar 2017
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
18
).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesge
setzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsge
mäss
ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krankheitswert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesge
richts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbese
hen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensver
gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizini
schen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Validen
einkommen
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreivier
telsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2
IVG
).
1.5
Nach
Art.
43
Abs.
1 ATSG prüft die IV-Stelle die Begehren, nimmt die notwen
digen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte ein (Satz 1). Das Gesetz weist dem Durchführungsorgan die Auf
gabe zu, den rechtserheblichen Sachverhalt so abzuklären, dass gestützt darauf die Verfügung über die in Frage stehende Leistung ergehen kann (
Art.
49 ATSG). Die IV-Stelle hat folglich den anspruchsrelevanten (medizi
nischen und erwerblichen) Sachverhalt mit der erforderlichen Sorgfalt zu untersuchen (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 9C_366/2016 vom 1
1.
August 2016 E. 5.3).
1.6
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Auf
gabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.
7
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medi
zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.
8
Berichten
des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD)
nach Art. 49 Abs. 2
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
kommt ebenfalls Beweis
wert zu, sofern sie den von der Rechtsprechung umschriebenen Anforderun
gen an ein ärztliches Gutachten genü
gen (BGE 137 V 210 E.
1.2.1). Selbst eine Aktenbeurteilung ohne eigene Untersuchung kann beweiskräftig sein, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sach
verhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt. Dies gilt grundsätzlich auch in Bezug auf Berichte und Stellungnahmen der RAD (Urteile des Bundesgerichts 9C_335/2015 vom 1. September 2015 E. 3.1 und 9C_196/2014 vom 18. Juni 2014 E. 5.1.1 mit Hinweisen).
Nach der Rechtsprechung ist es dem Sozialversicherungsgericht nicht ver
wehrt, einzig oder im Wesentlichen gestützt auf die (versicherungsinterne) Beurteilung des RAD zu entscheiden. In solchen Fällen sind an die Beweis
würdigung jedoch strenge Anforderungen in dem Sinne zu stellen, dass bei auch nur geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen sind (BGE 135 V 465 E. 4.4; 122 V 157 E. 1d; Urteile des Bundesgerichts 9C_335/2015 vom 1. September 2015 E. 3.2 und 9C_28/2015 vom 8. Juni 2015 E. 3.3).
1.
9
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt
wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rück
weisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensent
scheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt unge
nügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Be
i
ungenügenden Abklärungen
durch den Versicherungsträger holt
die Be
schwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein
, wenn sie einen (im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Admi
nistrativ
expertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betref
fende Beweiserhebung erfolgt alsdann vor der
–
anschliessend
reformatorisch entscheidenden
–
Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Verwaltung. E
ine Rückweisung an den Versicherungs
träger
bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhe
bung einer bisher vollständig ungeklärten
Frage begründet
ist.
Ausserdem
bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgaran
tien) unbenommen, eine Sache zurück
zuweisen, wenn lediglich eine Klar
stellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE
137 V 210
E.
4.4.1.
4 mit Hin
weisen; Urteil des Bundes
gerichts
8C_815/2012 vom 21.
Oktober 2013 E.
3.4
,
publi
ziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S.
3)
.
2.
2.1
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invali
denrente.
2.2
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefo
chtene Verfügung damit, dass der Beschwerdeführer seit dem
1.
Januar 2012
(Beginn der einjährigen War
tezeit)
erheblich in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei. Nach Ablauf des Wartejahres sei ihm die angestammte Tätigkeit als Lagermitarbeiter, die einer
behinderungs
angepassten Tätigkeit entspreche, noch in einem 50%-Pensum zumutbar. Der vorzunehm
ende Einkommensvergleich ergebe
einen Invalidi
tätsgrad von 50
%
. Ein
sogenannter
Leidensabzug sei nicht zu berücksichti
gen. Ab dem
1.
Januar 2013 bestehe daher ein Anspruch des Beschwerde
führers auf eine halbe Rente der Invalidenversicherung (
Urk.
3)
.
2.3
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber geltend, dass aufgrund der vor
handenen Berichte der behandelnden Ärzte
und der Berufsberater gewichtige Indizien
vor
lä
gen, welche die Einschätzung des
RAD, wonach er in der angestammten Tätigkeit als Lagermitarbeiter noch zu 50
%
arbeitsfähig sei, als falsch erscheinen lassen würden. Er leide unter erheblichen kognitiven Einschränkungen mit abnehmenden kompensatorischen Mechanismen und einem vorzeitigen (hirnorganischen) Alterungsprozess. A
ngesichts
der ein
deutigen medizinischen Befunde, deren Auswirkungen von
berufsberateri
scher
Seite gestützt würden, bestehe lediglich noch eine
verwertbare Arbeitsfähigkeit in
geschütztem Rahmen. Er habe daher Anspruch auf eine ganze Rente.
Sollte jedoch
auf die Einschätzung des RAD abgestellt werden, so sei ihm
im Rahmen des Einkommensvergleichs ein
leidensbedingter Abzug zu gewähren (
Urk.
1).
3.
3.1
Dr.
med.
D._
, FMH für Neurologie, welcher den Beschwerdeführer auf Zuweisung des Hausarztes,
Dr.
med.
E._
, FMH Innere Medizin, am 1
8.
Januar 2012 konsiliarisch untersuchte, hielt im betreffenden Bericht vom 2
4.
Januar 2012 fest, dass in Bezug auf die bekannte Epilepsie anamnestisch keine Hinweise für epilepsieverdächtige Phänomene bestünden. Die Medika
tion werde weiterhin gut vertragen, wobei die geschilderte Tagesmüdig
keit/Schläfrigkeit zum Teil wahrscheinlich auch medikamentös mitbedingt sei. Die beschriebenen Einschlaf- und Durchschlafstörungen (in Form einer langen Latenz vor dem Einschlafen nach de
m zu Bett gehen und wiederhol
tem
Aufwachen resp. frühem Aufwachen) seien am ehesten als Ausdruck einer konstitutionellen/psychophysiologischen Ein- und Durchschlaf
-
insomnie zu betrachten. Eine psychiatrische Komponente bei bekannter, langjähriger Epilepsie und den bereits bekannten Persönlichkeits
-
veränderungen sei jedoch aufgrund der Vorgeschichte wohl möglich (
Urk.
10/3/6).
3.2
Dr.
B._
gab in seinem „Ärztlichen Zeugnis zuhanden der Arbeitslosen
kasse“ vom 3
0.
Januar 2012 an, es habe sich im Dezember 2011 ergeben, dass der Beschwerdeführer unter einer Schilddrüsenunterfunktion gelitten habe resp. leide. Diese Hormonstörung habe zu einem krankhaften Energie
mangel geführt, was einen wesentlichen Grund für die Schlafstörung und
das Zuspätkommen darstelle. Es sei davon auszugehen, dass dank angemessener Therapie in einiger Zeit wiederum eine normale berufliche Leistungsfähigkeit und eine normale Zuverlässigkeit erreicht werden könne
(
Urk.
10/3/4
).
3.3
Dr.
med.
F._
, FMH Neurologie, erklärte im Bericht vom 1
2.
April 2012 zuhanden des Sozialamtes
G._
, dass sie im Rahmen der – auf dessen Zuweisung hin - am 2
6.
März 2012 durchgeführten
verhaltensneuro
logischen Untersuchung des Beschwerdeführers e
ingeschränkte sprachliche Fähigkeiten und
ein
erheblich vermindertes Allgemeinwissen,
eine markante,
modalitätsunabhängige Lern- und Gedäch
tnisschwäche,
eine
visuo
-kon
struktive
Dyspraxie
,
ein
erheblich eingeschränktes konzeptuelles Denken und Umstellen mit ausgeprägter Perseverationstendenz in der sprachlichen Modalität,
eine
aufgehobene
visu
o
-verbale Interferenzkontrolle sowie
eine
praktisch aufgehobene Abstraktionsfähigkeit und Einschränkung der Auf
merksamkeit und Konzentration
festgestellt habe
. Die P
hänomenologie dieser Befunde sei
auch unter Berücksichtigung der Anamnese (Epilepsie seit dem Kindesalter, schulische Schwächen) überwiegend vorbestehenden, frühkind
lich erworbenen kognitiven Leistungsschwächen als Folgen einer frühkindli
chen zerebralen Entwicklungsstörung unklarer Ätiologie zuzuordnen. Das Ausmass der heute darges
tellten kognitiven Befunde lasse
zudem auf abnehmende kompensatorische Mechanismen und einen vorzeitige
n
Alte
rungsprozess schliessen. Die beschriebene
Hypersomnie
, die
in der Vergan
genheit
zu
Personenwagen-
Selbstunfällen
und auch zum Verl
ust d
er letzten Arbeit
sstelle geführt habe
,
sei
wahrscheinlich multifaktoriell bedingt (
psycho-affektive, medikamentöse und
endokrine Faktoren).
Aufgrund der Schwere der kognitiven Einschränkungen
sei der Beschwerdeführer
auf dem freien Arbeitsmarkt nur vermindert vermittelbar. Eine berufliche Reintegra
tion sollte im gesc
hützten Rahmen erfolgen, wo er keine
n
Arbeite
n unter Zeitdruck ausgesetzt sei
und auch nicht an gefäh
rlichen Maschinen arbeiten m
üsse (
Urk.
10/17/1-2).
3.
4
Die Ärzte der
Klinik für Neurologie,
Abteilung für
Epileptologie
und Schlafme
dizin
,
des
H._
stellten im an
Dr.
A._
gerichteten Bericht vom 1
1.
Dezember 2012 folgende Diagnosen (
Urk.
10/30/1):
(1)
eine erhöhte Einschlafneigung mit/bei
Differentialdiagnose (DD) im Rahmen eines
behaviorally
induced
insufficient
sleep
syndrome
, DD
delayed
-
sleep
-phase
syndrome
, DD im
Rahmen einer Durchschlafinsomnie
(2)
kognitive Defizite
a.e
.
bei frühkindlicher Entwicklungsstörung
(3)
eine Epilepsie seit
der
Kindheit
(4)
eine chronische venöse Insuffizienz (Stadium
I-II nach Widmer)
Die Ärzte des
H._
erklärten,
dass die nächtliche
Polysomnographie
eine durch einige Wachphasen bedingte auffällige Schlafarchitektur dokumentiert habe, welche im Zusammenhang mit dem respiratorischen Infekt stehen dürfte, unter dem der Beschwerdeführer während der Ableitung gelitten habe. Somatische Ursache
n für die erhöhte Tagesschläfrigkeit
hätten sich nicht eruieren lassen.
Der Multi
ple
Sleep
Latency
Test habe mit einer durch
schnittlichen Einschlaflatenz von 4,8 min. eine mittelschwer erhöhte Ein
schlafneigung (normal > 10 Minuten)
ergeben
, was für einen unspezifisch erhöhten Schlafdruck spreche. Die
Aktimetrie
habe eine ausgeprägte Varia
bilität der nächtlichen Bettruhezeiten erfasst. Zum Grossteil sei die Bettruhe
zeit unterdurchschnittlich gewesen mit am Wochenende kompe
nsatorisch verlängerten Bett
zeiten. Der Aufbau eines Schlafmankos mit konsekutiver Tagesmüdigkeit sei hierdurch möglich. Die Aktivitä
tsvermehrung in den Nächten könnte
am ehesten im Rahmen der ungenügenden Schl
a
fhygiene erklärt werden.
Differentialdiagnostisch komme auch ein motorisches Korre
la
t einer Insomnie in Frage (Urk.
10/30/2).
3.
5
Dr.
A._
gab
im Bericht vom 1
9.
Juli 2013
an, dass
der Beschwerdeführer
wegen der verhaltensneurologischen und der n
europsychologischen
Auffäl
ligkeiten
und Defizite
schwer vermittelbar
sei. D
essen Langsamkeit und
feh
lerbehaftete
Leis
tung würden sich auf die Arbeit
auswirken. Eine Verbesse
rung könne eventuell durch eine vorübe
rgehende Arbeitsstelle in einer geschützten Werkstätte
erreicht werden. Wann und in welchem Umfang mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit gerechnet werden könne, sei vo
rderhand ungewiss (
Urk.
10/43/
4).
3.
6
Dr.
B._
erklärte im Bericht vom 1
7.
September 2013, dass er den Beschwer
deführer seit dem 2
1.
April 1997 kenne und eine erste Behand
lungsphase bis zum 2
6.
Februar 2001 erfolgt sei. Nach einer Pause habe sich der Beschwerdeführer erneut gemeldet, und am
7.
Dezember 2007
habe
die aktuelle Behandlungsphase begonnen. Die psychiatrische Therapie erfolge
seit Beginn am 2
1.
April
1997 unter der Diagnose eines Intelligenzmangels (ICD-10 F70) mit entsprechenden Verhaltens- und Anpassungsstörungen, vor dem Hintergrund einer frühkindlichen zerebralen Entwicklungsstörung unklarer Ätiologie.
Im Verlauf
seit 1997
sei festzustellen, dass die kognitiven Fähigkeiten (insbesondere Abstraktion, Handlungsplanung, sogenannte
„Krankheitseinsicht“) wie auch die Verhaltens- und Impulskontrolle deutlich abgenommen hätten. Dies werde nicht nur in der kontinuierlich sinkenden Arbeitsleistung und –
fähigkeit
sichtbar, sondern auch in der abnehmenden Fähigkeit zur Selbstorganisation und Selbstbesorgung, was schliesslich den Einbezug einer psychiatrischen Spitex erforderlich gemacht habe. Insgesamt gehe er von einem vorzeitigen hirnorganischen Alterungs
prozess
aus, der dazu geführt habe, dass die Arbeitsfähigkeit inzwischen soweit eingeschränkt sei, dass sie nicht mehr auf dem freien Arbeitsmarkt verwertbar sei. Der Zeit
punkt, an dem die Arbeitsfähigkeit in der Tätigkeit als Lagerist auf weniger als 30
%
abgefallen sei, könne nicht genau angegeben werden. Aus prakti
schen Gründen nehme er hier an, dass seit dem letzten Stellenverlust, also ab dem
1.
Januar 2012, eine Arbeitsfähigkeit von weniger als 30
%
bestehe (Urk. 10/49/1-4).
3.7
Die Ärzte der Abteilung für
Epileptologie
und Schlafmedizin des
H._
hielten im Bericht an
Dr.
A._
vom 2
9.
Oktober 2013 – bei gleichen Diagnosen wie im Bericht vo
m 1
1.
Dezember 2012 (vgl. E. 3.4
)
-
fest, dass es unter leicht gebesserter Schlafhygiene zu einer Verbesserung im Maintenance
of
Weakfulness
Test
gekommen sei. Da jedoch in zwei von vier
Test
s
die ver
kehrsmedizinisch relevante Einschlaflatenz von 20 Minuten unterschritten worden sei, sei die Fahreignung aus schlafmedizinischer Sicht weiterhin nicht gegeben. Die durchgeführte
Aktigraphie
zeige weiterhin ein nur teil
weises Umsetzen der besprochenen schlafhygienischen Massnahmen, unter anderem mit verkürzter Bettruhe von ca. vi
er Stunden vor dem Schlaflabor
.
Dem Beschwerdeführer werde empfohlen, sich tendenziell eine Beschäftigung zu suchen, welche eher einen Arbeitsbeginn ab dem Nachmittag ermögliche und keine Fahrtauglichkeit erfordere (
Urk.
10/51/1-2).
3.8
Im Bericht an
Dr.
A._
vom 1
0.
Juli 2014 führten die Ärzte der Abteilung für
Epileptologie
und Schlafmedizin – ebenfalls bei gleichen Diagnosen wie im genannten Bericht an
Dr.
A._
v
om 2
9.
Oktober 2013 (vgl. E. 3.4
) – an, es zeige sich keine Verbesserung der Testergebnisse im Vergleich zur Vor
untersuchung mit verbesserter Schlafhygiene. Die Fahreignung sei aus schlafmedizinischer Sicht weiterhin nicht gegeben. Die durchgeführte
Akti
graphie
zeige das motorische Korrelat einer insuffizienten Schlafhygiene, mit zum Teil verkürzten Nachtruhezeiten, die im Si
nne eines Schlafmankos (
insuffic
ient
sleep
syndrom
e
) die erhöhte Einschlafneigung gut erkläre. In der
Polysomnigraphie
habe sich zudem ein Normalbefund ergeben, ohne Hin
weise auf eine Ätiologie der Tagesschläfrigkeit. Aus schlafmedizinischer
Sicht benötige der Beschwerdeführer somit eine Beschäftigung, welche keine Fahrtauglichkeit erfordere (
Urk.
10/69).
3.
9
Die Case Managerin von
C._
Arbeitsintegration führte im Schlussbericht Arbeitstraining vom 1
5.
August 2014 aus,
dass der Beschwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit heute zu 50
%
arbeitsfähig sei. Aufgrund des frühestmöglichen Arbeitsbeginns um 11.00 Uhr und der Schwierigkeit, in Winterzeiten länger als bis 17.00 Uhr zu arbeite
n, scheine eine 100%ige Arbeitstätigkeit
, auch bei einer angemessenen Tätigkeit, nicht möglich. Ursächlich hierfür seien Defizite im situationsgerechten Verhalten, wie sie im Bericht der Potentialabklärung differenzierter beschrieben worden seien. Als weiterer Faktor spiele in dieser Berechnung auch die vermutete Arbeitsleis
tung (von 80
%
in einer angepassten Tätigkeit) eine Rolle. Als ersten Schritt würden sie empfehlen, den Beschwerdeführer an einem geschützten Arbeits
platz zu beschäftigen und eine entsprechende Rentenprüfung vorzunehmen. Die grundlegende Frage, ob
er
seine Leistungsfähigkeit in eine auf ihn zugeschnittene Stelle auf dem ersten Arbeitsmarkt übertragen könnte, habe im Rahmen dieses Arbeitstrainings nicht abschliessend geklärt werden kön
nen. Dies, da dieses Training ausschliesslich im zweiten Arbeitsmarkt statt
gefunden habe (
Urk.
10/70/5).
3.
10
RAD-Arzt m
ed.
pract
.
I._
, FMH Neurologie, erklärte in der Stel
lungnahme vom
3.
November 2014,
es habe sich anhand der Potentialab
klärung und des Arbeitstrainings gezeigt, dass bestimmte Einschränkungen in der beruflichen Leistungsfähigkeit
des Beschwerdeführers
objektivierbar seien.
Aufgrund
der Schlafstörung (die durch
eine Verhaltensänderung allein
nicht
erkennbar
gebessert werden könne)
sei
ein Arbeitsbeginn vor 11 Uhr derzeit nicht mö
glich. Die Arbeitsfähigkeit sei
aber gegeben fü
r mindestens ein Halbt
agspensum mit konstant hoher Belastbarkeit. Hinweise für eine erhöht
e Einschlafneigung am Tag hätten
sich nicht
gefunden
. Die Diagnose e
iner exzessiven
Hypersomnie
könne de facto nicht
auf
recht
erhalten werden.
Im Weiteren
könne der Beschwerdeführer a
ufgrund kognitiver Defizite, die als
ein
seit Kindheit bestehender Intelligenzmangel mit vorzeitigem k
ogniti
vem Abbau beurteilt würden,
keine komplexe
n
Aufgaben erledigen und benötige
für neue Aufgabe
n
gegebenenfalls
eine längere Einarbeitung. Das Leistungsniveau für einfache, re
petitive Aufgaben sei sehr gut und könne dauerhaft aufrecht
erha
lten werden. Der Arbeitsstil sei
gesamthaft verlang
samt, aber ausreichend für eine an
gepasste Tätigkeit auf dem ersten
Arbeitsmarkt
.
Es sei
von einer
Arbeitsfähigkeit
von
50
%
ausgegangen wor
den,
was
vor dem Hintergrund des Ressourcenprofils sowie der
Disabilities
plausibel
erscheine. Medizin-theoretisch bestehe
die
Arbeits
fähigkeit in die
sem Umfang
seit Jahren. Dies betreffe
auch die frühere Tätigkeit als Lagerist, in der die geringere L
eistung offenbar toleriert worden sei
bzw. keine erheb
lichen Auswirkungen gezeigt habe
. Die
Hypersomnie
könne
medikamentös (VPA, LTG) bedingt sein. Di
e Dosierung von
Lamotrigin
sei bereits
erkennba
r
angepasst
worden
(
von
300 mg auf 25 mg). Die Medika
mente gegen die Epilepsie würden
benötigt und könn
t
en nicht abgesetzt werden. Ob eine Umstellung der Medikamente zu
einer geringeren Müdigkeit führe, sei
unge
wiss.
Nach dem Stellenverlust könne
eine vorübergehende Anpassungsstö
rung mit depressiver Reaktion zum Morgentief
beigetragen haben. Eine
erhebliche affektive Störung sei
jedoch nicht aktenkundig (
Urk.
10/78/8).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützt ihre Auffassung, wonach der Beschwerdefüh
rer seit dem
1.
Januar 2012 in der bisherigen Tätigkeit als Lagerist und in (andere
n) angepassten Tätigkeiten zu 5
0
%
arbeitsfähig sei, auf die Aktenbe
urteilung von RAD-Arzt
I._
vom
3.
November 2014 (
Urk.
10/78/8).
Der Beschwerdeführer brachte dagegen insbesondere vor, dass die Beurtei
lung von RAD-Arzt
I._
sowohl den Einschätzungen der behandelnden Ärzte und Ärztinnen, als auch derjenigen im Schlussbericht der
C._
Arbeitsintegration vom 1
5.
August 2014 widerspreche (
Urk.
1 S. 5).
4.2
Aufgrund der Angaben in den Vorberichten (vgl. E. 3) steht fest und ist unbe
stritten, dass der Beschwerdeführer seit Jahren insbesondere unter kog
nitiven Defiziten und Schlafstörungen leidet. Gemäss Aktenlage war er trotz dieser Störungen bis Ende 2011 im ersten Arbeitsmarkt erwerbstätig (vgl. Lebenslauf, Urk. 10/9/7; vgl. Auszug aus dem Individuellen Konto vom 1
6.
August 2012,
Urk.
10/27). Zuletzt war er vollzeitlich bei der
Y._
AG angestellt, wobei er dort 2009 und 2010 ein vergleichsweise hohes Ein
kommen erzielte (Urk. 10/27). Gemäss den Angaben von
Dr.
B._
sowie des Beschwerdeführers selbst wurde ihm diese Stelle gekündigt, weil er wegen der Schlafstörungen und daraus resultierender vermehrter Tagesmü
digkeit, besonders am Morgen, (dauernd) zu spät zur Arbeit erschien (
Urk.
10/17/1 und
Urk.
10/3/4). Dr.
A._
nannte als Gründe für den Job
verlust ausserdem eine mangelnde Flexibilität und Anpassungsfähigkeit sowie eine Apraxie bei komplexeren Aufgaben (Urk. 10/43/3).
Einen Arbeitgeberbericht der
Y._
AG hat die Beschwerdegegnerin nicht beigezogen. Dies wäre aber erforderlich (vgl. E. 4.5).
4.3
4.3.1
Bezüglich der kognitiven Defizite ist aus
invalidenversicherungsrechtlicher Sicht entscheidend, ob die
se
nachvollziehbar und überzeugend durch ein medizinisch-diagnostisch fassbares Leiden mit Krankheitswert erklärbar sind, das mit Blick auf Schweregrad, Dauer und Intensität zugleich als eine die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigende Krankheit im gesetzlichen Sinne gelten kann
(vgl. Urteil des Bundesgerichtes 9C_231/2016 vom
1.
Juni 2016
E.
2.2.2).
Sind kognitive Defizite
gesundheitlich
bedingt,
besagt
dies
allein noch nicht, dass auch das Leistungsvermögen im erwerblichen Bereich in invali
denversicherungsrechtlich releva
ntem
Ausmass
beeinträchtigt ist
.
Vielmehr stellt sich
zusätzlich die Frage, inwiefern sich
die kognitiven Defizite
konkret auf die
zumutbarerweise
mögli
che Leistungserbringung auswirken (Urteil des Bundesgerichts 8C_741/2013 vom 16. März 2015 E. 3.2.1)
.
4.3.2
In den Vorberichten wurden eine frühkindlich zerebrale Entwicklungsstörung unklarer Ätiologie, ein Intelligenzmangel (ICD-10 F70) sowie ein vorzeitiger hirnorganisc
her Alterungsprozess beschrieben. Untersuchungsergebnisse, welche eine invalidenversicherungsrechtlich relevante Intelligenzschwäche (vgl. dazu
Urteile des Bundesgerichtes
8C_108/2014 vom 24. September 2014 E. 2 und
8C_741/2013 vom 1
6.
März 2015 E. 3.2.1, je mit Hinweisen
, wonach
eine auf geringe Intelligenz zurückzuführende Erwerbsunfähigkeit in der Regel erst als gesundheitlich verursacht gilt, wenn die Intelligenz im medizinischen Sinne vermindert ist, der IQ mithin weniger als 70 beträgt
)
und/oder einen vorzeitigen hirnorganischen Alterungsprozess belegen wür
den, liegen allerdings nicht vor.
4.3.3
Dr.
F._
und
Dr.
A._
haben sich nur zur (nicht medizinischen) Frage der Vermittelbarkeit, nicht jedoch zur (medizinischen) Frage der trotz der kognitiven Defizite noch zumutbaren Tätigkeiten und Arbeitsleistungen geäussert (vgl. E. 3.3 und E. 3.5).
Dr.
B._
hielt in seinem Bericht vom 1
7.
September 2013 fest, aufgrund der kognitiven Defizite bestehe seit dem
1.
Januar 2012 eine Arbeitsfähigkeit von unter 30 % (vgl. E. 3.6). Auf diese Einschätzung kann nach dem Gesag
ten (vgl. E. 4.3.1) aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht nicht ohne weiteres abgestellt werden. Hinzu kommt, dass erfahrungsgemäss behan
delnde Ärzte im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in
Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5; BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Dass
Dr.
B._
geneigt ist, seine Aussagen in eine für den Beschwerdeführer günstige Richtung zu len
ken, kommt aber im von ihm zuhanden der Arbeitslosenkasse ausgestellten ärztlichen Zeugnis vom 3
0.
Januar 2012 deutlich zum Ausdruck (vgl. E. 3.2).
Die Frage der trotz der kognitiven Defizite noch zumutbaren Tätigkeiten und Arbeitsleistungen (Beschäftigungsumfang und Belastungsprofil) wurde dem
nach in den Vorberichten nicht resp. nicht schlüssig beantwortet. Sodann liegen keine fachärztlichen Angaben zum Verlauf bis zum Erlass der ange
fochtenen Verfügung (März 2015) vor.
4.4
Bezüglich der Schlafstörungen wurde von den Ärzten der Klinik für Neurolo
gie des
H._
das Vorliegen einer (aufgrund der aktenkundigen Anamnese möglich erscheinenden) somatischen Ursache verneint (vgl. E. 3.4, E. 3.7 und E. 3.8). Eine fachärztlich-psychiatrische Stellungnahme zur sich unter diesen Umständen stellenden Frage, ob die Schlafstörungen durch ein psychisches Leiden mit Krankheitswert erklärbar sind (vgl. E. 3.1 und E. 3.3), liegt nicht vor. Dies wäre zur Beurteilung der invalidisierenden Wirkung der Schlafstö
rungen aber erforderlich.
4.5
Die Voraussetzungen für eine versicherungsinterne
Aktenbeurteilung als mass
gebliche Entscheidungsgrundlage sind daher nicht erfüllt. Ein
lückenlo
ser Befund
liegt nicht vor, und es geht auch nicht
nur um die Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhaltes
(vgl. E. 1.8). Viel
mehr hat die Beschwerdegegnerin nach dem Gesagten für die Leistungsprü
fung wesentliche medizinische Fragen gar nicht abgeklärt (vgl. E. 4.3 und
E.
4.4). In erster Linie fehlt es an einer umfassenden fachärztlichen Abklärung des psychischen Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers (vgl. 4.4). Zudem liegen keine schlüssigen (und die Ursachen der kognitiven Defizite dokumentierenden) fachärztlichen Angaben zum trotz der kognitiven Defizite bestehenden Leistungsvermögen des Beschwerdeführers (zumutbarer Beschäftigungsumfang sowie zumutbares Belastungsprofil) vor (vgl. E. 4.3). Schliesslich fehlt es generell an hinreichend aktuellen Verlaufsbeurteilungen der behandelnden Ärzte und Ärztinnen.
Auch der erwerbliche Sachverhalt wurde von der Beschwerdegegnerin unvoll
ständig ermittelt. Insbesondere fehlt es an Auskünften der
Y._
AG zur – sich im Rahmen der Invaliditätsbemessung stellenden - Frage, ob der von ihr gemäss Aktenlage (
Urk.
10/27) ausgerichtete Lohn der Arbeits
leistung des Beschwerdeführers entsprach.
4.6
Anzumerken bleibt, dass – entgegen der vom Beschwerdeführer offenbar ver
tretenen Auffassung - aus dem Schlussbericht
der
C._
Arbeitsintegr
ation vom 15. August 2014 (Urk.
10/70)
nicht darauf geschlossen werden kann, dass er ausschliesslich im zweiten Arbeitsmarkt arbeitsfähig ist. Die berich
tende Case Managerin wies in diesem Bericht nämlich darauf hin, dass sich als
zentraler hemmender Faktor nach wie vor (vgl. Schlussbericht der Arbeitsintegration
C._
vom 2
5.
April 2014 betreffend die vom
1.
bis 2
8.
April 2014 durchgeführte Po
tentialabklärung ([
Urk.
10/62])
das situati
onsgerechte Verhalten des B
eschwerdeführers bestimmen lasse
. Dies zeige sich im weiterhin verschobenen Tag-Nachtrhythmus. Inwieweit dafür ursächlich die vorhandenen kognitiven Einschränkungen oder die psychoso
zialen Defizite des Beschwerdeführers benannt werden könnten, müsse von ärztlichen Fachpersonen dargelegt werden. Aktuell sei der
frühest
mögliche Ar
beitsbeginn 11 Uhr (Urk. 10/70/4
). Deme
ntsprechend begründete die Case
Managerin ihre Einschätzung, wonach heute in angepasster Tätigkeit nur eine 50%ige Arbeitsfähigkeit bestehe, mit dem
frühest
möglichen Arbeitsbe
ginn um 11 Uhr und der Schwierigkeit, in Winterzeiten länger als bis 17 Uhr zu arbeiten, und brachte den Vorbehalt an, dass von ärztlicher Seite geklärt werden müsse, ob hierfür kognitive oder psychosoziale Defi
zite verantwort
lich seien (Urk.
10/70/5).
Wohl fand das Arbeitstraining ausschliesslich im zweiten Arbe
itsmarkt statt und hat die Case
Managerin empfohlen, den Beschwerdeführer an einem geschützten Arbeitsplatz zu beschäftigen (Urk. 10/70/5). Sie hat aber ausdrücklich darauf hingewiesen, dass für den Beschwerdeführer allenfalls auch ein auf ihn zugeschnittener Nischenarbeits
platz im ersten Arbeitsmarkt in Frage käme (
Urk.
10/70/4).
Abgesehen davon, dass nach der
Rechtsprechung die Frage nach den noch zumutbaren Tätigkeiten und Arbeitsleistungen nach Massgabe der objektiv feststellbaren Gesundheitsschädigung in erster Linie durch die Ärzte und nicht durch die Eingliederungsfachleute auf der Grundlage der von ihnen erhobenen, subjektiven Arbeitsleistung zu beantworten
ist
(Urteile des Bun
desgerichts 9C_396/2014 vom 15. April 2015 E. 5.4 und 9C_401/2014 vom 26. November 2014 E. 4.3.3; je mit Hinweis)
, wurde demnach im Schlussbe
richt der Arbeitsintegration
C._
vom 1
5.
August 2014 zur Vermittelbarkeit des Beschwerdeführers im ersten Arbeitsmarkt gar nicht abschliessend Stel
lung genommen.
5.
5.1
In der unvollständigen Abklärung des rechtserheblichen (medizinischen und erwerblichen) Sachverhaltes ist eine Verletzung des Untersuchungsgrundsat
zes (vgl. E. 1.5) zu erblicken.
Soweit sich der Beschwerdeführer in der Stel
lungnahme vom 2
3.
Januar 2017 (
Urk.
16) auf den Standpunkt stellt, das Gericht habe selbst ein Gutachten anzuordnen, kann ihm angesichts der auf
gezeigten Lücken im rechtserheblichen Sachverhalt
(vgl. E. 4.2-5) nicht gefolgt werden
.
5.2
Der Auffassung des Beschwerdeführers, wonach im Fall einer Rückweisung die zugesprochene halbe Rente
(
weiter
)
auszurichten sei (
Urk.
16), kann ebenfalls nicht gefolgt werden. Ein Anspruch auf eine halbe Rente erscheint nach dem Gesagten nicht ausgewiesen. Vielmehr sind Bestehen und Umfang des Anspruchs weiterhin offen (vgl. BGE 137 V 314 E. 3.2.3 und E. 3.2.4).
6.
Die angefochtene Verfügung ist daher aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie den Sachverhalt im Sinne der Erwägungen (vgl. E. 4.5 mit weiteren Verweisen) ergänze und allenfalls erforderlich erscheinende zusätzliche Abklärungen vornehme. Im Rahmen der von der Beschwerdegegnerin
zu
veranlassenden psychiatrischen Abklärung wird je nach Diagnosestellung allenfalls die Rech
tsprechung
des Bundesge
richtes zu den somato
formen Schmerzstörungen und verg
leichbaren psy
chosomatischen Leiden gemäss BGE 141 V 281 zu berücksichtigen sein (vgl. BGE 137 V 64 zur
nichtorganischen Hypersomie). Danach hat die Beschwer
degegnerin
über den Anspruch des Beschwerdeführers neu
zu
verfüge
n
.
In diesem Sinne ist die Beschwerde
gutzuheissen
.
7
.
7
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwer
t festzule
gen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 7
00.-- anzusetzen.
Ausgangsgemäss
sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7
.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Ver
waltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges
Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Diese ist gestützt auf Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 und 3
GSVGer
unter Berücksich
tigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
zu bemessen
.
Der von Rechtsanwalt Thomas Wyss mit
Honorarnote vom 2
3.
Januar 2017
(
Urk.
17)
geltend gemachte Aufwand von
17 Stunden und 10
Minuten
ist
der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
allerdings
nicht angemessen.
Zunächst ist die Notwendigkeit des Aufwandes im Zusammenhang mit den Schreiben an
die
bzw. von der
Sozialhilfebehörde
in der Höhe von
mutmasslich
30 Minuten
(Positionen vom 2
3.
und 2
6.
März 2015)
für den vorliegenden Prozess nicht ausgewiesen, weshalb d
ieser nicht zu entschädigen ist.
Im Weiteren erscheint der
Aufwand
für das Aktenstu
dium
und die
Arbeiten an
Beschwerdeschrift/
K
urzbrief an Klient von total 8 Stunden 10 Minuten
(Positionen vom
12.,
2
0.
und 2
3.
März 2015)
mit Blick auf ähnlich gelagerte Fälle als zu hoch.
Diesbezüglich
ist
ein
Au
fwand vo
n 7
Stunden angemessen.
Dasselbe gilt auch für den Aufwand im Zusammen
hang mit dem
Aktenstudium zu Beschluss
SVG ZH
/
Brief an Klient
und
der
betreffenden Stellungnahme
/Kurzbrief an Klient
von total 3
Stunden (Positi
onen vom 2
6.
Oktober 2016 und 2
3.
Januar 2017).
Hier
erscheint ein Auf
wand von 2 Stunden angemessen.
Schl
iesslich
ist für das Studium Urteil
/Besprechung mit Klient
(Position vom 2
4.
Januar 2017)
lediglich
1
Stunde zu berücksichtigen. Der für das
Be
schwerdeverfahren notwendige Aufwand
ist somit auf
insgesamt
14 Stunden
zu kürzen
. Beim gerichtsübli
chen Stundenansatz von
Fr.
22
0.
-- sowie der ermessensweise festgesetzten Barauslagen (
Fr.
80.--) resultiert
demnach
eine Prozessentschädigung von 3‘412.80 (inkl. Barauslagen und
MWSt
).