# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f98fd40d-71f2-5710-84b2-b1090afa8506
**Court:** ZH_BRK
**Chamber:** ZH_BRK_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
A.
Mit Beschluss vom 1. April 2015 stellte der Stadtrat von Zürich das Gebäu-
de Assek.-Nr. 27200804 auf dem Grundstück Kat.-Nr. OE4476 an der
Franklinstrasse 9 in Zürich-Oerlikon (Kino Sternen) unter Denkmalschutz.
B.
Hiergegen gelangte die X. AG mit Eingabe vom 11. Mai 2015 an das Bau-
rekursgericht des Kantons Zürich und beantrage die Aufhebung des ange-
fochtenen Beschlusses unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten
der Vorinstanz.
C.
Mit Verfügung vom 13. Mai 2015 wurde vom Eingang des Rekurses Vor-
merk genommen und das Vernehmlassungsverfahren eröffnet.
D.
Mit Eingabe vom 10. Juli 2015 erstattete die Vorinstanz ihre Vernehmlas-
sung mit dem Antrag, der Rekurs sei unter Kosten- und Entschädigungsfol-
gen zu Lasten der Rekurrentin abzuweisen.
E.
Der zweite Schriftenwechsel wurde mit der vorinstanzlichen Duplik vom
24. August 2015 abgeschlossen, alles unter Aufrechterhaltung der gestell-
ten Anträge.
F.
Am 1. September 2015 führte die 1. Abteilung des Baurekursgerichts im
Beisein der Parteien einen Augenschein auf dem Lokal durch.
G.
Auf die Parteivorbringen und die Ergebnisse des Lokaltermins wird, soweit
es die Begründung des Entscheides erfordert, in den nachfolgenden Erwä-
gungen Bezug genommen.
R1S.2015.05058 Seite 3

## Considerations

Es kommt in Betracht:
1.
Als Adressatin des Beschlusses über die Unterschutzstellung bzw. als Ei-
gentümerin der unter Schutz gestellten Liegenschaft ist die Rekurrentin oh-
ne weiteres rekurslegitimiert (§ 338a PBG). Auch die übrigen Prozessvo-
raussetzungen sind erfüllt. Mithin ist auf den Rekurs einzutreten.
2.
Der Schutzentscheid wurde ausgelöst durch das Provokationsbegehren der
nachmaligen Rekurrentin vom 22. April 2013. Zurzeit dient das Kinogebäu-
de dem Betrieb eines Sexkinos, das nach der Darstellung der Rekurrentin
im Provokationsbegehren seit geraumer Zeit defizitär ist; der Betrieb soll in
absehbarer Zeit vollständig eingestellt werden. Die Rekurrentin plant, das
Kinogebäude durch ein Wohn- und Geschäftshaus zu ersetzen. Sie ist der
Auffassung, beim fraglichen Gebäude handle es sich nicht um ein Denk-
malschutzobjekt. Überdies sei die Unterschutzstellung unverhältnismässig.
3.1.
Die Vorinstanz hat den angefochtenen Beschluss einlässlich begründet.
Unter dem Titel "Städtebauliche Situation" führt sie an, die Gemeinde Oerli-
kon sei 1934 eingemeindet worden und verdanke ihre Bedeutung dem Bau
der Nordostbahn anno 1885, was nordwestlich des Bahnhofs zur Ansied-
lung einer Reihe von grossen Industriebetrieben wie der Maschinenfabrik
Oerlikon MFO (1863), der Akkumulatorenfabrik (1895) und der Werkzeug-
maschinenfabrik Bührle (1906) geführt habe. Auf Grund der zugewanderten
Zahl an Fabrikarbeitern habe sich der Siedlungsschwerpunkt auf die süd-
östliche Seite des Bahnhofs verlagert, wo nach 1880 ein städtisch verdich-
tetes Ortszentrum entstanden sei.
Vier- und fünfgeschossige Wohn- und Geschäftshäuser in geschlossener
Blockrandbebauung hätten ein rechteckig angelegtes Strassenraster gebil-
det, in deren Mitte anno 1927 der Wasenacker zum Marktplatz umgestaltet
worden sei. Mit den parallel zu den Höhenkurven und den Ackergrenzen
des Gubelhangs angelegten Strassenzügen, die spitzwinklig auf die Bahn-
R1S.2015.05058 Seite 4
gleise und die Schaffhauserstrasse träfen, seien die für Oerlikon typischen
Strassendreiecke entstanden. Das Kino Sternen sei stirnseitig gegen die
sich platzartig weitende Strassenkreuzung der Edisonstrasse und der
Franklinstrasse (vormals Bahnhofstrasse und Centralstrasse) zu stehen
gekommen. Die nach der Eingemeindung nötige Änderung der Strassen-
namen erinnere in Anspielung an die lokalen Industriebetriebe der Elektro-
technik an die Erfinder der elektrischen Glühbirne und des Blitzableiters.
Ein Umstand, der auch auf die Bedeutung von Licht und Energie für das
Massenmedium des Kinos hinweise, das als Kind des Elektrizitätsalters
gelte.
Das Kino Sternen habe ein 1893 in Sichtbackstein errichtetes dreigeschos-
siges Wohnhaus mit Ladenlokal, dessen Untergeschoss als Bade- und
Waschanstalt gedient habe, ersetzt. Der zum Schulsteig orientierte ehema-
lige Vorgarten des Vorgängerbaus diene in Verbindung mit dem Restaurant
im Kinogebäude als Gartenwirtschaft. Der Schulsteig gehöre zur senkrecht
verlaufenden Fussgängererschliessung des Gubelhangs.
Der sanft ansteigende Gubelhang habe sich zu Beginn des 20. Jahrhun-
derts zu einem locker überbauten Villenquartier mit grosszügigen Grün-
räumen entwickelt. Gleichzeitig vermittle der Hügel mit seinen zahlreichen
Repräsentationsbauten wie der reformierten Kirche (1906 - 1908), dem
Gemeindehaus (1909 - 1911), den Schulhäusern Halde A und B (1874,
1894), Gubel A und B (1904/1910 und 1932) und Liguster A (1924) den
Repräsentationsanspruch der florierenden Industriestadt Oerlikon, die mit
einer fortschrittlichen Planung die städtebauliche Entwicklung zu steuern
verstanden habe. Alle Gebäude seien im Inventar der kunst- und kulturhis-
torischen Schutzobjekte von kommunaler Bedeutung aufgeführt.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts habe die Gemeinde Oerlikon auf einem
rückseitig an das Kino Sternen angrenzenden Grundstück an der Baum-
ackerstrasse 20 ein Doppelwohnhaus mit Arbeiterwohnungen (1912), das
als frühes Beispiel des kommunalen Wohnungsbaus in einer Zürcher Vor-
ortsgemeinde gelte, erstellt. Das kommunale Feuerwehrgebäude an der
Baumackerstrasse 18 sei anno 1913 in die unmittelbare Nachbarschaft zu
stehen gekommen. Beide Gebäude seien vom Architekten Anton
F. Scotoni-Eichmüller entworfen worden. Das von Karl Scheer erbaute
Volkshaus Baumacker (1928 - 1930) auf der gegenüberliegenden Stras-
senseite an der Baumackerstrasse 15 ergänze mit dem als Gegenstück
R1S.2015.05058 Seite 5
zum urbanen Marktplatz konzipierten Park dieses architektonisch hochwer-
tige städtebauliche Ensemble. Alle Gebäude seien im Inventar der kunst-
und kulturhistorischen Schutzobjekte von kommunaler Bedeutung aufge-
führt.
3.2.
Unter dem Titel "Baugeschichte/Baubeschreibung" wird im angefochtenen
Beschluss ausgeführt, das Kino Sternen sei 1949/50 durch den Architekten
Werner Stücheli als eine der wenigen freistehenden Kinozweckbauten in
der Stadt Zürich erstellt worden. Auf Grund der klein bemessenen Grund-
stücksfläche habe Stücheli den Kinosaal im Obergeschoss angeordnet.
Leinwandnische und Projektionskabine träten jeweils stirnseitig als eigen-
ständige Bauelemente aus der Fassadenflucht hervor, so dass das Medium
des Films mit den benötigten technischen Apparaturen formal ablesbar sei.
Das zurückversetzte Erdgeschoss ergebe einen auf Eisenbetonstützen ru-
henden Baukörper, der Raum für einen überdachten Vorplatz biete. Die
verglaste Sockelzone erzeuge eine Transparenz, die einen reizvollen Kon-
trast zum muralen Kinosaal schaffe. Die innere Raumabfolge aus Wind-
fang, Kassenhalle, Foyer und Garderobe sei aus den betrieblichen Anforde-
rungen eines Kinozweckbaus heraus entwickelt worden. Mit der nachträgli-
chen Erweiterung des ehemaligen Tea-Rooms sei der Haupteingang aus
der Mittelachse verschoben worden.
Die bezüglich Raumakustik wenig vorteilhafte Rechteckform sei das Resul-
tat einer optimalen Ausnutzung der Grundstücksfläche. Diesem Nachteil
habe Stücheli mit leicht geneigten Wandschalen und einer Wölbung von
Fussboden und Decke entgegengewirkt. Die beidseitig verlaufenden
Fluchtbalkone nähmen die Wölbung des Fussbodens auf. Das flach anstei-
gende Satteldach trete optisch kaum in Erscheinung und werde von aussen
als weit auskragendes Flachdach wahrgenommen. Das Kino Sternen gehö-
re in eine Reihe von kommerziellen Bauten der sich in Zürich-Oerlikon zu
Beginn des 20. Jahrhunderts etablierenden Freizeit- und Unterhaltungskul-
tur der 1950er-Jahre. Mit dem im Jahre 1911 im Hof einer Blockrandbe-
bauung errichteten früheren Kino Colosseum an der Welchogasse 6 könne
Oerlikon zwei hervorragende Vertreter der Kinoarchitektur vorweisen. Das
Kino Sternen werde in verschiedenen (im Einzelnen aufgeführten) Publika-
tionen erwähnt.
R1S.2015.05058 Seite 6
3.3.
Unter dem Titel "Begründung" (der Schutzmassnahme) ist dem angefoch-
tenen Beschluss schliesslich zu entnehmen, der Verzweigungsbereich von
Franklin- und Edisonstrasse besitze mit den für Oerlikon typischen Stras-
sendreiecken eine hohe städtebauliche Bedeutung. Das freistehende Kino
Sternen füge sich in den von dreigeschossigen Solitärbauten geprägten
Strassenabschnitt der Franklinstrasse ein. Mit der auskragenden Lein-
wandnische des Kinos Sternen habe Stücheli auf die spitzwinklige Stras-
senverzweigung mit der vorgelagerten Platzsituation reagiert. Aus der Stra-
tegie, den Film mit der plastischen Behandlung des Baukörpers im Stadt-
bild zu verankern, resultiere im Brennpunkt der Strassenverzweigung von
Franklinstrasse und Edisonstrasse ein städtebaulich markanter Ort, der die
einheitlichen Fassadenfluchten durchbreche und den Strassenraum als op-
tischen Blickfang für das Massenmedium des Kinos dynamisiere. Der Film
als Produkt der Unterhaltungskultur ziehe die Blicke der vorbeieilenden
Passanten auf sich und werde architektonisch als "Schauplatz des Filmge-
schehens" zum Stadtbild prägenden Faktor. Das Kino Sternen sei neben
dem 1911 erbauten Kino Colosseum (1987 unter Schutz gestellt) eine der
wenigen gut erhaltenen, freistehenden Kinozweckbauten in Stadt und Kan-
ton Zürich.
In Abweichung von den baurechtlichen Bestimmungen der kantonalen Ki-
noverordnung von 1916 sei der Zuschauerraum im Obergeschoss unterge-
bracht worden, was 1950 im Kanton Zürich und vermutlich auch
schweizweit ein Novum dargestellt habe. Der Ersatz des hochbrennbaren
Nitrocellulose-Films durch einen Sicherheitsfilm nach dem 2. Weltkrieg sei
Voraussetzung für diese Ausnahmebewilligung gewesen. Die als Pendent
zur Leinwandnische mit einer separaten Fluchttreppe konzipierte rückseiti-
ge Projektionskabine verdanke ihre Typologie der restriktiven Kinoverord-
nung von 1916, die einen separaten Fluchtweg für den Filmoperateur zwin-
gend vorgeschrieben habe. Die entlang der Längsfassaden verlaufenden
Fluchtbalkone nähmen die Wölbung des Fussbodens im Kinosaal auf. Ob-
schon die innere Raumfolge aus Windfang, Kassenhalle, Foyer und Garde-
robe im Erdgeschoss konventionell sei, habe die Typologie des Kinos Ster-
nen in der Schweizer Kinoarchitektur keine Nachahmung gefunden. Die
eingezogene Arkade des Kinos Sternen, die von Stücheli beim Gastrono-
mie- und Geschäftshaus Clipper (1949 - 51) wieder aufgenommen worden
sei, stehe in der Nachfolge des von Otto Rudolf von Salvisberg 1939/40 er-
richteten Bleicherhofs, der als Prototyp der Geschäftshausarchitektur der
R1S.2015.05058 Seite 7
Nachkriegszeit gelte. Im Kontext der Kinoarchitektur biete die Arkadenreihe
im Erdgeschoss einen witterungsgeschützten Aufenthaltsort gegen den
Strassenraum, wie er bereits beim 1928 erstellten Kino Apollo an der
Stauffacherstrasse 41 in Zürich (1988 abgebrochen) zur Verfügung gestan-
den habe.
Während das als avantgardistisches Gesamtkunstwerk geltende Kino Stu-
dio 4 (1948/49) von Werner Frey und Roman Clemens als optisches Kabi-
nett konzipiert sei, sei die Fassade des Kinos Sternen in baukünstlerischer
Hinsicht als ein komplexes, auf die Kinokultur verweisendes Symbolsystem
instrumentiert. Das Konzept des mit Leinwandnische, Fluchtbalkonen und
Projektionskabine in den Aussenraum expandierenden Kinosaals gelte in
architektonischer Hinsicht als singuläre Lösung. Die Architektur visualisiere
das Geschehen im Innern der Kino-Black-Box, so dass das Begriffspaar
"Kino und Film" als Abspielort und Schauplatz einer Geschichte an der
Fassade ablesbar und durch die Verkleidung mit Kunststeinplatten nobili-
tiert werde. Das Fugenbild der Kunststeinplatten-Verkleidung sei als An-
spielung auf den fotographischen Film einer Kamera zu verstehen, der be-
liebige Reihen von Einzelbildern aufzeichne, die mit einem Filmprojektor
vorgeführt werden könnten. Es handle sich dabei um ein Motiv, das in der
Kinoarchitektur seit den 1920er-Jahren in unterschiedlicher Ausprägung
aufgegriffen werde.
Mit der zweiten Blüte der Kinokultur in der Nachkriegszeit habe die Typolo-
gie des freistehenden Kinozweckbaus in den Aussenquartieren und in den
Agglomerationsgemeinden der Stadt Zürich an Bedeutung gewonnen. Die
sozial- und kulturgeschichtliche Bedeutung des Kinos Sternen habe mit
dem wirtschaftlichen Take-off in die Nachkriegszeit und der Anerkennung
des Films als Kunstform zu tun, der in den Jahrzehnten zuvor auf Grund ri-
gider Moralvorstellungen als "Kulturschande" diskreditiert worden sei. Mit
den neu gewonnenen Konsumfreiheiten habe sich die restriktive Anwen-
dung der Kinoverordnung von 1916 gelockert, wovon die Ausnahmebewilli-
gung für einen im Obergeschoss situierten Kinosaal zeuge. Die heute
selbstverständliche Verbindung von Kino und Gastronomie, die im Kino
Sternen unter einem Dach vereint seien, knüpfe in kinohistoriographischer
Hinsicht an die Pionierphase der Kinokultur an. Die Kinobauten der
1950er-Jahre hätten sich mit angegliedertem Restaurant, Bar und Dancing
zu innerstädtischen Vergnügungszentren entwickelt. Ausserhalb von Aus-
sersihl und Innenstadt weise der Industrieort Oerlikon um 1950 die höchste
R1S.2015.05058 Seite 8
Kinodichte auf. Das Kino Sternen gehöre deshalb auch in den Kontext einer
Freizeit-, Sport- und Vergnügungskultur. Mit dem Hallenstadion, der Mes-
sehalle, dem Stadthof 11 und der offenen Rennbahn habe sich das städ-
tisch geprägte Oerlikon den Ruf eines über die Stadtgrenzen hinaus be-
kannten "Trendsetter" der populären Massenkultur erworben. Im Kontext
der Kinokultur der Nachkriegszeit manifestiere das als Vorstadt- und Quar-
tierkino konzipierte Kino Sternen die Bedeutung des Films als kulturelle
Ausdrucksform, die allen sozialen Schichten des Quartiers ein kostengüns-
tiges Angebot an Kultur, Bildung und Unterhaltung bereitgestellt habe.
Das 1949/50 erbaute Kino Sternen sei, so die Vorinstanz abschliessend,
gemäss § 203 Abs. 1 lit. c PBG ein wichtiger Zeuge der Kinoarchitektur der
Nachkriegszeit. Auf Grund der städtebaulichen, typologischen, baukünstle-
rischen sowie sozial- und kulturhistorischen Bedeutung dieses Bauwerks
des für Zürich prägenden Architekten Werner Stücheli sei das Kino Sternen
unter Schutz zu stellen.
4.
Gestützt auf diese Begründung sowie die Begründung betreffend die Ver-
hältnismässigkeit der Schutzmassnahme (hierzu nachstehend Erwägung
Ziffer 11) hat die Vorinstanz folgende Teile des Gebäudes unter Schutz ge-
stellt und folgende bauliche Veränderungsmöglichkeiten eröffnet:
Am Gebäudeäusseren die Gebäudehülle mit Fassadenverputz und Kunst-
steinplatten-Verkleidung der Leinwandnische; die frei stehenden und seit-
lich verkleideten Eisenbetonstützen der Arkaden im Erdgeschoss; die origi-
nal erhaltenen Fenster- und Türöffnungen mit den Steingewänden in allen
Geschossen; die Fenstergitter; die Fluchtbalkone mit den Brüstungen und
Fluchttreppen; die Projektionskabine mitsamt der original erhaltenen Türe
samt Steingewände, die Fluchttreppe mit Geländer und der integrierten
Aussenbeleuchtung; die original erhaltene Türe im Untergeschoss an der
Westfassade; die Dachuntersichten des Flugdaches und die Ziegeleinde-
ckung des Satteldaches; die original erhaltene Plakatvitrine beim heutigen
Kinoeingang links.
Die Verglasung der sechs Fluchttüren und zusätzliche Fensteröffnung für
die Belichtung einer allfälligen Galerie sind bei sorgfältiger Gestaltung und
R1S.2015.05058 Seite 9
guter Einpassung in die Längsfassaden in Absprache mit der Denkmalpfle-
ge möglich.
Im Gebäudeinnern hat die Vorinstanz unter Schutz gestellt: Die Primärkon-
struktion aus Eisenbeton und Mauerwerk mit sämtlichen Geschossdecken
sowie die Satteldachkonstruktion; die zweiarmige Haupttreppe zum Zu-
schauerraum; die original erhaltene Bodenfläche aus Kunststein im Kino-
foyer.
Der Einzug einer Galerie im Kinosaal ist bei sorgfältiger Gestaltung und gu-
ter räumlicher Einpassung in Absprache mit der Denkmalpflege möglich.
5.1.
Die Rekurrentin bringt vor, dem streitbetroffenen Kinogebäude komme die
von der Vorinstanz behauptete städtebauliche Bedeutung nicht zu. Das
Gebäude präge den Platz mit der Verzweigung nicht. Die Behauptung, der
Architekt habe mit der Leinwandnische auf die Strassenverzweigung und
die Platzsituation reagiert, sei nicht nachvollziehbar. An anderer Stelle wer-
de behauptet, die Leinwandnische zeige die Kinonutzung. Die Bedeutung
der Nische werde somit konträr gewürdigt. Beides stimme nicht. Die Idee
des Architekten sei offenkundig gewesen, mit einem vorspringenden Ge-
bäudeteil die Baulinie zu überstellen, nachdem der Bauplatz nach Ansicht
der Vorinstanz ohnehin zu klein gewesen sei. Das Kino vermittle mangels
Fenster und auf Grund der massiven Leinwandnische den abweisenden
Eindruck einer Lagerhalle. Dass es sich um ein Kino handle, werde sich
kaum je einem Passanten erschliessen. Die Kunststeinplatten erinnerten
eher an technische Elemente als an einen fotografischen Film. Die Namen
der Edisonstrasse und der Franklinstrasse hätten nichts mit dem Kinoge-
bäude zu tun. Die Hochwertigkeit der Gebäude am Gubelhang sei nicht
nachvollziehbar. Es liege kein Ensemble vor. Zwischen diesen Gebäuden
und dem Kinogebäude gebe es keinen Bezug. Die Vorinstanz vermöge
keine zutreffenden Argumente für die städtebauliche Bedeutung des Kinos
vorzubringen. Solche gebe es auch nicht.
Mit Blick auf die typologische und baukünstlerische Bedeutung des Kinoge-
bäudes macht die Rekurrentin geltend, dass das Kino ein Werk des Zür-
cher Architekten Werner Stücheli sei, mache es nicht per se schutzwürdig.
Das Werk von Stücheli sei nicht so bedeutungsvoll, dass jeder Bau unter
R1S.2015.05058 Seite 10
Schutz zu stellen wäre. Dass es sich beim streitbetroffenen Gebäude um
eine der wenigen noch erhaltenen Kinozweckbauten handle, mache dieses
nicht zu einem Schutzobjekt. Die verglaste Sockelzone, die innere Raum-
aufteilung und die Wandschalen und Wölbungen der Decke und des Bo-
dens zur Herstellung einer besseren Akustik zeugten zwar von einem
durchdachten Konzept des Architekten. Auch hieraus könne jedoch keine
Schutzwürdigkeit des Gebäudes abgeleitet werden. Die Verschiebung des
Haupteingangs aus der Mittelachse stelle eine Verfälschung des ursprüng-
lichen Projekts dar. Das flach ansteigende Satteldach und die breiten
Fluchtbalkone unterstrichen den optischen Eindruck einer Lagerhalle. Die
aufblühende Kinokultur der 1950er-Jahre dürfte keine schützenswerte Epo-
che darstellen.
Unter dem Titel "Historische Bedeutung" führt die Rekurrentin schliesslich
aus, die Vorinstanz gehe selber davon aus, dass das Kino Sternen in sei-
ner äusseren wie inneren Gestaltung aussergewöhnlich konzipiert sei. Eine
Aussergewöhnlichkeit könne indes als solche kein Schutzobjekt sein. Aus-
sergewöhnliches falle aus der Reihe und sei singulär. Letztlich sei die Bau-
te aber nicht einmal aussergewöhnlich, sondern eine reine Zweckbaute.
Hinsichtlich der Kinoarchitektur sei sie nicht repräsentativ. Insgesamt sei
das Kinogebäude nicht schutzwürdig. Ein öffentliches Interesse an der Un-
terschutzstellung sei zu verneinen.
5.2.
Die Vorinstanz macht demgegenüber geltend, Architekt Stücheli habe mit
der Kinobaute sehr wohl auf die besondere städtebauliche Situation an der
Verzweigung Edisonstrasse / Franklinstrasse reagiert. Die Leinwandnische
sei nicht einer Laune des Architekten entsprungen, was alleine schon die
Tatsache zeige, dass für die Überschreitung der Baulinie eine Ausnahme-
bewilligung nötig gewesen sei. Es spreche für die Qualitäten des Kinos
Sternen, dass Stücheli aus dem Studium der städtischen Gegebenheiten
zu dieser Formgebung gelangt sei. Dass ein wichtiges Element wie die
auskragende Leinwandnische nicht nur eine städtebauliche Funktion habe,
sondern zugleich einen weiteren Bedeutungszusammenhang eröffne, sei
nicht Beleg für eine konträre Würdigung. Der Kunsthistoriker Christoph
Bignens habe in seiner Dissertation "Kinos – Architektur und Marketing, Ki-
no als massenkulturelle Institution, Themen der Kinoarchitektur, Zürcher
Kinos 1900 - 1963", S. 35, nachgewiesen, dass die Kinofassade als "Ort
der Begegnung zwischen Filmindustrie und dem Fussgänger auf der Stras-
R1S.2015.05058 Seite 11
se gilt" und auf Grund ihrer besonderen Gestaltung zum Kauf einer Ein-
trittskarte motivieren könne und müsse. Genau aus diesem Grund präsen-
tiere sich die Leinwandnische im Unterschied zu den übrigen Fassadenpar-
tien mit der Kunststeinplatten-Verkleidung in einer andersartigen
Materialisierung, so dass ihr die Funktion eines Blickfangs zukomme.
Das Kino Sternen vermittle nicht den Eindruck einer Lagerhalle. Lagerhal-
len, von denen in der Stadt Zürich einige als Schutzobjekte eingestuft sei-
en, verfügten über Fenster. Die Gebäudetypologie einer Lagerhalle ent-
spreche nicht derjenigen eines Kinos. Der Vergleich mit einer Lagerhalle
sei unhaltbar. Das Zusammenfallen der Strassennamen "Franklinstrasse"
und "Edisonstrasse" mit dem Kino sei lediglich als schöne Koinzidenz zu
verstehen. Am Gubelhang sei ein wertvolles Ensemble festzustellen. Ein
Ersatz des Kinos Sternen durch ein fünfgeschossiges Wohn- und Ge-
schäftshaus würde dieses Ensemble in hohem Masse beeinträchtigen. Ins-
gesamt vermöge die Rekurrentin die städtebauliche Bedeutung des Kinos
in keiner Weise in Frage zu stellen.
Das Kino Sternen gehöre zu den bedeutendsten Werken des Architekten
Stücheli. Es sei ein singulärer Zeuge in der Kinoarchitektur der Nachkriegs-
zeit und das einzige Kinogebäude im Werk Stüchelis, das der Stadtrat als
schützenswert erachte. Beim Kino Sternen handle es sich um den einzig
übrig gebliebenen historischen Zeugen der Kinoarchitektur der Nachkriegs-
zeit, der als Solitär von hoher architektonischer Qualität konzipiert worden
sei. Die konstruktiven, funktionalen und gestalterischen Qualitäten zeichne-
ten das Kino Sternen als signifikanten Zeugen der Nachkriegszeit aus. Die
besondere typologische Bedeutung, welche das Kino Sternen von allen an-
dern Kinozweckbauten unterscheide, sei darin begründet, dass die seitli-
chen Fluchtbalkone die gleiche Wölbung wie der Fussboden aufwiesen. Die
Verschiebung des Haupteingangs aus der Mittelachse im Jahre 1967 sei
auf Grund einer früheren Projektänderung durch Stücheli naheliegend ge-
wesen. Die Kinoblüte der Nachkriegszeit sei ausgewiesen. Die Kinoarchi-
tektur der Nachkriegszeit sei durch andere unter Schutz gestellte Kinoge-
bäude nicht hinreichend bezeugt. Es gebe nur noch zwei solche Zeugen.
Das Kino Sternen sei der einzige noch erhaltene Kinozweckbau der Nach-
kriegszeit in der Stadt Zürich, der als Solitärbau konzipiert und mit dieser
Typologie die Boomphase des Vorstadt- und Quartierkinos repräsentiere.
R1S.2015.05058 Seite 12
Ein Gebäude bedürfe nicht einer besonderen, aussergewöhnlichen oder
auffälligen architektonischen Formgebung, um als Schutzobjekt zu gelten.
Das treffe auch für die Baugattung der Kinoarchitektur zu. Die negative
Konnotation des Kinos Sternen seitens der Rekurrentin basiere auf deren
individuellem ästhetischem Geschmacksempfinden. Damit entziehe sie sich
den Kriterien von § 203 PBG. Das PBG verzichte generell auf die Verwen-
dung von Attributen wie "schön" oder "hässlich".
6.1.
Bei der streitbetroffenen Baute handelt es sich um das 1949/50 an der
Franklinstrasse 9 errichtete Gebäude des Kinos Sternen, projektiert vom
Zürcher Architekten Werner Stücheli. Das Standortgrundstück stösst auf
der Westseite an den den Gubelhang hinaufführenden Schulsteig an, wel-
cher die Franklinstrasse mit der hinter dem Baugrundstück zuzüglich einer
weiteren Bautiefe verlaufenden Baumackerstrasse verbindet. Gegenüber
dem Kinogebäude, auf der andern Seite der Franklinstrasse, mündet die
Edisonstrasse spitzwinklig in die Franklinstrasse ein.
Das Gebäude steht innerhalb einer heterogen überbauten Häuserzeile an
der Franklinstrasse. Im Osten, also auf der andern Seite des Schulsteiges,
steht ein sechs oberirdische Geschosse aufweisendes Gebäude mit einem
Restaurationsbetrieb im Erdgeschoss. Westlich des Kinogebäudes folgen
zunächst zwei zusammengebaute und im Übrigen freistehende Gebäude
älteren Datums (wohl Ende 19. Jh.) mit drei Vollgeschossen, das Erdge-
schoss (Ladengeschoss) modernisiert. Dem folgt ein freistehendes dreige-
schossiges Einzelgebäude ebenfalls älteren Datums und mit modernisier-
tem Ladengeschoss. Abgeschlossen wird der Häuserzug von der fünfge-
schossigen Kopfbaute Ecke Franklinstrasse / Schaffhauserstrasse, in wel-
chem sich das Hotel Sternen Oerlikon befindet.
Auf der dem Kino gegenüberliegenden Strassenseite fällt vor allem die
markante, sechsgeschossige Kopfbaute Ecke Franklinstrasse / Edison-
strasse auf. Dieser vorgelagert ist eine kleine, in den spitzwinkligen Mün-
dungsbereich hineingezogene Platzinsel mit zwei Bäumen.
6.2.
Das Kinogebäude weist eine rechteckige Gebäudegrundfläche von 13,44 m
(Strassenseite) x 25,64 m und zwei oberirdische Geschosse auf. Im Erdge-
R1S.2015.05058 Seite 13
schoss befinden sich der Eingang zum Kino mit dahinter liegendem Foyer
mit Aufgang zum Kinosaal und ein Restaurationsbetrieb. Das Oberge-
schoss birgt den Kinosaal. Hinzu kommt ein Untergeschoss.
Das Obergeschoss des Kinogebäudes ist in etwa dreimal höher als das
Erdgeschoss. Abgesehen von den seitlichen je drei Notausgängen ist es
vollständig geschlossen. Vor diesen Notausgängen sind an den Seitenfas-
saden Fluchtbalkone mit auf Erdgeschossniveau hinab führenden Treppen
angebracht. Der Boden im Kinosaal war ursprünglich (in der Mitte nach un-
ten) gewölbt ausgestaltet. Die Fluchtbalkone nehmen diese Wölbung auf.
Strassenseitig weist das Obergeschoss unter dem gerundeten Dachvor-
sprung einen beinahe über die ganze Geschosshöhe reichenden, mit 8,2 m
Breite knapp zwei Drittel der Fassadenbreite einnehmenden, 1,5 m tiefen
Vorsprung auf, welcher die Leinwandwandnische bildet. Frontseitig ist die-
ser Vorsprung mit Kunststeinplatten (sechs in der Horizontale und vier in
der Vertikale) verkleidet, zwischen denen feine, das gesamte Feld in
Rechtecke aufteilende Fugen bestehen. Rückwärtig befindet sich in einem
erkerartigen Vorsprung der Raum des Filmvorführers.
Das Obergeschoss kragt strassenseitig gegenüber der auf dieser Seite ei-
nen erheblichen Verglasungsanteil aufweisenden Erdgeschossfassade vor
und ist dort auf vier Eisenpfeiler abgestützt (Arkade). Dergestalt besteht ein
witterungsgeschützter Aussenraum. Dahinter liegen links der Kinoeingang
und rechts (gegen den Schulsteig) der Restaurationsbetrieb, dieser mit ei-
genem, ebenfalls strassenseitigem Eingang. Zum Restaurationsbetrieb ge-
hört nebst dem Innenrestaurant auch ein teilweise durch einen dort stehen-
den Baum abgedecktes Aussenrestaurant zwischen Gebäude und Schul-
steig.
Das mit geringer Neigung ausgestaltete Satteldach springt auf allen Seiten
deutlich vor, was dementsprechende Dachuntersichten schafft.
7.1.
Schutzobjekte sind unter anderem Ortskerne, Quartiere, Strassen und Plät-
ze, Gebäudegruppen, Gebäude und Teile sowie Zugehör von solchen, die
als wichtige Zeugen einer politischen, wirtschaftlichen, sozialen oder bau-
künstlerischen Epoche erhaltenswürdig sind oder die Landschaft oder Sied-
R1S.2015.05058 Seite 14
lungen wesentlich mitprägen, samt der für ihre Wirkung wesentlichen Um-
gebung (§ 203 Abs. 1 lit. c PBG).
Aus der vom Gesetz alternativ zur landschafts- oder siedlungsprägenden
Wirkung vorausgesetzten Zeugeneigenschaft ergibt sich das Erfordernis,
dass ein Objekt, über welches Schutzmassnahmen verhängt werden sol-
len, namentlich auf Grund seiner ortsbaulichen, baulichen oder ausstat-
tungsmässigen Eigenschaften von einer Epoche Zeugnis abzulegen, d.h.
die betreffende Epoche zu veranschaulichen und im eigentlichen Wortsinne
zu dokumentieren vermag. Allein der Umstand, dass ein Objekt einer Epo-
che zugeordnet werden kann, ist somit für die Bejahung der Zeugeneigen-
schaft noch nicht ausreichend. Zudem lässt das Gesetz auch die blosse
Zeugeneigenschaft noch nicht genügen; das betreffende Objekt muss viel-
mehr ein wichtiger Zeuge sein. Diese Qualifikation kann sich aus verschie-
denen, hier nicht abschliessend aufzuzählenden Gründen ergeben. Ein
wichtiger Zeuge liegt namentlich dann vor, wenn die betreffende Baute auf
Grund ihrer gesamten Beschaffenheit eine Epoche besonders aussagekräf-
tig und qualitätsvoll zu dokumentieren vermag.
Mit dem Begriff der Epoche werden vom Gesetz auch Ereignisräume anvi-
siert, die zeitlich oder lokal vergleichsweise eng begrenzt sind und daher im
Allgemeinen kaum als "Epochen" zu bezeichnen wären. Namentlich mit
Blick auf die baukünstlerischen Epochen gilt sodann, dass auch Bauten, die
Übergänge zwischen solchen bezeugen, Schutzobjekte sein können. Zu
verlangen ist allerdings stets, dass die betreffende politische, wirtschaftli-
che, soziale oder baukünstlerische Epoche klar definiert werden kann.
7.2.
Mit der Erfassung von Gebäuden und Gebäudegruppen, die Landschaften
oder Siedlungen wesentlich mitprägen, bezweckt § 203 Abs. 1 lit. c PBG
anders als mit dem Schutz wichtiger Zeugen nicht die Dokumentation ge-
schichtlicher Epochen, sondern die Erhaltung qualifizierter Landschafts-
und Siedlungsbilder. In der Praxis wird hierbei oftmals auch vom Situati-
onswert eines Objektes gesprochen. Da das Gesetz die beiden Vorausset-
zungen für eine Unterschutzstellung – Zeugeneigenschaft oder prägende
Wirkung – alternativ aufzählt, lässt sich auch allein schon mit letzterer die
Anordnung von Schutzmassnahmen an Gebäuden oder Gebäudegruppen
begründen. Allerdings rechtfertigt nicht jede Optimierung von Siedlungs-
oder Landschaftsbildern die Anordnung von Schutzmassnahmen; die posi-
R1S.2015.05058 Seite 15
tiv prägende Wirkung muss vielmehr objektiv ausgewiesen und begründet
sein, was etwa bei für das geschützte Ortsbild wichtigen Kernzonenbauten
der Fall sein kann (VB 2009.00608 vom 4. Mai 2011).
8.1.
Nach der Lehre kommt bei sich auf § 203 PBG stützenden denkmalpflege-
rischen Anordnungen den kommunalen und kantonalen Denkmalpflegebe-
hörden eine besondere Entscheidungsfreiheit zu, da sie dabei im Grenzbe-
reich zwischen Rechtsanwendung und Ermessensbetätigung handeln. Die
Entscheidungsfreiheit der Denkmalpflegebehörde bezieht sich namentlich
auf die Frage der Qualifikation eines Objekts als wichtiger Zeuge, auf den
konkret erforderlichen Umfang einer Schutzmassnahme und gegebenen-
falls auf die Auswahl unter mehreren in Betracht fallenden Schutzobjekten.
Die Rekursbehörde darf eine noch vertretbare Wertung der Behörde nicht
durch eine abweichende eigene Wertung ersetzen. Auch bei Inventarent-
lassungen greift die Rekursinstanz nur bei sachlich nicht mehr vertretbaren
Entscheiden ein. Die Rekursbehörde verfügt damit insoweit über keine wei-
tere Prüfungsbefugnis als das auf Rechtskontrolle beschränkte Verwal-
tungsgericht.
Die von der Rekursbehörde zu wahrende Zurückhaltung, so die Lehre wei-
ter, steht nicht im Zusammenhang mit der Gemeindeautonomie. Die Zu-
rückhaltung greift daher nur, soweit es um die Würdigung örtlicher Verhält-
nisse oder um technische oder andere Fragen geht, die ein bestimmtes
Fachwissen voraussetzen, zumal die Beratung durch Fachstellen ausdrück-
lich im Gesetz vorgesehen ist (§ 216 PBG). Dies ist nicht der Fall bei der
Beantwortung der Frage, was unter einem wertvollen Baum oder Baumbe-
stand bzw. Feldgehölze im Sinne von § 203 Abs. 1 lit. f PBG zu verstehen
ist (Marco Donatsch, in: Kommentar VRG, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014,
§ 20 Rz. 85 f., mit Hinweisen auf die Rechtsprechung).
8.2.
Aus dem vorstehend Wiedergegebenen ergibt sich zutreffend, dass die Re-
kursinstanz (auch) die Frage, was unter einem Schutzobjekt im Sinne von
§ 203 Abs. 1 lit. c PBG zu verstehen ist, frei beantworten kann. Im Übrigen
kann der Lehre nur eingeschränkt zugestimmt werden. Soweit der Rekur-
sinstanz die örtlichen Verhältnisse hinreichend bekannt sind, kann sie diese
in der Regel frei würdigen. Geht es um bautechnische Fragen, namentlich
R1S.2015.05058 Seite 16
um solche der Erhaltungs- und Renovationsfähigkeit von Schutzobjekten
oder von Teilen hiervon, ist das Baurekursgericht als Fachgericht in Bausa-
chen zu deren Beantwortung nicht weniger berufen als die Denkmalpflege-
behörden. Zurückhaltung mag demgegenüber angezeigt sein, wenn es um
historische Fachfragen geht, wie sie sich namentlich bei der Frage der
Qualifikation eines Objekts als wichtiger Zeuge, bei der Bestimmung des
Umfangs einer Schutzmassnahme oder bei der Auswahl unter mehreren
Schutzobjekten stellen können. Allerdings führt dies nicht etwa dazu, dass
die Rekursinstanz gleich wie das Verwaltungsgericht auf eine reine Rechts-
kontrolle beschränkt wäre (§ 20 Abs. 1 und § 50 des Verwaltungsrechts-
pflegegesetzes [VRG]). Konsequenz ist vielmehr, dass das Baurekursge-
richt den angefochtenen Entscheid unter gebührender Berücksichtigung der
Entscheidgründe der Denkmalpflegebehörde und in sorgfältiger, einlässli-
cher Auseinandersetzung mit diesen zu überprüfen hat. Dergestalt ist zwi-
schen der Entscheidungsfreiheit der Denkmalpflegebehörde einerseits und
dem Anspruch auf wirksamen Rechtsschutz andererseits (Art. 77 der Kan-
tonsverfassung [KV] und Art. 29a der Bundesverfassung [BV]) praktische
Konkordanz herzustellen (Donatsch, § 20 Rz. 64 ff.). Im Übrigen kommt
dem Baurekursgericht bei der Überprüfung von sich auf § 203 PBG stüt-
zenden denkmalpflegerischen Anordnungen in der Regel volle Kognition zu
(§ 20 Abs. 1 VRG).
Nachfolgend geht es im Wesentlichen um die Qualifikation des streitbetrof-
fenen Kinogebäudes als Schutzobjekt im Sinne von § 203 Abs. 1 lit. c PBG.
9.1.
Der angefochtene Beschluss enthält zunächst Ausführungen unter dem Ti-
tel "Städtebauliche Situation" (vgl. vorstehend Erwägung Ziffer 3.1).
Diesen Erwägungen ist zwar eine gut nachvollziehbare Beschreibung der
Stadtbaugeschichte Oerlikons im Allgemeinen und vor Ort sowie des wert-
vollen baulichen Umfelds am Gubelhang zu entnehmen. Indes lassen diese
Ausführungen keine besondere städtebauliche Bedeutung des Kinogebäu-
des erkennen. Dies gilt auch für die an sich zutreffende Feststellung, dass
das Kinogebäude gegenüber der Spitze eines für Oerlikon typischen Stras-
sendreiecks erstellt wurde.
R1S.2015.05058 Seite 17
Dass die nach der Eingemeindung von Oerlikon erfolgte Strassennamens-
gebung mit "Franklinstrasse" und "Edisonstrasse" einen Bezug zu den da-
maligen lokalen Industriebetrieben der Elektrotechnik aufweist, indem es
sich bei den genannten Personen und die Erfinder der elektrischen Glüh-
birne und des Blitzableiters handelt, erscheint plausibel. Was die Feststel-
lung "Ein Umstand, der auch auf die Bedeutung von Licht und Energie für
das Massenmedium des Kinos hinweist, das als Kind des Elektrizitätsalters
gilt" besagen soll, bleibt demgegenüber unklar. Es sollte wohl eine Ver-
knüpfung zwischen den Strassennamen und dem Kino Sternen hergestellt
werden. Die Eingemeindung und mit ihr die Strassenumbenennung erfolg-
ten in etwa 15 Jahre vor dem Bau des Kinos. Ein Bezug zwischen Kino ei-
nerseits und Strassennamen andererseits – in der Tat hat beides mit Elekt-
rizität und Licht zu tun – wäre gegeben, wenn das Baugrundstück bewusst
gerade an jener Verzweigung gewählt worden wäre, um dergestalt an die
Strassennamen anzuknüpfen. Solches ist indes in keiner Weise belegt. In
der Rekursvernehmlassung hat sich die Vorinstanz denn auch darauf be-
schränkt, nur mehr eine "schöne Koinzidenz" und damit die städtebauliche
Unerheblichkeit der Strassennamen im Verhältnis zum Kino festzustellen.
Die Vorinstanz nimmt Bezug auf den Gubelhang, an dessen Fusse das Ki-
no steht und welchen hinauf der Schulsteig führt. Sie erwähnt, dass der ge-
gen den Schulsteig orientierte ehemalige Vorgarten des Vorgängerbaus in
Verbindung mit dem (Innen-)Restaurant als Gartenwirtschaft dient. Hierzu
ist festzustellen, dass ein Vorgarten im Sinne eines begrünten Aussenrau-
mes, sollte er denn dort je existiert haben, spätestens mit der Erstellung der
Kinobaute beseitigt worden war (vgl. das in einem Pressebericht über die
Unterschutzstellung veröffentlichte Foto [Autor Erich Wullschleger, für
Stücheli Architekten]). Der heute in jenem Bereich stehende Baum ist dem-
nach erst später gepflanzt worden. Ohnehin wurde der Vorgarten nicht un-
ter Schutz gestellt, und die Restaurantnutzung kann jederzeit durch eine
andere Nutzung ersetzt werden. Die diesbezüglichen Ausführungen der
Vorinstanz erweisen sich damit als bedeutungslos.
Alsdann beschreibt die Vorinstanz ausführlich die Geschichte der Bebau-
ung des Gubelhangs. Danach ist der Gubelhang mit denkmalpflegerisch
wertvollen und daher inventarisierten Gebäuden überbaut, die eine öffentli-
che Funktion wahrnehmen und der Repräsentation dienen, was hier nicht
weiter in Frage gestellt werden soll. Ob diese Gebäude zusammen ein En-
semble bilden, welchen Standpunkt die Vorinstanz in ihrer Rekursvernehm-
R1S.2015.05058 Seite 18
lassung zu bekräftigen scheint, oder ob nicht vielmehr eine Gruppe von
Einzelbauten vorliegt, was Standpunkt der Rekurrentin ist, kann offen blei-
ben. Denn so oder anders ist nicht zu erkennen, dass diese Gebäude zu
einer erhöhten städtebaulichen Bedeutung des streitbetroffenen Kinoge-
bäudes führten. Dieses ist nicht dem Typ der öffentlichen Baute zuzuord-
nen, und mit seinen eher geringen Ausmassen und seinem in sich gekehr-
ten Äussern ist es frei von jeder Repräsentativität. Namentlich befindet sich
das Gebäude nicht am Gubelhang, sondern an der Franklinstrasse und ge-
hört städtebaulich zur dortigen Überbauung. Mithin kann aus der Nähe der
Gebäude am Gubelhang keine städtebauliche Bedeutung der streitbetrof-
fenen Kinobaute hergeleitet werden.
Klarerweise nicht haltbar wäre es, das Kinogebäude (auch) deswegen un-
ter Schutz zu stellen, damit der Blick auf die Gebäude am Gubelhang, sei
es von der Baumackerstrasse, sei es von andern Standorten aus nicht
durch eine Ersatzneubaute beeinträchtigt würde. Dies scheint die Vorins-
tanz indes zu vertreten, macht sie doch in der Rekursvernehmlassung gel-
tend: "Allerdings würde ein Ersatz des Kinos Sternen durch ein fünfge-
schossiges Wohn- und Geschäftshaus mit Attika die Schutzwürdigkeit die-
ses städtebauliches Ensembles in hohem Masse beeinträchtigen". Mit einer
so begründeten Unterschutzstellung würde nicht der Bedeutung des Kino-
gebäudes Rechnung getragen, sondern dem Umstand, dass – aus Sicht
der Denkmalpflege – die Nutzungsplanung die qualifizierten Überbauungs-
verhältnissen am Gubelhang nicht berücksichtigt hätte, indem an dessen
Fuss zu viele Geschosse bzw. zu hohe Gebäude zugelassen worden wä-
ren. Dies auf dem Wege der Unterschutzstellung der Altbaute zu korrigie-
ren, indem damit die bauliche Umsetzung der als ungenügend eingestuften
Nutzungsplanung verhindert würde, fände in § 203 Abs. 1 lit. c PBG offen-
kundig keinerlei Stütze. Namentlich kann in der Unterschutzstellung des Ki-
nogebäudes nicht etwa eine Umgebungsschutzmassnahme zu den Ge-
bäuden am Gubelhang erkannt werden.
9.2.
Der angefochtene Beschluss enthält alsdann Ausführungen unter dem Titel
"Baugeschichte / Baubeschreibung" (vgl. vorstehend Erwägung Ziffer 3.2).
Diese beinhalten (wie schon der Titel besagt) die Feststellung baulicher Ei-
genschaften und Elemente des Gebäudes, auf welche die Vorinstanz her-
R1S.2015.05058 Seite 19
nach unter dem Titel "Begründung" wieder Bezug nimmt. Darüber hinaus
bleibt zu diesen Ausführungen Folgendes festzuhalten:
Hält die Vorinstanz fest, dass die innere Raumabfolge aus Windfang, Kas-
senhalle, Foyer und Garderobe aus den betrieblichen Anforderungen eines
Kinozweckbaus heraus entwickelt wurde, so besagt dies nichts über sich
selbst Hinausgehendes; namentlich wird damit nichts Zeugenhaftes be-
nannt. Im Übrigen hat das Gebäude im Eingangsbereich wesentliche Ände-
rungen erfahren, womit die Vorinstanz auf einen baulichen Bestand Bezug
nimmt, der in dieser Form gar nicht mehr existiert.
Wird alsdann festgestellt, dass der bezüglich Raumakustik wenig vorteilhaf-
ten Rechtseckform, die ihrerseits das Resultat einer optimalen Grundstück-
ausnützung darstellt, mit leicht geneigten Wandschalen und einer Wölbung
von Fussboden und Decke entgegengewirkt wurde, mit welcher Massnah-
me eine von allen Sitzplätzen aus ungehinderte Sicht auf die Leinwand ge-
währleistet wurde, ist hierzu festzuhalten, dass dies zwar von einem tech-
nisch vollwertigen Konzept des Architekten zeugt. Mehr kann indes nicht
erkannt werden. Namentlich ist es nicht Aussergewöhnliches, dass ein
Zweckgebäude ein seinen Zwecken entsprechendes Innenraumkonzept er-
kennen lässt. Üblich ist alsdann auch, dass Kinosäle so konzipiert sind,
dass von allen Sitzen aus mehr oder minder freie Sicht auf die Leinwand
besteht. Aus diesen Bauelementen lässt sich nichts Zeugenhaftes ableiten.
9.3.1.
In den weiteren Darlegungen, diese nun unter dem Titel "Begründung"
(vorstehend Erwägung Ziffer 3.3.), nimmt die Vorinstanz erneut auf den
Verzweigungsbereich von Franklinstrasse und Edisonstrasse Bezug. Die
Verzweigung besitze mit den für Oerlikon typischen Strassendreiecken eine
hohe städtebauliche Bedeutung. Mit der auskragenden Leinwandnische
des Kinos Sternen habe Architekt Stücheli auf die spitzwinklige Strassen-
verzweigung mit der vorgelagerten Platzsituation reagiert.
Hierzu ist festzustellen, dass in der mit der Leinwandnische sehr ausge-
prägten strassenseitigen Fassade des Gebäudes zwar ein Reagieren auf
Strassenverzweigung und Platzsituation erkannt werden kann. Die Lein-
wandnische so zu interpretieren, erscheint vertretbar. Besagter Interpretati-
on soll nicht widersprochen werden. Namentlich wird sie nicht etwa dadurch
widerlegt, dass die Leinwandnische angesichts der beengten Verhältnisse
R1S.2015.05058 Seite 20
auf dem Baugrundstück auch, wenn nicht sogar in erster Linie dem Gewinn
nutzbarer Fläche dient, schliesst doch die eine Lesart die andere nicht aus.
Indes kann nicht gesagt werden, dass die in Rede stehende Bezugnahme
dem Gebäude eine erhöhte städtebauliche Bedeutung verleihen würde.
Das Reagieren auf städtebauliche Situationen bildet nicht mehr und nicht
weniger als ein übliches Element der lege artis zu verlangenden Einpas-
sung von Gebäuden in ihre Umgebung. Mehr ist auch vorliegend nicht zu
erkennen. Daran ändert auch nichts, dass der Architekt auf eine für Oerli-
kon offenbar sehr typische Strassensituation reagierte, die, wie die Vorins-
tanz in ihrer Rekursvernehmlassung ausführt, Ergebnis eines voraus-
schauenden Planwerks bildet.
Für die Überschreitung der Baulinie war eine Ausnahmebewilligung zu er-
teilen. Diese wurde damit begründet, dass die Auskragung eine vom archi-
tektonisch-städtebaulichen Standpunkt aus erfreuliche Belebung der mono-
tonen fensterlosen Fassade bringe, was umso erwünschter sei, als das
Bauprojekt nicht in einer Strassenflucht, sondern im Brennpunkt einer
Strassenkreuzung liege. Auch dies lässt nicht auf mehr als einen Akt übli-
cher Einpassung schliessen.
Im Übrigen könnte nicht etwa davon gesprochen werden, beim streitbetrof-
fenen Gebäude handle es sich um ein Objekt, welches "Siedlungen" – hier
also den Strassenzug der Franklinstrasse im Bereich der Verzweigung mit
der Edisonstrasse – wesentlich mitprägte. Eine ortsbildprägende Wirkung
wird als Begründung für die Schutzwürdigkeit denn auch nicht angeführt.
Erst unter dem Titel "Verhältnismässigkeit der Massnahme" (1. Abschnitt)
taucht der Begriff der ortsbildprägenden Wirkung im angefochtenen Be-
schluss auf, ohne dass allerdings klar würde, worauf sich die Vorinstanz
damit beziehen will. Ein Situationswert im Sinne von § 203 Abs. 1 lit. c PBG
kommt dem Gebäude jedenfalls nicht zu.
Führt die Vorinstanz schliesslich an, dass sich die Kinobaute in den von
dreigeschossigen Solitärbauten geprägten Strassenabschnitt der Franklin-
strasse einfüge, ergibt sich hieraus erneut nicht mehr und nicht weniger als
die Einpassung der Kinobaute in die bauliche Umgebung.
9.3.2.
Im Einzelnen ist dem angefochtenen Beschluss zu entnehmen: "Aus der
Strategie, den Film mit der plastischen Behandlung des Baukörpers im
R1S.2015.05058 Seite 21
Stadtbild zu verankern, resultiert im Brennpunkt der Strassenkreuzung von
Franklin- und Edisonstrasse ein städtebaulich markanter Ort, der die ein-
heitlichen Fassadenfluchten durchbricht und den Strassenraum als opti-
scher Blickfang für das Massenmedium des Kinos dynamisiert. Der Film als
Produkt der Unterhaltungskultur zieht die Blicke der vorbeieilenden Passan-
ten auf sich und wird architektonisch als 'Schauplatz des Filmgeschehens'
zum Stadtbild prägenden Faktor".
Diese Ausführungen greifen mehrfach zu weit. Bloss auf Grund der nach
aussen tretenden Leinwandnische kann noch kaum von einer "Strategie,
den Film mit der plastischen Behandlung des Baukörpers im Stadtbild zu
verankern" gesprochen werden. Ebenso wenig ergibt sich ein "städtebau-
lich markanter Ort", weil die zufolge Baulinie einheitliche Fassadenflucht im
fraglichen Abschnitt der Franklinstrasse (vgl. den Katasterplan der Bauein-
gabe von 1949) mit der Leinwandnische durchbrochen wird. Kommt hinzu,
dass diese einheitliche Fassadenflucht heute nicht mehr besteht, weil das
Gebäude westlich des Schulsteigs zurückversetzt steht.
Der von der Vorinstanz alsdann angesprochene "optische Blickfang" resul-
tiert heute im Wesentlichen nur mehr daraus, dass das streitbetroffene Ge-
bäude mit seiner Fensterlosigkeit über das ganze hohe, langgezogene
Obergeschoss völlig anders aussieht als alle andern Gebäude im Stras-
senzug. Wird auf das vorstehend bereits erwähnte Foto abgestellt, war dies
früher, zu Zeiten des Kinos Sternen, jedenfalls am Abend deutlich anders.
Mit der intensiven und zugleich differenzierten Fassadenbeleuchtung unter
anderem mit Hinterleuchtung der Kunststeinplatten-Verkleidung, den im
Obergeschoss vorne auf der Leinwandnische und seitlich angebrachten
Schriften "Kino" und "Kino Sternen" sowie den beiden Logos mit dem Ster-
ne-Motiv war im Strassenraum ein sehr ansprechend gestalteter Blickfang
gegeben. Hinzu kam das beleuchtete Schaufenster mit den Standfotos im
Erdgeschoss. Kino und Film waren auf diese Weise weitherum sichtbar in
attraktiver Weise präsent. Spricht die Vorinstanz in ihrer Rekursantwort da-
von, dass Kinoarchitektur immer auch eine "verführerische Nachtarchitek-
tur" sein will, so lässt sich dies anhand dieser Aufnahme des Kinos Sternen
sehr gut nachvollziehen. Besagte Gestaltungselemente (Licht, Schrift, Lo-
go) einschliesslich des Schaufensters bestehen indes heute nicht mehr.
Sollte mit der streitbetroffenen Baute je der "Strassenraum als optischer
Blickfang für das Massenmedium Kino dynamisiert" worden sein, und sollte
je "der Film als Produkt der Unterhaltungskultur (...) die Blicke der vorbeiei-
R1S.2015.05058 Seite 22
lenden Passanten auf sich" gezogen haben und "architektonisch als '-
Schauplatz des Filmgeschehens' zum Stadtbild prägenden Faktor" gewor-
den sein, so muss festgestellt werden, dass dies sich heute endgültig nicht
mehr so verhält. Geblieben ist einzig eine eher abweisend in Erscheinung
tretende fensterlose Gebäudehülle, frei von jeder Attraktivität und schon gar
nicht geeignet, "verführerische Nachtarchitektur" zu sein. Die Zeugnisfähig-
keit der Baute erweist sich damit als ganz erheblich geschmälert.
9.3.3.
In der Begründung des angefochtenen Beschlusses wird weiter darauf hin-
gewiesen, dass in Abweichung von den baurechtlichen Bestimmungen der
kantonalen Kinoverordnung von 1916 der Zuschauerraum im Oberge-
schoss untergebracht worden sei, was 1950 im Kanton Zürich und vermut-
lich schweizweit ein Novum dargestellt habe. Der Ersatz des hochbrennba-
ren Nitrocellulose-Films durch einen Sicherheitsfilm nach dem 2. Weltkrieg
sei Voraussetzung für diese Ausnahmebewilligung gewesen. Die als Pen-
dent zur Leinwandnische mit einer separaten Fluchttreppe konzipierte rück-
seitige Projektionskabine verdanke ihre Typologie der restriktiven Kinover-
ordnung von 1916, die einen separaten Fluchtweg für den Filmoperateur
zwingend vorgeschrieben habe.
Damit ist der streitbetroffenen Baute ein gewisses, wenn gleich nur gerin-
ges Mass an Geschichtlichkeit zuzusprechen, indem die Platzierung des
Zuschauerraums im ersten Obergeschoss, zunächst der klein bemessenen
Grundstücksfläche geschuldet, die Entwicklung und Einführung eines
Sicherheitsfilms voraussetzte und diesen Vorgang nun eben bezeugt. Glei-
ches gilt für die damals erforderliche Ausnahmebewilligung.
Hinzu kommt die Vorschrift über den separaten Fluchtweg für den Filmope-
rateur. Ob allerdings die rückwärtige, erkerhaft ausgeformte Projektionska-
bine auf diese Vorschrift zurückzuführen ist, erscheint fraglich, führt doch
der separate Fluchtweg zunächst durch das Gebäude. Mithin hätte die Pro-
jektionskabine, um der Vorschrift zu genügen, auch anders denn als Erker
ausgeführt werden können.
9.3.4.
Die Vorinstanz stellt alsdann fest, dass die entlang der Längsfassaden ver-
laufenden Fluchtbalkone die Wölbung des Fussbodens im Kinosaal auf-
nehmen. Dies trifft zu. Indes ist hierin kaum eine besondere Gestaltung zu
R1S.2015.05058 Seite 23
erblicken, ist doch die Wölbung der Fluchtbalkone dem Umstand geschul-
det, dass die Notausgänge stufenfrei auf dem Niveau des gewölbten In-
nenbodens anzubringen waren, und die Fluchtbalkone wiederum auf dem
Niveau der Notausgänge. Hierin eine besondere "typologische Bedeutung"
zu erkennen, und alsdann bezüglich der Fluchtbalkone weiter festzustellen:
"Typologische Eigenheiten und baukünstlerische Gestaltung gehen gewis-
sermassen eine architektonische Symbiose ein, die ohne Vergleichsbei-
spiel dasteht und zu den Spitzenleistungen der Kinoarchitektur der Nach-
kriegszeit zu zählen ist", erscheint deutlich übertrieben. Es ging einzig da-
rum, im Brandfall gefährliche Schwellen zu vermeiden.
Alsdann besagt die Feststellung, dass, obwohl die innere Raumfolge aus
Windfang, Kassenhalle, Foyer und Garderobe im Erdgeschoss konventio-
nell sei, die Typologie des Kinos Sternen in der Schweizer Kinoarchitektur
keine Nachahmung gefunden habe, nichts über sich selbst Hinausgehen-
des; insbesondere wird nichts Zeugenhaftes benannt.
Dass die Arkade der Kinobaute (Aussenraum vor zurückversetztem Erdge-
schoss unter auf Pfeilern abgestütztem Obergeschoss) von Architekt
Stücheli beim Gastronomie- und Geschäftshaus Clipper (Zürich, bei der
Sihlpost; 1949 - 51) wieder aufgenommen wurde und zugleich in der Nach-
folge des von Otto Rudolf von Salvisberg 1939/40 errichteten Bleicherhofs
(Zürich, am Bleicherweg) steht, der seinerseits als Prototyp der Geschäfts-
hausarchitektur der Nachkriegszeit gilt, ist als fachhistorische Aussage
nicht in Frage zu stellen. Es erscheint vertretbar, in dieser Arkadenreihe ein
allerdings nicht allzu bedeutendes Element baukünstlerischer Zeugenhaf-
tigkeit zu erkennen.
Mit der Vorinstanz in der Fassade des Kinos Sternen ein in baukünstleri-
scher Hinsicht "komplexes, auf die Kinokultur verweisendes Symbolsystem"
zu erkennen, fällt demgegenüber schwer. Zwar ist es nachvollziehbar,
wenn die Vorinstanz vom Konzept eines "mit Leinwandnische, Fluchtbalko-
nen und Projektionskabine in den Aussenraum expandierenden Kinosaals"
spricht. Diese architektonische Lösung – die Auslagerung einzelner Kinotei-
le – mag singulär sein oder jedenfalls Seltenheitswert haben. Hierin kann
indes, auch wenn der Vorinstanz bei der Interpretation von Bauwerken ein
gewisser Spielraum zukommen mag, kaum ein "Symbolsystem" und dazu
noch ein "komplexes" erkannt werden. Im Ergebnis festzustellen ist viel-
mehr einzig, dass die mit dem langgezogenen, hohen, fensterlosen Ober-
R1S.2015.05058 Seite 24
geschoss ohnehin schon gegebene Ablesbarkeit der Funktion der Baute
mit diesen baulichen Elementen architektonisch noch gesteigert wurde.
Hält die Vorinstanz alsdann fest: "Die Architektur visualisiert das Gesche-
hen im Innern der Kino-Black-Box, so dass das Begriffspaar 'Kino und Film'
als Abspielort und Schauplatz einer Geschichte an der Fassade ablesbar
und durch die Verkleidung aus Kunststeinplatten nobilitiert wird", und: "Das
Fugenbild der Kunststeinplatten-Verkleidung ist als Anspielung auf den fo-
tografischen Film einer Kamera zu verstehen, der beliebige Reihen von
Einzelbildern aufzeichnet, die mit einem Filmprojektor vorgeführt werden
können", so ergibt sich auch hieraus nicht mehr und nicht weniger als eine
Kinobaute, die so projektiert wurde, dass sie sich als solche nach aussen
zu manifestieren vermag. Dass ein publikumsorientiertes Zweckgebäude
auf sich aufmerksam machen muss, dass ein Kino zum Kauf einer Eintritts-
karte motivieren muss, stellt indes nichts Aussergewöhnliches dar, sondern
bildet, letztlich ökonomisch bedingt, den Regelfall. Der von der Vorinstanz
als besonderes Gestaltungselement hervorgehobenen Kunststeinplatten-
Verkleidung konnte hierbei höchstens eine untergeordnete Rolle zukom-
men, ist sie doch von weitem kaum zu erkennen; ins Auge stachen die
Leinwandnische in ihrer räumlichen Ausformung und, jedenfalls bei nächtli-
cher Beleuchtung, die nicht mehr existenten Logos mit Schrift und Sterne-
motiv.
9.3.5.
Schliesslich stellt die Vorinstanz das streitbetroffene Kinogebäude auch in
einen kulturhistorischen Zusammenhang, worauf nachfolgend Bezug zu
nehmen ist.
Die Feststellung, dass es in der Nachkriegszeit eine zweite Blüte der Kino-
kultur gab, vernehmlassungsweise ergänzt um die Ausführung, dass ge-
mäss Filmwissenschaft, Kunst- und Architekturgeschichte die Nachkriegs-
zeit als Boomphase gewertet werde, in der Stadt Zürich ausgewiesen mit
jährlich rund 7 Mio. Kinoeintritten, ist nicht in Zweifel zu ziehen; ebenso we-
nig die Feststellung, dass die Typologie der freistehenden Kinozweckbaute
in den Aussenquartieren und in den Agglomerationsgemeinden der Stadt
Zürich in jener Zeit an Bedeutung gewonnen habe. Ob allerdings auch ge-
sagt werden kann, dass dem Film (erst) dannzumal Anerkennung zuteil
wurde, während er in den Jahrzehnten zuvor auf Grund rigider Moralvor-
stellungen als "Kulturschande" diskreditiert worden sei, erscheint eher frag-
R1S.2015.05058 Seite 25
lich, braucht hier aber nicht weiter vertieft zu werden. Unhaltbar ist hinge-
gen die Auffassung, die Ausnahmebewilligung für den im Obergeschoss si-
tuierten Kinosaal sei den in der Nachkriegszeit neu gewonnenen Konsum-
freiheiten geschuldet, die dazu geführt hätten, dass die restriktive Anwen-
dung der Kinoverordnung von 1916 gelockert worden sei. Diese Ausnah-
mebewilligung wurde von der Vorinstanz bereits der Einführung eines feu-
ersicheren Filmmaterials und damit einem völlig andersartigen und wesent-
lich überzeugenderen Grund zugeordnet.
Legt die Vorinstanz weiter dar, die heute selbstverständliche Verbindung
von Kino und Gastronomie, die im Kino Sternen unter einem Dach vereint
seien, knüpfe in kinohistoriographischer Hinsicht an die Pionierphase der
Kinokultur an, und die Kinobauten der 1950er-Jahre hätten sich mit ange-
gliedertem Restaurant, Bar und Dancing zu innerstädtischen Vergnügungs-
zentren entwickelt, kann festgestellt werden, dass das Kino Sternen mit
seinem damaligen kleinen (alkoholfreien) Tea-Room wohl kaum als "Ver-
gnügungszentrum" angesprochen werden kann und damit diese Entwick-
lung höchstens sehr beschränkt zu bezeugen vermag. Wies ausserhalb
von Aussersihl und der Innenstadt der Industrieort Oerlikon um 1950 die
höchste Kinodichte auf, so hatte das Kino Sternen zwar durch seinen Be-
stand hierzu einen Beitrag geleistet; als Einzelobjekt vermag es indes diese
Dichte offenkundig nicht zu bezeugen. Die vorinstanzliche Feststellung,
Oerlikon habe sich mit dem Hallenstadion, der Messehalle, dem Stadthof
11 und der offenen Rennbahn den Ruf eines über die Stadtgrenzen hinaus
bekannten "Trendsetters" der populären Massenkultur erworben, ist als
solche nicht Frage zu stellen. Hingegen liegt auf der Hand, dass das im
Vergleich mit diesen Stätten viel kleinere Kino Sternen an dieser überkom-
munalen Ausstrahlung kaum partizipiert haben kann. Eine diesbezügliche
Zeugenhaftigkeit ist folglich zu verneinen. Wesentlich zutreffender erscheint
die vorinstanzliche Einstufung des Kinos Sternen als Vorstadt- und Quar-
tierkino. Stellt die Vorinstanz allerdings fest, dass das Kino Sternen, als
Vorstadt- und Quartierkino konzipiert, die Bedeutung des Films als kulturel-
le Ausdrucksform, die allen sozialen Schichten ein kostengünstiges Ange-
bot an Kultur, Bildung und Unterhaltung bereitgestellt hat, manifestiere, so
muss dem entgegengehalten werden, dass sich dies letztlich von jedem Ki-
no sagen lässt.
R1S.2015.05058 Seite 26
10.1.
Mit dem in ein Geschäftshaus an der Nüschelerstrasse 11 integrierten Stu-
dio 4 von 1949 (unter Schutz seit 1992) und dem in eine Hotelbaute an der
Zähringerstrasse 44 integrierten Kino Alba von 1958 (unter Schutz seit
1999) sind heute in der Stadt Zürich bereits zwei Kinobauten aus dem frag-
lichen Zeitraum (Ende 1940er-Jahre / 1950er-Jahre) unter Schutz gestellt.
Diese Kinos sind als Schutzobjekte deutlich höher zu gewichten sind als
das Kino Sternen, werden sie doch nach wie vor (und gewiss noch lange)
zu Kinozwecken genutzt. Ist nebst Baute und Zubehör auch noch die origi-
nale, dem Zweck der Baute entsprechende Nutzung erhalten, so ergibt dies
offenkundig ein wesentlich vitaleres Zeugnis, als es eine umgenutzte Ge-
bäudehülle abzulegen vermag. An dieser Gewichtung ändert auch nichts,
dass das Zürcher Denkmalpflegerecht keine Grundlage zur Unterschutz-
stellung von Nutzungen kennt (BRGE I Nr. 0056/2015 vom 8. Mai 2015, E.
5 ff.). Das von der Vorinstanz betonte Alleinstellungsmerkmal, dass es sich
beim Kino Sternen um das letzte freistehende Kino aus dem fraglichen Zeit-
raum handelt, vermag diese Inferiorität bei Weitem nicht aufzuwiegen.
10.2.
Beim Architekten Werner Stücheli handelt es sich unzweifelhaft um einen
für Zürich bedeutenden Architekten; hiervon scheinen die Parteien überein-
stimmend auszugehen. Die Vorinstanz hat die Schutzwürdigkeit indes nicht
etwa vorrangig mit dem Projektverfasser begründet. Dem angefochtenen
Beschluss ist nirgends zu entnehmen, das streitbetroffene Gebäude sei
schon deswegen zu erhalten, weil es von Werner Stücheli projektiert wor-
den sei. Vernehmlassungsweise macht die Vorinstanz vielmehr geltend,
das Werk von Werner Stücheli geniesse nicht jene denkmalpflegerische
Vorzugsbehandlung, bei der jeder Bau unter Schutz gestellt. Demnach wä-
re in der Begründung des angefochtenen Beschlusses eine Auseinander-
setzung mit dem Werk von Werner Stücheli und der Verortung des streitbe-
troffenen Gebäudes innerhalb dieses Werkes zu erwarten gewesen. Hieran
fehlt es indes.
In der Vernehmlassung hat die Vorinstanz festgestellt, entgegen der An-
sicht der Rekurrentin gehöre das Kino Sternen zu den bedeutendsten Wer-
ken des Architekten Werner Stücheli. Begründet wird diese Auffassung in-
des einzig damit, das Kino Sternen sei das einzige Kinogebäude im Werk
Stüchelis, was offenkundig unzureichend ist.
R1S.2015.05058 Seite 27
10.3.
Die Vorinstanz hat sich, wie die vorstehend annähernd vollständig wieder-
gegebene Begründung der wichtigen Zeugenschaft zeigt (Erwägung Zif-
fer 3), bei ihrer Einstufung weitestgehend auf die städtebaulichen, typologi-
schen und baukünstlerischen Merkmale sowie sozial- und kulturhistorische
Bedeutung des Bauwerks abgestützt. Diesen Merkmalen und dieser Be-
deutung kommt indes, wie vorstehend (Erwägung Ziffer 9) einlässlich dar-
getan, nicht jenes Gewicht zu, das es erlaubte, von einem wichtigen Zeu-
gen im Sinne von § 203 Abs. 1 lit. c PBG zu sprechen.
Letztlich zu konstatieren ist nicht mehr und nicht weniger als eine gut ge-
lungene Umsetzung der Bauaufgabe, auf dem streitbetroffenen Grundstück
eine freistehende, sich als solche präsentierende Kinobaute zu errichten.
"Gut gelungen" insbesondere deswegen, weil der Architekt es verstanden
hat, mit dem Kehren gewisser Kinoteile nach aussen (Leinwandnische, Pro-
jektionskabine, Fluchtbalkone) gleich Mehreres zu bewerkstelligen: Die ge-
ringe Grundstücksgrösse zu kompensieren, das Gebäude als Kinogebäude
in erhöhtem Masse kenntlich zu machen und mit der Leinwandnische auf
die städtebauliche Situation zu reagieren. Es steht ausser Zweifel, dass das
Gebäude als Ganzes wie auch in seinen einzelnen Teilen gut gestaltet ist;
über die schon mehrfach genannten Bauteile hinaus sind etwa die Dachge-
staltung einschliesslich Dachuntersichten oder die von den Fluchtbalkonen
hinab führenden, wellenartig gestalteten Treppen zu nennen. Auch lässt die
Baute ihre Entstehungszeit, die frühen Fünfzigerjahre, gut erkennen. Eine
wenn auch nicht allzu bedeutsame kino-architekturgeschichtliche Beson-
derheit besteht in der Situierung des Kinosaals im Obergeschoss. Zudem
kann die Arkade in einen architekturgeschichtlichen Zusammenhang einge-
reiht werden und damit eine gewisse Zeugenhaftigkeit für sich beanspru-
chen. Diese Ansätze reichen indes nicht dazu aus, das Gebäude als wich-
tigen Zeugen einzustufen, woran auch die teilweise deutlich überhöhte Dik-
tion der Vorinstanz nichts ändert.
10.4.
Schutzobjektsqualität ist umso weniger festzustellen, als dass das Gebäu-
de heute nur mehr in stark verändertem Zustand besteht. Im Erdgeschoss
sind massive Eingriffe zu verzeichnen. Ursprünglich lag der – offenbar für
Kino und Tea-Room gemeinsame – Eingang in der Mitte der strassenseiti-
gen Fassade. Im Jahre 1967 wurde diese Situation verändert. Heute hat
R1S.2015.05058 Seite 28
das Kino einen separaten Eingang zur Linken, und der Eingang zum Res-
taurant befindet sich weiter rechts. Das Schaufenster mit den Standfotos
zur Linken des ursprünglichen Eingangs existiert wie erwähnt nicht mehr.
Zwar kann auch heute noch von einer verglasten Sockelzone, die einen
gestalterisch gewollten Kontrast zum muralen Obergeschoss erkennen
lässt, gesprochen werden. Die heutige Gestaltung der strassenseitigen
Erdgeschossfassade ist indes erstens nicht mehr die originale und bewegt
sich zweitens auf deutlich tieferem Niveau. An alldem ändert auch nichts,
wenn die Vorinstanz vernehmlassungsweise geltend macht, eine nochmali-
ge Versetzung des Kinoeingangs in den Bereich der Ostfassade zu Guns-
ten einer Restaurantvergrösserung sei "naheliegend" gewesen, nachdem
auf Grund einer Projektänderung durch Architekt Stücheli auf das links des
Haupteingangs geplante Ladengeschäft zu Gunsten von zwei Büroräumen
verzichtet und die Fassadenflucht gegenüber der verglasten Front des Res-
taurants leicht zurückversetzt worden sei. Abgesehen davon, dass in der
späteren Änderung nichts zufolge der Projektänderung "Naheliegendes" zu
erkennen ist, bleibt es dabei, dass der Originalzustand erheblich und zum
Schlechteren verändert wurde. Auf den Wegfall von Fassadenbeleuchtung,
Schriften und Logos im Obergeschoss als wichtigen Gestaltungselementen
wurde bereits vorstehend hingewiesen.
Im Inneren des Gebäudes hat die Vorinstanz – abgesehen von der Primär-
konstruktion aus Eisenbeton und Mauerwerk mit sämtlichen Geschossde-
cken und der Satteldachkonstruktion – einzig die Treppe zum Zuschauer-
raum und die original erhaltene Bodenfläche aus Kunststein im Kinofoyer
unter Schutz gestellt. Dies deswegen, weil im Übrigen nichts Entstehungs-
zeitliches mehr vorhanden ist. Auch die Treppe in ihrer aktuellen Ausgestal-
tung stammt nicht aus der Entstehungszeit, sondern nur die Treppenstruk-
tur; die Schutzverfügung erfasst wohl nur diese. Der Kunststeinboden im
Foyer ist zwar entstehungszeitlich, aber frei von jeder qualifizierenden Be-
sonderheit. Vom Zuschauerraum ist mangels Schutzwürdigkeit nichts unter
Schutz gestellt. Der ursprünglich gewölbte Boden ist heute mit einem pla-
nen Parkettboden überdeckt, womit auch diese Besonderheit der Stücheli-
Baute verloren gegangen ist; eine künftige Nutzung welcher Art auch immer
würde sich mit aller Wahrscheinlichkeit auf einem flachen und nicht mehr
auf einem gewölbten Boden abspielen.
Den veränderten Bodenverhältnissen im Inneren entspricht auf dem west-
seitigen Fluchtbalkon die bestehende plane Anhebung der Gehfläche mit
R1S.2015.05058 Seite 29
einem metallenen Aufbau, die mit einer erheblichen ästhetischen Beein-
trächtigung verbunden ist. Dem Erscheinungsbild der Baute abträgliche
Veränderungen sind im Übrigen auch auf der Westseite des Gebäudes im
Bereich des Restaurationsbetriebes zu verzeichnen.
Insgesamt entfällt es, das streitbetroffene Gebäude als wichtigen Zeugen
im Sinne von § 203 Abs. 1 lit. c PBG einzustufen.
Der angefochtene Beschluss ist somit aufzuheben.
11.1.
Im angefochtenen Beschluss hat sich die Vorinstanz auch mit der Verhält-
nismässigkeit der Schutzmassnahme und mit der Abwägung der öffentli-
chen und privaten Interessen befasst. Bemerkungsweise ist nachfolgend
auch hierauf Bezug zu nehmen.
Unter dem Titel "Verhältnismässigkeit der Massnahme" führt die Vorinstanz
an, die Denkmalpflegekommission habe an ihrer Sitzung vom 7. Juli 2014
befunden, dass das Kino Sternen die Kriterien einer Unterschutzstellung
eindeutig erfülle. Die Denkmalpflegekommission habe die Schwierigkeiten
anerkannt, an dieser zentralen Lage ein Kino zu betreiben; alternative Nut-
zungen sei diskutiert worden. Mit dem Ziel, einen Beitrag zur Belebung des
städtisch geprägten Zentrums von Oerlikon zu leisten, habe das in Zürich
verwurzelte Immobilienunternehmen S. AG Kontakt mit der Eigentümerin
des Kino Sternen aufgenommen. Gemäss der Absichtserklärung vom
25. März 2015 werde die S. AG in enger Zusammenarbeit mit dem Zürcher
Büro P. ein publikumsorientiertes Nutzungskonzept ausarbeiten, das als
Basis für den Kauf des Kino Sternen durch einen gemeinnützigen Bauträ-
ger – vorzugsweise eine Baugenossenschaft – diene. Im Vordergrund ste-
he das Interesse an einer nachhaltigen Quartierentwicklung, welche zu-
gleich die Chance für den langfristigen Erhalt des Kinos Sternen als
Schutzobjekt biete. Die X. AG habe ihr Interesse an einem Verkauf der Lie-
genschaft und an einer Zusammenarbeit mit der S. AG bekundet.
Der Schutzumfang sei mit Blick auf ein flexibles Nutzungskonzept, das ex-
plizit nicht auf eine Kinonutzung eingeengt werden solle, so zu definieren,
dass beispielsweise durch eine grosszügige Verglasung der sechs Flucht-
türen Tageslicht in den Kinosaal geführt werden könne. Der Einzug einer
Galerie im Kinosaal und damit die Schaffung einer zusätzlichen Geschoss-
R1S.2015.05058 Seite 30
fläche mit neuen Fensteröffnungen an den Längsfassaden solle nicht aus-
geschlossen werden. Da die strassenseitige Fassade mit der auskragen-
den Leinwandnische als geschlossenes plastisches Element erhalten und
das Begriffspaar "Kino und Film" in städtebaulicher und architektonischer
Hinsicht ablesbar bleibe, würde der Charakter der Kinoarchitektur durch
diesen Eingriff nicht erheblich beeinträchtigt. Bei einer architektonisch gu-
ten Lösung mit entsprechend sorgfältiger Ausführung könnten die neuen
Fenster des Galeriegeschosses gar zur Belebung der geschlossenen
Längsfassaden beitragen. Die in kinohistoriographischer Hinsicht einzigar-
tigen Fluchtbalkone würden vom Einzug einer Galerie im Obergeschoss
nicht tangiert werden. Das Gebäude könne somit weiterhin für eine öffentli-
che Nutzung mit Gastronomiebereich zur Verfügung stehen. Solche An-
passungen an künftige Anforderungen und Bedürfnisse ermöglichten wei-
terhin eine bestimmungsgemässe, wirtschaftliche sinnvolle und gute Nut-
zung des Grundstücks. Eine Unterschutzstellung in diesem Umfange sei
deshalb verhältnismässig.
Unter dem Titel "Abwägung der öffentlichen und privaten Interessen" führt
die Vorinstanz weiter aus: Ein Schutzobjekt wie das Kino Sternen, das an
zentraler Lage mit einer öffentlichen Nutzung der lokalen Bevölkerung zu-
gute komme, sei der Aufwertung des Quartiers förderlich und füge sich
nahtlos in die städtische Strategie betreffend die Belebung des Oerlikoner
Zentrums ein. Das öffentliche Interesse am Erhalt des Schutzobjektes
überwiege deshalb das private Interesse an einer höheren Ausnutzung des
Grundstücks. Hinzu komme, dass mit dem rückseitig an das Grundstück
des Kinos Sternen angrenzenden Wohnhauses aus dem Jahre 1912 an der
Baumackerstrasse 20 und mit dem benachbarten Feuerwehrgebäude aus
dem Jahre 1913 an der Baumackerstrasse 18 zwei bedeutende Schutzob-
jekte stünden, die durch einen Ersatzneubau in ihrer Schutzwürdigkeit stark
beeinträchtigt würden.
11.2.
Die Rekurrentin bestreitet jedes Interesse an einem Verkauf der Liegen-
schaft und an einer Zusammenarbeit mit der S. AG. Eine Absichtserklärung
vom 25. März 2015 sei ihr nicht bekannt.
R1S.2015.05058 Seite 31
11.3.
Staatliches Handeln, namentlich auch die Einschränkung von Grundrechten
wie der Eigentumsgarantie (Art. 26 der Bundesverfassung [BV]) oder der
Wirtschaftsfreiheit (Art. 27 BV), muss verhältnismässig sein (Art. 5 Abs. 2
und Art. 36 Abs. 3 BV). Damit wird zunächst verlangt, dass staatliche
Massnahmen zwecktauglich und notwendig sind (Verhältnismässigkeit im
weiteren Sinne). Die Notwendigkeit bedeutet, dass eine Massnahme in ih-
rer konkreten Ausgestaltung über das zur Erreichung ihres Ziels Notwendi-
ge nicht hinausgehen darf.
Alsdann muss die Verhältnismässigkeit auch im engeren Sinne gewahrt
sein. Das heisst, dass ein vernünftiges Verhältnis zwischen dem angestreb-
ten Ziel und dem mit der Massnahme verbundenen Eingriff in die Rechts-
stellung der betroffenen Person bestehen muss. Staatliche Massnahmen
müssen durch ein öffentliches Interesse, welches das private überwiegt,
gerechtfertigt sein, andernfalls sie für den Betroffenen unzumutbar sind. Für
die Interessenabwägung massgeblich sind einerseits die Bedeutung der mit
einer staatlichen Massnahme verfolgten öffentlichen Interessen und ande-
rerseits das Gewicht der im Spiele stehenden privaten Interessen. Eine
Massnahme, die tief greifende Auswirkungen auf die Rechtsstellung des
betreffenden Rechtssubjektes hat, jedoch bloss von geringem öffentlichen
Interesse ist, ist somit als unzulässig einzustufen (vgl. zum Ganzen Ulrich
Häfelin/Georg Müller/Felix Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht,
6. Aufl., Zürich/St. Gallen 2010 Rz. 581 ff.).
11.4.
Nach dem Gesagten bildet es einen von mehreren Aspekten der Verhält-
nismässigkeit, dass das öffentliche Interesse an der zu beurteilenden
Massnahme das entgegenstehende private überwiegen muss. Hierbei sind
nicht alle öffentliche Interessen in die Abwägung mit einzubeziehen. Ausser
Betracht fallen öffentliche Interessen, die im gegebenen Kontext als sach-
fremd einzustufen sind.
Macht die Vorinstanz wie vorstehend wiedergegeben geltend, dass mit dem
Wohnhauses an der Baumackerstrasse 20 und mit dem Feuerwehrgebäu-
de an der Baumackerstrasse 18 zwei bedeutende Schutzobjekte gegeben
seien, die durch einen Ersatzneubau an Stelle des Kinos Sternen in ihrer
Schutzwürdigkeit stark beeinträchtigt würden, so ist auf die vorstehende
Erwägung Ziffer 9.1 in fine hinzuweisen. Dort wurde festgestellt, dass es
R1S.2015.05058 Seite 32
nicht anginge, das Kinogebäude (auch) deswegen unter Schutz zu stellen,
damit der Blick auf die Gebäude am Gubelhang nicht durch eine deutlich
höher als das Kinogebäude ausfallende Neubaute beeinträchtigt würde.
Denn mit einer so begründeten Unterschutzstellung würde nicht der Bedeu-
tung des Kinogebäudes Rechnung getragen, sondern dem Umstand, dass
– aus Sicht der Denkmalpflege – die Nutzungsplanung die qualifizierten
Überbauungsverhältnissen am Gubelhang nicht berücksichtigt hätte. Dies
auf dem Wege der Unterschutzstellung der Altbaute zu korrigieren, indem
damit die bauliche Umsetzung der als ungenügend eingestuften Nutzungs-
planung verhindert würde, fände in § 203 Abs. 1 lit. c PBG offenkundig kei-
nerlei Stütze. Namentlich könne in der Unterschutzstellung des Kinogebäu-
des nicht etwa eine Umgebungsschutzmassnahme zu den Gebäuden am
Gubelhang erkannt werden.
Hieraus ergibt sich, dass das öffentliche Interesse an einer für die schutz-
würdigen Gebäude am Gubelhang vorteilhaften baulichen Umgebung nicht
als öffentliches Interesse an der Unterschutzstellung des Kinogebäudes in
die Interessenabwägung mit einbezogen werden kann. Dem öffentlichen In-
teresse an der Wahrung der Umgebungsqualität ist mit der Bauvorschrift
von § 238 Abs. 2 PBG, wonach auf Schutzobjekte besondere Rücksicht zu
nehmen ist, Rechnung zu tragen. Ginge die Vorinstanz vom Ungenügen
dieses Behelfes aus, müsste sie eine Zonenplanänderung anstreben.
Für den Ausweis eines überwiegenden öffentlichen Interesses an der Un-
terschutzstellung beruft sich die Vorinstanz weiterhin auch darauf, dass das
Gebäude mit einer öffentlichen Neunutzung der lokalen Bevölkerung zu
Gute käme; dies sei der Aufwertung des Quartiers förderlich und füge sich
nahtlos in die städtische Strategie zur die Belebung des Oerlikoner Zent-
rums ein. Dieses Interesse erweist sich als vollends sachfremd. Massnah-
men des Denkmalschutzes dienen dem Kulturgüterschutz und nicht der Be-
reitstellung von Quartierzentren und dergleichen mehr, indem ein nicht
mehr profitabel nutzbares Schutzobjekt dem Grundeigentümer abgekauft
und hernach entsprechend umgenutzt werden kann. Ein öffentliches Inte-
resse an einer Denkmalschutzmassnahme so zu begründen, fällt ganz of-
fensichtlich ausser Betracht. Dies umso mehr, als der Verkauf dem Grund-
eigentümer freigestellt ist.
R1S.2015.05058 Seite 33
11.5.
Den vorstehend in Erwägung Ziffer 11.1 wiedergegebenen Erwägungen der
Vorinstanz nach zu schliessen geht auch diese davon aus, dass die Tage
des Kinobetriebs gezählt sind. Mit Blick auf eine Umnutzung vertritt die Vor-
instanz die Auffassung, dass eine Unterschutzstellung unter folgenden
Vorgaben verhältnismässig sei: Grosszügige Verglasung der sechs Flucht-
türen sowie Einbau einer Galerie im Kinosaal mit neuen Fensteröffnungen
an den Längsfassaden. Dementsprechend wurden diese baulichen Mass-
nahmen mit dem angefochten Beschluss erlaubt. Damit würde zwar die
Nutzfläche im ehemaligen Kinosaal gesteigert und wäre zugleich die not-
wendige Belichtung des Raumes gewährleistet, was eine – wenn gleich
nach wie vor äusserst eingeschränkte – Nutzbarkeit schaffen würde. Hin-
gegen würde das Gebäude in einem Masse Änderungen erfahren, die es
dem ursprünglichen Kino vollends entfremdeten. Die Ablesbarkeit der Kino-
funktion beruht in erster Linie auf dem langgezogenen, hohen, fensterlosen
Obergeschoss. Wird dieses zweigeschossig befenstert, entfällt – in der Dik-
tion der Vorinstanz – die "Kino-Black-Box" und damit das architektonische
Hauptmerkmal schlechthin. Die strassenseitige auskragende Leinwandni-
sche wäre im veränderten Gebäudekontext weitgehend isoliert, ebenso die
Fluchtbalkone. Es würde weitgehend zerstört, was erhalten werden sollte,
nämlich eine Kinobaute. Eine solche Unterschutzstellung kann nicht mehr
als zwecktauglich bezeichnet werden. Ohne diese baulichen Verände-
rungsmöglichkeiten wäre die Baute praktisch nicht mehr nutzbar, womit die
Unterschutzstellung nicht zumutbar wäre.
Demnach erweist sich der angefochtene Beschluss auch als unverhältnis-
mässig.
12.1.