# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 5ee88463-3499-4a52-9e04-3644b4b367c9
**Court:** ZH_SRK
**Chamber:** ZH_SRK_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

hat sich ergeben:
A. Die 1956 geborene A (nachfolgend die Pflichtige) erhielt Ende 2011 von
ihrer damaligen Arbeitgeberin B AG einen als Abfindung bzw. Abgangsentschädigung
bezeichneten Betrag von netto Fr. 105'341.-. Per 1. Januar 2012 wechselte sie zu ei-
nem neuen Arbeitgeber. In der Steuererklärung 2011 gab sie die Abfindung – entgegen
dem Lohnausausweis – nicht als Einkunft aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit an
und deklarierte stattdessen nur das ordentliche Salär von netto Fr. 129'701.-. Unter
Einbezug der übrigen Einkünfte und der Abzüge bezifferte sie das steuerbare Einkom-
men auf Fr. 92'600.- (direkte Bundessteuer) bzw. Fr. 91'000.- (Staats- und Gemeinde-
steuern). Das steuerbare Vermögen lautete auf Fr. 109'000.-.
Am 17. Januar 2014 veranlagte die Steuerkommissärin die Pflichtige für die
Steuerperiode 2011 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 199'000.- (direkte Bun-
dessteuer) bzw. Fr. 197'400.- (Staats- und Gemeindesteuern), indem sie die genannte
Entschädigung als ordentlich zu besteuernde Lohneinkunft aufrechnete. Das steuerba-
re Vermögen übernahm sie gemäss Steuererklärung.
B. Hiergegen liess die Pflichtige am 17. Februar 2014 Einsprache erheben mit
dem Antrag, die Abfindung von Fr. 105'341.- als separat zu erfassende Kapitalleistung
zu besteuern. Das kantonale Steueramt wies die Einsprache am 22. August 2014 ab.
C. Mit Beschwerde bzw. Rekurs vom 22./23. September 2014 liess die Pflich-
tige den Einspracheantrag erneuern. Das kantonale Steueramt schloss am 21. Okto-
ber 2014 auf Abweisung der Rechtsmittel. Die Eidgenössische Steuerverwaltung liess
sich nicht vernehmen.
Der Referent des Steuerrekursgerichts führte mit Auflage vom 29. Janu-
ar 2015 eine ergänzende Untersuchung durch. Die Pflichtige reichte am 30. April/
7. Mai 2015 entsprechende Unterlagen ein und das kantonale Steueramt nahm dazu
am 18. Mai 2015 Stellung.
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## Considerations

Die Kammer zieht in Erwägung:
1. a) Gemäss § 17 des Steuergesetzes vom 8. Juni 1997 (StG) sind steuerbar
alle Einkünfte aus privatrechtlichem oder öffentlichrechtlichem Arbeitsverhältnis mit
Einschluss der Nebeneinkünfte, wie Entschädigungen für Sonderleistungen, Provisio-
nen, Zulagen, Dienstalters- und Jubiläumsgeschenke, Gratifikationen, Trinkgelder,
Tantiemen und andere geldwerte Vorteile (Abs. 1). Dazu gehören auch Kapitalabfin-
dungen aus einer mit dem Arbeitsverhältnis verbundenen Vorsorgeeinrichtung oder
gleichartige Kapitalabfindungen des Arbeitgebers, die nach § 37 StG zu besteuern sind
(Abs. 2). Die letztere Bestimmung sieht für solche Kapitalleistungen insoweit eine privi-
legierte Besteuerung vor, als diese separat zum Steuersatz berechnet werden, der sich
ergäbe, wenn anstelle der einmaligen eine jährliche Leistung von einem Zehntel der
Kapitalleistung ausgerichtet würde, wobei die einfache Staatssteuer jedoch mindestens
2% beträgt und stets eine volle Jahressteuer erhoben wird. Ebenfalls privilegiert be-
steuert werden unter § 17 Abs. 1 StG fallende Kapitalzahlungen, welche wiederkeh-
rende Leistungen abgelten; diesfalls wird die Einkommenssteuer gemäss § 36 StG
unter Berücksichtigung der übrigen Einkünfte zu dem Steuersatz berechnet, der sich
ergäbe, wenn anstelle der einmaligen Leistung eine entsprechende jährliche Leistung
ausgerichtet worden wäre. Soweit keine Privilegierung Platz greift, richtet sich die Be-
steuerung ordentlicher Einkünfte im Sinn von § 17 Abs. 1 StG in tariflicher Hinsicht
nach § 35 StG.
Im Bereich der direkten Bundessteuer ist die Besteuerung von Kapitalabfin-
dungen des Arbeitgebers im Wesentlichen gleich geregelt (vgl. Art. 17, 36, 37 und 38
des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer vom 14. Dezember 1990, DBG).
Zur Abgrenzung der verschiedenen Besteuerungsvarianten hat die ESTV am
3. Oktober 2002 ein Kreisschreiben verfasst (Kreisschreiben Nr. 1 zu Direkte Bundes-
steuer Steuerperiode 2003 über die Abgangsentschädigung resp. Kapitalabfindung des
Arbeitgebers, ASA 71, 532, nachfolgend ESTV-Kreisschreiben), welches vom kantona-
len Steueramt auch im Bereich der Staats- Gemeindesteuern beachtet wird. Wenn
diesem Kreisschreiben auch keine rechtsverbindliche Wirkung zukommt, so ist es doch
als Auslegungshilfe dienlich.
b) Wurden Abgangsentschädigungen früher gemäss Art. 339b OR vor allem
älteren langjährigen Mitarbeitern entrichtet, um ihnen eine minimale Altersvorsorge zu
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gewährleisten, werden diese heute auch Arbeitnehmern und insbesondere Führungs-
kräften mit bereits guter Altersvorsorge ausbezahlt. Dabei können die vom Arbeitgeber
bei vorzeitiger Beendigung des Arbeitsverhältnisses ausgerichteten Abgangsentschä-
digungen verschiedene Gründe haben, z.B. "Schmerzensgeld" für die Entlassung,
Treueprämie für langjährige Dienstverhältnisse, "Risikoprämie" für die persönliche Si-
cherheit und berufliche Zukunft, Entgelt für erbrachte Arbeitsleistungen, Vorruhe-
standsregelungen, d.h. Ausgleich allfällig entstehender Lücken oder langfristiger Ein-
bussen in der beruflichen Vorsorge usw. Oft handelt es sich um pauschale
Abfindungssummen, deren Zweckbestimmung unklar und gegebenenfalls näher zu
untersuchen ist (ESTV-Kreisschreiben Ziff. 1).
c) Je nachdem, was der Arbeitgeber mit der Kapitalabfindung bezweckt hat,
sind nach Massgabe der oben stehenden gesetzlichen Auslegeordnung folgende Be-
steuerungslösungen in Betracht zu ziehen: Soweit Abfindungen normalen Einkom-
menscharakter haben (z.B. Schmerzensgeld für die Entlassung ["golden handshake"]
oder Treueprämie für ein langjähriges Dienstverhältnis), kommt es als Regelfall zur
ordentlichen Besteuerung gemäss Art. 17 Abs. 1 i.V.m. Art. 36 DBG bzw. § 17 Abs. 1
i.V.m. § 35 StG. Liegt im Sinn eines Sonderfalls in einer solchen Abfindung ein Ersatz
für vergangene oder zukünftige wiederkehrende Leistungen, erfolgt die privilegierte
Besteuerung von ordentlichem Einkommen zum Rentensatz (Art. 17 Abs. 1 DBG i.V.m.
Art. 37 DBG bzw. § 17 Abs. 1 i.V.m. § 36 StG). Hat eine dem ausscheidenden Arbeit-
nehmer ausbezahlte Abfindung Vorsorgecharakter, ist die Besteuerung im Sinn eines
weiteren Sonderfalls nach Massgabe von Art. 17 Abs. 2 i.V.m. Art. 38 DBG bzw.
§ 17 Abs. 2 StG i.V.m. § 37 StG privilegiert vorzunehmen.
d) Die privilegierte Besteuerung gemäss Art. 17 Abs. 2 i.V.m. Art. 38 DBG
bzw. § 17 Abs. 2 StG i.V.m. § 37 StG setzt voraus, dass eine Kapitalabfindung aus
einer mit dem Arbeitsverhältnis verbundenen Vorsorgeeinrichtung oder eine "gleichar-
tige Kapitalabfindung des Arbeitgebers" vorliegt.
aa) Unter gleichartigen Kapitalabfindungen des Arbeitgebers sind nach der
Rechtsprechung solche Leistungen zu verstehen, die objektiv dazu dienen, die durch
Alter, Invalidität oder Tod des Arbeitnehmers verursachte oder wahrscheinliche Be-
schränkung seiner gewohnten Lebenshaltung bzw. derjenigen seiner Hinterlassenen
zu mildern. "Gleichartig" ist also die Leistung vorab, wenn sie bei den nämlichen Gele-
genheiten wie Kapitalabfindungen von Vorsorgeeinrichtungen ausgerichtet wird, d.h.
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beim Eintritt eines Vorsorgefalls (Pensionierung, Invalidität oder Tod des Arbeitneh-
mers; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 2. A., 2009, Art. 38
N 12, und Kommentar zum harmonisierten Zürcher Steuergesetz, 3. A., 2013, § 37
N 17, mit Hinweisen). Gleichartigkeit der Kapitalabfindung liegt aber auch dann vor,
wenn bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses vom bisherigen Arbeitgeber eine Kapi-
talleistung erbracht wird, die dazu dient, beim Empfänger die finanziellen Folgen eines
künftigen Vorsorgeausfalls ganz oder teilweise zu beheben (StRK I, 24. Novem-
ber 1998 = ZStP 1999, 348 ff., auch zum Folgenden).
Für die Beurteilung der Frage, ob die Kapitalzahlung des Arbeitgebers
"gleichartig" sei wie Kapitalzahlungen der beruflichen Vorsorge, kann demzufolge dem
Alter des Arbeitnehmers allein keine entscheidende Bedeutung beigemessen werden.
Immerhin ist aber davon auszugehen, dass eine solche Geldleistung desto eher Vor-
sorgecharakter aufweist, je älter der damit bedachte Arbeitnehmer im Zeitpunkt der
Auszahlung ist bzw. je weniger Jahre bis zum Erreichen des ordentlichen Pensionsal-
ters verbleiben. Im Übrigen aber müssen die gesamten Umstände des Einzelfalls in die
Beurteilung miteinbezogen werden. Zu berücksichtigen ist in diesem Zusammenhang
sodann, ob die Kapitalleistung auf einer vertraglichen Pflicht des Arbeitgebers beruht,
denn eine solche spräche von vornherein gegen einen Vorsorgecharakter. Auch sind
die berufliche Situation des Steuerpflichtigen, der Stand seiner Altersvorsorge und die
Erklärungen der Beteiligten in Betracht zu ziehen. Dabei ist stets auf die Verhältnisse
abzustellen, wie sie sich im Zeitpunkt der Entrichtung der fraglichen Kapitalabfindung
präsentiert haben (RB 1998 Nr. 142 = StE 1999 B 26.13 Nr. 14 = ZStP 1999, 121).
bb) In Anwendung dieser Kriterien hat das Verwaltungsgericht die einer
51-jährigen Mitarbeiterin im Zusammenhang mit dem Verlust ihrer langjährigen Ar-
beitsstelle ausgerichtete Kapitalabfindung der gesonderten milderen Besteuerung un-
terworfen mit der Begründung, die Zahlung habe dazu gedient, der Empfängerin –
welche angesichts ihres Alters nicht damit habe rechnen können, ohne weiteres wie-
der eine Stelle zu finden – beim (späteren) Eintritt eines Vorsorgefalls die wahrscheinli-
che Beschränkung ihrer gewohnten Lebenshaltung abzufedern (VGr, 4. Juli 1995,
SB.94.00052). Mit weiterem Entscheid hat das Verwaltungsgericht einem im Zufluss-
zeitpunkt 54-jährigen Steuerpflichtigen die privilegierte Besteuerung der erhaltenen
Abgangsentschädigung mit der Begründung gewährt, im Rahmen der gebotenen vor-
ausschauenden Beurteilung sei entscheidend, dass dieser mit einer Wiederanstellung
zu vergleichbaren Salär- und Versicherungsbedingungen im Zeitpunkt der Kapitalzah-
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lung objektiv nicht habe rechnen können. Dabei verwies das Gericht auf das Alter und
die spezialisierungsbedingt beschränkte Vermittelbarkeit des Steuerpflichtigen; zudem
sei nicht davon auszugehen, dass dieser den hohen Stand seiner durch 22 Beitrags-
jahre erworbenen Vorsorgeansprüche auch nur annähernd werde beibehalten können
(RB 1998 Nr. 142 = StE 1999 26.13 Nr. 14 = ZStP 1999, 121). Sodann hat die Steuer-
rekurskommission I (heute Steuerrekursgericht) einer einem 50-jährigen Steuerpflichti-
gen nach 24 Dienstjahren ausbezahlten Abgangsentschädigung von Fr. 100'000.- den
Vorsorgecharakter zugesprochen und argumentiert, bei der vorzeitigen Beendigung
des Arbeitsverhältnisses habe man annehmen müssen, dass dieser nicht ohne weite-
res wieder ein gleichwertige Stelle finden oder aber gegenüber dem bisherigen Er-
werbseinkommen zumindest eine Einbusse erleiden werde. Die Möglichkeit, eine sol-
che Gehaltseinbusse durch spätere Gehaltserhöhungen ausgleichen zu können, habe
ebenfalls als gering eingestuft werden müssen. Dass sich die dergestalt reduzierten
Erwerbserwartungen und damit einhergehend die inskünftig tieferen Beiträge an die
berufliche Vorsorge auch auf die Höhe dieser künftigen Leistungen auswirkten, leuchte
ohne weiteres ein (StRK I, 24. November 1998 = ZStP 1999, 348 ff.). Demgegenüber
hat die Steuerrekurskommission I einem 54-jährigen Staatsangestellten unter Würdi-
gung aller Umstände die privilegierte Besteuerung der diesem im Rahmen eines "ma-
nagement buyouts" ausbezahlten Austrittsentschädigung versagt; ausschlaggebend
war dabei insbesondere, dass der Arbeitnehmer nahtlos eine neue Stelle antreten
konnte. Die im Rahmen der Neuanstellung anfänglich resultierende Lohneinbusse und
die damit verbundene Verschlechterung der Vorsorgesituation erachtete die Steuerre-
kurskommission aufgrund des Alters des Steuerpflichtigen und dessen Berufsaussich-
ten als bis zum ordentlichen Pensionszeitpunkt durchaus noch kompensierbar (StRK I,
16. Juni 2003, 1 ST.2002.454). Schliesslich hat das Steuerrekursgericht den Vorsorge-
charakter einer Entschädigung von Fr. 60'000.- bejaht, welche einem in der Verwaltung
institutioneller Gelder tätigen, knapp 54-jährigen Bankangestellten bei der Entlassung
ausgerichtet wurde, weil diesem keine gute berufliche Prognose gestellt werden konn-
te, er tatsächlich auch noch keine Weiterbeschäftigung gefunden und eine – wenn
auch knappe – Vorsorgelücke zu beklagen hatte (StRG, 29. Mai 2009,
1 ST.2008.304/1 DB.2008.185, www.strgzh.ch).
cc) Neben dieser Rechtsprechung ist für die Frage, ob die hier streitige Ab-
gangsentschädigung als "gleichartig" im Sinn von Art. 17 Abs. 2 DBG bzw. § 17
Abs. 2 StG qualifiziert werden kann, auch das ESTV-Kreisschreiben als Abgrenzungs-
hilfe heranzuziehen. Danach können gleichartige Kapitalabfindungen des Arbeitgebers
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in diesem Sinn steuerlich als Vorsorgeleistung betrachtet werden, wenn nachfolgende
Voraussetzungen kumulativ erfüllt sind:
• die steuerpflichtige Person verlässt das Unternehmen ab dem vollendeten
55. Altersjahr;
• die (Haupt-) Erwerbstätigkeit wird definitiv aufgegeben oder muss aufgegeben
werden;
• durch den Austritt aus dem Unternehmen und dessen Vorsorgeeinrichtung
entsteht eine Vorsorgelücke. Diese ist durch die Vorsorgeeinrichtung zu be-
rechnen. Dabei dürfen nur künftige Vorsorgelücken im Umfang der ordentli-
chen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge zwischen dem Austritt aus der
Vorsorgeeinrichtung bis zum Erreichen des ordentlichen Terminalters auf-
grund des bisher versicherten Verdienstes berücksichtigt werden. Ein im Zeit-
punkt des Austritts bereits bestehender Einkaufsbedarf darf nicht in die Be-
rechnung einbezogen werden.
e) Eine vom Regelfall der ordentlichen Besteuerung abweichende privilegierte
Besteuerung ist steuermindernder Natur, weshalb das Vorliegen der entsprechenden
Voraussetzungen vom Steuerpflichtigen darzutun und nachzuweisen ist (RB 1975
Nr. 64).
2. a) Die Pflichtige wurde 1956 geboren. Als ihr die streitige Kapitalleistung
von netto Fr. 105'341.- im Dezember 2011 ausbezahlt wurde, war sie daher bereits 55
Jahre alt. Damit ist die im ESTV-Kreisschreiben für die Bejahung des Vorsorgecharak-
ters vorausgesetzte Altersgrenze von 55 Jahren erreicht worden. Um bei einem sol-
chen Alter auf einen Vorsorgecharakter der Abgangsentschädigung schliessen zu kön-
nen, müssen aber auch die dafür sprechenden weiteren Umstände erfüllt sein.
b) Die Pflichtige konnte nach Auflösung des Arbeitsverhältnisses mit der B AG
per 31. Dezember 2011 ohne Unterbruch am 1. Januar 2012 eine neue Stelle antreten
und hat damit die Erwerbstätigkeit keineswegs aufgegeben. Dabei musste dies der B
AG und der Pflichtigen im Zeitpunkt der Festlegung und Auszahlung der Abfindung am
30. November (Festlegung) bzw. 20. Dezember 2011 (Auszahlung) bekannt gewesen
sein, datiert der neue Arbeitsvertrag mit der C SA doch schon vom 9. bzw. 23. Novem-
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ber 2011. Ob die Pflichtige von der neuen Anstellung bereits im früheren Zeitpunkt der
Kündigung des Arbeitsverhältnisses Kenntnis hatte, wie sie in Beschwerde und Rekurs
in Abrede stellt, ist nicht entscheidend, geht es doch um die Motive bei Festlegung und
Auszahlung der streitigen Abfindung. Abgesehen davon wurde das bestehende Ar-
beitsverhältnis mit der B AG nicht mittels Kündigung, sondern einverständlich mittels
gegenseitiger Vereinbarung vom 30. November/3. Dezember 2011 aufgehoben.
Gleichzeitig wurde in dieser Vereinbarung auch die Abfindung und deren Höhe festge-
legt (Ziff. 2.3.3 Abs. 1). Mithin hatte zumindest die Pflichtige im Zeitpunkt der Festle-
gung der Abfindung von ihrer nahtlosen Weiterbeschäftigung per 1. Januar 2012 samt
allen Anstellungsbedingungen sehr wohl Kenntnis (Hinsichtlich der B AG, vgl. E.
2c/bb).
In dieser Hinsicht unterscheidet sich der vorliegende Fall damit deutlich von
den vorgenannten kantonalrechtlichen Präjudizien, welchen allen zugrunde lag, dass
die aus dem Betrieb Ausscheidenden nicht ohne weiteres mit einer neuen Anstellung
vor Eintritt des Vorsorgefalls rechnen konnten. Die Fortsetzung der Erwerbstätigkeit
würde sodann auch gemäss ESTV-Kreisschreiben bereits gegen einen Vorsorgecha-
rakter sprechen. Indes ist es gemäss Rechtsprechung des Steuerrekursgerichts und
entgegen der Auffassung des kantonalen Steueramts in den Einspracheentscheiden zu
absolut, den Vorsorgecharakter bei sich abzeichnender Fortführung einer Erwerbstä-
tigkeit generell zu verneinen. So garantiert die weitere Ausübung einer Berufstätigkeit
bis zum ordentlichen Rücktrittsalter die Fortsetzung der gewohnten Lebenshaltung
eben noch nicht. Mithin kann der Vorsorgecharakter einer Abgangsentschädigung auch
bei Kenntnis der Fortsetzung der Erwerbstätigkeit nicht ohne weiteres ausgeschlossen
werden und sind auch in solchen Fällen die weiteren Umstände des Einzelfalls mit ein-
zubeziehen. Zu untersuchen ist dabei insbesondere, ob und inwieweit im Zeitpunkt der
Auflösung des Arbeitsverhältnisses in Kenntnis der Weiterbeschäftigung mit gewichti-
gen Einbussen in der beruflichen Vorsorge zu rechnen war. In diesem Sinn sind vorlie-
gend die hinter der ausgerichteten Kapitalabfindung stehenden Motive des Arbeitge-
bers sowie die bekannte Vorsorgesituation vor und die prognostizierte Vorsorge-
situation nach dem Stellenwechsel von massgebender Bedeutung.
c) aa) Über die Motive der Arbeitgeberin bei Ausrichtung der Kapitalabfindung
ist wenig bekannt, vermochte die Pflichtige ausser der genannten Aufhebungsverein-
barung doch auf Auflage des Referenten des Steuerrekursgerichts hin keine weitere
Korrespondenz dazu einzureichen. Insbesondere betrifft dies auch den Sozialplan,
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welcher gemäss Schreiben der B AG vom 29. Februar 2012 für die Auszahlung der
Abfindung Grundlage bildete, von dieser nach Bekunden der Pflichtigen aber nicht he-
rausgegeben wurde.
In der Aufhebungsvereinbarung wird bezüglich der Abfindung immerhin aus-
geführt, dass damit sämtliche Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis, insbesondere
auch hinsichtlich Dienstjubiläumsansprüchen etc., vollumfänglich abgegolten seien.
Soweit mit der Abfindung aber derart auch Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis be-
friedigt wurden, ist ihr der Vorsorgecharakter von vornherein abzusprechen.
bb) Dass sodann auch die B AG von einer möglichen und durchaus realisti-
schen Weiterbeschäftigung der Pflichtigen ausging, zeigt die Bestimmung in der Auf-
hebungsvereinbarung, wonach keine Abfindung ausgerichtet wird, wenn die Pflichtige
vor Beendigung des Arbeitsverhältnisses im B-Konzern wieder eine neue Anstellung
finden sollte, und die Abfindung von ihr sogar pro rata temporis zurück zu zahlen ist,
wenn sie im Konzern innert Jahresfrist nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses eine
Wiederanstellung erlangen sollte (Ziff. 2.3.3 Abs. 2 und 3). Diese Regelung spricht
nicht für die Absicht der Arbeitgeberin, der Pflichtigen die Abfindung zur Abdeckung
einer möglichen Vorsorgelücke auszurichten, hätte eine solche Lücke doch auch bei
einer Weiterbeschäftigung bei der B AG oder einer Konzerngesellschaft entstehen
können. Wenn die Abfindung tatsächlich vornehmlich Vorsorgecharakter aufweisen
sollte, hätte sie die B AG vielmehr auch bei Weiterbeschäftigung in einer Konzernge-
sellschaft und nicht nur ausserhalb einer solchen ausrichten sowie von ihrer (teilwei-
sen) Rückzahlung absehen müssen.
cc) Die Pflichtige behauptet weiter nicht, bei Berechnung der Abfindung sei es
zu einer Überprüfung ihrer Vorsorgesituation gekommen. Tatsächlich wurde die Be-
rechnung auf der Basis ihres Monatssalärs (Fr. 10'200.-) plus 15% (für den Bonus)
sowie der Anzahl Dienstjahre (6,833) und einem Altersfaktor (1,35) vorgenommen (Se-
verance Package). Dies lässt es durchaus als möglich erscheinen, dass die Arbeitge-
berin der Abfindung auch die Funktion einer Treueprämie oder eines Schmerzensgel-
des bei der Entlassung zugemessen hat.
dd) Zusammenfassend bleibt damit die Motivation der Arbeitgeberin zur Aus-
richtung der streitbetroffenen Abfindung trotz ergänzender Untersuchung im vorliegen-
den Verfahren eher unklar. Immerhin sprechen die diesbezüglich aktenkundigen An-
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haltspunkte dafür, dass mit der Abfindung auch Ansprüche der Pflichtigen aus dem
Arbeitsverhältnis im Sinn einer Saldoklausel abgegolten und eine Treueprämie bzw.
ein Schmerzensgeld ausgerichtet werden sollte. Die Vorsorgesituation kann dabei
mangels irgendwelcher Äusserungen und Hinweise jedenfalls nicht im Vordergrund
gestanden sein.
d) Die Pflichtige macht allerdings das Vorliegen von Vorsorgelücken durch
den Austritt aus der B AG Ende 2011 geltend.
aa) Die eine Lücke ortet sie im Umstand, dass die Pensionskasse der neuen
Arbeitgeberin per 1. Januar 2013 vom Leistungsprimat zum Beitragsprimat gewechselt
hat. Indessen hat sie ihre Behauptung, von diesem Wechsel schon im Bewerbungsge-
spräch (mutmasslich) im Herbst 2011 Kenntnis erlangt zu haben, trotz Aufforderung
durch den Referenten des Steuerrekursgerichts nicht nachgewiesen. Aktenkundig ist
damit lediglich die Mitteilung der Pensionskasse der neuen Arbeitgeberin vom 6. Sep-
tember 2012 über den Systemwechsel. Demnach kann aber nicht davon ausgegangen
werden, diese – nach Berechnungen der Pflichtigen weitaus grössere – Vorsorgelücke
sei bei Ausrichtung der Abfindung Ende 2011 schon bekannt gewesen und habe hier-
für eine Rolle gespielt.
Die andere Lücke sieht die Pflichtige im kleineren versicherten Verdienst bei
der Pensionskasse der C SA und den daraus resultierenden geringeren Leistungen im
Vorsorgefall. Indessen reduzierte sich der versicherte Verdienst durch den Stellen-
wechsel lediglich von Fr. 111'112.- bei der B AG auf Fr. 100'160.- bei der C SA. Im
Gleichschritt ging die gestützt darauf von der Pflichtigen berechnete Altersrente im
Zeitpunkt ihrer ordentlichen Pensionierung mit 64 Jahren von Fr. 39'537.- nur auf
Fr. 37'560.- jährlich zurück. Die von ihr ebenfalls berechnete grössere Renteneinbusse
von Fr. 30'092.- basiert auf dem Wechsel zum Beitragsprimat per 1. Januar 2013 bei
der neuen Arbeitgeberin und war nach dem Gesagten im Zeitpunkt der Ausrichtung der
Abfindung Ende 2011 nicht nachweislich voraussehbar, sodass sie im vorliegenden
Zusammenhang nicht zu berücksichtigen ist. Die somit allein massgebende Reduktion
bei der mutmasslich zu erwartenden Altersrente – eine (Beitrags-)Lücke liegt ohnehin
nicht vor – beträgt daher nur gerade Fr. 1'977.- (= Fr. 39'537.- ./. Fr. 37'560.-), entspre-
chend 5% pro Jahr. Von einer gewichtigen (prognostizierbaren) Einbusse bei der Al-
tersvorsorge kann damit aber entgegen der Auffassung der Pflichtigen keine Rede
sein.
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bb) Selbst wenn letztere Einbusse bei der künftigen Altersrente als gewichtig
gälte, bewirkte diese allein noch nicht, dass der Abfindung der überwiegende Charak-
ter einer Vorsorgeleistung zukommt. So stand die Pflichtige beim Wechsel zur C SA im
55. Altersjahr und hatte sie damit noch rund neun Jahre Zeit, um diese nicht allzu gros-
se Einbusse bis zum ordentlichen Rücktrittsalter von 64 Jahren ganz oder zumindest
teilweise wettzumachen. Dass dies nicht unrealistisch war, zeigt sich schon am Um-
stand, dass die Pflichtige die neue Stelle bei der C SA in der gleichen Branche und –
gemäss eigener Darstellung – im "gleichen Beruf" sowie ohne den geringsten zeitli-
chen Unterbruch antreten konnte. Zudem erhielt sie bei der C SA mit Fr. 125'877.- pro
2012 nur einen leicht tieferen Nettolohn als bei der B AG mit Fr. 129'701.- im Jahr
2011, entsprechend einer Einbusse von lediglich rund 3%. Dies spricht ebenfalls für
ihre damals gute berufliche Qualifikation und ermöglichte ihr auch zwangslos die Wei-
terführung des bisher gewohnten Lebensstandards.
e) Bei alledem ist nicht massgebend, dass die Pflichtige dann ab 15. Okto-
ber 2012 krankheitsbedingt teilweise oder ganz arbeitsunfähig wurde, das Arbeitsver-
hältnis mit der C SA per Ende Mai 2014 beenden musste und noch heute arbeitsunfä-
hig ist. So behauptet sie nicht, mit dieser Entwicklung, die nach ihrem Bekunden auf
Überforderung am neuen Arbeitsplatz zurückzuführen ist, habe sie schon bei Ausrich-
tung der fraglichen Abfindung rechnen müssen. Denn abzustellen ist allein auf die Be-
rufsaussichten bei Berechnung und Ausrichtung der Abfindung Ende 2011.
f) Zusammenfassend weist die von der B AG Ende 2011 ausgerichtete Abfin-
dung damit nicht den Charakter einer Vorsorgeleistung auf. Dagegen spricht der Um-
stand, dass die Pflichtige per 1. Januar 2012 nahtlos eine neue Stelle antreten konnte,
den diesbezüglichen Arbeitsvertrag im Zeitpunkt der Ausrichtung der Abfindung Ende
2011 schon abgeschlossen hatte, an der neuen Stelle nur eine unwesentliche, die Fort-
führung der gewohnten Lebenshaltung nicht beeinträchtigte Lohneinbusse erlitt und in
der beruflichen Vorsorge nicht nachweislich eine gewichtige Verschlechterung in Kauf
nehmen musste. Zwar kann nicht ausgeschlossen werden, dass die B AG die Abfin-
dung trotzdem auch zwecks Kompensation einer möglichen Verschlechterung in der
beruflichen Vorsorge ausgerichtet hat, diese Motivation jedoch in keiner Art nachge-
wiesen ist und bei Würdigung der Aktenlage wohl auch kaum im Vordergrund gestan-
den ist. Die für die Pflichtige nach Antritt der neuen Stelle eingetretene negative Ent-
wicklung im beruflichen Fortkommen ändert daran nichts, da sie nicht absehbar war.
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Demnach fällt die privilegierte Besteuerung der Abfindung als Vorsorgeleis-
tung im Sinn von Art. 17 Abs. 2 i.V.m. Art. 38 DBG bzw. § 17 Abs. 2 StG i.V.m. § 37
StG ausser Betracht.
g) Die Besteuerung der Abfindung als Ersatz für vergangene oder zukünftige
wiederkehrende Leistungen gemäss Art. 17 Abs. 1 DBG i.V.m. Art. 37 DBG bzw. § 17
Abs. 1 i.V.m. § 36 StG wird von der Pflichtigen nicht geltend gemacht und sind auch
keine Anhaltspunkte für solche Leistungen aktenkundig.
Damit verbleibt nur Raum für die ordentliche Besteuerung gemäss Art. 17
Abs. 1 i.V.m. Art. 36 DBG bzw. § 17 Abs. 1 i.V.m. § 35 StG.
Demnach erweisen sich die Einspracheentscheide (im Ergebnis) als rechtsbe-
ständig.
3. Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Rechtsmittel. Ausgangsge-
mäss sind die Kosten des Verfahrens der Pflichtigen aufzuerlegen (Art. 144 Abs. 1
DBG, § 151 Abs. 1 StG) und bleibt ihr die Zusprechung einer Parteientschädigung
verwehrt (Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das
Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968; § 152 StG i.V.m. § 17 Abs. 2 des Ver-
waltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959/8. Juni 1997).
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