# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 5bc77601-d8e5-4928-a5ea-38a1945ef42b
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Ehescheidung / vorsorgliche Massnahmen
Berufung gegen eine Verfügung des Einzelgerichtes im ordentlichen  des Bezirksgerichtes Winterthur vom 29. Juni 2018; Proz. FE150058
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Rechtsbegehren:
der Kindsvertreterin (act. 187): "1. Es sei die Ziff. 4 des Urteils des BG Winterthur vom 20. Dezember 2012
aufzuheben und es sei A._ unter die Obhut seines Vaters zu , wo er auch seinen Wohnsitz haben soll;
2. Es sei die Ziff. 6 des Urteils des BG Winterthur vom 20. Dezember 2012 aufzuheben und sei die Kindsmutter berechtigt zu erklären, A._ alle zwei Wochen, alternierend am Samstag und Sonntag, im BBT D._ in E._ zu besuchen;
3. Es sei gestützt auf Art. 307 Abs. 3 ZGB eine therapeutische Begleitung der Kindsmutter anzuordnen mit dem Ziel, dass sie ihr Verhalten  A._ derart verändert, dass in Zukunft bald möglichst  Besuchskontakte stattfinden können;
4. Es sei die Ziff. 2 des Urteils des BG Winterthur vom 20. Dezember 2012 aufzuheben, worin der Kindsvater zu Kinderunterhaltsbeiträgen ab Mitte Dezember 2017 verpflichtet wird und es sei die Kindsmutter zu , für A._ angemessene Kinderunterhaltsbeiträge zu bezahlen, eventualiter sei auf die Zusprechung von Kinderunterhaltsbeiträgen von der Kindsmutter mangels Leistungsfähigkeit abzusehen;
5. Es sei im Falle der Zustimmung beider Elternteile über eine  Abklärung A._s auf die Einholung einer gerichtlichen Abklärung abzusehen, eventualiter sei die Abklärung gerichtlich ;
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich MwSt.)  der Parteien."
des Klägers (Prot. S. 79 f.):
"1. In Abänderung des Urteils des Bezirksgerichts Winterthur vom 21.12.2016 Dispositiv Ziff. 1 respektive Eheschutzentscheid vom 20.12.2012 Dispositiv Ziff. 4 sei die Obhut für A._, geboren am tt.mm.2009 für die weitere Dauer des Scheidungsverfahrens mit Wirkung ab 15.12.2017 dem Kläger respektive dem Vater zu übertragen.
2. Es sei die Beklagte für berechtigt zu erklären, A._ jedes zweite  am Samstag oder Sonntag für mindestens 4 Stunden  zu besuchen. Dies ebenfalls für die weitere Dauer des . Die Kosten des begleiteten Besuchsrechts seien der  aufzuerlegen.
3. Die Beiständin F._ vom kjz E._ sei zusätzlich mit der Aufgabe zu betrauen, die Modalitäten des Besuchsrechts festzulegen und das Besuchsrecht zu überwachen und sicherzustellen, dass es begleitet ausgeübt wird.
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4. In Abänderung des Urteils vom 21.12.2016 Dispositiv Ziff. 4a seien die vom Kläger zu zahlenden Kinderunterhaltsbeiträge mit Wirkung ab 15.12.2017 für die weitere Dauer des Verfahrens aufzuheben. Es sei der Kläger für berechtigt zu erklären, die ab 15.12.2017 zu viel bezahlten Kinderunterhaltsbeiträge inkl. Familien- und Kinderzulagen mit künftigen Unterhaltszahlungen an die Beklagte persönlich im Umfang von Fr. 905.– zu verrechnen.
5. In Abänderung des Urteils vom 21.12.2016 Dispositiv Ziff. 4b seien die vom Kläger an die Beklagte zu bezahlenden persönlichen  per 01.01.2018 für die weitere Dauer des Scheidungsverfahrens angemessen zu reduzieren.
6. Die Beklagte sei zu verpflichten dem Kläger für die Dauer des  an die Kosten des Unterhalts und der Erziehung von A._ mit Wirkung ab 15.12.2017 angemessene monatliche  zu bezahlen, und zwar im Voraus auf den 1. eines jeden Monats.
7. Mein Antrag Ziff. 3 in meinem Gesuch um vorsorgliche Massnahmen vom 28.12.2017 um Anordnung einer neuropsychologischen  von A._ wird einstweilen zurückgezogen. Im Übrigen halte ich an den in meiner Eingabe vom 28.12.2017 gestellten Anträgen fest, soweit sie nicht den heute gestellten Anträgen widersprechen."
der Beklagten (act. 190):
"1. Es sei Dispositiv Ziff. 1 der Verfügung des Bezirksgerichts Winterthur vom 15.12.2017 zu bestätigen und A._ vorläufig unter die Obhut des Vaters zu stellen;
2. Dispositiv Ziff. 3 der Verfügung des Bezirksgerichtes Winterthur vom 15.12.2017 sei aufzuheben und wie folgt zu ersetzen:
Es sei der Mutter ein Besuchsrecht wie folgt einzuräumen: Jedes zweite Wochenende von Freitag, 17 Uhr, bis Sonntagabend,
17 Uhr, an einem Nachmittag pro Woche, ab Schulschluss bis 18 Uhr, sowie während 6 Wochen Ferien pro Jahr.
Die Betreuungsregelung während der Ferientage sei gerichtsüblich .
3. Es sei dem Kläger die Weisung zu erteilen, A._ einmal wöchentlich einer psychotherapeutischen Behandlung zuzuführen.
4. Es sei die Beiständin zusätzlich zu beauftragen, die Einhaltung der  Psychotherapie von A._ und die Durchführung der neuropsychologischen Abklärung durch den Kläger zu überwachen  monatlich einen Bericht bei der Schulbehörde G._ über die  von A._ einzuholen.
5. In Abänderung des Urteils des Bezirksgerichts Winterthur vom 21.12.2016, Dispositiv Ziff. 4 und 5 sowie Dispositiv Ziff. 5 der Verfügung
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des Bezirksgerichts Winterthur vom 15.12.2017, sei der Kläger zu , der Beklagten einen monatlichen Unterhaltsbeitrag wie folgt zu bezahlen:
Ab 1. Januar 2018 bis 31. März 2018: CHF 4'481.00 Ab 1. April 2018: CHF 3'530.00 6. Es sei kein von der Beklagten an den Kläger zu leistenden Kinderunter-
haltsbeitrag festzusetzen. 7. Im Übrigen seien die Anträge der Kindesvertreterin mit Eingabe vom
3.11.2017 sowie des Klägers mit Eingabe vom 28.12.2018 (richtig: 2017) abzuweisen.
8. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. 8 % MWST bis 31.12.2017 bzw. 7.7 % ab 1.1.2018) zu Lasten des Klägers."
Verfügung des Bezirksgerichtes Winterthur vom 29. Juni 2018 (act. 4):
1. In Abänderung des Urteils des Bezirksgerichts Winterthur vom 21. Dezem-
ber 2016 Dispositiv Ziff. 1 respektive des Eheschutzentscheids des Bezirks-
gerichts Winterthur vom 20.12.2012 Dispositiv Ziff. 4 wird die Obhut für den
Sohn A._, geb. tt.mm.2009, für die Dauer des Scheidungsverfahrens
dem Kläger zugeteilt. Der zivilrechtliche Wohnsitz des Sohnes ist beim Klä-
ger.
2. a) Die Beklagte wird bis Ende September 2018 berechtigt erklärt, den Sohn
A._ jedes Wochenende am Samstag oder Sonntag für mindestens vier
Stunden zu besuchen.
Dieses Besuchsrecht wird dahingehend eingeschränkt, als es die Beklagte
nur im Beisein einer Begleitperson (Besuchstreff, Einzelbegleitung, etc.)
ausüben darf.
Die Kosten des begleiteten Besuchsrechts werden der Beklagten auferlegt.
b) Die Beklagte wird für die Zeit vom 1. Oktober 2018 bis zum 30. November
2018 berechtigt erklärt, den Sohn an jedem zweiten Sonntag von 10.00 Uhr
bis 19.00 Uhr auf eigene Kosten zu betreuen.
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c) Die Beklagte wird mit Wirkung ab dem 1. Dezember 2018 für die restliche
Dauer des Scheidungsverfahrens berechtigt erklärt, den Sohn wie folgt auf
eigene Kosten zu betreuen:
− an jedem zweiten Wochenende jeweils ab Freitag, 18.00 Uhr bis , 17.00 Uhr,
− jeweils am zweiten Tag der Doppelfeiertage Weihnachten und Neujahr, von 10.00 Uhr bis 19.00 Uhr,
− fällt das Betreuungswochenende der Beklagten auf Ostern, beginnt  Betreuungsverantwortung bereits ab Karfreitag, 10.00 Uhr, und  bis Ostermontag, 17.00 Uhr,
− fällt das Betreuungswochenende der Beklagten auf Pfingsten,  sich ihre Betreuungsverantwortung bis Pfingstmontag, 17.00 Uhr,
− mit Wirkung ab dem 1. Januar 2019 während 3 Wochen Ferien pro Jahr.
Die Parteien sprechen die Aufteilung der Ferien jeweils mindestens drei Mo-
nate im Voraus ab. Können sie sich nicht einigen, so kommt dem Vater in
Jahren mit gerader Jahreszahl das Entscheidungsrecht bezüglich der Auftei-
lung der Ferien zu; in Jahren mit ungerader Jahreszahl der Mutter.
Weitergehende oder abweichende Betreuungsregelungen nach gegenseiti-
ger Absprache bleiben vorbehalten.
3. Der Antrag auf Anordnung einer verhaltenstherapeutischen Begleitung der
Beklagten wird abgewiesen.
4. Die Beiständin von A._, F._ vom kjz E._, wird zusätzlich mit
folgenden Aufgaben betraut:
− Organisation und Festlegung der Modalitäten der begleiteten Besuche, − Überwachung der begleiteten Besuche insofern, als sie in regelmässi-
gen Abständen die Einhaltung und die Durchführung der Besuche in Erfahrung bringt,
− Festlegung der Modalitäten der unbegleiteten Besuche und  dieser unbegleiteten Besuche insofern, als sie in regelmässigen Abständen mit den Eltern und A._ klärt, wie die unbegleiteten  verlaufen sind.
5.-9. [Unterhaltsbeiträge, Mitteilung, Rechtsmittel]
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Berufungsanträge:
der Kindsvertreterin (act. 2):
" 1. Es sei die Ziff. 2 lit. b und c der Verfügung des Bezirksgerichtes Winterthur vom 29. Juni 2018 (Geschäfts Nr. FE150058)  und es seien auch ab dem 1. Oktober 2018 begleitete , mithin Einzelbegleitungen, analog Ziff. 2 lit. a der Verfügung des Bezirksgerichtes Winterthur vom 29. Juni 2018 anzuordnen respektive die begleiteten Besuchskontakte ;
2. Es sei die Ziff. 4 der Verfügung des Bezirksgerichtes Winterthur vom 29. Juni 2018 (Geschäfts Nr. FE150058) dahingehend zu , dass der Beiständin, F._ vom kjz E._ zusätzlich die Aufgabe erteilt wird, den Zeitpunkt der Umwandlung der  Besuchskontakte in unbegleitete Besuchskontakte  und allfällige Anträge zuhanden des Gerichtes oder der zuständigen KESB zu stellen;
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. Mehrwertsteuer) zu Lasten der Parteien."
des Klägers und Berufungsbeklagten 1 (act. 10):
1. Es sei Dispo. Ziff. 2 lit. b und c der Verfügung des Bezirksgerichtes Winterthur vom 29. Juni 2018 aufzuheben und es sei das begleitete Besuchsrecht der Kindsmutter (Besuchstreff, Einzelbegleitung) gemäss lit. a auch über den 30. September 2018 hinaus weiterzuführen.
2. Es sei Dispo. Ziff. 4 der Verfügung des Bezirksgerichtes  vom 29. Juni 2018 dahingehend zu ergänzen, dass der Beiständin, F._, vom kjz E._ zusätzlich die Aufgabe  wird, den Zeitpunkt der Umwandlung nach vorgängiger  der Berichte der Besuchsbegleitung sowie der  Dr. H._ festzulegen, und dies für die weitere Dauer des Scheidungsverfahrens.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen, zuzüglich 7.7 % MWST, zulasten der Beklagten 2.
der Beklagten und Berufungsbeklagten 2 (act. 11):
" 1. Die Berufung sei abzuweisen; 2. unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich 7.7 %
MWST) zu Lasten des Berufungsklägers."
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## Considerations

Erwägungen:
I. Sachverhalt und Prozessgeschichte
1. Die Parteien heirateten am tt. September 2005. Aus der Ehe ging der Sohn
A._, geboren am tt.mm.2009, hervor (act. 5/48).
2. Mit Eingabe vom 10. August 2012 machte die Beklagte und Berufungsbe-
klagte 2 (nachfolgend Beklagte) beim Einzelgericht des Bezirksgerichtes Win-
terthur ein Eheschutzbegehren anhängig (act. 5/3/1), woraufhin das Eheschutzge-
richt mit Urteil vom 20. Dezember 2012 das Getrenntleben bewilligte, die Obhut
über A._ der Beklagten zuteilte, für A._ eine Beistandschaft im Sinne
von Art. 308 Abs. 2 ZGB errichtete und den Kläger und Berufungsbeklagten 2
(nachfolgend Kläger) zur Bezahlung von Unterhaltsbeiträgen an die Beklagte und
A._ verpflichtete (act. 5/3/25).
3.1. Das Scheidungsverfahren wurde mit Eingabe der Scheidungsklage vom
13. Februar 2015 beim Einzelgericht des Bezirksgerichtes Winterthur (nachfol-
gend Vorinstanz) anhängig gemacht (act. 5/1). Eine Einigungsverhandlung wurde
durchgeführt und es wurden gerichtliche und aussergerichtliche Vergleichsge-
spräche geführt (Prot. Vi S. 19; act. 5/28; act. 5/38–40). Eine Einigung konnte in-
des nicht erzielt werden.
3.2. Aufgrund einer Gefährdungsmeldung stellte der Kläger mit Eingabe vom
27. September 2016 den Antrag auf Erlass vorsorglicher Massnahmen (act. 5/72),
worauf die Vorinstanz mit Verfügung vom 30. September 2016 A._ superpro-
visorisch unter die Obhut des Klägers stellte. Ausserdem setzte sie Rechtsanwäl-
tin lic. iur. X._ im Sinne von Art. 299 f. ZPO als Kindsvertreterin ein
(act. 5/77). Nach durchgeführter Massnahmeverhandlung stellte die Vorinstanz
A._ mit Entscheid vom 21. Dezember 2016 wieder unter die Obhut der Be-
klagten. Darüber hinaus wurde die Beiständin mit weiteren Aufgaben betraut und
ein Gutachten zur Erziehungsfähigkeit der Eltern, zur Obhutszuteilung, zur Be-
treuungsregelung und zu allfälligen Kindesschutzmassnahmen angeordnet
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(act. 5/111). Die vom Kläger gegen diesen Entscheid erhobene Berufung wurde
von der Kammer mit Urteil vom 14. März 2017 abgewiesen (act. 5/114; Verfahren
LY170002).
3.3. Mit Eingaben vom 3. November 2017 und 7. Dezember 2017 stellten sowohl
die Kindsvertreterin als auch die Beiständin den Antrag, es sei die Obhut über
A._ superprovisorisch von der Beklagten auf den Kläger zu übertragen
(act. 5/138; act. 5/164). Mit Verfügung vom 15. Dezember 2017 teilte die Vor-
instanz die Obhut im Sinne einer superprovisorischen Massnahme dem Kläger
zu, räumte der Beklagten ein begleitetes Besuchsrecht ein, übertrug der Beistän-
din die Aufgabe, das Besuchsrecht zu überwachen und stellte die Verpflichtung
des Klägers zur Bezahlung von Kinderunterhaltsbeiträgen einstweilen ein
(act. 5/166). Nach durchgeführter Massnahmeverhandlung vom 25. Januar 2018
(Prot. Vi. S. 79 ff.) erliess die Vorinstanz am 29. Juni 2018 den eingangs aufge-
führten Entscheid und bestätigte die Obhutszuteilung an den Kläger (act. 5/195 =
act. 4). Für die Einzelheiten der vorinstanzlichen Prozessgeschichte wird auf die
detaillierten Ausführungen im angefochtenen Entscheid verwiesen (act. 4 E. I.).
4. Gegen Dispositiv-Ziff. 2 lit. b und c (Ausdehnung des Kontakts) der Verfü-
gung vom 29. Juni 2018 erhob die Kindsvertreterin mit Eingabe vom 16. Juli 2018
(Datum Poststempel) rechtzeitig Berufung (act. 2; zur Rechtzeitigkeit siehe
act. 5/196) mit den eingangs genannten Anträgen und beantragte in prozessualer
Hinsicht die Erteilung der aufschiebenden Wirkung. Mit Verfügung vom 30. Juli
2018 wurde dem Kläger und der Beklagten Frist angesetzt, die Berufung der
Kindsvertreterin zu beantworten und insbesondere zum Antrag auf Erteilung der
aufschiebenden Wirkung Stellung zu nehmen (act. 8). Innert Frist gingen die Be-
rufungsantworten ein (act. 10; act. 11). Mit Verfügung vom 17. September 2018
wurde der Berufung die aufschiebende Wirkung erteilt und dem Kläger Frist an-
gesetzt, zum prozessualen Antrag der Beklagten auf Leistung eines Prozesskos-
tenvorschusses Stellung zu nehmen. Zudem wurde das Einholen von Berichten
der Kinderpsychiaterin und der Beiständin in Aussicht gestellt (act. 13). Innert
Frist reichte der Kläger seine Stellungnahme ein (act. 18). Mit Eingaben vom
4. und 8. Oktober 2018 erstatteten die Beiständin und die Kinderpsychiaterin ihre
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Berichte (act. 20; act. 22). Die Beiständin reichte zudem die Rückmeldungen über
die begleiteten Besuchskontakte sowie den Standortbericht der Besuchsrechts-
begleitung ein (act. 21/1–11; act. 24). Mit Beschluss vom 18. Oktober 2018 wur-
den die Berichte und Berufungsantworten den Parteien zugestellt, das Gesuch
der Beklagten um Verpflichtung des Klägers zur Leistung eines Prozesskosten-
beitrags abgewiesen und der Beklagten die unentgeltliche Rechtspflege gewährt
(act. 25). Mit Eingabe vom 20. November 2018 nahm die Beklagte unaufgefordert
Stellung zu den Berichten (act. 31). Das rechtliche Gehör des Klägers und der
Kindsvertreterin wurde mit der Zustellung dieser Eingabe gewahrt (act. 33/1–2),
ohne dass sie sich dazu vernehmen liessen.
II. Rechtliche Vorbemerkungen
1. Bei der Anordnung vorsorglicher Massnahmen während des Scheidungsver-
fahrens sind die (materiell- sowie verfahrensrechtlichen) Bestimmungen über die
Massnahmen zum Schutz der ehelichen Gemeinschaft sinngemäss anwendbar
(Art. 276 Abs. 1 ZPO i.V.m. Art. 271 ff. ZPO und Art. 172 ff. ZGB). Es gelangt das
summarische Verfahren zur Anwendung. Soweit – wie hier – einzig Kinderbelan-
ge betroffen sind, gilt die Offizial- und Untersuchungsmaxime (Art. 296 ZPO). Das
hat die Vorinstanz bereits zutreffend und ausführlich dargestellt, weshalb darauf
verwiesen werden kann (vgl. act. 4 E. II./A.).
2.1. Erstinstanzliche Entscheide über vorsorgliche Massnahmen sind mit Beru-
fung anfechtbar (Art. 308 Abs. 1 lit. b ZPO). Die Berufung ist bei der Rechtsmittel-
instanz innert der Rechtsmittelfrist schriftlich und begründet einzureichen (Art. 311
Abs. 1 ZPO). Mit der Berufung können unrichtige Rechtsanwendung und unrichti-
ge Sachverhaltsfeststellung gerügt werden (Art. 310 ZPO). Ebenfalls gerügt wer-
den kann die (blosse) Unangemessenheit eines Entscheides. Die Berufungs-
instanz verfügt damit sowohl in tatsächlicher Hinsicht als auch in rechtlicher Hin-
sicht über volle Kognition. Insbesondere überprüft die Berufungsinstanz die Be-
weiswürdigung der ersten Instanz frei (Art. 157 ZPO i.V.m. Art. 310 lit. b ZPO) und
kontrolliert dabei, ob die von der Vorinstanz festgestellten Tatsachen als erwiesen
betrachtet werden konnten (BGE 138 III 374 E. 4.3.1).
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2.2. Gemäss Art. 317 Abs. 1 ZPO werden neue Tatsachen und Beweismittel
(Noven) im Berufungsverfahren nur noch berücksichtigt, wenn sie ohne Verzug
vorgebracht werden und trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz
vorgebracht werden konnten. Art. 317 Abs. 1 ZPO regelt die Voraussetzungen,
unter denen Noven ausnahmsweise vorgebracht werden können, abschliessend,
ohne danach zu differenzieren, ob ein Verfahren in den Anwendungsbereich der
Verhandlungs- oder der Untersuchungsmaxime fällt. In Kinderbelangen können
Noven jedoch, sofern sie nicht gestützt auf Art. 317 Abs. 1 ZPO zulässig sind, von
der Kammer insoweit zur Kenntnis genommen werden, als dadurch auf wesentli-
che Sachverhalte hingewiesen wird, denen im Rahmen der Pflicht zur Sachver-
haltserforschung von Amtes wegen mit eigenen Untersuchungen nachzugehen
wäre (vgl. zum Ganzen OGer ZH LY160019 vom 21. Juli 2016 E. 2.2.1.2.
m.w.H.).
3. Die Berufung wurde innert der Rechtsmittelfrist schriftlich, mit Anträgen ver-
sehen und begründet bei der zuständigen Rechtsmittelinstanz eingereicht. Die
Kindsvertreterin ist zur Erhebung der Berufung legitimiert (Art. 300 lit. c ZPO). Auf
die Berufung ist daher einzutreten.
III. Zur Berufung im Einzelnen
1. Im vorliegenden Verfahren ist einzig der Umfang des Besuchsrechts der Be-
klagten und insbesondere die Notwendigkeit begleiteter Besuchskontakte strittig.
2. Die Vorinstanz sah eine stufenweise Ausdehnung des Besuchsrechts vor.
Zunächst sollten während einer kurzen Übergangsphase die mit Verfügung vom
15. Dezember 2017 angeordneten begleiteten Besuche weitergeführt werden.
Danach sollten unbegleitete Besuche, zuerst ohne, und dann mit Übernachtung
stattfinden (vgl. act. 4 Dispo-Ziff. 2). Dazu erwog die Vorinstanz, hauptsächlicher
Grund für die Anordnung eines begleiteten Besuchsrechts habe gemäss Verfü-
gung vom 15. Dezember 2017 der Umstand gebildet, dass die Beklagte A._
nach Kenntnisnahme der vom Gutachter Dr. I._ empfohlenen Obhutsumtei-
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lung massiv unter Druck gesetzt und ihn von seinem klar geäusserten Wunsch,
beim Vater leben zu wollen, abzubringen versucht habe. Die Beklagte habe aber
inzwischen akzeptiert, dass es für A._ gegenwärtig besser sei, beim Vater zu
leben, insbesondere, da es auch seinem festen Wunsch entspreche. Daher op-
poniere sie nicht mehr gegen die Zuteilung der Obhut an den Kläger. Die Beklagte
scheine aber nicht einzusehen, dass A._s Wunsch, beim Vater zu leben,
auch darauf beruhe, dass sie ihm keine stabilen und geordneten Verhältnisse bie-
te. Obwohl die Beklagte gewusst habe, dass ihre Erziehungsfähigkeit im Rahmen
der Begutachtung durch Dr. I._ abgeklärt werde und sie von diversen Fach-
personen immer wieder auf ihre Defizite aufmerksam gemacht worden sei, sei sie
kaum in der Lage gewesen, die Lebenssituation von A._ nachhaltig zu ver-
bessern. Dies wecke gewisse Bedenken, ob die Beklagte in der Lage sei,
A._ im Rahmen des Besuchsrechts angemessen zu betreuen. Es sei aber zu
berücksichtigen, dass Dr. I._ trotz der von ihm in der Erziehungsfähigkeit der
Beklagten festgestellten Defizite ein relativ umfassendes und insbesondere unbe-
gleitetes Besuchsrecht empfohlen habe. Aus dem Gutachten ergebe sich nichts,
was einen Entzug des Besuchsrechts rechtfertigen würde. Das Gutachten halte
im Gegenteil die wichtige Bedeutung der Kontakte zwischen Mutter und Sohn
fest. Ein begleitetes Besuchsrecht stelle nur eine Übergangslösung dar. Diese
rechtfertige sich vorliegend dadurch, dass A._ während einer Angewöh-
nungsphase nach der Umteilung der Obhut auf den Vater zur Ruhe kommen und
dem Druck und der Einflussnahme der Beklagten entzogen werden solle. Ent-
sprechend sei die Begleitung der Besuche lediglich für eine Übergangsfrist bis
September 2018 anzuordnen. In der Folge sei der Beklagten ein unbegleitetes
Besuchsrecht zu gewähren und dieses schrittweise auszubauen (act. 4
E. II./C.4 f.).
3. Dagegen wendet die Kindsvertreterin zusammengefasst ein, die Vorinstanz
sei irrtümlich davon ausgegangen, dass ab dem 1. Oktober 2018 keine Kindes-
wohlgefährdung mehr bestehe und unbegleitete Besuchskontakte ausgeübt wer-
den könnten. Die Beklagte habe noch immer nicht akzeptiert, dass A._ in
Zukunft beim Kläger leben werde. Sie versuche angeblich, A._ zu Äusserun-
gen zu bewegen, wonach er wieder bei ihr leben wolle. Die Erwartungen des Gut-
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achters hätten sich somit nicht erfüllt. Zudem habe die Beklagte noch immer keine
Einsicht darüber, dass ihr Verhalten A._ gegenüber problematisch sei. Es er-
scheine im jetzigen Zeitpunkt ungewiss, ob das Verhalten der Beklagten durch die
Einzelbegleitungen bis Ende September 2018 derart angepasst werden könne,
dass ohne Gefährdung des Kindeswohls unbegleitete Besuche stattfinden können
(act. 2 Rz. 4). Die Beklagte habe selbst in den wenigen unbeaufsichtigten Minuten
auf der Toilette des Besuchstreffs A._ zu beeinflussen versucht, was ihn
schwer belastet und überfordert habe. Laut Beiständin seien die normalerweise
standardisierten Rückmeldungen des begleiteten Besuchstreffs (BBT) im Fall von
A._ in letzter Zeit immer ausführlicher geworden. A._ habe sich in den
Treffen sehr auffällig verhalten. Die Schilderungen des BBTs hätten Anlass zur
Besorgnis gegeben, weshalb man zum Schluss gekommen sei, die Beklagte und
A._ benötigten Einzelbegleitungen (act. 2 Rz. 5).
Am 8. Mai 2018 sei Frau Dr. med. H._ unaufgefordert mit ihr – der
Kindsvertreterin – in Kontakt getreten und habe ihr mitgeteilt, dass A._ nach
den Treffen mit der Mutter jeweils völlig neben der Spur sei. A._ verhalte sich
sehr dominant und habe den Wunsch geäussert, seine Mutter nicht mehr sehen
zu müssen. A._ zeige auch ausserhalb der Treffen im BBT ein sehr auffälli-
ges Verhalten. Am 10. Juli 2018 habe ihr Frau Dr. med. H._ mitgeteilt, dass
sie die Umwandlung von begleiteten Besuche in unbegleitete Kontakte ab dem 1.
Oktober 2018 als zu früh erachte (act. 2 Rz. 5 [recte: 6]). Am 3. Juli 2018 habe
zudem ein Elterngespräch stattgefunden, wo – laut Beiständin – zusammenfas-
send festgestellt worden sei, dass sich vieles beruhigt und A._ Fortschritte
gemacht habe. Das Verhalten von A._ sei aber immer noch auffällig. So sei
A._ es nicht gewohnt, sich mit Gleichaltrigen abzugeben. Er scheine viele
rudimentäre Verhaltensweisen nicht zu kennen und zeige auch in der Schule Mü-
he mit Nähe und Distanz. Ihm habe wiederholt gesagt werden müssen, dass Zärt-
lichkeiten ins persönliche, private Leben gehörten (act. 2 Rz. 7 [recte: 8]).
4. Der Kläger schliesst sich den Ausführungen der Kindsvertreterin im Wesent-
lichen an. Er führt aus, die Beklagte zeige gemäss Rückmeldungen des BBTs er-
hebliche Verhaltensauffälligkeiten im Umgang mit A._. Sie könne offensicht-
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lich nicht akzeptieren, dass A._ künftig bei ihm leben werde. So habe sie
A._ anlässlich des Besuchskontakts im BBT vom 16. Juni 2018 weinend auf-
gefordert, er solle angeben, wieder bei ihr wohnen zu wollen. Die Beklagte habe
bei den Besuchskontakten im BBT bis heute versucht, A._ in den wenigen
unbeaufsichtigten Momenten auf der Toilette zu beeinflussen. Dies habe ihn er-
neut schwer belastet und seinen ohnehin bestehenden Loyalitätskonflikt ins Uner-
trägliche gesteigert. Nach den schriftlichen Rückmeldungen des BBTs soll das
Verhalten der Beklagten nach wie vor Anlass zur Besorgnis geben. Es sei des-
halb eine engmaschige Einzelbegleitung durch eine Fachperson notwendig. Auch
nach Auffassung der Kinderpsychiaterin Dr. H._ seien unbegleitete Besuchs-
kontakte ab Oktober 2018 bzw. ein ausgedehntes Besuchsrecht ab Dezember
2018 mit dem Kindswohl nicht vereinbar (act. 10 Rz. 4 f.).
5.1. Die Beklagte beantragte die Abweisung der Berufung. Sie macht zusam-
mengefasst geltend, der Vorfall auf der Toilette sei im Januar 2018 erfolgt und
habe somit Eingang in den angefochtenen Entscheid gefunden. Tatsache sei,
dass der enge, strikte und unfreie Rahmen der begleiteten Kontakte zu A._
eine derart künstliche Erlebnisumwelt schaffe, dass ein ungezwungenes Beisam-
mensein nicht möglich sei. Darunter leide auch der Aufbau eines neuen Vertrau-
ensverhältnisses. Weshalb die Schwierigkeiten, die A._ nach den Besuchs-
kontakten aufweise, dazu führen sollten, dass die Kontakte nur noch begleitet
stattfinden könnten, werde nicht begründet. Es sei offensichtlich, dass A._
unter der gesamten Situation, mithin dem Konflikt seiner Eltern und dem künstli-
chen Begegnungsumfeld, leide. Dass A._ kurz nach den begleiteten Treffen
belasteter sei, sei nachvollziehbar und nicht überraschend. Nicht nachvollziehbar
sei, dass das Verhalten von A._ ausserhalb des BBTs weiterhin einfach ihr
zugeschrieben werde, obwohl A._ seit Mitte Dezember 2017 beim Vater lebe
(act. 11 S. 3 f.).
Zudem sei bereits im Gutachten ausgeführt worden, A._s Aussagen zu
den Eltern seien von Stereotypen gekennzeichnet, es gebe Hinweise auf induzier-
te Aussageinhalte und seine Aussagen seien mit Vorbehalt aufzunehmen. Den-
noch übernehme die Kinderpsychiaterin in ihrem Bericht vom 17. Juli 2018 ein-
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fach seine Aussagen. Warum unbegleitete Besuche ab dem 1. Oktober 2018 zu
früh erfolgten und warum A._ in seiner grundsätzlich positiven Entwicklung
gefährdet sei, werde nicht begründet. Die fachliche Kompetenz der Kinderpsychi-
aterin liege im Therapiesetting. Eine gutachterliche Rolle komme ihr in diesem
Verfahren nicht zu. Entsprechend seien ihre ungefilterten Aussagen und die dar-
aus resultierenden "Empfehlungen" als Parteimeinung zu qualifizieren (act. 11
S. 4 f.).
Bei der geschilderten problematischen Nähe/Distanz-Beziehung, der "unge-
sunden Symbiose" und den daraus resultierenden Grenzüberschreitungen handle
es sich sodann um grundsätzliche Beziehungsmuster, welche im Zeitpunkt der
Begutachtung durch Dr. I._ bereits bestanden hätten und im Gutachten be-
rücksichtigt worden seien. Trotz der festgestellten Erziehungsdefizite beider Eltern
habe der Gutachter eine Empfehlung für ein sehr umfassendes Besuchsrecht ab-
gegeben. In der Berufung würden keine im Zeitpunkt der Begutachtung nicht be-
kannten und neu auftretenden Umstände geltend gemacht, welche eine andere
Einschätzung rechtfertigen würden. Die Vorinstanz gehe zu Recht davon aus, die
nach der durch die Umplatzierung im Dezember 2017 aufgetretenen Schwierig-
keiten und Unruhen dürften nicht dazu führen, dass nun auf unbestimmte Zeit ein
begleitetes Besuchsrecht angeordnet werde (act. 11 S. 5 f.).
5.2. Im Rahmen der Stellungnahme zu den eingereichten Berichten erklärte die
Beklagte, aus den beiden Berichten der Kinderpsychiaterin ergebe sich zweifels-
frei, dass die Kinderpsychiaterin keine objektive Haltung ihr gegenüber einzu-
nehmen vermöge und damit ihre Einschätzung des mit dem Kindswohl vereinba-
ren persönlichen Verkehrs von A._ und ihr nicht überzeuge (act. 31 S. 1).
Basierend auf welchen eigenen Beobachtungen oder Äusserungen von A._
die Feststellungen im Bericht zustande gekommen seien, sei zudem nicht klar.
Vielmehr stünden in sämtlichen Berichten seit Ende 2017 stereotyp dieselben
Vorwürfe. Demgegenüber zeichne die sozialpädagogische Familienbegleiterin in
ihrem Bericht ein sehr differenziertes Bild der Beziehung von Mutter und Kind. Ei-
nerseits werde deutlich, dass nicht einfach sie – die Beklagte – ein distanzloses
Verhalten A._ gegenüber aufweise, sondern A._ häufig Grenzen aus-
- 15 -
teste, um eine Reaktion zu provozieren. Weiter halte die Familienbegleiterin fest,
dass A._ der Abschied nach den Treffen sichtlich schwer falle und er sich
schon mehrmals gewünscht habe, seine Mutter länger zu sehen. Die Familienbe-
gleiterin zeige auch auf, in welchem Mass der Kläger durch negativen Einfluss die
Beziehung von A._ zur Mutter destabilisiere, was von der Therapeutin
schlicht nie thematisiert worden sei, fraglos aber erheblichen Einfluss habe
(act. 31).
6. Gemäss Art. 273 Abs. 1 ZGB haben Eltern, denen die elterliche Sorge oder
Obhut nicht zusteht, und das minderjährige Kind gegenseitig Anspruch auf ange-
messenen persönlichen Verkehr. Dabei handelt es sich um ein gegenseitiges
Pflichtrecht, wobei es in erster Linie dem Interesse des Kindes dient und oberste
Richtschnur für seine Ausgestaltung das Kindeswohl ist, welches anhand der
Umstände des konkreten Einzelfalles zu beurteilen ist. Der aus Art. 273 Abs. 1
ZGB fliessende Anspruch auf persönlichen Verkehr kann gestützt auf Art. 274
Abs. 2 ZGB verweigert oder entzogen werden, wenn das Wohl des Kindes durch
den persönlichen Verkehr gefährdet wird, wenn ihn der betreffende Elternteil
pflichtwidrig ausgeübt hat, wenn sich dieser nicht ernsthaft um das Kind geküm-
mert hat oder wenn andere wichtige Gründe vorliegen. Gefährdet ist das Wohl
des Kindes, wenn seine ungestörte körperliche, seelische oder sittliche Entfaltung
durch ein auch nur begrenztes Zusammensein mit dem nicht obhutsberechtigten
Elternteil bedroht ist. Als wichtige Gründe fallen Vernachlässigung, physische und
psychische Misshandlung, insbesondere sexueller Missbrauch des Kindes, in Be-
tracht. Der vollständige Entzug des Rechts auf persönlichen Verkehr bildet die "ul-
tima ratio" und darf im Interesse des Kindes nur angeordnet werden, wenn die
nachteiligen Auswirkungen des persönlichen Verkehrs sich nicht in für das Kind
vertretbaren Grenzen halten lassen. Können die befürchteten nachteiligen Aus-
wirkungen des persönlichen Verkehrs für das Kind indessen durch die persönliche
Anwesenheit einer Drittperson (sog. begleitetes Besuchsrecht) in Grenzen gehal-
ten werden, verbieten das Persönlichkeitsrecht des nicht obhutsberechtigten El-
ternteils, der Grundsatz der Verhältnismässigkeit, aber auch Sinn und Zweck des
persönlichen Verkehrs dessen gänzliche Unterbindung. Ein begleitetes Besuchs-
recht stellt damit eine Alternative zum Entzug des Rechts auf persönlichen Ver-
- 16 -
kehr dar. Wie Verweigerung oder Entzug nach Art. 274 Abs. 2 ZGB bedarf daher
auch die Anordnung eines begleiteten Besuchsrechts konkreter Anhaltspunkte für
die Gefährdung des Kindeswohls. Eine bloss abstrakte Gefahr einer möglichen
ungünstigen Beeinflussung des Kindes reicht nicht aus, um den persönlichen
Verkehr nur in begleiteter Form ausüben zu lassen. Die Eingriffsschwelle beim
begleiteten Besuchsrecht darf nicht tiefer angesetzt werden, als wenn es um die
Verweigerung oder den Entzug des Rechts auf persönlichen Verkehr überhaupt
ginge. Der Unterschied besteht lediglich darin, dass im letzteren Fall der Grund,
der eine Gefahr für das Kindeswohl befürchten lässt, derart ist, dass die Gefähr-
dung weder durch die Anordnung einer Begleitung noch durch andere Massnah-
men ausgeschlossen werden kann (BGE 122 III 404 E. 3; BGer 5A_184/2017
vom 9. Juni 2017 E. 4.1; 5A_53/2017 vom 23. März 2017 E. 5.1; 5A_699/2007
vom 26. Februar 2008 E. 2.1).
7. Die Kindsvertreterin und der Kläger leiten eine Kindswohlgefährdung im We-
sentlichen aus den Angaben der Kinderpsychiaterin Dr. med. H._ ab. Diese
führt in ihrem Bericht vom 17. Juli 2018 aus, A._ erlebe die Besuche mit der
Mutter nicht als angenehm. Die Mutter rede auf ihn ein, zwinge ihn zu Aussagen,
die sie aufnehme, obwohl diese gar nicht seinen wirklichen Wünschen entspre-
chen würden. Als die Mutter zwei Termine krankheitshalber abgesagt habe, sei
A._ erleichtert gewesen. Am liebsten wolle er die Mutter "ganz weg haben",
sie stresse und belaste ihn, er habe sie "nur noch 3% gern". Nie und nimmer wol-
le er sie alleine bei ihr zuhause besuchen. Dies sei die eigene Meinung von
A._ und von niemandem vorgegeben. Die Beziehung zum Vater sei stabil,
ruhig und etwas distanziert. Die Mutter überschreite hingegen immer wieder mas-
siv A._s Grenzen. Sie lebe mit ihm in einer ungesunden Symbiose, die ihn
sehr unselbstständig mache. Heute entwickle er langsam eine altersgemässe Au-
tonomie, die aber während der Besuchszeiten stark gefährdet werde, da A._
unter der massiven Einflussnahme der Mutter in alte Muster zurückfalle. Die Mut-
ter solle A._ regelmässig sehen können, aber unter sehr enger Begleitung.
Besuche ohne Begleitung seien ganz klar gefährdend für das Kindswohl. Wie lan-
ge die Begleitung nötig sei, hänge vor allem vom Verhalten der Mutter ab. Eine
Beratung für sie sei sicher wünschenswert (act. 7).
- 17 -
Im Verlaufsbericht vom 8. Oktober 2018 gab die Kinderpsychiaterin dann
zusammengefasst an, A._ wirke deutlich zufriedener, seit er beim Vater
wohne. Er sei stolz auf seine schulischen Fortschritte. Bei den Besuchstreffen ha-
be sich A._ hingegen zu wenig betreut und beschützt gefühlt. Die Mutter ha-
be ihn dort mit auf die Toilette genommen und auf ihn eingeredet. Sie habe ihm
halbwahre Details vom Tod seines Halbbruders und dessen Mutter erzählt, wel-
che absolut nicht kindgerecht seien. A._ sei schockiert und verunsichert ge-
wesen. Er habe nicht mehr gewusst, wem er vertrauen könne. Während der
Sommerferien habe er die Mutter nicht gesehen, worüber er nicht traurig gewesen
sei. Im August habe er erstmals wie ein normales Kind seines Alters gewirkt. Er
sei fröhlich und kreativ gewesen. Die neu einzeln begleiteten Besuche würden
A._ sehr gefallen. Die Mutter habe so keine Gelegenheit, auf ihn einzureden
und sie könnten etwas Schönes unternehmen. Er wolle aber auf keinen Fall mit
ihr allein sein. Er wolle mit ihr telefonieren, häufig sei sie nicht erreichbar. A._
entwickle sich in eine gute Richtung. Die Beklagte zeige aber ein grenzüber-
schreitendes und symbiotisches Verhalten gegenüber A._ und könne das
kaum reflektieren. Da A._ diesen massiven Übergriffen lange ausgesetzt
gewesen sei, sei er stark rückfallgefährdet. Unbegleitete Besuche würden daher
das Kindswohl massiv gefährden (act. 22).
8.1. Die Kinderpsychiaterin scheint die Kindswohlgefährdung im Verhalten der
der Beklagten zu sehen, welche ein "grenzüberschreitendes und symbiotisches
Verhalten" gegenüber A._ zeige (act. 7; act. 22). Die Ausführungen der Kin-
derpsychiaterin basieren auf der seit März 2017 stattfindenden wöchentlichen
Spieltherapie von A._ und somit – soweit ersichtlich – einzig auf seinen An-
gaben. Ob die Kinderpsychiaterin daneben eigene Beobachtungen zum Verhalten
der Beklagten machte, ist – wie die Beklagte zu Recht moniert – unklar. Ebenfalls
unklar ist, auf welchen Zeitraum sich ihre Ausführungen zum Verhalten der Be-
klagten beziehen. Da die Kinderpsychiaterin erklärte, A._ sei den massiven
Übergriffen lange ausgesetzt gewesen, scheint es sich vorwiegend um die Zeit zu
handeln, als A._ noch bei der Beklagten lebte. Für diesen Zeitraum liegt in-
des ein gerichtlich eingeholtes psychiatrisches Gutachten von Dr. I._ vom
26. September 2017 vor (act. 5/133).
- 18 -
8.2. Die Vorinstanz stützt sich bei der Regelung des Besuchsrechts denn auch
im Wesentlichen auf das Gutachten von Dr. I._ (vgl. act. 4 E. II./C.3 f.). Die
Erstellung des Gutachtens erfolgte gestützt auf eine Begutachtung der gesamten
Familiensituation. Es fanden daher nicht nur Untersuchungssitzungen mit
A._, sondern auch mit den Eltern statt. Zudem erfolgte eine Besichtigung der
Wohnverhältnisse der Beklagten. Darüber hinaus erhielt der Gutachter Aktenein-
sicht und holte Informationen bei diversen Personen, unter anderem der Kinder-
psychiaterin Dr. med. H._ und der Beiständin F._ ein (act. 5/133 S. 2).
Vor diesem Hintergrund kann davon ausgegangen werden, dass sich der Gutach-
ter ein umfassendes und vollständiges Bild der familiären Situation und insbeson-
dere auch des Verhaltens der Beklagten verschaffen konnte. Sowohl die einge-
schränkte bzw. ungenügende Erziehungsfähigkeit der Beklagten, als auch das
ambivalente Verhältnis von A._ zu ihr, A._s problematisches Nähe-
/Distanzverhältnis, sein kleinkindliches Verhalten und seine schulischen Probleme
waren bei der Beantwortung der gutachterlichen Fragen bekannt und wurden be-
rücksichtigt (act. 5/133 insbes. S. 44–46 u. 48–51). Dennoch verneinte der Gut-
achter die Notwendigkeit begleiteter Besuchskontakte explizit (act. 5/133 S. 54)
und erachtete ein ausgedehntes Besuchsrecht als angemessen. Befürchtungen,
das Besuchsrecht könnte nachteilige Auswirkungen auf A._ haben, äusserte
er nicht. Vielmehr hielt er fest, der weitere Kontakt zur Beklagten sei für A._
sehr wichtig, damit er sich selbst ein Bild von der Mutter machen könne. Er solle
die Möglichkeit haben, die Mutter realistisch zu erleben, um nicht in Phantasien
abzugleiten. Aus psychologischer Sicht werde ein Besuchsrecht vorgeschlagen,
welches jedes zweite Wochenende von Freitagabend bis Sonntagabend daure.
Darüber hinaus sei in den Zwischenwochen ein Treffen an einem schulfreien
Nachmittag sinnvoll. Es sei wichtig, dass die Beklagte die gemeinsame Zeit mit
A._ nutze, um die Beziehung zu ihm zu pflegen und um gemeinsame Erleb-
nisse zu machen. Ausserdem solle sie berechtigt werden, mit A._ mehrere
Wochen Ferien zu verbringen (act. 5/133 S. 54). Die Ausführungen des Gutach-
ters sind vollständig, klar und schlüssig. Anhaltspunkte, weshalb nicht darauf ab-
gestellt werden könnte, werden weder dargetan noch sind solche ersichtlich. Ins-
besondere vermögen die Bedenken der Kinderpsychiaterin, welche einerseits
- 19 -
Verhaltensmuster der Beklagten betreffen, welche im Gutachten berücksichtigt
wurden und andererseits einzig auf den Aussagen A._s basieren, die Aus-
führungen des Gutachters nicht in Zweifel zu ziehen. Folglich ist davon auszuge-
hen, dass zum Zeitpunkt der Erstellung des Gutachtens unbegleitete Besuche
keine Gefährdung des Kindswohls darstellten. Zu prüfen bleibt daher einzig, ob
seither Umstände hinzugetreten sind, welche das Wohl A._s gefährden und
einen Entzug des Besuchsrechts rechtfertigten.
8.3. Nach Erstellung des Gutachtens wurde die Obhut über A._ auf den
Kläger übertragen und es fanden begleitete Besuchskontakte der Beklagten mit
A._ statt. Die Kinderpsychiaterin hielt fest, A._ erlebe diese Besuche als
nicht angenehm. Sie gibt dazu – teils wörtlich – A._s Aussagen wieder. So
führt sie aus, A._ sei erleichtert, wenn Besuche ausfielen, er wolle die Mutter
"ganz weg haben", sie stresse und belaste ihn, er habe sie "nur noch 3% gern", er
wolle sie nicht alleine zu Hause besuchen, er sei nicht traurig, wenn er sie nicht
sehe und er wolle auf keinen Fall mit ihr allein sein (act. 7; act. 22). Wann und in
welchem Zusammenhang A._ solche Äusserungen machte und weshalb die
Kinderpsychiaterin zum Schluss gelangt, es handle sich um die eigene Meinung
A._s, geht aus den Berichten nicht hervor. Insbesondere fehlt eine Einord-
nung der Äusserungen in den Kontext des Loyalitätskonflikts. Dies erstaunt, zu-
mal der Loyalitätskonflikt evident ist und ein Zusammenhang daher naheliegend
erscheint. Die Beklagte weist zudem zu Recht darauf hin, dass bereits der Gut-
achter Hinweise auf induzierte Aussageinhalte feststellte (act. 5/133 S. 29) und
angab, A._s Aussagen seien mit Vorbehalt aufzunehmen (act. 5/133 S. 49).
Dennoch scheint die Kinderpsychiaterin die Äusserungen A._s ungefiltert
wiederzugeben, ohne sich damit kritisch auseinanderzusetzen. Es ist daher mehr
als fraglich, ob die Äusserungen von A._ gegenüber der Kinderpsychiaterin
seinem unbeeinflussten Willen entsprechen. Doch selbst wenn dem so wäre,
stellte der Wille eines neunjährigen Kindes bei der Festsetzung des Besuchs-
rechts nur eines von mehreren Kriterien dar. Einen Entzug des Besuchsrechts
liesse sich alleine gestützt darauf nicht rechtfertigen, da andernfalls der Kindeswil-
le mit dem Kindeswohl gleichgesetzt würde (BGer 5A_719/2013 vom 17. Oktober
2014 E. 4.4).
- 20 -
8.4. Als (weiteren) Anhaltspunkt für eine Kindswohlgefährdung schildern die Kin-
derpsychiaterin, die Kindsvertreterin und der Kläger alle einen Vorfall, welcher
sich im Januar 2018 (act. 5/187 S. 5), mithin nach Erstellung des Gutachtens, zu-
getragen habe. Die Beklagte soll A._ in den wenigen unbeaufsichtigten Minu-
ten auf der Toilette des Besuchstreffs zu beeinflussen versucht haben (act. 2
Rz. 5; act. 10 Ziff. 3; act. 22). Dieser – von der Beklagten nicht bestrittene – Vor-
fall war für A._ zweifelsfrei sehr belastend und verstärkte seinen Loyalitäts-
konflikt. Der Vorfall ist aber mittlerweile ein Jahr her und ist im Zusammenhang
mit der Obhutsumteilung und der Installierung der begleiteten Besuche im Be-
suchstreff zu sehen, was auch für die Beklagte eine belastende Umstellung war.
Die Vorinstanz berücksichtigte im angefochtenen Entscheid sowohl den geschil-
derten Vorfall als auch die Reaktion der Beklagten auf die Obhutsumteilung. Sie
hielt fest, im Sinne einer Übergangslösung rechtfertige es sich, ein begleitetes
Besuchsrecht anzuordnen, damit A._ während einer Angewöhnungsphase
nach der Umteilung der Obhut zur Ruhe kommen und dem Druck und der Ein-
flussnahme der Beklagten entzogen werden könne. Da die Beklagte aber in der
Zwischenzeit akzeptiert habe, dass es für A._ besser sei, beim Kläger zu le-
ben und dies A._s gefestigten Wunsch entspreche, sei das begleitete Be-
suchsrecht auf eine Übergangsfrist bis Ende September 2018 zu beschränken.
Danach sei der Beklagten ein unbegleitetes Besuchsrecht, zunächst ohne und
dann mit Übernachtung, zu gewähren (act. 4 E. II./C.4). Damit trug die Vorinstanz
dem Vorfall und der – für alle Beteiligten – schwierigen Zeit der Obhutsumteilung
angemessen Rechnung.
Seit dem Vorfall von Januar 2018 sind keine weiteren Vorfälle der Beeinflus-
sung oder Unterdrucksetzung A._s dokumentiert. Die Kindsvertreterin führt
zwar aus, laut ihr vorliegenden Informationen habe die Beklagte noch immer nicht
akzeptiert, dass A._ in Zukunft beim Kläger wohnen werde. Sie solle
A._ immer noch dazu zu bewegen versuchen, den Wunsch zu äussern, wie-
der bei ihr leben zu können (act. 2 Rz. 4). Von wem diese Informationen stammen
und wann diese Äusserungen erfolgt sein sollen, legte sie aber nicht dar. Die Kon-
takte der Beklagten mit A._ fanden seit Dezember 2017 nur begleitet statt
und wurden ausführlich dokumentiert. Es finden sich darin keine Hinweise darauf,
- 21 -
dass die Beklagte seit dem Vorfall von Januar 2018 versucht hat, A._ zu be-
einflussen (vgl. act. 21/1–11; act. 24). Der Kläger macht zwar ebenfalls geltend,
anlässlich des Besuchskontakts vom 16. Juni 2018 habe die Beklagte A._ ul-
timativ aufgefordert zu erklären, dass er wieder bei ihr wohnen wolle, und diese
Aussage auf ihrem Handy aufgenommen (act. 10 S. 4). Dem Tagesprotokoll des
BBT vom 16. Juni 2018 lässt sich dies aber nicht entnehmen (act. 21/2). Selbst
wenn dieser Vorfall tatsächlich so stattgefunden hätte, läge auch dieser bereits
sechs Monate zurück. Ein Entzug des Besuchsrechts rechtfertigte dies auch in
Kombination mit dem Vorfall vom Januar 2018 nicht, zumal es sich um zwei Ein-
zelfälle handelte und ansonsten kein solches Verhalten von den Besuchsbeglei-
tern festgestellt wurde. Die Beklagte scheint die Zuteilung der Obhut an den Klä-
ger mittlerweile auch tatsächlich akzeptiert zu haben, hat sie doch die Verfügung
der Vorinstanz vom 29. Juni 2018, mit welcher die Obhutszuteilung an den Kläger
bestätigt wurde, nicht angefochten. Weshalb dennoch weitere Vorfälle befürchtet
werden, legen weder der Kläger noch die Kindsvertreterin dar und ist auch nicht
ersichtlich. Die blosse abstrakte Gefahr einer möglichen ungünstigen Beeinflus-
sung des Kindes reicht wie erwähnt nicht aus, um den persönlichen Verkehr nur
in begleiteter Form ausüben zu lassen (siehe hiervor E. III.6.). Dennoch ist mit
Nachdruck festzuhalten, dass die Beklagte zukünftig jegliche Beeinflussung und
Unterdrucksetzung A._s zu unterlassen hat. Aber auch der Kläger hat alles
zu unternehmen, um den Loyalitätskonflikt zu entschärfen. Insbesondere hat er
Bemerkungen gegenüber A._ über die Beklagte zu unterlassen, welche
A._ in seiner Beziehung zu ihr verunsichern könnten (vgl. act. 24 S. 3).
8.5.1. Weiter bringt die Kindsvertreterin vor, die ausführlichen Berichte des
begleiteten Besuchstreffs (BBT) hätten laut Beiständin Anlass zur Besorgnis ge-
geben (act. 2 Rz. 5). Vor diesem Hintergrund wurde antragsgemäss ein Bericht
der Beiständin eingeholt (act. 20). Darin führt die Beiständin aus, die Verantwortli-
chen des Besuchstreffs hätten aufgrund des oftmals problematischen Verhaltens
von A._ und der Beklagten Einzelbegleitungen empfohlen, in der Meinung,
die Beklagte müsse in der konkreten Situation und im Rahmen einer engen per-
sönlichen Begleitung im Umgang mit ihrem Sohn angeleitet werden. Sie – die
Beiständin – habe die Umwandlung in Einzelbegleitungen unverzüglich an die
- 22 -
Hand genommen, sodass am 25. August 2018 mit der ersten Einzelbegleitung
habe begonnen werden können. Am 24. September 2018 habe ein Standortge-
spräch stattgefunden. Die Beklagte habe geäussert, häufig um die Unterstützung
der Sozialpädagogin froh gewesen zu sein, da sie manchmal unsicher sei, wie sie
A._ begegnen solle. Die Sozialpädagogin habe mitgeteilt, sie hätte die Be-
klagte anleiten und ihr zeigen müssen, was ein angemessener Umgang mit einem
achteinhalb-jährigen Bub sei und wie die Beklagte ihre Rolle als Mutter einneh-
men solle. A._ zeige gegenüber der Beklagten ein ambivalentes Verhalten.
Er habe kleinkindliche Verhaltensweisen, sei aber auch respektlos und mache ab-
fällige Bemerkungen der Mutter gegenüber. Auffallend sei, dass die Beklagte kei-
ne Beschäftigungsmöglichkeiten kenne und keine Vorschläge bringe, was sie mit
A._ machen möchte (act. 20).
8.5.2. Die Beiständin reichte sodann die Tagesprotokolle der begleiteten Be-
suchstreffen vom 7. Januar bis 8. Juli 2018 ein. Darin wird mehrheitlich A._s
Verhalten anlässlich der Besuche geschildert. Wiederholt wird sein ambivalentes
Verhalten gegenüber der Beklagten beschrieben, welches von Davonrennen und
abschätzigen Äusserungen über mit Steine bewerfen zum Suchen von Nähe und
der Äusserung, er wolle die Mutter zu Hause besuchen, schwankte (act. 21/2;
act. 21/4; act. 21/5; act. 21/8; act. 21/9). A._ schien insbesondere zu Beginn
der Treffen abweisend und unausgeglichen gewesen zu sein, was sich dann im
Verlauf der Treffen jeweils legte (act. 21/1; act. 21/2; act. 21/4; act. 21/5;
act. 21/11). Zum Verhalten der Beklagten lässt sich den Berichten entnehmen,
dass sie sich eher passiv verhalten, sich von A._ rumkommandieren lassen,
ihn gefüttert und sich nur schlecht auf Spiele eingelassen habe (act. 21/1;
act. 21/5; act. 21/7; act. 21/8).
8.5.3. Aus dem Standortbericht der Einzelbegleitungen vom 10. Oktober 2018
geht hervor, dass seitens der Beklagten jeweils eine grosse Wiedersehensfreude
spürbar sei. Sie umarme A._ zur Begrüssung und gebe ihm ein Küsschen
auf Stirn oder Wange. A._ gebe sich anfangs jeweils abweisend gegenüber
dem Körperkontakt und stosse die Beklagte zurück. Kurz nach der Begrüssung
beginne er jeweils, ihr im Befehlston Anweisungen zu erteilen, mache abschätzige
- 23 -
Bemerkungen über sie, tadle sie, überschreite sonstige Grenzen und sei teilweise
körperlich distanzlos. Der Beklagten sei es dabei kaum gelungen, A._ ein-
deutig das Signal zu geben, dass er eine Grenze überschritten habe. Dem stehe
ein kleinkindliches und gleichzeitig steuerndes Verhalten A._s gegenüber.
Dies habe sich meist dann gezeigt, wenn die Beklagte etwas von ihm verlangt
habe, wie z.B. zwei Trinkgläser an den Tisch zu tragen. Die Beklagte sei dann
entweder auf A._ eingegangen und habe auf ihn mit einer Stimme eingere-
det, wie Mütter sie gegenüber Kleinkinder verwendeten, oder habe zwar zuerst
widersprochen und dabei teilweise gelacht, dann aber schnell nachgegeben,
wenn A._ verkündet habe, dass er etwas einfach nicht könne und sie das
jetzt tun müsse. Wenn die Beklagte das Gefühl gehabt habe, es sei Zeit, dass
A._ etwas esse oder trinke, habe er dies verweigert oder sich füttern lassen.
Einmal habe die Beklagte A._ zum Händewaschen auf die Toilette mitneh-
men wollen. Die Familienbegleiterin habe A._ darauf hingewiesen, er sei
gross genug, sich die Hände alleine waschen zu gehen. Damit habe er sich ein-
verstanden gezeigt. A._ habe immer wieder den Körperkontakt zur Beklagten
gesucht, was sie auf angemessene Weise erwidert habe. Die Familienbegleiterin
habe den Eindruck gehabt, die Beklagte wisse, wo sie A._ Grenzen setzen
müsse. Sie scheine aber verunsichert zu sein und auch Hemmungen davor zu
haben, A._ eindeutige Signale zu geben. Die Beklagte habe die Befürchtung
geäussert, ihr könnte angelasten werden, sie sei zu streng mit A._. Die Be-
klagte habe sich gegenüber der Familienbegleiterin offen und interessiert für In-
puts zum Umgang mit A._ gezeigt. Sie habe die Anregungen umgesetzt,
wenn auch etwas zögerlich und nicht konstant (act. 24 S. 2 f.).
8.5.4. Insgesamt lässt sich den Berichten entnehmen, dass insbesondere die
begleiteten Besuche im Besuchstreff schwierig verliefen, A._ aber auch im
Rahmen der Einzelbegleitung jeweils zu Beginn der Treffen ein auffälliges Verhal-
ten zeigte. Die Kindsvertreterin wies indes selbst darauf hin, dass das Verhalten
von A._ auch ausserhalb der begleiteten Besuche und insbesondere auch in
der Schule auffällig sei (act. 2 Rz. 5 u. 7). Zudem wurden die Verhaltensauffällig-
keiten von A._ bereits im Zeitpunkt der Gutachtenserstellung festgestellt und
berücksichtigt (vgl. hiervor E. III.8.2. sowie act. 5/133 S. 51). Der Gutachter erklär-
- 24 -
te, A._ sei dringend auf eine psychotherapeutische Behandlung angewiesen.
Begleitete Besuche erachtete er hingegen nicht als notwendig. Weshalb diese
Einschätzung heute nicht mehr zutreffen sollte, wurde weder dargetan noch ist
dies ersichtlich. Auch hinsichtlich des Verhaltens der Beklagten lässt sich den Be-
richten nichts Neues entnehmen. Vielmehr geht daraus hervor, dass es der Be-
klagten schwer fällt, A._ Grenzen zu setzen, sich auf Spiele mit ihm einzu-
lassen, Unternehmungen zu planen und ihn altersentsprechend zu behandeln.
Ein kindswohlgefährdendes Verhalten der Beklagten wird in den Berichten aber
nicht beschrieben, wohl aber Defizite der Beklagten im Umgang mit A._. Es
fällt vielen Eltern schwer, ihren Kindern Grenzen zu setzen oder sich auf Spiele
mit ihnen einzulassen. Solche Unsicherheiten im Umgang mit Kindern sind zwar
bedauerlich, stellen aber (für sich alleine) selbstverständlich keine Kindswohlge-
fährdung dar. Die Weiterführung der Einzelbegleitungen wurde ebenfalls einzig
aufgrund der bestehenden Unsicherheiten der Beklagten im Umgang mit
A._, v.a. beim Thema Grenzen setzen und beim Abschätzen, wo sie be-
stimmen soll und wo A._ mitreden darf, vorgeschlagen (act. 24 S. 3 f.). Sol-
che Unsicherheiten lassen sich auch ausserhalb des Settings begleiteter Besuche
durch entsprechende Beratungen beseitigen, wie dies bereits der Gutachter vor-
schlug. Er empfahl im Rahmen der Weiterführung der Beistandschaft, eine "Bera-
tung der Mutter, wie sie A._ besser unterstützen könne und was sie mit ihm
unternehmen könne, wenn er sie besucht". Als Voraussetzung für die Durchfüh-
rung unbegleiteter Besuchskontakte sah er dies indes nicht an. Vor diesem Hin-
tergrund sah die Vorinstanz von der Anordnung einer Therapie gegen den Willen
der Beklagten ab, wies die Beklagte aber darauf hin, dass von ihr erwartet werde,
sich ernsthaft um die Behebung ihrer Defizite bei der Erziehung und im Umgang
mit A._ zu bemühen und soweit als möglich professionelle Hilfe in Anspruch
zu nehmen (act. 4 E. D.2.). Dies blieb unangefochten. Eine weiterführende Bera-
tung oder Familienbegleitung (auch unter Einbezug des Klägers) erscheint zwar
sinnvoll, ist für die Durchführung unbegleiteter Besuchskontakte aber nicht erfor-
derlich und daher im Rahmen des Rechtsmittelverfahrens nicht von Amtes wegen
anzuordnen. Es steht indes im Ermessen der Vorinstanz, im Rahmen des hängi-
gen Scheidungsverfahrens entsprechende Anordnungen zu prüfen.
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8.6. Insgesamt werden keine Umstände vorgebracht, welche die Fortführung der
Besuchsbegleitungen rechtfertigten. Anhaltspunkte für eine Kindswohlgefährdung
lagen und liegen nicht vor. Der von der Vorinstanz angeordnete schrittweise Aus-
bau des Besuchsrecht ist somit zu bestätigen. Die Berufung ist abzuweisen. Auf-
grund der Dauer des Rechtsmittelverfahrens sind indes die Phasen des Besuchs-
rechts neu festzulegen. Für den Zeitraum vom 1. Februar 2019 bis 31. März 2019
ist die Beklagte daher für berechtigt zu erklären, A._ an jedem zweiten Sonn-
tag jeweils von 10:00 Uhr bis 19:00 Uhr und ab 1. April 2019 an jedem zweiten
Wochenende jeweils ab Freitag, 18:00 Uhr bis Sonntag, 17:00 Uhr zu sich oder
mit sich auf Besuch zu nehmen. Die Ferien- und Feiertagsregelung der Vo-
rinstanz ist beizubehalten.
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Im Rechtsmittelverfahren bemisst sich die Gebühr nach Massgabe dessen,
was vor der Rechtsmittelinstanz noch im Streit liegt (§ 12 Abs. 2 GebV OG). Da
es vorliegend einzig um die Regelung des Besuchsrechts geht, liegt eine nicht
vermögensrechtliche Streitigkeit vor. Bei nicht vermögensrechtlichen Streitigkeiten
wird die Gebühr nach dem tatsächlichen Streitinteresse, dem Zeitaufwand des
Gerichts und der Schwierigkeit des Falles bemessen und beträgt in der Regel
Fr. 300.– bis Fr. 13'000.– (§ 5 Abs. 1 GebV OG). Unter Berücksichtigung von § 6
Abs. 1 und § 8 Abs. 1 GebV OG ist die zweitinstanzliche Entscheidgebühr auf
Fr. 2'000.– festzusetzen. Hinzu kommen die Kosten für den Bericht der Kinder-
psychiaterin von Fr. 400.– (act. 29 i.V.m. act. 32) sowie die Kosten der Kindsver-
treterin. Diese reichte mit Eingabe vom 12. Dezember 2018 eine Aufstellung ihrer
Bemühungen ein (act. 37; act. 38). Sie macht einen Zeitaufwand von 715 Minuten
(act. 38 S. 1) bzw. 11.91 Stunden à Fr. 220.– und Auslagen in der Höhe von
Fr. 102.95 zuzüglich Mehrwertsteuer von 8% geltend (act. 38 S. 2). Der geltend
gemachte Zeitaufwand erscheint der Schwierigkeit des Falles und der Verantwor-
tung der Kindesvertreterin angemessen. Auslagen in der Höhe von Fr. 102.95 er-
scheinen ebenfalls angemessen und sind zu erstatten. Ein Mehrwertsteuerzu-
- 26 -
schlag ist zu gewähren; seit dem 1. Januar 2018 gilt jedoch ein Mehrwertsteuer-
satz von 7.7%, weshalb die Kindsvertreterin für ihre Bemühungen mit Fr. 2'932.85
(inkl. Barauslagen und 7.7% MwSt.) zu entschädigen ist.
2. Grundsätzlich werden die Prozesskosten nach Obsiegen und Unterliegen
verteilt (Art. 106 ZPO). Namentlich in familienrechtlichen Verfahren kann das Ge-
richt von diesem Grundsatz abweichen und die Prozesskosten nach Ermessen
verteilen (Art. 107 Abs. 1 lit. c ZPO). So werden bei Streitigkeiten über die Rege-
lung der Elternrechte (Obhut, Sorge und Kontakt) die Prozesskosten den Eltern in
der Regel – unabhängig vom Ausgang des Verfahrens – hälftig auferlegt, wenn
beide Parteien unter dem Gesichtspunkt der Interessen des Kindes gute Gründe
für ihren Standpunkt hatten. Dies ist hier v.a. auch unter Hinweis darauf, dass die
Kindesvertreterin den Prozess an das Obergericht zog, nicht anders. Es rechtfer-
tigt sich daher, den Parteien die Kosten je hälftig aufzuerlegen und die Parteient-
schädigungen wettzuschlagen. Der Anteil der Beklagten ist zufolge Bewilligung
der unentgeltlichen Rechtspflege einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen,
unter Hinweis auf die Nachzahlungspflicht (Art. 123 ZPO).