# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c8c788ea-4225-4d8c-a45b-089d31e8e7af
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte etc. und Wider-
ruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung, vom
10. Mai 2017 (DG160280)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich - Limmat vom 29. September
2016 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 24).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der mehrfachen, teilweisen versuchten Gewalt und Drohung gegen
Behörden und Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, teil-
weise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB,
− der mehrfachen einfachen Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von
Art. 90 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 22 Abs. 1 SSV.
2. Der Beschuldigte ist nicht schuldig und wird freigesprochen vom Vorwurf der
Widerhandlung gegen das Verbot der Besitzesstörung bei Grundstücken im
Sinne von Art. 258 ZPO.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 240 Tagessätzen zu
CHF 20.00, wovon bis und mit heute 113 Tagessätze als durch Haft
geleistet gelten, sowie mit einer Busse von CHF 800.00.
4. Der Vollzug der Geldstrafe wird nicht aufgeschoben. Die Busse ist zu bezah-
len.
5. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 8 Tagen.
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6. Die mit Urteil des Obergerichtes Zürich vom 1. September 2011 für eine
Freiheitstrafe von 9 Monaten im Rahmen des teilbedingten Strafvollzugs
gewährte Probezeit von vier Jahren, welche am 19. November 2014 von der
Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis um ein Jahr verlängert wurde, wird um
ein Jahr bis 9. Mai 2018 verlängert.
7. Es wird eine ambulante Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB (Behand-
lung psychischer Störungen) angeordnet.
8. Das Genugtuungsbegehren des Privatklägers 2 wird abgewiesen.
9. Der von der Stadtpolizei Winterthur am 10. Juni 2015 sichergestellte Droh-
brief wird eingezogen und als Beweismittel bei den Akten belassen.
10. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
CHF 4'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:
CHF 60.00 Kosten Kantonspolizei
CHF 3'000.00 Gebühr Anklagebehörde
CHF 18'107.50 Gutachten
CHF 2'410.00 Auslagen Untersuchung
CHF 13'391.55 amtliche Verteidigung
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
11. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, mit Aus-
nahme derjenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten
auferlegt.
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12. Rechtsanwalt lic. iur. X2._ wird für seine Bemühungen und Barausla-
gen als amtlicher Verteidiger aus der Gerichtskasse wie folgt entschädigt:
Leistungen mit 8.0 % MwSt.: Honorar CHF 12'084.60 Barauslagen CHF 315.00
Zwischentotal CHF 12'399.60 MwSt. CHF 991.95
Entschädigung total, inkl. MwSt. CHF 13'391.55
13. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO.
Berufungsanträge:
a) Der amtlichen Verteidigung:
(Urk. 82 sowie Prot. II S. 11)
1. Bezüglich Dossier 1, Verkehrsregelverletzung, sei das angefochtene
Urteil im Schuldpunkt zu bestätigen.
Bezüglich Dossier 1, Gewalt und Drohung gegen Behörden und
Beamte, Dossier 2 und 3 sei der Beschuldigte freizusprechen.
2. Der Beschuldigte sei zu bestrafen mit einer Geldstrafe von 60
Tagessätzen zu Fr. 10.– und einer Busse von Fr. 600.–.
Es sei festzustellen, dass bis und mit heute 113 Tagessätze als durch
Haft geleistet gelten.
3. Der Vollzug der Geldstrafe sei nicht aufzuschieben.
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4. Für den Fall, dss der Beschuldidgte die Busse schuldhaft nicht bezahlt,
soll an deren Stelle eine Ersatzfreiheitssrafe von 6 Tagen treten.
5. Die Widerrufsregelung gemäss Dispositiv Ziff. 6 des angefochtenen
Urteils sei zu bestätigen.
6. Die Anordnung einer ambulanten Massnahme im Sinne von Art. 63
StGB (Behandlung psychischer Störungen) sei zu bestätigen.
7. Die Kosten für die amtliche Verteidigung im erst- und
zweitinstanzlichen Verfahren sowie die Kosten für das psychiatrische
Gutachten im erstinstanzlichen Verfahren seien auf die Staatskasse zu
nehmen.
Im Übrigen seien die Kosten der Untersuchung, des erstinstanzlichen
Verfahrens und des Berufungsverfahrens, letztere allerdings nur im
Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen, dem Beschuldigten
aufzuerlegen, wegen offensichlicher Unerhältlichkeit jedoch sofort und
definitiv abzuschreiben.
8. Sollte sich ergeben, dass eine Überhaft vorliegt, so sei der Beschuldig-
te mit einer Genugtuung von Fr. 100.– pro Hafttag zu entschädigen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 83 S. 1 f.)
1. Der Angeklagte A._ sei schuldig zu sprechen
- der mehrfachen, teilweise versuchten Gewalt und Drohung gegen
Behörden und Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 Abs. .1 StGB,
teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie
- der mehrfachen einfachen Verletzung der Verkehrsregeln im Sin-
ne von Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG
und Art. 22 Abs. 1 SSV.
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2. Der Angeklagte sei zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von 14 Mona-
ten und einer Busse von Fr. 800.–.
3. Es sei der Vollzug der Freiheitsstrafe unter Anrechnung der erstande-
nen Untersuchungshaft anzuordnen.
4. Die Ersatzfreiheitsstrafe für den Fall der Nichtbezahlung der Busse sei
auf 8 Tage festzusetzen.
5. Zudem sei eine ambulante Behandlung im Sinne von Art. 63 StGB, mit
Beginn während dem Strafvollzug, anzuordnen.
6. Es sei die mit Urteil des Obergerichtes Zürich vom 1. September 2011
für eine Freiheitsstrafe von 9 Monaten im Rahmen des teilbedingten
Strafvollzugs gewährte Probezeit von 4 Jahren, welche am 10. De-
zember 2013 von der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland um ein
Jahr verlängert wurde, wobei er am 19. November 2014 von der
Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis verwarnt wurde, um ein weiteres
Jahr zu verlängern.
7. Die Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens und des Berufungsverfah-
rens seien dem Angeklagten aufzuerlegen. Die Kosten der amtlichen
Verteidigung seien auf die Staatskasse zu nehmen, unter Vorbehalt ei-
ner Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
c) Der Privatklägerin Nr. 3:
(Urk. 84)
Sinngemäss angemessene Bestrafung des Beschuldigten wegen Gewalt
und Drohung gegen Behörden und Beamte entsprechend den Anträgen der
Staatsanwaltschaft (Urk. 83 S. 1 f.).
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## Considerations

Erwägungen:
I. Verfahrensgang
1. Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene, mündlich eröffnete
und den Privatklägern schriftlich mitgeteilte Urteil des Bezirksgerichtes Zürich,
10. Abteilung, vom 10. Mai 2017 (Prot. I S. 25 ff.) meldeten die vormalige amtliche
Verteidigung namens und im Auftrag des Beschuldigten mit Eingabe vom 12. Mai
2017 sowie die Staatsanwaltschaft mit Schreiben vom 17. Mai 2017 Berufung an
(Urk. 50 f.). Das begründete Urteil wurde dem Beschuldigten am 11. August 2017,
den Privatklägern 1–4 am 10. resp. 11. August 2017 und der Staatsanwaltschaft
sowie der vormaligen amtlichen Verteidigung am 16. August 2017 zugestellt
(Urk. 55/1-6; Urk. 56). Mit jeweiliger Eingabe vom 5. September 2017 (Poststem-
pel) reichten die vormalige amtliche Verteidigung im Auftrag des Beschuldigten
wie auch die Staatsanwaltschaft rechtzeitig ihre Berufungserklärung ein (Urk. 61
und 62). Der Beschuldigte liess ursprünglich einen vollumfänglichen Freispruch
beantragen, beschränkte diesen anlässlich der Berufungsverhandlung jedoch auf
die Delikte der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte (betreffend
Verkehrsregelverletzungen sei das angefochtene Urteil im Schuldpunkt [neu] zu
bestätigen, Urk. 82). Die Staatsanwaltschaft beschränkte ihre Berufung auf die
Strafzumessung und passte ihre Anträge bei der Berufungsverhandlung in weni-
gen Punkten noch an (Busse neu Fr. 800.–, Urk. 83 S. 1).
1.1. Nachdem der Beschuldigte in der vorinstanzlichen Hauptverhandlung
ein Verlesen des Plädoyers durch die vormalige amtliche Verteidigung abgelehnt
hatte (Prot. I S. 21 ff.), stellte diese ein Begehren, nach Abschluss des erstin-
stanzlichen Verfahrens entlassen zu werden (Urk. 58). Mit Präsidialverfügung
vom 12. September 2017 wurde dem Beschuldigten durch die Berufungsinstanz
eine zehntägige Frist angesetzt, um dem Gericht eine Verteidigung zu bezeich-
nen, wobei bei Säumnis von der Verfahrensleitung eine (neue) amtliche Verteidi-
gung bestellt werde (Urk. 63). Mit Schreiben vom 25. September 2017 an die
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Staatsanwaltschaft, hierorts eingegangen am 11. Oktober 2017, teilte der Be-
schuldigte mit, dass er auf eine amtliche Verteidigung verzichte (Urk. 65/1+2). Mit
Präsidialverfügung vom 30. Oktober 2017 wurde die vormalige amtliche Verteidi-
gung entlassen und die neue amtliche Verteidigung bestellt (Urk. 67), und mit Be-
schluss vom 20. November 2017 wurde die vormalige amtliche Verteidigung für
ihre Bemühungen für den Zeitraum vom 12. Mai 2017 bis 3. November 2017 ent-
schädigt (Urk. 72).
1.2. Mit Präsidialverfügung vom 20. November 2017 wurde dem Beschuldig-
ten und den Privatklägern 1-4 je eine Kopie der Berufungserklärung der Staats-
anwaltschaft zugestellt und der Staatsanwaltschaft und den Privatklägern 1-4 je
eine Kopie jener des Beschuldigten. Zudem wurde ihnen je Frist für eine An-
schlussberufung oder einen allfälligen Nichteintretensantrag angesetzt (Urk. 70).
Mit Eingabe vom 28. November 2017 erklärte die Privatklägerin 3 Anschlussberu-
fung (Urk. 74 S. 2). Die Privatkläger 1, 2 und 4 liessen sich im Berufungsverfahren
nicht vernehmen. Mit Eingabe vom 12. Dezember 2017 liess der Beschuldigte
durch die neue amtliche Verteidigung mitteilen, dass er auf eine Anschlussberu-
fung und einen Nichteintretensantrag verzichte. Zudem liess er das Datenerfas-
sungsblatt einreichen (Urk. 75 f.). Mit Präsidialverfügung vom 5. Januar 2018
wurde den übrigen Parteien je eine Kopie der Anschlussberufung der Privatkläge-
rin 3 und des Verzichts des Beschuldigten auf eine solche zugestellt (Urk. 77 f.).
Am 8. März 2018 wurde zur Berufungsverhandlung auf den 18. Mai 2018 vorge-
laden (Urk. 79). Der Beschuldigte liess sich mit ärztlichem Zeugnis von der Beru-
fungsverhandlung dispensieren (Urk. 80/1-2).
II. Prozessuales
1. Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechts-
kraft des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Nachdem
die Urteilsdispositivziffern 1 teilweise (Verurteilung wegen mehrfacher Verletzung
der Verkehrsregeln), 2 (Teilfreispruch), 7 (Massnahme), 8 (Zivilpunkt), 9 (Einzie-
hung), 10 (Kostenfestsetzung) und 12 (Entschädigung RA X2._) unangefoch-
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ten blieben, ist mittels Beschluss festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil in
diesem Umfang in Rechtskraft erwachsen ist.
2. Die Leiterin des Stadtrichteramtes Winterthur hat in ihrer Stellung als Pri-
vatklägerin 3 Anschlussberufung erhoben (Urk. 74 S. 2). Sie ficht die rechtliche
Würdigung der Vorinstanz von zwei Anklagepunkten als bloss versuchte Taten
an, da der Brief des Beschuldigten mit den Todesdrohungen bei allen Mitarbei-
tenden des Stadtrichteramtes, insbesondere bei C._, der den Brief geöffnet
habe, grosse Ängste und über längere Zeit dauernde Unsicherheit ausgelöst ha-
be. Infolge vollendeter Tat sei der Beschuldigte strenger zu bestrafen (Urk. 74
S. 2).
2.1. Die Legitimation einer Partei zum Ergreifen eines Rechtsmittels ist ge-
geben, wenn sie ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Ände-
rung eines Entscheides hat (Art. 382 Abs. 1 StPO). Die Anfechtung des vorin-
stanzlichen Urteils durch die Privatklägerin 3 ist grundsätzlich zulässig, sofern sie
sich als Privatklägerin konstituiert hat. Die Erklärung ist gegenüber einer Strafver-
folgungsbehörde spätestens bis zum Abschluss des Vorverfahrens abzugeben.
Der Strafantrag ist dieser Erklärung gleichgestellt (Art. 118 StPO; Art. 119 Abs. 2
StPO). Bezüglich der Strafe kann allein die Staatsanwaltschaft ein Rechtsmittel
einlegen (Art. 382 Abs. 2 StPO). Ficht die Privatklägerschaft ein Urteil bei Frei-
spruch oder wegen eines ihres Erachtens unrichtigen Schuldspruches an, so be-
zieht sich das Rechtsmittel im Ergebnis auch auf eine schärfere Bestrafung
(BGE 139 IV 84; SCHMID/JOSITSCH, Schweizerische Strafprozessordnung, Praxis-
kommentar, 3. Aufl., Zürich/St. Gallen 2018, N 6 zu Art. 382 StPO).
2.2. Da die Privatklägerin 3 von den Tathandlungen zum Nachteil des Pri-
vatklägers 4 nicht tangiert ist (Anklagevorwurf ND 3, Urk. 24 S. 5), fehlt ihr in je-
nem Umfang von vornherein die Legitimation zur Anschlussberufung (strafbarer
Versuch betr. Urteil III.D.3.; Urk. 74 S. 2), weshalb auf die Anschlussberufung in-
soweit nicht einzutreten ist.
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2.3. Der Privatkläger 1 hat am 9. Juni 2015 fristwahrend einen Strafantrag
wegen Drohung unterzeichnet und die Bestrafung des Beschuldigten beantragt
(Urk. ND 2/2; Art. 30 f. StGB). Damit hat er sich als Privatkläger konstituiert.
2.4. Die Privatklägerin 3 hat am 13. April 2016, mithin über fünf Monate vor
Abschluss des Vorverfahrens mit der Anklageerhebung vom 29. September 2016,
auf dem von ihr unterzeichneten Formular "Geltendmachung von Rechten als Pri-
vatklägerschaft" angekreuzt, dass sie sich am Verfahren gegen den Beschuldig-
ten beteiligen und als Privatklägerin Parteirechte ausüben wolle. Sie wolle als
Strafklägerin am Verfahren mitwirken (Urk. ND 2/9). Somit hat sie sich rechtsgül-
tig als Privatklägerin im Strafpunkt konstituiert.
3. Da durch den Straftatbestand der Gewalt und Drohung gegen Behörden
und Beamte im Sinne von Art. 285 StGB vorwiegend allgemeine Interessen ge-
schützt werden sollen, stellt sich die Frage, ob die Privatklägerin 3 überhaupt als
geschädigte Person im Sinne von Art. 115 Abs. 1 StPO gelten kann, soweit sie
als Privatperson die Verletzung privater Interessen geltend macht. Werden jedoch
durch die Verletzung einer Strafnorm, welche zwar in erster Linie allgemeine Inte-
ressen schützt, auch private Interessen unmittelbar beeinträchtigt, so gelten auch
jene Personen als Geschädigte im Sinne von Art. 115 Abs. 1 StPO (SCHMID/ JO-
SITSCH, Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 3. Aufl., Zürich/
St. Gallen 2018, N 3 zu Art. 115 StPO).
3.1. Dem Beschuldigten wird in diesem Zusammenhang in der Anklage-
schrift vorgeworfen (Urk. 24 S 4 f.), am 6. Juni 2015 eine Einsprache gegen den
gegen ihn erlassenen Strafbefehl verfasst zu haben, in welcher er einem unbe-
stimmten Personenkreis, mutmasslich den im Stadtrichteramt Winterthur tätigen
Personen und den Strafbehörden, mit den folgenden Worten mit dem Tod gedroht
habe: "[...] Kommt und holt mich ich werde jeden Wixer der mich anfasst umbringen, ich habe das recht
meine Unschuld und meine Freiheit zu verteidigen, bis auf mein Tot. Ihr seid der Abschaum der
Nation. [...]" (Urk ND 2/5/1).
Durch dieses Schreiben hätten sich C._ (Privatkläger 1) "sehr unwohl ge-
fühlt", und die Privatklägerin 3 "sehr besorgt", namentlich um die Sicherheit der
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Mitarbeitenden. Sowohl der Privatkläger 1 als auch das Stadtrichteramt Win-
terthur, vertreten durch die Privatklägerin 3, hätten ernsthaft mit der Umsetzung
der Drohung gerechnet.
Der Beschuldigte habe mit diesem Schreiben Einfluss auf die Entscheidfindung
des Stadtrichteramtes hinsichtlich seiner Einsprache gegen den Strafbefehl neh-
men wollen. Beim Verfassen des Schreibens habe er zumindest in Kauf genom-
men, dass dadurch jemand in Angst und Schrecken versetzt werde (Urk. 24 S 5).
3.2. Soweit die Privatklägerin 3 mit ihrer Anschlussberufung im eigenen Na-
men ohne Vollmacht des Privatklägers 1 die Verletzung privater Interessen gel-
tend macht, welche diesem zustehen, ist auf die Anschlussberufung ebenfalls
nicht einzutreten.
III. Sachverhalt
A. Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte (Dossier 1)
1. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, am 22. April 2015 auf dem Trottoir
der D._, ... [Ort], anlässlich einer Verkehrskontrolle den Polizeibeamten
E._ damit bedroht zu haben, dass man sich im Leben immer zweimal sehe.
Zudem habe er sich geweigert, sich der Kontrolle zu unterziehen, indem er sich
grundlos bäuchlings auf den Boden gelegt, seine Hände auf dem Kopf ver-
schränkt und um Hilfe geschrien habe, weshalb Unterstützung habe angefordert
werden müssen. Als nach deren Eintreffen die Kontrolle nach mehrmaligen Auf-
forderungen habe durchgeführt werden können und der Polizeibeamte ihn abge-
tastet habe, habe der Beschuldigte seinen linken Arm aus der Fixierung des an-
deren Beamten gerissen und den Polizeibeamten E._ angeschrien, er schla-
ge diesem die Zähne raus, wenn er ihn noch einmal anfasse. Da sich der Polizei-
beamte dadurch bedroht gefühlt habe, sei die Durchsuchung abgebrochen und
der Beschuldigte arretiert worden, wobei er sich mit Körpergewalt gegen das auf
den Rücken Führen seiner Hände gesperrt und sich erst nach der Androhung des
Einsatzes von Pfefferspray gefügt habe (Urk. 24 S. 3 f.; ND 1).
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2. Der Beschuldigte hat anerkannt, sich auf den Boden gelegt und geschrien
zu haben, dies sei Polizeibrutalität (Urk. ND 1/4 S. 3). Zudem bestätigte er, die
Drohungen ausgesprochen zu haben, da der Polizeibeamte ihm bei der Kontrolle
die Genitalien zusammengedrückt und ihm dadurch Schmerzen zugefügt habe. Er
habe sich auch nicht bewusst aus dem Kontrollgriff gelöst, sondern sei aufgrund
der Schmerzen zusammengezuckt (Urk. 5 S. 2 f., S. 5; Urk. ND1/4 S.2 ff., Prot. I
S. 16 f.).
2.1. Damit sind die dem Beschuldigten zur Last gelegten Drohungen bereits
aufgrund seiner eigenen Aussagen erstellt. Zur Frage, ob die Drohungen als Re-
aktion auf zugeführte Schmerzen im Genitalbereich erfolgten, hat die Vorinstanz
die Wahrnehmungsberichte (Urk. ND 1/2+3) sowie die Aussagen der damals
handelnden Polizeibeamten E._ und F._ bei der Staatsanwaltschaft
(Urk. ND 1/10; Urk. ND 1/13) korrekt zusammengefasst wiedergegeben; es kann
vollumfänglich darauf verwiesen werden (Urk. 57 S. 12 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
2.1.1. Laut Wahrnehmungsbericht hatte der Polizeibeamte E._ den Be-
schuldigten vor der Kontrolle im Intimbereich vorgewarnt, d.h. diese angekündigte
(Urk. ND 1/2 S. 3). Bei der Staatsanwaltschaft hatte E._ (Privatkläger 2) als
Auskunftsperson zudem im Wesentlichen zu Protokoll gegeben (Urk. ND 1/10
S. 4), zum Abtasten gehöre auch der Griff in den Genitalbereich. Dabei habe der
Beschuldigte sich losgerissen und gesagt, wenn er ihn noch einmal anfassen
würde, schlage er ihm alle Zähne aus. Die Aussage des Beschuldigten, wonach
er sich nicht loszureissen versucht habe, sondern "in die Knie gezuckt sei", als er
ihm "die Eier zusammengedrückt" habe, entspreche nicht der Wahrheit
(Urk. ND 1/10 S. 8).
2.1.2. Der als angeforderte Unterstützung an den Kontrollort ausgerückte
Polizeibeamte F._ hatte anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen Befra-
gung als Zeuge in Übereinstimmung mit seinen Ausführungen im von ihm erstell-
ten Wahrnehmungsbericht (Urk. ND 1/3 S. 2) im Wesentlichen zu Protokoll gege-
ben, der Beschuldigte habe sich während des Abtastens im Schambereich plötz-
lich losgerissen und den Polizeibeamten E._ richtiggehend angeschrien und
diesem gedroht: "Wenn du das noch einmal machst, dann schlage ich dir die
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Zähne aus." Ihrer eigenen Sicherheit wegen hätten sie sich dann entschieden,
dem recht kräftig gebauten Beschuldigten Handfesseln anzulegen. Es sei soweit
gegangen, dass man dem Beschuldigten den Einsatz von Pfefferspray habe an-
drohen müssen (Urk. ND 1/13 S. 4 f.). Auf Ergänzungsfrage der Verteidigung er-
klärte er alsdann, den Eindruck gehabt zu haben, dass der Polizeibeamte
E._ den Beschuldigten ganz normal im Genitalbereich abgetastet habe
(ebenda, S. 7).
2.2. Angesichts der widerspruchsfreien und übereinstimmenden Aussagen
der als Auskunftsperson resp. Zeuge befragten Polizeibeamten E._ und
F._ lässt sich die Darstellung des Beschuldigten, wonach E._ beim Ab-
tasten die Hand im Genitalbereich zusammengedrückt und ihm so Schmerzen
zugeführt habe, weshalb er diesem gedroht und sich nicht absichtlich losgerissen
habe, sondern aufgrund der Schmerzen zusammengezuckt sei (Urk. ND 1/4
S. 2 ff.; Urk. 5 S. 2 f.), nicht erstellen. Sie erweist sich vielmehr als haltlose
Schutzbehauptung. Bezeichnenderweise sprach der Beschuldigte vor Vorinstanz
auch nicht mehr davon, der Polizeibeamte habe beim Abtasten die Hand im Geni-
talbereich zusammengedrückt, sondern "dass er von unten in den Schwanz, in
die Eier, hinaufschlägt." (Prot. I S. 17). Damit aggravierte der Beschuldigte seine
Beschreibung vor Vorinstanz wenig glaubhaft. Abgesehen davon wäre ein "nach
oben Schlagen" in den Genitalbereich auch für Dritte leicht erkennbar gewesen.
Überdies hatte der Beschuldigte mit seiner Aktion, sich grundlos auf den Boden
zu legen und "Polizeigewalt" zu schreien, bereits zu Beginn der Kontrolle zu Un-
recht versucht, dem Polizeibeamten E._ gewaltsames Vorgehen gegen ihn
zu unterstellen, was auch die spätere Belastung des Polizeibeamten unglaubhaft
macht.
2.3. Der Anklagesachverhalt der Gewalt und Drohung gegen Behörden und
Beamte zum Nachteil des Polizeibeamten E._ erweist sich somit als vollum-
fänglich erstellt.
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B. Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte (Dossier 2)
1. Dieser Anklagevorwurf wurde bereits wiedergegeben (Urk. 24 S 4 f.;
ND 2; vgl. Erw. II.3.1.).
2. Der Beschuldigte hat anerkannt, das Schreiben verfasst und ans Stadt-
richteramt Winterthur versandt zu haben (Urk. 5 S. 3). Der objektive Anklage-
sachverhalt ist damit bereits erstellt.
3. Der Privatkläger 1 (C._), welcher den Brief als Mitarbeiter des Stadt-
trichteramtes geöffnet hatte, gab anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen Be-
fragung als Auskunftsperson in Übereinstimmung mit seinen polizeilichen Aussa-
gen (Urk. ND 2/4 S. 2 f.) im Wesentlichen zu Protokoll (Urk. ND 2/15 S. 2 ff.),
dass er sich durch das Schreiben bedroht gefühlt habe und Angst gehabt habe,
nachdem er von der Polizei erfahren habe, dass der Beschuldigte ein "Gefährli-
cher" sei. Er habe befürchtet, der Beschuldigte könnte vorbeikommen und seine
Drohung in die Tat umsetzen. Er habe daraufhin alle Daten gelöscht, welche auf
seine Privatadresse hinwiesen. Dies bestätigte auch B._, Leiterin des Stadt-
richteramtes (Privatklägerin 3) und Vorgesetzte des Privatklägers 1. Sie gab an-
lässlich ihrer staatsanwaltschaftlichen Befragung als Auskunftsperson im Wesent-
lichen zu Protokoll (Urk. ND 2/10 S. 3 ff.), dass der Privatkläger 1 nach der Öff-
nung des Briefes sehr besorgt gewirkt habe. Diesem sei es wichtig gewesen,
dass er in der Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft vom Beschuldigten nicht
gesehen würde, um ausserhalb des Amtes nicht erkannt zu werden. Auch sie sel-
ber sei sehr besorgt gewesen und habe damit gerechnet, der Beschuldigte könnte
im Stadtrichteramt auftauchen und seine Drohung wahrmachen, weshalb sie ihre
Mitarbeiter angewiesen habe, ihm den Zutritt zum Gebäude gegebenenfalls zu
verweigern.
3.1. Aufgrund der glaubhaften und in sich stimmigen Aussagen der Privat-
kläger 1 und 3 ist somit auch erstellt, dass diese sehr besorgt auf den Drohbrief
des Beschuldigten reagierten, ernsthaft mit einer möglichen Umsetzung der Dro-
hung rechneten und deshalb Schutzvorkehrungen im Stadtrichteramt trafen. Dass
der Beschuldigte angesichts des Inhaltes seines Drohbriefes in Kauf nahm, damit
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jemanden in Angst und Schrecken zu versetzen, ergibt sich bereits aus den
angsteinflössenden Formulierungen im Brief selbst (Urk. ND 2/5/1).
3.2. Der Anklagesachverhalt der Gewalt und Drohung gegen Behörden und
Beamte zum Nachteil der Privatkläger1 und 3 erweist sich somit als erstellt.
C. Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte (Dossier 3)
1. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen (Urk. 24 S 5 f.; ND 3), am 19. Juni
2015 ein Rekursschreiben gegen den mit Verfügung des Strassenverkehrsamtes
des Kantons Zürich vom 11. Juni 2015 auf unbestimmte Zeit angeordneten vor-
sorglichen Führerausweisentzug verfasst und diesem zugesandt zu haben (Ein-
gang 1. Juli 2016), in welchem er den mutmasslich involvierten Behördenmitglie-
dern des Strassenverkehrsamtes und der Rekursabteilung der Sicherheitsdirekti-
on des Kantons Zürich mit den folgenden Worten mit dem Tod gedroht habe:
"[...] Sie haben mich schon einmal unschuldig 16 Monaten verurteilt. Ich brauche keinen Anwalt
mehr es gelten die von mir erstellten regeln. Sollte ich nochmals unschuldig verhaftet werden,
müssen sie mich erschiessen oder sofort umbringen. Ich bin 42 Jahre und habe nichts mehr zu
verlieren. Ich werde mich bis auf mein Tot verteidigen und auf mein Recht auf Freiheit kämpfen.
Jeder der mir meine Freiheit nehmen will, muss damit rechnen dass wenn er mich nicht vorher
umbringt, werde ich ihn umbringen, mich fasst niemand mehr an! [...]" (Urk. ND 3/6).
Dadurch habe sich der Amtsleiter der Rekursabteilung, der Privatkläger 4, bedroht
und namentlich um seine Mitarbeiter und Polizeikräfte sehr besorgt gefühlt, und
ernsthaft mit einer Umsetzung der Drohung gerechnet. Der Beschuldigte habe mit
seinem Drohschreiben Einfluss auf den Rekursentscheid hinsichtlich des vorsorg-
lichen Führerausweisentzuges nehmen wollen und beim Verfassen des Schrei-
bens zumindest in Kauf genommen, dadurch jemanden in Angst und Schrecken
zu versetzen (Urk. 24 S 6).
2. Der Beschuldigte hat auch anerkannt, dieses Schreiben verfasst und an
die Sicherheitsdirektion des Kantons Zürich versandt zu haben, wobei der Inhalt
des Schreibens so zu interpretieren sei, dass er lediglich mit seinem eigenen Tod
drohe (Urk. 5 S. 3 f.). Der objektive Anklagesachverhalt ist damit bereits erstellt.
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2.1. Der Privatkläger 4, Amtsleiter der Sicherheitsdirektion des Kantons Zü-
rich, Rekursabteilung, gab anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen Befragung
als Auskunftsperson zu Protokoll (Urk. ND 3/15 S. 3 f.), dass er den Inhalt des
Schreibens des Beschuldigten vom 19. Juni 2015 als massive Drohung aufge-
fasst habe und sehr besorgt um die Polizeikräfte gewesen sei, welche den Führe-
rausweis des Beschuldigten hätten abholen sollen. Daher habe er auch umge-
hend mit dem Gewaltschutz der Kantonspolizei Kontakt aufgenommen. Die Aus-
sagen des Privatklägers 4 sind glaubhaft. Es besteht keine Veranlassung, an sei-
ner Darstellung zu zweifeln.
2.2. Es ist somit erstellt, dass der Beschuldigte am 19. Juni 2015 das Re-
kursschreiben mit dem drohenden Inhalt verfasste und an die Sicherheitsdirektion
des Kantons Zürich versandte, und dass der Privatkläger 4 besorgt reagierte und
entsprechende Vorkehrungen traf, nachdem er Kenntnis vom Wortlaut genommen
hatte. Angesichts des unzweideutigen Wortlautes der Drohung ist überdies er-
stellt, dass der Beschuldigte damit zumindest in Kauf genommen hatte, jemanden
in Angst und Schrecken zu versetzen.
IV. Rechtliche Würdigung
1. Der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte im Sinne von
Art. 285 Ziff. 1 StGB macht sich strafbar, wer eine Behörde, ein Mitglied einer Be-
hörde oder einen Beamten durch Gewalt oder Drohung an einer Handlung, die in-
nerhalb ihrer Amtsbefugnisse liegt, hindert, zu einer Amtshandlung nötigt oder
während einer Amtshandlung tätlich angreift.
2. Geschütztes Rechtsgut ist das reibungslose Funktionieren der staatlichen
Organe, "die staatliche Autorität, die sich auf Verfassung und Gesetz stützt"
(TRECHSEL/VEST, in: Trechsel/Pieth, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxis-
kommentar, 3. Aufl., Zürich/St. Gallen 2018, N 1 zu Vor Art. 285 StGB).
3. Das Angriffsobjekt von Art. 285 StGB ist die Amtshandlung als solche.
Amtshandlung ist jede Handlung "innerhalb der Amtsbefugnisse" des Beamten
bzw. der Behörde. Als solche hat grundsätzlich jede Betätigung in seiner bzw. ih-
- 17 -
rer öffentlich-rechtlichen Funktion zu gelten. Dazu gehören nicht nur Rechtshand-
lungen und weitere Handlungen in Ausübung staatlicher Macht, sondern auch
Handlungen zur Erfüllung staatlicher Aufgaben und Teilakte derselben sowie Vor-
bereitungs- und Begleithandlungen. Für Letztere gilt dies allerdings immer nur un-
ter der Voraussetzung, dass die Handlung amtlichen Charakter hat, d.h. im Zu-
sammenhang mit der Erfüllung einer öffentlich-rechtlichen Funktion steht. Dies ist
immer dann der Fall, wenn die Handlung für die Amtsausübung und deren Zweck
notwendig ist. Nicht darunter fallen Handlungen, die einer staatlichen Funktion
dienen, welche jedoch nicht die Vorbereitung bzw. Vornahme einer konkreten
Aufgabe mit genuin hoheitlichem Charakter beinhalten, wie etwa das Abhalten
von Vorlesungen oder Schulunterricht. Bei Tätigkeiten, die nicht der konkreten
Durchsetzung der Rechtsordnung dienen, wird durch eine Störung das geschützte
Rechtsgut der staatlichen Autorität nicht in einem Masse beeinträchtigt, dass sich
eine Kriminalisierung per se rechtfertigt. Private Tätigkeiten innerhalb der Dienst-
zeit, wie beispielsweise das Äussern unsachlicher, persönlicher Bemerkungen
sind ebenfalls nicht als Amtshandlungen zu werten. Die Amtshandlung muss sich
im Übrigen nicht gegen den Täter, sondern kann sich auch gegen einen Dritten
richten. Ob die Amtshandlung den Täter direkt angeht, ist mithin unerheblich
(HEIMGARTNER, in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 3. Aufl. 2013, N 9 zu Vor
Art. 285 StGB; TRECHSEL/VEST, a.a.O., N 8 zu Vor Art. 285 StGB).
4. Ferner wurde im angefochtenen Urteil zutreffend erwogen (Urk. 57 S. 20,
Ziff. 1.4.; Art. 82 Abs. 4 StPO), dass eine Hinderung einer Amtshandlung vorliegt,
wenn diese in einer Art und Weise beeinträchtigt wird, dass sie nicht reibungslos
durchgeführt werden kann (BGE 103 IV 186 f.). Damit ist eine Behinderung oder
Verzögerung der Amtshandlung bereits tatbestandsmässig. Unerheblich ist es, ob
es dem Täter gelingt, die Amtshandlung zu verunmöglichen (BGE 90 IV 137, 139;
BGE 71 IV 101, 102).
4.1. Zu unterscheiden sind die Hinderung einer Amtshandlung durch Gewalt
oder Drohung, die Nötigung zu einer Amtshandlung sowie tätliche Angriffe wäh-
rend einer Amtshandlung (ISENRING, in: Donatsch/Heimgartner/Isenring/Weder,
StGB Kommentar, 20. Auflage, Zürich 2018, N 7 zu Art. 285 StGB).
- 18 -
4.2. Das Tatbestandsmerkmal der Drohung ist im gleichen Sinne wie bei der
Nötigung nach Art. 181 StGB auszulegen (HEIMGARTNER, a.a.O., N 10 zu Art. 285
StGB). Erforderlich ist somit die Androhung eines ernstlichen Nachteils, welche
vorliegt, wenn nach der Darstellung des Täters der Eintritt des Nachteils als von
seinem Willen abhängig erscheint und die Androhung objektiv geeignet ist, den
Betroffenen in seiner Entscheidungsfreiheit einzuschränken (DELNON/ RÜDY, Bas-
ler Kommentar, Strafrecht II, 3. Aufl. 2013, N 27 zu Art. 181 StGB). Die Andro-
hung des Übels kann sich auch gegen Rechtsgüter Dritter oder des Drohenden
selbst richten (DELNON/RÜDY, N 16 zu Art. 180 StGB). Die Drohung muss jedoch
nicht eine Intensität wie diejenige nach Art. 180 StGB erreichen, den Geschädig-
ten mithin nicht in Angst und Schrecken versetzen. Der Geschädigte muss aber
die Verwirklichung des angedrohten Übels befürchten, die Androhung also nicht
lediglich für einen Bluff halten (DELNON/RÜDY, a.a.O., N 36 zu Art. 181 StGB).
5. Der Beschuldigte drohte dem Polizeibeamten E._, Privatkläger 2,
damit, dass man sich im Leben immer zweimal sehe und dass er ihm die Zähne
ausschlagen würde, wenn er ihn noch einmal anfasse. Letztere Drohung wurde
zudem dadurch unterstrichen, dass er seinen linken Arm aus der Fixierung des
Polizeibeamten F._ herausriss und sich bedrohlich vor den Privatkläger 2
stellte. Man sehe sich im Leben immer zweimal, stellt für sich allein betrachtet
noch keine Drohung dar, sinngemäss und im Kontext kann dies aber allemal als
Drohung aufgefasst werden. Konkreter war die Androhung des Ausschlagens der
Zähne. Dadurch hat der Beschuldigte dem Privatkläger 2 einen ernstlichen Nach-
teil angedroht, dessen Verwirklichung er aufgrund des Verhaltens des Beschuldig-
ten während der gesamten Kontrolle auch befürchtet hatte (eine grössere sog.
Resistenz gegen die Drohungen, wie von der Verteidigung geltend gemacht,
Prot. II S. 12, durfte und konnte vom betroffenen Polizeibeamten in der gegebe-
nen Situation nicht erwartet werden). Durch die Drohung konnte die Kontrolle
schliesslich nicht reibungslos durchgeführt werden. Damit wurde sie verzögert
und erschwert und musste schliesslich abgebrochen werden, womit eine Hinde-
rung im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB gegeben ist.
- 19 -
6. Beim subjektiven Tatbestand von Art. 285 Abs. 1 StGB ist zumindest
eventualvorsätzliches Handeln verlangt. Dazu muss der Täter um das mögliche
Vorliegen einer Amtshandlung, die nicht nichtig ist, wissen (HEIMGARTNER, a.a.O.,
N 15 zu Art. 285 StGB). Weiter muss die Handlung des Täters vom Willen getra-
gen sein, den Beamten an der Amtshandlung zu hindern. Indem der Beschuldigte
sich gegen die für ihn ohne Weiteres als solche erkennbare Amtshandlung aktiv
zur Wehr setzte, manifestierte er seinen Willen, die Polizisten an der Amtshand-
lung zu hindern und handelte somit direktvorsätzlich, womit auch der subjektive
Tatbestand erfüllt ist.
Demzufolge hat der Beschuldigte sich der Gewalt und Drohung gegen Be-
hörden und Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB schuldig gemacht.
7. Beim Anklagevorwurf der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Be-
amte zum Nachteil des Privatklägers 1 (ND 2) richtet sich die schriftliche Drohung
des Beschuldigten gegen Mitarbeitende des Stadtrichteramtes Winterthur. Diese
und insbesondere die Privatkläger 1 und 3, Letztere als Leiterin des Stadtrichter-
amtes, sind Beamte im Sinne von Art. 110 Abs. 3 StGB.
7.1. Die betroffene Amtshandlung umfasst die Behandlung und den Ent-
scheid der Einsprache des Beschuldigten gegen den Strafbefehl des Stadtrichter-
amtes vom 1. Juni 2015 (Erw. III.B.1. ff.). Indem er einem unbestimmten Perso-
nenkreis, mutmasslich den Mitarbeitenden des Stadtrichteramtes und generell
den Strafverfolgungsbehörden drohte, richteten sich allfällige Nachteile allenfalls
auch an Drittpersonen, waren aber geeignet, die Behandlung seiner Einsprache
zu erschweren und zu behindern, indem sich die zuständigen Beamten in ihrer
Arbeit und im Entscheid nicht mehr frei, sondern generell bedroht und besorgt
fühlten und eine mögliche Umsetzung der Todesdrohung des Beschuldigten ge-
gen sie befürchteten. Damit waren sie in ihrer Entscheidungsfreiheit einge-
schränkt. Dass die Privatkläger 1 und 3 von der schriftlichen Todesdrohung des
Beschuldigten in (eigentliche) Angst und Schrecken versetzt wurden, ist für die
Erfüllung des objektiven Tatbestandes nicht notwendig (vorstehend, Erw. IV. 4.2.).
- 20 -
7.2. Der Vorderrichter kam zum Schluss, dass dadurch die Amtshandlung
nicht in einer Art beeinträchtigt wurde, dass sie nicht reibungslos hätte durchge-
führt werden können, weshalb der Beschuldigte erstinstanzlich wegen versuchter
Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte im Sinne von Art. 285 Abs. 1
StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig gesprochen wurde (Urk. 57
S. 23 f.).
7.2.1. Die Privatklägerin 3 hat diese rechtliche Würdigung mit ihrer An-
schlussberufung beanstandet und macht geltend, der Drohbrief mit Todesdrohun-
gen habe bei ihren Mitarbeitern im Stadtrichteramt grosse Ängste und über länge-
re Zeit dauernde Unsicherheit ausgelöst und den normalen Verfahrensablauf im
Amt massiv behindert. Es seien Sicherheitsdispositionen getroffen worden, und
der Fall sei vom Stadtrichteramt zunächst sistiert worden. Ein ungestörter Ge-
schäftsgang sei bei über 13'000 Geschäften pro Jahr von grösster Wichtigkeit zur
Bewältigung der Geschäftslast. Es liege eine vollendete Tat vor (Urk. 74 S. 2).
7.2.2. Soweit durch das eingetretene Gefühl der Unsicherheit und deshalb
getroffene Sicherheitsdispositionen ein generell negativer Einfluss und eine ge-
wisse Behinderung des allgemeinen Geschäftsganges im Amt vorlag, fehlt ein ei-
gentlicher, genügend naher Bezug der ausgesprochenen Todesdrohung zum
konkreten, den Beschuldigten betreffenden Einspracheverfahren (vgl. vorstehend,
Erw. IV.3). Dadurch alleine wäre der tatbestandsmässige Erfolg entsprechend der
vorinstanzlichen Würdigung nicht eingetreten.
7.2.3. Indem mit der Bearbeitung und dem Entscheid des Einspracheverfah-
rens des Beschuldigten betraute Mitarbeiter des Stadtrichteramtes in ihrer Arbeit
und im Entscheid angesichts der möglicherweise sie betreffenden Todesdrohung
nicht mehr frei waren, sondern sich generell besorgt und bedroht fühlten (auch
hier darf entgegen der Ansicht der Verteidigung von der betroffenen Behörde kei-
ne grössere Resistenz erwartet werden, Prot. II S. 12 f.), waren Amtshandlungen
betroffen, die den Beschuldigten und konkret sein Einspracheverfahren zum Ge-
genstand hatten, weshalb seine Todesdrohung durchaus eine Erschwerung und
Verzögerung des Einspracheverfahrens gegen seinen Strafbefehl zur Folge hatte,
- 21 -
mithin der tatbestandsmässige Erfolg damit eingetreten und der objektive Tatbe-
stand erfüllt wäre.
7.2.4. In der Anklage ist jedoch gerade nicht umschrieben, ob und inwiefern
eine Erschwerung oder Verzögerung des entsprechenden Einspracheverfahrens
tatsächlich eintrat. So legte die Privatklägerin 3 anlässlich der Berufungsverhand-
lung beispielsweise dar, dass sie sich durch die Drohungen als Vorgesetzte ge-
zwungen sah, das entsprechende Verfahren (gegen den Beschuldigten) aus Si-
cherheitsüberlegungen einer anderen Behörde abzutreten (Urk. 84). Eine solche
Einflussnahme auf die internen Abläufe beim Stadtrichteramt hat die Staatsan-
waltschaft im objektiven Anklagesachverhalt aber nicht dargelegt. Eine Verurtei-
lung wegen vollendeter Tatbegehung hätte somit die Verletzung des Anklageprin-
zips zur Folge, weshalb es beim Versuch bleibt.
7.3. Der Beschuldigte wusste aufgrund des erhaltenen Strafbefehls und sei-
ner Einsprache um das Vorliegen einer gültigen Amtshandlung. Diese wollte er
mit seinem Drohschreiben in seinem Sinne beeinflussen und "seine Unschuld und
Freiheit bis auf seinen Tod verteidigen". Indem er bewirkte, dass handelnde Be-
amte angesichts der Androhung, sie umzubringen, falls sie ihn anfassen würden
(Urk. ND 2/5/1), in ihrem Handeln nicht mehr frei waren und die ihn betreffende
Amtshandlung damit erschwert und auch verzögert wurde, manifestierte er seinen
Willen, die Mitarbeiter des Stadtrichteramtes an der Amtshandlung zu hindern. Er
strebte dies an und handelte somit vorsätzlich. Dabei nahm er zumindest in Kauf,
die betroffenen Mitarbeiter in Angst und Schrecken zu versetzen, womit der sub-
jektive Tatbestand erfüllt ist.
Demzufolge ist der Beschuldigte bei diesem Tatvorwurf der versuchten Ge-
walt und Drohung gegen Behörden und Beamte im Sinne von Art. 285 Abs. 1
StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB zum Nachteil der Privatkläger 1
und 3 schuldig zu sprechen.
8. Beim Anklagevorwurf der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Be-
amte zum Nachteil des Privatklägers 4 (ND 3) richtet sich die schriftliche Drohung
des Beschuldigten vom 19. Juni 2015 gegen Mitarbeitende des Strassenver-
- 22 -
kehrsamtes und der Sicherheitsdirektion des Kantons Zürich. Diese und insbe-
sondere der Privatkläger 4 als Amtsleiter der Rekursabteilung der Sicherheitsdi-
rektion, sind Beamte im Sinne von Art. 110 Abs. 3 StGB.
8.1. Die betroffene Amtshandlung umfasst die Behandlung und den Ent-
scheid des Rekurses des Beschuldigten gegen den mit Verfügung des Strassen-
verkehrsamtes des Kantons Zürich vom 11. Juni 2015 auf unbestimmte Zeit an-
geordneten vorsorglichen Führerausweisentzug (Erw. III.C.1. ff.).
8.2. Indem der Beschuldigte einem unbestimmten Personenkreis, mutmass-
lich den Mitarbeitenden des Strassenverkehrsamtes und der Sicherheitsdirektion
des Kantons Zürich drohte, richteten sich allfällige Nachteile allenfalls auch an
Drittpersonen, waren aber wiederum geeignet, die Behandlung seines Rekurses
zu erschweren und zu behindern, indem sich die zuständigen Beamten in ihrer
Arbeit und im Entscheid nicht mehr frei, sondern generell bedroht und besorgt
fühlten und eine mögliche Umsetzung der Todesdrohung des Beschuldigten ge-
gen sie befürchteten. Damit waren sie in ihrer Entscheidungsfreiheit einge-
schränkt. Dass der Privatkläger 4 von der schriftlichen Todesdrohung des Be-
schuldigten in (eigentliche) Angst und Schrecken versetzt wurde, ist für die Erfül-
lung des objektiven Tatbestandes wiederum nicht notwendig.
8.3. Da einzig über die Berufung des Beschuldigten gegen das vorinstanzli-
che Urteil zu befinden ist (vgl. vorstehend, Erw. II.2.2.), steht einer strengeren
rechtlichen Würdigung als vollendete und nicht nur versuchte Gewalt und Dro-
hung gegen Behörden und Beamte das Verschlechterungsverbot entgegen
(Art. 391 Abs. 3 StPO).
8.4. Der Beschuldigte wusste aufgrund der erhaltenen Verfügung des Stras-
senverkehrsamtes des Kantons Zürich vom 11. Juni 2015 mit dem auf unbe-
stimmte Zeit angeordneten vorsorglichen Führerausweisentzug und seinem Re-
kurs dagegen um das Vorliegen einer gültigen Amtshandlung. Diese wollte er mit
seinem Drohschreiben in seinem Sinne beeinflussen, indem er androhte: "Jeder
der mir meine Freiheit nehmen will, muss damit rechnen, dass wenn er mich nicht
vorher umbringt, werde ich ihn umbringen, mich fasst niemand mehr an!"
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(Urk. ND 3/6). Damit hatte der Beschuldigte vorsätzlich angestrebt, dass die be-
troffenen Beamten in ihrem Handeln nicht mehr frei waren und die ihn betreffende
Amtshandlung dadurch erschwert und behindert wurde. Zudem nahm er zumin-
dest in Kauf, die betroffenen Mitarbeiter mit seiner schriftlichen Drohung in Angst
und Schrecken zu versetzen, weshalb sich der subjektive Tatbestand als erfüllt
erweist.
Da das Verbot der reformatio in peius zu beachten ist, bleibt es bei der vor-
instanzlichen Entscheidung, den Beschuldigten bei diesem Tatvorwurf zum Nach-
teil des Privatklägers 4 der versuchten Gewalt und Drohung gegen Behörden und
Beamte im Sinne von Art. 285 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB
schuldig zu sprechen.
V. Strafzumessung
1. Der Vorderrichter bestrafte den Beschuldigten mit einer Geldstrafe von
240 Tagessätzen zu Fr. 20.–, wovon bis und mit Urteilsdatum 113 Tagessätze als
durch Haft geleistet angerechnet wurden, sowie mit Fr. 800.– Busse. Für den Fall
schuldhafter Nichtbezahlung der Busse wurde Ersatzfreiheitsstrafe von 8 Tagen
angeordnet. Die mit Urteil des Obergerichtes des Kantons Zürich vom 1. Septem-
ber 2011 gewährte Probezeit von 4 Jahren, welche am 19. November 2014 von
der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis um ein Jahr verlängert worden war, ver-
längerte der Vorderrichter um ein weiteres Jahr. Zudem ordnete er eine ambulan-
te Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB (Behandlung psychischer Störungen)
an (Urk. 57 S. 40).
2. Die Staatsanwaltschaft strebt mit ihrer Berufung die Bestrafung des Be-
schuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten und mit Fr. 800.– Busse an,
wobei die Freiheitsstrafe zu vollziehen und eine ambulante Behandlung im Sinne
von Art. 63 StGB mit einem Beginn während des Strafvollzuges anzuordnen sei.
Zudem sei die mit Urteil des Obergerichtes des Kantons Zürich vom 1. September
2011 gewährte Probezeit von 4 Jahren, welche am 10. Dezember 2013 von der
Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland um ein Jahr verlängert wurde, wobei der
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Beschuldigte am 19. November 2014 von der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis
verwarnt worden sei, um ein weiteres Jahr zu verlängern (Urk. 62 S. 2 f.; Urk. 83
S. 1 f.). Die Privatklägerin 3 verlangte mit ihrer Anschlussberufung sinngemäss
eine strengere Bestrafung und schloss sich den Anträgen der Staatsanwaltschaft
vollumfänglich an (Urk 74 S. 2; Urk. 84).
3. Die allgemeinen Regeln und Kriterien der Strafzumessung wurden im vor-
instanzlichen Urteil unter Hinweis auf Lehre und Rechtsprechung und die bei der
Ausfällung von Geldstrafen zu beachtenden Rechtsgrundlagen im Wesentlichen
zutreffend wiedergegeben und der massgebliche Strafrahmen mit Freiheitsstrafe
bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe (Art. 285 Abs. 1 StGB) sowie bei den Über-
tretungen des Strassenverkehrsgesetzes mit Busse bis zu Fr. 10'000.– (Art. 90
Abs. 1 SVG; Art. 106 Abs. 1 StGB) korrekt abgesteckt (Urk. 57 S. 25 ff.). Dies
braucht nicht wiederholt zu werden.
3.1. Zu korrigieren ist einzig, dass das Vorliegen eines Strafmilderungsgrun-
des, konkret des Versuches (Art. 22 Abs. 1 StGB), nicht automatisch zu einer
(theoretischen) grundsätzlichen Öffnung des unteren Strafrahmens führt (Urk. 57
S. 26, Ziff. 2.1.). Zwar ist auch in der bundesgerichtlichen Rechtsprechung darauf
hingewiesen worden, das Gesetz sehe eine Strafrahmenerweiterung vor
(BGE 116 IV 300 E. 2a). Damit sollte aber nur ausgedrückt werden, dass der
Richter infolge eines Strafschärfungs- bzw. Strafmilderungsgrundes nicht mehr in
jedem Fall an die Grenze des ordentlichen Strafrahmens gebunden ist. Der or-
dentliche Rahmen ist jedoch nur zu verlassen, wenn aussergewöhnliche Umstän-
de vorliegen und die für die betreffende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall
zu hart bzw. zu milde erscheint. Die Frage einer Unterschreitung des ordentlichen
Strafrahmens kann sich stellen, wenn verschuldens- bzw. strafreduzierende Fak-
toren zusammentreffen, die einen objektiv an sich leichten Tatvorwurf weiter rela-
tivieren, so dass eine Strafe innerhalb des ordentlichen Rahmens dem Rechts-
empfinden widerspräche. Dabei hat der Richter zu entscheiden, in welchem Um-
fang er den unteren Rahmen wegen der besonderen Umstände erweitern will. Der
vom Gesetzgeber vorgegebene ordentliche Rahmen ermöglicht in aller Regel, für
eine einzelne Tat die angemessene Strafe festzulegen. Er versetzt den Richter
- 25 -
namentlich in die Lage, die denkbaren Abstufungen des Verschuldens zu berück-
sichtigen. Das Vorliegen eines Versuches allein führt deshalb nicht zu einer
grundsätzlichen Öffnung des ordentlichen Strafrahmens nach unten. Dazu bedarf
es weiterer ins Gewicht fallender Umstände, die das Verschulden als besonders
leicht erscheinen lassen. Nur eine solche Betrachtungsweise vermag der gesetz-
geberischen Wertung des Unrechtsgehaltes einer Straftat und damit letztlich der
Ausgleichsfunktion des Strafrechts Rechnung zu tragen (BGE 136 IV 55 E. 5.8
m.w.H.).
3.2. Nach der am 1. Januar 2018 in Kraft getretenen Gesetzesrevision der
Bestimmungen des allgemeinen Teils des Strafgesetzbuches (Änderung des
Sanktionenrechts; AS 2016 1249), ist zu ergänzen, dass der Beschuldigte die zu
beurteilenden Straftaten vor dem Inkrafttreten der geltenden neuen Bestimmun-
gen begangen hat. Das geltende (neue) Recht ist daher auf diese nur anzuwen-
den, sofern es für den Beschuldigten im konkreten Fall zu einem günstigeren Er-
gebnis führt (Art. 2 Abs. 2 StGB; DONATSCH, in: Donatsch/Heimgartner/Isenring/
Weder, Kommentar zum StGB, 20. Auflage, Zürich 2018, N 10 zu Art. 2 StGB).
Das geltende Sanktionenrecht sieht nur noch Geldstrafen von bis zu 180 Tages-
sätzen vor (Art. 34 Abs. 1 StGB), während nach bisherigem Recht Geldstrafen mit
bis zu 360 Tagessätze möglich waren (HEIMGARTNER, in: Donatsch/Heimgartner/
Isenring/Weder, a.a.O., N 1 zu Art. 34 StGB). Ausserdem sah das bisherige
Recht bei Strafen von bis zu 180 Tagessätzen noch die Möglichkeit gemeinnützi-
ger Arbeit vor (aArt. 37 StGB). Da das geltende Recht somit nicht zu einem für
den Beschuldigten günstigeren Ergebnis führt, ist das bisherige Sanktionsrecht
anzuwenden.
3.3. Bei den vom Beschuldigten begangenen Vergehen handelt es sich um
drei gleich- oder zumindest ähnlichgelagerte strafbare Handlungen gegen die öf-
fentliche Gewalt. Dennoch rechtfertigt es sich, für den ersten dieser Normenver-
stösse anlässlich der Verkehrskontrolle zum Nachteil des Privatklägers 2 eine se-
parate hypothetische Einsatzstrafe auszufällen. Zwar richten sich alle drei Taten
gegen Behörden und Beamte, ereigneten sich aber bei unterschiedlichen Anläs-
sen und Gelegenheiten. Als Gemeinsamkeit weisen sie einen Zusammenhang mit
- 26 -
der Delinquenz des Beschuldigten im Strassenverkehr und deren strafrechtliche
Folgen auf. Bei der zweiten und dritten strafbaren Handlung gegen die öffentliche
Gewalt zum Nachteil der Privatkläger 1, 3 und 4 (ND 2+3), liegen dagegen so
starke Parallelen vor, dass sich eine gemeinsamen Beurteilung aufdrängt. Bei
beiden Vorfällen drohte der Beschuldigte schriftlich in einem Brief, mit dem er ein
Rechtsmittel gegen einen gegen ihn erlassenen behördlichen Entscheid (Strafbe-
fehl; Führerausweisentzug) einlegte und die öffentliche Gewalt und die betroffe-
nen Beamten damit mittelbar anging.
3.3.1. Bei der objektiven Tatschwere der ersten der drei Taten gegen die öf-
fentliche Gewalt zum Nachteil des Privatklägers 2, anlässlich der Verkehrskontrol-
le, ist zu gewichten, dass der Beschuldigte die Amtshandlung der Polizeibeamten,
indem er sich grundlos bäuchlings auf den Boden legte und um Hilfe schrie, derart
unmittelbar behinderte, dass der Privatkläger 2 zunächst Verstärkung anfordern,
schliesslich angesichts der ausgesprochenen Androhung brachialer Gewalt, ihm
die Zähne auszuschlagen, dann die Kontrolle aber doch abbrechen und den Be-
schuldigten festnehmen musste. Die Verkehrskontrolle wurde damit nicht bloss
erschwert und verzögert, sondern letztlich gänzlich verhindert. Die objektive
Schwere dieser Tathandlungen ist daher als nicht mehr leicht einzustufen.
3.3.2. Bei der subjektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass der Be-
schuldigte ohne nachvollziehbaren Anlass seine Beherrschung und Kontrolle ver-
lor und quasi ausrastete. Sein Vorgehen erfolgte aus dem Augenblick heraus
spontan, aber im Wissen um die sich im Gange befindende Verkehrskontrolle, mit
dem Willen, diese zu behindern. Er handelte somit direktvorsätzlich. Sich grundlos
bäuchlings auf den Boden zu legen und um Hilfe zu schreien, war eine gezielte
Provokation und ein berechnender Versuch, die rechtmässige Amtshandlung der
Polizei bei Passanten zu diskreditieren und nicht etwa Ausdruck von Hilflosigkeit,
wie die Verteidigung geltend macht (Prot. II S. 14). Dabei nahm er den tatbe-
standsmässigen Erfolg, den Privatkläger 2 mit seiner mündlichen Drohung in
Angst und Schrecken zu versetzen, zumindest in Kauf. Vor diesem Hintergrund
erweist sich auch die subjektive Tatschwere des Vorgehens als nicht mehr leicht.
- 27 -
3.3.3. Eine verschuldensmindernd zu taxierende Verminderung der Schuld-
fähigkeit im Sinne von Art. 19 Abs. 2 StGB lag − entgegen der Ansicht der Vertei-
digung (Prot. II S. 14 f.) − laut den überzeugenden Schlussfolgerungen des psy-
chiatrischen Gutachtens von Prof. Dr.med. G._ vom 18. Dezember 2015
beim Beschuldigten nicht vor. Der Gutachter stellte beim Beschuldigten nicht ei-
ner Störungskategorie in einem allgemeinen psychiatrischen Klassifikationssys-
tem entsprechende ausgeprägte risikorelevante Persönlichkeitsmerkmale fest
(Aggressionsproblematik, gesteigertes Autonomiebedürfnis). Daneben aber auch
Persönlichkeitsmerkmale, zu denen es eine diagnostische Entsprechung gibt,
konkret die Dissozialität des Beschuldigten, welche die für die Diagnose einer
Persönlichkeitsstörung erforderliche Ausprägung übersteigt und einen moderaten
Ausprägungsgrad erreicht. Dennoch ergaben sich für den Sachverständigen kei-
ne Hinweise auf Einschränkungen der Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit des
Beschuldigten im Zeitpunkt der vorgeworfenen Taten. Dieser wisse um das Un-
recht seiner Handlungen und habe sich jeweils bewusst für die formulierten Dro-
hungen entschieden. Im Rahmen der gutachterlichen Explorationen habe der Be-
schuldigte zudem explizit darauf hingewiesen, dass er sich auch aus eigener Ent-
scheidung regel- und gesetzeskonform verhalten könne, wenn er denn nur wolle.
Somit liegt aus gutachterlicher Sicht für alle vorgeworfenen Anlassdelikte volle
Schuldfähigkeit vor (Urk. 15/3 S. 34 f., S. 39).
3.3.4. Das insgesamt nicht mehr leichte Verschulden führt zu einer hypothe-
tischen Einsatzstrafe von 150 Tagesätzen Geldstrafe.
3.3.5. Was die objektive Tatschwere der zweiten und dritten strafbaren
Handlung des Beschuldigten gegen die öffentliche Gewalt zum Nachteil der Pri-
vatkläger 1, 3 und 4 anbelangt, fällt verschuldenserhöhend ins Gewicht, dass er
zweimal ein nahezu identisches Vorgehen praktizierte und zudem den Mitarbei-
tenden der mit seinem Rechtsmittelverfahren betrauten Behörde schriftlich und
aus Distanz (somit äusserst überlegt) mit dem Tod − und nicht etwa bloss mit Tät-
lichkeiten oder einer Körperverletzung − drohte. Dies führte dazu, dass sich eine
Mehrzahl betroffener Mitarbeiter der betreffenden Ämter erheblich in ihrem Si-
cherheitsgefühl beeinträchtigt fühlten, so insbesondere die Privatkläger 1, 3 und
- 28 -
4, und sich vor einer möglichen Umsetzung der Todesdrohung sorgten oder fürch-
teten, ohne dass − anders als bei der Einsprache gegen den Strafbefehl des
Stadtrichteramtes Winterthur (ND 2) − (gemäss rechtskräftiger Verurteilung) eine
Beeinträchtigung bei der Beurteilung des Rechtsmittels des Beschuldigten gegen
den Führerausweisentzug durch die Rekursabteilung der Sicherheitsdirektion des
Kantons Zürich (ND 3) eintrat. Lediglich leicht relativierend erweist sich schliess-
lich der Umstand, dass sich die Schreiben des Beschuldigten an die Behörde als
solche und nicht an eine bestimmte Einzelperson richteten, womit die Drohungen
allenfalls ein wenig abgeschwächt (aber keineswegs bedeutend entschärft) wur-
den (vgl. hierzu auch die Ausführungen der Verteidigung betr. nachlassende "Bri-
sanz" der Drohungen, Prot. II S. 13). Die objektive Schwere dieser Tathandlungen
erweist sich daher als nicht mehr leicht.
3.3.6. Hinsichtlich der subjektiven Schwere dieser Tathandlungen ist zu be-
rücksichtigen, dass der Beschuldigte gezielt schriftliche Todesdrohungen in einem
von ihm erhobenen Rechtsmittelschreiben an die zuständige Behörde und deren
Beamte richtete, um diese einzuschüchtern, um damit willentlich und wissentlich
Einfluss auf den Rechtsmittelentscheid zu nehmen. Es ist daher ein direktvorsätz-
liches Tatvorgehen gegeben. Dabei nahm er den tatbestandsmässigen Erfolg, die
betroffenen Mitarbeiter mit seiner schriftlichen Drohung in Angst und Schrecken
zu versetzen, zumindest in Kauf. Eine verschuldensmindernd zu berücksichtigen-
de Verminderung der Schuldfähigkeit lag laut dem psychiatrischen Gutachten von
Prof. Dr.med. G._ vom 18. Dezember 2015 im Zeitpunkt der Taten beim Be-
schuldigten nicht vor (vorstehend, Erw. V.3.3.3.).
3.3.7. Die subjektive Tatschwere vermag daher die objektive Schwere der
Taten nicht zu relativieren, weshalb ein insgesamt nicht mehr leichtes Verschul-
den gegeben ist und eine hypothetische Einsatzstrafe von 210 Tagessätzen
Geldstrafe angezeigt erscheint.
3.4. Nachdem bei diesen strafbaren Handlungen gegen die öffentliche Ge-
walt die verschuldensunabhängige Tatkomponente des vollendeten Versuches
(vgl. vorstehend, Erw. IV.7.2.4. und Erw. IV.8.3. f.) zu berücksichtigen ist, fällt die-
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se angesichts der mehrfachen (zweimal praktizierten, praktisch identischen) Tat-
begehung nicht spürbar strafreduzierend ins Gewicht, zumal der Beschuldigte al-
les unternommen hat, um die Taten zu verwirklichen und der tatbestandsmässige
Erfolg (gemäss rechtskräftiger vorinstanzlicher Verurteilung; vgl. insoweit Urk. 57
29 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO) lediglich zufällig, ohne sein Zutun, nicht eintrat (oder
die Vollendung der Tat von der Anklage nicht gedeckt ist vgl. Erw. IV.7.2.4.).
3.5. Im Rahmen der aufgrund der drei Taten gegen die öffentliche Gewalt
vorzunehmenden Asperation (Art. 49 Abs. 1 StGB), erweist es sich somit , die Gesamtgeldstrafe auf 270 Tagessätze festzulegen.
4. Bei der Würdigung der Täterkomponente kann die verschuldensange-
messene Strafe aufgrund von Umständen, die mit der Tat grundsätzlich nichts zu
tun haben, erhöht oder herabgesetzt werden. Massgebend hierfür sind im We-
sentlichen täterbezogene Komponenten, wie die persönlichen Verhältnisse, Vor-
strafen, Leumund, Strafempfindlichkeit und Nachtatverhalten, wie Geständnis,
Einsicht, Reue etc. (HEIMGARTNER, in: Donatsch/Heimgartner/Isenring/Weder,
StGB Kommentar, 20. Auflage, Zürich 2018, N 14 ff. zu Art. 47 StGB).
4.1. Der Beschuldigte ist am tt. Dezember 1972 in ... [Geburtsort] geboren
und auf einem Bauernhof in den Bergen aufgewachsen, wobei die finanziellen
Mittel immer knapp gewesen seien. Er habe eine Lehre als Kfz-Mechaniker be-
gonnen, jedoch nicht beendet. Er sei dreimal verheiratet gewesen und habe sich
dreimal scheiden lassen. Mit seiner Lebenspartnerin, Frau H._, lebe er seit
über dreizehn Jahren in einer harmonischen Beziehung. Im Übrigen gab der Be-
schuldigte im Laufe der Ermittlungen keine weiteren Auskünfte über seine persön-
lichen Verhältnisse. Vor Vorinstanz erklärte er lediglich, mit seiner Lebenspartne-
rin zusammenzuwohnen und keine Kinder zu haben (Urk. 5/3 S. 16 f.; Urk. 15/3
S. 17, S. 21; Prot. I S. 13. f.).
4.2. Aus dem Werdegang und den aktuellen persönlichen Verhältnissen des
Beschuldigten ergeben sich weder straferhöhende noch strafmindernde Faktoren.
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4.3. Dagegen weist der Beschuldigte gemäss aktuellem Strafregisterauszug
vom 2. Mai 2018 mehrere Vorstrafen auf (Urk. 60/2). Die folgenden sind dabei zu
beachten: Am 1. September 2011 wurde er vom Obergericht des Kantons Zürich
wegen Drohung, Tätlichkeiten, Sachbeschädigung und mehrfacher, teils grober
Verletzung der Verkehrsregeln mit einer teilweise vollziehbaren Freiheitsstrafe
von 18 Monaten und mit Fr. 1'000.– Busse bestraft. Am 10. Dezember 2013 und
am 19. November 2014 folgten zwei Strafbefehle wegen Führens eines Motor-
fahrzeugs trotz Entzug des Führerausweises. Dabei wurde er jeweils mit unbe-
dingten Geldstrafen von 120 resp. 60 Tagessätzen zu Fr. 30.– bestraft. Bei diesen
Vorstrafen ist neben der Tatsache, dass der Beschuldigte in regelmässigen Ab-
ständen straffällig wurde, mit Bezug auf die aktuell zu beurteilende mehrfache,
teilweise versuchte Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte insbeson-
dere die einschlägige Vorstrafe vom 1. September 2011 deutlich straferhöhend zu
gewichten.
4.4. Umfangreiche und prozessentscheidende Geständnisse können eine
Strafreduktion von bis zu einem Drittel bewirken (BGE 121 IV 202 E.2d/cc). Das
Geständnis, das kooperative Verhalten bei der Aufklärung von Straftaten sowie
die Einsicht und Reue wirken strafmindernd. Der Grad der Strafminderung hängt
aber insbesondere davon ab, in welchem Stadium des Verfahrens das Geständ-
nis erfolgte (WIPRÄCHTIGER/KELLER, in: Basler Kommentar Strafrecht I, 3. Auflage,
Basel 2013, N 169 ff. zu Art. 47 StGB). Der Beschuldigte war während des ge-
samten Vorverfahrens nicht kooperativ und nur teilweise geständig. Seine teilwei-
sen Eingeständnisse beschränkten sich auf Elemente des objektiven Sachverhal-
tes, welche aufgrund der sich aus den vorhandenen Beweismitteln (z.B.
Urk. ND 2/5/1; Urk. ND 3/6) ergebenden erdrückenden Beweislast offenkundig
waren und deren Bestreiten keinerlei Sinn ergeben hätte. Einsicht ins von ihm
verübte Unrecht oder Reue zeigte der Beschuldigte bislang nicht. Das Nachtat-
verhalten schliesst somit eine Strafminderung aus, wirkt sich aber auch nicht zu
seinen Ungunsten aus.
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5. Aus der Gewichtung der Täterkomponente ergibt sich aufgrund der vor-
handenen, teilweise einschlägigen Vorstrafen eine Straferhöhung, weshalb der
Beschuldigte mit insgesamt 300 Tagessätzen Geldstrafe zu bestrafen ist.
5.1. Vor Vorinstanz gab der Beschuldigte zu seinen wirtschaftlichen Verhält-
nissen an, aktuell arbeitslos zu sein und auch keine Arbeit mehr zu suchen. Vom
Sozialamt werde er mit Fr. 450.– für seinen Unterhalt unterstützt. Zudem werde
das Essen, die Miete und das Telefon vom Sozialamt bezahlt. Er habe
Fr. 45'000.– Schulden und deshalb Privatkonkurs angemeldet (Prot. I S. 12 ff.).
Laut seinen Angaben im Datenerfassungsblatt vom 4. Dezember 2017 betrug die
öffentliche Unterstützung in jenem Zeitpunkt Fr. 830.– pro Monat, die Mietkosten
Fr. 1'200.– und die Krankenkassenprämie belief sich auf monatlich Fr. 425.–. Die
Schulden betrügen Fr. 125'000.– (Urk. 76). Anlässlich der Berufungsverhandlung
ergänzte sein Verteidiger, der Beschuldigte sei psychisch krank (und depressiv),
er sei sozialhilfeabhängig und ein IV-Antrag werde derzeit geprüft (Prot. II S. 15).
Angesichts seiner aktuellen finanziellen Verhältnisse erweist sich auch weiterhin
ein Tagessatz von Fr. 20.– als angemessen.
5.2. Zur Strafart hat bereits die Vorinstanz zutreffend erwogen (Urk. 57
S. 32 f.), dass (gemäss dem vorliegend anzuwendenden bisherigen Sanktionen-
recht, vgl. vorstehend, Erw. V.3.2.) für Strafen von weniger als sechs Monaten
grundsätzlich eine Geldstrafe oder gemeinnützige Arbeit auszusprechen ist
(Art. 34 Abs. 1, Art. 37 Abs. 1, Art. 40 und 41 Abs. 1 aStGB). Für Strafen von
sechs Monaten bis zu einem Jahr sieht das Gesetz die Geldstrafe (Art. 34 aStGB)
und die Freiheitsstrafe (Art. 40 aStGB) vor. Mit Art. 41 aStGB hat der Gesetzge-
ber für Strafen unter sechs Monaten eine gesetzliche Prioritätsordnung zugunsten
nicht freiheitsentziehender Sanktionen eingeführt (BGE 137 IV 312 E. 2.4; 134 IV
97 E. 4.2.2).
5.2.1. Bei der Wahl der Sanktionsart ist als wichtiges Kriterium die Zweck-
mässigkeit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter und sein
soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen (BGE 134 IV
97 E. 4.2). Nach dem Prinzip der Verhältnismässigkeit soll bei alternativ zur Ver-
fügung stehenden und hinsichtlich des Schuldausgleichs äquivalenten Sanktionen
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im Regelfall diejenige gewählt werden, die weniger stark in die persönliche Frei-
heit des Betroffenen eingreift (BGE 138 IV 120 E. 5.2). Das Gericht hat im Urteil
die Wahl der Sanktionsart zu begründen (Art. 50 StGB; Urteil 6B_449/2011 vom
12. September 2011 E. 3.6.1).
5.2.2. Entsprechend dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit ist der Be-
schuldigte mit einer Geldstrafe zu bestrafen, da sie für den Beschuldigten das
mildere Mittel darstellt und im Vergleich zur Freiheitsstrafe nicht weniger geeignet
erscheint, zumal eine Verlängerung der Probezeit mit Bezug auf die mit Urteil des
Obergerichtes des Kantons Zürich vom 1. September 2011 teilbedingt ausgefällte
Freiheitsstrafe anzuordnen ist, dem Beschuldigten somit, sollte er sich nicht wohl-
verhalten, auch der Vollzug von jenen 9 Monaten Freiheitstrafe droht.
5.3. Zur Ahndung der vom Beschuldigten begangenen mehrfachen Verlet-
zung der Verkehrsregeln ist zwingend eine separate Busse von bis zu maximal
Fr. 10'000.– auszusprechen (Art. 103 StGB; Art. 106 Abs. 1 StGB). Die auszufäl-
lende Busse ist nach den Verhältnissen und dem Verschulden des Täters zu be-
messen, mithin nach denselben Kriterien wie bei Geldstrafen.
5.3.1. Die aktuellen finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten wurden be-
reits aufgeführt (Erw. V.5.1.).
5.3.2. Bei der objektiven Tatschwere der begangenen Geschwindigkeits-
überschreitungen ist zu gewichten, dass der Beschuldigte auf seiner Motorrad-
fahrt vom 22. April 2015 bei Tageslicht und trockener Fahrbahn die Höchstge-
schwindigkeit von 80 km/h auf dem ersten Streckenabschnitt um 29 km/h über-
schritt, auf dem zweiten Abschnitt jene von 100 km/h um rund 26 km/h und auf
den dritten Abschnitt um 27 km/h. Es handelt sich somit um deutliche, nahe an
der Schwelle zur groben Verletzung der Verkehrsregeln liegende Geschwindig-
keitsüberschreitungen, weshalb sich die objektive Tatschwere als keineswegs
mehr leicht erweist.
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5.3.3. Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere ist der vorsätzlichen Tatbege-
hung Rechnung zu tragen und bei der Täterkomponente fällt die einschlägige
Vorstrafe straferhöhend ins Gewicht.
Insgesamt erweisen sich für die Verkehrsdelikte Fr. 800.– Busse als dem
Verschulden des Beschuldigten angemessen.
5.4. Busse und Ersatzfreiheitsstrafe werden nach dem Verschulden und den
finanziellen Verhältnissen des Täters zugemessen (Art. 106 Abs. 3 StGB). Wird
neben der Busse eine Geldstrafe ausgefällt, bietet sich die Höhe des Tagessatzes
als Schlüssel für die Umwandlung zwischen Busse und Ersatzfreiheitsstrafe an
(BGE 134 IV 60 E. 7.3.3). Bei einer Busse von Fr. 800.– ist die Ersatzfreiheitsstra-
fe auf 8 Tage festzulegen.
5.5. Der Beschuldigte befand sich vom 11. Juli 2015 bis zum 31. Oktober
2015 in Untersuchungshaft (Urk. 18/21), was eine Haftdauer von 113 Tagen
ergibt. Einer Anrechnung der erstandenen Haft auf die Strafe steht nichts entge-
gen (Art. 51 StGB).
VI. Vollzug und Widerruf
1. Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe in der Regel auf, wenn
eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Bege-
hung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB). Mate-
riell ist demnach das Fehlen einer ungünstigen Prognose vorausgesetzt, wobei
die günstige Prognose vermutet wird, sofern der Täter innerhalb der letzten fünf
Jahre vor der Tat nicht zu einer Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten
oder zu einer Geldstrafe von mindestens 180 Tagessätzen verurteilt wurde. Bei
der Beurteilung der Frage, ob die für die Gewährung des bedingten Strafvollzuges
erforderliche (subjektive) Voraussetzung des Fehlens einer ungünstigen Progno-
se vorliegt, ist eine Gesamtwürdigung aller Umstände vorzunehmen, wobei insbe-
sondere das Vorleben, der Leumund und die Charaktermerkmale des Täters so-
wie die Tatumstände miteinzubeziehen sind.
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2. Wurde der Täter innerhalb der letzten fünf Jahre vor der Tat zu einer be-
dingten oder unbedingten Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten oder zu
einer Geldstrafe von mindestens 180 Tagessätzen verurteilt, ist der Aufschub nur
zulässig, wenn besonders günstige Umstände vorliegen (Art. 42 Abs. 2 StGB). In
einem solchen Fall wird die ungünstige Prognose vermutet (HUG, in: Donatsch/
Flachsmann/Hug/Weder, a.a.O., S. 111).
3. Der Beschuldigte wurde am 1. September 2011 und damit innerhalb der
letzten fünf Jahre vor seinen Tathandlungen, welche im Jahr 2015 erfolgten, zu
einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt. Zudem wurde er 2013 und 2014
wegen Strassenverkehrsdelikten zu Geldstrafen von 120 bzw. 60 Tagessätzen
verurteilt (Urk. 60/1-2). Die ungünstige Prognose ist somit bereits zu vermuten.
Aufgrund der bisherigen Verurteilungen liegt sie ohnehin vor.
4. Somit ist die ausgefällte Geldstrafe zu vollziehen. Die Busse ist ohnehin
zu bezahlen (Art. 105 Abs. 1 StGB).
5. Die Staatsanwaltschaft beantragt die Verlängerung der mit Urteil des
Obergerichtes des Kantons Zürich vom 1. September 2011 für eine Freiheitstrafe
von 9 Monaten im Rahmen des teilbedingten Strafvollzugs gewährten Probezeit
von vier Jahren, welche am 19. November 2014 von der Staatsanwaltschaft
Limmattal/Albis um ein Jahr verlängert wurde, um ein weiteres Jahr. Diesem An-
trag ist aufgrund der erneuten Delinquenz des Beschuldigten zu folgen, zumal ein
Vollzug von 9 Monaten Freiheitsstrafe angesichts der zu vollziehenden Geldstrafe
nicht notwendig erscheint, um den Beschuldigten von weiterer Delinquenz abzu-
halten. Die Probezeit ist entsprechend um ein Jahr zu verlängern.
VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet
sie darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428
Abs. 3 StPO). Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach
Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO).
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2. Da der vorinstanzliche Schuldspruch im Wesentlichen bestätigt wird, ist
die vorinstanzlich Kosten- und Entschädigungsregelung grundsätzlich zu bestäti-
gen (Urk. 57, Dispositivziffern 10 bis 13). Jedoch sind dem Beschuldigten die Kos-
ten für das psychiatrische Gutachten zu erlassen.
3. Der Beschuldigte unterliegt mit seinen Anträgen grösstenteils, einzig bei
der Strafart und der Strafhöhe obsiegt er hinsichtlich der Berufungsanträge der
Staatsanwaltschaft teilweise. Es rechtfertigt sich daher, dem Beschuldigten die
Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Vertei-
digung, zu drei Vierteln aufzuerlegen und im Übrigen auf die Gerichtskasse zu
nehmen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung (pauschal im Betrag von
Fr. 3'500.– inkl. Mehrwertsteuer, vgl. zusätzlich Urk. 81) sind auf die Gerichtskas-
se zu nehmen. Die Rückzahlungspflicht der Kosten der amtlichen Verteidigung
durch den Beschuldigten im Umfang von drei Vierteln ist vorzubehalten.