# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 417fc8a3-c565-4e9a-b70b-56052496313e
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
A._, geboren 1955, erwarb den Führerausweis Kat. B im Jahr 1976. Anlässlich einer
Intervention vom 25. Februar 2020 an ihrem Wohnort traf die Polizei A._ und ihren
Partner stark alkoholisiert an. Sie verweigerte eine Atemalkoholmessung. Da beide in
den vergangenen Jahren bei Polizeiinterventionen wiederholt alkoholisiert angetroffen
worden waren, erstattete die Polizei Meldung an das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt. Dieses gab A._ mit Schreiben vom 11. März 2020 bekannt, dass eine
verkehrsmedizinische Untersuchung vorgesehen sei, und gewährte ihr hierzu das
rechtliche Gehör. Mit Verfügung vom 26. März 2020 ordnete es eine
verkehrsmedizinische Untersuchung beim Institut für Rechtsmedizin (IRM) des
Kantonsspitals St. Gallen an.
A.a.
Den gegen diese Verfügung von Rechtsanwältin M.A. HSG in Law Eliane Langone,
St. Gallen, für A._ erhobenen Rekurs vom 17. April 2020 (act. G 8/1) wies die
Verwaltungsrekurskommission (VRK) mit Entscheid vom 20. August 2020 (act. G 2) ab.
A.b.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.

## Considerations

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 Satz 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Die
Beschwerdeführerin ist mit ihrem Begehren, es sei von der Anordnung einer
verkehrsmedizinischen Untersuchung abzusehen, im Rekursverfahren unterlegen und
deshalb zur Erhebung der Beschwerde befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1
Gegen diesen Entscheid erhob Rechtsanwältin Langone für A._ (Beschwerdeführerin)
mit Eingabe vom 9. September 2020 (act. G 1) Beschwerde mit den Anträgen, der
Entscheid sowie die zugrundeliegende Verfügung vom 26. März 2020 seien aufzuheben
(Ziffer 1). Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt (Beschwerdegegner) sei zu
verpflichten, auf eine verkehrsmedizinische Untersuchung zu verzichten (Ziffer 2). Unter
Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich Mehrwertsteuer zulasten des
Beschwerdegegners (Ziffer 3).
B.a.
In ihrer Vernehmlassung vom 21. September 2020 beantragte die VRK (Vorinstanz)
Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verwies sie auf die Erwägungen des
angefochtenen Entscheids (act. G 7). Der Beschwerdegegner teilte im Schreiben vom
24. September 2020 den Verzicht auf eine Vernehmlassung mit (act. G 10).
B.b.
Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin reichte am 6. Oktober 2020 ihre
Kostennote ein (act. G 12 f.). Der Beschwerdegegner stellte dem Verwaltungsgericht in
der Folge eine Kopie einer Verfügung vom 19. Oktober 2020 zu, mit welcher der
Beschwerdeführerin das Führen von Motorfahrzeugen ab sofort bzw. seit dem
8. Oktober 2020 (Fahren in angetrunkenem Zustand) vorsorglich verboten worden war
(act. G 15). Die Beschwerdeführerin äusserte sich hierzu in der Eingabe vom
12. November 2020 mit dem Antrag, die Kopie der Verfügung vom 19. Oktober 2020
sei aus den Akten zu nehmen und nicht zu berücksichtigen (act. G 17).
B.c.
Auf die Vorbringen der Beschwerdeführerin in den Eingaben des vorliegenden
Verfahrens und auf die Akten wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.
B.d.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
VRP). Die Beschwerde gegen den am 25. August 2020 versandten Rekursentscheid
wurde mit Eingabe vom 9. September 2020 rechtzeitig erhoben und erfüllt in formeller
und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit
Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist grundsätzlich
einzutreten. Nicht einzutreten ist auf die Beschwerde, soweit damit die Aufhebung der
Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 26. März 2020 beantragt wird
(Devolutiveffekt, vgl. BGer 1C_560/2017 vom 17. Dezember 2018 E. 1.2 mit Hinweis
auf BGE 134 II 142 E. 1.4).
Die Verfügung vom 19. Oktober 2020 (Fahrverbot nach Fahren in angetrunkenem
Zustand am 8. Oktober 2020; act. G 15) stellt im vorliegenden Verfahren ein (echtes)
Novum dar, welches mit der Streitfrage (Notwendigkeit einer verkehrsmedizinischen
Untersuchung) inhaltlich in engem sachlichen Zusammenhang steht. Die Vorinstanz
verfügt - als erste gerichtliche Instanz - über eine volle Kognition in dem Sinn, dass es
über alle erheblichen Tatsachen- und Rechtsfragen entscheiden und
Ermessensentscheidungen auf Rechtsfehler überprüfen kann (vgl. Meyer-Ladewig/
Harrendorf/König, in: Meyer-Ladewig/Nettesheim/von Raumer [Hrsg.], EMRK
Handkommentar, 4. Aufl. 2017, Rz. 16 und 35 zu Art. 6 EMRK). Das Novum trat indes
erst nach Abschluss des vorinstanzlichen Verfahren ein. Eine Rückweisung der
Angelegenheit an die Vorinstanz zur erneuten Prüfung der Angelegenheit unter
Einbezug des Novums würde - soweit ein solches Vorgehen überhaupt in Betracht
käme - einem Verfahrensleerlauf gleichkommen, zumal das Novum inhaltlich den
vorinstanzlichen Entscheid stützt. Die Verfügung vom 19. Oktober 2020 ist daher im
verwaltungsgerichtlichen Verfahren (erstinstanzlich und mit voller Kognition)
grundsätzlich zu berücksichtigen, wobei - wie sich nachstehend zeigen wird - die
Beschwerde auch unabhängig vom erwähnten Novum abzuweisen ist.
2.
Bestehen Zweifel an der Fahreignung einer Person, ist eine verkehrsmedizinische
Abklärung anzuordnen (Art. 15d Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01,
SVG; Art. 28a Abs. 1 der Verordnung über die Zulassung von Personen und
Fahrzeugen zum Strassenverkehr, SR 741.51, Verkehrszulassungsverordnung, VZV).
Zweifel bestehen namentlich bei Vorliegen der in der nicht abschliessenden (vgl. BGer
1C_445/2012 vom 26. April 2013 E. 3.2) Aufzählung von Beispielen in Art. 15d Abs. 1
lit. a-e SVG genannten Gegebenheiten. Es handelt sich dabei unter anderem um
Fahren in angetrunkenem Zustand mit einer Blutalkoholkonzentration von 1.6
2.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Gewichtspromille oder mit einer Atemalkoholkonzentration von 0,8 mg Alkohol oder
mehr pro Liter Atemluft (lit. a; in Kraft seit 1. Juli 2014). Durch die letztgenannte
Regelung wurde die Rechtsprechung des Bundesgerichts, wonach bei einer Person,
die mit einer Blutalkoholkonzentration von 2,5 und mehr Gewichtspromille ein
Motorfahrzeug gelenkt hat, eine medizinische Fahreignungsuntersuchung anzuordnen
ist, auch wenn sie während der letzten fünf Jahre vor der aktuellen Trunkenheitsfahrt
keine einschlägige Widerhandlung begangen hat (BGer 1C_144/2017 vom 2. Juni 2017
E. 2.2, BGE 129 II 82 E. 4.2 mit Hinweis auf BGE 126 II 185), hinfällig. Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind die Anforderungen an die Anordnung einer
Fahreignungsuntersuchung nicht dieselben wie für den vorsorglichen
Führerausweisentzug, obschon diese beiden Massnahmen häufig zusammen ergehen:
Während für Erstere hinreichende Anhaltspunkte ausreichen, welche die Fahreignung in
Frage stellen, setzt der vorsorgliche Führerausweisentzug voraus, dass ernsthafte
Zweifel an der Fahreignung einer Person bestehen. Die Anordnung einer
verkehrsmedizinischen Untersuchung setzt nicht zwingend voraus, dass der
Fahrzeugführer tatsächlich unter dem Einfluss von Alkohol oder Betäubungsmitteln
gefahren ist (BGer 1C_569/2018 vom 19. März 2019 E. 3.1; 1C_384/2017 vom 7. März
2017 E. 2.2; 1C_13/2017 vom 19. Mai 2017 E. 3.2; 1C_328/2013 vom 18. September
2013 E. 3.2).
Das Bundesgericht hat in folgenden Fällen eine Fahreignungsabklärung bei Vorfällen
ausserhalb des Strassenverkehrs verneint (teilweise zusammengefasst in BGer
1C_13/2017 vom 19. Mai 2017 E. 3.3): Bei einer stark alkoholisierten Person
(Blutalkoholwert von 1.99 Promille) mit einem ungetrübten fahrerischen Leumund, die
aufgrund eines Ehestreits in einem Restaurant vorläufig festgenommen wurde, bei der
aber weder der Verdacht bestand, dass sie aufgrund ihrer privaten und beruflichen
Probleme gewohnheitsmässig Alkohol konsumiere, noch dass sie Trinken und Fahren
nicht zuverlässig trennen könne (BGer 1C_256/2011 vom 22. September 2011 E. 2.5);
bei einer Person, die aufgrund des Genusses von Alkohol und/oder einer leichten
psychischen Störung in einen Zustand geriet, in dem sie öffentliches Ärgernis erregte,
bei der aber Indizien fehlten, wonach sie öfters viel Alkohol trinken und in diesem
Zustand am motorisierten Strassenverkehr teilnehmen würde (BGer 1C_356/2011 vom
17. Januar 2012 E. 4); bei einer angetrunkenen, zu Hause auf dem Sofa vorgefundenen
Person, die zwar sowohl Alkohol als auch Hormontabletten konsumiert hatte, bei der
aber weder Anzeichen dafür bestanden, dass sie ihre Wechseljahrbeschwerden
regelmässig mit einem solchen Mischkonsum zu behandeln pflegte, noch dass sie sich
in diesem Zustand ans Steuer setzen würde (BGer 1C_748/2013 vom 16. Januar 2014
E. 4); bei einer Person mit Atemalkohol von 2,27 Gewichtspromille, welche auf dem
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Trottoir stürzte und sich den Fuss brach, jedoch durch zuvor vorgenommene
Messungen der Blutwerte nachweisen konnte, dass die Alkoholmarker im
Referenzbereich liegen und damit von einem isolierten Ereignis ausgegangen wurde
(BGer 1C_144/2017 vom 2. Juni 2017 E. 3.4).
Demgegenüber befand das Bundesgericht die Anordnung einer verkehrsmedizinischen
Abklärung als korrekt: Bei einer Person, die in der Wohnung ihres Vaters randaliert
hatte, und bei der nicht feststand, ob sie ihre Alkoholsucht überwunden hatte und
psychisch ausreichend stabil war, um zuverlässig Gewähr zu bieten, sich nicht im
fahrunfähigen Zustand ans Steuer zu setzen (BGer 1C_660/2015 vom 14. Juni 2016 E.
2.3); bei einer stark alkoholisierten Person (Blutalkoholwert von 2,12 bis 2,34
Gewichtspromille), die wahrscheinlich im alkoholisierten Zustand nach Hause fuhr und
ihr Auto beschädigte, bereits früher einmal unter nicht unerheblichem Alkoholeinfluss
ein E-Bike gelenkt hatte und gestürzt war und die Angaben der Ehefrau und Mutter auf
eine beachtliche Alkoholgewöhnung hindeuteten, womit konkrete Anzeichen vorliegen
würden, dass keine Gewähr mehr geboten sei, dass die Person den Konsum von
Alkohol und die Teilnahme am Strassenverkehr ausreichend trennen könne (BGer
1C_13/2017 vom 19. Mai 2017 E. 3.4); bei einer alkoholisierten Person, die im
Nachbarsgarten einen Gegenstand gegen das Haus warf, ansonsten aber über einen
ungetrübten automobilistischen Leumund verfügte, sei fraglich, ob die Indizien für
Zweifel an der Fahreignung ausreichen würden; allerdings bestanden nach Fahren in
angetrunkenem Zustand (Blutalkoholwert von 1,32 Gewichtspromille) konkrete
Anzeichen, dass die Person den Konsum von Alkohol und die Teilnahme am
Strassenverkehr nicht ausreichend trennen könne (1C_384/2017 vom 7. März 2018 E.
2.3 und 2.4).
Die Vorinstanz legte im angefochtenen Entscheid dar, für die Anordnung einer
verkehrsmedizinischen Untersuchung genügten Zweifel an der Fahreignung. Ein
Beweis sei nicht erforderlich. Aus dem Amtsstellenbericht der Kantonspolizei vom
25. Februar (richtig: 7. März) 2020 (act. G 8/2/4) gehe hervor, dass die Polizei in den
vergangenen Jahren wiederholt an den Wohnort der Beschwerdeführerin habe
ausrücken müssen. Diese sei teilweise stark alkoholisiert gewesen und habe mehrmals
eine Atemalkoholmessung verweigert. Zu berücksichtigen sei, dass die gemessenen
Alkoholwerte die Schwelle von Art. 15d Abs. 1 lit. a SVG (0.8 mg pro Liter Atemluft) nur
einmal deutlich überschritten hätten. Sodann hätten die Vorfälle meistens abends
stattgefunden und hätten nicht im Zusammenhang mit dem Strassenverkehr
gestanden. Zudem sei wenig über die Umstände der polizeilichen Intervention bekannt.
2.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Der automobilistische Leumund der Beschwerdeführerin sei bisher, was das Fahren
unter Alkoholeinfluss betreffe, ungetrübt. Auf der anderen Seite sei aber die Häufigkeit
des Beizugs der Polizei auffällig. Offenbar sei es jeweils im Zusammenhang mit dem
Alkoholkonsum zu Konflikten, Lärmstörungen oder Gefährdungen gekommen, die zum
Polizeibeizug geführt hätten. Am 25. Februar 2020 sei sie als derart stark alkoholisiert
erschienen, dass die Polizisten es für notwendig gehalten hätten, die
Beschwerdeführerin dem Amtsarzt vorzuführen. Offenbar seien sie von einem
selbstgefährdenden Zustand ausgegangen. Sodann habe der Lebenspartner der
Beschwerdeführerin erklärt, dass sie täglich eine Flasche Schnaps konsumiere. Die
Polizei nehme gemäss ihrem Bericht an, dass bei der Beschwerdeführerin eine
Alkoholproblematik vorliege. Sie habe sich nach zehn Vorfällen innerhalb von knapp
fünf Jahren veranlasst gesehen, dem Beschwerdegegner eine Meldung zu erstatten.
Insgesamt lägen damit hinreichende Anhaltspunkte für eine Alkoholproblematik vor.
Unverhältnismässig wäre es, für die Veranlassung einer verkehrsmedizinischen
Untersuchung abzuwarten, bis es zu einem Vorfall im Zusammenhang mit dem
Strassenverkehr komme. Ergebe die Untersuchung, dass keine verkehrsrelevante
Alkoholproblematik vorliege, habe die Beschwerdeführerin keinen Sicherungsentzug
des Fahrausweises zu befürchten. Der Eingriff sei folglich relativ gering. Werde aber
eine verkehrsrelevante Alkoholproblematik bestätigt, müssten die anderen
Verkehrsteilnehmer geschützt werden. Das öffentliche Interesse an der Sicherheit
anderer Verkehrsteilnehmer sei deutlich höher zu gewichten als das private Interesse
der Beschwerdeführerin an der Nichtvornahme der verkehrsmedizinischen
Untersuchung. Die Anordnung der Untersuchung erscheine damit als verhältnismässig
(act. G 2 S. 5-7).
Die Beschwerdeführerin wendet ein, die Aussage im Amtsstellenbericht, wonach sie
eine Flasche Schnaps pro Tag trinke, stimme nicht. Vielmehr habe der Lebenspartner
gegenüber der Polizei die rhetorische Frage gestellt, ob davon ausgegangen werde,
dass die Beschwerdeführerin eine Flasche Schnaps pro Tag trinke. Wie die Polizei
selbst festgestellt habe, habe mit dem Lebenspartner kein vernünftiges Gespräch
geführt werden können, da er deutlich alkoholisiert gewesen sei. Betreffend die
früheren Vorfälle sowie der Vorführung beim Amtsarzt fänden sich keine Unterlagen in
den Akten der Beschwerdegegnerin. Die Grenze von 1.6 Gewichtspromille bzw. einer
Atemalkoholkonzentration von 0.8 mg/l (Art. 15d Abs. 1 lit. a SVG) sei vorliegend
irrelevant, da die Beschwerdeführerin nicht in angetrunkenem Zustand gefahren sei. Es
treffe zwar zu, dass die Beschwerdeführerin teilweise die Atemalkoholmessungen
verweigert habe; dies dürfe jedoch nicht zu ihren Ungunsten ausgelegt werden. Alle im
2.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Amtsstellenbericht aufgeführten Vorfälle hätten keinen Zusammenhang mit dem
Strassenverkehr gehabt. Lediglich bei vier Vorfällen habe eine Alkoholmessung
stattgefunden. Die Polizeieinsätze seien zudem spätabends erfolgt. Beim Ereignis vom
25. Februar 2020 sei nach der Vorführung beim Amtsarzt keine Einweisung in die
Psychiatrie und insbesondere keine fürsorgerische Unterbringung erfolgt. Dieser
Umstand sei von der Vorinstanz nicht gewürdigt worden. Die Beschwerdeführerin habe
einen ungetrübten Leumund bezüglich Fahren in angetrunkenem Zustand. Der
Umstand, dass die Polizei mehrmals habe ausrücken müssen und nach ihrer
subjektiven Wahrnehmung die Beschwerdeführerin immer angetrunken gewesen sein
solle, spreche dafür, dass bei der Beschwerdeführerin keine Alkoholtoleranz
(Giftfestigkeit) vorliege, wie sie bei schweren Trinkern bestehe. Die Anordnung einer
Fahreignungsabklärung wäre unter diesen Umständen unverhältnismässig. Einerseits
sei eine solche mit sehr hohen Kosten verbunden; anderseits habe die
Beschwerdeführerin bereits seit Jahren gefärbte Haare. Sie müsste für eine Analyse der
Haarprobe ihre Haare über Monate nicht mehr färben, was eine Verletzung ihres
Persönlichkeitsrechts darstelle (act. G 1).
Im Unterschied zu den Sachverhalten gemäss den in E. 2.1 aufgezählten
Bundesgerichtsurteilen, in welchen eine verkehrsmedizinische Abklärung für nicht
notwendig befunden wurde, vermerkte der Amtsstellenbericht bei der
Beschwerdeführerin zehn Vorfälle im Zusammenhang mit ihrem Alkoholkonsum
innerhalb von weniger als fünf Jahren. Zweifel an der Fahreignung waren bereits
aufgrund der im Polizeibericht geschilderten - abgesehen von der "täglichen Flasche
Schnaps" unbestritten gebliebenen - Gegebenheiten gerechtfertigt, auch wenn die
Vorfälle nicht im Detail aktenkundig sind. Das Vorbringen der Beschwerdeführerin,
wonach beim Ereignis vom 25. Februar 2020 nach der Vorführung beim Amtsarzt keine
Einweisung in die Psychiatrie und insbesondere keine fürsorgerische Unterbringung
erfolgt sei (act. G 1 S. 6 f.), ist augenscheinlich nicht geeignet, Zweifel an der
Fahreignung auszuräumen. Wenn sie im Weiteren festhält, dass bei ihr keine
Alkoholtoleranz (Giftfestigkeit) wie bei "schweren Trinkern" bestehe (act. G 1 S. 7), ist
anzumerken, dass Zweifel an der Fahreignung eine Qualifikation als "schwere
Trinkerin" - was auch immer darunter zu verstehen ist - nicht voraussetzen. Im
Weiteren wurden die Feststellungen, wonach die Beschwerdeführerin bisher nicht
nachweislich unter Alkoholeinfluss gefahren sei (vorinstanzlicher Entscheid, act. G 2 S.
6) bzw. nie eine Fahrt unter Alkoholeinfluss stattgefunden habe und ihr Führerausweis
nicht vorsorglich entzogen worden sei (Beschwerdeführerin, act. G 1 S. 7), durch die in
der Verfügung vom 19. Oktober 2020 (act. G 15) dargelegten Gegebenheiten hinfällig.
2.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.
(...).