# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 5e8a6084-ac0e-430f-b41e-7cd3782509a5
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. X._ wurde am _ 1954 in O.1_ geboren, wo er zusammen mit zwei Geschwistern bei den Eltern aufwuchs. Ebenfalls in O.1_ besuchte er jeweils vier Jahre die Primar- und die Bezirksschule. Danach absolvierte er eine kaufmännische Ausbildung bei einer Bank und besuchte während drei Jahren das Unterseminar. Aufgrund der damaligen Situation auf dem Arbeitsmarkt besuchte er das Oberseminar nicht und arbeitete bis zum Jahr 1980 im Kanton O.2_ in verschiedenen kaufmännischen Bereichen. Anschliessend wechselte er zum A._. Anfänglich arbeitete er dort als freischaffender Mitarbeiter, später als Redaktionsmitglied. Es folgten Anstellungen als Redaktor beim B_, bei den J._ Nachrichten und beim C._. Als Chefredaktor der D._ kam X._ im Jahr 1992 nach O.3_. Dort machte er sich im Herbst 1993 selbständig und gründete eine Zeitung für die Region O.6_. Seine Idee war es, ein Kommunikationsorgan zwischen dem O.7_, O.3_ und dem _tal zu gründen. Seither verlegt er die "E._". Gemäss eigenen Angaben liegt sein jährliches Nettoeinkommen zwischen CHF 30'000.00 und CHF 50'000.00. Er hat Schulden in Höhe von rund CHF 1'000'000.00. Vermögen hat er dagegen keines. In den Jahren 1980 bis 2005 war er mit F._ verheiratet, mit welcher er zwei Kinder hat, welche nicht mehr finanziell unterstützt werden müssen. Gegenüber F._ ist und war er nicht unterhaltspflichtig. In den Jahren 2008 bis 2013 war er mit G._ verheiratet. Diese Ehe blieb kinderlos. Auch G._ muss er keinen Unterhalt bezahlen.
Im schweizerischen Zentralstrafregister ist X._, wie folgt, verzeichnet:
1. 06.07.2011 Staatsanwaltschaft Graubünden, Zweigstelle O.3_
Diebstahl (Familie), StGB 139/4, 28.02.2011, Geldstrafe 10 Tagessätze zu 90 CHF, bedingt vollziehbar, Probezeit 2 Jahre, Busse 200 CHF
-) 18.06.2013 Staatsanwaltschaft Graubünden, Zweigstelle O.3_, Verlängerung der Probezeit, Probezeit 1 Jahr
2) 18.06.2013 Staatsanwaltschaft Graubünden, Zweigstelle O.3_
Rassendiskriminierung, StGB 261bis, 07.2012, Geldstrafe 30  zu 40 CHF, bedingt vollziehbar, Probezeit 2 Jahre, Busse 400 CHF
B. Y._ wurde am 9. April 1941 in Chur geboren. Sie ist mit H._ verheiratet. Früher war sie kaufmännische Angestellte von Beruf. Heute ist sie Hausfrau und AHV-Rentnerin. In der Steuerperiode 2013 erzielte Y._ gemäss Angaben der Steuerverwaltung Einkünfte aus Haupt-, Nebenerwerb,
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Arbeitslosenentschädigung und Renten von CHF 21'276.00. Sodann erzielten sie und ihr Ehemann übrige Einkünfte und Vermögenserträge von CHF 76'528.00. Y._ gab an, sie und ihr Ehemann würden aus AHV-Renten ein Einkommen von rund CHF 40'000.00 erzielen.
Im schweizerischen Zentralstrafregister ist Y._ nicht verzeichnet.
C. Am 29. August 2016 erhob die Staatsanwaltschaft Graubünden (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) beim Bezirksgericht Prättigau/Davos (seit 1. Januar 2017: Regionalgericht Prättigau/Davos) Anklage gegen X._ wegen mehrfacher Rassendiskriminierung gemäss Art. 261bis Abs. 4 StGB sowie gegen Y._ wegen Rassendiskriminierung gemäss Art. 261bis Abs. 4 StGB. Der Anklageschrift liegt folgender Sachverhalt zugrunde:
"1.1 Die "E._"
Die "E._" ist eine werbefinanzierte Gratiswochenzeitung, die an alle Haushalte in den Regionen O.3_, O.7_ und _tal (bis O.4_) zugestellt wird. Ihre Auflage beträgt rund 15'000, wovon 350 Exemplare an Abonnenten gehen.
Herausgegeben wird die Zeitung von X._. Dieser ist gleichzeitig auch Verleger, alleiniger Redaktor und für die administrativen Belange zuständig. Mitunter wird er bei diesen Tätigkeiten unter seiner Verantwortung von freien Mitarbeitern unterstützt.
Unter dem Titel "I._" enthält die "E._" jeweils eine Witze-, Satire-, Sprüche-, Anekdoten- und Comicsseite. Diese wird von X._ zusammengestellt.
Weiter haben Leser in der "E._" die Möglichkeit, sich unter dem Titel "Die Seite unserer Leser/-innen" in Leserbriefen zu beliebigen Themen zu äussern. Diese Leserbriefe erscheinen unter dem Namen des Verfassers, werden aber vor der Veröffentlichung durch X._ auf offensichtliche Unzulänglichkeiten (z.B. Formalinjurien) überprüft.
[...]
1.2 X._: Rassendiskriminierung gemäss Art. 261bis Abs. 4 StGB, "E._" vom 8. März 2013
Am 8. März 2013 veröffentlichte X._ in der "E._" auf der Seite "I._" unter dem Titel "Fällt dir etwas auf?" folgenden Text:
"Am Sonntag Morgen ein Ausflug mit der ganzen Familie. Es ist schön zu sehen, wie die Alten ihre Jungen beschützen." Im Anschluss an den Text folgten drei Bilder mit einer Wildschweingruppe. Darauf war ersichtlich, wie die Gruppe erst geordnet auf einem Gehsteig ging, dann die Strasse im Bereich eines Fussgängerstreifens überquerte und anschliessend das Trottoir benutzte. Nach dieser Bildstrecke folgte unter dem Titel "Das fällt auf:" folgende Aufzählung:
- "Sie benützen den Fussgängerstreifen, um über die Strasse zu gehen!
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- Sie benützen das Trottoir!
- Sie tragen keine Kopftücher!
- Sie benützen keine geklauten Fahrräder/Roller oder BMW's!
- Sie zeigen Disziplin!
- Sie tragen keine Messer!
- Sie gehen nicht in fremde Häuser!
- Sie spucken nicht auf den Boden!
- ...und sie machen keine fremden Frauen an!
- Aber: Auf die darf geschossen werden!"
In diesem Bericht werden bestimmte Ausländergruppen, insbesondere Muslime, öffentlich und kollektiv in gegen die Menschenwürde verstossender Weise herabgesetzt, was X._ bei der Veröffentlichung zumindest bewusst in Kauf nahm.
[...]
1.3 X._: Rassendiskriminierung gemäss Art. 261bis Abs. 4 StGB, "E._" vom 30. Oktober 2015
Am 30. Oktober 2015 veröffentlichte X._ in der "E._" auf der Seite "I._" ein Bild mit einem liegenden schwarzen Schäferhund und folgendem Text darunter: "Ich ging mit meinem Hund zum Sozialamt, um zu erfragen, welche Leistungen ihm zustehen. Der Mitarbeiter erwiderte: 'Sie Idiot, wir vergeben keine Gelder an Hunde!' Ich widersprach ihm: 'Und warum nicht? Er ist schwarz, faul, stinkt, in seinem ganzen Leben hat er noch keinen einzigen Tag gearbeitet und spricht kein Wort deutsch.' Daraufhin antwortete der Mann: 'Die erste Überweisung erfolgt gleich am Montag'".
In dieser Publikation werden dunkelhäutige Personen öffentlich und kollektiv in gegen die Menschenwürde verstossender Weise herabgesetzt, was X._ bei der Veröffentlichung zumindest bewusst in Kauf nahm.
[...]
1.4 X._ und Y._: Rassendiskriminierung gemäss Art. 261bis Abs. 4 StGB, "E._" vom 20. November 2015
In der "E._" vom 20. November 2015 veröffentlichte X._ unter dem Titel "Die Seite unserer Leser/-innen" einen von Y._ verfassten und von dieser zur Publikation bestimmten ganzseitigen Leserbrief. Dieser Leserbrief begann wie folgt:
"Unglaublich: In vielen Teilen Deutschlands regiert das 'Asylchaos' - Das müssen die Leser und Leserinnen der E._' auch wissen: Eine tschechische Ärztin, die in einem Spital in O.5_ arbeitet, verschickte den folgenden, erschreckenden Bericht an die Welt."
Im siebten Abschnitt des Leserbriefes hält Y._ - als scheinbare Wahrnehmung der erwähnten Ärztin - unter anderem Folgendes fest: "Niemand, der nicht den direkten Kontakt erlebt hat, kann sich vorstellen, was für 'Tiere' diese Leute sind, speziell diejenigen aus
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Afrika und wie Muslime unser Personal abschätzig behandeln und auf ihre religiöse 'Vormachtstellung' pochen."
In dieser Publikation werden Asylsuchende, insbesondere solche aus Afrika, öffentlich und kollektiv in gegen die Menschenwürde verstossender Weise herabgesetzt. Dies nahmen Y._ und X._ bei der Veröffentlichung zumindest bewusst in Kauf.
[...]"
D. Anlässlich der Hauptverhandlung vom 3. November 2016 vor dem Bezirksgericht Prättigau/Davos stellten die Parteien folgende Schlussanträge:
Anträge Staatsanwaltschaft (gemäss Anklageschrift):
"X._
a) X._ sei schuldig zu sprechen der mehrfachen Rassendiskriminierung gemäss Art. 261bis Abs. 4 StGB.
b) Dafür sei er - teilweise als Zusatzstrafe zum Urteil [recte: Strafmandat] vom 18. Juni 2013 der Staatsanwaltschaft Graubünden - zu verurteilen:
- zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je CHF 60.00, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von 3 Jahren.
- zur Bezahlung einer Busse von CHF 700.00, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 12 Tagen.
Y._
a) Y._ sei schuldig zu sprechen der Rassendiskriminierung gemäss Art. 261bis Abs. 4 StGB.
b) Dafür sei sie zu verurteilen:
- zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je CHF 120.00, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von 2 Jahren.
- zur Bezahlung einer Busse von CHF 700.00, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 6 Tagen.
Kostenfolge sei die gesetzliche."
Anträge X._:
"1. X._ sei vom Vorwurf der Rassendiskriminierung freizusprechen.
2. Die Kosten seien auf die Staatskasse zu nehmen und X._ sei im Umfang der eingereichten Honorarnote (zzgl. MWST) zu entschädigen."
Anträge Y._:
"Meiner ist sehr kurz. Ich habe schon dem Staatsanwalt gesagt, dass ich mich überhaupt nicht schuldig fühle. Ich habe einfach einen Bericht weitergeleitet."
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E. Gegen das am 3. November 2016 gefällte, gleichentags mündlich eröffnete und am 8. November 2016 ohne schriftliche Begründung im Dispositiv mitgeteilte Urteil des Bezirksgericht Prättigau/Davos meldeten X._ und Y._ je einzeln am 4. November 2016 bzw. am 15. November 2016 Berufung an. Daraufhin teilte das Bezirksgericht Prättigau/Davos den Parteien am 20. Dezember 2016 das begründete Urteil mit. Darin erkannte es, wie folgt:
"1. X._ ist schuldig der mehrfachen Rassendiskriminierung gemäss Art. 261bis Abs. 4 StGB.
2. Dafür wird X._ - teilweise als Zusatzstrafe zum Urteil [recte: Strafmandat] vom 18. Juni 2013 der Staatsanwaltschaft Graubünden - bestraft mit
a) einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je CHF 60.00. Die Geldstrafe wird unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren aufgeschoben.
b) einer Busse von CHF 700.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse beträgt 7 Tage. Sie tritt an die Stelle der Busse, soweit dieselbe schuldhaft nicht bezahlt wird.
3. Y._ ist schuldig der Rassendiskriminierung gemäss Art. 261bis Abs. 4 StGB.
4. Dafür wird Y._ bestraft mit
a) einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je CHF 120.00. Die Geldstrafe wird unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren aufgeschoben.
b) einer Busse von CHF 400.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse beträgt 3 Tage. Sie tritt an die Stelle der Busse, soweit dieselbe schuldhaft nicht bezahlt wird.
5. Die Untersuchungsgebühren und Auslagen der Staatsanwaltschaft Graubünden von total CHF 2'220.00 (CHF 1'110.00 betreffend X._ und CHF 1'110.00 betreffend Y._) gehen zu 1/2, also im Umfang von CHF 1'110.00, zu Lasten von X._ und zu 1/2, also im Umfang von CHF 1'110.00, zu Lasten von Y._. Die Gerichtsgebühren von total CHF 3'600.00 gehen zu 2/3, also im Umfang von CHF 2'400.00, zu Lasten von X._ und zu 1/3, also im Umfang von CHF 1'200.00, zu Lasten von Y._.
X._ schuldet dem Bezirksgericht Prättigau/Davos folglich:
Busse CHF 700.00
Gebühren und Auslagen Staatsanwaltschaft CHF 1'110.00
Gerichtsgebühr CHF 2'400.00
Total CHF 4'210.00
Y._ schuldet dem Bezirksgericht Prättigau/Davos folglich:
Busse CHF 400.00
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Gebühren und Auslagen Staatsanwaltschaft CHF 1'110.00
Gerichtsgebühr CHF 1'200.00
Total CHF 2'710.00
In Rechtskraft erwachsene Bussen und Verfahrenskosten sind innert 30 Tagen nach der Zustellung des Entscheids zu bezahlen.

## Considerations