# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 7e960668-b541-421d-9dae-756e77ce725f
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_005
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt:
1. Im Dezember 2019 reichte die A._ SA bei der Gemeinde B._ ein
Gesuch um Abbruch und Neubau der C._, Parzelle Nr. 2075, in
B._, ein. Das Baugesuch sieht sechs Wohneinheiten vor, welche über
drei Geschosse verteilt sind. Die interne Erschliessung der sechs
Wohnungen erfolgt durch einen Lift; eine Innentreppe ist nicht vorgesehen.
An der Südfassade sollen die einzelnen Stockwerke durch eine stählerne
offene Aussentreppe erschlossen werden.
2. In der Folge wurde das Baugesuch vom 14. Dezember 2019 bis zum
3. Januar 2020 zur Einsichtnahme in der Gemeindekanzlei öffentlich
aufgelegt. Innert Auflagefrist gingen gegen das Baugesuch keine
Einsprachen ein.
3. Die feuerpolizeiliche Bewilligung der Gebäudeversicherung Graubünden
(nachfolgend GVG), welche auf den 16. Dezember 2019 datiert, ging bei
der Gemeinde B._ am 17. Dezember 2019 ein. Darin wurde unter
Ziff. 15 das Folgende verfügt:
"Flucht- und Rettungswege können als Verkehrswege genutzt werden. Sie sind jederzeit
frei und sicher benützbar zu halten. Sie dürfen ausserhalb der Nutzungseinheit keinen
anderen Zwecken dienen."
Bezüglich der geradläufigen Treppen und deren Podeste hielt Ziff. 16 der
obgenannten Verfügung fest, dass diese eine Mindestbreite von 1.2 m
haben müssten. Was die Aussentreppe anbelangt, verfügte die GVG in
Ziff. 18, dass diese so anzuordnen sei, dass Benutzende nicht durch einen
Brand in oder an Bauten und Anlagen gefährdet seien. Das Detailprojekt
für die Aussentreppe (vertikaler Fluchtweg) sei der GVG vor der
Bauausführung zur Prüfung zuzustellen.
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4. Am 28. April 2020, mitgeteilt am 5. bzw. 8. Mai 2020 (Versandstempel),
beschloss der Gemeindevorstand, das ursprüngliche Gesuch sowie ein
überarbeitetes Gesuch vom 26. Februar 2020 im Sinne der Erwägungen
nicht zu bewilligen. Er wies das Gesuch für den Abbruch und Neubau der
C._ gemäss Art. 11 Abs. 2 des Bundesgesetzes über
Zweitwohnungen (nachfolgend ZWG) zurück.
5. Dagegen erhob die A._ SA (nachfolgend Beschwerdeführerin) am
8. Juni 2020 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden und beantragte folgendes:
"1. Die Verfügung vom 28. Mai 2020 ("Beschluss Nr. 2020-137 des Gemeindevorstandes
betreffend Baugesuch Nr. 2019-0019" betr. das am 14. Dezember 2019 publizierte /
aufgelegte Baugesuch") sei aufzuheben und es sei die Angelegenheit im Sinne der
Erwägungen an die Beschwerdegegnerin mit der Anweisung, das Baugesuch sei zu
bewilligen, zurückzuweisen.
Eventualiter sei die angefochtene Verfügung im Sinne der Erwägungen aufzuheben und
zur Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin."
Begründend führte die Beschwerdeführerin insbesondere aus, dass der
Gemeindevorstand das Baugesuch in allen Punkten ausser betreffend die
Aussentreppe als rechtskonform bezeichnet habe. Auch die
feuerpolizeilichen Vorgaben seien eingehalten worden. Im angefochtenen
Entscheid sei hingegen pauschal festgehalten worden, dass die Regeln
der Baukunde nicht eingehalten würden. Es sei jedoch nicht spezifiziert
worden, um welche Regeln es sich dabei handeln solle, was den
Gehörsanspruch der Beschwerdeführerin verletze. Zudem sei der
Sachverhalt unvollständig und falsch festgestellt worden. Der Beschwerde
legte sie ein Privatgutachten von D._ vom 3. Juni 2020 bei.
6. Mit Vernehmlassung vom 30. Juni 2020 beantragte die Gemeinde
B._ (nachfolgend Beschwerdegegnerin) die Abweisung der
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Beschwerde. Art. 79 des Raumplanungsgesetzes für den Kanton
Graubünden (nachfolgend KRG) sei durch das Bauvorhaben verletzt. Die
Beschwerdegegnerin habe aber nicht einfach auf diese Bestimmung und
die Regeln der Baukunde verwiesen, sondern dargelegt, weswegen die
Aussentreppe mit den Vorschriften von Art. 79 KRG nicht vereinbar sei.
Zudem sei offensichtlich, dass die Aussentreppenkonstruktion gewählt
worden sei, um den Konflikten mit der Ausnützungsziffer und dem ZWG
ausweichen zu können. Somit hätte dem Baugesuch selbst dann nicht
entsprochen werden können, wenn die Aussentreppenkonstruktion auch
als Haupterschliessung den Vorgaben von Art. 79 KRG entsprechen
würde.
7. Am 25. August 2020 hielt die Beschwerdeführerin replicando an ihren
Anträgen fest. Sie beanstandete, dass nach wie vor nicht alle Unterlagen
des Baubewilligungsverfahrens eingereicht worden seien. Entgegen der
nunmehr geänderten Meinung der Beschwerdegegnerin in ihrer
Vernehmlassung sei die Treppe nicht zur Ausnutzung hinzuzurechnen und
es liege keine Gesetzesverletzung gemäss Art. 79 Abs. 1 KRG vor. Zudem
reichte die Beschwerdeführerin ein weiteres Privatgutachten von E._
vom 25. August 2020 ein.
8. Mit Duplik vom 7. September 2020 hielt die Beschwerdegegnerin an ihren
Anträgen fest. Sie führte insbesondere aus, dass die für die Beurteilung
wesentlichen Akten bereits eingereicht worden seien. Zudem nahm die
Beschwerdegegnerin Stellung zum zweiten Privatgutachten der
Beschwerdeführerin. Auch dieses Gutachten vermöge jedoch die
sicherheitspolizeilichen Bedenken der Beschwerdegegnerin nicht zu
zerstreuen.
9. Mit Schreiben vom 17. September 2020 hielt die Beschwerdeführerin
vollumfänglich an ihren Ausführungen und Anträgen fest, wobei sie ihre
Argumentation wiederholte. In der Folge verzichtete die
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Beschwerdegegnerin am 30. September 2020 auf eine weitere
Stellungnahme und reichte die restlichen Unterlagen des Baugesuches
nach. Diese wurden der Beschwerdeführerin mit prozessleitender
Verfügung vom 5. Oktober 2020 zur Einsicht zugestellt, was die
Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 6. Oktober 2020 bestätigte.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften und
den angefochtenen Beschluss des Gemeindevorstandes der
Beschwerdegegnerin wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens ist der Bauentscheid des
Gemeindevorstands der Beschwerdegegnerin vom 28. April 2020,
mitgeteilt am 5. bzw. 8. Mai 2020, worin das Baugesuch der
Beschwerdeführerin vom Dezember 2019 im Sinne der Erwägungen
zurückgewiesen wurde. Für die Beurteilung des angefochtenen
Bauentscheides ist das Verwaltungsgericht zuständig (Art. 49 Abs. 1 lit. a
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100]). Als
Adressatin des angefochtenen Entscheids ist die Beschwerdeführerin zur
Beschwerdeerhebung legitimiert (Art. 50 VRG). Zudem wurde die
Beschwerde frist- und formgerecht eingereicht (Art. 52 Abs. 1 und Art. 38
VRG), weshalb darauf einzutreten ist.
2. Streitgegenstand bildet die Frage, ob die Beschwerdegegnerin das
Bauvorhaben für den Abbruch und Neubau der C._ gemäss Art. 11
Abs. 2 des Bundesgesetzes über Zweitwohnungen (ZWG; SR 702) zu
Recht abschlägig beurteilt hat.
3.1. Die Beschwerdeführerin bringt in der Beschwerde vom 8. Juni 2020
zunächst vor, dass die Beschwerdegegnerin mit ihrem Bauentscheid vom
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28. April 2020 ihren verfassungsmässigen und gesetzlichen Anspruch auf
Begründung verletze und damit ihr rechtliches Gehör verletzt habe.
3.2. Die aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV; SR 101)
fliessende Begründungspflicht verlangt nicht, dass sich die entscheidende
Behörde mit allen Parteistandpunkten auseinandersetzt und jedes
einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Sie darf sich auf das für den
Entscheid Wesentliche beschränken. Betroffenen muss es aber immerhin
möglich sein, sich über die Tragweite des Entscheides Rechenschaft zu
geben und ihn in voller Kenntnis der Sache an die nächsthöhere Instanz
weiterzuziehen. Der Entscheid hat also zumindest kurz die Überlegungen
zu nennen von denen sich die entscheidende Behörde leiten liess und
worauf sie ihren Entscheid stützt (vgl. BGE 143 IV 40 E.3.4.3, 142 III 433
E.4.3.2, je mit Hinweisen).
3.3. Soweit die Beschwerdeführerin vorbringt, dass in der angefochtenen
Verfügung lediglich der pauschale Hinweis enthalten sei, dass die Regeln
der Baukunde nicht eingehalten worden seien, sich die
Beschwerdegegnerin aber darüber ausschweige um welche Regeln es
sich dabei handle, hält ihr die Beschwerdegegnerin entgegen, dass sie im
Einzelnen dargelegt habe, warum sich die zur Diskussion stehende
Aussentreppe mit den zitierten sicherheits- und gesundheitspolizeilichen
Vorschriften nicht vereinbaren lasse. Wörtlich heisst es im angefochtenen
Entscheid (vgl. beschwerdegegnerische Akte [Bg-act.] 2, S. 4):
"Diese Vorgaben sind bei der projektierten Aussentreppe und dem Fluchtweg
offensichtlich nicht eingehalten, weil diese Konstruktion offen und daher voll den
Witterungsverhältnissen ausgesetzt ist und der Fluchtweg die feuerpolizeilichen Angaben
hinsichtlich der Breite nicht einhält. Im Winter können vor allem bei Schneefall, Wind und
tiefen Temperaturen auf der Treppe Vereisungen auftreten und die Benutzbarkeit der
Treppe beeinträchtigen. Ein Schutz, etwa durch Verglasungen, ist deshalb nicht möglich,
weil sonst die Treppe anrechenbar und daher auch die AZ nicht eingehalten wäre. Wohl
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ist im Gebäude selbst auch noch ein Lift für Personen vorgesehen, dieser bildet für sich
allein jedoch keine genügende interne Erschliessung, zumal er von den Bewohnern bei
Stromausfall oder bei Feuer gar nicht benutzt werden kann."
Damit kann festgehalten werden, dass die Überlegungen der
Beschwerdegegnerin mit genügender Klarheit aus dem angefochtenen
Entscheid hervorgehen, weshalb die Beschwerdeführerin auch in der Lage
war, den Bauentscheid vom 28. April 2020 anzufechten. Diese Rüge ist
folglich unbegründet.
4.1. Zu prüfen ist weiter, ob die bewilligungsersuchte Aussentreppe den
anerkannten Regeln der Baukunde entspricht. Bauten und Anlagen haben
gemäss Art. 79 Abs. 1 des Raumplanungsgesetzes für den Kanton
Graubünden (KRG; BR 801.100) den gesundheits-, feuer- und
gewerbepolizeilichen Bestimmungen sowie den Vorschriften der Arbeits-,
Energie-, Gewässerschutz- und Umweltschutzgesetzgebung zu
entsprechen. Zudem haben Bauten und Anlagen den anerkannten Regeln
der Baukunde zu genügen und dürfen weder bei der Erstellung noch durch
ihren Bestand und ihre Nutzung Personen, Tiere oder Sachen gefährden
(Art. 79 Abs. 2 KRG).
4.2. Die Beschwerdeführerin brachte diesbezüglich vor, dass die
Aussentreppe entgegen den Ausführungen der Beschwerdegegnerin den
anerkannten Regeln der Baukunde entspreche. Sie sei aus Stahl und
werde an der Fassade befestigt und mit vertikalen Trageelementen
abgestützt. Die Tragfähigkeit und die Gebrauchstauglichkeit gemäss den
SIA Normen 260 bis 269 sei vollständig erfüllt und die Treppe biete keine
statischen Probleme. Die geplante Konstruktion entspreche dem Stand
der Technik. Sie halte auch die Vorgaben der SIA Norm 358 bezüglich
Geländer und Brüstung ein. Die Treppe diene dem Wohnhaus. Die
Absturzsicherheit mit der Geländerhöhe von minimal einem Meter sei
erfüllt. Das eventuelle Fehlverhalten von Personen, Gefährdungsbilder bei
Wohnbauten und für Fluchtwege sei erfüllt. Die Vorgabe, dass
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Treppenläufe mit mehr als fünf Tritten mit Handläufen zu versehen seien
sowie die Vorgabe, dass das Hindurchfallen zu verhindern sei, sei
ebenfalls eingehalten. Die Öffnungen der vertikalen Stäbe betrage
maximal 12 cm und der Abstand zwischen der Trittkante und dem
Geländer sei kleiner als 5 cm. Zudem sei das Beklettern des Geländers
nicht möglich.
Auch der Umstand, dass es sich um eine Aussentreppe handle, welche
als Fluchtweg diene, verletze die anerkannten Regeln der Baukunde nicht,
sofern die Treppenläufe und Podeste auch im Winter unterhalten, also
vom Schnee befreit würden. Dies sei im Oberengadin sowieso eine
Selbstverständlichkeit und sogar eine gesetzliche Pflicht eines jeden
Grundeigentümers. Die Treppe sei auch als Fluchtweg feuerpolizeilich in
Ordnung und es liege die Bewilligung der Feuerpolizei vor.
4.3. Dagegen brachte die Beschwerdegegnerin vor, dass sich die
Beschwerdeführerin vor allem auf das Gutachten von D._ vom 3. Juni
2020 berufe. Dieses sei jedoch nicht geeignet, die Qualifikation der
Gemeinde bezüglich Einhaltung der sicherheits- und
gesundheitspolizeilichen Vorschriften von Art. 79 KRG zu entkräften. Bei
seiner Beurteilung sei D._ davon ausgegangen, dass die Treppe nur
als Fluchtweg diene und nicht als Haupterschliessung der Wohnungen.
Selbst die Beschwerdeführerin gehe von einer Fluchttreppe aus, wenn sie
darauf hinweise, dass diese auch den feuerpolizeilichen Vorgaben
entspreche.
Weiter führte die Beschwerdegegnerin aus, dass die Aussentreppe vor
allem im Winter keine sichere Erschliessung der einzelnen Stockwerke
gewährleiste. Ohne eine Überdachung sei die Aussentreppe vor allem in
den oberen Bereichen völlig der Witterung ausgesetzt und die Gefahr,
dass sich Schnee ansetze und die Oberfläche vereise, sei allgegenwärtig.
Daran vermöge auch ein noch so guter Unterhalt nichts zu ändern.
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Während dieses Risiko bei Notfällen wie Feuersbrunst oder Erbeben in
Kauf genommen werden könne, sei dies für den täglichen Zu- und
Weggang zum bzw. vom Gebäude nicht tolerierbar.
4.4. Vorneweg ist festzuhalten, dass auch die Beschwerdegegnerin in ihrer
Duplik zugestanden hat, dass die vorgesehene Aussentreppe als
Fluchtweg dienen kann. Indes ist festzuhalten, dass der Gutachter
D._ – entgegen der Behauptung der Beschwerdegegnerin – nicht
ausgeschlossen hat, dass die Aussentreppe neben dem Lift auch als
Haupterschliessung dienen kann. Der Gutachter D._ hat nämlich
nicht gesagt, dass er annehme, dass die Treppe nur als Fluchtweg diene
(vgl. beschwerdeführerische Akten [Bf-act.] 6, S. 1). Zudem hielt er fest,
dass die geplante Aussentreppe aus technischer Sicht die Vorgaben der
SIA Normen erfülle und dem Stand der Technik entspreche (vgl. Bf-act. 6,
S. 2). Dies bestätigte auch der zweite Gutachter E._. Er führte aus,
dass die Aussentreppe konstruktiv und technisch sämtliche Vorgaben der
massgebenden Normen, Fachbroschüren und Dokumentationen erfülle
und somit als Haupterschliessung und als Fluchtweg genutzt werden
könne (vgl. Bf-act. 7, S. 2). Den Ausführungen der Gutachter ist
zuzustimmen.
Es trifft allerdings auch zu, dass die Gefahren von Schneefall und
Vereisungen nicht zu unterschätzen sind. Diesbezüglich führen beide
Gutachter aus, dass Voraussetzung für eine sichere Benutzung der
Treppe der regelmässige Unterhalt derselben darstelle (vgl. Bf-act. 6, S. 1
und Bf-act. 7, S. 2). Die Verantwortung dazu liege bei den Eigentümern.
Weiter ist festzuhalten, dass die GVG die Treppe aus feuerpolizeilicher
Sicht mit Auflagen bewilligt hat. Bezüglich der Aussentreppe verfügte die
GVG in Ziff. 15 ferner, dass die Flucht- und Rettungswege auch als
Verkehrswege genutzt werden können, wobei sie jederzeit frei und sicher
benützbar zu halten seien (vgl. Feuerpolizeiliche Bewilligung [koordinierte
Zusatzbewilligung] vom 16. Dezember 2020, S. 4 [Bg-act. 1]). Aus Sicht
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des Verwaltungsgerichts kann die Tatsache, dass die Treppe von Schnee
und Eis geräumt sein muss (Winterdienst) im Baubewilligungsverfahren
nur insoweit eine Rolle spielen, als dies als Auflage verfügt wird. Diese
Unterhaltspflicht besteht im Übrigen auf dem Gemeindegebiet der
Beschwerdegegnerin bereits von Gesetzes wegen (vgl. insbesondere
Art. 45 Abs. 1 des Baugesetzes der Gemeinde B._ [nachfolgend
BauG]).
5. An dieser Stelle ist noch auf die Argumentation der Beschwerdegegnerin
einzugehen, wonach die offene Aussentreppe nur gewählt worden sei, um
dem Konflikt mit der Ausnützungsziffer und den Vorschriften über die
Zweitwohnungsgesetzgebung ausweichen zu können, weshalb der
Abbruch und Neubau der C._ nicht bewilligungsfähig sei.
5.1. Gemäss Art. 61 Abs. 2 BauG gilt die anrechenbare Bruttogeschossfläche
(BGF) als Summe aller ober- und unterirdischen Geschossflächen im
Aussenmass in Haupt-, An- und Nebenbauten mit Ausnahme des
Mehrmasses von Aussenmauern mit Wandstärken über 30 cm. Die
Treppen werden dabei in jedem Geschoss als Geschossfläche berechnet.
5.2. Mit der Beschwerdeführerin ist festzuhalten, dass die Gemeinde im
angefochtenen Entscheid festgestellt und erwägt hatte, dass das
bewilligungsersuchte Projekt mit der Aussentreppe die Vorgaben
betreffend die Ausnutzung einhalte (vgl. Bg-act. 2, S. 4). Sie ging davon
aus, dass eine solche Treppe ohne den Nachweis von Nutzfläche erstellt
werden könne. Der plötzliche Wechsel in der Argumentation der
Gemeinde, wonach die offene Aussentreppe entgegen der im
Baubewilligungsverfahren geäusserten Ansicht ausnutzungspflichtig sein
soll, ist nicht nachvollziehbar und überzeugt nicht. Die Aussentreppe liegt
schliesslich nicht im Gebäudeinnern, was gemäss dem Wortlaut des
Baugesetzes der Beschwerdegegnerin jedoch eine Voraussetzung wäre,
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damit sie zur Geschossfläche hinzugerechnet würde (vgl. Art. 61 Abs. 2
letzter Satz BauG).
5.3. Ein weiteres Indiz, dass die Aussentreppe nicht an die Geschossfläche
anzurechnen ist, ergibt sich daraus, dass gemäss Art. 61 Abs. 3 BauG
offene Erdgeschosshallen und überdeckte offene Dachterrassen (lit. e),
offene ein- und vorspringende Balkone, sofern sie nicht als Laubengänge
dienen (lit. f) sowie Galerien, sofern sie offen bleiben und 20 % der BGF
der dazugehörenden Wohneinheit nicht überschreiten (lit. h), nicht
angerechnet werden. Dies legt nahe, dass dasselbe für offene
Aussentreppen zu gelten hat.
5.4. Zusammenfassend kann folglich festgehalten werden, dass die
bewilligungsersuchte Aussentreppe nicht an die Geschossfläche
anzurechnen ist. Die diesbezügliche Argumentation der
Beschwerdegegnerin mutet eher überspitzt formalistisch an, wohingegen
die Argumentation der Beschwerdeführerin zu überzeugen vermag. Die
Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin die ersuchte
Baubewilligung mit Bauentscheid vom 28. April 2020, mitgeteilt am 5. bzw.
8. Mai 2020, folglich zu Unrecht verweigert.
6. Die Beschwerde wird nach dem Gesagten gutgeheissen. Der
angefochtene Bauentscheid des Gemeindevorstands der
Beschwerdegegnerin vom 28. April 2020, mitgeteilt am 5. bzw. 8. Mai
2020 (Beschluss Nr. 2020-137 des Gemeindevorstandes betreffend
Baugesuch Nr. 2019-0019), wird aufgehoben und die Sache ist an die
Beschwerdegegnerin zum Erlass eines neuen Bauentscheids im Sinne
der Erwägungen (Erteilung Baubewilligung mit Auflage Unterhalt)
zurückzuweisen.
7.1. Im Rechtsmittelverfahren hat in der Regel die unterliegende Partei die
Kosten zu tragen (Art. 73 Abs. 1 VRG). Die Verfahrenskosten bestehen
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aus der Staatsgebühr, den Gebühren für die Ausfertigungen und
Mitteilungen des Entscheides sowie den Barauslagen (Art. 75 Abs. 1
VRG). Die Staatsgebühr beträgt in der Regel höchstens CHF 20'000.--,
sie richtet sich nach dem Umfang und der Schwierigkeit der Sache sowie
nach dem Interesse und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der
Kostenpflichtigen (Art. 75 Abs. 2 VRG). Aufgrund der Gesamtumstände
erscheint vorliegend eine Staatsgebühr im Umfang von CHF 3'000.-- als
angemessen. Diese ist zusammen mit den Kanzleigebühren der
unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzulegen.
7.2. Die Beschwerdeführerin beantragte für das vorliegende Verfahren eine
Parteientschädigung. Im Rechtsmittelverfahren ist die unterliegende
Partei in der Regel dazu zu verpflichten, der obsiegenden Partei die durch
den Rechtsstreit verursachten notwendigen Kosten zu ersetzen (Art. 78
Abs.1 VRG). Bund, Kanton und Gemeinden sowie mit öffentlich-
rechtlichen Aufgaben betrauten Organisationen wird in der Regel keine
Parteientschädigung zugesprochen, wenn sie in ihrem amtlichen
Wirkungskreis obsiegen (Art. 78 Abs. 2 VRG).
7.3. Vorliegend wird die Parteientschädigung dem Ausgang des
Beschwerdeverfahrens entsprechend der obsiegenden
Beschwerdeführerin zugesprochen. Die Beschwerdeführerin ist indessen
gemäss UID-Register mehrwertsteuerpflichtig und damit
vorsteuerabzugsberechtigt, weshalb die vorliegende Parteientschädigung
ohne Mehrwertsteuer zuzusprechen ist (vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts
des Kantons Graubünden U 20 58 vom 26. Januar 2021 E.2.2 m.H.).
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat zwar eine
Honorarvereinbarung (vgl. Bf-act. 3) eingereicht, indes hat er keine
Honorarnote ins Recht gelegt. Somit ist sein Aufwand nach
pflichtgemässem Ermessen festzulegen (Art. 2 Abs. 1 der Verordnung über
die Bemessung des Honorars der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte
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[Honorarverordnung, HV; BR 310.250]). Das Gericht erachtet dabei einen
Pauschalbetrag von CHF 2'750.-- (inkl. Spesen und ohne MWST) als den
gesamten Umständen sowie dem Umfang und der Schwierigkeit der
Angelegenheit angemessen. Damit wird die Beschwerdegegnerin
verpflichtet, die Beschwerdeführerin aussergerichtlich mit CHF 2'750.-- zu
entschädigen.