# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 74c1d59d-de4f-4997-863d-d8d69df3b9b7
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
a. Der Miteigentümergemeinschaft X.-strasse 00, Wil (nachstehend: MEG), gehören
A.A., B.B., C.C., und D.D. an. Die MEG ist Eigentümerin des mit einem Wohnhaus
(Vers.-Nr. 0001) überbauten, 782 m grossen Grundstücks Nr. 002, Grundbuch Wil,
welches der viergeschossigen Wohnzone W4 zugeteilt ist. Das Grundstück befindet
sich im Perimeter des Gestaltungsplans T. vom 17. Dezember 1990 (nachstehend:
Gestaltungsplan). Mit Gesuch vom 10. März 2014 beantragte die MEG die Bewilligung
des Abbruchs des Wohnhauses auf Grundstück Nr. 002 sowie des Neubaus eines
viergeschossigen Mehrfamilienhauses mit acht 3 1⁄2-Zimmer-Wohnungen (act. G 7/5/1).
Gegen das Projekt erhoben E.E. und F.E., Wil, Eigentümer des östlich des Grundstücks
Nr. 002 gelegenen Grundstücks Nr. 003, Einsprache (act. G 7/5/3). Mit Beschluss vom
26. Mai 2014 wies die Baukommission die Einsprache ab und erteilte die
Baubewilligung mit Auflagen. Insbesondere verfügte sie, dass die Inanspruchnahme
des Nachbargrundstücks S.-strasse 04, Parzelle Nr. 0005, mit einer Geschossfläche
von 150.76 m zur Berechnung der Ausnützungsziffer als öffentlichrechtliche
Eigentumsbeschränkung gemäss Art. 63 BauG im Grundbuch der Stadt Wil angemerkt
werde (act. G 7/5/4).
b. Den gegen diesen Beschluss von E.E. und F.E. erhobenen Rekurs (act. G 7/1) hiess
das Baudepartement des Kantons St. Gallen mit Entscheid vom 21. August 2014 gut
(Dispositiv Ziff. 1a); Baubewilligung und Einspracheentscheid wurden aufgehoben
(Dispositiv Ziff. 1b) mit der Begründung, dass der verfügte Ausnützungstransfer über
die Zonengrenze hinaus unzulässig sei (act. G 2/1).
2
2
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.
a. Gegen diesen Entscheid liessen A.A., B.B., C.C. und D.D. durch Rechtsanwalt Dr.
Fritz Frey, Zürich, mit Eingabe vom 5. September 2014 Beschwerde erheben mit den
Anträgen, der Entscheid sei aufzuheben (Ziff. 1) und die Baubewilligung (einschliesslich
Einspracheentscheid) vom 26. Mai 2014 sei zu bestätigen bzw. wiederherzustellen,
allenfalls unter Statuierung der gebotenen Nebenbestimmungen (Ziff. 2). Eventuell sei
die Sache zur Ergänzung und Neuentscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen (Ziff.
3). Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (auch für das Rekursverfahren)
zulasten der Beschwerdegegner (Ziff. 4).
b. In der Vernehmlassung vom 15. September 2014 beantragte die Vorinstanz
Abweisung der Beschwerde, verwies zur Begründung auf den angefochtenen
Entscheid und machte ergänzende Ausführungen (act. G 6). Die Beschwerdegegner
nahmen mit Eingabe vom 25. September 2014 zur Beschwerde Stellung und
beantragten deren Abweisung (act. G 10). Die Beschwerdebeteiligte beantragte in der
Vernehmlassung vom 1. Oktober 2014 Gutheissung der Beschwerde und Bestätigung
der Baubewilligung. Zur Begründung verwies sie unter anderem auf den
Baubewilligungsentscheid vom 26. Mai 2014 und äusserte sich ergänzend mit Hinweis
auf eine neue Ausnützungstransfer-Variante (act. G 11 f.).
c. Mit Replik vom 11. Oktober 2014 bestätigten die Beschwerdeführer ihren
Standpunkt (act. G 14).
d. Auf die Darlegungen der Verfahrensbeteiligten in den Eingaben des vorliegenden

## Considerations

Verfahrens wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis
Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Die
Beschwerdeführer sind als Miteigentümer der Liegenschaft, auf welcher das Projekt
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
geplant ist, und als Empfänger des angefochtenen Entscheids zur Ergreifung des
Rechtsmittels befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Eingabe ihres
Rechtsvertreters vom 5. September 2014 (act. G 1) erfolgte rechtzeitig und erfüllt die
formellen und inhaltlichen Voraussetzungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1
und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
2.1. Das Baureglement der Gemeinde Wil vom 25. November 1992 (BauR) sieht in
Art. 13 Abs. 1 für die Wohnzone W4 (vier Vollgeschosse) eine zulässige Ausnützung
von 0.7 vor. Das vorliegend geplante Bauvorhaben überschreitet diese Ausnützung bei
einer Grundstückfläche von 782 m und einer anrechenbaren Bruttogeschossfläche
(aBGF) von 850.76 m mit einem Wert von 1.09 um gut 50%. Streitig ist unter den
Verfahrensparteien, auf welcher Berechnungsgrundlage die höchstzulässige
Ausnützung für das Baugrundstück Nr. 002 - unter Einbezug des Gestaltungsplans - zu
ermitteln ist. Die Ausnützungsberechnungstabelle des Gestaltungsplans sieht für das
Teilgebiet C, in welchem die Überbauung vorgesehen ist, eine aBGF von 700 m vor
(act. G 7 Beilage „GP T.“). Zu klären ist die Zulässigkeit der Überbauung mit einer
aBGF von 850.76 m . - Der Gestaltungsplan gehört zu den Sondernutzungsplänen im
Sinn von Art. 14 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Raumplanung (SR 700; RPG).
Damit kann die politische Gemeinde zur Erreichung einer Gesamtüberbauung mit
städtebaulich vorzüglicher Gestaltung die Überbauung einer oder mehrerer Parzellen
projektmässig bis in Einzelheiten regeln, wobei im Rahmen der Grundordnung vom
Zonen- oder Überbauungsplan abgewichen werden kann (Art. 28 Abs. 1 des Gesetzes
über die Raumplanung und das öffentliche Baurecht [BauG], sGS 731.1; GVP 1997
Nr. 69 S. 149). Hierbei darf jedoch die Grenze der materiellen Zonenplanänderung nicht
überschritten werden (GVP 2003 Nr. 19). Eine Mehrausnützung ist zulässig, wenn ein
besseres Projekt als nach zonengemässer Überbauung verwirklicht wird, die Grösse
des Grundstücks dies rechtfertigt und die Interessen der Nachbarn nicht erheblich
beeinträchtigt werden (Art. 27 BauG).
2.2. Die Beschwerdebeteiligte hatte die Erteilung der Baubewilligung damit
begründet, dass im Gestaltungsplan die zulässige Ausnützung für das Teilgebiet A mit
einer aBGF von 4‘060 m , für das Teilgebiet B mit einer aBGF von 1‘752 m und für
2
2
2
2
2 2
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
den Bereich C mit einer solchen von 700 m festgelegt worden sei. Der damit durch
den Gestaltungsplan verbindlich festgelegten höchstzulässigen aBGF von 6‘512 m
stehe eine Grundfläche von insgesamt 8‘175 m gegenüber. Daraus resultiere eine
Ausnützungsziffer von rund 0.8. Das Teilgebiet A sei inzwischen überbaut und die dort
zulässige aBGF von 4‘060 m realisiert worden. Die Teilgebiete B und C seien bislang
nicht neu überbaut worden. Das geplante Projekt im Bereich C sehe eine aBGF von
850.76 m vor und liege damit 150.76 m über der Ausnützung des Gestaltungsplans
für diesen Bereich. Nachdem diese Ausnützungsberechnungstabelle des
Gestaltungsplans aber nur wegleitenden Charakter habe, sei die geplante
Mehrausnützung zulässig. Dafür sei indessen ein Ausnützungstransfer vom Teilgebiet B
(Grundstück Nr. 0005) erforderlich, damit die höchstzulässige aBGF von 6‘512 m bei
der späteren Überbauung von Grundstück Nr. 0005 nicht überschritten werde (act. G
7/5/4).
3.
3.1. Vorweg ist festzuhalten, dass das Instrument des (im Rahmen des
Nutzungsplanverfahrens gewährten) Ausnützungsbonus innerhalb des Planperimeters
eines Gestaltungsplans (nachstehend E. 3.1.1) von demjenigen des (im Grundbuch
einzutragenden) Ausnützungstransfers zwischen zwei benachbarten Grundstücken
(nachstehend E. 3.1.2) grundsätzlich zu unterscheiden ist (vgl. dazu BGer 1P.640/2006
vom 29. Mai 2007, E. 4.4).
3.1.1. Nach Art. 22 Abs. 1 Satz 1 BauR kann beim Gestaltungsplan gemäss Art. 28
BauG für das betreffende Plangebiet die Anwendung einer Ausnützungsziffer
aufgehoben werden. Art. 22 Abs. 2 BauR verweist im Übrigen auf die Voraussetzungen
nach Art. 21 BauR. Absatz 2 von Art. 21 BauR legt die Mehrausnützung für die hier in
Frage stehende Zone W4 auf 25% der zonengemässen Grundausnützung fest. - Für
eine Abweichung von der in der Bauordnung enthaltenen Ausnützungsziffer (Art. 13
BauR) bedarf es mit Blick auf Art. 22 Abs. 1 Satz 1 BauR im Gestaltungsplan bzw. in
dessen besV verbindlicher Sonderbauvorschriften. Art. 2 der besonderen Vorschriften
(besV) des Gestaltungsplans T. sieht in diesem Zusammenhang vor, dass die
Bestimmungen des BauR für das Plangebiet gelten, soweit der Gestaltungsplan mit
den nachstehenden Vorschriften (besV) nichts anderes bestimmt (act. G 7 Beilage „GP
2
2
2
2
2 2
2
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
T.“). Art. 3 besV listet die verbindlichen (lit. a) und die wegleitenden (lit. b: darunter die
Ausnützungsberechnungstabelle vom 20. Oktober 1989) Bestimmungen im Einzelnen
auf. Der Gestaltungsplan selbst enthält keine Ausführungen bzw. verbindliche
Vorschriften zur zulässigen Ausnützungsziffer im Plangebiet als Ganzes oder in den
einzelnen Teilgebieten.
3.1.2. Nach Art. 63 BauG ist die Inanspruchnahme von Nachbargrundstücken zur
Berechnung der Ausnützungsziffer ausnahmsweise zulässig, wenn die betroffenen
Grundeigentümer sich schriftlich zu einem Verzicht auf die spätere Überbauung
verpflichten. Die zuständige Gemeindebehörde verfügt diese Verpflichtung als
öffentlich-rechtliche Eigentumsbeschränkung und lässt sie im Grundbuch anmerken.
Nach der Rechtsprechung ist ein Ausnützungstransfer zwischen Parzellen mit
verschiedenen Nutzungsziffern bzw. zwischen Bau- und Nichtbauzone (BGE 119 Ia
113; VerwGE B 2009/34 vom 3. Dezember 2009, E. 2.5) unzulässig, wenn er dazu
dient, einer Zone mit niedriger Ausnützung eine höhere Nutzung zu ermöglichen. Die
Rechtsprechung zum interzonalen Ausnützungstransfer will insbesondere verhindern,
dass die vom Zonenplan festgelegten Zonengrenzen missachtet und die vom
kommunalen Gesetzgeber beschlossene Unterteilung des Baugebiets geändert wird
(BGE 109 Ia 188 E. 3 S. 191 mit Hinweisen). In BGE 109 Ia 188 erklärte das
Bundesgericht sogar die Nutzungsübertragung zwischen zwei zu unterschiedlichen
Erschliessungsetappen gehörenden Flächen innerhalb derselben Bauzone für
unzulässig. Eine Ausnahme vom Übertragungsverbot ist nach der Rechtsprechung nur
aufgrund einer ausdrücklichen Gesetzesvorschrift zulässig (BGE 109 Ia 30 E. 6a S. 31
mit Hinweisen; vgl. Peter Hänni, Planungs-, Bau- und besonderes Umweltschutzrecht,
4. Aufl. 2002, S. 298 f.).
3.2.
3.2.1. Die Vorinstanz legte im angefochtenen Entscheid unter anderem dar, der
Umstand, dass der Gestaltungsplan die Ausnützungsziffer nicht verbindlich festlege,
bedeute nicht, dass im Plangebiet keine Ausnützungsziffer gelte bzw. diese sich
indirekt über das höchstzulässige Gebäudevolumen ergebe. Eine solche Auslegung sei
mit Art. 2 besV nicht vereinbar und hätte eine ausdrückliche Sonderbauvorschrift
(Ausnützungszifferdispens für den Planperimeter) im Gestaltungsplan selbst erfordert.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Das Fehlen einer solchen Vorschrift in den besV habe zur Folge, dass für die
höchstzulässige Ausnützung nach wie vor die Regelbauvorschrift (Art. 13 BauR)
Anwendung finde. Die Ausnützungsberechnungstabelle sei als lediglich wegleitender
Bestandteil der besV nicht grundeigentümerverbindlich und deshalb nicht geeignet,
eine höhere Ausnützung im Plangebiet als Ganzem oder in einem Teilgebiet
zuzulassen. Bei einer zulässigen Ausnützungsziffer von 0.7 dürfe das Bauvorhaben nur
eine aBGF von 547.4 m aufweisen. Mit einer aBGF von 850.76 m widerspreche es
deutlich den Regelbauvorschriften (act. G 2/1 S. 6 f.).
Im Weiteren hielt die Vorinstanz fest, der von der Beschwerdebeteiligten verfügte
Nutzungstransfer - Grundbuch-Anmerkung der Inanspruchnahme des
Nachbargrundstücks Nr. 0005 mit einer Geschossfläche von 150.76 m zur
Berechnung der Ausnützungsziffer als öffentlichrechtliche Eigentumsbeschränkung
gemäss Art. 63 BauG (act. G 7/5/4) - sei schon deshalb ausgeschlossen, weil die
betroffenen Grundstücke Nr. 002 (Zone W4) und Nr. 0005 (Zone WG3) nicht derselben
Zone angehören würden. Hinzu komme, dass die Beschwerdebeteiligte beim verfügten
Nutzungstransfer nicht ausgehend von der tatsächlichen Grundstücksgrösse und der
bestehenden Überbauung auf Grundstück Nr. 0005 eine allenfalls gemäss BauR noch
bestehende Ausnützungsreserve ermittelt habe, sondern einzig auf die in der bloss
wegleitenden Ausnützungsberechnungstabelle aufgeführten aBGF in den Teilgebieten
B und C abgestellt habe. Ein solches Vorgehen sei nicht zulässig, nachdem bezüglich
Ausnützung im Plangebiet die Regelbauvorschriften Anwendung finden würden. Selbst
wenn ein Ausnützungstransfer über die Zonengrenze zulässig und die aBGF in der
Ausnützungsberechnungstabelle verbindlich geregelt wäre, könnte von der dort
statuierten höchstzulässigen aBGF von 700 m für das Teilgebiet C im
Baubewilligungsverfahren nicht mittels Nutzungstransfer abgewichen werden (act. G
2/1 S. 7 f.).
3.2.2. Die Beschwerdeführer lassen einwenden, die Ansicht der Vorinstanz, wonach
ein Nutzungstransfer bei den vorliegenden planungsrechtlichen Verhältnissen nicht
zulässig sein solle, basiere auf einer falschen rechtlichen Beurteilung wie auch einer
fehlerhaften bzw. unvollständigen Feststellung des Sachverhalts. Es gehe nicht um
Ausnützungsverschiebungen zwischen unterschiedlichen Zonen, sondern um
Verschiebungen innerhalb eines geschlossenen Gestaltungsplangebietes. Der
2 2
2
2
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Gestaltungsplan überlagere in diesem Bereich die Grundnutzungsordnung und schaffe
insofern eine eigene Zone. Zudem sei auch eine Ausnützungsübertragung zwischen
den in der gleichen Zone befindlichen Teilgebieten A und C möglich und zulässig. Das
Teilgebiet A sei wohl bereits überbaut worden, weise aber, verglichen mit dem in der
Zone W4 geltenden Dichtemass von 70% gemäss den Regelbauvorschriften, eine
Ausnützungsreserve auf. Selbst wenn, mit der Vorinstanz, im Gestaltungsplangebiet
von der Geltung der Ausnützungsziffer gemäss Regelbauvorschriften (0.7; Art. 13
BauR) ausgegangen werde, so wäre dieses Mass noch nicht überschritten, wenn die
verfügbare Ausnützungsreserve aus dem Teilgebiet A ins Teilgebiet C transferiert
werde. Es verbleibe weiterhin eine nicht beanspruchte Fläche von 148.32 m (act. G 1).
3.3.
3.3.1. Gegenstand des Baubewilligungsverfahrens und des anschliessenden
Rekursverfahrens bildete, wie die Vorinstanz zu Recht festhält (act. G 6),
ausschliesslich der von der Beschwerdebeteiligten bestätigte Ausnützungstransfer von
Teilgebiet B bzw. Grundstück Nr. 0005 zu Teilgebiet C bzw. Grundstück Nr. 002.
Dementsprechend wurde auch lediglich dieser Transfer als öffentlich-rechtliche
Eigentumsbeschränkung im Sinn von Art. 63 Satz 2 BauG verfügt (act. G 7/5/4 S. 4-6
und S. 12; act. G 2/1). Mit Blick auf die geschilderte Rechtsprechung (E. 3.1.2) kam die
Vorinstanz zu Recht zum Schluss, dass der verfügte Ausnützungstransfer aufgrund der
Zugehörigkeit der beteiligten Grundstücke zu unterschiedlichen Zonen nicht bestätigt
werden kann. Die bundesgerichtliche Praxis zum Ausnützungstransfer-Verbot zwischen
unterschiedlichen Zonen gilt entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer (act. G 1
S. 9) auch innerhalb des Gestaltungsplans, zumal dieser in den besV keine
verbindlichen Regeln zum Ausnützungstransfer (innerhalb der Bauzone und über die
Zonengrenze hinaus) aufstellt. Für ihre gegenteilige Auffassung vermögen die
Beschwerdeführer keine überzeugende Begründung bzw. ein entsprechendes Präjudiz
anzuführen. Ihre Feststellung, wonach der Gestaltungsplan die Grundnutzungsordnung
überlagere und insofern eine eigene Zone schaffe (act. G 1 S. 9), trifft - mangels
entsprechender verbindlicher Regelung - zumindest mit Bezug auf die
Ausnützungsziffer und den Ausnützungstransfer nicht zu. Die Prüfung der weiteren
Frage, ob es sich bei Parzelle Nr. 0005 um ein „Nachbargrundstück“ im Sinn von Art.
2
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
63 BauG handelt (vgl. dazu Juristische Mitteilungen [Baudepartement Kt. St. Gallen]
2004 II Nr. 14), braucht bei diesem Sachverhalt nicht geklärt zu werden.
Der Gestaltungsplan setzt sich gemäss Art. 3 besV aus verbindlichen und aus
wegleitenden Bestandteilen - zu letzteren gehört auch die
Ausnützungsberechnungstabelle - zusammen. Wegleitende Bestandteile von
Gestaltungsplänen legen das Überbauungskonzept in der Regel bis ins Detail fest. Das
Planungsamt hatte sich im Schreiben vom 24. November 1989 an die Baukommission
Wil mit der Ausnützungsziffer und der entsprechenden Tabelle auseinandergesetzt.
Schon diese Vorprüfung macht deutlich, dass den wegleitenden Bestandteilen eine
Bedeutung beigemessen wurde. Der Baugesuchsteller ist indessen nicht bis ins Detail
an diese Planbestimmungen gebunden. Sie sind als Richtschnur für die Überbauung zu
betrachten. Die Ausnützungsberechnungstabelle beinhaltet eine Bonusregelung in dem
Sinn, als für das Teilgebiet C von einer aBGF von 700 m auszugehen ist. Ohne
rechtsgültigen Ausnützungstransfer verunmöglicht die höchstzulässige aBGF für das
Teilgebiet C eine im Bauprojekt vorgesehene Ausnützung von 850.76 m .
3.3.2. Die Beschwerdebeteiligte führt aus, anhand der Ausnützungsberechnung der
Beschwerdeführer vom 4. September 2014 für die bestehende Überbauung im
Teilgebiet A, Parzelle Nr. 006, sei eine genügende Ausnützungsreserve (414.53 m GF)
auf diesem Grundstück nachgewiesen, welche auf das Baugrundstück Nr. 002,
Teilgebiet C, übertragen werden könne. Bei einer Grundstücksfläche von 782 m und
einer Ausnützungsziffer von 0.7 betrage die maximal anrechenbare Geschossfläche
von Grundstück Nr. 002 547.4 m . Für die Geschossfläche gemäss Bauprojekt von
850.76 m würden 303.36 m fehlen. Ein Nutzungstransfer von 303.36 m aBGF von
Grundstück Nr. 006 zu dem sich innerhalb des gleichen Gestaltungsplans befindlichen
Grundstück Nr. 002 sei gemäss ihrer Praxis zulässig (act. G 11).
Hinsichtlich des von den Beschwerdeführern (act. G 1 S. 9-11) und der
Beschwerdebeteiligten (act. G 11) im vorliegenden Verfahren thematisierten
Ausnützungstransfers von Teilgebiet A zu Teilgebiet C fehlt es an einer Verfügung der
Beschwerdebeteiligten im Sinn von Art. 63 Satz 2 BauG. Der angefochtene
Rekursentscheid konnte dementsprechend diesen Ausnützungstransfer zum
vornherein nicht beinhalten. An diesen formellen Gegebenheiten vermag der Umstand,
2
2
2
2
2
2 2 2
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
dass die Vorinstanz auch neue Tatsachen bis zum Zeitpunkt des Entscheids zu
berücksichtigen hat (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen,
St. Gallen 2003, Rz. 641 m.H) nichts zu ändern. Auf den erwähnten Aspekt kann somit
im vorliegenden Verfahren, welches einzig die Rechtmässigkeit des Rekursentscheids
zum Gegenstand hat, nicht eingetreten werden. Die Prüfung und Verfügung des
nunmehr vorgeschlagenen Ausnützungstransfers kann nicht durch das
Verwaltungsgericht als Erstinstanz erfolgen (vgl. act. G 1 S. 12 Ziff. 2), zumal dessen
Kognition im Gegensatz zur Rekursinstanz, welche die Nutzungspläne sowohl auf ihre
Recht- und Zweckmässigkeit überprüft (BGE 127 II 242; BGE 118 Ib 397), bei der
Überprüfung der Nutzungsplanung beschränkt ist. Es ist lediglich zur Rechtskontrolle
befugt (Art. 61 Abs. 1 und 2 VRP) und hat sich darauf zu beschränken, über die
Einhaltung des Ermessensspielraums zu wachen; es schreitet nur ein, wenn die
Vorinstanz das ihr zustehende Ermessen überschritten oder missbraucht hat (Cavelti/
Vögeli, a.a.O., Rz. 740; GVP 1996 Nr. 9 S. 22; VerwGE B 2009/111 vom 24. August
2010 E. 2. mit Hinweisen, in: www.gerichte.sg.ch). Letzteres ist vorliegend nicht der
Fall. Insbesondere kann der Vorinstanz entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer
(act. G 1 S. 4 Ziff. 4 und S. 8 Ziff. 3 und S. 10) nicht vorgeworfen werden, im
Rekursverfahren nicht noch weitere - nicht beantragte bzw. von der
Beschwerdebeteiligten zuvor nicht geprüfte und verfügte - Ausnützungstransfer-
Varianten untersucht zu haben. Die kurze Erwähnung der im Teilgebiet A bestehenden
Ausnützungsreserve in der Rekursvernehmlassung (act. 7/4 S. 6) vermag hieran nichts
zu ändern, zumal noch in der Baubewilligung festgehalten worden war, dass das
Teilgebiet A inzwischen überbaut und die dort zulässige aBGF von 4‘060 m realisiert
worden sei (act. G 7/5/4). Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer (act. G 1
S. 12) kann das Verwaltungsgericht die von der Vorinstanz aufgehobene
Baubewilligung nicht wiederherstellen, weil der darin verfügte Ausnützungstransfer wie
dargelegt rechtlich nicht haltbar ist. Den Beschwerdeführern ist es jedoch
unbenommen, den Ausnützungstransfer von Teilgebiet A (Grundstück Nr. 006) zu
Teilgebiet C (Grundstück Nr. 002) im Rahmen eines Korrekturbaugesuchs einzubringen
und von der Beschwerdebeteiligten verfügen zu lassen.
4.
2
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.1. Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde, soweit darauf
einzutreten ist, abzuweisen. Dem Verfahrensausgang entsprechend gehen die
amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens zulasten der Beschwerdeführer (Art. 95
Abs. 1 VRP). Angemessen ist eine Entscheidgebühr von Fr. 3'500.-- (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Diese ist mit dem geleisteten
Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechnen.
4.2. Die Beschwerdeführer haben bei diesem Verfahrensausgang keinen Anspruch
auf eine ausseramtliche Entschädigung (Art. 98bis VRP).
Die Beschwerdegegner stellen keinen Entschädigungsantrag. Einer nicht vertretenen
Partei wird der Zeitaufwand für das Erstellen von Rechtsschriften in der Regel auch
nicht entschädigt (Art. 95 Abs. 3 lit. c der Schweizerischen Zivilprozessordnung, SR
272, ZPO; vgl. V. Rüegg, in: Basler Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung,
Rz 21f zu Art. 95 ZPO; GVP 1993 Nr. 52, 111). Die Zusprechung einer
Parteientschädigung entfällt daher vorliegend.