# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** accb48cc-4175-4cfe-96a5-f3f6e897872c
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1978,
gelernter Zimmermann,
meldete sich erstmals am
2
1.
Juli 1999 unter Hinweis auf Knieschmerzen bei der Invalidenversicherung zum
Leistungsbezug an (
Urk.
6/1).
D
ie Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
klärte
die medizinische und erwerbliche Situation (
Urk.
6/4-
6) sowie die Möglichkeiten zur beruflichen Eingliederung (
Urk.
6/7-9) ab und
ge
währte
dem Versicherten daraufhin mit Verfügung vom
7.
September 2000 (
Urk.
6/14)
im Rahmen der Austauschbefugnis Beiträge an
die Umschulung zum Holzingenieur FH für die Zeit vom 2
1.
August 2000 bis 3
0.
September 200
5.
Für die Dauer der Massnahme sprach sie dem Versicherten zudem mit separaten Verfügungen ein Taggeld zu (
Urk.
6/15-16,
Urk.
6/19
,
Urk.
6/22).
Nachdem der Versicherte der IV-Stelle mitgeteilt hatte, dass er nicht ins zweite Semester promoviert worden sei und die Ausbildung nicht wieder aufnehmen werde
(
Urk.
6/25)
, wurde die berufliche Massnahme mit Verfügung vom 2
7.
Mai 2002 (
Urk.
6/26) abgebrochen.
1.2
Am
1.
März 2009 meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/28).
N
ach
Abklärung
en
der medizinischen und erwerblichen Situation (
Urk.
6/32,
Urk.
6/35,
Urk.
6/37,
Urk.
6/40,
Urk.
6/42)
teilte die IV-Stelle dem Ver
sicherten
am 1
0.
August 2009 mit, dass sie die Kosten für die Umschulung zum Bauleiter Hochbau
für die Zeit
vom 1
8.
August 2009 bis 1
3.
Juli 2012 übernehme (
Urk.
6/44).
Über den Taggeldanspruch
wurde
mit
se
parate
n
Verfü
g
ungen
entschieden
(
Urk.
6/48-49,
Urk.
6/
51-
52
,
Urk.
6/58,
Urk.
6/62
)
.
Nach
dem
der Versicherte die Umschulung
aufgrund
psychischer Be
schwerden
hatte ab
bre
chen müssen,
teilte ihm die IV-Stelle
am
3.
September 2012 den Abschluss der Berufsberatung sowie der beruflichen Massnahmen mit (
Urk.
6/66). Mit Ver
fügung vom 1
1.
Juni 2013 (
Urk.
6/80) verneinte die IV-Stelle sodann einen R
en
tenanspruch des Versichert
en, dies wegen Nichterfüllens des W
a
r
te
jahrs.
1.3
In der Folge meldete sich der Versicherte am 1
3.
März 2014
abermals
zum
Leis
tungsbezug
an
, wobei er auf psychische Probleme und einen stationären Auf
enthalt im
Y._
hinwies (
Urk.
6/84), worauf die IV-Stelle die entsprechenden medizinischen Berichte (
Urk.
6/90,
Urk.
6/93) einholte.
Nach durchgeführtem
Vo
rbescheidverfahren
(
Urk.
6/95
,
Urk.
6/100) verneinte die
IV-Stelle mit Verfügung vom
5.
Januar 2015 (
Urk.
6/104 =
Urk.
2) einen Ren
ten
anspruch des Versicherten.
2.
Der Versicherte erhob am 3
0.
Januar 2014 (richtig: 2015) Be
schwerde gegen die
Verfügung vom
5.
Januar 2015 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und
es sei die Sache zur Neubeurteilung des
Invaliditäts
grades
und zur
Renten
fest
setzung
an die Vorinstanz zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2). Die IV-Stelle beantragte
mit Beschwerdeantwort vom
5.
März
2015 (
Urk.
5) die Abweisung der Beschwer
de, was dem Beschwerdeführer am 3
1.
März 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sach
te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vor
liegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zu
dem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unt
erbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit k
önnen in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht
als Folgen eines psychischen Ge
sundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son
bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu ver
werten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objek
tiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung
einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen
Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesun
dheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Per
son sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hin
wei
sen).
1.4
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkrankungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosozi
ale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
handen sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren her
rühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Be
funde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven
Verstimmungszu
ständen
klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der sozio
kulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne ver
selb
ständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die
Ar
beits
- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentli
chen nur Be
funde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein inva
lidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E.
5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner
– unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend aus
wirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni
2012 E.
3.2 mit Hinweisen).
1.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Be
gehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abge
lehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheid
relevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bun
desgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Be
i
ungenügenden Abklärungen
durch den Versicherungsträger holt
die Be
schwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein, wenn sie einen (im
Ver
waltungsverfahren
anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt
für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine
Administrativ
expertise
in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betref
fende Be
weis
erhebung erfolgt alsdann vor der
–
anschliessend
reformatorisch entscheid
en
den
–
Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Ver
wal
tung. E
ine Rückweisung an den Versicherungsträger
bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig unge
klärten
Frage begründet
ist.
Ausserdem
bleibt es dem kantonalen Gericht (unter
dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurück
zuwei
sen,
wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtli
chen Ausführungen erforderlich ist (B
GE
137 V 210
E.
4.4.1.
4 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesgerichts
8C_815/2012 vom 21.
Oktober 2013 E.
3.4
,
publi
ziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S.
3)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) gestützt auf die medizinischen Abklärungen davon aus, dass kein erheblicher und lang
andauernder Gesundheitsschaden ausgewiesen sei. Es lägen gut behandelbare Befunde vor und es sei von einer guten Prognose auszugehen. Bei Wegfall der psychosozialen Belastungsfaktoren bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit (S. 2).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt (
Urk.
1), dass rezidivierende depressive Störungen invaliditätsbegründend seien, falls sie einen längerdauernden Charakter aufw
ie
s
en
.
Es sei erstellt, dass er seit dem Jahr
2010 an einer depressive
n
Störung leide, weshalb
ein
invaliditätsrele
vanter
Ge
sund
heitsschaden
ausgewiesen sei
(S.
4).
Die Sache sei daher an die
Beschwer
degegnerin
zur Neubeurteilung und Rentenfestsetzung zurückzuweisen (S. 1).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob ein invalidisierender Gesundheitsschaden ausge
wiesen ist.
3.
3.1
In medizinischer Hinsicht stellt sich der Sachverhalt wie folgt dar:
3.2
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
führte
mit
Bericht vom
1
7.
Juli 2009 (
Urk.
6/40/6-8) aus
, dass er den Beschwerdeführer seit
1984 behandle (S.
1
Ziff.
1.2), und diagnostizierte einen Morbus
Osgood
Schlatter
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1
Ziff.
1.1). Der Be
schwerdeführer sei beschwerdefrei, ausser bei grossen Belastungen.
Als Zim
mermann könne er
nicht mehr arbeiten. In der
Tätigkeit als Bauleiter
seien
hin
gegen
keine Be
schwerden vorhanden,
weshalb
keine verminderte Leistungsfä
higkeit
vorliege
. Die Prognose sei günstig (S. 1 f.
Ziff.
1.4,
Ziff.
1.7).
3.3
Die Ärzte des
Y._
informierten mit Bericht vom 1
4.
Dezem
ber 2012 (
Urk.
6/68) über die
(teil)
stationäre
n
Behandlung
en
des Be
schwerde
führers vom
3.
September bis
2.
Dezember 2010, vom 1
1.
Mai bis
6.
Juli 2012 sowie vom
2.
August bis 3
1.
Oktober 2012 (
Ziff.
1.3). Als Di
agnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gaben sie eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, bestehend seit mindes
tens 2010 (ICD-10 F33.1), sowie eine
Dysthymia
, bestehend seit zirka Jugend
alter (ICD-10 F34.1), an (
Ziff.
1.1).
Der Zustand des Beschwerdeführers habe sich im Verlauf des teilstationären Aufenthaltes in der Tagesklinik nur leicht verbessert. Er sei gegenwärtig
in einer leicht
ausgeglicheneren
Stimmungslage, zeige sich im Kon
takt allerdings weiterhin zurückhaltend und leicht misstrau
isch. Zudem be
stünden weiterhin ein
starkes Ungerechtigkeitsempfind
en, eine rasche
Erschöpf
barkeit
sowie leichte Konzentrations- und Auffassungsstörungen (S.
3). Die bisherige Tätigkeit sei aus medizinischer Sicht noch zumutbar.
Vor
erst
sei ein Arbeitsversuch
in
einem Pensum von zirka 30
%
geplant. Danach soll
t
e
eine Teilarbeitsfähigkeit erreicht werden, wobei noch nicht absehbar sei, wann diese erreic
ht werden könne. M
it der Wiedererlangung der Arbeitsfähig
keit bezieh
ungs
weise Teilarbeitsfähigkeit
sei
zu rechnen. Die Leistungsfähigkeit sei dabei schätzungsweise um 30
%
reduziert (
Ziff.
1.7,
Ziff.
1.9).
3.4
Mit Verlaufsbericht vom 1
0.
Apr
il 2013 (
Urk.
6/74) informierte
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Leitender Arzt,
Y._
,
dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers aus psychi
atrischer Sicht sehr gut stabilisiert habe. Der Beschwerdeführer sei aktuell mit einer 80%igen Arbeitsfähigkeit beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) gemeldet.
Ab Mai 2013 bestehe eine 90%ige und a
b Juni 2013 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit.
Der Beschwerdeführer möchte jedoch nicht mehr im angestammten Beruf arbeiten und
bewerbe sich aktuell in anderen Berufsfeldern.
3.5
Die Ärzte des
Y._
informierten mit Austrittsbericht
vom 3
1.
März 2014 (
Urk.
6/90) über die fürsorgerische Unterbringung des Beschwer
deführers nach einem im Februar 2014 erfolgten Suizidversuch. Der Beschwer
deführer sei vom 1
2.
Februar bis 3
1.
März 2014 stationär hospitalisiert gewesen.
Als Hauptdiagnose führten sie Folgendes auf (S. 1):
r
ezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psy
chotische Symptome (ICD-10 F33.2)
Status nach Suizidversuch mittels Tablettenintoxikation am
5.
Februar 2014
Status nach Suizidversuch mittels Tablettenintoxikation im 2010
Zudem erwähnten sie als somatische Diagnosen eine akute tubuläre
Nieren
schädigung
Stadium III nach Intoxikation am
5.
Februar 2014 sowie einen Dia
betes mellitus Typ II, Erstdiagnose (ED) 2000 (S.
1).
B
eim Eintritt
in
die ge
schlossene Akutstation
sei der Beschwerdeführer
hoffnungslos, deprimiert und affektarm gewesen.
Die fürsorgerische Unterbringung habe am 1
4.
Februar 2014 b
ei fehlenden Hinweisen auf eine akute Selbstgefährdung aufge
hoben und der Beschwerdeführer
zur weiteren Stabilisierung auf die offene Akutstation ver
legt werden
können
.
Der Beschwerdeführer habe insgesamt
einen deutlichen Rück
gang sämtlicher depressiver Symptome bei weiterhin aktuell noch beste
hender innerer Leere, Gefühlslosigkeit und Zukunftsängsten beklagt. Es werde dringend
eine regelmässige
,
ambulante psychiatrisch
-
psychotherapeutische Nachbehand
lung empfohlen (S. 3).
3.6
M
it Bericht vom 1
7.
Juli 2014 (
Urk.
6/93)
gab
Dr.
A._
an, dass er den Be
schwer
deführer seit November 2012 bis auf weiteres ambulant behandle (S. 1
Ziff.
1.2)
,
und diagnostizierte eine rezidivierende depressive Störung, gegen
wär
tig leicht- bis mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F33.1), bestehend seit mindestens 2010 (S.
1
Ziff.
1.1).
Es sei t
rotz des bisherigen Verlaufes von
einer guten Prognose auszugehen. D
er Beschwerdeführer
sei
hoch motiviert
,
für die
zu
künftige Stabilität seines Gesundheitszustandes Sorge zu tragen (S.
2
Ziff.
1.4
)
.
Aktuell finde einmal wöchentlich eine ambulante psychiatrisch-psy
chothera
peutische Behandlung statt.
Ausserdem lebe der Beschwerdeführer in einer geschützte
n Wohn- und Arbeitseinrichtung. Für die Regelung der finanzi
ellen Angelegenheiten
werde er
von
eine
r
Beiständin
unterstützt (S.
3. Ziff.
1.5).
Der Beschwerdeführer sei in der bisherigen Tätigkeit als Bauleiter seit dem
1.
Januar 2014 bis auf weiteres zu 100
%
arbeitsunfähig. Die
se
Tätigkeit sei
ihm
nicht mehr zumutbar, da
sie
aufgrund des gesamten Tätigkeitsbereiches (hohe
Arbeitsbelastung, Führungsaufgaben, unterschiedliche Einsatzbereiche, hohe Flexi
bilität) eine zu hohe Belastung darstellen würde (S. 3
Ziff.
1.7). Aktuell sei der Beschwerdeführer im geschützten Rahmen in einem Pensum von zirka 60
%
tätig, welches in nächster Zeit auf zirka 80
%
gesteigert werden soll
t
e.
Der Ar
beits
aufbau sollte langsam erfolgen, wobei d
er Beschwerdeführer eher in klei
nen Teams arbeiten und klaren Zielvorgaben haben
sollte
.
Der Anteil
an
Leis
tungs
- und Führungsaufgaben sei deutlich zu reduzieren oder eliminieren.
Der Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt sollte in zirka zwölf Monaten in einem re
duzierten Pensum von zirka 50-60
%
möglich sein (S. 4
Ziff.
1.8-1.9).
3.7
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Anästhesiologie, Regio
naler Ärztlicher Dienst (RAD),
stellte
mit Stellungnahme vom 2
1.
August 2014
auf den v
on
Dr.
A._
im Juli 2014 erstellten Bericht
ab. Demnach seien die depressiven Symptome für eine Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt
noch ungenügend remittiert
. Eine Ver
besserung sei zu erwarten (
Urk.
6/94 S. 3).
4
.
4
.1
Für die vorliegend strittige Rentenfrage
ist einzig der psychische Gesundheits
zustand des Beschwerdeführers
ausschlaggebend
.
Der diagnostizierte
Morbus
Osgood
Schlatter
führte
zwar
zur vollständigen Arbeitsunfähigkeit in der gelernten Tätigkeit als Zimmermann,
weswegen dem Beschwerdeführer
auch
be
rufliche Massnahmen
gewährt wurden
. I
n
jeglicher anderen
–
knie
scho
nen
den
-
Tätigkeit
ist
diese
r
allerdings ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
6/40/6-8 S. 2
Ziff.
1.7). Der Beschwerdeführer machte auch keine
diesbezügliche
Verschlechterung oder
andere
somatische Beschwerden geltend.
Zur Beurteilung
der Frage
, ob
die psychischen Leiden
des Beschwerde
führers
invalidisierend sind
, liegen lediglich die Berichte der behandelnden
Ärzte des
Y._
vor (vorstehend E.
3.3-3.6
), welche bereits seit
mindestens 2010
eine rezidivierende depressive Stö
rung (ICD-10 F33)
im Sinne eines
länger andauernden
Gesundheitsschadens
als ausgewiesen erachteten (
Urk.
6/68 S.
1
Ziff.
1.1
,
Urk.
6/90 S. 1,
Urk.
6/93 S. 1
Ziff.
1.1
).
4
.2
D
er Beschwerdeführer
befand sich
bereits mehrmals
in (teil)stationärer Behand
lung
im
Y._
und wird seit November 2012 auch ambulant
therapiert
(
Urk.
6/68 S.
2
Ziff.
1.3,
Urk.
6/90 S.
1,
Urk.
6/93 S.
1
Ziff.
1.2).
Nach
dem sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers anlässlich des statio
nären Aufenthaltes im 2012 verbessert hatte, attestierten
ihm
die Ärzte ab
dem
1.
Juni 2013 wieder eine volle Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit
(
Urk.
6/74)
,
das heisst,
die depressive Störung
remittierte
zwis
chenzeitlich
. In der
Folge verschlechterte sich der psychische Zustand des Beschwerdeführers aller
d
ings wieder,
was im Februar 2014 zu einem erneuten Suizidversuch und
einer stationären
Hospitalisation
führte (
Urk.
6/90 S.
1
). Während des Aufenthaltes konnte eine leichte Verbesserung des Gesundheitszustandes erreicht werden.
D
er Gesundheitszustand
war
zwar soweit stabilisiert, dass dem Beschwerdeführer eine Teilarbeitsfähigkeit im geschützten Rahmen möglich war, allerdings
wurde
für den ersten Arbeitsmarkt weiterhin eine vollständig
e Arbeitsunfähigkeit
at
testiert
(
Urk.
6/93 S.
3 f.
).
Auf diese Beurteilung
stellte auch der RAD-Arzt
Dr.
B._
ab
(
Urk.
6/94 S. 3).
Erst eine Sachbearbeit
erin der Beschwerdegegnerin
verneinte
gestützt auf die Diagnose
und das Vorliegen von psychosozialen Fak
toren
einen relevanten Gesundheitsschaden
(
Urk.
6/94 S. 3
). In der Folge
wies die Beschwerdegegnerin das Leistungsgesuch ab, da kein erheblicher und lang
andauernder Gesundheitsschaden ausgewiesen sei, gut behandelbare Be
funde
vorlägen, von einer guten Prognose auszugehen sei und bei Wegfall der psycho
sozialen Belastungsfaktoren eine volle Arbeitsfähigkeit bestehe (
Urk.
2 S. 1 f.).
4
.3
Obwohl die Beurteilung, ob ein invalidisierender Gesundheitsschaden vorliegt, eine Rechtsfrage ist und damit nicht den Ärztinnen und Ärzten, sondern den rechtsanwendenden Behörden obliegt (BGE 140 V 193 E. 3.1 f., Urteil des Bun
desgerichts 9C_636/2007 vom 2
8.
Juli 2008 E.
3.3.1), kann der Argumentation der Beschwerdegegnerin nicht ohne weiteres gefolgt werden.
D
ie
Ansicht, dass bei Wegfall der psychosozialen Belastungsfaktoren eine volle Arbeitsfähig
keit bestehe (
Urk.
2 S.
2), überzeugt nicht
. Zwar erwähnte der Beschwerdeführer
einige psychosoziale Belastungsfaktoren wie eine schwierige Arbeitssituation und –suche sowie finanzielle Probleme
(
Urk.
6/84).
D
iese
sind
aufgrund des bis
herigen Krankheitsverlaufes
indessen
höchstwahrscheinlich Folge und nicht Ursache der psychi
schen Beschwerden. Während die depressive Störung
seit
mindestens
2010
als
ausgewiesen
erachtet und ferner auch eine
Dysthymie
seit der Jugendzeit erwähnt wurde (vgl.
Urk.
6/68 S. 1
Ziff.
1.1)
, traten die psycho
sozialen Belastungsfaktoren erst danach in Erscheinung.
So gab auch
Dr.
A._
an, dass der erneute Suizidversuch erfolgt sei, nachdem sich der Beschwerde
führer zunehmend sozial isoliert und die Dinge des alltäglichen Lebens ver
nachlässigt habe. Der Beschwerdeführer sei deshalb nicht mehr in der Lage ge
wesen an einem geregelten Arbeitsprozess teilzunehmen (
Urk.
6/93 S. 2).
Entge
gen der Ansicht der Beschwerdegegnerin (
Urk.
2 S. 2) sagt sodann auch die
Be
handelbarkeit
des Leidens
für sich
allein nichts
Abschliessendes
über
dessen
in
validisierenden
Charakter
aus (Urteil des Bundesgerichts 9C_856/2013 vom
8.
Oktober 2014 E.
5.1.2). Zumal der Beschwerdeführer bereits mehrmals (teil)
sta
tionär behandelt
worden war
und seit November 2012 auch eine regel
mässige ambulante Therapie erfolgt,
aktuell in ein
em wöchentlichen Setting (
Urk.
6/93 S.
3
Ziff.
1.5
). Auch der RAD-Arzt
Dr.
B._
hielt fest, dass der Be
schwerdeführer die Therapieoptionen wahrnimmt (
Urk.
6/94 S. 3).
4.4
Jedoch ist
auf die Rechtsprechung des Bundesgerichts hinzuweisen, wonach
stets eine objektive Betrachtung des
Forderbaren
vorzu
nehmen ist (vorste
hend E.
1.1, E.
1.3
), leichte bis höchstens mittelschwere psy
chische Störungen aus dem depressiven Formenkreis als therapeutisch
angehbar
gelten und die An
nah
me einer ausnahmsweisen invalidisierenden Wirkung ei
ner mittelschweren de
pressiven Störung bedingt, dass es sich nicht bloss um eine Begleiterscheinung
einer Schmerzkrankheit, sondern um ein selbständiges, vom psychogenen
Schmerz
syndrom
losgelöstes depressives Leiden handelt und im Weiteren, dass eine konsequente Depressionstherapie befolgt wird, deren Scheitern das Leiden als resistent ausweist (Urteil des Bundesgerichts 8C_774/2013 vom
3.
April 2014 E. 4.2 und 8C_759/2013 vom
4.
März 2014 E. 3.6.1).
Bei einer rezidivi
erenden depressiven Störung ist
im Gegensatz zu einer depressiven Episode
allerdings
eher von einer ungünstigen Prognose in Bezug auf die Beurteilung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit auszugehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_484/2012
vom 2
6.
April 2013 E. 4.3.2.2).
4.5
Der Umstand, dass trotz des bisherigen Verlaufs eine gute Prognose in Bezug auf die Wiedererlangung einer (Teil)
arbeitsfähigkeit
auf dem ersten Arbeits
markt abgegeben wurde und derzeit lediglich eine leichte- bis mittelgradige Episode der rezidivierenden depressiven Störung ausgewiesen ist, lässt die Ein
schätzung der Ärzte des
Y._
einer 100%igen Arbeitsunfähig
keit in jeglicher Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt als zweifel
haft erschei
nen.
Zumal die Ärzte im Jahr 2012 – damals noch bei einer mittelgradigen Episode – eine erwartete Reduktion der Leistungsfähigkeit um 30
%
angenom
men haben und in der Folge
eine vollständige
Arbeitsfähigkeit erreicht werden konnte (
Urk.
6/68 S. 4 f.
Ziff.
1.7,
Ziff.
1.9;
Urk.
6/74).
Dabei gilt es darauf hin
zuweisen, dass die behandelnden Ärztinnen und Ärzte in einem
auftragsrechtli
chen
Verhältnis zur versicherten Person stehen und sich in erster Linie auf die Behandlung zu konzentrieren haben. Ihre Berichte verfolgen daher nicht den Zweck einer den abschliessenden Entscheid über die Versicherungsansprüche erlaubenden objektiven Beurteilung des Gesundheitszustandes und erfüllen des
halb kaum je die materiellen Anf
orderungen an ein Gutachten gemä
ss BGE 125 V 351 E.
3a. Aus diesen Gründen und aufgrund der Erfahrungstatsache, dass Hausärzte – beziehungsweise regelmässig behandelnde Spezialärzte (vgl. Urteil des Bundesgerichts I 551/06 vom
2.
April 2007 E. 4.2) – mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen, kommt im Streitfall ein direktes Abstellen einzig ge
stützt auf die Angaben der behandelnden Ärztinnen und Ärzte nur selten in
Frage (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_1055/2010 vom 1
7.
Februar 2011 E.
4.1)
.
Einzig gestützt auf die Berichte des
Y._
kann dem
nach ein
e
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit andauernde
Erwerbsun
fähig
keit (vgl.
Art.
8
Abs.
1 IVG)
nicht bejaht werden
.
Allerdings kann e
in invalidisieren
der Gesundheitsschaden ohne weitere Abklärungen
auch
nicht
aus
geschlossen werden
,
weshalb
sich eine Rückweisung an die
Beschwerde
gegnerin
zur ergän
zenden medizinischen Abklärung a
ls notwendig erweist.
4.6
Zusammenfassend erweist sich die vorliegende Aktenlage für eine abschlies
sen
de Beurteilung des Leistungsanspruchs in Bezug auf den medizinischen Sachver
halt als unzulänglich, weshalb die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit diese nach
ergän
zender
psychiatrischer
Abklärung eine neue Beurteilung vornehme un
d über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers
neu verfüge. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5
.
5
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
5
.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb der vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Die Prozessentschädigung ist gemäss
Art.
62
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34
GSVGer
– ohne Rücksicht auf den Streitwert – nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens zu bemessen.
Unter Berücksichtigung der vorgenannten Bemessungskriterien und beim
ab
1.
Januar 2015 für Rechtsanwälte gerichtsüblichen Stundenansatz von
Fr.
220.--
ist die Prozessentschädigung vorliegend auf
Fr.
1‘700.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen.