# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 732eeade-7533-41b1-a743-e0257da56f9d
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend mehrfachen Diebstahl etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Horgen, I. Abteilung, vom 5. Dezember 2017 (DG170021)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 26. September
2017 (Urk. 14) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
- des mehrfachen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB,
- des Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB,
- des mehrfachen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbei-
tungsanlage im Sinne von Art. 147 Abs. 1 StGB,
- der mehrfachen Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB,
- des mehrfachen Fahrens ohne Berechtigung im Sinne von Art. 95
Abs. 1 lit. a SVG in Verbindung mit Art. 10 Abs. 2 SVG sowie
- des mehrfachen geringfügigen Diebstahls im Sinne von Art. 139
Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten so-
wie einer Busse von Fr. 500.–.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird angeordnet. Die Busse ist zu bezahlen.
4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen.
5. Der bedingte Vollzug der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl
vom 1. Dezember 2015 bei einer Probezeit von 3 Jahren (verlängert um
1 Jahr) ausgesprochenen Geldstrafe von 150 Tagessätzen à Fr. 100.– wird
widerrufen.
6. Die beschlagnahmte Uhr der Marke Patek Philippe, Modell twenty4, mit
Stahlarmband, wird der Privatklägerin 2, B._, nach Eintritt der Rechts-
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kraft des gesamten Urteils und nach telefonischer Vorankündigung bei der
Gerichtskasse des Bezirksgerichts Horgen, herausgegeben.
Verlangt die Privatklägerin 2 nicht spätestens 3 Monate nach Rechtskraft
des gesamten Urteils die besagte Uhr heraus, wird diese eingezogen und
der Gerichtskasse des Bezirksgerichts Horgen zur gutscheinenden Verwen-
dung überlassen.
7. Die Zivilforderung der Privatklägerin 2 wird auf den Zivilweg verwiesen.
8. Die Zivilforderung des Privatklägers 4 wird mit Bezug auf das Schadener-
satzbegehren betreffend den Diebstahl der braunen Tasche der Marke Louis
Vuitton im Grundsatz gutgeheissen. Im Übrigen sowie zur genauen Bemes-
sung des Schadenersatzes betreffend den Diebstahl der besagten Tasche
wird die Zivilforderung auf den Zivilweg verwiesen.
9. Der amtliche Verteidiger wird für seine Bemühungen und Auslagen mit
Fr. 4'554.50 (inkl. Fr. 337.35 MwSt.) entschädigt.
10. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 3'900.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'200.– Gebühr für das Vorverfahren Fr. 360.– Telefonkontrolle Fr. 4'554.50 amtliche Verteidigung
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
11. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausser die-
jenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135
Abs. 4 StPO.
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 94 S. 2 f.)
1. Ziff. 2 des Urteils des Bezirksgerichts Horgen vom 5. Dezember 2017
sei wie folgt abzuändern:
Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 5 Monaten und einer
Busse von Fr. 500.– zu bestrafen.
2. Ziff. 3 des Urteils des Bezirksgerichts Horgen vom 5. Dezember 2017
sei wie folgt abzuändern:
3.1 Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei im Sinne von Art. 42 Abs. 1
StGB aufzuschieben und dem Beschuldigten sei eine Probezeit von 5
Jahren im Sinne von Art. 44 Abs. 1 StGB anzusetzen. Die Busse sei zu
bezahlen.
3.2 Dem Beschuldigten sei die Auflage zu erteilen, die bei Dr. C._,
D._ [Praxis], ... [Ort], am 1. November 2018 begonnene und seit
Januar 2019 fortgesetzte Therapie bei Dr. E._ umgehend fortzu-
führen, auch jetzt bereits in der Untersuchungshaft, und zu Ende zu
bringen.
3.3 Dem Beschuldigten sei zusätzlich eine ambulante Massnahme bei
einem forensisch ausgebildeten Therapeuten gemäss Liste des Be-
währungs- und Vollzugsdienstes des Kantons Zürich anzuordnen.
3.4 Dem Beschuldigten sei für die Dauer der ambulanten Massnahme
ein Bewährungshelfer anzuordnen.
3. Ziff. 5 des Urteils des Bezirksgerichts Horgen vom 5. Dezember 2017
sei wie folgt abzuändern:
Auf den Widerruf des bedingten Vollzugs der mit Strafbefehl der
Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 1. Dezember 2015 bei einer Pro-
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bezeit von 3 Jahren (verlängert um 1 Jahr) ausgesprochenen Geldstra-
fe von 150 Tagessätzen à Fr. 100.– sei zu verzichten und der Beschul-
digte sei im Sinne von Art. 46 Abs. 2 StGB zu verwarnen.
4. Die Kosten des zweitinstanzlichen Gerichtsverfahrens sowie die Kos-
ten der amtlichen Verteidigung seien auf die Staatskasse zu nehmen,
wobei Letzterer eine Entschädigung von Fr. 12'024.90 zuzusprechen
sei.
b) Der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis:
(Urk. 48, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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## Considerations

Erwägungen:
I. Verfahrensgang und Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. In Bezug auf den Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zur
Vermeidung von Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen im angefoch-
tenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 42 S. 5). Mit Urteil des Bezirksgerichtes
Horgen vom 5. Dezember 2017 wurde der Beschuldigte im Sinne des eingangs
wiedergegebenen Urteilsdispositivs schuldig gesprochen und bestraft (Urk. 42
S. 29). Gegen das gleichentags mündlich eröffnete Urteil meldete der Beschuldig-
te mit Eingabe vom 15. Dezember 2017 fristgerecht Berufung an und teilte gleich-
zeitig mit, dass er neu von Rechtsanwalt Dr. iur. X2._ vertreten werde
(Urk. 37). Das begründete Urteil wurde dem neuen Vertreter am 8. Mai 2018 zu-
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gestellt (Urk. 41/2). Mit Eingabe vom 24. Mai 2018 reichte dieser innert der zwan-
zigtägigen Frist von Art. 399 Abs. 3 StPO die Berufungserklärung ein (Urk. 43).
Mit Präsidialverfügung vom 30. Mai 2018 wurde die Berufungserklärung den Pri-
vatklägern sowie der Staatsanwaltschaft zugestellt, um gegebenenfalls An-
schlussberufung zu erheben oder ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantra-
gen (Urk. 46). Weiter wurde der bisherige Verteidiger des Beschuldigten, Rechts-
anwalt lic. iur. X3._, aus seinem Amt als amtlicher Verteidiger entlassen,
nachdem dies bis anhin nicht erfolgt war. Mit Eingabe vom 7. Juni 2018 beantrag-
te die Staatsanwaltschaft die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 48).
Die Privatkläger liessen sich innert Frist nicht vernehmen. Am 19. Juli 2018 wurde
zur Berufungsverhandlung auf den 26. Oktober 2018 vorgeladen (Urk. 50).
1.2. Mit Schreiben vom 4. Oktober 2018 teilte Rechtsanwalt Dr. iur. X2._
mit, dass er das Mandat niedergelegt habe (Urk. 53). Daraufhin wurde der Be-
schuldigte aufgefordert, dem Gericht innert fünf Tagen eine Rechtsanwältin oder
einen Rechtsanwalt seiner Wahl als Verteidiger vorzuschlagen, andernfalls werde
das Gericht eine amtliche Verteidigung bestellen (Urk. 54). Der Beschuldigte liess
sich innert Frist nicht vernehmen. Mit Präsidialverfügung vom 22. Oktober 2018
wurde Rechtsanwältin lic. iur. X1._ mit sofortiger Wirkung als amtliche Ver-
teidigerin bestellt. Den Parteien wurde gleichzeitig die Ladung zur Berufungsver-
handlung vom 26. Oktober 2018 abgenommen (Urk. 58). Am 16. November 2018
wurde zur Berufungsverhandlung auf den 8. Februar 2019 vorgeladen (Urk. 61).
1.3. Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 8. Februar 2019 stellte die Ver-
teidigung den Antrag, es sei ein psychiatrisches Gutachten über den Beschuldig-
ten zu erstellen. Eventualiter sei das Verfahren zu sistieren, bis der Strafbefehl
der Staatsanwaltschaft See-Oberland vom 3. Juli 2018 in Rechtskraft erwachsen
sei (Prot. II S. 7). Der Antrag der Verteidigung auf Einholung eines psychiatri-
schen Gutachtens wurde vom Gericht gutgeheissen. Den Parteien wurde mitge-
teilt, dass nach Vorliegen des Gutachtens erneut zu einer mündlichen Berufungs-
verhandlung vorgeladen werde (Prot. II S. 10). Mit Beschluss vom 20. Februar
2019 wurde Dr. med. F._ als Gutachterin bestellt. Den Parteien wurde Frist
angesetzt, um sich zur Person der Gutachterin sowie zum gerichtlichen Fragenka-
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talog zu äussern und dazu eigene Anträge zu stellen (Urk. 69). Die Staatsanwalt-
schaft liess sich innert Frist nicht vernehmen. Die Verteidigung teilte mit Eingabe
vom 27. Februar 2019 mit, dass gegen die Person der Gutachterin keine Einwen-
dungen erhoben würden. Weiter beantragte sie, es seien der Gutachterin die von
ihr formulierten Ergänzungsfragen zur Beantwortung zu unterbreiten (Urk. 73). Mit
Beschluss vom 26. März 2019 wurden die Ergänzungsfragen der Verteidigung
nicht zugelassen. Frage 2 des gerichtlichen Fragenkatalogs wurde durch eine
präzisierte Fassung ersetzt (Urk. 74). Am 5. Juli 2019 ging das von Dr. med.
F._ erstellte Gutachten beim Gericht ein (Urk. 82). Mit Präsidialverfügung
vom 12. Juli 2019 wurde es den Parteien zur Kenntnisnahme zugestellt (Urk. 85).
Am 29. Juli 2019 wurden die Parteien zur Berufungsverhandlung auf den 3. De-
zember 2019 vorgeladen (Urk. 87).
1.4. Wie erwähnt, stellte die Verteidigung anlässlich der Berufungsverhandlung
vom 8. Februar 2019 den Antrag, es sei das vorliegende Verfahren zu sistieren,
bis der Strafbefehl vom 3. Juli 2018 in Rechtskraft erwachsen sei (Prot. II S. 7).
Nachdem dieser Strafbefehl mittlerweile rechtskräftig ist (vgl. Urk. 88), erweist
sich der Antrag der Verteidigung als gegenstandslos. Die Akten dieses Strafver-
fahrens wurden beigezogen (Urk. 89/1-35).
2. Umfang der Berufung
Der Beschuldigte beschränkt die Berufung auf die Bemessung der Strafe sowie
die Nichtgewährung des bedingten Strafvollzugs, wobei die für die Übertretungen
festgesetzte Busse von Fr. 500.– sowie die Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen für
den Fall der Nichtbezahlung der Busse akzeptiert werden. Auch wenn der Be-
schuldigte die ausgesprochene Busse und deren Vollzugsmodalitäten nicht an-
ficht, beschlagen diese Punkte dennoch die Strafzumessung, welche insgesamt
nicht rechtskräftig wird. Weiter ficht der Beschuldigte den Widerruf der mit Straf-
befehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 1. Dezember 2015 ausgesproche-
nen Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu Fr. 100.– an (Urk. 43 S. 2 und 5; Urk. 94
S. 2). Im Übrigen blieb das vorinstanzliche Urteil unangefochten. Das Urteil des
Bezirksgerichtes Horgen vom 5. Dezember 2017 ist daher hinsichtlich der Dispo-
sitivziffern 1 (Schuldsprüche), 6 (Herausgabe einer beschlagnahmten Uhr), 7 und
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8 (Zivilforderungen) sowie 9-11 (Kosten- und Entschädigungsfolgen) in Rechts-
kraft erwachsen, was vorab festzustellen ist.
II. Strafzumessung
1. Parteistandpunkte
Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 12 Mona-
ten sowie einer Busse von Fr. 500.– (Urk. 42 S. 29). Der Beschuldigte beantragte
in der Berufungserklärung eine Freiheitsstrafe von 6 Monaten; die für den mehrfa-
chen geringfügigen Diebstahl festgesetzte Busse von Fr. 500.– wurde nicht ange-
fochten (Urk. 43 S. 2). Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 3. Dezember
2019 beantragte die Verteidigung die Bestrafung mit einer Freiheitsstrafe von 5
Monaten. Sie stellte ergänzend die Anträge, der Vollzug der Freiheitsstrafe sei
bedingt aufzuschieben unter Ansetzung einer Probezeit von 5 Jahren, es sei dem
Beschuldigten die Auflage zu erteilen, die bei Dr. C._ am 1. November 2018
begonnene und seit Januar 2019 fortgesetzte Therapie bei Dr. E._ umge-
hend fortzuführen, es sei dem Beschuldigten zusätzlich eine ambulante Mass-
nahme bei einem forensisch ausgebildeten Therapeuten gemäss Liste des Be-
währungs- und Vollzugsdienstes des Kantons Zürich anzuordnen und es sei dem
Beschuldigten für die Dauer der ambulanten Massnahme ein Bewährungshelfer
anzuordnen (Urk. 94 S. 2). Die Staatsanwaltschaft beantragte die Bestätigung des
vorinstanzlichen Urteils (Urk. 48). Da lediglich der Beschuldigte Berufung erhoben
hat, gelangt vorliegend das Verschlechterungsverbot zur Anwendung (Art. 391
Abs. 2 Satz 1 StPO).
2. Anwendbares Recht
2.1. Am 1. Januar 2018 sind die neuen Bestimmungen des Allgemeinen Teils
des Strafgesetzbuches (Änderung des Sanktionenrechts) in Kraft getreten. Der
Beschuldigte hat die zu beurteilenden Straftaten vor Inkrafttreten des neuen
Rechts verübt. Gemäss Art. 2 Abs. 1 StGB wird ein Straftäter nach demjenigen
Recht beurteilt, das bei Begehung der Tat in Kraft war. Das neue Recht ist indes
anwendbar, wenn es für den Täter das mildere ist (Art. 2 Abs. 2 StGB). Ob das
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neue im Vergleich zum alten Gesetz milder ist, beurteilt sich aufgrund eines kon-
kreten Vergleichs der Strafe. Das Gericht hat zu prüfen, nach welchem der beiden
Rechte der Täter besser wegkommt (BGE 134 IV 82 E. 6.2.1 mit Hinweisen).
2.2. Die revidierten Bestimmungen erweisen sich für den Beschuldigten in Be-
zug auf die auszufällende Sanktion nicht als milder. Sowohl nach altem als auch
nach neuem Recht ist eine Freiheitsstrafe auszufällen. Eine Gesamtstrafenbil-
dung nach Art. 46 Abs. 1 StGB, welche zu einem für den Täter günstigeren Er-
gebnis führen würde, steht nicht zur Diskussion (vgl. dazu Ziff. II.3 und 4). Dem-
gegenüber hat die per 1. Januar 2018 in Kraft gesetzte Revision bei der Frage
des Sanktionsvollzugs zu einer Milderung geführt, indem erst bei einer früheren
Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von mehr als sechs Monaten bzw. einer
Geldstrafe von mehr als 180 Tagessätzen besonders günstige Umstände für die
Gewährung des bedingten Strafvollzugs vorausgesetzt werden (Art. 42 Abs. 2
StGB; Übergangsbestimmung zur Änderung vom 19. Juni 2015; vgl. dazu auch
HEIMGARTNER, in: Donatsch/Heimgartner/Isenring/Weder, Kommentar zum
schweizerischen Strafgesetzbuch, 20. Aufl. 2018, Art. 42 N 16). Diese Änderung
ist vorliegend relevant, da der Beschuldigte mit Strafbefehl vom 15. März 2016 zu
180 Tagessätzen Geldstrafe verurteilt wurde. Im Folgenden ist daher von der An-
wendbarkeit des neuen Rechts auszugehen.
3. Sanktionsart
3.1. Die Vorinstanz hat für sämtliche Delikte Freiheitsstrafen ausgefällt. Dies
wurde vom Beschuldigten nicht in Frage gestellt (vgl. Urk. 43 S. 2; Urk. 94 S. 2
und 5) und ist nicht zu beanstanden. Zwar ergibt sich aus der Urteilsbegründung
der Vorinstanz, dass sie für die meisten Delikte Einzelstrafen von unter sechs
Monaten als angemessen erachtete (Urk. 42 S. 10 ff.). In diesem Bereich besteht
eine gesetzliche Prioritätsordnung zugunsten nicht freiheitsentziehender Sanktio-
nen. Hält das Gericht im Rahmen der Gesamtstrafenbildung für einzelne Delikte
im konkret zu beurteilenden Fall unter Beachtung des Verhältnismässigkeitsprin-
zips eine Geldstrafe nicht mehr für schuldadäquat und zweckmässig, hindert aArt.
41 Abs. 1 StGB es jedoch nicht daran, auf Einzelfreiheitsstrafen von weniger als
sechs Monaten zu erkennen, wenn die daraus zu bildende Gesamtstrafe sechs
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Monate übersteigt (BGE 144 IV 217 E. 4.3; vgl. auch Urteile des Bundesgerichts
6B_436/2018 vom 24. September 2018 E. 1.2; 6B_523/2018 vom 23. August
2018 E. 1.2.3). Die Vorinstanz wies zutreffend darauf hin, dass sich eine Frei-
heitsstrafe aufgrund der zahlreichen Vorstrafen des Beschuldigten sowie seiner
uneinsichtigen Haltung aus Gründen der präventiven Effizienz und der Zweck-
mässigkeit aufdränge (Urk. 42 S. 20).
3.2. Im Rahmen der Revision des Sanktionenrechts hat der Gesetzgeber am
Vorrang der Geldstrafe festgehalten (Urteil des Bundesgerichts 6B_483/2016 vom
30. April 2018 E. 3.6 mit Hinweisen). Gemäss Art. 41 Abs. 1 StGB kann das Ge-
richt statt auf eine Geldstrafe auf eine Freiheitsstrafe erkennen, wenn eine solche
geboten erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder
Vergehen abzuhalten oder eine Geldstrafe voraussichtlich nicht vollzogen werden
kann. Der Beschuldigte weist insgesamt sechs Vorstrafen auf. Die vier im deut-
schen Zentralregister eingetragenen Vorstrafen betreffen Vermögens- und Urkun-
dendelikte sowie Fahren ohne Führerausweis. Ausgesprochen wurden Freiheits-
strafen sowie in einem Fall eine Geldstrafe (Urk. 11/3). In der Schweiz weist der
Beschuldigte zwei Vorstrafen wegen Vermögensdelikten auf, wobei Geldstrafen
ausgesprochen wurden (Urk. 88). Der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See-
Oberland vom 3. Juli 2018 erging nach den heute zu beurteilenden Straftaten und
stellt in Bezug auf diese Taten deshalb keine Vorstrafe dar. Der Beschuldigte liess
sich durch die bisher gegen ihn verhängten Geld- und Freiheitsstrafen nicht von
weiterer Delinquenz abhalten. Er wurde noch während laufender Probezeit mehr-
fach einschlägig rückfällig. Unter den dargelegten Umständen besteht auch nach
neuem Recht keine Veranlassung, einzelne der heute zu beurteilenden Straftaten
erneut mit einer Geldstrafe zu sanktionieren. Angesichts der Hartnäckigkeit der
Delinquenz des Beschuldigten und der Tatsache, dass die bisher gegen ihn ver-
hängten Sanktionen die ihnen zugedachte präventive Wirkung verfehlten (vgl. da-
zu insbesondere auch Ziff. II.9.2), kann nicht davon ausgegangen werden, dass
eine Geldstrafe, selbst wenn sie unbedingt ausgesprochen würde, die angestreb-
te Wirkung zu erreichen vermag.
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3.3. Für den mehrfachen geringfügigen Diebstahl im Sinne von Art. 139
Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB (Dossier 5) ist zusätzlich
eine separate Busse auszufällen.
4. Zusatzstrafe (Art. 49 Abs. 2 StGB) und Gesamtstrafe (Art. 46 Abs. 1 StGB)
4.1. Die vorliegend zu beurteilenden Delikte beging der Beschuldigte teilweise
vor Erlass der Strafbefehle der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 1. Dezember
2015 bzw. vom 15. März 2016. Es ist daher die Ausfällung einer (teilweisen) Zu-
satzstrafe zu prüfen (Art. 49 Abs. 2 StGB). Eine Zusatzstrafe kann nur ausge-
sprochen werden, soweit die Strafen der neu zu beurteilenden Delikte und die
Grundstrafe gleichartig sind. Der Zweitrichter ist im Rahmen der Zusatzstrafen-
bildung nicht befugt, die Strafart des rechtskräftigen ersten Entscheides zu ändern
(BGE 142 IV 265 E. 2.3.2 und 2.4.2 mit Hinweisen). Nachdem vorliegend eine
Freiheitsstrafe auszufällen ist, sind die Voraussetzungen für die Bildung einer Zu-
satzstrafe gemäss Art. 49 Abs. 2 StGB nicht gegeben. Dennoch ist bei der nach-
folgenden Bemessung der Strafe für die zu beurteilenden Delikte zu berücksichti-
gen, dass gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichtes bei einer teilweisen
retrospektiven Konkurrenz die neuen (d.h. die nach dem rechtskräftigen Ersturteil
begangenen) Delikte mit einer unabhängigen Strafe zu ahnen sind. Entsprechen-
des gilt dabei unabhängig davon, ob für die vor der rechtskräftigen Verurteilung
begangenen Delikte eine Zusatzstrafe oder eine kumulative Strafe zur rechtskräf-
tigen Strafe zu bilden ist. Mit dieser Vorgehensweise soll eine Kumulierung der
Wirkungen der Konkurrenz, die aus den Absätzen 1 und 2 von Art. 49 StGB ent-
stehen kann und welche einen Beschuldigten, der Straftaten vor und nach der
Ausfällung eines früheren Urteils begangen hat, in eine unangemessen vorteilhaf-
te Lage bringen kann, vermieden werden (BGE 145 IV 1 E. 1). Im vorliegenden
Fall ist somit zwischen denjenigen Delikten zu unterscheiden, welche vor den am
1. Dezember 2015 und am 15. März 2016 erlassenen Strafbefehlen der Staats-
anwaltschaft Zürich-Sihl – mithin die Delikte gemäss Dossiers 2, 3 und 8 – sowie
denjenigen Delikten, die nach diesen Strafbefehlen begangen wurden (Delikte
gemäss Dossiers 1, 4, 5, 7 und 9). Für die vor den Strafbefehlen begangenen De-
likte ist sodann eine separate Beurteilung vorzunehmen und eine Gesamtstrafe zu
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bilden. Da für diese Delikte wie bereits erwogen eine Freiheitsstrafe als Gesamt-
strafe auszufällen sein wird und somit in Bezug auf die bereits rechtskräftigen
Strafbefehle keine gleichartigen Strafen vorliegen, wird im Verhältnis zu jenen
Strafbefehlen eine kumulative Strafe und nicht eine Zusatzstrafe festzusetzen
sein. In der Folge wird für die nach den rechtskräftigen Strafbefehlen begangenen
Delikte wiederum unter Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB eine selbständige
Gesamtstrafe festzusetzen sein. Die kumulative Strafe für die vor den rechtskräf-
tigen Strafbefehlen begangenen Delikte wird sodann auf die Strafe für die nach
den rechtskräftigen Strafbefehlen begangenen Delikte hinzuzurechnen sein. Die
Verteidigung wies sodann im Ergebnis zutreffend darauf hin, dass vorliegend
auch keine Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See/Oberland
vom 3. Juli 2018 auszufällen ist (Urk. 94 S. 5 f.). Der Beschuldigte beging die mit
diesem Strafbefehl beurteilten Delikte am 24. und 30. Dezember 2017 (vgl.
Urk. 88 sowie Beizugsakten der Staatsanwaltschaft See/Oberland, 2018/15914).
Die Taten ereigneten sich damit nach der erstinstanzlichen Verurteilung im vorlie-
genden Verfahren. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung kommt Art. 49
Abs. 2 StGB in einer solchen Konstellation nicht zum Tragen. Es soll nur derjeni-
ge in den Genuss der in der Regel vorteilhaften Zusatzstrafe kommen, bei dem
der erstinstanzliche Richter die mehreren Straftaten gleichzeitig hätte aburteilen
können, nicht aber derjenige, der erneut delinquiert, nachdem er wegen anderer
Delikte erstinstanzlich verurteilt und mithin eindringlich gewarnt worden ist (vgl.
dazu BGE 138 IV 113 E. 3.4 mit Hinweisen).
4.2. Der Beschuldigte beging die vorliegenden Straftaten teilweise während der
mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich vom 1. Dezember 2015 angesetzten
Probezeit (Urk. 88), weshalb über den Widerruf des bedingten Strafvollzugs zu
entscheiden sein wird. Nachdem für die Probezeitdelikte eine Freiheitsstrafe aus-
zufällen ist, fällt die Bildung einer Gesamtstrafe mangels Gleichartigkeit der Sank-
tionen ausser Betracht. Eine nachträgliche Umwandlung der Geldstrafe in eine
Freiheitsstrafe ist ausgeschlossen (BGE 137 IV 249 E. 3.4.2 f.). Eine Gesamt-
strafenbildung fällt auch unter Anwendung des neuen Rechts ausser Betracht
(vgl. Art. 46 Abs. 1 StGB).
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5. Strafrahmen und Strafzumessungsregeln
Die Vorinstanz hat die Grundsätze der Strafzumessung umfassend und zutreffend
dargelegt. Auf die diesbezüglichen Ausführungen kann vorab verwiesen werden
(Urk. 42 S. 7 ff.). Von der Vorinstanz wurde zutreffend festgehalten, dass nahezu
alle der vorliegend zu beurteilenden Straftatbestände einen Strafrahmen von bis
zu fünf Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe vorsehen. Lediglich der Tatbestand
des Fahrens ohne Berechtigung sieht einen geringeren abstrakten Strafrahmen
(Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe) vor (Urk. 42 S. 7). Sind mehre-
re Straftatbestände mit gleichem Strafrahmen zu beurteilen, ist für die Strafzu-
messung von derjenigen Straftat auszugehen, die im konkreten Fall die höchste
Strafe nach sich zieht (MATHYS, Leitfaden Strafzumessung, Basel 2016, N 359
und 378). Vorliegend erscheint hinsichtlich der vor den Strafbefehlen der Staats-
anwaltschaft Zürich-Sihl vom 1. Dezember 2015 und 15. März 2016 begangenen
Delikte, für welche eine Gesamtstrafe zu bilden ist, der Diebstahl der Damenuhr
im Wert von rund Fr. 10'000.– (Dossier 3) als schwerstes Delikt. Was die nach
diesen Strafbefehlen begangenen Delikte betrifft, für welche wiederum eine sepa-
rate Gesamtstrafe auszufällen ist, erweist sich der betrügerische Missbrauch einer
Datenverarbeitungsanlage gemäss Dossier 5 mit einem Deliktsbetrag von rund
Fr. 3'000.– als schwerstes Delikt.
6. Schuldfähigkeit
Gemäss dem von Dr. med. F._ erstellten psychiatrischen Gutachten vom
4. Juli 2019 war die Schuldfähigkeit des Beschuldigten zum Zeitpunkt aller Delikte
aus forensisch-psychiatrischer Sicht vollständig gegeben (Urk. 82 S. 47 und 53).
Dr. med. F._ diagnostizierte beim Beschuldigten im fraglichen Tatzeitraum
eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit dissozialen und narzisstischen Antei-
len (Urk. 82 S. 52). Aufgrund des durchgängig vorhandenen Realitätsbezugs und
der vorhandenen Realitätswahrnehmung sei von einer erhaltenen Einsichtsfähig-
keit des Beschuldigten für alle vorgeworfenen Delikte auszugehen. Aus foren-
sisch-psychiatrischer Sicht ergäben sich zudem keine relevanten steuerungsfä-
higkeitsvermindernden Elemente für die vorgeworfenen Delikte (Urk. 82 S. 53).
Die gutachterliche Einschätzung ist überzeugend begründet und zu übernehmen.
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Eine schwere Persönlichkeitsstörung führt für sich allein nicht zwangsläufig zu ei-
ner Einschränkung der Schuldfähigkeit. Dass die beim Beschuldigten diagnosti-
zierte Persönlichkeitsstörung im Zusammenhang mit seinen Straftaten steht (vgl.
Urk. 82. S. 53), bedeutet für sich genommen ebenfalls nicht ohne Weiteres, dass
er für sein Verhalten strafrechtlich nicht vollumfänglich verantwortlich ist. Die Gut-
achterin begründet überzeugend, weshalb sie zum Ergebnis gelangt, dass die
Steuerungsfähigkeit des Beschuldigten zu den Tatzeitpunkten nicht eingeschränkt
war. Im Gutachten wird diesbezüglich ausgeführt, der Beschuldigte sei bei den
ihm vorgeworfenen Delikten kognitiv, emotional und motorisch jeweils nicht beein-
trächtigt gewesen, sondern habe gemäss seiner Intention und mit erhaltener
Handlungskontrolle gehandelt. Sein abweichendes Verhalten sei nicht Ausdruck
einer schweren seelischen Krankheit oder Störung, sondern erlerntes Verhalten.
Für eine prosoziale Entwicklung hätte es einer stabilen und fordernden Umge-
bung, verlässlicher, wohlwollender und dauerhafter Bezugspersonen und zudem
Stabilität und Verlässlichkeit der Lebensverhältnisse bedurft. Das Fehlen dieser
Faktoren habe beim Beschuldigten zur Ausbildung einer Persönlichkeitsstörung
geführt. Dennoch ergäben sich daraus keine unmittelbaren Konsequenzen für die
Frage der Schuldfähigkeit. Auch Menschen, die unter schwierigen Bedingungen
aufgewachsen seien, seien gleichwohl für ihr soziales Verhalten verantwortlich
(Urk. 82 S. 46). Die gutachterlichen Ausführungen erweisen sich als schlüssig und
nachvollziehbar. Aus den Akten ergeben sich ebenfalls keine Anhaltspunkte, wel-
che Zweifel an der Einschätzung der Gutachterin aufkommen liessen. Vielmehr ist
der gutachterlichen Feststellung, wonach die Handlungsabläufe bei den jeweiligen
Tatausführungen keine relevanten steuerungsfähigkeitsvermindernden Elemente
erkennen lassen (vgl. Urk. 82 S. 45 f.), zuzustimmen. Den Diebstahl der Marken-
taschen stufte die Gutachterin etwa zutreffend als intendierte, geordnete Hand-
lung mit mehreren Etappen ein (Urk. 82 S. 46). Zusammenfassend besteht keine
Veranlassung, an den gutachterlichen Schlüssen zu zweifeln. Damit steht ausser
Frage, dass der Beschuldigte zum Zeitpunkt aller Delikte schuldfähig war. Bei der
nachfolgenden Strafzumessung ist deshalb keine Strafmilderung zufolge vermin-
derter Schuldfähigkeit vorzunehmen. Davon geht auch die Verteidigung aus
(Urk. 94 S. 7).
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7. Tatkomponenten der vor den Strafbefehlen der Staatsanwaltschaft  vom 1. Dezember 2015 und vom 15. März 2016 begangenen Taten
7.1. Diebstahl der Damenuhr Patek Philipp (Dossier 3)
7.1.1. Im Rahmen der objektiven Tatschwere fällt zunächst der Wert der gestoh-
lenen Uhr von rund Fr. 10'000.– ins Gewicht. Die Uhr wurde vom Beschuldigten in
der Folge für einen Betrag von Fr. 4'700.– an der Luxusbörse in Zürich verkauft.
Damit liegt ein nicht unwesentlicher Deliktsbetrag vor. Die Vorinstanz hielt zutref-
fend fest, dass sich die Tatausführung nicht durch besondere Planung oder Raffi-
nesse auszeichnete (Urk. 42 S. 10). Den Aussagen des Beschuldigten zufolge lag
die Uhr im Schlafzimmer der Mutter seiner damaligen Freundin, G._, auf ei-
nem Schmuckkästchen (Urk. 6/5 S. 2). Dass der Beschuldigte nicht davor zurück-
schreckte, Personen aus seinem engeren persönlichen Umfeld zu schädigen,
zeugt angesichts des damit verbundenen Vertrauensmissbrauchs von einer nicht
unerheblichen kriminellen Energie. Mit der Vorinstanz (Urk. 42 S. 10) erscheint
mindestens die Wegnahme der Uhr als spontaner Vorgang. Der Beschuldigte gab
diesbezüglich an, er habe die Uhr gesehen und spontan ergriffen. Er habe ge-
wusst, dass es sich um eine teure Uhr handeln müsse (Urk. 6/5 S. 2). Verkauft
wurde die Uhr jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt. Der Beschuldigte erklärte,
er habe die Uhr einige Zeit bei sich behalten und aufbereitet, damit er sie teurer
habe verkaufen können. Als er von G._ auf den Kosten sitzen gelassen wor-
den sei, habe er sich entschlossen, die Uhr zu verkaufen. Er habe im Internet re-
cherchiert und sei auf die Luxusbörse gestossen (Urk. 6/5 S. 2; Urk. 6/11 S. 10;
Prot. I S. 13). Vor diesem Hintergrund kann insgesamt nicht mehr von einer rein
spontanen Handlung ohne planerisches Element ausgegangen werden. Das ob-
jektive Tatverschulden ist als noch leicht einzustufen.
7.1.2. In subjektiver Hinsicht ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte mit di-
rektem Vorsatz handelte. Der Wert der Uhr war ihm nicht nur bekannt, sondern
ausschlaggebendes Motiv für die Tat (vgl. Urk. 6/5 S. 2 oben). Als Beweggrund
für die Deliktsbegehung sind mit der Vorinstanz finanzielle Interessen anzuneh-
men. Der Beschuldigte gab weiter an, er sei verärgert gewesen, weil seine Ex-
Freundin, G._, auf seine Kosten gelebt bzw. er viel Geld für sie ausgegeben
- 16 -
habe. Nachdem er auf den Kosten sitzen geblieben sei, habe er sich entschieden,
die Uhr zu verkaufen. Er habe sich ungerecht behandelt gefühlt und aus Rache
gehandelt (Urk. 6/5 S. 1 f.; Urk. 6/11 S. 10 f.; Prot. I S. 13). Dies kommt jedoch le-
diglich als Motiv für den Verkauf der Uhr in Betracht. Wie bereits erwähnt, führte
der Beschuldigte aus, die Patek Philipe Uhr genommen zu haben, da er gewusst
habe, dass es sich um eine teure Uhr handeln müsse. Die Uhr sei dann lange im
Auto herumgelegen. Der Gedanke, dass er etwas vom Geld habe zurückhaben
wollen, das er in die Beziehung investiert habe, sei ihm erst gekommen, als die
Beziehung auseinandergebrochen sei (Urk. 6/5 S. 2; vgl. auch Urk. 6/11 S. 11;
Prot. I S. 13). Vor dem Hintergrund der weiteren Delinquenz vermögen die gel-
tend gemachten Beweggründe auch nicht gänzlich zu überzeugen. Dem Beschul-
digten wird im vorliegenden Verfahren weiter vorgeworfen, dem Vater von
G._ eine (weitaus weniger wertvolle) Uhr entwendet zu haben. Darüber hin-
aus wird ihm zur Last gelegt, seinen Vermietern mehrere Taschen gestohlen zu
haben, um diese über das Internet zu verkaufen. Die Annahme liegt deshalb na-
he, dass der Beschuldigte generell Mühe hat, fremdes Eigentum zu respektieren,
und es weniger darum geht, angebliche Ungerechtigkeiten auszugleichen. Abge-
sehen davon würde der Umstand, dass der Beschuldigte von einer Leistungs-
pflicht seiner ehemaligen Freundin ausging, sein Verschulden ohnehin höchstens
marginal relativieren, wie bereits die Vorinstanz ausführte (Urk. 42 S. 11). Dem
Beschuldigten wären andere Wege offen gestanden, um seine Ansprüche durch-
zusetzen. Er macht im Übrigen auch nicht geltend, sich damals in einer finanziel-
len Notsituation befunden zu haben. Die subjektive Tatschwere wirkt sich damit
neutral auf das Tatverschulden aus.
7.1.3. Insgesamt ist von einem noch leichten Verschulden auszugehen. Ange-
messen erweist sich eine Einsatzstrafe im Bereich von 90 Tagen Freiheitsstrafe.
7.2. Totalfälschung einer Schweizer Identitätskarte (Dossier 2 und 8)
7.2.1. Die Herstellung der gefälschten Identitätskarte steht in engem Zusammen-
hang mit dem Betrug zum Nachteil der H._ GmbH (Dossier 8). Dem Be-
schuldigten wird diesbezüglich vorgeworfen, die Geschädigte durch Einreichen
einer eigens dafür hergestellten gefälschten Kopie einer Schweizer Identitätskarte
- 17 -
über seine Staatsangehörigkeit getäuscht zu haben. Dadurch sei keine Quellen-
steuer abgerechnet und dem Beschuldigten mehr Lohn ausbezahlt worden, als
ihm effektiv zugestanden sei (Urk. 14 S. 9). Aus den Aussagen des Beschuldigten
(insb. Urk. 6/11 S. 8 und 20 ff.) geht hervor, dass er die gefälschte Ausweiskopie
der H._ GmbH eingereicht hat, um die Arbeitsstelle zu erhalten. Sein Vorsatz
richtete sich nicht darauf, die Abrechnung der Quellensteuer zu verhindern bzw.
mehr Lohn ausbezahlt zu erhalten. Dies war lediglich ein Nebeneffekt seines Ver-
haltens. Vor diesem Hintergrund ist fraglich, ob der in der Anklage umschriebene
Sachverhalt neben dem Tatbestand der Urkundenfälschung auch denjenigen des
Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB erfüllt. Unabhängig davon erweist es
sich ohnehin als angemessen, diesen Tatkomplex gemeinsam zu würdigen und
dafür insgesamt eine Straferhöhung vorzunehmen.
7.2.2. Gemäss den nicht widerlegbaren Aussagen des Beschuldigten erforderte
die Tatausführung keine besondere Raffinesse. Demzufolge stellte er das ge-
fälschte Dokument her, indem er im Internet nach einer Vorlage für eine Schwei-
zer Identitätskarte suchte und diese ins Computerprogramm Paint übertrug. Da-
nach änderte er die Personalien ab und fügte sein Foto ein (Urk. 6/7 S. 1 f.;
Urk. 6/10 S. 2; Urk. 6/11 S. 8; vgl. auch Dossier 2 Urk. 2). Straferhöhend ist zu be-
rücksichtigen, dass der Beschuldigte mit der Identitätskarte ein äusserst bedeut-
sames Dokument gefälscht hat. Immerhin wurde lediglich eine Kopie und kein
physisches Dokument hergestellt. Insgesamt ist dennoch von einer nicht unerheb-
lichen kriminellen Energie auszugehen. Den Aussagen des Beschuldigten zufolge
stellte er die gefälschte Ausweiskopie her, um sie für die Stellenbewerbung bei
der H._ GmbH einzureichen. Das Dokument wurde von ihm in der Folge
noch für eine Wohnungsbewerbung sowie anlässlich der Eröffnung eines Bank-
kontos verwendet (Urk. 6/7 S. 2; Urk. 6/11 S. 8; Dossier 2 Urk. 4). Die vom Be-
schuldigten beabsichtigte Besserstellung ist mit der Vorinstanz (Urk. 42 S. 13)
noch als gering zu bewerten, zumal sich aus den Akten nicht eindeutig ergibt,
dass sich die Stellenausschreibung der H._ GmbH explizit an Schweizer
Staatsangehörige richtete, wie in der Anklage umschrieben wird. In der Untersu-
chung gab der Beschuldigte an, die Firma habe explizit einen Schweizer Arbeit-
nehmer gesucht (Urk. 6/11 S. 8). Demgegenüber erklärte er vor Vorinstanz, die
- 18 -
Stelle sei nicht nur für Schweizer ausgeschrieben gewesen. Er habe indes ge-
glaubt, als Schweizer mehr Chancen zu haben (Prot. I S. 17). Dass sich Stellen-
ausschreibungen ausdrücklich nur an Schweizer Staatsangehörige richten, dürfte
ohnehin eine höchst seltene Ausnahme sein. Der von der Geschädigten erlittene
Schaden von rund Fr. 940.– ist schliesslich als gering einzustufen. Insgesamt ist
das objektive Tatverschulden als eher leicht zu bezeichnen.
7.2.3. In subjektiver Hinsicht liegt auf der Hand, dass der Beschuldigte direkt vor-
sätzlich handelte. Der Beschuldigte machte geltend, er habe sich als Schweizer
ausgeben wollen, da die Akzeptanz in der Gesellschaft grösser sei. Dies habe er
zumindest geglaubt (Urk. 6/11 S. 8). Er habe Schweizer sein wollen. Das klinge
jetzt blöd, sei aber der Grund gewesen (Prot. I S. 12). Dass es dem Beschuldigten
um mehr Akzeptanz in der Gesellschaft ging, erscheint als Beweggrund für die
Urkundenfälschung nicht glaubhaft, zumal nicht ersichtlich ist, weshalb er dafür
eigens einen gefälschten Ausweis herstellen musste. Vielmehr ist mit der Vor-
instanz davon auszugehen, dass er sich als Schweizer Vorteile auf dem Stellen-
und Wohnungsmarkt erhoffte (Urk. 42 S. 13). Wie bereits erwähnt, räumte der
Beschuldigte denn auch ausdrücklich ein, die Identitätskarte für die Stellenbewer-
bung hergestellt zu haben. Er habe geglaubt, als Schweizer mehr Chancen zu
haben (Urk. 6/11 S. 8; Prot. I S. 17). Als Motiv liegen damit finanzielle bzw. egois-
tische Beweggründe vor. Die objektive Tatschwere wird durch die subjektiven
Tatkomponenten nicht relativiert.
7.2.4. Insgesamt erweist es sich als angemessen, für diesen Tatkomplex eine Er-
höhung der Einsatzstrafe um 30 Tage vorzunehmen.
7.3. Fälschung eines Betreibungsregisterauszugs (Dossier 2)
7.3.1. Bei der Herstellung des gefälschten Betreibungsregisterauszugs ging der
Beschuldigte ähnlich vor wie bei der Identitätskarte. Er suchte im Internet nach ei-
ner Vorlage mit guter Auflösung und änderte diese auf seine Personalien ab
(Urk. 6/7 S. 2 f.; Urk. 6/11 S. 9). Das Tatvorgehen setzte damit eine gewisse Un-
verfrorenheit, jedoch keine besondere Raffiniertheit voraus. Der gefälschte Be-
treibungsregisterauszug wurde vom Beschuldigten für eine Wohnungs- und eine
- 19 -
Stellenbewerbung eingesetzt (Urk. 6/7 S. 3; Urk. 6/11 S. 9 f.). Vermieter haben
ein berechtigtes Interesse daran, über die finanziellen Verhältnisse bzw. allfällige
Betreibungen eines künftigen Mieters informiert zu sein. Im Vergleich zu anderen
denkbaren Fällen ist die vom Beschuldigten beabsichtigte Besserstellung jedoch
noch als eher gering zu qualifizieren. Ob der Betreibungsregisterauszug des Be-
schuldigten zum damaligen Zeitpunkt Einträge aufwies, lässt sich den Akten nicht
entnehmen. Der Beschuldigte selbst gab an, er habe Angst gehabt, dass sein
Auszug zahlreiche Betreibungen aufweise. Dies scheine aber nicht der Fall zu
sein (Urk. 6/11 S. 9). Das objektive Tatverschulden ist als leicht einzustufen.
7.3.2. Mit der Vorinstanz (Urk. 42 S. 13) ist von egoistischen Beweggründe aus-
zugehen. Soweit der Beschuldigte den gefälschten Betreibungsregisterauszug für
die Wohnungsbewerbung verwendete, liegt auf der Hand, dass er sich mit einem
leeren Betreibungsregisterauszug bessere Chancen erhoffte (vgl. auch Urk. 6/7
S. 4; Urk. 6/11 S. 9; Prot. I S. 12). Die subjektiven Tatkomponenten sind neutral
zu gewichten.
7.3.3. Angesichts des insgesamt leichten Verschuldens erweist sich eine Erhö-
hung der Einsatzstrafe um 20 Tage als angemessen.
7.4. Zwischenfazit
Entsprechend den vorstehenden Erwägungen erweist sich für die vor Ergehen der
Strafbefehle der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 1. Dezember 2015 und vom
15. März 2016 begangenen Tagen eine Einsatzstrafe von 140 Tagen Freiheits-
strafe als angemessen.
8. Tatkomponenten der nach den Strafbefehlen der Staatsanwaltschaft  vom 1. Dezember 2015 und vom 15. März 2016 begangenen Taten
8.1. Betrügerischer Missbrauch einer Datenverarbeitungsanlage (Dossier 5)
8.1.1. Im Rahmen der objektiven Tatschwere gilt es zu berücksichtigen, dass sich
die deliktische Tätigkeit über rund sechs Monate erstreckte. Innerhalb dieses Zeit-
raums setzte der Beschuldigte die Karte der Geschädigten über 30 Mal ein, um
eigene Ausgaben zu begleichen. Der Beschuldigte bezahlte mit der Karte lediglich
- 20 -
kleinere Beträge zwischen Fr. 5.– und Fr. 439.–. Durch die Vielzahl von Einzelta-
ten manifestiert sich jedoch eine nicht unerhebliche kriminelle Energie, denn ob-
wohl das Vorgehen ähnlich war, fasste der Beschuldigte in jedem Einzelfall sepa-
rat wieder den Entschluss, die Karte der Geschädigten einzusetzen. Seine routi-
nemässige Vorgehensweise zeugt von einer gewissen Selbstverständlichkeit des
deliktischen Handelns. Insgesamt ergibt sich deshalb auch ein nicht unerheblicher
Deliktsbetrag von rund Fr. 3'000.–. Als die Geschädigte die Karte sperren liess
und eine neue bestellte, fing der Beschuldigte diese zudem ab und setzte sie zu-
mindest noch einmal ein. Die Vorinstanz wies zutreffend darauf hin, dass der Be-
schuldigte bereits im Besitz der Kreditkarte der Geschädigten war und den dazu-
gehörigen Code kannte, weshalb sich die Tatausführung für ihn sehr einfach ge-
staltet habe (vgl. dazu Urk. 6/4 S. 1 und 4 f.; Urk. 6/11 S. 14; Prot. I S. 14). Dass
der Beschuldigte nicht davor zurückschreckte, seine (ehemalige) Lebenspartnerin
zu schädigen und das ihm entgegengebrachte Vertrauen zu missbrauchen, fällt
hingegen erschwerend ins Gewicht. Insgesamt erweist sich das objektive Tatver-
schulden als noch leicht.
8.1.2. In subjektiver Hinsicht ist mit der Vorinstanz von einem finanziellen Motiv
auszugehen (Urk. 42 S. 14). Weiter gab der Beschuldigte, wie bereits in Bezug
auf den Diebstahl der Patek Philippe Uhr, an, er sei frustriert gewesen. Er habe
sich von G._ ungerecht behandelt gefühlt. Damals habe dies seinem Ge-
rechtigkeitsempfinden entsprochen (Urk. 6/4 S. 8 f.; Urk. 6/11 S. 14; Prot. I S 16).
Dies ändert jedoch nichts daran, dass die Taten egoistisch motiviert waren. Die
subjektive Tatschwere führt daher insgesamt nicht zu einer anderen Bewertung
des Tatverschuldens.
8.1.3. Insgesamt erweist sich eine Einsatzstrafe im Bereich von 60 Tagen Frei-
heitsstrafe als angemessen.
8.2. Diebstahl der drei Taschen (Dossier 1)
8.2.1. Bei der objektiven Tatschwere hat die Vorinstanz zutreffend auf die Plan-
mässigkeit und Unverfrorenheit des Vorgehens hingewiesen (Urk. 42 S. 12). Im
Zeitraum von nur drei Monaten entwendete der Beschuldigte seinen im selben
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Haus wohnenden Vermietern drei Taschen, die er in der Folge im Internet zum
Verkauf anbot. Die Tatausführung erscheint auch angesichts des damit verbun-
denen Vertrauensmissbrauchs verwerflich und skrupellos. Der Wert der Taschen
lässt sich anhand der Akten nicht eindeutig bestimmen. Im Übrigen machte der
Beschuldigte auch geltend, die Taschen seien gefälscht gewesen (Urk. 5/2 S. 5;
Urk. 6/11 S. 4). Vom Beschuldigten konnten lediglich zwei Taschen verkauft wer-
den (vgl. Urk. 5/2 f.; Urk. 6/3 S. 5), wobei ein Käufer vom Kauf zurücktrat und die
Tasche zurückschickte. Dass letztlich nur eine von drei Taschen abhanden ge-
kommen ist, ist mit der Vorinstanz (Urk. 42 S. 12) auf äussere Umstände und
nicht auf ein Umdenken des Beschuldigten zurückzuführen. Immerhin wurden die
nicht verkauften Taschen vom Beschuldigten wieder zurückgelegt, wodurch der
von den Geschädigten erlittene Schaden geringer ausfällt. Das objektive Tatver-
schulden ist unter den gegebenen Umständen als eher leicht einzustufen.
8.2.2. Zur subjektiven Tatschwere ist zu bemerken, dass der Beschuldigte aus
rein finanziellen und egoistischen Beweggründen handelte. Er gab an, es sei da-
mals finanziell eng gewesen. Er habe deshalb die Gelegenheit gepackt, die Ta-
schen zu Geld zu machen (Urk. 6/3 S. 5; vgl. auch Urk. 6/11 S. 5 f. und Prot. I
S. 11). In subjektiver Hinsicht ergibt sich daher keine Relativierung.
8.2.3. Insgesamt ist von einem eher leichten Verschulden auszugehen. Die Ein-
satzstrafe ist um 40 Tage zu erhöhen.
8.3. Diebstahl der Herrenuhr Zeppelin (Dossier 4)
8.3.1. Bezüglich des Diebstahls der Herrenuhr ist zunächst auf den verhältnis-
mässig geringen Deliktsbetrag von rund Fr. 500.– zu verweisen. Der Diebstahl
liegt damit nahe beim geringfügigen Vermögensdelikt im Sinne von Art. 172ter
Abs. 1 StGB (vgl. dazu BGE 142 IV 129 E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts
6B_1318/2015 vom 18. November 2016 E. 1.1). Der Vorinstanz (Urk. 42 S. 10) ist
darin zu folgen, dass die Ausführung dieses Diebstahls den Beschuldigten vor
keine besonderen Schwierigkeiten stellte. Dies hängt jedoch einzig damit zusam-
men, dass der Beschuldigte eine Person aus seinem engeren persönlichen Um-
feld bestahl. Insofern war auch die Begehung dieses Diebstahls mit einem Ver-
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trauensmissbrauch verbunden, was für eine gewisse Skrupellosigkeit spricht. Das
objektive Tatverschulden ist gesamthaft als leicht einzustufen.
8.3.2. Zu seinen Beweggründen führte der Beschuldigte aus, er habe die Uhr ge-
nommen, da ihm diese gefallen habe. Er habe die Uhr ab und zu getragen und
dann verloren. Er habe sich nicht bereichern wollen. Ansonsten hätte er eine an-
dere Uhr entwendet und verkauft (Urk. 6/2 S. 2; Urk. 6/11 S. 12 f.; Prot. I S. 13 f.).
Dass der Beschuldigte die Uhr nicht aus finanziellen Gründen entwendete, son-
dern selbst tragen wollte, lässt seine kriminelle Energie leicht geringer erscheinen,
ändert jedoch nichts an den egoistischen Beweggründen für die Tat. Die objektive
Tatschwere wird durch das subjektive Tatverschulden daher leicht relativiert.
8.3.3. Insgesamt ist von einem leichten Verschulden auszugehen. Angezeigt ist
eine Erhöhung der Einsatzstrafe um 15 Tage.
8.4. Betrügerischer Missbrauch einer Datenverarbeitungsanlage (Dossier 7)
8.4.1. In Bezug auf die objektive Tatschwere hat die Vorinstanz zutreffend ausge-
führt, dass es dem Beschuldigten infolge der ihm bekannten Zugangsdaten ohne
Weiteres möglich gewesen sei, das Abonnement der Geschädigten bei der
I._ AG auf seine Adresse umzuschreiben (Urk. 42 S. 14). Damit zeichnete
sich auch die Ausführung dieser Tat durch keine besondere Raffinesse aus. Mit
der Vorinstanz (Urk. 42 S. 15) ist dem Beschuldigten jedoch der damit verbunde-
ne Vertrauensbruch anzulasten. Durch das Vorgehen des Beschuldigten entstand
der Geschädigten ein Vermögensschaden von rund Fr. 413.–. Der Schaden liegt
damit nahe beim geringfügigen Vermögensdelikt im Sinne von Art. 172ter Abs. 1
StGB. Das objektive Tatverschulden ist als leicht einzustufen.
8.4.2. In subjektiver Hinsicht ist von finanziellen Beweggründen auszugehen. Der
Beschuldigte führte in der Untersuchung und vor Vorinstanz zudem aus, er sei
"mega hässig" auf die Geschädigte gewesen und habe ihr Böses wollen. Dies da
sie bei der Miete dasselbe mit ihm gemacht habe. Er habe aus Rache gehandelt
(Urk. 6/11 S. 18 f.; Prot. I S. 17). Dies ändert nichts daran, dass die Tat egoistisch
motiviert war und führt nicht zu einer Verschuldensminderung.
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8.4.3. Unter Berücksichtigung des insgesamt leichten Verschuldens erscheint ei-
ne Erhöhung um 10 Tage als angemessen.
8.5. Fahren ohne Berechtigung (Dossier 9)
8.5.1. Im Rahmen der objektiven Tatschwere fällt ins Gewicht, dass der Beschul-
digte nie über einen gültigen Schweizer Führerausweis verfügte. Den deutschen
Ausweis musste er in der Probezeit abgeben (Urk. 6/11 S. 23 f.). Gemäss dem
Auszug aus dem deutschen Zentralregister ordnete das Amtsgericht Oranienburg
am 30. August 2013 zudem eine Sperre für die Fahrerlaubnis an (Urk. 11/3). Der
Umstand, dass der Beschuldigte nie über eine Fahrberechtigung verfügte, lässt
sein Verhalten äusserst unverantwortlich erscheinen. Das Führen eines Motor-
fahrzeugs ohne genügende Ausbildung stellt eine erhebliche Gefährdung der an-
deren Verkehrsteilnehmer dar. Straferhöhend zu gewichten ist auch der lange
Zeitraum des deliktischen Handelns. Der Beschuldigte lenkte während rund
9 Monaten immer wieder ein Fahrzeug, was auf eine beträchtliche kriminelle
Energie und Gleichgültigkeit gegenüber der geltenden Rechtsordnung schliessen
lässt. Im Verhalten des Beschuldigten zeigt sich auch eine gewisse Unverfroren-
heit, da er sich jedes Mal, wenn er Auto fuhr, dem Risiko einer Kontrolle aussetz-
te. Die Vorinstanz ging entsprechend den Aussagen des Beschuldigten in der Un-
tersuchung (Urk. 6/11 S. 24) davon aus, dass der Beschuldigte täglich ohne Füh-
rerausweis Auto gefahren ist (Urk. 42 S. 16). In der Anklage wird dem Beschuldig-
ten jedoch lediglich mehrfaches Fahren ohne Berechtigung vorgeworfen. Davon
ist auch für die Strafzumessung auszugehen. Das objektive Tatverschulden ist als
nicht mehr leicht einzustufen.
8.5.2. Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass der
Beschuldigte direktvorsätzlich handelt. Er war sich bei jeder Fahrt bewusst, dass
er zum Lenken eines Fahrzeugs eines Führerausweises bedürfte. Einen Grund
für sein Verhalten konnte der Beschuldigte in der Untersuchung nicht angeben
(vgl. Urk. 6/11 S. 23). Es ist davon auszugehen, dass er aus reiner Bequemlich-
keit handelte. Die subjektive Tatschwere führt nicht zu einer Relativierung des ob-
jektiven Tatverschuldens.
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8.5.3. Als angemessen erweist sich eine Erhöhung der Einsatzstrafe um 120 Ta-
ge.
8.6. Zwischenfazit
Insgesamt erweist sich mithin für die nach Ergehen der Strafbefehle der Staats-
anwaltschaft Zürich-Sihl vom 1. Dezember 2015 und vom 15. März 2016 began-
genen Delikte eine Einsatzstrafe von 245 Tagen Freiheitsstrafe als angemessen.
Diese 245 Tage Freiheitsstrafe sind nun zu der für die vor den Strafbefehlen be-
gangenen Delikte festgesetzten Gesamtstrafe von 140 Tagen Freiheitsstrafe hin-
zuzurechnen (vgl. BGE 145 IV 1 E. 1.3). Es resultiert mithin für sämtliche Delikte
eine Einsatzstrafe von 385 Tagen bzw. von 12 Monaten und 25 Tagen Freiheits-
strafe.
9. Täterkomponenten
9.1. In Bezug auf die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten kann auf die
zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen (Urk. 42 S. 16 f.) verwiesen werden.
Gegenüber der Gutachterin gab der Beschuldigte präzisierend an, über keine all-
gemeine Hochschulreife (Abitur), sondern über das Fachabitur zu verfügen
(Urk. 82 S. 20). Weiter ergibt sich aus seinen diesbezüglichen Angaben, dass die
von ihm angefangenen Studiengänge (vgl. dazu die Vorinstanz, Urk. 42 S. 17) in
Deutschland und nicht in der Schweiz absolviert wurden (Urk. 82 S. 21). Anläss-
lich der Berufungsverhandlung führte der Beschuldigte aus, dass er nach seiner
Tätigkeit bei der J._ AG – bei welcher er noch zum Zeitpunkt der vor-
instanzlichen Hauptverhandlung angestellt gewesen war – zu Oracle gewechselt
habe. Jene Anstellung sei ihm dann aber wegen seiner Vorstrafen gekündigt wor-
den. In der Folge sei er dann während eines Jahres bei der Firma Isobar ebenfalls
als IT-Consultant für Schweizer Banken tätig gewesen. Sein vorläufig letzter Stel-
lenwechsel habe dann zur K._ stattgefunden. Auch dort habe er im selben
Bereich arbeiten können, wie er es in den letzten Jahren getan habe. Nur zwei
Wochen nach seinem Stellenantritt sei er dann aber am 17. Oktober 2019 wegen
Vorwürfen betreffend Delikte aus den Jahren 2016 bis 2018 in Untersuchungshaft
gekommen. Er gab aber an, Aussicht darauf zu haben, die Stelle behalten zu
- 25 -
können. Bei jener Anstellung hätte er jedenfalls Fr. 9'500.– netto pro Monat ver-
dient. Seine Wohnung, welche Fr. 2'400.– pro Monat koste, habe er nun während
seiner Inhaftierung untervermietet. Weiter gab er an, über kein Vermögen, aber
nach wie vor über Schulden zu verfügen. Von den ursprünglich Fr. 100'000.–
Schulden bei L._ habe er schon einen Teil abbezahlt. Nun würden die ver-
bleibenden Schulden bei rund Fr. 57'000.– liegen (Prot. II S. 24 ff.).
Aus den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten lassen sich keine straf-
zumessungsrelevanten Faktoren ableiten.
9.2. Weist ein Täter Vorstrafen auf, wird dies straferhöhend gewichtet (BGE 136
IV 1 E. 2.6.2 mit Hinweisen). Im Ausland begangene Straftaten und dort verbüsste
Strafen bilden ebenso wie im Inland erlittene Vorstrafen Bestandteil des Vorle-
bens des Täters und dürfen bei der Bemessung der Strafe berücksichtigt werden
(Urteil des Bundesgerichts 6B_258/2015 vom 26. Oktober 2015 E. 1.2.1).
Der Beschuldigte weist trotz seines jungen Alters bereits zahlreiche Vorstrafen
auf. Im deutschen Strafregister sind fünf Verurteilungen aus den Jahren 2010 bis
2017 eingetragen (vgl. Beizugsakten der Staatsanwaltschaft See-Oberland,
2018/15914; Urk. 10/2). Der im vorliegenden Verfahren eingeholte Auszug aus
dem deutschen Strafregister (Urk. 11/3) datiert vom 30. Mai 2017 und enthält die
letzte Verurteilung des Amtsgerichts Hamburg vom 18. April 2017 nicht, da diese
erst im August 2017 rechtskräftig wurde. Dabei handelt es sich jedoch nicht um
eine Vorstrafe, da die vorliegend zu beurteilenden Delikte alle vor diesem Ent-
scheid begangen wurden. Die Verurteilungen im deutschen Strafregister ergingen
wegen Vermögensdelikten, Urkundendelikten sowie Fahrens ohne Führeraus-
weis, wobei neben einer Geldstrafe auch mehrmonatige Freiheitsstrafen (bzw. in
einem Fall eine überjährige Freiheitsstrafe) ausgesprochen wurden (vgl. dazu
Urk. 42 S. 17 f.). Im Zeitpunkt der heute zu beurteilenden Delinquenz war der Be-
schuldigte in Deutschland somit schon mehrfach wegen gleichartiger Delikte vor-
bestraft. Gemäss seinen Angaben kam der Beschuldigte im Jahr 2014 in die
Schweiz. Er habe neu anfangen wollen. In Deutschland habe er viele Straftaten
begangen und verbrannte Erde hinterlassen (Prot. I S. 6 f.). Noch im selben Jahr
wurde der Beschuldigte in der Schweiz einschlägig straffällig. Mit Strafbefehl der
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Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 1. Dezember 2015 wurde er wegen mehrfa-
chen (teilweise versuchten) Betrugs, Diebstahls und Zechprellerei mit einer Geld-
strafe von 150 Tagessätzen zu Fr. 100.– und einer Busse von Fr. 2'500.– bestraft.
Der Vollzug der Geldstrafe wurde unter Ansetzung einer Probezeit von drei Jah-
ren aufgeschoben (Urk. 88). Die im Strafbefehl vom 1. Dezember 2015 beurteilten
Delikte sind nicht nur einschlägig. Sie weisen auch einen ähnlichen Kontext wie
die heute zu beurteilenden Straftaten auf. Dem Beschuldigten wurde im damali-
gen Verfahren zur Last gelegt, Waren bzw. eine Reise auf Rechnung an die Ad-
resse und auf den Namen eines Mitbewohners bestellt zu haben. Weiter wurde
ihm angelastet, Kleider eines Mitbewohners bzw. des Hauptmieters aus dessen
Wohnung entwendet zu haben (vgl. Beizugsakten der Staatsanwaltschaft Zürich-
Sihl, 2014/4672; Dossier 1 Urk. 88). Im aktuellen Verfahren wird dem Beschuldig-
ten ebenfalls vorgeworfen, Vermögenswerte von Personen aus seinem näheren
Umfeld entwendet bzw. auf deren Kosten gelebt zu haben. Auf die Frage, wes-
halb er (nach den Verurteilungen in Deutschland) erneut straffällig geworden sei,
gab der Beschuldigte damals an, es handle sich nicht um Dasselbe. Es seien ihm
hier alle Kleider gestohlen worden, weshalb er sich alles neu habe kaufen müs-
sen. Das sei keine Entschuldigung, aber es sei der Grund gewesen. Er sei gerade
daran, alle offenen Rechnungen zu bezahlen. Er habe sich nicht korrekt verhal-
ten. Es sei eine blöde Zeit gewesen (Beizugsakten der Staatsanwaltschaft Zürich-
Sihl, 2014/4672; Dossier 1 Urk. 32 S. 6 und 8). Kurz darauf wurde der Beschuldig-
te wieder straffällig, womit er gegen die ihm angesetzte Probezeit verstiess. In der
Strafuntersuchung wurde der Beschuldigte darauf hingewiesen, dass er in der
Probezeit einschlägig delinquiert habe, weshalb sich die Frage eines Widerrufs
stelle. Der Beschuldigte ersuchte um eine letzte Chance. Er werde sich künftig
korrekt verhalten (Beizugsakten der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl,
2016/10005575; Urk. 4 S. 2). Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl
vom 15. März 2016 wurde er mit einer unbedingten Geldstrafe von 180 Tagessät-
zen zu Fr. 60.– bestraft. Auf den Widerruf der Vorstrafe wurde verzichtet und die
Probezeit um ein Jahr verlängert (Urk. 88). Die vorliegenden Straftaten beging der
Beschuldigte zum Teil nur kurz nach dieser Verurteilung. Er verletzte damit innert
kürzester Zeit die ihm im Sinne einer letzten Chance verlängerte Probezeit. Of-
- 27 -
fensichtlich vermochten ihn weder die bisher ergangenen Verurteilungen noch der
drohende Widerruf der Geldstrafe in irgendeiner Weise zu beeindrucken. Der Be-
schuldigte befand sich in Deutschland auch schon mehrere Monate in Untersu-
chungshaft (Prot. I S. 10), ohne dass dies eine nachhaltige Wirkung hinterliess.
Beim Beschuldigten muss daher von einer ausgeprägten Unbelehrbarkeit und
Uneinsichtigkeit ausgegangen werden. Sein Verhalten zeugt von einem proble-
matischen Verhältnis zur Rechtsordnung. Darauf deuten auch einige seiner Aus-
sagen hin. Im Zusammenhang mit dem Vorwurf des Fahrens ohne Berechtigung
erwähnte der Beschuldigte, er habe sich, nachdem er bei der polizeilichen Kon-
trolle angegeben habe, über eine deutsche Fahrberechtigung zu verfügen, kurz
überlegt, einen Ausweis zu kaufen, um diesen den Behörden vorzulegen. Es sei
ihm aber klar gewesen, dass dies nichts gebracht hätte (Urk. 6/11 S. 23 f.). In Be-
zug auf die Urkundenfälschungen gab er an, die Konsequenzen seien ihm nicht
bewusst gewesen. Er sei erschrocken, als er das Strafmass gesehen habe
(Urk. 6/7 S. 3 f.). Vor Vorinstanz verwies er zur Erklärung seines Verhaltens auf
Unwissenheit und Dummheit. Gewohnheit könne man es nicht nennen, da er es
noch nie zuvor gemacht habe (Prot. I S. 12). Aus den Aussagen des Beschuldig-
ten in der Untersuchung ergibt sich indes, dass er in Deutschland bereits ein
Zeugnis für die Universität sowie ein Arbeitszeugnis gefälscht hat (Urk. 6/7 S. 2).
Aufgrund der Vorstrafen des Beschuldigten erscheint insgesamt eine Erhöhung
der Einsatzstrafe um 4 Monate Freiheitsstrafe als angemessen.
9.3. Der Beschuldigte hat die ihm vorgeworfenen Straftaten in der Untersu-
chung, vor Vorinstanz und auch im Berufungsverfahren vollumfänglich anerkannt
(Urk. 6/14 S. 10; Prot. I S. 11 ff.; Prot. II S. 38). Sein Geständnis erfolgte bereits in
einer frühen Phase der Strafuntersuchung. Bei einigen Anklagepunkten wäre ein
Bestreiten der Tatvorwürfe wenig aussichtsreich gewesen. So konnte bei der
Durchsuchung seiner Wohnung ein Uhrenankaufbeleg sichergestellt werden, wo-
nach der Beschuldigte die Patek Philippe Uhr der Luxusbörse Zürich verkauft hat
(Dossier 3 Urk. 1 S. 5; Urk. 2 S. 3; Urk. 4). Weiter stand bereits aufgrund der poli-
zeilichen Abklärungen fest, dass der Beschuldigte lediglich über die deutsche
Staatsangehörigkeit verfügt und es sich bei seiner Schweizer Identitätskarte um
- 28 -
eine Fälschung handeln muss (vgl. Dossier 2 Urk. 1 S. 2). Der Beschuldigte räum-
te jedoch auch Sachverhalte ein, die ihm nicht oder zumindest nicht leicht hätten
nachgewiesen werden können. Der Diebstahl der Zeppelin Uhr wurde von ihm
sogleich eingestanden (Urk. 6/2 S. 2). Der Anklagevorwurf des mehrfachen Fah-
rens ohne Berechtigung beruht zu einem wesentlichen Teil auf seinen Angaben in
der Untersuchung, wonach er bereits seit Dezember 2015 über das Fahrzeug ver-
fügt habe (Urk. 6/11 S. 22 f.). Durch das vollumfängliche Geständnis des Be-
schuldigten und sein kooperatives Verhalten wurde das Strafverfahren wesentlich
erleichtert. Vom Beschuldigten wurden zudem – wie seitens der Verteidigung zu
Recht vorgebracht (Urk. 94 S. 9; Prot. II S. 39 f.) – auch Aufwendungen zur Scha-
densbegleichung getätigt (vgl. Urk. 6/5 S. 2 f.; Urk. 6/11 S. 11 und 20).
In den Aussagen des Beschuldigten sind teilweise Bagatellisierungstendenzen
auszumachen. In Bezug auf die entwendete Zeppelin Uhr gab er an, diese hinge-
legt und vergessen zu haben. Er habe sich ohnehin nicht darum gekümmert, da
es sich nicht um eine teure Uhr gehandelt und der Geschädigte sowieso nicht viel
dafür bezahlt habe. Der Geschädigte habe die Anzeige nur gemacht, um sich zu
rächen (Urk. 6/11 S. 12 f.). Vor Vorinstanz führte er diesbezüglich aus, er habe
die Uhr nicht absichtlich gestohlen oder sich aneignen wollen, um reich zu wer-
den. Er habe sie ab und zu getragen und dann einfach verloren. Mit dem Ge-
schädigten habe er sich dann zerstritten. Dies sei nun dessen Retourkutsche
(Prot. I S. 13 f.). Hinsichtlich der Urkundenfälschungen erwähnte der Beschuldig-
te, es sei wichtig zu sagen, dass er niemandem habe schaden wollen. Er habe
auch nie eine andere Identität annehmen, sondern nur die Nationalität wechseln
wollen (Urk. 6/7 S. 4). Insgesamt scheint der Beschuldigte sein Fehlverhalten je-
doch eingesehen zu haben. Er hat denn auch entsprechend dem Vorbringen sei-
ner Verteidigung am 1. November 2018 freiwillig eine Therapie bei Dr. C._
und Dr. E._ begonnen und gelobt Besserung (Urk. 94 S. 9; Prot. I S. 21 und
24 f.; Prot. II S. 27 ff.), was positiv zu werten ist. Insgesamt rechtfertigt sich auf-
grund des Nachtatverhaltens eine Strafreduktion im Umfang von rund 3 Monaten
Freiheitsstrafe.
- 29 -
9.4. Da sich die zahlreichen einschlägigen Vorstrafen und die Delinquenz wäh-
rend laufender Probezeit mit einer Straferhöhung um 4 Monate Freiheitsstrafe
auswirken und das Nachtatverhalten des Beschuldigten mit einer Strafminderung
um 3 Monate Freiheitsstrafe zu berücksichtigen ist, resultiert aufgrund der Täter-
komponente insgesamt eine Erhöhung der Einsatzstrafe um einen weiteren Mo-
nat. Eine solche Straferhöhung fällt jedoch ausser Betracht, da einer strengeren
Bestrafung als mit 12 Monaten Freiheitsstrafe ohnehin das Verbot der reformatio
in peius entgegensteht, nachdem kein Rechtsmittel zu Ungunsten des Beschul-
digten ergriffen wurde (Art. 391 Abs. 2 StPO).
10. Busse für den mehrfachen geringfügigen Diebstahl (Dossier 5)
Die Vorinstanz hat die Grundlagen der Bemessung von Bussen korrekt dargelegt
(Urk. 42 S. 21), so dass darauf verwiesen werden kann. Für den mehrfachen ge-
ringfügigen Diebstahl hat sie eine Busse von Fr. 500.– ausgefällt und die Festset-
zung dieses Bussenbetrags nachvollziehbar begründet (Urk. 42 S. 20 f.). Nach-
dem diese Sanktion seitens des Beschuldigten nicht beanstandet wird und die
Busse dem Verschulden angemessen erscheint, ist sie zu bestätigen. Da Bussen
immer vollstreckt werden, ist für den Fall der Nichtbezahlung gemäss Art. 106
Abs. 2 StGB eine Ersatzfreiheitsstrafe auszufällen, die praxisgemäss auf 5 Tage
festzusetzen ist, was die Vorinstanz ebenfalls zutreffend erwog (Urk. 42 S. 23 f.).
11. Fazit
Zusammengefasst ist der Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten
sowie mit einer Busse von Fr. 500.– zu bestrafen, wobei für den Fall der Nichtbe-
zahlung der Busse eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen auszufällen ist.
III. Widerruf und Vollzug
1. Parteistandpunkte
Die Vorinstanz ordnete den Vollzug der ausgefällten Freiheitsstrafe an und wider-
rief den bedingten Vollzug der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl
vom 1. Dezember 2015 ausgesprochenen Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu
- 30 -
Fr. 100.– (Urk. 42 S. 29). Der Beschuldigte beantragte in der Berufungserklärung,
es sei der Vollzug der Freiheitsstrafe zugunsten einer Probezeit von fünf Jahren
aufzuschieben. Eventualiter sei auf den Widerruf der mit Strafbefehl vom 1. De-
zember 2015 ausgefällten Strafe zu verzichten (Urk. 43 S. 2). Anlässlich der Beru-
fungsverhandlung vom 3. Dezember 2019 stellte die Verteidigung wiederum den
Antrag, es sei der Vollzug der Freiheitsstrafe zugunsten einer Probezeit von fünf
Jahren aufzuschieben. Ausserdem beantragte sie, es sei dem Beschuldigten die
Auflage zu erteilen, die bei Dr. C._ am 1. November 2018 begonnene und
seit Januar 2019 fortgesetzte Therapie bei Dr. E._ umgehend fortzuführen,
es sei dem Beschuldigten zusätzlich eine ambulante Massnahme bei einem fo-
rensisch ausgebildeten Therapeuten gemäss Liste des Bewährungs- und Voll-
zugsdienstes des Kantons Zürich anzuordnen und es sei dem Beschuldigten für
die Dauer der ambulanten Massnahme einen Bewährungshelfer anzuordnen.
Was die Frage des Widerrufs betrifft, beantragte sie, auf diesen zu verzichten und
den Beschuldigten stattdessen im Sinne von Art. 46 Abs. 2 StGB zu verwarnen
(Urk. 94 Abs. 2). Die Staatsanwaltschaft beantragte die Bestätigung des vo-
rinstanzlichen Urteils (Urk. 48).
2. Widerruf
2.1. Die heute zu beurteilende Delinquenz fällt teilweise in die mit Strafbefehl
der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 1. Dezember 2015 angesetzte Probezeit.
Damit ist der Widerruf des bedingten Strafvollzugs der damals ausgesprochenen
Strafe zu prüfen. Ist mit dem neuen Urteil auch über den Widerruf des in einem
früheren Urteil gewährten Vollzugs zu befinden, kann eine Gesamtbetrachtung
notwendig sein. In die Beurteilung der Bewährungsaussichten im Falle des Wider-
rufs des bedingten Strafvollzugs ist im Rahmen der Gesamtwürdigung auch mit-
einzubeziehen, ob die neue Strafe bedingt oder unbedingt ausgesprochen wird.
Das Gericht kann zum Schluss kommen, dass vom Widerruf des bedingten Voll-
zugs für die frühere Strafe abgesehen werden kann, wenn die neue Strafe vollzo-
gen wird. Auch das Umgekehrte ist zulässig: Wenn die frühere Strafe widerrufen
wird, kann unter Berücksichtigung ihres nachträglichen Vollzugs eine Schlecht-
prognose für die neue Strafe im Sinne von Art. 42 Abs. 1 StGB verneint und diese
- 31 -
folglich bedingt ausgesprochen werden. Beim Entscheid über den Widerruf ist die
neue Tat und die daraus resultierende Strafe miteinzubeziehen. Art und Schwere
der erneuten Delinquenz sind insoweit von Bedeutung, als das im Strafmass für
die neue Tat zum Ausdruck kommende Verschulden Rückschlüsse auf die Legal-
bewährung des Verurteilten erlaubt. Insoweit lässt sich sagen, dass die Prognose
für den Entscheid über den Widerruf umso eher negativ ausfallen kann, je schwe-
rer die während der Probezeit begangenen Delikte wiegen (BGE 134 IV 140
E. 4.5).
2.2. Hinsichtlich der strafrechtlichen Vorbelastung des Beschuldigten kann auf
obige Ausführungen verwiesen werden (Ziff. II.9.2). Der Beschuldigte hat im Zeit-
raum 2010 bis 2016 sechs einschlägige Verurteilungen erwirkt, was bei der Prog-
nosestellung als erheblich ungünstiges Element zu gewichten ist. Bereits im letz-
ten Strafverfahren war infolge Probezeitverletzung über den Widerruf der mit
Strafbefehl vom 1. Dezember 2015 ausgesprochenen Geldstrafe zu befinden. Der
Beschuldigte bat damals um eine letzte Chance und versprach, sich künftig kor-
rekt zu verhalten (Beizugsakten der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl, 2016/1000
5575; Urk. 4 S. 2). Letztlich wurde auf den Widerruf verzichtet und die Probezeit
der Geldstrafe (150 Tagessätzen zu Fr. 100.–, insgesamt Fr. 15'000.–) um ein
Jahr verlängert. Für die neuen Delikte wurde eine unbedingte Geldstrafe von
180 Tagessätzen zu Fr. 60.– (Fr. 10'800.–) ausgesprochen (Urk. 88). Von dieser
Verurteilung war grundsätzlich ein nachhaltiger Warneffekt zu erwarten. Der Be-
schuldigte liess sich indessen davon ganz offensichtlich in keiner Art und Weise
beeindrucken und delinquierte innert kürzester Zeit erneut einschlägig. Vor die-
sem Hintergrund besteht keine Veranlassung, heute (erneut) von einem Widerruf
abzusehen, zumal eine nochmalige Verlängerung der Probezeit nicht in Frage
kommt (vgl. BSK StGB-SCHNEIDER/GARRÉ, 3. Aufl. 2013, Art. 46 N 52). Wie nach-
folgend aufgezeigt wird (Ziff. III.3.2), sind in den Lebensumständen des Beschul-
digten keine wesentlichen Veränderungen eingetreten, die zu einer anderen Beur-
teilung führen müssten. Nichts anderes ergibt sich aus dem im Berufungsverfah-
ren eingeholten psychiatrischen Gutachten vom 4. Juli 2019. Beim Beschuldigten
wurde wie erwähnt eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit dissozialen und
narzisstischen Anteilen diagnostiziert (Urk. 82 S. 52). Gemäss Gutachten ist die
- 32 -
Rückfallwahrscheinlichkeit für eine erneute Delinquenz, wie sie bisher gezeigt
wurde, als hoch einzustufen (Urk. 82 S. 53). Empfohlen wird die Anordnung einer
ambulanten Massnahme nach Art. 63 StGB. Eine solche wäre dem Gutachten zu-
folge geeignet, die deliktrelevanten Persönlichkeitsmerkmale und die Persönlich-
keitsstörung zu behandeln und das Rückfallrisiko zu vermindern (Urk. 82 S. 55 f.).
Dem Beschuldigten ist somit auch aufgrund der im Gutachten attestierten Mass-
nahmebedürftigkeit eine ungünstige Legalprognose zu stellen (vgl. dazu BGE 135
IV 180 E. 2.3; Urteile des Bundesgerichts 6B_698/2017 vom 13. Oktober 2017
E. 7.2.1; 6B_223/2016 vom 8. September 2016 E. 3.3; 6B_1195/2015 vom
18. April 2016 E. 5; je mit Hinweisen). Die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
Zürich-Sihl vom 1. Dezember 2015 ausgefällte bedingte Geldstrafe von 150 Ta-
gessätzen zu Fr. 100.– ist daher zu widerrufen.
3. Vollzug
3.1. Bei einer Sanktion von 12 Monaten Freiheitsstrafe sind die objektiven Vor-
aussetzungen für die Gewährung des bedingten und teilbedingten Vollzugs erfüllt
(Art. 42 Abs. 1 StGB; Art. 43 Abs. 1 StGB). Die Vorinstanz hat zutreffend darauf
hingewiesen, dass der Beschuldigte mit Strafbefehl vom 15. März 2016 zu einer
Geldstrafe von 180 Tagessätzen verurteilt wurde (Urk. 42 S. 23). Nach neuem
Recht werden jedoch erst bei einer Vorstrafe von mehr als 180 Tagessätzen
Geldstrafe besonders günstige Umstände für die Gewährung des bedingten
Strafvollzugs vorausgesetzt (Übergangsbestimmung zur Änderung vom 19. Juni
2015). In subjektiver Hinsicht wird vorliegend daher eine günstige Prognose ver-
mutet.
3.2. Der Beschuldigte hat seit dem Jahr 2010 nicht weniger als sechs Vorstra-
fen erwirkt. Die bisher gegen ihn verhängten Sanktionen hielten ihn nicht davon
ab, während laufenden Probezeiten und nur kurze Zeit nach den entsprechenden
Verurteilungen wiederum einschlägig zu delinquieren (Ziff. II.9.2). Die Vorinstanz
(Urk. 42 S. 23) hat zutreffend festgehalten, dass in Anbetracht der fortwährenden,
einschlägigen Delinquenz des Beschuldigten sowie seiner hartnäckigen Resistenz
betreffend der Warnwirkung aufgeschobener Strafen erhebliche Bedenken hin-
sichtlich seiner künftigen Bewährung bestehen (Urk. 42 S. 23). Diese Befürchtung
- 33 -
wird dadurch bestärkt, dass die aktuelle Delinquenz nicht nur einschlägig ist, son-
dern demselben Verhaltensmuster wie die früheren Straftaten entspricht. Der Be-
schuldigte beging wiederum Vermögensdelikte zum Nachteil seines näheren Um-
felds. Sein Verhalten lässt keinen anderen Schluss zu, als dass sämtliche bisher
ausgefällten Strafen ihn offenbar gänzlich unbeeindruckt gelassen und zu keiner
Einsicht geführt haben. Es ist nicht davon auszugehen, dass der Widerruf der mit
Strafbefehl vom 1. Dezember 2015 ausgesprochenen Geldstrafe daran etwas zu
ändern vermag. Der Beschuldigte wurde bereits im März 2016 mit einer unbeding-
ten Geldstrafe belegt, ohne dass ihn dies beeindruckt und von weiterer Delin-
quenz abgehalten hätte. Ein Wandel zum Besseren zeichnet sich beim Beschul-
digten bisher nicht ab. Mit der Vorinstanz (Urk. 42 S. 23) sind sein Geständnis
und die Einsicht in das begangene Unrecht zwar positiv zu werten. Der Beschul-
digte zeigte sich jedoch bereits in früheren Strafverfahren einsichtig, ohne dass
dies mit einer Verhaltensänderung verbunden gewesen wäre. Insofern lässt sich
aus dem von ihm gezeigten Nachtatverhalten in Bezug auf sein künftiges Wohl-
verhalten nichts Wesentliches ableiten. Mit der Verteidigung (Urk. 43 S. 4) ist
günstig zu bewerten, dass der Beschuldigte zumindest bis zu seiner Inhaftierung
über eine feste Arbeitsstelle und ein geregeltes Einkommen verfügte. Dies war in-
des bereits vor den heute zu beurteilenden Delikten der Fall. Der Beschuldigte
war in der Schweiz stets erwerbstätig (Prot. I S. 7 f.; Prot. II S. 23). Seine aktuel-
len Lebensumstände sind folglich mit der Situation, in welcher er delinquierte,
durchaus vergleichbar. Jedenfalls kann nicht von einer wesentlichen Veränderung
in seinen Lebensverhältnissen ausgegangen werden. Dass ihm die jetzige Ar-
beitsstelle gut gefällt und mit mehr Einkommen verbunden ist (Urk. 43 S. 4;
Prot. II S. 24 f.), ändert nichts daran. Der Beschuldigte hat zudem immer noch
beachtliche Schulden. Gemäss seinen Angaben im Berufungsverfahren betragen
sie rund Fr. 57'000.– (Prot. II S. 27). Unter den gegebenen Umständen ist nicht
davon auszugehen, dass eine erneut bedingt ausgesprochene Strafe den Be-
schuldigten in Zukunft von weiteren Delikten abhalten würde. Diese Erwartung hat
er bereits mehrfach enttäuscht. Die Prognose für sein zukünftiges Wohlverhalten
fällt deshalb negativ aus.
- 34 -
3.3. Erscheint die Prognose im Einzelfall zu ungünstig, um einen vollständigen
Aufschub der Freiheitsstrafe (Art. 42 StGB) zu gewähren, so gilt dies nicht not-
wendigerweise auch im Hinblick auf einen teilweisen Aufschub. Die Beurteilung
nach Art. 43 StGB muss auf einer eigenständigen legalprognostischen Grundlage
erfolgen. Die im Zusammenhang mit der Frage eines vollständigen Aufschubs ge-
stellte ungünstige Legalprognose ist nicht ohne Weiteres auf die Prüfung eines
teilweisen Aufschubs übertragbar. Gerade bei Tätern, die noch nie zuvor eine
Freiheitsstrafe verbüsst haben, kann ein teilweiser Vollzug der Strafe in Verbin-
dung mit der Drohung eines späteren Vollzugs des aufgeschobenen Teils die
Rückfallneigung soweit verändern, dass die Erwartung, der Täter werde sich be-
währen, wieder auflebt (Urteil des Bundesgerichts 6B_1005/2017 vom 9. Mai
2018 E. 4.2.4).
Der Beschuldigte wurde in Deutschland bereits mehrfach zu Freiheitsstrafen ver-
urteilt (Urk. 11/3). Im letzten Strafbefehlsverfahren wurde er darauf hingewiesen,
dass er bei allfälliger neuen Delinquenz mit einer Freiheitstrafe rechnen müsse
(Beizugsakten der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl, 2016/10005575; Urk. 4 S. 2).
Damit wurde der Beschuldigte schon mehrfach mit der Gefahr des Vollzug einer
Freiheitsstrafe konfrontiert. Gemäss seinen Angaben befand er sich in Deutsch-
land auch schon mehrere Monate in Untersuchungshaft (Prot. I S. 10). Die in der
Schweiz gegen den Beschuldigten ergangenen Verurteilungen liegen nicht weit
zurück und haben ihn nicht davon abgehalten, innert kürzester Zeit wieder zu de-
linquieren. Heute hat er sich zum dritten Mal innert weniger Jahre wegen Vermö-
gensdelikten zu verantworten. In der Vergangenheit ist der Beschuldigte zudem
gleich zweimal während laufender Probezeit straffällig geworden. Vor diesem Hin-
tergrund erweist sich der Vollzug bloss eines Teils der Strafe nicht geeignet, um
eine günstige Prognose für den anderen Strafteil zu begründen, zumal lediglich
sechs Monate unbedingt ausgesprochen werden könnten (Art. 43 Abs. 2 StGB).
Zu verweisen ist auch in diesem Zusammenhang auf das im Berufungsverfahren
eingeholte psychiatrische Gutachten, woraus sich ebenfalls eine ungünstige
Prognose ergibt (vgl. Ziff. III.2.2). Diese Begutachtung fand zu einem Zeitpunkt
statt, in welchem der Beschuldigte die Therapie bei Dr. C._ und Dr. E._
bereits begonnen hatte. Da die Gutachterin dem Beschuldigten aber dennoch ei-
- 35 -
ne ungünstige Prognose attestierte, zeigt sich, dass entgegen der Auffassung der
Verteidigung auch der Umstand, dass sich der Beschuldigte freiwillig in eine The-
rapie begeben hat (Urk. 94 S. 11), nichts an der Einschätzung zu ändern vermag,
dass auch die Anordnung des Vollzuges nur eines Teiles der Strafe nicht geeignet
wäre, eine günstige Prognose für den anderen Strafteil zu begründen. Überdies
ist darauf hinzuweisen, dass – wie nachfolgend zu zeigen sein wird – für den Be-
schuldigten eine ambulante Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB anzuordnen
sein wird. Dabei bedeutet die Anordnung einer Massnahme zugleich eine ungüns-
tige Prognose und schliesst demnach den bedingten oder teilbedingten Aufschub
einer Strafe ohnehin aus (Schneider/Garré, in: in: Niggli/Wiprächtiger [Hrsg.], Bas-
ler Kommentar StGB, 4. Aufl. 2019, N 25 zu Art. 42; Urteil des Bundesgerichts
6B_652/2016 vom 28. März 2017 E. 3.3.1). Die Freiheitsstrafe ist deshalb zu voll-
ziehen.
3.4. Die Möglichkeit, Bewährungshilfe anzuordnen oder einer beschuldigten Per-
son Auflagen bzw. Weisungen zu erteilen, ist für das Gericht gemäss Art. 44
Abs. 2 StGB nur für den Fall vorgesehen, dass gleichzeitig eine Probezeit ange-
setzt wird. Da dem Beschuldigten der bedingte Vollzug jedoch nicht gewährt wer-
den kann und ihm folglich auch keine Probezeit anzusetzen ist, besteht auch kei-
ne Möglichkeit, den Anträgen des Beschuldigten auf Erteilung der Auflage, seine
bereits begonnene Therapie weiterzuführen, sowie auf Anordnung eines Bewäh-
rungshelfers (Urk. 94 S. 2, 10) zu entsprechen. Ausser Frage steht jedoch, dass
es dem Beschuldigten freistehen wird, die bereits begonnene Therapie trotz der
ambulanten Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB, welche mit diesem Urteil an-
zuordnen sein wird, auf freiwilliger Basis weiterzuführen.
IV. Massnahme
1. Ambulante therapeutische Massnahme
1.1. Wie bereits erwähnt, wurde im Berufungsverfahren bei Dr. med. F._
ein Gutachten über den körperlichen und geistigen Zustand des Beschuldigten,
dessen Schuldfähigkeit zur Zeit der Taten sowie die Zweckmässigkeit einer Mas-
snahme nach den Artikeln 56 bis 64 StGB eingeholt (Urk. 69). Die Gutachterin di-
- 36 -
agnostizierte beim Beschuldigten im fraglichen Tatzeitraum eine kombinierte Per-
sönlichkeitsstörung mit dissozialen und narzisstischen Anteilen (ICD-10: F61.0).
Die Persönlichkeitsstörung sei als mittelgradig einzustufen und bestehe seit dem
frühen Erwachsenenalter (Urk. 82 S. 52). Es handle sich dabei um eine behand-
lungsbedürftige Störung (Urk. 82 S. 54). Gemäss Gutachterin habe die Persön-
lichkeitsstörung die vorgeworfene Delinquenz in direkter Weise beeinflusst
(Urk. 82 S. 53). Die Rückfallwahrscheinlichkeit für eine erneute Delinquenz, wie
sie bisher gezeigt worden sei, sei als hoch einzustufen. Der Beschuldigte weise
erhebliche Risikofaktoren (u.a. kognitive Verzerrungen und zweigeteiltes Werte-
system) sowie erhebliche psycho-soziale Belastungen (Vorstrafen, Schulden) auf.
Um funktionalere Coping-Strategien zum Aufbau des Selbstwertgefühls des Be-
schuldigten zu erarbeiten und kognitive Verzerrungen aufzudecken und damit di-
rekt deliktpräventiv zu arbeiten, sei eine Psychotherapie zielführender als eine al-
leinige Strafe (Urk. 82 S. 53 f.). Die Gutachterin empfiehlt die Anordnung einer
ambulanten Massnahme nach Art. 63 StGB (Urk. 82 S. 56). Eine solche wäre ge-
eignet, die deliktrelevanten Persönlichkeitsmerkmale und die Persönlichkeitsstö-
rung zu behandeln und damit das Rückfallrisiko zu vermindern. Mit einer ambu-
lanten Massnahme bei einem forensisch ausgebildeten Therapeuten sei zu erwar-
ten, dass sich die Rückfallgefahr beim Beschuldigten reduzieren lasse (Urk. 82
S. 55 f.). Eine stationäre Behandlung erscheine demgegenüber nicht erforderlich
(Urk. 82 S. 54).
1.2. Eine Massnahme ist anzuordnen, wenn eine Strafe allein nicht geeignet ist,
der Gefahr weiterer Straftaten des Täters zu begegnen, ein Behandlungsbedürf-
nis des Täters besteht oder die öffentliche Sicherheit dies erfordert und die Vor-
aussetzungen der Art. 59-61, 63 oder 64 StGB erfüllt sind (Art. 56 Abs. 1 StGB).
Gemäss Art. 63 Abs. 1 StGB kann das Gericht anordnen, dass der psychisch
schwer gestörte Täter nicht stationär, sondern ambulant behandelt wird, wenn er
eine mit Strafe bedrohte Tat verübt, die mit seinem Zustand in Zusammenhang
steht (lit. a), und zu erwarten ist, dadurch lasse sich der Gefahr weiterer mit dem
Zustand des Täters in Zusammenhang stehender Taten begegnen (lit. b). Der
Begriff der schweren psychischen Störung gemäss Art. 63 Abs. 1 StGB deckt sich
- 37 -
mit jenem von Art. 59 Abs. 1 StGB (Urteil des Bundesgerichts 6B_290/2016 vom
15. August 2016 E. 2.3.3 mit Hinweisen).
1.3. Gemäss den vorstehend dargelegten gutachterlichen Ausführungen leidet
der Beschuldigte an einer schweren psychischen Störung, wobei die von ihm be-
gangenen Straftaten in Zusammenhang mit seinem Zustand stehen. Die Rückfall-
gefahr für eine erneute Delinquenz, wie sie bisher gezeigt wurde, wird als hoch
angesehen. Es ist deshalb von der Behandlungsbedürftigkeit des Beschuldigten
auszugehen. Gemäss Gutachten gibt es Behandlungsverfahren, um eine Persön-
lichkeitsstörung und die deliktrelevanten Persönlichkeitsmerkmale zu bearbeiten,
mit dem Ziel, die deliktische Rückfallgefahr zu senken. Menschen mit einer disso-
zialen (und narzisstischen) Persönlichkeitsstörung würden eine spezifische The-
rapie benötigen, wobei man mit anderen Zeitdimensionen rechnen müsse als bei
der Behandlung sonstiger psychisch Kranker. Eine Herausforderung dieser thera-
peutischen Arbeit bestehe darin, dass viele problematische Denk- und Verhal-
tensweisen vom Patienten nicht als störend oder fremd erlebt würden, weshalb
oftmals kein bis wenig Leidensdruck bestehe. Erfolgreich behandelt werden könn-
ten nur jene Persönlichkeitsanteile, welche die Patienten selbst als behindernd
und störend erleben würden. Bei Behandlungen dissozialer und narzisstischer
Persönlichkeitsstörungen sei ungewiss, ob sich therapeutisch eine nachhaltige
Veränderung der problematischen Verhaltensweisen erzielen lasse. Ohne die mo-
tivierte konstruktive Mitarbeit des Patienten seien therapeutische Massnahmen
letztlich nicht erfolgsversprechend durchführbar (Urk. 82 S. 49 f.). Aus den Akten
ergibt sich, dass der Beschuldigte im November 2018 aus eigener Initiative Unter-
stützung suchte und eine Therapie in der D._ in Angriff nahm (Urk. 67 S. 1;
Urk. 82 S. 39, 49 und 52; Prot. II S. 6 und 8). Anlässlich der psychiatrischen Be-
gutachtung hat er nachdrücklich unterstrichen, dass er mit therapeutischer Unter-
stützung eine Verhaltensänderung herbeiführen wolle (Urk. 82 S. 49 und 50). Die
Gutachterin hält fest, der Beschuldigte scheine mittlerweile zu begreifen, dass ihm
das fortgesetzt delinquente Verhalten genau das verunmögliche, was er erreichen
wolle, weshalb aktuell eine glaubhafte und nachvollziehbare Therapiebereitschaft
bestehe (Urk. 82 S. 29). In der von der Verteidigung im Berufungsverfahren ein-
gereichten Stellungnahme von Dr. M._ vom 4. Februar 2019 wird ebenfalls
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festgehalten, der Beschuldigte wolle sein Leben nicht so weiterführen, wobei ihm
bewusst sei, dass er dies nicht alleine schaffen könne. Er habe mittlerweile einge-
sehen, dass er eine qualifizierte langfristige begleitende Therapie benötige
(Urk. 67 S. 2). Daraus kann geschlossen werden, dass der Beschuldigte seine
Verhaltensweisen selbst als störend erlebt und die Notwendigkeit einer therapeu-
tischen Behandlung eingesehen hat (vgl. auch Urk. 82 S. 16 und 27). Damit ist ei-
ne wesentliche Voraussetzung für den erfolgreichen Verlauf der therapeutischen
Behandlung gegeben. Dementsprechend geht das Gutachten davon aus, dass
eine ambulante Behandlung bei einem forensisch ausgebildeten Therapeuten ge-
eignet wäre, das Rückfallrisiko zu vermindern (Urk. 82 S. 55 und 56). Mit dem
Gutachten ist deshalb von der Behandlungsfähigkeit des Beschuldigten auszuge-
hen. Wie erwähnt, erklärte sich der Beschuldigte im Rahmen der Begutachtung
bereit, an einer ambulanten Massnahme teilzunehmen (Urk. 82 S. 50). Auch an-
lässlich der Berufungsverhandlung vom 3. Dezember 2019 gab der Beschuldigte
an, dass es ihm sehr wichtig sei, eine Behandlung zu machen. Auch bejahte er,
dass er auch dann eine Therapie machen würde, wenn er in den Strafvollzug ge-
hen müsste (Prot. II S. 32). In Übereinstimmung mit dem Gutachten (Urk. 82
S. 56) ist deshalb von der Behandlungsbereitschaft des Beschuldigten auszuge-
hen. Der Beschuldigte ist in der Vergangenheit mehrfach einschlägig straffällig
geworden (vgl. dazu Ziff. II.9.2). Aus gutachterlicher Sicht ist inskünftig eine Ei-
gentums-, Betrugs- und Strassenverkehrsdelinquenz zu erwarten, wobei die
Rückfallwahrscheinlichkeit als hoch angesehen wird (Urk. 82 S. 53 f.). Gemäss
Gutachten ist eine Psychotherapie zielführender als eine alleinige Strafe (Urk. 82
S. 54). Eine stationäre Massnahme hält die Gutachterin vorliegend indes nicht für
erforderlich (Urk. 82 S. 54). Die Anordnung einer ambulanten Massnahme erweist
sich vor diesem Hintergrund auch als verhältnismässig. Es ist deshalb eine ambu-
lante Behandlung des Beschuldigten im Sinne von Art. 63 StGB (Behandlung
psychischer Störungen) anzuordnen.
2. Aufschub des Strafvollzugs zugunsten der Massnahme
2.1. Gemäss Art. 63 Abs. 2 StGB kann das Gericht den Vollzug einer zugleich
ausgesprochenen Freiheitsstrafe zu Gunsten einer ambulanten Massnahme auf-
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schieben, um der Art der Behandlung Rechnung zu tragen. Grundsätzlich wird die
ambulante Massnahme gleichzeitig mit dem Strafvollzug durchgeführt. Der Auf-
schub ist die Ausnahme (BGE 129 IV 161 E. 4.1 und 4.3; Urteile des Bundesge-
richts 6B_698/2017 vom 13. Oktober 2017 E. 7.2.1; 6B_53/2017 vom 2. Mai 2017
E. 1.3; 6B_850/2016 vom 7. März 2017 E. 1.3.2; mit Hinweisen). Er ist an zwei
Voraussetzungen gebunden. Einerseits muss der Täter ungefährlich und anderer-
seits die ambulante Therapie vordringlich sein. Er ist anzuordnen, wenn die tat-
sächliche Aussicht auf erfolgreiche Behandlung durch den sofortigen Vollzug der
ausgefällten Freiheitsstrafe erheblich beeinträchtigt würde. Die Therapie geht vor,
falls eine sofortige Behandlung gute Resozialisierungschancen bietet, welche der
Strafvollzug klarerweise verhindern oder vermindern würde. Dabei sind einerseits
die Auswirkungen des Strafvollzugs, die Erfolgsaussichten der ambulanten Be-
handlung und die bisherigen Therapiebemühungen zu berücksichtigen, anderer-
seits aber auch das kriminalpolitische Erfordernis, Straftaten schuldangemessen
zu ahnden bzw. rechtskräftige Strafen grundsätzlich zu vollziehen (BGE 129 IV
161 E. 4.1; Urteile des Bundesgerichts 6B_53/2017 vom 2. Mai 2017 E. 1.3;
6B_850/2016 vom 7. März 2017 E. 1.3.2; 6B_95/2014 vom 16. Oktober 2014
E. 3; je mit Hinweisen). Die ambulante Massnahme darf nicht dazu missbraucht
werden, den Vollzug der Strafe zu umgehen oder auf unbestimmte Zeit hinauszu-
schieben. Ein Aufschub muss sich aus Gründen der Heilbehandlung hinreichend
rechtfertigen (BGE 129 IV 161 E. 4.1).
2.2. Aus dem Gutachten von Dr. med. F._ vom 4. Juli 2019 ergibt sich,
dass eine ambulante Behandlung auch während des Vollzugs der Freiheitsstrafe
durchgeführt werden kann. Der gleichzeitige Vollzug der Freiheitsstrafe würde die
Behandlung weder verunmöglichen noch erheblich beeinträchtigen (Urk. 82
S. 55). Zu berücksichtigen ist vorliegend, dass sich der Beschuldigte seit anfangs
November 2018 in therapeutischer Behandlung in der D._ befindet (Urk. 67
S. 1; Urk. 82 S. 39, 49 und 52). Die Behandlung wird seit Anfang des Jahres 2019
von Dr. med. E._ durchgeführt, wobei einmal wöchentlich Konsultationen
stattfinden (Urk. 82 S. 26, 39 und 52; vgl. auch Urk. 95/1). Gemäss Angaben von
Dr. med. E._ sei beim Beschuldigten eine Motivation zur Veränderungsbe-
reitschaft feststellbar. Er sei in der Lage, sich selbst zu reflektieren, erscheine au-
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thentisch und bereitwillig sowie affektiv in den Sitzungen beteiligt. Der Beschuldig-
te komme einmal pro Woche zuverlässig zur Therapie (Urk. 82 S. 26). Dass die
aktuelle Behandlung des Beschuldigten gemäss Einschätzung des Therapeuten
gut verläuft, ist positiv zu werten. Dies bedeutet indes nicht, dass eine ambulante
Massnahme im Strafvollzug nicht möglich wäre und der Therapieerfolg deshalb in
Frage gestellt würde. Die Gutachterin hält in Bezug auf die aktuelle therapeuti-
sche Behandlung des Beschuldigten zudem fest, zwar sei es erfreulich, dass der
Beschuldigte eine vertrauensvolle Beziehung zum aktuellen Psychiater aufgebaut
habe. Es sei jedoch trügerisch, einen Menschen mit den hervorstehenden Merk-
malen Lügen, Manipulieren und Betrügen in Therapie zu nehmen und zu glauben,
dass man (sofort) merke, wenn dieser problematische Verhaltensweisen zeige.
Gerade der hohe Psychopathy-Anteil erfordere in diesem Fall eine ausgebildete
Fachperson, die sich der Gefahr dieses Klientels bewusst sei und damit umgehen
könne. Kritisch werde zudem gesehen, dass Dr. med. E._ beim Beschuldig-
ten die Diagnose einer Anpassungsstörung stelle, nicht jedoch diejenige einer
Persönlichkeitsstörung. Mit einer nicht zutreffenden Diagnose würden voraus-
sichtlich die falschen therapeutischen Schwerpunkte gesetzt (Urk. 82 S. 51 und
52). Gemäss Dr. med. F._ ist die von ihr empfohlene Massnahme bei einem
forensisch ausgerichteten Psychologen oder Psychiater durchzuführen. Foren-
sisch ausgebildeten Fachleuten werde es eher gelingen, gezielt störungs- und de-
liktsorientiert mit dem Beschuldigten an seiner auffälligen Persönlichkeitsstörung
zu arbeiten (Urk. 82 S. 51 und 52). Diese Einschätzung ist nachvollziehbar, zumal
sich aus dem Gutachten ergibt, dass die Behandlung von Personen mit einer dis-
sozialen (und narzisstischen) Persönlichkeitsstörung anspruchsvoll ist (vgl.
Urk. 82 S. 50). Vor dem Hintergrund der gutachterlichen Ausführungen ist nicht
davon auszugehen, dass der Vollzug der Freiheitsstrafe einen aktuell günstigen
therapeutischen Verlauf gefährden bzw. ein Therapeutenwechsel einen Therapie-
erfolg vereiteln würde. Somit ist der Vollzug der Freiheitsstrafe nicht zugunsten
der anzuordnenden Massnahme aufzuschieben.
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V. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres
Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Zwar wird dem Antrag des
Beschuldigten auf Anordnung einer ambulanten Massnahme entsprochen. Da er
mit seinen übrigen Anträgen und insbesondere mit demjenigen betreffend Auf-
schub des Vollzugs der Freiheitsstrafe unterliegt, rechtfertigt es sich jedoch, ihm
die Kosten dieses Verfahrens dennoch vollumfänglich aufzuerlegen. Die Kosten
der amtlichen Verteidigung sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten ist vorzubehalten (Art. 135 Abs. 4
StPO). Bei diesem Verfahrensausgang ist dem Beschuldigten für die erbetene
Verteidigung durch Rechtsanwalt Dr. iur. X2._ keine Prozessentschädigung
zuzusprechen.