# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 170de894-c548-5cf2-93d6-b6758ed5669c
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der 1962 geborene X._
me
ldete sich am 19. Februar 2013
(Eingangs
datum) unter Hinweis auf ein Rückenleiden bei der Sozialversicherungsan
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungs
bezug an (
Urk.
8/4).
Nach Abklärun
gen in beruflich-erwerblicher sowie medizinischer Hinsicht sprach die IV-Stelle dem Versicherten m
it Verfügungen vom 3. Dezember 2014
eine ganze Invaliden
rente
vom
1. A
ugust bis 30. September
2013
und
eine halbe Invalidenrente
vom 1. Oktober bis 31. Dezember 2013
zu (
Urk.
8
/
46, 8
/
48 f
.).
Am 2
7. Dezember 2018 (Eingangsdatum) reichte der Versicherte eine weitere IV-Anmeldung ein und verwies dabei auf starke Schmerzen seit
seiner
Rückenope
ration sowie psychische Beschwerden (
Urk.
8/53). Die IV-Stelle klärte in der Folge den erwerblichen und medizinischen Sachverhalt ab
und gab insbesondere eine
bi
disziplinäre
Begutachtung in Auf
trag (Gutachten
von
Dr. med. und
Dr.
sc. nat. ETH Y._
, Fachärztin für Innere Medizin FMH spez. Rheumaer
krankungen
, vom 22. Mai 2020
[
Urk.
8/87
]
und Gutachten von
Dr. med. Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
vom 10. Juli 2020 [
Urk.
8/88]
)
.
Nach durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
(Vorbescheid vom
21. Juli 2020 [
Urk.
8/90
]; Ein
wand vom
5. August 2020 [
Urk.
8/95
]
und 3. Sep
tember 2020 [
Urk.
8/99]
mit ergänzender Begründung vom
4. Januar 2021 [
Urk.
8/123
])
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
22. Januar 2021
einen
Anspruch auf IV-Leistungen
(
Urk.
2 =
Urk.
8/126
)
.
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 22. Februar 2021 Beschwerde beim Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich und beantragte, die ange
fochtene Verfügung sei aufzuheben und die IV-Stelle zu verpflichten, ein psychi
atrisches und neuropsychologisches Gutachten in Auftrag zu geben
und hernach neu
zu entscheiden (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwer
deantwort vom
8. April 2021
beantragte die Beschwerdegegnerin die A
bweisung der Be
schwerde (
Urk.
7
), was dem Beschwerde
führer mit Verfügung vom
12. April 2021 angezeigt wurde (
Urk.
9
).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. De
zember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfolgend auch i
n dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unab
hängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weit
gehend ob
jektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mut
bar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen all
seitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den Vor
ak
ten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusam
menhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Ex
perten in einer Weise begründet sind, dass die rechts
anwendende Person sie prü
fend nachvollziehen kann, und ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räu
mende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen er
schweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a; 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog, dass der Beschwerdeführer gestützt auf das von ihr eingeholte Gutachten sowohl in der bisherigen Tätigkeit im Logistikbereich als auch in einer angepassten Tätigkeit uneingeschränkt arbeitsfähig sei (Urk. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer brachte demgegenüber im Wesentlichen vor, dass die Beschwerdegegnerin den Untersuchungsgrundsatz gemäss ATSG verletzt habe, da sie seinen aktuellen Gesundheitszustand im Verfügungszeitpunkt nicht abge
klärt habe. Sie habe sich auf das mittlerweile veraltete Gutachten gestützt, obwohl der Versicherte zwischenzeitlich latent suizidal gewesen sei. Sie wäre aufgrund der Verschlechterung des Gesundheitszustandes jedoch verpflichtet gewesen, ein psychiatrisches Verlaufsgutachten einzuholen und eine neuropsychologische Abklärung in Auftrag zu geben (Urk. 1).
3.
3.1
Dr.
Y._
nannte in ihrem von der Beschwerdegegnerin in Auftrag gegebenen internistisch-rheumatologischen Gutachten vom 22. Mai 2020 (Urk. 8/87) fol
gende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 8/87/44):
-
Verminderte Belastbarkeit und Beschwerden der LWS bei
-
Status nach LWS-Operation am 31.01.2012 mit
-
Diskektomie und Dekompression L4/L5 und L5/S1 links wegen
-
lumboradikulären
Beschwerden links bei einer kleinen
mediola
teralen
Diskushernie L5/S1 links mit Kompression der Nerven
wurzel S1 links
-
mit mehrsegmentalen degenerativen Veränderungen der LWS mit
Osteochondrosen
und fortgeschrittener Facettengelenkdegeneration der unteren LWS sowie deutlicher
Foramenstenose
LWK5/SWK1 links (MRI 02/2019)
-
und leichtem chronischen sensomotorischen Ausfallsyndrom L5 links
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit führte sie eine Adipo
sitas Grad I (BMI 32.2 kg/m
2
), eine
Hypalbuminämie
(28.6 g/l) unklarer Ätiologie ohne vermehrte
Albuminausscheidung
im Spontanurin sowie einen Status nach intraartikulärer Fraktur der Endphalanx der Grosszehe links am 18.06.201
2 mit konservativer Therapie an
(Urk. 8/87/44).
Dr.
Y._
legte dar, dass die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers durch die eingeschränkte Funktion und Belastbarkeit der LWS limitiert sei. Die Beanspru
chung der Wirbelsäule hänge von verschiedenen Faktoren ab, weshalb keine all
gemein verbindlichen Empfehlungen betreffend die Belastbarkeit definiert wer
den könnten. Das längere Verharren in vornüber geneigter Haltung – ob stehend oder sitzend – sei zu vermeiden. Ebenso seien unerwartete, asymmetrische Last
-
einwirkungen auszuschliessen. Eher günstig seien wechselbelastende Tätig
keiten. Eine LWS-schonende Tätigkeit könne der Beschwerdeführer zu 100 % ausüben. Dabei könne er Lasten bis zu 10 kg hantieren (leichtes Belastungsni
veau). In einer solchen angepassten Tätigkeit habe nie eine lang andauernde Arbeitsunfähigkeit bestanden. Gemäss dem mitgebrachten Lebenslauf sei der Beschwerdeführer in zahlreichen verschiedenen Berufsfeldern tätig gewesen. Dabei seien die letzte Anstell
ung bei der A._
AG sowie die Tätigkeiten als Werkstattmitarbeiter beim Haushaltgeräte-Recycling, Kurier, Filmlogistikmit
-
arbeiter und Kinooperateur alle angepasst und folglich uneinge
schränkt zumutbar. In anderen bisher ausgeübten Tätigkeiten bestünden aber wahrscheinlich Teilbereiche, die seit der LWS-Operation im Januar 2012 nicht mehr möglich seien (Urk. 8/87/49 f.).
3.2
Dr.
Z._
stellte in seinem psychiatrischen Gutachten vom 10. Juli 2020 (Urk. 8/88) keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeits
fähig
keit. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine
Dysthymia
(ICD-10 F34.1). Dr.
Z._
führte dazu aus, dass sich der Beschwerdeführer in psychopa
thologischer Hinsicht weitgehend unauffällig gezeigt habe. Ergänzend zu den anamnestischen Angaben über eine trotz Ein- und Durchschlafstörungen erhal
tene Tagesstruktur, bei allerdings vermindertem Interesse für Aktivitäten, die ihm früher Freude bereiteten, könne beim Beschwerdeführer gegenwärtig von einer grenzwertigen leichten depressiven Symptomatik ausgegangen werden. Auf
grund der erhobenen anamnestischen Angaben ergäben sich keine Hinweise auf eine genetische Vorbelastung für die Entwicklung psychiatrischer Erkrankungen.
Die frühe Kindheit sei ohne gravierende traumatische Ereignisse verlaufen und so ergäben sich keine Hinweise auf die Bildung einer Persönlichkeitsstörung in der frühen Kindheit. Der Beschwerdeführer habe 7-jährig eine Meningitis durchge
standen, was in der Folge seine schulische Leistung eingeschränkt habe. Es sei ihm lediglich gelungen, eine Sonderschule zu absolvieren. Aus diesem Grund habe der Beschwerdeführer auch keine Berufsausbildung gemacht, wobei die Militärtauglichkeit und der geleistete Militärdienst sowohl schwerwiegende Stö
rungen aus dem organischen Formenkreis als auch Verhaltensstörungen oder sonstige psychische Probleme mit Krankheitswert im früheren Erwachsenenalter ausschliessen würden. Der Beschwerdeführer habe im Erwachsenenalter jahrelang ein konstantes Leistungsniveau aufgewiesen. Dazu hätten sich keine Hinweise auf ein anhaltend auffälliges Verhaltensmuster bezüglich Kognitionen, Wahrneh
mungen und sozialen Interaktionen sowie keine Hinweise auf anhaltende Störun
gen der Impuls- und Affektkontrolle ergeben, womit beim Beschwerdeführer sowohl eine Persönlichkeitsstörung als auch irgendeine Art der andauernden Per
sönlichkeitsänderung ausgeschlossen werden könnten. Der Beschwerdeführer habe erstmals 30-jährig nach dem Tod seiner Mutter eine psychiatrisch-psycho
therapeutische Behandlung aufgenommen, wobei die Krise nicht länger angedau
ert habe. Dazu habe er auch eine neue Arbeitsstelle finden und jahrelang ein weitgehend unauffälliges Leistungsniveau
halten
können. Damit könne zu Beginn der 90er Jahre von einer vorübergehenden Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion ausgegangen werden, welche die Arbeitsfähigkeit im Längsschnitt jedoch nicht beeinträchtigt habe. Die vom Beschwerdeführer berichtete jahre
lange Unzulänglichkeit und die Bedrücktheit sowie der fehlende Bedarf nach einer regelmässigen fachlichen psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung und das weitgehend erhaltene Leistungsniveau sprächen für die Entwicklung einer
Dysthymia
, die häufig nach Verlust einer wichtigen Person auftrete und sich mit depressiven Verstimmungen, Unzulänglichkeit, intermittierenden Schlaf
störungen sowie mit inneren Anspannungen manifestiere, wobei die Leistungs
fähigkeit der Betroffenen erhalten bleibe. Der Beschwerdeführer habe die ambu
lante psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung bei
Dr.
med. B._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, im Januar 2019 aufge
nommen und es sei nicht auszuschliessen, dass er aufgrund der belastenden psy
chosozialen Situation sowie seiner psychophysischen Unterforderung auch unter intermittierenden akzentuierten depressiven Symptomen gelitten
habe, allerdings ohne objektiv
nachhaltige
Einschränkung seiner Arbeitsfähigkeit. In den Berich
ten von
Dr.
B._
seien keine objektiven psychopathologischen Befunde dokumentiert, weshalb das Ausmass der depressiven Symptomatik bei Behand
lungsaufnahme im Januar 2019 und im Verlauf 2019 nicht ganz genau beurteilt
werden könne,
insbesondere
weil auch die attestierte 100%ige Arbeits
-
unfähigkeit teilweise fachübergreifend (aufgrund von körperlichen Beschwerden) gestellt worden sei. Deswegen könne nur eine Längsschnittbeurteilung der Arbeitsfähig
keit seit 2014 vorgenommen werden. Der fehlende Bedarf nach einer psychiat
risch-psychotherapeutischen Behandlung von 2014 bis Januar 2019 und die Erstanmeldung nur aufgrund des Rückenleidens am 19. Februar 2013 würden eine Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers bis anfangs 2019 auf psychiatri
schem Fachgebiet ausschliessen. Obwohl aktenmässig von
Dr.
B._
eine mit
telschwere depressive Episode bei rezidivierenden depressiven Episoden postuliert worden sei,
sei
anlässlich der Begutachtung eine
Dysthymia
zu
diagnostizier
en
, die aber bei weitgehend unauffälligen psychokognitiven Funktionen (Gedächt
nisfunktion, Konzentrationsvermögen, Merkfähigkeit, Aufmerksamkeit, Gedan
kenfluss, Gedankeninhalte, Stimmungslage, affektive Schwingungsfähigkeit, Elan
vitae
, Antrieb, Psychomotorik)
die
Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers
nicht einschränke. Folglich könne dem Beschwerdeführer auf dem psychia
tri
schen Fachgebiet keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert werden. Zwecks Verbesserung seiner körperlichen Fitness könne dem Beschwerdeführer ergänzend zu der bereits etablierten antriebssteigernden antidepressiven Medika
tion auch mindestens intermittierend eine schlaffördernde medikamentöse Behandlung empfohlen werden. Unter den vorgeschlagenen therapeutischen Massnahmen sei mit einer Verbesserung der Lebensqualität und mit der Erhaltung einer vollen Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer S
icht auszugehen (Urk. 8/88/13 f
.).
3.3
In der dem psychiatrischen Gutachten angehängten interdisziplinären Zusam
me
n
fassung und Beurteilung (Urk. 8/88/17 ff.) kamen Dr.
Z._
und Dr.
Y._
zum Schluss, dass der Beschwerdeführer für die angestammte
Tätigkeit
– soweit LWS-schonend
– weder aus rheumatologischer noch aus psychiatrischer Sicht über längere Zeit arbeitsunfähig gewesen sei. Er könne Lasten bis zu 10 kg han
tieren.
4.
4.1
Das im Rahmen von Art. 44 ATSG eingeholte
Gutachten von Dr.
Y._
vom 22. Mai 2020 (E. 3.1) entspricht sämtlichen bundesgerichtlichen Vorgaben an ein beweiskräftiges Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). Es basiert auf den not
wendigen internistisch-rheumatologischen Untersuchungen des Beschwerdefüh
rers. Der Gutachterin standen die Akten der Beschwerdegeg
nerin zur Verfügung, worin namentlich die relevanten medizinischen Berichte enthalten waren. Sie berücksichtigte sodann die geklagten Beschwerden und
setzte sich mit diesen sowie dem Verhalten des Beschwerdeführers auseinander. Das Gutachten leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein. Demgemäss sind auch die Schlussfolgerungen der medizi
nischen Expertin in einer Weise begründet, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nach
vollziehen kann. Nachdem auch der Beschwerdeführer keine Ein
wendungen gegen das Gutachten von Dr.
Y._
vorbringt (Urk. 1 S. 5 f.), kann auf dieses vollumfänglich abgestellt werden.
Gestützt auf die Einschätzung von Dr.
Y._
und unter Berücksichtigung der übrigen medizinischen Aktenlage ist damit
rechts
genüglich
nachgewiesen, dass der Beschwerdeführer aus somatischer Sicht lediglich in den angestammten Tätigkeiten mit einem leichten Belastungsniveau voll arbeitsfähig ist. In den anderen angestammten Tätigkeiten bestehen demgegenüber Teilbereiche, die seit der LWS-Operation im Januar 2012 nicht mehr möglich sind. In angepassten LWS-schonenden Tätigkeiten ist der Beschwerdeführer zu 100 % arbeitsfähig, wobei er Lasten bis zu 10 kg hantieren kann (vgl. E. 3.1).
4.2
4.2.1
Das psychiatrische Gutachten von Dr.
Z._
vom
10. Juli 2020 (
E. 3.2) beruht auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen, was bei einer psychiatrischen klinischen Untersuchung eine
Anamneseerhebung
(Urk. 8/88/7 ff.), Symptom
er
fassung und Verhaltensbeobachtung (Urk. 8/88/11 ff.) umfasst (Urteil des Bun
desge
richts 9C_728/2018 vom 21. März 2019 E. 3.3). Zudem
stützte sich der Gut
achter für die Erhebung der Befunde auf die
testpsychologischen Instrumente der Mon
t
go
mery-
Asberg
Depression
Scale
(MADRS) und des Mini-ICF-APP (Urk. 8/88/11 ff.). Das Gutachten wurde sodann in Kenntnis der und in ausführ
licher Auseinandersetzung mit den
Vorakten
erstattet (Urk. 8/88/4 ff., 8/88/14). Dabei wurden insbesondere die Berichte von Dr.
B._
vom 29. Mai und 18. Dezember 2019 (Urk. 8/67/1 ff., 8/72)
umfassend gewürdigt. Diesbezüglich zeigte Dr.
Z._
überzeugend auf, dass Dr.
B._
keine objektiven psychopa
thologischen Befunde dokumentierte und die Diagnosen nicht begründet herlei
tete sowie ausserdem die Arbeitsunfähigkeit teilweise fachübergreifend, unter Einbezug der somatischen Beschwerden, beurteilte. Dr.
Z._
berücksichtigte die geklagten Beschwerden und setzte sich mit diesen sowie dem Verhalten des Beschwerdeführers auseinander. Dabei legte er die medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtend dar und begründete seine Schlussfolgerung nach
vollziehbar. So führte er mit Blick auf die anlässlich der Untersuchung weitge
hend unauffälligen psychokognitiven Funktionen, einer trotz Ein- und Durch
schlafstörungen erhaltenen Tagesstruktur und einem (von mindestens 2014) bis Januar 2019 fehlenden Bedarf nach einer psychiatrisch-psychotherapeutischen
Behandlung plausibel dar, dass die Arbeitsfähigkeit aktuell und auch seit 2014 nicht eingeschränkt war (Urk. 8/88/
7,
13 f.). Weiter legte er schlüssig dar, dass in Bezug auf die von ihm festgestellte
Dysthymia
nicht von einer Therapieresistenz ausgegangen werden kann, da der Beschwerdeführer unter den etablierten thera
peutischen Massnahmen anlässlich der Exploration keine psychopathologischen Merkmale aufwies (Urk. 8/88/16, vgl. E. 3.2).
Nach dem Gesagten ist gestützt auf das insgesamt überzeugende Gutachten von Dr.
Z._
erstellt, dass der Beschwerdeführer
nicht an
psychischen Beschwer
den mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit leidet, mithin von einer vollstän
digen Arbeitsfähigkeit aus psychischer Sicht auszugehen ist. Dies überzeugt insbeson
dere angesichts des Umstandes, dass es sich bei einer
Dysthymia
(ICD-
10 F34.1)
um eine chronische depressive Verstimmung
handelt
, die nach Schweregrad und Dauer der einzelnen Episoden gerade nicht die Kri
terien für eine leichte oder mit
telgradige rezidivierende depressive Störung erfüllt (
Dilling
,
Mombour
, Schmidt [Hrsg.], ICD-10,
Internationale
Klassifikation psy
chischer Störungen, ICD-10 Kapitel V (F), Klinisch-diagnostische Leitlinien, 10. Auflage, S. 183).
Vor diesem Hintergrund ist aus Gründen der Verhältnismässigkeit von einem strukturierten Beweisverfahren abzusehen, zumal Dr.
Z._
eine Arbeitsunfä
hig
keit in nachvollziehbar begründeter Weise – unter Hinweis auf
weitge
hend unauf
fällige Befunde und unter Berücksichtigung der per
sönlichen, familiären und sozialen Aktivitäten
und der verfügbaren Ressourcen des Beschwerdeführers
sowie de
ssen
therapeutischen Bemühungen
–
verneint hat (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.3).
Ersteres gilt umso mehr, als eine höhere Arbeitsunfähigkeit als die gut
achterlich attestierte auch aus einer
Indikatorenprüfung
nicht resultieren kann (vgl. Urteile
des Bundesgerichts
8C_629/2019 vom 8. Novem
ber 2019 E. 4.2.4; 8C_270/2019 vom 5. September 2019 E. 4.2.3)
und grundsätzlich nur eine schwere psychische Störung invalidisierend im Rechtssinne sein kann (vgl. zur Publikation vorgesehenes Urteil des Bundesgerichts 8C_280/2021 vom 1
7.
No
vember 2021 E. 6.2.2 mit Hinweisen)
.
4.2.2
Nach erfolgtem Einwand durch den Beschwerdeführer und seinem Hinweis auf eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes (Urk. 8/95, 8/99) holte die Beschwerdegegnerin aktuelle Berichte bei Dr.
B._
und der Psychiatrische
n Klinik C._
ein. Dr.
B._
verwies in seinem Bericht vom 17. Dezember 2020 (Urk. 8/121) erneut auf eine rezidivierende depressive Stö
rung, gegenwärtig schwer, wiederholt suizidale Gedanken sowie eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Allerdings lassen sich auch diesem Bericht keine objektiven psychopathologischen Befunde entnehmen
;
vielmehr notierte der behandelnde Psychiater zur Frage nach verändert
en Befunden einzig die Bemerkung
«keine»
(
Urk.
8/121/1)
. Was die Berichte der
C._
vom 2
1.
und 28. Oktober 2020 (Urk. 8/109, 8/121 [inhaltlich identisch mit dem mit der Beschwerde eingereich
ten Bericht der
C._
vom 19. Oktober 2020, Urk. 3/3]) anbelangt, so hielten diese ebenfalls eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2), fest. Dabei führten
die Sachver
ständigen
aus, dass die Zuweisung wegen
exazerbierter
depressiver Symptomatik mit intermittierend auftretenden Suizidgedanken nach Erhalt des negativen IV-Bescheides erfolgt sei. Diesbezüglich gilt allerdings zu berücksichtigen, dass eine
gesundheitliche Störung
von vornherein unbeachtlich ist, wenn sie mit einer akuten depressiven Krise mit existentiellen Ängsten und Verzweiflung nach einer Rentenverweigerung begründet wird, handelt es sich dabei doch um einen versi
cherungsrechtlich unbeachtlichen psychosozialen Umstand, der regelmässig nur von vorübergehender Dauer ist. Entsprechend berichtete die
C._
denn auch von einer Teilremission der bei Eintritt bestehenden Symptomatik sowie dem Fehlen von akuten krankheitsbedingten Gefährdungsaspekten zum Austrittszei
tpunkt. Schliesslich ist der in
der
C._
erhobene Befund (mit eher leichten bis m
ittelgra
digen Einschränkungen) gestützt auf die Einschätzung von
Dr. med. D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD)
(Urk. 8/125/5)
nicht vereinbar mit einer schweren depressiven Epi
sode.
Auf die Beurteilung von Dr.
Z._
, wel
cher
den von ihm erhobenen
Befund mit Hilfe der testpsychologischen Instrumente (MADRS und Mini-ICF-APP)
ergänzte
und darauf hinwies, dass der Beschwerdeführer über weitgehend unauffällige psychokognitive Funktionen verfügt, gingen weder Dr.
B._
noch die
Sach
verständigen der
C._
ein. Mit diesen Berichten gelingt es damit nicht, die gut
achterliche Einschätzung von
Dr.
Z._
in Frage zu stellen und Anlass zu wei
teren Abklärungen – auch nicht in neuropsychologischer Hinsicht – zu geben, da die Berichte keine wichtigen Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben
wären
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_246/2018 vom 16. August 2018 E. 4.1 mit Hin
weisen). Daneben ist – gerade was die attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit
durch
Dr.
B._
und die
C._
angeht - der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass behan
delnde Ärzte aufgrund ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung in Zweifels
fällen mitunter eher zugunsten ihrer Patienten aussagen (Urteil des Bundes
ge
richts 8C_609/2017 vom 27. März 2018 E. 4.3.3).
4.2.3
Bei einer insoweit hinreichend klaren Aktenlage besteht vorliegend kein weiterer Abklärungsbedarf, weshalb entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers kein (weiteres) psychiatrisches und neuropsychologisches Gutachten einzuholen ist. Insbesondere liegt diesbezüglich keine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes
(Art. 43 Abs. 1 ATSG) und des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV) vor, zumal die IV-Stelle auf die Abnahme weiterer Beweise dann verzichten kann, wenn sie nach den von Amtes wegen vorzunehmenden Abklärungen bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung gelangt, ein bestimmter Sachverhalt sei als überwiegend wahrscheinlich zu betrachten und weitere Be
weismassnahmen könnten an diesem Ergebnis nichts mehr ändern (antizi
pierte Be
weiswürdigung, vgl. BGE 136 I 229 E. 5.3 mit Hinweisen; BGE 124 V 90 E. 4b). Angesichts des vorstehend Ausge
führten ist sie denn auch zu Recht davon ausgegangen.
5.
Zu prüfen bleibt, wie sich die 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit in erwerblicher Hinsicht auswirkt.
Der Einkommensvergleich (
Art.
16 ATSG) hat in der Regel in der Weise zu erfol
gen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen (Validen- und Invali
deneinkommen) ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worau
s
sich aus der Einkommensdifferenz der Invali
ditäts
grad bestimmen lässt.
Vorliegend sind das
Valideneinkommen
(aufgrund der schwankenden, unregel
mässigen und weit zurückliegenden Einkünfte kann nicht auf die effektiven Ein
nahmen abgestellt werden) und das Invalideneinkommen ausgehend vom glei
chen Tabellenwert zu berechnen, weshalb sich deren genaue Ermittlung erübrigt.
Diesfalls
entspricht der Invaliditätsgrad nämlich dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn, der höchstens 25 % betragen darf (
BGE 135 V 297
E. 5.2; Urteil des Bundesgerichts 8C_759/2016 vom 29. Dezember 2016 E. 4.2.2). Dies stellt keinen "Prozentver
gleich" im Sinne von
BGE 104 V 135
E. 2b dar, sondern eine rein rechnerische Vereinfachung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_675/2016 vom 18. April 2017 E. 3.2.1). Nac
hdem gestützt auf die Gutachten
eine Einschränkung der Arbeitsfä
higkeit – zu
min
dest in angepasster Tätigkeit –
nicht ausgewiesen ist (E. 3.3)
, würde folglich selbst bei einem Maxi
malabzug von 25 % kein
rentenbegründen
der IV-Grad
resultieren.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
6.
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind auf
Fr.
7
00.-- festzuset
zen und entsprechend dem Verfahrensausgang dem Beschwerdeführer aufzuerle
gen.