# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** fe95deb1-f275-5e9d-b394-d8d46c915691
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2012
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin reichte am 30. Mai 2011 beim Regierungsstatthalteramt
Bern-Mittelland ein Baugesuch ein für den Neubau einer Polleranlage auf der Aarstrasse
(Höhe Aarstrasse / Weihergasse) im Mattequartier. Das Vorhaben wurde am 24. und
29. Juni 2011 im Anzeiger Region Bern publiziert und öffentlich aufgelegt. Die Polleranlage
soll auf der Parzelle Bern Grundbuchblatt Nr. 3898 (Mattenhof/Weissenbühl) erstellt
werden. Die Parzelle ist im Nutzungszonenplan der Stadt Bern als weisse Fläche
ausgeschieden. Diese Fläche wird in der Legende zum Zonenplan unter dem Titel „andere
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Flächen“ unter „Verkehrsanlagen“ geführt. Im Amtsbericht vom 21. Juli 2011 stimmte das
Tiefbauamt des Kantons Bern, Oberingenieurkreis II (TBA OIK II) dem Vorhaben aus
wasserbaupolizeilicher Sicht unter Auflagen zu. Gegen das Bauvorhaben gingen 27
Einsprachen ein, unter anderen auch jene der Beschwerdeführenden. Mit
Gesamtentscheid vom 2. Februar 2012 erteilte das Regierungsstatthalteramt Bern-
Mittelland für das Vorhaben die Bewilligung.
Das neue Verkehrsregime wurde am 22. Juni 2011 mittels
Verkehrsbeschränkungsverfügungen separat publiziert und wurde nicht angefochten.
Zudem wurde vom Gemeinderat am 25. Mai 2011 eine Verordnung über die
Zufahrtsberechtigung zum Mattequartier (VZM1) beschlossen und im Anzeiger Region Bern
am 24. Juni 2011 publiziert.
Für den Bau einer Polleranlage reichte die Stadt Bern bereits im Jahr 2006 an einem
anderen Standort in der Matte ein Baugesuch ein. Das Regierungsstatthalteramt Bern
(heute Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland) bewilligte die Polleranlage mit
Gesamtentscheid vom 23. Dezember 2008. Die Beschwerden gegen diese Bewilligung
hiess die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (BVE) mit Entscheid vom 12. November
2009 insoweit gut als sie den Gesamtbauentscheid aufhob und zur Behandlung der Sache
im Sinne der Erwägungen an das Regierungsstatthalteramt zurückwies.
2. Gegen den Gesamtbauentscheid vom 2. Februar 2012 gingen bei der BVE zwei
Einzel- und eine Kollektivbeschwerde ein. Der Beschwerdeführer 1 beantragt, der
Gesamtbauentscheid sei aufzuheben. Er verlangt, die Gesuchstellerin sei anzuweisen, die
Nicht-Machbarkeit elektronischer Verkehrsberuhigungsmassnahmen detailliert zu
begründen. Ausserdem fordert er, ein allfällig neues Baugesuch für einen Poller und die
entsprechenden Signalisationen seien zwingend zusammen mit den zugehörigen
Verkehrsbeschränkungsverfügungen zu publizieren. Schliesslich verlangt er, einer solchen
Publikation seien belegbare Berechnungen über die Verkehrsbelastung der nicht mit dem
Poller geschützten Matte-Ein- und Ausfahrt beizufügen.
Der Beschwerdeführer 2 beantragt, der Gesamtbauentscheid sei zurückzuweisen. Er
verlangt, auf den Bau einer Polleranlage im Bereich des Mattequartiers sei grundsätzlich
zu verzichten und die dadurch eingesparten Kosten seien für den Hochwasserschutz des
1 Verordnung vom 25. Mai 2011 über die Zufahrtsberechtigung zum Matte-Quartier ( Matte, VZM, SSSB 761.213).
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Mattequartiers einzusetzen. Zusätzlich fordert er, falls die Stadt Bern auf den Bau des
Pollers bestehe, müssten die neuen Verkehrsbeschränkungsverfügungen, die Verordnung
über die Durchgangsberechtigung zum Mattequartier und die baulichen Massnahmen
gemeinsam und koordiniert neu publiziert werden.
Die Beschwerdeführenden 3 bis 24 beantragen, der Gesamtbauentscheid des
Regierungsstatthalteramtes Bern-Mittelland vom 2. Februar 2012 sei aufzuheben. Sie
verlangen, auf das Baugesuch Nr. 2011/0262 betreffend den Bau eines Pollers an der
Aarstrasse in 3011 Bern, Kreis/Grundstück 3/3889 sei nicht einzutreten respektive das
Baugesuch sei zurückzuweisen. Eventuell beantragen sie, das Baugesuch Nr. 2011/0262
betreffend den Bau eines Pollers an der Aarstrasse in 3011 Bern, Kreis/Grundstück 3/3889
sei abzuweisen. Weiter fordern sie, die Erstellung des Pollers sei nicht zu bewilligen und es
sei die Nichtigkeit der Publikation der Verkehrsmassnahmen vom 22. Juni 2011 im
Zusammenhang mit dem Poller festzustellen. Zudem sei festzustellen, welche Verfahren
durch die Vorinstanz als Leitbehörde zu koordinieren seien.
Zusammengefasst rügen die Beschwerdeführenden vorab die mangelhafte Publikation,
eine fehlende oder ungenügende Koordination zwischen baulichen Massnahmen, den
Verkehrsbeschränkungsverfügungen und der VZM, die Verletzung ihres Anspruchs auf
rechtliches Gehör, eine fehlende oder ungenügende Koordination mit den
Hochwasserschutzmassnahmen, fehlendes bzw. ungenügendes öffentliches Interesse
sowie die Unverhältnismässigkeit.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Zudem holte es beim TBA OIK II eine
Stellungnahme ein. Die Stadt Bern und die Vorinstanz beantragen in ihren Eingaben vom
29. März und 2. April 2012 die Abweisung der Beschwerden, soweit darauf eingetreten
werden könne.
4. Auf die Rechtsschriften und Stellungnahmen wird, soweit für den Entscheid
wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191).
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## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG3. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG4 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen ihrer
Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG in Verbindung mit
Art. 40 Abs. 2 BauG). Nach Art. 40 Abs. 2 BauG i.V.m. Art. 35 Abs. 2 Bst. a BauG sind nur
Personen zur Einsprache befugt, welche durch das Bauvorhaben unmittelbar in eigenen
schutzwürdigen Interessen betroffen sind. Nach Lehre und Rechtsprechung ist eine Person
in schutzwürdigen Interessen berührt, wenn sie durch ein Bauvorhaben in höherem Mass
als die Allgemeinheit betroffen ist und zum Streitgegenstand eine besondere
Beziehungsnähe hat. Die Betroffenheit kann rechtlicher oder auch nur tatsächlicher Natur
sein. Sie muss aber hinreichend sein, d.h. eine bestimmte Intensität erreichen, so dass von
der Abwendung eines materiellen oder ideellen Nachteils gesprochen werden kann. Der
Nachteil muss persönlich und unmittelbar sein. Diese Anforderungen grenzen die
Beschwerden betroffener Drittpersonen von der unzulässigen Popularbeschwerde a5b6.
Juristischen Personen ist die Beschwerdebefugnis immer dann zuzuerkennen, wenn sie
selber durch eine Verfügung in gleicher Weise betroffen werden wie eine Privatperson7.
3 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1). 4 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721). 5 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 3. Aufl., Band I, Bern 2007,
Art. 35/35a N. 16 ff. 6 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 65 N. 8 f. und Art. 79 N. 1. 7 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 35/35a N. 16b.
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c) Die Beschwerdeführer 1 und 2 haben beide ihren Geschäftssitz in dem von den
geplanten baulichen Massnahmen betroffenen Gebiet. Auch die Beschwerdeführenden 3
bis 24 sind grösstenteils Grundeigentümer von Liegenschaften, Gewerbetreibende,
Bewohner oder Arbeitnehmer in diesem Gebiet. Sie sind damit durch das Bauvorhaben
ebenfalls in ihren eigenen schutzwürdigen Interessen berührt. Sämtliche
Beschwerdeführenden beteiligten sich am vorinstanzlichen Verfahren als Einsprechende
und sind dort mit ihren Anliegen unterlegen. Somit muss sich der Entscheid auf jeden Fall
mit den einzelnen Rügen auseinandersetzen. Bei dieser Ausgangslage kann darauf
verzichtet werden, die Beschwerdebefugnis jedes einzelnen Einsprechers abzuklären. Es
ist jedoch darauf hinzuweisen, dass die Legitimation in einem allfälligen
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren nachgewiesen werden müsste.
Die Beschwerden sind innert der Rechtsmittelfrist eingereicht worden (Art. 40 Abs. 1
BauG). Sie enthalten einen Antrag und eine Begründung (Art. 32 Abs. 2 VRPG8). Auf die
Beschwerden ist somit einzutreten.
2. Streitgegenstand
a) Anfechtungsobjekt ist der Gesamtentscheid der Vorinstanz vom 2. Februar 2012. Der
Streitgegenstand braucht sich nicht mit dem Anfechtungsobjekt zu decken, kann aber auch
nicht über dieses hinausgehen. Innerhalb dieses Rahmens bestimmen die Parteien den
Streitgegenstand. Die Parteien können den Streitgegenstand im Verlauf des Verfahrens
nicht erweitern, sondern nur einschränken.9
b) Gegenstand des vorinstanzlichen Gesamtentscheids vom 2. Februar 2012 bildet die
Bewilligung für den Neubau der Polleranlage und die Wasserbaupolizeibewilligung. Nicht
Gegenstand des vorinstanzlichen Entscheids sind dagegen die
Verkehrsbeschränkungsverfügungen und die Verordnung der Stadt Bern vom 25. Mai 2011
über die Zufahrtsberechtigung zum Mattequartier (VZM; SSB 761.213). Vorbringen, die die
verfügte Signalisation oder die VZM betreffen, gehen über den Streitgegenstand hinaus.
Auf die diesbezüglichen Rügen und Beweisanträge in den Beschwerden (vgl. auch die
nachfolgenden Erwägungen) sowie auf den Antrag in Ziffer 5 des Rechtsbegehrens der
8 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21). 9 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 72 N. 6 bis 8.
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Beschwerdeführenden 3 bis 24, es sei festzustellen, dass die Publikation der
Verkehrsmassnahmen nichtig sei, kann nicht eingetreten werden.
c) Die Beschwerdeführenden 3 bis 24 beantragen weiter, es sei festzustellen, welche
Verfahren durch die Vorinstanz als Leitbehörde zu koordinieren sind (vgl. Ziffer 6 des
Rechtsbegehrens). Feststellungsbegehren bedürfen eines ausgewiesenen
Feststellungsinteresses und sind gegenüber leistungsverpflichtenden und
rechtsgestaltenden Begehren subsidiär.10 Ein solches separates Feststellungsinteresse
besteht hier nicht: Im Rahmen des Beschwerdeentscheides wird unter anderem zu prüfen
sein, ob der angefochtene vor-instanzliche Entscheid – wie beantragt – wegen Verletzung
der Koordinationspflicht aufgehoben werden muss. Einer entsprechenden separaten
Feststellung bedarf es nicht. Auf Ziffer 6 des Rechtsbegehrens ist nicht einzutreten.
d) Zudem entsprechen die Rechtsbegehren der Ziffern 3 und 4 in der Beschwerde der
Beschwerdeführenden 3 bis 24 dem Hauptantrag in Ziffer 1. Danach hat die Aufhebung
des Gesamtentscheids zur Folge, dass der Poller nicht bewilligt werden kann und der
Bauabschlag erteilt werden muss. Diese Anträge brauchen somit nicht separat beurteilt zu
werden.
3. Akteneinsicht
a) Die Beschwerdeführenden 3 bis 24 führen aus, in den Baugesuchsakten sei kein
Hinweis zu der bereits früher erfolgten und von allen Beschwerdeführenden übersehenen
Publikation der Verkehrsbeschränkungsverfügungen zu finden. Auch fehle das
Verfahrensprogramm des Regierungsstatthalters in diesen Akten. Ein Schreiben des
Tiefbauamtes des Kantons Bern vom 14. April 2011, in welchem auf die neue Praxis
verwiesen werde, wonach das Baugesuch und die Verkehrsbeschränkungen neu separat
zu publizieren seien, befinde sich bei den später zugestellten Akten zur Verordnung und
nicht in den Baugesuchakten. Die Baugesuchsakten seien daher unvollständig und es sei
keine umfassende Einsicht in die Baugesuchsakten gewährt worden.
10 Vgl. BVR 2010 S. 337 E. 3.2 mit Hinweisen.
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b) Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist ein Teilaspekt des allgemeinen Grundsatzes
des fairen Verfahrens von Art. 29 BV11. Als grundlegende Verfahrensgarantie umfasst er
insbesondere auch das Recht der Parteien, von jedem eingereichten Aktenstück bzw. jeder
Stellungnahme Kenntnis zu nehmen und sich dazu äussern zu können, und zwar
unabhängig davon, ob dieses Aktenstück neue Tatsachen oder Argumente enthält. Es ist
Sache der Parteien zu beurteilen, ob ein Dokument einen Kommentar erfordert.12 Demnach
sind den Parteien im Baubewilligungsverfahren die verfahrensleitenden Verfügungen, die
Amts- und Fachberichte sowie die Stellungnahmen der Gegenpartei zuzustellen, so dass
diese Gelegenheit haben, sich dazu zu äussern, sofern sie dies als erforderlich erachten.13
c) Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführenden 3 bis 24 ist nicht ersichtlich,
inwiefern die Baugesuchsakten nicht vollständig sein sollten. So befinden sich sowohl das
Verfahrensprogramm des Regierungsstatthalteramtes vom 27. Juni 2011 (Vorakten pag.
28) als auch das von den Beschwerdeführenden erwähnte Schreiben des Tiefbauamtes
des Kantons Bern vom 14. April 2011 (Vorakten pag. 21) in den Vorakten. Das
Verfahrensprogramm des Regierungsstatthalteramtes vom 27. Juni 2011 wurde ihnen
zudem gemäss den Ausführungen im Gesamtentscheid mit Verfügung der Vorinstanz vom
27. Oktober 2011 zur Einsicht zugestellt14. Das gleiche gilt für die Publikation der
Verkehrsbeschränkungsverfügungen vom 22. Juni 2011. Es ist zudem nicht einzusehen,
wieso die getrennt durchgeführte Publikation der Verkehrsbeschränkungsverfügungen in
den Baugesuchsakten der Polleranlage zwingend vorhanden sein müsste. Schliesslich
hatten die Beschwerdeführenden 3 bis 24 gemäss eigenen Aussagen Einsicht in das
Schreiben des Tiefbauamtes des Kantons Bern vom 14. April 2011. Eine Verletzung des
Anspruchs auf rechtliches Gehör ist somit auch diesbezüglich zu verneinen.
4. Rechtsmissbrauch
11 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101). 12 BGE 133 I 100, Regeste und E. 4.3 ff. 13 BVR 2009 S. 328 ff. E. 2.4; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 3. Aufl., Band I, Bern 2007, Art. 38/39 N. 9b; Urs Eymann, Das rechtliche Gehör im erstinstanzlichen Baubewilligungsverfahren, KPG-Bulletin 2/2006 S. 47 ff. 14 Gesamtbauentscheid des Regierungsstatthalteramtes Bern-Mittelland vom 2. Februar 2012, Ziff. 1.13.
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a) Die Beschwerdeführenden 3 bis 24 rügen, es sei rechtsmissbräuchlich, wenn
innerhalb von weniger als zwei Jahren ein zweites Pollerprojekt eingereicht werde. Das
Baugesuch für das erste Pollerprojekt sei nach dem Entscheid der BVE vom 12. November
2009 fallengelassen worden. Die Beschwerdeführenden würden absichtlich wiederum in
ein Einspracheverfahren verwiesen, wo kein Kostenersatz möglich sei. Die Argumente
gegen einen Poller hätten sich nicht geändert. Der Poller werde auf derselben Strasse
lediglich ein paar Meter verschoben und führe längerfristig zum gleichen Ergebnis.
b) Das Rechtsmissbrauchsverbot als Teil des Grundsatzes von Treu und Glauben,
welcher auch im öffentlichen Recht gilt, untersagt die zweckwidrige Verwendung eines
Rechtsinstitutes zur Verwirklichung von Interessen, die dieses Rechtsinstitut nicht schützen
will.15 Laut Art. 45 VRPG wird auf Eingaben, die auf querulatorischer oder
rechtsmissbräuchlicher Prozessführung beruhen, nicht eingetreten. Von Rechtsmissbrauch
muss etwa dann gesprochen werden, wenn jemand Verfahrensrechte geradezu trölerisch,
das heisst auf reinen Zeitgewinn und nicht auf den Schutz berechtigter Interessen bedacht,
ausübt. Rechtsmissbräuchlich sind ferner prozessuale Vorkehren die darauf abzielen, die
Behörden zu lähmen oder die einzig bezwecken, einer anderen Person zu schaden.16
Diese Voraussetzungen sind hier nicht erfüllt. Die BVE hob den Entscheid der Vorinstanz
betreffend des ersten Pollerprojekts (Baugesuch vom 11. Dezember 2006) vorab wegen
unvollständiger Sachverhaltsabklärungen und eines Konflikts des gewählten Standorts mit
den im Rahmen des Hochwasserschutzes erstellten Interventionsplätzen auf und wies die
Angelegenheit an die Vorinstanz zurück (Entscheid der BVE vom 12. November 2009).
Aus diesem Grund wurde im vorliegenden Verfahren ein neuer Standort gewählt. Das hier
umstrittene Projekt unterscheidet sich daher vom ersten Projekt. Wie die
Beschwerdegegnerin in ihrer Beschwerdeantwort vom 29. März 2012 richtig ausführt,
wendete sich der damalige Entscheid nicht gegen eine Polleranlage schlechthin. Es ist
deshalb nicht erkennbar, inwiefern das neue Projekt zu einer Behördenschikanierung
führen sollte oder nur den Zweck haben sollte, anderen Personen Schaden zuzufügen. Ein
rechtsmissbräuchliches Verhalten ist nicht erkennbar. Die Beschwerde ist in diesem Punkt
unbegründet.
15 BGE 110 Ib 332 E. 3a S. 336. 16 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 45 N. 4, mit weiteren Hinweisen.
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5. Mangelhafte Publikation / Koordination
a) Die Beschwerdeführenden bringen vor, grundsätzlich sei davon auszugehen, dass es
sich beim Poller, der damit zusammenhängenden Aufhebung und Einführung von
Verkehrsregeln sowie der Regelung der Berechtigung für den Erhalt eines Badges, um den
Poller zu versenken, um ein Gesamtkonzept handle. Das Projekt Poller sei als Ganzes zu
publizieren. Nur so könne das rechtliche Gehör gewährt werden. Das Vorhaben benötige
von mehreren Behörden Bewilligungen, Konzessionen, Zustimmungen und
Genehmigungen. Gestützt auf das Koordinationsgesetz müssten die
Verkehrsbeschränkungsverfügungen gleichzeitig mit dem Baugesuch publiziert werden.
Das Baugesuch und die Verkehrsbeschränkungsverfügungen seien separat voneinander
publiziert worden. Die Publikation sei als Ganzes mangelhaft. Sie verstosse gegen das
Koordinationsgesetz und sei deshalb nichtig.
b) Das Bundesgericht hat in seinem Entscheid „Chrüzlen“ wegweisende Grundsätze zur
materiellen und formellen Koordination von Verfahren entwickelt. Danach muss die
Rechtsanwendung materiell koordiniert werden, wenn für die Verwirklichung eines Projekts
verschiedene materiellrechtliche Vorschriften anzuwenden sind und zwischen diesen
Vorschriften ein derart enger Sachzusammenhang besteht, dass sie nicht getrennt und
unabhängig voneinander angewendet werden dürfen (materielle bzw. inhaltliche
Koordination). Die koordinierte Anwendung des materiellen Rechts wird nach Auffassung
des Bundesgerichts am besten erreicht, wenn dafür eine einzige erste Instanz zuständig
ist. Sind zur Beurteilung koordinationsbedürftiger Rechtsfragen erstinstanzlich
verschiedene Behörden zuständig, müssen diese die Rechtsanwendung in einer Weise
abstimmen, dass qualitativ ein gleichwertiges Koordinationsergebnis erzielt wird. Werden
verschiedene Entscheide getrennt erlassen, müssen sie in einem einheitlichen
Rechtsmittelverfahren angefochten werden können (formelle oder verfahrensmässige
Koordination).17
Im Kanton Bern sind nach Art. 1 KoG verschiedene Verfahren zu koordinieren, „wenn
Bauten, Anlagen und Vorkehren (Vorhaben) von mehreren Behörden Bewilligungen,
Konzessionen, Zustimmungen oder Genehmigungen“ erfordern. Gemeint sind damit
17 BGE 116 Ib 50 E. 4b; Arnold Marti, in Kommentar RPG, 1999, Art. 25a N. 3; weiterführend Alain Griffel, Verfahrenskoordination im öffentlichen Recht - Wo stehen wir heute?, in recht 2000 S. 225 ff.).
10
Bauvorhaben, die mehrere Bewilligungen benötigen (vgl. Art. 25a RPG18). Kann dagegen
ein Bauvorhaben allein aufgrund einer Baubewilligung ausgeführt werden, ohne dass
weitere Bewilligungen erforderlich sind, besteht kein Koordinationsbedarf, selbst wenn
gleichzeitig noch weitere Massnahmen getroffen werden sollen, die eigene Bewilligungen
erfordern. Dabei kommt es gemäss verwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung nicht darauf
an, ob die verschiedenen Verfahren koordinierbar sind, sondern ob Koordinationsbedarf
besteht, weil auf das gleiche Bauprojekt verschiedene materiellrechtliche Vorschriften
anzuwenden sind, zwischen denen ein derart enger Sachzusammenhang besteht, dass sie
nicht getrennt und unabhängig voneinander angewendet werden dürfen.19
c) Vorliegend wurden das Baubewilligungsverfahren (Polleranlage), das Verfahren
betreffend Verkehrsbeschränkungen (Art. 66 SG20 i.V.m. Art. 42 ff. SV21) sowie das
Verfahren auf Erlass der Verordnung über die Zufahrtsberechtigung zum Mattequartier
(VZM) getrennt voneinander durchgeführt. Das Bauvorhaben wurde am 24. und 29. Juni
2011 im Anzeiger Region Bern publiziert und öffentlich aufgelegt. Die
Verkehrsbeschränkungsverfügungen wurden am 22. Juni 2011 separat publiziert. Die VZM
schliesslich wurde vom Gemeinderat am 25. Mai 2011 beschlossen und im Anzeiger
Region Bern am 24. Juni 2011 publiziert.
Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass diesen einzelnen Verfahren durchaus ein
Gesamtkonzept zugrunde liegt. So erarbeitete die Beschwerdegegnerin ein
Betriebskonzept „Matte Poller“22, mit welchem die einzelnen Massnahmen koordiniert und
aufeinander abgestimmt werden. Insofern ist dem Gebot der materiellen Koordination
Rechnung getragen worden. Zu prüfen ist jedoch, ob auf eine formelle Koordination
verzichtet werden durfte.
d) Was die Koordination des Baubewilligungsverfahrens mit dem Verfahren betreffend
Verkehrsbeschränkungen betrifft, so hat sich das Verwaltungsgericht dazu in einem Fall
geäussert, wo es um die Koordination eines Linksabbiegeverbots mit baulichen
18 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700). 19 VGE 21176/21178 vom 27. Februar 2002, E. 2a; VGE 23085 vom 3. März 2008, E. 3.3. 20 Strassengesetz vom 4. Juni 2008 (SG; BSG 732.11). 21 Strassenverordnung vom 29. Oktober 2008 (SV; BSG 732.111.1). 22 Betriebskonzept „Matte Poller, Polleranlage Aarstrasse“, vom 2. März 2011, rev. am 2. Mai 2011, Vorakten pag. 1 bis 14.
11
Massnahmen (Fussgänger- und Schutzinseln) ging23. Dabei hat es festgestellt, dass die
eine Massnahme die andere nicht bedinge. Zwischen den Massnahmen bestünde nur ein
rein tatsächlicher, nicht aber ein rechtlicher Zusammenhang. In den beiden Verfahren
würden sich nicht die gleichen Fragen stellen, und es seien nicht Vorschriften anzuwenden,
die nicht getrennt und unabhängig voneinander angewendet werden dürfen. Eine
Koordination im Sinne des KoG sei deshalb zu verneinen.
In einem weiteren Entscheid ging das Verwaltungsgericht zudem ausdrücklich auf die
Frage der Koordination beim Bau einer Polleranlage als bauliche Massnahme und der
Verfügung einer Verkehrsbeschränkung ein. Dabei hielt das Gericht Folgendes fest:
„Zwischen diesen beiden Vorhaben besteht zwar durchaus ein Zusammenhang, dürfen die
Polleranlagen doch nur bewilligt werden, wenn die Durchfahrt strassenverkehrsrechtlich
untersagt ist. Die hier zu beurteilenden Verkehrsbeschränkungen können indes auch ohne
Polleranlagen verfügt werden, [...]. Wird das vorliegende Verfahren [Anmerkung: das
Verfahren betreffend Verkehrsbeschränkung] rechtskräftig abgeschlossen, spricht folglich
nichts dagegen, die Polleranlagen in einem separaten Baubewilligungsverfahren zu
beurteilen, sofern die übrigen Voraussetzungen gegeben sind.“24
Im vorliegenden Fall verhält es sich gleich. Auch hier können die Verkehrsbeschränkungen
unabhängig von der geplanten Polleranlage verfügt bzw. angeordnet werden. Die
Polleranlage dient einzig dazu, die signalisierten Verkehrsbeschränkungen (Fahrverbote)
wirksam durchzusetzen. Es spricht daher auch vorliegend nichts dagegen, die Polleranlage
in einem separaten Baubewilligungsverfahren zu beurteilen. Auch wenn eine formelle
Koordination zwischen dem Verfahren betreffend Verkehrsbeschränkungen und dem
Baubewilligungsverfahren betreffend Bau einer Polleranlage möglich gewesen wäre, so
war sie nicht zwingend notwendig. Ein Verstoss gegen das Koordinationsgesetz ist daher
zu verneinen.
e) Auch die Notwendigkeit einer Koordination zwischen dem Baubewilligungsverfahren
betreffend Bau einer Polleranlage und dem Verfahren auf Erlass der VZM ist zu verneinen.
Art. 1 des KoG verlangt eine Koordination, wenn „Bauten, Anlagen und Vorkehren
(Vorhaben) von mehreren Behörden Bewilligungen, Konzessionen, Zustimmungen oder
Genehmigungen“ erfordern. Bei der VZM handelt es sich um einen gesetzgeberischen
Erlass, und nicht um eine Bewilligung, Konzession, Zustimmung oder Genehmigung im
23 VGE 21176/21178 vom 27. Februar 2002, E. 2b. 24 VGE 23085 vom 3. März 2008, E. 3.8.
12
Sinne von Art. 1 KoG, welche im Zusammenhang mit dem Bau der Polleranlage
erforderlich wäre. Die Polleranlage als Bauvorhaben ist mit anderen Worten nicht vom
Erlass der VZM abhängig. Zudem regelt die VZM in erster Linie Ausnahmen von den
Fahrbeschränkungen (Fahrverbote) im betroffenen Gebiet. Das Bedienungselement zur
Senkung des Pollers wird dabei nur am Rande erwähnt. Der Erlass dieser Verordnung
steht damit nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Bau der Polleranlage.
f) Unter dem Gesichtspunkt der Koordinationspflicht erweisen sich die Beschwerden
somit als unbegründet. Zwingend war lediglich die Koordination des
Baubewilligungsverfahrens mit dem wasserbaupolizeilichen Verfahren. Dies ist erfolgt,
indem die Vorinstanz als Leitbehörde gestützt auf den Amtsbericht des TBA OIK II die
Wasserbaupolizeibewilligung erteilte.
g) Die Beschwerdeführenden 2 sowie 3 bis 24 kritisieren ausserdem, der Baupublikation
vom 24. und 29. Juni 2011 habe lediglich entnommen werden können, dass die
Verkehrsbeschränkungen separat publiziert würden. Die gewählte Formulierung sei
irreführend. Richtig wäre der Hinweis gewesen, dass diese bereits früher, am 22. Juni
2011, publiziert worden sind. Es handle sich daher um eine mangelhafte Publikation.
Der in der Baupublikation enthaltene Hinweis „die dazugehörigen
Verkehrsbeschränkungen werden separat publiziert“ ist jedoch eindeutig und lässt keine
Schlüsse betreffend zeitlicher Abfolge der Publikationen zu. Die Formulierung muss
entgegen der Ansicht der Beschwerdeführenden nicht zwingend zukunftsgerichtet
verstanden werden. Da im Zeitpunkt der Baupublikation (24. und 29. Juni 2011) zudem die
Rechtsmittelfrist betreffend publizierter Verkehrsbeschränkungsverfügung (am 22. Juni
2011) noch nicht abgelaufen war, liesse sich aus diesem Umstand sowieso nichts
zugunsten der Beschwerdeführenden ableiten, hätten sie doch noch genug Zeit gehabt,
sich über die Publikation der Verkehrsbeschränkungen zu informieren und anschliessend
auch dagegen ein Rechtsmittel einzulegen. Schliesslich ist anzumerken, dass die
Beschwerdegegnerin nicht unbedingt verpflichtet war, in den Publikationen der einzelnen
Verfahren, welche gemäss den vorangehenden Ausführungen nicht koordiniert werden
mussten, einen Hinweis auf die anderen Verfahren anzubringen. Damit geht auch der
Vorwurf der Beschwerdeführenden 3 bis 24 fehl, wonach weder die Baupublikation noch
die Publikation der Verkehrsbeschränkungsverfügungen einen Hinweis auf die Publikation
der VZM enthielten. Eine mangelhafte Publikation des Bauvorhabens ist zu verneinen.
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h) Schliesslich kann der Ansicht der Beschwerdeführenden 3 bis 24, wonach das
rechtliche Gehör nur genügend gewährt werden könne, wenn das Projekt Poller als
Ganzes publiziert werde, nicht gefolgt werden. Sowohl das Bauvorhaben, als auch die
Verkehrbeschränkungen und die VZM wurden ordnungsgemäss publiziert, so dass die
Beschwerdeführenden in sämtlichen Bereichen auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht
wurden, ein Rechtsmittel einzulegen und damit ihre Rechte zu wahren. Aufgrund der
ordnungsgemässen Publikationen stösst auch die Rüge des Beschwerdeführers 1 sowie
der Beschwerdeführenden 3 bis 24, wonach die Einsprechenden gegen das erste
Pollerprojekt nie über das neue Pollerprojekt orientiert worden seien, ins Leere.
i) Soweit die Beschwerdeführenden 3 bis 24 die mangelhafte Publikation der
Verkehrsbeschränkungen (nicht alle neuen Signale resp. Wechselschilder seien publiziert
worden) und der VZM (keine Hinweise auf die Publikation der anderen Verfahren) geltend
machen, ist auf diese Rügen nicht einzutreten. Streitgegenstand ist einzig das eigentliche
Bauvorhaben, nicht jedoch die Verkehrsbeschränkungen und die VZM. Diese Einwände
gehen damit über den Streitgegenstand hinaus (vgl. auch E. 2b).
6. Funktionsfähigkeit der Polleranlage
a) Die Beschwerdeführenden 3 bis 24 rügen die mangelhafte Funktionsfähigkeit der
Polleranlage bzw. die mangelhaften Abklärungen diesbezüglich. So gebe es grosse
Bedenken betreffend der möglichen Störanfälligkeit des Pollers. Es sei denkbar, dass sich
der Poller nach einem Defekt oder bei Hochwasser nicht mehr versenken lasse, so dass
der Zugang zur Matte für Notfalldienste und Kranwägen verwehrt wäre und kein Fluchtweg
mehr bestünde. Die mangelhafte Funktionsfähigkeit begründen die Beschwerdeführenden
3 bis 24 auch damit, dass bei anderen Polleranlagen zahlreiche Unfälle passiert seien, die
nicht durch Fahrzeugführer verursacht worden seien. Sie verlangen deshalb die Edition der
Akten vergangener Pollerunfälle. Die Beschwerdeführenden stellen weiter die Sicherheit
der Systemsteuerung gegen Fremdeinflüsse in Frage und verlangen ein Pflichtenheft
betreffend Systemanforderungen.
b) Diese Einwände sind abzuweisen. Vorab ist festzuhalten, dass mit der
Baubewilligung grundsätzlich eine funktionsfähige Polleranlage bewilligt wurde. Sollte sich
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in Zukunft zeigen, dass dem nicht so ist und sich wiederholt Fehler und Funktionsausfälle
ereignen, so ist dies nicht von der Bewilligung gedeckt und muss entsprechende
Massnahmen im baupolizeilichen Verfahren nach sich ziehen. Da eine funktionsfähige
Polleranlage als Gesamtwerk bewilligt wurde, ist auch die Anlage zur Steuerung des
Pollers Bestandteil dieser Bewilligung. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführenden 3
bis 24 ist somit für die Anlage zur Steuerung des Pollers kein separates Baugesuch
erforderlich.
Wie die Vorinstanz zudem richtig ausführt, geht das Betriebskonzept der Stadt Bern zum
Poller detailliert auf das Verhalten der Polleranlage im Störfall ein und bezeichnet adäquate
Massnahmen, mit welchen Störungen der Polleranlage begegnet werden (s. 13 f.): Sollte
ein Schild der Prismenwender aufgrund eines Fehlers bei einem Wechsel nicht die
Endposition erreichen, so erfolgt ein Störsignal an die Steuerung und die Polleranlage wird
in die entsprechende Fahrtrichtung automatisch freigegeben. Kann der Poller beim
Übergang zur inaktiven Sperre, bei einer berechtigten angemeldeten Durchfahrt oder bei
einer mit dem Schlüsselschalter inaktivierten Sperre die Endlage unten nicht erreichen, so
bleibt die Ampel bis zur Störungsbehebung auf Rot. Auch bei Störungen in der Steuerung
senkt sich der Poller in der betroffenen Fahrtrichtung ab. Bei Stromunterbruch schliesslich
werden die Poller durch automatisches Entlüften versenkt. Gemäss Amtsbericht
Wasserbaupolizei des TBA OIK II vom 21. Juli 2011 muss die Polleranlage im Falle eines
Hochwassers dauernd geöffnet bleiben.
Die Polleranlage verfügt gemäss den Plänen und dem Konzept auch über sogenannte
Sicherheitsschlaufen unmittelbar vor den Pollern, welche der Überwachung des
Nachbereichs um den Poller dienen und verhindern sollen, dass sich der Poller hebt, wenn
sich noch ein Fahrzeug unmittelbar vor oder hinter respektive über dem Poller befindet.
Weiter haben die Notfalldienste (Ambulanz, Feuerwehr, Polizei) selbstverständlich die
Möglichkeit, den Poller abzusenken und damit die Polleranlage zu passieren. Dazu kommt,
dass sich auf Höhe der Poller im Gehbereich entfernbare und mit einem Schloss
ausgestaltete Pfosten („Burri-Pfosten) befinden, welche im Ausnahmefall entfernt werden
können und damit die Durchfahrt von Fahrzeugen mit mehr als 3 m Breite ermöglichen,
selbst wenn der Poller oben ist.
Damit sind Störfallsituationen sowie unvorhersehbare Ereignisse (Hochwasser, Brände,
Unfälle, usw.) entgegen der Ansicht der Beschwerdeführenden 3 bis 24 genügend in das
15
Konzept der Polleranlage integriert und berücksichtigt worden. Eine mangelhafte Abklärung
solcher Ereignisse ist zu verneinen. Wie die Vorinstanz richtig festhält, handelt es sich
damit grundsätzlich um eine funktionsfähige und zwecktaugliche Polleranlage. Es bestehen
keine Indizien, dass die Anlage nicht dem aktuellen Stand der Technik entsprechen sollte;
solches wird von den Beschwerdeführenden auch nicht geltend gemacht. Es ist auch nicht
ersichtlich, was das von den Beschwerdeführenden 3 bis 24 verlangte Pflichtenheft
betreffend Systemanforderungen an dieser Beurteilung geändert hätte; darauf konnte
daher verzichtet werden. Insgesamt kann davon ausgegangen werden, dass die
Polleranlage Art. 21 Abs. 1 BauG erfüllt, wonach Bauten und Anlagen so zu erstellen, zu
betreiben und zu unterhalten sind, dass weder Personen noch Sachen gefährdet werden.
c) Die Behauptung der Beschwerdeführenden 3 bis 24, wonach bei anderen
Polleranlagen zahlreiche Unfälle passiert seien, die nicht durch Fahrzeugführer verursacht
worden seien, wird durch die Beschwerdegegnerin widerlegt. Gemäss deren Ausführungen
konnte in der Stadt Bern kein einziger Unfall auf die Fehlfunktion eines Pollers
zurückgeführt werden. So sei insbesondere auch der von den Beschwerdeführenden 3 bis
24 erwähnte Pollerunfall vom 27. November 2011 in der Hotelgasse nicht aufgrund einer
Fehlfunktion der dortigen Anlage geschehen; vielmehr habe sich die Kollision ereignet, weil
ein Personenwagen vorschriftswidrig einem voranfahrenden Fahrzeug folgte.25 In einer
Antwort des Gemeinderates auf eine Interpellation, welche sich in den Vorakten befindet26,
lässt sich zudem ebenfalls nachlesen, dass seit Inbetriebnahme der sechs städtischen
Polleranlagen bis zum Datum der Antwort (21. Mai 2008) insgesamt 26 Pollerunfälle
polizeilich registriert wurden, jedoch keine Schäden aufgrund fehlerhaft funktionierender
Anlagen bekannt seien. Die BVE sieht keinen Anlass, diese Ausführungen zu bezweifeln.
Auf eine Edition der Unterlagen betreffend der in Bern aktenkundigen Pollerunfälle, wie
dies die Beschwerdeführenden 3 bis 24 verlangen, kann daher verzichtet werden.
d) Die Beschwerdeführenden 3 bis 24 machen weiter geltend, es handle sich bei der
beim Poller angebrachten Signalanlage um Signale, welche gemäss Art. 68 SSV27 nicht
erlaubt seien oder sogar eine andere Bedeutung hätten, was die Verkehrssicherheit
gefährde. Auch aus diesem Grund sei der Poller als Ganzes nicht funktionsfähig.
25 Beschwerdeantwort der Beschwerdegegnerin vom 29. März 2012, S. 3 f. 26 Interpellation Fraktion FDP: Pollerposse und Pleiten zum Zweiten vom 24. Januar 2008, Antwort des Gemeinderates vom 21. Mai 2008, Vorakten pag. 121 f. 27 Signalisationsverordnung vom 5. September 1979 (SSV, SR 741.21).
16
Schliesslich seien im Betriebskonzept Wendemöglichkeiten vorgesehen, die gemäss
SVG28 nicht erlaubt seien.
Gemäss dem Betriebskonzept der Stadt Bern zum Poller (S. 8) sind auf der Mittelinsel der
Polleranlage ingesamt vier quadratische, 150 cm hohe INOX-Stahl-Säulen vorgesehen.
Dabei sind je zwei Säulen einer Fahrtrichtung zugeordnet, wobei an der ersten Säule
(Steuersäule) Badgeleser und Schlüsselschalter und an der zweiten Säule (Ampelsäule)
eine schmale Drei-Kammer-Ampel mit einer roten, gelben und grünen Linse (Durchmesser
von 100 mm) angebracht sind. Diese Ampel dient gemäss Betriebskonzept (S. 10) der
Absicherung der Polleranlage und kennt folgende Ampelbilder: grün/gelb blinkend (Poller
unten, Durchfahrt mit entsprechender Vorsicht möglich), gelb stehend (Poller unten,
Durchfahrt nicht mehr gestattet), gelb blinkend (Poller unten, Störung), rot (Poller Endlage
oben oder im Zustand des Hebens/Senkens, Durchfahrt für Motorfahrzeuge nicht möglich).
Wie schon aus dem Wortlaut des Betriebskonzepts hervorgeht, dient diese Ampel lediglich
der Absicherung der Polleranlage. Es handelt sich somit bloss um Warnsignale, welche auf
den Zustand oder die bevorstehende Aktion des Pollers aufmerksam machen sollen. Damit
unterscheidet sie sich wesentlich von einer eigentlichen Lichtsignalanlage im Sinne der
SSV. Solche Lichtsignalanlagen haben einerseits eine eigenständige Bedeutung und
dienen nicht bloss der Absicherung oder der Umsetzung einer anderen
Verkehrsmassnahme. Andererseits kommt ihnen auch eine andere Funktion zu. Dies ergibt
sich etwa aus Art. 71 Abs. 3 SSV, wonach Lichtsignale das Zusammentreffen von
Fahrzeugen aus verschiedener Richtung, ausser von Linksabbiegern mit dem
Gegenverkehr, verhindern sollen. Diese Anlagen dienen somit der Verkehrsregelung,
vorab bei Strassenkreuzungen. Die hier umstrittene Ampel bei der Polleranlage hat jedoch
nicht die Aufgabe, das Zusammentreffen von Fahrzeugen aus verschiedener Richtung zu
verhindern und dient damit nicht der Verkehrsregelung. Die Vorgaben der SSV passen
daher nicht zu dieser Ampel. Da ihr eine gänzlich andere Bedeutung und Funktion
zukommt, handelt es nicht um Lichtsignale im Sinne von Art. 68 ff. SSV. Entsprechend sind
diese Bestimmungen bei der die Polleranlage unterstützenden Ampel nicht beachtlich und
die darin enthaltenen Vorgaben zu den Lichtsignalen sowie zum Standort und den
technischen Anforderungen nicht zwingend umzusetzen. Es erübrigt sich daher, auf die
diesbezüglichen Rügen der Beschwerdeführenden 3 bis 24 näher einzugehen.
28 Strassenverkehrsgesetz vom 19. Dezember 1958 (SVG; SR 741.01).
17
Mit den im Betriebskonzept umschriebenen Wendemöglichkeiten (S. 19 und Anhang),
welche von den Beschwerdeführenden 3 bis 24 kritisiert werden, wird lediglich festgestellt,
dass ein Wenden unmittelbar vor der Polleranlage mittels Personenwagen noch möglich,
mit grösseren Fahrzeugen dagegen nicht oder nur bedingt möglich wäre. Wie die
Vorinstanz jedoch richtig festhielt, besteht keine gesetzliche Pflicht, in diesem Bereich vor
der Polleranlage separate Wendeplätze oder Wendemöglichkeiten vorzusehen. Mit der
vorgesehenen Wechselsignalisation „Sackgasse ohne Wendemöglichkeiten“ auf beiden
Seiten des Pollers (beim Dalmazikreisel sowie an der Aarstrasse Höhe Badgasse) werden
die Verkehrsteilnehmer genügend früh darauf hingewiesen, dass eine Durchfahrt bei
ausgefahrenem Poller grundsätzlich nicht möglich ist und dass in Fahrtrichtung keine
Wendemöglichkeiten mehr bestehen. Die Signale sind an Standorten angebracht, wo das
Wenden selbst für grössere Fahrzeuge und unter Einhaltung der Verkehrsregeln noch
problemlos möglich ist. Mehr kann nicht verlangt werden. Der von den
Beschwerdeführenden 3 bis 24 erwähnte Art. 17 Abs. 4 VRV29, wonach es der Führer zu
vermeiden hat, das Fahrzeug auf der Fahrbahn zu wenden und wonach das Wenden an
unübersichtlichen Stellen und bei dichtem Verkehr untersagt ist, richtet sich als Regel an
die Fahrzeugführer und ist entsprechend vorliegend im Zusammenhang mit dem Bau der
Polleranlage und den damit verbundenen Verkehrsregelungen nicht relevant.
e) Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass es sich beim Poller und der integrierten
Ampel selber nicht um Verkehrsbeschränkungsmassnahmen im Sinne von Art. 3 SVG
handelt. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführenden 3 bis 24 musste diese Anlage
daher nicht mittels Verkehrsbeschränkungsverfügung publiziert werden. Vielmehr handelt
es sich bei der Polleranlage um eine bauliche Massnahme zur Umsetzung des
eingeführten Verkehrsregimes (Fahrverbote). Die Publikation der Polleranlage als
Bauvorhaben fand ordnungsgemäss statt (vgl. E. 5).
7. Koordination mit Hochwasserschutzmassnahmen und Notfalldiensten
a) Die Beschwerdeführenden 3 bis 24 machen eine fehlende Koordination der
Polleranlage mit den Hochwasserschutzmassnahmen geltend. In allen zur Diskussion
29 Verkehrsregelnverordnung vom 13. November 1962 (VRV, SR741.11).
18
stehenden Hochwasserschutzprojekten werde die Aarestrasse zurückgebaut und mit
verkehrsberuhigenden Massnahmen ausgestattet. Nach der Realisierung der
Hochwasserschutzmassnahmen werde die Polleranlage somit hinfällig. Beim Bau eines
Entlastungsstollens müsse die Polleranlage für den Bau des Einlaufwerks entfernt werden.
Auch bemängeln sie die Koordination der Störfallszenarien mit dem Hochwasserschutz
und den Notfalldiensten (Feuerwehr, Sanität, Polizei).
b) Für die Beurteilung der Bewilligungsfähigkeit der Polleranlage ist massgebend, ob
das Vorhaben mit den derzeit bestehenden Hochwasserschutzmassnahmen in diesem
Gebiet30 koordiniert wurde bzw. in Einklang steht. Dies kann bejaht werden und wird von
den Beschwerdeführenden auch nicht in Frage gestellt: So wurde aufgrund der erstellten
Interventionsplätze zur Schwemmholzentnahme der Standort der Polleranlage im Vergleich
zum ersten Verfahren Richtung Marzili verschoben, so dass sich die Anlage ausserhalb
des Entnahmebereichs für Schwemmholz befindet. Als weitere Sofortmassnahmen wurden
nach den vergangenen Hochwassern entlang der Aarstrasse eine provisorische
Ufererhöhung mit einer verstärkten Holzverschalung bis auf die Höhe des bisherigen
Geländers erstellt („provisorischer Hochwasserschutz Tych“) sowie zwei Elemente der
Schwelle in der Matte so umgebaut, dass sie im Notfall per Kran entfernt werden können
(„Notentlastung Schwelle“). Ein Konflikt der geplanten Polleranlage mit diesen
Massnahmen ist nicht ersichtlich.
c) Die Beschwerdeführenden 3 bis 24 bemängeln jedoch die Koordination mit den
langfristig geplanten Hochwasserschutzmassnahmen. Diesbezüglich ist vorab festzuhalten,
dass zukunftsgerichtete Szenarien des Hochwasserschutzes für die Bewilligungsfähigkeit
der Polleranlage im heutigen Zeitpunkt keine Rolle spielen dürfen, zumal zum jetzigen
Zeitpunkt noch nicht klar ist, welche Massnahmen einst umgesetzt werden. Trotzdem ging
die Stadt in ihrem Betriebskonzept auf die Koordination mit dem „Projekt
Hochwasserschutz Aare Bern“ ein (S. 20). So stellte sie fest, dass bei allen, nach dem
damaligen Wissensstand näher zu prüfenden Varianten (Objektschutz Quartiere an der
Aare, Stollenlösung, Nachhaltige Variante) die Sanierung der Tychmauer enthalten sei. So
sei vorgesehen, das auskragende Trottoir abzubrechen und die Tychmauer mit einer
Brüstung analog der heutigen Holzverkleidung neu zu erstellen. Dabei werde der
Querschnitt der Aarstrasse um die aareseitige Gehwegfläche reduziert. Möglicherweise
30 zu finden unter http://www.hochwasserschutzbern.ch/de/projekte/abgeschlossene-projekte.html, zuletzt eingesehen am 25.06.2012.
http://www.hochwasserschutzbern.ch/de/projekte/abgeschlossene-projekte.html
19
werde der Strassenraum ohne Trottoir bis zur neuen Polleranlage als Begegnungszone
umgestaltet. Diese Reduktion des Strassenquerschnittes habe nach dem derzeitigen
Wissensstand keine negativen Auswirkungen auf die Polleranlage. Selbst wenn eine
Koordination mit zukünftigen Hochwasserschutz-Szenarien verlangt werden kann, so kam
die Beschwerdegegnerin dieser mit den aufgeführten Abklärungen in genügendem Umfang
nach.
Auch im Zeitpunkt des vorliegenden Entscheides ist noch offen, welche langfristigen
Hochwasserschutzmassnahmen im Bereich des Mattequartiers umgesetzt werden sollen.
Nachdem zur „Nachhaltigen Variante“ eine Projektstudie durchgeführt wurde, beschloss
der Gemeinderat am 18. Januar 2012 aufgrund der Ergebnisse der Projektstudie, dem
Stadtrat den Verzicht auf die weitere Bearbeitung dieser Variante in Form eines
Vorprojekts vorzuschlagen. Stattdessen beantragte er dem Stadtrat, einen Wasserbauplan
(Bauprojekt) „Gebietsschutz Quartiere an der Aare“ zu erarbeiten. Darin sollen die
Erkenntnisse aus der Projektstudie zur „Nachhaltigen Variante“ einfliessen. Der dafür
benötigte Projektierungskredit muss nun vorgängig in einer Volksabstimmung bewilligt
werden.31 Dieser Wasserbauplan soll gemäss einer Medienmitteilung des Gemeinderats32
„als zielführende Synthese der Objektschutz-Variante und der Nachhaltigen Variante
entwickelt werden. Insbesondere in den Quartieren Dalmazi, Marzili und Altenberg soll eine
Kombination der beiden Varianten optimale Lösungen bringen. In der Matte hingegen muss
nach Ansicht des Gemeinderats ein technischer Hochwasserschutz mit baulichen
Massnahmen Priorität haben.“ In jedem Fall müsse die Ufermauer im Bereich
Aarstrasse/Tych saniert werden – anders sei ein wirksamer langfristiger Hochwasserschutz
für das Mattequartier nicht zu gewährleisten.
Von einem Rückbau der Aarstrasse, wie dies die Beschwerdeführenden 3 bis 24
behaupten, ist nirgends die Rede. Zur Diskussion stehen höchstens die Sanierung der
Ufermauer sowie der Abbruch der aareseitigen Gehwegfläche. Dies würde jedoch zu
keinem Konflikt mit der auf der Strasse geplanten Polleranlage führen. Die Ausführungen
zeigen auch, dass die Variante „Entlastungsstollen“ derzeit nicht mehr weiterverfolgt wird.
Bereits im Februar 2009 gab der Gemeinderat der Lösungsvariante „Objektschutz
31 vgl. die Informationen auf der Internetseite http://www.hochwasserschutzbern.ch/de/projekte/.html, zuletzt eingesehen am 26.06.2012. 32 Medienmitteilung des Gemeinderats der Stadt Bern vom 24. Januar 2012.
http://www.hochwasserschutzbern.ch/de/projekte/langfristiger-hochwasserschutz.html http://www.hochwasserschutzbern.ch/de/projekte/langfristiger-hochwasserschutz.html
20
Quartiere an der Aare“ gegenüber dieser Variante den Vorzug. Auch die diesbezüglichen
Vorbringen der Beschwerdeführenden 3 bis 24 stossen daher ins Leere.
d) Wie die Vorinstanz in ihrem Entscheid richtig festhält, kann insgesamt festgestellt
werden, dass durch das Bauvorhaben weder der gegenwärtige, noch der projektierte
Hochwasserschutz in der Matte tangiert wird.
e) Schliesslich hat das TBA OIK II dem geplanten Vorhaben mit Amtsbericht
Wasserbaupolizei vom 21. Juli 2011 unter Bedingungen und Auflagen zugestimmt.
Gestützt darauf hat die Vorinstanz die Wasserbaupolizeibewilligung nach Art. 48 WBG33
erteilt. Damit hat die Vorinstanz das Vorhaben auch in verfahrensrechtlicher Hinsicht
genügend mit dem Hochwasserschutz koordiniert. Gemäss Betriebskonzept wurden der
neue Standort und die Ausgestaltung der Polleranlage zudem mit den Notfalldiensten
besprochen. Dies wird bestätigt durch den Amtsbericht der Berufsfeuerwehr Bern vom 1.
Juni 2011, in welchem diese festhält, dass sie ihre Abklärungen und die daraus
entstandenen Eingaben bereits frühzeitig habe tätigen und in das Projekt einbringen
können. Seitens der Feuerwehr seien nach gegenwärtigem Kenntnisstand keine weiteren
Massnahmen nötig. Auch bezüglich der Störfallszenarien bestehen – entgegen der Ansicht
der Beschwerdeführenden 3 bis 24 – keine Indizien, dass diese mangelhaft abgeklärt
worden wären oder dass eine ungenügende Koordination mit den Notfalldiensten
stattgefunden haben sollte. Diesbezüglich kann auf die Ausführungen in Erwägung 6b
verwiesen werden.
f) Die im vorliegenden Zusammenhang gestellten Beweisanträge der
Beschwerdeführenden 3 bis 24 (Einsicht in die Unterlagen betreffend Hochwasserschutz
und Koordination der Projekte Hochwasserschutz und Polleranlage sowie Einsicht in die
Unterlagen betreffend Absprache des Projekts Poller mit dem Notfalldienst und dem
Gewässerschutz) werden abgewiesen. Von diesen Akten waren hier keine weiteren,
entscheidrelevanten Erkenntnisse zu erwarten, weshalb auf deren Beizug verzichtet
werden konnte.
33 Gesetz vom 14. Februar 1989 über Gewässerunterhalt und Wasserbau (Wasserbaugesetz, WBG; BSG 751.11).
21
8. Grundrechtsverletzungen
a) Die Beschwerdeführenden 3 bis 24 rügen eine Verletzung der Eigentumsgarantie,
der Wirtschaftsfreiheit, der persönlichen Freiheit und der Rechtsgleichheit. Der Kerngehalt
der Grundrechte sei nicht mehr in jedem Fall garantiert, da etwa die Weiterführung von
Gewerbebetrieben teils verunmöglicht werde. Das geplante Vorhaben entspreche keinem
überwiegenden öffentlichen Interesse. So seien die bestehenden Verkehrsbeschränkungen
ausreichend, diese seien lediglich mittels Kontrollen besser durchzusetzen. Das Vorhaben
entspreche nicht dem Anliegen der Anwohner, diese hätten sich nach dem ersten
Pollerprojekt nie mehr zu ihrer Meinung und ihren Bedürfnissen äussern können. Von den
Mattebewohnern werde einzig gewünscht, dass der Durchgangsverkehr kontrolliert werde.
Die privaten Interessen der Gewerbetreibenden, der Liegenschaftseigentümer, der Mieter
und Anwohner, der Arbeitnehmer und der Besucher an einem uneingeschränkten Zugang
erachten die Beschwerdeführenden 3 bis 24 im Unterschied zum öffentlichen Interesse am
Vorhaben als erheblich. Weiter stelle der Bau einer Polleranlage eine unverhältnismässige
Massnahme dar. So seien neben der Durchsetzung der bisherigen Massnahmen mildere
Massnahmen möglich, um die Verkehrsproblematik in der Matte zu lösen. Die
Beschwerdeführenden 3 bis 24 erwähnen dabei Radarkontrollen, eine Senkung der
Durchschnittsgeschwindigkeit mit flankierenden Massnahmen, ein Ticketsystem, ein
Videoüberwachungssystem zur Einhaltung der Geschwindigkeit und einer
Mindestverweildauer und bauliche Massnahmen wie etwa die Errichtung einer
Begegnungszone. Auch der Beschwerdeführer 1 bringt die elektronische
Verkehrsüberwachung als Alternative für das Ziel der Verkehrsberuhigung vor und verlangt
in seinen Rechtsbegehren von der Beschwerdegegnerin die Begründung der Nicht-
Machbarkeit elektronischer Verkehrsberuhigungsmassnahmen.
b) Auf diese Rügen betreffend Verletzung von Grundrechten bzw. der mangelnden
Rechtfertigung der Grundrechtseingriffe durch ein öffentliches Interesse und einen
verhältnismässigen Eingriff ist nicht einzutreten. Wie bereits mehrfach erwähnt bildet einzig
das eigentliche Bauvorhaben der Polleranlage Streitgegenstand des vorliegenden
Verfahrens (vgl. E. 2b). Ein allfälliger Grundrechtseingriff erfolgte wenn schon bereits durch
die eigens publizierten Verkehrsbeschränkungen (Fahrverbote), nicht aber durch den Bau
der Polleranlage. Letzterer dient bloss der Durchsetzung dieser verfügten
Verkehrsbeschränkungen. Die vorgebrachten Rügen hätten somit gegen die
Verkehrsbeschränkungsverfügungen vorgebracht werden müssen. Diese sind jedoch
22
unangefochten in Rechtskraft erwachsen und bilden im vorliegenden Verfahren nicht mehr
Streitgegenstand. Die vorgebrachten Einwände erfolgen damit zu spät und gehen über den
Streitgegenstand dieses Verfahrens hinaus. Aufgrund des Gesagten kann auch der Ansicht
der Beschwerdeführenden 3 bis 24, wonach die Grundrechtsverletzungen damit ohne
Beschwerdemöglichkeit akzeptiert werden müssen, nicht gefolgt werden. Die
Beschwerdeführenden hätten die Möglichkeit gehabt, diese Rügen gegen die
ordnungsgemäss publizierten Verkehrsbeschränkungsverfügungen vorzubringen.
c) Soweit die Beschwerdeführenden geltend machen, die Erstellung einer Polleranlage
liege nicht im Interesse einer Mehrheit der Mattebewohner bzw. im öffentlichen Interesse,
so kann auf die Ausführungen der Vorinstanz in ihrem Entscheid vom 2. Februar 2012
verwiesen werden (Ziff. 3.3, Bst. D, S. 14). Wie die Vorinstanz dort richtig ausführt, besteht
innerhalb der Bauzone grundsätzlich ein Anspruch auf Erteilung der Baubewilligung, sofern
das Bauvorhaben den bau- und planungsrechtlichen sowie den übrigen im
Bewilligungsverfahren zu prüfenden Vorschriften entspricht (Art. 2 BauG). Diese darf damit
nicht vom Nachweis eines Bedürfnisses oder einer Abwägung der verschiedenen
Interessen abhängig gemacht werden.34 Dies würde auf eine umfassende
Interessenabwägung (auch) innerhalb der Bauzone hinauslaufen, wofür eine
Rechtsgrundlage im kantonalen und kommunalen Recht fehlt.35 Die Frage des öffentlichen
Interesses am Bau einer Polleranlage bzw. dem Rückhalt dieses Vorhabens in der
Quartierbevölkerung kann somit nicht Gegenstand der materiellen Prüfung im vorliegenden
Baubewilligungsverfahren sein. Ebenso sind der von den Beschwerdeführenden 3 bis 24
vorgenommene Vergleich mit anderen Polleranlagen und das daraus abgeleitete
mangelhafte öffentliche Interesse am Vorhaben irrelevant. Auf diese Rügepunkte ist daher
ebenfalls nicht einzutreten. Aus diesem Grund konnte auch auf die von den
Beschwerdeführenden verlangte Edition bzw. Einsicht in die Akten betreffend Abklärung
des öffentlichen Interesses an einer Pollerlösung und betreffend der Festlegung und
Auswertung von Umfragen des Matte-Leists verzichtet werden. Auch der in diesem
Zusammenhang gestellte Beweisantrag zur Durchführung einer neutralen Umfrage ist
abzuweisen.
34 Urteil BGer. 1A.18/2004 vom 15. März 2005, E. 5.3 mit Hinweisen auf weitere Entscheide. 35 Vgl. etwa VGE 22299 vom 17. November 2006, E. 3.2 und VGE 22071 vom 18. Juli 2006, E. 4.3 mit Hinweisen auf weitere Entscheide.
23
Die Beschwerdeführenden 3 bis 24 bemängeln in ihrer Beschwerde zudem die
Kostenabschätzung des Pollerprojekts. Vorab die Kosten für den Unterhalt des Pollers
seien zu wenig überprüft worden. Ohne Kenntnis der ungefähren Kosten könne keine
Meinungsbildung zustande kommen und es könne nicht abgeschätzt werden, ob ein
Projekt im öffentlichen Interesse liege. Ebenso wenig wie die Prüfung des öffentlichen
Interesses ist auch eine Abschätzung der Bau- oder Unterhaltskosten eines Bauvorhabens
nicht im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens zu prüfen. Auch auf diese Rüge ist daher
nicht näher einzugehen und der von den Beschwerdeführenden 3 bis 24 diesbezüglich
gestellte Beweisantrag (Einholen eines Gutachtens zu den zu erwartenden Kosten) ist
abzuweisen.
d) Die vom Beschwerdeführer 1 sowie den Beschwerdeführenden 3 bis 24 im Rahmen
der Rügen zur Verhältnismässigkeit vorgebrachten Alternativen ändern auch nichts an der
Bewilligungsfähigkeit der geplanten Polleranlage. Vorab sind die Beschwerdeführenden
der Ansicht, das Ziel der Verkehrsberuhigung könne mit weniger weitgehenden
Alternativen als mit den mittels Verkehrsbeschränkung verfügten Fahrverboten erreicht
werden (Radarkontrollen, Senkung der Durchschnittsgeschwindigkeit mit flankierenden
Massnahmen, Ticketsystem, Videoüberwachung zur Einhaltung der Geschwindigkeit und
einer allfälligen Mindestverweildauer). Auch diese Vorbringen kommen im vorliegenden
Verfahren betreffend Bau der Polleranlage zu spät und hätten wenn schon gegen die
Verkehrsbeschränkungsverfügungen vorgebracht werden müssen (vgl. Bst. b dieser
Erwägung).
Sofern mit diesen Alternativen die Erforderlichkeit der Polleranlage als Mittel zur
Durchsetzung der bereits verfügten Fahrverbote bezweifelt wird, indem hierzu weniger
einschneidende Massnahmen vorgeschlagen werden (vermehrte Polizeikontrollen,
Radarkontrollen, Videoüberwachung), gehen die Einwände ebenfalls fehl. Wie die Prüfung
des öffentlichen Interesses bildet auch eine solche Verhältnismässigkeitsprüfung nicht
Gegenstand der materiellen Prüfung eines Baubewilligungsverfahrens (vgl. Bst. c dieser
Erwägung). Entsprechend kann von der Beschwerdegegnerin auch nicht verlangt werden,
dass sie die Nicht-Machbarkeit elektronischer Verkehrsberuhigungsmassnahmen detailliert
zu begründen hat. Der diesbezügliche Antrag des Beschwerdeführers 1 ist daher
abzuweisen. Aber selbst wenn diese Alternativen vorliegend näher zu prüfen wären, muss
festgestellt werden, dass diese zur Durchsetzung der Fahrverbote weniger geeignet sind
als eine Pollerlösung. Im Unterschied zu einem Poller werden mit verstärkten
24
Polizeikontrollen oder einer Videoüberwachung Durchfahren nicht verunmöglicht bzw.
gänzlich verhindert. Wie die Beschwerdegegnerin in ihrer Beschwerdeantwort vom 29.
März 2012 zudem nachvollziehbar ausführt, zeigen die Erfahrungen, dass sich das
bestehende Fahrverbot mit Zubringerdienst und auch das Nachtfahrverbot mittels
Polizeikontrollen allein nicht effektiv durchsetzen lassen. Auch mit einem
Videoüberwachungssystem könne der Zubringerdienst nicht kontrolliert werden. Ein
solches System vermöge zwar Geschwindigkeitsübertretungen nachzuweisen; im Einsatz
zur Durchsetzung von Durchfahrverboten würde es hingegen zu unüberwindbaren
beweistechnischen und rechtlichen Problemen führen. Mit langsamer Fahrweise könne das
Fahrverbot mit Zubringerdienst zudem ausgehebelt werden. Der Ansicht der
Beschwerdegegnerin, wonach es für die effektive Durchsetzung des Fahrverbots kein
milderes bzw. geeigneteres Mittel gibt als eine bauliche Sperre, ist beizupflichten.
9. Weitere Rügen und Beweisanträge
a) Die Beschwerdeführenden 3 bis 24 bringen vor, bei Autounfällen im Zusammenhang
mit dem Poller in der Nähe der Aare und des Grundwassers sei zu befürchten, dass
Ölrückstände ins Wasser gelangen könnten. Aus dieser Befürchtung allein lässt sich nichts
zugunsten der Beschwerdeführenden ableiten. Diese Gefahr besteht zudem bei Unfällen
auf der Aarstrasse ohnehin, und es ist weder ersichtlich noch dargetan, wieso sich durch
den Bau einer Polleranlage die Anzahl von Unfällen insgesamt erhöhen sollte. Zwar ist es
nicht ausgeschlossen, dass die Polleranlage zusätzlich zu Unfällen führt (vorab durch das
„Aufspiessen“ von Autos). Auf der anderen Seite kann jedoch auch damit gerechnet
werden, dass sich durch den mittels Polleranlage eingeschränkten Verkehr im
Mattequartier weniger Unfälle auf der Aarstrasse ereignen werden.
b) Die folgenden, weiteren Rügen und Beweisanträge der Beschwerdeführenden
betreffen nicht den eigentlichen Bau einer Polleranlage, sondern das mittels
Verkehrsbeschränkung neu eingeführte Verkehrsregime und hätten daher im Verfahren
gegen die Verkehrsbeschränkungsverfügungen vorgebracht werden müssen: Befürchtung
von Mehrverkehr durch das neue Verkehrsregime und entsprechender Beweisantrag einer
Verkehrszählung, mangelhafte Nachvollziehbarkeit der Verkehrsregelung mit ständigem
Wechsel der Signalisation, Kritik an neuer Verkehrsregelung und den Zeiten des
vorgesehenen Fahrverbotes, Einführung eines Fahrverbotes in bloss einer Fahrtrichtung,
25
teilweise Aufhebung des Zubringerdienstes und damit verbundene Befürchtung von
Parktourismus, Ausdehnung des Nachtfahrverbots auf Motorräder sowie Beweisantrag auf
Edition der Akten betreffend der Publikation der Verkehrsbeschränkungen. Ebenso ist die
Kritik an diversen Inhalten der Verordnung über die Zufahrtsberechtigung zum
Mattequartier VZM (etwa bezüglich Handhabung des Badges) sowie der Beweisantrag auf
Edition der Akten betreffend dem Beschwerdeverfahren gegen die VZM nicht im
vorliegenden Verfahren zu behandeln. Diese Vorbringen gehen allesamt über den
Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens hinaus (vgl. E 2b).
c) Gemäss Art. 18 VRPG stellen die Behörden den Sachverhalt von Amtes wegen fest.
Sie bestimmen Art und Umfang der Ermittlungen, ohne an die Beweisanträge der Parteien
gebunden zu sein. Erscheint die Sachlage umfassend abgeklärt und versprechen
zusätzliche Erhebungen keine wesentlich neuen Erkenntnisse, so brauchen keine weiteren
Untersuchungen angestellt zu werden, selbst wenn nicht alle denkbaren Möglichkeiten der
Beweisführung ausgeschöpft worden sind.36 Ergibt eine vorweggenommene
Beweiswürdigung, dass ein Beweis nicht dazu geeignet ist das Beweisergebnis zu
verändern oder den zu treffenden Entscheid zu beeinflussen, so kann auch unter dem
Aspekt des rechtlichen Gehörs von der Beweisabnahme abgesehen werden. Namentlich
besteht eine Pflicht zur Durchführung eines Augenscheins nur dann, wenn sich die
Verhältnisse anders nicht schlüssig klären lassen.37 Vorliegend beantragen die
Beschwerdeführenden 3 bis 24 die Durchführung eines Augenscheins unter Beizug von
Sachverständigen und Einsatz von Fahrzeugen sowie ein Parteiverhör. Von diesen
Beweismitteln waren hier keine weiteren, entscheidrelevanten Erkenntnisse zu erwarten,
weshalb darauf verzichtet werden konnte.
d) Wie bereits mehrfach erwähnt ist ein Bauvorhaben zu bewilligen, sofern es den bau-
und planungsrechtlichen sowie den übrigen im Bewilligungsverfahren zu prüfenden
Vorschriften entspricht (Art. 2 BauG). Das Erteilen der Baubewilligung darf nicht von
Bedingungen und Auflagen abhängig gemacht werden, für die im Gesetz keine gesetzliche
Grundlage besteht. Auf die von den Beschwerdeführenden 3 bis 24 in ihrer Beschwerde
aufgeführte Liste von verlangten Nachweisen (S. 26 f. der Beschwerde), welche im Falle
einer Baubewilligung zu erbringen seien, ist daher nicht näher einzugehen. Aus diesem
Grund ist auch das Rechtsbegehren 3 des Beschwerdeführers 1, es seien belegbare
36 Vgl. Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 18 N. 10. 37 Statt vieler: VGE 22962U vom 28. Februar 2008, mit Hinweisen.
26
Berechnungen über die Verkehrsbelastung der nicht mit Poller geschützten Matte-Ein- und
Ausfahrt zu erbringen, abzuweisen.
10. Kosten
a) Zusammenfassend werden die Beschwerden abgewiesen, soweit darauf eingetreten
werden kann. Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführenden.
Sie haben die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Die Verfahrenskosten
im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr. Für besondere
Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren erhoben
werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Für Entscheide in einer Verwaltungsjustizsache wird eine
Pauschalgebühr von Fr. 200.-- bis Fr. 4'000.-- je Beschwerde erhoben (Art. 19 Abs. 1
i.V.m. Art. 4 Abs. 2 GebV38). In Anwendung dieser Bestimmung wird die Pauschale für die
Beschwerden des Beschwerdeführers 1 und des Beschwerdeführers 2 auf je Fr. 1'500.--,
für die Beschwerde der Beschwerdeführenden 3 bis 24 auf Fr. 2'000.-- festgelegt. Bei den
Verfahrenskosten betreffend die Beschwerde der Beschwerdeführenden 3 bis 24 ist
zusätzlich Art. 20 Abs. 2 GebV zu beachten, wonach die gesamte Pauschalgebühr
angemessen erhöht werden kann, wenn mehrere Parteien gemeinsam Beschwerde führen.
Dies führt zu einer Erhöhung der diesbezüglichen Pauschale um Fr. 1’000.--. Werden
zudem in einem einzigen Entscheid mehrere Beschwerden beurteilt, so kann die
Pauschalgebühr für die einzelnen Beschwerdeführerinnen und Beschwerdeführer
angemessen reduziert werden (Art. 21 Abs. 3 GebV). Dementsprechend werden die
Pauschalen auf je zwei Drittel reduziert. Der Beschwerdeführer 1 sowie der
Beschwerdeführer 2 haben somit je Verfahrenskosten im Umfang von Fr. 1'000.--, die
Beschwerdeführenden 3 bis 24 Verfahrenskosten im Umfang von Fr. 2'000.-- zu tragen.
Die Beschwerdeführenden 3 bis 24 haften solidarisch für den gesamten ihnen auferlegten
Betrag.
b) Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 Abs. 1 und 3 VRPG).
38 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21).
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