# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 583f7ef6-7222-4e6a-a99c-4f7c34670834
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_003
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt:
1. A._, zuletzt tätig als Allrounderin bzw. Raumpflegerin und Hauswartin
in einem Gesamtpensum von 80 %, meldete sich am 8. März 2021 bei der
IV-Stelle des Kantons Graubünden (nachfolgend: IV-Stelle) zum
Leistungsbezug an. In der Folge traf die IV-Stelle erwerbliche und
medizinische Abklärungen und holte namentlich die Akten bei der
zuständigen Krankentaggeldversicherung ein.
2. Den Akten ist zu entnehmen, dass A._ ab dem 28. Oktober 2019
infolge von geklagten immobilisierenden Schmerzen in der
Lendenwirbelsäule und Rheuma zu 100 % krankgeschrieben wurde.
Daraufhin veranlasste die Krankentaggeldversicherung eine
Plausibilisierung der Arbeitsunfähigkeit aus rheumatologischer Sicht bei
med. pract. B._, Facharzt für Rheumatologie und Innere Medizin.
Dieser diagnostizierte mit Bericht vom 23. Januar 2020
(Untersuchungsdatum) in rheumatologischer Hinsicht ein generalisiertes
Schmerzsyndrom im Sinne einer Fibromyalgie (ICD-10 M79.0) sowie
anamnestisch einen Status nach Frozen shoulder links (ICD-10 M75.0).
Er erachtete A._ in einer körperlich leichten Putztätigkeit ohne
repetitiven Armeinsatz, achsenferne Gewichtsbelastung und
Überkopfarbeiten genauso wie in der Haushaltsführung zu mindestens
60 % arbeitsfähig.
3. Mit Bericht vom 3. Februar 2020 diagnostizierte der behandelnde
Psychiater Dr. med. C._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, eine mittelgradige depressive Episode im Rahmen einer
Anpassungsstörung und erachtete A._ auch in einer adaptierten
Tätigkeit für arbeitsunfähig. In der Folge veranlasste die
Krankentaggeldversicherung eine Plausibilisierung der Arbeitsunfähigkeit
aus psychiatrischer Sicht bei Dr. med. D._, Fachärztin für Psychiatrie
und Psychotherapie. Letztere wies in ihrem Bericht vom 9. Juni 2020
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(Untersuchungsdatum) in psychiatrischer Hinsicht eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.40) sowie eine
Anpassungsstörung, längere depressive Reaktion, bei
Arbeitsplatzproblematik (ICD-10 F43.21) aus, wobei sie A._ als zu
100 % arbeitsfähig einstufte.
4. Am 18. April 2020 erlitt A._ einen Unfall und verletzte sich an der
linken Hand (nicht dislozierte Schaftfraktur MC-III links). In der Folge stellte
sich eine vollständig konsolidierte Fraktur in regelrechter Stellung bei
vorhandenen Restbeschwerden ein.
5. Vom 27. Juli 2020 bis zum 19. August 2020 befand sich A._ in einem
stationären Rehabilitationsaufenthalt in der Klinik I._. Im
Austrittsbericht vom 14. August 2020 wurden folgende Diagnosen
erwähnt: chronisches Schmerzsyndrom (Panvertebralsyndrom bei
Hohlrundrücken und muskulärer Dysbalance, Polyarthralgien),
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive
Episode mit somatischem Syndrom, nicht dislozierte Metacarpale-III-
Schaft Fraktur links vom 18. April 2020 mit funktionellen Einschränkungen,
Verdacht auf medikamentös induzierte Dauerkopfschmerzen, DD
chronische Spannungskopfschmerzen. Mit Bezug auf die Arbeitsfähigkeit
wurde festgehalten, A._ sei für die Dauer des stationären
Aufenthaltes zu 100 % arbeitsunfähig; danach bestehe eine mindestens
50%ige Arbeitsfähigkeit für mindestens leichte Tätigkeiten. Aus
psychischer Sicht bestehe für die bisherige Tätigkeit als Reinigungskraft
durch die chronischen Schmerzen eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit von ca. 20 % infolge eines erhöhten Pausenbedarfs.
6. Der behandelnde Psychiater Dr. med. C._ hielt in seinem Bericht vom
31. August 2020 fest, aus psychiatrischer Sicht liege mindestens eine
mittelstarke Depression vor und eine Arbeit in der bisherigen Tätigkeit sei
nicht zumutbar; in einer leidensadaptierten Tätigkeit wäre eine
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Arbeitsfähigkeit stundenweise denkbar ab August 2020. Der Hausarzt Dr.
med. E._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, hielt in seinem
Bericht vom 16. Mai 2021 sodann fest, A._ sei infolge der
Handverletzung vom 20. April 2020 bis zum 20. August 2020 zu 100 %,
vom 22. August 2020 bis zum 13. November 2020 zu 50 % und ab dem
14. November 2020 zu 30 % arbeitsunfähig (gewesen). Ausserdem hielt
er fest, dass leichte Arbeiten in einem Umfang von 50 % möglich sein
sollten, sofern sich die Psyche verbessere. Bezüglich der
Arbeitsunfähigkeit sei die Depression im Moment am stärksten limitierend.
7. Dr. med. F._, Fachärztin für Allgemein Innere Medizin,
Arbeitsmedizin, Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ärztlicher
Dienst (RAD) Ostschweiz, hielt in ihrer Abschlussbeurteilung vom 14. Juni
2021 im Wesentlichen Folgendes fest: Zusammengefasst finde sich eine
Somatisierungsstörung auf dem Boden einer psychosozialen
Belastungssituation. Die depressive Entwicklung im Rahmen der
Anpassungsstörung (per definitionem auf dem Boden von psychosozialen
Belastungsfaktoren) habe sich nicht verselbständigt und existiere nicht als
eigenständige Komorbidität. Weiter führte sie aus, die neu aufgetretenen
Schmerzübergebrauchs-Kopfschmerzen und die wechselnd
demonstrierten Funktionseinschränkungen der linken Hand vermöchten
die ärztlich postulierte Leistungsfähigkeit nicht zusätzlich einzuschränken.
Betreffend Auswirkungen der Schmerzstörung auf die Leistungsfähigkeit
sei somit auf die rheumatologische Beurteilung (Begutachtung) mit einer
40%igen Arbeitsunfähigkeit und die hausärztliche Einschätzung mit
aktueller 30%iger Arbeitsunfähigkeit abzustellen; zusammengenommen
bestehe ab dem 14. November 2020 eine plausible 35%ige
Arbeitsunfähigkeit mit den im rheumatologischen Gutachten erwähnten
Einschränkungen in leidensangepasster Tätigkeit.
8. Mit Vorbescheid vom 25. Juni 2021 stellte die IV-Stelle A._ die
Abweisung ihres Leistungsbegehrens in Aussicht. Begründend führte sie
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aus, A._ wäre heute ohne gesundheitliche Beschwerden weiterhin als
Raumpflegerin bei verschiedenen Arbeitgebern im Umfang von ca. 80 %
tätig. Aus ärztlicher Sicht bestehe in jeglicher Tätigkeit eine
Arbeitsfähigkeit von 65 %. Ein Rentenanspruch könne deshalb nicht
entstehen, da der Invaliditätsgrad unter der erforderlichen Marke von 40 %
liege.
9. Hiergegen erhob A._ am 20. Juli 2021 Einwand. Mit Verfügung vom
17. August 2021 entschied die IV-Stelle im Ergebnis wie vorbeschieden
und verneinte einen Anspruch auf eine Invalidenrente. Gestützt auf die
Abschlussbeurteilung von RAD-Ärztin Dr. med. F._ vom 14. Juni
2021, den rheumatologischen Bericht von med. pract. B._ vom
23. Januar 2020 und die psychiatrische Beurteilung von Dr. med. D._
vom 9. Juni 2020 ging sie allerdings nicht mehr von einer 65%igen,
sondern von einer 60%igen Arbeitsfähigkeit aus. In Anwendung der
gemischten Methode errechnete sie in dem zu 80 % gewichteten
Erwerbsanteil einen (berichtigten) Teilinvaliditätsgrad von 32 %.
Betreffend den zu 20 % gewichteten Aufgabenbereich hielt sie fest, es
müsste im Haushalt eine Einschränkung von 38 % bestehen, was einem
Teilinvaliditätsgrad von 7.6 % entspreche, um insgesamt einen
rentenrelevanten Invaliditätsgrad von 40 % zu erreichen. Da im Haushalt
keine genügende Einschränkung aus gesundheitlichen Gründen bestehe,
um einen rentenrelevanten Invaliditätsgrad zu erreichen, sei in antizipierter
Beweiswürdigung auf weitere Beweisvorkehren, insbesondere das
Einholen eines Haushaltsabklärungsberichts, zu verzichten.
10. Dagegen erhob A._ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am
31. August 2021 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden. Sie stellte folgende Rechtsbegehren:
1. Die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Angelegenheit an die Vorinstanz zur Einholung eines externen medizinischen Gutachtens und zum anschliessenden neuen Entscheid zurückzuweisen.
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2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin.
In ihrer Begründung sprach sie den Beurteilungen von med. pract.
B._ und Dr. med. D._ den Beweiswert ab und kritisierte die
darauf beruhende RAD-Abschlussbeurteilung durch eine fachfremde
Ärztin. Wie hoch ihre Arbeitsfähigkeit in einer psychiatrisch-
rheumatologischen Gesamtbeurteilung sei, lasse sich aufgrund der
vorhandenen medizinischen Akten nicht mit ausreichender Genauigkeit
beantworten. Nach einer Vervollständigung der medizinischen Akten bzw.
dem Vorliegen eines bidisziplinären Gutachtens werde sich zudem
beurteilen lassen, ob eine Haushaltsabklärung nachgeholt werden müsse.
11. In ihrer Vernehmlassung vom 17. September 2021 (Eingang) beantragte
die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolge zulasten
der Beschwerdeführerin. Für die Begründung verwies sie primär auf die
angefochtene Verfügung vom 17. August 2021.
12. Mit Schreiben vom 1. Oktober 2021 verzichtete die Beschwerdeführerin
auf die Einreichung einer Replik.
Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften, die angefochtene
Verfügung sowie die weiteren Akten wird, soweit erforderlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der IV-
Stelle des Kantons Graubünden vom 17. August 2021, worin das
Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin abgewiesen wurde (kein
Anspruch auf eine Invalidenrente). Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) sind
Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem
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Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle anfechtbar. Als kantonales
Versicherungsgericht ist das Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde sowohl
örtlich als auch sachlich zuständig (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 57 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1] und Art. 49 Abs. 2 lit. a des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100]). Die
Beschwerdeführerin ist Adressatin der angefochtenen Verfügung,
weshalb sie durch die angefochtene Verfügung unmittelbar betroffen ist
und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat.
Sie ist demnach zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 1 Abs. 1 IVG
i.V.m. Art. 59 ATSG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht (Art. 1
Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 60 und Art. 61 ATSG) eingereichte Beschwerde ist
somit einzutreten.
2. Streitgegenstand bildet die Frage des Rentenanspruchs der
Beschwerdeführerin, welcher angesichts der Anmeldung im März 2021
gestützt auf Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens ab dem 1. September 2021 (d.h.
sechs Monate nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs) entsteht.
Anspruch auf eine Invalidenrente haben Versicherte von vornherein nur
dann, wenn sie während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind
(sog. Wartejahr) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 %
invalid sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). Vorliegend gelangte die IV-Stelle zum
Schluss, dass das Wartejahr am 19. April 2021 erfüllt war (vgl. IV-act. 48
S. 14 f. [case report]), nach dessen Ablauf allerdings kein rentenrelevanter
Invaliditätsgrad vorlag. Streitig ist in erster Linie die Frage, ob das
Vorliegen von Gesundheitsschäden mit Auswirkungen auf die Arbeits-
bzw. Erwerbsfähigkeit hinreichend abgeklärt worden ist. Zu beachten ist
dabei, dass die Beschwerdeführerin im Hauptbegehren die Rückweisung
der Angelegenheit an die IV-Stelle zur Einholung eines externen
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medizinischen Gutachtens und anschliessendem neuen Entscheid
beantragt. Gemäss dem Antrag der Beschwerdeführerin ist im
Gutheissungsfall also nicht reformatorisch, sondern bloss kassatorisch zu
entscheiden. Unbestritten ist die Bemessung des Invaliditätsgrads anhand
der gemischten Methode mit einer Gewichtung der Anteile Erwerb und
Haushalt von 80 % zu 20 %.
3.1. Im Sozialversicherungsrecht gilt grundsätzlich der
Untersuchungsgrundsatz, wobei die Auskunfts‐ und Mitwirkungspflicht der
Leistungen beanspruchenden Person zu berücksichtigen ist. Die Behörde
hat, wo notwendig, den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen
abzuklären, ohne dabei an die Anträge der Parteien gebunden zu sein (vgl.
Art. 43 Abs. 1 und 3 ATSG; KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl.,
Zürich/Basel/Genf 2020, Art. 43 Rz. 13 ff. und 96 ff.). Die
Untersuchungspflicht gilt sowohl im Verwaltungsverfahren wie auch
grundsätzlich im kantonalen Gerichtsverfahren (vgl. Art. 61 lit. c ATSG).
Die Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung
des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit
besteht. Wenn der Versicherungsträger oder das kantonale
Sozialversicherungsgericht im Rahmen einer umfassenden, sorgfältigen,
objektiven und inhaltsbezogenen Beweiswürdigung zur Überzeugung
gelangt, dass ein bestimmter Sachverhalt überwiegend wahrscheinlich
sei, steht dies einer antizipierten Beweiswürdigung nicht entgegen.
Bleiben jedoch erhebliche Zweifel an der Vollständigkeit und/oder
Richtigkeit der getroffenen Tatsachenfeststellungen bestehen, ist weiter
zu ermitteln, soweit von zusätzlichen Abklärungsmassnahmen noch neue
wesentliche Erkenntnisse zu erwarten sind (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 8C_398/2018 vom 5. Dezember 2018 E.3.1,
8C_616/2013 vom 28. Januar 2014 E.2.1; KIESER, a.a.O., Art. 43 Rz. 18 ff.
und 29 f.). Kommt die Verwaltung ihrer Abklärungspflicht nicht oder nicht
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genügend nach, kann die Sache aus diesem Grund an die Verwaltung
zurückgewiesen werden (vgl. BGE 132 V 368 E.5).
3.2.1. Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und der Beurteilung der
Erwerbsfähigkeit der versicherten Person sind die Verwaltung und das im
Streitfall angerufene Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls andere Fachleute zur Verfügung stellen. Die Aufgabe des
Arztes besteht darin, mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher
Untersuchung unter Berücksichtigung der subjektiven Beschwerden die
Befunde zu erheben und gestützt darauf die Diagnose zu stellen. Hiermit
erfüllt der Arzt seine originäre Aufgabe, wofür die Verwaltung und das im
Streitfall angerufene Gericht nicht kompetent sind. Bei der
Folgeabschätzung der erhobenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen
für die Arbeitsfähigkeit kommt dem Arzt jedoch keine abschliessende
Beurteilungskompetenz zu. Vielmehr gibt er eine Einschätzung zur
Arbeitsfähigkeit ab, welche er aus seiner Sicht so substanziell wie möglich
begründet. Die ärztlichen Auskünfte bilden sodann eine wichtige
Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen dem
Versicherten konkret noch zugemutet werden können (vgl. BGE 140 V 193
E.3.2, 132 V 93 E.4, 125 V 256 E.4).
3.2.2. Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel zu
würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgerichte die Beweise grundsätzlich frei, d.h. ohne
Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss
zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das
Gericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen,
objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren
Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden
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medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte
Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die
eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (vgl. BGE 125
V 351 E.3a). Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf
allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 231
E.5.1, 125 V 351 E.3a; Urteile des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom
10. Juni 2021 E.3.2, 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E.2.4).
Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die
Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten
oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (vgl.
BGE 125 V 351 E.3a, 122 V 157 E.1c). Dennoch hat es die
Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als
vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer
Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen
(vgl. BGE 125 V 351 E.3b, 118 V 286 E.1b, 112 V 30 E.1a).
Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von
externen Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen
und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten
und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen,
ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange
nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen
(vgl. BGE 137 V 210 E.1.3.4, 125 V 351 E.3b/bb). In Bezug auf Berichte
von behandelnden Ärzten darf und soll der Richter auch der
Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass behandelnde Ärzte mitunter
im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen
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eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (vgl. BGE 135 V 465 E.4.3.2,
4.4 und 4.5, 125 V 351 E.3a und 3b). Sodann kommt auch den Berichten
und Gutachten versicherungsinterner Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als
schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich
widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit
sprechen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in einem
Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf
mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf
vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die
Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen.
Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im
Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des
Gutachters allerdings ein strenger Massstab anzulegen (vgl. BGE 125 V
351 E.3b, 122 V 157 E.1c). Bestehen auch bloss geringe Zweifel an der
Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen
Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (vgl. BGE
135 V 465 E.4.3.2 und 4.4; Urteile des Bundesgerichts 9C_168/2020 vom
17. März 2021 E.3.2, 8C_245/2011 vom 25. August 2011 E.5.3).
4. Vorliegend sind zur Feststellung des Gesundheitszustands und
Beurteilung der Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin im
Wesentlichen die folgenden medizinischen Unterlagen zu
berücksichtigen:
4.1. Im Bericht vom 5. Januar 2004 führte med. pract. G._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, aus, in psychiatrischer Hinsicht
bestünden bei der Beschwerdeführerin seit über zwei Jahren somatisch
nicht ausreichend erklärbare und wechselhaft in Erscheinung tretende
Beschwerden, wie verschiedentliche Schmerzsensationen, Kraftlosigkeit
und vegetative Phänomene. Die Beschwerden seien in Zusammenhang
mit anhaltendem psychosozialem Stress bei Überforderung am
Arbeitsplatz und wiederholten Kränkungserlebnissen bei einer sehr auf
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Perfektion und Leistungsbewusstsein ausgelegten Persönlichkeit
aufgetreten. Dazu falle eine ausgeprägte Weigerung auf, die Schmerzen
als nicht körperlich erklärbar zu akzeptieren, wobei eine andauernde Angst
vor einem schweren körperlichen Leiden geäussert werde.
Zusammenfassend könne daher eine undifferenzierte
Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.1) diagnostiziert werden. Als
Empfehlung hielt med. pract. G._ namentlich fest, medikamentös sei
ein erneuter Behandlungsversuch mit einem Antidepressivum indiziert, um
die das Krankheitsbild begleitende Depressivität und Ängstlichkeit günstig
zu beeinflussen. So könnte mit einer Viertel-Tablette Deroxat 20 mg
begonnen werden mit einer wöchentlichen Steigerung um je ein weiteres
Viertel bis auf eine ganze Tablette (vgl. IV-act. 16 S. 19).
4.2. Mit Bericht vom 23. Januar 2020 stellte med. pract. B._ in
rheumatologischer Hinsicht folgende Diagnosen: generalisiertes
Schmerzsyndrom im Sinne einer Fibromyalgie (ICD-10 M79.0) bei u.a.
einem deutlich positiven WPI-Index mit Summenwerten von 13
(Schmerzareale) und 11 (Symptomscore), aktuell ohne Limitierung der
Arbeitsfähigkeit in leichter Putztätigkeit bzw. in der Führung des eigenen
Haushalts, sowie anamnestisch ein Statuts nach Frozen shoulder links
(ICD-10 M75.0) ohne aktuell klinisch fassbarer höhergradiger
Funktionsstörung, bei aber vorstellbarer Minderbelastbarkeit bei
langdauernden und repetitiven Überkopfarbeiten (vgl. IV-act. 16 S. 6). Zu
den Untersuchungsbefunden hielt med. pract. B._ fest, es bestehe
eine generalisierte Schmerzhaftigkeit mit Akzentuierung im Bereich der
LWS, des thorakolumbalen Übergangs, im Beckengürtel und der
Nackenregion. Alle Gelenke der oberen und unteren Extremitäten seien
auf Palpation dolent, ohne dass in der klinischen Untersuchung eine
diesbezüglich hinreichend erklärende Pathologie fassbar werde. Neben
dieser diffusen Schmerzhaftigkeit lasse sich auch mit den seit 2010 zur
Diagnose chronischer Schmerzsyndrome angewendeten
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Patientenangaben ein Summenwert erreichen, der die Diagnose einer
Fibromyalgie begründen könne (vgl. IV-act. 16 S. 6). Zur Arbeitsfähigkeit
führte med. pract. B._ aus, aus rheumatologischer Sicht sei die
Beschwerdeführerin in einer körperlich leichten Putztätigkeit ohne
repetitiven Armeinsatz, achsenferne Gewichtsbelastung und
Überkopfarbeiten genauso wie in der Haushaltsführung zu mindestens
60 % arbeitsfähig (vgl. IV-act. 16 S. 7). Leichte bis gelegentlich
mittelschwere Arbeiten im unteren Drittel erschienen zumutbar und
würden auch in der eigenen Haushaltsführung beim Wäsche waschen und
feuchten Aufnehmen der Böden bewältigt (IV-act. 16 S. 9). Zudem
erachtete er eine bidisziplinäre (rheumatologisch-psychiatrische)
Beurteilung für sinnvoll (vgl. IV-act. 16 S. 8).
4.3. Der behandelnde Psychiater Dr. med. C._ diagnostizierte am
3. Februar 2020 eine mittelgradige depressive Episode im Rahmen einer
Anpassungsstörung und erachtete die Beschwerdeführerin aufgrund einer
übermässigen Erschöpfbarkeit, einem verminderten Antrieb und
insbesondere einer verminderten Auffassung und Konzentration auch in
einer adaptierten Tätigkeit für arbeitsunfähig (vgl. IV-act. 16 S. 21).
4.4. Gestützt auf die am 9. Juni 2020 stattgefundene Untersuchung wies Dr.
med. D._ in ihrer Beurteilung eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.40) sowie eine Anpassungsstörung, längere
depressive Reaktion, bei Arbeitsplatzproblematik (ICD-10 F43.21) aus. Zu
den Untersuchungsbefunden hielt Dr. med. D._ namentlich fest, die
Beschwerdeführerin sei wach, bewusstseinsklar, allseits orientiert und im
Kontakt wechselhaft. Die Stimmung sei gereizt und leicht gedrückt. Die
Beschwerdeführerin habe zwischendurch geweint, sich aber schnell
beruhigen und sodann – ohne den Faden zu verlieren – berichten können.
Die Beschwerdeführerin sei antriebsarm und psychomotorisch unruhig.
Der formale Gedankengang sei kohärent und stringent, sehr umständlich
und auf die Schmerzen und Probleme am letzten Arbeitsplatz eingeengt.
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Auf die Frage, wie sich die Depression bei ihr äussere, habe die
Beschwerdeführerin nicht viele Beschwerden nennen können. Im Rapport
habe sie mehrmals das Wort "demütigend" verwendet. Die Konzentration
und Aufmerksamkeit seien während der ganzen Exploration erhalten
gewesen. Die Beschwerdeführerin leide an Ein- und
Durchschlafstörungen. Dr. med. D._ erachtete die
Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht sowohl in der bisherigen
wie auch in einer adaptierten Tätigkeit zu 100% arbeitsfähig (vgl. IV-
act. 16 S. 24 f.).
4.5. Mit neurologischem Konsil vom 6. August 2020 berichtete Dr. med.
H._, Facharzt für Neurologie, dass bei der Beschwerdeführerin
zusammenfassend auf dem Boden einer Migräne und eines chronischen
HWS-Syndroms bei dauerhafter, unregelmässiger und übermässiger
Einnahme von nicht steroidalen Antiphlogistika zusätzlich zur
regelmässigen Einnahme am ehesten ein medikamentös induzierter
Dauerkopfschmerz vorliege (vgl. IV-act. 16 S. 28 f.).
4.6. Im Austrittsbericht vom 14. August 2020 der Klinik I._ zum
stationären Rehabilitationsaufenthalt wurden neben dem Verdacht auf
medikamentös induzierte Dauerkopfschmerzen (DD chronische
Spannungskopfschmerzen) und der nicht dislozierten Metacarpale-III-
Schaftfraktur links vom 18. April 2020 mit funktionellen Einschränkungen
folgende Diagnosen gestellt: chronisches Schmerzsyndrom mit
Panvertebralsyndrom bei Hohlrundrücken bzw. muskulärer Dysbalance
und Polyarthralgien sowie eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom.
Für die Zeit nach der stationären Behandlung wurde eine mindestens
50%ige Arbeitsfähigkeit für mindestens leichte Tätigkeiten ausgewiesen.
Aus psychischer Sicht bestehe für die bisherige Tätigkeit als
Reinigungskraft durch die chronischen Schmerzen eine Einschränkung
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der Arbeitsfähigkeit von ca. 20 % infolge eines erhöhten Pausenbedarfs
(vgl. IV-act. 16 S. 30 f.).
4.7. Mit Bericht vom 31. August 2020 diagnostizierte Dr. med. C._ aus
psychiatrischer Sicht eine mindestens mittelstarke Depression und führte
dazu aus, die Beschwerdeführerin leide an gedrückter Stimmung,
Freudlosigkeit, Antriebsarmut, übermässiger Erschöpfbarkeit,
vermindertem Selbstwertgefühl, Mühe bei der Konzentration,
Vergesslichkeit, Gedankenkreisen, vermindertem Appetit und Unruhe.
Während er die bisherige Tätigkeit für unzumutbar erachtete, sei die
Beschwerdeführerin in einer leidensadaptierten Tätigkeit ab August 2020
höchstens stundenweise einsetzbar. Die Arbeitsfähigkeit sei teilweise
auch durch die körperlichen Beschwerden limitiert. Dr. med. C._
äusserte sich auch zur Beurteilung von Dr. med. D._ gestützt auf die
Untersuchung vom 9. Juni 2020. Dazu führte er aus, dass die im besagten
Bericht erwähnten Symptome wie gedrückte Stimmung,
psychomotorische Unruhe, verminderter Selbstwert (Demütigung),
Schlafstörungen, kognitive Beeinträchtigung (Vergesslichkeit) und das
beschriebene Gedankenkreisen nach ICD ausreichen würden für die
Diagnose einer mittelstarken depressiven Episode. Zudem bemängelte er,
dass im Bericht von Dr. med. D._ keine explorativen Elemente
erkennbar seien. Die Beurteilung stütze sich offenbar rein auf
Beobachtungen und spontane Angaben der Beschwerdeführerin. Es
werde explizit erwähnt, dass die Depression nicht näher beschrieben
werden könne; dies trotz der Äusserung der Beschwerdeführerin zur
Demütigung (was auch ein verminderter Selbstwert bedeute),
Vergesslichkeit, verminderten Belastbarkeit im Alltag, Schlafstörungen
und die beobachtete gedrückte Stimmung (vgl. IV-act. 16 S. 46 f.).
4.8. Im Bericht vom 16. Mai 2021, in welchem der Hausarzt Dr. med. E._
einlässlich auf die Vor- und Krankengeschichte der Beschwerdeführerin
sowie die aktuelle medizinische Symptomatik einging,
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Untersuchungsbefunde erhob sowie sich zum Behandlungsplan und zur
Prognose äusserte, wurden folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit ausgewiesen: mittelschwere Depression im Sinne einer
Anpassungsstörung bei psychosozialer Belastung mit allgemeiner
Adynamie, chronischem Schmerzsyndrom mit Panvertebralsyndrom,
muskulären Ansatztendinosen, Polyarthralgien, muskulärer Dysbalance
sowie nicht dislozierte Metacarpale-III-Schaftfraktur links vom 18. April
2020 mit funktioneller Einschränkung und Status nach beginnender
Sudeckdystrophie der linken Hand. Dazu führte Dr. med. E._
namentlich aus, das Hauptproblem bestehe einerseits in der psychischen
Verfassung der Beschwerdeführerin und andererseits in den damit
verbundenen körperlichen Schmerzen in den Gelenken, Muskelansätzen
und im Rücken. In den letzten Jahren habe die Beschwerdeführerin sehr
viel dazu beigetragen, um ihre körperlichen Beschwerden auf ein
erträgliches Mass zu reduzieren. Die aktuelle Kränkung und Depression
führten zu einem Teufelskreis, der sich im Moment kaum lösen lasse. Die
Beschwerdeführerin sei deshalb regelmässig in psychiatrischer
Behandlung. Zudem sei sie aufgrund ihrer körperlichen, generalisierten
und diffusen Beschwerden in der Klinik I._ zur Rehabilitation
gewesen. Dieser Aufenthalt habe wenig Effekt gezeigt, da sie sich dort
wenig verstanden gefühlt habe. Dr. med. E._ erachtete leichte
Arbeiten in einem Umfang von 50 % als möglich, sofern sich die Psyche
verbessere (vgl. IV-act. 28).
5.1. Die IV-Stelle gelangte in der angefochtenen Verfügung vom 17. August
2021 zum Schluss, es sei von einer somatisch bedingten Arbeitsfähigkeit
von 60 % auszugehen, während in psychischer Hinsicht keine
Einschränkung der Leistungsfähigkeit bestehe. Dabei stützte sie sich –
abgesehen von einer geringfügigen Korrektur der
Arbeitsfähigkeitseinschätzung – auf die Abschlussbeurteilung der RAD-
Ärztin Dr. med. F._ vom 14. Juni 2021 ab. Diese führte darin
- 17 -
Folgendes aus: Zusammengefasst finde sich eine Somatisierungsstörung
auf dem Boden einer psychosozialen Belastungssituation. Die depressive
Entwicklung im Rahmen der Anpassungsstörung (per definitionem auf
dem Boden von psychosozialen Belastungsfaktoren) habe sich nicht
verselbstständigt und existiere nicht als eigenständige Komorbidität. Der
psychosoziale Stress stehe im Zusammenhang mit einer Überforderung
am Arbeitsplatz und wiederholten Kränkungserlebnissen.
Psychiatrischerseits bestehe gemäss psychiatrischer Begutachtung keine
bzw. nur eine geringe Arbeitsunfähigkeit, auch wenn diese vom
behandelnden Psychiater Dr. med. C._ weiterhin höhergradig
attestiert werde (Arbeitsunfähigkeit von 50 %), auch unter
Berücksichtigung der somatischen Situation. Gemäss psychiatrischer
Begutachtung hätten nur wenige der limitierenden, subjektiv geäusserten
Beschwerden – auf welche Dr. med. C._ abstelle und woraus er eine
eigenständige Komorbidität ableite – objektiviert werden können.
Beispielsweise hätten anlässlich der Begutachtung keine kognitive
Beeinträchtigung, psychomotorische Unruhe, Demütigungsgefühle und
kein verminderter Selbstwert festgestellt werden können und es habe nur
eine leicht gedrückte Stimmung vorgelegen. Hingegen weise die
Beschwerdeführerin eine sehr auf Perfektion und Leistungsbewusstsein
ausgelegte Persönlichkeit auf. Betreffend Schlafstörung habe die
Beschwerdeführerin verschiedentlich angegeben, einen guten
Nachtschlaf (zwar mit Problemen beim Ein- und Durchschlafen) zu haben.
Das Trazodon habe sie müde gemacht, weshalb sie es abgesetzt habe.
Sie sei nur noch mit Baldrian phytotherapeutisch behandelt worden. Dies
sei aus psychiatrischer Sicht widersprüchlich. Die neu aufgetretenen
Schmerzübergebrauchs-Kopfschmerzen und die wechselnd
demonstrierten Funktionseinschränkungen der linken Hand (nach gut
verheiltem Mittelhandbruch im April 2020) vermöchten die ärztlich
postulierte Leistungsfähigkeit nicht zusätzlich einzuschränken. Bereits im
Jahr 2004 sei die Beschwerdeführerin informiert worden, dass ein
- 18 -
muskuläres Training bzw. eine Rekonditionierung nötig sei, um dem
Fortschreiten und der Chronifizierung der Schmerzstörung Einhalt zu
gebieten. Dieser Aufforderung bzw. Mitwirkungspflicht sei die
Beschwerdeführerin nicht nachgekommen. Aus dem Bericht des
stationären Rehabilitationsaufenthalts vom August 2020 gehe hervor,
dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer starken Dekonditionierung
(und nicht aufgrund einer Erkrankung) am arbeitsbezogenen
Trainingsprogramm nicht habe teilnehmen können. Betreffend
Auswirkungen der Schmerzstörung auf die Leistungsfähigkeit sei somit auf
die rheumatologische Beurteilung (Begutachtung) mit einer 40%igen
Arbeitsunfähigkeit und die hausärztliche Einschätzung mit aktueller
30%iger Arbeitsunfähigkeit abzustellen; zusammengenommen bestehe
eine plausible 35%ige Arbeitsunfähigkeit mit den im rheumatologischen
Gutachten erwähnten Einschränkungen in leidensadaptierter Tätigkeit
(vgl. IV-act. 48 S. 12 f.). Als solche befand Dr. med. F._ leichte bis
mittelschwere Tätigkeiten ohne repetitiven Armeinsatz, achsenferne
Gewichtsbelastung und Überkopfarbeiten mit Heben von Gewichten bis
15 kg (repetitiv bis 10 kg; vgl. IV-act. 48 S. 14). Darin attestierte sie der
Beschwerdeführerin eine Arbeitsfähigkeit von 65 % ab dem 14. November
2020 (vgl. IV-act. 48 S. 14), welche sodann von der IV-Stelle in der
angefochtenen Verfügung vom 17. August 2021 – gestützt auf die
rheumatologische Beurteilung von med. pract. B._ – auf 60 %
reduziert wurde (vgl. IV-act. 47 S. 3 f.).
5.2. Während die IV-Stelle die Abschlussbeurteilung der RAD-Ärztin Dr. med.
F._ in ihren Ergebnissen für praktisch schlüssig, nachvollziehbar und
widerspruchsfrei hält, erachtet die Beschwerdeführerin den medizinischen
Sachverhalt und die sich daraus ergebende Erwerbsunfähigkeit für
ungenügend abgeklärt. Nachfolgend gilt es somit zu prüfen, ob die IV-
Stelle zu Recht auf die – insbesondere auf den Kurzbeurteilungen von
med. pract. B._ und Dr. med. D._ beruhende – RAD-
- 19 -
Abschlussbeurteilung vom 14. Juni 2021 abgestellt hat oder ob Zweifel an
deren Zuverlässigkeit oder Schlüssigkeit bestehen.
6. Hinsichtlich der Beurteilung des psychischen Gesundheitszustands der
Beschwerdeführerin erweist sich die RAD-Abschlussbeurteilung vom
14. Juni 2021 als mangelhaft. Dr. med. F._ schloss darin auf eine
Somatisierungsstörung auf dem Boden einer psychosozialen
Belastungssituation, wobei sich die depressive Entwicklung im Rahmen
der Anpassungsstörung nicht verselbstständigt habe bzw. diese nicht als
eigenständige Komorbidität existiere. Als medizinische Beweisgrundlage
führte sie dabei – genauso wie die IV-Stelle – insbesondere die
Beurteilung von Dr. med. D._ vom 9. Juni 2020 an (vgl. IV-act. 48
S. 12 f.). Diese diagnostizierte darin eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.40) sowie eine Anpassungsstörung, längere
depressive Reaktion, bei Arbeitsplatzproblematik (ICD-10 F43.21; vgl. IV-
act. 16 S. 25). Auf diese Beschwerdebilder ist die Rechtsprechung
gemäss BGE 141 V 281 anwendbar (vgl. BGE 143 V 409 und 418).
Demnach beurteilt sich die Frage, ob eine psychische Störung zu einer
Arbeitsunfähigkeit führt, welche auch rechtlich bedeutsam ist, in
Nachachtung von Art. 7 Abs. 2 ATSG grundsätzlich auf der Grundlage
eines strukturierten Beweisverfahrens (vgl. BGE 145 V 361 E.3, 4.1 und
4.3, 144 V 50 E.4.3; Urteile des Bundesgerichts 9C_475/2019 vom
15. November 2019 E.4.2.2, 9C_547/2019 vom 14. Oktober 2019 E.6.1).
Ein solches bleibt entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger
fachärztlicher Berichte eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar
begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen
Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen
Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann. Namentlich in
Fällen, bei denen nach bestehender Aktenlage überwiegend
wahrscheinlich von einer bloss leichtgradigen depressiven Störung
auszugehen ist, die ihrerseits nicht schon als chronifiziert gelten kann und
- 20 -
auch nicht mit Komorbiditäten einhergeht, bedarf es daher in aller Regel
keiner Weiterungen in Form eines strukturierten Beweisverfahrens (vgl.
BGE 145 V 215 E.7, 143 V 409 E.4.5.3; Urteile des Bundesgerichts
8C_62/2020 vom 22. September 2020 E.4.3, 8C_415/2018 vom
12. Dezember 2018 E.4.2). Eine solche Konstellation ist vorliegend
allerdings nicht gegeben (vgl. dazu nachstehende Erwägung 6.2).
6.1. Zunächst gilt es festzuhalten, dass es der Beurteilung von Dr. med.
D._ bereits an einer nachvollziehbaren Diagnosestellung fehlt,
welche es den Rechtsanwendenden erlauben würde zu beurteilen, ob die
klassifikatorischen Vorgaben tatsächlich eingehalten worden sind (vgl.
dazu BGE 145 V 215 E.5.1, 143 V 418 E.8.1, 143 V 124 E.2.2.2, 142 V
106 E.3.3, 141 V 281 E.2.1 ff., 130 V 396 E.5.2 ff.; Urteile des
Bundesgerichts 9C_80/2020 vom 15. September 2020 E.3.2, 8C_41/2019
vom 9. Mai 2019 E.7.2, 8C_376/2018 vom 9. Oktober 2018 E.3.2). So
leitete Dr. med. D._ die von ihr ausgewiesene anhaltende
somatoforme Schmerzstörung nicht her und sie gab auch nicht an, aus
welchen (vorbefundlichen) Untersuchungsergebnissen bzw.
(anamnestischen) Angaben sie diese ableitete. Ähnlich verhält es sich mit
Blick auf die von ihr ausgewiesene Anpassungsstörung mit längerer
depressiver Reaktion bei einer Arbeitsplatzproblematik. Entgegen der
Auffassung der IV-Stelle können den von Dr. med. D._ erhobenen
Untersuchungsbefunden typische Symptome für eine Depression
entnommen werden (so z.B. gedrückte Stimmung, Verminderung des
Antriebs, Schlafstörungen und – entgegen der Darlegung der RAD-Ärztin
Dr. med. F._ in der Abschlussbeurteilung vom 14. Juni 2021 [vgl. IV-
act. 48 S. 13] – auch psychomotorische Unruhe, Demütigungsgefühle und
verminderter Selbstwert; vgl. auch den Bericht von Dr. med. C._ vom
31. August 2020, welcher aufgrund der im Bericht von Dr. med. D._
erwähnten Symptome eine mittelgradige depressive Episode als
ausgewiesen erachtete [IV-act. 16 S. 47]; vgl. ferner das
- 21 -
Evaluationsgespräch Eingliederung vom 30. März 2021 [IV-act. 22 S. 5]).
Aus ihrer Beurteilung und anhand der beruflichen Anamnese erhellt
allerdings nicht, weshalb die depressive Symptomatik nicht – wie von Dr.
med. F._ in der RAD-Abschlussbeurteilung verneint – im Sinne einer
verselbstständigten, gegebenenfalls chronifizierten Erkrankung zu
interpretieren ist (vgl. dazu den Bericht von Dr. med. C._ vom
31. August 2020 [IV-act. 16 S. 46 f.] sowie den Austrittsbericht der Klinik
I._ vom 14. August 2020 [IV-act. 16 S. 30 ff.]), sondern auf eine
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion bei einer
Arbeitsplatzproblematik zu schliessen ist.
Dies erscheint auch deshalb erklärungsbedürftig, weil med. pract.
G._ bereits mit Bericht vom 5. Januar 2004 in Zusammenhang mit
anhaltendem psychosozialem Stress bei Überforderung am Arbeitsplatz
und wiederholten Kränkungserlebnissen (bei einer sehr auf Perfektion und
Leistungsbewusstsein ausgelegten Persönlichkeit) aufgetretene
Beschwerden beschrieb, wobei seiner Ansicht nach das Krankheitsbild
durch eine Depressivität begleitet wurde (vgl. IV-act. 16 S. 19; vgl. ferner
den Bericht von Dr. med. E._ vom 16. Mai 2021 [IV-act. 28 S. 2]).
Inwiefern nun mehr als 16 Jahre später noch von einer
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion ausgegangen
werden kann, wenn nach deren Klassifikationskriterien der (leichte)
depressive Zustand als Reaktion auf eine länger anhaltende
Belastungssituation nicht länger als zwei Jahre dauern kann (vgl. hierzu
DILLING/MOMBOUR/SCHMIDT, Internationale Klassifikation psychischer
Störungen, ICD-10 Kapital V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien, 9. Aufl.,
2014, S. 210), leuchtet nicht von Vornherein ein. Dies umso weniger, als
im Austrittsbericht der Klinik I._ vom 14. August 2020 in weitgehender
Übereinstimmung mit den Berichten von Dr. med. C._ vom
31. August 2020 und Dr. med. E._ vom 16. Mai 2021 eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive
- 22 -
Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.1), diagnostiziert wurde
(vgl. IV-act. 16 S. 30 ff.). Nach dem Gesagten mangelt es der Beurteilung
von Dr. med. D._ vom 9. Juni 2020 also bereits an lege artis
gestellten bzw. hergeleiteten Diagnosen, derer es bedarf, um
invalidenversicherungsrechtlich relevante funktionelle Auswirkungen der
ausgewiesenen psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen feststellen
bzw. solche ausschliessen zu können (vgl. BGE 145 V 215 E.5.1, 143 V
418 E.8.1, 143 V 409 E.4.5.2, 141 V 281 E.2.1, 130 V 396 E.6.2 ff.; Urteile
des Bundesgerichts 8C_407/2020 vom 3. März 2021 E.4.2, 8C_175/2018
vom 27. September 2018 E.4, 9C_262/2018 vom 22. August 2018
E.4.2.1).
6.2. Darüber hinaus legte Dr. med. D._ nicht in nachvollziehbarer Weise
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren
und Kompensationspotenzialen dar, weshalb die von ihr ausgewiesenen
Diagnosen (anhaltende somatoforme Schmerzstörung und
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion bei einer
Arbeitsplatzsymptomatik) keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
haben sollen. Hinzu kommt, dass – wie bereits in vorstehender
Erwägung 6.1 dargelegt – sich widersprechende ärztliche Diagnosen mit
unterschiedlichen Beurteilungen zu deren Auswirkungen auf das
tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen der Beschwerdeführerin im
Recht liegen. So hielt Dr. med. C._ in seinem Bericht vom 31. August
2020 fest, dass aus psychiatrischer Sicht eine mindestens mittelstarke
Depression vorliege und in einer leidensadaptierten Tätigkeit ab August
2020 eine Arbeitsfähigkeit stundenweise denkbar wäre (vgl. IV-act. 16
S. 47; vgl. ferner den Austrittsbericht der Klinik I._ vom 14. August
2020 [IV-act. 16 S. 31]). Dieser Einschätzung kann der Beweiswert nicht
grundsätzlich abgesprochen werden; insbesondere mangelt es Dr. med.
C._ als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie nicht an der
nötigen fachärztlichen Qualifikation. Zudem erhob er einen Psychostatus,
- 23 -
setzte sich mit der Beurteilung von Dr. med. D._ einlässlich
auseinander und zeigte nachvollziehbar auf, weshalb auch anhand der
darin erhobenen Befunde auf eine mittelgradige depressive Episode zu
schliessen gewesen wäre (vgl. IV-act. 16 S. 46 f.).
6.3. Aufgrund der von der RAD-Abschlussbeurteilung und der Beurteilung von
Dr. med. D._ vom 9. Juni 2020 abweichenden fachärztlichen
Einschätzung mit Diagnose einer die Arbeitsfähigkeit beeinflussenden,
mindestens mittelgradigen depressiven Störung, der aktenkundigen
somatoformen Schmerzstörung und einer somatischen Komorbidität (vgl.
dazu nachstehend) geht es nicht an, wenn die IV-Stelle ohne weitere
medizinische Abklärungen annahm, es liege keine psychische Erkrankung
mit funktionellen Auswirkungen vor. Vielmehr wäre bei den
ausgewiesenen psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen für die
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin ein strukturiertes
Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 durchzuführen
gewesen (vgl. BGE 143 V 409 E.4.5.2, 143 V 418 E.6). Eine solche
Auseinandersetzung mit den massgeblichen Beweisthemen ist vorliegend
weder in der Beurteilung von Dr. med. D._ vom 9. Juni 2020 noch in
der RAD-Abschlussbeurteilung vom 14. Juni 2021 erfolgt, weshalb das
aus psychiatrischer Sicht tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen nicht
zuverlässig eingeschätzt werden kann. Da auch die in den Akten
liegenden fachärztlichen Berichte keine umfassende Beurteilung anhand
der systematisierten Indikatoren erlauben, präsentiert sich – wie von der
Beschwerdeführerin zu Recht vorgebracht – der rechtserhebliche
Sachverhalt als ungenügend abgeklärt.
7.1. Des Weiteren vermag die RAD-Abschlussbeurteilung vom 14. Juni 2021
auch mit Blick auf die Beurteilung der somatischen Beschwerden nicht
restlos zu überzeugen. Zwar hat die IV-Stelle in der angefochtenen
Verfügung vom 17. August 2021 eine Korrektur der von der RAD-Ärztin
Dr. med. F._ – gestützt auf die rheumatologische Beurteilung von
- 24 -
med. pract. B._ und die hausärztlichen Einschätzung – als plausibel
erachteten Arbeitsfähigkeitseinschätzung von 65 % vorgenommen und
diese auf 60 % reduziert. Begründend führte sie aus, der behandelnde
Arzt Dr. med. E._ habe die von ihm attestierte 30%ige
Arbeitsfähigkeit (recte: Arbeitsunfähigkeit, vgl. dazu IV-act. 28 S. 1 und IV-
act. 36 S. 16) aufgrund der Unfallfolgen ausgestellt und gehe ansonsten
global von einer aus somatischer Sicht 50%igen Arbeitsfähigkeit aus.
Damit könne vorliegend nicht gestützt auf den Hausarzt von einer höheren
als der 40%igen Arbeitsfähigkeit (recte: Arbeitsunfähigkeit) gemäss der
rheumatologischen Beurteilung von med. pract. B._ ausgegangen
werden (vgl. IV-act. 47 S. 4). Abgesehen davon, dass diese Begründung
für die vorgenommene Korrektur der Arbeitsfähigkeit nicht einleuchtet,
vermag die rheumatologische Beurteilung von med. pract. B._ vom
23. Januar 2020, auf dessen Arbeitsfähigkeitseinschätzung die IV-Stelle
in der angefochtenen Verfügung vom 17. August 2021 letztlich abstellt,
ihrerseits die von der höchstrichterlichen Rechtsprechung an den
Beweiswert eines medizinischen Berichts gestellten Anforderungen nicht
zu erfüllen (vgl. hierzu BGE 134 V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a; Urteile des
Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 10. Juni 2021 E.3.2, 8C_144/2021 vom
27. Mai 2021 E.2.4 [vgl. vorstehende Erwägung 3.2.2]). Zwar erfolgte die
ergänzende Stellungnahme von med. pract. B._ vom 27. Januar
2020, worin er feststellte, die ihm vom Hausarzt zugestellten Berichte
kämen zur weitgehend gleichen Beurteilung wie er (vgl. IV-act. 16 S. 10),
ausweislich in Kenntnis gewisser Vorakten. Die Beurteilung vom
23. Januar 2020 berücksichtigt die von der Beschwerdeführerin geklagten
Beschwerden indes nur rudimentär (vgl. IV-act. 16 S. 5 unten) und die
anlässlich der Untersuchung erhobenen Befunde erweisen sich als
oberflächlich, unspezifisch und sehr knapp (vgl. IV-act. 16 S. 6 oben). Vor
allem aber leuchtet der Bericht von med. pract. B._ weder in der
Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge bzw. des
Gesundheitszustands noch hinsichtlich der daraus gezogenen
- 25 -
Schlussfolgerungen zur versicherungsrechtlich relevanten Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit ein. So sind seiner Ansicht nach die von der
Beschwerdeführerin geklagten Druckdolenzen in den Gelenken der
oberen und unteren Extremitäten (in der klinischen Untersuchung) nicht
mit einer hinreichend erklärenden Pathologie fassbar und er führt mit Blick
auf die generelle Schmerzsymptomatik – entgegen den Vorakten (vgl.
Untersuchungsbericht Innere Medizin und Rheumatologie der Klinik
I._ vom 22. Dezember 2003 [IV-act. 16 S. 16]) – die Möglichkeit einer
Fibromyalgie an. Das entsprechend (mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit) diagnostizierte generalisierte Schmerzsyndrom im Sinne
einer Fibromyalgie hat seiner Auffassung nach aber keine Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit in einer leichten Putztätigkeit zur Folge (vgl. IV-act. 16
S. 6). Dennoch attestiert er aus rheumatologischer Sicht eine
Arbeitsfähigkeit von (mindestens) 60 % in einer körperlich leichten
Putztätigkeit ohne repetitiven Armeinsatz, achsenferne
Gewichtsbelastung und Überkopfarbeiten (vgl. IV-act. 16 S. 7). Diese lässt
sich aber mit der weiteren von ihm gestellten anamnestischen Diagnose
eines Status nach Frozen shoulder links nicht hinreichend erklären, sind
deren funktionellen Auswirkungen nach seinen Angaben doch insoweit zu
relativieren, als eine Minderbelastbarkeit bei langdauernden und
repetitiven Überkopfarbeiten lediglich vorstellbar sei (vgl. IV-act. 16 S. 6).
Andere versicherte, gesundheitliche Beeinträchtigungen aus dem
rheumatologischen Fachgebiet, welche die Arbeits‐ bzw. Erwerbsfähigkeit
einschränken, werden nicht genannt. Insoweit kann der Beurteilung von
med. pract. B._ vom 23. Januar 2020 somit keine Beweiskraft
beigemessen werden.
7.2. Zu beachten ist zudem was folgt: Wenn aufgrund einer mit psychischen
Leiden vergleichbaren rheumatologischen Erkrankung im Sinne einer
Fibromyalgie eine Einschränkung in der Leistungsfähigkeit attestiert wird,
ist rechtsprechungsgemäss grundsätzlich ein strukturiertes
- 26 -
Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zur Klärung deren
invalidenversicherungsrechtlichen Relevanz durchzuführen (Urteil des
Bundesgerichts 8C_204/2021 vom 26. Mai 2021 E.4.1.3). Eine solche
Indikatorenprüfung wurde vorliegend unterlassen, obwohl sich das von
med. pract. B._ diagnostizierte generalisierte Schmerzsyndrom im
Sinne einer Fibromyalgie seiner Ansicht nach (zumindest) in qualitativer
Hinsicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirkt.
8. Im Ergebnis ist die Beschwerde somit gutzuheissen, die angefochtene
Verfügung aufzuheben und die Angelegenheit an die IV-Stelle
zurückzuweisen, damit diese nach externer ergänzender
sachverständiger bzw. fachärztlicher Abklärung des medizinischen
Sachverhalts (mindestens) in den Fachbereichen Rheumatologie und
Psychiatrie gestützt auf die dannzumal vollständigen medizinischen
Unterlagen und – gegebenenfalls – unter Abklärung der Einschränkungen
im Haushalt neu über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin
entscheide. Vor diesem Hintergrund erübrigen sich Weiterungen zur
spezifischen fachärztlichen Qualifikation der RAD-Ärztin Dr. med.
F._, wobei anzumerken bleibt, dass diese im Jahr 2021 den
Facharzttitel für Psychiatrie und Psychotherapie erlangt hat (vgl.
www.doctorfmh.ch, zuletzt besucht am 2. November 2021).
9.1. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG i.V.m. Art. 61 lit. fbis ATSG ist das
Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über Leistungen aus der
Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von CHF 200.-- bis CHF 1'000.--
festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein
durchschnittlicher Aufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Kosten in
Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens auf CHF 700.--
fest. Die Rückweisung zu weiteren Abklärungen gilt praxisgemäss als
vollständiges Obsiegen der beschwerdeführenden Partei bezüglich der
- 27 -
Verteilung der Gerichtskosten und der Zusprache einer
Parteientschädigung (vgl. BGE 141 V 281 E.11.1, 137 V 210 E.7.1, 132 V
215 E.6.2). Infolge des Ausgangs des Beschwerdeverfahrens sind die
Gerichtskosten von CHF 700.-- demnach der IV-Stelle zu überbinden (vgl.
Art. 73 Abs. 1 VRG).
9.2. Die Beschwerdeführerin hat gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG Anspruch auf Ersatz der Parteikosten zu Lasten der IV-Stelle. Die Bemessung der
Entschädigung erfolgt ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses,
wobei der zeitliche Aufwand der Rechtsvertretung regelmässig von der
Schwierigkeit des Prozesses mitbestimmt wird. Im Übrigen wird die
Bemessung der Parteientschädigung gemäss Art. 61 Ingress ATSG nach
dem kantonalen Recht bestimmt (vgl. Urteile des Bundesgerichts
9C_714/2018 vom 18. Dezember 2018 E.9.2, 9C_321/2018 vom
16. Oktober 2018 E.6.1, 9C_688/2009 vom 19. November 2009
E.3.1.1 f.). Gemäss Art. 78 VRG i.V.m. Art. 2 der Verordnung über die
Bemessung des Honorars der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte
(Honorarverordnung, HV; BR 310.250) wird die Parteientschädigung nach
Ermessen des Gerichts festgesetzt, wobei es grundsätzlich von dem in der
Honorarnote geltend gemachten (und als angemessen zu betrachtenden)
Aufwand sowie (üblichen) Stundenansatz ausgeht. Der Rechtsvertreter
der Beschwerdeführerin reichte dem Gericht am 1. Oktober 2021 eine
Honorarnote über CHF 3'164.30 (11.41 Stunden à CHF 250.-- [2'852.50]
zzgl. 3 % Kleinspesenpauschale [CHF 85.55] und 7.7 % MWST
[CHF 226.25]) ein. Da vorliegend keine Honorarvereinbarung im Recht
liegt, ist der Stundenansatz praxisgemäss auf CHF 240.-- zu reduzieren
(vgl. statt vieler Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden
R 17 86 vom 17. April 2018 E.5.2). Insgesamt ist somit eine
Entschädigung von CHF 3'037.75 (11.41 Stunden à CHF 240.--
- 28 -
[CHF 2'738.40] zzgl. 3 % Kleinspesenpauschale [CHF 82.15] und 7.7 %
MWST [CHF 217.20]) angemessen.