# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 06458b8f-9bc0-49a0-99d9-3a30847d32c4
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren
1985
,
leidet seit der Geburt an
einer Störung der Säureaus
scheidung über die Nieren
(renale tubuläre Azidose distal)
sowie einer beidseiti
gen Hörbehinderung. Aufgrund dieser Geburtsgebrechen
wurde
sie
1986 erstmals für den Leistungsbezug bei der eidgenössischen Invalidenversicherung angemel
det (
Urk.
6/1)
.
I
n der Folge
wurden der Versicherten
Massnahmen pädagogisch-therapeutischer Art (
inklusive Hör- und
Absehunterricht
;
Urk.
6/8),
Sonderschu
lung
(Sprachheilkindergarten;
Urk.
6/12; Sonderschulung in der Schweizerischen Schwerhörigen-Schule;
Urk.
6/20,
Urk.
6/23
,
Urk.
6/36
)
, Hilfsmittel
(Abgabe von Hörgeräten;
Urk.
6/14
,
Urk.
6/31
,
Urk.
6/80
,
Urk.
6/111
,
Urk.
6/131
; Abgabe eines Weckkissens;
Urk.
6/47
)
und
notwendige medizinische Massnahmen zur Behand
lung der Geburtsgebrechen Nr. 341 / 346;
Urk.
6/16
,
Urk.
6/26
,
Urk.
6/76
)
zuge
sprochen. Vom 1
9.
August 2002 bis am 1
8.
August 2004 durchlief sie im Rahmen beruflicher Massnahmen
eine erstmalige berufliche Ausbildung in Form einer
Anlehre
zur hauswirtschaftlichen Betriebsgehilfin
in
der
S
chule
Y._
(
Urk.
6/3
,
Urk.
6/39
,
Urk.
6/63
,
Urk.
6/89/10
)
.
Ab dem
1
6.
August 2004
war
sie
in einem Wohnheim für Menschen mit geistiger Behinderung
im Rahmen eines geschützten beziehungsweise betreuten Arbeitsplatzes
als «Springerin Hauswirtschaft» in einem 90-%-Pensum bei einem Brutto-Lohn von
Fr.
720.-- pro Monat tätig
(
Urk.
6/64
,
Urk.
6/89/8
).
1.2
Mit Verfügung vom 1
7.
September 2004 sprach die IV-Stelle der Versicherten bei einem IV-Grad von 81
%
mit Wirkung ab
1.
August 2004 eine ganze Rente zu (
Urk.
6/69). Per Ende 2005 löste die Versicherte das Arbeitsverhältnis als «Springerin Hauswirtschaft» auf
(
Urk.
6/126
/5
).
Im Jahr 2006 schloss
s
ie eine praktische Ausbildung zur Kosmetikerin ab und besuchte eine
n
fünftägigen Make-up-Workshop (
Urk.
6/89/6-7). Nach der Teilnahme an einem Verkaufstrai
ning für den
Detailhandel absolvierte sie von
April bis Juli 2007 ein Praktikum in einer Filiale der
Z._
AG und war
dort
in der Folge vom 2
0.
August 2007 bis am 1
3.
Juni 2008 als Aushilfsverkäuferin tätig
(
Urk.
6/89/4-5).
Im Jahr 2008 leitete die IV-Stelle das erste Revisionsverfahren in die Wege
und kam nach Einholung eines Arztberichtes aufgrund eines unveränderten Gesundheitszustan
des (
Urk.
6/84) zum Schluss, dass die Rente weiterhin in gleicher Höhe auszurich
ten sei (Mitteilung vom 3
0.
Oktober 2008,
Urk.
6/85).
Eine Kostengutsprache für eine Weiterbildung der Versicherten zur Make-up-Artist lehnte sie am 1
2.
Okto
ber 2010 ab (
Urk.
6/106).
1.3
Im Dezember 2013 leitete die IV-Stelle ein weiteres Revisionsverfahren ein (
Urk.
6/115) und tätigte Abklärungen hinsichtlich Eingliederungsmassnahmen
(
Urk.
6/128) sowie parallel medizinische Abklärungen hinsichtlich eines Gesuchs um Mehrkosten-Hörgeräteversorgung (
Urk.
6/131)
. Die Eingliederung
sbemühun
gen wurden im April 2014
beendet
, da die Versicherte mitgeteilt habe, dass sie von Ende Juli bis Ende August 2014 in den Hochzeitsferien weile und sich bereits mit der Familienplanung beschäftige
(
Urk.
6/12
7
).
Am 2
1.
März 2016 wurde die seit 2013 verheiratete Versicherte Mutter einer Tochter (
Urk.
6/148).
In medizini
scher Hinsicht
holte die IV-Stelle diverse Berichte ein und
gab ein polydiszipli
näres Gut
achten in Auftrag, welches am 2
8.
Januar 2018
durch die MEDA
S
A._
erstattet wurde (
Urk.
6/170
).
Ebenfalls nahm sie eine Haushaltsab
klärung vor (Bericht vom 2
3.
Oktober 2018,
Urk.
6/178).
In der Folge stellte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom
1
4.
Dezember 2018
die Aufhebung der Rente auf Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats in Aussicht (
Urk.
8/181
), wogegen
X._
Einwand erheben liess
(
Urk.
6/185
). Am
2
4.
April 2019
verfügte die IV-Stelle im angekündigten Sinne (
Urk.
6/193
=
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am
2
8.
Mai
2019 Beschwerde gegen die rentenaufhebende Verfügung und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr weiterhin eine ganze Invalide
nrente auszurichten (
Urk.
1 S. 2
).
Die IV-Stelle ersuchte mit Beschwerdeantwort vom
2
5.
Juni
2019 um Abwei
sung der Beschwerde
(U
rk. 5
), was der Beschwerdeführerin
mit Verfügung vom
2
8.
Juni
2019 zur Kenntnis gebracht wurde
(Urk. 7
).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenan
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Ände
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kon
text unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hin
sicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurtei
lungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Ein Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG ist unter Umständen auch dann gegeben, wenn eine andere Art der Bemessung der Invalidität (vgl. Art. 28a IVG) zur Anwendung gelangt (BGE 144 I 21 E. 2.2). Die in einem bestimmten Zeitpunkt massgebende Methode der Invaliditätsbemessung präjudiziert die künf
tige Rechtsstellung der versicherten Person somit grundsätzlich nicht (vgl. BGE 117 V 198 E. 3b, 113 V 273 E. 1a, 104 V 148; vgl. Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage 2014,
Rn
27 f. zu Art. 30–31).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom 2
4.
April 2019 erwog die Beschwerdegeg
nerin, dass die Beschwerdeführerin
aufgrund der Geburt ihrer Tochter im Gesund
heitsfall nicht mehr
zu 100
%
,
sondern nur noch im Umfang von 50
%
erwerbs
tätig wäre und sich im Übrigen um den Haushalt kümmern würde. Damit liege ein Revisionsgrund vor. Entgegen
der polydisziplinären Begutachtung
sei jedoch nicht
lediglich
von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit
in einer angepassten Tätigkeit
im geschützten Rahmen auszugehen. Vielmehr sei die Verwertung der attestierten
Arbeitsfähigkeit
mit Blick auf das Belastungsprofil auch
auf dem ersten Arbeits
markt
möglich
.
B
ei
Anwendung der gemischten Methode und
einer massgeben
den Einschränkung
von 22
%
im Erwerbsbereich
sowie
(gemäss Abklärungsbe
richt)
von
13
%
im Haushaltsbereich
resultiere
damit
neu ein Invaliditätsgrad von 1
7.5
%
,
weshalb
kein Rentenanspruch mehr
bestehe
(
Urk.
2 S. 2).
Selbst wenn ein Revisionsgrund infolge Statuswechsels
verneint werden müsste, wäre die Rente der Beschwerdeführerin dennoch aufzuheben. Da bei der seinerzeitigen Renten
zuspr
echung
weder die Einkommen für den Einkommensvergleich korrekt bemes
sen worden seien
,
noch dem Entscheid genügende medizinische Unterlagen zugrunde gelegen hätten, sei auch
ein Wiedererwägungsgrund
zu bejahen
(
Urk.
2 S. 3).
2.2
Dagegen brachte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde vom 2
8.
Mai 2019 vor, dass
zu Unrecht
aufgrund
der Geburt
ihrer
Tochter ein Statuswechsel ange
nommen
worden sei
;
dies sei
nicht zulässig und
diskriminierend
. Dem Einkom
mensvergleich lägen
zudem
ein falsche
s
Validen- wie auch Invalideneinkommen zugrunde. Zu Unrecht habe sich die Beschwerdegegnerin
sodann
auf den Stand
punkt gestellt,
s
ie
, die Beschwerdeführerin,
sei in der freien Wirtschaft zu 80
%
arbeitsfähig
; eine Verwertbarkeit
der Arbeitsfähigkeit
liege nur im geschützten Rahmen vor
.
D
er Haushaltsabklärungsbericht
sei
nicht beweiskräftig. Überdies sei die ursprüngliche
Rentenzuspr
echung
im Jahr 2004
auch nicht
zweifellos unrich
tig gewesen sei (
Urk.
1 S. 4).
2.3
Strittig und zu prüfen ist
, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht die ganze Rente der Beschwerdeführerin aufgehoben hat. Im Zentrum steht dabei die Frage, ob alleine aufgrund eines familiär bedingten Statuswechsels ein Revisionsgrund anzunehmen ist
.
Umstritten sind sodann die Höhe der Vergleichseinkommen und der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt, die Beweiskraft des Haushaltsabklärungsberichts und die Frage, ob ein Wiedererwä
gungsgrund vorliegt.
3.
3.1
Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Ände
rung des Invaliditätsgrades bildet die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachver
haltsabklärung, Beweiswürdigung und Invalid
itätsbemessung beruht (BGE 133
V
108 und 130 V 71; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 2
6.
März 2010 E. 2.1 mit Hinweisen).
3.2
Da
die IV-Stelle
i
m Rahmen
der ersten Rentenrevision im Jahr 2008 lediglich
ein
en
Fragebogen an die Beschwerdeführerin versandt
e
(
Urk.
6/81), ein
en neuen
IK-Auszug (
Urk.
6/82) sowie
ein
en
Arztbericht einholt
e
(
Urk.
6/83)
,
aber
kein
en
neue
n
Einkommensvergleich
vornahm
(
Urk.
6/
84
), bildet die ursprüngliche Ver
fügung betreffend Rentenzuspr
echung
vom
1
7.
September 2004
den massgeben
den
Vergleichszeitpunkt
(
Urk.
6/
69
).
Zu prüfen ist demnach, ob zwischen Erlass der Verfügung
vom
1
7.
September 2004
und dem Erlass der angefochtenen Ver
fügung vom
2
4.
April 2019
(
Urk.
2) eine
relevante Veränderung in den tatsächli
chen
Verhältnissen eingetreten ist
, wobei insbesondere eine andere Art der Inva
liditätsbemessung - ein Wechsel von der Methode des Einkommensvergleichs zur sogenannten gemischten Methode - in Frage kommt
.
3.3
Infolge des
Urteil
s
des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) Nr.
7186/090 (Verfahren in Sachen di
Trizio
gegen die Schweiz) vom
2.
Februar 2016 musste eine rasche Übergangslösung bis zum Inkrafttreten eines neuen Berech
nungsmodells bei der gemischten Methode gefunden werden. Aus diesem Grund hielt das IV-Rundschreiben Nr. 355 vom 3
1.
Oktober 2016 fest, dass in Fällen, in welchen allein wegen eines familiär bedingten Grundes ein Statuswechsel von einer
Vollerwerbstätigkeit (bzw. von einer Nichterwerbtätigkeit) auf eine Teiler
werbstätigkeit mit Aufgabenbereich erfolgte, dieser Statuswechsel entgegen der gängigen Praxis nicht als Revisionsgrund herangezogen werden darf. Weil mit dem neuen Berechnungsmodell
, in Kraft seit
1.
Januar 2018,
nach
Art.
27
bis
Abs.
2 IVV Teilerwerbstätige mit Aufgabenbereich nun grundsätzlich nicht mehr schlechter gestellt werden, gilt zukünftig der Wechsel des Status einer versicher
ten Person wieder als möglicher Revisionsgrund (
vgl.
IV-Rundschreiben Nr. 372 vom
9.
Januar 2018
; vgl. dazu auch
BGE 145 V 370 E. 4
).
Bei einem Kreisschreiben handelt es sich um eine von der Aufsichtsbehörde für richtig befundene Auslegung von Gesetz und Verordnung. Die Weisung ist ihrer Natur nach keine Rechtsnorm, sondern eine im Interesse der gleichmässigen Gesetzesanwendung abgegebene Meinungsäusserung der sachlich zuständigen Aufsichtsbehörde. Solche Verwaltungsweisungen sind wohl für die Durchfüh
rungsorgane, nicht aber für die Gerichtsinstanzen verbindlich (BGE 118 V 206 E.
4c, vgl. auch 123 II 16 E. 7, 119 V 255 E. 3a mit Hinweisen). Das Gericht soll sie bei seiner Entscheidung mitberücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall ange
passte und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestim
mungen zulassen. Es weicht anderseits insoweit von den Weisungen ab, als sie mit den anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen nicht vereinbar sind (BGE 123 V 70 E. 4a mit Hinweisen).
3.4
Die Beschwerdeführerin, die im Rahmen der Rentenzuspr
echung
im Juli 2004 als
vollzeitlich
erwerbstätig qualifiziert worden war (
Urk.
6/65), gab anlässlich der Haushaltsabklärung vom 1
0.
August 2016 an, dass sie bei guter Gesundheit bis zur Geburt ihrer Tochter
vollzeitig
hätte
arbeiten wollen. Dass sie seit dem Jahr 2009 keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgegangen sei, sei einzig auf ihre gesund
heitliche Situation zurückzuführen. Am 2
1.
März 2016 wurde die Tochter der
Beschwerdeführerin geboren. Die Beschwerdeführerin
gab anlässlich der
aktuel
len
Haushaltsabklärung an, dass sie bei guter Gesundheit dennoch eine Erwerbs
tätigkeit ausüben würde; es jedoch schwierig sei, ein konkretes Pensum zu benennen; sie schätze ca. 50
%
. Die Beschwerdeführer
in
erklärte, sie wolle ihr Kind möglichst wenig fremdbetreuen lassen. Ihre Mutter wohne zwar in der Nähe, sei aber erwerbstätig, könnte aber dennoch einen Teil der
Kinderbetreuung über
nehmen. Zudem arbeite ihre Schwester in einer Kinderkrippe, was ebenfalls eine Fremdbetreuungsmöglichkeit wäre. Aufgrund der Überlegung, dass im Gesund
heitsfall die I
nvalidenr
ente sowie die Zusatzleistungen wegfallen würden, würde sie aus finanziellen Gründen – der
Ehemann sei voll erwerbstä
tig und verdiene ca.
Fr.
4'000
.
--
monatlich – mindestens ein Pensum von 50
%
ausüben
(Bericht vom 2
3.
Oktober 2018,
Urk.
6/178
/3
).
3.5
Die Beschwerdeführerin brachte damit klar zum Ausdruck, dass sich ihre hypo
thetische Erwerbssituation durch die Geburt ihrer Tochter entscheidend veränder
t hätte
und sie aus finanziellen Gründen bei Wegfall der I
nvalidenr
ente einer Erw
erbstätigkeit nachg
inge,
jedoch nur im Umfang
,
wie e
r
finanziell zur Ergän
zung des Einkommens des Ehemannes nötig wäre, da sie eine
häufige Fremdbe
treuung ablehn
t
.
Entsprechend liegt eine Statusänderung vor und die Beschwer
deführerin ist neu als hypothetisch im Gesundheitsfall in je einem hälftigen Pen
sum im Haushalt sowie im Erwerbsbereich
Tätige
zu qualifizieren
, so dass die Invaliditätsbemessung nicht mehr anhand eines
Einkommensvergleichs
,
sondern mittels der
gemischten Methode
zu erfolgen hat
.
Da sich diese Änderung – zwar eingetreten vor 2018 – erst ab dem Zeitpunkt nach dem Inkrafttreten der neuen Bestimmung von
Art.
27
bis
IVV auswirkt,
ist deshalb vom
Eintritt
eines
relevanten
Revisionsgrundes im massgebenden Zeitraum auszugehen
, zumal
keine stichhal
tigen Gründe vorliegen
, weshalb vom IV-Rundschreiben
Nr. 372 vom
9.
Januar 2018
(vgl. E. 3.3 hiervor) abgewichen werden sollte.
Der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin ist deswegen neu allseitig
und ohne Bindung an vorange
gangene Entscheide
zu prüfen, wobei die Verhältnisse im Zeitpunkt der ange
fochtenen Verfügung vom 2
4.
April 2019 massgebend sind.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin holte im Rahmen des Revisionsverfahrens
nach Abschluss der Eingliederungsbemühungen
seit 2014
sowie
aufgrund
parallel laufende
r
Abklärungen betreffend
die Kostenübernahme für die
Hörgeräte-
Versorgung
i
m Rahmen eines Härtefallgesuchs
Berichte bei den behandelnden Ärzten der Beschwerdeführerin ein
(vgl. zum Verlauf insbesondere das Feststel
lungsblatt in
Urk.
6/180)
.
Deren vollständige
und detaillierte
Wi
e
dergabe erweist sich auf
grund der unbestrittenen gesundheitlichen Einschränkungen der Beschwerdefüh
rerin
und
des
seit 2004
unbestrittenermassen
weitgehend
un
ver
änderten Gesund
heitszustandes als un
nötig
.
Strittig
und zu prüfen
ist vielmehr die Frage der Arbeitsfähigkeit
in einer leidensangepassten Tätigkeit
und deren Verwertbarkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt, wobei sich die Beschwerdegegnerin
grundsätzlich
auf die gutachterliche Einschätzung
der
A._
stützte
, da sich die Berichte der behandelnden Ärzte zu dieser Frage nicht äusserten
.
4.2
4.2.1
Als Hauptdiagnose liegt bei der Beschw
erdeführerin gemäss
der Klinik für Ohren
, Nasen-, Hals
-
und Gesichtschirurgie
des Universitätsspitals
B._
vom 3
1.
März 2014 eine
beidseitige, hochgradige,
sensorineurale
Schwerhörigkeit bei Large
Vestibular
Aqueduct
und bekannter
,
hereditärer distal renal-tubulärer Azidose mit
Nephrokalzinose
vor
. In ruhiger Umgebung könn
e man sich bei eingeschal
teten Hörgeräten gut mit der Beschwerdeführerin unterhalten. Teilweise lese sie von den Lippen ab. Es zeige sich ein progredienter Verlauf, was auch zu erwarten sei
(
Härtefallgutachten in
Urk.
6/
129
).
4.2.2
In einem Bericht vom
1.
Juli 2014 legte
Dr.
med.
C._
von der Klinik für Nephrologie
des
Universitätsspital
s
B._
- bei bekannten Diagnosen und nor
maler Nierenfunktion sowie rezidivierenden Harnwegsinfekten sowie
Pyelon
ephritiden
-
die Arbeitsfähigkeit
als Kosmetikerin
auf 50
%
fest
. Einschränkungen geistiger oder psychischer Art würden nicht bestehen, allerdings körperliche in Form von teilweisen Gleichgewichtsstörungen
. Betreffend d
ie
Nierenfunktion
bestehe
eine gute Prognose, was bedeute, dass nicht mit der Entwicklung einer chronischen Niereninsuffizienz bzw.
Dialysepflichtigkeit
zu rechnen sei. Aller
dings bestehe bei der Beschwerdeführerin noch zusätzlich die funktionslose Niere linksseitig, wodurch ein zusätzliches Risiko bezüglich der Entwicklung einer chronischen Niereninsuffizienz aufgrund einer Einzelniere bestehe. Langfristig könnten die im letzten Jahr mehrfach aufgetretenen Harnwegsinfekte die Nieren
funktion ebenfalls beeinträchtigen. Aufgrund der
Nephrocalcinose
leide die Beschwerdeführerin an
kolikartigen
Schmerzen, welche zurzeit eine Erhöhung der Einsatzfähigkeit nicht erlauben würden
(
Urk.
6/
133
; vgl. auch Bericht
vom 1
5.
Januar 2016 in
Urk.
6/139
).
4.2.3
Der
Arzt
des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD)
,
med.
pract
.
D._
, Fach
arzt für Arbeitsmedizin, hielt in der Folge fest, dass von einem unveränderten Gesundheitszustand auszugehen sei, dass aber
bezugnehmend auf die Berichte der Behandler
die Arbeitsfähigkeit heute
(im Vergleich zur Rentenzuspr
e
ch
ung
)
deutlich höher eingeschätzt werde und die Diagnose von intellektuellen Ein
schränkungen heute nicht mehr nachvollzogen werden könne (Stellungnahme vom 1
6.
Juli 2014 in
Urk.
6/180/3). In der Folge prüfte der Rechtsdienst der Beschwerdegegnerin eine Wiedererwägung der ursprünglichen Rentenzuspr
e
ch
ung
und es wurden weitere
Abklärungen hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten
Tätigkeit vorgenommen
(
Urk.
6/180/4).
RAD-Arzt med.
pract
.
D._
hielt am
7.
Juni 2016
nach Prüfung eines Berichts von
Dr.
med.
E._
des Universitätsspitals
B._
vom
6.
Mai 2016
,
demgemäss
die Beschwerdeführerin in einer ruhigen Umgebung
und ohne Telefongespräche arbeiten könne, aber eine vermehrte Ermüdbarkeit im Tagesverlauf zu erwarten sei
(
Urk.
6/
156
/4
)
,
fest, dass
die Höhe der Arbeitsfähigkeit weiterhin unklar sei und dass sich der Gesundheitszustand überwiegend wahrscheinlich nicht wesent
lich ändern werde (
Urk.
6/180/7).
4.3
4.3.1
Nach einer Stellungnahme des Abklärungsdienstes sowie des Rechtsdienstes der Beschwerdegegnerin empfahl med.
pract
.
D._
die Durchführung einer Begutachtung der Beschwerdeführerin
wegen
der nach wie vor unklaren Beein
trächtigungen aufgrund der Hörbehinderung, der Nierenerkrankung, der
Vestibulopathie
und der intellektuellen Einschränkungen
. Die Beeinträchtigungen aufgrund der Nierenerkrankung könnten dabei auch durch einen Internisten beurteilt werden
(
Urk.
6/180/8-10).
4.3.
2
Das polydisziplinäre Gutachten der
A._
in den Fachdisziplinen
Innere Medizin, Neurologie,
Oto
-
Rhino
-Laryngologie sowie Neuropsychologie
wurde am
2
8.
Januar 2018
erstattet (
Urk.
6/
170
).
4.3.
3
Die Gutachter nannten darin folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
6/170/37):
-
Hereditäre distal renal-tubuläre Azidose mit
Nephrokalzinose
, Innen
ohrschwerhörigkeit und
Vestibulopathie
-
Linksseitig nahezu Ertaubung, rechts hochgradige Schwerhörigkeit
-
Mit Hörgeräten versorgt, einfache Kommunikation möglich
-
Klinisch-neurologisch
Vestibulopathie
nachweisbar
-
Enlarged
vestibular
aqueduct
syndrome
(MRI
4.
Juni 2009, ICD-10 H81.3)
-
Leichte bis mittelschwere neur
o
psych
ologische Funktionsstörung bei d
is
soziierter Intelligenz (ICD-10 F74) mit sprachverarbeitungsassoziierter leichter Intelligenzminderung (ICD-10 F70)
-
Mit verbaler Frischgedächtnisschwäche und Leistungsauffälligkeiten bei sprachverarbeitungsassoziierten Teilfunktionen im exekutiven und
attentionalen
Bereich (auditive Reizverarbeitung)
Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit blieben gemäss den Gutachtern die folgenden Diagnosen (
Urk.
6/170/37):
-
Distal renal-tubuläre Azidose (autosomal rezessiv, Typ I) mit
Nephro
kalzinose
-
Refluxnephropathie
links mit praktisch funktionsloser Schrumpfniere links
-
Normale Nierenfunktion am 1
4.
Dezember 2017
-
Status
nach s
chwangerschaftsbedingte
r
Hydronephrose mit
Urosepsis
-
Gastroskopie vom 2
2.
Januar 2008: Befund mit Zöliakie vereinbar, AK-Diagnostik negativ
-
Adipositas WHO Grad II-III
-
Episodische
Cephalgien
mit/bei
-
Keine sichere Zuordnung möglich
-
Differentialdiagnose: Spannungstypkopfschmerzen, zwischenzeitlich
migränös
4.3.
4
Di
e Gutachter kamen in ihrer Gesamtbetrachtung zum Schluss, dass bei der Beschwerdeführerin eine Arbeits
un
fähigkeit von 80
%
in der angestammten Tätigkeit
als Make
-
up-Artistin
sowie eine solche von 30-50
%
(
begründet durch die Neuropsychologie)
in einer Verweistätigkeit vorliege
; dies entspreche früheren Bemessungen (
Urk.
6/170/47)
. Hinsichtlich des Fähigkeitsprofil
s
würden die Äusserungen der jeweiligen Fachgutachter gelten.
Die Gutachter
verneinten die Frage, ob die Beschwerdeführerin ihre funktionelle Leistungs- beziehungsweise Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt umsetzen könne mit der Begrün
dung,
dass
sie
die Arbeitsunfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt als zu gross und beeinträchtigend
erachten
würde
n
; ferner wurde für ein detailliertes Belastungs
profil eine IV-Berufsabklärung empfohlen (
Urk.
6/170/48).
Eine retrospektive Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei problematisch (
Urk.
6/170/38). Die Befunde seien in ihrer Gesamtheit mittelgradig ausgeprägt (
Urk.
6/170/39). Zu den in den bisherigen Akten erhobenen Befunde
n
würden sich keine Diskrepanzen zeigen (
Urk.
6/170/37). Die Gutachter führten weiter aus, dass sich dahingehend Wech
selwirkungen zeigen würden, als dass die hereditäre Krankheit für die Nieren
problematik
sowie die Schwerhörigkeit/Taubheit und Schwindelproblematik ver
antwortlich sei (
Urk.
6/170/44).
Die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin werde seit 2004 als stationär betrachtet (
Urk.
6/170/48).
4.3.
5
Dr.
med.
F._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, notierte in ihrem Teilgutachten vom 1
4.
Dezember 2017, dass die Beschwerdeführerin alle drei Monate zur
nephrologischen
Kontrolle ins Universitätsspital
B._
gehe. Im All
tag würden sie die Schmerzen im Flankenbereich, die bewegungsabhängig seien, sowie der Schwindel behindern. Aufgrund ihrer Hörbehinderung habe sie Mühe, wenn Leute schnell oder
wenn
viele Menschen auf einmal sprechen würden (
Urk.
6/170/23).
Dr.
F._
kam
nach ihrer Untersuchung der Beschwerdeführe
rin zum Schluss, dass die beklagten bewegungsabhängigen Beschwerden nicht durch die chronische Nierenerkrankung erklärbar seien
; die Nierenlager waren in der Untersuchung klopf- und druckschmerzfrei
. Bei Vorliegen einer akuten
Pyelonephritis
wären allenfalls Schmerzen im Nierenlager zu erwarten (
Urk.
6/170/30). Gemäss den Akten sei die ange
boren
e distal-renal tubuläre Azidose durch eine Mutation des ATP6V1B1-Gens verursacht; eine Heilung sei nicht möglich. Bezüglich der Nierenfunktion bestehe allerdings eine gute Prog
nose, was bedeute, dass nicht mit der Entwicklung einer chronischen Nierenin
suffizienz bzw.
Dialysepflichtigkeit
zu rechnen sei. Allerdings bestehe bei der Beschwerdeführerin ein Risiko dahingehend, dass sie zusätzlich noch eine funk
tionslose Niere linksseitig habe.
Schwangerschaftsbedingt sei es zu einem akuten Nierenversagen gekommen, so dass bei Obstruktion des Ureters ein
Pigtailkathe
ter
habe
eingelegt werden
müssen
.
Die aktuelle Blutanalyse bestätige eine nor
male Nierenfunktion, so dass hier keine IV-relevanten Limitationen best
ün
den (
Urk.
6/130/31).
4.3.
6
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Neurologie, schrieb in seinem Teilgutachten vom
4.
Januar 2018, dass sich aus neurologischer Sicht
bei unauffälligen bzw. regelrechten Befunden
in einer angepassten Tätigkeit, welche keine spezifischen Gleichgewichtsanforderungen stelle – etwa eine sitzende Tätigkeit – keine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit ergebe (
Urk.
6/170/71).
4.3.
7
Die Fachärztin für
Oto
-
Rhino
-Laryngologie,
Dr.
med.
H._
, hielt in ihrem Teilgutachten vom
5.
Januar 2018 fest, dass aus ihrer Sicht die beidseitige Hörgeräteversorgung adäquat sei. Eine weitere Verschlechterung des Gehörs sei zu
erwarten, was mit einem Cochlea-
Implantat versorgt werden könne (
Urk.
6/170/85 f.). Eine angepasste Tätigkeit sollte geringe kommunikative Anforderungen, keine Notwendigkeit von Telefongesprächen, keinen Hinter
grundlärm und keinen Kundenkontakt beinhalten. Zudem sollten aufgrund der lageabhängigen Schwindelbeschwerden keine häufigen Positionswechsel erfol
gen und keine Arbeiten mit Absturzgefahr ausgeführt werden
; dann sei eine voll
zeitliche Erwerbstätigkeit möglich
(
Urk.
6/170/86).
4.3.
8
Die Fachpsychologin für Neuropsychologie und Psychotherapie,
lic
. phil.
I._
,
erstattete am 2
3.
Januar 2018 ihr Teilgutachten und
hielt fest
, dass die Beschwer
devalidierung bei regelrechter Anstrengungsbeteiligung und leistungsorientierter Mitarbeit
einen unauffälligen Befund erg
e
be
. Bei der Testuntersuchung
hätten
sich viele unauffällige neuropsychologische Funktionen, mit unauffälliger Orien
tierung
und Wahrnehmungsorganisation sowie
Visuokonstruktion
, guten visuel
len Konzentrations- und Aufmerksamkeitsleistungen, guten visuell-räumlichen Lern- und Frischgedächtnisfunktionen und auffälligen exekutiven Funktionen im handlungsbezogenen nonverbalen Bereich
gefunden
. Die intellektuelle Leistungs
fähigkeit sei im nonverbalen Bereich etwas unterdurchschnittlich gewesen; der Wortschatz sehr eingeschränkt. Die sprachassoziierte intellektuelle Leistungsfä
higkeit seit deutlich vermindert gewesen. Die Schwierigkeiten bei der Teilung der Aufmerksamkeit seien deutlich mit der Schwerhörigkeit assoziiert (
Urk.
6/170/97 f.). Die Gutachterin kam zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin die erlernten Tätigkeiten (Hauswirtschaft, Kosmetik und Verkauf) grundsätzlich bewältigen könne; wobei ein Pensum von 50-70
%
zumutbar sei, dies bedingt durch die erschwerte und leicht verlangsamte kognitive Verarbeitung. Gleiches gelte auch für eine Verweistätigkeit (
Urk.
6/170/98 f.).
4.4
Im Anschluss würdigte RAD-Arzt med.
pract
.
D._
das Gutachten und
stellte
mehrere Rückfragen an die
Gutachter
, da ihm die Arbeitsfähigkeit aus neuropsy
chologischer
Sicht
sowie die Gesamteinschätzung hinsichtlich der Verwertbarkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt unklar erschien
en
(
Urk.
6/180/10).
In Beantwortung der Zusatzfragen
präzisierte
lic
. phil.
I._
, dass in einer klar strukturierten, repetitiven Tätigkeit, ohne Notwendigkeit zu kommunizieren und ohne Notwendigkeit, die am Arbeitsplatz vorhandenen Geräusche zu verarbeiten, eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
bestehe
. Sobald aber auch ein auditiver Input mitinvolviert sei - und sei es nur, um die Relevanz eines Geräuschs für die aktu
elle Aufgabe einzuschätzen oder das Geräusch als nicht relevant ausblenden zu können
-
benötige die Beschwerdeführerin mehr Zeit, um die Aufgabe zu bear
beiten. Bei extern getakteter Reizverarbeitung würde auch die Fehlerquote ansteigen
(
Urk.
6/
176/4
).
Der medizinische Leiter der
A._
, Prof.
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Neurologie,
bestätigte ausdrücklich, dass die Beschwerdefüh
rerin ihre Arbeitsfähigkeit nur an einem geschützten Arbeitsplatz umsetzen könne
,
und begründete dies damit
, dass
angesichts
der zahlreichen Einschrän
kungen
aufgrund der im Gutachten
genannten Diagnosen auch auf
ein
em ausge
glichenen Stellenmarkt keine Stellen verfügbar seien, in denen eine derartige Arbeitsfähigkeit verwertet werden könne
. Es liege bei der Beschwerdeführerin linksseitig nahezu eine Ertaubung und rechts ei
ne hochgradige Schwerhörigkeit
vor. Es sei nur eine einfache Kommunikation möglich. Hinzu komme eine leichte bis mittelschwere neuropsych
ologische Funktionsstörung bei d
issoziierter Intelli
genz (ICD-10 F74) mit sprachverarbeitungsassoziierter leichter
Intelligenzminde
rung (ICD-10 F70) sowie verbaler Frischgedächtnisschwäche und Leistungsauf
fälligkeiten bei sprachverarbeitungsassoziierten Teilfunktionen im exekutiven und
attentionalen
Bereich (auditive Reizverarbeitung). Aufgrund der neuropsy
chologischen Einschränkungen seien nur klar strukturierte, repetitive Tätigkeiten möglich ohne Notwendigkeit, zu kommunizieren und ohne Notwendigkeit, die am Arbeitsplatz vorhandenen Geräusche zu verarbeiten.
Es handle sich
daher
um eine
nur
theoretische,
auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt
nicht verwertbare Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
6/176/2
f.
)
.
4.5
Abschliessend hielt med.
pract
.
D._
am
3.
September 2018 fest, dass
von einem im Wesentlichen unveränderten Gesundheitszustand seit 2004 auszugehen sei
(
Urk.
6/180/12). Der Rechtsdienst
der Beschwerdegegnerin
nahm abschlies
send am 1
4.
November 2018 ebenfalls Stellung und ging von einer Verwertbar
keit der
von den Gutachtern attestierten
80%igen Arbeitsfähigkeit
auch
auf dem ersten Arbeitsmarkt aus (
Urk.
6/180/13).
5.
5.1
In Würdigung der medizinischen Aktenlage ist zunächst festzuhalten, dass
sich der Gesundheitszustand
der Beschwerdeführerin seit 2004 nur unwesentlich ver
ändert
hat
. Das Gutachten der
A._
fasste die Aktenlage übersichtlich zusammen und gab
klar und verständlich wieder,
inwiefern die
Beschwerdefüh
rerin
durch ihre
Geburtsgebrechen
eingeschränkt ist
und wie sich diese
Ein
schränkungen
im Erwerbsleben auswirken
. Die Beschwerdeführerin kritisierte in ihrer Beschwerde denn auch nicht das Gutachten als solches, sondern bestritt die Ansicht der Beschwerdegegnerin, dass sie
die ihr attestierte
Arbeitsfähigkeit von 80
%
auch
auf dem ersten Arbeitsmarkt verwerten könne
(vgl.
Urk.
1 S. 4 unten)
.
Einzig hinsichtlich der Nierenerkrankung
führte die Beschwerdeführerin
aus, dass
der Aussage von
Dr.
F._
, wonach
die geschilderten Be
schwerden nicht erklär
bar seien, nicht gefolgt werden könne;
sie
brachte
aber nicht
vor
, was diesbezüg
lich («gegebenenfalls») noch zu klären sein werde (
Urk.
1 S. 7)
.
Bei einer gemäss Blutanalyse
normalen Nierenfunktion sowie keiner feststellbaren Druck- oder
Klopfdolenz
anlässlich der Untersuchung ist
die Einschätzung von
Dr.
F._
, wonach
derzeit
keine relevante
Einschränkung
der Leistungsfähigkeit vorliegt,
grundsätzlich
nachvollziehbar
.
Dass es aber bei einer akuten
Pyelonephritis
zu entsprechenden Schmerzen im Nierenlager kommt
und damit einhergehend zu einer vorübergehenden
Arbeitsunfähigkeit
(was etwa dem von der Beschwerde
führerin zitierten Bericht des Spitals
K._
vom
8.
Mai 2014 entnommen werden kann,
Urk.
6/132/6), wird auch von
Dr.
F._
a
n
erkannt
(
Urk.
6/170/32)
. Die Einschätzung von
Dr.
F._
steht ferner im Einklang mit den Fachärzten des Universitätsspitals
B._
,
die
die Beschwerdeführerin regel
mässigen Kontrollen
unterziehen
und festhielten, dass bei bekannten Diagnosen und normaler Nierenfunktion
,
rezidivierenden Harnwegsi
nfekten sowie
Pyelon
ephritiden
die Arbeitsfähigkeit als Kosmetikerin auf 50
%
fest
ge
setz
t werden könne
(
Urk.
6/133 und 6/
139)
.
Auch die Beschwerdeführerin selbst erklärte an
lässlich der Begutachtung, dass ihre Werte gut seien, nachdem es während der Schwangerschaft zu einer Nierenbeckenentzündung gekommen sei (
Urk.
6/170/23).
Falls
sich die Nierenfunktion
– trotz guter Prognose -
in
der Zukunft
dauerhaft
verschlechtern
sollte
, da die Beschwerdeführerin nur über eine funktionsfähige Niere verfügt, wäre
dies in einem allfälligen zukünftigen Verfah
ren
zu prüfen.
5.2
Im Übrigen stufte die Beschwerdeführerin die
gutachterlich festgestellten
Ein
schränkungen als valide ein (vgl.
Urk.
1 S. 7 unten).
Dem ist insbesondere unter Berücksichtigung der nachvollziehbaren Erkenntnisse aus den Testuntersuchun
g
en
der neuropsychologischen Gutachterin zu folgen.
Die von den Gutachtern gesamthaft attestierte Arbeitsfähigkeit von 80
%
in einer optimal leidensange
passten Tätigkeit ist unter Berücksichtigung der geschilderten Einschränkungen plausibel
, zumal bereits de
n Berichten einzelner Behandler – sofern sie sich dazu mangels Erwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin
überhaupt
äusserten -
eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
in der angesta
mmten
– und damit einer nicht optima
len -
Tätigkeit zu entnehmen war
.
In Bezug auf das Belastungsprofil
einer ange
passten Tätigkeit
gilt, dass die Tätigkeit sitzend und mit klar strukturierten, repe
titiven Tätigkeiten aus
geführt werden können
muss
, nur
geringe kommunikative Anforderungen stellen und keine Tätigkeiten mit Absturzgefahr und häufigen Positionswechseln
einschliessen
darf (
Urk.
6/180/13).
Das Gutachten ist damit als beweiswürdig einzustufen und es ist für die Be
messung
des Invaliditätsgrades von
den
genannten Voraussetzungen auszugehen.
6
.
6.1
Die Beschwerdeführerin bestreitet, dass ihre Restarbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt verwertet werden könne; zu dieser Einschätzung seien auch die Gutachter der
A._
gelangt (
Urk.
1 S. 8).
Demnach seien gerade solche Kontroll- und
Überwachungstätigkeiten
aufgrund der festgestellten erhöhten Fehleranfälligkeit und Ermüdbarkeit nicht geeignet. Sortierarbeiten würden zudem einem geschützten Arbeitsplatz entsprechen (
Urk.
1 S. 7).
Die Beschwer
degegnerin argumentierte in der angefochtenen Verfügung, dass
keine Gründe ersichtlich seien, weshalb das Belastbarkeitsprofil nicht auf dem ersten Arbeits
markt umgesetzt werden könne. Beim ausgeglichenen Arbeitsmarkt handle es sich um eine theoretische Grösse, so dass effektive Schwierigkeiten bei der Suche einer Arbeitsstelle nicht berücksichtigt werden könnten (
Urk.
2 S. 2). Es sei über
dies nicht Aufgabe der Ärzte, sich zu der potentiellen Nichtverwertbarkeit zu äus
sern (
Urk.
2 S. 3).
6.2
Das trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung
zumutbarerweise
erzielbare Ein
kommen ist bezogen auf einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu ermitteln (Art. 16 ATSG; BGE 138 V 457 E. 3.1 mit Hinweis). Dabei ist nicht von realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten auszugehen. Es können nur Vorkehren verlangt werden, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalles zumutbar sind. An die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten sind jedoch rechtsprechungsgemäss
keine übermässigen Anforderungen
zu stellen (Urteil des Bundesgerichts 9C_910/2011 vom 30. März 2012 E. 3.1 mit Hinweis; vgl. BGE 138 V 457 E. 3.1). Der ausgeglichene Arbeits
markt umfasst auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeits
angebote, bei denen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen können (Urteil des Bundesgerichts 8C_582/2015 vom 8. Oktober 2015 E. 5.11 mit Hinweisen). Von einer Arbeitsgelegenheit kann nicht mehr gesprochen werden, wenn die zumutbare Tätigkeit nur noch in so einge
schränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durch
schnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle daher von vornherein als ausgeschlossen erscheint (vgl. statt vieler: Urteile des Bundesgerichts 8C_434/2017 vom 3. Januar 2018 E. 7.2.1 und 9C_253/2017 vom 6. Juli 2017 E. 2.2.1, je mit weiteren Hinweisen).
Für die Invaliditätsbemessung ist nicht massgebend, ob eine invalide Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig, ob sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn ein Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage nach Arbeitsplätzen bestünde (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_645/2017 vom 23. Januar 2018 E. 4.3.2 mit Hinweis; Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage 2014,
Rn
132 zu Art. 28a).
6.3
Wie die Beschwerdegegnerin grundsätzlich zutreffend ausführt, ist die Frage nach den erwerblichen Auswirkungen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung oder der Integration im ersten Arbeitsmarkt nicht primär und einzig von einer medi
zinischen Fachperson zu beurteilen. Ebenso geht es aber nicht an, aus Sicht des Rechtsanwenders von einer Verwertbarkeit auszugehen, obwohl aufgrund der ausgewiesenen medizinischen Funktionseinschränkungen ein dermassen enges Tätigkeitsfeld in Frage kommt, welches selbst der ausgeglichene Arbeitsmarkt kaum mehr kennt.
Aus der Erwerbsbiografie der Beschwerdeführerin geht hervor, dass sie aufgrund ihrer Geburtsgebrechen nie im ersten Arbeitsmarkt Fuss fassen konnte. Sie hat in ihrer Kindheit und Jugend mehrere Massnahmen pädagogisch-therapeutischer Art absolviert, eine Sonderschulung
besucht
und nach ihrer
Anlehre
im Rahmen eines geschützten Arbeitsplatzes
in einem 90%-Pensum
zu einem Monatslohn von brutto
Fr.
720.-- gearbeitet. Ihre aus eigener Motivation und aufgrund anderweitiger Interessen getätigten Integrationsversuche im ersten Arbeitsmarkt (etwa im Kosmetikbereich oder als Verkäuferin) scheiterten jeweils nach kurzer Dauer an ihren gesundheitlichen Einschränkungen (vgl. dazu
etwa
das Protokoll
zur Berufsberatung
vom 2
5.
August 2010
in
Urk.
6/102
). Auch ihrem Auszug aus dem individuellen Konto lassen sich nur geringe, auf dem ersten Arbeitsmarkt erwirtschaftete
Einkommen
entnehmen (
Urk.
6/120
). So verdiente die Beschwer
deführerin in ihrer Anstellung als Aushilfsverkäuferin im Schuhgeschäft während zehn Monaten insgesamt nicht einmal
Fr.
10'000.--, so dass nicht von einer erfolgreichen Etablierung im ersten Arbeitsmarkt
ausgegangen werden kann
.
Die Gutachter der
A._
nannten massive Funktionseinschränkungen, wel
che nur zu einer theoretischen, aber praktisch nicht ver
wertbaren Arbeitsfähigkeit führ
en würden (
Urk.
6/176/2-3). So sei aufgrund der linksseitigen
beinahe voll
ständigen
Ertaubung und der rechtsseitig
en
hochgradigen Schwerhörigkeit nur eine einfache Kommunikation mit der Beschwerdeführerin möglich. Hinzu komme die leichte bis mittelschwere neuropsychologische Funktionsstörung bei dissoziierter Intelligenz mit sprachverarbeitungsassoziierter leichter Intelligenz
minderung sowie verbaler Frischgedächtnisschwäche und Leistungsauffälligkei
ten bei sprachverarbeitungsassoziierten Teilfunktionen im exekutiven und
attentionalen
Bereich (auditive Reizverarbeitung). Aufgrund der neuropsycholo
gischen Einschränkungen seien nur klar strukturierte, repetitive Tätigkeiten ohne Notwendigkeit zu kommunizieren und ohne Notwendigkeit, die am Arbeitsplatz
vorhandenen Geräusche zu bearbeiten möglich. Zudem würde bei extern getak
teter Reizverarbeitung die Fehlerquote bei der Beschwerdeführerin ansteigen. Unter Berücksichtigung dieses Tätigkeitsprofils scheiden mangels Kommunika
tionsfähigkeit und der kognitiven Einschränkungen die von der Beschwerdegeg
nerin in der angefochtenen Verfügung als
zumutbar
erachteten leichten Kontroll-, Sortier- und Überwachungstätigkeiten aus.
Unter Berücksichtigung der gravierenden Funktionseinschränkungen und der Ausbildungs- und Erwerbsbiografie der Beschwerdeführerin ist das Finden einer passenden Stelle trotz dem Vorhandensein gewisser Nischenarbeitsplätze und verständnisvoller Arbeitgeber auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt somit als
un
realistisch
zu erachten. Eine langfristige und erfolgreiche Integration im ersten Arbeitsmarkt erscheint
aktuell unter diesen Voraussetzungen
nicht möglich.
Die Beschwerdegegnerin schloss damit zu Unrecht, mit knapper juristischer Begrün
dung und entgegen der medizinischen Einschätzung auf eine
mögliche
erfolgrei
che
Integration im ersten Arbeitsmarkt. Dies
überdies
ohne zumindest vorgängig
nochmals
Eingliederungsmassnahmen anhand zu nehmen,
obwohl
die Beschwer
deführerin lediglich aufgrund ihrer damaligen Familienplanung von weiteren Eingliederungsmassnahmen abgesehen hatte
, aber sich
keineswegs
generell gegen berufliche Massnahmen
ge
sträubt
hatte
(
Urk.
6/128/3)
.
Fehlt es demnach an der wirtschaftlichen Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgegli
chenen Arbeitsmarkt, liegt eine vollständige Erwerbsunfähigkeit vor
(Urteil
des Bundesgerichts
9C_277/2016 vom 1
5.
März 2017 E. 4.3 sowie nachfolgend E.
8.1)
.
7.
7.1
Die Beschwerdeführerin bringt vor, dass die Haushaltsabklärung neu durchzu
führen sei. Dass das Nierenleiden nicht zu einer relevanten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führe, lasse nicht den Schluss zu, dass auch im Haushalt keine diesbezüglichen Beeinträchtigungen bestünden.
Bezüglich der
Schilderung des Tagesablaufs sei überdies nicht nachvollziehbar, wieso
sie im Bereich der
Kinder
betreuung nicht eingeschränkt sein solle (
Urk.
1 S. 5-6).
7.2
Die von einer qualifizierten Person durchgeführte Abklärung vor Ort (nach Mass
gabe des
Art.
69
Abs.
2 IVV; vgl. auch
Rz
. 3084 ff. des Kreisschreibens des BSV über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH]) stellt für gewöhnlich die geeignete und genügende Vorkehr zur Bestimmung der gesund
heitlichen
Einschränkung im Haushalt dar (Urteil des Bundesgerichts 9C_201/2011 vom 5. September 2011 E. 2, in: SVR 2012 IV Nr. 19 S. 86). Einer ärztlichen Fachperson, die sich zu den einzelnen Positionen der Haushaltführung unter dem Gesichtswinkel der Zumutbarkeit zu äussern hat, bedarf es nur in Aus
nahmefällen, namentlich bei unglaubwürdigen Angaben der versicherten Person, die im Widerspruch zu den ärztlichen Befunden stehen (Urteil des Bundesgerichts
8C_817/2013 vom 2
8.
Mai 2014 E. 5.1 mit weiteren Hinweisen
).
Für den Beweiswert eines Berichtes über die Abklärung im Haushalt einer versi
cherten Person sind – analog zur Rechtsprechung betreffend die Beweiskraft von Arztberichten (BGE 125 V 351 E. 3a mit Hinweis) – verschiedene Faktoren zu berücksichtigen: Es ist wesentlich, dass der Bericht von einer qualifizierten Person verfasst wird, die Kenntnis von den örtlichen und räumlichen Verhältnissen sowie den aus den medizinischen Diagnosen sich ergebenden Beeinträchtigungen und Behinderungen hat. Weiter sind die Angaben der versicherten Person zu berück
sichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und angemessen detailliert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein und in Übereinstim
mung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen. Trifft all dies zu, ist der Abklärungsbericht voll beweiskräftig (AHI 2003 S. 218 E. 2.3.2 [in BGE 129 V 67 nicht veröffentlichte Erwägung]; Urteil des Bundesgerichts I 733/03 vom
6.
April 2004 E. 5.1.2; vgl. auch BGE 130 V 61 E. 6.2 und 128 V 93 E. 4 betreffend Abklärungsberichte im Zusammenhang mit der Hauspflege und Hilflosigkeit). Diese Beweiswürdigungskriterien sind nicht nur für die im Abklärungsbericht enthaltenen Angaben zu Art und Umfang der Behinderung im Haushalt massge
bend, sondern gelten analog für jenen Teil eines Abklärungsberichts, der den mutmasslichen Umfang der erwerblichen Tätigkeit von teilerwerbstätigen Versi
cherten mit häuslichem Aufgabenbereich im Gesundheitsfall betrifft (Urteil des Bundesgerichts
8C_817/2013 vom 28. Mai 2014 E. 5.1 mit weiteren Hinweisen
).
7.3
Die Haushaltsabklärung wurde am 1
0.
August 2016 durch den Abklärungsdienst der Beschwerdegegnerin vorgenommen (
Urk.
6/178). Nach Erstattung des poly
disziplinären Gutachtens und den daraus gewonnenen medizinischen Erkennt
nissen wurden die Einschränkungen der Beschwerdeführerin im Haushaltsbereich neu gewertet (vgl. kursive Ergänzungen der Abklärungsperson vom 2
3.
Oktober 2018). Der Abklärungsdienst kam zum Schluss, dass die von der Beschwerdefüh
rerin geltend gemachten, erheblichen Einschränkungen aufgrund ihres Nierenlei
dens nicht
nachvollziehbar seien, da gemäss dem Gutachten aus internistischer Sicht keine Arbeitsunfähigkeit habe festgestellt werden können. Entsprechend könnten diese Einschränkungen nicht berücksichtigt werden. Aufgrund des Belastungsprofils seien klar strukturierte, repetitive Tätigkeiten ohne Notwendig
keit zu kommunizieren zu 80
%
zumutbar, weswegen entsprechend eine Ein
schränkung von 20
%
in der Wohnungspflege plausibel sei (Ziffer 6.3 des Berichts,
so
auch im Bereich Wäsche gemäss Ziffer 6.5). Der Umstand, dass die Beschwerdeführerin angab, sich zu schonen, um aufgrund nur einer funktions
tüchtigen Niere kein zusätzliches Ri
siko für Infektionen einzugehen
und deswe
gen auch körperliche Arbeiten meide und
somit
ihr Vollzeit erwerbstätiger Ehe
mann den Haushalt weitgehend alleine und mit Unterstützung der Mutter und ihrer Schwägerin führe, wurde von der Beschwerde
gegn
erin
nur im Rahmen der Aufgabenteilung berücksichtigt. Zudem
kam sie zum Schluss, dass deswegen etwa in den Bereichen Einkauf (Ziffer 6.4) sowie Kinderbetreuung (Ziffer 6.6) keine Einschränkungen vorliegen würden.
Der Haushaltsbericht geht von
unzutreffenden
medizinischen Voraussetzungen – insbesondere bezüglich der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin – aus. Die hereditäre Krankheit
ist gemäss den Fachärzten
sowohl für die Nierenproblematik als auch die Schwerhörigkeit/Taubheit und die Schwindelproblematik verant
wortlich
(
Urk.
6/170/44)
, so dass
aus dem Gesundheitsschaden
folgenden Beschwerden in ihrer Gesamtheit zu berücksichtigen sind.
Gemäss der Krank
heitsgeschichte der Beschwerdeführerin treten
überdies rezidivierend
Harnwegs
infekte auf
und es best
eht
ein Risiko
dadurch
, dass ihre linke Niere funktionslos
ist
(
Urk.
6/130/31)
.
Aufgrund der Schwindelproblematik sind aus medizinischer Sicht häufige Positionswechsel ungünstig (vgl.
Urk.
6/170/86), was von der Abklärungsperson etwa in den Bereichen Reinigung der Wohnung, Wäsche, Ein
kaufen und Kinderbetreuung nicht berücksichtigt wurde.
Entsprechend ist der Bericht vom 2
3.
Oktober 2018 mit der Einschränkung von 13
%
nicht
überzeu
gend
. Vielmehr ist gestützt auf das polydisziplinäre Gutachten und das eruierte Belastungsprofil von einer Einschränkung von 30-50
%
in einer optimal leidens
angepassten Tätigkeit (vgl. E. 4.3.4 vorstehend) und
auch von einer entsprechen
den
Leistungsfähigkeit
im
Haushaltsbereich
auszugehen
.
8
.
8
.1
Gemäss dem in Art. 27
bis
Abs. 2–4 IVV per 1. Januar 2018 eingeführten neuen Berechnungsmodell für die Festlegung des Invaliditätsgrads von teilerwerbstäti
gen Versicherten nach der gemischten Methode (Art. 28a Abs. 3 IVG) werden der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Erwerbstätigkeit und der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich – weiterhin – summiert (
Art.
27
bis
Abs. 2 IVV). Die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Erwerbstätig
keit richtet sich nach
Art.
16 ATSG, wobei das Erwerbseinkommen, das die ver
sicherte Person durch die Teilerwerbstätigkeit erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, auf eine Vollerwerbstätigkeit hochgerechnet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. a IVV) und die prozentuale Erwerbseinbusse anhand des Beschäftigungsgrads,
den
die versicherte Person hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, gewichtet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. b IVV). Für die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich wird der prozentuale Anteil der Einschränkungen bei der Betätigung im Aufgabenbereich im Vergleich zur Situation, wenn die versicherte Person nicht invalid geworden wäre, ermittelt. Der Anteil wird anhand der Differenz zwischen dem Beschäfti
gungsgrad nach Absatz 3
lit
. b und einer Vollerwerbstätigkeit gewichtet (
Art.
27
bis
Abs. 4 IVV).
8
.2
Mangels Verwertbarkeitsmöglichkeit der Restarbeitsfähigkeit im ersten Arbeits
markt resultiert bei der Beschwerdeführerin im Erwerbsbereich eine volle Erwerbsunfähigkeit,
was einem
Teilinvaliditätsgrad von 50
%
entspricht
, womit sich ein Einkommensvergleich erübrigt
.
Im Haushaltsbereich
resultiert
ausgehend
von
einer durchschnittlichen Einschränkung von 40
%
gemäss dem polydiszipli
nären Gutachten ein Teilinvaliditätsgrad von 20
%
, was zusammengerechnet einen Invaliditätsgrad von 70
%
ergibt
.
Stichhaltige Gründe für
die Annahme der zweifellosen Unrichtigkeit der ursprünglichen Leistungszusprechung
sind entgegen der Ansicht der Beschwer
degegnerin nicht ersichtlich
, weshalb eine wiedererwägungsweise Aufhebung der seinerzeitigen Rentenverfügung ausscheidet. Wie es sich damit verhält, muss aber nicht abschliessend geprüft werden, da - mangels unrechtmässigen Verhaltens der Beschwerdeführerin - unbestrittenermassen ohnehin lediglich eine Renten
aufhebung pro
futuro
in Betracht gekommen wäre
(
Art.
88
bis
Abs.
2 IVV)
.
8.3
Zusammengefasst resultiert bei der Beschwerdeführerin ein Invaliditätsgrad von 70
%
, womit weiterhin Anspruch auf Ausrichtung einer ganzen Invalidenrente besteht. Die Beschwerde vom 2
8.
Mai 2019 ist folglich gutzuheissen und die Ver
fügung der Beschwerdegegnerin vom 2
4.
April 2019 aufzuheben.
9
.
9.1
Da der Streitgegenstand die Bewilligung oder
Verweigerung von Versicherungs
leistungen betrifft, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert
im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--
festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG
), ermessensweise auf
Fr.
9
00.-- anzusetzen und
der unterliegenden
Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
9.2
Ausgangsgemäss hat die
durch eine Anwältin
vertretene Beschwerdeführerin gestützt auf
Art.
61
lit
. g ATSG Anspruch auf eine Prozessentschädigung. Diese ist gemäss
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwie
rigkeit des Prozesses festzusetzen. Unter Berücksichtigung der genannten Aspekte erweist sich eine Entschädigung von
Fr.
2’0
00
.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Bar
auslagen)
als angemessen
.