# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 016a1180-a8e8-4810-aaf8-3b91e6031ddb
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_002
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt:
1. A._, Staatsangehöriger von B._ mit B-Bewilligung, war bei der
C._ AG als Produktionsmitarbeiter angestellt und dadurch bei der
Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen
die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert, als er am
10. November 2016 bei der Arbeit verunfallte. Dabei wurde seine rechte
Hand beim Reinigen einer Arbeitsmaschine plötzlich nach oben gezogen,
angesaugt, in einer Förderschnecke eingeklemmt und durch ein schnell
rotierendes, scharfes Stahlförderrad praktisch gehäckselt. Gleichentags
wurde A._ im Kantonsspital Graubünden (G._) an der rechten
Hand operiert. Die SUVA anerkannte ihre Leistungspflicht und erbrachte
die gesetzlichen Leistungen (Taggeld, Heilkosten).
2. Im August 2017 folgten weitere Operationen zur Korrektur der
Rotationsfehlstellung des Mittelfingers und weiterer Unfallfolgen,
verbunden mit anschliessender intensiver Therapie.
3. In der Aktenbeurteilung vom 15. November 2018 schätzte der Kreisarzt,
Dr. med. D._ den Integritätsschaden auf 17.5 % und kam in seiner
Aktenbeurteilung vom 21. November 2018 nach Zusammenfassung des
aktenmässigen Verlaufs zum Schluss, dass von einer weiteren
Behandlung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine namhafte
Besserung des unfallbedingten Gesundheitsschadens erwartet werden
könne, nachdem sich zwischen der ambulanten Verlaufskontrolle am
G._ Anfang April 2018 bis Ende Juli 2018 trotz durchgeführter
Ergotherapie der Zustand der rechten Hand hinsichtlich Trophik und
Beweglichkeit nicht verbessert habe.
4. Gestützt auf diese kreisärztlichen Beurteilungen sprach die SUVA
A._ mit Verfügung vom 19. Dezember 2018 ab 1. Dezember 2018
eine Invalidenrente gemäss dem Bundesgesetz über die
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Unfallversicherung (UVG) von monatlich CHF 392.80 zu. Diese Rente
basierte auf einer Erwerbsunfähigkeit von 11 % und einem versicherten
Jahresverdienst von CHF 53'563.--. Für die psychogenen Störungen
verneinte die SUVA den Anspruch auf Leistungen, da diese nicht in einem
adäquaten Kausalzusammenhang mit dem erlittenen Erlebnis stünden.
Für die Folgen des Unfalls sprach die SUVA A._ zudem eine
Integritätsentschädigung in der Höhe von CHF 25’935.--, basierend auf
einem Integritätsschaden von 17.5 % und einem Jahresverdienst von
CHF 148'200.-- zu. Die von A._ dagegen erhobene Einsprache vom
15. Januar 2019 wies die SUVA mit Einspracheentscheid vom
5. November 2019 ab.
5. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A._ (nachfolgend:
Beschwerdeführer) am 6. Dezember 2019 Beschwerde an das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden. Darin beantragte er, der
angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die Angelegenheit sei zur
nochmaligen Abklärung durch ein externes medizinisches Gutachten und
zum neuen Entscheid an die SUVA zurückzuweisen. Weiter sei ihm die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu gewähren. Zur Begründung
führte der Beschwerdeführer im Wesentlichen aus, die SUVA habe ohne
ausreichende medizinische Grundlage entschieden. Erstens habe sie die
Schmerzproblematik und deren Folgen nicht berücksichtigt und zweitens
in einer antizipierenden Beweiswürdigung die Adäquanz verneint, ohne
eine Diagnose der psychiatrischen Beschwerden zu kennen und damit
ohne Beurteilung von deren natürlicher Unfallkausalität. Es sei derzeit
ungewiss, ob der Beschwerdeführer nebst der in den Psychiatrischen
Diensten des Kantons Graubünden (PDGR) anlässlich der ambulanten
Erstkonsultation vom 5. November 2019 diagnostizierten mittelgradig
depressiven Episode sowie Angst- und depressiven Störung auch an einer
posttraumatischen Belastungsstörung leide. Genauere Diagnosen und
mögliche Behandlungen würden derzeit abgeklärt. Ebenso werde im
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Verlaufe der Behandlung evaluiert, ob die depressive Symptomatik im
Rahmen der vorbestehenden traumatischen Erlebnisse oder unabhängig
davon auftreten würden. Im Weiteren brachte der Beschwerdeführer vor,
bei einem mittelschweren Unfall im engeren Sinne reiche ein einziges
Kriterium aus, die Adäquanz zu bejahen, falls es in ausgeprägter Weise
erfüllt sei. Entgegen der Auffassung der SUVA sei das Kriterium der
Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere
deren erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen
auszulösen, offensichtlich und in ausgeprägter Weise erfüllt. Ebenso
scheine das Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufes und der
erheblichen Komplikationen gemäss der Praxis erfüllt zu sein sowie das
Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen. Im Weiteren führte der
Beschwerdeführer aus, zum Invaliditätsgrad könne keine Stellung
genommen werden, da eine Einschätzung aufgrund vorhandener dürftiger
medizinischer Aktenlage noch nicht möglich sei. Es brauche vorher ein
multidisziplinäres (orthopädisch, rheumatologisch und psychiatrisch)
Gutachten. Sodann seien bei der Einschätzung des Integritätsschadens
auch schmerzbedingte Einschränkungen zu berücksichtigen sowie
psychische Beschwerden, was wahrscheinlich zu einer wesentlichen
Erhöhung der Integritätsentschädigung führen müsste. Dazu werde
ebenfalls ein Gutachten erforderlich sein.
6. In ihrer Vernehmlassung vom 6. Februar 2020 beantragte die SUVA
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde.
Begründend führte sie im Wesentlichen aus, auf die kreisärztlichen
Beurteilungen von Dr. med. D._ vom 9. bzw. 11. November 2018
könne ohne Weiteres abgestellt werden. Angesichts des Umstands, dass
sich zwischen Anfang April 2018 bis Ende Juli 2018 trotz durchgeführter
Ergotherapie hinsichtlich Trophik und Beweglichkeit der rechten Hand
keine Verbesserung eingestellt habe, sei von einer weiteren Behandlung
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine namhafte Besserung zu
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erwarten. Wie von handchirurgisch-fachärztlicher Seite Ende Juli 2018
festgehalten worden sei, könne der Beschwerdeführer keine belastenden
Tätigkeiten mehr durchführen. Die rechte Hand sei lediglich noch
ganztägig unbelastet als Hilfshand ohne Krafteinsatz oder Durchführen
feinmotorischer Tätigkeiten einsetzbar. Dem Einwand des
Beschwerdeführers, der die Berücksichtigung weitergehender
schmerzbedingter Einschränkungen postulierte, könne nicht gefolgt
werden. Wie Kreisarzt Dr. med. D._ unter Hinweis auf den klinischen
Befundbericht des Kantonsspitals E._ vom 5. April 2018 ausführe, sei
wegen eines am ehesten amputationsbedingten neuropathischen
Schmerzes eine Lyrica-Therapie verordnet worden, die gemäss Aussage
des Beschwerdeführers vom 31. Juli 2018 eine Besserung gebracht habe,
so dass das obige Zumutbarkeitsprofil erstellt worden sei. Weitergehende
Einschränkungen als diejenigen gemäss Zumutbarkeitsprofil seien nicht
zu berücksichtigen. Weitere medizinische Abklärungen seien somit nicht
angezeigt. Auch bezüglich psychischer Problematik seien keine weiteren
Abklärungen angezeigt. Entgegen dem Einwand des Beschwerdeführers
sei die Frage nach der natürlichen Unfallkausalität nicht verneint, sondern
offen gelassen worden. Aus dem Bericht der PDGR vom 5. November
2019 lasse sich ebenfalls kein weiterer Abklärungsbedarf konstruieren.
Die Adäquanz der psychischen Beschwerden sei nicht gegeben. Es
handle sich um ein Unfallereignis im Bereich der mittelschweren Unfälle
im engeren Sinne und nicht im Grenzbereich zu den schweren Ereignissen
und keines der Adäquanzkriterien sei erfüllt. Auch die Einwände bezüglich
Berechnung des Invaliditätsgrades sowie der Beurteilung des
Integritätsschadens seien unzutreffend. Diesbezüglich werde auf die
Ausführungen im Einspracheentscheid verwiesen.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften und
auf den angefochtenen Einspracheentscheid sowie auf die im Recht
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liegenden Beweismittel wird, soweit rechtserheblich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt ist der Einspracheentscheid vom 5. November 2019
(Beschwerdegegnerische Akten [Bg-act.] 204). Gemäss Art. 1 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) i.V.m.
Art. 56 Abs. 1 und Art. 58 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kann gegen
Einspracheentscheide der Unfallversicherer beim Versicherungsgericht
desjenigen Kantons Beschwerde erhoben werden, in dem die versicherte
Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung Wohnsitz hat. Der versicherte
Beschwerdeführer wohnt in Chur, weshalb die örtliche Zuständigkeit des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden gegeben ist. Dessen
sachliche Zuständigkeit ergibt sich alsdann aus Art. 57 ATSG i.V.m.
Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG;
BR 370.100). Damit ist die Zuständigkeit des angerufenen Gerichts zu
bejahen. Als formeller und materieller Adressat des angefochtenen
Entscheides ist der Beschwerdeführer vom angefochtenen
Einspracheentscheid berührt und weist ein schutzwürdiges Interesse an
dessen Überprüfung auf (Art. 59 ATSG). Auf die im Übrigen frist- und
formgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten (Art. 1 UVG
i.V.m. Art. 60 und Art. 61 lit. a ATSG).
2. Bezüglich des anwendbaren Rechts gilt zu beachten, dass am 1. Januar
2017 die revidierten Bestimmungen des UVG und der Verordnung über
die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) in Kraft getreten sind. Gemäss
Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September
2015 werden Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem
Inkrafttreten ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem
Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt. Vorliegend
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ereignete sich der Unfall im November 2016, so dass diesbezüglich
grundsätzlich die bis zum 31. Dezember 2016 gültigen Bestimmungen
Anwendung finden. Hinsichtlich der für das vorliegende Verfahren
anwendbaren Bestimmungen haben sich indessen mit Inkrafttreten der
neuen Rechtsbestimmungen keine Änderungen ergeben.
3. Vorliegend ist zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht eine
Invalidenrente gemäss UVG von 11 % und eine Integritätsentschädigung
von 17.5 % gesprochen hat, oder ob es zwecks Erlasses eines neuen
Entscheids eines externen medizinischen Gutachtens bedarf.
4.1 Ist die versicherte Person infolge des Unfalls zu mindestens 10 % invalid,
so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Erleidet
die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche
Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat
sie Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung (Art. 24
Abs. 1 UVG). Der Unfallversicherer ist demnach nur für
Gesundheitsschäden leistungspflichtig, die natürlich und adäquat kausal
mit einem versicherten Unfallereignis zusammenhängen.
4.2 Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle
Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als
eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur
gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser
Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen
Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige
oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt,
dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die
körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt
hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne
dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V
177 E.3.1, 119 V 335 E.1, 118 V 286 E.1b, je mit Hinweisen).
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4.3 Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache
eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge
und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen
Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses
Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE
129 V 177 E.3.2, 125 V 456 E.5a).
4.4 Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen
Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage,
worüber die Verwaltung bzw. im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen
der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im
Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines
Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruches
nicht (BGE 129 V 177 E.3.1, 119 V 335 E.1, 118 V 286 E.1b, je mit
Hinweisen). Die Frage der Adäquanz ist demgegenüber eine Rechtsfrage,
sie ist nicht von medizinischen Sachverständigen, sondern vom Richter zu
beurteilen (Urteil des Bundesgerichts 8C_770/2008 vom 21. April 2009
E.5.5.2).
5. Zur Abklärung des Kausalzusammenhangs ist die rechtsanwendende
Behörde auf Unterlagen von medizinischen Fachpersonen angewiesen
(BGE 122 V 157 E.1b). Die medizinischen Unterlagen unterliegen wie
sämtliche Beweismittel in sozialversicherungsrechtlichen Verfahren der
freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Es gilt, das gesamte
Beweismaterial objektiv zu würdigen, bei sich widersprechenden
medizinischen Berichten die Gründe anzugeben, warum auf die eine oder
andere medizinische These abzustellen ist, und zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen
Rechtsanspruches gestatten (BGE 143 V 124 E.2.2.2). Hinsichtlich des
Beweiswertes ärztlicher Stellungnahmen ist entscheidend, ob diese für die
streitigen Belange umfassend sind, auf allseitigen Untersuchungen
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beruhen, die geklagten Beschwerden berücksichtigen, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben wurden, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation
einleuchten und in den daraus gezogenen Schlussfolgerungen zu
überzeugen vermögen (BGE 135 V 465 E.4.6, 134 V 231 E.5.1, 125 V 351
E.3a). Ausschlaggebend für den Beweiswert ärztlicher Stellungnahmen ist
folglich grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch dessen
Bezeichnung als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 351 E.3a). Dennoch
hat es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien
Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG) als vereinbar erachtet, in Bezug auf
bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für
die Beweiswürdigung aufzustellen. So kommt den Berichten und
Gutachten versicherungsinterner Ärzte voller Beweiswert zu, sofern sie als
schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich
widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit
sprechen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in einem
Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf
mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf
vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die
Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen.
Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im
Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Arztes
allerdings ein strenger Massstab anzulegen (BGE 125 V 351 E.3b/ee).
Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und
Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind
ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 139 V 225 E.5.2; Urteil des
Bundesgerichts 8C_246/2020 vom 10. September 2020 E.2.3).
6. Im Sozialversicherungsprozess tragen die Parteien in der Regel eine
Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu
Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen
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Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift erst Platz,
wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des im
Verwaltungsverfahren wie auch im kantonalen
Sozialversicherungsprozess geltenden Untersuchungsgrundsatzes
aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der
zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu
entsprechen (vgl. BGE 138 V 218 E.6; Urteil des Bundesgerichts
8C_17/2017 vom 4. April 2017 E.2.2).
7.1 Vorab ist abzuklären, welche gesundheitlichen Beeinträchtigungen als
unfallkausal zu betrachten sind und damit für die Festlegung der
Leistungsfähigkeit, der Rentenleistungen sowie der
Integritätsentschädigung relevant sind.
7.2.1 Anlässlich des Unfallereignisses vom 10. November 2016 erlitt der
Beschwerdeführer gemäss dem Operationsbericht des G._ vom 14.
November 2016 über die Operation vom 10. November 2016 durch Dr.
med. F._, Chefarzt G._ Departement Chirurgie/Abteilung
Handchirurgie, unbestrittenermassen folgende Verletzungen
(Beschwerdeführerische Akten [Bf-act.] 7; Bg-act. 8):
Polytraumatisierte Hand rechts durch Häckslermaschine mit/bei:
Dig. II:
Frakturen am proximalen Mittel- und Endphalanx und vollständig asensiblen Finger
Dig. III:
Frakturen der Basis der proximalen Phalanx und Abrissfraktur der Kondylen der
proximalen Phalanx und Kondylenfraktur der Mittelphalanx
Läsion der Strecksehne über der proximalen Phalanx und proximal des DIP-Gelenkes.
Zirkumferenzielle Hautläsion der proximalen Phalanx-Dig IV: offene Querfraktur
proximale Phalanx und offene Querfraktur Mittelphalanx, offene Fraktur Endphalanx mit
Nagelluxation
Strecksehnenläsion der Mittel- und Endphalanx
Rissquetschwunde interdigital VI/V
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7.2.2 Dem Austrittbericht des G._ vom 18. November 2016 (Bf-act. 8; Bg-
act. 14) ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer initial unter starken
Schmerzen litt, so dass er eine PCA-Pumpe benötigte. Diese konnte im
Verlauf entfernt werden und es kam täglich zu einer Regredienz der
Beschwerden. Vom 10. November 2016 bis zum 8. Dezember 2016 wurde
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt.
7.2.3 Anlässlich der Besprechung vom 24. Februar 2017 zwischen dem
Beschwerdeführer, seiner Ehefrau und der Beschwerdegegnerin
berichtete der Beschwerdeführer, dass es aktuell zuhause einigermassen
gehe. Draussen werde die Hand sofort kalt. Es bestehe ein grosses Kraft-
und Beweglichkeitsmanko. Die Handschiene trage er Tag und Nacht. Der
Schlaf sei noch mehrfach gestört, er träume immer wieder vom Unfall.
Aktuell sei er psychisch aber wieder etwas stabiler. Er habe auch mit dem
Handspezialisten darüber gesprochen. Gemäss dem behandelnden Arzt
sei nochmals ein Eingriff nötig (Bg-act. 29).
7.2.4 Am 9. August 2017 fand der weitere Eingriff, namentlich eine
Derotationsosteotomie und Osteosynthese, eine Nachresektion Os
metacarpale II und eine Neuromexzision im G._ bei Dr. med. F._
statt. Im Operationsbericht vom 18. August 2017 (Bf-act. 9; Bg-act. 82) ist
folgende OP-Diagnose aufgeführt: Rotationsfehlstellung Dig. III rechte
Hand bei St.n. komplexer Handverletzung 11/2016; störender
Amputationsstumpf Os Metacarpale II rechte Hand; Narbenneurom. Bei
der Indikation wurde festgehalten, der zweite Strahl habe amputiert
werden müssen und die übrigen Finger hätten rekonstruiert werden
können, wobei von Anfang an klar gewesen sei, dass die rechte Hand
lediglich noch als Hilfshand eingesetzt werden könne. Die
Wundverhältnisse seien reizlos, die Hauttrophik jedoch etwas verändert.
Die Sensibilität und Zirkulation seien intakt. Die Frakturen seien
radiologisch konsolidiert. Am Mittelfinger bestehe eine
Rotationsfehlstellung von ca. 20°.
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7.2.5 Am 3. Januar 2018 fand eine Nachkontrolle in der handchirurgischen
Sprechstunde des G._ satt, anlässlich welcher der Beschwerdeführer
über persistierende Beschwerden der rechten Hand berichtete, unter
denen er aufgrund der deutlich eingeschränkten Beweglichkeit die Hand
im Alltag nur sehr wenig einsetzen könne. Sodann klagte er über eine
vermehrte Schmerzsymptomatik bei Kälte. Als Befund ist dem Bericht vom
4. Januar 2018 eine persistierende Druckdolenz über den weichen und gut
verschieblichen Narben über dem Amputationsstumpf sowie insgesamt
eine regrediente Druckdolenz entlang der Strahlen III, IV und V zu
entnehmen. Es wurde weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bis zum
5. April 2018 bescheinigt (Bg-act. 117, siehe auch Bg-act. 107).
7.2.6 Anlässlich der Verlaufskontrolle vom 5. April 2018 in der
handchirurgischen Sprechstunde des G._ berichtete der
Beschwerdeführer von unveränderten Beschwerden. Störend sei
einerseits eine schmerzhafte Dysästhesie auf Höhe des
Amputationsstumpfes des Dig. II und andererseits Schmerzen über dem
PIP-Gelenk des Dig. III. Wegen am ehesten amputationsbedingt
neuropathischen Schmerzen wurde eine Lyrica-Therapie verordnet. Eine
prothetische Versorgung wurde als nicht sinnvoll erachtet (Bg-act. 135).
7.2.7 Am 31. Juli 2018 fand eine klinische und radiologische Verlaufskontrolle
am G._ (Bg-act. 150) statt. Dem entsprechenden Krankeneintrag ist
zu entnehmen, dass sowohl die Handtherapie als auch die psychiatrische
Behandlung in B._ sehr geholfen hätte, so dass aktuell keine
Schmerzen in der rechten Hand bestünden. Die intermittierende
Einnahme von Lyrica habe eine Besserung gebracht. Klinisch zeigte sich
die rechte Hand gesamt atroph, gleichbleibend zum Vorbefund ohne
auslösbare Druckdolenz im Bereich des gesamten Armes und der Hand,
Beweglichkeit in etwa gleichbleibend zum Vorbefund. Radiologisch zeigte
sich vergleichend zu den Voraufnahmen keine sekundäre Dislokation des
Osteosynthesematerials. In der lateralen Projektion zeigte sich die
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Schraube distal nur wenig prominent, ansonsten gut mit Knochen umbaut.
Weiter ist festgehalten, dass der Beschwerdeführer keine belastenden
Tätigkeiten mehr durchführen können werde.
7.2.8 Mit Schreiben vom 19. Oktober 2018 (Bf-act. 15; Bg-act. 166) – aus dem
Singhalesischen beglaubigt übersetzt am 31. Oktober 2018 – informierte
Ayurveda Dr. H._ von B._ darüber, dass der Beschwerdeführer
von ihm wegen seiner Betäubung in den Fingern und wegen des
psychischen Stresses aufgrund der Störung in seiner Hand behandelt
werde und er drei Monate lang eine medizinische Behandlung brauche.
7.2.9 Am 1. November 2018 berichtete die Ehefrau des Beschwerdeführers
gegenüber der Beschwerdegegnerin, dass dessen psychischer Zustand
nicht gut sei, weshalb ihn der Arzt in B._ nicht habe zurückfliegen
lassen. Man spreche von zwei bis drei weiteren Monaten bis der
Beschwerdeführer in die Schweiz zurückfliegen könne. Das Hauptproblem
sei wirklich die Psyche, die Hand schmerze auch manchmal, aber die
psychische Situation sei sehr schwierig (Bg-act. 167).
7.2.10 Der Kreisarzt Dr. med. D._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates, hielt in seiner Aktenbeurteilung
betreffend Integritätsentschädigung vom 15. November 2018 (Bg-
act. 172) als Befund Folgendes fest:
«Polytraumatisierte rechte Hand durch Häckslermaschine am 10.11.2016 mit/bei:
Dig. II: Frakturen an der proximalen Mittel- und Endphalanx und vollständig asensiblen
Finger
Dig. III: Frakturen der Basis der proximalen Phalanx und Abrissfraktur der Kondylen der
proximalen Phalanx und Kondylenfraktur der Mittelphalanx, Läsion der Strecksehne über
der proximalen Phalanx und proximal des DIP-Gelenkes. Zirkumferenzielle Hautläsion
der proximalen Phalanx
Dig IV: Offene Querfraktur proximale Phalanx und offene Querfraktur Mittelphalanx,
offene Fraktur Endphalanx mit Nagelluxation
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Strecksehnenläsion der Mittel- und Endphalanx
Rissquetschwunde interdigital IV/V
Operation: Wundexploration dreimal, transmetacarpale Strahlenresektion Dig. II,
Osteosynthese Dig. III, Spickdraht/Medartis SpeedTip Schraube 2,1 mm,
Strecksehnennaht zweimal
Dig. IV: Reposition und Osteosynthese proximal Phalanx mit 3.0 Medartis SpeedTip
Schraube
Osteosynthese Mittel- und Endphalanx mit Spickdrähten
Wundrevision und Strecksehnennaht zweimal
Wundversorgung interdigital IV/V»
Zusätzlich hielt er fest, in der abschliessenden Untersuchung am G._
am 31. Juni (recte: Juli) 2018 habe sich vergleichsweise zur
Voruntersuchung im April 2018 ein klinisch gleichbleibend beurteilter
Befund mit atropher rechter Hand mit in etwa gleichbleibender
Beweglichkeit für den Mittel-, Ring- und Kleinfinger bei transmetacarpal
amputiertem Zeigefinger gezeigt: Am Mittelfinger Bewegungsamplitude
55-0-10° bei fixiertem PIP-Gelenk (60 Grad) und in Streckstellung fixiertem
DIP-Gelenk; am Ringfinger im MCP-Gelenk maximale Flexionsfähigkeit
60° bei Extensionsdefizit 10°, fixiertes PIP-Gelenk in annähernd 35° und
in 20° Beugung fixiertes DIP-Gelenk; gleichermassen wie am Ringfinger
äquivalente Bewegungseinschränkung des Kleinfingers im MCP-Gelenk
mit gleichermassen maximaler Flexionsfähigkeit im PIP-Gelenk bei jedoch
voller Streckfähigkeit und besserer Beweglichkeit im DIP-Gelenk bei
maximaler Flexion von 40° mit geringem Extensionsdefizit. Radiologisch
habe sich am Untersuchungstag vergleichend zu den Voraufnahmen
keine sekundäre Dislokation des Osteosynthesematerials sowie in der
lateralen Projektion nur wenig prominent erkennbare distale Schraube,
welche ansonsten gut mit Knochen umbaut sei, gezeigt.
7.2.11 In der kreisärztlichen Aktenbeurteilung vom 21. November 2018 (Bg-act.
178) kommt Kreisarzt Dr. med. D._ zum Schluss, dass von einer
weiteren Behandlung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine
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namhafte Besserung des unfallbedingten Gesundheitsschadens erwartet
werden könne, nachdem sich zwischen der ambulanten Verlaufskontrolle
am G._ Anfang April 2018 bis Ende Juli 2018 trotz durchgeführter
Ergotherapie der Zustand der rechten Hand hinsichtlich Trophik und
Beweglichkeit nicht verbessert habe. Wie von handchirurgisch-
fachärztlicher Seite Ende Juli 2018 festgehalten, könne der
Beschwerdeführer keine belastenden Tätigkeiten mehr durchführen, die
rechte Hand sei lediglich noch als Hilfshand einsetzbar. Somit könne unter
Berücksichtigung des letzten klinischen Untersuchungsbefundes von
Anfang April 2018 davon ausgegangen werden, dass der
Beschwerdeführer in Anbetracht der Unfallfolgen die rechte Hand
ganztägig nur noch unbelastet als Hilfshand ohne Krafteinsatz oder
Durchführen feinmotorischer Tätigkeiten einsetzen könne.
7.2.12 Am 5. November 2019 diagnostizierten Dres. med. I._ und J._
der PDGR als Hauptdiagnose eine mittelgradige depressive Episode
F32.1 und als Nebendiagnose Angst und depressive Störung, gemischt
F41.2. Es wurde eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Zudem hielten
die Ärzte fest, ob die depressive Symptomatik im Rahmen der
vorbestehenden traumatischen Erlebnisse oder unabhängig davon
auftreten würden, werde im Verlauf der Behandlung evaluiert werden. Als
Behandlung wurde eine ambulante integrativ psychiatrisch-
psychotherapeutische Behandlung vorgeschlagen (Bf-act. 17).
7.2.13 Die Ärzte der handchirurgischen Sprechstunde des G._, Dr. med.
K._ und L._, berichten am 18. November 2019 von mehr oder
weniger stationären Verhältnissen der Beweglichkeit bzw. Funktion der
rechten Hand im Vergleich zur Vorbeurteilung im April 2018. Eine
Entfernung des Osteosynthesematerials am Mittelfinger sei zwar möglich,
allerdings mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht geeignet, um die
Beschwerdesymptomatik des Beschwerdeführers bzw. die Funktion der
rechten Hand günstig zu beeinflussen. Die Kälteüberempfindlichkeit der
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gesamten radialen Handseite sei mit dem schweren Trauma zu erklären
und werde unabhängig von einer Metallentfernung persistieren. Aus
handchirurgischer Sicht bestünden keine weiteren
Interventionsmöglichkeiten. Die reduzierte Kraft bzw. Einsatzfähigkeit der
rechten Hand werde im Hinblick auf die Reintegration in ein Berufsleben
so akzeptiert werden müssen. Zusätzlich beschreibe der
Beschwerdeführer eine deutliche Einschränkung der Leistungsfähigkeit
durch die andauernden Flashbacks des Unfallgeschehens. In der
handchirurgischen Sprechstunde seien keine weiteren Nachkontrollen
mehr vorgesehen (Bf-act. 16; Bg-act. 206).
7.3 Aufgrund der dargelegten Aktenlage ist festzuhalten, dass der
Beschwerdeführer infolge des Unfalls vom 10. November 2016 unter
Schmerzen bzw. Einschränkungen an seiner rechten Hand leidet, welche
im Rahmen der Invaliditätsbemessung und der Schätzung der Höhe des
Integritätsschadens zu berücksichtigen sind, was vorliegend unbestritten
ist. Ebenfalls ergibt sich, dass der Beschwerdeführer an psychischen
Beschwerden leidet, wobei diesbezüglich strittig ist, inwiefern diese bei der
Berechnung des Invaliditätsgrades und der Integritätsentschädigung
zusätzlich zu berücksichtigen sind bzw. ob ein Kausalzusammenhang
zwischen den geklagten psychischen Beschwerden und dem
Unfallereignis vom 10. November 2016 besteht.
7.4 Die Beschwerdegegnerin liess in ihrem Einspracheentscheid vom
5. November 2019 die Frage des natürlichen Kausalzusammenhangs
zwischen dem Unfallereignis vom 10. November 2016 und den geklagten
psychischen Beschwerden des Beschwerdeführers offen, zumal sie
diesbezüglich den adäquaten Kausalzusammenhang verneinte (vgl. Bg-
act. 204 E.3.a). Der Beschwerdeführer bringt dagegen vor, die
Beschwerdegegnerin habe auf ungenügende medizinische Beurteilungen
abgestellt, indem sie einfach die kreisärztliche
Leistungsfähigkeitsschätzung und damit lediglich funktionelle
- 17 -
Beeinträchtigungen berücksichtigt und damit der psychischen Dimension
nicht genügend Rechnung getragen habe (vgl. Beschwerdeschrift Rz. 6).
7.5.1 Auffallend ist, dass die Beschwerdegegnerin den Einspracheentscheid am
5. November 2019 erliess und die psychiatrischen Beschwerden nicht als
adäquat kausal beschrieb, obschon sie mit Schreiben vom 31. Oktober
2019 vom Rechtsvertreter des Beschwerdeführers darauf aufmerksam
gemacht worden war, dass sich der Beschwerdeführer nun in ambulante
psychiatrische Behandlung bei den PDGR begeben werde und die
Beschwerdegegnerin gebeten wurde, einen aktuellen Bericht beim
Hausarzt einzuholen (Bg-act. 203), was sodann unterblieb.
7.5.2 Bezüglich des natürlichen Kausalzusammenhangs ist sodann
festzuhalten, dass bereits kurze Zeit nach dem Unfall vom 10. November
2016, mithin am 24. Februar 2017, der Beschwerdeführer gegenüber der
Beschwerdegegnerin über ein grosses Kraft- und Beweglichkeitsmanko
der Hand berichtete und ausführte, dass sein Schlaf mehrfach gestört sei,
er immer wieder Träume vom Unfall habe, wobei er aktuell psychisch
wieder etwas stabiler sei (vgl. Bg-act. 29). Seit dieser Besprechung war
der Beschwerdegegnerin somit bekannt, dass der Beschwerdeführer unter
psychischen Beschwerden litt. Die Beschwerdegegnerin hätte sodann
auch die Kosten für eine psychiatrische Behandlung im November 2017
übernommen (Bg-act. 104 ff.), wozu es dann aber nicht kam. Gemäss
Telefonnotiz der Beschwerdegegnerin vom 12. Januar 2018 bezüglich
eines Telefonats mit der Ehefrau des Beschwerdeführers (Bf-act. 10; Bg-
act. 120) hatte sich die psychische Situation dannzumal zwar etwas
verbessert. So führte diese aus, es gebe noch Tage, an denen der
Beschwerdeführer sehr weine. Sie könne ihn dann jedoch beruhigen und
er höre auf zu weinen. Dennoch unterzog sich der Beschwerdeführer
zumindest im Sommer 2018 in B._ einer handtherapeutischen und
psychiatrischen Behandlung, was von der Beschwerdegegnerin nicht in
Frage gestellt wird (Beschwerdeantwort Ziff. 5; Bg-act. 165-167; Bf-
- 18 -
act. 15). Am 1. November 2018 berichtete die Ehefrau des
Beschwerdeführers, dass der psychische Zustand des
Beschwerdeführers nicht gut sei, weshalb ihn der Arzt in B._ nicht
habe zurückfliegen lassen. Hauptproblem sei die Psyche, die Hand
schmerze auch manchmal, die psychische Situation sei sehr schwierig
(Bg-act. 167). Diese Aussage wurde denn auch mittels eines
entsprechenden ärztlichen Schreibens des behandelnden Arztes in
B._ belegt (Bf-act. 15; Bg-act. 166). Am Datum des
Einspracheentscheids, namentlich am 5. November 2019, unterzog sich
der Beschwerdeführer in den PDGR einer ambulanten Erstkonsultation.
Gemäss Bericht der PDGR vom 5. November 2019 erfolgte die
Anmeldung auf freiwilliger Basis durch den Hausarzt des
Beschwerdeführers aufgrund einer psychischen Dekompensation mit
zunehmender Antriebs- und Freudlosigkeit, Schlafstörungen, innerer
Unruhe sowie Gedankenkreisen um negative Inhalte seit mehreren
Monaten bei Statuts nach komplexer Handverletzung ED 11/2016 mit
persistierender Bewegungseinschränkung PIP-Gelenk Dig. III (Bf-act. 17).
Anlässlich dieser Erstkonsultation wurde als Hauptdiagnose eine
mittelgradige depressive Episode (F32.1) sowie als Nebendiagnose Angst
und depressive Störung, gemischt (F41.2) gestellt und eine
Arbeitsunfähigkeit von 100 % bescheinigt (Bf-act. 17). Zusammenfassend
kann demnach festgehalten werden, dass nach dem Unfall am
10. November 2016 anamnestisch wie ärztlich beschrieben psychische
Beschwerden beim Beschwerdeführer auftraten und in der Folge
persistierten. Sodann hatte beim Beschwerdeführer nach Aktenlage kein
depressiver oder sonstiger psychopathologischer Vorzustand vorgelegen.
Die Indizien sprechen folglich überwiegend wahrscheinlich für einen
natürlichen Kausalzusammenhang zwischen den psychischen
Beschwerden und dem Unfall vom 10. November 2016. Da es sich aber
um eine Tatfrage handelt und die PDGR am 5. November 2019 festhielten,
im Rahmen der Behandlung werde evaluiert, ob die depressive
- 19 -
Symptomatik (Anm. des Gerichts: nicht aber die Angst) im Rahmen der
vorbestehenden traumatischen Erlebnisse oder unabhängig davon
auftrete (Bf-act. 17), wird die Beschwerdegegnerin im Falle einer
Rückweisung zur Einholung eines externen medizinischen Gutachtens
und zu neuem Entscheid auch den natürlichen Kausalzusammenhang zu
beurteilen haben (vgl. auch das Urteil des Bundesgerichts 8C_289/2020
vom 17. Februar 2021 E.6.1 f.). Zunächst ist allerdings noch zu prüfen, ob
die psychischen Beschwerden des Beschwerdeführers auch in einem
adäquaten Kausalzusammenhang mit dem Unfall vom 10. November
2016 stehen. Je nach Ausgang dieser Prüfung erübrigen sich nämlich
weitergehende Abklärungen bezüglich der natürlichen Kausalität dieser
Beschwerden.
7.6.1 Im vorliegenden Fall fand bezüglich der Adäquanzprüfung die Psycho-
Praxis Anwendung, was zu Recht nicht beanstandet wird. Ausgangspunkt
der Adäquanzbeurteilung entsprechend der Psycho-Praxis bildet das
objektiv erfassbare Unfallereignis. Im Rahmen einer objektivierten
Betrachtungsweise ist zu untersuchen, ob der Unfall eher als leicht, als
mittelschwer oder als schwer erscheint, wobei im mittleren Bereich
gegebenenfalls eine weitere Differenzierung nach der Nähe zu den
leichten oder schweren Unfällen erfolgt. Massgebend für die Beurteilung
der Unfallschwere ist der augenfällige Geschehensablauf mit den sich
dabei entwickelnden Kräften und die unmittelbar beim Unfall erlittenen
Verletzungen (BGE 140 V 356 E.5.1, 115 V 133 E.6; vgl. z.B. Urteil des
Bundesgerichts 8C_77/2009 vom 4. Juni 2009 E.4). Nicht zu
berücksichtigen sind das subjektive Erleben des Unfalls durch die
verunfallte Person und die Folgen, welche sich im Lauf der Zeit als
Reaktion auf den Unfall entwickeln (BGE 140 V 356 E.5.3, 115 V 133 E.6).
Vorliegend sind sich die Verfahrensbeteiligten zu Recht einig, dass es sich
um einen Unfall im Bereich der mittelschweren Unfälle im engeren Sinne
handelt (vgl. hierzu auch Urteil des Bundesgerichts 8C_762/2019 und
- 20 -
8C_763/2019 vom 12. März 2020 E.4.2.1.1 f.). Die Adäquanz eines
Kausalzusammenhanges ist zu bejahen, wenn eines der relevanten
Adäquanzkriterien in besonders ausgeprägter oder mehrere (mindestens
drei) dieser Kriterien in gehäufter Weise erfüllt sind. Der Katalog dieser
Kriterien lautet wie folgt (vgl. Kriterienkatalog in Urteil des Bundesgerichts
8C_473/2019 vom 11. November 2019 E.5.1):
- besonders dramatische Begleitumstände oder besondere
Eindrücklichkeit des Unfalls;
- die Schwere oder die besondere Art der erlittenen (somatischen)
Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung,
psychische Fehlentwicklungen auszulösen;
- eine ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung;
- (körperliche) Dauerschmerzen;
- eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich
verschlimmert;
- ein schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
- der Grad und die Dauer der (physisch) bedingten Arbeitsunfähigkeit
7.6.2 Die Beschwerdegegnerin prüfte im angefochtenen Einspracheentscheid
die oben erwähnten Adäquanzkriterien mit Ausnahme des Kriteriums der
besonders dramatischen Begleitumstände oder der besonderen
Eindrücklichkeit des Unfalls und verneinte in der Folge den adäquaten
Kausalzusammenhang. Demgegenüber ist der Beschwerdeführer der
Ansicht, dass sowohl das Kriterium der Schwere oder besonderen Art der
erlittenen Verletzungen, des schwierigen Heilungsverlaufs und der
erheblichen Komplikationen sowie der körperlichen Dauerschmerzen
erfüllt seien, ersteres sogar in ausgeprägter Weise.
7.6.3 Gerade das von der Beschwerdegegnerin nicht geprüfte Kriterium der
besonders dramatischen Begleitumstände oder der besonderen
Eindrücklichkeit des Unfalls ist vorliegend – wie nachfolgend aufgezeigt
- 21 -
wird – eindeutig und in besonders ausgeprägter Weise erfüllt. Der
Berücksichtigung des Kriteriums der besonders dramatischen
Begleitumstände oder besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls liegt der
Gedanke zugrunde, dass solche Umstände geeignet sind, bei der
betroffenen Person während des Unfallgeschehens oder nachher
psychische Abläufe in Bewegung zu setzen, die an den nachfolgenden
psychischen Fehlentwicklungen mitbeteiligt sein können. Dabei sind
objektive Massstäbe anzuwenden. Nicht was im einzelnen Betroffenen
beim Unfall psychisch vorgeht - sofern sich dies überhaupt zuverlässig
feststellen liesse - soll entscheidend sein, sondern die objektive Eignung
solcher Begleitumstände, bei Betroffenen psychische Vorgänge der
genannten Art auszulösen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_473/2019
vom 11. November 2019 E.5.2). Zu beachten ist zudem, dass jedem
mindestens mittelschweren Unfall eine gewisse Eindrücklichkeit zu eigen
ist, welche somit noch nicht für eine Bejahung des Kriteriums ausreichen
kann. Im Rahmen dieses Kriteriums wird nur das Unfallgeschehen an sich
und nicht die dabei erlittene Verletzung betrachtet (Urteil des
Bundesgerichts 8C_114/2018 vom 22. August 2018 E.6.3 mit Hinweisen).
7.6.4 Gemäss dem Kriminalrapport der Kantonspolizei Graubünden vom
23. Dezember 2016 (Bg-act. 39 S. 2; Bf-act. 1 S. 2) geriet der
Beschwerdeführer mit seiner rechten Hand in die M._ und steckte in
dieser fest. Weiter ist dem besagten Kriminalrapport zu entnehmen, dass
der Beschwerdeführer beim Eintreffen der Polizei durch die Mitarbeiter der
C._ AG und der aufgebotenen Sanitäter bereits aus der Anlage
befreit werden konnte, er auf dem Boden lag und an seiner verletzten
rechten Hand medizinisch versorgt wurde. Die M._ musste für die
Befreiung des Beschwerdeführers zerlegt werden und entsprach folglich
nicht mehr dem Zustand vor dem Unfall (Bg-act. 39 S. 2; Bf-act. 1 S. 2; Bf-
act. 2 S. 3 f., 6). Nach der Aussage des Beschwerdeführers vom
22. November 2016 hat dieser mit der Reinigung der M._ begonnen.
- 22 -
Nach ca. 45 Minuten begann er den Auffangkessel der gereinigten Bohnen
auszuspülen. Dabei hielt er mit seiner linken Hand einen Wasserschlauch
und reinigte mit seiner rechten Hand den Kessel. Aufgrund des starken
Wasserdrucks geriet er in der Folge mit seiner rechten Hand in den
Wasserstrahl, woraufhin diese nach oben gedrückt wurde. Als Folge
davon geriet seine rechte Hand in das sich direkt darüber befindliche
Förderrad der Anlage, welches nicht, wie vom Beschwerdeführer
angenommen, ausgeschaltet war. Dabei wurde das Förderrad durch die
eingeklemmte Hand blockiert und der Beschwerdeführer zog sich die
besagten Verletzungen zu. Durch den Aufschrei des Beschwerdeführers
wurden die Mitarbeiter im Nebenraum auf ihn aufmerksam und konnten
die Anlage mittels Notstopp anhalten (Bg-act. 39 S. 3; Bf-act. 1 S. 3, Bf-
act. 3 S. 2 f., Bf-act. 5 S. 11). Die Aufnahme des Förderrads (Bf-act. 2 S.
6) zeigt, dass ein metallenes Förderblatt verbogen ist, was auf die grossen
Kräfte hinweist, die auf die verletzte Hand des Beschwerdeführers
einwirkten. Wenn dem Beschwerdeführer die rechte Hand in einen Trichter
gezogen wurde, an dessen Ende ein scharfkantiges metallenes Förderrad
schnell rotierte, ihm dann ein Finger abgerissen und alle anderen teils
schwer verletzt wurden und die Hand zerquetscht wurde, wenn er festsass
und dies andauerte, bis endlich der Notstopp gedrückt wurde und die
Maschine partiell zerlegt werden musste, damit der Beschwerdeführer
überhaupt befreit werden konnte (Bf-act. 1, 2, 7 und 8), so ist von einer
besonderen Eindrücklichkeit oder Dramatik der Begleitumstände zu
sprechen, die durchaus geeignet ist, psychische Vorgänge beim
Beschwerdeführer auszulösen. Aufgrund des beschriebenen
Unfallgeschehens ist dieses Kriterium in ausgeprägter Weise erfüllt.
7.6.5 Ebenso ist das Kriterium der Schwere oder besondere Art der (somatisch)
erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung,
psychische Fehlentwicklungen auszulösen, zumindest in einfacher Form,
wenn nicht sogar in ausgeprägter Weise erfüllt. Der Beschwerdegegnerin
- 23 -
lagen nur der Kriminalrapport der Kantonspolizei Graubünden vom 23.
Dezember 2016 ohne Beilagen, nicht aber weitere Unfallakten und
insbesondere nicht die Fotos der Unfallsituation vor, wie sie erst mit
Beschwerdeeingang vom Beschwerdeführer ins Recht gelegt wurden (vgl.
Bf-act. 2-6). Gerade aber die Fotos und die Unfallakten verbildlichen,
welch schwere Handverletzungen der Beschwerdeführer davontrug. So
erlitt der Beschwerdeführer gemäss den Diagnosen im Operationsbericht
des G._ vom 14. November 2016 (Bf-act. 7) und im Austrittsbericht
des G._ vom 18. November 2016 (Bf-act. 8) eine «Polytraumatisierte
Hand rechts durch Häcksler-Maschine mit/bei:
Dig. II:
Frakturen am proximalen Mittel- und Endphalanx und vollständig
asensiblen Finger
Dig. III:
Frakturen der Basis der proximalen Phalanx und Abrissfraktur der
Kondylen der proximalen Phalanx und Kondylenfraktur der Mittelphalanx
Läsion der Strecksehne über der proximalen Phalanx und proximal des
DIP-Gelenkes. Zirkumferenzielle Hautläsion der proximalen Phalanx-Dig
IV: offene Querfraktur proximale Phalanx und offene Querfraktur
Mittelphalanx, offene Fraktur Endphalanx mit Nagelluxation
Strecksehnenläsion der Mittel- und Endphalanx
RQW interdigital VI/V»
Sodann ist in den erwähnten ärztlichen Berichten von massivsten
Verletzungen der rechten Hand die Rede, wobei u.a. der rechte
Zeigefinger vollständig zerstört war und lediglich noch an den
Beugesehnen hing (Bf-act. 7 und 8). Die verletzte Hand musste zweimal
operiert werden und dient nur mehr als Hilfshand (Bf-act. 9). Die Schwere
dieser Verletzung sowie die besondere Art der erlittenen somatischen
- 24 -
Verletzungen, insbesondere die damit verbundene Verstümmelung und
eingeschränkte Funktionalität als reine Hilfshand, scheint geeignet,
psychische Fehlentwicklungen auszulösen ist.
Nachdem somit zumindest ein Kriterium, wenn nicht sogar zwei, in
ausgeprägter Weise erfüllt ist bzw. sind, erübrigt sich eine Prüfung der
weiteren Kriterien. Folglich ist ein adäquater Kausalzusammenhang für die
nach dem Unfall aufgetretenen psychischen Probleme zum versicherten
Unfallereignis vom 10. November 2016 zu bejahen. Damit stellt sich
zusätzlich auch die Frage nach dem natürlichen Kausalzusammenhang,
damit über die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin für die daraus
resultierende Erwerbseinbusse befunden werden kann.
7.6.6 Nachdem der Unfall vom 10. November 2016 geeignet war, eine
psychische Fehlentwicklung adäquat kausal zu bewirken, kann es nicht
bei der Beurteilung des Kreisarztes Dr. med. D._ vom 21. November
2018 (Bg-act. 178) bzw. dessen Zumutbarkeitsprofil bleiben, da dieser
sich gemäss dem Wortlaut, wonach der Beschwerdeführer in Anbetracht
der Unfallfolgen die rechte Hand ganztägig nur noch als Hilfshand ohne
Krafteinsatz oder Durchführen feinmotorischer Tätigkeiten einsetzen
könne, nur zu den somatischen Einschränkungen äussert. Daraus geht
nicht hervor, ob die Beurteilung auch schmerzbedingte
Beeinträchtigungen einschliesst. Abgesehen davon, dass es sich beim
Kreisarzt Dr. med. D._ nicht um einen psychiatrischen Facharzt
handelt, wurde die in der Beurteilung erwähnte psychische Verfassung
des Beschwerdeführers nicht berücksichtigt, zumindest geht nicht hervor,
inwiefern Kreisarzt Dr. med. D._ eine psychische Komponente neben
den rein somatischen Einschränkungen als leistungseinschränkend
beurteilt hat. Bevor beurteilt werden kann, welche Arbeitsleistung dem
Beschwerdeführer noch zugemutet werden kann, ist die (neuropathische)
Schmerzproblematik und das psychische Leiden des Beschwerdeführers
genauer abzuklären. Zur Klärung der offenen Fragen ist daher vorerst eine
- 25 -
fachärztliche Begutachtung des Beschwerdeführers – zumindest in den
Disziplinen Psychiatrie und Orthopädie – durch einen externen Experten
unter Berücksichtigung der medizinischen Unterlagen unumgänglich.
Ergibt sich daraus ein erwerblich relevanter Befund, ist die zumutbare
Arbeitsfähigkeit unter Einbezug der somatischen und psychischen
Einschränkungen durch einen - ebenfalls externen - Facharzt für
Arbeitsmedizin gesamthaft zu beurteilen. Erst wenn diese Beurteilung
vorliegt, kann die zumutbare Arbeitsfähigkeit mit genügender Genauigkeit
festgestellt werden.
8.1 Streitig ist schliesslich die Höhe des Integritätsschadens. Die
Beschwerdegegnerin ist im angefochtenen Einspracheentscheid vom
5. November 2019 aufgrund der vom Kreisarzt Dr. med. D._ in seiner
Beurteilung vom 15. November 2018 (Bg-act. 172) festgestellten
Unfallverletzungen an der rechten Hand von einem Integritätsschaden von
17.5 % ausgegangen (vgl. BG-act. 204 E.7). Der Beschwerdeführer
verlangt in diesem Zusammenhang ebenfalls die Einholung eines
externen Gutachtens, insbesondere zur Beurteilung der psychischen
Beschwerden, und bringt diesbezüglich vor, in einer rein funktionellen
Betrachtung wäre die Einschätzung des Integritätsschadens
wahrscheinlich nicht zu beanstanden. Hinzu kämen aber schmerzbedingte
Einschränkungen sowie vor allem die psychischen Beschwerden, welche
ebenfalls zu berücksichtigen seien und wahrscheinlich zu einer
wesentlichen Erhöhung des Integritätsschadens führten (vgl.
Beschwerdeschrift Rz. 13).
8.2 Im angefochtenen Einspracheentscheid werden die für die Bemessung
von Integritätsschäden nach Art. 25 Abs. 1 UVG und Anhang 3 der UVV
geltenden Regeln zutreffend dargelegt, sodass darauf verwiesen werden
kann (vgl. Bg-act. 204 E.6). Das Gleiche gilt hinsichtlich der von der SUVA
in Ergänzung der bundesrätlichen Skala herausgegebenen
Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form, welche nach der
- 26 -
Rechtsprechung mit Anhang 3 zur UVV vereinbar sind, soweit sie lediglich
Richtwerte enthalten, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicherten
gewährleistet werden soll (BGE 124 V 32 E.1c).
8.3 Der Kreisarzt Dr. med. D._ hat in seiner Beurteilung vom 15.
November 2018 (Bf-act. 172) dargelegt, dass im vorliegenden Fall im
Vergleich zur Krallenhand eine etwas bessere Funktionsfähigkeit bestehe.
Aufgrund der vorliegend vorhandenen Restbeweglichkeit für den Mittel-
und Ringfinger verglichen mit Bild 32 Tabelle 3 und dem fehlenden
Zeigefinger mit erheblich eingeschränkter Funktion im Mittel- und
Ringfinger verglichen mit dem Bild 31 Tabelle 3 sei der Mittelwert von
17.5 % als gerechtfertigt zu erachten. Damit hat Dr. med. D._
lediglich den körperlich sichtbaren Schaden beurteilt.
8.4 Schmerzzustände sowie die psychischen Beschwerden wären allenfalls
im Rahmen einer Beeinträchtigung der psychischen Integrität zusätzlich
zu berücksichtigen. Somit drängt es sich auf, die Frage, ob den
psychischen Beschwerden vorliegend die notwendige Dauerhaftigkeit
zukommt, um Anspruch auf eine Integritätsentschädigung zu begründen,
im Rahmen der ohnehin noch vorzunehmenden fachärztlichen
Abklärungen beantworten zu lassen und den Entscheid über den
gesamten Integritätsschaden danach aufgrund dieser Beurteilung
vorzunehmen.
9. Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter
Aufhebung des Einspracheentscheids vom 5. November 2019 (Bg-
act. 204) gutzuheissen und die Streitsache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, damit diese ergänzende Abklärungen im Sinne der
Erwägungen vornehme und gestützt darauf über die Invalidenrente und
über den Anspruch auf eine für den ganzen (somatischen und
psychischen) Unfallschaden auszurichtende Integritätsentschädigung
einen neuen Entscheid fälle.
- 27 -
10.1 Gerichtskosten werden vorliegend keine erhoben, da das kantonale Be-
schwerdeverfahren in Sozialversicherungsstreitigkeiten gemäss aArt. 61
lit. a ATSG i.V.m. Art. 83 ATSG grundsätzlich kostenlos ist.
10.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende
Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert
nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen. Die vom Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
eingereichte Honorarnote vom 12. Februar 2020 beläuft sich auf
CHF 2'824.75 (10.61 Stunden à CHF 240.-- zuzüglich 3 % Spesen von
CHF 76.40 und 7.7 % Mehrwertsteuer von CHF 201.95). Der geltend
gemachte Aufwand beinhaltet diverse Aktivitäten im Zusammenhang mit
der Invalidenversicherung und dem Steueramt, welche für das vorliegende
Verfahren kaum relevant sind, weshalb diese nicht zu berücksichtigen sind.
Dementsprechend ergibt sich eine Kürzung des geltend gemachten
Aufwandes von 1.09 Stunden auf 9.52 Stunden à CHF 240.-- pro Stunde,
was CHF 2'284.80 entspricht. Unter Berücksichtigung von 3 % Spesen
(CHF 68.50) sowie 7.7 % Mehrwertsteuer (CHF 181.20) resultiert ein
Honorar von CHF 2'534.50. Demzufolge hat die Beschwerdegegnerin den
Beschwerdeführer im Umfang von CHF 2'534.50 (inkl. Spesen und MWST)
aussergerichtlich zu entschädigen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens
wird das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung
gegenstandslos.