# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 49e8dc9c-364f-452e-af44-c33d27da0456
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
Seite 2 — 27
I. Sachverhalt
A. X._ wurde am _1944 in O.1_ geboren und wuchs zusammen mit zwei Geschwistern bei den Eltern in O.1_ und O.2_ auf. Er besuchte sechs Jahre die Primar- und drei Jahre die Sekundarschule. Sodann absolvierte er eine Ausbildung zum Maschinenzeichner/-Konstrukteur. Darauf liess sich X._ bei der A._ zum Klima-Heizungs-Lüftungsingenieur ausbilden. Anfänglich war X._ im Angestelltenverhältnis im angestammten Beruf tätig. 1970 eröffnete er ein Ingenieurbüro, welches er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2009 betrieb. Seit der Pensionierung betreut X._ noch ein paar frühere Kunden. Diese bezahlen ihm – gemäss seinen Angaben – aber nichts dafür. X._ erhält eine AHV-Rente in Höhe von ca. Fr. 2'500.00. Pensionskassengelder bekommt er nicht. Er besitzt eine Liegenschaft im Baurecht, in welcher er auch wohnt. Teilweise erhält X._ noch Vermögenserträge, diese variieren aber stark. Gemäss seinen Angaben anlässlich der Einvernahme vor der I. Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden vom 18. April 2016 machen diese Erträge aus Effektenhandel ca. Fr. 5'000.00 im Jahr aus.
Im Schweizerischen Strafregister und im SVG-Massnahmenregister ist X._ nicht verzeichnet.
B. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Graubünden (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) vom 28. April 2014, mitgeteilt am 28. April 2014, wurde X._ schuldig erklärt der groben Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG. Dafür wurde er bestraft mit einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je Fr. 60.00, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von 2 Jahren, sowie mit einer Busse von Fr. 500.00, bei schuldhafter Nichtbezahlung ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 8 Tagen, alles unter Kostenfolge zu Lasten von X._. Die Staatsanwaltschaft legte ihrem Strafbefehl den folgenden Sachverhalt zu Grunde:
"Am späten Vormittag des 5. Dezember 2013 fuhr X._ als Lenker des Personenwagens B._, Kontrollschilder _, auf der C. von O.3_ in Richtung O.4_. Um ca. 11.15 Uhr setzte er auf Höhe D._, Gemeindegebiet O.3_, zum Überholen eines mit etwa 20 bis 30 km/h in gleicher Richtung fahrenden Ausnahmetransporters an. Während dieses Überholmanövers näherte sich aus der Gegenrichtung ein mit ca. 65 km/h fahrender Personenwagen, welcher der Beschuldigte wegen der nachfolgenden Kurven nicht früher sehen konnte. Obwohl der Fahrer des herannahenden Personenwagens sein Fahrzeug auf Grund dieser Situation stark abbremste, konnte X._ den Überholvorgang max. 35 Meter vor dem Gegenverkehr abschliessen und auf die rechte
Seite 3 — 27
Fahrspur zurück wechseln. Die gesetzlich zulässige Höchstgeschwindigkeit beträgt auf dem relevanten Streckenabschnitt 80 km/h."
C. Gegen diesen Strafbefehl erhob X._ am 5. Mai 2014 Einsprache. Am 24. September 2014 verfügte die Staatsanwaltschaft die Eröffnung der Strafuntersuchung gegen X._ wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln. Mit Parteimitteilung vom 20. Oktober 2014 teilte der Staatsanwalt mit, dass die Strafuntersuchung abgeschlossen sei. Gleichzeitig stellte er auf Grund der tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse die Überweisung des Strafbefehls an das Gericht gemäss Art. 355 Abs. 3 lit. a und Art. 356 Abs. 1 StPO in Aussicht.
D. Am 4. Februar 2015, mitgeteilt am 9. Februar 2015, verfügte die Staatsanwaltschaft gestützt auf Art. 355 Abs. 3 lit. a und Art. 356 Abs. 1 StPO die Überweisung des Strafbefehls ans Bezirksgericht Prättigau/Davos. Zudem teilte sie mit, dass die Staatsanwaltschaft am Strafbefehl festhalte und die Akten dem erstinstanzlichen Gericht zur Durchführung des Hauptverfahrens überweise, wobei der Strafbefehl gemäss Art. 356 Abs. 1 StPO als Anklageschrift gelte.
E. Die Hauptverhandlung vor dem Bezirksgericht Prättigau/Davos fand am 20. August 2015 statt. X._ war dazu persönlich erschienen. Er wurde von seinem privaten Verteidiger Rechtsanwalt lic. iur. Mario Thöny begleitet. Die Parteien stellten die folgenden Schlussanträge:
"Anträge Staatsanwaltschaft Graubünden:
1. X._ sei schuldig der groben Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG.
2. X._ sei mit einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je CHF 60.00, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von 2 Jahren zu bestrafen.
3. X._ sei mit einer Busse von CHF 500.00 zu bestrafen. Bei schuldhafter Nichtbezahlung trete an Stelle der Busse eine Ersatzfreiheitsstrafe von 8 Tagen.
4. Die Kosten des Verfahrens seien X._ aufzuerlegen.
Anträge beschuldigte Person:
1. X._ sei vom Vorwurf der Verkehrsregelverletzung gemäss Art. 35 Abs. 2 SVG und Art. 35 Abs. 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. (recte Abs.) 2 SVG freizusprechen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge (zuzüglich 8% MWST) zu Lasten des Staates."
F. Gegen das am 20. August 2015 mündlich eröffnete und am 24. August 2015 ohne schriftliche Begründung mitgeteilte Urteil des Bezirksgerichts Prättigau/Davos meldete X._ am 25. August 2015 Berufung an, woraufhin
Seite 4 — 27
das Bezirksgericht Prättigau/Davos das begründete Urteil am 14. Dezember 2015 mitteilte. Darin erkannte es wie folgt:
"1. X._ ist schuldig der groben Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG.
2. Dafür wird X._ bestraft mit
a) einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je CHF 60.00. Der Vollzug der Geldstrafe wird unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren aufgeschoben;
b) einer Busse von CHF 500.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse beträgt acht Tage. Sie tritt an die Stelle der Busse, soweit dieselbe schuldhaft nicht bezahlt wird.
3. Die Kosten des Verfahrens von CHF 5'103.00 (Untersuchungsgebühren und Auslagen der Staatsanwaltschaft Graubünden CHF 1'503.00, Gerichtsgebühren CHF 3'600.00) gehen zu Lasten von X._.
X._ schuldet dem Bezirksgericht Prättigau/Davos folglich:
Busse CHF 500.00
Verfahrenskosten CHF 5'103.00
Total CHF 5ʻ603.00
Busse und Verfahrenskosten sind innert 30 Tagen nach Rechtskraft des Entscheids mit beiliegendem Einzahlungsschein zu bezahlen.

## Considerations