# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 1d1b64bb-cde9-412d-b586-908772dec67a
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1960
,
gelernte Verkäuferin (
Urk.
8/5/1)
, war
seit dem
1.
März
2007
in einem
Teilzeitpensum
bei der
Y._
als
Verkäuferin angestellt (vgl.
Urk.
8/14
Ziff.
3), als sie sich u
nter Hinweis auf
eine nach einem Unfall
vom 2
3.
August 2015
mit mehrfachem Schädel
bruch, Hirn
blutung und Schädel-
Hirn-Trauma immer noch bestehende stark reduzierte Be
lastbarkeit (beruflich und privat)
am
1
2.
Februar 2016
bei der Invalidenversiche
rung zum Leistungsbezug an
meldete
(
Urk.
8/6
Ziff.
6.1-2
). Die Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbli
ch
e Situation ab, zog Akten der Unfallversicherung bei (
Urk.
8/14,
Urk.
8/40,
Urk.
8/42
) und
holte
ein
bi
disziplinäres
Gutachten ein, das am
2
4.
März 2017
erstattet wurde (
Urk.
8/67
).
Im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
(
Urk.
8/95;
Urk.
8/100,
Urk.
8/103) stellte die IV-Stelle mit Mitteilung vom 2
6.
November 2018 (
Urk.
8/118) in Aussicht, eine polydisziplinäre Begutachtung durchzuführen und teilte am
1
1.
Februar 2019 mit, dass diese
durch die
Z._
durchgeführt werde (
Urk.
8/127). Am 1
3.
Februar 2019 reichte die Versicherte an die Gutachter
der
Z._
zu stellende Ergänzungsfragen
(
Urk.
8/129)
ein und ersuchte wei
ter darum, die Untersuchung audiotechnisch aufnehmen zu lassen (
Urk.
8/128).
Am 1
9.
Februar 2019 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass kein Rechts
anspruch auf Tonbandaufnahmen
der anstehenden Begutachtung
bestehe (
Urk.
8/131).
Mit Zwischenverfügung vom
21
.
März 2019
hielt die IV-Stelle an der Abklärungsstelle
Z._
und an den genannten Gutachtern fest
und ver
neinte
einen Anspruch
der Versicherte
n
die anstehende Begutachtung audiotech
nisch aufnehmen zu lassen (Urk. 8
/
1
40
= Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am 2
6.
April 2019
Beschwerde g
egen die Zwischenverfü
gung vom 2
1.
März 2019
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
die Sache an die Vorinstanz zur Durchführung einer grundrechtskonformen Begutachtung zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
2
2.
Mai 2019
(
Urk.
6
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde
der Beschwerdeführerin am 2
3.
Mai 2019 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
9
).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Anfechtungsgegenstand in diesem Verfahren
ist die Zwischenverfügung vom 21
.
März 2019
(Urk. 2), mit welcher die Beschwerdegegnerin an der polydiszipli
nären Abklärung durch die
Z._
und deren Gutachter festhielt, sowie eine separate Vorlage der von der Beschwerdeführerin gestellten Ergänzungsfragen und einen Anspruch auf audiovisuelle Aufnahme der Begutachtung verneinte.
Hierbei handelt es sich um eine Zwischenverfügung im Sinne von Art. 55 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) in Verbindung mit Art. 5 Abs. 2 und Art. 46 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (
VwVG
), welche bei Bejahung des nicht wieder gutzuma
chenden Nachteils (Art. 46 Abs. 1
lit
. a
VwVG
; BGE 132 V 93 E. 6.1) grundsätz
lich selbständig mit Beschwerde angefochten werden kann.
I
m Zusammenhang mit Entscheiden über die Einholung von Gutachten hat das Bundesgericht die Anfechtbarkeitsvoraussetzungen des nicht wieder gutzuma
chenden Nachteils für das erstinstanzliche Beschwerdeverfahren in IV-Angelegenheiten
teilweise
bejaht (BGE 141 V 330 E. 5.1 und 5.2; BGE 139 V 339 E. 4.4).
Es rechtfertigt sich deshalb, auf die Beschwerde einzutreten.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre Zwischenverfügung (
Urk.
2) damit, dass die von der Beschwerdeführerin gestellten Zusatzfragen geprüft worden seien und deren Inhalte als im Rahmen des Gutachten-Fragekataloges beantwortet erachtet würden.
Auf eine
audiotechnische Aufnahme der anstehenden Begutachtung be
stehe kein Rechtsanspruch. Zudem habe die Leitung der Gutachtenstelle
Z._
mitgeteilt, dass Tonbandaufnahmen der Explorationsgespräche nicht mög
lich seien und die rein auditiven Aufnahmen die Begutachtungssituation nicht umfassend abbilden würden, da relevante nonverbale Aspekte nicht aufgezeich
net werden könnten (S. 2).
2.2
Dagegen machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) geltend,
indem eine audio- und videotechnische Aufnahme der Explorationsgespräche nicht möglich sei, gerate sie ohne deren Aufzeichnung in einen
Beweisnotstand
, indem es ihr nicht möglich sein werde, einer allfälligen Kritik an der im Gutachten festgehaltenen Anamnese und Befundaufnahme Gehör zu verschaffen, wodurch ihr Gehörsanspruch und der Grundsatz auf Verfahrensfairness gemäss
Art.
6
Ziff.
1
der Europäischen Menschenrechtskonvention (
EMRK
)
verletzt seien (S. 4 ff.
Ziff.
10-16
, S. 9
Ziff.
20
). Den Versicherten könne nicht zugemutet werden, für den Beweis ihrer Behauptungen
allenfalls illegale Methoden aufrufen zu müssen. Zudem sorge die
Heimlichkeit während der Aktion für Anspannung in der Unter
suchungssituation und damit zu einer nicht sachdienlichen Beeinflussung der Untersuchungssituation
(S. 8
Ziff.
17). Der Aufzeichnung des Explorationsgesprä
ches stünden auch keine sachlichen Gründe entgegen. So lasse es das Bundesge
richt zu, dass Gutachter das Gespräch zwecks Gedankenstütze oder Meinungsbil
dungsgrundlage aufnehmen würden (S. 8 f.
Ziff.
18)
. Die gerichtliche Beweiswür
digung vermöge überdies gewissen Mängel der Begutachtung nic
ht zu korrigieren (S. 9 f.
Ziff.
2
1). Die vom Bundesgericht in BGE 137 V 210 geforderte Qualitäts
sicherung sei bislang nicht umgesetzt worden (S. 10 f.
Ziff.
22-
23).
3.
3.1
Der Antrag der
Beschwerdef
ü
hrerin auf Video- und
Tonaufzeichnung der bevor
stehenden
Explorationsgespr
ä
che
entspricht einem Antrag
auf ein
vorrätig
zu er
stellendes Beweismittel
im Falle von späteren Einwendungen und
zur
Ü
berpr
ü
fung der gutachterlichen Feststellungen zu den Aussagen der Beschwerdef
ü
hrerin in den Explorationsgespr
ä
chen.
Es ist nachfolgend zu prüfen, o
b hierauf ein An
spruch besteht.
Gemäss
Art.
29
Abs.
2 BV haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer Person eingreift. Dazu gehört insbesondere deren Recht, sich vor Erlass des in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweiser
gebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 132 V 368 E. 3.1 mit Hinweisen).
Aus
Art.
6 der Europäischen Menschenrechtskonvention (
EMRK
) ergeben sich nach herrschender Rechtsauffassung im wesentlichen vier Verfahrensgarantien, nämlich der Anspruch auf Zugang zu einem gesetzlich vorgesehenen, unabhän
gigen und unparteilich zusammengesetzten Gericht, das Recht auf Fairness im Verfahren, das Recht auf Öffentlichkeit der Verhandlungen und der Urteilsver
kündung sowie der Anspruch auf eine angemessene Verfahrensdauer. Das Gebot der Fairness des
Verfahrens beinhaltet insbesondere den Anspruch auf persönli
che Teilnahme am Verfahren, das Recht auf Waffengleichheit (wozu namentlich das Recht auf gleichen Aktenzugang und auf Teilnahme am Beweisverfahren ge
hört) und den Anspruch auf
rechtliches
Gehör. Der Anspruch auf Waffengleich
heit bedeutet unter anderem, dass sich das Recht auf Zulassung zum Beweis (mit Beweismitteln sowie Beweisanträgen) und die Pflicht zur Beweisabnahme durch das entscheidende Gericht nach dem Grundsatz der Gleichstellung der Parteien zu richten hat (BGE 122 V 163 ff. E
.
2).
3.2
Gemäss
Art.
44 ATSG
werden der versicherten Person bereits im
Vorverfahren
der Begutachtung
im Rahmen des
in
Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV)
und
in
Art.
6 EMRK
sowie
explizit
in
Art. 42 ATSG
verankerten
Anspruch
s
auf
rechtliche
s Gehör
verschiedene
Mitwir
kungsrechte zugestanden.
In personeller Hinsicht sind
der versicherten Person
bereits
vor der Begutachtung die
Namen
der Gutachter
bekannt
zu
gegeben und
sie kann die
Gutachter
bei Vorliegen von
triftigen Gründen ablehnen. Die versicherte
Person
kann
Gegen
vorschläge unterbreiten
(
Art.
44 ATSG)
.
Zudem
stehen der versicherten Person
bei der Begutachtung präventive Mitwir
kungsrechte im Sinne der Rechte
gemäss
Art.
55
Abs.
1 ATSG
in Verbindung mit
Art.
19
VwVG
i.V.m
.
Art.
57 ff.
des Bundesgesetzes über den Bundeszivilprozess (
BZP
)
zu. So sind ihr mit der Anordnung der Begutachtung der Katalog mit den an die Gutachter gerichteten Fragen zur Stellungnahme z
u unterbreiten (BGE 137 V 258), und s
ie hat Anspruch darauf, sich vorgängig zu den Gutachterfragen zu
äussern
, dagegen Einwände zu erheben und Ergänzungsfragen zu stellen (vgl.
Kieser
, ATSG-Kommentar,
3. Auflage, Zürich, Basel, Genf 2015
,
N 30
zu
Art.
44).
Demnach bestehen
bereits im Vorverfahren der Begutachtung
s
owohl in perso
neller Hinsicht mit den
A
blehnungs
gründe
n gegen die begutachtende Person
, als auch in inhaltlicher Hinsicht erhebliche Mitwirkungsrechte der versicherten Per
son
.
3
.
3
Aus dem Anspruch auf
rechtliche
s Gehör
ergibt sich
weiter
der Anspruch der
versicherte
n
Person
,
im Nachgang zur Begutachtung v
om Gutachten
Kenntnis zu
erhalten
,
und es ist
ihr Gelegenheit einzuräumen, Ergänzungsfragen zu stellen, bevor
die Verfügung erlassen wird
(
vgl.
Meyer/
Reichmuth
, Rechtsprechung des Bundesgerichts
zum
IVG,
Art.
57a N 6 mit Hinweis auf das Urteil
des
Bundesge
richts I 435/05 vom 1
2.
September 2005)
.
In diesem Rahmen w
ird
es der Beschwerdeführerin möglich
sein
, allfällige Fehler in der Anamnese
,
Befunderhebung oder
im
Gutachtensablauf zu rügen.
Ihre
Ein
wendungen können in der Folge i
n einem allfälligen
gerichtlichen Verfahre
n bei umfassender Kognition des Gerichts
, welche sich
entgegen der Ansicht der Be
schwerdeführerin (vgl.
Urk.
1 S. 6
Ziff.
14)
nicht nur auf die formalen Beweis
wertkriterien beschränkt, vorgetragen werden.
Abschliessend ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin
aus dem Um
stand, dass es
den Gutachterinnen und Gutachtern
erlaubt ist
,
die Explorations
gespr
ä
che auf
zeichn
en
,
sofern sie es für
hilfreich
erachten
, nichts zu ihren Guns
ten ableiten kann
. So bleibt
die Entscheidung darüber
den
Gutachterinnen und
Gutachtern
überlassen
, und
für die
Beschwerdef
ü
hrer
in
ergibt sich
daraus
weder ein Anspruch
auf Aufzeichnung der Gespräche
noch ein Einsichtsrecht in diese Aufzeichnungen
(vgl. Urteil
e
des B
undesgerichts
8C_37/2014 vom 2
2.
Mai 2014 E. 2.1
, 9C_162/2018 vom 1
4.
Mai 2018 E. 4.2.2
)
.
3.4
Rechtsprechungsgemäss besteht nach dem Gesagten somit kein Anspruch auf Einsicht in interne Dokumente einer begutachteten Person, wozu auch die wäh
rend der Begutachtung erstellten Tonbandaufnahmen zu zählen wären (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_162/2018 vom 14. Mai 2018 E. 4.2.2). Aufzeichnungen eines Gutachters haben die Funktion einer Gedankenstütze oder eines Hilfsmittels für die Erstellung des Gutachtens, welche ihren Zweck mit der Ausarbeitung des Gutachtens erfüllt haben. Derartigen Arbeitsunterlagen geht der Beweischarakter ab und ein Anspruch auf Einsicht in dieselben ist zu verneinen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_591/2010 vom 20. Dezember 2010 E. 5.1.3 mit Hinweisen).
Nachdem rechtsprechungsgemäss selbst für bestehende Tonbandaufnahmen kein Anspruch auf Einsicht besteht und sich daraus keine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör ableiten lässt (vgl. vorstehend E. 3.2), lässt sich die Weige
rung der Beschwerdeführerin an der vorgesehenen Begutachtung angesichts der geltenden Rechtsprechung und der Verwaltungspraxis auch mit den von ihr dar
gelegten Gründen nicht rechtfertigen. Des Weiteren stellen
die Vorbringen
der Beschwerdeführerin grundsätzlich weder materielle Einwendungen noch gültige Ausstands- oder Ablehnungsgründe im Sinne des Gesetzes dar (vgl. vorstehend E. 1.3), weshalb es der Beschwerdeführerin offen steht, allfällige Mängel des Gut
achtens im Rahmen der materiellen Prüfung vorzubringen.
3.
5
Zusammenfassend
wird
aufgrund der
aufgezeigten, bereits bestehenden
Mitwir
kungsrechte der versicherten Person vor und nach der Begutachtung ihr An
spruch auf rechtliches Gehör sowie auf
Verfahrensfairness gemäss
Art.
6
Ziff.
1 EMRK
ausreichend gewahrt. Somit besteht kein
Anspruch der Beschwerdeführe
rin auf
eine Vi
deo- oder
Tonaufzeichnung der Explorationsgespr
ä
che
der bevor
stehenden Begutachtung bei der
Z._
.
Die angefochtene Zwischenverfügung (
Urk.
2) erweist sich demnach als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
4.
Da es vorliegend nicht um die Bewilligung oder Verweigerung von Versiche
rungsleistungen geht, ist das Beschwerdeverfahren – in Abweichung von Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
–
gemäss
Art. 61
lit
. a ATSG kostenlos.