# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 658772eb-ab57-4371-80a1-2dff7bb078e1
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
,
geboren 1969 und Mutter zweier 199
3
und 1995 gebo
re
ne
r
Kinder
, arbeitete zuletzt
vom 1. November 2007 bis 31. Mai 2013 in einem 60%-Pensum
als
Warenbewirtschafterin im
Y._
(Urk. 7/6 Ziff. 3, Ziff. 5;
Urk. 7/19/1). Unter Hinweis auf eine Depression
mel
dete sie sich am 20. März 2013 bei der Invalidenversicherung zur
Früherfassung (Urk. 7/1) sowie am 23. April 2013
unter Hinweis auf die seit 3. Oktober 2012 bestehende Erkrankung
zum Leistungsbezug an (Urk. 7/6).
Die
Sozialversiche
rungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische
(Urk. 7/2, Urk. 7/14)
und erwerbliche
(Urk. 7/13
, Urk. 7/19)
Situation ab und zog Akten der zuständigen Taggeldversicherung (Urk. 7/12,
Urk. 7/15,
Urk. 7/20) bei.
Am 12. September 2013 teilte die IV-Stelle
der Versicherten
den Abschluss
von
Integrationsma
ssnahmen
und Arbeitsvermittlung mit (Urk. 7/17) und
verlangte
ein
psychiatrische
s
Gutachten
ein, das am
22. April 2014 (Urk. 7/24)
erstattet
wurde.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/30, Urk. 7/32, Urk. 7/46, Urk. 7/54), in welchem weitere medizinische Akten aufgelegt (Urk. 7/38-41, Urk. 7/43)
sowie
eine Stellungnahme
des
Gutachter
s
eingeholt wurde (Urk. 7/52/3-8), zu welcher die Versicherte Stellung nahm (Urk. 7/55, Urk. 7/55)
,
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
19. Januar 2015 einen
Anspruch auf IV-Leistungen
(Urk. 7/60 = Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am 19. Februar 2015 Beschwerde gegen die Verfügung vom 19. Januar 2015 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr
spätestens ab dem 1. Oktober 2013 eine ganze Rente zuzusprechen, eventu
ell sei
en
ein neutrales psychiatrisches Gutachten einzuholen und eine
Haus
haltabklärung
durchzuführen sowie berufliche Massnahmen zuzusprechen (Urk. 1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 31. März 2015 (Urk. 6) die Abweisung der Beschwerde. Am 10. Juli 2015 reichte die Beschwerdeführerin die Replik ein (Urk. 11). Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 8. September 2015 auf die Duplik (Urk. 13), was der Beschwerdeführerin
am 25. September 2015 mitgeteilt wurde (Urk. 14).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von
Geburts
gebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkran
kungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosozi
ale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
handen sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren
herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven
Verstimmungszu
ständen
klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invali
dität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokul
turellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E.
5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend aus
wirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre
Leistungsverweigerung
– unter Hin
weis auf das eingeholte psychiatrische Gutachten
(Urk. 7/24) –
damit, dass die Beschwerdeführerin keine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Störung aufweise, welche die Arbeitsfähigkeit einschränken würde
(Urk. 2
S. 2 f.).
2.2
Demgegenüber rügte die Beschwerdeführerin das psychiatrische Gutachten (Urk. 7/24) als
widersprüchlich und demzufolge
als
unbrauchbar
. Gestützt auf die übrigen medizinischen Akten sei erstellt, dass sie
seit
Oktober 2013
voll
ständig arbeitsunfähig sei
(Urk. 1 S. 14 ff.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist somit, ob - versicherungsrelevante -
Gesundheits
be
ein
trächtigungen
bestehen und welche Leistungsansprüche sich darau
s
allenfalls ergeben.
3.
3.1
Dr. med.
Z._
, Fachärztin für
Oto
-
Rhino
-Laryngologie
, diagnosti
zierte in ihrem Bericht vom 2. Oktober 2012 (Urk. 7/38) gestützt auf die Ergeb
nisse der bildgebenden Untersuchung vom 1. Oktober 201
2
(Urk. 7/39) einen unklaren Schwindel, welche
n
die Beschwerdeführerin seit zirka zwei bis drei Wochen beim Stehen und zum Teil auch beim Gehen bemerk
t habe und der sie in ihrer Arbeitsfähigkeit beeinträchtige.
3.2
Dr. med.
A._
, Leitender Arzt am
Spital
B._
, berichtete
am 16. Oktober 2012 über
die
ambulante Untersuchung
der Beschwerdeführerin
vom Vortag (Urk. 7/40). Als Diagnose nannte
er
einen ätiologisch ungeklärte
n
Schwindel mit leichter Gangunsicherheit (Beginn am 7. September 2012 mit Begleitsymptomen
initial
Nausea und
E
mesis
) sowie ätiologisch ungeklärte,
mikroangiopathisch
anmutende
Marklage
r
verände
rungen
(S. 1). Zusammengefasst hielt er fest, dass ein Zusammenhang des Schwindels mit den M
a
rklage
r
veränderungen
im MRI des Schädels
möglich, aber keineswegs gesichert sei. Die Ätiologie sei noch offen. Diesbezüglich seien noch weitere Abklärungen indiziert, insbesond
e
re auch mit der Frage nach
dem
Vorliegen einer
zu Grunde liegenden
entzündlichen Ursache wie zum Beispiel Multiple Sklerose, einer
Vaskulitis
oder einer spezifischen
Enzephalopathie
(S. 2 unten).
Dr.
A._
hielt
sodann
im Bericht vom 26. November 2012 (Urk. 7/41)
ergänzend fest, es hätten
sich
anlässlich der letzten ambulanten Untersuchung vom 5. November 2012 keine wesentlich neue Aspekte ergeben. Alle weiterführenden Abklärungen für eine organische Genese der Schwindel
beschwerden seien unauffällig gewesen. Mit den jetzigen Abklärungen sei eine Multiple Sklerose sehr wenig wahrscheinlich, ebenso
wenig
ein Morbus
embolicus
oder eine
sogenannte
vaskuläre Genese des Schwindels. Er gehe
davon aus, dass es sich um ein psychosomatisches Beschwerdebild handle (S. 1
f.).
3.3
Die Hausärztin der
Beschwerdeführerin, Dr. med.
C._
, Fachärztin für Allgemeine
Innere
Medizin, attestierte der Beschwerdeführerin eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit vom 29. bis 30. Oktober 2012 und hernach vom 31. Oktober bis 13. Dezember 2012 eine solche von 100 % (Urk. 7/2/6).
3.4
Die Ärzte der
D._
nannten in ihrem Bericht vom 21. Februar 2013 (Urk. 7/2/1-2) als Diagnose eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.1)
.
Vor
dem Hinter
grund einer jahrelangen hohen Belastung (behinderter Sohn, lange ungeklärte Erkrankung des Ehemannes) und sich schliesslich verschlechternden Arbeitsbe
dingungen am Arbeitsplatz (weniger Personal, Erhöhung der Stellenprozente gegen den Wunsch der Beschwerdeführerin, etc.) bei gleichzeitiger somatischer Erkrankung mit grosser Verunsicherung der Beschwerde
führerin sowie des Auf
kommens
von Schwindel
,
habe sich ein depressives Zustandsbild
entwickelt
(Ziff. 4, Ziff. 5). Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit hielten die Ärzte fest, es bestehe zur Zeit keine Arbeitsfähigkeit im Verkauf
(angestammte Tätigkeit)
. Perspektivisch sollte eine Tätigkeit zu maximal 50 % angestrebt werden, wobei Gespräche mit dem aktuellen Arbeitgeber geplant seien (Ziff. 10). Prognostisch sei mittelfristig von einer vollständigen Genesung auszugehen (Ziff. 11).
3.5
Am 14. Juni 2013 beantworteten die Ärzte der
D._
ergänzende Fragen der Beschwerdegegnerin über den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin (Urk. 7/14). Bei bekannter Diagnose (vgl. vorstehend E. 3.4) teilten sie mi
t, dass die Beschwerdeführerin
seit 16. November 2012
und
bis heute vollständig
arbeitsunfähig sei (lit. A, Ziff. 1.6) und davon auszugehen sei, dass sie bis zum Herbst/Winter 2013 teilweise (max
imal
50 %) wieder arbeitsfähig sein werde (lit. b).
Die Prognose sei grundsätzlich günstig. Die Beschwerdeführerin mache gute Fortschritte in der Therapie. Die Symptomatik remittiere schrittweise. Es bestehe jedoch weiterhin eine rasche Erschöpfbarkeit mit reduzierter Belastbar
keit sowie soziale
n
Ängste
n
. Es werde daher eine Begleitung bei der Wiederein
gliederung nötig sein (Ziff. 1.4 am Schluss).
3.6
Am 9. Juli 2013
erstattete Dr. med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
ein
im Auftrag der
Krankentaggeldversicherung
erstelltes psy
chiatrisches Gutach
ten (Urk. 7/15/2-21 = Urk. 7/20/6-35
), welches sich auf die ihm zur Verfügung gestellten Unterlagen,
nachträglich eingeholte Akten
sowie
seine eigenen Untersuchungen und Befunde vom
16. Mai
und
5. Juni 2013
stützte. Er nannte als Diagnose eine mittelgradige depressive Episode
ohne
somatisches
Syndrom (ICD-10 F32.1
0
) und eine akzentuierte Persönlichkeit mit ängstlich-vermeide
nden und abhängigen Zügen (S. 14 Ziff. 2.2
).
Er führte aus, in Bezug auf die mittelgradige depressive Episode könne festge
stellt werden, dass die Beschwerdeführerin drei depressive Kernsymptome auf
weise, nämlich
Deprimiertheit
, Freude- und Interessenmangel sowie
Antriebs
hemmung
. Überdies seien drei depressive Zusatzsymptome vorhanden, so Konzentrationsstörungen, Schlaf- und psychomotorische Störungen (Agitiert
heit). Dabei könne ohne erhebliche Zweifel auf die subjektiven Beschwerde
klagen der Beschwerdeführerin abgestellt werden, wie eine
Kon
sistenzprüfung
ergeben habe. Die depressive Störung bestehe schon
seit mehr als zwei Wochen und sei nicht durch Missbrauch psychotropischer Substanzen oder
durch
eine organische psychische Störung begründet. Für ein somatisches Syndrom seien hingegen nicht ausreichend
e
Symptome nachweisbar. So wür
den etwa ein deutlicher Appetitverlust, ein bedeutsamer Gewichtsverlust, ein Morgentief,
regelmässiges
Früherwachen oder ein objektiver Befund einer aus
geprägten psychomotorischen Hemmung oder Agitiertheit fehlen.
Im Hinblick auf eine akzentuierte Persönlichkeit lasse sich sagen, dass die Beschwerdeführe
rin früh in ihrem Leben und über Jahre einen überaus dominanten und
agressi
ven
Vater
habe
erdulden müssen. Der in der Kindheit wegen dieses
agressiven
Verhaltens nicht lösbare Konflikt zwischen Unabhängigkeitsstrebungen und
Versor
g
ungs
wünschen
habe zu dessen Verdrängung und einer mehr oder min
der
selbst
verleugnenden
Anpassung an die Bedürfnisse anderer geführt. Daraus habe sich bei der
Beschwerdeführerin
bis zum Erwachsenenalter eine – für sich allein genommen nicht krankheitswertige – Persönlichkeitsakzentuierung mit ab
hängi
gen (an Bedürfnisse anderer
orientierter
) und Selbstbehauptung vermei
d
ender (ängstlich-vermeidender) Züge
ergeben
. Eine
eigentliche Angststörung im engeren Sinne von ICD-10 habe hingegen nicht festgestellt werden können (S. 15 Ziff. 2.2).
Aus einer gutachterlichen Perspektive könne ausgesagt werden, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der schweren Einschränkung der
Durchhaltefä
higkeit
, der fachlichen Kompetenzen und der mittelgradigen Einschränkung der Kontaktfähigkeit gegenwärtig als Verkäuferin aus psychiatrischer Sicht nicht arbeitsfähig sei. So ermüde sie beispielsweise bei leichter Haushalttätigkeit nach berei
ts
1-1
1⁄2
Stunden und benötige eine längere Pause von 30-60 Minuten, bevor sie
für etwa eine Stunde kochen könne
. In einer dem Leiden angepassten Tätigkeit, das
heisst
, ohne Kundenkontakt, mit der Möglichkeit zu Pausen, ohne hohen Leistungs- und Zeitdruck und einem erheblichen
Mass
an
Routinetätig
keit
,
sei aus psychiatrischer Sicht gegenwärtig mit einer Arbeitsunfähigkeit von noch zirka 60-70 % zu rechnen. Diese Einschätzung ergebe sich einerseits aus den erwähnten, zum Teil schweren Einschränkungen von psychischen Fähig
keiten, andererseits aus der Beschreibung des Tagesablaufes, wo leichte körper
liche Routinetätigkeiten ohne Kundenkontakt und Zeitdruck in einem Umfang von etwa drei Stunden pro Tag mit Pausen geleistet werden könnten
(S. 17 Ziff. 2.6). Prognostisch sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt in Bezug auf eine vollständige Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit von einem günstigen
Krank
heits
- beziehungsweise Therapieverlauf auszugehen. Mit einem längeren
Krank
heitsverlauf
von mindestens mehreren Monaten sei jedoch zu rechnen (S. 19 Ziff. 8).
3.7
Am 22. August 2013 (Urk. 7/20/3-4) berichteten die Ärzte der
D._
, dass die Beschwerdeführerin zirka
2-wöchig
zu psychotherapeutischen Sitzungen erscheine und das sie weiterhin sowohl in angestammter wie auch in angepass
ter Tätigkeit arbeitsunfähig sei.
In der Behandlung zeige sich die Beschwerde
führerin sehr kooperativ und gewillt, ihre Leistungsfähigkeit wieder zu erlangen, sodass es beste Voraussetzungen für eine mittelfristige Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit gebe.
3.8
Mit Bericht vom 28. März 2014 (Urk. 7/43) stellten die Ärzte der
D._
folgende Diagnosen (Ziff. 1):
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.1)
Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01)
Verdacht auf
anankastische
(zwanghafte) Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.5)
Sie führten aus, die Beschwerdeführerin präsentiere sich als wache,
bewusst
seins
klare
Patientin mit erhaltener Orientierung in allen Modalitäten. Antrieb und Psychomotorik seien
leichtgradig
gemindert, Gedächtnis und Auf
merk
samkeit
unauffällig
. Ihre Stimmung sei ratlos, jedoch ausgeglichen, im Affekt schwankend zwischen Optimismus und Resignation. Sie habe Ängste in der Öffentlichkeit in grösseren Menschenansammlungen (zum Beispiel Ein
kaufs
zentrum). Immer wieder habe sie in Alltagssituationen mit eher kleineren Anforderungen Gefühle von Panik. Zwänge verneine sie, jedoch bestünden über
mässige Gewissenhaftigkeit und Pedanterie
sowie
Perfektionismus (S. 1). Die Beschwerdeführerin werde mittel-
bis langfristig nicht wieder als Verkäufe
rin arbeiten können und auch in einer angepassten Tätigkeit sei keine Arbeits
fähigkeit angezeigt. In der anamnestischen Arbeit werde neu der Hintergrund einer Kindheit und Jugend deutlich, die von massiver Gewalt geprägt seien, deren Einfluss
sich
auf die Befindlichkeit der Beschwerdeführerin auswirke, weshalb die Prognose ungünstig sei (Ziff. 8 ff.).
3.9
Am
22. April
2014
erstattete Dr.
med.
E._
, Facharzt für
Psychiatrie und P
sychotherapie
, ein psychiatrisches Gutachten
im Auftrag der
Beschwerde
gegnerin
,
welches sich auf die Akten, die Angaben der Beschwerdeführerin sowie die Untersuchung vom
24. März 2014
stützte
(Urk. 7/24
).
Dr.
E._
stellte keine Diagnose mit anhaltender Arbeitsunfähigkeit und nannte als Diagnose ohne anhaltende Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
leichtgra
dige
depressive Episode (ICD-10 F32.0), akzentuierte Persönlichkeitszüge sowie Probleme mit dem Sohn bei jahrelanger Überbelastung (
S. 6
Ziff. 4).
Er führte aus, die Beschwerdeführerin sei 2012 in gesundheitliche Probleme gera
ten. Sie habe sich am Arbeitsplatz einer immer höheren Belastung ausge
setzt gefühlt, sei übermüdet und erschöpft gewesen. Sie habe an Schlafstörun
gen gelitten. Im Sommer 2012 sei ein starker Schwindel dazugekommen. Zuerst sei intensiv nach körperlichen Krankheiten gesucht worden, wobei sich nichts Eindeutiges habe nachweisen lassen. Schlussendlich sei hinter den körperlichen Beschwerden eine depressive Episode vermutet worden.
Die Beschwerdeführerin habe im November 2012 eine ambulante psychiatrische Behandlung aufge
nommen. Ihre damaligen Beschwerden
hätten
für eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom gesprochen. Die vorgenommene Behandlung sei erfolgreich verlaufen. Ab Sommer 2013 sei es der Beschwerdeführerin besser gegangen und sie leide seit August 2013 an einer
leichtgradigen
depressiven Episode. So lasse sich darauf hinweisen, dass sie einen Grossteil der Symptome, welche eine depressive Episode aufweise, nicht mehr zeige (gebesserte Kon
zentration, guter Schlaf, erhaltener Appetit, keine Suizidalität). Die Beschwerde
führerin habe immer noch ein reduziertes Selbstwertgefühl, was aber eher den akzentuierten Persönlichkeitszügen als der Depression zuzuschreiben sei. Sie fühle sich noch etwas erschöpft und übermüdet, gelegentlich komme es zu mässigen sozialen Ängsten. Ihre Tagesgestaltung sei regelmässig
und
sie sei fähig, den Haushalt zu führen
(S. 7). Sie
habe ein Fitnesstraining absolviert und vermöge die
Einkäufe
grossteils
selbständig zu erledigen
(S. 7 f.)
. Auch pflege si
e
Kontakte mit ihren Kolleginnen. Dies alles spreche für eine weiterhin
leicht
gradige
depressive Episode.
Ferner sei der Medikamentenspiegel gemäss
Labor
untersuchung
vom 24. März 2014 im therapeutischen Bereich und auch das thera
peutische Setting sei genügend. Hingegen gebe es die folgenden ungünsti
ge
n
krankheitsfremde
n
Faktoren: lange Phase von Arbeitsuntätigkeit, etwas passive Lebensgestaltung, mässige Motivation zur Wiederaufnahme einer vollen beruflichen Tätigkeit
(S. 8 oben)
. Die Arbeitsfähigkeit der Beschwerde
führerin sei angesichts der vom November 2012 bis Sommer 2013 vorhandenen mittel
gradigen depressiven Episode um 40 % eingeschränkt. Seither bestehe keine relevante Einschränkung
(S.
8 Mitte
).
Bei der Beschwerdeführerin bestün
den insofern limitierende Bedingungen, als sie
dekonditioniert
sei. Es sei ihr aber zumutbar, diesen Zustand zu überwinden, da keine relevante psychische Störung die
Dekonditionierung
verursache (S. 10 Ziff. 12).
Schliesslich nahm der Gutachter – näher ausgeführt – Stellung zu den
D._
-Berichten und dem Gutachten von Dr.
D._
(S. 11 f. lit. D).
3.
10
Dr.
med.
F._
, Facharzt Anästhesiologie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD)
,
erachtete in seiner Stellungnahme vom 2. Mai 2014 (Urk. 7/25 S. 5 f.) das Gutachten von Dr.
E._
(vgl. vorstehend E. 3.9) als beweistauglich und nannte als Einschränkungen in Bezug auf die bisherige Tätigkeit der Beschwer
deführerin als Verkäuferin eine
leichtgradig
herabgesetzte Belastbarkeit
und
etwas eingeschränkte Funktionen
bei folgendem
Belastungsprofil: übersichtli
cher Arbeitsplatz, eher manuelle Tätigkeiten ohne allzu hohe Belastungen (S. 5). Die Arbeitsunfähigkeit in bisheriger und angepasster Tätigkeit betrage von November 2012 bis Juli 2013 40 %, seit August 2013 bestehe eine vollständige Arbeitsfähigkeit (S. 6).
3.11
Mit Bericht vom 28. Oktober 2014 (Urk. 7/52/3-8 = Urk. 7/54) nahm Dr.
E._
– näher ausgeführt -
Stellung zu den im
Vorbescheidverfahren
vor
g
ebrachten Einwendungen des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin
bezüglich Qualität seines Gutachtens (S. 3 ff.)
sowie zum von der
Beschwerde
gegnerin
vorgelegten medizinischen Bericht der
D._
vom 28. März 2014 (vgl. vorstehend E. 3.8). Insbesondere verneinte er die Diagnose
einer
Agoraphobie mit Panikstörung, da vorgängig weder die Therapeuten noch der Gutachter Dr.
D._
eine derartige Störung diagnostiziert
hätten
und auch er keine Hin
weise für diese Störung habe finden können. Zudem falle auf, dass tro
tz
der ange
blichen Angststörung keine spezifische Therapie gegen Ängste erfolgt sei (S. 2).
Auch habe
die
Beschwerdeführerin
bei der Besprechung bei ihm angege
ben, regelmässig Bus und Tram zu benützen und in Geschäfte
n
einkaufen zu gehen, was gegen einen erheblichen sozialen Rückzug
spreche
(S. 5).
Ferner wies er darauf hin, dass die von der Beschwerdeführerin geschilderte gebesserte depressive
Symptomatik den Schluss zulasse, dass im März 2014 die depressive Episode auf
leichtgradig
abgesunken sei und der Heilungsverlauf demzufolge als positiv gewertet könne, weshalb die schlechte Prognose der
Ärzte der
D._
nicht nachvollzogen werden könne. Ausserdem seien
die
ungünstigen
krank
heitsfremden
Faktoren (Behinderung des Sohnes mit Entwicklungsrückstand, vorübergehende Rückkehr des Sohnes nach Hause, frühere Doppelbelastung durch Haushalt und Arbeit als Verkäuferin)
- in seinem Gutachten -
nicht erwähnt beziehungsweise nicht berücksichtigt w
orden
(S. 3).
4.
4.1
Die Beschwerdeführerin war
bis Mai 2013
als Verkäuferin
tätig
. Die Ärzte der
D._
führten die
Krankschreibung auf eine jahrelange hohe Belastung (behin
derter Sohn, ungeklärte Erkrankung des Ehemannes) und die sich verschlech
terten Arbeitsbedingungen (weniger Personal, Erhöhung der Stellenprozente gegen den Wunsch der Beschwerdeführerin, Druck, weitere Kündigungen von Mitarbeitern) zurück.
Sie diagnostizierten eine
mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom und attestierten für jegliche
Tätigkeiten im Verkauf mit Kundenkontakt aktuell eine vollständige Arbeitsunfähigkeit und
in einer angepassten Tätigkeit
eine Arbeitsfähigkeit von
maximal 50 % (vgl. vorstehend E. 3.4).
Während die behandelnden Ärzte
der
D._
auch in der Folge eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom
diagnostizierten
und bei schlechter Prognose von einer fortbestehende
n
Arbeitsunfähigkeit sowohl in angestammter wie auch in angepasster Tätigkeit ausgingen (vgl. vorstehend E. 3.4, 3.5, 3.8)
,
welche über den Verfügungszeitpunkt hinaus
, der
rechtspre
chungsgemäss
die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfbarkeit bildet (vgl. BGE 131 V 242 E. 2.1, 121 V 362 E. 1),
B
estand habe (vgl. Bericht vom 16. Februar 2015, Urk. 3/4),
ging Dr.
D._
in seinem Gutachten vom Juli 2013 (vgl. vorstehend E. 3.6) von einer sich steigernden Arbeitsfähigkeit aus und stellte hinsichtlich des Krankheitsverlaufes eine gute Prognose. Schliesslich kam Dr.
E._
in seinem Gutachten vom 22. Ap
ril 2014 (vgl. vorstehend E. 3.9
)
zum Ergebnis, es sei ab Sommer 2013 zu einer
gesundheitlichen
Verbesserung gekommen und es bestehe lediglich eine
leichtgradige
depressive Ep
is
ode
ohne relevante Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit.
Allen medizinischen Berichten
übereinstimmend
ist die Diagnose einer Depression zu entnehmen.
4.2
Was die von Dr.
D._
unter dem Diagnose-Code ICD-10 Z73.1 aufgeführte akzen
tuierte Persönlichkeit mit ängstlich-vermeidenden und abhängigen Zügen betrifft (vgl. vorstehend E. 3.6), welche auch von Dr.
E._
in seinem Gut
achten aufgenommen wurde (vgl. vorstehend E. 3.9), ist darauf hinzuweisen, dass es sich
bei den Z-Kodierungen um keine invalidenversicherungsrechtlich erheblichen Gesundheitsbeeinträchtigungen handelt, weshalb sie als
Anspruchs
grundlage
für Leistungen der IV von vornherein
ausser
Betracht fallen (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 28. Juni 2012 E. 3.1 mit Hinweisen).
Der von den Ärzten der
D._
diesbezüglich im Bericht vom 28. März 2014 (vgl. vorstehend E. 3.8) diagnostizierte Verdacht
auf
eine
anankastische
Persönlich
keitsstörung
ist hingegen nicht nachvollziehbar. Denn die betreffende Diagnose geht aus den geschilderten Befunden nicht hervor (vgl.
hiezu
auch
Dilling
/
Mombour
/Schmidt
Hrsg.
, Internationale Klassifikation psychischer Stö
rungen, ICD-10 Kapitel V [F], 9. Aufl., Bern 2014, S. 281), zumal die Beschwer
deführerin gemäss dem Gutachter
E._
über eine
regelmässige
Tagesge
staltung
verfüge und Kontakte mit ihren Kolleginnen pflege (vgl. vorstehend E. 3.9
und E. 3.11
), was gegen eine Vernachlässigung von Vergnügen und zwi
schenmenschlichen Beziehungen spricht. Auch vor dem Hintergrund, dass
Per
sönlichkeitsstörungen
in der Kindheit oder der Adoleszenz be
ginnen (
Dilling
/
Mombour
/Schmidt
, a.a.O., S. 274)
ist nicht ersichtlich
, dass die Beschwerdeführerin zu dieser Zeit unter spezifischen Beeinträchtigungen gelitten hat (vgl.
hiezu
auch Urteil des Bundesgerichts 9C_519/2014 vom 14. Oktober 2015 E. 5.3). Hierzu hat Dr.
D._
,
wie bereits erwähnt,
nachvoll
ziehbar
dargelegt, dass sich bei der Beschwerdeführerin bis zum Erwachsenen
alter lediglich eine für sich allein genommene nicht krankheitswertige
Persön
lichkeitsakzentuierung
mit ängstlich-vermeidenden und abhängigen Zügen gebildet habe (vgl. vorstehend E. 3.6), weshalb die
von den behandelnden Ärzten der
D._
gestellte Verdachtsdiagnose
im Kontext
wenig überzeugt.
4.3
Gleiches hat auch für die von den behandelnden Ärzten diagnostizierte Agorapho
bie mit Panikstörung (vgl. vorstehend E. 3.8) zu gelten, zumal diese Diagnose nur von den Ärzten der
D._
gestellt und nicht von den übrigen behandelnden und im speziellen begutachtenden Ärzten
gestützt wurde
(vgl. vorstehend E. 3.6 und E. 3.9), weshalb nicht von einer relevanten Störung aus
zugehen ist.
Auch hier konnte Dr.
D._
in seinem Gutachten vom 9. Juli 2013 eine eigentliche Angststörung im Sinne von ICD-10 nicht feststellen (vgl. vor
stehend E. 3.6) und auch Dr.
E._
berichtete in seine
m
Gutachten
vom 28. März 2014 nur von gelegentlich
mässigen
sozialen Ängsten (vgl. vorstehend E. 3.9). Zudem wies Dr.
E._
zu Recht darauf hin, dass trotz der angebli
chen Angststörung keine Therapie gegen die Ängste erfolgt sei (vgl. vorstehend E. 3.11)
.
4.4
Gemäss ICD-10 beträgt die Mindestdauer einer mittelgradigen depressiven Stö
rung (F32.1) etwa zwei Wochen. Die rezidivierende depressive Störung ist durch wiederholte depressive Episoden charakterisiert, die zwischen drei und zwölf
Monaten (im Mittel etwa sechs Monate) dauern; die Besserung zwischen den Episoden ist im Allgemeinen vollständig, eine Minderheit von Patienten entwi
ckelt allerdings eine anhaltende Depression, hauptsächlich im höheren Lebens
alter (Rahel Sager, Die bundesgerichtliche Rechtsprechung betreffend Depressionen, SZS 2015, S. 314 Ziff. 5.1).
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist eine invalidisierende Wirkung einer lege
artis
diagnostizierten leichten (ICD-10 F32.0) beziehungsweise leich
ten bis mittelgradigen depressiven Störung (ICD-10 F32.1) zwar nicht schlecht
hin
auszuschliessen
, indessen bedingt deren Annahme, dass es sich nicht
bloss
um eine Begleiterscheinung einer Schmerzkrankheit, sondern um ein selbstän
diges, von einem psychogenen Schmerzsyndrom losgelöstes depressives Leiden handelt und im Weiteren, dass eine konsequente Depressionstherapie befolgt wird, deren Scheitern das Leiden als resistent ausweist. Zumindest bei mittel
schweren depressiven Episoden verneint dies das Bundesgericht regelmässig (Urteil des Bundesgerichts 8C_774/2013 vom 3. April 2014, E. 4.2).
4.5
Hinsichtlich der depressiven Symptomatik
äussert
e
sich
Dr.
E._
im
Gut
ach
ten vom 22. April 2014 (vgl. vorstehend E. 3.9)
und
der
ergänzende
n
Stellung
nahme vom
28. Oktober 2014 (vgl. vorstehend E. 3.11)
,
überdies
vom RAD-Arzt
bestätigt
(vgl.
vorstehend E. 3.10
), umfassend zu den psychischen
Gesund
heits
störungen
und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Es basiert auf einer eingehenden psychiatrischen Untersuchung
, berücksichtigt die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden und erging in Kenntnis der medizi
nischen
Vorakten
. Dr.
E._
setzte sich auch mit den medizinischen Berich
ten auseinander. Der Gutachter legte anhand der von ihm erhobenen Befunde in nachvollziehbarer Weise dar, dass bei der Beschwerdeführerin aus psychiatri
scher Sicht keine relevante gesundheitsbedingte Einschränkung der Arbeitsfä
higkeit besteht. Die Expertise von Dr.
E._
entspricht damit den
rechtspre
chungsgemässen
Anforderungen
an eine beweiskräftige medizinische
Ent
scheidgrundlage
(vgl. vorstehend E. 1.6).
Gestützt auf die
se
insgesamt schlüssige
Expertise ist hinsichtlich des gesund
heitli
chen Verlaufs davon auszugehen, dass bei der Beschwerdeführ
erin eine gesundheitliche Besserung des depressiven Zustandsbildes seit
Sommer 2013 eingetreten
ist
und sie ab August 2013 an einer
leichtgradigen
depressiven Episode leide
t
, da sie einen
Grossteil
der Symptome, welche eine depressive Episode aufweise,
gemäss Gutachter
nicht mehr zeige.
Ebenso sei ihre
Tagesge
staltung
regelmässig und sie pflege Kontakte mit ihren Kolleginnen, was wei
terhin für eine
leichtgradige
depressive Episode spreche.
Soweit die Beschwer
deführerin geltend macht, in der Stellungnahme von Dr.
E._
vom 28. Oktober 2014 (vgl. vorstehend E. 3.11) habe dieser das Absinken der Depression auf eine
leichtgradige
depressive
Episode zeitlich erst im März 2014 verortet, womit widersprüchliche Zeitangaben vorlägen
, wodurch das Gutachten seine Beweiskraft verlöre
(Urk. 1 S. 11 f.), vermag
dies nicht zu überzeugen.
Den
n
der Gutachter
vermochte
nachvollziehbar zu begründen, warum die Depression der Beschwerdeführer
in ab
Sommer
2013
in ihrer Inte
n
sität abge
nommen hat und n
ur noch
leichtgradig
ist
. Ferner hat
bereits Dr.
D._
in seinem Gutachten vom 9. Juli 2013 (vgl. vorstehend E. 3.6) einerseits einen BDI (Beck Depressionsinventar)-Wert von 17 erhob
en, wobei
Werte zwischen 11 bis 17 Punkten auf eine milde bis
mässige
Ausprägung der depressiven Symptome hinweisen
,
und andererseits
ist auch er
von einem gün
stigen Krankheitsverlauf ausgegangen
, womit insgesamt ein sich verbesserter Ges
undheitszustand aus
gewiese
n
und mit einer Besserung der Beschwerden zu rechnen
war
, auch wenn die Ausführungen von Dr.
E._
in seiner Stellungnahme vom 28. Oktober 2014 (vgl. vorstehend E. 3.11) hinsichtlich der zeitlichen Einordnung der gesundheitlichen Verbesserung
nicht ganz eindeutig ausgefallen sind
.
Ferner hielt Dr.
E._
in seinem Gutachten fest, dass der
Medikamenten
spiegel
im therapeutischen Bereich liege und auch das therapeutische Setting genügend sei, weshalb nicht vom Scheitern einer konsequent durchgeführten Therapie gesprochen werden kann
,
und das Leiden als behandelbar und somit als vorübergehend zu qualifizieren ist
. Auch Dr.
D._
ging prognostisch in Bezug auf eine vollständige Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit von einem günstigen Krankheits- beziehungsweise Therapieverlauf aus (vgl. vorstehend E. 3.6)
;
auch die Ärzte der
D._
berichteten im Juni 2013 von guten
Therapie
fortschritten
bei remittierender Symptomatik (vgl. vorstehend E. 3.5).
Schliesslich
wies Dr.
E._
darauf hin, dass die psychischen Probleme der Beschwerdeführerin auch durch invaliditätsfremde Faktoren (vgl. vorstehend E. 1.3) bestimmt sind. So berichtete er von der Behinderung des Sohnes mit Entwicklungsrückstand,
der
vorübergehende
n
Rückkehr des Sohnes nach Hause
sowie die
frühere Doppelbelastung durch Haushalt und Arbeit als Verkäuferin und schloss bei Wegfall der Belastungsfaktoren
auf eine Besserung des Gesund
heitszustandes (vgl. vorstehend E. 3.11).
Somit fehlt es in Übereinstimmung mit der Rechtsprechung des Bundesgerichts an einem inval
idisierenden Gesundheitsschaden
, weshalb
für die
beantragten weiteren Abklärungen, namentlich eine Haushaltabklärung (vgl. Urk. 1 S. 2), keine Notwendigkeit besteht und davon abzusehen ist.
4.6
Nach dem Gesagten kann f
olglich nicht auf den
medizinischen Bericht der
D._
vom 28. März 2014
(vgl. vorstehend E. 3.8) abgestellt werden, welcher hinsicht
lich Beurteilung der Arbeitsfähigkeit eher von der Behandlungsperspektive geprägt ist
,
mitunter
die Ärzte
im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Ver
trauensstellung in Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3cc).
So wurde mittel
-
bis langfristig eine Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit als Verkäuferin attestiert und auch in einer angepassten Tätigkeit wurde eine Arbeitsfähigkeit verneint und sogar – in Abkehr der ursprünglichen Einschätzung vom Februar 2013 (vgl. vorstehend E. 3.4) – von einer ungünstigen Prognose ausgegangen.
Schliesslich
vermochten
die Ärzte der
D._
ihre Diagnose
einer
mittelgradige
n
rezidivieren
de
n
depressive
n
Störung mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.1) nicht über
zeugend darzulegen, da einerseits die Beschwerdeführerin gynäkologisch,
haus
ärztlich
und neurologisch
ohne Befunde abgeklärt wurde (Urk.
7/43 S. 2 Ziff. 5
; vgl. diesbezüglich auch vorstehend E. 3.2
) und andererseits auch die Gutachter
D._
und
E._
kein somatisches Syndrom nachweisen konnten.
4.7
Was die
beschwerdeweise
beanstandete
75
-
minütige
Dauer der psychiatrischen Untersuchung anbelangt
(vgl. Urk. 1 S. 8 f.)
, zeigt rechtsprechungsgemäss selbst eine lediglich zwanzig Minuten dauernde psychiatrische Exploration nicht von Vornherein eine Sorgfaltswidrigkeit des Gutachters an (Urteil
des Bundesge
richts
I
719/05 vom 17. November 2006 E.
3; ferner Urteile
I 842/05 vom 1. Juni 2006 E. 2.2.4 und I 954/05 vom 24. Mai 2006 E.
3.2.1). Es kann für den Aussagegehalt eines Arztberichts nicht allein auf die Dauer der Untersuchung ankommen. Massgeblich ist vielmehr, ob der Bericht inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist. Der für eine psychiatrische Untersuchung zu betrei
bende zeitliche Aufwand hängt dabei stets von der Fragestellung und der zu beurteilenden Psychopatholog
ie ab (Urteil I 1094/06 vom 14. November 2007 E.
3.1.1, bestätigt u.a. mit Urteilen 8C_8
47/2013 vom 1
4.
Februar 2014 E.
5.1.1 und
8C_737/2012 vom 27. Mai 2013 E.
3.4 mit Hinweis). So ist eine eigentliche Geisteskrankheit mit deutlicher Ausprägung der Symptomatik oft in kurzer Frist diagnostizierbar, während ein sehr hoher Zeitaufwand erforderlich sein kann, um den Verdacht auf eine Simulation einer psychischen Störung zu klären, eine schwierige Persönlichkeitsstörung zu erhellen oder problematische Fragen nach dem Zusammenhang zwischen traumatischen äusseren Ereignissen und nach
folgender Symptomatik zu erörtern. Ein genereller Zeitrahmen für eine Untersu
chung lässt sich also nicht allgemeingültig definieren (Urteil
des Bundesgerichts
I 58/06 v
om 13. Juni 2006 E.
2.2 mit Hinweis). Wichtigste Grundlage gutachtli
cher Schlussfolgerungen bildet in derartigen Konstellationen - gegebenenfalls neben standardisierten Tests - die klinische Untersuchung mit
Anamneseerhe
bung
, Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung (Urteile
des Bundesge
richts I 192/06 vom 19. September 2006 E.
3 und
I 391/06 vom
9.
August 2006 E.
3.2.2). Anhaltspunkte dafür, dass
Dr.
E._
die entsprechenden Vorgaben
nicht bzw. nur ungenügend beachtet hat, sind nicht erkennbar
, was
auch in seiner Stellungnahme vom 28. Oktober 2014 (Urk. 7/54) thematisiert
wurde
(S. 3 f.)
. Ebenso wenig bestehen konkrete Hinweise, dass sich die
Untersuchungs
dauer
negativ auf die Qualität des Gutachtens ausgewirkt hätte.
4.
8
Nach dem Gesagten und in Übereinstimmung mit der Beschwerdegegnerin bleibt das psychische Leiden aufgrund der gestellten Diagnose ohne invaliden
versicherungsrechtliche Relevanz und stellt keinen invalidisierenden
Gesund
heitsschaden
dar, weshalb der Rentenanspruch zu Recht verneint wurde und diesbezüglich die Beschwerde abzuweisen ist.
5.
5.1
Es bleibt der Anspruc
h auf Eingliederungsmassnahmen nach Art. 8 IVG
zu prü
fen.
5.2
Gemäss
Art. 8 Abs. 1 IVG
haben Invalide oder von einer Invalidität bedrohte Versicherte Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgaben
bereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern (Bst.
a), und die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Mass
nahmen erfüllt sind (Bst. b). Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Ausübung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidi
tät. Dabei ist die gesamte noch zu erwartende Arbeitsdauer zu berück
sichtigen (
Abs.
1
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss
Art. 8 Abs. 2 IVG
in medizini
schen Massnahmen (Bst. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung (Bst.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsbera
tung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe) und der Abgabe von Hilfsmitteln (Bst. d).
Als
invalid
im Sinne von
Art. 17 IVG
gilt, wer nicht hinreichend eingegliedert ist, weil der Gesundheitsschaden eine Art und Schwere erreicht hat, welche die Ausübung der bisherigen Erwerbstätigkeit ganz oder teilweise unzumutbar macht. Dabei muss der Invaliditätsgrad ein bestimmtes erhebliches Mass erreicht haben; nach der Rechtsprechung ist dies der Fall, wenn die versicherte Person in den ohne zusätzliche Ausbildung noch zumutbaren Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von etwa 20% erleidet
(BGE 124 V 108 E. 2b; AHI 2000 S. 62 E. 1
).
5.3
Da bei der Beschwerdeführerin
aus versicherungsrechtlicher Sicht
keine Invalidi
tät besteht, fällt ein a
ll
fälliger Anspruch auf
Eingliederungsmassnahmen von vornherein ausser Acht.
Ausserdem
weist das Gutachten von Dr.
E._
lediglich auf eine
D
e
konditionierung
der Beschwerdeführerin
hin
(vgl. vorste
hend E. 3.9)
, welche jedoch als invaliditätsfremd zu gelten hat.
Schliesslich geht auch aus dem Verlaufsprotokoll Eingliederungsberatung vom 10. September 2013 (Urk. 7/27) hervor, dass
sich
die Beschwerdeführerin im Moment subjektiv noch nicht in der Lage fühle, Integrationsmassnahmen oder gar Arbeitsver
mittlung in Anspruch zu nehmen, weshalb die Beschwerdegegnerin am 12. September 2013 deren Abschluss mitteilte und die Beschwerdeführerin darauf hinwies, sich bei
veränderten Verhältnissen
wieder schriftlich bei der IV
Stelle für Eingliederungsmassnahmen zu
melden
(Urk. 7/17).
Damit ist die Beschwerde auch in diesem Punkt abzuweisen.
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Invalidenversicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streit
wert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
8
00.-- anzusetzen.
Aus
gangsgemäss
sind sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.