# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** a2ebc990-a761-525f-9143-4f9ddce6e4b6
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Das Kreisgericht X. sprach einen von Rechtsanwalt A.Y. amtlich vertretenen
Beschuldigten mit Entscheid vom 20. Mai 2016 unter anderem der mehrfachen
qualifizierten Körperverletzung, der mehrfachen Freiheitsberaubung, der mehrfachen
sexuellen Nötigung sowie der mehrfachen Vergewaltigung für schuldig und verurteilte
ihn zu einer Freiheitsstrafe von 4,5 Jahren. Ferner ordnete es eine stationäre
Massnahme an. Im Berufungsverfahren bestätigte das Kantonsgericht St. Gallen in
zweiter Instanz mit Urteil vom 22. August 2017 die strafrechtlichen Vorhalte und
verurteilte den Ex-Freund zu einer vierjährigen Freiheitsstrafe sowie einer Busse von
CHF 300; ferner ordnete es eine stationäre therapeutische Massnahme an. Das
Bundesgericht wies die dagegen erhobene Beschwerde - abgesehen von einem
Nebenpunkt (Kosten der amtlichen Verteidigung im Verfahren vor Kantonsgericht St.
Gallen) - mit Urteil vom 14. Februar 2018 (Verfahren 6B_25/2018) ab.
B. Mit Schreiben vom 30. Mai 2016 wies das Kreisgericht X. die Anwaltskammer des
Kantons St. Gallen auf eine mögliche Verletzung von Standesregeln durch
Rechtsanwalt A.Y. hin. Gemäss Darstellung in der Tagespresse solle er als im Rahmen
eines Strafverfahrens bestellter amtlicher Verteidiger eines u.a. wegen mehrfacher
Vergewaltigung Angeklagten mehrfach mit dem Opfer, welches zugleich Ex-Partnerin
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des Angeklagten war, in Kontakt getreten sein. Einiges spreche dafür, dass er im
Rahmen der Kontakte auch aktiv Einfluss auf dieses genommen habe.
C. Die Anwaltskammer eröffnete in der Folge am 7. Juni 2016 ein Disziplinarverfahren
gegen Rechtsanwalt A.Y. und gab ihm Gelegenheit, sich zu den Vorhalten zu äussern.
In seiner Stellungnahme vom 19. August 2016 beantragte sein Rechtsvertreter die
Einstellung des Verfahrens und die Feststellung, dass kein anwaltsrechtlich relevantes
Fehlverhalten vorliege. Am 12. Dezember 2016 wurde die Ex-Partnerin durch die
Anwaltskammer ordentlich als Zeugin einvernommen. Mit Entscheid vom 19. April 2017
(Versand: 4. Mai 2017) stellte die Anwaltskammer fest, dass Rechtsanwalt A.Y. gegen
Art. 12 lit. a BGFA verstossen habe, und verbot ihm die Berufsausübung
(einschliesslich Beurkundungstätigkeit) befristet für die Dauer von zwei Jahren. Er
wurde zudem darauf hingewiesen, dass der Registereintrag für die Dauer der
Disziplinarmassnahme durch den Hinweis auf das Berufsausübungsverbot ergänzt
werde, und verbot ihm, sich während des befristeten Berufsausübungsverbots als
„Rechtsanwalt“ oder als „öffentlicher Notar“ zu bezeichnen.
D. Mit Eingabe vom 18. Mai 2017 und Ergänzung vom 21. August 2017 erhob A.Y.
(Beschwerdeführer) beim Verwaltungsgericht Beschwerde gegen den Entscheid der
Anwaltskammer vom 19. April 2017. Er beantragte die vollumfängliche Aufhebung des
Entscheides unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Die Anwaltskammer (Vorinstanz)
verzichtete am 11. September 2017 unter Verweis auf die Darlegungen im
angefochtenen Entscheid auf eine Vernehmlassung.
Auf die Ausführungen der Parteien, den angefochtenen Entscheid und die Akten wird -
soweit notwendig - in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. (...).
2. Streitgegenstand bildet die Frage, ob der Beschwerdeführer die anwaltliche
Berufsregel nach Art. 12 lit. a BGFA (sorgfältige und gewissenhafte Berufsausübung)
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verletzt hat. Die Vorinstanz gelangte im angefochtenen Entscheid zum Schluss, dass
eine Verletzung der Berufsregel vorliege, weil der Beschwerdeführer ohne sachlichen
Grund Kontakt mit dem mutmasslichen Opfer bzw. der Ex-Partnerin seines Mandanten
aufgenommen und dieses in seinen Aussagen beeinflusst habe. Unbestritten ist, dass
es zwischen dem Beschwerdeführer und dem Opfer zu zwei Treffen im Büro des
Beschwerdeführers gekommen ist. Von wem die Kontaktaufnahmen ausgingen und
was die Gründe hierfür waren, ist dagegen umstritten. Die Ex-Partnerin (Opfer) machte
ihrerseits widersprüchliche Angaben zum Gesprächsinhalt oder relativierte die
anlässlich der Einvernahmen im Strafverfahren erhobenen Vorwürfe in späteren
Befragungen, insbesondere jener als Zeugin vor der Anwaltskammer. Wie die
Aussagen zu werten und zu gewichten sind, ist in den nachfolgenden Erwägungen zu
klären.
2.1. Zusammenfassend erkannte die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid vom
19. April 2017, dass keine sachlichen Gründe auszumachen seien, welche eine
Kontaktnahme und eine private Befragung des Opfers durch den Beschwerdeführer
(auch nur ansatzweise) erfordert und gerechtfertigt hätten. Die vorgenommene
Kontaktaufnahme sei bereits aus diesem Grund unzulässig. Der Beschwerdeführer sei
nicht an einer Befragung des Opfers, sondern an einer aktiven Vereitelung der
störungsfreien Sachverhaltsermittlung des laufenden Strafverfahrens interessiert
gewesen. Die ihm als Anwalt obliegenden Berufsregeln würden demgegenüber
jeglichen Versuch der Beeinflussung verbieten.
Der Beschwerdeführer bestreitet die Vorhalte und wirft der Vorinstanz eine unrichtige
Sachverhaltsfeststellung sowie eine falsche Beweiswürdigung vor. Die Ex-Partnerin
seines Mandanten selbst habe ihn und nicht er sie kontaktiert, was diese im Übrigen
anlässlich der Zeugenbefragung vom 12. Dezember 2016 bestätigt habe. Die
Vorinstanz habe indessen ausschliesslich auf die nicht wahrheitsgetreuen Aussagen
der Ex-Partnerin im Strafverfahren abgestellt. Dabei seien die am 12. Dezember 2016
abgegebenen Aussagen vor der Vorinstanz unter ausdrücklichem Hinweis auf die
Pflicht der Zeugin zum wahrheitsgemässen Zeugnis gemacht worden. Mit diesen
Aussagen sei er bezüglich der ihm zur Last gelegten Berufsregelverletzung vollends
entlastet worden. In beweisrechtlicher Hinsicht habe die Vorinstanz demgegenüber
lediglich auf Annahmen und Vermutungen abgestellt, was unhaltbar und willkürlich sei.
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Es sei nicht erwiesen, dass er mit der Ex-Partnerin seines Mandanten Kontakt
aufgenommen habe. Ebenso, dass er sie zum Rückzug der von ihr gestellten
Strafanträge und zur Relativierung der von ihr gemachten Aussagen angehalten habe.
Auch stehe nicht fest, dass er sich anerboten habe, ihr bei Wissenslücken in der
Einvernahme auf die Sprünge zu helfen, oder dass er ihr geraten haben solle, ihrer
Rechtsvertreterin das Mandat zu entziehen. Unzutreffend sei auch, dass er die
Druckversuche seitens der Familie seines Mandanten unterstützt oder mit seinem
Verhalten die Wahrheitsfindung vorsätzlich zu beeinträchtigen versucht habe. Ein für
die Disziplinierung verlangtes grobes und schuldhaftes Fehlverhalten liege damit nicht
vor. Er müsse sich einzig vorhalten lassen, dass er es überhaupt zugelassen habe,
dass ihn die Ex-Partnerin seines Mandanten zweimal im Büro aufgesucht habe, um mit
ihm über ihre persönliche Beziehung zu ihrem Freund bzw. Ex-Freund zu sprechen. Er
habe es nur gut gemeint. Er habe aber zu keiner Zeit beabsichtigt, die
Wahrheitsfindung im Strafverfahren zu beeinträchtigen.
3. Gemäss Art. 12 BGFA gelten für Anwältinnen und Anwälte verschiedene
Berufsregeln und -pflichten, unter anderem, dass sie ihren Beruf sorgfältig und
gewissenhaft ausüben (lit. a). Die Anwälte, die Parteien vor Gerichtsbehörden vertreten,
unterstehen gemäss Art. 14 BGFA der Aufsicht einer durch den Kanton bezeichneten
Behörde. Im Kanton St. Gallen beaufsichtigt die Anwaltskammer die Anwältinnen und
Anwälte (vgl. Art. 5 Abs. 1 AnwG); ihr obliegt auch die Durchführung von
Disziplinarverfahren. Ergibt sich, dass eine Anwältin oder ein Anwalt gegen das BGFA
verstossen hat, kann die Anwaltskammer eine Disziplinarmassnahme gemäss Art. 17
Abs. 1 BGFA anordnen. In Betracht kommen dabei eine Verwarnung (lit. a), ein Verweis
(lit. b), eine Busse bis CHF 20'000 (lit. c), ein befristetes Berufsausübungsverbot (lit. d)
und schliesslich - als ultima ratio - ein dauerndes Berufsausübungsverbot (lit. e).
3.1. Nicht jede Gesetzesverletzung nach Art. 17 Abs. 1 BGFA rechtfertigt eine
Disziplinarmassnahme, sondern nur diejenigen, die berufsrelevante Pflichten betreffen.
Voraussetzung für eine Disziplinarmassnahme ist die schuldhafte Verletzung einer
Berufspflicht. Die disziplinarische Verantwortung setzt entweder Vorsatz oder
zumindest Fahrlässigkeit voraus; Absicht wird nicht verlangt. Liess der Anwalt die
durchschnittliche Sorgfalt vermissen, die in guten Treuen verlangt werden darf und
muss, so rechtfertigt dies bereits eine Disziplinierung. Verlangt wird eine qualifizierte
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Norm- bzw. Sorgfaltswidrigkeit, welche aus Gründen des öffentlichen Interesses und
unter Beachtung der Verhältnismässigkeit weiter gehen kann als die Rechtsbehelfe des
Auftragsrechts. Die Beweislast obliegt der Disziplinarbehörde (vgl. T. Poledna, in:
Fellmann/Zindel [Hrsg.], Kommentar zum Anwaltsgesetz, 2. Aufl. 2011, N 18 zu Art. 17).
Zur allgemeinen Berufspflicht des Anwalts gehört gemäss der Generalklausel von
Art. 12 lit. a BGFA, dass der Beruf „sorgfältig“ und „gewissenhaft“ ausgeübt wird (K.
Schiller, Schweizerisches Anwaltsrecht, Zürich 2009, S. 360; Botschaft des
Bundesrates zum BGFA vom 28. April 1999, BBl S. 6013 ff., S. 6054). Diese
Verpflichtung hat für die gesamte Berufstätigkeit des Rechtsanwalts Geltung und
erfasst neben der Beziehung zum eigenen Klienten sowohl Kontakte mit der
Gegenpartei als auch jene mit den Behörden (vgl. BGE 130 II 270 E. 3.2 mit Hinweisen).
Der Rechtsanwalt genügt der Generalklausel von Art. 12 lit. a BGFA nur, wenn er sich
bei seinem Handeln in jeder Beziehung an die Schranken der Rechtsordnung hält (vgl.
Urteil des Bundesgerichts [BGer] 2C_783/2008 vom 4. Mai 2009 E. 2.9). Er ist zur
Wahrung der Standeswürde verpflichtet und hat insoweit die geschriebenen und
ungeschriebenen Regeln zu beachten, die im Interesse des rechtsuchenden Publikums
und des geordneten Ganges der Rechtspflege das Vertrauen in seine Person und die
Anwaltschaft insgesamt gewährleisten sollen (vgl. BGE 106 Ia 100 E. 6b; VerwGE
B 2015/6 vom 23. August 2016 E. 5.1, www.gerichte.sg.ch). Die sorgfältige und
gewissenhafte Berufsausübung im Sinne von Art. 12 lit. a BGFA setzt unter anderem
voraus, dass der Rechtsanwalt eine anwaltlich vertretene Gegenpartei grundsätzlich
nur mit Einwilligung von deren eigenem Rechtsanwalt oder in begründeten
Ausnahmefällen direkt kontaktiert (Art. 28 Abs. 1 der Schweizerischen Standesregeln
des Schweizerischen Anwaltsverbands, erlassen am 10. Juni 2005, SSR-SAV).
Bezüglich Ausnahmefälle ist etwa an Fälle besonderer Dringlichkeit zu denken, in
denen es nicht möglich ist, den Rechtsvertreter der Gegenpartei rechtzeitig zu
erreichen. Weiter mag es vorkommen, dass die Gegenpartei selbst an den
Rechtsanwalt herantritt und dieser die direkte Kontaktnahme nur schwer zu verhindern
vermöchte (BGer 2P.156/2006 vom 8. November 2006 E. 4.2).
Sowohl das nicht streitige als auch das streitige Verwaltungsverfahren ist vom
Grundsatz der freien Beweiswürdigung beherrscht (Art. 21 Abs. 3 VRP), wonach die
Bewertung der einzelnen Beweise nicht starren Regeln folgt. Der Entscheid darüber, ob
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sich der Sachverhalt so oder anders zugetragen hat, ist vielmehr auf vernünftige,
nachvollziehbare Gründe abzustützen. Die Gewichtung der einzelnen Beweismittel soll
sich somit aus ihrer inneren Qualität, d.h. aus der anzunehmenden Übereinstimmung
mit der Wirklichkeit, ergeben und nicht durch deren äussere Eigenart. Der Grundsatz
der freien Beweiswürdigung bedeutet des Weiteren, dass der Richter frei darüber
befindet, ob das gesetzlich geforderte Beweismass erreicht ist. Dabei ist grundsätzlich
davon auszugehen, dass es für den Nachweis einer Tatsache erforderlich ist, dass
diese zur vollen Überzeugung dargetan wird. Kann eine Tatsache nicht direkt bewiesen
werden, ist es zulässig, mittelbar auf diese zu schliessen. Diesfalls müssen Umstände
vorliegen, die auf die zu beweisende Tatsache mit Sicherheit oder doch mit möglichst
hoher Wahrscheinlichkeit schliessen lassen (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit
im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 615 ff. mit Hinweisen; BGE 130 II 482 E. 3.2).
3.2. Gemäss den Akten zeigte die Rechtsvertreterin der Ex-Partnerin dem
Untersuchungsamt Q. mit Schreiben vom 4. April 2013 an, dass sie mit deren
Interessenwahrung beauftragt worden sei. Aus den Akten ist nicht ersichtlich, ob der
Beschwerdeführer über das Mandatsverhältnis in Kenntnis gesetzt wurde. Hingegen
steht fest, dass ihm dieses spätestens ab dem Zeitpunkt der ersten
Konfrontationseinvernahme vom 29. April 2013 bekannt gewesen sein musste. Aus den
späteren Befragungen der Ex-Partnerin vom 17. Januar und 24. September 2014 ergibt
sich nicht, an welchen Daten die Kontaktaufnahme und die Treffen mit dem
Beschwerdeführer stattgefunden haben. Sie gab hierzu lediglich an, der
Beschwerdeführer habe nicht gewollt, dass ihre Rechtsvertreterin bei den
Einvernahmen dabei sei. Der Beschwerdeführer seinerseits hat ausgeführt, es habe
zwischen dem 12. April und 20. April 2013 zwei Treffen in seinem Büro gegeben. Vom
Bestehen eines Mandatsverhältnisses habe er aber erstmals am 29. April 2013 bzw.
der dem folgenden Tag verfügungsweise im Strafverfahren erfolgten Bestellung einer
unentgeltlichen Rechtsvertreterin erfahren. Es muss mithin davon ausgegangen
werden, dass der Erstkontakt zwischen dem Beschwerdeführer und der Ex-Partnerin
seines Mandanten wohl in jenem Zeitraum erfolgte, innerhalb welchem diese bereits
anwaltlich vertreten war. Aufgrund der Aktenlage kann indes weder mit Sicherheit noch
wenigstens mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass der
Beschwerdeführer bei den beiden, mutmasslich zwischen dem 12. April und 20. April
2013 erfolgten Treffen bereits Kenntnis von der Rechtsvertretung der Ex-Partnerin
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hatte oder hätte haben müssen. Im Ergebnis muss das Gesagte auch für die Frage
gelten, wer wen erstmals kontaktiert hat. Auch diesbezüglich liegen widersprüchliche
Aussagen der Ex-Partnerin vor, aufgrund derer zumindest Zweifel an der These der
Erstkontaktaufnahme durch den Beschwerdeführer verbleiben.
3.3. Weiter ist zu prüfen, ob die Vorinstanz in den Kontaktaufnahmen zu Recht ein
Verhalten des Beschwerdeführers erblickte, mit welchem die Gefahr einer unzulässigen
Beeinflussung (der Aussagen) der Ex-Partnerin seines Mandanten einherging. Zur
sorgfältigen und gewissenhaften Ausführung des Anwaltsberufs nach Art. 12 lit. a
BGFA gehört auch, dass der Anwalt alles vermeidet, was Personen beeinflussen
könnte, die als Zeugen oder Sachverständige im Prozess in Betracht kommen. Er
nimmt mit ihnen nur ausnahmsweise, wenn dies zu Instruktionszwecken unerlässlich
ist, Kontakt auf (Fellmann, in: Kommentar zum Anwaltsgesetz, a.a.O., N 22 zu Art. 12).
Die besondere Zurückhaltung und Vorsicht ist selbst bei der eigenen Befragung von
Auskunftspersonen geboten. Diese Grundsätze decken sich auch mit der Standesregel
nach Art. 7 Abs. 1 SSR-SAV, gemäss welcher Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte
jede Beeinflussung von Zeugen und Sachverständigen zu unterlassen haben.
Die Kontaktaufnahme mit einer Person, die als Zeuge in Betracht kommt, erscheint
unter diesem Gesichtspunkt als problematisch, da mit einem solchen Vorgehen eine
zumindest abstrakte Gefahr einer Beeinflussung verbunden ist. In BGE 135 II 551 E. 3
entschied das Bundesgericht - unter Hinweis auf entsprechende Lehrmeinungen und
die Praxis in den Kantonen, die es als überzeugend und geeignet erachtete, die
Generalklausel von Art. 12 lit. a BGFA dahingehend zu konkretisieren -, dass eine
Kontaktaufnahme mit einem potentiellen Zeugen nur ausnahmsweise mit der
anwaltlichen Pflicht zur sorgfältigen und gewissenhaften Berufsausübung vereinbar sei
bzw. nur mit Zurückhaltung und Vorsicht vorgenommen werden solle. Generell sei die
Wahrheitsfindung bzw. die Zeugenbefragung Aufgabe des Gerichts und nicht der
Parteien oder ihrer Anwälte. Die Kontaktierung eines möglichen Zeugen sei nur dann
zulässig, wenn hierfür ein sachlicher Grund bestehe. Als solcher sei namentlich auch
das Einschätzen der Erfolgsaussichten von Prozesshandlungen wie etwa die
Prozesseinleitung, das Einlegen bzw. der Rückzug eines Rechtsmittels oder das Stellen
eines Beweisantrages anzusehen; entscheidend seien aber die Umstände des
konkreten Einzelfalls. Um der Gefahr einer Beeinflussung des potentiellen Zeugen bzw.
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dem blossen Anschein einer unzulässigen Einflussnahme in solchen Fällen
entgegenzuwirken, seien daher entsprechende Vorsichtsmassnahmen zu treffen. So
solle der Anwalt den Zeugen schriftlich um ein Gespräch ersuchen und ihn darauf
hinweisen, dass er weder verpflichtet sei zu erscheinen noch auszusagen. Ebenfalls
habe der Anwalt dem Zeugen mitzuteilen, im Interesse welches Mandanten das
Gespräch stattfinden solle. Das Gespräch solle ohne den Mandanten und wenn immer
möglich in den Räumlichkeiten des Anwalts stattfinden, wobei gegebenenfalls eine
Drittperson als Gesprächszeugin hinzugezogen werden solle. Der Anwalt dürfe keinen
Druck auf den Zeugen ausüben und ihn insbesondere nicht zu einer bestimmten
Aussage oder überhaupt zu irgendeiner Aussage drängen und ihm für den Fall des
Schweigens nicht mit Nachteilen drohen. Verpönt sei auch das Stellen von
Suggestivfragen. Eine private Zeugenbefragung durch den Rechtsanwalt sei somit
grundsätzlich nur dann mit der anwaltlichen Pflicht zur sorgfältigen und gewissenhaften
Berufsausübung im Sinne von Art. 12 lit. a BGFA vereinbar, wenn eine sachliche
Notwendigkeit für die Befragung bestehe, diese zudem im Interesse des Mandanten
liege und die Befragung so ausgestaltet werde, dass jede Beeinflussung vermieden
und die störungsfreie Sachverhaltsermittlung durch das Gericht bzw. die
Untersuchungsbehörde gewährleistet bleibe (ausführlicher Fellmann, in: Kommentar
zum Anwaltsgesetz, a.a.O., N 22 ff. zu Art. 12).
3.4. Wie die Vorinstanz zu Recht feststellte, ist die Berufspflicht eines Rechtsanwalts,
alles zu vermeiden, was Zeugen beeinflussen könnte, zwingender Natur. Dies gilt umso
mehr, wenn es sich wie vorliegend um die Ex-Partnerin des von ihm verteidigten
Beschuldigten, um die mutmasslich Geschädigte und zudem die Zeugin als potentielles
Opfer sexueller Gewalt handelt (vgl. dazu BGer 2C_909/2010 vom 12. April 2011 E.
2.5). Fest steht, dass sich der Beschwerdeführer mit der Ex-Partnerin vorgängig der
ersten Einvernahme vom 29. April 2013 zweimal in seinem Büro getroffen hatte. Über
den Inhalt der Gespräche finden sich in den Akten widersprüchliche Aussagen sowohl
der Beteiligten im Allgemeinen als auch der Ex-Partnerin im Speziellen. Dies ist
allerdings insofern unerheblich, als dass es bereits genügt, wenn eine Beeinflussung in
Kauf genommen wird und somit der Anschein einer Beeinflussung entsteht. Denn eine
gewisse Beeinflussung des Zeugen kann nie ganz vermieden werden und es besteht
sodann ein abstrakte Gefahr einer Beeinflussung (BGer 2C_8/2010 vom 4. Oktober
2014 E. 3.2.1; Urteil des Kantonsgerichts St. Gallen BR.2006.2 vom 14. Dezember
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2006 E. 2, in: GVP 2007 Nr. 94). Jeder Kontaktnahme mit Zeugen ausserhalb des
prozessualen Rahmens ist die Gefahr einer gewissen Beeinflussung immanent und sie
begründet bereits daher auch einen Anschein der Einflussnahme oder der
Beweisverfälschung. Private Kontakte zwischen Verteidiger, Geschädigten und Zeugen
vor den Einvernahmen haben in jedem Fall Auswirkungen auf das Aussageverhalten vor
den Untersuchungsbehörden und dem Richter. Insbesondere im vorliegend relevanten
Strafprozess, wo für die Beweiserhebung dem Unmittelbarkeitsprinzip eine wesentliche
Bedeutung beizumessen war, stand eine Kontaktaufnahme offenkundig nicht im
Interesse der Wahrheitsfindung. Es reicht auch nicht aus, dass der Anwalt keine
spezifische Gefahr der Beeinflussung sieht bzw. keine unlauteren Absichten hegt.
Vielmehr ist massgeblich, dass objektiv betrachtet die Gefahr einer (selbst
unbeabsichtigten) Beeinflussung besteht und der Anwalt dies nach den konkreten
Umständen des Einzelfalles erkennen kann. Die Beeinflussung kann nämlich nicht nur
vorsätzlich, sondern auch aus Ungeschicklichkeit oder durch Unvermögen, also durch
fahrlässiges Verhalten, erfolgen (Fellmann, in: Kommentar zum Anwaltsgesetz, a.a.O.,
N 23d zu Art. 12., BJM 2006 47, S. 49 f., E. 3a). Insofern sind die Einwände des
Beschwerdeführers, dass die Vorinstanz den Sachverhalt in Bezug auf den
Gesprächsinhalt willkürlich und falsch festgestellt habe und er es lediglich gut gemeint
habe, unbehelflich. Anlässlich der Einvernahme vom 17. Januar 2014 und der
Konfrontationseinvernahme vom 24. September 2014 erläuterte die Ex-Partnerin des
Angeklagten den Ablauf und den Inhalt der Kontakte mit dem Beschwerdeführer
detaillierter. Dabei gab sie im Wesentlichen an, er habe ihr Anweisungen gegeben,
dass sie ihre Aussagen relativieren solle, dass er ihr auf die Sprünge helfe, falls sie
während der Einvernahme etwas nicht mehr wisse, und dass er gewünscht habe, dass
ihre Rechtsvertreterin nicht bei der Einvernahme dabei sein solle. Anlässlich der am 12.
Dezember 2016 vor der Anwaltskammer erfolgten Zeugenbefragung relativierte sie ihre
früheren Aussagen insofern, als dass sie nun angab, sich nicht mehr genau an die
Kontakte bzw. deren Inhalt zu erinnern. Sie habe zweimal mit dem Beschwerdeführer
Kontakt gehabt. Beim zweiten Treffen habe sie sich nach dem Wohlbefinden ihres Ex-
Freundes erkundigt. Allerdings habe der Beschwerdeführer ihr keine Auskunft
gegeben. Sie könne sich nicht daran erinnern, dass sie im Strafverfahren gesagt habe,
der Beschwerdeführer habe ihr geraten, ihre Aussagen zu relativeren bzw.
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abzuschwächen. Vielleicht habe sie bei den früheren Einvernahmen etwas verwechselt
oder falsch verstanden.
Unbesehen der widersprüchlichen Darstellung des Ablaufs und des Inhalts der beiden
unbestrittenermassen im Büro des Beschwerdeführers erfolgten Kontakte, vermag der
Beschwerdeführer hierfür keinen sachlichen Grund darzutun (Beispiele dazu in BGE
136 II 551 E. 3.2.2; GVP 2012 Nr. 75 E. 2; H. Nater, Zulässigkeit anwaltlicher
Zeugenkontakte im Zivilprozess, in: SJZ 102/2006 S. 257f.). Ein solcher lässt sich auch
den Akten nicht entnehmen. Es ist jedenfalls nicht ersichtlich, inwiefern im Rahmen
seiner anwaltlichen Aufgaben ein bzw. gar zwei Treffen mit der Ex-Partnerin seines
Mandanten sachlich geboten und in dessen Interesse gewesen wären. Überdies muss
sich der Beschwerdeführer vorhalten lassen, dass er keinerlei Vorkehrungen (z.B.
Beizug einer neutralen Drittperson oder eine Tonaufnahme) bei den Gesprächen mit der
Ex-Partnerin getroffen hat, mit welchen er dem Vorwurf einer unzulässigen
Beeinflussung bzw. bereits dem blossen Anschein einer unzulässigen Einflussnahme
hätte erfolgreich entgegenwirken können. Die Behauptung, dass die Ex-Partnerin den
Erstkontakt angeregt habe, kann ihn jedenfalls, selbst wenn sie zutreffen sollte, nicht
von den ihn treffenden Berufspflichten entbinden. Vielmehr liegt es allein in seiner
Verantwortung, den (von wem auch immer angeregten) Kontakt mit Zeugen so
auszugestalten, dass jede Beeinflussung vermieden werden kann (Urteil des
Verwaltungsgericht des Kantons Zürich VB.2016.00656 vom 2. März 2017 E. 5.2).
Massgebend für die Verletzung der anwaltlichen Berufspflicht ist demnach bereits die
naheliegende Möglichkeit einer Beeinflussung. Ob eine solche dann tatsächlich erfolgt
und zu einer inhaltlich entscheidenden Zeugenaussage führt, ist nicht entscheidend
(GVP 2012 Nr. 75 E. 2). Wie die Vorinstanz zu Recht ausführt, lassen sich nämlich die
Kausalität und der Erfolg einer Einflussnahme im Nachhinein kaum feststellen (siehe
auch Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich VB.2007.00164 vom 21. Juni
2007 E. 4.2). Im Lichte des Dargelegten erhellt unschwer, dass der Beschwerdeführer
gegen Art. 12 lit. a BGFA verstossen, indem er ohne sachlichen Grund mit der Ex-
Partnerin seines Mandanten in Kontakt getreten ist und damit zumindest die Gefahr
einer unzulässigen Beeinflussung der potentiellen Zeugin bzw. des mutmasslichen
Opfers in Kauf genommen hat.
4. Zu prüfen bleibt, ob die von der Vorinstanz verhängte Sanktion eines befristeten
zweijährigen Berufsverbots den Grundsatz der Verhältnismässigkeit einhält.
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4.1. Bei der Wahl der geeigneten Sanktionen aus dem Katalog von Art. 17 BGFA ist der
Einzelfall zu betrachten, wobei general- und spezialpräventive Aspekte für die Wahl und
Bemessung der Sanktion massgebend sind. Die Sanktion hat grundsätzlich einen
administrativen Charakter und dient dem Schutz des rechtsuchenden Publikums und
der Wahrung des Ansehens der Anwaltschaft resp. der Rechtsagenten (vgl. BGE 128 I
346 E. 2.2 mit Hinweisen; Poledna, a.a.O., N 14 f. zu Art. 17). Bei der Wahl und
Bemessung der Sanktion steht der Vorinstanz ein gewisser Ermessensspielraum zu,
welcher durch das Verhältnismässigkeitsprinzip eingeschränkt ist (vgl. Poledna, a.a.O.,
N 2 zu Art. 17). Die disziplinarische Einstellung in der Berufsausübung nach Art. 17
Abs. 1 lit. d und e BGFA ist eine der schwersten Sanktionen, welche sich nur bei
schweren Widerhandlungen gegen die Berufsregeln rechtfertigen lässt. Auch ein
befristetes Verbot ist grundsätzlich nur im Wiederholungsfall zu verhängen, wenn sich
gezeigt hat, dass sich der Betroffene durch mildere Massnahmen nicht zum Einhalten
der Berufsregeln bewegen lässt (BGer 2C_980/2016 vom 7. März 2017 E.3.2; 2A.
499/2006 vom 11. Juni 2007 E. 5.1). Die Bemessung der Massnahme ist den
Umständen des Einzelfalls anzupassen. Sie richtet sich nach der Schwere des
Verstosses gegen eine BGFA-Regelung, wobei auch die Anzahl der Verstösse oder die
fortgesetzte Begehung zu berücksichtigen sind, dem Mass des Verschuldens, das
unter sinngemässer Anwendung strafrechtlicher Grundsätze festzulegen ist sowie dem
beruflichen (und damit auch disziplinarischem) Vorleben des Anwalts (Poledna, a.a.O.,
N 27 zu Art. 17). Eine Disziplinarmassnahme darf nur angeordnet werden, wenn ein
Anwalt Art. 12 oder 13 BGFA vorsätzlich oder fahrlässig verletzt hat. Bei der
Bestimmung der erforderlichen Sorgfalt bei fahrlässiger Verletzung der Berufspflichten
wendet das Bundesgericht einen objektiven Massstab an. So handelt ein Anwalt
fahrlässig, wenn er die durchschnittliche Sorgfalt hat vermissen lassen, die von jedem
Anwalt in guten Treuen verlangt werden darf und muss (W. Fellmann, Anwaltsrecht, 2.
Aufl. 2017, Rz. 722 f.; BGE 110 Ia 95 E. 3c).
4.2. Die Vorinstanz erwog im Wesentlichen, dass der Beschwerdeführer nicht nur ohne
sachlichen Grund mit der Ex-Partnerin seines Mandanten Kontakt aufgenommen habe,
sondern mit seinem Verhalten vielmehr auf eine unlautere Beeinflussung der Aussagen
abgezielt und damit in unerlaubter Weise in das Strafverfahren eingegriffen habe. Sein
Verhalten zeuge von mangelndem Berufsethos und fehlendem Verständnis für die
Sonderstellung, die einem Rechtsanwalt zukomme. Wer sich so verhalte, der bringe die
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Vertrauenswürdigkeit eines Rechtsanwalts wie auch des ganzen Berufsstands in
Misskredit. Sein Verschulden bzw. der Verstoss gegen das Gebot der sorgfältigen und
gewissenhaften Berufsausübung sei als schwer einzustufen. Durch die Berufsjahre des
Beschwerdeführers würden sich frühere, von der Anwaltskammer verfügte
Disziplinarmassnahmen wie ein roter Faden ziehen. So etwa sei aufgrund eines
Strafbescheides zu einer Verurteilung für Handlungen, die mit dem Anwaltsberuf nicht
zu vereinbaren gewesen seien, am 25. August 2009 der Entzug des Anwaltspatents
bzw. die Löschung im st. gallischen Anwaltsregister erfolgt. Eine am 14. Januar 2011
auferlegte Busse von CHF 1‘000 müsse zufolge Löschung im Register unberücksichtigt
bleiben. Am 29. April 2014 und am 1. Dezember 2014 habe der Beschwerdeführer
sodann erneut gegen Art. 12 lit. a BGFA verstossen und sei hierfür jeweils mit Bussen
von CHF 5‘000 und CHF 2‘000 sanktioniert worden. Ferner habe ihm auch die
Aufsichtskommission Zürich am 8. Mai 2014 einen Verweis erteilt. Zulasten des
Beschwerdeführers wirke sich sodann seine im Disziplinarverfahren gezeigte
Einsichtslosigkeit aus. Ein befristetes zweijähriges Berufsausübungsverbot erscheine
vorliegend aufgrund der Schwere des Regelverstosses sowie den übrigen
Bemessungsgründen als angemessen.
4.3. Der Beschwerdeführer vertritt die Ansicht, dass die Vorinstanz mit der Festsetzung
eines zweijährigen Berufsausübungsverbots den Grundsatz der Verhältnismässigkeit
verletzt habe. Es liege kein schweres Verschulden vor bzw. ihm sei kein schwerer
Verstoss gegen das Gebot der sorgfältigen und gewissenhaften Berufsausübung
vorzuwerfen. Er habe die Ex-Partnerin seines Mandanten weder von sich aus
kontaktiert, noch in ihrem Aussageverhalten beeinflusst, noch ihr Instruktionen erteilt.
Er wehre sich auch gegen den Vorwurf, im Disziplinarverfahren keine Einsicht gezeigt
zu haben. Er habe sich lediglich zur Wehr gesetzt und die haltlosen Vorwürfe von sich
gewiesen. Sein anwaltlicher Leumund sei seit 2009 in der Tat getrübt. Der
Patententzug vom 25. August 2009 sei aufgrund eines Irrtums seinerseits erfolgt. Er sei
noch unerfahren gewesen. Dass er anschliessend trotz Entzug des Anwaltspatents vor
den Verwaltungsbehörden unter der Verwendung des Titels „Rechtsanwalt“
aufgetreten sei, sei nicht Absicht, sondern eine Unachtsamkeit gewesen. Aufgrund des
darin zu erblickenden leichten Verschuldens sei er dannzumal auch mit einer geringen
Busse von CHF 1‘000 sanktioniert worden. Diese Disziplinierung sei jedoch nicht mehr
zu berücksichtigen. Massnahme erschwerend seien die Disziplinierungen gemäss
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Entscheid vom 29. April 2014 (irreführende und falsche Honorarnote) und vom 1.
Dezember 2014 (Täuschung der Anwaltskammer durch selektive Information). In
beiden Fällen sei er mit Bussen bestraft worden. In jüngerer Zeit habe er sich jedoch
wohlverhalten. Weder aufgrund seines Leumundes noch seines Verhaltens rechtfertige
sich daher ein befristetes Berufsausübungsverbot. Er sei seit 13 Jahren als
Rechtsanwalt und öffentlicher Notar tätig. Er sei verheiratet und habe noch zwei
minderjährige Kinder. Seine Ehefrau sei nicht erwerbstätig. Er müsse den gesamten
Lebensunterhalt der Familie bestreiten. Ein derart weitgehendes
Berufsausübungsverbot würde ihn äusserst hart treffen, zumal es einschneidende
wirtschaftliche und persönliche Konsequenzen für ihn hätte. Mit der Ausfällung einer
weiteren Busse könnte das angestrebte Ziel einer verschuldensgerechten
Disziplinierung ebenfalls erreicht werden.
4.4. Wie die Vorinstanz zu Recht ausführte, fallen bei Konstellationen wie der
vorliegenden eine Verwarnung oder ein Verweis bereits daher ausser Betracht, weil
diese Sanktionen nur für leichte und erstmalige bzw. bei einer wiederholten leichten
Verletzung vorgesehen sind. Die Ausfällung einer Busse bildet sodann das „Mittelfeld“
der disziplinarischen Sanktionen. Das befristete Berufsausübungsverbot wiederum ist
die strengste spezialpräventiv wirkende Sanktion (Poledna, a.a.O., N 28 ff. zu Art. 17).
Vorliegend geht die Vorinstanz von einem schweren Verstoss gegen die anwaltliche
Berufspflicht aus. Sie wirft dem Beschwerdeführer Vorsatz und unlautere Beeinflussung
vor. Zumindest die Aussagen der Ex-Partnerin im Rahmen der Einvernahmen im
Strafverfahren gegen den Beschuldigten lassen den Schluss zu, dass der
Beschwerdeführer sich nicht nur mit ihr getroffen hat, sondern sie dabei auch aktiv
beeinflusst haben könnte. Die Vermutung, dass der Anfang Mai 2013 erfolgte Rückzug
der Strafanträge auch im Zusammenhang mit diesen Treffen steht, ist jedenfalls
naheliegend. Teilweise wird diese Vermutung indes dadurch abgeschwächt, als dass
sich die Ex-Partnerin anlässlich der Befragung vor der Anklagekammer am
12. Dezember 2016 diesbezüglich auf Erinnerungslücken berief bzw. sich gar nicht
mehr an entsprechende Aussagen erinnern wollte. Im Verwaltungsverfahren herrscht
der Grundsatz der freien Beweiswürdigung und eine Tatsache muss zur vollen
Überzeugung dargetan werden (siehe E. 3.1). Hinsichtlich des Beweiswerts der
Aussagen an den Einvernahmen im Strafverfahren vom 17. Januar 2014 und 24.
September 2014 ist festzuhalten, dass die Ex-Partnerin damals als Auskunftsperson
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(Geschädigte und potentielles Opfer) befragt wurde. Die damaligen Aussagen können
zwar als „Aussagen erster Stunde“ gewertet werden, bei welchen in der Regel gilt,
dass sie bei sich widersprechenden Aussagen die Darlegungen in einem frühen
Verfahrensstadium unbefangener und zuverlässiger sind als spätere Darstellungen (vgl.
in anderem Zusammenhang BGE 121 V 47 E. 2a mit Hinweisen; BGer 9C_374/2017
vom 17. August 2017 E. 2.1.2; VerwGE B 2013/58 vom 12. Februar 2014 E. 2.1.2, E.
2.5, www.gerichte.sg.ch). Vorliegend gilt es aber zu beachten, dass die Ex-Partnerin
erst in dem gegen den Beschwerdeführer eingeleiteten Disziplinarverfahren, mithin erst
rund dreieinhalb Jahre nach der Anzeige und den im Strafverfahren erfolgten
Einvernahmen, im Rahmen der Befragung vor der Anklagekammer vom 12. Dezember
2016 als Zeugin befragt worden ist. Im Rahmen dieser Befragung ist sie erstmals
ausdrücklich auf die Zeugnis- und Wahrheitspflicht bzw. auf die Strafandrohung bei
Falschaussage aufmerksam gemacht worden. Bei dieser Ausgangslage kann nicht
mehr bloss auf die im Strafverfahren gemachten Aussagen der ersten Stunde
abgestellt werden. Vielmehr gilt es den Umstand, dass an eine Aussage nun auch
(allenfalls gegen die Befragte wendende) Rechtsfolgen geknüpft sind, angemessen zu
berücksichtigen. Es lässt sich nicht mehr abschliessend eruieren, aus welchen
Gründen sich die Ex-Partnerin anlässlich der Befragung vor der Anwaltskammer
plötzlich auf Erinnerungslücken berief, sich zum Teil nicht einmal mehr an
diesbezügliche im Zuge des Strafverfahrens gemachte Aussagen erinnern wollte. Fest
steht einzig, dass sich der Beschwerdeführer wenigstens zweimal ohne sachlichen
Grund mit ihr getroffen hatte. Hingegen kann gestützt auf die vorliegenden Akten nicht
mit Sicherheit oder doch mit möglichst hoher Wahrscheinlichkeit der Schluss gezogen
werden, dass der Beschwerdeführer vorsätzlich die Ex-Partnerin seines Mandanten
aktiv beeinflusst hätte. Er muss sich aber vorwerfen lassen, dass sein Vorgehen
grundsätzlich geeignet war, bei einem unbefangenen Dritten zumindest den Anschein
einer aktiven (oder pro-aktiven) Zeugenbeeinflussung zu wecken. Auf jeden Fall hätte er
bei angemessener Sorgfalt leicht erkennen können (und müssen), dass sich eine (von
wem auch immer ausgehende) Kontaktaufnahme mit der Ex-Partnerin als
mutmassliches Opfer anwaltsrechtlich als äusserst problematisch erweisen kann. Dies
umso mehr, wenn er sich wie vorliegend unbestritten nicht nur einmal, sondern gar
zweimal ohne sachlichen Grund und ohne die aus anwaltsrechtlicher Sicht gebotenen
Vorsichtsmassnahmen zu treffen, in seinen Büroräumlichkeiten traf. In diesem
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Vorgehen ist zumindest ein fahrlässiges Handeln zu erblicken und der Verstoss gegen
das Anwaltsgesetz nach Art. 12 lit. a BGFA als mindestens mittelschwer zu
qualifizieren, weil dadurch die Wahrheitsfindung im gerichtlichen Verfahren gefährdet
werden konnte. Eine solche Zeugenbeeinflussung ist nicht mehr als leichte
Pflichtverletzung zu qualifizieren (vgl. BGer 2C_909/2010 vom 12. April 2011 E. 3.1;
Urteil des Kantonsgerichts St. Gallen BR.2008.3 vom 16. November 2009 E. 6.2; Urteil
des Verwaltungsgerichts Zürich VB.2016.00656 vom 2. März 2017 E. 6.3). Zum andern
sind mit Blick auf sein (berufliches) Vorleben auch die früheren, gegen ihn bereits
verhängten anwaltsrechtlichen Sanktionen zu berücksichtigen. Wie bereits ausgeführt,
wurde er im Jahr 2009 aus dem Anwaltsregister gelöscht. Damals war er strafrechtlich
für Handlungen verurteilt worden, die mit dem Anwaltsberuf nicht vereinbar waren. Des
Weiteren sprach die Vorinstanz im Jahr 2014 zweimal eine Busse aus, einmal von CHF
5‘000 wegen einer irreführenden und falschen Honorarnote, das zweite Mal von CHF
2‘000 wegen Täuschung der Anwaltskammer zufolge selektiver Information. All die
bereits gegenüber dem Beschwerdeführer verhängten Sanktionen scheinen indes - wie
vorliegendes Verfahren zeigt - nicht die angestrebte langanhaltende spezialpräventive
Wirkung erzielt zu haben, was sich der Beschwerdeführer entgegenhalten lassen muss.
Als zutreffend erweist sich einzig sein Einwand, dass die Wahrung von
Verteidigungsrechten nicht zum Vornherein als Uneinsichtigkeit ausgelegt werden darf
(vgl. BGer 2C_980/2016 vom 7. März 2017 E. 3.2). Insofern geht der ihm entgegen
gehaltene Vorhalt der Einsichtslosigkeit fehl.
Gemäss Art. 17 Abs. 1 lit. d BGFA kann ein befristetes Berufsausübungsverbot für
längstens zwei Jahre ausgesprochen werden. In dieser Höhe ist die Sanktion aber
schwerstmöglichen Fällen vorbehalten (vgl. Fellmann, Anwaltsrecht, a.a.O., Rz. 734).
Die Vorinstanz erachtete die Höchstdauer des befristeten Berufsausübungsverbots
aufgrund der Schwere des Regelverstosses und den übrigen Bemessungsgründen als
angemessen. Ihr kann im Ergebnis nicht in allen Punkten gefolgt werden. Mit ihr ist
zwar davon auszugehen, dass es sich um eine ernstzunehmende, indes um eine
mittelschwere Verletzung der den Beschwerdeführer treffenden Berufspflichten
handelt. Zutreffend ist auch, dass der Beschwerdeführer durch die bisher verfügten
milderen Massnahmen nicht von einer weiteren Verletzung der Berufsregeln absah.
Grundsätzlich erscheint bei dieser Sachlage die verhängte Disziplinarsanktion eines
(zeitlich befristeten) Berufsausübungsverbots als vertretbar; allerdings nicht im
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verfügten Ausmass von zwei Jahren. Angesichts der Qualifikation als lediglich
mittelschweren Verstoss gegen die Berufspflichten und unter Einbezug der früheren,
von der Vorinstanz in Form von Bussen angeordneten Sanktionen und in Würdigung
der Interessen des Beschwerdeführers erscheint die Anordnung eines auf zwei Jahre
befristeten Berufsausübungsverbots letztlich als unverhältnismässig, da zu weitgehend.
Zwar ist der Vorinstanz bei der Ausfällung der konkreten Sanktion ein gewisser
Ermessensspielraum zuzugestehen. Sie ist dabei indes nicht völlig frei, sondern hat ihr
Ermessen pflichtgemäss auszuüben. Zudem hat sie sich an den allgemeinen
Rechtsgrundsätzen, namentlich dem Rechtsgleichheitsgebot, dem Gebot von Treu und
Glauben und dem Verhältnismässigkeitsprinzip, zu orientieren. Das Verwaltungsgericht
nimmt als erste Rechtsmittelinstanz eine feinere Prüfung der Verhältnismässigkeit einer
Sanktion vor als etwa das Bundesgericht, das sich auf eine Willkürprüfung beschränkt
(Poledna, a.a.O., N 27a Art. 17, Urteil des Verwaltungsgerichts Zürich VB.2015.00320
vom 5. November 2015 E. 7.7). Unter diesem Blickwinkel betrachtet und unter
Würdigung der vom Beschwerdeführer vorgebrachten Überlegungen erscheint ein auf
die Dauer eines Jahres befristetes Berufausübungsverbot als dem Regelverstoss
angemessen. Ein befristetes einjähriges Berufausübungsverbot ist hinreichend
geeignet, einerseits generalpräventiv die korrekte Ausübung des Anwaltsberufs
sicherzustellen und anderseits spezialpräventiv den Beschwerdeführer anzuhalten, sich
künftig korrekt zu verhalten. Pro memoria ist der Beschwerdeführer darauf
hinzuweisen, dass ihm durch die Disziplinarsanktion die Betätigung im Monopolbereich
untersagt wird, was bedeutet, dass während der Dauer des Berufausübungsverbot die
Vertretung von Klienten in zivil- und strafrechtlichen Gerichtsverfahren unzulässig ist. Er
kann aber in dieser Zeit eine beratende Tätigkeit ausüben (Fellmann, Anwaltsrecht,
a.a.O., Rz. 735). Er darf dabei aber - wie ihm bekannt ist - in dieser Zeit den Titel eines
„Rechtsanwalts“ oder „öffentlicher Notar“ nicht führen. Die Beschwerde wird daher
teilweise gutgeheissen und Ziff. 2 des angefochtenen Entscheids wird in dem Sinne
angepasst, dass dem Beschwerdeführer die Berufsausübung für die Dauer von einem
Jahr befristet verboten wird. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen.
5. In Streitigkeiten hat jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz
oder teilweise abgewiesen werden (Art. 41 AnwG in Verbindung mit Art. 95 Abs. 1
VRP). Es gilt der Grundsatz der Kostentragung nach Massgabe des Obsiegens und
Unterliegens (W. Hagmann, Die st. gallische Verwaltungsrechtspflege und das
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Rechtsmittelverfahren vor dem Regierungsrat, Zürich 1979, S. 267 f.; R. Hirt, Die
Regelung der Kosten nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, St. Gallen
2004, S. 93 und 96). Der Beschwerdeführer unterliegt mit dem Antrag, der
angefochtene Entscheid sei vollumfänglich aufzuheben. Hingegen ist der Entscheid
hinsichtlich der Dauer des befristeten Berufsausübungsverbots anzupassen. Dies
entspricht einer teilweisen Gutheissung der Beschwerde. Unter den gegebenen
Umständen erscheint es angemessen, die amtlichen Kosten von CHF 2'000 (vgl. Art. 7
Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12) zu drei Vierteln dem
Beschwerdeführer und zu einem Viertel der Vorinstanz aufzuerlegen. Der Kostenanteil
des Beschwerdeführers von CHF 1‘500 ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss in
Höhe von CHF 2‘000 zu verrechnen und ihm im Restbetrag von CHF 500
zurückzuerstatten. Auf die Erhebung des Kostenanteils der Vorinstanz von CHF 500
wird verzichtet (Art. 41 AnwG in Verbindung mit Art. 95 Abs. 3 VRP).
Nachdem der Beschwerdeführer mit seinen Anträgen nicht mehrheitlich
durchgedrungen ist und sich in eigener Sache vertritt, hat er keinen Anspruch auf
ausseramtliche Entschädigung (Art. 41 AnwG in Verbindung mit Art. 98 VRP).
6. Bei (teilweiser) Gutheissung eines Rechtsmittels ist zugleich von Amtes wegen über
die amtlichen Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens zu entscheiden. In der Regel
erfolgt die entsprechende Kostenverlegung in Bezug auf die Beteiligten und deren
Anteile analog dem Rechtsmittelentscheid (Hirt, a.a.O., S. 103). Die amtlichen Kosten
des vorinstanzlichen Verfahrens von CHF 2‘000 sind im Umfang von CHF 1‘500 dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen. Auf die Erhebung des dem Staat verbleibenden
Kostenanteils von CHF 500 ist zu verzichten.