# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 4445ad29-4e04-4e88-ad8d-a839941384f5
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_007
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt
A. Anlässlich eines von der D._ durchgeführten Snow-Weekends vom 4. bis 6. Februar 2005 in E._ kam es am _ 2005, beim sogenannten "Schläucheln" zu einem Unfall. A._, ein Teilnehmer des Snow-Weekends und zum Unfallzeitpunkt knapp 9-jährig, rutschte mit einem luftgefüllten Gummiring ("Schlauch") einen ungesicherten Hang hinunter und kollidierte dabei mit einem bei einem Stall deponierten Betonwasserschacht. Er zog sich dabei ein schweres Schädel-Hirntrauma zu, dessen Folgen ihn bis heute beeinträchtigen.
B. Der Vater von A._ stellte am 17. April 2005 Strafantrag wegen Körperverletzung. Die Staatsanwaltschaft Graubünden eröffnete daraufhin eine Strafuntersuchung. Dabei ergab sich, dass die D._ vom _ 2005 in E._ ein Snow-Weekend mit 30 Schülern und neun Leitern durchführte. Der hauptverantwortliche Leiter, C._, hatte für das am Sonntag vorgesehene Programm "Schläucheln" nicht weit entfernt vom Ferienlagerhaus F._ im freien Gelände zuerst eine Bahn und dann eine zweite im Schnee ausgehoben. Die Bahnen wiesen einen seitlichen Schutz (Schneemauer) auf und liefen in einem flachen Teil aus. Die Kinder wurden durch die Leiter/innen instruiert, auf diesen Bahnen mit den aufgeblasenen Lastwagenschläuchen hinunterzurutschen. Bei jeder Bahn waren zwei bis drei Leiter anwesend. Nachdem ein Teil der Kinder auf diesen Bahnen nicht mehr schläucheln wollte, wurden sie von den Leitern aufgefordert, zum Lagerhaus zurückzukehren. In der Folge begannen die Kinder unter Aufsicht der Leiterinnen G._, B._ sowie der Hilfsleiterin H._, auf der vom Lagerhaus nach E._ führenden Strasse zu schläucheln, wobei sie aufgrund des geringen Gefälles kein hohes Tempo erreichten bzw. gemäss I._, dem Bruder des verunfallten A._, der Schlauch nach fünf Meter zum Stillstand kam, obschon er jeweils mit Anlauf auf den Schlauch gesprungen sei. Der Strassenrand wies zudem einen durchgehenden ca. 50 cm hohen Schneewall auf und verunmöglichte gemäss Polizeirapport ein unabsichtliches Hinausrutschen mit einem Schlauch. Als A._ diese Strasse wieder hochlief, stieg er auf halber Strecke über den erwähnten Schneewall und wollte J._ und seinem Bruder I._ folgen, die den dortigen steilen Abhang auf ihren Schläuchen bereits hinuntergerutscht waren. Obschon ihm die Leiterinnen B._ und H._ sowie andere Kinder zuriefen, dass er über diesen Abhang nicht hinunterschläucheln dürfe bzw. sich wieder auf die Strasse begeben solle, setzte
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er sich auf den Schlauch und fuhr los. Da A._ vor dem sich unterhalb dieses Hanges befindenden Stall nicht mehr rechtzeitig anhalten konnte, kollidierte er kopfvoran mit einem bei diesem Stall deponierten Betonwasserschacht und blieb bewusstlos liegen. B._ und K._, welcher inzwischen auch auf der Strasse hinuntergeschläuchelt war, um die Kinder ins Lagerhaus zurückzubeordern, liefen sofort zu A._ hinunter. In der Folge organisierte K._ mit der am nächsten von der Unfallstelle wohnenden Einwohnerin bzw. der Rega die Überführung von A._ ins Kantonsspital nach L._.
C. Mit Verfügung vom 24. August 2006 stellte die Staatsanwaltschaft die Strafuntersuchung ein. Sie verneinte eine strafrechtlich relevante Sorgfaltspflichtverletzung seitens der Leiter/innen des Snow-Weekends. Eine dagegen gerichtete Beschwerde wies das Kantonsgericht mit Entscheid vom 22. November 2006 (BK 06 45) ab. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, es könne von den Leiter/innen nicht verlangt werden, dass sie die Kinder stets unter unmittelbarer Kontrolle halten müssten. Handle ein Kind in einer gefährlichen Situation einer erteilten Weisung zuwider, könne nicht ein Leiter/eine Leiterin verantwortlich gemacht werden, es sei denn, das Kind sei aufgrund seines Alters oder anderer Faktoren noch nicht in der Lage zu erkennen, dass Weisungen bzw. Verbote einzuhalten seien. Dies treffe auf den im Unfallzeitpunkt beinahe 9-jährigen A._ nicht zu. Die Leiterinnen seien anwesend gewesen und eingeschritten, als sich unter anderem A._ angeschickt habe, die sichere Strasse zu verlassen und damit Unheil gedroht habe. A._ habe erkennen müssen, dass das Schläucheln auf dem zum Teil steilen Hang gefährlicher als die gleiche Tätigkeit im Bereiche der präparierten Bahnen und der Strasse sein würde. Auch habe er die Zurufe der Leiterinnen wahrgenommen. Die fatale Fahrt sei deshalb nicht auf eine Unterlassung seitens der Leiterinnen zurückzuführen, sondern auf den mangelnden Gehorsam des Knaben.
D. Nach zuvor erfolglos durchgeführter Schlichtungsverhandlung reichte A._ am 14. September 2015 beim damaligen Bezirksgericht Hinterrhein (heute: Regionalgericht Viamala) eine Klage gegen C._ und B._ betreffend Forderung ein. Darin beantragte er was folgt:
1. Die Beklagten 1 und 2 seien unter solidarischer Haftung zu verpflichten, dem Kläger CHF 70'000.00 zuzüglich 5% Zins ab 06. Februar 2005 zu bezahlen.
2. Es sei zur Frage der grundsätzlichen Haftung der Beklagten ein Zwischenentscheid im Sinne von Art. 237 ZPO zu fällen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich 8% MwSt zulasten der Beklagten.
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E. Mit Klageantwort vom 9. November 2015 stellten C._ und B._ die folgenden Anträge:
1. Die Klage sei abzuweisen.
2.a) Die Gerichtskosten seien dem Kläger aufzuerlegen.
b) Der Kläger sei zu verpflichten, den Beklagten eine Parteientschädigung (zuzüglich Mehrwertsteuer) zu leisten.
F. Mit Replik vom 23. Dezember 2015 hielt A._ an seinem Rechtsbegehren fest, liess jedoch den Verfahrensantrag gemäss Ziff. 2 fallen.
G. Mit Duplik vom 15. Februar 2016 hielten C._ und B._ an ihren bisherigen Anträgen fest.
H. Am 26. Februar 2016 reichte A._ eine Stellungnahme zur Duplik der Gegenpartei ein.
I. Obwohl der in der Klageschrift gestellte Antrag auf Fällung eines Zwischenentscheids im Sinne von Art. 237 ZPO in der Replik wieder fallen gelassen wurde, beschränkte das Regionalgericht Viamala das Verfahren mit prozessleitender Verfügung vom 21. April 2016 auf die Teilfrage der grundsätzlichen Haftung/Schadenersatzpflicht der Beklagten. Dies blieb unangefochten.
J. Mit Urteil vom 9. November 2016, schriftlich begründet mitgeteilt am 23. August 2017, erkannte das Regionalgericht Viamala was folgt:
1. Die Klage von A._ wird abgewiesen.
2.a) Die Gerichtskosten von CHF 8'000.00 gehen zu Lasten von A._. Sie werden unter Vorbehalt der Nachforderung gemäss Art. 123 ZPO, vom Kanton Graubünden getragen und auf die Gerichtskasse genommen.
b) A._ ist verpflichtet, C._ und B._ zusammen eine Parteientschädigung von insgesamt CHF 18'063.00 (Barauslagen und MWST eingeschlossen) zu bezahlen.
c) Der unentgeltliche Rechtsbeistand von A._, Rechtsanwalt lic. iur. et oec. Christian Thöny, Chur, wird zu Lasten des Kantons Graubünden mit CHF 23'700.80 (Barauslagen und MWST eingeschlossen) aus der Gerichtskasse entschädigt. Die Nachforderung von A._ durch den Kanton gemäss Art. 123 ZPO bleibt vorbehalten.

## Considerations