# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** a33cc2f8-8ba7-408f-8731-e88b3570fd92
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1954, war
im Rahmen
ihrer unselbständigen Erwerbs
tätigkeit
aufgrund
der
durch ihre Arbeitgeberin, die
Y._
AG,
bei der AXA Versicherungen AG (nachfolgend AXA) ab
geschlossenen kollektiven
Kran
kentaggeldversicherung
für
ein Krankentaggeld versichert (Urk.
11/E/P1
). Ab
1
7
. Dezember 2012
wurde der Versicherten
wegen einer Anpassungsstörung durch übermässi
gen Stress am Arbeitsplatz
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert
(Urk.
11
/M1). Die AXA anerkannte ihre Leistungspflicht und richtete de
r
Versi
cherten – nach Ablauf der vereinbarten 14-tägigen Wartefrist – ab
31. Dezember 201
2
Taggelder auf Basis einer Arbeitsunfähigkeit von 100
% aus (Urk.
11
/
D/T1).
1.2
Nach medizinischen Abklärungen (Urk.
13
/B) teilte die AXA de
r
Versicherten
a
m
4. September 2013
mit,
dass sie
die Taggeldleistungen noch bis
31. August 2013
auf Basis einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit und ab 1. September
2013
auf Basis einer solchen von 50 % abrechnen werde. Ab 1. Dezember 2013 be
stehe kein Anspruch mehr auf Taggeldleistungen
(Urk.
11/A/A18
)
.
In der Folge
reduzierte
die AXA die Taggeldzahlungen
per 1. September
2013
auf die Hälfte und stellte sie
per
3
0. November 2013
ein (Urk.
11
/
D
/T1). Am
20. Juni 2014
verlangte d
ie
Versicherte, es sei ih
r
für die Monate Dezember 2013 bis März 2014
weiterhin ein Taggeld auf Basis einer Arbeitsunfähigkeit von
100 % und für die Monate April bis Juni 2014 ein solches auf Basis einer Arbeitsunfähig
keit von 50 %
zu erbringen (Urk. 11/A/A33
). Die AXA
teilte daraufhin der Ver
sicherten am 1. Juli 2014 mit, dass sie ihr ein Taggeld für den Monat Dezember 2013 auf Basis einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % ausrichte. Für die neu aufge
tretenen körperlichen Beschwerden bestehe kein Leistungsanspruch (Urk. 11/A/A34).
In der nachfolgenden Korrespondenz fanden die Parteien keine Einigung (Urk. 11/A/A35-39).
2
.
Mit Eingabe vom
2
3.
Juni 2015 (
Urk.
1) reichte d
ie
Versicherte
K
lage gegen die AXA e
in, mit dem Rechtsbegehren, diese
sei zu verpflichten,
ihr
Fr.
25‘777.15
zuzüglich
Zins zu 5
%
seit dem 16. Dezember 2014
zu bezahlen
(Urk. 1 S. 2)
. Zur Begründung der Klage verwies d
ie
Kläger
in
auf die mündliche Hauptver
handlung, welche am
16. Juli
2015
durchgeführt wurde (Prot. S.
2 f.). An der
Haup
tverhandlung wurden Klagebegründung (Urk.
9
)
und
Klageantwort (Urk.
10
)
erstattet. D
i
e Kläger
in
hielt an i
hr
em bereits schriftlich eingereichten
Rechtsbe
gehren
fest (Urk.
1 S.
2
, Urk.
9
S.
1), die Beklagte beantragte die Ab
weisung der Klage
(Urk.
10 S. 2
). Vergleichsbemühungen seitens des Gerichts scheiterten (Prot. S.
2 f.
i
.V.m
.
Urk. 12
).
Die Klägerin verzichtete am
1. September 2015 auf
Replik (Urk. 17), was der Beklagten am 3. September
2015 zur Kenntnis gebracht
wurde (Urk. 18).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
1.1.1
Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung nach dem
Bundesge
-setz über die Krankenversicherung (KVG) unterstehen nach Art.
12 Abs.
3 KVG dem Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag (VVG). Das Bundesgericht subsumiert kollektive Krankentaggeldversicher
ungen wie alle weiteren Taggeld
versicherungen in ständiger Praxis unter den Begriff der Zusatzversicherung zur
sozialen Krankenversicherung (Urteil des Bundesgerichts 4A_47/2012 vom 12.
März
2012 E.
2 mit weiteren Hinweisen). Die Kantone können gestützt auf Art.
7 der Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO) ein Gericht bezeichnen, welches als einzige kantonale Instanz für Strei
tigkeiten in diesem Gebiet sach
lich zuständig ist. Im Kanton Zürich liegt die
Zuständigkeit beim
Sozialversi
cherungsgericht
(§
2 Abs.
2
lit
.
b des Gesetzes
über das
Sozialversicherungsge
richt
,
GSVGer
).
1.1.2
Die örtliche Zuständigkeit richtet sich nach Art.
32 ZPO. Demnach ist bei Streitig
keiten aus Konsumentenverträgen für Klagen der Konsumentin oder des Konsumenten das Gericht am Wohnsitz oder Sitz einer der Parteien zuständig (Art.
32 Abs.
1
lit
.
a ZPO). Im Übrigen sehen auch die Allgemeinen
Versiche
rungsbedingungen
der Beklagten in
J1 Abs. 2
einen Gerichtsstand am schwei
zerisc
hen Wohnort der anspruchsberechtigten Person
vor (Urk.
11
/
E
/P2 S.
18
). D
ie
Kläger
in
hat
ihren
Wohnsitz im Kanton Zürich; damit ist die örtliche Zu
ständigkeit des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich gegeben.
1.
2
Das Verfahren richtet sich nach der ZPO, wobei das einfache Verfahren zur An
wendung gelangt (Art.
243 Abs.
2
lit
.
f ZPO) und die Klage direkt beim Gericht anhängig zu machen ist (BGE 138 III 558 E. 3.2 und 4.6). Das Gericht darf einer Partei nicht mehr und nichts anderes zusprechen, als sie verlangt, und nicht weniger, als die Gegenpartei anerkannt hat (Art.
58 ZPO). Es stellt den Sachver
halt von Amtes wegen fest (Art.
247 Abs.
2
lit
.
a
i.V.m
. Art.
243 Abs.
2
lit
.
f ZPO), erhebt von Amtes wegen Beweis (Art.
153
i.V.m
. Art.
247 Abs.
2
lit
.
a ZPO) und bildet seine Überzeugung nach freier Würdigung der Beweise (Art.
157 ZPO).
1.
3
1.
3
.1
Als Teil des Privatrechts räumt das VVG de
n Parteien weitgehende Vertrags
freiheit ein, solange sie die Schranken der
Rechtsordnung beachten. Der
Ver
trags
inhalt
richtet sich häufig nach vorformulierten Allgemeinen
Vertrags
be
stim
mungen
(AVB; Michael Iten, Der private Versicherungsvertrag: Der Antrag und das Antragsverhältnis unter Ausschluss der Anzeigepflicht, Freiburg, 1999, S.
23 N71; vgl. auch Alfred Maurer, Schweizerisches Privatversicherungsrecht,
3.
Aufl., Bern 1995, S. 150 f.). Das Schweizerische Obligationenrecht (OR) gilt immer subsidiär, wenn das VVG, das hinsicht
lich des (Zusatz-)
Versicherungs
ver
trages
zahlreiche vom OR abweichende o
der dieses ergänzende Bestimmun
gen enthält, eine Frage nicht regelt (vgl. Art.
100 Abs.
1 VVG).
1.
3
.2
Vorformulierte Vertragsbestimmungen sind grundsätzlich nach den gleichen
Regeln wie individuell verfasste Vertragsklaus
eln auszulegen. Kann der wirkli
ch
e
übereinstimmende Parteiwille (Art.
18 Abs.
1
OR) nicht ergründet werden, ist auf
den mutmasslichen Willen abzustellen. Letzterer ist nach dem
Vertrau
ens
grund
satz
aufgr
und aller Umstände des Vertrags
schlusses zu ermitteln. Dabei hat der Richter vom Wortlaut auszugehen und die Klauseln im Zusammenhang so aus
zulegen w
ie sie nach den gesamten Umstän
den verstanden werden durf
ten und mussten; er hat auch zu berücksichtigen, was sachgerecht erscheint. Der Richter orientiert sich dabei am dispositiven Recht, weil derjenige Vertrags
partner, der dieses verdrän
gen will, das mit hin
reichender Deutlichkeit zum Ausdruck bringen muss (Urteil des Bundesgerichts 4A_39/2009 vom
7.
April 2009, E.
3.4
mit Hinwe
isen). Bei juristischen Fachaus
drücken oder Begriffen, die in der Recht
s
sprache eine festumrissene Bedeutung haben, gilt vermutungsweise der fach
technische Sinn (vgl.
Stoessel
, in: Basler Kommentar zum Bundesgesetz
über den Versicherungsvertrag, Basel 2001, Vor-bemerkungen zu
Art.
1-3
Rz
24
).
1.
4
Art.
87 VVG gewährt demjenigen, zu dessen Gunsten die kollektive Unfall- oder Krankenversicherung abgeschlossen worden ist, mit dem Eintritt des Unfalls oder der Krankheit ein selbständiges Forderungsrech
t auf die Versicherungs
leistungen im Versi
cherungsfall gegen den Versicherer (vgl. Urteil des Bundes
ge
richts 5C.41/2001 vom
3.
Juli
2001 E.
2c; Peter Stein, Basler Kommentar VV
G, Basel 2001, Art.
87 VVG N 15; Willy
Koenig
, Der Versi
cherungsvertrag, in: Schweizerisches Privat
recht, VII/2, Basel 1979, S.
729).
1.
5
Der Anspruchsberechtigte - in der Regel der Versicherungs
nehmer, der versi
cherte Dritte oder der Begünstigte - hat die T
atsachen zur Begründung des Ver
sicherungsanspruches (Art.
39 VVG) zu beweisen, also namentlich das Bestehen eines Versicherungsvertrags, den Eintritt des Versicherungsfalls und den Um
fang des Anspruchs. Den Versicherer trifft demgeg
enüber die Beweislast für Tatsa
chen, die ihn zu einer Kürzung oder Verweigerung de
r vertraglich vorge
sehenen Leis
tung berechtigen oder die den Versicherungs
vertrag gegenüber dem Anspruchs
berechtigten unverbindlich machen (BGE 130 III 321 E.
3.1 S.
323; Urteil 4A_393/2008
vom 1
7.
November 2008 E. 4.1).
1.
6
Da der Nachweis rechtsbegründender Tatsachen
im Bereich des
Versicherungs
ver
trags
regelmässig mit Schwierigkeiten verbunden
ist, geniesst der beweis
pflich
tige Anspruchsberechtigte insofern eine Beweiserleichterung, als er in der Regel nur eine überwiegende Wahrscheinlichkeit für
das Bestehen des geltend gemach
ten Versicherungsanspruchs darzutun hat. Allerdings kann der Versi
cherer im Rahmen des Gegenbeweises Indizien g
eltend machen, welche die Glaubwürdig
keit des Ansprechers erschüttern oder erheb
liche Zweifel an seinen Schilderung
en erwecken. Gelingt der Gegenbeweis, dürfen die vom Anspruchs
berechtigten behaupteten Tatsachen nicht als überwiegend wahrscheinlich und damit nicht als bewiesen anerkannt werden. Der Hauptbeweis ist vielmehr gescheitert (BGE 130 III 326 E.
3.4 mit Hinweis, Urteil des Bundesge
richts 5C.146/2000 vom 1
5.
Februar 2001 E. 4b mit Hinweisen).
Nach der Rechtsprechung (Urteile des Bundesgerichts 4A_382/2014 vom
3.
März
2015 E. 5.3 und 4A_316/2013 vom 2
1.
August 2013 E. 6.2) kann sich, wenn der strikte Beweis nach der Natur der Sache nicht möglich beziehungs
weise nicht zumutbar ist, auch der Versicherer in Bezug auf Tatsachen, für wel
che ihm die Beweislast obliegt, auf eine Reduktion des Bew
eismasses auf den Grad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit berufen.
2.
2.1
Es ist unbestritten, dass die Klägerin aufgrund der von ihrer (ehemaligen) Arbeit
geberin mit der Beklagten abgeschlossenen Krankentaggeldversicherung (Police Nr.
Z._
) gemäss den Angaben in der Police (Urk. 11/E/P1 S. 4)
und
den Allgemeinen Versicherungsbedingungen, Ausgabe August 2008 (AVB, Urk. 11/E/P2)
,
für ein Taggeld versichert war. Der versicherte Jahreslohn der Klägerin beläuft sich auf Fr. 58‘370.--, das Taggeld beträgt 80 % des versicher
ten Lohnes und wird 730 Tage abzüglich einer Wartefrist von 14 Tagen ausge
richtet (Urk.11/D/T1). Ein Taggeld auf der Basis einer Arbeitsunfähigkeit von
100 % beläuft sich beim versicherten Jahreslohn auf Fr. 127.93 (Fr. 58‘370.-- x
0.8 :
365).
Strittig ist die Leistungspflicht der Beklagten
vom
1. Dezember
2013 bis 30. Septem
ber 2014 (Urk. 9).
2.2
Die Klägerin stellte sich zusammengefasst auf den Standpunkt (Urk. 9), sie sei vom 1. Dezember
2013 bis 31. März
2014 zu 100 % und vom 1. April bis 30. September 2014 zu 50 % arbeitsunfähig gewesen (S. 2). Die attestiert
e
Arbeitsunfähigkeit habe in einem reaktiv psychischen Beschwerdebild, das diag
nostisch einer Anpassungsstörung
habe
zugeordnet werden können, gegründet. Der Gutachter habe im August 2013 eine Fortdauer der Arbeitsunfähigkeit bis Dezember 2013 prognostiziert. Gestützt darauf habe die Beklagte die Leistungen ab 1. Dezember 2013 ganz einstellen wollen, sie habe aber für den Monat Dezember 2013 dann doch noch ein „hälftiges“ Taggeld bezahlt (S. 3 f.). Der Hei
lungsprozess habe länger angedauert als vom Gutachter prognostiziert, und die Arbeitsunfähigkeit habe trotz ärztlicher Behandlung lege
artis
erst per Ende September 2014 geendet. Die Beklagte habe die Möglichkeit einer unzutreffen
den Prognose anerkannt und daher eine Nachuntersuchung vorgeschlagen, wel
che infolg
e
einer unverschuldeten Verhinderung der Klägerin indessen nicht habe erfolgen können
und nicht nachgeholt worden sei (S. 4). Mit den Berichten und Zeugnissen des behandelnden Arztes bringe die Kläg
erin für die von ihr behauptete
Krankheit den vollen Beweis. Die Berichte seien nachvollziehbar und widerspruchsfrei, weswegen darauf abgestellt werden könne (S. 7).
2.3
Demgegenüber vertr
at
die Beklagte
im Wesentlichen
die Ansicht,
in der schlüssi
gen, begründeten und nachvollziehbaren versicherungsmedizinischen
Stel
lungnahme ihres Vertrauensarztes vom 10. November
2014 sei dargelegt worden
, dass in medizinischer Hinsicht aufgrund der zeitnah erstellten Doku
mente nach dem 31. Dezember 2013 – somit über ein Jahr nach der erstmaligen Krankschreibung aufgrund des Arbeitsplatzkonflikts – kein psychiatrisches Lei
den mit Krankheitswert mehr vorgelegen habe. Die medizinischen Akten beleg
ten, dass anfangs Januar bis erste Hälfte Februar 2014 mehrere körperliche und von der psychischen Problematik unabhängige Schmerzsyndrome vorgelegen hätten, die zur Arbeitsunfähigkeit geführt hätten. Generell sei mit dem Gutach
ter bei der Diagnose einer Anpassungsstörung nicht von einer dauerhaften Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit auszugehen (S. 7 f. N 11). Die Einstellung der Taggeldleistungen per Ende 2013 sei zu Recht erfolgt (S. 9 N 15).
3.
3.1
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Innere Medizin
sowie
Psychosomatische und Psy
chosoziale Medizin
,
führte im Bericht vom 23. April 2013 (Urk. 11/B/M1) aus, die Klägerin leide an einer Anpassungsstörung durch übermässigen Stress am Arbeitsplatz. Sie
habe zunehmend unter depressiver Dekompensation mit ver
stärkter Schlafstörung, Unruhe und Antriebslosigkeit sowie Konzentrationsstö
rungen gelitten. Sie sei seit dem 17. Dezember 2012 „krankgeschrieben“. Mit einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit sei grundsätzlich in den nächsten Mona
ten zu rechnen, Voraussetzung dazu sei aber eine Klärung der sehr verworrenen Verhältnisse am Arbeitsplatz.
3.2
Am 22. Mai 2013 berichtete
Dr.
A._
(Urk. 11/B/M2), er kenne die Klägerin seit über zehn Jahren
. S
ie sei in all den Jahren psychisch stabil gewesen und habe nur wegen einer leichten Schlafstörung entsprechende Medikamente gebraucht. In einem deutlichen Zusammenhang mit Spannungen am Arbeitsplatz seien bei ihr erstmals psychische Symptome aufgetreten. So habe er sie erstmals depressiv erlebt, die Schlafstörungen hätten sich verstärkt und im Zusammenhang mit dieser psychischen Belastungssituation sei es auch zu einer deutlichen Ge
wichtszunahme gekommen und wahrscheinlich damit im Zusammenhang seien auch verstärkt Rückenschmerzen aufgetreten.
3.
3
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
führte im Gutachten vom 23. August 2013 (Urk. 11/B/M3
= Urk. 2/20
) aus, die Kläge
rin habe bei unauffälliger psychiatrischer Vorgeschichte und unauffälliger Familienanamnese im Zusammenhang mit einer berichteten massiven Belas
tungs
situation am letzten Arbeitsplatz reaktiv ein psychisches Beschwerdebild entwi
ckelt, das in Übereinstimmung mit der diagnostischen Beurteilung des behan
delnden Hausarztes einer Anpassungsstörung (F43.21) zugeordnet werden
könne. Aktuell zeige die Explorandin noch eine zum depressiven Pol
ausge
lenkte
Grundstimmung mit erhöhter emotionaler Instabilität und noch herab
ge
setzter Belastbarkeit und Durchhaltefähigkeit bei aber bereits erkennbar
akti
vie
r
baren
rehabilitativen Ressourcen im Hinblick auf eine berufliche Wiederein
glie
derung
(S. 4)
.
Im Rahmen der aktuell noch im Vordergrund stehenden Instabilität
und zum Teil
der
herabgesetzten Belastbarkeit werde zum
aktuellen
Zeitpunkt aufgrund der psychiatrischen Untersuchung die 100%ige Arbeitsunfähigkeit in Überein
stimmung mit dem Hausarzt bis Ende
August
2013 bestätigt. Aufgrund der erkennbaren Besserungstendenz und der bereits aktuell angedeuteten
Teilbelast
barkeit
und aktivierbaren rehabilitativen Ressourcen sollte bei fortgesetzter
antidepressiver Psychopharmaka-Medikation ab September
2013 allein betreffend
die psychische Gesundheitssituation mindestens wieder eine 50%ige Arbeits
fähigkeit bezogen auf das angestammte Tätigkeitsprofil mit entsprechender Hilfe
stellung umsetzbar sein, die dann im weiteren Verlauf in zwei bis drei Monaten zügig auf ein anzustrebendes Arbeitspensum von 100 % gesteigert werden sollte (S. 4).
3.4
Mit Bericht vom 31. Januar 2014 (Urk. 11/B/M4
= Urk. 2/56
) teilte
Dr.
A._
mit, es sei vorgesehen gewesen, die Klägerin ab 2014 wieder „gesund zu schreiben“. Mit Antidepressiva sei es der Klägerin markant besser gegangen. Mitte Dezem
ber sei nach 16 Jahren der Hund der Klägerin gestorben, zu dem eine sehr enge Beziehung bestanden habe, insbesondere da die Klägerin alleine lebe.
Dies habe sie psychisch begreiflicherweise zurückgeworfen. Anfangs Januar sei eine Ver
schlechterung der Ischialgie rechts dazugekommen und Mitte Januar musste sie notfallmässig wegen eines sehr akuten
Zervikalsyndroms
empfangen werden. Aktuell fühle sie sich körperlich noch reduziert und sei gegenwärtig noch in Abklärung wegen einer erhöhten Senkung. Es sei davon auszugehen, dass sie ab zirka der zweit
en Woche Februar wieder „
gesund
geschrieben
“ werden könne.
3.5
Am
6. August 2014
berichtete
Dr.
A._
dem Rechtsvertreter der Klägerin
(Urk.
2/46), die Situation am Arbeitsplatz habe mit hoher Wahrscheinlichkeit dazu geführt, dass die Klägerin depressiv
dekompensiert
sei
. Dabei habe die Depression zu mehreren körperlichen Begleitsymptomen geführt, unter anderem im Herz-/Kreislaufbereich. Die Klä
gerin leide zudem zunehmend an
R
ückenbe
schwerden
im Rahmen einer Bandscheibenproblematik sowie an einer schmerz
haften Kniearthrose. Diese Symptome seien aber in ihrer zuletzt ausgeübten Tätigkeit im Callcenter nicht wesentlich hinderlich. Sie führten aber dazu, dass die Klägerin bei einer Beschäftigung ausserhalb eines Callcenters, wie zum Bei
spiel im Service, auch körperlich überfordert wäre. Aktuell betrage die Arbeits
fähig
keit 50 % in angepasster Tätigkeit. Im Gegensatz zu früher, sei die Klägerin sehr verunsichert und traue sich nicht mehr viel zu.
3.6
In der
Stellungnahme von
Dr.
med.
C._
, Medizinischer Dienst der Beklagten,
vom 31. März 2014 (Urk. 11/B/M5 = Urk. 2/39), rapportierte dieser ein Telefongespräch mit dem behandelnden Hausarzt. Danach s
ei
die erneute Verschlechterung ab 1. Dezember 2013 auf das neue Ereignis (Hund der Versi
cherten
sei
in jener Zeit verstorben) zurückzuführen. Auch aktuell seien noch vor allem psychopathologische Symptome für die noch bestehende Arbeitsun
fähigkeit verantwortlich, wobei der Hausarzt von einer baldigen Arbeits
fähig
keit
ausgehe. Es dürfe davon ausgegangen werden, dass die frühere
Anpassungs
störung
ohne dieses neue Ereignis wie prognostiziert zu einer vollen Arbeits
fähigkeit ab 1. Dezember 2013 geführt hätte.
3.7
Der Stellungnahme von
Dr.
C._
vom 10. November 2014 ist zu entnehmen
(Urk. 11/B/M6)
, dass
die erneut attestierte Arbeitsunfähigkeit durch den Haus
arzt nicht durch die bisherige Problematik in Zusammenhang mit dem
Arbeits
platzkonflikt
von 2012 begründet sei, da diese als voll remittiert aktenkundig
belegt sei. Bei einer Anpassungsstörung handle es sich explizit um ein Ge
scheh
en, bei welchem nach erfolgter Anpassung an eine veränderte
Lebens
si
tua
tion
die entsprechende psychopathologische Symptomatik remittiere. Es handle sich nicht um ein Erkrankungsgeschehen, welches in wiederkehrenden Episoden verlaufe. Aufgrund der damaligen Einschätzung habe davon ausge
gangen wer
den dürfen, dass spätestens ab Dezember mit einer vollen Arbeits
fähigkeit hätte gerechnet werden dürfen (S. 2).
Die aktuelle Stellungnahme des Hausarztes sei durch seine eigenen Angaben im Januar 2014 widerlegt, so dass der erneuten Zuordnung der 50%igen Arbeits
unfähigkeit aufgrund einer psychopathologischen Symptomatik im Zusammen
hang mit der Arbeitssituation nicht zugestimmt werden könne (S.2).
3.
8
Im Brief vom 25. November 2014 an den Rechtsvertreter der Klägerin
erklärte
Dr.
A._
(Urk. 2/55), die Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit sei ein schwieriges Unterfangen.
Realistischerweise
müsse man damit rechnen, dass sich eine Prog
nose wie vorliegend als falsch erweise. Er habe tatsächlich gehofft, dass die Klägerin ab der zweiten Februarwoche wieder arbeiten könne, der weitere Ver
lauf habe ihn aber eines besseren belehrt. Er könne nicht nachvollziehen, auf
grund welcher Befunde der Vertrauensarzt der Beklagten die Klägerin als zu 100 % arbeitsfähig erachte.
4.
4.
1
Es ist unbestritten und aufgrund der medizinischen
U
nterlagen nachvollziehbar, dass die Klägerin aufgrund
von
Problemen am Arbeitsplatz eine
Anpassungs
störung
erlitt. Die
Diagnose einer
Anpassungsstörung wurde erstmals von
Dr.
A._
mit Bericht vom 23. April
2013 (E. 3.1) gestellt und durch
Dr.
B._
im psychiatrischen Gutachten vom 23. August 2013 (E. 3.3) bestätigt. Bereits im Zeitpunkt der Be
gutachtung im August 2013 hatte sich eine Verbesserung
des Gesundheitszu
stands
eingestellt, indem bei der Klägerin zwar noch eine zum depressiven Pol ausgelenkte Grundstimmung mit erhöhter emotionaler Insta
bilität und herab
gesetzter Belastbarkeit und Durchhaltefähigkeit
beobachtet werden konnte, aber auch bereits aktivierbare rehabilitative Ressourcen im Hin
blick auf eine berufli
che Wiedereingliederung erkennbar waren. Aufgrund dieser Feststellungen at
testierte
Dr.
B._
ab September
2013 eine Arbeits
un
fähigkeit von lediglich noch 50 % und stellte in Aussicht, dass eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 100 % in zwei bis drei Monaten möglich sein sollte. Zumindest mit der Ein
schätzung der Arbeitsfähigkeit von 50 % ab 1. September 2013 schien auch der behandelnde
Dr.
A._
einverstanden zu sein, stellte er doch für die Periode vom 1. September bis 30. November 2013
– wenn auch rückwirkend – am 9. November
2013
ein ärztliches Zeugnis über eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % aus (Urk. 11/C/AZ12).
Ab 1. Dezember
2013 erach
tete
Dr.
A._
die Klägerin
in
dessen
wieder als vollständig arbeitsunfähig (Urk. 11/C/AZ/13).
4.
2
Es kann der Klägerin darin beigepflichtet werden, dass medizinische Prognosen – insbesondere psychische Erkrankungen betreffend - nicht mit absoluter Ver
lässlichkeit gestellt werden können. Entgegen einer gestellten Prognose kann sich der effektive Heilungsverlauf anders gestalten. Bei der Klägerin stellte sich gemäss Zeugnis
vom 4. Dezember 2013 (Urk. 11/C/AZ13) nicht nur eine S
tag
na
tion im Heilungsprozess
, sondern eine Verschlechterung des Gesundheitszu
standes dergestalt ein, dass
Dr.
A._
sie
ab 1. Dezember 2013
als
wieder voll
ständig arbeitsunfähig
erachtete
.
Als Grund für die Verschlechterung des Gesundheitszustands nannte er im Bericht vom 31. Januar 2014 (E. 3.4) den Tod des Hundes, zu dem die Klägerin eine sehr enge Beziehung hatte, und ab
Anfang
Januar
2014
eine Verschlimmerung der Ischialgie und ab Mitte Januar ein akutes
Z
ervi
k
alsyndrom
.
4.
3
Dass der Tod
ihres
Hundes d
ie
Klägerin in ihrem Genesungsprozess hätte zurück
werfen oder zumindest aufhalten können, erschiene durchaus als plau
sibel, hätte nicht die Klägerin selber
die Aussage ihres Arztes dahingehend korri
giert, dass der Hund erst Ende Dezember 2013 gestorben sei (Urk. 9 S. 5 unten). Damit kann der Tod des Hundes
, ob nun Mitte Dezember - wie von
Dr.
A._
, der sich offenbar im Datum geirrt hatte,
angegeben
- oder am 29. Dezember 2013 eingetreten,
nicht der Grund
gewesen sein, der die Klägerin
gerade
ab 1. Dezember 2013
, ab welchem Datum die Beklagte ihre Leistungen einstellen wollte,
psychisch zu
rückgeworfen hat.
4.
4
Insoweit
Dr.
A._
im Bericht vom 31. Januar 2014 (E. 3.4) - neben dem Tod des Hundes - ab Anfang Januar 2014 eine Verschlechterung der Ischialgie und Mitte Januar 2014 ein akutes
Zervikalsyndrom
anführte, die auch zur Ver
schlechterung des Gesundheitszustandes beigetr
agen
hätten,
ist nicht nachvoll
ziehbar, weshalb diese bereits ab 1. Dezember 2013 eine Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit hätten herbeiführen sollen. S
elbst wenn davon ausg
egangen
würde, dass es sich bei diesen
um Begleitsymptome der Anpassungsstörung und
nicht um neue Leiden handelte
, führten sie
gemäss Bericht
von
Dr.
A._
vom 6. August 2014 (E. 3.5) nicht zu einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausg
eübten Tätigkeit im Callcenter
.
4.
5
Aufgrund der widersprüchlichen Berichte
des behandelnden Hausarztes
ist nicht ersichtlich, welcher Gesundheitsschaden beziehungsweise welche Befunde ab 1. Dezember 2013 zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes geführt
haben. Die teilweise rückwirkend bescheinigten Arbeitsunfähigkeiten (Urk. 11/C/AZ6
-7, Urk. 11/C/AZ9-20 und Urk. 11/C/AZ12)
und
d
ie
Tatsache, dass
Dr.
A._
, nachdem sich nach seiner Ansicht
der Genesungsprozess nicht nur länger
h
ingezogen, sondern sich sogar ein Rückfall eingestellt haben soll
, nicht in fachärztliche psychiatrische Behandlung überwies,
ist anzunehmen, dass sich dieser bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
vor allem auf die subjektiven Angaben
der Klägerin
stützte
. Aus diesem Grund und aufgrund der Erfah
rungstatsache, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen –
ist
einzig gestützt auf die Aussagen des Hausarztes eine über den
30. November 2013
dauernde
vollständige
Arbeitsunfähigkeit nicht ausgewiesen. Vielmehr ist mit dem Vertrauensarzt
der Beklagten (E. 3.6-3.7)
, der die im Recht liegenden Arztberichte und das Gutachten sorgfältig würdigte, davon aus
zugehen, dass
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
ab 1. Dezember 2013
keine Arbeitsun
fähigkeit
–
zumindest
keine Arbeitsunfähigkeit
aufgrund der im Dezember 2012 entstandenen
Anpassungs
störung
-
mehr bestand
en hat, was
zur Abweisung der Klage
führt
.
5.
5.1
Gemäss Art. 114
lit
. e ZPO ist das Verfahren kostenlos.
5.2
Nach der zu
altArt
. 47 Abs. 3 des Versicherungsaufsichtsgesetzes (VAG) ergang
e
nen, weiterhin gültigen höchstrichterlichen Rechtsprechung hat der ob
siegende
Versicherungsträger Anspruch auf eine Parteientschädigung, falls er durch einen
externen Anwalt vertreten ist (Urteil des Bundesgerichtes 4A_194/2010 vom 17. November 2010, E.
2.2.1, nicht publiziert in: BGE 137 III 47; Urteil des Bundesgerichts 5C.244/2000 vom 9. Januar 2001, E. 5 mit Hin
weisen).
Der obsiegenden, durch einen externen Anwalt vertretenen Beklagten steht un
ter Berücksichtigung der obgenannten Kriterien eine Parteientschädigung von Fr.
2‘100
.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu.