# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** eb9fbc42-a650-48c5-822a-5f91599d6815
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend schwere Körperverletzung und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, I. Abteilung,
vom 12. März 2014 (DG130092)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 2. Oktober
2013 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 18).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der schweren Körperverletzung im Sinne von
Art. 122 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 4 Jahren Freiheitsstrafe, wovon bis und
mit heute 261 Tage durch Haft erstanden sind.
3. Die mit Strafbefehl des Le Ministère Public des Kantons Genf vom 6. Juni
2012 ausgefällte bedingte Geldstrafe von 24 Tagessätzen à Fr. 120.– wird
widerrufen. Die Strafe ist zu vollziehen.
4. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger aus
dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist.
Zur genauen Feststellung des weiteren Umfanges des Schadenersatzan-
spruches wird der Privatkläger auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
5. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger Fr. 10'000.– zuzüglich
5 % Zins ab 24. Juni 2013 als Genugtuung zu bezahlen.
6. Die vom Forensischen Institut Zürich unter der Referenznummer ... sicher-
gestellten sowie dort gelagerten Gegenstände des Beschuldigten,
- Plastiktragtasche inkl. Inhalt (Asservat-Nr. ...)
- Rüstmesser "Victorinox" (Asservat-Nr. ...)
- Herrenunterwäsche (Asservat-Nr. ...)
- 1 Herrenhose (Asservat-Nr. ...)
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- 1 Paar Turnschuhe (Asservat-Nr. ...)
- 1 Paar Herrensocken (Asservat-Nr. ...)
- Shirt (Asservat-Nr. ...),
werden dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft auf erstes Verlan-
gen hin zurückgegeben. Werden diese Gegenstände nicht innert 30 Tagen
zurückverlangt, so wird der Verzicht angenommen.
7. Die vom Forensischen Institut Zürich unter der Referenznummer ... sicher-
gestellten sowie dort gelagerten Gegenstände des Privatklägers,
- Herrenunterwäsche (Asservat-Nr. ...)
- 1 Paar Herrensocken (Asservat-Nr. ...)
- Halsbekleidung (Dreieckstuch, Asservat-Nr. ...)
- Shirt (Asservat-Nr. ...)
- Pullover (Asservat-Nr. ...)
- Herrenhose (Asservat-Nr. ...)
- Herrenjacke (Asservat-Nr. ...)
- Turnschuhe (Asservat-Nr. ...)
werden dem Privatkläger nach Eintritt der Rechtskraft auf erstes Verlangen
hin zurückgegeben. Werden diese Gegenstände nicht innert 30 Tagen zu-
rückverlangt, so wird der Verzicht angenommen.
8. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom
23. September 2013 beschlagnahmte und bei der Bezirksgerichtskasse auf-
bewahrte Küchentuch sowie das Fleischermesser (Gesamtlänge 32cm, Griff
rot) werden eingezogen und der Kantonspolizei Zürich zur Vernichtung über-
lassen.
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9. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 6'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 4'000.– Gebühr für die Strafuntersuchung
Fr. 2'963.05 Auslagen Vorverfahren
Fr. 12'500.– amtliche Verteidigungskosten inkl. MwSt.
Fr. 2'707.30 Kosten der unentgeltlichen Geschädigtenvertretung Rechts- anwältin lic. iur. Z._, inkl. MwSt.
Fr. 6'700.– Kosten der unentgeltlichen Geschädigtenvertretung Rechts- anwältin lic. iur. Y._, inkl. MwSt.
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
10. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens,
einschliesslich derjenigen der unentgeltlichen Vertretung der
Privatklägerschaft, werden dem Beschuldigten auferlegt; davon
ausgenommen sind die Kosten der amtlichen Verteidigung, welche
einstweilen und unter dem Vorbehalt von Art. 135 Abs. 4 StPO von der
Gerichtskasse übernommen werden.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 87 S. 2)
1. Es sei der Beschuldigte von Schuld und Strafe freizusprechen, und es
sei ihm eine angemessene Entschädigung für die erlittene Haft zuzuer-
kennen.
2. Eventualiter: Es sei der Beschuldigte im Sinne von Art. 122 Ziff. 1 in
Verbindung mit Art. 16 StGB zu bestrafen.
3. Es sei der Beschuldigte mit einem Freiheitsentzug von 18 Monaten zu
bestrafen, wovon 9 Monate bedingt aufgeschoben werden sollen, wo-
bei die bis heute erstandene Haft anzurechnen ist.
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4. Es sei im Falle der Verurteilung meines Klienten der Entscheid des Mi-
nistère Public des Kantons Genf vom 6. Juni 2012 zu widerrufen.
5. Es seien die mit Verfügung vom 23.9.2013 beschlagnahmten Gegen-
stände definitiv einzuziehen und zu vernichten.
6. Zivilansprüche und Genugtuungsforderungen von Seiten des Privatklä-
gers seien abzuweisen.
7. Die Kosten des Verfahrens, inkl. diejenigen der amtlichen Verteidigung,
seien im Falle einer Verurteilung auf die Staatskasse zu nehmen, je-
doch definitiv abzuschreiben.
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:
(Urk. 77, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
c) Der Vertreterin der Privatklägerschaft:
(Urk. 84 S. 1)
Der Beschuldigte sei zu verpflichten, dem Privatkläger eine Genugtuung in
der Höhe von Fr. 45'000.– zuzüglich 5 % Zins seit dem 24. Juni 2013 zu be-
zahlen.

## Considerations

Erwägungen:
I. Verfahrensgang
1. Am 12. März 2014 fand im vorliegenden Strafverfahren die Hauptverhand-
lung vor Bezirksgericht Bülach statt (Prot. I S. 7 ff.). Gleichentags fällte das Be-
zirksgericht Bülach das obgenannte Urteil (Prot. I S. 66 ff.). Das Urteil wurde
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mündlich eröffnet und im Dispositiv dem Beschuldigen sowie dem Privatkläger
übergeben (Urk. 46) und der Staatsanwaltschaft zugestellt (Urk. 47). Am 13. März
2014 meldete der Beschuldigte beim Bezirksgericht Bülach Berufung an (Urk. 48).
Das begründete Urteil (Urk. 63 [=Urk. 68]) wurde vom Beschuldigten bzw. seinem
Verteidiger am 4. August 2014 entgegengenommen (Urk. 64).
2. In seiner Berufungserklärung focht der Beschuldigte die Dispositiv-Ziffern 1
bis 5 (Aufhebung des Schuldspruchs, eventuell mildere Bestrafung wegen Not-
wehr; Verzicht auf einen Widerruf; keine Verpflichtung zur Bezahlung von Scha-
denersatz und Genugtuung) sowie die Dispositiv-Ziffern 9 und 10 (Festsetzung
und Auflage der Kosten) an und beantragte überdies eine Entschädigung für den
erlittenen Freiheitsentzug (Urk. 72). Der Privatkläger beantragte mit seiner An-
schlussberufung in Abänderung von Dispositiv-Ziffer 5 eine Erhöhung der Genug-
tuung auf Fr. 45'000.00 zuzüglich Zins (Urk. 78). Die Staatsanwaltschaft verzich-
tete auf eine Anschlussberufung (Urk. 77). Das Gesuch der Staatsanwaltschaft
um Dispensation von der Teilnahme an der Berufungsverhandlung wurde am
10. Oktober 2014 bewilligt (Urk. 77).
3. Am 20. Oktober 2014 wurden die Parteien zur Berufungsverhandlung auf
den 16. Januar 2015 vorgeladen (Urk. 83).
4. Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 16. Januar 2015 stellte der Be-
schuldigte die oben aufgeführten Anträge (Urk. 87 S. 2 f.). Der Privatkläger stellte
die oben erwähnten Anträge (Urk. 84 S. 1)
II. Prozessuales
1. In der Berufungserklärung beschränkte der Beschuldigte seine Berufung auf
die Dispositiv-Ziffern 1-5 sowie 9 und 10. Der Privatkläger beschränkte seine An-
schlussberufung auf Dispositiv-Ziffer 5. Das angefochtene Urteil blieb in Bezug
auf die Rückgabe der sichergestellten Gegenstände (Dispositiv-Ziffern 6 und 7)
sowie die Einziehung der beschlagnahmten Gegenstände (Dispositiv-Ziffer 8) un-
angefochten.
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2. Das Berufungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil nur in den ange-
fochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). Soweit das Urteil nicht beanstandet
wurde, erwächst es in Rechtskraft (Art. 437 StPO). Es ist somit festzustellen, dass
das Urteil des Bezirksgerichts Bülach, I. Abteilung, vom 12. März 2014 bezüglich
der Dispositiv-Ziffern 6 (Rückgabe der sichergestellten Gegenstände an den Be-
schuldigten), 7 (Rückgabe der sichergestellten Gegenstände an den Privatkläger)
und 8 (Einziehung) in Rechtskraft erwachsen ist.
III. Sachverhalt
1. Der Sachverhalt ist umstritten und muss daher erstellt werden. Die Staats-
anwaltschaft geht in der Anklageschrift im Wesentlichen davon aus, dass der Be-
schuldigte am Abend des 24. Juni 2013 auf der Bahnhofwiese/Giebeleichstrasse
in Glattbrugg Opfikon mit dem Privatkläger vorerst in einen verbalen Streit geraten
sei. Gegen 20.10 Uhr sei der aufgebrachte Beschuldigte mit seinem Velo zu sich
nach Hause gefahren, habe dort ein grosses Fleischermesser (Klingenlänge
ca. 20cm, maximale Klingenbreite ca. 4,5cm) sowie ein Küchentuch behändigt
und diese Gegenstände zusammen mit Fussbällen in einen Plastiksack gelegt.
Anschliessend sei der Beschuldigte gegen 20.20 Uhr unter Mitnahme des Plastik-
sacks mit dem Velo zur Bahnhofswiese zurückgefahren, habe das Velo am Rand
der Wiese abgestellt und das Fleischermesser zur Hand genommen, wobei er es
mit einem Küchentuch umwickelt habe. So ausgerüstet sei er über die Bahnhofs-
wiese in Richtung der gegenüberliegenden Sitzbänke gegangen, wo sich immer
noch der Privatkläger aufgehalten habe, der unterdessen mit einer Metallstablam-
pe in der Länge von ca. 50cm in der Hand auch auf die Wiese getreten sei. Als
sich der Beschuldigte und der Privatkläger in der Mitte der Bahnhofswiese gegen-
über gestanden seien, habe der noch immer wütende Beschuldigte dem Privat-
kläger mit entsprechender Verletzungsabsicht das Fleischermesser in den rech-
ten Oberbauch gestossen. Darauf habe der Privatkläger dem Beschuldigten drei
Schläge mit der Stablampe gegen den Kopf versetzt. Durch den Messerstich in
den rechten Oberbauch habe der Privatkläger dort eine ca. 5cm lange und
ca. 4cm breite Stichwunde erlitten, wobei der Stichkanal von der Einstichstelle am
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rechen Oberbauch unter der Leber Richtung Bauchspeicheldrüse bis zur Milz ver-
laufen sei und ein Blutgefäss im Bereich der Bauchspeicheldrüse verletzt habe,
was eine sofortige Operation des Privatklägers im Zürcher Universitätsspital mit
Eröffnung des Bauchraumes nötig gemacht habe. Durch die drei Schläge mit der
ca. 50cm langen Metallstablampe auf den Kopf des Beschuldigten habe dieser im
Bereich der oberen Stirn eine Rissquetschwunde und an der Kopfseite rechts und
am Hinterkopf je ein Hämatom erlitten.
2. Nach schwankenden Aussagen im Verlauf der Untersuchung anerkennt der
Beschuldigte ausdrücklich, dass er im Anschluss an eine erste (verbale) Ausei-
nandersetzung mit dem Privatkläger mit dem Velo nach Hause gefahren sei, dort
ein Fleischermesser behändigt habe, mit diesem Fleischermesser zur Bahnhofs-
wiese zurückkehrt sei und alsdann dieses Messer bei der anschliessenden (tätli-
chen) Auseinandersetzung effektiv auch gegen den Privatkläger eingesetzt habe
(Urk. 45 S. 3 Abs. 2, S. 4 Abs. 3).
3. In Abweichung von der Darstellung der Staatsanwaltschaft macht der Be-
schuldigte jedoch geltend, er habe das Messer nur geholt, um den Privatkläger
damit einzuschüchtern. Keineswegs habe er die Absicht gehabt, den Privatkläger
damit zu verletzen (Urk. 45 S. 8 Abs. 3, S. 13 Abs. 2 und S. 14). Er - der Beschul-
digte - habe nicht als erster das Messer eingesetzt, sondern er sei zuerst vom
Privatkläger mit der eisernen, 50cm langen Stablampe angegriffen und dreimal
auf den Kopf geschlagen worden. Er - der Beschuldigte - habe dann keine andere
Möglichkeit mehr gesehen, sich zu wehren, und habe mit dem Messer in Richtung
des Privatklägers gestossen, welcher weiterhin auf ihn - den Beschuldigten - mit
der Stablampe eingeschlagen habe (Urk. 45 S. 9 Mitte und S. 13 f.). Anlässlich
der Berufungsverhandlung führte er zum Tatgeschehen aus, er habe aufgrund der
Schläge des Privatklägers mit der Metallstablampe reflexartig zugestochen, es sei
aber der Privatkläger gewesen, welche zuerst zugeschlagen habe (Prot. II S. 7
und S. 17). In Bezug auf dieses umstrittene Geschehen ist daher im Folgenden
der Sachverhalt zu erstellen.
a. Der Zeuge C._, der mit dem Beschuldigten befreundet ist (Urk. 6/1
S. 6), führte aus, dass der Beschuldigte nach einer ersten Auseinandersetzung
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mit dem Privatkläger mit dem Velo nach Hause gefahren und ca. 5 Minuten später
mit dem grossen Fleischmesser zurückgekommen sei. Der Beschuldigte habe
das Messer in ein Küchentuch gewickelt. Das habe er gesehen, weil er unmittel-
bar vor ihm im Abstand von vielleicht einem Meter gestanden sei. Er habe dann
dem Beschuldigten gesagt, er solle das Messer weglegen, sonst würde die Sache
noch ausarten. Er habe das nicht nur einmal, sondern mehrmals zum Beschuldig-
ten gesagt. Er habe dann aber selbst nach hinten ausweichen müssen, damit er
nicht vom Beschuldigten mit dem Messer belangt worden sei. Der Beschuldigte
sei sehr erregt gewesen, "jenseits von Eden". Der Beschuldigte und der Privatklä-
ger seien dann aufeinander zugegangen und hätten sich etwa in der Mitte der
Bahnhofswiese getroffen. Dann habe es geklingelt und geknallt. Der Beschuldigte
sei dann am Boden gelegen. Er sei dann wieder aufgestanden und weggegan-
gen, und zwar auf die andere Strassenseite. Der Privatkläger sei zu ihnen zu den
Bänken zurückgekommen. Er - der Zeuge - habe dann gesehen, dass der Privat-
kläger einen Schlitz im T-Shirt gehabt habe und habe ihn aufgefordert, das Shirt
zu heben. Er habe dann die Stichverletzung gesehen und dass ein Stück Darm
aus dem Bauch gekommen sei. Sie hätten dann einen Druckverband gemacht
und die Polizei bzw. die Ambulanz gerufen (Urk. 8/2 S. 3 f.). Auf die Frage, wer
zuerst mit den Kampfhandlungen begonnen habe, als die zwei Kontrahenten auf-
einander getroffen seien, führte der Zeuge C._ aus, dass der Beschuldigte
zuerst mit dem Messer zugestochen habe. Danach habe er vom Privatkläger
dreimal die Lampe um den Kopf geschlagen bekommen, und dann sei fertig ge-
wesen (Urk. 8/2 S. 5). Er habe den Streit von sehr nahe betrachtet (Urk. 8/2 S. 6).
Der Zeuge D._, der seit einem gemeinsamen Aufenthalt in einer Alko-
holentzugsstation ein Kollege des Beschuldigten ist (Urk. 8/4 S. 2), führte aus,
dass er gesehen habe, wie der Beschuldigte und der Privatkläger aufeinander los
gegangen seien. Wer zuerst was gemacht habe, wisse er nicht. Er wisse nur,
dass der Beschuldigte vom Privatkläger zwei Mal eins auf den Kopf bekommen
habe; dieser - der Privatkläger - habe einen langen Gegenstand in der Hand ge-
habt. Der Beschuldigte sei dann umgefallen und kurz ohnmächtig gewesen. Er sei
dann wieder aufgestanden, und der Krach sei weitergegangen. Das Zustechen
habe er nicht gesehen; er wisse nicht, ob das vorher oder nachher gewesen sei.
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Er - der Zeuge - habe dann gesehen, dass der Privatkläger am Körper geblutet
habe, und C._ habe dann die Polizei und den Krankenwagen angerufen
(Urk. 8/4 S. 3). Auf Nachfrage führte der Zeuge D._ aus, er habe das Messer
nicht gesehen; anscheinend sei es ja eingepackt gewesen. Erst nachher - d.h.
nach der tätlichen Auseinandersetzung - habe er das Messer gesehen, das zu-
sammen mit dem Tuch auf der Wiese gelegen sei (Urk. 8/4 S. 3, vgl. auch S. 4
und 6). Im Zeitpunkt der tätlichen Auseinandersetzung habe er sich etwa 20 Meter
vom Ort des Geschehens entfernt befunden (Urk. 8/4 S. 5).
Der Zeuge E._, der den Beschuldigten seit Mai 2013 kennt und sich als
dessen Kollege bezeichnet (Urk. 8/7 S. 2), führte aus, dass er im Zeitpunkt der
tätlichen Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten und dem Privatkläger
auf der Bank gesessen sei und an seinem Telefon herumgespielt und sich unter-
halten habe. Die beiden Kontrahenten seien auf der Wiese gewesen. Er habe
dann "klong, klong" gehört und gesehen, dass der Beschuldigte am Boden gele-
gen sei. Er sei dann nochmals hoch gekommen und habe dann vom Privatkläger
nochmals "eine gekriegt". Er glaube, der vom Privatkläger eingesetzte Gegen-
stand sei ein Eisenrohr gewesen; einer habe allerdings gesagt, es sei eine Ta-
schenlampe gewesen. Nach dem dritten Schlag sei der Beschuldigte weggerannt.
Der Privatkläger sei dann zu ihm auf die Bank gekommen und habe sich hinge-
setzt. Zuerst habe er gar nicht geblutet. Der Privatkläger habe dann sein T-Shirt
gehoben und er habe gesehen, dass ein Stück Darm aus dem Bauch gehängt sei
(Urk 4/7 S. 6). Auf die Frage, ob er wisse, in welcher Reihenfolge sich die Kontra-
henten die Verletzungen zugefügt habe, führte der Zeuge aus, dass er das nicht
sagen könne, weil er es nicht gesehen habe (Urk. 8/7 S. 4).
Die ebenfalls als Zeugin einvernommene F._ konnte sich zur tätlichen
Auseinandersetzung um ca. 20.20 Uhr nicht äussern, weil sie bereits um 19.30
Uhr nach Hause zurückgekehrt war.
Schliesslich wurde anlässlich der Hauptverhandlung vor Bezirksgericht
Bülach vom 12. März 2014 G._ als Zeuge befragt (Prot. I S. 38 ff.). Auf die
detaillierte Wiedergabe seiner Aussagen kann verzichtet werden, weil er sich in
grundsätzlichen Fragen in fundamentale Widersprüche verstrickte. So führte der
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Zeuge einerseits aus, dass er nicht sagen könne, ob der Beschuldigte, als er sich
nach der verbalen Auseinandersetzung entfernte und nach Hause ging, wieder
zum Park zurückgekommen sei, weil er - der Zeuge - dann weggegangen sei
(Prot. I S. 42). Dies hinderte ihn jedoch nicht daran, sich anschliessend zum Ab-
lauf der tätlichen Auseinandersetzung mit dem Messer und der Stablampe im De-
tail zu äussern (Prot. I S. 42 f.).
b. Entscheidend sind die Aussagen des Zeugen C._. Er ist der einzi-
ge Zeuge, der die Vorgänge aus unmittelbarer Nähe beobachtete. Er befand sich
beim Beschuldigten, als dieser in anhaltend wütendem Zustand und mit einem
Fleischermesser ausgerüstet, das er zuvor zu Hause behändigt hatte, wieder am
Tatort erschien. Er beschrieb anschaulich, lebensnah und überzeugend, wie er
den Beschuldigten beruhigen wollte, dann aber aufgrund der ungewöhnlichen Er-
regung des Beschuldigten zurückweichen musste. Es ist davon auszugehen, dass
C._ aufgrund der Gefährlichkeit der Situation das folgende Geschehen ge-
nau und aus nächster Nähe beobachtete. Seine Schilderungen sind plausibel und
lebensnah. Die detaillierten Angaben von C._ lassen sich denn auch ohne
Weiteres in Einklang bringen mit den Aussagen der Zeugen D._ und
E._, die aber aufgrund ihrer räumlichen Distanz zum Geschehen (je ca. 20m
Abstand) nicht wahrnehmen konnten, welcher der Kontrahenten zuerst auf den
anderen losgegangen war. Im Übrigen ist auch kein Grund ersichtlich, weshalb
C._ den befreundeten Beschuldigten zu Unrecht belasten sollte.
An der Glaubhaftigkeit der Aussagen des Zeugen C._ ändern auch die
Einwände des Beschuldigten nichts: Soweit der Beschuldigte geltend macht, bei
den Aussagen von C._ komme ein "extremer Geltungsdrang" zum Ausdruck
(Urk. 45 S. 10 f.; Urk. 87 S. 10), ist ihm entgegen zu halten, dass ein Zeuge, der
das Erlebte und Wahrgenommene detailliert schildert, nicht mit "extremem Gel-
tungsdrang" handelt, sondern seine Verpflichtungen als Zeuge erfüllt. Soweit der
Beschuldigte weiter geltend macht, C._ könne sich entgegen seiner Darstel-
lung nicht in unmittelbarer Nähe des Geschehens befunden haben (Urk. 45 S. 11
oben; Urk. 87 S. 8 f.), ist ihm entgegen zu halten, dass die angeblichen Wider-
sprüche zu den Aussagen von D._ bzw. E._ konstruiert sind; effektiv
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sagte nämlich D._ aus, dass C._ die Auseinandersetzung der Kontra-
henten verhindern wollte (Urk. 8/4 S. 6), was zwangslos so verstanden werden
kann, dass sich C._ in der Nähe des Geschehens befand; und wenn der
Zeuge E._ erklärte, C._ sei auf einer der Bänke gesessen (Urk. 8/7
S. 3), ist damit nicht gesagt, für welchen genauen Zeitpunkt im Verlauf des gan-
zen Abends das der Fall gewesen sein soll. Wenn sich der Beschuldigte schliess-
lich daran stört, dass C._ die vom Privatkläger als Schlagwerkzeug einge-
setzte Stablampe genau beschreiben konnte (Urk. 45 S. 11 f.), ist ihm entgegen
zu halten, dass C._ plausibel erklären konnte, dass er mit einer solchen
Stablampe während seines Dienstes in der deutschen Bundeswehr vertraut ge-
wesen sei (Urk. 8/2 S. 4).
c. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass sich der Beschul-
digte entsprechend dem in der Anklage geltend gemachten Sachverhalt in zorni-
gem Zustand und mit einem Fleischermesser ausgerüstet dem Privatkläger nä-
herte, der unterdessen auch auf die Bahnhofswiese getreten war, eine ca. 50cm
lange Stablampe behändigt hatte und sich nun ebenfalls dem Beschuldigten nä-
herte. Beim Zusammentreffen der Kontrahenten stiess der Beschuldigte dem Pri-
vatkläger das Fleischermesser in den rechten Oberbauch, bevor der Privatkläger
dem Beschuldigten drei Schläge mit der Stablampe gegen den Kopf versetzte.
5. Damit steht fest, dass der in der Anklage umschriebene Sachverhalt
auch insofern erstellt ist, als die Darstellungen des Beschuldigten davon abwei-
chen.
IV. Rechtliches
1. In rechtlicher Hinsicht würdigt die Anklagebehörde das Verhalten des
Beschuldigten als schwere Köperverletzung im Sinn von Art. 122 Abs. 1 und 4
StGB. Der Beschuldigte beantragt einen Freispruch, eventuell eine Bestrafung
wegen schwerer Körperverletzung im Sinn von Art. 122 StGB unter Berücksichti-
gung einer Notwehr nach Art. 16 StGB.
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2. Eine schwere Körperverletzung begeht gemäss Art. 122 Abs. 1 StGB,
wer einen Menschen lebensgefährlich verletzt.
a. In objektiver Hinsicht ist das Vorliegen einer Lebensgefahr vorausge-
setzt. Die Rechtsprechung hat klargestellt, dass die vom Gesetz geforderte Le-
bensgefahr eine unmittelbare sein müsse. Es genüge nicht, dass die Verletzung
einigermassen gefährlich sei und die Möglichkeit des Todes in etwelche Nähe rü-
cke, wie dies z.B. bei einem Beinbruch der Fall sein könne. Von lebensgefährli-
cher Körperverletzung im Sinn von Art. 122 Abs. 1 StGB könne nur gesprochen
werden, wenn die Verletzung zu einem Zustand geführt habe, in dem sich die
Möglichkeit des Todes dermassen verdichte, dass sie zur ernstlichen und dringli-
chen Wahrscheinlichkeit werde (BGE 109 IV 18 E. 2c S. 20 [betreffend Milzriss,
der ohne sofortigen operativen Eingriff zum Tode hätte führen können]). Wie lan-
ge dieser Zustand anhält und ob rechtzeitig wirksame ärztliche Hilfe geleistet
werden kann, bleibt unerheblich (Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, Art. 122
N. 8).
Im vorliegenden Fall stach der Beschuldigte dem Privatkläger mit einem
Fleischermesser in den rechten Oberbauch und verursachte einen ca. 5cm lan-
gen und ca. 4cm breiten Stichkanal, der unter der Leber bis zur Milz verlief. Dabei
wurde eine mittelgrosse Arterie im Bereich der Bauchspeicheldrüse (arteria pan-
dreatico duodenalsis) verletzt (Urk. 9/2 [Antwort zu Frage 2]). Die Verletzung
machte eine notfallmässige Eröffnung des Bauchraumes nötig (Urk. 9/2 [Antwort
zu Frage 4]). Ohne die genannte notfallmässige Operation hätte die Verletzung
der mittelgrossen Schlagader im Bauchbereich zufolge Wahrscheinlichkeit des
Verblutens zu einer unmittelbaren Lebensgefahr für den Verletzten führen können
(Urk. 9/2 [Antwort zu Frage 5]). Aufgrund dieser ärztlichen Erkenntnisse steht fest,
dass die Verletzungen des Privatklägers als lebensgefährlich im Sinn von Art. 122
Abs. 1 StGB zu qualifizieren sind. Es liegt auf der Hand und bedarf keiner länge-
ren Ausführungen, dass durch die Durchtrennung einer Arterie die unmittelbare
Gefahr des Todes durch (innere) Verblutung besteht. Dabei handelt es sich nicht
nur um eine theoretische, sondern um eine konkrete und ernstliche Todesgefahr.
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Daran ändern die Einwände des Beschuldigten nichts. Unbegründet ist zu-
nächst die Auffassung des Beschuldigten, es habe keine akute und konkrete Le-
bensgefahr bestanden, weil die Ambulanz unverzüglich vor Ort gewesen sei, weil
der Privatkläger schnellstmöglich operiert worden sei und weil der Privatkläger
"allseits orientiert" gewesen sei und im Spital alle Fragen der Ärzte habe beant-
worten können (Urk. 45 S. 15; Urk. 87 S. 17); es wurde bereits ausgeführt, dass
nicht relevant ist, wie lange die unmittelbare Lebensgefahr drohte; wenn der Pri-
vatkläger aufgrund einer lebensgefährlichen Verletzung (Verletzung einer Arterie
und Gefahr des Verblutens) sofort operiert werden musste und als Folge der er-
folgreichen Operation die Lebensgefahr gebannt war, ändert das nichts an der
Tatsache, dass der Beschuldigte dem Privatkläger eine lebensgefährliche Verlet-
zung zugefügt hatte. Unbegründet ist auch der Hinweis des Beschuldigten, dass
gemäss dem Gutachten des IRM keine der lebenswichtigen Organe wie Milz, Le-
ber, Darm oder Magen verletzt worden seien (Urk. 45 S. 15; Urk. 87 S. 17); ent-
gegen der Annahme des Beschuldigten ist nicht die Verletzung eines "lebens-
wichtigen Organs" im Sinn von Art. 122 Abs. 2 StGB eingeklagte, sondern es wird
ihm die "lebensgefährliche Verletzung" eines Menschen im Sinn von Art. 122
Abs. 1 StGB vorgeworfen.
b. In subjektiver Hinsicht setzt Art. 122 StGB (direkten) Vorsatz oder min-
destens Eventualvorsatz voraus. Wie erwähnt ist in tatsächlicher Hinsicht erstellt,
dass der Beschuldigte nach der verbalen Auseinandersetzung mit dem Privatklä-
ger nach Hause zurückkehrte, dort ein Fleischmesser (die spätere Tatwaffe) be-
händigte, alsdann wieder zum Ort der Auseinandersetzung zurückkehrte und dem
Privatkläger das Fleischmesser in den rechten Oberbauch stiess, bevor dieser -
der Privatkläger - mit der Stablampe dreimal gegen ihn schlug. Da der Beschul-
digte die tätliche Auseinandersetzung mit einem Messerstich gegen den Privat-
kläger eröffnete, nahm er zumindest in Kauf, dass der Stich mit dem von ihm ein-
gesetzten Fleischermesser in den Oberkörper eines Menschen zu lebensgefährli-
chen Verletzungen führen kann. Der Beschuldigte gestand dies anlässlich der
erstinstanzlichen Hauptverhandlung denn auch ein (Prot. I S. 18). Nebst dem ob-
jektiven ist somit auch der subjektive Tatbestand von Art. 122 Abs. 1 StGB erfüllt.
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c. Folglich ist der Beschuldigte der schweren Körperverletzung im Sinne
von Art. 122 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
3. Aufgrund des erstellten Sachverhaltes kann dem Eventualstandpunkt
des Beschuldigten nicht gefolgt werden, er sei zunächst angegriffen worden und
habe sich alsdann mit dem Messer in Notwehr gegen den Angriff verteidigen wol-
len.
a. Gemäss Art. 15 StGB ist derjenige, der angegriffen wird oder unmittel-
bar mit einem Angriff bedroht wird, berechtigt, den Angriff in einer den Umständen
angemessenen Weise abzuwehren. Eine Notwehr setzt eine Notwehrlage voraus.
Ein Angriff muss im Gang sein oder unmittelbar bevorstehen; die aggressive Hal-
tung einer gegenüberstehenden Gruppe oder Person reicht nicht (BGE 104 IV
232 S. 236 f.).
b. Im vorliegend Fall lag keine Notwehrsituation vor. Gemäss dem einge-
klagten und erstellten Sachverhalt griff der Beschuldigte den Privatkläger mit dem
Fleischermesser an; es kann also keine Rede davon sein, dass ein Angriff des
Privatklägers im Gang war. Es könnte sich höchstens die Frage stellen, ob ein
Angriff des Privatklägers, der dem Beklagten immerhin mit einer ca. 50cm langen,
metallenen Stablampe entgegentrat, unmittelbar bevorstand. Auch davon kann
keine Rede sein. Zwischen den Kontrahenten mag aufgrund der vorangehenden
verbalen Auseinandersetzung zwar eine aggressive Stimmung geherrscht haben.
Allein die Tatsache, dass sich der Privatkläger zu seinem Schutz mit einer
ca. 50cm langen Stablampe ausrüstete, als der Beschuldigte ihm mit einem Flei-
schermesser mit einer 20cm langen Klinge entgegentrat, lässt nicht auf einen
unmittelbar bevorstehenden Angriff des Privatklägers auf den Beschuldigten
schliessen. Das Verhalten des Privatklägers ist im Gegenteil so zu verstehen,
dass er den zornigen und mit einem Fleischermesser ausgerüsteten Beschuldig-
ten vor einem Angriff abhalten wollte. Von einem unmittelbar bevorstehenden An-
griff kann keine Rede sein. Eine Notwehrsituation liegt nicht vor.
c. Aus diesen Gründen fällte eine rechtfertigende Notwehr gemäss Art. 15
StGB des Beschuldigten ausser Betracht. Mangels Vorliegens einer Notwehrsi-
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tuation ist auch ein Handeln in entschuldbarer Notwehr gemäss Art. 16 StGB zu
verneinen.
V. Strafzumessung
1. Der Straftatbestand der schweren Körperverletzung gemäss Art. 122
Abs. 1 StGB sieht eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe vor.
Innerhalb dieses Strafrahmens ist die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu
bemessen. Das Gericht berücksichtigt das Vorleben, die persönlichen Verhältnis-
se sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters (Art. 47 Abs. 1 StGB).
Das Verschulden wird dabei nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung
des betreffenden Rechtsgutes, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Be-
weggründen und Zielen des Beschuldigten sowie danach bestimmt, wie weit die-
ser nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die Verletzung
zu vermeiden (Art. 47 Abs. 2 StGB).
a. Für die Bemessung des Verschuldens (Art. 47 Abs. 1 Satz 1 StGB)
sind sämtliche Tatkomponenten zu berücksichtigen. Die Bewertung des Ver-
schuldens wird in Art. 47 Abs. 2 StGB dahingehend präzisiert, dass einerseits die
objektiven Tatkomponenten wie die Schwere der Verletzung bzw. Gefährdung
des betreffenden Rechtsgutes (Art der zugefügten Verletzung) und die Verwerf-
lichkeit des Handelns (Art und Weise der Herbeiführung des Erfolges, kriminelle
Energie) zu berücksichtigen sind. Andererseits sind für die Bewertung des Ver-
schuldens subjektive Tatkomponenten wie die Beweggründe und Ziele des Täters
(Tatmotiv) sowie das "Mass an Entscheidungsfreiheit" beim Täter von Bedeutung.
b. In einem weiteren Schritt sind sodann die Täterkomponenten gemäss
Art. 47 Abs. 1 Satz 2 StGB zu würdigen. In diesem Zusammenhang sind das Vor-
leben des Täters, seine persönlichen Verhältnisse sowie das Verhalten nach der
Tat und im Strafverfahren zu berücksichtigen.
c. Gemäss Art. 50 StGB muss das Gericht die für die Zumessung der
Strafe erheblichen Umstände sowie deren Gewichtung festhalten (BGE 134 IV 17
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E. 2.1 S. 20). Die wesentlichen Tat- und Täterkomponenten sind so zu erörtern,
dass festgestellt werden kann, ob alle rechtlich massgebenden Gesichtspunkte
Berücksichtigung fanden und wie sie gewichtet wurden. Es muss ersichtlich wer-
den, ob und in welchem Mass sie strafmindernd oder straferhöhend in die Waag-
schale fielen (ZR 113/2014 Nr. 6 S. 20).
2. Bei der Tatkomponente ist in Bezug auf die objektive Tatschwere wie erläu-
tert davon auszugehen, dass der Beschuldigte dem Privatkläger lebensgefährli-
che Verletzungen zufügte. Der Beschuldigte nahm eine zunächst verbale Ausei-
nandersetzung zum Anlass, um dem Privatkläger mit einem grossen Fleischer-
messer einen Stich in den Oberkörper zu versetzen. Der Privatkläger musste not-
fallmässig hospitalisiert werden. Durch den Messerstich wurde eine mittelgrosse
Arterie im Bereich der Bauchspeicheldrüse verletzt (arteria pancreatio duodena-
lis), was die Eröffnung des Bauchraumes nötig machte. Nur durch Zufall - d.h. aus
Gründen, die der Beschuldigte nicht beeinflussen konnte - kam es nicht zu Verlet-
zungen mit bleibenden Schäden oder gar zu tödlichen Verletzungen. Stark er-
schwerend kommt hinzu, dass der Beschuldigte nicht spontan handelte, sondern
planmässig vorging; aufgrund der aus seiner Sicht erlittenen Beleidigungen ent-
schloss er sich, mit dem Velo nach Hause zu fahren, dort ein gefährliches Flei-
schermesser zu behändigen, an den Ort der Auseinandersetzung zurückzukehren
und alsdann seinem Kontrahenten einen Messerstich zu versetzen. Obwohl ge-
nügend Zeit zur Verfügung gestanden hätte, von einem deliktischen Verhalten
Abstand zu nehmen, setzte der Beschuldigte seinen Plan unbeirrt und rücksichts-
los um. Dies zeugt von einer beträchtlichen kriminellen Energie. Zugunsten des
Beschuldigten muss immerhin berücksichtigt werden, dass auch der Kontrahent -
der Privatkläger - keinerlei Anstalten traf zu verhindern, dass die zunächst verbale
Auseinandersetzung in eine gewaltgeladene tätliche Auseinandersetzung ausar-
tete.
In Bezug auf die subjektive Tatschwere ist zu Gunsten des Beschuldigten zu be-
rücksichtigen, dass ein direktvorsätzliches Handeln nicht nachweisbar ist, sondern
dass er bloss eventualvorsätzlich handelte, indem er in Kauf nahm, den Beschul-
digten lebensgefährlich zu verletzen. Motiv für die Tat war die vorangegangene
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verbale Auseinandersetzen; der Beschuldigte führte selbst aus, er sei zornig auf
den Privatkläger gewesen, welcher ihn beschimpft und beleidigt habe, und just an
diesem Tag habe er zeigen wollen, "wer der Stärkere" sei (Urk. 45 S. 16); wer ei-
ne verbale Auseinandersetzung derart eskalieren lässt, weil er zeigen will, "wer
der Stärkere" ist, handelt in hohem Mass verantwortungslos. Ferner kann nur
marginal zugunsten des Beschuldigten berücksichtigt werden, dass er im Tatzeit-
punkt unter Alkoholeinfluss stand; zu seinen Gunsten muss von einem Blutalko-
holwert von 1.67 Promillen ausgegangen werden (Urk. 10/5 S. 6), hinzukommend
stand der Beschuldigte zur Tatzeit auch unter der Wirkung von Cannabis (Urk.
10/5 S. 3), was zu einer gegenseitigen Wirkungsverstärkung führt (Urk. 10/5 S. 4).
Auch wenn nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung erst ab einem Alko-
holwert von 2 Promillen eine verminderte Schuldfähigkeit angenommen wird
(BGE 122 IV 49 E. 1b S. 50 mit Hinweisen), muss im konkreten Fall aufgrund des
gleichzeitigen Einflusses von Alkohol und Cannabis von einer geringfügigen ver-
minderten Schuldfähigkeit ausgegangen werden.
Unter Berücksichtigung der objektiven und subjektiven Tatkomponenten ist das
Verschulden des Beschuldigten als erheblich einzustufen. Es rechtfertigt sich eine
Einsatzstrafe von 36 Monaten.
3. In Bezug auf die Täterkomponenten würdigte die Vorinstanz die persönli-
chen Verhältnisse des Beschuldigten sorgfältig und hielt zutreffend fest, dass sich
diese Umstände auf die Strafzumessung neutral auswirkten. Auf diese Erwägun-
gen kann verwiesen werden (Urk. 68 S. 28 f.).
Erheblich straferhöhend wirkt sich das Vorleben des Beschuldigten aus. Der Be-
schuldigte weist sieben Vorstrafen auf, darunter auch eine einschlägige
(Urk. 15/1). Ferner ist ihm das Delinquieren während der vom Ministère public du
canton de Genève am 6. Juni 2012 angesetzten Probezeit von drei Jahren (aus-
gesprochen für eine Geldstrafe von 24 Tagsätzen zu 120 Franken) anzulasten.
Sowohl die verschiedenen Vorstrafen als auch das Delinquieren während laufen-
der Probezeit zeigen eine bedenkliche Geringschätzung der Rechtsordnung.
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Schliesslich ist in Bezug auf das Nachtatverhalten zwar festzuhalten, dass der
Beschuldigte gewisse Punkte des äusseren Tatablaufs eingestand; allerdings er-
folgte das Geständnis nur zögerlich und nur in Bezug auf den Ablauf des Ge-
schehens vor und nach der eigentlichen Straftat. Die eigentliche Straftat aner-
kannte er nie, sondern gab sich im Gegenteil als Opfer aus und stellte sogar den
Privatkläger als wahren Täter hin. Eine Strafminderung unter diesem Titel kann
somit nicht in Frage kommen.
4. Da unter Berücksichtigung der objektiven und subjektiven Tatkomponenten
eine verschuldensangemessene Einsatzstrafe von 36 Monaten angebracht ist und
da sich die Täterkomponenten klar straferhöhend auswirken, ist der Beschuldig-
te mit einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren zu bestrafen. Anzurechnen sind 571 Ta-
ge Untersuchungshaft und vorzeitiger Strafvollzug bis und mit heute (Art. 51
StGB).
VI. Vollzug
Das Gericht schiebt den Vollzug einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren in
der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den
Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 42
Abs. 1 StGB). Bei einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren kommt ein teilbe-
dingte Strafe in Frage (Art. 43 Abs. 1 StGB). Da heute eine Freiheitsstrafe von
vier Jahren auszufällen ist, ist die Strafe vollumfänglich zu vollziehen.
VII. Widerruf
Wenn der Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen
begeht und wenn deshalb zu erwarten ist, dass er weitere Straftaten verüben
wird, so widerruft das Gericht die bedingte Strafe oder den bedingten Teil der
Strafe (Art. 46 Abs. 1 StGB). Die Vorinstanz hielt zutreffend fest, dass der Be-
schuldigte bereits in einer frühen Phase der dreijährigen Probezeit, welche mit
Strafbefehl vom 6. Juni 2012 des Ministère public du canton de Genève angesetzt
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wurde, erneut in gravierender Weise straffällig wurde. Dem Beschuldigten kann
daher keine gute Prognose gestellt werden. Im Einzelnen kann auf die zutreffen-
den Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 68 S. 30 f.). Die bis
anhin bedingt aufgeschobene Geldstrafe von 24 Tagsätzen zu Fr. 120.00 ist zu
vollziehen.
VIII. Zivilforderungen
1. In Bezug auf die Schadenersatzpflicht bleibt es beim erstinstanzlichen Ent-
scheid, wonach der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger wegen schwerer
Körperverletzung dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist; anschlussbe-
rufungsweise stellt der Privatkläger in Bezug auf die Schadenersatzpflicht des
Beschuldigten keine Anträge. Unbegründet ist der berufungsweise gestellte An-
trag des Beschuldigten, ihm sei Schadenersatz wegen zu Unrecht erlittenem
Freiheitsentzug zuzusprechen; wie erwähnt ist der Beschuldigte nämlich zu einer
Freiheitsstrafe von 4 Jahren zu verurteilen.
2. In Bezug auf die Genugtuung beantragt der Beschuldigte, er sei von der
Pflicht zur Zahlung einer Genugtuung zu befreien, weil er sich nicht strafbar ge-
macht habe. Wie dargelegt ist der Beschuldigte der schweren Körperverletzung
schuldig zu sprechen. Die Zusprechung einer Genugtuung, deren Höhe seitens
des Beschuldigten nicht kritisiert wird, ist daher nicht zu beanstanden.
Der Privatkläger beantragt, ihm sei eine Genugtuung in der Höhe von
Fr. 45'000.00 zuzusprechen. Gemäss Art. 47 OR kann das Gericht dem Verletz-
ten bei einer Körperverletzung unter Würdigung der besonderen Umstände eine
angemessene Geldsumme als Genugtuung zusprechen. Die Genugtuungssumme
ist einzelfallweise nach Billigkeitsüberlegungen festzusetzen. Dabei sind nach der
Rechtsprechung als Zumessungskriterien die Art und Schwere der Verletzung, die
Intensität und Dauer der Auswirkung auf die Persönlichkeit des Betroffenen, der
Grad des Verschuldens des Verletzers sowie ein allfälliges Selbstverschulden des
Geschädigten massgebend (anstatt vieler BGE 132 II 117 E. 2.2.3; Hütte/Landolt,
Genugtuungsrecht, Band 2: Genugtuung bei Körperverletzung, 2. Auflage 2013,
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S. 117 mit zahlreichen Hinweisen auf weitere Rechtsprechung). In Bezug auf die
Art und Schwere der Verletzung ist festzuhalten, dass der Privatkläger durch den
Stich mit einem Fleischermesser in den Oberkörper zwar eine schwere Verlet-
zung erlitt, die aber - abgesehen von Narben an der Bauchdecke - keine bleiben-
den Schäden zur Folge hat. In Bezug auf die Intensität und Dauer der Auswirkung
auf die Persönlichkeit des Privatklägers ist festzuhalten, dass die Verletzung eine
notfallmässige Operation erforderlich machte, dass der Privatkläger anschlies-
send vom 24. Juni bis 4. Juli 2013 hospitalisiert war und dass er für mindestens
6 Wochen arbeitsunfähig war (Urk. 9/2). Inwieweit die behaupteten Migräne- und
Schwindelanfälle sowie Atmungsprobleme (Urk. 43 S. 7; Urk. 84 S. 6) durch die
am 24. Juni 2013 zugefügte - und an sich vollständig abgeheilte - Bauchverlet-
zung verursacht worden sein soll, ist nicht ersichtlich. Psychische Beeinträchti-
gungen werden zwar behauptet (Urk. 43 S. 9; Urk. 84 S. 6), sind aber auch durch
das an der Berufungsverhandlung eingereichte Schreiben von Dr. med. H._
vom 13. Dezember 2015 [recte: 2014] (Urk. 85/1) nicht belegt. In Bezug auf den
Grad des Verschuldens des Verletzers wurde bereits ausgeführt, dass den Be-
schuldigten ein erhebliches Verschulden trifft. Umgekehrt ist unter dem Gesichts-
punkt des Selbstverschuldens des Geschädigten zu bemerken, dass dem Privat-
kläger der Vorwurf nicht erspart werden kann, keinerlei Anstalten getroffen zu ha-
ben, um der sich anbahnenden gewalttätigen Auseinandersetzung mit dem sicht-
lich erzürnten Beschuldigten auszuweichen, wie dies jeder vernünftige Mensch
getan hätte; vielmehr entschied sich der Privatkläger, sich selbst mit einer ca.
50cm langen Stablampe als Schlagwerkzeug auszurüsten und sich dem Kontra-
henten auf diese Weise entgegenzustellen. Aufgrund aller massgebenden Zu-
messungskriterien erscheint die von der Vorinstanz auf Fr. 10'000.– festgesetzten
Genugtuung als angemessen.
IX. Kostenfolgen
1. Gemäss Art. 426 StPO sind die Verfahrenskosten - mit Ausnahme der Kos-
ten der amtlichen Verteidigung - der unterliegenden Partei aufzuerlegen. Aus-
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gangsgemäss sind die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens - mit Ausnahme
der Kosten der amtlichen Verteidigung - dem Beschuldigten aufzuerlegen.
2.1. Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechts-
mittelverfahrens nach Massgabe ihres Obsiegens und Unterliegens. Da der Be-
schuldigte vollumfänglich unterliegt, sind ihm die Kosten des Berufungsverfahrens
mit einer Gerichtsgebühr von Fr. 3'000.– aufzuerlegen.
2.2. Die Kosten der amtlichen Verteidigung in der Höhe von Fr. 7'952.90 (inkl.
MwSt; Urk. 88) sind unter Vorbehalt des Rückforderungsrechts des Staates auf
die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 135 StPO).
2.3. Die Kosten der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft sind eben-
falls auf die Gerichtskasse zu nehmen. Ein diesbezügliches Rückforderungsrecht
des Staates gegenüber dem Beschuldigten entfällt, da weder der Beschuldigte
noch der Privatkläger mit seinem Antrag hinsichtlich der Genugtuung obsiegt
(Art. 138 i.V.m. Art. 135 StPO e contrario).
Die Vertreterin der Privatklägerschaft macht für das Berufungsverfahren einen
Aufwand von 28 Arbeitsstunden sowie Barauslagen in der Höhe von Fr. 321.04
geltend (Urk. 86 S. 1). Die Berufung des Privatklägers beschränkte sich auf den
Zivilpunkt bzw. auf die Frage der Genugtuung (Urk. 34 S. 1), womit sich die Ver-
treterin der Privatklägerschaft nicht zum Schuldpunkt äussern musste, was sie
hingegen im Rahmen ihres Plädoyers anlässlich der Berufungsverhandlung um-
fassend tat (Urk. 34 S. 2-4). Da ihr nur der notwendige und angemessene Auf-
wand zu entschädigen ist, rechtfertig sich eine Reduktion ihres geltend gemach-
ten Arbeitsaufwandes. Ausgehen vom Umfang ihres Plädoyers erscheint es an-
gemessen, ihr für das Berufungsverfahren insgesamt einen Zeitaufwand von 13
Arbeitsstunden zuzubilligen. Unter Berücksichtigung der Barauslagen und der
Mehrwertsteuer ist sie demnach mit Fr. 3'200.– zu entschädigen.
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