# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c3a8f8ff-175c-4921-9846-19fc51c8cc5a
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2009
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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A. A. wuchs bis zu seinem dritten Lebensjahr zusammen mit vier Geschwistern bei seinen Eltern in AA. auf. Nach der Scheidung seiner Eltern im Jahre 1966 lebte er mit seinem Vater anfänglich bei seinen Grosseltern, später in einer eigenen Wohnung ebenfalls in AA.. In diesem Dorf besuchte er auch sechs Jahre die Primar- und drei Jahre die Realschule. Anschliessend absolvierte er im väterlichen Betrieb eine Lehre als W., welche er im Jahre 1982 erfolgreich abschloss. Nach der Lehre arbeitete er auf dem erlernten Beruf, zuerst ein Jahr in BB., dann ein Jahr in CC./SG. Seit dem Jahre 1984 ist er im väterlichen Betrieb tätig, anfänglich als Mitarbeiter, seit dem Jahre 2000 als Geschäftsführer. Infolge eines schweren Arbeitsunfalls bezieht A. heute eine IV- und SUVA-Rente in Höhe von Fr. 5'050.-- netto. A. ist Eigentümer einer Liegenschaft in AA. im Wert von Fr. 926'000.--, welche mit einer Hypothek von Fr. 555'000.-- belastet ist. Weiter hat er bei seinem Vater Schulden in Höhe von rund Fr. 100’000.--.
Im Jahre 1984 verheiratete sich A. mit B., geborene O.. Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor, welche in den Jahren 1984 und 1987 geboren worden sind. Im Dezember 2004 trennte sich das Ehepaar C.. In der Zwischenzeit wurde die Ehe geschieden. A. lebt in einer neuen Partnerschaft. Aus dieser Beziehung ging eine Tochter hervor.
Im Schweizerischen Zentralstrafregister ist A. nicht verzeichnet. Auch dem einfachen Leumundsbericht der Stadtpolizei DD. vom 5. September 2007 kann nichts Negatives über ihn entnommen werden.
B. Mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 5. Februar 2008 wurde A. wegen Misswirtschaft gemäss Art. 165 StGB sowie wegen mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB in Anklagezustand versetzt. Dieser Anklage liegt gemäss Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 5. Februar 2008 folgender Sachverhalt zu Grunde:
„A. wird angeklagt 1. der Misswirtschaft gemäss Art. 165 StGB
Am 13. November 1995 wurde die D. (nachfolgend: D.) mit Sitz in AA. von den Gründeraktionären A. sen., B.-O. und dem Angeklagten A. jun. mit einem voll liberierten Aktienkapital von CHF 300'000.-- gegründet. Der Eintrag ins Handelsregister erfolgte am 6. Dezember 1995. Zweck der Gesellschaft war insbesondere der Betrieb einer Landmaschinenreparaturwerkstätte sowie der Handel mit Landmaschinen und Fahrzeugen. Am 4. Januar 2000 erwarb A.
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jun. 180 von 300 Aktien der D. (AKTENZEICHEN_: act. B.2.1.15) und wurde am 8. Dezember des gleichen Jahres zum Präsidenten des Verwaltungsrates gewählt (AKTENZEICHEN_: act. B.2.1.1), ohne dass er sich zuvor über den bisherigen Geschäftsgang der D. informiert hätte (AKTENZEICHEN_: act. A.6.10, S. 7). Eigenen Aussagen zufolge war er seit diesem Zeitpunkt auch Geschäftsführer der D. (AKTENZEICHEN_: act. A.6.10, S. 6). Diese Funktionen übernahm der Angeklagte, obwohl er sich der entsprechenden Pflichten und Aufgaben gemäss Art. 716a OR nicht bewusst war und diese auch nicht kannte (AKTENZEICHEN_: act. A.6.10, S. 6). Ebenso wenig verfügte er bei Antritt dieser Tätigkeiten über minimale betriebswirtschaftliche, insbesondere buchhalterische Kenntnisse und eignete sich diese in der Folge auch nicht an.
Während in den Jahren 1995 und 1996 noch ein Reingewinn von ca. CHF 32'000.-- (AKTENZEICHEN_: act. B.2.2.3) bzw. CHF 4'400.-- (AKTENZEICHEN_: act. B.2.2.4) geschrieben werden konnte, ergaben sich zwischen 1997 und 1999 Verluste (AKTENZEICHEN_: act. B.2.2.5-7). Nach der Geschäftsübernahme durch A. jun. erwirtschaftete die D. weiter Verluste: Im Geschäftsjahr 2000 ca. CHF 35'500.-- (AKTENZEICHEN_: act. B.2.2.10), im Geschäftsjahr 2001 ca. CHF 18'700.-- (AKTENZEICHEN_: act. B.2.2.14), im Geschäftsjahr 2002 ca. CHF 42'500.-- (AKTENZEICHEN_: act. B.2.2.21), im Geschäftsjahr 2003 ca. CHF 61'600.-- (AKTENZEICHEN_: act. B.2.2.27) und im Geschäftsjahr 2004 ca. CHF 114'100.-- (AKTENZEICHEN_: act. B.2.2.35). Auch die Liquidität der D. verschlechterte sich während der Tätigkeit von A. jun. als Geschäftsführer und Verwaltungsratspräsident zusehends. Im gleichen Zeitraum wurden 29 Betreibungen über einen Forderungsbetrag von ca. CHF 858'000.-- totalisiert (AKTENZEICHEN_: act. B.2.5.14).
Am 7. Juni 2005 eröffnete der Bezirksgerichtspräsident Prättigau/Davos schliesslich den Konkurs über die D. (AKTENZEICHEN_: act. B.2.5.2). Zum Zeitpunkt der Konkurseröffnung wies der ungeprüfte Jahresabschluss der D. einen Verlust von ca. CHF 51'400.-- aus (AKTENZEICHEN_: act. B.2.2.41). Zwischen dem 31. Dezember 2002 und der Konkurseröffnung stiegen die Verpflichtungen der D. von CHF 1'346'691.-- auf CHF 1'484'215.--. Im Konkurs wurden Forderungen in Höhe von CHF 1'482'850.82 kolloziert (act. B.2.5.11, S. 12).
2. der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB.
Der Angeklagte missbrauchte seine im Jahr 1984 geborene Tochter E. seit deren fünften Lebensjahr wiederholt sexuell. Im Einzelnen handelte es sich um folgende sexuellen Handlungen:
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- Der Angeklagte legte sich mehrfach nackt neben seine Tochter ins Bett, so dass ihre Haut aneinanderklebte. Dabei kam es vor, dass er seine Tochter auf sich legte, seinen Penis an ihre Scheide legte und ihn daran rieb (AKTENZEICHEN_: act. 3.18, S. 2 f. und 8).
- Der Angeklagte berührte seine Tochter mehrfach mit seiner Zunge zwischen deren Beinen, insbesondere auch am Kitzler (AKTENZEICHEN_: act. 3.18, S. 4 und 7; 5.1 und 5.7).
- Der Angeklagte berührte seine Tochter mit Mittel-, Zeige- oder sämtlichen Fingern einer Hand mit vibrierenden Bewegungen zwischen den Schamlippen (AKTENZEICHEN_: act. 3.18, S. 4; 3.19; 5.7).
- In Anwesenheit seiner Tochter führte der Angeklagte mehrfach seine Hand in seine Hose. Dabei kam es vor, dass seine Tochter auf ihm lag und seinen erigierten Penis spürte (AKTENZEICHEN_: act. 3.18, S. 8).
- Der Angeklagte streichelte seiner Tochter einmal die Brustwarzen; sodann musste sie auch seine Brustwarzen streicheln (AKTENZEICHEN_: act. 3.18, S. 9 f. und 3.19).
Die erwähnten sexuellen Handlungen nahm der Angeklagte im Zeitraum zwischen 1989 und 1997 – zwischen dem fünften und 13. Lebensjahr seiner Tochter – in den jeweiligen Familienwohnungen in AA. (‚Haus an der EE.’, ‚Haus auf der anderen Seite der EE.’ und ‚Haus FF.’) vor (AKTENZEICHEN_: act. 3.18, S. 12). Die Häufigkeit der Handlungen nahm ab, als E. die höheren Primarklassen besuchte. Insbesondere die umschriebenen sexuellen Handlungen mit der Zunge dauerten ‚bis am Schluss’ (AKTENZEICHEN_: act. 3.18, S. 10).
Als E. zwischen 12 und 14 Jahre alt war, also zwischen 1996 und 1998, berührte der Angeklagte sie im Hobbyraum des Gebäudes ‚FF.’ in AA. an der Brust (AKTENZEICHEN_: act. 3.18, S. 9).
Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe vollumfänglich.
Am 19. November 2007 reichte RAin Diana Honegger Droll namens von E. eine Adhäsionsklage in Höhe von CHF 40'000.-- (Genugtuung) nebst Zins zu 5% ein.
Ebenfalls am 19. November 2007 reichte RAin Diana Honegger Droll namens der Opferhilfe-Beratungsstelle eine Adhäsionsklage in Höhe von CHF 7'860.-- (Schadenersatz) nebst Zins zu 5% ein.“
C. An der Hauptverhandlung vor dem Bezirksgerichtsausschuss Prättigau/Davos am 27. November 2008 waren der Angeklagte A. mit seinem amtlichen Verteidiger, Rechtsanwalt lic. iur. V., sowie dessen Mitarbeiterin,
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Rechtsanwältin X., und als Vertreterin der Adhäsionsklägerinnen Rechtsanwältin lic. iur. Diana Honegger Droll anwesend. Die Anklage wurde durch Untersuchungsrichter Dr. iur. Maurus Eckert mündlich vertreten.
a) Der Anklagevertreter stellte und begründete folgende Anträge:
„1. A. sei der Misswirtschaft gemäss Art. 165 StGB sowie der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen.
2. Dafür sei er mit einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten, bedingt, bei einer Probzeit von zwei Jahren, und einer Busse von CHF 1'000.--, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 15 Tagen zu bestrafen.
3. Kostenfolge sei die gesetzliche.“
b) Die Rechtsvertreterin der Adhäsionsklägerinnen stellte und begründete im Rahmen ihres Plädoyers für E. den folgenden Antrag:
„1. Es sei festzustellen, dass A. jun. gegenüber der Adhäsionsklägerin für die Folgen der strafbaren Handlungen gemäss Anklageschrift (sexuelle Handlungen mit Kindern) vollumfänglich schadenersatzpflichtig ist.
2. Es sei A. jun. zu verpflichten, der Adhäsionsklägerin eine Genugtuungssumme von Fr. 40'000.-- nebst Zins zu 5% seit 01.01.1997 zu bezahlen.
3. Unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten von A. jun..“
c) Der amtliche Verteidiger schliesslich beantragte und begründete im Rahmen seines Plädoyers einen „Freispruch auf der ganzen Linie“ und die vollumfängliche Abweisung der Adhäsionsklagen.
D. Mit Urteil vom 27. November 2008, mitgeteilt am 13. März 2009, erkannte der Bezirksgerichtsausschuss Prättigau/Davos wie folgt:
„1. A. ist schuldig der Misswirtschaft gemäss Art. 165 Ziff. 1 StGB sowie der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB.
2. Dafür wird A. mit einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten, bedingt, bei einer Probezeit von zwei Jahren, und einer Busse von Fr. 1'000.00, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 15 Tagen, bestraft.
3. Die Adhäsionsklage der Opferhilfe-Beratungsstelle Graubünden wird teilweise gutgeheissen und A. wird verpflichtet, der Opferhilfe-Beratungsstelle Graubünden Fr.
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7'524.00, zuzüglich 5% Zins seit dem 19. November 2007, zu bezahlen.
4. Die Adhäsionsklage von E. wird wie folgt teilweise gutgeheissen: a) Es wird festgestellt, dass A. gegenüber E. für die Folgen der
strafbaren Handlungen gemäss Anklageschrift vom 5. Februar 2008 (sexuelle Handlungen mit Kindern) vollumfänglich schadenersatzpflichtig ist.
b) A. wird verpflichtet, E. eine Genugtuung von Fr. 20'000.00, zuzüglich 5% Zins seit dem 1. Januar 1999, zu bezahlen.
5. (Kosten).
6. (Ausseramtliche Kosten).

## Considerations