# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** ab1a4e30-5062-5d8a-acf9-be58e21b31a8
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
M._, geb. 1968, absolvierte seit Oktober 2019 die Ausbildung "Dipl. Psychologische
Beraterin FSB" am Frauenseminar Bodensee (FSB) in Romanshorn (act. G 11/9a/6).
Am 10. September 2019 hatte sie bei der Abteilung Stipendien und Studiendarlehen
des Bildungsdepartements des Kantons St. Gallen (nachfolgend: Stipendienabteilung)
Stipendien für das Ausbildungsjahr 2019/20 beantragt (act. G 11/1a/5). Mit Verfügung
vom 3. Oktober 2019 lehnte die Stipendienabteilung das Gesuch ab mit der
Begründung, nach Art. 2 des Gesetzes über die staatlichen Stipendien und
Studiendarlehen (Stipendiengesetz; sGS 211.5, StipG) würden Stipendien nur für eine
Erstausbildung gewährt. Zur Erstausbildung würden die erste Berufsausbildung, der
Besuch einer Mittelschule oder das erste Hochschulstudium (höhere Fachschule,
Fachhochschule, Universität) zählen. Nach Art. 2 der Stipendienverordnung (sGS
211.51, StipV) würden an eine Erstausbildung Stipendien oder an eine Zweitausbildung
Darlehen gewährt, wenn sie mindestens zwei Jahre dauere (Vollzeit) und die übrigen
Voraussetzungen erfüllt seien (act. G 11/1a/1).
A.a.
Den gegen diese Verfügung erhobenen Rekurs vom 18. Oktober 2019 (act. G 11/1)
wies das Bildungsdepartement mit Entscheid vom 7. Oktober 2020 ab. Zur
Begründung hielt es im Wesentlichen fest, der Kurs "Dipl. Psychologische Beraterin
FSB" sei nicht als Erstausbildung zu werten. Auch sei die Ausbildung nicht anerkannt.
Sodann seien die Voraussetzungen für eine Anwendbarkeit der Ausnahmebestimmung
von Art. 9 StipV nicht erfüllt (act. G 2).
A.b.
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B.

## Considerations

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
(...).
2.
Gegen diesen Entscheid erhob M._ mit Eingabe vom 20. Oktober 2020 (Poststempel)
Beschwerde mit dem Rechtsbegehren, der Entscheid sei aufzuheben und es seien ihr
die Stipendien für das Ausbildungsjahr 2019/20 zu gewähren, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge (act. G 1).
B.a.
Am 28. Oktober 2020 bewilligte ihr der verfahrensleitende Abteilungspräsident des
Verwaltungsgerichts die unentgeltliche Rechtspflege (act. G 6) im Sinn einer Befreiung
von der Leistung eines Kostenvorschusses und der Auferlegung allfälliger
Gerichtskosten (act. G 8).
B.b.
In der Vernehmlassung vom 13. November 2020 beantragte die Vorinstanz Abweisung
der Beschwerde, unter Kostenfolge zulasten der Beschwerdeführerin. Zur Begründung
verwies sie auf den angefochtenen Entscheid und verzichtete auf weitere Ausführungen
(act. G 10).
B.c.
Mit Replik vom 30. November 2020 bestätigte die Beschwerdeführerin ihren
Standpunkt und reichte ein weiteres Aktenstück nach (act. G 13). Die Vorinstanz
verzichtete auf eine Stellungnahme (act. G 15).
B.d.
Auf die Vorbringen der Beschwerdeführerin in den Eingaben des vorliegenden
Verfahrens und die Akten wird, soweit für den Entscheid relevant, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.
B.e.
Der Staat gewährt Stipendien und Studiendarlehen, soweit die vollen Kosten der
Ausbildung oder Weiterbildung einem Bewerber oder seinen Eltern nicht zugemutet
werden können (Art. 1 Abs. 1 StipG). An die Erstausbildung werden bei Erfüllung der
2.1.
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entsprechenden Voraussetzungen in der Regel Stipendien gewährt. Im Ausnahmefall
können in Ergänzung oder an Stelle von Stipendien Studiendarlehen gewährt werden
(Art. 2 Abs. 1 StipG). Erstausbildung ist die erste Berufsausbildung oder der Besuch
einer Mittelschule im Anschluss an die Volksschule (Art. 2 Abs. 2 lit. a) bzw. das erste
Hochschulstudium (Art. 2 Abs. 2 lit. b StipG). An eine Zweitausbildung und an
Weiterbildungen werden in der Regel Studiendarlehen gewährt. Im Ausnahmefall
können in Ergänzung oder an Stelle von Studiendarlehen Stipendien gewährt werden
(Art. 3 Abs. 1 StipG). Zweitausbildung ist eine zweite Berufsausbildung oder der
Besuch einer Mittelschule nach abgeschlossener erster Berufsausbildung (Art. 3 Abs. 2
lit. a StipG) bzw. ein zweites Hochschulstudium (Art. 3 Abs. 2 lit. b StipG).
Weiterbildungen bauen auf einer Ausbildung auf und vertiefen oder ergänzen sie (Art. 3
Abs. 3 StipG). Die Ausbildung oder Weiterbildung muss fachlich anerkannt sein (Art. 4
StipG). Soweit Ausbildungsstätte und Ausbildung durch den Bund, interkantonale
Organe, den Kanton St. Gallen oder den Standortkanton anerkannt wurden, werden
Beiträge geleistet unter anderem für die Ausbildung an einer höheren Fachschule,
wenn sie als Erst- oder Zweitausbildung wenigstens zwei Jahre oder als Weiterbildung
wenigstens sechs Monate dauert (Art. 1 lit. b StipV) sowie für das Studium an einer
Universität oder Fachhochschule (Art. 1 lit. c StipV). Die Stipendienabteilung kann
überdies im Einzelfall die Beitragsberechtigung für eine Ausbildung feststellen, wenn
Aufnahmeverfahren, Lehrplan, Qualifikation der Lehrkräfte sowie Art des Abschlusses
zweckmässig sind und eine Erst- oder Zweitausbildung wenigstens zwei Jahre oder
eine Weiterbildung wenigstens sechs Monate dauert (Art. 2 StipV). An eine
Zweitausbildung und an Weiterbildungen können Stipendien gewährt werden, wenn die
Ausbildung dem beruflichen Einstieg oder Wiedereinstieg dient, insbesondere nach
einem längeren Einsatz für die Allgemeinheit oder in Erfüllung von Familienpflichten
(Art. 9 lit. a StipV), wenn eine zweite Berufsausbildung die erste Berufsausbildung
ergänzt (Art. 9 lit. b StipV) sowie bei einer unverschuldeten Notlage (Art. 9 lit. c StipV).
bis
Stipendien und Studiendarlehen werden für die ordentliche Dauer der Ausbildung oder
Weiterbildung gewährt. In besonderen Fällen sind Abweichungen zulässig (Art. 10
Abs. 1 StipG). Sie werden insgesamt für längstens zwölf Jahre gewährt. Ausbildungen
oder Weiterbildungen, für die keine Stipendien oder Studiendarlehen gewährt wurden,
werden angerechnet (Art. 10 Abs. 2 StipG). Die Beitragsberechtigung dauert bis zum
tatsächlichen Abschluss der Ausbildung, in der Regel längstens bis zwei Semester
nach dem frühestmöglichen Abschluss (Art. 5 Abs. 1 StipV). Bei einem
Ausbildungswechsel entspricht die Beitragsberechtigung der ordentlichen Dauer der
neuen Ausbildung abzüglich der Beitragsdauer der ersten Ausbildung (Art. 5 Abs. 2
2.2.
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3. Erstausbildung (Art. 2 StipG) oder Weiterbildung (Art. 3 Abs. 3 StipG)
StipV). Die Anrechnung an die zulässige Ausbildungszeit von zwölf Jahren richtet sich
nach dem European Credit Transfer System (ECTS). 60 ECTS-Punkte gelten als ein
Jahr (Art. 6 Abs. 1 StipV). Wendet eine Ausbildungsstätte das ECTS nicht an, wird
sachgemäss auf die Angaben und Vorschriften der Ausbildungsstätte über Dauer und
Intensität der Ausbildung abgestellt (Art. 6 Abs. 2 StipV).
Die Vorinstanz führte im angefochtenen Entscheid aus, der Kurs "Dipl. Psychologische
Beraterin FSB" sei nicht als Erstausbildung (im Sinn von Art. 2 Abs. 2 StipG) zu werten.
Das Frauenseminar sei ein privates Bildungsinstitut, welches im Kurs, den die
Beschwerdeführerin besuche, auf eine eidgenössische Prüfung vorbereite (Beraterin im
psychosozialen Bereich mit eidgenössischem Diplom). Beim Kurs handle es sich daher
um eine Weiterbildung (act. G 2 S. 10 f. E. 4).
3.1.
Die Beschwerdeführerin hält dem entgegen, sie verfüge über keinerlei Erstausbildung
im Sinn von Art. 2 Abs. 2 StipG. Die Ausbildung am Frauenseminar Bodensee (FSB) zur
diplomierten psychologischen Beraterin FSB/SGfB entspreche nicht dem
gewöhnlichen Bild einer Berufsbildung, Mittelschule oder Hochschule. Der
Weiterbildungscharakter fehle daher. Die Ausbildung vermittle die Kompetenzen, derer
es zur vollwertigen und eigenständigen Ausübung des Berufs der psychologischen
Beraterin bedürfe. Auch in Anbetracht der Zwecksetzung des StipG, Chancengleichheit
durch Bildung zu verschaffen, sei die Ausbildung als Erstausbildung im Sinn von Art. 2
Abs. 2 lit. a StipG zu erfassen. Die Ausbildung ermögliche ihr die Ausübung eines
Berufes. Die von ihr verfolgte Ausbildung führe zum Erwerb eines eidgenössischen
Diploms und sei damit anerkannt.
3.2.
Die Beschwerdeführerin besuchte in der damaligen DDR von 1974 bis 1984 die
obligatorische Schule und schloss diese mit der mittleren Reife (= Abschluss der
Sekundarstufe I) ab. Ihrer Ausbildungsagenda und ihrem Lebenslauf ist zu entnehmen,
dass sie Kurse in verschiedenen Berufsbereichen absolvierte und unterschiedliche
Tätigkeiten ausübte. Eine eigentliche Ausbildung (Sekundarstufe II, Tertiärstufe) schloss
sie indes - soweit aus den dem Gericht vorliegenden Akten und den Vorbringen der
Verfahrensparteien ersichtlich - nicht ab (vgl. act. G 11/9a/8 f.). Weiterbildungen setzen
indes nach dem klaren Wortlaut von Art. 3 Abs. 3 StipG eine schon bestehende
Ausbildung voraus und dienen der Vertiefung/Ergänzung derselben. Der Umstand,
3.3.
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4. Fachliche (Art. 4 StipG) und staatliche Anerkennung der Ausbildung (Art. 1 StipV);
Beitragsberechtigung nach Art. 2 und Art. 9 StipV
dass die Beschwerdeführerin unbestrittenermassen über keine abgeschlossene
Ausbildung verfügt, steht der Annahme einer eigentlichen Weiterbildung bei dem von
ihr absolvierten Kurs an sich entgegen. Soweit indes davon ausgegangen wird, dass
faktisch eine Ausbildung im Sinn von Art. 3 Abs. 3 StipG auch aus der langjährigen
Ausübung einer Tätigkeit resultiert, könnte eine Weiterbildung - wie die Vorinstanz dies
mit ihrer Annahme des Vorliegens einer Weiterbildung offenbar tut - auf die von der
Beschwerdeführerin tatsächlich ausgeübten bisherigen Berufstätigkeiten bezogen
werden. So hielt die Beschwerdeführerin fest, dass sie während 10 Jahren als
Prokuristin und der Geschäftsführung angehörende Mitarbeiterin unter anderem für die
Aufsicht und Betreuung der Lernenden in einer Kanzlei zuständig gewesen sei (act. G 1
S. 7). Wenn somit - mit der Vorinstanz - bei der in Frage stehenden Ausbildung von
einer Weiterbildung ausgegangen wird, ist zu beachten, dass Art. 2 und 9 StipV in
Einzelfällen eine Leistungsausrichtung für Weiterbildungen bei Vorliegen der
entsprechenden Voraussetzungen ermöglichen (vgl. dazu nachstehende E. 4.3.3).
Die von der Beschwerdeführerin verfolgte Ausbildung befähigt dazu, in eigener
Beratungspraxis, bei Institutionen oder Behörden zu arbeiten. Für die Ausbildung ist
kein Beruf oder Schulabschluss vorausgesetzt (www.frauenseminar-bodensee.ch/
onken-w/Assets/docs/lehrgaenge/Dipl-Psychologische-Beraterin-FSB). Durch die
Ausübung dieses Berufs (über sechs oder acht Jahre) können die Voraussetzungen für
die Zulassung zu einer höheren Fachprüfung (HFP) erfüllt werden, welche zum
geschützten "Beraterin/Berater im psychosozialen Bereich mit eidgenössischem
Diplom" führt (www.sgfb.ch/Portrait SGfB).
Im Rekursentscheid legte die Vorinstanz dar, seit Januar 2018 würden Absolvierende
von Kursen, die sich auf eine eidgenössische Berufs- oder höhere Fachprüfung
vorbereiten würden, finanziell unterstützt. Der Bund übernehme 50 Prozent der
angefallenen Kursgebühren unter der Voraussetzung, dass im Anschluss an den
Kursbesuch die eidgenössische Prüfung absolviert werde (max. CHF 10'500 für eine
höhere Fachprüfung). Der Anspruch bestehe unabhängig vom Prüfungserfolg. Die
Meldeliste (Liste der vorbereitenden Kurse Staatssekretariat für Bildung, Forschung
und Innovation [SBFI]; act. G 11/9a/2 und 3; www.becc.admin.ch/becc/public/sufi/
meldeliste, Stand September 2020), auf welcher der von der Beschwerdeführerin
besuchte Kurs am Frauenseminar aufgeführt sei, biete eine Übersicht über das
4.1.
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Kursangebot und bilde die subventionsrechtliche Grundlage für die Auszahlung der
Beiträge durch den Bund (Subjektfinanzierung). Kantonsbeiträge, die bisher an die
Anbieter von vorbereitenden Kursen geleistet worden seien (angebotsorientierte
Finanzierung), kämen neu in Form von Bundesbeiträgen direkt den Absolvierenden der
vorbereitenden Kurse zugute. Die Kantone hätten weiterhin die Möglichkeit, bestimmte
Angebote aus regionalpolitischen und versorgungsrelevanten Gründen zu unterstützen.
Die Kursanbieter hätten mit Selbstdeklaration zu bestätigen, dass der erfasste Kurs auf
die angegebene eidgenössische Prüfung vorbereite. Diese Angaben würden vom SBFI
inhaltlich nicht geprüft. Das SBFI halte fest, dass die Liste der vorbereitenden Kurse
keine Aussage über die genauen Inhalte und die Qualität der Kurse sowie die
Zulassung zur eidgenössischen Prüfung nach Absolvierung eines auf der Liste
verzeichneten Kurses mache (act. G 11/9a/2 "Hinweis"; www.sbfi.admin.ch/sbfi/de/
home/bildung/hbb/finanzierung/teilnehmende-und absolvierende.html, Stand
September 2020). Die Aufnahme des von der Beschwerdeführerin besuchten Kurses
am Frauenseminar in die Liste der vorbereitenden Kurse SBFI (explizit ein Instrument
für die Umsetzung der Subjektfinanzierung) dürfe nach dem Gesagten nicht mit einer
Anerkennung der Ausbildungsstätte und Ausbildung durch den Bund, wie sie Art. 1
StipG verlange, gleichgesetzt werden. Ohne Qualitätsprüfung könne nicht von einer
fachlich anerkannten Ausbildung oder Weiterbildung (Art. 4 StipG) gesprochen werden
(act. G 2 S. 11 f. E. 5a).
Im Zusammenhang mit der Prüfung der Beitragsberechtigung im Einzelfall (Art. 2 StipV)
legte die Vorinstanz dar, am Frauenseminar selber werde keine eidgenössische
Prüfung abgeschlossen. Um das eidgenössische Diplom zu erhalten, müsse eine
externe Prüfung abgelegt werden (www.frauenseminar-bodensee.ch/onken-wAssets/
docs/lehrgaenge/Dipl. -Psychologische-Beraterin-FSB.pdf). Aus der entsprechenden
Prüfungsordnung (www.becc.admin.ch/becc/public/bvz/beruf/show/94331) gehe
hervor, dass kein Vorbereitungslehrgang besucht werden müsse. Die
Zulassungsbedingungen würden sich an Ausbildung und Arbeitserfahrung der
Kandidaten orientieren. Grundsätzlich werde ein Abschluss der Tertiärstufe oder eine
gleichwertige Qualifikation vorausgesetzt. Verlangt seien sodann mindestens sechs
Jahre Berufserfahrung mit Beratungsfunktion im psychosozialen Kontext. Ein fehlender
Abschluss auf Tertiärstufe könne mit acht (statt sechs) Berufsjahren kompensiert
werden. Vorausgesetzt seien weiter unter anderem eine Beratungspraxis im
psychosozialen Bereich mit mindestens 100 Sitzungen. Unter Berücksichtigung des
anscheinend fehlenden Abschlusses auf Tertiärstufe und der bisherigen Berufspraxis
der Beschwerdeführerin erscheine es als fraglich, ob sie zur höheren Fachprüfung
(Beraterin im psychosozialen Bereich) zugelassen werde. Vor diesem Hintergrund
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könne nicht von einer gemäss Art. 2 StipV geforderten zweckmässigen Art des
Abschlusses gesprochen werden. Es erübrige sich somit, beim Frauenseminar die
weiteren Voraussetzungen für die Anwendung von Art. 2 StipV (Aufnahmeverfahren,
Lehrplan, Qualifikation der Lehrpersonen) zu prüfen. Betreffend Intensität der
Ausbildung stehe fest, dass gemäss Unterlagen des Frauenseminars die Selbstlernzeit
für den Kurs "Dipl. Psychologische Beraterin FSB" im Grundkurs in der Regel lediglich
ca. 10-20 Stunden pro Semester betrage. Wenn die Beschwerdeführerin die
Ausbildung am Frauenseminar betreffend Intensität mit einem Universitätsstudium
gleichsetze, treffe sie damit ins Leere (act. G 2 S. 12 f. E. 5b).
Die Vorinstanz wies sodann im angefochtenen Entscheid ferner darauf hin, dass für die
Anwendung der Ausnahmebestimmung von Art. 9 StipV die "gemeinsamen
Bestimmungen" von Art. 1 ff. StipV zu beachten seien. Konkret müsse die
Ausbildungsstätte durch den Bund, interkantonale Organe oder einen
(Standort-)Kanton anerkannt sein oder es müsse die Beitragsberechtigung im Einzelfall
von der Stipendienabteilung festgestellt werden. Vorliegend seien weder die
Ausbildungsstätte noch die Ausbildung anerkannt und es gebe auch keine Gründe, die
Beitragsberechtigung im Einzelfall festzustellen. Nach dem Gesagten könne daher die
Prüfung, ob die Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 9 StipV einen Anspruch habe,
unterbleiben. Ihr Gesuch sei zu Recht abgewiesen worden (act. 2 S. 13 f. E. 6 f.)
Die Beschwerdeführerin wendet ein, dass das FSB und dessen Ausbildungsgang zur
diplomierten psychologischen Beraterin FSB dem Erfordernis der fachlichen
Anerkennung entspreche, da beide einer besonderen Qualitätsprüfung durch
verschiedene, vom Bund legitimierte Organe unterlägen und dieser standgehalten
hätten. Ihre Behauptung, dass die Zulassungsvoraussetzungen für die höhere
Fachprüfung möglicherweise nicht erfüllt seien, habe die Vorinstanz nicht im
Geringsten einer Überprüfung unterzogen. Es gehe nicht um die höhere Fachprüfung
SGfB (Schweizerische Gesellschaft für Beratung), sondern um den darauf
vorbereitenden Ausbildungsgang. Sie (die Beschwerdeführerin) sei vom SGfB als
"Mitglied in Ausbildung" aufgenommen worden. Zudem sei sie während 10 Jahren als
Prokuristin und der Geschäftsführung angehörende Mitarbeiterin unter anderem für die
Aufsicht und Betreuung der Lernenden in einer Kanzlei zuständig gewesen, wodurch
sie gegebenenfalls die entsprechenden Voraussetzungen nach Ziffer 3.31 Abs. 1 lit. c-g
und Abs. 2 der Prüfungsordnung (SGfB; https://www.sgfb.ch/images/
10.01_D_PO_HFP_Berater_20171213.pdf) erfüllen würde (act. G 1 S. 5-7).
4.2.
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4.3.
Das FSB ist eduQua-zertifiziert. Das eduQua-Label ist ein Zertifikat für Institutionen,
nicht für einzelne Bildungsangebote (vgl. www.frauenseminar-bodensee.ch; https://
alice.ch/de/dienstleistungen/eduqua/). Die Trägerschaft des Qualitätslabels eduQua
besteht aus dem SECO (Staatssekretariat für Wirtschaft) und dem SVEB
(Schweizerischer Verband für Weiterbildung), welche unter anderem für die
Überwachung des Labels zuständig sind (Handbuch eduQua 2012, Information über
das Verfahren Anleitung zur Zertifizierung, S. 46; https://alice.ch/fileadmin/Dokumente/
Qualitaet/eduQua/de/eduQua_Handbuch_2012.pdf). Im Weiteren ist das FSB
Kollektivmitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Beratung (SGfB) und kann als
solches Ausbildungen zur psychosozialen Beraterin anbieten (vgl. https://www.sgfb.ch/
de/wie-werde-ich-beraterin-berater). Vor dem geschilderten Hintergrund hat das FSB
als anerkannte Ausbildungsstätte im Sinn von Art. 1 Abs. 1 StipV zu gelten.
4.3.1.
Die Ausbildung des FSB zur diplomierten psychologischen Beraterin schliesst mit einer
Diplomprüfung ab. Dabei handelt es sich nicht um die höhere Fachprüfung SGfB an
sich, sondern um einen durch die SGfB anerkannten Abschluss (dipl. psychologische
Beraterin FSB). Dieser Abschluss berechtigt dazu, den Fachtitel "Berater SGfB" zu
führen und als Aktivmitglied des SGfB geführt zu werden (vgl. https://www.sgfb.ch/de/
wie-werde-ich-beraterin-berater). Die Ausbildung des FSB stellt eine Vorbereitung für
die höhere Fachprüfung dar. Die Anerkennung als Aktivmitglied SGfB verkürzt die
höhere Fachprüfung SGfB insofern, als Aktivmitglieder von zwei der insgesamt vier
Prüfungsteile dispensiert werden. (vgl. https://www.sgfb.ch/de/hoehere-fachpruefung-
hfp/vorbereitung-und-zulassung). Die Vorinstanz verneint zwar die Anerkennung der
Ausbildung des FSB, vermag dies jedoch im angefochtenen Entscheid nicht einmal
ansatzweise zu begründen. Der von ihr angeführte Umstand, dass der Bund einen Teil
der Kurskosten übernimmt (vorstehende E. 4.1 erster Absatz), spricht jedenfalls nicht
gegen eine Anerkennung. Angesichts der geschilderten Gegebenheiten besteht kein
Anlass, die fachliche Anerkennung der Ausbildung in Zweifel zu ziehen.
4.3.2.
Unter den dargelegten Umständen (Anerkennung der Ausbildungsstätte und der
Ausbildung) wäre vorliegend eine Beitragsberechtigung der Beschwerdeführerin im
Einzelfall (Art. 2 StipV) zu prüfen gewesen, zumal aufgrund der geschilderten
Gegebenheiten das Aufnahmeverfahren, der Lehrplan, die Qualifikation der Lehrkräfte
4.3.3.
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sowie die Art des Abschlusses "dipl. Beraterin FSB" nicht als unzweckmässig im Sinn
von Art. 2 StipV bezeichnet werden können. In diesem Zusammenhang ist überdies zu
beachten, dass Art. 3 Abs. 1 StipG im Ausnahmefall eine Gewährung von Stipendien
auch bei Weiterbildungen explizit vorsieht. Die Ausbildung beim FSB umfasst
insgesamt 65 Kurstage und ist auf drei Jahre verteilt. Hinzu kommt die Selbstlernzeit
von in der Regel ca. 10-20 Stunden pro Semester und für das Diplomsemester von
30-40 Stunden (https://www.frauenseminar-bodensee.ch/lehrgaenge/dipl-
psychologische-beraterin-fsb.php). Aufgrund des vorbereitenden Charakters der
Ausbildung beim FSB und mit Blick auf eine in Betracht kommende Fortsetzung - etwa
mit der höheren Fachprüfung SGfB oder eine ähnlich gelagerten Ausbildung - kann
eine Dauer der Weiterbildung von mindestens sechs Monaten (vgl. Art. 2 StipV) nicht in
Abrede gestellt werden. Dies umso weniger, als Art. 2 StipV zwar die notwendige
formelle Dauer der Ausbildung (2 Jahre) bzw. Weiterbildung (sechs Monate) regelt,
nicht aber deren Intensität festlegt. Aus Art. 10 StipG und Art. 6 Abs. 2 StipV lassen
sich in diesem Zusammenhang keine weitergehenden Anforderungen an die Intensität
der Ausbildung/Weiterbildung ableiten. Zu beachten ist auch, dass sich die
Beschwerdeführerin zudem um eine Fortsetzung ihrer Ausbildung bemüht hat und
gemäss Bestätigung vom 18. November 2020 zum CAS Psychopathologie für soziale
Berufe an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) mit Dauer
vom 12. Januar bis 2. November 2021 zugelassen wurde (act. G 13 Anhang). Zur
Schaffung der Voraussetzungen für die Zulassung an der ZHAW dürfte unter anderem
auch die Ausbildung beim FSB beigetragen haben.
Aufgrund der offenen Formulierung von Art. 2 StipV, die der rechtsanwendenden Stelle
einen erheblichen Ermessensspielraum einräumt, ist für deren Anwendung eine
Abklärung der gesamten Umstände sowie eine umfassende Berücksichtigung
derselben verlangt. Die Formulierung als "Kann"-Bestimmung stellt eine Ausrichtung
von steuerfinanzierten staatlichen Leistungen nicht ins Belieben der
rechtsanwendenden Stelle. Im Weiteren wäre - soweit mit der Vorinstanz von einer
Weiterbildung ausgegangen wird - entgegen ihrer Auffassung (act. G 2 S. 13 f.) auch
eine Leistungsausrichtung gestützt auf Art. 9 StipV (Einstieg/Wiedereinstieg/
unverschuldete Notlage) näher zu prüfen gewesen, nachdem wie dargelegt beim FSB
von einer anerkannten Ausbildungsstätte und Ausbildung auszugehen ist. Die
Stipendienabteilung wird den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin von daher
erneut zu klären und zu entscheiden haben. Weil sich eine Leistungsablehnung ohne
vorgängige Klärung und Würdigung der geschilderten Gegebenheiten als unzulässig
erweist, lässt sich der angefochtene Entscheid nicht aufrechterhalten.
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5.