# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 51574525-c3ee-4790-a98c-4e2c62c8d7b7
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend sexuelle Nötigung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 4. Abteilung, vom 3. Oktober 2019 (DG190192
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Antrag auf Anordnung einer Massnahme für schuldunfähige Person und Anklage:
Der Antrag auf Anordnung einer Massnahme für eine schuldunfähige Person
sowie die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 5. Juli 2019
(Urk. D1/17) sind diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 43 S. 34 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte A._ folgende Tatbestände im Zu-
stand der nicht selbstverschuldeten Schuldunfähigkeit im Sinne von Art. 19 Abs. 1
StGB erfüllt hat:
− sexuelle Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB;
− Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von Art. 19a BetmG.
Aufgrund der nicht selbst verschuldeten Schuldunfähigkeit wird von einer Strafe für
diese Delikte abgesehen.
2. Der Beschuldigte ist schuldig
− der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte im Sinne von Art. 285
Ziff. 1 StGB;
− der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von
Art. 19a BetmG.
3. Der Beschuldigte wird für die gemäss Ziffer 2 begangenen Delikte bestraft mit
60 Tagen Freiheitsstrafe sowie mit einer Busse von Fr. 300.–, welche durch die
Untersuchungshaft von 155 Tagen (bis und mit vorzeitigem Massnahmeantritt am
4. Oktober 2018) erstanden sind.
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4. Es wird eine stationäre therapeutische Massnahme im Sinne von Art. 59 Abs. 1
StGB (Behandlung von psychischen Störungen kombiniert mit einer Suchtbehand-
lung, vorzugsweise in einer psychiatrischen Klinik) angeordnet.
Es wird vorgemerkt, dass sich der Beschuldigte seit dem 4. Oktober 2018 im vor-
zeitigen Massnahmenvollzug befindet.
5. Rechtsanwalt lic. iur. X._ wird für die amtliche Verteidigung des Beschuldigten
mit Fr. 10'883.10, inkl. Mehrwertsteuer (zusätzlich zur Akonto-Zahlung von
Fr. 28'509.70 vom 21. Mai 2019) aus der Gerichtskasse entschädigt.
6. Die Gerichtsgebühr fällt ausser Ansatz. Die weiteren Kosten betragen:
Fr. 4'000.– Gebühr Strafuntersuchung
Fr. 1'000.– Gerichtsgebühr/Spruchgebühr
Fr. 1'000.– Gebühr Beschwerdeverfahren G.Nr. UB180104
Fr. 33'527.20 Gutachten/Expertisen etc.
Fr. 39'392.80 amtliche Verteidigung (inklusive Akontozahlung)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einschliesslich der-
jenigen der amtlichen Verteidigung, werden auf die Gerichtskasse genommen.
8. (Mitteilungen)
9. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge: (Prot. II S. 3 f.)
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 58)
1. Das Urteil des Bezirksgerichtes Zürich vom 3. Oktober 2019 sei betreffend
den Dispositiv-Ziffern 2, 3 und 4 aufzuheben.
2. Der Beschuldigte und Berufungskläger sei vom Vorwurf der Gewalt und
Drohung gegen Behörden und Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB
von Schuld und Strafe vollumfänglich freizusprechen.
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3. In Bezug auf den Vorwurf der mehrfachen Übertretung des Bundesgesetzes
über die Betäubungsmittel im Sinne von Art. 19a BetmG sei in Anwendung
von Art. 19a Ziff. 2 BetmG von einer Strafe abzusehen.
4. Es sei von der Anordnung einer stationären Massnahme im Sinne von
Art. 59 StGB abzusehen.
5. Es sei eine stationäre Massnahme im Sinne von Art. 60 StGB (Sucht-
behandlung) anzuordnen.
6. die Kosten der amtlichen Verteidigung und die Kosten für das Berufungsver-
fahren seien auf die Gerichtskasse zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 51; schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils

## Considerations

Erwägungen:
I. Verfahrensgang
1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann auf die Erwägun-
gen der Vorinstanz im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 43 S. 4;
Art. 82 Abs. 4 StPO).
2. Am 3. Oktober 2019 erging das eingangs wiedergegebene Urteil des
Bezirksgerichts Zürich (Urk. 40; Urk. 43). Das Urteil wurde mündlich eröffnet und
begründet sowie im Dispositiv übergeben (Prot. I S. 28).
3. Der Beschuldigte liess mit Eingabe vom 4. Oktober 2019 gegen das Urteil
innert Frist Berufung anmelden (Urk. 41), worauf ihm am 10. Januar 2019 das be-
gründete Urteil (Urk. 40; Urk. 43) zugestellt wurde (Urk. 42/2). Am 28. Januar
2020 liess er die Berufungserklärung einreichen (Urk. 44). Mit Präsidialverfügung
vom 20. Februar 2020 wurde der Staatsanwaltschaft und der Privatklägerin die
Berufungserklärung zugestellt und Frist angesetzt, um zu erklären, ob Anschluss-
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berufung erhoben wird, oder um begründet ein Nichteintreten auf die Berufung zu
beantragen (Urk. 49). Mit Eingabe vom 25. Februar 2020 erklärte die Staats-
anwaltschaft, auf Anschlussberufung zu verzichten und die Bestätigung des vor-
instanzlichen Urteils zu beantragen (Urk. 51). Die Privatklägerin liess sich nicht
vernehmen. Die Berufungsverhandlung wurde auf den 28. Mai 2020 angesetzt
(Urk. 52) und fand in Anwesenheit des Beschuldigten und des amtlichen Vertei-
digers statt (Prot. II S. 3).
II. Umfang der Berufung
Die Berufung richtet sich gegen die Dispositiv-Ziffern 2, 3 und 4 des vorinstanz-
lichen Urteils. Der Beschuldigte verlangt, er sei vom Vorwurf der Gewalt und
Drohung gegen Behörden und Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB (Dispo-
sitiv-Ziffer 2, 1. Spiegelstrich) freizusprechen und es sei in Bezug auf den Vorwurf
der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von Art. 19a
BetmG (Dispositiv-Ziffer 2, 2. Spiegelstrich) in Anwendung von Art. 19a Ziff. 2
BetmG von einer Strafe abzusehen. Entsprechend sei auch Dispositiv-Ziffer 3 be-
treffend die Sanktion (Bestrafung mit 60 Tagen Freiheitsstrafe sowie mit einer
Busse von Fr. 300.-) aufzuheben. Sodann sei an Stelle der stationären Mass-
nahme im Sinne von Art. 59 Abs. 1 StGB (Dispositiv-Ziffer 4) eine stationäre
Massnahme im Sinne von Art. 60 StGB anzuordnen (Urk. 44 S. 2; Urk. 58 S. 1 f.).
Nicht angefochten wurden Dispositiv-Ziffer 1 (Feststellung, dass der Beschuldigte
die Tatbestände der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB und
der Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von Art. 19a BetmG im
Zustand der nicht selbstverschuldeten Schuldunfähigkeit im Sinne von Art. 19
Abs. 1 StGB erfüllt hat, und Absehen von einer Strafe) sowie die Dispositiv-Ziffern
5 bis 7 (Kosten- und Entschädigungsfolgen) (vgl. Prot. II S. 4). Diese Teile des
vorinstanzlichen Urteils sind rechtskräftig geworden, was vorab mittels Beschluss
festzustellen ist (Art. 404 Abs. 1 StPO). Im Übrigen ist das vorinstanzliche Urteil
unter Vorbehalt des Verschlechterungsverbots (Art. 391 Abs. 2 StPO) zu überprü-
fen.
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III. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
A. Vorwurf der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte (Dossier 2)
1.1. Dem Beschuldigten wird unter Bst. a der Anklage zusammengefasst Fol-
gendes vorgeworfen: Er habe sich seit 4. Oktober 2018 in der geschlossenen
Massnahmestation ... der PUK Zürich, Zentrum für Stationäre Forensische The-
rapie Rheinau, im vorzeitigen Massnahmevollzug befunden. Am 2. November
2018, ca. 20.40 Uhr, habe der diensthabende Arzt (Geschädigter B._) den
Eingangsbereich betreten und mit dem Schlüssel die abgeschlossene Türe geöff-
net. Als der Geschädigte die Türe hinter sich wieder haben verschliessen wollen,
habe der Beschuldigte versucht, sich am Geschädigten vorbeizuzwängen. Der
Geschädigte habe den Beschuldigten sofort an dessen Armen gepackt, um ihn
zurückzuhalten. Der Beschuldigte habe gedrängt bzw. gegen den Geschädigten
gestossen, weshalb dieser gemeinsam mit dem Beschuldigten zu Boden gefallen
sei. Dort habe der Beschuldigte mit seiner Hand den Kopf des Geschädigten von
sich weg gestossen und zu diesem gesagt, er solle ihn loslassen, er werde ihm
nichts tun. Darauf habe der Geschädigte den Beschuldigten losgelassen, worauf
dieser die Örtlichkeit habe verlassen können und zur nahegelegenen Busstation
gerannt sei.
1.2. Die Vorinstanz erachtet diesen Anklagesachverhalt zu Recht als erstellt. Sie
weist richtig darauf hin, dass die Aussagen des Geschädigten zwar mangels
durchgeführter Konfrontationseinvernahme nicht zulasten des Beschuldigten ver-
wertbar sind, der anklagebildende Sachverhalt letztlich aber einzig auf den Aus-
sagen des Beschuldigten basiert (Urk. 43 S. 5 f.). Der Beschuldigte hat den Sach-
verhalt sowohl in der Untersuchung als auch anlässlich der Hauptverhandlung
eingestanden (Urk. 43 S. 5; Urk. D1/3/6 S. 3 f.; Prot. I. S. 19 f.).
1.3. Der Verteidiger des Beschuldigten wandte vor Vorinstanz (Urk. 33 S. 3 ff.)
wie auch im Berufungsverfahren ein, der Beschuldigte habe keinerlei Tätlichkeit
gegenüber dem Geschädigten verübt, sondern sich lediglich aus dessen Griff be-
freit. Der Geschädigte habe bestätigt, dass der Beschuldigte nicht aktiv auf ihn los
gegangen sei und es nicht dessen Ziel gewesen sei, ihn zu verletzen. Er habe nur
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die Situation ausgenutzt, um weglaufen zu können (Urk. D2/3 Antwort 17). Es sei
damit keinerlei physische Einwirkung durch den Beschuldigten erfolgt, die als
Gewalt im Sinne des Tatbestandes von Gewalt und Drohung gegen Behörden
und Beamte zu beurteilen sei (Urk. 58 S. 4). Der Beschuldigte habe gegenüber
dem Geschädigten mit den Worten "lass mich los, ich werde Dir nichts tun" auch
keine ernstlichen Nachteile angedroht, wie die Vorinstanz zu Unrecht annehme
(Urk. 58 S. 4 f.). Auch in subjektiver Hinsicht mangle es an einem eventual-
vorsätzlichen Handeln des Beschuldigten. Er habe lediglich die sich bietende
Gelegenheit nutzen wollen, um zu entweichen, sobald die Türe aufgehe (Urk. 58
S. 5). Der Tatbestand von Art. 285 Ziff. 1 StGB sei daher weder objektiv noch
subjektiv erfüllt (Urk. 44 S. 3; Urk. 58 S. 5). Auf diese Einwände ist im Rahmen
der rechtlichen Würdigung einzugehen.
2.1. Anklagebehörde und Vorinstanz qualifizieren den Sachverhalt als Gewalt
und Drohung gegenüber Behörden und Beamten im Sinne von Art. 285 Ziff. 1
StGB.
2.2.1. Gemäss Art. 285 Ziff. 1 Abs. 1 StGB macht sich strafbar, wer eine Behörde,
ein Mitglied einer Behörde oder einen Beamten durch Gewalt oder Drohung an
einer Amtshandlung hindert, zu einer Amtshandlung nötigt oder während einer
Amtshandlung tätlich angreift. In subjektiver Hinsicht ist Vorsatz bzw. Eventual-
vorsatz erforderlich.
2.2.2. Die Vorinstanz hat richtig festgehalten, dass es sich beim Geschädigten als
angestellten Assistenzarzt der PUK Rheinau um einen Beamten im Sinne des
Gesetzes handelt und er eine Amtshandlung im Sinne von Art. 285 StGB vor-
nahm, als er versuchte, den Beschuldigten am Verlassen der Klinik zu hindern
(Urk. 43 S. 9 f. E. III/2.2; vgl. a. OGer ZH SB180227 vom 28. September 2018,
E. 4.3.). Auf diese Ausführungen kann verwiesen werden.
2.2.3. Die Hinderung einer Amtshandlung liegt bereits vor, wenn diese in einer Art
und Weise beeinträchtigt wird, dass sie nicht reibungslos durchgeführt werden
kann (BSK StGB II-Heimgartner, 4. Aufl., 2019, Art. 285 N 5 m.H.). Das Tatbe-
standsmerkmal der Gewalt setzt eine physische Einwirkung auf den Amtsträger
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voraus. Diese muss eine gewisse Intensität aufweisen, um als Gewalt qualifiziert
zu werden. Vorausgesetzt wird eine eindeutige aggressive Kraftentfaltung gegen
die betreffende Amtsperson. An einer solchen fehlt es etwa bei einem leichten
Rempeln im Rahmen eines "Gerangels" (BSK StGB II-Heimgartner, a.a.O.,
Art. 285 N 6, 15 m.w.H.), beim Um-sich-Schlagen ohne zu treffen oder beim Her-
umfuchteln mit den Händen (Bundesstrafgericht SK.2018.50 vom 25. Januar 2019
E. 3.1.). Die Drohung im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB entspricht nach der
Rechtsprechung der Androhung ernstlicher Nachteile gemäss dem Tatbestand
der Nötigung von Art. 181 StGB. Ernstlich sind Nachteile, wenn ihre Androhung
nach einem objektiven Massstab geeignet ist, auch eine besonnene Person in
der Lage des Betroffenen gefügig zu machen und so seine Willensbildung oder
Willensbetätigung zu beschränken. Ob eine Äusserung als Drohung zu verstehen
ist, beurteilt sich nach den gesamten Umständen, unter denen sie erfolgte
(BGer 6B_302/2017 vom 25. Oktober 2017 E. 2.3; BGer 6B_600/2017 vom
14. Februar 2018 E. 5.2 m.H.). Die Tatbestandsvariante des tätlichen Angriffs be-
steht in einer unmittelbaren, auf den Körper zielenden Aggression. Der tätliche
Angriff gemäss Art. 285 Ziff. 1 StGB setzt eine gewisse Intensität voraus, welche
jedoch nicht über die Anforderungen an die Tätlichkeit gemäss Art. 126 StGB hin-
ausgeht, denn beide Begriffe stimmen überein. Eine Tätlichkeit liegt vor bei einer
das allgemein übliche und gesellschaftlich geduldete Mass überschreitenden
physischen Einwirkung auf einen Menschen, die keine Schädigung des Körpers
oder der Gesundheit zur Folge hat. Körperliche Schmerzen sind für eine Tätlich-
keit nicht vorausgesetzt. Eine Tätlichkeit muss gleichwohl von einer gewissen In-
tensität sein. Das Verursachen eines deutlichen Missbehagens genügt. Massge-
bend sind die konkreten Umstände des Einzelfalls. Der tätliche Angriff muss sich
– im Gegensatz zu den anderen beiden Tatbestandsvarianten – nicht gegen
die Amtshandlung richten, d.h. diese muss nicht gehindert werden (BGer
6B_550/2019 vom 8. Juli 2019 E. 4.2; BGer 6B_883/2018 vom 18. Dezember
2028 E. 1.2).
2.2.4. Dem Beschuldigten wird zunächst vorgeworfen, er habe versucht, sich am
Geschädigten "vorbeizuzwängen", und er habe – als er vom Geschädigten an den
Armen gepackt und zurückgehalten worden sei – "gedrängt" bzw. "gegen den
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Geschädigten gestossen". Der Beschuldigte versuchte mit diesen Handlungen,
sich aus dem Griff des Geschädigten zu entwinden und zu fliehen. Eine ein-
deutige aggressive Kraftentfaltung gegenüber dem Beschuldigten bzw. eine
körperliche Aggression im Sinne einer Tätlichkeit ist nicht zu sehen, zumal
die Anklageschrift und der Beschuldigte, auf dessen Aussagen diese beruht, zur
Heftigkeit des Drängens bzw. Stossens nichts sagen. Entsprechendes gilt für den
Vorwurf, der Beschuldigte habe, nachdem er und der Geschädigte auf den Boden
gefallen seien, "mit seiner Hand den Kopf des Geschädigten von sich weg ges-
tossen". Auch hier bleibt die Intensität des Wegstossens ungewiss. Zu beachten
ist im Übrigen (zu Gunsten des Beschuldigten), dass der Geschädigte selbst eine
solche Geste des Beschuldigten nicht schildert (vgl. Urk. D2/3).
2.2.5. Es stellt sich die Frage, ob die an den Geschädigten gerichteten Worte des
Beschuldigten, er solle ihn loslassen, er werde ihm nichts tun, als Drohung zu
qualifizieren sind. Die Vorinstanz bejaht eine "verkappte Drohung", da der Be-
schuldigte mit dieser Äusserung implizit suggeriere, der Geschädigte habe ge-
wisse Konsequenzen zu befürchten, wenn er ihn nicht loslasse und die Rangelei
weiter gehe (Urk. 43 S. 11 f. E. 2.5). Dem ist aber nicht so. Zu erkennen ist einzig
eine Zusicherung an den Geschädigten, ihm nichts zu tun, wenn er ihn (den Be-
schuldigten) loslasse (im Sinne von: "Du kannst mich getrost loslassen, ich tue Dir
nichts."). Dass er damit gleichzeitig implizit einen Nachteil angedroht hätte (im
Sinne von: "Wenn Du mich nicht loslässt, geschieht Dir etwas."), kann dem Be-
schuldigten nicht unterstellt werden.
2.2.6. Letztlich hält auch die Vorinstanz fest, weder "die Drohung" noch "die Tät-
lichkeit" würden für sich alleine den objektiven Tatbestand von Art. 285 Ziff. 1
StGB erfüllen, kommt aber zum Schluss, dass sie in der Kombination ausreichend
seien (Urk. 43 S. 11 f. E. 2.5). Dem kann nicht gefolgt werden. Es ist zwar richtig,
dass die Frage, ob einer Aussage der Charakter einer Drohung zukommt, im
Rahmen einer Gesamtbetrachtung zu beurteilen ist. Vorliegend fehlt es aber wie
gesehen auch unter Berücksichtigung der gesamten Umstände an einer An-
drohung von Nachteilen.
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2.2.7. Nach dem Ausgeführten hat sich der Beschuldigte mangels Gewalt, Dro-
hung und tätlichen Angriffs der Gewalt und Drohung gegenüber Behörden und
Beamten im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB nicht schuldig gemacht.
2.3. Der Verteidigung des Beschuldigten wurde im Rahmen der Berufungsver-
handlung deshalb das rechtliche Gehör zum Tatbestand der Hinderung einer
Amtshandlung nach Art. 286 StGB gewährt (Prot. II S. 5; Urk. 57 S. 8). Art. 286
StGB kommt im Gegensatz zu Art. 285 StGB, der Gewalt und Drohung oder Tät-
lichkeiten gegen den Amtsträger voraussetzt, einerseits bei aktivem Widerstand
ohne die genannten Mittel und andererseits bei passivem Widerstand zur Anwen-
dung (BSK II-Heimgartner, a.a.O., Art. 286 N 6). Aktiver Widerstand gegen eine
Amtshandlung, der nicht mit den von Art. 285 StGB vorausgesetzten Mitteln er-
folgt, ist mithin unter Art. 286 StGB zu subsumieren. Entsprechend ist die Ver-
teidigung mit ihrem Einwand eine Verurteilung nach Art. 286 StGB würde eine
Verletzung des Anklageprinzips bedeuten, nicht zu hören (vgl. Prot. II S. 5). Die
Tatbestandselemente sind in der Anklageschrift in genügender Form umschrie-
ben, da der Tatbestand von Art. 286 StGB im Tatbestand von Art. 285 StGB ent-
halten ist.
Für den Tatbestand der Hinderung einer Amtshandlung nach Art. 286 StGB ge-
nügt ein (aktives) Verhalten des Täters, durch welches eine Amtshandlung derart
beeinträchtigt wird, dass sie nicht reibungslos durchgeführt werden kann
(BSK StGB II Heimgartner, a.a.O, Art. 286 N 4 m.H.). Indem sich der Beschuldigte
wissentlich und willentlich dem Zugriff des Geschädigten aktiv entwand und flüch-
tete, hat er den Tatbestand entgegen der Auffassung der Verteidigung (Prot. II
S. 5) objektiv und subjektiv erfüllt (vgl. BGer 6B_115/2008 vom 4. September
2008 E. 4.3.1).
Mangels Rechtfertigungs- und Schuldausschlussgründen ist der Beschuldigte
wegen Hinderung einer Amtshandlung im Sinne von Art. 286 StGB zu verurteilen.
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B. Vorwurf der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im
Sinne von Art. 19a BetmG
1. Dem Beschuldigten wird unter Bst. b der Anklage vorgeworfen, am
2. November 2018 nach seiner Flucht aus der PUK Rheinau in der Region des
C._ verschiedene Betäubungsmittel erworben bzw. erhältlich gemacht zu
haben (u.a. ca. 0.3 Gramm Kokain und 0.4 Gramm Heroin) und diese in der Nacht
auf den 3. November 2018 konsumiert zu haben. Die Vorinstanz verurteilte ihn
dafür wegen mehrfacher Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von
Art. 19a BetmG.
Der Beschuldigte und sein Verteidiger anerkennen sowohl den Sachverhalt als im
Grundsatz auch die rechtliche Würdigung, halten indessen dafür, es liege auf-
grund der geringen Drogenmenge ein Fall von Art. 19a Ziff. 2 BetmG vor und es
sei entsprechend von einer Strafe abzusehen (Urk. 33 S. 5; Urk. 44 S. 3 f.;
Urk. 58 S. 6).
2. Nach Art. 19a Ziff. 2 BetmG kann in leichten Fällen (von Widerhandlungen
gemäss Ziff. 1 der Bestimmung) das Verfahren eingestellt oder von einer Strafe
abgesehen werden. Bei der Beurteilung, ob ein Fall "leicht" ist, sind die gesamten
objektiven und subjektiven Umstände des Einzelfalles zu berücksichtigen. In der
Lehre werden verschiedene Kriterien genannt, die von Bedeutung sein können:
Konsum aus blosser Neugier; Art der gebrauchten Betäubungsmittel (harte oder
weiche Drogen); Alter des Täters; Grad der Drogenabhängigkeit; Belastung durch
Vorstrafen (vgl. z.B. Hug-Beeli, BetmG-Komm. Art. 19a N 492, 506, 508 m.H.).
Der im Zeitpunkt der Tathandlung 37 Jahre alte Beschuldigte konsumiert seit vie-
len Jahren verschiedenste Betäubungsmittel, ist drogenabhängig (Urk. 7/2/12
S. 131 ff.; Urk. 57 S. 4 ff.), mehrfach einschlägig vorbestraft (Urk. 47), entwich
zwecks Drogenkonsums (Urk. D1/17) aus der PUK Rheinau und konsumierte als-
dann Kokain und Heroin. Unter diesen Umständen kann kein leichter Fall im Sin-
ne von Art. 19a Ziff. 2 BetmG angenommen werden. Vielmehr hat die Vorinstanz
den Beschuldigen zu Recht wegen mehrfacher Übertretung des Betäubungs-
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mittelgesetzes im Sinne von dessen Art. 19a Ziff. 1 (wie zu präzisieren ist) BetmG
verurteilt.
IV. Strafzumessung
1. Strafrahmen
Vorliegend ist der Beschuldigte wegen Hinderung einer Amtshandlung im Sinne
von Art. 286 StGB schuldig zu sprechen. Der ordentliche Strafrahmen beträgt
Geldstrafe von 3 bis zu 30 Tagessätzen (Art. 34 Abs. 1 StGB).
Da für die mehrfache Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von
Art. 19a Ziff. 1 BetmG einzig eine Busse, mithin keine gleichartige Strafe zu
Art. 286 StGB möglich ist, kann keine Gesamtstrafe im Sinne von Art. 49 Abs. 1
StGB ausgesprochen werden. Vielmehr ist für die mehrfache Übertretung eine ei-
genständige Strafe in Form einer Busse anzuordnen.
2. Strafzumessungsregeln
Betreffend Strafzumessungsregeln kann auf die zutreffenden Ausführungen der
Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 43 S. 14 ff. E. IV/2).
3. Konkrete Strafzumessung
3.1. Tatkomponente
Die Vorinstanz hat zu Recht erwogen, dass der Beschuldigte planmässig vorging,
indem er sich zwecks Entweichung aus der geschlossenen Massnahmestation
bewusst im Eingangsbereich der Klinik aufhielt und dort auf seine Chance wartete
(Urk. 43 S. 16 E. IV/3.1.1). Diese Chance hat er alsdann tatsächlich wahrgenom-
men, indem er versuchte, sich am Geschädigten vorbeizuzwängen, sowie – als
dieser ihn packte – sich aus dessen Griff löste und floh. Angesichts der Gewich-
tigkeit der betroffenen Amtshandlung (Verhinderung der Flucht aus einer ge-
schlossenen Massnahme) und des aktiven Vorgehens des Beschuldigten ist die
objektive Tatschwere als erheblich zu bewerten.
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Was die subjektive Tatschwere angeht, ist zunächst festzuhalten, dass der Be-
schuldigte mit direktem Vorsatz handelte. Mit der Vorinstanz ist sodann darauf
hinzuweisen, dass der Beschuldigte mit seiner Flucht einerseits Beschaffung und
Konsum von Drogen anstrebte und damit aus rein egoistischen Motiven handelte,
und dass auf der anderen Seite die dem Beschuldigten attestierte verminderte
Schuldfähigkeit (Urk. D1/7/2/18 S. 25) strafmindernd zu berücksichtigen ist. Die
subjektive Tatschwere entspricht der objektiven Tatschwere.
Angemessen erscheint eine Einsatzstrafe im mittleren Bereich, d.h. bei
15 Tagessätzen.
3.2. Täterkomponente
Betreffend das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten
kann auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 43 S. 17 ff.
E. 3.3.1; s.a. Prot. I S. 9 ff. und Urk. D1/7/2/12 S. 3 ff.). Dies gilt auch für die Wie-
dergabe der zahlreichen Vorstrafen des Beschuldigten (Urk. 43 S. 18 f. E. 3.3.2;
Urk. 47), die sich spürbar straferhöhend auswirken. Strafmindernd zu berücksich-
tigen ist mit der Vorinstanz das Geständnis des Beschuldigten.
3.3. Gesamtwürdigung
In Würdigung der massgeblichen Strafzumessungsgründe erscheint für die Hinde-
rung einer Amtshandlung eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen angemessen.
3.4. Tagessatzhöhe
Die Höhe des Tagessatzes bemisst sich nach den persönlichen und finanziellen
Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils, namentlich nach Einkommen
und Vermögen, Lebensaufwand, allfälligen Familien- und Unterstützungspflichten
sowie nach dem Existenzminimum (Art. 34 Abs. 2 StGB).
Der Beschuldigte ist IV-Bezüger und verschuldet (vgl. Urk. 43 S. 19 E. 3.3.3;
Prot. I S. 13 f., Urk. 57 S. 7). Er befindet sich seit Jahren in psychiatrischer Be-
handlung (vgl. Urk. D1/7/2/12 S. 9 ff.) und gegenwärtig im vorzeitigen Mass-
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nahmevollzug. Wie die Vorinstanz richtig festgehalten hat, wird es dem Beschul-
digten voraussichtlich auch künftig nicht möglich sein, ein regelmässiges Ein-
kommen zu erzielen (vgl. Urk. 43 S. 20 E. 3.5.3). Der Tagessatz ist entsprechend
in der minimalen Höhe von Fr. 10.– festzusetzen (vgl. Art. 34 Abs. 2 StGB).
4. Busse
Für die mehrfache Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von
Art. 19a BetmG ist eine Busse auszusprechen. Bei der Bemessung einer Busse
ist nebst dem Verschulden der finanziellen Leistungsfähigkeit Rechnung zu tragen
(Art. 106 Abs. 3 StGB). Die von der Vorinstanz ausgesprochene Busse von
Fr. 300.– für die mehrfache Übertretung von Art. 19a Ziff. 1 BetmG ist der Tat,
dem Verschulden und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten ange-
messen und zu bestätigen.
5. Anrechnung der Untersuchungshaft
Betreffend Anrechnung der Untersuchungshaft gemäss Art. 51 StGB kann auf
die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 43 S. 21 E. 5).
Der Beschuldigte befand sich ab dem 2. Mai 2018 in Untersuchungshaft
(vgl. Urk. D1/13/1) und wurde per 4. Oktober 2019 in den vorzeitigen Mass-
nahmenvollzug eingewiesen (Urk. D1/13/12/5). Entsprechend sind die heute an-
zuordnende Geldstrafe sowie die Busse durch die Untersuchungshaft von
155 Tagen (bis und mit vorzeitigem Massnahmeantritt am 4. Oktober 2018) er-
standen.
V. Massnahme
1. Die Vorinstanz hat mit Bezug auf die unter Dossier 1 zu beurteilenden Hand-
lungen des Beschuldigten (Urk. D1/17, 1. Antrag) festgestellt, dass der Beschul-
digte die Tatbestände der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB
und der Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von Art. 19a BetmG
im Zustand der nicht selbstverschuldeten Schuldunfähigkeit im Sinne von Art. 19
Abs. 1 StGB erfüllt hat und somit für diese Taten keine Strafe auszufällen ist
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(Urk. 43 S. 9). Angeordnet wurde eine stationäre therapeutische Massnahme im
Sinne von Art. 59 Abs. 1 StGB (Behandlung von psychischen Störungen kombi-
niert mit einer Suchtbehandlung, vorzugsweise in einer psychiatrischen Klinik).
Der Beschuldigte beantragt stattdessen die Anordnung einer stationären Mass-
nahme im Sinne von Art. 60 StGB (Suchtbehandlung). Er lässt ausführen, der mit
der Anordnung einer Massnahme nach Art. 59 StGB einhergehende Eingriff in die
persönliche Freiheit sei unverhältnismässig. Beim Beschuldigten liege bei objek-
tiver Betrachtung keine erhebliche Gefährlichkeit für die Allgemeinheit vor, die ei-
nen mit einer Massnahme nach Art. 59 StGB verbundenen längerfristigen Eingriff
in seine Freiheit rechtfertigen würde. Eine Massnahme nach Art. 60 StGB sei vor-
liegend genauso geeignet, um den angestrebten Massnahmezweck zu erreichen.
Der Sachverständige habe in seinem Gutachten festgehalten, dass sich sowohl
für die Schizophrenie- als auch für die Abhängigkeitserkrankung eine Behand-
lungsindikation ergebe, und er davon ausgehe, dass sich die Durchführbarkeit ei-
ner geeigneten Behandlung grundsätzlich am ehesten unter dem Titel des Art. 59
StGB (unter gleichzeitiger besonderer Berücksichtigung der Abhängigkeitserkran-
kung) abzeichne. Aus dieser Formulierung des Gutachters sei nun aber zu
schliessen, dass er auch eine Behandlung unter dem Titel des Art. 60 StGB (bei
gleichzeitiger besonderer Berücksichtigung der Schizophrenie-Erkrankung) als
geeignet beurteile. Hierbei sei zu berücksichtigen, dass eine Massnahme nach
Art. 60 StGB insbesondere auch in einer psychiatrischen Klinik vollzogen werden
könne, so dass der Schizophrenie-Erkrankung folglich auch im Rahmen einer
Massnahme nach Art. 60 StGB entsprechend Rechnung getragen werden könne.
Indem die Vorinstanz trotzdem eine Massnahme nach Art. 59 StGB angeordnet
habe, habe sie Art. 56a Abs. 1 StGB verletzt. Zu berücksichtigen sei vorliegend
zudem, dass die Schizophrenie-Erkrankung des Beschuldigten gut behandelt sei.
Paranoide Schübe kämen – wenn überhaupt – nur noch sehr selten vor. Dement-
sprechend stehe nunmehr die Behandlung der Suchterkrankung im Vordergrund
(Urk. 44 S. 4 f.; s.a. Urk. 33 S. 9 ff., insbes. S. 13 ff.; Urk. 58 S. 6 ff.).
2. Die Vorinstanz hat die allgemeinen Voraussetzungen für die Anordnung ei-
ner Massnahme (Art. 56 StGB; Urk. 43 S. 22 f.), die Massnahmeempfehlung des
Gutachters (Urk. 43 S. 23 f.) sowie die Voraussetzungen einer Massnahme nach
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Art. 59 StGB (Urk. 43 S. 24) wiedergegeben und sich eingehend mit der Mass-
nahmebedürftigkeit (Urk. 43 S. 24 ff.), der Massnahmefähigkeit (Urk. 43 S. 26 ff.)
und der Massnahmewilligkeit des Beschuldigten (Urk. 43 S. 28 ff.) sowie
der Frage der Verhältnismässigkeit (Urk. 43 S. 30 ff.) auseinandergesetzt. Auf
diese Ausführungen kann verwiesen werden. Nochmals zu behandeln ist auf-
grund der Vorbringen des Beschuldigten im Sinne einer Ergänzung einzig die
Frage der Massnahmeart.
3.1. Für die Anordnung einer Massnahme nach Art. 59 und nach Art. 60 StGB
gelten weitgehend die gleichen Voraussetzungen. Sind die Voraussetzungen ei-
ner Massnahme nach beiden Bestimmungen erfüllt, ist die gleichzeitige Anord-
nung beider Massnahmen rechtlich möglich (vgl. Art. 56a Abs. 2 StGB). Hiervon
wird allerdings abgeraten, da "[m]it Blick auf die unterschiedlichen Modalitäten
der Beendigung der Massnahme Klarheit am Platz" ist (BSK StGB I-Heer/
Habermeyer, 4. Aufl. 2019, Art. 60 N 57;). Anzuordnen ist richtigerweise diejenige
Massnahme, die im konkreten Fall am geeignetsten ist (ebd.). Massgebend muss
sein, welche Form der Behandlung für die optimale Erreichung des Massnahme-
zwecks notwendig und adäquat ist (PK-StGB-Trechsel/Pauen Borer, Art. 56a N 1,
Art. 60 N 1).
3.2.1 Der Gutachter hat sich mit der Frage, welche Massnahme für den Beschul-
digten am geeignetsten ist, intensiv und sorgfältig auseinandergesetzt. Zentral
waren dabei unter anderem die Bedeutung der Schizophrenie-Erkrankung für das
(die sexuelle Delinquenz betreffende) Verhalten des Beschuldigten (vgl. z.B.
Urk. D1/7/2/12 S. 117, 120, 125, 160) sowie die Einstellung des Beschuldigten
gegenüber den in Frage stehenden Massnahmen (vgl. z.B. Urk. D1/7/2/12 S. 121,
157 f., 164).
Der Gutachter beschreibt eine private egozentrische Weltsicht, Selbstinterpreta-
tion und ganz mangelhafte Fähigkeit zum Perspektivenwechsel des Beschuldig-
ten, wofür in der Psychiatrie der Begriff des „autistisch-dereistischen" Selbst- und
Weltbezugs geprägt worden sei und als zentrales Symptom von Erkrankungen
aus dem Formenkreis der Schizophrenien aufgefasst werde (Urk. D1/7/2/12
S. 160). Auf einer deskriptiv-klassifikatorischen Ebene sei beim Beschuldigten
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vom Vorliegen einer chronisch verlaufenden paranoiden Schizophrenie mit – trotz
neuroleptischer Behandlung – in unregelmässigen Abständen auftretenden epi-
sodischen Akzentuierungen der Symptomatik zu sprechen (Urk. D1/7/2/12
S. 166). Beim Beschuldigten bestehe zudem ein Abhängigkeitssyndrom mit dem
immer wieder auftretenden, geradezu imperativ empfundenen Wunsch, psycho-
trope Substanzen zu konsumieren, mit einer verminderten Kontrollfähigkeit be-
züglich des Beginns, der Beendigung und der Menge des Konsums, mit der
Nachweisbarkeit einer Toleranzentwicklung, mit einer Vernachlässigung anderer
Interessen zugunsten des Substanzkonsums und mit einem anhaltenden Sub-
stanzkonsum trotz des Nachweises eindeutiger schädlicher Folgen im Sinne
substanzbedingter Verschlechterungen kognitiver Funktionen und insbesondere
des Verlaufs der Schizophrenie-Erkrankung (Urk. D1/7/2/12 S. 169 f.). Im Hinblick
auf das sexuelle Verhalten des Beschuldigten lasse sich für das Jahr 2017 ein
Exhibitionismus im Sinne einer wiederholten Neigung diskutieren, das Genitale
vor Frauen in der Öffentlichkeit zu entblössen, wobei dies von sexueller Erregung
begleitet gewesen sei und es auch zum Masturbieren gekommen sei
(Urk. D1/7/2/12 S. 171). Die exhibitionistischen Handlungen habe der Beschuldig-
te, soweit erkennbar, ausnahmslos nach vorgängigem Kokainkonsum begangen,
und er habe wiederholt eine kokaininduzierte und überwältigende sexuelle Trieb-
haftigkeit (bei gleichzeitigem Derealisationserleben: er sei in einer „anderen Welt“
gewesen) für sein Tun verantwortlich gemacht. Später habe er dann exhibitionisti-
sches Handeln – unter Beibehaltung des geltend gemachten überwältigenden ko-
kaininduzierten sexuellen Antriebs – in den Kontext wahnhaft-halluzinatorischen
Erlebens gestellt. Das Tathandeln und die Darstellung seines Zustandekommens
liessen sich nicht als blosser Ausdruck einer akuten Kokainintoxikation oder einer
kokaininduzierten psychotischen Reaktion verstehen. Vielmehr zeige sich eine
unter dem Kokaineinfluss forcierte, kurzdauernde Akzentuierung und Exazerbati-
on schizophren-psychotischen Erlebens, denen mit Abklingen der Intoxikation ei-
ne Verbesserung der Selbstkontrolle und eine Stabilisierung des Selbsterlebens
folgten. Angesichts dieses engen Zusammenhangs zwischen Schizophrenie-
Erkrankung und exhibitionistischem Verhalten sei die Diagnose eines Exhibitionis-
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mus im Sinne einer Störung der Sexualpräferenz klar zu hinterfragen
(Urk. D1/7/2/12 S. 172 f.).
Der Gutachter legt sodann dar, dass der Beschuldigte in seinen Haltungen, An-
sichten und Äusserungen namentlich „interessegeleitet und zielgerichtet [wirkt],
was eine mögliche Massnahmeanordnung betrifft (ausschliessliche, möglichst
ambulante und nur kurzdauernde einleitende stationäre suchttherapeutische
Massnahmenbehandlung)“ (Urk. D1/7/2/12 S. 121). In den Einvernahmen habe er
den Hinweis auf die Bedeutung des Kokainkonsums im Tatvorfeld mit Vorstellun-
gen über eine neuerliche Behandlung des bei ihm bestehenden Abhängigkeits-
syndroms verknüpft und gleichzeitig die seinerzeit auf die Schizophrenie-
Erkrankung bezogenen psycho- und verhaltenstherapeutischen Massnahmen als
eher belastend denn als hilfreich beschrieben. Die Betonung des Zusammen-
hangs zwischen Kokainintoxikation, überwältigendem sexuellem Antrieb und Tat-
handeln mit dem damit verbundenen Hinweis, dies rechtfertige eine (vorwiegend
ambulante) Massnahme wegen Suchterkrankung, nicht aber eine Massnahme
wegen einer psychischen Erkrankung im Sinne des Art. 59 StGB, erwecke durch-
aus den Eindruck eines strategischen Überlegungen verpflichteten Verhaltens
(Urk. D1/7/2/12 S. 175). Erst auf Nachfrage und nach zunächst erfolgter aus-
drücklicher Verneinung habe der Beschuldigte dann anerkannt, bei der Tathand-
lung vom 1. Mai 2018 eine Frauenstimme gehört zu haben, die ihn mit „fick mich“
aufgefordert habe, ohne dass aber von ihr eine „explizite Aufforderung zu kom-
men“ ausgegangen sei. Mit dieser Darstellung sei es aus gutachterlicher Sicht
nicht mehr erlaubt, den Angaben des Beschuldigten über einen bloss kokainin-
duzierten und allein durch den Wunsch, die Privatklägerin anzufassen, gekenn-
zeichneten sexuellen Triebdruck zu folgen. Vielmehr sei auch die Bedeutung ei-
nes psychotischen Erlebens mit aufforderndem bzw. imperativem Stimmenhören
zu beachten (Urk. D1/7/2/12 S. 176). Die früheren exhibitionistischen Handlungen
sowie die aktuelle gegen die Privatklägerin gerichtete Tathandlung seien einer-
seits im Zusammenhang mit tatzeitaktuellen Kokainintoxikationen erfolgt, gleich-
zeitig aber auch auf dem Hintergrund eines akzentuierten wahnhaft-
halluzinatorischen Erlebens aufgrund einer chronisch mit Exazerbationen verlau-
fenden Schizophrenie, indem die Adressatinnen seines Tuns dieses geradezu
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wünschten oder imperative Stimmen (und gelegentlich Fremdbeeinflussungs-
erleben) ihn dazu gedrängt hätten (Urk. D1/7/2/12 S. 186 f.).
Was die anzuordnende Massnahme betrifft, weist der Gutachter darauf hin, dass
die praktische Durchführbarkeit der angemessenen, der Schizophrenie-
Erkrankung und der Abhängigkeitserkrankung in gleichem Mass Aufmerksamkeit
schenkenden Behandlung von hoher Intensität sich am ehesten in einer foren-
sisch-psychiatrischen Fachklinik denken liesse, während Massnahmevollzugsan-
stalten konzeptuell eher überfordert sein dürften. Nicht geeignet wäre angesichts
der Schwere der psychischen Störung des Beschuldigten der Behandlungsvollzug
in einer eher auf die Behandlung von Persönlichkeitsstörungen eingerichteten
Behandlungs- bzw. Massnahmeabteilung einer Strafvollzugsanstalt. Ebenfalls zu
einer konzeptuellen Überforderung der Einrichtung dürften Versuche führen, die
Behandlung in einer spezialisierten suchttherapeutischen Einrichtung mit internem
oder externem psychiatrischen Dienst durchzuführen (Massnahme gemäss
Art. 60 StGB in Kombination mit einer Massnahme gemäss Art. 63 StGB). Daraus
ergebe sich, dass sich die Durchführbarkeit einer geeigneten Behandlung am
ehesten unter dem Titel des Art. 59 StGB abzeichne (bei gleichzeitiger besonde-
rer Berücksichtigung der Abhängigkeitserkrankung), sich aus gutachterlicher Sicht
die stationäre Behandlungsdurchführung auf eine eher kurze Dauer beschränken
sollte und von einer sehr lange dauernden ambulanten Behandlung gefolgt
sein sollte, sobald sich eine verlässliche Abstinenzbereitschaft, medikamentöse
Compliance und Therapieadhärenz mit dann auch verlässlicher Offenheit und
verbesserten Begegnungsmöglichkeiten auch auf der affektiven Ebene ergeben
hätten (Urk. D1/7/2/12 S. 192).
3.2.2 Der Gutachter hat sich damit in nachvollziehbarer und überzeugender
Weise mit der Frage auseinandergesetzt, welche Form der Behandlung im vor-
liegenden Fall für die optimale Erreichung des Massnahmezwecks notwendig und
angemessen ist. Er kam zum klaren Schluss, dass eine Massnahme unter dem
Titel von Art. 59 StGB (bei gleichzeitiger besonderer Berücksichtigung der Ab-
hängigkeitserkrankung) am geeignetsten ist. Die Wendung, wonach sich die
Durchführbarkeit einer geeigneten Behandlung "am ehesten" unter dem Titel des
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Art. 59 StGB abzeichne, ist dahin gehend zu verstehen, dass auch bei dieser ge-
eignetsten Massnahme "Schwierigkeiten ihrer Durchführbarkeit" (Urk. D1/7/2/12
S. 190) bestehen. Entgegen der Ansicht des Verteidigers kann den Ausführungen
des Gutachters nicht entnommen werden, dass er auch eine Behandlung unter
dem Titel des Art. 60 StGB (bei gleichzeitiger besonderer Berücksichtigung der
Schizophrenie-Erkrankung) als geeignet beurteile. Im Gegenteil hat der Gutachter
diese Möglichkeit zwar in Erwägung gezogen – zumal er sich ja bewusst war,
welche Art von Massnahme der Beschuldigte anstrebte –, sie aber eindeutig als
weniger geeignet erachtet. Nicht in Übereinstimmung mit dem Gutachten zu brin-
gen sind auch die Behauptungen des Verteidigers, dass die Behandlung der
Suchterkrankung im Vordergrund stehe und der Schizophrenie untergeordnete
Bedeutung zukomme.
Stehen somit nicht zwei in gleicher Weise geeignete Massnahmen zur Verfügung,
kommt die vom Verteidiger angerufene Bestimmung von Art. 56a Abs. 1 StGB
nicht zur Anwendung.
3.2.3 Nach dem Ausgeführten ist in Bestätigung des Entscheids der Vorinstanz
eine stationäre therapeutische Massnahme im Sinne von Art. 59 Abs. 1 StGB
(Behandlung von psychischen Störungen kombiniert mit einer Suchtbehandlung,
vorzugsweise in einer psychiatrischen Klinik) anzuordnen. Ferner ist davon Vor-
merk zu nehmen, dass sich der Beschuldigte seit dem 4. Oktober 2018 im vor-
zeitigen stationären Massnahmenvollzug befindet.
Anzumerken bleibt, dass es zwar Aufgabe der Vollzugsbehörde ist, den Vollzugs-
ort und die Vollzugsmodalitäten zu bestimmen. Aus Sicht des Gerichtes wäre
es zumindest wünschenswert, dass die Massnahme nach Art. 59 StGB in einer
forensisch-psychiatrischen Klinik vollzogen wird, zumal es fraglich erscheint, ob
eine Justizvollzugsanstalt auf Dauer dafür die richtige Institution darstellt.
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Im Berufungsverfahren werden die Kosten nach Obsiegen und Unterliegen aufer-
legt (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte unterliegt teilweise und wird inso-
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weit grundsätzlich kostenpflichtig. Der Beschuldigte ist allerdings mittellos und
teilweise schuldunfähig. Es rechtfertigt sich daher, die Kosten des Berufungsver-
fahrens, einschliesslich derjenigen der amtlichen Verteidigung, auf die Gerichts-
kasse zu nehmen (vgl. Art. 419 und Art. 425 StPO).
Das geltend gemachte Honorar der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten in
der Höhe von Fr. 7'643.50 ist ausgewiesen und angemessen (Urk. 56). Die amt-
liche Verteidigung ist demnach antragsgemäss zuzüglich des Aufwandes für die
Berufungsverhandlung und eine Nachbesprechung mit Fr. 8'600.– (inkl. MwSt.)
aus der Gerichtskasse zu entschädigen.