# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** ac73d35b-5911-482c-99cd-a8cf6222ea4b
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1963, meldete sich am
5.
März 2002 bei der Invalidenver
sicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach dem Versicherten nach getätigten Abklärungen mit Verfügungen vom
7.
April 2006 (Urk. 7/47) sowie 2
7.
Oktober 2006 (Urk. 7/54) ab
1.
April 2002 eine ganze Rente zu.
Am 2
8.
Oktober 2011 teilte die IV-Stelle dem
Versicherten mit, der Rentenan
spruch sei unverändert (Urk.
7
/78).
1.2
Am 1
1.
November 2011 beantragte die Pensionskasse des Versicherten gestützt auf ein von ihr veranlasstes
psychiatrisches Gutachten (Urk. 7
/79
= Urk. 7/105
) eine Neuprüfung der Rente (Urk.
7
/80).
Daraufhin holte die IV-Stelle ein psychi
atrisches Gutachten ein, welches am
3.
Dezember 2012 erstattet wurde (Urk.
7
/103
).
Mit Verfügung vom 19. November 2015
(Urk. 7/156)
hob die IV-Stelle die bisherige ganze Rente auf Ende des folgenden Monats nach Zustellung der Verfügung auf. D
ie dagegen erhobene Beschwerde
hiess
das hiesige Gericht
mit Urteil vom
8.
Mai 2017 in dem Sinne gut, als es die
angefochtene Verfügung aufhob und die Sache zu ergänzenden Abklärungen an die IV-Stelle zurückwies
(Prozess Nr.
IV.2016
.
00017
;
Urk.
7/
168
).
1.3
In der Folge veranlasste die IV-Stelle eine polydisziplinäre Begutachtung des Ver
sicherten
Y._
,
dessen
Gutachten am
2
6.
Juli 2018
ers
tattet wurde (Urk. 7/202
). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk. 7/208
-
210
)
stellte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
8.
März 2019 fest, die Rente bleibe per 3
1.
Dezember 2015 eingestellt
(Urk
. 7/213
=
Urk.
2).
2.
Am
2.
Mai 2019 erhob der Versicherte
Beschwerde gegen die Verfügung vom 18.
März 2019 (Urk. 2) mit dem Antrag auf deren Aufhebung und
Zusprache
einer auch über
den verfügungsweise festgelegten Einstellungszeitpunkt hinaus ganzen Rente
(
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 2
2.
Mai 2019 (Urk. 6) beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerde
führer
am
2
3.
Mai 2019
zu
r Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8
).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, wel
che auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
Da
bei braucht es sich nicht um eine formelle Verfügung (Art. 49 ATSG) zu handeln. Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle deswegen das Re
visionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit
. f IVV auf dem Weg der blossen Mittei
lung (Art. 51 ATSG), ist im darauffolgenden Revisionsverfahren zeitlich zu ver
gleichender Ausgangssachverhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bundesgerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E. 3.1.2 unter Hin
weis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E. 3.1.2).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Ren
tenentscheid wie folgt (
Urk.
2
):
Ein Vergleich des neuen Gutachtens de
s
Y._
mit dem psychiat
rischen Gutachten von
Dr.
Z._
vom 1
4.
Februar 2006 zeige, dass ein Revisi
onsgrund vorliege. Die beschriebenen Befunde hätten sich verbessert.
In einer dem Leiden angepassten Tätigkeit bestehe eine Einschränkung der Arbeitsfähig
keit von 20 %. Der neue Invaliditätsgrad betrage 25 % (S. 2).
2.2
Der
Beschwerdeführer
stellte sich demgegenüber aus näher genannten Gründen
(
Urk.
1
Rz
13 ff.
)
auf den Standpunkt, auf den psychiatrischen Teil des
Y._
-Gutachten
s
könne nicht abgestellt werden.
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob sich die Verhältnisse seit Erlass der rentenzuspre
chenden Verfügung
en vom
7.
April 2006 (
Urk.
7/4
7) sowie 27.
Oktober 2006 (
Urk.
7/54), welche aufgrund einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung und Beweiswürdigung erging
en
, im Ver
gleich zur hier angefochtenen Verfügung vom
1
8.
März 2019
in anspruchsrele
vanter Weise verä
ndert haben (vgl. vorstehend E.
1.
3 f.
).
3.
De
n
rentenzusprechenden Verfügung
en
vom
7.
A
pril 2006 (
Urk.
7/47) sowie 27.
Oktober 2006 (
Urk.
7/54)
lag im Wesentlichen
das
Gutachten
von
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie
, vom 1
4.
Februar 2006 (Urk. 7/41) zugrunde, worin folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfä
higkeit gestellt wurden (S. 8 Ziff. 4):
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
-
chronische schwere Depr
ession (ICD-10 F32.2)
-
Status nach Unfällen 1996 und 2000 mit Ellbogenkontusionen rechts und Operationen am rechten Arm am 2
6.
April 2001 und 1
4.
Dezember 2001
Der
Beschwerdeführer
verfüg
e
aufgrund seiner geringen Bildung und der ausge
prägten
Alexithymie
nicht über genügende psychische Fähigkeiten, die chroni
schen Schmerzen und Beeinträchtigungen am rechten Arm zu bewältigen. Die psychischen Spannungen
exazerbierten
in einen pathologischen psychovegetati
ven Stresszustand
.
Der
Beschwerdeführer
sei
nachts derart in eine Unruhe gera
ten, dass er seit zwei Jahren nicht mehr ins Bett
gegangen sei
. Er steh
e
nachts wiederholt auf und geh
e
nach draussen. Er ha
be
Essstörungen. Ein grober Tremor am ganzen Körper ha
be
sich eingestellt. Der
Beschwerdeführer
leide unter Müdig
keit, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen. Er ha
be
alle Interessen und Be
tätigungen verloren und sich sozial völlig zurückgezogen.
Dies
sei
auch
innerhalb der Familie der Fall.
Durch den Verlust der Berufstätigkeit
sei
der
Beschwerdeführer
in Minderwertigkeitsgefühle geraten. Mit der Ehefrau kommt es andauernd zu Streitigkeiten, und der
Beschwerdeführer
sei
auf ihre Hilfe selbst in den alltäglichen Verrichtungen angewiesen. Er
habe
selber das In
teresse für die Körperpflege verloren. Aus diesen Schwierigkeiten
habe
eine chro
nische schwere Depression resultiert. Der
Beschwerdeführer
sei
niedergeschlagen, wein
e
häufig, ha
be
den Lebensmut verloren, h
a
be
Selbstmordgedanken. Er
sei
dysphorisch
geworden und neig
e
zu Aggressivität gegen sich sel
ber und gegen andere. Die psychischen Spannungen könn
t
en derart
exazerbieren
, dass es zu Erbrechen und unkontrollierbarem Durchfall kommt.
Zusammengefasst ha
be
sich beim
Beschwerdeführer
nach dem zweiten Unfall wegen persistierender Beschwerden und ungenügender psychischer Bewälti
gungsfähigkeiten ein somatoformes Schmerzsyndrom entwickelt, das sich
chro
nifiziert
und fixiert
habe
im Zusammenhang mit der Persistenz und Exazerbation einer psychovegetativen Stresssymptomatik und einer Depression, die ebenfalls einen chronischen und schweren Grad angenommen ha
be
. Wegen dieser psychi
schen Symptomatik
sei
der
Beschwerdeführer
als voll arbeitsunfähig zu betrach
ten. Therapeutische Optionen
gebe
es
s
eines Erachtens nicht, weil der
Beschwer
deführer
wegen der geringen Bildung und geringen Ausbildung der Affektivität und damit einer starken
Alexithymie
psychotherapeutisch nicht zugänglich
sei und auch Psyc
hopharmaka den psychopathologischen Zustand nicht kausal be
heben könn
t
en. Prognostisch
könne
deshalb mit keiner Besserung gerechnet wer
den
(S.10 oben)
.
Der Beschwerdeführer sei seit der Operation vom 1
4.
Dezember 2001 bis heute auch aus psychischen Gründen zu 100 % generell arbeitsunfähig geblieben (
S.10
Ziff.
5).
4.
4.1
Im Zeitpunkt der Mitteilung des unveränderten Rentenanspruchs vom
2
8.
Okto
ber 2011 (Urk. 7/78)
lagen der Beschwerdegegnerin folgende Berichte vor
:
4.2
Dr.
med. A._
, Facharzt für Allgemein
e Innere Medizin und für Gastro
ente
rologie,
B._
, führte mit Bericht vom 28.
Juni 2011 (Urk. 7
/74) aus, der Beschwerdeführer er
halte eine Rente bei Status nach Polytrauma (Gabelstapler-Unfall) im Jahr 200
0.
Aktuell werde er wegen mehrmonatigen blutigen Durchfällen betreut. Es habe sich die Diagnose einer distalen Colitis
ulcerosa
gezeigt, welche nun medi
kamentös in Remission habe gebracht werden
können (Ziff.
2). Wenn die Therapie konsequent fortgeführt werde, könne erwartet werden, dass zurzeit keine Be
schwerden auftreten würden. Eine Colitis
ulcerosa
sei allerdings eine möglicher
weise schubweise verlaufende Krankheit, eine Prognose sei deshalb
schwierig (Ziff.
4).
4.3
Dr.
med. C._
, praktischer Arzt, führte mit Bericht vom 29.
Juli 2011
(Urk. 7/75/1-4) aus, er behandle den Beschwerdeführer seit 2001 (S. 1 Ziff. 1.2)
,
und nannte die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1 Ziff. 1.1):
-
chronische schwere Depression
-
sensomotorische
Ulnarisparese
rechts bei Status nach mehrmaliger Ope
ration im Ellbogenbereich rechts
-
Status nach Radiusköpfchenfraktur rechts 1995
-
Status nach Ellbogenkontusion im Juli 2000
-
distale Colitis
ulcerosa
Der Beschwerdeführer sei aus somatischer wie auch aus psychischer Sicht massiv eingeschränkt. Es bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätig
keiten in der freien Wirtschaft (S. 2 Ziff. 1.7).
4.4
PD Dr. med. D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
führte mit Bericht
vom 1
7.
September 2011 (
Urk. 7
/76
/5-9
)
aus, er habe den Beschwer
deführer am 28. Mai 2011 erstmals untersucht (S. 1 Ziff. 1.2)
,
und nannte mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit die folgenden Diagnosen (S. 1 Ziff. 1.1):
-
chronifizierte
schwere Depression (ICD-10 F32.2)
-
Persönlichkeitsveränderung nach langer und dauernder psychischer Stö
rung (ICD-10 F62.1) und nach chronischen Schmerzen (ICD-10 F62.8)
Die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung sei nicht gege
ben, weil das Kriterium der „Verbindung mit emotionalen Konflikten und psy
chosozialen Faktoren“ nicht aufgezeigt werden könne. Der Beschwerdeführer sei aus psychischen Gründen (Depression, Persönlichkeitsveränderung) seit 2006 zu 100 % arbeitsunfähig. Nicht berücksichtigt sei die somatische Komponente der Beschwerden und ihre Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (S. 4 Ziff. 1.6).
4.5
Dr. med.
E._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
Regio
naler Ärztlicher Dienst,
RAD, führte mit Stellungnahme vom 13. Oktober 2011 (Urk. 7/77/2-3) aus, g
estützt auf
den Arztbericht von Dr.
D._
sei davon aus
zugehen
, dass der
Beschwerdeführer
weiterhin in erheblicher Weise in seiner psychofunktionellen Leistungsfähigkeit eingeschränkt sei und dass hieraus un
verändert eine
vollständige
Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt resultier
t
e (S. 3).
5.
In der Folge reichte d
ie Pensionskasse des
Beschwerdeführers
ein von ihr veran
lasstes psychiatrisches Gutachten (
Urk.
7/79)
ein:
Dr.
med.
F._
,
Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie,
erstat
tete am
9.
November 2010 (Urk. 7/79) ein psychiatrisches Gutachten und nannte als Diagnose eine schizoide Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.1
; S. 12
). Die Di
agnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung könne nicht gestellt werden. Es fehlten effektiv die innerpsychischen Konflikte
und die
psychosozia
len Faktoren. Auch eine Schmerzverarbeitungsstörung oder eine Somatisierungs
störung könnten nicht erkannt werden. Bei den Beschwerden handelte es sich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit um eine Symptomausweitung, eine Aggrava
tion. Auch depressiv sei der Beschwerdeführer nicht, allenfalls könne man seine wenig lebendige Art als depressive Verstimmung sehen. Eher spreche der Be
schrieb der Persönlichkeit des Beschwerdeführers (introvertiert, sage von sich aus nie etwas,
uneinfühlbar
, nicht affizierend) für die Diagnose einer Persönlichkeits
störung. Der Beschwerdeführer sei wenig beteiligt, distanziert, zeige keine Ge
fühle, sei oft allein unterwegs, pflege auch den Kontakt zu seiner Herkunftsfamilie nicht, habe keine näheren Bezugspersonen, auch wenig Interesse an sexuellen Erfahrungen (S. 12). Es habe nie eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20 % aufgrund der psychischen Beschwerden bestanden (S. 13).
6
.
6
.1
Dem Rückweisungsurteil vom
8.
Mai 2017 (
Urk.
7/168)
lagen folgende, vom Ge
richt als nicht genügend aussagekräftig beurteilte Arztberichte zugrunde (vgl.
E.
5
.1 ff. des genannten Urteils):
6
.2
Am 3. Dezember 2012 erstattet
e Dr. med. Dr.
rer
. nat. G._
, Fach
arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, das von der Beschwerdegegnerin in Auf
trag gegebene psychiatrische Gutachten (Urk.
7
/103). Er führte aus, dass sich die Frage stelle, ob es sich bei den vom Beschwerdeführer beklagten Schmerzen um eine reine Symptomausweitung oder eine chronische Schmerzstörung mit soma
tischen und psychischen Faktoren (ICD
10 F45.41) handle (S. 18 unten). Gesamt
haft würden die Argumente, die für eine reine Symptomausweitung sprächen, deutlich überwiegen. Zwar lägen beim Beschwerdeführer durchaus klinisch rele
vante Beeinträchtigungen in sozialen und beruflichen Funktionsbereichen vor, diese seien aber nur zu einem kleinen Teil in der Schmerzproblematik begründet und viel eher in der affektiven Symptomatik mit Gereiztheit, Dysphorie, Scham- und vermutlich auch Insuffizienzgefühlen, wenig Frustrationstoleranz gegenüber anderen Menschen und schliesslich auch vermindertem Antrieb, Müdigkeit und Mangel an Lebensenergie. Es seien also vorwiegend depressive Symptome, die zur Beeinträchtigung führten, nicht die Schmerzen (S. 19 unten).
Was die von PD Dr.
D._
diagnostizierte Persönlichkeitsveränderung (ICD
10 F62.1 oder 62.8) betreffe, so liessen sich aus seiner Sicht die beim Beschwerde
führer zu beobachtenden psychosozialen Einschränkungen hinreichend aus der chronischen Depression und dem damit verbundenen Verlust an Selbstwirksam
keit erklären, sodass eine andauernde Persönlichkeits
veränderung, die eine An
schlussdiagnose darstelle, nicht bemüht zu werden brauche (S. 26 Ziff. 9.7).
Durch den Gutachter Dr.
Z._
sei
im Februar 2006 aufgrund der psychischen Problematik eine
vollständige
Arbeitsunfähigkeit
mit diesbezüglich schlechter Prognose
festgestellt
worden. Dr.
Z._
habe
den Exploranden als seit dem
14. Dezember
2001 (d
as heisse
seit der Operation) "100
%
generell arbeitsunfä
hig"
beurteilt
. Therapeutische Optionen
habe
er keine
gesehen
, berufliche Mass
nahmen
seien
wegen der Schwere der Symptomatik als nicht indiziert beurteilt
worden. Würden die von Dr.
Z._
erhobenen Befunde mit dem jetzigen Unter
suchungsstatus verglichen, zeig
e
sich, dass die Schmerzen den Exploranden da
mals wesentlich stärker beeinträchtigten und auch die psychischen einschliesslich psychovegetativer Beschwerden
gravierender gewesen seien. Insofern sei die da
malige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nachvollziehbar (S. 26 Ziff. 9.7).
Zusammenfassend führte der Gutachter aus, es lägen nicht genügend klinisch relevante Beeinträchtigungen durch körperliche Beschwerden vor, als dass eine anhaltende Schmerzstörung (ICD-10 F45.4x) diagnostiziert werden könne. Viel
mehr müsse von einem dysfunktionalen, maladaptiven Verhalten ohne Krank
heitswert, einer sogenannten Symptomausweitung, ausgegangen werden. Dar
über hinaus bestehe eine mittelgradige depressive Episode ohne somatisches Syn
drom (ICD-10 F32.10; S. 24 Ziff. 9.1).
In der bis 2000 ausgeführten Arbeit als
Vorlader
müsse
aufgrund der depressiven Symptomatik mit erheblicher
Chronifizierung
un
d
Dekonditionierung
von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit ausge
gangen werden
(S. 24 Ziff. 9.2)
.
Aus der Synthese von Beschwerdebi
l
d, rapportierten Alltagsaktivitäten und so
zi
aler Partizipation
lasse
sich ableiten, dass
der Beschwerdeführer
sehr wahrschein
lich in der Lage
sei, mindestens 5, mögli
cherweise sogar 7 - 8 Stunden täglich einer Tätigkeit nachzugehen, die überwiegend aus leichten körperlichen Aktivi
täten besteh
e
. Dabei
gelte
es aber zu beachten, dass Flexibilität, Anpassungsf
ä
hig
keit an vorgegebene Regeln und Routinen, Frustrationstoleranz sowie Durch
halteve
rm
ögen und Selbstbehauptungsfähigkeit durch jahrelange
Dekonditionie
rung
wahrscheinlich deutlich eingeschränkt
seien
. Das genannte medizinisch-theoretisch mögliche Arbeitspensum
lasse
sich zunächst ausschliesslich im se
kundären Arbeitsmarkt erreichen, wobei auch hier eine sozialpsychiatrische Re
habilitation vorgeschaltet werden sollte
(S. 24 Ziff. 9.3)
.
Bei
dem Beschwerdeführer habe
während des über zehnjährigen Verlaufs eine
beträchtliche psychische, wahr
scheinlich auch körperliche
Dekonditionierung
stattgefunden. In
diesem Zusammenhang sei erstaun
lich, dass der
Beschwerde
führer
nie in einer sozialpsychiatrischen rehabilitativen
Einrichtung (zum Beispiel in einem Tages-
Zentrum) in Behandlung
gewesen sei (d
ie vorgeschlagene statio
näre Rehabilitation in der
H._
habe der Beschwerdeführer
abgelehnt). Auch eine regelmässige psychiatrische Behandlung
habe
erst vor re
lativ kurzer Zeit, nämlich Anfang 2012, etabliert werden
können
, obwohl bereits 2004 ein depressives Zustandsbild beschrieben worden
sei
. Die bestehende am
bulant-psychiatri
sche Behandlung bei med.
pract
.
I._
soll
e fortgeführt werden. A
ls weitere Massnahme
empfehle
sich der Besuch eines sozialpsychiatri
schen Tageszentrums
(S. 25 Ziff. 9.5)
.
6
.
3
Dr.
J._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Gastroente
rologie,
B._
, führte mit
Bericht vom 2
7.
Juni 2014 (Urk. 7
/118/5-6) aus, der Beschwerdeführer habe angegeben, mit der Colitis gehe es sehr gut, seit einem Jahre habe er kein Blut mehr gesehen. Auf Nachfrage habe er jedoch angegeben, dass zwischendurch noch ein milder imperativer Stuhldrang bestehe (S. 1 unten). Im Vergleich zur letzten Vorstellung sei das Befinden besser. Prinzipiell sei klinisch von einer gu
ten Kontrolle der Colitis auszugehen. Allerdings weise die Anamnese darauf hin, dass doch noch eine gewisse
Restinflammation
bestehe (S. 2 Mitte).
6
.4
Dr.
C._
nannte mit Bericht vom 2. August 2014 (Urk. 7/118/1-4) dieselben Diagnosen wie mit Bericht vom 29. Juli 2011 (vgl. vorstehend E. 4.3; S. 1 Ziff. 1.1). Die Prognose sei ungünstig. Im aktuellen Zustand sei der Beschwerde
führer weder arbeits- noch eingliederungsfähig. Es sei ihm kurz- und mittelfristig weiterhin im Rahmen des bisherigen Invaliditätsgrades eine Arbeitsunfähigkeit zu attestieren. Eine Reduktion der Arbeitsunfähigkeit sei aktuell nicht realistisch (S. 2 Ziff. 1.4). Seine Belastbarkeit sei von somatischer und psychischer Seite massiv eingeschränkt. Es bestehe eine beinahe vollständige Arbeitsunfähigkeit für die Tätigkeiten in der freien Wirtschaft (S. 2 Ziff. 1.7).
6
.5
Med.
pract
.
I._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und prak
tischer Arzt, führte mit Bericht vom 22. September 2014 (Urk. 7/121/5-9
)
aus, er behandle den Beschwerdeführer seit 2012 (Ziff. 1.2)
,
und nannte als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine anhaltende mittelgradige depressive Episode, ohne somatisches Syndrom (ICD-10 F32.10; Ziff. 1.1). Eine stationäre Psychotherapie wäre indiziert, aufgrund der Sprachbarriere des Beschwerdefüh
rers aber höchstwahrscheinlich von geringem Nutzen. Daher sei bisher davon ab
gesehen worden (Ziff. 1.3). Die Prognose sei als schlecht zu bewerten. Es habe durch die Behandlung keine Reduktion der psychiatrischen Symptomatik erreicht werden können. Sie sei eher leicht verschlechtert (Ziff. 1.4). Aktuell bestehe aus psychiatrischer Sicht eine vollständige Arbeitsunfähigkeit auch für adaptierte Tä
tigkeiten (Ziff. 1.6). Aktuell sei eine Tätigkeit auf dem realen Arbeitsmarkt in der angestammten Tätigkeit als
Vorlader
weiterhin nicht zumutbar, aufgrund des sich weiterhin chronisch zeigenden Beschwerdebildes. Ebenfalls trage die jahrelange
Dekonditionierung
und die nur sehr geringe Durchhaltefähigkeit und geringe Frustrationstoleranz dazu bei (Ziff. 1.7 und 1.8).
6
.6
Dr. med. K._
, Facharzt für Chirurgie, nannte mit Bericht vom 5. Dezember 2014 (Urk. 7/128) die folgenden Diagnosen (S. 1 Ziff. 1):
-
cervical
und lumbal betontes
Panvertebralsyndrom
-
lumbovertebrales
Syndrom bei degenerativen Veränderungen mit mul
tisegmentaler
Diskopathie
der Lendenwirbelsäule (LWS)
-
Periarthritis
humeroscapularis
(PHS) rechts
-
Schulter- und Armschmerzen rechts bei Status nach Ellbogenfraktur rechts
-
Senk-Knick-Spreizfüsse beidseits
-
Hallux
valgus
beidseits mit Hammerzehe
digitus
II beidseits
-
Achillodynie
rechts betont beidseits
-
Diabetes mellitus Typ 2
-
Polyneuropathie
Angaben zur Arbeitsfähigkeit machte er nicht.
6
.7
Mit Bericht vom 24. März 2015 (
Urk. 7/147
)
führte Dr.
K._
aus, er behandle den Beschwerdeführer seit 2014 (Ziff. 1.2)
,
und nannte nebst den bereits mit Be
richt vom 5. Dezember 2014 genannten Diagnosen (vgl. vorstehend E.
5
.6) eine
Fasciitis
plantaris
rechts betont beidseits (Ziff. 1.1). In der angestammten Tätig
keit sei der Beschwerdeführer aufgrund der belastungsabhängigen Beschwerden zurzeit und bis auf weiteres vollständig arbeitsunfähig. Es bestehe eine vermin
derte Belastbarkeit des Achsenorgans. Zumutbar erschienen körperlich leichte Tä
tigkeiten in wirbelsäulenadaptierten Wechselpositionen mit der Möglichkeit zum Wechseln zwischen Sitzen, Stehen und Gehen, insbesondere kein Heben von schweren Lasten, nicht mehr als fünf Kilogramm kurz- und zwei Kilogramm län
gerfristig. In einer solchen behinderungsangepassten Tätigkeit bestehe aus soma
tischer Sicht eine 50%ige Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.7). Durch Physiotherapie, phy
sikalische Massnahmen, Rückenschule könnten die Beschwerden vermindert und die Arbeitsunfähigkeit dementsprechend erhöht werden (Ziff. 1.8).
6
.8
PD Dr. med. L._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Gastroenterologie,
B._,
führte mit Bericht vom 11. März 2015 (Urk. 7/14
5
) aus, der Be
schwerdeführer leide an einer Colitis
ulcerosa
, einer chronischen entzündlichen Darmerkrankung. Aktuell bestünden blutiger Durchfall und Bauchschmerzen. Meist müsse innerhalb kurzer Zeit das WC aufgesucht werden können, was zu deutlichen Alltageinschränkungen führe. Weiterhin bestehe aufgrund der Darm
entzündung eine chronische Müdigkeit. Die Beschwerden rechtfertigten eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit aus
gastroenterologischer
Sicht.
6
.9
Dr.
med.
M._
, Fachärztin für
Orthopädische Chirurgie und Trau
matolo
gie des Bewegungsapparates
, RAD, führte mit Stellungnahme vom 26. Februar 201
6
(Urk.
7/160
) aus, die Colitis
ulcerosa
sei eine chronisch-ent
zündliche Darmerkrankung, die oftmals in Schüben verlaufe. Zwischen den Schü
ben könne vollkommene Symptomfreiheit eintreten. Die Häufigkeit von Schüben und die Aktivität der Krankheit variierten stark, sodass anhand eines einzigen Berichts nicht auf die Arbeitsfähigkeit im Allgemeinen und auf längere Sicht ge
schlossen werden könne (S. 1 unten). Medizinisch sei nachvollziehbar, dass im Schub, wie von Dr.
L._
2015 dargelegt, eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % bestehe. Eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit aufgrund der Colitis sei aber nicht ausgewiesen (S. 2 oben). Eine angepasste Tätigkeit sei vollschichtig zumutbar (S. 3 unten).
6.10
Zu dieser medizinischen Aktenlage hielt das hiesige Gericht im Wesentlichen fest (
Urk.
7/16
8
S.
1
3
ff.):
5.3
Aufgrund der Akten liegen tatsächlich Hinweise für eine Verbesserung des psychi
schen Gesundheitszustandes vor. Während der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der erstmaligen
Rentenzusprache
im Jahr 2006 und der Rentenbe
stätigung im Jahr 2011 an einer schweren Depression gelitten hatte, wurde nunmehr vom psychiatrischen Gut
achter Dr.
G._
eine mittelgradige Depression diagnostiziert. Indes erscheint seine Einschätzung der Arbeitsfä
higkeit widersprüchlich. So ging er einerseits medizi
nisch-theoretisch von einer Arbeitsfähigkeit von mindestens fünf
,
möglicherweise so
gar sieben bis acht Stunden pro Tag in angepasster Tätigkeit aus, andererseits führte er aus, durch die langjährige Abwesenheit vom Arbeitsmarkt sei eine
Dekondi
tionierung
eingetreten, weshalb die Arbeits
fähigkeit vorerst erst nach der Teilnahme an einem so
zial
psychiatrischen Reha
bili
tationsprogramm und nur im Rahmen von Beschäf
ti
gungs
mass
nahmen im sekundären Arbeitsmarkt realisierbar sei, was faktisch einer voll
stän
digen Arbeitsunfähigkeit entsprä
che.
Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin handelt es sich bei der
Dekondi
tionie
rung
vorliegend nicht um einen invaliditätsfremden Faktor, war doch der Beschwerde
führer wegen der psychischen Erkrankung nicht mehr im Arbeitsprozess. Soweit die Beschwerdegegnerin unter Zuhilfenahme des strukturierten Beweisverfahrens eine vollständige Arbeitsfähigkeit ange
nommen hat, kann ihr ebenfalls nicht gefolgt wer
den. Da nunmehr keine somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert worden ist, ge
langt die diesbe
zügliche Rechtsprechung vorliegend nicht zur Anwendung.
Der behandelnde Therapeut des Beschwerdeführers, med.
pract
.
I._
, nannte eben
falls die Diagnose einer mittelgradigen Depression und ging von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit aus. Er hat jedoch nicht begründet, weshalb er nicht nur in Bezug auf eine angestammte, sondern auch bezüglich einer angepassten Tätigkeit von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit aus
geht.
Dr.
C._
diagnostizierte wie bereits 2011 eine schwere Depression und ging von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit aus. Die von Dr.
C._
gestellte Diagnose vermag angesichts dessen, dass zwei psychiatrische Fach
ärzte eine mittelgradige de
pressive Episode diagnostiziert haben, nicht zu überzeugen.
Zusammenfassend erweist sich die Einschätzung des psychiatrischen Gutach
ters als widersprüchlich. Gleichzeitig kann gestützt auf die vorliegende Aktenlage aber auch nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine voll
ständige Arbeitsfähigkeit in psy
chischer Hinsicht angenommen werden. Zwar hat der psychiatrische Gutachter Dr.
G._
nach einem Vergleich der von Dr.
Z._
2006 erhobenen Befunde mit dem durch ihn erhobenen Untersuchungsstatus eine Verbesserung der Beschwerden festgestellt. Zudem gilt eine mittelgradige depressive Episode in der Regel als thera
peutisch
angehbar
, und laut dem psychiatrischen Gutachter Dr.
G._
lässt sich der Beschwerdeführer erst seit 2012 regelmässig in ambulanter Psychotherapie behan
deln und wurde noch nie stationär behan
delt, weshalb eine Therapieresistenz demnach nicht bejaht werden kann.
Alles in allem lassen sich aber der psychische Gesundheitszustand des Beschwerdefüh
rers und insbesondere seine Arbeitsfähigkeit nach dem Gesagten nur ungenügend be
urteilen. Eine Aufhebung der angefochtenen Verfügung und Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin erweist sich daher schon aus diesem Grund als angezeigt. Für eine Rückwei
sung spricht im Übrigen auch der Umstand, dass der behandelnde Thera
peut eine eher leicht verschlechterte psychiatrische Symptomatik erwähnte und vor allem auch die Tatsache, dass die psychiatrische Untersuchung im Rahmen der Begut
achtung durch Dr.
G._
im Ver
fügungszeitpunkt bereits mehr als drei Jahre zu
rück lag.
5.4
Weiter erlaubt auch der medizinische Sachverhalt hinsichtlich einer anspruchs
er
heblichen Veränderung des somatischen Gesundheitszustandes kein schlüssiges Bild. Die Ärzte des
B._
_
diagnostizier
ten erstmals 2011 eine Colitis
ulcerosa
, danach auch 2014 und 201
5.
Während die Colitis
ulcerosa
2011 und 2014 klinisch gut kontrolliert war, berichtete der Beschwerdeführer 2015 erneut von bluti
gem Durchfall und Bauchschmerzen. Diese Darmerkrankung schränke ihn auch insofern ein, als eine chronische Müdigkeit bestehe. Dr.
L._
vom
B._
attestierte im März 2015 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit. Die RAD
Ärztin Dr.
M._
erachtete es zwar als nachvollziehbar, dass im Schub, wie von Dr.
L._
2015 dar
gelegt, eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % bestehen könne, sah eine dauerhafte Arbeits
unfähigkeit aufgrund der Colitis aber nicht als ausgewiesen an.
Auch bezüglich der von Dr.
K._
festgestellten verminderten Belastbar
keit des Achsenorgans
bestehen Unklarheiten. Während Dr.
K._
eine 50%ige Arbeitsunfä
higkeit in näher dargelegter angepasster Tätigkeit attestierte, kam die RAD-Ärztin ge
stützt auf die Akten zum Schluss, dass dem Beschwerdeführer eine angepasste Tätigkeit voll
schichtig zumutbar sei.
Gestützt auf die vorliegenden ärztlichen Unterlagen kann somit auch die Arbeitsfähig
keit aus somatischer Sicht nicht abschliessend beurteilt werden. Soweit die Beschwer
degegnerin - der reinen Aktenbeurteilung der RAD
Ärztin folgend - davon ausging, dass der Beschwerdeführer in einer ange
passten Tätigkeit vollschichtig arbeitsfähig sei, liegt dieser Einschätzung keine verlässliche medizinische Beurteilung zugrunde.
5.5
Die vorliegende medizinische Aktenlage lässt somit keine abschliessende Beur
tei
lung des strittigen Rentenanspruchs zu, weshalb sich eine polydis
ziplinäre Begutach
tung des Beschwerdeführers aufdrängt. Hierfür ist die Sache an die Beschwerdegegne
rin zurückzuweisen, ist es doch im Rahmen der ihr obliegenden Abklärungspflicht ihre Aufgabe, die medizinische Grund
lage für die
Entscheidfindung
zu schaffen. Dem Even
tual
antrag des Beschwerdeführers um Einholung eines Gerichtsgutach
tens kann dem
nach nicht gefolgt werden.
7
.
7
.1
Seither präsentierte sich die relevante medizinische Aktenlage wie folgt:
7
.
2
PD
Dr.
L._
(vgl. vorstehend E. 6.8)
nannte mit Bericht vom 2
9.
August 2017 (Urk.
7/
178) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
distale Colitis
Ulcerosa
(Erstdiagnose Juli 2010)
-
Diabetes mellitus Typ 2
-
essentieller Tremor
-
depressive Störung
Aktuell bestehe von Seiten der Colitis
Ulcerosa
eine Remission, Stuhlfrequenz 2-3 Mal täglich, kein Blut, keine
Abdominalschmerzen
, stabiles Gewicht (Ziff. 1.3). Zur Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit führte PD
Dr.
L._
aus, der Beruf sei nicht bekannt. Angesichts der in der Interaktion deutlichen eindrückli
chen psychischen Einschränkung sei eine regelmässige berufliche Tätigkeit nicht vorstellbar. Eine angepasste Tätigkeit in einer geschützten Umgebung mit inten
siver Betreuung sei zu 50 % vorstellbar (Ziff. 2.1). Aus
gastroenterologischer
Sicht sei die Prognose gut, die Darmentzündung könne medikamentös kontrol
liert werden und führe nur zu einer mässigen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Aufgrund der psychischen Einschränkung sei eine reguläre Tätigkeit nicht vor
stellbar (Ziff. 3.3).
7
.
3
Med.
pract
.
I._
(vgl. vorstehend E. 6.5)
nannte mit Bericht vom 2
5.
Septem
ber 2017 (Urk. 7/183) als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine anhaltende mittelgradige depressive Episode, ohne som
atisches Syndrom (ICD-10 F32.10; S. 4 Ziff. 1.2)
.
Aktuell bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % auch für adaptierte Tätigkeiten. Die Arbeitsfähigkeit könne auch nicht mit medizini
schen Massnahmen verbessert werden. Alle ein bis zwei Wochen erfolge eine Stunde integrierte psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung
(S. 5)
.
Aufgrund der eher verschlechternden Symptomatik trotz der ambulanten Be
handlung in türkischer Muttersprache, sowie der Umstellung und Intensivierung der pharmakologischen Behandlung im Verlauf, sei die Prognose als schlecht zu bewerten. Es habe durch die Behandlung keine Reduktion der psychiatrischen Symptomatik erreicht werden können. Eher sei noch eine weitere Verschlechte
rung eingetreten. Der Beschwerdeführer schaffe es nur mit der Unterstützung der Kinder und seiner Ehefrau, seinen Alltag einigermassen zu gestalten (S. 5).
7
.
4
Med.
pract
.
I._
nannte mit Bericht vom
1
4.
Juni 2018 (Urk. 7/209
= Urk. 3/4
)
als Diagnose eine anhaltende mittelgradige depressive Episode, ohne somatisches Syndrom (ICD-10 F32.10). Aktuell bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %.
7
.
5
Die Gutachter der
Y._
erstatteten ihr polydisziplinäres Gutachten am
26.
Juli 2018 (Urk. 7/202
= Urk. 3/3
)
gestützt auf die Akten,
Erhebung der Anam
nese und Durchführung einer psychiatrischen
,
orthopädisch
-/
traumatologischen
und internistischen
Untersuchung
. Sie nannten folgende Diagnosen mit Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit (S.
5):
-
Colitis
ulcerosa
, distale Colitis (Erstdiagnose Juli 2010)
Die folgenden Diagnosen hätten keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 11):
-
geringgradiger
Senk-Spreiz-Platt-Knickfuss beidseits
-
leichtes Übergewicht BMI 28.7 kg/m
2
-
Diabetes mellitus Typ 2, oral eingestellt
-
Schlafapnoe-Syndrom
Im Rahmen der orthopädisch-
traumatologischen
Untersuchung
habe
sich ein al
tersentsprechender unauffälliger Untersuchungsbefund
gezeigt
. Für die angeg
e
bene Hypästhesie vom rechten El
lenbogenge
lenk
bis zu den Fingern D IV und V der rechten Hand
sei
bereits bei der am 25.
April
2002 durchgeführten neurolo
gischen Untersuchung und Elektroneurographie kein Hinweis für ein Carpaltun
nel-Syndrom,
ein
Thoracic
-Outlet-Syndrom (
TOS
)
oder
eine
Irritation des
N.
ul
naris
gefunden
worden
. Von neurologischer Seite
habe
sich bereits damals keine Erklärung für die Beschwerden des
Beschwerdeführers ergeben
. Die nicht dislo
zierte Radiusköpfchenfraktur rechts 1995, die Ellbogenkontusion rechts
Juli
2000, die CT-gesteuerte Bohrexzision einer zy
stischen Veränderung des
Capitul
um
hu
meri
radiale rechts am 26.
April
2001 sowie die Partialruptur des
ulnaren
Seiten
bandes rechts im 2001
sei
im Sinne einer
Restitutio
ad
integrum
längst ausgeheilt und beding
t
e
n
im Kontext mit dem aktuellen unauffälligen klinischen Befund keinerlei Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers
. Aufgrund der hier rechtsseitig abgeschwächt demonstrierten isometrischen Spannungstests
sei
die
sonographische
Untersuchung des rechten Schultergelenkes
erfolgt
, die jedoch keinen Anhalt auf das Vorliegen einer
Rotatorenmanschettenruptur
er
bracht
habe
. Die ebenfalls dargestellte minim v
ermehrte Flüssigkeit
subdeltoid
al
ha
be
im Kontext mit der unauffälligen klinischen Untersuchung keine Relevanz. Von orthopädisch-
traumatologischer
Seite
würden
keine Erkrankungen mit Ein
fluss auf die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers
bestehen
(S. 6 oben)
.
Aus internistischer Sicht wurde ausgeführt, s
eit
Juli
2010 besteh
e
eine Colitis
ulce
rosa
, die typischerweise in Schü
ben
verlaufe
und entsprechend dem Aktivi
tätsniveau leitliniengerecht durch die
B._
behandelt
werde
. Diese Erkrankung beeinfluss
e
die Arbeitsunfähigkeit w
ä
hrend der Sch
ü
be zu 70
%.
Ausserhalb der Schübe dürfte die Arbeitsfähigkeit bei 80
% liegen. Der unbefriedigend aktuell mit einer oralen Zweierkombination eingestellte Diabetes mellitus 2 zeig
e
einen HbA
1
c-Wert von 8,3
%. Dieser Wert liegt
über
dem von den Fachgesellschaften empfoh
lenen Bereich von 6.5 - 7.5
%
.
Es besteh
e
somit ein erhöhtes Risiko für Kompli
kationen des Diabetes mellitus. Eine Intensivierung der Therapie
sei
dringend an
gezeigt. Die Arbeitsfähigkeit
werde
durch den Diabetes nicht beeinflusst. Es be
steh
e
unter der gegenwärtigen Thera
pie auch kein erhöhtes
Hypoglykä
mierisiko
.
Die unbehandelte Schlaf-Apnoe ha
be
ebenfalls keinen Einfluss auf die Arbeitsfä
higkeit
(S. 6 f.)
.
Aus psychiatrischer Sicht
wurde ausgeführt, b
eim
Beschwerdeführer
habe
im Rahmen der hiesigen Untersuchung keine leitliniengerechte psychiatrische Diag
nose gestellt werden
können
. Seine Schilderung hinsichtlich möglicher Symp
tome
sei
vage
geblieben
. Auch auf Nachfrage
sei
eine Zuordnung nicht
gelungen
. Der
Beschwerdeführer
habe
sich in einem Selbstbeurteilungsbogen als schwer de
pressiv ein
geschätzt
. Eine schwere depressive Episode
lasse
sich allerdings mit dem Tagesablauf, mit dem Auftreten und mit dem Reiseverhalten des
Beschwer
deführers
nicht in Übereinstimmung bringen. Auch
würde
zu erwarten
sei
, dass ein Mensch, der an einer schweren depressiven Episode leide, die ihm verordneten Antidepressiva
einnehme
, wei
l
ihm daran gelegen
sei
, dass sich sein Zustand ver
besser
e
. Ob der
Beschwerdeführer
jemals an einer relevanten psychiatrischen Symptomatik gelitten
habe
,
könne
dahinstehen. Hinweise auf eine somatoforme Schmerzstörung
hätten
sich jedenfalls nicht
gefunden
. Auch
sei
aus psychiatri
scher Sicht nicht erkennbar, wie der Kreisarzt im Jahre 2004 zu der Einschätzung gekommen
sei
, dass der
Beschwerdeführer
niemals aus seiner Situation wieder herausfinden könnte. Gegen eine relevante depressive Symptomatik
spreche
auch, dass der
Beschwerdeführer
im Jahre 2004 dokumentiert keine Bereitschaft gezeigt habe, sich auf eine psychotherapeutische Behandlung einzulassen. Genau dies
sei
untypisch für eine depressive Erkrankung, bei der, wie bereits ausgeführt, der ausgeprägte Wunsch besteh
e
, die als unangenehm erlebte Symptomatik zu beenden. Aus psychiatrischer Sicht
sei
auch nicht erkennbar, warum die angeb
liche psychiatrische Symptomatik, wie im Jahre 2005 ausgeführt worden
sei
, in
validisierend sein sollte. Gerade reaktiv-depressive Geschehen
seien
einer thera
peutischen Intervention gut zugänglich. Es hätte sich daher bereits zum damali
gen Zeitpunkt die Frage stellen müssen, ob der Beschwerdeführer überhaupt ge
sund
werden möchte (S. 37 f.).
Der
Beschwerdeführer
sei in
der Türkei geboren
worden
und
sei
dort in geordne
ten Verhältnissen
aufgewachsen
. Er
habe
die Schule sowie den Militärdienst
ab
solviert
. Er
habe ge
heiratet,
sei
Vater zweier Kinder
geworden
und
sei
in die Schweiz migriert, wo er beruflich tätig
gewesen sei
. Eine fehlende Berufsausbil
dung sowie eine nahezu seit 30 Jahren bestehende Sprachbarriere
hätten dazu geführt
, dass der
Beschwerdeführer
habe
Hilfstätigkeiten verrichten
müssen
. In diesem Zusammenhang
sei
es im Jahre 2001 zu einem Arbeitsunfall
gekommen
. Die psychiatrischen Folgen, die diese für den
Beschwerdeführer
in seiner Wahr
nehmung
hätten, kö
nnten hier in G
ä
nze nicht nachvollzogen werden. Auftreten, Freizeitverhalten, Nichtnachweisbarkeit der verordneten Medikation im Blut und massive Auffälligkeiten in einem Beschwerdeval
i
dierungsverfahren spr
ä
chen ge
gen das Vorliegen einer psychiatrischen Erkrankung. Die Arbeitsfähigkeit des
Be
schwerdeführers
sei
demzufolge nicht eingeschränkt
(S. 6 Mitte)
.
Zur Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit hielten die Gutachter fest, die seit Juli 2010 bestehende Colitis
ulcerosa
verlaufe typischerweise in Schüben und beeinflusse die Arbeitsfähigkeit während eines Schubes zu 70
%
, ansonsten sei der Beschwerdeführer zu 80
%
arbeitsfähig. Als leidensangepasste Tätigkeit komme eine körperlich leichte Arbeit mit der Möglichkeit zu Toilettenpausen in der Nähe in Frage.
Während eines Schubs sei eine Präsenzzeit von 2.5 Stunden, ausserhalb eines Schubes eine solche von 6.5 Stunden täglich zumutbar (S. 8 unten).
7
.
6
Dr.
M._
,
RAD, führte mit Stellungnahme vom 2
8.
September 2018 (Urk. 7/207/4-5) aus, das Gutachten sei umfassend und nachvollziehbar. Auf das Gutachten könne abgestellt werden
(S. 4)
.
7.
7
Dr.
M._
,
RAD, führte mit Stellungnahme vom 1
9.
Oktober 2018
(
Urk. 7/207/6
)
aus
, eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit aufgrund eines Colitis
ulcerosa
-Schubes sei unwahrscheinlich. Aktenkundig seien zwei Schübe, der erste 2010, ein weiterer 201
5.
Während des zweiten Schubs sei der Beschwerdeführer aus
gastroenterologischer
Sicht zu 50 % arbeitsunfähig gewesen. Die Dauer eines Schubes hänge vom Ansprechen auf die Medikation ab und sei daher nicht ein
heitlich. Zurzeit bestehe kein Anhalt für einen Schub.
7.
8
Dr.
M._
,
RAD, führte mit Stellungnahme vom 2
6.
Februar 2019
(Urk. 7/212/2)
aus,
der von Herrn
I._
am 1
4.
Juni 2018 mitgeteilte psycho
pathologische Befund sei wortgleich mit sei
nem Befund vom 25.
September 2017, der dem Gutachter der
Y._
vorgelegen habe und von diesem in der Dis
k
ussion gewürdigt worden sei (S. 28 und S.
38 des Gutachtens).
8.
8.1
Zu prüfen ist, ob sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der letzten materiellen Prüfung des Anspruchs und ergangene
n
Verfügung
en
vom 7.
April 2006 (
Urk.
7/47) sow
ie 27.
Oktober 2006 (
Urk.
7/54)
bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 1
8.
März 2019
(Urk. 2)
in rentenrelevanter Weise verändert
hat
(vgl. vorstehend E. 1.
3 f.
).
Dem Beschwerdeführer wurde 2006 rückwirkend per 2002
bei einem Invaliditäts
grad von 100
%
eine ganze Rente zugesprochen. Die
Rentenzusprache
erfolgte in erster Linie gestützt auf ein psychiatrisches Gutachten von Dr.
Z._
vom
14
. Februar 2006 (
vgl. vorstehend E. 3
). Dr.
Z._
hatte eine anhaltende somato
forme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) sowie eine chronische schwere Depression (ICD-10 F32.2) diagnostiziert und eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert (vorstehend E. 3).
2011 wurde nach wie vor eine chronische schwere Depression (ICD-10 F32.2) sowie neu eine Persönlichkeitsveränderung nach langer und dauernder psychi
scher Störung (ICD-10 F62.1) und nach chronischen Schmerzen (ICD
10 F62.8) diagnostiziert. Eine somatoforme Schmerzstörung wurde nunmehr verneint. Dem Beschwerdeführer wurde noch immer eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attes
tiert
(vgl. vorstehend E. 4.4)
, sodass ein unveränderter Rentenanspruch ange
nom
men wurde.
8.2
Gestützt auf das Rückweisungsurteil des hiesigen Gerichts veranlasste die Be
schwerdegegnerin eine gesamthafte Beurteilung in Form eines polydisziplinären Gutachtens
am
Y._
.
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) in medizinischer Hinsicht auf das
Y._
-
Gutachten
vom 2
6.
Juli 2018 (vorstehend E. 7.
5
), wonach e
in Vergleich
mit
dem psychiatrischen Gutachten von
Dr.
Z._
vom 1
4.
Februar 2006 zeige, dass ein Revisionsgrund vorliege. Die beschriebenen Befunde hätten sich verbessert. In einer dem Leiden angepassten Tätigkeit bestehe eine Einschränkun
g der Arbeitsfähigkeit von 20
%
(vgl. vorstehend E. 2.1).
Das
Y._
-Gutachten vom 2
6.
Juli 2018
erfüllt die formalen Beweiswert-Anfor
derungen (vorstehend E. 1.
5
) ohne weiteres, ist es doch für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt auch die ge
klagten Beschwerden und wurde in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgege
ben.
Darüber hinaus leuchtet es auch in der Darlegung der medizinischen Zusammen
hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und enthält nach
vollziehbar begründete Schlussfolgerungen, so dass darauf abgestellt werden kann.
8.3
Was den somatischen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers betrifft,
wurde der somatische Teil des
Y._
-Gutachtens vom Beschwerdeführer nicht in Frage gestellt. A
ufgrund der Darlegungen im
Y._
-Gutachten
ist
davon auszugehen, dass aus orthopädisch-
traumatologischer
Sicht keine Erkrankungen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers bestehen.
Aus internistischer Sicht wurde mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
Colitis
ulcerosa
diag
nostiziert
,
welche
typischerweise in Schüben verlaufe und entsprechend dem Ak
tivitätsniveau leitliniengerecht behandelt werde. Diese Erkrankung beeinfluss
t
die Arbeitsunfähigkeit während der Schübe zu 70
%
, wobei die Gutachter präzisier
ten, dass dabei eine Präsenzzeit von 2.5 Stunden täglich zumutbar sei. Gemeint war somit eine Arbeitsfähigkeit von 30
%
. Ausserhalb der Schübe
ist von einer A
rbeitsfähigkeit
von
80
%
auszugehen
(vgl. vorstehend E. 7.
5
)
.
Diese Einschät
zung ist vereinbar mit derjenigen durch den behandelnden Arzt PD
Dr.
L._
, welcher ausführte, dass aktuell von Seiten der Colitis
u
lcerosa
eine Remis
sion bestehe und die Prognose aus
gastroenterologischer
Sicht gut sei. Die Darm
entzündung könne medikamentös kontrolliert werden und führe nur zu einer mässigen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Soweit er dennoch eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestierte, und diese auf psychische Gründe zurückführte, verliess er damit
sein Fachgebiet
(vgl. vorstehend E. 7.
2
)
.
In Anbetracht der Tat
sache, dass
nur wenige Schübe aktenkundig sind, ist nicht von einer dauerhaften Arbeitsunfähigkeit aufgrund eines
Colitits
ulcerosa
Schubes auszugehen. Damit ist g
estützt auf die Beurteilung des
Y._
-Gutachtens aus somatischer Sicht von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit
in einer
näher umschriebenen
angepassten Tätig
keit
(vgl. vorstehend E. 7.5)
auszugehen.
8.4
In psychischer Hinsicht
zeigte
d
er psychiatrische
Y._
-Gutachter
Dr.
N._
,
in der Schweiz anerkannter
Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie
und für Neurologie
(vgl. www.medregom.admin.ch)
,
in ausführlicher Weise auf, dass aus psychiatrischer Sicht gegenwärtig keine Diagnose vorliege, welche die Arbeitsfähigkeit beeinflusse.
Insbesondere
blieb die
Schilderung
des Beschwerde
führers
hinsichtlich möglicher Symptome vage
.
Der Beschwerdeführer
hat
sich in einem Selbstbeurteilungsbogen als schwer depressiv eingeschätzt. Eine schwere depressive Episode
liess
sich allerdings mit dem Tagesablauf, mit dem Auftreten und mit dem Reiseverhalten des Beschwerdeführers nicht in Übereinstimmung bringen.
Gegen eine relevante depressive Symptomatik sprach auch, dass der Be
schwerdeführer im Jahre 2004 dokumentiert keine Bereitschaft gezeigt habe, sich auf eine psychotherapeutische Behandlung einzulassen, was untypisch für eine depressive Erkrankung sei, bei der der ausgeprägte Wunsch bestehe, die als un
angenehm erlebte Symptomatik zu beenden.
Auftreten, Freizeitverhalten, Nicht
nachweisbarkeit der verordneten Medikation im Blut und massive Auffälligkeiten in einem Beschwerdeval
i
dierungsverfahren
sprachen
gegen das Vorliegen einer psychiatrischen Erkrankung.
Dr.
N._
begründete auch in nachvollziehbarer Weise, weshalb er
auch allen früheren Beurteilungen grösstenteils
nicht folgen konnte (vgl.
Urk. 7/202 S. 38).
Sodann hielt
Dr.
N._
fest,
dass
der Beschwerdeführer in einem guten Allgemein
zustand, einem guten Ernährungszustand und einem guten Pflegezustand
gewe
sen sei
. Die Kleidung
sei
geordnet und sauber
gewesen
.
Es gelang dem Gutachter leicht, einen tragfähigen Kontakt zum Beschwerdeführer herzustellen und auf
recht zu erhalten. Auffassung und Konzentration
seien
nicht beeinträchtigt
ge
wesen
. Hinweise auf intellektuelle Defizite
hätten
nicht vor
gelegen
. Der Be
schwerdeführer
habe
mit gut modulierter Stimme in adäquater Geschwindigkeit
gesprochen
. Der formale Gedankengang
sei
geordnet Gedächtnisstörungen
seien
nicht vorhanden
gewesen
. Die Gestik und Mimik
seien
überwiegend ruhig
gewe
sen
. Der Beschwerdeführer
habe
sich in ausgeglichener Grundstimmung
gezeigt
.
Es
hätten
keine Interessenlosigkeit, kein ausgewiesener Rückzug und keine
An
hedonie
erfrag
t
werden
können
. Der Beschwerdeführer suche täglich, bevor er zuhause esse, ein Restaurant auf.
Er
sei
von der Persönlichkeit her verträglich, kontaktfreudig und offen
gewesen
. Es
hätten
sich keine Hinweise auf Persönlich
keitsakzentuierung oder eine Persönlichkeitsstörung
gefunden
. Es
seien
Schlaf
störungen, keine Störung des Appetits und eine Aufhebung der sexuellen Inte
ressen berichtet
worden
(Urk. 7/202/35 f.).
Demnach
konnte
Dr.
N._
weitestge
hend nur normale Befunde erheben.
Dagegen
hielt
der psychiatrische Gutachter
Dr.
Z._
2006
zum Psychostatus
un
ter anderem
fest,
dass
der Beschwerdeführer einen Körpergeruch
gehabt habe
und unrasiert
gewesen sei
. Der Beschwerdeführer
habe
den rechten Arm rechtwinklig an sich
gehalten
. Er
habe
jeweils für eine lange Zeit eine starre Körperhaltung inne
gehabt
. Immer wieder
sei
er auf
gestanden
, weil er Rückenbeschwerden
ge
habt habe
. Er
habe
einen steifen Gang
gezeigt, d
ie
meiste
Zeit
habe
ein grober Tremor
bestanden
. Er
sei
im Laufe des Gesprächs
ermüdet
und
habe
den Kopf auf den Arm gestützt. Sein Denken
sei
einfach
gewesen und er habe
sich von der Sprache her genügend ausdrücken
können
,
sei
aber sehr
alexithym
gewesen
. Er
habe
sehr introvertiert
gewirkt
,
habe
sich sehr ruhig
verhalten und
von sich aus nie etwas
gesagt
. Eine Mimik
sei
kaum je vorhanden
gewesen
. Er
habe
sehr
un
einfühlbar
und nicht affizierend
gewirkt und
in einem schwachen, gequälten Ton
fall
geredet
(Urk. 7/41 S. 8
Ziff.
3).
Weiter hielt
Dr.
Z._
fest, d
er Beschwerde
führer sei nachts derart in eine Unruhe geraten, dass er seit zwei Jahren nicht mehr ins Bett gegangen sei. Er stehe nachts wiederholt auf und gehe nach draussen. Er habe Essstörungen. Der Beschwerdeführer leide unter Müdigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen. Er habe alle Interessen und Betäti
gungen verloren und sich sozial völlig zurückgezogen.
Er habe das Interesse für die Körperpflege verloren. Der Beschwerdeführer sei niedergeschlagen, weine häufig, habe den Lebensmut verloren, habe Selbstmordgedanken. Er sei
dyspho
risch
geworden und neige zu Aggressivität gegen sich selber und gegen andere. Die psychischen Spannungen könnten derart
exazerbieren
, dass es zu Erbrechen und unkontrollierbarem Durchfall komm
e
(Urk. 7/41/9)
.
Dieser Vergleich zeigt, dass aktuell ein wesentlicher Unterschied im psychischen Gesundheitszustand feststellbar war.
Das
Y._
-Gutachten bestätigt eine Verbes
serung
de
s
Gesundheitszustand
es
des Beschwerdeführers
i
m Vergleich
zur
Ren
tenzusprache
2006
, da der psychiatrische Gutachter keine relevanten Befunde mehr findet
und
dementsprechend
von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit aus psychischen Gründen ausgeht.
Es bestätigt auch die Einschätzung
durch
Dr.
G._
(vorstehend E. 6.2) und die Vermutung des hiesigen Gerichts im Rückweisungsurteil (vgl. vorstehend E.
6.10
),
dass es zu einer Verbesserung des psychischen Gesundheitszustandes gekommen ist
.
Im Übrigen ändert auch die vom Beschwerdeführer gegen den psychiatrischen Teil des Gutachtens vorgebrachte Kritik nichts an der Schlüssigkeit. Bei weitge
hend normalen Befunden und fehlender psychiatrischer Diagnose ist der labor
chemische Medikamentenspiegel von untergeordneter Bedeutung.
8.5
Mit BGE 141 V 281 hat das Bundesgericht seine bisherige Rechtsprechung zur Invaliditätsbemessung bei Schmerzstörungen ohne erkennbare organische Ursa
che und vergleichbaren psychosomatischen Leiden (BGE 130 V 352 und an
schliessende Urteile) angepasst und festgehalten, dass die Invaliditätsbemessung stärker als bisher den Aspekt der funktionellen Auswirkungen zu berücksichtigen habe, was sich schon in den diagnostischen Anforderungen niederschlagen müsse. Auf der Ebene der Arbeitsunfähigkeit habe die durch BGE 130 V 352 be
gründete Rechtsprechung die Sicherstellung eines gesetzmässigen Versicherungs
vollzuges mittels der Regel/Ausnahme-Vorgabe beziehungsweise (seit E. 7.3 von BGE 130 V 396 und BGE 131 V 49) der Überwindbarkeitsvermutung bezweckt.
Dieses Regel
/Ausnahme-Modell werde durch ein strukturiertes Beweisverfahren ersetzt. An der Rechtsprechung zu Art. 7 Abs. 2 ATSG – ausschliessliche Berück
sichtigung der Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung und objektivierte Zumutbarkeitsprüfung bei materieller Beweislast der rentenansprechenden Per
son (Art. 7 Abs. 2 ATSG) – ändere sich dadurch nichts. An die Stelle des bisheri
gen Kriterienkatalogs (bei anhaltender somatoformer Schmerzstörung und ver
gleichbaren psychosomatischen Leiden) träten jedoch – vom Bundesgericht näher umschriebene – Standardindikatoren, die sich in die Kategorien Schweregrad und Konsistenz der funktionellen Auswirkungen einteilen liessen. Auf den Begriff des primären Krankheitsgewinnes und die
Präponderanz
der psychiatrischen Komor
bidität werde mit der Änderung der Rechtsprechung verzichtet. Der neu formu
lierte Prüfungsraster sei rechtlicher Natur. Recht und Medizin wirkten sowohl bei der Formulierung der Standardindikatoren wie auch bei deren – rechtlich gebo
tener – Anwendung im Einzelfall zusammen. Im Grunde konkretisierten die in BGE 141 V 281 E. 4 und E. 5 formulierten Beweisthemen und Vorgehensweisen für die Invaliditätsbemessung bei psychosomatischen Leiden die gesetzgeberi
schen Anordnungen nach Art. 7 Abs. 2 ATSG. Das Bundesgericht hielt ferner fest, dass die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades nur zulässig sei, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesund
heitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlich
keit nachgewiesen seien. Fehle es daran, habe die Folgen der Beweislosigkeit nach wie vor die materiell beweisbelastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6).
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten Be
weisverfahren nach BGE 141 V 281 abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Ein Beweisverfahren bleibt daher entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine Ar
beitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfäl
ligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (BGE 143 V 409
E. 4.5.3; vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1).
Vorliegend ist eine
Indikatorenprüfung
entbehrlich, denn
psychiatrische Diagno
sen
wurde
n
in nachvollziehbarer Weise verneint
. Daran vermögen auch die Be
richte des behandelnden Psychiaters med.
pract
.
I._
(vorsteh
end E. 7.
3
f.) nichts zu ändern
, lagen doch
seine Berichte vom 2
2.
September 2014 (vorstehend E. 6.5) und 2
5.
September 2017 (vorstehend E. 7.
3
)
dem psychiatrischen
Gutach
ter zum Begutachtungszeitpunkt vor (vgl.
Urk.
7/202
S. 25
Rz
73,
S. 28
Rz
92
)
und wurden somit in der Beweiswürdigung berücksichtigt.
Sein
Bericht vom 1
4.
Juni 2018
(vorstehend E. 7.
4
)
, welcher nur kurze Zeit vor der psychiatrischen Untersuchung
durch den
Y._
-Gutachter
verfasst wurde, lag zwar nicht vor
. Dies ist
jedoch nicht weiter relevant, da
der
am 1
4.
Juni 2018 mitgeteilte psycho
pathologische Befund wortgleich mit seinem Befund
vom 25.
September 2017
war. Zudem
ist auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass behandelnde Arzt
personen beziehungsweise Therapiekräfte mitunter im Hinblick auf ihre auftrags
rechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientin
nen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc). Ausser
dem
führte der psychiatrische
Y._
-Gutachter in nachvollziehbarer Weise aus, weshalb der Einschätzung
durch
med.
pract
.
I._
nicht gefolgt werden könne
(vgl. Urk.
7/202 S. 38).
8.
6
Bei nun fehlenden psychiatrischen Diagnosen ist eine anspruchsrelevante Ver
besserung eingetreten; es besteht
eine 80%ige
Arbeitsfähigkeit in einer behinde
rungsangepassten Tätigkeit. Auf die weitgehend
appellative
Kritik de
s
Beschwer
deführer
s
ist nicht weiter einzugehen.
Ein Revisionsgrund ist somit ausgewiesen und der Anspruch ist allseitig neu zu prüfen.
9.
9.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
9.2
Die Beschwerdegegnerin ermittelte gestützt auf die statistischen Werte der gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhe
bungen (LSE) einen rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von
25
%
(vgl.
Urk.
7/206;
Urk.
2
S. 2), was – hinsichtlich der verwendeten Parameter - unbe
stritten blieb und nicht zu beanstanden ist.
10
.
10.1
Bei Personen, deren Rente revisionsweise herabgesetzt oder aufgehoben werden soll, sind nach mindestens fünfzehn Jahren Bezugsdauer oder wenn sie das 55. Altersjahr zurückgelegt haben, praxisgemäss in der Regel vorgängig Einglie
derungsmassnahmen durchzuführen, bis sie in der Lage sind, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial mittels Eigenanstrengung auszuschöpfen und erwerblich zu verwerten. Ausnahmen von der
diesfalls
grund
sätzlich («vermutungsweise») anzunehmenden Unzumutbarkeit einer Selbstein
gliederung liegen namentlich dann vor, wenn die langjährige Absenz vom Ar
beitsmarkt auf invaliditätsfremde Gründe zurückzuführen ist, wenn die versi
cherte Person besonders agil, gewandt und im gesellschaftlichen Leben integriert ist
oder
wenn sie über besonders breite Ausbildungen und Berufserfahrungen verfügt. Verlangt sind immer konkrete Anhaltspunkte, die den Schluss zulassen, die versicherte Person könne sich trotz ihres fortgeschrittenen Alters und/oder der langen Rentenbezugsdauer mit entsprechender Absenz vom Arbeitsmarkt ohne Hilfestellungen wieder in das Erwerbsleben integrieren. Die IV-Stelle trägt die Beweislast dafür, dass entgegen der Regel die versicherte Person in der Lage ist, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial auf dem Weg der Selbsteingliederung erwerblich zu verwerten (zur Publikation vor
gesehenes Urteil des Bundesgerichts 8C_494/2018 vom 6. Juni 2019 E. 5.1).
10.2
De
m
Beschwerdeführer wurde 2006 rückwirkend per
1.
April 2002 eine Rente zugesprochen. Die Rente wurde am 19. November 2015 eingestellt.
Die entspre
chende Verfügung wurde vom hiesigen Gericht aufgehoben. Wird - wie vorlie
gend - mangels hinreichenden Nachweises der Revisionsvoraussetzungen die Sa
che zur weiteren Sachverhaltsabklärung als Ergebnis eines ersten Verfahrens an die Verwaltung zurückgewiesen, erstreckt sich der massge
bliche Prüfungszeit
punkt
in einem zweiten Rechtsmittelverfahren bis zum Erlass der neuen Renten
verfügung (vgl.
Meyer/
Reichmuth
, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum So
zialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung,
3.
Auflage, Zürich/Basel/Genf 2014, N
48
zu
Art.
30-31
IVG
). Massgeblicher Prüfungszeit
punkt
ist
demnach
vorliegend der Verfügung
serlass
vom 1
8.
März 201
9.
Damals
war der am 2
2.
Januar 1963 geborene Beschwerdeführer 56 Jahre alt
.
Damit fällt er
unter den vom Bundesgericht besonders geschützten
Bezügerkreis
.
Um Eingliederungsmassnahmen durchführen zu können, muss eine Eingliede
rungsfähigkeit bestehen, es braucht demnach die objektive Möglichkeit und die subjektive Bereitschaft der versicherten Person, von einem durchschnittlichen Ar
beitgeber angestellt zu werden. Vorausgesetzt ist immer der Eingliederungswille der versicherten Person, das heisst ihre Bereitschaft und das entsprechende Ver
halten, arbeiten zu wollen
(Meyer/
Reichmuth
,
a.a.O.,
N 5 und 8 zu
Art.
18 IVG).
Nach der Rechtsprechung ist nur dann von fehlendem Eingliederungswillen bzw. fehlender subjektiver Eingliederungsfähigkeit auszugehen, wenn er mit dem Be
weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht. Dabei sind insbeson
dere die gegenüber der Verwaltung und den medizinischen Experten gemachten Aussagen betreffend Krankheitsüberzeugung bzw. Arbeitsmotivation zu berück
sichtigen. Ebenfalls von Belang sein können die im
Vorbescheidverfahren
und vor kantonalem Versicherungsgericht gemachten Ausführungen bzw. gestellten Anträge (Urteil des Bundesgerichts 9C_231/2015 vom
7.
September 2015 E. 4.2).
Der Beschwerdeführer gab bei der Begutachtung an, sich nicht mehr im Arbeits
prozess zu sehen (Urk. 7/202/34
, Urk. 7/202/36
).
Zudem
wurde
n weder im Ver
waltungsverfahren
noch im Rechtsmittelverfahren
Eingliederungsmassnahmen
beantragt
.
Die Beschwerdegegnerin hat aus diesen Gründen zu Recht keine Ein
gliederungsmassnahmen durchgeführt
.
Damit ist die angefochtene Verfügung auch unter diesem Gesichtspunkt rechtens.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
11.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streit
wert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
9
00.-- anzusetzen. Entspre
chend dem Ausgang des Verfahrens sind sie de
m
unterliegenden Beschwerdefüh
rer aufzuerlegen.