# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 0bf0a7af-ddf0-47ef-b273-2732ffe1ccf1
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der
1965 geborene
X._
, ohne Ausbildung
und seit 2017
vollzeitlich
als Hilfsmetzger bei der
A._
GmbH tätig (Urk. 11/15), erlitt am 1.
Januar
2018 einen
Auffahrunfall, bei welchem er sich eine Flankenkontusion rechts zuzog (Urk. 11/24
/20-21
).
Am
10. August 2018
meldete er sich
unter Hinweis auf eine Flanken
- und Nieren
kontusion rechts, Rückenschmerzen, eine posttrau
mati
sche Belastungsstörung (PTBS), Angstzustände, eine depressive Angst, Schlaf
störungen und eine begrenzte Alltagsfunktionalität bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 11/15).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich
, IV-Stelle,
nahm erwerbliche und medizinische Abklärungen vor und zog unter anderem die Akten des Unfallversicherers bei.
Am 12. Dezember 2018 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass aufgrund
seines Gesundheitszustand
s und der beruflichen Situation aktuell keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien (Urk. 11/36).
Mit Vorbescheid vom 9. März 2020 (Urk. 11/62) stellte die IV-Stelle die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht, wogegen der Ver
si
cherte am 31. März 2020 Einwand (Urk. 11/63, Urk. 11/66) erhob.
Am 12. Juni 2020 verneinte die IV-Stelle verfügungsweise einen Leistungsanspruch des Versi
cherten (Urk. 2).
2.
Dagegen
erhob
der Versicherte
am 13. Juli 2020 Beschwerde (Urk. 1) und bean
tragte, es sei die Verfügung
vom 12. Juni 2020
aufzuheben, auf das Leist
ungs
begehren einzutreten und ihm
eine Rente der Invalidenversicherung zuzuspre
chen. Der Gesundheitsschaden und die Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit seien durch eine psychiatrische Begutachtung seitens der Beschwerdegegnerin abzuklären. In formeller Hinsicht stellte
er
das Gesuch um
Gewährung der
unent
geltliche
n
Rechtspflege (S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 19. August 2020 (Urk. 10) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. Am 17. September 2020 (Urk. 13) reichte der Beschwerdeführer das Kündigungs
schreiben seiner Arbeitgeberin sowie Arztzeugnisse ein (Urk. 14/1-3), was der Beschwerdegegnerin am 6. Oktober 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 1
5). Am 16. November 2020 (Urk.
16) legte der Beschwerdeführer weitere Arztzeug
nisse (Urk. 17/1-3) vor.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1
ATSG
). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall
muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der
Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objek
tivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die leistungsabweisende Verfügung vom 12. Juni 2020 (Urk. 2) damit, dass aufgrund der Akten davon auszugehen sei, dass durch den Unfall vom 1. Januar 2018 keine lang anhaltende Beeinträch
ti
gung der Gesundheit des Beschwerdeführers entstanden sei. Spätestens ab Ende Juli 2018 bestünden keine gesundheitlichen Einschränkungen mehr, welche die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigten, weshalb kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung entstanden sei (S. 1).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1), die Beschwerdegegnerin habe sein Leistungsgesuch nicht
sorgfältig
geprüft und ihre Pflicht zur vollständigen und richtigen Prüfung
und die Begründungspflicht
verletzt.
Seine
Gesundheitsschäden und
deren
Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit seien durch eine aktuelle psychiatrische Begutachtung abzuklären und nicht nur auf eine vom Unfallversicherer eingeholte versicherungsmedizinische Beurteilung abzustützen. Der Beschwerdeführer sei aufgrund des Unfalls vom 1. Januar 2018 seit 15. Januar 2018 zu mindestens 50 % krankgeschrieben, wes
halb eine gesundheitliche Beeinträchtigu
ng der länger andauernden/bleib
enden Erwerbsunfähigkeit anzuer
kennen sei (S.
2
ff.
).
3.
3.1
In ihrem Bericht vom 13. April 2
018 (Urk. 11/24/92-94) nannten die Neuropsy
chologinnen der i
ntegrie
rten Psychiatrie
B._
im Zusammenhang mit der Klärung der Frage zur Objektivierung kognitiver Defizite bei mittelschwerer depressiver Episode sowie nach einem A
utounfall folgende Diagnose (S.
1):
-
Verdacht auf Symptomverdeutlichung respektive Selbstlim
it
ierung
-
keine Hinweise auf eine Agnosie, Apraxie, Amnesie oder Aphasie
Die Neuropsychologinnen führten aus, dass der Beschwerdeführer in einem sprachunabhängigen Verfahren deutlich reduzierte Leistungen aufweise, die sich in dieser Ausprägung normalerweise nur im Rahmen von fortgeschrittenen Hirn
abbauerkrankungen zeigten und nicht konsistent seien mit der berichteten und gezeigten Alltagsfunktionalität. Hinsichtlich des Arbeitstempos ergäben
s
ich
zu
dem
Hinweise auf eine Symptomverdeutlichung. Der Beschwerdeführer wirke im Verhalten und Gespräch nicht wesentlich verlangsamt, wobei diese Beobachtung klar diskrepant
zu den durchgängig als deutlich beeinträchtigt gezeigten Test
leistungen in den Konzentrations- und Verarbeitungsgeschwindigkeitstests stehe. Insgesamt seien die gezeigten Leistungen auch nicht vollständig vereinbar mit der selbständigen Lebensführung des Beschwerdeführers und würden
insbeson
dere
das Führen eines
Fahrzeugs
weder ermöglichen noch erlauben. Des Weiteren ergäben sich beim eingesetzten Beschwerdevalidierungsverfahren im Vergleich mit gesunden respektive Menschen mit Kopfverletzungen auffällige Werte. Im Vergleich mit Patienten mit Depression liege seine Leistung indessen im unauf
fälligen Bereich. Eine Überprüfung der Konsistenz in einer Aufgabe ergebe zudem
einen knapp unauffälligen Wert. Unter Berücksichtigung der von Slick et al. (1999
)
definierten Kriterien lägen somit nicht genügend Belege für hirnorganisch bedingt
e, authentische neuropsychologische Funktionsbeeinträchtigungen vor. Die Validität der Untersuchungsergebnisse sei somit nicht ausreichend gegeben, wobei nicht beurteilt werden könne, ob eine bewusste oder unbewusste affektiv oder motivational geprägte Modulation des Leistungsverhaltens stattgefunden
habe. Bei Hinweisen auf eine Symptomverdeutlichung/Selbstlimitierung und trotz
der sprachlichen Schwierigkeiten bestünden keine Hinweise auf eine Agnosie, Apraxie, Amnesie oder Aphasie. Überdies seien die Gedächtnisleistungen in der testpsychologischen Untersuchung altersentsprechend ausgefallen. Im Übrigen sei es dem Beschwerdeführer in der Anamnese gelungen, den Unfallhergang so
wie Details aus seinem Alltagsleben gut zu erinnern, was insgesamt auf intakte Gedächtnisfunktionen hindeute (S. 2).
3.2
Dr. med.
C._
, Spezialarzt FMH für Neurologie, stellte am 7. Mai 2018 folgende Diagnosen (Urk. 11/24/83-84 S. 1):
-
vegetative Dysregulation mit Schlaf-/Wachstörung, verminderter Konzen
tration und
anxiodepressiver
Entwicklung im Rahmen einer PTBS
-
Konfusion der Flanke rechts mit anamnestisch beschriebener Nierenkontusion rechts im Rahmen eines Autounfalls am 1. Januar 2018
Der Arzt hielt fest, dass er aus neurologisch klinischer Sicht keine Hinweise für organisch zentral nervöse Ausfälle finde, weder im Neurostatus noch im Hinblick auf die aktuell durchgeführte Hirnstromkurve. Auf eine detailliert
e
neuropsycho
logische Testung sei verzichtet worden, einerseits aus sprachlichen Gründen, andererseits da eine solche bereits von der
B._
durchgeführt worden sei. Eine posttraumatische Belastungs- respektive Stress-Situation scheine noch vorzulie
gen, wobei eine langsame Steigerung der Arbeitsfähigkeit durchaus realistisch sei. Die Schlafstörungen schienen mit der depressiven Reaktion verbunden und eine Steigerung der Arbeitszeit sei sinnvoll mit dem Ziel eines besseren Nacht
schlafs durch Strukturierung der Tagesaktivität, eventuell ganztags, aber mit weniger Leistung (S. 2).
3.3
Dr. med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte in seiner versicherungsmedizinischen Beurteilung vom 28. Juni 2018 (Urk. 11/24/98-100) zuhanden des Unfallversicherers aus,
dass das Vorliegen einer eigentlichen PTBS schon allein aufgrund des Unfallgeschehens ausgeschlossen werden könne.
I
m Sinne einer Differenzialdiagnose
könne
von einer Anpassungsstörung (ICD-10
F43.22) ausgegangen werden. Die Prognose betreffend Anpassungsstörung sei gut
und es sei mit einer Ausheilung innerhalb weniger Wochen bis wenige
r
Monate zu rechnen. Eine Arbeitsunfähigkeit, welche länger als sechs Monate andaure, lasse sich aus medizini
s
cher Sicht nicht argumentieren, so dass spätestens per 1. Juli 201
8
keine Einschränkung der Arbe
itsfähigkeit mehr vorliege (S. 3
).
3.4
Am 15.
November 2019 äusserte sich Dr.
D._
erneut zum Gesundhei
tszu
stand des Beschwerdeführers.
Der Arzt
hielt
fest,
dass
die
B._
-Behandler
in ihren diagnostischen Rückschlüssen widersprüchlich seien, wobei die diagnostischen Unsicherheiten in den verschiedenen Berichten
aufgrund der
Diskrepanzen zwi
schen den Beschwerden/Angabe
n des Beschwerdeführers und d
en beobachteten Symptomen/Einschränkungen hervorgegangen sein dü
rften. Letztlich seien die
B._
-Behandler zum Schluss gekommen, dass keine PTBS, sondern lediglich eine Anpassungsstörung vorliege. Bei dieser Diagnose handle es
sich
um eine plausible
Problematik im Anschluss an
den
Unfall. Unverständlich sei, dass die
B._
-Be
hand
ler die Beobachtungen im Bericht der neuropsychologischen Leistungsab
kl
ä
rungen (keine Diagnose
, Diskrepanzen, Verdeutlichung
) in keiner Weise berück
sichtigt
hätten. Die Hausärztin
des Beschwerdeführers, Dr. med.
E._
, Fachärztin FMH für Innere Medizin,
habe die Inhalte der
B._
-Diagnosen willkürlich inter
pretiert und trotz gegenteiliger
B._
-Erwägungen am Vorliegen einer sehr ausge
prägten PTBS festgehalten. Beim vorliegenden Trauma (Verkehrsunfall) hab
e es sich um ein Typ-I-Trauma (
kurzzeitige
Traumabelastung
ohne schwerwie
gende körperliche Verletzungen)
gehandelt. Solche Traumen hätten eine gute Prognose und würden in der Regel innerhalb von wenigen Monaten heilen. Die im
B._
-Bericht vom 16. A
pril 2018 vom Beschwerdeführer g
eklagten Symptome entsprä
chen nur fraglich dem Bild einer PTBS. Der Umstand, dass die diffuse und wenig eindrücklich geschilderte PTBS als Grund für die langfristige Beeinträchtigung der Arbeit herbeigezogen w
e
rde, sei aus medizinisc
her Sicht nicht nachvollzieh
bar; d
ies insbesondere unter Berücksichtigung der dokumentierten Diskrepanzen, Verdeutlichungstendenzen und Selbstlimitierung (
Urk. 11/55/1-7
S. 6 f.).
Zusammenfassend hielt Dr.
D._
fest, dass vorliegend eine PTBS auszu
schliessen sei. Das ursprüngliche Vorliegen einer Anpassungsstörung sei möglich gewesen, wobei eine solche Störung eine leichte Symptomatik beinhalte, welche
weder den Schweregrad einer depressiven Störung noch einer Angststörung
erreiche
. Bei der im
B._
-Bericht vom 27. Juni 2019 statuierten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit müsse es sich 11⁄2 Jahre nach dem Unfall um einen Fehlschluss handeln. Die übrigen Diagnosen (Panikstörung, Schlafstörungen, chronischer Kopfschmerz) würden die geltend gemachte Arbeitsunfähigkeit nicht zu begrün
den
vermögen
. Die diagnostischen Rückschlüsse der Behandler berücksichtigten die Effekte der dokumentierten Verdeutlichung und Selbstlimitierung nicht,
weshalb
nicht auf deren Einschätzungen abgestützt werden könne. Unter
Berück
sichtigung des Vorzustand
s, Traumas und der
psychosozialen Umstände sei von einem
zu erwartenden Verlauf einer Anpassungsstörung auszugehen. Grosszügig ausgelegt könne von einer unfallkausalen Teil-Beeinträchtigung der Arbeits
fähigkeit von wenigen Wochen, approximativ
von
maximal fünf Monaten (bis Ende Mai 2018) ausgegangen werden (S. 7).
3.5
Die
B._
-
Ärzte führten in ihrem Bericht vom 15. Juni 2020 (Urk. 3/5) aus, dass der Beschwerdeführer seit 13. März 2018 bei der
B._
in ambulanter psychiatrisch-psych
otherapeutischer
Behandlung stehe. Der initial bestehende Verdacht auf eine PTBS habe im Verlauf der Gesprächstherapie nicht erhä
rtet werden
können.
Die vom Beschwerdeführer
ge
klagten Beschwerden
seien
als Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion gemischt
einzuordnen
. Im Laufe der Behand
lung sei es zu einer deutlichen Stabilisierung der Symptomatik gekommen, wobei der Beschwerdeführer von einer
deutlichen
Stimmungsstabilisierung, einer deut
lichen Abnahme der Anspannung/inneren Unruhe, einer minimalen Besserung der
Schlafstörung unter der Medikation mit
Saroten
10 mg sowie einer leicht
gradigen Besserung der chronischen Kopfschmerzen, so dass die Einnahme von Dafalgan um die Hälfte habe reduziert werden können
, berichtet habe
. Im Wei
teren sei die Arbeitsfähigkeit gesteigert worden. Aus psychiatrischer Sicht sei keine Krankschreibung mehr gerechtfertigt (S. 1).
Im Rahmen
der neuropsychologischen U
ntersuchung vom April 2018 sei
eine eindeutige Symptomverdeutlichung festgehalten worden. Objektivierbar habe der Beschwerdeführer eine deutlich eingeschränkte Auffassung, vor allem in den späten Nachmittagsstunden.
Trotz anwesender Dolmetscherin sei es schwierig ge
wesen, ihm therapeutische Inhalte und Informationen über Medikamente zu vermitteln. Die starke Müdigkeit sei aus psychiatrischer Sicht nachvollziehbar und objektivierbar
gewesen
,
wobei der Beschwerdeführer vor dem Unfall keine Schlafstörungen gehabt habe. Aufgrund der chronifizierten Schlafstörungen und
chronischen
Kopfschmerzen sowie der subjektiv erlittenen Ohnmacht sei der Be
schwerdeführer in seiner Leistungsfähigkeit eingeschränkt gewesen, gemäs
s den ausgestellten Zeugnissen
(S. 1 f.).
3.6
Die Ha
usärztin des Beschwerdeführers
nannte in ihrem Bericht vom 10. Juli 2020 (Urk. 3/4) folgende Diagnosen (S. 1):
-
PTBS nach Kollision auf der Autobahn am 1. Januar 2018
-
Flankenkontusion rechts
Dr.
E._
berichtete, dass der Beschwerdeführer aktuell weiterhin an Kopf
schmerzen leide, die im Verlauf des Vormittags bei muskulärer Anspannung im Rahmen der beruflichen Tätigkeit zunähmen. Gegen Mittag seien die Schmerzen sehr stark, so dass der Beschwerdeführer dann jeweils nach Hause gehe und sich 1,5 Stunden hinlege. Das psychische Befinden sei deutlich besser und
es finde
momentan
keine Psychotherapie mehr statt.
Aktuell bestehe eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit, dies vor allem aufgrund der Spannungskopfschmerzen. Diesbezügliche objektive Befunde gebe es wenige, wobei ein deutlicher Muskelhartspann im Bereich der Nacken- und Schulter
gürtelmuskulatur bestehe.
Dr.
E._
wies schliesslich darauf hin, dass sie dem Beschwerdeführer bis 31. Juli 2020 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bestätigt habe, dass es aber sehr wichtig scheine, nachher eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit zu versuchen, allenfalls im Zusammenhang mit einem Jobcoaching oder mit einer Unter
stüt
zung durch die IV.
4.
4.1
Dr.
D._
, welcher den Beschwerdeführer nicht persönlich
untersuchte, atte
stierte unter Hinweis auf eine Anpassungsstörung seit spätestens
Juni/Juli 2018 eine 100%ige Arbeitsf
ähigkeit (Urk. 11/24/98-100 S. 3
, Urk. 11/55/1-7 S. 7). Den übrigen von den behandelnden Ärzten gestellten Diagnosen –
namentlich
Panik
störung, Schlafstörungen und chronischen Kopfschmerzen – mass er
für die Zeit nach Juni/Juli 2018
keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit bei (S. 7)
. Eine
Begründung für diese Einschätzung fehlt
jedoch
in den Berichten von Dr.
D._
.
Demgegenüber gingen die
B._
-Ärzte
in psychiatrischer Hinsicht
erst
Mitte
Juni 2020
von
eine
r
100%ige
n
Arbeitsfähigkeit
aus
(Urk. 3/5 S. 1) und attestierten
für die Zeit davor
eine Arbeitsunfähigkeit von 30 % (4. Dezember 2019, Urk. 3/4 S. 13)
beziehungsweise von 40 % (27. Juni 2019, Urk. 11/55/1-7 S. 6
)
respektive
von
50 % (6. November 2018
,
Urk. 11/25/7-10 S. 1 Ziff. 1.3)
. Im Gegensatz zu Dr.
D._
erachteten die
B._
-
Psychiater
auch
unter Berücksichtigung der von
den
B._
-Neuropsychologinnen erwähnten Symptomverdeutlichung
/Selbst
limi
tie
rung
eine deutlich eingeschränkte Auffassung und starke Müdigkeit
des Beschwer
deführers
als objektivierbar
(Urk. 3/5 S. 1). Die
Hausärztin des Beschwerdeführers, welche in Allgemeiner Innerer Medizin
spezialisiert ist, ging für die Zeit vom
1.
bis 14. Januar 2018 von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit und seit 15. Januar
2018 von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit aus (Urk. 3/4 S. 7 Ziff. 8), wobei
beim Beschwerdeführer
im Juli 2020
die Kopfschmerzen im Vordergrund gestanden seien (Urk. 3/4 S. 1).
4.2
Nach dem Gesagten bestehen
betreffend den
Umfang der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers unterschiedliche fachärztliche Einschätzungen.
Bei dieser Sachlage hätte sich
eine Vorlage der ärztlichen Berichte an den Regionalen Ärztlichen Dienst
(RAD) der Beschwerdegegnerin
aufgedrängt, damit dieser eine Wertung der widersprüchlichen medizinischen Akten hätte vornehmen und beur
teilen können, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen
oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Der RAD wurde vor
liegend jedoch nicht involviert
, vielmehr wurde
ein
versicherungsrelevante
r Ge
sundheitsschaden
einzi
g aufgrund der Einschätzung des zuständigen Kunden
beraters respektive
der
Kundenberater
in verneint, welcher
respektive welche
ledig
lich
auf die Beurteilung von Dr.
D._
vom 28. Juni
2018 abstellte
(Urk. 11/61/6,
Urk.
11/67/2)
.
D
abei
handelte es sich
um eine aktenbasierte Kausa
litätsbeurteilung (Urk. 11/24/100). Dr.
D._
nahm mithin zur
unfallkausale
n
Beeinträchtigung
der Arbeitsfähigkeit
Stellung und stüt
zte sich ohne eigene Untersuchung
einzig
auf einen prognostisch zu erwartenden Verlauf, was ange
sichts der Diskrepanzen zu den
Einschätzungen der
behandelnden Fachärzte nicht zu genügen vermag.
Ferner ging die
Beschwerdegegnerin selber im Dezember 2018 noch vom Vorliegen einer
teilweisen Arbeitsunfähigkeit aus, indem sie unter Berücksichtigung der vom Beschwerdeführer per 8. November 2018
bei der
F._
AG
neu angetretenen Teilzeitstelle
als Hilfsarbeiter
weitere Ein
gliederungsmassnahmen ausschloss
(Urk. 11/34, Urk. 11/36)
.
In diesem Zusam
menhang ist zu bemerken, dass sich auch die weitere
erwerbliche Situation des Beschwerdeführers
als unklar erweist. So umfasst
der aktenkundige IK-Auszug nur den Zeitraum bis 2017
, und
den Akten
lässt sich entnehmen, dass
vom 11.
Juni 2019 bis 31. August 2020
ein A
nstellungsverhältnis bei der
G._
GmbH
bestand
(Urk. 9/1, Urk. 14/1).
4.3
Die Verfügung vom 12. Juni 2020 (Urk. 2)
ist daher aufzuheben und die Sache
an die Beschwerdegegnerin zur Durchführung weiterer
medizinischer und erwerb
licher
Abklärungen und
anschliessender
Neuentscheidung über de
n Rentenan
spruch zurückzuweisen.
Dabei werden auch die beschwerdeweise aufgelegten Berichte und Arztzeugnisse zu berücksichtigen
sein
(Urk. 3/4-5,
Urk. 14/2-3,
Urk. 17/1-3)
. Im Weiteren ist bezüglich der psychischen Erkrankungen
für die Beurteilung der Arbeits
fähigkeit
allenfalls
ein strukturiertes Beweisverfahren nach
Massgabe
von BGE 141 V 281 durchzuführen (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.1, BGE 143 V 418 E. 7.2).
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Die Kosten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr.
7
00.-- festzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der unter
liegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Damit erweist sich das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Prozessführung (Urk. 1 S. 2) als gegen
standslos.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57).
Der
obsiegende vertretene Beschwerdeführer hat Anspruch auf den vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen festzusetzenden Ersatz der Parteikosten (§ 34 des Gesetzes über das
Sozialversicherungsgericht).
Eine Kostennote wurde nicht eingereicht
(vgl. Urk.
12)
,
weshalb die Prozessentschädigung nach Ermessen festzusetzen und in Anwendung der genannten Kriterien auf Fr.
1'000.--
(inkl. Barauslagen und
MWSt
)
festzulegen ist
.
Damit
erweist sich das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtsvertretung (Urk. 1 S. 2) als gegenstandslos.