# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 6cc41f21-0730-40c7-a043-2b42b0b38ee2
**Court:** SG_VB
**Chamber:** SG_VB_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

Sachverhalt
A.
Die A._, Z._, ist Eigentümerin von Grundstück Nr. 001, Grund-
buch Z._, an der M._strasse in Z._. Das Grundstück liegt ge-
mäss geltendem Zonenplan der Gemeinde Z._ vom 11. Juni 1996
in der Wohnzone für zweigeschossige Bauten (W2). Es ist mit einem
Einfamilienhaus (Vers.-Nr. 002) überbaut und wird ab der
N._strasse (Gemeindestrasse 2. Klasse) über eine Privatstrasse er-
schlossen.
B.
a) Mit Baugesuch vom 27. Oktober 2017 beantragte die A._
beim Z._ die Bewilligung für den Abbruch des Einfamilienhauses,
die Erstellung eines Mehrfamilienhauses mit acht Wohneinheiten samt
Tiefgarage (mit 16 Plätzen) und die Neugestaltung der Zufahrt ab der
N._strasse. Weil für die Neugestaltung dieser Zufahrt ein Teil einer
nach der geltenden Schutzverordnung der Gemeinde Z._ vom
17. Januar 2011 (SchutzV) geschützten Hecke (Grundstück Nr. 003)
gerodet werden sollte, wurde neben dem Baugesuch auch eine An-
passung der SchutzV öffentlich aufgelegt.
b) Innert der gemeinsamen Auflagefrist vom 19. Dezember 2017
bis 17. Januar 2018 erhoben u.a. B._ (Grundstück Nr. 004), E._
(Grundstück Nr. 005), D._ (Grundstück Nr. 006) und C._ (Grund-
stück Nr. 007), alle Z._, beim Z._ vier selbständige Einsprachen
gegen das Baugesuch. Zur Begründung wurde zusammenfassend
geltend gemacht, der Niveaupunkt sei falsch berechnet worden; das
Gebäude komme deshalb viel zu hoch zu stehen. Das Mehrfamilien-
haus sei völlig überdimensioniert, passe nicht in die Gegend und wirke
verunstaltend. Zudem sei es über die N._strasse nicht hinreichend
erschlossen.
c) Am 8. Oktober 2018 fasste der Z._ folgenden Beschluss:
1. Die Einsprachen (...) werden gutgeheissen.
2. (...)
3. Das Baugesuch der A._ (...) wird abgewiesen.
4. Die privatrechtlichen Einsprachen von B._, D._ und E._ werden infolge Gegenstandslosigkeit .
(...)
Zur Begründung wurde vorgebracht, der im Baugesuch enthaltene Ni-
veaupunkt sei – entgegen der Ansicht der Einsprecher – richtig be-
rechnet worden und die Erschliessung des Baugrundstücks sei eben-
falls ausreichend. Allerdings führe das Bauvorhaben zu einer Verun-
staltung des Orts- und Landschaftsbilds. Das Mehrfamilienhaus solle
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2019), Seite 3/8
auf dem höchsten Punkt einer Geländekuppe platziert werden. Die
Bauherrin wolle nur eine maximale Ausnützung erzielen; ein architek-
tonischer oder ortsbaulicher Ansatz, der auf die besondere Lage des
Baugrundstücks reagiere, sei nicht erkennbar. Der Baukörper sei
schlecht gestaltet und wirke mit den grossflächigen und bis zu fünfge-
schossigen Fassaden zu wuchtig. Die Baubewilligung müsse aus die-
sem Grund verweigert werden. Über die privatrechtlichen Einsprachen
nach Art. 684 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (SR 210; abge-
kürzt ZGB) brauche nicht entschieden zu werden. Diese würden ge-
genstandslos, weil das Baugesuch abgewiesen werde.
C.
Gegen diesen Beschluss erhob die A._, vertreten durch Dr. David
Brunner, Rechtsanwalt, St.Gallen, mit Schreiben vom 24. Oktober
2018 Rekurs beim Baudepartement. Mit Rekursergänzung vom 7. No-
vember 2018 werden folgende Anträge gestellt:
1. Es seien die Ziff. 1, 3, 4, 6 und 7 des angefochtenen
Beschlusses des Gemeinderates Z._ vom 8.  2018 vollumfänglich aufzuheben;
2. es sei der Rekurrentin die Baubewilligung zu erteilen;
3. eventualiter sei die Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen;
4. unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.
Zur Begründung wird geltend gemacht, die Vorinstanz habe – nach
der öffentlichen Auflage des umstrittenen Baugesuchs – vom 18. Juni
bis 17. Juli 2018 auch noch den Teilstrassenplan N._strasse öffent-
lich aufgelegt. Gegen diesen seien keine Einsprachen erhoben wor-
den, und er sei inzwischen rechtskräftig. Damit sei erstellt, dass das
Baugrundstück – wie die Vorinstanz richtig feststelle – hinreichend er-
schlossen sei. Die Vorinstanz habe die Baubewilligung einzig deshalb
verweigert, weil das Bauvorhaben angeblich verunstaltend sei. Davon
könne keine Rede sein, zumal das Projekt sämtliche Regelbauvor-
schriften einhalte.
D.
a) Mit Schreiben vom 22. November 2018 verzichtet die Vorinstanz
auf eine Vernehmlassung.
b) Mit Vernehmlassung vom 5. Dezember 2018 beantragen der
Rekursgegner 4 und seine Ehefrau, F._, sinngemäss, den Rekurs
abzuweisen.
c) Mit Amtsbericht vom 13. Februar 2019 nimmt das kantonale
Tiefbauamt (TBA) zur Erschliessungssituation Stellung.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2019), Seite 4/8
d) Mit Schreiben vom 22. Februar 2019 äussert sich der Vertreter
der Rekurrentin zum Amtsbericht des TBA.
E.
a) Das Baudepartement führte am 26. Februar 2019 in Anwesen-
heit der Verfahrensbeteiligten sowie eines Vertreters des TBA einen
Augenschein durch.
b) Mit Eingabe vom 15. März 2019 nimmt der Rekursgegner 2 für
sich und in Vertretung des Rekursgegners 1 zum Augenscheinproto-
koll Stellung. Das TBA lässt sich am 20. März 2019, der Rekursgeg-
ner 3 am 24. März 2019 und die Rekurrentin am 3. Mai 2019 zum Au-
genscheinprotokoll vernehmen.
F.
In der Folge wurde das Rekursverfahren wegen Vergleichsverhand-
lungen sistiert. Mit Schreiben vom 27. August 2019 teilt der Vertreter
der Rekurrentin mit, die Gespräche seien gescheitert. Er ersucht, das
Verfahren fortzuführen.
G.
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten in den vor-

## Considerations

genannten Eingaben wird – soweit erforderlich – in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen
1.
1.1 Die Zuständigkeit des Baudepartementes ergibt sich aus
Art. 43bis des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1;
abgekürzt VRP).
1.2 Die Frist- und Formerfordernisse von Art. 47 Abs. 1 und Art. 48
VRP sind erfüllt. Die Rekursberechtigung ist gegeben (Art. 45 VRP).
Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.
Die Berechtigung zur Erhebung eines Rekurses setzt voraus, dass be-
reits erstinstanzlich öffentlich-rechtliche Einsprache erhoben wurde
(Baudepartement SG, Juristische Mitteilungen 2009/III/7). Ähnliches
gilt für Rekursgegner: Nur Dritte, die bereits formell am erstinstanzli-
chen Verfahren teilgenommen haben, können sich am Rechtsmittel-
verfahren beteiligen und werden von der Rekursinstanz auch automa-
tisch zum Rechtsmittelverfahren beigezogen (GVP 2014 Nr. 9 mit Hin-
weisen).
Der Rekursgegner 4 hat am 16. Januar 2018 gegen das vorliegend
umstrittene Bauvorhaben Einsprache beim Z._ erhoben. Seine Ehe-
frau, F._, hat sich damals am Einspracheverfahren nicht beteiligt.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2019), Seite 5/8
Sie ist deshalb – trotz Mitunterzeichnung der Rekursvernehmlassung
vom 5. Dezember 2018 – nicht berechtigt, sich am Rekursverfahren
zu beteiligen.
3.
Am 1. Oktober 2017 ist das Planungs- und Baugesetz (sGS 731.1;
abgekürzt PBG) in Kraft getreten und das BauG aufgehoben worden
(Art. 172 Bst. a PBG). Die neuen Regelungen im PBG finden allerdings
in der Regel auf Baugesuche erst dann Anwendung, wenn die kom-
munalen Rahmennutzungspläne revidiert und in Kraft gesetzt sind.
Mithin sind – soweit vorliegend überhaupt relevant – weiterhin das
BauG und das entsprechende Baureglement anwendbar, mit Aus-
nahme der gemäss Anhang zum Kreisschreiben „Übergangsrechtliche
Bestimmungen im PBG“ vom 8. März 2017 (Baudepartement SG, Ju-
ristische Mitteilungen 2017/I/1) als unmittelbar anwendbar erklärten
Bestimmungen.
4.
Die Rekurrentin verlangt neben der Aufhebung des angefochtenen
Entscheids sinngemäss auch, die Vorinstanz sei anzuweisen, die
nachgesuchte Baubewilligung zu erteilen. Eine solche Anweisung fiele
indessen nur dann in Betracht, wenn die Vorinstanz im Rahmen der
Bearbeitung des Baugesuchs das ordentliche Bewilligungsverfahren
ordnungsgemäss (Art. 138 f. PBG) durchgeführt und auch abge-
schlossen hätte. Diesbezüglich fällt auf, dass die Vorinstanz in materi-
eller Hinsicht nicht über die Immissionseinsprachen entschieden, son-
dern diese in Ziff. 4 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung in-
folge Gegenstandslosigkeit abgeschrieben hat.
4.1 Nach Art. 154 Abs. 1 und 2 PBG sind privatrechtliche Einspra-
chen gegen die Erstellung von Bauten und Anlagen, soweit der Tatbe-
stand einer übermässigen Einwirkung gemäss Art. 684 ZGB streitig
ist, im öffentlich-rechtlichen Verfahren zu entscheiden. Gleichzeitig mit
dem Entscheid über die Baubewilligung ist in einer gesonderten Ver-
fügung über die privatrechtliche Einsprache gemäss Art. 684 ZGB zu
entscheiden (Art. 157 Abs. 2 PBG). Öffentlich-rechtlicher und privat-
rechtlicher Immissionsschutz bestehen an sich selbständig nebenei-
nander und wären grundsätzlich in getrennten Verfahren geltend zu
machen. Nach st.gallischem Baurecht sind jedoch beide Belange im
Baubewilligungsverfahren vereinigt. Verlangt wird insbesondere, dass
die Baubewilligungsbehörde über beide Ansprüche gleichzeitig ent-
scheidet. Unterbleibt der Entscheid über die privatrechtliche Einspra-
che nach Art. 684 ZGB bei der Beurteilung des Baugesuchs, liegt eine
unvollständige Verfügung vor und im Fall einer Anfechtung ist die
Streitsache zur neuen Entscheidung zurückzuweisen (Baudeparte-
ment SG, Juristische Mitteilungen 2005/I/5; 2002/I/1; 2000/II/18; BDE
Nr. 77/2010 vom 23. Dezember 2010 Erw. 2).
4.2 Die Vorinstanz hat die Einsprachen der Rekursgegner 1, 3 und 4
ausdrücklich als privatrechtliche Immissionseinsprachen gemäss
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2019), Seite 6/8
Art. 684 ZGB entgegengenommen. Sie hat diese jedoch weder behan-
delt noch materiell darüber entschieden, sondern sie in Anbetracht der
Verweigerung der Baubewilligung als gegenstandslos betrachtet und
abgeschrieben. Stattdessen wäre es Aufgabe der Vorinstanz gewe-
sen, neben der materiellen Beurteilung der öffentlich-rechtlichen Ein-
sprachen gleichzeitig auch eine solche der privatrechtlichen Immissi-
onseinsprachen vorzunehmen. Folglich liegt nach dem oben Erwähn-
ten ein unvollständiger Entscheid vor. Die privatrechtlichen Einspra-
chen nach Art. 684 ZGB durften nicht als gegenstandslos abgeschrie-
ben und müssen dementsprechend noch als hängig betrachtet wer-
den. Allein aus diesem Grund ist der Rekurs gutzuheissen und die an-
gefochtene Verfügung ist aufzuheben.
5.
Zusammenfassend ergibt sich, dass der angefochtene Entscheid der
Vorinstanz vom 8. Oktober 2018 unvollständig ist. Er ist deshalb auf-
zuheben und die Streitsache zur erneuten, vollständigen und gleich-
zeitigen Beurteilung von Baugesuch und öffentlich-rechtlichen sowie
privatrechtlichen Einsprachen an die Vorinstanz zurückzuweisen. Der
Rekurs erweist sich demnach als begründet und ist im Sinn der Erwä-
gungen gutzuheissen.
6.
6.1 Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die
Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen
werden. Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtes unter-
scheiden sich Bauprozesse, an denen Bauherr und Baueinsprecher
mit einem direkten Interesse am Prozessausgang teilnehmen, grund-
sätzlich nicht von den Verfahren vor Zivilgerichten. Die Prozesskosten
werden deshalb in diesen Fällen jeweils in der Regel nicht dem Ge-
meinwesen, sondern den beteiligten Privaten aufgelegt (VerwGE vom
16. November 1998 i.S. E.D.). Indessen ist zu beachten, dass das Er-
folgsprinzip in gewissen, vom Gesetz ausdrücklich geregelten Fällen
durch das Verursacherprinzip durchbrochen wird (VerwGE vom
17. August 1999 i.S. H.S.). So gehen unter anderem Kosten, die ein
Verfahrensbeteiligter durch Verletzung wesentlicher Verfahrensvor-
schriften verursacht hat, unabhängig vom Prozessausgang zu dessen
Lasten (Art. 95 Abs. 2 VRP). Über Einsprachen nicht oder nicht voll-
ständig zu entscheiden, kommt einer Verletzung elementarer Verfah-
rensvorschriften gleich. Es rechtfertigt sich deshalb, die amtlichen
Kosten der Politischen Gemeinde Z._ aufzuerlegen und – wie es in
solchen Fällen der Praxis des Baudepartementes entspricht (Ent-
scheide des Baudepartementes vom 11. Februar 2003 i.S. S.M. AG
Erw. 4, 24. Juni 2003 i.S. O.C. SA Erw. 6, 25. Januar 2005 i.S. T.S.
AG Erw. 4 und 10. März 2005 i.S. O.C. SA Erw. 4; BDE Nr. 31/2009
vom 18. Juni 2009 Erw. 4 und Nr. 57 vom 18. November 2018
Erw. 3.1) – auf die Erhebung nicht zu verzichten. Die Entscheidgebühr
beträgt Fr. 3'000.– (Nr. 10.01 des Gebührentarifs für die Kantons- und
Gemeindeverwaltung, sGS 821.5).
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2019), Seite 7/8
6.2 Der vom Vertreter der Rekurrentin am 6. November 2018 geleis-
tete Kostenvorschuss von Fr. 1'000.– ist zurück zu erstatten.
7.
Die Rekurrentin stellt ein Begehren um Ersatz der ausseramtlichen
Kosten.
7.1 Im Rekursverfahren werden ausseramtliche Kosten entschädigt,
soweit sie auf Grund der Sach- und Rechtslage notwendig und ange-
messen erscheinen (Art. 98 Abs. 2 VRP). Die ausseramtliche Entschä-
digung wird den am Verfahren Beteiligten nach Obsiegen und Unter-
liegen auferlegt (Art. 98bis VRP). Die Vorschriften der Schweizerischen
Zivilprozessordnung (SR 272) finden sachgemäss Anwendung
(Art. 98ter VRP).
7.2 Die Rekurrentin obsiegt mit ihren Anträgen. Da das Verfahren
zudem in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht Schwierigkeiten bot,
die den Beizug eines Rechtsvertreters rechtfertigen, besteht grund-
sätzlich Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung (Art. 98bis
VRP). Weil keine Kostennote vorliegt, ist die ausseramtliche Entschä-
digung in Anwendung von Art. 6 in Verbindung mit Art. 22 der Hono-
rarordnung (sGS 963.75) ermessensweise auf Fr. 3'250.– festzulegen;
sie ist von der Politischen Gemeinde Z._ zu bezahlen.