# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 198a4eef-0e9b-5773-8ff7-20090a20bcfb
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1994
,
ist
seit
1. Juni 2017
im Vollpensum
bei
der
Y._
als
Elektroinstallateur
tätig
(
vgl. Urk. 8/15 S. 1 und S. 6
)
.
Nachdem er
die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle mit undatiertem
Schreiben wegen einer Umschulung
an
ge
schrieb
en hatte
(Urk. 8/10), meldete er sich
nach Aufforderung der IV-Stelle (Urk. 8/11)
u
nter Hinweis auf Schulter
be
schwerden am
7. März 2018
mittels
offizielle
n
Anmeldeformular
s
bei der Invali
denversicher
ung zum Leistungsbezug an (Urk. 8/15
). Die IV-Stelle klärte
in der Folge
die medizinische und erwerbliche Situation ab
.
Nach durchgefü
hrtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 8/33-34
,
Urk.
8/41
) verneinte
die
IV-Stelle mit Verfügung vom
26. November 2018
einen
Leistungsanspruch (Urk. 8/43 = Urk.
2)
.
2.
Hiergegen erhob d
er Versicherte am
25. Dezember 2018
Beschwerde und bean
tragte
die Aufhebung der Verfügung vom 26. November 2018
und
die Gewährung einer Umschulung (Urk. 1 S. 1
).
Mit Beschwerdeantwort vom
12
.
März 2019 (Urk. 7) beantragte die Beschwerde
gegnerin die teilweise Gutheissung der Be
schwerde im Sinne einer Rückwei
sung der Sache zu weiteren Abklärungen
. Dies
e
wurde dem
Beschwerdeführer mit Ver
fügung vom 13. März 2019 (Urk. 9) zur Stellungnahme
zugestellt
.
Er liess sich nicht vernehmen, worüber die Beschwer
degegnerin am
29
. April 2019 in Kennt
nis gesetzt wurde (Urk.
11
).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Für die Umschreibung des Prozessthemas ist nach den Regeln über den
Anfech
tungs
- und Streitgegenstand zu verfahren. Streitgegenstand im System der nach
träglichen Verwaltungsrechtspflege ist das Rechtsverhältnis, welches – im Rahmen des durch die Verfügung bestimmten Anfechtungsgegenstandes – den aufgrund der Beschwerdebegehren effektiv angefochtenen Verfügungsgegen
stand bildet. Anfechtungsgegenstand und Streit
gegenstand sind identisch, wenn die Verfügung
insgesamt angefochten wird. Bezieht sich demgegenüber die Beschwerde nur auf einzelne der durch die Verfügung bestimmten Rechts
ver
hältnisse, gehören die nicht beanstandeten Rechtsverhältnisse zwar wohl zum Anfechtungs-, nicht aber zum Streitgegenstand.
Die
Beschwerdegegnerin brachte in
ihrer
Beschwerdeantwort
-
neben dem Umstand, dass sie den Sachverhalt bezüglich Eingliederungsmassnahmen für unge
nügend abgeklärt hielt und darum eine
Rü
ckweisung befürwortete
-
vor, dass kein Anspruch auf weitere Leistungen der Invalidenversicherung, ins
beson
dere auf eine Invalidenrente bestehe (vgl. Urk. 7 S. 2).
Hauptsächlich
aus dem zweiten Antrag
-
«Hiermit erstrebe ich mein Recht auf eine
Umschulung» (Urk. 1 S. 1) -
und
insgesamt
der Be
gründung der Beschwerde vom
25
.
Dezember
2018
Verweis auf die Arztberichte, welche eine Umschulung befürworte
te
n (S. 2 f.) -
ergibt sich
augenfällig
, dass der Beschwerdeführer die leistungsab
weisende Ver
fügung vom 26.
November 2018
(Urk.
2) lediglich
dahingehend anficht,
dass er eine Umschulung verlangte
. Folglich
ist
im vorliegenden Ver
fahren nur die
Umschulung
Streitgegenstand und auch nur diese Frage
Prozess
thema.
2.
2.1
Invalide oder von einer Invalidität (
Art.
8 ATSG) bedrohte Versicherte haben Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Nach
Abs.
3
lit
. b bestehen Eingliederungsmassnahmen u.a. in
:
b.
Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Aus
bildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung,
Kapitalhlfe
)
2.2
Gemäss Art. 17
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
hat die versicherte Person Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbs
fähigkeit voraussichtlich erhalten oder verbes
sert werden kann (Abs.
1).
Der Anspruch auf Umschulung setzt voraus, dass die versicherte Person wegen der Art und Schwere des
Gesundheitsschadens im bisher ausgeübten Beruf und in den für sie ohne zusätzliche berufliche Ausbildung offen stehenden zumut
baren Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbs
einbusse von etwa 20 % erleidet, wobei es sich um einen blossen Richtwert handelt (BGE
124 V 108 E. 2a und b mit Hinweisen; vgl. auch BGE 130 V 488 E. 4.2; AHI
2000 S. 27 E. 2b und S. 62 E. 1 je mit Hinweisen).
2
.
3
Nach Art. 1 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 43 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) prüft der Ver
siche
rungs
träger die Begehren der versicherten Person, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte ein.
Die behördliche Abklärungspflicht bezieht sich auf den im Rahmen des streitigen Rechtsverhältnisses (Streitgegenstand) rechtserheblichen Sachverhalt. Rechts
er
heblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den streiti
gen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben Ver
waltungsbehörden zusätzliche Abklärungen stets vorzunehmen, wenn
hiezu
auf
grund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten
ergebender Anhalts
punkte hinreichender Anlass besteht (BGE 110 V 48 E. 4a).
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
3
.
3
.1
Die Beschwerdegegnerin begründete
ihre leistungsabweisende
Verfügung vom
26
.
November
201
8
(Urk. 1)
damit, dass gemäss den medizinischen Akten keine Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit vorliege. Eine langdauernde Gesundheitsbeeinträchtigung sei somit nicht ausgewiesen
.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 12. März 2019 (Urk. 7) brachte die Beschwerde
gegnerin vor, im Rahmen des Beschwerdeverfahrens seien neue medizinische Berichte eingegangen, welche darlegten, dass die bisherige Tätigkeit nicht mehr möglich sowie ein
e
Umschulungsmassnahme zu prüfen sei. Eine mündliche Besprechung mit dem
regional
en
ärztlichen Dienst
(RAD)
habe ergeben, dass ein invalidenversicherungsrechtlich relevantes Leiden ausgewiesen und die bisherige Tätigkeit nicht mehr zumutbar sei. Der Sachverhalt erweise sich daher mit Blick auf den Anspruch auf berufliche Massnahmen als ungenügend abgeklärt. Die Sache sei daher zur Prüfung des Anspruches auf eine Umsch
ulungsmassnahme zurückzuweisen.
3
.2
Der
Beschwerdeführer stellte sich
in seiner Beschwerde vom 25. Dezember 2018 (Urk. 1)
gestützt auf zwei miteingereichte Arztberichte
auf den Standpunkt,
dass die Fortführung seiner Arbeitstätigkeit als Elektroinstallateur
in erster Linie
auf
grund seiner Schult
er
-
aber auch wegen
Kniebeschwerden zu v
ermehrten Krankenzuständen führ
en würde, weshalb eine Umschulung angezeigt sei (Urk. 1 S. 2 f).
3
.3
Strittig und zu prüfen ist, ob
der
Beschwerdeführer Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung
in Form einer Umschulung
hat
respektive ob der Sachver
halt zur diesbezüglichen Beurteilung genügend abgeklärt ist
.
4
.
4
.
1
Leitender Arzt Traumatologie Dr. med.
Z._
vom
A._
,
der den Beschwerdeführer am 4. Juni 2018 untersuchte
, nannte in seinem Bericht vom
4
.
Juni 2018
(Urk.
8
/
30/
11-12
) folgende Diagnosen (S. 1):
-
Status nach
antero
-inferiorer Schulterinstabilität rechts mit/bei:
-
ALSPA
-Läsion mit
Radiärrisskomponente
des Labrums
-
kleiner tiefsitzender Hill-Sachs-Läsion
-
Status nach traumatischer Schulterluxation rechts, Ereignis vom 21. Juni 2013
-
Status nach diagnostischer Schulterarthroskopie rechts, offener
Coracoidtransfer
analog
Latarjet
rechts am 2. Oktober 2015
-
Status nach
antero
-inferiorer Schulterinstabilität links mit/bei:
-
zweimaliger Schulterluxation
antero
-inferior
-
ALSPA
-Läsion mit
Radiärriss
des Labrums bei 9 Uhr und zerrissenem IGHL
-
Status nach grosser knapp
engaging
Hill-Sach
s-L
äsion
-
Status nach diagnostischer Schulterarthroskopie links und offenem
Coracoidtransfer
analog
Latarjet
am 23. Mai 2012
-
Status nach Kniekontusion rechts am 22. Mai 2018 mit/bei:
-
Teilmeniskektomie
Knie rechts 2011 im
B._
, keine Berichte vorhanden
Er
führte aus,
beide Schultern
seien
voll funktionstüchtig. Da der Beschwerde
führer
jedoch immer wieder Schulterschmerzen beidseits habe, möchte er sich umschulen lassen.
Daher bat Dr.
Z._
die Beschwerde
gegnerin zu prüfen, ob eine Umschulung möglich sei (S. 2).
Auf Rückfrage der Beschwerdegegnerin hielt Dr.
Z._
i
n seinem Bericht vom 8. August 2018 (Urk. 8/30/7-10)
fest, der Beschwerdeführer
sei
als Elektro
monteur voll arbeitsfähig (S. 3 Ziff.
2.7). Bei
der
klinischen Untersuchung hätten sich keine Funktionseinschränkungen an beiden oberen Extremitäten gezeigt (Ziff. 3.4).
4
.2
Dr. med.
univ.
C._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Trau
matologie des Bewegungsapparates,
vom
D._
,
f
ührte in seinem Bericht vom 16.
Oktober 2018 (Urk. 8/40 = Urk. 3/1) aus, auch in seiner Untersuchung hätte er keine Auffälligkeiten fest
stellen können. Es sei jedoch festzuhalten, dass der Beschwerdeführer für repetitive, körperliche schwere Arbeiten bis ins hohe Pensionsalter mit über
wiegender Wahrscheinlich
keit nicht qualifiziert sei, sodass die Möglichkeit einer Umschulung geprüft wer
den sollte.
4
.3
Dr. med. univ. (A)
E._
, Praktischer Arzt FMH, von der
F._
,
hielt in seinem an den Beschwerdeführer gerichteten Schreiben vom 29. November 2018 (Urk. 3/2) fest, die Schulterluxationen hätten zu strukturellen Schäden in den Schultergelenken geführt, was erstens für die vorzeitige Ausprä
gung einer Schultergelenksarthrose
prädispositioniere
als auch die Ursache der Beschwerden in Form von Schmerzen und
endgradigen
Bewegungsein
schränkungen darstelle. Der Beschwerdeführer habe diese Beschwerden umso stärker, je mehr er in seinem erlernten Beruf als Elektroinstallateur gefordert sei, über Kopf zu arbeiten. Diese Art Arbeit sei für den Beschwerdeführer
nicht geeignet und
werde bei weiterer Fortführung zu vermehrten Krankenständen führen
. Es sei
eigentlich eine Umschulung auf eine weniger die Schultern belastende Tätigkeit anzustreben.
4
.4
Am 26. Februar 2019 (vgl. Urk. 8/Vorbl
att) teilte RAD-Arzt Dr. med.
G._
dem
Re
chtsdienst
der Beschwerdegegnerin mit, ein invalidenversiche
rungs
recht
lich-relevanter Gesundheitsschaden sei aufgrund der vorliegenden Ak
ten ausge
wiesen. Die bisherige
Tätigkeit als Elektroinstallateur sei dem Beschwerde
führer aufgrund der Schulterproblematik nicht mehr zumutbar. Angepasst bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Das Belastungsprofil sehe folgender
massen aus: zumutbar seien Tätigkeiten ohne Überkopfarbeiten, ohne erhöhte Anforderung an Kraft und Haltefunktion, ohne Heben und Tragen von mittelschweren bis schweren Lasten. Möglich seien wechselbelastende Tätigkeiten, leichtes Heben und Tragen. Bei dem noch jungen Beschwerdeführer lohne es sich, entsprechende berufliche Massnahmen zu prüfen.
5
.
Wie die Beschwerdegegnerin in ihrer Beschwerdeantwort
richtig
erkannte
, lässt sich aus den vorliegenden medizinischen Unterlagen nicht eindeutig beurteilen, wie es sich mit dem Gesundheitszustand des Beschwerdeführers verhält
und ob
des
wegen allfällig
ein
Anspruch auf
berufliche
Eingliederungsmassnahmen respektive
eine Umschulung besteht
(Urk. 7 S. 2)
.
Zwar ging Dr.
Z._
von einer vollen Arbeitsfähigkeit als
Elektroinstallateur
aus
(E. 4.1)
, demgegenüber
beurteilte der RAD-Arzt Dr. G._
die medizi
ni
sche Situation aufgrund der ihm vorliegenden Berichte völlig anders und
gelangt
e
zur Einschätzung
einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in angepasste
r
Tätigkeit (E. 4.4). In dieselbe Richtung wies Dr.
E._
, welcher die
Art
der
Arbeit
als für den
Beschwerdeführer nicht geeignet
hielt
und
darauf hinwies, dass
deren
Fort
führung zu vermehrten Krankenständen führen
werde (E. 4.3), was von Dr.
C._
ebenfalls
so gesehen wurde (E. 4.2).
Ferner stellte Dr.
E._
auf die Schulterluxationen zurückgehende strukturelle Gelenkschäden fest (E. 4.3). Zudem empfahlen die Ärzte beinahe einhellig die Prüfung einer Umschulung (E. 4.1-4).
Aus diesen divergierenden medizinischen Ansichten lässt sich
aber
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit beurteilen,
ob
der
Beschwerdeführer
infolge
ein
es
invalidenversicherungsrechtlich relevante
n
Gesundheitsschaden
s
gegebenenfalls
A
n
spruch auf
berufliche
Eingliederungsmassnahmen respektive
eine Umschulung hat.
Die
Beschwerde
ist daher
in dem Sinne gutzuheissen, dass die
angefochtene Ver
fügung vom
26
.
November
201
8
(Urk. 2) aufzuheben und die Sa
che an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit diese die notwendigen Abklärun
gen vornehme und hernach über den Leistungsanspruch
des Beschwerdeführers
neu verfüge.
6
.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskos
ten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 200.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.